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Full text of "Altdeutsche Predigten und Gebete aus Handschriften, gesammelt von W. Wackernagel"

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I 

r 



ALTDEUTSCHE PREDIGTEN 

UND GEBETE 



Alis HANDSCHKIFTEN. 



CKSAMMBLT UND ZUR HERAUSGABE VORBEREITET 



VON 



WILHELM WACKERNAOEL. 



MIT ABHANDLUNGEN UND EINEM ANHANG. 




,' 



BASEL 

SCH^'KfOHAÜSKIUSCHE VKRLAQSBUCHHAMDIATNO 

HUOO BICHTBB. 

MDCCCLXXVI. 

1^ . r . 2U0 



do 



Inhalt. 



8«IU. 

Predigten und Tischreden 1 

Segen und Gebete 211 

Abhandlungen 248 

I. Die Handschriften 253 

II. Die altdeutsche Predigt 291 

III. Die Sprache in den altdeutschen Predigten und Ge- 
beten. Von Karl Weinhold ... .446 

Anhang 517 



Inhalt des Anhanges. 



Inhalt der S. Georger Handschrift 

Lesarten der S. Georger Handschrift 

Drei Predigten aus der S. Georger Handschrift 

Inhalt der Haager Handschrift 

Lesarten zn LXII und LXIII aus der Basier Ausgabe der 

Predigten Tanlers 
Aus einer Basler Handschrift 

I. Eine Predigt Taalers 

II. Eine Predigt Susos 

III. Gebete zn den Tagzeiten 
rV. Gebete vor der Communion 

Aus den beiden Samer Predigthand Schriften Sa und Sb 

Yermischte Mittheilnngon aus verschiedenen Handschriften 

Fünf Lesemeister zu Strassburg 

Sieben Lesemeister 

Zw5lf Anachoreten 

Ein Lesemeister 

Von gebet .... 

Drei Nutzen des Gedenkens an unsers Herren Marter 

XVI Nutzen des Gedenkens an unsers Herren Marter 

Sechs Gnaden vom Empfang des Fronleichnams 

XY Gnaden Tom Ato Maria 

Dis ist ein guot a b o 

Fünf Weisheiten des Gebetes 

Ruhestatt Gottes im Herzen 

Herz ein Kloster 

Ein Gebet .... 

Zwei Segen 



Seite 

517 
518 
522 
541 

544 
547 
548 
552 
561 
572 
583 

598 
600 
600 
603 
603 
604 
605 
606 
606 
607 
608 
609 
609 
610 
611 



Vorwort. 



Bereits 1847 war dieses Buch von der Verlagshandlung ah 
demnächst erscheinend angekündigt worden. Jahre nachher citierte es 
Wackemagel in seiner Litteratiirgeschichte als ein noch nicht erschie- 
nenes, aber doch, wie sich daraus verstand, bald zu crn'artendes. 
Gieichwol blieb es aus ; die Litteraturgeschichte selbst , das Haupt- 
und Heisterwerk ihres Verfafsers, kam von 1855 an ins Stocken und 
blieb ein Torso, dem die Wirkung des vollendeten Bildes entgehn 
muste. Von den Predigten und Gebeten bekam nur ein und der 
andere Gelehrte, dessen Studiengang ihn veranlafste sich darum zu 
bekümmern, die Aushängebogen zu Gesicht und zur Benutzung. Bin 
beklagenswertes Zerwürfnis mit dem damaligen Eigentümer des 
Schweighauserischen Verlags hatte Wackemagel bewogen mit Arbeiten 
inne zu halten, die man aur jener Seite nicht gebürcnd zu würdigen 
schien, während ihm die Macht nicht zustand, über das bereits ge- 
druckte zu Gunsten eines anderen Verlages zu verfügen. 

Als ich im Harz des Jahres , das er nicht überleben sollte, 
den teuren Verewigten zum letzten Mal besuchte, war er nach einem 
verkrankten Winter wieder voll Lebensmut und voller Vorltttze. Er 
wollte, nachdem er so lange in seinen Vorlesungen über Grammatik 
und in seinem Glossar nur das Griechische und Lateinische mit dem 
Deutschen verglichen hatte, sich nun auch im Sanskrit einbürgern; 
er wollte die Litteraturgeschichte zum Abschlufs bringen, wiewol von 
einem gewissen Punct an ohne Anmerkungen; er wollte auch die 
Predigton und Gebete, oder vielmehr die Abhandlungen dazu, vollen- 



vin 

den und das Ganze ans Licht fördern. Das Misverhältnis, das so 
verhängnisvoll geworden war, hatte der Tod geloest. Al>er ihm 
selbst war keine Frist mehr fiir so vieles gegeben: kurz vor Weih- 
nachten halte er seinen irdischen Lauf vollendet. 

Von Seiten der Familie wurde mein Rat bezüglich der Verfügung 
über seinen litterarischen Nachlafs gewünscht. Ich war rasch darüber 
im reinen, was hier das wichtigste sei : nsechst dem schon begonnenen 
neuen Drucke des Lesebuches, dessen Überwachung ich auf mich 
nahm, handelte es sich darum, aus der Litteraturgeschichte und aus 
dem Predigtbuche zu machen was sich noch daraus machen liefs. 
Jene kam in die Pflege Ernst Martins, durch dessen Bemühung sie 
längst formell abgeschlofsen und durch Inhaltsübersicht und Register 
nutzbar gemacht worden ist; des Predigtbuches unterwand ich mich 
selbst. Es wurden mir 20 Aushängebogen davon übergeben, die in 
der zweiten Abhandlung mit der Anmerkung , die man jezt auf 
Seite 324 fg. findet , abbrachen. An Maniucript fanden sich 
darüber hinaus nur zwei Doppelblätler in grofsem Quarto ; aber 
das ausführliche Heft, nach welchem Wackernagel im Wintersemester 
1866 auf 67über die altdeutsche Predigt gelosen halte, gab mir die Hoff- 
nung, wenigstens diese Abhandlung in seinem Sinne vollenden zu können. 
Zu der andern auf Seite 252 angekündigten über das all- 
deutsche Gebet fand sich nur der allererste, kaum eine Blaltseite 
füllende Entwurf vor, nach dem ich mir nicht getraute etwas liefern 
zu können, das sich an diesem Platze dürfte sehen lafsen. Die letzte 
Abhandlung, über die Sprache der abgedruckten Denkmssler, war 
niemand herzustellen berufener, als Herr Professor Weinhold. Er zeigte 
sich auf meine Bitte sogleich bereit, diesen Beitrag zu dem Buche 
zu liefern, und war damit bereits im Herbste 1871 zu Stande ge- 
kommen. 

Ich aber fand, als ich im Sommer desselben Jahres der mir vor- 
behallenen Arbeit nseher getreten war, sehr bald, dafs ich mich ge- 
waltig an ihr verrechnet hatte. Schon dää wenige Hanuscript, das 
vorlag, nmste sofort nach dem Heft umgearbeitet werden. Dieses 
selbst gieng sodann über die Predigten des 12. und 18. Jahrhunderts 



IX 

bis zu Berthold mit einer allgemeiuen Charakteristik weg, behandelte Ber- 
thold zwar in schoenster Ausführlichkeit, wurde aber dann so summarisch, 
dafs es sich zur Veröffentlichung gerade zu nicht eignete. Es zeigte darin 
die Berchaffenheit, die Collegienheflen in erster Ausarbeitung leicht eigen 
ist; aber es war wol auch ein innerer Gnmd, der die Lust zu einem 
lieferen Eingehen nach dem Schlufse hin vermindert hatte. Wacker- 
nageis ganzer Sinn war der Aufspürung, der liebevollen Ergründung 
des volksmsefsigen zugewendet; wie es denn auch nicht ganz nur 
an äufseren Umständen mag gelegen haben, dafs er die Litteraturge- 
schichte gerade nur bis in den Anfang der Periode fiirderte, wo das 
gelehrte Element die Littcratur allein und ganz bcherscht. Berthold, 
dieser Classiker der Volksma^fsigkeit, war sein ganzes Entzücken ge- 
wesen; die esoterische Natur der Myslik sprach ihn nicht gemütlich 
an, und seine kerngesunde, einfiiltig kirchliche Religiosität konnte sich 
mit Eckard nicht befreunden. 

Ich war bis dahin]i[der geistlichen Prosalitteralur des Hittelalters 
niemals nahergetreten; nun erwuchs mir die Pflicht, mich auf diesem 
weiten Gebiete zurecht zu finden , mir ein selbständiges Urteil 
darüber zu erwerben , einen grofsen Teil der Arbeit ganz selb- 
ständig zu leisten. Dazu gebeerte unter anderm, dafs ich mir von 
der S. Georger Handschrift der grofsen, schon durch ihre Verbrei- 
tung bedeutsamen Predigtsammlung vom Ende des 18. Jahrhunderts, 
aus der Wackemagel zum ersten Hai umfafsendere Hilteilungen 
gab, genaue Kenntnis verschaflfle, da jener sich bepügt hatte sie zu 
erwähnen. Die Karlsruher Bibliothekverwaltung vertraute mir die Hand- 
schrift aufs dankenswerteste Honate lang an, und ich fand, dafs sie einen 
älteren, befseren Text gewährt,, als die von Wackemagel benutzten 
Handschriften. So wurden Hitteilungen auch aus ihr flir den An- 
hang unertefslich, den schon Wackernagel dem Buche zu geben beabsich- 
tigt und Haterial dafür zurecht gelegt hatte. Die grosste Aufgabe aber, vor 
der ich mich sah, war dem schöpferischen Genius der mystischen Predigt 
annehemd so gerecht zu werden, wie Wackernagel es dem der volksmasfsi- 
gen geworden war. Hier nun war ich in der schlimmen Lage, einen Stoff 
KU bearbeiten, von dem ich aus den von Preger veröffentlichten 



Vorarbeiten sah, dafs ihn ein anderer lüngat zum Gegenstand des 
eindringendsten Studiums gemacht hatte und in unvergleichlicher 
Weise beherschte. 

Als ich nach grofsen, durch anderweitige Pflichten verursachten 
Unterbrechungen im September 1873 mein Manuscript endlich zum 
Druck abgeliefert hatte, wurde ich erst gewahr, dass der bereits ge- 
druckte Anfang der Abhandlung über die Predigt, und mehr als das, 
gar nicht mehr existierte, dafs die ganze Auflage von Seite 265 an 
längst zu Maculatur gemacht worden war. Von da an muste also 
der Druck neu beginnen, und nun wurde es auch Pflicht, das was 
das Heft zu dem Drucke hinzugetan hatte, dem neuen Druck einzu- 
verleiben. Dieser Arbeit unterzog sich Wackemagels treuer Schüler, 
Herr Dr. Sieber zu Basel, dem ich auch fllr die Revision des Satzes 
verpflichtet bin, mit nur weniger Btitvnrkung von meiner Seite. 
Kaum war diese Verzögerung des Druckes überwunden, so wollte 
es der alte Unstern des Buches, dafs ein Wechsel im Eigentum des 
Verlages eine abermaUge herbeirührtc. Unterdessen wuchs zugleich 
sein Umfang durch die Bereicherung des Anhanges mit Stücken aus 
einer Basler Handschrift, die mir nun erst zur Kenntnis kam. Ich 
liefs es darauf ankommen, weil so das Buch sehr viel geeigneter 
wurde, den Zweck einer wenn nicht gleichmeefsig angelegten, doch das 
bedeutsamste vertretenden Mustersanunlung altdeutscher Predigten und 
Gebete zu erfüllen; zumal von Suso und Tauler in ihrer wirklichen 
Gestalt so wenig erst zum Gemeingute gemacht ist. 

Ich hatte es von Anfiemg an als Pflicht betrachtet, meine Zutaten 
neben dem was Wackemagels Eigentum ist kenntlich zu machen, was 
sich durch Klammem eine Zeit lang ganz wol erreichen liefs. Immer 
mehreres aber muste mehr oder minder umgearbeitet werden, wo 
dann auf jede Unterscheidung des Eigentums zu verzichten war. Nur 
wo ich ganz selbständiges an die Stelle der kurzen Andeutungen des 
Heftes setzte, trat Möglichkeit und Pflicht dazu wieder ein; und so 
schliefst sich denn, ich gebe zu in etwas monstroeser Weise, die letzte 
Klammer auf Seite 376 erst auf S. 439. In diese ganze Partie sind 
nur wenige Sätze Wackemagels eingeflochten. 



XI 

Von der Unzulänglichkeit dieses Versuchs über die altdeutsche 
Predigt bin ich lebhaft durchdrungen. So weit ihn Wackernagel fllr 
den Druck ausgearbeitet hatte, war er nach so langer Zeit in vieler 
Beziehung natürlich veraltet, und auch das HeR, auch in seinem vor- 
dersten Teile, war dem Fortschritte der Wifsenschaß noch nicht gerecht 
geworden. Was ich hinzu brachte hätte aus vorhergegangener For- 
schung im Einzeln erwachsen müssen; sie fehlte, und ich muste aus 
dem Ganzen heraus ins Einzele bauen. Es hilft nun nichts, die Verwegen- 
heit zu bedauern, die mich ans Werk gehn hiefs, statt einen Berufneren 
dafiir zu werben. PietsBt war stark dabei im Spiel, und ich mufs doch 
des Vorwurfes gewärtig sein , die Hinterlafsenschaft eines solchen 
Mannes mit zu wenig Pietst verwaltet zu haben. Was mich trcBstet 
ist das Be>vustsein des ganz persoenlichen Gewinnes, den ich aus der 
Beschäftigung mit diesem Stoffe und besonders mit Eckard gezogen 
habe. 

Möge man die Abhandlung neben dem bedeutenden Material, 
das hier geboten wird, und neben der Arbeit Weinholds nachsichtig 
in den Kauf nehmen. 



Darmstadt im SeptiMiiluT 1875. M. Bie^r. 



PREDIGTEN VJSD TISCHREDEN. 



AUd. Pndjgteii. 



Sermo de angellf. 



G 



ot vnfir herre. def anegenge. vnde def ende niman wizzin nemag. 
indifime Hbe. der wolle erchennit werdin. vnde wolle gelobil wer- 
din. vnde geminnot werdin. dar vmbe. daz vone den drin dingin. 
ellewer teil inphienge. finir gotelichir herfchephte. Vone difen drin 
dingin gefchopher eine geiftliche gefchepphede. folichir natnre das 5 
fiv niene mahli mit banden gervoret werdin. noch mit bandin ge- 
bebit werdin. daz warin die beiligin engole. fo ftarcber. vnde fo ftater 
nalore daz fi niemir zer vallen nemugin. vnde gefcbvopb fie fo wiz- 
zige. daz fie got er cbandin. fo fl in aller ereft anifabin. vnde gab 
in felbcbvre. vnde friheit ze tvonne fwedir fie woltin. daz ü ir fcbep- iO 
pbare warin geborfam. oder ungeborfam. vnde fi uone iewederme 
rebtin Ion inpbingin. nonder geborfami den ewigin IIb. uone der un- 
geborfami den ewigin tot Alfolicb gefcbvopb nnür berre got. alle 
engele da zibimile. Under den engilen allen, waf einir der bereite, 
der ovcb na ift aller tiuele f^irfte. der cbvom uone finen tiepbin ge- 15 
daneben ze nide. vnde zvo vbirmvotin. vnz er fo verre gefundote. 
daz ez imo niemer virgebin wirt. Waz waf div f\iide fo unfirtra- 
ginlicbv? Daz fagin wir iv. Er becbande ane got daz er fin fcbepbare 
waf. ubir die warvn wizzinlheit. fpracb er infineme mvote. mit ge- 
dancbin nuit mit offener ftimme. daz er wolti werdin ebinbere. dem 20 
aller bobiftime. fime berrln. Def gedabte er dainne. mit ubeleme willin. 
vone div bivil ovcb er. mit allen ime nacb volgentin gnozzin I mittem 
uuilUn in ime feibin. (210 b) fo uerre. daz er niemir ne mag noch 
ne wil widir chomin. Unde zi der felbun ftunde fo er gefcbapbin 
wart do beuil er ovcb. wane wäre er fo lange mit gote geftandin. 25 



1, 17 Waz] die Bandschriß Tax 22 biwil 



unz er uoUe hati biefuchit waz got wäre, fo no Avarc. daz nieht 
mugilich daz er danno liciuicle. alfe dv fcriphit quit. Non timet lap- 
fum. qui dei intrat liabitaculum. Dane Avaf nehein twale. alfe der 
tivvel gefchaphin wart, do bechander Avole. daz got fin fchephare 

30 waf. do nidoto er in finir herfchepte. vnde belierete fich daz er ime 
undirtan wäre. Sa zio den ftundin uiel er vnde alle üne volgare. 
vonder herfchephte. da fie zvo giefchapliin warin. vnde die fie den- 
noch gwinnen folton. vbe fie geftandin warin. Do hvob fich. daz 
urlovge da zi himele alfe div fcriphit quit. Factum eft filentiiim in- 

35 celo dum conmitteret bellum draco cum michahel archangelo. et au- 
dita eft uox milia milium. dicentium faluf deo noftro. Vnfir herre der 
almathigot gefchohp die zvo natura^ der engele. vnde der mennifgon. 
ze div daz er uone in beiden irchennit wrde. Den mennifchin gie- 
fchuphcr dar umbo daz der cehinde chor wurde ir fullit. den der 

40 tiuil hat virlorn. dvrch fin über mvot. Derfelbc mennifge beuil uon 
def tluvelef rate, den chovphte got widire zi finen gnadon. mit ne- 
heinemo anderen >\'erde wan mit fin felbif blvote. 
Der heiligon engilo fint nivn choro. wane wir wizzin uone der 
heiligun feripht daz da zihimile fint. angeli. archangeli. virtutef. po- 

45teftatef. prineipatuf. dominationef. throni. cherubin. et feraphin. Alfe 
hat fanetuf pauluf genemmit die nun famenunge der heiligen engele. 
Von div fprach der wiffage. uon deme engele der aller hereft. vbir 
die nivn ordinef gefchaphin waf. Wie (2ii a) Wie fprac er? Alfuf. 
Tu fignaculum fimilitudinif plenuf fapientia. et perfectuf decore in- 

50 deliciif paradifi dei fuifti. Daz fpricht alfuf. daz er wäre ein infigile. 
nach demo frone bilide. vollir wifheite. vnde uollechomener inaller 
gicirde. in aller der wnne. vnde in aller der wol gitani. vnde in 
allen den zartnuffen def paradifif. def almahtigen gotef. Dabi mag 
man merchin daz fin natur alfe herlicho waf. fo daz frone bilide 

55 gotif. io uerrer undo me an ime irhabin waf. Unde alfe daz wahe 
gefmide gezieret wirt mit deme edelen gefteine. alfo waf der hereft 
engil. der da hiez lucifer. vnde nv heizit fatanaf. Waz waf er? 
Wndirlicho gecirit mit allen den lohczonden ftoinin def grvonin pa- 
radifif. daz fint die nivn chore der heiligon engele. mit den daz 

60himilriche gecierit ift. alfe daz wahe gefmido mit deme edelin ge- 
fteine. Aber alliu dv fchonheit div anden nivn famenungen waf. div 

S9fehpharo 32 giefchphin 34hime 37natare 45 thoni 40 Aom. 8, 38. 
Theual. 1, 4, 16. Ephes. 1 , 21. 3 , 10. 6, 12. Colon. 1, 16. 2, 10. 15. 47 Ejtech. 
28,12.13. 5inar 56 horel 60 ed*in 



waf uollichliche an iine einin. alfo da gefcribin ftat. Omnif lapif precio- 
fuf operimentam tuum. Vil lebin nv hant ir virnomin vondcr miche- 
lir lierfchephte. da der tvvel zvo gefchapliiii Avart. dio or dennoch 
gewinnin foUe. ob er mit gote geftandin wäre, vnde Avie er die her- 65 
fchat alle virlof darch fine ubirmvot. nv vir nenient ovch vone den 
heiligen engilen. die do mit gote da zimele geftundin. vnde nv allez 
ane fchinint vor der anefiht def almathtigin gotef. Die feibin geifte 
der hiroilfchvn heinmvote die fint icmir alle flunde geifte. vnde ne- 
mvgin abir nviwet alle ftvnde wcrdin gihezzin engele. wände der 70 
namo der man qvid engil. der höret zvodeme ammite. daz den edi- 
len geiftin bievolen wirt fo man fio fendit. zvoder ftvnde hcizint fie 
engile. vnde andirf nimir. Ez gefchihit vndir ftvndin daz en chunic 
(?11 b) ein hifcgof fendit. die wile denne der bifgof in der bote- 
fchephte fchinit. fo heizit er ein böte. Swenne er abir fine botefchat 75 
irwirbit. vnde er heim chvmit. fo hezzit er abir ein bifgof. Alfo 
chvmit ez vmbe die edilen geifte. da ze himile. fo fie got fendit 
fo fint fie engele. wan angeluf daz qvft nuntiuf intivfchin böte, fo 
fi ir hotefchpaht er werbint. fo heizzint fio gefte. vone natar. Von- 
div fprach der wife daniel. Milia milium miniftrabant ei. et decief 80 
milief centena milia affiftebant ei. Vil libin. AI nach ire ammite 
werdint fie genemmit angoli. fo fi mazlichin gewerb in dife weit 
botefchephtont. Archangeli. fo fie die hereftin botefchephto wcrbint. 
alfe fanctaf gabriel zvo vnfer frovwn fanctc mariun. Indirre werlte" 
mvoz man die Ivte benamen nenimin oder nieman ncweiz wenHMan 85 
ncimit. abir inder himilfgun gnozfchepte daman alliv ding erchcnnil. 
ane zwivil alfe fie fint. da nebedarph niraan neheinif naniin. Swenne 
ü abir her nidir zvo vnf gefendit Averdint. fo mvozin wir in namin 
gebin. ieglicheme nach nnome ammite. daz wir fie dabi erchennen. 
inder vnvirwizzenheite diffif gaginwartigin libif. daz ifl vnf oflln an 90 
fancto michahele. Michahel daz qvit quif ut deuf. wer ill alfo got. 
Da hat er den namin nah fmeme ammite. Waz waf fancti micha- 
helif ammet? Daz fagin wir iv. Sanctuf michahel der hat alfo fri 
felbchvre. fo der tvivil. vnde mahti andie vbirmvot gevallin fin. mit 
deme tivvil ober wolti. Alfo er do innan wart daz der hcrift engil 95 
widir gote gedahte. do dahte fanctuf michahel her widir zegote. 
vnde dahte alfuf. quif ut deuf. Wer mohti fo her fm fo god felbe. 



62 Ezech. 28, 13. 64 dannoch 72 blevolct 73 chvoit 7i.75 bolefchphte 
78 TnlTzia 79 nal* 80 Dan, 7, 10. 81 mief Allo 87 Swoue 91 wer] 
▼er " 



« I . n 

min fchepphare. (2i2 a) In den gedanchin fo der tvivil widir got 
gedahte. vnde fanctuf michahel her widere ze gote gedahte. do wart 

100 ein ftilli alfe ein halbv ftvnde da zihimile. Waz waf di v ftilli ? Ein 
fo lang hant wilo daz die nivn chore geftvondin mit fancto micha- 
hele. do der tivvil figin begunde. mit allen ime nach volgondcn ge- 
nozzin. Inder ftilli hvob fleh daz vrlvgo in zwifl*en fancte michahele. 
vnde deme tivvele. daz imir wefln mvoz vnz an daz iungift vrtoilde. 

105 Waz waf daz vrlovge? Swa vrlovge ift. die in einime teile Hnt. 
die wein ein dinc. die ime andir teile flnt. die wen ein andirz. Die 
deme ti>'velo gevolgeton. die ne mvgin noch wein niomir widir 
chomin. Die fancto michahele gievolgeton den wart daz gigebin daz 
finie mvgin noch wellen niemir vone gote gicherin. daz fint zwei 

110 vngelichiv dinc. Diz vrlvge hvob fleh do der tivvil biviel. dvrch 
fin vbirmvot. vnde do fanctuf michahel mit gote gcftvont. Nach der 
ftilli do hvob flc ein gebrahte da zimile daz alliv div tvflnt der 

m 

heiligen engele. die dazihimile bilibin warin. die riephin. vnde lo- 
beton den almahtigin got flnir genadon. alfvf. Nunc facta eft faluf. 

115 honor. et virtuf. omnipotenti deo. Vil liebin. noh hant ir die felb- 
chvre. alfe der tiwel habete. nv bewarnt ivch def vallef. den der 
tiwel erlitin habit. vnde der wize fo er iemittont lidit. Nv bevo- 
lentvvch in difeme vnftatin zite in die hvote vnde die bifcirmunge. 
fancte michelf. vnde finir ginoze der hoiligon cngilon. der horefton 

laoengolon. der himilfclichon tuginde. der himilfclichon giewalte. der 
fvrftintvon. der herfchephton. der geftvlie def almahtigin gotif chc- 
rvbin. vnde feraphin. Mit (2i2 b) der allir helfe, mvzint ir beidiv 
erchennin. vnde minnon vnfirn herrin den almachtigin got in der 
phalinze finif ewigin richif. Quod ipfe preftare dignetur. 



Sermo de. Afcenflone. domlni. 



u 



liiliebin. Hvte ift uollochomin. div flgenvph vnflrf herrin criftif. 
Hvte folman vonrohte vf rihtin beidv crvce. vnde van. div zidenie 
flge horint Hivte ift aller ereft deme tivvele ein inneklichiz leit 
giefchehin. do er flne gevangin fo herliche fvorin fach indaz ewige 
5riche. Hivte frovwit fich allez himelfgiz her. daz der fchade widir 
tan ift den der tivvil wilont da zimile gefrvmete. Hivte ift vnfir 
mennifheit beftatit zvoder zefwvn def ewigin vatir. Hivte hat die- 

»i t 

lia zile 114 vgl, Apocal. 12, 10. 117 beyelent] bewara 11, 7 zefvwa 



n 7 

menniflieith herfchat giewnnin vbir alle gefchephede. Hivte lint ir 
zefvsin chomin alle himilfce forftin. alle himilche gewalte, alle him- 
ilcfe tvginde. Hivte nam anegenge der nviwe weg dannan derio 
apoftoluf fprichit. Quia per carnem chrifti adituf cell, per quem 
nulla priuf caro tranfierat. referatuf eft. Hivte hat inflozzin daz 
himilefge bvrgetor vnfir herre crift. mit iime fleifge. da ^ nie niemin 
in kern. Hivte hat den himil vf getan, daz frone hoftir lamp. daz 
dvrch vnfh alle irflagin wart, daz div flbin infigil ir ofBnot fin 15 
felMf. wände allez daz erfvllit i(t daz inder altvn d gebildet wart* 
vnde daz die wifTagin gefprochin hant. von iiner mennifgheite. Hivte 
ift daz ir fvUit daz fanctuf pauluf gefprochin hat. Defcendit primo 
chriftnf nt noftrae particepf fieret naturae. Hodie afcendit ut fue nof 
participef faceret gloriap. Daz qvtt. Crift chom her nidir. daz er 20 
anfich name vnfir mennifheit. Hivte fvor er hin vf daz wir ewig- 
liche haben flne goteheit. er (213 a) Er chom her nidir daz er vnf 
hivte gehohti. er fvor hin vf hvte. daz wir fant ime. vnde nahime 
dar fvorin Villibin wände wir nv def giewif fin daz wir fant ime 
indirre weite gefihtiklicho ne hein wefin habin mvgin. vone div 25 
fvln wir gahon mit aller der andaht vnfirf motif daz wir in ewig- 
liche fehen in fime riebe. Dar ana kerte er alle die genade. die er 
mit vnf begangen hat. daz er vnf brahti in fin riebe, vnde vnf da 
gefateti finif ant Ivtef Dar zvo fprichit der apoftoluf. Videbimnf 
eam fioati eft. Dar zvo fprichit der pfalmifta. Saciabor cum apam- 30 
erit gloria tna. Daz ift der richtvom den der herre dauid hiemitte 
meinde. ut uideaf bona hierufalem. Qve nee oculuf uidit nee anrif 
audiuit. nee in cor hominif afcendit. Daz ift div wnne. div fchonheit. 
der richtvom. div frovde. div gefellefchat. div gienofchpat. div chvn- 
nefchat. div trvtfcaph. div herfcaph. div wirtfcapht. div bechennvnge 85 
div mandvnge. div volle wonvnge. die der herre dauid fach, alf in 
eineme fpigele. oder in enir tvncheli. fo uil fo er ef chiefin mähte. 
Wie fprac er? Qvidnam mihi eft in celo? et ate quid uolvi fvper 
terram ? Herre war vmbe gebat ich dich ie ivtef ander erde, dauui- 
dirfo dv mir da zie himile gefchaphot haft? Warvmbe wart mir ie 40 
ze hivwete mare daz min ovgen ie gefahin. oder def min lib ie 
becherte, da widere fo dv mir da ze himile gehaltin haft? Heia 
waz ez ift? Daz ez abir ift. daz nechan ihc ne wedir irdenchin. 
noch gefcribin. noch gefprechin. Dar ift der gvote hirte givarn. qui 

8 irj darüber humanitati 11 vgl. Hehr. 10, 9. 20. adit' e cell 19 noftre — 
nalure 20 glorie 29 Ep, Joh. 1, 3, 2. 30 Ps. 16, 15. 32 Cor. i, 2, 9. 
38 Ps\ 72, 25. 44*giwani 



8 n 

45 pofttit animam faam pro oaibuf Wir fin finv fcaph. nv heben vnf 
balde nachime. Dar zie himde fol vnf hvngeron. alfe den aren 
C213 b) nach deme fleiffe. Alfe ez gifcribin ilt. vono dorne aren. er 
finechit daz tote fleiz al vbir dazmer. vnde ilt ovch fchirc dar vbir 
geflogin. Nv han wir gefmechit ein teil wa vnfir lib nar vnflr fpifc 

sofft, nv heben vnf dar vbir daz vehtende mere. dirre werlte. Wir 
han daz fnelle gevidire damite wir fchiere dar geflvcchit fin. obe 
vnf die zwene vettachce vor allen dingin behvgit fint. Div minne 
gotef vnde einef iegelichin menfTin. So wirt an vnf daz irfvllit.*\bi 
fuerit corpuf illuc congregabuntur aquile. Nv denchint uilliebin 

55 welech wnder da zimele hivte indifeme tage gefeah. do die heiligin 
engele zefamine fahin. ^^nde vor wndere fprachin. Qvif eft ifte qvi 
uenit de edom. tinctif uoftibuf de bofra? Ifte formoftif inftola fua 
gradienf in multitudine fortitudinif uel uirtutif fnae. Da hino vf fvorte 
er hivte die gevangin die for fiunf tufent iare hine ze helle gevan- 

60gin waren. Daz ift vnfer reth herre. deme mvgin wir gerne dienin. 
der vnf vone gevangenen fchalchin in fineme riebe gemachot hat. 
ime feibin ze chindia vone div fvl wir fprechin mit fancto paulo. 
Qvif nof feparabit acaritate chrifü? tribolatio? an anguftia? famef. 
an nnditaf. periculum. an gladiuf? Swenne vnf gileitit vnfir herre 

65 zvo fin felbif antlvte. fo wirt erift vnf allen, allez daz. dcf wir da 
geren. vnde gedenkin mvgin. fiinif fol ichin herrin foldat mugin fine 
ellinde rechin gerne inphahin. eine wile indirre werlte. vnz iegelicher 
finin champh gevehte. So gibit in denne in fineme cwigin riebe der 
cheifir allir chvnege eine al foliche corone. mit riebe betalle, der 

70newedirz niemir nehein alter virflizit. Don fa gelonot (21 4 a) wirt. 
die mvgin fprechin. Funef ceciderunt michi in preclarif. Die ge- 
brvodire teilent ir erbe hie in dirre Merite. ettewenne mit feilen, 
da denne daz feil hine geuiellit ez fi übel oder gvot. da mvoz ez 
der nemin. Der denne wellin fol. daz ift ein nvit. ez zirgat einir 

75 hant wile. Die abir hie fo dienint daz fiv inphahint die corone dcf 
ewigin richif. die mugin warliche fprechen. Ecco hereditaf mea 
praeclara eft mihi. So ift der alte fach intrennit vnfirf irdifchin 
libif. vnde ift der edele fcaz uz genomin den got felbe drin gab ze 

TCckil 

46 den arnre 50 wehlcd* 51 gcfloj^in 53 Matth. 2A, 28. 56/sat(P 63, 1. 
68 fuo 62 Rom. 8, 35. 65 au< finifclbif gebeftert, antlvte] darüber .f-cie. 
66 foldat] darüber .loa. 67 rechin] darüber .Militef. 69 alle (e in o gebeftert) 
foliche 70 alter] darüber fenect«. 71.76 Ps. 16, 6. 77 preclara 



u . ni 9 

gehaltimie. Waz gewandif han wir denne an? Gaadium. et leticiam. 
Frovde. vnde mandvngc. Vt cantet tibi gloria mea et non conpungar. 80 
Zvo fronen hohzitin horit fchono gewate, zvo fchoneme gewate, no 
hein vnfrovde. Die wiele wir in demo fvlen facche fm. def fleifgli- 
chen gewatif. fo mvozzin wir iemir mit rvwe fin. vmbo vnfcr fvnde. 
Sed poftquam fpirituf redierit ail eum qvi dedit illum. föne fvrhten 
wir niet inere. foneweinen m ir nieh more. Zvoden öfteren hören 85 
wir einir flahte allelvia div niintr gehöret wirt. inerdc noh in himile 
^ daz urteile erget. zeiungeft. zvoder Avnne uivoze uiwich bring! n. 
der von himele dvrch vnf her nertriche kam. vnde widir dar ziHole 
Ift gie varn. vnde da richifot von ewon vnz ewon. per 



A 



Sermo In natlaUate domlnL 



Ife fanctuf anguflinuf gefcribin hat. Sancta trinitaf adfabricandum 
hominem ingreffa eft in uterum uirginif. Dvrch daz chon der uatir. 
\Tide der fvn. vnde der heilige geift indie tovgini fancte maRivn. 
libif. daz von den drin ein folig mennifge da inne gewort wrdc. 
alfo gevazzoter. vnde alfo gewaphiniter. mit vnferf herrin men- 5 
nefgheite. widir den tvuel. chriftuf (21 4 b) dominuf nofter. der daz 
allez volle brahte an daz ende, nach fmen genadon. vnde nah vnfir 
ailir not dvrfllin. Alle drie chomin fi dare. fi worhlon aber unge- 
licbe da. Def nemint bilde andifen fvnf dingin. andeme fvnnen. vnde 
an eineme zwigebeln holze, vnde ander harphvn. vnde ander gerte 10 
def herrin aaron. vnde anden nvzzin den div gerbte gebar. So man 
daz eine wort fprichit. fvnne. da fehcn wir driv dinc ane. Solarem 
globum. radiura. et calorem. der fvnne wirt genemroit. der fchime 
intlivhtit. div hizze wermit. trvcrhinit. vnde derrit. Der vatir. vnde 
dir fvn. vnde der heilige geill chomen fament dare. vnde worhton 15 
vngeliche da. Got der ewige fvnne. ordinote allez daz da gefcah. 
der heilige geift warnde fic. zvoder gelovbe. er drvcchinte. vnde 
darte in ir alle nionnefgliche acufte. noch nie vir liz in ir übe 
nihein fvndichlikin gelvft. Vnde alfe der fchim def fvnnin dvrch daz 
glefine fenftir in daz gadin fchinit. vnde allez daz intlvihtit. daz 20 
drinne ift. vnde alfe daz glefine fenftir ganz belibit. vnde vnfirfcor- 
tet. fo der fvnne drin flehit. vnde widir uz get! alfo chom der 
ewige gotteffvn zvo vnfer frovwen fanote raaaivn. dar varnde. vnde 



80 Pf. 29, 13. 89 TDZ. e. III, 3 maRic. 13 globun 18 über acuflc, je- 

doch wieder ausgetilgtf geWAe 19 fvodicbikia def aus d* gehefsert. 



10 ni 

dannan fcheidinte. daz ßvne wedir innan wart getwangef. noh feref. 

25 Der ie vor allen werten waf ane anegenge def ewigin gotif fvn ane 
mvotir. der wart zedir wif der ewigir magede fvn. fancte Maaivn. 
ane irdifgin vatir. vffindir erde, andeme ende dir werelte. Noch 
nemint bilde vone zwein eftin. die vzir eineme ftamme gewaffen 
flnt. die drinamin horent zvo einem holze, alfo habint iv de patre 

30 et de filio et de fpiritv fancto. Noch fchovwint andie harphvn. da 
ift. daz holz, vnde der feite, vnde div hant! der lift tihtot (215 a) 
tihtot daz werch. div hant rvorit. der feito clingit Der ewige vatir 
tihtot. der ewige fvn werchot der heilige geift Ivtit alle die zvngon 
der herze got meinit. Div dvrre gerte def herrin aaron. biceikinot 

35 mine frovwen fancte MaRivN. div ane mannef rat. vnde ane mannef 
mitiwifte. den wittin wocher gebar, da mite alle falige felan gelabot 
werdint. engele. vnde mennifgen. vone finir aneßhte. zvodeme ewigin 
libe. Div nvz der felbvn gerte beceichinot vnferen herrin ihefum 
chriftam. wane da flnt driv dinch ane. div rinde, div fchale. der 

40 eherne. Div bitten der rinde, beceichenot die arbeite finif libif 
ander mennifgheit. die er leit. vaftcnde. tvrftinde. mvodende. dar 
nach den biteren tot. andeme crvce. Div fcale beceichinot die herti 
def crvcif. der eherne beceihenot die fvozzi der goteheit. Daz ift 
allez irfvllit anvnßr frovwn fanctae manivn. Von Ire phom vnf div 

45 genade die wir hivte lefen ander leczen. Aparuit. b. Vnf ift er- 
fchinin der gvote wille. vnde div mennefgheit vnferf haltaref def 
almattigin gotef. nuwet vone de heincn rehtin werchin div wir felbe 
getan haben, wan nach flner michhclen erbarmede hat er vnf ge- 
haltin obe wir felbe wellen. Wan er fprichit ovch. Ego fum paftor 

50 bonuf. et a. m. p. pro ouibuf meif Ich bin der gvote hirte. 
Ich wil minre feie ane werdin vnde wil fle hine zehelle gebin. 
vmbe minv fcaph. Nv vimemint waz der engil fprach. Ecce ewan- 
gelizo uobis gaudium magnvm. Ich cvnde iv gvote botefcpahat. 
michil mandvnge. div gefchehin fol alleme livte. £z waf warliche 

55 ein michil mandvnge. Wir waren gevangin (215 b) wir lagin inder 
vlnftri dez helle charharef. wii* warin verhc wnt. vondeme ewigin 
tode. do wart, vnfer vatir gebom. vnde vnfir fcephare. der wart vnfe 
gifll hine zehelle. er wart ein vnflr arzat. vber alle die fvnde da 
mite wir den tot habeton garnet. Facta cum angelo multitudo 

60 celeftif exercituf laudantium et dicentium. gloria in excelflf deo. ict 

38 noz 44 fancte 45 Tit. 3, 4. 47 wrchia 49 Van Ev. Joh, 10, 11. 
50 p. d, h, ponam 51 mine 52 lue. 2, 10. 55 gewa^ 



m 11 

interra pax. hominibuf bone voluntatif. Do der eine engil die liote- 
fchapbt fagite. do erfchein fantimo michil menigin engile. def hime- 
lefcbin beref. die lobeton vnferen berrin. daz lop fpracb alfuf. Gloria 
in excelfif deo. Daz qvit frequenf fama cum laude, emezzig mare 
mit lobe. Goter mare. die zeloben fint. dorne mag niet ze vile fin. 65 
der got fahe alfe er ift. der mabti mare fagen. Qvem nee oculuf 
uidit nee aurif audiuit. Die fconi gotf. die ne gefacb nie nebein ovge. 
die negeborte nie noboinv orn. dimedacbte nibein berze. die geront 
die beiligin Engil allezan befcowon. In ane febint die beiligin 
engele hvte alfe gerne fo ze der ftvnde do fie in aller ereft fcbov- 7o 
won begvndon. vnde ift in bvte alfe not in zefcovon. obe fie ze 
einir ftvnde ire antlvtte vone ime mvOn bicberin. daz fie nimir fo 
fchire dar widere gefabin. e in ettefwaz inginge an Urne antlvto. 
daz fi da vor nie gefabin. vnde ovcb dar nac niemir gefabin. obe 
fie die wile firfvndin. wan an ime ift alfe fanctuf gregoriuf gefcribin 75 
bat. cottidiana. feftiuitaf. boraria iocvnditaf. daz kit. An ime ift 
tagelic bobzit. vnde zvoiegelicber wile niwi Ivffami. vnde wnne. 
Der ift grozef lobef (216 a) wol wert. An deme diz allez ift. der 
wart giefovgit vnde geborn vone einer magide fanctae MaRivN. alfe 
wir bivte begen. Die beiligin engele frovton fib daz mit der ge- 80 
b\Tte die mcnnifcbin widir geladit wrdin. boidiv ze gotef bvldin. 
vnde zvo ire gnozfcbepbte. inden cchindin cbor da der tievel vz 
virftozin wart, mit allen ime volgenden genozin. Micbel jnere fvln 
die mennefgin gefrovwit werdin den der fride gemacbot waf. an 
der erde. Der fride cbom an der cite. wan div gewette werete fvnf 85 
tvfint iare. vnde mere. daz wir armennefgen ne wedir bälgten gotef 
bvlde noeb der engile minne. Her fride wart gecbvndit ander erde 
den mennifgen. vnde nivt allen, fvndirbare abir den die da warin 
gvotif willin. Daz ift der gvote willo daz fie die fvone niet ver 
wrcben mit debeinen vnzvbten. die gotif ovgin niene zemen. ane ze 90 
fcbov wenne. wane da gefcribin ftat Mvndi funt ocvli domin i ne videant 
malvm. So reine fint div ovgin vnferef berrin daz fie nebein vbil in 
ir befcbowede dvltin wellin. Siv fvngin. genadiglicbe. bone uolvnta- 
tif. daz kit. gvotif willin. daz fiv vir fwicton gvotiR werke, daz waf 
dannan von. wan der mennefge bat genvog an deme gvotin willin 95 
vor gotif ovgon. ob er der wercbe nibt bringin mag. Der gvte 
wille bilfit ane div wercb da man ire niebt geleiCtin mag. Swe 

• • m 

T 

66 Cor. 1, 2, 9. 67 die aus nie gebeftert, 71 böte 74 dat xwiite gefabin 
aui gefehin gebeftert, 89.90 wer wrchea 91 Habac. 1, 13. 



12 ni . IV 

gvot abir div Averch fint. dane fi der gvote willo mite, daz man dir 
mite nicno meine wan ein valtigliche got. ezno hilfot ze gote niht. 

tOO Vondiv fprac er gvotif willin. (2 ig b) .daz wort ift gemeine allen 
den mennefgen vffen der erde, die gehaltin fuln werdin. FRatref. 
Däz ir nv hie virnomin hant. daz ift ein here ding, ein michil gebe, 
ein groz genade. ein magit gebar got feibin. ire fcepphare. ein 
tohtir ir vatir. tohtir der gotehcit. mvotir der mennifgheit. Wir 

105 bochennen zvo gcbvrte vnfcref herrin. eine goteliche. einandere 
mennifliche. eine ane mvotir dazimele. eine ane vatir hiencrde. 
Tlivie hat div virfiechitv mennifgheit inphangin daz ewige heil, vnde 
die ftatvn gefvntheit. Hivte fInt alle die haphte. fri gemachot die 
dir tievil bäte gebA^ndin mit den fvndon. vbe fiv fclbe wellen. Hivte 

110 ift der ellinde mennifge widir chomin zvo fineme herbe, inder 
himelefgvn heinmvote. Nv garwen wir die herberge vnfirf herzin 
folichimo gafte. folichimo chvnige. daz er vnf gervoche zenphanne 
indie phallinze da niemir nivwit vnfchonif in chvmit. Der phallinze 
geftate vnf nach difime libe. vTifir herre. lesvf choftuf. qve non 

lisrecipit uUam maculam. per infinita fecula. Amcn. 



Sermo In OctaTa domlnl. 



D 



Icn ahtodin tag vonder gebvrte vnferef herrin. den begen wir 
hivte. andenio vnfir herre ihefuf. von den finon vorderen befnitin 
wolte werdin. nach der altvn cwe. die er wolte irfvilin. vnde 
zirftorin.^.Der ahtode tag vnferef herrin gebvrte. vnde fin befnidvnge. 

5 chomin zefamine. andifm heiligin tag. nivwet ane fache. Ein iegwe- 
lieh octaua. beceichinot den e\^ igin lib. die Hbintage die inder octaua 
fint becechinont daz (i 1 7 a) daz irgangin zit. diilif (Ivhtigif ellindif. 
vnde alfe die fibintago vir endet werdint mitter octaua. famelicho 
nimet difiv werlt ende, mit deme ewigime libe. Inden fibin tagin 

10 hat mau vnmvze iegelicher alfe der fm gewerb getan ift. Andeme 
ahtodin tage def ewigin libif rvowet. vnde grvnet beidiv feie, vnde 
lib. inder aneilhte def almathigin gotef. Indirre werlte fint iemir 
famin t vrlovgonte lib. vnde feie, quod caro concvpifcit adverfvf 
fpiritum. et fpirituf aduerfuf carnem. Inder octaua def ewigin tagif. 

15 chomint He mit ewigir minne cefamine. vnde habint iemir lieb ane 
ende. Der ahtode tag. nimit anegenrge fo daz irfuUit wirt. Erit Ivx 

IV, 7 da irgangin 13 Gdl, 5, 17. 16 daz aus d* gebeftert, Isaia 30, 26. 



IV 13 

Ivnaß qvafi Ivx folif. et Ivx folif fcptempl Leiter qvafi Ivx feptem 
diervm. in illa die qvando alli^abit dominuf uulnora populi fvi. der 
mane wirt alfo lieht fodir fvnno. der fvnne wirt fibinvalt alfo lieht 
foder liehtifte tag den ie deheinef mennefgen ovgo befhovwote. def 20 
tagef fo vnfir herre got alle die wnden virbindit die wir ie von 
adamef fvndon gefrvmeton. vnde fie fo verro geheilit. daz die hei- 
ligin engele an vnf neheine mäfm ne chiflnt. So wirt ovch. daz 
erfvllit Celvm nouum. terra noua. etiam hominef noui. Der himel 
wirt nivwe. div erde wirt niwe ebine. vnde grvone. alfe daz para- 25 
dife. dannan adam virltozin wart. Alfo lic waf daz paradifo alfe 
fanctuf gregoriuf geferibin hat. daz nie nehein holz fo dvrre wart, 
noch fo vvl. mohtez darin gebotin M'erdin. ez grvoneti. ez lovboti. 
vnde bare Mochir. So wirt daz erfvllit. Fvlgebvnt iufli ficut fol in 
regno patrif eorum. Def tagif irfchinent alle die rehtin. in ir vatir 30 
riebe, alfe der fivrine fvnne indirre weite. Die fibin (2 17 b) tage 
nemint ende, eum uenerit dominuf iudicare feeulum perignem. fo got 
chvmit zer teiln alle dife werlt mitdime ilvre. So daz vrteil erget. 
tunc inclinantur vmbre. et afpirat diof. Sone Avirt niemer mere naht 
vf der erde, noc nimir tach Inder helle, alfez do waf do got die 35 
inartir leit andieme crvce. vnde ze helle vvr. vnde dannan nam die 
finin willin heton getan. Daz feftinot ovch die heiligv fcriph. Ha- 
bitantibuf inregione vmbre mortif Ivx orta eft. Den refehein ein 
michil liht die da wan inder gegin diftodif. Nach deme vrtelle fo 
zovgit Heb der ewige morgin fo wir alle vor goto ftanden mit übe. 40 
vnde mit feie, daz ift div frone octaua. daz ift der ahtode tag. def 
owigin richef der denno allerft gefehin wirt. Der negewan nie 
furgentin nie nach gantin tach. der negewan nie geftrgin tach. noch 
morgenigen, der newart nie mit morgene ge angengot. noch mit 
abinde beflozzin. der ne wart nie morginliche intlvtit noch mit 45 
abindetvnchelin virfelwit. der ift der ein der da vnvirwandelot ift. 
vnde ift ane anogenge. vnde ovch iemer ift an ende. Der ahtode 
tag. gebirt den mennifgen in daz ewige riebe, gotteliche. alfe in fin 
mvotir gebar indife weit mennifliche. Alfe wir inden fibin tagin 
nv werken, alfo ir fchinen wir inder octaua. hin zeivngift. Alfe ^^ 
fanctuf pauluf geferibin h&t. Si conplantati fvmuf fimilitudini Mortif 



ilhrne 19manc] darüber Irna 2-% vgl. Apoe. 21, 1. 25 brvne 29 Matth. 
13, 43. 3% vgl Cant, 2, 17. 4, 6. ^t Uaia 9, 20. 38 reczein 42. 43 uio 
fnrgedintin am Rande nachgetragen; dahinter noch einige Buch$taben ausge- 
schabt. 51 Rom, 6, 5. 



14 IV . V 

chrilti. flmvl et refurrectionif erimuf. Nv fvln wir got bittin. das 
wir alfo erftanden von den fvndon. in yndni üben tagin. daz wir 
anderftvnt gebom worden, niwi chint. def almahtigin gotif in der 
55 octaua def ewigin libif. Qvod nobif preHtare dignetur. 



üermo In Annnntlaclone dominlca. 

(2i8 a) Jilifruf eft angeluf gabriel a deo inciuitatem galile». coi 
nomon nazareth ad virginem defponfatam uiro. cui nomen erat iofepb. 
dedomo dauid et nomen virginif maria. Gabriel fortitudo appellator. 
der engil der zvo vnfer frovwn fancte marivn gefendit wart, def 
5 name gabriel. wirt geantpbriftot gotef ftercbi. von div. daz er die 
maget fancte maRivN folte geftercbin. div dennoch vonder natore 
lichte irchame. ne wäre fiv nieht gelterchit. mitder crelGfite gotif. 
Nazareth. daz qvid blvome. Do got wilont gervohte zeredenne mit 
vnferen alt uateren vone himile her nidir. die geheizze die er in do 

iO intwande. die warn rehte ein fame von himile her an die erde ge- 
worphin. zeiner chennvnge def altin gotif. Der fame begvnde blvoien. 
anden wndim: div der ewige got beging inder weite, do er div 
zwelph geflahte ifrahelif. dvrch daz rote mer fvorite. andeme waz- 
zere. daz in moyfef gewan vzir deme ftoine. andeme himel brote. 

15 andeme fconen antlvtto def herrin moyfi. anden zehen gebotin div 
er ime gab. anden zwein fteinen tauelon. an ir gewate, daz fiv ge 
werte vnferflizzen volle uierzich iare. an manigen anderen grozzen 
herfchephten die er an in zovgete inder wofti. dar nach anden 
chvnphtigin genadon. die die wiffagin vore fageton. dar nach daz 

20 man chvnige wihen begvnde. vnde bifgophe. vnz an daz ctt daz 
vnfer herre crift geborn wart. Daz warin alliz blvömin. die bivomin 
alle, brahton einen wocher. Sicut fcriptum eft. terra noftra dedit 
fVuctum fvvm. Div edile erde fancta maRia. gebar den edelin wochir 
vnfirn herrin ihefum chriftum; zvo nazaret chom div böte (2 18 b) 

25 fchapht. daz got geborn folti werdin vone fante Maaivpi. wane von 
deme bivomin virfihct manfih def chvmphtigin wvocheref. Alfe abir 
der wochir chvmit fo uallet der blvome nidir zvo der erde, vnde 
wirt zevnnvzze. wände alfo er nidir chvmit fo dorret er. vnde wirt 
ein nvwet. Alfo chomez vmbe got feibin. Do er chom. da div war- 

30 heit an waf. do ne bedorphte men der dinge niwet mere div davore 

54 gebor V, 1 Ev, Luca 1, 26. 27. galilee 9 Tuferm geändert in yn- 

k • 

ferne 13 geflacte 



V 16 

■ 

gefchahin se eineme bilde def. daz er chomin folti. indife weit, 
wäre got. vnde wäre mennefge. 

Div- bvrc nazaret. waf in eineme lande, vnde ift hivte. daz 
heizzit galilea. Galilea daz quid tranfmigracio. verfcheidvnge. wan 
alfe er gebom wart, du hate allez daz ende genomin. daz fine ge- 35 
bvrt edef vore bildete. An weler magide werdin ie mere zwei 
fvf vngelichv ding, div def wirdig waf. daz ein engil zvo ik gefendit 
wrde. vnde fo dimvote. daz fvi eineme cimbirmanne gemahelet waf. 
Div diemvot liebit. vnde geziret die magettvom div magettvom cierit 
die demvot. Swa aber div demvot nieht ift. der mennefge mvoz 40 
dvmot virlom werdin. wan fwa div demvot niebt ift. da ift aber 
vbermvot da div vbermvot ift. da ift der tiwil. da der tivvil ift. 
da ift ovch der ewige tot. leb getar ez wol fpreebin. neware div 
demvot volleglicbe niebt mit der magetbeit anfancte maaivn. got 
neware nie zvo ire cbomin. Wan difiv aber beidiv da warin. vone 45 
div ebom er dare. Dar zvo fpracb der ewige vatir per prophetam. 
Svper qvem reqviefcet fpiritof meuf. nifi fvper manfvetum et bvmi- 
lem. Daz qvft Vffin weme fol min geift gervowen. wan vflTm deme 
fenpbtin. vnde vffen deme demvoten. Oeb fpracb got felbe. Difcite 
a me qvia mitif fam et bvmilif corde. Lirnent von mir. (219 a) mir. 50 
daz leb milte bin. vnde demvote in mineme berzin. Von der demvote 
chom der beilige geift zvo minir frovwen fanete MaRivn. alfe fiv 
felbe fpracb. Refpexit bvmilitatem ancillae fvae. Er bat ane gefcbowot 
die demvot finer dimvn. Nv mag ficb ein iegelicb vbermvotiv vbel- 
wefge wole fcamen. daz flcb got felbe devmvote. vnde ßcb der arme 55 
mennefge gebobit. Von der erde fin wir genomin. zvo der erde 
mvzzin wir cbomin. div felbe erde wirt denne ein ftuppe. daz ftuppe 
wirt gereinit indeme Ivterme fivre. zeme ivngeften vrteile. So gereinet 
daz fivr vnferef libef ftvpe. daz wir got befcbowen vnde fant ime 
beliben. vbe wir ez bie niebt virwrcben. mit der vber mvoti. Da 60 
ftet gefcribin. venit nazaret et erat fubdituf illif. Er waf den men- 
iketgen vnder tan .Wir geren aber def. daz vnf div mennifgin vnder 
tan fin. darane fezzen wir vnf fore got. Nv ift iv ein ding ze 
wnderonne. der den engil dar fante. den vant der engil da. zeder 
magede. So nil waf got fneller denne der engil. daz der böte nie 65 
fo fcbire dare cbomen ne mähte, eme fvnde in da. Alf er in gefante. 
do hoben fie fich dare bede. do der böte dar chom. do waf der 

94 van 38 fmid' über cimbirmanne 39 den 46 vgl. haia 11,2« 49 Matth. 
11, 29. 53 Lue. 1, 48. ancille fre. 54 Ylelwefge 61 Itic. 2, 51. 



16 V . VI 

herre geherbergoi Done fprach der engil niwet. domiauf veniet. 
vnfir herre chvmct. er fprac dominuf tecum. vnfer herre ift mit dir. 
70 Got -der allenthalp ift. fwie man in niehet gefahin mvge. mit ier 
irchennvnge. man vahit in ie doc mit der minne. Daz ir in nv vindin 
mvozint mit gvoteme willen, vnde er m ch familiche vinde mit reinen 
gedankin. da% rvker iv cevirlihinne imo felbe ze lobe ewikliche. 
Per omnia fecula feculorum. amcn. 



p, 



üermo cotldlanTf ad popTlTm. 



opule meuf qvid feci tibi aut qvid moleftuf fni tibi. (219 h) 
aut in qvo contriftaui te. refpondo mihi. Vil liebin. div erbarmtde 
vnferef herrin. hat vnf iezo vil lange firtragin. vnde het vil lange 
inthebit den flag den wir nv alle wile. mit den meintatin garnet 
5 haben, nv fprichit er vnf zvo. dvrch den mvnt def wiffagin def 
herrin Michese. Fopnle meuf. Min livt waz han ich dir getan. An- 
deme anegengo der fvone heizzet er vnf fin livt. vnde zovgit vnf 
da mite, daz er nivwet vngonadegliche mit vnf tagedingon wil. OM'ir 
vnf wellen becherin. £r fprichit alfvf. Qvid feci tibi. Waz hau ieli 

10 dir getan? War vmbe haft dv mich virlazin. warvmbe bift dv wir 
vngehorfam? Refponde mihi. Villibin. da ift vnf gebaoftin. da ilt 
vnfer rede uz. Grozer genadon manot er vnf. mit difea wortia. Qvia 
edvxi te de terra egypti. Vzer den viniterin dirre werlte. vone der 
gevanehnvffe def tivvelef. dannan vz hat er vnf erlofit vnde hat 

15 vnf brath in admirabile funm lumen. qvod eft miniftranf lucem hif 
qvi permanferunt in agone certaminif. Vil lebin. vnfir herre hat vnf 
gewarnot. &. er ze iungift mit vnf zerehte ginge. Nv fehe ivwer 
iegelich waz er denne zeantwrte habin mvge. fo wir zeivngeft vore 
gute geftanden. Def ne fi ich ze mineme teile in mime herzin nieht 

20 waz daz fin mvge. Er hat vnf manege gvoti befcheinit. daz wir 
neheine gevelligo antwrte habin mvgin. widir imo. Solem fwm facit 
oriri fvper bonof et malof. et pluit fuper iuftof et iniuHtof. et dat 
nobif efcam in tempore oportuno. In allemo fineme richtvome ge- 
rvochit er dvrch vnf zewerden pauper et egenuf.' Der gvote hirte. 

25 vnfir herre. chom inde wftvnge dirre werlte. ze fvochinne daz fchaph. 
daz die wolve er zvcchit haton. daz vant er. vnde trvogez widere 
(220 a) vf finen ahfelon. zvoder genofephte der heiligon engele. mit 

73 iv auf w gebefiert. VI, 1 Michaa 6, 3. Michee. 10 bift div 13 lo • 
über uof 21 MaUh. $, 45. 25 id* 26 want 



VI IT 

den arbeiten (inif todif. andeme galgin def heiligen crvcif. Hinc 
qvod homo commiferat qve non rapuit tunc exfoluebat. Mit allen 
difen arbeiten chovffte er ime feibin newedir richtvom. noch ere. 30 
wane daz er ovch habin mähte obe diilßf nivt wäre. Daz waren 
fine genade. do nehein god waf wan er eine, daz er vnf allen daz 
er warb, daz wir gotef chint fin. obe wir felbe wellen, alfe da 
gefcribin ftat. Ego dixi dii eftif et filii excelfi omnef. Dawidore fvln 
wir fprechin. alle gelichc. Qvid retribvam domino pro omnibuf qve 35 
retribuit mihi? Vil liebin. werdint dime almahtigen gote gehorfam. 
daz er fine genade vone iv niehet chere. alfe der herrc ze Moyfe 
gefprochin hat. Abfcondam faciom meam abeif. et confiderabo nouif- 
fima eorum Svbtraham eif prefentiam gratise meae. et apparobit 
adqvem exitum opera eorum eof perdvcant. Introito portaf eiuf in- 40 
confeflione. Alfe er fprache? Nv ir hcrrin alle ir fint biflozzin von 
ivweren fvndon. vore deme bvrgitor def himilefgin chvnigif. nv ftent 
nivt lange da vor. der tivvel vnde fine. worbint dar vmbe. daz fie 
iv zvo gefpringen. vnde ivch nidir geflahen. vor deme bvrgetore. 
Nv mvgint ir fprechin. daz bvrgotor ift beflozzin. wa fvln wir in 45 
chomin. Daz fagen wir iv. Div furbvrge flizzint fich vf. fwenne ir 
felbe wellint Dvrc div fvrbvrge fvlnt ir chomin adportam qve re- 
fpicit adorientem. et hec eft intelligentia. et agnitio dei. Er qvit. 
introite portaf. Welez fint div manegen tor. da man hine dvrch fol 
ad ianvam regni? Daz ift inDegliche rivwe. vnde voUetaniv bihte. 50 
vnde ewig inthebede von den fvndon. rehte gelovbe mit gvoten 
werchin. div heilige zvovirfiht. (220 b) div wäre gotif minne. Haf 
portaf diligit dominuf faper omnia tabemacola iacob. ^Der dahine 
dvr chvmit. der mag follichlike fprechin. Et ccce uenio adte qvem 
amani. qvem quefiui. qvem femper optaui. Peccata funt repagvla qve 55 
obftmvnt aditum abhif portif. Nv mvgint ire ane zwivel fin. obe ir 
Ivch wellint becherin. der heilige wiffage gibit fleh felben iv ze 
bilde, ander ftete da er qutt. Dixi confitebor aduerfvm me iniufticiam 
meam domino. et tv remififti impietatem peccSiti mei. Pro hac orauit 
adte fanctuf intempore oportuno. Qvam magna multitudo dolcedinif 60 
tue domine. daz niemin fo vbele tvot. becherit er fleh rehte. uonden 
fvndon. er ne werde geheiligot. Vil liebin nv gant gerne ze bihte. 
div bihte ift. daz iangifte. vnde daz herefte lachentvom. der fvndon. 

81 vane 34 P«. 81, 6. 35 Pt. 115, 12. 37 herre Moyfef 38 Deut. 32, 20. 
39graUeme6 40 P«. 99, 4. 45fpchint. fYhijflvn 52 P«. 86, 2. 54fol- 

Ueliika vgl.S<v.S,2. 58Pi.31,5. 00 Pi. 30, 20. 

AM. Predigten. c^ 



18 VI . vn 

Mit deme heiltranche wart gereinit fancta maRia. inagdalena. vnde 
65 fanctuf petruf. vnde der fchachare. vondiv nemifTetrvwe viifir ne- 
hcine goto nieht. fwio fvndig er fle. wan er fprichit. Poft omnef 
abhominationef tuaf rencrterc adme. et cgo reucrtar ad to dicit do«- 
miniif. Feftinate qvia fecurif adradicem arborif pofita e(1t. et ne fe- 
riamini in mortem, hoc ipfe preftaro dignetar. qvi vivit et regnat. 



üei*mo cotldlanaf ad populnm. 



u 



lenite filii audite me timorem domini docebo nof. Virnemint 
villebin mit wie fvozzir ftimme. mit wie fvozzen willin. mit wie 
miltir ladvnge. vnf widir ladit in fin riebe. Wer? Vnfir berre. vnde 
welcbe zvovirfit er vnf gibit anfine genade. obc wir unf nine fvmen 
5 ander rviwe. Virfvmen abir wir vnf indifeme curcime zitc. daz wir 
die fvnde nibt gcrivwen. fo virdamnotcr vnf. ze iungift mit dirro 
vortlicbir virteilvnge. def iungiftin vrteilif fo er vnf zvo (221 a) zvo 
fprichit alfvf. Nefcio qvi fitif. difcedite ame operarii iniqvitatif. Vil 
liebin. Swer in eineme cbarcbare gevangin liget. der nefparet da 

10 vor nivwet finif g^'otif. er nclofe den lib. vone deme ane ftandime 
vngemacbe. Zegelicbir wif. fo ez anden tot gat. fo gäbe der man 
uile gerne eigin. vnde lebin. allez fin varnde gvot. daz er fich er 
lofte vone deme tode. Ift daz alfo. Ez ift warlicbe fo. Nv fcbovwent 
wie tvmbliche daz ift. der dauere de hein lieb gebaltit er ne gebez ane 

15 twale. vmbe die wnne def ewigin tagef. der niemir mit neheiner 
tvnchelin verfelwit wirt. uon deme der herrc dauid gefprocin hat. 
Melior eft dief vna in atriif tuif fuper milia. Dane mag ne hein naht 
fin da der wäre fvnne gefehin wirt. alfolich fo er ift. interra 
niuentium. Vil liebin nv fvlnt ir merchin >viz getan ift vmbe daz 

20 ellinde da wir inno fchinen. vnde die heinmvote dar wir gedingen 
ze chominne. Der ellinde fint zwei, ein lihtiz. vnde ein fwarez. der 
heinmvote fint ovch z^^o. ein vil gvotez. vnde ein michelef bezzir. 
ein ellinde ift difv werlt. da wir inne fin. daz nimet fcbiere ende, 
def tagef fo wir fterben. Daz fware ellinde daz ift dv helle, der 

25 die bovwen fol. der hat iemer lait an ende. Ein uil gvot heinmvote 
ift daz grvone paradife da adam inne waf. e er gefvndoti. vile 
michelef bezzer ift div heinmvote def ewigin richif. da got inne er 
chennit wirt. alfolich fo er ift. Vzer deme ellinde dirre weite. 

66 vgl. Zachar, 1, 3. Malach, 3, 7. 68 Matth. 3, 10. VII, d Ps. 33, 12. 

6.7mitdirrewortlichir (f6de/)rfM «larnkdirr wertUchlr 8Z:Mc.ld,4Kr. AtPiM^i. 



vn 19 

mvoKzen wir uarn. eint weder über unf zeparadife. vnde dannan in 
daz ewige riche. oder aber vnder vnfich zvodeme tivvele indie 30 
vittftri der helle. Villiebin wan ir nv hine vf geladit (221 b) f!nt. 
iadie fchonin phalnzo. def ewigin richef fo bewart ivch. daz ivch 
der tivvel ieht vlrfchvphe. inden vnfchonin charchare def ewigin 
todif. Wie falnt ire ivch bewaren. Vil lihto Alfuf. Declina amalo 
et fac bonum. Gelovbo dich def vbelen. vnde t\ o daz gvote fo vil 35 
dv mvgiit Alfe da geferibin ftat. Qvi ingreditur fine macola. et Ope- 
rator iufticiam. dar zvo fprichit fanctuf gregoriaf. Nee bona adeo 
aodpiantur. quo ante ocoiof dei malorum admixtione macnlantur. 
Daz qnit aKaf. Die gvottate helfint niwet aimbe got die man tagelich 
niifchit mit vbelen werkin. Vondiv. venite filii penitendo. et apecatif ^0 
abltinendo. Wie fvlnt ir chomin? Alfu daz ivch rivwe fwaz ir 
zevbele getan hant. vnde daz ir niemir mere neheine fvnde tvogent 
noh willin dar zvo habent Inalien difen dingin fo ift gote aller 
genamüt. vnde aller naheft. volvntaria paupertaf. Daz hat er felbe 
wole gezovgit. damite fo wir iv fagen. Do er drie totin lebinde hiez 45 
werdin. do bat in einer iiner ivngeron alfvf. Herre er lovbe mir. 
daz ich begrabe minin vatir. Demo antwurt er alfvf. Volge mir 
nach, vnde la die totin ir totin begrabin. Alfame er fprache. lieh 
hiez in werdin. ich heizin ovch fterbin. ich heize in ovch vflten. 
ne rvoche dich wie er lige. die noch in ir getragede fizzint. vnde 60 
noch niet er ftandin fint. vonden fvndon. die fint tot die begraben 
ovch ir totin. Swer nv erf(an welle vone finen fvndon. der fehe 
daz ane. wie vnfer herre got dri totin hiez vf ften Anden drin 
toton nindit er ofBnliche wie er tot ilt vnde wie er lebinde fol 
werdin. Alfe ez vmbe der fvndare tot getan ift. aldamach irftant 55 
ovch die fvndare. ettelicher fanffte. ettelicher vnCanffte. Vone div 
hiezer die magit (222 a) gefwafliche uf ftan indemehvi den lange- 
Umc vor deme bvrgetore. lazarvm vzer deme grabe, da er uier tage 
ione lag. ViUebin. der ift in deme hvf tot. def fvnde dennoc niet vz 
chomin ift. vor der werlte. Der ift für daz bvrgetor chomen alfo 60 
toter, der ofBnliche gefvndot hat. Der liget indemt grabe toter, den 
div gewonheit dir fvndon. befwaret hat. Der tovgenliche fvndot 
vnde tovgenliche zebihte chvmet. dvrch gotef forhte. der wirt ovch 
tovgenliche lebinde, der ift gefwafliche er ftorbin. der ift gefwaf- 

30UTweIe 33 yirfchfpbe 34 Ps. 36, 27. 36 dv] div Ps.U,a. 38occrof 
46 Moiäu Bt 21. 22. 47 antwirt 55 Alfe er cz er irflint 59 y% üb$r vi 

ist 
ttODflr finr — chom 



jo vn . vin 

65 liehe irftandin. der hat gotef hvlde. vone div fol niemen gewahenen 
finer fcvlde. Der offencliche fvndot der bvozze ovch offenliche. La- 
zaruf der indeme ^abe lag. beceichinot den man der in den fvndon 
viraltei ift. der fol gerepilt werdin. vber den fvln fich alle die er» 
barmen die got er chennint. vber den fol man wenen. vber den 

70 folman almvoün geben, daz in got bechere. Daz fint die mifil- 
fvhtigen. die man uone dere menigi fvnderot. vnde fol fvnderon. 
Den miiUfuhtigen ne mag nieman gereinin. wan got einne. Der 
inden fvndon vir altet. der chvmet .ehvme widere vf. ime welle 
got felbe flne hant biten. Gerivwet in aber, daz er vnrehtif 

75 getan hat. fwie fpate er zegote chome. fo ift er ie doch gehalten. 
Swie ir nv gefvndot hant. def uindent Ir bilde, andifen drin toten. 
wie ir widere chomen fvlnt Der flner fvndon gelobit wil werdin. 
daz er fleh der vppegheit rvomet. fo ne rivwet ez in niet. die wile 
ovch ez in nine rivwet. fo virgibet imo got niemer. daz er zvbile 

80 hat getan. Vil liebin nv tvont alfe iv der wiffage geratin habe, mit 
difen werten. Iniqvitatem meam annun i222 b) tiabo. et cogitabo 
propeccato meo femper. Lant vich rivwin. daz ir ze vbile hant getan, 
vnde tont nieht mero vbelef. vnde habent den ewigin lib. Dai 
rvoche er iv zegebinne. qvi vivit et regnat in fecula feculorom. 

85 aHON. 



üermo In arfumptlone fancte ÜIARIE. 

4 4 



l 



iNtraait ihefaf in quoddam caftellvm. et molier qvedam martha no- 
mine excepit illum indomum fuam. Inder heiligen fhriphte. beceiche- 
not ein dinch vnder ftvndon manegiv. vnde miflichiv dinge. Eft leo 
de tribv iuda. eft leo qui circuit qverenf qvem deuorct. Eft ignif 

5 dininuf. eft ignif qvi paratuf eft diabolo et angelif eiuf. Eft fol 
iofticise. eft fol qvi nof non urat perdiem. Wir lefen von einem 
lewen der gebom ift vone deme geflahte def herrin ivda. daz ift 
god felbe. Wir lefen ovch uone eineme lewen. der allezane vmbevert 
fvochinde wen er virfwellin mvge. daz ift der tiwel. Wir lefen 

10 vondeme himelefgen fivre. wir lefen von deme fivre da zehelle. Wir 
lefen vone deme waren fvnnen. Wir lefen uone deme fivrinen fvn- 



T 

68 iviraltet 79 zobile 81 Ps. 37, 19. Till, 1 Ev. iMem 10, 38. 

6 iofticie 8 eineme über deme 9 tiywel 10 igne. übir flyre. 



vra si 

nen. Wir lefen von eineme caftelle. dar got fante nach deme efele 
den er ritin wolte. zvoiervfalem. Wir lefen vone deme caftelle da 
god felbe in gieng. Daz caftil waf div vmbervorte magit. fancta 
■aRia. Ein caftel heizet daz. da ein tvrn ftat. vnde mit einer mvre 15 
vmbefangin i(t. vnde fich div zwei liefchirmint. vnder einanderen, 
alfo daz di viande. vor der mvro. zvodeme turne nieht gegan mvgin. 
vnde ovch vone der mvre getriben werdint abe der hohi def tornef. 
So getaneme caftille wirt geebinmazot div mvotir vnfirf herrin ihefv. 
div alfo vmbeworht waf mit der magetbeit. beidv ir libif. vnde ir 20 
nvotef. daz dar nie genaben roabte debein der gedanch der zemen- 
nilgbeit borite. Nv gefcbihit libte an anderen mageden. daz div 
vbirmvot. ein (223 a) ein ftvrm bebit an den magettvom. da widere 
habete div maget fancta maria. in almittin in ir herzen gefezit einen 
tum der devmvotin alfe hoben, daz div vbirmvot niener getorfte 25 
dar naber chomin. zvoder mvre der magitbeit. Von div ^rac vnfer 
herre vone der demvote. Qvi fe exaltat bvmiliabitur. et qvi fe bv- 
miliat exaltabitur. der fleh bohit der wirt gedemvotet. der Heb de- 
mvotet der wirt gehobit Do ir der engil ein fvn gebiez. do antwrte 
fie ime alfvf. Qvomodo fiet iftud qvoniam nimm non cognofco. Wie 30 
fol daz werden wan der man nelebet niebt def ich de beine cbvnde 
habe, oder ie gewnne. vnde fprac aber do alfvf. £cce ancilla domini 
fiat mihi fecundum verbvm tuum. Ich bin ein dime. vnde ein ünelenge 
def almabtigen gotef. mir mvoze gefcbeben al nach dineme werte. 
Intrauit. Indaz caftil gieng vnfer berre. da inne inpbieng in ein 35 
fvmelich wib. martba geheizin. div felbe bäte eine fwefter genamet 
Haaia. Die zvo gefweftere beceicbenont zwei lebin difTif gagenwar- 
tigen libef. vnde def ewigin libef. Martha beceichenet difen citlicen 
IIb. Maria beceichenit den ewigin üb. da man got ane fcowot alfolich 
fo er ift. Martha habet gewerb. vnde forge. vmbe manegiv dinc. 40 
Maria habet minnecliche wnne mit eineme dinge. Diz citiiche lebin 
gedienote nie anneheinner galtgeben fo wole. vnde fo volleglicbe fo 
ander magede fancte maRivn. So wir marthon. vnde mai'ivn nem- 
men. fo vimemen wir an in div zewei lebin. div beidiv zegote borent. 
in difeme flvhtigen eilende. Vnde daz wir cvrzlicbe ruoren div iehf 45 
werch. div zvoder er barminge borent. div maget fancta Maaia div 
newiffe vmbe libte gefte niet. (iv geberbcrgoto aber den aller ho- 
heften got indie tovgini ir libef. fiv vazzote (223 b) in dainne. mit 
menneflicgen fleifge. dar nach bewant fiv in mit tvochen. in hvnge- 

21 dar ftMt, 27 Matth. 23, 12. 27.28 hYmiat 30 Luea 1, 34. 44 lewi 



n vm 

so rote, üv azte in. indvrfte fiv fovgete in. er lag in der wigvn mit 
chintlicher vncrephie. da wifote (iv £in ane twale alle Itvnde. Siv 
trvogin vfin ir. fiv uieng in zvoii'e. (iv miltechofote ime. fiv floh mit 
ime in eg}'ptum. fiv forte fin. vor den ivdon. Satagebat circa fre- 
quenf minifteriom. Siv cherte allen ire fliz dar ane wie üv ime 

55 gedinoti. follicita eft. fiv habete forge vmbe in do fiv finef libef 
forthe vore erode. vnde vor manegen lagen die ime die iudin fcha- 
photon. zeivngeft do wart üv zeherzen getrvobet. qvando ipfiuf 
animam pertranfioit gladiuf. Do ein fwert gieng dvrch ire feie, def 
leidef. daz üv einen folichen ir fvn vnwirdicliche. vnde anderf han- 

60 delon fach danne er def wirdich wäre. Siv fach in vahin. fiv fach in 
bindin. üv fach in mit geifelon villin. alfe ein dieb. fiv fach in 
anefpigin. (iv fach in halfflegelon. fiv fach in cronin mit domon. 
fiv fach daz fie zefpote nore ime nidir vielin. fiv fach in er blechen 
vnder dei\ hvrwinen banden, die er hate gefchaphin vzzir niehte. 

65 fiv fach in andaz crvce nagelon. fiv fach in andeme crvce trinkin 
ezzich mit gallon gemifget fiv fach daz fpere in finer fitvn. fiv fach 
in (terbin. fiv fach in begrabin. Do wart fiv aller ereft fiir chvndig 
mit deme innecglichen fere. daz beidint halb fneit alfe ein fwert 
Daz fiv in er chande got. vnde mennefgen. def wart fiv uon iegwe- 

70 derem fvndirbare getrvobet. zyoder finer ivngoftin ir bot fiv imo ein 
irbarmeglichin dieneft. Do ftvont üv. do gebraft ire. andeme dienefte. 
nach der mennefgheite. vnde manote ir fvn geiftliche in ir herzin. 
daz er fie fchire getroiti. vnde ir zeholfe chome. mit der gotcheit. 
die üv anime (224 a) erkande. vone tagelicher mitewifte. def heili- 

75 gen geiftef Anallen difen dingin hat fiv wol behalten daz teil der 
frovwen martvn. Wie fv aber marivn teil behüte, daz bcfte. daz fiv 
er welet hate. waz mag menneflig herze dannan irkennin oder dehein 
zvnge dir vone gefprechin. alfo nach warheit. der vone zedenchenne. 
\7ide zefprechinne ift;. Inder, der heilige geift waf. die da habete. 

80 befchatewet div tvgint def alhoheften gotef. Waz mohti fie anne 
gote ver holn fin. inder die rictvome famint warin. allir wifheite. 
Siv facz zvoden fvozzon vnferef herrln. vnde faz inneben ime. do 
er famet ire waf fine rede fvnderbarc. finv wort, vnder engele wort, 
vnd hirton. div gehielt üv, alliv. vnde habete fie zefamine. in ire 



52 vf i ir. 66.57 aus fchaphtton gsbeftert. 57 Luc(g 2, 35. 63 ime er 

blechen] darüber colaphif ced^e. fite pallefacere (oder pallefcerc). 66 gfcniTf^ct 
70 iTgelUn f^hU ein SubstanU^ f 



Vm. K SS 

herzen. Nie meman gefmagte fo rehte. wie fvoze vnfer herre ift. fo fin 85 
mvoter. div magit fancta MaRia. Daz ne M'af nehein \%7ider. wände 
in ir waf der lebende brvnne def ewigin libef. vnde vzzen Ire geflozen 
ift. div dvrnahtin iegwederef lebennef. Sunderliche irweltc fiv daz 
befte teil marivn. Svnderbare uoUe dienote fiv indeme teile der 
frovwon marthvn. Nv ift daz irfuUit def fiv gerete. fix fchovwot ir 90 
fvn. facie adfaciem. alToHch fo er ift. daz ift daz teil daz aller beft 
ift. daz fiv iemer haben fol. an ende. In daz teil, inphahe vnf alle 
vnfer herre ihefuf. 



Item fenno de fancta Maria. 



& 



binicio et ante fecola creata fvm. et vfque infutiirum feculnm non 
definam. £. got gefchvophe himel aide herde. do waf er def inein 
worden, daz er uone fancte maiiivn wolte mennefge werdin. Ire feie 
waf daz gotef hvf. indeme er haben wart daz anegenge. noftrae 
redemptionif. vnfer lofvnge. Daz ift daz hvf dannan da gefcribin 5 
ilat Sapi (224 b) entia edificauit fibi domnm. excidit colvmpnaf 
feptem. Div wifhcit felbe eimberote ire felber ein hvf. uffen fibin 
fvlen. vnde ir grvob die fiben fvle noh waher. vnde deiner, danne 
alle^ die fvle ergraben oder erfnitin fin. da div criftenheit uffe ftet. 
Die fiben fvle daz fint die fiben gebe def heUigeu goiftif. Anden 10 
fiben fvJen hant fich alle die verfvochit die io in gotef namen bvoch 
in hant genamen. vnde ift noch div wachoit niet fvrbrat div dar ane 
irfnitin ifL Mit den fiben fvlen habet fich allvmbe ciinberet vnfir 
frovwe fancta BiaRia. Siv habete ovch mere drane ir chennet denne 
alliv div mennefgin die in dife weit ie geborn wrdon. do fiv in ir 15 
habete die arche. da beflozzin inne waf ganzliche der richtvom aller 
wifheite. Ander vngebrachoton erde wvof ein blvome. uon deme 
alliv difiv Morlt gecieret ift. vnde gvoten fmag hat. \ idervnt eam 
filias fyon. et beatifßmam predicauerujit. Alliv div famenvnge der 
engele. vnde der mennefgen die got anefchovwont. die habent ovch 20 
fie nv lange ane gefchovwot. mit uirwizzer anefihte. vnde ne habent 
fich noch nieh volle wunderot. daz fiv nacb gcbvrte maget ift. vnde 
hant fie gelobet mit ebenheiliger chvre. mit wunderlichir einmvotin. 
zvoeiner chvnenginne. über himel. vnde über erde. Daz ift der 

V 

85 Hie 90 fchowote IX, 1 Ecchsiastic. 24, 14. 4 noftro 6 Proverb. 

9, 1. 9 od fnitin 18 Cant, 6, 8. 19 filio 20 ancfchowont 24 der] d^e 



34 IX . X 

25 brvnne befigileter. garte beflozzener. da vnf uz geflozzin ift. fonf 
aqua) falientif in uitam etemam. Def mvozzin wir gefmecchen. infl- 
ncme riebe, alfolich fo er ift. per omnia fecula. 



p 



üermo de reffnrreetlone domlnl. 



auluf apoftoluf ait. Pafcba noftrum inmolatuf cft cbriftuf. Pafcba. 
daz quid traniltuf. vbervart. Daz waren der iudon öfteren, fie be- 
giengen alliv iar den tag. daz fie got lofte uzzir egipto. da fie 
waren gewan (225 a) gevangen. uil nach vier bvndert iare. uondeme 

5 cite daz iofepb finen vater. vnde fine brvodere dar in brabte unz 
ane den tag daz fie moyfef dannan uz leite mit der crepbte gotef. 
vnde er fie fvorte permare rubrum, alfo daz ficb daz rote mere 
teilte in zvelpb ftrazze. daz div zwelpb geflabtie iacobef chinde in 
trvccbeme lande da dvrcb fvoren. vnde alfe dauid bat gefproeben. 

10 Qvi diuifit mare rubrum iadiniHonef. der wende waren fiere vnde 
zwenceg. der ftrazen waren zweleve. vnde an ieglicber ftrazze fvor 
ein bere vnz fie alle uz cbomen. daz fie einen mennefgen niebt 
verlvrn. die in aber naeb fvoren. die er trvncben alle Alfvf er gieng 
daz. Do fie moyfef an daz mere brabte. da waf in pbarao nacb ge- 

15 zogen, mit alleme fineme bere. gewapbenetef livtef. moyfef nc^ba- 
bete aber einen gewapbeneten man niebt. die viande waren binder 
ire rugge. uile nabe bi. in. daz gebirge waf. inneben in. daz rote 
mer waf for in. luden forgen riepb moyfef zvogote. vnde fpracb 
alfuf. Herre di uiande ünt bindir vnf. daz gebirge ift neben unf. daz 

20 wazzer ift vor vnf. wände wir niene wizzen war wir fuln. ad tui 
foliuf confilium confngimuf. nv geflieben wir zvodin einef beipbe. 
Bideme werte, flvog er uf daz mere mit der gerte. die er inder 
baut babete. do teilte Heb daz mere. vnde fvoren fie dvrcb. Alfe 
ir vimomen baut, daz waf div felbe gerte div ovcb zeineme fiangen 

25 waf wordin. uffen deme berge da ime vnfer berre irfcbein. da ovcb 
ineineme gefpraidacb moyfef ein fivr facb. mit der er ovcb div ceben 
wnder inegypto geworbt babete. Alful brabte er fie dvrcb daz rote 
mere. ineine wvoftin. Do fie indie wvoftin cbomen da in god daz 
bimelbröt gab. daz wazzer vzzer deme fteine da in moyfef erfcbein. 

30 liebt alfe div fvnne def tagef. do fie dar (225 b) in cbomen. do waf 



25 CanL 4, 12. Ev. Joh. 4, 14. 26 aquo X, 1 Cor. 1, 5, 7. 2 vberwarl 

4 wicr 9 P«. 135, 13. 11 (Irzcn 12 bere ata h're gebefliert. 14 fie fehlt. 
10 hirdir 26 er feMt. 



X . XI SB 

aOer ire menegen aUhf nile. Sehf hvndert iafende. fehzeg tufende. 
fchf vnde fehzeg tufende. wighaphter manne, ane wib. vnde chint 
vnde ane hageftoUe. div alliv er wahfen waren, in vier hvndert 
iaren. uone zwelph geflatthen iacobef chinde. Vnde daz ße alfuf 
durch daz rote mere dare gewifit wrden. den tag habeten fie ieroer 35 
aftirdiv ze eineme hoftertage. vnde andeme feibin oftertage do allez 
daz livt zeiervfalem chomen waf. daz da umbe iener inder iude- 
fchephte waf. zvoder aller gefihte wart vnfer herre crift hivte in- 
difein tag für vnfir funde andaz cruce gehenchit. vnde lofte vnf dar 
ane uondeme ewigin tode. mit neheime ander werde wan mit fin 4o 
felbef übe. Qvi femel introiuit in fancta etema redemptione inuenta 
Daz fint die nivwen öfteren, die wir begen fuln. daz unf god fVorite 
vzir deme abgrvnde def ewigin todif. indie lietvnge. vnde indie 
wihtum der himelefgvn ierufalem. Vnde alfe de ire ofteran begingen 
mit eineme lambe. nach der gewonheit. fo fie der herre moyfef hate 45 
geleret. do fie fich ie zvo ane vz hebin folton. alfo fuln wir vnfire 
niuwe hofteran bcgan. mit fineme fleifge. vnde mit fineme blvote. 
alle die tage fo wir vnf heben von den fvndon. in prima refbrrec- 
tione. vnde allermeifl; fo lib. vnde feie fcheidint. vnde fich div feie 
hebit vzzer egypto. uzzer dirre werlte vinfterin zvoder genofchephte 50 
der heiligin engele zvoder anefihte def almahtigin gotef. inden frovne 
hoph def ewigin libif. dar vnf alle vollebringen mvzze vnfir herre 
crifL der hivte andifime tage durch vnf alle erftvnt vonden toton.* 
daz ovch wir mvozin irftan von allen vnfiren fvndon. vnde mit ime 
richefon. per. (226 a) 55 



Hermo In 4edlcatlone ecclefle. 

4 



S 



ancti fpirituf corda noftra mundet infufio et fui rorif intima afper- 
fione fecvndet. luwer aller herze mvozzin betovwet. vnde gereinet 
werdin. vnde wvocherhapht werden, vone der inneglichifton wifvngo 
def heiligin geiftif. Nouato uobif nouale. et nolite ferere fupcr fpiuaf. 
Dominuf in ewangelio dicit. Nemo mittit uinum nouum in utref uetercf. 5 
alidqvin dirumpet uinum utref. et uinum eff^indetur. et utref peribunt. 
Sed uinum nouum in nouof utref mittatur. Daz qvid. Neman fol den 



"" 

33 fezzeg 38.39 idifen 41 üebr, 9, 12. 42 Gvrite 52 alle zweimal. 

y 
XI, 8 betowen 4 lerem» 4, 3. 5 Matth. 9, 17. 



26 XI 

nivwen win gizzen indie aliin bvteriche. die bateriche breftint. vnde 
ifi der win verlorn. Nivwen win fol man tvon ovch in nivwe byte- 

iO riebe. Ettelich win machet, daz der man weinoi. ettelicher ft-ovwet 
ovch def mennifgen herze. Der nivwe win. daz iit daz gotef wort, 
daz deme rethin mennefgen allczane zvo bringit nivwe mandvnge. 
Die viralteten bvteriche. daz flnt div fleifglichen herzen, div mit 
ubcler gewoneheite zebofheite fint wordin. Nv fprechent mit in- 

15 neglichen willen. Cor mundam crea in me deuf. Ift daz ire iuwich 
becherint. vnde rehtiv herzin gewinnent zvoden geboten vnferef her- 
rin. fo irgat daz vber ivch. uerte inpiof et non erunt inpii. So 
werdint uiwerin herzin nivwe. fo gehabent üv ovch den nivwen win. 
Fvndamenta einf in montibuf fanctif. diligit dominuf portaf fyon. 

20 fuper omnia tabemacola iacob. Div grnntfefte. vnde div fundemonte. 
der heiligen criflinheite daz fint die heiligen wififagen. vndie heiligen 
zwelephpoten. vnde div heilige lere, div uone in chomin ift. Div 
burgetor div hvnfereme herrin liebere fint denne alliv div uore 
(226 b) bildvnge. div wilont begangen wart. Inder altvn .c. daz fint 

25 dife tagende mit gvoten werchen. Welehe? Div heilige gelovbe. div 
heilige zvovirfihit. div heilige minne. der heilige tovph. Die nach 
deme tovphe gefvndont die fvln zvodifen borgetom inchomen. Sie 
fvln han wareriuwe. voUetane bihte. ewige inthebede. uonden fvn- 
don. veber dif hvf bittin din almatigin god hiute. Iwaz dehein mcn- 

30 nefge. hie gere guter dinge, daz er def gewert werde. Angeli ciucf 
uintant hie fuof et corpuf fumitur ihefv. Die heiligin gotef engele 
gewifont hivtc hie ir hufgcnoze. den fie hie beuore erbolgin warin. 
alfo da gofcribin ftat. Angeli corum femper uident faciem patrif. 
Ilio varent die heiligin engele hivte beidiv nider. vnde vf. Mit 

35 niicheler mandvnge choment He. fo div feie intilaphcn ift. an allen 
den dingen da der Hb ie de heine. minne zvo gewan. vnde fiv mit 
allen ire gedanchin rvowet uone den uzeren arbeitin. mit wachen- 
deme herzin. Inder anefchovwede def almahtigen gotef fo choment 
die heiligen engele froliche. Swenne aber def mennifgen mvot denne 

40 wirt widerkeret mit der fwarin menneflicher brodi. fo tvnchelet ez. 
vnde ineineme gewichene, daz den fchimin def ewigin lihtif dannan 
uz getribin hat. fo uellet ez aber here widere nider. tempore temp- 
tationif infine alte gedaikche. zvoden erbarmeclihen vnzuhten def 
libef. So flihent vnfer hvfgenozze uone unf. fo fchament fich vnfer 



15 Pf. 50, 12. 17 Proverb. i2,7. 18 Tcrdint 19 Ps. 86, 1. 2. 21 daz] 
da 33 Matth. 18, 10. 39 enge 42 Yid'e 



XI ST 

die engele. svo ire genozfchephte. daze himiie. Vil liebin nv ftant 45 
ir hie indeme hvf def himilofgen chvnegef. hie wechit er. hie ladet 
er. fine gemahelan. ivwer iegelichif feie, die er chovphte mit (ineme 
bivote. Nv fprichit er iv zvo. Sarge amica mea. Stant vf. min uil 
liebiv frivndinne. excutcre depuluere. feahte die non den alten fvndon. 
da (227 a) dv inne intflaphen wäre, eiere mir eingotef hvf. indineme 50 
herzin. da wii ich inne bvwen. obe dv die der fanden gelovbelt. 
Poft omnef abhominationef tuaf reaertere adme et ego reaertar adte. 
Nv uil lieben. Reete fefta colunt ecclcfiaß qvi fe filiof dei cognofcant. 
Div heiige criftinheit üt ivwer mvoter. fint ovch ir nv div chint der 
criilinheite fo begant ir rehte ein iegeliche chilwin. Pro inde con- 55 
(tituite diem foUennem in condenfif ufqve adcomv altarif. Vverdint 
hivte def innein. vnde fwa ir ivc in gotef namen gefaminont. daz ir 
gewarliche choment zvodome voblichin tage, der fronvn vrftende. 
Ir fulnt def nein werdin infreqventationibuf mit emezzegheite. uone 
Itvnde zeftvnde. uontage zetage. ufqve ad cornv altarif. vnz andie 60 
egge def altarif. Der alter üt got felbe. der andeme crvce fin blvot 
oppherote fair vnf alle, eomua in manibuf eiuf. Daz waren die nag- 
ele die dvrch fine hende geflagin wrdin. andeme galgin def heiligen 
crvcif. Mit gebete. mit uaftenne. mit chvfTin. mit allen gvottaten fuln 
wir alle tage vmbe god gedienon. fwenne vnf der tovt begrife. daz 65 
er vnf zeftunde uinde. obe wir alzogef nemvgin andeme crvce net 
fin. doch an etelicheme nagele def heiligen crvcif. Vondemo altare 
fprichit god felbe. Altare de terra facietif mihi. Der alter ift uonder 
magede fanct® mariun. ein gvotelicher mennefge. vf chomen. vf 
geitandin. exregali ftirpe dauid. Cum ergo fUentium tenercut omnia. 70 
et nox in fuo carfv medium iter haberot. omnipotenf fermo tuuf 
domine aregalibuf fedibuf uenit. Inder werlte ift ez zewirent alfo 
geftandin. daz minef trehtinef gefwiget waf. vnder (227 b) mennefgon! 
noch chumit ein ftilli. zvodeme ewigin libe. daz die mennefgen 
gervowont vone werltlicheme krademe. vnde uone aller unrawe. da 75 
haut fie gaudium ineffabilo. vnder den lohezonden fteinen. def grvonin 
paradifif. Daz ift div dritte ftillin. Div crefte ftilli waf uorder .e. 
driv tvfint iare. vnde cehincig iare. Div ander ftilli waf nachder A 
def ewangelii. daz waf div mittel ftillin. Inder ercftvn ftillin. er 
kandon die mennefgen nieht. nieweder die fvnde. die fie getan haton. ^0 



48 fprichie Cant 2, 10. 13. 49 frirdinno haia 52,^. 50. 51 dv] dly 
53 ecclefio 55 Ps. 117, 27. 68 £xod. 20, 24. 69 fce 70 Sap. 18, 15. 

75 gradeHiA 77 uond* .d. 80 inewed' 



SS XI . xn 

noch den Ug ftaten tot. der uf in lag. uonedlv fwigin fiv. Alfe abir 
div .£. do gegebin wart permoyfen. vnde in div fvnde gezovget wart, 
do begvndon die fvndigin heil fcovwon. Rvptum eft fiientium. pro» 
phete predicauerunt nafci faluatorem de uirgine maxia. Do fie do 

85 nivnhvndert iare gefcriht baton. nach der geburte vnferef berren. 
daz fiv cbvome. do gefweig aber vnferef berren. allez daz andeme 
ertricbe waf. daz waf div andere ftillin. Inder ftUlin wart got ge- 
born. do riepb allez daz. daz falig geborn waf. genade berre. genade. 
Do waf div mittele ftillin zerbrochen, do gab god fride. vnde genade. 

90 vnde biez erbarmnnge. vnde antlaz der fundon. Daz gotef wort 
chofot noch Inder werlte. Difcite ame qvia mitif fum. et bumilif 
corde. Nac der rede. Concidifti faccum meum. et circumdedifti me 
leticia. Inder mittelen ftillin. alfe wir geredet han. omnipotenf fermo 
tuuf aregalibuf fedibuf uenit Wer cbom da? Wannan? Ware? Daz 

95 gotef wort. Gotef fun. Ein cbvneng. einef cbvnigef fun. Wannan? 
Vone der fcefwvn finef vater. Ware? Zvodeme galgin def crucif. 
vone deme cbvnenglicben ftvole. zvo eineme werchgadime mentatiger 
(228 a) fvndon. uondcr liebtin def himelef. zvoder ninftorin der 
helle. Etideo aregalibuf fedibuf. non ab una fede regali. wan alle 

100 die mit arbeiten in daz himilricbe choment. der iegeliche enpbabet 
die crone def ewigen libef. vnde fint alle fundirbare cronet. vnde 
richofont mit ir uater in finome ewigin riebe, daz er finen kindin ge 
machet hat uonc anegcnge dirre werelte. Alfo da gefcribin ftat. 
Quod quod autcm recepernnt eum dedit eif poteftatem filiof dei fieri 

105 hif qui credvnt in nomine oiuf. Sint fie fine fune. fo fint fie ovch 
chvnege. Sint fie aber cbvnige. fo mvoz ire iegeliche einen chvneg- 
ftvol. eine crone. vnde ein riche han. Ein cbvneng ander erde der 
uil fune hat. der no mag niuwet wan einen cbvneng gemachen, aber 
dirre cbvneng def riche über alliv riche iit. alfo manegen fun fo der 

HO hat. alfo manegen fvn cronet er ovch. infineme riche. Der geheiz 
ift vnfer nieht. er ift unferef berren. dea zvo fineme himelefgen vater 
fprach. Non pro hif tantum rogo fed etiam pro eif. qvi credituri 
funt per verbum coruni in mc. et cetera vfqve ante qvam munduf 
ficret. 



I 



Sermo de pafcha. (3G3 b) 



hefuf chriftuf tradituf eft propter delicta noftra et refurrexit propter 
iuftificationem noftram. Liebin wir bigan hivte daz frölicbe vnde 

91 Matth, 11, 29. 92 Ps, 29, 12. 96 fccfrwn finef wat«. 99 wan aus wand* 
gebefsert. 104£v. Joh. 1, 12. ii2 JSv. Joh. 17, 20--*2«. XII, 1 Born. 4, 25. 



xn s» 

das groze hohcit der uritende vnfirf herrin ihefv chrifti. den tak 
non deme der heilige wiflage danid fprach. Hsec eft dief quam fecit 
dominuf. diz w^e der tak den got felbe heti gimachot. wände alfe 5 
fante Gregoriuf chit hec elt follennitaf follennitatam. ez ift ein tolt 
ubir alle tolte. vnde ift daz billich. vnde reht. vt exnltemuf et lete- 
mnr inea. daz wir unf hivte frovwein. vnde mendein indem almehtigin 
gote uörro danne an eim andir tage. Diz ift der liebe tach. von- 
deme da gifcribin ftat. In mente habete diem qua educti eftif de iO 
terra egypti. daz wir iemir in vnfirme gimvote heigin den tak daz 
nnf got irlofte nzzir egipto lande, daz ift div uinftiri der helle, von 
der got fln livt irlöfte andifime hivtigin tage, do er die helle zir- 
brach. vnde daniz nam alle die (inin willin heton gitan. vnde fiv 
werte inierram repromilTionif. indaz lant def fridif. vnde dergnadon. 15 
zeder himüfchvn hierufalem. daz ift der ewige lib. Def tagif irmanot 
unf oveh der heilige böte fante panluf. an dien wortin div wir 
zemerft fprachin. div cheNt alfuf. Der giwihte haltare unfir herre 
ihefuf chriftuf der wart uirfelt. vnde hin gigebin zer martyr. dvr 
unfir fvnde. vnde irftvont von me töde dvr vnfir rehthaftunge vt^O 
effemuf fancti Heut et ipfe fanctaf eft dominuf nofter. daz wir heilich 
vnde reht wurdin alfovch er hoilich vndo reht ift vnfir herre dral* 
mahtigot vnde daz er vnf widirbrAhti zunOrm erftin rehte. Difiu 
wort def heiligin botin dv irmanont vnf der martyr vnde der vrftende 
vnfirf herrin ihefv chrifti. vnde zweier ding div unf angerbit fint. 25 
eiz von ad&me. vnftrm altuordim. daz heizit mortalitaf. div todimi 
daz wir alle fterbin mvozin andeme libe. daz andir von unfirme 
herrin ihefv chrifto. (364 a) daz ift inmortalitaf. div untodimi. daz 
wir vntodimik fchvln werdin. vnde alfer an difimo hivtigin tage 
irftvont vonme tode. giwÄre got. vnde giwäre mennifche. daz ovch 30 
wir zem ivngiftin tage alfo fuln irftan mit deme feibin libe. vnde 
mit der felbvn feie fo wir ie fchinein. Diz waf unfir örfte reht ftola 
inmortalitatif. daz giwant der vntodimi. daz uirlof vnf adam. dvo er 
vnfirf herrin gibot vbirgie. vnde brahtunf daz andir reht. daz ift 
der tot den wir alle mvozin lidin. alfe got zime fprach. dvo er 35 
gifundote. puluif ef. et in puluerem reuerterif. Dv bift ein ftuppe. 
vnde mvoft ovch zeimo ftuppe werdin. Yondeme rehte het vnf min 
trehtin hivte irlöft vbe wir felbe wellein. vnde het vnf widerbraht 
zvnfirm erftin rehte der vnfchnldigi. vnde der vntodimi. daz wir 

4P«. 117,24. Heo 18 eheM geändert, undeutlich woraus, 25 «ngsbiol 
36 €en, 8» 19. 



so xn 

40 niemir def ewigin tödif irfterbein. vbe wir in fime giboto mit gvotea 
werkin. vnde mit rehtir giovbe vnz an daz ende bilibein. Wie abir 
unfir berre irftvonde aide wenne. das uindein wir an dem heiligin 
evangelio daz man geftir laf. daz fcbribit fante matbeut vnde an- 
deme daz man bivte lift daz fcbribit fante Marcof. Sante matbenf 

4^ der kit alfe bivte wäre uor tage, dvo chame iante Biaria magdalena 
von der min trebtin fibin tivuU uirtreib. vnde (ante aiaria vnfirf 
berrin mvome nabter mennifcbeit (ante iacobif. vnde fiinte iobannif 
mvotir euangelifte. vnde woltin daz beiligrab gifebin. dvo waf nnfir 
berre irftandin. vnde waf ein micbil ertbibot wordin. vnde waf der 

50 beiligengil uon bimii cbomin. def antlutte waf alfcin blikize. vnde 
fin giwant wiz alfe der fne. vnde bete den ftein abedeme grabe 
ginomin den die ivdin drüf beton gileit. vnde laz er dar life. vnde 
uon Hnre uortbte fo irfcbracbin die ritir die def grabif bvoton. vnde 
lagin alfo (364 b) fiv tot warin. Dvo div fonne dvo üf gieaife fante 

55 marcuf cbit. dvo cbÄmin die beiligin vrovwe mit ir bimiton. vnde 
mit ir gifelbe. vnde wolton unfirf berrin licbamin falbon. nab deme 
fite der ivdon. daz er niwit uuleti. dvo fiv do indaz grab giengin. 
do fabin fiv den engil zeüwontbalb indeme Hzzin. vnde cbamin da 
uon ze micbilre uorbte. Dvo trovfte fiv der engil. vnde fpracb. daz 

00 fiv in niwit uorbtin. er wiffi wol daz fiv ihefvM uon nazarebt fvocb- 
tin. der wäre irftandin. vnde newäre da niwit. vnde biez er fiv dvo 
daz fivz feitin finen ivngiron vnde ovcb fante petir. der fin drieftunt 
bete uirlovginot. Nu fuln wir tvon alfe dife beiligin vrovwe tatin. 
Wir fu]n vnfirf berrin biute wifon mit vnfirme gvotin gifelbe. vnde 

65 mit vnfiren bimiton. daz ift div rebte glovbe. vnde div gvotin werch. 
daz wir daz wol fuln glovbin alfer irftvont uon fime gotilicbin 
giwalte. daz ovcb wir alfo fvln irftan uon finen gnadon. vnde fwaz 
wir ovcb gvotif. vnde rehtif glovbeiN aide wizzin. daz wir daz un- 
firm ebincrifianin gerne fagin. vnde cbvndein dur bezzirunge. alfovcb 

70 die beiligin urovwe dem engil ^ovbiton. die vritende unfirf berrin. 
vnde fi ovcb dvo cbunton finen iungiron. Wie wir abir zeme iung- 
iftin vrteilde fulin irftan daz feit unf fante pauluf. vnde cbit ez 
gifcbebe in momento. in ictu oculi. in elNre hantwile. vnde in eime 
ovgoN bliebe, alfe icbire fo ein ovge uf unde zvo ift gitan. vnde 

75 irftandein alle in menfura etatif plenitudinif obrifti. indem altir fo 
ovcb unfir berre irftvont daz ift Inder wielicbe fo der meanifhe 

43 MaUh. 28, 1 fgg. U Marc. 16, 1 f§g. 48 eugHAe. 68 e^lobeia ottf 

T 

globin gebelfert. 72 Cor. 1» 15, 52. 75 Ephes. 4, 13. 



xn . xm si 

ifl anfimo drizigoflin iare. fo er in finre beftun tiiginde iCt. Vnuf- 
qvifqve antem in fuo ordine. vnür ieliche nah ilnre wirdigi. alii in 
uitam eternam. etiliche zem ewigin übe. vnde zen ewigen gnadon. 
alii in obprobriom ut uideant femper. etiliche irftant ovch zeme ewi- 80 
gin (365 a) itwize ir fondon. daz fiv iemir ewicUche inder helle 
lehin. vnde faorin mvozin. Dauon bifchirmunf unfir herre ihefof 
chriftuf. vnde helfunf daz wir ime alfo gidienein indifime libe. daz 
wir noch wennon mit ime irftan mvozin inrefarrectionem nite. zem 
ewigin libe. vnde zen ewigen gnadon. vbi ipfe cum patre et Qiirita 85 
fancto. vivit et regnat infecnla feculorom. aMON. 



§ermo in iefto Xanctl mlchakelir. 



V 



on den gnadon vnferf herrin. fo began wir über iar diccho die 
talttage fin felbef. vnde finer liebun mvotir. vnfer frovwn fante 
MaRiun vnde ander finer hciligon. die mennefchen warin. alfo wir 
fin. vnde fich doch alfo verro wider der broidi ir flcifchef fazton 
daz fi fint gehert in himele. vndin erda. vnde daz fi vnf fint vvrge- 5 
fezzit zebilde. daz wir mit ir helfe mugin chomin ze dien felben 
gnadon. fo fi hant bezezzin. Edoch wan der himilfche höf uon 
anegenne ie waf gecierit mit dien faligen geiftin. der heron engelon. 
die fich nie vonder minna. noch uondeme dienefte ir fchepferf nie 
gefchiedin. noch niemir gefcheident. fo ift unf hüte dirre heilige tac. iO 
darzvo gefezit. daz wir fi hüte loben vnde heren alfo uerro fo wir 
mugin. wände fi die fint die vnf uon den lagen, vnde von dien 
liften der ubelon geifton indifime libe fuln behvotin. vnde vnf def 
fuln helfen daz wir hie alfo geleben daz wir wirdic werden daz wir 
zir gnozfchefte harnach mugin chomin. Diz fint die vnfer gebet i5 
vnferme herrin tagilichef fuln bringin. vnde die vnfer fela vvr fine 
anficht antwrtent übe wir He von unf mit vnrechten werchin niewet 
vertriben. £z wäre uil def man machti fragin. vnde fagin von dien 
heiligen engein. ubemef cende mochte chomen. wenne. vnde wielich 
fi wurdin gefchafen ! wie die gvoten wurden geftatet. wie die ubeln 20 
wurdin uerftozzen. uon ir ordinon. uon ir amten. von (365 b) ir 
icamON. uon ir zala. vnde von manigen andern dingen dv zinen traf- 
fin. Indifen dingen allen fo haben wir daz inder heiligun frift daz 



78 Cor. 1, 15, 23. XIII, 16 wr] wir 17 anfich 20 wurden aut wurdin 

§^$fsert. 22.23 traffin aus treffin geheftert. 



SS xm 

n ünt vnferf herren erfta. vnde dv heiilta gefchephida. doch man 

25 lefe daz er zemerft gofchvofe himil vnde herde. Wie fi aber beidv 
mugin war fin daz nift niewet charzzef citef ze recchenne. noch 
deiner uemunfte. ze uememene. Daz fallen wir edoch vii wola 
merchen. vnde vi! emcigo gedenchin doch fi in aller fchoni in alier 
golichi. in aller der wizzentheite. der fi dvo bedorfton wordin ge- 

30 fchaffen. vnde fi die felbwala haton. daz fi fich mochton oberen 
ze fuedreme fo fi wolton. zegote. ald uon imo! daz die ubeln die 
fich uon ir fchepfare mit hoffart fchiedin. niewen mochta gehelfen, 
ncliein dv herfchaft ir gefchepfeda. noch dv hoi der himelon. fine 
wurdin iefa uerfiozin uon allen ir eron. vnde von allen himelchen 

35 gnadon. vnde newrden ir ein teil verfcnchct indie tufli der hella. 
ein teil bar indifen luft obder erde, die nnz anden inngiftin tac. die 
gvoten. vnde die rechten fulen mit ir moi gereinen, vnde uon ir 
fanden erlatirn. vnde die abelen. vnde die vnfaligin airleitin. vnde 
denne zeiangeft die mit inen werdint fandin fand inen in daz ewige 

40 hellewr werdent nerfchalten. vnde fi alfo fint uerhertet inder abeli 
daz fi niewet magen noch gerent wider ze chomenne. noch gotef 
gnade ze fvochenne. Die aber do ir danchef. vnde umbe twungen 
mit gote belibin. vnde an finer minne ftate warin. die warden alfo 
nerre zalleme gvote. zallen gnadon geftatit. daz fi niemer ne wel- 

45 lent. noch ne mugen aon ir fchephare. noch uon finer minna ge- 
fcheiden. Mit difen dingin fallen wir def werden ermanot daz wir 
armen mennefchen alle unfer finna vnde unfer girda. zeder minna 
unferf herren gerne oberen. (366 a) der unf fol bringin zeder him- 
elfchun gnada. wan unf nehein gewalt. nehein • herfchaft. nehein 

50 richten, nehein gvollichi. dir weite mac befchirmin. noc gehelfen, 
übe wir unf widir imo mit hoffart fezzen. wir ne mozzin hin zer 
helle zedem tieuele. ze dem wir unf han gemachot übe wirf vil 
warlicho wider nine chomen. Gehabin wir unf aber nafbo zunferme 
herren dem almachtigen gote. vnde ze fineme dienefie. fo haben wir 

55 den troft von finen gnadon. daz wir nu in difme libe haben die 
hvota. vnde die helfe finer heligon engelon. vnde daz wir hamä 
mugen chomin zir genozfchefte indien himelfchen gnadon. Daz virlich 
unf got Qvi viuit et regnat. 



30 daz fich 47 aU' 51 üb' 



XIV . XV . XVI SS 



Am achlen Tage nach Weihnacht. TU. 3, 4fgg. 

alle varen hinze helle vnze andie wile. vnd hat unf daz er- 
warven mit finer martir. welle wir felbe daz wir niemer der in 
chomen. vnd hat unf uf getan die himel porte vnd daz heilige pa- 
radyfe — min vil liebe wannet hinte inder minne def almahtigen 

gotef. lat iv ivch daz vnd daz buchen 5 

daz er durch unf getan hat. vnd danchet imef. wan warlichen indem 
afmahtfgen got fag ich ivh fuuer der mennifch ift der indirre uuerlte 
niemer wärmet inder minne def almahtigen gotef daz ift un mugelich 
da:& der iemer erlte von dem tode der feie Nu heuet uf iwer hende 
vnd iwer herze vnd empfahet in ivch die uuirme def heiligen gei- 10 
ftef vnd ruffet hiute an min frowen s. MARien die muter def firon^ 
chindef des heiligen chriftef der vns ce gnaden gebom ift 

Am Tage Eptphaniw. Ev. MatA, 2, i fyg. 

( i b ) golt wierouch vnd mirren Mit dem golde eret man die ehuniftf. 
mit dem wierovch bezeichent man got. mit der mirren bellatt^l man 
die toten die man Jdeplichen gehalten wil £6 daz II niene — Mit 
dem golde bediute ü daz er kunich wäre aller ohuni^^. Jfit dem 
wirovch bediuten fi daz er got wäre ein fchepfere himeirf vnd der 5 
erde vnd aller der dinge die dar inne beuangen fint Mit der mirren 
beduten fi. daz er durch daz indife werlt chomen wäre daz er 
erflerben wolde ander mennifcheit durch alles manne chunne. Das 
ift ein dinch damit vnfer herre got difen tach mit geheiliget hat vnd 
allez daz uuir hiute lefen vnd fingen daz ift almeift von den ein^n 10 
dingen daz die ftem warte cedem almahtigen gote chomen. mit dem 
geleite det niwen ftemef hec eft uocatio gentium Das ander dinch 
daz an 

Am Tage S. Johatmei dei EcangeUstm, 

( 2 « ) — den Die gift tranch er uz daz im — wuar vnd die 

felben zuuene die dir uon tote waren die — er uondem tode Er 
Dant finen roch bieinem manne hin — gen. alfo fehlere fo fi geruret 
uurden. mit finem rocche fazehaat ftunten fi uf cealler lute geHhte 

— ■ 

lETy 1 gotq die Bandiehrift gol 3 fi] Cne 

AM. Predifl[ten. ^ 



«4 XVI . xvn 

5 Owi min vil liebe wie uuol er einen man gelieben chan. vnd noie 
nuol erz getaon mac vnfer herre der im liep ift Nu er fin dinch fo 
gehandelt hat der gute f. johannef daz er onferem herren liep waf. 
vnd daz er! im hiate liep ift fo fcol wir finef ratef gern uolgen daz 
wir dar ombe tuen daz er unf ettewenne niht liep geuuefen ift. waz 
10 ratet er vnf Si confiteamor peccata noftra fidelif et iuftuf eft vi 
dimittat nobif peccata nuftra et emundet nof ab omni peccato Er 
i]prichet welle wir vnferef vnrehtef vnd unfer 



Nach der Geiammtbeichte. 



Li 



(ieben nn hant ir begfgen und claget dem almechtigen gAte. der 
f&ndon. and der^ miffetete. an die anfanfto l£idor deh£in menfcho 
mac leben. Nu ift och billich und recht, daz ir har über etlich bioza 
inpfftnt. und die gerne leiftent. Alle die hüf und hof hänt. alfo daz 
5 fiz wol geleiften megen. dien geben wir ze bioza über ir fünda. fo 
fi ez erft getaon megen. daz fi herbirgen ein dürftigen, daz och fi 
got h^rberge in ftneme riebe. Die def niewen megen getaon. die 
geben ir almiofena dar unferf herren minna. die def felben niene 
han. die l]preohen ir pater noiter. dar die felch^it ir libef. and ir 

iO fela. und über die not der heiligen criftenhdit. Die def niewen chün- 
nen. die bitten mit dien werten fo fi chunnin. daz fi got begnAde. 
nach Itner gioti. und na ir ndtdorften. Der aber dirre ielichef. ez fi 
div herbirga. old diu almiofena. old daz geb^t dur unferf herren 
minna. und dur fin felbef felchAit wil gemAron. daz raten wir imo. 

15 and gebenz imo ze buoza über fin funda S Na dirre buoza. Ib bitten 
wir. and tuen allen dien d!e ir funda riuwont und fi gemo mit 
gottef helfa har n& uermident. antlaz über ir (ünda uon dem almech- 
tigen gdte. uon fant pttre. uon allen gottef heiligon und uon priefter- 
lichem ampte fo wir haben uon gdte. Indulgenciam et remiffionem 

20 omnium peccatorum ueftrorum fpacium et ueram penitenciam per 
graciam fancti ijpirituf tribuat uobif optimuf i. mifericorf dominaf 
amen, erigite uof. Antlaz und gnäda aller uwer fündon und fiift 
rechte, und wuocherhaft riuwa. und riowigez herza. mit der gnftda 
def heiligen göiftef geh iv der erbermherzer got iunen. 

5 min fil liebe] mr. 1' 10 Ep, Jöh. 1,1,9. XVII, 1 am Bande mit rother 
Schrift erigite uof. 22 erigite uof. roth; ebenso die folgenden Ueberickriften, 



xvm S5 



In ceaa domlni. 



I 



n dem heiligen ewangelio daz man huto lifet an gottef dienfte. 
wdrden wir ermanot der grozun minna die unfer herro ihefaf 
cbriftuf hata ze der criftenh^it. Ez faget ünf daz unfer herro ihefaf. 
do er gemarterot folte werden, uor der dult der oflron. vvan er 
vvol wiffa die ftunda. vv6n er non dirre werlte folte uam ze ftnem 5 
natre. do wolt er ougen den finen die in der werlte waren alf er 
fi minnota die wil er bi Inen waf daz er fi och minota an finem 
^nde. do er uon inen fcheiden vvolta und die minna gefteten vvolta. 
Do er dvo gemerta mit finen iungeron. vnd der tieuel iece hata 
idda geraten daz er in ucrraten wolta. wand er do wol vviiTa daz iO 
div ftunda nahcta daz er uon dirre weite uarn folta do ftuond er 
uf uon dem merode und leita nider f!n gewant. und nam iin twellen 
und begürte fich der mitte, vnd nam do wazzer in din bechi (l b) 
vnd begonda finen iungeron cetwänne ir uiozze. und dar nach ze 
wiffenne. mit der twöllen da mit er waf begArt. Do er do cham 15 
ce fant pitre und er demo wolte twän. do fprach fant peter. herro 
folt du mir min uioze twan? Do fprach unfer herro. La fin peter. 
daz ich nu tuon def newdiftv niet waz ich der mitte möine du 
weift ez aber har na. Do fprach fant peter. Du netwaft mir niemer 
mine uioze. Def antwurt imo unfer herro und fprach. Twftn ich 20 
dich niewet fo nehaftu mit mir niet ze fchaffenne Do daz horta 
fant pdter. do erclüft er und fprach. Herro twaoh mir niet dinic 
die uioze. twach mir zuo dien uiozen min hende und min houbet. 
Do fprach unfer herro zimo. der alle gewefchen ifL der bedarf 
niewet daz er wefche wan die uioze. wand er ift alle röine. Ir 25 
fint och r^ine. iedoch alle niet. Vvan unfer herro vvol vvifTa wer 
der waf der in uerräten vvAlta dar umbe fprach er. ir fint ntet 
alle Time, Do er do inen die uioze getwioc und er fin gewant 
wider an fich genäm. und er fich nider zuo ztnen fazta do fprach 
er aber zinen. Yvizent ir nu waz ich uch han getan? Ir heizen 1 30 
mich meifter und herro. und fagent wola vvan ich bin ez. Von div 
nt ich iuwer herro und iuwer mdifter bin. und ich habe iuwer 
uioze getwagen fo Ihllent och ir billicho £in andren die uioze tvvftn. 
Dar umbe fprach er han ich uch diz zdinem bilde gegeben daz ir 
alfo £in andren tuoient. alf ich iuch han getAn. Diz fint div wort 35 



Xmi» 1 Ev, Joh, 13, 1—15. 35 am Rande roth ewangelium 

3» 



«« XVÖt . XIX . XX 

def heiligen evvangelii. und Uni ünf harte cemerchenne. wan an difem 
ewangelio fo hat ünf geirrt nnfer herro uolleclicho. wie wir füllen 
wider ch^ren ze gottef riche. dannan ilz wir wären uerftdzen mit def 
tieaelf rate, daz ftillen wir mit der minna. und mit der diemioti. and mit 

40 der gehorfami. Mit der minna füllen wir def almechtigen gottef riche 
gewinnen, quia fine caritate nemo faluabitur. An die minna fo 
ne mac nieman behalten werden, wand minna ift ^in muoter aller 
tngendon. Der die minne hat. der hat die diemioti. Der die die- 
mioti hat. der hat die gehorfami. und wrerdent ooh der minna die 

45 tngende alle erbArn. alf uon £iner muoter ein tochter. uon der tochter 
ein andria tochter. alfo wirt uon der minna. div der tagenden ift 
aller erftiu muoter. ein tugend geborn uon der ein andriv. und aber 
uon dere din andriu. Der aber der minna niewet nehAt. de muoz 
der ander tugendon aller manglon. Von div tet unfer herro finen 

50 iflngeron do er uon inen fcheiden folta. alf die guoten vriunda tuont 
ein andren, fo fi uon £in andren fcheiden füllen fo manent fi £in 
andre def fi wellent. daz ero newredere uergezze 

Am dreizehnten Sanntage nach Pfingsten. 
Ev. Lucce iO, 23 fgg. 

(2 «) der uerftn^da dirre w^^rlte. der neh^inez ift gebotten. wan 
echt geraten daz giltet unfer herro mit dem cenzec aalten Idne. fo 
er irvider chiimet an dem iungeftem tAge. Daz wir imo dirre gnadon 
niozzin wirdeclicho gedanchen. und daz Vvir in. und unfern neften 
5 werlicho megin minnon und daz ünf nach imo. und finer wunnec- 
licher antficht. und nach finer feliclicher mittewift mioze allezana 
ameron. def helf er ünf dur die gioti der ünf an dem heren cruce 
choufli mit finem tiuren bluote. Ihefuf chriftuf dominuf nofter. 



Dominica xllU. 



c 



um iret ihel^if in iherufalem tranfiebat per mediam samariam. et 
galileam. Vnf f^it fant lucaf an dem heiligen fiwangelio fo wdr 

46. 47 dr d aller tugendon tochter ift aller erfto moter. dweh das erste aller 
ein Strich, unter tochter Punkte ^ und dann noch einmal am Hände naehgeira- 

gen aller erde mot* 47 Hinter tugend ein uon auegeechabt, XIX , 7 der 

aui fo er gebtftert. 



XX ar 

huto lefioA. Pp mUxr lißrro n« übv menfcMite ht« northricbe gienc. 
und warb, daz er iM^lnßfii male 4o er vvolta uim ze iheraCalem. dur 
zvvo (^^en uuor. dioa diu hi^ Samaria. na &iner grozen ftftt. div 5 
dar 'inae vyaf. diq andra biez galilea. Vnd do er in £ia cbaftel 
giepc. do liuffeq in gegen imQ- ein man. mifelfticbtige. die (tuenden 
uerro uon ipio. und buoben ^f ir ftimiqa. uad raofton alfiif. Ihefu 
gebietere. erbarme dich upfer. AK er fi geCacb do fpfacb er zfnen. 
Gini ongeat iucb dien ewartoa. do n ieze giengen. fo wurden fi io 
gerdinet Vnder difen cenen. fo vvaf diner. der din «amaritannf vvaf. 
nievvet din iAdo. Do der gefacb. daz er waf gerdinet, fo ebdrt er 
w^idere. und (obta got mit iqiobelr ftimma. vnd viel nider an (in 
autlüt uiir unferf berren vuoze. und gnadet imo finer guote. die er 
an imo bata begangen Do fpracb unfer berrp. Iro warpn docb 15 
cdne die der fint gerdinet wa fiut die uiune. Kro nift enbdine 
vunden. der wider cbdrte. und gote die gioliobi gdbe. wan dirre 
fromdeiiuc. Spracb ocb duo zenemo. Stant üf und ganc. wan dine 
glouba bet dicb bebalten, diz ift daz beilig ewangelium. An demo 
mercben zmerft. daz qufer berro. aller der fiecbon die er gefunt 20 
macbeta nie nebdin ze dien dvvarton gefanta. wan der mifelfucbt- 
igon. Daz tet er ndinem tdile dur daz. daz die ifiden die fin uareton 
nievvet nemccbtin gefprecben daz er die d zorft6rtt An der d vvaf 
gebotton. an fwemo ücb diu mifelfncbt ougtL daz man den uür die 
e warten nuorti. vnd er ein weder na ir urteilde wurde bebabt uür 25 
fiech und uur unreine, cbem er aber dar nL uon debdinen gotef 
gnädon. daz er wurde gefunt fo vvaf daz geboten, daz er ficb aber 
ougti dien dvvarton. und er brebte daz opfer daz imo vvaf gefezet. 
und fi in cbuntin gefunt und reine Dur diz gebot der d. fo biez 
er fi. daz fi ficb ougtin dien dvvarton. (2b) Tet ez noeb duo 30 
dur die bezdicbenunga def grozen und def unrdinen fiecbtagen. 
Vvan doch wirz vvol megen cberen. ze der beceicbenunga der 
unrdinon fündon. mit der mifelfucbte wirt ddoch na der beiligun 
fcrifte namlicbo gemercbet diu mifleuarwi dero die der fint in der 
ünrecbtun glouba. Vvan alf an dien mifelfucbtigen ift bi der boifi 35 
und der viuH. etwa gemifcbelot diu ganza büt. und diu recbte 
uarwa. alf ift an der irreren reda und lera. bi der lugi. ynd bi der 
nerlditunga da mit fi fint geunrdinet. und ocb andre gerne unrdinent 
uil giotu. und uil recbtu Idra. Noch nift nehdin groz reda fo lug- 



XX, 3 Ev. Luem 17, 11—19. 



88 XX . XXI 

40 lieh fi nehabe etwaz warhtit gemiflot under (ich. dar daz. das (i 
mit der vvarhdit ir hoirere ueriäcche. alf mit dem honege. und dar 
na mit der lögi an der fela ertoiden. alf mit dem fitere. Dife fvva 
man (i rechte irchennet die fol man noch harter miden. den deh6i- 
nen mifligen. und alfo fant paulnf chft. noch felp griozzen lene ze 

45 guote. Alf ene wurden gefhnderot. mit der Avvartou vrteilde. alfo 
füllen och dife werden gefhnderot mit der Awarton. und mit der 
pMh^it urt^ilde. und uerftozen uon der heiligun criftenh^it. Swen 
aber got dirre mit finer gn^da alfo uerro gevvffot. daz fi ir irretag 
erchennent und ez werlicho riuvvont. fo fint fi uon gote gerdinet. 

50 noch nefollen doch under die heiligun criftenhdit niemer chomen. e 
daz fi ir rechtun giouba gougent uor dien dwarton. und uor der 
pfafheite. die rechte chunnin inftän üb fi die mifelfucht der unrechtun 
giouba haben rechte uerlän. Vvande nu daz ivvartom der altAn 6. 
vQr beceichenota daz iwartom der niuvvun d. fo hiez unfer hero 

55 die mifelfuchtigen. daz fi fich dien evvarton ougtin. daz er da mit 
chunt getdte. fwenne die irrerra fich ir unglouba vvoltin erlouben. 
daz ü fich denne dien Evvarton und dien meiftem der heiligun 
criftenhdite foltin ougen. Dife ftänt uii uero. und ruoffent uil Huto. 
wan fi wol vvizen daz fi gote mit ir unglouba uil harte fint geuer- 

60 rit. und mit grozeme ruofte ir herren füllen fuochen. daz er fleh 
über fi erbarme. Nement in och rechte gebietere. wand fl 



An S. MaUhias Tage. Ev. Matth. ii, 25. 

alfer felbe andern euangelio ha4 gefprochen. Ego & pater unum 
fumus. Er fprah. Confiteor tibi domine pater ca;li & terrae. Er lobet 
in hiez in finen uater. unt ainen herren himel unt erde, daz er fo 
grozze ere finen lungern biet uerlazzen. die er uor ftarchen uurften 
5 die def wiftumef dirre werlte phlsegen uil gare biete uerborgen. 
Nah der liebe die er ze der bezzerunge het div uon finen iungem 
werden fcolt. waf ün urseude. div waf ovh zedem uollen daz er fi 



44 vielmehr Joh, Ep. 2, 10. vgl. Cor, 1, 5, 11. Thezs, % 3. 6. 14. Tifnoth, % 3, 5. 
Tit, 3, 10. 61 noch $iehen Linien gezogen, aher leer, XXI, 1 Ev. Joh, 10, 30. 
2 cell & t're 



XXI xxn s» 

mit lobe finem hhneliften nater niht nerfWigen wolt; Zebezzeronge 
ehom er felbe indife werlt ze bezzerunge erweit er alle llne langer 
zemiflichem cite. de fi der begunden. nnt in non finer hilfe ivol io 
begande zebengen. def gwan er niht wenige nrseade er gwan fi zeder 
maze daz er finem himelifken uater gab daz lob ont die ere; Zeder 
bezzemnge wart ovh erweit der berre oon dem dirre tach bivte 
Wirt geert. nibt uon'got felbem. iz ergie aue non finer uerbengede. 
unt non finem willen, do. zedem cite. do er da enantwrt nien waf. 15 
want er nah finer ^nrftente an dem xl tage, zeder zefwen finef bime- 
lifken nater gefezzen was. Do non finen fcolden Indas die geno- 
fcbaffc uerlof. die er mit den zwelf boten baben fcolte. do (l b) 
giengen fl zerate wa fi ainen man namen der fln ftat wol nerwefen 
mähte, want fi uon in felben daz niht wol eminden mobten. do 30 
ulegeten fi mit ir innechlicbem gebet unfern herren« daz er in geruht 
ze chunden wen er zedem ampt baben wolt. Inder walunge waren 
zwen man. der ietwederre fib wol erzaiget bet mit redilicbem 
leben, die geantwrten fi zefinen heiligen gnaden, daz er der ainen 
naeme. der im nah finer gewizzen baz denne in chunt wäre. Daz 25 
gebet uemam der beilige cbrift uil fehlere er erzaiget in wen er 
haben fcolt ze finem dienft daz loz geuiel über fanetum mathiam 
da bi uerftunten fl daz er die genofchaft unter in folt baben; Zeden 
eren do er uon rebter walunge cbom. unt die genofchaft der zwelf 
boten uon der uerhenge def heiligen cbriftof behabet, do graif er 30 
zeden urumecblichen worchen erzaiget flh felben. zeallen togenten 
wol alfe er uon andern flnen hufgenozzen bet daz guote bilde. Im 
felbem waf er uor mit den guten loben, andern luoten waf er uor 
mit der guten lere, uerdient damit die hulde def oberften chunigef 
unt die gnade def himelrichef. die er geoffent hat allen flnen hol* 35 
den. die im t»gelichef dienent mit willichlichem gemuote. Def fi er 
gelobet 

An S, Bamaboi Tage? 

(2 a) wol uberwinten. Zedehainem flnem will^ er im gehanchde. hat 
in felben unt alle flne lifte. fo befchrenchet. alf er wol mohte. Zerehten 
dingen gehabet er flh zedem uoUen daz er fln gelobet wort oon all^n 
luten die in erchanten. alf wol uon dett die rehtef glühen waren, fam uon 



9 da$ %weite er f9hU in dmr BS. 



40 xxn .xxni.xxiv 

5 den die rehtem gluben niht geheUea wolte». Grozie enfhabniiVb 
het er andern Übe. dem enzoh er fwa er mobte daz tnnchefi nnt 
4ie fpife. nehainef andern gemacA^ er aien phlach. daz er doh mit 
maze ane fönte wol mähte haben gehabet Sin^ (tätigen gebelef 
an finen paren chniei^^ phlach er zeallen citen. da enphalich er dem 

io himelifken herren fin lelbef ommoA^ nnt ander lute. dar ambe wort 
er uerre geminnet non den lutea die flu heiliohlich leben wol er- 
chanten. want er ain rehter man non allen Inten wort geahtet do 
baten in die laden die rehtef gluben nien waren daz er in zeir 
muo^illen mit flnem urchnnde geftunte. fi baten in gdn nf ain hohe. 

15 daz er da wid^ rete def er nordiv dem heiligen chrifttf urchnnde 
gegeben het Dar gienge er nah ir bet iach doh mit onuerborgen^n 
Worten dem heiligen chrifte flner gotheU (3 b} a/f er wol mohte 
nah der rehten warheit Jar umbe begundea fi harte iseunGtea 
<;tengen dar uf. ttiezzen in hernider uon dßt hohe, polten in do fo 

solange mit grozzen flsLinen. daz er quit der marter den lip »ufe 
uerwandeln. daz chom im ze ninem micheln haile. er wort fln wol 
geurseut an der feie, want er hiute uraeude hat ze dem himelriche 
mit den choren der enget dar helfe er unf durch flne gute, geruche 
den himeliflcen chunich umbe alle funt»re ze nlegen. Quod ipfe 

25 prffiftare digaetur. 



p, 



De. 9« Cmce. 



ROPTBR ucHvvM Demi facti fumuf. Mit difen werten div an hie 
gefproohen fint werde wir zwair dinge gemant ^iv unf fo anigeat 
daz wirre aiht uergez;^^ fculn. want daz erfte gezivhet zedem 
«tc^igen tode. daz ander gezivhet zedem ewigen lebene. wir werden 

6 gemant der /d^cheit die wir haben uon dem herreN adämen. der 
fih felben zeainem fohalche gab den funten. do er wider dem gebot 
unferf A^ren non der ungehorfam geuiel in die funte. mit der wir 
alle in den ewigen tot ^^ielen! wir werden ovh gemant der uri- 
heit die wir uon dem heiligen chrifte Aaben. der unf mit fln felbes 

10 tode. den er tinfculdiger an dem cruce leit uon der 

Am Tage Marien Himmelfahrt 

(8 «) die hohe der himel. unt ir div ftat gegeben fi über die chore 
der engel. daz fi in ain urseude der fi fteetichliehen lob unt ere 



XXII, 24 in ulegen g auth gebeftert. 



XJOV. XKV AI 

fagent dem al^ahtigen got Ob iz in ain unende ift. fi> fcol mifbr 
urseude uil michel grozzer fin. want wir daze ir haben eio bi)fe der 
dem fontsBre niemer gebriftet. durch daz ift fi ir truot fon fo sahen 5 
gefezzen. daz ü unf unt allen funtseren tsgelicbef antlazzef unt hilfe 
bite. Daz ift unf ain genade. der got fcol werden gelobet, unt geert. 
fculn hiute hince im fenten fin heilige muoter. div unf antlaz unt 
hilfe dazeim werue. daz wir hail nah finen hnolden indirre werlte 
haben muozen. unt nah difem übe fin riebe befitzen muozzen. Quod (o 
ipfe preftare dignetur qui vioit 

In afTnmpilone 9. Mmrim. 

iNTRAYrr iHBSvs in quoddam cafteüum. Ecce tabernaculum dei cum 
hominibuf. Dizze chaftel daz bezaichent min frovwen fancte MaRien 
Iz wizzet wol mine herren. da man ain chaftel erzivgen fol. da muret 
man umbe ain uil uefte mure. unt tribet da innerhalbe uf ainen uil ueften 
tnom. die mure befetzet man mit den wahtsßren. den tnom behsehet 5 
man mit den fchilten. unt mit gefchuotze. unt mit ander flaht gewae- 
fen. nnt daz div mure unt der tuom defte baz bewart fi. fo grebet 
man dammbe einen nil tiefen graben. Mit der mure ift gemerchet 
der chufke lip miner ft*ovwen fancte maRioN. der nil wol bewart 
(3 b) unt befetzet was. mit den himelifken wahtsren. den heiligen engein. 10 
mit dem tuom ift gemerchet. ir heiligiv feie, div wol behangen waf 
mit dem fchilte der fterche minef trehtinef. unt mit andern guoten 
tnogenten die uoUechlichen anir waren, mit dem graben ift gemerchet 
ir divmvot. div fo groz unt fo chreftich anir waf daz fi da mit geamt 
daz fi def muoter wart, der himel unt erde gefchaphen hat. unt 15 
allez daz dar inne beuangen ift. Indaz chaftel chom gegangen unfer 
herre der heilige chrift. do in fin himelifker unter her en erde fante. 
daz er anfih nseme unfer mennifchait indem buoche unfer frovwen 
fanctsB MaRieN. wie uande er ez do9 vande er iz Isere? Nein er 
wserlichen. er uant dar inne zwo fwefter. mit den fint gemerchet 20 
zwei leben die der fint in der heiligen chriftenheit actiua fcilicet 
et contemplatiua. quarum nna negotiofa. altera dicitur ociofa. Ein 
leben heizzet daz muzzege leben, daz ander daz unmuzzege leben. 
Daz fi fih def muzzegen lebenf nnderwuonden biete, daz mugen wir 



XXIY, 7 werden XXY Am Rande roth wie die Ueher/bhriften Uxvi 

i ßp. fm^ 10, 99. 4poc. 21 , 3. % beui<:het 7greben 13 den fehU, 19 fce 



4» xs:v . X3tVI 

25 chiefen wol dar an. wie (! der heilige enge! nant. do er die urone 
botfchapht hin ze ir warfe. Wie uant er fie? Er uant fi niht an- 
der gazzen nnt ander ftrazze fpilent er uant n (itzende ineiner be- 
fparten 



Am fünften Sonntage nach Ostern ? Joe. i, 22. 

(4a) laudis bonorificabit nie. Ere nnde lop iint im michel lieber. ' 
denne debain ander oppher. Mit weihen guoten werben ful wir unf 
erzaigen? Mit der bebaltnufTe üner gebot, div fo miflich ünt. biet 
er unr fi feHie in (inen genaden nith befbaiden. daz wir (i nitb wol 

5 uer ften chnnden. unde fi ovcA dauon nith wol bebalten msBhten. Ein 
fin gebot habe wir. daz gebivt vnf daz wir ze chinden werden, ain 
ander fin gebot aerbivt unf daz wir ieth zechinden werden, hat ß doh 
mit den warten befbaiden daz wir ietwederz wol uer ften chuonnen 
Iz chom ze ainem male fo daz die iunger nuterf herren ftriten begun- 

io den wer unter in der o^erft oder der herft wsere. der ftrit wart fo groz 
daz er uuor unfern herren chom. der miffe uie/ im. waf im nith liep 
unter fmen lungern, er nam ain wenigez chint fazte iz mitten unter 
fi. fprah ze in. fi becherten fib. wurden alf ain wenigez chint. zedem 
himel riebe gewnnen ff niemer debain genade. Welle wir daz uer- 

15 iten uon der gewsßfbde def chindef. oder uon der ainualte def chin- 
def ? Sine iunger zeden er difiv wart fprach. waren der gewsefhde 
unde def alterf. daz in unmuogelih gewefeu waere. ob fi andern 
libe dem chinde gclih worden wseren. Nu af daz nith fin mege. 
fo uerdte wir iz uon der (4 b) ainualte def chindef. alf iz ovch unfer 

20 herre felbe gemainet hat. wände wir ovch ain ander gebot haben 
daz unf uerbivtet daz wir ieth zechinden werden. Daz gebot 
andem er unf gebivtet daz wir ze chinden werden, hat er unf 
mit den warten befbaiden daz er chiut. Malicia paruuli dtote. 
daz ander gebot an dem er unf uerbivtet daz wir ith zechinden 

25 werden hat er unf mit den warten befhaiden daz er chivt Nolite 
pueri effici fenßbuf. Div ainualte def chindef ift an allen luo- 
ten wol chunt. daz hat der finne ze ubelen dingen nith. iz hat 
ovch der finne ze Quoten dingen nith. ift alfo in dem wedel. daz iz 
weder übel noh guot geurvomen mah. wir haben of uon den gena- 

XXVI, 1 Sacriflclom laudis hoDoriflcabit me Pf. 49, 23. 6 Ev. Maith. 18, 3. 
6 Cor. 1, 14, 20. 



XXVI . xxvn 48 

den untert herren manliche /inne. mit den wir nnrethiv dineh wol 30 
wizzen JseaermideD. rethiv dinch wol wizzen zearvomen. chere wir 
die Dah finem willen, fo behalte wir tetwederz gebot, fo daz wir 
den chinden gelich werden, nnde ungelich. ander ainualte gelich. ob 
wir die fnnte uermiden. an manlichen finnen nngelich. ob wir gnotiv 
dinch unde rethiv dinch naordem. Swenne wir unf fo handeln, fo 35 
me^e wir unfern herren wol loben nnde eren. fo tft im unfer lob 
liep unde genseme. Wef ful wir in loben 9 Aller der genaden. die 
er unf erboten hat. div fo groz ift. daz wir fi nith wol tiuor brin- 
gen megen mit den warten. 



An der heil. Apo$tel Tage, 



Vi 



Wie wir die hohzit der hailigen fwelich uns in dem iar choment 
mit grozzem fliz begavn. vnd eren füllen. Die dem almehtigen got fo 
gedient haben. Vnd für gotes antlütz chomen fint. ob wir die in ir 
hohzit eren fallent. So ift daz michel reht daz wir die grozzen 
furften die hailigen zwelf poten die von dem almehtigen got ze 5 
fiirften fint gefetzet über alle die weit Daz wir die vil groszlich an 
ir hohzit eren mit chirchgang mit gebet mit dem almuofen mit allem 
chiunfchen leben. Wan fi got felb uns ze genaden vz aller der weit 
vor derwelt havt. Als er felb fprichet Ich havn ivch er weit, daz 
ir gangent vnd wuocher bringent. Wenne er fi erweit. Daz haben 10 
fi uns felber gefiiit Ez fpricht ainer der hailigen zwelfpoten. Uns 
hat got er weit £. er die weit gefchuef. An difen hailigen werten 
mdgen wir merchen. die vil hailigen tugend vnfers hailandes. e. er 
den menfchen gefchueff. E. het er daz gefchaffen. Daz fin mit gaift- 
licher zuht. vnd mit weltlicher guete pflegen folte. Wa wart ie fo 15 
getaner guete gelich. Er gap in den gewalt daz fi den himel vf vnd 
zuo fchluzzen. Vnd daz fi die hailigen diemvot behielten Petrus, der. 
der obrift vnder in waz. vnd dar vmb petrus gehaizzen waz Daz 
er mit unferem herren fl»t vnd veft waz. Vnd der da gefprochen 
het. herr ich bin berait mit dir in den chärcher ze gavn. vnd in 20 

35 wir fehlt. XXYII, 4 die Handschrift dar wir 9 Tor derwelt] von der 

weit; hat auidäzgeheftert. 10 er fi] fi er ii Ephee. i, 4. 14 den] den 

f f 

SO herr] hier und weiterhin öfters' her oder her 



den tot vad ( i ^ ) tölt ich ft^rb^n piit dir lob vüriagepp dia 
nimmer Pen liese er fin drifftunt verlogenen Sin gelob w^% fo veft. 
Do er vfT dem mer waz. Do fprach er zuo ünferm herren. hßfr ob 
du ez Tieft fo haiz mich vf dem wazzer zuo dir chomen Do er |ich 

25 do in da^ mer lie. Vnd er den ftarchen wint. vnd daz gros vage- 
witer erfab do er vorbt er ßcb. Vnd begund fH zeftund fincheQ. 
Do bot im ünfer b^rr fjn hant. vnd verwais im flnen vngelobeq. 
Daz tet vnfer herr alz dureb tnf. Daz er der weit pflegen folt. Sin 
zwen trat fant lacob. vnd fant lohannes. Do fi gerten der grozzen 

30 eren in finem rieb. Daz ainer zuo der zefwen gotes fiaBze. der ander 
zuo der linggen. Wie lieb fi im waeren. wie fi nach weltlicher 
gehurt finer muomen fön wseren. fwie er den vf finer bruit liez 
lainen. wie fi haid vf dem borg finiv götlichen tovgen fahen. vnd 
die andern nit ledoch l^rach er zuo in ir en wiffent nit wes ir 

35 gerent. Die marter die ich liden fol mügend ir die liden. JUe 
muoffend ir liden. Daz ir aber in mim rieh zbo miner zefwen oder 
zuo miner linggen iht fitzzent. Daz en ift nit min ze geben. £z ift 
deren den es min vatter bereit havt. mit difen werten lert er vnd 
wamot fln jvnger. Wie fi mit in felb vnd och mit iren vndertanen 

40 folten gebaren. Wie er zoo in. allen i^rsecbe gemainlichen. Die or 
der weit ze maiftern gefetzet havt. Er fpracb zuo in (2 a) Als mich 
min vatter fante Alfo fend ich iv in die weit Sin vatter fant in do 
zuo in in die weit. Daz er mit finer marter div armen menfchen erledi- 
gete. Alfo fante er fin ballige Ivnger zuo der marter. Er (jpraob ich 

45 fend iv als div fchafT. vnder die wolf. Der wolf waz Nero ainer. 
der chriutzgot fant petem Daz hovpt chert er im nider. die fiiezz 
vff. Er hoptet fant pauls. Egeas chriutzgot fant andream. Der chü- 
nig Aftragies fant partholomeum hiez fehinden alz ain rint. Vnd 
anderr vil reeffer wolff waren die. die balligen boten ahten. durch 

50 der alier vorbt. durch der aller drov. durch ir gehaiz. durch die 
fraifchlichen charcher. durch daz fivr. durch die firaifcblichen gallen. 
durch die yfbinen chrapfen. Durch div hvngrigen tier. durch den 
hvnger. durch den dürft. Durch den froffc. Durch daz wafljer. da man 
fi in fauchte. Durch alle die marter. die der tieuel vnd finiv ehint 

55 mohten erdenchen. Durch die not alle, entwichen fi nit Si frowten 
fich daz fi des wirdig waren, daz fi not folten liden durch dem 



22 ylog^n 26 f«] fo 29 laoob fehlt. 36 fDiip] inin iwefwen 40 gemanlicliea 
M hail* hier tmd sonst für alle Farmen dif Mi WoriMS^ 47 Kr] Et 49 an^r 



xxvit u 

almehtigen got. Si enliezen nilit des des ib ünfer herre geboten het. 
durch dehain fraife diire weit Si tauten fleh vnder die grimmen 
haidenfchaft allenthalben vntz an daa end dirre weit £z en i(t de- 
hain lant über alle die weit, da enfle ir lere vnd ir predige hin 60 
chomen Alfo habend fi die hailigen chriftenhait gelert. Vnd habend 
ü ze (2b) erchantnuiT braht des hailigen geloben Da von ift das 
michel reht daz wir fl eren Wan fl fini friund des almehtigen gotes 
Er l)prach ovch zuo in fselig fint div ovgen. div daz fehend das ir 
da fehend. vnd beerend Wan vil menig chünig vnd f atriarchen vnd 65 
wülagen die des gerten vnd wnfchten Daz fi daz geOeehen daz ir da 
fehend. vnd enlahen vnd enhorten ün nit Er fprach ovch zuo in Ich 
haiz iv nit min chneht. ich haiz iv min frivnd. Wan ich havn iv 
chvnt getavn minen willen, vnd elliv miniv werch Der chneht waiz 
fines herren willen nit Ich han aber iv chunt getavn alles daz ich 70 
vemomen havn von minem vater Er havt fi och von andren finen 
hailigen da mit gefvndert Daz er in den gewalt havt gegeben. Wen 
fi hie in difer weit gebindent. daz der da ze himel gebunden ift vor 
dem almehtigen got Vnd fwen fi hie ovch ledigent daz der vor got 
ledig ift Si fint och die zwelf borten, die in die himelifchen ierufa- 75 
lern gand wan div lere des hailigen gelovben die fi gelert habent. 
Div havt iins die felben porten vf getavn. Vnd hat fins der hailigen 
genoCamen gemachet da ze himel Si heten durch got verchorn dife 
weit vnd alle weltlich wnne. Vnd waren dumähtig an der minne 
des almehtigen gottes. Vnd an aller menfchen. wan fl nieman min- so 
ten denn den almehtigen got da von mohten fi der bos- (3 a) halt 
wider ftavn wol. Vnd der weit an gefigen Nv füllen wir daz bild 
behalten, daz fi vns vor habent getragen, daz wir den almehtigen 
got vor allen dingen minnen. Vnd finfem eben chriften als fins felber 
Daz wir fins ze allen ziten vor den fänden hueten Daz wir den s5 
bcefen girden wider ftanden Daz wir div gebot des almehtigen gotes 
erfüllen Daz wir die hohfart fliehen Daz wir ze allen ziten zuo dem 
ivngften vrtail vorht haben Daz wir den armen ze hilfe chomen fwa 
wir mugen Daz wir die hailigen minne mit allem flizze behalten. 
Div alle vnfer funde bedechet Wellen wir difiv dinch alfo behalten 90 
fo fien wir dem almehtigen got liep Nv. 

63 michi (U lue<B 10, 23. 24. 65 patrichan 66 daz ir zioeimaL 67 Ev. Joh. 
15, 15. T2 Wien 75 borten] boten vgl. Apoe, 21, 12. 91 vgl. den Schluft 

tHNI tXXtL 



4ft xxvm 



Be Bisrtliilnu 



D, 



He grozzen vnd die heren hohzit aller martrer. die en mftht de- 
hain menfch fo wirdigclich ge eren. fo fi des wert fint. Wan üch 
der himel des fircewt. Daz fi da ze himel der hailigen engel ge- 
nofchaft habend gewnnen Sich froewet och div erde des Daz fiv 

5 von ir hllfe befchirmet ift Elliv div hailig chriftenhait frcBwt fich. 
Daz n von der fignaft der hailigen martrer ift. div hailig chriften- 
hait die vnfer herre felber mit finer heren marter zao fines vater 
hulden braht. vnd fi lediget von des tieuels gewalt mit (Inem heren 
blnot. Die havt er ovch geaeftent. vnd er rainet mit der fignvnft 

io vnd mit dem hailigen blaot der hailigen martrer Si fint die. die de- 
hain not Von got gefchaiden moht. So ir ftrit vnd ir marter ie merr. 
vnd ie vn fenfter (3b) waz. So ir Ion vnd ir fro^wd ie merer waz 
Daz angeng der hailigen chriftenhait. daz er rainiget vnfer herre 
mit den hailigen martrern Daz bild der gedoltichait. vnd der ftaeti- 

15 chait. Daz havt div hailig chriftenhait bi den hailigen martrern 
gelemet Si ftriten vil vdllenclich. wan f! des vil gewis waren, daz 
fi die genad fa ze ftand befaefTen. fo fi difen lip begseben. die in 
vnfer herre gehaizzen het zao der fi och grozz zno verfiht heten 
Der vefte gelob, vnd div minne div alle tagend über trifTet die fi 

20 zao dem almehtigen got heten. div machet in ring all widerwärti- 
chait dirr weit Si gerten ze allen ziten daz fi von difem Hb ledig 
warden. daz fi zao dem hailigen crift chsemen. Darch fm liebe Uten 
n vil menig vnfenfte. Etlich wrden erfchlagen mit den fwerten Etlich 
iiiTden verbrennet Etlich wrden mit den gaiflen an gefchlagen Etlich 

25 wrden erhangen Etlich wrden in daz wazzer verfenchet Etlich war- 
den alfo lebendig gefchvnden Etlich wrden gefmidet Etlichen wart 
div zvng vz gefniten Etlich wrden verrvnt mit den ftainen Etlich 
wrden vf geihiten. vnd fchat man daz chom in fiv. vnd liez div 
fchwin vz ir bach ezzen. Etlich lagen in den charchern menigiv iar. 

30 vnd liten menigen banger, vnd dürft, vnd froft Etlichen wrden ir 
hend. vnd endriv iriv gelider ab geCchniten Etlichen wrden iriv 
bain zao den bomen gebanden. fo man die bom ab lie fo zer brach 
man fi von ain ander Etlich wrden den tieren (4 a) geworfen Etlich 
wrden den fchlangen für geleit ze hechend Etlich wrden gerceftet 

85 vf yfninen Rcefchen Etlich wrden alfo lebendig in die erde gegra- 



s 
XXVIll, 6 vor ift fehlt $twa geteftent 27 Temmt] ywnt 



xxvm n 

ben daz hopt nider die faezz vf Etlich wrden an den galgen erhan- 
gen vnd wart in daz flaifch mit yfninen chrapfen ab gezerret. Daz 
man in fiv fach, vnd \%iirfen in faltz in die wnden. daz taten des 
tienels chint. vnd riben es dar in mit hSrinen tuochen. Die fi vf 
den rcpfchen branten die betrovften fi mit wallendigem fmaltz. Vnd ^o 
wrfen dar vf faltz So getaniv marter. vnd noch vil mänigeriv ha- 
bend fi erlitten dorch den almehtigen got vil fröhlich. Vnd froBwten 
Hch des. daz fi got fin wirdig havt gemachet. Der in den willen vnd 
die fterche het gegeben Nv fallen wir doch merchen war vmb ünfer 
herre fo mSnig not lie liden die er im felben het erweit Der willen 45 
der ftaetichait vnd der rainichait im chvnt waz. mit den noeten vnd 
(i liten Vnd dennoch ob dehain not grcezzer wser Die beten fi gerne 
dorch in erliten Da mit havt vns der almehtig got gemanet vnd ge- 
lert. vnd bild gegeben Er het uns gelert daz wir die weit nit min- 
nen. DIV ir minner zno dem tod laitet. Er havt fins gelert daz wir 50 
die minne. Vnd die fisetichait vnd die rainichait die wir von den 
balligen martrem vemomen haben, daz wir die ze allen ziten 
zno got (4 b) haben vnd och zno den liaten Dez havt er vns bild 
an im felben gegeben Die balligen martrer waren der liuten gefpöte. 
fi waren gehazzet von der weit Alfam taten fi der weit, daz fi die 55 
hazzeten Wan elliv weltlichiv dinch div waren in wider zsem. Die 
ff hafieten vnd in lait taten Den baten fi antlazes Dar vmb fint fi 
gezelt vnder div chint gotes. Vnd ift daz rieh ir erbe. Si fint nv in 
der himelifchen iemfalem hazgenoffen des almehtigen gotes Si fint 
in den genaden der fDelichait die dehain menfch erdenchen noch 60 
fi&r bringen möht mit werten. Da ift dehain fer. dehain froft. dehain 
vnfroewd. Dehain armnot. Dehain gitichait. dehain fiechtoom. Dehain 
zom. Dehain nit Da geret nieman nach gewalt. nach grozzen eren. 
Da färbtet niemen den tieuel noch fin läge Da enfiirht nieman die 
heUe. noch den tot des libes oder der feie. Wan da ift div wnnne 65 
vn tätlich Da en wirt nimmer dehain mifThellung Da ift div ewig 
eben hellvng. Da ift frid vnd froewde vnd mowe. Da ift daz ewig 
lieht vnd der fchin der fibenffcunt lichter ift denne div fonne. fo fi 
aller liehteft ift Div himelifch ierafalem bedarf der funnen lichtes 
nit. vnfer herre der erlinhtet fi felber Ain ieglich fseliger menfch 70 
der dar chvmet Der ift fibenftunt alz lieht fam div fanne. fo fiv 
aller liehteft ift. Da en wirt nimmer (5 a) vinfter. Da en wirt nim- 
mer dehain vnfenffe. Von froft noch von hitz. Da ift' fo getaniv ge- 



4f7 not grouer ; üh9r not ein mMyetfricAenei e 40 Er her 55 geliaizMn 



48 xxvm . txtx 

nad di^ dehaines menfchen hertz möht efdenchen "VTan die allain 
75 die des wirdig fint. daz (i die genad befezzen habent die vor got 
fint. vnd im dienent naht vnd tag. Da en altet nicman. Alle die dar 
chvtnent. die fint in det* ivgend. vnd der menfch ift. fo er volle ze 
manne gewahfet. Ober alle die genad. die ir nv vemomen habend 
So habend fi ovch die genad. vnd die wnne. daz fi genoffam fint. 
80 der balligen engel. vnd der himelifchen tugenden. Daz fi die froewd 
der hlmelifchert tagenden fehend. vnd ho&rend. vnd der balligen Pa- 
triarchen, vnd der hailigen wifiagen. der balligen poten. der balli- 
gen martrer. vnd der hailigen bihtiger. vnd d^r hailigen mägeden. 
Die den himelifchen chünig vmb itavnd. Vnd die hohzit begavnd 
85 Div nimmer end gewinnet. Da div ewig froewd vnd div ewig wnne 
avn end ymmer mer ift Nv. 



An der heil. Bekenmer Tage. 



Dl 



[Je fchcenen lylien dez Paradyfes. vnd daz lieht daz vf div <^erts- 
(tal geftechet ift. Daz es liubte allen den die in daz hns gavnt. Ynd 
div grozz (tat. div vf dem borg ftavt div nit verborgen mag wer- 
den. Daz fint die hailigen gotes trat, die lieben frivnd des hailigen 

5 chriftes die balligen Pihtiger. fi fint zymber liate. die an der erde 
die ftaine. die (5 b) an daz templam des waren Salomones geleget 
füllen werden. Die fi gefaeget vnd gefchlihtet haben in difer weit 
Daz niemmer debainer fchlaht liute gehoeret werden in dem has. da 
fi an die mar des gezimbers geleit fällen werden. Si fint och die 

10 zao den vnfer herre gel)prochen havt. Ir fint daz faltz der erde. Dax 
ir dif red verftiavn mügend. Die lylien des Paradyfes fint wiz. vnd 
habend fuezzen fchmach Da von fint die hailigen lerer zao den 
lylien gelichet Wan ir balliges leben avn alle maafen er wabfen ift. 
Daz div ballig chriftenhait völleclich mit in getzieret ift Daz von 

15 dem faezzen finach ir lebenes vnd ir lere Daz Paradyfe daz ift div 
ballig chriftenhait In dem has wonet vnfer herre. Alle die ir chri- 
ftenhait behaetent. die fint daz has in dem ünfer herre wonet In 
dem felben has liahtet daz lieht daz vf die chertzftal geftechet ift. 
Daz lieht ift div hailig gotes 1er. Von der alle die erliaht fint die 

80 Tnd den 86 vgl. den Sehluft von XXXIL XXIX, 1 Hie % Ev. lucm 11, 33. 

e 
3 Ev. Matth. 5, 14. 8 gehorte 10 Ev. MaUh. 5, 13. 15 leben 16 fehlt der 

Satzfthhtft. 



ir clififtaiilMlt/hiMAetit'tDMB Mb Hebt ift t« das ckerftdlgeileelMCao 
Wie dai cshmrtkft»l'g8tavB Tl vnd was es ^ttoto. dac füHeii wir rr 
üigen Das ei wr teft a! hatt dry fbeeze« vnd ^esaiclMBt die Imflige« 
driualtiolilrit den vater. Tiid den funi vnd den lialligen galü £e ha\^ 
#eh da «a mltleii atneti dbm^pt der hept 'zefanMn div sway tail. Der 
Mb <ttn^ b«tintet den baUfigeH ebriftus. Der dhr 4Ewlli liiii» ladev^S 
tnd baideii 'geftrnen«^ bavt in aiaen g^ben. *Daz ll«it alle die. die^ 
von den l:wain licM- d^ baflfgen (A a) t&vt enf^ranj^ttlabent Däii 
Hebt daä in dem bar 'rf da«- ehertifftal geftecbet ift. das Ift'ttv' leire 
Aei^''bail!gien lerer die dMc MOig gotea "wöft «^ äHen iited pt^üi'^ 
g*nt Vort d^ ' Ible' vnd 11^ ferficfettft Vnd «rrainet -werd^nt Von «0 
#em d(i viitfMr d^ fHad^M vMrib«fn Wirt Dit ftat div vf dem berg 
flüt div iK'ge«3Mbört.'iy!v mWg Att' verborgen wei^den. die fiht tAan 
Vefre.' vnd nsibetl: f)N^ llaVt' ib g^tavh grn'ntfelte. daz fi nftgdwicbeb 
mag. Die irrer det* <;bri(teifbalt! vnS die ^bter fwie gewafitig fl iiitt. ' 
fl emnttgen dffe felbefi 'ttkt 'nit zer ft<fei*en. Wan ft 'ift gM^bert'vT^* 
die gmntveite. der nieman mit liiten nocb mit gewalt i^efcbaffen ina^.' 
Daz ift der bailig cbrift. Die felben übt man verre. vnd ocb naben. 
Die fi nab febend daz fitft Uto fffellgiCM. - Df e die cbriftenbait vf ba- 
bent vnd ir bueten mit flize. Die fi verre febent daz fint die. die 
deniia^ig^'M<i%i»^ Vnd llen In^^eii toT#'ny^ mt enj^angen ha-*^ 
bl^. Vnd ferdotib^ Von A^' lere ztlo'di^ih bailigen geloben choment. 
Dkk vnfcr Üei4'e fpridiet AätÜ daz Mti A^ erde Übt. Da mitbavt 
irHi^n gemanetdaz Wir fr Iei*ö nretcbeil vnÄ erfiffleil BubalteÄ wir 
1/ firb. To ^itdiVi vHy deill atincfbtigeÄ got taetz vnd gefibadi. farii 
äsLtktz^m wiri'vbif d'eln felt2 SiÜnt dib zlmbetlltft. die da ftain^ 
ftüÜlhtilni vnd n' ftie^^Md' dais fi berait fidn an ^d legen an i^e mnr 
Aet blideiifehen ielt^aföi^in. da nimmer batner fdbla^ nocb debain lai 
^eiäsM ^H. Wa'A V6b li- Ih^tU^eb lere wefdänt dfeVisefllgen in difer 
weit fo geh^libtet irnd Von ^isfn ÜTiffeti fo vöUeclicb errainet daz It 
wiMig iiiit i^^ig^n aA dem hos. da Mi vnd ftiDe (6 b) vtid eben- 50 
b'eUiÄI; VnJ'liiir eS*1g'i{:fenad Ht. Viiter berrö' bat fi darznö^w^dt 
Vte'der Hk'ekiÜi fl' ^uöüber bMtij^etit. Wie fi dar ab mines trftfati- 
ik^ VfÜ^ii ettaüm YiäUnt Da% ift wbl^bih an der baiügen cbri- 
if^nbktt ht*e' n^;661t ifattfVUhen. vnd mit dMi bättigen b«d z«ö' dem 
^rftö^ Ittentt ^^jirifik bäbcift^Däz d^r vü wa«^: di^ weit vU %arte 55 

)^%p§ " if7M¥rfWlf.'- ^' 3Ö VlMifäiflriflklo » me vkm tpmUrMr 0and 'mtß 
fl^-gtbwfnrt. 85diej den %^^tii-f€hU, 40 ¥od den] den aus dien 

gebefHmJ ~ < 45 dlll\Mn • ! ST U<L' / 52 danu} «n.fp^k, 

Attd. Predi^ften. \ 



•''■14 ^« 



I» XXIX. XXX 

mimteB man vnd wip« Oaz die. die weit ar fliehent. Yad alz fi mil 
den (undeii. waren begriffen. Alfo fint ü nv mit den haiUgen tagen- 
den erralnet. Der E. liohfertig was der ift nv diemnetig worden« 
Der .e. diep vnd rober was vnd den linten das ir nam der; git nv 
60 wider fo er maift mag Vnd giltet. den er ibt genomen bavt AlOi 
befferent. Heb wip vnd man. von ir lere, vnd von ir bild .Daz ifl 
der wnocher den fi dem almebtigen got .brabt babent Er bavt ü 
fin frivnd gebaizzen. Wan fi bebielten älUv fimv gebot von finem 
dianft mobt fi nieman gefebaiden Swie fi den tot mit der offenen 
65mart6r nit enliten. ledocb liten fi mftnig grozz not, von den, Unten 
. , Si. wrden dicbe gefcblagen fi wrden verfendet Ir fpotet div inrelt Si 
abten fi alz fi nocb bivt tnont Si liten banger vnd fipolt Vnd vjyi 
menig vngemacb mit vaften. mit wachen, von den irrern di^ den bai-r 
Ijgen geloben an vabtent Nv eret fi vnfer berre in difem üb mit 
70 vil menigem zaicben. Daz fi toten biezzen yf ütavn.. Die aber an der 
, %»le tot waren die ercbncbten fi vnd brabten fi wider zuo gotea 
bnl^e Nv manend. 



vom. aUen aü^idleB 



il 



Ue die. die daz vmb den almebtigen got verdient babend daz fi 

von den noeten (7a) Vnd von der frais difer vnitetiger weit obo-» 

men fint bin zuo den genaden die ymmer ftastig fint Die fint uns 

an|ien fündem, ze allen ziten vil grcezlicb vad flizeclicb ze loben 

5 Wan dorcb den fi arbait vnd groz not in difer weit liten. Der bavt 

c fi ir not vil vftUeclicben er getzet Er boeret fi ocb. er gewert fi 

oeh fvfenn fi in genaden bitent über uns armen, fiinder Swie ir leben 

gotlicb vnd bailig wsere ab ny fcbin jiit wan fi von got vnd von 

den Unten geminnet vnd ge eret fint.Iedoeb foUen wir daz mercben 

io Paz ^vir die balligen mägd fv^nderUoben eren fuUen» die dis weit 

'I vndaUe! gezierd. vnd wnne. vnd aUe girde difer weit dorcb die Ueb. 

ynd. diucpb difr minne ires gemabels des balligen crifies Uezen Si 

betten ainen Itrit mit der werlt vnd havnt den^ tieael an gefi^et 

mit der hilf des baiUgen obriftes Vnd ilt bivt der ta^;. Daz fi mit 

15 der fignvnfte von deii balligen Engeln für den ftapL vnd ffür daz 

.:, antltttz. des almebtigen gotes brabt fint P^ f| mit ir gemahel 

dem balligen chrift }inmer avn end die ewigen froewd habend Die 

wil fi in difer weit waren. Do bendten fi fich fwenne .ir gemahel 

■* • ** II ■ ■ ■■ - < ■ i ' ^ • • \ "i r " t 

72 miin. vgl. den Schl/uptimnXXXtL XXX, 18 bttni/Wli . löEnftl 



cluBiDß Ob er vqib mitte naht dueme Daz .fi npit ir lieht yaz. vnd . 
mit ir öle en gegen im chsmeiu Nv lefen wir kivt an dem haiUgen^e 
f wangelio wie vnfer heorre fpracli. Er fprach daz diHv weit wsere 
gelidi zehen mägden. die namen ir liehtvaz vnd gießen vz gegen 
ainem briutigaom vnd ainer brat Der felben magde. waren fünf tvmpe. 
vnd die andern fönf wifo Die tiunben namen ir liehtvaz. fi ii b) en • 
miBien aber des Öles niht Die wifen die. namein daz ple in ir liehi? ^^ 
vaz Do der briatguom entwalt daz er nit fchier chom.. Do entfpUief- 
fen fi alle .vmb nutte naht wart ain michel moff Do chom der briu- 
tigoom daz .fi gegen im giengen Do ftnonden die magde alle vff. 
vnd beraiten ir lieht Die tvmben magde baten die wifen. die fich 
dar vfi gewaniet hetten. daz fi in irs Öles gieben. Das in ir lieht ^^ 
Iht erlffifeh Do fpradien die wifen. tailen wir finfer öle fo zerrinnet 
vae allen Gavnt bin zuo den die ez vail haben vnd chovffent iv es ^ 
Do fi giengen vnd chovffon weiten do chouK d^r brintignom. Die 
berait waren die giengen ^o der brntlovften. v^d. 4>art man die tör 
Dar. nach chomen die tnmmen magde vnd baten in^yf taon Do Iprach ^^ 
der brintigaim ich Säg iv zwar, ich enwaizivr nit Da von fo 
wacbent Wan ir enwiflüent den tag noch die wil. Alz wir nv mer-^ 
ehen fpllen. tfnfear herre fait finen heiligen ivngem. von zehen mag- 
den fie wifen die daz lieht hetten. die mit dem brintignom zno der 
brintloff chomen Daz fint die. die durch die liebe des almehtigen ^^^ 
gotes chvnfcUich vnd rainolich lebent vnd alle wettlich wnne ver-r 
chiefent Dar vmb (int fönf an der heiligen gefchrift . gefetzet Wan 
ain ief^fich menfch der vmb daz gotes rieh arbaitet Der fol fin fünf 
fiane , habea vnd er miioiT dennoch Idliv fiaiv werch chivnfchlich 
vnd rainiclich behalten. D^ er dem almehtigen. got enpfenchlich ^^ 
werd. Alle die. die reht vnd chiunfchlich lebent vnd den heiligen 
geloben behaltent (sa) wider ir eben chriften. Daz (int die fünf 
wife mägde Weihes die tvmmen magde fien Die tummen magde 
die verlinahent den elichen hyrat vnd wellent hailiger fin. vnd 
ill m Heb. daz fi die lint hailiger haizasen. vnd ' fi lobend vmb ir ^^ 
magtüöm. Die verliefent da mit gotes htdde Si verlieftint och den 
Ion den fi von got enpfhhen folten. Daz weltlich lob ift ir Ion fir 
ift d^h'''lajrdel' jg^uog der gemuet vnd aller ir gedanch hin zäo den 
manheh ftavt Vnd möht ez fin daz fi ez mit dem Hb voDebrsehien 



' * • • ' • ■ 



T 

Si J^. Manh. 75, 1 fgg» 24 aunen feMt 32, Gan 47 wider] vnd; o4^ 



fMi mjyiy^ t<m<r eben chriften f SO lobfind, t/a .54. ToUebra^en 

4» " 



ftS XXX . XXXI 

56 gen. d^s fi knit äem htrtteh gcfrent Die wt^r^t MO ilerMT»«^ 
flüMud verdümpnet. tnd Cint nts fishtfidig irür gbt fam fi ez mit dein 
lib voUgetavn lieten. Da^ #nt die tunitten m&gde Der fint ook fOmt 
an der Üailigeta geMrift gefeteet Wim f! mit iren iQrif fimten poftli^ 
lieh vnd vnreht gelifareiid. WI12 div Kelitvas vnd das Öle fi. baz die 

60wi(ba mlgde gen dem btiatiguolii (ragenlt Daa wellea wir iV fagea 
Dfv Keht vaa fint ünfH^r ÜeHzen. Dn^ liMit daz in den vazzen brin^ 
net. Daz fint dIv reliteii. ind div gaeten werch. Dte'iMe iffc ^iv «^g 
geaad. die def almehtfg gtut den i>eligea ae Ion g^. So er h in die 
himelitbheii ieruftdem zno der'^wigea trirtibhaft Atferidt Der brM- 

65gaom ift «mW lierr. Die briat daü ißiit adle dfe. die m ditem lib 
l«bt vad cttriftenltehea gelept habeat die fkier^i tM^r Itetre bäim 
ia fin has Der bHatguiyai der ^^b mitte nabt ehviat. dliz M; i& wir 

' «as aller mhidereft v«^elien So wirt >diy 4vagft vrtaa. ^er raoff* daz 
»an la «apflab. Der wIrt von dm liofligt^ fiagela Die bainsenrii die 

70 loten vf itavn. Diteen Ift deliain menfeb. Alfa -die.- di)( le gebam 
wwden die Mib^z^ti (al») At fr WkdpWr OWe wie ftelig dcmaedie 
wifen "mftgd (Mi. Vad tri« f^o. die 4az öl beMelten. da^ II drv bal^ 
Kgen wereb ib fr liebt vaz. Däz Kl la ir bettaeb' älfo ^nneat ge- 
gea dem brbitlgüoin tragebt 'Die ivitiäien nMöfgd die enbabead dea 

76 Hebteft noob des UeHitibt. Wan il fo geteilt biibeb hidlft^ wM. das 
fi Bibt rebter ^etth für den ateiebtlgea gdt tefigMi bringen. Dl^a fft 
laider dIv tQr des bfmelricfbes verf|)errel 1)az weldieb Ibb »dafe ia 
in difer weit liep wiEiz. ditt ift ir loa Swafc wir dnrcb w^tliMeii 
raam Vnd düröb boMbi^ getaon. dar väib wirt vna d#v bimeMiMi ttr 

80 vor v^fjperret. 11% eA)^ben ocb debakien aadertt loa. vMeindaalop 
das wbr Me voa dea UtMM eil)ilfbbev Nr maUebd. 



An der Kirchweike. 



A 



iUe die hob^it die wir in .dem iar begangen die 4int yon got geor- 
jdent der cbriftenhait ze troft. vnd ze bilf Aber dis bobzit div da 
liaizzet Cl^rwibe die fint vol froewd. vnd, genadelt allen den die fi 
fuqcbent \}n4 gediogea dar zao babent Hiut ift chjrwihe dicz.ibaiU- 
^geiL gotes bai^es* Daz ift ^e ewet vnd gewibet dar ijs^o claa map.gpt 
dar inne dienen fol. biat ift der tag daz got im felber ain bas ge- 



^liinttr -mtftttli fMt ^twü^üken. '791 ITJ^IM 76 nibt feiüL 7tf;^ Wif Ym 
die bimelifcbisa W Ver Vlt»enr«v(. *83 adja. vgl. il^ SdiM/^ 4^ UßT'^H"' ^ 



ivaoM 1^^Y^• uniMiba^ w^ lob ynd j)^ fifei). voA ^ni. jneqfctLpn ^ß 
troft V94 :^, geiv»d^ Dßn c^e g^o,^ bjp. fucictie^ Biyt i(t d^j^ tag 
dß^ 4ie >^lig«a Eng^ bie y( ^de cbomefit. )^^t in ^i^ \jm \jf^ Ijiob 
g^fanuicat mit :dw ipeafobf^ ^uodem Iq]^ vnd ze di^nfte kes fcbö- io 
pfer$. . AUo gr^z. ift div gepiade 4^ almoM^ig^i^ gates. ber 91^0 d^^ 
joed^en i^z (9^^) er liQ..|iertf geviainveUigPt l^avl^ ber zuo iiri,, 
alfo yerji^ Di^ dobi^ii^ nvenfqb Ycr^orn oi^g w^rd^. Wan der ain 
d#r ait gei^ete^wÄt. E^ fuQr ;bia ^e l^imel fliit i|«fer mejvjTcbait, Vad 
liez üna yf eupd^ j[^i g(>ths^t..VDd wnt uns ^0 veire. Paz er avpis 
ona nit df ?^ Wooi^ Hf^ wolt. Vnd win uoi^ bi^ yf erd Hi^er genaden 
v«d Ci^er gatll^j^ nit enbere« ftdteq D^ vmb walt er. o^b Ip.e vf 
erde {i% ^o^ bß)iieR Os^ ee alfQ wi^l, a^ da. z^ ldme\ Gner l^arm- 
buizcb^U vo) wfwe, Paz,. fe}b bas.lluCer« l^Trefy daz|ft drier.l[cbla)tt 
Ajfi^ Kl, da a^ bimel. J)Ups der eww Up b^i^zet ]pl(Bi ^ felb^ iSt. vAd 30 
alle die feilf^^ d^i in di^^ L^ben finen willen t^ten. Ynd ^ fii^e^ 
gelo^ien Vi^ 4n Hi^^ ^Ul^n erfvnden wfden So i(t dfE^ and^r bus 
bie vf wdQ Pain, jtigizz^t iliv ]^|li^g cbriften)^al(; Swer ifl dKw bijs 
biß v( erd nit e9 üt der en mag^ io daz bus n^t cbomen. 4^ ze lumeL 
Ynd alz ain ißgjdci^ g^ot bi^^ OUt funor gi^oten i^vr v^d> vai^gen üt. 26 
Alfo ift d^ bns der (^ilig^n cbriftenbait lait dem bajligen gelobcin 
vmb mvret Sw^ vfJJ^rb^b dez gelaben ift der mag nit.genefen. Alz 
div bailig .gefd^rift ^ricit^et. Kz ift vnniuglicl^ien daz lernen gpt wol 
n&üg gi^o^len {ivn den geloben Daz diritt^ bjuus ynfer» berren. da^ il^ 
dite g9tf s bn^tvVnd leiMlriv gotea Jtiii^Iei:. diy gewibet fint daz man 80 
goi dav inne leb. Vnd fin g^nad dar inne fuotch. Da foUep ijvir inne 
enpfaben den b^ig^ geloben, Vad den baldigen tovff. Di^ loUen yru; 
uofer /Oinde ipoe avn wBr4en. Dar inne fol vns l^uQzze (9^1)) wer- 
den alle^ dez w^ g^iye^ren mag an dem üb ynd an der ^^ Ql| wirs 
innerolicbeu mit rebton fiw^n got clagen. Da föUen wir inne firwer- 35 
ben vmb den almähtigen got mit vnfeirm. gebet, vnd mit d^ bibt 
d^z wir von difen zwain bf^vfera 4#e bie vC erd tv^it cfiomen. «fiuef-^ 
fen, bin zqo dein d^i^n bnfe D99 4a ^e.bioiel ift Daz ift der ewig 
lip |$z fpricbet der wiffag. |fenre dinem bif^ gezimet bamcbait Sam 
er fpn^pb berr^ dil^m bus da dv inne bift da ze bipiel dem zimbt 40 
wol hailich^it Wan f wer dar ci^en^en fol d^f mi^z* e geling wer- 
den fam. d#>^ golt in dem fivr .Vi^ mnaz fvn mafen fin 41s div 
ballig gefcbrift fpricbet. Von ainem ieglicben muefßgen wort, daz 
ie liot redent Da maozzen fi von geliutort werden ȣ. fi cbomen in 



'T ■ t I M ' « !t rf '■ ■ ■ "1 l' H ' '■ I T l. ■ I I * ; mt «^,,1 ■■ 

Xüli., »JMr. 11, 6. itiHmeimak 80 P$. 03^ 5. 



«4 



♦;m 



45 daz rieh. Daz dritte hus da zimet nit inne se taende wan bailighr 
werch. da fol man got inne loben. Da fol man got inne an beten. 
Da llnt die hailigen engel inne täglich in gotes dienft Hie wirdet 
der hailig gotlichnam gemaehet In enpfahet ovch der menfch hie 
inne im felber ze trdft vnd ze genaden. Hie ift finer balligen friünde 

SOgebain. hie ift div genad. Allen den die fi füoehent mit verdahtem 
mnot vnd hertzen. Hie wirt der f&nder alle (in (find avn. ob ers 
vorderi; zno got. Hie wirt er avn aller der not. div im gewerren 
mag an lib vnd an fei Noch ift ain hns daz dem almehtigen got 
vil lieb ift. (iO a) Da er vil gern fin wefen inne havt. Da er groz 

55 liebe zuo havt Daz ift aines ieglichen ibeligen menfchen hertze. Daz 
gerainet vnd gewäfchen ift mit den ziUiem der rehten riwe. Vnd 
daz er rain ift von hovptfünden. von manfchlaht von hnore vnd 
vber hnore. von zorn. von nide. von hazze. von aller fchlaht vnehtvnfeh. 
Da havt in geherberget chivnfch vnd diemnot. vnd gedolt. vnd ge- 

50 horftime. triuwe vnd warhait Swa daz ünfer herr vindet. Da machet 
er fin wefen Da von er felber l)prichet. Wa mowen ich bas. denne 
da ze dem diemnetigen. vnd ze dem fenften Der miniv wort fSrhtet 
vnd miniv gebot behaltet. Daz ift im ain liebes hns Wan fant Pan- 
las fprichet an ainer ftat Ir fint daz war gotes hns. Vnd der hailig 

55 gaift ift mit iv Owe wie fslig er ift der (In hertz alfo gerainet. 
Daz gotgemochet. daz er fin gaft dar inne ift || Da man ain gotes 
hns wihet. da begat man fünf nämlichiv dinch. Da der byfchof ain 
chirchen wihet. Da (Sprenget er mit dem wihen bmnnen. Da zfindet 
man die chertzen alle, man falbet ft mit dem hailigen öle. ErfchH- 

7obet mit finem ftab an den eftrich. vnde an die mvr vnd fegnot fi. 
Die felben wihe begavt man an ainem ieclichen menfchen. fo ez ge-* 
tovft wirt. man bel]prenget et. So man ez inden tovf ftozzet. man 
bezünt ez. fo man die tovfchertzen ob im brennet man chrifmet 
ez. als man wol fihet Man fbhribet (iOb) im an fin hov'pt vnd an 

7S fin bmft vnd an fin herts daz hailig chriutz Man fegent ez mit dem 
hailigen gotes wort Mit ftis getaner wihe ift iwer iegliches hertz 
gewihet dem almehtigen got ze hufe Gefah in got der die wihe an 
im felben behaltet So got wirt älliv dinch maldingen Daz ift an der 
ivngften vrtaile So ain ieglich menfch erflavt in dem felben lib 

80 Da er hie inne gelebt havt Alle die denne mit got erftavnd Die en 

e 
■ 46 da] daz 40 troft 57 er zu Hlgtn? oder crrainet? 61 bas auf baeh gebeftert. 

64 Cor. i , 3, 16. 66 gaHt 69 fpribel 70 vnd' an 72 wirt] wir 74 aus 

fchribt gebefterU 77 Grefiin 78 dinch» in aUen dr^en 79 vrtiile] n-fteode 



XXXI . xxxn SS 

werdent nidmier von im gefdiaiden Die aber avn in eritavnd. Das 
Ifnt die die immer Terloni fint Dar rmh heben wir ünfer hend yf 
liiii zno got Dajs er uns befchirme vor allem übel amen. 



•i 



TOM der Tffart tbtfer ik*OTweii 



Vi 



• t ■ 



Ns iait der gaot fant Lucas. An dem hailigen Ewangelio wie vaüst* 
herre in aln Chaflelle giengDa enpfieng in ain frow div biez Martha 
vnd dient im in ir hnfe Swa man ain Chaftel zimpert das vmb muret 
man* vnd nraretdar m ainen veften toren. vnd bewaret ez nütgäoton 
wahtem. mit üAüten. vnd mit aller lay gewmfen. Dennoht daz div 5 
vnd der tnrn defter bae behaet iien. 60 grept man i ainen 
graben dar vmb. Do der himelifeh vater finen fSm vnfem 
berren den hailigen diriil in die weit fant. daz er von der heven migd . t 
infer firowea: fant Marien menfchlioh bilde an fieh nsBme. Vnd div 
anien menfohen ledigete^ Do gieng er in daz chaitel da vand er io 
inne zwno Crowen Martham vnd mariam ir üchwelter. Div ain martha 
div dient &nfenn> herren.. mit den dingen der. der lip bedorft Div 
ander div (az zuo finen fuoczen^ vnd bort finiv wort. Waz ditv ^Uez . 
bctiat 'das wellen wir iv lagen Div muc bezaichent vnfer frawea 
Dant marien. Der tnrea bezaichent ir feie, die wahter bezaichent die i5 
hailigen enget Die fehilt vnd daz gewafen bezaichent die tugen^ 
des almehtigen gotes Alz div mar mit den wahtem behaetot ilt 
Alfowaz ir haiUger lip mit den engefai behuetet ze .a»Uea,zitqn* Ir.,* 
haüigiv fei div waz mit fchilten vnd mit den tugendeii.des almeh- 
tigen gotos behuetet Der grab bezaichent die die- (23b) muot. diy 20 
iil«ia fo getaniv tagend*. iDiv ailer fchlaU; tugent hueiet..Wan fiv 
Aiß tugent völleelichen hcti So wart fiv von dem almehtigen go^ 
geeret Vnd .dar zuo er wdt Daz fiv fin mnpter wrde. Vnd docl^^^, 
magt belib. Die zwno. frowen Maria vnd Martha bezaichent svvai 
leben in^rehj^iftenhait. A,yn diu debaln .menfch geaefen mag. Df^ 25 
ift der is^oten Uyen lebpi^ die ynferi^i herrep diMient von Jr^^ 
arbalten, vnd^ behaltent. finiv gebot, vnd helfent i^ren ebenchriften. 
fwa. fi ;Q£igen Die ditZ: leben bel^dtent die b^fitzend die ewigep ge-. . 
nad Da^.^^OMler Jeben.daai ift alfo getava. Daz die fadigen. menlchen 
^edie wn^e*,. vnd alle die gird dil)ei:. weit durch die liebe dpz 30 

XXXII, 1 Ev. Luea 10, 38 fgg. 8 h'ren 17 behuetel fehlt. 21 fchlat 

96 leben fehU. 29 Mnlar leben (Mi woM dts ift daz gaiftNch loben. 



liimelifelieii chünigea ril girlioh l«Mad. Vnd fliebsnt dila weit. ]>«e 
fi in dem lob dez «Inietati^Mi gotes se aUen siten lien Alfo find fi 
in dem lob dM; almelitigeil gotes. vnd ii«dea ewigen genaden. Dafe 
iit daz ander leben. Div zwai leben dlv ir nv vernomen havnd. Div 

35 vant vnfer herre gar völleclich an vnfer frowen fant Marien. Do der 
ballig engel von bimel zuo ir gefent wart. Däz er ir chvnt taete. 
daz UV den gotes fvn geboren fölt. Do vand er f! in ainem gademe^ 
Dax fi firiliok hin ze got gede^ehen möbt Owe wie diemueligIioh#i 
llv dem hkiligen engel antwrte. Als ir der erigM die lümelifchen 

40 hotfehaft fait Do wart fiv mit dem bailigen gafft erfüllet Vad fptach 
M^ bin fin ewigiv dirbe (24a) Dez bofcbaft da mir liaft gefait Sin 
wille der werde an mir erfallet Alfo wat iiv se attte zitea in dem 
dienft des abnebtigen gol^s. Ynd l)ebielt daz gaiillich leban vil tU^ 
leolicb.i Do fir den balligen gotes fvn gebar Do erfhlt fi4. dazu anüer 

45 'leben, br beitren den flv geboren Mt. Der die menfdhait von* ü* 

eiipfaigen bet dem diente fiv Siv avBetSiTJmMcbet'in' Siv elaitia 

* Siv badet in S4v dient im in aOeu den dhigei^:' der div menfeiuiit 

t»edarf. Do fh herodes Aiobte. vad in er follaheii woH Do flob^ fl 

nlit im in aln ander rieb. Alfo erMt fiv div zwai lebea völleolicbei. 

50 De vnfbr ft*or^e von difer welt'icbied Vnd ze bimel ^g^fiiert waurt 
tbeir alle die cbcere der Snn^l. Wanfiv maoter ift des berrea Der 

' - der Engel vnd aller geMieptft berre ift. So tft eth vil biWeb dai 
fiv über alle engelifi^e cbcnre erbcebet ift Nv fQlleii wir Qna -ge^ 
inlainlicb froswen. der fiob debainer grozzen fiinde (bbtildig walz. 

j(5l)er fol vil grozz znöverfibt haben. Wan fiv ift ehMigfnne der bkii^l 
vnd der erden. Siv ift älb zno v^fiht vnd t^ofU vnd hilf aller fOfif^ 

' der. di^ zao ir. fliebeiit. Siv ift div rain erde vz dei" gefpret^en ift 
der branne i.eT bailigen erbarmvnge Iti äem felben bninneil tntiozzea 
wir alle gewäfcben werden. Daz ift vnfer- berre ibefbs cbriflus'. Daz 

60 ünfer berre deir bailig^ alt vitem gebaizzen bet Abr^ffem. ^ JijKÖb 
vnd. lacob. Daz havt er uns gegeben. Er gebf ez in afn' erd dfir 
flozze von niäich. vnd von bonige. DiV eM ift thifer A*owe 'feAt 
Maria. Div mülcb cbvmet von dem ^24 b) fla?fcb'. Daz Mnlg "wirt 
ze f^en getragen, avn aüdrfcblabt flaffch. Dtv 'itiilich bezaidreht 

65 die menfcbait Daz honig bezaicbent die gotbaft. Dtv baidiv biB^ 
vnfer firowe braht. Wan fiv uns den balligen cbrift gefront' ^bavt 
Dlör warer got vnd wari*' menfcb ift Nv füllen wfr ntefihcb^n ^^^e di^ 

87fni/eMr. (<lwai- » • , ' .■ ■••.».; •.v-iA '. . r •.,...;•! •».. 



enget ßm u«S^ ffi^wei), ffrai^ JBr j^ac|i fiy vr^r.vol aller g^iniden. 
Wan, (iv UV i^ijr g^m^avol iftVadwanriv una denbrao^ea der 
gdm^dea vnd der.erb^qfi^igjB .br^vfat kavt. D^.ae. dem, wir ufiCer 70 
fiMü^e a1). .w¥<4^,ei^ fifUen. fwer fo Ts^lig U)t. Daj er fin mütetavt bpr 
,>iri|wtiPie^2LhOT,c||ow^ vW;de»^ ilfHien ][)ni|i|ne», dea pa* ypfer 
MoWirUvt' U^ria:.br^)ii bgvt.Nx maa^nd ft Uvt irr, gew^d. dai;,fiv 
«W ^/eff ajKi m^ vnd an feie,. .. 



mmttu red vob AnCw- IMimM 



HAria 



#.•■ 



4tea pftielmi oia mer fteme. Siv .kainel da voa BMarfleme. 
Bas Ir irea lm)«eii ;Danea füll aa fi^lM. Waa, ahs fich div foheff 
&v=vf dem mer vei ead. . aaeb. dem Cterae riUeal vntzdaa fi vfiden 
fraÄfeft ebaaieat. Alfi> Xalkw wir bren haiUgea oamea anraeCGBa. t«4 
aa febea. rVii^z; daa ftv. 4n& y^ dea. (r^aSim helfe ^A briaga dirre 5 
weit Daz üv uns zuo ftad bringe. Daa fiv av bafeuan havt. Daa ifl 
daz ballig Paradyfe. Paradyfus dax fpricbet ain bomgarte der wirtfcbaft. 
Den gefcbuüf ünfer berre got. von anegeng der weit. Vnd gefcbaof in 
dem felben bom gäri^A'^dhien vr ^2^ a) f]prung. Da fliezzend vier 
wazzer vz in vier enden in daz Paradyfe. Daz fi fiuht geben allfm io 
dem iNnägarten. Bi iea felben vier wazsem ftuonden ala ez get 
wolt TU flienig edliv wrta. vad> vU me^ig fbboaner bovm. Vad ftaönd 
adi all aamittetf vader dea bovinen am bovme des libes. wan er bei 
die ehrafl vnd die ta|^d. Wet flaer Ihibl ze alnera mavl genez. 
der lept^*yaimer aMrf -in allen fiaen obreftea vattiBtliob. Jki aber adam 15 
Vffd Btta tnfer» berren gebet iber giengea. do iliezz er II vc dem 
Mbeb ' ParadUb. vad fatzte. ainen eagel mit ainem fiurinete fehwert 
fir iaz t«r des berenparadifiBS daz er buete Waz difiv rede be- 
Baiebaa. -däus wellea* wir fr fagen Der bovaigart b^saiobeat alle die 
ebliftonhatt: So bezttiobent der vrfpring. da div vi^ wazzer va rin* 30 
aairt. den bailigea 'Obrül.' Div vier waizzbr lint div vier Ewal»gelia. 
div er fclbateM fiaeai mvnd -gefpro^en bavt ze hilf vitd ze troft 
aller der chi^ifteabaii Vnd "da er mit geaeftndt tnd geftoügai bavt. 
de* «buiiUgen geloben Bi dea lelbea vier wazzera. da bi ift gewabibn 
vil' mealg'gtotiv wrte. Vnd vil menig'edel bövme; Den daz felb gdt^ af5 
Heb Waaaer allen fiabt vad ebraft bati gegebea. Die* bovme dais fSÜt 

^ — — I — r — ^-tf ■ — -m-i—'^-n ■ _ ■■! . wu ■ » « n ■ i - ■ i 

iXXm; Y'wirtflehialt ' iOftnlit] finbt ' 11 wazzer 13 libes 18 Jiren 

i9 die] ölte; dahinter ausgeitrichen weli 23 gtaiAa^l 1 '•'-' • 



SS xixsä . xxfäV 



die hafligen gotes boten, vnd die haiUgeii martrer. vnd die haffigen 
bihtiger. Das fhii die. die vnfer herre got mit der fiidite dez hailigen 
gaiftez alfo geueftnot havt Das fi vün reht Katzzetid (35 i») die ifoVme 

30 der hailigen cbriftenhait. Wan fl flv mit ir gnot»t vf habent Vnder 
den bovmen allen ftavt ain bovme. Dem nigent fi alle. Dem* di^ikent fi 
alle. Der bovme der ift Div here cüftniginhe llr obz "md ii^ firtfit Mt 
der hailig chrift Swer dez obez ze ainem male nivzzet 4tlip Ufpt 
ymmer mer mit wnne vnd mit froewden in allen fineif cbreften vn- 

35 toetlich. Daz hailig Paradife daz on» von der alten Euen vnzühten 
vnd über mnot von anegenge der weit vor befchlozzen waz daz havt 
ünfer frowe fant Maria mit ir mitte vnd mit ir diemnet entfchloiMn. 
Ynd vf getavn Waa daz finHn (Wert da daz paradyfe mit behaetet 
waz Daz havt der hailig chrift erlelbhet mit dem wazer daz vs finer 

40 gütlichen fiten floz. Ynd havtvil herlich gefetzet an fin zelWeB.'Viid 
gechrcBaet ze ainer vil heren chilniginne ftber himel rieh vnd 'fiber 
ertrich. vnd über alle die weit. 



van der gebaut ünfer frowem 



w, 



Ir lefen an der hailigen gefchrift wie der chiinig Salozoton im 
felber ainen ftuol gemachet het vz helfenbain. vnd bot in gezieret 
mit golt. Binden waz er finwel vnd waren zwoo hende dar; an .die 
den (tuol vmb vangea beten. Vnd bi ietwederr hant was ain leo 

6 gemachet vnd waren fehß grede die dar vf giengen. Vnd ,vf des 
fehs greden ftaoiijden zwelf levn. So getanes werehea was in allen 
rieben nit Salomon der gewaltig ynd der rieh chünig. <26a}" Der 
bezaipbent Onfern bcrren Uiefum chriflami mit dem namea. vnd mit 
den werchen Salomon daz i)priohet in vnfer zvngen ain (irid zueher 

jeder havt ünf frid .gemachet, vnd havt .die vjntfchaft veriüent Die 
dßr arme.menfch geamet hei der gotes hulde mit finer vngehorfame 
verlorn hßt. Des felben Salomons des hailigen chriftua werchen. 
den ift alt gelich Ir.havnd woi vernomen wa v«n der fiwl:dez 
.chuniges ialomones gemachet wart. D&t waz von helfenbain gemtdiet 

iö Der helfant Ut chalter natur.Dehain ander tier ift ib chalter nator. 
Da von ift er eben maezig der chinnfeh ünfer fro wen Cunt Mariea. 

AO fehlen Worte. 41 hren XXXIV, 1 Rgg. 3, 10, iff fgg, J^9^^'. ^ 

^ f 1*7 (99* ^ machet 11 %wi9chen der und gotes oMffeetrich^n hart üni le 
halden braht. TDd 13ehrtil9 •., < • 



S0 

was V0II der tagende des almehtigeB gotes ▼on aller fclilaht 
l&nden fo errainet Vnd von dem hailigen gaift waz ü vmb fchetwet. 
das nie dehainer fchlaht vnchivnfche. zuo ir chomen moht Siv waz 
div erft div iren magtuom dem almehtigen got verhiez Swie fi den 20 
flnoch der . E. Torhte Der waz alfo getavn Schwelich wip nit waochers 
Ivavht. div nit ehindes truog div waz verfluochet vnder den liuten 
Swie flu daz vorht ledoch enpfalh fiv fleh dem almehtigen got. Der 
lofte fi von dem fluoch. Vnd gab ir fo getanen wuocher. von dein 
üv vnder allen Unten gelopt vnd gefegenot ift (26b) vnd maoter25 
Tnd ewigiv lüagt ift. Den felben Itaol ziert er mit gold Daz golt 
betiatet die hailigen minne Der Itaol waz finwel an dem hindern 
taiL an dem menfchen fint zway tail. Daz vorder, vnd daz hinder 
tail. Daz vorder tail ift div feie. Daz hinder tail ift der lip. Div 
feie ift daz bezzer vnd daz llerer Daz hinder tail daz den 11p be- 30 
zaichent Daai betiatet daz iinfer frowen hailiger lip. chinnfch vnd 
räin vnd diemnetig waz Die zwuo hend die den (tuol vmb viengen. 
Daz fint zway leben. Der rehten layen leben. Vnd der gaiftlichen 
liate leben. Die noch nieman fo volliclich begie. fo Qnfer frowe 
fant maria. Die zwen lewen die bi den zwain henden ftuonden. Die 35 
waren zwen hueter. Der ain waz Der hailig engel fant Gabriel der 
ir die fhmen botfchaft von himel brftht. Vnd ir pflag vnd ir huot 
an gaiftlichem leben, vnd an aller hailichait Der ander hneter den 
fchuof ir. ir hailiger find, do er dorch aller menfchen hall, an dem 
hidligen chrintz hieng. Daz waz fant lohannes fin trat. Der ir hien 40 
erde pflag. vnd ir diente vntz zao der hailigen vfTart ünfers herren 
fhefii ehrifti. Die fehs grede die hin zao dem itaol giengen. Daz fint 
' dBv fehs werch der erbarmang. Daz ift aines daz wir den eilenden 
gnot ffillen fin. Daz wir den hungrigen zd ezzen füllen geben. Vnd 
den darftigen t renchen. Don nachenden claiden. Daz wir die (27a) 45 
armen herbergen. Den fiechen laben. Daz wir die gevangen die in 
dem chärcher fint. ledigen. Die zwelf lewen die vf den greden ftnon- 
den. Die betiatent. die hailigen zwelf hotten, vnd die hailigen väter 
die alle ünfer frowen lobend. Vnd genad da zao irfuochend. Da ze 
dem felben ftaol. vf dem got felber geraowet havf . Daz fol ünfer 50 
zno verfiht fin. vnd vnfer geding. Der felbe ftuol ift finfer frowe 
fänt maria. Die ffillen wir vil innerclichen biten. daz wir mit irre 



— 9 

Sl Yorbte] vor het 37 bräbt 41 hie vf erde 46 hrbergen Dai die geTan- 
gen 



•# XXXIV/JSSXV 

biU^ wi4eff hmm v»difiDni «Umd ana Aen ewJgm geiMkien ehom^ 

. 1' ! . 



4m 7^^ alkr 



T, 



.^loj^ni^ fpargendi lajHde^ et tempas^ ooUiend^ $i DiGv-.wort ii^i/L 
^efchrijiieq in eecleüafticf vnd iprech^t die oe tiufche |yU(ö; JKx 
ift ain. zit dfz ^^aq dic^ ();^ifi voa ain aiiidejc «ertiiilel vnd i(t och 
ain zit da^t maii fi w>4f^r i^emeii^ famaet vnd licereiit aygenUcb 

5vf daz ho^ zit daz wir hiut begangint von allep hailigen (isSb) 
won alz die hailig n^m von $iin aifdej .zert;|Ut werd^nt in de^ 
jaur vnd won man hint ainz hailigen tag begaut mon aimi an- 
derz alfo bat man flu hiut all^ wider zemen vnd begavt ir l^)tcl^- 
zit D^enthaft i^ aller der criltenb^it an den^ biatigep if^ 4ici balligen 

10 find .bezaicbent bi v dingen d^e an den ftaineo, fint dae ^r^^ ift bef t 
daz m^n in beniuti biegen kan won er bricbe^ e. daz co* jÖK;b biegen 
lauz da bi ift vnf bezaicibeat d^ die balligen a^liu ififi }id Uefle^t 
brecben yod den biter^H tot Uttent E d^z ü ir . bejftz. jfuugtiiit von* 
got vnd (icb fcbiediat von oriftam geloben Daz ßodef ift fiyiß 1^^ 

15. der ^del .(tain in deo^. boni^e lit ef gefolet niofn^r d^ bi ift bfzaicbeBt 

dfus die bailigen lieb niumer gebörwetent wie vil A b^ 4bel^ listen 

warent vnd bcefez bild (abefit (isea) Da^t drit ift Uainl daz d^r 

.edel ftaip klaiper ift dew die ^i^4er, Itain da bi ift;bßZQi^nii.4tr 

bailigep demuelJiait- fi ^yrarent kl^in vor in felb viid warent groff 

20 vor gpt daz vierd ift tjure daz der edel ftain tiurer ift vpd k^ijper 
alfo ift ocl^ ain bail\s,4ivrer yi^d kQfper denn bip^icb yiid ertricb 
vnd allez d^ guet daz difin weit gelaifti» mi^ 0^?^ y; ift[ daz der 
edel ftain grofT kraift bett alfo band ocb die :baUige^ gro^ l(r^ 
von vpfe^nPQ beren JKz ift ei^kain bailig er mvg dif erwerben vmb 

25 got.fillez daz da i\utturfftig bift i^n fei vifid ai^ ^p IJ^ni^. foiM^ if wiffi^n 
daz di^ bivtig bQcftzit; vpn drin faehan yf gelet wart jüf, erft ift 
ain fuififerlicbia wiehi aii»? tenpelz ze ron^ wir lefTent vop^roBinern 
dq 15 in ir berrefcba» w^reat d^^iz (i86 |i) fi ^le weU gi^walteklu^b 



XXXV, 2 in EccksioMtB 3, 5. 6 die Handichrift wrdcnl 7 «in balligen 

■■ f'" '. *' *■■.. 

e 

16 gefrowenlent 19 to in 25 aliez dz wifT 26 hachan ift fehlt. . 



JBSEBV fl 



VBder in hettent vmd iMlMent «die •Mpglfi an ii«d tl« li Mneai liM 
'mt geüfjLent'io nomett fi lin al»göt v»d iharien ^gen rdiii ^md tmigen 80 
das laut da mit das w mdertsenig vmefDt ffia ir gowalt vnd waa ala 
vil fd^gSi da da» ii di^ üot hettent in ür hlufeini vad fi aa battotaat 
viid do <daB die awai^n Adi^nt die aa dar abgdt tonpol lioHeiii do 
kjatiaiii fi gent vilgaolez igehept vnd Ipraoiakiit ev wst* aii gfttüna 
aaibjte vad wwr aiiir ab^göt inaotctar diu ibette dan icajlir^ gebettea 35 
IML alrcBmar daa fi ir vad ayan ir^ IIa aia tompcA aiadittatt vnd 
fl ei^nl -vnd »li'Oli ü Idnan iegüoiMH' abgot nit iimdaalicheB gaeraa 
■Achlot daa fi«dtoiin adüea grau» teaptf .nairtitiflt Imi IIa da nril 
ainaader arttitlliaaen<liafll<ia7a) .¥nd Dwia Ti ^dai «t lattfnt das 
fi idantt :wlllinl 4az fi denn wimer megefigan Ikdüni an eaJiainima 40 
fifit vad das ih aMia 4r iMffchafl^ ah pxä^ Db daS' Gramer drhoi^ 
laai do JuMTedt fi 'ainen toipal inacb^nifder was ite-liaÜich/daa'nuM 
ir riabiüt da ini fd^dwen Mi KMOS; "des laapeia. ulti mooht enkaia 
g0tH(bar.rafahto Md do das roner. drMenl d^.aamenl 6: erde imd 
fidtoni daa<|0tpel ida JiiXdi alz diUE ^ida man getwusbaft jnaokfi vad ^^ 
wial^lBit den! /gatteh fdaz ii0tipal;^md?ftiitett4tdann qlfenaing i/if 4ie enda 
wd-MentcUs alz iasg <vnti' ft das fto^^ vdlliraiiditeni vad.üutaf 
vDsd da dAa li«( dju fi «dia terd »vf ilnragani vbd fi«iiasat^f)niai% dadr 
InihndiilitdaB fi ^doe 'hettaat iD. wazidaa.'teniial ta iiant «rlffiat vad 
Mriiesl; riaiier isb|ptt (emontten der.wa» vil < i89b) groff ^vnd lierr ^^ 
Mdk geiiiiolit Hvd ^fiiukideat 4ie aiider ab'gi^t alle vmb in vad hai^ 
UmtMe hmi vf vltd wai^aat gegen in kere4 vad machtent do mit 
salmiiMn eds fieh aia iant wider acemer woli fetaao fo kart fick 
tiUsU tmb Yndtoutf-roemer «dkgat 4eii:ni^geB Vnd>doilaz 
4o faiMleat fi als vililiut dar idaa ;fi. ea auk^^ewalt ^^ 
«^angdnl «das >ea widar vndeitonig «laolt <fin k ^eniratt Vnd ido fich 
iNBBMr 'beieeatta teo criftam geldbtti denatoelit firnndenidie aligftt 
wH^iim^ .Sw^Gragorien.sMen der liiea in Jclo altoi die aaff ab>&hnidea 
Vnd darfiepd 'baiMtsaidi teit jgregora^ )ziten >der iites boitfaeiufi 
ÜBT gieng za dem kajrfor tfbcam der was da indesizitaa.kiiyfer.vnd <M) 
tat in das «r im das tenipel (468 a) .g»W das^da «ewibet . was ia 
äfidr tabgftt cr^-dali weit er wioben 'in;iirafbriAraw#n vQd laller ka*^ 
t^n 0re dar ipiei der mnevel in der kgyfeit rad vi der ftat dn^ gie 
«h«)ilMftft*iblb Ms, :sB fem ieapel .yad.^es.di« 4mv«l ^«unea.vnd .... 



MYornder , , SS^büfwr 33 erwarten . 37 «üiem icifflicbefn 43irricbaitJ 

e 

awilLait 45 geraifen 50 abgot 60 focam] tocaro eS^lMretjMS ^ 



•S XXXV 

65 alle die abgöt die von geibhinide wArint hiez er serflneltsen vnd 
diQ ftainninin hies er zerbreehen 4o waz der tempel mer den fünf 
hundert jar gefunden vad wichet ez do der pabft in vnfer frowen 
ere vnd aller hailigen ere Vnd da man E vobt die menigi der apgöt 
da lobet man nun die menigi aller hailigen Dia ander fach ift da 

70 von diz kochzit vf gelait wart, daz ift daz wir lobent all hailiged 
won der hailigen namen ift vil die wier nit wififent won .5. Jerdni- 
mua fpriohet daz enkain tag ift in dem jar im gefkl (.188 h) Knf 
titfent hailig die nun rcemer allaia gemarteröt band der namen nit 
gefchriben find avii alain daz ingendig jar daz lavt er vf.da havt dia 

'^^ criftenhatt geordnet daz wir aller hailigen tag hiat begangeat wdn 
wirieglidien fnnderlichen nit geeren.mugent Nlinljfirichet ^aia wkaA* 
fter daz wir der hailigen. kochzlt eren fond von y| dingeia :daz erft 
ift alz wir die hailigen erdnt fo geben wir ibnderlieh lob der gft^ 
liehen Magenkrafft Daz aader daz ift daz wir alz krank lint daz wir 

^^ Von vnf felber enhain gnand hasmogenl da von ibnd wir die häili«^ 
' gen Bren vnd fond fi an meflten daz fi vnf tngent vnd gnand erwer- 
bint Daz drit ift di|i memng vnfer fidierhait won übe wir der hailigen 
hohflit begangint Ca wirt vnfer ücherhait gemM'Ot fo wier gedenkent 
daz fi toetlichiv menfohen warent alz ( 189 «) wir vnd doch von ir 

S5 gnoten werken vnd werten alz greif ere vnd alz vngem»frer ft^oed 
enpfangen hand wenn volgea wir irm gnoten lebene nach fo figen 
wir ficher daz wir taut nmen befitzent die fblben frced die fi befeffea 
hand daz vlerd ift daz wier gnotem bild nach volgent' won alz 
wir der hailigM hochzit begangint fo nemeh wir bUd an inaen daz 

90 wir allin zer genldidii« ding verfinahiat vnd al vnf er begiert aa 
hinrnüföhen dingen lichten daz fSnft ift daz wir der haiügen haduBt 
be^angint andieehtefclioh (b hand fin vnfer gehügende in -dem 'himel«i> 
rieh da von ift gefbhrfben daz fioh al engel vnd al hailigen frorwend 
voa aiilez finderz bekert $ Daz vj ift fwenne wir der haiMgea 

95 hochisit begangint fo ere (l8«b) wir vnf folber $ Nam cumfhono-- 

' ramas fratres noftros honoramis nos metipfos % alz wir vnfer 

• 

bmoder erent fo erent wir vnf felber wen din minn macht vnf ge* 

mam allin ding^ himelfchUchia vnd ierdefchiii vnd ewigin din iij ikch 

ift da von aller haiUgen höchrit gelait ift an difen hiiitigen tag daz 

100 ift daz wir erfetzen ¥oad fwäz "wir verftonet habiaft an der hailigim 

ea Itainnüni 68 da fehlt. 72 in d' wocben ald in dem jar 73 nit fehlt. 
75 begännet 82 ift fM. 85 werken wtirtelit 93 Tmc. 15» 10. 98 fBbend 



kochxit der hailüten ift Utxel dc«r ]|,ocliiit wir fiinderlicheii begangiiit 
vnd AuneQt vaf doch n^fDich , das wir ü mt as and»chtiklich vebent 
ab wir von reckt foltint vnd daz fond wir hiut allez erfetzen da- 
mafcenna der Ijprichet das wir der hailig^ lipe erea fond von vier 
dingen; das ertt ift daz fi gotez friand findt da von fprichet der felb 106 
Jam non dican voz feroos fed amicos Jch haif ivch nit knecht fiin-r 
der firinnd (l9Q.a> daz ander daz i! gotez kint find, da von i)|>richt 
.S. Jol|annez in fim ewangelio dedit eia poteftatem filios dei fieri 
vnCar . Ikuer hat vnf den gewagt geben daz wir gotez kint werdent 
Da^, drit da von wir die hailigen eren fond daz ift daz fi gotez erben ilO 
findt dar von f)pricket,..S. Panlua find ir gotez kint fo find ir och fin 
erben $ daz^ vierd ift daz fi vnfer laiter fiot da von fpricht . S. pan- 
Ina ez ift büliph daz wir der hailigen lip erent vnd ir hochzit wier- 
deklich, begangint won fi find vnfer layter vnd tnont vnf vnfer wort 
Ib wir von difer weit fchiiident Gegen dem ftrengen richter Nun ii& 
fbnd;Wir vnfem herren bitten daz er vnf gebi.daz wir der hailigen 
VOfl alfi(> nach volgint daz wir die ewigen frced mit inan befitzzint 
daz vnf. das. wider var daz ver ( 190 b) lieh, mir vnd ivch der vat- 
ter vnd der fiin vnd der hailige gaift 



Bomliiiea t reemidhnn LBicam« 



INS feit fliiictaf Lucaf ' hivte aii dem hailigen ewangelio. wie unfir 
herre ftuobt ze ainen ziten bi dem mer. do gahte zvo im ain michil 
menige daz h iiemiBeineA daz gotef wort. Do (kch er bi dem Aide 
zwai fchef. ftän. (4 b) do giench er an daz ain vnde lerte däz aolch 
dar abe. Alf er (die bredige üerlie. do hlez er die vifchsere daz fi 5 
daz fchef unt daz nezze beraitin of den fS. der rede antwnrte ime 
üuit peter onde fprach. herre gebietsere alle die najit han wir gear- 
baitet vf dam fe. vnt han niht gevangen. Na wil ich herre in dinem 
namen min nezze biraiten. vf die vifchwaide. ze hant do er daz getet. 
do yieng er vifche. vz der mazen vil. waz div rede bitivte daz weUin 10 
wir iv fiigen alf wirz an der fchrift habin. 



iOi laiHg IM JBto. Mumnit lCi».A5« . iOBjEv^Joh. 1, %%. 111 M<m. 8» 11. 
115flengen 116 bitten! XXXTI, 1 JUic« 5, 1 fyy. 



Da« fliier' da uhÜr Uäfre 1)i ftdöili 1)ifea!6)iM 'ffiitv vreÜ. '^n'ü Mi 
väliche vnde mit untriw^h waotet. 'alfö d'az iner (I c> tvot vdn Acni 
vndeti. div twai fchef div da ftvonden bi di^ ftade biiiäichlfit div 

15 Kwai volch. iadfn vnd6 criften. Daz aiAiB fchef da' vnfer lienHD'an^e. 

^ daz Vair fiinte petita, da er daz A'Olch ane lerte. daz blzaicliiht itfr 
haili^h ciiftenhkit. da wörite nhfl^r hi6rre itfite. du ff dten hkiligM 
gelövben 'enpliie. vAt bteh ^eftsetigcttvart irittfliief leVe. Bit Viffcliaere 
bfzäiöhint diie A^afllg^n z^velf baten, vndef at^der'tef^r dbi^ijrthen- 

20 halt, der vttbh bltivtit den füiid^re. det" da erwildet tft inr dtenfüti- 
den. Dät nezze bizaicbint den geioirVeii ant die gotef lei^. 'Aa man 
den ftttidae^e Iniie Vahin föl. tKv iiaht da fant pettr brvffe&t^. rrid^ 
niht vieneh \ntWtet Od) die bredi^f . die niwän' blWi^t dcät« 
ir liüz wiHen. die felben v^än ^ lerefat bi dar näht deff irffetüomef 

23 da voii Vahent il der vifclie hiht. Die ir tfezze bfräiteiitln dem'ii^Mcn 

' äef almsehtig^n gbtif alf Ifartt pl^tir i^t die v^lnt viMfe alii lifitihel 

tail. wan mahich furidkr g^b^z^rt ii(1rt vöii ir lefe. T^'blttfait'hfTVte 

den älmshVigen g€ft. flner gedadeii. daz^irlh dirre weiter Ufe^j^iMlü 

gen finer lerJB. daz wtr da mite verdienen fltf rlfcb^. Def liMf Vtif 

30 fände Maria div hailige chanigln. 

Domtnlca vH f c cnod i im Narciuii. 

INS feit fanctof Marcuf. an dem hailigen ewangelio. wie vnflrm 
herren nach volget aia mifäi^ m^nig?. in.ajiier wanfte ze ainen ziten. 
Do giench er zvo finen iungcrn. vnde fprach zvo in. Mich erbarmet 
ditze volch. wan fi.min drt jtage^ant ^bs^tit v^de Iw ich fi tk 
6 v^ftende von mir. So gebriftin vf dem w^cu wan fvmliche fint verre 
here phomen. Er vragete Gne iunger ob fi. ^it Jiroe^if beten. Si 
ijprachea fi hetea fiben brot. P.o biez er daz volch fitzea. vnde l^ifte 
vol-;(;o«) lichliddie yier.tv^fent von. den fibea broten. . 

10 Vvaz Äiv rede bitdte. diaz wellen wier iv taget alf 'Wirf äli &et 
fclurift babin. Div m'enige div vhfirtii hert-itt nadi vcd^ vngaz'M 
tage, daz waren wir. ä däz wir gifjtffit wardth. vlon der gtittef Itire. 

' t)ie dri 'tage die div menige' ynlirm heirreh nach VcfTgefA Vkftbndö 
die bizaichint. div driv zit'. dar an der aTmseVtii^e i^of Seii timäeir 



±4 d^ Bakdikkrift -ftbaf ' 97 Wto|] Swcnhe ' KKKVU^ * ITarctB» J /^ 
14 dar an] da Yon ' ' 



xxxvn . xxxvni «s 

ladet zvo finem riebe. Daz erfte eil ift def menfchen kinthait. Divis 
ander zit ift div ivgent. Div dritte zit ift daz alter. Swer in den 
felben drin tagewaiden niht gefpifit wirt mit dem gotif werte, dem 
gibriftet vf dem wege. der zvo dem bimelricbe gat. Die fo verre 
(6b) zvo im cbomen daz Hut die Heb givrömidint von gote mit 
bovptbafligen fanden, vnde ficb gebuldigent widir zvo im mit ir 20 
bibte vnde mit buoze. vnde mit allen gaoten wercben. Div fiben 
broet da er daz volcb mit fpifite bizaicbint die fiben gäbe def bal- 
ligen gaiftef da mite wir foln gifpifit werdin an der feie, vnt da mite 
fulin wir verdienen daz bimelricbe Nu mant den almaebtigen got 
finer genaden. daz er unf finen gaift alfo mite getailen mvoze. der 2$ 
unf wife zvo den ewigen genaden. preftante domino noflro ibefu 
cbrifto. 



Domtnlca xl fecandum Eiacam. 



B 



z feit vnf ianetus Lncas bivte an dem bailigen ewangelio. daz vnfir 
herre Hnen iungern feit ain bifpel. vnde fdme- (8c) lieben die def 
dübte daz 11 rebte warin. Dao bominef afcendebant in templum vt 
orarent nnuf pbarifeof et alter publieanuf ete. Ez giengen zwene 
man in daz gotefbüs. durcb gebetif willen, der aine dübte ficb ain 5 
rebter man. der ander waf ein ofner fundaere. Der ain der Heb da 
rebtir dvbte. der fpracb in finem gebete alfo. berre ieb fage dir 
genade. daz ieb nibt unrebtir bin. alfe andir lüte fint. rovbaer. wuocb- 
raer. vbirbvoraer. leb vafte ia der woeben zwene tage, vnde gibe 
zebinden allez minef guotef. vnde bin nibt vnrebt alfe dirre fund^r iO 
ift. der bi mir ftat. Der fundige man der ftuont vil verre bin dan 
vnde getoHte nibt (8d) vf gefebin binze gote. von finer grozzen 
miffetat nivwan diemvoteebliebe fpraeb er alfo. berre got irbarme 
dicb vbir mieb armen fundsre. für war fage ieb iv daz der fündige 
man da geftuont aller finer fünden ane. def entet der andir nibt. i5 
wan er irwarp da guotif nibt. 

Die zwene man die in den templum da ebomin bizaicbint div zwai 
voleb Ivdin vnde baidin. wan fiv baidiv got gefebaffen bat. ze finem 
dienfte. der fieb da rebt dübte bizaicbint die ludin. die fieb dübten 
gar volkomin. dar vmbe daz fi beten die alten .4. Da von wanden 20 
iL daz dibain voleb fieb zvo ir rebtiebait mobte gelieben. Mit dem 

15 laladet XXXVIIf , 1 Ijuea 18, 9 fgg. 3 afcendebat 8 de nllit 14 ir de ir der 
AUd. Predigten. 6 



«6 xxxvra . XXXK 

felben rvome (9 a) Hnt fi noch hivte betrogen. Der fündige man der 
bizaichint die haidinfchaft. Div getorfte hin zo gote niht vf fehin 
vor ir miffetat. Do fi fich do becherten her ze gote von ir abgotin 

25 vnde criftenlichen gelovben*^ an fich namen. do erbarinde fich got 
vber fi. do fi geroü ir miffetat. Da von fprichot vnfir herre hivte an 
dem hailigen ewangelio. Swer fich in dirre weite fvr nimit mit hoch- 
verte vnde mit vbirmvote. der wirt genidirt an der feie. Swer fich 
aber nidirt in dirre weite durch got der wirt gehcBhit in dem himel- 

30 riche. Na bittint vnfirn herren daz er vnf gebe den mvot daz wir 
finen willen alfo getvon. in dirre weite, daz wir nach difem libe 
(9b) beützin die ewigen frovde Amen. 

Dominica xlll fecandain Lacam. 

IJaz wir die warün minne hin zc gote vnde ze vnfirm ebencriften 
lulin han. vnde im helfin fvn vz allen noeten. daz ratit vnf vnfir 
herre hivte an dim hailigen ewangelio. Daz vnf fanctas Lucaf zibez- 
runge gefchriben hat. vnde fprichet alfo. Homo quidam defcendebal 
^ ab ierufalem in iericho et incidi^ in latronef etc. Ez giench ain man 
von ierufalem hin ze iericho. vnde chom vndir die fachaere die be- 
rovbitin in vnde wundeten in. daz fi in fvr toet liezin ligen. Daz 
chöm alfo. daz ain ewarte vz der alton ^ für ( io a) den felben wec 
gie. vnde fah in chvmberlichen ligen. der fvor vür vnde cham haim. 

^^ vnde half im niht. Den felben wec fvor ain ander man. der waf 
buörtich von famarya. der erbarmte fleh vbr den wandln man. er 
bant im fine wundin vnde falbeti fi im mit öle. vnde mit wine. er 
fazt in vf fin pfaerit. vnde fvorte in in ain hds. vnde birvochte in 
flizzichlichen. Def andrin tagef gab er dem wirte zwene pfenninge 

^^ vnde enphalch im den fiechen flizzichlichen. vnde fprach zvo im. 
La dir difen fiechin bivolhin fin. Swaz dv im ze liebe tvoft. daz 
vbirgilt ich dir. fo ich her widir chüme. 

Vvaz div rede betüte. daz fagen wir iv. alf wirf an der fchrift habin 
(lOb) Der man der von ierufalem fvor hin ze Iericho bizaichint 

30 adamen vnde alUz menfchlich geflsshtel der von finer vngehoerfami 
verftozin wart, von dem paradyfe. in dife zerganchliche weit. Die 
fachsere die in da berovbetin. daz fint die tiwel. von der rate der 
menfche in die fünde viel, vnde verftoezin vnde berovbit wart, der 



31 ttebe XXXIX, 8 Luea 10, 30 fgg. 6 fanMeiii 20 der] da 



XXXIX . XL ^7 

huneifctiejQ ge^s^^on. Si wunditen in mit den flegen de^ fvndin. vnde 
liczint in halp totin da inne ligen. Der ewart der für in da vuor. ^^ 
vnde im niht ze helfe chöm. bizaichint die alten .e. wan div mohte 
demenfchin ze dihainen ftatin giften. Do der man do chöm von 
Camaria daz fprichet tufcben ein hvo- ( i o c ) tsere vnde bezaichint 
vafirn herreo. wan er die men(chait durch vnfirn willen an fleh nam. 
der erbarmete £ich vber den man. der von den fündep waf vervvun- 30 
dit dax waf allez menfchlicb künne. er bant im fine >vündin. vndQ 
(albte fi mit dem öle def hailigen gaiftef. vnde waofeh fi mit dem 
wine finer fvozin lere. Daz pferit da er dem fiechen vf half, daz ift 
def üqizfGhif brcBdichait. die er in dirre weite an fich nam. da mite 
er irft^rben wolte. an depi cruce durch vnfir mififetat. Daz häf da 35 
er den fiecbin in jfv^J^^e. bizaii^hint die hailigen criftenbait. da mane- 
gir inne wirt gefiliat der fiehc ift an der feie. Der (lOd) wirt d^m 
er den fieob^n da bev^lch. daz ift ein ieglicb leraer der crifteqhai^ 
>van fi phlogiA fvnt. alljer der die fiech fmt an der f^le. Die zwene 
pff^pinge die er im gap. dif andren tagef. daz ift div zwivalte minne. 4^ 
dip wir tüLn ze gote vnde ze vnfirm ebencriften han fvn. die liez er 
vnf nach finer vrftende. daz wir fie bihiclten flizzichliche. Daz Ion 
daz er vjaf jgihaizen hat ob wir im gedienen wol. daz git er vnf 
tyi^Bjfßß ßr an ,dem jiungeftin tage her widir kvmet. zirtailin vbir alle 
die weit wol im daz er ie giborn wart, der wol gidienet hie. dem ^5 
wirt dort gilonet faelichliche. Nu bittent vnfirn herren ( i i a ) finer 
gen^don. daz er vnf gebe den gaift. daz wir in diiTO weite alfo 
ge<jUenen ime. d^z wir an dem ivngiftim tage vroelichen mit im inbiz- 
zen fj^ (inem riebe. Def helfe vns got An^^n- 



Bomlnlea xxll feewndimi Marcmii 



s 



iMiLB -eft re^am celorom homini regi qni uoluit racionem ponere 
cum feruif fuif. etc. An dem hailigen ewangelio feit vnf hivte s. Mar* 
eof wie vnfir herre finen ivngem feite ain bifpel. von aime kvuige. 
fif^ ^pd ^ia ta^idific ^it ilnen lüten. ( i 6 a ) die hiez er ime rech- 
non fin gvot. do er jon ^^r raityi^e iaz. 4p wart ainer vberraitet 5 
daz er im folte zehin tvöfent pfunt do der fo tivre nihten het daz 
er dim herren vergvlte. do viel er im für vnde bat in flizzichliche. 
vnde fprach. herre wif mir ginaedic vnde gip mir frift. ich wil dir 



96 cböme 35 durch fehlt. 49 (in XL, 2 Matth. 18, 23 fgg. 7 dim] aim 

6» 



68 XL 

gerne gelten, fwaz ich dii: fol. do erbannite Hch der herre vbir in. 

10 vnde liezen ledic finer gvlte. vnde aller finer fchvlde. do er ledich 
von finem herren wart do widir fvor im ain fin hüfgenoz. der folt 
im gelten hundirt pfenninge. den viel er vngezogeliche ane. vnde 
vordrit an in fine gvlte. do bat er in gvotliche daz er im gaebe ainen 
frift. er wolte ime gerne geltin. (i6b) def enwolte er fürnamif niht 

i5 tvon. er vieng in vnde wolte in gihalten. vnz daz er im vergvlte. 
do ir baider herre daz vernam. daz er an finem hüfgenoze alfo bete 
getan, do hiez er in chomin fvr fich vnde fprach alfo zvo im. Boefer 
wiht ich verlie dir alle dine fchvlde. do dv mich flizzichliche baete. 
war Mnbe erbarmoftv dich niht vber dinen hüfgenozen. alf ich mich 

20 tet vbir dich, do hiez er in vahin vnde werfin in ain chaer€ha^re. 
vnde daz er im gebe alle fine gvlte. Waz div rede bitivte daz wellin 
wir iv kvrzliche fagin. alf wirz an der fchrift habin.. 
Dzr kvnic der die raitvnge mit (inen lüten bete, daz bizaich- ( 1 6 c ) 
int vnfrin herren den almsehtigen got. der an dem ivngiften tage im 

25 haizzit widir raiten. fwaz wir habin gitan. ze gvote aide ze vble. 
der man der da vberraitit wart, daz er im folte zehin tdfent pfoni 
daz ift ain ieglich fvnda^r. der mit hovphaftigen fdndin ift bevangen. 
In fo groeze fchülde warn wir alfo givallen von der vngehorfame 
vnferf vater adamif. do wir im niht vergelten mohten fo grozze 

30 fchvlde. vnde gibvozin. do vergaber vnf die miffetat. in der haili- 
gvn tovfe die vnf an erbet durch fine vaeterliche ginade. Der die 
hündirt phenninge folte finem hüfginoeze. daz ift ain ieglicher vnfer 
(<6d) ebencriften. der aine chlaine miffetat wider vnf bigangen hat 
vnde wellen wir im die niht vergen fo haizzet vnf der himelfche 
85 kvnic. werfin fine fchergin daz fint die tivuel in den karcher der 
helle, von dannen mügen wir niht comin vnze wir giwizziget wer- 
den vmbe vnfir miffetat. Dar vmbe manent got. finer ginadon. daz 
wir mit fmer helfe, def feibin charch»rf vbir werdin def helf vnf 
got amen. 



18 flizziche 20 dich fehlt. 27 beyaDgen] giralliD 29 ynfer vaterf 

32 phenniDgen 34 hazzet 35 in der 38 wir] er 



XLI «0 

W» Oat die bezelehaonc der helllgiui meCTe die bmoder 

berchtoli Ton regenl^arg der barfoof hat gepredlet da ef 

■teiili^ tufeiit menfch hört xe slliich tot der lYat 



D 



af erft daf fint die glogen Die bezeichent inder altun e die bufu- 
nen die man blief fo daf volk zefamen folt komen So man ein bufunen 
blief oder zwo fo bereiten ficb die liut bald uf den weg. Und fo 
man aber me bufunen blief fo fuoren Hu iezo bald uf dem weg. Und 
fo man aber die bufunen alle blief mit einander fo waren ü denne 5 
alle zefamen komen mit einander Alfo fulen wir kriftan liut tuon So 
man ain glogen Hütet fo fulen wir önf (32b) bald bereiten zekilchen 
So man aber me gloggen liutet fo fulen wir bald uf dem weg gan. 
Und fo man die glogen alle mit einander liutet fo lulen wir denne 
alle mit einander inder kilchen fin. Und fo wir indie kilchen trotten 10 
da wir die heiligen meffe fon beeren und fehen fo fon wir hie ufTe 
vor der tür lan bliben allef ünfer gefcheft und alle ünfer forg und 
alle ünfer unmuof. Wir fon da niut anders tuon wan daf wir betten 
und ünferm herren dienen und in loben mit groffen züchten und mit 
riuwigem herzen Onferr fiinden. Wir fon euch mit nieman reden ef 15 
tueie denne ehaftigiu not. Und daf felb fon wir mit kurzen worten 
reden. Und aber denne betten. Wan der kor und diu kilch und allef 
daf da ift daf ift vol def heiligen geiftef. Und ift allef vol engein. 
Und heiligen die fon wir gnaden bitten. Und fon unfern herren got 
von himelrich bitten. Und fin heiligen trut muoter fant Marian die 20 
himelfchen künginnen diu da gegenwärtig ift daf fi fich erbarmen 
über finf und daf fi ünf genedig fien $ Es fol euch enkein frouwe 
indem kor fin. Und euch enkein man die wil mau die heiligen meffe 
finget Wan die die gottef dienft helfent tuon. Wan diu meffe ift 
alfo vol def heiligen geiftef alf daf mer def waffers und alf diu 25 
funne def liehtef und alf daf ertrich def ftoubes. Und uiimafTen me 
denne man mag gezellen ein grof maf vol fimel melwef noch min- 
ner fo mag man gezellen die groffen und die manigvaltigen gnade 
die dem menfchen wider v£u*ent inder heiligen meffe der mit rechter 

XLI. 2 18; theilweis abgekürzt in Oberlint Bihtebuoch 75—89; abgekürzt und 
voll von Fehlem Z 55; ein Auszug mit veränderter Anordnung A3. Ueber- 
ichrifi Du fint die bezcichenuog^e der heiigen mefTe Z. O. Von der haikait 
irnd beiakhnyng der meffe. A, 2 woUl z. 13 wan betten vnd betten Z. 
17 betten. Ynd betten Z. 22 und fehlt z. 26. 27 icht me danne— icbt me O. als 
knme— noch knmer Z. 



70 XU 

30 riuwe und mit rccbtem gloabon da ift $ Und enpbahct ooch der 
mcnfch zchen fundcrlich gnad der andebtklich ztio der meffe ift Dhi 
erffc ift daf im ünfcr herre fin (und vergit Diu ander daf er den 
boiligen geift enpbabet Diu iij daf got def menfcben gebet deft ger- 
ner erbceret Diu iiij daf got den priefter deft gcrner vernimet ülwr 

35 in Diu v daf der menfch ficber wirt an finem (33a) ende Diu vj 
daf fin fegfiur deft rainer wirt Diu vy daf die engel deft gerner bi 
dem mentfcben fint Diu viij daf der menfcb an tugenden wabfet Diu 
vi iij daf der menfcb geftetiget wirt an recbtcm glouben. und daf in 
got befebirmet vor freife an der fei und an dem lib Diu x daf ficb 

do unfer berre gegen dem menfcben froewet und ficb der menfcb gotte 
geheimlicbet $ Daf gewant daf der priefter an leit fo er fingen wil. 
und fwaf er finget lifet und anders tuet inder meffe daf bat allef 
bezeicbnung Def erften fo er ficb gerwet ze der bciligen meffe fo 
bedecket er fin boubt mit eim linincn tuocb daf ift mit crbeiten dar 

45 zuo komen. Und beiffet ein umbcler daf bezeicbot daf ünfer berre 
fin beiligen gotbeit bedacbt mit ünfer kranken menfcbeit Diu alb ift 
wit und lang. Und bezeicbet daf rein und daf luter leben daf unfer 
berre uf ertricb batte Der gurtel der fol fidin fin oder von wiffem 
garn linine und fol zwivalt fin daf ietwederentbalb ein ort nider 

50 bange der bezeicbet daf unfer berre kiufcb waf an im felben und 
anfiner beiligen trut niuoter Der bant van ander lingen bant der 
bezeicbet die diemuetikeit ünfers berren Diu ftol diu ift lang und 
bat ebnen ein kriutz und bezeicbent die langen marter und die lan- 
gen arbeit ünfers berren die er uf ertricb bat Der mefifacbel 

55 ift niicbel und umb und umb gantz und ift gefcbafien alf ein glog 
und alf der bimel. Und fo in der priefter uf die arme geleit. fo 
ift er gefcbaffen vor und binen alf ein fcbilt und bezeicbet die 
groffen und die ganzen minne die ünfer berre zuo dem menfcben 
bat So vabet man denne an die beiligen meffe Die Hnget man 

CO mit vierflacbt fpracb Diu eine beiffet latine Diu ander (33 b) 
beiffet kriecbfcb daf ift. kyrieleifon. Diu drit beiffet bebreifcb daf 
ift Amen Diu vierd beiffet bimelfcbiu (pracb daf ift AUeluia § Lud 
vabent die korberren die meffe an zem erften Introituf daf fpricbet 
ein ingang Innendef fo kumt der priefter ber für daf bezeicbet indor 

65 alten e die altvetter leremiaf und yfayaf die da ruoften zuo ünferm 



84. 35 Diu iiij - aber in fehlt x. 37. 38 daf — viiij fehlt O. 38 und] Dt uivnde 
gcnadeiftO. 39 Das. 471an«. lüt'z. 1^ Diy kafukel Z. O. 61 briechfcb s. 
64 Innendef— her fUr fehlt O. 65 c do die s. 



XU Tl , 

herren nnd fprachen. Herre knm von himel hernider. Her kam und 
wirt gebonL Herre bricb den kimel und kum her ab § So finget 
man denne. kyrielcifon cbrifteleifon kyrieleifon daf fprichet herre 
erbarme dich über mich. Und daf man ef ze ix malen finget daf 
bezeichet die ix koere der engel inhimclrich. Und fon wir euch ünfem 70 
herren bitten daf wir komen indie gefelfchaft der ix kocr inhimel^ 
rieh S So (tat denne der priefter enmitten gegen dem altar daf 
bezeichet daf ünfer herre dur alle die menfcheit glich geborn wart 
So finget der priefter zem eriten Gloria inexcelfif Daf bezeichet 
daf ein engel dien hirten kont daf iinfer herre geborn waf und fang 75 
Gloria inexcelfif So fingent li denne alle mit enander Gloria inex- 
celfif Daf bezeichet daf vil fcharen der engein komen die fungen do 
alle mit einander Gloria inexcelfis S Diu zwei liechter diu da falent 
fin af dem altar diu bezeichent die zwen fternen die do erluhten 
do ünfer herre geborn wart Der ein erluht ob der kriphe den iuden 80 
Der ander erluht den beiden daf fint die drie küng die ünferm her- 
ren ir opfer brachten $ So fich den der priefter umb kert und er 
fprichet Dominuf vobifchum So bittet er daf got mit ünf fi So fprechen 
wir Et cum fpiritu tuo. Und bitten oiich daf got mit im fi So lifet 
er denne die collecte nach dem fo er gefprichet oremuf Diu (34a) 85 
bezeichent daf unfer herre uf ertrich prediot und daf gebet daf er tet 
do er uf ertrich waf. Und ouch den dienft den er üner heiliger trut 
mooter tet So f51en ouch den alle liut vafi betten § So lifet man 
denne die epiftel daf bezeichent daf Sant lohannef baptifta unfern 
herren prediot und kunt daf er keme. Und er alfe fuefieklich von im 90 
rette daf Hu iprachen bift du felb chriftuf von dem du ünf da pre- 
dioft Do fprach er Nein ich er kumet fchier Ich wer def nit wirdig 
daf ich im fin fchuochriemen entftrichti Ich bin ein ftimme Daf waf 
alf vil gefprochen alf er fpreche Alf klein ein ftimme ift wider aller 
der weit alf klein bin ich wider dem der da komen fol. Ir werdent 95 
mich lalTend und im nach voigende $ So finget man denne dal Gra- 
dal. Und daf Alleluia Daf bezeichent allef fament daf do ünfer herre 
ielb ifer für gie. Und fprach do Sant lohannef Er ift ietz under 

67 ynd kom bar nider. So finget man dcnnc Gloria patri. das bezcichet ein lob 
das man Tnferme Herren ze lobe finget vnd ze hulden. So gat denne der priefter 
her für. das bezeihent das vnfer Herre von himcle y( ertliche kam. So O. 
71 indie] indie ix x, 75 und fehlt 2. 76. 77 et in terra pax honiiuibus O. 

77 der] mit s. 83. 84 fprechent die korherren O. 85 Du %. 89 die leccien O. 
Div lecce bezaichent J. 91 xpo 2. pdiot 2. 96daf /eA/( s. 



72 XU 

iuch und ir erkennent fin niut. Und zei^ mit dem vinger nf in und 

100 fprach Dif ift daf lamb daf alr der weit fand treit. Und den felben 
vinger da mit er uf unfern herren zeiget den mohten die iuden nie 
verbrennen nocb vertilgen $ So lifet man denne daf ewangellam 
Daf bezeicbent daf änfer herre felb prediot mit (ime heiligen göt- 
liehen mund Denne fol man ftan mit groffen züchten. Und die ftebe 

105 nffer den henden werfen. Und die mentel ab ziehen und die huet 
ab dem houbt Die Iteb bezeicbent (34b) den frid den der menfch 
fol haben indem herzen Die mentel bezeicbent fwaf der menfche 
fiberflufllgef dingef hab von der weit ef fi mit guot oder mit deheime 
ding daf fol der menfch von im tuon Die huet bezeicbent die uppi- 

110 gen und die unnützen gedenk die der menfch laffen fol. Ünfer herre 
prediot alf fueffeklich daf nie menfch fo fnefTi wort gef^rach noch 
niemer mag getuon. Und volget ime alfo vil liut nach zefiner predie 
Die riehen küng der kam dar unmafTen vil und die liut von allen 
den landen. Und alle die liut von den groffen ftetten der kam dar 

115 unmeffeklicb vil alfo gern horten fiu finiu fueffen wort Den entweich 
ünfer herre uf daf mer uf ein infel und brediot da allem dem volk 
$ Dar nach finget man Credo inunum. daf bezeicbent. daf die liut 
gloubig wurden und Heb bekerten von finen fueffen werten $ Dar 
nach finget man daf offcrtorium Daf bezeicbent daf ünfer herre die 

130 fiehen gefund machet und die blinden gefehende und die ftummen 
fprechende und die touben gehccrende. Und die mifelfuchtigen reine 
und die lamen gerecht. Und die toten erkicht er. von dem tot Und 
tet fo manig groz zeichen daf im do gar vil liuten nach volgete 
$ Denne bereit man den tifch uf dem altar Dar nach opheront die 

125 liut daf bezeicbent daf die liut ünferm herren opheroton iren rech- 
ten glouben $ Dar nach inder ftilli fo der priefter ftille lifet daf 
bezeicbent daf die Übeln iuden zerat giengen do ünfer herre fo grof 
seichen tete wie fi im geteten. Und fprachen waf fon wir tuon elliu 
diu weit ift ietze an ime Do fprach einer der hief cayphaf. Wan 

ISO fol in toeten. ef ift beffer daf er allein flcrbe denne elliu diu weit 
verderbe. Und bezeicbent euch daf ünfer herre in die wueffci (35a) 
gie. Und er den iuden ein wile entweich $ Dar nach finget der 
priefter einen gefang der vahet an peromnia fecula feculorum Daf 
bezeicbent do ünfer herre uf der wuefti gieng her uf Do gie Maria 

135 Magdalene und Martha zeünferm herren und klagten im daf ir bruo- 

e _ 

116 womi. 121 gebore i. 122 gerech O. Z. 124 tifch] keilch Z. 

134 do] de z. Z. 



XU TS 

der lazaraf tot waf Do (jprach ünfer herre zuo inen fuerent mich 
dar fwie wol er doch wifte wa er lag. Und do ünfer herre dar kam 
do hief er daf grab uf brechen und hief den ftein ab nemen und 
fprach unfer herre Lazaruf ft^nd uf. Und er i]prang zehant uf mit 
gebunden henden und fueffen und mit dem über tuoch. Und hief er Uo 
in du enbinden und af und trank def tagef mit im Daf gefchah an 
dem fritag vor dem balmtag und kam allef daf volk von ierufalem. 
Und volgete im unmaffen vil liuten nach $ So fmget man denne 
Sanctuf Sanctuf Sanctuf. Und der gefang aller fament hin uf der 
bezeichent daf ünfer herre ze ierufalem kan geriten. Und wart da U5 
alfo wol enphangen mit lob und mit gefang daf im nie fo grof ere 
wart erbotten do er uf ertrich waf Dar nah vahet man die ftillen 
mcffc an. Und neiget fich der priefter für den altar daf bezeichent 
daf gebette daf ünfer herre vor finer marter tet du er von angften 
bluotigen fweif f wifte Daf erft gebet waf alfo daf er fprach. Vatter 150 
min fi ef din wille fo über heb mich dirre marter doch nit alf ich 
wil din wille werde volbracht Daf ander daf er bat für lin iungem 
Daf dritte daf er betet gemeinlich für die menfcheit Dar nach waf 
der priefter tuet er lefe er bette er neig fleh hin oder her er macheie 
kriutz hin oder her eins kriuz ob dem kelch eins ob der oftie. Und ^55 
diu kriuz elliu die er machet e daf er ünfem herren uf hebe. Und 
allef daf der priefter da vor tuot daf bezei (35b) chent allef die 
marter die ünfer herre leit von den; domftag zeabende untz an den 
fritag zemittemtag Lenge kriuz bezeichent lengiu marter- kürziu 
kriuz kürziu marter $ So denne der priefter ünfem herren uf hat 160 
daf bezeichent daf ünfer herre iemerlich uf an daf kriuz erhaben 
wart und daran genegelt und geflagen wart. Und bezeichent ouch 
driu ding Daf ein alf ob der priefter fpreche Alf ir in nu fehent in 
minen henden. Alfo wart er gefichteklich und offenbar gemartret 
vor allem dem volk Daf ander alf ob er fprech. Alf ich in iuch hiut 165 
zeig alfo zeiget er alle tag finem vatter fin wunden und fin mafen 
für iuch Daf drit alf der priefter fprech. Alf ich in iuch hiut zeige 
alfo zeiget er iuch an dem iungften tag flu wunden die er leit dur 
iuch S Wir fon ouch unfern herren bitten drier ding fo in der prie- 
fter uf hat Daf erft daf er ef tueie dur finer marter ere die er leit 170 
an dem kriuz und ünf vergeh alle ünfer fünd Daf ander daf er ef 
tueie dur finer marter ere die er leid an dem heren kriutz und ünf 



140 fuffe f. 153 die] ün f. 165 wölk— alfo ob i. in fehlt f. 169 ynf* f. 



71 XLI 

fich felben geb und er ünf holfe daf wir finea heiligen fron licliamen 
und fin heilig bluot enphahen an ünfcrm end mit rechter riuwe und 

i75 mit rechtem glouben Daf dritte daf wir unfern herren bitten 
daf er ünf geb die ewigen froede die er ünf hat gekouffet mit finer 
heiligen marter $ Darnach ftrecket der priefter die arme von im 
Daf bezeichent daf ünfer herre alf vaft wart gctennet an daf kriuz 
daf man allef fin gebein mocht hau gezcUet dur flu hut. Vnd waf 

180 er dar nach tuot daf bezeichent allcf die marter die er leid an dem 
kriuz S Und dar nach, bi einer wile fo fprich der (36a) priefter 
ein wort daf heiffet Nobif quoque daf die liut hoerent fin ftimme 
und klophet da mit an daf herze. Daf bezeichent daf der fchacher 
unfern herren an rief an dem kriuz und er im vergab alle fin fünd. 

185 Und denne fon wir euch unfern herren an rueffen und bitten mit 
riuwigem herzen daf er ünf vergeh alle ünfer fünd. Und darnach 
waf der priefter tuot daf bezeichent allQf die marter die ünfer herre 
an dem kriutz leid. Und ift allef vol des heiligen geiftes S Und dar 
nach bi einer wile fo fprich er peromnia fecula feculorum. Und diu 

190 wort diu er denne finget daf bezeichent daf ünfer herre lut fchrei 
an dem kriuz. Und dar nach finget er pater nofter daf bezeichent 
daf ünfer herre lang fchrei. Und ouch lang an dem kriutz hicng. Und 
daf im der ftimme gebraft. Und fo er denne fprich Intemptacionem. 
Und er denne fwiget Daf bezeichent daf ünfer herre verfehlet an 

195 dem kriutz So fprechent denne die korheren Sed libera nos amalo 
daf bezeichent daf alle creatiuren erfchraken do ünfer herre ver- 
fchict an dem kriuz. Und den iamer den flu hatten mit ir fchöpher 
Diu funne wart vinfter Der mane verwandelt finen fchin Daf geftirne 
verwandelt fich Daf ertrich erbibent die ftein fpielten. Und elliu 

200 creatur erfchrak do ünfer herre verfchied an dem kriuz S Und dar- 
nach inder ftille fo der priefter ftille lifet daf bezeichent daf Lon- 
ginuf unfern herren alfo toten ftach dur fin fitun infin heiligef herz 
Do gie ünferm herren waffer und bluot von finem herzen. Und in- 
der felben ftilli bezeichent er ouch daf ünfer hone wart geloßfet von 

205 dem kriutz. Und daf er begraben wart. Und inder felben ftilli fo 
teilet ouch der priefter die ovelaten endriu. Einen teil leit er in den 
kelch indaf bluot Daf bezeichent daf fich ünfer herre da opfert für 
diu menfchen diu indem bluot noch fint (36 b) daf fint die lebenden 
Den andern teil den leit er an die trüchni uf die batenun daf be- 

u _ o 

170 hut] hu X. 181 fpch d. h, fprach %. 196 crelüre x. 201. 202 Lougin — 
fchach X. 209. 211 palenen Z. palen a O. 



XLI TS 

eeichent daf fick nnfer kerre da opfert für die feien die indem 2iO 
fegflur fint Den driten teil leit or oiich uf die batonun daf bezeichent 
daf fich ünfer herre da opfert zelob finem bimelfchen vatter und 
allem himeltfchen her zefrocden S Dar nach finget man driftunt 
AgBuf dei daf beiiichent daf önfer herre uf erftuond von dem tot 
an dem dritten tag^ewerer got und menfch. Und daf er fin heiligen 215 
trut muoter zem erften erfi*«ewet. Und eroBgete fich Marian Magda- 
len«n. Und CBgetc fich finen lungern alf dik fo er wolt. Und feit ef 
ieklicher dem andciti. Und wurden do alle fro mit ein ander § Dar 
nach iader ftilii fo niuffet der priefter unfern kerren Daf bezeichent 
daf dnfer herre af und trank nach finer urftondi mit finen jungern. 220 
Und eliiu diu menfchen diu den inder kilchen fmt mit rechter riuw 
und mit rechtem glouben die werdent alle gefpifet mit unferm her- 
ren da mit daf inder priefter niuffet. recht alf ein menfch der die 
fjpif iflet mit dem mund Der mund wirt niut allein gefpifet diu ougen 
werdent ouck da von gefpifet und daf houbt und die hend und die 225 
fueffe und der mag und die leber und die adren und daf gebein und 
daf marg. Und alle der lib wirt da von gefpifet Und wirt grof und 
wakfet davon Alfo wirt euch der priefter nit allein gefpifet mit 
ünferm kerren Mit ime werdent elliu diu menfchen gefpifet und 
enphahent all unfern herren die mit rechter riuwe und mit rechtem 230 
glouben da fint inder kilck. Und ef ift ouck an dem menfchen ein 
lit groBlTer denne daf ander daf enphahet euch mo fpif denne daf klein 
Alfo Ift ef ouck umb die liut die inder klicken fint. Äff (37a) iek- 
lichef menfcken kerze KU; geftellet gegen unferm kerren alfo enphahet 
ef ouch gnad von im. Hat der menfch grof riuw umb fin fand und 235 
grof minne zuo gotte er enphahet deft me gnaden. Hat er klein er 
enphahet ouch deft minre S Dem priefter gefchlcht alf einen man 
der fpis iffet tuont dem die zene we. Und fint im die foildem fule 
fo tuet im daf offen vil we Und ift im vil herte und vil für. Kumet 
aber die fpis luden lib fi tuet dem lib vil wol und wirt da von grof 240 
und ftark und gefunt. Und alfo gefchlcht ouch dem priefter. Ift er 
-mit houbt fänden da fo tuont im die zene vil we. Und ift er mit 
textlichen funden da fo fint ime die bildem vil ful So nimet er unfern 
kerren ze verdampnung finer fei und fins libes Aber untz daf ime 
fin ampt uaverbotten ift alle die liut die fin meffe Jioercnt die wer- 245 

216 trat i. 238 büdV. bildren 0. bllerne Z. 242 er fehlt %. 213 ift im 
die bilerne Z. 



T6 XU 

dent alle gefpifet mit ünferm herren und werdent grof und itark 
und gefunt an ir fei S Und darnach finget man den Communionem 
Daf bezeichet daf ünfer herre von ertrich zehimel fuor S Und dar 
nach lifet man die collecte fo er aber fpricbet Oremuf Daf bezeichent 

360 daf er iemer fid finen vatter bittet f&r ünf fit er lehimelrich fbor. 
Und er euch iemer me bittende ift für ünf untz an den iangften tag 
$ Und dar nach kert fich der priefter umb und fpricbet Dominuf 
vobifcum und euch Ite miffa eft Daf bezeichent daf ünfer herre an 
dem iungften tag her wider kumt und fich oeget aller der weit und 

255 er den allen den danket die im hant gedienet. Und finen willen haut 
getan § Und dar nach fo git der priefter den fegen Daf bezeichent 
daf ünfer herre finen vetterlichen fegen an dem iungilen tag finen 
lieben kinden geben wirt (37 b) So er fprich. Koment min gefegne- 
ten indaf rieh minef vatter daf iu bereit ift von an genge der weit. 

260 Und Denne gat menlich hein Der ef denne da vor wol hat gefchaf- 
fet der bindet ef euch denne wol § Nu ift einer flaht liuten den 
wirt der meffe vil wenig ald niut über al Daf fint die uf der kil- 
eben gant fo daf ewangelio gelefen wirt die fint denne da niut fo 
diu wirfchaft bereit wirt und der priefter unfern herren niuffet Da 

265 mit wirt denne diu wirtfchaft geteilet allen den menfchen die da 
gegenwärtig fint mit rehter riuwe und mit rechtem glouben Die aber 
da uf giengen dien wirt niut S Und fint noch vicrhand liut den wirt 
der meffe euch niut Die erlten fint die da runent und klaffent Inder 
kilchen und ungezogen fint $ Die andern die inder kilchen ftand 

270 und zebanne fint und inen gottef dienfk verbotten ift Die dritten fint 
die ünfers herren fronlicham unwirdiklich enphahcnt und in unwir- 
dcklich handient Die vierden daf fint die da verfmahent die heili- 
gen meffe daf fi dar niut koment fo flu ef wol möchtin getuon. Und 
fich kleiniu ding laffent irren 



247 gefTrt x. 248. 249 Dar nach gat di? Complcnde Ä, 258 er fehlt z. 259 iu] 
275 du z. 265 mefch z. 274 Hierauf noch in % {nicht in Z. O. Ä) S Sant leroni- 
muf fprich Swel meofche ioder mefTe vowirdeklich dal der i(l der inden genos die 
goUes fpqUoten do er an dem kriuz hangele. Ynd ift im fo vil grcefer filnd de crs 
weif zemidenne def enwiftcn die iudeo niut g Eines iekUchen priefters mefTe der 
niut encrcdet i(l. oder der flu ampt het diu befchrmet deo menfchen vor übel. Tod 
280 Aerket den menfchen au guoten diogen. Ynd heiliget alle die alf groeflich die zoo der 
heiligen melTe fint. Ynd kerne ein (38 a) enget von dem himel. Ynd fprech zuo der 



XU . XLII 77 



Ton Tierhand fitakln Crtftans gldben. 



S 



ant Lucas fchribet alfo. alle die geordnet fint zuo dem ewigen 
lebenn. die hant alle Criftan geloben. Criftaner gelobe bit vier ftuki. 
S Das erlt i(t. daz er fol ungemifcbet ün. daz ift an angeloben, wan 
da folt nibt geloben an zober. nocb an läppe, nocb an beff. nocb an 
lachnye. noch an ( 3 d ) f&rfeben. noch an meHen. noch an die naht- ^ 
frowen. noh an der agelitron fchrien. noh an die brawen. und die 
wangen iaken. noch an die battaenien. noch an kainer band ding. 
daz nngelAb ü. wan ünfer herre hafTet alfu ttr den gemiiten gelo- 
ben, als ain man der gaot trabte vor im hAt mit fueffer fpife. and 
der denn dar nf fliaga f»t als unmsere denn dem man dia trabt iO 
w»re. als unuuer ift Ach ünfrem herren der gemift geloube. won er 
verdarbt ze ainer zit driffig küngrich. da von daz fiu hattent gemiften 
geloben. S Daz ander ift. daz er fol guoter werch ün. won gaetiu 
werch hoBrent dar zuo. und fwer es nit tuet wie rebt der gelobet 
mit den werten, fo ift er doh ungeloebig vor Got. § Daz dritte ift. 15 
daz er fol gantz fin. an finfers herren Gotbait. und och an finer 

meDfcb eim de luo der melTe wc ich wil dir geben tafent mark goldef de du 
nit teil habeft an der einigen mefle da du bi gewefen bift Die tufent marlc 
TBd noch dar loo alle die weit die fol der menfch nit nemen fUr die gnad diu 
im von der einen mefTe wirt. Einem menfcheQ dem werdent fin fUnd geminret 285 
der ino der heiligen melTe ift ynd wirt fin feie da gefroewel der priefier bittet 
Ar alle die da gegenwärtig fint ald da ymb fland. Vnd wirt der menfch gefeg- 
sei wol mit xix fegen in der ftillen mefTe. Ynd flirbet der menfch gehs oder 
Yngehs totes fo rert er deit ficherlicher ynd werdent ovch die feien da geliu- 
tert alf de gold fader efTe. Ynd yon dem gebet def prieflers ynd der gnoten 290 
Muten die da fint def hein anteil alle die da zegegen fint vnd dar zuo die 
ftlen dinef yatter ynd diner muoter £ Es fprichet Sant Auguftinof Owel ein 
wunderliehhi gab yon der erbarmherzkeit gottef ifi difiu de niemer die heili- 
keit gottes inder heiligen mefle begangen oder yolbracht wirt da befchehen 
zwei tugenliehiu oder krefUgiu werk gottef De ein ift eines fUndcrs bekerd yon 295 
finen Ittnden De ander ift erloefting einer feie zedem minften yon dem fegfiur 

XUI. A%.% 19. Veherichrifi Dif ift yon den fiben heilikeiten s. 1 Act. 13, 48. 
4 hefliB s. 5 lachenen x. 6 agelfter i. 6. 7 der wangen x, batenien f. 

dingef s. 8 gemifchelten f. 12 daz] wan f. 14 ynd wer oych der nit s. 

16 an Unferi] ain ynfers Ä, 



78 XUI 

mentfchait. und öch an Criftanlichcn dingen die Got Mt gefetzt uff 
crt- (4 a) rieh. Du folt alfo geloben an iin Gothait. daz er ift ge- 
waltig und wif. und ewig. Du folt alfo geloben an fin mentfchait. 

20 daz er lip hatte als ain ander nientfch. und im we und wol tet als 
ainem roentfchcn. und in hungert und dürft alf ainen mentfchen. und 
uff ertrich waz als ain mentfch won daz er nie f3nd begieng. und 
daz im diu marter alfo we tet alf ainem andern mentfcheii. und das 
er an dem Criutz erftarb an der mentzhait. nit an der Gothait und 

25 reht ze gelicher wis als ain man mit ainer axs in ainen bAm hpwßt 
da diu funne an fchinnet der mag die funnen nit verhow^n. fi fclMAne 
doch an den böm. daz fi fich niemer verwandelt dar umb. Alfo ift 
es öch umb die Gothait Swie vaft und wie vil die mentfobait V0r- 
howen wart und ftarb an dem Griatze. doch belaib diu Go4hait i^afits 

30 und fchoene. und ftark. und waz und ift an angeng.' und ift iemeif 
(4b) An ende. Diu Griftanlichin ding diu Got hit gefeteet uf ertrioh 
daz du geloben folt. daz ünt fiben fiule da diu CrilDtenhait uff iUt 
$ Diu erft ful ift der töf. dar an folt du geloben, daz kain mantfob 
fo reht möht getuon uff ertrich und w»r es niigetoft. ddz es Gottes 

35 antliit niemer befchowet ebnen in himelrioh. Es ward öeh nie.meiiiüdl 
fo fundig. wenn es getdffet wirt in dem namen des vatters. and 
des funes. und des haiigen gaiftes. im figent all fin iB»d laib jj^ewa- 
fchen. hat er fi loch nie gebihtct noch gebuetzet fo ift er doch 
luter und rain worden, in dem haiigen töf. und Hturbi er nach dem 

40 töf .^. daz er in fund vieli fo wurdi (in fei zehant ^f gefueret in 
daz himelrich da er Gottes antlüt iemer fehen fol Am ende. $ Dt« 
ander ful ift. diu virmung. diu ift alfo ballig, daz es nieman mag 
getuon won ain Bi- (4 c) fchof. und foltent die Hut vörr dar nach 
gan A. daz flu ungevirmat waerent. won es beeret zuo dem töf. 

45 S Diu dritte ful ift iMhte. riuw. und buoffe. won es ward nie m^B^tfph 
fö fandig. und hetti er riuwe. biht und buoffo vor lim end. Goft v^*- 
geb im all fin f&nde. und werde behalten in dem himelridie. § Dia 
vierde ful ift der vil ballig Gottes licham. daz folt du gelel>en daz 
er gewserer Got und mentfch ift. und daz er ift in ainer ieglicher 

.60 melTe. da in der prieCter fegnot und Jbandelt ui^d ze glicher wis >1fb 



***** 



18 ert-] er- Ä. 19 Du folt oych alfo x. 20 aoder fehlt x. 22 ein ander 
mcnfche wan de ein de er nie fDodete x. 25 agx x. 26 fvnnen doeh vü^A. 
28. 29 die menfchelt ttnfcrs herren wart yerhorwen md er f. 29. 31 diu] 'dV A. 
32 def du x. 33 md de dehcin x, 34 moht A, 35 lemei'hefchoTwetliB f. 

41 de fi — folt X. 44 es] fi x. 47 words. 



XLO 7« 

da ain man fprichet Ihefos. nnd daz wort mang mentfch hoeret. und 
itt doch nit won ain wort, nnd das wort hat ain ieglich mentfch 
enphangen gar nnd gantzlich in fin oro. and in fin hertze. nnd treit 
es mit im haime. nnd fprichet der man noch dannoht ihefus. Alfo 
ift es 6ch unb finfers herren lichamen. Der priefter h^t in hie in 55 
der kirchen ( 4 d ) der ander hAt in dort in der kirchen. fo wtt als 
dia krütenhait ift. fo hAt in ain priefter in der hant. ainer in dem 
mund. ainer behaltet in nff dem aMr. ainer treit in uff dem weg. 
zno den fiechan. ainer git in den fiechan. in den mnnt. da hat in 
der (Sech in dem mnnt. Alfo git unfer herr fincn lichamen fwem er 60 
wil. nnd wa er wil. und wie dik er wil. und ift doch ain gantzer 
6ot. der ie waz. und iemer ift An end. § Du folt Ach geloben fo 
der priefter die oflaten gefegnet in der meffe. fo ift ünfer hArr in 
der klainnen oflaten alfo grdfT und alfo gewaltig als er ift in himel- 
rieh. Und merk ze glicher wis. nime ain klaines fpiegellin in die 65 
band und geng zuo dem aller groeften münfter daz in der weit ift. 
und nim daz klain fpiegellin nnd hab es gegen dem munfter. fo 
fiheft da daz gröfl* münfter in dem klainnen fpiegellin. alles fament. 
Csa) wie es gefchaffen ift. Alfo ift es Ach umb unfern herren. der 
ift in der klainnen oiaten alfo gar als in dem himelriche. S Du folt 70 
och daz gelooben. fo der priefter die oflaten gefegnet in der meffe. 
daz dia lyflat dia A waz brAt. diu wirt verwandelt ze ünfers herren 
flaifch. nnd wirt der win ven^^andelt ze önfers herren bluot. Und 
merk da bi. fwaz der meni^che iffet oder trinket daz machet er in 
im felben ze flaifeh und ze bluote. und den gewalt hit er von Got. 75 
Da fbll w»rlich geloaben. daz der alm&htig Got der alfo mähtig ift. 
daz er ftUiu ding wol mag tuen, und im niut unmuglioh ift ze tuend. 
der machet oeh wol hrot zuo finem flaifch. und win ze finem bluote. 
S Du lolt och daz geloben, weles mentfch an finem ende ünfers 
herre« vrAn liehamen wirdeklicN^enphahet mit rehter riuw und mit 80 
tehtem groben, daz der niemer von Got wirt ge* (5 b) fchaiden. 
§ Dia fünft fol ift. daz hailigöl. daz ift guot dar zuo. daz des veg^ 
tfores defter minder wirt. und ift Ach guot dem üehtagen des libes 

53 gantz %. 54 heim x» noch danue x. 55 ein priefter x. 56 Indinre kilcheo. 

•in andcrre hat in vr kilchen einer hat in dort Inder küchen Der hat in ieniit meios 
Birre bat In diOMÜb ners -fo wit elliu diu x. 57 ein priefter hat inden henden 
einer hat in indem \jk 58.geh«ltel %. de weg Ä. . 59 de fiechen— demfieohen«. 
$8. 64'ofelaten x. 64 alfo ganU gewaltig A, 66 nnd geng— ift fehlt i. 

67 dem groaften (gr. am RandB nachgetragen) münfter je. 83 zedem x. 



80 XLn 

und der fei. Sol der mentfch nit fterben fo ift er defter e genefen 
85 fo er geölt wirt. mit dem hailgen öl. und alfo lang fo er flech ift 
fo ift da mit genuog geölt, und genifet er aber und wirt er dar 
nach aber fiech fo fol man in aber ölen. S Diu fehft ful ift diu .£. 
daz folt du geloben daz die liute die ir e. reht haltent als fi Got geord- 
net hat. die werdent ali behalten bi ünferm herren in himelrich. S Dia 
90 fibend ful ift der prielter orden. du folt daz geloben daz an dem 
priefter zwai ding fint. fin ampt. und daz ift hailig. daz fönt wir 
von im enphahen. Sin leben hat er im felben. Swie boef und wie 
fundig er fi an fim lebenn. untz daz im fin amt unverbotten ifL 
fo mag er meffe fingen, und biht hoeren. und (5c) aplaf geben, und 
95 enbinden von fünden. und fwie vaft der priefter mit den fiinden ift 
gebunden, fin ampt ift doch ungebunden, und ift hailig. und enbin- 
det uns wo! von funden. Und reht ze glicher wis alfo da ain mentfche 
in ain lachun vallet. und gar unfuber wirt. und ka^mi denn ain mor 
und wuefchi in fchdne. und hulfi im us. alfo daz er gar fchoene 

ioo wurdi. fo wsere der mentfch als fchoen worden von dem moren. als 
ob in ain guoter und ain fuber mentfch gewäfchen hetti. Alfo ift es 
dch umb den priefter. Swie unfuber er ift mit den funden an finem 
leben, fo ift aber fin ampt fchoen und luter und raine. und hat den 
gewalt von Got. Swenn ain mentfch im gebihtet fin fiinde mit riuwi- 

i05 gem hertzen. vnd denne der priefter fin band üf hat über den ment- 
fchen und fprichet Indulgenciam. und diu wort diu er denn fprechen 
fol. So tuet fich der himel üf. und als der priefter apblas git und 
in enbindet von (5d) finen funden. alfo git ünfer herr Got dem 
mentfchen applaz und enpindet in von allen finen fünden. Und merk 

liOze glicher wis alfo da ain küng finem fun fanti zehen mark goldes 
bi ainem hotten der ainoeg wsere. oder hofrobt. und diu nas krumb. 
und gar unfuber wsere. fo enphieng doch der fun die zehen mark 
goldez von dem botten. und fprs^h. hab dir din krumb nafen. und 
dinen unfubem lip. min golt ift fchoen. und luter und rain. daz mir 

115 min vatter der künig bAt gefant. Alfo ift es euch umb den priefter. 
Swie blind fwie hoArobt. und fwie krumb er fi an finem leben mit 



86 ift er z, aber danne x. er fehlt z, 88 hant alf ef s. 90 orden oder 

wihi %. 92 er im] er yon imA.%. 98 more f. 99 fchoene %. 102. 103 an fan 
felben i. 105 denne] den d A, done e i. 106. 107f)priehettnf)prechenfol J. 
107 ob im yf%* dem menfchen applaf s. 108 ron (5 d) tob finen A. 111 ein 
oegge oder boferecbt (wäre ftkU) % 113 Hab du dir %. 115 Afo J. 116 hof- 
recht ii. 



xLn . xLin 81 

den fuoden. fo ift doch ßn anipt fchoen. und later. und raine. daz 
fönt wir von im enphahen. daz hat uns Got unfer vatter von himei- ' 
rieh gefent. aher fin leben hab er im felber. Und daz wiffe ain ieg- 
lich mentfch. daz ain priefter bi ainer gewihten nunnen waer gelegen. 120 
oder ( e a ) b^ finer fwefter. oder bi finer muoter. der mentfch fol 
den priefter nit bitten ze fingenn. Singt aber der priefter des tages 
meffe. So folt du daz geloben daz er riuw habe, und folt fin mefife 
als gern beeren, als ob fant peter da fungi. und folt geloben daz fin 
meff als hailig fi. und dir als groefHu gnäd wider vert als in fant 125 
Peters meffe. S Daz vierd ftuki des geloben ift. daz er veft fi. Ze 
glicher wis. als ain ftain der niemer gewichet, won gold lät fleh 
biegen. Ifen lAt fich biegen, aber ain ftain lät fich aller zerbrechen, 
e. er fich laffe biegen. Alfo fol 6ch der Criftan mentfch tuen, der 
fol fich i. laffen martren. e. daz er iemer entwiche von Criltam glo- 180 
ben. mit gedänken. mit werten, oder mit werchen. Die liut die dis 
behaltent. die fint all geordnet zuo dem himelrich. und zuo dem 
ewigen leben, obnan uf in daz himelrich. für den almähtigen Got 
Und fwer iemer difen globen widerbre- (6 b) diget. daz fönt ir 
wiffen das der ungeloebig ift. und fönt im nit geloben, won er wolt 185 
iuch fchaiden von dem almähtigen Got. Da vor behuete uns der 
vatter und der fun. und der hailig gaift. Amen. 



Ton mftoger hande tagend galfeUIehes lebens. 



p 



rovidentes bona, non tantum coram (l3b) deo. etc. Sant Paulus 
fprichet wir fuUent erfam fin vor den liuteu. und wol geordnet vor 
Got. Saloroon fprichet in der minnen buoch. Ünfer herre hat fin 
minne in mir geordenet. Hie bi git er uns ze merkenn wie diu minne 
fol geordnet fin in ünferm hertzen. Reht alz daz clofter geordnet ift. 5 
als fol öch diu minne geordnet fin. Nu muoff ain ieklich clofter vier 
ding han daz wol geordnet ift. Daz erft ift ain gaft hüs. des phle-< 
gent dri lungfrowe. Daz ift guot wille. vroelichkait. und rainiu minne. 
S Diu erft iungfrowe ift guot wille. diu lAt die gefte in. wan fwer 
gttoten willen hat der hat erbärmde über alle liute. und aller maift lo 
über liech liut. won die fiechen bedurfent bas des fiech hufes denne. 

119 felbes. 120 lege %. 121 maoler heUe gelegen f. 122 ein meffe niht 
UUen fingen s. i2A iti fehlt Ä. 128aUens. 129 lief x. 138 obnan— 
himelrich fMt %. XLUI. At. 1 Cwr. % 8» 21. 3 Cant. 2, 4. 

Altd. JPredigten. ^ 



83 XLin 

die gefunden. Ain blinde bedarf bas daz man in laite. denn ain ge- 
fehender. S Ze glicher wis ift es umb der feien fiechtagen. wan die 
liate die an der feie fieoh fini die bedurfent bas ( 1 3 c ) helfe, denn 

15 die in Gottes willen fint . wen die hat ünfer herre erliahtct mit 
finen gnaden, daz fi in felber und andren liaton nütz nnugent ün In 
irem gebet, und dar umb fönt fiu fich erbarmen über fßndig Hut 
und fönt für fiu bitten. Doch fol der mentfche nieman ün hertz uf 
tuen, won Got mit guotem willen, und la dich erbarmen fselger mentfch. 

20 daz der gnot Got fo demuetklich vor dinem hertzen (tat. und dich 
bittet daz du in in din hertz läffeffc. daz er mit dir ruowe. Als man 
lifet in der minne buoch. da fpricht ünfer herre. Tuo mir üf min 
fwefter. wan ich bin din bruoder. tuo mir uf min f^iundin. won ich 
bin din gemahel. Tuo mir üf min tube. won ich dir min haiigen gaift 

25 fante in diner betruebde. und ze ainem laiter in dem eilende. S Nu 
hcBre wie guetlich der gruofTe Gottes dich graeffet. und bittet der 
herberg die er gefchuof. und erlofte mit finem tode. $ Die (l3d) 
ander lungfrowe ift frcelichkait. diu fol unfern herren enphahen. fo 
der guot wüle unfern herren in lAt. fo enphahet in vroelichkait. wan 

aofWa ain gafi wsere. dem tseti bas ain vroelich antlüt von dem wirt 
dann diu beffe trabt die er ime raöhfe geben mit unwirdefchem hertzen. 
Ze glicher wis ift es umb unfern herren und den mentfchen. Ünferm 
herren ift lieber ain klainer dienft mit vroeden. denn ain grdff ar- 
bait mit murmelen. Etlich liut haut aber nit ünfem herren in gaftes 

35 wife. wan er ift alles bi in. daz er da wonung h^t. und ir hertze 
gebent fi im. aigenlich. daz er da herre und wirt ift. und h&t da ain 
fkset ruowe mit der fei. Alfo fpricht ünfer herre. Ich und diu feie 
fönt ain ftset wonung han mit enander. S Diu dritte lungfrowe ift 
diu edel minne. diu fetzet ünförn herren nider. und fprichet. herre 

40 wir lont fitzen, wir mugent uns g»hes von enander nit fchaiden. 
won ( < 4 a ) du waift wol lieber herre min daz wir vil mit enander 
haut ze redenne. Sitz herre. la mich mit dir kofen. § lieber herre 
fpricht diu minne. wir fullent ain wonung entzwüfchent uns machen, 
du waift doch wol daz ich diu minne bin. mit der du din wonung 

45 haft. Als fant lohannos fpricht. Dens Caritas eft. herre. Du muoft 
bi mir bliben. wan ich bin diu minne. und bift 6ch du diu miane. 
So fitzet denn ünfer herre und ruowet in der feie, minne. und kofet 



9SL Cwm. 5, 2. 82—40 «^2. IXPT, 1 fgn- 26 groefTe] dfe Band$ehHft groffe ; 
oder ist GoUet M €rot im indan» ? 8T vgU JRi. 181, 14. 45 Mp. Joh, 1, 4, % 



xun 8t 

^etlich mit ir. und fpricht mir ift vil fanft. daz ich bi der feie 
bin. und tuet mir gar wol. daz ich bi ir ruowen fol. S Da» ander 
daz an dem clofter ift. daz ift ain Reventer. da diu feie unfern herreii 50 
fpifet. mit ir tugenden. Des phlegent dcb dri lungfrowen. $ Diu erfte 
rilltet den tifch und fetzet unfern herren nider. diu baiffet fro milte* 
kait und git miltes hertze. und miltiu wort ir fweftren fo ü be- 
trnebet fint. oder fo fi fiecb fint. oder fwaz in wirret. (Mb) das 
benimet fi in mit ir miltekait. und hilfet in alle ir arbait tragen, mit 65 
hertzen und mit libe. Da von fpricht unfer herre. Swa« ir den 
minften tuont in minem namen daz haut ir mir getan. $ Diu ander 
lungfrow haiffet Contemplieron. diu fetzet trahta für. die fl ce»- 
templieret und gedenket, wie fi mit den tugenden würken wil. und 
wie fi ain ieglicb tugend bringe ze tugentlichen wercheo. Man lifet«o 
von her lob daz er zehen kind hatte, die täglich hattent ain niuwe 
wirtfchaft. Si warent hiu bi aim. moru bi dem andäm. und tatent 
daz täglich, und alfo hattent fi täglichen wirtfchaft. S Ze glicher 
wis fol diu fei tuen, fi fol taglich wirtfchaft hau mit tugenden. und 
fol hiut ain tugend ueben. mom ain ander, won die tugent mag nie- 65 
man mit enander gewurken. §• Dia drit lungfrowe haiffet andaht 
diu fchenket die fuefiea minn trähen. und fehenket ( i 4 c ) voa dem 
iaemerlichen hertzen den miuaeklichen win. und fprichet zuo ünfernoi 
henren. Owe fuefTer 6ot von hymelriche. wenn fol ich enpunden 
werdea von difem Übe. daz ich dich mit fioherfaait umb vahen muge. 70 
UAd du dich denn in min feie gieffeft mit vrcaden und mit fueffekaii. 
\on der andabt entfprlnget ain brunne und fliaffet ze den ogen a& 
& Das dritte daz an dem clofter ift. daz ift ain dormiter. des pttle- 
genl öch dri lungfrowen. Der dormiter ift ain GöÜich hertze. $ Dia 
erft lungfrowe ift ain lutriu ConfciencL diu beraitet daa bette, da 75 
ünfer herre und diu feie an ruowen. fönt, won fwa der mentfch ifL 
den fin hertz ntt bekrenket umb dehain umtugent der hat ain luter 
confcienci. und ain gebluometes hertze. Diu fole mag wol fprechen 
kam her lieber gemahel min. ünfer bette ift gebluomet kum her 
fueffer Got mow uff difen bluomen. Aber der mentfch den (l4d>80 
fin eenfcienci biffet umb Untugend, und fich doch der vor nit huetet 
des betlin ift beduraet. waif 6ot da hege ünfer herre ungerne. und 
w»fe im Aeh harte widenueme. S Dia ander Iungfi*owe haiffet fride. 
mik tagenden: daa^ fi die untugende alle überwunden hat die widev 



46cellich 56 jtfom. 25, 40. 73.74plegeiK 7^<rafiM, 16. 

6* 



84 XLat 

85 den tagenden ftritent. and nit allain fiberwunden die untagend. li hat 
ir Ach gar vergeffen. Diu feie hat frid mit den tagenden, und diu 
phliget unfer» herren. und der feie fo fi ruowet. § Man vindet der 
liate vil die vehtent tagend hant. Die ze allen ziten mit den tagen- 
den vehtent. aber der liut vindet man lutzel die mit ruowe tugent 
90habent die fint reht als diu tier in der arch die hattcnt frid all 
mit enander. § Diu dritte Inngfrow haifTet Schiauf. mit dem fchcBn- 
nen Got. daz fol man nit verftan an den fläf des libes. es ift ain 
fcblauf mit Got. daz ift fo diu feie und der lip ufwendiger ding gar 
ver- (l 5 a ) geffent. und fi denne inwendig Got fehcnt. und in mit 
96 im wol ift. daz ift fchlAf der feie, daz mag lubilieren fin. Als fpricht 
dia feie in Canticis. herre ich flAf und min hertz wachet doch 
mit dir. Alfo fpricht ain haiig. Herr Si loch dR± ich fchlAfe mit den 
ogen. fo gib mir doch daz min hertze wache mit dir. $ Daz vierde 
daz an dem Cloftier ift. daz ift ain Capittel hus. daz bezaichent ain 

iOO demnetig hertz. da ift ain Priolin inne diu haifTet frow mseffekait. 
da fint ander lungfrowen inne die ruegent die untugent hant in dem 
capittel. und die tugent ruegent enander. won die Untugend fol man 
hillich ruegen. Aber daz befchiht dik. daz ain bruoder oder ain 
fwöfter an ander rnegent daz doch vil beffer ift. Ze glicher wife. 

105 ift es umb die tagend da laidet ainiu die andrun. die doch vil hoeher 
ift denn fi. Ain tagend ift in der feie, die haifTet irfamkait. diu 
rueget frow demuetkait. Ir fint alfo (l5b) gar nnfuber mit iuch 
felber. and inwer demuot ift alfo vil. daz ir unloftig fint an ze 
fehenne. So fpricht min vrow din priolin. Swefter demaot ir fönt 

liOmsfllg (In. und fönt iuch alfo demuetigen. daz iuch die Hat erliden 
mugent. $ So rueget denn vrow demnot. vrow erfamkait und fjprichet. 
Ir fprechent ich li ze nnfuber. wan aber ir als erfam fint. nnd tra- 
gent gern guotes gewand. und vliffent iuch daz es wol ftande. dunket 
es iuch ain erbera iin. fo danket es aber mich ain höfart. So fprichet 

115 aber m^e. Ir fönt beide lach temperen mit mäfTe. S Dar nah rue- 
get reht und erbärmde enander. Erbärmde diu (jpricht. Plus eft. Si 
• rueget die fwöfter. daz ift reht. doch möhti fi es wol mit miltren 
werten tuen. Si (teilet ir antlut als fibellich daz ef gar ze vil ift. S 
So rueget denn reht erb&rmde. und fpricht. Plus eft. Ir wend als 

120 erbarmhertzig (in. daz ir ain ieglich ding (15c) went hin lan gftn. 
daz doch wol ze ruegenn wsere. $ So ()^richet aber min vro maflb 



96 Cam. 6, a. 103 tTf ent. tu nrf est 



XUn . XLIV 8S 

diu Priolin. Ir lungfrowan ir fönt lach mit matte zao enander Aie* 
gen. daz ir mit fride ze famen gehoUent und doch mit der gnade 
belibent $ Dar nach ruegent befchaidenhait und minne enander. und 
fprichet vro befchaidenhait vro minne iuwer minne ift alfo vil. daz 125 
ich CS nit erliden mag. So ir an die minne koment. fo bettent ir 
alfo viL und wainent und dienent. und arbaitent alfo vil. daz ir dar 
nach lang muoHent ligen. und mugent denn kain guot getuon. Ir fönt 
befchaidenlichen varen. und fönt ainefl; werchen. daz ir Ach andreft 
mugent werchen. So fpricht denn vro minne. vro befchaidenhait 130 
iuwer befchaidenhait ifl alfo vil. daz ir als traege fint. an finfers 
herren werchen. daz es wider Got ift. So ir betten (l5d) fönt fo 
wend ir fchläfen. und fprechent alles, wir fönt geftioklich varen. 
daz wir lang Got mugent gedienen, und machent iuwer befchaiden- 
hait alfo vil. daz mich danket es fi ain trakait. § So fprichet denn 135 
vro mitte diu Priolin. Ey lieben iungfrowen temperent iuch ze famen. 
Ir fint als unfridiam mit enander. daz es übel ttkt vro minne ir 
fönt nit als vngefuoklich varen. fint maefTiger. Aber ir vro befchai- 
denhait. arbaitent iuch me. und fbegent iuch baz ze fridbari mit 
enander. und fint nueftig. doch alfo. daz ir die gnade mit den tugen- 140 
den behaltent 



Tom dem flrto llchameii ttnfers herren. 



u 



nfer herr fprichet in dem owangelio. Ich bin daz lebend brot daz 
da kam von hymelrich uff ertrich. daz waiflin kom dar us daz brot 
gemachet wart daz kam von hymelriche. von der guldinen fchiure. 
und wart gefeget uf daz gefegnet ertrich. in den (üb) rainen Hp 
miner vrowen fant Marien, daz waz getunget mit dumähtiger de- s 
muot wan fi waz der aller demuetigeft mentfch der ie geboren 
wart an unfern herren. won fwa man von tugenden redet da ift Got 
ain urfprung. vnd ain übergülde aller tugent und dar umb fol man 
€U>t zao kainem haiigen zellen. wan fin tugend ünt reht als daz 
mir. wider ain trophen. änfer vrowe waz volkomen an durn&htiger 10 
demuot. und als der mift verworfen ift für äliiu ding, alfo waz 
uAfiriu vrow verworfen und verfm»ht für alle liute. und won fi 
mit ir demuetkait der nidroft mentfche waz. da von fo wart fi er- 
hcehet über alle mentfchen. Man lifet daz von ir. daz fi fich alwe- 



126 mag. fo ir an fi koment fo bettont ir alfo yU. daz ich es nit erliden mag. So 
XLIV. Ä 10. 1 Ev. Joh. 6, 35. 6 demytig 



•6 XUV 

15 gent namte ain dirne üafers herrM. Zuo ainer muoter nam li da 
von uofer herre. and iemer alfo vil fi Hch nidert. alfo vil erhöhte 
ü unfer herre. Si wart och geeret mit dürnähtiger kiunfehkait. wan 
es wart nie meatfche (21 c) ane Got das ie fo volkoinen kianfehi 
^etti als fi. Si was rain an üb. und an hertzen. und hatte die tagend 
20 der kiuafchi volkomenlicher denn ie kain menfche. Man lifet wol 
von mäogem hailgen der kiunfche was und ain luter magt. und was 
doch fin hertze nit voikomen an gedenken. Aber ünfer vrowe waz 
volkomen an libe und an hertzen. AlAis waz dis ertrich gebuwen 
init tuganden. Der waeri ain tumber man der (Inen famen wurfi uff 

25 ain ungebuwen ertrich uff ftain oder uff dorn. Alfo ift etlicher Hute 
hertze als horte und als hohvertig. fwaz gaotes uff ir hertze gewor- 
(&n Wirt, daz daz nit firuhtbar werden nag. Aber dis ertrich waz 
gebuwen wol mit allen tagenden, und brihte die ewigen firufat unfern 
herren. $ Nu muoflent aim ie^iehei^ körn feohs ding .e. gefchehen. 

30 e. es zuo brot werde. S Daz erüt das man es fliidet. Daz ander daz 
man es bindet. Daz (sid) dritte daz man es dröfchet Daz vferd 
daz man es melt. Daz fünfte daz man es knittet. Daz fehfte daz man 
es bachet. Diu fehs ding befchahent unferm herren. S Zuo dem erften 
wart er befchnitten. an dem ahtenden tag. won do wdt er fin bluot 

35 durch den mentfchcn gieffen. Und fpricht ain hailig. Swie ünfer herre 
dar umb uff ertrich kam. daz er die alten .e. zerlterren wolto. do 
wolt er ir doch nit loefen. er weite daz ftrenge leben an fich nemep. 
und al(b erf&ilen fwie er fin doch nit bedurfte, won er waz gar &n 
fünde. und daz waz gar ain groBffiu minne. daz er alfb zitlich und 

4Qia finen kintUchen tagen arbait und not für ünfer fände wolt liden. 
S Dar nah ze dem andern mal wart er gebunden an die fhl. Man 
lifet daz diu gebende als fcharf warent da mit er ge- (22 a) banden 
wart. Swa im diu band hin giengent. daz da fchnatte wurdent. und 
daz er reht wart als ob er verwundet wsere. mit (werten. Won mit 

4g im fo giengent wol die unmilteflen Hat umbe die ie geboren wur- 
dent won fia bund^nt im hend und fueffe ze fernen, und ftriktent 

* im ain fall umb die kelen. daz er kum den atem hatt. und bundent 
in reht als ob er aller dieb maifter weere. Dis waz ain zaichen 
groffer minne. daz der ain Got himelriches und ertrichs gewaltig 

50 waz. daz der durch uns vil armen aller finer lider ungewaltfg waz. und 
wolt werden, und daz er finen mimiekliohen libe wolt Iftffen binden 



19. aO tYgede kynfchi 24 ain] an S7 ir fi^ii. 40 der ain] er 



XUV «T 

dar umbe das er uns lAfti voa dea fitaden. S Zuo dem drittea mM 
wart er an der ful gedröfohen mit mängem bitterliohen fohlag. Und 
fprichet iant Anfhelm. daz der minaeklich lip der e. was wtfll wart 
als (22b) ob er mifelföhtig waere. Swa die knöphe der gaiflen hili 55 
^engent da zuktent fiu im daz flaifch von dem ruggen. und wate 
im daz bluot nach der gaiflen. daz fin minneklicher lip gar mit bluot 
begoHen wart -da aber diu gaifel bin kam. und im nit die hut brach, 
da wart er geL und öch etfwa wart er reht tdt bluetig. und wais 
etfwa fwartz. und reht röt von bluot alfus iaemerlich und angflioh 60 
wart ünfer herre gehandelt In dem do finfer herre alfus isemerlich 
an der ful gebunden waz. und n ietz uff in fchlnogent. do kam ünfln* 
vrowe. und do fi hin zuo im kam. do waz fin minnekliohes anüüt 
alfo zerbluwea und zerkniftet daz fi fin nit erkante. Owe den fi me 
denn tutent mal guetlich an finen mund ge^üffet hatte, der ift alfo 65 
iamerlich getan, daz fi fin nit erkande noch erkennen künde, den fi 
dik guetlich an ir hertze und an ir bruft gedruket hatte, den vand 
fi (22c) ander den unmiltoften liuten die ie wurden t Do fi in lang 
an gefach. do fprach fi zuo im. Owe bilt duz rainer ihefus. und do 
fi in. in fo grofi'er not fach, do wart ir von inneklichem laid alfo 70 
we. daz fi lag kn i^rechen. und an fehen. § Zuo dem vierden mal. 
do wart er gemalen entzwifchent zwain mülftain. daz waz Pylatus 
und Herodes. die zwen rihter. wan fi warent übel mit enander. und 
wolte fieh Pylatus fuenen mit Herodes. und fante im unfern herren. 
wan in hatte lang gelüftet in ze fehenn. und do er do zuo im kam. 75 
do batt er in daz er vor im zaichen tseti. do wifte ünfer herre wol 
daz er finer zaichen nit wirdig wser an ze fehenn. und wolt kain 
zaichen vor im tuen. Do fprach er waz gdches hat er mir gefant. 
und hietf im ain wlffes hemde an legen in fpottes wife. und fprach 
man feit mir vil von difem wie wis er wsere und waz er künde. 80 
Nu fih ich (22 d) wol daz er ain gdch ift. und fante in aber wider 
zuo Pylato. und do in der naht wart do kam der tiufel zuo finer 
vrowen und feite daz der man den Pylatus hetti gevangen. unfchul- 
dlg w8Bre. und fante fi des morgens zuo im und hieff in bitten daz 
er aaferm herren nit entsete. do hetti er in gerne gelaffen. und hieffo s5 
in fine knechte fchlahen vil übele. und bevalch in do den luden, do 
fi im nit volgen woltent daz fiu in geläfTen hettint Alfus wart er 
gemalen mit mängen hertan worten. und fUeffen. $ Zuo dem fünften 
mal wart er geknetten. mit dea fpaieheln der unrainen luden, und 



52 er fehU. 53 bitterUche 64 fin fehlt. 69 duz] dT 



88 XLIV 

90 leitent ime ainen jroten pheller an. und fatztent im ain krAne Af mit 
dornen, und gabent im ain ror in fln band fSr aines künges septer. 
nnd kniuwotent für in und i^puwent in an. und gruotztent in. in 
fpottes wis. und fpracbent. (23a) Got halte iucb ber luden küng. 
Si naroptent den der luden knnig. des kneht fi nit woTtent fin. und 

95 sEuktent im daz ror ufT der haut, und fchluogent im uff daz hopt. 
und uff die krön als übel daz im die dorne wider grifgetent an dem 
höbet, und daz fin minnekliches antlut mit bluote gar begoffen waz. 
und nament do ain tuoch. und hiengent im es für finiu ougen. and 
fchluogent in uff fin nak. und fprachent. Nu rAt wer hii dich ge- 

100 fcblagen. und fpracbent mänig fmsBch wort zuo im. daz laid er 
alles tugentltch. Da von fpricht fant Anfhelm. daz in fin höbet 
tufent fcharpher wunden giengent. Owe dis laid er alles durch Ans. 
vil armen, ane alle fcbulde. und Q>richt Ach fant Anfhelm. Herre 
du hatteft nie verfchuldet. daz du fo grdz arbait liden folteft. aber 

105 ich bin diu fcbulde diner arbait. In aller der nAt. und aller der mar- 
ter fo finfer hArr lait. fo vin- (23b) det man nit gefchriben. daz er 
ie nngedultig wort gefpraeche. oder ungedultig antlfit erAgti. fwie im 
doch diu arbait wirs tet denn ie k^im mentfchen. S Zuo dem fehlten 
male wart er gebachen an dem Criutze. do in die fibeln luden vil 

ilO unguetlich an daz Criutze nageltent. Do fchluogent fi im ain nagei 
durch ain band.. Nu gedenkent wie wA aim fwseren manne daz tasti 
der aller famcnt hiengi an ainer band, als er tet. won er hieng Ach 
aller an ainer hant. da ain nagel durch gefcUagen wart, und im die 
haut ietwederhalb hin zarte, und hieng entzwüfchent zwain dieben. 

115 als ob er aller dieb ain maifter wsßre. Man fpuiget groffen herren 
brot ze bachenn in zwivaltigem fiure. Alfo wart ünfer herre Ach 
gebachen an dem Criutze. in zwivaltiger not. und mit den angften 
daz er wol wifte daz fin not und fin arbait an mftngem mentfchen 
fo unnütz waz. und Ach (23c) mit dem iamer fo er an finer muoter 

120 fach. Und f^richet fant Bemhart. Herre dir tet din not und din ai^ 
bait vil inneklichen we. aber daz lait und daz iamer daz du din 
muoter fseht han. daz tet dir an dinem herzen vil wirs. won Ach ir 
herze betraebet waz. Won fwa ain muoter wan*e. diu ir kint vor ir 
Agen fflßhe fo iaemerlicben testen, daz muefti ir we tuon. an irem 

135 herzen. Es wart aber nie muoter diu ie ir kint fo tere minneti fo 
ünfer liebiu vrowe. ir liebes kint minnet in ir herzen, von Götlieher 
minne me denn ie fei oder herze. O aller miltoftiu muoter (kg uns 

105 bin fehlt. 



XLIV . XLV 80 

wie dfnem herzen w»re in der ftonde. do du din hen blaot vor 
dinen dgen fahl hangen, als reht i»raerliche. Daz gegiht innekliches 
laides. daz durch gieng ir herze, und Iren IIb. Si mohte wol fprechen. iso 
mit dem wifTagen. Min hertz ift betruebet. und diu kraft mines libes 
hit mich verlafTen. wan daz lieht miner ogen ift von mir gefchaiden. 
Sant (23 d) Anguilinus i]prichet. daz fi ain gegiht an gie von hertz- 
laid. daz ir älliu iriu lider erkrachetent. Do finfer herre von ir fchai- 
den wolte. do bevalch er fi fant lohanfen. reht als er fprseche. 135 
Muoter. Ich mag nit me din kint gefin. Nu wil ich lohannefen dir 
ze ainem kind geben, und fprach. Muoter. fich wa din kint. itat. und 
fprach. zuo fant lohanfen. Sich wa diu muoter ft^t. Owe. wie innek- 
lichen we dir daz fehaiden tot. $ Alfuff wart dis lebend brot ge- 
machet mit mingen arbaiten. Won der als daz leben ünfers herren 140 
dur git. fo vindet man nit. daz er ie guoten tag gewunne. von finen 
kintlichen tagen, untz an daz Criutz. daz laid er alles durch fins. vil 
armen, dar umbe daz er Qnfer feie fpis wolte fin. und daz ünfer feie 
mit dem lebenden brot gefpifet wurde. Alf ünfer herre zuo fant 
Auguftinus fprach. Ifle mich alfo daz ich nit werde in dich verwan- 145 
delt. du folt in mich verwandelt (24a) werden. Daz ift alfo. daz 
wir von finiVem herren dem lebenden brote gefterket werdent an 
tugenden. won fwer Qnfem herren mit rehtem globen enphahet zuo 
dem altar von dem priefter. dem werdent flu tugend gemeret und 
gefterket S Sit daz nu finfer herre fo roftnig arbait und not dar 150 
umb liden wolte. daz er finfer feie fpis und trdft wsBr. So ift Ach daz 
billich. daz wir finferm herren finfer fei mit allem fliffe gegen finer 
gnad beraitent. durch daz. daz wir finer erbSrmd wirdig werdent. 

Ton maffe imd von andren tufcnilen. 

kJanctus Paulus fprichet. iuwer maffe und iuwer tugend fol allen 
liuten offen fin. Difiu worte lifet man an dem iungften funnentag 
vor winnähten. und beeret wol zuo dem tage, won fo nahet uns ain 
hohzit daz wir unfern herren enphahen fönt, und leret fins mit difen 
werten der guot herr fant Paulus, wie wir fins beraiten mit tugen- 5 
den fönt gegen finferm herren. daz (34a) wir in wirdeklich enpha- 
hent. Man lifet von der kfingin Hefter, do fi zuo dem kfinig Afwero 
folte. do berait fi fich ain lar da vor. Si wuofch fich fehs manod 

131 Pf. 37, 11. 153erbannd XLV. ^ 15. iPhiHpp.J^,^. i^irfekU. 



W XLV 

mit myrrefi. und ftlbet HgIi fehfi maDot mit öle. und batta fibea lung- 

10 frowen die 1! beraitent das li mit erea zuo dem künig möbti komen. 
§ Bi difer kunginaen ift bezaicbeut ain ieglicbiu fselgia fei. Bi dem 
kihiig Afwero ift bezaichent unfer henre. Afwerus daz fprichet der 
üdhg Got der ift reht feelig. und baifTet von rebt Afwerus. und gegen 
finer zuo kunft fol Heb ain ieglicb fielig mentfcb beraiten daz er in 

15 wirdeklicb enpbaben mug. S Diu erft lungfrowe zob ir diu alten 
kiaider ab. Diu ander lait ir fcbuobe an. Diu dritte lait ir ainen langen 
rok an. Diu vierde lait ir ain guldin borten umbe. Diu fünfte lait ir 
ainen veben mantel umb. Diu febte ftakte ir ain guldin vingerlin an. 
und ain fpiegel (34b) für ficb. Diu fibend latzte ir uf ain kröne. 

20 Vre Hefter diu wuofcb ficb vor bin fecbs manode mit myrren. Diu 
myrre diu ift bitter, und bezaicbent die riuwe die ain mentfcb fol 
bau umb fine f&nde. und Calbet ficb die andern febs manot mit öle. 
daz öl machet die but lind, und fenfte. Der in ainen kamph wil gan 
der falbet ficb und flu gewsefen mit öle daz in fin vigend nit begri- 

35 fen mugent Ze glicher m is fol der faelig mentfche tuen, der fol fin 
hertze linde machen mit andaehtigem gebette. und fol fin feie mit 
ünfers berren gnaden falben, daz in der tlufel fin tcetlioh vigent nit 
begrifen muge. wen ir fönt daz wiffen. daz. daz andaehtig gebet vil 
nütze ift für die bekorung die der tiufel etfwenn git. Won fwer fleh 

30 unmueffig machet mit gebet und mit guoten gedänken. den mag der 
tiufel niemer mit alfo mangem ding gevahen. als den mentfchen der 
fine zit unnützeklich vertribet Alfus fol der mentfcb fin fei vor hin 
be- (34c) raiten. Dar nach fönt ir denne fiben lungfrowa werden 
die ü klaident und beraitent. daz fint fiben tugent. S Diu erft lung- 

35 frowe ift riuwe. diu ziuhet ir diu alten kiaider abe. und lait niuwiu 
an. daz fint die funde und die alten gewonhait der Untugend, die fol 
der mentfche von fIner feie und von finem herzen werfen. Wie ge- 
zaeme ainer lungfrowen daz fi gienge für ainen künig mit alten 
klaidem boefen. daz fi alfo kaeme mit gevetzotem gewand. daz zsemc 

''o harte Übel kfingennen daz fi alfo boefchlich kscme ftir Iren berren. 
Noch tnfbntftnnt wlrs gezseme der feie diu ünfers berren gemahel 
haifTet. daz fi ffir den groflen Got kseme mit alten klaidem. und mit 
Untugenden. 9 Man lifet ain mnre von ainem berren der batte ain 
hof. gerochen, und hatte vU liute dar geladet, do diu wirtfdhaft 

45 berait wart, do gieng der künig umbe und fach wie es alles berait 
waore. und wie die Hut beklaidet wsercnt. do erfleib er ain der was 



iM m fthU. 85 ir /MH. 43 B9. Hattk. 22, 9 f§§. 



Sk 



XLV VI 

BÜ (d4d) w«! Mklaidet. suo dem fprach er. waz wolAeft du litr 
Sit dines hmtem klaidern. uad hieff fin kielit dar gan. und faieff im 
koai and Aiiff .sefamen binden nnd werfen in ain Hur. Ze glieher 
wis befcklii dar feie an dem iangften tag. diu fiir Got knmel aiie 50 
tngend. nsd tarn goetin werdL dem haiifet ünfer herre kende ad 
fneff sefinnea lAidtn. und ludfiCBt fi denne in ain fiur werfen, der 
ewiges verdampnong. S ]>ro ander iongfrowe ift demnetiudt. An 
fduiDhei die feie. Swcr ain herten oder ain ilainigen weg fol gan 
der bedarf wol das er gefchnehet fL mit der demuetkait daz er 55 
fioh behneten nmge vor den Untugenden, und vor der widerwärti- 
kait diu den menlfchen uff er trich ane gät won der tiufel leit dem 
meotfehen mänig läge da mit er den mentfchen gevahen muge. Den 
langen weg mag der hAfTi^tig mentfch niemer gan. Man lifet in der 
aM vitier bnoelL ven aim guoten (ssa) man dem wart diu weit 60 
gesaigei do Iah er fi volle ftrik ligen. Do fpraeh er no iaferm 
herren. wer fol link vor difen mSnigvahigen ftriken bekueten. Do 
antwfirt im ain ftimme. und fpraeh. daz M der demuetig mentflt^. 
§ Diu dritte lungfirowe ift gekorfami. die der faeUg mentfch fol han. 
fl fol lang fin nntn an den tot Etlieher liut gehorfami ift alfo kurta. 65 
daz fi bH went ixum. won daz fi gern tuont Sint fi io<^ gekorfam. 
daz iH all knrtzliche und mit als iblem willen, das in diu gehor- 
Unmi nü vil ze trc^e kumet und die litt nit gebeffert werdent 
Die liut die alfo kurizlich gehorfam fint. die klaident nit ir feie mit 
ainem langen roke. Si madient ir fei Idaid aifo knrtz daz fi nit mit 70 
eren für ünfem herren komen mugent. Wie gezsemi ainer langfirowen. 
daz fi einen rok an ketti. der ir nutz an den gfirtel fchlnegi der 
wsere es harte unerberklich. Alfo (35b) knrtz ift etiidier liut ge- 
horfami. Man lifet von ainer fchlahte liute in der altun .e. den wolte 
man lafter bieten, und in daz klaide bi dem gortel ab fniden. die 75 
glengent hart unerberklich. Ich wil fin fprechen nit gedenkent felb 
wie fi glengent Aber der faelig mentfoh Aw fin gehoHami lang 
machet und guetlichen taot alles daz man es haiffet der leit finer 
fiele ain langen rok an. S Diu vicrde lungfirow ift kiunfckkait diu 
leit ir den galdin porten omb. Sant lohans faeh ainen man. der waz so 
begirtet mit zwain gflrtlen. Bi dem ainen gurtel ift bezaichent Idunfoh- 
kait des libes. Kr waz oeh begurtet mit ainem gnldin raife zuo den 
hrftften. Da bi ift bezaichent kiunfokkait des hertzen. Hubfehe inag^ 



67in]fan lOniifeMt. 72 fchlrgi. des 74 «cg. 9, iO, 4. M.^ociil.1,18. 



tS XLV • XLVI 

frowen fpul^ent fich le gürtenn mit zwain gfirtlen. Alfo fol der 
85 faulig mentfch begörtet fin mit swain gürtlen. daz iit kiunfchkait 
des libes. und kiunfchkait des herzen. (dSc) $ Diu fünfte long- 
frowe leit ir ain vehen raantel an. daz ift erbärmde. Bi dem 
mantel ift bezaichent erbärmde die man fol han über ain iegliohen. 
mentfcben. Als man Itfet von fant Martin, der waz da erbfirmhertzig. 
90 daz er finen vehen mantel mit Hm fwert tailte. und in aim dörftigen 
gab halben, won es waz uif ainem velde. da er nit anders hatte. 
Dis waz ain grolliu erbärmde. do lieff in ünfer herre in den hymel 
fehen. und fach daz unfer herre den halben mantel umb hatte, und 
fprach. Sehent wie Mich Martin geklaidet hat. S Diu fehfte lung- 
95 frowe ift ftsBtkait. diu ftakt ir ain guldin vingerlin an. Daz vinger- 
lin bezaichent daz der mentfch itset fol Hn an fim guoten lebenn. 
nutz an fin tot. Sant lohans mit dem guldin munde fprichet Man 
fol den ritter loben fo er^kunt von dem ftrit. und den fchifman fo 
er an daz ftad kumet. Man fol den mentfcben loben fo er von dem 

lOOftrite kumet. und fine vi(35d)gind überwindet, und fo fl au daz 
ftad koment dirre weite. Swie vU der mentfche guoter ding an vahet. 
volbringet er ir nit fo ift es nit loblich. S Diu übende lungfrowe 
ift diu minne. diu kroennet die feie, und hilfet ir ain lungfrowe diu 
haiffet befchaidenhait. Diu minne iü ain gezierde aller tugend. und 

i05 fwaz der mentfch tuet, hat er der minne nit fo ift alles unnütz. Daz 
du tuoft. daz folt du tuon in ünfers herren minne. mit befchaiden- 
hait. won fwaz der mentfche guoter dinge tuet, ift befchaidenhait 
der bi nit. fo ift es niut ain tugend. Alfus folt du din feie zieren mit 
tugenden. und folt dich beraiten engegen ünfers herren zuo kunft. 

lio daz du in wirdeklich enphaheft. 



D. 



Ton ttnfer vroiren und lln£ei*ni herren. 



h ünfer herre uff ertrich wandlet in ment- (78b) fchlicher na- 
' türe. Do fprach er zuo finen lungern alfuff und wifTaget inen ain 
künftig ding. Er fprach es fönt zaichen befchehen. an der funnen 
und an dem m&ne. und an den ftemen. Sant lohans fchribt in Appo- 
5 calypfi. Daz er fach vier engel fliegen uff aim altar. und flugent 
durch daz hymelriche. und der erft engel blies ain hörn, und ze- 
hant verlos, diu ftinne und der mAne und die ftemen den dritten 

90 vehel XLVI. ^i 38. Z 4 von ynferme herren. Vhenehr, herren] h'. 

3 J^D. JLtfc« 21, 25. 4 Apoe. 8. 



tail ir liehtes. $ Dis magent wir merken bezaichenlich. won bi der 
fonnen ift bezaicbent finfer berre der dia gewsere und diu cwi^ 
fanne ilt Alfo ift von im gefcbriben. dass er ift ain funne der rebC- 10 
kait S Na fbnt wir merken driu ding, an der funnen. dar an finfer* 
berre der ibnnen glicb ift. $ Das erfte ift daz diu fdnne fcboen ift. 
und ift dia fcboenft creature die Got dem ertricb ie gefcbnof. $ Daz 
ander (78c) ift. daz enkain frubt des ertricbes fV*ahtber mag fin 
an der ftinnen bitze. 9 Daz dritte ift daz der funnen liebt gemain 15 
ift aller der weite, dem armen alz dem rieben, dem Übeln als dem 
gnoten. $ Alfo ift ünfer berre ocb fcboene als diu funne. Von finer 
fcho^ni i^iricbt fant Auguftinus. Und folt ain mentfcb tufent iar leban 
in allen den vroeden fo fm berze erdenken künde, die folt es ^11 
verfmaben. dar nmb daz er Got nit won ze aihem male ftebe in 30 
finer Götlieben fcboenbait. und enfolt er in iocb dar nacb niemer 
rae gefeben. Er i^iricbt ocb me. Und waeri es muglicb daz ain mentfcb 
als lang leben möbte. daz ain tube des mores griefT us gefoortf. 
und ie ze tnfent laren nuwent ain grieffelin. diu Iar folte der 
mentfcb wellen in arbaiten leben dar urobe däz er Got gef»be in 25 
finer feboBnbait. S Ain mentfcb waz befeften mit dem tiuvel. und ain 
gaot man kam zno ime. und (rsd) begunde mit im reden, und 
vragte in von dem bymelricbe. und von den engein. und vragte 
in wie fehcm Oot wsere. do fpracb der tiuvel. Owe du baft 
micb ze vil gevraget. wie fcboene Got fi in ftner Götlieben ber- 30 
fchaft. daz enmöbtint alle zungen nit voll reken. aber dar umb daz 
icb in ze ainem male möbtl gefeben. alz icb in etfwenn facb. dar 
umb w5U icb all die arbait liden. die all die erlitten baut, die ie 
geboren wurdent. und iemer geboren werdent untz an den lungften 
tag. Und da von fo dunket micb enkain tier fo tumb als der mentfcbe. 35 
daz er mit kartzer vroede verliuret die Götlieben an gefibt. Da von 
fpricbet fant Auguftinus. daz er gemer weite in der belle fin und 
Got feben. denn in dem bymel. und fin nit feben. $ Daz ander ift. 
daz enkain frubt berbaft mag (In ftn der ftinnen bitz. Ze (79a) 
glicber'wis ift es umb den ewigen fdnnen Got von bymelricbe &n 40 
ded gnade mag nieman enkain guot getuon. Wir mugent in die Itinde 
wol Valien ftn finfers berren bilf. wir mugent aber niemer ze gna- 
den wider kernen ftn fin belfe. Nu möbtint ir ijprecben. fo endarf 
ünfer berre uns nit wiffen daz wir nit wol tuegent. Sid wir nit 

e 
1^ ift fMi. 21 enfolt fMt. 23 folte Tod mobte 31 voll raichen U toU 

tffeal fint. 8ld 



45 gaotes getuon mugent an fm goade. S Nit lieben. \¥ir nuigent uns 
des nit entfchuldigen ünfor herre ift älliu zit berait den fönder «e 
enphahenn. und fin gnade im ze gebenn. Alfo ffurlcht fant GregorinA. 
Diu band ünfers berren ift alle vart berait ze gebenn dem mentfcbea 
der gttoien willen h&t. Es fpricbt ocb der wiffag. Herre du furvaseft 

50 mit diner gnade den üblen willen an dem mentfchen. Über daz w«rt 
fpricbt fant Auguftüius. fueCTer Got. dn furvereft (79 )»> mit 4iner 
gnade den Übeln willen, und bringeft in ze guotem wilbm. and 4inii 
ze guoten werchen. S Daz dritte ift daz diu Tonne gemain ifiU ^Ifo 
ift ocb ünfers berren gnade gemaine aller der weit, den ffindero« WMd 

65 den guoten. Als fpricbet fant Auguftinus. Ünfer berre ift fo gemup» 
mit nner gnade, und ift fo erbarmbertzig. da^ er baitet mit greffep 
gedultekait des funders bekerde. berre fpricbet. er du bailieft im^ 
niut ajlalae. Sunder du rueffeft im täglicb. und maneft in iSglifib das 
er wider kome. Du biuteft im alle zit buldi und erbärmde. das. eht 

60 er wider kere. $ Nu möbtlnt ir fprecben. wie ruelel uns unfer berre. 
Intriuwen daz tuet er mit aller ereature. daz foi v^d- mag fins: wol 
aln rueffen fin. das enkain creatur ift fi tuegi ir rebt^ won aUaine 
der mcntfißb. der ift Got ungeborfam. und ift im doeb als Uefu d^ 
er in ze allen ziteii manet daz er nocb. widerkere.. und (priqbt Süa* 

65 der ker wider, und gedenk (79 c) daz ich din fcbepber bin. und diu 
erjicefer. Ker ber wider lieber mentfcb, und fich ze ainem male mich 
an, Ich 1^ dich, noch ze buldi komen. Alfo fpricbt. fand; Bembjurt 
So der mentfch ie bofcklicber ftindet fi>. im Got ie guetlicher nach 
gat, Er fpricbt 6cb. herre da mäht wol. fin ain gooter GoL. das 

70d|ii dea ninder enphabeft f wenn. er kämet, und vergibeft im. alle fia 
üinde. alfo. gar. daz du. in niemer verdampneft. und im es nieimer uf 
gebebeft. und wirft als luterlich fin Mund alz ob er nie tund getan 
hetti. S Nn merkpnt wie dec lebend funne daz dritte tail flas liehte& 
verlor. Do ünfer herre ibeins cbriftus Gottes fun ufi ertrich kam 

75 dur«h den (under. dp wajct. er ungetriulich an den: tod geben. und> 
lyart an ain ful gebunden., und wart gefcblagen daz fin bailger \i]f, 
von bluote über vldfC Do gabent fiu im ain Criutz uff.finen ruggen. 
und truog 09 aii die ftatt d^ er gemartrot wart.. Do. nament fiu. in do- 
und hiengent. (794) ^ ^^ ^^' ^^ do.verloz diu funne den drittem. 

80 tail ir liebte^, dp er. ij^merUch dac^ an- ejcftarb. S Ka..metkent Mfier. 

e • e 

49Terfkireit 51 dy yerfvreit 52 bringeit— und /VAU, den 55fo/)tMf« 

58 sVnder Munt fehlt. 



XLYI M 

daz dritte tail erlafch. Dia Gothait und der hailig gaift die wnrdent 
nie verwert. Diu nientfchait erftarb. das was der dritte tail des 
ewigen funnen. Da von l^richt fant Bemhart. Dia lebendiu Ainne. 
hatte wol daz dritte tail verlorn finer kraft, do fin kOnigkliches 
hAbet verwandet waz zwaiger und fibenzig wunden, und finiu wun-- 86 
neklichen Agen. die luter warent alz diu fünne. erfturbent an dem 
Criutze. und ün durchliuhtig antlötz erblaichet daz alfo fchcen was. 
wenne es die langer fahent an. daz flu enzfindet wurdent in herzen und 
an libe. alfo fchoenniu clarhait gie von im. $ Die haiigen i)[)rechent. 
daz im fin lunger nahvolgetant me durch fin fchoeni. denn durch die ^ 
gnade dez haiigen gaiftes. ( 80 a ) e. daz fiu enzQndet wurdent. Owi 
fpricht fant Bemhart. Der fueft mund der alliu zit die warhait fprach 
und lerte. der wart mit gallen getrenket. und die hende die hymel- 
rich und ertrich gefchuoflTent die wurdent durch fchlagen mit fcharphen 
nageln. $ Nu möhtint ir (frechen wie moht daz Hn. Got waz den- ^^ 
noch do nit mentfch worden, do erhymelrich und ertrich gefchuof. 
daz wil ich lach befchaiden. Ünfer herr Got der ewig vatter. hatt 
fiaen fbn Ihefhm chriftum gebildet in im felben. vor an genge der 
weite, des wil ich lach urkünd geben. Do ünfer herre die engel 
gefchuof. do gelchuof er och Lucifern. und gab dem me (bhcenhait ^^ 
und wirdekait denn kaim andern engele. Won alfo fprechent f&mlich 
haiigen, daz im die andern engel alle ze gezierde warent geben, 
und da von won er fchcener waz und wirdiger denn die andern 
engel. do tM er ( 80 b ) och Got nseher. und fach in luterlicher denne 
die andern engel. Do fach er ain mentfchlich bilde in dem Götlichen ^^^ 
fpiegel. daz waz diu mentfchait ünfers herren Ihefu chrifti. Do ge- 
daht Lucifer. dis bilde bin ich. won nieman fo fchoen und och fo 
wirdig iil fo ich. da von hat er mich in im felben gebildet. Nu wil 
ich minen ftuol nebent in fetzen, fo bin ich im gelich. und 4o er 
daz gedahte. do viel er. S Daz ift ain urkünde daz die mentfchait tiO 
gebildet was von angeng in der Gothait. Und alfo fo wir denn die 
hende fehent die hymelrich und ertrich gefchnoffent durch fchlagen 
an dem Crinze fpricht fant Bemhart. Er fpriht och me und klaget. 
Owi das fheffe herze daz da vol waz aller wifthait. daz wart durch 
ftochen mit dem l^er. und aller fin lip. und finiu lider ivurdent zer üS 
tent und isemerlieh gemartret und verlos diu flinne daz dritte tail 

81 dai fehlt. 83 Dia] O dr 85 Tewandet 89 rprachent 90 im fehlt. 

95. 96 dennoch fehlt, 98 yor] von 99 des ich vrkynd ych wil 104 egel - 
104. 105 in— er fehlt. 107 fo vor fchosn fehlt. 119 hym-melrich 



•« XLVI 

ir fchoeni. S An dem m4nen befchahent och zaichen. daz waz an 
finfer vrowen. diu fich dem man (80c) glichet an drin dingen. 
S Daz er(t iÜ waz er liehtes hat daz hat er von der funnen. $ Daz 

120 ander ift daz er liuhtet in der naht. S Das dritte daz er gemain ift. 
S Ze glicher wis ift ünfer vrow ain man, won waz H gnaden und 
tugenden und fffilden hAt. daz liat fi von der funnen. und da von 
fprichet ü. Ünfer herre hat mich fin dirnen befehen. Und dar über 
fprechent die maifter. Swen ünfer herre beüht. den befiht er alfo. 

125 fwaz an im gebreftcn ift daz erfüllet er mit finen gnaden, und be- 
ftaetet in denne an tugenden. alfo tet er dch ir. $ Daz ander ift. daz 
fl uns ift gegeben ze trofte. und ze aim lieht, daz uns fünder ent- 
liuhten fol. daz fi uns laiti mit ir liebte uff difem eilende, won 11 
ift ain lieht der gnaden. Alfo fpricht fant Bemhart Vrowe du bift 

130 d^r gewffir mäne der da liuhtet in der naht. Vrowe .du gift den 
engein und den haiigen vrcede. den rehten mentfchen merefl; du ir 
gnade, den fündem erwirbeft du ap- (sod) plaz aller ir fanden. 
Er l^riht och me. funder gang vrcelich zuo. du mäht wol ficher- 
lich ze huldi komen. Won du haft ain harte ficherlichen zuo gang 

135 zuo Gotte. du haft die muoter vor dem fune. den fun vor dem vat- 
ter. Diu muoter zaiget dem fun ir brüft die er fdg. und die fchdff 
da er Inne faff. Der fun zaiget fin fitun und fin wunden fim vatter 
und bittet für dich. Owe funder nu ruef an die guoten won fi ift 
der mane der den fünder laitet. nu ruef fi an. won es ift unmuglich 

l4o daz der fun der muoter iht verzihe. S Daz dritte ift daz ir gnade 

.ift gemain allen den die fi an rueffent. Alfo fpriht fant lohannes. 

vrowe du bift der mane der da gemainlich liuhtet. du verfeift 

nieman din lieht. Wa ift der mentfch der dich ie an geruofte. du 

tailtift din gnade mit im. Sant Bernhart fpricht dch. Vrowe du bift 

145 gefetzt in des künges hus zuo aim fürfprechen. (81a) Nu rueff 
vrowe an finen namen. daz er uns gnaedig fi. Si tuet es und tuot es 
gern, won daz fi uns wol tuot. daz ift ir guot und nütze, und och 
uns. won fo fi ie me git. fo fi ie me hat. und wirt ir vrcBde mit 
gehoehert und gebraitet ir ere in hymelriche und in ertrich. Entriu- 

150 wen fi tuot es von rehte. und t»ti fi es nit fi t«ti unreht. S Nu 
merkent es i(t gefchriben reht. waz der mentfch verllufet fwer daz 
vindet der fol es dem wider geben dez es ift ze glicher wis ift es 



119 dai hat] halfMU 123 Luc, 1,48. 124 Swen aus Swen gehefieri; ruter 
herre tweitnak 140 di d' fmd' 



XLVI »T 

umb ins und unfer vrowen. Si hat fanden daz wir vl^rlorn hant. waz 
ift daz. entriuwen daz ift diu gnade, won do unfer inuoter eva unge- 
horfam wart do verlor fi allem mentfchlichem kunne die gnade, und 155 
die hat fi fanden, und merkent wie. do der engel zuo ir kam und 
fi gnioite und fprach. Got gruetze dich vol der gnaden. ( 8 i b ) do 
vant fi die gnade, do an der felben ftunt enphieng 11 Got und ment- 
fchen. von dem haiigen gaifte. do vant fi waerlich die gnade, die 
Eva verlorn hatte. Man lifet von ir daz fi erfchrac do der engel 160 
zdo ir kam. do fprach er zuo ir. Niut enfurhte dir. du haft die gnade 
funden die Eva verlor. Sit wir fi na beziuget hant daz fi fanden 
hat daz önfer ift. fo ift daz ßcherlich rehi daz fi es ans wider geb. 
Alz fpriht ain haiige. Vrowe du haft die gnade funden die wir da 
verlorn hant. Vrowe nu ift es reht daz du fi uns wider gebeft 165 
S her m4n ift daz aller nsBhfte geftirne dem ertrlch. Alfo ift öch 
ünfer vrowe diu gnsedigoft und diu nnhfte mit ir gnaden den fun- 
dem. Ich fprich es mit der haiigen urlob. daz fi alle fint gnsedig 
und guot doch ift fi gnädiger und gueter. $ Dirre man verlor den 
drittentail finer kraft, an der ftunde do ir liebes kint an dem Criutze 170 
hieng won do waz ir alfo we. als ir (sie) ain f wert durch ir herze 
gieng. won fi minnete ir kint von menfchlicher nature me denne 
ie dehain maoter ir kint So minnote in dch ir feie me von Götlicher 
minne denn iekain feie, und da von moht ir wol we fin. do ü in 
fo iaemerlich fach hangen vor iren dgen. Es fprechent die haiigen 175 
and die maifter. daz ir reht waeri als aim mentfchen dem ain fwert 
dnrch fin herze gefteket wasre. und daz weder fterben noch leban 
möhte. Alfo fprechent fi ^az ir wseri do fi fah ir hertzbluot vor ir 
alfo iaBmerlichen hangen. Owe vil fuefllu vrowe fag uns wie diner 
feie waere. Owe. mir was von inneklichem laide fo we. daz mir fo iso 
gar waz gebroften.- daz ich niut kan gefagen wie herzeklichen we 
mir waz. Ich mohte weder fterben noch leben, und waz min qnale 
alfo gröff daz ällio herzen nit erdenken knnnent wie we mir waz. 
An der ftunt verlor der mäne daz dritte tail fmer kraft, do fi ir 
herzbluot verlor. S Nu bittent die gnsedigen und die guoten vrowen 185 
( 8 1 d ) daz fi uns gehelfi dar. da tufent iar flnt alz ain tag alz der 
wifTag fprichet daz ift in dem hymelrich. AmoN. 



153—154 % hat— hant le glicher wif— vrowen. wz iit dz. 172. 173 von 

menfcUidier-kinl f$Mt. 180 was f$hü. 186 Pf. 89, 4. 

Alld. Predigten. 7 



»8 XLVn 

Ton der feie beraltmige. 

IJer wiffiag yfayas fprichet. Lieben tohtra von fyon enpfach dincn 
herren (98c) und dinen kQnig. er kumet dir ze trofte din behalter 
und din Got. An difen werten fönt wir driu ding merken. S Daz 
erft. wer der fi der da kumet. daz ill der minneklich Gottes fun. 
5 von hymelriche der ain kung ift über alle kunig. nnd ain fSrfte aller 
f&rften. $ Daz ander ift wie er kumet. Er kunt fenfteklich. und fuef- 
feklich. und tougentlich. alz daz tow des maigen. alfo minneklieb 
alz daz edel tow uff den bdm vallet in dem bluegenden maigen. 
Alfo vallet ünfer herre mit fmer gnade in die faelgon feie, und 

10 machet fi an allen tugenden bluegend. und fruhtend. reht alz der 
edel hörn blueget und fruhtet von dem towe des maigen. § Owi 
rainnin feie enphach wirdeklich und loblich daz edel Götlieli towe. 
berait dich mit tugenden daz du mit minneklicher andaht Got enpfaheft. 
in dim hainlichen gebett mit finer gnade, nnd flifT (98d) dich das 

15 du an allen dingen die gnade mit tugenden uebeft. % Daz dritte ift 
daz du merken folt wie du den hymelfchen künig enphahen folt 
Du folt in enphahen als er ze lerufalem enphangen wart, an dem 
palm tage. § Im wurdent dri eren erbotten. Sümlich Hute zugent diu 
klatder ab. nnd wurfent fi an den weg. da nnfer herr hin riten folt. 

20 daz er dar uf ritti. $ Sümlich liut nament bluomen und gras. Idb und 
efte. und wurfent es dch in den weg. $ Sümlich linte fungent im 
niuwiu lob engegcn. $ Ze glicher wis fol ain ieglichiu fselgiu fei 
Got enphahen. § Zem erften male folt du dinin ältiu klaider ab 
ziehen, daz fint din alten fünde und untugende. nnd fwaz biefer und 

25 füntlicher fitten an dir ift. die folt du abe laffen. und folt didi klai* 



8 ft 

XLVII. AA9. Z 10. üehersehrift vas hre Z. 1 haicB 62, 11. Unfer he rre 
i^richit dyrch des wifTagen mvnt yfiUas Dicite fllie fyon ecce rex tuiu ueniei tibi. 
Das fprichit LiebiT tother Ton fyon Z. 3. 4 Nt fVst ir drir dink merkin an den 
werten, g Das erfte das dy merkeft. wer der ilt Z. 6 flirden, Owe der küoicliche 
got kvmit dir. § Das ander ift de d? merkeft wie Z. 7 togentlich A. 8 das 
himelfche tov yf den edelen boym Z. den] dem Ä, 9 ftner togenllicher 

gnade in dine Z. 9. 10 ynde wirt din herce ynd din feie, ynde aUe dine tygende. 
fryhtberiichen bWcgende yon dem gotlichen toywe. alfe Z. 11 und fruhtet fehlt Z. 
Owe Z. 12 edel fehlt Z. 13 dich mit tygentlichem ylize Z. 15 allen dineQ^ 
werken Z. yebeft. die dy in der genade enphaheft Z. dritte] and^ A. 18 diu] 
ere Z. 21 an den Z. 21. 22 Eteliche liyte fyngen in gegen im tfa nlTfret 
lob. Z. 22 ain ieglicb mctfob yu ain 4« 23. 24 Dy foU lenerft diov «lUa 
cleider nemen. yndo folt fi abe ziehin. Z. 24 din feMt, alte Z, 25 alle abe Z. 



den (99 a) mit niuweii klaidern. § Drjor ]kaii4 Maid foU 4u loi f^gW 
engegen difem kanig. Du foU dich klaiden mit rotem fSipiit da^ ift 
diu Götlich minne. An die niemer kain meütfche int guotes p^er lob* 
liehes getuon mag. and dar amb ift es wol notdürftig. (U wi^ nijk 
gnotes ane Götlich minne getuon mogent S Du folt dich ocb hißi-^ W 
den mit wiCTem famit. daz ift rehtiu kiunCchkait an lib und an h^Tizßß^ 
daz ift aia klaid daz 6ot fere minaet. $ Daz dritte klaid (tof ift ^i|| 
violvar famit daz ift rehtiii demoetkait ^n allen werche^. won dM 
ift aia tugent die 60t von hymelrich uif ertrich zdch. uff ißr ßT 
mowen wil. und da von fol fich diu feie mit denpuettkait klaidea. ^ 
diu da wil daz Got uff ir ruowen fülle. S Zuo dem andern male 
folt du bluomen und gras und öle bomes zwlger engegen dem hymel- 
fchen küng fprai(99b) ten. Die Uuomen daz Hnt tugetlich gedSnk 
nnd tugentlichiu werch. Daz gras ift ftaete und fuefTiu girdo 
nach der hymeUchen (heffekait. Des ölbomes zwiger ift miltekaÜ ^^ 
und fenftekait die du dinen bruodem folt Agen fo ft betmebet fint. 
daz folt du in mit muten mit fenften. und mit fueffen werten, min- 
neklichen benemen. So gift du ünfirem herren des ölbomes zwiger 
fwenn du im fin gemaheln guetlichen troefteft. $ Zuo dem dritten 
male folt du difen kung enpfahen. mit aim niuwcn lob. däz ift daz ^^ 
du in folt loben mit fingenn und mit lefenn. und folt daz alz fröhlich 
tuon alle tag daz Got da von gelobet werde, und Hn lob fol dir 
alfo fueffe fin. daz es dim hertzen und diner feie ain vrcede und 
ain wunne fi. und fol dir ze allen ziten niuw fin. $ Owe fselgiu fei 
lob dinen minneklichen fchepher. gedenk an die mänigvalten gnade ^^ 



üff mit rolime femid«. Tnde mit wiu«i|ie. vnde mit vioWirweme. Der rote femit 7« 
28—^30 niht gYotis neck k>belkbif m«c getyon. Darvmbe ift Tof 4ai cleit irol not- 
drrftig. fit wir got Dimer gefebin mTgin. wir in fin denne becleidet mit der gotlicben 
minne. Z. 30. 31 Das ander cleit das ift der wizie femit. daz ift ganze Z. 
32 das gotte wol gewalUt ynde das gel 2. 33 allen dinen Z, 33. 34 mde ge- 
denke dar an das diemvetfkeit ein tygende ift Z. 34 — 36 diemTetifceit ift dir got- 
lIchetflgffndeifdeT Tsfer faerre rvowen wH. alfo fol ficb dlyfole gerne delden. dir 
wil das got bi ir nrowe Z, 36—38 Das audir das dr folt tYon in gegin des grozen 
kmi- ZTOkmfte. das dr bWomen ynde gras, ynde Qleiboymis zwiger ingegin im 
ft[Atf)[>reitin. Z, SS die blyomen die &r ime folt fpi^iten Z. 40. 41 zwiger. das 
ift de dT dinen fwefteren allen miltekeit ynde fenftikelt PaüiZ. 48 mit mllten fekk Z, 
fenflem A. 42. 4^ miltecUche benemen. ynde fblt ir din heze yf tyoa miltekeit. §0 
gtftJT. pfiiAA. 44.45Dyfoltoyehden*liime(rchenkyBinginpli«n2r. 46 lo^. 
aSi maB fiarofalem/hiiitotagen vrart an liem Mmetne» de qiywe M das i(l X. 
46 «Ife hinecUche ynde alfe yrosUcbe Z. 



ioo xLVn . XLvm 

die er dir hat getan, und noch (99 c) wil taon. und loben iemer 
mere. Got loben und 60t dienen, daz ift daz \ii]nncklichoft leben 
daz ie wart. § Nu tugenthaftiu fei lob den wunneklichen Got mit 
hertzen und mit munde, lob in von aller diner kraft, da dir an lob 

55 gebrefte. daz du fin lob nach finem werde nit volrecken mugeft. 
und nach diner fei girde. da bevilch fin lob für dich den brinnen- 
den feraphin und bitte 11 und alles hymelfch her mit hertzlicher 
girde. daz flu den gegenwurtigen Got der ir herre und ir künig ilt 
für dich lobent. und daz fi in für dich bittent. daz du zuo der ge- 

50 fellefchaft komeft. daz du in denne an ende werdcft lobend. Amen. 



Tom dem wort Crottes. 



u 



Infers herren wort fol in iurem hertzen wonen fprioht fant Paulus. 
Zwaiger band Gottes wort fönt ir merken. S Ains ift Gottes w ort. 
und ift Got felbc. S Daz ander ift aines (i54d) ieglichen predigers 
wort, daz ift von Gotte. und ift doch nit Got. Daz wort fönt ir alfo 
5 enphahen. daz ez wone in iuwrem hertzen. fwa der prediger hin 
lofe. daz ir mit Gottes werte iuch felber lerint und manent. Daz dir 
der prediger in gefchnide und gemale. daz folt du bachen. Wilt du 
iemer us Idffen bitten brot. nit bachen felbe din brot. daz dir der pre- 
diger fage daz gehalt in dim hertzen. und lere dich felber wie du 

iO tugent uebeft. und guetiu werch. Sterke dich felber. fo dich dekain 
kumber an valle mit Gottes werte. Nim Gottes werte ze aim fchilte 
in dim ftrite. und biut in für ze allen orten, fwa dich die vigint 
wellent verwunden, da w^r dich ftärklich mit Gottes werte. $ Vehte 
dich an unkiunfchi. daz vertrib mit arbait dins libes. § Vehti dich 

15 an zom. daz vertrib mit gueti. $ Vehti (156 a) dich an ungedulte- 
kait. daz vertrip mit gedultekait. $ Vehti dich an hoffart. daz ver- 
trip mit demuot. § Vehti dich an trakait. daz vertrip mit dankbaeri. 
S Vehti dich an gitkait. daz vertrip mit williger armuot. Kurtzlich 
fwaz dich an vehti von Untugenden, daz vertrip mit tugenden. Alfo 



51 lobe in Z. 53 Nu] Owe Z. 55 volle gerechnen A. oiht vol reckin mabt. 
nach Hnem werde. Z. 59 das erste dich fehlt A, dr fehlere zto Z. 60 komeft 
da dy in iemer habefl mde in lobeft mit allen himelfchen tagenden, ynde da dt 
dkh wirft vroYwende mit finer gotlichen an gefihL Def helfe yue got Amen Z. 

XL VIII. A 56. Z 28 Sante Paulof Oprichit i, Colon. 3, 16. 18 ftttoUkb 

15 dich an fehU. 



XLvm 101 

leret uns fant paulus. in der felben epiftel. wie wir uns beldaident 20 
mit tugenden. Ir fönt an legen fprichet er daz klait der tagend. 
S Lieben kint flilTent iuch miltekait. erbarnfhertzkait. kiunfchkaii. 
demuetkait. gedoltekait fenftekait. wen dife tagent flnt alle der feien 
klait. Und über diz tugent alle, fönt ir iach flifTen der minne. diu 
iit ain bratmantel der feien, da mit fi wirt Got gefüeget ze ainer 25 
brut. won an die tugent der minne ift kain tugent hymelricbes wert, 
und aber von der tugent der minne (i56b) fo werdent alle tugent 

A 

hymelricbes wert. An die minne fprichet er gevallet Got enkain 
tugent. Der tugent nit minnct durch iren nutz, der möhti 11 minnen 
durch ir edelkait. Man lifet von aim haiden., der hatte alz edel ge- 80 
högde. daz er nit guotes raohte vergelten. Swaz im aber laides 
gefchach dez vergaff er zehant. Alfo folt du faelger mentfch haben 
ain guot gehügde. fwaz du guotes hoerefl; von Gotte fagen. und von 
tagenden daz folt du gehalten untz es dir ze ftatten kome. und alz 
dich denne dehain arbait an gat fo nim für dich die guoten werch 85 
die du gehoBret haft. und troefte dich da mitte, und hilf dir felben 
din arbait tragen mit Gottes werte. Du folt dich felben leren und 
predigen tugent und guot leben nach der hymelfchen vrcede dik 
gedenken, troft an Got Aiochen. Der prediger w»re dir dik ze verre. 
rat und trofte (i56c) an im zefuochenne des du bedarft ze libe 40 
und ze feie. Er ift vol fuefles troftes. volkomenes rates. vol milte* 
kait. erbarmehertzkait. und aller tugent hundert tufentvaltig. da fuoch 
allez daz du wilt er git dir fuelTeklichen troft. Nu fpricht fant Pau- 
lus. Gottes wort foi wonen in iuwrem hertzen. daz ift daz lebend 
wort Criftus. unfer herre. von dem fant lohans fchribet. Daz wort 45 
in dem angenge, daz waz daz angenge, daz waz diu hailig Gothait. 
diu ift ain angenge und An angenge, und ain ende, und An ende. Dis 
wort daz wart gefant her in ertrich. und waz doch wonent in hymel- 
riche. Er waz in fins vatter hertze wonent und in finer muoter 



23. 24 fiot ein kleit der feie Z. 30 ir fehlt, 31 guotes] GoUes 37 worle. Darauf 
noch alfo foltv felbe bachea diu broetelin dv folt niht allezit Tz lovfen bitten brot 
de ilt gefprochin alfo dv in folt niht allewege zandecen livten lovfen bitten brot de 
ift alfo dv folt niht allezit andirre livte troftis bedürfen vnd irf ratis. dv folt dich 
felben troeftcn mit gottis worle. de dv gehoeril haft von den heiligen von den hotten 
von den broderin von den prediern. von dem ewangelium de lege in din herce. ob 
dv töeh niemir predier gefehift in efrae iare oder in zwein noch in gehoereft de dv 
doch dich felhen lereft vnd maneft. dr in folt darrmbe niht zirgan an tvgcnden ob 
dv predier niht in haft. alfe dicke fo dv wilt. Z. 40 des] dz 42 alle 



!•» XLVm 

10 Uk&z fugend. Dis wort wart ze flaifche an der Itende do er eophaogen 
wart in der rainnen mägde lip finer muoter. von der nam er daz 
faifch. und daz vi! nünne blaot daz an irem Tilrainnen lip was. 
«nd wart mentfche (156 d) in ertrieh. und waz hie mit uns bübent. 
wad waz doch in fins vatters fchdz. wonend. Man fprichet Got ge- 

66 fehuof mit aim worte hymei und erde. Daz wort waz fin lieber fan. 
Ünfer herre waz daz lebend wort, daz hie waz uff ertrieh und doch 
defler minder nit inhymelriche. Alz ir hoerent daz ains mentfchen 
wort die kraft hat. daz ez älliu mentfchen enphahent die es bo^rent. 
imd doch daz wort ungetaillet ift $ Nu merkent daz hie bi. fo ain 

ao Prediger Gottes wort fprechen wil. fo gedenket er waz er (frechen 
wiL fo wirt daz wort geboren in dem hertzen. und kumet in den 
liimt. von dem hertzen. So glt er ez denme allen den die in horent. 
in ir oren. fo fliuiTet ez denne von den oren in daz hertze. gantz 
«ad ungetaillet. wirt ez ieglidiem geben, und hübet ez doch dem 

a6prtefter, $ Sit nu dis mentfchen wort (i57 a) die kraft hat. fo ift 
Gottes wort, daz Got felb ift. tafentflunt kreftiger. daz ez fich wol 
mag taiUea ungetailten. alfo daz er Heb her inertrich gap. ze fehenn 
und ze hoerena und doch in fins vatters fchAz waz wonent. und alz 
ir och fehent. daz wir finfers herren lichamen enphahent alz daz 

n)ftterre wort. leglich mentfch enphahct Got volkomenlich und gantz- 
lieh, und ift er doch in fIner kraft nit minder denn er .e. waz. Des 
nerkent ain glich! an der creature. Diu funne ftat in der hoehi dez 
hymels. und git ir fohonhait. und ir lieht aller gefchephte. har in 
ertrieh. und wirt doch der fchin und diu klarhält der funnen nit 

76gefundert von ir. Alfo fchain daz lieht, ünfer herre ihefus chriftus. 
har inertrich. und wart doch nie gefchaidcn von fins vatter hertzen. 
S Diu hymelfoh fünne diu fchain herab durch daz venflicr. und (157 h) 
erliuhtet daz tempel. Daz venfter waz fin fuefTiu muoter. durch die 
fchain er in dis arincn weit und erluhte daz tempel. daz waz diu 

80 Criftenhait. diu wart erliuhtet von finer mentfchait. Alfo fprichet 
fant lohannes. daz er ift ain lieht, daz alle die weit erliuhtet. und 
von dem ftlliu diu weit ir leben und fr wefen hat. $ Na prnevent 
wol difiu wort fo diu funne nimt von dem glas dez glafes varw fo 
verwertet fich der fchin dar nach. wiiT. rot. gel. blaw. gruene. und 

86 fwaz varwe daz glaz hat die,nimet diu funne an fich. Alfo tet iinfer 

M das Vorwort |eMl. Q^arfaMl. 7^TBf«ra hrta ih*T spi. 77 fVnoe 

m Mp. jQk. 1, 1, & dcgehihle. das «Uiv Kehl 2. 84. 88 TerwtrI Z. irai^ 

T»rwet ü. 



XLVm 108 

heiTd ihefas chriftos. Er fchain in daz luter glas, in der fuelTen 
mägde lip. und nam die rainnen mentfcbait von ir. daz ir rainer 
magtuom nie wart verwertet. Was nimet aber daz glas von der 
fnnnen. daz tnot es klarheit und luterkait. und alfo nam öch ünfer 
herre von finfer vrowen die mentfchhait. und aber (1 von im Inter- 90 
kait. (i57 c) und klarhait. £z ift war daz H luter und klar und rain 
waz und nnverwertet von allen iunden. docb waz 11 alfo daz 11 wol 
roöhti ban gelundet. aber do (i der hymelfcb funne durcb fcbain. do 
wart fi fo klar und fo luter. daz fi für daz nie mobte gefunden, 
bette fi loch gern gefiindet. fi enftiobte. Was aber diu funne von dem 95 
glas nemo daz merkent. Ir febent wol die funnen fcbinnen durcb daz 
glas, und nimet ir fcbin dez glafes varwe an ficb. und blibet docb 
daz glas gantz und anverwertet, und verliuret ocb diu funne ir kraft 
und ir foboemi nibt. § Alfo nam ocb diu lebende funne des glafes 
varwe an ficb. dttz was finer muoter glicbi. munt. ogen. nafen. brau- 100 
wen. bende. und Slliu finiu gelid. warent rebt gedra^get nacb ir libo. 
und nacb ir gefcbepbde. Er waz ir gelicber denn ain ander kint 
finer muoter. won ain ieglicb mentfcb ift zwaier ment- ( 157 d) fcben 
kint. und ill an dem mnnde finer muoter glieb. und an den ogen 
dem vatter. und ift alfo getaillet. ond alfo ilt ez ocb getaillet an 105 
der liebi. Aber diu rain Maria bat ainen ungetailten fun. an Hebi 
und an gelidem. § Dis waz daz wort daz von bymelricbe in ert- 
ricb kam. uiid dis wort fol uns leren und manen alle wifbait. alle 
tugend. alle fselikait. won ez ift volkomen an wifbait. an gueti an 
fueffekait. Sant Paulus fpricbet. Ir fint ain tcnipel Gottes, und ain 1^0 
bus. § Nu wiffent ir wol fwa ainer edelr fOirfte wonen wil in aim 
bus. an dem bufe muoffent vier ding fin. Es muoff fcboen fin und 
wit. und ftark. und wol beraten, won wa^r ez unflse^tig fo gezaem aim 
groffen fui-ften drinn übel ze wonenn. § Wasri ez ocb enge fo ge- 
zaeme aim groffen f&rften aber drinne (i58 a) nit ze wonende, won 115 
er mdbte mit fim lieben gefinde nit drinne bliben. § Wser ez nit 
ftark. und wa;ri vellig. daz die wend figint. fo blibe er ocb ungeme 
drinne. S Waer ez ocb unberaten und Mser cede fo gezasm im aber 
übel drinne ze finne. Difiu felben vier ding muoffent wir an uns 

89 luot fehlt. 92 vnvirwert Z. viiuvaerwet Ä. doch wz fi doch alfo 

tf _ g 

97 an fich. dz wz fiii mvler glich, vu vgl, 99. 98 vnuerwret Ä. vnyirwert Z, 

i 

99. 160 och vnfer herre finer mtoter glicbi an fich. m?m. vgl, 97. 105 b9id&- 

mai vnd ilt alfo getatflel 100 an lib 110 Ccr, 2, 6, 16. 111 aiiu] ain 

118 vngeraten 



104 XLVm 

I20f6lben vertriben wellent wir Gottes tempel fin. S Zem erften maof- 
fent wir han rainkait. Nu fprichet ain haiige. Swer rain wil iin. der 
maoz (Iriten wider im felben. nach der rede mag nieman ane ftriten 
fin. Swer nu fin hus fin hertze wil raine halten, der muoz ftriten 
wider die flaifchlingen bckorung. und wider den gaifchlichen fünden. 

125 daz ift fraffhait. und unkiunfchi. wider der frafThait fol man ftriten 
mit vaftenn und fwach fpis effen. § Wider die unkiufchi fol man 
ftriten mit veniande. bettend (i58b) difciplin nemend. und mit ar- 
baitend an guoten werchen. hie mit überwindet man die flaifchlich 
bekorung. Nit allain vervahet rainkait dez libes. man muoz dch raimies 

130 hertzen und rainnes willen fin. alle die wile fo daz hertze und der 
wille raine fint. fo fc&adet nit diu krankait dez libes von der nature. 
Noch dan muoz man ftriten mit den gaifchlichen fünden. daz ift 
hohfart. zom. nid. haff. gitkait. Dis Untugend und ain ieglich Untu- 
gend fol man überwinden mit tugenden. Wider die hohfart fol man 

185 fich demuetgen. under din obren, under din glichen, und under din 
fwechem. fo überwindeft du die hohfart. S Wider den zorn. fol man 
han fenfti und lindiu wort, daz ftillet zorn. Wider den nid. gunfte 
und dienft. Wider den hafTe minne und liiebi. Wider gitekait willek- 
lich armuot. und gern gebreften han. und laffen daz man wol möhti 

140 han. So man Cl58c) denn die Untugend alle überwunden hat. fo 
fol man denn in Gotte ruowen. Ez ift och denne ruowens zit S Nu 
lieber mentfch behalt dinen lip rain durch dez fchatzes willen der 



122 im] in 132 Noch denne ToltT mit den fUrHen ftriten. de fint gciftliche 

filnde. Darauf noch Han lifit de hie vor in den alten zilen fitte was. ze ronie. 
So die gebvren widir ir herren waren, vnd mit inen flrllen über want denne 
der herre die gebaren, fo wart er mit harte groxir vroide inphangen ze rome 
Ynd erten in harte fere vnd fazten im ein fchappel vf von bWomen. So ahir 
die fUriten von dem lande wider dem riche waren vnd mit dem kflninge Itrit- 
len vbir figit er denne die fürften. fo wart er noch lobelichlr vnde vrolichir 
inphangeu. ynde fazte man im ain guldin crone vf fin houbit. vnd erten in vor 
aUen den livten. Hie bi ill bczeichent der Itrit den ein iegelich menfche ftriten 
rovoz mit ime felben. Bi den geburen fint bezeichent die vleifchlichcn fvnde. 
die wir an vnf felben vbir figen mvezen. fo wir die vblr winden, fo wirt vnf 
ze gezierde vnd zeren. gegeben ein fchappel von blvomen Noch denne han wir 
die fUrflen niht vbir wunden, de fint geifiliche mnde. de ifi Z. 133ieglichiv 
141 Es ift ovch denne rvowe zit. Darauf noch fo dv beide die fürfien vnd die 
geburen vber wunden haft. fo wirt an dir geiftlich de e. waz vleifchlich vnd 
do 6 wai irdifch. de wirt denne hlmelch. vnde de e wc menflich de wirt denne 
gotlich. Z. 



XLVm 106 

drinne verborgen i(t. daz ift dia edel feie, die folt du behucten vor 
allen Untugenden durch des grofTen Gottes willen der drinne ruowcn 
foL und folt Got eren durch dich felben. § Der mentfch der alfuz 145 
überwindet an im felben baidiu flaifchlich und gaifchlich fünde. fo 
der von dinre weite fchaidet. fo wirt fin fei cnphangen an der hymel 
porten. mit groffer vrcede. mit lob. mit fange, und wirt gekroenet 
mit ainer guldinen kröne, und wirt gezieret mit ainem fchappel von 
bliiomen. Denne ^irt diu fei fich vroewend in Gotte. und mit Gotte. <M) 
und mit allem hymelfcben here iemer eweklich. § Daz ander ift. 
daz daz Gotzhufe wit fi. daz ift aber unfer hertz. (l58d) daz fönt 
wir witen mit der minne. alz fere daz wir all mentfchen drinne 
bevahent. Wir fönt den friund minnen in Gotte. daz wir allez daz 
an Got kerent daz wir an im minnent. Wir fönt och die vigint durch 155 
Got minnen. $ Zuo dem dritten male, fönt wir och flark fin. daz 
ift alfo ze merkenn daz wir Got fönt flarklich getriuwen. und fwaz 
uns arbait an gat. fo fönt wir im dez getriuwen. daz er ez durch 
unfer fei hail habe über uns verbeuget, und fönt ez nit anders ver- 
fehen Mon daz er ez allez durch guot über uns verhenget. und uns ^^^ 
den Ion da mit meret. Swel mentfch alfuz alliu ding diu ez an gant 
enphahet. daz hat wol ain ftarkes hertzc. da innc Got dem groffcn 
furften gezimet wol ze finne. § Zuo dem vierden male fönt wir fin 
beraten mit (l59a) edelm gefinde die guoter zuht figint. und die 
unferm herren wol gezaement. $ Daz gefind fint die haiigen engel. id5 
Patriarchen. Propheten. Zwelfbottcn. Matrer. Bihter. und die rainnen 
mägde. die folt du mentfche allweg tragen in diner gehugde. In difeni 
hufe gezünet wol ain erbcriu wirtinne mit wolgezognen lungfrowen. 
die wol zuht und ere kunnent Daz fol fin diu hymelfche und die 
aller erberoft Mirtinn unfer vrowe fant Maria, mit den rainen mag- 170 
den. und den kiunfchen. die fönt daz hus zieren, und die fuUent wir 
ze allen ziten in iuferm hertzen tragen, und fönt gedenken wie fi 
da^ h}7nelrich erftritten und gcwunnen haut, und fönt och wir nach 
den felben eren Itriten. und fönt uns flilfcn rainkait an Hb und an 
hertzen. und fwaz tugcnd an irem lebenn wir erkennent und guoter 175 
werche. dez fönt wir (i59b) uns allez fliffen. Daz och wir daz 
behaltent an unferm lebenn. fo haut wir ain berraten hus in dem 
Got daz lebend wort wonen fol. 



157 Wirt Got 164 gn* 168 xeiimet 



10« XLK 



Ton ttnfer vrowen. 



U 



Infer vrowe gelichet fich ainer rebun. vnd fprichet. Ich bin alz ain 
rebe fruhtig. Durch dri fache gelichet fi fich ainer reban. S Diu erft 
ift daz diu rebe blucget. und fwenne daz ilt fo fliuhet daz unge- 
würme der von. Ze glicher wis. ünfer vrowe bluote an allen tugen-* 
5 den alz volleklich. daz ir dehain bozhait mohte nahen. $ Daz ander 
ift daz diu rebe bliuget mit ir fchatten der funnen fchin. Alfo tuot 
och finferr vrowen gebet, daz kuelet ünfers herren zorn wider dem 
funder. $ Daz dritte ift daz diu rebe untaere ift uffnan an der rin- 
den, und bringet doch vil edel fruht. Alfo waz diu hymelfche win 

10 (i 84 a) rebe ünfer liebiu vrowe demuctig. und verworfen ufwendig. 
und brahte den hymelfchen win. Uf dirre rebcn wart drier hand 
win gepflanzet. Wis win. Rot win. und gewürzter win. $ Der wiz 
win waz ir mägtlichiu kiunfchi. Da von fi ünfer herro lobet, daz fi 
figi ain zwirent befchloffen garte, won fi rain waz an lib. und an 

15 hertzen. Ir kiufchi über triffet fpricht ain hailig. aller mentlchen 
kiufchhait. $ Der rot win daz ift ir minneklichiu minne. Die merkent 
in dri wis. $ Du mäht Got minnen dur din felbes willen, daz ift 
alfo. daz du in minneft durch alles daz. daz er durch dinen willen 
ie getct. der minne folt du im Ionen. § Der minne Ion ift den er 

20 dir dar umb git. diu Götlich an gcfiht. und diu hymelfch vroßde. 
won daz ift der pfenning den ünfer hcrre allen den git. die in um 
wingarten ar- (l84b) baitent. § Du mäht och Got minnen durch 
fich felbcn. daz ift alfo. daz du in durch fin tugend minneft. durch 
fin fchonhait. durch fm fuczkait. dur fm miltekait. und aller maift 

25 durch fin volkomnen gueti. Der minne Ion ift aber, daz din feie fol 
fin da Got ift. Nu fpricheft du vil lihte. Owi wa ift er denne. fit 
daz in hymelriche noch ertrich begrifen mag. Dez antwürt ich dir. 
er ift in im felben. So frageft du fürbaz. und fpricheft. Owe fol ich 
denn mit dem Ion genuog han. So fprich ich. la zwar, fu uns Got 

30 gefach. won da wirt gefueget daz binlin zuo dem honig. diu nahte- 
gal zuo der harpfen. der yfop zuo dem balfam. der hyrtz zuo dem 
ewigen brunnen. der ftern zuo dem liebten funnen. Da vroewe dich 
faelgiu fei. iemer und iemer du ende, won du fin folt da Got ift. und 
alfo in in folt gefueget werden. $ Du mäht öch dich felben minnen 



XhVK. A 63. Z 30 Von vnferre yrowen 1 EccU»ia$Uc, 24, 21. 6 blvget 

13 Cant. 4, 12. 16 waz ynd ift Die] Hie 19 d* folt 30—44 vgl. LXIY. 



XUX 107 

durch Got. won er didi ge- ( l s4 c ) fehaffen hat. und dich alfo fere 35 
geminnet hit. djus er mentfch dur dich wart. Dich felben folt du 
alfo minnen. das du dir felben kain ding ze guote tuegiit durch dez 
libes gemach, won allaine durch Got daz du im deüter lenger ge- 
dienen mugedk Der minne Ion ift daz du folt fingen und wueffen. 
fchrien und nieffen. herre du bift min. und ich din. Ich bin din 4o 
Uat du bift min vatter. Ich bin din gefchepfde. du bift min fchepfer. 
Ich bin din iunger. dv bifl min maifter. Ich bin din feie, du bift min 
fielde. du bift min vroede. du bift min ere. du bift mir alles daz io 
feiges wart du bift min tail daz hefte. Diz dri minne hat ünfer 
vrowe. dar umb hat fl ocb dri loene enpfangen. und dar zuo noch 45 
mo denn alle znngen mugent volbringen. S Der gewQrtzde win der 
US dirre reben wuochs daz waz ir vil liebes kint Ihefus chriftes. 
(i84d) an dem vil mänig tufent edler wurtzen fint daz fint fin 
edlen tagent Aber zwo aller edleften wurtzen fint an im. daz ift 
diu Gothait und diu mentfchait. Waz würzen bat er me. Entriuwen 50 
do ift er der fchoen Got der riebe Got der ftark Got. der wis Got 
Got der ewig. S Nu faege daz zefamen. fo ift er diu fehoene richait 
diu riebe fchonhait diu ftarke wiflliait diu fsplig ewikait diu ewig 
felikait $ Den erften win fchcnket man in filbrinen köppfen. daz 
fint diu fchcennen und diu fueffen wort von Gotte. § Den andren 55 
win fchenket man in guldinen köppfen. daz ift diu Gotlich warhait 
an finer minneklicher gelübde. alfo daz uns mit gegenwärtiger war- 
hait Got Wirt gebend allez daz er uns hat verhaiffen. und noch denn 
tufentftund me. daz enzundet die minne in dem hert- (i85a) zen. 
und raitzet uff den dienft § Den dritten win fchenket man uff 60 
faverinen köppfen. daz ift ain rainnes hertze daz Got in im hat. und 
mit im fi^oelich umb gat und mit im uf und nider gat und in durch 
enhain ding lat und dem laid ift alliu mifletat und nit entuot kn 
Gottes rät Zuo andren tugenden die der mentfch hat. fo fol er fich 
fliffen funderbar fünf tagend. S Diu erft ift fwenn du an din gebet 65 
galt, daz du diniu ogen und din uffrcn finne bcflieffift. und ker 
denne alle din gedenke, und din girde krefteklich an Gotte. S Diu 
ander ift fwaz unfer herre tuege. daz dich daz allcz guot dunk. und 
daz ez din wille 11. M'on dez fint wir fchvldig. § Diu dritte ift daz 
du dich flifnft. daz du alliu diniu ding tuegift in rehter demuot 70 
% Diu vierde ift daz du dich flifTift daz du gedul- Cl85b) tig figift 

88 vn aUb d«i 53 wiflliait] ewikait. ewikait] wifTbait. 57 daz er yds 

80 dien 



108 XLIX . L 

in diner arbait. S Dia fünfte ift daz du allez daz da taegoft. daz da 
daz anvaheft und vollendeft in ünfers herren namen. S Dar nach folt 
du dich fliflen drier tagend in allen dinen werchen. $ Dia erlt ift 

75 Gottez vorhte. daz du gedenkeft. daz unfer herre mit finen Götlichen 
ogen din lip und din feie luterlich fchowet. $ Dia tißAer ift demaot 
won alz vil wil dich ünfer herre erhcehen. alz verre da dich deoiae- 
tigeft. § Diu dritte ilt daz du an allen dinen werchen fo dv taegift 
alwegent gedenkeft. waz Got dar an aller liebft and aller loblicheft 

80 fi. daz du daz tuegeft. 



Ton dem nutze ttnfers herren behltg de« 



D, 



^0 fant Bemhart an fim ende lag. Do liez er finen langern diz 
felgersete. und fprach. Lieben minen langer. Sit daz ich ain gaifch- 
lich mentfch wart, fo flaiffe ich mich. Aat ich mich rainte von allen 
weltlichen dingen, und nam minen fchepfer in min hertze mit allen 
5 dnen nagten, und gedahte an fm kinthait. wie er gewunden wart in 
diu tuechliu. und wie er geleit wart in (207d) die krippe. wie er 
fin bhiot goz. in der befchnidunge. wie er mit groffer arbait erzo- 
gen wart. Ich gedahte och an (in vaften. und an fin wachen, und 
wie er verfuochct wart, wie dik er mucde von bredienn wart, and 

iO von mänger anderre arbait muede wart, wie dike er hungrig and 
dürftig waz. wie er über die funder wainte. wie vil er itiiiizze 
vertrubg. von den bcefen luden, lafterz und fchanden. und nam in 
min hertze fin Crone. fin Criutze. die nagcl und daz fper. und von 
folichon gedänken kament mir üben nütze. § Der erfte. daz waz. 

15 fwenno ich an in gedahte fo wart ich alz durnähtig und raine. rehte 
alz ich nie funde hetti getan. § Der ander waz. fwenne ich dar an 
gedahte. daz ich alfo groffen fchatz gewan von tugenden und wart 
alz rieh alz ob ich tufend lar nach tugenden hetti geworben. S Der 
drit nutz waz. do ich dar an gedahte. daz (208 a) mir der hymel 

20 offen wart, und ich dez gewifTe waz. wsere ich innen dez tot. daz 
ich an underlaz ze hymel komen waere. $ Der vierde waz. fwenne 
ich dar an gedahte. daz ich denne uf gerihtet wart in widerwärte- 
kait und in arbait. $ Der fünfte waz. fo ich dar an gedahte. daz fi 
mich denne demuetegetent in franfchmuetkait. und fo mir min ding 

25 wol gie. S Der fehfte waz. fo ich dar an gedahte. daz fi mir denne 

L. Ä 83. 



L . LI 10» 

frid mahtent entzwüfcheot mir und minem fchepfer. $ Der übend 
nutz waz. fwenne ich dar an gedahte. daz fi mich denne wis mache- 
tent. finfers herren willen ze erkennende den er bat gegen mir. und 
dm gedenke warent alfo ftaete in mim bertzen. daz nie dehain ge- 
dank da herberg gewan. der unreht wsere. und widerzaeme. Dez i(t 30 
Got felber min geziug. und min brueder. daz ich all min zit von 
Alz getaner materie rette. § Diz fei gerate lie der guote fant Bern- 
hart finen lun (2O8 b) gem. daz och üu mit fölicher materie umb 
giengent und daz bi im lernetind. Und alfo fönt och wir bi difen 
felben worten gemanet fiu. daz och wir mit femlichen dingen üniriu 35 
hertzen bek&mberrent. dur der nutz willen die fant" Bernhart der von 
enphie. alz wir gehosret haut. Daz 6ch wir die enpfahen mueffint. 
des helfe finz der vatter und der fun. und der hailig gaift. Amen. 



Ton der i^ele Clolier. 



I 



N d^r feie Clofter fol Got ünfer herre Prior fin. Befchaidenhait 
Ikbprior. Armuot fchaffner. Vorhte portner. Demuetkait gewant 
Buditer. Hinne diu regel. Warhait der lefmaifter. Der hymel diu 
fehvole. Togem dez hertzen diu zelle. Bifchaft der haiigen fönt diu 
hnoch iin. Gnade der figrift. Behaltnuft dez zites. die gloggan. An- 5 
daht der kor. Gottez lob der fönger. Dankberi fol daz ampt der zit 
ÜB. Riowe diu kuchi. Götlicher troft der koch. Gehügde guoter dinge. 
der keller. Die engel fönt die pfleger fm. Bihte das wäfch hus. Ge- 
feigde dez Mdes. der kilchof. Maffe der Reventer. (208 c) Kiunfchi. 
d«r Oormenter. Ain riuwigez hertze daz bette. Götlichiu erkantnuft. 10 
du lieht Erbarmhertzkait daz fiech huz. Der gedenke erviflvng. 
dar gaft mailler. Mit Got und von Gotte reden, daz redehus. Rehte- 
kait daz CapiteL Gehügde ewiger dinge, der bongarte. Uebung der 
tagend, der Criutzgang. Dez libez gelider fönt die undertan lin. $ Diz 
ill ain ordenung der feie klofter. nach der älliu kloefter geordnet 15 
fönt lin. won fwelez fuz nit ift geordnet, daz fönt ir wiffen. daz daz 
am klofter dez libez ift. da der tiuvel prior ift. Vor dem ünz be- 
huete. der vatter. und der fun. und der hailig gaifte. Amen. 



SW warent fMt. 85 fin] figit ffmliche LI. AM. 9 kilchof] bifchof 



110 La 



War wuah CSoi aieBtfch wart. 



L. 



font daz wiffen daz nah der haiigen lere verdirhet kionfchi in 
lügend. Demuot in richtuom. Miltekait in gefchäfte. warhaU in vil 
rede. Diu hailig minne in dirre unftseten weite. § Daz dlfiu w^ 
unftäßt fi daz fehent wir wol alle tage, wie unnunneklich ü ires 

5 minnern urlop git. Und fwer daz reht bed^hti. dem loUe ir minM 
wol unmaer fin. (208d) durch die minne dez minneklichen Gottoz. 
der fo gar minneldich ünz geminnet hat. $ Siner minne zaicbea tet 
er ainz malez kunt aim guoten manne do er lag an fiaer «Adabi 
und alfo gedahte. la herre. waz mainde£t du da mit. daz du Mmen 

io fo grimmen tot dar ünz litte, daz du den mentfchea etfwie Md^rs 
nit lofteft. Do antwnrt im ünfer herre und fprach. Daz tet ich durch 
fünf fachen. § Diu erft ift. Do gefchuof ich den mentfchen ze loh 
mir felben. Da von fo engunde ich nieHumne der in lofti won mir 
felben. S Diu ander ift daz ich in gefchuof nach miner Götlichen 

^^ wizhait. mit minen handen. daz getet ich Jiie dehainer flahi crenture 
me. da von minnete ich in fo fiere. daz ick in feibe lofte. $ IHa 
dritte fache ift. daz ich in gefchuof nach mir felben. in Miintr ge** 
lichnuft. daz getet ich och nie dekainer fehiaht oreatnr jpm. Da vom 
twang mich diu minne daz ich (209 a) felbe min fdJbez (ßiokMA 

20 weite loBfen. § Diu vierdc fache ift daz ich in geftfhudf über äliin 
ding, und erhöhte in Ober alle creature. und waz aiat hcBhera 4eam 
der mentfche won ich allaine. Und da von wolte idi nü das in int 
lozte daz niderre w«Bre denn er. und dar umb lozte ich im ieUm. 
S Diu fünfte fach ift. daz ich dez mentfichen minne fo lar» bewerte. 

^^ daz ich niut wolte daz er dehain ding für midi minneü. wu kdi 
wifte daz wol. fwer in erkeCt betti. daz er och den für mioh 9^ 
minnet betti. Und da von lofte ich in ilelbe. und ban 4uxh fiiie 
minne alle mtane übertroffen, mit mim raianeadeB tode. dorcb das 
mich niemer mentfche volle geminjoen noch volle loben küMieu Dar 

80 umbe bau ich fin Tuame £0 tiure hoffet. 0az wir in alfo geminiient 
alz er uns geminnet hat. Dez helfe ünz der vatter. und »dar fua. 
und der hailig gaift Amon. 



■^i^MiMMMaMMM«« 



UI. ^ 85. 8 malez. do kYnte er aim 13. 14. 17 felbe 26 er fehlt. 



un 111 



fante loiiaiuies 



11 



Idi angelam Itantcin. in fole etc. v. m. et cetera. Difiv wort fcribit 
fanctos lohannes in apocalipfi. Er fach einen engil ftan in der fvn- 
nen vnd fcrei mit einer grozen ftimme. Komint allis das gefügele 
daz in dem himil flivgit. vnd famenent ivch ze eime grozen ezzene 
gottis. daz wort ift wol ze vernemene von dem grozen tage, fo man 5 
aller heiligen tag begat. Nv ift vns bi dem engil bezeichcnt ein 
iegelich prediger. bi der (48c) fvnnen ift bezeichent div heilige 
fcrift. da er inne fol ftan. vnd daz er fcrei eine groze ftimme. daz 
bezeichent die grozen girde die der predier fol han ze gottis worte. 
vnd alfe der engil fv latte. alfo fol ovch der predier alle liute laden 10 
ze dem himelriche wan das der engil fprach koment allis das gevö- 
gele, daz in dem himel flivgit. da bi fint vnf bezeichent. alle die 
heiligen feien die ze himelriche fint. vnd ovch div menfchen div 
noch vf ertricbe fint. vnd abir mit ir girde vnd mit ir gedanke 
zehimolrich wonint. alfe vns. Sant Paulus lerit. Yeftra conuerfatio i5 
Nv lifit man von ezzinne. einis git demenfche. daz ander git vnfer 
henre. vnde vnfer herre ladit allewege den menfchen ze dem ezzene. 
das er da git. vnd kvmit er aber allewege vngelat ze des menfchen 
ezzen. vnd da von lifit man in apocalipfi. das vnfir herre allewege 
(tat vnd bozzet ze des menfchen herze, vnde verzihet im doch vil ^0 
menik menfche finis herzin. vnd in wil fin niht in lazen. Dar an 
(48d) merkin wir vnfirs herren erbermede. vnd fine gvete. das er 
allewege der beffir ift. vnde vnf nach gat. vnd das er abir alle 
wege den menfchen ladet, dar an merken wir abir fine gvete vnd 
des menfchen krancheit. daz wir niht gvotis mügin getvon ane fine 25 
gvete. Nv fvnt ir merkin vier ding an den erften werten S Daz erfte 
ift daz der engil fprach. koment mit dem worte fin wir geladit 
darvmbe das wir ane fchame dar komen. Wan fwer ze einer hoch- 
zit keme vngelat. der mvefe wol fchamerot werden, vnd darvmbe 
daz wir ane fchame dar komen fo fin wir gelat vnd dannan von lift 30 
man von einem fiirften der hat ein hohgezit vnd latte der fiirfte 
eine vrowen div hiez ivdit vnd fante zvo ir einen erberen bottin. 
vnd hiez in difv wort fprechen. Ein gvote ivncvrowe fol komen ze 

Lm. Z 17. ^ 50 Von der hymeifchen wirtfchaft. 1 in fehlt in Z. 2 Apocal. 

i», 17« 15 PkUipp. 8, ao. 19 «poeaUpCs. Apoc. 3, 20. 28. 29 hociil 
33 Judith 12, 12. 



119 Lm 

mime herrin ane fchame. vnd fol ezzen mit mime herren. vnd fol 

35 mit ime trinken win mit vrovden. vnd das gloüt ein heilig man. vnd 
fpricliit. £z in ift in hein dink gvot wan (49a) des alle livte gerent 
vnd daz fich felbe offenct. vnd fich felbcn mcret. vnde alfo fol ein 
broder gvot fin. daz fin alle die livte gern. Intrvwen fwel brvoder 
ficli vlizit gvoter zuhte. gvoter fitte. vnd fchoner geberde des gerent 

40 alle livte. Wiltu denne allen livten wol gcvallen fo vlize dich daz 
dv an allen dincn werken fift rehtor vnd gvoter geberde. Vnde dan 
von fprichit. Sante Peter. Lieben kint ir fvnt ivch vlizen das ir fo 
gvoto fitten vnd geberde habcnt. fwer ivch fehe des er got anivch 
lobe, daz ivch ivwer zvht vnd ivwer fitte geeren. vnd die ivch 

45 fcheltint. vnd ivch verfpottint. hinder ivch das ivch die werden 
lobende, fo fiv ivch gefehent. vnd daz fi ivwere zahte. vnd ivwer 
felden gerent. Ein gvot broder fol ovch fich felben offenen in der 
bihte. daz er in hein dink vngeoffent laze dvr fchame noch dvr 
forhte. Ein gvot broder fol ovch fich felben meren mit der minne. 

50 Wan div minne ift bezeichint bi eimo fteine der die nature hetti. 
fwas der men- (49b) fche mit bervorte daz das fin were. ze ge- 
lieber wis ift div minne. div zivhit an fich allis daz fi berverit. vnd 
fwas fi ovch berverit daz ift ire. Man fwaz der menfche an eime 
anderen minnet gvoter dinge div fint fin. Swer denne vil gvotis 

55 welle gewinnen, der minne allis das ex^ gvotis an eime ieglichen 
menfchen fiht. aide hoerit. fo ift es allis fin. Vnd dan von ift div 
minne gelich dem fiure. von des fiuris nature merkint. das fior ift 
heiz vnd fwaz in das fiur komit daz zivhit es allis in fine nature 
daz es im gelich wirt. ze gelicher wis ift div minne ein fiur. Wan 

60 li ift heiz, vnd allis daz fi minnet daz ziuhit fi in ir nature. das ez 
ir gelich wirt. Vnd da von fvn wir minnen elliv gvote dink fo ziehen 
wir ez mit der minne in vns. daz ez vnf gelich wirt. aber der 
menfche der nidig ift. fwas er gvotis an anderen liuten fihit. da von 
wirt ime ze hant ein ftvrm wetir ime herzen. Intrvwen die liute 

65 verlierent beidiv ir gvotin werk von dem nide. vnd daz andir 
liute guotis Ivont. Wan (49c) von dem nlde. das fi anderen ir 
heilis virbvnnen da mit virlierent fi beident halb, vnd da von fol 
ein gvot broder minnen allis das er gvotis an iemanne fihit. aide 
hoerit fagin. fo merent n fich. Intrivwen fwel broder alfe gnot ift. 

70 des alle liute gerent vnd er fich felben offenet in der bihte. vnd 

t • 

37. 38 ein grt broder ^yt ^2 Ep. Peiri 1, 2, 12. 44 zwh% 51 herrto 

69 meret 70 de er aller lüte gert 



UU 118 

ficb felben meret mit der minne. div feie mak wol ane fchame ze 
hove kamen, vnd daz er fi nemmit eine ivncvrowen. das bezeiehent 
daz n noch wahfen fol. Man lifet von dem wiHfagen Zaeharias der 
was vU wunder alt vnd folte zo einem male ein engil mit im reden, 
der engU was fo wife das er fm niht bäte verftanden. vnd fpracb 7ft 
der engil ze eime anderen engele. Rede mit dem binde. Vber das 
wort fpricbit font leronimus. daz in der engil nemmit ein kint. vnd 
er fo gar alt was. dar vber fpricbit er. daz wir alle kint fin. wände 
wir wabfin fvn. Nv fpricbit. Sant Paulas. Wir fvn alle wabfen in 
einen volkomenen man. daz ift. Ibefus criftus. der was der erfte der 80 
ie von dem ertricbe (49d) gewuohs in daz bimelricbe. vnd alle die 
im nacb wen volgen die fvn wabfen von dem ertricbe in das bimel- 
ricbe in den volle wabfcnen ibefum cbriftum. alfo fol div feie fin 
ein gvot ivncvrowe. vnd fol ovcb wabfen von ertricbe in bimel- 
ricbe. Intrvwen fo kvmit fi ane fcbame ze mime berren. vnd fol 85 
ezzen mit mime berren. vnd trinken win mit vrovden. Was fol div 
feie ezzen wan daz wize körn vnd win mit vrovden trinken, vnd 
da von fpricbit der wifTage yfaias. was ift fin gvete. vnd was ift 
fin fcboeni. wan das irwelte körn, vnd win der megede bluet. Bi dem 
irwelten kome virnemen wir fme gvete vnd bi dem wine fine fcbceni. 90 
den win fol div feie trinken mit vrovden. daz fi fin fcbcenis antlüze 
iemer fol ane feben mit vrovden. das ift der win der megede bluet. 
alfe fcbiere fo wir des wines getrinken. fo werden wir alle blue- 
gende zemegiden vnd da von fvn wir ilen. daz wir des Mines ge- 
trinken. Wan fwer des wines getrinket es (50 a) fin witwen. aide. 95 
e liate aide fwie wir fin. fo werden wir alle ze megeden blveginde 
$ Daz ander wort das wir vememin fvn daz ift daz er fpricbet 
faminent ivch. dar an fvnt ir merkin daz wir mit famenvnge zebimel- 
ricb fvn komen. wan fwer befaminet wirt. der vert mit vrovdo 
ficberlidbe. vnd da von fpricbit der wiffage. yfaias. Ir fvnt vz vam iOO 



73 Zaehar, 2, 4. 70 Sphet, 4, 13. SS vielmehr Zachar, 9, 17. 88. 89 yfaias. 
Bi dem erweiten kornc Tirnemen wir flnc gvte was ift fln fclioni. was i(t das 

O 

irwelie körn, ynd win der megede blut. Bi dem 92 bhit 88 -96 Nu 

fpricbet sant iobannes waf ift sin was ift fin fchoeni wan daf erweite koren vnd wine. 
der megde plaote marien kint ibefus bidem erweiten koren nemen wir fin 
gaetl Tot bi dem wine fin loft vnt fin fchoenin. den wine sei diu sele trinken mit 
Iroden das (i fin fchoenes antlule iemer an feben sol das ift der wine der megde 
l^iiole. alfo fcbiere wir des wines getrinken so werden wir pluegen cemegden es 
si Witwen oder eliute so pUieien wir cemegden B 203 c. d. 100 I$aim 55> 12, 
Altd. Predigten. 8 



114 un 

mit vrovden. vnd fvnt hin komen mit vride. vnd fvnt inphangin wer- 
den, mit lobe vnd mit fange, vnd daz er fprichet Ir fvnt vs vani 
mit vrovden. dar an fvnt ir merken, daz wir mit famenvnge fvn 
vam. fwa vil Hute mit ein ander vert. die hant vrovde mit ein an- 

105 der. daz er denne ()[)richit. daz wir hin fvn körnen mit vride. das 
vimemen wir abir an die menigi. fwer befament vert der in furhtit 
ime niht. fwenne wir denne alfo hin komes. fo werden wir inphan- 
gin mit lobe vnd mit fange, vnd da von fvn wir gerne in der menige 
vam. fo gelingit vnf wol. alfo lifet man von eime hcrren. der hiez 

iiObarach. der weite in ein vrluge (50b)'riten. vnd fprach ze flner 
vrowen div hiez debora. Ich in wil niht varn dv vareft mit mir. 
vnd vuor div vrowe mit im. vnd gefigiten an ir vinden. Intrivwen 
dar an merken w ir. fwer inder famenvnge vert der fiber windet alle 
Hne viende. vnd do der herre fme viginde hatte vber wnnden. do 

115 fprach div vrowe. Ich bin div. ich bin div. div gotte wol fingit* 
vber das wort fcribit Beda. Der menfche fingit gotte wol. der in 
hein heiferi het von fänden, vnd der ein gerihtig zvongen het. vnd 
der in hein temphi het in der brvft. nv vernemon die fünde an hei- 
feri. vvan alfe div heifiri irrit daz der menfche nih wol fiagit. alfo. 

120 irrit diu fände den menfchen daz er gotte niht wol fingit. der oveh 
ein vngerihte zvngen het div gerne hinder redit vnd verkert finis 
ebin criften werk, vnd abir trege ift. got ze lobene. der menfche. 
fingit ovch vbil vor gotte. der ovch denne de hein temphi het in 
der brvft. der fingit ovch übiL bi der temphi voruemen wir den nit 

125 vnd fwel menfche finen eben menfchen nidet (50c) finis heilis. vnd 
finis geluckis. der het temphi in der brvft. das irrit in ovch daz er 
nit wol fingit vor gotte. vnd dannan von fprichet er daz der menfche 
wol fingit. vnd fvezecliche daz in got gerne hoerit vnd neigit fin 
ore ze fime fange, der ein liuter gemvete het. vod in hein heiferi 

180 het von funden. vnd der ein gerihtige zvngen het. div nieman 'hinder 
redit. vnd div bereit ift got zelobenne. der einen livteren geift het 
vnd in hein temphi het von nide. daz er allis daz minnit das er an 
ieman gvotis fiht vnd alfe div gvote vrowe. Debora fprach. Ich bin 
div. die gotte wol fingit. alfo fvn wir vnf vlizen. daz wir gotte wol 

135 fingen, das wir in hein heiferi haben von fßnden. vnd daz wir eine 



105 yrode 107 wir hinter werden fehlt. 109 Judie, 4, S. 111 dr twH^ 

y 
mal. delbor« 112 und epmiitrhin vor 115 Judic^ 5* 3* 116 worl] 

wor der] den ISK) der] de 133 Delbore Ijpiach 



ua IIS 

^0rilitigmi svrigen haben, div ttiemati hiiNlar rede, vnd nilewege bereit 
1i gut selobene. vnd das wir ovch in heine temphi haben von nide. 
das wir aliis daz minnen daz wir an alr menlichim gvotis vnd heili- • 
gis fehen fo fingen wir wol vor got wir fvn ovch vns vlizen. das 
wir in der menigi varn. alfe div gvote vrowo befament vttor. vnd 140 
( 50 d ) daz fi alle ir vigindo vbir want alfo vbir windet der menfche 
alle fine viginde. der beOament vert. aber den die fich gerne fvn- 
derent den mifTelingit dicke, vnd dan von lifot man von hern lacobes 
tother wände fi fich fvndcMe von dem geflnde. do gefach fi der kvnig. 
vnd minte fi. vnd zohte fi. vnd benam ir. ir kivfehikeii Intrvwen 145 
alfo gefehlt noch allen den die Heb gerne fvndcrent von der famenvnge. 
die nht der tievil an. vnd nimit war ir fvnderen finnis. vnd geval- 
lent im alfe woL daz er fiv minnet. vnd da nah beginnet er inenz 
ze liebinne vnd relzzet fiv vf das fvn dir dink. daz fiv Heb allis von 
der famenvnge eiehent. vnd fo er fi alfo vafto drin bringit daz fv 150 
nieman wen volgen. fiv in willen allis ir fm für fich haben, fo be- 
trivjgit er fi denne mit finen b»fen Uften daz fiv ime volgent. vnd 
wirfit fi denne in etfiehe funde. vnd fint denne da mit virlorn. Intrv- 
weil da von fvn wir vns niht fvnderen. vnd fvn vns hveten vor allen 
(51 a> fv^nderen dingen. Wan es ift gaf vngowerlich. der tivvil ift 155 
gar Kflik. das er dicke mit gvotim bilde den menfchen verleitit. dar. 
dammin im^ nieman gehelfin mac. vnd dannan von fvn wir allis in 
der fhmenvnge varn. fo varen wir ficherliche. wir in fvn wedir 
vornan fQr varn. noch hindan nach komen. wir fvn allewege varn in 
der menigi. Nv wen eieliohe livte fnr varn. vnd wen .e. fliegin .e. 160 
n ge^ederen: das fint die feie, die fich fvndirre dinge vz nemtnt 
von der famenvnge. die wen liizil ezzen. vnd noeh minre flafin. vnd 
wen nteoier irwamiea an dem bette, vnd ginemint alfo vil veniea 
vnd dilbiplln«n daz fi alfo tovp werdint daz fiv in wizzen was fi 
fehaffint Intrvwen. fo die wenint fliegin fo vallent fi. vnd werdent 165 
dielte die hinderflen die die vorderlten wen fin. vnd dan von fprichtt 
der wiiVage daz die aller fiehirlichifte vartnt die in der menigi 
varint Vnfer herre enwolte niht eine zehimelriche varn. er vuor 
mit einer ( s i b > groaen fehar. beidiv engil vnd menfchin. Intrvwen 
dm bi gab er vnf ze lAeiiBetie. das o>vek wi# mit famenvnge dar fvn 170 
valra. fo TarM wii» vrddliche« vnd rifa ferlbit Saii^ lohannes In 
apocalipfl daz im wart irzeigit zwelf fchar. von den zwelf gefleh- 

138 wir hinter daz fehlt. 138. 139 heilis 143 Oen. 34. 149 fvndir 

154. 155 vor allen fvnden ynd (51 « } aUen fvnderen 165 wenit Hl Apoe. 

7, Afgg. frt Yör 

8* 



11« ua 

ten. vnd ieglicher fchar waren zwelf tvfint. vnd fach do eine fcbar 
div was fo groz daz fi nieman geahten kvnde. das bezeichint. daz 

475 ovch wir mit meni^^i vnd in der fchar zehimclriche fvn varn. fo 
varen wir vroeliche. vnd werden wir enphangen mit lobe vnd mit 
fange, alfo fprichit der wilfage abacuc. Super excelfa. Der vbir win- 
der fol mich vuorin vf mine hoBhi mit fange, der vbir winder daz 
ift vnfir herre iefas criftas. der bet alle viginde vbir wunden, der 

180 wil vns vceren vf vnfer hoBhi mit fange, vnfir hcehi daz ift daz himel- 
riche dar wil er vns vcBrin mit lobe vnd mit fange. Vnd da von 
fcribit origenes Wie div feie ze himelriche imphangen wirt. vnd 
fcribit zwo vnd zwenzig ftete. da ( 5 1 c ) der feie fvnderliche ere 
irbottin wirt. vnd wie die himilfchen engele. vnd die heiligen mar- 

185 tyrer vnd allis himelfchis her. die feien grvezint vnd inphant fi mit 
grozir vrovde. vnd koment die heiligen zwelf hotten, vnd enphant 
die feie vnd grvezent fi vnd gent der feie alle ir vrovde vnd ir Ion. 
daz fi fich dar an vrowe aife ovch fi. Da näh grvezent fi die hei- 
ligen martyrer vnd gent der feie, allin den Ion. den fi mit ir martyr 

190 verdienit haut Da nah grvezent fi die heiligen bihtere. vnd die hei- 
ligen predier. vnd gen der feie allen den Ion den fi mit ir bihte 
vnd mit ir predige vnd mit ir lernvnge. vnd mit vaflea vnd mit 
wachene vnd mit gehorfami. vnd mit meniger arbeit hant virdient. 
daz Heb div feie an dem lone vrowe rehte alfe ovch fiv. Da nach 

195 grvezint fi die heiligen megede. vnd gent ir allen den Ion. den fi 
virdienit hant mit ir kivfchikeit. vnd daz fiv ir reines bluot vz gas- 
zin. dvrch vnfirs herren willen vnd dur fine minne. So grvezit ü ov 
fvezecliche vnd vroeliche (51 d) div werde m voter gottis vnd git 
der feie die fvnderlichen ere vnd die wirdekeit die fi het fiir elliv 

200menfchin. daz fi dar an ftinderliche vrovde habe, vnd kvrzlich alfo 
wirt ein iegelich feie ze himelrich inphangin. von allem himelfcheu 
her. vnd grvezint die feie, die engil alle befvnder vnd iegelich hei- 
lige* vnd iegelich feie funderlicb vnd git ir. ir ere vnd ir vrovde 
vnd ir Ion. vnd git ovch div feie iegelichim engil iegelichem heili- 

205 gen vnd iegelicher feie fvnderlichen ir Ion. vnd ir vrovde. die fi 
het verdienet, vnd alfe dicke alfe ein feie zehimelriche komit fo wirt 
da ein nivwe vrovde vnd da von fprichit lob. Min gloria min vrovde. 
vnd min ere wirt tegelich irnivwit wan alfe menig feie ze himel- 



V 

173 fcharn waren 177 Habac. 3, 19. ex cel. 178 ?orin ' 180 dat vor 

himelnche f^hlt. 182 wart 183 da ( 51 c) da der 207 lob 20, 20. 



un 117 

riehe kvmit alfe menig irivwe vrovde wirt da vnd^von ieglicker 
feie fänderlich. wirt allis himelfchis her irvrovwii vod da von fprichit 210 
Sante Angoftinas. aller der menfehen Ion die ze himelriche koment. 
der ift alle oinis ieglicben menfehen fvnderlicb. vnd einis iegli 
(52a)chen menfehen Ion Hinderlich ift alier menfehen gemeinlich. 
Intrvwen dan von wirt avoI ir gloria irnivwit tegelich. Wan alfe v 
menik feie, vnd alfe dicke fo dehein feie zehimelriche komit fo vvlrt 215 
ir gloria vnd ir vrovde irnivwit vnd gemerit. Wan den Ion den div 
feie virdienit hat den bringit fiv mit ir dar. vnd des lonis ift denne 
da me denne e. vnd dan von nivwit lieh tegelich ir gloria. Wan fiv 
fint elliv fo minnenclieh ze famine gevopgit vnd in einen willen alfe 
liuterlich geeinberit das fich ein iogelich feie an der anderen vroede. 220 
vnd an ir wirdekeit \TOBwit rehte alfe an ir felbir vrovde Vnd div 
niderefte feie, div in himelrich ift. div het alfe ganze vrovde. an 
des obereften menfehen lone. alfe ob (1 den Ion anir felber bette. 
Vnd danvon fvn wir vnf vlizen. daz wir vnf gemeinlich in der 
famenvnge halten daz wir mit menige ze himelriche kernen, fo wer- 225 
den wir mit lobe vnd mit fange inphangen vnd mit vrovden inphan- 
gen S Das dritte wort dar an merken wir daz daz ezzin (52 b) 
groz ift. vnd dan von bedürfen wir wol. das wir hvngerie dar komen. 
daz wir vil mögen gezzen. vnd dan von fprichit vnfir herre in dem 
ewangelio Selig fint die hvngerie fint die fvn gefattet werden. Er 330 
tpriehei oveh in dem wiffagen Dilata of tunm etc. Mache dinen mvnt 
wit vnd den wil ich füllen dis fprichit er nivt von dem mvnde mit 
dem ich rede, er fprichit es von der feie mvnde. den fvu wir wit 
machen. Intrvwen er dvnkit vnferen herren ze enge, vnd ift er doch 
von natvre alfe Mit. daz er wol himelrich vnd ertrich vnd hellerich 235 
vnd tievele. vnd engelo vnd aliis das ie wart, vnd worin loch tvfint 
fanfzich weite, daz vir flunde allis dirre mvnt daz ift der feie girde. 
Wie fvn wir difen mvnt gewiteren Intrvwen daz fvn wir mit reiner 
girde. daz wir elliv zergancliche dink varen lazen. vnd nihtis geren 
wan gottis vnd finer genade. vnd fvn alle vnfer girde an got kerin. 2\0 
alfe der wiftage Dauid fprichit Sicut terra fine aqua tibi. Hcrre min 
feie ift (52 c) verdoret vnd vcrfchrvnden alfe daz ertriche daz lange 
ane waffir ift. Intrivwen er machit finon mvnt wit. des de daz er 
der himilfchen fpife vil möhte gezfen. vnd da von fvn wir vnfer 
girde genzeliche an got keren. daz wir der himelfehen fpife vil 245 



313 fvnderlicb. vnd ift 230 Matth. b, 6. gefatten 231 P». 80, 11. 

841 P«. 142, 6. 244 vnfer fehlt. 



118 un 

nttfiui geseiii: Intrirwcn vnfif herre bedarf w«l d^B das «säen groc 
(i. da fo manig engil fo manig heilige fo manic tvllni ivfint Men 
von gefpifit wirt. vnd der iegelichis einen alfo witen mvnt hei von 
natare. vnd dennoch vil witer wil in vndr herre machea.' alfe lob 

250 fprichit. £r wU dich lidigen von dem engin mvade. in die bretifteii 
witi. vnd denne wil er dich irfollen. Nv merkint wie groz dis essen 
ifl. da fo menik tvfent engil. fo menik tvfint iar geszen hant vnfir 
vrowe het menik hvndert far gezzen. da. vnd menik tvfint tvfint 
Asien, die dife fpife gezzen hant. manik Iar. vnd ie niittvnt an ezzent 

255 vnd ifk des ezzinis noch alfe vil. alfo do fv erft begvnden ezzen. 
vnd da von fprichit der wiflage. (52d) Qnam magna roaltittdo. 
Wie groz wie menicvalt dv vili ift diner fvezekeit die dv lieft vir- 
borgin den die dich furhtent Intrvwen er hatte daz hobit hin gebot- 
tin. vnd ein wenik verfvochit der himelfchen fpife Intrivwea fit dis 

260 ezen fo groz ift. fo in dQrfin wir in vinden ovch ze ezzinne. fo wir 
ze himelrich komen. die iemir dar fvn komon. vnd vnfir herre leg- 
lichir f^le girde irfiillit daz fiv raehtin fprechin. Ich inmag nivme. 
fo ifl noch denne der fpife alfe vil. fo ir ie meift wart, vnd ezzent 
fiv fiv iemir an ende^ vnd ift doch alfo groz. vnd alfe vber fluzsic. 

265 alfe do fi erft begonden ozzen. vnd dife fpife niezint fiv iemir gir- 
lich vnd fvezeclich mit ewigir rvowe vnd dan von fprichit lob. Div 
rvowe dinis tifchis. fol fln voUir veizti. dar an vimemen wir dife 
fpife rvowiclichin niezen. vnd daz er fprichit. fl fol fm in voiiir 
veizti. dar an virnemen wir. daz die trabten ze himelrich alfe maaic- 

270 valt fint. vnd ift ir alfe vil. daz fi nieman gar gebrvohin mak. (53 a ) 
.wan fwie vil fiv iemir mit ir girde begrifiln mvgin. vrovide wunne 
fvezekeit das hant fiv allis tvfuit valt S Das vierde wort das dis 
ezzen gottif ift. dar an virnemen wir daz er fich felben wil gen 
zelono der feiigen feie, vnd wil fl rehte mit fins folbis gveiL dar 

275 fliezen. vnd da von fprichit. lob. Si fvn fich neigen vf den obereften. 
vnd fvn denno zorvliezcn von wQnno. von vrovde vnd von fvezekeit. 
dar an virnemen wir. das fl alle ir vrovde an gotte fvoohint vnd 
neigint fich ze (iner gvete. vnd vinden t an im alfe vber meizige 
fvezekeit das iiv rehte zer vliezent von wunnen vnd von vrovden. 

280 vnd vnfir herre got dur fliuzzit die feien, daz fl in gotte fwebint. 



248 won 340 iob 36, 16. 254 mittivnt 256 Ps. 30, iO. 260 kint9r 



• 



in dürfln fehlt etwa wir nib( zwiYelii 266. 267 rvwe iob 36, 16. 267 feMt 







etwas. 271 wunne 275 lob 16, 19. 20? Joel 8, 23? 



LID . IIV 119 

vnd 4a von l^rtckit fant Bernhart Der ein broffnen leit in win. aide 
in Inmic fo dur fliozzit das honic die brofemen das fi rohte vel 
Wirt vnd fweibit doch daz honic vbir die brofmen allenthalben. 
Rehte ze gelichir wis fprichit er. dur fliuzit viifir herrc die feie, 
daz fi rehte vol ift. der gotlichen fveze- (53b) keit. vnd fwemit 285 
doch in allenthalben vbcr das fi rehte in gutte fwebit. alfo gent 
oveh die meiRir ein glichfami. alle fi wol mvgin. da ein brvnne in 
eime velfe int (prvoge. der en mac fich niht enthalden. er infweime 
al vbir alfo fweimit vnfer herre al vbir die Apie. in allenthalben, 
vnd ift (In doch alfe gar vol. daz nOmme in fich mak. vnd dan von 290 
fprichit der wirfage yfaias. Vidimus amabimas. afRu. m. Siv fehen- 
den, vnd minnenden. vnd zerfliezent denne von fvezekeit. vnd wer- 
dent fich denne wonderende. vnd wirt gebreitit ir herce. Nv merkint 
dis wort. Zemerill. (b fehent fiv got. da nah minnent fi in. Wan des 
in nivgin fi niht vbir werden, fo fiv an gote fo vil fvezekeit. vnd 295 
fchonheit fehint. fiv in mvezen in minnen. da nah zer fliezent fi von 
der vbir vlözzigen gvfeti. div von gotte flivzit in die feie, vnd wer- 
dent fich denne wanderende der wanne und der wunderlichen gveti. 
div an gotte ift. vnd von deir gvete. der gvete dv an gotte ift. von 
der gveti wirt gebreitit ir herce (53 c). das fi alle creatare minnent 300 
in gotte. vnd got in aller creature vnd wiT't div feie alfo gebreitit 
daz fiv minnit elLv dinc in allen dingen, vnd vnfer herre zirflifizit * 
alvmbe 0. daz fi rehte mit gotte allvmbe vangcn ift. 



Blfe wori iJprlcMt fant Pavlns 



IlEc 



eft. eiiim voluntas dei fanctificatio veftra. Difiv wort (fprichit 
Sant Paulus Gottis wille ift ivwir heilikeit. das gottis wille. daz wir 
heilic fin. daz merkent an drin dingen S Das erfte ift daz er vns 
gebiutit daz wir heilig fin. das daz war li daz lifet man in der alten 
e. Do vnfer herre die .e gab. do gab er in div zehen gebot, vnd 5 
gebot inen daz fiv n hielten, vnd fwer div behaltet das ift ein an- 



261-300 wenig abweichend WKh in B 203 b. c. 283 (V^ibit] grat B. 284 vnfir 
sweifnal Z. 285 flammet B. 287 glichniis B. 286. 280 fwimme— ffirim- 

met B. 290 fichj si B. 291 Tunc videbis et afflues, et mirabilur et düatabitur 

e 
cor tuum Itaia 00, 5. 291 . 292 nu fehciit in viit miiineul in B, 297 vbir yIvz- 

e 
zigen Z. 299 300 nur vnt von der guti wirt gebreiteret ir herce B. 300 min- 
ien Z. LIV. Z 19. Ä 52 Von des mentfchfen haitfliaft. 1 Thettal. 1, 4, 3. 



130 LIV 

vank der heilikeit vnd dar an fvnt ir merken dat gottis wille ift 
daz wir heilig fin. wan fwas der man gebuiil daz ilt; ein zeichea 
fmis willen § Das andir ift daz vnfer herro ratet daz wir heilig fin. 

10 Intrivwen des hcin wir vrkünde an meniger lere die er fine ivnge- 
ren lerte. Wan alle fin rat vnd fin lere, gie dar vf daz fiv heilig 
wurden mit reinem lebenne $ Das dritte ift daz vns vnfer herre 
hilfet daz wir heilik (63a) werden. Vnd da von lifit man in dem 
ewangeliü. das vnfer herre fprichit ze finen ivngeren. Ane mich in 

15 mvgint ir nit guotis getvon. Intrvwen fit denne nieman niht guotis 
mac getvon ane fine helfe, fo ift das ein geweris zeichen fines wil- 
len, daz wir heilig fin. das er vns felbe hilfit daz wir heilik werdon. 
Intrvwen fit es denne gottis wille ift daz wir heilig Cin. vnd ovch 
wir niemir heilig mügin werden, ane fine gnade, fo fvn wir vnfer 

20herce bereiten daz wir der gnade wirdig fin. zenphahene. fo git 
vnfer herre die gnade, vnd hilfet vns daz wir heilik werden. Sit 
wir nv vrkunde han daz gottis wille ift vufir heilikeit fo fvn wir 
fehen wa mit wir heilig fvn werden. Intrvwen daz fvn wir mit 
zwein dingen, daz wir das ubil lazen. vnd das guote tvegen. vnd 

25 da von iprichit der wiffage. Declina amalo. Ir fvnt ivch neigen 
von dem vbele. vnd fvnt tvon daz guote. fo werdent ir heilik. nv 
merkent zem erft was ckiz vbil fi. da von fich div felo fol (63 b) 
neigen e. fi heilik möge werden Da von fcribit fante Augoflinus in 
dem buoche da er fcribit von der feie micheli. da fcribit er fiQnf 

30 vbil. von den fich div feie neigen fol. vnd von den fi mvoz gereinet 
werden, e. fi heilig möge fin § Das erfte vbil ift div funde. da von 
fprichit fante Petrus. Ir fvnt ivwer hende renen von dem ubele. bi 
den henden fint div werk bozeichent. Rehte alfe er fpreche. Ir fvnt 
ivwere werk reinen von boefen werken, vnd fvnt ivwere hereen 

35 reinen von ubelen gedenken, nv wizzent ir wol das elliv reinekeit 
von gotte kvmit. vnd in mac nieman niht guotis gedenken noch ge- 
fprechen noch getvon ane fine genade. Intrvwen daz ift war. daz 
got die genade vnd die reinekeit mvoz geben, er ingit fie abir niene 
wan in daz bereite herce. fwa er fihit daz das herce ift bereit da 

40 givzzit er fine genade in. Swenne der menfche tvot daz er tvon fol. 
fo tvot ovch vnfir herre daz er tvon fol. Solomon fprichit es ift des 
menfchen reht. daz (63c) es fin herce bereite. Intrvwen fvi'enne 



14 Ev. Joh. 15, 5. 25 Pi. 36, 27. 32 viehnehr Joe. 4, 8. 33 ift rnd fiot 

e 
40 g^rvzii^ 41 Praverb. 16, 1 . 



LIV ISl 

daz gefchihit fo git vnfer herre die genade. Sante lacobns fprichit. 
Das got ift ein geber allir genade. vnd dannan von fprichit der hei- 
lige geilt Ich wil ein wazzor vf ivch giezen daz fol ivch reinen von 45 
allen ivweren funden. fo denne div feie gereinit wirt fo het fi ein 
vbil virtriben. daz fi irte ir bcilikeit S Das ander ubil ift ein vinftri 
des irrodes. Intrvwen div vinftri fol irliuhtit werden mit gaoter lere, 
vnde mit guotem rate, das ift alfo. fwa der menfche dehein zwivel 
aide dehein irrvnge het. da er fleh niht wol kan virrihten. des fol 50 
er wifer liute vragen. vnd fol ovch denne ir lere vnd ir rat nach 
volgen daz er in der vinftri der irrvnge niht verirre, vnd fwer guotem 
rate vnd rehter lere niht nach volget. vnd allis in flnis herzen ein 
rihtigi wil varn. der mak wol verirren. Nv flnt etliche liute alfe ein 
rihtig. daz flv allis nach ir finne wellent leben, vnde dvnkit fl allis 55 
ir fin. vnd ir ding bezzer den (63 d) ne anderre liute. Intrvwen die 
mügen wol vallen in die vinftri der irrvnge. Swer abir gereinet wil 
werden, von der vinftri. alfe Sante Auguftinus fprichit. daz wir da 
von gereinet mvezen werden, e. wir heilig mügin werden, der menfche 
fol fleh alfo diemvoten daz er eime anderen bas gelobe dem er ovch 60 
geloben fol. denne ime felben. vnd fwer das tvot der wirt irliuhtit 
an rehtem geloben. Sit vns nv fante Auguftinvs feit, das wir e. niht 
heilig mögen werden, e. wir vnf gefcheiden von der vinftri der 
irrvnge. fo fvn wir vnferen geloben irliuhten. vnde fvn den bas ge- 
loben, den wir geloben fvn. vnd die wifer vnd wizziger flnt. beidiv 65 
von nature vnd von kvnft. denne vnf felben S Das dritte übil ift da 
von wir mvezen gereinit werden, e. wir heilig milgin flu. das ift 
ein glichi der bildvnge. daz ift des tievilf velfche bildvnge. Intrvwen 
dar an mac (ich der menfche vil wunder lihte mifCe hveten. Wan 
der tievil ift vil wunder kundig (64 a). er nimit etwenne einis engilf 70 
bilde an fleh, vnd irfchinet etfwenne dem menfchen. das er wenit 
das er gottis engil fi. vnd difv irfchinvnge gefchihit beidiv vzwendik 
vnd innewendik. Man liflt von eime dem erfchein er alfe wunneclich 
alfe ein engiL vnd wände er das in got zvo im fante. daz er in wifte 
wie er folte leben nach gottis willen, vnd lerte den felben man daz 75 
er vil wachte vnd vafte. vnd daz er niemer gervowete vnze daz er 
fich felben gar verdarpte. vnd ze ivngift do verriet er in daz er im 
ze teile wart Intrvwen daz gefcheiht noch dicke, daz der tievil 
mengem menfchen ratet gvete dink. das er weinet daz es gar guot 



43/00.4,6. 46 £s«dk. 36» 35. 46fnideD 73 Tod innewendik r«Ml. 



IM UV 

ao fl. vnd aOb ^r iiH g^volgit. vnze an das ende des dinges. fo beflhück^'t 
er den menfchen mit dem übele er ift fo kvndik das lerz alfo gnot 
machet, das der menfche inheinen fchaden dar an kan fiirfehen. vnd 
alfe erz an daz ende bringit. fo wirt er denne erft gewar daz er 
virraten ift. vnd alfo ir (bhinet er ovch der feie innewendik. mit 

85 (64 b) valfcher goete. vnd tatit dem menfchen daz er vil bette, vnd 
venf^ vnd difciplihe neme. vnd iGzil flafe. vnd vil wache, vnd vil 
gevade. vnd fich grozliche arbeite in gottis dienefte. vnd denkit 
der mekifche denne. weniftv. alftis gemehliche ze himelriche komen. 
Niht dv folt anderz dir zVo fehen. dv in folt dinem übe niemer in 

90 h^ines gemachis geftatten. Vnflr hiferre leit doch den tot durch dich, 
vnd foitiftv denne dehein gemach han. daz wer dir groze fQnde. Dis 
wenit der Inenfche daz ez rehte von deih heiligen geifte kome. vnd 
volgit lailis nach in ^inif tsinvaltikeit. vnz daz ier ze iVngeft betrö- 
gen Wirt Inttvweh mit füf getaner guete veHeitit er mengen meh- 

95 fchen. daz er das gotliche lieht niemir befchowit. vnd da von bedürfen 
wir \il Wol. da$ Wir von deni ubil giBreinet werden $ Daz vierde 
fibil ift ein trQgelichv ebin maze der ereature ze gotte. alfo lifit 
man von den wifen beiden, die (hhen nit Wan an finen gewalt. vnd 
weiten daz mit (eic) (ime gewalt beweren. daz gbt niht meiifche 

100 mehte werden. Si ahten das er gewaltecliche hiihelrich vnd ertiricbe 
gefchnflen hettd. Vnd alle creature. vhde fpi-echent alfo. alte vnmü- 
gelich da2 itt. daz ein ziibberman. werde tiiif elbes werk, alte vn- 
mögelich ift. ovch daz got div cl-edture wei*de. die ei* hat gefchatfen. 
Vnd da mit gaben fi ein trQgelich ebinmaze. Wer creatiire ze gotte. 

105 vnd weiten da ihttte bewereh daz göt niht Menföhe ihehte werden. 
Wan fl fkhen niht wäh (Ihfen geWalt an. vnd irkänden liiht finer 
guetb. div in twank daz er menfche wart, darch den menfchen. In- 
trvweü flt wir nv gefehin heih. daz die heidene mit trögelicher maze 
verirl-et firit. fo fvn wir vtis da vor hveten. wir in fvn niht alleine 

110 finen gewatt an fehen. Wir fvn ovch irkennen fine wilheit vnd fine 
guäte. div in des betwänk daz er menfliche uature an (ich nam 
durch vnfir irlofvnge. daz ift war. menfliche nature ift harte vnedil. 
vnd hartld Wider zeime götlicber nature. aber fin güete W'äs alle 
gl-o^ däjß a vil- (64 d) geliche iitfg ze fainene vioBgite $ Das fünfte 



I e 

80 im] in beArichet 81 erz] or 88 denne we. weniAv. 89 dinen lip 

e 
104 M'] dM 106 If^licher 144^123 Hoheit «rtrtft Mk Sehlufkö \)fHi n it. 



UV 19S 

irbil ilt daz 'whr lazeii fvn. e. wir Itöilio mfigtn W6lrdeii. daz iftgirde i<6 
weitlieäer rielieit. vnd da von fpridiit der widage. div weit ift glich 
eime valie. ir wizzent wol fo man einen bovm wil vollen, fo fcrient 
die liate fltehent flient. daz ivch der val nit begriffe. Ze gelieher 
wis ift diT well ein val. vndo in fcriet got vnd div fcrift elliv. 
vliehent vliehent alle balde von der weite, n ir fleht ivch ze dem i20 
ewigen tode< alle die in difem vaile verendent die mvezen iemer 
bvwen das kellifohe riche mit grozer arbeit, vnd da von fvnt ir 
ivch ziehen vnd rc^e« von der girde weltlicher rioheit. alfe vns 
Sante Avgaftinus lerit Vnd fit wir niemer heilig miigen werden, 
e. wir voa difen ffinf ibeien dingen gereinit werden, fb fvn wir 125 
allen vnfDren Vltz da zvo keren das wir gereinet werden. Zem er£t. 
von den fQhdeh. wan ze gelicher wia alfe div mvre fcheidet daz der 
halp vnde (ea a) dife faalp ilt alfo fcheidet div funde got vnd die 
feie, wir fVn vns ovch reinen von der vinftri der irvnge. div ift 
bezeichent bi de« wolkene. wan alfe daz wölken bedecfcit der fvn- 130 
nen lieht alfo bedeckit div vinftri des irrodes die himilfchen genade. 
daz der menfehe der nit gefehin noch inphan mak. Wir fvn vnf 
ovch reülen von der gelichi der bildvnge. alfe der tieail den men- 
Ibke» verleitet, daz er das gotliche lieht niemir befchovwet wir fVn 
vnf ovdi reinen von der trügenltchen eben maze. der gefohephide. iss 
s>'0 deti fofeepher wir fvn vnf ovch reinen von der girde weltlicher 
ridieii; So wir von difen finf vbelin gereinet werden, fb fin wir 
heilig, vnd fvn dennoch heiligir werden. Sante lohannes dem erfchetn 
ein engil. de er was in der togeni. vnd fprach der engil fcrib lo- 
hannes. Die da heilig fint die fvn noch helliger werden. Nv fVnt ir 140 
flwrfcen drier hande gedank die machent die feie heilik % Der erfte 
ill ein gedenk (es b) den betivtit vnf ein heiligir lerer, vnd f]prichit 
das ein iegelich gedank von gotte machit die feie heilig. In trvwen 
dal* an fVnt ir merken, alfe vil der gedang an gotte ift. alf^ vil wirt 
ovch div fble heilig. Leider nv ift das herce fo wilde, vnd der ge*- 145 

114-*-116 Der menfch' der gern guo wer der muof e lafTcn die begird weltlicher 
ricbeit Da von fprich der wiffag indem falter z. 117. 118 fchriet man 2. 

118 flient {Mi 2. ivt begriffe z. 119 glicb einem val z. vnde iu] vnd ein Z. 
ild. 1^ Vnd fprictiet got vnd elliu diu gerchrifl. Vliehent bald von der weit, ald z. 

120 ivch] och Z. 121 verderben! z. mvzen Z. 123 vnd reinen fMi z. 



# 



127 mvre Z. 128 vn ( 65« ) vnde dife 131 der fvnnen fchin. vn ir lieht. 



e 



der irrodea 132 mit 135 trvgenliche 140 ApotaX. 22, 11, 



IM LIV 

dank fo wit fweifte. daz vnfir herce feiten mit gotte ift. vnd fo der 
menfch ieze wenit daz er fiii herco bl im habe, fo het ez die weit 
vmbe vangen. nv hin vbir mcr vnd her wider, vnd ift fo wilde daz 
es niemir kan gervowon. So man die metti an vahit vnd der menfche 

150 fin herce vf hebit. ze gotte. e. es iemir einen vers gefpreche. fo ift 
es inweg. vnd fweibit denne allvmbe die weit. Tnd ift denne gereite 
vnz an die laus metti .e. es iemir wider an got gedenke, vnd fo der 
menfche an fin gebet kvmit. vnd er fin herce an got gefetzit e er 
denne iemir gefpreche Pater nofter. daz eine wort, fo ift abir daz 

155 herce in drvnnen in die witi. Intrvwen daz gebet machit niht die 
fei felik (65 c). wan alfe vil der gedank an gotte ift Die linte die 
mit ir hcrcen gotte alfe vnheinlich ünt die mögen des wol forhten 
daz n der himelfchen heinlichi mit gotte werden virfchalten. vnd 
enfol doch dar vmbe nieman verzagen. Santo Paolos ijprichit ein 

iGOtroftlich wort daz div fchoz der wilden gedenke, der feie niht vil 
fchaden tvont. alle die wile vnze es dem menfchen leit ift vnd inen 
wider ftat vnd daz herce. von der witfwefi an got wirfit Intrvwen 
fwie kurz der gedank an got ift. fo ift er doch ein anevanc der 
fuezekeit Dan von fprichit Salomon. von cime vogil der heizit 

165 derbin. der het einen kurzen flok. vnd ift doch ein anevane der 
fvezekei^ Ze gelichir wis ift ovch der gedank fwie er zen erft 
vnftete vnd wit fweift ift. fo ift er doch ein anevank der fvezekeit 
S Der ander gedank der die feie heilig machet, das ift der vlis. daz 
der menfche allewege in dem vHze ß. alfe dicke fo im fla herce in 

i 70 drinne in die witfwefi dirre weite mit vliegendem gedanke daz er 
denne das herce wider bringe ( 65d) ze gotte. vnd fol an got be^ 
trabten finen gewalt daz er himelrich vnde ertrieh vnd alle Creatore 
het gefchaffen vzzer niüte. vnd fol denne betrahten den gewalt daz 
er mit finer wifheit elliv ding het geordinet vnd iegeliehis in fin 

175 rehten ordenvnge. vnd fol denne betrahten an im fine goete. div in 
twang daz er indife weit kan vnf ze eime irlofer. An dife betrah- 
tvnge fol der menfche allin finen vliz keren. da/ fin herce allewege 
an got betrahte. Intrvwen fwenne der menfche in dem vlize vlizec- 
liche ftat daz mvoz mit grozcr arbeit gefchehin. vnd mvoz vil fere 

180 vber den lip gan. fwer in difem vlize ze allen ziten fine betrahtvnge 
an got leit nach dem vlize inphat div feie die gotlichen fvezekeit 



146 wit fenfle 152 .ie. 153 e] ie 159 Ephet. 6, 16. 161 ienen 



165 fluk 170 vlieziendem gedanke de et 171 . 172 berahten 175 im fehlt. 
181 leit. vnd nach 



LIV IM 

Dan von fpriohit der wif£age. Donec intrem. Ich gedaht an got vnd 
kan des vbir ein dax ich niemir wil irwinden .e. ich kvme in fine 
ivn^ften heinlicbL Inirvwen im was da neiz was. widir varen da 
nach im alfo not wart (66a) daz er e niemir wolte er winden e er 185 
kerne in die ivngiften heilikeit gottis. er fprichit aber daz er üch 
vil wunder fer da nah mveie arbeiten .e. er ze der heilikeit kerne, 
vnd dar vmbe fol fich der menfche arbeiten mit dem vlize der 
betrahtvnge. wan nach der arbeite wirt div feie fvezecliche getroe- 
ftit. vnd der vllz machit die feie heilig S Der dritte gedank daz ift i90 
ein vrige dnrgeflht. div mit wundervnge wirt gehenkit in den fpie- 
gil der wifheit Nv merkint div wort, ein vrigiv dvrgeflht vri dar 
an fvnt ir merken, daz der geift rehte vri mvoz fin. von allem kvmber 
vnd fol alfo vri fin. daz er niht betrvebit werde, von des libis 
natnre rehte tot fi. aide das der geift niemir von ime werde be- 195 
trvebit aide daz abir der geift alfe ftark fi daz er niht ahte vf des 
libis krancheit Swenne das gefchihit fo ift der geift vri. da nah gat 
div dvrgefiht daz ift alfo daz denne der geift in der girde befcho- 
wit den l^iegil der wifheit daz ift ein vrigiv dvrgefiht (66b) fo 
der lip den geift niht betrveben mak. fo hebit fich der geft vbir 200 
elliv ding div vnder gotte fint. vnd befchowit denne an gotte den 
gewali vnd die wifheit. vnd gvete vnd fchonheit. vrovde vnd ewikeit. 
vnd wirt mit wundervnge gehenkit in den fpiegil. der wifheit vnd 
wundert fich finis grozen gewaltis. Siner tiefen wifheit vnd flner 
vnzalUeher guete. vnd wundert lieh, das fi fo vil gueto vnd fveze- 2Ö5 
keit an im het begriffen, vnd des noch tvfent ftvnt me ift. des fi 
vor vili niht begrifen mak. vnd ir der brefte niht we tvot. Mit der 
wundervnge wirt der geift ir hangin in den fpiegil der wifheit. Nv 
fcribit. Sante Bemhart von vier befchoweden die div feie an gotte 
befchowen fol S Div erfte befchowede ift fln gerihte. daz fvnt ir 210 
an dem dinge befchowen. das er eime kindelin himelrich git fo es 
erft gebom wirt vnd getovlit wirt. ane dienift vnd ane aller flahte 
arbeit vnd ein andre der lihte vierzg iar got het gedienit mit ar- 
beiten, der (66c) vallit an fmer ivngiften ftvnde vnd wirt verlorn. 
Ovch gefchihit des vil. daz menige alle fine tage ein groz funder 215 
üt vnd an iime ende git im got alfe groze rivwe. das er behalten 
wirt. Dia ift allis vnfers herren togenlich gerihte. difv befchovwide 



e V 

182 Pf. 72. 17. intren. 185 er ie 186 kome 187 mrze 191 wen- 



d«mi8« 804 wunderte 211 er f$hlu 



IM LIV 

Witt ane ^evan^in in vorhte. vnd wfrt gevebit mit lobe, v^ wiii 
vollehraht mit wifheit. vnd wirt behalten in der demvetikeit $ Div 

220 ander betbhovwcdo i(t an gottis guete. das d^r meüfcKe Ibl befeb*- 

vven. allis das ime got ze gttote het getan. Div befehawede reinit 

' in zegotte. wan in hein menfche ift dem got fo Ifinl gfvade habe 

getan, vnd irkande es fi rehte cz mvezi got mtnnen ven ailem fime 

hercen. Da von fprichit der wiffage. Herre wie fot ich dir gedanken 

225 der genade iemir die dv mir haft getan, alfo i)[>richit Her lob. Herre 
ich inmak dir niemir vergeltin daz dv mit gegeben haft widei* 
tvfinden die dv mir heft getan, fo in han ich dir niht eints ze gebinne. 
Nv fehent der was ein riebe man vnd hatte groz guot. vnd in hai- 
(66d)te doch wider tvfinden niht einis zegebenne S I)hr dritte 

230 befchovwede daz ift zvo verßht des lonis. div bringft fft'ete vetrvnge 

* der tQginde. Da vofi fprichit. Santo leronimas. Div zvo verftht des 

lonis machit die bitteren arbeit faeze. vnd die fweren b&rde lIMe. 

Intrvwen fwer denne kvme arbeitit der gange in dife befßbütvede. 

da wirt er getroeftit von dem fvezen lone der nach dei* arbeit gat 

235 S Div vierde befcbowede. daz iit div hohe magencraft. da fol div 
feie betrahten wie alle engele die patriarchen die lyropbtoten. üe 
zwelf hotten, vnde alle martyrer. vnd alle reinen mcgide. vitd allis 
himelfchis her iegeliches flnen Ion vnd üne fOnderüche vrovde bei 
an der grozen magincraft. In dirre befchowede fol div feie gan. von 

240 eime zvo dem anderen, vnd fol befchowen wiö der engil ill geftßfaei- 
den. von dem menfbhen. der menfche von dem engii. div magft nm^ 
der Witte wen. der martyrer von dem bihter. vnd ift fegefi (e? •> 
chis fvnderlich gefvndert mit fime fOnderlichen lone. nach finen 
werken, vnd han doch elliv einen gemeinen Km', dentie fV>l div ftle- 

245 betrahten. wie vnfir herre eim iegelichen engil iegeliöhir feie* Het 
gemazit vnd gefcheidin hinderlichen Ion. in gemeinem lone. atkdef 
hohvn magencraft. vnd daz fvnt ir wizzen daz da in hein fVndervnge 
noch fcheidvnge ift. wan an dem lone. daz da ein iegelicb mMfcbe 
Ion inphat nacb fihen werken, da ift der engil. bi dem mefrfbbin. d« 

250 gat div wittewe zvo der megede. die martyrer zvo den bifatetieil. 
vnd allis Uimelfcbis her. gant alle vnder ein ander, fvrie (Iv itth. 
aide IVie fl IQflit. da in ift enheiri frodervnge. Wan (Wer got allc^ 
krefteclichilte bei geminnit. de Itfait gtrf allir lüterüttflftto BWv M^ 
fcbowede bringit der feie girde nacb der bimelfcben vrovde. Da 

224 Pf. 51, 11 f 85, 12. 13 ? 225 Iob% % 3. 249 d^ ffl'^ d^— menlMMiB; 



LIV . LV ÖT 

von l^iclut. Anflielmv». Ovil heiligv angcllht. dv biit ein volle vrode 255 
vnd ein oberefte wolluft. vnd bift ein vollecomene (67 b) girde. 
girllchis antlute vnd vroUcho girde. Intrvwen nv inmac dv feie nlht 
allewege in dirre befcho^ede iln. fi mvoz ovch her nider vam in 
die helle vnde mvoz da befchowen vnfers herren rehtikeit. an der 
kal vnd an der not. der armen feien, vnd fol der menfehe irberniide 260 
her vber ban. Denne foltv befchowen alle creature vnde folt irken- 
nen daz eUiv ding von gotte flnt. vnd wie got in allen dingen ift. 
vnd wie elliv ding von gotte gevlozzen fint. vnd oveh wider zvo 
im vliezent vnd in dirre befchowede foltv got lobin an aller crea- 
ture. vnd folt got irkeonen an allen dingen, daz wir daz fchowen 265 
werden dez helfe vnf got ameN. 



Dlfe wort fprlchlt ein wlffof e 



B 



Ominus narrabit in fcripturis populorum. Difiv wort fprichit der 
wifTage. danid. Got fol künden an den fcriften den livten. Dis wort 
miigen wir in zwei wis vernemen. daz vnf got künden wil an der 
heiligen fcrift. den rehten wek zehimelrich. vnd daz rehte leben 
Wan rehte ze gelichif wis. alfe div fvnne intlivhtit den nebil. alfo s 
irlivhtit div heilige fcrift die heiligen criftenheit. vnd div heilige 
lere die (93 c) vns gottis fvn lerte. felbe mit finem mvnde. vnd die 
heiligen propheten. die heiligen zwelf betten, vnd andir heiligen, 
den der heilige geift kvnte. vnd lerte. wie fi die heiligen criften- 
heit leren folten. Ein andir fcrift het ovch vnf vnfir herre' gegebin. 10 
daz ift der leien fcrift. wände der livte ift vil die der fcrift niht 
kvnnen. div an den bnochen ift gefcriben. Vnd dar vmbe het inen 
got ein andir fcrift gegeben, da fv an fvn lernen, wie fiv nach 
himelrich fvn werben Div fcrift daz ift dv gemelze in der kilchen. 
daz man da malet von den heiligen, wie fl lebten vnd waz fi durch <5 
got taten vnd waz ft durch in arbeiten, vnd wie fi menger martyr 
gemartirt wurden, vnd tvot man daz dvrch etwie manige fache. Ein 
fache ift daz fiv fvn lernen an der heiligen lebenne. wie fi nach 
dem himelriche fvn (triten vnd werben, alfe ovch die heiligen haut 
glDftritten. Div andir fache ift daz fl an rehtir gelobe fvn gefterkit 20 
werden, fo fv fehent waz die heiligen hant irlitten durch den rehten 



LT. r S$. Jl 57 Ton manger bände fchrifl der mentfchait. 1 Pf. 86, 6. 4 den] 
■7dle(9tc)dieTnf lineo 16iafiMf. 



1»8 LV 

geloben. Div dritte (93 d) fache i(t. Wan vndr herce vnftete ift. 
vnd leidir bi im felbeii feiten ift darvinbe ift ovch daz gemelxe 
gemachit. daz der menfche fin herce vinde. fo er mit den vzzeren 

25 ovgen an fihit daz gemelze. daz er denne die inren dink vinde. des 
hercen vnd er gedenke, an div dink div vor ime fint gemalet, vnd 
alfo vindit der menfche fin herce. alfo i)[)richit der wifTage dauid. 
Herre ich han min herce fvnden. Nv mcrkent fwas der menfche 
vindit. daz mvoz er e. virlorn han. alfo gefchihit es leidir dicke 

30 daz der menfche fin herce viriiurit mit vppigen gedanken. fo fol erz 
vinden an dem gemeize Div vicrde fache ift. daz wir fvn lernen an 
der heiligen lebene. tvgende vnd reinekeit. abir vbir allis gemeize. 
vnd ubir elliv bilde, fvn wir ano fehen vnfirs lieben herren martyr 
bilde, vnd fvn dar an lernen ahte leczen. die er vns- vor het ge- 

35 fcriben. an fime heiligen libe § Div erfte ift willecliche armvot. daz 
merkint da bi. daz er gar nackint ftat. dar an fvn wir ovch lernen, 
daz wir willecliche am fin dvrch got. der (94a) dvrch vns alfe 
arn wolte fin daz er aller finer herfchefte vnd allis finis richtvomis 
fo vil niht inhatte daz er fine fchame bedahte wan daz er gar 

40 nackit ftvnt an deme crivce. Wir fvn gerne arn fin. wan vnfir herre 
fprichit in dem ewangelio. Beati pauperos fpirita. Selik fint die 
armen himelriche ift ir. der menfche der willecliche arm ift der ift 
wol feilik. Sit got felbe fprichit. daz er feilik fi. So ift er ovch 
feilik. Wan himelriche ift fin. himelrich ift ein fo groz fchaz. daz 

45 er wol feilik vnd vil feilig ift. des daz himelrich ift. Er ift ovch 
dar vmbe feilik. wan er het me denne er ger. Wan allis des er het 
genvegit in. vnd ift im alfe wol mit armvot. daz in niht dvnkit daz 
er arn fi. Wände zegelichir wis alfe der gitige man allewege me 
gert. vnd furhtit daz ime gebrefte. alfo dvnkit abir den willeclichen 

50 armen menfchen daz er zevil habe.* da von heizit er fi feilik die 
willecliche armen. Wände fi hant des fi gerent. wan fi gerent niht 
wan armvot. vnd breften. da von fint fi feilik. ovch daz fi daz wil- 
lecliche hant durch got. Intrvwen fiv hant wol gelernit bi ir fcheppher 
(94b) arn fin. Vnd han wol daz bilde finer martyr. vnd finer hei- 

55 ligen menflieit für ire ovgen gemalit. vnd fin armvot. die er hatte 
in allen finen tagen, do er menfche was vf ertriche. Si fint ovch da 
von feilik daz fi nieman geroben mac. Wan fwen man robit der 
wirt vngedvltik. vnd vlvochint fi ovch. die felde han fi ovch daz 
fi nieman robit. wände fi niht hant. da von in nimit man in ovch 

^ feiten /eMi. AlMatth.b^Z. 4S dof ar«re ift /fMi. ITgenrgit ImiUi 



LV IStf 

nikt So fint fi ovch feüik. wan fi hant ovch lese ein teil der himil- 60 
fchen vriheil. die ii inhimelriche fvn gar inphan. daz iH div vriheit 
daz fi ine hant denoe fi gerent. vnd ^nvegit fi ir armvot. daz ü 
ntht me weiten han. div vriheit gelichit fich ein teil der himelfchen 
vriheit. da von fint fiv feilig hie in ertriche. vnd fvn her nach ze 
himelriche inphangen werden mit der ewigen feilikeit. Wan daz 65 
fprichit' vnfir herre felbe. daz das himelriche iit der die wiUeciiche 
arm fint durch got S Div andir lecze ift voUecomenne minne. daz 
merkent da bi. daz er weite gehenkit werden inzwifchen zwene 
fchacher. rehte alfe (94 c) er ir fchvlde wolte tragen. Wie mehte 
er iemir grozir vnd voUecomener minne bas irzeigen. denne daz er 70 
finer viende fchulde wolte tragen, vf iime rvckon vnd an allen finen 
liden fnnderliche wolte er gemartert werden vnd hette ers loch 
gelitten dvrch fine fi'ivnt es were doch ein zeichen grozer minne. 
daz er ez abir wolte tvon dvrch fine viende. daz was noch voUe- 
comener minne . alfus het er ovch vns gelerit. daz wir vnfir 75 
viende minnen fvn. vnd fvn inen zefiatten komen. vnd ze dienefte. 
fo fivs bedvrfen. wan vnfir herre wolte niht gemartirt werden durch 
die gooten. er wolte not vnd den tot vnd alle bitterkeit liden dvrch 
fine viende. Sant Paulus fprichit Gedenkent merkent vnd ahtent wie 
groze not got irlitten hat dvrch fine viende. vnd fit er dvrch fine 80 
viende fo groze not leit vnd fo grozer minne zeichen gab. was 
wenint ir nv was er denne grozir vnd vbir meziger minne nv zeige 
finen vrivnden wan daz ift ane zwiuil war daz er finen vrivnden 
groze minne (94d) wil zeigen. Vnd merkent daz fprichit er. daz 
es mvoz fin. Wan fwer fine viende alfe volleclich minnit der min- 85 
nit fine vrivnde vil volleolichir. Santo lohannes der minre fprichit 
von der minno die got dem menfchen ovgete de wir fine viende 
waren. Der groze got der heilige vattir vnd div heilige gotheit der 
minnit vnf fo fere daz er finen lieben fvn. finen edelen fvn vnd finen 
ein bom fvn in den tot gab für vns. de wir fine viende waren, vnd 90 
tet daz darvmbe daz wir fine vrivnde wurden nv merkint wie rehte 
groze mUtekeit er vns het ir zeigit do wir vir Ivren fine hvlde do 
wir in erzvmden. vom vBferen vntvgenden. do was daz ein groze 
miltekeit daz er vm ze vrivnde wolte gewinnen mit finis lieben 
fvnes toda S Div dritte lecze ift fin groze. vnd fin vbir vliezende 95 
irbermide* vnd^itterimit daz da bi. daz er fime viende der bi im 



07 Wille vnd mfame 75 roUecometio 77 fys 78 guten 79 Rom, 5, 10. 
83 Ttr M JBv. loh. S, 16. 89 fo fMU 93 de wti do 

iJtd. Predigten. 9 



IJU» LV 

liangeie von fchnlden. vnd d» flu hatte gefpottil vnd ia batte gß-* 
fcholten do der felbe an in genade gerte do er horte er in z^aat 
vnd gab im nie genade denae er (95a) gerte. Er fprach. Memento 

lOO mei domine. Herre gedenke min. fo dv komeft in din Hohe. Do er 
hört er in zehant vnd fprach. Werlich dv folt mit mir hivte fin in 
dem vronen paradife. Do gab er im zehant me genaden. deane er 
in bette, wan er in bat in niht wan daz er fin gedehte fo er in 
fln riche kerne, do gab er im weriiche daz ewige paradis ze be- 

i05 fchowene. er in gedaht ün niht alieine, er gab im felben zefchowenne 
daz lebinde paradis. Diz paradif daz was div gotliche an geiiht vnd 
daz fvnt ir wizzen. daz er in dehein andir paradis vuor. wan hin 
zvo der helle, da alle heiligen feien waren, die flnir zvo kfinfte 
bittin. vnd ze allen ftvnden gerten ir fchephirs daz er fi loffce zvo 

iiO den vaor ovch er. vnd an der felben ftvnde. do vnfir herre an dem 
orivce vir fehlet, do vnor fin heilige feie vnd fin gotheit in die 
helle, vnd loite alle die. die finis vattir willen heten getan, vnd an 
der felben ftvnde ftarb ovch der fchacher vnd vuor ovch dar. vnd 
fach da got an üner gotheit. da von fprichit man er fuor in das 

^^^ paradis. Wan (95 b) fin gotlich angefiht iffc ein paradyfe aller woUuft. 
vnd daz ift eia vrkunde finer vbir vliozenden erbermede. daz er fo 
groze irbermede gab finen vienden. da bi mvgent ir merken daz er 
finen vriünden vil grozor irbermede git. Hie bi fVn wir abir lernen, 
daz wir niht alleine irbermide fvn han. vbir vnfir vrivnt. wir fvn 

^30 vns ovch irbarmen vbir vnfir viegende $ Div vierde lecce die wir 
an dem crivce fvn lernen, daz ift andehtige gehorfami. daz merkent 
da bi. daz er fine feie liez fcheiden von fime übe mit geneigetem 
hovbete. dar an merkint zwei ding, andaht vnd gehorfami. daz er 
abir fin hovbit neigete. vnd daz er fin feie liez von im fcheiden. 

I2S daz was ein zeichen gänzir gehorfami. daz er abir fin honbit nei- 
gete. daz was ein zeichen grozer andaht div in fime reinen heroen 
was. Wan er neigit fin houbit vnd fprach. Pater In manvs tnas 
Herre vattir ich bevilhe dir minnen geift. Rehte alfe er fpreohe. 

* 

Herre vattir min. ich bin dir gehorfam gewefea vnze an den tot 
iSOvnd habe (95c) allen dinen willen voUehrahl nv inphach minen 
geift Conftamatnm eft Ich habe ea allia vcdendil. Do neigit er flu 
houbit vnd virfchiet Hie an mngen wir wol leneii andehtige ge^ 
horfami. Wim fvn niht alleine gehorflEmi fia. wir fira andehtik fin 



' 99 er ( 95 • ) er gerte. 102 me f9hlu 110 vöor 115 Ul in dem paradjfe 
116 Tbir TÜesende 118 groze 130 dinen] den 433 andehtfli fl0t 



LV 1»! 

» 

mit d#r geborOsimi aUß vmCr heire was. Sw«« man den gaotoa «leort 
fchea beiait. das fol er inphahen mit geneigtem hovbete. daz man 185 
da bi merke daz er mit andebti geborfam fi. vnd daz^ fin berqe 
feafte ilt mit der geborüami. Wan andabt div macbet allewege linda 
vnd feafte gemvete. Nv merke wie din andabt fol fin gegen geber-^ 
fami. Dv folt gedenken dvrcb wen dv geborfam bift. vnd dvrob wen 
dv dicb beit begeben libis vnd gaotis vnd dinis eigenen willen, da« 140 
beltn getan dorcb gottis liebi. fwas man dicb denne beize, fo foltv 
gedenken, berre vatter min fcbeppber min ir loifer. vnd min bebaltir 
vnd min Ion. dis tvon icb dvrcb dicb. nv inpbacb minen willen vn4 
mine gefaorfami ze eime (95d) oppbh*. vnd din gebot foltv orden- 
licbe voUebringen vnd andebticlicbe vnze an den tot Wan vnfir berre 145 
wart dvrcb dicb geborfam vnze an den tot. alfo fpriebit Santo Pau- 
lus. Xpriftos factus oft ob. vnfir berre wart willeclicbe geborfam 
vnze an den tot des crivcis. Nv fpriebit Sant Bernbart Gedenkent 
lieben brvodir vnd fweftere. vnd prelaten. daz gottis fvn fine feie 
von in liez fdieiden dvrcb geborfami. vnd febent fpriebit er. daz ir 150 
der geborüunl iemir virgefient Swenne ir dar an gedenkent fo fvnt 
ir gereisit werden, daz ir geborfami voUebringent vnze an den tot 
Wan fwer in vngeborfami wirt fvnden fpriebit er. der in fol niemir 
teilbaft werden finer geborfami S Div fünfte lecze ift ein lecze gvotir 
zvht daz merkent da bi daz fin liebe mvotir bi ime ftvnt vnder 155 
dem crvce Nv merkent wie groze zvbt er ir bot in allen finen an- 
giften in wotte er nibt lazen er in meinde fi daz fi wol wifte daz 
er ir nibt virgezzen batte. fwie groz fin not vnd fin bitterkeit (96 a) 
was. nit vil in mebte er mit ir gereden. alfe groz was fin martyr 
vnd fin angift. Docb gab er ir mit kvrzen werten zemerkene i|ianlc-< 160 
valtigen fin. der grozen liebi vnd zabt die er ir bot. Er fpracb 
fvezeclicbe zvo ir. alfe er do befte mebte. wan fin kraft was gar 
befwicben. er was vilbi allir tot do er zübtediebe fpracb. Sieb liebe 
mvotir min wa din einigis kint ftat. Hebte alfe er fprecbe. Acb min 
fveze mvotir wie tvot dir min fer lö wo. daz dv mieb din einigis 165 
vnd din fvezis kint vor dtnen ovgen fibeft bangen, mit blvote gar 
bervnnen. vnd in allir finer angift mebte er nijit virlazen. er in be- 
velbe fi üme lieben ivngeren. Sante lobannes Hie bi fin wir abir 
gelerit daz wir vnfereii vaitir vnd vnfir mvotir wen fvn. vnd nit 

VBfern vletfoblieluin vattir. vnd mvotir. Wir fvn ovcb vnfim 170 



147 Philipp. 2, 8. 163 bcfwigen 164 wa] wan 170 vnfern lieben 

vattir. mde wfnn Tleifcklicken vattir. m Tnd 

9^ 



18« LY 

geiftlichen vattir vnd vnfere geiftliche mvotir eren. der vnfir vattir 
ift an gottis ftete. Man lifit in tobia. daz er finen fvn lerte. daz er 
vatter vnd,mvoter erte fo volgete im gelucke. alfo (96b) fvn wir 
ere vnd zvht bieten vnferen geiftlichen vetteren, vnde mveteren an 
176 gottis ftette. fo volgit vnf gelucke S I)iv fehte lecze i(t dvrnehtige 
gedvltfami. das merkent da bi. daz er genegilt wart an das crivce. 
Rehte alfe er fpreche nv tvont mir fwas ir wellent. daz wil ich 
allis gedvitecliche liden. fwie er wol wifte daz er in allem fime 
lebenne nie inhein dink getet. dar vmbe er wirdik were den tot ze- 
180 lidenne. do was er doch alfe gedvltik daz er nie dehein vngedvl- 
ticlich wort gefprach. \iide infiner grozen bittirkeit fprach er. Herre 
vattir ver gib inen die mir dife martyir an tvont. wan 11 enwizzen 
niht was fi tvont. Hie bi fvn ovch wir lernen vnfchvlde gedvitec- 
liche liden. Der menfche fol gedenken an dife leczen. wie gedvltec- 
185 liehe fich vnfir herre llez nagelen an daz crivce. vnd fol ovch der 
menfche fich twingen daz er gedvitecliche lide bei fchulde vnd 
^vnfchvlde. vnde allis daz in ane gat S Div fibende lecze ift ende- 
hafte ftetikeit daz merkent da bi. daz er dvrch fine heilige voeze 
genagilt wart (96c) Rehte alfe er fpreche. Ich wil ftete fln an 
i^O miner gehorfami vnd wil niemir von dem crivce komin. e. daz 
ich dar an irfterbe. Da mit leret er vns ftetikeit gvotis lebennis. 
'daz der menfche daz crivce finer bvozzo ftetecliche trage vnze 
an fin ende, vnd fol rehte an das crivce geifUichis lebennis 
genagelt fin mit henden vnd mit vnözen. alfe vnfir herre an fin 
195 cmce genagelt was daz er niemir gewenke. wan daz er rehte mit 
ftetikeit geheftit R vnd genagilt mit guotem willen vnze an den tot 
Wan Wirt der menfche an dem tode vunden in gvotem lebenne fo 
virgit im vnfir herre dvrch daz gvote leben, da er denne inne ift. 
fwas er ie vbilf getet. Wer ovch der menfche hvndert aide tvfent 
200 iar ein gvoter menfche gewefen in gvotem lebenne. vnde kerit er 
einis tagis der von vor fime tode. fo in hilfit in niht allis daz er 
' ^ie getet zeguote. er in mvezze iemir virlom fin. wirt er alfo vandin. 
da von ift vns not daz wir mit endehaftir ftetikeit genagilt fin an 
daz crivce. mit vnferre bvozze (96d) in geiftlichem lebenne. wan 
205 fwie der menfche i^rnden wirt an fime ende, alfo wirt ime gelonit 
S Div ahtode lecze ift. lanc gebet, daz merkent da bi. daz er in 
^ ' allir finer not an dem crivce bette. Da von feribit Santa leronimos. 



e e 

172 Tob. 4» 3. 194 Taoien oder vaozen 197 wanden SOS woodin 



LV 188 

daz er an dem crivce bette fiiinfzik vnad hvndert verfe rehte alfe 
manik fame an dem faltir ftat. alfe menigen verf las er an fime tode. 
Das fprichit er. daz er an vie an deme falmen. Dens deus mens. 2i0 
refpice. vnd las für fich die falmen alle vnze an den vers. In ma- 
nus. Vnd do er den gelaz do verfehlet er. Er vie fin gebet an Dens 
dens mens, daz fprichit Herre herre got. vatter min heftv mich ver- 
lazen. Swer daz wort rehte merkit. der mak wol ir fchrecken. vnde 
vorhte han ze fime ende. Sit gotis fvn der nie fQnde getet. fo grozen 215 
angift hatte, vnd er finen vatter fo innecliche an rvofte. daz er f!n' 
niht lieze. Owe was mvozen wir armen funder denne fprechen. Bis 
fol vns ein lere vnd ein reizvnge fin. daz ovch wir gerne vnd vliz- 
zecliche (97 a) fvn betten, an dem tode. alfe vnfir herre der bette, 
alfe emizege. vnd alfe innecliche in allen finen angiften an dem 220 
crivce. alfe er alle fine tage ein iunder were gewefen. Owe wir ' 
armen menfchen. vil armir funder was mahtv denne fprechen. Vns 
ift not daz wir vlizzecliche vnd emizzige got an rvefen an dem 
tode dvrch etwie menige fache abir Hinderliche dvrch zwo fache. 
Ein fache ift daz der menfche fin feie vnd fin gemvete rihte in 225 
gegen himelriche mit deme gebette. daz er mit rehter zvoverfiht 
fin herze bereite, vnd gote gar d>Tnehtecliche getrivwe. daz er fin 
niht laze. Div ander fache ift daz er mit dem gebette die bofen geifte 
vertribe. die den menfchen in menige wis denne virfuochent. daz fi 
in virleiten. da von bedarf der menfche wol daz er vlizecliche 230 
bette, fwie gvot loch der menfche ift. fo mvegent in doch die vil 
bofen geifte. an fime ende. Wan vnfir herre ihefus chriftus der got 
N-nd menfche (97b) was. den in liezen fi niht lidik. ir inwere ze 
fime ende, vnd faz ein vf dem crivce bime. fwie er im niht gefcha- 
den möhte. Owe wes mvgen wir armen funder denne gewis fin. da 235 
von ift vns not gewerliche daz wir gar innecliche betten, dar vmbe ' 
daz wir vnfir gemvete rihten in gegen dem himelriche. Vnd daz wir 
ovch die boefen geifte von vnf virtriben. die vns gerne weiten vir- 
leiten. 



210 Ps. 21, 1. 211 Pt. 30, 6. 227 be bereite getrvwen 231 mv- 

gent 233 ir] ern 234 faz ein] faxen 235 IVnder 



184 LVI 

imii 40m balMie bovme wie mengen aCt 4er kalie vnd be« 
zelcheni einen legellchen guoien menTchen 



n 



lEr balm bovm het üben efte. vnd ie^elich aft het einen blvomen. 
vnd ein vögilll. vnd fingit iegelich vögilli einen (underlichen fank. 
vnd iegelich blvome het finen (underlichen fmak vnd fine varwe 
vnd fin fchonheit Dife balm bovm daz ift ein iegelich feilik menfche. 

5 der vnfirs herren balm bom ift vnd im fvezen fank fingit vnd 
fchoene blvomen bringit wan fwer ime mit fteten tvgenden dife be- 
fchowede vnde dife bezeichinvnge bringit an finen werken, vnd an 
flme lebenne. Der mak wol fprechen. Dixi afcendam inpalmam. Ich 
bin geftigen vf den balm bovm. da wil ich rvowen. wan fwenne er 

10 den fibenden aft vbir ftigit fo gat ez an die fvezen rvowe. daz div 
feie bi gotte rvowen fol in vbir vliezzender fvezikeit. vnd nach der 
rvowe kvmit vil (loi c) fehlere div ewige rvowe. von der da ge- 
fprochen ift Hec requies mea. Dis ift min rvowe. dis ift min erbe. 
Hie fol ich ewecliche rvowen mit dem lebenden gotte $ Div würze 

i5 von der dirre bom wahfet daz ift rehte vnd vefte globe. wan von 
der würze wahfit vorhte der helle, vnd zvo verfiht der ewigen 
vrovde. vnd der ewigen felikeit vnd frvht allir guotir werke, daz 
kvmit allis da von daz der menfche gelobit daz im gelonit werde 
nach finen werken, beidiv vbiler vnd . gaotir. da von midit der 

30 menfche die funde. vnd tvot guotv werk, wände er den geloben het 
daz er mit gotte ewige vroide fol enphan vnd er ein kvnftige weit 
gelobit nach dirre weite. Santo Aaguftinvs fprichit Dis ift ein lob 
des geloben, daz wir daz geloben daz wir niht gefehen niügen. daz 
der menfche des gelovbit daz er fiht daz in ift niht vil lobelich 

25 daz abir der menfche des gelonbit das man im von gotte feit daz 
er nie gefach. daz ift gar lobelich. wan daz ift einis iegelichen 
criftenen men (loi d) fchen reht daz iemir behalten fol werden, daz 
mvoz rehte vefteclicbe geloben an elliv criftenne dink. vnd daz allis 
daz man ime von gottis gewalte vnd von finer wifheit von üner 

aOguete. vnd von finer ewikeit vnd von finer rehtikeit feit daz fol 
der menfche gelovben. alfo vefteclicbe inme hercen. daz er ez zeige 
an finen werken. Wan fwer hovbit fiinde tvot vnd vnrehte lebit 



LVI. Z 26. A 59 Von des Balmbomes bezaichnung. Marburger Bruchstück 

V 

in Battpts Zeitschrift 2, 227—231 und B. 8 Cant, 7, 8. 9 rowen 13 Pf. 
131» 14. 19 Tbil 23 niht fehlt. 



widejT gottis gebotte. vnd wider flme rate, der in het niht rebte 
gelolie. fwer denne rehte gelobe het. der het ovch guot leben, wan 
div würze allir guotir werke, div het rehte gewurzet vnd het ein 85 
grvnt veile in dem hercen gefezzit. vnd von der edelen würze wahfit 
denne der bal^ bovn vU adelUclL $ Des bovmis ftam daz ift wil<- 
lecUehe armvot daz der menfche nihtis gert wan finer notdvrfte. 
hab er loch der etwenne breiten den fol er gerne han dvrch got 
der ovch dvrch vaüm willen alfe arn was. daz er niht hatte, daz 40 
in fin reine invoter bewunde do er gebom wart (102 a) Ha hei- 
mvete daz was ein gemeine ftraze. da wart er geborn fin bettelin 
da9 was ein krippe. Ach liebir menfche gedenke wie gar am din 
fcheppher din herre vnd din behalter was. dvrch dinen willen, vnd 
hab ovch dv gerne breiten vnd armvot dvrch in. Wan er fprichit 45 
aKo. do ich erft geboren wart do viel ich in armvot vnd in der 
armvot was ich vnze an minen tot. vnd fprichit er da von fo dicke, 
felik fint die annen ich wil fi felbe troften fvezeclich. der bahn hon 
het alle fine (chonheit. vf in gegen himele bekerit.- Ze glicher wis 
fol der feilige menfche allen finen richtvom. den ez vf dirre zer 50 
ganeUchen weite mehte han. den fol ez willocliche lazen dvrch den 
ewigen riehtvom in himelriche. vnd fol ez gerne arn lin« Der balm 
bom der ift ovch vndenan vil kleine, alfo folt ovch dv gerne kleine 
fin vf ertriche. fo wirft dv in dem himilriche ir hcehit. alfo fprichit 
vnfer herre. Seilik fint die armen himelriche ift ir $ Der erfte (102 b) 55 
aft daz ift daz üch der menfche erkennen fol. wannan er komen 
ift vnd war zvo er werden fol vil fehlere, ez in lebit nv nieman 
lange tage, alfe vns der priefter manit. fo er vnf die efchen vf daz 
hottbit git fo fprichit er. Memento homo quod cinis es et in cinerem 
reuerteris. Menfche gedenke daz dv efche bift vnd daz dv wider 60 
se efchen werden folt. Swenne fich der menfche erkennit daz Qn 
nature fo rehte cranc ift. fo mvoz er fich virftan daz er alle die 
tvgende die an im fint vnd fwas rehtir gvete an ime ift daz er daz 
allis von gotte het alfe der wifTage fprichit. allis vnfir heil vnd 
vnfir tagende, vnd fwas gvotis an vnf ift daz ift allis von gottis 65 
genaden. vnd ift in fime gewalte beflozzen § Der vogil der vf dem 
afte fizzit daz ift ein phawe. der het die nature. fo er ze mittir 
naht alre vafteft flafit fo fcriet er vil eigeliche vnd weckit fich fei- 




36 edele 47 Ivt Ev. Matth. 5, 3. 11, 28. Luc. 6, 21. 52 richtTm 

60 efche j erde 64 Pf. 36, 39. 68 yafte eigenliche 



IS« LVI 

ben vnde befcbowit lieb denne ob er den fpiegil vf deme boubit 

70babe. vnd vindet er in dcnne (i02c) fo flaut er ane forge. Hie bi 
ift bezeicbent der feilige menfcbe. der fol des pbawen natnre ba- 
ben. So dv feiiger menfcbe ze mittir nabt allir befte flafift. fo dv 
denne ir wacbeft fo foltn dine tvgende befcbowen ob din girde vnd 
dine tagende in brennen gegen gotte. aide ob dv irkaldet filt an 

75 der brennenden minne gottis. aide ob dv gar ir lofcben Heft vnd 
vindefta abir den fcbonen fpiegil vf der feie boabit Intrnwen fo 
mabtv wol fenfteclicbe flafen ingotte ane forge. den fpiegil den dv 
vinden folt. vf der kvniginne boubete diner feie, daz ift din brin- 
nende girde. dv fol fin in ganzer tugende ze gotte. fvezir menfcbe. 

80 fwenne dv den fcbonen fpiegil vindeft in diner gebugede. vf diner 
feie bonbit. fo macbta wol fvezeclicbe flafen mit gotte. alfo fpricbit 
ein beilig man. Herre fl iocb daz icb flafe. fo gip mir die genade 
daz min feie wacbo mit dir. daz icb wol fl bebvot an tvgenden. 
Der menfcbe mvoz zailen ziten (i02 d) flner tagende bveten tagis 

85 vnd nabtis wan ze gelicbir wif alfe man des pbawen ze allen ziten 
varet vmbe fin fcboBne gevidere. alfo varet der tievil ze allen ziten 
des feligcn menfcben feie, wie er ir. ir tagende benemc. vnd dar 
vmbe mvoz Heb der menfcbe vlizeclicbe bveten. vnd alfe dicke fo 
er irwacbit. fo fol er befeben ob fin girde brenne in gegen götte. 

90 alfo fpricbit. Santo Angaftinvs. Alfo fcbiere fo der flaf von minen 
ovgen kvmit. fo fol min berce vnd min fin wacben ingegen gotte. 
vnd fol befcbowen wie min tagende brenne in ftetikeit § Der blvome 
der vf dem afte blveiet daz ift ein viel, der ift kleine vnd ift bimel 
var. Hie bi ift bezeicbent des feiigen menfcben diemvetikeit. bi des 

95 blvomen varwe ift bezeicbent div girde die der menfcbe zo allen 
ziten fol ban vf in gegen bimelricb bin ze gotte. vnd fol elliv flne 
werk keren in des namen vnd in des ere mit dem wir gert vnd 
gevorit fvn werden in bimelricbe (I03 a). daz ift vnflr berre ibefus 
cbriftas. der feiligen feie brivtegome. Bi des blvomen kleine ift 

iOO bezeicbent des feiigen menfcben diemvetikeit Wan des diemvetigen 
menfcben rebt ift. daz ez ficb allewege verwerfe, vnd ficb vnmazen 
kleine macbe. vor allen den livten fo ift ez groz vor gotte. alfo 
lifit man in der kvnige bvoche. von eime kvnige ze dem fpracb 
vnfir berre. Wan dv kleine were vor dinen ovgen dar\Tnbe wQ icb 

i05 dicb ze eime künige fezzen vbir allis ifrabelifcbe volk. Alfo fpricbit 



86 fine 103 Reg. 1, 15, 17. 



LVI IST 

der wifliige Danid. Diemvetikeit dv brichit dvrch den himel vnd 
hoUt den menfchen zem himelriche $ Daz andir ift daz dv irber- 
mede folt han vbir einen iegelicben menfchen. fwaz ime wirrit. an 
Übe aide an der feie daz foltv mit ime tragen, vnd in mahtv ime 
niht anders getvon. noch gegeben, fo foltv ime dinen gvoten willen ÜO 
tragen, vnd folt dich vbir in erbarmen, vnd in mahtv fin niht ge- 
trolten mit milten werten fo foltu doch daz inewendige werk veben. 
der erbermide (i03 b) mit dime guoten willen. Vnd tvot loch ein 
menfche ettifwas daz vbil ift. aide daz widir got ilt. daz in foltu 
ime doch nicht ze vil verkeren. vnd in folt niht ze hant din herce iiS 
vf den rehteftvol fezzin vbir des menfchen vnreht. dv folt gedenken 
e. was dir liep were daz man dir tete ob dv in der felben fchvlde 
werift. vnd daz felbe tvo ovch dv eime iegelichen menfchen. vnd 
folt ovch got für in bitten, daz er fleh vbir in erbarme. Der abir 
meiftirfchaft vnd gewalt het. daz er daz vnreht richten fol. der fol 120 
wo! herteclichen bereffen fwaz zebereffene ift. vnd doch fol er alle- 
wege erbermede derbi halten, alfo daz erz tvege mit fenftem her- 
zen vnd mit milten werten, vnd fi ioch daz vnreht alfe groz daz er 
da rihten fol. daz er ez kränkliche vnd hertecliche mvoz bereffen. 
fo fol er doch danach gvetlich vnd milteclich gebaren, daz der 135 
menfche wol merke daz erz von rehte tet daz em hertecliche be- 
rafRe vmbe fIn vnreht. vnd niht ( 103 c) von übele. vnd fezze daz 
allewege indin herce. ob des dehein rat fi dv in mvezift vmbe 
eintwedirz gewizzenot werden vmbe hertikeit aide vmbe miltikeit. 
daz dv vmbe ze vil lindi. aide vmbe ze vil gveti. gewizzenot wer- 130 
deft denne vmbe ze vil ftrengi vnd hertikeit. wan dv folt daz wiz- 
zen daz die wize fenftir fint denne vmbe ze vil hertikeit. Vnfir 
herre fprichit doch felbe Sehent an mich vnd lement fenftikeit vnd 
miltikeit bi mir $ Daz vögeli daz vf dem afte fingit daz ift ein 
withophe der het die nature daz er vbir dv grebir viiugit vnd die 135 
toten olagit alfo fol der menfche tvon dv folt klagen den iemer- 
llchen tot den div edele feie enphie von den honbit f&nden. vnd 
folt vbir die toten vliegen. daz fint die menig valtige hovbit fünde 
die dine feie hant irflagen. vnd folt gedenken daz dv mit einir iege- 
lichir honbit fände bift gefcheiden von gotte vnd von allen himmel- 140 
fchen genaden vnd dv mit einer iegelicher honbit funde nach rehte 





107 Der 116 rehten ftyl 122 dir behalten 126. 127 beraffite 128 ob de 
129 aide vmbe mmikeit fehlt. 133 ßv, Matth, 11, 29. 



1S8 LYI 

virfchvldit keft. d«s dv (i03 d) iemir ewige not in der lielto fidtitK 
han. vnde ia hetti der go( mit finer genade vad mit luier irl^noede 
niht wider geholfei. vnd folt deaae gedenken daa dv dea werdea 

145 got den gvotea got latent heft mit den fanden, vad folt daz von 
inneaclichem heroen klagen vnd feit den muten got bitten daz er 
den toten irkicke mit rehter rivwe vad ia denne gener mit fiaer 
gotUehea araenie von allim dem fieohtagen der fuaden. daa fi aiemir 
me mit willen noch mit werken, noch mit in heiner flahto boQr 

150 gewonheit, gehoHan werde aiemir debeiaer fvnde S Das blvemeli 
des aftis. daz iit ebi waflßr blvome. der ift vil fchone vnd ervalwet 
zehant da bi ift bezeichent dv vaftetikeit dirre weite, ir vroide vnd 
ir gezierde ift harte fchone. vnd zergat gar fehlere Des folta fellger 
menfche gedenken, daz alUs da« zergaoclloh ift daz vf ertriche ift 

155 vnd nlmit iemerlichis ende, der hivte leblt der ift mome tot Der 
hivte gefvnt IfL der ift morne ( 104a) fiech. der hivte riebe ift der 
ift morne am. Der hivte mit vrolden lebit. der ift morae allis leidis 
vol. vnd alfo zergat ez alliz mit leide, vnd der alre meift vroide 
vnd wunne het vnd richtvomis in dirre weite, der het alre groafte 

160 not in der helle, vnd da von fprichit Sant Bemhart. alle dina liiade 
werdeat ze wurmen in der helle, vnd grabint allezit dvrch daz herce. 
vnd wirt doch niemir verfweinit. vnd dar vf fpridbat vafer harre. 
We we den riehen livten die fiilen niemer von gotte troft iafibaa. 
fiv heia me geminnit gvot vad ere. vnd zer gancliche vroude deaae 

105 mich, darvmbe fvlen fi iemir ewige trvrekeit han. Dis feltv ieliger 
menfche irkennen daz div weit zerganolich ift vnd folt din heree 
vnd alle dine girde in gegen deme kerea der vnzerganklieli ift. daz 
ift got $ Der dritte aft ift. des libis keftigvage. der feiige menfohe 
fol finea lip keftigen mit allen den arbeiten fo im fin ordia vad fin 

170 regele gebivtit. vnd fezzit. vnd fol doch ime felben die aetdvrffte 
geben, vnd fol fich allezit (io4b) vlizeo. daz es alle fia arbeit vnd 
fine werk mit befchoidenheit tve. weder ze vil noch ze lüzU vnd 
folt dinen lip in der tempervnge. allewege halten daz dv ime aiemir 
io vil fines willen verlazeft. daz er gote vngehorfam werde S Der 

175 vogil der vf dem afte fizzet daz ift ein elbiz de weiz von natare 
finen tot vor. vnd fo er mome fterben fol. fo fingit er biote einen 
vrolichea fank. Bi dem vogil ift bezeichent der feiige meafebe» der 
fol gedenken daz es fime tode allir tegelicbis nahet, vnd daz ez 



e 

161 wurmen 163 Ev. iMcm 6, 24. 172 !▼ 173 ime] iemer 



LVI 1S9 

iegfUA eyi tageweide se dem iode gai vnd fweane er dei gedeikit. 
fo fol er got ie vrolicher dienen mit flngenne vnd mil lefenne vnd 180 
£ol gotte alfe girliche vnd alfe vrceliohe dienen, daz man wol an 
iflie merken mak. daz er gerne bi goUe vnferme herren were S Der 
Jblvome vf dem afte dae üt ein lylie der wahfit allewege vf gegen 
liem himelrielie. vnd ift alle zit grvene. vnd alfe der lylie vf wacMt 
in gegen den himelriche. alfo fol din herce vnd (io4 c) din girde 186 
allewege 0in vf gerihtet in gegen gotte. Bi dem lylien ifl bezeicheat 
div ftete kivfchikeit die dv han foU. an willen und an wercken. vnd 
alfe der lylie allezit grvene ifi; an iime ftamme vnd an finen biet- 
tom. alfo foltv £eliger menfcbe grvonen an dime gelouben vnd an 
allen tvgeoden. vnd folt allir tegelich vürnemia an guotim lebenne 190 
rehte alib der blvome alre tegelioh wachfit vnze er vollekomen 
wiri alfe fcdtv alre tegelich wahfen vnd für nemen vnze dv rehte 
yolleoomen wirft an tvgenden. So vnfir herre denne fihit daz dv 
feligir menfohe atig bift fo brichit er dich abe vad gekaltit dich in 
dmr huneiCchea bvrk iemir ewediche mit vroiden vnd mit wunnen 195 
S Der vierde aft daz ift fveze andaht. fo der menfche fvezecliche 
weiait nah vnferme herren. alfo daz er vnfirs herren martyr von 
liercen elagit. aide daz der menfche irkennit. daz ime got fo groze 
geaade h/di getan vnd er in des mit iVezen trehennen lobit. daz ift 
ein vil fveze andaht. daz lop vnd div andaht (i04d) merent allisSOO 
an des menfchen tvgende. vnd twingit got daz er allezit fine genade 
in die feie giuzit vnd gtezen mvoz $ Der vogil der vf dem afte fitzit 
das ift der vogil. mit des menfchen antlüte der het die natore fo 
er zem «rft vzzir fime nefte vliugit. der erfiie menfche der im denne 
bekvmit den totit er. vnd vlivgit denne vber ein wazzer. vnd ir 205 
fpvolit denne fin antläze drinne. vnd fo er denne gefthit daz er vnd 
daz menfche ein antlüze hant. vnd fi gelich ein ander fint. vnd er 
finen hrvoder irtoetit het fo in wirt er niemir vro vnze an finen 
tot Bi dem vogil ifl; bezeichent ein iegelich menfche. Wan wir han 
alle vnferen brodir irtotit ihefum chriltum. der von gotlichir nature 210 
vnd von menfliehir natvre vnfir brodir ift wie der van dinen 
fundan toi i& an dem crivce. daz er weder hende noch fivesze noch 
in heinis fines lides gewaltik was. vnd fwenne dv daz für dine 
ovgen fezzift fon in foltv dich niemir me gevrowen in heinis dingis 
daz vppig ift (i05a) vnd in folt mit der weite noch mit deheime2l5 





183 afte ift. de ift 186 IjU« 190 wrnemin 106 aft ift. daz ift 



140 LVI 

dinge daz ze der weite triffet niemir deheuie vroide me gewinnen 
$ Der blvome der vf dem alte blvegit. daz ift der rofe. der ift 
fchoene vnd minneclich anzefehenne Da bi ift bezeichent div brin- 
nende minne die der feiige menfcbe ze gotte fol han. Dv folt ge- 

320 denken an die grozen minne die er ze vnf bette, do er den iemer- 
licben tot dvrcb vns leit. gedenke rebte in wie reiner minne er 
den tot dvrcb vnf leit vnd von der reinen minne fol din berce in- 
zvndet werden« vnd din feie, daz dv got alfo kreftecliche vnd alfe 
fere minneft daz dv diob e woltift lazen toden. e. dv in ie mir 

225 wizzentlicb woltift ir zvmen. mit debeiner boubit f&nde $ Der fünfte 
aft ift div begervnge. daz der menfcbe vnfirs berren gert mit allen 
finen finnen. von allem fime bercen. alfo krefteclicbe daz er aUe 
fine girde gedenit bet. anden girlicben got Div feie mak wol fprecben. 
alfe div feie in der minne bvocbe ( i05 b). filie iemfalem. Ir tobteren 

280 von ierufalcm kündent mime liebe, daz icb fiecb von minnen bin. 
Dor vogil der vf dem afte fizzet daz ift ein nabtegaL div fingit 
allewege gerne, vnde fo fi gewar wirt daz ficb dv nabt verwan- 
delen wil ze dem tage, fo bobirt fi ir gefank Hie bi ift bezdchent 
der feiige menfcbe. Do dv nabt der funden. vnd dv nabt des vppi- 

235 gen lebenis. an ime verwandelet wirt in bebe tvgende vnd ez ficb 
begiiinit bezzeren an fime lebenne. vnd ez got an allen dingen 
irkennit denne fol ez finen fank boberen fo ift div nabt virwandelet 
ze dem tage, fo foltu got mit allen arbeiten vrolicbe loben, vnd folt 
im denne defte gemer vnd defte willeclicber dienen, vnd folt dicb 

240 vrowen vf daz bimelfcbe erbe, daz dir vnfir berre got wil geben 
nacb difem kvrzen zite ie mir ewecliche. vnd dar zvo folt dv din 
berce vnd dine feie ze allen ziten bereiten, daz ' dv mit eren dar 
komeft. Vnfer berre fpricbit in dem ewangelio. Sebent daz ir bereit 
fint ze allen ziten ( i05 c) Wan ir in wiffent wenne icb kvme S Der 

245 blvome der vf dem afte blveiet. daz ift der fide blvome der inbet 
nibt voUeclicber vroide nocb varwe vnd bezeicbent den reinen 
menfcben. daz ficb der fo fere nacb gotte veriamert bet daz er 
bleicb wirt. vnd fin fcboene varwe verliorit. vnd allen finen vlis vnd 
fine finne bet ez inwendik bekert. daz fin feie vor gotte fcbone f! 



225 mit deheiner houbit fvnde. mit debeiner houbit f?nde 229 Cant, 5, 8. 

232 gneynde. yn 237 denne e fol 243 J?v. JlfarrA. 24, 44. 248 finen 

fin vUz •* 



LVI 111 

• 

VBd fia keroe iTter vnd reine, das ^t geine dar inne wone. an die 250: 
inrea Dcbone hei fi fo gar ir vliz bekert. das ü die vzwendigen gar 
verfinaket ket. Der menfcke mak wol fprechen. Nigra fvm. daz ich 
VBwendik bleich bin des in wunderent ivch niht div menfcheit vnd 
.div himelfche genade het mich verfelwit. vnd fwie bleich ich vzwen- 
dlk bin. fo bin ich doch in wendik harte fchone. ich gevalie gotte 256. 
wol an mime anüüze S Der fehte aft ift div ladvnge. daz dv feie 
mit rehtir girde got zvir ladet fvezir gemahele. nv kvm her dv 
vzzirwelter kerre fvezir. dv bift ihefus der liebe gemahele (i05d) 
min. So dv feie in denne alfe gvethliche ladit mit alUr ir girde fo 
kvmit er denne vnd berihtit allis daz im in der feie müTevallit vnd 260: 
fi^ephit den menfchen an allen dingen nach finem willen, alfe er 
im wol gevallit $ Das vögilli daz vf dem fvezen afte fizzet. daz ift 
^ fwalwe div nimit in heine fpife wan in dem vluge Ze gelicher 
wia tvot der feiige menfche. daz in nimit finer feie in heine fpife. 
wan in dem vlnge. der vluk daz ift der gedank mit deme dv feie 265: 
vliogit in das himelfche lant. in dem vlage wirt div gaote feie vnd 
div feiige feie gefpifit. div fpife daz ift das fi an deheime dinge vf 
ertrich inheinen troft noch inheine vroide het niht wan an himel- 
fehen dingen, daran fvochit fi troft. vnd wirt ovch da von gefpifit 
vnd gevnoret. alfo fprichit Santo Augoftinvs Ir fvnt allen zerganc- 270 
liehen troft verfinahen. vnd fvnt ivwer herce vf rihten in den 
himelfchen troft S Der blvome der vf dem afte blveiet daz ift ein 
wege blvome der het die natore daz er fich alle wege nah der 
IVnnen kerit Ze gelicher wis tvot der feiige mendos a)fche der 
kert fin kerce vnd fine finne. vnd alle fine begervnge in gegen dem 2iS' 
lebenden vnd dem ewigen fvnnen. Der mit finer fchonheit himelrich 
vnd ertriche intlinhtit het. vnd der da ift ein vroide vnd ein lieht 
vnd ein wnnnin l^il. der ewigen felikeit in gegen dem lebenden 
iVnnen kert der guote menfche fin herze vnd finen willen, alfo 
Interliche das allis daz fin wille ift daz got tvot. vnd kert flnen 390 
willen alfo genzliche in den fvnnin daz ez inhein dink betrvebit daz 
got tvoi daz ift im allis liep dem menfchen daz finen willen an 
allen dingen vcegit ingottis willen $ Der fibende aft daz ift genze 
firezekeit. fo der menfche des bovmis efte alle Aber ftigit mit fteten 



251 gelelt. vnd bekert. 252 Cant. i, 5. 6. 263 vlTcke 268 noch noch 

Sf70 gewret Ir fvot fehlt. 274—276 der kert- fvnnen kerit. B* 281 dink] 
dia MI fo der menfche ftoeinial. 



14S LVI 

asSMrillMi vBd tvgenden. vnde ez an den oberelten aft kvait 16 givxli 
vnfir herre alfo groze fvezekeit in die reinen fela das li dem übe 
vnvertragenlich ift vnd mak fi kvme in im inthaben. vnd ilt fo gros 
daz im div kraft gebriftit vnd inmak die fvezekeit Ton liplicker 
kraft niht enthaben (l06b). Wan daz der geift den lip denne avoi 

390 tragen, alfo crank ift der lip worden von der gotlioben fvesikeil. 
vnd ift abir der geift alfo ftark. daz er den lip treit rehto alfe ir 
fehent daz der geftmde menfche den fiechen treit. alfo ümt der 
geift von gotlicher kraft, des libis irfcrekvnge $ Vf dem mite fitzit 
ein vögelin daz keizit venix der wonit allezit vf dem berge. Mona 

29S olineti. vnd der berg ift alfe edele daz alle die edelen würzen drvffid 
wabfent. vnd ift der vogil allezit eine vnd in wirt fin niemer nihi 
wan eine, vnd fo er Heb emivwen wil fo nimit er der edelften 
würzen vnd macbit im felben ein bvs vnd vlivgit denne vf die luihen 
bvebele. vnd in die beben lüfte vnd vliagit der fvnnen alfo nabe. 

800 daz er rebte erbizzet vnd vliugit denne ber nider in (in hvs. vnd 
flebt die vettecben alfo vafte ze famene das er enbrennit vnd 
brinnint die würzen alle mit im vnd verbrennint in. vnd von dem 
pulnere wirt denne ein nivwe venix vnd alfo emivwit er ficb. Hie 
(i06c) bi ift bezeicbent der feiige menfcbe der allewege gerne 

805 wonit vf dem hoben berge daz ift geiftlicb leben, daz ift wol dem 
hoben berge gelicb. Wan alfe der berk erbobit vnd erhaben ift von 
dem tal alfo ift geiftlicb leben erhaben von der weite, vnd bi den 
edelen würzen die vf monte olineti dem berge wabfent. Da bi ift 
bezeicbent die edelen tvgende. die in geiftlichem lebenne wabfent. 

8i0 Wan der alle die Welt dvrcb fvere. vnd tvgende fvocbte. der in 
vönde niene in aller der weite fo edele noch fo hohe tvgende. fo 
in geiftUebem lebenne. wan geiftlicb leben ift rebte ein garte der 
wolluft. vnd ein berk der tvgende da von ift geiftlicb leben wol 
gelicb dem berge. Monte olineti. da der vogil vf wonit. der da beizit 

ZU venix. vnd fo er beginnit alten vnd fweren fo ernivwit er iieh alfe 
ich da vor ban gefeit. Zegelieber wis fol der feiige menfdie. tvon 
fo ez beginnit ab nemen. vnd tregen an gottis dienefte. vnd üb 
mngende beginnint üerwen. an der vefoonge tvgende. vnd aller gnoter 
werke. (i06d^ latrvwen fo foLtv dich irnivwen vnd feit allvmbe 

820 gan in dem klofter zvo iegelicbem brvoder vnd folt ab iegolickem 
broder funderlicbe tvgende lernen vnd folt merken wie vlizzecliche 



202 alfo treit fMt. 302 brionit 318 mag«ide] tagende 



LVI US 

fi ir tvgmiid rebant mit groien weriien. mit gehorfami mit diemve- 
titeil mit miltekeit mit erbarmehersikeit mit maaikeit mit allen 
gooteA Eoliten ynd mit allen ivgendeiL vebent fi ellv guote werk, 
das fittt die edelen wilrsen die dv se famene folt tragen in dime 325 
hereen. vnd folt denne fehen wie dine mvgende fint irlofchen. vnd 
irflewet an vebvnge. vnd an der brianenden girde. die dv ze gotte 
faltüt ban. vnd fo dv dinen breiten irkennift fo foltv vf vliegen in 
den gotlichen fvtmen vnd folt dine gedenke alfe crefteklicbe an den 
keren. das dv i^hte von dem bimelfcben gelanze irhizzelt vnd folt 330 
im alfo nabe vliegen. daz din feie rebte ganeften inpbabe von dem 
lebenden fvnnen. vnd mit der bitze foltv ber nider vliegen in din 
bvB. daz ift din herce vnd folt die vettecben (i07a) zeiamene 
flab^ das fiv rebte inbrennen. Bi den vettecben lint bezeicbent 
der feie mvgende. die folt dv denne ze dunene Haben mit vebvnge 335 
gvoter werke, vnd folt die alfo vlizzeclicben vnd alfo girlicbe veben 
mit allen tvgenden. daz die würzen inbrennen. daz fint die tvgende 
die dv indem klofter zeiamene baft gelefen ab iegelicbem broder 
daz die alle an dir enbrennen alfo girlicbe foltv dine tvgende veben 
mit gnoten werken vnd in der bizze wirftv imivwit. vnd verbrennit 340 
an der tracbeit. vnd an aller lafvertikeit daz dv denne rebte wirft 
ein nivwer menfcbe. alfo fol der guote menfche ficb erniuwen alfe 
venix S Der blvome der vf dem afte itat daz ift ein velt blvome. 
bi dem ift bezeicbent vnfer berre ibefus cbriflua. der ift ein velt 
blvomei wan ze gelicber wis alfe der velt blvome gemeine ift armen 345 
vnd rieben, allen den die fin gerent. alfo ift vnflr berre ibefus 
ehriftos. der ift gemeine armen vnd rieben, allen den die fin gerent 
der velt blvome fliat vf dem plane (l07b) da bricbit in arme vnd 
riebe Ze gelicber wis ift vnfer berre ibefus cbriftus ein milter velt 
blvome der ficb niemanne verfagit nocb der Heb vor niemanne verbirgtt. 350 
er ftat offeabarlicbe yf dem plane, des beiligen vnde des fvezen crivcis. 
da wil er alle inpbabin vnd troiften die alle die zvo im kvment 
vnde fin von inneclicbem bercen gerent vnd mit diemvetigem bercen 
ftrodiini Acb lieber menfcbe kere bin vf den plan zvo dime fcbeppbere. 
Vnd klage im mit diemvetigem bercen allen kvmber vnd dine betrve* 355 
bede er troftit dicb mit finer miltekeit. Gedenke daz er felbe (jpracb 
Ulk bin ein velt blvemelin an minen kleidirn. vnd an der gemeinde. 



9ttL 336 Ivf ende 340 in d' ivgende der hiue 355 dienTligem 357 Ca/^U 2, 1< 

o 

Ten Mimelin 



141 LVI 

Ich bin bekleidit mit roten kleideren. daz ift min rofen varwis blvot 
daz ich dvrch dich vz goz. Liebir menfche nv verzage niht Ich bin 

860 der der dinin lip vnd dine feie gefchaflTen het. Ich bin der der die 
edclkeit diner feie vnde diner natvre irkennit. da von erbamfeteCtv 
fere mich vnde vaor von himelrich her nider vf (i07c) ertriche; 
vzzer mines vatter fchoz darvmbe daz ich dich fvochte. Alfo fjprichit 
Santo Auguftinvs. Er vuor von himelriche vzzer fines vater bvofeme. 

865 vnd vuor her in ertriche in finer mvoter bvofin. dar vmbe daz er 
den menfchen fvochte vnd in wider brehte ze finer edilkeit. ach 
fvezzer menfche fprichit er. Ich bin din vattir da von minne ich 
dich alfo fere. daz ich allis min blvot vz goz dvrch dich daz ich 
dich wider gewänne Nv merke lieber menfche. wie mich din minne 

370 bekleidit hat da von bin ich wol gekleidit gelich dem velt blvomen. 
vnd bin im gelich an minen cleideren. Ich bin ovch gemeine allen den die 
min gerent alder gervochent min tot ift gemeine, min genade ift gemeine, 
min erbermede iit gemeine, min troft ift gemeine, min himelrich ift 
gemeine. Ich vnd min vatter vnd der heilige geift fin gemeine, allen den 

^'^^ die genade vnd troftis gerent von rehtem hercen. den wil ich mich 
felben geben mit vollem trofte. vnd nach difem eilende wil ich felbe ir 
Ion fin. vnd ir vroide fin. mir in ift nieman (107 d) ze am noch ze 
fQndik. Ich bin ein ehirere. vnd allis daz dem tiwil imphallit. daz 
lif ich vf vnd eheronf Nv hoerint des guoten gottis guete. er ge- 

3^^ lichit fich einem ehirere. alfe ir wol fehent da die riehen livte fni<- 
dent. da gant die armen li\1;e nach vnd eherent. Zegelicher wis 
tvot vnfer herre. Der tiwel ift der riebe man. der fnidit vbir alle 
die weit, menige edele feie leider, die got kovffce mit fime blvote. 
So ift vnfer herre der arme man. vnd gat allis hin nach eherende. 

385 vnd fwa im iene dehein feie mak werden die zuckit er an fich vnd 
des manit er den menfchen. Owe fprichit er gedenke daz ich ein 
oberere bin worden dvrch din heil. Er fprichit ovch lieber men- 
fche gedenke wie ich dich gefvochit han. Ich liez himelrich min 
rehtis erbe fprichit er. vnd vnor vf ertriche vnd wart menfche. vnd 

390 gab min herce von mime übe. vnd mine feie gab ich von mir se- 
fcheidinne. dar vmbe daz ich din herce fvochte. vnd dine feie lieb^ 
menfche dar an gedenke vnd irbarme dich übir mich (iOSa) eilen- 
den. Wan ich han dvrch dine liebe mich verellendet nv gib mir diu 

359 versage] von hUr an das Marburger Bruchstück, 301 erbarmeftv 

T 

864bofeme 369 gewinne 378.380ehitere 3S4SoiftTnferhenpejno#Afi«L 



LVI 145 

keree daz ich vi ertriche han gefVochit. gedenke noch an mich vnd 
kere dich her zvo mir. vnd gib mir din herce ze einer rvowe. 395 
vnd dine feie ze einer minnerin. wan des han ich gegert. Nv 
kere wider lieber menfche. ze dem fvezen velt blvomen. der ift 
fo vol miltekeit vnd erbermide. daz er dich gvetliche eniphahit. Owe 
elliv div menfchin div üch ie von difeme lieben blvomen kerten. 
die keren hivte wider mit rehtem rivwen. Ze (iner genade. vnd 400 
fvochen troft an finer erbermede mit rehter diemvetikeit. wan er 
fprichit alle die mich fvochent mit rehter diemvetikeit. die fvn 
genade vnd trolt an mir vinden § Ifv fvnt ir wizzen daz vnfir herre 
Biht alleine ift ein velt blvome. alfe er fich folben nemmit. Er ift 
ovch finen heinlichen vriünden ein lylie in dem beflozzenen garten. 405 
Wan zegelicher wis alfe man den lylien ze allen ziten fiht in dem 
beflozzenen garten, alfo ift got ze allen ziten in dem vridefamen 
hercen Wan der menfche der fich vlizzit (i08b) daz er vride be- 
halte mit eime iegelichcn menfchen. beidiv vz wendik vnd in wendik 
an Worten vnd an werken, vnd der ovch inwendik het ein livter 410 
gemvete ane nit. vnd an vbelen willen, der ift wol ein beflozzen 
garte, der fin herce alfo beflivzzit daz alle archwan vnd alle nit 
da vor mvoz beliben. vnd ovch finin mvnt alfo beflivzit daz er nie- 
manne niht argis fprichit hinder ime noch vor ime. vnd allis daz ze 
gvote vnd ze tvgenden kert daz er fiht. vnd hoerit. der menfche ift 415 
wol ein beflozzene garte, in dem garten wil got rvowen fvezecliche 
vnd vrivntliche mit der lieben feie. Ze der feie fprichit vnfir herre. 
Mich het fere gelvftit daz ich din antlütze fehe. So mak div feie 
wol fjprechen. Defcendat amicns mens in ortum. alfo fprichit fi in 
der minne bvoche. Kvm her nider min geminneter in dinen garten. 420 
nv kvm her fvezer gemahele. min garte ift wol geblvemit mit allir 
hande tvgende manikvalt vnd ift vnder mifchit mit deme grafe innec- 
licher girdo nach dime bi wefinne (iosc) daz die feie fattet. mit 
hvnger nv kvm her minner. der minne div da übir triffet. alle finne. 
kvm in dinen garten, der alvmbe mvrit ift mit vorhte dine lieben 425 
liebe, ze verließnne. vnd dar zvo mit hvote ze allen ziten dine 
heinlichi vnd dine vrivntfchaft zebehabenne. Nv kvm her zvht vnd 



t 

400 rrwd 401 frche troft an Hme 402 vgl. Matth. 7, 7. 8. 405 Cant. 2,1.4, 12. 
419 l>«!fcendK Vffl. Cani. 5, 1. 419 bis xum Sehlufte inB 201b— 203b. Diu 
lele fprichet B, 421 nv— 431 diemyetikeU fehlt B. 422 vnder micfchit Z. 

483 be wefinne Z. 

AUd. Predigten. 10 



14« LVI 

fchame. ftant an der porte. vnd hvetent daz dv vnd diu mina^rui 
mit deheiner vnzvht iht werdent ir weck it. Nv kvm har min vmbe- 

430vaher vnd min minner din garte ift harte woi beflozzen Mit d&m 
ilozze rehter diemvetikeit. So fprichit denne vnfir liebir herre. Mi 
wU nider ftigen in minen garten, vnd wil fehen die blvomen vnd 
daz gras, vnd mil fohowen ob die reben blvegen. Nv vemement die 
blvomen in dem tal. daz lint die reinen tvgende in der fole. vnd die 

435 fchonin rebin. daz ift vroeiicheit in gotte. fwas dich ane gange, dam 
dir daz fi ein vroide in gotte vnd inallen dinen arbeiten fott 4v 
rehte eine fveze vroide mit girde han. daz dv allewege vrolldie 
gereft arbeiten vnd kvmbirs vnd not (lOSil) inder minne dinia 
minneris daz fint die reben in der feie, die blvegent fohone vad 

440 minnecliche. fwenne der menfche vro ift in widerwerdikeit. vnd alle- 
wege gert. daz er arbeit dvrch got trage, vnder den blvomen ved 
bi den reben. rvowit vnfer herre. alfe er ielbe fprach. Ich hau ge- 
rvowit vnder miner gemahelen fehatten. vnd div frvht ir tvgeiide 
het mich gefpifit. vnd div fpife ift mir gar fveze in mime mviide. 

445 vnd inminer keleh. Nv fvnt ir wizzeu daz ein iegeiich gvot werk 
vnferme herren vroide vnd ere git In difem beflezzenen garten des 
reinen hercen wirt got vnd div feie rehte ze famene gemelriU. dai 
ift ein wunneclicher bongarte, vnd ift ein paradys himelfchir woUvft 
da div feie ze gotte %\irt gefvegit Von dirre reinen gemehüfdiefte 

450 fprichit vnfir herre Dife vrivndinne han ich gar fere gemanait vnd 
bin menfche dvrch ir liebe word^i. vnd han arbeit dvrch fi gelitten, 
alda her von minen kintliehen tagen. Ich bin ein (i09a) Bunaere 
worden ir antlützes ir fchcDni vnd ir wol getane, vnd ir minneolichiv 
gefchepphede. Het mich gemachet ze eime minnere. dar vmbe ftarb 

455 ich an dem crivze. daz mir difv vrivndinne wurde ze einer minaeriii. 
vnd daz ich vnd fi zefamene liebliche gevcegtt wurden. Nv ül daz 
gefchehen in dem beflozzenen garten da rvowit got vnd div feiige 
feie mit ein ander da nietit fich div feie finer fvezekeit alfe fi 
fprichit in der minne bvoche. Ich faz vnder fime Cchaitten des i< 



428 mureri Z. 432 bernider i(omen ß. befehen die boume indem tale B. 

433 Cant, 7, 12. 434 die boume B. 435 fwa0-441 trage fMi B. 

441 boumcn B. 442 vgl. Cant. 2, 3. 443 vnder irem fcbatten B, 447 das— 449 
gefyegil fsMt B. 453 antlotie l. minneclichir Z. ir anüitet vnt ir fchcud 
vnt ir Yormme Ir gfuoten gefchoepfde B. 464. 455 danrmb bin loh ftr fi meefthe 
worden ynt ^etoDtet an dem criuce B, 456. 457 und dii befchicbt indem beflDMen 
garten der reinen bercen B, 458 fuelükeit ane alles yertrielTen B. 459 CanL 2, S. 



LVI Hl 

1» gflite; vai ünes fr«sen waoohera ntetol i«h «idi day w«i; ifl 460 
aifo g ^ rgrn e m w. aUte fi Ijprecdie. loh hau mich vehio |5ei»yezig(»t 
vmä geüMEzil «•rvoweiine. ioh mvodv mich se leiainno an den wife^ 
ftam fiser menMueit ynd tiefe vf xewartinne hvngerigy an .den edelen 
wnoehir finer gotheii vnd eilende nekvolennje vndir den» fchatto^ 
des keiliiien geiftis. Owe fveze feie wie rebte yiionedloh dife rvawe 465 
ilt da gel rvawit in dime paradife. das ift djoi l^vegiadi^ heroe 
in idlen tvi^enden. vnde dia feie rvowit vndir fime (iP9h) getlichei^ 
Miatten^ gefiach gqt die feie, div mit rehter gir^e rvowit vnder dem 
fehattee dee heiligen geütia. div feie mak wol genefen ver allev 
vreife. Zvo der feie 4>riehit vnfer herre in der ijuinae bvoche. Owe 470 
wie fishene dv bift in dime aarten zarte, winia dv mia üebift dv 
Nv merkent weder der zart gettis fi zvo der feie, aide von der £^ 
ae gotte. vnd weleh feie des zartis wirdik fi« Intrvwei» daa fint die. 
die dmrdmeMigis vnd diemvetigis herzen fint es infint nivt die 
voKoketa geifUkke. noch fint die geliobferin Ez iefin* ovch niht die 475 
Undetrede fj^lgßmt vnde verkiarde ez fint die diemvetiges heriQen 
fint. vnd die fieh felben verwerfent vnd a^idir Uvte irheluiit. dez 
fini die den got zarlen wü mit finer genade. Nv merkint wßß dife 
zeit IL wedir got her nider kerne zvo der feie, aldir dv feie hin 
vT negette. Nr hoBrent was got fi. des enjtwürte ieh. Er ift der 4S0 
gewnll div wilhni^ vnd das oberolte gvot. Wie fol nv der hriyte 
von hne geeertlfc (i09e) werden, daz gefchihit in dem geiftlichem 
geheitie. da «Mir vleifehUchir dinge vergezzen ifk. da inphahit er 
dseh mit fvezer mume vnd git diner gehfigede geweit, daz dv dinen 
gemadielen vindeft ia den hohiOen himelen« mit djlnen gedenken, m ^^^ 
der heiSiAowede. fe git er dinjc vernvft die wiOeit daz fi got wider 
zivhii mit der heitren wider bildvnge. alfe fich got in d^ 



400 fiaer ftieffen ftucht B. 462 alfo muede B. 463 tiefe] lief Z. ich liuffe B. 
464 fiaer gotUchen gotheii Z. ich ellendiu B. zekTlenne Z. 465 O J^. 
44S-eefe||g;^t Ul diafeie ß. mowat ynt ficb eriLuelet B. 469 dem heilig;ieD fchf^t- 
teo Z. 469 diT'470 yreife fehlt B. 470 CanU 4, 1 . 471 in dinem zarten win- 
gartea de B. 47a zre] yon Z. nv merke wie der zart-* vnt tob B. 478. 474 die. 

die. die Z. 475 gliehfher B, 4wrm no^ daf üfX alle die die eint redent Tat eia 

e 

aade f s taeat B^ ^6 die hlndeifedev noch verkererB. die demv Sehluft du 
ifarburgp' Bruehßtüeku» VTl Terworifen hant ynt fich f elbe geben hant in ein 
{helle demnetig gehorfami yni ander erhoBhent Ober fich in gewarer gantzheit 

gottcher minne B. 478 Ny~481 gvot fehlt B. 480 fi fMt Z. 481 der bWte Z. 



10 



148 LVI 

feie bildet, vnd alfo Ivter fo din vemvft denne ift alfo reine ift 
üvch din herze, vnd alfo wol machta got gefehen. vnd erkennen an 

490 der Ivteren wider bildvnge. die fl von ime hot inphangen. So brin- 
git dir denne dv oberefte gvete. ein hizze in dine feie, vnd div hizxe 
voegit den zart, daz div feie ir gemahelen trivtit. vnd vmbe vahit 
in mit grozzir hizze in fvezzir minne. vnd nietit fich fin mit^voUec- 
lieber vroide. vnd het au ime vollen troft. ganze girde ane breften 

495 vnd het vergezzen aller dinge i^nze an ein ende vnd an in einin. 
doch in mak der flaf niht lenge fln. aber die wile daz ez ift. fo 
(l09d) mvoz fi gefwigen. allls das fterbinnes an der menflieit ift. 
der mvnt der inredit niht. noch div totliche zvnge. fvnder in der 
ftvnde. beitent. alle die krefte des vzeren mcnfchen. ane fer. vnd 

500 ane kredime. >7id dv infoU niht wenen daz dv dich die wile fvmeft 
mit dem fwigenne. an dem gebette. für dich bettet der wife wiitvom 
din liebir brvoder ihefus chriftas. ze dem vatter in die hohen ma- 
genkraft. vnd din vnd fin vattir der git dime gemahelen dem heili- 
gen geilte zewizzenne alle din notdvrftte. vnd ir offenot im alles des 

505 dv bedarft. def dv loch niht gebitten kanft. noch gegeren. daz orde- 
net dir allis din liebir vattir dvrch den heiligen geift. doch in mak 
dv f(;vnde niht lenge fin. wan div vroide vnd div fVezekeit ift vber 
menfliche kraft, vnd bi der genade ift in hein velfch noch akvft 
alle vntugende vnd alle valfcheit. ift da von gefcheiden. fvnder da 

510 wonit div himelfche tvgende. des menfchen wort vnd werk vnd allis 
fin leben ift reht ( 1 1 o a ) vnder anderen menfchen all^ ein blvegin- 
dis paradis. Nv fvnt ir lieben ivncvrowen die gottis brivte wellenl 
fin. die fvn üch wol bewaren vnd behveten. daz der riffe vnd daz 
miltov. in daz blveginde paradis iuwers hercen niht kome. wan daz 

515 machit türre und top. des rofin wvochirs vnde der fvezzen wnoehir 
ivwerre tvgende. vnder den got mit der feie rvowen wiL vnd von 
den er gefpifit wil werden. Wan dis ift der beflozzene garte da 

401 ein herce Z. 405 vnd het vergezzen fehlt Z. vnze an ein ende vnd fehUB. 

o i 

406. 407 fo (109 d) fo mvz Z. 407 fterbendes B. 406 doch dy Rötliche Z. 

400 Tzeren] inren Z. 400. 500 ynd ane kredune fehlt B. 504 alle] alfe Z. 

e 
505 niht fehlt Z. 507 dy ftynde ynd dy fyzekeit Z. 508 ynd--512 paradif 

T 

febit B. 500 ane yntugende Z. 514 miltv Z. 515 wochirf vnde den Z. 

den roDfchg woocher ynt die fbeifen ftucht B, 516 ynde der den fol Z. 

517 Wan— 518 werden fehlt B. 



LVI U» 

got vnd div feie zvo ein ander gefo&git vnd gemahelt fvn werden. 
Nv vemement ir lieben ivncvrowen dv da wilt fin ein vrivndin vnd 
ein gemahele des togenin minners. Ich rate dir daz. daz dv dich 520 
intladeft vnd irlidegeft von allem vppigin zarte dirre fterbenden 
vrivntfchefte dv hivte ift vnd morne niht. Wiltv komen ze dem 
obereften zarte dines minners, fo vlivch allen den zart der vnfteti- 
keit. vnd ker allen dinen vliz dar an. wie dv dinin minner dinen 
gemahelen von allem dime herzen, von allen (iiob) dinen kreften. 525 
liep gehabeft. Da nach ker dinen vliz. an din inres paradys. Wie 
dv das geziereft. vnd geblvemeft. mit allir hande tvgende. So wachfit 
in dir ein bon der heizet got. der wifheit. daz ift dv Mifheit div 
in der heiligen herzen ift. alfe in einim vngefihtigem paradyfe. mit 
der gelovbe wirt er geborn. Mit der vorhte wirt er gefegit. mit der 530 
genade wirt er gevivhtit. mit deme ünerzen ftirbit er. mit der an- 
daht intrinnit er. mit deme trvrin hohit er. mit der girde wachfit 
er. mit der minne fol er ftarken mit der gedinge grvonit er. mit 
der befcheidenheit lobit er. mit der diemaetikeit fpreitit er fin efte. 
mit der zoht blvegit er. mit der toginde bringit er frvht. mit der 535 
gedvlt riffit er. mit deme tode brichit man in. mit der befchowede 
fpint er 

518 Tod gemachit ynd gemchiU Z. 519 yernemen wir Z. die do wendB, 

520 rate fthli Z, 522 Hinter Diht in B noch folgendes Tuo nit alf das Yolke 
TOB ifrabele do es kam von egiplen lant yat es wolt ia das gcheifen lant in 
das lanl der wollalle in das gelopt lant das in got gclopt het. das name mit 
Ime mele ns egipten lant rnt sich selben verfehcn vnt wolt (ich nit cemalo noch 
genttlichen an got lan rnd darvmb myolt es die wile das mele wcrete vnge- 
fplfet. vnt vngetroeft von got fln noch das ime die wile nit himelbrot wart Daf 
ift alf vil gefprochen alle die wile vnt das der ( 203 a ) menfche nit enlaCTet 
cortiwile vnt luft. liep vnt zarte vnt allen falfchen vnt tippigen trolle der fter- 
benden weit, so cnwirt ime nit das himelbrot das da ift diu genade vnt der 
trofte vnt der zarte vnfers herren ihefu chrifti 524 dar an fehlt Z. dar in B, 
526 Da nach— 527 tvgende fehlt B. 527 geblvmeft Z. 528 daz ift -530 ge- 
born fehlt B. 529. 530 paradyfe. wir geborn. Z. frucht— gefetzet B. 

531 gewbüt Z. 531. 532 ftirbet er mit dem geloubcn wurtzelot er mit der an- 

dacht gat er vf B. 532 mit der genade vn mit der girde Z. 533 gedinge] hof- 

fenong B, 534 lobit er. vnd fpreitit fin Z. 535 blvgit Z. 536 riffet er mit 
der Torchte wirt er behnetet B, 



150 LTn 



1 



▼DU kern Mojitn* 



[an lifit in eime wifTagen do herre Moyfes das volk fvorte. dö 
fvorte der kunik balach den wifTagen balasL vfAn einen berc vnd 
liez in fehin moyfes livte. vnd fin gezelt vnd fine hlittan. Do l]pracfa 
der wiffago balaam. Quam (nlcra tabernacnla taa iacob. et tentoria 

5tua ifrael ut aalles (id4a) nemorofe. Oiacob wie fchone iint dtne 
gezelt. wie fchone fint dine hvttan. Oifrahel fiv fint tehte alfe 
ieiin gezelt. daz got Üslbe vf geflagen het vnd fint rehte alfe ein tal 
vol fchoeinir bome. vnd alfe ein warzegarte bi eime wazzer. vnd 
alfe ein vil fchonir zeder bom. bi eime wazzere. Nvfvnt ir merken 

10 bi iacobe vnd bi ifrahel. zweier bände livte in dem doftir. die ring- 
erin die in dem doftir arbeitent mit ambahtiti oder mit aAeiten. 
vnd die ringerinan die hant fanf tobteren. di& liv reizent svo der 
arbeit. Div erfte töthir das ift div nature. div ijpricbit wir fim är- 
bisiten. wan wir wurden von dem paradyfe verftozzen dar vmbe daz 

15 wir arbeiten, vnd (Jprach vnfir herre In deme fweizze dini^ Antliilzi£. 
folt dv ezzen din brot. daz ift div natvre. div fprichit mvotir wir 
fvn arbeiten. Div andir tohtir daz iit. div zit. div tohtir Ijprichit 
ovch wir fvn arbeiten, div zit div ift ein zit der arbeite (isib) 
fich an die fvnnen an den manen. an die ftemen. fleh an alle die 

20 Creatore div iezo vf ertriche ift. div arbeitint üch in difen ziten. 
Mvotir wir fvn ovch arbeiten. Div dritte tohtir. das ift div ftat. 
das mfigen wir merken abir bi der creature. wie fere fich div arbeit 

LYII. Z 38. ein Ausxug Ä 72. Übertehrift Von Kwaiger band ifite in den 

e 

Gloftern. Ä. 1. 2 do fvorte fehlt Z. 2 einem Z. 3 hytUn Z. 1 — 3 Do die 

iTden hie vor zaigeient enge^n dem lande daz inen gehailTea waa. De befaaCe 

dior ktinic Balac. den wiflagen Balaam. ynd frorte in ain berg. vod Uei in daz 

toUl fehen Ynd div gezelt. rnd ir btttten. A. 4 Nmner, 24, 5. 6. 4 baUam— 

5 nemorofe fehlt A, 5 nemo rofa Z. 6 gezelt ynd din hfitten. A> t yad 

fint— 9 wazzere fehlt A, 10 irfiraliel Z. 0—17 merken zwaiger band li?t in 

dem Cloller die bi Iacob vnd bi ifrabel bezaichent fint. g Die erfien fint die ampiUvte 

die mit arbaiten vmb gant. vnd fint ftlnf ding die fi dar zvo raHzent. % Daz ain ift dtv 

natvre. div dem ( 192 a ) mentfcben daz feit, daz arbait fi an hosre. relit fit 

dem male daz ünfer herre fi verftiefl* von dem paradyfe. A. 15 Gen. 3, 19. 

i7— 5^ % Daz ander ift daz zit. daz feit in ez letz fint die lag daz man arbaüeii 

fol. 8 Daz dritte ifi dir ftatt daz ift difiv weR in der nieman enhbln creitflr. 

weder mentfche noch tier. noch vifcb. noch vogel. rvowen fol noch enmag. ei 

ftille vnd mvelfe arbaiten. A, 



Lvn isi 

in dirre eUeEmleB (tat. alfo mvessen oveh wir arbeiten. Wan wir 
fin BT ia der eilenden ftat. daz wir arbeiten fvn. div tothir fpricbit 
ovch nnrotir wir fvn arbeiten Div vierde tohtir das ift der Ion. der 25 
mag oveh wol ze arbeiten triben. fo ynr gedenken, daz vnfir herre 
got dekeinis dingis vngelonit lat. div tohtir fpricbit ovch mvotir wir 
fyn arbeiten. Div fünfte tothir daz ift der ite>viz. den div befcbeid- 
enheit git. fo der menfche fin leben vnnvzzeclichen virtribit. fo 
l^irichii div befcbeidenheit Mvotir wir fvn arbeiten. Dife fünf tobt- so 
ren reizent den menfchen vf die arbeit, vnd fprecbent alle, mvotir 
wir fvn arbeiten wan es ift vf nutze wir in (i34c) mügen das 
himelriebe niemir beiizzen ane arbeit, gottif fvn der in mehte daz 
bim^riebe niht befizzen ane arbeit, wir fvn es ovcb gewinnen mit 
arbeiten. Die anderen livte fint bezeicbint bi ifrabel. die himel*- 35 
fehowerin in deme cloftir die ir berce ynd ir girde vf werfent in 
daz himelriebe fär gottis ftaol. vnd got fcbowint in finer gotlichen 
llelionheit vnd gant denne für vnfer vrowcn vnd dvrch die nivn 
koere der engil. vnd dvrch gant das himelriebe mit ir gedenken. 
die hiraelfchowerina. die hant drie tohteren. Div erfte tohtir das ift 4o 
betrahtvnge was gottis wille'fi. vnd fine gebot, vnd wie fi fich be- 
halten fol an ir zöhten. vnd an ir ordene vnde an der tovgentlichen 
betrahtvnge mit gotte. Div andir tohtir. daz ift livter vnd reine 
gebet fo div himelfchowerin ir kennit gottis willin vnd fine tugende. 



SS mvzxen Z. 25— Mi % Daz vierd ift der Ion. der dem arbetenden geben 

Wirt, nach difem übe. daz ift daz hymelriche. ynd Got felbe der ir Ion wefen 
wiL S Daz fUnfte ift der ilwifT den div befchaidcnhail ivol. fo der mentfch fln 
zit TDnvtzHcb yertribef. g Die andern livte in den Clceftern fint. die Contera- 
plierend. der hertze allwegcn ift in dem bymelrich bi Got. A. 35. 36 himelfclien 
fehowerin Z. 40 himelfche werina Z. '10—43 Dife livte die hoerent an 

driT ding aigenlich. g Daz erft ift betrahtvn;^. waz Gottez wille fi. vnd fin ge- 
bott. TBd ftcl^ dez flifl'en ze tuenne. A. 42 tügentlichen Z. 43—57 S (192 b ) 
Daz ander ift Ivters vnd rainez gebett. wou nach der betrahtvnge waz Gottes 
Wille fi. fo gat denn daz kofou mit Gotte. daz gefcbiht in dem gebette. § Daz 
m daz drit. krvng. daz gefcbiht an drier band bvochen. g Daz aine ift daz 
hertze. da lifet man an wizbait. vnd fvefltait. vnd daz fchepfet daz hertze von 
der fchrift vnd behaltet ez in ime. fclben. fo daz i)voch vnd div fchrift niena 
Ift ze gegen, daz ez doch in ime felben lifet. vnd erkennet waz übel» vnd 
gaoiez an im ift. g Daz ander ift div creatvre. an der man erkennet vnd mer- 
ket wie gvot wie gewallig. ynd wie wife flnfer herre ift. g Daz dritte ift daz 
lebend byocb ttiifer herre Ihefus cbriftua. daz bvoeh ftner bailgon mentfchait. 
daz an dem karfriUg gefohriben wart. Ä. * 



159 Lvn 

As fo hebit n ir herce vf in deme gebette. vnd ift das gebet alfe ( 134 d) 
Ivter das es vf ftigit für got^is ftvol. vnd fchowit vnferen herren 
in deme gebette. Div dritte tohtir daz ift lernvnge. div tohtir lemit 
drier hande bvoch. Daz erfte daz ift. fi fihit in ir felbir herze, vnd 
lift da ir tagende, vnd flhit wes ir dar an gebrefte vnd bezzert fich 

50 dar an. vnd an allen iren werken, vzwendik vnd innewendik vnd 
lift an irme herzen bvoche von dem heiligen geifte. tvgende vnd 
felik leben. Das ander bvoch das ift div fcrift. da fol fi ane lefen 
fvezekeit vnd wifheit. in kanfliv der fcrift niv gelefin. fo folt dv es 
aber gerne hoeren. da von wachfit dir felde. Das dritte bvoch daz 

55 ift das lebendige bvoch. daz ift vnfir herre ihefas chriftas. das 
bvoch finer heiligen menfcheit das wart gefcriben an dem karvri- 
tage. mit den nagiln vnd mit dem fper. an dem bvoche fint fünf 
rofevarwen bvochflaben. von den div feie lebende wirt. an deme 
bvoche las ovch Santo Tho-(i35 a)mas. Wan er brach dvrch daz 

60 venftir finer wifheit vnd finer menfheit. vnd greif die heiligen got- 
heit. daz was do er im in fine fiten greif, do irkande er woL das 
er waz gewere got vnd gewere menfch. wan er wart des da ge- 
lobinde. do ime da offin wart, daz ime e virborgen was. do er es 
do gegreif. vnd gefach do fprach er. Dominas mens et deos mens. 

65 dv bift min herre vnd min got. An dem bvoche fol dv lernvnge. 
der himel fchowerinen tothir dicke lefin. An den roten bvochftaben. 
fol fi lefin von gotlicher minne. vnd merke an dem mittelen bvoch- 
ftaben. an fime herzen, daz ift vf getan dar vmbe daz dv wol feheft 
daz fin minne ganz were. beidiv innewendik vnd vzwendik. an dem 

70 bvoche mahtv wol lefen groze gedvUikeit diemvetikeit. fenftikeit 
vnd groze reinekeit. vnd meinigir hande tvginde. mahtu lernen an 
dem bvoche finer edelen menfcheit. Si fol ovch lefen ander hohen 
gotheit. wifheit vnd (i35b) fvezikeit. Owe wie gar vil fvezikeit. 
in dem lebenden bvoche ift beflozzen. himel fchowerin brich vf 

75 div floz. vnd fvoche die gotlichen fvezzekeit. vnd lis vnd lerne, vnd 
brink ovch vnf her abe. der gotlichen fvezzekeit An dem lebenden 
bvoche fol div himelfchowerin dicke lefin. Nv fvnt ir merken, wie 
daz cloftir gelobit ift. alfe ein tal vol fchonir bome. da bi ift be- 



56 finer heiligen wifheit vnd finer heiligen menfcheit /. 57 mit den — 65 
got fehlt A. 58 wart Z. &i Ev. Joh. 20, 28. 65 folt Z. 66 An dem Z. 
65—72 An dem byoch lifet man gedvlt. demyot. fe'nfli. minne. rainkait. vnd 
mMnig ander Irgend die da gefchriben fint. mit den rofrarwen bToehfUibea 
finez rainnen blvotez. Alle» weitre bis %um Sehluft§ f$hU A. 



Lvn ISS 

» 

seichent ein iegelich brodir in dem cloftir. , Ze gelichir wis alfe div 
bovme menger hande fruht bringint. alfo hant oveh die brodere 80 
menger hande tvgende. eine treit den rofen wnocber der gotlichen 
minne. Div andir treit den viol der diemvetikeit. div dritte treit 
den lylien der kivfchikeit. Div vierde treit. den zitelofen der vrce- 
likeit. das fi alle ir arbeit vroelich treit in gotte. Eine treit div 
frvht der fenftikeit. eine treit div fruht der gedvltikeit. Eine treit 85 
die fruht der gehorfami. Eine mak wol fwigeli behaltin. eine bettet 
gerne. Eine mak wol mit gotte weinen in der gotlichen vrovide 
(135 c). Vnde meniger hande fruht bringint die edelen bovme in 
dem taL das fint die tugenthaften brvoder in dem clofter. Owe 
feiiger brvodir. wie ilt dife fruht fo gar edele vnd fo fveze. got 90 
von dem hohin himelrich. der wil gefpiflt werden mit dirre fruht 
vnd wirt gelobit von dirre fruht vnd din feiige feie wirt ovch ge- 
fpint mit dirre fruht vnd gevorit. vnd ge ert von allem himelfchen 
her. Das cloftir -wirt ovch gelobit alfe ein wurzegarte. bi eime 
wazzer. alfo fol das clofter fin. gezierit mit allir hande edilme 95 
fmacke. vnd fol rehte fin ein ^vurzegarte. da vnfer herre ßne wunne 
vnd üne kurzewile inno wil haben. Owe wie fveze der fmak ift 
des wurzegarten. von dem küneclichen gotte. daz clofter fol ovch 
geerdent fin. alfe die edelen würzen, in dem wurzegarten. vnd alfe 
die itemen an dem himele. Da von fprichit. Santo Bernhart Die 100 
ftemen (Int rehte in den himel gefteckit. vnd wancte de heine fo 
wurde ein (i35d) reiz an dem himele. alfo fvn ovch die brodere 
geordent ün in deme cloftir. vnd fvn veftecliche in got gefteckit 
werden, vnd fvn alfo ficherliche in im fin. daz fi an gotte vnd an 
irme ordine niemir gewenken. wan fwie einiv gewancte fo wurde 105 
ein reiz in deme clofter Daz cloftir ift ovch gelobit. .alfe vil fchoinir. 
zeder bovme. bi eime wazzere. der zeder bom ift fchoene vnd ift 
fin fmak alfe edele daz er die flangen toetit. Bi dem edelen ceder 
boome fint bezeichent die guoten brvodir in deme cloftir. die fchone 
an tngenden vnd an guoten werken fint. vnd hoch an hohime vnd HO 
an dvrchnehtigem lebenno alfe der ceder bom ift gewahfen vil hoch, 
alfo fint ovch die guoten brodir Ir tugende fulen alfe luter fin. vnd 
ir lop alfe fveze daz ir fmac die flangen tcede alle, daz ift alfo ir 



T 

81 rofen fehlt. 82 drtte 86 beitet 88 bringit 89 broder 

T 

90. 109 brodir 97 wfl] Til 103 Tnd fvn alfo fm 107 waizere. der zeder 
bom bi eime wazzere. der ceder bom 



ui Lvn . Lvm 

Iflbet vnd ir lop das fol (|8< •) alfe reiM Rn. dai alle die Hvta 
ii^ ir lop mreiMii fpreehen vnd fwas in ieman willl»w«Bdes welle 
fpreokeB dac d«B nvesze irfterben in ir mvnde. md niemaB von 
inen xaht müge gefpreehen wan guotis vnd felden. alfo fol ir ikiak 
gewanoit fia 



Über Sqif. Sal. 5, i. 



i 



Itabnnt iolti in magna conltantia et e. Die rehten linte werdent 
ftende ze der iangiften vrteilde. in driwiz. Si ftant ficherliche ane 
vorhte. Nv merke wie licherliche 11 Itant. Si envörhtent den tiuvil 
noch die fünde. noch den gewaltigen rihtir. noch deheiner flahte 
5 ding, wan fi flnt fleher daz mit gotte ft fim beliben vnd behalten 
werden. Owe wie ficherliche fl ftant. fo fi daz wifTent. daz fi de- 
hein dink fürhtent. Da von IJprichit der wiffage dauid. Dominus 
michi adiutor non timebo et c. Ich ftan harte ficherliche wan Idi 
weiz wol daz mir der milte got helfen wil ndt finer gotlicher eraft 

10 Da von bin ich ficher. Daz ander iffc daz fi ftant vroBliche ane aUe 
betrvebede. vnd fehent den minnenclichen got in finer wmme. Da 
von f)[>rach Iknte lohannes ewangelifta. Ich (i43b) fach vnf^Bren 
herren alfe er ze gerihte kvmet. an dem ivngiften tage. Sin anfltt 
ift alfe Inter. vnd alfe f9h€ene alfe div fvnne. in dem magene vnd 

15 het ein fwert in dem mvnde daz fiiidit ze beiden orten, vnd hie bi 
IVnt ir merken daz in die rehten fehent in finer gothelt. vnd in der 
menfliohen angefiht. vnd vliuzit in fveze vrovide in ir feie. Das 
dritte ift fi ftant riliche mit em. fiv ert der ge erte got. fi ert ovch 
ir tugentlich leben, vnd werdent rihtende über die virlomen. fiv 

20 ftant wol riliche mit grozen eren. wan ü erent die engil vnd die 
heiligen vnd ir fslbis tagende. Nv fehent -wie fiv werdent geeri 
Die virlomen ftant ovch in drie wif Si ftant mit grozir vorhte. fi 
f&rhtent den gewaltigen rihter. vnd die ewige not. vnd die vrteilde 
des ewigen todis. fi fSrhtent die fQnde vnd den helfbhen tiovil vnd 

35 daz tiefe ab gründe. Das ander ift ü ftant mit grozzer betrvebede. 
wan fi fehent in allenthalben, iamer vnd not vnd den ewigen toi 
fehent fiv obe fich. fo fehent fi den gewalti(i43 c)gen rihtir in fime 
zorne. Sehen fi vnder fich. So fehent fi den hellifchen grvnt wie 

114 leben Yod ir Ion yd ir lop LVllI. Z 45. 2 le dem 7 Pu 117, 6. 
12 fce Jpoeal. 1,16. 14 magene] maoen 24den/'«Mi. 



. Lvm ISS 

«r kdait da fl ewige jurt iim. fVn kmu aiie Tnderlas. Sehedt fl 
Jiebcal Seh d« üekenl ft «Ue ir flnde die fi e ^etliesi vnd ▼hw 9$ 
deapaet ft ir Itede. Sehent A ze der loideren fiten, da fehent fl 
die üevele^ die tv krifiphen HiUeat Nv aierlte ein ie^priieh meafiehe 
ia wie grewr Iretruebede die yirlorn itant daz dri^e ift fi flant 
laltodiehe* aidi ^iroiaer fdiane. wan fi fvn gefehendet werden von 
allem liimelfchen her. da fol offenber werden elliv dv boChtit dieM 
fi ie getaten mit werten vnd mit werken mit gedenken mit guotea 
willen, vnd wirt fi der tievil fchenden vnd ir funde die fchinent da 
offenbarliche vor aller der weite Nv merke feligir menfche wie gar 
fcbemeliche vnd lafterliclie fi ftant vor deme hohen gotte vnd vor 
dMi elarea eageien. vnd vor den lobelichen heiligen, vnd (i48d)4o 
vor der UmeUiDhen kinigen vnfir vrowen fante Marien, vnd votr 
aUen biaieUblMn ingefiade. Nv merke feligir menfche wie die greh- 
iOA gerat werdest md merke wer die fint. die an deme tage geret 
ar^vdeiii Das fint alle, die die anhtmeiftrinan behaltent Die erfte 
aahliMifleria ift vre gedvltikeit div fol den menfchen in avhte haben. 45 
80 deai menfehett vamasea leide gefchihit. So fol div gedvltikeit 
de« meafehen behalten in xfihte. alfo daz er fin leit niht se übil 
Uage Div ander zvhtmeifierin das ift div vorhte. fo der menfche 
vier neiige vroide het. fo ipriehit div vorhte fchone ivnovrowe wie 
varet ir fiira vn&iefekliehe. ir fvnt mit zGhten vnd mit ihaze beide 50 
vrovide vnd leit tragen. Div dritte zuhtmeifterin. daz ift tvgent- 
IMie Miame. div ift ein hveterin der kivfchikeii daz ift alfo. fo den 
ttenCohea ane vihtit der üavil dv weit vnd finia felbia vleifeh. fo 
fal dhr fohame hveten daz der menfehe an (i44 a) deheinen dingen 
tirfaeage dem kranken vleifche daz widir zeme fi finer tagmtlicher 55 
fekame. vnd fWaa vntagentlicher krancheit den menfchen ane vehte. 
fa fol dia znhtmeifterin fprechen tugentliche fohame ich en tvon ez 
•B hein wiz niht es ftaende mir gar übil. ich getooa ez niemir. ez 
wer# gar wider minen erea. Phech folte ich alfe vntngeatlichen 
tvoiu ich enwU alfe vatogeatliche niemer gedenken, noch enwil ez 50 
ftiht wiaaea. falte ich ez denne tvon. nein ich ane zwioiL ez ftvonde 
arir gar ane maze abil. Die dife drie suht meifteria behaltent 
die ftant «a deai iongiften tage fieherliche ane vorhte ane betrve- 



93 Nt] Vn 33 betrübe 43 fint. an 44 xobtmeifirimaD 46 den^ 

folt 47 ybir 48 irhtmeift'in 57 dia] din 58 flnnde mir gtr Tbir. 
üaela] 



iii Lvm . xjx 

bede vriliche mit grosen eren. Sante Bemhart (jprichit. O IVes« 
65 herre miimediclier got. wie bifta fo zart daz dv^niene wilt üb wn 
da en hein andir liebe ift wan din vnd fwa liebirs ift denne dv 
alleine da en wiltu niht (in. vnlir herre fprichit. fuochent mich Ttm 
ich ivch fo nahe bi ü. wan (|44 b) ez kvmit noch der tag. das iel 
min antlfitze vor ivch virbirge. vnd fwie gerne ir mich (Vochtint ii 
70 envindent min niht 



G. 



Tischrede Meister Eckardi. 



Tot gefchaof die riehen dur die armen nnd die armen dar ik 
riehen Lehnent got giltet inchs. Etlich fagent fi glouben an got nmi 
glonbent niht got. Ef ift groeffer daf man an got glonbet denne dal 
man got glonbet Man gloubet wol einem menfchen ob man im i 

5 fchilling lihet daf er fiu gelte und glonbt doch nit an den menfbhM 
Gloubt denn ein menfche an got. War nmb gloubt er denn niht got 
daf er im gelte waf er im lehnet an finen armen. Wer ellia dfM| 
lat der nimet hundertvalt darumb. Wer aber hundertvalt meinet des 
wirt niht wan er lat nit elliu ding er wil hundertvalt wider hu 

10 Aber ünfer herre gelobet dien hundertvalt die elliu ding lant La 
er elliu ding fo fol er hundertvalt wider han und daf ewig leben 
Viel aber in den menfchen daf nach dem laffen volget. Und di< 
umb daf felb war umb lieffe der enliefd nit al und dem wurdi niMe 
nit Die icht ingot fuochent ef fi wiffen oder bekentnüffe andah 

15 oder waf ef fi. Vindet er ef noch dann vindet er got niut. Wie da 
er wifTen vindet oder verfkan oder innikeit daf ich doch wol IoYh 
aber es hübet im niht Aber füochet er niht fo vindet er got vm 
alle ding inime. Und die blibent im. Ein menfche fol niht fuoch« 
noch verftan noch wiffen noch andaht noch inrekeit noch raowe 

20 Wan allein gottef willen Der feie der recht ift alf ir zerecht fli 
fol die engert nit daf ir got alle fin gotheit gebe noch fi enwnrd 
da (118 b) von alf wenig getroeftet alf ob er ir ein muggen gel 
Gottef bekantniffe ufwendig gottes willen enift nit Ingottes wUlei 
fint elliu ding und fint etwaf und gevallent got und fint volkom« 

25 Aber ufwendig gottef willen fint elliu ding nit und gevallent go 

67 Ev. Joh. 7, 33. 34. 13, 33. LIX. 1 50. 3 dU Handsehr, globent /go 

^Dibt 6 glob er 10 Ev. Matth. 19, 29. 13 lieffe 16 da$ %w$iU oder fM 



ux 



IST 



Sit Und fini luivolkomen. Ein menfche folt niemer för ein vergenk- 
lieh ding bitten Aber wenn er icht bitten wil fo fol er allein bitten 
nmb gottes willen nnd anders nibt fo wirt im al Bittet er amb 
anders icht fo wirt im nit In im ift nit denn ein und ein ift un- 
tetllich. Und der icht meinet denn ein daf ift teil nnd nit ein Got 80 
ift ein. Und die icht me fuochent und meinent daf ift nit got und 
es ift teil. Es fi ruowe oder bekennen oder waf es fl denn gottes 
Wille allein Daf ift dur fich felben und ift nit Und alf er allein 
Ihoehet gottef willen waf im dar uf fliuiTet oder geoffenbart wirt 
daf fol er enphahen alf gäbe gottis und niemer dar uf gefehen noch 35 
gedenken weder es fi von natur oder von gnaden oder inwelher 
wif es fi des fol er gar enruochen Dem ift gar recht Und fol ein 
gemein kriftanliches leben habei|. Und man fol nit fehen uf ein f^n- 
derlich tnon denne eines fol man von got nemen. Und waf uf in 
valle daf nemo für fin beftes. Und fi an all forcht daf er indifem 40 
iht gehiadert werde inwendig oder ufwendig daf er tuen fol daf er 
mime vinde die minne gottes fo ift fin gnuog Alf etlichen uf velt 
sMÜdenne oder zetuonne fö fagent ü. Wüfti ich daf ef gottes wille 
were idi wolt ef gern liden Gotes fegen daf ift ein wunderlich firag 
ikif ein fiech menfche fraget ob ef gottef wille fi daf er fiech 45 
fi. Er fol gewüTe fin daf es gottes wille fi wan er fieh ift. 
Alfo ift 9i gar an andern dingen Darumb fol ein menfche ein iek- 
lich ding daf uf in vellet luterlich und ein valtklich von got en- 
phahen. Btlich fint alf ef in wol get innen oder uffnen ( 119 •) fo 
lobest fi got Und getriuwent im wol Alf etiich fagent Ich han 50 
sehen maltw komes. Und alf vil wines zuo difem iar ich getriuwe 
get wol la fjRge kik du getriuweft wol dem kerne und dem win Diu 
feie ift gemachet suo einem fo groffen und hohen guote Dar umb 
mag fi Sit ruowen an deheiner wif. Und ift alle zit iagende Daf fi 
kome über wif zuo dem ewigen guot daf got ift da fi zuo gefchaffen 55 
ilt Und her zuo ift zekomen nit mit fturme daf fich der menfch 
fetze in grof ftetikeit daf zetuon oder zelaffen. Wan mit fenftikeit 
in rechter demnot In verzihung fin felbes in einem ieglichen daf da 
gevellet Nit daf der menfche infich fetze Dif wilt du iemer tuen 
waf daf koft Dem ift unrecht Wan da inne behalt er fich felber. eo 
VeUet ieht in in daf in mueget oder betruebet und entfiidet dem 



SeaMinet] nimet 
flO 



87 des fo er M Gotet 47 gn] gn 59 du fMt. 



IM UZ. LX 

ift abw unrediil Wtn hl» iane bahaUet «r ÜA Mbo daf iaf ila 
lere Terfinahet da folt er im iaae got lasen geratea. Und lidi 
kl demnetiüichea neigeiL Und ia Cenfter getrinwoag ea iaUMi 

65 vom im enphahen daf uf in viele dem wer recht ler yf 0ttl 
alles daf man geralea oder gelem mag daf im ein menfth» Mht 
raten lat nnd of nit Mie waa alleia nf goi allein man daf in vi 
wif und fiuderliefaen werten fiir bringen mag. Zao einet geordeataa 
coaibienci bilfet daa man der zao yalleader ding ait ahi Uai fo tm 

70 menfch bi im feiher ift dal er finen wiUen got gBatzHoli geb. IUI 
ein ieklieb ding von got glich eaphahe Gnade aad iraf def dibgae 
ift afweadig oder iawendig Der ioht an got acht der fteht goi toü 
Ein recht menfeh bedarf gottes nit JDaf ich han def bedarf iah ttil 
er dient amb nit er achtet aller dmg nit Er hat gat dar vmb diaal 

75 er nmb nit Alf verre gat ift ftbar den menfohea all vä ift ai gain 
retter ze geben denne der menfche li ae eaphaheaae Bar tta fol iia 
menfiohe nit merhen ob er saa nemo an gaotem labenna ak et lil 
valle nnd vil gmoter werlt tue Sander (ii9 b> ein gewiffbf aeidiM 
ift daf er ano neme ob im lieber d zao ewigas' and leider m 

80 genkUohen dingen. Bette ein menfche hundert mark und gebe 11 
got und machte eiii kloller daf wer ein grof diag fo iig Uk 
wer vil grcBffbr und beffer daf eia menfUte in im alf T^ varflBahtt 
nnd vamiht dar gat. Bin menloh IM ia aUaa finen werken gofitaa 
wiMea allein meinen und gang alfo fir fleh hin nnd heb dahaiiA 

85 forcht alfo daf er niiit gedenke ob im vedit II daf er Mit naveali| 
tuo. Wen wftit ei» maier gedeakea andern erften ilrick deo aaätaM 
alle dem wer aarecbi Er Hol an den erften gedenken uwl flbtcii Aa 
floh km dem ift veht Alfa folt einer gan nnd gedaU aUa alt wie m 
den erften ftMif ihtate im wer aiht recht Dar uorib iok aum de* 

90 erften volgea uad gan fQv fiah hin fo knmet man da man wiL IM 
dem ift rekt Dtf ift ein ooUacie BMifter ekarta 



c 



9rao4er Efliart 

V8 gefttnt ffaie hant vnd hat gernerei mitten nmnC 
geljprochen Sweone ( i f 2 b ) ich predlen: fö ^M^ 



_ . 

65 4em]<eo aSfcoidet V7t^|[ute «iw^an 89; 9t dcofe} daa 

88fol LX, 1 Jerem. 1, 9. 



LX IM 

idi 9» ifsntihBnim v«» «b gefohcidenheit tbA das 4er mndckB hüg 
werA üa felbas vnd aller dinge Zem ander nude das naa wider in 
geldldet werde is das ein veitig guot das got ift $ Zeni drillen 5 
nwle das nMui gedenke der greifen edeikeit die gel am die feie hal 
gelet das der menfche da mit köm in ein wunder ze getle S Zem 
vierden mal von götlicker natnre luterkeit ¥ra8 (ii8 •) olarheit an 
gMlGker nalor fi das iH vni)preeUidbi Got ift ein worl ein vnge-v 
ifnthm worl AngafUnns Ijpridiet elliu din fchrift ift üal Spriohel io 
nua das got ein wert fi fti ift er gefprooken Sprickel man das gol 
vnge^irocimn fi üe ift er vn gefprechelidi So ift er aber etwas wof 
knn dis worl gefjprecken das t«ot niesutn denne der das worl ift 
Got ift ein worl das fick felber ipriehel (lis k) Swa gol ift du 
^pricli er dis wort Swa er nuit en ift da en fpricki er niokt Got 16 
ift 4s^ifitoetkiui Ynd ift vngeQ>rocken Der vatler ift ein i^rechende 
werk Tnd der ftin ift ein IJpmck der wfirkende Swas in mir ift das 
geil vs mir So ich es ioeh gedenke So offenbaret es min woirl Vnd 
kllbel doeli inne A1& liehet der vatler den fim vttge()proeben vnd 
blibet doch in ime Ich kab es (ii4a) och me gefprochen Gottes 20 
vagang ift fin ingang als vll als ich gel nadh bin alfo vä f)prichl 
Sek gel in midi Alle vernüftige erealure an iren wmrchen fo fi 
me g9Bti vCfer inen felber fo fi me genl infieh jMber Dos en ift an 
lipliehen dingen nint So fi me wörkent fo fi me gent vs in felber 
AUe ereallMre weUen got i^rechen in allen iren werken Si ()precb^ 25 
alle Ca ft naheft (ii4 b) miigen Si enmugen in dock niut gefpredben 
61 wellen oder enweUen es fi in liep oder leit fi wellont alle gol 
Recken 1^ er blibet doch vngefproehen Dauid IJprichet der kerre 
ift fin name harre fpridit als vik als ein über fetsungo einer her- 
ißkaft knet ift ein vnder fetxnnge EÜiche nammi die fint got eigen 30 
vnd abfoloft von allen anderen diqgen als got Gel der name ift der 
aUer eigenlichofte na( i i 5 a )me gottee als menfche menfohen namen 
ift ein menfSdie ift ie ein menfche er fi toreehtig oder wife Seasiea 
Ijpriehel di« ift ein fhceder menfche der über den menfchen nini 
emknmel Ein ander name kal ein xno haftten an got als vatleifcbaft 8$ 
Pen drille fwa man vattar nemmol da verftel mm einen fim Vatler 
m$ig iM gefin er hab eineja fon Si tragen! doA in ein über nil in 
emg w^fy» Der i iU h) tritle hat ei» vltof«en nne gölte vod im 



8dl#JfafMUeM*<fr«bgeifcbeidebeH 7 Zer 12 m seQ^rodielicb ISoflfe- 
kareelM^ % aUen] aUe jl8 fpr^( P§, 9$f 5. H dinfe 



MO IX 

keren indie zit Man nemmet och got Inder fchrif mit vil namen idi 

40 fpriche Swer icht bedenket ingotte vnd ime dekeinen namen «■ 
kleibet das ift got nicht Got ift fiber namen vnd über nator Wir 
lefen von einem guotten man der got bat infinem gebette vnd woile 
im namen geben Do fprach ein bnioder Swig da vndereft got wir 
mögen kein namen vinden den (ii6 «) wir got mügen geben Doch 

43 fint uns die namen ürlovbet da mit in die heiigen genemmet hast 
vnd die got in ir hertzen alfo gewihet vnd über gölten hat mit 
gütlichem Hecht Vnd hie bi fon wir lernen wie wir got bitten 
fün wir fun (Sprechen herre In den felben namen die da aifo ge- 
wihet haft in dinem heiligen hertzen vnd über gofTen mit dim lieeht 

50 So (il6b) bitten wir dich vnd lobend dich. Das ift diu ander 
lere das über namen vnd vngefprechlich ift Der vatter fpricht dMi 
fun vifer aller finer mügentheit vnd alle ding in ime alle Creatoren 
fint ein fprechen gottes Das felbe das min munt got fprichet Tsd 
offenbaret das felb tuet des fteines wefen vnd verfteit man me an 

55 dem werke denne an den werten Das werk das diu oberfte nator 
w(ll7 a)firket von irre hochften macht Das mag diu nature dio in 
ir ift nit begriffen Wurkte fi das felbe fo wore f! vnder ir nicht 
Mer fi were das felbe Alle creaturen weiten gotte nach fprechen 
in allen iren werken Es ift doch gar kleine das fi geoffenbaren 

60 mügen loch die oberften engel in dem das fi vf climment vnd got 
ruerent das ift als vnglich wider dem das in got ift als wis vnd 
fwartz Es ift gar vngelich (117 b) das alle creaturen habent en- 
phangen alleine fi alle weiten fprechen das nechfte das 11 mügent Der 
prophete fpricht herre du fpricheft eines vnd ich verftein zwei So 

65 got indie feie zehant fo es ab vellet fo wirt es geteilet le wir mit 
finferm verftentnifTe me vf gen fo \iir me in im (in Dar vmb 
fprichet der vatter den fun alliu zit inder ewikeit vnd entgiuflfot 
in im alle crea(ii8 •)turen Die hant alle ein ruefen wider in ze- 
komende da fi vs gefloffen fint alles ir leben vnd ir wefen Das ifl 

70 alles ein ruofen vnd ein ilen wider zuo dem indem fi vs gangen 
ßnt Der prophet fpricht der herre hat vs gefant fin band vad 
meinet den heiligen geift Nu fprichet er Er hat gerueret minen 
munt vnd fpricht zehant er hat mir zuo gefprochen Der munt der 
feie ift der (lis b) oberfte teil der feie, das meinet fi vnd (fprichet 

75 Er hat fin wort in minen munt geleit das ifl; der kus der feie da 

40 de kleine 42 hat 49go(re 50 diu] da 53 min] in in 57 begriffe 
60 clomel 61 ruret 64 P«. 61, IS. 65 fehU $twat, 75 das kos 



LX , LXI jiei 

ift mimi seaumde komen Da gebirt der vatter lioen fon in die feie 
vnd da Ut.ir jmio gefprochen Nu fprichet er Idi hau dich Jiiutte 
vifer weit vnd habe dich gefetzet über volch. Und über riebe in 
ein blatte globet ünu gott zevf erwelende das nicht en iüt Das noch 
Inder ewikeit ift (ii9 a) ein hiutte Vnd ich han dich geietzet über 80 
Volk Das ift über alle die weit der mnoft du lidig fin vnd über 
riebe das ift fwas me ift dan ein des ift zevil wand du muoft allen 
dingen fterben Vnd fot wider ingebildet werden in die hcedi da 
wk wonen indem heiligen geifte Des helf uns der heiig geift Amen 



B 



Bmoder Eghari 



O petrus von der gewalt des hohen oberften gottes wart vs dem 
gebende Do fprach.er Nu weis ich gewerlich das mir got (inen 
engel hat gefant Vnd hat mich erlovft von der gewalt herodes vnd 
von den banden der (is4 b) vienden Nu keren wir das wort vmbe 
vnd fpreehen wan mir got hat fiaen engel gefant Da von bekennen 5 
Uk gewerlich Petrus l]prichet als bekantnifte Ich hab es ovch me 
gei)prochen Bekantniffe vnd vemüftikeit die eneinigent die £ele nicht 
ingot Vemüftikeit vellet indas luter wefen bekentniffe die lovffet 
vor Si für lovffet vnd dur brichet das da geborn wirt gottes ein- 
bom fiin Unfer herre l^richC U5 a)et In matheo -Dasnieman bekennet io 
-den vatter niuman der fun Die meifter fprechent Bekantniffe lige 
an gliohniile Es i^rechent etlich meifter Diu feie fi gemachot von 
allen dingen wand fi ein muglicheit hat alliu ding zeverftande Es 
liutet dcerlich vnd ift doch war Die meifter fprechent Swas ich be- 
kennen fol das muos mir zemale gegenwürtig fin vnd glich minem i5 
bekantniffe Die heiligen fprechent (i85b3 Das in dem vatter fi 
miigenh^it vnd glicheit in dem fune vnd einung in dem heiligen 
geifte Dar vmbe want der vatter dem fun ^emale gegenwirtig ift 
Vnd der fvn xemale ime glich ift Dar vmbe bekennet nieman de^ 
vatter niuman der fun Nu fprichet petrus Nu kenne ich gewerlidi 20 
wa von bekennet jnan hie werliche Das ift da von das ein götlich 
liedbt ift das nieman triuget Das ander wand man da Mos vnd luter 
bekennet vnd (i86a) vnbedeket mit lebte Da von fprichet paulus 
CM wonet in eiwe liechte da nicht zuo ganges enift S Die meifter 



• 



77 Jerem. 1, 10. Ich han] Er hat 70 da -Da 80 dich] vch 

Vü, 2 ftfdi ein ParHeipkm. 2 Act. 12, 11. 10 MaUh. 11, 27. 16 vatter 
•fMU U Timoth. 1, 6, 16. 

Altd. Predigten. 11 



16!» LXI 

25 fprechent Die wifheit die wir hie gewQnnen vnd lernen Die Allen 
uns dort beliben So f^richet paulus fi füllen ab ^an Ein meifter 
fpricht luter bekantnQfTi noch denne indifem Übe Das hab fo grofTen 
luft an fich felber das aller gefchaffener dinge luft fi recht als ein 
nicht Wider der luft der luter bekani(<86 b)nifn an fich treit noch 

30 denne fwie edel es ü So ift es doch ein zaoval vnd als klein als 
ein wörtelin ift wider aller der weite als klein ift al diu wilheit 
die wir hie lernen mügen wider der blofTen lateren warheit Da von 
fprichet paulus es fulli ab gan fwie fi doch belibet f! wirt rechte 
ze einer torinne Vnd als ob 11 nicht enfi wider der luteren warheit 

35 die man da bekennen fol S Das dritte war vmbe (iS7a) man da 
werlich bekennet das ift da von diu ding die man hie ficht lyandeK 
haftig diu bekennet man dort vnwandelbere vnd man minnet fi da 
als fi fint zemale vngeteilet vnd na bi einer want das hie verre ift 
das ift da nahe Want alle ding fint da gegenwirtig $ Das an dem 

40 erften vnd an dem inngften tage befchehen fol das ift da gegen- 
wärtig Nu weis ich werlichen das mir got finen engel hat geÜBint 
(l87 b) Swenne got finen engel fendet zuo der feie fo wirt fi w«r- 
lieh bekennende in vnbederbe hat got fant Peter den flfiffel nint 
bevoln Want petrus fprichet als vil als bekentnifTe hat den flütfel 

45 Vnd fliuffet vf vnd dringet durch vnd vindet got blos Vnd faget 
denne ir gefpilen dem willen was fi befeften habe Swie fl doch 
den willen e gehabet habe Wan fwas ich wil das fuoch ich S kant- 
nifTu gat vor fi ift ein furftin(i88 a)ne vnd fuochet herfchaft indem 
hoechften vnd in dem luterften Vnd teilet es fort der feie Vnd diu 

50 feie fort der nature Vnd diu nature allen liplichen finnen Diu feie 
ift als edel an irme hoechüten vnd luterften Das ir die meifter en- 
keinen namen künnen geben Si fprechent ir feie da fi dem libe das 
wefen git Nu fprechent die meifter Das nach dem erften vf broche 
der gotheit da der fun vs brichet von dem vatter da fi der engel 

55 aller naheft gebildet (i88b) nach gotte Es ift wol war Diu feie 
ift gebildet nach gotte an irme oberften teile Aber der engel ift ein 
nacher bilde gottes Alles das des engeis ift das ift gebildet nach 
gotte dar vmbe wirt der engel gefant an die feie das er fi wider 
bringe an das felb bilde da nach er gebildet ift want bekantniffe 

60 komet von glicheit Wan denne diu fei hat ein mügenlicheit alle ding 



26 belibet Cor. 1,1,19 fgg. 38 ein 40 iangn«— gewurtif 45 vnd 
tringet rn bringet 46 gefpilem 60 gUcheit aui glichaiffe g9k$ft9rt. dio] da 



LXI . LXn KS 

lebekeniieiide da von geniowet fi niemer fi enköme (l89«) indas 
erfle bilde da^elliu ding ein fint Vnd da gernowet fi das ift ingotte 
In got ift kein creatar edeler denne die ander Die meifter fprechent 
Wefen vnd bekantniffe fi allein want fwas nicht en ift das bekennet 
man ovch niat Swas aller meift wefen hat das bekennet man ovch 65 
aller meift $ Want denne got ein über fwenkende wefen hat Dar 
vmbe über fwenket er alle bekantniffe als ich e. gefter fprach in- 
dem iungeften fermon Das (i89 b) diu feie in gebildet wirt in die 
erCten luterkeit in den in druk der luteren wefelicheit Da fi gottes 
gefmekit .e. er warheit oder bekantheit an fich vahe Da alle neme- 70 
licbeit ab geleget ift Da bekennet fi aller luterlicheft Da nimmet fi 
das wefen in eben mefTikeit Da von fprichet paulus Got wonet in- 
eime lichte da nit zuo ganges ift Er ift ein inhangen in fin felbes 
luter welicheit Da nicht asuo hangendes ift § (i90 a) Swas zuo val 
bat das muos abe er ift ein luter inftan infich felber Da noch dis 75 
noch das en ift Want fwas in got ift das ift got Ein heinden meifter 
l)prichet Die krefte die vnder gotte fwebent die hant ein inhangen 
in got Vnd fwie fi hant ein luter inftan in fich felber So hant fi 
doch ein inhangen in dem der weder begin noch ende hat wand 
ingot mag nicht frömdes gevallen Dis habent ein bewifunge andem 80 
(i90b) himel der mag nicht enphan keinen frömden indruk in- 
frömder \^ife Alfo gefchiht es fwas zegotte kumet das wirt ver- 
enderet Swie fnoede es fi bringen wir es zegotte es gat fin felbes 
abe Des habent ein glichniffe Hab ich wifheit diu en bin ich felber 
nicht Ich mag wifheit gewinnen ich mag ü ovch verlieren aber 85 
fwas an got ift das ift got das en mag im nicht enphallcn Es wirt 
gefant (l9la) ingötlich nature Wan götlich nature ift fo kreftig 
fwas dar in gebotten Wirt Das wirt alzemal dar in gefatz oder es 
blibet alzenial vffen Nu merkent wunder Sit got fo fchnoede ding 
infich verendert was wenet ir denne das er der feie tue die er mit 90 
ün felbes bilde gewirdiget hat zeformende 



Der Ton Itemen gaffen •:• — 



e 



in heilig i^richet das fi heilikeit das wir bekennen was wir waren 
vor der zit vnd was wir fin inder zit Vnd was wir (i46 b) werden 
nach der zit Nu havt der von fternengaffen alze fchcene gefprochen 



M. 09 gemwi 64 want] wx 67 rmbe] rb* alle 80 fchonde 

11 • 



164 Lxn 

von difen drin vnd fprichet formanä me Er hat Ans gefbrmet tA 
^ ime vnd mit ime Er hat uns geformet an ime Wie er uns gefortnet 
habe das fult ir ikierken wir fin ein liecht in flner Interkeit Vnd 
ein wort in flner verftentikeit Vnd ein leben in fider innikeit Alflü 
hat er (i47 a) uns geformet an ime vor der zit Ze dem andren 
male Was wif nu fln inder zit In uns ift ein laterkeit in die all 
iO vnderlas liattende ift Das liecht der gotheit In uns ift ein verften- 
tikeit in die ane vnder las fprechende ift das wort der drivaltikett 
Vnd inüns ift ein innekeit in der ane vnderlas würkende ift das 
leben der ewikeit Zem dritten male was wir (i47 b) werden nach 
der zit Wir fun in got vereiniget werden wefelich vnd eineklich 

15 vnd gentzlich wie fun wir wefelich ingot vereiniget werden Es fol 
gefchehen an der fchowunge vnd nicht an der M^efunge Sin weflsn 
mag nicht ünfer wefen werden mer es fol Qnfer leben fln da voft 
fprichet ovch chriftus Der dich vatter bekennet vnd dineri tvn Ihefum 
chriftum Das ift das ewig (i48a) leben Er fprach nicht daä te 

20 ewig wefen were Nu möchten ir fprechen Ach herre flt got ftiif- 
liehen adel vnd fuflich richeit in ünfer feie hat geplantzet Das das 
liecht flner gotheit inder luterkeit miner feie fchinende ift Vnd das 
wort der drivaltikeit inmir fprechende ift vnd das leben der ewikeit 
inminer innikeit würkende ift Was meinet denne das ich fln fö 

25 rechte (i48b) wenig gewar wirde Frageft du mUA, des Ich han 
dich des zehant bewifet es ifl; zemal des fchuld das Ir ivch fo ab 
gefcheiden vnd fo luter nicht haltent als ivch zuo gehorte Vnd das 
ir ivch felber alfo frömde flnt vnd nicht enachtent der in velld 
creaturlicher bilden Was meinet das der liuten fo til ift die min 

30 nicht verftant das fage ich ivch Es ift zemal des fchult das fl 
(i49 a) im nicht gelebet hant Swenne ich fpriche von einikeit wie 
folte mich der menfche verftan des hertze zemal inmenigvaltikeit 
zerfpreitet ift So ich fpriche von ewikeit wie folte mich denne der 
verftan der zemal fln genuegete nimet an zit vnd an zitlichen dingen 

35 So ich fpriche von einem luteren hcrtzen wie folte mich denne der 
menfche verftan dem alle ding gemeffo flnt InflnM* (i49 b) feie in- 
nikeit zeherbergenne Want es ift nicht genuog das man die crea- 
tnren ab fcheidet an der habunge Wan muos fi ovoh fttzen vs der 



4 haiof 49, 5. 5 vor Er noch einmal yn mit im 15 fun] fin 18 JEv> 

Joh, 3, 36. 23 da lebe ewikeit 29 catliche 31 gelebe 32 dea] di 
inmenigyaltikeit] inaU< einyalUkeit 34 der] dz 37 nicht fehU. 



Lxn les 

iavaUeaden bOdange diu alze fwarliche die feie vermittelet Ach 
ach Vnd wttftend ir wes ir ivch felber hinderent vnd mas ir ewiger 40 
warheit möchtin verftan ob ir Iteten vlis vnd hvote betten ivwers 
inren menfcben Ivch griufelete ab ivch felber Secbt ir möchten als 
vil (150 a) wiffen als ich weis vnd me was meinet aber das ich 
me von got weis denne ir Es ift niut des fchult das ich der buochen 
me kao der kunfte helfe ift gar kleine Es ift des fchult das ir45 
ivch niut als fliUeklich aller dingen lidig blos vnd abgefcheiden 
hant als ich han Hetten ir ivch aller dingen als vnwiffende vTid von 
ivch vergande gehalten als ich han ir wüften als vil als ich (l50 b) 
vnd Hechte me Want ich mich niut alleine der gnade zevolgenne abge- 
fcheiden han mer ich meinde ovch das ich kunft erkriegen möchte 50 
Secht da von bin ich miner kunfte holt wand ich das weis vnd er- 
kenne das ich diu ding verftan Die allen den verborgen ßnt die 
fich mit ftreinger arbeit nicht entlidigot hant aller dingen Vnd (ich 
niut gewunden hant vs den ftriken (i5i a) des lieplichen anfchines 
Der ftrebenden creaturen want als vnmuglich got vnd tiefel mit ein 55 
ander fin als vnmuglich ift das fich got iemer der feie vereinge die 
wil n von zitlicher bewegunge Vnd von creatiurlicher bildunge 
nicht alzemale gefriget ift Swenne ovch diu feie an zit vnd an zit- 
lichen dingen nicht enhafteti vnd vf genomen wer fo vermöchte fi 
alze grofriu ding vnd (i5i b) wiffent das fi götlichen werken hart 60 
nach zuo trete Was meinet das fo vil noch denne gelerter Hüten 
ift die fo küme erliden mögen das man die feie fo nach in götlich 
wefen fetzet Vnd das man ir fo vil götlicher glicheit zuo eigent 
WQfTent ez ment nicht anders denne das 11 den adel der feie nicht 
bekennent vf das aller boechfte § Bekanten fi den adel der feie vf 05 
das hoBchfte Siu enwuften an (152 a) etlichem puncte wa f! \71der- 
fcheit vinden folten zwüfchent ir vnd gotte Secht weiten ir mir 
vmbe got helfen werben das er mich in einer fach behuete Inder 
ich vil gearbeit han Vnd wiflent das ich miner flnne vil der mitte 
verdiffen han vnd noch fo vafte bekumbert bin das ich ez nieman 70 
gefagen tar Vnd ich getar es ovch ivch niut wol gefagen Doch 
twinget mich die minne gegen (i52 b) ivch Vnd das ich ovch ge- 
denke das ich ivwer genieffe Mich wndret vnd das wunder hat 
mich lange bekumbert was das meine das diu feie ein fo kreiftig 
wort niut mag gefprechen als der himmelfche vattei; Etlich meifter 75 



S9 de fe! rmittelet 49 mio 55 Arebede— went 69 erhafteli 62 kume 
«4 feie] fe 65 ts dz 



!•• Lxn . Lxm 

(jprechent es (i des fchnlt das in got weflich ift das (i Inder feie 
nicht wand biltlich Vnd da von vermacli fi nich das der vatter ver- 
mag wand 11 es wefenlich (153«) niut enhat Andirre beriehttunge 
benueget mich nit Ander meifter fprechcnt was got ift Sin wefcn 

80 vnd fin fin das hat er alles von im felber aber die feie ifl; von gotte 
das fi ift Da von mag fi fich got nit geliehen an iren werken Dar 
an genneget mich zemale niot Wand der fun het ovch von dem 
vater enphangen alles das er ift vnd würket doch gelich dem vatter 
(i53 b) Mer ein einiges wörtelin das treit einen fin in ime Das ift 

85 das der fun ift geborn vs der perfon des vatters vnd ift inne beli- 
ben an dem wefen Da von vermag er indem wefende alles das der 
vatter vermag perfoenlich vnd weflich aber diu feie ift geflofTen ab 
der perfone Vnd ovch ab dem wefende Vnd want fi niut inne beli- 
ben ift an dem wefende da von vermag fi nicht dem vatter gelich 

90würken Sech an difem (i54a) finne genueget mich enwenig vnd 
doch niut gar gentzlich 

r 

Ber Ton ItemengalTen hat die gepredlet. 

iNnallen dingen han ich ruowe (24i b) gefuochet vnd han an nichte 
ruowe funden Nu fprichet fi in han an nichte ruowe funden denne 
an nichte Das nichte an dem diu feie ruowe findet das ift blolTe got- 
heit Siehe liutc hant manigor lege girde vnd funderlich frovwea die 
6 kint bere fint Diu feie die von dem götlichen worte fwanger vnd 
kintber worden ift Diu hat manger lege gluftEtwenne (242 a) gluft 
fi die creatur zeverfmehennde Etwenne ir felbes nature zevertret- 
tende Etwenne lüftet fi an der driualtikeit fich zevebende Vnd en- 
kan doch niena ruowe vinden denne an nichte Da von fprichet unfcr 
io herre Du folt wonen in lacob lacob fprichet ein ringer vnd meinet 
der menfche der in got ruowcn fol der muos .e. ringen vnd über 





82 genu LXIII Überschrift Dis hat geprcdiet brvoder lohannes too fterneo- 

gaffe. E, 1 Eccletiattic. 24, 11. 1 u. $, f. niwe b. 2 fundc deue b. 

1—4 vnd han doch nicrgcn ruowe fvndcn den in dem erbe mines herrcn vnd mines 
goUes. Sieche E, 4 manig b. 7 ze ver fmechende vnd vngetroftet ze finde 



Ton atten dingen, ff. 8 zevbende b, 9. 10 an nihte da« ift blofeflc gotheit. Da 
von feit mir der der alle ding gefchaffen hat das er in mir ruowe. Da von 
fpricht fi wie fol ich in dir ruowen. So fpricht er div folt E. 10 EeeleMiaslic. 

24, 13. 11 niwe 6. 



Lxm 1«7 

•winden alle ding Hab ich micli felber über (242b) wanden fo ban 
ieh alle ding über wanden Der hat fich ielbcr über wanden den en- 
kein ding mag über winden das es in geneigen muge zao de keinem 
gebreiten Swie ein ieklich ding ift an fime wefende dar nach würket 15 
es Min feie ift got formelich an irem wefende Da von ift fi al ver- 
mügende vnd ir werk ift ewig alles das got Mürken mag das mag 
fi liden (243 a) Er mag mer noch minre Alle ünfer meifter kün- 
nent nit vinden weder gottes kraft groffer fi oder der feie vermü- 
gen Hab ich denne al vcrmügen fo en« fol ich niemer vf gehoeren 20 
ich gewinne alle ding Swas minre ift den alle ding das ift minre 
denne ich Diu feie lidende got fchovwet der fint alle ding ze enge 
vnd zekleine da von wandert mich das ein feie der alle ding ze 
kleine fint das dia vf dekeiner (243b) creatur geruowen mag Da 
von wan ich mir felber vnwert bin Da von fin mir kleiniu ding 25 
wert Wer ich mir felber gros nichtes nicht wer mir gros Seneca 
der meifter fprichet Swer got furchtet den furchten elliu ding Swer 
got' nit furchtet der furchtet elliu ding Swer got forchtig ift der ift 
got heimlich Swer got heimlich ift der ift von gottes partie Swer 
von gottes partie (244 a) ift der vermag elliu ding Es ruowent 30 
natiurltch ding fo fi koment an ir ftat Es ruowent vehelich creatu- 
ren fo ir gerunge volbracht werdent Ieklich creatur raowet an ir 
ftat Nim den ftein wirf in in den luft er geraowet niemer er kome 
wider zao der erden Wa von ttt das Da ift erde fin vatter land 
luft ift fin eilende Ein jeklich ding ruowet inder ftat vs der es ge- 35 
bom ift (244 b) Diu ftat vs der ich geborn bin das ift diu gotheit 
Dia gotheit ift min vatterlant Hab ich vatter inder gotheit Ich hab 
nicht alleine vatter da Mer ich hab mich felber da .e. ich an mir 
felber wurde Do was ich inder gotheit geborn were gottes wort 
eineft in mir gefprochen al diu weit behuebe mich nit ich klüme vf 40 

13 dat zweite über zweimal b, 14 de keine b. 14. 15 ze liebe noch ze leide. 
DiT folt och ruowcn in ifrahel. ifrahel. ifl ein fchowunge Rötlicher fchowe. ynd in 
dem beftetigot fint in fyo.n. Syon ifl ein fpiegel. Div bifl gebildet nach der gotheit 
div treift das bilde nach dir vnd in dir. Swie E, 16 al] ab^ b, 18 liden 

got mag nicht niere wirken den fi liden der mag E, 22 goi fehlt b, 24 ge- 

rowe b. 25 fin in ir b. 26 gros, wer ich mir felber wert elliv ding werin 
mir unwert. E. 28. 20 der ift gotlich. Swer gotlich ifl der ift gotte heimlich. E. 

30. 31 rowent b. 32 werdent aus wird et gebefiert 5. 32. 35 niwet 6. 33 ein 
io fehlt h. 34—36 Wa- eilende Ein— ift] der zweite SaU vor dem ersten E. 
87. 38 Ich— Tatler da fehlt. Nein £. 



IM LXm . LXIV 

Ms an die gotheit Swenne ein jeklicli ding (345 t) Iktig vn fiaer 
ftat ift es verdirbct Wirf den vogel indas wafTer er ertrinket wirf 
den vifch in den loft er verdirbet Der vifch ift in dem waffer ge- 
bom wafTer ift fm nature Biftu vfTer got gebom wilt da leben vflinr 

45 gotte Werlich du ftirbeft Ift din vobnnge zergangklicb leb gelovbe 
niemer das du fift geiflicb Ift din leben geiflicb din vobunge ift 
götlicb Sehovwen* ewig friheit ift nicbt (245b) anders denne von 
im felber gevriget wefen Din feie hat ein got formelicb wefen wand 
fi nach im gebildet ift Si bat ein al vermügende wefen want fwas 

50 got bat inewikeit ineiner vngefchaffener wife das bat ü inder sit in- 
einer gefcbaffener wife Nicbt en mag mich fat macben want das 
miob vol mag macben Dem gotbnngerigen menfcben ftneket nicbt 
want bloffe gotbeit (246a) Wil icb der dingen gern f o fin fi gir^ 
lieb An in felber fint fi nit girlicb Wer icb gottes vol nicbtes nicht 

55 achtet icb alier der weite Swer dirre weite achtet das ift ein zeichen 
das er fin felbes hat verachtet Swer fin felbes achtet der hat aller 
dingen verachtet Der roowet der aller bewegmge ift berovbet Wer 
dekein creatur zemal vnbeweglicb diu wer got Got ift dar vmbe got 
das er vnbeweg(245 b)lich ift Want alle creaturen bewe^ich vnd 

SOvnniowig fint da von mag ich nienen mowen denne in gotte Ift 
dekein creatur din ruowe diu ift din got Es ruowent verftendigo 
creaturen niergent denne an irem würkende Was ift das ende mines 
würkendes Das ingot ift ein würkcn das fol inmir fin ein liden Das 
an got ift ein fprechen das fol inmir fin ein beeren Das an got ift 

65 ein bilden das fol in (247a) mir fin ein fchovwen 



u 



Über Cant. cant. 5, 2. 



nfer berre fpricbet inder minne buoche tuo mir vf min fwefter 
wanne icb bin din bruoder tuo mir uf min tube wan icb 'dir min 

44 natyrlichcit E, 45 gölte din leben ifl fchier verdorben. 1(1 E. 46 lebö 

gellich 6. Yobunf o] wirken E, 48 Diu— wefen fOiU E. 49 ein al yerma- 

gen. Want E. 50 inder zit fehlt E. 52 gofhangerine 6. 61 dekein] di 
kein 6. din ruowe diu ruowo iU, E. 62 an iren werchen. diT liphaftige ding 

nement abe in iren wehend« . was iit S, 63 inmir] mir b. 6f heidmmml in 
gölte E. 66 ein bilde E. LXIV, 1 -3 vgl. XLtfi, ^—25. 



LXIV IM 

iMainen geift fante xno einem trofte tno leir vf buh firioBdiiie wan 
ich din gemahele Un na too mir nf dui kerce mit diner minne vnt 
lafle mich frcede vnt wanne hnn indüiem hercen der prophet fprichet 5 
vnfer herre wil fin friandin fueren in ein einoBdi vnt wil do reden 
«10 ir hercen. Hie fond ir merken das er vns leret das wir gerne 
fond fin an der eini das wir mugent hoeren wenne vnfer herre mit 
vns rede ^ 

Na fond ir wiffen das vnfer herre intrierhant wife redet mit dem iO 
menichen vfwendecUchen so boffett er vilherteclichen vnt inwendec- 
lichen so redet vnfer herre vii fueffeclichen vnt wenne er ime 
ficherheit git groffer gnaden, wie vnfer herre vs wendedichen clopfe 
vnd bofle an das tore das tuot er mit arbeit des libes vnt def 
hercen. vnt hie (32 b) fond ir merken wenne das vnfer herre dem i5 
menfchen arbeite git so i^Iopfet er vfwendig an das tore. vnt der 
das clopfen goetlichen vnt dancberiichen enpfahet vnt gaetlichen 
vertfreit alle widerwertikeit mit dem wtrt vnfer herre vii fnefTec- 
liehen redenne von innen infiner sele. wanne nach der betmepte 
vnt arbeit so kämet g«m folleciichen vnfers herren troft vnt sin 20 
gnade 

Danid fj[priohet ich wil beeren was got in mir rede, er redet fride 
mit finem volke. do mit das er fprichet ich wil hoeren was got in 
mir rede do mit git er vnf ceuerftanne das er vii faeffeclichen redet 
inwendeeliehen. was aber diu rede sie das weis diu sele vU bas 25 
denne si es gefagen könne, ir fond merken wie vnfer herre mit der 
sele rede, finin wort die er mit ir redet enift nit anders denne fin 
genade vnd einen götliohen firiden den er git do mit erlincht er die 
feie (S2e) vnt machet das herce lindmuetige vnd fmeltzende als 
das wachfe von der heiffen funnen fliuflet alfo wirt diu sele fliefTen so 
von dem ewigen sannen vnferm herren 

Sant aagoftinns fprichet dis ift ein minnebant das baut das heiffet 
diu minne. das bant der minne bindet vnfem herren vnt die feien 
eefamen. tiu f)pri<^et ein heilig vnfer herre enwil nit das man golt 
noch Silber oder kein ding sno ime binde 85 

Aber Ihnt paulus fprichet nach der genaden din mir gegeben ift alf 
ein wifer bnman han ich gefetzet das fundamente vnt ein ander 
buwet darnfie Aber ieclicher der sehe da euo ime selben wie er 
daruffe buwe. wan kein anders fundamente mag nieman gefetzen 



5 0Ȥe S, 14. 17 die HandtehHft clopf\Bt S2 Pm. 84, 9. tpreche ral rede 

36 Cor. I, 9, iOfyg. 



IT* LXIV 

40 denne das do gefetzet ift ihefas chriftns Aber wer vf das flindt* 
mente bawett golt oder filber oder edeles gefteine oder was das 
ifl von difen cergangclichen dingen das wirt verbrant vnt cerftoeret 
dar das finr (32 d) vnt lidet fcbaden. Er wil allein mit der minne 
zno der minnerin gebunden werden, triuwen da bindet diu minne 

45 die minnerin zuo dem minner 

Unt denne fpricbet diu minnende seif, oberre wir fqnt fitzen wir 
mügen vns nit so fcbiere von einander gefcbeiden. Du weift doch 
wol lieber berre mine das wir vil mit einander cekofenne babent. 
Na fpricbet dia minnerin. wir fond ein wonunge zwifcbent vns macben 

50 du weift docb wol das icb diu minne bin mit der du wnnne haft 
vnt do von lifet man das der beiliggeift die seien nimet vf sin 
vederen vnt fwinget si vf far got mit der fuefTen andacbt der rei- 
nen sele. vnd ruowet da mit ir vnt si mit ime Nu fpricbet vnfer 
berre icb vnt diu feie fönt ein ftete wonunge ban mit einander 

55 Sant iobannes fpricbet got ift diu minne diu sele ift oucb minme. 
oberre du muoft bi mir beliben wan ich bin (33a) ocb diu minne 
du bift oucb diu minne. denne fitzet vnfer berre vnt ruowel inder 
sele minne vnt kofet vil guetlicben mit ir vnt fpricbet mir ift wol 
das icb bi dir bin vnt ift mir luftlichen das ich in der feie wone 

60 vnt ruowen sol 

So fpricbet denne diu feie olieber berre du bift min vnt ich bin 
din ich bin din kint vnt du bift min vatter ich bin din dime du bift 
min berre ich bin din gefchöpfte du bift min fchdpfer ich bin din 
iunger du bift min meifter ich bin din sele du bift min felde du bift 

65 min frcede du bift min ere du bift mir alles das guot vnt feiiges 
das mir ie wart du bift min teile das befte vnt do von ift mir alliu 
difiu weit cenicbt worden wanne du haft mich dir uferwelet vnt ich 
ban dich ouch vserwelet zuo einem obroften liep vnt zuo einer 
wunne miner feie Alfo fpricbet vnfer berre ich vnt diu sele fönt 

70 ein wonunge mit einander ban. vnt denne fprichet diu sele nu han 
ich in begriffen ich wil in nit mere von mir lan vnt ich tragen min 
userweit liep vnder min (33b) brüften. da ift geeiniget der liep 
zuo der aller liepften vnt das pinli zuo dem honig der ifop zuo dem 
balfame diu nachlgalie zuo der harpfen der hirtze zuo dem ewigen 

75 brunnen der liechte ftem zuo dem funnen do von erfroBwe dich 



42 dingen wir* verbrat 46—60 vgl. XLIU, 39—49. 54. 69 vgU P$. 131, 14. 
55 Ep, Joh. 1, 4, 9. 58 P$. 131, 13. 14? 61— T7 vgl. XUX, 30—44. 



LXIV ITl 

feie vnt ijrcBwe dich immer mere. da folt sin do got ift vat folt 
ingot gefaeget werden 

Der prophet fprichet du feiig feie kerne zao der himelfchen iemfa- 
lern denne so nimet si got vnt gottes fiine an fin herce vnd zartet 
ir .vnd trucket si an sin. prüfte vnt kert si von einer bruft zno der 80 
andern, vnfer herre hat zwo bruft fio menicheit vnt fin clariu got- 
heit da kert er die sele von einer bruft zuo der andern, wil si 
milich so kert er si zuo der bruft finer menfcheit wil fi honig vnt 
kipper wine so kert er si zao der bruft finer fueffen gotheit Do 
von fprichet der heiliggeift mache din munt wit so machtv vil ge- 85 
fugen, wie fönt wir den munt wit gemachen das fönt wir tuon mit 
luft vnt (33c) mit begirde guoter werken. Du folt dinen lip tenen 
vnd arbeiten ingottef dienft so wirt dir der munt wit das du vil 
macht gefugen von der gotheit 

Nn fprichet der prophet ir fond den bach trinken der von der got-< 90 
beit vnt der menfcheit chrifti fliuffet vnt er sol mit ganzem flufTe 
iniuch flieffen. Er ()frichet nit ir fönt von dem bach trinken er 
fprichet ir fond den mit einander trinken do von fprichet dauid die 
do noch uf dem wege fint zuo der himelfchen ierufalem die fond 
trinken von dem bach nu fprichet der prophet ir fond trinken vnt 93 
fond trunken werden in vnfers herren hufe. do er fprichet ir fönt 
trinken vnt tranken werden, do git er vnf ceerkennen vier froede 
die diu sele enpfahet so si trunken wirt von der hohen gotheit 
chrifti vnt finer fueffen menfcheit diu erfte ift das si hohes vnt 
fries gemuetes wirt das die minften feie dunket diu indem himel ift ^00 
das vnfer herre got finer wirdigen rouoter (33 d) marien vnt aller 
heiligen habe uergeffen vntz an si allein diu ander froede ift das si 
fchoen wirt das fprechent die meiftcr das der lip nach der iungften 
nferftandunge fiben werbe fchoener werde denne diu funne. vnt des 
libes fchoeni wider der sele fchocni vnt clarheit das fi recht alf 105 
ein dein funclin gegen aller der weit fant auguftinus fpricht do von 
ein wort das die fchoeni die der lip enpfahet nach der urftendi das 
ift nit anders denne ein uberflus der sele 

Diu tritte froede ift ein ewigiv froede euch ift din froede alfo luter 
das si niemer me betruept wirt vnt erfroewet fich ein ieclichiu feie i(0 
der andern froede recht alf ir felbef froede vnt dunket ein iecliche 
feie das ir froede alfo gros fie das si nit wölt fin an vnfer frovwen 

85 Pf. 80, 11. 90 haiof 12, 3. 93 vgl. P$. 109, 7. 95 Ezeeh, 39, 19. 

97 ceerkenne ynf 99 chrifti hinter menfcheit 



ITl LXIV . LXV 

ftat vnt wo von ift das wan das si truDken fint IHa vierde tttt&e 
ift das n wirt gar miltes gemuetes Der difer fremde befinden sol der 
lismaos fin Mbes alcemale ns gan na aller der wife alf es (4sa) got 
von ime gefellig ift vnd haben wil. Amen 



I, 



Am UimmelfahrUtage, 



Indem ift ans erceiget vnt erfchinen gottes minne an ans wanne got hat 
gefant sin eingebomen fune indie weit das wir leben mit dem fune vnt 
indem fane. wo na ein richer künige were der do hetti ein (249 d) 
fchoene thochter vnt gebe er die eines armen mannes fane alle die na 

6 zuo dem geflehte hortint die wardint do von erhoehet vnt gewirdiget 
Nu fprichet ein meifter. Got ift menfche worden do von ift erhcehet 
vnt gewirdiget alles menfchliches künne vnt des mugen wir vnf wol 
froewcn das chriftus gottes fune vnfer bruoder ift vnt geaaren ift 
von eigener crafte über alle koere der engel vnt fitzet zuo der rech- 

iO ten hant fines vatters. 

Dirre meifter hat wol gefprochen Aber werlichen ich gebe nit vil 
darumb was hülfe mich het ich einen bruoder der do were ein richer 
man vnt were ich do bi eiu armer man was hülfe mich het ich ein 
bruoder der do were ein wifer man vnt were ich do bi ein tore. ich 

15 fpriche ein anders Got ift nit alleine menfche worden Mer er hat 
menfchliche nature an fich genomen. 

Es fprechent die meifter gemeinlicheu das alle menfchen (int gelich 
edele. (250a) inder nature vnt ich fprichen werlichen alles das guot 
das alle heiligen befeffen hant vnt maria gottes muoter vnt chriftus 

20 na liner menfcheit das ift min eigen indirre nature. Na möchti der 
menfche fragen, fit ich in dirre nature han alles das chriftus geleiften 
mag nach finer menfcheit wo von ift denne das das wir chriftum 
hoehen vnd wirdigen alf vnfern herr.en vnt vnfern got das ift do 
von wanne er ift gewefen ein hotte von f^iie her zuo vns vnd hat 

25 vns zvo getragen vnfer felikeit Die felikeit die er vns zuo truoge 
diu was vnfer. Da der uater gebirt (inen fune in dem inreften gründe 
da hat ein infweben dife nature Difiu nature ift ein vnt einualtig 
Nu fprichet der meifter wer in der plosheit dirre nature wil beftan 
ane mittele der muos aller perfonen us gegangen sin alfo das er 



115 die Handschrift ist verbunden. LXV« 1 Ev. Joh, 3, 16. 29 at g^p%tn 



LXY in 

menfohen der enne&t aers ill d&ä er mit otgeE nie geCudi das so 
er dem alfo wol guotes f an elf dem aieDfclieii der Im ime üt vnt 
tkk heimliolier (250 b X friunt iit Alle die ^vile das di diaer {lertone 
SM ipiotes gauft denne den menfchen die da nie gefeht So iit dir 
werlichen vnrecht noch du gelaogetaft nie indifen einoaltigen grnnt 
ein ougenplike 35 

Aer meilter fprichet Do diu Creatore endet do beginnet got cefinde. 
Ml begert got nit me denne das du din felbes in ereatorlicher wife 
M gaagefl vnt kffeft got ein herren indir fin Das minft creatnrliolie 
bilde das fich iemer in dir erbildet das ift alf gros alf got grof iit 
waromb do hindert es dich eines gantzen gottes. recht do das bilde 40 
im gat do mvos got wichen. Aber do das bilde vs gat do gat got 
in €rot begeret des alfo sere das da din felbes as gangelt in oreatar- 
lidier wife alf ob alle fin felikeit dar an lige 
Eg^ lieber menibhe was fchadet dir das du got gunneft das got ein 
harre in dir sie gang diu felbes alcemale vs dar got so gat got alce- 45 
male des mnea os dar dich (250c) Da dife zwei us gant was da 
briibet das iit ein einoaltig ein in difem ein gebirt der himelfche 
•aler fin föne indem inneroiten quelle do plueiet as der heilig geift 
De en^iringet ingot ein wille der behcsret der sele zuo Me wile 
der ftat vaberoeret von allen oreatoren von aller gefchaffenheit so 50 
ift der wiUe frije 

8iBt auguftinus fprichet diu feie ift gefchaffen von got vnt darumb 
Mig fi nienen rvowen denne ingot Der Meifter i]prichet nu han wir 
ete funken gefant zuo dem himele das ift diu feie vnfers herren 
ikefV ohrifti Diu bewifet vnf allen das aller feien ruowe ftat nienen 55 
ift denne in dem himele vnt dar an ift unf euch bewifet das diu 
sele gentzeclichen zuo got beho&ret aber der lichame ift gemachet 
iroB der erden als euch von den viw eiementen vnt des ruowe ftat 
ift von nature uf der erden 

Nu ift diu sele alfo gar uereinet mit dem lip das (250 d) fi ewec- 60 
UdiMi mit einander fbnt pliben vnt doch behoeret der lip zuo der 
ttden vnt diu f^le zuo dem himele. nu hat got ein wifen rat funden 
mt ift felber menfche worden vnt ift mit eigener craft eehimele 
gesam vnt do von han wir an ime einen erden doss eehimele ge- 
Euit do von beeret euch alle diu erde gentzeclichen zuo dem himele 65 



f 

10 fsfchach 38 us gängelt fehlt 41 do got got 48 inolte 49. 50 Die 
tUi 



rf 



174 LXV 

wan vnfers herren ihefa chrifki raowe itat ift anders nienen denne 
an der uereinange fines himelfcfaen oatters 

Wan alf got trinaltig ift an den perfonen alfo ift einikeit in der 
nature vnt hant ein wefen vnt ein leben alfo hat vns vnfer herre 

70 ihefos chriftus bereitet das vnfer wefen vnt ouch vnfer leben ewec- 
liclien fin fol an götlicher einunge. 

Der ander nutz den vns vnfer herre bewifet hat an (iner himelfart 
Das ift in was wife wir vnf dar asuo bereiten fond das wir ouch na 
ime faren. Vnd (251 a) das ift uns gar fcfaone bewifet Inder alten 

75 ee an hem moysen der treip fin vehe cefamen in ein bofchen in 
ein heimliche wueftin vnt do fah er uf dem gottes berg ein böfchen 
brinnen vnt wolt doch nit uerbrinnen vnt moyses wolte hinzuo gan 
vnt wolte fehen das wunder do i^rach im vnfer herre zuo vs dem 
böfchen moyses ziuch vs din fchuoch. An difen werten ünt vns be- 

80 wifet gar guot lere Do mit wir bereit werden zevam vnferm ben 
nach cehimelriche. 

Das erft ift an moifen wanne moifes i)[>richet alfo vil alf der von 
dem waffer genomen iffc Alfo fol der menfche genomen vnt vs ge- 
zogen fin von der vnftetikeit -vnt von dem wnetenden ItQrmigen 

8^ mere difer weite Das ander das der menfche fin vihliehen finne 
cefamen tribe vnt ün ileifchlichen begerung zame vnd binde. Es si 
denne das diu feie werde erhaben vnt uf getragen von gefchaffenen 

' dingen fo enmag der heilig geift infi nit komen Noch (351 b) Inder 
feie gewürken wanne alle die götlichen werc diu got würket din 

90 muos er würken fiber cit vnt ftat indem gcifte wan liplichiu ding 
fint ein uerderpnus götliches influffes. wanne wenne götlich Hecht 
flinffet uf geiftliche creaturen fo. würket es leben vnt fo es uallet 
aber uf lipliche ding fo erlifchct vnt uerdirbet es 
Unfer herre i)prichet es ift iuch nütze das ich iuch benomen werde 

95 wanne fin iungem hatten in liep alf ein menfchen der noch toetiüchen 
was. nu das an zwiuel war ift das vnfer herre edeler was. denne 
alles das got ie gefchuoffe Sit er denne finen iungem ein hindemüffe 
was so ift das ane zuuiuel war das andriu ding vil me hindert die 
man liep hat die minre (int denne got Darumb muos diu feie erha- 

iOOben fin fiber cit ob si wil das got fin götliches werke in ir wörke 
8ant auguftinus lert vns offenbare das man ander bekentnfiffe vnt an 
minne (25i c) kumet über die weite vnt an bekentnüs vnt an minne 



75 Exod. 3, 1 fgg. 70 fuoch 94 Ev. loh. 16, 7. werde] wer 95 ift fMU 



LXV . LXVI IT« 

fo enift der menfehe nit Inder weite Das tritte das da folt die fohaoch 
US zieheii alT euch moyses vnt das bewifel uns das diu begerang 
der feien fol getofet fin vnt vs gezogen von allen tOBtlichen vnt 105 
eergangdichen dingen vnt fol itan inuerzihunge ires lebennes vnt 
aae aermengnnge des geiltes 

Es fprichet ein gefchrift des bapftes wanne vnfer herre finiu engen 
nf huop fo meinte er etwas groffes Es fprichet der wife man indem 
bnoch der wifheit das diu feie wirt getragen mit götlicher wifheit HO 
iagott 

Sant angoftinns' fprichet das alle die werc vnt die lere der menfcheit 
gottes si ein bilde vnt ein war figuro vnfers heiligen lebennef Diu 
feie maos geliuterot werden' vnt cleinliche gemachet werden indem 
liechte vnt Inder genade vnt (25id) alles abegefcheiden werden ii 5 
vnt gefehellet das frömdes ift an der sele vnt ouch einteile das fl 
folber ift 

Sant bemhart fprichet min ouge ift gcliche dem himele an dem das 
es finwel vnt luter ift vnt an dem obroften des libes ftat vnt das 
es enhein irömden indroke erliden nit enmag fol min ouge das bilde 120 
bekennen das an ein w^^^o gemalet ift so muos es cleinlichen in- 
dem Infte gebiutelt werden noch vildeinlicher muos es getragen 
werden inmin bildenerin inminem bekentnus wirt es ein Dife eigen- 
fchafte muos diu feie von not.han vnt dife gelichnuffe. la wie dein 
es ein geftüplin ein fundelin oder ein fipp der funde fi das enmag 125 
din feie nit erliden wanne es der feie frömde vnt vngelich ift vnt 
firömdet si ouch gottes vnt des enmag diu feie nit wol erlidenne 
(252a) Din feie muos alfo genot vnt so gar enploeftet werden 
alles des das zuo geuallen ift vnt alfo luter uf getragen werden 
vnt wider inflieffen inden fnne alf si us gefloCTen ift in ime wan iso 
er hat die feie gefchaffen indem fune Darumb muos si alf plos wider 
in ime inflleften als si an ime vs gefloflen ift 



Über Ev. Joh, i3, 34. 

Unfer herre i^rach zuo llnen iungem minnent iuch under einander 
alf ich lach geminnet han wanne do bi bekennent die liute das ir 



110 Sap» 3, 1 ? 112 lere des menfchen der menfcheit 119 er finweler 

lai de ein an ein 132 vilcleinliclicher 126 fi fMi. 129 laier T of 



IT* LXVt 

min lungern fint nv vinden wir von drierieije minne die vnfer lierre 
hat dar an wir ime nueffent geliche sin. Dia erfte minne ift natlor- 
5 liehen Dia ander minne ift genedecllchen Diu tritte minne ift güt- 
lichen, wie das doch Ingot nit enift (261 d) es si ouch got Aher 
wir mneffen es nemen als es invnf uf climmende ift von einem guoten 
in ein beffers vnt von einem beffem in ein volkomeners. aber in 
got ift nit minre noch me er ift allein ein einualtigiu luteriu wef- 

iO lichiu warheite. 

Diu erfte minne die got hat do wir an lernen fond. Das ift wie in 
fln natinrlich gueti dansuo betwang das er all creatnren gefchuof 
der er eweclichen fwanger was worden in dem bilde finer furftdi- 
tilceit vmb das sin fln guetin nOffint mitt ime. vnt vnAer allen «rea- 

15 turen fo minnete er ein nit me denne die andern wanne als verre 
ieclichiu wit ift ce enpfahenne alfo verre ergialTet er fleh infin 
Vnt were min feie alf wit vnt als breit als der engel vnt feraphin 
der nit inime enhat got güfTe es in mich alfo volkomenlichen alf in 
den engele vnt seraphin. rechte alf der ein flnwellen cirkeHe machet 

90 vnt der vmb (262 a) vnt vmb vol pQnctelin were. vnt en mitten 
inne ein puncto dem puncten werent die andern pänctelin alHn eben 
geliche nach vnt verre vnd (Site ime ein pQnctelin neher werden 
das mueft vs finer (tat rucken wanne das mittele pfinctelin belibet 
geliche enmitten 

^ AUb ift es vmb das götliohe wefen es enift nit ufTern ime ibochende 
mer alles in ime felbe plibende. fol das fin das diu creature von 
ime enpfahe so muos das von not sin das si us ir felber gerucket 
werde wenne man von dem menfchen redet so redet man von allen 
creaturen wanne chrlftus f)[)rach felben zuo den lungern gant enwege 

80 vilt fagent allen creaturen wanne alle creaturen Unt gefamnet an 
den menfchen. aber got der giuffet (ich doch weflichen in alle crea- 
turen in ieclich alfo vil si enpfahen mag Dis ift vns ein guot lere 
DAs wir alle creaturen geliche minnen fond mit allem dem das 
wir von gotte enpfangen hant ift uns loch einer neher von friunt- 

35 fchaft von (262 b) nature das wir doch von götlicher minne geliche 
gunft habent des felben guotes. ich fchinen etwenne alf ich ein 
menfchen iiebelr habe denne den andern aber ich han den felben 
gunfte 2U0 einem andern den ich nie gefach vnt ^Utre örbiuttet fibh 



LXVI, 8 drferlije 17 en|[dl von feraphin 19 vnt] yoq ^ poctdia 

S7 racket 29 SP. sff«reii6, 15. 



LXVl 177 

mir me. vQt darvmb mag ich mich me in in ergieiTen vnt alfas min- 
net got alle creaturen glich vnt erfüllet si mit finem wefenne vnt 40 
alfus fond wir mit minne ilielTen uf alle creaturen. dis vindet man 
vil an den heidenen das si zuo difem minne friden mit natiarlichem 
bekentnus kamen wanne das fprichet ein heiden der menfche li ein 
tiere das fenftmuetige ift 

Diu ander minne gottes diu do geiftlichen ift do mit er flielTende 45 
ift indie sele vnt in den cngele alf euch do vor gefprochen ift wie 
dia uernunftige creature muos vs ir fclben grucket werden mit einem 
Hechte das über alles natiurliche Hecht ift wanne alle creaturen in 
irem natiurlichen liechte so vil luftes hant so muos das groeffer sin 
das si dar us ziuhet ein (262c ) liecht von genaden wanne indem 50 
natiurlichen liechte hat der menfche lüfte in fleh felben aber das 
genedecHche liechte das vnfprechenUchen groesser ift das benimet 
dem mcnfchen eigen lüfte vnt ziuhet in in fleh felben vnt hervmb 
fprichet diu minnende feie ziuhe mich herre na dir in dem fmake 
diner götlichen fueffikeit 55 

Nu kan man got. nicht geminnen manmuos in e bekennen wanne das 
wefliche puncte das got ift das do enmitten ftat geliche nach vnt 
verre allen creaturen sol ich dem genehet werden so muos min 
natiurlichiu uernunfte uf gerucket werden mit einem liechte das 
enboben ir ift alf ob das min ouge ein liecht were vnt fo ftarke 60 
were das es das liebte der funnen in finer crafte enpfienge vnt do 
mit ein wrde so enfehe es nit alleine mit finer crafte mer mit dem 
liechte der funnen gcfehe es als si in ir selber ift 
Alfo ift es vmb min vemunft diu ein liechte (262 d) ift vnt keren ich 
die von allen dingen die richti gen got wanne denne got an vnderlas 05 
ift flieffende mit genaden so wirt min vernunfte erliuchtet vnt vereinet 
mit minnen vnt dar inne gotte bekennen vnt minnen alf er an ime 
selber ift 

Ilie mit fin wir gelert wie das got us fliuffet in die vernünftigen 
creaturen mit dem Hechte finer genaden vnt wie wir mit vnfer ver- 70 
nunfte nahen fönt difem genedeclichen liechte vnt vs vns felben 
gezogen werden vnt vffe climmcn in ein liecht das got felben ift 
Diu tritte minne gottes dar an wir lernen fönt wie das got ewec- 
Hchen vs gebom hat fin ein geboren sun vnt gebirt in nv. vnt 



i|3 wanne] wc 50 zuhet 54 Conr 1, 4. 56 waone] wc 69 yernunligen 
70 finer fehlt, 

Altd. Predigten. 12 



178 LXVI 

75 ewediche. vnt alfus lit er in kindel bette ineiner ieclicher gnoter 
vnt US brachter vnt inwonender feie difiu gebart ift fin verftentnuffe 
das eweclichen gefprungen ift von finem vetterlichen hercen indem 
er alle fine (263 a) wunne hat vnt alles das er geleiften mag das 
verceret er in dem verftentnuffe das (in gebarte ift vnt er enfbocheC 
80 nit US ime. alle fine wunne hat er infinem fane vnt er enminnet nit 
denne fin fane vnt alles das er inim vindet wanne der sune ift ein 
Hechte das do eweclichen geliuchtet hat in dem vetterlichen hercen 
fond wir dar in komen So mueffen wir climmen von natiurlichem 
liechte indas genadenrich Hechte vnt dar inne wachfen indas Hechte 
85 das der san selben ift do werden wir geminnet indem fane dur den 
uatter von dem vatter mit der minne die der heilig geift ift diu do 
eweclichen entfprungen ift vnt us geplueiet ift zuo finer ewigen 
gebart das diu dritte perfone ift vnt vs blueiende ift von dem Arne 
zuo dem uatter als ir beider minne 
90 Der meifter fprichet ich gedenken etwenne an das wort das der 
engele zuo \nnfer frouwen fprach gegrueffet fleftv genaden vol. was 
hülfe mich das (263 b) maria genaden vol were. ich were denne 
ouch genaden vol was hülfe mich das der uatter finen l\ine gebere 
ich gebere indenne ouch. Darvmb gebirt got finen füne in einer 
95 volkomenen feie vmb das si in vort vs gebere in aUen iren werken 
dar über fprach ein heidenfchiu iungfVouwe von herren iofeph des 
Patriarchen f^ne. ich enfach in nit an alf ein menfchen mer alf einen 
got wanne got der liuchtet us finen werken vnt alfus fönt wir geei- 
niget werden mit der minne des heiligengeiftes indem fane. vnt mit 

100 dem sune bekennen den vater vnt minnen vns in ime vnt in in vns 
mit ir beider minne. 

Nu fprichet er wer volkomen ift an der drierlei minne der muos 
von not .V. ftucke han. das ein ift ein wäre abe gefcheidenheit von 
allen creaturen das ij. ein war lediges leben das da beweget si 

105 indem gründe der sele von der beruerunge des heiligen geiftes. 
Das iij. ein wares (263c) fchoeweliches lebenne. Das iüj ein uf 
climmender geifte. 

Es fV'agte in eim gecite ein iunger finen meifter von der ordenung 
der engelen. vnt der meifter feit zvo ime. gange vnt fuege dich zuo 

iiO dir felber in dich felben fo lange das du es verftandes. vntgip dich 
denne mit wefenne darin vnt Heb das du in it anders üeft denne 
das du an in vindeft So ducket dich bi dem erften das du die engele 

100 dem f$Mt. 



LXVI . Lxvn 17» 

■ 

mit in fieft vnt alf du dich in ir aller wefen gibeft so wirt dich 
ducken wie du alle engele mit allen engelen Tieft 
Der iunger gieng enweg vnt fuogte sich in fich felben so lange vntz 115 
das er dis alles bi warheit beuant Do gieng er wider zum dem 
meifter vnt danckote ime vnt fprach mir iüt befchehen alf ir mir 
feiten Do ich mich gap indas wefenne der engele vnt vf clam in ir 
wefenne do duchte mich zeiuncfte. wie ich alle engele mit (263 d) 
allen engelen were. do fprach der meifter. Eya kemeftv ein wenig 120 
fiirbas inden vrfprung so sol wunder über wunder mit diner feie 
gewurket werden, wan die wile der menfche vf climmende ift vnt 
enpfahende ift mit mittele der creaturen fo ift er nit ceruowe komen. 
wann er vf climmende ift ingot so enpfahet er indem fune mit dem 
sone von dem uatter allef das got geleiften mag 125 



Pa4er noflter 



i 



Atter unfer der do ift inden himelen Das er vnfer vater ewiger 
Inder warheit si das mugent wir merken von der warhcit diu chri- 
(tus ift. wanne er fprach zuo fin iungern ir enhant wan ein uatter 
der do ift inden himelen. Das er euch allen heiffe vnt sie vnfer 
uatter alf er euch hat vns geleret das mügen wir dar an merken 6 
wanne er hat vns dur vierwife geboren darvmb das wir möchtin 
dur in (282 c) widerbracht werden indas ewige vattorlant von den- 
nen wir euch komen fint vnt er hat es mit offenen werten moifen 
vnt allen vnfem vettern gelopt do er fprach. inder vierden geburt 
fond ir herwider komen zuo mir. das wort haut die lerer alfus 10 
betiutet das man es alfo sol uerftan. Diu erfte geburte ift geheiffcn 
das er vns nach ime gebildet hat vnt gefchaffen. Diu ander geburt 
ift von der heilikeit des heiligen tovfes genomen. wan der touffe 
hellTet heilig vnt ift kreftige von heiligkeit des waffors vnt des 
bluotes ihefu chrifti das von fmem toten lip vnt hercen flösse indem 15 
er vns zuo dem andern male hat wider geboren. Diu tritte geburt 
Ut nit anders wanne das er vns von finer genade vnt von minnen 
vnt mit vnfer riuwe (282 d) wil behalten vnt vnf enpfahen alf do 
der uatter sinen fune het ferlorcn vnt in der riuwe wider fant vnt 
von Biinnen mit dem erften cleit aber gelichct im selben. Diu vierde 20 
geburt ift iader wir wider komen fönt das ift das ewige leben in- 

LXVII , 3 Ev. Miatth. 23, 9. ^or wao von jüngerer Hand nachgetragen nit 

9 Gen, 15, 16. 11 gehei-heifTcn 12 Yns von jüngerer Band nachgetragen, 

17 TOS fehU. Ai wir fehli. 

12* 



180 Lxvn 

dem er vnf mit finen ufer weiten inguenlicher wife wil tuen behal- 
ten amen 
Nu fond ir merken diu üben gebetto die vnf criftnf hat gelert indem 

25 pater nofter wie das wir den himelfchen vatter fond bitten. Dia ein 
bette fprichet alfo. Geheiliget so werde din name Das ift an vnf vnt 
invns. wenne das wir nu alfo begerent so haben wir. Drier tngendo 
gcbetten die vnf nu vnt eweclichen zuo allem guotc mugent kernen. 
Das ein ift das vnf got der uatter von himelrichc die gäbe des hei- 

SOligen geiftes welle geben. (283 a) Diu do götlichiu forcht ift ge- 
heilfen diu gäbe wirt darvmb gebettcn vnd ouch gegeben das der 
heiliggeift von finer krafte in vns welle würken das ift das er 
hochuart invnf welle vcrtriben in der wir gotte miigent miffeuaUen. 
Das anderift das er vns demuetikeit well geben Inder wir miigent 

35 gotte wol geuallen. Das tritte ift das er in vnf die feligkeit welle 
würken diu do ift geheiffen armuot des geiftes. von der chriftus hat 
gefprochen das feiig fint die. Die sich in armuot. des geiftes halten 
wan das himelriche ift ir 
Diu ander bette fprichet zuo kome vns din riebe. Das ift wir be- 

40gerent mit gotte das alliu menfchen werdent behalten, wenne wir 
difer bette gebettent So han wir trier fachen gebetten. Diu ein ift 
das got der uatter vns welle geben die gäbe des heiligen geiftes 
diu do heiffet miltikeit des (283 b) hercen. vnt diu gäbe wirt darvmb 
gegeben das si invns müge uertriben. nide vnd baffe der dir mage 

45 gefchaden vnt ouch indir welle wrken die Seligkeit von der chriftus 
hat gefprochen. selig fint die do sint eines milten hercen. wan si 
fönt das lebende lant das himelrich ift genant das fond si befitzen 
mit frceden 
Diu tritte bette heiffet din wille werde vollebracht Inder erde alf 

50 indem himcle. wenne das wir alfo begerent so han wir aber trie 
bette gebetten. zuo dem erften han wir gebetten das vnf diu gäbe 
des heiligengeiftes werde gegeben diu do kunft ift geheiffen diu das 
in vns welle vertriben das ift zoren der dich möcht verirren das 
du gottes willen noch sin gerechtikcit nicht möchteft volbringen Diu 

55 ander ift das dir ein betruept vmb dich vnt vmb dinef ebenmenfchen 
gepreften (283c) werde gegeben« Diu tritte ift das diu feligkeit 
indir werde gewürket von der chriftus i)prach. Selig sint die do 
eines betruepten hercen ünt wan siu fönt eweclichen getroeftet werden 



34 er in tos 37 fgg. Matth. 5, 3 fgg. 53 welle wurkea yn vtriben 



Lxvn 181 

Dia vierde betto fprichet alfo gip vns \Tifer teglich brott vnt mit 
dem so wir alfo fprechent. so han wir aber vmb drie genado ge- 60 
betten, vnd das ift das wir vnfern bimeirchen vatter bittent das er 
vos die gäbe des beiligen geiftes gebe diu do ftcrkin ift geheiffen. 
dauvmb das si vns den gebreftcn müge benemen der trakkeit ift 
geheiffen vnt ouch die Seligkeit in vns welle würken von der chri- 
ftus feit. Selig flnt die do hungeret vnt türft nach der gerechtikeit 65 
uf ertriche wanne siu fond gefattet werden In himelriche mit aller 
gnaegde 

Lnt das fünfte bette fpricht vergip vns vnfer fchuldo als (283 d) 
wir vergebent vnfern fchuldegern. das ift nit ceuerftanne vmb golt 
noch vmb silber mer vmb alle die betruepto leide vnt vngemach so 70 
diu menfchen wider vns tuont. wanne wir alfo begerent so bitten 
wir aber vmb dri genade. Diu ein ift vmb die gaben des heiligen- 
geiftes diu do hseiffet diu gäbe des rattes diu wirt gegeben dar vmb 
das hertikeit des hercen werde von vns vertriben vnt vns diu Selig- 
keit werde gegeben von der chriftus hat gefeit diu do erbarmherci- 75 
keit ift geheiffen. Darnach gat das wir den lone fond beützen das 
ift das vns erbarmhereikeit fol gegeben werden 
Diu fechfde gebette diu fprichet alfo. vnt inleit vnf nit inbekorunge. 
vnt wenne wir alfo bittent so haben wir vmb drie tagende gebetten. 
das ift das vns diu gäbe des heiligen geiftes werde gegeben (284 a) so 
diu uernunft ift geheiffen. diu darvmb wirt gebetten vnt ouch gege- 
ben das der geprefte vnd diu vntugede der vnkiufchekeit der din 
uernunfte mag uerplenden. das der von der craft des heiligengeiftes 
werde ucrtriben vnt dir diu feligkeit werde gegeben diu do heüfet 
luterkeit des hercen. von der chriftus hat gefprochen das feiig fint 85 
alle die do sint eins reinen hercen wanne Hu sond got eweclichen 
fehouwen vnt fin gebruchen mit foller gloric. 

Das fibende gebette fprichet alfo. Loefe vnf von allem übele amen, 
vnt hie bitten wir ouch trier bette das ein ift das wir bittent vmb 
den geifte der wiflieit der wirt darvmb gebetten vnd geben das vns 90 
werde benomen vnfer menfchlichiu oder natiurlichiu kränkelt Das 
ander vmb ein befcheiden luter conciencio vnt fride des hercen. Das 
tritt ift das wir bitten vmb die feligkeit von der chriftus hat ge- 
fprochen. Selig sint si die (28Ab) do fint eines fridfamen hercen 
wan siu fond den lone beiltzen von dem chriftus hatte gefeit das 95 
die fridfamen gottes kinder werdent geheiffen amen. Fiat Gat. 

— ^^— ■ I _■ - "^ 

80 du genade vnd gäbe 



182 Lxvm 



E. 



Am ersten Sanntag im Advent. 



iRnnt figna in fole et lona et ftellis. Difia wort diu fchribt der 
heilig ewaiigelift fanctus Lucas in dem ewangelio das wir hiut ge- 
lefen hein zno dem heiligen ampt der mefz. Und difiu wort hat ge- 
fprochen der lieb chriftus do er uf ertrich gieng zuo finen liehen 
siangren. Und ü fprech-(i05 a)ent ze tiutfche alfo. So ir fechent 
das zeichen gefchechent an der funnen und an dem man und an 
dien fternen. Levate capita veftra ecce appropinquahit redempcio 
veftra. So hehent uf iuwri hcepter und fechent iuch nachret iuwri 
erloDfunge. Nu fchribet der lieb leronimus das funfzechen zeichen 

10 gefchechent vor dem iungften tage funfzechen tage alle tag eins. 
Und dar nach ift der iungfte tag und das iungfte gericht. Nu ift ze 
wiffen das alle tag driu und dryfTig tufeng mönfchen fterbent der 
iungfter tag es ouch denne ift. Nu ift aber ze wiffen das vierer 
band liuten gericht werdent. zweiierhand guot und zweiierhand boes. 

15 Do nu chriftus fin iungrcn ufz fante nach finer urftendi ze brödien 
Do fprach er zuo inen. Euntes in mundum predicate ewangelium 
omni creature Gant in die weit, und prödient das ewangelium aller 
creature. Und die es geloubent die werdent behalten. Und die es 
niut geloubent die fint ietzant verdampnot. Dis fint von den vierer 

20 hand liuten die gerichtet werdent das fint die aller boBften das fint 
(i05b) luden und beiden die das ewangelium niut geloubent die 
fint ietz verdampnot als chriftus felber fprach. Die andren die wer- 
dent gerichtet an dem iungften tag und dis fint ouch boBS die von 
difer weit Hnt gefcheiden in totfunden ane riuwe und ane bicht die 

25 werdent gerichtet in die ewigen helle. Nu fint ouch zweiier bände 
guoter liuten. die ouch gerichtet werdent. die erften das fint guoti 
mönfchen die luterlich und reinklich gelebt haut von kintlicher 
iugent die fint ietz gericht ze ewigem leben. Und fi fond fitzzen uf 
dien zwelf ftuelen und fönd richten mit dien zwelfbotten über die zwelf 

80 geflecht von yfrah^l. Die andren werdent gericht an dem iungften 
tage. Und dis fint ouch guot und hatten dike fQnde getan Und die 
haut fi geriuwet und gebichtet und difiu mönfchen werdent gerichtet 
ze ewigem leben. Nu ift ze wiffen das der mönfche ift diu minder 
weit. Und alles das in der weit gefchichet das muofz alles geiftlich 

L1[V111 , 2 Luc. 21, 25. 16 Marc. 16, 15 fg. In der Handschrift madum 

et pdicate 17 ewanliu 



LXVm 183 

in dem mönfchen gefchechen. Und das merke da bi das dn gelicheit 35 
haft mit aller crea- (lOC a) tare. Won do chriftus fprach zuo finen 
iungren brödient das ewangelium aller creature. Do mochtent die 
langer chriftum fragen, fönd wir dien fteinen und dien tieren ouch 
brödien. Do mocht chriftus fprechen. nein brödient es dem mönfchen 
fo haut ir es gebrödiet aller creature. Won der mönfche hat ge- 40 
licheit mit aller creature. Nu ift der mönfche gefchaffen von dien 
vier elementen. Und hat ieklicher dement natur an ime als fi guot 
und boefe ift. Von dem luft ift der mönfche fubtil und fnell ze un- 
tagenden. Von dem fiur zornmuetig Von dem waffer anftet. Von 
der erde trseg zuo allen guoten dingen. Wilt du nu nemen die AS 
tagende, die der mönfche hat von dien vier elementen. fo haft du 
fabtilkeit von dem luft zuo allen götlichen dingen. Alfo das du fnell 
und fubtil bift zuo verborgnen götlichen dingen das du diu behen- 
denklich wirft merkend. Zuo dem andren male fo haft du von dem 
fiar götlich minn alfo das du got und dinen nechften wirft minnend 50 
in götlicher minn. Zuo dem drytten fo haft du von dem waffer die . 
abwefchunge der fchulde. Zuo dem vierden fo haft (106 b) du von 
dem ertrich die diemuetikeit fo du ficheft das du von erden komen 
bift und du wider ze ertrich werden muoft das bringet dir gruntlich 
diemuot. wilt du es recht an fechen. Nu mucffent in dir difiu fünf- 55 
zechen zeichen geiftlich gefchechen die leronimus fchribt das fi vor 
dem iungften tage liplich fönd gefchechen. won wilt du über werden 
des iungften gerichtes fo muoft du got fins gerichtes in zit in dir 
laffen bekomen. Nu ift an dem erften tage der funfzechen tagen als 
wirs nu mueffen hinderflch nemen. An difem tag den wir den er- 60 
ften nemmen fo ftutzzet fich das mer uf über alle berg vierzig 
klafter. Nu möchteft du fprechen war umb vierzig, es möchte doch als 
wol fin funftzig oder hundert, nein min kint es ift genuog mit 
viertzigen won der mönfche gefchaffen ift von dien vier elementen 
dar umb ift es vierzig So man denne die zal in vieri teilet das 65 
bezeichnet die gebreftlicheit die der mönfche hat von dien vier 
elementen. Und die zechniu bezeichnet das fleh der mönfche ver- 
fchult hat und gefumet an dien zechen gebotten. Und dis alles 
fchriiet («07 a) über alle berg uf. Won es fprichet dcrwiffagher 
david. Din erbermde herre ift über alle berge. Und dar umbe fönd 70 
wir n an rueffen. Nu hat fleh das mer uf geleinnet und geftützzet 
über alle berg das ift ein erfchrokkenlich ding allen dien die es 

_ 

51 Zu dem drytte male 



•• • 



184 Lxvm 

fechent Nu hat das mer drin ding an ime. das erft es ift als verfaltzen 
das es recht bitter ift das fin nicman genieffen mag weder ze effen 

75 noch ze trinken. Zuo dem andren male fo ift es vnftet. Alfo fo es 
einen tag recht ftille ift. fo taot es den andren tag als es alle die 
weit verduemen welle. Zuo dem drytten male fo ift das mere offen 
gegen allen winden zuo allen vier enden. Wa die winde har wegent 
da ftoffent fi behendenklich an das mere won das mer ift inen allen 

8Ö offen. Nu muofz der mönfche dis geiftlich an im haben, das diu 
funfzechen zeichen gcntzlich in ime volbracht werden. Zuo dem 
erften male und an dem erften tage fo ftützzet fleh das mer uf in 
dem mönfchen und das ift des mönfchen gemuete ilas ftützzet und 
leinnet Hch uf über alle berge. Und dis ift ein verwegen gemuet 
85(107 b)alfo das der mönfche ein gantz verwegen hat fichvon allen 
fünden ze keren und ze einem tugentlichen leben. Und difiu mön- 
fchen vachent an. an ufzwendigen dingen abzebrechenn. nu hat fich 
dis mer uf geftützzet über alle berg vierzig klafter hoch. Won 
der wiffag David fprichet. Diu erbermde gottes ift nber alle berg 
90 dar umb hat Hch des mönfchen gemuete uf erhaben zuo got dar umb 
das im diu erbermde gottes ze hilfo kome. Nu möchteft du fprechen. 
war umb wirt der mönfche gelichet dem mer. Und dis gefchicht umb 
driu ding diu das mer an ime hat. diu euch der mönfche an ime hat 
Zuo dem erften male fo ift das mere bitter das fin nieman genieffen 

95 mag. Alfo ift ouch der mönfche wa er fich zuo der creature und zuo 
zitlichen dingen keret do ift er zemale bitter das iln nieman genief- 
fen mag zuo keinen götlichen dingen. Zuo dem andren male fo ift der 
mönfche unftet als das mer hiut ift er guot. morn ift er bces. Hiut ift er 
gefunt morn fiech. Nu hungert in. nu turftet in. nu friurt in. nu wil 

iOO er dis ( ios a) denno wil er das. Und ift im ein ftund niut ze muot 
als die andren, eineft ift er wolgemuot. fo balde wirt fo ift er trurig. 
nu lachet er fo balde wirt fo weinet er. Und recht flechtlich gerct 
an dem mönfchen ift niutzit won unftetikeit. in werten in werken 
in allem finem tuen und laffen. Zuo dem drytten male fo gelichet 

105 Heb aber der mönfche dem mere. das ift gegen allen winden offen. 
Alfo ift ouch der mönfche gegen allen creaturen offen, wa fl har 
koment la gegen allen Untugenden. Wa fi har koment fo vindent fi 
alwegent raft und ruowe in dir recht als in einem winhus und in 
einer tabem alle die gefte die dar koment die laffet man in und 

110 vindent herberg do. Alfo tuet ouch der mönfche der enphachet alle 



75 YDfteft 



LXVm 186 

creataren gnot und boes Und ift in allen gemein was fi faochent das 
vindent fi alles an ime So fich na das mer an dem erften tage uf 
geftützzet hat als ir gehoert hant. und es gar ein erfchrokkenlich 
ding ift an ze fechen. So denne an dem andren tage wirt. fo lafTet 
es üch gar ftille wider nider alfo (lOS b) das es nieman ficht noch ii5 
gewar wirt Und alfo tuot der mönfche. der lafTet fich gar ftillich 
nider und haltet fich gar heimlich das es nieman gewar werde. 
Was in ime uf geftanden ift guoter Verwegenheit, won der mönfche 
getar im felber noch niut gar wol getriuwen. Won in ime ift dik 
ein gar guot Verwegenheit uf geftanden fo nach dem male niutzit 120 
dar ufz wart. Und dar umhe haltet er üch gar ftillich das es nieman 
gewar werde. Dar das nieman fpreche. der tantzet gefter hiut ift 
er heilig, morn ift er aber der tiuvel. Und dar umbe fwiget er gar 
ftille und feit nieman niutzzit Und brichet der nature abe was er 
mag. nu leit er gold hin denne berlan denne vech gewant. Aber 125 
dis ift alles noch gar klein zuo einem götlichen leben. Aber ein 
wol geordneter mönfche der zuo einem götlichen leben komen wil 
dem ift es ein anvang eins andren, das er dar nach abfnidet. Aber 
do ein geiftlicher mönfche ift der zuo einem götlichen leben komen 
wil der brichet finer nature (i09 a) abe alles das ir luft bringen 130 
mag an effen an trinken. la fo er ob dem tifche fitzzet in dem re- 
▼entor fo brichet er ab heimlich wo er mag. einen muntvol einen 
trank und an flaffen und flechtlich geret alles das des er in kein 
wis enbem mag. do brichet er abe eins hiut. das ander morn. recht 
lütklich gat er fmer nature nach. Won es tuot der nature wirs das 135 
man ir liftklich nach gat. denne das man irs alles einer ftunde neme. 
fo neme fi es morn her wider. Won wa ein mönfche ift fo man den 
er zumet und er denne fwiget und fich niut baldo riebet, vor dem 
mönfchen kan man fich kumer gehueten denne vor dem der fich für 
fich mit werten riebet da weis man wol. das man fleh da hueten 140 
fol. und man in für einen vigent haben fol. Alfo kan üch diu natur 
niut gehueten. do man ir alfo liftklich nach gat. das man ir eins 
hiat nimct das ander morn. won wo man eins tagäs alliu ding mit 
einander ab brichet. do würget man der natur den hals abe und dis 
ift niut gar nutz (iT)9 b) Won fol ir eins nemen nach dem andren 145 
untz' das fi gentzlich über wunden werde und fi fich laffe dem geift 



e _ _ _ -. c _ 

i27 golicbe 129 eine geiAliche lebe götlichen lebe 133 an] ane 

142—145 vgl. LXIX , 124 a. 



•> 



IM Lxvm 

das er mogehindert von der natar belibe. So b« an dem dryüea 
tage wirt fo gand allia diu mer wunder ufz diu in dem mere fint 
und fchrigent Und gant zuo den Unten, und gehabent ilcli alfo 

i50 hertzklich übel das recht die liute erfchrekken möchten. Was fint 
difiu mer wander geiftlich ze verften. So iffc es ein klagberi nator 
diu gat umentom und klaget fich gar hertzlich und fchriget gar 
kleglich Won fi fichet wol das fi gentzlich under getruket ift 
worden Nu möchteft du fprechen war umbe kamen difiu mer wunder 

155 niut an dem erften tage und fi nu erft koment an dem drytten tage 
Nein min kint fi gedachten das es niut won ein klein wile weren 
fölte. fo liefilen fi fich wo! won diu natur lat den mdnfchen etfwenne 
wol einen tage oder zwen gar heilig fin dur das der mönfche dar 
nach frcelich fi. la min kint diu natur liefib dich die zuokumft mit 

160 C 1 io a) enander vafien das du denne ze faf nacht tantzift und firoelidi 
fiieft und euch ir denne geloubefi. la ficher mönfche ane allen 
zwifel. fi liefib dich noch die houbvaften mit einander vaften wöl- 
teft du loch ze waffer und ze brot dur das du denne ze dem meiien 
tantzifL und froBlich lebefi Aber ficher mönfche wirt diu natur ge<- 

(65 war das man ir niut euch das ir wil lafien ficher fo hilt fi fich 
niut lange fi werde klagber. Won E das fich diu natur gentzlich 
liefii. fi hafti fich E an einen roten öphel oder an einen bluomen 
und nemo da luft oder genuegde als vil ir werden möchte. Und dis 
fint diu mer wunder die da koment an dem drytten tage ufz dem 

170 geiftlichen mere. Und fchrigent und gebaut fich alfo hertzklichen 
übel. la difiu klagberi natur gat umment um von einem bichter zuo 
dem andren. Herre erloubent mir dis oder das ia fi dunket fi müge 
da niut gevaften. denne balde fo mag fi niut ze metti gan. nu üt 
fi krank, und ift dis ze hert. das ifi ze fwer fo gat fi denne zuo 

175 derMeyftrin. erloubent mir dis (HO b) und das oder iemer etfwas 
gebrifiet ir das fi niemer ruowe gewannen kau. fo fi aber fichet 
das der mönfche mit einem verwegnen gemuete fich wider fi fetzzet. 
und ir der mönfche niutzit volgen wil fo lat fi den mönfchen balde 
ennot Und difiu klagberi natur das fint die merwunder. So fi nu 

180 lang gant fchriient ument am und fich gar übel gehabent und fi 
denne fechent das es fi niutzit hilfet. fo gant fi wider in das mer 
ufz dem fi komen fint. Und gant recht untz an den gruat. Und ligent 
do. Und doch fo habent fi fich etzwcnne uf. Ia min kint won du 
din natur alfo under trukeft und du fi niut lafi'eft für komen. Was 

157 liefTe 159. 160 mit (110 a) mit enander 



LSVm 187 

taat fi deime dar nacb fo fliuchet fi in das mer reebt an den grani 185 
la fi verbirget fich alfo das du ir dike kum gewar kanft werden 
Won dtke und dike fo rueret fich diu nator in dem mönfchen. fo 
der mönfche wennet das es got fi oder es von dem heiligen geilte 
fi. fo es niut won blos natur ilt. Und dar ombe minia kinder fo nement 
iuwer felbers war und hnetent iuch vor dem heimlichen fchalk 190 
iawer natore. Won ücher (iii a) der mdnfche kan kam iemer fo 
genot gehaeten diu nator erbiete fich noch denne gar liftlich, and 
gar mänigvaltenklich dar an An dem vierden tage fo bronnet das 
mer Und es brünnent niat alliu waffer. niat won allein das mer. Und 
dis bezeichnet die gebreftiicheit die der mönfche hat von dem mere 195 
das brünnet la wa fich der mönfche vor zao dien creaturen kert 
hat and die anftetikeit des mönfchen. und als der mönfche bereit 
ond offen was gegen allen creaturen. Und enphengklich was aller 
gebreftiicheit dis alles brunnet das der mönfche f&r das hin niut 
als geneigklich wirt srao fiintlichen gebreften als er vor mals ift200 
gewefen An dem fünften tage fo fwitzent die boume and alles ert- 
rich blaetigen fweis Und alle die vogel die uf dem ertrich fint die 
fliegent xe famen und fechent ein ander an. recht als was wil hie 
werden. Und fOrchtent in als recht hertzklichen übel das fi niutzit 
mer fingent noch fich froBwent als fi da vor hant getan. Dis be- 205 
seichnet wenne (lU b) der Mönfche an fichet alles fin leben wie 
recht onluter es alles gefin ift. Und wie wening der mönfche alles 
fin taon und lalTen fo recht kleinen got dar inne hat gemint and 
gemeint Were es denne muglich oder natiurlich er fwifte bluetigen 
fweis von rechtem gruntlichem hertzleide fo er denne enphachet. 210 
da von gefwiget fin ftimme und geligent finia wort Und wirt alfo 
gediemuetiget das er recht gentzklich gefwiget und niutzit weis was 
er mere lagen fol. An dem fechften tage fo vallet alles das gebiuw 
nider das von fiein werk gemachet ift niut von holtz werk. Dis ift 
alles das der mönfche uf fin wol gevallen gebuwen hat Und das 2(5 
er wil getan haben alles das der mönfche getuot oder getan hat 
gaoter werken, des maofz der mönfche als unan nemlich fin als es 
ein ander mönfche getan hab. Und dar umbe fo mnofz das ftein 
werk alles vallen. Und dis ift des mönfchen wellen iin und getan 
wellen haben. Und das wol gevallen das er im felber tuet Und die 220 
begirde die er hat ze wolgevallen dien lioten da folt allein be- 
(112 a) geren got wol gevaUen und nieman anders. An demfiben- 



aOO fhntlicbe $08 f«Mr etwai. 



188 Lxvm 

den tage fo brechent die fteine ab ein ander in vier ftok. Nn möchteft 
du fprechon war umb in vier ftuk. fi möchten doch als wol brechen 

225 in fünf oder in fechs oder in zechen ftak fo in vier ftuk. Nein min 
kint es ift genuog fo fi brechent in vier ftuk Won denne ift gebrochen 
die neiglicheit die der mönfche hat von dien vier elimenten zuo 
fiintlichen gebreften das wirt zer ftceret fo die ftein in vieriu brechent. 
Belibent ioch die ftein und das phlaftor do das man ein ander mure 

280 machet, fo wirt fi doch niemer mere als creftig als do vor die 
wiie die fteine gantz fint. AVon ein kleiner wint der zer ftoBret die 
mur. Dis ift ein kleiner riuwe hat dis mur behendenklich zerbrochen 
An dem achtenden tage fo erfchüttet (ich aUes ertrich alfo veftenk- 
lich und alfo hertklich das alliu mönfchen die uf dem ertrich fint 

235 die vallent nider und mngent niut geftan. Won wenne die wint in 
das ertriche koment dur die hülinen und dur die löcher. Und fi fich 
denne verllieffent das fi niut kunnent (li2 b) ufz komen fo erfchüt- 
tent fi das ertrich das es alles erbybonet. alfo creftenklich das die 
mönfchen mueffent vallen. Und fo fi alfo hertzklich erfchrekkent 

240 fo louifent fi in die wucfti und verbergent fich do. Difer erdbybon 
ift niutzit anders denne fo der wint des heiligen geiftes dur weget 
die hülinen der feie, fo wirt der mönfche alfo dur golTen mit göt- 
licher gnade das er möchte fprechen mit der minnenden feie. Surge 
aquilo et veni aufter perfla ortum meum et fluent aromata illius. 

245 Stand uf du kalter wint. Und kum du öfter wint und dur wege minen 
garten, fo wirt er fliefTent von pigment. Hie werdent die hülinen 
der feie alfo dur weget mit dem minnenklichen öfter wint das ift 
diu minnenklich gnade und fueffikeit des heiligen geiftes das difiu 
mönfchen niut uf inen felber geftan mugent Won das fi vallent uf 

250 das ertriche. das ift in ir klein. Und fi verbergent fich in die hülinen 
und in die berge in die einoedi. dis fint die hülinen der minnerichen 
wunden irs gcminten. in die verbergent fi fich vor dien grinlichen 
wafwet- (il3 a) ren dirre zergangk liehen zit. und in das uf getan 
minnerich hertze chrifti verflieffent fi fich vor difer trughaftiger 

255 zcrgangklicher weit. An dem niunden tBge fo lafTent fich nider alle 
die berge und büchel die uf dem ertriche fint alfo das alles das uf 
dem ertriche ift. das das alles wirt ein ebenner plan. Alfo das man 
in einem ougen blik alle die weit über fechen möcht. Dis ift das 
der menfche alfo gefaft und alfo geordnet wirt das im alliu ding 



228 funtliche 239 vallent 243 Cant. 4, 16. 254 yflieffet 



LXYIII 18» 

gelioh werdent als dem himelfchlichen ftudent fancto paulo. der do 260 
fprach. Ich bin mit dem beiden ein beiden, mit dem iuden ein iude. 
Und bin doch Paulus. Das was das er uuder dien boefen ficb alfo 
minnenklich und alfo bebuotlicb Und alfo fenftmuetklicb ficb bielt 
das fi ficb von finem minnenklicben wandel eintweder bekerten. oder 
fi wurden von ime geftraiTet oder iemer etwas guotes namen fi da 265 
von. Was er aber bi guoten liuten oder bi dien friunden gottes fo 
hielt er ficb alfo volkomenlich das ü euch alle von ime gebeiTret 
wurden. Alfo folt du dicb alfo minnenklicb bal- ( 1 13 b) ten das dir 
alliu ding eben komen guot und bces Difiu mönfchen die ficb ge- 
lichent ikncto Paulo in dien werdent alliu ding flecbt und eben und 270 
horten fi den (Bdeften phaffen der in der zit ie wart ein gar flecbt 
brodle tuen, fi könden fi zuo dem boecbften keren und zuo dem 
aller heften verftan. Horten ü euch einen hocben meifter von Parys 
die aller vemünfltigoften brödii tuen die kein mönfche ie gehört fi 
könden ü merken zuo dem aller minnenklichoften und zuo dem aller 275 
fttbtilften fo man in der zit die gefcbrift verftan mag. Und alfo 
werdent inen alliu ding gelich. Won mit den guoten fint fi guot mit 
den boefen haltent fi ficb fenftmuetcnklich und gedultenklich. dur 
das fi in bringen zuo der minn chrifti Als der lieb fanctus Paulus 
fprach Ich bin mit allen dingen alles das fi fint. dur das ich fi 280 
bringe zuo der minn chrifti. Und ich bin doch Paulus, das was das 
er ficb in allen dingen buot das er ficb niut ergrot. Er fprach euch 
wer ift fiech und bin niut mit ime fiech. Das was das er mit allen mön- 
Ochen mitliden hat guoten und boBfen (li4a) .Mit dem trurigen 
was er trurig. Mit dem frcelicben was er froelich. Alfo fint euch 285 
difiu mönfchen mit allen mönfchen gelich das fi euch fint. Mit dem 
fiinder baut fi riuwe und pin umb fin fündelich leben. Mit dem 
fiechen trurent fl Mit den guoten und mit den froelichen fo froewent 
fi fich. Und alfo werdent fi gelich eben gegen allem dem das in 
der kriftenheit ifl;. An dem zechenden tage fo komcnt die mönfchen 290 
die an dem achtenden tage in die wuefti giengen. die koment nu 
har ufz. Aber fi koment anders denne fi in giengent. fi giengen in. 
in etzwas ftoltzer wife in die wuefti. Nu koment fi hertzlos. War 
umbe do hat das blik fchos inen das hertze genomen. Os habent 
et non loquentur. occulos habent et non videbunt. Si hant mund und 295 



261 vgl. Cor. 1, 9, 20 fg. 280 Cor. 1, 9» 22. 288 de guote 294 P$. 

113, 13. 295 Of habet er no~ 



1*0 Lxvm 

redeat niat Si hant oogen und gefechent niat War mnb do baut 
fi den vinger uf den mond geleit dar nmbe das il niat reden. Und 
gant zuo dien liuten und fwigenC und redent mit nieman niutzit. 
Und fechent fi an recht als was wil hie werden. Si gant aber 

300 (h4 b) zuo nieman won zuo dien mönfchen die ouch ab dem waf- 
wetter erfchrokken (Int als ouch fi Aures babent et non andient 
nares habent et non odorabunt Si hant oren und gehoerent niat. 
Si hant nafen und fmekkent niut. Manus habent et non palpabunt 
Pedes habent et non ambulabunt. Si hant hende und merent niat 

805 Si hant fueffo und gant niut. War umbe. , got ift ir feeben. und Ir 
Q)rechen und ir beruerde und ir fmakken und ir gan und ftan und alles 
ir tuen und laffen heimlich und oflbnlich. Got ift ir hertze und ir ge^ 
muete Und recht flechtlich geret alles ir fin alzemale genteklioh. An 
dem einliften tage fo erftant die toten von dien grebren uf. Aber fi 

SiO enkoment niut von dien grobem, fi ftan^ uf iren grobem Und fechent 
was do werden welle. Dis ift geiftlicb ze nemen Wenne der heilig geift 
dur rueffet der toten gebein. fo erftant difer mönfchen gebein und 
(laut uf ir grebren und wartent was da werden welle. la dlfia 
mönfchen ftand uf ir eigenner kleinheit und veraichtikeit und war^ 

315 tent was got von inen (ii5a) haben welle, das fi dem behendek- 
lieh genuog fiien und es volbringen. Hie ift tot in tot la min Idnt 
difiu mönfchen die fint vorgeftorben aller ufwendiger dingen und 
alles des do diu natur troft oder luft an haben möchte. Aber na 
muefTen fi fterben inwendiges götliches troftes. la fi mueffent fter- 

320 ben der andren frucht des heiligen geiftes diu da ift der zwelf 
firQchten einiu. Und dis ift frceide in dem heiligen geift dero muefTent 
n nu lernen fterben. Und dis ift tot in tot Und ift ein geiftlioh 
fterben dis mugent wol die fin von dien chriftns gefprochen hat 
Beati pauperes i)[iiritu quoniam ipforam eft regnum celorum. Selig 

325 fint die armen des geiftes won das rieb der himlen ift ir. Jk das 
rieh der himlen ift ir und fi fint felben ein rieb gottes. Und got 
ruowet in inen. Und hat alliu fm woUuft in inen. Nu möchtent ir 
fprechen War umbe erftat niut won das toten gebein und niut das 
fleifch. nein min kint das fleifch bedarf niut das es erftande. Woft 

330 diCIu mönfchen die hant ir fleifch «nd ir bluot versert und verfw^nt 
(115 b) in dem liden und leben chrifti dem fi alfo adeidich ImaI 
nach gevolget dur alles fin leben in liden in miden in fwigen in 



301. 303 Pj. 113, 14. 15. 302 odorabent 321 den 323 J?v. Matth. 5, 3. 
325 Ut MOtimo). 



LXVm 191 

gedaltikeit in fenftmuetikeit. Und in diemuetikeit und recht alle fin 
fkioltapfen. Und alfo hant fi verfweint ir fleifcb und ir bluot und 
alle ir craft. Und liar umbe bedarf es niut erftan-nint won allein 335 
das gebein der toten wirt dar meffet von dem heiligen geifte das 
es erftande. Miniu lieben kinder war wenent ir das got mit difen 
minnenklichen mönfchen werden fülle. Hchor ficher ane allen zwivel. 
got wil difen mönfchen in zit noch in ewikeit nienant ftat noch 
mowe geben denne in der Verborgenheit ünes minnenklichen ant- 340 
lutes als der wifTage her David in dem falter fprichet. Abfcondes 
eos in abfcondito faciei tue.' Er fol fi verbergen in die Verborgen- 
heit fines antlütes. An dem zwelften tage fo vallent die fternen. 
Dis fol man niat alfo verftan das die fternen gantz vallent. Won 
ein fteme ift alfo grofz als alles ertriche Und viele ein fterne bar 845 
nider nf das ertriche er crfluege allin din weit. Aber das geliacht 
dCT Herne das fi gebent ( ii 6 a ) nf das ertriche das vallet nider. 
Alfo vallet alles das geliacht das difiu mönfchen in keiner wife uf 
das' ertrkbe gebent in werten in werken, in wandel in geberden 
oder in keinen dingen wie klein das nf ertriche iemer gefin mag 850 
das maofii gentslich abe inwendig und nfzwendig Won iumme denne 
diB JEtemen kein unluterkeit erliden rougent. Won wenne die wulken 
etzwas unluterkeit von dem ertriche uf ziechent Und die fternen da 
von kein unluterkeit enphachent. behendenklich fo reiftent fi fich 
und werffent von inen die unluterkeit das fi aber fchoen und luter 855 
mugen fin. Alfo tuend difiu mönfchen. fi werfent von inen alles das 
fi des ttrtriches ie oder ie gewunnen. Und dis mugent die minnenk- 
liehen mönfchen fin von dien der lieb chriftus felber gel)prochen 
hat. Beati mundo corde quoniam ipfi deum videbunt. Selig fint die 
die eins reinen hertzen fint won fi werdent got fechent. Wie ficht 860 
man got Difiu mönfchen werdent got fechent drivalteklich. Zuo 
d^B erften fechent fi got in aller (116 b) creature. la es ift kein 
creatnr in der zit du vindeft dinen got und dinen herren dar inne. 
Sichelt du ein gewaltig creature do merkeft du ein gewaltigen got 
Sieheit du ein wife creature. fo bedenke den wifen got von dem 365 
aUiu wifheit kumet. Sicheft du die gueti d^ creature fo bekenne 
das gfiiot das got felber ift von dem und ufe dem alles guot vol« 
komodUA fliuffet Zuo dem andren male fo fchowent difiu möa- 
toben got als er mit finer gnade tougenliche in der feie würket 

341 Pi. SO, 21. 342 abfcondfla 352 fehlt die zweite Bälfte des Satzes. 

3Ö8 diso üenieA 859 Jto. JfattJL S, 8. 



192 Lxvni 

870 menig minnenklich verborgen ding, das nochdenne der felben feie 
dike verborgen ift untz das er üch von ir fcheidet und anderziuchet 
denne bevindet fi was fi guotes getan hat. das das alles komen ilt 
von der gnade gottes. Zuo dem drytten male fo fecbent ß aber got 
aber dis ift ein glorioflicb fchowen das ift beffer ze bevinden denne 

375 da von ze fprechen Won es ift über alles das man in zit gedenken 
oder geworten kan. Ein einiger tropfe des glorioflichen fchowens 
das man in ewikeit fcbowet. über triffct alles das kein lerer in zit 
da von ie gefpracb An dem drizechenden tage, fo fterbent alle ( 1 1 7 a) 
die mönfchen die uf dem ertriche fint. Dis ift ein feiig minnenklich 

380 fterben das difiu mönfchen getan hant fi Iint al ze male tet aller 
creature. Won fi fint unwiffent aller creature. la fl haltent üch 
aKo diemuetenklich under andren mönfchen das fi nieman bekennen 
kan es were denne der felben mönfchen eins das ouch difen wog 
gegangen hat. Won der lieb chriftus fprach felber. bi ir fruchten fol 

8S5 man fi bekennen Non poteft arbor bona fructus malos facere. ne- 
quo arbor mala fructus bonos facere. Kein guoter boun mag bo&s 
frucht bringen, noch kein boefer boun mag guot frucht bringen. 
Alfo ift es umb einen guoten mönfchen der mag kein boBS werk 
würken. nein ficher mönfche difiu mönfchen fint ir fjplbers und aller 

390 untugent alfo ze gründe erftorben. das ü kein untugent mugent wür- 
ken. Dis fint die feiigen toten von dien der lieplich minner Johannes 
ewangelift ge()prochen hat Beati mortui qui in domino moriuntur 
Selig fint die toten die in dem herren fterbent. Es fint ouch die 
lieplichen (117 b) mönfchen von dien der lieb fanctus Paulus ge- 

395 fprochen hat. Mortui, enim eftis. et vita veftra abfcondita eft cum 
chrifto in deo. Ir lint tod und iuwer leben ift verborgen mit chriflo 
in got. la difiu mönfchen fint wol verborgen in got Won kein 
creatur kan fi vinden. la enkein creatur mag fi entzezen^ in lieb 
noch in leide war umbe do fint R tot allem dem das fi entzexen 

400 mag liplich oder geiftlich. Hie komcnt die tierUn und fchriigent und 
gehabent fich alfo hortzklichen übel, es fint aber niut tier ab die 
mer wunder die da an dem anevang an dem drytten tage kament 
das was ein klagberiu natur. Aber diliu tierlin das fint. des mön?- 
fchen nidren crefte der feie die begerent ouch mit dien obren kreften 

405 mit chrifto vereint werden Und dis mag niut gentzklich gefcheohen 
die wile die fei bi dem Übe ift. Won dio nidren crefte der fei hant 
alwegen ein nider finken Und dar umb fchriient fi und fprechent. 

371 ynU 384 Matth. 7, 16. 18. 393 Apocal. 14, 18. 396 Colo$$. 3, 8* 



Lxvnt . Lxix 19S 

Dupio diftolvi et elTe cum chrifto. Ich beger entpanden werden und 
In mit chrifto. An dem vierzechenden tage fo brunnet alle die weit 
E6 fa-(ii8i)men in einem fiur wafTer und ertrich und recht alles 4 io 
las uf dem ertriche ift untz das es al ze male ze efchen wirdet 
Ufo werdent difia mönfchen gentzklich in dem fiure götlicher minne 
rerbrönnet untz das fi ze efchen werdent la difiu mönfchen fint ir 
Telbers als gar entworden als do fi in got waren, und ir felbers 
noch keiner crcature niutzit wufton. An dem funfzechenden tage fo 415 
Wirt ein niuwi weit. Dis ift diu heilig niuw himelfchlich ftat ze 
[herufalem von dero. der minnenklich lohannes ewangelift gefprochen 
liat Si ift dur liuchtet als ein criftalle. und ift dur leit mit edlen 
margariten und ift durflagen und dur fmeltzet mit klarem golde. 
Und ich fach das vor dem thron gottes alliu ding niuw waren. Difiu 420 
himelfchlich Iherufalem ift wider gebuwen von dien lebenden ge- 
pulinierten fteinen die under dem hamer des lidens in difer zit ge- 
ordinieret und gepulinieret fint. Und das fint die mönfchen in dien 
difiu fiinfzechen zeichen geiftlich volbracht fint als ir fi nu gehoeret 
hant Difiu mönfchen die fint ficher des iungften gerichtes won fi 425 
fint ietz gericht in (iis b) ewig leben. Miniu kint bitten got das 
wir e^ig leben mit in verdienen und euch befitzen, des helfe mir 
und iuch der vatter und der fun. und der heiig geift AmoN 



Am zwanzigiten Sanntage nach Pfing$ten. 

Ifiiia heri hora feptima reliquit eum febris. Difiu wort fprichet der 
gemint lohannes cwangelifta in dem Ewangelio das man hiut ze dem 
heiligen ampt der meffe gelefen hat. Und (]prechent difiu wort ze 
titttfche alfo. Geftren zuo der fibenden zit des tages do lies in 
der ritte. In der zit was ein kunglin des fun was fiech ze ca- 6 
phamaum. Und do difer erhört das Ihefus kam von ludea in Galy- 
leam do gieng er in zuo zim und bat in das er ab gienge und ge- 
fuat machote finen fun. er hegend ietzzo fterben. Und Ihefus fprach 
zuo ime. Nnwen ir fechent zeichen und M'under ir geloubent anders 
niat Und das k&nglin fprach zuo ime Herre gang abe E das min iO 
fan ilerbe. Und Ihefus fprach zuo ime. Vade filius tuus vivit. Gang 
diu fun lebet und der mönfche geloubt der rede die Ihefus mit im 
hat gefeit Und er gieng. Und do er ab gie-(n9 i)ng do liuffen im 

408 Philipp. 1, 23. 418 Apocal. 81. LXIX, 2 Mv. Joh. 4« 46 fgg. 

Altd. Predigten. IS 



194 LXIX 

die knecht engegen und kanten ime und feiten das fin fan lebt. 

15 Und er fragt der zit von in in der im bas worden wer. Und fi 
feiten im quia beri bora fepiima reliquit eum febris. Gefter wol zuo 
der fibenden f^unde des tages do lies in der ritte, do erkant der 
vatter das es die felbe zit was in der Ibefus gefprochen bat. diu 
fun lebet. Und er wart geloubent und alles ßn buf gefinde Na ift 

20 ze wiffen das der ritte den mönfcben gern an gat von dem das er 
etzwas ungcfundes gceffen bat und das in dem magen lit und es niut 
vertcBwen mag. Und der difem mönfcben belfen wil fo muofz man 
ime den magen rumen mit guoter artznie. Und oucb mit der belfe 
gottes ane die nienian niutzit vermag. Wellen wir nu dis geiftlicb 

25 nemen fo babcn wir alle den ritten. Won wir baben in geerbet 
von ünfcrm erften vatter adam do der das verbotten ops as in dem 
paradyfe. do gewannen wir alle den ritten. Und bein in von ime 
geerbet. Und ^ie das ift das wir in dem touffe von der erbfcbulde 
gewefcben werden, docb belibet (ii9 b) uns das würtzlin der ge- 

30 neiglicbeit zuo der fcbulde. Und zuo dem gebreften alfo dan wir 
niut gentzklicb dis ops verdowet baben won das es uns in dem 
magen lit. Wellen wir nu gefunt werden von dem ritten fo be- 
durffen wir wol eins guoten artzatz der uns den magen wol rumen 
kunne. Und von dem ritten gebelfen künne. Und dis ift der min- 

35 nenklicb ebriftus Ibefus der bimelfcblicb artzat an den in zit nocb 
in ewikeit nieman niutz vermag. Dirre artzat der beiffet Celeltis 
medicus. der bimelflicb artzat. Wellen wir im nu volgen er machet 
uns fnellenklicb gefunt. Und dis muofz oucb gefcbecben an der üben- 
den ftunde des tages. Diu erfte ftunde diu ifl fo der mönfcbe hoeret 

4ofagen von dien manigvaltigen freifen die ietzant fint in aller der 
kriltenbeit. Und wie recbt forgklicb es ietzant ftat umb die liiit 
oder fo- der mönfcbe ficbet wie recbt unftet alles das ift das in 
difer weit iocb etzwas frcelicb fcbinnet wenne man es beginnet recht 
an fecben. fo Hebt man wol das es gar ein unftet ding ift Minia 

45 kinder ir fecbent wol der biut geAint ift ( 420 i) der ift mom fieoh. 
Der.biut froelicb ift der ift liebt mom trurig. Der biut rieb ift der 
ift mom arn. Min kint Heb an war ift der froelicb minnenklich meite 
worden mit aller finer lufHicber minnenklicber blueit. Min kint er 
ift erdorret. Und diu fcbcene bluoft ift verrifen. War ift der lieb 

50 fumer worden mit aller finer fumerlicher wunno und froede. es gat 
da hin recbt als ob er nie were worden. Min kint nu nim allen 

21 TDgefundes 23 atznie 



LXIX 195 

den laft und froeide fo ie kein mönfche in difer zit gewan. fo mooft 
da es doch lalten da weift niut weler flande oder M^eles tages. nu 
taege dir nienian kein leit Und hab an einem tage alle die frcBide die 
din hertze laftet oder begert. Min kint nu nim din felbers war und 55 
fieh ob es dir ze gantzer froeide und ze gantzem liebe muge werden, 
nein es das fage ich dir für ein gantz warheit. Du vindeft iemer 
etswas das dich truket oder biffet in dinem hertzen Wie dir loch 
nieman kein leit tuet, fo tuoft du es aber dir felber. Dis iffc diu 
erft ftunde. fo du nu dis alles an iicheft. fo (<20 b) muoft du er- 60 
fchrekkcn ab dir felber. Und fo du einem toten hoereft liuten fo 
gedenkeft du in dir felber. Ach du armer mönfche was lebens haft 
du. wilt du iemer alfo kranklich leben du weift doch niut weler 
ftande da euch ftirbeft. oder war du varn muoft. oder wie es dir 
ergan fol du f51teft doch billich din leben beffern. Wer nu der 65 
mfinfche ift der im felber ftund oder (tat laffet in difer gedenknuft' 
als ir nu gebeert hant dem wirt bohendenklich die ander ftunde 
nach gende. Aber wer lieh difer ftunde werrend ift und dar ufz 
lofoffet dar umb das finer natur niut we gefchech. ficher mönfche 
uik difem mönfchen wirt niutzit und möchte im wol gefchechen das 70 
er in der fände verdürbe. Won wer alle toede fparen wil uf einen 
tod das wirt im gar ein herter bitter tod Und wer linen riuwen 
fparet untz uf (in ende das ift ze male ein forgklich ding. Won wer 
ift der mönfche der dos riuwen ficher (1 an finem ende nieman in 
der zit. Und dar umb min kint fo folt du difer erften ftunde ftat 75 
and ftunde laffen in dir fo ku- (l2i i)met behendeklich die ander 
ftande difer ftunde nach. Und diu ander ftunde das ift hertzklichiu 
riuw. Alfo das du alfölich bitterkeit gewünneft umb din funde. das du 
niat allein an ficheft die groffen fände, du wirft euch an fechen die 
aller minften fchulde die du getan haft. der du hie vor kleini niutzit so 
fchaftoft noch ir kein acht hattoft. Du wirdeft under die ftegen der 
feie gan Und bar ufz wQfchent das pulver der fchulde Hie ficheft 
da allicheit der ftinde das ift vilheit. Und dir wirt alfo we ze muot 
das du mit dem wiffagen David wirft fprechent. Recogitabo tibi 
onmes annos meos in amaritudine anime mee. Ich wider denk dir 85 
allia minia iar in bitterkeit miner feie. la min kint du wirft an 
fechent din verlorn zit das du niemer mer her wider bringen macht. 
Und da ficheft an wie recht dike du dinen geminten got erzürnet 
hall, der dir fo gedultcTikllch gebeitet hat. und dich fo minnenklich 



54 hab eine tage 84 vielmehr Mxeehioi bei Itaiae 38, 15. tibi feMt. 

13» 



196 LXIX 

90 wider zuo imo gcrueffet hat dis wirt dir alfo we taond das da aller 
der pin wol vergifTcft die du dar umb liden folteft wider dem allein 
das du dinen ( 1 2 1 b ) got ui^d dinen herren erzürnet haft. Ilie wir- 
deft du dich fchament alfo hertzklich vor dinem got. und vor dinem 
herren das du mit der lieben Marien magilalenen valleft zuo dien 
95 fueffen chrifti und du im aller diner funden vergicheft mit ir mit 
rechter fchame dincs hertzen. Won es fprichet der hoch gelobt 
wirdig fanctus Gregorius von der lieben marien Magdalenon das fi 
fich alfo hertzklichen übel fchamt vor dem herren in irem hertzen 
das n niut wand das rieh ieman ufzwendig fchamen lolte Und do 

100 n erhörte, das ir herre was in fymons hus. do kam fi fnelloklich 
louffend recht als ein löwin der ir kint genomen fint und nam nie- 
mans war won des herren allein. Und was ieman von ir redde 
oder feit des hört fi ze male niutzit. Alfo grofz was ir inwendiger 
ernft und fcham die fi zuo got hat. Und dar umbe fo wurden ir 

105 ouch fo behendenklich ir fünde vergeben, fi gieng in ein lunderin 
und viel zuo dien fueffen chrifti ein riuwerin. und ftuond af zuo 
dem houpt chrifti als ein fchowerin. Und chriflus hies fi gan in 
fride (122 a) .Und alfo gieng fi ufz von dem hus in einem minnenk- 
liehen fride in dem fi chriftus ir geminter herre hies gan. Wer na 

liO dis andern ftunde alfo minnenklich in riuwe fines herzen vertriben 
hat dem wirt der herre nu helfent von der andren ftunde zuo der 
dritten ftunde und dis ift bichte. Hie folt da feehen wie du bich- 
teft. Zuo dem erften male folt du feehen. Habelt da kein tot fünde 
getan das du die mit funderheit bichtefl wie du fie getan habeft 

115 wilklich oder unwilklich mit notdurft oder ane notdurft oder ufz 
welcher frevenheit. oder in welher meinünge. Won hiebt wart zuo 
dem erften uf gefetzzet durch tot funden willen. Was du aber weift 
das du gebichtet haft. des bift du für bas niut mer verfchult. Aber 
M'as du weift das du niut gebichtet haft das folt du eigenlich fagen 

120 als verre du dich fin in kein wife verfinnen kauft Aber teglich 
fünde folt du ineiner gemeinde rueren. Und du folt din felbers vil 
eben war nemen was du oder wie du dich verfchult habeft von 
einer bichte zuo der andren das du mit willen niutzit verfwigeft 
weder durch vorcht noch (<22b) durch fcham. Und du ouch vor 

i25 der bichte dich wol verfinneft was du fagen folt kurtzklich. das du 
dinem bichter niut als vil zites benemeft Du folt ouch dinem got 
und dinem herren vor und nach und alle ftunde bichten als die lieben 

96 gelobt 



LXIX 19T 

«ppoftolen taten die fprachen alle zit Herre vergib. Herre vergib 
won fi erkanten das mönfcblicb krankbelt alfo bl^ßde ift das fi alle 
zit fundet Und bar umbe fand wir alle zit bichten mit dem bertzen 130 
dem milten vergeber cbrifto der do ahvegen bereit ift dem funder ün 
funde ze vergeben als dike er an dem tage kumet. Won do in der 
liebe bimelfurfte fanctus Petrus fragte. Herre .wie dike fol ich dem 
f&nder an dem tage fin funde vergeben ze fiben malen, do fprach 
der minnenklicb chrlltus. Non dico tibi petre dimittendi fepcies fed 135 
afque feptuagies fepcies. Petre ich heis dich niut ze fibcn malen 
vergeben, funder ze fiben malen fibentzig mag der funder alfo dike 
an dem tage komen fo foltu ime euch als dike fin funde vergeben. 
Diu vierde ftunde das ift buofz die der bicbter geben fol. Won £. 
das dich der bicbter von ime laffe fo fol er dir buoffe geben. Won i4o 
er fol dich niut ane buof-(i23 a)fe von ime laffen. Er folt dir £. 
ein einig Ave Maria geben. £. jer dich ane buoffe liefü. Aber dar 
nach als du bichteft dar nach buoffet man dich. Git man dir nu vi! 
bucffe dar nach wirt dir die buoffe des fegfiures abe genomen. Won 
din bicbter nimet dich der helle und antwurt dich dem fegfiure als 145 
vil du niut bucffeft in difer zit als vil muoft du es in dem fegfiur 
ab legen. Won din bicbter die buoffe niut eben gewogen kan en- 
gegen der funde die du getan haft. Dar umbe muofz er dich dem 
fegfiure antwurten. Aber wenne er dir buoffe gibet erkenneft du 
denne das du fi niut geleiften macht, fo folt du nirfich an der felben 150 
flat dinen bichter bitten das er es dir licchtri. erkennet denne din 
bichter fo du ime die fache für geleift das es notdürftig ift fo mag 
er dir din buoffe wol liechtren ob er es gerne tuet. Won ficher 
mönfche niut anders macht du der buoffe ledig fin. und alle die 
i^ile fo du ouch din buoffe niut geleiftet haft und du es von hin- 155 
leflieit laffcft fo bift du niut in gnaden. Möchte nu der bichter 
wQffen wie grofz des menfchen riuwe wcre. Und das (i23 b) ein 
mönfche als grofz funde getan hetti das es unmuglich wer der mön- 
fche möchte alfölichen riuwen dar umbe haben das ime der bichter 
elD Ave Maria geben möcht und in fchulde und buoffe erlaffen und leo 
abe nemen. Diu fünfte ftunde ift einen gantzen vonker tuen von 
allem dem das funtlich und gcbreftlich ift mit verwegnem gemuete 
Und niut allein von dien funden die ich tuen möchte mit werten 
oder mit werken oder mit gedenken niere ouch alle die wege die 
mir urfach bringen möchten ze funden die fol ich ouch fliechen. 165 



133 Ev. Mutth. 18, 21 fg. 135. 136 dimilteti — Tfzqz fepluagef 



198 LXDC 

Won wenne ich gan an die ftett da man funde tuot fo han ich mir 
felber urfach der funde geben. Won ein mönfche mag lieh kam 
iemer fo gentzknch gehueten er valie oueh in gebreften wenne er 
liehet gebreften neben eintweder mit wolgevallen oder mit Worten 

170 oder mit werken oder aber mit mifTevallen und mit urteil aifo das 
er den möntfeben in finem hertzen ver urteilt umb die funde die er 
an ime flehet oder hoeret. Und harumbe fol der mönfche urfach der 
funde fliechen als finen eigennen gebreften. Dar umbe das er von 
finer urfach niut in fache der funde valle won das ift urfach das 

175 du dir (i24i) felber gilt zuo dien fiinden. Und das ift fach der 
fände da man die funde tuot. Und har umbe folt du fliechen gefelle- 
fchaft gei^ilfchaft kleider klcinceder. Und flcchtlich geret alles das 
der nature luft und begirde bringen mag. Und do fi genuegde in 
lüochet do folt du eins hiut ab brechen das ander morn Won 

180 wölteft du es alles eins tages tuen, fo würgteft der natur den hals 
abe das were niut nutz, du folt fechen. und din felbers gar eben 
war nemen. war zuo du aller meift geneiget figeft das du das zuo 
dem erften ab brecheft ift das hoffart das brich abe und lern die- 
muetig fin Won diemuot ift ein phunment uf das alle tugent ge- 

185 buwen fint. Won der lieb chriftus lert fi fin iungren und uns an in 
do er fprach. Difcite ame quia mitis fum et humilis corde. Lernent 
von mir won ich milt bin. Und diemuetiges hertzen. Er lert fi niut 
das fi wis weren. er lert fi miltikeit. Und diemuetikeit. Bift du aber 
gerede alfo das du gern fageft von dien dingen die dich niutzit an 

190 gant. Min kint fo folt du dinen mund gefweigen. Ich tuen dich des 
Heber ane allen zwivel gefweigeft du den mund. got gefweiget das 
hertze. Du folt (i24b) tuen als der flange. fo der alt wirt fo 
fliuffet er durch zwen enge ftein und lat fm alten hut do zwüfchent 
beliben. Und ime wachfet denne ein niuwi hut. Alfo folt du dich 

195 trengen zwüfchent dien zwcin engen fteinen durch. Das ift das ftrcnge 
gerichte des herren fo er wirt haben t an dem iungften tagp über alle 
fiinder. Und durch fin minnenklich verdienen das er allen fundera 
hat vor getan. Do der mönfche wol nemen mag ablas aller fchulde. 
Alfo folt du dinen alten fundigen mönfchen abe ziechen. Und einen 

2ooniuwen mönfchen an legen Von difem hat der lieb fanctus Paulas 
fo minnenklich gefprochen. Renovamini fpiritu mentis veftre. Er- 
niuwrent iuwer gemuete. Und legent an einen niuwen mönfchen der 



179—181 vgl. LXVni, 142—145. 182 geneigeft fig^eft 184 phumet 

186 Jäatth. 11, 29. • 201 JEpha. 4, 23 fg. 



LXIX IM 

Meh got gefchaffen fi in gerechtikeit und heilikeit und warheit. Du 
Mt ouck tuon als der adler fo der alt wirt fo wirt Im fin fnabel 
kramb das er da vor niut efTen mag fo billet er in an einen herten ^05 
Hein. Untz er vor abe brichet. Und wacbfet ime denue ein niuwer. 
Alfo folt da dinen mand billen an den herten Utein der gerechtikeit 
gottes diu kein unmueing wort ungerochen lat eint weder (i25a) 
kl zit oder in ewikeit. Dis leret dich fwigen von allen boefen nn- 
afitzen werten und allein von chrifto fprechen. Diu fechfte ftunde 2i0 
Ift das du von tugent ze tagende gan folt untz das du komeft von 
gewonheit in ein wefen alfo das du von gnaden werdeffc das chriftus 
was von nature. Und dis muolz gefchechen von flis der tugent das 
jda der minilen tugent als flifklich war nemeft als der meiften. Won 
fieher mönfcho die wile du der minften tugent niut war nimeft und 215 
II euch ucbeft fo macht du die meiften niemer volbringen. recht 
alB euch dem mönfchen gefchicht. der fleh vor der kleinen fünde 
Biut huetet der mag fich vor der groffen kum iemer gehueten. Und 
alfo folt du die tugent flifklich neben das du alle tugent weflich 
md minnenklich befitzeft. Hie wirt dem mönfchen alfo hertzkllchen 220 
wol mit dien tugenden das fi im alle zit gelich luftlich und begirlich 
werdent. Won er bevindet das er finen got in allen tugenden vindet 
Und bevindet in dem begirlichen würken der tugende das got flu 
gantzer friunt worden ift Won das ift ein war zeichen das got flu 
(Hunt ift und bi ime ift wenne er die tugent luftlich und begirlich 225 
uebet. Nu mö-(«25 b)chteft du fprechen Wa von kumet das got fo 
recht wening friunden hat in difer zit und er doch fo 'minnenklich 
und fo heimlich und fo friuntlich mit inen wandlet. Das kumet von 
dryn fachen Zuo dem ei'ften male das uns die feie als recht ver- 
borgen ift. und uns aber der lib als gegcnwürtig ift das im alliu230 
ding als recht we tuend und er nu niut bevindet was diu feie bar nach 
iideu muos umb das er nu verdienet. Nu möchteft du aber fprechen 
War umb muofz nu diu feie bar nach bueffen das der lib verdienet 
hat. Do entfpringet es in dem aller edloften der feie alle die fünde 
die der menfche iemer getuon mag diu entfpringet zuo dem erften235 
in der feie Und der lib mag kein fünde niemer volbringen diu feie 
gebe das edleft dar zuo das 11 hat das ift der fry wille. Und dar 
umb mudfz euch diu feie zuo dem erften die lunde buoffen .E. der 
lib nach des mönfchen tod. Zuo dem andren male fo hat der lieb 
chriftus den mönfchen fo menig luftlich ding in der zit gelaffen und 240 
Sieben da mit der mönfche zuo chrifto folt gan. do mit verret er 
fich von ime Won alliu luftlichiu ding die in der weite fint. do mit 



300 LXIX 

folt der mönfche (126 a) zuo got gaiu fo gat er von ime. Na Ijpricliet 
allia unvernünftig creatare gang für gang für Ich bin niat din got. Und 

345 do ift der mönfche als tamh das er in allen dingen loft nimet. Und 
do belibet da er folt für gan. fo der mönfche einen rofen in 
finer hant hat oder des gelich fo folt er behendenklich ein darh- 
brach nemen ond gedenken bi dem fueffen gefmak wie fuefz und 
wie recht minnenklich der fchöpfer ift der den rofen gemachet hat. 

260 Und alfo werin dem mönfchen alle creaturen ein ingang in den 
fchöpfer. Das drytte ift dar umb got als wening friunden hat als 
balde der mönfche in die friuntfchaft gottes getrittet. fo ift das erfte 
das dem mönfchen begegnet das got gewalt gibet allen creaturen 
das n den mönfchen pingen. Und fi fchendent den mönfchen wa fi 

255 mugent. Und dis iff; als hert das fich nieman dar in gern waget. 
Und tuet doch got dis alles dem mönfchen von rechter liebi das 
der mönfche fich felber lerne bekennen fo man ime finen gebreften 
uf hebet, und er finen got lieb habe Won in lidcn und in be- 
truebde fo rueffet der mönfche mer got an denn- in frantzmue-(i 36 b) 

260 tikeit. Die fibende ftunde und die iungft in der du gentzklich gefunt 
folt werden diu ift das du mit gnindlofer verzigenheit din felbers. 
und mit diemuetikeit alliu diniu guoten werk dinem herren uf brin- 
gen und ime allein lob und ere gebeft. Und du bekenneft was du 
guotes tuoft oder getan haft das er das allein wurket. Won du halt 

265 von dir felber niutzit won funde und gebreften. Und was du guotes 
würkeft in geift und in natur das ift fin .und niut din Als er felber 
fprichet. Sine me nichil poteftis facere. Ane mich fo vermugent ir 
niutzit. Und noch denn fo ir getuont alle iuwer vermugent noch 
denne fo fönd ir fprechen Wir fin unnutze knechte. Wenne du nu 

270 alfo erkennen alles das du guotes tuen das das des herren ift und 
niut din und ime dankber bift ieklicher gäbe funderbar alfo das du 
fpricheft mit fancto Paulo. Gracia dei fum id quod fum. Das ich 
bin das bin ich von der gnade gottes. Und got guenlichi und ere 
giben von allem dinem tuon und laffen fo belibet dir der nutz, und 

275 got hat die ere des fi euch in aber Heber mönfche wiltu die ere 
haben got behebt den nutz, fo (ich du was du denne haben an der 
ere die vergat behendenklich die ere dirre zit. Min kint haft du 
(i27 a) nu dis fiben nunden ordenlich volbracht als du hie vor wol 
gebeert haft fo bin du von dem ritten gefunt worden. Das uns dis 



267 Ev. Joh. 15, 5. 872 Cor. 1, 15, 10. 



LXDC . LXX 201 

allen wider var des helfe uns der vatter und der fmi und der 280 
heilig geift AmeN 



Am dreizehnten Sanntage nach Pfing$ten. 

l|um iret ihefus in ierufalem tranfiebat permediam famariam et 
galileam, Difi M'ort hat gefprochen der ]ieb chriftus dur den ewan- 
gelitten, fant lucas Und fprechent zctiutfch alfo in der zit gieng 
ihefus in ierufalem und gieng zwufchent dien zwein iendren famariam 
(79a) und galileam, et cum ingrederetur quoddam cafteilum, Und 5 
da er gieng inein caftel do be gegnoten im x. ufTctzig menfchen und 
ituonden vemef und huoben uf ir ftim fprechend ihefu ein gebietcr 
erbarm dich über ünf Do fach er fiu und fprach gant erzqpgent iuch 
den priefteren Und ef gefchach das fi giengent und wurdent gereint, 
einr von inen do der fach das er ift gereint der ift wider gant mit iO 
groffer ftim got lobent und gruefzent Und er viei uf fin antlüt für 
- fin fuefz im dankent Und difer was ein famaritan ihefas antwurt 
und fprach waren iuwer niut zehen die gereint flnt Und wa fint die 
niun ef ift niut fanden denn einr von in der got guenlichi geb Und 
er fprach zuo im vade in pace. gang in frid Din gloub haut dich i5 
behalten , Dif ift das ewangelium nach dem texft 1 1 mini kinder nu 
nemen wir das erft wort har wider ihefus gieng gegen ierufalem 
und gieng zwufchent dien zwein ftetten famarian und galilea, fama- 
rian ift alf vil gefprochen äff ein huot der gebott gottes, galilea 
betiut alf vil äff ein volbringer der xij reten.., mini kinder nu 20 
muelzend all menfchen dur die x. gebott in gan in ewig leben aber 
äff ein weltlich menfch gebunden ift der .x. gebotten alfo ift ein 
geiftlich menfch gebunden der xij retten won diu .x. gebott haut 
vil urlobf das doch einem geiftlichen menfchen niut crloubt ift Und 
das merk bi dien kinden von yfrahel do die weiten in das geheiffen 25 
lant do kam einkeiner nie dar dero die do giengen die witen und 
die gemeinen ftraufz niut won die do giengen und uf klummen über 
die hohen velf und über die flueh und bcrg und das waren rifen 
und held Und die kamen euch in das geheiffen lant Und darumb 
fprach chriftus intrate per angnftam portam ir fond in gan dur die 30 



XXX, 2 lieb] in der Handschriftleh 3 Lue. 17, 11 fgg. 6 im] im fich 26 in 
der BS. nie oder ioe d. h. iene ? 29 hier und meitt darä 30 Btatth. 1, 18. 



K» LXX 

engen port der weg, der verlaft der iü wit Und dammb min Mnt 
du folt dich (79 b) niat allein hueten vor dien dingen die dir ver- 
betten fmt mer euch vor dien die dir erloubt fint na ift famaria alf 
vil gefprochen alf huct der gebott gottef nu laufz ich letz diu ge- 

85 bot ligen won ich getriuw das ir fi wol wifTent wen all menfchen 
fi fint weltlich oder geiftlich die fond fi kunnen nach dem texft und 
volbringen nach dien werken won weler menfch diu .x. gebot niut 
kan der zuo Hnen tagen kernen ift der tuet tot fiind und alfo dik 
er fi über gat fo tuet er alwegent zwo fund, Won das ift tot fund 

40 das erf niut kan, Und das onch tot fund das er fi brichet Aber ein 
menfch das diu gebot weif und kan das tuet niut won ein tot fund 
nu fpricht galilea alf vil alf ein volbringen der xij r»t Won ein 
geiftlichcr menfch dar zuo gebunden ift alf zuo dien .x. gebotten nu 
werdent dif xij rset geleit uf driu ftuk Und difi driu geloubent all 

45 geiftlich menfchen funderlich , Und die andren niuni fint denn in 
difen befchloffen Nu ift eins armuot und gehorfanü und luterkeit, 
Nu werdent difi driu ftuk gelichet einer wuefti Diu hat ouch driu 
ftuk an ir, Das erft diu wuefti ift vinfter und eilend an dem anvang- 
fo man erft dar in gaun wil fo ift der weg vinfter und eilend, fo 

50 man aber ie verrer gat in , in die wuefti fo do ie heitrer und liech- 
ter wirt Und das ift ouch ein gehorfam leben, fo man das erft an 
vachet fo ift ef gar vinfter und hert und eilend Won ef ift niut ein 
klein ding einem menfchen das gewonet hat finf eigennen willen 
das. das nu muof finen eignen willen in einf andren menfchen hant 

55 lalTen und nach des willen leben und fins willen gentzlich fterben und 
undergan in tuon und in lafzen aber wenn ein menfch verwegenlich 
fich dar in git er kumt in kurtzer zlt dar zuo das im fins obren 
willen baff gevalt und aun forgen dar uf getar fterben und leben 
(so a) denn uffcr dm willen Und im die gehorfami lieber und liech- 

60 ter wirt denn iutzit das er im felber fetzet oder ordnet Won er 
cnphindet das, das liecht götlicher gnad in der gehorfami aller 
behentklicheft uf brichet und dif bewart chriftus do er fprach ego 
fum lux mundi, Ich bin ein liecht der weit Wer mir nach volget der 
wandlet niut in der vinfternüft won er hat das liecht des lebens 

65 Und dif nach volgen chrifti mag in keiner wif baff befchechen denn 
in der gehorfami won chriftus ift ouch gehorfam geün untz in den 
tot. Das ander ftuk das diu wuefti an ir hat das ift das (i wild 
und hert und ungeuebt ift und muof man fi neben mit ftrenger ar-^ 

69. eo lie-cher 02 Ev. Joh. 8, 12. 



LXX SM 

.beii mit koawen jiai. mit nuten ftein und ftök uT Und dif wirt zao 
l^eleit me^cher luterkeit die muof man mit ftarkem ftrit gewinnen 70 
Won die megt die niut ftritent was wöfTent die du folt der weit 
angefigen alf die lieben iuogfrouwen fant katherina fant margareta 
fant agnef dif all und euch ander vil die, die weit verfinacht hant 
und all Ir valfchen liebi und untriuw Wie luftlich fi fich erbiut fo 
ift fi doch unftet und valfch und darumb fo huet dich vor ir won 75 
y^as dir niut erloubt ift ze begeren noch ze tuend das ift dir euch 
pint erloubt zefehen ein magt folt alfo blug und alfo fchämig fin 
das fi keinen man mit vollen ougen niemer folt an gefehen Und fun- 
derlich ein gewiloti magt diu folt iren wil alwegent vor irem antlut 
haben das man 11 euch kum möchtf angefehen. Alfo folt du din so 
megtlichen luterkeit neben mit über winden aller der dingen die ir 
wider wertig fint das ift unbehuotheit der werten und geberden 
and fitten und werken und gedenken, Das dritt das an der wi^efti 
ift das ift das fi troftlof ift von allen menfchen Won die liut komend 
gar wening in die wuefti Und dif betiutet ein arm leben won das 85 
muof alwe-( 80 b )gent ellent und arm fin Won der arm menfch muof 
vil luftes enbern den ein richer menfch hat an effen an trinken 
an kleidren und vil sftder dingen, mini kinder nu ftat an dem an- 
vang der bredig das chrifto begegneten x. ufTetzig menfchen. Und 
dif begegnont got euch in geiftlicher wif in eim geiftlichen orden 90 
won fo ein menfch in gaut in ein geiftlich leben fo erbiut fich im 
gar vil gebreften in dien der menfch wol bedörfti fin felbs war 
senemen, Der erfl nffetzig der chrifto hie begegnet das ift moyfef. 
chriftus hief moyfef fin hant tuen in fmen buofen und er tet 
es er hief fi wider uf ziehen do was fi wiff von uffatz er fprach 95 
tao fi wider in den buofen und er tet ef do was fi wider fchoen , 
Dif betiut das almuofen wenn man das git mit wüffent den liuten 
das man darumb gefehen werd fo begegnet chrifto der erft uffetzig 
Won chriftus fprach felber nefciat finiftra tua quit faciat dextera 
toa din linggi hant fol niut wuffen was din rechti hant duot, ia ie loo 
ver borgenlicher du din almuofen gift ie mer frucht und nutz ef dir 
bringt, Der ander uffatz der chrifto begegnet das was diu fwcfter 
moyfi diu murmlet wider moyfef iren bruoder das im got äff vil 
guotz tet Und fi murmlet in ir felber und fprach ift difer niut din 

t9. 90 x^ (d, k. chriftus) begenolen (atu begenote, di$Mes aui begenote geheftert) 
X. ufTeUig (aus ufTetzigen geh,) .M. Yn dif be-gnot ; got hinter orden 93 moyfef 
hant. 9AExQd.4,6fg. 98 x^ 99 Matth, 6, Z. 103 iVtim. 12, 1 /j^. 



304 LXX 

105 bruoder. ia weit zieht dich denn got daf er fo vil wnnderf mit im 
wQrket und niut mit dir Alfo tuond geiftlich liut wider ein ander, 
taot got eim me gnaden, hat man einf bas dar fins geiftlichen lebenf 
willen oder dur fin alter oder tugcnt oder kunft fo murmlont die 
andren oder fi murmlont wider das. das man 1! heift tuon oder 

llOmiden und dunkt fi alwegent man heif fi me denn ein anders, min 
kint biff aun marmlon won ficher ein menfch das einvaltlich tuet 
das man ef heift verhengt got über (81 a) ef das ef ebtifchin oder 
priolin wirt elliu fini kinder werdent im oueh gehorfamer denn 
einem das alwegent murmlot wider fin obren, Der murmel tuot driu 

115 ding, Zug dem erften der murmlent menfch der ift ein unfridlicher 
menfch und fchedlich im felber und allen menfchen die bi im fint|| 
Zuo dem andren maul fo z(Bgt der murmlont menfch einen grant 
vollen bofheit 1 1 Zuo dem dritten maul fo git er boef bild und urfach 
allen dien die bi im fint das felb zetuenn. Und harumb min kint 

120 huet dich vor murmlon won ef ein alfo fchedlich ding ift fo man in 

geiftlichem orden geueben mag murmlon und hinder redon , ia noch- 

tenn das du dines eben menfchen gebreften klageft uf f51icher minn 

. das dir die trehen über die wangen nider gant nochtenn ift befTor 

du fwigeft dar von , ina min kint was fol dir der anflaut laufe in 

125 ligen und bit got in dinem gebett über inn ficher got wil in dincr 
minn laufzon geniefzen und wil im riuwen und erkantnOft geben 
fanctus auguftinus was ein groffer lerer, und komen vi! grofzer 
herren zuo im und enbiffen dik bi im fo fi denn ob tifch fafTen fo 
wolt ioglicher fagen was er gebeert und gefehen hat und wolten die 

130 liut hinder redon Und auguftinus hat zwen verf gefchriben ob finem 
tifch do was einer wer hie wil feien effen der ift miner wirtfchaft 
niut wirdig Und wenn fi hinder redon wolten die liut fo zcBgt er 
inen mit dem vinger die verf Und fo (i, fi gelafen fo erfchraken fl 
fo vaft das fi denn fwigen aller hinder red. Und afo er wert er fl 

185 allen dien die zuozim komen |{ Der dritt ufTatz. der x^ begegnot 
das was naaman fyrus der was in der alten .e. ein befitzer des 
guotes Und betiut in geiftlichem orden unordenlich befitzung dcf 
guotes Won hat ein geiftlicher menfch einf helblingf wert fo ift er 
niut einf helblingf wert, ich mein. ( 8 1 b ) aun urlop oder aun noturft 

140 Du folt def felben das du haft mit urlop und gunft diner meifter-' 
fchaft äff ledig ftaun fecheftu fi unbefchloffen das du fi niut hiefTeft 
befchlieffen ob du loch vdrchtift das man dirf nem und hiefchifcht 



110 man heif 119 haru 136 nemo afliru Reg, 4, 5. 137 ordett 



LXX SOS 

fi diner meifterfchaft und fi dirf niat geb das du daramb niemer 
somlg wurdift || Der vierd ufTatz der ift fo man def vatters erb uf 
gU und lidclich und luterlich dur got in einen ordcn komet fo i45 
flreipht man denn andren liuten ir guot ab mit gilcn und mit glichfnen 
und mit mengerbant liften, Difen ^leri vil weger das ü das ir hettin 
gehebt denn das fif andren liuten angewinnent die fin baff bedurf- 
ten , Der fünft uffatz der chrifto hie ][>egegnot der was yeCH famulus 
helifei. Difer hief yeffy und was ein knecht helifcuf. helifeuf do 150 
der naaman geräint und gcfunt machet von finer uffetzigi do wolt 
im naaman guot han geben Darumb won er was gar rieh Und 
helifeus wolt fin niut Won er niut wolt geiftlich gaben geben umb 
ziftlich Und yefTi fin knecht liuf im nach und enphieng guot von im 
Und er flarb uf der ftunt def gechen totz, min kint nu merk dif 155 
gar eben das du kein zitlich guot enphaheft umb geiftlich Won ef 
ift fymouig das ein affo fchedlichi fund ift äff man fi in der zit ge- 
tuen mag Kem einr und geb dir .xv. fcbilling und fprech bett mir 
xv vigilig im ift lieber unrecht Der dir geb .v. fcbilling und fprech 
lif mir fünf felter ef ift valfch geb man dir iiij phunt .v. oder vj 160 
oder fchlechtlich gerett was ef ift und fprech man bett mir das 
grofiE gebett oder fo vil miferere oder diu fiben zit im ift allem 
unrecht Und der dir all dif weit f&r eigen geb (82 i) du folteft 
niat ein ave maria darumb geben won ef genimmet niemer end fo 
nimmet allef das ein end das difi weit geleiften mag. Wer fin geift- 165 
lieh guot git um liplich das ift ein roup def bluotz chrifti won ir 
effent feien die mit dem bluot chrifti kouft fint Das aber ein menfch 
bettot dien felon von dien im almuofen worden ift und man begerot 
das man inen getriulich tneg des ift der menfch, verfchult, Aber 
nieman fol tuen alf ir vor hortent das man mit keinem geding oder 170 
f&rfatz füll geiftlich guot geben um liplich def warnen ich iuch in 
gantzen triuwen. äff lieb iuch iuweri fei und got fi won wederf im 
felber fchedlicher tueg das do git oder das do enphahet def weif 
ich niut || Der vj. uffatz der chrifto hie begegnet daf was ozyaf 
das ift alf vil gefprochen alf ein fchouwer der diugen Und dif meint 175 
das der menfch fini werk darumb tuet das er gefechen und gelobt 
werd und difem ift g^ unrecht Der menfch foU elliu fini werk tuen 
got zelob und ze eren wöltiftn lieber das man dich fundi in der 

149. 150 iknnili hely. 151 nenniin und am Rande zwei Punkte als Zeichen einet 
Fekkrt. Reg. 4, 5. 152 neuman 167 die fehlt. 169 dz ift 170 mam 
174 ParaUp. % 26. 



30« LXX 

kilchen denn ob einem fpilbret und dn das darumb allein tnoft das 

180 man dich niut für boef fchatzti fo ift ef niat gerecht Aber fechifta 
ef darumb ungern das nieman von dir gc ergrot wurd noch bcef 
bild en nem fo ift ef niut fchad Won all ergrung fol der menfch 
yerhueten wo er mag , Dif .vj. uffatz hoerent zefamen und dif nach- 
genden vier ouch zefamen , Do ift nu der erft uffatz der chrilto 

185 begegnet tragheit an gottef dienft nu ift menigerhant tragheit ufwen- 
dig und inwendig ufwendigi tragkeit ift das. das der menfch lafT 
und treg ift ze betten ze vaften ze neben an venien an kninwen 
an tugenlichen werken, Aber die inwendig trakeit ift vil fchedlicher 
und das ift in dien vermanungen gottes zuo (82b) riuw oder zno 

190 andsechtigen inwendigen gedenken ef fi das liden chrifti oder fin 
gotheit oder fin menigvaltigi triuw und minn oder das der menfch 
flnf felbf war nem das er finer finnen huet oder fich felber nider 
truk in zom in nid in haff in hochfart in gitkeit in ungeordnoter 
zitlicher liebi Dif wamemen des menfchen fin felbf in im felber .e. 

196 das diu untugent harus brech das denn der menfch f!ch felber ftiltf 
Das weri dem menfchen befTer denn innendes zehen münden gebet 
und er aber fin untugent niut trukti oder toti ef ift ein gar grofk 
ding fo man ein vigilia kniuwent an einr ftat bettot noch vil groefker 
ift das. das der menfch in dem kor oder an andren ftetten finen 

200 fchlaf brichet und fin natur afo überwindet || Der ander uffatz der 
chrifto hie begegnet ift frafheit. dem menfchen folt niemer imbis 
werden er fölti im felber driftunt finen luft an fpif ab brechen niut 
mein ich dr}' trabten mcr niut won dry muntvol die er gern effe 
Won fo die menfchen gar für fechent fo n über tifch gant fo man 

205 denn ein tracht giffet fo begint man die tuecher oder den wil von 
dien ougen tuen fo man die andren gifTet fo begint man lachen ia 
diu kint von yfrahel fo diu anffen und etzwie menig tracht gauffen 
fo begondon fi fpilon und tantzen und wurden gar geil Und darumb 
bedarf man gar wol das der menfch ob dem tifch fin felbs war nen, 

210 man folt fich vor dem maul und in dem mal und noch dem mal 
halten äff ob man den heiligen flronlichamen wölti enphachen fo wOrkti 
diu Qiif geiftlich äff der fV*onlicham Der menfch folt ouch das liden 
chrifti alwegent vor finen ougen hau äff ob* man in ietz gegen 
würklich toti vor finen ougen und wenn im das engieng das im dasr*^ 



e 



IIH) andächtigem 197 er fMt; am Rande zwei Punkte. 198 knuwel 

201 der H. 205 begint] gebint 206 begint] bint 206 gebenden 



LXX SOT 

(83 a) hertzclich leit weri || Das drit. der meufch folt Ordnung der 315 
heiligen criXtenheit halten Was fi gebiutet zo tuen das man das tueg 
Was n verblutet das man das mide Und niut das minft bröfemli 
underwegen la(z das ift das wich AvaUer Wer difi ding an im hetti 
dem wurd der einüdel und klofterliuten und aller der Ion den man 
inzit verdienen mag 1 1 Der drit uffatz difer vierer der chrifto hie 220 
begegnet das ift gitkeit ia ef ift vil geiftlicher menfchenidie wenent 
inen well himelrichf und ertrichf gebreften Und louffent mit ir fm- 
neu and forgen har und dar ia n louffent gen bafel gen rom und 
gen ftrafburg ina min kint was wiltu gen (trafburg umb holtz du 
vindeft fin doch hie genuog nu louf min kint ^ar du wellelt amb 226 
dir oder umb das, noch muoftu in getrang ßn wiltu dich niut laurii 
Dir i(t ein torecht ding das man niutait fchicket und doch alwegent 
forgen das ünf gebreft chriftus fprach primum querite regnum dei , 
faochent zuo dem erften das rieh gottesund alliu andriu ding funt 
iucli mogeworfen werden min kint getriuw got und bif an zwivel280 
kerftu zuo im und laft dich im er fol dich wol verfehen ift efT niut 
dar frinnd ef ift aber dur frömd er lat din niut .e. di^ got fin 
friund liefTi die im getriuwotin er verfech fi .e. von eim der hun- 
dert mil verr von in weri dar an hab kein zwivel || Der .x. ufiatz 
der chriffco hie begegnet das ift hochfart ia ef ift vil geiftlicher 235 
menfchen die muofTend haben fchceni mefTer befchlageni, und roeti 
und agfteiniu pater nofter und guldini fchlöficr an ir buechren mini 
kinder iuweri bnecher habent niut defter minder tütlen dur der 
fcUöOren willen iuweri zit werdent niut deft andaechtiger din pater- 
(sa b) Aoiter ift vor got niut deftbefTer dar der roten karallen willen 240 
Hoher aun zwivel frcewt dich ein rceti fchnuor ein gruener bendel 
iutzU bas an dinem pater nofter denn ein riem oder ein fwartzer 
bendel das ift ein zeichen das da noch nie ein geiftlich menfch würd 
vor got Du macht ef noch wol werden aber dif vinfelwerk muof 
ab ficher aun zwivel wo ein geiftlicher menfch wer dem got und 245 
§5tUchi ding finaktin dem wer diu üppikeit difer zitlicher ding ein 
unlnftlich ding aber die wil wir dem luft der natur und dem hcefchen 
fiiifer vichlichen tierlichen kreften genuog fyen fo hoefchent fi allia 
zit üppikeit und gnuegd difer dingen Und ie mer fi im nach gant 
nnd fin gebmdient ie nngenaeglicher fi werdent min kint fichftu 250 
gern das dir din gewant wol ftat and glatt and eben ift noch ift ef 
4weg fwartz und wit und ficher nieman ift dir darnmb defter hol« 

^W Mailh. 6, 33. . 234 von im fM befl;gnal 



208 LXX . LXXt 

der All din friand fehen dich gerner diemnetig denn hochfertig und 
got wider Itat dien hoch fertigen und entfetzet fi von finr ewigen 

255 gloria Won hochfart ift zuo einem mal uff dem himel komen und 
komet nicmer mer darin, min kint duo ef luterlich dar got and fich 
an den diemuetigen fchin dinf geiftlichen lebenf nnd volbring in, in 
dien werken and ouch in allem dim taon und lan Won ef nit noch- 
tenn die menfchen die felben hochfertig fint. die fpottent einf andren 

260 umb fin hochfart ift das ander dien Hüten fo fin wir billich ein 
fpott gottes and aller englen and heiigen won fi hant ewig leben 
mit diemaot und mit wider ftriten allen Untugenden fo hant fi he- 
fefTen ewig leben tanctus (84a) auguftinus fprichet zno im felber 
allen geiftlichen menfchen vor, folt ef mich koften min leben ich 

265 muof werden das ich fchin und fchinen äff ich bin and wer daf in 
geiftlichem leben niut entuot der lebet im felber forgklich darum 
mini lieben kinder bitten! wir got das er ünf behuet vor difen x. 
uflatz und unf geb ein alfo war geiftlich leben in dem wir wol ge- 
turren fterben des helf ünf der vatter und der fun und der heilig 

270 geift Amen. 



Am ersten Sanntage nach Ontem, Ep, Joh, i, 5, 4 — iO. 

§ Die ander gebart was in der czeit Alfo fpricht der Salme 
Quicumque von der fabftancien des vatirs vor der czeit gebom 
vnd von der fabftancien der mutir in der czeit gebom doramme mag 
man fprechen von crifti menfcheit. das er aws gote gebom fey vnd 

5 von gotlicher craft. wen er obirwant die werlt czumole Als er felbir 
fpricht czu feinen langem Habit zuuorficht. ich habe die werlt öbir- 
wunden Text drey ding geben geczowgniffe das criftus gotis fon 
was. geyft wafCir. vnd blut. Das ift der heilige geift der uflT ym 
irfchein in eyner towben gleichniffe, § Eyne ander glofe fpricht, 

10 feyn eigen geift. wen er eine gefchaffene feie hatte, vnd das waflir 
und das blat das er gos an dem crewczo das beweifet das er get 
vnd menfche was. wen er *gab dem vatir den geift vnd gab das 
waffir vnd das blut der erdin. drey geben geczewg in dem hymele 
der vatir. vnd das wort vnd der geift. vnd dife drey fint eyns. 

15 Glofa. wie der vatir fey in dem föne, vnd der fon in dem (ib). 

258 fehlt ttwat. 769 des] dx LXXI, 6 £«. Joh. 16, 33. 



LXXI . Lxxn 20* 

vatir. vui der beilige geUt in dem vaiir vnd in dem föne vnd der 
vatir vAd der fon feyn in dem heiligen geifte. das fal man vornemen 
wefolich vad perfonlich. $ We£elich. wen fie fein eyn wefen vnd 
liaben eine nature S Perfonlich. wen fie eine vornumlft vnd eine 
liebe haben, vnd alle wirken mitenander. Alfo fprlcht Auguftinns. 30 
die werk der heiligen dreiualdikeit die fint vngeteilet § die dritte 
gehurt ift als ein kint gehorn wirt in der towlTe do ym gegebin 
wirt daa eieyt der vnfchult Text, wer do glöwbit das criftus i(t 
golis fon 4er öbirwindet dy werlt dorumme fprechen die heiligen, 
das eyn criften menfche die werlt vil bas öbirwinden mag. vnd den 35 
funden vil bas widerfteen mag. denne eyn iude. adir eyn heyde. 
vnd dorumme ift das eyn gewis czeichen. das der menfche pruoife.' 
das er eyn gerecht criften menfche ift. das er leichteclichen wedir- 
ffceen möge allen bekorungen. vnd das in yni tot fcy alle Icichtverte- 
keit. Text dirre hat (2a) geczcwgniffe gotis in ym den do luftit so 
ermuetes vnd kewfcheit das vns das allen werde, des helfie vns 
got Amen. 



s 



ferla tJ. 



ente Paulus der leret in dor epifteln hewte die reichen lewte wie 
fie leben füllen. Text Thymothee lere die reichen difcr werlde das 
fie nicht hochfertig gefeyn. wen öberig gut vnd öberig mut vnd 
öberige kunft dy blenden den menfchen vnd machen yn hochfertig. 
Text, vnd nymant fal hoffen in den vngewiffen reichtum. das meynt 5 
das er mit forgen wirt -gewunnen 1 1 das ander das er mit fwerheit 
des herczen behalden wirt § das dritte das er bey nymande blei- 
ben mag. er mus yn hie loffen $ Man lift von eyme reichen kunige. 
der do fterben folde. do lut er feyn weip vor fich. vnd feine kin- 
der vnd alle feine frunde vnd vrogete fie , was fal mir volgen alle 10 
meines kunigreichs. vnd alle meines grofen gatis. Sie fprochen Herre 
nicht mehe. wen eyn leylach do man euch yn gewinde. do gebot 
er feynen knechten das fi is hingen (2.b) an eyne ftange. vnd vur- 
ten is durch alle feyn kunigreich vnd riefen dem volke vnd fprechen 
Nynuno fal dem kunige volgen denne dicz leylach. Text. Snndir 15 
hoffit in vnfim herren. ihefum criftum vnd das ir wol tut vnd reich 
werdit in allen guten werken, Is ift euch felczne rede das ^yn 

LXXII, 1 am Bande Ad Tymotheum. Tim, 1,6, ilfgg. 6 in der Band* 

iehrift du ander das U mit 8 am Rande exemplum. 

Altd. Predigton. 14 



210 Lxxn 

menfche gut habe vnd dorcxu nicht hoffe. Alfo fpricht der weife 
man Seli^ ift der reiche man der do wirt vunden ane bevleckunge 

20 vnd der do noch filber vnd noch golde nicht en geet. wo ift dirre. 
wir wellen yn loben, ysen er hat wundirliche ding getan in feinen 
tagen. $ Ir füllet wiffen das ir nie geweft ift die die toten haben 
lofTin vfffteen. wen die arm ye woren in dem gute, Dorumme habe 
ich is vor eyn gros czeichen das eyn menfche gut hat. vnd is n>in- 

25 mer gerueret wen das er cynen toten lieffe uff fteen wen man leret 
iczunt drey fchedeliche leren vnd vil gleiche dem vnglowben viid 
des endecrlfts lere § die erfte 



19 JEcclesiattie. 31, 8 fg. 



SEGEN UND GEBETE. 



14 



73 SIS 



Tnder ftlllea meffe Tprich dlz gebet 



N, 



lu ften ich hie horro ga^enwlrtich daman daz opfer fegenot daz 
tir himelefcer fatcr andeme craoce gopferaet wart farallede criflen- 
heit inder warheite dincf trut ftinef. unferf hcrren ihefti chrilti. 
Nuone hin ih def nuouet wirdich daz ich iemer da folCirfchinen 
da fo groz genade undeheilekheit volhracht wirth. vvandaz ich 5 
mich def drofte daz tu infantcft indifewelt zeineme waren opfere 
für alledine criftenheit. Hilfnur herre huote daz ich under dinen- 
kinden bactet muozevverden furderfalikheit dir diz gagenwirtigopfer 
huote folbract wtrt inder warheit def heiligen lichamen dineftrut 
funef. unferf herren ihefn chrifti. Hilf mir herre daz ich der einu 10 
(7 a) liehe Der heiligen diemuote der muz ich genizen du dir daz 
geriet daz du zefufgetanervvif unfich zedenhulden dinef fater hrach- 
toft. Dune fantoftengel noch enhein andergefcephede nah unf dubift 
felbechomen nach dinerhantgetat. Hich gelovbe hie din heiige gagen- 
vvirtigi hich gero unde bitte der heiligengemeinde diffef waren 15 
ofTerf daz iz mir huote 11 en antlaz miner fnnte einfeftenungo minef- 
gclovben. ein Hb nare minef libef unde miuer feie ein ruove miner 
fundc ein bezerunge minef lebenef ein vvarnungc undeinbefcirmvnge 
iivider den tuofel undalle flne rate Herre ihcfu chrifte def leben- 
digen gotef fun. du der mitten willen def fater mitter gefruomede 20 
def heiligen gciftef roittineme tode erlidiget haft die kriften heit 
lidege mik durch dinenheiligen lichamen durch dinef heiligen bluotef 
vvilJen fon funden unde fon allem uobele. mache-(7 b)mich gehorfam 
dincngeboten. unden laz mich niemer fon dir ge fceiden werden. 
Qui uiuif et regnaf per omnia fecula feculorum amen. 25 

• 

73, 4 defj d im Schreiben aus t gehefierL 1 in der Bandsehrift criftenehit 



lU 74 



De Tancta narla oratio 



E 



Ivvi^ inaget frovve fente maria du da bift ein kungin def himelef 
nnder erde du da bift ein troft der fundare undeinwiderfuonarin 
der fcvldigen. du da bift ein frovde undein ere der guoten. du da 
bift ein Corona und ein zirde aller heiliger magede. ker die dine 

5 genadigen ovgen ze mir filarmer fundarin. unde ruoke mich zer- . 
chennene undcr allen den die dich Interliche minnen. Heiligv maget 
fente marie fogetin undhelfarin aller dere die (ich an dich lazent 
unde dir getruvent hilf mir genaden und antlazef aller minor funten 
umbe dinen fun ihefum chriftum der dir nuvet defen ferfeith def du 

10 inge bitteft. Hilfmir frovve durch die genade die ir ze dir hat ge- 
tan duo ir fon dime reineme übe (8 a) geruochte geborn werden 
warre got unde vvarre mennefce dur taz heil unde dur tier lofunge 
aller der weide daz ir mir fergebe allez daz übel daz ich ie ge- 
tede fondef angennef minef libel unz andife ftunte. Heiligu muoter 

15 du eine da bift ander genade und ander helfe wir unfich allefer- 
fen. du nach gote unfer einlichu zuoferficht unde trollt bift. hilf mir 
umbe dinen fun daz ir dur dine uuirde unde dur dine under chunft 
min feie unde minen lichamen gerene unde gelutere fon aller un- 
reinecheit undefon alcn bofheiten fon allen mentaten. e daz ich 

20 diffef libef fer wandele Kungin dergenaden bit ihefum din fun daz 
ir minu lafter fon mir nemo unde mich er fülle mit finen heiligen 
tugenden. daz ir nid unde haz föne mir geferre undallen ubelen 
willen, daz (8 b) er mir gebe bruoderliche minne unde guten 
willen, daz ir alle hofart fonemir gefromede unde mir war diemuot 

25 gebe, daz ir alle unreine gedanke und übel gelufte und unfufer girde 
fon mineme geifte fertribe. unde mir reine gedanke unde kuofche 
girde gebe. Warre mer fterne fouder unf daz ewige Hecht er fchin 
ift foA der unf allu genade komenift habemik in diner geiicht und 



71. ohne Obenchrift Jlf. 1 fca (wie auch tpater) — knniginne 2 u*n der — an 
ein widir fJnare 3 du da— giioten./eMr. 4.5 gizierde—chere da ditiT diiiY 
gnadigv 5 uil arroun fundarinan. 6 livtirliche 7 uogiline un helferine 
8 dir fehli. gnade 9. 10 niot def nirfeit. def du bitua. 12 wäre — wäre 
14 uon anegenge — an die Aande. 15. 16 unf uirfehen 16 unde trofl feMt. 

10.20 an uor allir bofhcit. an uon allir meinlat. ie daz ich difin Hb 20kunig- 

inne der gnade 21 min laflir 22 uon mir gichere 23. 24 daz er — guten 
willen, fehlt. 24 giwarin mot 25 unfufer girde] ubile rede 27 rede 

gebe, wäre — irfchinin 28 geiicht] hote. 



74 916 

in dineme gebete enalle zit for gote daz ich din geniezen muze daz 
ich alle die freife undazubel diffef libef enfliehe. unde nak difeme 30 
libe den ewigen Hb befize. Ich begindir frovve miner funte ich 
fende dich an dinen einbornen fun daz du mik umbin enfculdigeft 
daz du mir umbin antlaz ervverbeft. daz du allen fmen zorn fwa fo 
ik fin vvirdik fi föne mir keC 9 a )reft vndin zerbarmekheit über mik 
geneigeft Nu kere himelefchv kunegin din heiterez antluze ane mik 35 
funtarin. undegeneige din mildez undedingenadigez gefune zemir fil 
unvvirdigun. unde ruoche mik cer kennene under allen dien die din 
lob emizegen die fik diner ere frovven die dik luter like minnen. 
Min herze daz ger din flafende unde vvakende. min feie turfte nak 
dir fruo unde fpate fvvenne fo ik an dik gedenke fo fi ik fri fon 4o 
allem ubele. Der Cufel dernehabe nekheinengev\'alt über mik. alle- 
bekorunge fer lazen mik. du himelefcho genade befchovve mich. 
AUu minu werk die werden gefranfputiget. in allen minen wiegen 
fomuozik w^erden berichtet, undallo minebegunfte unde flize die 
bringe got zeguteme ende fvvenne fo ik dingedenke. Nu hebik min 45 
herze undemin hende uf frovve (9 b) zuodir unde bitte dich durch 
die liebi dineftrut funef daz du geruokeft zuomir zekomene minze- 
guvifene mittinen heiligen mageden undemit allen heiligen fuuenne 
fo minfele fon difeme libe fccide. Gefrowe unde getrofte gotef 
muoter denne min feie mit diner heiliger gagenwirti unde lofe mik 50 
fon allerder forkte unde der egefode fathane unde finer engele. 
Enfak mik denne under dine milden hende unde wif min leitarin 
unde minbefchirmarin. daz der hubele hellewark mir weder formir 
nok nakmir gefcaden muge olde zuokomen. Fon der guolliki dinef 
luteren antluzef fo flihen unde zerfaren allemine fiende alfder mor- 55 
gen vvolchen fondeme fchimen der funnen Du wif mir denne frowe 
engetruver und eingewifl'er leitare. daz mir uwet gebrefte daz ik 
vwet girre dazik wveterkome ander eifpariger be(io a)fchoyvnge 



29 liallir zit 30 imphlie 31 bigibo dir 34 vmbe mich 35kuniginoe 
— aiitlule aeruiidarinun 37. 38 allen dich lobiamozen. die fich 39 gert 

— turnet 41 tieuil iiehabe dichcin giwalt 42 div himilfchu 43 in] an 

41 bireil. un alle luino chuuAe 45 gol fehlt. habe ich 47 dinif fanif 

47. 48 min (oder inih}ziwiflnno 48beiligin— hciligon 49uonmime 50geginwrti 
51 uu uon deine egifode 52 denne fehlt, milte 52. 53 min leierine. un 
min bcfchirmcrine 53 hellewarte 54 odir zo chome 5i. 55 gonlichi diniflaürf 
anllutef 55 Yiande 57 ein gitrawe — niet gibrefte 57. 58 mich niet girre, 
daz uwet chome an die egiberliche 



916 74 . 75 . 76 

der fVeifliken antloze di6 ik da ^efen muoz Die j^orta der hImelTclieii 

60 ierufalcm die muozhik ofcn finden fondinen genaden nnde itiuoze 

braclit werden fondir frowe andefallerobereften befchovvnge. onde- 

muoz.e diner genade genizen daz ik fin forchfam unde fin anklik 

urtelde enflilie. Genadigu maget fente maria daz ervveite gotef haf 

def lieiligeiftef du da bift ein flukt aller diefich fervvrchet hant 

65 undein vuidcr ladunge der ferkerten duda bift gelieizen dao himel 

porta. vvifdenne for gote min fuorfpreke ergibtu rede für mik. nnder 

vvint dudicli miner fake enfchaldege mik undentrede mik Hilfmir 

denne heiliga froave daz ik fondir unde fon allen heiligen nonet 

gefunderot wer de vndazik vvirdikerteltvverde dergenofchefte der- 

70 himelefchen köre fon evven unzeuuen. AmeN. 



qvl 

Oratio eluf qve lAeaftltate« uel «Irgliiltaie cni^lt pemiaiiere. 



H 



€ 

Diz gebet ift uilg^'0t tagilich gclefin. 



erre iefv crifte. min gebet, irhore dv. durc die magitheit dinre 
chuTir muiir. fancte MarivN. vnde behvote die chufci minf libif. vnde 
minre feie, unz andaz ende minf Icbnnif amen. 



Oratio bona ad deam. 

Herre (i b) almehtigo got. ich bite dich dur din heiligif hovbit. 
unde dur allv dinu heiligin Averch. unde dur allv div heiligin wort, 
die du den menifchon zignadon ie gifpreche. du inphach difv lieht, 
unde gibint unde bitwinc hüte andiilme tage alle die zungin. die 
5 minin fcadin fprechin wellen, aide die mich hüte anfehin fuln. odir 
diheinen giwalt ubir mich habin fuln. unde chere ir allir zungin. 



59 der frciflichir anfhite 61 ander obirofliin 62 gnadon — forhtramiz 

un fin angifllicbez urlcllde 6i bciltgeincfj darüber von späterer Hand gen 

Engelb, TIS. heiligin gciflir^/. 6i. 65 nirwrrhint. un widirladunge der bichcrhton. 
65. 66 diy bimiirchv porta. 67 vndirwinl dich 68 fondir nndc fehlt. 

69 wirdecllcbc irteilt werde der gnofcheftc 

76, i . Aaf der ersten Seite der Handschrift nur noch das roth geschriebene les- 
bar: die Oberschrift, ein Q, ein 'S, und der Anfarigsbwhstab von Ucrre 



76 . rj 917 

mde ir wori unde ir willin an mine frovde. unde an mine halde. 
onde an iui(2a)ne minne. So miz den ubir din herze in inodum 
crocif. unde von deme broft leffile zvo deme nabile. unde miz denne 
von eime rippe unz andaz andire. unde fprich alfaf. Herre almeb- 10 
tf^e ^ot. ich bite dich herre dar din hciligif herze, unde dur die 
l^iligin gidanche. der du do gidahtoft. do dv dife weit alle gifcvofe. 
ttnde do du den menifchin nah din felbiz bilde gifcvofe. vnde dv 
gidahtoft in zir lofinne mit din felbif libe. unde (2 b) gireindoft mit 
dime heiligin Mvote. do er dar fin felbif fchulde. uirlom bäte herre 15 
dine hulde. Nu bite ich dich herre. dur die felbnn gnade, unde dur 
die gidanche. fo bite ich dich herre. daz du bichereft ir allir herze. 
Qnde ir mvot unde ir willin zvo mir mit truwon. unde mit warheit. 
unde mit gnadon. unde mit minnon. die mich hüte anfehin faln. odir 
dicheine rede fam mir aide uon mir Ailn habin. So miz denne die 20 
^ 3 a ) rehtnn hant. uon deme lengiftin uingire unz an daz refti. unde 
miz denne uon deme dumin. zvo deme minniftin uingire. unde gib 
denne diu liet ufin den altir. unde fprich alf\if. 
Herre ich bite dich almehtigir got. du den himil unde die herde an 
diner hant haft. herre du gifezze hüte in mine hant. unde inmine 25 
giwalt. alln div menifchin. diu mir fcadin wellen, daz fiv mir undir- 
Um unde gihorfam mvozin fin. (ab) zi allen den dingin da ich ir 
zvo bidurfe. Tunc cantetur miffa defancta trinitate. unde brenne div 
lieht allv zi der miffe. Alfe fanctuf gifungin werde, fo val nidir 
andinu harn chniu. unde flnc dife falmin. Pf. Vfquequo. Pf Deuf 30 
deuf meuf. refpice. Pf. Adte domine leuaui. Pf. Inte domine f^eraui. 
Pf. Inclina domine. Pf. Deuf aaribuf 



H 



De faneto Petro. 



erre fancte petir du den giwalt heft zigebindinne unde zin bin- 
dinne. dino gnade fvoch ich fundigv. dinif wegennif gcron ich. Ich 
l)ite dich unwirdigu. umbe alle mine funde. unde urobe alle mine 
not. unde mine angifte, da mite ich C5a) biuangin bin. oft unde mir 
geginwartich fint. Ich bite dich herre fancte petir dur die gnade 5 
die got dir täte do er dich uon der erde zieinim menifchin gibildote 
alf er unf alle hat gitan. daz du mir gnadeft in allen novtin. unde 
angiftin. alfe got dir täte, do er dich ime feibin ginande fweftir 

15 <n der XNindithrifl h€i{nm€ Zeil€}i'in 80 chna 30-39 Pb. 13. 21. 24. 36. 
85. 43. 77t 1 oder fantef fentef in der BS. hier und immer fce 8 J?v. 

Matth. 12, 50. Joh. 15, 15. 



918 n . 78 

unde mvotir. frivnt niet ein (halc. Hilf mir herre fancte petir in 

10 allen notin unde angiftin. alf unfir trehtin. dir den giwalt hat (5 b) 
gigebin. Ich bite dich herre fancte petir. dur die gnade die got 
ubir dich täte do du fin uirlovgenotoft ineinir naht drieftunt. unde 
din heilich herze mit fere unde mit leide, bivangin wart, umbe den 
tivrin tot. unfirif trehtinf. unde umbe die funde die du hatoft gitan. 

15 daz unfir trehtin uir hängte unf zitrofte fo wir uielin indie funde. 
Nu irhuge herre fancte petir wie unfir trehtin zidir ()prac. do du in 
(6 a) fragetolt. wie diche du in foltift virlazin die indie funde 
givielin do antwrte er dir unde chat. Non dico tibi petre dimittendi 
feptief fed ufque feptnagief feptief. Dur die gnade fo bite ich dich 

20 unde manon dich dar den heiligin namin def heiligin criftif. dinif 
liebin meiftirf. unde dur die figenufle def heiligin crucif. da allv div 
criftinheit ane wart irlofit in dien gnadon fo irlofe mich uon allen 
minen fundon. Gihuge herre fancte (6b) petir. der mandunge unde 
def troftif. da din heilich herze mite gifrovwit wart, do unfir treh- 

25 tin uon deme grabe irftvont. unde dir unde anderen finen boton. 
daz hiez chundin. daz er zigalilea indaz laut fvore. unde fiv in da 
mit mandunge gifehin mvofln. Herre fancte petir ich bite dich 
dur die mandunge der ich dich nu gimanit han. daz du mir ziunfirme 
trehtine arne böte fielt daz min fer unde min not da mite ich 

30 biuangin (7a) bin inmandunge bicherit werde. Ovch bite ich dich 
herre fancte petir in minif trehtinif namin. unde dur minne def hei- 
ligin criftif. daz dv gihugeft der gnadon der got ubir dich tete. do 
dich herodef gtbant. infiben Itetin. mit ifinin chetin. Gihuge herre 
fancte petir wie dich got irlofte. von der fiende giwalt unde irbite 

S5 mir umbe den feibin irlofere. daz er mich irlofe. dur fine gnade, 
unde dur dine minne. uon alltr der not unde uon den (7 a) angiftin 
da mite ich biuangin bin. unde die ich dir giclagit han. unde irlofe 
mich, alfe unfir trehtin dich irlofte. uon der vinftri def karcharif. 
unde uon den banden herre der warin fibinv. uon den banden allen 

40 fo lofte dich unfir trehtin. alfo tvo ovch dv mich nu dur fine gnade, 
unde dur fine minne. uon allen angiftin unde der not der ich dir 
nv geclagit han. unde uon allen ubilen menifchin. unde wibin. die mir 
diheine not tvont unde mit diheinir ( 8 a) freife mir wellen zvo chomin. 

Uaz ewige lieht daz chome ziminin ovgon. Div heilige (timme 
chome zimime munde. Der heilige geilt chome ziminir brufte unde 

18 Maith. 18, 22. 



78.79.80 91» 

gebe mir got die globe. die fancte petir habete do er indifeme libe 
waf. unde helfe mir fancte petir der gnadon. daz min üb unde min 
feie biwart werden zidifeme libe. unde zideme ewigin libe. 5 

Juerre fancte michabel bute wiftv .N. fin (bilt nnde fin fper. min 
frov( 9 a )wa fancta maria fi fin halfperge. hvte mvoze er indeme 
beiligin fride fin. da got inne wäre, do er indaz paradife chame. 
Herre got du mvozift in befcirmin. nor wage, unde for wafine. uor 
fivre. uor allen finen fiandin gifunlichen unde ungifunlicbin. er mvoze 5 
alfe wol gifeginot fln. fo daz heilige wizzot wäre, daz min herre 
fancte iohanncf mime herrin dim almehtin gote in den munt flozte. 
do em indeme iordane tovfte. ambn. (9 b) 



H 



erre got an dine gnade irgibe ich mich dir hüte, mit libe unde 
mit feie, indine gnade, unde indine irbarmide. unde inminir frovwn 
fancte mariun. unde fpriche dir einin falmin. hüte indine gnade ünde 
indine irbarmide. unde indinir heiligun mvotir inden wortin. daz du 
niemir nirhengeft. daz ich iemir gifcendet werde, uon deheime 5 
irdifchin menifchtn. unde mir def gunnift. mit dinir gnade, daz ich 
dife weit uirwandelon mvoze. ungifchendet. unde min ( lOa) wiblich 
ere an mir niemir ginideret werde, unde rvoche allen minin fienden 
ir bor ferti widir mich zibicherinne. Pf. Adte domine leuaui. Tu 
gihuge wol fwert unde wafeu wef dich crift bat. do er alre erft 10 
ufin dich trat. Innomine ihcfu chrifti div wort fin mir war. unde 
uefte. unde figehaft def helfe mir dinu heiligu craft. div wort 
fin mir war. unde alfe uefte. fo daz pater nofter ander milTe. 
Pater nofter. Daz mich hüte infnide nihein wafin. daz fit giilagin 
wrde. fit crift gibom (lOb) wrde. Innomine patrif et filii et fpiri- 15 
tuf fancti. pater nofter. Innomine domini. daz heilige lignum domini 
gifegine mich hüte, undenan unde obinan. min buch fi mir beinin. 
min herze fi mir ftahelin. min hovbit fi mir fteinin. der gvote 
fancte fenerin. der phlege min. der gvote fancte petir. unde der 
gvote fancte ftephan gifegineigen mich hüte for allir minir fiande 30 
giwafine. Innomine dei patrif et filii. et fpirituf fancti. alfe mute 
nnde alfe linde mvoziftu hüte fin ufin mime libe. fwert unde allir 



79» 6 fo heilige 60, Ps. 24. 21 Innomine] I vom Miniator vergeben. 



J20 80 . 81 . 82 . 83 

flate gifmide. fo minir frovwn ( 1 1 a ) fiaBCte Mariun fweiz wäre, do 
25 n den beiligin crift gibare. Pater nolter. 



F, 



Tovwa fancta maria. heiligu magtt unde mvotir. minif hcrrin def 
almehtin goCif. gidenche daz er dich irwelte uon allir dir weite, 
got uon himile. zitrofte ando zignadon. allen menifchin. dur die 
gnade fo got andir täte, wif mir gnadich. vnde hilf mir der ruwe 
5 unde der bihte. unde der bicherde indirre weite, da mite ich garne 
antlaz minir fundon. in den ewigin üb. (Hb) Frovwa fancta maria 
wif mir gnadich. ziallen minen dingtn. die mich ane gangen, minif 
libif unde minir feie, frovwa fancta maria wif mir gnadich. ziallen 
minen not durftin. ziallen minen angiftin. frovwa fancta maria uirla 
10 mich niemir an minir hineuerte. noh andeme tage def uorhtlichin 
urteildcf. amen. 



H, 



lerre du da bifchimdoft tref.puerof decamino ignif. alfe du loftoft 

danielem delacu leonum. alfe lovfe mich herre hüte, uor l^er. unde 

uor fwerte. unde uor allir flahte wafine. unde uor allen fhozzin. 

allir minir fiande unde giwafine daz fie mir hüte alfe gvot fin. fo 

5 (ancto marise fweiz waf. do fi criftif ginaf. diu fin mir war. abren. 



F, 



rovwa fancta maria ich bite dich dur die frovde (12 b) unde dar 
die mandnnge. unde dur die wnne die du giwnne uon der böte* 
fcheffce die dir brahte fanctuf Gabriel, do er dir chunte die urone 
gibnrt. daz du mvotir foltift wefin. undrf herrin ihefu chrifti. daz 

6 andir irwllit wrdin diu oracula et preconia prophctarum et bene- 
dictionef et promiffionef patriarcharum. unde dur die rawe. unde 
dur die gnade die du hetoft. fub umbra fancti fpirituf. et plenitu- 
dine gracie eiuf et inpregnatione dulcifTimi filii tui. daz du nirwande 
(l3a)left daz fer minif herzin. infrovde unde inmandunge. illiuf 

10 nentrif tui frnctuf qni eft chriftuf dominuf nofter fit femper fit bene- 
dictuf et gloriofuf et fuperoxaltatuf infecula. amen. Ich bite dich 
fancta mana dur die mandunge unde dur die wnne die du hetof 
mit unfirf herrin pneritio mit flnir infantia cum inünu tuo coUocando 
inter ubera tua reclinando brachiif tuif eum tibimet ucndicando. ofeu- 

15 lando amplectendo lactando omnem ei follicitudinem et diligentiam 

■ — , ■ ' 

n, 4 grot] got 5 marie fireiz fehlt. 8t, 15 foltieltadiiM 



83 MI 

ioomCls k)diffime mairif iure inpendendo et ejüiibeado. duz da 
mich irhorefL inallen mineii angiftin nnde noten. Ich bite dich chu- 
ninginne def himilf unde der erde daz du mich irhoreft indirre an- 
gifte, nnde inallen min angiftin. dur den heiligin tovf da got inne 
wvofc allv div mein dirre weite, et perfanctum iohannem ewange- 20 
liftam taum uirginalem cuftodem. dazdu mich gnadecliche reineft. uon 
allen minen fundon. unde achuftin. Ich mane dich gnadi(i4 a)giv der 
martire dinif unlchuldigin chindif. daz du mich fchuldigun irhoreft 
dur linir heiligin gibende willen, irlofe div gibende minir feie gna- 
decliche. Ich mane dich liebu frovwe der trahene die uon dinen ovgin 35 
fluzzin. do du din chint an demc cruce fahe. daz dich irbarmen mine 
trahene die ich fende andine gnade, umbe mine Ainde. nnde umbe 
alle mine not. unde angifte. Gihnge gnadigu frovwe def wegif den 
du ufin den ftein zvo ime gienCi4b)ge. da er dich biual fancto 
iohanne Inder iungiftun not finir martire. unde la dir min lib unde 30 
mine feie, unde alle min not. unde angifte binoln fin. unde alle die 
den ich gebetif fchuldich fi. die biuil ich dir andine truwe. alf er 
dir fanctum iohannem biual. daz ir mich bihvotent uor funden. unde 
nor fchanden. nnde unf helfent ziden ewigin wnnin. Gihnge liebu 
frovwe. def herze ferif. da du fehe ginagilot. din vnfchuldige chint. 35 
zideme galgin def cru(i5a)cir Ich bite dich dur die clagelichun 
ftimme die er Ivtte do flu heilich geift uon finime gibeine fehlet, 
dur den antlaz da er unf finif uatir huldo giwan. daz du uimemeffc 
mine ftimme inallen min notin nnde angiftin. Ich bite dich gnadigiv 
dar den tot dinif chindif den du ane fehe. unde dur daz blvot finir 40 
fitnn. daz du gitrofteft mich inminir ivngiftun ftunde. unde inallen 
min notin. Heiligiv trofterin. allir trurigir herzin. ( 1 5 b ) dur def 
^abif ere da nnfir herre alre troft inne lac. dur fm diemvoti du 
cum mir zihelfe liebu frovwe. unde gihnge wie dime herzin wäre, 
do du non fime grabe fchiede. unde irbarme dich nbir mich fundigif 45 
iaenifche. unde cum mir zihelfe anminir ivngifhin not dur die herun 
urftende. da din herze mitte gilabit wart, unde gitroftit. do du in 
fabe irftanden dem du dauor ebindoltoft fereliche infin notin. Nu 
fende mir dine (i6 a) helfe, unde din troft. dur die frovde der herun 
urftende. daz ich irftan mvoze non allen minen angiftin. Herre 50 
fcephare du da gifrotoft alle die indeme helle fere warin. do du 
irftvode uon demo grabe, du gitrofte min ferigif herze. Herre du 
irhuge min. dur din herun uffart. dur daz iamir dinir mvotir. unde 



89 Ich] I vergtfUn, 46 dem] dn 



»33 83 . 84 

dinir ivngiron. daz fic heton poft afcenfionem taam. unde irlofe mich 
55 non der girde unde uon deme iamire dirre bovfun weite, uode mache 
( 1 6 b ) mich wirdich dcf ewigin libif. unde gib mir dio fride. unde 
din hetligin geift. Herre ihefu chrifte wif in mir daz du mich bihvo- 
teft. wif uor mir daz du mich gileiteit. wif obe mir daz du mich 
bifhirmeft. wif umbe mich daz du mich gifegineft. Nu gifegine unde 
60 bifchirme mich der vatir. unde der fun. unde der heilige geift. fie 
bihvoten min üb. bihalten mine feie, unde giribten mine finne. unde 
gileiten mich ziden ewigen wnnin. axbn. (l 7 a ) 



El 



Ibe dir iewet werre. fo mache drie cherza unde linc an baren 
cnien den falmin. Audite cell, unde nah fivnf uerfin fo lif. Pater 
nofter. unde eine uenic. unde fprich difgibeC. Heiligu frovwa fancte 
fufanna. irhore mich indem namin def almchtin gotif. unde fih an 
5 mine not. undo an alle min angifte, unde gidenche wie gnadecliche 
dich got irlofte uon lukkin urchundin. unde uon deme biterin tode. 
dur die gnade die got ( 1 7 b ) do dur dich täte, fo bite ich 
dich, unde bifwer dich fancta fufanna. daz du mit dime emizigin 
gibete. dinin got bitteft daz er mich gnadecliche irlofe. uon allen 

10 minin angiftin. unde uon allen minen notin. Vnde uolfinc den falmin. 
alfo. unde lif denne ander uenie diz gibet. 

Uerre got vatir almehtige. ich bite dich unde bifwere dich, dar die 
minne fancte fufannun. daz du mich lofeft uon minen fienden onde 
minen angiftin. (18 a) Ego figno crucif non clipeo protectuf aut 

isgalea. hoftium cuneof penetrabo fecuruf unde fegine din hovbet fivnf 
ftunt mit difime zeichine. f zanucl. unde fprich den verf zvo deme 
der da obinan ftat. Ego figno. Paruc. domello. aftac. effranif. prota- 
nif. lezradif. Herre crift gotif fun dur der angift ere. da din heilich 
herz^ mite biuangin waf. do du herre crift din heilic gibeine, zvo 

20 der martire gäbe. (iSb) dur die minne unde dur die truwe. die du 
ziden menifcin hatoft. fo bite ich dich daz du gitrofteft daz fer 
minif herzin. alfe du gitroftoft daz fer dinir ivngiron indeme zite 
dinir urftende. Pater nofter. Herre crift unde dur der angifte ere da 
din heilich herze mite biuangin waf. do fleh din goteheit unde din 

35 menifcheit ändeme cruce fchiedin ü> bite ich dich. Pater nofter. 
Herre crift ich bite dich dur der angifte ere. da dinir trat mvotir 



84» 3 eine oenie] fehlt davor ein imperativ? 4 füftinna 10 minen am 
minin gebeftert. 12 almeltige 15 fecomf i» feoura geändert. i2 ivnfon 



84 . 85 ttS 

( i 9 a ) herze mite biaangin waf. do fl dich ir trut fan fah tovwen. 
unde irfterbin andeme cruce. Pater nofter. Herre crift unde dur der 
aiigift ere da der heiligon zwelfboton herze mite biuangin waf do 
fk dich fahin (terbin. fo bite ich dich. Pater nofter. Ich bite dich 30 
llerre fancte moyfef dur die gnade die unfir trehtin nbir dich gi- 
dahte. nnde nbir aaron do ir vahtint wider pharaonem. nnde ir 
ivwiT arma ovf hvobint (19 b) unde in mit den feibin wor^ 
grvoztont dur die feibin gnade, bite du criftif chemphe. daz er mich 
lofe. uon der crefte minir fiande. alf ivch unfir trehtin lofte uon 35 
pharaonif giwalte. amkn. 



» 



V tvo dine bihte unde uirgih dinir fundon. fo uirgit dir got dine 
fcolde. unde lif die fibin falmin. Domine ne infurore. Gloria patri. 
Kirieleifon. Chrifteleifon. Kirieleifon. Paternofter. Ne reminifcarif 
domine deuita mea. uel parentum meorum neque uindictam fumaf de 
peccatif meif. Dirre falme fi gifungin deme heiligin geifte. unde 5 
allen den tuginden def hlmilf. cherubin. feraphin. (22b) tronif et 
dominationibuf allim himilfchim here. der heiligun botefchefte def 
heiligin wortif patriü daz fancte gabriel chunte fancte mariun. def 
irhuge herre crift. wif gidultich ubir mine funde. alfe du herre wiz- 
aft minin willin dine hulde ziwerbinne. iO 

Oratio. 

Befende me domine ancillam tuam coram omni potentia tua proftra- 
tam et abhoftium me fortitudine tuere. nee bona tua difficulter 
inneniam. fed concede fancte fpirituf ut prome fupplicent fancti tui 
et an(28 a)gelice poteftatet Per Pf. Beati quorum. Gloria patri. 
Sorieleifon. Chrifteleifon. Kirieleifon. Pater nofter. Ne reminifcarif. 15 
Domine ne meminerif iniquitatum noftranim antiquarum cito antici- 
pent nof miferie tue quia pauperef facti fumuf nimif. Dirre falme 
fi gifungin. indie ere dinir heiligun giburte. herre got. unde fancte 
mariun magdalenun. unde fancte afire. unde fancte walpurge. unda 
allen den die ir chufci haut dur got bihaltin. dur der willin. fo 20 
gihuge du daz du mit deme vingire ander erdun fcribe. da mite du 
herre crift daz wip (23 b) irloftoft. uon der giwalt die fi wolton 
fteinon. alfe irlofe du herre mich uon allen den die fleh vbir mine 
ftude wellen firovwin. odir ubir mine fchande. Omnipotenf miferi- 



SD Ikh 85 lofte] loft 8«, 2 Pf. 6. 14 Ps. 3i. 20 der] dn 



M4 85 

25 corf deaf uniuerfa mihi adaerfantia propiciatuf exclade. «t «enie et 
corpore expedita. que tua fint libertf mentibuf exequi merear. FL 
Domine ne. infurore. Gloria. Kirieleifon. Chrifteleifon. KirieleifoB. 
Pater nofter. Ne reminifcarif. Herre drehtin ioh life difen falmin 
indic ere dinir martyre. unde allen din martireren unde bitte didi 

sodur £aucte ftephanif (24a) unde dar fanete biafivn willin. vnde dar 
Dancte laurcntiun uillin. fancti georgii. fancti benigni. unde dor allir 
der wUlin die ie dihein itiwiz odir diheine martire dar dine rainne 
irlitin. daz du gnade habeit. niinir brodi. unde inicli irlofeft alfe 4v 
loftoft fufannani uon dorn itiwize der ubilon livteo alfe irlofe 4u 

35 mich uon weltlichim itiwiz daz inheinif minif uiendif wille iemir an 
mir irwllit werde. No derelinquaf me domine fanete pater et domi- 
nator uite mcae nt non corruam inconi)^cctu adoer(24^)farienim 
meorum no f^audeat demo inimicuf meuf Per Pf. Miferere. Qloria. 
Kirieleifon. Chriftelcifon. Kirieleifon. Pater. Ne rominifcarif. Mit 

40 diflme ialmin fvoch ich dine gnade, herre ich habe in gifungin. jdinir 
uf ferte zicron. unde faneto iokanni baptifte. unde faneio iohaast 
ewangelifte faneto floriano faneto pantaleoni. faneto remigio. faneto 
ivliano Cancte marie et fanete marthe. dem gvotin lazaro. 4ler vier 
tage tot waf. vnde du in lebinden machotoft dur die gnade fo gi«»- 

45 denche unfirf teilif def du non dinir mvotir fanete mariun name ^az 
du hine zihimile uvortoft. def (25 a) uirgiz anmir niet iriiHgio der 
gnadon die du dauide täte, do er widir dich fchuldich waf. der 

* manflaht. unde def hvorif. unde er dine gnade irwarb mit den wor- 
tin miferere mei deuf miferere mei. alfe gnade du mir herre u!l 

50 fundigere. Tribue quefo omnipotenf deuf ut perinterceffionem fanete 
afcenfionif tue illnc tendat noftra denotio quo tecnm eft noftra 
fubftantia. Per dcum. Domine exaudi. Gloria. Kirieleifon. Chrifkeleifon. 
Kirieleifon. Pater nofter. Nereminifcarif. Virnim herre crift difln 
falmin zieren (25b) deme heiligin geilte den du fantoft zitrofte 

55 dinen ivngiron. die mit vorhte warin herre iivoche mich zibefchate- 
^enne mit dem heiligin geifte der mich wife unde lere dinen willfn 
zitvonne. der min herze intlivte. daz ich dich minne unde furfate. 
ich bite dich dur den dienift fancti martini. fancti gregorii. fancti 
uicolai. fancti leonardi. dor alle die die mit bihte glnefm fint das 

eoich ubir winde mtne IHinde mine angifte mine not. (26a) alfo div 
driv ehint tatiii. Sidrae mifach et abdenago. indeme eft ouine die 

26 expedlat. Pi. 37. 33 du min gnad* 37 mee 38 P$. 56. 43 floriao 
47 gnadon 1)0 quefo] ^ periereeffione 62 P«. 101. 56dian(«MiieZe«i^nift 



85 . 86 



»S5 



dannan uon gifuiit chamin. der felbun gnade gitruwe ieh dir. nah 
gnade hilf du mir. 

oratl«. 

Deuf qui contritorum non dofpicif gemitiim et merentium non fpernif 
affectum adefto precibaf noftrif quaf pietati tue protribulatione 65 
noitra oiferimuf ut eaf dementer fufcipiaf et folo pietatif tue intuitu 
tribuaf. ut qulcquid contra me diabolice atque humane moliuntur 
aduerfitatef. ad nichilura redigaf et confllio tiie pie(26 a)tatif alli- 
daf. ut nuUif aducrfitatibuf lefa fed ab omni tribulatione et anguftia 
liberata. graciaf inecclefia tua referam tibi leta. Per. Deprofnndif. 70 
Kirieleifon. Chrifteleifon. Kirieleifon. Pater nofter. Nereminifcarif. 
Gifprochin fie dirre falme dinlr gotheit herrc crilt. unde bite dich 
dur die liebi die du hetoft zvo adamif feie, unde eue. abrahamif. 
yfaac. unde iacobif. der heiligon wiffagon. unde dur alle die. die 
du uon helle loftoft. unde fie neme indin riche. dur der feie willen 75 
die dannan here mit dinen (2? a) gnadon. ginefin flnt. odir noh 
gineßn fun. daz du minir armun feie gnadef unde mime brovdeme 
übe. daz du mir die weit noh gifemfteft daz ich mit warre bihte 
bichome dich zilobinne. minir armun feie zignade. Deuf confolationif 
et pacif refpice propitiuf adprecef meaf et concede ut anime famu- 80 
lorum famularumque tuarum que abadam ufquo inhodiernum diem 
de hac luce migraucrunt quique baptizati et confeffi infide catholica 
perfeuerauerunt (27 b) et de fuif rebuf aecclefiaf dei ditanerunt ut 
inßnibuf abrahe yfaac. et iacob. feliciter reqniefcant. moxque amorte 
fufcitati tibi placeant inregione uiuorum. Per Pf Domino exaudi. 85 



I 



ch lobe dich uatir got almehtigin. unde din fun. unde din heiligin 
geift. unde gilobe die drie binemide ein warin got. Ich lobe dich 
herre allir der gnadon der du mir ie gitate daz du (29 b) mich fo 
diche irloft halt uon uil manigin angiftin notin unde fchandin unde 
bifcirmit haft uor uil manigen fundin. Nu bite ich dich herre dur 5 
dine vatirliche gvoti. daz dv fift min troft inallim minim vntrofte. 
bidenche din richtvom unde min armvot. virlie mir wiftvom. binim 
mir tumpheit. bifchirmo mir herre. min lip unde mine feie, unde 
mine ere uor allen minen uiendon gifünlichen unde ungifunlichen. 



t. 



65 adcfte — iiieiali 70 P«. 120. 

85 Pf. 14Ü. ae, 7 diDj min 

üld. Predigten. 



75 Wille 



83 eccieriar 



ul] ds 



15 



336 86 . 87 . 88 

10 Ich bite dich (30 a) herre dur den gnadeclichin rat den da täte mit 
dime vatire unde mit dime heiligin geilte vmbe unfe heil daz dn 
mich bifchirmeft vor allen ratin die ubil fint. uor hinder rede, vor 
fchelt wortin. uor itiwizin. unde daz ubil daz ich ^idir dir gitan 
han. dur mine brodi. vnde dur min unvirwizzin heit. daz du das 

15 uirtilgeft mit der menifcheit die du an dich inphienge aon der hei- 
ligun magit fancte mariun. Ich bite dich herre (30 b) dur dinir 
heiligun giburte willin. unde dur dinif tovflfif willin. den du inphienge 
unde dur der martyr willin. die du lite andeme crnce. mit fpotte. 
mit halflegin daz du mich niemir lazeft chomin zvo weltlichen 

^^ hovndon dur diheine mine funde. Heiligir geilft du dir bift ein troll 
allir gifergotin herzin. unde allir not haftigin menifchin dv gib mir 
daz ich dich got minne in allen minen (.31 a) finnin. unde gib mir 
die reinicheit minif herzin unde def mvotif. unde die chufchi def 
libif unde daz ich indifeme libe garnen mvoze. daz ich gnadecliche 

^5 zidem ewigin libe chomin mvoze. *amex. 



ft 



Defaneto erafmo. 



ierre fancte erafme du mime trehtine andifeme feibin orftirlichin 
tage giopherot wrde. zifrovde der heiligun refurrectione. Du inpha 
hüte diz opphir umbe mine feie unde umbe mine weltliche ere (3i b) 
daz min trehtin mich ginere unde mich giwere mit fin gnadin. unde 
5 mit allen din dingin die der feie lobilich fin. ich bivil an dine 
gnade min rat unde mine gitat unde minu wort da mite mir diheio 
menifche fcadin welle, daz er mit din gnadin virmerit mvoze werdin 
wände min trehtin felbe fprach fwer fo din namin andifeme oftir- 
liehen tage ginemmit fwef fo er gibitit daz er giwert werde. (32 a) 
^^ nu inpha mich andine trivwe dife giwihtin tage, unde dife giwihtin 
nahte, daz min trehtin mich dur fine gnade anallen gvoten dingin. 
wonen laze unz an daz ende, minif libif daz inheinif minif uiendef 
wille anmir werde irvoUot. daz chome dir zilobe. unde allen zi- 
trone die dinir gnadon biten. amen. 



i 



ich bivil mich .N. dem almehtigin gote indie (42a) felbun gnaia 
fo er fancte iohanni bival fine mvotir do er andem cruce fhroal. 
ich bivil mich indie felbun ginade fo er fin geift fime vatir bival. 
do er andem cruce folte irfderbin. indie felbnn gnade, nnde indie 



S5 lomin 87, 5 dinj dinen 11 nahte in nahten giändert. 



88 . 89 m 

trovwe fo er fancte mariun ime zieinlr mvotir irchof. unde fi in 5 
sieme heiligin fune indie felbun gnade, fo ime der gvote fancte 
iac6b. fin fun bival do ern fanto inegiptum indio felbun gnade fo 
ime ( l2 b) der gvote tobiaf finin fun bival do er in fante indaz 
lant rogionem gentium. Ich bivil mich hüte indie heiligun hant den 
hoiligin fivf trahin blvotigeii. den heiligen nagilin. dem heiligin 10 
crnce. Ich bivil mich dem gitruwin fancte petir indie felbun gnade 
fo ime der heilige crift bival fmu fcaf unde die fluzil def himilf. 
ich bivil mich hüte unde iemir inden heiligin fegin def almehtigin 
gotif noh niemir inhcin min (43 a) viant mir muge gifchadin. gi^ 
fihtich unde ungifihtich. Ich bifwere mich bideme uatire unde bi- 15 
deme fune. unde bideme heiligin geifte daz div ovgin nien haben 
da mite fu fehen daz mir fcade fi. noh der munt da mite fu fprechen 
daz mir gifcadin muge. noh div orin noh daz herze da mite fu boren 
odir gidenchen daz mir fcade. noh die fvoze da mite Hv gien odir 
itein daz mir fcade fi. div uil heiligu (43 b) zefue def almehtin 20 
gotif der biuil ich hüte mich unde iemir min lib unde mine feie, 
unde mine weltliche ere. daz ich mit gnadon lebin mvoze unde mit 
fride minif libif unde minre feie, nu gifegine mich daz her cruce. 
vor mir fi der gotif fegin. mit deme feibin fegine da mite dir almehti 
got waf gifeginot do er uvor zihimile. fro elifabet mit ir heiligim 25 
fune. gifegine mich fancta cilina (44 a) mit ir fune. gifegine mich 
fancta felicitaf. ir fibin fune gifeginen mich, mit deme feibin fegine 
fi ich gifeginot da mite die drie kunige wan gifeginot. die der 
kunich herodef \> olte martyron der heilige fun fancte mariun der fi 
hüte min halfperge. minif libif unde minir feie, unde minir weltlichun 30 
ere der gitrovwe fancte petir fi min wegewife. minif libif unde 
minir feie mit dem felbin fe(44 b)gine fi ich gifeginot fo got die 
drie knappin gifeginote die der chunich nabuchodonofor wolte vir- 
brennin. Sidraac. Mifamc. abdenago. Kirieleifon. Chrifteleifon. Kiri- * 
eleifon. Pater, nofter. f 35 



L 



ih bin hate uf giftandin. indie ginade dif almehtin gotif gangin 
<94 b) hüte fi ich inallir der weite gimvote. alfe ir herze inir plvote. 
alfo wol fie ich inallir der weite lafte alfe ir her«e inir brufte das 
Ich inen allen fi alfe lieb, dar ubir manon ich difin namin. den adam 
aine rvofte. do er die hant fah div in da machote. daz dirre. adonay. 5 

W, 1^ feMt ettoat. 25 hciligir 

15* 



9Sa 90 . 91 



I, 



Innomine patrir et filii. et fpirituf fancti. Ilerro fo bivil ich dir hüte, 
min lip. unde mine feie, zibihvotinne. unde zibitchlrminne (95a) 
alfe dv bifchirndoft danielem do er waf indeme hole der lovwpii. 
fafannam uon deme lugilichin urchiinde. fanctnm petruiu uon den 
5 chetinnon. fanctam raariam niagdalenam. uon ir fundon. alfo mvoziftu 
mich hüte bihvotin uor ftindon uor fchandon. unde uor uiicinde andon. 
def bitte ich dich herre dur dinir rovotir ere. uon der dv die men- 
ifcheit inphienge. die menifcheit an daz cruce leitoft. mich (95b) 
uon der helle irloftoft. zideme himile du mich brahtof. dannan bin 
iO ich giuallin. eginif danchif eginif willin. Nu bit ich dich herre 
widirzicominne dur din heiligin namin on. dur den fo fint alliv dinc 
zideme ewigin Übe. dv mich bifchirmift. in difime gegin wartigin zite. 



Seliger vnd aller gvotelter herre got gelobet fiftv iemer. der gena- 
dcn der dv tete. dien heiigen zewelfboten. vnd dinen ivngern. dien 
dv dinen heiligen geft fantoft. vnd fi fo uiz kven vnd ftarch mach- 
toft. daf fi getvrftelich in die weit giengen din wort kQndon alf von 
5 in vor gefchriben waf in omnem terram exiuit fonuf eorum. vnd daf 
fi alle zvngin redent wrdin. vnd aller der genaden der dv diner 
criltenheit mit in haft getan die dv mit inen gephlanzet haft. vnd 
fvnderlich fiftv gelopet. der genaden der dv vnf haft getan an dem 
ftvol zerome. vnd an dem babftc. den wir an diner ftat da vinden. 

10 vnd an dem bifchoflichem gewalte, vnd priefterl icher wichte. vnd an» 
der ordenvng der heiigen mefle. da man dich alle tag handelot. vnd 
enphachet. vnd och vnf armen mit teilet, dien dv din nit ungvnftig 
bift. vnd fich och nach ir ftaten gegen dir bereiten went. Gelobet 
fieft och lieber herre. der gvcto der dv vnz och haft erzeiget, an- 

15 der ordenvng der heiligen bichte. da wir werden von funden erloft. 
vnd troft enphachen daf dv vnf weleft din rieh geben, üb wir vnf 
nach der bichtere rate, richten und halten wein. Aalmechtiger 
herre got gelopet fiftv fvnderlich der genaden. der dv erzegteft an 
diner lieben renen mvoter. der feiigen maget marien. die dv nach 

90> 9 irlotolt. 91, 1 in der Handichrift Gelig' 2 die heiige zewefbote. 

TD dine ivnger. die 3 vn ftarcb 5 Ps. 18, 5. 8 fvdlich 9 deo] dan 
14 dT ynz] dys 15 ordenyg — werd 16 wlell 17 bichte rateU 



91 33» 

ir zit uf ze dir neme. mit lip und mit feil da für wir ef biHieb baben 30 
(20a) fvlcn vnd fi fDr dicb gcfezet baft. vber alle die koer der 
engelon. vnz ze einer getrevwer furfprccberinon. da wir fi vm din 
bvlde vlcrben fvlen. Geiopet fiftv ocb der. gvete. der dv er zeget- 
haft. an allen dinen beligcn zewclf boten, die dv fTirdicb gefidelt 
badt. wan fi ocb bie din fcbilt geverten waren, vnd an dien feligen 35 
ewangeliften. die vnz din leben din lere, din martcr. tot vrftend. 
vnd bimelvart. getroviicb gefcriben bant. dar vm fi biliicb vor dir 
fvnder er baben fvlen. vnd fvnderlicb fiftv gelobet, der liebi. die 
dv er cegtoft. dinem fvnder trvten. fant lobanez ewangelift. wie lang 
dv in leben lieze. daf er dir vil frvcbt brecbte. vnd bocbef lonez 30 
von dir erwrbe. vnd wie dv in do an bizvnder totef marter. bin vf* 
ze dir vnd ze diner lieben mvoter genomen baft mit lip. vnd mit 
feie, def wir dir wol getrvwen fvn. daf die renon übe. din vnd 
diner mvoter. vnd ocb fin. die bie mit ein ander in folicben trevwen 
waren, daf ocb die von dir nit gefremedet fin. Gelobet fiftv ocb 85 
aller der gvete. der dv erzeiget baft allen dinen belligen ivngern. 
die dir bie vf erde nacb volgend waren, dar vm fi ocb nv bimelfcbe 
frcede babcnt. Gelobet fiftv ocb lieber berre. der genaden der dv 
baft getan, allen dien feligen marteren, die dv ftarcbtoft in aller ir 
wider werdekeit. daf fi dir nacb gevolgot bant. mit recbter reiner 40 
marter. dar vm fi ocb nv die ewigen rvowe vnd froede bidir vnd 
mit dir bant. Gclopet ficftv ocb. der gvete der dv vnz baft erzei- 
get, an dien beiligen bicbtern. vnd lerem, die vnz din getrevwen 
lere, vnd diner boton erlvcbtet bant, div vnfern kraneben finnen. 
ze tief vnd ocb ze t^nikel wer gewezen. ob fi vnz nit von in er- 45 
levcbtet wer. Gelobet fiftv och der boeben genaden. die dv baft 
getan allen reinen megden. die der weite fvezekeit dvr dicb fer 
fmacbten. vnd dir mit reiner kvfcbekeit bant nach gevolget. vnd ir 
ocb vil ir blvot dvr dicb ver gozen bant. Gelobet fiftv ocb der 
genaden die dv allen rein witwen erzeiget baft. die dv mit recbter 50 
ftetekeit gefterket baft. daf fi in mangem vngemacb. in diner min 
vol berdet bant. biz dv fi ze dir genomen haft. vnd aller der ge- 
naden der dv iegetete. allen (20b) dien die mit ir reebten .e. nach 
dinem gebot gelebet bant. daf fi da mit bebalten fint vnd ocb allen 
die noch in dem fegfivr fint. die dv gefiebert baft. daf fi fehler 55 

20 biUch 2*2 fvrfprecber inon. 24 zewefl botee. 25 fchll geverte 

26 ewangeUA. — vrüen. 39 dieu] die 40 wid'wfdekeit. 41 fi] fo 

42 ficftT dr och. 43 bicher. 44 fiiien 50 erziget 



tM 91 

oder nefwen sedir komen fvlen. lieber herre gelopet fittr oeh 
aller der gvete. der dv erzeiget haft. allen dien die noch vf erde 
lebont in minnen vnd troft. vnd zvoferficht. daf dv ir genade habilt. 
vnd fvnderlich der genaden der dv vnf haft getan, mit allen dien 

60 reinen tvgenden garten, die dv vf der erde gephlanzet haft. an allen 
reinen ordenen. vnd feiigen cloftern da dv bizvnder in geminnet 
vnd getrevdet wirft, ver mer den in aller der weite, vnd fvnderlich 
an dien betel orden. mit dien dv dine kriftenheit. geleret vnd or- 
Ivchtet haft. Gelobet fiftv och lieber herre der genaden der dv 

65 haft er zeiget, an allen dien die dv mit dem crevce gezechent haft 

gegen dinez geloben fienden. vnd och an anderen die daf crevce in 

' diner minne tragent vnd och allen dien die in weiden vnd in klvzen. 

dvr dich in diner minne wonent. vnd anderen armen brvodern vnA 

fwefteron. die dir vnd diner renen mvoter. an bizvnder orden in 

70 willekelicher armvot. renekelich nach volgent. vnd och allen dien 
die mit ir rechten .e. in dinen hvlden lebent. vnd och an allen dien 
die mit getrevwer arbeit daf ertrich bvwent. vnd ander antwerch 
vebent. vnd manger leie dienlt tvont. da von din criftenhet gefvorot. 
vnd bekleidet wirt. def fi din miltiv gveti iemer gelobet, vnd och 

75 der genaden. der dv erzeigeft an allen, dien, die noh in textlichen 
iunden lebent. die dv vf bezrvng frifteft. vnd gedvltekeltch warteft. 
wen fl wider kcren wein, daf dv fi gvetlich enphachift. lieber 
vnd getrevwer herre vnd vater min. ich armer vnwirdiger menfche. 
loben vnd er dich, vnd danken dir fi'nderlich der genaden der dv 

80 mir armen haft getan, daf da mich ie din creatvre werden lieze. 
vnd dv wer holz noch krvt. vf mir machtoft. fvnder daf dv din 
menfcheit an mich haft geleit. die dv nach dir felbem fchvefe. vnd 
felb an dich genomen haft vnd mich nach dir gebildet haft. vnd dv 
mich vnder vngelobigen levten nit haft verlan. fvnder in diner rein 

85 criften heit. vnd (21 a) daf dv mich an allen minen geliden vnd 
Annen fo genedekelich verrichtet haft. vnd daf dv mir och dinef 
zerganchlichen gvotez fo vil mit telteft. daf ich dvr miner liplichen 
nottvrft willen, von dinen hvlden it dvrf gan. vnd mir gvoter herre 
diz allez vergeben getan haft. vngebeten vnd vnverdienot. daf ich 

90 mich do in minen kintlichen tagen von dir fehlet mit fvuden. vnd 



67 dieu] die 58 hab in. 59 vnf] rf 61 cloft'— gcminet. 63 mit die 

68mine 68.e9brvd' vn fnrtCero. 75erzieg 77w«l.— epacfaift. 78meoffhe 

aus minfche (f§h$fUrt 79 fvdlich Sl machoft 82 mfecbeit — felbe 

83 dich iweimal. 84 yngelobige 86 finnen] fine 89 Tn gebet« 



91 Ml 

fo ich von dinen genaden mer vf gie an dem lip vnd an dem finiif. 
fo ich verer von dir floch. vnd daf ich dich aller gvotefter herr» 
fo dich er zvmet han. mit fo vil grozen vnd kleinen fvnden. vnd dv 
mir daf fo gvetlich vertragen haft. vnd daf dv mich mit der erften 
tot fvnde. nit iiez vallen in die helle, vnd wie manger fvnden dv95 
mich vber haben haft. die ich ger getan hette. vnd wie dik dv mir din 
genade bvte. vnd ze minem herzen klophetoft. fo ich din enkein 
war nam. alf ich folte. vnd wie dv getrevwer. herre mit diner gvete 
min Qbel vber wunde, vnd mir revwe geh vm min funde. vnd mir 
sebichte hvlfe. vnd ze gevelliger bvoze. Ach gvoter herre ich lop 100 
dich aber fvnderiich. daf dv mich haft vf genomen. f&r mangef daf 
edeler. wifer fchoBner. vnd tvgenthafter waf. denne ich ie wordo. 
vnd daf dv mich haut bracht, in diner tvgenden garten einen, vnd 
mir haft gehvlfen. ze einem orden. fQr den ich enkeinen andern 
weite han. vnd aller der genaden der dv mir da in haft getan, an 105 
geflicher verrichtvng. an f wefterlicher minne. an gvoter gefelie fchaft. 
\iid an liplicher notorft. vnd wie kranchlich vnd vnüzelich ich mich 
dar in gehalten han. vnd mit wie manger vn nvzer vnmvoz ich mich 
diche bekvnbert. han. vnd waf ich gvotez verfvmet han. daf ich 
wol mecht han getan, vnd wie wening aber dv gvoter herre mich iiO 
def haft lan engelten. vnd wie genedekelich dv mir in allen minen 
arbeiten, vnd in allem minem kvnber zehelfe komen bift. def fi din 
miltiv gveti iemer glopet. vnd aller genaden der dv mir haft getan 
der ich nit betrachten kan. vnd och der dv mir heteft getan, üb 
ich dir fi nit. mit minen fvnden vnd fvmekeit. vnd vndankberi ver- ii5 
derbet hette. vnd och der dv mir noch wilt tvon. def ich diner 
gvete getrevwen. Gelobet fiftv och lieber herre aller der (21 b) 
genaden die dv halt getan, allen dien die dv mir ze fvnder fHvnden 
geben haft. der liebi ich nie wirdig wart, vnd def dv mir mit in 
zegvot haft getan, die mich dvr dich geminnet hant. vnd minen ge- 120 
breften gvetlich gellten hant vnd mich gegen dir gefürdert hant. 
mit ir getrevwen. lere, vnd gvotem bilde, vnd frivntlichem gebette. 
lieber gvoter herre wand aber ich dich niemir vol lopen kan. 
noch enmag. der mang valten gveti. fo dv mir armen vnwirdigen 
menfchen haft erzeiget, fo bit ich die lobe riehen himelfchen kvngin. 125 
vnd alle heiigen engel vnd feiigen heiligen, vnd allef daf himelfch 



s s 

91 geuad 97 klopetoft. 99 Tb wutle. das stceite vnd xweimal. 102 wde. 
106 firclterh'ch mine: 107 liptlich*— kracbUch 117 der (21 b ) der genade 
119 ich Mweimal, 120 geminel 124 arme vnwirdige 126 himelfech 



SM 91 

in gefinde, daf f! dich für mich lopen. lieber herre. fo aber mir 
alle die gehvlfen lopen. die in himel vnd vf erde fint dan noch 
lopt ich dich billich vnd gern mer. daf ich nv vnd elliv menfchen 

130 dich nach dinem liebften willen, vnd vnferen groeften felden gelopin. 
vnd geerin. vnd dir gedanken mugin. def hilf vnf herre dvr din 
mitten gveti ameiv. Aller gvoteftcr herre got. wand aber dv mir 
vaterlicher halt getan den ie vater ald mvotor ir kinde. oder kein 
frivnt dem andern iegetcte. fo klag ich dir alf ein armcz vngetrevweis 

135 kint. finem getrevwen gvoten vater. allen den mangvalten gebreften 
der noch an mir ift. daf ich dich nie geminte. noch geerte. noch 
gelopte. alf ich von rechte folte. vm alle die genade vnd daf gvot 
daf dv mir armen vnwirdigen halt getan, vnd daf ich noch nie fo 
grof iamer noch bitcrkeit gewan. vm din großen, vnd mang^^alten 

140 arbeit, vnd biterlichen marter. vnd eilen den tot fo dv dvr mich 
erliten haft alf ich billich folte. vnd daf ich nie fo groz revwe ge- 
wan vm alle die fvnde. die ich ie gedet. alf mir not were. vnd nie 
fo groz leit gewan. vm min mangvalten gebreften alf billich \\ er 
vnd noch an gedenken willen, werten vnd werchen. fo gar \nilvtor. 

145 vnd vndvrnechtig bin. vnd och fo gar vn volkomen bin. daf min 
zvng fo fnel vnd min mvnt. fo bereit ze vnuzen M'orten ift. vnd fo 
fvmig ze dinem lobe, vnd min lip fo halt ze der lichtekeit. vnd fo 
treig ze dinem dienfte. vnd daf min herze noch fo verkvmert ift. 
mit fo manger vpekeit. vnd fo gar vngeordenot ift. ze tvgentlichen 

150 gedenken, vnd daf ich noch fo vil gebreiten han. an fenfter gedvlt. an 
(2?a) Ivter demvete keit an brinnender minne. gegen dir vnd 
minem eben criften. vnd daf ich anhvote. noch an zvcht. nie wart, 
noch niender bin. alf ich von rechte folte. vnd wie wenich ich ge- 
denke wie vnd waf ich tveie. vnd waf ich tvon feite, wie ich elliv 

155 ding nach dinem liebften willen vol bringe, vnd daf ich dich wir- 
digen got. nit ellivzit an miner gegenwirtekeit han. an def gegen 
wirtigi ich vn wirdiger menfcho bin von angeng gewezen. vnd noch 
elliv zit bin. mit allem minem tvonne. vnd klag dir lieber herre. 
daf felbe klein gvot daf ich tvon. ^af daf noch fo gar vnlvter ift 

160 vnd fo wrmefig. von italer er. von betrogener hofart von vrdrvze. 
\pd von flewekeit vnd fo vnbehend bin ze allem dem daf mich 
gegen dir gefvrderen mochte, vnd fo geneget zeder lichtekeit vnd 



130 Tod] YD 136. 137 geerel. noch gelopte. 144 worle 146 vnvie wort 
151 briaend' 158 t?ne~. 161 vnbehen 



91 sn 

wie klein flix ich hab. dar ieh Ivterlieh ^minne. daf dv minnefL 
vnd och daf haze. daf dv hazeft. an mir felber. vnd an anderen 
livten. vnd wie Ivzel ich miner broekeit vnd minen fleiflichen ge* 166 
Ivften. vnd vn nottvrftigem mvot willen, wider ftanden hab. vnd wie 
bek^^mbert »ich noch bin. mit italen irdenfchen vnd zerganchlichen 
dingen, vnd wie gar vnwirdig ich dinef troftez bin. vnd der fveze- 
keit fo dv ze geben phligeft. dien die der weite fvezekeit dvr dich 
verfmachen wellent. vnd fich nach ir (taten gegen dir bereident vnd 170 
daf fo gar von minen fchvlden ifl;. vnd daf ich noch fo wening ge- 
denke vnd betrachte, nach dir minnender got. vnd nach dir geminter 
got. vnd dir reniv minne. vnd nach dir geminter vater. vnd geminter 
fvn. vnd nach dir fveziv reiniv minne heiliger geft. wie dv in diner 
heren drivaiter einekeit. lebeft vnd richfeft. an angeng. vnd an ende. 175 
Yud wie dv himelfcher vater. din lieben mvoter. die himelfchen 
kvnginon. haffc erhoechet vnd gekroenet. vber allez daf vnder dir ilt 
vnd wie die lieben engel. die min varwen feraphin. vnd die lichten 
kervbin. vnd die hochen troni. vnd die herlichea dominationes. vnd 
die tvgentlichen virtvtez. vnd die gewaltigen poteftatez. vnd die 180 
f&rftlichen principatvf. vnd erzelichen arkangeli. vnd angeli. alle die 
feiigen (22 b) engel der himel vor dir geleftent vnd vmbvliegent. 
vnd in weler wirdekeit die hohen patriarken. vnd die wizen pro«- 
veten vor dir wonent vnd wie dv die feiigen zweifboten, din lieben 
fchilt geverten für dich gefidelt haft vnd wie die getrevwen ewan- 185 
geliften. die man hie malot. vm din maieftat. da vm dich gebildet 
ünt vnd waf frcBden alle die feiigen ivnger die dir hie nach vol-> 
gend waren da vor dir hant. vnd in weler vber gvlter roter fchoeni. 
die heiligen marterer vor dir levchtent flnt vnd in wie hocher ge^ 
Zierde, die feiige n bichter. vnd die getrevwen lerer vor dir fchinent 190 
fint vnd wie verre vber lilien wizer. vnd rofen roter fchcBni. die 
renen megde. vor dir gezieret ünt vnd in \^ie wnricher ftetekeit 
die gvoten witwin vor dir beftedet fint vnd waf frcpden allez daf 
lieb geflnde daf dv an dich gezogen haft. ewekelich mit dir. vnd vor 
dir hat dien dv fo vber wnflichon gewalt gegeben hafl;. daf fi dich 195 
minnent anemveie. vnd erent an forchte. vnd nizent ane gebreften. 
vnd dich lopent an vrdrvz. dir dienent an arbeit vnd dich fechent 



183 genine. de dv mineil. 170 berideat. 172 minend' 173 miiie. yn 

nach dir gemiter 174miDe 178 Terapin. 179 tronin. 181 principatef. 
182 Rieftet. 190 bicber. th die hoch« (darüber getrrwen) lerer 192 to 

dir geziereot fint. 195 die dv 196 minet 



9tl 91 

an vnderlu. viid wie wnnenkelioh fi oeh din gMich liett dvr Ivehtoi 

t 

vnd din götlichiv fhBde dvr flevzet vnd wie gar dv von inen ge- 

300 fremedet hall, waf nicht nach ganzen froeden ift viid wie fi dich 
habent nlezent vnd trevtent nach ir wnfce. vnd nach ir willen, alf 
ir girde gert. vnd wie gar dv fi gefichert vnd beftedet halt in fo 
wnricher froede. die hie ovge nie gefach. ore nie gehorte, noch 
menfohen finne nie begrifen iionde. vnd wie niemer nicht an in 

306 werden mag. daf dir mife valie. Ach gvoter got nv gib mir die 
genade. daf ich har vber betrachte vnd gedeniie. vnd ich troft da 
in an dich fvoch. vnd och vinde. vnd ich ziech vnd trinice.! in mich 
der götlichon himelfchen fvezelceit. fo vil dv mir von diner minne 
riehen miltekeit fchenken weleft. vnd fro^we vnd troefte mich damit. 

3i0 fo lang, vnd fo vil. alf dv mir von dinen erbarmherxigen genaden 
gvnnen welift. vnd fwa mir def f\rezcn götlichen himelfchen trollez 
nit werden mug. dar nach alf min girde gert. ach g5tlichiv gveÜ 
fo erzeig din vaterlichen trevwe an mir. vnd gib mir fo fenendez 
iamer dar nach. daf. min gemvete elliv zit dar nach hvgende fL (2S a) 

3i5 herre min nv gib mir och genade ze bedenken vnd ze betrachten 
waf iamerf vnd gebreften noch hie vf erde fi. an allen vn gelobigen 
levten. die din. vnd diner götlichen warheit nit erkennen went vnd 
in der blintheit zeder helle gent. daf la mir in diner minne. er- 
bermekelich zeherzen gan. vnd fvnderlich vnd aller meft la mich 

390 nit ver gefen. diner hcligen criftenheit. vnd gib mir mit trevwen 

zebedenkene. waf irretvomef vnd vnverrichtekeit noch in mangea 

' ende in der weite fi. an dem ftvol zerome. an dem babfte. an allen 

richtem gefliohen vnd weltlichen, vnd fvnderlich wie die weltliehra 

richtere. nit wand nach ir mvotwillen herfchont. vnd lazea witwin 

335 vnd wezen vber fi fchrien. oherre ihefu chrifte la mir och in diner 
min klaglich zeherzen gen. daf daf heiig lant daf du mit dinem 
blvote gewiehet halt, vnd da dv vnz mit dinem dot erlolet hau 
vnd vber daf heiig grab, vnd ander heiig ftete. wie die nv in der 
vngelobigen levten henden fint. vnd daf fi inen enhein er hident. 

380 vnd fo vil vnd fo dik von inen enteret werdent. vnd daf ich billioh 
fürchten fol. daf ef von minen fvnden fi. daf fich nieman dar Thor 



198 an vor voderlaz fehlt, wnekelich 201 Dezent—wnfe. 204 fiane tu fio 
(kder koade <n konden tu beßern. 206 rn to gedenke. 208 mine ridwa 

211 grne 212 gvti 2lS erzig diu yaterlen 216 td genobige 217 ethMO 
218 mioe. 221 noh noch 223 richter 224 rieht«. 225 chrlAtJ jfpe 
230 biUch 



91 SM 

«rbannet alf bittich wer. Aeb herre milter goi gib mir ocb genade. 
itt diner minne div woreh der erbermede ze veben. vnd fvnderliob 
dar an daf ich betrachte, den meagvalten gebreit, den arroelivt in 
dir weite heint. vod lident. in elend von hvnger von froit. vnd 235 
tvrfte. vnd fichtagen. vnd in gefangnvft. vnd ferfmachi vnd nanger 
leie trvebfoli. vnd wider mvet dif In mir gveter got. alf erbermeke- 
licb seherzen gen. daf iob min almvzen. bediv gezlich vnd liplich. 
in diaer minne. naeb miaer mvgent. volkomenlicb mit inen tele. 
eweger fcbepber min gib mir och gcnade. in diner minne. dtcb ze 240 
iechen vnd zebiten. vber alle die in geflicbem fcbine fint. daf dv 
die dar in beftetift vnd fl fterkift vnd trcnftiit wand leider geflich 
leben iez alf fer ab nimit daf gar not ift dich dar vm zebiten. 
Aber die armen fvnder die fich ir feien nit erbarmen went die fint 
aller meü zerbarmen, owo wand fi dvr fo kvrze froed. vnd kranchen 245 
gelvft. fo blintlich gegen der helle gent. vnd doch mit fo grozer 
arbeite, vnd (23 b) manger leig mveie. von armvot vnd von vnrat. 
von gebreiten, von wider mvet. von trvebfoli vnd herze leide, daf 
fl ledor in den tiefel dienfte lident daf manger himelrich verlichter 
erwirbet den n die helle. geminter got mer gib mir zebedenken. 250 
vnd zeklagen. wer der i(t gegen dem die fvnde befchent daf biftv 
herre. der aller eren wirdig ifL vnd och ntt wand allez gvot vm 
vnz verfckvidet hat owe getrevwer got vnd erbarmherziger herre 
vnd vater min. da von fo bit ich dich mit ganzem emfte. daf dv dvr 
din gütlichen gvete. elliv finftriv herzen erlivchtift. vnd wäre revwe 255 
dar in fendeft. vnd inen vor ir dot helfift ze rechter Ivterer bichte. 
vnd volkomener bvoze. nach dinen erbarmherzigen genaden. vnd 
dien durften ir ewigen helez. die armen elenden feien, die in dien 
wifen fint die fint och wol zerbarmen, wand fi in felben nit ge- 
helfen mvn. vnd wie die fin. vlechen vnd biten fvn. ach geminter 2^0 
got da von erhör min gebet, vnd kvm inen troftlich zehelfe. dvr 
din grvndlozen erbarmherzekeit vnd dvr miz armen gebetez. vnd 
kranchen dienftez willen. Asien. hoch geloptv drivaltekeit hilf 
mir daf ich werd alf gewaltig, alz wif vnd alf gvot. daf ich müg 
kün vnd welle, dich hie alfo geminncn. gelopen vnd ge eren. viid ^^5 



» 



233 in dir mioe dr wer 238 gen fehlt. 239. 240 mioe • 241 fchine ßntj 
fchioet 242 befteifl 244 oder ir fclben f ir fehli. 246 kranche ge 

gelyft. 246. 247 groze arbeite. \Dd (23 b) vu manger leoger leig 255 er- 
Ivcht ift. 258 beid§ dieo] die 212 grrtndloze erbafherzekit. 263 die 

dienftez 264 al gvl 265 gemtoe. 



»M 91 . 92 

dir gedanken der mangvalten gvctc vnd genaden. der dv vnf armen 
vn wirdigen haft getan, vnd iez tvoft. vnd noch tvon wilt vnd detifl 
üb wir vnf gegen dir hielten alz wir feiten, vnd dich och geflech 
vnd gebite. in diner rainne. vber. alle die menfchen. die dv gefchafen 

270 haft. nach dir felbein. vnd mit dinem dot erlopzet haft. vnd ze dien 
ewigen frceden emelet haft. mit alfo getrovwem ernft. daf din muten 
gvete begenveg. von miner armen kranchen broßdekeit. vnd daf dich 
gelvften müg mir dinez fvczcn troftez hie fo vil zegeben. daf mir 
der weite fvezkeit. vnd alf daf mich diner genaden geirren mög 

276 fo f\T vnd biter werde, daf mich an dinem troft begenveg. vnd mh- 
alf daf fvz Ivftelich vnd begirlich fi. vnd werde, daf mich mit dir 
verenberen mög. Daf mir vnd allen dien menfchen. die ze dien 
ewigen froeden erweit fint dif wider war. def helf vnf der vater 
vnd der fyn. vi.d der heilig geft. AMcn. amex xMcn. 



fl, 



lErre ich bitte dich durch des fmerzen ere den dv enphienge in 
diner kintheite. vnde durch das heiige bluot das dv guffe. das dv 
mir vergebeft alles das ich ie wider dich getet. vnde das dvi mina 
feie reneft von allen funden Hcrre ich bitte dich durch der be- 

^ trahtunge ere. vnde durch der isemerltchen gedenke ere die dv hataft 
da die zit dines todes gegenwer-(i82 a) tig was das dv mir ver- 
gebeft was ich mit funtlicher betrahtvnge vnde mit gedenken ie 
wider dich geted Unde bitte dich durch des blvotes ere fo dvi 
fwiftoft das dv mit mir geruocheft fm in allen minen engeften vnde 

io inminer iungeften noit. fo min feie von mime übe fcheidet Herre 
ich bitte dich durch das zitorn vnde durch des angeftes ere fo dvi 
hatoft da dv vor gerihte ftuinde das dv mir helfeft das ich an dem 
iungeften tage ane zitorn vnde vnfchuldig aller miner funde werde 
ftan Nv gedenke an die noit das din fchöpher an die fvle gebun- 

15 den wart, wie tot blvotig (in heiiger lip wart ( 182 b) vnde wie fin 
heiige hvit brach an Urne lib^ von den vnerbermeherzigen flegeB 
owe vnde die noit das in die fwere flege ftroften an den fwerenden 
fmerzen fines libes Herre ich bitte dich dvrch der bände ere da 
dv mitte gebunden wrde vnde durch des heiigen blvotes ere das dv 

20 inder not guffe das dv mich erloefeft von den banden der vngetriu- 



:M6gedaok6 260 mine. 270 felbe 274geiren 275 fvr 

92. Z 57. 7 in der Handschrift betraliTiige 17 (troffen 



92 287 

wen weite vade min loben rihteffc noch dime aller willen Herre ich 
bitte dich durch der dvminen cronen willen, vnde dvrch der wnden 
ere dines hobetes vnde dnrch des heiigen blvotes ere das vber din 
menfliches antluz ran. das dvi din gotlic-(i82 c)hes antlox gnedek- 
liche gegen mir kercft Herre ich bitte dich durch der verfmehte 25 
ere die dir erboten wart do din heiiges antlöK angefpoen wart das 
dv mir gebest alles das zvo verfmahende das mich din geii'ren 
möge Herre ich bitte dich durch der engefte ere die dv hatelt da 
dir din heiigen ovgen wrdent verbunden, das dv dine erbarmeher- 
zigen ovgen gegen mir vf tuegelt vnde mich gnedickliche anfehes 30 
in allen minen erbeiten vnde mich von diner gotlichen angefith 
niemer gefcheideft amoN Vnde bitte dich durch die demuot da dvo 
dich gemochotelt zvo neigen vnder das criuze vnde durch (i82cl) 
die fwere bürde die dv trüge für aller menfchen funde. das dv mich 
entlades des fweren vberiaftes miner funde vnde mir gebeft getulti- 35 
keit zetragenne alle zit durch dich Unde bitte dich durch des 
ganges ere den dv mit groffer armvot vnde mit gewillegir gebor- 
fam gienge inden tot. das dvo mir helfeft das ich dir nach gcvolge 
mit gewiliiger armuot vnde mit vollekomener minne vnz an minen 
tot Unde bitte dich durch der fuftephen ere die dvo andas cruze 40 
gienge. das dvo vnder dine fuize treteft allen den gewalt miner 
viende. das mich ith verleitent in den wec der funden Herre ich 
bitte dich dorch die minne (iS3a) Inder dvo dine arme zerftractes 
an dem cruce das dv mich enphaheft indinen heiigen vriden Herre 
ich bitte dich durch der nagel ere die dir durch dine hcnde gien- 45 
gent vnde durch den Aus der dur dine wnde flos das dv dine gnade 
laiTeft vliezen inmine feie Herre ich bitte dich durch der wnden 
ere diner fuze das dv mir gebeft. mit rehter ruwe gnade zvo . 
fuchende zv dinen fuzen vnde das ich von diner gviti da aplas 
enphahe aller miner funde Herre ich bitte dich durch den gcbreften. 50 
das dv nacket an deme cruze ftunfle vnde niut hatoft alles das dvi 
ie gefchvife das dv din höbet geneigeteft das dv dich erbarmeft 
vber (i83 b) allen den gebreften den ich han an aller der gnade 
vnde tagende da mitte ich dich minnen vnde loben folte vnde zvo 
frande gewinnen Herre ich bitte dich durch der trehen ere die dv 55 
weindeft da in der pine diner grollen noBte das dvi mir gebeft von 

III - ---.--- - - _ . ■ ■■'11 ^ ■ ^ - - I1-- . - - - -. \^m 

31 hinter aller fehlt ein Superlativ, 27 verrmahende alles de 28 muge 

36 fehlt ein öbject zu trageone? bitte durch 44 mic 47 durch fehli, 

S5 dT fMt. 56 in fehlt. 



9S8 92 . 93 

ganeer minno die trehenne zogiefende nach dir die dine gviti xeyber« 
windende, das dv geruodieft dich mit diner gnade ze neigende in- 
min feie Herre ich bitte dich durch die torri vnde durch die itaie 

60 diner menfcheit da dv herre durch mich hatoft verzert din heiiges 
bluot vnde dinc menfchliche math als gar das (i83c) dich drrfti 
an deme criuce das dvo anfeheft die tarri vnde die itali mines her- 
zen vnde miner feie das dvo gernocheft mir zefendenne din fenftes 
tov vnde dincn fuizen regen das min herze geiindet vnde gereioet 

65 werde vnde min geift gefuizet vnde gefenftet . werde das dine 
wonunge möge fin inminer feie Herre ich bitte dich durch das 
bittre tranc das din mant vnde din heiige zvnge verfuhte an deme 
cruze das dvi mir vergebet alles das ich mit miner zvngen ie wider 
dich gctet Herre ich bitte dich durch des ruofes ere den dv ruof- 

70 teft zvo dinem vater an deme cruce das dv erhoereft minen ruof 
vnde durch die vikrter-((83 d)nilTe die über alle die weit gefchaeh 
das dv vertribeft die vinfteniiffe mines herzen vnde taieh erlivhtell 
das ich erkenne dich vnde mich Herre ich bitte dich durdi dinen 
heiigen tot das dv an mir toteft alle vlefliche girde ynde minne 

75 vnde durch din geminnete feie das dv mir gebeft ein minnende feie 
Herre ich bitte dich durch die minne die vns din heilgef heroe vf 
tet an dem cruze da dv vmbe mich gebe den turen vnde den rer- 
borgenen fchaz der da beflozen was indeme heilgea ferine dinee 
fueffes vnde minneklichen herzen mit deme wir gei^ifet rwde er-* 

80 quieket werdent von deme ewigen tode. das ( (84 a) was das heiige 
waffer vnde das rofevarwe bluQt das vns von dime herzen vloz. 
dvrch des ere fo bitte ich dich herre das dv den kovf behefteft an 
mir vnde mine fruht geruohcft fin vnde eine ficher fuine nachefl 
zvifchent mir vnde dir das dv felbe fchirmeft vnde hvoter fiefl. das 

» 

85 fv niemer me zer brechen werde AmeN 



I, 



INmonte oliueti orauit ad patrem pater 11 fieri poteft tranHiaC ame 
calix ifte fpiritus quidem promptns eft earo autem infirma fiat vo- 
luntas tua verumtamen non ficut ego volo fed ficut tu uis fiat 
voluntas tua Herre himelfcher vater durch (i84c) das gebet da» 
6 dkl lieber fuft zvo dir fprach anfiner angeftlicher iioit an finer ge* 
(tracketer venien anfime bibendem herzen anfime bluotigem fweize 
vnde fprach aIsus. vater ift es muglich fo la dife noit ver gan von 

57 gegiefende 62. 63 herzen fehlt, 75 durch die fenüanete f fw Z 59. 



93 M« 

mir iedoch noch dinen willen fo erganc es mir fo bitte ich dich mit 
gcftracketeme libe. vnde lege mich mit dim fQne andine veterliche 
faize. vnde vcr enige min ruwig herze mit fime bidemenden her- 10 
zen. vnde miner ovgen trehen vnde mines herzen blut ver enige 
ich mit flme blvotigem fweilTe. vnde fjpriche das felbe wort, vater 
mag es iemer fin. fo benim mir das mich hindert an (i84d) müner 
feie, wan das ich din darbe das ift über ein din wille niot Herre himel- 
fcher vater durch das erhörte gebet das din liber fun zvo dir fprach 15 
andern cruze mit fcriendem herze mit blvotigem libe mit ferigem 
mvnde mit weinenden ogen fo er hcere min vnde fin gebet vnde 
loeze mich von miner noit. durch finen bitteren lofenden tot Herre 
vater mit den werte mit deme dir din fun finen geift bevalch an- 
deme cruze fo bevilche ich dir min herze vor aller valfcher liebe 20 
vnde fundeu vnd der vigende anevehtunge andine gewaltige haut 
vnde fpriche Pater inmanus tuas conmendo fpiritum meum quem 
re( 185 a)demiitt domine deus ueritatis herre ihefu chrifte 
durch dinen ferigen muot vmbe mich din fchriende blvot vmbe mich« 
din fcriende wnden vmbe mich fo bevilhe ich dir hivte mine noit 25 
div mich an miner feie hindert herre durch den aneblic diner iemer- 
llchen mvoter die dv anme cruze anefehe fo fich an mine not. mit 
erbarmeherzigen ovgen herre durch din herce das div minne vnde 
der tot andern criuze zerbrach fo brich min herze von tcetlicher 
minne die mine feie hindert vmbe die dv den minnenden tot Ute fo 80 
bitte ich dich das dv mich toiten welleft in allen minen vntugenden 
herre vater dinen fun (i83 b) den dv mir gegeben haft inminen lip 
vnde in min feie, den opher ich dir wider zvo eime funer aller 
miner fünde da ich dich mitte erzürnet habe zvo einer erfbllunge 
aller miner fumekeit zv eime widergelte aller gnaden die ich von 85 
dir enphangen han Amen Herre himelfcher vater durch die ewige 
minne die dich neigete inmenfliche nature fo neige dich inmich vnde 
zivh mich indich. herre ihefv chrifte durch die minne durch die dv 
dine werc wirketelt dinen vater zv eren vnde zv lobe fo wirke an-- 
mir dinef vater lop inderae hoheften herre ihefu chrilto durch diner 40 
marter (185 c) ere vnde durch dines toides craft fo tote an mir 
alle vnglichniffe vnde vollemache an mir din gotlich bilde nach din 
felbes lobe amen 



14 Dial feMt. 18 finen] finer 19 dir fehlt. 20 min] mir 22 quem fehlt. 
24 durch fehlt. 42 vnde nweimal. 



940 94 . 95 



Diu lerte brroder ekkehart 



D. 



'er menfche der dis pater nolter mit andath fprichet. der wirt ge- 
wert das im viifer herre gotlicher bekantniiTe me git denne .v. 
hundert mefTeii die alle alfo guot Hnt als es. das eine pater nodter 
herre ich lobe dich an dinre hoch gelobeter gotlichor nature ich 
5 bitte dich zarter vater das dv mich fchiere bringeft zvo der alre 
• Ivterften bekantniiTe div mir din gveti geordent ( i85 d) vnde behal- 
ten het. Das ander pater nofter herre ich lobe dich vmbe alle die 
heiige minue vmbe alle die heiige begernnge vmbe alle die heiige 
vebunge die dv herro ie gewnne zvo dem heile menfliches kunnef 

m 

«0 ich bitte dich zarter vater das dvi mich fchire bringeft zvo der 
alre hoheften minne zvo der alre hoheften bcgerunge zv der alre 
hoheften vcbvnge die mir din gveti geordent vnde behalten hat 
Das drite pater nofter herre ich lobe dich vmbe die wandelange 
die dv tete da dv ein menfche wrde. ich bitte dich zarter vater 

15 das dv ver wandeleft mine vleifliche tra( isc a)keit in eine geift- 
liche fnelheit Das vierde pater nofter herre ich lobe dich vmbe 
alle die heiige wandelange die dv zvo allen mefTen tuoft. verwan- 
dele herre allen minen breiten ineinen volfekomenen vlls der ta- 
gende Das fünfte pater nofter herre ich lobe dich vmbe die heiige 

20 wandelunge die an dime tode gefchach vnde kvm mir zv helfe in- 
mines todes not vnde allen menfchen amoN 



Pater nofter 



Hl 



lErrc lieber herre got ich bitte dich das dv mir geboft erneft zv 
.rebteme lebenne. dvrch den erneft den dv heiteft da dv zv dinre 
hcilgen martyr gien(i86b)ge pater nofter Herre lieber herre got 
ich bitte dich das dv mir gebeft hize die mir bringe die andaht 
5 die dv hatoft da din heiiges blaot von allen dime libe flos Herre 
lieber herre got ich bitte dich das dv mir gebeft hize die mir bringe 
die andaht die alle zit gegenwertig fi vor dinre gotlichen befchowede 
vnde mir erwerbe alles des ich noturftig fi zvo feie vnde zv libe 

#4. Z 60. In der Vbersehrift ekkehal 13 ich xweimal. 16 flelheil 

17 alle die] die am Rande nachgetragen, 19 dich ymbe dich ymbe die 

fS. Z 61. 3 pater nolt Herze 4 dy fehlt. 



II 



96 . 97 S41 



nfer herre fprach zuo eime guoten menfchen bitte mich das ich 
dich lere bitten, do fprach er. oherro so manen ich dich aller der wif- 
heit so in din ere ie getragen wart das da ein wifen menfchen vs 
mir macheft der fich vor allen funden könne hueten vnt sich emCt- 
liehen uf ein guot« lebenne künne gerichten Damach herre so manen 6 
ich dich aller der minne so da selber bift vnt aller der minne so 
dar dich ie getragen wart das da macheft vffer (i44c) mir ein 
geminten menfchen der dich ob allen dingen minne. vnt allii^ ding 
minne dar dich dia da ceminnen fint 

Oherre ich manen dich aller der demuot so da ie getraege vnt so '0 
dur dich ie getragen wart das da macheft us mir ein demaetigen 
menfchen der vor dim geminten antlut möge geheiffen ein demae- 
tiger menfche vnt darnach herre fo manen ich dich aller der arbeit 
so da herre ie getraegte. vnt oach dar dich ie getragen wart das 
da mir die gebeft cetragen gaetlichcn vntz af min ende oherre so 15 
manen ich dich alles des plaotes so da ie aergöffe vnt in diner 
ere ie aergoffen wart das da mir helfeffc das ich alle min crafte 
dur dich uerzere alf du och din crafte dar min willen haft uerceret 
alf vil mir denne möglichen si. vnt darnach so erman ich dich herre 
dinef heiligen endes vnt aller der heiliger ende fo da ie gaot machoteffc 20 
das da mir helfeffc eines guoten endes dar din ewigen guetin. ( 144 d ) 
Oherre so manen ich dich diner heiligen uferftandunge. vnt nu nit 
me fterben folt noch enmacht das du mir helfeft das ich mit dir 
erftande. von allen toetlichen vnt cergangclichen dingen oherre so 
manen ich dich der ewigen vnt heiligen wonunge fo du haft in- 35 

m 

himelriche mit allen dinen us erweltoften frianden das du mir helfeil 
wanne nv du ir ewige raowe bift das ich ouch niener ruouaeftat 
vlnde denne an dir. herre so manen ich dich dines iuncften gerichtes 
des gerechten vrteiies das du mir gebeft das ich denne erftande 
mit dir vnt mit dinen aller liepffcen oherre alles des so ich dich 30 
gebetten han über mich des bitten ich dich aber alle die die in- 
dime heiligen namen lebent. vnt gemeinlichen über alle die heiligen 
criftenheit 



u 



erlihe mir barmherziger got das dir wol geuallet hitzeclichen ce- 
begeren wiflichen cefuochen gewarlichen cerkennen vnt volkomen- 
lichen cefolbringen zuo einem lobe vnt guenlichi dines namen herre 



90, 24 in der Handschrift aller 25 heilig' 26 helfen 27 niemer 

f7» 2. 3 erkenne^ — cerfolbriugca 3 namam 

Altd. Predigten. 16 



U9 97 

ordenne min lebenne das du von mir wilt das ich tneie das icb das 
5 wifTe vnt welle vnt gip mir es ceuolbringen als es noturftig ift 
vnt dir gezimmet vnt mache mir min uaege ficher gerechte vnt 
volkomen das (264 c) ich nit goprefthafte werde ingelüke noch in 
yngelüke alfo das ich mich in franfmuetikeit nit über habe, vnt euch 
in widermactikeit nit enuaiie. vnt das ich mich enheines dinges 

10 frceuue. wan das mich zuo dir geciehen mag noch von dekeincn 
dingep trurre denne von den dingen die mich von dir gefcheiden 
mugent vnt gip mir das ich nieman nit wolgeaalie uiTerent dir vnt 
onch nit enfurchte iemans milTeuallen gib mir alliu citlichiu ding 
dar dinen willen ceuerfmahenne vnt alles das das dich anhceret das 

15 ich das liep habe vnt dich ober alliu ding gip mir ein vertriefTen 
in aller froede die nicht mit dir ift vnt das ich in allen arbeitten 
die ich dur dinen willen tuen ein woUuft enpfahe vnt alle die ruewe 
die in dir nit enift die si mir ein eriuce gip mir das ich min herce 
hitzeclichen zuo dir richte vnt das ich mine (264 d) gepreften mit 

20 fmertzen betrachte vnt mit ganzem willen ouch beiTeri omin got 
mache mich demuetige avne valfche frcelichen avn verlafTenheit be- 
truepte avne truren emfthafte avne befwerde beringe ane lichver- 
tikeit gewere avne zwiuele das ich dich furchte ane verzwiuelen 
das ich an dir gedinge habe ane freuele das ich min ebenmenfchen 

25 lere vnt ftraffe ane gelichfunge vnt in befferi mit werten vnt mit 
werken ane hochuart das ich gehorfam fi ane alle wider rede ge- 
dultige ane murmelen o guoter got gip mir ein wachendes herce 
das kein torlicher gedanke von mir valle vnt ein durhnechtikeit das 
michenkein üppige liebi nider ziehi machee mich ovch ftarcke das 

30 mich enhein be noch verebt überwinde mache mich frie das mich 
(265 b) kein freueler geluft über winde noch letze, vnt gip mir ein 
gerechtikeit mines hercen das mich enheinr vnrechte meinunge von 
dir wife verlihe mir min herre got vemunft dich cerkennen rainne 
dich cefuochen wifheit dich ceuindenne ein huotfamkeit mit vorchte 

35 cebchalten ein wonunge diu dir geualle ein ftetikeit das ich din 
mit fteter zuouerficht beitte gip mir das ich gefterket werde indinem 
lidenne mit rechter bevintlicher mitlidung diner iinertzen vnt das 
ich mich uebe inallen tugenden mit begabunge diner gnade vnt das 
ich indem uaterland din froede do niefTende werde mit glorie diner 

40 ere. amen 



12 urfTerent 12. 13 y nit ouch nit 16 allen froeden 19 gpreften 

20 fi ene alle 30 be am Ende einer Zeile ; vielleicht betroepte 32 meimange 



98 94S 







£ln guot gcbette 



minnelilicli wunneklich götlich wefen,. luter dar ewig leben. 
vetterliche triawo. oberlte götlichi wifheit. himelfcher troft. 
heilige gebenedicte driaaltikeit. einige gotheit. warer got. 
O rechter herre. almechtiger fchöpher. einiger geborner fun 
des himelfchen vatters. ewiger flielTender brunne. des vetterlichen 5 
vrfprunges. fpifer der feie. recht war, öwig liecht der Hechten 
geifte. liuchtender glantz des vetterlichen licchtes. klarheit aller 
heiligen. fueffer nam Yhefus. (36 a) lebendiger heilant Criftus. 
Du bift allein der weg der Avarheit. Du bift daz ewig leben. Ich bitte 
dich durch diner götlichen Minne Milien, die du herre himelfcher iO 
kung bette, Do du ftucnde an dem kriutze allein mit minnender 
gotheit; Mit fenfter feie, mit betruebten finnen. Mit gewundotem 
hertzen, mit krachenden gelidern. Mit gefpannen armen, mit gedenten 
adren. Mit verhowenem libe, mit bluetigen wunden, Mit ächzendem 
hertzen, mit fiufzender kelen. Mit rueffendem munde, mit heiferer 16 
ftimme, Mit bleichem antlüt, mit tcetlicher varwe. Mit weinenden 
ovgen, mit betruebten geberden. Mit brünnendem ernft. Mit heiffer 
begerung, mit fwindlendem hirnin. Mit verfertem geneigtem hovbte 
zuo dem tode, mit totem libe, Mit verfcheidenem ende, mit ufge- 
taner fiten vnd hertzen , Mit flieffenden bechen vff dem vrfprang des 20 
lebenden brunnen. Mit diner lieben Muoter marien fo recht isemerlich 
betruebt. Durch die minne bitte ich dich herre die dir brach din 
fueffes hertze, Daz du dich erbarmeft Qber mich dur diner göt- 
lichen grundlofen (36 b) erbermde willen, Vnd (lieft mir gnedig 
durch diner überflülTigen manigualtigen gnaden willen , Vnd durch 25 
die kraft dins götlichen namen. Vergib mir min fiinde, Vnd ftand 
mir bi, daz ich funden werde, Vnd belibe in dem aller liepften 
willen din, Vnd gib mir ein guot heilig ende, vnd ein froelich vr- 
ftende, AmeN. 

Benedictus der zweifle Babft machte dis gebett, vnd gab allen den, 30 
die es mit gantzer andacht, vnd mit riuwe vnd bichte fprechent da 
ünfers herren fronlicham gegen wurtig ift in der meffe, alf vil tag 
Aplas, als finfer herre Yhefus Criftus wunden durch finfer willen 
hat gelitten. Der warent fünf Tufeng zwei hundert vnd zwo vnd 
vierzig wunden. 86 

• ^ - 

21 dit HandtchHft iemerlich 

16» 



244 99 

Dis noch gonde gebett mAchta an dem frltag Iprechen Tnd 
wenn da wUt. die Clben wort die. Jheftis an dem erlnts 
fprach Und dor Jnnen (i4a) Zao nonxit ftarb Jhefns an 

dem ertnis 







Du grandloffe gütliche wifheit. vnd Ewiges Hecht hoch vi erha- 
ben an dem criutz du do ferr liuchtende bift jn die tieffen tal der 
verborgenen demuettigen begirlichen minnrichen hertzen. 
Ich bette dich an mit dem hittzigen ernft aller diner worer anbetter 
5 jn dem aller jemerlicheften bild als du herre jhefu chrifte von min- 
nen hiengt jn der aller groeften todes not gefpannen genegelt ge- 
tennet durch wandet durch hend vnd durch fueff verferet pitterlich 
vnd mit bluot berunnen über allen dinen (i4b) got ver einten üb 
an dem werden criutz jn volkomener geloffener gedultikeit zeigende 

iO din Ewige barmhertzikeit. Alfo bettende. Vatter vergib jnen wand 
fi nit wüffent was fi tuend. 

Wir bettend dich an herre jhefu chrifte. flieffender brnnne göttlicher 
miltikeit. jn der riehen minne diner vferwelten friund. In dem bild 
als du erbarmhertziger got von minnen an dem criutz hiengt. jn 

15 angfthafter todes not vfgieffejide das riebe lebende marg götlicher 
gnod ( 1 5 a ) allen denen die dich mit rechtem glouben. vnd mit 
einem demuettigen erkanten riuw ir fünd vnd mit einer worer zuo 
verficht an rueffend. Das du vns haft bewert, mit den milten guet- 
tigen wortten. do du fprecht zuo dem fchocher der dir zuo fmocheit 

20*nebent an din fiten was gehenckt Für wer du folt noch hiut bi mir 
fin in dem paradis. 

Wir bettent dich an Ewige wifheit jn dem bild als du wore wor- 
heit von grofler liebe hiengt an dem werden criutz jn Werbender 
(<5b) todes not offenbarende din ewige triuw allen denen die ein 

25 wores noch folgen eines getriuwen mitlidens mit dir band Vnd dich 
anfehend jn dem bild dines pitteren getriuwen lidens. Eya wie min- 
neklichen die anblick werdent von dir Das haftu vns bewert bi 
diner zarten muotter der din liden necher vnd getriuwlicher ze 
hertzen gieng denn allen mönfchen. die du fo getriuwlichen verfocht 

30 jn dem minneklichen blick von dem criutz har ab vf fi. ja dinem 



99 Überschrift an dem fritag] die Handschrift an de fritag 10 am Rande 

roth das erA wort 15 YfgieflTen 20 am Rande roth daa ander 24 not] 
noa 28 getrliwliche 



99 9A6 

m 

hinfclieiden vnd fi bevelt fant Johannes dinem lieben janger do du 
fprecht wib (ich dinen fan Johannes fleh din muotter 
Wir bettent dich aa hcrr jhefa chrifte (i6 a) jn dem bild als du 
Ewige wifheit ein troffc vnd zuo verficht aller weit von minnen hiengt 
an dem criutz in gantzer geloffenheit jnnerlichen vnd vlTcrliehen 35 
von got dem vatter vnd von allen mönfchen das nieman do was der • 
fich über dich erbarmte der dir joch ze erlichterung ein band ge- 
loeCfet het von dem criutz das din flrenger tot deft fenfter wer ge- 
wefen Als arm vnd gelofTen das du nit hatteffc do du din verwundet 
houbt mochtefl an geleinen. Als gar blos vnd gelofTen das ein ieck- 4o 
liebes glid dines heiligen libes des finen niut behaben mocbt Es 
were alles ( 1 6 b ) verwundet verferet. zer (lagen zermuedet. zer- 
fpannen vnd zertennet. vnd milteklichen gewilleklichen geduHek- 
lichen von minnen alles vfT geben vmb ewiges heil des mönfehen- 
Alfo gar jemerlicben gelofTen vnd arm das die götliche nattur die 45 
do vereiniget ift mit der mönfchlichen nattur vnd alle ding vermag 
dir liie ze helf kam. jn allem dinem liden. wand recht als bitter es 
vfTwendig fchein vnd was. AlTo was es jn der worheit jnwendig an 
dir. Ynd noch tufent molen ( 1 7 a ) me. denn jeman gemercken kond 
Das haftu vns ge offenbaret mit dem klagberen wort das dich zarter 50 
herr der angfthaft bitter tot alfo fere zwang das du mit hinziechen-* 
dem lib mit einer grollen krefftigen angftlichen cleglichen ftim fprecht. 
Min got. Min got wie haftu mich gelofTen den du vnfchuldig weift 
Wir bettent dich an herr ihefu chrifte jn dem bild als du worer 
brunn aller minnrichen turftigen hertzen von minnen hiengt an dem 55 
criutz turftig vnd törre ( i 7 b ) vnd erfigen dines heiigen bluottes 
Oherre dich turfte liplichen von rechter türre dines hertzen vnd 
libes von dem groffen vergieffen dine^ bluottes. Aber du meinteft 
nit allein dinen liplichen turft. me die ewige minne die do vf flam- 
met von dinen henden vnd fheffen. vnd von dinem verwundeten 60 
houbt. vnd von dinem durch marterten lib der an dem criutz ge- 
fpannen zertennet hieng. Dich turft oach begirlich noch einem danck- 
beren wider minnen von allen (l8a) mönfchen die zwang dich jn 
der todes not fprechende das aller minnecklichefte wort. Mich tür- 
Itet noch des mönfchen heil. 65 

Wir bettent dich an volkomene götliche guettikeit. In dem bild Als 
du herr jhefu chrifte von diner götlichen minne hiengt an dem criutz 



32 am Katidt rotk das drit 36 mofche 47 alle dine 53 am Rande roth 
dai .iig 64 noch fprechende di alle mineckliche Am Rande roth das fünft 



SM 99 

• 

rofen rot über gofTen aller din got ver einter lib mit dinem kof]pereii 
blaot das durch die kenel diner feren wanden fo milteklich fo vol- 

70 komenlich vergoffcn wart, jn einem minnrichen ( 1 8 b ) zag raeffende 
vnd kündende die Ewige wirtfchaft allen denen die noch dir hungert 
vnd türftet als ob du fprecheft koment froelichen es ift alles vollen- 
brocht. 
0. herr jhefu chrifte wir bettent dich an Ewiger fchatz Din werdos 

75 verfcheiden Din bitter hertz brechen Vnd dinen tieffen jungften 
Hufltzen Din toetliches bleichen. Din angft varw. Dinen totfweis. 
Diner geficht vnd gehoerd tcetliches vergon jn dem din ftrenger tot 
recht von dem marg vf zoch alles das gruonendes ( 1 9 a ) krcfftiges. 
gefunt vnd lebende, das in dinem jungen lib vnd hertzen. vnd in 

80 dinem bluot was. In dem fcharpfen hinziechen. din krancker lip 
weinende mit einer ftarcken rueflTenden ftim fturbt mit tielTer nci- 
gung din verwundetes houbt nider lieft vallen über din achflen vnd 
fprecht alfo vatter in din hend bcvilirh minen geilt. 
Gelobet fyeftu ewige wife gctriuwe fürfichtikeit. jn dem das du nit 

85 allein dinen geift meinteft. Me euch alle die do ein gewores noch 
(l9b) folgen band dines bildcs vnd diner lere die werdent ze 
(tund alle gemeint mit dinem geift. vnd beuolen jn die almechtige 
band des himelfchen vatters. Do du fprecht vatter jn din hend befil 
ich minen geift 

90 Ach ich arme fündige creatur Ich fchryen vnd rueffen mit minem 
armen gebet, min lieber herr jhefu chrifte. jn din rueffen vnd bet- 
ten Als du ewige wifheit. dinen vatter an ruolTtelt vnd in an 
fchriuwte mit der gehorfame vnd mit der Itercke dos ver einigeten 
willen mit dem du dich neigteft jn den ( 20 a ) tot des criuces mit 

95 der pitterkeit des angfthaften todes der in fleh hat genomen vnd 
gezogen aller creaturen fterbende pitterkeit mit dem minnrichen 
turft vnd luft den du getriuw ewige wifheit hatteft in aller diner 
lidung noch mönfchlichem heil vnd felikeit 
herre jhefu chrifte ich verbirge mich angflbafteklich vnd begir- 

100 liehen vnder die bluottgieffenden vettichen diner heiigen zer tenneten 
vnd zerfpannen arme an dem fron criutz. Vnd in die hüli (20b) 
vnd in die tieffe diner ergrabenen henden vnd fueffen. Vnd dines 
bluott gieffenden minnrichen hertzen Vnd beger das das lebende 
marg dines got vereinten minnrichen hertzen vertrlb vnd verfweine 



72 am Rande roth das fecbfle 75 dinen] dlncs 78 alles das] das hinHng$- 
beftert. 82 dines renviidcte 83 atn l?anderor^ das fiben wort lOiierfj^ane 



99 . 100 . 101 - J4T 

alle wunden vnd flecken miner feien alfo das der vatter nit rieht 105 
an mir noch finer gerechtikeit funder noch fmer göttlichen erharin- 
hertzikeit. Vnd noch entlibung das da ewige wifheit jhefu chrifte 
alle zit fordereft von dinem vatter mit dinem bluott gieffenden 
fchryen 



lyb habe, wer dich irkennet der bot dich Hb vnd vor gizfit fyn 
felbes. vnd bot dich üb mer den fleh vnd left fleh vnd kummet ozv 
dir daz her Heb dyn vrauwe du weift herre daz ich dich nicht lyb 
habe alfo ich folde, daz machet das ich dich voUenkomenlich nicht 
irkenne vnd wen ich wenig irkenne fo habe ich wenig lyb vnd 6 
frauwe mich wenig vnd vrauwe mich leider nicht inwendig wenne 
ich von dir fcheyde vs wendig, vnd dyn enpere vnd myne vroude 
vs wendig fucho vnde alfo felbeft ich vnfeliger vor czerte myn 
hercze daz ich dir alleyne mit ganczer libe mit ganczer begerunge 
mit ganczer meynunge halden folde vnd vor nichte daz in eitelen 10 
dyngen vnd byn eytei worden wenne ich lib habe gehabet dy eytel- 
keit do von ift daz komen daz ich mich dyn (b) nicht vrawe 
wenne ich dir nicht an hange vnd wenne ich byn yn vs wendigen 
dyngen. vnd du yn ynne wen igen vnd ich yn czytlichen. du yn geyÜ- 
liehen, ich vorgiffe mich mit gedenken vnd vorwerre mich mit der 15 
meynunge Ich bekummer mich mit der rede yn czu genklichen 
dingen vnd du herre woneft eewyclichen yn der ewykeyt du herre 
woneft yn den hymmeln. vnd ich yn der erden du hoft lib dy 
hende vnd ich dy uedir du hymmelifche ding vnd ich irdifche. vnd 
wy mochten alle ding geglichet werden 20 



I 



Tom de« menfchem Tnfaldeii Tnd fyner krankheyt. 



ch dürftiger wy mag meyn vnrechtikeyt fich dyner gerechtikeit 
geglichen, du hoft lib dy etcikeyt vnd ich dy werelde. dw das fwy- 
gen ich daz gefchrey. du dy u^örheyt. ich dy ytelkeyt. (c) Du dy 
reynekeyt vnd ich volge der vnreynekeyt, vnd waz nit herre du 
bift worhafticlichen gut vnd ich bofe , du fenfte , vnd ich vnfenfte, 5 
du heylig, vnd ich vnfelig du yn der ewikeyt vnd ich yn der weide 



100, 3 lyb fehlt in der Handschrift, 5 wen aus wenig gebe/^ert. 12 do wo; 
komen undeutlich. 19 bende] hde 101, 2 >elde. 6 wilde 



948 101 

do eyn licht vnd ich blinder, da daz leben vnd ich toter, da dy 
arcztye, vnd ich ficher, du dy vrewde, vnd ich trabefal, du dy 
hochfte worheyt, vnd ich alle ytelkeyt, alzo eyn iczlicher lebender 

10 menfche iü we mir fchepher waz fal ich fprechen , . hoere fehepher 
dyne Ichephenunge bin ich, vnd bin iczczunt vortorben, dyne 
fchephenunge bin ich vnd fterbe iczczunt, dyn hantgetat bin ich vnd 
werde czv nichte brocht din gemechte byn ich dyne hende herre 
haben mich gemachet, vnd haben mich gefchaffen , dy hende dy 

15 duroh mich, mit neilen durch graben fynt, dyner hende werk byn 
ich herre nicht vorrme-(d)he mich, befchauwe des bete ich dich, 
dy ^unde dyner hende, vnd wcnne du yn dyne hende mich g^e- 
fchreben hoft, fo lys dy felbe fchrift, vnd heyle mich, czv dyr der 
fhfcze ich dyne fcheppfenunge , der fchepher biftu der quicke mich, 

20 czv dyr rufe ich dyne getat , daz leben biftu fpyfe mich , vor gib 
mir herre , wenne myne tage nicht fynt , der macher biftu weder 
brenge, M^as ift der menfche das her gefprechen muge weder got 
fynen fchepfer, vor gib mir der mit dir redet, vber fich dynen 
knechte, der mit dir herre reden tar, dy notdorft hot nicht gefeczes 

25 fmercze der twynget mich czv reden der wetag den ich lyde der 
twynget mich czv fchrien flehe b}ii ich, vnd ruITe czv dem arczete, 
blint byn ich, vnd eyle czv dem lichte tot byn ich, vnd der fufcze 

14 von anderer Hand am Rande iob 10 10 bcfchwe 22 im Texte fprechen. 
ge aus be gebefsert am Rande, 24 dir aus der geheftert, 25 fmerczeD 



ABHANDLUr^GEIN. 



T orstchende LXXII Predrgten und 29 Gebete sind insgesammt aus 
Handschriften entnommen ; fast alle erscheinen hier zum erstenmale 
gedruckt: nur einige sind schon früher von mir oder andern ver- 
öffentlicht worden. Von den meisten sind mir noch während des 
Druckes die Originale selbst zu Händen gewesen, und nur bei dem 
kleineren Theile habe ich die Correctur nach Abschriften , fremden 
oder eigenen, gemacht. 

An der urkundlichen Form ist um keine gebührende Grenze zu 
überschreiten nur so viel geändert worden, als wirklich von Noethen 
war: die Abkürzungen also, überall häufiger und stärker bei latei- 
nischen als bei deutschen Worten, sind aufgeloest ; in einigen Stücken 
V gegen ü, die kurzlautigen v gegen ö, in andern wo dieser Buch- 
stab gar zu häufig kam (XLI— LH. LIX. LXVIII— LXX) nun über- 
haupt alle vocalischen v gegen u und folgerecht alle consonantischen 
u gegen v vertauscht; falsche Lesarten aber im Texte selbst durch- 
weg gebefsert und hinunter in die Anmerkung gerückt. Weiter zu 
gehen habe ich für unerlaubt gehalten: Interpunction mit modernen 
Zeichen wird ein irgend kundiger Leser kaum vermissen, und was 
man berichtigte Schreibung nennt war zumal hier ohne Gewalt und 
Unrecht nicht durchzufuhren. 

Bei der Auswahl der Stücke ist auf den Sachgehalt derselben 
und demna^chst auf den Gewinn welcher daraus für Grammatik und 
Lexicographie zu schöpfen, vorzüglich aber darauf geachtet worden, 
dafs sie neben dem von Grieshaber Hoffmann Kling Leysbr Mass- 
MANN MoNE Pfeiffer Roth u. a. schon gelieferten Stoffe als ein Ur- 
kundenbuch zur Geschichte der Altdeutschen Predigt und des Alt- 
deutschen Gebetes dienen möchten. Darum hier Predigten mehr als 
eines Yerfafsers , aus mehr als einer Handschrift , von characteristi- 
scher Beschaffenheit und in geschichtlicher Anordnung durch eine 



S59 

Reihe von vier Jahrhunderten hindarch; und ebenso Gebete aus 
Zeiträumen und Richtungen wo die Litteraturgeschichte ihrer bisher 
noch kaum gedacht hat. 

Die folgenden Abhandlungen sollen das Zweckdienliche Ober 
die benutzten Handschriften , dann Einiges über die Geschichte der 
Altdeutschen Predigt und des Altdeutschen Gebetes, sowie zuletzt 
über die Sprache unsrcr Denkmseler beizubringen suchen. 



DIE HANDSCHRIFTEN. 

If er benatzten Handschriften oder Fragmente solcher sind im Gan- 
zen einundzwanzig; ich bespreche sie nach der Folge der oben 
daraos abgedruckten Stücke. 

I— xni. 75. 

Handschrift der Wafserkirche in Zürich €^^2759 Pergament, 
Folio , 185 Blätter , die Seite von je zwei Spalten ; vielleicht zu 
Schajffhausen, noch im zwölften Jahrhundert, aber erst nach 1172 
(Haupts Zeitschr. f. Deutsches Alterth. 5, 293) und von zweierlei Hän- 
den geschrieben : die zweite, welche auch- die Blätterlagen gezählt 
hat, ftillt jedoch nur deren letzte, die dreifsigste, von S. 361 bis 
370. Die vier ersten Lagen fehlen, wie auch innerhalb hie und da 
einzelne Blätter ausgeschnitten sind. Von einer dritten Hand nur 
der Schlufsvers auf S. 370 c. 

Hauril aquam cribro quicunque fludet fine lihro. 
Der Inhalt ist auf das bunteste gemischt, dem Mehrtheile nach 
lateinisch, Poesie und Prosa beinah jeglicher Art, des classischen 
Alterthumes wie des Mittelalters: so von S. 85 a bis 87 b Aemilius 
Macer (der Anfang ausgeschnitten) , 128 a — 142 b Periegeßs Prifciani, 
145 Excerpte aus Persius, 307 es iibro trißium, 367 b — 370 b die 
leoninische Legende De PilalhOj an verschiedenen Stellen Gedichte 
des Archipoeta Waltherus (gedruckt bei Haupt a. a. 0.) , geistliche 
und weltliche Sequenzen und auch Predigten; S. 72 b der Mischvers 

Hie dabitur gotewez cmctif uenieni^f qfchez. 
Ein geringerer Theil gehoert der Deutschen Litteratur. S. 4 a. 87 b. 
94 a bis 102 b Glossen zu Thier- und Pflanzennamen: letzterer 
Abschnitt unvollständig in Graffs Diutisca 2 , 273—277. Von 88 b 
bis 93 b Über de nahiraH facuUaie, fheilweis gleich dieser Über^ 



354 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN I— Xm. 

Schrift lateinisch : wiederum Einzelnes daraus 6ei Graff a. a. 0. 269 
bis 273, und ein Pferdesegen in Haupts Zeitschrift 3, 41; noch einige 
Stücke, die von Belang sind für die deutsche Culturgeschichte und 
mit ähnlichen unsrer Sammlung zu vergleichen, moßgen hier nach- 
geholt werden. 

(93 a) Ad fanguinem de naribtif profluentem, — Item. In chrifti 
nomine fcribe in fronte ipfius, nomen eiuf. et nomen emorroyfiB. ipfa 
dixit. Si tetigero fimbriam ueßimenti eiuf tantum falua ero. 

(93 b) Ad fcrophvlaf. Vbi dedicalio in dominica euenerit. carbonef 
5 Wide altare incenfatur referuentur, et aniina mifceantur. et fic perun- 
gantiir. 

Ad pecora. In natale .f. lohannif baptifice. Svme aucam mafculam. 
etprcecide ei caput. fume fanguinem eiuf in nafe mundo, poflea caput cum 
fanguine et pugillo falif in noua olla conbure, et puluerem ipfa die da 
iO animalibuf lingere. optima ref eß 

Item ad equof fanandof raehin. Inaurem equi dicaf et per omnef 
pedef m, vfqve a. p, Vnion. geniphron. inditol cathaloti. genepif ita non 
ita. aran ipitara. k. x, L Pater noßer. 

Si uermef equum mordent. die. Ignitif quiffitif mkmUare nare. the- 
iS bal. gutgutenal. 

Ad frafin. Sputo circumtinito minimo digito, et die» Adiuro te mala 
malanna, perpatrem et filium. et fpiritum fanctum. ut non crefcaf fed 
euanefcaf in nomine patrif et filii, et fpirituf fancti. k. x. k, Pater noßer. 
ter. et pater nofter. 
20 Par uitCB urif. leo in nomine domini. moritur trwf in homine ißo 

.N. ayof ayof ayof. chrißuf uincit. chrißuf regnat. chrißuf imperat. 

Ferner S. 146 a drei Reimspruche in unabgesetzten Zeilen, deren 
erster und dritter im Altd. Lesebuche 213 fg., der mittlere 

Tif fürt trvbe. 

unde fchone wiphurre. 

fweme dar wirt ze gach. 

den geruit iz fa. 
S. 155 a das Gebet 75; endlich 210 a — 228 a und von der zweiten 
Hand 363 b— 366 a die Predigten I— XI, XU und XIU. Von der 
ersten sind die Anfangsworte und die zweite fast ganz schon in 

a emorroyfa] fUtt m hat die Handschrift hier und in den folgenden Zeilen «. 
•3 Ey.Matth. 9, 21. 13.18 k. x. k. d. h. kyrieUif9n chrifieleifbn kyrieleifim; 
aber m. v/)|V« a. p. 7 18 »lall des ersten nofter die HS. nri. 



HANDSCmOFTEN DER PREDIGTEN I— XXXV. M5 

Graffs Diotisca gedruckt, 2, 277—279; die dritte im Altd. Leseb. 
191 — 196. Beide Schreiber, zumal der vordere, waren sichtlich 
mehr auf Lateinisch als auf Deutsch geübt : welche Muhe z. B. 
macht es jenem, die Sylbe /c/ui/l^ in Buchstaben zu fafsen: gefellefchai 
gienofchpat chcnnefchat trvtfcaph herfcaph toirifcapht lll ^ 3\ fg. Be- 
merkenswerthe Abkürzungen sind v oder v, für tmäe, d. für daz\ o 
gilt für ou und für uo; ir ist von to nur noch wenig unterschieden, 
und z ähnlich dem h: daher der Schreibfehler /?ZJ3^^ X,32. 

xrv— XVI. 

Drei auch am äufsem Rande beschnittene Querstreifen zweier 
zusammenhangender Pergamentblä|ter des zwölften Jahrhunderts, die 
der verstorbene Graff bdsafs. Auf der Ruckseite des zweiten Blat- 
tes Lateinisches von spseterer Hand. Die beim Abdrucke versuchten 
Ergänzungen des Fortgeschnittnen sind durch Cursivschrift unter- 
schieden. 

xvn— XX. 

Zwei Pergamentblätter in kleinerem Quartformat vom Ende des 
zwölften oder Anfang des dreizehnten Jahrhunderts, die innen auf 
den Deckel der Basleriscben Handschrift III. 14 (Leben Diocle- 
tians von Hans von Buhel) geklebt waren. Auch hier sind beide, 
ou und ttOy mit o und ebenso die eigenthumlichen Diphthongen oi 
und io beide mit o geschrieben; der Circumflex ist das Tonzeichen 
auch f&r kurze Vocale, wie umgekehrt der Schreiber von XII und 
Xni den Acutus als Längenzeiohen gebraucht. Ein früherer Abdruck 
dieser Bruchstücke im Altd. Leseb. 297 — 304. 

XXI— XXVI. 

Wiederum Bruchstücke des zwölften oder dreizehnten Jahrhun- 
derts, zweimal zwei zusammenhangende Pergamentblätter in klei- 
nerem Quartformat; das dritte Blatt vielleicht, das vierte gewiss 
von anderer Hand als die beiden ersten: die Buchstaben sind dort 
eckichter, u wird auch für blollws u gesetzt, und de gern mit 
Anhängung des e oben ans d geschrieben. Die Ergänzungen des 
vom zweiten und vierten Blatte weggeschnittenen sind mit Cursiv- 
schrift gedruckt Besitzer dieser Fragmente ist Hr v. d. Hagen; ich 
liabe die Abschrift vor etwa fünfzehen Jahren nehmen dürfen. 

xxvn— XXXV. 

G^ n. 58 der Basler Universitietsbibliothek: eigentlich zwei ge- 
trennte, nur durch den Einband zusammengebrachte Handschriften. 



%M H1ND6CHRIFT DER PREDIGTEN XSVB— XXXY. 

Beide auf Papier , in Quart , aus dem vierzehnten Jahrhundert : am 
Sohlufse der ersten Got ß gelobt dit tagez dz diz gefchrifft volbrach 
ifl in dem Ixxxij jaur ; wohl die ältesten unsrer Papierhandschriften, 
. und die zweite mit einer Sorgfalt und zierlichen Sauherkeit ge- 
schriehen die hei solchem Stoffe selten ist. Die zweite enthält auf 
28 Blättern aufser den acht Predigten XXVH— XXXIV noch eilfLe- 
genden, namentlich von der heil. Jungfrau, und 10 h — 15 a eine 
wohl auch als Predigt gemeinte Darstellung des jüngsten Gerichtes: 
ein Abdruck dieser in meinem Programm über die Altd. HSS. d. 
Basler Univ. Bibl. 22—25. Die vordere Handschrift hat 249 Blätter, 
die von alter Hand bis clxv gezählt sind : das erste fehlt. Ihr Inhalt 
sieben Predigten: eine davon unsere XXXyste; und vor und nach 
denselben siebzehn Heiligenleben grocfseren Umfanges, auch diese 
meist mit rednerischer Schlufswendung, z. B. 63 a nun geh tnz got 
durch den wierdigen fchenken vnd (lies in der) ere finez liehen martrez 
8. logini (so immer loginus statt longinus) der mf da vf tedt den 
lehenden hrunnen dz wir alzo vffer dem minnenden hertzen jefu chrifti 
getrenket werden dz in tmf vf wallend werd der lebend brunn der vnf 
wider laitent ß den (in den) vrfprung dannen wir geflozzen ßnd Amen; 
151 b (Cryfantius und Darya) Nun geh vnf got dz wier ir rainkait vnd 
ir marter tailhafft werdent hi jnnen in dem ewigen rieh da ir felan mit 
frceden ruowent in got jr tag ifl mornend nach .«. ändrez tag] 164b 
Nun helff vnf der hailig Minofilus vnd vnfer lieher her jefiis dz wir 
komint in dz land da allez laid ifl vnerkant Endlich zwischen den 
Predigten noch folgender Bericht über das Land des Priesters Jo- 
hannes und den Gottesdienst bei S. Thomas Leichnam. 

j!win her dez landez yndia der waz ain ertzhifchoff vnd hiez Johannes 
Vnd do er erweit wart zuo der wirdikait dez hyflums do kam er dar nach 
über ain jar ze der flat bizanziam vmb den mantel den er zuo dem 
hiflum haben muoft da vant er wirdig hotten dez bapflez kalixH die vmb 

5 rcemer fach dar komen warent mit den fuor er gen rome daz er die ge- 
fechi do enpfieng in der hapft wirdikUeh vnd hat in daz er bredigiti in 
dem münfter ze latren diz tet er wie er doch der fprache nit künde won 
daz er ainen betiuter hette der die lant fprach vnd och die ßnen wol 
künde vnd der felb fait och daz hie nach gefchriben fttU daz in dem lant 

10 Metrepelim lit ain flat diu haiffet MiHtia diu ifl alz witt daz man iüj 
tag ritten muoz e man ß vmb (201 a) ritte vnd diu hcechi der ringmur 

\ 

1 In d«r Handf chrlft tf für iL gemall. 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XXVH— XXXV. 21^7 

iß alz ain hochez turrez hoch vnd iß zwaiger wagen laifen dik vnd der 
iiij wajfer fo vffer dem paradys gaunt der gaut ainez da durch daz 
haiffet phyfon vnd daz bringet alz vil dez aller beßun goldez vnd edelz 
geßainez daz ez allez daz lant yndia richet vnd waz dar in kumet in die 
ßal daz nit crißan vnd gelosbig iß daz muof ze hant crißan werden ald 5 
aber ßerben diu kilch da der wirdig fant thoman der anj bott in lit diu 
iß vor der ßat vf ainem hocken berg vnd iß der berg vm geben mit 
Helfen wajjem vnd an dem ßad der wajfer da find anj kilchen geßijftet 
in der er der xij botten in dem find die aller hailigoßen mnfidel vnd in 
daz münßer dez haiC20i beigen .8. thomaz daz vf dem berg da lit da 10 
mag nieman in kamen den zuo ainer zit in dem jar ze finer dult vor 
der tult viij tag vnd dar nach och viij tag vnd an dem tag finer hochzit 
fo gaut der ertzbifchoff vnd fin hel/fer vnd allez daz volk dar in won diu 
waffer land fich denne von ain ander vnd wirt da truken ertrich vüj tag 
vor der tult vnd dar nach viij tag daz zyborium in dem münfier iß gar i6 
koßlich gemacht von gold vnd von filber vnd von edelm geßain vnd ob 
dem alter hanget ain filbrin bekin an ainer filbrinen kettenen in dem 
bekin fiat .«. thoman vf recht vnd gantz alz er lebt mit dem gewand daz 
er truog do er lebt ez hanget ain brinndiu amppel vor im von der ßand 
gefchriben driu ding diu wonderlich vnd begierlich findt ze hcerent fi ifi 20 
guldin (202 a) vnd hanget an filbrinen kettennen vnd iß vol balfmen vnd 
haut gar ain edeln fmak dirr balfame verf windet niumer vnd erlefchet 
och daz Hecht niumer vnd an finem hochzitlichen tag nimt man den bat-- 
fmen dar vf vnd füllet ez mit aim ander jn vnd zündet fi danne aber 
vnd fo ze iar vm wirt fo iß fi vol dez balfem vnd brinnet alz fi erft 25 
enzündetfig den balfmen den man dar vf nimt vnd def hand die Hut gar 
groff bett vnd wem er wirt wazfiechtagen der haut ob er da mit berueret 
wirt er wirt gefunt An dem hochzitlichen tag .8. thomanz fo gaut der 
Patriarch vnd fin hel/fer vnd legent fich an mit bifchofftichem klqid vnd 
nement den hailigen licham her ab vnd felzent in mit erwirkait zuo dem 30 
(202 b) altar vf ainen guldinen Jltuol Sin haur iß im rot vnd gat im vil 
biz vf die achfel Sin bart iß raid vnd kurtz Sin antlüt iß mineklich vnd 
Huchtet alz ain ßem Sin claider find hert an ze gri/fent So er in den 
fiuol gefetzt wirt fo vachet man die mejf an fo man fi gefinget vntz daz 
man kumet dar an daz man daz volk bewaren fol fo nimt der patriarch 35 
die hofiia vf die patenen vnd kniuwet für ,8. thoman denne gefchehent 
iiij ding hart wunderlich Daz erft iß daz .«. thoman die patennen mit den 

1 wagen ynfen 2 gaiunt] gat 6 fterber 13 der fehlt. 19 brinnu 

di amppel viMr im vor den [tan 23. 24 balnfmen 26 vnd den hand dOniemmt 

Altd. Predigten. 17 



S58 HANDSCHRIFTEN DER PREDIGTEN XXVn— XL. 

hoflien enpfahet mit der rechten hand alz fürhefichtehlich alz oh er leb 
Daz ander daz er die Hut bewaret man vnd frowan die zuo gand orden- 
lich ainez nach dem ander Daz drlt iß wenn ain vnipirdiger menfch zuo 
gat fo ziuchet er die hand an ßch tnd git im noch enchainem (203 a) 
6 ander tmfem herren die ml der menfch gegenwirtig iß Daz vierd iß daz 
dir menfch ze hand muof bekert werden ald er ßirbet aber al ze hani 
Dar nach fo difer Communio vf wirt vnd diz hochzit volbracht wirt dar 
nach über acht tag fo nimet der patriarch vnd ßn hel/fer den hailigen .8. 
thoman vnd fetzent in wider an ßn ßat vnd nigent dem tie/f mit groffer 

iO erwirkait vnd fchaident von dannan Vnd fo ßu vnd allez daz volk von 
dannan koment fo gand diu waffer wider vm den berg alz vor vntz an 
daz ander jaur Do vnfer her den hailigen ßingem den hailigen gaifl 
fandt vnd ß vf in die weit giengent Do fant vnfer her den guoten .«. 
thoman jn daz land Indiam daz er daz bekerti Vnd do er dar kam do 

iS vand er die dri küng den (203b) tet er da bekant daz leben vnfer z 
herren vnd ßn hailigen Marter vnd ßn vrßendi vnd touße ßu vnd lert 
fl fölklich crißan geloben 

Die zweite Handschrift bezeichnet alle Umlaute, auch den des 
kurzen u, häufig sogar den des langen mit übergeschriebenem e^ 
den des langen wie des kurzen a abwechselnd mit a und (f; av wird 
stets mit a , in der ersten bald so , bald mit au gegeben. Eigen- 
thümUch der ersten ist der Gebrauch im Beginn der Worte staets nur 
grosses L und R zu setzen, und die Barbarei womit beim Übergang 
von Zeile zu Zeile mitten in einer Sylbe, vielleicht schon nach dem 
ersten Buchstab abgebrochen wird, z. B. fu\ndent fpr\ach M\armel D\o, 

XXXVI— XL. 

„Eine Perg. Hs. des 14. Jahrhunderts in Quart aus dem Kloster 
Weingarten (F. 55.) in der königl. Privatbibliothek zu Stuttgart ent- 
hält teutsche Predigten, welche mit dem Pfingstsonntag anfangen 
und durch 27 Sonntage fortgehen. Darauf folgt eine teutsche Er- 
klaerung der Messgebräuche, ein kleines Stück de tribus impedimentis 
und dann eine gereimte teutsche Erklaerung über die sieben Todsün- 
den, worin die lateinischen Ausdrücke teutsch glossirt sind. Das 
gereimte Stück ist aus dem 12. Jahrhundert und gleiches Alter hat- 
ten ursprünglich auch die Predigten/ Mono, Anzeiger f. Kunde d. 
teutschen Vorzeit 7, 393 fg. Sodann als Probe die zwei ersten Pre- 
digten, nur gleich im Anfang mit einer fehlerhaften Überschrift: 
Sermo m pentecoste. Der Codex hat dieselbe nicht , wie denn auch 
diesem erste Stück keine Predigt «m Pfingstsomitage , Bondem eme 



HANDSCHRIFTEN DBR PREDIGTEN XXXVI— XU. 359 

für den ersten Sonntag nach Pfingsten ist Die weiteren fünf die 
meine Sammlung giebt sind aus einer freundlich mitgetheilten Ab- 
schrift Pfeiffers entnommen. Das oe , welches die Mundart des alten 
Schreibers gerne für langes o gebraucht, bezeichnet derselbe gleich 
dem Umlaute mit o; sein v oder u habe ich mit vö uö wiederge- 
geben, da er bei unabgekürzten Diphthongen den Circumflex über 
den zweiten Buchstab setzt. 

XLI. LIX. 

Handschrift der Wafserkirche in Zürich B'^yrao» Papier, Quart, 
179 Blätter; auf der Rückseite des letzten Dif buoch wart gefchriben 
in dem iij vti nunzigften . iar vn drizehen hunderdefi rar in dem how 
manet do ich wc wxx jar alt m fehs iar in geiflHchem fchin gefin 
Wohl in Zürich , etwa im Kloster Oetenbach : vgl. die Überschrift 
von XLI. Das übrige hinten und vorn noch freie Papier ist von an- 
dern noch ungeschickteren Frauenhänden vollgeschrieben. Den Inhalt 
machen siebenzig rubricierte Stücke bald vom geringsten ,* bald von 
großfserem Umfange, und alle von geistlicher Art, Erbanliches und 
Beschauliches. Naschst den für unsre Sammlung theils daraas ent- 
nommenen, theils damit nur verglichenen Predigten XLI. LIX und 
XLII (z das Zeichen eben dieser Handschrift) ist noch folgendes 
hervorzuheben. Verstreut durch das ganze Buch einzelne Sprüche 
benannter und unbenannter Mystiker : vier davon (45 a. 53 a. 62 a. 
und 77b) bereits im Altd. Leseb. 889, ii und iii. 892, vüi und ix; 
andre nachher in der zweiten und der dritten Abhandlung. Ferner 
122 b — 124 b der Wettstreit der zwölf Meister von Paris, gedruckt 
in Haupts Zeitschr. 4, 497 fgg. Die Erzählungen von der weit valfcheit 
89 a — 90 a und von einer Heidinn 120, gedruckt im Altd. Leseb. 
9'f5 — 948. Sodann 140 a — 144 b ein sicherlich aus dem Lateinischen 
übersetzter Tractat gegen Aberglauben und Zauberei, betitelt Dif 
ßuk feit von den loffem vnd von den valfchen propheteu : alle wichti- 
gen Stellen daraus im Anhange zu Jac. Grimms Mythologie xu — 
xLiv. Gleichen Ursprunges ein sonst auch ähnlicher Tractat von den 
manigvaltigen fchaden def tanz 96 a — 99 b; er stimmt dem Sinn und In- 
halte nach, sonst jedoch nicht zu jenem der aus einer Wiener HS. des 
15 Jh. in den Altd. Blättern steht i, 52 fgg. Zur Probe einige Sätze. 

Tent die fint der tiuitel genge De fol man da hi merken de die tenzerr 
ziehent vnd tennent den tanz zeder lingen hant. Wan de bewert der wif 
man der fprichet Die weg die zerrechten hant fint die fmt bekant got 

3 ProTerb.4, 26. 



S60 HANDSCHRIFT DER PREDIGT XU. 

ünferm herren Aber widerwerüg vnd verkert ßnt die zerUngen hant Die 
tenz ßnt ovch des tiuuels iarmerg. Wan er gewinnet da mit menig feien 
Er hett an dem merg ßnen hovfman vnd kovfmeninen. Wc de ß De iß 
hohfart, Vnkiufchkeit. BcbJ begerung der ovgen. Er hell ovch da die frovwen 

5 diu da heißet, Vppikeit. Vnd ovch ir huf gefind des nitit wenig iß De iß 
verlaßen lachen, Vnmrßiger fchimph. Vngeordinatiu wegung des lihs 
(97b) Übergebung. UohfarL Erhebung übermuetlich der ovgen Diu er- 
haben halfader. Ein hohfertiger gang, Vnd vnzühtiger, Vnd menger hant 
anreizung zebwfem luß des fleifrhes. 

10 (.99h^ Efiß daran gnuog de zuo rechten elichen hohzilen tanzen 
erlovbt iß, Vnd die ßilen dennoch mit meßtkeit gefchehen vnd mit zuht 
der fitten vnd in gütlicher vorht Mut mit keinr verlaß'enheit oder vnfuor. 
Vmb de wan ünfer herre felb diu e gerret hett mit ßn felbes gegen- 
würtkeit vnd ßner lieben muoter vnd ßner iunger. Vnd de er ovch ßn 

15 erßef zeihen ander hohzit würken wolt 

Ferner 153 a Dis buechli heiffet ein ßfiegel der kloßer Uuten\ bis 
165 a. Endlich auch noch zwei Gedichte , sparte und kunstlose 
Klosterpoesie. Das eine S. 83 a bis 86 a vom Sturze Lucifers , von 
der Schöpfung des Menschen , vom Sündenfalle , vom staunenden 
Zorne des Bossen bei Christi Geburt : damit bricht es unvollendet 
ab. Hier der Anfang; in der Handschrift sind die Verse nicht ab- 
gesetzt. 

Wie adam Terfloffen urart Gegen dem fchasnen aquilone. 

\££ dem paradlf 3() Eben höh der klaren funnen. 
(iot ßtrach ich fchaffe. Wer macht mir def nint günnen, 

Vff miner götlichen magenkraß. Dem hcechßen bin ich glich. 

Ein lieht zefchinen, Vnd ovch de himelrich 

Vnder den engten minen. Sol mir wefen vndertane, 

30 Zedienend alle glich. 35 Wer de mit mir welle beßan. 
Einem herren indem himelrich Dem teil ich glich, 

Do wurden die enget gefchepfet, Elliu miniu rieh, 

Vnd ovch lucifer gemahet Do fyrachen die betorten. 

Der aller ßhomeß vnder in. Die zehimel niut gehorten, 

26 Vnd der ß)rach ich bin, 4o Herre de hein wir wol gefrhen. 
Ein enget alfo her, Wirmuoffendirvonßhuldeniehen, 

Vnd bin genant lucifer. De du biß gewaltiger herre, 

Vnd ßetze vf minem tron Da von wellen wir keren. 

1 in der Handschria vnfn 3 hette—kofmenin, Wc de De ift 6 Vnmeffeiger 
12 goUeh' 19 in der Handschrift Vn 26 fire 



HANDSCHRIFT DER PREDIGT XU. 



3<1 



Mit gemein an dm gebot. 
Wir fülen dich für got. 
Eren vnd dich loben alle 
Mit gemeinem Jchalle, 
5 Wit vnd verren. 
Zehimel einen herren, 
Do fprach aber der herre 
Der da genant iß lucifer, 
Heint dank ir enget min, 

10 Ir fond in minem rieh ßn. 
lemer eweklich. 
De wüjfend ßcherlich 
Do kam fant michahel. 
Ein trceßer der armen feL 

15 Wol dan fprach er ir enget rein, 
Vnd varend alle gemein. 
Zuo ünferm Heben fchepfer. 
Der iß allein rein vnd gewer, 
Do Sprachen die zwifeler, 

20 Die da waren got vnmer. 
War wellen wir fiimlich, 
Ünf betruebend die rieh, 
Swer daf bejfer gewinne, 
Bi dem bliben wir hie inne, 

25 Do kan ünfer lieber herre. 
Zuo difen groffen gewerre. 
Er fprach lucifer zart. 
Wie haß du dich bewart, 
Wes haß du dich vermeffen. 

10 De du haß vergeffen, 

Grofer eren die ich dir maf 
Du werd der enget lieht vaffe. 
Du werd der enget krön. 
Nv fpricheß du fieß der fron. 

15 Vndfüle dir (83 b) wefen vndertan 
Alles de ich gefchaffen han. 
Da von folt dich kerren. 



Von engelfchlichen eren 

Michahel ein enget her. 
40 Nim hein de himet fpere 

Niut lenger fie gefpart 

Lucifer genieffe finer ho/fart. 

Er fot rumen de himelrich. 

Vnd ovch alle die im fint gelich, 
45 Er muof zuo der helle vallen. 

Mit den ßnen allen. 

Da fot er ßn gebunden. 

Ze inreß indetn ahgrunde, 

Zehant do vielen ß alle 
50 In de ewig bechwalle, 

Do fprach aber der wife, 

Zuo fant michahel vil Hnfe 

Michahel nv blaf ein hom. 

Ich han dich vferweU vnd vferkom, 
55 Wir fülend ein paradys mähen. 

Von minneklichen fachen. 

Dar in fo fetzen mr einen man 

Den ich von leim wol machen kan 

Der fot es buwen vndßn phlegen. 
60 De er behalt unfern fegen. 

Da folt du wefen wif 

Bis probß in dem paradyf, 

Zetroß vil maniger fei 

Der pflig du michahel 

65 (85 a) Köndi ich mit kluogeti Wor- 
ten daf, 
Zetiutfch bringen alf ich laf 
In latine fo wolt ich, 
Vil gern dar zuo erbeiten mich. 
Wie ich in tiutfch tele bekant 

70 Alf ich an einem buechlin tant 
De der lerer Maximuf 
Von wort ze wort fchreib alfuf 



I Wir 23 daf] es 35 /6/e 38 engelfbhelich 

15 daf fehlt. 71 D* df Ir 72 alf 



48 %^ abgrüde 



363 HANDSCHRIFTEN DER PREDIGTEN XU— LDL 

Das andre Gedicht S. 150 a. 

Dlf Ift de liebet Haine mandl faluctare ze ttatfeh de Fant 
bernhart fpraeh do In de krlazlllx TmbTleng 

Got gruef dich aller weit heil 

Du fueg mir dines kriuzef teil 

Ich gruef dich lieber herre min 

Du fueg mich an de de kriuz din 
Und so fort in unabgesctzten Versen bis 153 a. Von noch an- 
deren Stücken im weitern Verlaufe des Handschriftenverzeichnis- 
ses und der geschichtlichen Erörterungen. Eigen dem Schreiber 
oder der Schreiberinn dieses Codex ist die Vorliebe für langes / am 
Schlufse der Worte, das sonst in dieser Zeit nicht mehr gilt Die 
A1)kürzung des Wortes menfche in ßPy characteristisch für die asce- 
tische und mystische Litteratur des vierzehnten Jahrhunderts, in 
Deutschland und den Niederlanden (vgl. z. B. die mnl. Predigt in 
Haupts Zschr. 2, 350 fgg.) begegnet auch hier, jedoch nicht so un- 
abänderlich durchgeführt als anderswo. 

XLII— LH. 

Der bei diesen Predigten als Quelle und bei andern fXLI. LTII — 
LVII) nur zur Vergleichung genannte Codex A ist schon früher (vgl. 
die Verdienste d. Schweizer um d. Deutsche Litt. 16. 39) von mir be- 
nützt, nun aber von Franz Pfeiffer, seinem jozigen Eigenthümer, mir 
zu neuer Berathung anvertraut worden. Eine Handschrift die an- 
ziehend ist durch den Reichthum ihres Inhaltes, die Eigenthümlich- 
kcit der Sprache und besonders auch durch die liebende Sorgfalt 
w eiche sichtlich auf die Anfertigung verwendet worden. Pergament, 
Quart, 26 Lagen, 209 Blätter, beide schon von dem alten Schreiber 
selbst, jene mit rcemischen, diese mit arabischen Ziffern gezahlt. 
Je die Seite zu zwei Spalten; auf der zweiten des letzten Blattes 
Finito libro fit laus et ghria chrißo, dann mit rotber Schrift Es fönt 
uiffim alle die dis fehenf oder lefenl. dz ich phaff Albrehji genant der holbe 
kirchherre ze Sygavis*) hon diz broch gefchriben mit groffen mftatten 
vnd dvrch ain fpiegel. **) do ich fechs md fechszig lar alt wz. vnd 
han ez vollebrahl an ftnt lacobs abent. Anno domini. M, ccc. Lxxxvij. 
der erfamen vrowen lohanfen ftoklins des flaft ammans ze velkirchen 

') wohl das heutige GceGs bei Fcldkirch. 

**) eine Brille: y gl. Augenspiegel Scbmeller Dair. Wörterb. 3, 558. Feldspiegel 
hier zu Lande s. r. a. Fernrohr. 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XLH— LH. 26S 

elichen vrowen. DiD ez Gotte ze lob vnd finer lieben mvoter Marien vnd 
allem hymelfche her ze eren, vnd jr fei vnd allen globen feien ze fraß 
vnd ze hilf gefrvmet hal von mir obgenante priifler. Da von bitte ich 
alle die. die in Gottes namen iemer me lefent. diz bvoch. dz fi Got fvr 
mich armen findigen priefter bittent dz er fich vber mich erbarme, won 
ich fvrht dz ich iemer me (niemals mehr) bcoch gefchribe. Hie mit hat 
diz bvoch ain ende. In Gottez namen. AmeN. Die Frau des Stadtam- 
manns zu Feldkirch hat das Buch von Albrecht dem Kolben gefrümet 
d. h. von ihm schreiben, anderswoher abschreiben lafsen, was sonst 
mit dem Verbum ziugen ausgedrückt wird (Pfeiffers Mystiker 1, 472). 
Der so von ihm gesammelten, theils in vollständiger Abschrift, theils 
blofs in Auszügen an einander gereihten Predigten Tischreden und 
Tractate sind funfundachtzig; Autoren nennt er nirgend: doch ist 
sein erstes Stück Von. den zehen gebotten vnfers herren aus einer 
Predigt Bertholds (Kling 57 — 96) hervorgegangen, so auch das dritte 
Von der haikait vnd bezaichnvng der meffe (unsro XLIste Predigt), 
und ebenso wohl das zweite Von vierhand ftvkin Crif tarn globen (un- 
sre XLII): z weist für dieses auf den gleichen Verfafser hin, indem 
die Messpredigt mit Bertholds Namen da vorangeht, und ein Ge- 
sprsech zwischen Berthold und Bischof Albrecht nachfolgt. Für 
einen beträchtlichen Theil seines Werkes aber hat Albrecht der 
Kolbe offenbar eine schon vor ihm veranstaltete Sammlung benützt, 
eine Sammlung die weit verbreitet gewesen sein mufs, da aus eben 
derselben noch viele andre Schreiber in verschiedenen Gegenden 
Deutschlands, ja selbst in den Niederlanden geschöpft haben. Nicht 

• 

weniger nsemlich als 39 von seinen 85 Stücken enthält auch. Schritt 
für Schritt in der gleichen Reihenfolge (nur ein einziges Mal ist sie 
verletzt) die Handschrift Z, über welche nachher noch zu sprechen; 
26 und 25 derselben finden sich, theilweis umgestellt, in zwei Hand- 
schriften zu Wien und zu Kloster-Neuburg (Hoffmanns Altd. HSS. 
zu Wien 303—305 u. Altd. Blätter 2, 173. 174), 6 auszugsweise in z, 
3 andre ebenso in der Handschrift B (oben XLIX, 30. LIII, 88. 281. 
LVI, 419); wieder von einer giebt es ein Bruchstück auf der Biblio- 
thek zu Marburg (Haupts Zschr. 2,227 — 231), von einer andern auf 
der zu Karlsruhe (Mones Anzeiger 3, 183); und endlich von den 
Predigten aus S. Georgen im Schwarzwalde und den 47 niederlän- 
dischen im Haag wird nicht blofs das wenige das aus beiden schon 
gedruckt ist (Mone a. a. 0. 3, 184 fg. 4, 366—368 u. Haupts Zschr. 
2, 350 — 357) mit A und Z übereinstimmen : halten doch die ersteren 
sichtlich dieselbe Ordnung inne wie A und Zy und die letzteren fast eben 



364 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XLn— La 



dieselbe wie die Kloster-Neuburger und die Wiener Handschrift. Ich 
will den verzweigten Zusammenhang tabellarisch übersichtlich und 



Ä. 

35 Der wifTag fprichet alfvIT. Hivl ift der 

frid her nider komen. 

36 Sant Paulus fprichet. Ir fönt Itark fln 

in Golles dientt. 

37 Ir fönt glich fln dem mentfchen fprichet 

ünfer hcrre. 

38 Do ünfer herre vfT erlrich wandlet (oben 

XLVI) 

39 Stephanus wz vol gnaden, ynd fterki. 

Spricht fant Lucas. 

40 Got hat fl erwellet, vnd für weit. 

41 Ich waiff ainen mentfchen fpricht funt 

Paulus. 

42 Rehtiu biht fol han fünftEehen ding 

43 Der wiffag yfayas fprichet. Lieben tohtra 

von fyon (oben XL VII) 

44 Div minne ift fprichet Profper alz mich 

drnket gyoter wille. 

45 ünfer herre gefchvof den mentfchen dar 

zvo 

46 Ich diene vor Gotte in der haiigen wo- 

nvng hailiges lebens 

47 Alle die. die min gerent (Int. die fönt 

zvo mir komen 

48 Got hat gepflanzet ain paradyf der wolnvll 

49 Das ifl min gebot fpricht ünfer herre. dz 

ir cnander alle minnenl. 

50 Ich fach ainen enget fprichet fant lohans 

in Apocalypfl. 

51 Unfer herre laitet den rehtcn mentfchen 

dvrch den rehten weg. 

52 Gottes Wille ifl iuwer hallikait. fpricht 

fant Paulus. 

53 Iherufalem dir da obnan lit. 

54 Sant Lucas lobet ttofer vrowen an fibcn 

fvQderlichen tTgenden. 



Z. 

1. 
2. 
3. 
4. 

5. 

6. • 

7. 8. 
9. 

10. 

11. 

12. 

13. 

14. 

15. 

16. 



SGeorger HS. 



Mone 4, 366, 1. 



17 (ob. LIII). Mone 4, 366, 2—4 



18. 

19 (ob. LIV), 
20. 

21. 



Mone 4, 366, 5—7 

Mooe 4, 367, 8. 9 
Mone 4, 367, 10— 19 

Mone 4, 367, 13. 



HANDSCRRVT- Dia PRBMGTEN.XLll-^m 



265 



aoschaolich zn machen raeben ; die dritte und die sechste Columne wird 
sich ein Leser in Karlsruhe und im Eäng leichtlich berser auslUlen. 

>¥iener HS. KL. Neub. HS. Haager HS. z. B, Bruchslücke. 



1. 



1. 



2. ' 



2. 



1. 



3. 



3. 



7. 



7. 



13. 



13. 



1. - 



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4. 5? 



6. 



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6. 



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8. 



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AluL Predigten. 



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17. - 



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266 HANDSCHRIFT. DBB PRBDfGTBN XLn^LH; 

&6^jS«iit Lucas Tprichet in 4«r iwalfbollen 
bvoch von ünfers herren vffart. 

56 Unfers herren wurt fol in ivrem hertxen 
wonen. (oben XLYIII) 

57 Got Toi künden an der fchrifi den livten. 

58 Peter niinneft dv mich fprach üiifer 
herre tvo lant Peter. 

59 Der balmbdni hat fiben etie, 

60 Benyamin ift Ciot aller liebft. 

61 Man vini in allen landen vnder vrowen 
dehain fchcBni fo hem lobs tohtren warent. 

62 Do flnfer herre se hymel wolte varen. 

63 Unfer vrowe gelichet fleh einer rebvii. 
(oben XLIX) 30. 

64 Unfer herre hat mengen namen die 



^' 


SGcorger HS. 


22. 


Mone4,367,14.365. 


23. 


— 


24(»di.I.V). 


— 


25. 


Mone 3, 184. 


26 (üb. LVI). 


Mone 4, 367, 15. 


27. 


Mone 4, 367, 16. 


28. 


Mone 4, 368, 17. 


29. 


.__ 



beaaichenlich fint. 


31. 


— 


65 Herre wer sol wonen in diner pfallents. 


32. 


— 


66 Nivn fvnderlich fchaden empfahet div 






feie von t&glichen itluden. 


49. 




67 Bellbent in mir. fo blib ich in ivch. 


33. 


Mooe 4, 368, 18. 


68 Onfor vrowe gelichet fich ainer frvht- 






baren rebvn. 


34. 


— 


69 Min lip ift wider geblvegel fprichet 






flnfer herre. 


35. 


— - 



70 lenrfalem fprichet ylayas der wiffage. 

vroBwe dich. 36. . — 

71 Svochent Onfer herren fprichet der 

wiffage. 37. — 

72 Do die Ivden hie vor xaigetent engegen 

dem lande. 38 (ob. LYU). - 

73 Die gaiCchlichen UvI (bnt glich fin 

ainem blvomen an vier dingen. 39. — 

74 Uebeo Ipricbet font lohannes. Minuent 

Oot. 40. - 

Ein VerfaTser dieger Predigten (alle nioßgen sehr wohl einen 
einxigen gehtbl haben) trili mit genanntem Namen fkjrgend hervor: 
es iai eine um so groefsere Ül>ereilung Hoffmanns, den Scbreilier der 
Kloster-Neoburger Handschrift von 1372, Peter von Trebensee, Ca- 



• 1 



HANDSCimiPT DER PREDIGTEN XUI-^^LE 267 

Wiener HS. Kl. Neub. HS. Uaager US. £. M. Bnicbfittclie. 

10. 10. - - _ 



11. 


11. 


25 


25. 


15. 


15. 


12. 


12. 


26. 




16 


16. 


17 


17. 



23. 23. 



— Karltruber. 

201 b. Marborf er. 



18 18. - - 33 a 

19. 19. - - - 

20. 20. 3 - 



14 14. 

21. 21. 



22 22. 2l! 



• I 



.1 



-II. 



8 

■I 



9. 



peUan zu ZeUüng, Tür den Prediger selbsl zu hillen, uU die um zehn 
Jalir ältre Wienerische von diesem Nunen nichts weifs^ sonder» da 
wieder nur ein anderer Samulery Bruder Peter im Gamingerhof au 
Wien, und ein andrer Schreiber, Johannen Halter, enteraeicbnet ist : 



268 HANDSGHRIBT . DER . PREDIGTEN» (XLH^^^n. 

die Wiener Handschrift scheint sogar das Original der Kloster-Neu- 
burgischcn zu sein: in beiden ist die fünfte Predigt beim Zahlen 
übersprungen oder mit der vierten in eins geschrieben; am Schlufs 
hat die erüterc noch eine Predigt^ die 26ste, mehr. Aber die Zeit 
der Abfafsung wird uns angedeutet: in Z 22 heifst es und ebenso 
in der HS. von S. Creorgen (Mono 4, 365) Die engil fehent in ze 
allen ziten gelufteclich vn girliche an. Dar an mvgen wir wol 
merken, de das ein wnnneclichis lieht mvoz fin. de man ze allen 
ziten girlich ane fiht. mit vroiden ane vrdrvz. vnd hant ß dock wol 
drivzehen hvndirt iar ßn fckone menfcheit an gefeken, vnd fekent 
in nock alfe girlick an, alfe der erften ßvnde do er ein gaß da 
was. Also um 1300. Hit noch genauerer Bestimmung A 55 me 
den drvzeken kvndert jar vn dri jar. Hone wird eben irren wenn 
er seine Handschrift und sein Fragment ins dreizehnte Jahrhundert 
rückt. So beruht von 35 — 74 die Übereinstimmung zwischen AZ z B 
auf dem Grunde einer und derselben älteren Sammlung; wenn A aufser- 
dem noch mit der einen oder andern der genannten Handschriften zu- 
sammentrifH CA 2 = XLH mit » 19; il 3 mit Z 55. z 18 = XU; 
A6 = XLIU mit ß 32 a = LXIV ; A 24 Von den kymelfcken frceden 
mit Z 42; ii 81 Von dez gaifckicken mentfcken ordnvnge mit z 6; 
A 82 Von der volkomenkait dez lebens mit z 5J und die vierte Predigt 
Von masnger kande Regel unvollständig auch in einer Schieltstädter 
Handschrift steht (Haupts Zeitschrift 5, 421 — 423), so sind das ver- 
einzelte Fälle, die auch sonst schon (2 und 3 rühren ja von Berthold 
her, und Z 55 ist von andrer spisBterer Hand) aufserhalb jene§ Be- 
reiches liegen. Die Übereinstimmung aber von A und Z, welcher 
Codex hier zunächst in Betracht kommt, ist meistens der Art, dafs 
A die Predigten und Reden ins Kürzere zu redigieren sucht, oft mit 
Glück, mitunter auch eben nicht zum Yortheile des Originals; immer 
jedoch hat A vor Z die groessere Fehlerlosigkeit und eine mehr an- 
ziehende Sprache voraus. Ich glaube durch mein Verfahren bei Be- 
nutzung beider Handschriften beiden ihr Recht gethan zu haben : voll- 
ständige Yergleichung des andern Textes gebe ich nur bei XLYH und 
LVII, bei den übrigen nur vereinzelte und blofs nir Erhebliches. 
Schliefslich noch den Theil von A 4, der zur Vervollständigung jener 
Schlettstädter Predigt und ihres Abdruckes dient. 
"t Si g^innmtiren vigenden übelsdtH kdbtßtride^ €Me$ das inen 
»tbtcte r gongf i mag/ Si'perßigeni inen wen nnif^. und erzaig^nt inen 
^imwierlUch gebierd^ ^Behom^ni fi inem unäefwilent ßwerdent^bUmek 
fUm 9oMe.^irtkert9m.^md ah ß ßck kueteni' vor hobt fltmde^. 



HAatDSCHRIFT DER PRBDIGTEIf (XLU^LD: 269 

cdfo hueient fiu fich daz fi fick och niemer uebeni in iugenden. 
won fiu fich in ain leben gefetzt hant. daz ift in ain gnaegen zuo 
dem hymelrich. und iihter wcere ain fünder ze bekeren, denn die 
fürbag ze bringenn. Swm fi tuoni duz tuani fi mit murmeln und 
mit trcegi, tcan inen ift ffoesr älliu arbait, wie fi doch gefunden 6 
und vrifchen lip habent. Dife die gant in den wagen (9 c) weg* 
und muoffent lang umb gan, und manglent in diefem libe des göt^ 
liehen troftes, den die dumähtigen hant. Nach difem libe fo lidefU 
fi die langen und die ftrengen wiffe. doch koment fi ze iungsi zuo 
dem himelriche. und enphahent kleinen Ion. Si fitzent in den win^ 10 
k eiern und enbiffent doch niemer des wines. daz fprichet. fi fisU 
in dem gaifchlichen leben und gefmekent doch niemer gaiftliches 
troftes iht. f Es fint öch fumlich die gant den engen weg. ir ift 
aber der minft taiU Daz fint die dumähtigen die fich fere hueietii 
vor allen fänden, und mit fliffe dar nach ftant wie fi koment wetH 
volkomenkait der tugent. g Die vliehent lob und Sre. und allen 
üppigen ruom. Si verfmahent fich felber. und gerent daz man fi 
verfmahe. Si huetent fick vor zorne. und vHffent fich fenftmuetkaii^ 
widervert es aber inen etwenn. fo illent fi daz fi fin ab koment mit 
bihte und mit gebet. (9 d) Die in übel tuont und fi befwesreni* 20 
den tuont fi wol. und erzaigent in mit Worten und werchen. daz fi 
mit den werchen der minne tAerwindent die untugent des haffet^ 
Si vliehent guot effen. und trinken, und alles liplich gemach alfo 
verre fo fin ir kratikait enberen mag. wan nieman fich felber ver^ 
derben fol. Doch bedurfent wir dirr manung in difen ziten fNY.25 
won wir fint alle gnuog befchaiden. g Dirr weg ist fohleht und 
kurtz. won die in mit fliffe gdnt. die koment Got in ainemjär nmher. 
denn die in dem witen weg gant in fünfzehen jaren* Och ^enphaket 
ir ainer me Jones denn iener fünf/iundert. Und dis ift Uns bewanrf 
in der künig buoch bi kuzi und achymas die da liuffent zuo Daddi 80 
S Nu fint driu ding, diu ierrenl Uns des engen weges. S Daz erft 
ift gebreft an der begerung, daz kumet von zw€un dingen. Wir 
dunkent Uns felben gmio guot. (10 a) und habent lützel <At umb 
gaifchUg gäbe. Sant Gregorius fpricht. Diu funne fchinnet uff den 
blinden, und entliuhtet fin doch nit. alfo werdent och dife Hut ent^ 86 



1 in der HandBohrift hvlaü fo fieh 6ck nism vt^enl 3 lihl wars. m 

fvnb 14 fMi fehlt. 23. 24 v» alUi Upiich ken. vn Met lipMeh ^ f6 ß 

30 Beg. 2, 17. 85 en(lHel — entlilel. das zweitemal mit nachgetragenedi'l^ 



270 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XLH-^Ln. 

linktet, nit oon den gaifchiichen dingen, die fi die gnoten fekent 
han, wan et iß ir fpot, g Do,% ander da» uns da ierret. daz iß 
daz wir uns bekOmberreni mit uffren dingen, und nietner Unfer hertze 
weUent befckowen. Da von befchikt ine als den fpii iinten. die aliweg 
6 in fremder herberg ßnt. und feiten da haim. Da von iß fekad daz 
man niuw lh$t fo fchier wider fetzet ze uffren dingen. Da von fi 
komen ßnl. Sinl ß b(BZ fi werdeni nock bcßfer. Man folt ß iock 
tän ain jar ir fünde wainen, daz ß dock befundent den fekaden 
der an den fünden lii. und wie widerzame ß der feie, und Goi ßnl. 

10$ Daz drille daz uns ierret. daz iß. daz wir unfern lip ze lieb 
hont, und wir in zuo kainen dingen wellent twingen. daz im wider 
iß. Als uns nu dißu (10 b) drin ding ierrent. als ßnt öck drin 
ding die Uns fürderrent. f Daz erß iß daz wir begerung fönt kan. 
Mäht du aber begerung nil kan. fo beger dock, daz du begerend 

ihwerdeß. aber zwai ding fitU die Uns die begerung enzündent. daz 
iß gottes wort, daz fitgel die begerung. daz gebel ßerket ß. an 
gebet fcka/fet nieman niut. oder lützel. f Daz ander iß daz der 
mentfch alweg ßrile. alfo daz er alweg gefige. an dem liufel. und 
an ßm vlaifck. und daz er attweg undei* gelige an der durkwhtung 

20 der menlfcken, S Daz drille iß daz du din minne ziekeß von allem 
dem daz under Got iß. wan du folt enkain ding minnen won fo 
verre es zuo Got gezieken mag. wan diu feie iß alfo gesckaffen. 
daz ß nit mag ßn an minne. Swer nu fin minne an Got gefamnen 
fol. der fol tuon als man ainem böm tuot den man wü daz er uf 

25 wackfe, der böm wirf et uf daz faffe (10 c) in die fcköfßing der 
denne den böm über triben wiL der muoff daz faff in den böm 
twingen. alfo daz er die eße alle wnbe ab fcklake. § Daz faff in 
dem bome iß diu minne diu in der fei iß. diu giuffet ßck zuo den 
ögen uf. alfo daz ß minnen wü fwaz fekmn iß ze fekenn* zuo den 

30 oren us. daz ß minnen wil waz lußig iß ze hcsrenn. zuo dem munde 
US. daz ß nieffen wü, fwaz fueff iß ze effenn oder ze trinkenn zuo 
der Zungen us. weltlichiu mmre. und üppig kofe ze Iribenn, zuo der 
nafen us, fueffiu ding ze fmekenn. zuo den kenden us. lindiu und 
fenftiu ding ze grifenn. zuo den fueffen us. üppig weg ze geende. 

86 S Swer dife eße mit vliffe ab fcUekt und ßck ziuket von allen den 
dingen die under Got ßnt, der Iwinget ßn minne in ßck. daz ß 



8 1^ fehlt. 15 swai ding] fwie die 19 dvm€Bhtve; din fehlt. 21.22 w9 
(b M fo iwrr« ei dkh zv Gel gef^rderren maf. oder ziehen. 96 under] w4d^; 
ftn feUt. 



HANDSCHRIFTEN DER PREMGTEN JELU-^LVID. 271 

muoff uf wachfen in Goi. da werdent ß fekend Got mit eren. da 
werdetU fiu bevimdeiü GoUei fueffikaii. da werdeni fiu erkennemi 
Gottes toiPuLiL (10 d) fi werdent inmen brakt aller der vrcßde fo 
con Got in die fei fiiaffeL fo fi und er mit rehter haimlichi am 
ding mit enander werdent, und ß in ime ruowet. Die aktent fUtb 
eil ainen engel ze fehenn. Balamee efel fach dch ot» enget, und 
wa^ dar nach doch ain efeL Vis erdriufet denn des lebens. und 
totere in denn aller nüdeft ze lebenne tcan fo ß Got hie ie hteher 
minnent und bekennent. fo fi in och her nach in den ewigen vroßden 
ie me minnend und bekennend werdent. S Nu fprichet fant Bern^ 10 
hart daz den unvolkomnen lugenden, gefpetret wirt diu vrmde des 
hymelriches, aber den volkomnen tug enden, wirt toUeküok gefchenket 
die vrosd des hymelriches. $ Dar nach wirt gefprochen ton fßtU 
Stephan, obdormicit in domino. da* fprichet. Er entfchlief in Goi* 
In Got entfchl^fen. daz iß an wiffe ze hymelrich varen. daz ßni. 15 
die alle ir mifine eon allen dingen gezogen hanl. Die (11 a) aber 
minnent zerganklich ding me denn Got liep ß. die varent fchleht- 
klich in die wiffe. Die abet* minnent diu ding, diu wider Gottes 
gebot fint. die tarent fchlehtes in die helle. Da vor uns Got be- 
hueten mueffi. Amen. 20 

LIII— LVIII. 92—96. 

Handschrift der Wafserkirche in Zflrich C ^^/290, bei uns mit Z 
bezeichnet; Pergament, Kleinfolio oder Hochquart, 194 Bliltter mit je 
zwei Spalten auf der Seite. Drei Hände des vierzehnten Jahrhunderts. 
Eine bis 165 d, wohinter ein Blatt ansgerifsen, 80 difs die letsttl 
Nummer 54 unvollständig: von dieser Hand unsre Predigten XL VI — 
XLIX und LIII — LVIII, so wie das alterthfimliche Lehrgedicht in Hanpts 
und Hoflmanns Altd. El. 1, 343—347, in der HS. Nr. 61. El. 147 d 
— 148 c*), das Stück von den neun Herzen Nr. 62. Bl. 149 a. b in 
Haupts Zeitscbr. 2,541 und die Beschreibung der Gestalt Christi Nr. 
53. El. 160 c— 161 a«*) gleichMls bei Haupt 4, 574 fg. Dann die 
zweite Hand 166 a bis 187 d, Nr. 55 bis 62; das letzte Stück wiederimi 
nicht ganz, da hier zwei Blätter weggeschnitten : in diesem Theüe der 



l cfs fi iirdenl fehend 3 vroäen 8 wan fi Goi 
^) Altd. Bl. 344, 4 v. u. libe »t ein Oruckversehea «Utt liebe-, ebenso dort nnd 
weiterhin mehrmals das kleine v vor eingeklammertem so: es ist überall tu 
streichen. 
^*) nach dem untergeschohnen Briefe de« Publins Lentnlns. Anfser der AüMT- 
•eMft IT 287 a. b bat dieae Besohrvibang mueh s 48. Bl. 115 b. 116 a. ' 



272 HANDSCHRIFTEN DER PREDIGTEN Un—LXm. 

Handschrift unsre Predigt XLI und die Gebete 92 — 95. Die dritte 
Hand endlich, die auch erst dem 15. Jahrh. angehosren könnte, hat 
nur von El. 188 a bis 194 b die ietxte Nunmer, den Tractat Von hem 
felphartes reget geschrieben, woraus ein Abschnitt im Altd. Leseb. 
901-906. Von eben dieser dritten Hand aufBl. 194 b die Inschrift 
Dif buch iß fwefter eilzen tröfchin ze adelnhufen, en fol niemer 
hinnan körnen. Von einer andern auf dem ersten leeren YorsAtzblatte 
difz buch iß des Cloßers ctdlenhufen^ und viedernm von andrer auf 
dem zweiten % Difz buch iß des cloßers ze adltnhufen. Adelhausen, 
auch ,)Zu Unsrer Lieben Frauen auf der Pfütze'' genannt, war ein 
Frauenkloster Benedictinerordens bei Preiburg im Breisgau ; jezt liegen 
seine GebAulichkeiten in den Hauern der Stadt. Wie die Besprechung 
der vorigen Handschrift zeigt, hat Z mit derselben den Mehrtheil ihrer 
Stocke gemein; die übrigen alle sind gleicher oder ähnlicher Art^ 
Predigten, Gebete, Tractate, erbauliche Notizen und, wie bereits be- 
merkt, ein kleineres geistliches Lehrgedicht. Der in den Gebeten vor- 
kommende Diphthong ui oder rt für üt oder üe wird vom Schreiber 
mit ti i> ausgedrückt; ebenso ot für d oder oe mit 6. 

LIX. 
Die oben S. 259 fgg. schon besprochene Zürcher Papierhandschrift. 

LX— LXUI. 

Pergamenthandschrjft von 381 Blättern und 82 schon vom alten 
Miniator gezählten Lagen in kleinem Format, früherhin det Cm^thüfer 
zu Baßl und von ihnen mit 0. xxf!>j, Berichtung zum weg der vol- 
kamenheit, jezt der Basler Universitsetsbibliothek und hier mit B XI. 
10, von uns in der Vergleichung mit b bezeichnet. Bis 876 a von 
einer und derselben Hand des vierzehnten Jahrhunderts. Bl. 1 a die 
Überschrift Hie vahent an die genUnten predien der höhen lerer der 
krißenheit und gleichsam als Einleitung dazu Folgendes. 

Lfie meißer fprechent von dem ewigen worte Got gefprach nie kein 
wort me dänne eins Vnd das felbe das iß noch vngefprochen das 
fol man affo verßan Das ewige wort iß das wort des votier vnd 
iß ßn eingebom fun ünfer herre ihefus chrißus In dem havt er 
5 geD^ochen alle creaturen avne anevang vnd ane ende Da wirt be- 
weret das das wort noch vngeborn iß wand es vs dem vatter nie 
belfßfi Pas wort (I b) fön wir verßan invierhande wife S D<u 
erße iß pff det» altar zurifchent des prießers henden Da fbnt wir 



HANDSCHBIFT DER PREDIGTEN LX— LXUL 273 

das ewig wort bekennen vnd minnen Als wir indem ewigen warte 
dez hmelfchen vatter erfchinen fönt Zuo dem ander male fönt wir 
bekennen das ewige wor das da fliufet von dem meißer vff dem 
ftuole Wir fönt ei nemen infiner eigenfchaft Als das waffer fliufet 
dur den kener alfo fliufet das (2 a) ewig wort dur den meißer wir 5 
fönt nicht anfehen ob der meißer ßat inkeinen gebreßen wir fönt 
das ewig wort anfehen infime wefende als es ewekliche gefloffen iß 
cff dem gründe fin felbes S Zuo dem dritte male ßn wir das ewig 
wort verftan an aUen den friunden ünfers herren die dem ewigen 
wort gefolget habent vnd das bew€ert iß indem ewigen lebende 10 
§ Vnd och die die im nach volgant inder zit (2 b) das ßnt alle die 
da ßent mit lebenne in ünferem herren ihefu chrißo § Zuo dem 
vierden male fön wir verßan das ewig wort das da wirt gefprochen 
in die bioffen feie ton der bioffen gotheit das iß tmwortUch wan 
diu feie enkan ßn nit geworten Ir fönt wüffen das das ewig wort ^^ 
fich felber gebirt indie feie ßch felb felber tmd niut minre funder 
vnderlas Wuffent das diu feie das ewig wort bas bekennet dems 
edle (3 a) meifter geworten künnen f Was man geworten mag das 
ift al «e kleine da von hat fi das ewig wort bi einer ftunde ver^ 
richtet § Hie fpreckent die meifter das wir biUich fönt ilen suo^^ 
der fchuole da der heiig geift meifter ift Wiffent wa er fchuot^ 
meifter fin fol da wil er die ftudenten wol bereitet üinden das fi 
fin edel ler wol verftan mügent diu vff des vatters hertzen fliufet 
Nu hact diu feie üb fi wil den vatter vnd den fun vnd den (3 b) 
heiigen geift da fliuffet fi indie enikeit da wirt ir geoffenbaret blas ^^ 
inblos das fprichet ünfer meifter Das nieman hie zuo kumcn mag 
die will er von nideren dingen als vil anhaftunge hat als ain nadelen 
fpitz getragen mag In die bioffen gotheit mag nieman komen er en 
fi denne niuman als blos als er was do er vffer gotte geflmfit ward 
Hie fprechent die meifter vnd gent uns einen wifen rat Das wir 
got ßn ere (4 a) laffen vnd enphahen von im alliu ding funder 
mittel vnd niut von den creaturen alfo laffen wir got fin ere vnd 
laffent in würken fwie er wil vnd fwenne er wil vnd ßn wir ßn 



30 



7 die Handschrift ifinne 14. 15 trän feie enhant, h in k gebe&ert. Ir fönt] 
von hier an auch in ß (s. zu LXLY) 256 b 16 ficfi felb felber fehlt B. 

19 fieh b. 19. 20 bericMel B. 21 meifter] lefmeifler B. fin fol] iß vm 
fin fbLh. 25 ^ — enUeeit fehlt B. 26 Berzuo fpreckent die meifter B. 

27 naUdeUn b. 29 nttniMifi fehlt B. vs ed ßosse B. 30 fpradient b. 

31 von] wir b. 32 milter b. von creature B. 



274 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN L<— I^XHI. 

iidig rnd blas S wand toir fön da» bekennen Das got tnot anin 
ding vmb das befte Hie fön wir doch gotte helfen ßn ere behtilten 
als verre es an uns iß S £(Vi meißer fprichet das ein küng ninl 
eil achtel vf die knechte die im würkenl nidriu (4 b) werch mer 
6 er achtet der die da ßnl infin^ heimlicher kameren Vnd tuot den 
akemale iren willen f Alfns tuot got mit finen rfferwelten frinnden 
die da fint inßner verborgenen heimliheii den eerfet got enheiner 
bette Die meißer fprechent das vH Hüten sehimelrich komen die 
götlicher hemlicheit nicht me enbrnchent vf ertrich denne als einer 
Idder Hechten fnnnen in einem vinßeren walde her vmbe ßn wir 
bereen rf das aller hmheße amd (5 a) das volbringen mit lebende 
end mit groffem willen 

Darauf vier Prediglen von BrtiderlEghart. El. 44 a Hie cahent 
an die ewangeUen die man lifet t)on dem heiligen abent zewich- 
nechten rntz ze Sßeren; bis 112 a. Von ebenda an bis El. 191 a 
eine neue Predi^reihe, vier von Bruder Eghart (dartns unsre LXste 
nnd LXlste), eine ttberschrleben Der von Egwin, zwei Der von ßemen 
gaffen (LXll), eine Bruder franke von kdlne ; dazwischen auch Aus- 
züjre Von der minnende Sele, W% di feie haben fol, un<l unilber- 
schriebne. Bl. 191a bis 280 b nur Auszüge nnd kleinere Traclate, 
meist rubriciert Ein frage oder Es ist ein frage. Dann wieder 
Predigten: Der kraft von Boyberg, Der ron ßemengaffen hat die*) 
geprediet (LXill), noch eine desselben Verfafsers und eine von Bt^uoder 
Eghart; bis 264 b. Nun wieder Auszüge luid Traciale; darunter 
auch folgender 



Von den zweln leben marthen vnd Marien 

XLTlich pniofent alfo dz märten leben beffer fi vnd nützer fi denne 
marien leben Dz Iß aller beß dz ßch aller meiß gemeinet dz iß 
\6war Nu merkent alle ding fin volkomener iniren erßen fachen als 
da vor betcifel iß Da ton iß alles guol gemenlich vnd alzemal 
inder (342 a) erßen fache die got felber iß Der ßch denne zuo 
got aller meiß funder mittel fuoget der gemeint fich aller meiß 
Dz werch iß ovch aller edeleß des obiecht oder des gegemvurf 



1 tnd blas febli ß. bekennen] wiffen B. 2 ßn] fi b. 3 iß] ßel B. 

4 werch] ding B. 5 (tttet b. die] dir b. kamer in ßm heimlichen rotte B. 

6 got ßnen Hepßen friunden B. frf&nUe b. 8 bHte] bis hieher B. 11 vfd^nlf 

*) nvmlich ptedie: vgl. die AwlaCfung von ehan$em A\Xlt. Lieder S. 191* 
15 iniren] die Handschrift % ren 



RAUDSOHRIFT DER PREDIGTEN LX— LXIH. 275 

ailer edehft ift end vnuermitteii Marien wervh ßtU all eermittelt 
Der würket oech aller beß der gottes toUleft^ toarlet alier tneiß Vnd 
dem ift gekorfam vnd nnderiemg meime lidenne def götUchen u>erke$ 
Sivie der menfcke vf der C842 b) zit fi ane alles wiirken Doch totrl 
<fo me gottes lob fürbraekl denne in allen den werken diu aU die 5 
kriftanheit mag gewikrken fo vil gol hoher ift vnd edeler denne die 
creahtre fo vil ift dz göilich werch edeler denne der creatwre Diu 
warheit hat felber dller meift gelobt vnd bewifet der fchovwenden 
leben Er fprach zuo Marien do fi klagte von itre ftoefter marien 
dz fi fi lies allein dienen (843 a) Maria maria du bift forgvaiüg 10 
vnd betmebei in manigvaliikeit mer eins ift -not Maria heil erkom 
den aller heften teil Er bewifei es ovch do er fprach Veri adora^ 
iores adarabnnt patrem infpiritu et veritcUe Die waren an better 
die fuln den vatier an betten im geifte vnd in der warheit Da von 
muos gefclieiden fin elliu manigvaltikeii indie einikeit bloffer wof" 16 
heil Die menfcheit ünfers herren diu (343 b) wart na funderlicher 
warheit von gegenwirtikeit ab gefcheiden Dz bewifei ovch dz ewan^ 
geUum Do ünfer herre fprach zuo finen lungeren Expedit vobis vi 
ego vcutam nifi enim ab iero pairactitus non veniet fpiritus veritaiis 
S Es ift ivch nütze das ich van ivch ge Ift dz ich nit von hch 20 
ge entriuwen fo kumet niut der götKch trtvfter der geift der loar« 
heit den der vatter in minem namen fendet Swer den fun dz ewig 
wort (344 a) vinden wil der muos in vinden indem vatter in eini- 
keit der gotheit Ihefus dz ewig wof*i fprach Ego ei pater vnnm 
fnmus Ich vnd der vater fin ein Er fprach ovch zuo phiiippo Non 25 
credis quia ego in paire et pater in me eft f Gelovbft du niut 
Won ich in dem vater bin vnd der vater ift in mir Er fprach Uns 
ovch ein irceftlich wori zuo finem vater von finen lungeren Vater 
als du mich fantoft indie weit fo fend ich fi indie weit Vnd (344 b) 
ich machen mich heilig vmbe fin dz ovch fi geheiligot werden Inder 30 
warheit Mer niut vmbe fi bitte ich alleine mer vmbe die wele ge^ 
hebig fin an mich dur ir wori dz fi alle ein fin als du vater in 
mir vnd ich in dir dz ovch fi in uns ein fin Do ihefus ünfer herre 
gienge zuo Marien magdalenen do bekan ime engegen ir fwefter 
mariha Do fragte ünfer herre zehant wa maria were wan fi wz 35 



2 äer] des b iSb 7 der] die 8 gei^bi 10 Luc. 10, 41. 42. 
12 Seh doch do Ev. Joh. 4, 28. 16 wirl 17 ven\ vn 18 Ev. Job. 

16, 7. 19 vHatr^näi u 24. 25 Et. Jok. 10, 30. 14, 11. 28 Ev. Joh. 

17, 18-22. 35 Ev. Joh. 11, 28. 



276 HANDSCHRIFT DER PRBDI6TEW LK^LXUE 

/tu gefpuntCS4b a)i5e er kan nii mit Marthen fponueren noch denne 
fo diente ß ime flißekiich vnd mit groffem emfte oeeh u)z es ime 
geneme doch wsb ir dienft alier vemUtielt vnd vfferlich imnamgvalti' 
keit Dz cUUr minfte geifiich vnd innerlich voerch iß vor got groffer 
6 denne das aUer grtBße voerch dz gottes marterer von vffen it ge-^ 
litten Do iheßis zno Marien kam do fas ß zehant zuo ßnen fueffen 
vnd horte da diu wort (345 b) des ewigen Wortes Do kam Martha 
vnd kickte über marien ir ßceßer Dis wz bi den zitten ünfers 
herren vnd gefchit noch dike dz die die märten leben hant dike 

iOklagent und redent von dien die da ßent nach marien leben Wz 
tet Maria ß ßveig wan ß wz fo vU mit der minne bekümbert dz 
ß niut enachte do ß ßoeig do tmtwürt ir gefpnntze ihefus für fi 
Swer noch behalten wil dz fchovwende leben der (346 a) muos 
fwigen behalten So ift ihefus der fürfpreche alle zit Vnd an allen 

15 ßetien. 

So bis 376 a, wo die Schlufsunterschrifl Swer niut fcriben kan der 
enwent nit dz es kein arbeit ß Drie vinger fcribent aber docJi der 
lip arbeit mit an ander. *) Auf den jezt noch übrigeo Blattern von 
anderer Hand allerlei Kleinigkeiten durch einander. So 377 a 

dis nnt die .viK heiUkeit 
tovffe. ßrmvng. rivwe bikte vnd bvoffe. der heiUg fron lichamen 
itnfers herren, prießerlich ambacht. die heilige .e. der ivngfte tovf. 

dis rint die •vlh tot fOnd 

20 Hoffart, gittikeit, vnkivfchikeit, zorn, frafheit. nid vnd haffe, trakeit 

an gottes dienft 

(377 b) dIs not die .vilü. fHlmden fflnd 

der do keifet, ratet, gehillet. teilhaftig ift. befchirmet, lobet, fwig^. 

verhenget, vnd der ovch belivmdet den andern, die begand frömd 

25 fünde, 

dis niit die »v* flnne 

geßcht, gehodrde, gefmak. verfvochen in dem mvnde. vnd berverde. 

dIs flnt «YÜ« graben des iieiligren g^eiftes 

götlich forcht. götlich miltekeit. götlich kvnft, götlioh rat. götlich 
SO ßerki. götlich wißeit, götlich verftentniffe. 

2 dien9 6 f^iffen 12 fir 14 fürfpreche 

^) Erneuerang und Verdeutschung einer lateinischen, die anderweitig und schon 
sehr früh begegnet: Qmx n9$eU scriöere non pulat esie laborem. tre$ enim 
digUi scritmnt^ totum corpus laborcU SGallischo HS. der Karolingeneit, An 
Gesch. V. SGallen 1, 187. vgl. die Wienerischen dej 15 Jahrh. in IIofiteaBAs 
Veraeichniss 151. 268. < ' 



HAÜVDSCHRIIfrEN DER PBEDIGTEN LXOI^-^LXVB. 27T 



dis flnt^ (878 a). die #yI* werk, der evbarMlierskeit 

Spifen trenken, kleiden (üe armen, . herhergen die eilenden, gefehen 
die ßechen, trcdftßn die getangenen. pnd begraben die iQten ,\^\ 

•dl8 not die «vüL f^illieit 
armvoi des geifles. fenflmeetk^t. weinen, erbannherzkeit. ßn hvngrig 5 
vnd tprftig nach gerecktikeiU eins reines her^^n ßn. fridfam ßn» 
liden vmb gereohtikeiL 0. iefes lieber herre min. din eigen fciil ich , 
iemer ßn. vnd vellel anders ipt d(vr in. das. iß nivt des wiUen min* 
bit got für mich 

Ein auf der nsechsten Seite folgendes E^^perpt ka( die Überschrift 
dis iß von dem von Wifenbvrg. Beide Schreiber üben auch die 
Barbarei solcher Wortiheilungen wie oben auf S. 258 erwähnt worden, 
z. B. ande\rs foi\rt manigvaltikei\l fr\agte. 

xxin. 

Die verglichene Handschrift £ ist Nr. 278 des Klosters Einsiedeln, 
Pergament, Quart, 14. Jahrb., woraus mir Pfeiffer eine Abschrift dieser 
und auch der vorangehenden Predigt Br. Johanns von Siemgafsen. 
mitgetheilt hat. LXIll steht da von S. 186 a bis 190 b, LXII 293 a 
— 297 b und noch einmal 305 b — 310 a. 

LXIV— LXVn. 96. 97. 
Unsre Handschrift B, vormals der Karlhäuser zu Basel (auf cfem 
Vorsalzblatte Über Carthuß bäfz TL das buch der'göllichen troßung 
C .aJtujÖ, jezl BIX. 15 der Universitaetsbiblioihe&; Pergament, Üeiii 
Oüart/287 Blätter zu vier Spalten, &is auf die letzten anderthalb 
Sjmtteh von derfelben Hand des vierzehnten Jahrhunderts und mit 
Ziernchkeit, ja mit Aufwände geschrieben: selbst die gehäuften iihd 
oft etwas wilTküflicheh Abkürzungen ^) niäcKen,, wie sie gehändhabt 
sind, einen kalligraphischen Eindruck;« für /"im Beginn der Worte 
urid dier Silben gehoerl' wirklich der Schoehschrift aii. **) Die Be^ 
nutzung des reichen Inhaltes wird jedoch dadurclb erschwert, dafs'äie 
Handschrift ' Verbunden isl. Den Anfang macht, wie die Karthäuser 
aus brthum oder um der Kürze willen die ganz^e Sammlung betitelt 
haben, «in Buch der gditlichen Trcestung. 

») t. B. mich dich fich in m 'd i, mir dir in ih % mü iifr> m n, [prichH 
in /|Sx, hatmhXj friheU udgL in /HA^, vfU in v; menfehe wird auch hier 
(s. oben S. ^^2) in ^ oder m nbgekünt , der Umlaut langer und kurzer o 
meist Ol, «taU w nicht selten, ganz alterüiümlich uocb uu geschrieben. 
**) wie .auch unser Schlu&-f u|rs)uränglich nur eine ausschmückende Yertauschung 
ist gleich. der des n am Schlafiie. gegen n. 



278 HANDSCHRIFT DER PBBDIGTEN LXIV^LXVU. 

BenedlrlMs deus et imter domini uoflrl ihiM (so) 

ciifli« &• ca« 

Der. edel, lerer. SÄNCTVS. PAYLYS. der spricht Dißu 
wort alfo inßner epiftel Oefegenet st got amd der tatler pnfers Herren 
ikefu ehrifti ein uatter der barmhereikeit f>rU got aUes troßes der 
rm trtxftet inaflefn vnferm betrueptnüffe. Nu iß drierleije betrueptnüs 
5 de den menfchen änuallet Pfil trenget in difem eilende. Eines iß an 
dem fchftden ufferliches gnolet. De ander iß anßnen liebßen 
ßriunden. De tritt e iß an im felben an ßnacheit an engemach tmt 
an ßnercen des Kps vnt an Mt des hercen 

Uervmb so han ich willen an difem buoch ceteren etliche lere inder 
\0 ßch der menfche troßßen mag inallem ßnem rngemach Betrueptnüs 
vnd leide. Vnl (1 b) hat man etliche warheit dar vs vnd do von 
geuomen wirl de den menfchen bUlichen vnt gentzeclichen getrcßßen 
mag inallem finem leide. Dar nach cindet man bi ,xxx. fachen 
vnt lere inder iecUcher alleine ßch der menfche wol getrcßßen mag. md 
15 darnach vindet man indem tritt teile des buoches bilde vnt lm*e anworten 
vnt werken die wife Hute hani getan vnt gefprochen Alf sin warent inleide 
Im besten und gewandtesten Stile der altdeutschen Mystik und Ascetik ; 

auf den Verfafser iiihreiv vieileicht die Worte ouch han ich etwenne 

.1 

ein offen gelichnüs gefprochen. So ein meißer bilde machet von holtz 
(26 p) oder von ßeine er treit de bilde nit in de holt^e mer er 
fchnid^t abe die fpene die de bilde uerborgen vnt bedecket hcUten. 
^ git dem holtze nit «f benimet ime vnt grebet us die d$cke vnl 
nimet abe den roß vnt denne so glent%et de dßr pnder uerborgen 
WC. Dis iß der fchafze der uerborgen lil indem acker äff vnfer 
lierre fprichet indem etr,flngelio. BI. 29 a J^expUcit liber benedictus 
wie d^r Miniator mit Rückbeziehiing auf seine Überschrift sich austhrttckt. 
Folgt e^ie Reihe erbauh'cher Sentenzen und Aoecdoten, Predigtaiiszüge 
upd Predigten: danmter unsre LXlVste, welche wie oben S. 263. ^68 
schon erinnert worden stellenweis mit XLIII und XLIX sich berührt. *) 



2 Cor. '2, 1, B. 4. 11 Vh vom Minmtor aus in gebefiien, 

"") LXIY, 69—75 kommen aiicli (es sind KwUobte . Worte feweioi) um SeUiiCfo 
von Z 28. i4 61 vor ; so in Z : alfo fprichU vnfer herre. Ich vnde div feie 
fvn eine wonvnge mit ein andir han. Üenne fprichU div feie, Nv hob ich 
in trgriffih^: ich enwtt in niemir fhe vertaten fo hei jff in ergrifffn. aXfe ß 
fprichU in Hme (mache ich han min Hep ihefUm otpriftum getangen vnd 
han in geieU in mine feie, rnd ich trage min vxzer weUii liip de oherefte 
guet vnder minen hrüften atfe ein mirre Ifürdeti {gelHlndeHn A). da ift 
gtvuegUdc Hge tedem honige. der yfnpo zro dem InUßmvm. div ¥iahiegal svo 
der harphen. der hirz ze de tu e wegen hrvüHen. dir phne ie denUtekteH fvnnen 



IIANDSCHRIET , p^R PR^OIQTKN I^XIV-r-I^X VU. 279 

« 

Bl. 51 c Hie beginnet von der hieligen (so) aliuetterlere: Sprüche 
der s. g. Altvffiter und kurze Erzähiongen von ihiien, beide ausgezogen 
aus den VUis pairum oder einer Verdeutschung derselben (vgl. die 
Altd. HSS. d. Basier Univ. Bibl. S. 57. 58 und Karl Roths Dichtungen 
d. deutschen Mittelalters S. 39. 58); Bl. 142 d Ein ende der ueter 
lere. Nun wieder eine bunt gemischte Reihe gleich jener ersten, unter- 
brochen von einem groefseren Werke leht'hafler Art, dessen Anfang 
beim Binden auf Bl. 197 b ^rathen ist: Hie uahet an ein buechlin 
de heiffet ein fwnma der tagenden tnt man eindet in ime gefchriben 
volkomenheit aller lugenden in den man ßrh gote neliet tont den 
Untugenden terret tnt warnte diu minne ifl ein übergiilte volkomenheit 
aller tugenden do von so si de beginne von der minne vnt dar na 
von den andern allen als (197 c) hie underscheiden ift u. s. f^ ]^ 
vielgelesenes >ielgebrauchtes Buch: Stücke daraus sind auch in di^r. 
Seele Spiegel übergegangen (Mones Anzeiger 4, S|70, 41. 42); andere 
finden sich in s (36. Bl. 80 a — 81a), besonders zahbreich aber in 
der Basier Papierhandschrift 0. I. 19, einer Sammlung, die mit B 
gleichzeitig und ihr überhaupt ganz ähnlich, nur weniger umlafsend 
ist, und in allein Gemeinsamen so bis auf den Buchstaben zu ihr sthnmt, 
dafs wo nicht O aus fi, dann beide aus der gleichen Urschrift müfsen 
geschöpft sein ; das Buch der göttlichen TroestuAg fehlt in 0. Aus der 
Sununa der Tugenden zur Probe ein Abschnitt der theilweis auch in 
O entkalten. 

Von flrlhelt 

Friheit uuar vht MoOtomen ift de man vngebwiden si von f&nden 
toanvie ß iverlichen die seh hindent alf künig saloinon fcki*ibet i^l 
maehent den tnMfchen eigen alf vnfet herre ihefits chriftus fpribkäi 
wer fünde tuot der ift der fänden eigen alf eih- wifer meifler 
a99fhelmus fpricbei. Sünde tnon ifl kein friheii nach tin flükkedtr 5 
friheü flmder es ift din fnade eigen fchaft Von dirre (148 a) 
eigensehaft ennutg meman frie werden ulf er felben fpraeh erloßfet 
iuch der sune so werdent ir werÜrhen fri 

(iteüuär friheit Imt der menfche der nit begriffen ift mit begirden 
uueltlicker habe noch mit lobe noch mit gunfte der Hüten noch mit 10 
eigener ere noch mit liplicher frivntfchaft noch mit knecMicher 
vorchte noch mit uuolluft uueltlicher oder zergangclicher froeden " 



2 Proverb. 5, 22. 3. inachH d. h. machet B. 4 £v. Job. 8, 31. 7 Ev. Job. 

ö,'^. .... 



280 HANlISCHMFr DER PREDIC?PEN ^ LXIV-LXtn. 

• MA%io der minne uuarer friheit 9ol uns iringen götliehe ordenunge diu 
dem menfchen xuo eim Urkunde der friheit gegeben kai frien uuill^n 
vnt den menfchen daran im felben aller gelicheft gemachet hat de in 
nieman betwingen mag alf ouch got nieman betwingen mag. von dirre 

5 friheit fprichet got felben. ich feinen dir für waffer vnt fiur griffe in 
Weihes du uuelles. vor dem, menfchen fo fiel übel vnt guot tot vnt leben 
vnt uuelhes er begertdc wirt im 

jLber zuo uuarer friheit kumet der menfche ane xuuivel der mit den 
gütlichen gebotten vnt mit ratt vnt mit ßnen gelüpten die er (148 b) 

10 got gelobt hat ane vnderlas sin herce vnt sin gemuete bindet zuo gölte, 
de er alfo niemer von got kere. der ßn ßnne vnt fin herze entziuhet 
von luftlichen dingen der ßn lidmaffe mit keiner itelkeit noch mit 
vnnützen dingen vnt uuerken bekümpert der de ioch der gehorfamkeit 
von herzen minnet der mit allem flis darnach ßet wie er got alleine 

15 uieolbehage vnt einer ieclicher lügende nach gat uf de allei' hcechße 
vnt zuo dem aller meiften zelobe vnt zeeren dem geminnoten vnferm 
Heben hem ihefu chrißo. vnt ie me der menfche an difen tugenden lept 
it frier er wirt vni so dem menfchen ie lieber iß xuo difen dingen so 
er ie fchierer geuuar friheit geuuismet vnt ie me er dar an uuachfet 

20 vnt würtzelet ie gelieher er finem erften adel lebet, wer aber früichen 
lebet in dirre uuelt nach finem uuillen so er meiß . mag der uuirt 
gevangen mit mangen ftricken dez tiuuels. vnt so er aller frieß fchinet 
so ift er aller meiß eigen (148 c) 

Urkunde der friheit hat der menfche der nit der dingen begefH die 
25 in gentzeclichen von got vnt von finer heinüicheit funder ent vnt uerrent 
alf diu meifterfchaft in beküMerl vnt'fdrge vmb uueltliche habe groffen 
fiiffe vmh uueltlich vnt lipliche gemach vnt. itelkeii des he^eenvni der 
fitte iß bekümemiüs an mangerlei gefchefte.derjiutenwiffentheitent^ 
fchuldigung^, vnt minren eigen gfpreften offen,b€srwi$ vnt bemfunge 
^0 ander Hüten geprefien .^ . \\ • 

Ji/in ander Urkunde uuarer frih^t hat der menfche der ficherheil hat 
an dem hercen de im goU^ alle ein fiinde habe uergeben vnt die^pine 
der fchulde. Die ficherheit kumei von innikeii dez her cen.. wanne di^ 
hitze gütlicher minne gat vmb in dem hercen alf de fiure in dem^ uuinde. 

35 vnt machet in der innikeii vnt in der hitze des gebettes dem menfcheif 
uuare friheit vnt trofte der do vor wc kalte vnt bleiche. Div (148 d) 

' ' ' hitze uerdilgel beidiu hitz der begirde füntlicher flecken vnt huoffe an 
dem hercen alf de fiur uerbrennet den roß von dem ysen 

Urkunde der eigenfchaß vnt gevanchnüs hat der menfche der do haffet 

40 de ioch der gehorfamkeit der do nit uerguot hat die minnclich bere- 

■ ■- - - — ■ . ■ ■ ■■--■-■-■■■- ■ . ■ ■ ■ ... 

5 Ecclesiastic. 15, 17. 25 in] im B. 26 in] iß B. 39 von hier an 25 b. c. 



HANDSCHUFT DER PREDICrEN LKETU^LKVII. ni 

fpunge vnt die liepliche warnunge finen eben menfcken der do ftetedichen 
grifgrammet vnt trachtet vmb rekche fines mdermuetes Der uii4fnu߀ 
enpfahet ran lobe von meifterlicher kunfl vnt widerfnuot von betrueppiU'y 
Dem do wol ift zuo den dingen de wider got ift vnt wider sin eigen 
uuiffen rnd wider sin meifterfchaft, den do lüftet cenemen oder cegebeni^f 5 
deinader, vnt zefehenne oder zeh(tren der minne hnefe vnt die Hep*" 
liehen mit luft enpfahen. Der aller engfte ftricke des tiuuels de ift 
rleineede vnt minne briefe gern fenden vnt enpfahen Abei* si heiffent 
nit minne briefe si heiffent vil me des tiuuels botten, wanne hie von 
fpriehet ein wifer man deinceder (149 a) nemen ift friheil uerkouffen 10 
vnd der guot iob fpriehet de pur fol freffen der Hüten uuonunge die 
do geren deinceder nement de ift de fiure der falfehen minne vnt der 
minne volget eigen fehaft vnt de bant der geuanenüffe, aber von dem 
der do gern deinnceder git fpriehet künig salomon in finem bupehe 
Der do gaben git der eruuirbet itel ere vnt uuirdekeit do von vnt nimet Ü 
den ir feie die die gäbe enpfahent. Ein ieeliches dirre faehen benirhet 
dem menfehen fin friheit von dem herzen vnt bringet in in iemerliche 
eigenschaft der geuancnilffe, wanne icelher menfche mit keiner dirre 
faehen begriffen ift der mag fin herce nit gemueffigen zuo gottes 6f- 
kantnüs noeh gebruchen der heimlieheit noeh der einunge mit friheil 20 
fines hereen. wanne wer si begriffen fol vnt fieh gentzediehen uereinen 
mit dem frien vnt vngeuangenen vnt vnferbundenen gotle der bedaff 
wol eins frien vngebundenen herzen wanne got wil han ein fries 
(149 b) vngebunden vnt vngeuangen heree 

Unler die wiederum folgenden kleineren Stücke, meist Sentenzen vöii 
Kirchenva'lern, von Theologen des Mittelalters (daraus im Alld. Lese- 
buch 889 — 892 die Sprüche i -vii, und das Gespraech zwischen Br. 
B^'rthoUl und Albert dem Grofsen in Haupts Zeitschr. 4, 575 fg)*) 
und von Philosophen des heidnischen Altcrtliumes, sind üuch ^inigß 
von grcBfsereni Um&ng und andrer Art eingeschaltet : so die Predigten 
oder Predigtauszüge LXV — LXVll, die Gebete 96 und 97 (ersti^ftes 
auch in 38 c. d), ein Gedicht Bl. 191 d—lf2c Got ift einwefen 
de ie WC ein Hechte des fchine .noch nie erlafch u. s. L Den Schluf« 
der Sammlung aber macht nach einer Aufzählung der Wunder die in 



^ * 



11 iub 15, 34. 13 dein] den B. 0. 14 Prov. 2?, 9. 

^) Exccrpte dieser Art in denen B mit b zus^niinenirifTt Tuiden siuli ßufifer *\^n^ 
oben S. 273 verglichenen Stücke noch auf BK 256 d. 257 b. 260 a: das erste 
ans einer Predigt Br. Eckards b 25 .b, das zweite aus einer Predigt des von 
Sterncngafsen b 177 n, das dritte ans einer Abhandlung Von dem belsaiit'' 
nüffe b 226 a. B nennt auch die beiden ersten Male den Autof dc^'SpHicnes 
nicht: sie sagt nur Der meißer. Wir kommen in der nipchs!cn Abhandlung 
imf dieie Sprncheieerpte xiirftcli. . 1 1. < - 

Altd. Predigten. \^ 



282 HANDSCHRIFT DE» PREDIGTEN LXIV-LXVH. 

der Geburtsnacht Christi geschehen die Schilderung von Christi Ge- 
stalt und Sitte welche auch in Z und z enthalten ist: s. oben S. 271. 
In stehn beide Stücke gleichfalls so am Schlufs, Bl. 57 a — 58 a. 
Jenes vorletzte lautet in B Folgender Mafsen. 

Lßifiu wunder befchaheti ander nacht do vnfer heire geboren wart 
Das erfte die wingarten zuo ierufalem die brachten frucht wie ef doch 
Winter was Das ander diu funne erfcheine cemitter nacht über alles 
ierufalem vnd erluchte alle die nacht Das tritte diu venfter des templs 
5 entfchluffent fich imt tatent [ich uf das si enpßengen das (285 d) wäre 
Hechte Das vierde ift alliu diu tore diu cebetleem waren vnt ouch diu 
vetifter diu wrdefi an difer nacht offen funden Das fünfte cebethleem 
do entfprungen brunnen von cele von der erden Das vi. der behalter 
machote gefunt der nacht alle die bettrifen vnd blinden xnt ander 

10 fiechen die do cebethleem waren Das vii, ein lebender brunne der ent- 
fprange andem wege do die Hute hin giengen Das viij» ander naht 
erwachotan alliu menfchen in einer ftunde vnt ftundent vffe Das .ix, 
ander nacht do hatten sich der nacht cebethleem verfamnet alle die 
wifen meifter die inaller der weit waren wan diu gewar wißeit wart 

15 der nacht geboren Das .x, vil kindlin diu erfte geboren warent vnt 
ouch diu alfo dein warent das siu noch fugen diu lopten got an difer 
nacht. Das uri, inder nacht do erluchten die fternen alfo fchone das 
die Hute duchte das man (286 a) wol ein kercen dar an hetti enzündet 
Das xij. indem lande iuda do wart ein krut indifer nacht funden das 

20 was fueffe alf das honig Und das xiij. ein fterne erfcheine andifer nacht 
den trien künigen v7it fchript fant lohannes crifoftimus das die trie 
künig vf einem berge warent. vnt bettotan vnt erfcheine in ein fterne 
der hatte eine vorme def aller fchomften kindes tmt erfcheine dem kinde 
ein criuce an dem houpt vnt das kint reite mit in vnt hiesse das siu 

25 fueren indas land iudeam do were das kint geboren ein behalter der 
weit vnt ein fürftlichen künig der iuden. vnt do so funden si das kint 

Aber das xiiij, man fach zuo dem uf gange der funnen drie sunnen 
mutffeclichen. do geeingotant fich die dri fvnnen vnt wart ein funne das 
beceichenet das sin heiliger lip vnt fin sele vnt sin gotheit vereinet sint. 

30 (286 b) Unt das xt\ die wingarten von engadia die den balfatne 
bringeni die bluotent der nacht vnt brachtent frucht 

Lßer prophet ieremiaf der gab den von egipten ein ceichen wenne ein 
magde ein kint gebere fo würden ir apgötte alle niderfallen vnt do von 
nament die ewartefi vnt machotant ein magde vnt falzten der ein kint 
35 an ir fchos vnd das fatztent si indtn tempele in ein winkele vnd 
bettotant das an 



24 äoi vor kifU fehlt in B und 0. 27 xitf. B. 31 bilenl B. 35 falsent B. 



H ANDSCnRIFTDEN DER PREDIGTEN lliXIV^LXIX. l ' 288 

hjihilla diu hotte ouch gewiffaget icenne ein braune von oele entfprüngi 
fo minie der ttehalter geboren 

Lfas .xvij. man lifet von trien künigeh. Der eine hatt ein cederbovnie 
dem truochfe in dem dolden ein platter. Do gebot der künig bi fineti 
fluiden dajt die platren nieman breche, vntman ipar neme ("286 c) was 5 
da werden wcelt 

Aander nacht vnd ander ftunde. do got menfche geboren wart do brach 
diu blattei' affo hife da.^ der künig encachte rnt ouch diu küntginne 
rnt altes ingefinde rnt an der ftunde hien der küng zuo der platterofi 
fehen, do voa^ darrs geflogen der all ei' fchmnfte cogele der i> gefehen 10 
icart rnt >r fang mit einer fueffen menfchliehtr ftimiffm difiu wort an 
der ftutuie do ich vs der platteren flog so ift geboren vop einer magde 
ein behalter aller der weit Das jßriij, 

Uer ander künig hntte ein ftruffe der b^ruote ts zwei eyer der felben 
nacht rnt vs einem ey, fctdorfe ein teowe siio einet' urkikide goit^f 15 
menfcheit uf erftan an dem triiten tage, vs dem andern ey ffhlovfe ein 
lemblin zu einem erkunde vnfers (286 d) herren vnfehiUdigen fn^nfcheit 
Das ,xix 

Lfer tritte künig, def elichiu frouwe gebar der selben nacht ein kint 
do das erfte geboren wart do fiuont es xf für muoter vnt üaittr vfit 20 
fprach ander ftunde do ich geboren ttart do wart gebaren von einer 
magde der behalter aUer der weite vnt wirt xxxi{j, iare leben,, vnt 
denne andern criuce erfterben für mich vnt. für alliu menfchen vnt alf 
war das ift das ich nU wanne ,xxxiij tage leben alfo war ift ouch da^ 
das ich ran ime gefeit hau vnd das befchach ouch alfo Das xx. 25 

L'nt man lifet das Inder hunen lofit das warent gar übeltetig Hute do 
viele ein gros hagele inder nacht Aber under andern fteinen desselben 
hageles viel ein ftein der was gevormet nach einer fchoenen iuncfrouwen 
rnt diu hatte ein kint an ir fchos Den hagelfteine leident die hunen 
zuo dem pure vnt andie funnen vnt wolt nie verfmeltzen. vnt do siu 30 
(287 a) in nit uerfmeltzen mochten do fatzten sün inä^n tempele in 
ein winkele Vnt an der ftunde dt) dm menfcheit ' ihefu chrißi an' firh 
lip erftarp andern criuce do rerfmaltz Ar ftllei' erfie' vnt fiel nider 

LXVlll. LXiX. 

PapierluindKchrift in O^i^rl und aus dem vior/.ehnten JahrhitndcTt. 
dem Krawenkloster Benedictinerorden«, das im Jahre 1254 zu Engel-» 
berg ir*^slinel und im Jaliro 1615 von. Ma nrteh Sarnon verlejjpt wol-den^ 



1 du Aj 0. du Hz du hatte B. 13 Dax jriiU- rolh B. fehlt 0. 17 nifchul- 
dig B. 18 Das .xix rolh B. fohii O. 25 Da«" nro*. rotii B. feKYt O. 80 dem 
feyt B. 0. 31 /aiMiUn B. . • 



284 HANDSCHR. DER FRED. UND 6EBETB LXVm— 74. 

angehoBrig und nebst anderen Handschriften des gleichen Besitzes mir 
durch zuvorkommende Vermiltehmg des ehrw. P. Konrad Frunz, 
Grofskollners im Kloster Engelberg, zur Benutzung überlafsen. Es 
haben an diesem Codex, den ich spaeterhin Sa zu nennen denke, 
nicht weniger als fiinf Hände geschrieben: die erste vier Predigten 
von Bl. 1 a bis 40 a; die zweite, die dritte, die vierte nur je eine 
40 b— 51 b. 52 b— 56b. 57 a— 61a; die fünfte zehen 62a— 144b. 
Ursprünglich vielleicht noch mehr als fünf: denn wohl die Hälfte der 
Handschrift ist verloren gegangen, so dafs auch von der letzten Pre- 
digt nicht viel mehr als nur der Anfang noch vorhanden ist. Von 
den übrig gebliebnen zehen des fttnften Schreibers sind die zwei 
ersten (über lob 28, 10. 11) am Feste S. Benedicts gesprochen; die 
drille und die vierte behandeln Ev. Luc. 11, 24; die achte und die 
neunte Ps. 96, 3 : jedwede in andrer Art und Weise der Ausfilhrung. 
Unsre LXVlIlste und LXIXste sind die sechste und siebente dieses 
letzten Schreibers. Neben monfche oder monfch setzt auch er für 
dieses Wort ein blofses M, vgl. oben S. 262. 277 Anni. 

LXX. 

Aach eine Samerische Papierhandschrift in Quart und der vorigen 
gleichzeitig: sie rührt zum gnBsten Theile (Bl. 1 a bis 62 b. 93 a 
bis 293 a) von der fünften Hand derselben her; daneben noch drei 
andre 64 a bis 92 a. 201 a bis 203 a und 204 a bis 212 b, dem 
Schlufsc : diese letzte spaltet die Seiten. Von 1 bis 62 sechs Predig- 
ten, die vierte und die fiinfte über Ev. Luc. 14, 17; von 64 bis 9 2 
ftlnf; von 93 bis 203 neun; von 204 endlich bis 212 zwei, wiederum 
beide' über den gleichen Text, Cant. 1, 3. Unsre LXXste Predigt von 
der zweiten Hand, einer ebenso widerwärtigen, als die erste durch 
saubere Sorgfalt angenehm ist; menfch fast überall in .ilf. abgekürzt ; 
am Worlschlufs lange f wie im cod. ä: vgl. oben S. 262; zuweilen 
auch eben splche Wortbrecliungen : z. B. w6\lti kru\lzgi re\vhiu. Ich 
bezeichne diese Handschrift spazier mit Sb. 

LXXI. LXXII. 

Pergameoibiatt des fünfzehnten Jahrhunderts, Folioformat, die Seite 
von zwei Spaitea ; im Besitze HoiTmanns. Ein früherer Abdruck dieses 
Bruchstückes in den Spiriial. Theotiscis 11 — 15. 

73. 74. 

Handschrift des Klosters Engelberg H/^i? Pergament, 128 Blätter 
in kleinerem Ortav, \ox\ Einer nur etwas ungleich arbeitenden Hand 



HANDSCHRIFTEN DER GEBBT% 73^90. 285 

des zwölften Jahrhunderts, deren Ungewohntheit deutsch zu schreiben 
sich in dem sinnlosen Zusammenhangen getrennter Wörter verrsth. 
Aufser den zwei gedruckten Stücken, die schon Früher von Graff sind 
herausgegeben worden (Diut. 2, 288 — 291), alles Übrige lateinisch, 
und alles kirchliche Gebete verschiedener Form und Beziehung. Bl. 
14 a Incipil curfuf fce marie virginif, davor 13 b ein in Farben 
wohlausgeiuhrtes Bild der Jungfrau mit dem Kinde; Bl. 69 a Incipit 
hymnariuf s. Ambro fit, 87 b Explicit ymhariuf s. Ambro fit; Bl. 
127 b Iftaf orationef obtimaf que fecuntur. debef dicere quando 
aliquif caromm iuorum obierii prima die, uel quoi diebuf uoluerif. 
et fine dubio refngerabif animam eiuf. Rogo ut mihi eaf per xx» 
dief dicaf, fi me priorem te contigerit tranfire ad denm, vi hec 
fit mercef mea quod fcripfi eaf Für die Mittheilung auch dieser wie 
einer bald zu erwähnenden zweiten Handschrift von Engelberg habe 
ich Herrn Konr. Frunz, Grofskellner des Stiftes, zu danken. Über 
den cod. M mit welchem 74 verglichen s. bei den Gebeten 76 - 90. 

75. 
Die oben S. 253 fg. schon besprochene Zürcher Handschrift C^®/27&. 

76-90. 

Ein Pergamentcodex vom kleinsten Format, sehnen und reinlich 
von Einer Hand des zwölften Jahrhunderts geschrieben, einst def 
Überlieferung nach das Eigenthum der Koeniginn Agnes, dann des 
Klosters Muri bis zu dessen Stoerung und Plünderung im Jahr 1841, 
seitdem verschwunden. Ich habe meine Auszüge im Jahr 1833 mitten 
unter dem letzten Waffenlärm der Baslerischen Wirren und selbst 
unter den Waffen gemacht, hoffe jedoch trotz dem nichts versehen 
zu haben. Folgendes ist der Inhalt Stück ftir Stück. Bl. 1 a bis 3 b 
das 76sle Gebet, zuerst gedruckt in Graffs Diutisca 2, 292. 293. 
Dann (Diut. 293) 

Uiz ift der vane dif almehtin gotif wieme den lefin fol. der fuln 
niune fi, die den lefin fuln, vnde nivn funnüntage. fo ez morginet. Div 
erfte fol lefin. Pata' (4 a) nofter. div andire, Aue maria. div dritte. 
Gloria inexcelfif div uierde, die fibin falmin, div fivnfte die fivnfzehin 
falmin. div fehfte die letanie, div fibinde. Quicunque utUt, div ahtode 5 
Pf Te dtum laudamuf div nivnde. Pf Domini eft terra, den fol fi 
lefin daz ir Hb niet rvore die erde, tcan die ellebogin unde div chnie. 
die andire fuln alle ftan. unz daz lieht uirbrinne. Pf Expectanf foltu 

6 Ps. 23. 8 ?B. 39. 



286 HANtfSCÜMlFt DER GfiÄfiTB 7«-^»0. 

Ufin. indie ere def ttiUin. unde def ratif den got hete mU fin felbif 
libe. daz er dich gnadecliche ir (4 b) lofe von allen den. die dichein 
vbiln willin, aide dichein rat ubir dich haben. 

Oratio. 

ISancti fpiritus domine corda nofira mundet infufio. et fui rorif intima 
5 afperfione fecundet. Per deum. 
Bl. 4 b bis 8 a unser 77stcs Gebet, zuersl gedriiekt im Altd. Leseb. 
275—278; Bl. 8 a. b ein lateinisches in Hexametern Irglter inmentif 
avdi pie paftor u. s. f. : 8 b. 9 a das 78ste und 79sle (Diul. 293); 
9 b— 11 a das 80ste (die zweite Hälfle Diut 293. 294); 11 a. b das 
81sle. Dann 

!Swenne fo du horeft die leczun uon fände paulo in der miffe fo man 
lifit, lectio epißole beati pauli apoftoli. So foltu uf ftan. unde foU 
[\2 h) drtü pater nofter Ufin indie ere daz min trehlin den gvotin 
fancte paulum bicherte. 

Bl. 12 a bis 16 b die Gebete 82 und 83; 17 a— 19 b das 84sle, dessen 
Anfangsworte Diut. 294. Hierauf (Diut. 294) 

10 Uu tcif giwif fwar du uerft. übe du difv ulmvofin gibift. daz dr 
gvot givefie haft. Ein almvofin inere def heiligin wegif den got zihi- 
viile uvor daz alle dine wege g eriht et , werden, fridelich. zwei (20 a) 
almvofin inere def obiroftin hirtif daz er über dich wache, mit wag- 
lichin forgin. ubir dich unde ubir din litte. Ändern driv den heiligen 

15 hirtin. unde bite fie daz ße dich bihatten. mit hirtlichir rvoche. Abir 
den vieren eteangeliftin uieru. daz du alle die du hinder dir laft 6i- 
hallin uindeft. Gib ovc driv den drin chunigin. daz fie dich anden 
ttec leiten, unde gvot giverte machen^ Einiz indie ere def ewigin fridef 
den got finen (20 b) ivngiron gab. do er chat. min fride gib ich iv. 

20 daz fie dir machen fridefame ziden du uarin folt. 
Hierauf (abgekürzt auch Diut. 294) 

!Swei' finif friondif feie welle helfin uzir not. der fol nemin ein brot. 
unde fol daz teilin indriv. unde fol nemin ein teil, unde fol fprechin 
diz gibet. Sufcipe domine hanc elemofinam innomine patrif et filii et 
fpirituf fancti. et fancte crucif et fancte marie et fancti michahelif. 
25 et omnium fupemorum ciuium. et celeftium uirtutum. et fancti iohannif 
baptifte et (21 a) omnium patriarcharum et prophetai^m. Du folt 
ovc nemin den andirn teil, unds folt fprechin diz gibet. Jnhonore 
fancti petri. et omnium fanctorum apoftolorum et feptuaginta duorum 
difcipulorum. et inhonore fancti ftephani. et fancti laurentii. et omnium 



1 fin in der Handichrirt zweimal. 6 Senne 18 fidf 



HANDSCmiPT DBH GEBETE 7«—^. 287 

fanelorum martirum, inhanare fancti nycolay. et onmium fanctorum 
confeffarum et inhonore fancte cecilie et fancte agate et amnium fane^^ 
tarum uirginum. et in hanore fancte felidtaiif et omnium uiduamm 
fiue continetUium. Du folt ovc nemin den drittin teil, unde folt fpre 
(21 b) chin diz gibet. Inhonore fancti henedicti et omnium fanctorum 5 
monachorum et inhonore fancti patUi. et omnium heremitarum. inhonore 
omnium facerdotum. diaconoi'um. fubdiaconorum, acolitorum hoftia'^ 
riorum, ceroferariot^m lectorum orphan4>rum et omnium fanctorum 
fpirituum. inhonore omnium fidelium defunctorum. amen, vnde foU 
fprechin. Pf. Miferere. Pf, Domine probafti. Pf, Quicunque uuJf. 10 
Su>er diz almvofin unde diz gibet ein iar tvot umbe edle meintage umbe 
finif frivndif feie, der fol daz (22 a) wizzin. daz fi giwißiche irlofU 
ift uzir not. 

Folgt Bl. 22 a bis 27 b das Beicht- und Bufsgebet 85; Bl. 27 b bis 
29 a der Anlafs des Vt re mi der alten Mu-ik, Paul Warnefrieds Ode 
De s, Johanne baptifta, Vt queant laxif. refonare fibrif mira gef'- 
forum famuli luonim u. 8. f. ; 29 a — 32 a die Gebete 86 und 87 ; 
32 a— 33 b lateinische. Bl. 33 b bis 36 a der älteste lyrische, im 
Reim genaue, im Versbau kunstvollere Leich der deutschen Poesie, 
die Sequentia de S. MARIA (ohne diese Überschrift Diut. 294—296. 
vgl. Lachmann über die Leiche der deutschen Dichter 9 — 11; berich- 
tigt schon im Altd. Leseb. 273—276). Bl. 36 a bis 41 b das Gebet 
Ewigu mag't. frotwa fancla maria das unter 74 aus einer Engel- 
berger Handschrift mitgetheilt und dort mit Jtf, dieser von Muri, nur 
verglichen ist*); 41b — 44b das Gebet 88; dahinter, das Übrige der 
Seite ftjllend, Maria \\\ schwarz und rother Federzeichnung; ebenso 
gegenüber auf Bl. 45 a Chrfstus am Kreuz mit Maria und Johannes. 
Bl. 45 b Incipit Passio S. Margarete, Leben und Leiden der heil. 
Margareta: als Verfafser nennt sich mehrmals Theotimus: reicht bis 
77 a. Von da bis 94 a eine buntgemischte Reihe lateinischer Segen 
und Gebete ; darunter folgende zwei (Diut. 296 Anm.) zur Ausübung 
von Liebeszauber. 

innomine patrif, et filii, et fpirituf fancti, deuf abraham. deufyfaac, 
deuf iacob. deus qui decofta primi hominif euam cohiugem creafti eam 15 
fibi inadiutorium inftituifti. ut effent cor unum, et anima una et ifti 
duo incar ^92 b) ne una. ita ut homo relinqueret patrem et matrem 
et adhereret uxori fue ueriffime. Deuf qui precepifti me defancta 
trinitate deuf uerax, et ipfa ueritaf. Adiuro te per nomina tua fanctek» 

10 P». 50. P». 138. 
*) Auch die Sequentia de 5. Maria hat sich frfiberhin haiidschrifUich zu Engel- 
berg befanden: Dint. 2, 294 Am. 



288 HAm)6eHRIirTBNDBR GEBETE 7«-i»1. 

gue ßmi uifffaMia nomina. alfa e$ w. (etrtfgrammalon, agla. falfch, 
ihefm, on. ficui atrHuf puetif flammam ignif remouenf ejctinxifti. 
Sidrac mifaac. ei abdenaga. iram riitam, difcordiam inter me et mari^ 
tum meum .A^ exUngUere^ (98 a) faciaf. nof coficordef reddaf et ina^ 
6 more meo iUum confiftei*^ ufque infinem uitt mew concedaf. ut nee uir 
nee mulier mihi inamore fuo noctat fed potiuf me foiam diligat, et 
uera dilectione ieneat, guanta fuit inter addm et euam. et inter abra- 
kam et faram. et inter iofeph et fanctam mnriam. Nunc amorem 
toncedai deus .A'. marito meo. AMEN. 

10 XM qui ef alfa et w. coniurationem facio per magof. Cafpar, melchior. 
Pal (^93 b). thafar, Leuiatan. protine, et crinite. fidrac, mifaac. ah- 
denago. chriftuf on. elyon. tetragrammaton. elely. emmanuel. abra. 
abraa. abracham. abracala. abrachalauf. va. ca. ha. fara. faza ziueletiel. 
uof creaturaf dei coniuro per deum uiuum. per deum. nerum. per deum 

15 fanctum. coniuro uof per fanctam mariam matrem domini. coniuro uof 
perfanctum michaheiem. et per ornnef angelof et archangelof dei. coniuro 
uof perfanctum io (94 a) hannem bapHftam et per omnef patriarchaf 
et prophetaf dei. coniuro uof perfanctum petrum. et per omnef fanctof 
apofiolof dei» 'coniuro uof perfanctum ftephanum et per omnef martiref 

20 dei. coniuro uof per fanctum filueflrum. . et per omnef confefforef dei. 
co9iiuro uof perfanctam agnem, et per omnef uirgii{ef dei. tU feriatif 
et incendalif cor et meniem .N. i^atnorem meum. 
Den Schlurs endlich machen BI. 94 a bis 95 b die zwei Segen 89 
und 90, bei Graff Diul. 2, 297. Von Eigenheileu in der Schreibung 
dieses Codex flnde ich niur zu bemerken, dafs die Diphthongen au 
und HO beide mit o ausgedrückt werden, dafs h und a auch hier 
einander ähnlich sehn, dafs de fast überall mit Anhängung des e oben 
ans d, Pf mit Anhängung des * oben ans P (beinahe wie unser S)^ 
und für das lateinische et bald ^, bald 7 geschrieben wird, letzteres 
wie in der Handschrin der Predigten I — Xlll. 

91. 

Engelbergei* Handschrift 1 ^/20, Pergament, in Kleuioctav. Zuerst 
Bl. Ib bis 8b von eiifer Hand des dreizehnten oder vierzehnten Jahrhunderts 
eine Abhandlung über das Wort Trahe me poft te Cant. 1, 4; Anfang 

iJEs almehiigen gottes frid si getrivlich mit allen dien die dis gegen- 
würtig bvcchlin mit andaht lefent vnd mit zühtcn beerend lefen. vnd 
25 geh in eweclich fin genad an sei imd an lip. amen. 



5 die Handsclirifi cfifleret mee 10 Capfar 



HANDSCHRIFT DES GEBETES 91 : 289 

fr an der menfch in dis eilend, äls-def' gedvltig lop gef prochen hat ze 
arbeUen geborn ift vnd ovch dar inne lüzel ziiea lehU^ Ach da von fo 
crmanol uns sanctvs pavlvs das es nv ift ein zit der erbarmherzigen 
genad gottes, Ynd wan dis gezit fteteclich hinßivzet vnd doch nit 
yewiffes end hat. da von sol der niefifch alle ßund flis haben* wie er 5 
es nach finer sei ewigen heil mit volkomnen trgenden in gottes liebften 
icillen loblich vertrib. 

Der Schlufs fehlt. Von Bl. 9 a bis 23 b das grofse Gebet, dessen 
letztes Drittel nnter 91 abgednickl worden; die Hand eine andre, 
aber aus gleicher Zeil. Anfang 

jiilmechtiger iewefender vnd ewiger got. ich armer krancher vnwir^ 
diger menfche. lopen vnd eren dich, vnd danken dir aller der genaden 
vnd gveti, vnd fellekcit. der dv von angen der weite ei'zeig haft. an lo 
allen creatvren. de dv himelrich vnd ertrich vnd allef de dar oben vnd 
dar vnder oder da enzewifchen ift. alf ordentlich vndnvzelich gefchaffen 
haft. de diner wißeit einef pvnchten grof nit gebriftet. dv wifift ir 
aller achte, wie vnd war vm ir iekclichef alfo wefen folte. dar nach 
feilen wir och nit vil trachten, noch vnf da mit bekvnberen. wie vnd 15 
irar vvi dv ein iekelich ding getan haft, oder noch tvoft. oder ret*- 
hengeft. ef wer ein armer herre. dßr nicht dete, wan de finer minften 
knechten einer wifen folte, aber de ef ift. de fvllen wir geloben, alf 
ef vnf criften gelovp heifet gelovben. 

Folgen Lob nnd Dank för die Schöpfung der Engel, der Welt, der 
Menschen, für die Gnade, die auch Gefallenen, die sodann dem gvoten 
noe, dem guoien abraham erwiesen worden; und so fort durch die 
ganze biblische Geschichte bis auf Leben und Tod Christi, wo sich 
ebenn^apfsig fortfahrend die oben mitgctheilten weiteren Lobpreisungen 
und Klagen und Bitten anschliefsen. Die Hand ist eine äufserst un- 
geübte, und es kommen, gleich von ilir selbst geschrieben, viele Ver- 
befserungen und Nachtrsegc vor. Auch hier (vgl. S. 262 und 284) 
am Schlufse der Worte slaets nur langes f; die Abkürzung v gilt dem 
Schreiber oder der Schreiberinn zugleich für üe und fiSr eu. Von 
eben derselben noch auf dem nspchsten Blatt 24 drei kleinere 
Stücke, vielleicht Auszüge von Tischreden, über die Worte plorans 
ploranit in noete Thren. 1, 2, über Simon iohannlf ddigif me Ev. 
Job. 21, 15 und Von megtlicher wirdekeit. Das übrige der Hand- 
schrift enthält, wieder v(m einem andern Schreiber, eine lateinische 
Anweisung für Beichtiger. 



1 lob 5, 7. 3 Cor. 2, 6, 2. 6 in der I^andichrift ewige 10 angen d" d. Ii. 
anginder oder angeng der 14 Qtto 



290 HANDSCHRIFTEN DER GEBETE 92--101. 

92—95. 
Ans der Adelnhaiiser HRndschrifl in Zürich: s. oben S. 271. 

96. 97. 
Aus der Basler Handschrift B IX. 15: s. oben S. 277 fg^, 

98. 
Pergamenlhandschrift des Frauen kloslers in Samen, Kleinquart. 
48 vom allen Schreiber selbst mit arabischen Ziffern gezählte Blätter, 
wohinter noch eine Lage verloren gegangen. Den Inhalt machen, in 
vier Bücher abgetheilt, allerlei kleinere Stücke erbaulicher Art, ähnlich 
den Handschriften ^B und 0. Unser Gebet beschliefst grade das dritte 
Buch: ExpUcit lercius Über. Deo gracias. Gedenkent ouch ze Gof 
Johanfes frikers des alfen Statfchribers von Lucern, der weh dis 
huoch in finem koften durch gottes taillen geben, vnd in iuwerm 
namen mit fin felbs hani gefchn'ben hat alf ef uff er der heiligen 
fchrift genomen vnd ze Tiutfch gemacht ift. Anno domini. tSSO^. 
Im vierten Buche Ein Predige von dem heiligen geift BI. 42 a bis 48 b. 

99. 
Papierhandschrift des fiinfzehnten Jahrhunderts, jezt noch von 
20 Blättern, in kleinerem Format, mir selbst gehoerig. Bl. 1 a 

Dis in ein g;uotle liiirtze ler* 

wwEnne ein mönfch muof wefeti tmd fin. da vii mmuos. vnnum. 
vnftillickeit ift vnd mangerley zuovelle koment do durch der mönfch 
%uo betruebniffe wirt beweget vnd geirret an andacht md an emft zuo 
got. vnd er dz nit gewenden mag. vnd ouch dor bi muos ßn. So mag 
6 er dife noch gefchribene lere für fich nemmen. vnd fich dor jnnen 
reben fo wirt es jm nit (1 b) fchaden funder es wirt jm vil guottes 
und nuttzes bringen Bis Bl. 13 b; darauf das Gebet 99. 

100. 101. 
Pergamentblatt des fünfzehnten Jahrhunderts, in Folio, die Seite 
zu zwei Spalten ; Eigenthum Hoffmanns. Ein früherer Abdruck in den 
SpiritaL Theotiscis 6 — 10. Die Ausfüllung einiger Lücken, die durch 
Beschädigung des Pergamentes entstanden sind, habe ich auch hier 
durch Cursivschrift bezeichnet. 



II. 

DIU itLTDKrTSCHi: PRGDIQT. 

Die Geschichte der deutschen, genauer benannt der hochdeutschen 
Predigt beginnt mit eben derselben Zeil, mit welcher die Geschichte 
des Chrißlcnthumes in Deutschland beginnt. Zwar was die ältesten 
Glaubensboten betriflt, z. B. die imposante Gestalt des heil. Severinus, 
der gleich nach der Mitte des fünften Jahrhunderts südlich der Donau 
in Noricum seine Thaptigkeil begann und sie segensreich ein Menschen- 
alter lang fortsetzte, was ihn und andre jener früheren Zeit und Art 
betrifft, so wird nirgend ausdrücklich Meldung darüber gethan, ob sie 
das bekehrende Wort auf Deutsch gesprochen, oder ihnen, da sie eben 
wie Severinus sich mehr nur am Grenzsaum zwischen Roemern und 
Barbaren hielten, das Lateinische noch genügt habe. Beides ist denkbar: 
Severinus z. B. war zwar von roenu'scher Herkunft, vielleicht aus 
Africa, konnte aber wohl die Sprachen der Alamannen und andrer 
Germanen bald erlernen und sich deren im Missionswerke bedienen; 
aber ebenso wohl waren die germanischen Grenzbewohner mehr oder 
weniger vertraut mit der Sprache ihrer roemischen Nachbarn jenseits 
der Grenze *). Nach solchen Anfangs- und Vorbereilungszeilcn und 
tien schwankenden und beschränkten Erfolgen, w<*lche die Bekehrungs- 
arbeit während der beständigen Ungewifsheit über den eigentlichen 
Herrn und Bewohner des Landes allein erringen konnte, kam mit dem 
Ausgange des fllnften Jahrhunderts die Gründung des Fränkischen 
Reiches, d. h. die Germanisierung Galliens und die Christianisiertmg 
«l«T Franken. Damit war eine neue und die entscheidende Wendung 
auch für die Christianisierung der übrigen Völker gegeben: Hand in 
Hand mit der Ausdehnung der fränkischen Herrschaft, wie sie noch 
Jahrhundertc fortschritt, s( hritt auch Jahrhunderte lang die Ausbreitung 
des Christenthums fort, und die Glaubensboten drangen unter dem 
Schulze <ler fränkischen Herren über die Grenzen hinaus bis in den 



*) Vit« S. Severini von feinem Schüler Eufpppius : ^iederholendlich gedruckt ; am 
zugänglichsten bei Pez, Script. Her. Aiutr. Bd. 1. 



292 BEKEHRUNGSPREDIGT. 

Kern des Landes und bis in weiter entlegene Länderstriche vor, in 
Gegenden, wo das Wort nicht anders denn auf Deutsch konnte ver- 
kündet werden, zu Völkern, die der roBmisehen Bildung fern und 
fremd waren. In der That auch wifscn wir, und wüfslen wir es 
nicht aus bestimmten Zeugnissen, so dürften wir es annehmen ohne 
doch zu irren, dafs nun und hier zu den Deutschen auf Deutsch ge- 
predigt ward. Wir wifsen es z. B , um nur einige Hauptnamen her- 
vorzuheben, vom heil. Galius, vom heil. Pirminius und vom heiligen 
Bonifacius. Es war das schwer namentlich fiir Galius, den Irländer. 
Welche Mühe sich dieser zwar gegeben die Sprache seiner Glaubens- 
scbüler zu erlernen zei^t uns am deutlichsten ein lateinisch-deutsches 
Vocabular zu S. Gallen, das offenbar berechnet war, auch für die 
neechsten und alitäglichen Dinge die deutschen, die alamannischen 
Worte kennen zu lernen: nach alter Überlieferung heifst es Vocabu- 
larius S. Galii, und wirklich mag es auch von ihm herrühren, nur 
nicht unmittelbar von seiner eignen Hand *). Trotz solcher Bemühung 
war Galius im Jahr 615, als er zu Constanz die Einsegnung eines 
neuen Bischofs vollzog, doch gencethigt durch diesen die Predigt zu 
halten, indem Bischof Johannes dem versammelten Volke auf Deutsch 
vortrug, was Galius ihm zuerst auf Lateinisch gesagt**); in 
dieser letzteren Sprache ist die Predigt noch vorhanden (Bibliothcca 
Patrum ed. Lugd. 1677. 11, 1046—1051). Die Bekehrungspredigten 
jedoch hat er selbst und auf Deutsch gesprochen: so zu Bregenz, 
bevor er die von den Alamannen dort verehrten drei Götterbilder in 
den See stürzte ; wenn jedoch seine Lebensbeschreiber bei dieser Ge- 
legenheit sogar rühmen, wie bewandert Galius in der Landessprache 
gewesen sei, so dürfen wir das nur für eine Übertreibung der Liebe 
und des Lobes halten : denn sie sagen in Betreff seiner Kenntniss der 
lateinischen Sprache dasselbe ***) ; von der aber verstand , jenem 
Wörterbuche nach zu urtheilen, Galius noch viel weniger als von der 
deutschen. Pirminius und Bonifacius hatten es begreiflicher Weise 



^) S(>allischc Iland5chrift 913; zuletzt und oin besten gcdnickl in den Donkninlen 
dcB Mittelulteri von IlaUcnier 1, 11 — 14. 
•*) anlifliie preceplom fui vcrba interpretanie : Yiia S. Galli bei Perlz, Monum. 
Germ. bist. 2, 14; nl ipfe quidem a'dißcalionU inßrnmenla coUigeret, 
epifcopus vero ulüUcUem barbarorum bene prolala inlerprelando Irans- 
funderei: Walafrid, Vita S. Galll 1, 24. 
***) Columbanus Juffit Gallo ad populum recUare fermonem, quia ille inier 
alias eminebal lepore laiinitatis nee non ei idiomä iUius gtnlU: Vita 
S. Galli, Pertz 2, 7 ; danach Waltfrid 1, 6. 



BEKBHRUNOSPRBDIGT. 29S 

minder schwer: der erslere war wfthrscheinlicli (die Biographen lafsen 
uns über diesen Punkt im Stich), der letztere gewiss ein Angelsachse : 
sie konnten die Landessprachen, weil sie verwandt waren, leichter 
erlernen, und wenn auch hie und da angelsächsische Worte und Laute 
mit unterliefen, wie in der That aus mehr als einer hochdeutschen 
Aufzeichnung jener Zeit, auch gerade aus Aufzeichnungen dieses kirch- 
lichen und Missionsgebietes das Angelsächsische hi^ausklingt (Holtz- 
mann in Pfeiffers Germania 8, 470 fgg.)? so stoprle das die Zuhoerer- 
schait nur wenig und that dem Eindrucke und der Einwirkung des 
Ganzen kaum Abbruch. Von Pirminius berichtet die dem neunten 
Jahrhundert angchoerende Vita (bei Hone, Ouellensammlung der Badi- 
schen Landesgeschichte 1, 31) Prcesnl bealvs ad iUum ceniens locvm, 
tsbi popvlo f olebat fanclcB prcBdicalionis erhibere rerbvm nlräqve 
Hngna, Romana *) fcilicet Francorumque **), magtwpere (ferenda 
monita dwinis ofßciis proferebatj qnia ntramque lingnam adpn'me 
friebai. Auch Bonifacius konnte den Hessen und Thüringern und 
gar den Friesen alsobald in heimatlichen Worten predigen (vgl. Willi- 
baldi Vila S. Bonif. cp. 6 u. 7 bei Pertz 2, 841 sqq.). Und all 
solchen Ffthrem der deutschen Mission traten gleich von Beginn ihres 
Wirkens an Gehilfen aus dem Lande selbst zur Seile, viele freilich 
nicht: und es blieb allerdings nopthfg filr die Predigt immerfort neue 
Fremdlinjje, Iren (Schotten) und Angelsachsen, herbeizuholen, 
geschah das namentlich, indem man Klopsler mit ihnen gründete und 
fort und fort bevölkerte. Dfese waren die natürlichen Ceniralstälten 
der Mission, so S. Gallen für Gallus, Fulda für Bonifacius ; vorzüglich 
aber war m solcher Art Pirminius tha?lig, der vom Elsafs durch 
Alamannien, Franken und Baiem bis nach Oesterreich einen ganzen 
Gfirlel von Kloestem schlang. 

Welchen Inhalt nun und welche Fonn der Behandlung hatten 
diese ersten Predigten in deutscher Zunge, die Bekekrungspredigten ? 
(Erblicken wir die geschichtlichen Zeugnisse sammt den Denkma?lern 
selbst die sich vom siebenten Jahrhundert an und aus den naechst- 
folgenden erhalten haben, und erw?pgen wir zugleich die politischen 
und die kirchlichen Zustände der Zeit und die Bildung und Gesittung, 
die der neu herzugebrachte Glaube in Deutschland vorfand : so erweist 



*) romanA d. b. Romanisch, nicht Lateinisch; iirt ElsaCi, iler ersten Hauptilötte 
seines Wirkens, lirachte die Nachbarschaft einer romaui<ich reUeiiden Bevöl- 
kerung ihn in den Fall auch dieaer Sprache sich zu bedienen. 
**) Tranci im neunten Jahrhundert der Name der Deutschen. 



294 BEKBHRUNGSPRBDI6T. 

«ich uns dafs im Beginne und noch längere Zeit hindurcli eigentliche 
Predigt weder stattgefiinden habe noch habe stattßnden können, sondern 
statt deren mehr nur ein Catechlsmus-Untcrricht und zwar von ziemlich 
dürHiger Beschaffenheit. Bischcefe und Priester begnügten sich, nelieii 
etwaniger Verlesung lateinischer Homilien, die sie seihst verfafst hatten, 
oder älteren VerraCsern, den Kirchenvflßtern, entnahmen und die jedes- 
falls nur den Gelehrten, den Mitgeistlichen unter ihrer ZuhoBrerschafl 
verständlich wan^n und zu Gule kamen, begnügten sich daneben, 
was das Laienvolk betraf, der Gläubigkeit und der Sittlichkeit 
desselben durch Mitlheilung blofs einiger deutsch abgefafsten 
Formulare eine feste Richtschnur zu geben. Sie trugen also auf 
Deutsch das Glaubensbekennlniss und das Gebet de« Herrn und etwa 
auch eine Formel der Generalbeichte vor und begleiteten vielleicht 
die beiden ersteren noch mit Vorwort und Erläuterungen und die 
letztere mit einer kurzen Vor- und Schlufsansprache : aber Reden, 
die in wahrhaft rednerischer Haltung, belehrend und erbauend, auf den 
christlichen Glauben und die christliche Sitte zugleich gezielt hätten, 
wirkliche Predigten oder Homilien wurden, wenn überhaupt, dann jedes- 
falls nur zu seltenster Ausnahme auf Deutsch gehalten. So stand es 
mit diesem wichtigen Theile des Gottesdienstes, der für die evange- 
lische Kirche unsrer Zeit beinahe ganz und allein den Gottesdienst 
iler Gemeinde ausmacht, selbst noch während und nach der Herrschaf) 
Karls des Grofsen, zu einer Zeit also, wo doch unter dem Volke der 
christliche Glaube und Gottesdienst schon aligemein und fest begründet 
und die Geistlichkeit durch die Stifts- und Klosterschulen auf eine 
nicht grade niedrige Stufe wifsenschaftlicher Bildung gehoben war; 
so noch im zehnten Jahrhundert, und erst im elften sollte es sich 
damit zu Anderem und Befserem wenden: da wahrlich konnte der 
Standpunkt der Kirchenrede kein hoßherer sein in den Jahrhunderten 
der ersten Bekehrung, die wohl immer durch fromme, nicht aber stast^ 
durch gelehrte Männer betrieben ward, die meist mit einer gewissen 
Hastigkeil vor sich gieng, bald weil die Bekehrer auf der Flucht vor 
Verfolgern, bald weil sie die Sieger und Herren waren und gewaltsam 
drängten. Wenn trotz dem das Bekehrungswerk so schnell und so 
voll gelang, geschali das, weil das lltM<lenthum auch auf germanischem, 
wie auf griechisch-rcBmischem Boden in sich verfallen war. weil auch 
in diesen Heiden und in ihnen vorzüglich eine ahnungsvolle Sehnsucht 
nach etwas HoBherem, Befserem wachte, weil das Werk gefördert ward 
durch die Kraft welche dem Worte Gottes auch in dem irdensten 
Gefäfse innewohnt, nicht aber weil sich das Menachcnwort irgendwie 



CATBCHISMUSSTÜCKE. 295 

entsprechend ihm beigesellt hätte mit liebreicher Überredung und mit 
Überzeugungskraft. 

Wir wollen den angedeuteten Charakter, der also beinah ein halb 
Jahrtausend hindurch die Kirchenrede Deutschlands beherscht hat, diesen 
langen langsamen, fast regungslos verharrenden Anfang unserer Predigt- 
kuiist, noch mehr in seinen Einzelzügen auszufiihren suchen ; es betrifft 
iiieser erste Theil unserer Darstellung denselben Zeitraum, den die 
Sprach- und Literaturgeschichte sonst den Althochdeutschen nennt. 

Aus jener Zeit sind mehrere deutsch verfafste katechetische Hand- 
bücher auf uns gelangt; so eines noch aus dem neunten Jahrhundert 
zu Wolfenbüttel, früherhin zu Weifsenburg im Elsafs*), ein zweites 
von S. Gallischem Ursprung, aufgesetzt von Notker Labeo und seiner 
Psalmenübersetzung angehängt, in zwei Handschriften, wovon sich die 
eine, aus dem elften Jahrhundert, zu S. Gallen **), die andre, eine 
Abschrift vielleicht erst des zwölften Jahrhunderts, zu Wien befindet***). 
Nach älterem Kirchenbrauche zeigen sich diese Handbücher beschränkt 
auf wenige und nur die hauptsächlichsten Stücke. Die Weifsenburger 
Handschrift enthält das Vaterunser, dann statt eines wirklichen Beicht- 
Formulars bloss ein Verzeichniss der Hauptsünden, der criminalia peccata 
(wörtlich aus dem Brief an die Galater 5, 19 — 21), das apostolische 
und das Athanasische Symbolum und das Gloria in excelsis. Notkers 
Arbeil ist theilweise reicher : da finden wir das Vaterunser, . das apo- 
stolische Glaubensbekenntniss, den Hymnus Zachari$e (Benedictus) aus 
Ev. Luc. 1, das Canticum Marise (Magnificat, ebenda), das Athana- 
sische Glaubensbekenntniss; die Beichte fehlt zwar in der S. Gallischen 
Handschrift, aber die Wiener Handschrift enthält die Teufelsentsagung 
und ein Beichtformular. Das Benedictus und das Magnificat waren 
also um diese Zeit, im zehnten und elften Jahrhundert, zu S. Gallen 
wenigstens Catechismusstticke. Dagegen fmden sich in keiner dieser 
Sammlungen die zehn Gebote: diese und den englischen Gruss (Ave 
gratia plena, aus Ev. Luc. 1) hat man erst spa^ter allgemein aufge- 
nommen; von der Aufnahme der zehn Gebote schon im achten Jahr- 
hundert wird uns spaster ein vereinzeltes Beispiel begegnen. Häufiger 
als solche Zusammenstellungen, die sicherlich als katechetische Hand- 
bücher gemeint waren, sind Aufzeichnungen blofs einzelner Stücke, 
blofs des Glaubens oder blofs des Vaterunser oder blofs eines Beicht- 



*> Mit onverfinderler Folge den Inhalte« bei HoffniBnn, Althochdentsches aus 
Wolfenb. Uendscbriften IX. — XXI. 
«*) Bei ttatteraer a. a. 0. 2, 522—531. 
) S. Hoffmanns Verzeichniss der altd. Handschriften zu Mfien 82. 



••• 



2Ö6 CAtECHISMüSSTÜGKfi. 

forinulars. Mafsmann hat im Jahr 1 839 eine Sammlunj^ dieser kleinen 
Schriften herausgegeben (th'e denlschcn Abschwoerungs-, Glaubens-, 
Beicht- nnd Belformehi vom 8. bis zum 12. Jahrb.); seitdem isl no< h 
diefs und jenes firißicher Arl neu bekannt geworden*). 

Also Bekentitniss, Gebet, Beichte, diese drei sind die allgemein 
unerla^fslichen Hauptstttcke. Denn wie es in einer Catechismusabschrift 
aus dem zwölften Jahrhundert heifst (Münchner Bruchstück bei Mafs- 
mann S. 146), Sine ßde impofßhile est placere den. Uns faget div 
lieilige fchrift daz daz unmugeUch fie daz iemen dem almahiigen 
got wol rmige gevallen ane den rehten gelouben finde ane die heiligen 
pihte tmde ane den heiligen pater nofter, Bekenntniss und Gebet 
dienen dem Glauben, die Beichte der Siltenzucht, die erst aus dem 
Glauben folgt: den Bekehrern mufsle es, hier in Deutschland wie 
anderswo und jetzt wie schon in früheren Zeiten, hauptsfichlich und 
zunjpchst um die Gründung des Glaubens, also zunapchsl um Mitthei- 
lung der beiden ersten zu thun sein, des Credo und nichl minder des 
Palernosler, des christlichen Gebetes, da um das Heidenthum zu über- 
winden auch heidnische Gebetformeln zu beseitigen waren. Glaubens- 
bekenntniss und Gebet des Herrn werden desshalb von Anfang an 
8ta»ts zusammen und mannigfach nur diese zwei genannt und gefordert : 
eine Angelsöchsische Predigt de Fide catholica beginnt mit den Worten 
(Mafsmanu S. 108) jEIc cristen man fceal äfler rihte n^innan ceg- 
dher ge his Pater nofter ge his credan, Mid tham Pater nosire he 
freat hine gebiddan; mid tham credan he fceal his geleafan ge- 
trymman. Für den Glauben hatte die Kirche zwei Bekenntnissfor- 
mulare im Gebrauch, das s. g. apostolische, welches kürzer, und «las 
s. g. Athanasische, welches im Gegensatze zu mannigfachen Ketzereien 
absichtlich und sorglich viel weiter ausgeftihrt war. Die Kirche hatte 
von jeher den Takt Bekanntschaft mit dem letzteren, das mehr der 
wifsenschäftlichen Dogmatik diente, nur von den Geistlichen zu fordern. 
f(ir die Laien genügte der Regel nach das apostolische, und für die 
Neubekehrlen ward auch diefs noch auf die eigentlichen Schlagworte 
abgekürzt. Zwar jene Handbücher von Weifsenburg und S. Gallen 
(»nthallen aufser <lem Symbolum aposlolicum auch ^ns Athanasische : 
die andern mehr vereinzelten Aufzeichnungen aber und sonstige D^nk- 



^) [Alles diefs findet sieh jetzt vereinigt nnd mtt reichem Cotnmenlnr versehen 
in den Denkmsclern deutscher Poesie nnd Prosa aus dem VIU — XII. Jahr- 
hundert herausgegeben von MüllenhofT imd Weherer. Berlin 1804. Zweite 
Anfinge 1873.1 



GLAUBEN UND GBBBT. 297 

inaeier und Zeugnisse beweisen, dafe für den allgemeinen Gebrauch 
da» erätere vorwaltete. In das Glaubensbekenntniss aber war oll ab 
üblicher Eingang eine Abschwcerung des Heidenthunis, ^der Unholden^, 
d. h. der Götter, und ^dcs Teufels^ nuteinbegrifien : qs war das nolh- 
wendig wo es Neubekehrte waren, die das Bekenntniss ablegten. So 
enthält sie z. B. von einer Hand des neunten Jahrhunderts ein Merse- 
burger Codex (Jac. Grimm über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit 
lies deutschen Heidenthums, 1842. S. 25); in eben demselben stehn 
von noch spaeterer Hand zwei heidnische Zauberlieder. 

Inter^rogatio facerdotis. 
Vorfahhißu uuholdMn? ih furfahlm. 
ForfalMßu unholdun uuerc indi uuillon?*) ih furfahhu. 
Forfahhiftu aUem them biuoftrum indi den gelton indi den gotum 

thie im heidene man u geldom etUi zi gotum habent? ih 

fw*f(üiku, 
GUaubiftu in gol fcUer almahltgan? ih gilaubu. 
GiluubiftM in Chrift gotes fun nerienion? ih gilaubu. 
Uilaubifiu in heilagan geift? ih giiaubu. 
Gilaubifiu einan got almahiigan in thrimffe inti in einiffe? ih 

gilaubu. 
Gilaubiftu heilaga goie$ chirichun? ih gilaubu. 
Gilaubißu thuruh taufunga funleono forlaznßffi? ih gilaubu. 
Gilaubiftu Hb after tod€? ih gilaubu. 

Wir haben eine Anzahl von koeniglichen Befehlen und von Be- 
fehlen der Kirchenobern, dafs die Geistlichen das Volk seinen Glauben 
und sein Gebet auf Deutsch lehren und es dieselben sollen auswendig 
lernen lafsen. ^*) Man sollte meinen, dieser Befehl sei darum immer 

^) Hienach ist die entsprechende Stelle von Mafsmanns Nr. 2 {Forfachifa in- 
diuuHlwi) durch Ergänzung der Worte unholdun Muerc su befsern, und es 
wird uDDO'thig mit J. GriRiin (Nafim. 8. 33) ein Sabil. indiuvü (Inteufel 
d. i. Ilauagott) zu vermuthen. Daa Merteburger SUick war 1839 noch uu- 
kannt« 
^^) Z. B. Statuta Bonifacii 27 : NhIIu$ fü prefbyler, qui in ipia Hngua^ qua 
ucUi fUnt baptizandif abrenuntiaiiones vtl confeffiones aperle interrogare 
noH ßudeaLt ut irUeUigani^ quibus €UMrenun€lianl vel qwB conßtentur; et 
qui lalüer agere dedignantur^ recedanl e parochia (Dachery, Spiciieg. 1, 
507 fggO* Haito, BiMhof von Basel, verordnete dab Alle das Vaterunser 
und da« apostolische Glaubensbekeonloiss sowohl lateiniseh als deutsch aus- 
wendig lernen sollten (ebd. 1, 584). Das Mainier Concil vom Jahre 813, 
Cau. 45, bestuiinite, man solle das (iiauliensbekenntniss und das Vaterunser 
in den Schulen lernen, et qui aUler non potuerit, vel in fua Itngua hoc 
difcat (HarUheim Concil. gern. 1, 412); u. a. 

Altd. Predigten. 20 



288 GLAUBENS- DND GERBTSREDEN. 

wiederholt worden, weil er nicht gehcßrig beachtet und befolgt wurde. 
Indessen die gehüunen Aufzeichnungen solcher Stilcke in der deutschen 
Sprache, ftir welche ich auf Mafsmanns angeführte Sammlung und das 
gehaltreiche Werk Rudolf von Raumers über die Einwirkung des 
Christenthums auf die althochdeutsche Sprache (1845) verweisen kann, 
beweisen eher das Gegentheil, und Olfried in seinem Evangelienbuche 
1, 1, 107 fgg. rühmt an den Deutschen nächst vielem andrem* auch 
den Eifer mit dem sie lernten : Sie fint gotes uuorto flhig filu harto, 
thaz ße thai gilemen, thaz in ihia buah teilen, ihaz fie Ihes bigin- 
nen, ii Mzana gisingen^ joh ße is auch ir füllen mit michilemo uuillen *J 
Hin und wieder begegnen uns Symbol und Paternoster in solcher 
Weise verdeutscht^ dafs sie von Satz zu Satz mit einer bald mehr, 
bald weniger kurzen Erläuterung und Nutzanwendung des Inhaltes 
begleitet sind: s. bei Mafsmann Nr. 18 und Nr. 55--69; in dem 
Catechismus Nolkers sind alle Stücke so behandelt. Notker zwar will 
damit nicht den Laien dienen: darum ist auch mancher Satz halb 
lateinisch, halb deutsch, und es finden sich auch solche Erkterungen 
wie die, was Symbolum bedeute: Nicht so in den andren Beispielen. 
Da vernimmt man keinen solchen kloesterlich gelehrten Ton, da werden 
mit deutlichster Beziehung die Lebensverhältnisse der Erwachsenen. 
es werden ausdrücklieh und mit wiederiioltem Gebrauch des Wortes 
die Mftnner berücksichtigt. Also Auslegung des Glaubens und des 
Gebetes zum Nutzen der Gemeinde. Und dergleichen galt schon für 
eine Predigt; mannigfach wiederkehrende Verordnungen legen den 
Blschcefen, namentKch aber den Pi^iestem nur eben dieses auf, wo sie 
das Predigtamt denselben in Erinnerung bringen. So das Capitulare 
ecclesiasticum von Achen 789 cp. 60 Primo omnium ut fides catholica 
ab epifcopts et preßyteris diligenter legatur et omni populo pnedi- 



^) Singen bezeichnet hier ein gehallenerei Hersagen : auch in der WolfenbüUler 
Erkiferang des Vaterunser (Mafom. Nr. 55) in Ihiu feal man dago gihuue- 
liches Ihiz gibel iingen — fo huuer fo andhremo arholgan iß endi thiz 
gipel Ihanne fingit — fo huuer fo thiz gibel Muitru muatu fingit, in 
eineoi Pbysiologua des 12. Jahrb. der gnadige treMin lerte uns ein niuwez 
fanc unde hiez unfiek fu$ peien: Paler nofter qui es in ceHs Hoffmanns 
Kundgr. 1, 27, 24 und noch im Holandsliede der feot in der töaren gotes 
minne ain paler nofter ßnge sehelue minem herrtn 310, 17. Cantare 
und decaniafe wurden im Latein des Nittelakers ebenso gebraucht: so ver- 
ordnete ein Pariser Concil l't nemo a faero fönte atiquem fkueipial^ nisi 
orationem dominicam et fgmbotum juxta lingnam fnam et inletlectum 
leneal et coram prefbytero decantet: Statuta canon. de dfflcio ctericorum 
iu Canisii Thes. Monum. ed. Basnage B, 1, 400. 



GLAUBENS- UND 6BBETSRBDEN. 299 

cetur (Pertz, Moiium. Gerio. hisl. 3, 68); ep. 69 Ut epifeopi diH^ 
genter discuHant per fuoi parrochias prceßUeros — ut — donüni- 
cam oratiomem ip9i intellegcuU, et omnibus prcedicent intellegendam, 
ut quisque fciat quid petat a deo (Perlz 64. vgl. das 29$te der 
Capilula excerpta ebda S. 100); cp. 81 Sed et eeßrum videndum 
eß, ditectifßmi et venerabiie$ paftores et rectores cecleßarum dei, 
ut preßiteros quos mUtitis per parrochiM veßras €ut regendum et 
ad prmdicandum per mcleßa» populum deo fervientem, ui rede et 
hontße prmdicent — Sed ei vosmetipß utilia honeßa et recta et 
quae ad eitam ducuni aetemam praedicate, alio$qne inßruUe vt 
haec eadem prcedicent. Primo atnnium pnedicandum eß omnibus 
generaliter, ut credant patrem u. s. w. Itetn prmdicandum eß 
quomodo dei fiku$ incartiatus eß \x. 9, w. Item diligenter proBdi- 
candum eß de reßtrrectione mortuoi^m u. s. w. (Pertz 66)*); das 
CapHulare von Frankfurt 794 cp. 33 Ut fides catholica fanctae tHm- 
tatis et oratio domihica atque fymbolum ßdei onmibu9 prmdicefur 
et tradaiwr (Pertz 74); der Brief Karls des Grofsen an Bischof Gari- 
bald von LüUich 804 ßepius in conventu et conciUo noßro monui- 
tnus de prwdicatiane in ßmcta dei eccleßüy tU unusquisque eeßrum 
fecundum fanctorum canonum autoritatem et prmdicai^e et docere 
deberet, primo omniimt de fide catholica^ ut et qui ampUus capere 
non valuiffet tantummodo orationem dominicam et fymbolum ßdei 
catkoliccB, ßcut apoßoli docuerunt^ teuere et memariter reoitare 
potuiffet (Pertz 128); und noch hundert Jahre sps^ter verlangt Regino 
von den Pfarrern nichts Weiteres als s(dche Glaubens- und Pater- 
nosterreden (de Synodalibus causis ed. Wafserschleben pg. 26). So 
um 800, um 900: wir dürfen zuversichtlich zurückschliefsen, dafs 
auch um 600 und 700, in den Zeiten der erst anfangenden Bekeh- 
rung, Glauben und Gebet in eben solcher Weise empfohlen worden, 
und die ersten Predigten meist auch nur Bevorwortungen nnd Er- 
läuterungen der frisch überlieferten Formeln jener beiden gewesen 
seien. Ja wir brauchen das nicht einmal so biofs rückschliefsend 
anzunehmen : mehrere derartige Reden liegen noch vor uns. Erstlich, 
zwar nur auf lateinisch erhalten, ursprünglich aber zweifelsohne auf 
Deutsch vorgetragen, eine Predigt des heil. Bonifacius selbst**), sein 
ftknfzehnter Sermo, gesprochen in der Adventszeit (natalie Domini 

*) [Eine laleioische Husterpredigt genau nach Anweisung dieses Edictes bat 
Scberer mitgetheilt und besprochen Zschr. f. d. Altertbom 12, 436 fgg.] 
**) [Vgl über die Unecbtheit und den späteren Ursprung der Sefroonen AtB 
Boniftdus MQllenhoir n. Seberer 444 fg. 2. Aufl. 504 Fg.] 



300 BONIPACIUS UND PIRMIN1U& 

immineQy aber keine Adventspredigt, sondern wesentlich nur eine 
Umschreibung und Auslegung dessen, was seine Zuhoerer bei der 
Taufe theils abgeschworeu, theile gelobt haben. Sodann eben des- 
selben erster Sermo, gleichfalls und wohl ursprünglich schon lateinisch. 
Dieser ist nicht, an eben erst getaufte Laien, sondern an Geistliche 
gerichtet^ an solche, die unter Heiden und Neubekehrten predigen 
sollten (VaUle neceffarium est omni honüni ui dUigenter difcat fidem 
calhoUcam ei apoftolicam, tnaxime populi prcedic(Uot*ibu3 chriftiani 
u. s. w): dennoch giebt er nur in Kürze den Inhalt des Glaubens- 
bekenntnisses vieder und einige Worte. über Beichte, Reue und Bufse : 
das heifst, die Prediger werden nur auf diese zwei Punkte als den 
Gegenstand und das Ziel ihres Wirkens angewiesen und werden an- 
geleitet wie in solcher Richtung zu wirken sei. Ferner des Bonifacius 
im Süden Deutschlands thsetiger Zeitgenofse Pirminius. Auch von 
ihm besitzen wir eine lateinisch aufgezeichnete Predigt, aber auch hier 
hebt der Inhalt darauf schliefsen, dafs es eine Übersetzung sei, und 
zwar aus dem Deutschen oder auch aus dem Romanischen (folebat 
fanctae prcBdictUionis exhibere verbum utraque Imgua, Romaua 
fciücet FrancorumqueJ *) Der Titel lautet LibeUus abbatis Pimnuii 
de fingulis Ubris canonicis fcarapsus. Durch das Wort fcarap8u$, 
d. h. excerptus, auszugsweise abgekürzt, wird die Schrift als ein 
Auszug bezeichnet; aber auch so ist sie. noch lang genug: darum 
wird sie UbeUuSy nicht fernM genannt. Es ist eben eine vollständige 
rednerische Belehrung der neubekehrten Christen über alles was sie 
glauben, was sie thun und meiden sollen. Demgemtefs fefst sie in 
sich die zehn Gebote (diese sonst jezt noch kein Catechismusstück). 
eine Aufzsehlung der Hauptsünden zum Behuf der Beichte, das Vater- 
unser und das apostolische Symbolum; die Christen werden ermahnt 
fytnbolum et orationem domimcam ei ipsi ieuete ei ßlios et fdias 
veftras docete nt et ipsi teneant ^^). Endlich die s. g. Exhortatio ad 



'') Gednickt t>ei Mabillon, Yetera analccta (1723) S. 65 tgg, 
^*) Als anziehend und lehrreich ist noch hervorztihel>en eine Stelle, die uns den 
Herganfr bei der Tanfe eines Neubekehrten mit der Beilegung eines chrisl- 
liehen Namens, mit der Abschwcnrung des Teufels, d. b. des Heideulbanis, 
und dem Bekenntniss des christlichen Glaubens Yoranschaulicht Ideo, p'otrei, 
ad memoriam veßram reducimusy quäle ptulum in ipfo baptißerio cum 
deo fecimus. Cum interrogali finguli nomen twßrum a facerdote fuimus, 
quomodo diceremur^ refpoiidifli aulem lu^ si jam poleras refpondere^ 
a%U ceiie qui pro le fidem fecil^ qui te de fonle sufcepil et dixü i>Jokannes 
dicituris au/ aliud nomen, El inlerrogavit facerdo$ ujohannei^ atkrenan- 



BX»ORTA»IO; 301 

plebem ehriftianam, lateinisch imd deutsch, in einer aus Fulda stam-^ 
nienden Casseler Handschrift des achten und einer Münchener des 
neunten Jahrhm^dert» ; bei Mafsmann Nr; 42 und 48. Es ist das eine 
va^terlich liebreiche Ansprache (johindo Hupofhm sa^ der Redner md 
chindiii mmiu% die der Verlesung' des Glaubensbekenntnisses voran^ 
gehen soHte; indem «ie dieses und das Gebet des Herrn wohl aus^ 
wendig lernen heifst, nimmt sie besonders Rftcksicht auf die Verpflicb* 
Inng der Taufzeugen beide wieder ihren Täufling zii lehren, eine 
Pflicht, die auf öltester Kirchenordnung beruhte*), und da sie dem 
Zeugen eine halbpriesterliche Stellung gab, der Anlafs gewesen sein 
mag den heidnischen Namen eines Priesters nun auf ihn zu über- 
tragen; denn unser mundartliches Göttin d. h. der Pathe, kann nur 
das althochdeutsche cotinc sein, und cotinc ist eigentlich s. r. a. 
Priester**). Es seheint aber die Exhortatio nur noch erwachsene 
Täuflinge im Auge zu haben: sie befiehlt mit deren Unterricht aUeru 
zihingu (omtä festinaiione) zu eilen, während man doch Kinder erst 
vom siebenten Jahr an lehrte***); und ebenso klingt es nach der 



ciM diabülo et omnibus operibus ejus et omnibus pompis eiu8<i ? Refpm- 
dißi yiAbrenunUo h, e, defpieio ei derehnquo omnia opera mala ei 
diabolica. Faß iftam mbretmMiaUomem diabuio et omnibus operibw eitu 
inlerrogatus es a facer^te nCredis in deumU u. «. w. (Maliill. S. 67).. 
^) Boniracius in seinem fünrien Sermon eü, quos in baptifmo fuscepißis, hanc 
ipfam ßdem tradile, quia ideo pro ipfis ßdejuffores exstitiflis, ut fic cre- 
dere vobis doeentibus deberenl und im fGnftehnten OraHonem dominicam 
et fymbolum traäile et filiolis veßris^ quorwii in bapHftno fidefuffores 
exßitißis, El>en dessfaaib ward auch ron Boniracius (Statut. 26) und nach 
ihm wiederholendlich eingesdhftrfl aU Tanfeeugmi niemand suzulaften der 
nicht den Ghiubcn und das Yateronser auswendig wifse (vgl. S. 900 Anm.), 
und in den Beicht formularen kommt öUers das Bekenntnis^ der Sünde vor, 
jene Pflicht gegen die funtivillota (fonlis ßUolos) versttnmt zn haben: 
Hafsm. S. 7 Annv 
**) Wie goth. gudja^ altnord. godi: vgl. Jac. Grimms Rechtsalterth. 751. Die 
Traditiones Wizenbnrgenses haben neben Coline aach diese einfachere Bildung : 
Godio als Eigenname 213. coUa monSj monle eoltane 39. eolinea (statt 
codnea) marca 230. eutiga marea 253. vUla mMingas 220. Gleichralls 
in k<irz(rer Form heibt die Taafzeuginn ^oll^, althochd. gola. Palhe (vgl. 
Reinhart CX) geht auf das lat. pater znrOck, wi^ auch das mnndarthche 
ToU^ alrhochd. tolo, eigentlich Vater bedeutet, and GevaUer nur eine Über- 
setxong von compater ist: demi das Taulkevgnis» ward als eine geidlliche 
' Adoplkm Terstanden : s. da Gange v. adoplari und die naBchstfolgende An- 
morkanjf. 
^**) Im 18. Jahrb. wesigstens hielt man aich an diese Grenze: Ei foUen des 
Mndet talen das kin$ dm glauben «miftf da% patBmoßer Uren, ed $z ßben 



302 EXHORTATIO; 

Bekehrungszeit, wenn zum Schlnf^e nicht blofs auf coles capol und 
unfer heii, sondern auch auf nnfareM henHn capoty dominationis 
tioßrae mandatum^ das Gebot also der weitlichen Obrigkeit hinge- 
wiesen wird. Das erinnert an eine Stelle im zwölften Brief des. heil. 
Bonifacius : Sine pairocinio principis Franeotmm nee populum regere 
nee prefbyteros cei diaconos, monachos eel ancilias dei defendere 
poffumy eel ipfos paganarum n4u$ et facrilegia idolorum in Ger- 
mania /tue ilUus mandato et iimore prohibere valeo ; auch mag wohl 
in Betracht gezogen werden, dafs die ältere Handschrifl der Exhortatio 
aus Fulda stammt, aus Bonifacius Stiftung also und dem bedeutendsten 
Ausgangspunkte für seine und seiner Gehilfen Thsetigkeit. Freilich 
wurden noch im Jahre 804 von Karl dem Grofsen sogar Leibesstrafen 
über die verhängt, welche den Glauben, das Vaterunser und das 
Kreuzeszeichen (fignaculnm) nicht lernen würden: Portz 3^ 130. 
Dafs aber die Exhortatio noch einmal in jüngerem deutschem und auch 
in lateinischem Texte vorhanden ist, zeigt uns wie die Bevorworlun^r 
der überlieferten Glaubens- und Gebetsformeln selbst auch zu blofscr 
Überlieferung und Formel ward, wie schwach also der Trieb war auch 
nur in so bescheidener Weise, wie hier gefordert ward, einigermafsen 
mit Neuheit und Freiheit und Eigenheit zu wirken*). 

Sodann die Beichte **) Bekenntniss der Sünden und der Reue, 
Auferlegimg einer Bufse, Ertheilung des Ablafses, alles das gebeerte 



järe aU würde: wan ß ßnJU im fckuldic: wan ß ßiU ßn geißliche vafer 
unde mttoler Berthold 230 [Ausg. v. KlingJ; und wohl schon Träher, dii 
sie von altrechtlicher Bedeutung ist: Rechtnlterlb. 411. 

) [Bei MOllenh. und Scb. 448 fg. 2. Aufl. 502 fg. wird die exkorlaU^ auf die 
Synode vom November 801 surOckgefObrt.] 

) MiUelhochd. bihl und bthte^ althochd. bi^ von bifehan bekeniion: eine 
Predigt des 12. Jahrb. in Grieshabers deutschen Sprachdenkmalen 34 braucht 
ßch bekennen im Sinne von peccaia confileri. Bi^iM überseist confefßiu 
bedeute diefs lateinische Wort nun was es wolle; die Einschränknng de? 
denUefaen auf den jotsigen Begriff fängt nachweislich erst mit dem 12. Jh. 
an, wo in den Windbergcr Psalmen die bihte von der urgifU ontersi hieden 
wird. Prmoccupemus faeiem eius in canfefßon«^ et in pfalmii jubüefiiw 
ei, FürevaHe wir antluzee ßne in dere urgikte^ unde in den falmen ßwe 
wir ime, Confefßo quit bihte unde urgihl in xuein ente^ beidiu dere 
fknlen jauh des iobee. So der menniße erfurhtet nnde erehennet ßn un- 
reht unde ßne funte^ unde ire xe büUe chumit unde ire einem etcarle 
verifihUj das keixsU confefßo peccedomm. So der mennifke enzunlet 
wirdU vone der gnade den heiligen geifles in dere minne des atmahtigen 
gotet unde det ewigen libes^ unde diu liebe^ diu froude beginnU uz breiten 
durh dei wortj dax keiMxit confeaio toiMÜ» Pa. 94. 2. Auch nach dem 



«i> 



BEICHTE t i 803 

/.war gleich der TeufeI)»abschw(Brung und dem Glaubengbekenntnigse 
wegenllich schon zu den vorbereitenden Bedingungen der Heidentaufe : 
Btmifacius Statut. 27 nennt mit einander die abrenunciationes und 
confefßones der bapliiaudi ^) ; indess zu der wahrhaft • kirchlichen 
Bedeutung eines beständig arbeitenden Mittels der Sittenzucht konnte 
die Beichte doch arst dann gelangen, wenn die Bekehrung bereits 
ireschehen und um einen kirchlichen Mittelpunkt her ein festes {li*- 
meindeleben gebildet war: dann aber erhielt auch diese Einrichtung 
ihre vollste Wirksamkeit. Hier nun, wo lier Priester in den engsten 
Verkehr mit den Laien trat und eine prüfende und zurechtweisende 
Aufsicht über die Bethsetigung ihres Glaubens im Werktagsleben üble, 
hier war der Gebrauch der Landessprache noch um vieles nothwendiger 
und unumgänglicher als schon bei dem Bekenntfiiss des Glaubens und 
beim Gebet. Ob Glauben und Gebet immer auf Deutsch seien erlernt 
und aufgesagt worden, hat Rettberg noch bezweifeln dürfen (Kirchen- 
gesch. Deutschlands 1, 455): die deutsche Beichte ist so unzweifel* 
hafl als die Abschwoerung auf Deutsch. Da jedoch die Abschwoerung 
dem Glaubensbekenntnisse da beide zusammen der Beichte voranzu-» 
gehen ptloglen, da Giaubensbekenntiiiss und Gebet des Herrn stsets 
in ungetrennter Verbindung genommen wrurdea, so möchte daraus fUr 
all diese Stücke auf Abfafsung in deutscher Sprache als den beständigen 
Gebrauch zu schliefsen sein; man wird es damit schon im achten 
Jahrhundert gehalten haben wie nachher im dreizehnten: Die unge^ 
lerten Hute die fiün den glauben in tiutfche lernen^ unde die ge^ 
lirten in buochifchem ^^) Berlhold 230 (bei Kling). Deutsche Beichte 



12. Jahrb. findet sich noch zuweilen die weiter umfassende Bedeutung: 
z. B. eonfeffor^ ein Heiliger, der die Seligkeit und Helligkeit durch ein gc- 
treues Bekenntniss de^ Glaubens trotz allen Verlockungen oder Noethen er- 
worben hat, ein solcher beifirt noch im spieteren Mhd. kikUr^ Bekenner, 
während damit zugleich ein GeisUicher, der das Siindenbekenntniss iibnabm, 
ein Beichtvater, bezeichnet wurde. 

*) Ein Gedicht des 12. Jnhrh. in Haupts Zeitschr. ftir Oeutschrs Alterlh. 3, 522 
Do der hedine man fo verre warlh gehorfam mü glaube unde mit pi- 
gihie ; eine Predigt derselben Zeit Di fkh do bekänlen unde geUmbic t^r^ 
den Grieab. Sprac|idenkm. 34. 

^^) D. b. * auf Loiteiniach : ebenso am Schlufs einer Sarner Haiidifchrift des 

13. Jabrh., welche die Benedictinerrogel lateinisch und deutsch enthält 
(Engelberg im XH. und XHl. Jahrb. S. jS6) Sil diz bvoch in felcMr friß, 
in btacftskvn vnde intvfthvn ifL nach rneiflerlichir chvnft gefcrUrin u. s. w. 
und Altd. Blätter 1, 364 die fünde die in Hufehen heiienl houbUUigy die 

, Msenl in bvokcfoen mortaU4Li 



804 BEICHTRßDE. 

schrieb Boinfacius seihst ausdrücklich vor, schon für die Neubekehrten. 
Statut. 27 Nuthis $U prefbiler qui in ipfa lingua qua nati funt 
haptizandos abrenttnciationes vel confefftanes aperte interrogare 
non fhideat, ul inteUigant quibvs abrenundant vei quae conßtentvr ; 
zum überflüfsigen Beweise, dafH man auch nach der Bekehrung dabei 
geblieben, dienen zahlreich erhaltene deutsche Beichtforuiulare. Es 
ward aber auch die Beichte, obschon sie an sich nur eine Besprechung 
zwischen dem Priester und je einem einzigen Laien war, zu einer 
gottesdienstlichen Handlung für die ganze Gemeinde, zum Anlafs einer 
Art von Predigt gemacht. Es ward alfo nicht blofs neben dem 
Glaubensbekenntniss und dem Gebet des Herrn auch noch über die 
Beichte gepredigt, wie bei Pirminius a. a. 0., sondern einzig und 
allein über diese, in Bezug blofs auf sie und zum Behuf ihrer Ab- 
legung. Auf solche Beichtreden bezieht sich das Achner Capitular 
von 789, wenn es cp. 81 nach Anbefehlung der Glaubensreden weiter 
verordnet Item cum omni diligentia cunctis prcedicandum eft pro 
quibus criminibuf deputentur cum diabulo in mtemum fupplicinm. 
(Folgen die Worte des Apostels Gal. 5, 19—21, welche die Grund- 
lage geworden sind für die üblichen Sündenverzeichnisse der Beicht- 
formeln; die ältesten, in der Predigt des hoil. Pirminius und in dem 
Weifsenburgcr Catechismus, Mafsm. Nr. 20, sind Wort fitr Wort daher 
entlehnt.) 8ed omni instantia ammonete eos de dilectione dei et 
proximiy de ßde et fpe in deoy de humilitate et patientia, de cafti- 
täte et continentia, de benignitate et mifericordia, de elimoßnis et 
confessione peccatarum fuorum, et ut debitoribus fuis fecundum 
dominicam orationem fua debita dimittant, fcientes certiffime quod 
qui tcUia agunt regnum dei pofßdebunt (Pertz, 3, 66 fg.); und 
schon vorher cp. 65 Item prcedicari neceffe est quantum malum 
Sit odium vel invidia u. s. f. (Pertz 64). Diese Beichtgottesdienslc 
pflegten jedoch nur einmal jährlich vorzukommen, am Aschermittwoch, 
der die grofsen Fasten schicklich eröffnete mit einem Sündenbekennt- 
niss Aller, spaeter am hohen Donnerstag {antläztac) als Vorbereitung 
der feierlichen Abendmalsspende, wodurch dieser Tag ausgezeichnet 
war. Der Hergang war etwa folgender*). Nachdem die Einzelneu 
gebeichtet hatten, hielt der Priester, zur Gemeinde gewendet, eine 
Ansprache, die zur Reue, zur Bufse, zur Ablegung der Sünden 
ermahnte, und mit vorgesagter Abschwoerungs- und Glaubensformel 
bald begann, bald schlofs. Dann gesprochen von der Gemeinde oder 



[Verf I. die abweichende Dantellnng bei Nailenb. v. Seh. 511 fgg. 2. Aufl. 592 fgg.] 



PREDIGT. 305 

Einem, vielleicht auch wiederum vom Priester selbst, so dafs jene nur 
das Amen wiederholte, ein umfafsendes Beichtformular. Endlich Sünden- 
erlafs und Segen. Bereits sechs von den lateinisch niedergeschriebenen 
Sermonen des Bonifacius (der 3. 6. 8. 11. 12. und 18te), sodann 
die untibersctzten Aufzeichnungen in Mafsmanns Sammlung Nr. 21 fgg. 
tei^n uns den geschilderten Verlauf hier in gropfserer, dort in ge- 
ringerer Vollständigkeit und die Beichtreden bald mehr, bald minder 
ausgeführt ;' es hat dabei sichtlich keine so bis zur Erstarrung gehende 
Sijetfgkeit der Überlieferung gewaltet: aber die Beichtreden waren 
auch andern Ursprunges als die Reden zum Glaubensbekenntniss \md 
zum Vaterunser: sie waren mehr aus einem sclion bestehenden Leben 
<ier christlichen Gemeinde herausgewachsen. 

Also Glaube, Gebet und Beiohte, diese drei in deutscher Sprache, 
und alle drei der Gegenstand einer so zu sagen homiletischen Be- 
handlung. Fafseh wir das schon einmal angefiihrte 69ste Capitel jenes 
Achner Capitulars von 789 jezl noch einmal seinem ganzen Zusammen- 
hange nach ins Auge. Ut epifcopi diUgenter discutiant per fhas 
parrochitu preBßitero», eorum fidem baptifina et miffamtn cele- 
hratioHeSj ut et fidem rectam teneant, et baptifma catholicnm ob- 
fervent, et miffarum prwces bene intellegant, et ut pfalmi digne 
/ecnndum dimßones rerfnum modulenttir^ et dominicam orationem 
ipß intellegant et amnibus proedicent intellegendam, ut quisque 
fciat quid petat a deOj et ut Gloria Patri cum omni honore apud 
omnes cantetur^ et ipfe facerdos cum fanctis angelis et populo dei 
rofnmuni voce Sanctus Sanctus Sanctus decantet (Pertz, 3, 64). 
OflTenbar soll, wfihrend die tlbrigen auch hervorgehobenen Stellen immer 
nur auf Einzelnes gehn, in dieser hier der gesammte Inbegriff des 
Priesteramtes umrifsen werden, und da richten sich, was die Predigt 
betrifft, Voraussetzung und Forderung nicht hceher als gar allein auf 
Vateninserreden. Diefs also, diefs wenige werden wir als die gewohnte 
Stufe betrachten müfsen, zu welcher sich damals wenigstens die priester- 
lichc Homiletik erschwungen habe. 

Indessen so ganz und gar ohne Predigt, wenn wir auch 
das Wort- im engeren strengeren Sinne nehmen, war der althoch- 
deutsche Zeitraum doch nicht: er begann sogar mit Predigt sol- 
cher hoeherer Art, sie ward nur, nachdem die Kirche fester ge- 
gründet war, wieder seltener und mufste dann, langsam und erst 
allmählich, im Verlauf der Jahrhunderte, welche diesen Zeitraum 
bilden, sich erst aufs neue entwickeln. Zwar die Worte Predigt 
predigen Prediger oder althochd. brediga bredigön bredigdri er- 



306 PREDIGT, 

scheinen unablapfsig in den Sprachdenknia'lem *) : dan beweis! jedoch 
nichts für eine beständig fortdauernde Übung der jezt von uns so 
benannten rednerischen Darstellungsart ; nicht einmal die Bekanntschaft 
mit ihr würde es beweisen: denn jenes bredigön hat den gleichen 
weit ausgedehnten Sinn, den sein Urwort das lat. prcBdicare besitzt : 
jegliche Mittheilung über Gott und göttliche Dinge, die sich mündlich 
an eine groefsere Menge richtet, heifst eine brediga, und auch die 
kürzeste Beicht- und Glaubens- und Vaterunserrede wird so geheifsen 
haben, da das lat. praBdicare auch von diesen gilt. Erst seitdem es 
wieder im festen allgültigen Kirchengebrauch eigenUiche Predigten gab, 
begann sich dieses Wort auf sie zu beschränken: das geschah aber 
erst mit dem Übergange vom althochdeutschen Zeiträume zum mittel- 
hochdeutschen. Bis dahin verhielt es sich mit der deutschen Predigt 
oder bcfser mit der Predigt in Deutschland in folgender Weise. 

Die Predigt, auf Lateinisch fermo, zuweilen auch tractatus oder 
mit Beibehaltung des griechischen Namens homilia homelia omelia 
genannt (einen Unterschied zwischen Predigt und Homilie hat im ganzen 
Mittelalter weder die Theorie noch die Praxis gemacht) war zwar 
nicht mehr wie in der älteren Zeit der wichtigste Theil des Gottes- 
dienstes, aber mitten in all der sonstigen reichen Ausbildung desselben 
immer noch ein wichtiger und hauptsächlicher Theil; Gregors des 



^) Alihochd. brediga^ miitelbd. bredige wie iial. predica, frauz. priche, D\eU 
Bredig ohne t dHuerl noch jelzl muotlartlich fori; die Zürcher inBcheii, wenn 
sie hoohdeatscher sprechen woHen, gelegentlich eine Beredung Gratis. 
Predigt mit ( mag zunächst auf dem seltneren rohd. predigäle oder predigAl 
beruhen : predigäte S. Ulrich 374. 745. 747. Hermann v. Frislar 4, 16. 18, 
28: prediäle 63, 24. 95, 3. predigät S. Ulr. 342. Wir han des dicke 
ivol enlfaben Daz maniger zuo der kirchen gat Vnd hosret fchame pre- 
digät Daz im doch le nlcMe vrumet Pasiicnal, Wiener HS. 2694, Nach- 
rede 42. Die Bildungsart pcheint eine undeutsche, predigAie ans jmMif- 
calio oder noch lieber einem romanischen predicala entstanden: auch von 
den andern ebenso abgeleiteten Worten (fillAla flläle oder villöi Diut. 3, 
263. Fundgr. 1, 63, 6. folAie Goilfr. Tristan 8078. Kemenate, clutterdt 
Hahns Pas»ionnl 351, 30. mandäte Fundgr. 2, 31, 45. Griesbabers Pred. 2, 
XXX. mari4!rAl Pass. 305, 43. mundAt Oberlin 1076. mnrmem MafHm 
Alexius 109 a. pArAl bAräi Ottoc. 741b u. a rmndieAUd. Leseb. 769, 5. 
rundAte Trist. 8077. 19215. teüAle Erfurter Statuten 19. ujehfeUU Grinmis 
. Gr. 2, 252. wundAle Justinger 287, wozu noch die durchweg männlichen 
Zetugnamen pHAl rdfAl fcharlAl fchinAl ciclAl dndAl kommen) ist die 
Mehrzähl sdhon dem Stamme nach fremd. Oder soll man das goth. fäfUths^ 
das mhd. kleindi (Gr. 2, 257) tiobien kleinifi, das neahd. Heimat Monat 
neben heimMol män&l vergleichtn? . .!' v . . 



TISCHREDE. 307 

Grofsen Liber pasloraUs, für die Geistlichkeit des früheren Mittelalters 
ein Gesetzbuch, machte sie zu einer ernsten und heiligen Pflicht. 
Stoff und Thema gewährten die Evangelien und die Episteln nebst den 
Psalmen u. s. f., und seitdem die Verehrung der Heiligen immer all- 
gemeiner geworden, auch die Erzählungen von deren Leben und 
Sterben: für Texte der ersteren Art stellte sich schon frühzeitig in 
den s. g. Lectionarien eine gewisse Wahl und Reihenfolge fest: die 
Heiligenleben konnte man aus den Martyrologien schöpfen, deren seit 
Hieronymus erstem Vorgange noch immer mehr und von stffits groefserer 
Ausführlichkeit entstanden; eines der gebrauchtesten mag das von 
Beda gewesen sein. Ein kurz unterscheidender Name beider Predigt- 
wrten ist fermonet de tempore und de foMctis : de tempore, weil das 
Jahr durch die hohen Feste der Christenheit in Abschnitte getheilt 
und diesen die bibUschen Lectionen in bestimmter Reihenfolge zuge- 
\viesen waren, so dass jede ihre Zeit, wenn auch, bei der Beweglich*» 
keit de« Osterfestes, nicht ihren bestimmten Tag hatte. 

Die Predigt war Sache der Priester, nicht der Mönche: Mönche 
predigten nur, wenn sie auch zu Priestern geweiht waren, mochten 
<iie Zuhoerer Klostcrgeistliche oder Laien sein. Die Klostergeistlichen. 
Mönche wie Nonnen, hatten aufserdem innerhalb ihres engem Lebens- 
kreises noch einen zweiten Anlafs zu predigtartiger Ansprache, in den 
sogenannten Collationen, den Vorlesungen eines Klostergenofsen, die 
sich alHcDglich nach der gemeinsamen Malzeit wiederholten. Durch die 
Benedictinerregel cp. 42 war festgesetzt : Mox ut furrexerint a cosna, 
fedeantomnes in uno loco, et legai unns Coüationes eel Vitas patrum*^ 
aut certe aliud quod mdifieet andient es; hieraus entnommen, die gleiche 
Verordnung in Chrodegangs Regula canonica cp. 21. Also oMt aliud 
quod wdificei andient es: damit war neben dem Lesen älterer Werke 
auch fiir eigene neue Vorträge der Raum eröifhet, und solche wurden 
und waren denn auch Klostersitte. Collatio, mittelbochd. coUäzje 
(LIX, 91) blieb dafllr der Kunstausdruc^. 

Unter solchem gesetzmäfsigon Kirchen* und Klosterbrauch waren 
die erwachsen und gebildet, die aus dem romanischen Süden und 
Westen, aus Irland, aus England als Boten des Christenthums nach 



^) Danach sind wohl die CoUatioves palrum de« Gaisianii« f|er erste Gegen- 
i^and dieser Vorlesungen und die Ursache ihrer Benennung gewesen. Hü 
noch weiter gegangener Übertragung bezeichnen colUUio und CollcUion dann 
auch Oberhaupt eine Haizeit, ein Frfihstfick oder Abendefsen, sogar unter 
Laien, auch ohne Vortrag dabei, und in Hondarten des katliolischen Deutsch^i' 
lanlt iü koüaxsn das Zeitwort dazo. 



308 GALLUS UND BONIFACIUS. 

Deulschland kernen. Aber eben dieser ihrUrf<prung und die Verhält- 
nisse unter denen sie auftraten und wirkten erschwerten es ihnen, 
diesen Brauch seinem ^nzen Umfange nach und auf Deutsch zu üben 
S. GailuK hat es allerdings wenigstens einmal versucht, zu Constanz. 
als er den Bischof Johannes weihte und er durch dessen Mund wie 
einst Moses durch Aarons sprach (oben S. 295 fg.): da filhrte er in 
einer weit ausholenden und weit sich erstreckenden Darstellung, der 
sich die erbauliche Lehre blofn ein- und unterordnet. Schritt fflr Schrill 
all die Hauptmomente der Weltgeschichte vor, in denen die Macht und 
Liebe und Weisheit Gottes zur Offenbarung schon gekommen sei oder 
noch kommen werde: denn er beginnt mit der Schöpfung der Writ 
und dos Menschen und endfgt mit dem Jüngsten Tage. Das war nun 
wohl eine deutsche, aber es war keine Bekehrungspredigt : den Red- 
ner umgab eine schon von älteren Zeiten her bestehende Christen- 
gemeinde; und auch so steht dieses Beispiel ganz vereinzelt da 
Wie Galius selbst bei der Bekehrung und sonst im Predigen sich ver- 
halten habe, wifsen wir nicht. ' Sodann Bonifacius. Diesem schickte 
sein Freund in England, Danfei Bischof von Winchester, eine hinrei- 
chend weitiftuftige Anweisung zu (Bonif. Epist. 14) wie er versuchen 
solle auf die Heiden Germaniens homiletisch einzuwirken: liebreich, 
sanftmüthig, gemAfsigt, mit einem langsamen Fortschritt dialectischer 
Erörterungen, so dafs den Götzendienern, wenn auch nur allmählich, 
doch um 80 sicherer der Grund und Boden ihres Irrthums abgewon- 
nen würde. Ob jedoch dieser Rath In allen Stücken sei befolgt 
worden, hat schon Rettberg bezweifelt (Kirchengeschiehte Deutsch- 
lands 1,408), und ich denke, mit Recht: Bonifacius erscheint in der 
Geschichte seiner Bekehrungsarbeiten nicht grade dis ein Mann von 
vielen Worten, üKerall mehr als ein Mann der That, eines kurz und 
schnell entscheidenden Handelns, der lieber, vne ef es ganz eigentlich 
zu Geismar gethan (Pertz 2,343), dem Baume die Axt an die Wurzel 
legte. Zudem auch zeigen die Reden und 'Predigten, die wir nocli 
von ihm haben, einen ganz andern Character, als welchen Daniel 
for/ierte. Es sind deren ftlnfzehn, alle in lateinischer Sprache über- 
liefiTt (Martene et Durand, Vet. Script. Collect. 9, 187—218), ob- 
gleich wohl nur eine wirklich so ist gehalten worden, die erste, die 
sich ganz deutlich anZuhosrer aiis der Geistlichkeit richtet (obenS.302); 
bei all dc^n übrigen, in denen zu wiederholten Malen auf die Ver- 
höltnisse von Mann und Weib, von Eltern und Kindern, von Herren 
und Knechten, Neugetauflen und Taufzeugen Bezug genommen, mit- 
hin eine Laiengemeinde angeredet wird, kann die lateinische Form 



BOKWACIUS UND PlRUlNfUS. 809 

nur Übersetzung sein: Rettberg hat «ich verfichen, wenn er sie für 
die Urform häH^ uqd nun weiter behauptet, alle fünfzehn Sermone 
seien vor Klerikern und Mönchen, nicht vor der Gemeinde gesprochen 
worden (Kirchengeschichte Deutschlands 1,457). Die Übersetzung 
nun mag zwar mancherlei davon und dazu geihan haben: indessen auch 
so gewähren diese Denkmale uns immer noch ein genügendes Bihl 
von Bonifacius rednerischer Thfttigkeit. Eigentliche Bekehrungspredigten 
Gnden t>ich darunter nicht, und doch wseren gerade solche der Auf- 
zeichnung besonders werlh und fehig und bedürflig gewesen, falls 
sich Bonifacius wirklich in jene dialectischen Erörterungen eingelafsen 
hätte, weiche sein Freund ihm iingerathen ; vielmehr setzen alle Reden 
das neue Bekenntniss als bereits abgelegt und durch die Taufe be- 
slsetigl voraus. Beziehungen aber auf das Bekehrungswerk kommen 
natürlich mehrfach vor: der eine Sermo soll dazu den Predigern eine 
Art Anleitung und Musler geben (der erste; ygl. oben S. 302>; ein 
andrer knüpft sich an eine eben vollzogene Taufe an (der 15.; oben 
S. 301); wieder in andern wird das Festhalten an Gebräueben des 
abgelegten Heidenthum^ verboten, ja verdammt (im 6., 8., 15.), mit 
rücksichtsloser Strenge, die eben auch nicht im Sinne Daniels lag. 
In Geholt und Aui^führung her&cht grosse Verschiedenheit: acht dieser 
fünfzehn . Sermone^ wo nicht mehr, sind blofse Glaubens^ oder Beicht^ 
reden der früher (S. 300. 306) besprocheneu Art, und nur die noch 
übrigen köqnen wirklich etwa Predigten genannt werden. Es siiul 
aber Predigten von der allergrosten Einfachheit: der zweite Sermo, 
zur Weihnachtsfeier, giebt der Hauptsache nach nur Geschichtserzählung, 
eben wie der fünfte, der von der Betha^tigung des Glaubens durch ein 
frommes Leben und durch Liebeswerke handelt, sich besonders bei 
der Schilderung des Jüngsten Gerichts und des Paradieses verweilt; 
der vierte, über die Seligsprechungen der Bergpredigt (Ev. Matth. 
5, 3 — 10), folgt den acht Gliedern derselben ganz nur als Homilie 
mit erbaulicher Paraphrase. Entsprechend solcher Einfachheit des In- 
haltes ist auch der äufsere Umfang überall ein sehr geringer. Endlich 
der heil. Pirminius. Seine eine Predigt ist zwar zu einem kleinen 
Buch ausgearbeitet und mag von Haus aus länger als die des Boni- 
facius gewesen sein, aber dem Hauptinhalte nach theilt auch sie den 
neubekehrten Christen zum Behufc der Glaubensbelehrung und der 
Anweisung zum christlichen Wanlel nichts weiter mit als eine Um- 
schreibung der bezüglichen Formulare. Also bei S. Galhis, bei Boni- 
facius, bei Pirminius bald nur Erzählung statt der Lehre, bald wohl 
Lehre, aber in fler schmuciilosen Foria der Homilie, häutiger aber als 



310 LATEINISCHE PREDIGT. 

die Homilie nur die Mitthailung und Erläuterung der Catechismus- 
«tttcke; diers al8o der Inbegriff und diefs der Chsracter ihrer kirch- 
lichen Beredsamkeit, und sicherlich ebenso bei den übrigen, minder 
namhaften oder ungenannt gebliebenen Glaubenbboten. 

Aber auch diefs Wenige verringerte sich noch und verschwami 
beinahe wieder, als die Arbeit gethan schien, als, ', wenn auch nicht 
der Glaube, doch die Kirche fest gegründet war. Sehen wir jezl 
noch von andren Hindernissen ab, die einer Behauptung und Weiter- 
bildung der deutlichen Predigt entgegentraten. Schon innerhalb der 
Kirche selbst gab es deren mehr als eines und theilweise sehr ge- 
>vtchlige. Einmal die grofse Zahl der Fremden, welche die ersten 
Jahrhunderte hindurch unter der deutschen Geistlichkeit sich befand, 
die vielen englischen, irischen, romanischen Priester und Mönche, 
«ienen die Sprache des Volkes mehr oder weniger unverständlich unti 
schwer zu erlernen, nicht selten sogar in ihrer vermeintlichen Bar- 
barei zuwider war. In S. Gallen z. B. sind, den Handschriften nach 
zu urlheilen, zeitweise mehr Iren und Angelsachsen gevresen als etwa 
Alamannen; romanische Geistliche wanderten schon * vor Karl dem 
Grofsen häufig zu: von einem solchen her hat sich noch zu Cassel 
eine ehemals Fuldische Handschrift des achten Jahrhunderts erhalten, 
ein romanisch'^eutsches Voeabular ganz in der Weise unsrer Gre- 
sprtßchbücher fUr Reisende (Eckhart, Franc. Orient. 1,858 — 855. 
Qraff, Diutisca 8,211 fg.); ein kleineres Stück der Art aus dem 
neunten Jahrhundert zu Rom (Greith, Spicileg. Vatic. 31— 88): beide 
machen uns die ganze Mühseligkeit des Verkehrs zwischen Welschen 
und Deutschen bis zum Ergötzen anschaulich. Wie nun hätten der- 
gleichen Fremdlinge, wenn sie auch die Bekehrungsarbeit noch enniger- 
mafsen erledigen mochten, doch mit der gehoerigen Fülle und Flüf- 
sigkeit der Rede auch deutsch predigen sollen? Vielmehr trug ihre 
Sprachunkunde nur dazu bei, dafs ein zweites Hemmniss der deut- 
sehen Predigt sich noch mehr befestigte, die Erhebung nämlich den 
Lateinischen zur Kirchensprache auch unter deutsch redender Be- 
völkerung. Zwar die Gothen und die Vandalen hatten bereits die 
heilige Schrift, hatten Messe und Predigt auf Gothisch gehabt (Papen- 
cordt, Gesch. der vandal. Herrschaft in Africa 285), aber sie waren 
Arianer ; um so weniger mochte Rom, da unter seiner Leitung nun 
anch die übrigen germanischen Völker bekehrt wurden, deren Sprache 
ebenfalls in der Kirche dulden: hatten doch selbst die Apostel der 
cestlich abgelegenen Slaven, Cyrilliis und Methodius, im neunten Jahr- 
hundert die groeste Mühe in Rom es durciizusetzen, dafs man in ihren 



PREDIGT «IN BISCHOFSHECHT. 3 1 1 

Kirchen die slavische Sprache duldete (Neanders Gesch. der christl. 
Religion und Kirche 4,63 fg.). Dazu kam nun jene Unkunde des ^ 
Deutschen auf Seite der Bekehrer, während Lateinisch alle konnten. 
So di»nn ward nun auch in Ländern, aus denen vor Jahrhunderten schon 
die Kriegfvheere Roms hatten zurückweichen mttfsen, die Kirche rop- 
misch, Bibel und Messe lateinisch und lateinisch alsbald auch die Pre- 
digt, die ja ihren Stoff aus der Bibel schöpfte und sich in die Messt^ 
nur als ein Glied derselben einreihte. Sobald der Glaube sicher, die 
Kirche fi|stgestellt war, auch die Predigt; Glauben und Vaterunser 
wurden zwar immer noch auf Deutsch vorgetragen und erklärt und 
ebenso die Beichte mit einer Ansprache auf Deutsch begleitet: war 
aber kein Anlafs zu solch einem Vortrage, so sprach der Priest« r 
eine lateinische Predigt: es bestand mithin kein wesentlicher Unter- 
schied mehr zwischen dem Gottesdienste den man in Kloestem und 
dem welchen man in Pforrkirchen begieng^ und doch hiefsen dt* 
letztem in der Sprache jener Zeit Leutkirchen, d. i. Volkskirchen, wie 
die Pfarrgeistlichen Leutpriester, d. i. Volkspricster.^) Ja genau und 
streng genommen, kann man nicht einmal sagen, es seien von den 
Priestern lateinische Predigten gesprochen worden, was immer noch 
als eine gute Voröburig auf etwanige deutsche und auf die Beicht- und 
Catechismusreden hätte dienen können: sondern (und hfemit kommen 
wir auf einen ferneren und wohl den erheblichsten Übelstand) krafl 
eines Missbraucht^s der durch die Anmafsung der Bischo^fe und die 
Tnegheit der niedern Geistlichen eingerifsen war, durften die letzterim 
überhaupt nicht eigentlich und nicht selber predigen ; indem man ein4; 
kloBsterliche Übung**) auch in die Leutkirchen übertrug, war ihnen 
nur gestattet fremde ältere lateinische Homilien Ii|teinisch vorzulesen 
oder herzusagen, und somit der groefsere und grade derjenige Theil 
der Geistlichkeit, der dem Volke tseglich und am unmittelbarsten nahe 
trat, einer der wichtigsten Mühviraltungen seines Amtes überhoben und 
beraubt: die Befugniss eigener selbständiger Predigt hatten sich die 
Bischoefe vorbehalten, deren es doch in jedem Gaue nur Einen gab, 
und die mehr nur in Beziehungen zu der ihnen untergebenen niede- 
ren Geistlichkeit standen als zu den Gemeinden der Laien. Und wie 



*^> IHit i. V. a. Volk: liulpHißer im NiUelliochd. wie tat. plebanus; mit Hut- 
Micha giebt Notker Pa. 34, 18 das lal. eecUfia wieder, und noch ist Leut- 
kirck oder Leutkirchen ein öfters vorkommeDder Ortsname. 
^^) Codices aulem leganlnr m vigüiU tarn veleri$ leftamenli quam novi diviuw 
auclotitatis^ fed el expofitiones eorum qua a nominaliit doctorum oilhO' 
doxlM cathoiich palribu» facta; funl. Bened. Regel 9. 



312 KARL DER GROSSE. 

machten bald auch die Bischoefe sich das Predigen bequem I Nach Ab- 
lesung des dem Tage zufallt^ndeii Bibelabschnilles aus dem Lectiona- 
rium lasen auch sie nur eine ältere lateinische Homilie darüber und 
fügten etwa hie und da eine umschreibende Erklärung bei: das hiel's 
dann prcedicare. So gieng noch vor Ablauf des achten Jahrhunderts 
der ganze Gottesdienst in todtes Lateinisch auf, insofern auch ein 
todtes, als nur die Wenigsten der einheimischen Geistlichen selber es 
verstanden und. sich diejenige Bildung anzueignen suchten, zu welcher 
ihnen damit der Zugang eröffnet war. Denn, um endlich noch auf 
einen Umstand hinzuweisen, welcher die deutsche und überhaupt alle 
Predigt wiederum zurücksinken liefs, die gesammte Weitgeistlichkeit 
mit seltensten Ausnahmen und in ihrer Mehrheit selbst die Mönche 
blieben den Wissenschaften fern, ja entbehrten oft ihrer ersten An- 
fänge. Mufstc doch (ich darf bei einer so bekannten Thatsache mich 
auf Ein treffendes Zeugniss beschränken das hier nahe liegt) noch im 
Jahre 802 Karl der Grofse eine allgemeine Prüfung anbefehlen, ob die 
Priester es auch verstünden in dem Formular der Seelmessen die 
männliche und die singularische Form der Worte je nach Erforderniss 
gegen die weibliche oder pluralische umzutauschen (Perlz, Mon. 
Germ. bist. 3, 106). Was mögen da diese Leute gelegentlich auch 
aus den fremden Homilien gemacht haben, deren Verlesung die Kirchen- 
ordnung ihnen auferlegte! 

Wie diesen einen bezeichnenden Zug, so lernen wir all die so 
eben vorgeführten ÜbeKtände hauptsächlich aus den Verftigungeii 
kennen welche Karl der Grofse dagegen traf. Man weifs, wie viel 
dieser Kuenig auch für das Christenihum und die Kirche seines Reiches 
gethan, durch die hcehere Würde und Weihe die er dem Gottesdienste 
verlieh, durch die strengere Siltcnzucht die er auch unter den Geist- 
lichen herstellte, durch die gelehrte Bildung die er von denselben 
fiM'derte und zugleich durch geeignete Einrichtungen ihnen mipglicli 
machte. Und so nahm er sich denn nach dem bisherigen Predigtun- 
wesen auch des Predigtwesens an und zwar so,, dafs man deutlich 
sieht, er ei kannte in der Predigt und selbst in der blofsen dürftigen 
Catechismusrede doch den eigentlichen Mittelpunkt eines fruchtbaren 
Gemeindegottesdienstes. Freilich Alles auf einmal konnte selbst der 
gewaltige und gewaltig durchgreifende Karl nicht befsern. Wir haben 
einen Brief AIcuins, worin dieser dem befreundeten Koenige seine Be- 
denken vortrap»gi gegen die Ausschliefsung der Priester von dem Recht 
und der Pflicht des Predigens: Ep. 124 Audio per ecdeßas Chrifti 
quandum confuetudinem non fatis iaudabUem, quam pefira aurioriias 



KARL DfiKiOAQ^SE. 318 

facile emendare poteft, fi tarnen eevß .^fivOT^i^iQ-, Hfkpn vmgi^falfß 
excufaiio, ut q^od fixere w?h poiui^t pr^byletri fuis iiyicioHt fipi» 
fcapis, Noin diewikL Bb,epifcopi$ iu^diqlum j^ffe prefbgieris pt 
diaconis pr^dicare in eccleßis. -^ Dicant eninhi^ quibus amwik^ 
itUerdicium fit preßyteri* >pradicar0?, — Quare in, ef^ßii^yjififm^' 
ab omui ordiue clericomm homilim. leguntuf.K (^'(/,^/*/l:Aqimi/fiq( mß 
prwdicfktio? Mit^um eft quod legere licet, ef inlerprelari.^ou f*cet, 
ut ab ..onmbue imieUigwUut\.. QeunpcJi i^ : 4n . iUeseiu . ^iffUf^,: ^uo) 
Eine Verordnung des KcBnigt^ erfolgt: solche .gequg, >i[ie,]»'ii:, gesehen 
haben (S. 298), die. den Prioblorn l^lofs dip C^techü$niiu^ped(Bn .a^e.i)n- 
pfehlen. Auf Yortrsege der Priester, %^4e,jene.d^ B\s/iftfffdkn vorhe^r 
haltenen, auf Verdeuttjchung und Erklserung al^o. der ve^lq^nßn.^ci'^ 
niachen .Homilien, :ia;ftit sicli nur ^n einj^igeiii Hceniglich^v^ iG^b.at,,.yQU) 
Jabre:802 beziehen, d^as in di^eif^eher Fafjsung vorliegt: ,Pf4ß/oept^^^ 
eft — uuumquemque examinare — opcUioneni domimQßfn qa^omo^p 
iniellegant, et ipfam orationem vel (ymboli fenfum plemter difc^, 
et fibiaetipfis fciamt et ulii9. iufinu0re pnevßleßut. /fjt c(^o%es et 
librum paftoralem (,\gl S.SßT \i.äl8^ n^cfwn et kovh^ißs ßd erudir 
tionem. populi diebm fingulis feftidt^tum congmeiUes .difcant C^^^pi' 
tulare generale cp. 10. 11. Pertz 8, 106); Ilomelias orlhodoxoruni 
patrum qUomodo intellegilis vel alias infiruere (Qitvß, (Capitnla e^^ 
nitiiatjonis genenalig cp. 6.. Pertz 107); Omelioß domnic^ dieb^$,0t 
folemnitatibus dierum ad prmdicandum (Capüul^ dQ doctriua c^rjf- 
conun cp. 12. Pertz 108); asechfitdem ein Be^chli^b der M^ii^^ief 
Kircshenversauunlang von. ^818 daf» w^ivi ein Bis(:Aof an . Sonur cidi?' 
Feiittagen verhindert sei, doch für die jPredigl jemai^ anderer d-.h. 
ein Priester ihn vertreten sollet <;an.. 25 ^t forte epifcopu^nq» fuerit 
in domo fua, aut infiymue eß, ant aäa aliqua cofASiß, exigenU mm 
f>aluerUy mtnquam tarnen defit diebus domnicis aut f§ftii>itßtibus 
qui verbum dei pnadicare juxta quod intelligefe' vulgus poffit 
(Uarizbeim,! ConcU. German. 1, 410). Da,, braucht niao. : flieh fu^ 
nicht zu wundern dafs es im . Frankenreich (iei@tliiehe..;gab denon 
nicht einmal die Bibel bekannt war: wirklich konnte TheoduU* Bischi^f 
von Orleans die Pfarrer seines^prengc^ls in solcher. Art., zum ynt^r.- 
nchie der Gememden aiunabnen, dafs die von ihnea,v welche diiß he^. 
Schrift verstünden, diese arkteren, welche sie aber nicht ken\Ueu, 
sonst den Laien vortragen soUten was sie.das Gnte ;tfiun und i4bs 
BcBse mekien lehre (CapUulare ad sac^rdotes, cp. 2^. bei Harduifi, 
Concä. .% 818)[. Mit den Priestern also liefs es Ka^l itn Ganzen noch 
beim Bisherigen bewenden, und wenn sie gleichwohl mit dem weiteren 
Altd. Predigten. . i . . .i S|l 



314 -flOMlLIARlEN. 

Verlanfe der Zeit in ihr ursprüngliches Recht wieder eingetreten und 
wiedenim auch die Prediger ihrer Gemeinden geworden sind, so folgten 
Hie damit nur, willig oder unwillig, dem allgemeineren Um- und Aur- 
schwunge den überhaupt die Folgezeit bringen sollte. Dagegen mit 
den Bischoefen liefs es Karl nicht so bei der bisherigen faulen Übung : 
von ihnen durfte der Koenig mehr verlangen, und zugleich wohl er- 
v^rtete er, dafs so wie sie selber Hoeheres leisteten, sie nach und 
nach auch die Pfarrgeistlichen nach sich ziehen und gerne die Hand 
zu deren Hebung bieten würden. Mochten sie nun auch die Art von 
Predigten die sie sich vorbehielten nicht grade mit Eifer üben, oder 
mochte es ihnen wirklich zuweilen an Stoff für diefs Predigtlesen ge- 
brechen, genug, Karl der Grofse lii^Ts schon im Jahr 782 durch den 
gelehrten Langobarden Paulus Diaconus eine Sammlung von lateinischen 
Predigten (iractatus atque fermonesj auf alle Sonn- und Festtage 
fertigen *^ und stellte sie dann mit einem empfehlenden Rundschreiben 
den Bischcefen des Reiches zum Gebrauche zu (Pertz 3, 44 fg.). Wir 
haben diefs Homiliarium noch, handschriftlich und auch mehrfach ge- 
druckt ; nur Wird da fehlerhafter Weise als Sammler desselben AIcuin 
genannt (vgl. Bvhrs Gesch. der Rcem. Lit., Supplem. 1, 158. 3, 385 fg.). 
Es enthält an 200 Predigten all der berühmtesten Vseter beider Kir- 
chen, die griechischen natürlich in Latein übersetzt: ähnliche ältere 
Sammlungen, yrie jene die dem heil. Burkhard, Bischöfe von Würz- 
burg, zugeschrieben wh-d (Eckhart, Franc. Orient. 1, 887 — 846), waren 
um vieles ärmer und von nicht so mannigfachem und so geordnetem 
Inhalte gewesen ; andre von Rhabanus Maurus und Haimo von Halber- 
stadt folgten nun alsbald nach. Das Homiliarium von 782 und Karls 
Einführungschreiben dazu liefsen noch die bisherige Predigtart der 
Bischoefe gelten und wiesen nur auf eine treuere Pflichterfiillung inner- 
halb der damit gezogenen Schranke hin: den grofsen Schritt, der 
über diese Schranke hinausftihren sollte, der nur leider dem Körnige 
nicht gebührend nachgethan ward, wagte Kari erst am Ende seines 
Lebens: da, im Jahre 818, ward durch ihn selbst und durch die 
Kirchenversammlungen von Rheims und Mainz den BischcBfen auferlegt 
die Homilien die sie bisher nur lateinisch vorgelesen in der Sprache 
des Volkes vorzutragen oder vortragen zu lafsen: De officio prcedt- 
eaiionü, ui juxia quod inieUegere vnlgus ponit assidue fiat (Capit. 
Aquisgran. 14. Pertz 8, 190); ut epifcopi fermone$ et homiUas 
fanciommpairum, proui omnes inteliigere poffint, fecufubam proprie- 
taietn Knguce prmdicare 9iudeatU (Conc.Rem. oan. 15. Labbei Concii. 

■« ! 
— * .-1- .-»-i ■ ■---■ ^^ ^ ,__ _, ^ ^ .. ^ . ^ ^^^ 

•) IS. fiierülHsr Kmike, Tiieol. Slud. u. Krit. 1855, 382-890.] 



GEBOT TERDEIITSCHTER PREDIGT. 815 

7, 1266); ntn^niam depl diebui domimeis awi feftwitatihtn qui 
eerbum dei prwdicare juxla quod iuteüigere vuigtis p&ffit (Gonc* 
Mogunt, cnn. 25. Hartzhoim, Concil. Gefin. 1. 410); imd im gieirheri 
Jahre gab eine dritte Synode, die zu Tours, dem Gebote neeh die 
bestimmtere Fafsung', die Homilien sollten je nach Umständen ent^^eder 
in die romanische oder in die deutsche Sprache übersetzt wenieri : W 
ecLsdem homilias quisque (epifcopus) aperie irunsferre ftvdeai in 
rufticam ramanam lingnum aui theodifcam, qwf feicHiubnouniH 
pofßni ifUeUigere qua dicantur (can. 17. Labbeiis.7, 1263).>' Dies<i 
letzte Verordnung, welche ausdrücklich auch die beiden Volksspraohen 
nennt, ward um ein Menschenalter spieter, im Jabre 847, w(Vrtliieh 
wiederholt von der Kirchenversammhing V.u Mainz, welcher Rhabanus 
Maurus vorsafs (can: 2. Hartzheim 2, 154). Deutsche Übersetzung! 
«ieutsohe Erkla^nmg der Homitiefi: demselben Kosnige also^ der die 
erste deutsche Grammatik verrafst, der schon die alten Heldenlieder 
des Volkes gesammelt hat (Einhardi Vita .KaroK 29), imd demselben 
obersten Bischöfe der Deutschen, d^r zugleich recht eigentlich der 
erste deutsche Theologe war (er commentierte seinen Schülern die 
heilige Schrift in der Sprache der Heimat: vgl. Hoffmanns Althöchd. 
Glossen IV fgg. Rud. v. Raumer a. a. 0; 82 fgg.)? Karl dem Grofsen 
und nit ihm dem Bischöfe Hrabim sollten wir auch eine neue, zweite 
Grundlegung der deutschen Predigt verdanken. 

Aber die Grammatik und das LiederbiHih Karls des Grofsen sind 
verloren gegangen und ebenso bis auf einzehie verwehte Spuren der 
Bibelconunentar dos Rhabanus Maurus : auch v<^ den deutschen Pre^^ 
digten die sie eingefikhrt oder verlangt haben besitzen wir keine 
mehr, nnd doch müfslen sie, falls man sie der Aufseichnuitg werth 
gehalten hätte, zahlreich und an vielen Orten vorhanden sein. Man 
würdigte sie also nicht der schriftlichen Aufbewahrung, oder vielmehr, 
es war nicht viel zum Aufbewahren da ; man befolgte das Gebot nicht 
so, wie Karl es erwartete: sonst hätte sich Rhabanus Maurus nicht 
veranlafst gefunden im Jahr 847 ganz dasselbe noch einihal' zu ver- 
ordnen was schon im Jahr 813 verordnet war. Die La^fsigkeit der 
Bischoefe dauerte wenig oder gar nicht gebefsert auch im neunten, sie 
dauerte auch noch- im zehnten Jahrhundert fort; an Handschriften 
lateinischer Predigten ist aus dieser Zeit kein Mtingel, und auch an 
deutschen Catechismnsreden fehlt es aus derselben nicht, an deutschen 
Predigten aber fehlt es so gut als gänzlich. *) 

*) {Bräe Spur von idcbeti findet sich in einem BttchervercefchtiiM des sehn- 
ten JührhttDdertii uns 8. Emmertm tu Re^ensbur^, das fermöMs ad po- 
puluw ifuionice erwähnt. S. Naumanns Seiapeum 1841, S, 261.1 



316 !! (SACHSEN. BBHXOLD.;«' t^ 

So jedoch nur, wenn wir den Ausdruck Deutsch in «einem eueren 
Sinne nehmen, wo es wie jeirt so viel als Hochdeutsch ist.- Denn 
bei. den Sachsen, wie deren Litteratiur schon trühseitig und der hoch- 
deutschen weU voraneilend in Gehalt, und Form die prosaische Rieh- 
iung.^ingeseUageny wie man dt schon ..um die Jahre 900 und 1000 
die EinhünAe geistlicher Stifte .'frei in der Prosasprache der Heimal 
verzeichnet hat *)^ bei den Sachsen finden wir, damit ganz zusammen* 
stimmend^ schon im neunten und um den Beginn des zehnten Jahr- 
hunderts . einige' Beweise ' dafs sie geneigter, sie befser befiehigt ge- 
wesen seien, in eben dieser Sprache auch biI predigen. Je gewalt- 
saaior dieses Volk war bekehrt worden; -desto tiefer in sein Mark 
(das zeigt utts seine. ganze beschichte im neunten und zehnten Jahr- 
hundert) gieng die religioese'Ersehtt&temng,: desto grcefser und leben- 
diger war nun sein Eifer Ibr den neote Glauben. : Jener Bernold, bis 
zum Jahre 840 Bischof von Strafisburg, den ein gleichzeitiger- Dichter 
ausdrücklich deshalb rühmt, dafs er seüem Volke die heiUge Schrift 
in der barbara iimgua predigend deute*^)vwar von Herkunft ein Sachse, 
und es ist. eine Handscfarifl des westfee^lischen Frauenstiftes Essen, in 
welcher um das Jahr 900 die HomiUen Gregors des Grdfsen sichtlich 
8U dem Zwecke' mit sächsischen Glossen sind begieitet worden, daffi 
damit dem übersetzenden Vortrag auf der Kanzel sollte nachgehoIGNi 
sein (Lacomblets Archiv, fibr die Geschichte des Niederrheins 1, 1, 9). 
Noch mehr : die gleiche Handschrift gewährt eine ganz in der Sprache 
des Landes ahgefafste Pk'edigt für das Allerheiligenfesl. Sie ist das 
älteste Denkmal der Art weiches Deutschland kmint, und so wird es 
nicht unaagemafsen sein dasselbe hier auoh mitzutheilen (Lacomblet a. 
a; 0« U fg. MOUenh.u. Scherer Nr. LXX. Heyne Nr. V). 



-I r 



1 1 I 



*) Die Essener Heberolle in Lacomblets Archiv f. d. Creschiclite des Nieder- 
rheins 1, 1, 12' fg. and die von Freckenhorst in Dörows Denkmctem aher 
Sprafcbe and KobsI 1, 2. [Jetet bei Heyne, kleinere altniederd. Denkm. Nr. 
IVa-iVLl 
) Bofbara lingua fibi (criplwa nefeia facra^ 

Niforel atUestis ingeniofiu ei. 
Hie populo wHo feripturas frangere verbö 

Cerlai ei affiduo vömere eorda ieril, 
Ermokias Nigelliis in Pertiens Moiranu Germ. bist. 2, 519. An eine Bibel- 
jüborfetsung 4irf dabfli Bicfal f«dacht werden: du Brotbreeben ist auch and»- 
W4?itig ei« Bild fUr die bloCse Erkberuag, nicbl die ÜberseUuog der Schrift 
(x. B. Olfr. 3, 7, 50 fgg.), und die biblische Vergleichung der Predigt mil 
dem Werke des Ackermannes war so geJäiifig, dafs ein Prediger auf Lateinisch 
fpermqlfigus oder feminiperbius hietß. (s« du CangeJ, ojboe^ den . tadelnden 
Sin» dßn die leUkn Woirle MrsiH-üngljph (Act. Apo«!».!?« 18} haben. 



ii I 



. ■ I 



PREDWTfTOH PANTREONl ! :: 817 

Ktft lefed tho fatictvB bmifaciu$ pauo$ an roma uuas, thai h$ 
bedi ihena kiefar aduoMtiämi ihai he imo im riiknS en Hub geß. thai 
thia luidi uuilon paHthem heton. toan thar uuorthSn-aHa afyoda 
i/ma begangtma. So he it imo thö itgiuan hadda: fö wieda ^he^H 
an ufes dri^Hnen era, ende ufero früon säncte tnariun.' endi aUero 5 
crifteB marttro. te thiü atfo ihar er mnn began§&n euärth- ihiü 
menigi thero tkuuilo, that thar nu mha begangan uuertha tkiu 
gehugd aliero godes heligono. He gibod tho that al that foUs thek 
dagen Alfo the holend nouember an ftendit ie herikAn quamu '■ endi 
alfo thai gödlika thiatmß Hhar (ii^ifedän irm. fo wither gewa$f 10 
manno gewüik fra endi bHthi te hüs. ■ 'Endi ihändna ß watih geA 
wonohed thai man hödigo ahier dUero thet^ tcaraldi beged thiß 
gehwgd aliero godes heligono* te Mu fo 'tmai fo vu^ an aUemd 
ihemo ^era uergomelofon thai 4oi ii al h&Aigo gefüUom. endi thai 
mii ihur thero heligono getikirigi bekkmah te themo tmigon Ihmi 15 
helpandemo ttfe&io drohtine.- ' 

!< Die Ereahhing wie der heilige Pabst Boiriracnis von Kaiser Fhoeas 
(atiB dem hier durch Miteinmischung- eines bekannten Titels der i$p8D^ 
leren Kaiser ein Kaiser Adüocaius wird) das Pantheon erbeten und 
diesen Tempel alier GkHIer nun allen Heiligen geweiht habe, war seil 
Beda, in dessen Martyrologium sie zuerst und zweimal vorkonunl 
COpp. ed. Basil. 1561. 8, 416. 464), das ganze Mittelalter hindurch 
eine der beliebtesten und häufigst vorgetragenen CMassmnnns Eraclius 
S. 475 fg.) : der Sachse des zehnten Jahrhundert» nM>chte sie äu6 
der Vorrede tsu Reginos 'Ohronibon (Pertz, Mon. Germ. ktst. 1,550) 
sch(>pfen.*) Als Legende des Allerheiligenlages kehrt sie öfters aiieh 
in Predigten wieder: eine mittelkiKhUeiiilsche, deren Bericht «ich nseher 
an die Miräbilia Romse oder -ein dem ähnlilcheä Werk anschliefst, in 
nnsrer Sammlung Nr. XXXV.**) Und auch obigem Stück ist, wie der 
Schlufs ganz deutlich zeigt ♦♦♦), ebeti nichts ak eine Predigt d.h. 
ein Vortrag vor der vfersamitielten Kirchgemeinde. AQerdings nur 
erzählend und von geringem Umfange, gleich den Predigten des heil. 
Bonifacius (oben S. 309) und noch manchen spteteren. So ward der 

I — I -- — 1- — — - - ' — 

2 romS] o l/exeiebnel Mtt tmd naefiher keinen Diphlbongen, sondern nur ' die Un- 
ent0chiedenheit des Schreib ei^ swisehen den Laoten o und «. ' 

*) [Er hat sie ans 0edas Homilie auf Al!erheili|[en fiheraetit: s; dessen Werke 

Basil. 1561. 7, 211.] 
'''') Mit der «i^Ie XXXV, 35 i«t Cybeie f^meint. 

***) Z. 16 kelpmhdemo uf$mo 4rekiine wie presiafUe dommö noßro 
XXXVII, 26. 



318 HINDERNiSSB' DEU.TSCHI»' PREDIGT. 

Gotto8dienBl nicht übermaebig ausgedehnt^ und nian erwies bich nach- 
giebig g<^g&n die Bedürfnisse und Gewohnheiten des Laienvolkes: 
solch eine Predigt war gleicbBara nur die Prosaübersetzung eines 
epischen Volksgesanges. Letzlere pflegen damit zu beginnen, dafs 
Me aur die Autoritfcit der Ueberlieferung sich berufen, z. B. das Hilde* 
brandslied Ik gtharla dhat seggen, der Leich von Christus und der 
Samariterinn Lesen wir: eben so nun auch der sächsische Prediger 
VtH lesed, 

Fflr die Sachsen also des neunten und des zehnten Jahrhunderti^ 
beweise und sogar ein noch erhaltene« Beispiel von Predigt in der 
LandeKsprache. Indessen sbid das nur vereinzelte Ausnahmen, und 
jedesfalls hegen sie aufserhalb des Gebietes das unsre Darstelhuig 
hier beschla^t, aufserhalb des Ent wickelungsganges der hochdeutschen 
Lilteratur und Fredigt. In diesem aber v^her nun solch ein ZcBgem 
und Versäumen und solcher Mangel ? Man hatte doch bereits im achten 
Jahrhundert angefangen die deutsche Sprache in den Dienst der Kirche, 
des Christenthums, der Gelehrsamkeit zu. geben, und das neunte schritt 
auf den eröffneten Wegen geschäftig fort;*) man glossierte aufser 
den beliebten Classikern mit besondrem Fieifse die heilige Schrift und 
andre Schriften der Kirche, auch Predigtsammlungen wie namentlich 
die Gregorianische (Räumer 111), und ebenso jenes Lehrbuch der 
Predigt und der Seelsorge, den Liber pastoralis des Gregorius (oben 
S. 307 u. 313): Räumer 109 fg. verzeichnet davon nicht weniger als 
17 solcher Handschriften; ja man imtemahm neben mancherlei anderen 
Ueberselzungswerken wiederholendlich auch die Verdeutschung biblischer 
B^her, des Evangelium Matlluei im achten, der Evangelienharmonie 
des Ammonius im neunten Jahrhundert. Übersehen wir al»er nicht 
für wen und ftlr welche Zwecke zuni^hst man all dergleichen Ar- 
beiten bestimmte. Für die Geistlichen, um diese, wenn sie aus der 
Fremde hergekommen waren, die deutsche Sprache, wenn sie aber 
aus Deutschland selbst gebtkrtig, die lateinische verstehn zu lehren ;^*) 



*) Ich verweise nuf die reichlialtige und wohlgeordnete Übersicht der LiUeralur- 
denkmreler in dem Werke Rud. v. Raumers über den Ginflufs des Christen - 
thunis auf die Althocbd. Sprache. 
^^) Auch die cormtna 4iv€rfa ad docendum IheoHfeam Unguamy die sich 
nach der bekamiteo Slflle eines Retchenauer Cvlalogs (Neogart, GpiticopHi. 
C^nstani. 1, 550) ffegoo die MiUe des neunten Jahrhunderte in der dortigen 
Bibliothek befanden, können nur Tür den Unterriebt Fremder liestimmt ge- 
wesen sein : Deutsche ihre eigene Sprache zu lehren, daraa dachte man noch 
damals nicht, and auch die Grammatik Karla des Grofaen (S. 315) bat diesen 
Zweck sicherlich nicht gehabt. 



POESIE DER DEUTSCHEN. 819 

letzterer Zweck lag nRUIrlich häufiger vor: ihm dienten besonders dia 
Glossen und die Interlinearversionen, wie der Benedictinerregel «nd 
der Ambrosian Ischen Hymnenr Selbst die Verdeutschungen vonisidors 
Tractat de Gentium Vocatione, der 76. Predigt des heil. Augustinus 
und noch einer andern Predigt, welche sich, die letstere bis auf« den 
Schlufs verkürzt, in Monseeischen Brnchstücken zu Wien erhalten 
haben, sind schwerlich zu Yortrsegen in der Laiengemeinde gebraucht 
worden: dafikr waBren sie viel zu lang gewesen; zudem gehoeren sie 
dem achten Jahrhundert an. wo die verdentschte Homilie noch niobt 
geboten war. Sie sollten nur die GoistUchen selbst unterrichten, der 
Tractat de Gentium Vocatione Ober das Verhditniss zwischen Christen^ 
thum und Heidenthum, die Augustinische Predigt über den Vorrang 
des Apostels Petrus und somit die Obergewalt der späteren BisciMBfe 
Roms: jener folgt zum Behuf der noch schwebenden Bekehrungs* 
arbeit derselben Richtung, in welcher der gleichzeitig verdeutsqhte 
und in der gleichen Handschrift mit enthaltene Isidonis de Nativitaie 
Christi liegt '^); diese schliefet sich dem Streben des heil, fionifacius 
an, die.neubegründcle Kirche Deutschlands abhängig zu machen; von 
der Roemischen Mutterkirche. 

Deutsche Übersetzungen und Glossare für die Geistlic^ikeit brachten 
aber noch nicht mit sich dafs diese nun auch dem Volke mit ver- 
deutschten Homilien oder gar mit ursprünglich deutschen nieher trat. 
Denn hier ist wiederum das nicht zu Ikberselm, und jene Geistlichen 
werden es selbst am besten wahrgenommen haben : das ganze Geistes- 
leben und die ganze Sprachgewöhnung des Volkes der oberen liande 
waren damals noch nicht der Boden in den auf solche W^eise das 
Wort Gottes» h^te können gepflanzt werden ; die Oberdeutschen wenig- 
stens waren jetzt noch uneingerichtet fiir Prosa und Didaxis: von 
poetischem Sinne jezt und jederzeit tiefer als die Sachsen erfbjk, 
standen sie noch so fest mit beiden Füfsen in dem Zeitalter des epi- 
schen Gesanges, daf» dieser einstweilen die einzig mögliche Foirtn 
einer wirksamen Mitlhoilung war. Und ihrer sich zu bedienen hab^n 
auch die Geistlichen nicht verschmaeht: hochdeutsche Predigten sind 
»US hII den Jahrhunderlen bis zum Beginne des elften nicht auf uns 
gelangt, wohl aber mehr als eine hochdeutsche Dichtung geistUchen 

^i— ^^-^^^^-^^^^^^«■•■**' ' ■ ■ ■■ ■ ■ ■!■■■■ ■■■■ ■ t W 

: \ . 

^) Die in dem Buch de Nativitate enümltene Bewei^föhrung gegen die Ein- 
wendungen der Juden war meist auch gegenüber den heidnischen Einwisn- 
dnngen r n gehniochen ; beide Isidorischen Werke kotinlen besbtrdefs sotehen 
Geiatlichen dittien, die Mcb dem Rathe Daniels Ton Winchester (obctt S. S08) 
ädi mit den Heideii aof dialeetiichö £rttrteniogeB fpnlat'fev nnlehteii. . 



• . 1 • • 



820 ÖTFHIEiy. ALFRED. 

Ihhafteb' und epischer Form. Die bedeutendste und unirarsendsto dor- 
Mben, das frofse EVangetienbuch OMrieds von Weifsenbur^. hat wenig 
völkwii2t*fbigos, es'-ist gv4ehrt und miVnchiscii ditrch und durch, c^ kann 
in seiner moralischen Anwendung und allegoris^chen Auslegung du«^ 
Str>(reR eben recht deutlich machen wie entfremdet dem einfach ge- 
(mnden Sinn des Volkes die Anschauung»- um) DarsteilungsweiHe der 
Kirche war, und doch gab Otiried ihm die Liederfbrm: denn er wollte 
tttif ^s Volk einwirken ; er liatte Aie^. allegorische Bofaändluiig, die 
üüetist'Origenes rnfgebracht^ grade aus Siteren Homiieteil gelernt, aus 
Angustimis und Gregorins^'tC&^-H; 26 fg.). als Presbyter hat er wohl 
auch Mber oil gepredigt^ die' Gewöhnung «daran klingt* gtrn^ ver-- 
nehhilicli hervor, wenn er einrhal'eirfen Abschnitt (1,7), eben wie das 
in Predigten Üblich war, mit dei^' Aufforderung zum Gebete schliefst, 
tmd dY>ch gab er seinen Lehren und Brefihlungen nicht die Predifft^ 
fofin^'''sond€fm die des epischen Liedes: denn er wollte auf das Volk 
einivirken. Schtm ein und Kwei Jahrhnndärte frfther hatten Bonifacius 
und Öalitis Predigten von durchaus epischem Inhalte vorgetragen (ol>en 
^; 308 fg:), aber nicht in dieser epischeii Form, und darum nicht so 
ganz im Sinne des Volkes, als vielleicht ihre Absicht war. 

* 'Die Bemühungen Karls des Grofsen und die Erfolglosigkeit der- 
selben die bisher geschildert worden finden ihr Gegenbild an dem, 
was im gleichen Jahrhundert ein Geistesverwandter Karls , Alfred der 
Grofse, für die Kirche und die Sprache seines Volkes zu thUn ver- 
suchte (Neanders Gesch. der christl. Religion und Kirche 4, 279-281). 
Aifch er erkannte die Nothwendigkeit den christlichen Glauben und 
die damit verbundene Bildung den Laien neeher zu rQcken indem die 
Sprache der Laien ^u kirchlichem und wifsenschaftlichem Gebrauch 
■fertoben würde; unterstützt von Gelehrten die er berief, von Schulen 
•dte er gründete, legte er noch selber Hand ans Werk und übersetzte 
niit Geist und Gewandtheit manches zweckdienliche Buch in das Angel- 
^hsische, z. B. auch den Liber pastoralis. Die Deutschen w^ren 
'li'^mcr mir bis' zu Glossierungen desselben gelangt (oben S. 318), und 
stS' macht überhaupt alles was Koenig Alfred in dieser Richtung unter- 
nommen viel mehr den Eindruck einer ganzen vollen Schöpfung als 
df^ Beslrebuf^gen Karls. Aber nach seinem ' Tode kam auch hier 
wiederum der Rückfall theils in die Latinitset, thefls in die Barbarei, 
und erst Qinem Ethelwold von VTinchester, in der zweiten Hälfte des 
Zjahnten J[a)irhundertä, ward es nKBglich die verlorenen Wege neu 
anzubahnen; ihin fdgte seit dem Beginn des elften mit rüstigem und 
segensreidiem Wirken der Mönch ' Älfric, dusgozeichnet als Gelehrter, 



AlBHBLtt. ■ 821 

al« Schulimmn wnd «l6 Prediger in der Sprache des Volkes. Zwar 
jüne Ifalfonalffet der Kirche, noch welcher AMred gnestrebt hatte, wmr 
einmal verscherzt, und es stellte steh der angelsHchsisdien Predigt 
nach wiö vor dasselbe Hindi^rniss entgegen, das wir zuletet in Deutsch-»- 
land haben kernten lernen, der ttbermächtige Trieb des Volkes bu 
rptechetn Ge^nge. Aber das Hindemiss war hier doch geringer, weil 
sich die Geistlichkeit der Angelsachsen von Anfiing an weniger schroff 
auch gegen das weltliche Volkslie<l verhalten hatte als die der Dentscben, 
und die kluge Milde mit der sie Nachsicht imd Nachgiebigkeit tibt'e 
den Oegetisate Immer mehr vent^itteln half. Wir haben eine angeK* 
ffScbsische F4tMiigt zum Gi^dächtniss des heiligen Bischöfe Gudhberht 
(Leo, Altsöchs. u. Angelsächs. Sprachproben 23-^-39), welche durch- 
weg etzfihlend und mit giebdaften Allitterationen ausgeschmückt ist. 
in welcher sogar die prosaische Rede wiederhotendltch v«rtawfcht wird 
gegen g«inzcr lange Reihen regelmiefsig gebauter Versb. Noch bu- 
treflTender ist em Zeugvitss schon aus dem zweiten Jahrhundert vor 
Kcenig Alfred: von dem heil. Aldhelm wird berichtet Naiit^m qnoqne 
lingual nan neglip^bai carminay adeo «t teße Kbto Elfttdi nvllä 
unquam dBtate pait ei fnerit quUquam poafim AngHcam puffe facere, 
cantnm componere, eadem appoßte vel canere vel dicere. Benique 
rnmmetnfnrat Etfred^s Carmen triviale^ quod adhuc (d. i. 1125) 
f)ulgo eaniatnr, Aldkehmim feeiffe, adjicien$ cäufam qua probet 
rationahiHter tantum rintm hilf, qnce videantur frit^ola, inftituiffe 
p&pulum eo tempore femibarbarum, parum dwinis fermonibns inten-- 
ttim, ftatim cantaHs nUffis domum cvrptare folitum, Ideo fanvtnnt 
rintm ftipet pontem qui mra et urbem continuai abeuntibus fe 
(fppofuiffe obicem, quaß artem cantandi profeffvm^ eo phts qnan$ 
femel facto pl^bin facorem }Bt concurfum emeritum. Hoc commento 
fenßm inter htdicra verbis fcripturarum infertis cives ad fbnitatem 
rednxiffe; qni ß fetere et Cum excofnmunicatione agendnm pntaffet, 
profecto Inßffet opetam, profeciffet nihil (Morte im Anzeiger för 
Kunde der tetitschen Vorzeit &, 170' fg. au« der Vita S. Aldheltnl 
rp. 2 bei Mabillon, Acta Sanct. Bened. 4, 1, 684). Bei solcheiii 
Verfiihren vdrd es begreiflich wie die Litteratur der Angelsachseri 
nicht arm ist an homiletischer Prosa, ja verglichen mit der hoch- 
deutschen Litteratur derselben Zelt sogar einen gewissen Reichthum 
daran besitzt. 

Kehren wir nach Deutschland zurück. Die deutsche Predigt, die 
gleich nach den Zeiten der Bekehrung wieder verstiimmt, die trotz 
den hilfi'eichen Anstrengungen Karls vor der lateinischen Homilie und 



822 ELFTES JÄHRHUNDERT. 

dein Gesang des Volkes zurückgewichen war, und fast nur auf der 
niederen Stufe der Catechismusrede noch ein ferneres Dasein fristete, 
in demseliMm Jahrhundert, wo die angelsächsische Predigt zu neuem 
Lieben erwachte, schwang auch sie mit friscJien Kräften sich empor 
um von nun an nimmermehr zu sinken, um wenn auch langsam, doch 
von nun an ohne Stocken einer stets hoeheren Vollendung entgegen 
zu gehn. Im elften Jahrhundert, also erst in dem, welches das halbe 
Jahrtausend der althochdeutschen Litteratur beschliefst: recht zum 
Zeichen dafs diese Litteraturperiode selbst für die Predigt noch nicht 
berufen war, dafs sie nur noch den Anfang machen, die Weiterfilhrung 
und Ausbildung aber das eigenthümliche Werk der niechstfolgenden, 
der mittelhochdeutschen, sein sollte. 

Es wirkte im Verlauf des elften Jahrhunderts mancherlei zusam- 
men was solch eine Wendung zum Befsem mcBglich, ja unausbleib- 
lich machte. Der Character der ganzen Litteratur war jezt ein andrer 
und zwar wesentlich prosaischer geworden: eine Ändrung die vor- 
züglich an das Kloster S. Gallen und hier an den Mainen Notkers Hl, 
des Hauptes einer thastigen und fruchtbaren Übersetzerschule, geknüpft 
erscheint. Die Form der Rede, der Predigt war somit n«eher gestellt, 
auch der entsprechende Geist und Gehalt bereitete sich. Der ge- 
waltige Aufschwung im Gebiete der h(Bcbsten Wifsenschaften welcher 
das zwölfte Jahrhundert welthistorisch auszeiciinet begann, nicht eben 
unscheinbar, schon während des elften und berührte da schon Deutsch- 
land. Es bezeugt das Williram, em Fuldischer Mönch, in dem latei- 
nisch geschriebenen Vor>vort seiner Verdeutschung und Paraphrase 
des Hohen Liedes: Unum in Francia comperi Lantfrancum nomine j 
UHlea mckxime valeniem in diiüectica, nunc ad ecctefiaftica fe cati-- 
ialiffe ftudia et in epißolis Pauli et Pfalterio muUomm fua fubtiU^ 
tote exacuiffe ingenia. Ad quem audiendum cum multi noftralum 
confluant, fpero quod eiug exemplo etiam in noftris provinciis ad 
multorum utilitatem indußriw fum fructum producatU. Hiezu noch 
die Aufregung und Erhebung der Gemüther die von den vermehrten 
Pilgerfahrten nach Jerusalem, dann von der AulTorderung und den 
Rüstungen zum Kreuzzuge kam. Damit waren der Poesie*), zugleich 
aber auch der rednerischen Prosa neue lebensvolle Stoffe zugeführt: 
es begaimen jezt die Kreuzpredigten. 

^) Ezzo fcholaflicuSj vir omni lapietUia et eloquenlia prmdüu9j qui in eodem 
innere (mich Jerusalem im Jahr 1065) canlilenatn de miraculis Chri/ti 
pairia (tn^ua nobiliter eompoftiU: lieben Binchor Alfmannd von PafMn bei 
PostScript, rer. Aiislr. 1, 117. (Das Gedicht aeibai M Mttllfnb. ii. Sdi. Nr. XXXI.] 



IVOTKBRS P«ALMBN. : 823 

lt| 8. Gallon selbst und «n der Grenze des zehnten nnd elft^rt 
JahrhundertH, auf welche N'otkers The^tigkeit ßtllt, konnte sich die 
vollere Wirkung all dieser Umstünde freilich noch nicht zeigen. Wir 
hal>en sogar in einer S. Crallischen Handschrift dieser Zeit noch ein 
recht schlagendes Beispiel yon der kirchlichen Missachfting der Laien : 
narh einer deutschen Beichtrede, die auch mn- aus dem Lateinischen 
ühersetst ist, eine untibersetzte lateinische Predigt (Hattemer 1,328). 
Aber gleich daneben stellt sich zu einer fast noch mehr als billigen 
Vergütung das Hauptwerk Notkers, die Übersetzung nnd Erkterung 
der Psalmen. Denn diese war nicht gleich anderen Büchern nur fitr 
das stille Lesen bestimmt, sondern wie S. Augustinus Ober die Psal- 
men gepredigt hat (vgl. noch bei Notker den Eingang des llSten), 
so hat auch Notker seine Verdeutschungen theils vielleicht als Tisch- 
reden, theils und gewiss beim Gottesdienst in der Klosterkirche vor- 
getragen. Nach Beendigung des 88. Psalmes heisst es Explicit fermo 
fecundus habiitis per virgilias San^H Cypriani, Hier ist ende difes 
pfalmi, der ze aeuvein mattinon Sancti Cypriani gebredigot nvardj 
und der 38ste schliefst mit einem Zuruf an gegenwärtige Hosrer : Hir 
laudate dominum, quoniam bonus pfalmus. Die verloren gegangene 
Bearbeitung des Hieb wird ebenso gemeint gewesen sein, um so 
mehr als ein zweites, mitverdeutschtes und mitverlorenes Werk, des 
heil. Gregorius Moralia in Job, schon in seiner Urschrift gleichfalls 
zu kirchlichen Vorlesungen gedient hat (Greg. Epist. 12, 24). Red- 
nerische Kunst ist nun zwar in jenen Psalmenvortrsegen nicht vor- 
handen: sie begleiten den Text nur mit geistlicher, oft sogar mit 
philologisch-antiquarischer Auslegung, und bleiben mithin bei derselben 
Behandlungsweise stehn, deren man vom Vaterunser und den Glau- 
benssymbolen her gewohnt war, wie denn anhangsweise diese Stücke 
gleichfalls verdeutscht und erkle^rt sind (die Wiener Handschrift, die 
auch ein Beichtformular enthält, macht damit den Catechismus voll- 
ständig: vgl. oben S. 295), aber es verdient Beachtung als ein unter 
den Umständen die bisher gewaltet hoechst bedeutender Fortschritt, 
dafs die deutsche Rede, der man noch kaum einen Platz in der Laien- 
gemeinde hatte gönnen Vollen, hier sogar in Kirche und Refectorium 
eines Klosters eingeftihrt ist. Damit war endlich und am sichersten 
die Bahn gebrochen: von nun an mufste auch in den Leutkirchen 
die deutsche Predigt immer häufiger werden. 

Wirklich auch tritt alsobald mehr als ein Beispiel uns entgegen, 
und schon im elften Jahrhundert IreiTen wir da auf jenen hoeheren 
Schwung der Gedanken und der Worte, welcher der rednerischen 



324 BAHBBRGEB BEIGHTHBDE. 

DarstcUiMig eigen ist, und da schon, wenn wir es auch mit der Be- 
nennung strenger nehmen, auf eigentliche Predigten. In einer Hand- 
schrift dieser Zeit, die ehemals den Doninicanem zu Bamberg geho^rl 
hat, findet sich eine Schilderung des Himmels und der Hölle (Haupts 
Zeitschr. für Deutsches Alterth. 3,443*446), deren Aufzeichnung nur 
erklaerlich wird, wenn sie etwa als Hauptrtück einer Beichtrede hat 
dienen sollen : es geht ihr auch ein Glaubens« und ein Beichtformuiar 
voran (Haupts Zeitschr. 5, 463-461). Sie ist ia Prosa abgefafst:*) 
aber wena bereits dieses Formular eine Ausfilbruog fn mehr redne* 
rischer Weise zeigt, so nun gar sie den lebendigsten sinnlich an- 
schaulichsten Stil, eine so reich und glänzend ausgeschmückte, so 
durchaus poetisch gehobene Darstellungsart, wie nirgend zuvor, selbst 
im SGallischen Boethiu6 nicht erreicht worden. Aus WiUimms 
Hohem. Liede dürfte man wohl schUefsen, dafs auch mancher Prediger 
des elften Jahfhunderts so überafüs arm wieer «nlieisttind'Geschmack 
gewesen sei : dieseid Bamberger Denkmal giebt ufi» ein gewisses Zeugniss 
von hcpherer Befähigung, schcsneren Leistungen. Selbst was an an- 
deren Orten meist auch nur den Eindruck der Gescbmiacklosigkeit macht, 
die Einflechtung von Reimen in die sonst unrhythmische Prosa, er- 
s<*hei&t hier, bei solchem Gehalt und solcher Haltung der Rede, kaum 
mehr als etwas ungehcerigcs. Der Verfafser folgte damit, nur in 
angemefsnerer Weise als andre, einer Liebhaberei die sich das ganze 
Mittelalter hindurchzieht, und der gerade im elften Jahrhundert auch 
die bedeutendsten lateinischen Historiker nachhiengen **) ; einer angel- 
sächsischen Predigt die ebenso die AUitteration einmischt ist schon 
vorher gedacht worden. 



*) [Nach Haupt in viermal geliobeuen Versen: n. Nüllenli. u. Scb. Nr. XX\.] 
^^) Vielleicht die frühesten Beispiele lateinischer Reiniprosa deB Mittelalters sind 
die Predigten des lldefons von Toledo (f 667) in der ßibtioth. Patr. 8, 277 
«qq. und die Vita S. Gallf Im streiten Batide der Mönnmenta von Pertz : die 
Spaniern und bedeutendem gehceren meist dem elften JahrÜundert an, Wippo, 
Benao, Cosmas von Prag u. a. (vgl. Stenzet, Gesch. Deutscfalands unter den 
Frank. Kaisern 2, 47—49); auch die Denlisprüche Wippos (zuletzt wieder 
gedruckt in Mones Anzeiger 4, i(63. 5, 3j92 und in Haupts und Huffmanns 
Altd. Blattern 1, 12—14. 2, 136 fg.) sind wesentlich nichts als reimende 
ProsasSizc, eben wie im 12. Jali^h. die Stfafsborgisehen Proverbia Salonionis 
(Haupts Zeitschr. 8, 128—180). Gleichfalls im 12. Jahrb. schmückte Wernher 
von Tcgernsee stellenweis (Kugler de Werinhero 88), im 18ten der Auetor 
de Beneßciis Satz fOr Satz seine lateinische Prosa mit Reimen, und noch im 
15ten bringt Gabriel Biet, ein Prediger, bespnders gereimte Partitionen ao. 
Kür die Litteratiir der Volkssprachen belegt dieses Spiel iils filtestes fran- 
zcrsisches Zeugnfss die Übei'sefzung der Bficher der Ktvnige, die- aucB aus 



' 2B0GN1SS WILLIRi^MS. ! 325 

Und dieses iDenlcinal, so bedeutsam es schon flir sich allein sein 
wfirde, steht nicht allein da: man hat damals «nch wieder und mit 
Eifer auf Deutsch im eigentlichen Sinne dieses Wortes sr^predigt. 
Das bezeugt einmal Wiliirams Ausl. des h. L., wo zu Cap. IV., 1-^ 
von der profdicatio, von* den doetores und andilores in einer solchen 
Weise gesprochen wird, dafs man nur -eine dem Volk verständlich 
gemachte, also ileutsche Auslegung der h. Schrift verstehen kann: 
du bist auch feone an dinen uuorten, uuante du in diner proedi'- 
raiione niene meineft ane min era unte fraiernam ulililafem .... 
In dinen conventicvUs ßineni beide doctores ioh auditores. Diu 



» ■ . > 



dem II. Jabrh« sein soll (Darbazan et H^on,. .Kiilitiaax 3, IV— Yl)c mimeiit- 
lich aber liebteo und übten es o^pphst den Arabern, deren Hakaiue|i eben- 
solche Prosa zeigen, die Deutschei), und diese vom 10. oder 11. Jahrh au 
Fort und fort bis ins l4te, zumeist natürlich in Predigten und sonst geisl- 
b'chen Schriften. Da aber sind zwei Arten des Prosarcinies zu untcrschefden. 
Bei der einen werden, wie das auch der Gebrauch jener lateinisdhen AoiQren 
iffi ganze S&tze oder gru'Gfiere SatitgUeder durch den Beim verbunden, so 
dafs man sie den Satzreim nennen mag : sie scUliefst sich deutlich als .^inc 
unrhythmische Verwilderung an die früheren Beimstrophen an, und wieder 
aus ihr scheint durch Herstellung festerer Mafse die unstrophischc Form der 
mideniochdedtsehen Epik tind Didacfffc her>-t)rge gangen.' Von dieser Art 
giebt es die lltern und zugleich die hlHiflgenk Belege : schon der S€alllsehe 
Boet^ius bst dergleichen (GrafTs Ausg. 170), dann jenes Bamberger firticfa- 
stück und aus demselben Jahrhundert die Predigten in Uoflmanns Fimdgrvben 
1, 61, 6. 62, 24. 65, 35 und der ganze s. g. Nerigarto ebd. 2, 3 fgg.; im 
zwölften Jh. das SchwabenverlcBbniss im Altd.Lesebuch 189 [jezt 365]. derPhysio- 
logüs Fimdgr. 1, 23, 19. 27. 32. 24, 21. 32, 22. 24. 33, 17.' der ver- 
deutschte Nortpertns de Virtutibns in Graffs Diulisca 1, 289— 291. die Pre>- 
digten nnsrer Sammlung Y, 56. VII, 65. XX, 52. 56. die > ungedruckteh 
Blaubcurer, die Benediclbeurer in llnupts Zeitschr. 1, 286. 288.291. die in 
Grieshabers Sprachdenkmalen 14. 19. 21. 23. 32 und die von jezt an immer 
zahlreicheren Segens- und ßcschwcBrungsrörmcIn ; im dreizehnten unsre Pre- 
digten XXVni, 84. XXXVf, ll. XXXVII, lO. XL, lO. 22; die ungednukten 
Weingartner* und> die in den AUd. Bl. 2, 882; im vierzehnten endlich die 
Fassioi^ e^er minneqden ^eele (Uonew Scbnuspiele des Mittdailera 1, 129»^ 
131), der Seele Spiegel in Mones Anz. 4, 368, (= z. 6* Bl. 6 a), Suso m\ 
AUd. Leseb. 871 und Heinrich v. Nördüngen in Henmauns Opu»c. 363. 
Nachweisungen aus der Litteratur des Rechts, denen noch die Judeneide liei- 
Kufügen, in Jac. Grimms Rechtsalterth. 33. Die zt\'eile Art, der VFortreim, 
•bindet gleich tbrem Vorbilde, den sprichwörtlichen Redensarten (schon im 
Wefspbninner Gebete; nek^n der AUitteration €nU6 ni mMenieö; vgl. Jac. 
Grimm, Andr. u. Elene XLllI) in unmittelbarer Folge Wort mit Wort. Ilie- 
Ton sind die Beispiel^ minder tablreich : ioh hnbe mir nur bemerkt die all- 
hoeM.- Predigt Fundgir. 1, 61, 13.' 24. den Physiologus ebda 23, 27. imsre 
mhd. Predigt Xlll, 24 nnd in Grfeshabers Sammlung 1, 69 fg. 73. 165. 



S26 ÄLTB8TB PREDIGTSAMHLUNG. 

menige ßdelium auditorum ist gelih demo geincoriare, uuante ße 
fih peccaiores beckeunenl : cap$*a euim sacrißcium eß pro peccalo, 
uiUe dfßh fie fin confUtuii in feculari actione, diu ane funta uuefan 
nemag .. . Abo dine doctores, die per dentes figurantur, uuante 
ße cibos facras fcripturce exponendo comtninuunt, ut pofßnt gluiiri 
a populi» . . . Dine doctores, qui per labia figurantur, die kundeni 
demo luite die rote mines bluotes, da mite ih sie irlofta . . • Iro 
gekofe iß oucb fuo*:ie^ uuante ße die ßio^za des euuegeU Ubes 
demo luite kundent . . . unte ße kundent iro auditoribus, uueiich 
candor lucis cBterme in cuman iß uone dero rote mines btuotes . . . 
Dine doctores, qui per coUum figurantur, uuante ße mediatores 
ßnt inter me et populum, alfe der hals zefamene uoiget da» hoibel 
unte den lichamenj unte ße ouch demo luite ambehtent cibos 
(etenuB titcB unte in offenent die toigene dei'o facrce fcripturcp, 
alfe der hals doA ez^ian in treget unte abo die ßimtna uz treget. 
Aber nicht blofs dieses Zeugniäs, wir haben auch deutsche Predigten 
jener Zeit, ja, was noch erheblicher von Gewicht, es ist schon eben 
damals, im 11. Jahrhundert, gleich eine ganze Sammlung eigentlicher 
Predigten in deutscher Sprache zusammengestellt worden, eine Samm- 
lung, wie es sodann vom 12. Jahrh. an deren noch viele geben sollte: 
diefs die älteste, bis dahin hatte die Kirche nur ihre lateinischen Ho- 
miliarien gehabt. Und diese älteste deutsche Predigtsammiung hat 
sofort Verbreitung gefunden und Ansehen genofsen: es sind einst- 
weilen bereits drei Handschriflen derselben nachzuweisen. Leider 
jedoch keine vollständig, jede nur in bruchstücklichen Überresten : von 
zweien nur einige Blätter oder Streifen zu Hünchen (Schmeller in 
Haupts Zschr. 8, 106 — 108); einige umfangreichere Bruchstücke in 
d(T Wiener HS. von Notkers Psalmen (Hoffm. Fundgr. 1, 59—66)*). 
Aber auch hier keine Predigt ganz, und überhaupt, alles zusammen, 
liegen nur die kleinen Reste von etwa sechs oder sieben vor. Wie 
aber die eine diesen, die andre jenen evangelischen Text behandelt, 
darf man annehmen, dafs das Werk ursprünglich Predigten über alle 
Sonn- und Fesltagsevangelien enthielt. 

Es konnte diese Sammlung (und es gilt das auch von all den 
spseleren) für mehrere Zwecke zugleich bestimmt sein: für die stille 
Erbauung durch das Lesen, so dafs sie auch Laien, namentlich etwa 
frommen Frauen, lesend zu Gute kam; fltr Prediger, indem sie den- 

*) [Nach MOllenhofr u. Scherer zu LXXXVI K getiffiren die von Schneller mii 
1. und 2« bezeichneten Münchner Bruchstiicke zu derselbca Handtchrirt aus 
der wir die Wiener Bruchsiflcke kennen.] 



ÄLTESrB PREDIGTSAMIILUNG. 327 

selben Vorbild und Anleitung gab, und abermals für Prediger, indem 
diese, wenn Nolb oder BefM^beidenhoil oder Tra^gheit sie dazu Irieb, 
einfach hieraus ihre Vortra'ge entlehnen mochten. Von wem die Samm- 
lung herrühre, darüber ist nicht einmal eine Vermuthung gestattet. 
An Notker darf man nicht denken: denn die Wiener HanilschnTI, in 
der neben seinen Psalmen, wie oben erwähnt, Stücke unsres Predigt- 
buches erhalten sind, ist jünger als Notker, stammt vielleicht nicht 
einmal aus S. Gallen, und jedenfalls hat Notker ein ganz anderes 
[)4'utHch geschrieben ; noch weniger kann von Otfried, auf den man 
in früheren unkritischen Zeiten gerathen hat, die Rede sein. Zudem 
weichen die Predigten so beträchtlich in der Darstellungsweise unter 
ehiander ab, dafs sie von verschiedenen Autoren herzurühren i^cbeinen. 
8ie verrathen \\m^ obschon nur Bruchstücke, deiUH)ch genug von 
der Predigtweise ihrer Zeit und von dem Sinne, mit dem man jetzo 
predigte. Es sei das ein heiliges, von Christo selber eingesetztes 
Amt, das aber von vielen Geistlichen vernachla^fsigt werde, zuweilen 
vielleicht ohne ihre Schuld, stiets aber zum Schaden der Gemeinde: 
Taret iz elttiuenne demo hirte, in taret ace ientie demo quartire. 
Huante ni mac den* bredigare nietk sprechen, er chan iedoh dat 
reih umrchen, unie doh t« der Hut nuelle tourchen, er ui chauj ts 
m uuerde imo kichundit (64, 10). Wie diese Stelle der vierten 
Pn^digt, so zeigt auch eine der fünften, dafs es Laien sind, an die 
das Wort hier ergeht, nicht geistliche Brüder : Obe unfer chena odar 
unferiu chint odar unfer charcU fterbent^ fo klagun uuir ßu uiie 
harto unde bim longo in manigere furiburti (64, 22). Bei zweien, 
der 5. und 6ten, ergiebt sich in Folge ihrer Lückenhaftigkeit nicht mehr 
welchen Text sie behandeln ; eine derselben, die 6te, eine Lobpreisung 
des Witwi^nstandes, klingt wie aus dem Lateinischen übersetzt; die andern 
sind was man Homilien nennt über Geschichten und Parabeln des Evange- 
liums, und diese ganz ohne Zweifel ursprünglich deutsch, [obwohl dem Ge- 
ilankengehalte nach aus Gregors d. Gr. Homilien hervorgegang(Mi| *). 
In gemspfsigt einfacher Haltung der Rede (nur hin und wieder und 
Jedesmal vielleicht nur zufiillig bricht ein Reim hervor: oben S. 325 
Anm.) begleiten sie die Texte von Schritt zu Schritt mit erbaulicher 
Auslegimg: man war dieser Behandlungsweise schon von den Kate- 
chismusreden her gewohnt, und eben sie ist gemeint, wenn Williram 
XXIX, 25 tmd der alte ümdichter der Bücher Mose (Fundgr. 2, 79, 8) 
die Prediger mit den Zähnen vergleichen uuante ße cibos facrce 



') [Siehe den Niicliweis bei Müllenhoff u. Scherer % And. S. 587. 590. 



328 . ALLBGORISCHB METHODB. 

fcripturcB exponendo cmuminuunty ut paffimt, glutiri a pt^nlis. Es 
O'ilt aber hier bei der Auälef^uiig und Anwendung der eiioeliieii ge- 
schichtlichen Züge dasselbe Verfahren, das zuerßt von griechischeu 
Theologen wie Origenes aufgebracht, dann 'auch von denen de$ Abend- 
kindes mit Eifer war ergriflbn worden, jene Methode, die alles was in 
der Bibel berichtet wird aufser dem buchsiäblichen und dem histo- 
rischen noch in einem symbolischen Verstände fafst und es myftice 
oder fpiritaliter, wie der lateinische, oder. bizeicbantUhho^ wie der 
deutsche Ausdruck war *), bald auf diesen, bald auf jenen Punkt im 
Leben der Menschheit und in der Lehre des Chrisieathums deutet. 
Die lateinische Predigt hatte sich diese ErklsBrungsart auch in Deutsch- 
and schon frühe zu eigen gemacht : Karl der Gr. unterstützte sie 
durch seine empfehlende Anerkennung^*); in die deutsche Poesie 
ward sie durch Otfried eingeführt; sie herscht in ^otkers und Willi- 
i'ams Auslegung der Psalmen und des hohen Liedes ; in der deutschen 
Predigt bezeugen sie gleich diese ältesten aller noch erhaltenea Denk- 
mflßler. Da ist (63, 13) die Stadt Jericho, deren Name so viel als Moiul 
liedeute, ein Sinnbild der Vergänglichkeit unseres Lebens, .und der 
nm Wege bettelnde Blinde welchen Jesus dort heilt (Luc. IS, 35) 
ein Sinnbild des Menschengesctilechtes das blind aus dem Paradiese 
vorslofsen ward, bis Jesus ihm die Augen wieder öffnete **♦). Femer 
Die ziuueni iungerun die er fanie in dera brediga (Luc. 7, 1) die 

*) Vpl. üraflTs Allliociul. Sprthsch. 5, 597— 99; llanpistellen für uns gieln Xol- 
ker ?s. 103, 3 Aber myßice (bezeichinliichd): ^ubes (uuolCMn) ßrU prtB- 
dicalore$ (prediare): per pr<Bdieatwre$ (mit prediarin) prinoeß du in- 
. firmos cid inUlledum fcripiurarum {du uueicken ze derofemumße dero 
fcrißo) und 4 Qui facU angelos luos fpirüun. Du dine geifla machoß 
polcfiy fo du fie uz fendeß aä Toöiam, ad Zachariam, ad Mariam, Aber 
myßice (bezcichinlicho) : du in dinero eccleßa (gefamenunga) fpirilalets 
hiros (keißUclie man) tuoß uuefen nuncioi verMlui (potin dinis csrindis) 
unde fie ad camales (tt fleifcinen) sendeß ifuaß de cmlo ad ierram 
(fetmo aba Mmele u erdo). Von dem itihd. bez£ichenen u. s. f. «q einer 
spätem Stelle. ,, 

^^) In der Encyclica de liUeris coleiidis von 787, Pertz 8, 53 Cum auteln in 
facris paginis fchemala^ Iropi, et calera his ßmiUa invenianlur, nuUi 
dubium eß quod ea unuMquisque legeng tanlo tüiut fpirüualHer inleltigUy 
quanlo prius in lilterarum moffiflerio pUni»9 inßruclus fueriL Von Lud- 
wif dem Frommeo bencl»t«t »oin Lebensbesqbreiber Thegnn cap..l9 Senfum 
in onwiäus fcripturis fpirUalem el moralem nee non et anagogen opiime 
nooertU. 
^^^) Aas derselben Quelle, der betreffenden Honiilie Gregors d. Gr. hal diese Aus- 
legung auch der Dichter der nltsächs. Evangelienharmonie geschöpft : Scbnid- 
lers Heljand 110 Ij^. 



ALLEGORISCHE METHODE. 329 

pizeichineni di ^uuei kibot dere.mifme, die niemir ir füllet ni mögen 
uuerden^ niuuari iedoh 2» nunniße unter fiiuuain 63, 24. Und mit 
Hereinsiehung einer im Mittdalter be&ondere beliebten und häufig 
wiederkehrenden Geschichtsanschauung Die .r. uuile in den dir der 
kiUherro ladote die uuerhtiuti in finan uuinkarten (Matih. 20) die 
pizeichinent die .v. uuerUi die dir uore Ckrifies kiburte uuaren, 
Ava die uuerhliule pi^eichinenl die, die dir der almahtige got in 
den uinf nuerllen ladite »i demo eunigen übe, Daz uum in dere 
eriflen Adam unde fin kißahte, in dere anderen Noe nnde fin ki- 
ßahle, in der dritten Abraham unde ßn kif Iahte, in dere vier den 
Moyfes unde ßn kif iahte; die fiinne gieng bis auf 8. Johann den 
Tiiufer; mit Christo endlich begann die sechste, das ist diu heiiiga 
vhrifHnheit, diu dir ßet iinai an den enti dere uuerlte 60, 23 *), 



') Der Prediger weicht jedoch auf Grund Gregors d. Gr. eben wie späterhin 
Kudoir.voD Ems (s. Viimar über dessen Weitcbronik S. 27. 61 fg. 66) von 
der sonstigen Überlieferung ab. Bei Isidor und Beda wird folgendermarsei. 
eingelheilt: die erste (xiat geht von Adam bis Noah, die iweite bis Abra- 
ham, die dritte bis David, die vierte bis zur babylonischen Gefangensclian, 
die fünfte bis lu Christi Geburt, von da an und so lange die Welt noch 
steht die sechste: Isid. Origg. 5, 38, 5. Beda de Tempomm ralione 64 sq. 
und de Sex «tatibus muiidi, Opp. ed. Basil, 1563. 2, 169 ^. und 174. 
Ebenso im Sachsenspiegel Landr. 1, 3, 1. im Schwabenspiegel Landr. 5 und 
bei Ruprecht von Freisingen 1, 63 ; nur wird hier stoßrender Weise zugleich 
nach Jahrlausenden gerechnet und so noch eine gegenwärtig fortbestehende 
siebente Welt herausgebracht: die Jahrtausende sind aus Hieronymus (die 
Stelle bei Scbilter zu Notk. Ps. 6, 1, bei diesem aber aus 2 Petr. 3, 8); 
auch eine Predigt des 14. Jahrb. (Leyser 118) bat sieben Welten, jedoch 
nur weil sie die dritte bis Moses, die vierte bis David und so weiter zählt. 
Die blolse Secbszahl ohne bestimmtere Abgrünzung hat Hieronymus a. a. 0. 
und die altsächs. Evangelienharmonie 2, 9; auch Beda in einer Weihnachis- 
predigt (ed. Basil. 7, 444) und zwar so, dab ab siebentes Alter die Zeit 
bis zur Auferstehang, als achtes die nachfolgende Seligkeit bezeichnet wird : 
vgl. bei Notker Ps. 147, 1 dca zu dero ufuuerligun burg^ diu danne 
chumflii^ iß^ fo dife gefibenzaloten zUe hina uuerdenl. Den Grund gerade 
dieser Zahlen erweisen Hieronymus, Notker Ps. 92, 1 und namentlich die 
mehr ausgeführte Fafsung von Bedas Worten de Temp. rat., die Eckhart in 
der Krancia Orient. 1, 827 sq. beibringt: wie vor dem Sabhath der Schöpfunr^ 
und der ineoschliclieu Woche sechs Arbeitstage liegen, in ebenso viel Ah- 
schniUe soll nun auch die Zeit zerfallen, welche der einstigen Ewigkeit vor- 
angeht: darum oeanl auch Beda mit Anschlufs an die requies dei und den 
faböalifmwt des llebneerbriefes Gap. 4 dieis leUte Aller die fq^ima vel 
aeiüva guielis. Im gleichen Sinne verstehn und brauchen das Wort oclava 
Notker Ps. 6, 1. 11, 1, unsre vierte Predigt und die vierte bei Roth [auch 
eine der Benedictb. Sammlung bei Kelle S. 19J. 

Altd. Predigten. 22 



330 ALLEGORISCHE METHODE. 

Oder aber Die .r. uuila die magen ouh uuole kigageninaztit uuer^ 
dun zi demo mennifkinen altere. Diu frvoi diu pizeichiti^i die 
chindifka, der nUltimorgen die iugent, der miitetac die iugent, daz 
ist diu metilfcaft des mennifkinen alteris in demo er aller starchifl 
ift, alfo diu funna ze mittemo taga allerheizziß ift fo ß chumet 
in die metilfcaft des himitif. So pizeichinet diu nona daz allir, 
der abant daz bibint altir*): auf jeder dieser Altersstufen kOnne 
und solle der Mensch für sein Heil sorgen ; der Lohn im Himmel abt^r 
sei ailemal der gleiche (61, 3). 



^) Anders w<i \¥erdeii der Lebensaller sechs unterschieden: Isid. Orig^. 11, 2. 
(jiosä. Jun. 356; auch dtefs mit Rücksicht auf die Zahl der Wochenlage 
(Olfr. 1, 1, 49 fg.) und zugleich als Gegenbild zu jener der Welialler : Bcda 
an den vorher angeführton Stellen gieht auch letzleren die Numen der infanlia^ 
puenUn, adolescetUia^ Juvenilis (Pias, senilis celas, celas decrepila. Die- 
selbe Vexbindung in iwei auf Beda zurückgehenden Aufzeichnungen, welche 
die oben S. 253 heaprochcne Züricher Handschrift enUiüU. 282 b Prima 
elaf ab adam ufque ad noe I Conlinenf annof milie, fexcentof. quinqua- 
yinlafeu- (hiir u. nachher ii'm Zahlen immer noch mit den Buchstabe nzüTeni 
darüber geschrieben), quo (ola periU diluuio, Secunda anoe ufque ad 
aöruham! dueentof. nonaginla. fex annof kabenf iu,r(4i hebreof Tercia 
ab abraham ufque ad dauidl habenf annof nongenlof, quadraginta, 
Quaria adauid ufque ad Iranfmigrationem babylonif: qnadringeniof. 
ocloginla. Iref annof habenf» Quinta a tranfmigralione babylonif ufque 
ad aduenlum dntniniJ habenf annof quingent4>f ocloginla. nouem. Sexfa 
eiaf, que nunc agilur nuUa annorum ferie cerla fed ul elaf decrepila 
ipfa morle loliuf feculi confumenda. Haf erumnaf plenafque laboiibuf 
mundi elalef qui cum feiici morle uicerunl, fcplimam iam Sabbati pfr^ 
hennif elaUm in qua cum domino perhenniler regnabuiU exfpectanl. 
Und 360 a (üllADVS Elalif, fex fünl. i. infanlia. pueritia. adolefcenlia. 
iuuenluf, grauilaf, fenectuf. Infanlia landem ufque ad feplimum annuni ! 
puerilia, ad xiiii (darüber v)f adolefcenlia ad, xx, viii! iuuenluf ad. II 
grauilaf ad LXXI Senecluf eß que nullo annorum lempore ßnilur! 
fcilicet pofl illaf quinque elalef. (i^ianlwncunque e/l uile fenecluti depu- 
lalur. Senium eß parf ullima feneclulif. dicla quod sil lerminuf fexle 
elalif. (360 b) Quinque fecula funl prelerila. fexlum prefenf, Abadam 
ufque ad noe, a noe ufque ad abraham. ab abraham ufque ad moyfen. 
a moyfe ufque ad dauid, a dauid ufque ati chrißum. Sex elalef funl, 
infanlia, puerieia. adolefcenlia, iuuenluf, fenecluf. decrepila elaf. Der 
althochdeutsche Prediger verringert aber seinem Bedürfhisse gem(ef:4 die 
Sechszahl auf fünf, wie das bei dem g^teichen Texte ein mittelhochdeutscher 
thut (kinlheiln iugenU, die nu ze vollem aUer komen fint, dax bibenle alter 
qnd die vor aller nihl lenger geleben mugen: Mones Anzeiger 8, 425); 
ein andrer dieser spieteren Zeil gar nnr auf drei, kintheit ivgenl alter 
XXXVIl, 15: doch hat diesen einfacheren Stiifengang auch der Dichter des 
Holandsliedei 1, 26 f^. 



MITTELHOCHDEUTSCHE PREDIGT. 831 

Man mag dieses symbolisierende Verfahren, mafslos wie das 
Mittelalter es angewendet hat, wohl auch geschmacklos finden; doch 
übersehe man bei der Beurtheilung nicht, dafs die evangelischen Pa- 
rabeln selbst, vorzüglich aber der Brief an die Hebrs^er, Anlafs und 
Anleitung daeu gaben; dafs es mit einer allgemeinen Geistesrichtung, 
der auch die übrige Litteratur und selbst die bildenden Künste folgten, 
auf das innigste zusammenhieng ; dafs endlich durch die schöpferische 
Tha'tigkeit der Phantasie, welche an all solchen Combinationen des 
Witzes den wesentlichsten Antheil hat , jedesfalls die Predigten in einer 
gewissen Hcphe über den Ebenen der gewöhnlichen Prosa erhalten 
wurden. 

Mit den eben besprochenen DenkmsBlern endigt der erste, der 
althochdeutsche Zeitraum unserer Predigt, zugleich beginnt hier auch, 
wenn man will, der mittelhochdeutsche: denn es schliefst sich ihnen 
in unmittelbarer, von nun an ununterbrochener Folge die gwifie lange 
gedrängte Reihe der mittelhochdeutschen Denkmteler an, und derselbe 
("harakter, der im elflen Jahrhundert jene ersten und letzten althoch- 
deutschen Predigten bezeichnet, bleibt fortan und bis nach der Mitte 
des dreizehnten der allgemein herschende. *) 

— ...■■« .-■ ■■ li I ; ■■ 

*) (Bid lur Mitte des Id. JahrhundertJ sind, anfser dem was die vorliergeheiide 
AbliandluDg vefxeichnei und erwähnt, folgende deutache Fredigtsaiimilvfl^en 
ganz oder tbeilweise bekannt geworden: 1) Diu ßenedtclbcurer Predigte 
bandschrifl zu München, 12. Jahrb., als „Speculum ecdesia> altdeutsch" her- 
nu'gng. von Kelle 1858. 2) Reste einer TInndschr. zu Wien, dem Inhalt 
nach wohl noch dem 12. Jh. angeha»rig, hg. v. Hoffmann Fundgr. 1, 70 — 
126. 3) Reste einer lIs. aus Regensburg, 12. Jh., mit Ergänzungen aus 
einer jungem Oberaltaclier Hs. derselben Sammlung und ans 2., als „Deutsche 
Predigten des XII. u. Xlll. Jh.«" hg. v. K. Roth 1839. 4) Reste einer Us. 
des 12. Jh. zu Donaueschingen hg. v. Barack Germ. 10, 465—473. 5) Reste 
einer Hs. des 12. Jh. zu Mfinehen hg. v. Keinz Sitzungsb. d. baier. Ak. 1869. 
2, 290—295. 6) 3 Predigten von einer Hand des 12. Jahrh. an Kloster 
Neuburg herausg. v. Wagner, Zeitschrift f. d. A. 15, 439-442. 7) Reste 
einer oherhessischen lis. wol noch des 12. Jh. abgedruckt in Grieshabers 
Altern d. Sprachdenkm. rel. Inh. 1842, S. 10-36. 8) Von 66 Predigten 
einer Hs. hei Kuppitsch in Wien, um 1200, 20 abgedr. in Mones Anz. T. K. 
der d. Vorz. 8, 411—433. 509—530. 9) Blanbeurei' Hs. zu Stuttgart, 13. 
Jh., lateinische Predigten mit deutschen untermischt; 2 der letztem in Mones 
Anz. 7, 396*-399. Vgl. Mones Qnellen u. Forsehangen 1, 184. 10) Reste 
einer Hs., 1. Hälfte des 13. Jh., herausg. v. Grieshaber Germ. 1, 445—454. 
11) Hs. zu St. PanI (in Kärnten), 320 SS., 13. Jh.; eine Probe in Haupts 
u. HolTmanns Altd. Bl. 2, 159. 12) Reste ehier Hs. ans Prag, Mitte des 
13. Jh., hg. V. Diemer Germ. 3, 360—866. 13) 9 Predigten aus einer 
Leipziger Hs., die fibrigens lateiniache enthält, 13. Jb., in Leysers Deutschen 



832 GEISTLIGHB PROSA.. 

Das neue Zeitalter, das mit dem 12. Jahrhundcnrt über den Staat, 
die Kirche, die Wifsenschaft, die Kunst, die Litteratur, das ganze 
Leben der europseischen Völker hereinbrach, mufste eine seiner haupt- 
sächlichsten Wirkungen gerade in dem Predigtwesen äufsern, als dem- 
jenigen Punkte wo Geistlichkeit und Laien, Wifsenschaft und Kunst, 
kirchliche und nationale Sprachübung sich zusammentreffend vereinigten. 
So lang der neue Tag noch leuchtete (er sollte aber erst nach drei 
Jahrhunderten wieder vcrgehn) ward auch der Predigt mit immer zu- 
nehmendem Eifer, immer anwachsender Fruchtbarkeit gepflegt. 

Schon vor Ablauf des althochdeutschen Zeitraumes hatte «lie 
Geistlichkeit ihre Stellung gegen die Nationalliteratur verändert: sie 
halte schon da sich von der Poesie wieder ab und, ihr angemefsener, 
der Prosa zugewandt. Der mittelhochdeutsche vollendet^^ diefs Ver- 
hältniss. Zwar während der ersten drei Viertel des zw()lften Jahr- 
hunderts lag die Geistlichkeit noch mit allem Fleifse dem Dichten ob. 
und was wir aus denselben von Gedichten haben ist beinahe alles 
geistlich und gelehrt: zugleich aber kam mit erneuten Kräften die 
geistliche und gelehrte Prosa auf, die ihr Gegenbild, die Poesie., 
etwa nur noch in Reimeinschaltungen wiederspiegelte oder in ver- 
einzelten Verscitaten *), während auf der anderen Seite Gedich- 
ten hin und wieder eine Fafsung nach Predigtweise gegeben 
ward **). Und mit dem vierten Viertel des Jahrhunderts gieng die 
Poesie gänzlich an die Laien über, ward wesentlich und so sehr ein 
Werk dieser letzteren, dafs von da an selbst geistliche Dichtungen 



Predigten d. Xlll.— XIV. Jh. 1838. 14) 37 Predigten aus einer mehr als 
150 enthaltenden roitteMeulschen Leipiiger Hs. des 14. Jh., die aber auf 
mindestens zwei verschiedenen Sammlungen aus der ersten Hälfte des 13. 
Jh. beruht, in demselben Buche von Leyser. 15) Reste einer thüringischen 
Hs. des 13. Jh., hg. v. Jeiueles (ierm. 17, 340—354.] 
^j in tineme gefpraidach moyfef ein flvr fach X, 26 «ind Verse des Melker 
Marienliedes Altd. Leaeb. l'J5, 22 |5. Aufl. 341, 10]. 
^'') Vgl. die deuUche Genesis Fundgr. 2, 80, 28. Daz welle Chriß gotes fUn, 
daz wir alle muozzen tuon^ daz wir chomen ze gnaden, des chodet alle 
amen; ebenso predigtmelsige Wendungen zum Beginn oder Schluf^ <les 
Ganzen und einzelner Alisätze haben die Görlitzer Evangelienhannonie Fiunlgr. 
1, 146 fg. 204 uiul Wtrnhers Maria ebda 2, 162. 176, 31. 211 fg. Ob die 
gereimten altfranzcesischen Sermons des ]3- Jh. (K. Schmidt über das Fre- 
digen in den Landessprachen wiibrend d. MitteUlters, Stud. u. Krit. 184G. 
S. 277) auch nur Gedichte in Pre digtform oder wirklich Predigten in Versen 
und Strophen seien, wage ich mir selbst nicht zu entscheiden, da ich nur 
einen derselben, den von Jubinal herausgegebenen, kenne. 



DEUTSCHE ' HOHILUHKN. 833 

öfter aus LRienmunde als ans der Feder gelehrter Geistlichen flofsen. 
Diesen verblieb mir noch die Prosa: der aber widmeten sie fortan 
einen desto treueren Pleifs. Natürlich war der Inhalt ihrer Schöpfungen 
und somit unserer ganzen alten Prosalitteratnr meistens eben auch ein 
geistlicher : selbst einem Denicmal hochdeutscher Rechtsprosa, dem 
Schwabenspiegel, durfte der geistliche Bezug und Grund nicht fehlen; 
die historische Prosa fand ihre rechte Moeglichkeit und Nothwendig- 
keit erst da, als sie an die Stelie der erloschenen Epik rücken konnte. *) 

Meistens also geistliche Prosa : diese aber meist eine homiletische, 
als Predigt, als Tischrede. Auch in deren Entwickelungsgange zeigt 
sich angenAHig genug das Wechselverhältniss zwischen poetischer und 
prosaischer Form, das wir soeben bei der Geschichtschreibung wahr- 
genommen haben. So lange die mittelhochdeutsche Poesie noch ihre 
Blütezeit feierte, war die Predigt kaum hinausgelangt über den Stand- 
punkt den sie bereits im elften Jahrhundert eingenommen : sowie aber 
jene zu verfallen begann schwang sie sich empor, und nun erst, erst 
nach der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, kam der deutschen Predigt 
die doch viel ältere Scholastik zu gute und die Stiftung der Bettel- 
orden die schon vor einem Menschenalter geschehen war. Und als 
mit dem ersten Viertel des vierzehnten Jahrhunderts der Verfall der 
Poesie seinen Abschlufs erreicht hatte, folgte dem wieder eine neue 
Wendung in den Fortschritten der Predigt: gleichsam zu prosaischer 
Wiedergeburt der abgestorbeuen Liederdichtung nahm sie die Mystik 
in sich auf, obschon diese seihst nicht erst ein Kind des vierzehnten 
Jahrhunderts war. 

In solchem frisch erweckten und so schoen anhaltenden Fleifse 
predigten aber die Priester und die Mönche nicht blofs häufiger und 
gehaltvoller und umfangreicher als vordem: ihr Fleifs und diese Fülle 
brachten es auch mit «ich, dafs jezt die Predigten öfter aufgezeichnet 
und wiederholendlich ganze Sammlungen solcher, deutsche Homiliarien 
also nach Art jener älteren lateinischen (oben S. 814) angelegt wurden. 
Zuna'chst dauerte die homiletische Verwendung und Behandlung der 
Katechisniusstücke und der Beichte dem Herkommen und der Kirchen- 
ordnung gema^fs fort, daher auch die Aufzeichnung der betreffenden 
Formulare und der sie begleitenden Ansprachen; xmA zwar der erstem 
Iheils einzeln und für sich, theils so dafs sie mit in die Sammlungen 



^) Die feMhichtliehe a. rechUiche Prosa des niedern Deutschlands hat steh früher 
als die des ot»ern ^bHdet: denn dort war auch das Absterben der Poesie 
sohUto^'tiiiP^^lef frftber ehigelrele». 



384 KATECHISMUSLBHRE. 

oigeiitticher Predigleii aufgenommen, an deren Spitze oder Ende jyre- 
Htelll oder irgendwo in sie eingeschaltet sind: vgl. das Münchner 
Beichtformular in Mafsmanns Sammlung unter Nr. 89, 11 und 34 
|bei Müllenh. u. Seh. Nr. XCVllJ, das Benediclbeurer bei Marsmann 
nnler Nr. 10, 38, 22 u. 44 |bei Kelle Spec. ecci. S. 3—8, bei 
MnUenh. u. Seh. Nr. XCVl], das in Hoffmanns Fdgr. 1, 111 fg. 
enthaltene und in unserer Sammlung die Schlufsrede zur Beichte 
Nr. XVII. *) Indessen schon jezt und gar spaeterhin wird der- 
gleichen immer seltener: das Erheblichste gehoBrt erst wieder dem 
vierzehnten Jahrhundert an ^*), ein weitläuflig ausgeführtes cateche- 
jtisches Lehrbuch und das Formular einer Beichtrede nii allen ihr 
zum Grunde liegenden Catechismusstücken, ersteres von Oberlin 
1784 unter dem Titel Bihtebuoch herausgegeben, letzleres noch 
imgedruckt auf den Anfangsblattern der bekannten Würzburger Mis- 
cellanhandschrifi zu München. *^^) Diese Veränderung kam von 
mehr als einem Umstand her. Nicht dafs jezo die Geistlichen ge- 



i>Ö> 



*) Die Worte des Rolandliedes Er fagelc in von dem gotes riche 206, 1 
lafsen .<ich auf eine Valerunscrrede dciilcn : der Arme Hart mann versificiert 
im Zusammenhanf^e seiner Dichlung auch das Beichtrormiilar, Glauben 22 U fg-. 

^) Auch die Abhandlung von den sieben Todsünden und das ßciclitrormiilür in 
Mones Schauspielen d. MiUelalters 1, 32$ fgg. u. 2, 111 fgg. sind schwer- 
lich älter, obschon der Herausgeber sie noch in das dreizehnte Jahrhundcii 
setzt. 
^^*) Ich theile daraus die Catechismusstficke mit: 

Bl. 2 c. Dax tuifehe patemoper* Pater o nofler o Vater o urt/er o 
der o du o biß in den o himcln Geheilgt o werde o din o name Zv o 
kum o vns o din o riche Din o wiiie o tcerde o Ate o uf o der o erden o 
als in dem o himel, ünfer o legelich o brot o gib o ons o herre o 
hüie Und o vergib o vns o vnfer o fchul o de o als o wir o tun o vn~ 
fem fchuldern, (d) Vnd o verteile o tTu o niht o in o dehein o übet o 
bekorunge. o Svnder o dertofe o vns o vor o altem o übel o Amen, o o o 
Die zwischengemalten Ringlein bezeichnen die PaterDosterkugeJo. 
Bl. 2 d. Der englische tirufs, der dem älteren Catechismus (oben S. 295) 
noch fremd war. Der feibe gruox %uo tüifchen Ave maria 
gegruzel fiß du maria Vol aller gnaden, Gol iß mit dir, ßn heilf/e 
gnade ße mit mir Du biß gefegent ob allen frauwen, Gefegent iß di 
fruM dines libes, Iheßis crißus Amen, 

Bl. 3 « Dit% ifi der glaube %m tnifehe den die keUgem 
zweifb^ien gemacht haben. (Die Namen stehen rolh am Runde). 
Petrus Ich gelaube an einen gvt, vatir almechtig. der fchepfer iß 
himels vnd erdin vnd aller gefcheppheit, Andreas Ich gelaube an 
ßnen einbam fun. vnfer n Herren ihefum crißum, vnd daz di dri ge- 
nanten» der vater, der fun, vnd der heilige geiß ein warw gotheU iß 
die ie was an angenge, vnd immer iß am en ende dmeabme mmimr 



KATBCHiSMUSLEHRE. 3S5 

rin^^rere Kenoiiiiss von den Hauptstücken ihrer Lehre oder neben dem 
Eifer für die Predigt keinen mehr für den sonstigen Unterricht und 
für die Seelsorge besefsen hätten: Freidanks Worte Daz dorflitU ift 

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ich gelaube daz dir felöe ffoles fun gekündet wart van dem enget gabriel. 
enphangen wart von dem heiligefi gelß, geborn wart von miner frauwen 
fant marien der ewigen magct tFohanne» Ich gelaube daz er ver- 
raten wart, geuafigen wart, gemartert wart, vnd an daz heilige cnice 
genagelt wart, dar an erftarp an der menfcheit vnd nicht an der got- 
heit. vnd daz er ah dem crvee genumen wart der erden enpholhen wart, 
in der er lag bix an den driUen tag. Thomas ich gelaube daz (in 
heiligw feie zu der helle für di brach, dar vz nam alle di finen willen 
hellen getan vnd daz er an dem dritten tage erftund warer got vnd 
wäre menfche tFacobus minor ich gelaube daz er nach vrßend hie 
uf erden wont vierzig tage, vnd daz er an dem vierzigeften tage ze himel 
für ze (b) angefleht finer Jungern. xmd die deg wiredig waren daz ß ßn 
vffart fehen, vnd daz er da zu der rechten hant fines vaters im eben 
herre vnd eben gewaltig filzet. PkUippuu ich gelaube daz er von 
danne kunßig iß ze richten und ze vrteilen einem iegeliche menfchen 
nach finen werken. Bartitolomeus ich gelaube an den heiligen geiß 
3iatheus Ich gelaube an die heiligen crißenheit Symon ich gelaube 
gemeinfchaß aller heiligen, vnd aplaz miner funden. tFndas Tl^adeus 
Ich gelaube vrßend mines tibes. JÜMaihias ich gelaube nach difem 
leben daz ewige leben Amen. Über diese Ytrtheilung unter die zwölf 
Aposlel an einer spsptern Stelle. 

Bl. 6 b ich bekenne dem almechtigen got, miner frauwen fanl Marien, 
allen gotee heiligen. t>nd üch prißer, aller der funden die ich ie begieng. 
mit gedenken, willen, Worten, vnde werken, an den zehen geboten, vnfers 
herren. an den fiben toi funden. mit minen fünf finnen. an den fehs werken 
der barmherzekeit. an den fiben heüikeil an fiben gaben des heiligen 
geifles. wa. oder wie. ich die funde han getan, mit wem. oder wie dicke 
ich fie begangen han, willeclich oder vnwilleclieh. tätlich oder tegelich^ 
wizzentlieh, oder vnwizsenllich daz ruwet mich von gantzem herzen, vnd 
bitc mine frauwen fente marien. alle gotz heiligen, vnd üch prießer. daz 
ir vnfern hern für mich pit. daz (c) er mich friße. biz ich min funde 
gebuze. vnd fin hulde verdiene. Neiget üch zu dem fegen, Abfolucio, 
bl. 6 d Sprechet mir noch, ich glaube in got. vater almechtigen. ich 
glaube an fin einborn fun. imfer herren ihefum crißum. ich glaube 
in den heiligen geiß. ich glaube daz die dri namen ein warer ewiger got ßnt. 
% Sit ich daz glaube, fo wider fage ich dem lüfet. Vnde bekenne vnferm 
hern got. miner frauwen fenle Marien allen heiligen, Vnd üch prießer 
aller der funden die ich ie begieng mit gedanken. mit willen, mit warten, 
oder werken, willeclich oder vnwilleclieh. wizzentlieh oder vnwizzentlich. 
tollich oder tegelich. die rüwenl mich, vnd fint mir teil, vnd bit min. 
frauwen fente Marien, alle gotz heiligen vnd üch prießer. daz ir vnfern 
herren für mich bU, daz er mich frifl. biz ich min funde gebuze, vnd 
fin hulde erwerbe. 



336 KATECHISMUSLBHRB. 

mht wol beriht, kan der pfafe des glauben mhl, 70, 20 ^) sind 
noch kein Grund für 8olch eine Annahme, und Bücher wie die Summa 
Confessoruin des Lesemeisters Johann von Freiburg und deren Ver- 
deutschung durch Berthold Huenlen von Ulm (vgl. die Altd. Hand- 
schriHen d. Basler Univ. Bibl. 61 fg.) bezeugen hinreichend dafs die 
Beichtiger auch im vierzehnten Jahrhundert wahrlich nicht minder 
pflichttreu waren als jemals in der althochdeutschen Zeit. Sondern 
was erstlich jene Stücke an und für sich betrifft, so blieb eben im 
Allgemeinen dieselbe deutsche Fafsung fort bestehu, die sie schon 
früher erhalten und in der sie schriftlich oder mündlich sich vererbt 
hatten**): das überhob natürlich eines öfteren neuen Niederschreibens. 
Dann aber, so heilig auch alle Welt die Formeln des Glaubens und 
des Gebetes hielt, *ie in der Kirche sprach ***) und daheim jegliches 
Tagewerk mit ihnen begann und endigte f)» ^i^ waren jezt doch nur 
ein Gegenstand des Jugendunterrichts, nicht mehr eines mit der ganzen 
Gemeinde gehaltenen Gottesdienstes, wie das früherhin durch Nolh- 
wendigkeit oder lra»ge tlberlieferung Sitte gewesen (oben S. 294). 
und zwar eines Unterrichtes hauptsächlich und zimsechst durch die 
Palhen des Kindes ff) : so fiel die homiletische Behandlungsweise von 



^) Der geloube das Credo, das Glaubensbekennlniss, wie im Althochd. und wie 
das Int. ßdcs. Vgl. die vorige und die gleich folgenden Anmerkungen utid 
Reinhart Fnchs S. 307 So man mir den §louben vor fprach^ von dem 
Übeln Weibe 482 dock traf mich des roken ort tUfi) f^rc an den gieU daz 
mir der gloube gar enphiel, 
^^) z. B. in Konrads Silvester 1772 entsagt Kaiser Constantin, da er getauft wird, 
dem Heidenthume beinahe wOrtlich ebenso, wie es schon ein halb Jahrtausend 
zuvor die ersten deutschen Christen gethan : ich wil gerne in minen tagen 
dem argen tiufel uHderfagen vnd aller der gezierde /in, 

**'^) XXXI, 36. 46. den glouben alle funnetUage ßngenl gwiffe di paffen z6 
der miffe durch di gotis enße llartm. Glauben 14. 
f) Ein ieglich menfehe fol den glouben zwirenl in dem tage fprerhen, den 
morgene fö du uf fUß und des nahUs ß du nider giß^ biz an dinen 
I6l; fö du danne an dem ende geliß^ unde dir der Uuvcl dinen kn'ßm 
glouben gerne an gewunne^ daz er dir nihl guot ze nemene iß Berthold 
230 fg. [bei Kling; bei Pfeiffer 44]. Im Bolandsliede 121, 14. 122, 11. 12 
bereiten sich die christlichen Helden mit Glauben, Gebet und Beichte zum Tode vor. 

ff) Da fall du von kintlicher jugende den glauben krißenliches lebenes gar 
unde gar wol beveßen unde beßalen in dinem herzen. Du folt in uzen 
lernen ze HtUfche. Die ungelerteti Hute die ßlln den glouben in tiulfche 
lernen, unde die gelirten in buochifchem (vgl. oben S. 303) Ez follen des 
kinde» lolen daz kinl den glouben unde daz palernoßer Uren^ fö ez fiben 
jdre all würde : wan ß fints im fchuldie: wan ß ßnl fin geißliche vater 
unde muoler, Si füln fprechen ze finem vater oder muoier y^Geratere, ir 



KATECHISMUSDICHTUNG. 3B7 

selbst fort. Und wo man damit noch über die Jn^rrnd hinaus wirken 
wollte, wo en die Mittheflunp an Erwachfrene und crar eine Erlänlerunp 
für diese galt, da brauchte das dreizehnte und selbst schon das zwölfte 
Jahrhundert statt der prosaischen lieber die nun willkommnere und 
darum mehr eindringliche Form der Poesie: Reinmar von Zweier 
übertrug das Vaterunser in einen lyrischen Spruch (vd. Hagens Minne- 
singer 2, 179 b); Heinrich von Krolewitz ♦) paraphrasierte es in aller 
Weitläuftigkeit bis auf beinahe 5000 Verse des episch-didactischen 
Mafses, ob in der toerlde ieman ril lihie hat alfö getan, der wol 
dife felben wort vor manigen jären häi gehört (nmmlich als Kind) 
und daa er doch enmerkte niht die meinunge dirre gefchiht, da% 
fie der nu merke baz (4589); ebenso gegen Ablauf des zwölften 
Jahrhunderts der Arme Hartmann den Glauben in 3800 Versen, ze 
lire den tumben (den Ungelehrten) wände manige rede darane haj- 
tent dar fi Inzil umbe ahtent (22). Auch die Beichtrede trat in die 
Cfeschricbene Dichtung über:. schon im zwölften Jahrhundert in einem 
Reimwerke der Vorauer Handschrift; (Diemer Ged. des 11. u. 12. Jh. 
305 — 309); ein halb poetischer, halb noch prosaischer Versuch der 
Art aus dem dreizehnten Jahrhundert, der nun auch die zehn Gebote 
imter die Catechismusstücke aufgenommen zeigt **), in Haupts und 
Hoffinanns Altd. Blättern 1, 862— 370*»»): Hec fcribimu$, sagt die 



füll mir minen toten daz paternoßer unde den o^ouben Uren^ oder ir 
tat in zuo mir gin: fd lere ich ez.« Künncn fi daz Ave Maria dar 
zuoy daz iß vil tcunderguol. Iß aber daz daz kint [in toten niht Ürenl^ 
fo folt du ez felbe Uren. Wan ßcelich menfche vierzehen jAre alt voirt^ 
unde kan ez des paternoßers niM, man fol ez an ein velt legen (von Hattä 
und Heimat verstoßen) Berthold 230 [bei Pfcifl'er 43 fg.]. 
^) Heinrichs v. Kr. VateruiMer, heraus^, v. Liscb 1839; ein von Lisch unbenutzt 
gebliebenes Bruchstück (1355—1406 u. 1512—1563) gaben schon 1827 
meine SpiritaHa Theotisca 16—22. 
**) Während des allbd. Zeitraumes waren sie es noch nicht: oben S. 295 fjr. 
Jczt aber spricht die Beichte von Sfinden gegen die zehn Gebote unsers Herrn 
(Mone, Schausp. d. AIA. 2, 111 n. oben S. 335) und Heinrich v. Krolowitz 
betrachtet sie als mitbegriflen in das Vaterunser (102 u. s. w. 3494 fgg.); im 
Armen Heinrich, Altd. Lesebuch 337, 28 [5. Aufl. 519, 26J ermahnt die Mutter 
ihr eifjährigcs Kind trän gedenkeß dd an fin gebot? jd gebot er unde 
bat er daz man munter unde vater minne und cre biete; Waithcr v. d. 
Vw. 22, 3 [bei Lachm.] Swer dne vtrrttte^ tievre got^ wil fpr ecken diniv 
selten gebot^ und brictiet diu^ daz iß niht rehtiu minne; in Freidank.s 
ßeicheidenheit 174 eine Versificiening derselben, eine andere jQngere in 
Schilters Thesaurus Tb. 1, S. 77—80 der Monumenta catechetica. 
) Später noch einmal aus einer andern HandscbriD, der oben S. 258 bespro- 
chenen Weingartnerischen, in Mones Anzeiger 8, 58 fg., aber unvollsfSndig 
und mit Überschitzung des Alters. 



oo« 



338 FASTENPBEDIGT. 

Rubrik, propter fimpiices et nUnus intelligetiie$. Wo sie jedoch 
innerhalb der Prosa zur Anwendung in der Kirche selbst verblieh, da 
erhob sie sich mit dem freieren Schwünge, der sie bereits im all- 
hochdeutschen Zeitraum vor den Glaubens- und Vaterunserreden aus- 
gezeichnet hatte (oben S. 305), bis zu der eigentlichen Predigtform, 
und an die Stelle der Beichtrede kamen seit Ende des zwölften Jahr- 
hunderts wohl ausgeführte Fasten- und Ascherroittwochspredigten. 
fermones quotidiani und in capile jejunii^ wie das Latein der Kirche 
sie betitelte. Dergleichen fermones quotidiani, d. h. die man all- 
täglich während der grofsen Fastenzeit halten konnte, sind bei tins 
Nr. VI u. VII ; ein fermo in capite jejunii das Bruchstück in Hoff- 
manns Fundgr. 1, 69; den Bufspredigten bei Leyser 30 u. 125 fehlt 
die na^here Bezeichnung; filr die zwei in Grieshabers Sammlung 2, 
66 u. 74 lafsen die Überschriften selbst die Wahl zwischen dem und 
jenem Gebrauch: In capite jejunii et per totam quadragefimam 
quandocunque vohteris und Ifte fermo ConvertinUni (die Ascher- 
mittwochsepistel Convertimini od me u. s. w. Joel 2, 12. 13) etiam 
eft communis quandocunque volueris, 

Catechismusstücke ahio und Catechismusreden sind jezo selten, 
die letzteren selten schon im lebendigen Gebrauch, noch seltener beide 
in der Schrifl: um so zahlreicher sind uns, namentlich aus dem drei- 
zehnten und dem vierzehnten Jahrhundert, deutsche Predigten über- 
liefert. Denn jezt erst war es moeglich und der Mühe werth, das 
flüchtige Wort mit dem Buchstaben zu befestigen und es fiir allr 
Zeiten dauerhafl nutzbar zu machen; wie der Dichter des Passionais 
in Z. 220 fgg. der Nachrede sagt (Wiener HS. 2694. vgl. Diut. 2, 68j 

Swaz ich hiute predigen pflege, 

Das eerget mit dem galme: 

Swaz aber ich mit dem halme^ 

Mit der vederen maine ich, fchribe, 

Daz hoffe ich ie es blibe 

Nütze über manigen tac. 
Er meint das geschriebne Gedicht im Gegensatze zu der blofs ge- 
sprochenen Predigt: wir mcBgcn aber, und bleiben damit ganz im 
Sinne der Zeit, sein Wort auch von der geschriebenen Predigt ver- 
stehen. 

Vom Zwecke der jezt entstehenden Predigtsammlungen gilt das- 
selbe, was oben bezüglich der in Bruchstücken vorliegenden Samm- 
lung aus dem 11. Jahrhundert bemerkt wurde. Sie waren zu- 
naechst Handbücher für Priester, die ihnen Muster geben, und unter 



ZWECK DER PREDIGTSAMMLUNGEN. 339 

umstanden geradezu als Fundgruben der Enllehnung und als For- 
mulare dienen sollten; schwerlich eine einzige enthält Predigten, die 
wirklich alle das Jahr hindurch nach einander wsren gehalten und 
dann erst zur Erinnerung und nur dazu aufgeschrieben worden. Den 
Beweis für jene Bestimmung erblicken wir, wenn z. B. die Benedict- 
beurer Sammlung hie und da Vorschriiten giebt, dafs und wie eine 
Predigt auch bei andern Anlsefsen als den gerade in der Überschrift 
bezeichneten könne verwendet werden: Pred. de S. Laurentio, Kelle 
S. 100 Notnina quemcumque mariirem velis : in uniuscuiusque tnarH- 
ns fefio hec predicare poieris; Mariae Geburt, S. 108 Hec predices 
in quocunque fefio beale Marie relis. Oder wenn die Predigt am Tag 
exaltalionis crucis bis gegen das Ende über das Kreuz und Christi 
Erhcehung an demselben handelt und dann S. 1 16 ein doppelter Schlufs 
kommt: Uec dicas in intentione fände crucis, Hec dicas in exal* 
tatione*), Oder wenn in der Wiener Sammlung Fdgr. 1, 112 auf 
die Glaubensformel die Anweisung folgt Uanc katholicam fidem fcB^ 
pius in fefiicilatibus dicere debes, et si sit feftivitas, quod ad 
corpus domini aliquis accedere eelit, confeffionem fubjunge ita di- 
cens Min ml lieben u. s. w. (Ansprache. Beichtformel und Indulgenz); 
oder wenn anderswo mehrere Heilige genannt und zur Verehrung 
empfohlen werden, bei St. Nicolaus aber hinzugefügt wird (ebd. S. 119) 
Si de miraculis eius aliqua dicere volueris, habes fupra ante ncUi^ 
citatem Christi. Daher, wenn in dem Formular (ur eine Ansprache 
am Feste Aller Seelen S. 114 ermahnt wird: Gedenchet unser hus- 
genözen, die niulichen verfcheiden sintj meifler Gumperhtes unde 
tneißer Wizeperh unde anderre unfer hüsgenöieuj so weist Ms- 
genözen zwar auf eine Gemeinde hoeriger Landleute hin, aber die 
Namen sind nur beispielsweise als AusßUlung des Formulars gemeint, 
und könnten ebenso gut andere genannt sein. Und ähnlich steht bei 
dem unmittelbar vorhergehenden Satze Pittet umbe alle die üzer dirre 
famenunge verfcheiden fint, herren olde pruoder oder fwester zwar 
fesl, dafs der Redner in einer Klosterkirche spricht, aber es ist offen 
gelafsen, ob in einem Männer- oder Frauenkloster ^'*^). 

Ebensolche Bedeutung und Anwendbarkeit hatten die lateinischen 
Homiliarien vor der Karolingerzeit und aus ihr besefsen; jezt trat 



*) Das eine Fest begeht die WicderfinUung des Kreuzes durch die h. Helena, 
das andere seine Wiedererhcehung, nachdem die Perser 614 es geraubt, 
durch Kaiser lleraclius 629 oder 630. 
**) Herre ist Pfarrer, hier denn ein Klosterbruder, der als Priester eine Pfurre 
▼eraieht. 



340 AUTORITÄTEN DAR PREDFGT. 

noch ein andres Beispiel naeher und wirkte noch nnmittclbarer. In 
das erste Viertel des 12. Jahrhunderts fallt die aufserordentlich frucht- 
bare und mannigfach erfolgreiche Thaptigkeit des Honorius Augusto- 
dunensis, dessen Lebensumstände wir so gut als gar nicht, dessen 
Schriften wir desto befser kennen*): darunter mehrere, deren Wir- 
kung das ganze Mittelalter hindurchgeht. Eine davon ist eine latei- 
nische Predigtsammlung, Speculum ecciesiae genannt, ausdrücklich be- 
rechnet fy\T die Anleitung zum Predigen und zur Aushilfe dabei. In 
ihr gewahren wir den njechsten Anstofs, eben dergleichen auf Deutsch 
zu verfafsen, um so zweifelloser, als sich z. B. in jener Benedictbeurer 
Sammlung wiederholendlich bald wörtliche, bald freiere Anlehnungen 
an die lateinischen Muslerstticke des Honorius finden (vgl. Kelle S. VII. 
[MüUenh. u. Seh. zu XCVI]). Natürlich bildete er nicht die einzige 
Ouelle und nicht die Quelle für alle; auch wo die Verfafser dieser 
homiletischen Musterbücher nicht aus sich selber schöpften, standen 
ihnen noch genug andere noch angesehenere und ältere Autoritaeten 
zu Gebole. Und meist werden sie in dieser unselbstöndigen Weise 
verfahren sein, schon aus loeblicher Demuth, um doch nicht Dinge als 
Muster aufzustellen, die von ihnen selbst herrührten, sondern eher 
solche, deren Wertli der Ursprung von irgend einem heiligen Vater 
der Kirche verbürgte. In so fem haben all diese Sammlungen eigent- 
lich keine Verfafser, imd wirklich wird auch nirgend der Name eines 
Verfafsers angegeben. 

Diefs Rückgehn der deutschen Predigt des zwölften Jahrhunderts 
auf iUlere Autoritfeten ist auch die nächste Ursache, warum ihre ganze 
Fafsung imd Haltung im Wesentlichen noch als dieselbe erscheint wie 
schon im elften Jahrhundert. Während uns aber die Predigt dieser 
früheren Zeit nur in Bruchstücken erhalten ist, und so von ihrer Art 
und Weise doch kein vollständiges Bild kann entworfen werden, haben 
wir nun, im zwölften Jahrhundert, eine Fülle von Denkmfplern, die es 
möglich macht eine Characteristik der damaligen Predigtweise zu ver- 
suchen. In allen Hauptzügen wird dieselbe auch rückwärts ftir die 
Predigt des 11. Jahrhunderts giltig und der einzige Unterschied etwa 
nur ein quantitativer sein: das 12. Jahrhundert zeigt gelegentlich eine 
vollere breitere Ausführung, wie der allgemeine Fortschritt der littc- 
rarischcn Übung sie ermoeglichte und wie auch noch andere Umstände* 
den Anlafs dazu gaben. So entfaltet sich namentlich die Verehrung 
der Jungfrau Maria nicht selten nun in einem reicheren Mafse von 



^) [Siehe Ober beides Scherer in der Z»chr. für <Bsterr. Gymn. XIX, 567 tgg.] 



iJilAGR DEÜ PfUSNGT. 341 

Worten und Bildern, als wohl je in Predigten der ülteren Zeit : aber 
die Kirche selbst war darin jezt weiter vorgeschritten, hatte die heil. 
Jungfrau noch mehr von den übrigen Heiligen, fort und noch nasher 
Christo selbst an die Seite gerückt, und anch die Poesie nicht blofs 
der Geistlichen, auch die der Laien gefiel sich in diesen Überschwäng- 
lichkeiten. Sie waren der religioßs verklaerte Wiederschein des irdi- 
schen Minnedienstes, der jezt ein Hauptgegenstand der Dichtung wurde. 
Abgesehen von solcher volleren wärmeren Ausführung in Einzelheiten 
war also und blieb die ganze Anlage der Predigten, die Art und 
Weise den kirchlichen und in der h. Schrift gegebenen Stoff zu be- 
handeln dieselbe die sie schon vorher gewesen. 

Die Predigten sind entweder sermones de tempore oder de sanclis 
(s. oben 807). Letztere pflegen aus kurzer Erzählung mit angehängter 
erbaulicher Vermahnung zu bestebn, und sie gehn nicht nothwendig 
von einem Bibellexte aus. Die Wiener Sammlung zeigt ein eigenes 
Mittel um das geringere Mafs von Erbauung, das sie somit gewähren 
konnten, zu vergüten, indem wiederholendlich am Schlufs eines Vor- 
trages die Gemeinde zur Anstimmung eines Bittgesanges aufgefordert 
wird (Fdgr. 1, 80. llöj; was denn auch aufser den sermoiM's de 
sanctis bei anderen Vortra^gen geschieht, die nicht von Bibelstelien 
ausgehn, bei den Ermahnungen zum Gebet für Lebende und Abge- 
schiedene (Fdgr. 113. 114). '*^) Den Predigten auf Sonntage und auf 
mlche Festtage, die ihre Bedeutung aus der evangelischen Geschichte 
her besitzen, den Sermones de tempore konnte der biblische 
Text nicht fehlen. Hier steht in der Regel an der Spitze die von 
Alters her vorgeschriebene Pericope, zuerst lateinisch, dann in deut- 
scher Umschreibung. Doch kann auch diese letztere vorausgehn und 
der lateinische Text folgen (oben S. 35), oder auf die bereits in der 
Messe verlesene Pericope wird in der Predigt nur Bezug genommen, 
ohne dafs sie derselben in ihrem Wortlaut eingefügt würde (oben S. 10). 
Und nun wird denn, nach der besonderen Weise der Uoinilie, kein 
eiidieitliches Thema aus dem Text abgeleitet und ausgeführt, sondern 
er selbst wird unmittelbar und Glied ßir Glied belehrend und erbau- 
lich ausgelegt inid angewendet, etwa so, dafs noch diese und jene 
andere pafsliche oder paft^lich erscheinende Schriftstelle mit herein- 



*) [denn. 1, 449 zu Alierheiiigen (v(rl. Spec. ecci. 128, 28) und Allerseelen. 
Bri llonoriiH iiiilttMi in einer Adven»spredffjl Spec. pcri. ed. Ct»l. 1531 fcd. 
250 a : Ideo nunc ffloria tu ercfliis inttotnitlimus. Auffonlerimg txuti de- 
Baug am SchUifi einer deutschen Ad?w)t&|Nredi|[t tierm. 10, 467. | 



842 ANLAGE DER PREDICT. 

grezogen und gebraucht wird um die Auslegung der Einzelheiten zu 
unlerslttlzen oder den Übergang von der einen zur andern bilden zu 
helfen. Nicht selten auch werden mehrere Auslegungen und Anwen- 
dungen eines und desselben Tcxtgliedes als gleichberechtigt hinter 
einander vorgeführt, wovon jene Homilie von den fimferlei Arbeitern 
im Weinberg mit deren Beziehung zuerst auf die fünf Weltalter, dann 
auf die filnf Altersstufen ein älteres Beispiel giebl. Den Schhifs bildet 
eine allgemein gehaltene Ermahnung, wie sie entweder an das zuletzt 
besprochene sich anschliefst oder auch auf den Gesammtinhalt der 
ganzen Homilie sich begründet: in diesem Falle wird wenigstens hier 
und wenigstens implicite eine Art Thema aufgestellt; und das letzte 
Wort besteht gern in einem kurzen Gebetsnif um den Segen Gottes. 
Der Umfang wächst bei dieser Behandlungsart wohl über den des 
Sermo de sanctis hinaus, aber er bleibt geringer als der einer Predigl 
im engeren genaueren Sinne des Wortes ausgefallen wsere. Und er 
bleibt auch da gering, wo, was nun allerdings mitunter geschieht, von 
diesem schlichten Gange der Homilie abgewichen und schon mehr in 
die Art der eigentlichen Predigt eingetreten wird. 

Diese Ausnahme geschieht in zwiefacher Weise. Entweder es 
wird dem Evangelientext und dem was sich unmittelbar an diesen 
knüpft noch eine einleitende Betrachtung, wie die Homiletik es nennte 
ein Exordium vorausgeschickt, die jedoch ihren Ausgang auch von 
kirchlich autorisierten Worten nimmt, z. B. Fdgr. 1, 123. 125 von 
der für denselben Tag vorgeschriebenen Epistel- oder Prophetenstelle ; 
oben S. 9 beginnt, ein noch vollerer Beleg, die Predigt mit Worten 
Augustins, nimmt dann Bezug auf den Episteltext und gelangt nun erst 
zum Weihaachtsevangelium und dessen besonderer Besprechung. Oder 
die Pericope ist so kurz und einfach, dafs eine Theilung und Zer- 
gliederung nicht wohl möglich, und so wird sie von vornherein im 
Zusammenhange des Ganzen und desshalb mit mehr einheitlichem 
Flufse der Gedanken besprochen, wie in der Predigt in octaua Domini 
bei Kelle S. 17. f^ür diese beiden als Ausnahme erscheinenden 
Behandlungsweisen fand man bei Honorius von Autun die Vor- 
bilder.] 

Gleichviel aber, ob, wie gewöhnlich, ganz als Homilie, ob ausnahms- 
weise mehr einer Predigt ähnlich, all diese Kanzelreden haben, was das Dog- 
matische darin belriflfl, durchweg eine und dieselbe bezeichnende Eigen- 
thümlichkeit : die eigentlichen Sätze der Dogmatik und ebenso alles, was aus 
dem Leben und der peraoenlichen Erscheinung Christi und der h. Jungfrau 
dogmatisch zu verwenden ist, vdrd mit Vorliebe sofort symbolisch ein- 



TYPOLOGISGHE METHODE. 348 

gekleidet, verbildHchi und versinnlicht durch Dinge, die der Natur, 
oder durch Ereignisse und Personen, die der Geschichte des alten 
Testamentes angehoeren. Ein Verfahren, das man wohl unterscheiden 
mufs von jener Art zu symbolisieren und zu allegorisioren, die wir 
oben bei der Predigt des 11. Jahrhunderts besprochen haben und 
wobei die Thatsachen der evangelischen Geschichte selbst symbolisch 
gewendet werden um sie auf Glaubens- und Sittenlehren auszulegen, 
wie etwa die zwei zusammen ausgesendeten Jünger auf das (iebot der 
zwiefachen Liebe. Jezt bleiben vielmehr die evangelischen Thatsachen 
oder die Ghiubenslehren gerade in ihrer ersten und eigentlichen Be- 
deutung bestellen und es wird ihnen etwas anderes als sie abspiegeln- 
des Symbol an die Seite gestellt. Nicht zwar als ob damit etwas 
völlig Neues in dieser Zeit erst aufgekommen wsere : aber jezt steht 
diese andere Art von Symbolik in vollerem Flor als früher, und nament- 
lich diefs ist einer der Umstände, wodurch jezt die Ausführung der 
Homilien eine reicher belebte ward, als sie v(»rdem gewesen; 

Die gebrauchten Sinnbilder waren nicht seilen wirklich sinnreich, 
nicht selten wahrhaft dichterisch, wie denn auch die Dichtkunst ebenso 
gern als die Predigt sich ihrer bedient hat: man sehe das Melker 
Marienlied Leseb. 1^341. Sie waren natürlich ansprechender für die 
zuhoprende Laiengemeinde, als eine in kalter und trockener Begrifflich- 
keit gehaltene Dogmatik ihr hätte sein können. Dennoch waren sie 
nicht gerade um der Laien willen, und keineswegs blofs als dichte- 
rischer Schmuck, sondern in ganz emsthafl realem, in durchaus wifsen- 
schafllich theologischem Sinne gemeint. Bereits manch einzelnes Wort 
des Herren selbst und manches der Apostel, dann in einer fast syste- 
matischen Ausführung der Brief an die Hebrieer hatte dazu angeleitet, 
das Verhkltnifs des alten Testamentes zum neuen als den des Typus 
zum Antitypus aufzufafsen, überaH im alten Testament Vorbilder und 
Vorahnungen dessen zu gewahren, was dann in Christo und seiner 
Kirche die letzte eigentliche Verwirklichung und seine Erfüllung ge- 
funden habe. Mochte nun auch das meiste was in der Art erst das 
Mittelalter aufstellte bcechst subjective Willkür sein, es trat doch mit 
Ansprüchen auf allgemeine kirchliche Berechtigimg auf und schien 
einen wifsenschafllich objecliven Werth zu besitzen. Und wie man 
die Geschichte des alten Bundes als das Spiegelbild der evangelischen 
Geschichte betrachtete, ebenso erkannte man überall in der Natur einen 
Wiederschein von der Wesenheit Gottes und von seiner irdischen 
Erscheinung: das alte Testament beginnt ja mit der Schöpfung der 
Well und die Welt ist von Gott durch das Wort, d. h. durch seinen 



844 GESETZLICHER GEIST DEB PREDIGT. 

Sohn geschaffen, warum also nicht auch die Naiur in ähnlich typo- 
logischer Weise betrachten und ausdeulen. 

Diese Geschichts- und Nalursymbolik des Mittelalters hat sich 
allgemach zu einer fast unübersehbaren Fülle und Mannigfaltigkeit ent- 
wickelt. Was der Art die früheren Jaiu'hunderte erfunden hielten die 
spaeteren in Glauben und Andacht fest, erachteten sich aber durch das 
ältere Beispiel um so mehr befugt gleichartig weiter zu arbeiten. Wir 
begegnen diesen Symbolen, den allgemein angenommenen wie den 
seltneren, mehr nur gelegentlichen und vereinzelt gebliebenen, in rein 
wifsenschaAlichen Werken und in Gedichten und mitten inne zwischen 
beiden in der rednerischen Prosa der Predigten. Eine ziemlich er- 
schöpfende Zusammenstellung von ihnen giebt W. Grimm in seiner 
Einleitung zur Goldnen Schmiede Konrads von Würzburg, einem Ge- 
dichte das schon selbst gleichsam die Schatzkammer iUr alles bilclet. 
was von dieser Art gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Deutachland 
gäng und gaebe war. Der Dichter legte sie an, ein Laie für Laien, 
aber auch er nicht blofs des poetischen Reizes wegen, er so wenig 
als die Prediger: der Zweck war überall nicht die Lehrsätze lies 
Glaubens nur sinnlich zu veranschaulichen, die Parallelen und Typen 
sollten viehnehr als Beweise für dieselben gelten. 

Noch eine zweite Eigenheit unserer alten Predigt verstärkte ihre 
Einwirkung auf die Laiengemeinde, wiederum ohne dafs solch eine 
Wirkung eigentlich beabsichtigt war. Fast überall wird noch viel 
mehr als die dogmatische Seite die andere, die zur Vollkommenheit 
des christlichen Lebens wesentlich gebeert, herausgewendet. Es wird 
fort und fort auf die Beliisetigung des Glaubens durch den Wandel 
und die Werke gedrungen, es wird dem Text den der Prediger er- 
läutert und den Glaubenssätzen die er vortra?gt wo irgend möglich 
die Anwendbarkeit auf das praktische Leben abgewonnen; gewifs da- 
dun^h wiederum eingänglicher iiir die Menschen des tha^tigen Alltags- 
lebens. Aber, und das ist nicht zu übersehen, die ethischen Forde- 
rungen werden seltner von dem Geist der Liebe getragen, als sie mit 
alttestamentlicher Gesetzesstrenge auftreten. Die Priesterschail des 
Mittelalters trat mit Bewufstsein an die Stelle der alttestamentlichen, 
und weim ihre Predigt ermahnt den Glauben durch Werke zu be- 
tho^tigen, so hoert man den Spruch des Jacobus, dafs der Glaube ohne 
die Werke todt sei, fast überall mit einseitiger Betonung heraus- 
klingen. 

Endlich eine dritte Eigenheit scheint erst jezt, im 12. Jahr- 
hundert, aufgekommen zu sein ; auch sie gebeert mit zu der grcBfsßren 



ERZÄHLUNGEN DI iDi» PREDIGT. 845 

ren Fülle der Ausfllbning^; die man sich jeaiiim Yergleicli zu der 
strengen Kürze des 11. Jahrhunderts gestattete: £s ist das die ge^ 
legontliche Bmsohaltung kurzer^ nicht ans der heil. Schrift enttehnteir 
Geschichten, wodurch der eigentlich rednerische Gang aUerdings unter-r 
brechen ward, aber so, dafs dergleichen zur Verdeutlichung eines 
gerade behandelten. Satzes der Glauben»* oder Sittenlehre diente oder 
dienen sollfe. Es Waren entweder, wo nicht, wirkliche« w)n der Kirchs 
anerkannte Legenden, doch iegeildenartige Erzählungen^ oder Anee- 
doten aus der Profangeschichte, namentlich, des. vorchristlichen' Alter-^ 
thumes. hi der Verwendung auch dieser- letzteren innerhalb einer 
christlichen Predigt lag nichts AnstOBfsigciB : man war gewohnt die 
ganze Geaciudhte Yor Qiristo, auch diejenigen iTheile derselben, von 
denen das Alte Testament nichts berichtet, gleichwohl mit in die 
€Uie S hineinzurechnen.; es war eben auch Geschichte, die der niuwefi 
i vorangieng (s. Berthold v; Regensb. ed. Preiffer 898; 18 fgg.> Dei^ 
Gebrauch solcher eingeschalteten Erzählungen, den wir spiNer noch 
in weiterer Ausbildung, auch als. Missbrauch und in Missbildungen 
wieder treffen werden, geht wie es scheint auf jenen Honorius von 
Autun zurück, dessen Speculum eeclesi» fo mafsgebend flir die kiroh^ 
liehe Beredsamkeit des 12. Jahrhunderts war. Er hat dergleichen 
öfter in dieser seiner Mustersammlung *), und aus ihr hat eine Predigt 
der Benedictbeurer Sammlung nnt wörtlicher Entlehnung vk;r solcher 
Geschichten geschöpft (Kelle S. 168—171; vgl. ebd. VII). Anderti 
Beispiele gewährt die Wiener Sammlung an zwei verschiedenen St4*l-« 
len^ einmal die Legende von S. Laurentius, ein andermal die Geschürfte 
von Thfophilus und seinem Bund mit dem Teufel (Pdgr. 1, 99. 120 fg.); 
[und andere wieder die zweite der von Leyser liekannt gemacMen 
Sammlung«! S. 60. 67. 69. 72. 76]. Von diesem zu befserer Ver-^ 
deutlichung und groefserer Belebung gebrauchten Mittel könnte man 
nun wenigstens meinen, es sei zum Besten der Laiengemeinde und 
aus Rücksicht auf die dichterischen, die epischen 'Bedürfhisse und 
Neigungen des Volkes aufgebracht worden, thdesäen auch hier ist 
eine Rücksichtnahme der Art, insoweit sie das einzig oder zuvörderst 
bestimmende gewesen wsere, abzulehnen. .Die Wiener Sammlung 
wenigstens war, wie wir gesehen (oben S. 339), zunspchst fiir den 
Gebranch in einer: Klosterkirche berechnet; und die Erzählungen, wie 
man sie Jezt allein noch brachte, h^ben durchaus nichts Laienhaftes; 



'^) {Z*. B» PoL 43 eine Marisale^mle md fitidi in der neclMteiv Pr^di|(t Fol. 

46^ fg die Ge^hichle vmi lUyiaei nid ilt» Siteneii.] 
Altd. Predigten. 23 



846 - ••': i.n ;BBrZEREt'/"n!;/ vT-f 

die legeitdtrisch<ni schloCieir sich bei dem Glauben desien sie ge* 
Ho&en au das Evangelium an, und Anecdoien aus der ProfaBgesohiohte 
des Alterthums traten mit in dts Verhähuiss von Typus und Anti- 
typos ein, in welchem man gewohnt war altes <tnd neues Testament 
aufzurafseti *). i . • . . 1« 

In einer iPredigtsamrolung deren abgebrochene Überresle den 
SehrtAzügea nach dem Übergange des 12. zum 13. Jahrhundert an- 
gehosren Gndet. sieh' beneits, aus Anlais des Evangeliums von den 
zehn Aussätzigen, eine Beziehung, auf die impre^ d« i. Ketzer (oben 
S« 3^7)/ .Hieaiit tritt ein neuea für die weitere Eii< Wickelung folgen* 
reiches Motiv in die deutsche Predigtübung ein, bei dem wir an der 
Schwelle des 13. Jahrhunderts mit einer einleiteiulen Betrachtung ver- 
weilen müfseri« . '! . 

Eben damals, in Vecbinthiftg mit den scharf erneuten St reitig- 
lieiten zwischen Kaiserthum und fabstthum^ unter denen viele an der 
Kirche und dem Glauben selber irre wurden, brach die mannigfaltigste 
Ketzerei, wirkliche und tiur so geheifseiie, wie sie von jeher gleich 
unterirdisch drohendem Gewäl'ser unter dem Boden der roemischen 
Kirehe sich, dahin gezogen hatte, an den verschiedensten <i^rten und 
in der verschiedentiten Art aub neue* hervor, um von da an bald 
geräuschiger, bald stiller, bald Itrüber, bald heller die Jahrhunderte 
kittdurch au 8ir«»men, b\» sie endlick in der Refonnatiori . ikru Be- 
friedigung und ihre Läuterung fand. Der ei^entliohe Quellboden war 
dtjpals im südlichen Frankreich und im nördlichen Italien, aus beiden 
Nftchbarkindorn , gieng. der Ergufs nach Deutschland. Es wucherteu 
grtiefsere und kleinere einander wechselseitig verwerfende Gemein* 
Schäften mit den mannigfaltigsten Benennungen^^). Die einzelnen Lehr* 
begriffe durch die sie von der Kirche und imter emander abwichen 

*) limine bewiUHtei ItildisiokUiHbaie luif di« Bedärfuii^e.dMr L«ieiifreiminde wird 
WQnifi^eiis be^ llonorius uichl ^)&«lcbnei|. saio. Oder ,was :i«t e» Haderui, 
weiui mich einer. Oigrcttöioii über die 8^nibiiU^,che Qezi^bung d^r 7Q T«^, 
während welcher in der Kirche das AUeiuiu schweigt, zu deu 7Ü Juhreii 
des babylonisbh^n Exils die Prcdigl in sepluHgesinia durch die Anweisung 
miterb^otheii wird Efcec iap(u9 i^ilerfmsce senkonibüx tuis^ Miin fiuius- 
cemodi vtrbis eii fAslidium tolUs ^foL 46 ^).] " 
**") [SikUtf U«hB8 Geschichte der KeUer iin Hiileliüler : XB, P4^ ISlö-r-^SO) 4ebe 
man hierüber J. ürimm Wiener Jahrbb,.d. Litt, 32, 211. (gg.; Scluuidl .Die 
Secteii zu Strafsburg im Mittelalter, Zschr. f. hi^t. Thcol. X (1840); Pfciirer, 
Zschr. r. d. AU. 9, 57 — 65. Zu den von Pfeiffer zusamuiengetnigenen 
I StdlM BerUiolds v. Regensburg nige tHui Hoch die : von Leyaei^ S. XWI 
BUB einer seiner btoiiiiflehew Prcdigie*>inilgetbeillei} • •'- 

..... • ' I / 



KJ^TZEHOBI. 847 

lafsen sich nicht mehr genauer beslimmen : : denn man • ist fast * gane 
auf das angepriesen, ^as die kircklifh gläiihigea Gegiier beriehien, 
denen man nur zu «oft H'eder den Wilk*n nuch auch die F^ehigkeit 
zutrauen darf, die Wahrheit . hier >x)li Kti erkennen und zu sagen. 
Und die Ketzer seihst^ meiAt niederen Standes und gelchrler Bildung 
entbehrend, waren ge^isa vielfach nur in der negativen Seile ihrer 
Uo^reste, dem Widerwillen gegen die berschende Kirchs', sich selber 
klar. Drei Hauptrichtungon lai'sen sich indosa mit zweifelloser Be- 
• stinimtheil erkennen und benennen, zu welclieii alles andre sieh niir 
als Mischart und Spielart verhüll. Einmal die Richtimg der Wakl^nser 
auf RücklUhrung der Lehre und des Lebens znr Nonn des Evangtv 
liunis; sodann die inaiiichieische Irrlehre der Albigenser, die einen 
Dualismus in der Gottheit, ein gutes und ein bo^ses Prinoip schon bei 
UrschaiTung der Welt und der Menschen annimmt; endlich die my- 
stische Richtung, die sich, wie es anderwärts leicht und oft gescliah, 
in Pantheismus verlor oder barer Pantheismus von Hause aus war. 

Von diesen drei Hauptarten der Ketzerei fand zuerst und, \>ie 
es schehit, auch für die Folgezeit zumeist die evangelische, der Wal- 
denser in Deutschland Eingang, timz im Beginn des 13. Jahrhunderts 
findet sich hier eines der vorzüglichsten Merkmale des Waldenser- 
thums, Vertrautheit mit der h. Schrift durch verbreitete Übersetzungen 
in die Volk'ssJijrache, und giebl den kirchlichen Obern Ärgemiss. Schon 
um 1202 mufste Guido von Palcstriua, pa?bstlicher Bevollhiächtigter zu 
Lüttich, verordn«m CM'rasi Opp. bist, et diplooiat. 1, 564J Omnes libri 
rataane vel theuionice fcripti de > dwinis fcriptuns in $Hanus tra-- 
dantur epifcopi, et ipse, qnos reddendos "riderit; reddat. Ein Be- 
richt Ober die Trierer Synode von 1231 sagt sodann von den Ketzern 
dieser Stadt Mulli eontm inflructi crant fcripiuris fanctisy quas 
liubebmU in theutonicumtranslatas (Uartzlkeim Coiail. German, 3, 319); 
und weiterhin Br. David von Augsburg (Haupts Zschr. 9, 64) von 
den kelaerischen Lehrern Fucllas partulüs docent evangelia et epi- 
fiolas — dociles inier aliquos complices et facnn<tos docent verba 
ercuigelü et dicta apoftolorum et fanctorutfi aliorum in vulgari lingua 
rorde finnare (vgl. auch Berthold cd. Pfeiffer 406, 5), Dagegen 
scheinen die Verirrungen der Albigenser in Deutschland erst gegen 
, die Mitte des 13. Jahrhunderts eingedrungen zu sein; erst da treten 
bestimmtere, auslilhrlichere Zeugnisse auf (wie das Bertholds 404, 12). 
Lediglich ein deutsches Wort könnte einen Schlufs auf frühere Jahr- 
zehnte hier nalie legen. Jene neuen Manichsßor nannten sich Cathari 
= xa&aqoi^ die Reinen im Gegensatze zu der vom Teufel behersch- 



S48 KETZEREI. 

ten Weh und. Kirche. Hieraus nun en(Htan«l, umgedeuincht in die 
Verwandtächaft von kalae (s. Berihold 402, 21)*), die Bezeichnung 
keiner, zuerst im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts für das ältere 
irrwre (z. B. oben XX, 37. 66) oder fnoivelare gebraucht. Doch 
were der Scblufs übereilt, dafs mit diesem Namen auch die Sache 
selbst, die Irrlehre der eigentlichen Katharer bereits bezeugt sei: sie 
brauchte nur anderswoher bekannt zu sein, um Aolab zu geben, dafs 
die Rechtgläubigen, deren Eifer weit entfernt war es mit der gegne- 
rischen Sache genau zu nehmen, die Benennung der ärgsten Art von 
Irrglättbigkeit auf alles, was irgend brrgiaube war oder schien, ah$ 
Schimpfnamen übertrugen **). Umgekehrt wurde die wifsenschafUii*he 
und kirchliche Bezeichnung hserelici schlechtweg auf die Katharer 
insbesondere angewendet. 

Wie tief weltliche und kirchliche Gewalt zerfallen sein mochten, 
im Kampfe gegen diese neuen Ausbrüche der Ketzerei durile die 



*) Und zwar nach romanischem Vorgange, wo die Beziehung auf calus noch 
neher lag. Aianus ab Insnlis (Lille), f 1202 oder 1203, sagt in »einem 
I. Buch adversus hereticos et Waldenses: Colari dicuniur a cato, qüia 
öicnitanlur poHeriara caü, in euius speeie^ u$ dicwU^ opparH ti$ Lucifer, 
|Vgl. ührigent tirimni W. Jahrbb. 32, 217.} 
**) [Auü einer Predigt der groeCieren Leipziger Sammlung, die npch dem eraten 
Viertel des 13. Jahrh. angebceren mufs, theilt Leyser (S. XXXI) die Stelle 
mit: Got der heizzet den tuvel ein vurften, nicht darumme daz er die 
werU habe geschaffen, ali eUeliche ketzere fprechen. Daraus geht aller- 
dings nur die Üblichkeit des Wortes und eine Kunde von der maniehüschen 
Irrlehre der Katharer, nicht aber ihr Vorkommen in Deutschland hervor. 
Aber die Ketzer, die Heinrich 111. 105^ zu Goslar aafbängcn lieft^ verwarfen 
bereits nach manichseischer Weise die thierische Nahrung und werden aus- 
drücklich dieser Secte zugewiesen (Hahn, 1, 46 fg.); diejenigen, die zur Zeit 
des b. Bernhard in und um Köln auftraten, verwarfen mit Fleisch und Milch 
(quidquid ex eaüu proerealur) auch die Ehe nnd geben sich cfadurcli un- 
zweideutig als llanidia^er kund (das. 59 fg.); und die Kloater^Neabarger 
Chronik berichtet zu 1210: peslUeni hcBrem Palerinorum -^.firodila est 
et variii lormenlis muUi eorum necali, Patareni, im deutschen Mund 
Patrine^ war nur eine andre Bezeichnung fUr Katharer oder Blanicheer, 
und solche wareki also doch wohl die Ketzer von denen Innocenz ll(. (Epist. 
X, 52 ed. Butuzius) an den Bischof von Pafsau schreibt' und die Leu|>old VII. 
von Oesterreich zu . grofser Befriedigmtg Tliomaains von Zirclar (126^ fgg.), 
also vor 1215 sieden und braten liefs. Wajdeuser wurden allerdiagt 1212 
zu Strafsburg entdeckt, verfolgt und gerichtet : aber mit ihnen zugleich auch 
schon die panthcistisch-mystischen und zur fimancipation des I^leisches oej- 
gendekl Ortlieber (Schmidt a. a. 0. S. '45 fgg.)* N^ch allchi dem 'dürfte 
die im Text behauptete Priorits^t der waldensisclieii Ketterei in Deulscliland 
kaum hidikac.crscheieeu.j . .;. <ji 



' NEITE «RDEK. 849 

Kircho auf den weltlichen Arm rerhnen. Die politischen Beweggründe 
ktmen ihr, auch wo es an kirchlichen gaaz fehlte, aufs nachdrück- 
lichste zu Hilfe, Und auch ein Gegner und ein Freigeist wie Kaiser 
Friedrich II. verfolgte die Ketser, um mit dem Irrglauben in den 
Städten Oberitaliens zugleich deren übrige FreiheiisgelüBte tCDdtlich zu 
tueOen. Ea griff Aer die Kircho, Schlag auf ScUag und beinahe 
gleichzeitige, 2U(fen verschiedensten Mitteln der Gegenwehr: zur 
Waffengewalt im Albigenaer kriege 1209 — 1227; zur gerichtlichen 
Untersurkung und Bestrafung an Leib und Leben durch die von In- 
noc^nz lU. anfänglich den Gisterztensorn aufgetragene Inquisition; zur 
Belehrung des Volkes, einer nachdrücklicheren, als man den gewöhn- 
lichen LeutfNriestern zutraute, durch die Stiftung der beiden mit dem 
Rechte der Predigt ausgestatteten ordines mendicantiuro, der fratres 
minores dets h. Franciscus in Italien 1208 und 1212, und der prasdi- 
calor^s des h. Dominicus in Spanien 1215, welche letzteren durch 
Gregor IX. überdiefs Tr«ßger der Inquisition wurden. 

Beide Orden hatten also ursprünglich die, gleiche Bestimmung: 
beide waren zu Apologelen der Kirchenlehre gegen die Ketzer, zu 
Mission«i^n innerhalb der Christenheit berufen; wie Friedrich II. in 
seiner Constitutio contra ha'reticos 1224 es ausdrückte Notum ßeri 
vohimus fratres prasdicatores ei minores pro fidei negotio in partim 
övs imperii nostri contra hcBreticos depufaios. Sehr bald aber 
schlugen sie ungleiche Wege zum Ziele ein. Die Dominicaner, vor^ 
nehmlich au« den hceheren Ständen hervorgehend und gelehrten Studien 
hingegeben, schldfsen sich in zwiefachem Stolze von der Menge ab 
oder traten ihr nur als Ketzerrithter nahe; so wurden sie dem ge- 
meinen Manne z(h*i*sI entfremdet und dann verhafst. Die Franciscaner, 
die CS mit dem Gelübde der Armuth strenger nahmen, ihren Unter- 
halt wirklich erbettelten, blieben schon dadurch in beständiger Be- 
rührung auch mit den Geringsten im Volke, dem sie auch durch ihren 
Ursprung durchschnittlich nacher standen. Obschon auch aus ihrem 
Ofilen bedeutende Gelehrte, wie Bonaventura und Duns Scotus, her- 
vorgiengen, war die gelehrte Art für sie kein bezeichnendes Merkmal. 
Obwohl auch sie eifrige Prediger gegen die Ketzer, wirkten sie nicht 
als deren Verfolger und Richter; ja, wie sie im Leben des Volkes 
sich lel»endig mit Umtrieben, wurden sie gelegentlich selbst, von Ketzerei 
angeflogen : hatt(^ doch schon S. Franciscus sdbst in einem nicht un- 
bedenklichen Verhültniss zu den Armen von Lyon gestanden. Ob-^ 
wohl gtrunisützliob ' ancli sie dem Pabste zu Gehorsam verpflichteti 
übten sie ihn nicht so unbedingt und blind wie die Dominicaner aus, 



850 NEUE PREBIGTWEISE. 

und Kn wiederholten Malen haben, wenn der Pabst über eine dem 
Kaiser getrenb Stadt den Bann verhängte, die mindern ßnllder ihre 
Kirchen nicht geschlofsen, M>ndem nnbeirrt die Gnadcnmittel get^pendet. 
• Kaum waren beide Orden gestiftet, ao traten die neuen Glaiihens* 
boten auch schon in Deutschland auf. Ihre Lage wie ihre Anfgube 
war von der ihrer alten irischen und angelsächsischen Vorgänger sehr 
rerschieden. Die Elemente des Glaubens und die Form des kirch* 
liehen Lebens, ja eine mehrhiindertjfthrige Gewöhnung? an die Priester- 
predigt fanden sie vor: es galt aber nun eine neue Predfgtweiso zw 
finden, die ofngänglicher, erwecklicher, die mehr geeignet wffre Alle, 
auch die Niedrigsten im Volke und gerade diese xuviVrderst zu er- 
lafscn, eine Weise, die je nach Umständen mit ihrer lebendigen Be- 
ztlglichkeit wechselte, die nicht mehr Jahr ftkr Jahr nach itberlieferten 
Formularen giengc, die nicht priesterlich starr, nicht klosterlich ge- 
lehrt, die mit einem Wort volksmfefsig wiere. Diese neue Welse 
ward gefunden, und die deutsche Predigt nahm aus dem Munde der 
neuetl Glaubensboten einen weit hceheren Aufschwung, als sie ihn im 
11. und wieder im 12. Jahrhundert genommen. Dafs eine neue und 
in Wahrheit eine Hauptepoche nunmehr eintritt, giebt sich schon durch 
ein äufserliches Merkmal kund, das unter ähnlichen Umstünden öfters 
in der Litteraturgeschichte wiederkehrt, durch das Auftauchen von 
Aittorenfnamen. [Wohl erfahren wir auch in der ft-üheren Zeil von 
manchem bedeutenden Manne, daTs er sich unter anderm durch eilHge 
Predigt in der Volkssprache hervorgethan habe: aber dann sind, wie 
bei den Bischcefen Godehard *Ton Hildesheim und Otto von Bamberg, 
wie bei dem h. Günther und dem h. Norbert, die Denkmteler die 
eine solche Thmtigkeit belegen kanten der Aufbewahrung nicht werth 
gehalten worden; umgekehrt sind die Prediger deren Werke sich 
erhalten haben verschollen.] Bei der ganzen bisherigen Weise der 
Predigt kam eben die Individualitset wenig oder gar nicht in den Fall, 
sich geltend zu machen. Das ward nun anders : in dem frei hervor- 
gebrachten Inhalte der Predigt pnegte sich die PerscenÜchkeit des 
Redners aus, sein Name gieng mit Ruhm durch den Mrnid der Zeit- 
genofsen und ' gelangte mit seinem schriftlich befestigten Worte zur 
Nachwelt. 

Dieser epochemachende Aufi^chwung geschah aber, wie nach ifem 
oben gesagten leicht zu erwarten, mehr durch die FranciscMier als 
dutrh die Dominieaner, obgleich gerade sie den Namen Prediger 
trugen; denn es ist schwerlich ein Zufall, dals wenigstem nn 13. 



•'♦■■. ' •. • . .. •■: .. ■; • 



• • WJNBAI^'VÖN' MAHBUÄC.S ALBBRTUEr MA0N€B: • 351 

.ffihrhtindert nur für die erstem eine Wirkung durch die Predigt voH- 
sl^ndigf belegt werden kann. 

Zwar die ersten Nachrickten, die wir von der Art und den Er- 
folgen der deutschen Predigt beider Orden haben, betreßbn nur die 
Dominicaner, indem sie von jenem Konrad von Marburg handi'ln, der 
oieich nach dem Eintritt seines Ordens in Deutsehland sich als Kelzer- 
spflrer und Ket7errichter einen furchtbaren Namen erworben hat. 
FreihVh, so lange und so oik dieser düstere Fanatiker auf seinen In- 
quisitionszügen durch Deutschland predigte, drang ihm das . Volk in 
Haufen zu, so dafs er oft statt der Kirche einen Platz anter freiem 
Himmel wühlen mufste (s. J. Grimm Wiener Jahrbb. d. Litt. 82, 202). 
Aber zuletzt überwog doch die Wirkung seines Thuns die seines 
Redens so weit, dafs ihn eben dasselbe Volk 1234 erschlug, und gleich^- 
sam mit ihm sind auch seine Predigten erschlagen worden: keine 
einzige ist durch Aufzeichnung bis auf uns gelangt. Sein gleiclt^ 
zeitiger Ordensbruder Albertus Magnus, der berühmte Erklrorer des 
Aristoteles ^t 1280), hat allerdings auf die weitere Entwickelung der 
deutschen Phedigt insofern eingewirkt, als er zuerst in Deutschland 
die mystische Richtung einschlug* die weiterhin von so grofser Be- 
deutung gerade für die Predigt werden sollte: aber er hat; nichts der 
Art auf Deutsch geschrieben, seine mystischen Traclate sind wie seine 
sjimmtiichen Schriften lateinisch, und erst im 14. Jahrhundert fieng man 
an ihn zu übersetzen ; auch ist von deutschen Predigten, die er etwa 
in solchem Sinne gehalten, nichts berichtet*). 

Von der deutschon Predigt der Franciscanor im 13. Jahrhundert 
hebt unsre Kunde um etwas spa^ter an, und es ist auch da nur ein 



*) [Sprnrhe Allircclifs wnrdiii in dcntacher Kafsang fibcriicfcrl und finden «ich 
IT. 9. Z^chr. f. d. A. 8, 215—219 ans zwei Handschrihcn des 14. Jahrfi. 
milgetheilt. Darnnier sintl einige von der GelegenheK Hervorgeruren und ak 
Sprüche ursprünglich ausgegangen; einmal aber wird g^ni aufdrficklicli der 
Intialt einer Predigt (von dem ewigen Leben, das wir in uns solbcr heftitzeri 
sollen) angcgcheii und dann eine Reihe Kraftstellen au5 ihr Hiisgehohen. 
Nichts deutet nnch diirauf, dtifj diese Predigt ursprünglich laloinisch gewesen 
und erst übersetzt worden sei. Mystisch allerdings im Crundgediinken Kommt 
sie doch, wie Überhaupl diese SprOcbe Albrechts, ganz mit der gesunden 
ttmAvolleD Richtung aiifa Ethische übereiiiy die wir bei ßerthold waliruchiuen. 
Unter Biudcr Atbrechi dcui Lcscnieister, .von dem a. a. 0. 234 ein kurxer 
Traclal oder ein. Predigtnaszug mitgetheilt wird, kann der sonst immer als 
Bischof Albrehl bezeichnete Albertus Magnus nicht zu verstehen sein. Wegen 
andrer SprAche des letzteren vgl. Litt, (iesch. $ 90) 17 tmd Germ. 8, 

itej 



852 DAVID TOM AUGSBURG. BERTHOLD VON RB6BNSBURG. 

Name, hoechstens ein Paar von Nanen zu nennen ; aber der eine sieht 
so in jedem Betracht ausgezeichnet da, dafs er allein ich weife nicht 
wie viele andere aufwiegt. Es ist Berthoid von Regensburg; neben 
ihm und der Zeit nach schon um einiges vor ihm steht David von 
Augsburg. 

bn Hinoritenkloster zu Regensburg [s. Pfeiffers Beweis hiefiir D. 
Myst. 1, XXVllIJ war dieser David Bertholds Lehrer und älterer Freund; 
später und längere Zeit lebte er in dem Ordenshause zu Augsburg, 
wo er 1271 starb. Er soll deutsch gepreiligt haben, wie allerdings 
die Ordensregel ihm das eigentlich zur Pflicht machte, und er soll 
diese Pflicht mit Aüsseichnung erfüllt haben : aber es ist kein befserer 
Gewährsmann^ dem wir die Nachricht verdanken, als der sparte, ge- 
lehrte aber unzuverl»fsige AbtTritheim (f 1516). Er sagt Annal.Hirsnug. 
1, 588 von David quia sermonwn poputarium dectamatar fnü egro 
giuSj de tempore simul et de sanctis devotione congruos sermames 
composuitj lind erwähnt noch anderswo diese sermones. Erhalten hat 
sich wenigstens davon nichts : aufser zahlreichen lateinischen Schriften 
(s. D. Myst. 1, XXX %. Haupts Zschr. 9, 65 fg.) besitzea wir von 
•David auf Deutsch nur geistliche Abhandlungen, Betrachtungen und 
Gebete (D. Myst. 1, 809—375 und 375—386. Haupts Zschr. 9, 8 
bis 55), diese aber in einem Deutsch, das in der Wahl der Worte, 
in dem Bau der Sätze tiberall die ihn beherschende lateinische An- 
gewöhnung verr^th. Wohl Gndet sich hie und da rednerischer 
Schwung, noch öfter gemüthreiche Tiefe, aber es ist keine schlichte 
Frömmigkeit, die hier spricht, und kein schlichter Ausdruck, den sie 
findet: denn der Verfafser zeigt sich als Mystiker in der Weise des 
Albertus (der 1260 — 1262 Bischof zu Regensburg war) und handhabt 
sein mystisches Denken und Empfinden noch in etwas steif gelehrter, 
wenig beholfener Weise. Er war eben der erste Mystiker in deutscher 
Sprache, Bahnbrecher auf neuem und schwierigem Wege, den ihm in 
seiner Zeit nicht einmal sein Zoegling Berthoid nachgehen mochte. 
Hat David wirklich auch auf Deutsch gepredigt, und hat er dann so 
gepredigt wie er in den erhaltenen Schriften betet und abhandelt, so 
hat das Volk nicht viel von seiner Rede gehabt. 

Davids groefserer Schüler ist eine der anziehendsten Erscheinun- 
gen nicht nur in der Geschichte des Predigtwesens, sondern auf dem 
Gebiete der deutschen Litteratur überhaupt. Diefs beweist schon die 
frühe Ausgabe, die ihm, mit unzureichenden Kräften freilich, zu Theil 
geworden ist: Kling, Berthold des Franciscaners Deutsche Predigten, 
mit einem Vorwort von Neander 1824. Diese etwas Murtefsige 



BBimiOLD VOR REGBN8BDRG. 858 

Arbeit gwM jedoch nur den kleineren Tbeil der in der -Heidelberger 
Handschrift Ton 1870 enthaltenen Predigten vollständig; den vid 
groBfseren Mofs auszagsweise. Sie hat übrigens das Yerdiensl, die 
erste des Gegenstandes würdige Besprechtin^ durch J. Grimm rhn 82. 
Bande der Wiener Jahrbücher der Litteratnr Tenmlafst zu habe».: Von 
der neue» tmd auf Vollständigkeit angelegten ^ Ausgabe Franz Pfeiffers 
ist nur der erste Theil 1862 erschienen [der jedoch sämmtüche 86 
Pred^ten jener wichtigsten Heidelberger Urkunde nebst einer Ab* 
handlung über Bertholds Leben und einer Zusammenstellung der 
historischen Zeugnisse übei^ ihn enthält]. 

Ob mit dem Znsatze zum Namen Bertholds Heimath oder tseiii 
letzter und längster Aufenthalt bezeichnet werden soll, bleibt zweifele 
hafl wie bei David von Augsburg. Man hat zwar ieinii^e Zeit hindurch, 
auf Grund missdeuteter Urkunden, gemekit, er aet aus einem Regens^ 
burger Geschlechte L^ch hervorgegangen (s. Wiener Jbb. 32, 1Q9* 
Roth D. Pred. 80 fgg.); sber es ist von Pfäitfer widerlegt worden. 
Wir wifsen nur, dafi Berthoiii dem Ordenshause der Franciscaner zu 
Regensbnrg angehoerte, einem der ältesten auf deutschem Boden, da^ 
sdK)n 1221 gegründet wurde. Er erscheint zuerst 1246 als Bruder 
daselbst, und da bereits als eine Person von Ansehen i^nd iii Gemein-^ 
sebafl mit David. Er starb 1272, ein Jakr nach David, zu Regens^ 
bürg und ward dort hn Kloster begraben. Das Wirken, das seinen 
Namen fast durch gaiiz Deutschland hin und über Deutschland hinaus*) 
und auf eine lange Frist hinaus berühmt gemacht bat, filllt m die 
anderthalb Jahrzehende von 1260 an. Diese Zeit hindurch erscheint 
er nach und nach in den verschiedensten Theilen des Reiches, ja auch 
auTserhalb seiner Grenzen als Landprediger, wie man damals sagte 
(Pf. XXIII. Haupts Zschr. 4,: 576): d. h. er band sich mit seiner 
Predigt nicht an eine Kanzel oder einen Ort, sondern durchzog prt^f 
digend das Land; und in der Thal konnte er nicht befser als so He# 
Bestimmung nachleben, uni derentwillen sein Orden gestiftet war. Und 
jezt noch können wir die einzelnen Richtungen und Gebiete seiner 
Wanderschaft Schritt ftlr Schritt verfolgen: Baiem^ Mittelrhein, Elsafs, 
nordliche und östliche Schweiz, Oesterreich, Boehmen, Mähren, Schlesien, 
Ungarnv Thüringen, und zuletzt und allein noch Baiern und Regens- 
burg. Den Staven und Ungarn freilich hat er nicht in ihrer Sprache 



*) {S. die von Hofinttin bcigebrachleii nerkwilrdigeB Zeugoisse ddt italienischen 
- MiBorileir'SalinibMe nnd def englisclMtt Sebotni^en Roger B«con Sitzungs-i 
ber. der bayer. Ak. 1867, 11» W4 fggO 



866 BWrWOLD VON« »REGBNSBURG. 

Gebot un«! das Gebet de« mit dasu aufgeforderten Volkes das Lcb(*ii 
wiiuler (Pr. XXI). Wir Staunen über die Menge und MannigWtifkeil der 
Nacbricbten 4lber diesea Prediger: aller Orten erzählen die Chroniken 
jDeutschlands, w«iiR der Bruder Berthold hierbin und dorthin gekommen, 
von wie vielen «eine Predigt angebohrt Worden, was sonst dabei ge- 
schehen sei;, und so ward auch endiioh sein Tod 1272 von nicht 
wenigen fttr ein . qhronikwttrdrges Ereigniss angesehen (Pf. XX VU fg.)* 
Das dankbar rikhmende Anienken aber hat ihn lange dberiebt. Johannt^f 
von Winter Ihur schrieb 1340 cfuuM memoria fn benedictione est 
ei aähuc reeentissima meo tempore peneeerat til hominibus, Hein* 
rieh. Frauenlob sieht alles, was Berthold vor mandiem Jahr ge8pr<M^hen, 
in seiner Zeit erfllUt; er giebt solche Aussprüche in seinen Versen 
wieder und leitet sie mit dem Worte ein durch sinen numt rtti goi 
mn himelriche CFrauenloh; ed. Ettmüdler S. 42/rgO* Ein Auto«^ df*s 
15. Jahrhunderts über den FranciscanerordeA «teilt ihn, den d^lr.Pabst 
selber eine arclimi^ iMamenti g^enanni habe, als grofsen Prediger mit 
dem h. Antonios von Padua zusammen: (Pf. XXXI); noch im sechsehnU*n 
Jahrhundert liefsen sich nach Averitin wallfthrtende Ungarn sein Grab 
in der Minoriteinkirche 8u Regonsbnrg: eeigen (Pt XXI) und nahm fMn 
protestantischer Prediger zu Frankfurt, Melchior Arabach, in eine 
Sammlung Prophelien y^Vom Ende der Wdt und «uktm/ft des Endt'- 
christs*^ (Fraokf. 1544) eine Weifsagung tmler dem Namen Bruder 
Bertholds auf (Leyser D. Pred. XVll). 

Die bedeutsamste Wirkung und auch wieder rückwirkende Ursache 
solches dauerhaften Andenkens war die FortpDanzung der Predigten 
BerlhoMs, die uns bald einzebi, bald %n mchriTen Stücken, bald in 
umfangreichen Sammlungen vielfach bandschriiUich erhalten sind. Frag- 
würdig bleibt hiebei, wer sie zuerst niedergeschrieben. Man wirtl 
zuerst an Berthold selbst denken und dachte so vor Alters: denn 
Johannns von Winterthur spricht von dioersis vohiminibiie ab eo 
compilatis sermonnm, qnos rusticano$ appettari ix>iuit *} imd nn 
andrer sagt dafs et Mkmen sermonum dominicaUum ei de saneiis 
per anmtm campilami (Pf. XXXI). Aber vor dem VoHrage kön- 
nen Predigten dieser Art nicht aufgezeichnet sein, ihre frische Lebendig- 
keit, die ganz als Eingebung des Augenblickes ersoht^nt, müfste dann 
für das Erzeugniss theatralisch geschulter Reflexion gelten, undenkbar 
für jede, wie viel mehr für jene Zeit ; und auch nach dem Vortrage 



') Vgl. Aber ÄttrffcÄntM als Bezdchnong fttr eine dÄüi^tli© Predigt^aimtilfin» 
US. 325, iAMiai. 2&r [itaihifimi a. a. O. t86 f|;9^) • 



BBRTHOIJD VON »EfiHRSBURGi 357 

würden sie unter der ge\m0enh«ften Peile des Redher» selbst den 
Stempel der Reflexion und einen »iiiebf ^sehl'instelleriHcken Chnrakter 
erbalten iuiben. Wir werd«n daher, wie'ep»ter bei Geiler Von' Kaisers^ 
berg, in diesen- Aufeeiclinungeii das Werk feinsinniger and 'gedffdithiss* 
starker Jünger erkennen müfsen. < .- i . > 

Zweck der Samarriaiig war^ wie früher^ änderen Pfedi^m zh 
eignenn Gebrauch auf der Kanzel und daneben GeistKchen wie Laien 
zur Erbauung durch Privatleclüre aiu dienen^ Die Heidelberger- Perga^ 
monthandschriil^ • die ansre reicbsteundwiehligate Quelle' bildet, wufele 
100 Jabre naoh Berthold> für Praü Elisabeth, Pfalzgra^rmn am Rfteih 
und Heraogjnn in Baiem hergestellt; aber die Spuren Jenes ändern 
rein clericalen Gebrauches treten auch in ihr nnverwischt zii Ta^e, 
Anweisungen naemiich, an(ferwärls gesagtes, dessen Wiederholung der 
Schreiber sich ersparen will, an ähnlicher Sielte einzuschalten. So 
hebt z. B« die Predigt t>en dem toagen i?t 157) mit demselben 6e^ 
danken an wie die f>on den fiben pbmSten, dafsGott den Pfaffen zwei 
Bücher gegeben hahe^ woraus alies i^ Leib und Seele ncethige zu 
lernen, das alte und dias neue Te«tamenl, statt des Fortganges aber, 
dafs auch den Laien zwei solche Bücher zum Lesen offen ^ehen, 
nsendich der Himmel vnd die Erde, findet sich die Anweisung: reh^ 
ah ßeh der ferma an hebet f)on den ßben plansten, din felben toort 
fol man hie fpreehen aUe fami, und dann geht die 'Predigt erst Ton 
da an weiter, wo sie von der citierten früheren al^weicht. Oder, noch 
sprechender, S. 107 in der Predigt van den engein unierbrichi der 
Schreiber den Texl nach <iem Satze Unde dannoch p5 hat diu ßbende 
untngent manigerleie fchaden danne die andern aÜe^ famt um die 
Anweisung zu geben Unde fwie mamger tele fchculen diu felbe tin» 
lugent habe, diu da heizet gUikeit, den vindet man in dem femiöhe 
ton den drin lägen; Unde^ ßoie maniper leie gitikeit ß, die fol man 
alle hie rüegen^ wuockerer, ßrk&ufer u. s. w< Vgl.- ^^ abntiehen 
Fälle S. 82 fgg. 86 fg. ISO. 188. 168. 168. 249. 542 n. a. m. Noefi ent^ 
sehiede^er und bezeichnender,' i^uglefch aber auch sehr verkehrter 
Weise tritt diese Bestimmung Tür den Gebrauch der Geistlichen darin 
hervor, dafs Berthold > auch ins Lateinische übersetzt wurde» Zwei 
Handschriften des 14. Jahrhunderts zu Leipzig enthalten Sertnones 
fralris Bertholdi^ theilweise mit eingestreuten deutschen Ausilrücken 
(Leyser D. Pr. S. XXVII). Bedenken erregt es nur, dafs uriler dem 
was man vou Berthold auf Deutseh hat und kennt zu keiner dieser 
lateinischen Predigten sich das, Original findet; und doch, wenn man 
im 14. Jahrhundert so kurzweg frater Bertholdus sagtet, kann^niemand 



SM BBRTHOU) VON REaEMSBURG-. 

•nderi» alü der RegeiMburgi^ genteiiU seio. LAucb bind die wenigen 
Proben di|) Ji^eyiier S. XXX fgg. aut» dein laleinieichen Berlhold mit- 
theilt der. Weise dea deul^^hen gans geina^f»*.; und am Ende ul es 
nicht undenkbar, dal'ü er selbst in KlcBsterii aucb bleinisch gepredigt 
hat und dafs solche Predigten so gut wie :die . deutschen .der Auf- 
;(eichnung werlh gehalten worden. sind. Wirklieb nennt eine Saininhiiig 
^ermones ad r^ligio^os in mer Uandschrin zu Erlangen den .Bruder 
Qerlhold als Autor (HofnMAnn a. a. 0. äS7 fg.). Bei ursprünglich 
deutschen. Predigten, als welche die Sernumes rusticani eu Hünchen, 
wenn sie wirklich ..\on Berlhold sind, sich durch :den Tilel geben, 
braucht man aiu Ende auch nicht an förndiche Übersetzung aus deut- 
scher Urschrift, zu denken : sie köinien vom Munde des Redners weg 
gleich lateinisch aufgezeichnet worden sein.] *) 

Wir niülsen uns, um den slaunenswerthen Erfolg dieses Predigers 
zu begreifen,, vpr allem nochmals die ganze Bedeutung der neuen 
Epoche vor Augen halten, die durch die Uöuchspredigl des 13. Jahr*- 
hunderts heraufgeführt wurde und in Berlhold für Deutschland ge^ 
gipfelt hat. Die Predigt der Leutpriester, auch in der volleren Aus- 
führmig, die ihr das 12. Jahrhundert gegeben, blieb ihrem eigent- 
lichen Inhalte nach das Werk ehier todten G^ehrsamkeit, wie sie der 
Form nach auf einem todlen Schematismus beruhte. Auch .wo der 
Prediger sich nicht darauf beschränken mochte, eine gangbare liuster- 
sainmlung, wie sie ihia gerade in. die Hände kam, ein Kirchenjahr um 
das andere berunlerzupredigen, fand er doch in seinen Mustern weder 
Vorbild noch Antrieb 9^u zeit- und ortsgema^fsen Beztigliclikeiteu, zu 
einem tiefei*en Eingehn in concreto LebensUragou^ wodurch es allein 
moiglich gewesen wtt^re, die Gemeinde mit starker voller Surcemung 
zu erfafsen und fortzureifsen. So bewegte sich denn die Predigt 
lidndich wie wieder in unserer Zeit] auf der OberiUlche einer gleich- 
giltigc^u Altgemeinheit. hin, auch« wo >*ie etwas befseres war als ein 
Geschäft, das man Sonntag für Sonntag mit tnf ger Gewohnheit abthat 
und an sich abthun Uefs. Solcher. Übung gegenüber tritt, uuu der 



m «li — .»I*»! Ii I li I 



.« 



) [Eil!« YoUtftlndige lnteiuwche Pnf4igt Berthold» liat atif einer Htmdschr. de« 
Klosters KnonMuttmier J. Schmklt m der ^hrift ül>er Berlhold von Regens- 
bur^. \\'m 1S71 von S. 15 li& 26 nuigetlieili. Ihr Text ist du Ave Maria 
und sie bewegt sich ohne prttktisch-cttusihc RichtAiugf über mit echt sclio- 
lastidcher Methode ganz uro die Yerherlichung der heil. Jungfrau. Übrigens 
kommt sie an rednerischer Gewalt und FOUe den deutschen Predigten gleich : 
oH wir hier den jugendlichen, noch tn dtfr Schul tmditioii befangenen BerHiold 
kennea lernen?] : i 



BKRTHOCDS^ MBVHODR. S59 

Minorit; von Geiehr^mkeit wenig • beschwert, aber voll Begeisterung 
ßlr seinen Bemf, voll inniger Religiosit^pt, ein Mann aus dem Volke 
mit gesundem Yolksverstand und heifser Liebe xum Yolk^ erfüllt vwi 
dichterischer Anschauungskraf), mit naturwüchsiger Beredsamkeit be- 
gabt. Er fragt nicht nach Autorita'ten und wirft die Formulare bei 
Seile; aus sich selber schöpfend giebt er dem Strom seiner Rede je 
nach Umstündcji bald diese, bald jene neue Riphtun^: und welch ein 
breit und bkng und voll dahin fliefsender Strom! und, dat} Ziel, das er 
sicher zu treffen und zu erschüttern wcifs, jedesmal 'das Gewissen 
jed^ einzelnen ' seiner Ho^rer. Die andern betten den Namen, das 
war nun der wirkliche Leutpfiester *). 

Machen wir Ulis die Art, \yie Berthold, . seinen RedestoiT zu hand- 
haben und zu gestalten pflegt, nunmehr im Einzelnen anschaulich. 
Erst so werden wir erkennen, wie die Epoche, die er für das deutsche 
Prediglwesen bezeichnet, zugleich eine Rir immer entscheidende war : 
ilenn diejenige nmfangreiclie und gegliederte Ausführung, deren die 



■) |Uer Verfufser wurde 1>ci eigner Ausarbeitung seines lIcTtes für den Druck 
gewiss nicYil üliersclien haben, dufs' uns in der tweiten der von Leyser be- 
kannt gemachten Leipxiger Predigtsummhitigeii bedeutsame Mittelglieder heider 
liier schrulT gegenüber gesicliten Epochen di^r deutschen Predigt vorliegen. 
Da zu drei l^redigten dieser Sammlung anderweitige Aurzcichiiungen des 
12> oder 13. Jahrhunderts vorliegen, da nirgend in Htr, weder fiitunend noch 
tadelnd, der neuen Orden gedacht wird und kein Woi't des Vreises für deren 
Siiner »ich findet, scIiHefsl Leyser (XXXH) mit Recht, dafs die meisten der 
hier gesanunelten Predigten, obgleich ntir in einer (und zwar thfiringischen) 
Handschrift des 14. Jahrhunderts überliefert, nickt über das erste Drittel des 
13. Jahrb. hinabzurücken seien; und wenn femer nur eiiimal des Ketzer- 
Wesens und zwar einer nianiclia^iscben Lehre gedacht wird, doch so, dafs 
das angenibrle dem Prediger nia^glicher Weise nir aus Büchern, in'cht aus 
Erfahrung bekannt War, so werden wir dadurch noch entschiedener an den 
Anfang des Jahrhundetls gewiegt n. Diese Predigten hün, sichtlich von ver- 
schiedeiten Yerfufsern herrührend und daher von ungleichem Werth, sind 
bereits nicht arm an concreten Beziehungen. Der Leulpriester oder Pfarrer 
spricht von den besondern Pflichten und Schwierigkeiten seines eigiien Amtes, 
von den VersÜumuissen, deren er sich mit seines gleichen selbst anklagens 
tuufs (124, 7 u. Anm. zu Z. 7); der Kloslerprediger appliciert seinen Text, 
auf das besondere Lcbens\ crhSltnifs seiner klcpsterlichen Zuhürer (59, 9. 
130, 40. 134, 28) und spricht ausdrücklich als BcnedicHner zu Benedic- 
linern (59, 14. ^gl. 35, 26. 136, 32). In Faslcupredigten wirJ die Noth 
einer wilden gesetzlosen Zeit gescTiHderl, wo romifch rieht UTid romifch 
ere zußorel ist, also doch wöHl der Zeit vom Tode Heihirichs VI. bis zur 
Befestigung Philipps (125, 11 u. Anm. zu Z. 12), und wenn es in diesem 



860 BERTHOLDS HBTnODB. 

neuere Zeil in ihrer.. 9,Predigt^ gewohnt ist, iM waüentlich hier ^reits 
vorhanden, iai hier ziM&mi theils wirklich geleißtei, theik doch erstrebt 
und Tersuchi worden*) 



Ziisamnieiihange lieir^i bifrholue tmd pfaßei( habn der warheil gefwiegen, 
vnd habn dai gotU rethi hinderwert rorworfen^ so drfickt der Fiediger 
HiifehächefnRck sein stanÜM^hes Farteibewumlseiii ms. Andcrtwo koirea wir 
Worte Walthers v. d. Vogel weide (30, 18 bei Wockem. u. !(;) wiederklin- 
, geu^/^it^ virßen. pebifU, cardinak. bifcholue. apU. proöifle, enpriflere, 
phernre, tmd cUler hande prelalen., geißlick vnd werUlick. di die ckrißen^ 
heil folden bewam vnd hirlen foldin fin ober die fchaf vnfers herrin 
ihefii erifti. die fin wdiue (109, IS) ; Wtnte, die 1iein tVedigermttnch noch 
Minorit wenigBlent dkir frflheren Zeit in den Mund bitte nebnen dfirfen, 
tuRial die Anrede t(ia6dbi Me (Z. 32) beweist, dab sie i^bt jm engen und 
vertraute^ Klojiterkreise, sondert^ vor der Laieiigcaaeinde ges(»rochen sind. 
Gegenstand einer ausführlichen Rüge, wobei jedoch der Prediger Rir gut 
findet, seine eignen Vorgesetzten ausdrücklich auszunehmen, ist der Nepotis- 
mus der Prelaten (XXIX fg.); desgleichen ihr Wohlleben und ihre weltlichen 
(lewohnheiten (XXX). Aber auch dem Laienstande wird el>enso direct und 
derb zu Leilte gegangen; es wir/l den Weibern ihre Kleiderpracht und Ge- 
fallsucht, den Eltern und Ehemännern ihr« Schwachheit gegen Töchter und 
Frauen vorgerückt, Schwelgen Tanzen und Turnieren als Sünde bezeichnet 
(XXX fg.) ; es wird das unehrerbietige Betragen in der Kirche und das un- 
geistliche Begehen der Kirmeue gestraft (45, 20. 119, 4). Leyser hat von 
etwa J50 Stücken dieser Sammlung nur 37 und aus den, übrigen nur einige 
Stellen mitgelheilt; es iat also anzunehmen, dafs sich noch gar viel in diesem 
Sinne charakteristisches würde ausheben lalsen.] 
^) [UuCs eine solche Ausführung und ein einheitlicher Aufhau auf Grund eines 
einfachen Textworte» auch der früheren Predigt nicht ganz fremd war, ist 
schon S. 342 angegeben worden. In dieser Hinsicht zeigt die erste Leyse- 
rische Sammlung, in cesterreichischer Mundart des 13. Jahrh. aufgezeichnet, 
eine bemerkenswerthe Leistung und nimmt die unniittlelbare Vorstufe zu 
Berthold ein. Die 9 Predigten dieser Sammlung haben aus den epistolischen 
Perikupen herausgenominene Texte, und der Prediger benutzt dieselben nur 
als Ausgangspunkte einer freien Ausführung, die er mittebt einer mehr oder 
weniger complicierlen Partition zu Wege bringt. Die Ausführung selbst 
freilich ist hart und trocken und sucht durch häufige Citate zu ersetzen, was 
an Phantasie, Weltkemilniss und rednerischer Fülle abgeht. Dasselbe Ver- 
faliren findet sich denn auch, verbunden mit einer weit lebendigeren Aus- 
fülirung, in der jüngeren zweiten Sammlung Leysers, z. B. in der trefflichen 
Adventipredigt S. 38, die die Worte Ecce venu rex^ occurtamus salvaloti 
noslro zum Texte bat, während tuulere Stücke, wie de Epiphdnia S. 54, 
sieh an die alte Weise der Hojniilie hallen und nur in der Behandlung ein- 
zelner Tbeile des Textes das Yermoegen zu freier CQUception verrathen. 



BERTHOLD VON REGBNSBUR6. 361 

Am seltensten finden sich bei Berthold Sermones de Sanctis. Er 
mochte sie, und mit Recht, für seine Behandlungsweise minder frucht- 
bar erachten. Wo er sich der Rücksichtnahme auf den Heiligen, an 
dessen Tag er gerade predigt, nicht entziehen kann, widmet er ihm 
(loch nicht, wie die Früheren, eine ganze und ausschliefslich erzählende 
Predigt : er weifs sich vielmehr in aller Kürze mit dem Tagesheiligen 
abzufinden. Er giebt z. B. (in Nr. II v. d. 5 pfunden) gleich im 
Anfang kurz die Geschichte des h. Alexius, des tac man hiute an 
etelicher siat begSt in der kristenheit ; er schliefst mit den Worten 
Unde sin marler hat nü ende^ aber sin freude hat niemer mir kein 
ende : unser herre sprichel nü zuo im „nö tois fröj getriuwer kneht, 
nü gang in die freude dines herren^, also man hiute liset in dem 
h. itangeliö. Und nun wird die Perikope Hatth. 25, 14 ~ 30 ganz 
ohne fernere Beziehung auf den Heiligen abgehandelt. Hit der selben 
Formel, mit der zu Anfang dieser Predigt S. Alexius eingeföhrt war: 
wer ist der wise kneht, der gelriuwe kneht, dem sin herre sin guot 
bevilhel — den dürfen wir niht verre suochen^ wird in einer andern 
Predigt (VIII. v. d. üzselzekeit), die an S. Ulrichs Tage in dessen 
Stadt Augsburg gehalten ist, auch dieser Tagesheilige eingeführt und 
t'benso schnell verlaf^en; und mehr Umstände werden in Nr. V von 
zwein wegen sogar mit S. Franciscus, dem hochgepriesenen Stifter 
des Ordens, nicht gemacht. Am weitesten in dieser Enthaltung geht 
Nr. XXV über Matth. 5, 8 fgg., die Perikope für den Tag Aller- 
heiligen: hier ist des Festes an dem die Predigt gehalten worden 
und seines Gegenstandes mit keinem Worte gedacht. Nur Nr. XXXIV, 
am Tage der h. Maria Magdalena gehalten, zeigt mehr die Art der 
Sermones de sanctis. Hier gilt es freilich einer Heiligen, die über 
alle andern mit Ausnahme der h. Jungfrau, aber doch dieser zuna^chst 
gestellt werden konnte, wie der Mond zur Sonne. Allgemach aber 
lenkt er nach dieser Ausführung auch hier von der Heiligen ab : dafs 
Christus ihr nach seiner Auferstehung erschien führt, auf die einstige 
Auferstehung alles Fleisches und Christi Erscheinen zum Gericht, 
und das Kreuz des Herren das dann werde gezeigt werden auf das 
Kreuz, das auch jeder hier zu tragen und dort zu zeigen habe: und 
nun werden die vier Enden des Kreuzes ausgelegt auf die vier Tu- 
genden Glaube, Liebe, Hoflhung und Beständigkeit. 

Handelt es sich um Sermones de tempore, so wählt Berthold 
wie es scheint mit Vorliebe nicht das Evangelium des Tages, sondern 
dessen Lection, die Epistel- oder Prophetenstelle. Wiederum wohl 
um sich freier bewegen zu können; vielleicht auch und vielleicht noch 

Altd. Ptredigten. 24 



362 BERTHOLD VON REGENSBURG. 

mehr, weil er Anstand nahm über einen Text von hoechstcr Heiligkeit 
im Freien, ohne am gleichen Orte vorangegangene Hesse, zu reden. 
Einem blofsen Apostel- oder Propheteiiworte gegenüber durfte er diese 
Scheu vireniger empGnden. 

Berthold hat, wie wir wifsen, < ben meist im Freien, er hat aber 
auch, wie sich von selbst versteht, je nachdem es sich auf seinen 
Wanderungen fügte, oft genug an Wochentagen gepredigt, und auch 
an solchen, för welche die Kirche keine Lection vorschrieb. Da hatte 
er denn Freiheit, sich eine Stelle der Bibel zum Texte selbst zu wäh- 
lt n; zuweilen aber sucht er sich auch den Text in einem ganz anderen 
Buche. Ihm sprach es zu Herzen und Sinne, wenn sein Predigtsluhl 
unter offnem Himmel stand, wo die Sonne schien und die Luft frisch 
über das grüne Land hin strich und Bäume und Gewäfser in das Wort 
des Predigers rauschten, und gern lenkte er Herz und Sinn der Hoerer 
auf diese lebendige, stsets gegenwärtige Offenbarung Gottes. Wieder- 
holendlich führt er es aus, wie neben der h. Schrift alten i.nd neuen 
Testamentes, die den gelehrten Geistlichen gegeben sei, auch die Laien 
ihre Bibel hätten, nsemlich die zwei Bücher Himmels und der Erde 
(S. 19. 48 fg. 157 fgg. 168. 505 fg.)*). Demgemsefs nimmt er denn 
gelegentlich auch aus diesen Büchern eine letze oder Lection zum 
Predigttexte, also nicht Worte, sondern Schöpfungen Gottes, in IV die 
sieben Planeten, in XI das StembQd des Wagens; und er legt jene 
aus auf sieben, die Raeder des Wagens wiederum auf vier Tugenden, 
durch welche das Himmelreich erworben werde, das Sternbild der 
Krone aber auf die himmlische Krone der Seligen, und den benach- 
barten Riesen mit dem Kolben auf den Teufel, der uns die Krone 
wehren will (168 fg.). 

Aus dem so gewählten oder dem vorgeschriebi*nen Texte nun 
ergiebt sich entweder, wenn er kurz genug und selber einfach und 
einheitlich ist, von selbst ein einziger Hauptgedanke als Thema der 
Predigt; so gleich in I aus dem Texte Eph. 5, 15 „Ir sult wtse sin, 
daz iu iht geschehe alse unwlsen liuten^ das Thema: die oberste 
Weisheit, „diu wtsheit, dd mite man die sSlc behüetet vor houbet- 
sünden^. Oder aber der Text ist umfafsender, in sich mannigfaltiger: 
da hat denn Berthold freilich nicht die exegctischt; und homiletische 
Kunst diese Mannigfaltigkeit dennoch in einen Hauptgedanken zusammen 
zu fafsen, vielleicht auch fürchtet er, die Fafsungskrafl seiner Zu- 
hoBrer möchte daltlr nicht reif genug sein ; er schltegt auch nicht den 



[^^l* dio Predigt von den drei Bflcbem bei Leyser S. 4 fgg.] 



BERTHOLD VON REGENSBURG. 863 

allen Weg der Homilie ein, welche die Einzelheiten alle Schritt für 
Schritt behandelt, denn flir diesen Weg würde bei der eingängh'chen 
Ausfährt ichkeit die ihm einmal eigen ist die Zeit nicht ausreichen: 
sondern er nimmt aus der ganzen Fülle nur ein Stück heraus um nur 
dieses zu behandeln, alles Übrige aber laufst er für diefsmal auf sich 
beruhen. So wenn er in XXV über Matth. 5, 8 fgg. sieben von den 
acht Seligpreisungen bei Seite setzt um nur die eine abzuhandeln 
„Srlig sind die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen^. 
Gleichviel aber, ob er den Redestoff in solcher Art abkürzt oder nicht, 
gern wendet auch er, wie die Früheren, den Text um ihm ein ergie- 
biges Thema abzugewinnen symbolisch und allegorisch, zieht auch er 
ihn in die beliebte Bildlichkeit und Gegenbildlichkeit hinein : nur bindet 
er sich dabei nicht so wie die Früheren an fest stehende Überliefe- 
rungen, sondern schöpft unbefangen aus dem Reirhthum eigener Ader, 
so unbefangen, dafs er auch die von Hause aus bildlich gemeinten 
Texte, wie die Gleichnisse d«s Herrn, ganz absonderlichen eignen 
Deutungen unterwirft. Da bedeutet (S. 140) in dem Gleichnisse 
Matth. 13, 44 der Acker die Christenheit, die der Herr mit seiner 
Marter erkauft habe, und der in dem Acker verborgene Schatz die 
Menschenseele; und das Himmelreich^ das in den Worten der Schrift 
jenem Acker gleich gesetzt wird, ist nach Bertholds Meinung damit 
der Christenheit geltchet, als aus welcher der einzige Zugang zum 
Himmelreiche Tührt. Gewifs ein bedenkliches Stück exegetischer 
Taschenspielerei ; aber es eröffnet den Weg vom Texte zu dem Thema, 
das der Prediger gern behandeln möchte, den einzelnen Standes- und 
Berufssünden der Menschen, indem er nun die Gleichung zwischen 
Himmelreich und Christenheit dahin weiter führt, dafs er den zehen 
Engelchoeren ebenso viele Arten Leute als Choere der Christenheit 
zum Gegenbilde aufsti'llt. In diesen Verbildlichungen findet denn auch 
sein Natursinn ein dankliares Feld sich geltend zu machen, und er 
schöpft sie gern wieder aus den beiden Büchern Himmel und Erde. 
So ist ihm (S. 390 fg.) Gott die oberste Sonne, von deren Anblick 
alle Engel und Heiligen ihre Schoenheit und Freude haben, wie Mond 
und Sterne ihren Schein von dem Lichte der niederen Sonne, und auf 
Grund dieses Bildes geht dann die Predigt weiter und handelt von 
dl ei Hauptsünden, die uns vom Anschauen Gottes trennen, Habsucht 
Hochmuth und Unglaube, im Anschlufs an die drei Hindernisse, die 
uns den Anblick der Sonne entziehen, Erde Nebel und Mond ; und so 
veranlafst (S. 158) die Erwähnung eines Wortes des h. Bernhard, 
der seine Weisheit an den Bäumen zu lernen behauptete, eine Ver- 



364 BBRTHOLD VON REGENSBURG. 

gieichung zwischen Menschen und Bäumen, die durchgeführt wird bis 
auf das ewig raschelnde Espenlaub als Bild der unnülzlich klaffenden 
Zunge. 

In der Behandlung des in solcher Weise gewonnenen und ge- 
stalteten Themas bedient sich Berlhold, wie diefs schon einige der an- 
geführten Beispiele gezeigt haben, wo er nur irgend kann der Parti- 
tion: er zerlegt das Thema in eine Reihe einzelner Theile, die dann 
einer nach dem andern zur Sprache kommen. Diese Partition wird 
entweder erst vorgenommen, nachdem zuvor das Thema einfach und 
einheitlich aufgestellt worden, wie in I, wo auf die Ankündigung des 
Themas Diu oberste wisheit ist der sine sile behelt (S. 1) zuerst 
eine längere Abhandlung und erst S. 5 die Partilion in drier leie wis- 
heit folgt, na^mlich 1. kein endehaft dinc tuon dan mit rate; 2. kein 
dinc ö/* schieben; 3. vor gar tool betrahten, welich ende ez neme. 
Oder aber das Thema ist von selbst schon ein getheiltes, oder es 
wird doch gleich in solcher Eintheilung aufgestellt, dafs Exposition 
und Partition in eins zusammenfallen: so in V, wo aus dem Texte 
Den rehten menschen toiset got die rehten wege gleich von vorn 
herein der doppelte Weg der unschulde und der buoze als Thema 
hervortritt; in II, wo die Auslegung der fünf Pfunde des Textes von 
vornherein eine Fünfzahl von Gaben, die wir Gott zwiefach erstatten 
müfsen, herausstellt : unsre eigne Person, der Beruf den Gott uns an- 
weist, die Zeit des Lebens, das irdische Gut, die Liebe des Nsechsten. 
Aus diesem letzten Beispiele ersieht man zugleich, welchen logischen 
und rednerischen Werth diese Partitionen Bertholds haben. Eine alte 
Forderung der hoßher ausgebildeten Redekunst, sowohl der des grie- 
chischen und roßmischen Alterthumes als der neueren Kanzelberedsam- 
keit, ist es dafs der Redestoff eingetheilt werde : aber die Theile müf^en 
von Rechts wegen einen logischen Zusammenhang haben, nicht zu- 
fällig an einander gereiht sein ; es mufs einer aus dem andern heraus- 
wachsen, einer den andern ergänzen oder begründen, es müfsen or- 
ganisch verbundene Glieder, nicht lose Stücke sein. Davon weifs 
Berthold nichts: ohne Fortschrittt, ofl auch ohne Ordnung stehn die 
Theile neben einander, und eigentlich nicht einmal das, wenn sie wie 
in jenem Beispiel logisch ungleichartig sind, wenn die Liebe des 
Na&chsten, die der Mensch nur haben soll, ohne Weiteres Dingen bei- 
geordnet wird, die jeder Mensch von Natur hat. Rein äufserlich sucht 
unser Redner die Masse von Dingen die er zu sagen hat nur in ein- 
zelne getrennte Fächer zu vertheilen, um sich die Besprechung, den 
Zuhoerem das Zuhoeren und Folgen zu erleichtern. Er hält aber so 



BERTHOLD VON REGENSBURG. 365 

viel auf diesen Handgriff, dafs er nicht selten den einzelnen Theilen 
noch fernere Partitionen unterordnet. Jene Predigt von der obersten 
Weisheit (I) zerfällt zunaechst in die oben angegebenen drei Theile, 
dann jeder derselben abermals in drei: im ersten Hauptthcile werden 
dreierlei Rathgebcr unterschieden, das eigene Herz, andere Leute, 
Gott; im zweiten drei Beweggründe dafür, dafs man nichts aufschiebe, 
na^mlich dafs es Gott das liebste, dem Menschen selbst das beste sei 
und dafs Herz und Seele dadurch erfreut werde; im dritten dreierlei 
Bufse, davon wir eine zu wählen haben, Hölle oder Fegfeuer oder 
Unglück bei Leibes Leben. Ahnliche Beispiele vergleiche man S. 12 
fgg. 81. 114 fgg. 128. 554 fgg. 

Der rhetorische Gegensalz der Partition ist die Recapitulation, 
die kurze einigende Zusammenfafsung aller Einzelheiten am Schlufs 
der ganzen Rede. Sie ist unserm Prediger zwar nicht fremd; er hat 
sie einmal (S. 28) ganz hübsch in das Schlufsgebet eingeflochten, 
ein ander Mal (401) erscheint sie beim Übergange zu dem letzten 
Theile *). Das sind jedoch Ausnahihen : herschend ist nach vollendeter 
Abhandlung die altüblich formelhafte Weise des Schlufses, ein kurzes 
Gebet um den Beistand Gottes, damit Prediger und Gemeinde in sein 
Himmelreich gelangen moegen, leicht angeknüpft an den letzt voran- 
gegangenen Gedanken, etwa auch mit einem Wiederhalle der Worte 
und Gedanken, mit denen der Prediger den Anfang gemacht, wie in 
der Predigt an S. Ulrichs Tage S. 123. 

Schon der Gebrauch so complicierter Parlitionen, wie er oben 
belegt wurde, laefsl schliefsen, dafs der Umfang der Predigt bei Berlhold 
viel groefser war als bei den früheren, oft auch groefser als ihn 
jetzige Predigten zu haben pflegen. Diese Anschwellung wird noth- 
wendig erscheinen und begreiflich werden, wenn wir noch einen 
Blick auf die Art und Weise werfen, wie er den Rahmen seiner Partitions- 
schcmata ausgefiillt oder das Gerippe derselben mit lebendigem Fleisch 
umkleidet hat. 

Eine grofse Verwandtschaft zeigt sich hier sowohl mit Geiler 
von Kaisersberg als mit Abraham a S. Clara. Aber wenn er 
diesem an bunter Belesenheit, jenem an Umfang und Sicherheit der 
gelehrten Bildung, auch am Mafsstabe seiner Zeit gemefsen, weit nach- 
steht, vor Abraham hat Berthold den Ernst und die Tiefe voraus, und 
den Strafsburger Prediger überlrifTl er an dichterischer Kraft, an 



^) [Der Prediger der ersten Leyserischen Sammlung schliefst keine Predigt ohne 
Recapitulation.] 



366 BERTHOLD VON REGENSBÜRG. 

Reichlhum des Gemüthes und der Phantasie. Johannes Vitoduranus 
nennt ihn einen Mann magncB lUteraturcB : das gehoßrte eben zur 
Vollständigkeit der Charakteristik des ausgezeichneten Predigers. 
Der Umfang dieser Beiesenheit mochte den Anforderungen desBerufis 
allenfülls genügen, zu wenig aber genügte deren Qualitset. Er weifs 
nicht einmal in der Bibel rechten Bescheid. Die oft citierte XXV. Predigt 
giebt allein dafür eine ganze Reihe von Belegen. [S. 390 wird daselbst 
Juh. 21, 25 mit irrthümlicher Beziehung auf die Offenbarung desselben 
Apostels und Anfügung eines dem entsprechenden vom Prediger selbst 
erdachten Schlufssatzes citiert.] S. 391 werden Worte des Paulus citiert, 
die sich weder irgendwo in seinen Briefen finden, noch ihm gleichen; 
aber derselbe Gedanke, obwohl in stark abweichendem Ausdrucke, 
findet sich S. 224 noch einmal als Citat aus Paulus. S. 398 fg. 
[auch 89, 20] spricht er vom König Alexander, übertragt aber Dinge 
auf ihn, die 2. Maccab. 5, 21 und 9,8 — 10 von Antiochus berichtet 
werden; S. 401 fg. ahnt er nicht, dafs sein Spott über die Juden 
keine geringeren als Jesaia und Jesus selber trifft (Jes. 66, 1 . Matth. 5,24 fg.), 
und S. 406 ebenso wenig, welche gewichtige biblische Autori' asten 
die Ketzer für gewisse excentrische Lehren haben. Das stärkste 
dieser Art ist wohl die Vermengung der Maria von Bethanien, nicht 
mit Maria Magdalena, denn dieses Fehlers macht sich die kirchliche 
Auslegung selber schuldig, sondern mit Maria der Mutter des Herrn 
im Eingange der XXXV. Predigt. Dieser Mangel ist eben die Kehr- 
seite seiner natürlichen volksmsBfsigen Beredsamkeit und seines dich- 
terischen Sinnes, zweier Gaben, die neben einem wifsenschaftlichen 
Sinne und unter der Last gründlicher Gelehrsamkeit nur zu leicht 
Schaden leiden. 

Als eine Kundgebung dieses Dichtersinnes haben wir bereits 
seine Freude an der Natur kennen lernen, die sich in bald grofs- 
artigen, bald lieblichen Schilderungen von deren mannigfacher Her- 
lichkeit ergeht: man mag darin einen Nachklang von der lyrischen 
Poesie seines Jahrhunderts finden. Anderswo ist es ein episches 
Element, das uns aus seiner Predigt entgegentritt, wenn er deren 
Verlauf hie und da durch eingeflochlene Erzählungen zu beleben 
versteht. Hie und da: denn er beobachtet darin, anders als Abraham 
a S. Clara, ein tactvolles Mafs. Er unterscheidet sich auch darin zu 
seinem Vortheil von Abraham, dafs seine Erzählungen nie aus dem 
schicklichen Tone fallen, nie blofs das Gelächter herausfordern. Berlhold 
meint und treibt es mit grofsem Ernste, und er nimmt deshalb 
auch seine nuer/tn, wie er selbst sie nannte, entweder aus dem alten 



BBRTHOLD VON REGENSBUR6. 867 

Testament und sonst aus der Geschichte der alten e: denn diese sei 
dazu gegeben, dafs der Mensch für das Leben in der neuen daraus 
lerne (66, 36. 203, 32. 398, 19 u. s. w.); oder es sind Erzählungen 
aus der christlichen Welt, denen irgend eine sittliche oder reUgioese 
Bedeutsamkeit innewohnt. So erzählt er in der III. Predigt aus 
Jud. 7 die Geschichte von den dreihundert Streitern, die Gideon durch 
die Probe des Wafsertrinkens aus seinem Heere aussonderte, in aller 
epischen Breite, ja mit Hinzufiigung eines der Quelle fremden Zuges 
(S. 37, 27—36); die Auslegung geht natürlich auf den Streit der 
Christenleule gegen ihre Feinde, die Teufel. Eine Erzählung der 
zweiten Art findet sich S. 572 fg. und wird mit einer Äufserung 
eingeflihrt, die beweist, mit wie wohl bewufster Absicht Berlhold 
hiebei verfuhr : und da von teil ich tu ein mcerlin sagen, daz behaltet 
ir eil lihte baz danne die predige alle samt. Noch mehr aber als das 
lyrische und epische springt das dramatische Element bei seiner Redekunst 
in die Augen. Die Theorie dieser Kunst hat es darzuthun, dafs jegliche gut 
angelegte und ausgeführte Rede einen wesentlich dramatischen Character 
habe, dafs sie ganz in demselben Gange sich zu entwickeln habe wie ein 
Drama, und dafs sie fort und fort ein freilich verdecktes Zwiegespraech sein 
müfse zwischen den Gedanken dessen der spricht und derer die ihm 
zuhoeren. Berthold aber ist bis zu einem solchen Grade dramatisch, 
dafs er diese Zwiege.'^prfiBche in unverdeckter Wirklichkeit vorfuhrt, 
dafs er sich selbst allaugenblicklich unterbricht mit Fragen, mit Ein- 
würfen, mit Bitten um Auskunft die er seinen Zuhoerem in den 
Mund legt um dieselben sofort zurückzuweisen oder sonstwie Ant- 
wort darauf zu geben. 

Predigten sind aber einmal vor Allem aus auf Belehrung berechnet, 
und sind einmal immer Darstellungen in prosaischer Form: so klingt 
und scheint denn auch aus Berlholds Predigten zumal diejenige Art 
der Dichtung wieder, welche selbst zunsechst an die Prosa grenzt 
und selbst auch lehrt, die didactische Dichtung. Berthold folgte aller- 
dings nur einem schon alterthümlichen Gebrauche, indem er weniger 
auf die Glaubenslehre als auf die sittliche Bethsetigung des Glaubens 
eingieng. Offenbar aber hat ihn die moralisierende lehrhafte Richtung 
die in der Litteratur seiner Zeit herschend geworden war auf diesem 
Wege noch bestärkt; und unverkennbar zumal ist dieser Einflufs, 
wenn wir sehen wie nun auch er die Lehre noch lieber und öfter 
und gewöhnlicher in das Gewand der Satire kleidet, lieber schilt und 
spottet als gradaus lehrt, lieber als von den Tugenden von den Lastern 
spricht die denselben entgegenstehn. So war es für ihn auch prac- 



368 BERTHOLD VON REGENSBURG. 

tischer : denn so nur konnte er seiner Lehre eine lebensvolle Bezüg- 
lichkeil geben, konnte dieselbe Schritt für Schritt an die Wirklichkeil 
anknüpfen, konnte erreichen worauf es ihm ankam, dafs er gleichsam 
einem seiner Zuhoerer nach dem andern persoenlich ins Gewissen 
redete. Persoenlich einem nach dem andern: dinn er vermag in alle 
Einzelheilen des Lebens seiner Zeit und seiner Heimath einzutreten; 
für jedes Geschlecht, fiir jedes Aller, jeden Stand und Beruf hat er 
die Lehre und die Strafe die ihm gebührt. Wenn er auch rinzclne 
Unarten, wie die Umstände das verlangten, mit einer gewisst'n Be- 
vorzugung behandelt, z. B. die Kleiderhoffart auch der geringen und 
armen Leute und die buhlerische Eitelkeit der Weiber, so bleiben 
darum die noch schwereren Sünden Anderer nicht verschont, und 
gern wählt er ein solches Thema und ^iebt demselben eine solche 
Partilion, die es ihm mcßglich macht Allen nach einander, dem Mann 
wie dem Weibe, dem Greise wie dem Jüngling, dem Grisllichen wie 
dem Laien, dem edlen Herrn wie dem Handwerks- und dom Bauers- 
mann, jedem das Seinige zu sagen. Und er thut das mit so genauer 
Kennlniss bis in die Kleinigkeit hinab, dafs man die Schärfe und Achl- 
namkeit seines Blickes bewundern mufs, und dafs seine Predigten da- 
durch zu einer Fundgrube für die Cultur- und Sittengeschichte Deutsch- 
lands in jenem Zeilalter werden, wie wir keine sonst besitzen, wie 
auch der Renner Hugos von Trimberg, der sonst hier am nsechsten in 
Betracht kommt, bei der verworrenen Art seiner Abfafsung es nicht 
ist. Diese Satire aber, von so frisch gesunder Laune sie auch meist 
begleitet ist, steht immer unter der Hut wenn nicht eines klaren Be- 
wufslseins vom Ernste des Prediglamtes, doch eines richtigen Tactes 
und eines angeborenen Gemülhsernstes. Nicht einer finstem Priester- 
härte: denn Berthold war ein Mann voll Gemülhes, und das Gemüth 
schliefst wesentlich i\ie Liebe ein. So liegt wohl hinler der Laune 
sta^ti» die Schärfe des Ernstes, und ofl genug liegt nur die blanke 
Schärfe da, ohne dafs Laune sie umhüllte: aber wenn er noch so 
Einschneidendes über diese oder jene Sünde sagt, er tefsl den Sünder 
nicht trostlos, er weist sofort auf die nie versagenden Gnadenmillel 
der reuigen Beichte und Bufse hin. [Freilich triil Heiden Juden und 
Ketzern und zumal den letzteren gegenüber die Priesterhärte in einer 
das moderne Gefühl erschreckenden Weise hervor: aber doch nicht 
die des Predigers selbst, sondern die der Kirche die ihn aussandte 
und des kirchlichen Systems wie es sich mit historischer Nothwendig- 
keit einmal feslgeslelll hatte, ja es ist am Ende nur die Härte des 
Gemeindebewufstseins selbst die hier wiederhallt. Gleichwohl ist der 



ANDRE MINORITEN. 369 

Kampf gegen die Ketzerei, so sehr er in Berlholds Berufe lag und so 
sehr seine eigene Überzeugung mit diesem Beruf übereinstimmte, 
nicht einmal diejenige Seite seiner Wirksamkeit, die am meisten in 
die Augen springt. Weil häufiger noch, eindringlicher und an Wen- 
dungen reicher als den Ketzer und als jede andere Art von Sündern 
verfolgt er mit seinen Invecliven den gitigen, den er durch seine 
Erfahrung im Beichtstuhl als den härtesten, unzugänglichsten und 
hoffnungslosesten aller Sünder erkannt haben mufs. Und während 
wir ihn in aller Härte der kirchlichen Theorie den Feinden der Kirche 
gegenüber gläubig befangen finden, dürfen wir nicht übersehen welchen 
Ernst er mit dieser Theorie auch da macht, wo es sich um praktische 
Verirrungen der Kirche selbst handelt: denn schonungsloser geht er 
Keinem zu Leibe als dem pfenningprediger, d. i. dem Ablafskra^mer. 
Kein Ausdruck ist ihm hier zu scharf: er nennt ihn Mörder der 
rechten Bufse und der Seelen, denen die Bufse zur Rettung gesetzt 
ist (117, 2. 132, 18. 393 fg.); dem tiucel ein der liebesle knehl 
84, 3. 208, 20. 251, 18. 393, 35; des tiuvels noch baz danne 
ein schcBchcBre in einem tcalde 543, 13. Und doch trieb ja der Un- 
glückliche sein Gewerbe nicht auf eigne Faust, sondern im Auftrag 
grofser Pra?laten, deren Ansehen ihn vor den Angriffen eines andern 
Mannes, als Berthold war, gedeckt haben würde.] 

Wir sind durch Alles befugt, in den uns erhaltenen Predigten 
Bertholds die hoechsle und beste Veranschaulichung der neuen Predigt- 
weise zu erkennen, welche die Bettelmönche in das XUl. Jahrhundert 
und nach Deutschland gebracht hatten. [Wir wifsen von den Ordens- 
genofsen die neben und nach Berthold deutsche Predigt trieben nicht 
viel; nur in einer dem folgenden Jahrhundert entstammenden Spruch- 
sammlung aus vier und dreifsig verschiedenen Predigern (Germ. 3, 
226 — 241) tritt uns neben vielem entschieden mystischem eine Anzahl 
Sprüche entgegen, die sieben meist namhaft gemachten Barfüfsem zu- 
geschrieben werden und durchaus nichts mystisches, wohl aber Anklänge 
an Bertholds volksmaefsig derbe Manier enthalten. Dafs aber Viele . 
neben ihm an der neuen Kraft und Fülle der geistlichen Rede Theil 
hatten, daftir finden wir auch wieder bei ihm das Zeugniss : ein Zeug- 
niss freilich, das zunsechst nur lehrt, wie jene Güter, kaum gewonnen, 
bereits dem Boesen dienstbar gemacht wurden. Das Gewerbe der 
Pfenningprediger war, wie wir an zwei Stellen (132, 32. 208, 17) 
von Berthold erfahren, in dessen Kinderjahren noch unbekannt, während 
es jezt, da er ihm predigend entgegenwirkt, schon sehr ftihlbaren 
Schaden anrichtete. Da nun Berthold noch der ersten Hinoriten- 



870 PFENNINGPREDIGER. 

generation in Deutschland angehoerte, so fallt das Aufkommen jenes 
Gewerbes ohngefsehr mit der Ausbreitung der neuen Orden über Deutsch- 
land zusammen, und man kann der Annahme nicht ausweichen, dafs 
sie das Personal dazu geliefert haben werden. Woher hätte dasselbe 
auch anders kommen können, da vorher keine Classe von Clerikern 
mit dem Vorrecht an jedem Ort zu predigen ausgestattet war? Es 
ist nicht zu verwundem, wenn die weniger gewissenhaften Brüder 
die neue Kunst die unter ihnen erblühte bald zum Dienste der Hab- 
sucht oder doch der kirchlichen Baulust hergaben, und wenn andrer- 
seits das nunmehrige Angebot passender Werkzeuge die Nachfrage 
herausforderte. Nun zeichnet uns aber Berthold in dem ihm so ver- 
hafsten Seelenmörder ganz das Bild des geübten, berechnenden Effect- 
Predigers : wan der vert uz under die einveltigen Hute und prediget 
und ruofet, daz allez daz wirt weinen daz vor im ist 208, 21; 
wan er seit dir von unsers Herren marter alse vil und alse manigen 
enden, daz sie wcenent, er si ein rehter gotes böte, wan er weinet 
dar zuo u. s. w. 394, 13; und als die pfennincprediger und die 
den Hüten gar vil von dem almehtigen gote sagent und von sinen heiligen 
und von siner muotei* und von siner martel und von der heiligen martel 
— und er seit dir so vil da von, daz der da von weinen mac, und er 
tuot reht etewenne als er weine 251, 10; ais die pfennincprediger, 
die da fo wol von gote redent vor den Hüten 543, 7. Es ist der 
schärfste Gegensatz gegen Bertholds Methode, der uns hier entworfen 
yi'xxA ' statt der vorwiegend ethischen Richtung, die wir bei ihm finden, 
statt des weltkundigen, aber unbestechlich ernsten, gewaltig strafenden 
Eingehens in alle Einzelheiten des Volkslebens, hier Aufregung der 
Phantasie, des ungelaulerten religioßsen Gefühles durch ausmalende Er- 
zählung*), unter Anwendung nicht allein rhetorischer, sondern gerade/.u 

^) Mao vergleiche hier die unschrinnMebigen gra&en Züge, mit welchen der 
Barriifeer Schölzelin das l.eiden Christi ausstaffiert Germ. 3, 230. Im 
gleichen Stile behandelt den Gegenstand das folgende BruchstOck, das den 
Anfang unserer Handschrift z (S. 259) bildet: elen vnd für die bruß mit 
wilder vnxucht, mit tobender geberde mit flarken fchlegen, wa fi in treffen 
mochten an altem Jim libe mit folichem grimme, als ob ein ieklich fchlag 
in foU han getasdet Stv rovften im das har vs dem hovbet das die löke 
ßnes hares an der erden lagen geßrcewet^ Einr zoch fiin bi dem hare, 
der ander zoch bi dem barte har wider Einr zoch in bi den oren als 
ob er ein govch oder ein lor weri. Si würfen im feil an fin kelen vnd 
bunden im fin hende mit eim feil vber ein ander. Einr zuht in bi dem 
feil, vnd ßingot in dorl hin moht in han 
ziehen. Ein ander zucht in bi dem har her wider. Ein ander 



PFENNINGPREDIGER. 37 1 

theatralischer Hilfsmittel. Eine falsche, verwerfliche Homiletik, aber 
eine in ihrer Art entwickelte und so wirksame wie die Bertholds selbst; 
beide gekennzeichnet durch die Einrührung eines der früheren Zeit 
fremden, subjectiv leidenschaftlichen Momentes, das ganz neue Kräfte 
wach ruft und ohne Zweifel als Gemeingut des Jugendalters der 
neuen Orden betrachtet werden darf. 



xucM in bi dem harte, vnd gebaret mit im als der ein kuon würgen 
teil. Etlich giengen hinder fleh vnd namen den lovf für ßch vnd an 
dem tovffe fUeffen fi in mil den fueffen an ßniu bein vnd an ßnen 
ruggen das er vf die erden llruhte vnd ee er fol für fich geviel fo zucMen 
in die andren har wider das er hinder fich viel, vnd e das er vol hinder 
fich ge (!»>) viel fo zuchton in ander wider ze ietweder fiten. Einer 
bi dem har. der ander bi dem bart, alfo fchleißen ß in den berg ab. 
Einer zoch in bi dem har. der ander zoch in bi den henden der ander 
bi den feilen. Si würfen in dik vnder ßch vnd fprungen vf in mit wilder 
tobender geberde, vnd vngeßuemen vnfiten. vnd ruoßen vnd tobten als 
ob fi ein wolf vnder handen hellen alfo brachten fiv in zvo der porten 
der ßat daz er einen rehlen trit mit ßnen fueffen nie getrat^ nowan 
fchUffende. vnd kefchgent vnd zukent. vntz das fi in brachten in an- 
nas hus 

vmb ein marmelßeinin groffe ful. vnd vlekten in an die ful fo .vafte. 
das man enlzwifchenl fim lichamen vnd der ßul ein haln nivt moht han 
geftoffen. Die ßrik an den henden die drungen daz bluot vnd daz fleifch 
alfo fer das man daz fleifch vnd das bluot fach vf fwellen vber die ßrike. 
vnd daz das bluol woll zvo den nabeln der vinger vs fin gedrungen vnd 
wurden die hende vnd die vinger fwartz von dem bluot (P) als ßv 
zer müU wer in. Siv giengen von im vnd äffen vnd trvnken. vnd lieffen 
chrißum cUlein an der fUl gebunden als ein eilenden vngetrofften mar- 
terer. Nv kam ie einr nach dem andern vnd pinigotten in. Etlich brach- 
ten brinnent eier fchalen vnd druchlen im die an meng ßat fines libes 
vnd ßnes antlütz vnd als fchier fi div eyer von der hivt taten fo hat 
fich div hui erhebt mit grolfen bUUern. Etlich fprungen vf mit wilder 
vnzuht. vnd fpuwen im vnder fin anllit. alfo vertriben fi alle die nacht 
mit wilder tobender vnzuht. vnd mit grimmer vnfittiger geberde, vnd mit 
fchamlicher vnzuht was ir tiufelfches hertx gedaht das volbrachtcn fiv 
an im mit tvis t^d mit Worten vnd mil werken Siv handloten in alfo 
fchantlich vnd alfo f chamlich das es niemer ze gründe geoffenbaret wirt 
vntz an den ivngßen lag fo wirt von den baffen geoffenbaret ir bceflu 
meinung vnd ir ubeliu werk die fiv an chrißo begienyen. vnd das wirt 
den guoten ein ere. vnd dem vater ein lob das chrißus dur fi als vU 
gelitten hat von den bcefen. Edas der tag vf trang do na(l '^)men fiv 
in von der ful. vnd taten im fin gewant wider an. vnd fuorten in mil 
mengen grimmen fchlegen vnd ßaffen. vnd ruoßent im mit wilder loben- 
der geberd kayphas mit menger valfcher Ivgi. Siv fprachen er wer ein 
verkerer der welle, vnd wer ein lugener vnd ein abfprecher des guotes. 
vnd wer ein vnelich kinl, vnd wer ein vnkiufcher. vnd ein vras vnd wer 



372 GRIESHABERS PREDIGER. 

Es lapfsl sich denken, dafs neben dieser neuen Prediglweise und 
besonders neben einem Vorbilde, wie es Berthold gab, auch die Predigt 
der allen Orden und die der Leutpriester nicht ruhig in den aus- 
gefahrenen Geleisen weiter gehen konnte, zumal wir sie bereits in 
den beiden Leipziger Sammlungen und in einigen andern DenkmaBlern, 
die doch von Bertholds Eindufsc noch nicht berührt scheinen, unver- 
kennbar . in der Entwicklung zu neuen, hoeheren Formen begriffen 
finden.] Die Einwirkung Bertholds auf mit- und nachlebende 
Berufsgenofsen konnten wir schon früher (S. 357) darin erken- 
nen, wie die Sammlungen seiner Predigten voll sind von Merk- 
malen, dafs man sie zum Behuf des Gebrauches durch andre 
Prediger angelegt habe. Und diese andern werden nicht wieder 
Landprediger wie Berthold gewesen sein, sondern Leute, die mehr 
als jene wandernden Mönche Zeit, Neigung und Bedürfniss zum Lesen 
und Schreiben, zum Ausziehen und Vergleichen fremder Predigten 
und zum Auswendiglernen derselben hatten. Aber mehr als das: 
auf Bertholds Schullern steht als geistesverwandte neue Schöpfung 
eine Sanmilung Predigten de tempore, nach der Reihenfolge des 
Kirchenjahres, die Wirkung und Verbreitung gefunden haben mufs, 
da sie sich mehrfach in Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts 
erhallen hat *). [Über den Verfafser — denn wir haben hier zweifellos 
das Werk eines Mannes vor uns — fehlt jede Andeutung; dafs auch 
dieser Prediger ein Ordensmann war, dürfte seine wiederholte Em- 
pfehlung des Lebens im Orden (Griesh. 1, 46. 2, 50) noch nicht er- 
weisen; nur dafs er um den Oberrhein zu Hause war wird durch 
die Sprachformen der ältesten Handschrift wahrscheinlich, deren Cor- 
recluren nach Grieshabers Meinung (1, XX) nur vom Verfafser selbst 
herrühren können]. Diese Handschrift, die Grieshaber besafs, ist 

ein liinker. vnd wer ein verderber des volches, vnd ein zcr ßarer der 
gefclz vnd der e vnd er ncsm ßch an er wer gol vnd alle die vntugent 
die fiv vf in gereden mochten das taten fiv im, Do fprach kayphas zvo 
im. Biß dv goU^s fvn, do fprach er. dv fpricheß es. vnd al[o dv fpreche 
alfo iß es. Do kert ßch kayphas zvo dem volk. vnd fprach was bedürfen 
wir mer gezivgnilß er hat felber verjehen. md hat got an fin er geret, 
er iß werlich fchuldig des lodes. vnd zcrte fin gewant. vnd mit dem 
brach er von im alle die gnade die er von chrißo vnd von fim himet- 
fchen vater iemer folt enphahen alfo jiamen fiv in vnd fuorten in hin 
zvo py taten das fi als das zwifeltktich vf in bewercn wollen als fi vor 
gerct hallen. Das 
^) [Es sind vier Handschriften bekannt geworden : s. Zschr. f. d. A. 6, 393 fgg. 

7, 139 !e:\ 



GRKSHABERS PREDIGER. 378 

vollständig von ihm Jierausgegeben unter dem Titel „Deutsche Predigten 
des XIII. Jahrh.^ Stultg. 1844; aus der Strafsburger Handschriil habe 
ich eine Auswahl veröffentlicht Zschr. f. d. A. 7, 140 — 159. Auch 
diese Sammlung ein Hand- und Hilfsbuch für Prediger : die Anweisungen, 
es könne dieser oder jener Theil mit Hilfe der und der andern Predigt 
Oller nur auj^ dem Kopfe noch weiter ausgeführt werden, finden sich 
auch hier in Menge eingestreut [s. Grieshaber 1, XXVI]. 

Wenn Manches, was sich zuerst bei Berthold als cigeittliches 
Merkmal seiner Predigt weise findet, von da an bis zu Ende des Mittel- 
alters in Gebrauch geblieben ist, so mag dazu ganz besonders dieser 
sich ihm so eng anschliefsende Nachfolger beigetragen haben. Er hat 
den bei Berthold breit und voll und in gimialer Freiheit sich ergiefsen- 
den Strom der Rede, dem Hafse seiner Be^nabung entsprechend, in 
engere und in regelma^fsige Ufer eingeschlofsen ; und die feste Methode, 
in die er die neue Predigtweise brachte, liefs sich dann abhrnen, 
während Bertholds übermächtige Originalilset als unmittelbares Vorbild 
kaum empfehlenswert gewesen waere. Auch forderte die regelma^fsige 
Sonntagspredigt der Leulpriester über das Evangelium doch eine andre 
Behandlung des Textes als Berthold sie sich in seinen Wochenpredjg- 
ten gestatten konnte, Iheils durch die Natur der längeren und meist 
historischen Perikope, theils durch die alte und noch immer fortbe- 
stehende Gewohnheit, diese Perikopen in der Weise der Homilie Salz 
Tür Satz durchzunehmen. Es galt hier der Perikope irgend wie ihre 
Ehre anzuthun und doch in der neuen Weise ein selbstgestelltes meist 
nur auf wenigen Textworten beruhendes Thema auszuführen. So be- 
ginnt denn unser Prediger nicht mit Verlesung der ganzen Perikope, 
um darauf einen Theil derselben herauszuheben und zum einzigen 
Gffgenstand der weiteren Besprechung zu erwählen, sondern er stellt 
diesen einen Hauptgedanken gleich zuvörderst an die Spitze und laefst 
darauf in einer zergliedernden Umschreibung das ganze Evangelium 
selber folgen *). Indem er hiemit die Umstände vorführt, unter denen 
z. B. das an die Spitze gestellte Wort gesprochen, dient das Evan- 
gelium um dieses Wort zuerst auf rein geschichtliche Weise zu er- 
klseren. Von da an aber geht es weiter wie bei Berthold. Es wird 
jenes Bibelwort nun noch einmal aufgestellt und entweder buchstseblich 
wie es lautet zum Thema gemacht, oder durch bildliche Wendung in 



*) [^o jedoch nicht ausnahmslos: man sehe die Palmsonntagspredigt 2, S. 127, 
welche die ganze Perikope voranstellt, um dann aus der ganzen das Thema 
zn entnehmen.] 



374 GRIESHABERS PREDIGER. 

einen andern Gedanken übergespiclt, worauf dann dieser das Thema 
ist. Und sofort kommt nun die Parlition desselben, und zwar in der 
Regel eine ebenso äufüerlichi , willkürliche, mitunter auch unlogische*}, 
wie wir das bei Berthold wahrgenommen i^aben. [Diese Partition kann 
sich in den einzelnen Theilen wiederholen, ja sogar die Theile der 
Theile kennen noch einmal getheilt werden, und eine virtuose Sicher- 
heit zum mindesten ist dem Prediger in dieser Kunst nicht abzuspn:- 
chen. Man betrachte z. B. die Pfingslpredigt 1, S. 30. Bei der Sen- 
dung des h. Geistes sind sieben Dinge zu merken: L von wem er 
gesendet wart; II. wie mangerleye wise; III. ze weler zit; IV wie 
diche; V. wie; VI. t» wiu; VII. warumbe. Die erste Frage dieser 
Partition wird rasch erledigt, aber auf die zweite lautet die Antwort: 
fit vttmf layge bilde, und zwar 1. tu ainer tuben bilde, bei der 
Taufe im Jordan; 2. tu ainem liehten wolcheUj bei der VerklsBrung ; 
3. in ainem aten, bei der Erscheinung des Auferstandenen unter den 
Zwölfen; 4. in ainem fiur und 5. tu ainer zungen auf Pfingsten. In 
dieser viumf bilde aigenfchaft will er in den Herzen wirken. Nun 
hat erstlich die Taube sieben Eigenschaften: a. sie weint statt zu 
singen; b, sie ist ohne Galle; c. sij nistet in einer Felshöhle ; d. sie 
fliegt gern über das Wafser um den Schatten des Habichts darin zu 
sehen; e. sie kratzt und beifst nicht; /*. sie beschädigt nicht die Feld- 
fruchte, soüdern lebt von wertlosen Samen; g. sie erzieht und füttert 
oft fremde Kinder. Ferner hat die Wolke drei Eigenschaften u. s. w.] 
Die Ausführung sodann, welche auf Grund und nach Mafsgabe solcher 
Theilung des Themas geschieht, verrssth ebenfalls durch Umfang und 
Reichthum, dafs nicht die ältere Predigtweise der Leutpriester, sondern 
die Bertholds ihr Vorbild ist: aber sie erreicht dieses Vorbild nicht. 
Die aus der alten i entnommenen Typen, die aus der Natur entlehn- 
ten Sinnbili'er kommen viel gehäufter als bei BerthoU vor und werden 
deshalb kürzer, abgerifscner, unanschaulicher abgethan; denn es fehlt 
dem Prediger, einem Manne von Bildung und einem methodischen 
Kupfe, der warme dichterische Sinn, der seinem grofsen Vorgiinger 
zu Stalten kam. Und allerdings wird auch hier darnach gestrebt, dafs 
alles Gesagte seine lebendige Bezüglichkeit für die Zuhoßrer habe: 
aber der Prediger ist dem Leben draufsen in der Laienwelt sichtlich 



*) [Mnii scIie z. B. 2, S. 46 auf Grund des Textes Ite et vos in vineam meom 
el quod Juslum fuerit dabo voMi Tolgende Anlage der Predigt: es ist 
>iercrlei Wingerl, in dein wir arbeiten sollen: 1) die h. Christenheit; 2) ein 
lauleres Gewissen oder ein wohlgeordnetes Leben ; 3) eine bittere Reue oder 
ein geigilicher Orden; 4) der Wingert der Weisheit oder der h. Schrift] 



ANDRE VOLKSPREDIGER. 375 

fremd« r und ferner und bleibt, wo er auf den Lebenswandel zielt, 
doch gewöhnlich bei den Allgemeinheiten stehn; fast noch lieber jedoch 
verlieft er sich mit seinon Lehren und Bildern in das Dogmatische, 
dem Berthold beinahe grundsätzlich und nicht unzweckmceftig ausweicht. 
Weder ist sein Auge wacker um recht in das Leben des Volkes zu 
schauen, noch sein Sinn frisch, seine Zunge geübt um zum Volke in 
dessen eigner Art zu sprechen : so ist denn hier keine Spur von jenen 
dramatischen Wendungen, mit denen Berthold seine Rede belebt, und 
fiichts von der launigen Bitterkeit seiner Satire. Dafbr schaut der 
Gelehrte in der Weise jener Zeit überall hervor. Nicht blofs dafs er 
all die vielen Bibeicitate [nach Art der älteren Prediger] immer zuerst 
in der lateinischen Fafsung bringt, auch von anderswoher, aus den 
Kirchenvsetern und sonst (Griesh. 1, XXIV. 2, XXIX), häufen sich 
dergleichen Anführungen, für uns erwünscht, weil wir daraus die 
wifsenschaflliche BUdung des Mannes in ihrem Umfang und ihren 
Quellen erkennen, *aber für die Erbauung der damaligen Gemeinde 
gar viel weniger erspriefslich als die ungeiehrle Predigt Berthold:; *). 
[Zur Vervollständigung des Bildes der Volkspredigt, wie sie sich 
neben und nach Berlhold bis zu Ende des Jahrhunderts entwickelt 
hatte, genüge es, auf drei bekannt gemachte Denkmteler noch hinzu- 
weisen. Es sind die in ostfränkischer Mundart (wohl schon des 14. 
Jahrh.) geschriebenen Bmchbtücke einer dem Kirchenjahr folgenden 
Sammlung zu Leipzig, abgedruckt in den Altd. Bl. 2, 376 — 382; 
sodann ebenda 32 — 40 das Bruchstück einer sehr umfangreichen Pre- 
digt über die sieben Bitten mit Einflechtung der sieben Seligkeiten, 
der sieben Gaben des h. Geistes und der sieben Todsünden, dessen 
Sprache und Schreibung nicht nur, dessen bei aller Breite der Anlage 
allerthümlich starre Vortragsweise es etwa zur Mitte des Jahrhunderts 
emporrücken dürfte; endlirh die in Mones Anzeiger 7, 510 — 5i3 
mitgetheilte erste von vierundvierzig Predigten zu Kloster Neuburg, 
deren vorletzte die Zeit und Stellung der Sammlung dadurch ergiebt, 
dafs sie die siebente Predigt Bruder Bertholds, also dessen schrifllich 
verbreitete Predigten citiert. Das letztgenannte Stück verdient zugleich 
darum Beachtung, dafs es sich als Predigt eines Leutpriesters zu er- 
kennen giebt, dem zwar die Kunst der Partition unbekannt scheint, 

*) Es ist kanm noBthig zu bemerken, dab die lateinischen Partilionsscheinala, 
die an der Spitze jeder Predigt auf die Textworte folgen, nicht zu den 
Aeulserungen der Gelehrsamkeit unseres Predigers dürfen gerechnet werden, 
da sie nur dem Gebrauch seiner Arbeiten durch seines Gleichen zu dienen 
bestimmt waren. 



376 XIV. JAHRHUNDERT. MYSTIK. 

dem CS aber nicht an Gewandlheil und Lebendigkeit des volksmaefsig 
praktischen Vtjrlrages ^hlt.] 

Indem wir jezt aus dem dreizehnten Jahrhundert in das vier- 
zehente hinüberlrelen, haben wir vor allem zu erinnern, dafs die Pre- 
digt in der zuletzt besprochenen sowohl wie auch in der älteren, noch 
vorberlholdischen Art auch in diesem Jahrhundert herkömmlich fort 
getrieben worden ist, wie uns ja Sammlungen beiderlei Art in Hand- 
schriiten gerade dieses Jahrhunderts theils allein erhalten, Iheils neben 
älteren Urkunden bezeugt sind : [Beweises genug, dafs man auch jezt 
noch sich ihrer als homiletischer .Handbücher bediente, und genug um 
zu vermuthen, dafs schlichte, von der Bewegung der Geisler unbe- 
rührte Männer Predigten im Sinne der vergangenen Epochen auch 
jezt noch hervorbrachton *).] Zugleich aber gelangen wir nun zu 
einer ganz neuen Wendung [des deutschen Prediglwesens, welche durch 
das Eindringen der Mystik in die Predigt bewirkt wurde. 

Lange schon war in der Theologie des Mittejalters die mystische 
Richtung neben der scholastischen hergegangen: es war neben den 
von der Kirche auFgestellten Gegenständen des Glaubens auch der 
religioDse Process in der gläubigen Seele, ihr Einswerden mit Gott 
und die Stadien, die sie zu diesem Ziele zu durchlaufen hat, erörtert 
worden. So nothwendig alle entwickeltere Religiositset zur Mystik 
hinlenkt, alle Mystik enthält doch ihrer Natur nach ein dem Pantheis- 
mus verwandtes Element. Indem der Mensch, der von Gott ausge- 
gangen, aber durch die Materie, durch sein natürliches und crealür- 
liches Dasein von Gott getrennt ist, diese Schranken wieder »aufzu- 
heben und frei und ledig schon hier auf Erden in Gott zurückzukehren 
und eins mit ihm zu werden trachtet oder vermeint, so dafs er nicht 
mehr aus Gott und durch Gott und für Gott lebt, sondern in Gott und 
Gott in ihm; indem er lernt, sich in den göttlichen Urgrund aller 
Dinge zu versenken, um sein eigentliches Wesen da zu finden, und 
hinwiederum sich tiefer und tiefer in sich selber zu versenken, um 
auf dem stillen Grunde der eignen Persönlichkeit Gott zu finden: so 
bedarf er am Ende keines gottmenschlichen Mittlers mehr, so verliert 



^) llandschriricn des 14. Jahrli. neben älteren haben wir von Roths a. Gries- 
haberd Predigten ynd von Lcysers zweiter Sanimlung. Kur aus dem 14. 
Jahrb. bezeugt sind die Welngartcr Predigten, von welchen fünfe oben unter 
XXXVI— XL sich inilgelheill finden, und die oben erwähnten 44 Predigten 
£u Kloster Neuburg; ferner acht Homilien in thüringischer Mundart zu Stutt- 
gart und ein homiletisches Handbuch mit Agende und Katecbismas zu Linz (a. 
Mones Anzeiger 7, 513. 517); endlich Berthold selbst. 



MYOTB. <> 877 

♦ 

die geschichtliche OfTenbarvng G«Ue8 für ihn ihren Zweck und die 
göttliche Persoenh'chkeit zerrinnt ihm mii seiner eignen in ein seliges 
Nichts, das er nur noch beschaulich zu geniefsen braucht, ohne seine 
siliKchen Kräfte mehr in guten Werken, im Kampf mit der Slmde 
üben zu dörfen. An die geßihriiohe Grenze, hinter der solche Ver- 
irrungen liegen, war bereits im neunten Jahrhundert Johannes Scoius 
Erigena gelangt, der das im Gnoslicismus und Neoplat<mismus ge wur- 
zelte, aber kirchlich und hierarchisch ausgebaute System des ältesten 
christlichen Mystikers, des sogenannten Dionysius Areopagita, zuerst 
in die Theologie des Abendlandes einftihrte. Praktisch gesunder Sinn, 
Achtung vor dem Überlieferten und kn^chliche Diseiplin hemmten jedoch 
die Mystik auf ihrer abschflfsigen Bahn und begründeten den Unter- 
schied zwischen jener mystischen Richtung, iie schon zu Anfang 
des dreizehnten Jahrhunderts in der Ketzerei der Ortlieber und unter 
andern Namen wieder und wieder von der Kirche verfolgt wurde, 
und der kh-chlich vorwurfslosen Mystik eines Bernhard von Clairvaux, 
Hugo von St. Victor und Albertus Magnus, die mit der scholastischen 
Denkart m derselben Kirche nicht nur, sondern in demselben Kopfe 
sehr wohl zusammen wohnen mochte. 

Wenn David von Augsburg und Albertus Magnus wirklich, wie 
es von jenem ein^ unverbürgte Nachricht, von diesem ein späterer 
Predigtauszug C^gi. S. 851 fg.) zu giauben Anlafs giebt, deutsche Pre- 
digten gehalten, und wenn sie dieselben, wie man vermutben mnfs, 
in mystischem Sinne ireh^lteii haben, so haben sie damit in der ersten 
Zeit weder Wirkung noch Folge gehabt. Denn ihre Predigten sind 
verschollen, und der grofse, tonangebende Prediger der Zeit, obwohl 
Davids Jünger, zeigt keine mystische Ade**. Wohl aber ist David*) 



*) Nach (ireilh Deutsche Mystik im Predigeror^en (1861) S. 58 hitte noch 
früher bereits Bmder Heinrich, erster Prior der Domiaicaner in Cflla, deutoche 
(lebete u. Betrachtungen verfafst, die in einer Handschrift zu Zürich vor- 
liegen. Kine (deutsche?) Predigt von ihm in einer Hschr. au München: 
Bach M. Eckhart (Wien 1864) S. 47. Dafs Predigten von ihm in einer 
Hschr. zu Heidelberg enthalten seien, giebt Wilkens Catalog S. 505 ohne 
rechten Grund an: denn auf eine Reihe namenloser Predigten im Geiste der 
Alteren Mystik folgt hier zuerst eine von Bruder Berthold nnd dann erst, den 
Schlufs nicht der Handschrift, aber der Predigten bfldend, ein Stflck mit 
folgender legendenhaften Oberschrift: Diflv wmi prediget vnfer ii$bu fraw 
in brider Beinriehs perftm auf dem luffe le Kölen f4 den brediger. 
Der Hehirich an den sich eine solche Sage bettete wfard eher Soso als der 
minder berfihmte Kölner Prior gewesen sein. Das Stflck enthill übrigens 

Altd. Predigten. 25 



378 DOHnnCANER. 

Begründer einer reichen mystischen TractaUilteratnr in deutscher Sprache 
geworden, die sich in der Folge auch aus Albrechts nur lateinischen 
Schriften durch Übersetzung zu bereichern wusste *) ; und hieniit 
war eine wichtige, unertersliche Vorarbeit für die mystische Predigt 
geschehen. Der Vorrath neuer Ausdrücke und Wendungen, dessen 
sie bedurfte, wurde ihr vom Schriftsteller geschmiedet und gleichwie 
in einer Rüstkammer bereit gelegt. 

Schon diese Bedingtheit durch eine nebenher laufende und dem- 
selben Zwecke dienende geschriebene Prosa laufst erwarten, dafs die 
neue Predigtweise an Volksma&fsigkeit hinter der altem weit zurück- 
geblieben sein werde; wenn man auch nicht wüsste, daEs mystische 
oder mystisch gefiirbte Religiosität immer nur die Sache weniger war 
und sein kann. So ist denn auch bezeichnend, dafs diese Predigt- 
weise von den im 13. Jahrhundert durch den Ruhm des Minoriten 
Berthold verdunkelten Dominicanern, dem auf gelehrtes Treiben von 
vorn herein angelegten Orden vorzugsweise geübt wurde, während der 
Antheil der Franciscaner an ihr wenigstens für uns nicht sichtbar 
hervortritt **); und bezeichnend nicht minder, dafs nicht auf der Kanzel, 
sondern auf dem Lehrstuhl des Lectors oder Lesemeisters die Mystik 
Kunsechst und eigentlich sich entwickelte. Das Studium generale des 
Predigerordens zu Cöln und das Studium seniefUiaruni, das er zu 
Strafsburg besafs, wurden Brennpunkte mystischer Theologie, von wel- 
chen gleichgesinnte Schriftsteilerei und Predigt in ds\s Land ausgiengen. 
Am erstem Orte, Wo der grofse Albrecht 1280 als Lesemeister seine 
Tage beschlofsen hatte, wirkten die Anregungen die er gegeben fort ; 
in Strafsburg bestand seit hundert Jahren ein nie ganz erloschener 
Herd hseretischer oder halbhsBretischer Mystik, dessen Gluth sich einer 
Niederlafsung der Dominicaner nothwendig mittheilen, aber auch in 
ihr sich läutern musste. Noch entschiedener war durch den Zuhoerer- 
kreis auf den sie allein rechnen durfte der Charakter eigentlicher 
Volksmaßfsigkeit von der mystischen Predigt ausgeschlofsen. Die ältere 



Tbeile jene« geistlichen a b c, das Tauler von dem oberlttiidiacheD Gottes- 
freunde zu lernen bekam, und die Handschrift ist ein schlechtes Machwerk 
des 15. Jahrb. 
*) S. Bach a. a. 0. 

) Die von Pfeiffer Germ. 3, 226—243 roitgetheilten SprQche deutscher My- 
stiker nennen allerdings neben siebenzehen Predigern auch siebenmal Bar- 
füÜMr als Autoren : aber gerade die ihnen lugeschriebenen Spröche enthalten 
durchaus nicbis Myatiaches, sondern erinnern weit eher an Berthoids Predigt- 
weiae. 



«« 



KLOSTERPREDIGT, : COLLAZIE. ,378 

objectiv kirchliche oder doch vorwiegend gesetzlichp, wenn m^n will 
mehr aUtestamentiiche Predigt halte ^cJb an alle Gelaufie gewendt^), 
Berthold sich n^it allen groben Sünden und Lastern, wie sie utit^r dem 
grol'sen Haufea im Schwange gehn, herumgeschlagen j der Myi>tiker 
uiusste einen ausgewählten Kreis verlangen, mit dem. über so1cIi|B Dinge 
zu sprechen kein Anlafs, der über den Standpunkt piner gesetzlichen 
Frömmigkeit hinaus und auf den Wegen der gottsuchenden S^ele, 
wenn nicht gar auf denen des speculativen Denkens bawaridert wsere. 
Diesen Kreis boten natürlich zuna^chst die Klcester, die des Prediger- 
ordens selbst sowie andre t^einem Einflufse sich öffnende, und so ist 
denn die mystische Predigt des 14. Jahrhunderts durchweg Kloster- 
predigt, nachdem wir im dreizehnten die Volkspredigt sehr entschieden 
halten vorwalten sehen. Wiederum waren es unter den Klcestem die 
Frauenkloester, in denen die mystische Predigt vornehmlich ergieng. 
in Münnerklcßstern mochte, wenn wir aus drei von Pfeiffer (Germ. 
7, 331 — 350) bekannt gemachten Klosterpredigten wohl noch des 
13. Jahrhunderts schliefsen dürfen, au^h jezt noch leicht in mehr 
scholastischem Tone gepredigt werden; und hier w:ar auch jezt noch 
lateinische Predigt anwendbar. In Frauenkloestern dagegen bestand 
ein unbedingtes Bedürfnissn^h deutscher Predigt, dt^.die Nojanen nur 
ausnahunsweise Latein, verstanden; \ind hier fand das bräatliche Ver- 
hältniss der Seele zu ihr^n himmlischen Freunde, wie es die Mystik 
seit S. Bernhard auf. Grund des Hohen Liedes auszumalen liebte, das 
bereiteste, eigentlichste Verständniss. Hiier war denn auch der dank- 
barste Boden Tür eine Mittelgattung zwischen Predigt und Tractat, die 
jezt ausgebildet wurde, die coUäue. Was nnn in der regula s. 
Benedicti hierüber liest (S. 307) commentiert Smaragdus folgender 
Mafsen : CoUatio dicta quasi coHocutio vel confabulatio, quod de scrip- 
turis divinis aliis conferentibus interrogationes conferunt alii congruas 
responsiones. Die CoUatio war also eigentlich freier Dialog, der aber 
aufgezeichnet nachmals als Lesestück dienen konnte, wie das auch 
Honorius von Autun für seine Zeit bestsBtigi : Qaod religiosi ad coUa- 
tionem conveniut, hoc a sanctis patribus acceperunt, qui in vesperis 
solebant convenire et de scripturis simul conferre, et quod ipsi tunc 
invicem contulerint, collationes dicebantur, et haec bis similia ad coUa- 
tionein leguntur (s. Ducange unter coUatio). Die dialogische Form 
brauchte natürlich bei der Aufzeichnung nicht gewahrt zu werden, 
und wenn dann noch eine Bibelstelle an der Spitze der geschriebenen 
Collazie stand, unterschied sie sich kaum oder nur durch die 
mangelnde Systematik im Aufbau von einer Predigt; sie konnte aber 



880 FRAUBÜ. 

auch Aussprüche der Vieler, Erlebnisse heiliger Menschen, Erzählungren 
und Parabeln erbaulich behandeln (s. z. B. die Stücke L — LH) und 
so gerade der weiblichen Fafsungskraft und Eigenart Rechnung tragen ; 
sie konnte endlich auch, und nicht nur unter Männern, über den Zweck 
der Erbauung hinausgehn und der Erörterung theologischer Fragen 
gewidmet sein, und dann erwuchs aus ihr der Tractat, der oft genug 
in Wendungen, die sich nur Air die gesprochene Rede eignen, die 
Eierschale dieses seines Ursprunges an sich trsegt, oder auch, weil 
zum Vorlesen bei der Collatio bestimmt, solche Wendungen absicht- 
lich in sich auf- sowie einen Text und predigtmiefsigen Schlufs an- 
nimmt *). 

Nicht nur empfangend, auch gebend betheiliglen sich die zahl- 
reichen Frauen, die der Regel des h. Dominicus anhiengen, unter der 
Pflege eifriger Beichtvaeter an dem mystischen Treiben. Ecstatischc 
Nonnen, wie die h. Hildegard, halte es wohl auch früher gegeben; 
jezt gab es Kloßster, in welchen die Schwestern die keine Gesichle 
und Offenbarungen halten die Ausnahme bildeten, und in welchen 
solche Zustände sich von einer Generation zur andern fortpflanzten. 
Einzelne dieser Seherinnen fehlten sich berufen, eigne und fremde 
Erfahrungen auf diesem Gebiete aufzuzeichnen **), und ihre Schriften, 
zu deren Redaction und Verbreitung die Beichtväter eine Rvrdemde 
Hand liehen, wurden von ernsten Denkern mit Ehrfurcht aufgenommen, 
mit Andacht gelesen : welch heifse Empfänglichkeit müfsen hinwiederum 
die Schriften und das gesprochene Wort der Mystiker in diesen Frauen- 



*) Eio beieichnendeB B«bpiel dieser /wittergaUung iwiaclien Predigt und Trac- 
tat ist duB nnter dfm Kamen Bruder Franke von Kolne überlieferte Stack 
bei Haupt 8, 243—251: es beginnt ganz wie eine Predigt und nennt sicii 
zum Schlufs ein Buch. Von der gleichen Art die ebenda 423—464 mit- 
getheilten Tractate. 
**) Vgl. OCtenbarungen der Schwester Mechlhifd lisgeg. v. P. tiall Morel 1869 
nebst der Besprechung von Preger Sitznngsber. der bayer. Akad. 1869. 
2, S. 151 fgg. u. Boßhmers Aufsatz „Natelda" Jahrb. der d. Dantegesell- 
schaft 3, 101 fgg. Schriften der Hargarela Ebnerin zu Medingen im Bistb. 
Augsburg, der Freundin u. Correspondentin Heinrichs v. NOrdlingen und 
Taulers, und ihrer Schwester Christina zu Engelthal in Franken: Heumanni 
opusc. Norimb. 1747, 331 sqq.; Heinrichs Briefe an Uargareta ebda 
351 sqq., erginst und chronologisch geordnet v. Preger Zschr. f. kistor. 
Theol. 90, 79 fgg. Der Nonne v. Engelthal Büchlein Von der gcAden 
Qberkist hr«geg. t. Schnöder 1871 (BiU. des litt. Ver. CVin). Über die 
KIcester Unterlinden zu Kolmar, Adelnhausen bei Freiburg, Katharinenthal im 
Thurgau, Toefs bei Winterthur u. insbes. Ober Elisabeth Stagiin sn Toefs, die 
geistliche Tochter Susos: Greiih d. Mystik im Pred. Orden 289 fgg. 



iCONVJBRS^V. ■>;. 881 

krekeii gefunden haben*). Briefwecbsei, Sendung von fiilchera, 
Reisen stellten dabei über weite Entfernungen einen regeren Verkehr 
her, als wir ihn joner Zeit geneigt sind zuzutrauen. 

Doch war jene Empfänglichkeit weit entfernt von den Mauern 
der Kloßster eingeschlorsen zu werden. Das Schiff der Klosterkirche^ 
in deren Chor die Ordensleute der Predigt beiwohnten, hatte Raum 
für eine beträchtliche Zuhoßrerschafl gleichgestimmter Laien; und es 
gieng auch durch die Laienwelt ein Suchen und Sehnen nach einer 
tiefern religioBsen Befriedigung, als die Kirche mit ihren äufserlidieB 
Ordnungen sie gewahren konnte. Den Kreis des eigentlichen Ordena- 
lebens umgab der viel weitere der Beginen und Begfaarden, Frauen 
und Männer, die ohne Gelübde und ohne eine andre Regel als die 
sie sich selber auflegten der Welt entsagt und sich, sei es allein, sei 
es zu mehreren zusammenwohnend, einem geistlichen Leben gewidmet 
hatten. Es war das ein der Kirche nicht ohne Grund verdächtiges 
Element, dem der Anschlufs an einen mystisch gestimmten Orden 
gegen die Einflüfse der in Seelen verwildernden Mystik den besten 
Halt gewährte. Wurde doch, nullen im besten Aufstreben mystischer 
Theologk an den Schulen der Prediger, 1817 wieder einmal zu Strafs- 
burg eine Ketzerverfolgung eingeleitet, da man entdeckt hatte, dafs 
die ganze Dicecese von Brüdern und Schwestern des freien Geistes, 
einem schlimmen Nachwüchse der alten Ortlieber, erfüllt war **). Und 
doch wurden auch wieder die Mystiker des Predigerordens durch ihre 
Beziehungen zu den religioßs erregten Laien auf einen Standpunkt 
geiiihrt, der mit den Grundsätzen der Kirche in der That nicht mehr 
zu vereinigen war. In dem Begriffe der Gftitesfreunde — einer auf 
Job. 15, 15 entnommenen bereits den altern Waidensem geläufige« 



^) Aus FrauenklcBMern la Zürich, A4elnh«a9eii bei Freibui^g in Breisga«, Ebgel- 
herg und Sarnen «iarnmcn die oben S. 259. 271. 283. 290 beachriebenea 
Handschriften; aus einem solchen — Hermetschwil im Aargau — auch be- 
reits die vorhin erwähnten übrigens an Mönche gerichteten Predigten des 
13. Jahrb.; aus dem Terliarierinnenkloster Campe gegenüber Boppard der 
Traclat von den XV Graden (Germ. 6, 144 fgg.); no4 tdr Nonnen schreib! 
der Mönch von Heilsbronn seinen Tractat über die VI Namen des Fronleich- 
nams, wie der ScMuis der Nachrede (Akd. Bl. 2, 354 Ausg. v. Meradorf 67) 
zu verstehn giabi. Beispiele mystischer Predigt, die an Nonnen gerichtet 
wurde, weiter unten. 
«*) Schmidl in der Zschr. f. bist. Theol. 1840, S. 60 fg. Derselbe handelt über 
Beginen und Beghardcn mit besonderm Bezug auf Slra(iibarg in der Zschr, 
AUatia 1858-61, S. 149 Tgg. 



382 GOTTBSflO^URDE. 

Bezeichmiiig*) — war der ünterschfed zwischen Laien und Priestern 
gnindsälzlich ausgeglichen und gieng* seiner Ihatsdchlichen Ausgleichung 
entgegen. Die Nolh der Zeil war gewaltig dazu angethan dieeien 
Vorgang zu fördern. Der Streit des in Avignon der franzoesischen 
Politik dienenden Pabstthums gegen Ludwig den Baier fährte 1324 
zu dessen Excommunication, und demnsechst ward alles was ihm im 
Reiche anhieng mit dem Interdicte belegt. Bis zum Tode des Kaisers 
1347 und zum Theil noch länger blieb der groeste Theil Deutsch- 
tatvds mit seinen volkreichsten Städten der Mes^, der Sacramente und 
der Predigt beraubt, nw weil der Statthalter Christi einen Druck auf 
die politischen Entschlüfse deti Reichsoberhauptes zu üben för gut fand. 
Dieser ruchlose Widersinn bewirkte noch nicht die Abwerfung des 
hierarchischen Joches, aber die innerliche Befreiung vieler GemUther. 
Vor die Geistlichen trat die gewichtige Wahl, ihrem hinimlischen Ober- 
haupte, das seine Lämmer zu weiden gebot, oder dessen Statthalter 
Gehorsam zu leisten, und eine Hinderzahl auch im Predigerorden, aber 
mit einem Tauler an der Spitze, wählte unerschrocken das erstcre. 
Den Laien entstand, wenn sie nicht geistlich verkommen wollten, die 
Aufgabe sich in geistlichen Dingen selbst zu helfen **^. und die Laien 
unter den Gottesirounden unterwandten sich dieser Aufgabe, ohne dafs 
gottesireundliche Priester ihnen die selbstgeschaffenen AndachtsQbungen 
wehren konnten oder wollten. Der Grad von- kircblicher Emancipation, 
den wir dann auch nach dem Interdicte bei dem sogenannten Nicolaus 
von Basel und seinem Anhang treffen, v^ar hieven die Folge; geradezu 
einen Verzicht auf die Priestenrechte schliefst es andrerseits ein, wenn 
Täuler 1350 sich einem Laien aus dem Oberlande und wenn nach- 
mals der Priester und Benedictiner Martin von Mainz sich dem Laien 
Nicolaus von Basel „an Gottes Statt zu Grunde lafscn^, d. h. unbe- 
dingten Gehorsam in geistlichen Dingen geloben; und wohlbegründet 
erscheint vom Standpunkt der Kirche der Urtheilsspruch zu Cöln, der 
1393 mit andern Irrthtlmem Martins auch diesen verdammte ***). 
Nicht minder verdammlich würde der Kirche, wenn das Geheimniss 



*) Nach dem Zeugnisse Davids v. Augsburg Zschr. f. d. A. 9, 59. Noch 
gleichzeitig mit Dav([l, zwischen 1250 und 1265, braucht aber Schwester 
Mcchthild den Aasdrack auch von rechtgifiubigen Frommen : da mUe vihteslu 
uf got und Hne u$erweUen wunde^ bei Worel S. 198. 
^) Eine Anrserung solcher Seib^tthilfe, in der sich Treilich deren gtnie GeDihr- 
fichkeit alAald olTenbarte, war die bokatinte Bruderschaft der Geisler cor 
* Zeit der'gmffen Sterbens 1849. 
S. Schmidt Joh. Tauiei S. 237 fgg. 



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GOTTBdFREIIIIMJ 368 

minder ^\ bewdhrt joreblieben wwrc, die weitverzweigte, Priesler wie. 
Laien nrnrafsetide, aus der Verborgenbeii geübte Tha^tigkeit des Gottes^ 
freundes, der tiber Taiiler eine solche Macht ' gewann, iiHjd seiner Ge^ 
nofsen erschienen «ein, deren Zweck kein anderer :war,> als des nm 
ihren H<iuptem anfser AcM gelafaenen Wohles ^er Ciiriatenheit nach 
McpglichkiDil wahrsnnehnven : und wenn Tavler, ttbercülstimm^d mit dur^ 
Meinung diesei* geheimnissvollen GeseHschafty in aelnen Predigte» die 
Übensengung ausspricht, dafs' die Gottesfreande die Säuiea der Kil*Gh0 
seien tmd dafs nur ihr Gebet und Weinen di)s> Gerichle G^ie» über 
die Christenheit noch avfhalte*}, iso- gleiten ihm offenbar die GottoH 
freunde und nicht mehr die von der Kirche^ geweihten für das wahr0 
Priesterthum ♦♦). ■ ; ,: i 

Bei solchen Anschauungen 4arf es nicht Wunder nehmen, wen» 
einzelne unter den gottesfreundlichen. Laien auch ohne Kenntniss 4es{ 
Lateins und ohne all das Wifsen zu dem es der unentbehrJiehef 
Schlttfsel sich zu mystischer Schriftstellerei berufen fühlten, fiioe- 
glncküche Fügung hat uns in den Schriften des tHigenannten- Nicolaus 
von Basel imd des Strafsburgers Rolman Merswin die bedeuiungjs:^ 
vollsten Gegenstücke zu jenen vorhin erwihnten Aufzeichnungen 
schwärmender Klosterfiraueit gerettet. Wir dürfen aus solchen Er-^ 
scheinungen vriedenmi auf die Begierde fturöckschliefsen, wiNuit die 
deutschen Schrifteü der Mystiker selbst unter den GUtesfireunden aufr^ 
genommen, ihre Predigt gebeert und deren Aufzeichnung voa solchea 
die sie gebeert und die sie nicht gebeert sunt stiUea Lesed wie zum 
Vorlesen im vertrauten Kreise verlangt wurde***); ' 

Dieser Zweck ist in der That jezt der i^nzige, der bei Anlage 
und Portpflanzung der Predigtsammlungen waiteV: Die BdstimmuBg 

■ m 1 ■ ■ I . ■ « m ■ « ■ ■ » » . I ■ . j I I ■ . I ■ p . ■ . . 

^) Das. 167. Weiter gehend halte schon vor ihm Eckart gelehrt, dafs Gott finen 
usserwelten [Hunden^ die da sintiit siner verborgenen heimlichen^ keine 
Bitte Tersuge: oben 27S, 29 fgg.'; ja bei Nicolaus von Strafsburg findet Aiofi 
der kitoe 9«la Hn ftiufU der hmmgel imeol: D. Nyol. U 276, 31.. 
^^) Über die GoU#«freaiide f« Carl ScJ^midt im Anhaogo lm seinem Tauler ; vq^ 
demselben: die Gotl^sfreunde, im 14. Jalirh. bei Reufs u. Cunitz^Beitr. s. 
d. theol. Wissensch. (Jena ld54); Nie. v. B. u. d. Gotlesfreunde in: Basel 
im 14. Jahrh. (Basel 1856) ; Nie. v. Basel (seine' Schriften), Wien 1866. 
Sodann Preger Zsekr. f. hist. Theol 39, 137 fgg., der die'vdn Scbmidl 
behauptete Identität des von Tauler und Merswin verehrten Gottesfrenndes 
mil Nieolaos von Basel bestreitet. / 

***) Zwei HandscbriAen des KkMtera Binsiedehi, Predigten Eckaru und seiner 
langer entbaltend, warden einat von der ^an. ^ottesfreandUcben Kreis in 
Basel gehoBrigen Begine Hargarela um .goldnoi»!Ring den Waldaekwestem 
bei BlDSiadeln geachenkl: s. 101111 !<HfeBbl dj ficbw. Meohthibi VI fg. 



384 PMDlGnilÜOliin. ^ 

zum Ersätze der eigneii Prediget bequemer oder minder begabter 
Priester, wie sie die' Sammlungen der fVühem . Jabrbunderte noch \d» 
zu den GrieiB^beriscIien Predigten herab «o deutlich kund geben» yer- 
ni^th sich jezt nirgends mehr; m wiere bei der jezigen Predigtweise, 
die den ' Oemeindestandpunkt ' verlaben und den objectiv HircUicheii 
Charakter aufgegeben hatte^ gwädesu widersinnig gewesen« Wir findßn 
darum auch jezt Sammhingea, -die sich nicht mehr der PerikopenreihQ 
de^ Kfrchenjabres' an^cbKefsen, sondern deren Anordnung vom ZufSall 
eingegeben ist. ' Cezeichnend ist es' ferner^ dab die Predigteoi in den 
ErbaMhgi^chehi Vermitehten Inhaltes, wie ^ jezi Ihr den Gebrauch 
dev Kkesler oder fWWnmer Prirati^rsonen angelegt werden *), zwischen 
Tractaten, Sprüchen, Erzählungen und dergleichen einzeln odier gruppen« 
weise ehigecftreut vorkdmmen^ also fftr das GefilU. der ächreibea und 
Leser mK andern* Lesiestücken Isiohtlich : auf derselbea Linie stehen; 
uttd ebeii damit hdngt es zneammen, dafs man nicht «lehr, wie vor- 
mals, beflilbenr ist, nur ganze Predigten md diese meistens in voller 
rednerischer 'Ausführung und Aftrundutig aufzuzeiohnen^ sondern Hidi 
bald mt einzebieu' Kemsprilohen' der Prediger, die man gern in 
grcefserer Anzahl zur Blumenlese vereinigt, bald mit Auszogen be- 
gütigt^ in welchen wohl der wichtigtste Gedankengehait des belreflfon- 
den Stiches niedergelegi, aber die Verbnidtag und AusRlihrung der 
G^danken^ die eihe* wirkliche Predigt erst alMsmacht, mehr oder min- 
der gespart wird. ^ • 

Wir haben nun von -den bedäutenderen Zeugnissen der mystischen 
Predigtweise im Einzelnen zu handehi, und wir mttCsen da zuerst der 
vielvei^brciteten und vietteseigCen Sammlung gedenken, zu der unsere 
St«cke XLT1---XLIX und LIII— LVII gebeert haben. Man vergleiche 
hier die erste Abhandlung S. 263 — 268. Der Verfafser kannte, als 
er sie schrieb, 4ie Hanger und die S. Georger Handschrift nur aus 
dem Wenigen, das sich in Haupts Zeitschrift und in Mones Anzeiger 
daraus und darüber niitgetheill findet. Aber er erhielt nftohmals durch 
Jönckblj^t niehere Kunde über den Inhalt der Haager Handschrift, 
welche die Vermuthung, dafs auch hier die Sammlung als Ganzes vor- 
liege, bestsstigte, und dieselbe Bestastigung .schöpfte der iPortsetzer 
dieser zweiten Abhandlung bezüglich der in Karlsruhe aufbewahrten 



■» 1 1» I 



II 



*) Von dieser Art die in der ersten Abb. beschriebeaen lUs. iub Kaauenkloestem 
zm ZOiicb, Adelnbaos^n n. Stttaen, ferner zwei «na de» Cmbiiwerkloeler 
zu Basel (S. 272. 277) ^nd eine ans der BenedielineNibtai EnfeUmg (S. 286), 
üae Mite Basier Ht. (ß, 279), endlich die von den LeulpijeMer Albrecht 
jAtia Holbea fflr diif Fra* dda SltdUinalinns zu Feldkirch angalMgla (S. 262). 



S. Georger Handschriil. Wir besitzen also diese Sammlung, wenn 
auch nicbi in überall gleicher Vollständigkeit, in nichl weniger als 
sechs Urkunden, abgesehen von den einzelnen Stücken aus ihr, die 
in sonstige Sammelhandschriften übergegangen sind. Diese Urkunden 
vertheilen sich unter drei einander weit entlegene Hundarten: denn 
drei derselben wurzeln in allemannischer Erde, zwei in CBSterreichischer^ 
eine stammt aus einem Kloster bei Maastricht, ihre Zahl und noch 
mehr ihre Veii)reitung beweist^ dafs wir es hier mit einem im 14. 
Jahrhundert weithin beliebten und schon darum unserer Beachtung 
werthen Handbnche ftlr klcBsterliche Erbauung zu thun haben. Für 
kkBsterliche Erbauung: denn der Gesichtskreis des Klosters ist fSuit in 
allen diesen Predigten deutlich erkennbar, während keine Spur über 
ihn hinausführt. Und zwar ist es ein Frauenkloster gewesen, iA wel- 
chem sie zuerst gehalten wurden, was aber ihre Benutzung in Männer- 
klcß^tem nichl gehindert hat. Denn in der Handschrift Albrechts des 
Kolben (A) und in der Zürcherischen (Zy, aus welchen die oben mit- 
getbeiiten Stücke entnommen sind, finden sich die Bezüge auf eine 
weibliche Zuhoererscbaft meistens getilgt: XL VI, 45 steht z. B. lieben^ 
wo die S. Georger Handschrift lieben kint hat, und an mehreren 
Stellen liest man von Brüdern, wo dprt von Schwestern oder von 
Jungfrauen die Rede ist; in zwei Predigten aber (LVL LVU), damit 
uns ja kein Zweifel bliebe, war der Schreiber sorglos genug, das eine 
Mal die Schwestern in Brüder zu verwandeln und das andre Mal sie 
zu übersehen, ja sogar, wo er die Verwandlung vornahm, das gram- 
matische Geschlecht der Zahlwörter oder Pronomina bestehn zu lafsen. 
In der S. Georger Handschrift werden nif^als männliche Zuhoerer 
vorausgesetzt, und nicht wenige Predigten bewegen sich auch so ge- 
ilifsentlich in den bräutlichen Vorstellungskreisen des Hohen Liedes 
und des Buches Esther, dafs es einem seltsam vorkommen inüsste, sie 
vor Männern gehalten zu denken. 

Die S. Georger Handschrift, obwolil nicht frei vonFelüero, nimmt 
unter den Quellen dieser Sammlung den ersten. Rang ein; i>ie kündigt 
das schon durch die Altertbümlichkeit ihrer Sprs)Qhformen und die 
Beinheil ihrer Schreibung an. Lesarten und Proben aus ihr fin.det vßm. 
nebst ihrem Inhaltsverzeichnisse im Ai^^ng. ,ßie ist leider am Ende 
verstümmelt, indem sie gleich nach Anfang des XXXVI. Stückes mit 
Blatt 108 abbricht; da sie bis dahin dieselben Stücke in derselben 
Reihenfolge wie Z enthSit, wird sie wohl auch die vier in Z noch 
folgenden .entha^tpn |iaben, welche, die Vergleichung mit den andern 
Handschriften als zu der Sammlung gehoerig . jenweist. Auph im Texte 



886 ANONYME SAMMLUNG. 

steht Z der S. Georgen Handschrift vcrhUltnissrojprsig nahe, indess die 
zu Wien (W) und Kloster Ncuburg (N) schon weiter abweichen und 
A sowohl wie die Haager Handschrift (H) sich grofse Auslarsungen, 
Kürzonp^en und Freiheiten jeder Art gestalten. Die Reihenfolge der 
36 Stücke in SG und der 40 in Z findet sich dagegen bis anf eine 
Auslafsnng und eine Einschaltung (nach Nr. 7 utid 32), in A wieder, 
withrend sie in WNH gründlich gesto^rt ist, so jedoch, dafs sie bald 
in >VN, bald in H eine Strecke weit doch wieder hervortritt und so 
auch hier ihre ursprüngliche Richtigkeit bewährt. Daraus folgt aber 
nicht, dafs SG und Z den ursprünglichen Bestand der Sammlung wirk- 
lich darstellen. Sechs der ihnen gemeinsamen Stücke O. 8. 9. 11. 
12. 31) sind keine Predigten, sondern erbauliche Anfeeichnungen ver- 
schiedener Art; da ist es doch wohl kein Zufall, dafs diese bis auf 
eines nicht nur unter den 26 und 25 Stücken von WN, sondern auch 
unter den 47 von H fehlen. Andrerseits kann man nicht sagen, wie 
viele der Predigten in A und H, die sich in SG und Z nicht wieder 
finden, wenn sie bekannt wfpren, sich durch völlige Gleichartigkeit 
als ursprüngliche Beslandtheile der Sammlung verralhen würden *). 
Findet sich doch das zweite Stück derselben in H als Nummer 46 vor, 
getrennt von den andern durch eine lange Reihe von Predigten, die 
wenigstens den Handschriften, über deren Inhalt eine vollständige Ver- 
zeichnung vorliegt, fremd sind **). 

Über Entstehungszeit und Heimath der Sammlung lapfsl sich etwas 
genauer Bestimmtes nicht ermitteln. Der Schlufs, der S. 268 aus 
einer dort mitgetheHlen Stelle auf die Entstehungszeit gezogen wird, 
scheint mir trügerisch. Die Engel haben Christi schcene Menschheit 
wohl 1300 Jahre angesehen und sehen sie noch ebenso gern an, wie 
in der ersten Stunde do er ain gafl da toaf: mit diesem da kann 
nicht die Erde, sondern nur der Himmel gemeint sein, wo die Mensch- 
heit des Herrn nach seiner Himmelfahrt ein Ankömmling aus der 
Fremde war. Damit kämmen wir denn nicht auf 1800, sondern auf 
1833. Aber wenn in A diese Zeitbestimmung gemrefs der Gegen- 
wart nicht des Schreibers selbst, sondern eines seiner Vorgänger be- 
richtigt erscheint, so bürgt uns nichts daftlr, dafs sie nicht schon in 
SG und Z auf einer solchen Berichtigung ruht; und dafs dem wirklich 



*) Dies thut meines Erachten« Nr. XLIV dieses Baches; auch XLIII und XLV 
könnten sehr wohl daiu gehcsren. 
*^*) Das Inhaltsverzeichniss der Haager Handschrift nach Jonckbloels Aofaeichnnng 
findet man im Anbatige.--^' ' ' 



ANOlltllB SAMALUIVG. 387 

so ist, darüber pesfatlcl die Beschaffenheit des sogenannten Bmch- 
sttickes, das Mona Anr. 8, 183 bekannt gemacht hat, kaum einen 
Zweifel. Dieses Stück nimmt die erste Spalte eines PergamenlWattes 
ein, das anf die Innenseite des Deckels der S. Georger Handschrift, 
ihrer ersten Seite gegenüber, aufgeklebt ist; auf der zweiten Spelte 
hat eine jüngere Hand noch vier Zeilen hinKugcRtgt, der Rest der 
Spalte sowie die Rückseite des Blattes, soweit man sehen kann, ist 
leer. Man sieht dafs hier nicht ein Überbleibsel einer Handschrift, 
sondern lediglich eine Schreibübung sich erhalten hat. Dieser kann 
aber nicht die Handschrift, mit der das Blatt vereinigt ist, als Vorlage 
gedient haben, denn Sprachformen sowohl als Schriftzüge sind alter- 
Ihümlicher, die letzteren von der Art, wie man sie im dreieehnten 
Jahrhundert zu finden gewohnt ist. Damit wird also eine entsprechend 
alte Handschrift unserer Sammlung als Vorlage vorausgesetzt und das 
Werk selbst mit Wahrscheinlichkeit noch dem dreizehnten Jahrhundert 
zugewiesen. Bezüglich seiner Heimath könnte die Schreiberbemerkung 
am Ende der Wiener Handschrift irre flihren: finihis eft Über iUe 
per manns Johtmnis äicii haUer Conpilatus auiem per fratrem 
Petrum Magiftmm Curie in Wienna venerabilium dominomm De 
Gamineo (HofTmann, AUd. Handschr. zu Wien S. 305). Denn wenn 
das Buch wirklich von einem Oesterreicher compillert, d. h. aus ver- 
schiedenen Einzelaufzeichnungen zusammengestellt worden ist. so sind 
die Predigten, die seinen Inhalt bilden, moBgen sie nun von Einem 
oder Mehreren herrühren, doch wohl auch in Oesterreich entstanden. 
Aber es wiere wimderlich, wenn der Name des Sammlers so lange 
nach Herstellung des Buches, im Jahre 1368 noch wrere genannt 
worden, während kein Name eines Verfafsers aus der Vergefsenheit 
emportaucht. Compitatus wird in einem Beispiele bei Ducange vom 
Herstellen einer Gufswölbung gebraucht, und Diefenbach giebt für 
compilare neben fammeln auch die Bedeutung rfölMngen; Bruder 
Peter war daher sicherlich nm* der Schreiber, der das Buch dem 
groBsten Theile nach anfertigte, während Johannes Haller es zu Ende 
brachte. Einen unverwerflichen Fingerzeig Ober die Heimath des 
Werkes giebt dagegen das achtzehnte Stück in SG und Z durch fol- 
gendes Citat eines Bibelspruches: Swenne ir den minneften geboife^ 
ront. der an mich geloubit. fo icer if> bezzir. daz it) am tnAlißain. 
an den rik toere gehenkit, un in den rin were gefenkit. Diese naive 
Vertauschuiig des Meeres mit dem Rhein war eben nur in seiner N®he 
denkbar. Um aber den Mittel- und Niederrhein auszuschiiefsen tritt 
in Nr. 6 die Erwähnung des nur im Oberlande nnler diesem Namen 



388 ANONYME SAIIMMJNG, 

bekannten Föhnwindes hinzu: Dem ab auftro ueniet — Er 
vou phonnun — Bi der phonnun iß bezaichint daz herce da* der 
minne vil het. DA fonne iß warn, vn bringit den regen. Am 
Oberrhein also, und zwar im Angesicht eines Münsters, nach der Steile 
in 18 Gienge ich uf enz minßir. und fprunge har abe^ hat unser 
Prediger gesprochen; dort sind, in ziemlicher Nachbarschaft, unsere 
beiden wichtigsten Handschriften zu Hause, von dort ist die Verbrei- 
tung des Buches nach Osten und Westen ausgegangen. Ich sage 
unser Prediger : denn es no^thigt in der Thal nichts an eine Mehrzahl 
zu denken; die Predigten haben unter einander die gneste Familien- 
ähnlichkeit und sind schwerlich in etwas anderem verschieden als in 
der Länge und in dem was durch die verschiedenein Mafse der Aus- 
fuhrung bedingt ist. Andrerseits könnte es freilich eine so wenig 
ausgebildete Individualita^t der Behandlung, wie sie uns hier entgegen- 
tritt, bewirkt haben, dafs die Erzeugnisse von Nachtretern mit denen 
eines Vorgängers für unser Auge in eine unscheidbarc Masse zusam- 
men rinnen. 

im Äufseren der Anbige schliefsen sich diese Predigten sehr nahe 
an die Manier des ihnen heimathverwandten Grieshaberischen Predigers 
an. Wie bei diesem wird fiast immer*) aus der Perikope nur ein 
Satz als Text entnommen; aber wieder aufgegeben ist die Verwerthung 
des Restes der Perikope : aus ihr wird nicht mehr wie dort die histo- 
rische Veranlafsung des Textwortes entwickelt, sondern gleich zur 
Abhandlung des ihm entnommenen getheilten Themas übergegangen, 
wenn nicht etwa vorher ein in den Rahmen der Abhandlung nicht 
passender Gedanke zu kurzer Ausführung als Exordiuin sich aufdrängt 
So z. B. im dritten Stücke der Sammlung. Hier ist der Text Luci 
12, 26 Ei vos similes hominibus expectantibus dominum suum, 
quando revertatur a nuptiiSj ut cum venera et puhaverit, statim 
aperiant ei; na(;h der Verdeutschung und einer kurzen Auslegung 
des Gleichnisses fiihrt der Prediger noch an was an deme ende def 
ewangelien steht : Sehint daz ir berait ßnty wan ir enwifzent wenne 
aide welez tagef dez menfchin kint kumit (Luc 12, 40). Dies giebt 
denn Anlafs auszuführen, warum Christus des Menschen Sohn heifst: 
wir alle sind zweier, er nur eines Menschen Kind ; und in die mensch- 
liche Natur zwang ihn die Minne, die uns hinwiederum zu Göttern 



» ■ » 



^) Dio einzige Ausnaliine bildet die Annunciationspreiligt Nr. 21, die ihren 
Inhalt, die rieben Tugendeo der Maria, aua der ganxeo Perikope Lve. 1, 2S 
bia 38 «Daamme« Ueal^ ■ • ii v i 



ANOSFTHE SAHltLimG. 889 

macht (Joh. 10, 84). Dann ersrl wird aus dem Texte das Thema 
geholt : die also ihres Herren warten, sollen drei Dinge haben, wollen 
sie sein warten wie es recht ist. Und hier zeigt sich sofort an dem- 
selben Beispiel noch eine weitere Abweichung von der Weise des 
Grieshaberischen Predigers : denn die drei Dinge werden nicht vor 
Beginn der Abhandlung alle genannt, sondern diese beginnt gleich mit 
dem ersten und das zweite und dritte erfahren wir erst, nachdem das 
erste und zweite abgehandelt ist. Doch hat darin, wie er sich über- 
haupt freier bewegt, der Prediger keine feste Begel und folgt gleidi 
in der vorhergehenden Predigt auch der andern Weise: Confortamini 
in domino et in potentia virtutis eins (Eph. 6, 10). Diß w&rt 
fprichit f, Panthis, Er fprichit ir fult flarc fin in gotles iugeni. 
In difen Worten manot er uns vier dinge. Dan erfte ift dat fair 
ftriten fun, Daz ander ift daz wir vns ze ftrite wasfinen fnn, Daz 
dritte daz wir eiende hain (befser im Verlauf der Abhandlung wer 
unßr eiende fint). Daz vierde warumbe wir ftriten fnn. Und wie- 
der ebenso zu Beginn der Abhandlung des dritten Theiles: Wir han 
drigir hande piende. Ain vient iß der tieuil, der andir daz viaifch. 
der dritte du weit. Man sieht, unser Prediger giebt dem Grieshabe- 
rischen m der Kunst der Partition und in deren ausgiebiger Anwen- 
dung nichts heraus; und der Leser kann aus den in diesem Buche 
vorgelegten Stöcken Proben einer weit complicierteren Anlage ent- 
nehmen, als die eben angezogene Predigt sie bietet. Innig verbunden 
mit dieser Kunst und In der That eine Bedingung für ihre Wirksam- 
keit ist die andere, an Gegenstände, Eigenschaften und Vorgänge des 
Natur- und Menschenlebens die Lehre anzulehnen und somit durch 
die Partition nicht den tragen Verstand, sondern die immer bereit- 
willige Phantasie anzusprechen. Lautet z. B. der Text Justnm de^ 
duxit dominus per mas rectas, so werden die Eigenschaften aufge- 
zählt, die zu einem guten Wege gehoeren, nsmlich hell, eben, rein- 
lich und gerade ; der rechte Weg wird sodann auf das geistliche Leben 
und die vier Eigenschaften auf vier begrifl^verwandte Tugenden dieses 
Lebens gedeutet. Meist sind es einzelne Theile, die in dieser Weise 
angelegt werden, aber auch ganze Predigten*); und der dichterische 
Glanz, der über dieser Predigtweise liegt, hat hier ntechst dem Ge- 

*) Das onspnichvollste, nicht da« glilcklichste Beispiel ist der Palmbaum (oben 

• XLYI), weil xwlschen Bild nnd Sache oft nur eine willkflrliche Beziehung 

statt findet und das Gante in wenig logisch bemeisiert ist. Wie viel glttck- 

Rrher die nnr in A vorfindüche, aber völlig geistesverwandte Predigt von 

der Seele ab Kloster (oben XLIIl). 



890 ANONYME SAMMLUNG. 

brauch der Typen seine Haupiquelle. Die Parlition wird übrigens 
nicht immer, wie bei Griei>habers Prediger, au8 dem Texte logisch ab- 
geleitet. Sie kann bereits in dem Texte selbst liegen, so dafs die 
Abhandlung, allegorisch gewendet oder nicht, sich ihm unmittelbar an- 
schliefst. Entweder sind dann im Texte mehrere gleichartige Dinge 
oder Thatsachen erwähnt, wie» oben XLVI und LVII, und wie in 
Nr. 28 der Sanunlung die drei schoenen Töchter Hiobs (Job 42, 14. 
15): da bedeutet der geplagte Hiob den gemarterten Heiland und 
die Töchter dreierlei Kinder, die unser Herr im Kloster hat, deren 
Eigenschaften zu den Namen der Töchter in Beziehung gebracht und 
der Reihe nach abgehandelt werden. Oder die Salztheile des Textes 
geben die Themen für die einzelnen Theile der Abhandluug, wie oben 
XLYll und Lill und wie z. B. in Nr. 20 der Sammlung über den 
Text lila autem que furfum eß, iherufalem libera efi, qite eft mcUer 
noflra, der folgende Partition ergiebt: 1) sie liegt hoch und ist daher 
sicher, 2) sie ist eridebaere (wegen des im Namen Jerusaksm liegen- 
den Wortsiimes *), 3j frei, 4) unsre Mutter; und alle diese Aussagen 
werden dann zuerst auf die Christenheit und ihre Blüthe, das geistliche 
Leben, demnaechst auf das Himmehreich angewandt» 

Groefsere Freiheit «Iso, groefserer Formenreichttmn> in Beiiandlung 
des Textes erscheint auf Seiten des jüngeren Predigers im. Vergleich 
mit der strengen Methodik des älteren. Dahin gebohrt auch der ein 
paar Mal angewendete subsidiarische Text, von dem man ein .Beispiel 
oben in XLVI hat : es wird eine dem Text verwandte, ihn erläuternde 
und für die Beliandlung ausgiebigere Schriilstelle gleich von vornherein 
angezogen und auf diese dann, nicht auf die der Perikope entnom- 
menen Worte die Partition begründet. Dafs aber die Predigt vom 
Palmbaum (oben LVl), wie so manche bei Berthold, des Textes ganz 
entbehrt ist wohl nur Sqhein: denn die Worte üixi afcendam in 
palmam (Cant. 7, 8), die gleich vornen in der Einleitung vorkommen, 
werden an der Spitze des Ganzen nur durch Zufall felden. Die Stücke 
der Sammlung, die wirklich keinen Text haben, sind in der That keine 
Predigten, sondern kleine Tractate. 

Grcßfsere Freiheit gilt denn auch in Anwendung der Exhortatio, 
die nach vollendeter Abhandlung der Theile den Schlufs des Ganzen 



^) Über diese Manier, aus dem Wortsione der Eigennamen Allegorien (u ent- 
nehmen, die hier eine weit groefsere Rolle als bei dem Griesbaberiscbeo 
Frediger spielt und bei mehrfachem Wortainn sogar Fartitioaen ergiebt, siehe 
Grieshaber 2, XX Y. 



^QNYJHE SAHMLUNG. 301 

bildet. Sie fehlt bei dem Grieshaberischen Prediger, wenn sie auch 
ineist nur sehr kurz ist, äuFserst selten, sie beginnt bei ihm mit der 
stehenden Formel Su biiieni hiute den aarten (oder süezen) got und 
steht meistens zu dem Gesammtinlialte der Predigt in einem logischen 
Verhaltnisse; bei unserem Klosterprediger feldt sie ohngefiihr so oft 
als sie sich findet, ist durch keine stehende Anfangsformel bemerklich 
gemacht und wächst lediglich aus dem letzten Theik^ der Abhandlung 
hervor. Merkwürdiger Weise scheint ihm die altherkömmliche gebefc- 
artige Schlufsformel, in welche bei dem Grieshaberischen Prediger bis 
auf verschwindende Ausnahmen die Exhortatio immer verlauft, sogar 
ganz fremd zu sein : denn sie findet sich niemals in der Sanct Georger 
Handschrift, auch nicht in der Predigt Hec eß voluntas dei, an deren 
Schlufse wir oben LIV^ 265 nach Z die Worte lesen : dM wir daz 
fchowen werden ckm helfe vnf. got ameN, 

Mit dem allem steht es in Übereinstimmung, dafs ganz besonders 
in der rednerischen Ausführung der Theile selbst ein Fortschritt zu 
freierer Bewegung ersichtlich ist. Sie hal bei dem Grieshaberischen 
Prediger etwas ganz Schablonenhaftes : zu jedem Theile bringt er regel- 
msefsig mindestens eine Erzähluogfi sei es aus der Naturgeaehichte, 
aus der alten oder aus der neuen e^ sei es Typus, Beispiel oder Be- 
weis; ist es ein Typus, so folgt regelmiefsig, durch ^ eine rhetorische 
Frage eingeleitet, die Ausdeutimg der beteicUeaunge, Da diese so 
zahlreichen Erzählungen in weit überwiegender Mehrzahl aus der h. 
Schrift genommen sind, so gewinnt dadurch die Predigt dieses Mannes 
geradezu den Charakter eines Unterrichtes in dem was wir biblische 
Geschichte nennen, und man darf nicht zweifeln dafs es bei ihm be- 
wusstes System war, . möglichst viel vom historischen Inhalte beider 
Testamente, durch die allegorische Auslegung für das Leben nutzbar 
gemacht, unter die Gemeinde zu bringen. .Unser Klosterprediger weifs 
von solcher scliablonenhaflen Regelmcefsigkeit nichts : es verschlsBgt ihm 
nichts, seine Theile ganz ungleichmaßfsig auszuführen, ja es ist eine 
beliebte Methode bei ihm, einen oder meliere mit wenigen Worten 
abzuthun und erst den letzten durch eine neue Partition, und in dieser 
wieder den letzten durch eine neue, zum eigentlichen Gegenstand der 
Abhandlung zu machen; wovon sich oben eine Reihe Beispiele findet. 
Sorglos verliert er sich anderswo in lange Excurse. Auch er ist mit 
biblischen Erzählungen, die bald als Beispiel, bald als Typus ange- 
wendet werden, nicht sparsam, und er macht daneben mehr als sein 
Vorgänger Gebrauch von der Geschichte der Heiligen nnd von anderen 
erbaulichen Erzählungen sowie von Gleichnissen aus dem Natur- und 



392 ANONVME SAMMLDMB. 

Menschenleben*); aber alles dies in £\^'HngfIdsester Weise. Und etiles 
dies tritt zurück hinter einem Elemente, das sich bei den FVüherein 
und auch bei dem Grieshaberischen Prediger nur in biescheidenem 
Hafse geltend machte, hier aber nur in den kleinen Predigten am 
Schiufse der Sammlung gespart wird, hinter dem biblischen tihd patri- 
stiHchen Citat. Also neben den Erzilhlungen aus der Bibel ein vor- 
waltendes Beibringen von Gedanken aus ihr, also auch eine ausgiebigere 
Berücksichtigung der Propheten, Psalmen und apostolrächen Briefe als 
der historischen Bücher: um des Hohen Liedes, dieser Fundgrube 
erbaulicher Liebestllndelei, nicht zu gedenken. Hehr Raum aber als 
die Bibel nimmt die Anführung der Kirchenlehrer ein. Da begegnen 
uns Origenes und Dionysius und Johannes Damascenus, Hieronymus 
und Gregorius, Hilarius, fsidorus, Beda und Anshelmus, aber vor allen 
häufig und umfänglich Augustiti und Bernhard ; oft auch namenlos am 
hailige, ain lerer, ain wite man. Von heidnischen Meistern kennt 
und ehrt der Prediger den Seneca, der wohl Auch gemeint ist, wenn 
nur ain haiden citiert wird. Hier wird also eine wesentlich theo- 
logische Unterweisung statt der aoUichl biblischen bezweckt, und sie 
ist dem Prediger so sehr Haupisachey dafs im Eifer der Ouellenaus- 
beutung seine dgne Rede, obgleich ihr eine schöne Fülle und ein 
bewegter Ton zu Gebote steht, oft trocken und <kirftig wird. Denn 
was er selbst zu sagen hat ist freilich gerade in theologischer Be- 
ziehung wenig genug: er ist weder ein prodnctitier Mck i^nch nur 
ein scharfer Denker. Er setzt sich wohl mit seinen ZnbcBrem dialek- 
tisch auseinander, indem er ihnen mit solchen Wendmigen wie nu 
merkint, ir fprechini wie dem woere, oder m$ mehtmi tr fprechin^ 
nu mehtifi du fprechin wahrscheinliche Einwürfe oder Missverständ- 
nisse in den Mund legt, um dieselben dann zu widerlegen oder ikvS- 
zuklflBren: aber er läufst sich kaum jemals auf Widerlegung oder Ab- 
wägung theoretischer Ansichten ein ; die grofsen Lehrer, die er citiert, 
geben ihm nur Belege ftlr seine eignen Sätze und ersetzen ihm deren 
eigne Ausführung. Gerade diese Entfaltung einer reichen Belesenheit 
bei grofser eigner Zurückhaltung des Verfafsens wird das Bneh em- 
pfohlen und seine weite Verbreitung veranlafst baben, indem es Kloster- 
leuten und Conversen als eine Chrestomathie aus den ftir das gäst- 



^) Man sehe z. B. die GleicbniMe von der Sonne und dem b^(^glefi \f%t$er 
und das vom FUchfang in den beiden ersten im Anhang ; mitgeUietltea Pre- 
digten ; die dritte bewegt sich fast gans in fileichniasen nnd niiniiit aogar 
ihre Partition daher. 



NICOLAUS VON STRASSBURG. 393 

liehe Leben Mächtigsten Schriftstellern dienen konnte. Und da ist es 
denn bezeichnend, dafs unter diesen der mystische Augustin und der- 
jenige, der vor allen neueren Kirchenlehrern das mystische Gebiet 
fruchtbar angebaut hatte, S. Bernhard die benrorzugten sind, während 
bei dem Grieshaberischen Prediger der nüchterne Rehmer Gregorius 
weitaus die Hauptrolle spielt. Ohne den mystischen Gedankenvorrath 
aus eignem Yermoßgen weiter zu entwickeln, ohne gar von der asce- 
tiscfaen Mystik^ wie sie Bruder David in der deutschen Litteratur ein- 
gebürgert hatte, einen Schritt zu der speculativen zu thun, zeigt sich 
unser Verfafser gleichwohl durch und durch mystisch angeregt, und 
die Ausführung der seligen Empfindung mit Gott eins zu sein ist es 
immer, was seine Beredsamkeit am ergiebigsten entfefselt, was ihm 
(wie in der Predigt Elegit eam deus im Anhang) den Kothurn der 
Prosopopoßie leiht, wenn er in seiner eignen Person nicht reich, nicht 
innig, nicht glühend genug zu sprechen wüsste. 

Was die ethische Seite seiner Predigt anhingt, so ist sie natür- 
lich ganz und ausschlicrslich nach dem geistlichen Leben hin gerichtet. 
Ofl genug bildet dieses Leben im Allgemeinen ihren Gegenstand, und 
die einzelnen practischen Lebensfragen auf die sie eingeht liegen 
alle auf diesem Gebiete. So findet sich wiederholt (auch oben LIII, 
145 fgg. LIY, 76 fgg.) die Warnung vor Absonderung von der 
samemunge durch eigenmftchlige über die Regel hinausgehende Schür- 
fung der Disciplin ; andere Predigten eifern gegen übertriebene Schätzung 
des Contemplierens (Z und S6 20), der Gesiebte und Offenbarungen 
(21), gegen die falsche Demuth, die sich glaubt Ehrenämtern ent- 
ziehen zu müfsen (13. 21); wiederum anderwärts finden sich An- 
weisungen vne Ärgerniss bei den Mitschwestem zu meiden sei (18) 
und wann Übertretungen derselben zu rügen seien, wann nicht (18. 
20): alles in einem gesunden, mafsvollen und practischen Geiste, wie 
er geeignet war, die damalige Blüthe des Klosterlebens vor Entartung 
zu bewahren. 

Gleich hinter diesem Werk ehies Unbekannten treten uns nunmehr 
um den Beginn des vierzehenten Jahrhunderts zwei gefeierte Namen 
entgegen, zwei Richtungen bezeichnend, in welchen sidi die mystische 
Predigt der Natur der Sache nach weiter entwickeln konnte: eine in 
kirchlich conservativem Sinn zur Scholastik ablenkende und eine in 
die letzten Consequenzen des mystischen Princips weiter führende. 
Es sind die Üominicaner Nicolaus von Strafsburg und Eckard. 

Wir wifsen nicht welcher von beiden der ältere war, und wir wifsen 
auch sonst vom Bruder Nicolaua nicht viel: dafs er aus Strafsburg stammte, 

Altd. Predigten. ^ 



394 NICOLAUS VON STRASSBUR6. 

dafs er Lector in Köln war, aber am Oberrhein predigte, sagen die 
Handschriften aus denen wir ihn kennen. Nur an einem Punkte fidlt 
ein Lichl auf seine Laufbahn, da wo sie sich mit der seines grcefseren 
Genofsen bedeutungsvoll kreuzt. Im Jahr 1326 war Nicolaus psebst- 
licher Nuncius zur Beaufsichtigung der deutschen Provinz des Prediger- 
ordens und in dieser Eigenschaft mit der Untersuchung gegen den 
der Ketzerei bezichtigten Eckard beauftragt; und wir wifsen auch, 
dafs er keine Schuld an ihm bnd, vielmehr in dem vom Kölner Erz- 
bischof 1327 wieder aufgenommenen Processe ihm als Yertheidiger 
zur Seite trat und selber nur durch Appellation an den Pabst dem 
gerichtlichen Verfahren entgieng, das die Inquisitoren des Erz- 
bischofes auch gegen ihn eröffneten (s. Preger Heister Eckhari und 
die Inquisition, München 1869; und Germ. 14, 377). 

Wir besitzen von ihm aus sechs Handschriften im Ganzen dreizehen 
Predigten (bei Pfeiffer D. Myst. 1, 261--306). Zu sechsen derselben 
giebl die S. Galler Handschrift Ort und Zeit an: es waren Fasten- 
predigten zu Freiburg im Breisgau gehalten, eine im Predigerkloster, 
die andern in Frauenklcestem daselbst. Leider ergiebt eine genauere 
Betrachtung, dafs wohl keine einzige getreu so vorliegt vrie sie ge- 
halten war : nicht nur dafs sie vielftdtig gekürzt oder zusammengedrängt 
sein müfsen, wie schon der geringe Umfang des dritten und der feh- 
lende Anfang des vierten Stückes erkennen tefst, es zeigt sich auch 
dafs Stellen aus anderm Zusammenhange da eingeschoben sind, wo der 
Aufzeichner gerade darauf gefilhrt wurde sich ihrer zu erinnern *). 
Beideriei Verfiahren, die Auslafsung wie die Euischiebung, kann sich 
in den so vielfach zu bemerkenden Mängeln der Gedankenverbindung 
sowohl me in dem er sprach ouch, er eeite auch, womit der Auf- 
zeichner seinen Prediger mehrmals unterbricht, verrathen; und wenn 
der letztere selbst, wie 278, 12. 27. S05, 12, etwas Neues mit der 
trockenen Formel ich epriche ouch anzuknüpfen scheint, so nimmt 
darin vielleicht nur der Aufzeichner die erste Person als Maske vor. 

Aus einer so mangelhaften Überlieferung können wir gleichwohl die 
Züge zusammenlesen, aus denen sich ein bedeutendes und anziehendes 
Bild der Predigtweise dieses Mannes ergiebt. Zeigt sidi in den Pre- 

*) Nr. I ist, wie die S. Gatter Überschrift angiebt, bei den Predigern eu Frei* 
bürg gehalten und die Stelle 262, 5 trere ich aber priol in 4Uem 
kloiler were in einem Frauenkloater nicht am Platze gewesen; dennoch 
begegnen wir 268, 5 derselben Gebetsformel, die der Redner in xwei andern 
Predigten 272, 16 und 283, 29 seinen iTahoererinnen in den Mund legt: 
iä^ Hn ein lewiu tiiiuUHfi, mache mich ein hUxiee minneriitu 



NICOLAUS VON STRASSBURG. 395 

digten der vorhin besprochenen Sammlung der gelehrte Ascetiker, der 
eine Fülle erbaulicher Citate aus reicher Belesenheit vor seinen Hoerem 
auszuschütten weifs, ja auch der Kenner wifsenschaftlicher Theorien, 
wie sie in der Predigt Stephantis autetn plenus mehrfach angerührt 
werden, so sehen wir hier den theologischen Denker, der seinen Stoff 
wlfsenschaftlich beherscht und sich berufen fühlt, die Einfältigen nach 
MoBglichkcit und Bedürfniss in die Fragen seiner Wifsenschafl einzu- 
rühren, deren Ergebnisse fiir ihr Bewusstsein fruchtbar zu machen. 
Nicht als ob durch ein rein theoretisches Element die practisch er- 
bauliche Hauptaufgabe der Predigt zurückgedrängt würde; wie herz- 
lich weifs er z. B. in der dritten die Gewifsensnoth der angefochtenen 
Seele zur Ruhe zu sprechen. Indem Nicolaus zu dem Verstände der 
Hoerer spricht, indem er die theologischen Hauptfragen, wie man 
Schuld ablegt und wie man Lohn erwirbt, zertheilt und casuistisch 
ausftihrt, ist er sich bewusst, mit seiner scholastischen Weisheit dem 
religioBs-sittlichen Leben, und auch dem der mitzuhoerenden weltlichen 
Leute (s. 274, 11 fgg.) ganz unmittelbar zu dienen. Neben diesen 
wesentlich practischen sind es dann allerdings auch psychologische 
und sonst speculative Fragen, auf die er sich durch seinen Text 
führen Iserst. In der zweiten Predigt besteht dieser z. B. in der Bitte, 
die der reiche Mann der Parabel aus der Hölle an den Vater Abraham 
richtet, und die Auslegung besagt dafs er darum von Lazarus nur mit 
der Spitze seines Fingers erquickt zu werden bat, weil er wusste, dafs 
schon davon seine Bitterkeit in SüFse des ewigen Lebens verwandelt 
werden würde, dafs er aber die Labung fiir seine Zunge erbat, weil 
er mit der Zunge gesündigt hatte; dies führt nun zu der Frage, wie 
denn Lazarus einen Finger und der reiche Mann eine Zunge haben 
könne, so sie doch Geister seien, und demnsechst zu einer Ausführung 
über die geUiliche kraft in dem Menschen, die allen Sinnen ir toerc 
giebt und die Sinnesorgane überdauert/ Bei solchen Erörterungen 
erscheinen denn auch bereits einzelne jener philosophischen Kunstaus- 
drücke, welche die deut^chredende Mystik zum Theil zu dauerndem 
Gewinn in unserer Sprache geprägt hat, wie gegenwurf für Object, 
weselich und ^uovallende für substantiell und accidenteli. Gedanken 
der eigentlich mystischen Speculation schlagen indessen nur hie und 
da durch, genug um zu beweisen, dafs Nicolaus mit ihnen vertraut ist*): 

*) Z. B. in der AasfQhran^ 286, 28 fgg. : ewiges Leben liegt nicht daran, dafs 
wir Gott sehen, ali er an ime ielber Mldecliche istf sondern als er mit 
uns vereinet ist mnä wir mU ime; wan ein geistlichiu kraß ist gegeben mime 
gemüete^ in der kraft ist got ats ein^ daz er sich selben drinne sihel; da 



396 NICOLAUS VON STRASSBURG. 

aber es scheint als hielte er die Kanzel nicht für den Ort um sie aus- 
zuführen oder in ihre theoretische Consequenz zu verfolgen. Dagegen 
kehrt mehrmals und mit cigenthümlichem Nachdruck der Gedanke wieder, 
der zweihundert Jahre spsBter das treibende Moment der Reformation 
werden sollte, die Rechtfertigung allein durch den Glauben. Nicht in 
der Weise, dafs die von der Kirche und von der Scholastik empfoh- 
lenen Wege neben diesem Weg verworfen würden: aber wer ihn zu 
finden wifse, der bedürfe keines andern und komme auf ihm weiter 
als auf jenen allen (s. 275, 15. 282, 10. 288, 25. 287, 17). 

Bruder Nicolaus hat das mit den Predigern seit Berthold gemein, 
dafs er nicht die ganze Perikope, sondern, wie er sich ausdrückt, 
ein wörielin aus derselben seiner Predigt als Text zu Grunde legt. 
Aber er predigt gleichwohl mitunter über die ganze Perikope und er 
macht darin, wenn man will, einen Rückschritt, dafs er dem Texte 
nicht, wie seine nsßchsten Vorgänger, ein einheitliches Thema ent- 
nimmt und dieses in Theile zerlegt, dafs er auch nicht den Inhalt des 
Textes mittelst einer schon in ihm gegebenen Partition systematisch 
ausschöpft, sondern wieder wie die Früheren in der Weise der Ho- 
milie Satz für Satz oder Wort ftir Wort des Textes auslegend be- 
gleitet. Diese Auslegung, bei der natürlich die willkürlichste Allegorie *) 
ihre herkömmliche Rolle spielt, giebt aber dem Prediger Gelegenheit, 
die scholastischen Fragen aufzuwerfen, deren Erörterung sein Haupt- 
zweck ist, und einmal dabei angelangt, schreitet er dann von Frage 
zu Frage dialectisch fort, m freier, nur für uns oft verdunkelter Ge- 
dankenverbindung. Ja es kommt sogar vor, dafs er ohne dem Texte 

ist daz da sihet daz ielbe daz da geiehen wirL Hier i»i der Unterschied 
von Eckards Lehrweise doch nur fein. Ein ander Hai (300, 24) laufst er 
sich dnrch eine Zwiscbenrede die Ansicht entgegen bringen, dafs Gott die 
Weit nicht in sechs Tagen, sondern in einem Augenblick geschaflen habe; 
er slimmt ihr bei und verstärkt sie dabin, dafs er Oberhaupt keiner Zeit 
dazu bedurft habe, womit implicite die Eckardische Schöpfung der Welt von 
Ewigkeit her gelehrt ist: aber er rsth immerhin su glauben, dafs es in^Mchs 
Tagen geschehen sei und giebt einen Weg an, wie man dieser Überliererung 
einen Sinn abgewinnen könne. Man vergleiche damit wie viel rücksichtsloser 
Eckard bei Pfeiffer 7, 33 die sechs Tage behandelt. 
^) Die Witwe 4 Reg. 4, 1 z. B. bedeutet, im Anschlufs an die psychologische 
Theorie Augiistins, die nidersle kraß der iele, die in Folge einer Todsünde 
von deren oberster kraß verlafsen ist; ihre SAhne sind Wüle und Vernunft 
nnd die Gläubiger von welchen die Söhne gefangen werden die fTinf Sinne 
(X). Vgl. hiesu Eckard 100, 30. XXXI. 127, 22. 187, 6. 199, 23. Der 
Pharisaeer der den Heiland xu Tische bittet iüt die oberste kraß der seU, 
die sich mit unserni Herrn beschaulich vergnügen will (VIH) u. s. w. 



NICOLAUS VON STRASSBURG. 397 

nur ein Wort der Auslegung zu schenken sofort die Erörterung meh- 
rerer zu dem Text in Beziehung stehender Fragen ankündigt und iet 
Reihe nach vornimmt. Das kann denn wohl den Schein einer Partition 
geben (wie in X), aber nur den Schein: denn es sind nicht logisch 
verbundene Theile eines Ganzen, die er abhandelt, sondern eine Reihe 
willkürlich verbundener Einzelheiten. Man sieht, die von Berthold zum 
Behuf einer freieren Bewegung der Rede ausgebildete Form erwies sich 
Tür die wirsenschaftlich speculative Predigt der Mystiker wiederum zu eng. 
In anderer Hinsicht erinnert indess Nicolaus bei so grofser Ver- 
schiedenheit der Richtung doch auflallend an die Art des berühmten 
Franciscaners. Er ist mit all seiner Schulweisheit ein kindliches 6e- 
müth, das sich in das Denken und Fühlen der Einßiltigen leicht ver- 
setzt und so sicher das Herz zu treffen wie das Verständniss zu öfftaen 
weifs. Seine Rede hat nichts vom Ton der Schule, nichts von ge- 
lehrter Zierlichkeit, aber Mutterwitz und poetische Kraft; sie ergeht 
sich in derber volksmsefsiger Frische des Ausdruckes, nur freilich 
nicht, wie die Bertholds, in launiger Satire, die vor einem auserlesnen 
Kreise religioes geweckter Menschen nicht am Platze war. Aber wie 
Berthold liebt er es die Rede durch Fragen und Einwürfe zu beleben, 
die er in directer, lebendig individualisierter Rede den Zuhoerem in 
den Mund legt ; er Isefst auch anders gern die Gedanken sich dialogisch 
entwickeln, sei es dafs er berichtet wie die Leute im Beichtstuhl zu 
ihm zu sprechen pflügen (270, 9), oder wie er selbst in einem gesetzten 
Falle mit einem Dritten sich unterreden würde (287, 24). Beispiele (262, 
2. 281, 23) und' erbauliche Erzählungen (265, 26. S05, 12) stehn 
ihm zu Gebote, aber Vor allem eth Reichthum von Gleichnissen, die 
in dramatisch lebendiger AtisfOlining den eigenthümliichBten Reiz -seini^r 
Predigt bilden: Gleichnisse grofsentheils, die nicht, wie bei den FrÜ:- 
heren wohl geschah, mittelst eines sich gesetzmiefsig wiederholenden 
Vorganges aus dem Natur- oder Menschenleben einen geisligetl< eirlftti- 
tern, sondern zu diesem Behuf ein ganz individuelDes Erergniss setzet 
(s. besonders 287, 40 fggO; ^her neben diesem Selbsterfundenen «Md 
dem Naturhistorischen (300, 13) kommt auch ein kecker GriR* in die 
weltliche Lehrdichtung vor, indem eine Fabel von Fuchs und Katze 
mit unbefangenstem Humor auf die Lage der klugen Weltleute und 
der gläubigen Christen im Angesichte des Todes angewandt wird 
(293, 19). Dafs ein solcher Prediger gern gebeert, dafs sein 'Rieif 
von Mund zu Mund getragen und sein Name von den Hcerem ins 
äcrz geschloCsen wurde,, ist nicht anders denkbar ; nur die Verdunke- 
lung durch ekien Zeiigenofsen wie Eckard und einen Nachfolger wie 



398 ECKARD. 

Tauler erklaBrt es, dafs so wenige seiner Predigten sich erhalten haben. 
Ein redendes Denkmal seiner Volksbeliebtheit ist der Kosename Cleusli, 
welchen eine Handschrid denselben voranselzt. 

Wir kommen zu dem philosophisch schöpferischen Genius der 
deutschen Mystik. Bruder Eckard stammte zufolge der neuesten und 
eindringendsten Erforschung seiner Lebensumstände (durch Preger 
Zschr. f. bist. Theol. 39, 49—79) aus Thüringen; er war Prior 
dos Predigerklosters zu Erfurt längstens bis 1298, zugleich und wahr- 
scheinlich länger auch Generalvicar für dieses Land. Im Herbst 1300 
mufs er seine Laufbahn als Lehrer zu Paris begonnen haben; 1303 
ward dieselbe dadurch unterbrochen, dafs ihn das Capitel der neu 
abgezweigten Ordensprovinz Sachsen zum Provinzialprior wählte. In 
dieser hohen und verantwortlichen Stellung blieb er zwei vierjährige 
Amtsperioden hindurch und erfüllte 1307 noch einen Nebenauflrag als 
Generalvicar für Boehmen. Erst 1311 ward er vom Provincialat ab- 
solviert und nach Paris geschickt, um seine unterbrochenen Vorlesun- 
gen wieder aufzunehmen, im folgenden Jahr kehrte er dann, nachdem er die 
Magisterwürde erlangt, nach Deutschland zuriick. Es folgt nun eine 
mehrjährige Wirksamkeit zu Slrafsburg, wo der neue Meister wahr- 
scheinlich als Lector dem Studium sententiarum zugewiesen war. Nach 
den Beziehungen zu urtheilen, welche in der merkwürdigen Schrift 
Dan ist swester Katrei, meister Eckartes lohler von Strazburc 
(Nr. VI der Tractate bei Pfeiffer) auf eine Verfolgung der Beginen 
und Begharden*) vorkommen, müsste £ckard 1317 noch dort gelebt 
haben. Aber 1320 beauftragte der Ordensmeister die Prioren von 
Worms und Mainz mit einer Untersuchung gegen ßruder Eckard den 
Prior zu Frankfurt und gegen Bruder Dietrich von $. Martin, welche 
de nuUii familiarilcUibus et suspectis, d. i. der Gemeinschaft iqit 
Ketzern bezichtigt worden waren. Es ist sehr wahrscheinlich dafs 
Eckard in Folge dieser Untersuchung von seijaem Priorat absolviert 
und als professor der dortigen hohea Schule fiach Köln versetzt wurde. 
Der lesemeüier von KöUen heifst er in der .Übe;rschrift cinea Trac- 
tates, den Preger als sein Eigenthum nachgewiesen hat (Zschr* f. bist. 
Theol. 36, 515); dort im Alter wohnhaft zeigt ihn der Dialog 
Meister Eckartes Wirtschaft (bei Pfeiffer S. 625), und dort traf ihn 
eine zweite, nunmehr vom Fabste selbst verhängte Untersuchung wegen 



*) Sie wurden, auch die mit den Dominicanern and Franciscanem verbaodenen, 
anfinglich mit den Brüdern de« freien Geifte« tOKtekh verfbigt: a. Seharfdl 
Alfaiia 1866-61, S. 212. 



BGKARD. 899 

Ketzerei. Im Jahre 1825 war auf dem Generalcapitel der Prediger eu 
Venedig die Klage laut geworden, dafs in Deutschland von Brfldem 
des Ordens in der Landessprache Dinge gepredigt würden, welche 
dem unwifsenden Volke zur Irrung gereichten. Hierauf ernannte 
Johann XXII den Lector zu Köln, Bruder Nicolaus von Strafsburg, 
zu seinem Specialinquisitor, um den Grund solcher Klagen zu ermit- 
teln ; und im folgenden Jahre unterwarf derselbe Eckards Lehre einer 
Untersuchung, aus der sie jedoch vorwurfsfrei hervorgieng. Von die- 
sem Ergebnisse fand sich der Erzbischof Heinrich von Köln, vielleicht 
der Urheber der zu Venedig vorgebrachten Klage, nicht befriedigt. 
Er zog im Januar 1327 die Sache Eckards vor sein eignes Inqoisitions- 
gericht und verwickelte auch den Bruder Nicolaus in diesen Prooess. 
Beide bestritten die Zuständigkeit des Gerichtes und appellierten an den 
Pabst. Um fUr die demnsDchstige Behandlung der Sache zu Avignon 
eine günstige Stimmung zu schaffen verstand sich Eckard zu einem 
Schritte, der ihm lange als Widerruf ausgelegt worden ist. Er verlas 
am 13. Februar in der Predigerkirche zu Köln aus eignem freiem Bnt- 
schlufs eine Erkterung, worin er sich gegen Missdeutung seiner Lehre 
verwahrte und seine Bereitwilligkeit versicherte, Alles zu widerrufen, 
das ihm als Inihum würde nachgewiesen werden. Vom weiteren 
Verlaufe der Sache wifsen wir nichts mehr, als dafs Eckard noch im 
Jahre 1827 starb und dafs erst am 27. März 1329 eine pssbslliche 
Bulle erschien, welche achtnndzwanzig Lehrpunkte des Verstorbenen 
theils als ketzerisch, theils als übelklingend und der Ketzerei ver- 
dächtig bezeichnete *). 

Wi^ Scotus Erigena, den er doch kaum gekannt za haben scheint, 
war Ef^klird durch die Verfolgung der pseudodionysianischen Specola- 
tion zum Zerwürfniss mit der Kirche geftthrt worden. Und wir haben 
gesehen, dafs er damit nitht allein stand. Nicolaus von Strafsborg, 
der -sein Richter sein sollte, aber seinem Standpunkt selbst offenbar 
zu nahe stand, = ward in sein (Schicksal verwickelt, wie voriier zu Frank- 
furt jener theodoricus a S. Martino, nach Pregers ansprechender 
Vermuthung dne Person mit dem als Lehrer hochgefeierten Meister 
Dietrich von Freiburg, der von 1298 bis 1297 der Ordensprovinz 



'*9 Vgl. aufier der oben aDgefSbrten AbhaiMlIting Preger« detsen Schrift Meitter 
Eefchart und die Inqoiiition, MfincheB 1869, in welcher die betOglicben 
AcfenflQcke abgedruckt iind; ferner Pregeri Recension des M. Eckhart von 
Latson Germ. 14, 37S— 880. Den Inhalt der verdammten Sitae theiit Bach 
mit: M. Eckhart S. 57 fg. 



400 BOKARD. 

Germanien vorgesetzt war (s. Zschr. f. bist. Theol. 39, S. 46 fgg.). 
Der Predigerorden, vor hundert Jahren zur Vertheidigung der reinen 
Kirchenlehre gestiftet, drohte nunmehr in Deutschland zu einem Herde 
panthetsierender Ketzerei zu werden, für welchen der Zündstoff weit 
und breit in den Kreisen der Gottesfireunde gelegen war. Sie sind 
es hinwiederum, die in Eckards Anschauung all die Würde auf sich 
ziehen, die sonst den Organen der sichtbaren Kirche zukam. Das 
schon oben erwähnte Buch Schwester Katrei, sei es nun von Eckard 
telbst^ oder nach seinen Mittheilungen von einem Jünger abgefofst *), 
zeigt uns den Meister im Verkehr mit einer, strafsburgischen Begine, 
die allmaßhllch zu einer solchen Hoehe mystischer Einigung mit Gott 
gelangt, dafs sie ihm in der Weise einer Prophetin gegenüber tritt 
nnd er vor ihr zum Jünger wird. Die Freunde Gottes werden hier 
den heiligen Märtyrern geradezu ebenbürtig zur Seite gestellt (462, 
19 fg. 40 fgg.); jft wer neben Gott sie ehre, erwerbe dadurch das 
Erbarmen Gottes (470, 27 fgg.). Man vergleiche damit was in 
gleichem Sinne die oben in der ersten Abhandlung mitgetheilte Predigt 
Eckards (bei Pf. XVÜ) sagt: „ein Koenig achtet nicbt viel auf die 
Knechte, die ihm niedere Dienste thun, sondern er achtet derer, die 
in seiner heimlichen Kammer sind, und thut ihnen i allzumal ihren 
Willen; so thut Gott mit seinen auserwählten Freunden^ u. s. w. (S. 274). 
Und in einer zu Strafsburg gehaltenen Predigt (Nr. XXXVll b. Pf. von 
128, 8 an) schärft er den zuhcerenden Nonnen mit den stärksten Aus- 
drücken ein, wie diese vollkommenen Menschen vor andern zu ehren 
und leiblich zu unterstützen seien ; die Noth der Verfolgung, die Jiiemit 
vorausgesetxl wird, tritt uns^ wie oben bemerkt, auch .-außidep Schwester 
Kalrei entgegen. „Diese Leute Bind :«icht. leicht zu erkennen*: weil 
sie keiner äüfserlichen Übung mehr bedürfen, so verraetfa «149 ihre 
Lebensweise nicht; aber sie treiben die fdlemützeste Übimgi > Ädern 
sie sich in ihrer Seele Gotte ^nen, und da$L KcBaigreicIi iat selig|. da 
dieser H^Mohen einet inne ist.^ Eine • so ibrahmanenhalte Über- 
schätzung dieser Art 'geistlichen Adels, mit dem.i^ui^ j^qkard verbun- 
den zeigt «nd in dem er jiath dem Urtheil Anderer natürlich selbst 

n ill. .Illl I I I < ■■!■ ■ ■ II» ■ >»«» llt«. ■■■^11 ll H jl! Jlll» ll»! ■■! 

*) Die Composilion des Buches ist seltsam genug. Zwischen drei Predigten 
oder Collazien von sehr ungleichem Umfange (die erste umfafst 448, 26-- 
452, 4. 452, 34-455, 40. 458, 3&-460, 34; die iweitA 46SS, 19*-463, 

. 14; die dritte 465, 19--^7, 26) sind Distoge der Tochter mit üurfra Beich- 
tiger eingeflochten, die mit dem jedesmal vorangehenden Predigtstficke in 
einem inneren Znsanmienbange siehn und seinem Inhalte gewiisemiafiwn snr 
Ausführung dienen. 



ECKARD. 401 

einen hohen Rang eiimabm, bezeugt ohne Zweifel eine gewisse Un- 
gesundheit des gottesfreundischen Wesens, die dem Ordensineister 
wohl ein Recht geben mochte, von übelem und verdächtigem Verkehr 
zu sprechen. Auch zeigt sich bei Eckard selbst an anderer Stelle 
eine unverkennbare Ernüchterung. In dem Tractate von den XII 
nutzen unsers herren lickames tritt er 374, 40 fgg. jener Gleich^ 
Stellung mit den Märtyrern entgegen; und in einer seiner schcBnsten 
und darum auch reichlichst überlieferten Predigten (LVII bei Pf.), in 
der er offenbar aus eigner frischer Erfahrung von den Leiden der 
Verfolgung spricht, sagt er, das götliche leben liege nicht an süfsen 
Worten und heiligen Geberden und dafs unser Name fernhin getragen 
werde, und dafs wir grocfslich geminnel werden von Gottes Freunden, 
und dafs wir von Gott so verwöhnt und verzärtelt werden, dafs uns 
dünke, Gott habe aller Creaturen bis auf uns allein vergefsen und 
was wir von ihm begehren, geschehe alles alsobald. Hier also ein 
deutlicher Gegensatz zu jenem Worte, dafs Gott seinen Freunden nichts 
versage, und ein Ton kaum verhohlener Geringschätzung seines bis- 
herigen Ansehens unter den Gottesfreunden. 

Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, mehr als einen flüchti- 
gen Blick in die Gedankenwelt dieses mächtigen Geistes zu werfen. 
Wir haben uns mit seinen Predigten nicht wegen ihres Lehrinhaltes, 
sondern wegen ihrer Stellung und Bedeutung in der Geschichte der 
deutschen Predigt zu beschäftigen. 

Die älteren Mystiker und insbet^ondere diejenigen, die bisher zu 
dem Volk in seiner Spraclie geredet, hatten das Einswerden der Seele 
mit Gott, um das sich alles mystische Denken dreht, in den Willen 
gesetzt, Eokard setzte es in das Wos<^n. Wenn die Betrachtung der 
Früheren daher ein rein ascetisch^s Gepränge trug, musiste die seinige 
ein speculativfs annehmen. In der Behauptung einer )(Vesenseinheit 
der Seele mit Gott war das erste Qlied zu einer Kette geg;eben, welche 
nur mit der letzten metaphysischen. Frage ihren Abschluf>< erreichte. 
Da in dieser Wesonscinheit von Gott sowohl als. von der Seele die 
Vorstellung derf ersiBnIichkeit nothw^ndig ausgesphlofsen war, so musste 
hinter beiden der Gedanke eines unpersoenlichen Absoluten oder reinen 
Seins aufsteigen, in welchem beide ihren Grund und daher auch ihre 
Einheit fanden. Das reine Sein aber konnte nur durch ein ins End- 
lose fortgesetztes Abstreifen all upd jeder Bestimmtheit gedacht wer- 
den und ward so als|)ald dem Nichts gleich. Im Nichts daher sich 
selbst und Gott zu finden, im Nichts ihm gleich zu werden erschien 
als hoechate Aufgabe der See}ß upd