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Full text of "Altdeutsche Predigten und Gebete aus Handschriften, mit Abhandlungen und einem Anhang"

/ /' 



//^ 



ALTDEUTSCHE PREDIGTEN 
UND GEBETE 



AUS HANDSCHUJEFEN. 



GESAMMELT UND ZUR HEUAUSGABE VORBEREITE 



VON 



WILHELM AYACKERNAOEL. 



MIT ABHANDLUNGEN UND EINEM ANHANG. 






'^M' 




l 



BASEL 

SOHWEIGHAUSERISCHE YERLAGSBUCHHANDLUNü 

HUGO RICHTER. 

MDCCCLXXVI. 



Inhalt. 



Seite. 

Predigten und Tischreden ....... 1 

Segen und Gebete . 211 

Abhandlungen .......... 248 

I. Die Handschriften ....... 253 

II. Die altdeutsche Predigt 291 

III. Die Sprache in den altdeutschen Predigten und Ge- 
beten. Von Karl Weinhold ... . 446 

Anhang . . . . . . . . . . .517 



Inhalt des Anhanges. 



Inhalt der S. Georger Handschrift 

Lesarten der S. Georger Handschrift 

Drei Predigten aus der S. Georger Handschrift 

Inhalt der Haager Handschrift 

Lesarten zu LXII und LXIII aus der Basler Ausgabe der 

Predigten Taulers 
Aus einer Basler Handschrift 

I. Eine Predigt Taulers 

IL Eine Predigt Susos 

IIL Gebete zu den Tagzeiten 

IV. Gebete vor der Communion 
Aus den beiden Sarner Predigthandschriften Sa und Sb 
Vermischte Mittheilungen aus verschiedenen Handschriften 

Fünf Lesemeister zu Strassburg 

Sieben Lesemeister 

Zwölf Anachoreten 

Ein Lesemeister . 

Von gebet .... 

Drei Nutzen des Gedenkens an unscrs Herren Marter 
. XVI Nutzen des Gedenkens an unsers Herren Marler 

Sechs Gnaden vom Empfang des Fronleichnams 

XV Gnaden vom Ave Maria 

Dis ist ein guot a b c 

Fünf Weisheiten des Gebetes 

Ruhestatt Gottes im Herzen 

Herz ein Kloster 

Ein Gebet .... 

Zwei Seffen 



Seite 

517 
518 
522 
541 

54 i 
547 
548 
552 
561 
572 
583 

598 
600 
600 
603 
603 
604 
605 
606 
606 
607 
608 
609 
609 
610 
611 



Vorwort. 



Bereits 1847 war dieses Buch von der Verlagshandlung als 
demnsechst erscheinend angekündigt worden. Jahre nachher citierte es 
Wackernagel in seiner Litteraturgeschichte als ein noch nicht erschie- 
nenes, aber doch, wie sich daraus verstand, bald zu erwartendes. 
Gleichwol blieb es aus ; die Litteraturgeschichte selbst , das Haupt- 
und Meisterwerk ihres Verfafsers, kam von 1855 an ins Stocken und 
blieb ein Torso, dem die Wirkung des vollendeten Bildes entgehn 
muste. Von den Predigten und Gebeten bekam nur ein und der 
andere Gelehrte, dessen Studiengang ihn veranlafste sich darum zu 
bekümmern, die Aushängebogen zu Gesicht und zur Benutzung. Ein 
beklagenswertes Zerwürfnis mit dem damaligen Eigentümer des 
Schweighauserischen Verlags hatte Wackernagel bewogen mit Arbeiten 
inne zu halten, die man auf jener Seite nicht gebürcnd zu würdigen 
schien, während ihm die Macht nicht zustand, über das bereits ge- 
druckte zu Gunsten eines anderen A^erlages zu verfügen. 

Als ich im März des Jahres , das er nicht überleben sollte, 
den teuren Verewigten zum letzten Mal besuchte, war er nach einem 
verkrankten Winter wieder voll Lebensmut und voller Vorfätze. Er 
wollte, nachdem er so lange in seinen Vorlesungen über Grammatik 
und in seinem Glossar nur das Griechische und Lateinische mit dem 
Deutschen verglichen hatte, sich nun auch im Sanskrit einbürgern; 
er wollte die Litteraturgeschichte zum Abschlufs bringen, wiewol von 
einem gewissen Punct an ohne Anmerkungtni ; er wollte auch die 
Predigten und Gebete, oder vielmehr die Abhandlungen dazu, vollen- 



VIII 

«len und das Ganze ans Licht fördern. Das MIsverhitllnis, das so 
verhängnisvoll geworden war, halle der Tod geloesl. Aber ihm 
selbst war keine Frist mehr für so vieles gegeben: kurz vor Weih- 
nachten hatte er seinen irdischen Lauf vollendet. 

Von Seiten der Familie wurde mein Rat bezüglich der Verfügung 
über seinen litterarischen Nachlafs gewünscht. Ich war rasch darüber 
im reinen, was hier das wichtigste sei : na?chst dem schon begonnenen 
neuen Drucke des Lesebuches, dessen t^berwachung ich auf mich 
nahm, handelte es sich darum, aus der Litteralurgeschichte und aus 
dem Predigtbuche zu machen was sich noch daraus machen liefs. 
Jene kam in die Pflege Ernst Martins, durch dessen Bemühung sie 
längst formell abgeschlofsen und durch Inhaltsübersicht und Register 
nutzbar gemacht worden ist ; des Prediglbuches unterwand ich mich 
selbst. Es winden mir 20 Aushiingebogen davon übergeben, die in 
der zweiten Abliandknig mit der Anmerkung , die man jezt auf 
Seite 324 fg. liiulel , abbrachen. An Manuscripl fanden sich 
darüber hinaus nur zwei Doppelblätler in grofsem Quarto ; aber 
das ausführliche Heft, nach welchem Wackernagel im Winlersemestei- 
1866 auf 67über die altdeutsche Predigt gelesen halle, gab mir die Hoff- 
nung, wenigstens diese Abhandlung in seinem Sirnie vollenden zu können. 
Zu der andern auf Seite 252 angekündigten über das alt- 
deutsche Gebet fand sich nur der allererste, kaum eine Blattseile 
füllende Entwurf vor, nach dem ich mir nicht getraute etwas liefern 
zu können, das sich an diesem Platze dürfte sehen lafsen. Die letzte 
Abhandlung, über die Sprache der abgedruckten Denkmjeler, war 
niemand herzustellen berufener, als Herr Professor Weinhold. Er zeigte 
sich auf meine Bitte sogleich bereit, diesen Beitrag zu dem Buch(> 
zu liefern, und war damit bereits im Herbste 1871 zu Stande ge- 
kommen. 

Ich aber fand, als ich im Sommer desselben Jahres der mir vor- 
behaltenen Arbeil n.Ther getreten war, sehr bald, dafs ich mich ge- 
waltig an ihr verrechnet halle. Schon das wenige Manuscripl, das 
vorlag, muste sofort nach dem Hell umgearbeitet werden. Dieses 
selbst gieng sodann über die Predigten des 12. und 13. Jahrhunderts 



IX 

bis zu Berthold mit einer allgemeinen Charakteristik weg, behandelte Ber- 
thold zwar in schoensfer Ausführlichkeit, wurde aber dann so summarisch, 
dals es sich zur Veröffentlichung gerade zu nicht eignete. Es zeigte darin 
die Belchaffenheit, die Collegienheften in erster Ausarbeitung leicht eigen 
ist : aber es war wol auch ein innerer Grund, der die Lust zu einem 
tieferen Eingehen nach dem Schliifse hin vermindert hatte. Wacker- 
nagels ganzer Sinn war der Aufspürung, der liebevollen Ergründung 
des volksm?pfsigen zugewendet; wie es denn auch nicht ganz nur 
an äufseren Umständen mag gelegen haben, dafs er die Litteraturge- 
schichle gerade nur bis in den Anfang der Periode förderte, wo das 
gelehrte Element die Litteratur allein und ganz beherscht. Berthold, 
dieser Classiker der Volksma^fsigkeit, war sein ganzes Entzücken ge- 
wesen; die esoterische Natur der Mystik sprach ihn nicht gemütlich 
an, und seine kerngesunde, einfältig kirchliche Beligiositaet konnte sich 
mit Eckard nicht befreunden. 

Ich war bis dahin der geistlichen Prosalilteratur des Mittelalters 
niemals naeher getreten ; nun erwuchs mir die Pflicht, mich auf diesem 
weiten Gebiete zurecht zu finden , mir ein selbständiges Urteil 
darüber zu erwerben , einen grofsen Teil der Arbeit ganz selb- 
ständig zu leisten. Dazu gebeerte unter anderm, dafs ich mir von 
der S. Georger Handschrift der grofsen, schon durch ihre Verbrei- 
tung bedeutsamen Predigtsammlung vom Ende des" 13. Jahrhunderts, 
aus der Wackernagel zum ersten Mal umfafsendere Mitteilungen 
gab, genaue Kenntnis verschaffte, da jener sich begnügt hatte sie zu 
erwähnen. Die Karlsruher Bibliothekverwaltung vertraute mir die Hand- 
schrift aufs dankenswerteste Monate lang an, und ich fand, dafs sie einen 
älteren, befseren Text gewährt, als die von Wackernagel benutzten 
Handschriften. So wurden Mitteilungen auch aus ihr für den An- 
hang unerlaefslich, den schon Wackernagel dem Buche zu geben beabsich- 
tigt und Material dafür zurecht gelegt hatte. Die groeste Aufgabe aber, vor 
der ich mich sah, war dem schöpferischen Genius der mystischen Predigt 
annaehernd so gerecht zu werden, wie Wackernagel es dem der volksmaefsi- 
gen geworden war. Hier nun war ich in der schlimmen Lage, einen Stoff 
zu bearbeiten, von dem ich aus den von Preger veröffentlichten 



X 

Vonirbeilcii siili. duls ihn ein anderer längst zum Gegenstand des 
eindringendsten Studiums gemacht hatte und in unvergleichlicher 
Weise beherschte. 

Als ich nach grofsen. durch anderweitige Pflichten verursachten 
Unterbrechungen im September 1873 mein Manuscript endlich zum 
Druck abgeliefert hntte, wurde ich erst gewahr, dass der bereits ge- 
druckte Anfang der Abhandlung über die Predigt, und mehr als das, 
gar nicht mehr existierte, dafs die ganze Auflage von Seite 265 au 
längst zu Maculatur gemacht worden war. Von da an musle also 
der Druck neu beginnen, und lum wurde es auch Pflicht, das was 
das Heft zu dem Drucke hinzugetan hatte, dem neuen Druck einzu- 
verleiben. Dieser Arbeit unterzog sich Wackernagels treuer Schüler, 
Herr Dr. Sieber zu Basel, dem ich auch für die Revision des Satzes 
verpflichtet bin , mit nur weniger Mitwirkung von meiner Seite. 
Kaum war diese Verzögerung des Druckes überwunden, so wollte 
es der alte Unstern des Buches, dafs ein Wechsel im Eigentum des 
Verlages eine abermalige herbeiführte. Unterdessen wuchs zugleich 
sein Umfang durch die Bereicherung des Anhange» mit Stücken aus 
einer Basler Handschrift, die mir nun erst zur Kenntnis kam. Ich 
liefs es darauf ankommen, weil so das Buch sehr viel geeigneter 
wurde, den Zweck einer wenn nicht gleichma^fsig angelegten, doch das 
bedeutsamste vertretenden Mustersammlung altdeutscher Predigten und 
Gebete zu erfüllen; zumal von Suso und Tauler in ihrer wirklichen 
Gestalt so wenig erst zum Gemeingute gemacht ist. 

Ich hatte es von Anfang an als Pflicht l)etrachtet, meine Zutaten 
neben dem was Wackcrnagels Eigentum ist kenntlich zu machen, was 
.sich durch Klammern eine Zeit lang ganz wol erreichen liefs. lumier 
mehreres aber muste mehr oder minder umgearbeitet werden, wo 
dann auf jede Unterscheidung des Eigentums zu verzichten war. Nur 
wo ich ganz selbständiges an die Stelle der kurzen Andeutungen des 
Heftes setzte, trat Möglichkeit und Pflicht dazu wieder ein: und so 
schliefst sich denn, ich gebe zu in etwas monstrfl3ser Weise, die letzte 
Klammer auf Seite 376 erst auf S. 439. In diese ganze Partie sind 
nur wenige Sätze Wackernagels eingellochten. 



XI 

Von der Unzulänglichkeit dieses Versuchs über die alldeutsche 
Predigt bin ich lebhaft durchdrungen. So weit ihn Wackernagel für 
den Druck ausgearbeitet halle, war er nach so langer Zeit in vieler 
Beziehung natürlich veraltet, und auch das Heff, auch in seinem vor- 
dersten Teile, war dem Forlschritte der Wii'senschafl noch nicht gerecht 
geworden. Was ich hinzti brachte hätte aus vorhergegangener For- 
schung im Einzeln erwachsen müssen; sie fehlte, und ich muste aus 
dem Ganzen heraus ins Einzele bauen. Es hilft nun nichts, die Verwegen- 
heit zu bedauern, die mich ans Werk gehn hiefs, statt einen Berufneren 
dafür zu werben. PielfPt war stark dabei im Spiel, und ich mufs doch 
des Vorwurfes gewärtig sein , die Hinlerlafsenschaft eines solchen 
Mannes mit zu wenig Pieta?t ver wallet zu haben. Was mich troBslet 
ist das Bewuslsein des ganz persoenlichen Gewinnes, den ich aus der 
Beschäftigung mit diesem Stoffe und besonders mit Eckard gezogen 
habe. 

Möge man die Abhandlung neben dem bedeutenden Material, 
(las hier geboten wird, und neben der Arbeil Weinholds nachsichtig 
in den Kauf nehmen. 



Darmstadl im ScpU'udier 1S75. M. Rieger. 



PKKPir.TEIV imti TISCHREDE1\. 



Altd. Pietliffteii. 



r 



iScrmo de angclif. 

Got vnfi,. „e,.,.c. „ef a„e.o„,e. v„..e .er o,.„e „>,„a„ .i.in „e„.„,. 
indirinie übe. der \\olte erchennit werdiii. viule Avolte gelobit Aver- 
din. vnde geoiinnot A\erdin. dnr vml)e. daz vone den drin dingin. 
ettewer teil inplüenge. f'inir gotelicliir lierfcheplite. Vone difen drin 
dingin gefcliopher eine geiftlidie gefchepphede. folichir nature daz 5 
(iv niene mahti mit handen gervoret werdin. noch mit handin ge- 
licbit werdin. daz Avarin die heiligin engole. fo ftarcher. vnde fo ftater 
nature da» fi nicmir zer vallen nemugin. vnde gefchvoph fie fo wiz- 
zige. daz fie got er chandin. fo fi in aller ereft anifahin. vnde gab 
in felbchvre. vnde friheit ze tvonne fwedir fie woltin. daz fi ir fchep- 10 
phare warin gehorfam. oder ungehorfara. vnde fi uone iewedemie 
rehtin Ion inphingin. uonder gehorfami den ewigin lib. uone der un- 
gohorfami den ewigin tot. Alfolich gefchvoph unfir herre got. alle 
cngele da zihimile. Under den engileu allen, waf einir der herefte. 
der ovch nu ift aller tiuele furfte. der chvom uone finen tiephin ge- 15 
danchen ze nide. vnde zvo vbirnivotin. vnz er fo verre gefundote. 
daz oz imo nicmer virgebin wirt. Waz Avaf div fvnde fo unfirtra- 
giiiüchv? Daz fagin \\ ir iv. Kr bechande ane got daz er fin fchephare 
waf. ubir die A\arvn wizzintheit. fprach er infineme mvote. mit ge- 
dancliin niiit mit offener ftinime. daz er wolti Averdin ebinhere. dem 20 
aller hohiftime. fime herrin. Def gedahte er dainne. mit ubeleme willin, 
Aone div hivil ovch er. mit allen ime nach volgentin gnozzin! mittem 
uuillin in ime feibin. (210 b) fo uerre. daz er niemir ne mag noch 
ne wil widir chomin. Unde zi der felbun ftunde fo er gefchaphin 
A\ art. do beuil er ovch. Avane AAare er fo lange mit gote geftandin. 25 

I, 17 Waz] die Bandsvhrift Vaz 22 biwil 



uiiz er uolle liati Ijioruclut moz ^ot \\i\rv. Ib iio w^we. doz nicht 
iiiugilicli (laz er daime Leiiiiele. alle dv reri|>liit quit. Non tiiuet laji- 
lum. (|ui dei inliat lial)itacnluni. Dane wal' neliein twale. alle der 
(iwel i;elcliai)liiii wait. do hecliander wole. daz got fiii lclie])haie 

;iÜM;ir. «lo nidote er in linir i!(MlVlie|i(e. \ inlc liciicrele lieh daz i-r inie 
nndirtan Avare. Sa zie den llundin iiiel er \ nde alle line v()li;are. 
\onder herlehej)Ii(e. da l'ie zvo i;ierrlKi])hin warin. vnde die lie den- 
noch g^^ innen Ibllon. \ l)e lie ii,eri;iii(!in warin. Do h\ oJ) lieh, daz 
urlovgo da zi hiinele alle div IViiphit «[iiil. Taelnn» elt lilenlinm in- 

35 celo dum conmitleret hellinn draco cum miehaliel arcliangelo. e< an- 
dita elt uox milia niilinni. dicenliiim faluf deo noltro. Vnfir hene der 
alinalhigot gel'cholip die zvo iiahira« der en^cde. \ nde der mennilgon. 
ze div daz er uone in heiden iicheniiit a\ rde. Den inennireliin ,i;ie- 
r(lHi|dier dar unibe daz der celiinde choi- wurde ir l'ullit. den dei- 

40 (iiiil li;i( virlorn. (h rcli liii ulier nivof. Derl'ellie niennili^e heiiil uon 
dei" tiuveler rate, den clioNjihle got widirc zi l'inen i',nadon. nii( ne- 
lieineme anderen werde wan »nit fin felbil" lilvole. 
J)cr lieiligon engile linl ni\n chore. wane wir w izzin uone der 
hciligun Icripht daz da zihiniile fint. angeli. archangeli. virtutel". po- 

■'i5 teftatef. piincipalul'. dominationel". tlwoni. cherubin. et fcraphin. AICe 
hat lanclui' pauhit geneniniit die nun lanienunge der lieilii;;pn engele. 
Von div Iprach der AxilTage. uon deme engele der aller hereft. vbir 
die nivn ordinef gelchaphin wal". Wie (2(1 a) AVie fprac er? AU'nr. 
Tu lignaculum llniilitudinir ])Ienul' faj)ientia. et ijeifeclul' decore in- 

50 delicüi" paradifi dei fuilti. Daz fpricht alfuf. daz er wäre ein iniigile. 
nach demo frone hilide. vollir MÜheite. vnde uollechonicner inaller 
gicirde. in aller der wnnc. vnde in aljer der a\o1 gitani. vnde in 
allen den zartnulTen dei" jjaradilil'. dei' alniahligen golel". Dabi mag 
man nierchin daz l'in nadir alle herliche Axal'. I'o daz frone bilide 

55 gotif. ic uerrer unde me an ime irhabiji w al". l nde alle daz a\ ahc 
gefmidc gezieret wirt mil deme edelen gelteine. allo waf der bereit 
cngil. dei- da biez liiciler. vnde nv heizit latanal". Waz wal" er? 
Wndirlichc gecirit mit allen den loliczonden ftcinin dcf grvonin j)a- 
radilil". daz fint die nivn chore der heiligon engele. mit den daz 

CO himilriche gecierit ilt. alle daz vvahe gefmide mit dem(j edelin ge- 
lteine. Aber alliu dv fcbonbeit div anden ni\ii lanienungen waf div 

29 felipliaic 32 ■jiorclipliin 3-4 Mmc 37 naluie W Hioni 46 7?o»i. 8, 38. 
Thessul. 1, '(., in. Ei>ltes. 1 , 21. 3 , 10. f., 12. Coloss. 1, 16. 2, 10. 15. 47 Ezech. 
28, 12. 13. 5'( iiar 56 lierol (50 ediu 



>vaf uollichliche an ime eiiiin. alle da gefciibin ftal. Omnir la])il" piccio- 
ful' o])CMiinoii(um (iiiini. Vil U'bin nv haut ir virnoinin vonder iniche- 
lir hoilchcphtc. da der t\ vol zvo gelcljaphin wart, die er dennoch 
gewiiinin folto. ob er mit go(e geftandiu wäre, vnde wie er die her- 65 
Ichat alle viilol" durch linc uhirnivot. nv vir nenient ovch vone den 
heiligen cngilen. die do mit gole da zimcle geriimdiii. vnde nv alle/, 
ane fchinint vor der anelüit del" almalhtigin golei'. Die lelbin geil'te 
der hiniillchvn heinmvote die lint iemir alle Itunde geilte, vnde ne- 
mvgin abir nviwet alle ftvnde A\erdin gihezziii engele. Avande der 70 
namo der man qvid eiigil. der höret zvodeme aniniite. daz den edi- 
len geil'tin bievolen wirt fo man lie l'cndit. zvoder ftvnde hcizint fie 
engile. vnde andirf nimii-. Ez gclchihit vndir ftvndin daz en chunic 
(Mi b) ein bifcgof fendit. die wile dcnne der bil'gof in der hote- 
fchephte Ichinit. fo heizit er ein böte. Swennc er abir fine botefchat 75 
ir\\irbit. vnde er heim chvmit. fo hez/.it er abir ein bilgof. Alfo 
chvmit ez vmbc die cdilen geilte, da ze himile. fo fie got fendit 
fo fint fie engele. Man angeluf daz qvit nuntiiif intivlchin böte, fo 
fi ir botelchpaht er ^erbint. fo hcizzint fie gelte, vone natur. Von- 
div fprach der wife daniel. Milia miliura miniftrabant ei. et decief SO 
milief centena milia affiftebant ei. Yil libin. AI nach ire ammite 
\\ erdint lie genenunit angoli. fo fi mazlichin ge\\erb in dife weit 
botefchephtont. Archaiigcli. I'o fie die hereftin botelchephtc Avcrbint. 
alle fauctnf gabriel zvo viilcr frovwn fancte marlon. Indirre werlte 
mvoz man die h(e benamen nemmin oder nieman neweiz wen man 85 
neimit. abir indcr himilfgun gnozfchepte danian alliv ding erchennit. 
ane zw ivil alfe fie fint. da nebedarph niman neheinif namin. Swenne 
fi abir her nidir zvo vnf gefendit werdint. fo mvozin wir in namin 
gebin. ioglicheme nach finemc ammite. daz \\\v fie dabi erchennen. 
Inder \ m\ irw izzenlieitc dilfir gaginw artigin libif. daz ift vnf otfin an 90 
famio michahele. Michahel «laz (jvit quif ut deuf \\er il't alfo got. 
Da hat er den namin nah finenie ammite. A\az waf fancti niicha- 
helif ammet''? Daz fagiii ^\ ir iv. Sanctul' michahel der hat allo fri 
felbcinre. fo der tvivil. mhIc mahti andie vbirmvot gevallin fin. mit 
demo tivvil ober Avolti. Alfo ei- do innan wart daz der herift engil 95 
Midir gote gedahte. do dahte fanctuf michahel her ^\ idir zegote. 
vnde dahte alfuf qnif nt deuf. Wer mobti fo her fin fo god felbe. 



62 Ezccli. 28, 13. 6* dannoch 72 bicvolct 73 chviiit T'r..?.^ botefchphte 
78Ynlvzin 79 nal' 80 Dan. 7, 10. 81 mief Alle 87 Swnnc 91 wer]' 
Ter 



6 I . II 

min fcheppliarc. (212 .1) in den i!;e(l:)iHliin fo der t\ivil widir f;ot 
gedahtc. vnde fanctuf michaliel her \\ idere zo i:;ote i^odalilc. do w art 

100 ein flilli alle ein liall)v Itvnde da zihiniiie. \Va/ Axal" div Itilli ? Ein 
fo lang hant \\ile daz die nivn chore geftvondin mit lanrto micha- 
hcle. do der tivvil figin hegunde. mit allen inic nach volgendcn ge- 
nozzin. Inder l'tilli In ob lieh daz \ rlvgc in zw iffen fancte micliahele. 
vnde demc tivvele. daz iniir wefin mvoz vnz an daz inngiCt viteilde. 

105 AVaz A\af daz vrlovge''? Swa vilovge il't. die in eininie teile lint. 
die A\eln ein dine. die iine andir (eile linl. die wen ein andirz. Die 
denie ti\ vele ge\ oi^ieton. die ne mvgin noch wein nieniir widir 
chomin. Die lanc(o miehaliele gievolgelon den wart daz gigehin daz 
fmie mvgin noch wellen nieniir vone gote gicherin. daz l'int zwei 

110 vngeliehiv dinc. Diz vrhge hvol) lieh do der tiv\ il l)iviel. (1\ ich 
fin vbirmvot. vnde do lanctnl" michahel mit goto geCtvoiil. Aach der 
itilli do hvoh fic ein gchrahte da ziniile daz alli\ (li\ iNlint der 
heiligen engele. die dazihimile liilildn warin. die riephin. \ nde io- 
beton den almaliligin got (inir genadon. allVl'. iS'unc (acta elt lalul'. 

115 honor. et virtui'. onini])oten(i deo. Ail liel)in. noh hant ir die lelb- 
chvre. alfe der tivvel habete. n\- bewanit ivch del' \aller. den der 
tivvel erlitin ha])it. vnde der w izo lo er iemittont lidit. Nv bevc- 
lent weh in dileme vnCtatin zito in die h\ ote vnde die bifcirmunge. 
fancte michelf. vn«le finir ginozc der heiligon engilon. der hereiton 

120engelon. der himilfclichon tuginde. der hiniilfelichon gieualle. der 
fvrftintvon. der herrciiejiliton. der geftvlie def alniahtigin golii' che- 
rvbin. vnde iera])hin. Mit (2(2 1)) der allir helfe, nivzint ir i)eidi\ 
erchennin. vnde niinnon \nlnn heiiiii den alniaclHigin got in der 
phalinze finif ewigin richif. (Juod i[>r<' itr('r(are digne(Mi". 



Merino «le. Areenfioii«'. doiiiiiii. 

V . 

I. illiebin. ll\(e il( nolbiclioniin. di\ ligenvph \ nlii 1' licnin ciillil'. 
lI\to fohnan \onreli(e \ I" rili(in heidN cr\ce. vnde \an. ili\ zidcnie 
fige horint. luvte ift allei- eielt denie (iwele ein inneklichiz leit 
giefcheliin. do er fine gevangin fo herliche (Sorin lach indaz ewige 
5 richc. Ilivle frovwit lieh alle>: Iiiniellgiz lier. i\jA der Icliade widir 
tan ift den der tivvil w ilont da ziniile gelVvinete. lli\(e ift \nlir 
menniflieit beltatit zvoder zefw\ii def ewigin \a(ir. llivlc hat die- 

mi t 

112 zilc 11 4 rj//. .l//oc</M2, 10. IIT bcvclent] bcwani II, 7 zoCnwii 



n 7 

mennifheith herfchat i^ieunnin vbir alle i^efchephede. Hivte fint ir 
zefvzin choinin alle hiniilCce furftin. alle hiinilche gewalte, alle him- 
ilcfe tvginde. Hivte iiarn anegenge der nviwe weg dannan der lo 
apoftoliif fprichit. Oiiia per carnem chrifti aditul" cell, per quem 
iiulla priuf caro tranricrat. referatuf eft. Hivte hat inflozziii daz 
himilefge bvrgetor vniir herre crift. mit fime fleifge. da e nie niemin 
in kom. Hivte hat den himil vf getan, daz frone hol'tir lamp. daz 
dvrch vnfli alle irilagin wart, daz div Iibin infigil ir offinot fin 15 
felbif. Avande allez daz erfvllit ift daz inder altvn e gebildot wart- 
vnde daz die wiffagin gefprochin hant. von iiner mennilgheite. Hivte 
ift daz ir f\llit daz fanctuf panluf gefprochin hat. Defcendit primo 
chrirtul' ut noftno particepf fieret natura'. Hodie afcendit ut fue nof 
participef faceret gloriae. Daz qvit. Crift chom her nidir. daz er 20 
anfich nanie viifir niennifheit. Hivte fvor er hin vf daz wir ewig- 
liche haben fine gotcheit. er (213 a) Er chom her nidir daz er vnf 
hivte gehohti. er fvor hin vf hvte. daz wir fant ime. vnde nahime 
dar fvorin \ illibin wände wir nv def giewif fin daz wir fant ime 
indine w elte gcfihtiklichc ne hein wefin habin mvgin. vone div 25 
i'vln A\ir gahon mit aller der andaht vnfirf motif daz wir in e\A ig- 
liche feilen in fime riebe. Dar ana kerte er alle die genade. die er 
mit vnf begangen hat. daz er vnf brahti in fin riebe, vnde vnf da 
gelatcti finif ant Ivlcf Dar zvo fprichit der apoftoluf Videbimuf 
eum ficuti eft. Dar zvo fprichit der pfalmifta. Saciabor cum aparu- 30 
erit gloria tua. Daz ift der richtvom den der herre dauid hiemitte 
meinde. ut uideaf bona hierufalem. Qve nee oculuf uidit nee aurif 
audiuit. nee in cor hominif afcendit. Daz ift div wnne. div fchonheit. 
der richtvom. div frovdo. div gefellefchat. div gienofchpat. div chvn- 
nefchat. div trvtfcaph. div herfcaph. div wirtfcapht. div bechennvnge 35 
div mandvnge. div volle wonvnge. die der herre dauid fach, alf in 
eineme fpigele. oder in enir tvncheli. fo uil fo er ef chiefin mähte. 
Wie fprac er? (jvidnam mihi eft in celo? et ate quid uolvi fvper 
terram '? Herre \\ ar vmbe gebat ich dich ie ivtef ander erde, dauui- 
dir fo dv mir da zie himile gefchaphot haft? AVarvmbe wart mir ie 40 
ze hivwete mare daz min ovgen ie gefahin. oder def min lib io 
bechorte. da Avidere fo dv mir da ze himile gehaltin haft? Heia 
Avaz ez ift? Daz ez abir ift. daz ncchan ihc ne Avedir irdenchin. 
noch gefcribin. noch gefprechin. Dar ift der gvote hirte givarn. qui 

8 ir] darüber bumanilati 11 vgl. Hebr. 10, 9. 20. adil^ e celi 19 noflre — 
nature 20 gloiie 29 Ep. Joh. 1, 3, 2. 30 Ps. 16, 15. 32 Cor. 1, 2, 9. 
38 Ps, 72, 25. 44 giwarn 



8 n 

45 poftiit .inimam fnani pro ouibiif AVir üu fiiiv fcapl». iiv hoben viif 
baldc nachinie. Dar zio lumolc lol viil" lnn,ü;eron. alle den aren 
(213 b) nacli dcnie (leilTe. Alle ez i^ilcribin ilt. \(ine denie areir. er 
fmecliit daz tote fleiz al \')ir daziner. vntle il't ovch l'chire dar vliir 
^eflogin. Nv han wiv f^elinecbit ein (eil \\a viifir lil) nar \nnr Ipile 

50 ift. nv hel)en vnf dar y]nv daz vchlendc niere. dirre A\erl(e. AN ir 
han daz l'neJle i?e\i(lire damile wir Icliieie dar ^ellvrcliK lin. obe 
vnf die zwenc vellaehce vor allen din^^in beli\i;it l'int. Div niinne 
golef vnde einef ie^elieliin nienlTin. So wirt an vnf daz irfvllit. Wn 
fuerit corpuf illuc congre^^abunlnr a(juile. >iv denrhint uiilie1)in 

55 Avclcch wnder da ziniele hivte indifenie (a'^e gcfeah. do die heili^Ai" 
eni^elc zefaniine faliin. vnde vor a\ ndere fprachin. Qvif oft ifte cp i 
iionit de edoni. linctif neftibuf de bofra? Ifte forniofuf inftola fna 
f^radienf in nniKididine forliludinif uel nirtutif fua». Da hincvffvorle 
er liivte die i^evani:;in die for fiunf tiifent iarc hino zo lielle i^e\an- 

60 gin waren. Daz ift vnfer relli lierrc. denie nivi^in wir gerne dienin. 
der vnf Aone gcvangejien fcluilehin in finenie riche geniachot lial. 
imc feibin zc cliindin vonc div fvl wir fpreehin mit fanclo j)anIo. 
Qvif nof feparabit acaritate chrifti'? tribulatio? an anguftia? fanief. 
an nuditaf. pcriculum. an gladinf? Swenne vnf gileitit vnfir herre 

65 zvo fin felbif antlvte. fo wirt crift Mif allen, allez d^z. def w ir d.i 
goren, vndo gedonKin mvgin. Einif fol ichin licrrin foldat nuigin fiiie 
ellinde rechin gerne itjjjhaliin. eine wile imlirre a\ erlto. vnz iegelicber 
llnin chaniph ge\eh(e. So gibit in deiine in finenie ew igin liclie der 
cheifir allir ebvnege eine al foliciie eorone. niii licho betalle, der 

70newedirz nieniir neliein aller \irflizi(. Den fo gelonot (2 1 i ;i) will. 
die mvgin Iprecliin. Fiinef ecvideninl niiclii in preclarü". Die ge- 
brvodire teilent ir erbe hie in dirre werUe. ctlewennc mit feilen, 
da donno daz feil hine geniellit ez fi nbel oder gvot. da mvoz ez 
der neniin. Der denne wellin f(d. da/, ifl ein nvil. ez zirgat einir 
75 hant wile. Die abir hie fo dieiiinl <la/ fi\ inpbaliinl die eorone def 
owigln richif. die miigin wailiche fprechen. Eccc heredilaf mea 
])ra'elara efl inilii. So ift der alle faeh inirennit vnUrf irdilVhin 
lihif. vnde ifl dei- edele IVa/, iiz "eno;iiin den üot iVIJje drin gab ze 



>r.i.;t 

/«•() (liMi arme .jO wclilcl' .",1 p(<no:'iii '):\ Matth. -li-, '2H. ryd Isaur (Vi, i. 

58 fiic G> ]{oiit. H, :]r). itrxtus riiüMh'il' fiebcfsert. ain\v\.c] darüber .feit". 

c 

OGfoldalJ darüber .loa. (57 rociiiiij (/(i;(<7>cr .^lililof. (59 alle (c in o gebefscrt) 

foliciie 70 aller] darüi;cr fenccl!'. 71.7Ö y's. IG, G. 77 piedara 



II . ni 9 

i^olialtinrio. "SVoz ;<;o\> niulif hau wir (leniie au? fJaiidiuiii. et Iciiciain. 
Fr(»\ (U*. viulc niaii(lviii:,o. \ t tantot tihi i^loria iiu'a ol iion coiipungai-. SO 
Zvo rroiion liohzitiii lunit rdioiie ijewate. zvo fclioncmc gCAvate. ne 
hoiii viifrovde. Die wiele w ir i» dcmo IVlcu facche lin. def fleifgli- 
ehen ginvatil". Ib iiivozzin wir ioiiiir mit ivwe fin. vniho viiler IVnde. 
Sed portquam Ipirituf redieiit ad eitm qvi dedit illiiin. lono fvrliten 
wir iiiet mere. (biicw einen wir nieh incre. Zvodeu olteron lioien 85 
wir eiiiir Hallte alleh ia div iiiiiür gehöret wirt. incrdc noh in liiiniic 
e daz urteile ergel. /eiungei't. zsoder wnne mvozc iTivvicli liriiigin. 
di'r von liiniolc dvrih \!il' her iiertiiche kam. vnde \\i(liidar ziMoIe 
il't gie varii. \nde da ri<liir()t \(>ii ewoa vnz euon. ])er 



pernio in iiatiiiitatc «loiiiiui. 

llll'e faiicdil' aiigüilinul" gel'crihin hat. Sancla triiiitar adfaliricandiiin 
hodiineni ingrelTa eft in uteiiim uirginii". Dvrch (hiz chon der uatir*. 
vnde der IVn. vnde der heilige geiCt indic tovgini lancte mauivn. 
libif. daz von den drin ein folig mennilge da inne gewort wTile. 
alfo- gevazzoter. vnde alfo gewaphiniter. mit vnforf herrin men- 5 
nel'gheite. ^vidir den tvuel. cliriftuf (21 i b) donünuf nol'ter. der daz 
allez volle hrahte an daz ende, nach finen genadon. vnde nah ^^l^r 
allir not dvrütin. Alle drie choinin fi dare. fi worhton aber unge- 
liciie da. Def nemint bilde andifen fvnf dingin. aiulenie fvnnen. vnde 
an cinenio zw igebeln holze. \ndc ander hai'phvn. vnde ander gerte io 
del" herrin aaron. Mide anden nvzzin i\en div gcrhte gebar. So man 
daz eine wort Iprichit. fvnne. da leben wir driv dinc ane. Solarem 
glolmni. radium. et calorem. O.vv Ivnne wiit genemtnit. der rdiiiüe 
indivlitit. div hizze wermit. trvcchinit. vnde derrit. Der Vatir. Ansle 
dir IVn. vnde der heilige gcift. chomen l'ament dare. vnde worhton (5 
vngeliihe da. («ot der OAvigc Ivnne. ordinote allez daz da geleah. 
der heilige geilt waiMule l'ie. zvoder gelovbe. er drvcchinte. vnde 
darle in ir alle mennefgliche acufte. noch nie vir liz in ir übe 
niheiii fvndichlikin gelvlt. ^'nde alle der fchim del" IVnnin dvrch daz 
gleCine fenftir in daz gadin Icbinit. vnde allez daz inthihtit. daz 20 
drinno ift. vnde alle daz gleline fenlür gan;^ belibit. \'nde vnlirlcer- 
tet. Ib der fvnne drin flehit. vnde widir nz get! allb choni der 
ewige gotteffvn zvo vnlVr frovwen fancte maRivn. dar varnde. vnde 



\ 



80/'s. 29, 13. 8!) vnz. 0. III, 3 raanic 13 globun 18 w^f^r aciiflo, jc- 

docli wieder ausyctUijt, gelvftc 19 fvndichikin tief ««s d' j/e&e/Äe/f. 



10 III 

(laniian rclieidiiifo. »laz fivnc Avcdir innan wavi i^etwaiii^of. noh ferof. 

■J5 Der io vor allen ^\ orten ^^a(' ane anoi^eii^^^e »lel" ewii^in ^olil' iVii anc 
lUNolir. der \\art /edir wil' dci' cwiijjir nia^edc l'vn. lancte Maiüvii. 
anc irdil'^in vatir. vlliiidir orde. andeine ende dir w erclte. Noch 
neniint bilde vone /wein oüin. die v/Äi cinenic i'tainme gCN\anon 
lint. die (irinamin horcnt zvo einem holze, allo hai)int iv de patre 

30 et de filio et de Ipiritv lancto. IVoch lVho\ w int andie haiplivn. da 
ilt. daz holz, vnde der feite, vnde div haut! der lilt tihtot (2J5 aj 
lih(ol daz \\ erch. div hant rvorit. der leilo dingit. Der ew i^e vatir 
tihtot. der ewii^o Wn wercliot. der lieili^e ^eilt l\lil alle die z\ii^on 
der lieize ^ot nieinit. Div (1\ rre ^erte del" heirin aaron. liiceikinot 

35 mine rrov\\en lancte Mai;i\ \. div ane niannel" rat. \ ndc anc manncl" 
raitiwirte. den >\ iltin wocher ^ebar. da mite alle falige felan gelahot 
Averdint. engelc. vnde niennilgen. vone linir anelihte. zvodenic c\\ igin 
übe. Div nvz der lelbvn gcrtc bcceichinot vnfcrcn herrin ihel'um 
chriltuni. wanc da lint driv dinch ane. div rinde, div Ichalc. der 

40 eherne. Div bitteri der rinde, beccichenot die arbeite linil' libil". 
ander luennili^heit. die er leit. val'tcndc. tvrltinde. nivodende. dar 
nach den bitercn tot. andemc crvce. Div Icalc beceichinot die herti 
del" crvcil". der cheiiie beccihenot die IVo/.zi der iijoteheit. Daz ilt 
allez irfvllit anvnlir frovwn lancta; maRivn. Von irc chom vnf div 

45 genadc die wir hivte Icl'en ander Icczen. Aparuit. b. Vnf ift er- 
fchinin der gvote a\ ille. vnde div menner^heit vnlerr haltaref def 
alniattigin gotef. nnwet n onc de Jieinen relilin Avcrchin div Avir felbe 
getan haben, uan nach linei' niichliclcn crliarniede hat er vnf ge- 
lialtin übe wir leibe wellen. Man ei' rpricliit oxch. Kgo liini paftor 

50 bonuf. et a. rii. p. pro onilinl' ineil'. leb bin der g\ote hirte. 
Ich wil niinro feie ane wcidin vnde wil lie liine zehelle gebin. 
vmbe ininv icaph. Nv virnemint waz der engil Iprach. Ecce ewan- 
gelizo nobis gaudinni inagn\ ni. Ich c\nde i\- gvote botefcpahat. 
inichil niandvnge. div gefchehin lol allenie li\le. J'^z waf A\arliche 

55 ein niichil niandvnge. ^^'ir waren gevangin (2 15 h) wir lagin Inder 
vinitri dcz helle charharcf wir warin veilic wnt. vondeme ew igin 
tode. do wart \ nler vatir geboi-n. \ nde vnlir rccpbarc*. der wart \ nie 
gilil liine zchclle. er a\ art ein viilii- aizat. \ her alle die f\nde da 
mite A\ir den tot habeton garnet. Facta cnm angelo multitndo 

GO celeftif exercitiif hmdantium et diccntium. gloria in excclfif deo. et 

38iioz /«/j. faiictc 45 7(7. 3, /!•. 47 wrchin 49 Van £v. /oft. 10, 11. 

r _ _ 

50 p. (/. /(, ponaiu 51 niinc 52 Iaic. 2, 10. 55 gcwagi 



m 11 

intcna pax. honiiiiibuf bone voluntatif. Do der eine engil die botc- 
fchaj)l»i lasite. do erfchein fantiinc michil nicnisi" engile. def hime- 
lelchin hcief. die lobeton vnfeieii heirin. daz lop Ipracli alfuf. Gloria 
in exceinr deo. Daz qvit fre((uenf fania cum laude, emczzig raare 
mit lobe. Goter luare. die zelobcn lint. derne mag niet ze vilc fin. 65 
der got iahe alle er il't. der mah(i mare fageii. Qvem nee oculuf 
uidit nee aiiriC aiidiuK. Die l'coni god'. die ne gelaeli nie neJiein ovgc. 
die negehoile nie nelieinv orn. dirnedaelite niheiii herze, die geroiit 
die heiligin Engil aMezan befcov\()n. In ane fehint die heiligin 
engele hvte alle gerne lo ze der ft\ iide do lie in aller ereft l'chov- 70 
woii begvndon. vnde ift in h^ te alfe not in zefcovon. obe lie ze 
einir ftvnde ire anllvite vone irae mvfin bieherin. daz fie nimir fo 
l'chire dar Asidere gefahin. e in eltefwaz inginge an fime antlvte. 
daz n da vor nie gefahin. vnde ovch dar nac niemir gefahin. obe 
fie die ^vile Iirfvjidin. \\an an ime ift alfe fanctuf gregoriuf gefciibin 75 
hat. cotlidiana. feftiuitaf. horaria i()c\n(ii(af. daz kit. An ime ift 
tagelic hohzit. vnde zvoiegelicher ^^ile niwi Ivffami. vnde wnne. 
Der ift grozef lobef (2 i G a) m ol wert. An deme diz allez ift. der 
wart giefovgit vnde geborn voiie einer raagide fanctse Mauiviv. alfe 
wir luvte hegen. Die heiligin engele frovton fih daz mit der ge- 80 
bvrte die mennifchin \\ idir gcladit A\rdin. beidiv ze gotef hvldin. 
vnde zvo ire gnozfcliephte. inden cehindin chor da der tievel vz 
virftozin wart, mit allen ime volgenden genozin. Michel mere fvln 
die mennefgin gefrovwit >\ei"din den der fride gemachot waf. an 
der erde. Der fride chom an der cite. Avan div gew ette A\erete fvnf 85 
tvfint iare. vnde mere. daz wir armennefgen ne \\edir habeton gotef 
hvidc noch der engile minne. Der fride wart gechvndit ander erde 
den mennifgen. vnde nivt allen, fvndirbare abir den die da warin 
gvotif willin. Daz ift der gvote wille daz fie die fvone niet ver 
Avrchen mit deheinen vnzvhten. die gotif o\'gin niene zemen. ane ze 9u 
fcho^'\\enne. A\ane da gefciibin ftat INhiidi fiint ocvli domini ne videant 
malvm. So reine fiiit div ovgin vnferef herrin daz fie nehcin vbil in 
ir befchoMCde dvltin ^xellin. Siv fvngin. genadigliche. bone uolvnta- 
lil". daz kit. gvotif willin. daz fiv vir fA^ icton gvotiu werke, daz Maf 
dannan von. m an der menncfge hat genvog an deme gvotin willin 95 
Aor gotif ovgon. ob er der Averche niht bringin mag. Der gvte 
wille hilfit ane div Averch da man ire nieht geleiftin mag. Svve 

60 Cor. i, 2, 9. G7 die aus nie (jcbcfsert. 71 hole ^■'i■ das ziveile gefahin 
aus gefcbin (jcbcfsert. 89.90 wer wichen 91 Ilabac. i, 13. 



12 in . IV 

^vot ahir div Mcnli liiil. «l;inc li der gvole w illo mite, daz man dir 
mite niciie meine wan ein valli^liche j^ot. eznc liiUet ze ^ote iiilit. 

liin\(>fidi\ rpiar er ^votil" wilün. ( „' i ü l») .daz w (irt ilt iioineine allen 
den menneli^en vllen der erde, die ^elialliu luin werdin. Fnatrcl". 
Daz ir iiv hie viinoniin iiant. daz il't ein here dinii;. ein niiehil ,i;ebc. 
ein ü;roz i,^enade. ein niai^it ^eJjar s;oi. lelhiii. ire IVepiiliare. ein 
loldir ir Aalir. tolilir der f^oleheil. ni\t)tir der inenni1'H,lieil. \\ ir 

In", hechennen zvo i;eb\i(e Anlerel' lienin. eine i^oteliche. einandeie 
mennilliche. eine ane in\(»lir dazimele. eine ane vatir liienerde. 
Ilivtc hat div virCiechitv mennifgheit inphani^in daz ewi^e heil, vnde 
die ftatvn a^efviitlieit. IFivtc fint alle die haphte. Tri geniacliol. die 
dir tievil hate gebvndin mit den IVndün. vbe Iiv l'elbc wellen, luvte 

1 10 il't der ellindc mcnnifgo A\idir ehoniin zvo finenie herhe. Inder 
liinu'lelgvn lieinmvote. Nv garw en wir die herberge Anlirl" hei-zin 
lolicliinie gälte, folicliime ehvnige. daz er vnf gervoelie zen|)lianne 
indie phallinzc da iiieniii- ni\ wit vnfchonil' in clivmit. Der jdiallinze 
geftate vnl" nach dilimc übe. vnllr herre. lesvi' cluiidir. (|v(! non 

KSrecipit ullam macnlam. j)er infinita fecula. Amc\. 



Merino lu Oe<nva «loiiiiiii. 

Uen alilodin (ag \ oniler geb\ rte Nnlerel' lieriin. den begen wir 
bi\(e. andeme \nrir herie ihelul". von den linen vorderon belnitin 
woltc werdin. nach der altvn ewe. die er wolle irlMlin. \m\Q 
zirftorin. Der ahtodc tag vnferel' lierrin gebvrte. \nde lin bdiiiihnge. 
r> ehomin zefamine. andiTia lieiligin tag. iii\ wet ane l'aelie. Ein iegwe- 
lieli oelana. beeeiehinot <len cwigin lib. die liliintage die Inder oelana 
l'int beceehinoiit daz (217 a) daz irgangin zit. dilTil' Ihhtigil" ellindit. 
\nd(' iiMc die libintage \\v endol werdint niiUer oelana. lameliche 
niniet dil'iv weilt ende, mit denie ewigime übe. Inden liliin tagin 

lu bat man vnnnze iegelicher alle der lin gew;erb getan Ü'l. Andeme 
ahtodin tage del" ewigin liliif r\owe(. \nde grvnot bcidiv tele, vnde 
lib. inder anelihle del' alnialbigin golel'. Indirre werlle l'int iemir 
lamint vrlosgonte lil). mkIo Tele, quod caro concvpilcit adNerlvl" 
rpiriimn. et rjiirilul' aduerlnl" carncn). Inder oetaua def ewigin (agil". 

15 clumiinl l'ie inil ewigir minne eclamine. wnic habint iejnir lieb ane 
ende. Der ahtodc tag. nimit ancgenge I'o daz irfullit wirt. Erit l\x 

IV, 7 da ir{,'an<,Mii 13 Gal. 5, 17. IG tiaz aus iV (jelcfsert. Isuiw 30, 26. 



IV 13 

Ivnsß qvali Ivx folH". et Ivx Colir foptemplicitcr qval'i Ivx fcptciu 
diervm. in illa die qvando alligabit dominuf uulnera populi IM. d(M- 
inaiie Avirl alfo lieht fodir fvnne. der fvnne Mirt fibiiivalt allo licht 
loder liehtilte ta^ den ie deheinol' meiniori^en ov^e bel'liovwote. del" 20 
ta^ef I'o vnfir herre f^ot alle die Axiiden vii])indit die wir ie xon 
adanief fvndon ^errviiieton. vnde Tie fo verre geheilit. da/, die hei- 
lif^in engele an vnf neheine niafvn ne chiiirit. So Avirt ovcli. daz 
erfvllit. Celvni nouuni. terra noua. etiani iioniinel' noui. Dei" hiniel 
Avirt nivwe. div erde wirt niwe chine. vnde grvone. alfc daz para- 25 
dile. dannan adam virftozin wart. Alfo lic waf daz paradife alfe 
fanctul" gregoriuf gefci'il)in hat. daz nie neliein holz fo dvrre wart, 
noch fo vvl. mohtcz darin gebotin werdin. ez grvoneti. ez lovbeti. 
vnde bare Avochir. So AAirt daz erfvllit. Fvlgcbvnt iiifti ücnt fol in 
regno patrif eoruin. Dcf tagif irfchinent alle die rclitin. in ir vatir 30 
riche. alfe der fiyrinc fvnne indirre Axclte. Die fibin (2(7 !>) tage 
neniint ende, cum uencrit dominuf iiulicare feculiim perignem. fo got 
chvmit zer teiln alle dife Averlt mitdime (ivre. So daz vrteil crget. 
tunc inclinantur Anibre. et af])irat dief. Sone Avirt niemer mere naht 
vf der erde, noc nimir tach Inder helle, alfez do Avaf do got die 35 
martir leit andieme crvcc. vnde ze helle A^vr. Ande dannan nani die 
finin Avillin heton getan. Daz feftinot ovch die hciligv fcriph. Ha- 
bitantil)uf inregione vmbre niortif Ivx orta eft. Den rel'cheiii ein 
michil lilit die da Avan inder gegin diftodif. Nach deme vrtelle fo 
zovgit fich der ewige niorgin fo aa ir alle vor goto ftanden mit übe. 4o 
vnde mit feie, daz ift div frone octaua. daz ift der ahtode tag. def 
CAvigin richef. der denne allerft gefehin Avirt. Der negewan nie 
furgentin nie nach gantin tach. der negewan nie geftrgin tach. noch 
morgenigen, der ncAvart nie mit morgene gc angengot. noch mit 
abinde beflozzin. der nc Avart nie morginliche intlvtit. noch mit 45 
abindctvnchelin virfelwit. der ift der ein der da vnvirwandclot ift. 
vnde ift ane anegenge. vnde ovch iemer ift an ende. Der abtode 
tag. gebirt den mennifgen in daz ewige riche. gotteliche, alfe in l'in 
mvotir gebar indife a\ elt mennifliche. Alfe Avir indcn filjin tagin 
nv AA erken. alfo ir fchincn Avir inder octaua. hin zeivngift. Alfe 50 
fanctuf pauluf gefcribin hat. Si conplantati fvmuf fimilitudini Mortif 



17 Ivnc lOrnane] darüber \ynA 2i vgl. Apoc. 2i, i. 25 brvno 2d MattJi. 
43,43. 2lvgl. Cunt.2, i1. fi.,G. 37 /srti«' 9, 20. 38 rcczciii 42. /|.3 nie 
fingedinlin am Rande nachgetragen ; dahinter noch einige Buchstaben ausge- 
schabt. 51 Rom. 6, 5. 



14 rv . V 

chrilti. fimvl et refurrectionif crimuf. Nv 1\ In v,iv ^ot bittin. daz 

wir alfo crftandcn von den fvndon. in vnfirn llbcn tagin. daz wir 

andcrltviit sfcborn AAcrden. niwi chint. dcf alnialili'j^in f^otil" in der 
55 octaiia dcl" e\\ igin libil'. üvod nul)il' pieltaie dlgncdir. 



Merino in Anniiutiacionc doiniiiicn. 

(2 18 a) illilTiir oft ani^cliif gabiiel a dco inciiii(a(cni galilea*. cni 
noiiKMi nazarolli ad \ iri;iii(Mii dorponfatam uiro. cui iioincn erat ioCeph. 
d('(b)mo dauid et iionieii a iri^iniC maria. (Jabriel ioilitudo appellatur. 
der enf^il der zvo vnler Irovw n lancte maüivn i^elendit wart. i\Ql' 
5 name gabriel. wWt i?eanti)hril'tot gotel" Iterchl. von div. daz ei- die 
niaget fanete mar.ivx ioKe geftercbin. div dennocli vonder nature 
lichte irchame. ne m are liv nieht gefterchit. niitder erelTite gotif. 
Nazaretli. daz qvid l)Ivomc. Do got wilont gervohte zeredenne mit 
vnferen alt uateien vonc hiniile her nidir. die geheizze die er in do 

In intwande. die warn rehle ein l'ame von hiniilc her an die erde gc- 
w()r])liin. zeiner chennMige del" altin gotil'. I)ei- fanie l)egMHle bl\ dien, 
anden wndirn: div der ewige got beging inder weite, do er div 
zwelph geriahto ifrahelif. dvrch daz rote mer fvoritc. andenie Avaz- 
zere. daz in moyfef gewan vzir deme fteine. andeme hiniel brote. 

15 andeme fconen antivtte def herrin moyfi. anden /elien gebotin div 
er ime gab. anden zwein fteinen tauelon. an ir gewate. daz fiv ge 
werte vnferflizzen volle uierzich iare. an manigen anderen grozzen 
herrchei)hlen die er an in zovgete inder wolti. dar nach anden 
chvnphtigin genadon. die die wiffagin vorc fageton. dar nach daz 

20 man chvnige a\ ihen l)egvnde. vnde bifgophe. vnz an daz cit. daz 
vnler heri'c crift geborn \\ art. Daz warin alliz l)lvomin. die blvomin 
alle, braliton einen a\ ocher. Sicut fcriptuin eft. terra noftra dedit 
rrucUini fv\ in. Div edile erde lancta mania. gebar den edel in wochir 
vnlirn herrin iheluni chriCtum; zvo nazaret chom div böte (2fS b) 

25 fcliapli(. daz got geborn folti w erdin vone fante mauivN. ^\ane von 
deme blvomin \irrihct manfih del" chvmphtigin AV\'ocheref. Alle ahir 
der Mochir chvmit fo uallet der blvoine nidir zvo der erde, vnde 
w irt zevnnvzze. wände alle er nidir chvmit l'o dorret er. vnde Avirt 
ein nvwet. AHo chomez vmlx' got l'elbin. Do er chom. da div A\ar- 

30 heit an w af. do ne bedorphte nicn der dinge niw et mere div davorc 

54 <,a'b()r V, 1 Ev. Lmee 1, 2G. 27. j^MÜlct! '.( vnform (jcändert in vn- 

feriio 13 ''oflactc 



V 15 

gefchaliin ze einemc Lüde def. daz er chomiii folti. iiidife weit, 
wäre got. vnde Avare niennefge. 

Div bvrc nazaret. waf in eiiienie lande, vnde il't luvte, daz 
heizzit galilea. Galilea daz quid tranfmigracio. verfcheidvnge. wan 
alfe er geborn wart, do hate allez daz ende genomin. daz fine ge- 35 
bvrt edef vore bildote. An weler magide wordin ie mere zwei 
fvf vngelichv ding, div def « irdig Avaf. daz ein engil zvo in gefendit 
wrde. vnde fo dinivote. daz IVi eineme cimbirmanne gemalielet Avaf. 
Div diemvot liebit. vnde geziret die magettvom div mageltvoni cierit 
die demvot. Swa aber div demvot nieht ii't. der mennefgo mvoz io 
dvrnot virlorn ANCrdin. wan f w a div demvot nieht ift. da Ift aber 
vbermvot. da div vbermvot ift. da ift der tivvil. da der tivvil ift. 
da ift ovch der ewige tot. Ich getar ez wol fprechin. neware div 
demvot vollegliche nieht mit der magetheit anfancte maRivn. got 
neware nie zvo ire chomin. AVan difiv aber beidiv da Avarin. vone A'> 
div chom er dare. Dar zvo fprach der ewige vatir per prophctam. 
Svper qvem reqviefcet fpiritnf meuf. nifi fvper manfvetum et hvmi- 
lem. Daz qvit. Ml'in A\eme fol min geift gervowen. Avan Affin deme 
fenphtin. vnde vflen deme demvoten. Och fprach got fell)e. Difcite 
a me qvia mitif fum et hvmilif corde. Lirnent von mii-. (2 1 9 a) mir. 50 
daz ich milte bin. Ande demA ote in mineme herzin. Von der demvote 
chora der heilige geift zvo minir frovAven fancte iviaRivn. alfe fiv 
felbe fprach. Refpexit hA^militatem anciilse fvse. Er hat ane gefchowot 
die demvot finer dirnvn. Nv mag fich ein iegelich vbernn otiv vbel- 
Avefge Avole fcamen. daz fich got felbe devmvote. vnde fich der arme 55 
mennefge gehohit. Von der erde fin Avir genomin. zvo der erde 
mvzzin Avir chomin. div felbe erde Avirt denne ein ftuppe. daz ftuppe 
A\irt gereinit indeme Ivterme livre. zeme ivngeften Arteile. So gereinet 
daz fivr vnferef libef ftvpe. daz Avir got befchoAven vnde fant inie 
beliben. vbe Avir ez hie nieht vir\\rchen. mit der vber mvoti. Da (.0 
ftet gefcribin. A^enit nazaret et erat fubdituf illif. Er Avaf den men- 
nefgen vnder tan .AVir geren aber def daz vnf div mennifgin vnder 
tan fin. darane lezzen Avir Anf füre got. Nv ift iv ein ding ze 
wnderonne. der den engil dar fante. den vant der engil da. zeder 
magede. So uil a\ af got fneller denne der engil. daz der böte nie 65 
fo fchire dare chomen nc mähte, erne fvnde in da. Alf er in gefante. 
do hoben fie lieh dare bede. do der böte dar chom, do Avaf der 

Ie 

3-4 van 38 fmid' über cimbirmanne 39 den 46 vgl. Isuice H, 2; ftdMattli. 
11,29. 53 lifc. 1, 48. ancillefve. 54 vlelwef-e Gi Luc. 2, 51. 



16 V . VI 

lieiie n^chcrber^ot. Done f|)iach clor cii^il iiiwot. domiiuif venict. 
Milir lu'iro clix iricl. er IjHac doininiir (ertiii). \ iiler 1kmj-c ilX iiiil dir. 
70 (Jot (lor .nllcnllwdj) il'l. 1\\ ic iiinn in iiiclict i;or;iliin nivi:;e. mit diT 
irchciinvnge. man \aiiit in \c doc mi( der miniic. Da/ ir in nv \indin 
m\()zint mit ftvotcmc ^\i!l«M^. vndo er wdi ramilichc \indo mi( reinen 
^'odankin. daz rvkcr iv cc\ iililiinne inio lellje zc lohe ewiklitlie. 
Per oiiniia Rm iila ieculorum. amon. 



Pernio cotidinnvf ad popvlvin. 

J opnlo meul' (]\id Ceci tibi aut (p id nudellnC Ini tibi. (2(0 '•) 
aut in qvo contriltani te. relponde iniiii. \\[ liobin. div er])armidc 
viderel" hcnin. hat vnf iezo vil lanf^c firtrai^in. vnde het vii lani^e 
inthel)it den flasf den Avir nv alle wile. mit den mointatin i?arnet 
•'"> haben, nv Ipricltit er vnl" zvo. dvrch den m\ nt del' w ilTai;;in del' 
herrin Michea\ l'opide meuT. Min li\t waz han ich dir ^etan. An- 
deme anei^eni^e der IVone heizzet er \iü' lin livt. vnde zovi:;it vnl' 
da mite, daz er nivwet vngenade^i^liche mit \ nf ta^edin»on \\ il. ow ir 
\nr \\ellcn hecherin. Er Ipriehit alfvl". Qvid fcci tibi. Waz han ich 

(0 dir ^etan"'? A\'ar vni1)C lial't dv mieh virlazin. a\ arvnibc bift dv mir 
vn^ehorfam '? Relponde mihi. \ illiltin. da ilt vnl' gebuoftin. da il't 
vnler rede nz. Grozer genadon nianot er vnl". mit dilen Mortin. Qvhx 
cdvxi te de terra egypti. Vzer den viniterin dirre werlte. vone der 
gevanohnvITc del' ti\veler. dannan vz hat er vnl" erloHt. vnde liat 

15 vnl" brath in adniirabilc i'unm lumen. qvod oft miniltranf luccm liil" 
qvi pcrmanlerunt in agone corlaminif. \'d lebin. vnfir herrc liat vnl' 
gewarnot. e. er zc iungilt mit vnl' zorchte ginge. Nv fehe ivwer 
iegelich waz er dennc zcantwrte habin mvgc. fo wir zcivngel't vorc 
gote geftandcn. Def nc fi ich zc minome teile in minie herzin nicht 

20 Avaz daz fin mvgc. Er hat vnf manegc gvoli hercheinit. daz m ir 
nelieine gevcllige antwrtc habin mvgin. Avidir ime. Solem fvvm facit 
oriri rv|)('r bonof et malof. et ])iiiit ru|)er iuitof et iniiiltof. et dat 
noijir clcam in tempore oportuno. In alleme finenie richtvome ge- 
rvochit er dvreh vnl" zcAvcrden ])auper et egennl'. Der gvotc hirte. 

25 vnlir lierre. chom inde wftvngo dirre werlte. zc Ivochinnc daz fchaj)h. 
daz die Molve er zvcchit haton. daz vant er. vnde trvogez m idero 
(220 a) vf fincn ahfclon. zvoder gcnolephtc der hciligon engele. mit 

73 iv aus w (jübefscrt. VI, 1 Mitha-w 6, 3. 6 Michco. 10 l.ifl iliv 13 (c 

über uof 21 Malth. 5, 45. 25 id' 20 wanl 



VI 17 

den arbeiten finif todif. andemc gal^in def heiligen crvclf. Ilinc 
qvod liomo comiuiicrat. qve non rapuit tunc exfolucbat. Mit allen 
difen arbeiten chovfl'te er ime I'elbin newedir richtvom. noch ere. 30 
wane daz er ovch habin mähte obe difi'if nivt wäre. Daz waren 
(ine genade. do nehein god wal" wan er eine, daz er vnf allen daz 
er warb, daz wir gotef chint lin. obe wir felbe wellen, alfe da 
gefcribin ftat. Ego dixi dii eftif et filii excelfi oninef. Dawidere fvln 
wir fprechin. alle geliche. Qvid retribvam domino pro omnibuf qve 35 
retril)uit mihi? Vil liebin. werdint dime almahtigen gote gehorfam. 
daz er fine genade vone iv niehet chere. alfe der herre ze Jioyfe 
gefprocliin hat. Abfcondam faciem meam abeif. et confiderabo nouif- 
fima eorum Svbtraham eif prefentiam grätige me«. et apparebit 
adqvem exitum opera eorum eof perdvcant. Introite portaf eiuf in- 40 
confeffione. Alfe er fprache? Nv ir herrin alle ir fint biflozzin von 
iv\\ eren fvndon. vore deme bvrgitor def himilcfgin chvnigif. nv ftent 
nivt lange da vor. der tivvel vnde fine. Averbint dar vmbe. daz fie 
iv zvo gefpringen. vnde ivch nidir geflahen. vor deme bvrgetore. 
Nv mvgint ir fprechin. daz bvrgetor ift beflozzin. wa fvln wir in 45 
chomin. Daz fagen wir iv. Div furbvrge flizzint ficli vf. fwenne ir 
felbe wellint. Dvrc div fvrbvrge fvlnt ir chomin adportam qve re- 
fpicit adorientem. et hec eft intelligentia. et agnitio dei. Er qvit. 
introite portaf. Welez fint div manegen tor. da man hine dvrch fol 
ad ianvam regni? Daz ift innegliche rivwe. vnde volletaniv bilite. 50 
vnde ewig inthebede von den fvndon. rehte gelovbe mit gvoten 
werchin. div heilige zvovirfiht. (220 b) div wäre gotif minne. Haf 
portaf diligit dominuf fuper omnia tabernacula iacob. Der dahine 
dvr clivmit. der mag follichlike fprechin. Et ecce uenio adte qvem 
amaui. fjvem quefiui. qvem femper optaui. Peccata funt repagvla qve 55 
obftruvnt aditum abhif portif. Nv mvgint ire ane zwivel fin. obe ir 
ivch wellint becherin. der heilige Aviffage gibit fich felben iv ze 
bilde, ander ftete da er quit. Dixi confitebor aduerfvm me iniufticiam 
meam domino. et tv remififti impietatem peccati mci. Pro hac orauit 
adte fanctuf intempore oportimo. Qvam magna multitudo dulcedinif 60 
tue domine. daz niemin fo vbele tvot. becherit er fich rehte. uonden 
fvndon. er ne werde geheiligot. Vil liebin nv gant gerne ze bihte. 
div bihte ift. daz iungifte. vnde daz herefte lachentvom. der fvndon. 

31 vane 34 Ps. 81, 6. 35 Ps. 115, 12. 37 herre Moyfef 38 Deut. 32, 20. 

u 
39graliemee 40Ps. 99, 4. 45fpchint. fvln] flvn 52 Ps. 86, 2. 54 fol- 

Uchike vgl.Sap. 8,2. 58Ps.31, 5. 60 P«. 30, 20. 

AUd. Predigten. 2 



18 VI . MI 

Mit (lerne lieiltranche wart £cereinit fancta maRia. magdalena. vndo 
05 fanctuf petruf. vnde der l'chachare. vondiv ncininetivwe viifir ne- 
heine goto nieht. iw'w IVndig er lle. waji er Iprichit. Polt oninef 
abhorninatioiier tuaf rciicrfere adnie. et ego reiiortar ad tc dicit do- 
iiiiiiul". Fel'tinate q\ ia leriirir adradicem arboriC polita eit. et ne le- 
riamiiii in mortem, hoc ipfc prel'tarc dignctur. qvi vivit et regnat. 



ücrnio c-otidianiir a<l popiiliini. 



E 



Jenitc filii aiidile me (imorem domini docebo uof. Viniemint 
villebin mit wie IVozzir ftimme. mit wie fvozzen willin. mit wie 
miltir ladvnge. vnf widir ladit in fin liehe. Wer? \ nfir herre. vndo 
welche zvovirfit er vnC gibit anfine gcnade. obe Mir unf nino fvmen 
5 ander rviwe. Virfvmen abir wir vnf indifenie curcime zite. daz wir 
die fvnde niht gerivwon. fo virdamnoter vnf. zc iungift mit dirro 
vortlichir virteilvnge. dcf iungiftin vrteilif fo er vnf zvo (221 a) zvo 
fprichit alfvf. Nefcio qvi fitif. difceditc anie operarii iniqvitatif. Vil 
licbin. Swer in eineme charcharo gevangin liget. der nefparet da 

10 vor nivwet finif gvotif. er nelofo den lib. vone deme ane ftandime 
vngcmache. Zegelichir wif. fo ez anden tot gat. fo gäbe der man 
uile gerne eigin. vnde lehin. allez fin varnde gvot. daz er fich er 
lof'te vone deme tode. Ift daz alfo. Ez ift warliche fo. Nv fchovwent 
Avie tvmbliche daz ift. der dauore de liein lieb gchaltit er ne gebez ane 

15 twale. vmbe die wnne def cm igin tagel'. der niemir mit neheiner 
tvncholin vorfelwit wirt. uon deme der herre dauid gefprocin hat. 
Mclior oft dief vna in atriif tiiif iiijier milia. Dane mag ne heia naht 
ün da der wäre fvnne golehin wirt. alfolich fo er ift. interra 
uiuentium. Vil liebin ?iv fvint ir morchin wiz getan ift vmbe daz 

20 ollindc da wir Inno fchinen. vnde die heinmvote dar wir gedingen 
zc clioniinne. Der cllinde fint zwei, ein lihtiz. vnde ein fwarez. der 
heinmvote fint ovch zwo. ein vil gvotez. vnde ein michclef bezzir. 
ein ellinde ift difv werlt. da wiv inne fin. daz nimet fchiere ende, 
def tagcf fo Avir fterbcn. Daz fwarc ellinde daz ift dv helle, der 

25 die bovvven fol. der hat iemer lait an ende. Ein uil gvot heinmvote 
ift daz grvone paradife da adam inne waf. c er gcfvndoti. vile 
miclielef bozzer ift div heinmvote def OAvigin richif. da got inne er 
chennit wirt. alfolich fo er ift. Vzer deme ellinde dirro weite. 

66 v(jl. Zachar. 1, 3. Malach. 3, 7. OS Matth. 3, 10. VII, 1 Ps. 33, 12. 

6.7 mitclincAVO)llichirf/c?»e/scrl aus mit(liir»cillicbir 8/.«c.l3,27. 17/'*. 83,11. 



vn 19 

mvozzen wir uarn. eint weder über unf zeparadife. vnde dannan in 
daz ewige riche. oder aber vnder vnficli zvoderae tivvele indie 30 
vinftri der helle. Villiebin wan ir nv hine vf geladit (221 b) fint. 
indie fchonin phalnzo. def ewigin richef fo bewart ivch. daz ivch 
der tivvel ielit virfclivplie. inderi vnfchonin charchare def ewigin 
todif. Wie fulnt ire ivch bewaren. Vil lihte Aliuf. Declina amalo 
et fac bonum. Gelovbe dich def vbelen. vnde tvo daz gvote fo vil 35 
dv mvgilt. Alfe da gefcribin ftat. Qvi ingreditur fine macula. et ope- 
ratur iufticiam. dar zvo fprichit fanctuf gregoriuf Nee bona adeo 
accipiuntur. que ante oculof dei malorum admixtione maculantur. 
Daz quit alfiif Die gvottatc helfint niwet umbe got. die man tagelich 
mifchit mit vbelen werkin. Vondiv. vonite filii penitcndo. et apccatif ^^ 
abftinendo. Wie fvlnt ir chomin? Alfo daz ivch rivwe fv^az ir 
zevbcle getan hant. vnde daz ir niemir mere neheinc fvnde tvogent. 
noh willin dar zvo habent. Inallen difen dingin fo ift gote aller 
genamift. vnde aller naheft. volvntaria paupertaf. Daz hat er felbe 
wole gezovgit. damite fo wir iv fagen. Do er drie totin lebinde hiez 45 
werdin. do bat in einer finer ivngeron alfvf Herre er lovbe mir. 
daz ich begrabe minin vatir. Deme antwurt er alfvf Volge mir 
nach, vnde la die totin ir totin begrabin. Alfame er fprache. lieh 
hiez in werdin. ich heizin ovch fterbin. ich heize in ovch vfften. 
ne rvoche dich wie er lige. die noch in ir getragede fizzint. vnde 50 
noch niet er ftandin fint. vonden fvndon. die fint tot. die begraben 
ovch ir totin. Swer nv erftan welle vone finen fvndon. der fehe 
daz ane. wie vnfer herre got dri totin hiez vf ften Anden drin 
toton uindit er offinliche wie er tot ilt. vnde wie er lebinde fol 
werdin. Alfe ez vmbe der fvndare tot getan ift. aldarnach irftant 55 
ovch die fvndare. ettelicher fanffte. ettelicher vnfanffte. Vone div 
hiezer die magit (222 a) gefwaf liehe uf ftan indeme hvf. den iunge- 
linc vor deme bvrgetore. lazarvm vzer deme grabe, da er uier tage 
inne lag. Villebin. der ift in deme hvf tot. def fvnde dennoc niet vz 
chomin ift. vor der werlte. Der ift für daz bvrgetor chomen alfo 60 
toter, der offinliche gefvndot hat. Der liget indeme grabe toter, den 
div gewonheit dir fvndon. befwaret hat. Der tovgenliche fvndot. 
vnde tovgenliche zebihte chvmet. dvrch gotef forhte. der wLrt ovch 
tovgenliche lebinde. der ift gefwafliche er ftorbin. der ift gefwaf- 



30tivwele 33 virfchfphe 34 P*. 36, 27. 36 dv] div /'s. 14,2. 38occl'of 
45 Jtfa«/t. 8, 21.22. 47 anlwirt 55 Alfe er ez er irltaut 59 vz w&cr uf 



ist 

60 Der für — cUom 



20 VII . VIII 

65 liehe irl'tandin. der hat gotcl" hvlde. voiie div fol nicmcn gewahencii 
finer fcvlde. Der olTencliche fvndot der bvozzc ovch ofleiiliclie. La- 
zaruf der indeme grabe lag. boceichinot den man der inden IVndon 
viraltet ift. der fol gcrejjilt werdin. vber den IVln licli alle die er- 
barmen die gut er chennint. vber den lol man wenen. vl)er den 

"0 folman almvofin geben, daz in got becliere. Daz lint die mifil- 
IVhtigen. die man uone dere menigi IVnderot. vndc fol l'vnderon. 
Den miliHuhtigen ne mag nieman gereinin. wan got einne. Der 
inden fvndon vir altet. der chvmet chvmc Midere vf. ime welle 
got felbe fine hant biten. Gerivwet in aber, daz er vnrehtil" 

T5 getan hat. Iwie Cpate er zegotc chome. l'o ift er ie doch gehalten- 
Swie ir nv gelVndot hant. def uindent ir bilde, andilen drin toton. 
Avie ir -svidere chomen fvlnt. Der finer IVndon gelobit w'd werdin. 
daz er lieh der v])])egheit rvomet. fo ne rivwet ez in niet. die m ile 
ovch ez in nine rivwet. fo virgibet imo got niemer. daz er zvbile 

SO hat getan. Vil liebin nv tvont alfe iv der wiffage geratin habe, mit 
difen worten. Iniqvitatem meam annun (222 b) tiabo. et cogitabo 
propeccato meo femper. Lant vidi rivwin. daz ir zc vbile hant getan, 
vnde tont nicht mere vbelef vnde habent den ewigin üb. Daz 
rvoche er iv zegebinne. qvi vivit et regnat in fecula feculorum. 

85 aMCN. 



fiermo in atTiunptioue fancte IflAlilE. 

l\trauit ihcfuf in quoddam caitellvm. et mulier qvedam martha no- 
mine excepit illnm indomum fuam. Inder heiligon fhri])hte. bcceiche- 
not ein dinch vnder itvndon manegiv. vnde miflichiv dinge. Elt Ico 
de tribv iuda. elt leo ([ui cirruit qverenl" qvem deuoret. Kit ignif 

5 diuinuf cft ignil' qvi paratuC elt diabolo et angolif eiiif Eft fol 
iufticiae. eft fol qvi nof non urat perdiem. Wir Icl'en von einem 
lewen der geborn ift vone deme gellahte def herrin ivda. daz ift 
god felbe. Wir lefen ovch none eineme lewen. der allezane vmbevert 
fvochinde wen er virfwellin mvge. daz ii't der tivvcl. Wir lefen 

10 vondeme himelefgen fivre. a\ ir lefen von deme fivre da zeheile. Wir 
lefen vone deme waren fvnnen. Wir lefen uone deme fivrinen fvn- 



V 

C8 wiraltol 79 zobile 81 Ps. 37, 19. VIII, 1 Ev. Lucw 10, 38. 

6 iufticie 8 ciucmo über domo 9 li^wel 10 ignc. über fivre. 



vm 21 

iien. Wir lefen von ciiiemc caftellc. dar s^ot fantc nach deme efele 
den er ritin a\ oKo. zvoiervfaleni. Wir Iclcn vone deme caftelle da 
^od fclbe in i^ieng. Daz caftil ^saf div vmbervorle niasjit. fancta 
Mafiia. Ein caftel lieizet daz. da ein tvrn ftat. vndc mit einer mvre 15 
vmbefangin ilt. \Tide ficli div 7A\ei befchirmint. vnder einanderen, 
alfo daz di viande. vor der mvro. zvodeme turne iiieht st'S'i'^ mvi^in. 
vndc ovch vone der mvre getriben werdint abe der hohi dciturnef. 
So getaneme caftille a\ irt geebinmazot div mvotii* vnfirf herrin ihefv. 
div alfo vmbeworht waf mit der magetheit. beidv ir libil". vnde ir 20 
mvotef. daz dar nie genahen mähte dehein der gedanch der zemen- 
nifgheit horite. Nv gelVhihit lihte an anderen mageden. daz div 
vbirnivot. ein (223 a) ein itvrm hebit an den magettvom. da widere 
habete div^ maget lancta niaria. in ahiiittin in ir herzen gefezit einen 
turn der devmvotin alfe hohen, daz div vbirnivot niener getorfte 25 
dar naher cJiomin. zvoder mvre der magitheit. Von div fprac vnfer 
herrc vone der demvote. Qvi le exaltat hvmiliabitur. et qvi fe hv- 
miiiat exaltabitur. der lieh Iiohit der wirt gedemvotet. der lieh de- 
mvotet der Avirt gehohit. Do ir der engil ein ivn gehiez. do antwrte 
fie ime alfvf. Qvomodo fiet iftud fjvoniam uirum non cognofco. Wie 30 
lol daz Averden Avan der man nelebet nicht, def ich de heine chvnde 
habe, oder ie gewnne. vnde Iprac aber do alfvf. Ecce ancilla doniini 
hat mijii fecundum verbvm tiiuni. Ich bin ein dirne. Ande ein fmelenge 
def almahtigen gotef. mir niAOze gefihehen al nach dinerae Avorte. 
Intraiiit. Indaz caftil gicng vnfer herre. da inne inphieng in ein 35 
fvnielich Avib. martha geheizin. div felbe hate eine fvvefter genamet 
MRRia. Die zvo gefweftere beceichenont zwei lebin diffif gagenAvar- 
tigen libef. vnde def CAvigin libef. Martha beceichonet difen citlicen 
üb. Maria beceichenit den ewigin üb. da man got ane fcowot alfolich 
i'o er ift. Martha habet gewerb. vnde forge. vnibe manegi\' dinc. 40 
Maria habet minnecliche Avnne mit eineme dinge. Diz citliche lebin 
gedienote nie anneheinner gaftgeben fo Avole. vnde Ib voilegliche fo 
ander magede fancte maRivn. So wir martlion. vnde marivn nem- 
men. fo virnemen A\'ir an in div zeAvei lebin. div beidiv zegote horent. 
in difeme flvhtigen eilende. A'nde daz Avir cvrzliche ruoren div lehf 45 
Averch. div zvoder er barmvnge horent. div maget fancta Aiania div 
newiffe Ambe lihte gefte niet. üv geherbergote aber den aller ho- 
heften got indie tovgini ir libef. fiv Aazzote (22 3 b) in dainne. mit 
menneflicgen fleifge. dar nach bewant fiv in mit tvochen. in hvnge- 

21 dar fehlt. 27 Matth. 23, 12. 27.28 hvmiat 30 Lucce 1, 34. 44 zewi 



22 vm 

50 rote, fiv azte in. indvrfte fiv fovgete in. er lag in der wigMi mit 
chintlicher vncrcphte. da wifote fiv fin ano twalc alle ftvnde. Siv 
trvogin vfin ir. fiv uieng in zvoire. fiv miltechofote ime. fiv floh mit 
imo in egyptum. fiv forte fin. vor den ivdon. Satagebat circa fre- 
quenf miniitcrium. Siv cherte allen ire fliz dar ane wie fiv ime 

55 gedinoti. iollicita eft. fiv habete forgc vmbo in do fiv finef libef 
forthc vore erode. vnde vor mancgen lagen die ime die iudin fcha- 
photon. zeivngeft do wart fiv zeherzen getrvobet. qvando ipfiuf 
animam pertranfiuit gladiuf. Do ein fwert gicng dvrch ire feie, def 
leidcf daz fiv einen folichen ir fvn vnwirdicliche. vnde andcrf han- 

60 dclon fach danne er def w irdich A\arc. Siv fach in vahin. fiv lach in 
bindin. fiv fach in mit geifelon villin. alfe ein dieb. fiv fach in 
anefpigin. liv fach in halfflegelon. fiv fach in cronin mit dornon. 
fiv fach daz fie zefpote uorc ime nidir vielin. fiv fach in er blechen 
vnder den hvrwinen banden, die er hate gefchaphin vzzir nichtc. 

65 fiv fach in andaz crvce nagelon. fiv fach in andeme crvce trinkin 
ezzich mit gallon gemifget. fiv fach daz fpere in fincr fitvn. fiv fach 
in fterbin. fiv fach in begrabin. Do wart fiv aller ereft für chvndig 
mit deme innecglichen lere, daz beidint halb fneit alfe ein fwert. 
Daz fiv in er chande got. vnde mennefgen. def m art fiv uon iegwe- 

70 dcrem fvndirbare getrvobet. zvoder fincr ivngeftin ir bot fiv imo ein 
irbarmeglichin dieneft. Do ftvont fiv. do gebraft ire. andeme dienefte. 
nach der mennefghcite. vnde manote ir fvn geiftlichc in ir herzin. 
daz er fie fchirc getrofti. vnde ir zeholfe chome. mit der gotoheit. 
die fiv anime (22 4 a) erkande. vone tagclicher mitewiftc. def heili- 

75 gen geiftef Anallen difen dingin hat fiv wol behalten daz teil der 
frovwen martvn. AVie fv aber marivn teil behüte, daz beftc. daz fiv 
er welet hate. waz mag menneflig herze dannan irkcnnin oder dehein 
zvngc dir vone gcfprcchin. alfo nach warheit. der vone zedenchenne. 
vnde zefprechinne ift. inder. der heilige geift waf die da habete. 

80 bcfchatewet div tvgint def alhoheften gotef Waz mohti fie anne 
gote vcr boln fin. inder die rictvomc famint warin. allir wirbelte. 
Siv facz zvodcn fvozzon vnferef herrin. vnde faz innebcn ime. do 
er famet ire waf fine rede fviiderbare. finv wor(. vnder cngele wort, 
vnd hirton. div gehielt fiv. alliv. vnde habete fie zefamine. in ire 



52 vf i ir. 56.57 aus fchaphllon (jchcfscrt. 57 Lucw 2, 35, 63 imo er 
blechen] darüber colaphif ccd^'c. fivc pallcfaccrc {oder pallcfcere). 66 gemyfgct 
70 ivgcfliu fehlt ein Substantiv f 



Vin . IX 23 

herzen. Nie nieman gofmagte l'o rehte. wie fvoze Mifer herre ift. fo fin 85 
mvoter. div magit fancta Mania. Daz ne wai" nchein Avndor. wände 
in ir waf der lebende brvnne def cwigin übel", vnde vzzen ire gcflozen 
il't. div dvrnahtin iegwederef lebennef. Sunderliche irwelte fiv daz 
belle teil niarivn. Svnderbare uolle dienote liv indeme teile der 
frovw on marthvn. Nv ii't daz iifullit def fiv gerete. liv fchovwot ir 90 
fvn. facie adfaciem. alfolich fo er ift. daz ift daz teil daz aller beft 
ift. daz fiv iemer haben fol. an ende. In daz teil, inphalie vnf alle 
vnfer herre ihefuf. 



Itcni fernio de fancta Maria. 



iVbini 



licio et ante fecula creata fvm. et vfquc infuturuni feculum non 
definam. E. got gefchvophe himel aide herde. do waf er def inein 
worden, daz er uone fancte manivn wolte mennefge werdin. Ire feie 
waf daz gotef hvf. indeme er haben wart daz ancgenge. noftrse 
redemptionif. vnfer lofvnge. Daz ift daz hvf dannan da gefcribin 5 
ftat. Sapi (224 b) entia edificauit fibi domuin. excidit colvnipnaf 
feptem. Div wifhcit felbe cimbei'ote ire felber ein hvf. nften fibin 
fvlen. vnde ir grvob die fiben fvle noh Avaher. vnde deiner, danne 
alle die fvle ergraben oder erfnitin fin. da div criftenheit ufle ftet. 
Die fiben fvle daz fint die fiben gebe def heiligen geiftif. Anden 10 
fiben fvlen hant fich alle die verfvo^^hit die ie in gotef namen bvocli 
in hant genamen. vnde ift noch div uacheit niet fvrbrat div dar ane 
irfnitin ift. Mit den. fiben fvlen habet fich allvnibe cimberet. vnfir 
frovwe fancta Maaia. Siv habete ovch nieie drane ir chennet denne 
alliv div mennefgin die in dife Avelt ic geborn A\rden. do fiv in ir 15 
habete die arche. da J)eflozzin inne waf ganzliche der richtvom aller 
wifheite. Ander vngebrachoton erde wvof ein hlvome. uon denie 
alliv diliv werlt gecieret ift. vnde gvoten foiag hat. \ idervnt eam 
filite fyon. et beatiffiniani predicaiicnint. Alliv div fainenvnge dci- 
engele. vnde der mennefgen die got aiiefchovvvoiit. die habent ovch 20 
fie nv lange ane gefchovwot. mit uirw izzer anefilite. vnde ne ha))ent 
fich noch nieh vollewunderot. daz fiv nach gcl)vrte maget ift. vnde 
hant fie gelobet mit ebenheiliger chvre. mit wnnderlichir einmvotin. 
zvoeiner chvnenginne. über himel. vnde über erde. Daz ift der 



85 Hie 90 fcbowole iX, i Fcclesiastic. 21, ii. 4 iioflre 6 Proverb. 

S V V ' 

9,1. 9 od fuilin 18 Cant. 6, 8. 19 filie 20aiicfchowont 24 der] d^e 



24 IX . X 

25 brvnnc befi^ileter. garte beflozzoncr. da vnf u/ geflozzin iPt. fonf 
a(|u;e faliciitir in iiilam ctcrnani. Dd' nivoz/in wir ^[crinocrluMi. inli- 
iicinc riclic. allolicli lo er ilt. per uniiiia iecula. 



Pernio de rcfiirrecUoiie cloiiiinl. 

l auluf aportoluf ait. PaCcha iiorinmi inmolatuf eft cliriftuf. Pafcha. 
(laz quid tranfitul". vbervart. l)az waren der iiulon olti'ion. Tic lic- 
giengen alliv iar den (ag. daz fic got lolle uzzir egijilo. da He 
Maren gewan (2 2 5 a) gevangen. uil nach vier hvndert iaro. uondeine 
5 cite daz iül'eph linen vatcr. vnde I'ine brvodere dar in l)rahtc uiiz 
ane den tag daz fie nioyCel' dannan uz leite mit der crephte gotel". 
vnde er fie fvorte permare rubrum, all'o daz fich daz rote merc 
teilte in zvelph Ürazze. daz div zwel])h geflahtie iacoljel' chinde in 
trvccheme lande da dvrch fvoren. vnde alle dauid hat gefprochen. 
10 Qvi diuilit niarc rubrum indiuifionef. der wende waren fiere vnde 
zw enceg. der Itrazen w aren zweleve. vnde an ieglicher itrazze fvor 
ein here vnz lie alle uz chomen. daz lie einen raennefgen nicht 
verlvrn. die in aber nach fvoren. die er trvnchen alle Alfvf er gicng 
daz. Do fie mojfef an daz mere brahte. da waf in pharao nach ge- 
15 zogen, mit allcme fineme here. gewaphenetcf livlei". moyfef ne ha- 
bete aber einen gewapheneten man nicht, die viande Avaren hiiidcr 
Ire ruggc. uile nahe bi. in. daz gebirge Avaf. inncben in. daz rote 
mer waf for in. Inden forgen rieph moyfef zvogote. vnde Iprach 
alfuf. Herre di uiande fint hindir vnf. daz gebirge ift neben unf. daz 
20 wazzer ift vor vnf. wände wir niene wizzen w ar wir fuln. ad tui 
foliuf confilium confuginiuf nv gellichcn w ir zvodin eincf hclphc. 
Bideme worte. flvog er uf daz mere mit der gerte. die er indcr 
hant habete. do teilte fich daz mere. vnde fvoren fie dvrch. Alfe 
ir virnomen hant. daz waf div felbe gerte div ovch zcincmc flangen 
25 waf wordin. uflcn deine berge da ime vnfer herre irfchein. da ovch 
ineineme gefpraidach moyfef ein fivr fach, mit der er ovch div cehen 
w nder inegypto gew orht habete. Alfuf brahte er fie dvrch daz rote 
mere. ineine wvoftin. Do fie indie wvoltin chomen da in god daz 
himelbröt gab. daz w azzer vzzer deme fteine da in nioyfef erlchein. 
30 lieht alfe div fvnne def tagef do fie dar (225 b) in chomen. do waf 



25 Cant. 4, 12. Ev. Joh. 4, 14. 2G aquo X, 1 Cor. 1, 5, 7. 2 vberwart 

4wicr 9P5. 135, 13. 11 flrzcn 12 licic «us h^c r/c6e/5crf. litic fehlt. 
19 hirdir 2G or fehlt. 



X . XI 25 

aller ire mene^en alfiif uile. Sehf hvndert tufende. fehze^ tufende. 
fehf viidc M\7.0!S, tufende. Avii^linpliter manne, aiie Avib. ynde chint. 
vnde aiie hagcltolte. div alliv er Pallien waren, in vier hvndert 
iaren. uone zwclph geflatthen iacobef cliinde. Vnde daz fie alful' 
durch daz rote mere dare gewillt wrden. den tag habeten fie iemer 35 
aftirdiv ze einerae hoftertage. vnde andeme feibin oftertage do allez 
daz livt zeiervfalem chomen Avaf. daz da umbe iener inder iude- 
fchephte ^af. zvoder aller geiihte wart vnfer herre crift hivte in- 
dileni tag für viifir funde andaz cruce gehenchit. vnde lofte vnf dar 
ane nondemc eA\ igin tode. mit nehcinie ander werde wan mit fin 4o 
felbef übe. (Jvi feniel introiuit in fancta eterna redemptione inuenta 
Daz fint die nivwen öfteren, die wir begen l'uln. daz unf god fvoritc 
vzir deme abgrvnde def ewigin todif. indie lietvnge. vnde indie 
\\ ibtuni der himelefgvn ierufalem. Vnde alfe fie ire ofteran begingen 
mit eineme lanibe. nach der gewonheit, fo fie der herre racji^fefhate 45 
geleret. do fie fich ie zvo ane vz hebin folton. alfo fuln Avir vnfire 
niu\>e hofteran began. mit fineme fleifge. vnde mit fincme bivote. 
alle die tage fo wir vnf heben von den fvndon. in prima refurrec- 
tione. vnde allermeift fo lib. vnde feie fcheidint. vnde fich div feie 
hebit vzzer egypto. uzzer dirre werlte vinfterin zvoder genofcheplite 50 
der heiligin engele zvoder anefihte def almahtigin gotef. inden frovne 
hoph def ewigin libif dar vnf alle vollebringen mvzze vnfir herre 
crift. der hivte andifime tage durch vnf alle erftvnt vonden toton. 
daz ovch A\ir mvozin irftan von allen vnfiren fvndon. vnde mit ime 
richefon. per. (226 a) 55 



§ei'nio iu dedicatione ecciefie. 

Öancti fpirituf corda noftra mundet infufio et fui rorif intima afper- 
fione fecvndet. luwer aller herze mvozzin betovwet. vnde gereinet 
werdin. vnde wvocherhapht werden, vone der inneglichifton m ifvnge 
def heiligin geiftif Nouatc uobif nonale. et nolite ferere fupcr fpinaf 
Dominuf in cwangelio dicit. Nemo mittit uinum nouum in utref uetercf 5 
aliöqvin dirumpet uinum utrel. et uinum effundetur. et utref pcribiint. 
Sed uinum nouum in nouof utref mittatur. Daz qvid. Neman fol den 

32 fezzcg 38.39 idifen 41 Ilebr. 9, 12. 42 fivrile 52 alle ztveimal. 

V 

XI, 2 betowen 4 lerem. 4, 3. 5 Matth. 9, 17. 



26 XI 

nivwen win gizzen indic altin bvteriche. die buteriche breftint. vnde 
iCt der Avin verlorn. Mvwen win loi man tvon ovch in nivvve bvte- 

10 riebe. Ettelich Avin niachot. daz der man m einot. ettelicher frovwet 
ovch def mennif^'cn herze. Der nivue win. daz ift daz f^otef wort, 
daz deme rethia mennefgen allezane zvo Jirinijit nivwe mandvnge. 
Die viralteten bvteriche. daz llnt div fleilglichen herzen, div mit 
ubeler gewoneheite zebofheite llnt wordin. Nv l'prechent mit in- 

15 neglichen Milien. Cor miindum crea in nie deul". Ilt daz irc iuwich 
beclierint. vnde rchtiv herzin fjewinnent zvoden geboten vnferei' her- 
rin. lo irgat daz vber ivch. uerte inpiof et non erunt inpil. So 
\\ erdint uiweriu herzin nivwe. io gebabent iiv ovch den nivwen win. 
Fvndaraenta eiiif in montibul" ianctiC. diiigit dominuf portaf fyon. 

20 fiiper omnia tabcrnacula iacob. Div gruntfefte. vnde div Cundemunte. 
der heiligen crillinbeite daz fint die beillgen wiffagen. vndie beiligen 
zvvelephpoten. vnde div heilige lere, div uone in choniin ift. Div 
burgetor div hvnlereme berrin liebere llnt denne alliv div uorc 
(220 h) bildvnge. div ^ilont begangen wart, inder altvn .e. daz llnt 

25 dife tugende mit gvoten wercben. Welche? Div heilige gelovbe. div 
heilige zvovirllhit. div heilige minne. der heilige tovpb. Die nach 
deme tovpbe gelVndont die IS In zvodifen burgetorn inchomen. Sie 
fvln ban Marcriuuc. volletane bibte. ewige inthebcde. uonden fvn- 
(lon. vcber dif hvf hiltin din almatigin god hiute. Iwaz dehein men- 

30 nefge. hie gere guter dinge, daz er del" gew ert werde. Angeli ciuef 
uifitant hie fuol" et corpul" liimitiir ibelV. Die heiligin gotef cngele 
gcwilont bivte hie ir luilgenoze. den He hie beuore erbolgin warin. 
alfo da gefcribin ftat. Angeli eorum lemper uident faciem patrif. 
Ilio vareiit die beiligiii cngele bivte bcidiv nidcr. vnde vf. Mit 

3 3 niicbelci- mandvnge cborncnt Tic. fo div l'cic intriaj)licn ilt. an allen 
den dingen rla der lili ic de beinc minne zvo gcwan. vnde llv mit 
allen ire gcdanchin rvowet. uone den uzercn arbeitin. mit wachen- 
deme herzin. inder anelchovwcde dcl' almahtigcn gotel" lo choment 
die heiligen engele frolicbe. Swenne aber del' mcnuirgen mvot denne 

40 wirt widerkeret mit der l'uarin mennellicher brodi. fo tvnchelet ez. 
vnde incineme gcw Icbcnc. daz den l'cbimin def vw igin lihtif dannan 
uz getribin hat. lo ucllct cz aher bcre widere nider. tempore temp- 
tationif inline alte gedanche. zvoden erbarmeclihcn vnzuhten def 
libef. So flihent vnfer hvfgenozze uone unf. fo fcbament lieh vnfer 



15 Ps. 50, 42. 17 Proverb. 12,7. 18 vordint 19 Ps. 86, 1. 2. 21 daz] 
da 33 Matth. 18, 10. 39 cngo AI vid^'e 



XI 2T 

die engele. zvo ire genozfchcphte. daze himile. Vil b'ebin nv ftant 45 
ir hie indeme hvf def himilefgen chvnegef. hie wechit er. hie ladot 
er. fine gemahelun. ivwer iegelichif feie, die er chovphte mit fineme 
blvote. Nv fprichit er iv zvo. Surge amica mea. Stant vf. min uil 
liebiv frivndinne. excutere depuluere. fcuhte die uon den alten fvndon. 
da (227 a) dv inne intflaphen Avare. eiere mir cingotef hvf. indineme 50 
herzin. da Avil ich inne hvwen. obe dv die der fundon gelovbeft. 
Poft omnef abhominationef tuaf reuertere adme et ego reuertar adte. 
Nv uil lieben. Recte fefta colunt ecclefijB qvi fe filiof dei cognofcunt. 
Div hclige criftinheit ift ivwer mvoter. fint ovch ir nv div chint der 
eriftinheite fo begant ir rehte ein iegeliche chihvin. Pro inde con- 55 
ftituite diera follennem in condenfif ufqve adcornv altarif. Vverdint 
hivte def innein. vnde fwa ir ivc in gotef nanien gefaminont. daz ir 
gewarliche clioment zvodeme voblichin tage, der fronvn %Tftende. 
Ir fulnt def nein werdin infreqventationibuf mit emezzegheite. uone 
ftvnde zeftvnde. uontage zetage. ufqve ad cornv altarif. vnz andie 60 
egge def altarif. Der alter ift got felbe. der andeme crvce fin blvot 
oppherote fuir vnf alle, cornua in manibuf eiuf. Daz waren die nag- 
ele die dvrch fine hende geflagin wrdin. andeme galgin def heiligen 
crvcif. Mit gebete. mit uaftenne. mit chvffin. mit allen gvottaten ftiln 
wir alle tage vmbe god gedienon. fwenne vnf der tovt begrife. daz 65 
er vnf zeftunde uinde. obe Avir alzogef nemvgin andeme crvce net 
fin. doch an etelicheme nagele def heiligen crvcif. Vondeme altare 
fprichit god felbe. Altare de terra facietif mihi. Der alter ift uonder 
magede fanctae mariun, ein gvotelicher mennefge. vf chomen. vf 
geftandin. exregali ftirpe dauid. Cum ergo filentium tenerent omnia. 70 
et nox in fuo curfv medium iter haberet. omnipotenf fernio tuuf 
domine aregalibuf fedibuf uenit. Inder Averlte ift ez zewirent alfo 
geftandin. daz minef trehtinef gelwiget A\'af. vnder (227 b) mennefgon! 
noch chumit ein ftilli. zvodeme ewigin übe. daz die meunefgen 
gervowont vone Averltlicheme krademe. vnde uone aller unrawe. da 75 
hant fie gaudium ineffabile. vnder den lohezonden fteinen. def grvonin 
paradifif. Daz ift div dritte ftillin. Div erefte ftilli Avaf uordcr .e. 
driv tvfint iare. vnde cehincig iare. Div ander ftilli Avaf nachder .e. 
def CAvangelii. daz Avaf div mittel ftillin. Inder ereftvn ftillin. er 
kandon die mennefgen nieht. nieAveder die fvnde. die fie getan haton. 80 



48 fprichie Caw(. 2, 10. 13. 49 frivdinne Isaiw 5-2, 2. 50.51 dv] div 

53 ecclefie 55 Ps. 117, 27. 68 Exod. 20, 24. 09 ft"^ 70 Sap. 18, 15. 

k ' ' 

75 grademe 77 uond* .e. 80 inewcd* 



28 XI . xn 

noch den lag ftalcn tot. der uf in la^. uoiiodiv fwi^in fiv. Alfo aliir 
div .0. do gegebia wart pcrmoyfen. viidc in div 1\ n«le gezovgct wart, 
do bcgviidon die IVndigin heil Ccovwon. lUptuin efl filentiuni. jiro- 
phete predicaucrunt iialci lahiatorem de iiirgine inauia. Do fie do 
85 nivnhvndert iarc gefcribt liatoii. iiacl» der gelmrte ynleref herren. 
daz l'iv chvome. do gelweig aber vnl'erel' lierren. allez daz andemc 
crtriche wai". daz wül' div andere Itillin. Inder llilliii ^\art got gc- 
born. do rieph allez daz. daz falig geborn wal". genade herre. gcnade. 
J)o waf div mittele Itillin zerbrochen, do gab god fride. vnde genade. 
90 vnde hiez erbarmunge. vnde antlaz der rinubtn. Daz gotcl' \\ort. 
cholot noch inder A\erlte. DiCcite ame qvia niitil' Tum. et humilil' 
corde. Nac der rede. Concidiiti faccuni meum, et circumdedifti me 
leticia. Inder niittelon flillin. alle A\ir geredet han. oninipotenr (errno 
tuuf aregalibuf ledibur uenit. Wer cliom da? Wannan? NN'are? Daz 
95 gotef wort. Gotef fun. Ein chvneng. einel" chvnigel" fun. AVannan? 
N (»iie der fcefwvn finef vater. Ware? Zvodeme galgin def crucif. 
vone dcnie chvnenglichen Hvole. zvo eiiienie Merrhgadime nientatiger 
(22S a) IVndon. uoiider lielitin del' liinielel". zvoder uinlterin der 
helle. Etideo aregalihul" ledibut. iioii ab uiia Icde regali. ^\aM alle 

100 die mit arbeiten in daz himilriche chomenl. der iegeliche enphahet 
die crone def c\\igen libel". vnde llnt alle fundirbare cronct. vnde 
richol'ont mit ir uater in finemc ewigin riebe, daz er finen kindin ge 
macliot hat uone anegenge dirre werelte. Alfo da gefcribin ftat. 
0(10(1 (|uod autein recepcrunt euni dedit eif j)oteftatem filiof dci fieri 

105 hil' ({ui credvnt in noiniiie eiuf. Sint fie fine fune. fo lint He ovch 
chvnege. Sint fie alier chvnige. fo nuoz irc iegeliche einen chviieg- 
ftvol. eine crone. vnde ein riebe han. Ein cbvneng ander erde der 
nil fune hat. der ne mag niuwet \\ an einen (bviieng gemacben. aber 
dirre chvneng def riebe über alliv riebe ill. alfo manegen fun fo der 

110 lud. alfo manegen iVn cronct er ovch. infineme riebe. Der geheiz 
ilX vnler nicht, er ift unferef hei-ren. den zvo fineine himelefgen vater 
fpracb. >'on i)ro bif (andini rogo fed etiani pri» eif. qvi credituri 
funt jier verbum eoiiini in nie. et cetera vlqve ante (j\am nmnduf 
jieret. 

§eriiio de iiaTrlia. (iö ! I>) 

Ibeftif cbriKuf (radiüif elt propler delirta nofda e( refnrrexit propfer 
iufUlicationem noflram. Liehin ^\'u• bigan bivte daz iiölichc vnde 

91 Mntth. 11, 29. 92 Ps. 29, 12. 9G fcefvwn fincf ■nat^. 99 wan aus wand* 

gcbcfscrt. iO\Ev. Joh.i, 12. iVlEv. Juh. 17, 20—2*. XII, 1 Rom. /», 25. 



Xn 29 

daz groze hohcit. der urftende vnfirf herrin ihefv chrifti. den tak 
uon deme der heilige Avifiage daiiid fprach. Hsec eft dief quam fecit 
dominuf. diz wäre der tak den got leibe heti gimachot. wände alfe 5 
fante Gregoriuf chit. hec eft follennitaf follennitatum. ez ift ein tult 
ubir alle tulte. vnde il't daz billich. vnde relit. vt exultemuf et lete- 
mur inea. daz w ir unl' liivte frow^ ein. vnde inendein indem alraehtigin 
gote uerro danne an eim andir tage. Diz ift der liebe tach. von- 
deme da gifcribin Ität. In mente habete diem qua educti eftif de 10 
terra egypti. daz wir iemir in vnfirme gimvote heigin den tak daz 
unf got irlofte uzzir egipto lande, daz ift div uinftiri der helle, von 
der got fin livt irlöfte andil'ime hivtigin tage, do er die helle zir- 
bracli. vnde dariiz nam alle die linin A^illin heton gitän. vnde fiv 
werte interram repromiffionif. indaz laut deffridif. vnde der gnädon. 15 
zeder himilfchvn hierufalem. daz ift der ewige lib. Def tagif irmanot 
unf ovch der heilige böte i'ante pauluf. an dien A\'ortin div wir 
zemerft fprachin. div chext alfuf. Der giwihte lialtare unfir herre 
ihefuf chriftuf der wart uirfelt. vnde hin gigel)in zer martyr. dvr 
unfir fvnde. vnde irftvont von me töde dvr vnfir rehthaftunge vt 20 
effeinuf fancti ficut et ipfe l'anctuf eft dominuf nofter. daz wir heilich 
vnde reht a\ urdin alfovch er heilich vnde reht ift vnfir herre dral- 
mahtigot. vnde daz er vnf widirbrähti zunfirm erftin rchte. Difiu 
wort def heiligin botin dv irmanont vnf der martyr vnde der vrftende 
vnfirf herrin ihefv chrifti. vnde zweier ding div unf angerbit fint. 25 
eiz von adäme. vnfirm altuordirn. daz heizit mortalitaf. div todinii 
daz wir alle fterbiu mvozin andeme libe, daz andir von unfirme 
herrin ihefv chrifto. (36 4 a) daz ift inmortalitaf div untodimi. daz 
wir vntodimik fchvln Mcrdin. vnde alfer an difime hivtigin tage 
irftvont vonme tode. giwäre got. vnde giwäre mennifche. daz ovch 30 
wir zem ivngiftin tage alfo fuln irftan mit deme feibin libe. vnde 
mit der felbvn feie fo Avir ie fchinein. Diz waf unfir erfte reht ftola 
inmortalitatif. daz giwant der vntodimi. daz uirlof vnf adam. dvo er 
vnfirf herrin gibot vbirgie. vnde brahtunf daz andir reht. daz ift 
der tot den wir alle mvozin lidin. alfe got zinie fprach. dvo er 35 
gifundote. puluif ef et in puluerem reuerterif Dv bift ein ftuppe. 
vnde mvoft ovch zeime ftuppe werdin. Vondeme rehte het vnf min 
trehtin hivte irlöft vbe Avir felbe wellein. vnde het vnf a\ iderbraht 
zvnfirm erftin rehte #der vnfchuldigi. vnde der vntodimi. daz Avir 



4 Ps. 117, 24. Hec 18 che^t geändert, undeutlich woraus. 25 angsbiiit 
3Ü Gen. 3, 19. 



30 xn 

40 nieniir dol' e\\ i^in todif irftcrbcin. vbc w ir in iirae gibote mit gvotcn 
Averkin. viule mit relitir glovbe vnz an daz ende bilibein. Wie abir 
unfir herrc irftvondo aide wenne. daz uindein wir an dem heiltgin 
evangelio daz man gel'tir laf. daz fchribit lantc matheuf. \Tide an- 
deme daz man hivte lili daz Ichrihit lantc MaicuC Sante matheul" 

45 der kit alfc hivte wäre uor tage, dvo chäme lante Maria magdalena 
von der min trehtin fibin tivuil uirtreib. vnde fantc Maria vnfirf 
lierrin mvomc nähter mennifchcit lante iacobif. vnde fante iohannif 
nivotir euangelifte. vnde woltin daz heiligrab gil'ehin. dvo waf unlir 
herre irftandin. vnde wal* ein michil ertbibot wordin. vnde waf der 

50 heiligengil uon himil chomin. def antlutto waf alfcin blikize. vnde 
fin giwant wiz alle der Ine. vnde hete den ftein abedeme grabe 
ginomin den die ivdin drdf heton gileit. vnde faz er dar üfe. vnde 
non finrc northte fo irfchrachin die ritir die def grabif hvoton. vnde 
lagin alle (364 b) fiv tot wärin. Dvo div funn,e dvo lif giealle fante 

55 marcuf chit. dvo chämin die heiligin vrovwe mit ir bimiton, vnde 
mit ir gifelbe. vnde wolton unfirf herrin lichamin falbon. nah deme 
fite der ivdon. daz er niwit uulcti. dvo fiv do indaz grab giengin. 
(lo fahiii fiv den ongil zefiwonthalb indeme fizzin. vnde chämin da 
uon zc michilre uorhtc. Dvo trovfte ilv der engil. vnde fprach. daz 

<>0 fiv in niw it iiorhtin. er wiffi wol daz fiv ihcfvM uon nazareht fvoch- 
tin. der wäre irftandin. vnde new äre da niwit. vnde hiez er fiv dvo 
daz fivz feitin finen ivngiron vnde ovch fante petir. der fin drieftunt 
hete uirlovginot. Nu fuln wir tvon alfc dife heiligin vrovwe tatin. 
Wir fuln vnfirf herrin hiute wifon mit vnfirme gvotin gifelbe. vnde 

65 mit vnfiren bimiton. daz ift div rehte glovbe. vnde div gvotin werch. 
daz A\ir daz wol fuln glovbin alfer irftvont uon fime gotilichia 
giwalte. daz ovch wir alfo fvln irl'tan uon finen gnadon. vnde fwaz 
wir ovch gvotif. vnde rehtif glovbeiN aide wizzin. daz wir daz un- 
firm ebincriftänin gerne fagin. vnde chvndein dur bezzirunge. alfovch 

'0 die heiligin urovwe dem ongil glovbiton. die vrftende unfirf herrin. 
vnde fi ovch dvo chunton finen iungiron. AVie wir abir zeme iung- 
iftin vrtcilde fulin irftan daz feit unf fante pauluf vnde chit ez 
gifchehe in momento. in ictu oculi. in eiNre hantwile. vnde in eime 
ovgo-v bliche, alfo (chirc fo ein ovge uf unde zvo ift gitän. vnde 

^5 irftandein alle in mcnfura ctatif plenitudinif chrifti. indem altir fo 
ovch unfir herre irftvont. daz ift inder wicliche fo der mennifhe 



43 Matth. 28, 1 fgg. 4i Marc. IG, 1 fgtj. 48 cuglifle. 68},^lobeiN aus 
globin (jcbefscrt. 72 Cor. 1, 15, 52. 75 Ephcs. 4, 13. 



XII . XIII 31 

ift anfime drizigoftin iäre. fo er in finrc beftun tuginde ift. Vnuf- 
qvifqve autem in l'uo ordine. vnfir ieliche nah linre wirdigi. alii in 
uitani eternam. etiliche zem evvigin Mbe. vnde zen ewigen gnadon. 
alii in obprobrium ut uideant feniper. etiliche irftant ovch zeme ewi- 80 
gin (3 Co a) itwize ir fundon. daz l'iv iemir ewicliche Inder helle 
fehin. vnde hwrin mvozin. Dauon bii'chirmunf unfir herre ihefiif 
chriftul". vnde helfunf daz wir ime alio gidienein indifime libe. daz 
wir noch wennon mit ime irftän mvozin inrefurrcctionem uite. zem 
ewigin libe. vnde zen ewigen gnadon. vbi ipfe cum patre et fpiritu 85 
fancto. vivit et regnat infecula feculorum. awcN. 



Pernio in ferto fancti iniclialiclif. 

f on den gnadon vnferf herrin. fo began wir über iar dicclio die 
tulttage fin felbef, vnde ilner liebun mvotir. vnfer frovwn fante 
MaRiun vnde ander finer heiligon. die mennefchcn vvarin. alfo wir 
fin. vnde fich doch alfo verro wider der broidi ir fleilchef fazton 
daz fi fint gehört in himcle. vndin erda. vnde daz fi vnf fint vvrge- 5 
fezzit zebilde. daz wir mit ir helfe mugin chomin ze dien felben 
gnadon. fo fi hant bezezzin. Edoch wan der himilfche höf uon 
anegenne ie waf gecierit mit dien faligen geiftin. der heron engelon. 
die fich nie vonder minna. noch uondeme diencfte ir fchepferf nie 
gefchiedin. noch niemir gefcheident. fo ift unf hüte dirre heilige tac. 10 
darzvo gefezit. daz wir fi hüte loben vnde heren alfo uerro fo wir 
mugin. wände fi die fint die vnf uon den lagen, vnde von dien 
liften der ubelon geifton indifime libe fuln behvotin. vnde vnf def 
fuln helfen daz wir hie alfo geleben daz wir wirdic werden daz wir 
zir gnozfchefte harnach mugin chomin. Diz fint die vnfer gebet 15 
vnferme herrin tagilichef fuln bringin. vnde die vnfer fela vvr fino 
anficht antwrtent. übe wir fie von unf mit vnrechten Mcrchin niewet 
vertriben. Ez wäre uil def man machti fragin. vnde fagin von dien 
heiligen engein. ubemef cende mochte chomen. w enne. vnde wielich 
fi wurdin gefchafen ! wie die gvoten wurden geftatet. Avie die ubeln 20 
wurdin uerftozzen. uon ir ordinon. uon ir amtcn. von (3 6 5 b) ir 
NamoN. uon ir zala. vnde von manigen andern dingen dv zinen traf- 
fin. Indifen dingen allen fo haben wir daz inder heiligun frift daz 

78 Cor.i, 15, 23. XIII, 16 wr] wir 17 anfich 20 wurden aus wurdin 

gebefsert. 22.23 trafGa aus trcffin gcbefsert. 



32 XIII 

fi fint vnferf lierrcn erlta. vnde dv herfta sefchepliida. doch man 

25 lefe daz er zeinoift gelclnofc hiniil vikIo hcrde. V, ie 11 aber beidv 
iriu^Mii war ün daz nil't iiiewet churzzel' eitel' ze recchenne. noch 
cleinor uernunlte. ze uerneniene. Duz füllen wir edoch vil wola 
merchen. vnde vil eracigo gedenchin doch li in aller Ichoni in aller 
golichi. in aller der wizzentheite. der ii dvo bedorfton wurdin ge- 

30 Ichaflen. vnde fi die felbwala haton. daz fi fich mochton cheren 
ze luedrenie fo fi wolton. zegote. ald uon imo ! daz die ubeln die 
fich uon ir fchepfare mit hollart fchiedin. niewen mochta gehelfen, 
neiiein dv herfchaft ir gefchepfeda. noch dv hoi der himelon. fine 
wurdin iefa uerftozin uon allen ir eron. vnde von allen himelchen 

35 gnadon. vnde newrdcn ir ein teil vcrfenchet indie tulli der hella. 
ein teil har indifen luft obder erde, die unz anden iungiftin tac. die 
gvoten. vnde die rechten fulen mit ir moi gereinen, vnde uon ir 
fundon erlutirn. vnde die ubelen. vnde die vnfaligin uirleitin. vnde 
denne zeiungeft die mit inen werdint fundin fand inen in daz ewige 

40 heIlev\T werdent uerfchalten. vnde fi alfo fint uerhertet inder ubeli 
daz fi niewet mugen noch gereut wider ze chomenne. noch gotef 
gnade ze fvochenne. Die aber do ir danchef. vnde umbe twungen 
mit gote belibin. vnde an finer minne ftate warin. die wurden alfo 
uerre zalleme gvote. zalleu gnadon geftatit. daz fi nicmer ne avcI- 

45 Icnt. noch nc mugen uon ir fchephare. noch uon finer minna ge- 
fcheiden. 3Iit difen dingin füllen wir def werden ermanot daz wir 
armen mennefchen alle unfer finna vnde unfer girda. zeder minna 
unfcrf hcrren gerne cheren. (3 6 6 a) der unf fol bringin zeder hira- 
elfchun gnada. wan unf nehein gewalt. nehein herfchaft. nehein 

50 richten, nehein gvollichi. dir \\ elte mac befchirmin. noc gehelfen, 
übe wir unf widir imo mit holTart fezzen. wir ne niozzin hin zer 
lielle zedem tieuele. ze dem A\ir unf hau gemachot übe wirf vil 
warlicho wider nine chomen. Gehabin wir unf aber uafto zunferme 
hcrren dem almachtigen gote. vnde zo ilneme dienefte. fo haben Avir 

55 den troft von finen gnadon. daz wir nu in difme übe haben die 
hvola. vnde die helfe finer heligon engelon. vnde daz wir harnä 
mugen chomin zir genozfchefte indien himelfchen gnadon. Daz virlich 
unf got. Qvi viuit et regnat. 



30 daz Hell 47 all' 51 üb' 



XIV . XV . XVI 33 



Am achten Tage nach Weihnacht. Tit. 3, 4-fgg. 

— en alle varen hinze helle vnze andie Avlle. vnd hat unf daz er- 
worven mit finer martir. Avelle wir felbe daz wir niemer der in 
chomen. vnd hat unf uf getan die himel porte vnd daz heilige pa- 
radyfe — min vil liebe wärmet hiute inder minne def almahtigen 

gotef. lat iv ivch daz vnd daz buchen 5 

daz er durch unf getan hat. vnd danchet iraef. wan warlichen indem 
a/mahtigen got fag ich ivh fuuer der mennifch ift der indirre uuerlte 
niemer \\ armet inder minne def almahtigen gotef daz ift un mugelich 
das der iemer erfte von dem tode der feie Nu heuet uf iwer heude 
vnd i\\ er herze vnd empfahet in ivch die uuirme def heiligen gei- 10 
Jtef vnd ruffet hiute an min frowen s. iwARien die muter def frone« 
chindef des heiligen chriftef der vns ce gnaden geborn ift 



Am Tage Epiphanice. Ev. Matth. 2, 1 fgg. 

(iL) golt wierouch vnd mirren Mit dem golde eret man die chuni^fe. 
mit dem Avierovch bezeichent man got. mit der mirren beftattef man 
die toten die man lieplichen gehalten wil fo daz fi niene — Mit 
dem golde bediute fi daz er kunich A^are aller chuni</e. Mit dem 
Avirovch bediuten fi daz er got wäre ein fchepfere hime/ef vnd der 5 
erde vnd aller der dinge die dar inne beuangen fint Mit der mirren 
beduten fi. daz ei- durch daz indife werlt chomen wäre </az er 
erfterben wolde ander mennifcheit durch allez manne chunwe. Daz 
ift ein dinch damit vnfer herre got difen tach mit geheiliget hat vnd 
allez daz uuir hiute lefen vnd fingen daz ift almeift von den einen 10 
dingen daz die fteru warte cedem almahtigen gote chomen. mit dem 
geleite de{ niwen fternef hec eft uocatio gentium Daz ander dinch 
daz an 

Am Tage S. Johannes des Evangelisten. 

(2a) — den Die gift tranch er uz daz im — nnar vnd die 

felben zuuene die dir uon tote waren die — er uondem tode Er 
fant finen roch bieinem manne hin — gen. alfo fehlere fo fi geruret 
uurden. mit finem rocche fazehant ftunten fi uf cealler lute gefihte 



XV, 1 golt] die Handschrift gol 3 fi] fine 
Altd. Predigten. 



34 XVI . X\TI 

5 Owi min vil liebe wie uuol er einen man gelieben chan. vnd uuie 
uuol erz getuon mac vnfer herre der im liep ift Nu er fin dinch io 
gehandelt hat der gute 1" johannef daz er unferem herren liep wal". 
vnd daz er] im hiute liep ift lo fcul wir finef ratel" gern uolgen daz 
wir dar umbe tuon daz er unf etteuenne niht liep geuuefen ift. waz 
10 ratet er vnf Si confiteamur peccata noftra fidelil" et iuftuf eft vt 
dimittat nobif peccata nullra et emundet nof ab omni percato Er 
fprichet welle wir vnferef vnrehtel" vnd unl'er 



Nach der Gesammtbeichte. 



l 



äeben nu hant ir begigen und claget dem almechtigen göte. der 
fündon. und derT miffetete. an die unfanfto leidor dehein menfcho 
mac leben. Nu ift och billich und recht, daz ir har über etlich bioza 
inpfänt. und die gerne leiftent. Alle die hiif und hof hant. alfo daz 
5 fiz vvol geleiften megen. dien geben wir ze bioza über ir fiinda. fo 
fi ez erft getuon megen. daz 11 herbirgen ein dürftigen, daz och fi 
got herberge in fineme riebe. Die def nievven megen getuon. die 
geben ir almiofena dur unferf herren minna. die def felben niene 
han. die fprechen ir pater nofter. dur die felcheit ir libef. und ir 

iO fela. und über die not der heiligen criftenheit. Die def nievven chün- 
nen. die bitten mit dien vvorten fo fi chunnin. daz fi got begnade. 
nach liner gioti. und na ir nötdürften. Der aber dirre ielichef. ez fi 
div herbirga. old diu almiofena. old daz gebet, dur unferf herron 
minna. und dur fin felbef felcheit vvil gemeron. daz raten wir inio. 

i5 und gebenz imo ze buoza über lin fünda § Na dirre buoza. fo bitten 
wir. und tuon allen dien die ir fünda riuvvont und fi gerno mit 
gottef helfa har nä uermident. antlaz über ir fünda uon dem almech- 
tigen gote. uon fant petre. uon allen gottef heiligon und uon priefter- 
lichem ampte fo wir haben uon göte. Indulgonciam et remiffionem 

20 omnium peccatorum ueftrorum fpacium et ueram penitenciam per 
graciam fancti fpirituf tribuat uobif optimuf & mifericorf dominuf 
amen, erigite uof. Antlaz und gnäda aller uvver fündon und frift 
rechte, und wuocherhaft riuvva. und riuwigez herza. mit der gnada 
def heiligen geiftef geb iv der erbermherzer got Amen. 

5 min vil liebe] mv. 1" 10 £p. Joh. 1 , 1, 9. XVII, 1 am Rande mit rotliev 
Schrift erigile uof. 22 erigite uof. roth; ebenso die folgenden V eh er Schriften. 



XVm 35 

In cena domlnl. 

In dem heiligen evvangelio daz man huto lifet an gottef dienfte. 
werden wir ermanot der grozun minna die unfer lierro ihefuf 
chriftuf hata ze der criftenheit. Ez faget ünf daz unfer herro ihefuf. 
do er gemarterot folte werden, uor der dult der oftron. wan er 
vvol wiffa die ftunda. wen er uon dirre vverlte folte uarn ze finem 5 
uatre. do vvolt er ougen den finen d'e in der vverlte waren alf er 
fi minnota die vvil er bi inen waf daz er fi och minota an finem 
ende, do er uon inen fcheiden wolta und die minna gefteten wolta. 
Do er dvo gemerta mit finen iungeron. vnd der tieuel iece hata 
iuda geraten daz er in uerraten wolta. wand er do vvol wiffa daz 10 
div ftunda naheta daz er uon dirre weite uarn folta do ftuond er 
uf uon dem merode und leita nider fin gewant. und nam ein twellen 
und begürte fich der mitte, vnd nam do wazzer in ein bechi (l b) 
vnd begonda finen iungeron cetwänne ir uiozze. und dar nach ze 
wiffenne. mit der twellen da mit er waf begürt. Do er do cham 15 
ce fant petre und er demo wolte twän. do fprach fant peter. herro 
folt du mir min uioze twan? Do fprach unfer herro. La fin peter. 
daz ich nu tuon def neweiftv niet waz ich der mitte meine du 
weift ez aber har na. Do fprach fant peter. Du netwaft mir niemer 
mine uioze. Def antwurt imo unfer herro und fprach. Twän ich 20 
dich niewet fo nehaftu mit mir niet ze fchaffenne Do daz horta 
fant peter. do erclüft er und fprach. Herro twach mir niet einic 
die uioze. twach mir zuo dien uiozen min hende und min houbet. 
Do fprach unfer herro zimo. der alle gewefchen ift. der bedarf 
niewet daz er vvefche wan die uioze. wand er ift alle reine. Ir 25 
fint och reine, iedoch alle niet. Vvan unfer herro vvol wiffa wer 
der waf der in uerraten wolta dar umbe fprach er. ir fint niet 
alle reine. Do er do inen die uioze getwioc und er fin gewant 
wider an fich genäm. und er fich nider zuo zinen fazta do fprach 
er aber zinen. Vvizent ir nu waz ich uch hau getan? Ir heizent 30 
mich meifter und herro. und fagent vvola vvan ich bin ez. Von div 
fit ich iuwer herro und iuwer meifter bin. und ich habe iuwer 
uioze getwagen fo fullent och ir billicho ein andren die uioze twän. 
Dar umbe fprach er han ich uch diz zeinem bilde gegeben daz ir 
alfo ein andren tuoient. alf ich iuch han getan. Diz fint div wort 35 

XVIII, 1 Et\ Joh. 13, 1—15. 35 am Rande roth ewangelium 

3 * 



36 XVIIl . XIX . XX 

def heiligen evvangelii. und Hnt iinf liarlo cenierchenne. vvan an difein 
evvangelio lo hat iinl" geleit unlor lieiro uolleclicho. wie wir lullen 
wider cheren ze gottef riche. dannan uz wir waren uerltözen mit def 
tieuelf rate, daz füllen wir mit der minna. und mit derdiemioti. und mit 

40 der gehorfami. Mit der minna lullen m ir def almechtigen gottef riche 
gewinnen, quia fine caritate nemo faluabitur. An die minna fo 
ne mac nieman behalten werden, wand minna ift rin niuoler aller 
tugendon. Der die minne hat. der hat die diemioti. Der die die- 
mioti hat. der hat die gehorfami. und werdent uon der minna die 

45 tugende alle erhörn, alf uon einer muoter ein tochter. uon der tochter 
ein andriu tochter. alfo vvirt uon der miima. div der tugendon ift 
aller erftiu muoter. ein tagend geborn uon der ein andriv. und aber 
uon dere ein andriu. Der aber der minna niewet nehat. de muoz 
der ander tugendon aller manglon. Von div tet unfer herro finen 

50 iungeron do er uon inen fcheiden folta. alf die guoten \riunda tuont 
ein andren, fo fi uon ein andren fcheiden füllen fo manent fi ein 
andre def fi wellent. daz ero newedere uergezze 

Am dreizehnten Sonntage nach Pfingsten. 
El). Lucie W, 23 fgg. 

(2 a) der uerfmeda dirre werlte. der neheinez ift gebotten. vvan 
echt geraten daz giltet unfer herro mit dem cenzec ualten löne. fo 
er wider chumet an dem iungeftem tage. Daz v\ir imo dirre gnadon 
miozzin vvirdeclicho gedanchen. und daz wir in. und unfern neften 
5 vverlicho megin minnon und daz ünf nach imo. und finer wunnec- 
licher antficht. und nach finer feliclicher mittewift mioze allezana 
ameron. def helf er ünf dur die gioti der ünf an dem heren cruce 
choufti mit finem tiuren bluote. Ihefuf chriftuf dominuf nofter. 



c 



Dominica xUU. 



um iret ihefuf in iherufalem tranfiebat per mediam samariam. et 
galileam. Vnf feit fant lucaf an dem Iieiligen ewangelio fo wir 



46. 47 dv d^ allor tugendon toclitcr ifl aller orltii iiioter. durch das erste aller 
ein Strich, tinter loeliler Punkte, und dann noch einmal am Rande nachgetra- 

V 

gen aller ei fle iiiol'' 47 Hinter lugend ein uon ausgeschabt. XIX , 7 der 

aus lo er gebefsert. 



XX 37 

huto lefen. Do unfer herro na der menfcheite hie nerthriche gienc. 
und warb, da?: er zeinem male do er vvolta uärn ze iherufalem. dür 
zwo gegen uuor. eina diu hiez Samaria. iia einer grozen Ität. div 5 
dar inne vvaf. diu andra hiez galilea. Vnd do er in ein chaftel 
gienc. do liußen in gegen inio. cen man. mifelluchtige. die ftuonden 
uerro uon imo. und huoben uf ir ftimma. und ruofton alfuf. Iliefu 
gebietere. erbarme dich unier. Alf er li gefach do iprach er zinen. 
Gent ougent iuch dien evvarton. do l'i ieze giengen. fo wurden fi 10 
gereinet Vnder difen cenen. fo vvaf einer, der ein samaritanuf vvaf. 
nievvet ein iüdo. Do der gefach. daz er vvaf gereinet, fo chert er 
widere, und lobta got mit nüchelr ftimma. vnd viel nider an fin 
antlüt. uür unferf herren vuoze. luid gnadet imo finer guote. die er 
au imo hata begangen Do fprach unfer herro. Iro waren doch 15 
cene die der fint gereinet wa fint die niune. Ero nift enheine 
vunden. der wider cherte. und gote die giolichi gebe, vvan dirre 
fromdelinc. Sprach och duo zenemo. Stant üf und ganc. vvan dine 
glüuba het dich behalten, diz ift daz heilig ewangelium. An demo 
merchen zmerft. daz unfer herro. aller der fiechon die er gefunt 20 
macheta nie nehein ze dien evvarton gefanta. vvan der mifelfucht- 
igon. Daz tet er neinem teile dur daz. daz die luden die fin uareton 
nievvet nemechtin gefprechen daz er die e zerftörti An der e vvaf 
gebotten. an fvvemo fich diu mifelfucbt ougti. daz man den uür die 
evvarten uuorti. vnd er einweder na ir urteilde wurde behabt uür 25 
fiech und uür unreine, chem er aber dar nä. uon deheinen gotef 
gnädon. daz er wurde gefunt fo vvaf daz geboten, daz er fich aber 
ougti dien evvarton. und er brehte daz Opfer daz imo vvaf gefezet. 
und fi in chuntin gefunt und reine Dur diz gebot der e. fo hiez 
er fi. daz fi lieh ougtin dien evvarton. (2 b) Tet ez noch duo 30 
dur die bezeichenunga def grozen und def unreinen fiechtagen. 
Vvan doch vvirz vvol megen cheren. ze der beceichenunga der 
unreinen fündon. mit der mifelfuchte vvirt edoch na der heiligun 
fcrifte namlicho gemerchet diu miffeuarwi dero die der ünt in der 
linrechtun glouba. Vv^an alf an dien mifelfuchtigen ift bi der boifi 35 
und der viuli. etwa gemifchelot diu ganza hüt. und diu rechte 
uarvva. alf ift an der irreron reda und lera. bi der lugi. und bi der 
uerleitunga da mit fi fint geunreinet. und och andre gerne unreinent 
uil giotu. und uil rechtu lera. Noch nilt nehein groz reda fo lug- 



XX, 3 Ev. Lhccb 17, 11—19. 



38 XX . XXI 

40 lieh fi nehabe etvvaz vvarheit gemiflot under fich. dur daz. daz fi 
mit der vvarheit ir hoirere uerliicche. all" mit dem honege. und dar 
na mit der lügi an der (cla ertoiden. alf mit dem eitere. Dife IVva 
man fi rechte irchennet die fol man noch hartor miden. den dehei- 
nen mifligen. und all'o l'ant paulul' ehit. noch felp griozzen iene ze 

45 guote. AU" ene wurden gefunderot. mit der evvarton vrteilde. alfo 
füllen och dife werden gefunderot mit der evvarton. und mit der 
pfafheit urteilde. und uerftozen uon der heiligun criftenheit. Svven 
aber got dirre mit finer gnäda alfo uerro gewifot. daz fi ir irretag 
erchcnnent. und ez werlicho riuwont. fo fint fi uon gote gereinet. 

50 noch nefullen doch under die heiligun criftenheit niemer chomen. e 
daz fi ir rechtun glouba gougent uor dien evvarton. und uor der 
pfafheite. die rechte chunnin inftan üb fi die mifelfucht der unrcclitun 
glouba haben rechte uerlan. Vvande nu daz ewartom der altün e. 
vür beceichenota daz ewartom der niuvvun e. fo hiez unfer hero 

55 die mifelfuchtigen. daz fi fich dien evvarton ougtin. daz er da mit 
chunt getete. fvvenne die irrerra fich ir unglouba vvoltin erlouben. 
daz fi fich denne dien evvarton und dien mciftern der heiligun 
criftenheite foltin ougen. Dife ftänt uil uero. und ruoffent uil liuto. 
wan fi vvol wizen daz fi gote mit ir unglouba uil harto fint geuer- 

60 rit. und mit grozenic ruofte ir herren füllen fuochen. daz er fich 
über fi erbarme. Nement in och rechto gebietere. wand fi 



An S. Matthias Tage. Ed. Matth. H, 25. 

alfer felbe andem euangelio hat gefprochen. Ego & pater unum 
fumus. Er fprah. Confiteor tibi domine pater cali & terrae. Er lobet 
in hiez in finen uater. unt aincn herren himel unt erde, daz er fo 
grozze ere finen lungern biet uerlazzen. die er uor ftarchen uurften 
5 die def wiftumef dirre werlte phlaegen uil gare biete uerborgen. 
Nah der liebe die er ze der l)ezzerunge het div uon finen iungern 
werden fcolt. waf lln ura?ude. div waf ovh zedem uollen daz er fi 



\^i vielmehr Joh. Ep. 2, 10. njl. Cor. 1, .'), H. Thess. 2, 3, 6. i%. Timoth. 2, 3, 5. 
Tit. 3, 10. 61 noch sieben Linien geiogctt, aber leer. XXI, 1 Ev.Joh. 10, 30. 
2 cell <fc l*rc 



XXI XXn 39 

mit lobe finem himelifken uater niht uerfwigen wolt; Zebezzerunge 
chom er felbe indife Averlt. ze bezzerunge erweit er alle fine iunger 
zemiflicliem cite. do fi der begunden. mit in uon finer hilfe wol lo 
begunde zehengen, def gvvan er niht wenige uraeude er gwan fi zeder 
maze daz er l'inem himelil'ken uater gab daz lob unt die ere; Zeder 
bezzerunge Avart ovh erweit der herre uon dem dirre tach hivte 
vvirt geert. niht uon got felbeni. iz ergie aue uon finer uerhengede. 
unt uon fineni m illen. do. zedem cite. do er da enant^rt nien waf. 15 
want er nah finer urftente an dem xl tage, zeder zefwen finef hime- 
lifken uater gefezzen was. Do uon finen fculden ludas die geno- 
fchaft uerlof. die er mit den zwelf boten haben fcolte. do (i b) 
giengen fi zerate w a fi ainen man namen der fin ftat wol uerwefen 
mähte, want fi uon in felben daz niht wol eruinden mohten. do 20 
ulegeten fi mit ir innechlichem gebet unfern herren. daz er in geruht 
ze chunden wen er zedem ampt haben wolt. Inder walunge waren 
zwen man. der ietwederre fih wol erzaiget het mit redilichem 
leben, die geantwrten fi zefinen heiligen gnaden, daz er der ainen 
nseme. der im nah finer gewizzen baz denne in chunt wäre. Daz 25 
gebet uernam der heilige chrift uil fchiere er erzaiget in wen er 
haben fcolt ze finem dienft daz loz geuiel über fanctum mathiam 
da bi uerftunten fi daz er die genofchaft unter in folt haben; Zeden 
eren do er uon rehter walunge chom. unt die genofchaft der zwelf 
boten uon der uerhenge def heiligen chriftef behabet, do graif er 30 
zeden urumechlichen wcrchen erzaiget fih felben. zeallen tugenten 
wol alle er uon andern finen hufgenozzen het daz guote bilde. Im 
felbem waf er uor mit den guten leben, andern luoten waf er uor 
mit der guten lere, uerdient damit die hulde def oberften chunigef. 
iint die gnade def himelrichef. die er geofFent hat allen finen hol- 35 
den. die im tsegelichef dienent mit willichlichem gemuote. Def fi er 
gelobet 

An S. Barnahas Tage? 

(2 a) wol uberwinten. Zedehainem finem wille/i er im gehanchde. hat 
in felben unt alle fine lifte. fo befchrenchct. alf er wol mohte. Zerehten 
dingen gehabet er fih zedem uollen daz er fin gelobet wort uon allen 
luten die in erchanten. alf wol uon den die rehtef gluben waren, fam uon 



9 das zweite er fehlt in der HS. 



40 XXII . xxm . XXIV 

5 den die rchtem gluben niht gehellen a\ olte«. Grozze enthabnufTe 
het er andern libe. dem enzoh er fwa er mohte daz trinche« unt 
die fpile. nehainef andern ^cnvAchef er nien phlach. daz er doh mit 
maze ane i'unte a\o1 mähte haben gehabet. Sinef i'tsptigen gt^l'eteJ' 
an llnen paren chnieweii phlach er zeallen citen. da enphalich er dem 

iOhimelifken herren fin lellief umwnlit unt ander lute. dar unibe wort 
er uerre geminnet. uon den luten die ["m lieilichlich leben moI er- 
chanten. want er ain rehter man uon allen luten wort geahtet. do 
baten in die iuden die rehtel" gluben nien waren daz er in zeir 
muohvillen mit linem urchunde geltunte. fi baten in gen uf ain hohe. 

15 daz er da wider rete def er uordiv dem heiligen chrifte urchunde 
gegeben het. Dar gienge er nah ir bet. lach doh mit unuerborgewen 
Worten dem heiligen chrifte finer gofheit (2 b) äff er wol mohte 
nah der rehten A\arheit. dar uuibe begunden fi harte zeunfiten 
^f^engen dar uf. ftiezzen in hernider uon der hohe, polten in do fo 

20 lange mit grozzen //'ainen. daz er mit der marter den lip mui'e 
uerwandeln. daz chom im zc ainem wücheln haile. er Mort fin wol 
geuraeut an der feie, want er hiute uraude hat ze dem himclriche 
mit den choren der engel. dar helfe er unf durch fine gute, geruche 
den himelifken chunich umbe alle funta»re ze ulegcn. Quod ipfe 

25 praftare dignetur. 

De. S. Cruce. 

1 ROPTER UGNVM fcrui facti fumuf. Mit difen worten div nu hie 
gefprochen lint. werde Avir zwair dinge gemant div unf fo anigent. 
daz Avirre niht uergezst'n fculn. Avant daz erfte gezivhet zedem 
eioigen tode. daz ander geziAhet zedem ^'(rigon lehene. A\ir Averdeii 

6 gemant der /cÄalcheit die Avir haben uon dem licrreN ^^/auien. der 
fih felben zeainem fchalche gab den funten. do er wider dem gebot 
unferf herren uon der ungehorfam geuicl in die funic. mit der wir 
alle in den eAvigen tot (}eu\e\cn\ aa ir a\ erden ovh gemant der uri- 
heit. die AA'ir uon dem heiligen chrifte Äffben. der unf mit fin felbes 

10 tode. den er ?/«fculdiger an dem cruce leit. uon der 



Am Tage Marien Himmelfahrt. 

(3 a) die hohe der himel. unt ir div ftat gegeben fi über die chore 
der eugel. daz fi in ain urseude der fi fttetichlichen lob unt ere 

XXII, 24 in ulegen g aus h gebcfsert. 



XXIV . XXV 41 

fagent dem almahtigen got. Ob iz in ain uraeude ift. fo fcol unfer 
uraeude uil micliel grozzer fin. want wir daze ir haben ein hilfe der 
dem funtsere niemer gebrütet, durcii daz ilt li ir truot lun fo naiien 5 
gefezzen. daz fi unl" unt allen luntaeren tsegelichei" antlazzef unt hilfe 
bite. Daz ift unf ain genade. der got fcol werden gelobet, unt geert. 
fculn hiute hince im fenten fin heilige muoter. div unf antlaz unt 
hilfe dazeim werue. daz wir hail nah finen huolden indirre werlte 
haben muozen. unt nah difem übe fin riche befitzen muozzen. Quod 10 
ipfe praeftare dignetur qui viuit 

In affumptlcne ü. ]?Iarise. 

J.MRAviT iHESvs in quoddam caftellum. Ecce tabernaculum dei cum 
hominibuf. Dizze chaftel daz bezaichent min frovwen fancte Manien 
Iz wizzet wol mine herren. da man ain chaftel erzivgen fol. da muret 
man umbe ain uil uefte mure. unt tribet da innerhalbe ufainen uil ueften 
tuorn. die mure befetzet man mit den wahtsren. den tuorn behsehet 5 
man mit den fchilten. unt mit gefchuotze. unt mit ander flaht gewse- 
fen. unt daz div mure unl der tuorn defte baz bewart fi. fo grebet 
man darumbe einen uil tiefen graben. Mit der mure ift gemerchet 
der chufiie lip miner frovwen fancte maRiCN. der uil wol bewart 
(3 b) unt befetzet was. mit den himelifken wahtseren. den heiligen engein. 10 
mit dem tuorn ift gemerchet. ir heiligiv feie, div wol behangen waf 
mit dem fchilte der fterche niinef trehtinef. unt mit andern guoten 
tuogenten die uollechlichen anir Avaren. mit dem graben ift gemerchet 
ir divmvot. div fo groz unt fo chreftich anir Avaf daz fi da mit gearnt 
daz fi def muoter wart, der himel unt erde gefchaphen hat. unt 15 
allez daz dar inne beuangen ift. Indaz chaftel chom gegangen unfer 
herre der heilige chrift. do in fin himelifker uater her en erde fante. 
daz er anfih na?me unfer mennifchait indem buoche unfer frovwen 
fanct* MaRieN. wie uande er ez do ? vande er iz laere ? Nein er 
waerlichen. er uant dar inne zwo fwefter. mit den fint gemerchet 20 
zwei leben die der fint in der heiligen chriftenheit. actiua fcilicet 
et contemplatiua. quarum una negotiofa. altera dicitur ociofa. Ein 
leben heizzet daz muzzege leben, daz ander daz unmuzzege leben. 
Daz fi fih def muzzegen lebenf underwuonden biete, daz mugen wir 



XXIV, 7 werden XXV Am Rande roth wie (ho Ueberfchriften Ixxvi 

1 Ev. Lucce 10, 38. Apoc. 21, 3. 2 bezaichet Tgreben 13 dem fehlt. 19 fce" 



42 XXV . XXVI 

25 chiefen ^vol dar an. wie fi der heilige engel uant. do er die urone 
botfchapht hiu ze ir warfe. Wie uant er fie ? Er uant fi niht an- 
der gazzen unt ander ftrazze Ipilent. er uant fi fitzende ineiner be- 
Ipaiten 

Am fünften Sonntage nach Ostern ? Jac. i, 22. 

(4a) laudis honorificabit me. Ere unde lop (int im michel lieber, 
denne dehain ander oppher. Mit weihen gnoten werben lul wir unf 
erzaigen '? Mit der behaltnuffe finer gebot, div io miClich lint. biet 
er unf fi (e/be in finen genaden nith befhaiden. daz m ir fi nith wol 
5 uer ften cbunden. unde fi ovch dauon nith w ol behalten m.Thten. Ein 
11« gebot habe wir. daz gebivt vnf daz Mir ze chinden werden, ain 
ander fin gebot uerbivt unf daz wir ieth zechinden werden, hat fi doh 
mit den warten befhaid?« daz wir ietwederz wol uer ften chuonnen 
Iz chom ze aineni male fo daz die iunger unter/ herren ftriten begun- 

10 den wer unter in der oZ/erft oder der herft wa're. der ftrit w art fo groc 
daz er uuor iinfcrn herren rhoni. der niiffe nie/ im. waf im nith liep 
unter finen iungern. er nam ain wenige/ rhint fazte iz mitten unter 
fi. fprah ze in. fi becherten fih. Avurden alfain wenigez chint. zedem 
himel riebe gewnnen ii niemer dehain genade. Welle wir daz uer- 

I5lten uon der gewaefiide def chindef. oder uon der ainualte rief chin- 
def? Sine iunger zeden er difiv wart fprach. waren der gewa>fhde 
unde def alterf. daz in unmuogelib gewefen waere. ob fi andern 
libe dem chinde gclih worden wasre«. Nu af daz nith fin mege. 
fo uerfte wir iz uon der ( 1 b) ainualte def chindef. alf iz ovch unfer 

20 herre felbe gemainet hat. wände \\ ir ovcb ain ander gebot haben 
daz unf uerbivtet daz wir ieth zechinden werden. Daz gebot 
andem er unf gebivtet daz wir ze chinden werden, hat er unf 
mit den warten befhaiden daz er chiut. Malicia paruuli cftote. 
daz ander gebot an dem er unf uerbivtet daz wir ith zechinden 

25 werden hat er unf mit den w arten l)efhaiden daz er chivt. Nolite 
pueri effici fenlibiif Div ainualte def chindef ift an allen luo- 
ten wol chunt. daz hat der finne ::.e ubelen dingen nith. iz hat 
ovch der finne ze Quoten dingen nith. ift alfo in dem wedel. daz iz 
weder übel noh guot geurvomen mah. wir haben af uon den gena- 



XXVI. 1 Sacrificiura laudis honoriücabit me Ps. 49,23. 5 Ev. Matth. 18, 3. 
6 Cor.l, 14,20. 



XXVI . XXVU 43 

den unferf herren manliche yinne. mit den wir unrethiv dinch wol 30 
wizzen zeuermiden. rethiv dinch wol wizzen zeurvomen. chere wir 
die nah finem Avillen. fo behalte wir zetvvederz gebot, fo daz wir 
den chinden gelich Averden. unde ungelich. ander ainualte gelich. ob 
wir die funte uermiden. an manlicheh finnen ungelich. ob wir guotiv^ 
dinch unde rethiv d'mcli uuordern. Swenne Avir unf fo handeln, fo 35 
nie<7e wir unfern herren wol loben unde eren. fo zft im unfer lob 
liej) unde gen»me. Wef ful wir in loben? Aller der genaden. die 
er unf erboten hat. div fo groz ift. daz Avir fi nith wol wuor brin- 
gen megen mit den warten. / i^p- 



An der heil. Apostel Tage. 



Vi 



4 



Wie Avir die hohzit der hailigen fAvelich uns in dem iar choment 
mit grozzem fliz begavn. And eren füllen. Die dem almehtigen got fo 
gedient haben. Vnd für gotes antlütz chomen fint. ob wir die in ir 
hohzit eren füllent. So ift daz niichel reht daz Avir die grozzen 
fürften die hailigen zwelf poten die von dem almehtigen got ze 5 
fürften fint gefetzet über alle die Avelt Daz Avir die vil grcezlich an 
ir hohzit eren mit chirchgang mit gebet mit dem almuofen mit allem 
chiunfchen leben. Wan fi got felb uns ze genaden a^z aller der Avelt 
vor derwelt havt. Als er felb fprichet. Ich havn ivch er weit, daz 
ir gangent vnd wuocher bringent. Wenne er fi erAvelt. Daz haben lo 
1! uns felber gefait Ez fpricht ainer der hailigen zwelfpoten. Uns 
hat got er Avelt. E. er die Avelt gefchuef. An difen hailigen worten 
mügen Avir merchen. die aII hailigen tugend vnfers hailandes. e. er 
den menfchen gefchueff. E. het er daz gefchaffen. Daz fin mit gaift- 
licher zuht. Aoid mit weltlicher guete pflegen folte. AVa AAart ie fo 15 
getaner guete gelich. Er gap in den gewalt daz fi den himel vf vnd 
zuo fchluzzen. Vnd daz 11 die hailigen diemvot behielten Petrus, der. 
der obrift Ander in Avaz. vnd dar vmb petrus gehaizzen AAaz Daz 
er mit ünferem herren ft*t vnd veft Avaz. Vnd der da gefprochen 
het. herr ich bin berait mit dir in den chärcher ze gavn. vnd in 20 

35 wir fehlt. XXVII, 4 die Handschrift dar wir 9 vor derwelt] von der 

y _ 

weit; hat aus daz gebe fsert. 10 er fij fi er il Ephes. 1, 4. 14 den] dea 

s s 

20 herr] hier tmd weiterhin öfters her oder her 



44 XXVII 

den tot. vnd (ib) fölt ich fterben mit dir Ich verlogenn din 
nimmer Den liez er fin drii'tunt verlogenen Sin gelob waz fo veft. 
Do er vfl" dem mcr waz. Do Iprach er zno ünCiM-ni lierren. herr ob 
du ez llelt l'o haiz mich vf dem wazzer zuo dir chomen Do er lieh 

25 do in daz mer lie. Vnd er den Itarchen wint. vnd daz groz vnge- 
uiter erfah do er vorht er fich. Vnd begund fa zeltund finchen. 
Do bot im ünl'er herr fin hant. vnd verwaiz im finen vngeloben. 
Daz tet vnfer herr alz durch üni". Daz er der weit pflegen lolt. Sin 
zwen trut fant lacob. vnd fant lohannes. Do li gerten der grozzen 

30 eren in l'inem rieh. Daz ainer zuo der zelwen gotes faize. der ander 
zuo der linggen. Wie lieb fi im wteren. wie fi nach weltlicher 
geburt finer muomen liin waMen. Iwie er den vf finer brult liez 
lainen. wie fi baid vf dem berg finiv götlichen tovgen Iahen, vnd 
die andern nit ledoch fprach er zuo in ir en wilTent nit wes ir 

35 gerent. Die marter die ich liden fol mügend ir die liden. Die 
muoflend ir liden. Daz ir aber in mim rieh zuo minei- zefwen oder 
zuo miner linggen iht fitzzent. Daz en ilt nit min ze geben. Ez ift 
deren den es min vatter berait havt. mit diCen worten lort er vnd 
warnot fin jvnger. Wie fi mit in felb vnd och mit iren vndertanen 

40 folten gebaren. Wie er zuo in. allen fpra'che gemainlichen. Die er 
der Mclt ze maiftein gefetzet havt. Er fprach zuo in (2 a) Als mich 
min vatter fante Alfo fend ich iv in die weit Sin vatter fant in do 
zuo in in die Avelt. Daz er mit finer marter div armen menlchen erledi- 
gete. Alfo fante er fin hailige Ivnger zuo der marter. Er fprach ich 

45 fend iv als div fchaff. vnder die wolf. Der w (tlf w az »ro ainer. 
der chriutzgot fant petern Daz hovpt chert er im nider. die fuezz 
vff. Er hoptet fant pauls. Egeas chriutzgot fant andream. Der chü- 
nig Aftragies fant partholomeum hiez fchinden alz ain riut. \ nd 
anderr vil rwffer wolff \\aren die. die hailigen boten ahten. durch 

50 der aller vorht. durch der aller drov. durch ir gehaiz. durch die 
fraifchlichen charcher. durch daz fivr. durch die fraifchlichen gallen. 
durch die yJiiinen clirapfcn. Duirh div hvngrigcn tier. durch den 
hvnger. durch den durf(. Durch den froft. Durch daz waffer. da man 
11 in fanchte. Durcii alle die marler. die der tieuel vnd finiv chint 

55 mohten erdenchen. Durch die not alle, entw ichen 11 nit Si frowten 
fich daz fi des wirdig waren, daz fi not folten liden durch den 

s _ 

22vlogen 26 fa] fo 29 lacoh /"c/i/f. 3(5 iiiiiii] min zwefwen 40 gemanlichen 
'ü hAiV hier »nd sonst für alle Formen dicsef Wortes. 47 Er] El 40 aiidr 



XXVII 45 

alraehtigen got. Si enliezen niht des des in ünfer herre geboten het. 
durch dehain fraife dirre weit Si tauten (ich vnder die grimmen 
haidenfchaft allenthalben vntz an daz end dirre weit. Ez en ift de- 
hain lant über alle die weit, da enfie ir lere vnd ir predige hin eo 
chomen Alfo habend fi die hailigen chriftenhait gelert. Vnd habend 
(i ze (2b) erchantnüff braht des hailigen geloben Da von ii't daz 
michel reht daz Avir fi eren Wan fi fint friund des almehtigen gotes 
Er fprach ovch zuo in fielig fint div ovgen. div daz fehend das ir 
da fehend. vnd beerend Wan vil menig chünig vnd patriarchen vnd 65 
wiffagen die des gerten vnd wnfchten Daz fi daz gefaihen daz ir da 
fehend. vnd enfahen vnd enhorten fin nit Er fprach ovch zuo in Ich 
haiz iv nit min chneht. ich haiz iv min frivnd. Wan ich havn iv 
chvnt getavn minen willen, vnd elliv miniv werch Der chneht waiz 
fines herren willen nit Ich han aber iv cluint getavn alles daz ich 70 
vernomen havn von miuem vater Er havt fi och von andren finen 
hailigen da mit gefvndert Daz er. in den gewalt havt gegeben. Wen 
11 hie in difer weit gebindent. daz der da ze himel gebunden ift vor 
dem almehtigen got Vnd fwen fi hie ovch ledigent daz der vor got 
ledig ift Si fint och die zwelf borten, die in die himelifchen ierufa- 75 
lern gand wan div lere des hailigen gelovben die fi gelert habent. 
Div havt uns die felben porten vf getavn. Vnd hat uns der hailigen 
genofamen gemachet da ze himel Si heten durch got verchorn dife 
weit vnd alle weltlich wnne. Vnd Agaren durnähtig an der minne 
des almehtigen gottes. Vnd an aller menfchen. wan fi nieman min- so 
ten denn den almehtigen got da von mohten fi der bos- (3a) halt 
wider ftavn wol. Vnd der weit an gefigen Nv füllen wir daz bild 
behalten, daz fi vns vor habent getragen, daz wir den almehtigen 
got vor allen dingen minnen. Vnd unfern eben chriften als uns felber 
Daz wir uns ze allen ziten vor den fünden hueten Daz wir den 85 
boefen girden wider ftanden Daz wir div gebot des almehtigen gotes 
erfüllen Daz wir die hohfart fliehen Daz wir ze allen ziten zuo dem 
ivngften \Ttail vorht haben Daz wir den armen ze hilfe chomen fwa 
wir mugen Daz wir die hailigen minne mit allem flizze behalten. 
Div alle vnfer fünde bedechet Wellen Avir difiv dinch alfo behalten 90 
fo Iren wir dem almehtigen got liep Nv. 

63 michi 64 /.ucce 10, 23. 24. 65 patrichan 66 daz iv zweimal. 67 Ev. Joh. 
15, 15. 72 Wien 75 borten] boten vgl. Apoc. 21, 12, 91 vgl. den Scldufs 
von XXXII. 



46 xxvm 

De martlribus 



D, 



He grozzen vnd die heren hohzit aller martrer. die en möht de- 
hain nienfch fo Avirdigclioh ge eren. fo 11 dos wert fiiit. Wan fich 
der himel des froewt. Daz fi da ze liiniel der hailigen engel ge- 
nofchaft habend gewnnen Sich froewet och div erde des Daz fiv 
5 von ir hilfe befchirmet ift Elliv div hailig chriftenhait froewt lieh. 
Daz 11 von der llgnuft der hailigen martrer ift. div hailig chriften- 
hait die vnfer herre felber mit finer heren marter zuo fines vater 
hulden braht. vnd fi lediget von des tieuels gewalt mit finera heren 
bluot. Die havt er ovch geueftent. vnd er rainet mit der fignvnft 

10 vnd mit dem hailigen bluot der hailigen martrer Si fint die. die de- 
hain not Von got gefchaiden moht. So ir ftrit vnd ir marter ie merr. 
vnd ie vn fenfter (3b) waz. So ir Ion vnd ir fra>\vd ie merer Avaz 
Daz angeng der hailigen chriftenhait. daz er rainiget vnfer herre 
mit den hailigen martrern Daz bild der gedultichait. vnd der ftaeti- 

15 chait. Daz havt div hailig chriftenhait bi den hailigen martrern 
gelernet Si ftriten vil vöUenclich. A\an fi des vil ge^ is A\aren. daz 
fi die geiiad fa ze ftund bef«ffen. fo fi difen lip begaben, die in 
vnfer herre gehaizzen het zuo der fi och grozz zuo verfiht heten 
Der vefte gelob, vnd div minne div alle tugend über triffet. die fi 

20 zuo dem almehtigen got heten. div machet in ring all widerwärti- 
chait dirr weit Si gerten ze allen ziten daz fi von difem Hb ledig 
Avurden. daz fi zuo dem hailigen crift chaemen. Durch fin liebe liten 
fi vil menig vnfenfte. Etlich Avrden erfchlagen mit den fwertcn Etlich 
wrden verbrennet Etlich wrdcn mit den gaiflen au gefclilagen Etlich 

25 wrden erhangen Etlich wrden in daz wazzer verfenchet Etlich wur- 
den alfo lebendig gefchvnden Etlich wrden gefmidet Etlichen wart 
div zvng vz gefniten Etlich wrden verrvnt mit den ftainen Etlich 
wrden vf gefniten. vnd fchut man daz chorn in fiv. vnd liez div 
fchwin vz ir buch ezzen. Etlich lagen in den charchern menigiv iar. 

30 vnd liten menigen hunger. vnd dürft, vnd froft Etlichen w rden ir 
hend. vnd cndriv iriv gelider ab gefchniten Etlichen wrden iriv 
bain zuo den bomen gebunden, fo man die bom ab lie fo zer brach 
man fi von ain ander Etlich w rdcMi den tieren (l a) geworfen Etlich 
wrden den fchlangen für gelcit ze hechend Etlich wrden gerceftet 

35 vf yfninen Roefchen Etlich wrden alfo lebendig in die erde gegra- 

XXVIII, 6 vor ift fehlt etwa geveftent 27 Yerrvnt] vwnt 



XXVm 47 

ben daz hopt nider die fuezz vf Etlich wrden an den galgen erhan- 
gen vnd wart in daz flaifcli mit yfninen chrapfen ab gezerret. Daz 
man in fiv fach, vnd würfen in faltz in die wnden. daz taten des 
tieuels chint. vnd riben es dar in mit härinen tuochen. Die fi vf 
den rcefchen branten die betrovften fi mit wallendigem fnialtz. Vnd ^0 
w'Tfen dar vf faltz So getaniv marter. vnd noch vil niänigeriv ha- 
bend 11 erlitten durch den almehtigen got vil frcelich. Vnd froewten 
fich des. daz fi got fin wirdig havt gemachet. Der in den willen vnd 
die fterche het gegeben Nv füllen wir doch merchen war vnib ünfer 
herre fo mänig not lie liden die er im felben het erw elt Der willen 45 
der ftsetichait vnd der rainichait im chvnt waz. mit den nceten vnd 
fi liten Vnd dennoch ob dehain not grcezzer wser Die heten 11 gerne 
durch in erliten Da mit havt vns der almehtig got gemanet vnd ge- 
lert, vnd bild gegeben Er het uns gelert daz wir die weit nit min- 
nen. Div ir minner zuo dem tod laitet. Er havt uns gelert daz wir 50 
die minne. Vnd die ftaetichait vnd die rainichait die wir von den 
hailigen martrern vernomen haben, daz wir die ze allen ziten 
zuo got (4 b) haben vnd och zuo den liuten Dez havt er vns bild 
an im felben gegeben Die hailigen martrer waren der liuten gefpöte. 
fi Avaren gehazzet von der a\ elt Alfam taten 11 der weit, daz 11 die 55 
hazzeten Wan elliv weltlichiv dinch div waren in wider zsem. Die 
11 haffeten vnd in lait taten Den baten 11 antlazes Dar vmb llnt fi 
gezelt vnder div chint gotes. Vnd ift daz rieh ir erbe. Si llnt nv in 
der himelifchen ierufalem huzgenoffen des almehtigen gotes Si fint 
in den genaden der fielichait. die dehain menfch erdenchen noch 60 
für bringen möht mit werten. Da ift dehain fer. dehain froft. dehain 
vnfroewd. Dehain armuot. Dehain gitichait. dehain fiechtuom. Dehain 
zorn. Dehain nit Da geret nieman nach gewalt. nach grozzen eren. 
Da furhtet niemen den tieuel noch fin läge Da enfürht nieman die 
helle, noch den tot des libes oder der feie. Wan da ift div wunne 65 
vn toetlich Da en wirt nimmer dehain miffhellung Da ift div ewig 
eben hellvng. Da ift frid vnd frcewde vnd ruow e. Da ift daz ewig 
lieht, vnd der fchin der fibenftunt liehter ift denne div funne. fo fi 
aller liehteft ift Div himelifch ierufalem bedarf der funnen lichtes 
nit. \Tifer herre der erliuhtet fi felber Ain ieglich faeliger menfch 70 
der dar chvmet. Der ift fibenftunt alz lieht fam div funne. fo fiv 
aller liehteft ift. Da en wirt nimmer (5 a) vinfter. Da en wirt nim- 
mer dehain \Tifenfte. Von froft noch von hitz. Da ift fo getaniv ge- 

47 not grozzer ; über not ein ausgestrichenes e 49 Er her 55 gehaizzen 



411 XXMII . XXIX 

nad die dehaines menfchen hertz niöht erdenchen Wan die allain 
75 die des wirdig fint. daz fi die genad befezzen habent. die vor got 
fint. vnd im dienent naht vnd tag. Da en altet nieman. Alle die dar 
chvment. die fint in der ivgend. vnd der nienfch ift. fo er volle ze 
manne gewahfet. Über alle die genad. die ir m vernomen habend 
So habend H ovch die genad. vnd die w nne. daz fi genoffam fint. 
80 der bailigen engel. vnd der himelilchen tugenden. Daz fi die franvd 
der himelifchen tugenden fehend. vnd hoerend. vnd der hailigen Pa- 
triarchen, vnd der hailigen wiffagen. der hailigen poten. der haili- 
gen martrer. vnd der hailigen bihtiger. \-nd der hailigen mägeden. 
Die den himelilchen chünig vmb Itavnd. Vnd die hohzit begavnd 
85 Div nimmer end gewinnet. Da div ewig frcewd vnd div ewig Avnne 
avn end \nimer mer ilt Nv. 



An der heil. Bekenner Tage. 



D. 



fle fchopnen lylien dez Paradyles. vnd daz lieht daz vf div chertz- 
rtal geCtechet ift. Daz es liuhte allen den die in daz hus gavnt. Vnd 
div grozz ftat. div vf dem berg ftavt. div nit verborgen mag wer- 
den. Daz fint die hailigen gotes trut. die lieben frivnd des hailigen 
5 chriftes die hailigen Pihtiger. fi fint zymber linte. die an der erde 
die ftaine. die (5b) an daz templum des Avaren Salomones geleget 
füllen werden. Die fi gefueget vnd gefchlihtet haben in difer weit. 
Daz niemraer dehainer fchlaht liute gehwret werden in dem hus. da 
fi an die mur des gezimbers geleit füllen Averden. Si fint och die 

jozuo den vnfer herre gefprochen havt. Ir fint daz faltz der erde. Daz 
ir dif red verftavn mügend. Die lylien des Paradyles fint wiz. vnd 
habend fuezzen fchmach Da von fint die hailigen lerer zuo den 
lylien gelichet Wan ir hailiges leben avn alle maufen er wahfen ift. 
Daz div hailig chriftenhait völleclich mit in getzieret ift. Daz von 

15 dem fuezzen fmach ir lebenes vnd ir lere Daz Paradyfe daz ilt div 
hailig chriftenhait In dem hus wonet vnfer herre. Alle die ir chri- 
Itenhait behuetent. die fint daz hus in dem ünfer herre A\onet In 
dem felben hus liuhtet daz lieht daz vf die chertzftal geftechet ift. 
Daz lieht ift div hailig gotes 1er. Von der alle die erliuht fint die 

80 vnd tli'ii 86 v(jl. den Schhifs von XWII. XXIX, 1 Ilic 2 Lv. Lucw 11, 33. 

c 

3 Ev. Matth. 5, 14. 8 gehörte 10 Ev. Maüh. 5, 13. 15 leben 16 fehlt der 
Satzfchlufs. 



XXIX 49 

ir chriftenhait huetent. Daz felb lielit ii't vf daz cherftal geftechet 20 
AVie daz chertzltal getavn fi. vnd Avaz es betiute. daz füllen wir iv 
lagen Daz chertzftal havt dry fuezze. vnd bezaichent die hailigen 
driualtichait. den vater. vnd den fun. vnd den hailigen gaift Ez havt 
och da en mitten ainen chnopf der hept zefamen div zway tail. Der 
felh chnopf betiutet den hailigen chriftus. Der div zwai liute luden 25 
vnd haidcn gefamenet havt in ainen geloben. Daz fint alle die. die 
von den zwain liuten den hailigen (6a) tovf enpfangen habent Daz 
lieht daz in dem hus vf daz chertzftal geftechet ift. daz ift div lere 
der hailigen lerer die daz hailig gotes wort ze allen ziten predi- 
gent. Von dem feie vnd lip erliuhtet vnd errainet werdent. Von 30 
dem div vinfter der fiinden vertriben wirt Div ftat div vf dem berg 
ftat div ift gezynibert. Div mag nit verborgen werden, die fiht man 
verre. vnd nahen. Div havt fo getavn gruntfefte. daz fi nit gewichen 
mag. Die irrer der chriftenhait. vnd die achter fwie gewaltig fi lint. 
fi enmugen die felben ftat nit zer ftoeren. Wan fi ift gezimbert vf ^^ 
die gruntvefte. der nieman mit liften noch mit gewalt gefchaden mag. 
Daz ift der hailig chrift. Die felben fiht man verre. vnd och nahen. 
Die fi nah fehend daz fint die fseligen. Die die chriftenhait vf ha- 
bent. vnd ir hueten mit flize. Die fi verre fehent daz fint die. die 
den hailigen geloben vnd den hailigen tovff noch nit enpfangen ha- ^^ 
bent. Vnd ledoch von ir lere zuo dem hailigen geloben choment. 
Daz vnfer herre fprichet daz fi daz laltz der erde fint. Da mit havt 
er uns gemanet. daz ^\\^ ir lere merchen vnd erfüllen Behalten wir 
ir lere, fo werden wir dem almehtigen got fuezz vnd gefmach. fam 
daz ezzen wirt von dem faltz Si fint die zimberliut. die da ftain ^^ 
fchlihtent. vnd fi fuegend daz fi berait fien an ze legen an die mur 
der himelifchen ierufalem. da nimmer hamer fchlag noch dehain lut 
gehceret wirt. Wan von ir hailigen lere werdent die fseligen in difer 
weit fo gefchlihtet vnd von allen mafen fo völleclich errainet daz 11 
wirdig fint zeligen an dem hus. da frid vnd ftille (6 b) vnd eben- 50 
hellung vnd div ewig genad ift. Vnfer herre hat fi dar zuo erweit 
von der weit daz fi wuocher bringent. Wie fi dar an mines trähti- 
nes willen erfüllet habent Daz ift wol fchin an der hailigen chri- 
ftenhait die fi och mit worten. vnd mit dem hailigen bild zuo dem 
gotes dienft gewifet habent Daz der vil waz die. die weit vil harte 55 

25 xps 27 ioyffettlt. 30 Von den feie 34 Die von späterer Hand aus 

D* gebefsert. 35 die] den 38 fint fehlt. iO vnd den] den aus dien 

gebefsert. 45 dai ftain 47 livt 52 dar an] an fehlt. 

Altd. Predigten. 4 



so XXK . XXX 

minten man vnd wip. Daz dio. die weit nv fliehent. Vnd alz 11 mit 
den liinden waren begriffen. AHü fint fi nv mit den hailigen lugen- 
den errainet. Der E. hohfertig waz der ift nv diemuetig worden. 
Der .e. diep vnd rober was vnd den liuten daz ii' iiam der git nv 

60 w ider lo er niaiit mag Vnd giltet den er iht genomen havt Alfo 
belTerent lieh A\ip vnd man. von ir lere, vnd von ir bild Daz ilt 
der wuocher den 11 dem almehtigen got brabt babent Er bavt li 
fin frivnd gehaizzen. Wan fi bebielten älliv llniv gebot von llnem 
dienft moht 11 nieman gelcbaiden Swie 11 den tot mit der offenen 

65 marter nit enliten. ledoch liten 11 mänig grozz not. von den liuten 
Si wrden diche gelchlagen 11 wrden verfendet Ir Ipotet div weit Si 
ahten fi alz fi noch luvt tuont Si liten hunger vnd frolt. Vnd vil 
menig vngemach mit vaften. mit wachen, von den irrern die den bal- 
ligen geloben an vahtent j\v eret fi vnler herre in dilem lib mit 

70 vil menigem zaichen. Daz fi toten hiezzen vf ftavn. Die aber an der 
feie tot Avaren die erchuchten fi vnd brahten 11 \\ider zuo gotes 
hulde Nv manend. 

von allen mägden 

illle die. die daz vmb den almehtigen got verdient habend daz fi 
von den nceten (7a) Vnd von der frais difer vnftaetiger m elt cho- 
men llnt hin zuo den genaden die ymmer fta?tig fint Die fint uns 
armen l'ündern ze allen ziten vil grcezlich vnd flizeclich ze loben 
5 Wan durch den fi arbait. vnd groz not in difer weit liten. Der havt 
fi ir not vil völleclichen er getzet Er hceret fi och. er gewert fi 
och Iwenn \'i in genaden bitent über uns armen fiinder Swie ir leben 
götlich vnd hailig ^a're als nv fchin ift wan fi von got vnd von 
den liuten geminnet vnd ge eret fint ledoch füllen wir daz merchen 

10 Daz A\ ir die hailigon mügd 1\ nderlichen eren füllen, die dis weit, 
vnd alle gezierd. vnd wnne. vnd alle girde difer w elt durch die liel). 
\Tid durch die minne ires gemahels des hailigen criftes liezen Si 
hctten ainen ftrit mit der werlt vnd havnt dem tieuel an gefiget. 
mit der hilf des hailigen chriftes Vnd ift hivt der tag. Daz 11 mit 

15 der fignvnfte von den hailigen Engeln fiir den ftuol. vnd für daz 
antlütz des almehtigen gotes braht fint Da fi mit ir gemahel 
dem hailigen chrift ymmer avn end die ewigen froewd habend Die 
Mil fi in difer weit waren. Do beraiten 11 lieh fwenne ir gemahel 

12 man. vgl. den Schlufs von XXXII. \XX, 13 haynt fehlt. 15 Engel 



XXX 51 

ch«me Ob er vmb mitte naht clmeme Daz il mit ir lieht vaz. vnd 
mit ir öle en gegen im chaMuen. Nv lelen wir hivt an dem hailigen 20 
Ewangelio wie vnfer herre fprach. Er fprach daz difiv weit wa?re 
gelich zehen mägden. die namen ir liehtvaz vnd giengen vz gegen 
ainem hriutiguom vnd ainer brut Der leiben mägde. w aren fünf tvmpe. 
vnd die andern fünf wife Die tumben namen ir liehtvaz. fi (7 b) en 
namen aber des Öles niht Die wifen die namen daz öle in ir lieht- 25 
vaz Do der briutguom entwalt daz er nit fehler chom. Do entfchlief- 
fen fi alle vmb mitte naht w art ain michel ruoff Do chom der briu- 
tiguom daz fi gegen im giengen Do ftuonden die magde alle vff. 
vnd beraiten ir lieht Die tvmben mägde baten die wifen. die ficli 
dar vff geAvarnet betten, daz fi in irs Öles gteben. Daz in ir lieht ^^ 
iht erlspfch Do fprachen die wifen. tailen w ir ünfer öle fo zerrinnet 
vns allen Gavnt hin zuo den die ez vail haben vnd chovlfent iv es 
Do fi giengen vnd chovftcn weiten do chom der briutiguom. Die 
berait waren die giengen zuo der brutlovften. vnd fpart man die tür 
Dar nach chomen die tummen magde vnd baten in vf tuon Do fprach ^5 
der briutiguom ich fag iv zwar, ich enwaiz ivr nit. Da von fo 
wachent. AVan ir enwiffent den tag noch die wil. Alz wir nv mer- 
chen füllen. Ünfer herre fait finen hailigen ivngern. von zehen mäg- 
den die wifen die daz lieht hetten. die mit dem briutiguom zuo der 
brintloff" chomen Daz fint die. die durch die liebe des almehtigen ^^ 
gotes chvnfchlich vnd rainclich lebent. vnd alle weltlich AMine ver- 
chiefent Dar vmb fint fünf an der hailigen gefchrift gefetzet. Wan 
ain ieglich menfch der vmb daz gotes rieh arbaitet. Der fol lin fünf 
finne haben, vnd er muoff dennoch älliv finiv werch chiunfchlicli 
vnd rainiclich behalten. Daz er dem almehtigen got enpfenchlich ^^ 
Merd. Alle die. die reht vnd chiunfchlicli lebent. vnd den hailigen 
geloben behaltent (sa) Avider ir eben chriften. Daz fint die fünf 
Avife mägde Weihes die tvinmen magde fien Die tummen magde 
die verfmahent den elichen hyrat. vnd Avellent hailiger fin. vnd 
ift in lieb, daz fi die liut hailiger haizzen. vnd fi lobend vmb ir ^^ 
magtuom. Die verliefent da mit gotes hulde Si Aerliefent och den 
Ion den fi von got enpfahen folten. Daz Aveltlich lob ift ir Ion Ir 
ift och layder genuog der geniuet. vnd aller ir gedanch hin zuo den 
mannen ftavt. Vnd möht ez fin daz fi ez mit dem lib vollebraehten 

V 

21 Ev. Matth. 25, 1 fgg. 24 namen fehlt 32 Gan 47 wider] vnd; oder 

_ e 

fehlt mianent hinter eben chriften ? 50 lobend, vn 54 voilebraten 

4* 



52 XXX . XXXI 

55 gern, dos fi mit dem hertzen gereut. Die werdent zuo derfelben 
riuoiul vordampnet. vnd lint als Ichuldig vor gof. lam ii ez mit dem 
lil) vollgetavn heten. Daz lint die tummen mägde Der fint och fünf 
an der liailigen gefchrift geletzet Wan li mit iren fünf finnen pofch- 
lich vnd vnreht gebarend. Waz div liehtvaz vnd dnz öle fi. Daz die 

60 wil'en mägde gen dem briutiguom tragent Daz w eilen wir iv fagen 
Div lieht vaz fint ünfriv hertzen. Daz lieht daz in den vazzen brin- 
net. Daz fint div rehten. vnd div guoten uerch. Daz öle ilt div ewig 
genad. die der almehtig got den fa'ligen ze Ion git. So er fi in die 
hiraelifchen ierufalem zuo der ewigen wirtfehaft fueret. Der briut- 

65 guom ift vnfer herr. Die briut. daz fint alle die. die in difem lib 
reht vnd chriftenlichen gelept habent die fueret iinfer herre haim 
in fin hus Der briutguom der vml) mitte naht chvmt. daz ift. fo wir 
uns aller mindereft verfehen So wirt div ivngft vrtail. Der ruoff daz 
man in enpfah. Der wirt von den hailigen Engeln Die haizzend die 

70 toten vf ftavn. Dez en ift dehain menlch. Alle die. die ie geborn 
wurden die muozzen (8 b) für ir fchöjjfer 0\\e ^\ie f«lig denne die 
wifen mägd fint. vnd Mie fro. die daz öl behielten, daz fi div hai- 
ligen werch in ir lieht vaz. Daz ift in ir hertzen alfo brinnent ge- 
gen dem briutiguom tragent Die tvmmen magd die enhabend des 

75 liehtes noch des Öles niht. AVan fi fo gelept haben indifer weit, daz 
fi niht rehter Averch für den alniehtigen got mögen bringen. Den ift 
laider div tür des himelriches verfperret. Daz «eltlich lob daz in 
in difer weit liep waz. daz ift ir Ion Swaz wir durch Meltlichen 
ruom vnd durch hohfart getuon. dar vmb wirt vns div himelifch tür 

80 vor verfperret. Wir onpfahen och dehaincn andern Ion. wan daz lop 
daz wir hie von den liulen enpfahen Nv manend. 



A 



An de)' lürchueihe. 

lle die liohzit die \\ ir in dem iar begangen die fint von got geor- 
dent der chriftenhait ze troft. vnd ze hilf Aber dis hohzit div da 
haizzet Chirwihe die fint vol frcewd. vnd genaden. allen den die fi 
fuochent. vnd gedingen dar zuo habent Iliut ift chirwihe dizz haili- 
6 gen gotes huses. Daz ift go ewet. vnd gcwihet dar zuo daz man got 
dar inne dienen iol. hiut ift der tag daz got im felber ain hus ge- 



70 /»infer menfch /"eAif ettio erlazen. 72 fi] fint "HG uilü fehll. 79. 80 wir vns 

s — 

die biotelifchea tür Yor \fperrcu. 83 mau. vyl. den SchluJ's von XXX I. 



XXXI 53 

machet havt. im felber ze lob vnd ze eren. vnd dem menfclien ze 
troft vnd ze genaden Den die genad hie fuochent Hivt ift der tag 
daz die hailigen Engel hie vf erde choment. her in ditz hus vnd fich 
get'amnent mit dem menfchen. ziio dem lob vnd ze dienfte ires fchö- lo 
pfers. Alfo groz iCt div genade des aimehtigen gotes. her zuo dem 
menichen daz ( <) a ) er lin hertz gemainveltiget havt her zuo im 
allo verre Daz dehain menfch verlorn mag werden. AVan der ain 
der nit genefen wil. Er fuor hin ze hiniel mit ünfer menfchait. Vnd 
liez uns vf erde fin gothait Vnd mint uns alfo verre. Daz er avn 15 
uns nit da ze himel fin %a olt. Vnd wir uns hie vf erd finer genaden 
vnd finer gotliait nit enberen folten Dar vmb wolt er och hie vf 
erde iin hus haben Daz ez alfo wol als da ze himel finer barm- 
hertzchait vol \a «re. Daz felb hus ünfers herren daz ift drier fchlaht 
Aines ift da ze himel. Daz der ewig lip haizzet Da er felb ift. vnd 20 
alle die feien die in difem leben linen willen taten. Vnd in finem 
geloben Vnd in finem willen erfvnden wrden So ift daz ander hus 
hie vf erde Daz haizzet div hailig chriftenhait Swer in difem hus 
hie vf erd nit en ift. der en mag. in daz hus nit chomen da ze himel. 
Vnd alz ain ieglich guot hus mit ainer guoten mvr vmb vangen ift. 25 
Alfo ift diz hus der hailigen chriftenhait mit dem hailigen geloben 
vmb mvret Swer vlferhalb dez geloben ift. der mag nit genefen. Alz 
div hailig gefchrift fprichet. Ez ift vnmüglichen daz iemen got wol 
müg geuallen avn den geloben Daz dritte hus vnfers herren. daz ift 
ditz gotes hus. vnd endriv gotes hiufer. div gewihet fint daz man 30 
got dar inne lob. Vnd fin genad dar inne fuoch. Da füllen wir inne 
enpfahen den hailigen geloben. Vnd den hailigen tovff. Da füllen Avir 
ünfer fiindo inne avn werden. Dar inne fol vns buozze (ob) wer- 
den allez dez uns ge« errcn mag an dem Hb vnd an der fei Ob wirs 
innerclichen mit rehten riwen got clagen. Da füllen wir inne erwer- 35 
ben vmb den almähtigen got mit vnferm gebet, vnd mit der biht 
daz wir von difen zwain hevfern die hie vf erd fint chomen muef- 
fen hin zuo dem dritten hufe Daz da ze himel ift. Daz ift der ewig 
lip Ez fprichet der wiffag. Herre dinem hus gezimet hailichait Sam 
er fprech herre dinem hus da dv inne bift da ze himel dem zimbt 40 
wol hailichait Wan f\\ er dar chomen loi der muoz. e geliutert wer- 
den fam daz golt in dem fivr Vjid muoz avn mafen fin Als div 
hailig gefchrift fprichet. Von ainem icglichen mueffigen Avort. daz 
die Hut redent Da muozzen fi von geHutert werden .E. fi chomen in 



XXXI, 28 Hebr. 11,6. ift z^veiwal. 39 Ps. 92, 5. 



54 XXXI 

15 daz rieh. Daz dritte hus da zimet nit inne ze tuende wan hailigiv 
A\erch. da fol man got inne loben. Da lol man got inne an beten. 
Da fint die hailigen en^el inne täglicli in gotes dienlt Jlio wirdot 
der hailig gotlichnain gomachet In oni»faliot ovch der nicnlch hie 
inne im felber ze trnlt vnd ze genaden. Hie il't liner hailigen friiinde 

50 gebain. hie ift div genad. Allen den die fi fuochent mit verdahtem 
muot vnd hertzen. Hie Mirt der lünder alle lin fünd avn. ob ers 
vordert zno got. Hie wirt er avn aller der not. div im gewerren 
mag an lib vnd an lel Noch ift ain hus daz dem almehtigen got 
vil lieb ilt. (lO a) Da er vil gern fin weien inne havt. Da er groz 

55 liebe zuo havt Daz ilt aines ieglichen ia^ligen nienfchen hertze. Daz 
gerainet vnd gewäfchen ilt mit den zähern der rehten riwe. A nd 
daz er rain ift von ho\-])tfünden. von manfchlaht. von huore vnd 
vber huore. von zorn. von nide. von hazze. von aller Ichlaht vnchivnich. 
Da havt in geherberget chivnfch vnd diemuot. vnd gedult. vnd ge- 

60 horfame. triuM e vnd warhait Swa daz iinfcr herr vindet. Da machet 
er fin wefen Da von er felber fprichet. Wa ruoM en ich bas. denne 
da ze dem diemuetigen. vnd ze dem fenften Der miniv wort fürhtet 
vnd miniv gebot behaltet. Daz ift im ain liebes hus Wan fant Pau- 
lus fprichet an ainer ftat Ir fint daz war gotes hus. Vnd der hailig 

65 gaift ift mit iv 0\ve wie faelig er ift der fin hertz alfo gerainet. 
Daz got geruochet. daz er fin gaft dar inne ift || Da man ain gotes 
hus wihet. da begat man fünf nämlichiv dinch. Da der byfchof ain 
chirchen Avihet. Da fprenget er mit dem w ilien brunnen. Da zündet 
man die chertzen alle, man falbet fi mit dem hailigen (Me. Kr fchri- 

70 bet mit finem ftab an den eftrich. vnde an die mvr vnd fegnot fi. 
Die felben wihe begavt man an ainem ieclichen nienfchen. fo ez ge- 
tovft wirt. man befprenget ez. So man ez inden tovf ftozzet. man 
bezünt ez. fo man die tovfchertzen ob im brennet man chrifniet 
ez. als man wol fihet Man fchribet (lob) im an Ini ho\pt vnd an 

75 fin bruft vnd an fin hert/, daz hailig chriulz 3lan fegeiit ez mit dem 
hailigen gotes Mort Mit fus getaner wihe ift i\\er iegiiches hertz 
ge wihet dem almehtigen got ze hufe Gefah in got der die wihe an 
im felben behaltet So got «irt älliv dinch maldingen Daz ift an der 
ivngften vrtaile So ain ieglich menfch erfiavt in dem felben lib 

80 Da er hie inne gelebt havt Alle die denne mit got erftavnd Die en 

e 
46 da] daz 49 troft 57 er zu tilgen ? oder crrainel ? 61 bas ans bach gcbefserl. 

64 Cor. 1,3, 16. 66 gaia 65» fpribel 70 vnd'' an 72 wirt] wir 74 aus 

fchribt gcbefsert. 77 Gefan 78 dinch. in allen digcn 79 vrlaile] vrflcndc 



XXXI . xxxn 55 

werdent nimmer von im gefchaiden Die aber avn in erftavnd. Daz 
fint die die immer verlorn fint Dar \inb heben wir ünfer hend vf 
hin zuo got Daz er uns befchirme vor allem übel amen. 



von der vffart ilnfer frovtven 

fiVs fait der guot l'ant Lucas. An dem hailigen Ewangelio wie vufer 
herre in ain Chaftelle gieng Da enjifieng in ain frow div hiez Martha 
vnd dient im in ir hufe Swa man ain Chal'tel zimpert daz vmb muret 
man. vnd muret dar in ainen veften turen. vnd bewaret ez mit guoten 
wahtern. mit fchilten. vnd mit aller lay gewsefen. Dennoht daz div 5 
mur. vnd der turn defter baz behuet f'ien. So grept man ainen 
tieffen graben dar vmb. Do der himelifch vater finen fvn vnfern 
herren den hailigen chrift in die weit fant. daz er von der heren mägd 
ünfer frowen fant Marien menfchlich bilde an fich n»rae. Vnd div 
armen menfchen ledigete. Do gieng er in daz chaftel da vand er 10 
inne zwuo frowen Martham vnd mariani ir fchwefter. Div ain martha 
div dient ünferm herren. mit den dingen der. der lip bedorft. Div 
ander div faz zuo finen fuozzen. vnd hört finiv wort. Waz ditz allez 
betiut daz wellen wir iv fagen Div mur bezaichent vnfer frowen 
fant marien. Der turen bezaichent ir feie, die wahter bezaichent die 15 
hailigen engel. Die fchilt vnd daz gewaefen bezaichent die tugend 
des almehtigen gotes Alz div mur mit den wahtern behuetet ift 
Alfo waz ir hailiger lip mit den engein behuetet ze allen ziten. Ir 
hailigiv fei div waz mit fchilten vnd mit den tugenden des almeh- 
tigen gotes behuetet. Der grab bezaichent die die- (23 b) muot. div 20 
ift ain fo getaniv tugend. Div aller fchlaht tugent huetet. Wan fiv 
die tugent völleclichen het. So wart fiv von dem almehtigen got 
geeret. Vnd dar zuo er weit. Daz fiv fin muoter Avrde. Vnd doch 
magt belib. Die zwuo frowen Maria vnd Martha bezaichent zwai 
leben in der chriftenhait. Avn diu dehain menlch genefen mag. Daz 25 
ift der guoten layen leben die vnferm lierren dienent von iren 
arbaiten. vnd behaltent finiv gebot, vnd lielfent iren ebenchriften. 
fwa fi mügen Die ditz leben behaltent die befitzeud die ewigen ge- 
nad Daz ander leben daz ift alfo getavn. Daz die fieligen menfchen 
alle die wnne. vnd alle die gird difer weit durch die liebe dez 30 

XXXII, i Ev. Lucw 10, 38 fgg. 8 h*ien JT behuetet fehlt. 21 fchlat 

26 leben fehlt. 29 hinter leben fehlt wohl daz ift daz gaiftlich leben. 



56 xxxn 

himelifchen chüniges vil girlich lazend. Vnd fliehent dife weit. Daz 
fi in dem lob dez alniehtigen gotes ze nllcn ziten lien Alfo find li 
in dem lob dez alniehtigen gotes. vnd in den ewigen genaden. Daz 
ift daz ander leben. Div zwai leben div ir nv vernomen havnd. Div 

35 vant vnfer herre gar vöileclich an vnler frowen fant Marien. Do der 
hailig engel von hiniel zuo ir gefent wart. Daz er ir chvnt t«te. 
daz fiv den gotes fvn geboren fölt. Do vand er fi in aineni gademe. 
Daz fi frilich hin ze got gedenchen möht Owe \\ie diemuetiglichen 
fiv dem hailigen engel antwrte. Als ir der engel die himelilchen 

4o botfchaft fait Do Avart fiv mit dem hailigen gailt erfiillet. Vnd fprach 
ich bin fin ewigiv dirne (24a) Dez bolchaft du mir haft gefait Sin 
Aville der werde an mir erfüllet AUo A^az fiv ze allen ziten in dem 
dienft des almehtigen gotes. Vnd behielt daz gaiftlich leben vil vöi- 
leclich. Do fiv den hailigen gotes IVn gebar Do erfiilt fiv daz ander 

45 leben. Ir licrren den fiv geboren hef. Der die menfchait von ir 
enpfangen het dem diente fiv Siv avzet Siv tranchet in Siv clait in 
Siv badet in Siv dient im in allen den dingen, der div menfchait 
bedarf. Do in herodes fuohte. vnd in er fchlahen Avolt. Do floh fi 
mit im in ain ander rieh. Alfo erfiilt fiv div zwai leben vüUeclichen. 

50 Do vnfer froA\ e von difer Avelt fchied Vnd ze himel gefuert Avart. 
über alle die chffre der Engel. V^an fiv muoter ift dez lierren Der 
der Engel vnd aller gefchepft herre ift. So il't och vi! billich daz 
fiv über alle engelifche chcere erho»het ift Nv füllen Avir uns ge- 
mainlich franven. der fich dehainer grozzen fünde fchuldig Avaiz. 

55 Der fol A'il grozz zuoverfiht haben. Wan fiv ift chüniginne der himel 
vnd der .erden. Siv ift ain zuo verfiht vnd troft. vnd hilf aller fün- 
der. die zuo ir. fliehent. Siv ift div rain erde vz der gefprungen ift 
der brunno der hailigen erbarmvngc In dem felbcn brunnen mnozzen 
Avir alle genäfchen Averden. Daz ift vnfer herre ihefus chriftus. Daz 

60 ünfer herre den hailigen alt A'ätern gehaizzen het Abraham, a fach 
vnd. lacob. Daz havt er uns gegeben. Er gehiez in ain erd div 
fluzze von milich. vnd von honige. Div erd ift ünfer fro\\e fant 
Maria. Div milich ch\mel von dem (24 b) nailch. Daz honig wirt 
ze fämen getragen. a\ ii allerfchlaht flaifch. Div milich bezaichent 

65 die menfchait Daz lionig bezaichent die gothait. Div baidiv havt 
vnfer froAve braht. Wan fiv uns den hailigen chrift geborn havt. 
Der Avarer got vnd warr menfch ift IVv füllen AA'ir merchen Avie der 

87 fvn fehlt. 54 Avaz 



XXXII . XXXni 57 

engel zuo ünfer fro%\ en fpracli Er fprach fiv wser vol aller genaden. 
Waii fiv nv aller genauen vol ift Vnd wan iiv uns den brunnen der 
genaden vnd der erbarmunge bravht havt. Da ze dem wir ünfer 70 
fünde ab wäfcben füllen. Uxer fo fselig ift. Daz er fin miffetavt be- 
wainet. Die zäher chomend von dem felben brunnen den uns vnfer 
frowe fant Maria braht liavt Nv manend fi hivt irr genad. daz fiv 
uns helf an lib vnd an feie. 



ain ander red von ünfer fro^ven 



M. 



lAria daz fprichet ain mer fteine Siv haizet da von merfterne. 
Daz ir iren hailigen namen fiilt an fehen. Wan alz lieh div fcheff 
div vf dem mer varend. nach dem fterne f ihtent vntz daz fi vff den 
fraifen choment. Alfo füllen wir iren hailigen namen an rueffen. vnd 
an fehen. vntz daz fiv uns vz den fraifen helfe vnd bringe dirre 5 
weit Daz fiv uns zuo ftad bringe. Daz fiv nv befezzen havt. Daz ift 
daz hailig Paradyfe. Paradyfus daz fprichet ain bomgarte der wirtfchaft. 
Den gefchuof ünfer herre got. von anegeng der weit. Vnd gefchuof in 
dem felben boni garten ainen vr (25 a) fprung. Da fliezzend vier 
wazzer vz in vier enden in daz Paradyfe. Daz fi fiuht geben allem io 
dem bomgarten. Bi den felben vier wazzern ftuonden alz ez got 
wolt vil menig edliv wrtz. vnd vil menig fchoener bovm. Vnd ftuond 
och all enmitten vnder den bovmen ain bovme des libes. wan er het 
die chraft vnd die tugend. Wer finer fruht ze ainem mavl genoz. 
der lept ymnier mer in allen finen chreften vnto^tlich. Do aber adam 15 
vnd Eua ünfers herren gebot über giengen. do ftiezz er fi vz dem 
felben Paradife. vnd fatzte. ainen engel mit ainem fiurinen fch\\ert 
für daz tor dez heren paradifes daz er huote Waz difiv rede be- 
zaichen. daz Avellen wir iv fagen Der bovmgart bezaichent alle die 
chriftenhait So bezaichent der vrfpring. da div vier aa azzer vz rin- 20 
nent. den hailigen chrift. Div vier wazzer lint. div vier Ewangelia. 
div er felbe mit finem mvnd gefproehen havt. ze hilf vnd ze troft 
aller der chriftenhait. Vnd da er mit geueftnöt vnd gefteetigot havt. 
den hailigen geloben Bi den felben vier wazzern. da bi ift gewahfen 
vil menig guotiv wrtz. vnd vil menig edel bovme. Den daz felb göt- 25 
lieh wazzer allen fiuht vnd chraft havt gegeben. Die bovme daz fint 

XXXIII, 7 wirtfcharfl 10 fiuht] fruht 11 wazzer 13 libes 18 hren 

19 die] dife ; dahinter ausgestrichen yrelt 23 geueftnöt 



58 XXXni . XXXIV 

die liailigen f^otes hoten. vnd die hailigen niartrer. vnd ^ie hailif^en 
bihtiger. I)az fint. die. dip viifor heirc got mit der liuhte dez hailigen 
gaiftez alfo geueftnot havt. Daz H von reht haizzcnd (25b) die bovme 

30 der hailigen rhriCtenhait Wan fi fiv mit ir guota't vf habent Vnder 
den bovmen allen Itavt ain bovme. Dem nigent fi alle. Dem dienent il 
alle. Der bovme der ift Div here chüni^inne Ir obz vnd ir fruht ift 
der hailig chril't Swer dez obez ze ainem male nivzzet der lept 
ymmer mer mit \\nne vnd mit fremden in allen l'inen chreften vn- 

35 ta?tlich. Daz hailig Paradife daz uns von der alten Euen \nziihten 
vnd über muot von anegenge der \\elt vor befchlozzen waz daz havt 
linier fro\\ e iant Maria mit ir milte vnd mit ir diomuot entichlozzen. 
\ nd vf getavn Wan daz fiurin I\\ ert da daz paradyle mit behuetet 
waz Daz havt der hailig chrift erlefchet mit dem wazer daz vz finer 

40 götlichen fiten floz. Vnd havt vil herlich gefetzet an fin zefwen. vnd 
gechrcenet ze ainer vil heren chüniginne über himel rieh vnd über 
ertrich. vnd über alle die weit. 



von der gebiirt ünfer fi'owen 

11 Ir lefen an der balligen gefchrift «ie der chünig Salomon im 
felber ainen ftuol gemachet het vz helfenbain. vnd het in gezierot 
mit golt. Hinden waz er finwel vnd waren zwuo hende dar an die 
den lliiol vnib vangen beten. \ iid bi ictwederr hant waz ain leo 

5 geniachet vnd \\ aren felis grede die dar vf giengen. ^ nd vf den 
felis greden ftuonden zwelf levn. So getanes \\erclies was in allen 
riehen nit Salomon der gewaltig vnd der rieh chünig (26 a) Der 
bczaichent ünlern herren ihefiim cbriftum mit dem nainen. vnd mit 
den wcrchen Salomon daz fprichct in vnfer zvngen ain frid macher 

10 der havt ünf fiid geniachet. vnd havt die vintichaft verfucnt. Die 
der aiiiie menfch gearnet het. der gotes hiildo mit finer vngehorfame 
verlorn het. Des felben Saloinons des liailigon cliriftus werchen. 
den ift nit gelich Ir liavnd wol \eriiomen wa von der ftuol dez 
chüniges falomones gemachet w art. Der waz von helfenbain gemachet. 

15 Der helfant ilt chaltcr nadir Deliain ander (ier ift fo ehalter natur. 
Da von ift er eben ma'zig der chiunfch ünfer frowen fant iMarien. 

m fehlen }yortc. .'fl luen XXX IV, 1 /{(•(/. 3, 10, 18 /•j/y. Parulip. 2, 

9,17 ffjij. 5 machet 11 zwischen der und f^olcs ausgestrichen havt (ins ze 
hiilden braht. vud 12 chiin'J 



XXXIV 59 

Div waz von der tugende des almehtigen gotes von aller fchlaht 
fünden fo errainet. Vnd von dem hailigen gaift m az 11 vmb fchetvvet. 
daz nie dehainer fchlaht vnchivnl'che. zuo ir chomen moht Siv Avaz 
div erft div iien magtuom dem almehtigen got verhiez Swie l'i den 20 
fluoch der .E. vorhte Der waz aifo getavn Schwelich wip nit wuochers 
bravht. div nit chindes truog div waz verfluochet vnder den liuten 
Swie fiu daz voiht Jedoch enpfalh fiv fich dem almehtigen got. Der 
lol'te Ii von dem fluoch. \ nd gab ir fo getanen wuocher. von dem 
fiv vnder allen liuten gelopt vnd gefegenot ift (26b) vnd muoter 95 
vnd ewigiv magt ift. Den felben Ituol ziert er mit gold Daz golt 
betiutet die hailigen minne De" ftuol waz finwel an dem hindern 
tail. an dem menfchen fint zway tail. Daz vorder, vnd daz hinder 
tail. Daz vorder tail ift div feie. Daz hinder tail ift der lip. Div 
feie ift daz bezzer vnd daz herer Daz hinder tail daz den lip be- 30 
zaichent. Daz betiutet daz ünfer frowen hailiger lip. chiunfch vnd 
rain vnd diemuetig waz Die zwuo hend die den ftuol vmb viengen. 
Daz fint zway leben. Der rehten layen leben. Vnd der gailtlichen 
liute leben. Die noch nieman fo volliclich begie. fo ünfer frowe 
fant maria. Die zwen lewen die bi den zwain henden ftuonden. Die 35 
waren zwen hueter. Der ain wnz Der hailig engel fant Gabriel der 
ir die fronen botfchaft von himel bräht. Vnd ir pflag vnd ir huot 
an gaiftlichem leben, vnd an aller hailichait Der ander hueter den 
fchuof ir. ir hailiger fvn. do er durch aller menfchen hail. an dem 
hailigen chriutz hieng. Daz Avaz fant Johannes fin trut. Der ir hien 40 
erde pflag. vnd ir diente vntz zuo der hailigen vffart ünfers herren 
ihefu chrifti. Die fehs grede die hin zuo dem ftuol giengen. Daz Iint 
div fehs werch der erbarmung. Daz ift aines daz wir den eilenden 
guot füllen fin. Daz wir den hungrigen ze ezzen füllen geben. Vnd 
den dürftigen trenchen. Den nachenden claiden. Daz wir die (273)45 
armen herbergen. Den fiechen laben. Daz wir die gevangen die in 
dem chärcher fint. ledigen. Die zw elf lewen die vf den grcden ftuon- 
den. Die betiutent. die hailigen zwelf hotten, vnd Hie hailigen väter 
die alle ünfer frowen lobend. Vnd genad da zuo ir fuochend. Da ze 
dem felben ftuol. vf dem got felber geruoM et havt. Daz fol ünfer 50 
zuo verfiht fin. vnd vnfer geding. Der felbe ftuol ift ünfer frowe 
fant maria. Die füllen wir vil innerclichen biten. daz wir mit irre 



21 vorhte] vor het 37 bräht 41 hie vf erde 46 hrbergen Daz die gevan- 

gen 



60 XXXIV . XXXV 

hilfc Avider haim vz difem eilend zuo den ewigen genaden chomen 
mueffen. Amen 



Am Tage aller Heil? gen. 



T, 



euipus ipargendi lapidez et tempus colliendi § Difm wort lindt 
gelchriben in ecciefiaftico vnd fprechent die ze tiufche all'o Ez 
ift ain zit daz man die ftain von ain ander zertailet vnd ift och 
ain zit daz man li wider zemen ianinet vnd hoprent aygenlich 

5 vf daz hoch zit daz wir hiut begangint von allen hailigen (l85b) 
A\on alz die hailig man von ain ander zertailt werdent in dem 
jaur vnd won man liiut ainz hailigen tag begaut morn ainz an- 
derz alfo hat man llu hiut alle wider zemen vnd begavt ir hoch- 
zit lamenthaft in aller der criftenhait an dem hiutigen tag die hailigen 

10 lind bezaichent bi v dingen die an den ftainen lint daz erft ift hert 
daz man in beniuli l)iegen kan w on er brichet e. daz er iich biegen 
lauz IIa bi ilt vnl' bezaichent daz die hailigen alliii iriu lid liel'fent 
brechen vnd den biteren tot littent E daz U ir hertz naigtint von 
got vnd lieh Ichiedint von criltam geloben Daz ander ilt fwie lang 

iö der edel l'tain in dem horwe lit er gefniet niumer da bi ift bezaichent 
daz die hailigen fich niumer gehörw etent wie vil fi bi übelen liuten 
warent vnd buMez bild fahont ( isoa) Daz drit ift klaini daz der 
edel ftain klainer ift denn die ander ftain da bi ift bezaichent der 
hailigen demuetkait fi warent klaiii vor in leib vnd warent groff 

20 vor got daz vierd ift tinre daz der edel ftain tinrcr ift vnd kofper 
alfo ift och ain hailig tiurer vnd kofper denn himelrich vnd ertrich 
vnd allez daz guot daz difiu weit gelallten mag Daz v ift daz der 
edel ftain groff krallt hett alfo band och. die hailigen grozz kraift 
von vnfcrm hercn Ez ilt enkain bailig er nmg dir erwerben vmb 

25 got allez da/, dn iiotlurUtig bilt an fei vnd an lip Nun fönt ir w iffen 
daz daz hiutig hochzit von drin faclian vf gclet wart diu erft ift 
ain funderlichiu w iclii ainz (onpelz ze romc w ir leffent von ra^mern 
do fi in ir herrefchatlt warent daz (isöb) fi die weit gewalteklich 



XXXV, 2 m iVr/csiüsfe 3, 5. d die llaiulsrhrift -ntdciil 7ainhailigen 

e 
16 gefrowentent 19 vo iii 25 allez tlz wiff 26 hachau id fehlt. 



XXXV «1 

vnder in hettent vnd bettotent die apgöt an vnd alz fi ainera lant 
an gefigtent fo namcn il fin abgot vnd fuoiten 11 gen rom vnd twngen 30 
daz lant da mit daz ez vnderta'nig mueft fin ir gew alt \'nd waz alz 
vil abgot da daz fi die liut hettent in ir hiufern vnd fi an bettotent 
vnd do daz die ewarten fahent die zu der abgot tenpel hortent do 
hettent fi gern vil guotez gehept vnd fprachent ez wsur ain göttine 
azibyle vnd Avaer aller ab göt muoter diu hette den kayfer gebetten 35 
Vnd al roeraer daz fi ir vnd allen iren fün ain tempel raachtint vnd 
fi ertint vnd won fi ainen ieglicUen abgot nit funderlichen geeren 
niöchtint daz fi denn ainen groffen tenpel machtint vnd fiu da mit 
ain ander ertint famenthafft (l87a) vnd fwie fi daz nit tettint daz 
fi denn wiftint daz fi denn niumer me gefigen foltint an enhainnem 40 
ftrit vnd daz in alliu ir herfchafl't ab giengi Do daz rcemer erhor- 
tent do hiezfent fi ainen tenpel machen der waz az herlich daz man 
ir richait da bi fchowen folt Avon dez tenpelz witi mocht enkain 
gezinber raichen vnd do daz rcemer erfahent do nament fi erde vnd 
fultent daz tenpel alz hoch alz daz ain man geraichen macht vnd 45 
walptent dem gelich daz tenpel vnd fatent denn pfenning vf die erde 
vnd tatent daz alz lang vntz fi daz tenpel volbrauchtent vnd hiez- 
zend do die liut daz fi die erd vf truegent vnd fwaz fi pfenning dar 
in fundent daz fi die hettent do waz daz tenpel ze haut erlaeret vnd 
fatztent roemer abgot enmitten di?r waz vil (i87b) groff vnd her- 50 
lieh gemacht vnd ftuondent die ander ab göt alle vmb in vnd het- 
tent die hend vf vnd warent gegen in keret vnd machtent do mit 
zoberliften alz fich ain lant wider roemer wolt fetzen fo kert fich 
dez landz abgot vmb vnd kert rcemer abgot den ruggen Vnd do daz 
roemer fahent do fantent fi alz vil liut dar daz fi ez mit gewalt 55 
twngent daz ez wider vndertsenig muoft fin ir gewalt Vnd do fich 
roemer bekerten zuo criftam geloben dennocht ftuondent die abgöt 
vntz zu .S. Gregorien ziten der hiez in do allen die naff ab fchniden 
Vnd der fierd bapft nach fant gregorien ziten der hiez bonifacius 
der gieng zu dem kayfer focani der Avaz do in den ziten kayfer vnd 60 
bat in daz er im daz tenpel (l88a) gsebi daz da gewihet waz in 
aller abgöt ere daz Avelt er wichen in vnfer frowen vnd aller hai- 
ligen ere der pet der weret in der kayfer vnd vf der ftat do gie 
der babft felb hin zu dem tenpel vnd hiez daz tenpel rumen vnd 

29 vor vnder 32 hüfer 33 erwarten 37 ainem ieglichem A3 ir richait] 

e 

ewikait 45 geraigen 50 abgot 60 focam] vocai'o 63 werel] eret 



62 XXXV 

05 alle die ab^öt die von f^elchmide wserint hiez er zerfmeltzen vnd 
diu üainninin hiez er zerbrechen do waz der tenipel nier den fünf 
hundert jar geftanden vnd wichet ez do der pabft in vnfer frowen 
ere vnd aller hailigen ere Vnd da man E vobt die menigi der apgöt 
da lobet man nun die nieui^i aller hailigen Diu ander fach ift da 

"'^* von diz hochzit vf golail a\ art. daz il't daz wir lobent all hailigen 
won der hailigen namen ift vil die wier nit >\ ilTent wun . S. Jeroni- 
mus fprichet daz enkain tag ift in dem jar im gefal (1S8 b) fünf 
tufent hailig die nun roemer allain gemarterot band der namen nit 
gefchriben find avn alain daz ingendig jar daz lavt er vf da havt diu 

^^ criftenhait geordnet daz wir aller hailigen tag hiut begangent won 
\\\r ieglichen funderlichen nit geeren mngent Nun fprichet ain mai- 
fter daz wir der hailigen hochzit eren fond von vj dingen daz erft 
ift alz \\\r die hailigen erent fo geben wir funderlich lob der göt- 
lichen Magenkrafft Daz ander daz ift daz wir alz krank fint daz Avir 

8*^' von vnf felber enhain gnaud han mugent da von fond wir die haili- 
gen Kren vnd fond l'i an ruefVen daz fi vnf tugent vnd gnaud erwer- 
bint Daz drit ift diu merung vnfer ficherhait won alz m ir der hailigen 
hnhzit begangint fo wirt vnfer ficherhait geraeret fo a\ ier gedenkent 
daz 11 toetlichiu menfchen Avarent alz ( t89a) wir vnd doch von ir 

85 »iioten werken vnd w orten alz groff ere vnd alz vngema'ffer frted 
enpfangen hand Monn volgen wir imi guoten lebene nach fo figen 
\\ ir ficher daz wir mit innen befitzent die felben froed die fi befeffen 
hand daz vierd ift daz wier guotem bild nach volgent Mon alz 
wir der hailigen hochzit begangint fo nemen wir bild an innen daz 

^0 A\ ir alliu zer genklichiu ding verfmahint vnd al vnfer begiert ze 
hinmiifchen dingen richten daz fünft ift daz wir der hailigen hochzit 
begangint andivchteklich fo hand fiu vnfer gehügende in dem himel- 
rich da von ift gefchriben daz fich al engel vnd al hailigen frcewend 
von ainez fünderz bekert § Daz vj ift fwenne wir der hailigen 

95 hochzit begangint fo ere (l89b) Avir vnf felber § Nam cum hono- 
ramus fratres noftros honoramus nos metipfos § alz wir vnfer 
bruoder erent fo erent a\ ir vnf felber won diu minn macht vnf ge- 
main alliu ding himelfchlichiu vnd ierdefchiu vnd eA\ igiu diu iij fach 
ift da von aller hailigen hochzit gelait ift an difen hiutigen tag daz 
100 ift daz wir erfetzen fond fwaz wir verfumet habint an der hailigen 



66 flainnüni 68 da fehlt. 72 in d^ wochcii ald in dem jar 73 nit fehlt. 

75 becanuet S2\(l fehlt. 85 werken warlenl 93 i«c. 15, 10. 98 fiibend 
99 zerlait difem 



XXXV . XXXVI 63 

hochzit der hailigen ift lützel der hochzit wir funderlichen begangint 
vnd fument vnf doch groefflich daz m ir fi nit az andaechtiklich vebent 
alz Avir von recht foltint vnd daz fond A\ir hiut allez erfetzen da- 
raafcenus der l'prichet daz wir der hailigen lipe eren fond von vier 
dingen daz erl't ii't daz fi gotez friund findt da von fprichet der felb 105 
Jam non dicam voz feruos fed amicos Jch haif ivch nit knecht fun- 
der friund (l90a) daz ander daz fi gotez kint find, da von fpricht 
.S. Johannez in fini ewangelio dedit eis poteftatem filios dei fieri 
vnfer her het vnf den gewalt geben daz wir gotez kint werdent 
Daz drit da von wir die hailigen eren fond daz ift daz fi gotez erben HO 
findt da von fprichet .S. Paulus find ir gotez kint fo find ir och fin 
erben § daz vierd ift daz fi vnfer laiter fint da von fpricht . S. pau- 
lus ez ift billich daz Avir der hailigen lip erent vnd ir hochzit wier- 
deklich begangint won fi find vnfer la} ter vnd tuont vnf vnfer wort 
fo wir von difer weit fchaident Gegen dem ftrengen richter Nun H5 
fond wir vnfern herren bitten daz er vnf gebi daz Avir der hailigen 
bild alfo nach volgint daz wir die CAvigen froed mit inan befitzzint 
daz vnf daz Avider var daz ver ( 190 b) lieh mir vnd ivch der vat- 
ter vnd der fun vnd der hailige gaift 



Dominica v fecundiim Lucain. 

Ins feit fanctuf Lucaf hivte an dem hailigen eAvangelio. Avie unfir 
herre ftuont ze ainen ziten bi dem mer. do gahte zvo im ain michil 
menige daz fi uerna?men daz gotef Avort. Do fach er bi dem ftade 
zAvai fchef. ftan. (4b) do giench er an daz ain vnde lerte daz uolch 
dar abe. Alf er die bredige uerlie. do hiez er die vifchsere daz fi 5 
daz fchef unt daz nezze beraitin uf den fe. der rede antAAurte ime 
fant peter unde fprach. herre gebietsere alle die naht han Avir gear- 
baitet vf dem fe. vnt han niht gCAangen. Nu a\ il ich herre in dinem 
namen min nezze biraiten. vf die vifchAvaide. ze haut do er daz getet. 
do vieng er vifche. vz der mazen vil. Avaz div rede bitivte daz Avellin 10 
Avir iv lagen alf Avirz an der fchrift habin. 



101 hailig 106 Ev. Johannisi5, 15. iOSEv. Joh. 1, 12. 111 Rom. 8, 17. 
115 ftengen 116 bittent XXXVI, 1 Lucce 5, 1 fgg. 



«i XXXM . XXXVII 

Daz msM- da unfir horre l)i ftuont. liizaichint dillv weit. Avan ü mit 
vallrhe vnde mit untriwcn AvuoteL all'o daz mer (i») tvot von den 
viiden. div zwai fchef div da ftvondcn bi dem ftade bizaichint div 

15 zwai volch. iudin vnde criften. Daz ainc IVhcf da vnfer herre ann;ie. 
daz waC fante petirf. da er daz volch ane lerte. daz bizaichint div 
hailigen criftenhait. da Monte unfer herre mite, do fi den hailic^en 
gelovben enphie. vnt ovch gefta'tiget aa art mit ilner lere. Die vifcha^rc 
bizaichint die hailigen zwelf boten, vnde ander lemer der criften- 

20 hait. der vilch bitivtit den lunda're. der da erwildet ift in den run- 
den. Daz nezze bizaichint den gelovben unt die gotef lere, da man 
den fundaere inne vahin fol. Div nalit da fant petir bi vifchte. vnde 
niht viench bitivtet (4d) die brediger. die nixAan bredigiint durch 
ir nuz willen, die felben wan fi lerent bi der naht def irretuomef 

25 da von vahent fi der vifche niht. Die ir nezze biraitent in dem namen 
def alma'htigen gotif alf fant petir tet. die vahint vifche ain michel 
tail. wan manich funda-r gebezzirt wirt von ir lere. Nu bittint luvte 
den almaehtigen got. finer genaden. daz wir in dirre weite alfo geuol- 
gen finer lere, daz wir da mite verdienen fin riebe. Def helf vnf 

^^ fände Maria div hailisre chunisin. 



V, 



Dominica vil fecundunt Marcuni. 



Ns feit fanctuf Mareuf. an dem hailigen ewangelio. wie vnfirm 
herren nach volget ain michil menige. in ainer wuofte ze ainen ziten. 
Do giench er zvo finen iungern. vnde fprach zvo in. Mich erbarmet 
ditze volch. \\an ü min dri tage hant gibaitit. vnde laze ich fi nu 
5 vaftende von mir. So gebriftin vf dem wege. wan fvmliche fint verre 
here chomen. Er vragete fine iunger ob fi iht broetif heten. Si 
fprachen fi heten fiben brot. Do hiez er daz volch fitzen, vnde fpifte 
vol- ( G a ) lichliche vier tvofent von den fiben broten. 

Miricriuiu. 

10 Yvaz div rede bitilte. daz wellen wier iv fagen alf wirf an der 
fchrift habin. Div menige div vnfirm herren nach volgete vngaz dri 
tage, daz waren m ir. e daz wir gilpifit wurdin. von der gotef lere. 
Die dri tage die div menige vniirm herren nach volgete vaftende 
die bizaichint. div driv zit. dar an der alnuvhtige got den funder 

. 14 die. Handschrift fchaf 27 wan] Swenne XXXVII, 1 Marci 8, 1 fyg. 

14 dar an] daron 



XXXVII . XXXVIII 65 

ladet zvo finein riclie. Daz erfte cit ift def menfchen kinthait. Div a 
ander zit ift div ivgent. Div dritte zit ift daz alter. Swer in den 
felben drin tagewaiden niht gefpifit wirt mit dem gotif worte. dem 
gibriftet vf dem wege. der zvo dem himelriche gat. Die fo verre 
(Cb) zvo im cliomen daz fint die ficli givrömidint von gote mit 
liovpthaftigen funden. vnde fich gehuldigent widir zvo im mit ir 20 
bihte vnde mit buoze. vnde mit allen guoten werclien. Div fiben 
broet da er daz volcli mit fpifite bizaichint die üben gäbe def bal- 
ligen gaiftef da mite wir fuln gifpifit werdin an der feie, vnt da mite 
fulin wir verdienen daz liimelriclie Nu mant den ahna^htigen got 
finer genaden. daz er unf finen gaift alfo mite getailen mvoze. der 25 
unf Avife zvo den ewigen genaden. preftante domino noftro ibefu 
chrifto. 



Dominica xl feciinduni Lucain. 



E 



z feit vnf fanctus Lucas hivte an dem hailigen ewangelio. daz vnfir 
herre finen lungern feit ain bifpel. vnde fume- ( 8 c ) liehen die def 
dulite daz fi rehte warin. Duo hominef afcendebant in temphnn vt 
orarent unuf pharifeuf et alter publicanuf etc. Ez giengen zwene 
man in daz gotefhüs. durch gebetif willen, der aine dühte fich ain 5 
rehter man. der ander waf ein ofner fundsere. Der ain der fich da 
relitir dvhte. der fprach in finem gebete alfo. herre ich fage dir 
genade. daz ich niht unrehtir bin. alfe andir lüte fint. rovb«r. wuoch- 
raer. vbirhvorar. Ich vafte in der wochen zwene tage, vnde gibe 
zehindeu allez minef guotef. vnde bin niht vnreht alfe dirre funder 10 
ift. der bi mir ftat. Der fundige man der ftuont vil verre hin dan 
vnde getorfte niht (sd) vf gefehin hinze gote. von finer grozzen 
miffetat. nivwan diernvotechliche fprach er alfo. herre got irbarmo 
dich vbir mich armen fundsere. für war fage ich iv daz der fündigo 
man da geftuont aller finer funden ane. def entet der andir niht. 15 
\\ an er irwarp da guotif niht. 

Die zwene man die in den teraplum da chomin bizaichint div zwai 
volch Ivdin vnde haidin. wan fiv baidiv got gefchaffen hat. ze finem 
dienfte. der fich da reht duhte bizaichint die ludin. die fich dühten 
gar volkomin. dar vmbe daz fi beten die alten .e. Da von wanden 20 
fi. daz dihain volch fich zvo ir rehtichait molite geliehen. Mit dem 

15 laladet XXXVIII, 1/vucce 18, 9 />/(/. 3 afcendebat 8 de niht 14ivdcirder 
Altd. Predigten. 5 



66 XXXVni . XXXIX 

felbeii rvomc (9 a) l'iiit H noch liivte Ijodogen. Der fundige man der 
bizaichint die haidinfehaft. Div gelorl'tc hin ze gote nilit vf fehin 
vor ir milfctat. Do fi fich do bedierten her ze gote von ir abgotin 

25 vnde criftenlichen gclovbcn an fich iiamcn. do crbarnide Hell got 
vber fl. do 11 geroü ir miffetat. Da von fprichet vnfir herre hivte an 
dem hailigen ewangelio. Swer fich in dine m elte fvr niniit mit hoch- 
verte vnde mit vbirmvote. der ^^irt genidirt an der feie. Swer fich 
aber nidirt in dirre Avelte durdi got der m irt geliu'hit in dem himel- 

30 riebe. Nu bittint vnfirn herren daz er vnf gebe den mvot. daz w ir 
finen a\ illen alfo getvon. in dirre weite, daz wir nach difem libe 
(9b) belitzin die ewigen f'rovde Amen. 



>^ 



Doiiiiiiioa xiii feciindiiiii Liioaiii. 



IJaz wir die Mariin minne hin ze gote vnde ze vnfirm ebencriften 
lulin han. vnde im hetfin fvn vz allen nceten. daz ratit vnf vnfir 
herre hivte an dim hailigen ewangelio. Daz vnf fanctus Lucaf zibez- 
runge gefchriben hat. vnde fprichet alfo. Homo quidani defcendebat 
^ ab ierufalem in iericho et incidit in latronef etc. Ez giench ain man 
von ierufalem hin ze iericho. vnde chom vndir die fachsere die be- 
rovbitin in vnde rundeten in. daz I'i in fvr toet liezin ligen. Daz 
chom alfo. daz ain ewarte vz der alton e für ( 1 a ) den felben wec 
gie. vnde fall in chvmberlichen ligen. der fvor vür vnde cham haim. 

^0 vnde half im niht. Den felben wec fvor ain ander man. der waf 
buortich von famarya. der erbarmte fich vbr den wundin man. er 
bant im fine wundin vnde falbeti fi im mit öle. vnde mit Mine, er 
fazt in vf fin pfaerit. vnde fvorte in in ain hils. vnde birvochte in 
flizziclilichen. Def andrin tagef gab er dem wirte zwene pfenninge 

*5 vnde enphalch im den fiechen flizziclilichen. vnde fprach zvo im. 
La dir difon fiechin bivolhin fin. Swaz dv im ze liebe tvoft. daz 
vbirgilt ich dir. fo ich her Axidir chume. 

Yvaz div rede betüte. daz fagen wir iv. alf w irf an der fchrift habin 
(lOb) Der man der von ierufalem fvor hin ze Iericho bizaichint 

20 adamen vnde alliz menfchlich geflachte! der von finer vngehoerfami 
verftozin wart, von dem paradyfe, in dife zerganchliche weit. Die 
fächere die in da berovbetin. daz fint die tiwel. von der rate der 
menfche in die funde.viel. vnde verftoezin vnde berovbit wart, der 



31 Hebe XXXIX, 3 iwcce 10, 30 ^(/f/. G iiufalem 20 der] 'da 



XXXIX .XL 6T 

hinielfchen genadon. Si wunditen in mit den flegen der fvndin. vnde 
liezint in lialp totin da inne ligcn. Der ewart der für in da vuor. 25 
vnde im niht ze helfe cliöni. bizaicliint die alton .e. Avan div molite 
denienfchin ze dihainen ftatin giften. Do der man do chöm von 
famaria daz fpricliet tüfchen ein hvo- ( 1 c ) t«re vnde bezaichint 
vnfirn herren. Avan er die menfchait durch vnfirn willen an fich nam. 
der erbarmete fich vber den man. der von den lünden \a af vervvun- 30 
dit. daz Avaf allez menfchlich künne. er bant im fine wundin. vnde 
falbte fi mit dem öle def hailigen gaiftef vnde wuofch fi mit dem 
Mine finer fvozin lere. Daz pferit da er dem fiechen vf half daz ift 
def flaizfchif brwdichait. die er in dirre weite an fich nam. da mite 
er irfterben wolte. an dem crüce durch vnfir miffetat. Daz hilf da 35 
er den fiechin in fvorte. bizaichint die hailigen criftenhait. da mane- 
gir inne wirt gefönt der fiehc ift an der feie. Der ClOd) wirt dem 
er den fiechen da bevalch. daz ift ein ieglich lera»r der criftenhait. 
wan fi phlegin fvnt. aller der die fiech fint an der feie. Die zwene 
Pfenninge die er im gap. dif andren tagef daz ift div zwivalte minne. 40 
die wir hin ze gote vnde ze vnfirm ebencriften han fvn. die liez er 
vnf nach finer vrftende. daz wir fie bihielten flizzichliche. Daz Ion 
daz er vnf gihaizen hat. ob Mdr im gedienen wol. daz git er vnf 
fwenne er an dem iungeftin tage her widir kvmet. zirtailin vbir alle 
die weit. avoI im daz er ie giborn wart, der wol gidienet hie. dem ^^ 
wirt dort gilonet failichliche. Nu bitteut vnfirn herren ( 1 1 a ) finer 
genadon. daz er vnf gebe den gaiit. daz Mir in dirre Avelte alfo 
gedienen ime. daz wir an dem ivngiftim tage vrcelichen mit im inbiz- 
zen in fmem riche. Def helfe vns got. Amen. 



Dominica xxil fecunduiu Marcnni. 



s 



iMiLE eft regnum celorum homini regi qui uoluit racionem ponere 
cum feruif fuif etc. An dem hailigen ewangelio feit vnf hivte s. Mar- 
cuf wie vnfir herre finen ivngern feite ain bifpel. von ainie kvnige. 
der hete ain ta-idinc mit finen lüten. (i6a) die hiez er ime rech- 
nen fin gvot. do er an der raitvnge faz. do wart ainer vberraitet. 5 
daz er im folte zehin tvöfent pfunt. do der fo tivie nihten het. daz 
er dim herren vergvlte. do viel er im für vnde bat in flizzichliche. 
vnde fprach. herre wif mir ginaedic vnde gip mir frift. ich wil dir 



26 chome 35 durch fehlt. 49 ün XL, 2 Matth. 18, 23 fgg. 7 dim] aim 

5* 



68 XL 

gerne gelten, fwaz ich dir fol. do erbarmite fich der herre vbir in. 
10 vnde liezen ledic finer gvlte. vndc aller llncr Ichvlde. do er ledich 
von flnem harren Avart do widir fvor im ain lln hüfgenoz. der folt 
im gelten hundirt pfcnninge. den viel er vngezogeliche ane. vnde 
vordrit an in fine gvlte. do bat er in gvotliche daz er im giebe ainen 
frift. er wolte inie gerne geltin. (iGb) def enwolte er fürnamil" niht 

15 tvon. er vieng in vnde \\olte in gihalten. vnz daz er im vergvlte. 
do ir baider herre daz veinani. daz er an linem hTilgenoze allo bete 
getan, do hiez er in chomin fvr lieb vnde Ipracb allo zvo im. Ba?ler 
Aviht ich verlie dir alle dine Ichvlde. do dv mich flizzichliche ba?te. 
war vmbe erbarmoftv dich niht vber dinen hufgenozen. alf ich mich 

20 tet vbir dich, do hiez er in vahin vnde a\ erlin in ain ch<firch»re. 
vnde daz er im gebe alle fine gvlte. Waz div rede bitivte daz wellin 
wir iv kvrzliche fagin. all" Avirz an der Ichrift habin. 
Def kvnic der die raitvnge mit linen lüten bete, daz bizaich- ( 16 c ) 
int vnfrin herren den alma?htigen got. der an dem ivngilten tage im 

25 haizzit widir raiten. fwaz m ir habin gitan. ze gvote aide ze vble. 
der man der da vberraitit -wart, daz er im folte zehin tilfent pfunt. 
daz ilt ain ieglich IVndaer. der mit hovphaftigen fündin ift bevangen. 
In fo groeze fchülde A\arn wir allo givallen von der vngehorfame 
vnferf vater adamif. do wir im niht vergelten mohten fo grozze 

30 fchvlde. vnde gibvozin. do vergaber vnf die raiffetat. in der haili- 
gvn tovfe die vnf an erbet durch fine vseterliche ginade. Der die 
hundirt phenninge folte finem hüfginoeze. daz ift ain ieglicher vnfer 
( < C d ) ebencriften. der aine chlaine mifletat wider vnf bigangen hat. 
vnde wellen wir im die niht vergen fo haizzet vnf der himelfche 

35 kvnlc. M'erfin fine fchergin daz fint die tivuel in den karcher der 
helle, von dannen mügen A\ir niht comin vnze wir giwizziget wer- 
den vmbe vnfir miffetat. Dar vmbe manent got. finer ginadon. daz 
%\ ir mit finer helfe, def feibin charcha;rf vbir werdin def helf vnf 
got amen. 



18 flizziche 20 dicli fehlt. 27 bevangen] givallin 29 vnfer valerf 

32 phenniugen 34 hazzet 35 in der 38 wir] er 



XLI 69 

Dls flnt die bezelchnung der heilignn meffe die bruoder 

berclitolt von regenfpurg der barfuof bat gepredlet da et 

meiilg tureiit inenfch bort ze Zürich vor der ftat 



D 



af erft daf fint die glogen Die bezeichent inder altun e die bufu- 
nen die man blief fo daf volk zefamen folt komen So man ein bufunen 
blief oder zwo fo bereiten fich die liut bald uf den weg. Und fo 
man aber me bufunen blief fo fuoren fiu ieze bald uf dem weg. Und 
fo man aber die bufunen alle blief mit einander fo waren fi denne 5 
alle zefamen komen mit einander Alfo fülen wir kriftan liut tuon So 
man ain glogen liutet fo fülen Avir ünf (32b) bald bereiten zekilchen 
So man aber me gloggen liutet fo fülen wir bald uf dem A\-eg gan. 
Und fo man die glogen alle mit einander liutet fo fülen wir denne 
alle mit einander inder kilclien fin. Und fo wir indie kilchen tretten 10 
da wir die heiligen meffe fon beeren und fehen fo fon wir hie uffe 
vor der tür lan bliben allef ünfer gefcheft und alle ünfer forg und 
alle ünfer unmuof. Wir fon da niut anders tuon wan daf wir betten 
und ünferm herren dienen und in loben mit groffen züchten und mit 
riuwigem herzen ünferr fünden. Wir fon euch mit nieman reden ef 15 
tueie denne ehaftigiu not. Und daf felb fon Avir mit kurzen aa orten 
reden. Und aber denne betten. Wan der kor und diu kilcli und allef 
daf da ift daf ift aoI def heiligen geiftef. Und ift allef aoI engein. 
Und heiligen die fon Avir gnaden bitten. Und fon unfern herren got 
von himelrich bitten. Und fin heiligen trut muoter fant Marian die' 20 
himelfchen künginnen diu da gegenAvürtig ift daf fi fich erbarmen 
über ünf und daf fi ünf genedig fien § Es fol euch enkein frouwe 
indem kor fin. Und ouch enkein man die Avil man die heiligen meffe 
finget Wan die die gottef dienft helfent tuon. Wan diu meffe ift 
alfo vol def heiligen geiftef alf daf mer def av affers und alf diu 25 
funne def liehtef und alf daf ertrich def ftoubes. Und unmaffen me 
denne man mag gezellen ein grof maf aoI fimel melwef noch min- 
ner fo mag man gezellen die groffen und die manigvaltigen gnade 
die dem menfchen Avider varent inder heiligen meffe der mit rechter 

XLI. z18; theilweis abgekürzt in Oberlins Bihtebuoch 75 — 89; abgekürzt und 
voll von Fehlern Z 55; ein Auszug mit veränderter Anordnung A3. Ucbcr- 

schrift Dis fint die bezeichenunge der hei4^ea meffe Z. O. Von der iiaikait 
vnd bezaicbnvng der meffe. A. 2 wölk z. 13 wan betteu vnd betten Z. 

17 betten, vnd betten Z. 22 und fehlt i. 26. 27 ichtme danne— ichtme 0. als 
kume— noch kumer Z. 



70 XLI 

30 riuw c und mit rophfom gloubcn da ift § Fiul enphahct ouch der 
iiioiiffli zohon fuiulcrlich i-iiad der aiidchlklich zuo der inelTe ilt Diu 
crlt in dal" im ünlcr herre lln lünd veigit Diu ander dal' er den 
heiligen geilt enphahet Diu iij daf got def menfchen gebet deft ger- 
ner crhoerct Diu iiij daf got den priefter deft gerncr verniiuet über 

35 in Diu v daf der nienfch ficher Avirt an fincm (33a) ende Diu vj 
daf fin fegfiur deft niiner wirt Diu vij daf die engel deft gerner bi 
dem mentfchen fint Diu viij daf der menfch an tugenden wahfet Diu 
viiij daf der menfch geftetiget A\irt an rechtem glouben. und daf in 
got befchirmet vor freife an der fei und an dem lib Diu x daf fich 

40 ünfer herre gegen dem menfchen froewet und fich der menfch gotte 
geheimlichet § Daf genant daf der priefter an Icit fo er Inigen m iL 
und fwaf er finget lifet uiul anders tuot inder meffe daf hat allef 
bezeichnung Def erftcn fo er fich gerwet ze der heiligen meffe fo 
bedecket er fin houbt mit eim lininen tuoch daf ift mit erbeiten dar 

45 zuo komen. Und heiffet ein umbeler daf bezeichet daf ünfer herre 
fni heiligen gothcit bedacht mit ünfer kraidven nienfcheit Diu alb ii't 
A\ it und lang. Und bezeichet daf rein und daf luter leben daf ünl'er 
heri'e uf ertrich hatte Der güitel der fol fidin fin oder von \\ iffem 
garn linine und fol zwivalt fin daf ietw ederenthalb ein ort nider 

50 hange der l)ezeichet daf ünfer herre kiufch w af an im leiben und 
anfiner heiligen trut muotcr Der haut van ander lingeu haut der 
bezeichet die diemuetikcit ünfcis herren Diu ftol diu ift lang und 
hat ebnen ein kriutz und bezcichent die langen marter und die lan- 
gen arbeit ünfers herren die er uf ertrich hat Der meffachel 

55 ift michel und umb und und) gantz und ift gefchaffen alf ein glog 
und alf der himel. Und fo in der priefter uf die arme geleit. fo 
ift er gefchaffen vor und liinen alf ein Icliilt und l)ezeichet die 
groffen und die ganzen minne die ünfer heire zuo dem menfchen 
liat So vahet man denne an die heiligen meffe Die iinget man 

6u mit vierflacht Iprach Diu eine heiffet latine Diu ander (33 1)) 
heiffet kriechfch daf ift. kyiieleifon. Diu drit heiffet hel)reifch daf 
ift Amen Diu vierd heiffet himell'chiu fprach daf ift Alleluia § Und 
vahent die koiherren die meffe an zcm elften Introituf daf Iprichet 
ein ingang Innendel' lo Kumt der prieflei- her für daf l)ezeichet inder 

65 alten e die altvetter leremiaf und yfayaf die da ruoftcn zuo ünferm 



34. 35 Diu iiij — über ia fehlt z. 37. 38 daf — viiij /"e/iit O. 38 und] I)v nivndc 
genadc ill O. 39 Du s. 47 lau z. lül*' :. .54 Div kafukcl Z. 0. 61 hriechfch z. 
C>'i Inucndcf — her für fehlt 0. G5 e do die z. 



XLI 71 

herren und fprachen. Herre kum von himel hernider. Her kum und 
Avirt geborn. Herre brich den himel und kum her ab § So finget 
man denne. kyrieleilon chrifteleifon kyrieleifon daf fprichet herre 
erbarme dich über mich. Und dal' man ef ze ix malen finget daf 
bezeichet die ix koere der engel inhimehich. Und fon wir ouch unfern 70 
herren bitten daf wir komen indie gefelfchaft der ix ka?r inhimel- 
rich § So ftat denne der prielter enmitten gegen dem altar daf 
bezeichet daf ünfer lierre dur alle die menfcheit glich geborn wart 
So finget der priefter zem erften Gloria inexcelfif Daf bezeichet 
daf ein engel dien hirten kunt daf ünfer lierre geborn waf und fang 75 
Gloria inexcelfif So fingent li denne alle mit enander Gloria inex- 
celfif Daf bezeichet daf vil fcharen der engein komen die fungen do 
alle mit einander Gloria inexcelfis § Diu zwei liechter diu da fülent 
fin uf dem altar diu bezeichent die zwen fternen die do erluhten 
do ünfer herre geborn \a art Der ein erluht ob der kriphe den luden so 
Der ander erluht den beiden daf fint die drie küng die ünferm her- 
ren ir opfer brachten § So fich den der priefter umb kert und er 
fprichet Dominuf vobifchum So bittet er daf got mit ünf fi So fprechen 
wir Et cum fpiritu tuo. Und bitten ouch daf got mit im fi So lifet 
er denne die collecte nach dem fo er gefprichet oremuf Diu (34a) 85 
bezeichent daf ünfer herre uf crtrich prediot und daf gebet daf er tet 
do er uf ertrich waf. Und ouch den dienft den er finer heiliger trut 
muoter tet So fölen ouch den alle Hut vaft betten § So lifet man 
denne die epiftel daf bezeichent daf Saut lohannef baptifta unfern 
herren prediot und kunt daf er kerne. Und er alle fueffeklich von im 90 
rette daf fiu fprachen bift du felb chriftuf von dem du ünf da pre- 
dioft Do fprach er Nein ich er kumet fehler Ich wer def nit wirdig 
daf ich im fin fchuochriemen entftrichti Ich bin ein ftimme Daf waf 
alf vil gefprochen alf er fpreche Alf klein ein ftimme ift wider aller 
der weit alf klein bin ich wider dem der da komen fol. Ir werdent 95 
mich laffend und im nach volgende § So finget man denne dal Gra- 
dal. Und daf Alleluia Daf bezeichent allef fament daf do ünfer herre 
felb her für gie. Und fprach do Sant lohannef Er ift ietz under 

67 vnd kum har nider. So finget man denne Gloria patri. das bezeicliet ein lob 
das man vnferme Herren ze lobe finget vnd ze huldcn. So gat denne der priefter 
her für. das bezeihent das vnfer Herre von himele vf ertriche kam. So O. 
71 indie] indie ix s. 75 und fehlt 2. 76. 77 et in terra pax hominibus O. 

77 der] mit s. 83. 8i fprechent die korherren O. 85 JI3u z. 89 die leccien 0. 
Div lecce bezaichent A. 91 xpo z. pdiot z. 96 daf fehlt %. 



72 XLr 

iucli lind ir erkennent fin niut. Und zeigte mit dem vingor uf in und 

100 fpiach Dir ift daf lamb dal" alr der ^velt fünd treit. Und den felben 
vinger da mit er uf unfein lierren zeiget den mohten die iuden nie 
veibrennen noch vertilgen § So lifet man denne daf ewangeliura 
Daf bezeichent daf ünfer lierre felb prediot mit fime heiligen güt- 
lichen mund Denne fol man ftan mit groffen züchten. Und die ftebe 

105 nffer den hcnden werfen. Und die mentel ab ziehen und die huet 
ab dem hoiibt. Die fteb bezeichent (sib) den frid den der menfch. 
fol haben indem herzen Die mentel bezeichent fwaf der menfche 
überflüffigef dingef hab von der Avelt ef fi mit guot oder mit deheime 
ding daf fol der menfch von im tuon Die huet bezeichent die uppi- 

110 gen und die unnützen gedenk die der menfch laffen fol. Üufer herre 
prediot alf fueffeklich daf nie menfch fo fueffi wort gefprach noch 
nicmer mag getuon. l'nd volget ime alfo vil liut nach zefiner predie 
Die riehen küng der kam dar unmaffen vil und die liut von allen 
den landen. Und alle die liut von den groffen ftetten der kam dar 

H5 unmeffeklich vil alfo gern horten fiu finiu fueffen Avort Den entweich 
ünfer herre uf daf mer uf ein infcl und brediot da allem dem volk 
§ Dar nach finget man Credo inunum. daf bezeichent. daf die liut 
glou])ig A\ tirden und fich bekerten von finen fueffen werten § Dar 
nach finget man daf offertorium Daf bezeichent daf ünfer herre die 

120 flehen gefund machet und die blinden gefehende und die ftumraen 
fprechende und die touben gehörende. Und die mifelfüditigen reine 
und die lamen gerecht. Und die toten erkicht er. von dem tot. Und 
tet fo manig groz zeichen daf im do gar vil Muten nach volgete 
§ Denne bereit man den tifch uf dem altar Dar nach ophcront die 

125 liut daf bezeichent daf die liut ünferm herren opheroton iren rech- 
ten gloubcn § Dar nach inder ftilli fo der ])riefter ftille lifet daf 
bezeichent daf die Übeln iuden zerat giengen do ünfer herre fo grof 
zeichen tele \\ ie fi im geteten. Und fprachen A\af Ion Avir tuon elliu 
diu Melt ift ietze an ime Do fprach einer der hief ca^phaf Wan 

\S0 fol in toeten. ef ift beffer daf er allein fterbc denne elliu diu weit 
verderbe. Und bezeichent euch daf ünfer herre in die vvuefti (35a) 
gie. Und er den iuden ein «ile entweich § Dar nach finget der 
priefter einen gefang der vahet an ])cr(;mnia fecula feculorum Daf 
bezeichent do ünfer herre \i\' der a\ uefti gi'cng her uf Do gie Maria 

i35 Magdalene und Martha zeünferm herren und Idagten im daf ir bruo- 

c _ 

llfiwolkz. 121 gehöre*. 122gcrcch O. Z, 124 tifchj kcilch Z. 

J34 dol de z.Z. 



XLI T3 

der lazaruf tot waf Do fprach ünfer lierre zuo inen fuerent mich 
dar fM'ie wol er doch wifte wa er lag. Und do ünfer herre dar kam 
do hief er daf grab uf brechen und hief den ftein ab nemen und 
fprach ünfer herre Lazaruf ftand uf. Und er fprang zehant uf mit 
gel)unden henden und fiieffen und mit dem über tuoch. Und hief er i4o 
in du enbinden und af und trank def tagef mit im Daf gefchah an 
dem fiitag vor dem balmtag und kam allef daf volk von ierufalem. 
Und volgete im unmarfen vil liuten nach § So finget man denne 
Sanctuf Sanctuf Sanctuf. Und der gefang aller fament hin uf der 
bezeichent daf ünfer herre ze ierufalem kan geriten. Und wart da i45 
alfo M ol enphangen mit lob und mit gefang daf im nie fo grof ere 
A\art erbotten do er uf ertrich waf Dar nah vahet man die ftillen 
meffe an. Und neiget fich der priefter für den altar daf bezeichent 
daf gebette daf ünfer herre vor finer marter tet do er von angften 
bluotigen f^eif fwifte Daf erft gebet waf alfo daf er fprach. Vatter 150 
min fi ef din wille fo über heb mich dirre marter doch nit alf ich 
A\ il din wille werde volbracht Daf ander daf er bat für fin iungern 
Daf dritte daf er betet gemeinlich für die menfcheit Dar nach waf 
der priefter tuot er lefe er bette er neig fich hin oder her er macheie 
kriutz hin oder her eins kriuz ob dem kelch eins ob der oftie. Und 155 
diu kriuz elliu die er machet e daf er unfern herren uf hebe. Und 
allef daf der priefter da vor tuot daf bezei (35b) chent allef die 
marter die ünfer herre leit von dem dornftag zeabende nutz an den 
fritag zemittemtag Lenge kriuz bezeichent lengiu marter kürziu 
kriuz kürziu marter § So denne der priefter unfern herren uf hat 160 
daf bezeichent daf ünfer herre iemerlich uf an daf kriuz erhaben 
wart und daran genegelt und geflagen wart. Und bezeichent oucb 
drill ding Daf ein alf ob der priefter fpreche Alf ir in nu feheut in 
rainen henden. Alfo wart er gefichteklich und offenbar gemartret 
vor allem dem volk Daf ander alf ob er fprech. Alf ich in iuch hiut 165 
zeig alfo zeiget er alle tag finera vatter fin Avunden und fin mafen 
für iuch Daf drit alf der priefter fprech. Alf ich in iuch hiut zeige 
alfo zeiget er iuch an dem iungften tag fin wunden die er leit dur 
iuch § Wir fon ouch unfern herren bitten drier ding fo in der prie- 
fter uf hat Daf erft daf er ef tueie dur finer marter ere die er leit 170 
an dem kriuz und ünf vergeh alle ünfer fünd Daf ander daf er ef 
tueie dur finer marter ere die er leid an dem heren kriutz und ünf 



140 fuffe z. 153 die] fin x. 165 wolk-alfo ob x. in fehlt s. 169 vnf z. 



Tl XLI 

fich felben gel) und er ünf helfe daf wir finen heiligen fron lichanien 
und fm heilig bluot enphahen an ünrcnn eiid mit rechter riuvve und 

i75 mit rechtem glouben Daf dritte daf wir unfern herren bitten 
daf er ünf geb die e^^ igen frccde die er ünf hat gekouffet mit finer 
heiligen raarter § Darnach (trecket der pricfter die arme von im 
Daf bezeichent daf ünfer herre alf vaft wart gctennet an daf kriuz 
daf man allef fin gebcin mörht han gezellet diir iln hut. Vnd waf 

180 er dar nach tuot daf bezeichent allef die marter die er leid an dem 
kriuz § Und dar nach bi einer wile fo fprich der (36a) priefter 
ein A\ ort daf heiffet ?sobif quoque daf die Hut hcerent fin ftinime 
und klüphct da mit an daf herze. Daf l)ezeichent daf der fchacher 
unfern herren an rief an dem kriuz und er im vergab alle fin fünd. 

ibü Und denne fon wir ouch unfern herren an rueffen und bitten mit 
riuwigem herzen daf er ünf vergeh alle ünfer fünd. Und darnach 
waf der priefter tuot daf bezeichent allef die marter die ünfer herre 
an dem kriutz leid. Und ift allef vol des heiligen geiftes § Und dar 
nach bi einer wile fo fprich er peromnia fecula feculorum. Und diu 

i90^\ort diu er denne finget daf bezeichent daf ünfer herre lut fchrei 
an dem kriuz. Und dar nach finget er pater nofter daf bezeichent 
daf ünfer herre lang fchrei. Und ouch lang an dem kriutz hieiig. Und 
daf im der llinime gcbraft. Und fo er denne Iprich Intemptacionem. 
Und er denne fwiget Daf bezeichent daf ünfer herre verfchiet an 

195 dem kriutz So fj)rechent denne die korheren Sed libera nos amalo 
daf bezeichent daf alle creatiuren erfchraken do ünfer herre ver- 
fchiet an dem kriuz. Und den iamer den fiu hatten mit ir fchöpher 
Diu funne wart vinfter Der mane verwandelt finen fchin Daf geftirne 
verwandelt fich Daf ertrich erbibent die ftcin f])ielten. Und elliu 

200 creatur erfchrak do ünier herre verfchicd an dem kriuz § Und dar- 
nach inder ftille fo der priefter ftille lifet daf bezeichent daf Lon- 
ginuf unfern herren alfo toten ftach dur fin fitun infin heiligef herz 
Do gie ünfcrm herren walfer und bluot von finem lierzen. Und In- 
der felben ftilli bezeichent er ouch daf ünfer herre w art geloefet von 

205 dem kriutz. Und daf er begraben wart. Und inder feU)en ftilli fo 
teilet ouch der priefter die ovelaten endriu. Einen teil leit er in den 
kclch indaf bluot Daf bezeichent daf fich ünfer herre da opfert für 
diu menfchen diu indem bluot noch llnt (3 üb) daf fint die lebenden 
Den andern teil den leit er an die trüchni uf die batenun daf be- 

u _ 9 

179 hiil] hu z. 181 tpchd. h. fprach s. 196crelüic s. 201. 202Lougin — 

fchach s. 209. 211 palcnen Z. patcna O. 



XLI 75 

zeichent daf fich iinfer herre da opfert für die feien die indem 210 
fegfiur fint Den driten teil leit er ouch uf die batenun daf bezeichent 
daf fich ünfer herre da opfert zelob finem himelfchen vatter und 
allem himelifchen her zefrooden § Dar nach finget man dril'lunt 
Agnuf dei daf bezeiclicnt daf üiiier herre uf erftuond von dem tot 
an dem dritten tag gewerer got und menfch. Und daf er, fin heiligen 215 
trut niuoter zem erften erfronvet. Und ercpgete fich Marian Magda- 
lenen. Und u'gete fich linen iungern alf dik fo er wolt. Und feit ef 
ieklicher dem andern. Und wurden do alle fro mit ein ander § Dar 
nach inder ftilli fo niuffet der priefter unfern herren Daf bezeichent 
daf ünfer herre af und trank nach finer urftendi mit finen jungern. 220 
Und elliu diu menfchen diu den inder kilchen fint mit rechter riuw 
und mit rechtem glouben die Averdent alle gefpifet mit ünferm her- 
ren da mit daf inder priefter niuffet. recht alf ein menfch der die 
fpif iflet mit dem mund Der mund wirt niut allein gefpifet diu ougen 
werdent ouch da von gefpifet und daf houbt und die hend und die 225 
fueffe und der mag und die leber und die adren und daf gebein und 
daf marg. Und alle der Hb m irt da von gefpifet. Und wirt grof und 
wahfet davon Alfo wirt ouch der priefter nit allein gefpifet mit 
ünferm herren IMit ime werdent elliu diu menfchen gefpifet und 
enphahent all unfern herren die mit rechter riuwe und mit rechtem 230 
glouben da fint inder kilch. Und ef ift ouch an dem menfchen ein 
lit groeffer denne daf ander daf enphahet ouch me fpif denne daf klein 
Alfo ift ef ouch umb die liut die inder kilchen fint. Äff (37a) iek- 
lichef menfchen herze ift geftellet gegen ünferm herren alfo enphahet 
ef ouch gnad von im. Hat der menfch grof riuAv umb fin fünd und 235 
grof minne zuo gotte er enphahet deft me gnaden. Hat er klein er 
enphahet ouch deft minre § Dem priefter gefchicht alf einem man 
der fpis iffet tuont dem die zene we. Und fint im die bildern fule 
fo tuot im daf effen vil we Und ift im vil herte und vil für. Kumet 
aber die fpis inden Hb fi tuot dem Hb vil wol und wirt da von grof 240 
und ftark und gefunt. Und alfo gefchicht ouch dem priefter. Ift er 
mit houbt fünden da fo tuont im die zene vil we. Und ift er mit 
tätlichen fünden da fo fint ime die bildern vil ful So nimct er unfern 
herren ze verdampnung finer fei und fins Hbes Aber untz daf ime 
fin ampt unverbotten ift alle die liut die fin meffe hoerent die wer- 245 



216 trut«. 238 bild^x. bildren 0. bileracZ. 2i2 er fehlt x. 24.3iftim 
die bilerne Z. 



76 XLI 

(lont alle gefpifet mit iinferm lierren und werdent grof und ftark 
und gelunt an ir fei § Und darnach l'inget man den Communionem 
Daf bezeichet dal" ünler herre von ertlich zehimel fuor § Und dar 
nach lifet man die collecte io er aber i'prichet Oremuf Daf bezeichent 

250 dal' er iemer iid llnen vatter bittet für ünf Ilt er zehimelrich fuor. 
Und er ouch iemer me bittende ift für ünf untz an den iungften tag 
§ Und dar nach kert fich der priefter umb und fprichet Dominuf 
vobifcum und ouch Ite miffa eft Daf bezeichent daf iinfer herre an 
dem iungften tag her wider kumt und fich u'get aller der Mclt und 

255 er den allen den danket die im hant gedienet. Und finen willen haut 
getan § Und dar nach fo git der priefter den fegen Daf bezeichent 
daf iinfer herre finen vetterlichen legen an dem iunglten tag finen 
lieben kinden geben wirt (37b) So er fprich. Koment min gefegne- 
ten indaf rieh minef vatter daf iu bereit ift von an genge der weit. 

260 Und Denne gat menlich hein Der ef denne da vor wol hat gefchaf- 
fet der vindet ef ouch denne wol § Nu ift einer flaht liuter. den 
wirt der meffe vil Mcnig ald niut über al Daf fmt die uf der kil- 
chen gant fo daf ewangelio gelefen wirt die fint denne da niut fo 
diu wirfchaft bereit m irt und der priefter unfern herrcn niuffet Da 

265 mit wirt denne diu ^irtfchaft geteilct allen den menfchen die da 
gegenwürtig fint mit rehter riuu e und mit rechtem glouben Die aber 
da uf giengen dien wirt niut § Und fint noch vicrhand liut den w irt 
der meffe ouch niut Die erften fint die da runent und klaffent indcr 
kilchen und ungezogen fint § Die andern die inder kilchen ftand 

270 und zebanne fint und inen gottef dienft verbotten ift Die dritten fint 
die ünfers herren fronlicham unwirdiklich enphahent und in unwir- 
deklich handient Die vierden daf fint die da verfmahent die heili- 
gen meffe daf fi dar niut koment fo fiu ef w ol möchtin getuon. Und 
fich kleiniu ding laffent irren 



247 geffvl s. 248. 240 Dar na.h gat div Complcnde A. 258 er fehlt z. 259 iu] 
275 dii z. 265 nicfch z. 27i Hierauf noch in z (nicht in Z. O. Ä) § Sant Icroni- 
nuif fprirli Swcl menlchc iudcr niclTe vnwirdcklich Hat der ifl der iudcn gpnos die 
golles fpollotcn do er an dem kriuz hangele. Vnd ifl im fo vil groefer fiind de ers 
weifzemidenne def enwiflcn die iuden niut § Eines ieklichen priefters meffe der 
niul encredel ifl. oder der fiii nnipl hcl diu bcfclirmet den meiifclien vor übel. Vnd 
280 flerkel den menfchen an guolcii dingen. Vnd hciligcl alle die alf groeflich die zwo der 
heiligen meffe fint, Vnd keuie ein (38 a) engel von dem himcl. Vnd fprech zuo der 



XLI . XLII 7T 



Von i'lei'haiitl rtiiktii Ci'if'tans slöbeii. 



s. 



ant Lucas fchribet alfo. alle die geordnet fint zuo dem ewigen 
lebenn. die hant alle Criftan geloben. Criftaner gelobe hat vier ftuki. 
§ Daz erft ift. daz er fol ungemifchet Iln. daz ift an ungeloben. wan 
du folt niht geloben an zober. noch an luppe. noch an heff. noch an 
lachnye. noch an (3d) fürfehen. noch an nieffen. noch an die naht- 5 
frowen. noh an der agelftrun fchrien. noh an die brawen. und die 
Avangen iuken. noch an die battsenien. noch an kainer band ding, 
daz ungelöb fi. wan ünfer herre haffet alfo fer den gemiften gelo- 
ben, als ain man der guot trahte vor im hat mit fueffer fpife. und 
der denn dar uf fliuga fset. als unmsere denn dem man diu trabt 10 
waere. als unmser ift och ünfrem herren der gemift geloube. Avon er 
verdarbt ze ainer zit driffig küngrich. da von daz fiu hattent gemiften 
geloben. § Daz ander ift. daz er fol guoter werch fin. won guetiu 
werch hoerent dar zuo. und fwer es nit tuot. wie reht der gelobet 
mit den Avorten. fo ift er doli ungeloebig vor Got. § Daz dritte ift. 15 
daz er fol gantz fin. an ünfers herren Gothait. und och an finer 

menfch eim de zuo der ineffe wc ich •wil dir jreben tufent mark goldef de du 
nit teil habeft an der einigen meffe da du bi gewefen bifl Die tufent mark 
vnd noch dar zuo alle die weit die fol der menfch nit nemen für die gnad diu 
im von der einen meffe wirt. Einem menfchen dem werdent fin fünd gemiuret 285 
der zuo der heiligen meffe ift vnd wirt fin feie da gefroewet der priefter bittet 
für alle die da gegenwürtig fint ald da vmb ftand. Vnd wirt der menfch gcfeg- 
net wol mit xxx fegen in der ftillen meffe. Vnd ftirbet der menfch gehs oder 
vngebs totes fo vert er deft ficherlicher vnd werdent ovch die feien da geliu- 
lert alf de gold inder effe. Vnd von dem gebet def prieflers vnd der guoten 290 
liuten die da fint def bein anteil alle die da zegegen fint vnd dar zuo die 
feien dinef vatter vnd dincr muoter § Es fprichet Sant Auguflinuf Owel ein 
wunderlichiu gab von der erbarmherzkeit gottef ift difiu de niemer die heili- 
keit gottes inder heiligen meffe begangen oder volbracht wirt da befchehen 
zwei tugenlichiu oder kreftigiu werk gottef De ein ift eines fünders bekerd von 295 
finen fünden De ander ift erloefung einer feie zedem miuften von dem fegfiur 

XLII. A1.% 19. tJeberschrift Dif ift von den fiben heilikeiten z. 1 Act. 13, 48. 
4 hefte z. 5 lachenen z. 6 agelfter z. 6. 7 der wangen ;. batcnien s. 

dingef z. 8 gemifchelten s. 12 daz] wan s. 14 vnd wer ovch der nit z. 

16 an ünfers] ain vnfers A. 



78 XLII 

mentfchait. und öcli an Criftanlichen dingen die Got hat gefetzt ufl' 
ert- (ia) licli. Du folt allo gelohen an fin Gothait. daz er ift go- 
Axaltig und wii. und ewig. Du lolt allo geloben an fin mentfchait. 

20 daz er lij) hatte als ain ander mentfch. und im we und wol tet als 
ainem mentfchen. und in hungert und dürft alf aincn mentfchen. und 
uff ertrich waz als ain mentfch A\on daz er nie fünd begieng. und 
daz im diu marter alfo Ave tet alf ainem andern mentfchen. und daz 
er an dem Criutz erftarb an der mcntzhait. nit an der Gothait. und 

25 reht ze gelicher wis als ain man mit ainer axs in ainen böm howet 
da diu funne an fchinnet. der mag die funnen nit veiho\\ en. fi fchinne 
doch an den bom. daz fi fich niemer verwandelt dar umb. Alfo ift 
es och umb die Gothait Svvie vaft und Avie vil die mentfchait ver- 
howen wart, und ftarb an dem Criutzc. doch belaib diu Gothait gantz 

30 und fchopne. und ftark. und waz und ift an aiigeng. und ift iemer 
(4 b) an ende. Diu Criftanlichiu ding diu Got hat gefetzet uf ertrich 
daz du geloben folt. daz fint fiben fiule da diu Criftenhait uff ftät. 
§ Diu erft ful ift der töf. dar an folt du geloben, daz kain mentfch 
fo reht möht getuon uff ertrich und war es nit getoft. daz es Gottes 

35 antlüt niemer befchowet obnen in himelrich. Es Avard och nie mentfch 
fo fündig. Avenn es getoffet A\irt. in dem namen dez vatters. und 
des funes. und des haiigen gaiftes. im figent all fin fünd ab gCAvä- 
fchen. hat er fi ioch nie gebihtet. noch gebuetzet. fo ift er doch 
luter und rain Avorden. in dem haiigen töf. und fturbi er nach dem 

40 töf .e. daz er in fünd vieli fo Avurdi fin fei zehant üf gefueret in 
daz himelrich da er Gottes antlüt iemer fehen fol an ende. § Diu 
andei' ful ift. diu virmung. diu ift alfo hailig. daz es nieman mag 
getuon Avon ain Bi- (4 c) fchof und foltent die liut verr dar nach 
gan .e. daz fiu ungevirmat A\a'rent. n\ on es htjoret zuo dem töf. 

45 § Diu dritte ful ift bihte. riuw . und buoffe. a\ on es a\ ard nie mentfch 
fo fündig, und hetti er riuwe. biht und buolTe A'or fim end. Got A^er- 
gel) im all fin fünde. und Averde behalten in dem himelriche. § Diu 
vierdc ful ift der vil hailig Gottes licham. daz folt du geloben daz 
er geAvajrer Got und mentfch ift. und daz er ift in ainer ieglicher 

50 meffe. da in der priefter fegnot und handelt, und ze glicher Avis alfo 

18 ert-] er-^. 19 Du folt ovih alfo z. 20 ander fehlt s. 22 einander 

mcnrcho Avau de ein de er nie füiidolc z. 25 ai^x z. 20 fvniicn doch nit Ä. 
28. 29 die menfchcit ünfcrs licrrcii waii vcrhoA-n en vnd er z. 29. 31 diu] dv Ä. 
32defduz. 33 vnd de dehoiii i. 3'»^ niohl ,1. 3.1 icuacrltefcliovweli in a. 

41 de fi — folt X. Vi es] fi X. 4T Avurd x. 



XLII 79 

da ain man fprichet Ihefiis. und daz wort mäni^- mcntfcli hoeiet. und 
ift doch uit won ain wort. und daz ^^ ort hat ain ieglich mentfch 
enphangen gar und gantzlich in fin ore. und in l'in hertze. und treit 
es mit im haime. und fprichet der man noch dannoht ihefus. Alfo 
ift es och unb ünfers herren lichamen. Der priefter hat in hie in 55 
der kirchen ( 4 d ) der ander hat in dort in der kirchen fo wit als 
diu kriftenhait ift. fo hat in ain priefter in der haut, ainer in dem 
mund. ainer behaltet in uff dem altar. ainer treit in uff dem Aveg. 
zuo den fiechan. ainer git in den fiochan. in den munt. da hat in 
der fiech in dem munt. Alfo git ünfer herr finen lichamen fwem er 60 
wil. und wa er wil. und wie dik er wil. und ift doch ain gantzer 
Got. der ie waz. und iemer ift an end. § Du folt och geloben fo 
der priefter die oflaten gefegnet in der meffe. fo ift ünfer herr in 
der klainnen oflaten alfo groff und alfo gewaltig als er ift in himel- 
rich. Und merk ze glicher wis. nime ain klaines fpiegellin in die 65 
hand und geng zuo dem aller grceften münfter daz in der weit ift. 
und nim daz klain fpiegellin und hab es gegen dem münfter. fo 
fiheft du daz groff münfter in dem klainnen fpiegellin. alles fament. 
(5 a) wie es gefchaffen ift. Alfo ift es och umb unfern herren. der 
ift in der klainnen oflaten alfo gar als in dem himelriche. § Du folt 70 
och daz gelouben. fo der priefter die oflaten gefegnet in der meffe. 
daz diu oflat diu e waz bröt. diu wirt verwandelt ze ünfers herren 
flaifch. und wirt der win verwandelt /,e ünfers herren bluot. Und 
merk da bi. fwaz der mentfche iffet oder trinket, daz machet er in 
im felben ze flaifch und ze bluote. und den gewalt hat er von Got. 75 
Du folt waerlich gelouben. daz der almähtig Got der alfo mähtig ift. 
daz er älliu ding wol mag tuen, und im niut unmuglich ift ze tuend, 
der machet och wol brot zuo llnem flaifch. und wiu ze finem bluote. 
§ Du lolt och daz geloben, weles mentfch an finem ende ünfers 
herren vron lichamen wirdeklich enphahet. mit reliter riuw und mit so 
rehteni geloben, daz der niemer von Got wirt ge- (5 b) fchaiden. 
§ Diu fünft ful ift. daz hailig öl. daz ift guot dar zuo. daz des veg- 
fiures defter minder wirt^ und ift och guot dem fiehtagen des libes 

53 ganlz z. 54 heim z. noch danne z. 55 ein priefter z. 56 indirie kilchen. 

_ s 

ein anderre hat in \r kilchen einer hat in dort inder kilchen Der hat in ienfit ineins 

Dirre hat in difhalb iners fo wit elliu diu s. 57 ein priefter hat iiiden henden 

einer hat in indem z. 58 gehallet z. de weg A. 59 de fiechen— dem fiechen x. 

63. 64 ofelalen z. 64 alfo gantz gewaltig A. 66 imd geng— ift fehlt s. 

67 dem grceften (gr. am Rande nachgetragen) münfter 2. 83 zedem s. 



80 XLII 

und der fei. Sol der mentfch nit fterben fo ift er defter e geneleii 
85 fo er geölt wirt. mit dem haiigen öl. und alfo lang fo er fiech ilt. 
fo ift <la mit genuog geölt, und genifet er aber und Avirt er dar 
nach aber fiech fo fol man in aber ölen. § Diu fehft ful ift diu .e. 
daz folt du geloben daz die liule die ir e. reht haltent als fi Got geord- 
net hat. die werdent all behalten bi ünferm herren in himelrich. § Diu 
90 fibcnd i'ul ift der i)riefter orden. du folt daz geloben daz an dem 
jjriefter z\\ai ding fint. fin anipt. und daz ift hailig. daz fönt Avir 
\on im enphahen. Sin leben bat er im felben. Swie boef und wie 
fündig er 11 an lim lebcMin. untz daz im fin amt unverbotten ift. 
fo mag er meffe fingen, und biht beeren, und ( 5 c ) aplaf geben, und 
95 enbinden von fünden. und fwie vaft der priefter mit den fünden ift 
gebunden, fin ampt ift doch ungebunden, und ift hailig. und enbin- 
det uns wol von fünden. Und reht ze glicher wis alfo da ain mentfche 
in ain lachun vallct. und gar unfuber wirt. und ka'ini denn ain mor 
und M uefchi in fchöne. und hulfi im us. alfo daz er gar fchcene 

100 wurdi. fo wiere der mentfch als fchcen worden von dem moren. als 
ob in ain guoter und ain fubcr mentfch ge\\äfchcn hetti. Alfo ift es 
och umb den priefter. Swie unfuber er ift mit den fünden an finem 
leben, fo ift aber fin ampt fchoMi und luter und raine. und hat den 
gewalt von Got. Swenn ain mentfch im gebihtet fin fünde mit riuwi- 

105 gem hertzen. vnd denne der priefter fin band üf hat über den ment- 
fchen und fprichet Indulgenciam. und diu m ort diu er denn fprechen 
fol. So tuot fich der hiniel i'if. und als der priefter apblas git. und 
in enbindct von (od) finen fünden. alfo git ünfer herr Got dem 
mentfchen applaz und enpindet in von allen finen fünden. Und merk 

110 ze glicher m is alfo da ain küng finem fun fanti zehen mark goldes 
bi ainem hotten der aincpg wa're. oder hofroht. und diu nas krumb. 
und gar unfuber waere. fo enphieng doch der fun die zehen mark 
goldez von dem hotten, und fpra^ch. hab dir din krumb nafen. und 
dinen unfubern lip. min golt ift fchoen. und luter und rain. daz mir 

115 min vatter der künig hat gefant. Alfo ift es ouch umb den priefter. 
Swie blind fwie hofroht. und fw ic krumb er fi an finem lelien mit 



86 ift er z. aber dannc z, er fehlt z. 88 haut alf cf z. 90 ordcn oder 

'wihi z. 92 er im] er von iiu .4. z. 98 more z. 99 fchcene z. 102. 103 an im 
felben z. 105 deune] den 6 A. done c s. 106. 107 fprichet vn fprechen fol jl. 
107 ob im vf z. dem nicnfchen applaf*. 108 von (5d) von finen A. 111 ein 
ttfe'ge oder hoferecht (w a.M e fehlt', z 113 Hab du dir z. 115 Afo A. 116 hof- 
recht X. 



xLn . xLni 81 

den fünden. fo ift docli lln anipt fchcen. und luter. und raine. daz 
lont w ir von im enphahen. daz hat uns Got ünlei" vatter von himel- 
ricli gefent. aber l'in leben liab er im leiber. Und daz wil'fe ain ieg- 
lich mentlch. daz ain prielter bi ainer ge« iliten nuiinen wser gelegen. 120 
oder ( a ) bi liner fu elter. oder bi l'iner muoter. der mentlch fol 
den priefter nit bitten ze fingenn. Singt aber der prielter des tages 
meffe. So folt du daz geloben daz er riuw habe, und folt l'in melTe 
als gern hoeren. als ob i'ant peter da lungi. und folt geloben daz fin 
meff als hailig fi. und dir als grcefliu gnad wider vert als in fant 125 
Peters meffe. § Daz vierd ftuki des geloben ift. daz er veft fi. Ze 
glicher Avis, als ain ftain der niemer gediehet, won gold lat fich 
biegen. Ifen lat fich biegen, aber ain ftain lat fich aller zerbrechen, 
e. er fich laffe biegen. Alfo fol och der Criftan mentlch tuon. der 
fol fich e. lallen martren. e. daz er iemer entwiche von Criftam glo- 130 
ben. mit gedänken. mit worten. oder mit werchen. Die liut die dis 
behaltent. die fint all geordnet zuo dem hinielrich. und zuo dem 
ewigen leben, obnan uf in daz himelrich. für den alniähtigen Got. 
Und fwer iemer difen globen widerbre- (6 b) diget. daz fönt ir 
wiffen das der ungela'big ift. und fönt im nit geloben, m on er w olt 135 
iuch fchaiden von dem almähtigen Got. Da vor behuete uns der 
vatter und der fun. und der hailig gaift. Amen. 

Ton mänger haiide tilgend gaifcliliches lebens. 

Irovidentes bona, non tantum coram ({3b) deo. etc. Sant Paulus 
fprichet wir füllent erfam iin vor den Hüten, und avoI geordnet vor 
Got. Salomon fprichet in der niinnen buoch. Ünfer herre hat fin 
minne in mir geordenet. Hie bi git er uns ze merkenn wie diu minne 
fol geordnet fin in ünferm hertzen. Reht alz daz clofter geordnet ift. 5 
als fol och diu minne geordnet fin. Nu muoff ain ieklich clofter vier 
ding han daz wol geordnet ift. Daz erft ift ain galt hüs. des phle- 
gent dri lungfrowe. Daz ift guot ^\ille. vrtelichkait. und rainiu minne. 
§ Diu erft iungfrowe ift guot wille. diu lat die gefte in. Asan fwer 
guoten willen hat der hat erbärmde über alle liute. und aller maift lo 
über fiech liut. w on die fiechen bedurfent bas des fiech hufes denne 

119 felbe:. 120 lege z. 121 muoter helle gelegen %. 122 ein meffe niht 
billen fingen z. 126 ift fehlt A. 128 allen s. 129 lief i. 133 obnan— 

himelrich fehlt z. XLllI. Ä6, 1 Cor. 2, 8, 21. 3 Cant. 2, 4. 

Altd. Predigten. g 



82 XLIII 

die gefunden. Ain blinde bedaif bas da/, man in laite. denn ain ge- 
fehender. § Ze glicher w is ift es unib der feien fiechtagen. m an die 
liute die an der feie liech fint. die bedurfent bas ((3r) helfe, denn 

15 die in Gottes willen fint . aa on die hat iinler heire erliuhtet mit 
finen gnaden, daz fi in feiber und andren liuten nü(z mugent fin in 
ireni gebet, und dar umb fönt fiu lieh erbarmen über fündig Hut. 
und fönt für flu bitten. Doch fol der nientfche nieman fin hertz uf 
tuen, wen Got mit guotem willen, und la dich erbarmen ftelger nientfch. 

20 daz der guot Got fo demuetklich vor dinem hertzen ftat. und dich 
bittet daz du in in din hertz laffeft. daz er mit dir ruowe. Als man 
lifet in der minnc buoch. da fpricht unter hcrre. Tuo mir üf min 
fwefter. wan ich bin din bruoder. tuo mir uf min friundin. A\on ich 
bin din gemahel. Tuo mir uf min tube. \\on ich dir min haiigen gaift 

25 fante in diner betruebde. und ze ainem laiter in dem eilende. § Nu 
hcere wie guetlich der gruoffe Gottes dich grueffet. und bittet der 
herberg die er gefchuof. und erlofte mit finem tode. § Die (i3d) 
ander lungfrowc ift froelichkait. diu fol unfern herren enphalien. fo 
der guot wille unfern herren in lät. fo enphahet in vroolichkait. wan 

30 fwa ain gaft Avajre. dem tseti bas ain vroelich antlüt von dem wirt. 
dann diu beft trabt die er ime möhte geben mit uuax irdefchem hertzen. 
Ze glicher A\is ift es umb unfern herren und den mentfchen. Ünferni 
herren ift lieber ain klainer dienft mit vroeden. denn ain gröff ar- 
bait mit murmelen. Etlich liut haut aber nit unfern herren in gaftes 

35 w ife. wan er ift alles bi in. daz er da wonung hat. und ir hertzo 
gebent 11 im. aigenlich. daz er da herre und w irt ift. und hat da ain 
ftset ruowe mit der fei. Alfo fpricht ünfer herre. Ich und diu feie 
fönt ain fta't Monung han mit enander. § Diu dritte lungfrowe ift 
diu edel minne. diu fetzet unfern herren iiider. und fprichet. herre 

40 wir iont fitzen, wir mugent uns g«hcs von enander nit fchaiden. 
wen ( 1 4 a ) du A\ aift m ol lieber herre min daz m ir vil mit enander 
hant ze redenne. Sitz herre. la mich mit dir kofen. § lieber herre 
fpricht diu minne. w ir füllent ain wonung entzw üfchent uns machen, 
du waift doch wol daz ich diu minne bin. mit der du din wonung 

45 haft. Als fant lohannes fpricht. Deus Caritas oft. herre. Du muoft 
bi mir bliben. wan ich bin diu minne. und bift och du diu minne. 
So fitzet denn ünfer herre und ruowet in der feie, minne. und kofet 



22 Cant. 5, 2. 22—49 vgl. LXIV, 1 fgg. 26 gruoffe] die Handschrift groffc ; 
oder ist Gottes in Got ;u ändern ? 37 vgl. Ps. 131, 14. 45 Ep. Joh. i, 4, 9. 



XLIII 83 

guetlicli mit ir. und fpriclit mir ift vil ianft. tlaz ich bi der feie 
bin. und tiiot mir gar wol. daz ich bi ir rupwen lol. § Daz ander 
daz an dem clofter ift. daz ift ain Reventer. da diu feie unfern herren 50 
fpifet. mit ir tugenden. Des phlegent och dri lungfrowen. § Diu erfte 
rihtet den tifch und fetzet unfern herren nider. diu haiffet fro milte- 
kait. und git miltes hertze. und miltiu wort, ir fvveftren fo fi be- 
truebet fint. oder fo fi fiech fint. oder fwaz in wirret. (i4b) daz 
benimet fi in mit ir miltekait. und hilfet in alle ir arbait tragen, mit 55 
hertzen und mit libe. Da von fj)richt ünfer herre. Swaz ir dem 
minften tuont in mineni namen daz haut ir mir getan. § Diu ander 
lungfrow haiffet Contemplieren. diu fetzet trahta für. die fi cou- 
templieret und gedenket, wie fi mit den tugenden würken wil. und 
^\ ie fi ain ieglich tilgend bringe ze tugentlichen m erchen. Man lifet 60 
von her lob daz er zehen kind hatte, die täglich hattent ain niuwe 
Mirtfchaft. Si warent hiu bi aim. morn bi dem andern, und tatent 
daz täglich, und alfo hattent fi täglichen A\irtfchaft. § Ze glicher 
wis fol diu fei tuon. fi fol täglich m irtfchaft hau mit tugenden. und 
fol hiut ain tilgend ueben. morn ain ander. \\ on die tugent mag nie- 65 
man mit enander gewürken. § Diu drit lungfrowe haiffet andaht. 
diu fchenket die fueffen minn trähen. und fchenket ( 1 4 c ) von dem 
iaemerlichen hertzen den minneklichen win. und fprichet zuo ünferm 
herren. Owe fueffer Got von hymelriche. wenn fol ich enpunden 
werden von difem libe. daz ich dich mit ficherhait umb vahen muge. 70 
und du dich denn in min feie gieffeft mit vroeden und mit fueffekait. 
Von der andaht entfpringet ain brunne und fliuffet ze den ogen us. 
§ Daz dritte daz an dem clofter ift. daz ift ain dormiter. des phle- 
gent och dri lungfrowen. Der dormiter ift ain Gütlich hertze. § Diu 
erft lungfrowe ift ain lutriu Confcienci. diu beraitet daz bette, da 75 
ünfer herre und diu feie an ruowen fönt, won fvva der mentfch ift. 
den fin hertz nit bekrenket umb dehain untugent, der hat ain luter 
confcienci. und ain gebluometes hertze. Diu feie mag wol fprechen 
kum her lieber gemahel min. ünfer bette ift gebluomet. kum her 
fueffer Got. ruo« uff difen bluomen. Aber der mentfch den (l4d)80 
fin confcienci biffet umb Untugend, und fich doch der vor nit huetet. 
des betlin ift bedürnet. waif Got da laege ünfer herre ungerne. und 
wsere im och harte widerzseme. § Diu ander lungfrowe haiffet fride. 
mit tugenden. daz fi die untugende alle überwunden hat. die Avider 



48 gotlich 56 Matth. 25, 40. 73. 74 plegent 79 Cant. 1, 16. 

6* 



84 XLm 

85 den tugenden ftriteiif. und nit allain iiberw iinden die Untugend, fi hat 
ir och gar vergeffen. Diu feie hat IVid mit den tilgenden, und diu 
phliget ünfers herren. und der feie fo fi ru()\\et. § Man vindet der 
liute vil die vehtent tugend hant. Die ze allen ziten mit den tugen- 
den vehtent. aber der liut vindet man Kitzel die mit ruowe lugent 
90 habent. die fint reht al.s diu tier in der arch die hattent frid all 
mit enander. § Diu dritte lungfrow haiffet Schiauf. mit dem fchoen- 
nen Got. daz fol man nit verftan an den flaf des libes. es ift ain 
fchlauf mit Got. daz ift fo diu feie und der lip ufwendiger ding gar 
ver- (l5a) gelTent. und fi denne inwendig Got fehent. und in mit 
95 im M ol ift. daz ift fehlaf der feie, daz mag iubiliercn lln. Als fpricht 
diu feie in Canticis. herre ich fläf und min hertz Avachet doch 
mit dir. Alfo fpricht ain haiig. Herr Si loch daz ich fchlafe mit den 
ogen. fo gib mir doch daz min hertze wache mit dir. § Daz vierde 
daz an dem Clofter ift. daz ift ain Capittel hus. daz l)ezaichent ain 

100 demuetig hertz. da ift ain Priolin inne diu haiffet frow mseffekait. 
da fint ander lungfrowen inne die ruegent die untugent hant in dem 
capittel. und die tugent ruegent enander. Avon die Untugend fol man 
billich ruegen. Aber daz befchiht dik. daz ain bruoder oder ain 
fwöfter an ander ruegent daz doch vil beffer ift. Ze glicher wife. 

105 ift es umb die tugend da laidet ainiu die andrun. die doch vil hoeher 
ift denn fi. Ain tugend ift in der feie, die haiffet erfamkait. diu 
rueget frow demuetkait. Ir fint alfo (l5b) gar unfuber mit iuch 
felber. und iuwer demuot ift alfo vil. daz ir unluftig fint an ze 
fehenne. So fpricht min vrow diu priolin. Swefter demuot ir fönt 

llOmseffig fin. und fönt iuch alfo demuetigen. daz iuch die liut erliden 
mugent. § So rueget denn vrow demuot. vrow erfamkait und fprichet. 
Ir fprechent ich li ze unfuber. wan aber ir als erfam fint. und tra- 
gent gern guotes gewand. und vliffent iuch daz es wol ftande. dunket 
es iuch ain erbera fin. fo dunket es aber mich ain hofart. So fprichet 

li5 aber mäffe. Ir fönt beide iuch temperen mit mäffe. § Dar nah rue- 
get reht und erbärmde enander. Erbärmde diu fpricht. Plus eft. Si 
rueget die fwöfter. daz ift reht. doch möhti fi es avoI mit miltren 
Worten tuon. Si ftellet ir antlüt als übellich daz ef gar ze vil ift. § 
So rueget denn reht erbärmde. und fpricht. Plus eft. Ir wend als 

120 erbarmhcrtzig fin. daz ir ain ieglich ding ( 1 5 c ) went hin lan gän. 
daz doch wol ze ruegenn Ma?re. § So fprichet aber min vro maffe 



_ e 

96 Cant. 5, 2. 102 tvgent. vn rvgent 



XLm . XLIV 85 

diu Priolin. Ir Iungfro\van ir fönt iuch mit mäffe zuo enander fue- 
gen. daz ir mit fride ze famen gehelleiit. und doch mit der gnade 
belibent. § Dar nach ruegent befchaidenhait und minne enander. und 
fprichet vro befchaidenhait. vro minne iuwer minne ift alfo vil. daz 125 
ich es nit erliden mag. So ir an die minne koment. fo bettent ir 
alfo vil. und ^vainent und dienent. und arbaitent alfo vil. daz ir dar 
nach lang muoffent ligen. und mugent denn kain guot getuon. Ir fönt 
befchaidenlichen varen. und fönt nineft werchen. daz ir och andreft 
mugent werchen. So fpricht denn vro minne. vro befchaidenhait 130 
iuwer befchaidenhait ift alfo vil. daz ir als trsege fint. an ünfers 
herren werchen. daz es wider Got ift. So ir betten (i5d) fönt, fo 
wend ir fchläfen. und fprechent alles, wir fönt gefuoklich varen. 
daz wir lang Got mugent gedienen, und machent iuwer befchaiden- 
hait alfo vil. daz mich dunket es fi ain trakait. § So fprichet denn 135 
vro mäffe diu Priolin. Ey lieben iungfrowen temperent iuch ze famen. 
Ir fint als unfridfam mit enander. daz es übel ftat. vro minne ir 
fönt nit als vngefuoklich varen. fint mseffiger. Aber ir vro befchai- 
denhait. arbaitent iuch me. und fuegent iuch baz ze fridbari mit 
enander. und fint maeffig. doch alfo. daz ir die gnade mit den tugen- l4o 
den behaltent. 



Ton dem frdn lichanien iinfers lierren. 



II 



nfer herr fprichet in dem ewangelio. Ich bin daz lebend brot daz 
da kam von hymelrich uff ertrich. daz waiffin körn dar us daz brot 
gemachet wart, daz kam von hymelriche. von der guldinen fchiure. 
und wart gefa?get uf daz gefegnet ertrich. in den ( _M b ) rainen lip 
miner vrowen fant Marien, daz waz getunget mit durnähtiger de- 5 
muot. wan fi waz der aller demuetigeft mentfch der ie geboren 
wart an unfern herren. won fwa man von tugenden redet da ift Got 
ain urfprung. vnd ain übergülde aller tugent. und dar umb fol man 
Got zuo kainem haiigen zellen. wan fin tugend fint reht als daz 
mer. wider ain trophen. ünfer vrone N^az volkomen an durnähtiger 10 
demuot. und als der mift verworfen ift für älliu ding, alfo waz 
ünfriu vrow verworfen und verfniaeht für alle liute. und won fi 
mit ir demuetkait der nidroft mentfche waz. da von fo \\art fi er- 
hoehet über alle mentfchen. Man lifet daz von ir. daz fi fich alwe- 



126 mag. fo ir an fi koment fo bellont ir alfo vil. daz ich es nit erliden mag. So 
XLIV. Ä 10. 1 Ev. Joh. 6, 35. 6 demvtig 



86 XLIV 

15 genf nanite ain dirne ünfers Herren. Zun ainer miioter nam li da 
von ünfcr hcire. und ienier alfo vil 11 fich nidert. alfo vil erhöhte 
ii ünler herre. Si \\art och geeret mit dürnälitiger liiiMifchkaif. wan 
es wart iiie montlche (2\ c) ane (Jot daz ie fo volkonion kiunfchi 
hetti als fi. Si waz rain an lib. und an hertzen. und hatte die tugend 

20 der kiunichi volkonienlicher denn ie kain nienfche. Man lifet avoI 
von niäiigeni haiigen der kiunfche waz und ain luter magt. und waz 
doch fin hertze nit volkomen an gedenken. Aber ünfer vro\\e \\az 
volkoinen an lihe und an hertzen. Alfus Avaz dis ertrich gebuwen 
mit tugenden. Der A\a'ri ain tumher man der finen l\\men wurfi ulT 

25 ain ungel)u\\ en ertrich ull" Itain oder utf dorn. Alfo iCt etlicher liute 
hertze als herte und als hohvertig. fwaz guotes ull' ir hertze gewor- 
fen w irt. daz daz nit fruhthar werden mag. Aber dis ertrich waz 
gebuwen w ol mit allen tugenden. und brahte die ewigen fruht unfern 
herren. § Nu muoffent aim ieglichen körn fechs ding .e. gefchchen. 

30 e. es ZUG brot werde. § Daz erft daz man es fnidct. Daz ander daz 
man es bindet. Daz ( 2 1 d ) dritte daz man es dröfchct. Daz vierd 
daz man es melt. Daz fünfte daz man es knittet. Daz fehftc daz man 
es bachet. Diu fehs ding befchahent ünferm herren. § Zuo dem erften 
wart er befchnitten. an dem ahtenden tag. w on do w olt er fin bluot 

35 durch den mentfchen gieffen. Und fpricht ain hailig. Sw ie ünfer herre 
dar umb uff ertrich kam. daz er die alten .e. zerftoerren wolte. do 
wolt er ir doch nit befen. er w ölte daz ftrenge leben an fich nemen. 
und alfo erfüllen fwie er fin doch nit bedorfte. Avon er waz gar An 
fünde. und daz waz gar ain grceffiu minne. daz er alfo zitlich und 

40 in finen kintlichen tagen arbait und not für ünfer fünde wolt liden. 
§ Dar nah ze dem andern mal wart er gebunden an die ful. 'Man 
lifet daz diu gebende als fcharf warent da mit er ge- (22 a) bunden 
wart. Swa im diu band hin giengent. daz da fchnatte wurdent. und 
daz er reht wart als ob er \ orwundet w a're. mit (werten. AA^on mit 

^. im fo giengent w ol die unmiltoften Hut umbe die ie ge!)oren wur- 
dent. won flu bundent im hond und fueffe ze famen. und flriktent 
im ain fall umb die kelen. daz er kum den ateni hatt. und bundent 
in reht als ob er aller dieb maifter wtere. Dis waz ain zaichen 
groffer minne. daz der ain Got himelriches und ertrichs gewaltig 
50 waz. daz der durch uns vil armen aller finer lider ungewaltig waz. und 
wolt werden, und daz er llnen minneklichen libe w olt laffen binden 



19. 20 Ivgedc kvnfchi 24 aiii] an 37 ir ft-hlt. 49 der ain] er 



XLIV 87 

dar umbe daz er uns lofti von den fünden. § Zuo dem dritten mal 
wart er an der ful gedröfchen mit niängeni bitterlichen fchlag. Und 
fprichet l'ant Anfhelni. daz der miiineldich lip der e. m az a\ iff. Avart 
als (22b) ob er mifeifühtig AAsere. Swa die knöphe der gaiflen hin 55 
giengent. da zuktent ilii im daz flaifch von dem ruggen. und wate 
im daz bluot nach der gaillen. daz fiii minneklicher lip gar mit bluot 
begoffen wart, da aber diu gaiiel hin kam. und im nit die hut brach, 
da Avart er gel. und och etl'wa A\art er reht tot bluetig. und waz 
etfAva fwartz. und reht rot von bluot. alfus icemerlich und angflich 60 
wart ünfer herre gehandelt. In dem do ünfer herre alfus isemerlich 
an der ful gebunden waz. und fi ietz uff in fchluogcnt. do kam ünfer 
vrowe. und do fi hin zuo im kam. do A\az fin minnekliches antlüt 
alfo zerbluwen und zerkniftet daz fi fin nit erkante. Owe den fi me 
denn tufent mal guetlich an finen mund geküffet hatte, der ift alfo 65 
iamerlich getan, daz fi fin nit erkande noch erkennen künde, den fi 
dik guetlich an ir hertze und an ir bruft gedruket hatte, den vand 
fi (22c) under den unmiltoften liuten die ie Avurdent. Do fi in lang 
an gefach. do fprach fi zuo im. Oavo bift duz rainer ihefus. und do 
fi in. in fo groffer not fach, do Avart ir Aon inneklichem laid alfo 70 
we. daz fi lag an fprechen. und an fchen. § Zuo dem A^ierden mal. 
do Avart er genialen entzAvifchent zAvain mülftain. daz ^vaz Pylatus 
und Herodes. die zwen rihter. Avan fi Avarent übel mit enander. und 
Avolte fich Pylatus fuenen mit Herodes. und fante im unfern herren. 
Avan in hatte lang gelüftet in ze fehenn. und do er do zuo im kam. 75 
do batt er in daz er vor im zaichen tieti. do Avifte ünfer herre avoI 
daz er finer zaichen nit AAirdig ws&r an ze fehenn. und wolt kain 
zaichen vor im tuon. Do fprach er Avaz göches hat er mir gefant. 
und hieff im ain Aviffes hemde an legen in fpottes Avife. und fprach 
man feit mir yü a^ou difem Avie Avis er Avsere und waz er künde. 80 
Nu fih ich (22 d) Avol daz er ain göch ift. und fante in aber Avider 
zuo Pylato. und do in der naht wRvt do kam der tiufel zuo finer 
A'rowen und feite daz der man den Pylatus hetti gevangen. unfchul- 
dig Avaere. und fante fi des morgens zuo im und hieff in bitten daz 
er ünferm herren nit entsete. do hetti er in gerne gelaffen. und hieffe 85 
in fine knechte fchlahen vil übele. und bevalch in do den luden, do 
fi im nit volgen Avoltent. daz fiu in geläffen hettint. Alfus Avart er 
genialen mit mängen hertan werten, und ftteffen. § Zuo dem fünften 
mal Avart er geknetten. mit den fpaicheln der unrainen luden, und 



52 er fehlt. 53 bitterliche 64 fin fehlt. 69 duz] dv 



88 XLIV 

90 Icitent imc ainen roten pheller an. und fatztent im ain kröne uf mit 
dornen, und ^abent im ain ror in iiu hand für aines liünges zepter. 
und knluwotent für in und fpuwent in an. und gruotztent in. in 
fputtes Avis, und fpraehent. (2.5 a) Cot halte iuch her luden küng. 
Si namptent den der luden künig. des kneht fi nit woltent lin. und 

95 zuktent im daz ror ufi" der haut, und fchluogent im uff daz hopt. 
und uff die krön als übel daz im die dorne w ider grifgetent an dem 
hübet, und daz fin minnekliches antlüt mit bluofe gar hegoffen waz. 
und nament do ain tuoch. und hiengent im es für fiiiiu ougen. und 
fchluogent in uff fin nak. und fpraciient. Nu rat \\Qr hat dich ge- 

100 fchlagen. und fpraehent mänig fnureh a\ ort. zuo im. daz laid er 
alles tugentlich. Da von fpricht fant Anfhelni. daz in fin höbet 
tufent Icharpher wunden giengent. Owe dis laid er alles durch uns. 
vil armen, ane alle fchulde. und fpricht och fant Anfhelm. Herre 
du hatteft nie verfchuldet. daz du fo gröz arbait liden folteft. aber 

105 ich bin diu fchulde diner arbait. In aller der not. und aller der mar- 
ter fo ünfer herr lait. fo vin- (23b) det man nit gefchriben. daz er 
ie ungedultig a\ ort gefpraeche. oder ungedultig antlüt erögti. fw ie im 
doch diu arbait wirs tet. denn ie kaiin mentfchen. § Zuo dem iehften 
male wart er gebachen an dem Criutze. do in die Übeln luden vil 

HO unguetlich an daz Criutze nageltent. Do fchluogent fi im ain nagel 
durch ain hand. Nu gedenkent wie we aim fwseren manne daz ta-ti 
der aller fament hiengi an ainer hand. als er tet. won er hieng och 
aller an ainer hant. da ain nagel durch gefchlagen wart, und im die 
haut ietwederhalb hin zarte, und hieng entzwüfchent zwain dieben. 

115 als ob er aller dich ain maifter wa^re. Man fpulget groffen herren 
brot ze bachenn in zm ivaltigem (iure. Alfo Mart ünfer herre öch 
gebachen an dem (Vintze. in zwivaltiger not. und mit den angften 
daz er wol wifte daz fin not und fin arbait an mängem mentfchen 
fo unnütz A\az. und och (2.5 r) mit dem iamer fo er an finer muoter 

120 fach. Und fprichet fant Bernhart. Herre dir tet diu not und diu ar- 
bait vil inneklichen we. aber daz lait und daz iamer daz du din 
muoter fa^ht han. daz tet dir an dinem herzen vil a\ irs. wou och ir 
herze betruebet waz. Won fwa ain muoter wa're. diu ir kint vor ir 
ögen fa;he fo ia-merlichen t(Pten. daz muefti ir \\ e tuon. an ireni 

125 herzen. Ks wart aber nie muoter diu ie ir kiut fo fere minneti fo 
ünfer liel)iu vrowe. ir liebes kint minnet in ir herzen, von (jlöllicher 
minne me denn ie fei oder herze. O aller niiltoftiu muoter fag uns 

105 bin fehlt. 



XLIV . XLV 80 

wie dinem herzen wsere in der ftunde. do du din herz hluot vor 
dinen ögen Iaht hangen, als reht ijemerliche. Daz gegiht innekliches 
laides. daz durch gieng ir herze, und iren IIb. Si mohte wol fprechen. 130 
mit dem wiffagen. Min hertz ift betruebet. und diu kraft mines libes 
hat mich verlaffen. wan daz lieht miner ogen ift von mir gefchaiden. 
Sant (23 d) Auguftinus fprichet. daz fi ain gegiht an gie von hertz- 
laid. daz ir älliu iriu lider erkrachetent. Do ünfer herre von ir fchai- 
den wolte. do bevalch er 11 fant lohanfen. reht als er fprseche. 135 
Muoter. Ich mag nit me din kint gefin. Nu wil ich lohannefen dir 
ze ainem kind geben, und fprach. Muoter. fich wa din kint. ftat. und 
fprach. zuo fant lohanfen. Sich wa din muoter ftät. Owe. wie innek- 
lichen ^\ c dir daz fchaiden tet. § Alfuff wart dis lebend brot gc- 
machet mit mängen arbaiten. Won der als daz leben ünfers herren 140 
dur gät. fo vindet man nit. daz er ie guoten tag gewunne. von finen 
kintlichen tagen, untz an daz Criutz. daz laid er alles durch uns. vil 
armen, dar umbe daz er ünfer feie fpis wolte fin. und daz ünfer feie 
mit dem lebenden brot gefpifet wurde. Alf ünfer herre zuo fant 
Auguftinus fprach. Iffe mich alfo daz ich nit werde in dich verwan- 145 
delt. du folt in mich verwandelt (24a) werden. Daz ift alfo. daz 
wir von ünfreni herren dem lebenden brote gefterket werdent an 
tugenden. won fwer unfern herren mit rehtem globen enphahet zuo 
dem altar von dem priefter. dem werdent fin tugend gemeret und 
gefterket. § Sit daz nu ünfer herre fo mänig arbait und not dar 150 
umb liden wolte. daz er ünfer feie fpis und tröft w aer. So ift och daz 
billich. daz wir ünferm herren ünfer fei mit allem fliffe gegen finer 
gnad beraitent. durch daz. daz ^^ir finer erbärmd \\irdig werdent. 



Ton niaffe und von andren tugenden. 



s 



anctus Paulus fprichet. iuwer maffe und iuwer tugend fol allen 
liuten offen lln. Difiu worte lifet man an dem iungften funnentag 
vor winnähten. und beeret wol zuo dem tage, w on fo nahet uns ain 
hohzit. daz w ir unfern herren enphahen fönt, und leret uns mit difen 
w orten der guot herr fant Paulus, w ie wir uns beraiten mit tugen- 5 
den fönt gegen ünferm herren. daz (34a) wir in wirdeklich enpha- 
hent. Man lifet von der küngin Hefter, do fi zuo dem künig Afwero 
folte. do berait li fich ain lar da vor. Si wuofch fich fehs manod 



131 Ps. 37, 11. 153 erbarmd XLV. A 15. 1 Philipp. 4, 5. 4 wir fehlt. 



«0 XLV 

mit myrren. und falbet ficli fchs manot mit öle. und hatte fiben lung- 

10 rro\\'cn die 11 beraitont daz li mit eren zun dem kiiuig möhti komen. 
§ Bi dilcr künginnen ilt bezaiclicnt ain ieglicliiu fa'lgiu i'el. Hi dem 
künig Afwero ift bczaioh-'nt üiilcr hcne. Alwerus daz fprichet der 
fselig Got der ilt reht üvlig. und liailTet von loht Alwerus. und gegen 
liner zuo kunft lol lieh ain ieglich Ik'lig nienllcli beraiten daz er in 

15 wirdeklich enphalien mug. § Diu erl't lungfrowe zoh ir diu alten 
klaider ab. Diu ander lait ir Ichuohe an. Diu dritte lait ir ainen langen 
rok an. Diu vierde lait ir ain guldin borten umbe. Diu fünfte lait ir 
ainen vehen mantel umb. Diu fehle ftakte ir ain guldin vingerlin an. 
und ain fpiegel (34b) für lieh. Diu ilbend fatzte ir uf ain kröne. 

20 ^'^o Hefter diu Avuofch fich vor hin fechs manode mit myrren. Diu 
myrre diu ift bitter, und bezaichent die riuwe die ain mentl'ch lol 
han umb fine fünde. und falbet lieh die andern fehs manot mit Öle. 
daz öl machet die hut lind, und fenfte. Der in ainen kamph \\\\ gan 
der falbet fich und fiu geworfen mit öle daz in fin vigend nit begri- 

25 fen mugent. Ze glicher wis lol der faelig mentfche tuon. der fol fin 
hertze linde machen mit andwhtigem gebette. und fol fin feie mit 
ünfers herren gnaden fallien. daz in der tiufel fin tcptlich vigent nit 
begrifen muge. v\ on ir fönt daz aa iffen. daz. daz andächtig gebet vil 
nütze ift für die bekorung die der tiufel etfwenn git. Won fw er fich 

30 unmueffig machet mit gebet und mit guoten gedänken. den mag der 
tiufel niemer mit alfo mängem ding gcvahen. als den mentfchen der 
fine zit unnützeklich vertribet. Alfus fol der mcntrch fin fei vor hin 
be- (34c) raiten. Dar nach fönt ir denne llben lungfrowa werden 
die fi klaident und beraitcnt. daz fint fiben tugent. § Diu erft lung- 

35 frowe ift riuwe. diu ziuhet ir diu alten klaider abe. und lait niuuiu 
an. daz fint die fünde und die alten gewonhait der Untugend, die fol 
der mentfche von finer feie und von fineni herzen werfen. M'ie ge- 
zjeme ainer lungfrowen daz fi gieiige für ainen künig mit allen 
klaidern boefen. daz fi alfo ka^me mit gevetzotem gewand. daz zaMue 

'io harte übel küngeniien daz li alfo boefchlich knnic für iren lierren. 
Noch tufentftunt A\irs gcza^me der feie diu ünfers herren gemahel 
haifl'et. daz fi für den groffen Got kajme mit alten klaidern. und mit 
Untugenden. § Man lifet ain msere von ainem herren der hatte ain 
hof. gcfprochen. und hatte vil liute dar geladet, do diu wirtfchaft 

45 berait wart, do giong der künig umlie und fach m ie es alles beralt 
waere. und wie die Hut beklaidet Miercnt. do erl'ah er ain der wx/. 

13 m fehlt. 35 ir fehlt. 43 Ev. Matth. 22, 2 fgg. 



XLV 91 

nit Caid) Avol beklaidet. zuo dem fprach er. waz wolteft du her 
mit dinon boefen klaidern. und hieff fin kneht dar gan. und hieff im 
hcnd und fuefl" zelanien binden und Averfen in ain fiur. Ze glicher 
A\ is befchiht der feie an dem iungften tag. diu für Got kumet ane 50 
lugend, und ane guctiu AAcrch. dem haiffet ünfer herre hende und 
fueff zefamen binden, und haiffet fi denne in ain fiur werfen, der 
ewigen verdampnung. § Diu ander iungfrowe ift demuetkait. diu 
fchuohet die feie. Swer ain herten oder ain ftainigen weg fol gan 
der bedarf w ol daz er gefchuehet fi. mit der demuetkait. daz er 55 
fich behueten muge vor den Untugenden, und vor der widerwärti- 
kait diu den raentfchen uff ertrich ane gät. won der tiufel leit dem 
mentfchen mänig läge da mit er den mentfchen gevahen muge. Den 
langen weg mag der höffertig mentfch niemer gan. Man lifet in der 
alt vätter buoch. von aim guoten (söa) man dem wart diu weit 60 
gezaiget. do fall er 11 volle ftrik ligen. Do fprach er zuo ünferm 
herren. wer fol fich vor difen mänigvaltigen ftriken behueten. Do 
antwürt im ain ftimme. und fprach. daz fol der demuetig mentfche. 
§ Diu dritte Iungfrowe ift. gehorfami. die der f«lig mentfch fol han. 
fi fol lang fin untz an den tot. Etlicher Hut gehorfami ift alfo kurtz. 65 
daz fi nit went tuon. won daz fi gern tuont. Sint fi loch gehorfam. 
daz ift als kurtzliche und mit als üblem willen, daz in diu gehor- 
fami nit vil ze trofte kumet. und die Hut nit gebeffert Averdent. 
Die Hut die alfo kurtzlich gehorfam fint. die klaident nit ir feie mit 
ainem langen roke. Si machent ir fei klaid alfo kurtz daz fi nit mit 70 
eren für unfern herren komen mugent. Wie gezsemi ainer lungfroAven. 
daz fi ainen rok an hetti. der ir untz an den gürtel fchluegi. der 
Avaere es harte unerberklich. Alfo (35 b) kurtz ift etlicher Hut ge- 
horfami. Man lifet von ainer fchlahte Hute in der altun .e. den Avolte 
man lafter bieten, und in daz klaide bi dem gürtel ab fniden. die 75 
giengent hart unerberklich. Ich Avil fin fprechen nit. gedenkent felb 
Avie fi giengent. Aber der f»lig mentfch der fin gehorfami lang 
machet, und guetlichen tuot alles daz man es haiffet. der leit finer 
feie ain langen rok an. § Diu vierde lungfroAv ilt kiunfchkait. diu 
leit ir den guldin porten umb. Sant lohans fach ainen man. der waz 80 
begürtet mit zwain gürtlen. Bi dem ainen gürtel ift bezaichent kiunfch- 
kait des Hbes. Er waz och begürtet mit ainem guldin raife zuo den 
brüften. Da bi ift bezaichent kiunfchkait des hertzen. Hübfche iung- 



67 in] im 70 nil fehlt. 72 fchlvgi. des 74 ßeflr. 2. 10, 4. 80 ApocalA, 13. 



92 XLV . XLVI 

frowcn f])ulgent ficli ze gürtenn mit zwain gürtlen. Alfo fol der 

85 livlig nientlch bo^ürtet Ini mit zwain ^ürtlen. daz ift kiunfchkait 
des libes. und kiunrcliUait dos liorzen. (n.')() § Diu fünfte luni;- 
frowe leit ir ain vchen nianloi an. daz ift erbärrade. Bi dem 
mantel ift bezaichent erbärmde die man fol ban über ain iei^licben. 
raentfehen. Als man lifet von fant Martin, der waz als erbärnibertzig. 

90 daz er finen vehen mantel mit Um fwert tailte. und in aim dürftigen 
gab halben, won es ^vaz uff ainem velde. da er nit anders hatte. 
Dis Avaz ain groffiu erbärmde. do lieff in ünfer hene in den hymel 
fehen. und fach daz ünfer herre den halben mantel unib iiatte. und 
fprach. Sehent Avie Mich Martin geklaidet hat. § Diu fehfte lung- 
95 frowe ift fta^tkait. diu ftakt ir ain guldin vingerlin an. Daz vingcr- 
lin bezaichent daz der mentfch fta't fol fin an Um guoten lebenn. 
uutz an fin tot. Sant lohans mit dem guldin munde fprichet. Man 
fol den ritter loben fo er kunt von dem ftrit. und den fchifman fo 
er an daz ftad kumet. Man fol den mentfchen loben fo er von dem 

100 ftrite kumet. und fine vi(35d)gind überwindet, und fo fi an daz 
ftad koment dirre weite. Swie vil der mentfche guoter ding an vahet. 
volbringet er ir nit fo ift es nit loblich. § Diu fibende lungfrowe 
ift diu minne. diu kroennet die feie, und hilfet ir ain lungfrowe diu 
haiffet befchaidenhait. Diu minne ift ain gezierde aller tugend. und 

105 fwaz der mentfch tuot. hat er der minne nit fo ift alles unnütz Daz 
du tuoft. daz folt du tuon in ünfers herren minne. mit befchaiden- 
hait. won fwaz der mentfche guoter dinge tuot. ift befchaidenhait 
der bi nit. fo ift es niut ain tugend. Alfus folt du diu feie zieren mit 
tugenden. und folt dich beraiten engegen ünfers herren zuo kunft. 

110 daz du in wirdeklich euphaheft. 



Von itnfer vroiven und ilnfei-ui Herren. 



D< 



l() ünfer herre uff ertrich wandlet in ment- (rsb) fchliclior na- 
ture. Do fprach er zuo finen lungern alfuff und Miffaget inen ain 
künftig ding. Er fj)rach es fönt zaichen befchehen. an der funnen 
und an dem mane. und an den fternen. Sant lohans fchribt in Appo- 
5 calypfi. Daz er fach vier engel fliegen uff aim aUar. und üugent 
durch daz hymelriche. und der erft engel blies ain hörn, und zo- 
hant verlos, diu funno und der mane und die fternen den dritlon 

90 vehel XLVI. A3S. Z i von vnfermc herren. Überschr. herren] h*. 

3 Ev. Lucas 21, 25. 4 Apoc. 8. 



XL VI 93 

tail ir liehtes. § Dis mugent wir merken bezaichenlicli. won bi der 
funnen ift bezaichent ünCer herre der diu gewnere und diu ewig 
funne il't. AHb ift von im gefchriben. daz er il't ain funne der rebt- 10 
kait. § Nu fönt wir merken driu ding, an der funnen. dar an ünfer 
herre der funnen glich ift. § Daz erfte ift daz diu funne fchoen ift. 
und ift diu fchoenft creature die Got dem ertrich ie gefchuof. § Daz 
ander (78c) ift. daz enkain fruht des ertriches fruhtber mag fin 
an der funnen hitze. § Daz dritte ift daz der funnen lieht gemain (5 
ift aller der A\elte. dem armen alz dem riehen, dem Übeln als dem 
guoten. § Alfo ift ünfer herre och fchcene als diu funne. Von finer 
fchceni fpricht fant Auguftinus. Und folt ain mentfch tufent iar leban 
in allen den vroeden fo fin herze erdenken künde, die folt es all 
verfmahen. dar umb daz er Got nit won ze ainem male fsiehe in 20 
finer Götlichen fchoenhait. und enfolt er in loch dar nach niemer 
me gefehen. Er fpricht och me. Und wreri es muglich daz ain mentfch 
als lang leben mühte, daz ain tube des meres grieff us gefuorti. 
und ie ze tufent laren nuwent ain grieffelin. diu Iar folte der 
mentfch Avellen in arbaiten leben dar umbe daz er Got gefaehe in 2 5 
finer fchoenhait. § Ain mentfch waz befeffen mit dem tiuvel. und ain 
guot man kam zuo ime. und (78d) begunde mit im reden, und 
vragte in von dem hymelriche. und von den engein. und vragte 
in wie fchoen Got wiere. do fprach der tiuvel. Oue du haft 
mich ze vil gevraget. wie fchaMie Got fi in finer Götlichen her- 30 
fchaft. daz enmöhtint alle zungen nit % oll reken. aber dar umb daz 
ich in ze ainem male möhti gefehen. alz ich in etfwenn fach, dar 
umb wölt ich all die arbait liden. die all die erlitten haut, die ie 
geboren Avurdent. und iemer geboren werdent untz an den lungften 
tag. Und da von fo dunket mich enkain tier fo tumb als der mentfche. 35 
daz er mit kurtzer vroede verliuret die Götlichen an gefiht. Da von 
fprichet fant Auguftinus. daz er gerner wolte in der helle fin und 
Got fehen. denn in dem hymel. und fin nit fehen. § Daz ander ift. 
daz enkain fruht berhaft mag fin an der funnen hitz. Ze (79a) 
glicher wis ift es umb den ewigen funnen Got von hymelriche an 40 
des gnade mag nieman enkain guot getuon. Wir mugent in die fünde 
wol Valien an ünfers herren hilf, wir mugent aber niemer ze gna- 
den wider komen an fin helfe. Nu möhtint ir fprechen. fo endarf 
ünfer herre uns nit wiffen daz wir nit wol tuegent. Sid wir nit 

e 
i3ifX fehlt. 2i enfolt fehlt. 23 folte vnd mohte 31voIIraichen 44 voll 

tvgent fmt. Sid 



94 XLVI 

45 guotcs getuon mugent an fin gnade. § Nit lieben. Wir mugent uns 
des nit entRhuldigen iinfer herie ilt älliu zit berait den lünder ze 
enphahoiin. und i'iu gnade im ze gebenn. Allo fpricht lant Gregorius. 
Diu band ünlers berren il't alle vart berait ze gebenn dem mentfehen 
der giioten willen ba(. E-< Ipricbt ocb der \\ iffag. Herre du fürvereft 

5ü mit diner gnade den üblen w illen an dem mcntlcben. Über daz w ort 
fpricht fant Auguftinus. fueffer Got. du fürvereft (79b) mit diner 
gnade den Übeln willen, und bringeft in ze guoteni willen und denn 
ze guoten Averchen. § Daz dritte il't. daz diu funne gemain ift. alfo 
ilt och ünlers herren gnade gemaine aller der weit, den fündern und 

55 den guoten. Als fprichet fant Auguftinus. IJnfer herre il't fo gemaine 
mit Inier gnade, und ift fo erbarmliertzig daz er baitet mit groffer 
gedultekait des fünders bekerde. herre fprichet er du baiteft im 
niut allaine. Sunder du ruefleft im täglich, und maneft in täglich daz 
er wider kome. Du biuteft im alle zit huldi und erbärmde. daz eht 

60 er w ider kere. § Nu möhtint ir fprechen. wie rueflct uns ünfer herre. 
Intriuwen daz tuet er mit aller creature. daz fol und mag uns wol 
ain rueffen fin. das enkain creatur ift fi tuegi ir reht. won allaine 
der mentfch. der ift Got ungehorfam. und ift im doch als liep. daz 
er in ze allen ziten manet daz er noch widerkere. und fpricht Sün- 

65 der ker wider, und gedenk (:9 c) daz ich din fchepher bin. und din 
erlopfer. Ker her wider lieber mentfch. und fich ze ainem male mich 
an. Ich laff dich noch ze huldi komen. Alfo fpricht fant Bernhart. 
So der mentfch ie bofchlicher fündet. fo im Got ie guetlicher nach 
gat. Er fpricht och. herre du mäht wol fin ain guoter Got. daz 

'ö du den fünder enphaheft fwenn er kämet, und vergibeit im alle iin 
fünde. alfo gar. daz du in niemer verdampneft. und im es niemer uf 
gehebeft. und w irft als luterlich fin friund alz ob er nie fünd getan 
hetti. § Nu merkent wie der lebend funne daz dritte tail lins lichtes 
verlor. Do ünfer herre ihefus chriftus Gottes fun ull ertrich kam 

75 durch den fünder. do w art er ungetriulich an den tod geben, und 
wart an ain ful gelninden. und wart gefchlagen daz l'in haiiger lip 
von bluote über vloff Do gabent iiu im ain Criutz ulf finen ruggen. 
und truog es an die ftatt da er gemartrot wart. Do nament liu in do 
und hiengent (79 d) in dar an. und do verloz diu funne den dritten 

80 tail ir lichtes, do er ia^raerlich dar an erftarb. § Nu merkent wie 

e , e 

49 verfurefl 51 dv verfvrefl 52 briiigcfl— und /«;/(?(, den 55 (o fehlt. 

58 Svader 60 uns fehlt. 



XLVI 95 

daz dritte tail erlafch. Diu Gothait und der hailig gaift die Avurdent 
nie verwert. Diu mentfchait erltarb. daz waz der dritte tail des 
ewigen funnen. Da von fpricht fant Bernhart. Diu lebendiu funne. 
hatte wol daz dritte tail verlorn finer kraft, do fin künigkliches 
höbet verwundet waz zwaiger und fibenzig wunden, und l'iniu wun- 85 
neklicheu ögen. die luter warent alz diu funne. erfturbent an dem 
Criutze. und fin durchliuhtig antlütz erblaichet daz alfo fchcen waz. 
wenne es die lunger fahent an. daz fiu enzündet wurdent in herzen und 
an libe. alfo fchoenniu clarhait gie von im. § Die haiigen fprechent. 
daz im fin lunger nahvolgetant me durch fin fchoeni. denn durch die ^^ 
gnade dez haiigen gaiftes. (soa) e. daz fiu enzündet wurdent. Owi 
fpricht fant Bernhart. Der fueff mund der alliu zit die warhait fprach 
und lerte, der wart init gallen getrenket. und die hende die hymel- 
rich und ertrich gefchuoffent die Avurdent durch fchlagen mit fcharphen 
nageln. § Nu möhtint ir fprechen wie moht daz fin. Got waz den- *^ 
noch do nit mentfch Avorden. do er hymelrich und ertrich gefchuof. 
daz wil ich iuch befchaiden. Ünfer herr Got der ewig vatter. hatt 
finen fun Ihefum chriftum gebildet in im felben. vor an genge der 
Avelte. des wil ich iuch urkünd geben. Do ünfer herre die engel 
gefchuof. do gelchuof er och Lucifern. und gab dem me fchcenhait *^^ 
und wirdekait denn kaim andern engele. Won alfo fprechent fümlich 
haiigen, daz im die andern engel alle ze gezierde Avarent geben, 
und da von won er fchoener waz und Avirdiger denn die andern 
engel. do faff er (sob) och Got naeher. und fach in luterlicher denne 
die andern engel. Do fach er ain mentfchlich bilde in dem Gütlichen ^^^ 
fpiegel. daz Avaz diu mentfchait ünfers herren Ihefu chrifti. Do ge- 
daht Lucifer. dis bilde bin ich. Avon nieman fo fclioen und och fo 
Avirdig ift fo ich. da von hat er mich in im felben gebildet. Nu wil 
ich minen ftuol nebent in fetzen, fo bin ich im gelich. und do er 
daz gedahte. do viel er. § Daz ift ain Urkunde daz die mentfchait ^^0 
gebildet Avaz Aon angeng in der Gothait. Und alfo fo Avir denn die 
hende fehent die hymelrich und ertrich gefchuofTent durch fchlagen 
an dem Criuze fpricht fant Bernhart. Er fpriht och me und klaget. 
Owi das fueffe herze daz da vol Avaz aller Aviffhait. daz Avart durch 
flochen mit dem fper. und aller fin lip. und finiu lider wurdent zer HS 
tent. und iaeraerlich gemartret. und verlos diu funne daz dritte tail 

81 daz fehlt. 83 Diu] dv 85 vewundet 89 fprachent 90 im fehlt. 

95. 96 dennoch fehlt. 98 vor] von 99 des ich vrkvnd vch wil lO^ egel 

104. 105 in— er fehlt. 107 fo vor fchoea fehlt. 112 hym-melrich 



96 XLVI 

ir fchceni. § An dem mAnen bel'chalient och zaichcn. daz waz an 
ünler vrowen. diu lieh dem man (sOc) glichet an drin dingen. 
§ Daz erlt il't waz er liehtes hat. daz hat er von der funnen. § Daz 

120 ander ift daz er liuhtet in der nalit. § Das dritte daz er geniain ift. 
§. Ze glicher \\ is il't ünler vrow ain man. won Maz 11 gnaden und 
tagenden und üelden hat. da/, hat fi von der lunnen. und da von 
Iprichet li. Infer herre hat mich fin dirnen belehen. Und dar über 
Iprechent die maifter. Swen ünler iierre Ijel'ilit. den befiht er all'o. 

125 Iwaz an im gebreiten ift daz erluUet er mit linen gnaden, und be- 
l'ta?tet in denne an tugenden. alfo tet er och ir. § Daz ander ift. daz 
fi uns ift gegeben ze trotte, und ze aim lieht, daz uns fünder ent- 
liuhten fol. daz 11 uns laiti mit ir liebte uff difem eilende, mou fi 
ift ain lieht der gnaden. Alfo fpricht laut Bernhart. Vro^e du bift 

130 der gewwr mane der da liuhtet in der naht. Vrowe du gift den 
engein und den haiigen vrffide. den rehten mentfchen mereft du ir 
gnade, den fündern erwirbeft du ap- (sod) plaz aller ir fünden. 
Er fpriht och me. fünder gang vroelich zuo. du mäht wol ficher- 
lich ze huldi komen. Won du halt ain harte ficherlichen zuo gang 

^35 zuo Gotte. du haft die muoter vor dem fune. den fun vor dem vat- 
ter. Diu muoter zaiget dem fun ir brüft die er füg. und die fchöff 
da er inne faff. Der fun zaiget fin fitun und fin wunden lim vatter 
und bittet für dich. Owe fünder nu ruef an die guoten avou fi ift 
der mane der den fünder laitet. nu ruef fi an. won es ift unmuglich 

1^0 daz der fun der muoter iht verzihe. § Daz dritte ift daz ir gnade 
ift gemain allen den die 11 an rueffent. Alfo fpriht fant lohannes. 
vrowe du bift der mane der da gemainlich liuhtet. du verfeift 
nieraan din lieht. Wa ift der mentfch der dich ie an geruofte. du 
tailtift din gnade mit im. Sant Bernhart fpricht och. Vrowe du bift 

145 gefetzet in des künges hus zuo aim fürfprechen. (81 a) Nu rueff 
vro\\e an finen namen. daz er uns gna,'dig fi. Si tuot es und tuot es 
gern, won daz fi uns wol tuot. daz ift ir guot und nütze, und och 
uns. won fü fi ie me git. fo 11 ie me hat. und ^\ irt ir vrcede mit 
geha?hert und gebraitet ir ere in h} nielriche und in ertrich. Entriu- 

150 wen fi tuot es von rehte. und tivti 11 es nit 11 t;eti unreht. § Nu 
merkent es ift gefchriben reht. waz der mentfch verliufet fwer daz 
vindet. der fol es dem wider geben dez es ift. ze glicher wis ift es 

— I 

119 daz hat] hat fehlt. 123 Luc. 1,48. 124 Swen aus Swen gebefsert; Ynfer 

S ' 9 

herre xweimal. 140 dz d fvnd 



XLVI 97 

umb ius und ünfer \ rowen. Si hat funden daz wir verlorn hant. waz 
ift daz. entriuwen daz il't diu gnade, won do ünfer muoter eva unge- 
horlain wart. (]o verlor fi allem mentfchlicheni künne die gnade, und 155 
die hat li funden. und merkent wie. do der engel zuo ir kam und 
fi gruofte und fprach. Got gruetze dich vol der gnaden. ( 8 1 b ) do 
vant fi die gnade, do an der felben ftunt enphieng fi Got. und raent- 
fchen. von dem haiigen gaifte. do vant 11 waerlich die gnade, die 
Eva verlorn hatte. Man lifet von ir daz fi erfchrac do der engel 160 
zuo ir kam. do fprach er zuo ir. Niut enfürhte dir. du haft die gnade 
funden die Eva verlor. Sit wir fi nu beziuget hant daz fi funden 
hat daz ünfer ift. fo ift daz ficherlich rehk daz fi es uns wider geb. 
Alz fpriht ain haiige. Yrowe du haft die gnade funden die wir da 
verlorn hant. ^'rowe nu ift es reht daz du 11 uns wider gebeft. 165 
§ Der man ift daz aller nsehfte geftirne dem ertrich. Alfo ift och 
ünfer vro\Ae diu gnaidigoft und diu nsehfte mit ir gnaden den fün- 
dern. Ich fprich es mit der haiigen urlob. daz fi alle fint gnsedig 
und guot doch ift fi gnsediger und gueter. § Dirre man verlor den 
(Irittentail finer kraft, an der ftunde do ir liebes kint an dem Criutze 170 
hieng won do w az ir alfo we. als ir (sie) ain fwert durch ir herze 
gieng. won fi minnete ir kint. von menfchlicher nature nie denne 
ie dehain muoter ir kint. So minnote in och ir feie nie von Gütlicher 
minne denn iekain feie, und da von nioht ir wol we fin. do fi in 
fo ismerlich fach hangen vor iren ogcu. Es fprechent die haiigen 175 
und die maifter. daz ir reht ^^■a?ri als aini mentfchen dem ain f\\'ert 
durch fin herze gefteket wsere. und daz weder fterben noch leban 
möhte. Alfo fprechent fi daz ir \v«ri do fi fall ir liertzbluot vor ir 
alfo iamerlichen hangen. Owe vil fueffiu vrowe fag uns wie diner 
feie wsere. Owe. mir was von inneklichem laide fo we. daz mir fo 180 
gar waz gebroften. daz ich niut kan gefagen wie herzeklichen we 
mir waz. Ich mohte weder fterben noch leben, und waz min quäle 
alfo gröff daz älliu herzen nit erdenken kunnent wie we mir waz. 
An der ftunt verlor der niane daz dritte tail finer kraft, do fi ir 
herzbluot verlor. § Nu bittent die gnsedigen und die guoten vrowen 185 
( 8 1 d ) daz fi uns gehelfi dar. da tufent iar fint alz ain tag alz der 
wiffag fprichet. daz ift in dem hymelrich. Amex. 



152—154 Si hat— hant. ze glicher wis— vroweu. wz ift dz. 172. 173 von 

menfchlicher- kint fehlt. 180 was fehlt. 186 Ps. 89, 4. 

Altd. Predigten« 7 



98 XLVII 

Von der feie beraltunge. 

jjor Miffag yfayas fprichet. Lieben tohtra von fvon enpfarh dinen 
heiTcn (98c) und dinen künii?. er kuniet dir ze tiofte din behalter 
und din Gut. An diCen m orten Ibnt wir driu dini^ merken. § Daz 
erft. A\er der li der da kuniet. daz ift der minneklich Gottes fun. 
5 von hynielriche der ain küni; ift über alle künii;. und ain fürfte aller 
liirften. § Daz ander ift m ie er kumet. Er kunt fenfteklich. und luef- 
feklich. und tougentlich. alz daz tow des maigen. alfo minneklich 
alz daz edel tow uff den bom vallet in dem ])luegenden maigen. 
Alfo vallet ünfer herre mit finer gnade in die folgen feie, und 

(0 machet fi an allen tagenden bluegend. und fruhtend. reht alz der 
edel bom blueget und fruhtet ^•on dem towe des maigen. § Om i 
rainniu feie cnphach \\irdeklich und loblich daz edel Gütlich towe. 
berait dich mit tagenden daz du mit niinnekliclier andaht Got enpfaheft. 
in dim hainlichen gebett mit finer gnade, und fliff (osd) dich daz 

15 du an allen dingen die gnade mit tugenden uebeft. § Daz dritte ift 
daz du merken folt wie du den hymelfclien künig enphahen folt. 
Du folt in enphahen als er ze lerufalem enphangen wart, an dem 
palm tage. § Im wurdent dri eren erbotten. Sümlich liute zugent diu 
klaider ab. und ^vurfent fi an den weg. da ünfer herr hin riten folt. 

20 daz er dar uf ritti. § Sümlich liut nament bluomen und gras, lob und 
efte. und wurfent es och in den weg. § Sümlich liute fungent im 
niuwiu lob engegen. § Ze glicher wis fol ain ieglichiu fa'Igiu fei 
Got enphahen. § Zem erftcn male folt du diniu ältiu klaider ab 
ziehen, daz fint din alten fände und untugcnde. und fwaz boefer und 

25 füntlicher fitten an dir ift. die folt du abe laffen. und folt dich klai- 

XLVII. A .i.3. Z 10. Ueberschrift viis"" hre Z. 1 Isaiw 62, H. Uiifer ho rre 

fprichit dvrrli des wiffag^cn mvnl yfaias Diiile filie fyon ecre rex luus iioiiict tibi. 
Das fprichil. LieLiv tolher von fyonZ. 3. 't Nv fvnt ir driv dink racrkiii an den 
Worten. § Das erfte das dv merkefl. wer der ifl Z. 6 fürflen. Owe der künicliche 
got kviiiit dir. § Das ander ifl de dv merkefl wie Z. 7 lufrentlich A. 8 das 
Liuiclfclie tov vf den edelen bovni Z. den] dem A. 9 finer logenllicher 

gnade in dine Z. '.). 10 vnde wirt din herce vnd din feie, vndealle dine tvfronde. 
frvhtbcrlichen blvegende von dem gotlichen lovwc. alfe Z. 11 und fruhtet /"f/i/tZ. 
Owe Z. 12 edel fehlt Z. 13 dich mit Ivgentlichcm vlize Z. 15 allen dine^ 
werken Z. vehefl. die dv in der f;enadc enphaheft /. dritte] and A. 18 diu] 
ere Z. 21 an den Z. 21. 22 Eleliclie livte fvnfjea in gegen im ein ni^-wes 

lob. Z. 22 ain ieglich melfch vn ain A. 23. 24 Dv follzemerft dinv alten 

cleider nemcn. vndc folt fi abe zichin. Z. 24 din fehlt, alte Z. 25 alle abe Z. 



XLVn 99 

den (99 a) mit niuwen klaidern. § Drier liand klaid folt du an legen 
engegen difem künig. Du folt dich klaiden mit rotem fämit. daz ift 
diu Gütlich minne. an die niemer kaia mentfche iut guotes oder lob- 
liches getuon mag. und dar umb ift es ^^o\ notdürftig, fit wir nit 
guotes ane Götlich minne getuon mugent. § Du folt dich och klai- 30 
den mit Aviffem fämit. daz ift rehtiu kiunfchkait an lil) und an hertzen. 
daz ift ain klaid daz Got fere niinnet. § Daz dritte klaid daz ift ain 
violvar fämit. daz ift rehtiu demuetkait an allen werchen. won daz 
ift ain tugent die Got von hymelrich uff ertrich zoch. uff der er 
ruouen Avil, und da von fol lieh diu feie mit demuetkait klaiden. 35 
diu da wil daz Got uff ir ruouen fülle. § Zuo dem andern male 
folt du bluomen und gras und öle bomes zwiger engegen dem hymel- 
fchen küng f2)rai ( 99 b ) ten. Die bluomen daz fint tugetlich gedänk 
und tugentlichiu uerch. Daz gras ift ft«te und fueffiu girde 
nach der hymellchen fueffekait. Des ölbomes zwiger ift miltekait ^^ 
und fenftekait die du dinen bruodern folt ögen fo fi betruebet fint. 
daz folt du in mit muten mit fenften. und mit fueffen uorten. min- 
neklichen benemen. So gift du ünfrem herren des ölbomes zwiger 
fwenn du im fin gemaheln guetlichen troefteft. § Zuo dem dritten 
male folt du difen küng enpfahen. mit aim niuwen lob. daz ift daz ^^ 
du in folt loben mit fingenn und mit lefenn. und folt daz alz frcelich 
tuen alle tag daz Got da von gelobet Merde. und fin lob fol dir 
alfo fueffe fin. daz es dim hertzen und diner feie ain vroede und 
ain Avunne fi. und fol dir zo allen ziten niuAV fin. § Owe iselgiu fei 
iob dinen minneklichen fchepher. gedenk an die mänigvalten gnade 



•27 mit rotime femide. vnde mit wizzeme. vnde mit violvarweme. Der rote femit Z. 
28 — 30 uiht jjvotis noch lobelichis mac getvon. Darvmbe ift vnf das deit wol not- 
dvrflij^. fit wir got nimer gefehin mvgin. wir in fin denne becleidet mit der gotlichen 
minuc. Z. 30. 31 Das ander cleit das ift der wizze femit. daz ift ganze Z. 

32 das gotte wol gewallit vnde das got Z. 33 allen dinen Z. 33. 34 vnde ge- 
denke dar an das diemvetikeit ein tvgende ift Z. 34 — 36 diemvetikeit ift div got- 
liche tüginde vf der vnfer herre rvowen wil. alfo fol fich div feie gerne cleiden. div 
wil das got bi ir rvowe Z. 36 — 38 Das andir das dv folt tvon in gegin des grozen 

kvni- zvokvnfte. das dv blvomen vnde gras, vnde oleibovmis zwiger ingegin im 
folt fpreitin. Z. 38 die blvomen die dv ime folt fpreiten Z. 40. 41 zwiger. das 
ift de dv dinen fwefteren allen miltekeit vnde fenflikeit folt Z. 42 mit muten fehlt Z. 
fenftem A. 42. 43 millecliche benemen. vnde folt ir din heze vf tvon miltekeit. fo 
giftZ. giftdv^. 44.45Dvfoltovch den himeffchen kvning inphanZ. 45 lobe. 
alCe er ze ierufalem inphangen wart an dem balmetage. de nirwc lob das ift Z, 

46 alfe hizzecliche vnde alfe vroeliche Z. 

17 * 



100 xLvn . XLvin 

die er dir hat getan, und noch (99 r) ^\'l\ tuon. und loben ieiner 
mere. Got loben und Got dienen, daz iU daz m unnekliclioft leben 
daz ie wart. § Nu tugenthaftiu fei lob den wunneklichen Got mit 
hertzen und mit munde, lob in von aller diner kraft, da dir an lob 

55 gebrefte. daz du fin lob nach llneni m erde nit volrecken mugeft. 
und nach diner fei girde. da beviUh lin lob für dich den brinnen- 
den feraphin und bitte fi und alles liyniolfcb her mit herlzlirher 
girde. daz fiti den gegenwärtigen Got der ir hcrre und ir künig ift 
für dich lobent. und daz 11 in für «lieh bitten!, daz du ziio der ge- 

60 fellefchaft komeft. daz du in denne an ende a\ erdeft lobend. Amen. 



Ton dem irort Oottcs. 



D, 



Jnfers herren wort fol in iurem hertzen m onen fpricht fant Paulus. 
Zwaiger band Gottes wort fönt ir merken. § Ains ift Gottes A\ort. 
und ift Got felbe. § Daz ander ift aines Ct54d) ieglichen predigers 
wort, daz ift von Gotte. und ift doch nit Got. Daz wort fönt ir alfo 

5 enphahen. daz ez wone in iuwrem hertzen. fwa der prediger hin 
lofe. daz ir mit Gottes worte iuch felber lerint und manent. Daz dir 
der prediger in gefchnide und geniale, daz folt du bachen. Wilt du 
iemer us loffen bitten brot. nit bachen felbe din brot. daz dir der pre- 
diger fage daz gehalt in dini hertzen. und lere dich felber A\ie du 

10 tugent uebeft. und guetiu werch. Sterke dich felber. fo dich dekain 
kumber an valle mit Gottes worte. Nim Gottes worte ze aim fchilte 
in dini ftrite. und biut in für zc allen orten, fwa dich die vigint 
wellent verwunden, da a\ er dich ftärklich mit Gottes worte. § Yehte 
dich an unkiunfchi. daz vertrib mit arbait dins libes. § Vehti dich 

15 an zorn. daz vertrib mit gueti. § Vehti (t56a) dich an ungedulte- 
kait. daz vertrip mit gedultekait. § Vehti dich an hoffart. daz ver- 
trip mit demuot. § Vehti dich an trakait. daz vertrip mit dankba^ri. 
§ Vehti dich an gitkait. daz vertrip mit williger armuot. Kurtzlich 
fwaz dich an vehti von Untugenden, daz vertrip mit tugenden. Alfo 



51 lobe in Z. 53 Nu] Owe Z. 55 volle gerechuen A. iiilil vol reckiu inaht. 
nach finem werde. Z. 59 das erste dich fehlt A. dv fehlere zvo Z. 60 komeft 
da dv in iemer habel't vndc in lobefl mit allen himelfchen Ivgenden. vnde da dv 

dich wirft vrovwende mit lliier golUchen an geliht. 13ef helfe vns gol Amen Z. 

e 

XLVIII. A 56. Z 23 Sante Pauluf fpricbit 1 Coloss. 3, 16. 13 ftateklich 

15 dich au fehlt. 



XLVin 101 

leret uns fant pauliis. in der felben epiftel. Avie wir uns beklaident 20 
mit tilgenden. Ir fönt an legen ipiichet er daz klait der tilgend. 
§ Lieben kint fliffent iuch miltekait. erbarinhertzkait. kiunfchkait. 
demuetkait. gedultekait. fenftekait. won dile tugent fint alle der feien 
klait. Und über diz tugent alle, iont ir iuch fliffen der minne. diu 
ilt ain brutmantel der feien, da mit 11 aa irt Got gefueget ze ainer 25 
brut. won an die tugent der minne ift kain tugent hymelriches wert, 
und aber von der tugent der minne (i56b) fo werdent alle tugent 
hymelriches Avert. An die minne fprichet er gevallet Got enkain 
tugent. Der tugent nit minnet durch iren nutz, der möhti fi minnen 
durch ir edelkait. Man lifet von aim haiden. der hatte alz edel ge- 30 
hügde. daz er nit guotes mohte vergeffen. Swaz im aber laides 
gefchach dez A^ergaff er zehant. Alfo folt du fselger mentfch haben 
ain guot gehügde. fnaz du guotes hoereft von Gotte fagen. und von 
tugenden daz folt du gehalten untz es dir ze ftatten kome. und alz 
dich denne dehain arbait an gat. fo nim für dich die guoten werch 35 
die du gehceret halt, und troefte dich da mitte, und hilf dir felben 
din arbait tragen mit Gottes worte. Du folt dich felben leren und 
predigen tugent und guot leben nach der hymelfchen vroede dik 
gedenken, troft an Got fuochen. Der prediger wxre dir dik ze verre. 
rat und trofte (löftc) an im zefuochenne des du bedarft ze libe 40 
und ze feie. Er ift vol fueffes troftes. volkornenes rates. vol milte- 
kait. erbarmehertzkait. und aller tugent hundert tufentvaltig. da fuoch 
allez daz du Avilt. er git dir fueffeklichen troft. Nu fpricht fant Pau- 
lus. Gottes Avort fol Avonen in iuAvrem hertzen. daz ift daz lebend 
Avort Criftus. ünfer herre. von dem fant lohans fchribct. Daz Avort 45 
in dem angenge, daz Avaz daz angenge, daz Avaz diu hailig Gothait. 
diu ift ain angenge und an angenge, und ain ende, und an ende. Dis 
Avort daz Avart gefant her in ertrich. und Avaz doch a\ onent in hymel- 
riche. Er Avaz in fins vatter hertze wonent und in finer rauoter 



23. 24 fint ein kleit der feie Z. 30 ir fehlt. 31 guotes] Golles 37 worte. Dara««/' 
noch ölfo follv lelbc bacheu diu broetelin dv folt niht allezit vz lovfen bitten brot 
de ift gefprochin alfo dv in folt iiihl allewege zauderen livlen lovfen biUen brol de 
ift alfo dv folt niht allezit andirie livlc tioftis bedürfen vnd irf ralis. dv folt dich 
felben tra'flen mit gollis worle. de dv gehceril hafl von den heiligen von den holten 
von den broderin von den prediern. von dem ewangelium de lege in din herce. ob 
dv loch niemir predier gefehift in einie iare oder in zwein noch in gehoereft de dv 
doch dich felben lereft vnd raaneft. dv in folt darvmbe niht zirgan an tvgcnden ob 
dv predier niht in haft. alfe dicke fo dv will. Z. 40 des] dz 42 alle 



102 XLVIII 

50 fchöz filmend. I)is wort ^\a^t ze flailche an der l'tunde do er onphangen 
wart, in der rainnen mägde lij) liner nuiotcr. von der nam er daz 
flailch. und daz vil rainne bluot daz an irem \\l rainnen lip Mas. 
und Avart ujendehe (i50(!) in crfrich. und waz liie mit uns blibent. 
und waz doch in lins vatters ichoz. wonend. Man fprichet. Got gc- 

55 fchuof mit aim worte hymel und erde. Daz wort A\az fin lieber fun. i 
Ünfer herre waz daz lebend wort, daz hie waz ufT ertrich und dorh 
defter minder nit inhymelriche. Alz ir hoerent daz ains mendchen 
Wort die kraft hat. daz ez älliu mentfclien enphahent die es lurrent. 
und doch daz Avort nngetaillet il't. § Nu merkent daz hie bi. io ain 

60 prediger Gottes a\ ort l'prechen a\ il. fo gedenket er a\ az er fjireclien 
wil. l"o Avirt daz A\ort geboren in dem herlzen. und kuniet in den 
munt. Aon dem herlzen. So git er ez denne allen den die in hoerent. 
in ir oren. fo fiiulTet ez denne von den oren in daz hertze. gantz 
und ungetaillet. Avirt ez ieglichem geben, und blibet ez doch dem 

65 priefter. § Sit nu dis mentfchen an ort (i57 a) die kraft hat. fo ift 
Gottes Avort. daz Got. felb ift. tufentftunt kreftiger. daz ez fich wol 
mag taillen ungelailten. alfo daz er lieh her inertrich gap. ze fehenn 
und ze hu^renn und doch in lins vatters fchöz Avaz Avonent. und alz 
ir och fehent. daz w ir ünl'ers herren lichamen enphahent alz daz 

70 fueffe A\ ort. Icglicb mentfch enidiahet Got volkomenlich und gantz- 
lich. und il't er doch in liner kraft nit minder denn er .e. \\az. Des 
merkent ain gliclii an der creature. Diu funne ftat in der hoehi dez 
hymels. und git ir fchonhait. und ir lieht aller gelchephte. har in 
ertrich. und wirt doch der fchin und diu klarhält der funnen nit 
75 gefundert von ir. Alfo fchain daz lieht, ünfer herre ihefus chriftus. 
har inertrich. und wart doch nie gefchaiden Aon Uns vatter hertzen. 
§ Diu hymeli'ch funne diu fchain herab durch daz venfter. und (l5 7 b) 
erliuhtct daz teini)ol. Daz \enlter A\az lin fuelTiu muoter. durch die 
fchain er in dis armen weit, und erluhte daz tempel. daz A\az diu 
80 Criftenhait. diu A\arl erliuhlet von liner mentichait. Alfo fprichct 
fant lohannes. daz er ift ain lieht, daz alle die Avelt erliuhtct. und 
von dem älliu diu Avelt ir leben und ir Avefen hat. § Nu pruevent 
Avol difiu Avoit fo diu funne nimt von dem glas dez glafes var\\ fo 
verwertet fich der fchin dar nach, wiff rot. gel. blaw. gruene- und 
85 fwaz varwe daz glaz hat die nimet diu funne an fich. Alfo tet ünfer 



59 daz vor ■wort/'e/i/f. 62 er fehlt. 75 yrifers hVen ih'v xpi. 77 fvnne 

81 Ep. Joh. 1,1,5. . dcgeluhle. das elliv liehl Z. 84. 88 verwert Z. ver- 

\aprwcl A. 



XLVin 103 

herre ihefus chrütus. Er fchaiii in daz luter glas, in der fueffen 
mägde lip. und nam die rainnen mentfchait von ir. daz ir rainer 
magtuom nie wart verwertet. Waz nimet aber daz glas von der 
funnen. daz tuot es klarheit und luterkait. und allo nam och ünfer 
herre von ünfer vrowen die mentCchhait. und aber fi von im luter- 90 
kait. (i5r c) und klarhait. Ez ift A\ar daz li luter und klar und rain 
wi\7. und unverwertet von allen l'ünden. doch waz ii allo daz 11 wol 
niühti han gel'ündet. aber do fi der hymelfch lunne durch fchain. do 
wart li fo klar und lo luter. daz fi für daz nie mohte gefunden, 
hette fi loch gern gel'ündet. fi eamohte. Was aber diu funne von dem 95 
glas neme daz merkent. Ir fehent wol die funnen fchinnen durch daz 
glas, und nimet ir fchin dez glafes varwe an lieh, und blibet doch 
daz glas gantz und unverwertet. und verliuret och diu funne ir kraft 
und ir fchceni niht. § Alfo nam och diu lebende funne des glafes 
varwe an fich. daz was finer muoter glichi. munt. ogen. naien. brau- 100 
wen. hende. und älliu finiu gelid. warent reht gedra;get nach ir libe. 
und nach ir gefchephde. Er waz ir gelicher denn ain ander kint 
finer muoter. won ain iegiich mentfch ift zwaier ment- ( 157 d) fchen 
kint. und ift an dem munde finer muoter glich, und an den ogen 
dem vatter. und ift alfo getaillet. und alfo ift ez och getaillet an 105 
der liebi. Aber diu rain Maria hat ainen uugetailten fun. an liebi 
und an gelidern. § Dis waz daz wort daz von hymelriche in ert- 
rich kam. und dis wort fol uns leren und manen alle wifhait. alle 
tugend. alle fielikait. won ez ift volkomen an wifhait. an gueti an 
fuelfekait. Sant Paulus fprichet. Ir fint ain tenipcl Gottes, und ain HO 
hus. § Nu A\ilfent ir v.ol fwa aiuor edelr fürfte wonen wil in aim 
hus. au dem liufe muoffent vier ding fin. Es muoff fchoen fin und 
\\ it. und ftark. und wol beraten. a\ on wa>r ez unflaetig fo gezsem aim 
greifen fürften driiin übel ze wonenn. § Wteri ez och enge fo ge- 
zieme aim groffen füllten aber drinne (lösa) nit ze \\onende. won 1*5 
er mühte mit lim lieben gelinde nit drinne bliben. § Wier ez nit 
ftark. und wajri vellig. daz die wend figint. fo blibe er och ungerne 
drinne. § War ez och unberaten und wser oede fo gezsem im aber 
übel drinne ze finne. Difiu felben vier ding muoffent wir an uns 

s 
S9 tuot fehlt. 92 vnvirworl Z. viiuvserwel A. doch wz fi doch allo 

S _ s 

97 an fich. dz -wz fiu mvter glich, vn v(jL 99. 98 vnueiwretJ. vavirwertZ. 

I 
99. 100 och vnfcr herre finer ravoter glichi an fich. mvnt. vgl. 97. 105 beide- 
mal vnd ift alfo getaillet 106 an lib HO Cor. 2, 6, 16. 111 aim] ain 
118 vngeralen 



104 XLVm 

120 felben vertribeii wellent Mir Gottes terapcl lin. § Zem erften muof- 
fciit A\ ir har» rainkait. Nu fprichet ain liailge. Sm er rain m il fin. der 
inuoz ftriten a\ ider im leiben, nach der rede nia^j nieinan ane Itriten 
fin. Swer nu fin hus lin hertze A\il raine halten, der niuoz Itriten 
Avider die flailchlingen bekorung. und wider den gaifchlichen fiinden. 

125 daz ift fralThait. und unkiunfchi. m ider der fralfhait iol man Itriten 
mit vaftenn und fwach Ipis eilen. § Wider die unkiufchi föl man 
Itriten mit veniande. bettend (i58b) diiciplin nemend. und mit ar- 
baitend an guoten werchen. lue mit überwindet man die flaifchlich 
bekorung. Nit allain vervahet rainkait dez libes. man muoz och rainnes 

130 hertzen und rainnes \\ illen fm. alle die wile lo daz hertze und der 
MÜle raine fint. fo fchadet nit diu krankait dez libes von der nature. 
Noch dan muoz man Itriten mit den gailchlichen fiinden. daz ift 
hohfart. zorn. nid. haff. gitkait. Dis Untugend und ain ieglich Untu- 
gend Iol man überwinden mit tugenden. AVider die hohfart foI man 

135 fich demuetgen. under din obren, under din glichen, und under'din 
fwechern. fo überw indeft du die hohfart. § "NVider den zorn. fol man 
han fenfti und lindiu wort, daz ftillet zorn. M ider den nid. gunfte 
und dienlt. Widei" den hallo minne und liebi. Wider gitekait willek- 
lich armuot. und gern gebreften han. und lal'feu daz man wol möhti 

140 han. So man (i58c) denn die Untugend alle überwunden ha(. fo 
fol man denn in Gotte ruow en. Ez ift och denne ruowens zit. § Nu 
lieber mentfch behalt dinen lip rain durcl» dez fchatzes willen der 



122 im] in 132 Noch dciinc foltv niil den füirioii flriton. de fint {rciniiclie 

fände. Darauf noch Man lifit de hie vor in den alten zilen filte was. ze rome. 
So die gebvien widir ir henen waren, vnd mit inen flrilen über wani denne 
der lierre die ^ebiiren. fo wart er mit barle irrozir vroide in|)ban;ren ze rome 
vnd ertcn in harte feie vnd fazlen im ein IVhaiipel vT von hivonien. So abir 
die filrflen von dem lande wider dem riebe waren vnd mit dem künin^^e Itrit- 
len vbir figil er denne die füiTten. fo wart er noch lobeliehir vndc vroliehir 
inphangen. vnde fazle man im ain guldin crone vf fin boubil. vnd orten in vor 
allen den livlen. Ilie hi ift liezeicbont der firit den ein iegelirh ntenfche ftiilen 
mvoz mit inie fclbon. Hi den gebnren fint i)ezeirheMt die vleilVblicIien fvnde. 
die wir an vnf felhen vi)ir figen nivezen. fo wir die vbir winden, fo wir! vnf 
ze gezicrdc vnd zeren. ^^egehen ein fciiappel von bivoinen Xocii denne ban wir 
die fiirften niiit vi)ir wunden, de llnl frcifiliebc fiinde. de ift Z. i'^'^ ieglicliiv 
141 Es ift oveb denne rvowe zit. Darauf noch fo dv beide die filrflen vnd die 
geboren vber wunden haft. fo wirt an dir gcifllich de e. waz vlcifchlieb vnd 
de e was irdifeh. de wirt denne himelch. vnde de e wc menflich de wirt denne 
gotlicb. Z. 



XLVra 105 

drinne verborgen ift. daz ift diu edel feie, die folt du behueten vor 
allen Untugenden durch des groffen Gottes willen der drinne ruowen 
fol. und lolt Got eren durch dich leiben. § Der mentfch der alfuz U5 
überwindet an im felben baidiu flairchlich und gailchlich liinde. fo 
der von dirre weite fchaidet. fo wirt fin fei enphangen an der hymel 
porten. mit groffer vroode. mit lob. mit fange, und wirt geliroenet 
mit ainer guldinen kröne, und wirt gezieret mit ainem fchappel von 
bhiomen. Denne wirt diu fei fich vroewend in Gotte. und mit Gotte. 1)0 
und mit allem hjmelfchen here iemer eweklich. § Daz ander ift. 
daz daz Gotzhufe « it fi. daz ift aber ünfer hertz. (löSd) daz fönt 
wir witen mit der miuiie. alz fere daz a\ ir all mentfchen drinne 
bevahent. Wir fönt den friund minnen in Gotte. daz wir allez daz 
an Got kerent daz Avir an im minnent. Wir fönt och die vigint durch 155 
Got minnen. § Zuo dem dritten male, fönt wir och ftark fin. daz 
ift alfo ze merkenn daz Avir Got fönt ftarklich getriu^^ en. und fwaz 
uns arbait an gat. fo fönt wir im dez getriuwen. daz er ez durch 
ünfer fei hail habe über uns verhenget. und fönt ez nit anders ver- 
fehen \\on daz er ez allez durch guot über uns verhenget. und uns 16*^ 
den Ion da mit meret. Swel mentfch alfuz älliu ding diu ez an gant 
enphahet. daz hat wol ain ftarkes hertze. da inne Got dem groffen 
fürften gezimet wol ze fiune. § Zuo dem vierden male fönt m ir fin 
beraten mit (l59a) edelm gefinde die guoter zuht figint. und die 
ünferni herren wol geza'ment. § Daz gefind fint die haiigen engel. 165 
Patriarchen. Propheten. Zw elfbotten. Matrer. Bihter. und die rainnen 
mägde. die folt du mcntfche allweg tragen in diner gehügde. In difem 
hufe gezimet avoI ain erberiu wirtinne mit a^ olgezognen lungfroAven. 
die Avol zuht und ere kunnent. Daz fol fin diu hymelfche und die 
aller erberoft AAirtinn ünfer vrowe fant Maria, mit den rainen mag- 170 
den. und den kiunfchen. die fönt daz hus zieren, und die füllent Avir 
ze allen ziten in iufeim hertzen tragen, und fönt gedenken \\ie fi 
daz hymelrich erftritten und gewunnen haut, und fönt och Avir nach 
den felben eren ftriten. und fönt uns flilfen rainkait an lib und ari 
hertzen. und fwaz tugend an irem lebenn Avir erkennent und guoter 175 
Averche. dez fönt Avir (io9b) uns allez fliffen. Daz och Avir daz 
behaltent an ünferm lebenn. fo haut Avii- ain berraten hus in dem 
Got daz lebend wort wonen fol. 



157 wirt Got 164 gvt' 168 zeaimet 



100 XLIX 



Ton ilnfcr vroivcn. 



11 



Inf'er vrowe gelirliet fich aiiior rebun. \iul fpriclict. Ich l*iii alz ain 
rebc frühtig. Durch dri fache gclichet 11 fich ainor rebun. § Diu C'ift 
ilt (laz diu rebe blucgct. und fwenne daz ift lo fliuliet daz unge- 
\\ iirnie der von. Ze glicher m is. ünfer vro^^ e bluole an allen tugen- 
5 den alz volleklich. daz ir dehain bozhait mohte nahen. § Daz ander 
ift daz diu rebe bliuget mit ir fchatten der funnen fchin. Alfo tuot 
och ünferr vro\^en gebet, daz kuclet ünfers herren zorn wider dem 
fünder. § Daz dritte ift daz diu rebc nnt;ere ift uffnan an der rin- 
den, und bringet doch vi! edel fruht. Alfo waz diu hymelfche A\in 

lo(i.s4;i) rebe ünfer liebiu vrowe deniuefig. und verworfen ufw endig, 
und brahte den hynielfchen win. l f dirre reben \\art drier band 
Avin gepflanzet. Wis win. Rot w in. und gewürzter Min. § Der a\ iz 
Min waz ir mägtlichiu kiunfchi. Da von fi ünfer herrc lobet, daz fi 
figi ain zwirent befchloffen garte. Avon fi rain ^\az an lib. und an 

15 hertzen. Ir kiufchi über Iriffet fprlcht ain hailig. aller mentlchen 
kiulVhhait. § Der rot w in daz ift ir nünneklichiu minne. Die merkent 
in dri wis. § Du mäht Got niinnen dur din felbes willen, daz ift 
alfo. daz du in niinneft durch alles daz. daz er durch dinen willen 
ie getct. der minne foll du im Ionen. § Der minne Ion ift den er 

20 dir dar umb git. diu Götlicli an gefiht. und diu h\ melfch vrcede. 
won daz ift der pfenning den ünfer herrc allen den git. die in fim 
Avingarten ar- ((841)) baitont. § Du mäht och Got minncn durch 
fich felben. daz ift alfo. daz du in durch fin tugend niinneft. durch 
fin fchonhait. durch fin fuezkait. dur fin miltekait. und aller maift 

25 durch fin volkomncn gueti. Der minne Ion ift aber, daz din feie fol 
fin da (lot ift. Xu fpricheft du vil lihte. Owi wa ift er denne. fit 
daz in hymelriche noch ertlich begrifen mag. Dez antwürt ich dir. 
ci- ift in im felben. So fiageft du fürbaz. und fpiicheft. Owe fol ich 
denn mit den) Ion genuog han. So fprich ich. la zwar, fo uns Got 

30 gcfach. w on da w irt gefueget daz binlin zuo dem honig. diu nahte- 
gal ZUG der harpfen. der > fop zuo dem balfam. dej- hyrtz zuo dem 
ewigen brunnen. der fteiii zuo dem lichten funnen. Da vranve dich 
fiolgiu fei. iemer und iemer an ende, m on du fin folt da Got ift. und 
alfo in in folt gefueget werden. § Du mäht (kh dich felben minnen 



XLIX. .1 63. Z 30 Von vnferrc vrowcn l Eiclesiastic. -li, -21. 6 blvget 

13 Cant. 4, 12. 16 waz vnd iH Die] Hie 19 d^ folt 30—44 vgl. LXIV. 



XLIX 107 

durch Got. won er dich ge- ( fsi c) fchaffen hat. und dich alfo fere 35 
geminnet hat. daz er mentfch dar dich wart. Dich fclben folt du 
alfo minnen. daz du dir felben kain ding ze guote tuegil't durch dez 
libes gemach. A\ün allainc durch Got. daz du im defter lenger ge- 
dienen mugel't. Der minne Ion ift. daz du iolt fingen und wueflen. 
fchrien und rueflen. O herre du bift min. und ich din. Ich bin din 4o 
kint. du bift min vatter. Ich bin din gefchepfde. du bift min fchepfer. 
Ich bin din iunger. dv bift min maifter. Ich bin din feie, du bift min 
fielde. du biit min vroede. du bift min ere. du biit mir alles daz ie 
fselges wart, du bift min tail daz hefte. Diz dri minne hat ünfer 
vrowe. dar umb hat fi och dri ioone enpfangen. und dar zuo noch 45 
me denn alle zungen mugent volbringen. § Der gewürtzde win der 
US dirre reben wuochs daz waz ir vil liebes kint. Ihefus chriftus. 
(is4(l) an dem vil mänig tufent edler wurtzen fint. daz fint fin 
edlen tugent. Aber z^^o aller edleften a\ urtzen fint an im. daz ift 
diu Gothait. und diu mentfchait. Waz würzen hat er me. Entriuwen 5ü 
do ift er der fchoen Got der riche Got. der ftark Got. der wis Got 
Got der ewig. § iVu fuege daz zefamen. fo ift er diu fchoene richait. 
diu riche fchonhait. diu ftarke \\iffhait. diu fa'Iig cwikait. diu ewig 
fselikait. § Den erften win fchenket man in filbrinen köppfen. daz 
fint diu fchfennen und diu fueffen \\ ort von Gotte. § Den andren 55 
win fchenket man in guldincn köppfen. daz ift diu Gotlich warhait. 
an liner minneklicher gelübde. alfo daz uns mit gegen« ürtiger war- 
hait Got M irt gebend allez daz er uns hat verhaiffen. und noch denn 
tufentftund nie. daz enzündet die minne in dem hert- (l85a) zen. 
und raitzet uff den dienft. § Den dritten win fchenket man uff bü 
faverinen köppfen. daz ift ain rainnes hertze daz Got in im hat. und 
mit im froplich umb gat. und mit im uf und nider gat. und in durch 
enhain ding lat. und dem laid ift alliu miffetat. und nit entuot an 
Gottes rät. Zuo andren tugenden die der mentfch hat. fo fol er fich 
fliffen funderhar fünf tugend. § Diu erft ift fwenn du an din gebet 65 
galt, daz du diniu ogen und din uffren finne beflieffift. und ker 
denne alle din gedenke, und din girde krefteklich an Gotte. § Diu 
ander ift fwaz ünfer herre tuege. daz dich daz allez guot dunk. und 
daz ez din Mille fi. won dez fint wir fchvldig. § Diu dritte ift daz 
du dich fliffift. daz du alliu diniu ding tuegift in rehter demuot. 'ü 
§ Diu vierde ift daz du dich fliffift daz du gedul- (l85b) tig figift. 

_ > 

36 vn alfo daz 53 wilThait] ewikait. ewikait] wiffhait. 57 daz er vns 

60 dieft 



108 XLIX . L 

in diner aibait. § Diu fiinfto ift daz du alloz daz du tuegoft. daz du 
daz anvalieft und vollcndert in iinfors horren nanion. § Dar nach Iblt 
du dich fliffcn drior tugcnd in allen dinen weichen. § Diu crft ift 

75 Gottez vorhte. daz du gedeniielt. daz ünfer lierre mit finen Götlichen 
ogen diu lip und din feie luterlich Ichowet. § Diu ander ilt demuot 
w on alz vil wil dich ünfer herre erhcehen. alz verre du dich demue- 
tigcft. § Diu dritte ift daz du an allen dinen Averchen fo dv tuegift. 
alw egent gedenkeft. Avaz Got dar an aller liebft und aller loblicheft 

80 fi. daz du daz tueseft. 



Ton dem nutze ünfers Iierren behilgde. 



D, 



'o fant Bernhart an fim ende lag. Do llez er finen lungern diz 
felgera?te. und fprach. Lieben minen lunger. Sit daz ich ain gaifch- 
lich mentfch wart, fo flaiffe ich mich, daz ich mich rainte von allen 
A\eltlichen dingen, und nam minen fchepfer in min hertze mit allen 
ö finen nd'ten. und gcdalUe an fin kinthait. w ie er gew unden wart in 
diu tuechliii. und w ie er geleit wart in ( 207 d ) die krippe. w ie er 
fin bluot goz. in der befchnidunge. w ie er mit groffer arbait erzo- 
gen wart. Ich gedahte och an fin vaften. und an fin wachen, und 
wie er vcifuochet wart, w ie dik er muede von bredienn wart, und 

10 von mänger anderre arbait muede wart, w ie dike er hungrig und 
durltig waz. wie er über die fünder \\ ainte. wie vil er itwizze 
vertruog. von den bcefen luden, laftcrz und fchanden. und nara in 
min hertze lin Crone. fin Criutze. die nagel und daz fper. und von 
föliclien gediinken kament mir fiben nütze. § Der erfte. daz waz. 

15 fweiine ich an in gedahte fo wart ich alz durnähtig und raine. rehle 
alz ich nie fiinde hetti getan. § Der ander waz. fwenne ich dar an 
gedalite. daz ich alfo groffen fchatz gewan von tugenden und wart 
alz rieh alz ob ich tufend lar nach tugenden hetti geworben. § Der 
drit nutz Avaz. do ich dar an gedahte. daz (208 a) mir der hymel 

20 offen w art. und ich dez gew ilfe w az. wsere ich innen dez tot. daz 
ich an underlaz ze hymel komen wa^re. § Der vierde waz. fwenne 
ich dar an gedahte. daz ich denne uf gerihtet wart in widerwärte- 
kait und in arl)ait. § Der fünfte waz. fo ich dar an gedahte. daz fi 
mich denne demiietegetent in franfclnnuetkait. und fo mir min ding 

25 w ol gic. § J)er fehfte waz. l'o ich dar an gedahte. daz fi mir denne 

L. A 83. 



L . LI 109 

frid mahtent entzwüfchent mir und minem fchepfer. § Der fibend 
nutz Avaz. fwenne ich dar an gedahte. daz fi mich denne m is mache- 
tent. ünlers herren m illen ze erkennende den er hat gegen mir. und 
diz gedenke warent alfo ftnete in mim hertzen. daz nie dehain ge- 
dank da herberg gewan. der unrcht a\ a^-e. und \\ iderza'me. Dez ift 30 
Got felber min geziug. und min brueder. daz icli all min zit von 
fuz getaner materie rette. § Diz Tel gera'te lie der guote fant Bern- 
hart finen lun (20s b) gern, daz och ilu mit i'ölicher materie umb 
giengent. und daz bi im lernetind. Und alfo fönt och Mir bi difen 
felben Avorten gemanet fin. daz och wir mit femlichen dingen ünfriu 35 
hertzen bekümberrent. dur der nüt?- Avillcn die fant Dernliart der von 
enphie. alz wir gehoeret hant. Daz och wir die enpfahen mueffint. 
dez helfe ünz der vatter und der fun. und der hailig gaift. Amen. 



Ton der ^ele Clbfter. 

In der feie Clofter fol Got ünfer herre Prior fin. Befchaidenhait 
fubprior. Armuot fchaffner. Yorhte portner. Demuetkait gewant 
maifter. Minne diu regel. Warhait der lefmaifter. Der hymel diu 
fchuole. Togeni dez hertzen diu zelle. Bifchaft der haiigen fönt diu 
buoch fin. Gnade der figrift. Behaltnuft dez zites. die gloggan. An- 5 
daht der kor. Gottez lob der fänger. Dankberi fol daz ampt der zit 
fin. Riuwe diu kuchi. Gütlicher troft der koch. Gehügde guoter dinge, 
der keller. Die engel fönt die pfleger fin. Bihte das w äfch hus. Ge- 
hügde dez tödes. der kilchof. Maffe der Reventer. (208 c) Kiunfchi. 
der Dormenter. Ain riuwigez hertze daz bette. Götlichiu erkantnuft. 10 
daz lieht. Erbarmhertzkait daz fiech huz. Der gedenke erviflvng. 
der galt maifter. Mit Got und von Gotte reden, daz redehus. Rehte- 
kait daz Capitel. Gehügde euiger dinge, der bongarte. Uebung der 
tugend. der Criutzgang. Dez libez gelider fönt die undertau fin. § Diz 
ift ain ordenung der feie klofter. nach der älliu klcelter geordnet 15 
fönt fin. won fwelez fuz nit ift geordnet, daz fönt ir wiffen. daz daz 
ain klofter dez libez ift. da der tiuvel prior ift. Vor dem ünz be- 
huete. der vatter. und der fun. und der hailig gaifte. Amen. 



29 warent fehlt. 35 fin] figit fvmliche LI. Ä 84. 9 kilchof] bifchof 



110 LH 

War iinib €iot mentfch wart. 

Ik loul (laz wilTcn daz nah der hailgen k'ie verdirbet kiiinlchi in 
iugend. Derauot in riclitucm. Miltekait in gefchäfte. Avarhait in vil 
rede. Diu haiiig minne in dirrc unlta'ten weite. § Daz diliu weit 
unl'la't l'i daz fehent wir wol alle tage, wie unminneklich ii iren 

'> minncii» urlop git. Und luer daz relit bedwliti. dem folte ir minnc 
wol uiinuer lin. (208(1) durch die minne dez minneklichen Gottez. 
der l'o gar minneklich iinz geminnet hat. § Siner minne zaichen tet 
er ainz malcz kunl aini guoten manne do er lag an Iiner andaht. 
und allo gedahte. la heire. A\az maindeft du da mit. daz du ainen 

<0 io grimmen tot dur ünz litte, daz du den mentfchen etfw ie anders 
nit lofteft. Do antwurt im ünfer herre und fprach. Daz tet ich durch 
fünf fachen. § Diu erft ift. Do gefchuof ich den mentfchen ze lob 
mir felben. Da von fo engunde ich niemanne der in lofti w on mir 
felben. § Diu ander ift daz ich in gefchuof nach miner Götlichen 

*^ M izhait. mit minen banden, daz getet ich nie dehainer flaht creature 
me. da von minnete ich in fo lere, daz ich in felbe lofte. § Diu 
dritte fache ift. daz ich in gefchuof nach mir felben. in miner ge- 
lichnuft. daz getet ich och nie dekainer fchlaht creatur nie. Da von 
twang mich diu minne daz ich (209.1) felbe min felbez glichnuft 

20 w ölte Icefen. § Diu vierde fache ift. daz ich in gefchuof über älliu 
ding, und erhöhte in über alle creature. und m az niut htehers denn 
der mentfche won ich allaine. l'nd^da von wolte ich nit. daz in iut 
lozte daz niderre waere denn ei'. und dar umb lozte ich in felbe. 
§ Diu liinfte fach ift. daz ich dez mentfchen minne fo fere begerte. 

^^ daz ich niut m ölte daz er dehain ding für mich minneti. won ich 
M'ifte daz moI. fwer in erlu'lt iictti. daz er ocii den für mich ge- 
minnet hetti. Und da von lofte ich in felbe. und han durch line 
minne alle minne übertrollen, mit mim minnenden tode. durch daz 
mich niemer mentfche volle geminnen noch volle loben künne. Dar 

30 umbe han ich fin minne fo tiure kolfet. Daz w ir in alfu geminnent. 
alz er uns geminnet hat. Dez helfe ünz der vattcr. und der fun. 
und der hailig gaift. Amcn. 



LH. A 85. 8 malcz. do kvntc er aim 13. 14. 17 felbo 26 er fehlt. 



un 111 



fante loliannes 



l 



Idi angelura ftantcni. in lole etc. v. m. et cetera. Diliv wort fcribit 
fanctus lohannes in apocalipfi. Er fach einen engil ftan in der fvn- 
nen vnd fcrei mit einer grozen i'tininie. Koniint allis das gcfügele 
daz in dem liimil ilivgit. vnd l'anienent ivcli ze eime grozen ezzene 
gottis. daz Avort ilt ^\ ol ze vernemene von dem grozen tage, fo man 5 
aller heiligen tag begat. Nv ift vns bi dem engil bezeichent ein 
iegelich prediger. bi der (48c) fvnnen ift bezeichent div heilige 
fcrift. da er inne fol ftan. vnd daz er fcrei eine groze ftinime. daz 
bezeichent die grozen girde die der predier fol han ze gottis worte. 
vnd alfe der engil fv latte. alfo fol ovcli der predier alle liute laden 10 
ze dem himelriclie ^\ an das der engil fprach koment allis das gevö- 
gele, daz in dem himel flivgit. da bi fint vnf bezeichent. alle die 
heiligen feien die ze himelriche fint. vnd ovch div menfchen div 
noch vf ertriche fint. vnd abir mit ir girde vnd mit ir gedanke 
zehimelrich wonint. alfe vns. Sant Paulus lerit. Veftra conuerfatio 15 
Nv lifit man von ezzinne. einis git demenfche. daz ander git vnfer 
herre. vnde vnfer herre ladit allewege den menfchen ze dem ezzene. 
das er da git. vnd kvmit er aber allewege vngelat ze des menfchen 
ezzen. Mid da von lifit man in apocalipfi. das vnfir herre allewege 
ftat vnd bozzet ze des menfchen her/c. vnde verzihet im doch vil 20 
menik menfche finis herzin. vnd in wil fin niht in lazen. Dar an 
(48il) merkin wir vnfirs herren erberniede. vnd line gvete. das er 
allewege der beffir ilt. vnde vnf nach gat. vnd das er abir alle 
wege den menfchen ladet, dar an merken wir abir fine gvete vnd 
des menfchen krancheit. daz wir niht gvotis mügin getvon ane fine 25 
gvete, Nv fvnt ir nierkin vier ding an den erften worten § Daz erfte 
ift daz der engil fprach. koment jmit dem worte fin wir geladit 
darvmbe das wir ane fchame dar komen. Wan fwer ze einer hoch- 
zit kerne vngelat. der mvefe avoI fchamerot werden, vnd darvmbe 
daz wir ane fchame dar komen fo fin a\ ir gelat. vnd dannan \on lift 30 
man von einem fürften der hat ein hohgezit. vnd latte der fürfte 
eine vrowen div hiez ivdit vnd fante zvo ir einen erberen bottin. 
vnd hiez in difv wort fprechen. Ein gvote ivncvrowe fol komen ze 



LIII. Z 17. A 50 Von der hymelfchen wirtfchaft. 1 in fehlt inZ. 2 Apocal. 

19, 17. 15 Philipp. 3, 20. 19 apocalipfis, Äpoc. 3, 20. 28. 29 hoczit 

33 Judith 12, 12. 



112 LIII 

miuie herrin ane fchame. vnd lol ezzen mit mime herren. vnd fol 

35 mit iine trinken m in mit vrovden. vnd das glollt ein heilig man. vnd 
fprichit. Ez in ilt in licin dink gvot Man ( ioa) des alle livte gereut, 
vnd daz fich lelbe oÜenet. vnd lieh fell)en nieret. vnde alfo fol ein 
l)ro(l(M" gvot Ini. daz fin alle die livlc gern. Intrvwen r\\ el brvoder 
lieh vlizit gvoter zühte. gvoter litte, vnd fehoner geberde des gerent 

40 alle livte. AViltu dennc allen livten ^\ ol gevallen lo vlize dich daz 
dv an allen dinen m erken llft rchter vnd gvoter geberde. Vnde dan 
von fprichit. Sante Peter. Lieben kint ir fvnt ivch vlizen das ir fo 
gvote fitten vnd geberde habent. fwer ivch fehe des er got anivch 
lobe, daz ivch ivwer zvht vnd ivwer fitte geeren. vnd die ivch 

45 fcheltint. vnd ivch verfpottint. hinder ivch das ivch die a\ erden 
lobende, fo ilv ivch gefchent. vnd daz fi ivwere zühte. vnd ivwer 
felden gerent. Ein gvot broder fol ovch fich felben offenen in der 
bilüe. daz er in hein dink vngeolfent laze dvr fchame noch dvr 
forhte. Ein gvot broder fol ovch fich felben meren mit der minne. 

50 Wan div minne ift bezeichint bi eimc fteine der die nature hetti. 
fwas der men- (49b) fche mit bervorte daz das fin were. ze ge- 
licher wis ift div minne. div zivhit an fich allis daz fi berverit. vnd 
fwas fi ovch berverit daz ift ire. Man fuaz der menfche an elme 
anderen minnet gvoter dinge div fint fin. Swer denne vil gvotis 

55 M eile gewinnen, der minne allis das er gvotis an eime ieglichen 
menfchen fiht. aide hoerit. fo ift es allis fin. Vnd dan von ift div 
minne gelich dem fiure. von des fiuris nature merkint. das fair ift 
heiz vnd fwaz in das fiur komit daz zivhit es allis in finc nature 
daz es im gelich Mirt. ze gelicher Avis ift div minne ein fiur. AVan 

60 li ift heiz, vnd allis daz fi minnet daz ziuhit fi in ir nature. das ez 
ir gelich m irt. And da von fvn Mir minnen elliv gvote dink fo ziehen 
A\ir ez mit der minne in vns. daz ez vnf gelich Avirt. aber der 
menfche der nidig ift. f\\ as er gvotis an anderen Hüten fihit. da von 
M irt inie ze liant ein ftvrni wetir imc herzen. Intrvwen die liute 

65 verlierent beidiv ir gvotin A\eik von dem nide. vnd daz andir 
liute guotis tvont. Wan (49r) von dem nide. das fi anderen ir 
heilis virbvnnen da mit virlierent fi beident halb, vnd da von fol 
ein gvot broder minnen allis das er gvotis an iemanne fihit. aide 
hoerit fagin. fo merent 11 fich. Intrivwen Iwel broder alfe guot ift. 

70 des alle liute gerent vnd er fich felben offenet in der bihte. vnd 



37. 38 ein gvt broder gvt 42 Ep. Petri 1, 2, 12. 44 zvht 51 bervte 

69 meret 70 de er aller lüle gert 



Uli 1 13 

l'icli fclben meret mit dci' minne. div feie niak wol ane fchame ze 
liove komcn. vnd daz er li nemmit eine ivno\ro\ve»i. das bezeiclient 
daz fi noch vvahfen fol. Man lilet von dem wiffagen Zachaiias der 
was vil wunder alt. vnd folte zc einem male ein en^il mit im reden, 
der engil aa as l'o wife das er iin niht luvte verl'tanden. vnd fpracli 75 
der engil zo eime anderen engele. Rede mit dem kinde. Vber das 
wort fpricliit fant leronimus. daz in der engil nemmit ein kint. vnd 
er fo gar alt was. dar vber l'prichit er. daz wir alle kint iln. w ande 
wir walifin IVn. Xv Iprieliit. Sant Paulus. Wir fvn alle walifen in 
einen volkomenen man. daz ift. Ihefus criftus. der w as der erlte der 80 
ie von dem ertriche (igd) gewuolis in daz himelriche. vnd alle die 
im nach wen volgcn die l'\'n wählen von dem ertriche in das himel- 
riche in den volle wahCenen ihefum chriftum. alfo lol div feie fin 
ein gvot ivncvrowe. vnd fol ovch wählen von ertriche in himel- 
riche. Intrvwen fo kvmit fi ane fchame ze mime herren. vnd fol 85 
ezzen mit mime herren. vnd trinken win mit vrovden. Was fol div 
feie ezzen wan daz ^^ize körn vnd win mit vrovden trinken, vnd 
da von l'prichit der wiffage >faias. was ift fin gvete. \m\ was ift 
Im fchoeni. wan das irv\ elte körn, vnd w in der megede bluet. Bi dem 
irwelten körne virnemen wir llne gvete vnd bi dem wine fine fchceni. 90 
den w in fol div feie trinken mit vrovden. daz fi fin fchoenis antlüze 
iemer fol ane fehen mit vrovden. das ift der win der megede bluet. 
alfe fchiere fo a\ ir des wines getrinken. fo werden wir alle blue- 
gende zemegiden vnd da von fvn wir ilen. daz Avir des wines ge- 
trinken. Wan fwer des wines getrinket es (50 a) fin Avitwen. aide. 95 
e Hute aide fwie wir fin. fo werden w ir alle ze megeden blveginde 
§ Daz ander wort das wir vernemin fvn daz ift daz er fpi'ichet 
faminent ivch. dar an fvnt ir merkin daz wir mit famenvnge zehimel- 
rich fvn komen. wan fwer befaminet wirt. der vert mit vrovde 
licherliche. vnd da von l'prichit der wiffage. yfaias. Ir fvnt vz varn 100 



73 Zuc/iar. 2, 4. 7d Ephes. i, i'S. SS vielmehr Zachar. 9, AT. 88. 89 yfaias. 

e e 

Bi dem erwellen körne viniemeii wir fiiie gvle was ift fin fciioiii. was ift das 



irwelte körn, vnd win der megede l)lut. Bi dem 92 blut 88 -90 Nu 

fprieliet sant iohannes waf ift sin was ift fin fcha'ni wan daf erweite koren vnd wine. 
der megde pluote marien kint ihefus I)idem erweiten koren nenien wir fin 
gueti vnt bi dem wine fin luft vnt fin fchoenin. den wine sol diu sele trinken mit 
froeden das fi fin fchoenes antlute iemer an fehen sol das ift der wine der megde 
pluote. alfo fchiere wir des wines getrinken so werden wir pluegen cemegden es 
si Witwen oder eliute so plueien wir cemegden B 203 c. d. 100 Isaioe 55, 12. 
Altd. Predigten. 8 



114 Uli 

mit vro\ (Ion. viul l\nl hin konien ini( \ rido. \ii(i l\nt inphangin wer- 
den, mit lobe vnd mit liinijo. \ tid duz er Ipricliot Ir l'\nt vs varn 
mit vrovden. dar an IVnt ir merken, daz wir mit lamenvn^e IVn 

» varn. I'wa vil Hute mit ein ander verl. die hant vrovde mit ein ;\n- 

105 der. daz er denne I'pricliit. daz wir hin IVn komen mit \iide. da/, 
virnemen wir abir an die monigi. fwer helament vert der in t'ürhtit 
ime niht. l'wenne wir denne allb hin komen. lo werden wir inplian- 
gin mit lobe vnd mit lange. \ iid da von IVn w ir gerne in dei* menige 
varn. lo gelingit vnl" wol. alfo lil'et man von eime herren. der liiez 

HO barach. der wolte in ein vrluge (50 1)) riten. vnd Ipracli ze liner 
vrowen div hiez debora. Ich in wil niht varn dv vareCt mit nur. 
vnd vuor div vrowc mit im. vnd geHgiten an ir vinden. lntri\ w en 
dar an merken wir. l\ver inder lamenvnge vert der über windet alle 
I'ine viendc. vnd do der herre l'ine viginde hatte vber wunden, do 

H5 fprach div vrowe. Ich bin div. ich bin div. div gotte wol fingit. 
vber das wort Icribit Heda. Der menlche lingit gotte wol. der in 
hein heiferi het von l'iinden. vnd der ein gerihtig zvongen het. vnd 
der in hein temphi het in der brvl't. nv vernemen die lünde an hei- 
feri. vvan alfe div heil'iri irrit. daz der menlche nili wol lingit. all'o 

120 irrit diu lünde den menl'chen daz er gotte niht w ol lingit. der ovch 
ein vngerihte zvngen het. div gerne hinder redit vnd verkert finis 
ebin crilten werk, vnd abir trege ilt. got ze lobene. der menfehe 
fingit ovch vbil vor gotte. der ovch denne de hein temphi het. in 
der brvft. der fingit ovch übil. bi der temphi vernemen w ir den nit. 

125 vnd fwel menlche l'inen eben menl'chen nidet (50c) linis heilis. vnd 
finis geluckis. der het temphi in der brvlt. das irrit in ovch daz er 
nit A\ ol fingit vor gotte. vnd dannan von l'prichot er daz der menlche 
wol fingit. vnd IVezecliche daz in got gerne hoerit vnd neigit lin 
ore ze fime lange, der ein liuter genivete het. vnd in hein heileri 

130 het von fänden, vnd der ein gerihtige zvngen het. div nieman hinder 
redit. vnd div bereit ilt got zelobenne. der einen livtcren geilt het 
vnd in hein temphi het von nide. daz er allis daz niinnit das er an 
ieman gvotis fiht. vnd alfe div gvote vrowe. Debora fprach. Ich bin 
di\. die gotte a\o1 fingit. alfo fvn wir vnf vlizen. daz \\ir gotte wol 

135 fingen, das wir in hein heileri haben von fünden. vnd daz w ir eine 

V t 

105 vrodc 107 wir fn}iter •ncrdpii fehlt. 109 JuiUc. 4, 8. 111 dv zwei- 

V 

mal. delbora i]2 und spivterliin \or 115 J*(t?jf. 5, 3. llöworlj 

"wor derj den 120 der] de 133 Delbora Ipach 



LIII 115 

^erihtigen zvngen haben, div nieman hiiider rede, vnd allewege ])ereit 
n gof zelobene. viid das \\ ir ovch in heine teniphi liaben von nide. 
das wir allis daz niinnen daz wir an alr nienlichiin gvotis vnd heili- 
gis iehen lo fingen wir wol vor got. \\'ir IVn ovch vns vlizen. das 
wir in der luenigi varn. alfe div gvotc vrowe befanient vuor. vnd i40 
C.'iüil) daz 11 alle ir viginde vbir want alfo vbir windet der menfche 
alle llne viginde. der befament vert. aber den die lieh gerne fvn- 
derent den niilYelingit diekc. vnd dan von lifet man von hern lacobes 
tother wände fi lieh hndej-de von dem gefinde, do gefach fi der kvnig. 
vnd nünte fi. vnd zuhle fi. vnd benam ir. ir kivfehikeit. Intrvwen 145 
alfo gefehlt noch allen den die fich gerne fvnderent von der famenvnge. 
die fiht der tievil an. vnd nimit war ir IVnderen finnis. vnd geval- 
lent im alfe wol. daz er fiv minnet. vnd da nah beginnet er inenz 
ze liebinne vnd reizzet fiv vf das fvndir dink. daz llv lieh allis von 
der famenvnge ziehent. vnd fo er fi alfo vafte drin bringit daz £v 150 
nieman wen volgen. llv in willen allis ir fin für fich haben, fo be- 
trivgit er fi denne mit finen boefen litten daz fiv i.>ne volgent. vnd 
w irfit 11 denne in etliche fände, vnd fint denne da mit virlorn. Intrv- 
wen da von fvn wir vns niht fvnderen. vnd fvn vns hveten vor allen 
(r)la) fvnderen dingen. Wan es ift gar vngevverlich. der tivvil ift 155 
gar liltik. das er dicke mit gvotim bilde den menfchen verleitit. dar. 
dannan ime nieman gehelfin mac. vnd dannan von fvn wir allis in 
der famenvnge varn. fo \aren wir llcherliche. wir in fvn wedir 
vornan für varn. noch hindan nach komen. wir fvn allewege varn in 
der menigi. >'v wen eteliche livte für varn. vnd wen .e. lliegin .e. 160 
11 gevederen. daz llnt. die feie, die fleh fvndirre dinge vz nemint. 
von der famenvnge. die wen lüzil ezzen. vnd noch minre flafin. vnd 
wen niemer irwarmen an dem bette, vnd ginemint alfo vil venien 
vnd difciplinen daz fi allo tovp werdint. daz fiv in wizzen was fi 
fchafilnt. Intrvwen. fo die wenint lliegin fo vallent 11. vnd werdent 165 
dicke die hinderften die die vorderften wen fin. vnd dan von fprichit 
der wiffage daz die aller llchirlichifte varint die in der menigi 
varint. Vnfer herre enw ölte niht eme zehimelriche varn. er vuor 
mit einer ( 5 1 b ) grozen fchar. beidiv engil vnd menfchin. Intrvwen 
da bi gab er vnf ze merkene. daz ovch wir mit famenvnge dar fvn 170 
varn. fo varen wir vroeliche. vnd alfo. icribit Sante lohanncs In 
apocalipfi. daz im wart irzeigit zwelf fchar. von den zwelf gefleh- 

138 wir hinter daz fehlt. 138. 139 heilis 143 Gen. 34. 149 fvndir 

154. 155 vor allen fvnden vnd (51 a ) allen fviidereu 165 wenit 171 Apoc. 

1, ^ f(jg. 172 vor 

8* 



IIG LIII 

ten. viui ieglichcr l'char \\;iien zwolC l\ lint. \nd lach du eine fcliar 
(liv Mas io groz da/, li nieinari i^ealUeii k\ nde. das bezeichint. daz 

175 ovcli wir mit inenif'i viid in der ichar zehinielriche (Vn varn. lo 
varen uir vrceliche. vnd \\erden wir enplian,i;on mit lobe vnd nii( 
fange, allb iprichit der ^ilVage abacuc. Super exrelia. Der vl)ir \\ In- 
der l'ol mirli viiorin \T mine hd'lii mit laniie. der v\nv wiiidor daz 
ilt vnllr lierre ioüis criltus. der het alle \ii^in(le vliir wnnden. dei- 

480 wil vns \feren vf vnler hd'hi mit lange. Anllr h<elii daz ilt daz liimel- 
riclie dar A\il er vjis vnr>rin mit lobe \n(l mit lange. \'nd da \on 
fcribit origenes Wie div feie ze liimelriche imjthangen wiit. wui 
fcribit zwo vnd zwenzig fletc. da (5 1 r) der feie IVnderlirhe eie 
irbottin wirt. vnd wie die himiifchen cngele. vnd die heiligen mar- 

185 tyrer vnd allis himelfchis her. die feien grvezint vnd inphant 11 mit 
grozir vrovde. vnd koment die heiligen zwelf hotten, vnd enphatit 
die feie vnd grvezent fi vnd gent der feie alle ir vrovde vnd ii- Ion. 
daz ü lieh dar an vrowe alfe ovch 11. Da nah grvezent fi die hei- 
ligen niartyrer vnd gent der feie, allin den Ion. den fi mit ir martyr 

190 verdienit hant Da nah grvezent fi die heiligen bihtere. vnd die hei- 
ligen predier. vnd gen der feie allen den Ion den fi mit ir bihto 
vnd mit ir predige vnd mit ir lernvnge. vnd mit vaften vnd mit 
wachene vnd mit gehorfami. vnd mit meniger arbeit hant virdient. 
daz fich div feie an dem lone vrowe rehte alfe ovch fiv. Da nach 

195 grvezint fi die heiligen megede. vnd gent ir allen den Ion. den 11 
virdienit hant mit ir ki\ fchikeit. vnd daz fiv ir reines bluot vz guz- 
zin. dvrch vnfirs herren willen vnd dur fine minne. So grvezit 11 ov 
fvezecliche vnd vr(pliche (.51 d ) div w erde mvoter gottis vnd git 
der feie die fvndorlichen ere vnd die wirdekeit die fi het für elliv 

200 menfchin. daz fi dar an fünderliche vrovde habe, vnd kvrzlich allo 
wirt ein iegelich feie ze himelrich inphangin. von allem himelfchen 
her. vnd grvez^int die feie, die engil alle befvnder vnd iegelich hei- 
lige vnd iegelich feie Hinderlich vnd git ir. ir ere vnd ir vrovde 
vnd ir Ion. vnd git ovch div feie iegelichim engil iegelichem heili- 

205 gen vnd iegelicher feie fvnderlichen ir Ion. vnd ir vrovde. die 11 
het verdienet, vnd alfe dicke alfe ein feie zehimelriche komit fo w irt 
da ein nivwe vrovde vnd da von Iprichit lob. Min gloria min vrovde. 
vnd min ere wirt tegelich irnivwit. wan alfe menig feie ze himel- 



173 fcharii waren 177 i/rt6üc. 3, 19. ex cel. 178 vorin 180 daz lor 

bimekiche felilt. 182 wart 183 da (51 c) da der 207 lob 29, 20. 



Lm 117 

riche kvmit. alfe menig nivwe vrovde wirt da vnd von ieglicher 
feie fünderlich. A\irt allis himelfchis her irvro\ wit vnd da von fprichit 210 
Sante Auguftinus. aller der nieiifchen Ion die ze himelriche koment. 
der ift alle einis ieglichen menfchen fvnderlich. vnd einis iegli 
(;)2a)chen menfchen Ion füiulerlich ift aller menfchen gemeinlich, 
liitrvwen dan von w irt w ol ir s,loria irnivwit tegelich. Wan alfe 
menik feie, vnd alfe dicke fo dehein feie zehiraelriche komit fo wirt 215 
ir gloria vnd ir vrovde irnivwit vnd gemerit. Wan den Ion den div 
feie virdienit hat den hringit fiv mit ir dar. vnd des lonis ift denne 
da nie denne e. vnd dan von nivv.it fich tegelich ir gloria. AVan fiv 
fint elliv fo minnenclich ze faraine gexcegit vnd in einen willen alfe 
liiiterlich geeinberit daz fich ein iegelich feie an der anderen vroede. 220 
vnd an ir wirdekeit vrcewit rehte alfe an ir felbir vro\de Ynd div 
niderefle feie, div in himelrich ift. div het alfe ganze vrovde. an 
des obereften menfchen lone. alfe ob fi den Ion anir felber hette. 
\ nd danvon fvn wir vnf vlizen. daz Avir vnf gemeinlich in der 
famenvnge halten daz Avir mit menige ze himelriche komen. fo wer- 225 
den wir mit lobe vnd mit lange inphangen vnd mit vrovden inphan- 
gen § Das dritte Avort dar an merken Avir daz daz ezzin (52b) 
groz ift. vnd dan von bedürfen wir wol. das wir hAngeric dar komen. 
daz wir vil miigen gezzen. vnd dan von fprichit vnfir herre in dem 
ewangelio Selig fint die hvjigerlc fint die fvn gefattet Averden. Er 230 
fprichet ovch in dem wiffagen Dilata of tuum etc. Mache dinen mvnt 
w it. vnd den Avil ich füllen dis fprichit er nivt von dem mvnde mit 
dem ich rede, er fprichit es von der feie mvnde. den fvn Avir Avit 
machen. IntrvM en er dvnkit vnferen herren ze enge. Aiid ift er doch 
von natvre alfe wit. daz er wol himelrich vnd ertrich vnd hellerich 235 
vnd tievele. vnd engele vnd allis das ie wart, vnd Averin loch tvfint 
fünfzich weite, daz vii- flünde allis dirre mvnt daz ift der feie girde. 
Wie fvn Avir difen mvnt geAviteren Intr\ wen daz ivn A\ir mit reiner 
girde. daz wir elliv zergancliche dink varen lazen. vnd nihtis geren 
wan gottis vnd finer genade. vnd fvn alle vni'er girde an got kerin. 2J0 
alfe der wiffage Danid fprichit. Sicut terra fine aqua tibi. Heri'e min 
feie ift (52 c) A'erdoret vnd verfchr\'nden alfe daz ertriche daz lange 
ane waffir ift. Intrivwen er machit finen mvnt aa it. des de daz er 
der himilfchen fpife vil möhte gezfen. vnd da von fvn Avir vnfer 
girde genzeliche an got keren. daz Avir der himelfchen fpife vil 245 

213 fvnderlich. vnd ift 230 3Iatth. 5, 6. gefallen 231 Ps. 80, 11. 

241 Ps. 142, 6. 244 vnfer fehlt. 



118 Lm 

nuisi» gezzin. Intrivwen vnfir herre bedarf avoI daz das ezzen groz 
fi. da lo niaiiis ciii^il lo maiiig heilige lo maiiic tvfint tvfint lelen 
von gel])il1t M ii(. M»(l der iegelicliis i-iiien allo a\ iten mvnt het von 
nature. viul dennoch \ il witcr wil in \nlii- hcne machen, alie loh 

250 fprichit. Er \\\l dich lidigen \ on dem engin mvnde. in die hretilten 
A\iti. vnd denne m il er dich iilüUen. Nv merkint wie groz dis ezzen 
ilt. da io menik tvlent engil. lo menik tvlint iar gezzen hant. vnilr 
vro\\e het menik hvndert Iar gezzen. da. vnd menik tvfint tvfint 
feien, die dife fpife gezzen hant. manik Iar. vnd ie mittvnt an czzent. 

255 vnd ift des ezzini.s noch alfe vil. alle do fv erft hegvnden ezzen. 
vnd da von fprichit der wilfage. (52(1) Quam magna multitudo. 
AVie groz \\ ie menicvalt dv vili ift diner fvezekeit die dv heft vir- 
hoigin den die dich fürhtent liitivw en er hatte daz hohit hin gebot- 
tin. vnd ein wenik verfvochit. der himelfchen fpife Intrivwen fit dis 

260 ezen fo groz ift. lo in dürlin \\'\r in vinden ovch ze ezzinne. fo A%ir 
ze himelrich komen. die iemir dar fvn komen. vnd vnfir herre ieg- 
lichir feie girde irfüilit. daz fiv mehtin fprechin. Ich inmag nivme. 
fo ift noch denne der fpife alfe vil. fo ir ie meift wart, vnd ezzcnt 
fiv fiv iemir an ende, vnd ift doch alfe groz. vnd alfe vber fliizzic. 

265 alfe do fi erft begonden ezzen. vnd dife fpife niezint fiv iemir gir- 
lich vnd IVezccIirli mit e\\ igir rvowe vnd dan von fprichit lob. Div 
rvowe dinis tilchis. lol fin vollir veizti. dar an virnemen wir dife 
fpife rvowidichin niezen. vnd daz er fprichit. li fol fin in vollir 
veizti. dai- an virnemen w ir. daz die trabten ze himelrich alle manic- 

270 valt fint. vnd ilt ir alfe vil. daz {'i nieman gar gebrvchin mak. C'^^i:' ) 
.Avan fwie vil fiv iemir mit ir girde begrilfin mvgiu. vrovido wünne 
fvezekeit da.s hant fiv allis tvfint valt § Das vierde wort das dis 
ezzen gottif ilt. dar an virnemen wir daz er lieh felben wil gen 
zeloue der feiigen feie, vnd wil fi rehte mit fins fclbis gveti. dur 

275 iliezen. vnd da von fprichit. lob. Si \\n fich neigen vf den obereften. 
vnd IVn denne zei\ liezcn xoii w iiniie. von vrovde vnd von fvezekoil. 
dar an \irnenien wir. das fi alle ir vrovde an gotte fvochint. vnd 
neigint fich ze lijier gvete. vnd vindent an im alle vber nieizige 
fvezekeit. das fiv rehtc zer vliezent von wiinnen vnd von \rovden. 
280 vnd vnfir herre got dur lliuzzit die feien, daz 11 in gotte fwebint. 

2i8 won 2V.» /o/; 3(), IG. -ir.'i. initliMit iöC) /*.?. 30. 20. -KW hinter 

in (lürliii /^e/i/f rffra wil iiilit ZNvivclii 20ü. 2G7i\we /o^ 30, 16. iü't fehlt 



etwas. 271 wunne 275 lob 16, 19. 20? Joel 3, 23? 



Lm . UV 119 

vnd da von fprichit fant Bernhart Der ein brofmen leit in win. aide 
in honic fo dur tliuzzit daz honic die broremen das fl lehte vol 
wirt. vnd r\\cil)if doch daz honic vbir die hrofmen allenthalben. 
Rehte ze gelicliir w is Iprichit er. dur fliuzit viilir henc die feie, 
daz fi rehte vol ilt. der gotüciien fveze- (53 b) keit. vnd fwemit 285 
doch in allenthalben vbcr das fi rehte in gotte fwebit. alfo gent 
ovch die raeiftir ein glichfami. alle fi wol mvgin. da ein brvnne in 
eime velfe int fprvnge. der en mac lieh niht enthalden. er infu eirae 
al vbir alfo Iweimit vnfer herre al vbir die feie, in allenthalben, 
vnd in lin doch alfe gar vol. daz nüninie in fich niak. vnd dan von 290 
fprichit der w ifiage yfaias. Vidiinus ainabinnis. afflu. m. Siv fehen- 
den, vnd niinnenden. vnd zerfliezent denne von fvezekeit. vnd ^^er- 
dent fich denne wunderende, vnd w irt gebreitit ii' herce. Nv merkint 
dis w ort. Zemerift. fo fehent fiv got. da nah minnent fi in. Wan des 
in mvgin fi niht vbir werden, fo fiv an gote fo vil fvezekeit. vnd 295 
fchonheit l'ehint. fiv in mvezen in minnen. da nah zer fliezent fi von 
der vbir vlüzzigen gveti. div von gotte flivzit in die feie, vnd wer- 
dent fich denne wunderende der Avunne und der wunderlichen gveti. 
div an gotte ift. vnd von der gvete. der gvete dv an gotte ift. von 
der gveti wirt gebreitit ir herce (53 c). das fi alle creature minnent 300 
in gotte. vnd got in aller creature vnd wirt div feie alfo gebreitit 
daz fiv minnit ellv dinc in allen dingen, vnd vnfer herre zirfliüzit 
alvmbe fi. daz fi rehte mit gotte allv^mbe vangen ift. 



Dlfe woi't fprichit fant Paulus 



u 



£c eft. enini voluntas dei lanctificatio veftra. Difiv wort fprichit 
Sant Paulus Gottis wille ift ivwir heilikeit. das gottis av ille. daz wir 
heilic fin. daz merkent an drin dingen § Das erfte ift daz er vns 
gebiutit daz w ir heilig fin. das daz war 11 daz lifet man in der alten 
e. Do vnfer herie die .e gab. do gab er in div zehen gebot, vnd 5 
gebot inen daz fiv fi hielten, vnd f\\ er div behaltet das ift ein an- 



281 - 300 wenig abweichend auch in B 203 b. c. 283 fweibil] gal B. 284. vnfir 

zweimal Z. 285 fwimiuel B. 287 glichnus B. 288. 289 fwiinme— fwim- 

met B. 290 fichj si B. 29J Tuiic videbis et afflues, et mirabitur et dilalabiliir 

e 
cor tuuiu Isaim 60, 5. 29J . 292 mi lehciil iu Mit iniunont in B. 297 vbir vlvz- 

e 
zigeii Z. 299 300 nur \ni von der guli A\irt gebreiterct ir herce B. 300 min- 

ten Z. LIV. Z 19. A 52 Von des raenlfcheu hailikait. 1 Thcssal. 1, 4, 3. 



120 LIV 

vank der hcllikoit viul dar an fvnt ir merken daz gottis wille ift 
daz wir heilig iin. wan Iwas der man gebullt daz iCt ein zeichen 
fmis willen § Das andir iCl daz valer herre ratet daz \\ ir heilig lln. 

lOlnIrivwen des heiii a\ ir vrkünde an nieniger lere die er line ivnge- 
ren lerte. Wan alle Hn rat vnd Iin lere, gie dar vf daz Hv heilig 
MÜrden mit reinem lebcnne § Das dritte ilt daz vns vnlVr herre 
hilfet. daz wir heilik (c.^a) weiden. \ nd da von lifit man in dem 
ewangeliü. das vnfer herre fprichit ze Iinen ivngeren. Ane mich in 

15 mvgint ir nit guotis getvon. Intrvwen fit denne nienian niht guotis 
mac getvon ane fine helfe, l'o ilt das ein geweris zeichen Ilnes w il- 
len. daz w ir heilig fin. das er vns leibe liilfit daz w ir heilik w erden. 
Intrvwen fit es denne gottis wille ift daz wii' heilig fin. vnd ü\ch 
^vir niemir heilig mügin Averden. ane Hne gnade, fo fvn wir viiler 

20 herce bereiten daz w ir der gnade w irdig lln. zenphahenc. In git 
vnfer herre die gnade, vnd hilfet vns daz wir heilik werden. Sit 
■svir nv vrkünde han daz gottis wille ift vnfir heilikeit. fü fvn wir 
fehen wa mit wir heilig fvn wei'den. Intrvwen daz fvn wir mit 
zwein dingen, daz wir das übil lazeii. vnd das gnote tvegen. vnd 

25 da von lj)richit der ^iffage. Dedina anialo. Ir fvnt ivch neigen 
von dem vbele. vnd fvnt tvon daz guote. fo werdent ir heilik. nv 
merkent zetn erft was daz vbil 11. da von lieh div feie iol C();mO 
neigen e. 11 heilik niüge werden Da von Icribit fante Augufliniis in 
dem buochc da er fcribit von der feie micheli. da Icribit er liünf 

30 vbil. von den fich div feie neigen fol. vnd von den fi nivoz gereinet 
werden, e. 11 heilig möge lln § Das erfte vbil ift div fündc. da von 
Iprichit fante Petrus. Ir Ivnt ivwer hende renen von dem übele. bi 
den lienden lliit div werk bezeichent. Kellte alle er fpieche. Ir fvnt 
ivAvere werk reinen von Ixefen werken, vnd fvnt ivwere hercen 

35 reinen von iibelen gedenken, nv w izzent ir aa ol das elliv reiiiekeit 
von gotte kvniit. vnd in niac nienian iiili( guotis gedenken noch ge- 
finechen noch ge(\on ane lliie genade. Intrvwen daz ilt war. daz 
got die genade vnd die reinekeit nnoz geben, er ingit fie abir niene 
AAan in daz bereite herce. Iwa er fihit daz das herce ift bereit da 

40 givzzit er fine genade in. Swenne der menfche tvot daz er tvon fol. 
fo tvot ovch vnfir herre daz er tvon fol. Solonioii Iprichit es ift des 
meiifchen reht. daz (63c) es fin herce bereite. Intrvwen fwenne 



ii Jh. Joli. i7}, ö. 25 /'.y. 3(5, 27. 31 vieln.ehr Jac. i, H. 33 ifl vnd Hiil 

40 gr\r7,i( 41 Prorerb. 10, 1, 



LFV 121 

daz gefchihit. fo git vnfer lierre die genade. Sante lacobus fprichit. 
Das got ift ein geber allir genade. vnd daniiaa von Iprichit der hei- 
lige geift Ich Avil ein A\azzer vf ivch giezen daz Ibl ivch reinen von is 
allen ivweren liinden. lo denne div iele gereinit Mirt. lo het fi ein 
vbil virtriben. daz l'i iite iv lieilikeit § Das ander übil ift ein vinftri 
des irrodes. Intrvwen div \ inliii l'ol irliuhtit werden mit guoter lere, 
vnde mit guotcni rate, das il't aU'o. fwa der menfche dehein zwivel 
aide dehein irr\ nge het. da er fich niht avoI kan virrlhten. des ibl 50 
er \\irer Hute vragen. vnd Ibl ovch denne ir lere vnd ir rat nach 
volgen daz er in der vinftri der irrvnge niht verirre, vnd fuer guotem 
rate vnd rehter lere niht nach volget. vnd allis in finis herzen ein 
rihtigi \\ il varn. der niak m ol verirren. Nv fint etliche liute alfe ein 
rihtig. daz fiv allis nach ir finne Avellent leben, vnde dvnkit fi allis 55 
ir Uli. vnd ir ding bezzer den (63 d) ne anderre liute. Intrvwen die 
mügen wol vallen in die vinftri der irrvnge. Swer abir gereinet w'd 
A\ erden Aon der vinftri. alfe Sante Auguftinus fprichit. daz A\ir da 
von gereinet mvezen werden, e. wir heilig mügin werden, der menfche 
fol lieh alfo diemvoten daz er eime anderen bas gelobe dem er ovch 6ü 
geloben fol. denne ime felben. vnd fwer das tvot der wirt irliuhtit 
an rehteni geloben. Sit vns nv fante Auguftinvs feit, das wir e. niht 
heilig mügen werden, e. wir vnf gefcheiden von der vinftri der 
irrvnge. fo fvn \\ir vnferen geloben irliuhten. vnde fvn den bas ge- 
loben, den wir geloben fvn. vnd die wifer vnd wizziger fint. beidiv 65 
von nature vnd von kvnft. denne vnf felben § Das dritte übil ift da 
von AAir mvezen gereinit werden, e. wir heilig mügin fin. das ift 
ein glichi der bildvnge. daz ift des tievilf velfche bildvnge. Intrvwen 
dar an mac fich der menfche vil wunder lihte miffe hveten. Wan 
der tievil ift vil wunder kündig (64 a). er nimit etwenne einis engilf 70 
bilde an fich. vnd irfchinet etfwenne dem menfchen. das er wenit 
das er gottis engil fi. vnd difv irfchinvnge gefchihit beidiv vzwendik 
vnd innewendik. Man lifit von eime dem erfcheiu er alfe u unneclich 
alfe ein engil. vnd a\ ande er das in got zvo im fante. daz er in wifte 
wie er folte leben nach gottis willen, vnd lerte den felben man daz "5 
er vil wachte vnd vafte. vnd daz er niemer gervowete vnze daz er 
fich felben gar verdarpte. vnd ze ivngift do verriet er in daz er im 
ze teile wart. Intrvwen daz gefcheiht noch dicke, daz der tievil 
mengem menfchen ratet gvete dink. das er weinet daz es gar guot 



43 Jac. 4, 6. 45 Exech. 36, 25. 46 fvnden 73 vnd innewendik fehlt. 



122 LIV 

80 n. vnd alfe er im gevolgit. vnze an das ende des dinges. fo beftricket 
er den nienfchen mit dem übele er ift l'o kvndik das erz alfo guot 
machet, das der menlche iiiheinen fchadeti dar an kaii furfehen. mkI 
alfe erz an daz ende bringit. l'o wirt er denne erft gewar daz er 
virraten ilt. vnd allo ir l'cbinet er ovch der tele inne\\endik. mit 

85 (64b) valfcher giietc. vnd ratit dem nienfchen daz er vil bette, vnd 
venie vnd difcij)line neme. vnd liizil flafe. vnd vil wache, vnd vil 
gevafte. vnd fich grozliche arbeite in gottis dienefte. vnd denkit 
der menfche denne. A\eniftv. alfus gemehliche ze himclriche komen. 
iNiiit dv folt anderz dir zvo fehen. dv in folt dinem libe niemer in 

90 h eines gemachis geftatten. Ynllr herre leit doch den tot durch dich, 
vnd foltiftv denne dehein gemach han. daz wer dir groze fände. Ois 
A\enit der menfche daz ez rchte von dem heiligen geifte kome. vnd 
volgit allis nach in einir einvaltikeit. vnz daz er ze ivngeft betro- 
gen AA irt Intrvwen mit fuf getaner guete verleitit er mengen men- 
95 fchen. daz er das gotliclie lieht niemir befchowit. vnd da von bedürfen 
Mir vil wol. das wir von dem übil gereinet werden § Daz vierde 
übil ift ein tiügelichv ebin maze der creature ze gotte. alfo lifit 
man von den Mifen beiden, die fahen nit Avan an finen gewalt. vnd 
wolten daz mit (64 () lime gewalt beweren. daz got niht menfche 

100 mehte werden. Si aliten das er gewaltecliche himelrich vnd ertriche 
gefchaflen bette, vnd alle creature. vnde f])rechent alfo. alfe vnmü- 
gelich daz ift. daz ein zimberman. \\ erde linf elbes werk, alfe vn- 
mügelich ift. ovch daz got div creature Averde. die er hat gefchaflen. 
vnd da mit gaben 11 ein trügelich ebinmaze. der creature ze gotte. 

105 vnd Avolten da mitte beweren daz got niht menfche mehte Averden. 
AVan 11 fahen niht waii llnen gewalt an. vnd irkanden niht Hner 
guete. div in twank daz er menfche ^^art. durch den menfcheu. In- 
trvwen fit A\ir nv gcfehin hein. daz die lieidene mit trügelicher mäze 
verirret llnl. fo ISii wir vns da vor hveten. wir in fvn niht alleine 

(lolinen gewalt an leben, wir fvn ovch irkennen fine wifheit. vnd finc 
guete. div in des betwank daz er menfiiche nature an lieh nam 
durch vnfir irlofvnge. daz ift war. menfiiche nature ift harte Anedil. 
vnd harte Avider zeime gotlicher nature. aber fin guete was alfe 
groz daz fi vn- ( h 4 d ) geliche ding ze famene voegite § Das fünfte 



8u im] in bcflrichel 81 crzj er 88 dcnnc wc. weiiiflv. 89 dinen lip 

e 
104 der] die 108 Irvgelicher lli-123 richeit auch am Schlufio von % 17. 



LI\^ 123 

vbil ift daz A\ir lazen fvn. e. Avir heilic mügen werden, daz ift girde H5 
weltlicher richcit. \ nd da von Iprichit der wilfage. div weit ift glich 
eime valle. ir wizzeut wol lo man einen bovin wil vellen. lo Icrient 
die liutc fliehent flient. daz ivch der val nit begriffe. Ze gelicher 
w is ilt div Avelt ein val. vnde iu fcriet got vnd div l'crift elliv. 
vliehent vliehent. alle balde von der weite, fi ir fleht ivch ze dem 120 
ewigen tode. alle die in difem valle verendent. die ravezen ieraer 
l)v\\cn das hellifche riche mit grozer arbeit, vnd da von fvnt ir 
i\ch ziehen vnd reinen von der girde weltlicher richeit. alfe vns 
Sante Auguftinus lerit. Vnd fit wir niemer heilig mügen werden, 
e. wir von dilen fünf übelen dingen gereinit Averden. fo fvn wir (25 
allen Miferen vliz da zvo keren das A>ir gereinet werden. Zem erft. 
von den fänden, wan ze gelicher wis alfe div mvre fcheidet daz der 
halp vnde (65 a) dife halp ift. alfo fcheidet div fände got vnd die 
feie. AA ir fvn vns ovch reinen von der vinftri der irvnge. div ift 
bezeichent bi dem aa olkene. wan alle daz wölken bedeckit der fvn- 130 
nen lieht, alfo bedeckit div vinftri des irrodes die himilfchen genade. 
daz der menfche der nit gefehin noch inphan mak. Wir fvn vnf 
ovch reinen von der gelichi der bildvnge. alfe der tieuil den men- 
fchen verleitet, daz er das gütliche lieht niemir befrhovwet wir fvn 
vnf ovch reinen von der trügenlichen eben maze. der gefchephide. 135 
zvo dem fchepher wir fvn vnf ovch leinen von der girde Aveltlicher 
richeit So wir von difen fünf vbelin gereinet Averden. fo fin wir 
heilig, vnd fAn dennoch heiligir werden. Sante lohannes dem erfchein 
ein engil. do er Avas in der togeni. vnd fprach der engil fcrib lo- 
hannes. Die da heilig llnt. die fvn noch heiliger a\ erden. ISv fvnt ir 140 
merken drier bände gedank die machent die feie heilik § Der erfte 
ift ein gedank (65b) den betivtit vnf ein heiligir lerer, vnd fprichit 
das ein iegelich gedank von gotte machit die feie heilig. In trvwen 
dar an fA'nt ir merken, alfe vil der gedang an gotte ift. alfe vil \\ irt 
ovch div feie heilig. Leider nv ift das herce fo Avilde. vnd der ge- lis 



114—116 Der menfch der gern guo wer der muof e lallen die begiid weltlicher 
richeil Da von fprich der wiffa<r indem faller :. 117. 118 fchriel man :;. 

118 flicut /"e/iü 3. ivt begriffe :. 119 glich einem val :. vnde iu] vnd ein Z. 

119. 120 Vnd fprichet got vnd elliu diu gefchrifl. Vliehent bald von derweil, ald :. 

V t 

120 ivch] och Z. 121 verderbent ;. mvzen Z. 123 vnd reinen fehlt z. 

ö _ 

127 mvre Z. 128 vn '65 a , vnde dile 131 der fvnnen fchin. vn ir lieht. 

e 
der irrodes 132 mit 135 trvgenliche 140 Apocal. 22, 11. 



124 LIV 

dank fo Avit fweifte. daz vnfir herce feiten mit gotte ift. vnd fo der 
nienfch ieze wenit daz er fiii herce lii im habe, fo het ez die uelt 
vinbe vangen. nv hin vbir nicr vnd her w ider. vnd ift fo wilde daz 
es niemir kan gervcwen. So man die metti an \ahit vnd der menfche 

150 fin herce vf hebit. ze gotte. e. es iemir einen vers ^efpreche. fo ift 
es inweg. vnd fweibit denne allvmbe die weit, vnd ift denne gereite 
vnz an die laus metti .e. es iemir wider an got gedenke, vnd fo der 
menfche an fin gebet, kvmit. vnd er fin herce an got gefetzit e er 
denne iemir gefpreche Pater nofter. daz eine m ort. fo ift abir daz 

155 herre in divnnen in die m iti. Intrvwen daz gebet machit niht die 
fei felik (65 c). wan alfe vi! der gedank an gotte ift. Die liute die 
mit ir hercen gotte alfe vnheinlich fint. die mügen des wol färbten 
daz fi der himelfchen heinliclii mU gotte werden virfchalten. vnd 
enfol doch dar vmbe nieman verzagen. Sante Paulus fprichit ein 

160 troftlich Axort. daz div fchoz der w ilden gedenke, der feie niht vil 
fchaden tvont. alle die w ile vnze es dem menfchen leit ift vnd inen 
wider ftat. vnd daz herce. von der Avitfwefi an got wirfit. Intrvwen 
fwic kurz der gedank an got ift. fo ift er doch ein anevanc der 
fuezekeit. Dan von fprichit. Salomon. von cime vogil der heizit. 

165 derbin. der het einen kurzen fluk. vnd ift doch ein anevanc der 
fvezekeit. Zc gelichir wis ift ovch der gedank fwie er zem erft 
vnftete vnd w it fweift ift. fo ift er doch ein anevank der fvezekeit 
.§ Der ander gedank der die feie heilig machet, das ift der vliz. daz 
der menfche allewege in dem vlize fi. alfe dicke fo im fin herce in 

170drinne in die witfwefi dirre weite mit vliegendem gedanke daz er 
denne das herce wider bringe ( o.» d ) ze gotte. vnd fol an got be- 
trahten finen gewaJt. daz er liimelrich vnde ertrich vnd alle creature 
het gefchaffen vzzer niüte. vnd fol denne betrahten den gewalt. daz 
er mit finer w ifheit. eliiv ding liet gcordinet. vnd iegelichis in fin 

175 rehtcn ordenvnge. vnd fol denne Itetraliten an im fine guete. div in 
tvvang daz er indife weit kan vnf ze eime irlofer. An dife betrah- 
tvnge fol der menfche allin finen vliz keren. daz fin herce allew ege 
an got betrahte. Intrvwen fwenne der menfche in dem vlize vlizec- 
liche ftat daz mvoz mit grozer arbeit gefchehin. vnd mvoz vil fere 

180 vber den lip gan. fwer in dileiii vlize ze allen zilen fine betrahtvnge 
an got leit. nach dem vlize inphat div feie die gotlichen fvezekeit 

146 wit fcnne 152 .ie. 153 o] ic 159 A>/ics. 6, Ifi. 161 ienen 



165 fluk 170 vliczzcndeoi gedanke de CS 171. 172 berahtcn 115 im fehlt. 
181 leit vnd nach 



LIV 126 

Dan von fprichit der wiffage. Donec intrem. Icli gedaht an got vnd 
kan des vbir ein daz ich niernir a\ il irwindon .e. icli kvme in I'ine 
ivngiften heinlichi. Intrvwcn im \\as da neiz was. widir varen da 
nacli im allo not wart (ooa) daz er e niemir wolte er\\inden e er 185 
kerne in die ivngilten heilikeit gottis. er fprichit aber daz er lieh 
vil Avunder fer da nah mvcfe arbeiten .e. er ze der heilikeit kerne, 
vnd dar vmbe fol fich der menfche arbeiten mit dem vlize der 
betrahtvnge. wan nach der arbeite wirt div feie fvezecliche getrce- 
ftit. vnd der vliz machit die feie heilig § Der dritte gedank daz ift 190 
ein vrige durgefiht. div mit wundervnge wirt gehenkit in den fpie- 
gil der wifheit. Nv merkint div wort, ein vrigiv dvrgeliht. vri dar 
an fvnt ir merken, daz der geift rehte vri mvoz fin. von allem kvmber 
vnd fol alfo vri fin. daz er niht betrvebit werde, von des libis 
nature rehte tot fi. aide das der geift niemir von ime werde be- 195 
trvebit. aide daz abir der geift alfe ftark fi daz er niht ahte vf des 
libis krancheit Swenne das gefchihit. fo ift der geift vri. da nah gat 
div dvrgefiht. daz ift alfo daz denne der geift in der girde befcho- 
Avit den fpiegil der A\iflieit daz ift ein vrigiv dvrgefiht (66b) fo 
der lip den geift niht betrveben niak. fo hebit fich der gelt vbir 200 
elliv ding div vnder gotte fWit. vnd befchoAvit denne an gotte den 
geA\alt. vnd die Avifheit. vnd gvete vnd fchonheit. AroAde vnd eA\ ikeit. 
vnd Avirt mit Avundervnge gehenkit in den fpiegil. der wifheit. vnd 
Avundert lieh finis grozen gowaltis. Siiier tiefen Avifheit vnd finer 
vnzallicher guete. vnd Avundert lieh, das 11 fo vil guete \nd fveze- 205 
keit an im het begriffen, vnd des noch tA-fent ftvnt me ift. des fi 
vor vili niht begrifen mak. vnd ir der brefte niht a\ e tvot. Mit der 
Avnndervnge Avirt der geift ir hangin in den fpiegil der Avifheit. Nv 
fcribit. Sante Bernhart, von vier befchoweden die div feie an gotte 
befchoAven fol § Div erfte befchowede ift fin gerihte. daz fvnt ir2io 
an dem dinge befchoAven. das er eime kindelin himelrich git. fo es 
erft geborn A\irt vnd getovlit Avirt. ane dienift vnd ane aller flahte 
arbeit. And ein andre der lihte A'ierzg iar got het gedienit mit ar- 
beiten, der (66 c) vallit an finer ivngiften ftAnde vnd Avirt verlorn. 
Ovch gefchihit des vil. daz menige alle fine tage ein groz fünder2l5 
ift. vnd an fime ende git im got alfe groze rivwe. das er behalten 
wirt. Dis ift allis vnfers herren togenlich gerihte. difv befchovAA'ide 



182 Ps. 72, 17. intren. 185 er je 186 kome 187 mvze 191 wou- 

dermge 204 wunderte 211 er fehlt. 



12C Lrv 

w irt niie s^oviin^iii in voihle. viul m irt _ü;ovobit mit lobe. \ nci w'wt 
vollol)riilit inif wil'heit. vnd wirt liohalten in der dcmvctikeK § Div 

220 ander bolchov-w ode iCt an gotlis giicle. daz der nionfclie lol beicho- 
\\en. allis das inie got ze guote het getan. l)iv bclchowede reizit 
in zegotte. A\an in hein menfclie ift dein got Ib lüzil gnade habe 
getan, vnd irkandc es fi rehte ez nivezi got minnen von allem tnne 
hcrcen. Da von l'prichit der \\ iflage. Herre \\ ie lol ich dir gedanken 

225 der genade ieniir die dv mir halt getan, all'o fprichit Her lob. Herre 
ich iiimak dir niomir vergeltin daz dv mir gegeben halt \\ ider 
tvfinden die dv mir hell getan, l'o in han ich dir niht einis ze gebinne. 
Nv fehent der was ein riche man vnd hatte groz guot. vnd in hat- 
(C6d)te doch wider tvfinden niht einis zegebenne § Div dritte 

230 befchovwede daz ift zvo verfiht des lonis. div bringit Itete vebvnge 
der tüginde. Da von fprichit. Santo leronimus. Div za'o verfiht des 
lonis machit die bitteren arbeit fiieze. vnd die f\\ eren bürde lihte. 
Intrvwen f\\er denne kvme arbeitit der gange in dife befchowede. 
da wirt er gctro'ftit von dem fvezen lone der nach der arbeit gat 

235 § Div vierde befcho\\ ede. daz ilt div hohe magencraft. da fol div 
feie betrahten wie alle engelc die patriarchen die propheten. die 
z\Aclf hotten, vnde alle martyrer. vnd Mio reinen megide. vnd allis 
himelfchis her iegeliches finen Ion vnd fine lünderliche vrovdc het 
an der grozen magincraft. In dirre befcho\\ ede fol div feie gan. von 

240 Cime zvo dem anderen, vnd fol bcichowen wie der engil ift gefchei- 
den. v(Mi dem mcnCchen. der menfrhe von dem engil. div magit von 
der wittewen. der martyrei' xon dem bihter. vnd ilt iegeli(67a) 
chis fvnderlich gelVndert mit llme liindcilichen lone. nach finen 
werken, vnd han doch elliv einen gemeinen Ion. denne fol div feie 

245 betrahten. w ie vnfir herre eim iegelichen engil iegelichir feie het 
gemazit vnd gefcheidin Hinderlichen Ion. in gemeinem lone. ander 
hohvn magencraft. vnd daz fvnt ir wizzen daz da in hein IVndei'vnge 
noch fcheidvnge ift. wan an dem lone. daz da ein iegelich menfche 
Ion inphat nach finen werken, da il'l der engil. bi dem menfchin. da 

250 gut div wittew e zvo der megede. die martyrer zvo den bihteren. 
vnd allis himelfchis her. gant alle vndcr ein ander, fwie llv wen. 
aide fwie fi lüftit. da in ift enhein fvndervnge. wan fver got aller 
krcfteclichifte het geminnit. de fihit got allir httcrlichifte Difv be- 
fchowede bringit der feie girde nach der himelfchen vrovde. Da 



224 P$. 51, 11 ? 85, 12. 13 / 225 lob 9, 2. 3. 2i9 de itt d* der— menfchein. 



LIV . LV 127 

von fprichit. Anflielmvs. Ovil lieiligv angofiht. dv bift ein volle vrode 255 
vnd ein oljcrerte wolluft. vnd bil't ein vollecomene (orb) girde. 
girlicliis antlüte vnd vroliche girde. lntrv\>en nv inmac dv lele niht 
allewege in dine belcliouede lin. li mvoz ovch her nider varn in 
die helle vnde mvoz da bei'chowen vnlers lieiron ielitii<oit. an der 
kal vnd an der not. der armen i'elen. vnd lol der menl'che irbermide 260 
her vber han. Denne foltv befchowen alle creature vnde folt irken- 
nen daz elliv ding von gotte fint. vnd wie got in allen dingen ift. 
vnd wie elliv ding von gotte gevlozzen fint. vnd ovch wider zvo 
im vliezent vnd in dirre befchowede l'oltv got lobin an aller crea- 
ture. vnd folt got irkennen an allen dingen, daz wir daz Ichowen 265 
Averden dez helfe vnf got ameN. 



Dife wort fprichit ein wiffage 



D 



Ominus narrabit in fcripturis populorum. Difiv wort fprichit der 
wiffage. dauid. Got fol künden an den fcriften den livten. Dis wort 
mügen wir in zwei wis vernemen. daz vnf got künden wil an der 
heiligen fcrift. den reliten wek zehiraelrich. vnd daz rehte leben 
Wan rehte ze gelichir wis. alfe div fvnne intlivhtit den nebil. alfo 5 
irlivhtit div heilige fcrift die heiligen criftenheit. vnd div heilige 
lere die (93c) vns gottis IVn lerte. felbe mit finem mvnde. vnd die 
heiligen propheten. die heiligen zwelf hotten, vnd andir heiligen, 
den der heilige geift kvnte. vnd lerte. wie fi die heiligen criften- 
heit leren folten. Ein andir fcrift het ovch vnf vnfir herre gegebin. iO 
daz ift der leien fcrift. wände der livte ift vil die der fcrift niht 
kvnnen. div an den buochen ift gefcriben. Vnd dar vmbe het inen 
got ein andir fcrift gegeben, da fv an fvn lernen, wie fiv nach 
hiraelrich fvn werben Div fcrift daz ift dv gemelze in der kilchen. 
daz man da malet von den heiligen, wie fi lebten vnd waz fi durch <5 
got taten vnd waz fi durch in arbeiten, vnd wie 11 menger martyr 
gemartirt wurden, vnd tvot man daz dvrch etwie manige fache. Ein 
fache ift daz fiv fvn lernen an der heiligen lebenne. wie fi nach 
dem himelriche fvn ftriten vnd werben, alfe ovch die heiligen hant 
geftritten. Div andir fache ift daz fi an rehtir gelobe fvn gefterkit 20 
w erden, fo fv fehent w az die heiligen hant irlitten durch den rehten 

e 
LV. Z 24. Ä ij7 Von manger handc fchrift der menlfchail. 1 Ps. 86, 6. 4 den] 

au deu 7 die ( 93 c ) die vas finen 16 ia fehlt. 



128 LV 

geloben. Div dritte (oijd) fache ift. Wan viilir liorre vnftoto iCt. 
viul leidir bi im fclboii Celten il't (larvmbe ilt ovch daz i!;einoIze 
geinat'bit. daz der menrclie fin herre \iiide. lo er mit den vzzeren 

25 ovgen an l'iliit daz gemelze. daz er deiine die inren diniv \ iiule. des 
hercen vnd er gedenke, an div dink div vor imc iint ^emalet. vnd 
allo vindit der menlche iln herce. all'o Iprichit der wilTagc daiiid. 
Herrc ich iian min licrce fvnden. Nv merkent Iwas der menlche 
vindit. daz nnoz er e. virlorn han. alfo gelchihit es leidir dicke 

30 daz der menlche lin herce virliurit mit vppigen gedankcn. fo fol erz 
vinden an dem gemelze Div vicrde lache il't. daz wir IVn lernen an 
der heiligen lebene. tvgende vnd reinekeit. abii- vbir allis gemelze. 
vnd übir elliv bilde, fvn wir ane fehen vnl'irs lieben heiTen martyr 
bilde, vnd IVn dar an lernen ahte leczen. die er vns vor het ge- 

35 Icriben. an l'ime heiligen libe § Div erlte ijt w illecliche aimvot. daz 
merkint da bi. daz er gar nackint l'tat. dar an IVn wir ovch lernen, 
daz wir w illecliche arn Iln dvrch got. der (!j4a) dvrch vns alfe 
arn Avolte fin daz er aller finer herlchefte vnd allis linis richtvomis 
lo \ il nihl inhatte daz er line Ichame bedahte wan daz er gar 

40 nackit llvnt an deme ciivce. AVir IVn gerne arn fin. wan vnfir herre 
fprichit in dem ewangelio. I5eati pauperes Ipiritii. Selik Iint die 
armen himelrichc ilt ir. der menlche der willecliche arm ilt der il't 
Avol feilik. Sit got leibe Iprichit. daz er l'eilik fi. So ilt er ovch 
feilik. Wan himelriche ilt fin. himelrich ilt ein lo groz fchaz. daz 

45 er wül feilik vnd vil feilig ift. des daz himelrich ilt. Er ift ovch 
dar vmbe feilik. wan er het me denne er ger. Wan allis des er het 
genvegit in. vnd ift im alfe wol mit armvot. daz in niht dvnkit daz 
er arn fi. A\'ande zegelichir wis alfe der gitige man allewege me 
gert. vnd fürhtit daz ime gebrefte. alfo dvnkit abir den willeclichen 

so armen menfchen daz er zevil hal)e. da von heizit er 11 feilik die 
willecliche armen. Wände fi hant des fi gerent. wan 11 gerent niht 
w an armvol. vnd breftcn. -da von fint 11 feilik. ovch daz fi daz w il- 
lecliche hant durch got. liitrvwen fiv hant wol gelernit bi ir fcheppher 
(94b) am fin. \ nd han wol daz bilde finer martyr. vnd finer hei- 

55 ligen menfheit für ire ovgen gemalit. vnd fin armvot. die er hatte 
in allen finen tagen, do er menfche was vf ertriche. Si fint ovch da 
von feilik daz fi nieman geroben raac. Wan fwen man robit der 
Avirt vngedvltik. vnd vlvochint 11 ovch. die felde han 11 ovch daz 
fi nieman robit. Avande li niht hant. da von in nimit man in ovch 

23 feilen fehlt. 41 Matth. 5, 3. 45 dat erste ift fehlt. 47 genvgit kvnkit 



LV 129 

niht. So fint fi ovch feilik. Avan fi haut ovch ieze ein teil der himil- co 
fchen vriheit. die l'i inlümeliiche IVn gar inplian. daz ift div vriheit. 
daz li ine hant denne ü gei'ent. vnd genvcgit l'i ir armvot. daz fi 
niht nie a\ oKen han. div vriheit gelichit fich ein teil der himellchen 
vriheit. da von fint fiv feilig hie in ertriche. vnd fvn her nach ze 
himelriche inphangen \\ erden mit der ewigen feilikeit. Wan daz 65 
f])richit vnfir herre felbe. daz das himelriche ift der die willecliche 
arm fint durch got § Div andir lecze ift vollecomenne minne. daz 
nierkent da bi. daz er weite gehenkit werden inzwifchen zwene 
fchacher. rehte alfe (94 c) er ir fchvlde wolte tragen. Wie mehte 
er ieniir grozir vnd vollecomener minne bas irzeigen. denne daz er 70 
finer viende fchulde w ölte tragen, vf lime rvcken vnd an allen finen 
liden fiinderliche wolte er gemartert werden vnd hette ers loch 
gelitten dvrch fine frivnt. es were doch ein zeichen grozer minne. 
daz er ez abir Avolte tvon dvrch fine viende. daz was noch volle- 
comener minne . alfus het er ovch vns gelerit. daz wir vnfir 75 
viende minnen fvn. vnd fvn inen zeftatten komen. vnd ze dienefte. 
fo . fivs bedvrfen. wan vnfir herre wolte niht gemartirt werden durch 
die guoten. er wolte not vnd den tot vnd alle bitterkeit liden dvrch 
fine viende. Sant Paulus fjirichit Gedenkent merkent vnd ahtent wie 
groze not got irlitten hat dvrch fine viende. vnd fit er dvrch fine 80 
viende fo groze not leit vnd fo grozer minne zeichen gab. was 
wenint ir nv Avas er denne grozir vnd A'bir meziger minne nv zeige 
finen A^riAuden Avan daz ift ane ZA\'iuil war daz er finen vrivnden 
groze minne (94d) Avil zeigen. Vnd merkent daz fprichit er. daz 
es mvoz fin. Wan fwer fine viende alfe volleclich minnit der min- 85 
nit fine vriAQde vil volleclichir. Sante lohannes der minre fprichit 
A^on der minne die got dem menfchen ovgete do wir fine viende 
Avaren. Der groze got der heilige vattir vnd div heilige gotheit. der 
minnit Anf fo lere daz er finen lieben fvn. finen edelen fvn vnd finen 
ein born fvn in den tot gab für vns. do Avir fine viende Avaren. vnd 90 
tet daz darvmbe daz Avir fine vrivnde wurden nv merkint Avie rehte 
groze miltekeit er vns het ir zeigit do AA'ir vir Ivren fine Iwlde do 
A\ ir in erzA'rnden. aou vnferen vntvgenden. do was daz ein groze 
miltekeit daz er vns ze vrivnde Avolte geAvinnen mit finis lieben 
fvnes tode § Div dritte lecze ilt. fin groze. A^nd fin vbir A'liezende 95 
irbermide. vnd merkent daz da bi. daz er fime viende der bi im 



67 -Wille vnd miuue 7.5 vollecomenc 77 fvs 78 guten ^9 Rom. 5, 10. 
83 var 86 Ev. Joli. 3, 16. 89 fo fehlt. 93 de was de 

AJld. Predigleu. 9 



130 LV 

han^^ete von fcliulden. vnd der iln hatte f^efpottit. vnd in hatte ge- 
Icholtcn do der felbe an in genade gerto do er horte er in zchant 
vnd gab im nie genade denne er (95 a) gerte. Er fprach. Memento 
100 mei domine. Herre gedenke min. fo dv komelt in din rielie. Do er 
hört er in zehant vnd i'prach. Werlich dv folt mit mir hivte fin in 
dem vronen paradile. Do gab er im zehant nie genadcn. denne er 
in bette. A\an er in bat in niht Man daz er fin gedehte fo er in 
fin riche kerne, do gab er im verliehe daz ewige paradis ze be- 
105 fchowene. er in gedaht fin niht alleine, er gab im felben zefcho\\ enne 
daz lebinde paradis. Diz paradif daz \\ as div gotliche an gefiht vnd 
daz fvnt ir Avizzen. daz er in dehein andir paradis vuor. wan hin 
zvo der helle, da alle heiligen feien A\'aren. die finir zvo künfte 
bittin. vnd ze allen ftvnden gerten ir fchcphirs daz er fl lofte zvo 
110 den vuor oveh er. vnd an der felben ftvnde. do vnfir herre an dem 
crivce vir fchiet. do vuor lin heilige feie vnd fin gotheit in die 
helle, vnd lofte alle die. die finis vattir Milien heten getan, vnd an 
der felben ftvnde ftarb ovch der fchacher vnd vuor o\ ch dar. vnd 
fach da got an finer gotheit. da von fprichit man er fuor in daz 
115 paradis. Wan (95b) fin gotlich angefiht ift ein paradyfe aller wolluft. 
vnd daz ift ein vrkünde finer vbir vliezenden crbermede. daz er fo 
groze irbermede gab finen vienden. da bi mvgent ir merken daz er 
finen vriünden vil grozor irbermede git. Ilie bi fvn wir abir lernen, 
daz Avir niht alleine irbermide fvn han. vbir vnfir vrivnt. Mir fvn 
120 vns ovch irbarmen vbir vnfir viegende § Div vierde lercc die m ir 
an dem crivce fvn lernen, daz ift andehtige gehorfami. daz merkent 
da bi. daz er fine feie liez fcheiden von fime libe mit geneigetem 
hovbete. dar an mcrkint zwei ding, andaht vnd gehorfami. daz er 
abir fin hovbit neigete. vnd daz er fin feie liez von im fcheiden. 
125 daz Avas ein zeichen ganzir gehorfami. daz er abir fin houbit nei- 
gete. daz was ein zeichen grozer andaht. div in fime reinen hercen 
was. Wan er neigit fin houbit vnd fprach. Pater In manvs tuas 
Herre vattir ich bevilhe dir minnen geilt. Rehte alfe er fpreche. 
Herre vattir min. ich bin dir gehorfam gewefen vnze an den tot. 
130 vnd habe (95c) allen dinen Milien vollebraht. nv inphach minen 
geift. Confumatum eft. Icli habe ez allis volendit. Do neigit er iln 
houbit vnd virfchiet. Hie an mügen Mir moI lernen andehtige ge- 
horfami. Wirn fvn niht alleine gehorfam fin. Avir fvn andehtik fin 

99 er (95a) er gerle. 102 lue fehlt. HO A'üor H5 ift in dem paradyfe 

116 vbir -vliezendc 118 grozc 130 dinon] den 133 andehtik fmt 



LV 181 

mit der gehorfami alfe vnfir herre was. Svvas man den guoten men- 
fchen heizit. das fol er inphalien mit geneigetem hovbete. daz man 135 
da bi merke daz er mit andehti gehorfam 11. vnd daz fin herce 
fenfte iit mit der geliorfami. Wan andalit div machet allewege linde 
vnd fenfte gemvete. Nv merke wie din andaht fol lin gegen gehor- 
fami. Dv folt gedenken dvrch m en dv gehorfam bift. vnd dvrch wen 
dv dich lieft begeben libis vnd guotis vnd dinis eigenen willen, daz 140 
heftu getan durch gottis liebi. fwas man dich denne heize, fo foltv 
gedenken, herre vatter min fcheppher min ir loifer. vnd min behaltir 
vnd min Ion. dis tvon ich dvrch dich, nv inphach minen willen vnd 
mine gehorfami ze eime (95 d) opphir. vnd din gebot foltv orden- 
liche voUebringen vnd andehticliche vnze an den tot. Wan vnfir herre 145 
wart dvrch dich gehorfam vnze an den tot. alfo fprichit Sante Pau- 
lus. Xpriftus factus eft ob. vnfir herre wart willecliche gehorfam 
vnze an den tot des crivcis. Nv fprichit Sant Bernhart. Gedenkent 
lieben brvodir vnd fweftere. vnd prelaten. daz gottis fvn fine feie 
von im liez fcheiden dvrch gehorfami. vnd fehent fprichit er, daz ir 150 
der gehorfami iemir virgeffent. S^Aenne ir dar au gedenkent. fo fvnt 
ir gereizit werden, daz ir gehorfami vollebringent vnze an den tot. 
Wan fwer in vngehorfami wirt fvnden fprichit er. der in fol niemir 
teilhaft werden finer gehorfami § Div fünfte lecze ift ein lecze gvotir 
zvht. daz merkent da bi daz fin liebe mvotir bi ime ftvnt vnder 155 
dem crvce Nv merkent wie groze zvht er ir bot in allen finen an- 
giften in wolte er niht lazen er in meinde fi daz fi wol wifte daz 
er ir niht virgezzen hatte, fwie groz fin not vnd fin bitterkeit (96 a) 
was. nit vil in mehte er mit ir gereden. alfe groz was fin martyr 
vnd fin angift. Doch gab er ir mit kvrzen worten zemerkene manic- 160 
valtigen fin. der grozen liebi vnd zuht die er ir bot. Er fprach 
fvezecliche zvo ir. alfe er do befte mehte. wan fin kraft was gar 
befwichen. er was vilbi allir tot. do er zühtecliche fprach. Sich liebe 
mvotir min wa din einigis kint ftat. Rehte alfe er fpreche. Ach min 
fveze mvotir wie tvot dir min fer fo Ave. daz dv mich din einigis 165 
vnd din fvezis kint vor dinen ovgen fiheft hangen, mit blvote gar 
bervnnen. vnd in allir finer angift mehte er niht virlazen. er in be- 
velhe fi fime lieben ivngeren. Sante Johannes Hie bi fin wir abir 
gelerit daz wir vnferen vattir vnd vnfir mvotir eren fvn. vnd nit 
alleine vnfern vleifchlichen vattir. vnd mvotir. Wir fvn ovch vnfirn 170 

147 Philipp. 2, 8. 163 bcfwigen 164. wa] -nan 170 vnfern lieben 

valtir. Yüde vufern vleifchlichen vallir. vn vud 

9 * 



132 LV 

geiftlichen vattir vnd vnferc ^eiftlichc mvotir eren. der vnfir vattir 
ift an gottis ftete. Man lilit in tobia. daz er llnen fvn Icrlo. daz er 
vatter vnd nivoter erte fo vol^ete im i,'eliicke. allb (ofib) IVn ^\ir 
ere vnd zvht bieten vnleren geiltlichen vederen. vnde mveteren an 

l'5gottis ftette. fo volgit vnl" gelückc § Div feilte ierzc ilt dvniehtige 
gedvltfami. das nierkent da bi. daz er genegilt wart an das crivce. 
Rehte alfe er fprcclie nv tvont mir fwas ir A\ellent. daz wil ich 
allis gedvltecliche liden. fwic er wol A\iftc daz er in allem fime 
lebennc nie inhein dink getet. dar vmbe er wirdik were den tot ze- 

iSOlidenne. do Avas er doch alfe gedvltik daz er nie dehein vngedvl- 
ticlicli Avort gefprach. vnde infiner grozen bittirkeit fprach er. Herre 
vattir ver gib inen die mir dife martyir an tvont. A\an 11 enA\izzen 
niht was fi tvont. Ilie bi fvn ovch wir lernen vnfchvide gcd\ltec- 
liche liden. Der menfchc fol gedenken an dile Icczen. a\ ie gedvltec- 

185 liehe lieh vnfir herre liez nagelen an daz crivce. vnd fol ovch der 
nienfche lieh twingen daz er gedvltecliche lide bei fchulde vnd 
vnfcliAlde. vnde allis daz in ane gat § Div fibende lecze ift ende- 
liafte ftetikeit daz merkent da bi. daz er dvrch fine heilige voeze 
genagilt Avart (96c) Rehte alfe er fpreche. Ich aaII ftete fin an 

190niiner gehorfami And Avil nieniir Aon dem crivce koniin. e. daz 
ich dar an irfterbc. Da mit leret er vns ftetikeit gA^otis lebennis. 
daz der menfche daz criAce finer bvozze fteteclicho trage A'nze 
an fin ende. And fol relite an das crivce geiftlirhis lebennis 
genagelt fin mit henden vnd mit vuözen. alfe vnfir herre an fin 

195 cruce genagelt Avas daz er niemir geAvenke. aa an daz er rehte mit 
ftetikeit geheftit fi A'nd genagilt mit guoteni a\ illen Anze an den tot. 
AVan A\irt der menfche an dem tode Aunden in gvotem lebenne fo 
virgit im Aiifir herre dvrch daz gvotc leben, da er denne inne ift. 
fwas er ie Abilf getet. AVer ovch der menfche hAndert aide tvfent 

200 iar ein gvoter menfche gewelen in gvotem lebenne. Ande kerit er 
einis tagis der von vor fime tode. fo in hilflt in nilit allis daz er 
ie getet zeguote. er in nivezzc iemir A'irlorn fin. a\ irt er alfo vundin. 
da von ift Ans not daz A\ir mit endehaftir ftetikeit genagilt fin an 
daz crivce. mit vnferre bvozze (9Cd) in geiftlichem lebenne. Avan 

205 fwie der menfche fvnden Avirt an fime ende, alfo wirt ime gelonit 
§ Div ahtode lecze ift. lanc gebet, daz merkent da bi. daz er in 
allir finer not an dem crivce bette. Da von fcribit Santa leronimus. 



172 loh. 4, 3. 194 vuozcn oder vuozcn 197 A>unden 202 \\-undin 



LV ^ 133 

daz er an dem crivce bette fiünfzik vnd hvndert verfe rehte alfe 
manik fame an dem faltir ftat. alfe menigen verf las er an fime tode. 
Das fprichlt er. daz er an vie an deme falmen. Deus deus mens. 210 
refpice. vnd las für ficli die falmen alle vnze an den vers. In ma- 
nus. Vnd do er den gelaz do verfehlet er. Er vie fin gebet an Deus 
deus mens, daz fprichit Herre herre got. vatter min heftv mich ver- 
lazen. Swer daz wort rehte merkit. der mak wol ir fchrecken. vnde 
vorhte han ze fime ende. Sit gotis fvn der nie fünde getet. fo grozen 215 
angift hatte, vnd er finen vatter fo innecliche an rvofte. daz er fin 
niht lieze. Owe Avas mvozen wir armen fünder denne fprechen. Dis 
fol vns ein lere vnd ein reizvnge fin. daz ovch wir gerne vnd vliz- 
zecliche (97 a) fvn betten, an dem tode. alfe vnfir herre der bette, 
alfe emizege. vnd alfe innecliche in allen finen angiften an dem 220 
crivce. alfe er alle fine tage ein lünder Avere geAvefen. OAve wir 
armen menfchen. Ail armir fünder AAas mahtv denne fprechen. Vns 
ift not daz Avir Aiizzecliche vnd emizzige got an rvefen an dem 
tode dvrch etAvie menige fache abir fünderliche dArch z\so fache. 
Ein fache ift daz der menfche fin feie a nd fin gemvete rihte in 225 
gegen himelriche mit deme gebette. daz er mit rehter zvoverfiht 
fin herze bereite. And gote gar dvrnehtecliche getriv^Ae. daz er fin 
niht laze. Div ander fache ift daz er mit dem gebette die bofen geifte 
vertribe. die den menfchen in menige Avis denne virfuochent. daz fi 
in virleiten. da von bedarf der menfche avoI daz er vlizecliche 230 
bette, fwie gAot ioch der menfche ift. fo mvegent in doch die vil 
bofen geifte. an fime ende. AVan vnfir herre ihefus chriftus der got 
vnd menfche (97b) AAas. den in liezen fi niht lidik. ir inAvere ze 
fime ende, vnd faz ein Af dem crivce bime. fw ie er im niht gefclia- 
den molite. Oa\ e wes niAgen a\ ir armen fünder denne geAvis fin. da 235 
von ift vns not geA\ erliche daz wir gar innecliche betten, dar vmbe 
daz Avir A-nfir gemActe rihten in gegen dem himelriche. Vnd daz Avir 
ovch die boefen geifte von Anf Airtriben. die Ans gerne aa ölten Air- 
leiten. 



210 Ps. 21, 1. 211 Ps. 30, 6. 227 be bereite getrvweu 231 mv- 

geut 233 ir] ern 234 faz ein] fazen 235 fvnder 



134 LM 

Ton dem balnic bovine wie mengen aft der habe vnd be- 
zclchent einen iescUclien siioten menfchcn 



D. 



'Er balm bovm liet fiben efte. vnd iegelich aft het einen blvomon. 
vnd ein vögilli. vnd Ilngit iegelich vögilli einen fünderlichcn lank. 
vnd iegelich blvome hct finen fünderlichen fniak vnd fine varwe 
vnd fin fchonhcit. Dife balm bovm daz ift ein iegelich feilik menfche. 

5 der vnfirs herren balm bom ift. vnd im fvezen fank llngit. vnd 
fchcene blvomcn bringit. a\ an fwer ime mit fteten tvgenden dife be- 
fchowedo vnde dife bezeichinvnge bringit an llnen Averken. vnd an 
fime lebenne. Der mak wol fprechen. Dixi afcendam inpalmam. Ich 
bin geftigen vf den balm bovm. da ^vil ich rvowen. \\an fwenne er 

10 den fibenden aft vbir ftigit fo gat ez an die fvezen rvoN\ e. daz div 
feie bi gotte rvo\\ en fol in vbir vliezzender fvezikeit. vnd nach der 
rvowc kvmit vil ( i o 1 c ) fehlere div ewige rvowe. von der da gc- 
fprochen ift. Ilec requies mea. Dis ift min rvowe. dis ift min erbe. 
Hie fol ich ewecliche rvowen mit dem lebenden gotte § Div \\ ürze 

15 von der dirre bom Avahfet daz ift rehte vnd vefte globe, wan von 
der würze wahfit vorhtc der helle, vnd zvo verfiht der ewigen 
vrovde. vnd der ewigen felikeit vnd frvlit allir giiotir werke, daz 
kvmit allis da von daz der menfche gelobit daz im gelonit werde 
nach llnen werken, beidiv vbiler vnd guoür. da von niidit der 

20 menfche die fünde. vnd tvot guotv weik. wände er den geloben het. 
daz er mit gotte ewige vroide fol enphan vnd er ein kvnftige weit 
gelobit nach dirre weite. Sante Auguftinvs fprichit. Dis ift ein lob 
des geloben, daz wir daz geloben daz wir niht gefehen mügen. daz 
der menfche des gelovbit daz er fiht daz in ift niht vil lobelich 

25 daz abir der menfche des geloubit das man im von gotte feit, daz 
er nie gefach. daz ift gar l()l)elirh. wan daz ift cinis iegelichen 
criftenen men ( 1ü( d) icben reht. daz ieniir behalten fol werden, daz 
mvoz rehte vefteclicbe geloben an elliv criftenne dink. vnd daz allis 
daz man ime von gottis gewalte vnd von finer wiiheit von finer 

30 guete. vnd von finer ewikeit vnd von finer rehtikeit feit, daz l'ol 
der menfche gelovben. alfo vefteclicbe innie hercen. daz er ez zeige 
an finen werken. Wan fwer hovbit fünde tvot. vnd vnrehte lebit 



LVI. Z 26. A 59 Von des IJalinboracs bczaichiuing. Marburger Bruchslück 

V 

in Haupts Zeitschrift 2, 227—231 und B. 8 Cant. 7, 8. 9 rowcn 13 Ps. 
131, 14. 19Tbil 2Zn\h\ fehlt. 



LVI 135 

wider gottis gebotte. vnd wider firae rate, der in het niht rehte 
gelobe, l'wer denne rehte gelobe het. der het ovch guot leben, wan 
div würze allir guotir werke, div het rehte gewurzet vnd het ein 35 
grvnt vel'te in dem hercen gefezzit. vnd von der edelen würze wahflt 
denne der bahn bovn vil adelli':h. § Des bovmis ftam daz ift wil- 
lecliche armvot daz der nienlche nihtis gert wan finer notdvrfte. 
hab er loch der etwenne breiten den fol er gerne han dvrch got. 
der ovch dvrch vnfirn willen alfe arn was. daz er niht hatte, daz 4o 
in fin reine mvoter bewunde do er geborn wart (102 a) fin hei- 
nivete daz was ein gemeine l'traze. da wart er geborn fin bettelin 
daz was ein krippe. Ach liebir menfche gedenke wie gar arn din 
l'che])pher din herre vnd din behalter was. dvrch dinen willen, vnd 
hab ovch dv gerne breften vnd armvot dvrch in. Wan er fprichit. 45 
allo. do ich erft geboren wart do viel ich in armvot vnd in der 
armvot Mas ich vnze an minen tot. vnd fprichit er da von fo dicke, 
felik fint die armen ich wil fi felbe troften fvezeclich. der balm bon 
het alle fine fchonheit. vf in gegen himele bekerii. Ze glicher wis 
fol der feilige menfche allen finen rieht vom. den ez vf dirre zer 50 
ganclichen weite mehte han. den fol ez willecliche lazen dvrch den 
CM igen richtvom in himelriche. vnd fol ez gerne arn fin. Der balm 
bom der ift ovch vndenan vil kleine, alfo folt ovch dv gerne kleine 
fin vf ertriche. fo wirft dv in dem himilriche ir hcehit. alfo fprichit 
vnfer herre. Scilik fint die armen himelriche ift ir § Der erfte (i02 b) 55 
alt. daz ift daz fich der menfche erkennen fol. wannan er komen 
ift. vnd war zvo er werden fol vil fehlere, ez in lebit nv nieman 
lange tage, alfe vns der priefter manit. fo er vnf die eichen vf daz 
houbit git fo fprichit er. Meniento homo quod cinis es et in cinerem 
reuerteris. Menfche gedenke daz dv efche bift. vnd daz dv wider 60 
ze efchen werden folt. Swenne fich der menfche erkennit daz fin 
nature fo rehte cranc ift. fo nivoz er fich virftan daz er alle die 
tvgende die an im fint. vnd f\\ as rehtir gvete an ime ift. daz er daz 
allis von gotte het. alfe der wifiage fprichit. allis vnfir heil vnd 
vnilr tugende. vnd fvvas gvotis an vnf ift. daz ift allis von gottis 65 
genaden. vnd ift in fime gewalte beflozzen § Der vogil der vf dem 
alte fizzit. daz ift ein phawe. der het die nature. fo er ze mittir 
naht alre vafteft flafit. fo fcriet er vil eigeliche vnd weckit fich fel- 



36 edele 47 tvt Ev. Matth. 5, 3. 11, 28. Luc. 6, 21. 52 richtvm 

60 efchej erde 64. Ps. 36, 39. 68 vafte eigenliche 



136 LVI 

ben vndo befchowit fich dcnne ol) er den f])iegil vf dorne houbit 

70 liabe. vnd vindct er in donno ((02 c) fo Ilafit er ane forgc. Hie bi 
ift bezeichcnt der feilige nienfchc. der fol des pbawen naturo ba- 
ben. So dv feligcr menfche ze mittir nabt allir befte llafilt. fo dv 
denne ir wacheft fo foltu dine tvgende befchowen ob din girde vnd 
dinc tagende in brennen gegen gotte. aide ob dv irkaldet fift an 

"5 der brennenden minne gottis. aide ob dv gar ir lofcben fioft vnd 
vindeftu abir den fchonen fpiegil vf der feie houbit Intru^^en fo 
mahtv Mol fenftecliche flafen ingotte ane forge. den fpiegil den dv 
vinden folt. vf der kvniginne boubete diner feie, daz ift din brin- 
nende girde. dv fol fin in ganzer tugende ze gotte. fvezir menfche. 

80 fwenne dv den fchonen fpiegil vindeft in diner gehiigede. vf diner 
feie houbit. fo niachtu wol fvezecliche flafen mit gotte. alfo fprichit 
ein heilig man. Ilerre 11 ioeh daz ich flafe. fo gip mir die genado 
daz min feie a\ ache mit dir. daz ich \vol fi behvot an tvgenden. 
Der menfche mvoz zallen ziten (i02(l) finer tugende hveten tagis 

85 vnd nabtis \\ an ze gelichir wif alle man des pha^ven ze allen ziten 
varet vmbe fin fchcene gevidere. alfo varet der tievil ze allen ziten 
des feiigen menfchen feie, wie er ir. ir tugende beneme. vnd dar 
vmbe mvoz fich der menfche vlizccliche hveten. vnd alfo dicke fo 
er irwachit. fo fol er befehen ob fin girde brenne in gegen gotte. 

90 alfo fprichit. Santa Auguftinvs. Alfo fehlere fo der flaf von minen 
ovgen kvmit. fo fol min herce vnd min fin Avachen ingegen gotte. 
vnd fol befchowen ^ie min tugende brenne in ftetikeit § Der bivome 
der vf dem afte biveiet daz ift ein viol. der ift kleine vnd ift himel 
var. Hie bi ift bezeichent des feiigen menfchen diemvetikeit. bi des 

95 bivomen varwe ift bezeichent div girde die der menfche ze allen 
ziten fol han vf in gegen himelrich hin ze gotte. vnd fol elliv fine 
■werk keren in des namen vnd in des ere mit dem wir gert vnd 
gevorit fvn Averden in himelriche (l03a). daz ift vnfir herre ihefus 
chriftus. der feiligen feie brivtegome. Bi des bivomen kleine ift 

100 bezeichent des feiigen menfchen diemvetikeit Wan des diemvetigen 
menfchen reht ift. daz ez fich allewege verwerfe, vnd fich vnmazen 
kleine mache, vor allen den livlen fo ift ez groz vor gölte, alfo 
lifit man in der kvnige bvoche. aou eime kvnige ze dem fprach 
vnfir herre. Wan dv kleine Avero vor dinen ovgen darvinbe A\il ich 

105 dich ze eime künige fczzen vbir allis ifrahcliiche volk, Alfo fprichit 



SOfiuc 103 i?e(/. 1, 15, 17. 



LVl 137 

der wiffage Dauid. Diemvetikeit dv Lricliit dvrch den himel vnd 
hohit den menfchen zem himelriche § Daz andir ift. daz dv irber- 
mede lolt han vbir einen ie^elichen menfchen. fvvaz ime Avirrit. an 
libc aide an der feie daz foltv mit ime tragen, vnd in mahtv ime 
niht anders getvon. noch gegeben, fo foltv ime dinen gvoten willen HO 
tragen, vnd folt dich vbir in erbarmen, vnd in mahtv fin niht ge- 
trolten mit muten werten fo foltu doch daz inewendige werk veben. 
der erbermide (i03b) mit dime guoten willen. Vnd tvot loch ein 
menfche ettifwas daz vbil ift. aide daz Avidir got ift. daz in foltu 
ime doch nicht ze vil verkeren. vnd in folt niht ze hant din herce 115 
vf den rehteftvol fezzin vbir des menfchen vnreht. dv folt gedenken 
e. was dir liej) were daz man dir tete ob dv in der felben fchvlde 
werift. vnd daz felbe tvo ovch dv eime iegelichen menfchen. vnd 
folt ovch got für in bitten, daz er fich vbir in erbarme. Der abir 
meiftirfchaft vnd gewalt het. daz er daz vnreht richten fol. der fol 120 
Avol herteclichen bereffen fwaz zebereffene ift. vnd doch fol er alle- 
Avege erbermede derbi halten, alfo daz erz tvege mit lenftem her- 
zen vnd mit milten Avorten. vnd fi loch daz vnreht alfe groz daz er 
da rihten fol. daz er ez fti^ankliche vnd hertecliche mAOz bereffen. 
fo fol er doch danach gvetlich vnd milteclich gebaren, daz der 125 
menfche avoI merke daz erz von rehte tet daz ern hertecliche be- 
raffte vmbe fin Anreht. vnd niht (lon c) von iibele. vnd fezze daz 
allewege indin herce. ob des dehein rat fi dv in mvezift vmbe 
eintwedirz gCAvizzenot Averden vmbe hertikeit aide vmbe miltikeit. 
daz dv vmbe ze vil lindi. aide vmbe ze aII gveti. gewizzenot Aver- 130 
deft denne vmbe ze vil ftrengi vnd hertikeit. Avan dv folt daz Aviz- 
zen daz die A\ize fenftir fint denne vmbe ze vil hertikeit. Vnfir 
herre fprichit doch felbe Sehent an mich vnd lernent fenftikeit v)%d 
miltikeit bi mir § Daz vögeli daz vf dem afte fingit daz ift ein 
Avithophe der het die nature daz er A^bir dA' grebir vliiigit vnd die 1^5 
toten clagit. alfo fol der menfche tvon dv folt klagen den iemer- 
lichen tot den div edele feie enphie von den houbit fünden. A'nd 
lolt A'bir die toten vliegen. daz lint die menig valtige hovbit fünde 
die dine feie hant irflagen. vnd folt gedenken daz dv mit einir iege- 
lichir houbit fünde bift gefcheiden von gotte vnd von allen himmel- 140 
fchen genaden vnd dv mit einer iegelicher houbit fünde nach rehte 



107Der 116 rehlen ftvl 122 dir behalten 126. 127 beraffile 128obdc 
129 aide vmbe nillllkclt fehlt. 133 Ev. Matth. 11, 29. 



138 LVI 

virfchvldit heft. daz dv (l03 d) iomir ewige not in der helle foltift 
han. vnde in hetti dir got mit fincr genade vnd mit ilner irbermede 
niht wider geholfen, vnd Iblt denne gedenken daz dv' den A\erden 

145 got den gvoten got interit heCt mit den landen, vnd folt daz von 
innenclichem hercen klagen vnd lolt den milten got bitten daz er 
den toten irkicke mit rehter riv\\e vnd in denne gener mit fmer 
gotliclien arzenie von allim dem fiechtagen der lünden. daz 11 niemir 
nie mit willen noch mit werken, noch mit in heiner flahte bofir 

150 gewonheit. gehorfan ^\ erde niemir deheiner IVnde § Daz blvemeli 
des aftis. daz il't ein AvalTir hlvome. der ill vil Ichone vnd ervalwet 
zehant da bi ift bezeichent dv vnftetikeit dirre weite, ir vroide vnd 
ir gezierde ift harte fchone. vnd zergat gar fehlere Des foltu feiiger 
menfclie gedenken, daz allis daz zerganclich ift daz vf ertriche ift 

155 vnd nimit iemerlichis ende, der liivte lebit der ift morne tot Der 
liivte gefvnt ift. der ift morne (io4a) fiech. der hivte riche ift der 
ift morne arn. Der hivte mit vroiden lebit. der ift morne allis leidis 
vol. vnd alfo zergat ez alliz mit leide, vnd der alre meift vroide 
vnd \\ unne het vnd richtvomis in dirre a\ elte. der het alre grozfte 

160 not in der helle, vnd da von fprichit. Sant Bernhart, alle dine fiinde 
A\ erdent ze wurmen in der helle, vnd grabint allezit dvrch daz herce. 
vnd A\irt doch niemir verfueinit. vnd dar vf fprichit vnfer herre. 
We we den riehen livten die fülen niemer von gotte troft inphan. 
fiv hein me geminnit gvot vnd ere. vnd zer gancliche vroude denne 

105 mich, darvmbe fvlen fi iemir ewige trvrekeit han. Dis foltv leliger 
menfche irkennen daz div Avclt zerganclich ift vnd folt din herce 
vnd alle dine girde in gegen deme keren der vnzerganklich ift. daz 
ift got § Der dritte aft ift. des libis keftigvnge. der feiige menfche 
lül finen lip keftigen mit allen den arbeiten fo im fin ordin vnd Im 

170 regele gebivtit. vnd fezzit. vnd fol doch ime felben die notdvrfte 
geben, vnd fol fich allezit (io4b) vlizen. daz es alle fin arbeit vnd 
iine A\ erk mit bcfcheidenbeit tve. weder ze vil noch ze lüzil vnd 
folt dinen lij) in der tempei vnge. allewege hallen daz dv ime niemir 
lo vil fines a\ illcn verlazcft. daz er gote vngehorfam A\erde § Der 

175 vogil der vf dem afte fizzct daz ift ein elbiz de a\ eiz von naturo 
finen tot vor. vnd fo er morne fterben fol. fo ilngit er hinte einen 
vrolichen fank. Di dem vogil ift bezeichent der feiige menfche. der 
fol gedenken daz es fime tode allir tegelichis nahet, vnd daz ez 



161 wurmen 163 Ev. Lucas 6, 24. 172 tv 173 ime] iemcr 



LVI 139 

tegelich ein tageweide ze dem todc gat. vnd fwenne er des gedenkit. 
fo fol er got ie vroliclier dienen mit fingenne vnd mit lefenne vnd 180 
fol gotte alle girliche vnd alfe vrceliclie dienen, daz man wol an 
ime merken mak, daz er gerne bi gotte vnferme lierren were § Der 
bivome vf dem afte daz ift ein 1} lie der Avahfit allewege vf gegen 
dem liimelriche. vnd ift alle zit grvene. vnd alfe der lylie vf wachfit 
in gegen dem liimelriche. alfo fol din herce vnd (io4c) din girde 185 
allewege fin vf gerihtet in gegen gotte. Bi dem lylien ift bezeichent 
div ftcte kivfchikeit die dv han folt. an willen und an wercken. vnd 
alfe der lylie allezit grvene ift an linie ftamme vnd an finen blet- 
tern. alfo foltv feiiger menfche grvonen an dime gelouben vnd an 
allen tvgenden. vnd folt allir tegelich vürnemin an guotim lebenne 190 
rehte alfe der bivome alre tegelich vachfit. vnze er voUekomen 
wirt. alfe foltv alre tegelich Avahfen vnd für nemen vnze dv rehte 
vollecomen wirft an tvgenden. So vnfir herre denne fihit daz dv 
feligir menfche zitig bift fo brichit er dich abe vnd gehaltit dich in 
der himelfchen bvrk iemir ewecliche mit vroiden vnd mit wunnen 195 
§ Der vierde aft daz ift fveze andaht. fo der menfche fvezecliche 
weinit nah vnferme herren, alfo daz er vnfirs herren martyr von 
hercen clagit. aide daz der menfche irkennit. daz ime got fo groze 
genade het getan vnd er in des mit fvezen trehennen lobit. daz ift 
ein vil fveze andaht. daz lop vnd div andaht ()04d) merent allis 200 
an des menfchen tvgende. vnd twingit got daz er allezit fine genade 
in die feie giuzit vnd giezen mvoz § Der vogil der vf dem afte fitzit 
daz ift der vogil. mit des menfchen antlüte der het die nature fo 
er zem erft vzzir fime nefte vliiigit. der erfte menfche der im denne 
bekvmit den totit er. vnd vlivgit denne vber ein wazzer. vnd ir 205 
fpvolit denne fin antlüze drinne. vnd fo er denne gefihit daz er vnd 
daz menfche ein antlüze hant. vnd fi gelich ein ander fint. vnd er 
finen brvoder irtoetit het. fo in wirt er niemir vro vnze an finen 
tot Bi dem vogil ift bezeichent ein iegelich menfche. Wan wir han 
alle vnferen brodir irtotit ihefum chriltum. der von gotlichir nature 210 
vnd von menflichir natvre vnflr brodir ift wie der von dinen 
fünden tot ift an dem crivce. daz er weder hende noch fivezze noch 
in heinis llnes lides gewaltik was. vnd fwenne dv daz für dine 
ovgen fezzift fon in foltv dich niemir me gevrowen in heinis dingis 
daz ^^)pig ift (l05a) vnd in folt mit der weite noch mit deheime 215 



183 afte ift. de ift 186 Ijlie 190 wrnemin 196 aft ift. daz ift 



140 LVI 

dinge daz ze der ^velle triffet niemir deheine vroide me gewinnen 
§ Der blvome der vf dem afte hlvegit. daz ift der rofe. der ift 
fchopne vnd niiniieclicli anzefchenne Da l)i ilt bezcichent. div brin- 
nende miniic die der lelii^c nieiirche ze gotte iol Jian. Dv folt ge- 

220 denken an die grozen niinno die er ze vnf hette. do er den ienier- 
lichen tot dvrch vns leit. gedenke rehte in ^\ie reiner niinne er 
den tot dvrch vnl" leit. vnd von der reinen minne fol din herce in- 
zvndet werden, vnd din feie, daz dv got alfo kreftecliche vnd alfe 
fere minneft daz dv dich e ^^olti^t lazen toden. e. dv in ie mir 

225 wizzentlich woltiit ir zvrnen. mit deheiner hoiibit fünde § Der fünfte 
alt ift div begervnge. daz der menfche vnfirs herren gert mit allen 
finen finnen. von allem fime hercen. alfo kreftecliche daz er alle 
fine girde gcdonit het. andcn girlichen got Div feie mak wol fprechen. 
alfe div feie in der minne bvoche (loäb). filie ierufalem. Ir tohteren 

230 von ierufalem kündent mime liebe, daz ich fiech von minnen bin. 
Der vogil der vf dem afte fizzet daz ift ein nahtegal, div llngit 
allewege gerne, vnde fo fi gewar wirt daz fleh dv naht verwan- 
delen A\il ze dem tage, fo hohirt fi ir gefank Hie bi ift bezeichent 
der feiige menfche. Do dv naht der fünden. vnd dv naht des vppi- 

235 gen lebenis. an ime \ er^ andelct wirt in hohe tvgende vnd ez fich 
begiiinit bezzeren an fime lebenne. vnd ez got an allen dingen 
irkennit denne fol ez Iinen fank höheren fo ift div naht virwandelet 
ze dem tage, fo foltu got mit allen arbeiten vroliche loben, vnd folt 
im denne defte gerner vnd defle A\illecl icher dienen, vnd folt dich 

240 vrowen vf daz himelfche erbe, daz dir vnfir herre got Avil geben 
nach difem kvrzen zite ie mir ewecliche, vnd dar zvo folt dv din 
herce vnd dine feie ze allen ziten bereiten, daz dv mit eren dar 
komeft. Vnfer herre fprichit in dem cwangelio. Sehent daz ir bereit 
fint ze allen ziten (i05c) Wan ir in wiffent wenne ich kvme § Der 

245 blvome der vf dem afte blveiet. daz ift der fide blvome der inhet 
niht voUedicher vroide noch varwe vnd bezeichent den reinen 
raenfchen. daz fich der fo fere nach gotte veriamcrt het daz er 
bleich Avirt. vnd fin fchoMic varwe verliurit. vnd allen finen vliz vnd 
fine finne het ez inA\en(lik bekert. daz fin feie vor gotte fchone fi 



22.5 mit deheiripihoubit fviule. iiiil (k-liciner liouliil fviidc 2"29 Cant. 5, 8. 

232 gne vnde. vn 237 dciiiic c fol 243 /vü.i»/a«/i. 24,44. 248 finen 

fin A'liz 



LVI 141 

vnd fin herce Ivter vnd reine, daz got gerne dar inne wone. an die 250 
inren fchone hat fi fo gar ir vliz bekert. daz fi die vzwendigen gar 
vcrfmahet liet. Der menfche mak wol fprechen. Nigra IVm. daz ich 
vzwendik bleich bin des in A\underent ivch niht. div menlcheit vnd 
div hiraelfche genade het niicli verfelwit. vnd fw ie bleich ich vzwen- 
dik bin. fo bin ich doch in wendik harte Ichone. ich gevalle gotte 255 
Avol an mime antlüze § Der fehte alt ift div ladvnge. daz dv feie 
mit rehtir girde got zvir ladet fvezir gemahele. nv kvm her dv 
vzzifAvelter herrc fvezir. dv bift ihefus der liebe gemahele (i05d) 
min. So dv feie in denne alfe gvethliche ladit mit allir ir girde fo 
kvmit er denne vnd berihtit allis daz im in der feie miffevallit vnd 260 
fchephit den menfchen an allen dingen nach finem willen, alfe er 
im wol gevallit § Das vögilli daz vf dem fvezen afte fizzct. daz ift 
ein fwalwe div nimit in heine fpife wan in dem vluge Ze gelicher 
wis tvot der feiige menfche. daz in nimit Ilner feie in heine fpife. 
wan in dem vlnge. der vluk daz ift der gedank mit deme dv feie 265 
vliugit in daz himelfclie lant. in dem vluge wirt div guote feie vnd 
div feiige feie gefpifit. div fpife daz ift das fi an deheinie dinge vf 
ertrich inheinen troft noch inheine vroide het. niht wan an himel- 
fchen dingen, daran fvochit fi troft. vnd wirt ovcli da von gefpifit 
vnd gevuoret. alfo fprichit. Sante Auguftinvs Ir fvnt allen zerganc- 270 
liehen troft verfraahen. vnd fvnt ivwer herce vf rihten in den 
himelfchen troft § Der blvonie der \f dem afte blveiet daz ift ein 
wege blvome der het die nature daz er fich alle wege nah der 
fvnnen kerit. Ze gelicher wis tvot der feiige men( i06 a)fche der 
kert fin herce vnd fine finne. vnd alle fine begervnge in gegen dem 275 
lebenden vnd dem ewigen fvnnen. Der mit finer fchonheit himelrich 
vnd ertriche intliuhtit het. vnd der da ift ein vroide vnd ein lieht 
vnd ein wunnin fpil. der ewigen felikeit in gegen dem lebenden 
fvnnen kert der guote menfche fin herze vnd finen willen, alfo 
luterliche»" das allis daz fin Aville ift daz got tvot. vnd kert finen 280 
willen alfo genzliche in den fvnnin daz ez inhein dink betrvebit daz 
got tvot. daz ift im allis liep dem menfchen daz finen willen an 
allen dingen voegit ingottis willen § Der llbende alt daz ift genze 
fvezekeit. fo der menfche des bovmis efte alle über ftigit mit fteten 



251 geleit. vnd bekert. 252 CanM, 5. 6. 263 vlvcke 268 noch noch 

*^ s 

270 gewret Ir tvni fehlt. 274— 276 der kert— fvnnen kerit. D 281 dink] 

dia 284 fo der menfche zweimal. 



143 LVI 

285 Avillen vnd tvgendon. vnde ez an den obereften aft kvmit. fo givzit 
vnlir lierre alfo ^roze IVezekeit in die reinen feie, daz fi dem libo 
vnvcrtragenlich ift. vnd niak fi kvnie in im inOiaben. vnd ift fo groz 
daz im div kraft gebriftit vnd inniak die IVezekeit von lipliclier 
kraft niht enthaben (l06b). AVan daz der geift den lip denne mvoz 

290 tragen, alfo crank ift der lip m orden von der gotlichen fvezikeit. 
vnd ift abir der geift alfo ftark. daz er den lip treit rehte alfe ir 
febent daz der gefvnde menfche den fiecben treit. alfo treit der 
geift von gotlicher kraft, des libis irfcrekvnge § Vf dem afte fitzit 
ein vögelin daz heizit veni.x der wonit allezit vf dem berge. Mons 

295 olineti. vnd der l)erg ift alfc edele daz alle die edelen würzen drvlfe 
wabfent. vnd ift der vogil allezit eine vnd in >\irt fin nienier nibt 
Man eine, vnd fo er ficb ernivwen wil fo niniit er der edelften 
würzen vnd niacbit im felben ein bvs vnd vlivgit denne vi" die hoben 
bvebele. vnd in die hoben lüfte vnd vliugit der fvnnen alfo nahe. 

300 daz er rehte erhizzet vnd vliugit denne her nider in fin bvs. vnd 
fleht die vettechen alfo vafte ze famene daz er enbrennit vnd 
brinnint die wnrzen alle mit im vnd verbrennint in. vnd von dem 
puluere wirt denne ein nivwe venix vnd alfo ernivuit er ficb. Hie 
(l06c) bi iit bezeicbent der feiige menfche der allewege gerne 

305 wonit vf dem hoben berge daz ift geiftlicb leben, daz ift avoI dem 
hohen berge gelich. Wan alfe der berk erhob it vnd erhaben ift von 
dem tal alfo ift geiftlicb leben erhaben von der A\elte. vnd bi den 
edelen würzen die vf monte oliueti dem berge Mabfent. Da bi ift 
bezeicbent die edelen tvgcnde. die in geiftlichem lebenne A\ahfent. 

810 Wan der alle die aa elt dvrch fvere. vnd tvgende fvochte. der in 
vönde niene in aller der weite fo edele noch fo hohe tvgende. fo 
in geiftlichem lebenne. -wan geiftlicb leben ift rehte ein garte der 
Avolluft. vnd ein beik der tvgende da von ift geiftlicb leben wol 
gelich dem berge. Monte oliueti. da der vogil vf a\ onit. der da beizit 

315 venix. vnd fo er beginnit alten vnd fu eren fo erniv\\ it er lieh alfe 
ich da vor han gefeit. Zegelicher wis fol der feiige menfche. tvon 
fo cz beginnit ab nemen. vnd tregen an gottis dienefte, vnd fin 
mugende beginnint flevwen. an der vebunge tvgende. vnd aller guoter 
Averke. (l06d) Intrvwen fo foltv dich irniv\\en vnd lolt allvmbe 

320 gan in dem klofter zvo iegelicbem brvoder vnd folt ab iegelichem 
broder fünderliche tvgende lernen vnd folt merken Avic Aiizzeclicho 



292 alfo Ireit fehlt. 302 brinnit 318 mugende] lugende 



LVI 143 

fi ir tvgende vebent. mit gvoten werken, mit gehorfami mit diemve- 
tikeit mit miltekeit mit erbarmeherzikeit. mit mazikeit. mit allen 
guoten zühten vnd mit allen tvgenden. vebent fi ellv guote werk, 
daz fint die edelen Avürzen die dv ze famene folt tragen in dime 325 
hercen. vnd folt denne fehen wie dine mvgende fint irlofchen. vnd 
irflewet an vebvnge. vnd an der brinnenden girde. die dv ze gotte 
foltift han. vnd fo dv dinen breften irkennift fo foltv vf vliegen in 
den gütlichen fvnnen vnd folt dine gedenke alfe creftekliche an den 
keren. daz dv relite von dem himelfchen gelanze irhizzeft. vnd folt 330 
im alfo nahe vliegen. daz din feie rehte ganeften iiiphahe von dem 
lebenden fvnnen. vnd mit der hitze foltv her nider vliegen in din 
hvs. daz ift din herce vnd folt die vettechen ({07a) zefamene 
flahen. daz fiv rehte inbrennen. Bi den vettechen fint bezeichent 
der feie mvgende. die folt dv denne ze famene flahen mit vebvnge 335 
gvoter Averke. vnd folt die alfo vlizzeclichen vnd alfo girliche veben 
mit allen tvgenden. daz die würzen inbrennen. daz fint die tvgende 
die dv indem klofter zefamene haft gelefen ab iegelichem broder 
daz die alle an dir enbrennen alfo girliche foltv dine tvgende veben 
mit guoten werken vnd in der hizze wirftv irnivwit. vnd verbrennit 340 
an der tracheit. vnd an aller lafvertikeit. daz dv denne rehte wirft 
ein nivwer menfche. alfo fol der guote menfche fich erniuwen alfe 
venix § Der blvome der vf dem afte ftat daz ift ein velt blvome. 
bi dem ift bezeichent vnfer herre ihefus chriftus. der ift ein velt 
blvome. wan ze gelicher wis alfe der velt blvome gemeine ift armen 345 
vnd riehen, allen den die lln gereut, alfo ift vufir herre ihefus 
chriftus. der ift gemeine armen vnd riehen, allen den die fin gerent. 
der velt blvome ftat vf dem plane (l07b) da brichit in arme vnd 
riebe Ze gelicher wis ift vnfer herre ihefus chriftus ein milter velt 
blvome der fich niemanne verfagit. noch der fich vor niemanne verbirgit. 350 
er ftat offenbarliche vf dem plane, des heiligen vnde des fvezen crivcis. 
da wil er alle inphahin vnd trollten die alle die zvo im kvment 
vnde fin von inneclichem hercen gerent vnd mit diemvetigem hercen 
fvochint. Ach lieber menfche kere hin vf den plan zvo dime fchepphere. 
Ynd klage im mit diemvetigem hercen allen kvmber vnd dine betrve- 355 
bede er troftit dich mit finer miltekeit. Gedenke daz er felbe fprach 
Ich bin ein velt blvemelin an minen kleidirn. vnd an der gemeinde. 

326. 335 tvgende 340 in d* tvgende der hizze 355 diemvligem 357 Cant. 2, 1. 



velt blymelin 



144 LVI 

Ich bin bekleidit mit roten kleideren. daz ift min rofen varwis lilvot. 
da/ iili dvrch dich vz ^oz. Liebir menfche nv verzage niht. Idi bin 

3G0 der der dinin lip vnd dino lole gefcliaflTen het. Ich bin der der die 
edelkeit diner IVle vndo dincr natvre irkennit. da von erbarnicteitv 
fere mich vnde \üüv von hinielrich her nidcr vf (lOTc) ertriche. 
vzzer mines vatter fchoz darvmbe daz ich dich fvochte. Alfo fprichit 
Sante Auguftinvs. Er vuor von himelrichc vzzer fines vater bvofeme. 

365 vnd vuor her in ertriche in llner mvoter bvofin. dar vmbe daz er 
den menCchcn IVoclite vnd in wider l)re]ite ze l'iner edilkeit. ach 
IVezzer menfche Iprichit er. Icli bin din valtir da von miiine icli 
dich alfo lere, daz ich allis min blvot vz goz dvrdi dich daz ich 
dich A\ider fjewiinne Nv merke lieber menfche. m ie micl» din minne 

S"!"© bekleidit hat. da von bin ich a\ ol ^ekleidit gelicli dem velt blvomen. 
vnd bin im gel ich an minen cleideren. Ich bin ovch gemeine allen den die 
min gerent alder gervochent min tot ift gemeine, min genade ift gemeine, 
jnin erberraede ift gemeine, min troft ift gemeine, min hinielrich ift 
gemeine. Ich vnd min ^ atter vnd der heilige geift fin gemeine, allen den 

37o (]jp genade vnd troftis gerent von rehtem hercen. den a\ il ich mich 
felben geben mit vollem trofte. vnd nach difem eilende \\ il ich felbe ir 
Ion iin. vnd ir vroide fin. mir in ift nieman ( 107 d) ze arn noch ze 
fiindik. Ich bin ein ehirere. vnd allis daz dem tivvil iniphallit. daz 
lif ich vf vnd eheroiif. Nv hoerint des guoten gottis guete. er ge- 

380 lichit fich einem ehirere. alfc ir wol fehent da die riehen livte fni- 
dent. da gant die armen livte nach vnd eherent. Zegelicher wis 
tvot vnfer herre. Der tivvel ift der riche man. der fnidit vbir alle 
die weit, menige edele feie leider, die got kovfte mit fime blvote. 
So ift vnfer herre der arme man. vnd gat allis hin nach eherende. 

385 vnd fwa im iene dehein feie mak werden die zückit er an fich vnd 
des manit er den menfchen. Owe fprichit er gedenke daz ich ein 
eherere bin worden dvrch din heil. Er fprichit ovch lieber men- 
fche gedenke Mie ich dich gefvochit han. Ich liez hinielrich min 
rehtis erbe fprichit er. vnd vuor vf ertriche vnd wart menfche. vnd 

390 gab min herce von mime libe. vnd mine feie gab ich von mir ze- 
fcheidinne. dar vmbe daz ich din herce fvochte. vnd dine feie lieber 
menfche dar an gedenke vnd iibarnie dich übir mich (lOSa) eilen- 
den. Wan ich han dvrch dine liebe mich verellendet nv gib mir din 

359 verzage] von hier an das Marburger Bruchstück. 361 erbarmeflv 

V 

364 bofeme 369 gewinne 378.380ehilcre 384 So ift vnfer licrrcziieimaL 



LVI 145 

herce daz ich vf ertricbc han gefvochit. gedenke noch an mich vnd 
kere dich her zvo mir. vnd gib mir din herce ze einer rvoAve. 395 
vnd dine feie ze einer niinncrin. wan dos han ich gegert. Nv 
kere wider lieber menfche. ze dem iVezen velt blvomen. der ift 
lo vol miltekcit vnd erbcrmide. daz er dich gvetliche eniphahit. Owo 
elliv div menfchin div lieh ie von (lileme lieben blvomen kerten. 
die keren hivte wider mit rebtem rivwen. Ze finer genade. vnd 400 
fvochen trolt an finer erbermede mit rebter diemvetikeit. ^an er 
fprichit. alle die mich fvochent mit rebter diemvetikeit. die fvn 
genade vnd troft an mir vinden § JSv fvnt ir ^\izzen daz vnfir herre 
niht alleine ift ein velt blvome. alfe er fich felben nemmit. Er ift 
ovch finen heinlichen vriünden ein lylie in dem beflozzenen garten. 405 
AVan zegelicher uis alfe man den lylien ze allen ziten fibt in dem 
beflozzenen garten, alfo ift got ze allen ziten in dem vridefamen 
bercen Wan der menfche der fich vlizzit (losb) daz er vride be- 
halte mit eime iegelicben menfchen. beidiv vz wendik vnd in wendik 
an Worten vnd an werken, vnd der ovch inwendik het ein livter 410 
gemvete ane nit. vnd an vbelen willen, der ift wol ein beflozzen 
garte, der fin herce alfo beflivzzit. daz alle archwan vnd alle nit 
da vor ravoz beliben. vnd ovch finin nivnt alfo beflivzit daz er nie- 
manne niht argis fprichit hinder ime noch vor ime. vnd allis daz ze 
gvote vnd ze tvgenden kert daz er fibt. vnd hoerit. der menfche ift 415 
wol ein beflozzene garte, in dem garten wil got rvowen fvezecliche 
vnd vrivntliche mit dei" lieben feie. Ze der feie fprichit vnfir herre. 
Mich het fere gelvftit daz ich din antlütze fehe. So mak div feie 
wol fprechen. Defcendat amicus mens in ortum. alfo fprichit fi in 
der minne bvoche. Kvm her nider min geminneter in dinen garten. 420 
nv kvm her fvezer gemahele. min garte ift wol geblvemit mit allir 
hande tvgende manikvalt vnd ift vnder mifchit mit deme grafe innec- 
licher girde nach dime bi wefinne (losc) daz die feie fattet. mit 
hvnger nv kvm her minnei-. der minne div da übir triifet, alle fmne. 
kvm in dinen garten, der alvmbe mvrit ift mit vorbte dine lieben 425 
liebe, ze verliefinne. vnd dar zvo mit hvote ze allen ziten dine 
heinlichi vnd dine vrivntfchaft zebehabenne. Nv kvm her zvbt vnd 



400 rvwe 401 fvche troftan fime 402 vgl. Matth. 7, 7. 8. 405 Canl. 2, 1. 4, 12. 
419 Defccndit vgl. Cant. 5, 1. 419 bis zum Schlufse inB 201b— 203b. Diu 
'sele fprichet jB. 421 nv— 431 diemvelikeit fehlt B. 'v2-2 vnder micfchil Z. 

423 be wefinne Z. 

Altd. Predigten. 10 



146 LVI 

fchame. ftant an der portc. vnd livetent. daz dv vnd din minnerin 
mit dcheincr vnzvht iht wordeiit irwcckit. Nv kviii her min vmbe- 
430 vaher vnd min niinner diu f^arte ilt harte ^\ ol heilozzen mit dem 
flozze rehter diemvetikeit. So Ipritiiit deniie vnllr liebir herre. Ich 
Avil nider fti^en in minen i,';ir(en. vnd A\il Teilen die bivomen vnd 
daz gras, vnd m il l'cho\\en ob die leben blvegen. >v vernement die 
bivomen in dem tal. daz fint die reinen tvgende in der Tele, vnd die 

435 fchonin rebin. daz ilt vradicheit in gottc. Iwa-s dich ane gange, daz 
dir daz 11 ein vroide in gotte vnd inallen dinen arbeiten folt dv 
rehte eine fveze \Toide mit girde han. daz dv alleuege vroliche 
gereft arbeiten vnd kvmbirs vnd not (losd) indcr minne dinis 
rainneris daz fint die reben in der Tele, die blvegent ichone vnd 

440 minnecliche. Iwenne der menfche vro ilt in m iderw erdikeit. vnd alle- 
wege gert. daz er arbeit dvrch got trage, vnder den bivomen vnd 
bi den reben. rvowit vnl'er herre. alte er leibe fprach. Icl» han ge- 
rvowit vnder miner geniahelen i'chatten. vnd div frvht ir tvgende 
het mich gefpifit. vnd div Ipile ilt mir gar fveze in mime mvnde. 

445 vTid inminer kelen. Nv Ivnt ir a\ izzeu daz ein iegelich gvot \verk 
vnferme herren vroide vnd ere git. In difem l)eflozzenen garten des 
reinen hercen Avirt got vnd div tele rehte ze lamene genichilt. daz 
ift ein m unneclicher bongarte, vnd ilt ein paradys himellcbir w ollvit 
da div feie ze gotte Avirl gefvegit. Von dine reinen gemehillVhefte 

450 fprichit vnfir herre Dife vrivndinne han ich gar lere geminnit vnd 
bin menfche dvrch ir liebe worden, vnd han arbeit dvrch fi gelitten, 
alda her von minen kintlichen tagen. Ich bin ein (i09a) minnere 
Avorden ir antlützes ir IchaMii vnd ir avoI getane, vnd ir minneclichiv 
gefcliepphede. Ilet mich gemachet ze eime minnere. dar vmbo ftarb 

455 ich an dem criAze. daz mir difv vrivndinne Avurde ze einer minnerin. 
And daz ich vnd fi zcfamene liebliche gevcegit A\urden. Nv ift daz 
gefchehen in dem bellozzenen garten da rvowit got vnd div feiige 
feie mit ein ander da nietit lieh div feie finer fvezekeit. alle fi 
fprichit in der^minne bvoche. Ich faz vnder fime fchatten des ich 



428 mureri Z. 432 hcrnidcr komcn B. befehen die bounic indem (ale B. 

433 Can[. 7, 12. 4.34 die boume B. 435 fwas-4-il Irape fehlt B. 

4'fl boumen B. 442 iv//. fant. 2. 3. 443 vnder irem fchalten B. ii" daz— 449 
gefvegil feliU B. 453 aiilluUc Z. rainneclichir Z. ir antlütcs vul ir rchoeni 

vnt ir vorrumo Ir guolen {fefclia?i)fdc B. 454. 455 darvmb bin ich für fi menfche 
worden vnt ü:el(clelan dem criure B. 4.50. 457 Und dis befchichl indem beflossen 
garlcu der reinen hercen B. -458 fueffikeit ane alles verlrieffen if. 459 Caitt. 2, 3. 



LVI 147 

ie gerte. vnd fines fvezen wuochers nietet ich mich daz wort ift 460 
alfo zevernemene. alfe 11 fpreche. Ich hau mich rehte gemveziget. 
vnd gefezzit zervowenne. ich mvodv mich ze leininne an den wifen 
ftam finer menfcheit vnd tiefe vf zewartinne hvngerigv an den edelen 
wuocliir finer gotheit. vnd eilende zekvolenne vndir dem fchatten 
des heiligen geiftis. Owe fveze feie wie rehte minneclich dife rvowe 465 
ift. da got rvowit in dinie paradife. daz ift din hlvegindis herce 
in allen tvgenden. vnde din feie rvowit vndir fime (l09b) gotlichen 
fchatten. gefach got die feie, div mit rehter girde rvowit. vnder dem 
fchatten des heiligen geiftis. div feie mak avoI genefen vor aller 
vreife. Zvo der feie f])richit vnfer hcne in der minne bvoche. Owe 470 
wie fchone dv bift in dime zarten zarte. A\'inia dv min liebift dv 
Nv merkent m eder der zart gottis fi zvo der feie, aide von der feie 
ze gotte. vnd welch feie des zartis wirdik fi. Intrvvven daz fint die. 
die dvrchnehtigis vnd diemvetigis herzen fint. es infint nivt die 
velfchen geiftliche. noch fint die gelichferin Ez infint ovch niht die 475 
hinderrede fpvlgent vnde verkerde ez fint die diemvetiges hercen 
fint. vnd die fich felben verwerfent. vnd andir livte irhohint. daz 
fint die den got zarten wil mit finer genade. Nv merkint Avas dife 
zart fi. wedir got her nider kome zvo der feie, aldir dv feie hin 
vf zegotte. Nv hoerent aa as got 11. des antvA ürte ich. Er ift der 480 
gewalt div Avifheit A^nd daz obercfte gvot. Wie fol nA^ der brivte 
A'on ime gezartit (l09c) Averden. daz gefchihit in dem geiftlichem 
gebette. da allir vleifchlichir dinge vergezzen ift. da inphahit er 
dich mit fvezer minne vnd git diner gehügede gewalt. daz dA^ dinea 
gemahelen vindeft in den hohiften himelen. mit dinen gedanken. in 485 
der hefchoAvede. fo git er dinir vernvft die Avifheit. daz fi got Avider 
in fich ziA'hit mit der heitren Avider bildvnge. alfe fich got in der 



460 finer fucffen fruchl B. 462 alfo muedc B. 463 tiefe] lief Z. ich liuffe B. 

464 finor gollichen gotheit Z. ich elleiidiu B. zekvlenne Z. 465 O B. 

468 gefeiiget ift diu feie B. ruowel vnt fich erkuelet B. 469 dem heiligen fchat- 
ten Z. 4G9 div— 470 vreife fehlt B. 470 Cani.i, 1. 471 in dinem zarten win- 
garlenduß. 472 zvo] von Z. nv merke wie der zart— vnt von ß. 473. 474 die. 
die. die Z. 475 glichfner ß. dann noch das sint alle die die eins redent vnt ein 

c 
anders tuont 5. 476 die hinderreder noch verkererß. die demv Schlufs des 

Marburger Bruchstückes. 477 verA>orffen haut vnt fich selbe geben hant in ein 

fnelle dcmuetig gehorüimi vnt ander erhcehent über fich in gcAvarer gantzheit 



golicher minne B. 478 >i"v~481 gvot fehlt B. 480 fi fehlt Z. 481 der blvte Z. 

10* 



148 LVI 

feie bildet, vntl alfo Ivter fo diu vernvft denne ift. alfo reine ift 
ovch diu her/e. vnd allo wol niuclitu ^ot i^elehen. vrul erkennen an 

490 der 1\ teren w ider bildvni^e. die ii \(in iine iiet inphangeii. So brin- 
git dir denne dv oberelte gvete. ein liizze in dine feie, vnd div hiz/e 
voegit den zart, daz div feie ir gemalielen trivlit. vnd vmbe vahit 
in mit grozzlr hizze in fvezzir niinne. vnd nietit fich fin mit vollec- 
licher vroide. vnd liet an inic vollen troft. ganze girde ane breften 

495 vnd liet vergczzen aller dinge vnze an ein ende vnd an in einin. 
doch in mak der flaf niht lenge. im. aber die \\i]o daz ez ift. fo 
( 109(1) mvoz fi gefwigen. allis das fterbinnes an der nienfheit ift. 
der nivnt der inredit niht. noch div totliche zvnge. fvndcr in der 
ftvnde. bcitcnt. alle die krefte des vzeren nienfchen. ane fer. vnd 

500 ane la-edime. vnd dv infolt niht \\ enen daz dv dich die wile fvmeft. 
mit dem fA\ igenne. an dem gebette. für dich bettet der wife wiftvom 
din liebir brvoder ihefus chriftus. zc dem vatter in die hohen ma- 
genkraft. vnd din vnd fin vattir der git dime geniahelen dem heili- 
gen geifte zevvizzenne alle din notdvrftte. vnd ir ofienot im alles des 

505 dv bedarft. def dv loch niht gebitten kanl't. noch gegeren. daz orde- 
net dir allis din liebir vattir dvrch den heiligen geilt, doch in mak 
dv ftvnde niht lenge lln. wan div vroide vnd div fvezekeit ift vl)er 
menlliche kraft, vnd bi der genade ift in hein velfch noch akvft. 
alle vntugende vnd alle valfcheit. ift da von gefcheiden. fvnder da 

510 Avonit div himelfche tvgende. des menfchen wort vnd werk vnd allis 
fin leben ift reht (llOa) vnder anderen menfchen alfe ein blvegin- 
dis paradis. Nv fvnt ir lieben ivncvrowen die gottis brivtc uelleiit 
fin. die fvn fich wol bcwaren vnd behveten. daz der rilTc vnd daz 
miltov. in daz blveginde paradis iüwers hercen niht kome. wan daz 

515 machit türre und toj). des i'ofin wvochirs vnde der fvezzen wuochir 
ivwerre tvgende. vnder den got mit der feie rvowen wil. vnd von 
den er gcfpifit wil Averden. Wan dis ift der beflozzene garte da 



491 ein hcrce Z. 495 vnd hct vergezzen fehlt Z. vnzc an ein ende vnd fehlt B. 

I 

496. 497 fo (109 d) fo nivz Z. 497nerbendes B. 498 doch dv {jotlichc Z. 
499 vzeren] inren Z. 499. 500 vnd ane krcdimc fehlt B. 504 alle] alfe Z. 

e 
505 niht fehlt Z. 507 dv ftvnde vnd dv fvzekcil Z. 508 vnd— 512 paradis 

O V 

fehlt B. 509 ane vnlugende Z. 514 niillv Z. 515 wochirs vnde den Z. 

den roefchj, wuocher vnt die fueffen frucht B. 516 vnde der den got Z. 

517 Wan— 518 werden fehlt B. 



LVI 149 

got vnd div feie zvo ein ander gefoegit vnd gemahelt fvn werden. 
Nv vernenient ir lieben ivncvrowen dv da wilt fin ein vrivndin vnd 
ein gemahele des togenin minners. Ich rate dir daz. daz dv dich 520 
intladeft vnd irlidegeft von allem vppigin zarte dirre fterbenden 
vrivntfchefte dv hivte ift vnd morne niht. Wiltv komen ze dem 
obereften zarte dines minners, l'o vlivch allen den zart der vnfteti- 
keit. vnd ker allen dinen vliz dar an. %vie dv dinin minner dinen 
gemahelen von allem dime herzen, von allen ( ( i o b ) dinen kreften. 525 
liep gehabeft. Da nach ker dinen vliz. an din inres paradys. Wie 
dv das geziereft. vnd geblvemeft. mit allir hande tvgcnde. So wachfit 
in dir ein bon der heizet got. der Avifheit. daz ift dv m ifheit div 
in der heiligen herzen ift. alfe in einim vngefihtigem paradyfe. mit 
der gelovbe wirt er geborn. Mit der vorhte Avirt er gefegit. mit der 530 
genade ^virt er gevivhtit. mit deme fmerzen ftirbit er. mit der an- 
daht intrinnit er. mit deme trvrin hohit er. mit der girde Avachfit 
er. mit der minne fol er ftarken mit der gedinge grvonit er. mit 
der befcheidenheit lobit er. mit der diemuetikeit fpreitit er fin efte. 
mit der zuht blvegit er. mit der tuginde bringit er frvht. mit der 535 
gedvlt riffit er. mit deme tode brichit man in. mit der befchowede 
fpilit er 



518 vnd geraachit vnd gemehilt Z. 519 vciuemen wir Z. die do wcnd ß. 

520 rate /"e/i/f Z. 522 Hinter nilit iti If noch folgendes Tiio nit alf das Volke 
von ilrahele do es kam von cgiplen lanl vnt es wolt in das goheifen lanl in 
das lanl der woUulle in das gclopl lanl das in got gelopl hei. das narae mit 
ime mele us egipten lant vnt sich selben verfehen vnt wolt fich nit cemale noch 
genlzlichen an got lan vnd darvmb mvoft es die wile das mele werete vnge- 
fpifet. vnt vngelroeft von got fin noch das ime die wile nit himelbrot wart Daf 
ift alf vil gefprochen alle die wile vnt das der ( 203 a ) menfche nit enlaffet 
curlzwilc vnt luft. liep vnt zarte vnt allen falfchen vnt üppigen trofte der fter- 
benden weit, so cnwirt ime nit das himelbrot das da ift diu gennde vnt der 
trofle vnt der zarte vnfers herron ihefu chrifli 524 daran fthlt Z. dar inB. 
526 Da nach— 527 Ivgende fehlt B. 527 geblvmcft Z. 528 daz ift- 530 ge- 
born fehlt B. 529. 530 paradyfe. wir geborn. Z. frucht— gefetzet B. 

e 
531 gewhtit Z. 531. 532 ftirbet er mit dem gelouben wnrizclot er mit der an- 

dacht gat er vf B. 532 mit der genade vn mit der girde Z. 533 gedinge] hof- 

fenung B. 534 lobit er. vnd fpreitit fin Z. 535 blvgit Z. 536 rififet er mit 
der vorchte wirt er behuetet B. 



150 LVII 



von hcrii ]»Ioyrcs. 



M 



iilan lifit in cime m! (Tagen do herre Moyfes das volk fvorte. do 
fvortc der künik balach den -wifTagen balam. vffin einen lierc vnd 
liez in fehin moyfes livte. vnd fin gezelt vnd fine hüttan. Do fprach 
der "vWffage balaam. Ouam pulcra tabernacula tua iacob. et tentoria 

5 tua ifrael ut ualles (i34a) nemorofe. Oiacob A\ie fchone llnt dine 
gezelt. Avie fchone fint dine hvttan. Oifrahel fiv fiiit rehte alfe 
ein gezelt. daz got felbe vf geflagen het vnd fint rehte alfe ein tal 
vol fchceinir bome. vnd alfe ein AMirzegarte bi cimc Avazzer. vnd 
alfe ein vil fchonir zcder bora. bi einie w azzere. Nv fvnt ir merken 

10 bi iacobe Nnd bi ifrahel. z\^ eier hande livle in dem cloftir, die ring- 
erin die in dem cloftir arbcitent mit ambahtin oder mit arbeiten, 
vnd die ringerinan die hant fünf tohteren. die l'iv reizcnt zvo der 
arbeit. Div erfte tothir das ift div natnre. div fjirichit Avir fvn ar- 
beiten, wan Avir Avurden von dem paradyfe verftozzen dar vmbe daz 

15 Avir arbeiten. And fprach vnfir herre In deme fweizze dinis antliüzif. 
folt dv ezzen din brot. daz ift div natAre. div fprichit mvotir Avir 
fvn arbeiten. Div andir tohtir daz ift. div zit. div (ohtir fprichit 
OA'ch Avir fvn arbeiten. diA- zit div ift ein zit der arbeite (i34b) 
lieh an die fvnnen an den nianen. an die fternen. fich an alle die 

20 creature div ieze vf crtriche ift. div arbeitiut luh in difon zilen. 
jMvotir wir fvn ovch arbeiten. Div dritte tohtir. das ift div ftat. 
das mügen wir merken abir bi der creature. Avie fere fich div arbeit 



LVII. Z 38. ein Auszug .4 72. Überschrift Von zwaigor liaiul Iiilc in den 

C 

Cloflcrii. ,i. 1.2 do fvorte /"t'/i/f Z. 2 einem Z. 3 hvttan Z. 1—3 Do die 
Ivden hie A'or zaigelcnl cngegen dem lande daz inen gehaiffcn was. Do bcfanle 
der künic Balac. den wiffagcn Balaam. vnd fvorle in ain borg;, vnd liez in dar 
Volk fchen vnd div gezelt. vnd irhiitlcii. .1. iNnmcr. 2i, 5. 6. 4 balaam — 
5 nemorofe fehlt A. 5 nemo rol'a Z. 6 gezelt vnd din holten. .1. 7 vud 

fint— 9 ■« azzere fehlt A. 10 irfrahel Z. 9 — 17 merken zwaigcr band livl in 
dem Cloftcr die bi Iacob vnd bi ifraiicl bezaidient l'int. j^ Die erl'ten fint die amptlivtc 
die mit arbailen vmb gant. \nd fint fünf ding die fi dar zvo railzenl. § Daz ain ifl di> 
iialvrc. div dem 192 a; menifihcn daz feit, daz arbait 11 an bu^re. rebt fit 
dem male daz ünfer herre fi verftieff von dem paradyfe. A. 1.5 Gen. 3, 19. 
17— 25 § Daz ander ifl daz zit. daz feil in ez letz finl die lag daz man arbaiten 
fol. § Daz dritte ift div ftall daz ift difiv «-eil in der uieman enhain creatvr. 
weder mentfche noch tier. noch vifch. noch vogel. rvowen fol noch cnmag. cz 
fülle vnd mveffc arbaiten. A. 



LVII 151 

in dirre eilenden ftat. alfo mvezzen ovch wir arbeiten. Wan wir 
fin nv in der eilenden Itat. daz w ir arbeiten IVn. div tothir fpricbit 
ovch mvotir wir IVn arbeiten Div vierde tohtir das il't der Ion. der 25 
mag ovch a\ ol ze arbeiten triben. io wir gedenken, daz vnfir herre 
got dekeinis dingis vngcloiiit la<. div tolitir fprichit ovch mvotir wir 
fvn arbeiten. Div fünfte tothir daz ift der itewiz. den div befcheid- 
enheit git. fo der menfche fin leben vnnvzzeclichen virtribit. fo 
fprichit div befcheidenheit. Mvotir wir fvn arbeiten. Dife fünf toht- 30 
ren reizent den menfchen vf die arbeit, vnd fprechent alle, mvotir 
wir fvn arbeiten wan es ift vf nütze wir in (i34c) mügen das 
hiraelriche niemir befizzen ane arbeit, gottif fvn der in mehte daz 
himelriche niht befizzen ane arbeit, wir fvn es ovch gewinnen mit 
arbeiten. Die anderen livte fint bezeichint bi ifrahel. die himel- 35 
fchowerin in deme cloftir die ir herce vnd ir girde vf werfent in 
daz himelriche für gottis ftuol. vnd got fchowint in finer gotlichen 
fchonheit vnd gant denne für vnfer vroMcn vnd dvrch die nivn 
kcere der engil. vnd dvrch gant das himelriche mit ir gedenken, 
die himelfchowerina. die hant drie tohtercn. Div erfte tohtir das ift 40 
betrahtvnge was gottis w ille fi. vnd fine gebot, vnd wie fi fich be- 
halten fol an ir zühten. vnd an ir ordene vnde an der tovgentlichen 
betrahtvnge mit gotte. Div andir tohtir. daz ift livter vnd reine 
gebet, fo div himelfchowerin ir kennit ijottis willin vnd fine tugende. 



23 mvzzen Z. 25—4.0 § Daz vienl ift der Ion. der dem arbelenden geben 

■will, nach difem libe. daz ii'l daz Inmelriche. vnd Got felbe der ir Ion wefen 
wii. § Daz fünfte ift der itwiff den div befchaidenhait Ivot, fo der nienlfcli fin 
zit vnnvlzlich vertribet. § Die andern livte in den Cloeftern fint. die Contem- 
pliercnd. der hertze allweg:en ift in dem hymelrieh bi Got. A. 35. 36 himelfchen 
fchowerin Z. 40 hinielfche werina Z. 4.0—43 Difo livte die hoerent an 

driv ding aigenlicii. § Daz erft ift bctrahtvng. waz Gottez wille fi. vnd fin ge- 
büll. vnd fich dez fliffen ze tuenne. A. 42 tügentlichen Z. 43—57 § (192b) 
Daz ander ift Ivters vnd rainez gebelt. won nach der betrahtvnge waz Gottes 
■Wille fi. fo gat denn daz kofen mit Gölte, daz gcfchiht in dem gebette. § Daz 
ift daz dril. lervng. daz gefchiht an drier hand hvochen. § Daz aine ift daz 
herize. da lifet man an wizhait. vnd fvefkail. vnd daz fchepfet daz hertze von 
der fchrift vnd behaltet ez in ime. felben. fo daz i)VOch vnd div fchrift niena 
ift ze gegen, daz ez doch in ime felben lifet. vnd erkennet waz Übels vnd 
guotez an im ift. § Daz ander ift div creatvre. an der man erkennet vnd mer- 
ket wie gvot. wie gewallig. vnd wie Mife ünfer herre ift. § Daz dritte ift daz 
lebend bvoch ünfer herre Ihefus chriftus. daz bvoch finer hailgcn mentfchait. 
daz an dem karfritag gefchriben wart. A. 



152 LVII 

45 fo hehit fi ir hercc vf in dcnie geljctle. viid ift das gebet alfe (i.ii d) 
Ivtcr das es vf l'tigit für i^ottis ftvol. vnd fcll0^vit vnferen herrcii 
in deine gcbette. Div dritte tolitir daz ift lernvnge. div tohtir lernit 
dricr haiide bvoeh. Daz erfte daz ift. 11 fihit in ir felbir herze, vnd 
lift da ir tugende. vnd fihit ^\ es ir dar an gebrefte vnd bezzert lieh 

50 dar an. vnd an allen iren a\ erken. vzm endik vnd inne^ endik vnd 
lilt an irnie herzen bvoche von dem heiligen geilte, tvgende vnd 
felik lohen. Das ander bvoch das ilt div fcrift. da fol H ane lefen 
fvezekeit vnd ^ifheit. in kanftv der fcrift niv gelelln. fo folt dv es 
aber gerne hoprcn. da \on Machfit dir felde. Das dritte bvoch daz 

55 ift das lebendige bvoch. daz ift vnllr herre ihefus chriftus. das 
bvoch finer heiligen nienfcheit das Avart gefcriben an dem karvri- 
tage. mit den nagiln vnd mit dem fper. an dem bvoche fint fünf 
rofevarwen bvochftaben. von den div feie lebende wirt. an deme 
bvoche las ovch Sante Tho-( «35 a )mas. Wan er brach dvrch daz 

60 venftir finer wifheit vnd finei' menfheit. vnd greif die heiligen got- 
heit. daz >vas do er im in line fiten greif, do irkande er avoI. das 
er A\az ge\\ere got vnd gew ere menlch. ^^an er \\art des da ge- 
lobinde. do ime da offin Mart. daz ime e \ irhoigcn Mas. do er es 
do gegreif. vnd gelacli do fpracli er. Dominus mens et deus mens. 

65 dv bift min herre vnd min got. An dem bvoche fol dv lernvnge. 
der hiniel fchowerinen tothir dicke lefin. An den roten bvochftaben. 
fol fi lefin von gotlicher minne. vnd merke an dem mittelen bvoch- 
ftaben. an fime herzen, daz ift vf getan dar vmbe daz dv wol feheft 
daz lin minne ganz were. beidiv innewendik vnd vz^vendik. an dem 

70 bvoche mahtv avoI lefen groze gedvltikeit diemvetikeit. fenftikeit 
vnd groze reinckeit. vnd meinigir bände tvginde. mahtu lernen an 
dem bvoche finer edelen menfcheit. Si fol ovch lelen ander hohen 
gotheit. MÜheit vnd (i3jb) fvezikeit. Owc wie gar vil fvezikeit. 
in dem lebenden bvoche ift beflozzen. O himel fchowerin brich vf 

75 div floz. vnd fvoche die gotlichen fvezzekeit. vnd lis vnd lerne, vnd 
brink ovch vnf her abe. der gotlichen fvezzekeit An dem lebenden 
bvoche fol div himelfchowerin dicke lefin. Nv IVnt ir merken, wie 
daz cloftir gelobit ift. alfe ein tal vol fchonir bome. da bi ift be- 



5fi finer heiligen wifheit vnd finer heilifren nienfchoil Z. 57 mit den — 65 
got fehlt A. 58 wart Z. Gi/fu. Joh. 20. 28. 05 folt Z. (50 .\n dem Z. 
65—72 .\n dem bvoch lifet man gedvlt. demvol. fenfli. minne. rainkail. vnd 
mänifr ander Ivfrcnd die da pefchriben finl. mit den rofvarwen bTochfiaben 
finez rainnen blvoter. Alles weitre bit xum Schlufse fehlt A. 



LVn 153 

zeichent ein iegelich brodir in dem cloftir. Ze gelichir m is alfe div 
bovme menger handc fruht bringint. alfo hant ovch die brodere 80 
nienger bände tvgende. eine treit den rofen Avuocber der gotlicben 
niinne. Div andir (reit den viol der diemvetikeit. div dritte treit 
den lylien der kivfcbikeit. Div vierde treit. den zitelofen der vroe- 
likeit. das 11 alle ir arbeit vra>lich treit in gotte. Eine treit div 
f'rvbt der fenftikeit. eine treit div fruht der gedvltikeit. Eine treit 8.5 
die fruht der gehorfami. Eine mak wol fwigeli behaltin. eine bettet 
gerne. Eine niak wol mit gotte weinen in der gotlicben vrovide 
(l35c). Vnde meniger bände fruht bringint die edelen bovme in 
dem tal. das fint die tugenthaften brvoder in dem clofter. Owe 
feiiger brvodir. m ie ift dife frubt fo gar edcle vnd fo fveze. got 90 
von dem bohin bimelricb. der aaü gefpifit Averden mit dirre fruht 
vnd wirt gelobit von dirre fruht vnd din feiige feie wirt ovch ge- 
fpifit mit dirre fruht vnd gevorit. vnd ge ert von allem himelfchen 
her. Das cloftir wirt ovch gelobit alfe ein wurzegarte. bi eime 
wazzer. alCo fol das clofter fin. gezierit mit allir bände edilme 95 
fmacke. vnd fol rehte lln ein a\ urzegarte. da vnfer berre fine a\ unne 
vnd line kürzeA\ile inne wil haben. Oue wie fveze der fniak ift 
des wurzegarten. von dem küneclicben gotte. daz clofter fol ovch 
geordent fin. alfe die edelen würzen, in dem wurzegarten. vnd alfe 
die fternen an dem himele. Da von fprichit. Sante Bernbart Die 100 
fternen fint rehte in den himei gefteckit. vnd Avancte de heine fo 
wurde ein (i35d) reiz an dem himele. alfo fvn ovch die brodere 
geordent fin in deme cloftir. vnd fvn veftecliche in got gefteckit 
werden, vnd fvn alfo ficberlicbe in im fin. daz fi an gotte vnd an 
irme ordine niemir gewenken. Avan fwie einiv gewancte fo wurde ins 
ein reiz in deme clofter Daz cloftir ift ovch gelobit. .alfe vil fchoinir. 
zeder bovme. bi eime wazzere. der zeder boni ift fchcene vnd ift 
fin fmak alfe edele daz er die flangen toetit. Bi dem edelen ceder 
boume fint bezeichent die guoten brvodir in deme cloftir. die fchone 
an tugenden vnd an guoten AAcrken fint. vnd hoch an hohime vnd HO 
an dvrchnehtigera lebenne alfe der ceder bom ift gewabfen vil hoch, 
alfo fint ovch die guoten brodir Ir tugende fülen alfe luter fin. vnd 
ir lop alfe fveze daz ir fmac die flangen toede alle, daz ift alfo ir 

V 

81 rofen fehlt. 82 drtte 86 beitet 88 bringit 89 broder 

V 

90. 109 brodir 97 wil] vil 103 vnd fvn alfo fvn 107 wazzere. der zeder 
bom bi eime wazzere. der ceder bom 



154 L\TI . LMn 

leben vnd ir lop daz fol (i,36a) alfc reine fin. daz alle die livto 
115 ir lop mvezzcn fprechen vnd h\as in ieman -wiflewcndcs Melle 
Iprechen daz das mvezze irfterben in ir nivnde. vnd nieman von 
inen niht müge gefprechen Avan guotis vnd fcltlen. alfo fol ir fmak 
gewurzit fin 



Über Sap. Sal. 5, i. 



s. 



ftabunt iufti in magna conftantia et c. Die rehten liute werdent 
ftende ze der iungiften vrteilde. in driwiz. Si ftant ficherliche ane 
vorhte. Nv merke wie CicherHrhe fi ftant. Si enviirhtent den tiuvil 
noch die fünde. noch den gewaltigen rihtir. noch deheiner flahte 
5 ding, wan 11 fint ficher daz mit gotte fi fvn beliben vnd behalten 
werden. O^e wie ficherliche 11 ftant. fo fi daz wiffent. daz 11 de- 
hein dink fürhtent. Da von fprichit der wiffage dauid. Dominus 
michi adiutor non timebo et c. Ich ftan harte ficherliche wan ich 
weiz wol daz mir der milte got helfen wil mit finer gotlicher craft 

10 Da von bin ich ficher. Daz ander ift daz fi ftant vropliche ane alle 
betrvebede. vnd fehent den minnenclichen got in finer Avunne. Da 
von fprach fante lohannes e\N angelifta. Ich (i43l)) fach vnferen 
herren alle er ze gerihte kvmet. an dem ivngiften tage. Sin antlüt 
ift alfe luter. vnd alfe fchcene alfe div fvnne. in dem magene vnd 

15 het ein fwert in dem mvnde daz fnidit ze l)eiden orten, vnd hie bi 
fvnt ir merken daz in die rehten fehent in finer gotheit. vnd in der 
menflichen angefiht. vnd vliuzit in IVeze vrovide in ir feie. Daz 
dritte ift fi ftant riliche mit ern. fiv ert der ge erte got. 11 ert ovch 
ir tugentlich leben, vnd \\erdent rihtendc über die virlornen. fiv 

2u ftant wol riliche mit grozen eren. wan fi erent die engil vnd die 
heiligen vnd ir felbis tilgende. Nv fehent wie fiv werdent geert. 
Die virlornen ilant ovch in drie vif. .Si ftant mit grozir vorhte. fi 
fiirhtent den gewaltigen rihtej*. vnd die eA\ ige not. vnd die vrteilde 
des BA^igen todis. 11 füihtent die fiindc vnd den beliehen tiuvil vnd 

25 daz tiefe ab gründe. Das ander ift 11 ftant mit grozzer betr\ el)ede. 
WM\ 11 fehent in alleiitliall)en. iamer vnd not vnd den ewigen tot. 
fehent fiv obe Ikh. fo felieiit fi <len geMalti(i43 c)gen rihtir in ilme 
zorne. Sehen 11 vnder llcli. So fehent 11 den hellifchen grvnt. wie 

11'* leben viul ir Ion vn ir lop LVIII. Z 45. 2 ze dem 7 Ps. 117,6. 

12 fcc Ajjocal.i, 16. 14 niagenej mancn 2^dea fehlt. 



LVra 156 

•er brinnit. da 11 ewige not inne fvn han. ane vnderlaz. Sehent fi 
nebent lieh da felient fi alle ir fünde die li e getaten. vnd vir- 30 
dampnet 11 ir lünde. Sehent 11 ze der anderen fiten, da fehent ft 
die tievele. die fv kripphen w illent. Nv merke ein iegelich menfche 
in wie grozzir betruebede die virlorn ftant. daz dritte ift fi ftant 
lafterliche. mit grozzer fchame. wan fi fvn gefchendet werden von 
allem himelfchen her. da fol offenber werden elliv dv bofheit die 35 
11 ie getaten mit werten vnd mit AAerken mit gedenken mit guoten 
willen, vnd wirt fi der tievil fchenden vnd ir fände die Ichinent da 
offenbarliclie vor aller der weite Nv merke feligir menfche wie gar 
fchemeliche vnd lafterliche fi ftant vor deme hohen gotte vnd vor 
den claren engelen. vnd vor den lobelichen heiligen, vnd (i43d)4o 
vor der himelfchen künigen vnfir vro^Aen fante Marien, vnd vor 
allem bimelfchen ingefinde. Nv merke feligir menfche wie die greh- 
ten geret werdent vnd merke wer die fint. die an deme tage geret 
werdent. Das fint alle, die die zuhtmeiftrinan behaltent. Die erfte 
zuhtmeifterin ift vro gedvltikeit div fol den menfchen in zvhte haben. 45 
So dem menfchen vnmazen leide gefchihit. So fol div gedvltikeit 
den menfchen behalten in zühte. alfo daz er fin leit niht ze übil 
klage Div ander zvhtmeifterin das ift div vorhte. fo der menfche 
vber mefige vroide het. fo fprichit div vorhte fchone ivncvrowe wie 
varet ir fvs vnmefekliche. ir fvnt mit zühten vnd mit maze beide 50 
vrovide vnd leit tragen. Div dritte zuhtraeilterin. daz ift tvgent- 
liche fchame. div ift ein hveterin der kivfchikeit. daz ift allo. fo den 
menfchen ane vihtit der tiuvil dv Melt \iid llnis felbis vleifch. fo 
fol div fchame hveten daz der menfche an (i44a) deheinen dingen 
virhenge dem kranken vleifche daz widir zeme fi finer tiigentlicher 55 
fchame. vnd fwas vntugentlicher krancheit den menfchen ane vehte. 
fo fol diu zuhtmeifterin fprechen tugentliche fchame ich en tvon ez 
en hein wiz niht ez ftuende mir gar übil. ich getuon ez niemir. ez 
were gar wider minen eren. Phech folte ich alfe vntugentlichen 
tvon. ich enwil alfe vntugentliche niemer gedenken, noch enwil ez 60 
niht wizzen. folte ich ez denne tvon. nein ich ane zwiuil. ez ftvende 
mir gar ane maze übil. Die dife drie zuht meifterin behaltent 
die ftant an dem iunffiften tage ficherliche ane vorhte ane betrve- 



32 Xv] Vu 33 betrübe 43 fint. an 44 zuhtmeiflriman 46 den— 

« J Ol 

folt 47 vbir 48 zvhtraeift in 57 diu] din 58 flunde mir gar vbir. 
61 nein] nem 



156 LVm . LEX 

bcde ATÜiche mit grozcn creii. Santo Bernhart fprichit. fvezer 
65 herre minneclicher got. y\\c l>iltu fo zart daz dv iiiene w ilt fin Man 
da cn hein andir liebe il't Man din vnd fua liebirs ift deniie dv 
alleine da en wiltu niht lin. vnfir herre fprichit. luochent mich vnz 
ich ivch fo nahe bi fi. \\an (il4 b) ez kvmit noch der tag. daz ich 
min antlütze vor ivch virbirge. vnd fwie gerne ir mich fvochtint ir 
70 envindent min niht 



G. 



Tischrede Meister Eckards. 



Hot gefchuof die riehen dur die armen und die armen dur die 
riehen Lohnent got giltet iuchs. Etlirh fagent fi glouben an got und 
gloubent niht got. Ef ift grcpffer daf man an got gloubet denne daf 
man got gloubet Man gloubet wol einem menfchen ob man im v 
5 fchilling lihet daf er Hu gelte und gloubt doch nit an den menfchen 
Gloubt denn ein menfche an got. AVar umb gloubt er denn niht got 
daf er im gelte Maf er im lehnet an finen armen. Wer elliu ding 
lat der nimet hundertvalt darumb. A\'er aber hundertvalt meinet dem 
Mirt niht Man er lat nit elliu ding er m il hundertvalt M'ider han 

10 Aber ünfer herre gelobet dien hundertvalt die elliu ding lant Lat 
er elliu ding fo fol er hundertvalt Mider han und daf ewig leben. 
Viel aber in den menfchen daf nach dem laffen volget. Und die 
umb daf felb Mar umb lieffe der enliefll nit al und dem m urdi nihtef 
nit Die icht ingot fuochent ef fi Miffen oder beUentnöffe andaht 

15 oder Avaf ef fi. Vindet er ef noch dann vindet er got niut. "NVie daf 
er Miffen vindet oder vorftan oder innikeit daf ich doch moI lobe 
aber es blibet im niht Aber fuochet er niht fo vindet er got und 
alle ding inime. Und die blibent im. Ein menfche fol niht fuochen 
noch vcrftan noch Miffen noch andaht noch inrekeit noch ruoMe. 

20 A\'an allein gottef w illen Der l'cle der recht ift alf ir zerecht fin 
fol die engert nit daf ir got alle fin gotheit gebe noch fi enwurdi 
da (i(8l)) von alf Monig getrtt'ftet alf ob er ir ein muggen geb 
Gottef bekantniffe ufwendig gottes Milien enilt nit Ingottes Milien 
fint elliu ding und fint etwaf und gevallent got und fint volkomen 

25 Aber ufwendig gottef Milien fint elliu ding nit und gevallent got 

V 

67 /iV. Jo/i. 7, 33.34. 13,33. LIX. e50. 3 die Handschr. globenl /got 

V _ 

/niht Gglobcr 10 JJv. J/aft/i. 19, 29. 13 lieffe i6 das zweite oder fehlt. 



LIX 157 

nit. Und fint unvolkomen. Ein menfche folt niemer für ein vergenk- 
lich ding bitten Aber wenn er icht bitten wil fo fol er allein bitten 
umb gottes willen und anders niht fo wirt im al Bittet er umb 
anders icht fo wirt im nit In im ift nit denn ein und ein ift un- 
teillich. Und der icht meinet denn ein daf ift teil und nit ein Got 30 
ift ein. Und die icht me fuochent und meinent daf ift nit got und 
es ift teil. Es fi ruowe oder bekennen oder \\af es fi denn gottes 
wille allein Daf ift dur fich felben und ift nit. Und alf er allein 
fuochet gottef willen waf im dar uf fliuffet oder geoffenbart wirt 
daf fol er enphahen alf gäbe gottis und niemer dar uf gefehen noch 35 
gedenken weder es ü von natur oder von gnaden oder inwelher 
wif es fi des fol er gar enruochen Dem ift gar recht. Und fol ein 
gemein kriftanliches leben haben. Und man fol nit fehen uf ein fun- 
derlich tuon denne eines fol man von got nemen. Und waf uf in 
valle daf neme für fin beftes. Und fi an all forcht daf er indifem 4o 
iht gehindert werde inwendig oder ufwendig daf er tuon fol daf er 
inime vinde die minne gottes fo ift fin gnuog Alf etlichen uf velt 
zelidenne oder zetuonne fo fagent fi, Wüfti ich daf ef gottes wille 
were ich Avolt ef gern liden Gotes fegen daf ift ein wunderlich frag 
daf ein fiech menfche fraget ob ef gottef Aville fi daf er fiech 45 
fi. Er fol gewiffe fin daf es gottes wille fi wan er fieh ift. 
Alfü ift ef gar au andern dingen Daramb fol ein menfche ein iek- 
lich ding daf uf in vellet luterlich und ein valtklich von got en- 
phahen. Etlich fint alf ef in w ol get innen oder uffnen ( ( 1 9 .i ) fo 
loben.t 11 got. Und getriuwent im wol Alf etlich fagent Ich han 50 
zehen malter komes. Und alf vil wines zuo difem iar ich getriuwe 
got wol la fage ich du getriuweft avoI dem körne und dem win Diu 
feie ift gemachet zuo einem fo groffen und hohen guote Dar umb 
mag fi nit ruowen an deheiner wif. Und ift alle zit iagende Daf fi 
kome über wif zuo dem ewigen guot daf got ift da fi zuo gefchaffen 55 
ift. Und her zuo ift zekomen nit mit fturme daf fich der raenfch 
fetze in grof ftetikeit daf zetuon oder zelaffen. Wan mit fenftikeit 
in rechter demuot In verzihung fin felbes in einem ieglichen daf da 
gevellet Nit daf der menfche infich fetze Dif wilt du iemer tuon 
waf daf koft Dem ift unrecht. Wan da inne behalt er fich felber. 60 
Vellet icht in in daf in mueget oder betruebet und entfridet dem 



30 meinet] nimel 37 des fo er 44 Golet 47 gar] gn 59 du fehlt. 

60 Den 



158 LIX LX 

il't aber unrecht. Wan hie iiine behaltet er fich fclbe daf daf im 
lere vcrfmahct da folt er im inne gut lazen geraten. Und lieh uiider 
in demuetklichen neigen, l nd in lenfter getriuwung en ieklich ding 

65 von im enphahen dal" ut in \ iele dem wei- recht. Her vf gat 
alles daf man geraten oder gelern mag daf im ein menfche felbe 
raten lat und uf nit fche wan allein uf got. allein man daf in vil 
wifund funderlichen \\ orten für bringen mag. Zug einer geordenten 
confcienci hilfet da.s man der ziio vallender ding nit aht. Und fo der 

70 menl'ch bi im felber ift daf er lluen willen got gentzlich geb. Und 
ein ieklich ding von got glich enphahe Gnade und waf def dinges 
ift ufwendig oder inwendig Der icht an got ficht der ficht got nit. 
Ein recht menfch bedarf gottes nit Daf ich han def bedarf ich nit 
er dient umb nit er achtet aller ding nit. Er hat got dar umb dient 

75 er umb nit Alf verre got ift über den menfchen all" vil ift er ge- 
reiter ze geben denne der menfche fi ze enphahenne Dar an fol ein 
menfche nit merken ob er zuo nerae an guotem lebenne ob er vil 
vafte und vil guoter m erk tuo .Sunder (il9 b) ein gewilTef zeichen 
ift daf er zuo iieme ob im lieljer fi zuo ew igen und leider zuo ver- 

80 genklichen dingen. Hctte ein meniche hundert mark und gebe 11 dur 
got und machte ein klofter daf wer ein grof ding fo lag ich daf 
wer vil groeffer und beffer daf ein menfche in im alf vil verfmahte 
und verniht dur got. Ein menfch fol in allen finen werken gottes 
willen allein meinen und gang alfo für fich hin und hab dehein 

85 forcht alfo daf er niht gedenke ob im recht fi daf er icht unrecht 
tuo. Wan Avölt ein maier gedenken andem erften ftrich der andern 
alle dem wer unrecht. Er fol an den erften gedenken und ftrich für 
fich hin dem ift reht Alfo folt einer gan und gedeht alle zit wie er 
den erften fuof fatzte im wer niht recht Dar umb fol man dem 

90 erften volgen und gan für fich hin fo kumet man da man wil. Und 
dem ift reht Dif ift ein collacie meifter ekarts 



Briioder Egliart 

r 



t 



nfer herre hat vs gefant finc hant vnd hat gerueret minen mund 
vnd hat mir zuo gefprochcn Swenuc (112 b) ich predieu fo phlige 



6.J dem] den GS geordct 77 lugulc 86 andcii 87. 91 dem] den 

88 fol LX, UtrcHi. 1, ü. 



Lx n0 

ich ze fprechende von ab gefcheidenheit vnd das der menfche lidig 
^verd fin felbes vnd aller dinge Zeni ander male das man Avider in 
gebildet werde in das ein veitig guot das got ift § Zem dritten 5 
male das man gedenke der groffen edelkeit die got an die feie hat 
gelet das der menlche da mit körn in ein AAunder ze gotte § Zem 
vierden mal von gütlicher nature luterkeit was ( 1 1 3 a ) clarheit an 
gütlicher natur fi das ift vnfprechlich Got ift ein wort ein vnge- 
fprochen Avort Anguftinus fprichet elliu diu fchrift ift ital Sprichet lo 
man das got ein wort fi fo ift er gefprochen Sprichet man das got 
vngefprochen fi fo ift er vn gefprechelich So ift er aber etwas wer 
kan dis wort gefprechen das tuot nieman denne der das wort ift 
Got ift ein Avort das fich felber fprichet (i(3b) Swa got ift da 
fprich er dis wort Swa. er niut en ift da en fpricht er nicht Got 15 
ift gefprochen vnd ift vngefprochen Der vatter ift ein fprechende 
werk vnd der fun ift ein fpruch der würkende Swas in mir ift das 
geit vs mir So ich es loch gedenke So offenbaret es min wort Vnd 
blibet doch inne Alfo fprichet der vatter den fun vngefprochen vnd 
blibet doch in ime Ich hab es ( 1 1 4 a ) och rae gefprochen Gottes 20 
vsgang ift fin ingang als vil als ich got nach bin alfo vil fpricht 
fich got in mich Alle vernüftige creature an iren Averchen fo 11 
me gent vffer inen felber fo 11 me gent infich felber Des en ift an 
liplichen dingen niut So fi me A^ ürkent fo 11 me gent vs in felber 
Alle creature Avolten got fprechen in allen iren Averken Si fprechent 25 
alle fo fi naheft (li l b) mügen Si enmügen in doch niut gefprechen 
Si A\ellen oder enAvellen es fi in liep oder leit 11 Avellent alle got 
fprechen vnd er blibet doch vngefprochen Dauid fprichet der herre 
ift fin name herre fpricht als vil als ein über fetzunge einer her- 
fchaft knet ift ein A^nder fetzunge Etliche namen die fint got eigen so 
vnd abgeloft von allen anderen dingen als got Got der name ift der 
aller eigenlichofte na(ii5 a)me gottes als menfche menfchen namen 
ift ein menfche ift ie ein menfche er fi torechtig oder Avife Senaca 
fprichet das ift ein fnoeder menfche der über den menfchen niut 
enkumet Ein ander name hat ein zuo haftten an got als vatterfchaft 35 
Das dritte Taa a man vatter nemmet da verftet man einen fun Vatter 
mag niut gefin er hab einen fun Si tragent doch in ein über zit in 
CAvig wefen Der ( 1 1 5 b ) tritte hat ein vftragen zuo gotte vnd ein 



3 die Bandschrift ab geifcheideheit 7 Zer 12 vn gefprochelicb 18 oflfe- 
barecbt 25 allen] alle 28 fprechet Ps. 39, 5. 31 dinge 



160 LX 

keren indie zit Man nemniet och got Inder fchrif mit vil namen ich 

40 fpiiche Swer icht bedenket ingotte vnd inie dekeincu namen an 
kleibet das ilt got nicht Gut ilt über namen vnd über natur Wir 
lefcn von einem guotten man der got bat inllnem gebette vnd wolte 
im namen geben Do iprarh ein bruoder Sw'is; du vnderelt got \\\r 
mögen kein namen binden den ((IG a) \\ ir got mügen geben Doch 

45 fint uns die namen ürlovbet da mit in die heiigen genemmet hant 
vnd die got in ir hertzen alfo ge\\ihet vnd über gölten hat mit 
gütlichem liecht Aiid hie bi fon \\ ir lernen A\ie A\ir got bitten 
fön Avir fün Iprechen herre In den felben namen die du alfo ge- 
wihet haft in dinem heiligen hertzen vnd über goffen mit dim liecht 

50 So (licb) bitten Avir dich vnd lobend dich. Das ift diu ander 
lere das über namen vnd vngelprechlich ilt Der vatter fpricht den 
fun vffer aller llner mügentheit vnd alle ding in ime alle creaturen 
llnt ein fprechen gottes Das felbe das min munt got fprichet vnd 
ofl'enbaret das leib tuot des Iteines wefen vnd veriteit man me an 

55 dem werke denne an den worten Das ^erk das diu oberlte natur 
M(ii7a)ürket von irre hochften macht Das mag diu nature diu in 
ir ift nit begriffen Wurkte fi das felbe fo Avere fi vnder ir nicht 
Mer fi were das felbe Alle creaturen Avolten gotte nach fprechen 
in allen iren werken Es ift do;;h gar kleine das fi geoffenbaren 

60 mügen loch die oberften engel in dem das fi vf climment vnd got 
ruerent das ift als vnglich A\ider dem das in got ift als wis vnd 
fwartz Es ift gar vngelich (ii7 b) das alle creaturen habent en- 
phangen alleine fi alle a\ ölten fprechen das nechfte das fi mügent Der 
prophete fpricht herre du fpricheft eines vnd ich verftein zwei So 

65 got indie feie zehant fo es ab vellet fo Avirt es geteilet le wir mit 
ünferm verftentniffe me vf gen fo Mir me in im fin Dar vmb 
fprichet der vatter den fun alliu zit Inder CAvikeit vnd entgiuffet 
in im alle crea( 1 18 a)turen Die hant alle ein ruefen wider in ze- 
komende da 11 vs gefloffen fint alles ir leben vnd ir wefen Das ift 

70 alles ein ruofen vnd ein ilen wider zuo dem indem fi vs gangen 
fint Der projihet fpricht der herre hat vs gefant fin band vnd 
meinet den heiligen geilt Nu fprichet er Er hat gerueret minen 
munt vnd fpricht zehant er hat mir zuo gefprochen Der munt der 
feie ift der ( IIS b) oberfte teil der feie, das meinet fi vnd fprichet 

75 Er hat fin wort in minen munt geleit das ift der kus der feie da 

40 de kleine 42 hat 49 goffe 50 diu] du 53 min] in in 5" begriffe 

_ _ <> _ ■■ 

60 clumet 61 ruret 64 P5. 61, 12. 65 fehlt etwas. 75 das kus 



LX . LXI 161 

ift munt zemunde komen Da gebirt der vatter finen fun in die feie 
vnd da ift ir zuo gefprochcn Nu fprichet er Ich han dich hiutte 
vffer weit vnd habe dich gefetzet über volch. Und über riche in 
ein hiutte globet uns gott zevf e/welende das nicht en ift Das noch 
inder ewikeit ift (119 a) ein hiutte Vnd ich han dich gefetzet über 80 
Volk Das ift über alle die weit der rauoft du lidig fin vnd über 
riche das ift fwas me ift dan ein des ift zevil wand du muoft allen 
dingen fterben Vnd fot wider ingebildet werden in die hoedi da 
wir wonen indem heiligen geifte Des helf uns der heiig geift Amen 



Bruoder Esliart 



D 



petrus von der gewalt des hohen oberften gottes wart vs dem 
gebende Do fprach er Nu weis ich gewerlich das mir got finen 
engel hat gefant Vnd hat mich erlovft von der gewalt herodes vnd 
von den banden der (i84b) vienden Nu keren wir das wort vmbe 
vnd fprechen wan mir got hat finen engel gefant Da von bekennen 5 
ich gewerlich Petrus fprichet als bekantniffe Ich hab es ovch me 
gefprochen Bekantniffe vnd vernüftikeit die eneinigent die feie nicht 
ingot Vernüftikeit vellet indas luter wefen bekentniffe die lovffet 
vor Si für lovffet vnd dur brichet das da geborn wirt gottes ein- 
born fun Ünfer herre fprich(l85 a)et In matheo Dasnieman bekennet 10 
den vatter niuman der fun Die meifter fprechent Bekantniffe lige 
an glichniffe Es fprechent etlich meifter Diu feie fi gemachet von 
allen dingen wand fi ein müglicheit hat alliu ding zeverftande Es 
liutet dcorlich vnd ift doch war Die meifter fprechent Svvas ich be- 
kennen fol das muos mir zemale gegenwärtig fin vnd glich minem 15 
bekantniffe Die heiligen fprechent (i85b) Das in dem vatter fi 
mügenheit vnd glicheit in dem fune vnd einung in dem heiligen 
geifte Dar vrabe want der vatter dem fun zemale gegenwirtig ift 
Vnd der fvn zemale ime glich ift Dar vmbe bekennet nieman den 
vatter niuman der fun Nu fprichet petrus Nu kenne ich gewerlich 20 
wa von bekennet man hie werliche Das ift da von das ein gütlich 
liecht ift das nieman triuget Das ander wand man da blos vnd luter 
bekennet vnd (186 a) vnbedeket mit ichte Da von fprichet paulus 
Got wonet in eime liechte da nicht zuo ganges enift § Die meifter 

77 Jerem. 1, 10. Ich han] Er hat 79 da -Da 80 dich] vch 

LXI, 2 fehlt ein Participium. 2 Act. 12, 11. 10 Matth. 11, 27. 16 vatter 
fehlt. 24 Timoth. 1, 6, 16. 

Ältd. Predigten. 11 



1«2 LXI 

25 fprcchent Die wiflieit die wir hie <?e\\ ünnen vnd lernen Die fiillen 
uns dort belilien So Iprichet jjaulus 11 füllen ab gan Ein nieifter 
fpricht luter bekantnülfi noch denne indifein libe Das hab fo groffen 
luit an lieh l'elber das alier gefchadener dinge lult 11 recht als ein 
nicht Wider der lult der luter bekan((ise b)nini an lieh treit noch 

30 denne f\\ ie edel es 11 So ift es doch ein zuoval vnd als klein als 
ein wörtelin ift wider aller der weite als klein ift al diu ^^ ifheit 
die wir hie lernen mügen wider der blolTen luleren warheit Da von 
fprichet paulus es fiilli ab gan fwie 11 doch belibet fi wirt rechte 
ze einer torinne Ynd als ob fi nicht enfi wider der luteren warheit 

35 die man da bekennen fol § Das dritte war vmbe (is:a) man da 
w erlich bekennet das ift da von diu ding die man hie ficht \\ andel- 
haftig diu bekennet man dort vnwandelberc vnd man minnet 11 da 
als 11 fint zemale vngeteilet vnd na bi einer want das hie verre ift 
das ift da nahe Want alle ding fint da gegenwirtig § Das an dem 

40 erften vnd an dem iungften tage befchehen fol das ift da gegen- 
würtig Nu weis ich werlichen das mir got finen engel hat gefant 
( iS7 b) Swenne got llnen engel fendet zuo der feie fo wirt fi Aver- 
lich bekennende in vnbederbe hat got fant Peter den fliiffel niut 
bevoln Want petrus fprichet als vil als bekentniffe hat den flüffel 

45 Vnd fliulfet vf vnd dringet durch vnd vindet got blos Vnd faget 
denne ir gefpilen dem A^illen was 11 befeffen habe Swie 11 doch 
den willen e gehabet habe Wan fwas ich wil das fuoch ich § kant- 
niffii gat vor 11 ift ein fürftin( iss a)ne vnd fuochet herfchaft indem 
hoechlten vnd in dem luterften Vnd teilet es fort der feie Vnd diu 

50 feie fort der nature Vnd diu nature allen liplichen finnen Diu feie 
ift als edel an irme htBchften vnd luterften Das ir die meifter en- 
keinen namen künnen geben Si fprechent ir feie da fi dem libe das 
w efen git Xu fprechent die meifter Das nach dem erften vf bruche 
der gotheit da der fun vs brichet von dem vatter da fT der engel 

55 aller nabelt gebildet (issb) nach gotte Es ift wol war Diu feie 
ift gebildet nach gotte an irme oberften teile Aber der engel ift ein 
nacher bilde gottes Alles das des engeis ilt das ift gebildet nach 
gotte dar vmbe wirt der engel gefant an die feie das er fi wider 
bringe an das felb bilde da nach er gebildet ift A\ant bekantniffe 

CO komet von glicheit AVan denne diu fei hat ein mügenlicheit alle ding 



26belibct Cur.i, i, id fyij. 38 ein 40 iiingfle — gewurtig 45 vnd 

Iringel vu brin^rel 40 gefi>i!eiii (iO gVuheil aus glichaidc (jebefsert. diu] du 



LXI . LXII 163 

zebekennende da von geruowet fi niemer fi enköme (i89a) indas 
erl'te bilde da elliu ding ein fint Vnd da geruowet fi das ift ingotte 
In göt ift kein creatur edeler denne die ander Die meifter fprechent 
Wefen vnd bekantniffe li allein want Iwas nicht en ift das bekennet 
man ovch niut Swas aller meift wefen hat das bekennet man ovch 65 
aller meift § Want denne got ein über fwenkende wefen hat Dar 
vmbe über fwenket er alle bekantniffe als ich e. gefter fprach in- 
dem iungeften fernion Das (i89 b) diu feie in gebildet wirt in die 
erften luterkeit in den in druk der luteren wefelicheit Da fi gottes 
gefmekit .e. er warheit oder bekantheit an fich vahe Da alle nerae- 70 
licheit ab geleget ift Da bekennet fi aller luterlicheft Da nimmet fi 
das wefen in eben meffikeit Da von fprichet paulus Got Monet in- 
eime lichte da nit zuo ganges ift Er ift ein inhangen in fin felbes 
luter welicheit Da nicht zuo hangendes ift § (i90 a) Swas zuo val 
hat das muos abe er ift ein luter inftan Infich felber Da noch dis 75 
noch das en ift Want fwas in got ift das ift got Ein heinden meifter 
fprichet Die krefte die vnder gotte fwebent die hant ein inhangen 
in got Vnd fwie fi hant ein luter inftan in fich felber So hant fi 
doch ein inhangen in dem der weder begin noch ende hat wand 
ingot mag nicht frömdes gevallen Dis habent ein bew ifunge andern 80 
(i90b) himel der mag nicht enphan keinen fromden indruk in- 
frömder wife Alfo gefchiht es fwas zegotte kumet das w irt ver- 
enderet Swie fncede es fi bringen Mir es zegotte es gat fin felbes 
abe Des habent ein glichniffe Hab ich w ifheit diu en bin ich felber 
nicht Ich mag wifheit gewinnen ich mag fi ovch verlieren aber 85 
fwas an got ift das ift got das en mag im nicht enphallen Es wirt 
gefant (i9i a) ingötlich nature Wan gütlich nature ift fo kreftig 
fwas dar in gebotten wirt Das wirt alzeraal dar in gefatz oder es 
blibet alzemal vffen Nu merkent wunder Sit got fo fchncede ding 
infich verendert w as wenet ir denne das er der feie tuo die er mit 90 
fin felbes bilde gewirdiget hat zeformende 



Der von fternen gaffen • : • — 



£ 



in heilig fprichet das fi heilikeit das wir bekennen was w ir waren 
vor der zit vnd was wir fin Inder zit Vnd was wir (i46 b) werden 
nach der zit Nu havt der von fternengaffen alze fchcene gefprochen 

• _ e 

61. 62 geruwz 64 want] -wz 67 ymbe] Yb' alle 89 fchonde 

11* 



i64 Lxn 

von difen drin aihI fpiichct fornians ino Er iiat uns ^efonnet an 
5 ime vnd mit ime Er hat uns gcfornict an itne AN'ic er uns geforniet 
habe das I'ult ir merken wir lin ein liecht in llner luterkeit Vnd 
ein Avort in Iluer verltcntikeit Vnd ein leben in finer innikeit Alfus 
hat er (i i: a) uns geforraet an ime vor der zit Ze dem andren 
male Was wir nu fin Inder zit In uns ift ein luterkeit in die an 

iO vnderlas liuttendc ift Das liecht der gotheit In uns ift ein verften- 
tikeit in die ane vnder las fprechende ift das wort der dri\altikeit 
Vnd inüns ift ein innekeit in der ane vnderlas a\ ürkende ift das 
leben der e^ikeit Zeni dritten male A\as Mir ((47 b) werden nach 
der zit Wir fun in got vereiniget Averden A\efelich vnd eineklich 

15 vnd gentzlich wie fun wir wefelich ingot vereiniget werden Es fol 
gefchehen an der fchowunge vnd nicht an der wefunge Sin wefen 
mag nicht ünfer Avefen Averden mer es fol ünfer leben fin da Aon 
fprichet ovch chriftus Der dich vatter bekennet vnd dinen fvn Ihefum 
chriftura Das ift das eAvig (l48 a) leben Er fprach nicht das es 

20 ewig Avefen Avere Nu möchten ir f])rechen Ach herre fit got fuf- 
lichen adel vnd fuflich richeit in ünfer feie hat geplantzet Das das 
liecht finer gotheit inder luterkeit miner feie fchinende ift Vnd das 
AVort der drivaltikeit inmir fprechende ift aiuI das leben der eAvikeit 
inminer innikeit Avürkende ift Was meinet denne das ich fin fo 

25 rechte (l48b) wenig gewar Avirde Frageft du mich des Ich han 
dich des zehant bewifet es ift zemal des fchuld das ir ivch fo ab 
gefcheidcn vnd fo luter nicht haltent als ivch zuo gehorte Vnd das 
ir i\ch felbcr alfo fiönide fint vnd nicht enachtent der in velle 
creaturlicher bilden Was' meinet das der liuten fo vil i(t die min 

30 nicht verftant das fage ich ivch Es ift zemal des fchult das fi 
(l49 a) im nicht gelebet hant Swenne ich fpriche von einikeit Avie 
folte mich der menfche verftan des hertze zemal inmenigA'altikeit 
zerfpreitet ift So ich fpriche von ewikeit Avie folte mich denne der 
Acrftan der zemal fin genuegete nimet an zit A'nd an zitlichcn dingen 

35 So ich fpriche von einem lutcren hertzen Avie folte mich denne der 
menfche verftan dem alle ding gemeffe fint infiner (i49 b) feie in- 
nikeit zeherbergcnne Want es ift nicht genuog das man die crea- 
turen ab fcheidet an der habunge Wan muos fi ovch fetzen vs der 



4- Isaiw 49, 5. 5 vor Er noch ciittnul vn inil im 15 fun] fin 18 Ev- 

— c • _ _ 

Joh. 3, 30. 23 da lebe ewikeit 29 catlicbe 31 gelebe 32 des] dz 

inmenigvaltikeit] iuall^ einvaltikeit 34 der] dz 37 nicht fehlt. 



LXn 165 

invallenden bildunge diu alze fwarliche die feie vermittelet Ach 
acli vnd wültend ir wes ir ivcli felber hinderent vnd was ir ewiger 4o 
warheit niöchtin verftan ob ir fteten vlis vnd hvote hetten ivwers 
inren menfchen Ivch griufelete ab ivch felber Secht ir möchten als 
vil (l50 a) wiffen als ich weis vnd nie was meinet aber das ich 
me von got Aveis denne ir Es ift niut des fchult das ich der buochen 
me kan der künfte helfe ift gar kleine Es ift des fchult das ir 45 
ivch niut als flifleklich aller dingen lidig blos vnd abgefcheiden 
haut als ich han Hetten ir ivch aller dingen als vnwiffcnde vnd von 
ivch vergande gehalten als ich han Jr wüften als vil als ich (i50 b) 
vnd Hechte me Want ich mich niut alleine der gnade zevolgenne abge- 
fcheiden han mer ich meinde ovch das ich kunft erkriegen möchte 50 
Secht da von bin ich miner kuufte holt wand ich das w eis vnd er- 
kenne das ich diu ding verftan Die allen den verborgen fint die 
fich mit ftreinger arbeit nicht entlidigot haut aller dingen Ynd fich 
niut gewunden hant vs den ftriken ((51 a) des lieplichen anfchines 
Der ftrebenden creaturen want als vnmüglich got vnd tiefe! mit ein 55 
ander fin als vnmüglich ift das fich got iemer der feie vereinge die 
wil fi von zitlicher bewegunge Vnd von creatiurlicher bildunge 
nicht alzemale gefriget ift Swenne ovch diu feie an zit vnd an zit- 
lichen dingen nicht enhafteti vnd vf genomen Aver fo vermöchte 11 
alze groffiu ding vnd (i5l b) wiffent das fi götlichen werken hart 60 
nach zuo trete Was meinet das fo vil noch denne gelerter liuten 
ift die fo küme erliden mögen das man die feie fo nach in götlich 
Avefen fetzet Vnd das man ir fo vil gütlicher glicheit zuo eigent 
Wüffent ez ment nicht anders denne das fi den adel der feie nicht 
bekennent vf das aller hcechfte § Bekanten fi den adel der feie vf 65 
das hcechfte Siu enwüften an (i52a) etlichem puncto wa fi vnder- 
fcheit vinden folten zwüfchent ir vnd gotte Secht weiten ir mir 
vmbe got helfen a\ erben das er mich in einer fach behuete Inder 
ich vil gearbeit han Vnd wiflent das ich minor finne vil der mitte 
verfliffen han vnd noch fo vafte bekümbert bin das ich ez nieman 70 
gefagen tar Vnd ich getar es ovch ivch niut wol gefagen Doch 
twinget mich die minne gegen (<52 b) ivch Vnd das ich ovch ge- 
denke das ich ivwer genieffe Mich Avndret vnd das M^inder hat 
mich lange bekümbert Avas das meine das diu feie ein fo kreiftig 
Avort niut mag gefprechen als der himmelfche vatter Etlich meifter 75 



39 de fei vmiUelet 49 raic 55 flrebede— went 59 erhafteli 62 kume 
64 feie] fe 65 vs dz 



1C6 Lxn . Lxni 

fprechent es fi des fchult das in got Aveflich ift das fi inder feie 
nicht M and biltlich Vnd da von vermach fi nich das der vatter ver- 
mag Mand fi es A\efeiilich (i.T.3a) niiit enhat Andirre bericlittungc 
benueget mich iiit Ande'- meifter l'prechent A\as got ift Sin wefen 

80 vnd fin fin das hat er alles von im lelber aber die feie ift von gotte 
das fi ift Da von mag fi fich got nit geliehen an iren A\erken Dar 
an genueget mich zemale niut Wand der fun het oveh von dem 
vater enphangen alles das er ift vnd würket doch gelich dem vatter 
(l53 b) Mer ein einiges wörtelin das treit einen fin in ime Das ift 

85 das der fun ift geborn vs der jterfon des vatters vnd ift inne beli- 
ben an dem wefen Da von vermag er indem Axefende alles das der 
vatter vermag pcrfienlich vnd Mefilch aber diu feie ift gefloffen ab 
der perfonc Vnd ovch ab dem wefende Vnd \\ant fi niut inne beli- 
ben ift an dem Avefende da von vermag fi nicht dem vatter gelich 

90 Avürken Sech an difem ( f 5 i a ) finne genueget mich en^enig vnd 
doch niut gar gcntzlich 



Der von fterncngaffen hat die gepredict. 

jNnallen dingen han ich ruowe (2 Üb) gcfuochet vnd han an nichtc 
ruowe funden Nu fprichet fi in han an nichte ruowe funden denne 
an nichte Das nichte an dem diu feie ruowe findet das ift bloffe got- 
hcit Siehe liute hant maniger lege girde vnd funderlich frovwen die 

5 kint bcre fint- Diu feie die von dem götliiiien worte fwanger vnd 
kintber worden ift Diu hat manger lege gluft Etwenne (242a)gluft 
fi die creatur zeverfmehennde Etwenne ir fell)es nature zevertret- 
tende Etwenne lüftet fi an der driualtikeit fich zevebende Vnd en- 
kan doch niena ruowe vinden denne an nichte Da von fprichet ünfer 

10 herre Du folt woncn in lacob lacob fprichet ein ringer vnd meinet 
der menfche der in got ruowen fol der muos .e. ringen vnd über 

o 
82 gen II LXIII Vhersrhrift Dis hat gcprcilict brvodcr lolianncs von flcriieu- 

I I _ _ 

gaffe. E. 1 Ecclcsiaslic. 24, 11. 1 u. s. f. ruwc b. 2 funde dene 6. 

1 — 4 vnd han doch nier;:en ruowe fvndcn den in dem erbe mines heiren vnd inincs 
goUes. Sieche £. 4nianijjt. 7 zc ver finechendc vnd vngelroflet ze finde 


von allen dingen. E. 8zevbende b. '.). 10 an nihto das ifl blofeffo irolhcit. Da 

von feit mir der der alle dinu: f,M'f(ha(Ten hat das er in mir ruov>o. Da von 
fprichl fi wie fol ich in dir ruowen. So fpricht er div foll E. iO Ecclesiastic. 

24,13. llruwefc. 



LXm 167 

winden alle ding Hab ich mich felher über (242b) Munden fo han 
ich alle ding über wunden Der bat fich lelber über wunden den en- 
kein ding mag über m inden das es in geneigen müge zuo de keinem 
gebreften Swie ein icklich ding ift an finie wefende dar nach Avürket 15 
es Min feie ift got formelich an ireni wefende Da von ift fi al ver- 
mügende vnd ir werk ift e^ig alles das got würken mag das mag 
fi liden (243 a) Er mag mer noch minre Alle ünfer meifter kün- 
nent nit vinden weder gottes kraft groffer fi oder der feie vermü- 
gcn Ilab ich denne al vermügen fo en fol ich niemer vf gehoeren 20 
ich gewinne alle ding Swas minre ift den alle ding das ift minre 
denne ich Diu feie lidende got fchovwet der fint alle ding ze enge 
vnd zekleine da von A\undert mich das ein feie der alle ding ze 
kleine fint das diu vf dekeiner (243 b) creatur geruowen mag Da 
von wan ich mir felber vnwert bin Da von fin mir kleiniu ding 25 
wert Wer ich mir felber gros nichtes nicht wer mir gros Seneca 
der meifter fprichet Swer got fürchtet den fürchten elliu ding Swer 
got nit fürchtet der fürchtet elliu ding Swer got forchtig ift der ift 
got heimlich Swer got heimlich ift der ift von gottes partie Swer 
von gottes partie (244 a) ift der vermag elliu ding Es ruowent 30 
natiurlich ding fo fi koment an ir ftat Es ruowent vehelich creatu- 
ren fo ir gerunge volbracht werdent leklicli creatur ruowet an ir 
ftat Nim den ftein A\irf in in den luft er geruowet niemer er komc 
wider zuo der erden Wa von ift das Da ift erde fin vatter land 
luft ift fin eilende Ein jeklicb ding ruowet inder ftat vs der es ge- 35 
born ift (244 b) Diu ftat vs der ich geborn bin das ift diu gotheit 
Diu gotheit ift min vatterlant Hab ich vatter inder gotheit Ich hab 
nicht alleine vatter da Mer ich hab mich felber da .e. ich an mir 
felber würde Do was ich inder gotheit geborn were gottes wort 
eineft in mir gefprochen al diu weit behuebe mich nit ich klüme vf4o 



13 das ztccite über zweimal b. 14 de keine b. 14. 15 ze liebe noch ze leide. 

Div foK och ruowcn in ifrahel. ifraiiol. ift ein fchowun2:e g^otlicher fchowe. vnd in 
dem befleli^ot fint in fyon. Svon ift ein fpiegel. Div bift gebildet nach der gotheit 
div Ireift das bilde nach dir vnd in dir. Swie E. 16 al] ab* b. 18 liden 

got mag nicht mere wirken den fi liden der magZJ. 22 goi fehlt b. 24 ge- 

ruwe b. 25 fin in ir b. 26 gros, wer ich mir felber wert elliv ding werin 
mir unwert. E. 28. 29 der ift gotlich. Swer gollich ift der ift gotle heimlich. E. 

30. 31 ruwent b. 32 werdent ans wirdct gebefsert b. 32. 35 riiwet b. 33 ein 
in fehlt b. 34—36 Wa-ellende Ein— ift] der zweite Satz vor dem ersten E. 

37. 38 Ich— vatter da fehlt. Nein E. 



168 LXm . LXIV 

bis an die gotheit Swenne ein jeklich ding (245 a) lang vs finer 
ftat il't CS vcrdirbct "NVirf den vogcl indas walTer er ertrinket wirf 
den vifch in den luft er verdirbet Der vifcli ift in dem waffer ge- 
born A\ affer ift fin nature Biftu vffer got geborn -wilt du leben vffer 

45 gotte AVerlich du ftirbeft Ift din vobuiige zergangklich Ich gelovbe 
niemer das du fift geiflich Ift din leben geiflich din vobunge ift 
götlich Schovwen e\vig friheit ift nicht (245 b) anders dennc von 
im felber gevriget wefen Diu feie hat ein got fornielich wefen w and 
fi nach im gebildet ift Si hat ein al verniiigende ^\efen ^\aIlt Uvas 

60 got hat inewikeit ineiner viigefchafTener m ife das hat 11 Inder zit in- 
einer gefchaüener wife Nicht en mag mich fat machen Avant das 
mich vol mag machen Dem gothungerigen menfchen fmeket nicht 
Avant bloffe gotheit (246a) Wil ich der dingen gern fo fin fi gir- 
lich An in felber llnt fi nit girlich Wer ich gottes vol nichtes nicht 

55 achtet ich aller der weite Swer dirre weite achtet das ift ein zeichen 
das er fin felbes hat verachtet Swer fin felbes achtet der hat aller 
dingen verachtet Der ruowet der aller bewegunge ift berovbet Wer 
dekein creatur zemal vnbeweglich diu Mer got Got ift dar vmbe got 
das er vnbeweg (24o b) lieh ift Want alle creaturen beweglich vnd 

60 vnruowig fint da von mag ich nienen ruowen denne in gotte Ift 
dekein crealur din ruowe diu ift din got Es ruowent verftendigc 
creaturen niergent denne an irem würkende Was il't das ende mines 
Avürkendes Das ingot ift ein würkcn das fol inmir fin ein liden Das 
an got ift ein fprechen das fol inmir fin ein hceren Das an got ift 

65 ein bilden das fol in (247 a) mir fin ein fchovwen 



l 



Über Cant. canf. 5, 2. 



nfer herre fprichet inder minne buoche tuo mir vf min fwefter 
wanne ich bin din bruoder tuo mir uf min tuhc Man ich dir min 

44 nalvrlichcil E. 45 gölte diii leben ifl fehler verdorben. Ifl K. iß lebe 

t 
gcilich b. Yobuugc] wirken E. 48 Diu— wefen fehlt E. 49 ein al vcrrau- 

gen. Want £. bO \uier z\\. fehlt E. 52 gothiingerine fc. 61 dekein] dz 

kein h. din ruowe diu rnowc ift E. 62 an iren werchen. div lipbaftigc ding 

« 
ncment abe in iren wehende . was ift E. 63 inmir] mir 6. 6V beidemal in 

gölte E. 66 ein bilde E. LXIV, 1 -3 vgl. XLUI . 22-25. 



LXIV 169 

heiligen geift fante zuo einem trofte tuo mir vf min friundine wan 
ich din gemahele bin nii tuo mir uf din lierce mit diner minne vnt 
laffe mich frcede vnt Avunne hau indinem hercen der prophet fprichet 5 
vnfer herre ^sil fin friundin fueren in ein einoedi vnt mü do reden 
zuo ir hercen. Hie fond ir merken das er vns leret das Avir gerne 
fond fin an der eini das Avir mügent beeren wenne vnfer herre mit 
vns rede 

IVu fond ir Aviffen das vnfer herre intrierhant wife redet mit dem iO 
menfchen vfwendeclichen so boffett er vilherteclichen vnt inAvendec- 
lichen so redet vnfer herre vil fueffeclichen vnt Avenne er ime 
ficherheit git groffer gnaden, aa ie vnfer herre vs Avendeclichen clopfe 
A'nd boffe an das tore das tuot er mit arbeit des libes vnt def 
hercen. vnt hie (32b) fond ir merken AAenne das vnfer herre dem 15 
menfchen arbeite git so clopfet er A-fwendig an das tore. Ant der 
das clopfen guetlichen vnt dancberlichen enpfahet Ant guetlichen 
vertreit alle widerwertikeit mit dem AAirt vnfer herre vil fueffec- 
lichen redenne von innen infiner sele. Avanne nach der betruepte 
A'nt arbeit so kumet gern fölleclichen vnfers herren troft A^nt sin 20 
gnade 

Dauid fprichet ich Avil beeren AAas got in mir rede, er redet fride 
mit llnem volke. do mit das er fprichet ich aaü hoeren Avas got in 
mir rede do mit git er vnf ceuerftanne das er vil fueffeclichen redet 
inAA'endeclichen. Avas aber diu rede sie das Aveis diu sele aü bas 25 
denne si es gefagen kunne. ir fond merken aa ie Anfer herre mit der 
sele rede, finiu Avort die er mit ir redet enift nit anders denne fin 
genade vnd einen götlichen friden den er git do mit erliucht er die 
feie (32c) Ant machet das herce lindmuetige vnd fmeltzende als 
das Avachfe von der heiffen funnen fliuffet alfo aa irt diu sele flieffen 30 
von dem CAAigen sunuen Anferm herren 

Sant auguftinus fprichet dis ift ein minnebant das bant das heiffet 
diu minne. das bant der minne bindet Aiifern herren vnt die feien 
cefamen. nu fprichet ein heilig vnfer herre en\Ail nit das man golt 
noch Silber oder kein ding zuo ime binde 35 

Aber fant paulus fprichet nach der genaden diu mir gegeben ift alf 
ein AA'ifer buman han ich gefetzet das fundamente vnt ein ander 
buA\et darulTe Aber ieclicher der sehe da zuo ime selben Avie er 
daruffe buwe. wan kein anders fundamente mag nieman gefetzen 

5 Osee 2, 14. 17 die Bandschrift clopfet 22 Ps. 84, 9. fpreche vnt rede 

36 Cor. 1, 3, iO fgg. 



ITO Lxrv 

4o denne das do gefetzet ift ihefus chriftus Aber Aver vf das funda- 
nicnte huwett golt oder filbcr oder edcles gefteine oder A\as das 
ift von dil'en oergangcliohcii dingen das A\irt verbrant vnt cerrtoprct 
dur das fiur (.32 d) vnt Jidet fchaden. Er wil allein mit der niinne 
zuo der minnerin gebunden werden, triuwen da bindet diu minne 

45 die minnerin zuo dem minner 

Int denne fprichet diu minnende sele. oherre Avir fönt fitzen Avir 
mügen vns nit so fehiere von einander gefcheiden. Du weift doch 
■vvol lieber lierre mine das Avir vil mit einander cekofenne hahent. 
Nu fprichet diu minnerin. wir fond ein Avonunge zwifchent vns machen 

50 du Aveift doch avoI das ich diu minne bin mit der du a\ unne haft 
A'nt do A'on lifet man das der heiliggeKt die seien nimet vf sin 
Acderen Ant f\\inget si vf für got mit der fueffen andacht der rei- 
nen sele. vnd ruOAvet da mit ir vnt si mit ime Nu fprichet vnfer 
herre ich vnt diu feie fönt ein ftete Avonunge han mit einander 

55 Sant iohannes fprichet got ift diu minne diu sele ift ouch minne. 
oherre du muoft bi mir beliben Avan ich bin (33a) och diu minne 
da bift ouch diu minne. denne fitzet vnfer herre vnt ruowet inder 
sele minne vnt kofet vil guetlichen mit ir vnt fprichet mir ift avoI 
das ich bi dir bin vnt ift mir luftlichen das ich in der feie wone 

60 vnt ruow en sol 

So Ipridiet denne diu feie olieber herre du ])ift min vnt ich bin 
din ich bin din kint vnt du bift min A^atter ich bin din dirne du bift 
min herre ich bin din gefchöpfte du bift min fchöpfer ich bin din 
iunger du bift min meifter ich bin din sele du bilt min felde du bift 

65 min frcpde du bift min ere du bift mir alles das guot vnt feiiges 
da.s mir ie a\ art du bift min teile das befte vnt do von ift mir alliu 
difiu A\ elt cenicht a\ orden A\anne du haft mich dir uferwelet Ant ich 
han dich uuch vserwelet zuo einem obroften liep vnt zuo einer 
Avunne miner feie Alfo Iprichet vnfer herre ich vnt diu sele fönt 

70 ein Avonunge mit einander han. vnt denne Iprichet diu sele nu han 
ich in begrill'en ich a\ il in nit mere A'on mir lan vnt ich tragen min 
userA\eIt liep vnder min (33b) brüften. da ift geeiniget der liep 
zuo der aller liepflen vnt das pinli zuo dem honig der ifop zuo dem 
ballame diu nachLgalle zuo der har])fen der hirtze zuo dem ewigen 

75 brunnon der liechte ftern zuo dem funnen do A'on erfroewe dich 



42 diiificn wir' verbrat 46— fiO vgl. XLUI, 39—49. 54. 69 vgl. Ps. 131, 14. 
55 Ep. Joh. 1, 4, 9. 58 Ps. 131, 13. 14? 61—77 vgl. XLIX . 30—44. 



LXIV 171 

feie vnt froewe dich immer mere. du folt sin do got ift vnt folt 
ingot gefueget werden 

Der prophet Iprichet du feiig feie korae zuo der hiraelfchen ierufa- 
lem denne so nimet si got vnt gottes fune an lin herce vnd zartet 
ir vnd trucket si an sin prüfte vnt kert si von einer bruft zuo der 80 
andern, vnfer lierre hat zwo bruft fin menfcheit vnt fin clariu got- 
heit da kert er die sele von einer bruft zuo der andern, mü si 
milich so kert er si zuo der bruft llner menfcheit wil fi honig vnt 
kipper Avine so kert er si zuo der bruft finer fueffen gotheit. Do 
von fprichet der heiliggeift mache din munt wit so machtv vil ge- 85 
fugen, wie fönt A\ir den munt ^vit gemachen das fönt wir tuon mit 
luft vnt (33c) mit begirde guoter werken. Du folt dinen lip tenen 
vnd arbeiten ingottef dienft so wirt dir der munt wit das du vil 
macht gefugen von der gotheit 

Nu fprichet der prophet ir fond den bach trinken der von der got- 00 
heit vnt der menfcheit chrifti lliuffet vnt er sol mit ganzem flüffe 
iniuch flieffen. Er fprichet nit ir fönt von dem bach trinken er 
fprichet ir fond den mit einander trinken do von fprichet dauid die 
do noch uf dem wege fint zuo der himelfchen ierufalem die fond 
trinken von dem bach nu fprichet der prophet ir fond trinken vnt 93 
fond trunken werden in vnfers herren hufe. do er fprichet ir fönt 
trinken vnt trunken werden, do git er vnf ceerkennen vier froede 
die diu sele enpfahet so si trunken wirt von der hohen gotheit 
chrifti vnt finer fueffen menfcheit diu erfte ift das si hohes vnt 
fries gemuetes wirt das die niinften feie dunket diu indem himel ift 100 
das vnfer herre got finer wirdigen muoter (33 d) marien vnt aller 
heiligen habe uergeffen vntz an si allein diu ander froede ift das si 
fchcen wirt das fprechent die meifter das der lip nach der iungften 
uferftandunge fiben werbe fchoener werde denne diu funne. vnt des 
libes fchopni wider der sele fchceni vnt clarheit das fi recht alf 105 
ein dein fünclin gegen aller der weit fant auguftinus fpricht do von 
ein wort das die fchceni die der lip enpfahet nach der urftendi das 
ift nit anders denne ein überflüs der sele 

Diu tritte froede ift ein ewigiv froede euch ift diu froede alfo luter 
das si niemer me betruept wirt vnt erfroewet fich ein ieclichiu feie HO 
der andern froede recht alf ir felbef froede vnt dunket ein iecliche 
feie das ir froede alfo gros fie das si nit wölt fin an vnfer frovwen 



85 Ps. 80, 11. 90 Isaice 12, 3. 93 vgl. Ps. 109, 7. 95 Ezech. 39, 19. 

97 ceerkeone vnf 99 chrifti hinter menfcheit 



IT« LXIV . LXV 



ftat vnt wo von ift das Man das si trunken fint Diu vierde fropde 
ift das 11 ^^ irt gar miKes geinuetes Der diler fropde befinden sol der 
lismuos im felbes alceniale us gan na aller der A\ire alf es (4Ga)got 
von ime gefeilig ift vnd haben wil. Amen 



Am Himmelfahrtstage. 

Indem ift uns erceiget vnt erfchinen gottes minne an uns wanne got hat 
gefant sin eingebornen fune indie weit das wir lel)en mit dem fune vnt 
indem fune. wo nu ein richer künige were der do hetti ein (2l9d) 
fchaMie thochter vnt gebe er die eines armen mannes fune alle die nu 

5 zuo dem geflehte hortint die wurdint do von erhoehet vnt gewirdiget 
INu fprichet ein meifter. Got ift menfche A\orden do von ift erhahet 
vnt gewirdiget alles mcnfchliches kiinne vnt des mügen wir vnf moI 
fropM en das chriitus gottes fune viii'er bruoder ift vnt geuaren ift 
von eigener crafte über alle koere der engel vnt fitzet zuo der rech- 

10 ten hant fines vatters. 

Dirre meifter hat a\ ol gefprochen Aber werlichen ich gebe nit vil 
darumb was hülfe mich het ich einen bruoder der do were ein richer 
man vnt Avere ich do bi ein armer man Avas hülfe mich het ich ein 
bruoder der do were ein Avifer man vnt Avere ich do bi ein tore. ich 

15 fj)iiche ein anders Got ift nit allcine menfche Avorden 3Ier er hat 
menfchliche nature an fich genomen. 

Es fprechent die meifter gemeinlichen das alle menfchen fint gelich 
edele. (2.50a) Inder nature vnt ich fprichen Averlichen alles das guot 
das alle heiligen befeffen hant vnt maria gottes muoter vnt chriftus 

20 na finer menfcheit das ift min eigen indirre nature. Nu möchti der 
menfche fragen, fit ich in diire nature hau alles das chriftus geleiftcn 
mag nach finer menfcheit a\ o von ift denne das das Avir chriftum 
ha'hen vnd A\irdigen alf vnfern herren vnt vnfern got das ift do 
von Avanne er ift gewefen ein hotte von gotte her zuo vns And hat 

25 vns zvo getragen vnfer felikcit Die felikeit die er vns zuo truoge 
diu A^ as vnfer. Da der uater gebirt finen fune in dem inreften gründe 
da hat ein infwcbcii dife nature Difiu nature ift ein vnt einualtig 
^u fj)richet der meifter A\er in der ])loj<heit diire nature A\il beftan 
ane mittele der muos aller perfonen us gegangen sin alfo das er 



_a 
115 die Handschrift ist verbunden. LXV, 1 Ev. Joh. 3, 16. 29 us gegegen 



LXV 173 

den menfchen der ennent mcrs ift den er mit ovgen nie gefach das 30 
er dem alfo wol guotes gan alf dem menfchen der bi ime ift vnt 
iln heimlicher (250 b) friunt ift Alle die Avile das du diner perfone 
me guotes ganft denne den menfchen die du nie gefeht So ift dir 
werlichen vnrecht noch du geluogetaft nie indifen einualtigen grünt 
ein ougenplike 35 

Der meifter fprichet Do diu creature endet do beginnet got cefinde. 
nu begert got nit me denne das dr din felbes in creaturlicher Avife 
US gangeft vnt laffeft got ein herren indir fin Das minft creaturliche 
bilde das fich iemer in dir erbiklet das ift alf gros alf got grof ift 
warumb do hindert es dich eines gantzen gottes. recht do das bilde 4o 
in gat do mvos got wichen. Aber do das bilde vs gat do gat got 
in Got begeret des alfo sere das du din felbes us gangeft in creatur- 
licher wife alf ob alle fin felikeit dar an lige 

Eya lieber menfche was fchadet dir das du got günneft das got ein 
herre in dir sie gang din felbes alcemale vs dur got so gat got alce- 45 
male des sinen us dur dich (250c) Da dife zwei us gant Avas da 
belibet das ift ein einualtig ein in difera ein gebirt der himelfche 
uater fin fune indem inneroften quelle do plueiet us der heilig geift 
Do enfpringet ingot ein wille der behoeret der sele zuo Die wile 
der ftat %Tiberueret von allen creaturen von aller gefchaiFenheit so 50 
ift der wille frije 

Sant auguftinus fprichet diu feie ift gefchaffen von got vnt darumb 
mag fi nienen rvowen denne ingot. Der Meifter fprichet nu han wir 
ein funken gefant zuo dem himele das ift diu feie vnfers herren 
ihefv chrifti Diu be\\ ifet vnf allen das aller feien ruowe ftat nienen 55 
ift denne in dem himele vnt dar an ift unf ouch bewifet das diu 
sele gentzeclichen zuo got behceret. aber der lichame ift gemachet 
von der erden als ouch von den vier elementen vnt des ruowe ftat 
ift uon nature uf der erden 

Au ift diu sele alfo gar uereinet mit dem lip das (250 d) fi ewec- 60 
liehen mit einander fönt pliben vnt doch behceret der lip zuo der 
erden vnt diu feie zuo dem himele. nu hat got ein wifen rat funden 
vnt ift felber menfche worden vnt ift mit eigener craft cehimele 
geuarn vnt do von han wir an ime einen erden closs cehimele ge- 
fant do von hoeret ouch alle diu erde gentzeclichen zuo dem himele 65 



30 gefchach 38 us gangeft fehlt. 41 do got got 48 inofte 49. 50 Die 
Wille ftat 



174 LXV 

waii vnfers Herren ihefu chrifti ruowe ftat ift anders nienen denne 
an der uereinunge fines himelfchen uatters 

A\an alf got triiialtig ift an den porfonen alfo ift einikeit in der 
nature vnt hant ein wefen vnt ein leben alfo hat vns vnfer herre 
70 ihefus chriftus bereitet das vnfer ^\ efen vnt ouch vnfer leben ewec- 
lidien fin fol an gütlicher einungo. 

l)er ander nutz den vns vnfer herre bewifet hat an fincr himelfart 
Das ift in \vas wife wir vnf dar zuo bereiten fond das wir ouch na 
ime faren. Vnd (201 a) das ift uns gar fchone bewifet inder alten 
75 ee an hern nioysen der trcip fin vehe cefanien in ein bofchen in 
ein heimliche w ueftin vnt do fall er uf dem gottes berg ein böfchen 
brinnen vnt wolt doch nit uerbrinnen vnt nioyses wolte hinzuo gan 
vnt Molte fehen das \\under do fprach im vnfer herre zuo vs dem 
büfchen moyses ziuch vs din fchuoch. An difen m orten llnt vns be- 
80 wifet gar guot lere Do mit wir bereit werden zevarn vnferm hern 
nach cehinielriche. 

Das erft ift an moifen ^^anne moifes fprichet alfo vil alf der von 
dem waffer gonomcn ift Alfo fol der menfche genomen vnt vs ge- 
zogen fin von der vnftetikeit vnt von dem wuetenden ftürmigen 
85 niere difer weite Das ander das der menfche fin vihlichen finno 
cefamen tribe vnt fin tleifchlichen begerung zanie vnd binde. Es si 
denne das diu feie Averde erhaben vnt uf getragen von gefchaffenen 
dingen fo enniag der heilig gcift infi nit komen Noch (251 b) inder 
feie gewürken wanne alle die götlichen Merc diu got würket diu 
90 muos er würken über cit vnt ftat indem geifte wan liplichiu ding 
fint ein uerderpnus gütliches influffes. wanne AAenne gütlich Hecht 
fliuffet uf gelftliche creaturen fo würket es leben vnt fo es uallet 
aber uf lipliche ding fo erlifchet vnt uerdirbet es 
l nfcr herre fprichet es ift iuch nütze das ich iuch benomen werde 
95 wanne fin lungern hatten in liei) alf ein menfchen der noch tcetlichen 
was. nu das an zwiuel Mar ift das vnfer herre edeler was. denno 
alles das got ie gefchuolFe Sit er denne finen lungern ein hindernüffe 
was so ift das ane zuuiuel Mar das andriu ding vil me hindert die 
man liep hat die minre fint denne got Darumb muos diu feie erha- 
iOO ben fin über cit ob si wil das got fin gütliches werke in ir Avürke 
oant auguftinus lert atis offenbare das man ander bekentnüffe vnt an 
minne (251 c) kumet über die Avelte vnt an bekentnüs vnt an minne 



75 Exod. 3, 1 f(j(j. 79 l'uoch 94 Ev. loh. 16, 7. werde] wer 96 ift fe)dt. 



LXV . LXVI 175 

fo enift der menfche nit inder weite Das tritte das du folt die fchuoch 
US ziehen alf ouch moyses vnt das bewifet uns das diu begerung 
der feien fol geloefet fin vnt vs gezogen von allen toetlichen vnt 105 
cergangclichen dingen vnt fol Itan iuuerzihunge ires lebennes vnt 
ane uermengunge des geiftes 

Es fprichet ein gefchrift des bapftes wanne vnfer herre finiu ougen 
uf huop fo meinte er etwas groffes Es fprichet der wife man indem 
buoch der wifheit das diu feie wirt getragen mit gütlicher wifheit HO 
ingott 

Sant auguftinus fprichet das alle die werc vnt die lere der menfcheit 
gottes si ein bilde vnt ein war figure vnfers heiligen lebennef Diu 
feie muos geliuterot werden vnt cleinliche gemachet werden indem 
Hechte vnt inder genade vnt (251(1) alles abegefcheiden werden 115 
vnt gefchellet das frömdes ift an der sele vnt ouch einteile das ü 
felber ift 

Sant bernhart fprichet min ouge ift geliche dem himele an dem das 
es finwel vnt luter ift vnt an dem obroften des libes ftat vnt das 
es enhein frömden indruke erlidcn nit enmag fol min ouge das bilde 120 
bekennen das an ein wände gemalet ift so muos es cleinlichen in- 
dem lüfte gebiutelt werden noch vilcleinlicher muos es getragen 
werden inmin bildenerin inminem bekentnus wirt es ein Dife eigen- 
fchafte muos diu feie von not han vnt dife gelichnüffe. la wie dein 
es ein geftüplin ein fündelin oder ein fipp der fünde fi das enmag 125 
diu feie nit erliden wanne es der feie frömde vnt vngelich ift vnt 
frömdet si ouch gottes vnt des enmag diu feie nit moI erlidenne 
(252 a) Diu feie muos alfo genot vnt so gar enplceflet werden 
alles des das zuo geuallen ift vnt alfo luter uf getragen werden 
vnt wider inflieffen inden fune alf si us gefloffen ift in ime wan 130 
er hat die feie gefchaffen indem fune Darumb muos si alf plos wider 
in ime inflieffen als si an ime vs gefloffen ift 



Über Ed. Joh. 13, 34. 



ü 



nfer herre fprach zuo finen iungern minnent iuch under einander 
alf ich iuch geminnet han wanne do bi bekennent die liute das ir 



HO Sap. 3, 1 ? H2 lere des menfchen der menfcheit 119 er finweler 

121 de ein an ein 122 vilcleinliclicher 125 fi fehlt. 129 luter v uf 



176 LXVI 

min iungern lint. nv vinden a\ ir von driorleijc minne die vnfer herre 
hat dar an Avir ime mucffent geliche sin. Diu erfte minne ift natiur- 

5 liehen Diu ander minne Ift genedeclichen Diu tritte minne ift güt- 
lichen, wie das doch ingot nit enift (20ld) es si euch got xVber 
■wir mueffcn es nemen als es invnf uf climmende ift von einem guoten 
in ein beffers vnt von einem beffern in ein volkomeners. aber in 
got ift nit minre noch nie er Ift allein ein einualtigiu luteriu wef- 

10 lichiu Avarheite. 

Diu erfte minne die got hat do wir an lernen fond. Das ift wie in 
fin natiurlich gueti darzuo betwang das er all creaturen gefchuof 
der er eweclichen fwanger Avas worden in dem bilde finer fiirfich- 
tikeit vmb das siu fin guetin nüffint mitt ime. vnt vnder allen crea- 

15 turen fo minnete er ein nit me denne die andern wanne als verre 
ieclichiu wit ift ce enpfahenne alfo verre ergiuffet er fich infiu 
l iit were min feie alf wit vnt als breit als der engel vnt feraphin 
der nit ininie enhat got güffe es in mich alfo volkomenlichen alf in 
den engele vnt seraphin. rechte alf der ein finwellen cirkelle machet 

20 vnt der vmb (262 a) vnt vmb vol pünctelin were. vnt en mitten 
inne ein puncte dem puncten werent die andern pünctelin alliu eben 
geliche nach vnt verre vnd fölte ime ein pünctelin neher werden 
das mueft vs finer ftat rucken Avanne das mittele pünctelin belibet 
geliche enmitten . 

25 Alfo ift es vmb das götliche wefen es enift nit uffern ime fuochende 
mcr alles in ime felbe plibende. fol das fin das diu creature von 
ime enpfahe so muos das von not sin das si us ir felber gerucket 
werde wenne man von dem menfchen redet so redet man von allen 
creaturen wanne chriftus fprach felben zuo den iungern gant enwege 

30 vnt fagent allen creaturen Manne alle creaturen fint gefaninet an 
den menfchen. aber got der giuffet fich doch weflichen in alle crea- 
turen in ieclich alfo vil si enpfahen mag Dis ift vns ein guot lere 
DAs wir alle creaturen geliche minnen fond mit allem dem das 
wir von gotte enpfangen haut ift uns ioch einer neher von friunt- 

35 fchaft von (202 b) naturc das a\ ir doch von gütlicher minne geliche 
gunft habent des felben guotes. ich fchinen etwenne alf ich ein 
menfchen lieber habe denne den andern aber ich han den felben 
gunfte zuo einem andern den ich nie gefach vnt dirre erbiuttet fich 



LXVI, 3 drierlijc 17 cngel von feraphin 19 vnt] von 22 puctelin 

27 rucket 29 Ev. Marci 16, 15. 



LXVI 177 

mir me. vnt darvmb mag ich mich me in in ergieffen vnt alfus min- 
nct got alle creaturen glich vnt erfüllet si mit finem wefenne vnt 40 
alfus fond wir mit niinne flieffen uf alle creaturen. dis vindet man 
vil an den heidenen das si zuo difem minne friden mit natiurlichem 
hekentnüs kamen wanne das fprichet ein heiden der menfche fi ein 
tiere das fenftnmetige ift 

Diu ander minne gottes diu do geiftlichen ift do mit er flieffende 45 
ift indie sele vnt in den engele alf ouch do vor gef])rochen ift wie 
diu uernünftige creature muos vs ir felben grucket werden mit einem 
liechte das über alles natiurliche liecht ift wanne alle creaturen in 
irem natiurlichen liechte so vil luftes haut so muos das groeffer sin 
das si dar us ziuhet ein (2 62c ) liecht von genaden wanne indem 50 
natiurlichen liechte hat der menfche lüfte in fich felben aber das 
genedecliche liechte das vnfprechenlichen groesser ift das benimet 
dem mcnfchen eigen lüfte vnt ziuhet in in fich felben vnt hervmb 
fprichet diu minnende feie ziuhe mich herre na dir in dem fmake 
diner götlichen fueffikeit 55 

iVu kan man got nicht geminnen manmuos in e bekennen wanne das 
wefliche puncte das got ift das do enmitten ftat geliche nach vnt 
verre allen creaturen sol ich dem genehet werden so muos min 
natiurlichiu uernunftc uf gerucket werden mit einem liechte das 
enboben ir ift alf ob das min ouge ein liecht were vnt fo ftarke 60 
were das es das liebte der funnen in finer crafte enpfienge vnt do 
mit ein \\rde so enfehe es nit alleine mit finer crafte mer mit dem 
liechte der funnen gefehe es als si in ir selber ift 
Alfo ift es vmb min Vernunft diu ein liechte (26 2 d) ift vnt keren ich 
die von allen dingen die richti gen got wanne denne got an vnderlas 65 
ift flieffende mit genaden so w irt min vernunfte erliuchtet vnt vereinet 
mit minnen vnt dar inne gotte bekennen vnt minnen alf er an ime 
selber ift 

Hie mit fin wir gelert ^ie das got us fliuffet in die vernünftigen 
creaturen mit dem liechte finer genaden vnt wie wir mit vnfer ver- 70 
nunfte nahen fönt difem genedeclichen liechte vnt vs vns felben 
gezogen werden vnt vff"e climmen in ein liecht das got felben ift 
Diu tritte minne gottes dar an wir lernen fönt wie das got ewec- 
lichen vs geborn hat fin ein geboren sun vnt gebirt in nv. vnt 



43 wanne] wc 50 zuhet 54 Cant. 1,4. 56 wanne] wc 69 veiuuntigen 
70 finer fehlt. 

Altd. Predigten. 13 



178 LXVI 

75 ewccliclie. vnt alfus lit er in kindel bette ineiner ieclicher guoter 
vnt US brachter vnt inw onender feie diliu ^eburt ift fin verftentnüffe 
das eweclichen gefpninüen ilt von nncni vetterlichen hercen indem 
er alle l'ine ('20;] aj ^\unne hat vnt alles das er geleiiten mag das 
verceret er in dem verftentnüffe das fin geburte ift vnt er enfuochet 
80 nit US ime. alle fine Avunne hat er infinem fune vnt er enminnet nit 
denne fin fune vnt alles das er inim vindet AAanne der sune ift ein 
liechte das do eweclichen geliuchtet hat in dem vetterlichen hercen 
fond A\ ir dar in komen So mueffen wir clinimen von natiurlichem 
liechte indas genadenrich liechte vnt dar inne \\ achfcn indas liechte 
85 das der sun selben ift do werden a\ ir geminnet indem fune dur den 
uatter von dem vatter mit der minne die der heilig geift ift diu do 
eweclichen entfj)rungen ift vnt us gej)lueiet ift zuo finer e\\igea 
geburt das diu dritte perfone ift vnt vs blueiende ift von dem fune 
zuo dem uatter als ir beider minne 
90 Der meifter fprichet ich gedenken etwenne an das Avort das der 
engele zuo vnfer frouwen fprach gegrueffet fieftv genaden vol. was 
hülfe mich das (263 1)) maria genaden vol were. ich were denne 
euch genaden vol Avas hülfe mich das der uatter finen fune gebere 
ich gebere indenne ouch. Darvmb gebirt got finen fune in einer 
95 volkomenen feie vmb das si in vort vs gebere in allen iren werken 
dar über fprach ein heidenfchiu iungfrouwe von herren iofeph des 
Patriarchen fune. ich enfach in nit an alf ein menfchen mer alf einen 
got M anne got der liuclitct us finen m erken vnt alfus fönt wir geei- 
niget werden mit der minne des heiligengeiftes indem fune. vnt mit 

100 dem sune bekennen den vater vnt minnen vns in ime vnt in in vns 
mit ir beider minne. 

Ku fprichet er Mer volkomen ift an der dricrlei minne der muos 
von not .V. ftucke han. das ein ift ein Avare abe gefcheidenheit von 
allen creaturcn das ij. ein war lediges leben das da beweget si 

105 indem gründe der sele von der beruerunge des heiligen geiftes. 
Das iij. ein wares (263 c) fcha?weliches lebenne. Das iiij ein uf 
climmender geifte. 

Es fragte in eim gecite ein iunger finen meifter von der ordenung 
der engelen. vnt der meifter feit zvo ime. gange vnt fuege dich zuo 

110 dir felber in dich felben fo lange das du es verftandes. vnt gip dich 
denne mit wefenne darin vnt fich das du in it anders Tieft denne 
das du an in vindeft So ducket dich bi dem erften das du die engele 

100 dem fehlt. 



LXVI . LXVII 179 

mit in fieft vnt alf du dich in ir aller wefen gibeft so wirt dich 
ducken ^^ie du alle engele mit allen cngelcn lieft 

Der iunger gieng enweg vnt fuogte sich in fich felben so lange vntz 115 
das er dis alles hi A\arheit beuant Do gieng er Avider zuo dem 
meifter vnt danckote irae vnt fprach mir ift befchehen alf ir mir 
feiten Do ich mich gap indas Avefennc der engele vnt vf clam in ir 
Avefenne do duchte mich zeiuncfte. wie ich alle engele mit (263 d) 
allen engelen were. do fprach der meifter. Eya kemeftv ein Avenig 120 
fürbas indcn vrfprung so sol wunder über wunder mit diner feie 
gewürket werden, wan die wile der menfche vf climmende ift vnt 
enpfahende ift mit mittele der creaturen fo ift er nit ceruowe komen. 
wann er vf climmende ift ingot so enpfahet er indem fune mit dem 
sune von dem uatter allef das got geleiften maff 125 



Pater iiofter 



u 



Atter unfer der do ift inden himelen Das er vnfer vater ewiger 
Inder Avarheit si das mugent Avir merken A^on der warheit diu chri- 
ftus ift. Avanne er fprach zuo fin lungern ir enhant wan ein uatter 
der do ilt inden himelen. Das er ouch allen heiffe vnt sie vnfer 
uatter alf er ouch hat vns geleret das mügen Avir dar an merken 5 
Avanne er hat vns dur Aierwile geLoren darvmb das Avir möchtin 
dur in (282 c) Aviderbracht Averden indas ewige vatterlant von den- 
nen Avir ouch komen fint Ant er hat es mit offenen Avorten moifen 
A'nt allen Anfern A^ettern gelopt do er fprach. Inder. A-ierden geburt 
fond ir herwider komen zuo mir, das Avort haut die lerer alfus 10 
betiutet das man es alfo sol uerftan. Diu erfte geburte ift geheiffen 
das er vns nach ime gebildet hat vnt gefchaffen. Diu ander geburt 
ift A'on der heilikeit des heiligen tovfes genomen. Avan der touffe 
heiffet heilig \nt ift kreftige von heiligkeit des Avaffers vnt des 
bluotes ihefu chrifti das Aon finem toten lip vnt hercen flösse indem 15 
er vns zuo dem andern male hat wider geboren. Diu tritte geburt 
ift nit anders Avanne das er aus von finer genade vnt von minnen 
vnt mit Anfer riuwe (282 d) Avil behalten vnt vnf enpfahen alf do 
der uatter sinen fune het ferloren A'nt in der riuAve Avider fant Aut 
von minnen mit dem erften cleit aber gelichet im selben. Diu vierde 20 
geburt ift Inder Avir Avider komen fönt das ift das CAvige leben in- 

LXVII , 3 Ev. Matth. 23, 9. ror wan von jüngerer Hand nachgetragen nit 

9 Gen. 15, IG. 11 gehei-beiffen 12 vns von jüngerer Hand nachgetragen, 

17 vns fehlt. 21 wir fehlt. 

13 * 



180 LXVII 

dem er vnf mit finen uferw eilen ingucnlicher m ife wil tuon l)ehal- 

ten amen 

Nu fond ir merken diu l'iben gebette die vnl" orirtuf hat geleit indem 

25 pater nol'ter wie das wir den himelfchen vatter lond bitten. Diu ein 
bette fprichet alfo. Geheiliget so w erde din nanie Das ift an \ nf vnt 
invns. wenne das Mir nu alfo begerent so haben Mir. Drier tugende 
gebetten die vnf nu vnt eweclichen zno allem guote mügent konien. 
Das ein ift das vnf got der uatter von himelriche die gäbe des hei- 

30 ligen geiftes Avelle geben. (283 a)' Diu do götlichiu forcht ift ge- 
heilfen diu gäbe Avirt darvmb gebetten vnd oucli gegeben das der 
heiliggeift von finer krafte in vns welle würken das ift das er 
hochuart invnf welle vertriben in der wir gotte mügent miffeuallen. 
Das anderift das er vns demuetikcit Avell geben inder Avir mügent 

35 gotte Avol geuallen. Das tritte ift das er in vnf die feligkeit m eile 
•würken diu do ift geheiffen armuot des geiftes. von der chriftus hat 
gefprochen das feiig fint die. Die sich in armuot des geiftes halten 
wan das himelriche ift ir 
Diu ander bette fprichet zuo kome vns din riche. Das ift Mir be- 

40 gerent mit gotte das alliu menfchen m erdent behalten. M-enne M'ir 
difer bette gebettent So han Mir trier fachen gebetten. Diu ein ift 
das got der uatter vns welle geben die gäbe des heiligen geiftes 
diu do heiffet iniltikeit des (283 b) hercen. vnt diu gäbe wirt darvmb 
gegeben das si invns müge uertriben. nide vnd haffe der dir mage 

45 gefchaden vnt euch indir m eile m rken die Seligkeit von der chriftus 
hat gefprochen. selig fiut die do sint eines milten hercen. Man si 
fönt das lebende lant das himelricli ift genant das fond si befitzen 
mit frceden 
Diu tritte bette heiffet din m ille Mcrde voilebracht inder erde alf 

50 indem himele. m enne das m ir alfo begerent so han Mir aber trie 
bette gebetten. zuo dem crften han Mir gebetten das vnf diu gäbe 
des hciligengeiftes Mcrde gegeben diu do kunft ift geheiffen diu das 
in vns Melle vertriben das ift zoren der dich möcht verirren das 
du gottes M illen noch sin gcrechtikeit nicht möchteft volbringen Diu 

55 ander ift das dir ein betruept vmb dich vnt vmb dinef ebenmenfchcn 
geprcften (283c) MCide gegeben. Diu tritte ift das diu feligkeit 
indir MCrde gCM ürket von der chriftus fprach. Selig sint die do 
eines betrue])ten hercen fint m an siu fönt eweclichen getroeftet m erden 



34 er iu vns 21 (g(j. AlatUub, 'i ((jg. 53 welle wurkeu vu vtribeu 



LXVII 181 

Diu vierde bette fprichet alfo gip vns vnfer teglich brott vnt mit 
dem so wir alfo fprechent. so han Avir aber vmb drie genade ge- 60 
betten, vnd das ift das wir vnfern hiraelfcheii vatter bittent das er 
vns die gäbe des heiligen geiftes gebe diu do fterkin ift geheiffen, 
darvmb das si vns den gebreften müge benemen der trakkeit ift 
geheiffen vnt ouch die Seligkeit in vns welle würken von der chri- 
ftus feit. Selig fint die do hungeret vnt türft nach der gerechtikeit 65 
uf ertriche A^anne siu fond gefaltet werden in himelriche mit aller 
gnuegde 

Int das fünfte bette fpricht ver^ip vns vnfer fchulde als (283 d) 
wir vergebent vnfern fchuldegern. das ift nit ceuerftanne vmb golt 
noch vmb silber mer vmb alle die betruepte leide vnt vngemach so 70 
diu menfchcn Arider vns tuont. Avanne AAir alfo begerent so bitten 
Avir aber vmb dri genade. Diu ein ift vmb die gaben des heiligen- 
goiftes diu do hseiffet diu gäbe des rattes diu Avirt gegeben dar vmb 
das hertikeit des hercen Averde Aon vns A^ertriben vnt vns diu Selig- 
keit Averde gegeben \on der chriftus hat gefeit diu do erbarmherci- 75 
keit ift geheiffen. Darnach gat das Avir den lone fond befitzen das 
ift das vns erbarmhercikeit fol gegeben Averden 
Diu fechfde gebette diu fprichet alfo. vnt inleit vnf nit inbekorunge. 
vnt AA enne aa ir alfo bittent so haben Avir vmb drie tugende gebetten. 
das ift das Ans diu gäbe des heiligen geiftes AAerde gegeben (284 a) 80 
diu uernunft ift geheiffen. diu darA^mb Avirt gebetten A^nt ouch gege- 
ben das der geprefte vnd diu Antugede der vnkiufchekeit der din 
uernunfte mag uerplenden. das der von der craft des heiligengeiftes 
Averde uertriben vnt dir diu feligkeit werde gegeben diu do heiffet 
luterkeit des hercen. von der chriftus hat gefprochen das feiig fint 85 
alle die do sint eins reinen hercen Avanne fiu sond got eAveclichen 
fchouw en Ant fia gebruchen mit foller glorie. 

Das fibende gebette fprichet alfo. Lcefe A^nf von allem übele amen, 
vnt hie bitten Avir ouch trier bette das ein ift das Avir bittent vmb 
den geifte der Avifheit der Avirt darvmb gebetten vnd geben das A^ns 90 
A\ erde benomen Anfer menfchlichiu oder natiurlichiu kränkelt Das 
ander vmb ein befcheiden luter conciencie vnt fride des hercen. Das 
tritt ift das AAir bitten Aiiib die feligkeit von der chriftus hat ge- 
fprochen. Selig sint si die (284 b) do fint eines fridfamcn hercen 
A\an siu fond den lone befitzen von dem chriftus hatte gefeit das 95 
die fridfamen gottes kinder Averdent geheiffen amen. Fiat fiat. 

80 du genade vnd gäbe 



182 Lxvm 



£, 



Am ersten Sonntag im Adcent. 



iKunt fii^na in fole et Juna et ftellis, Difiu v.ort diu fchriht der 
lieilii? ewaiigelift fanctus Lucas in dem ewangelio das v,'\v hiut ge- 
lefcn hein zuo dem heiligen anipt der mefz. Und difiu a\ ort hat ge- 
fprochen der lieb chriftus do er uf ertlich gieng zuo finen lieben 
5 iiingren. Und fi fprech-( 105 a)ent zc tiutfche alfo. So ir fcchent 
das zeichen gefchechent an der funnen und an dem man und an 
dien fternen. Levate capita veftra ccce appropinquabit redempcio 
vcftra. So hebent uf iuA\ri hoopter und fechent iuch nachret iu\\ri 
erlcefunge. Nu fchribet der lieb leronimus das fünfzechen zeichen 

10 gefchechent vor dem iungften tage fünfzechen tage alle tag eins. 
Und dar nach ift der iungfte tag und das iungfte gericht. Nu ift ze 
Aviffcn das alle tag driu und dryffig tufeng mönfchen fterbent der 
iungfter tag es ouch dennc ift. Nu ift aber ze Miffen das vierer 
hand liuten gericht m erdent. zweiierhand guot und zweiierhand boes. 

15 Do nu chriftus fin iungrcn ufz fante nach finer urftendi ze brödicn 
Do fprach er zuo inen. Euntes in mundum predicate ewangelium 
omni creaturc Gant in die weit, und prödient das ewangelium aller 
creature. Und die es geloubent die Avcrdcnt behalten. Und die es 
niut geloubent die fiut ietzant vcrdampnot. Dis llnt von den vierer 

20 hand liuten die gerichtet werdent das fint die aller bceften das fint 
(i05l)) luden und beiden die das ewangelium niut geloubent die 
fint ietz verdampnot als chriftus felber fprach. Die andren die wer- 
dent gerichtet an dem iungften tag und dis fint ouch boes die von 
difer weit fint gefcheiden in totfünden ane riuwe und ane bicht die 

25 werdent gerichtet in die eu igen helle. Nu fint ouch z\\ eiler bände 
guotcr liuten. die ouch gerichtet werdent. die erften das fint guoti 
mönfchen die luterlich und reinklich gelebt haut von kintlicher 
iugent die fint ietz gericht zc ewigem leben. Und fi fönd fitzzen uf 
dien z\a elf Ituelen und fönd richten mit dien zwelfbotten über die zwelf 

30 geflecht von yfrahel. Die andren werdent gericht an dem iungften 
tage. Und dis fint ouch guot und hatten dike fünde getan Und die 
haut fi geriuwet und gebichtet und difiu mönfchen werdent gerichtet 
ze ewigem leben. Nu ift ze wiffen das der mönfchc ift diu minder 
■\velt. Und alles das in der weit gefchichet das muofz alles geiftlich 

LXVril , 2 Lw. 21, 2.5. 16 Marc. 16, 15 fij. In der Handsrhrifl miiduiu 

cl pdicate 17 cwaiiliu 



LXVm 183 

in dem mönfchen gefchechen. Und das merke da bi das du geliclieit 35 
haft mit aller crea- (lOC a) ture. Won do cliriftus fprach zuo finen 
iungren brödient das ewangeliura aller creature. Do mochtent die 
iunger chriftum fragen, fönd wir dien fteinen und dien tieren oucli 
brödien. Do mocht chriftus fprechen. nein brödient es dem mönfchen 
fo haut ir es gebrödiet aller creature. Won der mönfche hat ge- 40 
licheit mit aller creature. Nu ift der mönfche gcfchaffen von dien 
vier dementen. Und hat ieklicher element natur an ime als fi guot 
und boefe ift. Von dem luft ift der mönfche fubtil und fnell ze Un- 
tugenden. Von dem fiur zornmuetig Von dem waffer unftet. Von 
der erde tr»g zuo allen guoten dingen. Wilt du nu nemen die 45 
tugende. die der mönfche hat von dien vier elementen. fo haft du 
fubtilkeit von dem luft zuo allen götlichen dingen. Alfo das du fnell 
und fubtil bift zuo verborgnen götlichen dingen das du diu behen- 
denklich wirft merkend. Zuo dem andren male fo haft du von dem 
fiur götlich minn alfo das du got und dinen nechften wirft minnend 50 
in götlicher minn. Zuo dem drytten fo haft du von dem waffer die 
abwefchunge der fchulde. Zuo dem vierden fo haft (i06 b) du von 
dem ertrich die diemuetikeit fo du licheft das du von erden komen 
bift und du a\ ider ze ertrich werden muoft das bringet dir gruntlich 
diemuot. wilt du es recht an fechen. Nu mucffent in dir difiu fünf- 55 
zechen zeichen geiftlich gefchechen die leronimus fchribt das fi vor 
dem iungften tage liplich fönd gefchechen. won wilt du über A^erden 
des iungften gerichtes fo muoft du got fins gerichtes in zit in dir 
laffen bekomen. Nu ift an dem erften tage der fünfzechen tagen als 
wirs nu mueffen hinderfich nemen. An difem tag den wir den er- 60 
ften nemmen fo ftützzet fich das mer uf über alle berg vierzig 
klafter. Nu möchteft du fprechen Avar umb vierzig, es möchte doch als 
wol fin fünftzig oder hundert, nein min kint es ift gcnuog mit 
viertzigen won der mönfche gefchaffen ift von dien vier elementen 
dar umb ift es vierzig So man denne die zal in vieri teilet das 65 
bezeichnet die gebreftlicheit die der mönfche hat von dien vier 
elementen. Und die zechniu bezeichnet das fich der mönfche ver- 
fchult hat und gefumet an dien zechen gebotten. Und dis alles 
fchriiet (i07 a) über alle berg uf Won es fprichet der wiffag her 
david. Diu erbermde herre ift über alle berge. Und dar umbe fönd 70 
wir fi an ruefTen. Nu hat fich das mer uf geleinnet und geftützzet 
über alle berg das ift ein erfchrokkenlich ding allen dien die es 



51 Zu dem dryllc male 



184 Lxvra 

fechent Nu hat das mcr driii ding an imc. das erft es ift als verfaltzen 
das CS recht bitter ift das fin nienian genieffcn mag weder ze effen 

75 noch ze trinken. Zuo dem andren male fo ift es vnftet. Alfo fo es 
einen tag recht ftille ift. fo tiiot es den andren tag als es alle die 
weit verduemen welle. Zuo dem drytten male fo ift das mere offen 
gegen allen binden zuo allen vier enden. "NVa die \\inde har wegent 
da ftoffent 11 behendcnklich an das mere Avon das mer ift inen allen 

80 offen. Nu muofz der mönfche dis geiftlich an im haben, das diu 
fünfzechen zeichen gentzlich in imc volbracht A\erden. Zuo dem 
erften male und an dem erften tage fo ftützzet fich das mer uf in 
dem mönfchen und das ift des mönfchen gemuete das ftützzet und 
leinnet fich uf über alle berge. Und dis ift ein verwegen gcmuot 

85 (<07 b) alfo das der mönfche ein gantz verwegen hat fich von allen 
fünden ze keren und ze einem tugentlichen leben. Und dillu mön- 
fchen vachent an. an nfz wendigen dingen abzebrechenn. nu hat fich 
dis mer uf geftützzet über alle berg vierzig klafter hoch. Won 
der wiffag David fprichet. Diu erbermde gottes ift über alle berg 

90 dar umb hat fich des mönfchen gemuete uf erhaben zuo got dar urab 
das im diu erbermde gottes ze hilfe kome. Nu möchteft du fprechen. 
V ar umb wirt der mönfche gelichet dem mer. Und dis gefchicht umb 
driu ding diu das mer an inie hat. diu ouch der mönfche an ime hat 
Zuo dem erften male fo ift das mere bitter das fin nicnian genieffen 

95 mag. Alfo ift ouch der mönfche wa er fich zuo der creature und zuo 
zitlichen dingen keret do ift er zemale bitter das fin nieman genief- 
fen mag zuo keinen götlichen dingen. Zuo dem andren male fo ift der 
mönfche unftet als das mer hiut ift er guot. morn ift er bws. Iliut ift er 
gefunt morn fiech. Nu hungert in. nu türftct in. nu friurt in. nu wil 
iOO er dis ( fOS a) denne wil er das. Und ift im ein ftund niut ze muot 
als die andren, eineft ift er wolgemuot. fo balde \\ irt fo ift er trurig. 
nu lachet er fo balde wirt fo weinet er. Und recht flechtlich gerct 
an dem mönftlicn ift niutzit w on unftetikeit. in werten in a\ erken 
in allem finem tuon und laffen. Zuo dem drytten male fo gelichet 

105 fich aber der mönfche dem mere. das ift gegen allen a\ inden offen. 
Alfo ift ouch der inönl'che gegen allen creaiuren offen, wa fi har 
koment la gegen allen Untugenden. Wa li luir konicnt fo vindent fi 
alwegent raft und ruowe in dir recht als in einem winhus und in 
einer tabern alle die gelte die dar koment die laffet man in und 

110 vindent herberg do. Alfo tuot ouch der mönfche der enphachet alle 

75 viiflcft 



LX\Tn 185 

creaturen guot und bcBS Und ift in allen gemein was fi fuochent das 
vindent fi alles an inie So lieh nu das nier an dem erften tage uf 
geftützzet hat als ir gehoert hant. und es gar ein erfchrokkenlich 
ding ift an ze fechen. So denno an dem andren tage wirt, fo laffet 
es fich gar ftille Avider nider alfo (los b) das es nieman ficht noch ii5 
gewar wirt. Und alfo tuot der mönfche. der laffet fich gar ftillich 
nider und haltet fich gar heimlich das es nieman gewar werde. 
Was in ime uf geftanden ift guottr Verwegenheit, won der mönfche 
getar im felber noch niut gar wol getriuwen. Won in ime ift dik 
ein gar guot Verwegenheit uf geftanden fo nach dem male niutzit 120 
dar ufz wart. Und dar umbe haltet er lieh gar ftillich das es nieman 
gewar werde. Dur das nieman fpreche. der tantzet gefter hiut ift 
er heilig, morn ift er aber der tiuvel. Und dar umbe fwiget er gar 
ftille und feit nieman niutzzit. Und brichet der nature abe was er 
mag. nu leit er gold hin denne berlan denne vech gewant. Aber 125 
dis ift alles noch gar klein zuo einem gütlichen leben. Aber ein 
wol geordneter mönfche der zuo einem götlichen leben komen wil 
dem ift es ein anvang eins andren, das er dar nach abfnidet. Aber 
do ein geiftlicher mönfche ift der zuo einem götlichen leben komen 
Avil der brichet finer nature (i09a) abe alles das ir luft bringen 130 
mag an effen an trinken. la fo er ob dem tifche fitzzet in dem re- 
ventor fo brichet er ab heimlich avo er mag. einen muntvol einen 
trunk und an flaffen und flechtlich geret alles das des er in kein 
Avis enbern mag. do brichet er abe eins hiut. das ander morn. recht 
liftklich gat er finer nature nach. Won es tuot der nature Avirs das 135 
man ir liftklich nach gat. denne das man irs alles einer ftunde neme. 
fo neme fi es morn her Avider. Won Ava ein mönfche ift fo man den* 
er zürnet und er denne fwiget und fich niut balde richet. vor dem 
mönfchen kau man fich kumer gehueten denne A^or dem der fich für 
fich mit Avorten richet da AAcis man avoI. das man fich da hueten 140 
fol. und man in für einen vigent haben fol. Alfo kan fich diu natur 
niut gehueten. do man ir alfo liftklich nach gat. das man ir eins 
hiut nimet das ander morn. Avon avo man eins tages alliu ding mit 
einander ab brichet. do Avürget man der natur den hals abe und dis 
ift niut gar nütz ((09 b) Won fol ir eins nemen nach dem andren 145 
untz das fi gentzlich über Avunden Averde und fi fich laffe dem geift 



127 goliche 129 eine gciflliche lebe götlichen lebe 133 an] ane 

142—145 vgl. LXIX , 124 a. 



186 LXMH 

das er ungehindert von der natiir belibe. So nu an dem drytten 
tage Avirt fo gand alliu diu mer wunder ufz diu in dem mere fint 
und fchrigent Und gant zuo den liuten. und gehabent fich alfo 

150 herlzklich übel das recht die liute erfchrekken niüclitcn. Was fint 
difiu mer aa under geil'tlich ze verften. So ilt es ein klagberi natur 
diu gat unientum und klaget fich gar hertzlich und fchriget gar 
klcglich "NVon 11 liehet avoI das 11 gentzlich undcr getruket ift 
worden Nu möchteft du fprechen Avar umbe kamen difiu mer wunder 

I55niut an dem erften tage und 11 nu erft koment an dem drytten tage 
Nein min kint 11 gedachten das es niut won ein klein wile weren 
fölte. fo Helfen fi fich a\ ol Avon diu natur lat den mönfchen etfwenne 
Avol einen tage oder zwen gar heilig fin dur das der mönfche dar 
nach froplich fi. la min kint diu natur lieffe dich die zuokumft mit 

160 ( 1 10 a) enander A-aften das du denne ze fal'nacht tantzift und froolich 
fiieft und ouch ir denne geloubeft. la ficher mönfche ane allen 
7A\\M. fi Helfe dich noch die houbvaften mit einander Aaften avöI- 
teft du loch ze Avaffer und ze brot dur das du denne ze dem meiien 
tantzift. und frcelich lebeft Aber ficher mönfche wirt diu natur ge- 

165 AA'ar das man ir niut ouch das ir aaü lallen ficher fo hilt fi fich 
niut lange 11 Averde klagber. Won E das fich diu natur gentzlich 
liefll. fi hafti fich E an einen roten Öphel oder an einen bluomen 
und neme da luft oder genuegde als a il ir Averden möchte. Und dis 
fint diu mer AAunder die da koment an dem drAtten tage ufz dem 

170 geiftlichen mere. Und fchrigent und gebaut fich alfo hertzklichen 
übel. la difiu klagberi natur gat umment um von einem bichter zuo 
dem andren. Ilcrre erloulxMit mir dis oder das ia 11 dunket fi müge 
da niut gevaften. denne balde fo mag fi niut ze metti gan. nu ift 
11 krank, und ift dis ze hert. das ift ze fwer fo gat fi denne zuo 

175 der Meyftrin. erloubent mir dis (nob) und das oder iemer etfwas 
gebriftet ir das 11 nienier ruowe gewünnen kau. fo fi aber flehet 
das der mönfche mit einem verA\ egnen gemuete fich Avider fi fetzzet. 
und ir der mönfche niutzit volgen aa il fo lat 11 den mönfchen balde 
ennot. Uiid difiu klagberi natur das fint die merwunder. So fi nu 

180 lang gant fchriient unient um und fich gar üliel gehabent und fi 
denne fechent das es 11 niutzit hilfet. fo gant 11 Avidcr in das mer 
ufz dem fi konien fint. Und gant recht untz an den grünt. Und ligent 
do. Und doch fo habent fi fich etzwenne uf la min kint aa on du 
din natur alfo under trukeft und du fi niut laffeft für komen. Was 

157 lieffe 159. 160 mit (110 a) mit enander 



LXVm 18T 

tuot fi denne dar nach fo fliuchet fi in das mer recht an den grünt. 185 
la 11 verbirget fich alfo das du ir dike kiim gewar kanft werden 
Won dike und dike fo rucret fich diu natur in dem mönfchen. fo 
der mönfche wennet das es got fi oder es von dem heiligen geifte 
fi. fo es niut >von blos natur ift. Und dar umbe miniu kinder fo nement 
iuwer felbers war und huetent iuch vor dem heimlichen fchalk 190 
iuwer nature. Won ficher (iii a) der mönfche kan kum iemer fo 
genot gehueten diu natur erbiete fich noch denne gar liftlich, und 
gar mänigvaltenklich dar an An dem vierden tage fo brünnet das 
mer Und es brünnent niut alliu waffer. niut won allein das mer. Und 
dis bezeichnet die gebreftlicheit die der mönfche hat von dem mere 195 
das brünnet. la wa fich der mönfche vor zuo dien creaturen kert 
hat und die unftetikeit des mönfchen. und als der mönfche bereit 
und offen Avas gegen allen creaturen. Und enphengklich was aller 
gebreftlicheit dis alles brünnet das der mönfche für das hin niut 
als geneigklich wirt zuo füntlichen gebreften als er vor mals ift 200 
gewefen An dem fünften tage fo fwitzent die boume und alles ert- 
rich bluetigen fweis Und alle die vogel die uf dem ertrich fint die 
fliegent ze famen und fechent ein ander an. recht als Avas wil hie 
werden. Und fürchtent in als recht hertzklichen übel das fi niutzit 
mer fingent noch fich froewent als fi da vor hant getan. Dis be- 205 
zeichnet wenne (U( b) der Mönfche an fichet alles fin leben Avie 
recht unluter es alles gefin ift. Und Avie Avening der mönfche alles 
fin tuon und laffen fo recht kleinen got dar inne hat gemint und 
gemeint. Were es denne muglich oder natiurlich er fwifte bluetigen 
fweis A'on rechtem gruntlichem hertzleide fo er denne enphachet. 210 
da von gefAviget fin ftimme und gellgent finiu Avort Und wirt alfo 
gediemuetiget das er recht gentzklich gefwiget und niutzit Aveis aa^s 
er mere fagen fol. An dem fechften tage fo vallet alles das gebiuAv 
nider das von ftein Averk gemachet ift niut Aon holtz Averk. Dis ift 
alles das der mönfche uf fin avoI gevallen gebuAven hat. Und das 215 
er wil getan haben alles das der mönfche getuot oder getan hat 
guoter Averken. des muofz der mönfche als unan nemlich fin als es 
ein ander mönfche getan hab. Und dar umbe fo muofz das ftein 
Averk alles vallen. Und dis ift des mönfchen Avellen lin und getan 
Avellen haben. Und das avoI gevallen das er im felber tuot. Und die 220 
begirde die er hat ze Avolgevallen dien liuten du folt allein be- 
(112 a) geren got avoI gevallen und nieman anders. An dem fiben- 

200 funlliche 208 fehlt etwas. 



188 Lxvm 

den tage fo hrechent die fteine ab ein ander in vier ftuk. Nu möchteft 
du fprechen war umb in vier ftuk. 11 möchten doch als wol brechen 

225 in fünf oder in fechs oder in zcclicn ftuk fo in vier ftuk. Nein min 
kint es ift genuog fo fi brtchent in vier ftuk Won denne ift gebrochen 
die neiglicheit die der niönfche hat von dien vier elimenten zuo 
rüntliclien gebreften das a\ irt zer ftopret fo die ftein in vieriu brechent. 
Belibent ioch die ftein und das jihlafter do das man ein ander mure 

230 macliet. fo a\ irt fi docli niemcr mere als creftig als do vor die 
^\■l\e die fteine gantz fint. Won ein kleiner Mint der zer ftceret die 
mur. Dis ift ein kleiner riuwe hat dis mur bchendenklich zerbrochen 
An dem achtonden tage fo erfchüttet iich alles ertrich alfo veftenk- 
lich und alfo hertklich das alliu mönfchen die uf dem ertrich fint 

235 die vallent nider und mngent niut gcftan. Won wenne die wint in 
das ertriche koment dur die hülinen und dur die löcher. Und 11 fich 
denne verfliefTent das fi niut kunnent (li2 b) ufz komen fo erfchüt- 
tcnt fi das ertrich das es alles erbybonot. alfo creftcnklich das die 
mönfchen mueffcnt vallen. Und fo fi alfo hertzklich erfchrckkent 

240 fo louffent fi in die ^^ uefti und verbergent fich do. Difer erdbybon 
ift niutzit anders denne fo der a\ int des heiligen geiftes dur weget 
die hülinen der feie, fo \virt der mönfche alfo dur goffen mit göt- 
licher gnade das er möchte fprechen mit der minnenden feie. Surge 
aquilo et veni aufter perfla ortum meum et fluent aromata illius. 

245 Stand uf du kalter Avint. Und kum du öfter aa int und dur Avege minen 
garten, fo A\irt er flieffent von pigment. Hie Averdent die hülinen 
der feie alfo dur Aveget mit dem minnenklichen öfter A\int das ift 
diu niinnenKlich gnade und fueffikeit des heiligen geiftes das difiu 
mönfchen niut uf inen felber gcftan miigent AVon das fi A'allent uf 

250 das ertriche. das ift in ir klein. Und fi verbergent fich in die hülinen 
und in die berge in die eincedi. dis fint die hülinen der minnerichen 
Avunden irs geminten. in die A'erl)ergcnt fi fich vor dien griulichen 
Avafwet- (il3 a) ren dirre zergangklichen zit. und in das uf getan 
minnerich hcrtze chiifti verfliefrcnt ii fich vor difer trughaftiger 

255 zergangklicher w elt. An dem niunden tage fo laffent fich nider alle 
die berge und bücliol die uf dem ertriche fint alfo das alles das uf 
dem ertriche ift. das das alles a\ irt ein ebeniier ]ilan. Alfo das man 
in einem ougen blik alle die weit über foch(Mi m(')cht. Dis ift das 
der menfche alfo gefaft und alfo geordnet A\irt das im alliu ding 



228 ftinllichc 230 vallent 243 Cant. 4, 16. 254 vflicffet 



LXVIII 1 89 

gelich werdent als dem liimelfclilichen ftudent fancto paulo. der do 260 
fprach. Ich bin mit dem lieiden ein beiden, mit dem iuden ein iude. 
Und bin doch Paulus. Das was das er under dien boefen fich alfo 
minnenklich und alfo behuotlicli Und allo fenftmuetklich fich hielt 
das fi fich von finem minnenklichen wandel eintweder bekeiten. oder 
fi wurden von ime geftralTet oder iemer etwas guotes namen fi da 265 
von. Was er aber bi guoten liuten oder bi dien friunden gottes I'o 
hielt er fich ali'o volkomenlich das fi ouch alle von ime gebeffret 
wurden. Alfo folt du dich alfo minnenklich hal- (ii3 b) ten das dir 
alliu ding eben komen guot und boes Difiu mönfchen die fich ge- 
lichent fancto Paulo in dien werdent alliu ding flecht und eben und 270 
horten fi den oedeften phaffen der in der zit ie wart ein gar flecht 
brödie tuon. fi könden fi zuo dem hcechften keren und zuo dem 
aller heften verftan. Horten fi ouch einen hochen meifter von Parys 
die aller vernünftigoften brödii tuon die kein mönfche ie gehört fi 
könden fi merken zuo dem aller minnenklichoften und zuo dem aller 275 
fubtilften fo man in der zit die gefchrift verftan mag. Und alfo 
werdent inen alliu ding gelich. Won mit den guoten fint fi guot mit 
den boefen haltent fi fich fenftmuetcnklich und gedultenklich. dur 
das li in bringen zuo der minn chrifti Als der lieb fanctus Paulus 
fprach Ich bin mit allen dingen alles das fi fint. dur das ich fi 280 
bringe zuo der minn chrifti. Und ich bin doch Paulus, das was das 
er fich in allen dingen huot das er fich niut ergrot. Er fprach ouch 
wer ift fiech und bin niut mit ime fiech. Das Avas das er mit allen mön- 
fchen mitliden hat guoten und boefen (li4a) .Mit dem trurigen 
was er trurig. Mit dem froelichen was er froelich. Alfo fint ouch 285 
difiu mönfchen mit allen mönfchen gelich das fi ouch fint. Mit dem 
fünder hant fi riuwe und pin umb fin fündelich leben. Mit dem 
fiechen trurent fi. Mit den guoten und mit den froelichen fo froewent 
fi fich. Und alfo werdent fi gelich eben gegen allem dem das in 
der kriftenheit ift. An dem zechenden tage fo koment die mönfchen 290 
die an dem achtonden tage in die wuefti giengen. die koment nu 
har ufz. Aber fi koment anders denne fi in giengent. fi giengen in. 
in etzwas ftoltzer wife in die wuefti. Nu koment fi hertzlos. War 
umbe do hat das blik fchos inen das hertze genomen. Os habent 
et non loquentur. occulos habent et non videbunt. Si hant mund und 295 



261 vgl. Cor. 4, 9, 20 fg. 280 Cor. 1, 9, 22. 288 de guole 294 Ps. 

113, 13. 295 Os habet er ao~ 



190 Lxvm 

redcnt niut. Si hant ougen und i^efechent niut. War umb do hant 
fi den viiiger uf den miind geleit dar umbe das fi niut reden. Und 
gant zuo dien liufen und f\\igent und redent mit nieman niutzit. 
Vnd lechent fi an recht als Mas \\i\ hie werden. Si gant aber 

300 ((Üb) zuo nieman Avon zuo dien mönfchen die ouch ab dem ^af- 
Metter erfchroi\ken iint als ouch fi Aures habent et non andient, 
nares habent et non odorabunt. Si hant oren und gehcerent niut. 
Si hant nafen und fmekkent niut. Manus habent et non palpabunt 
Pedes habent et non arabulabunt. Si hant hende und ruerent niut. 

305 Si hant fuefie und gant niut. "War umbe. , got ift ir fcchen. und ir 
fprechen und ir beruerde und ir finakken und ir gan und ftan und alles 
ir tuon und lallen heimlich und olTenlich. Got ift ir hertze und ir ge- 
muetc Und recht flechtlich geret alles ir fin alzemale gentzklich. An 
dem einliften tage lo erftant die toten von dien grebren uf. Aber fi 

310 enkoment niut von dien grebern. fi ftand uf iren grebern Und fechent 
was do werden Melle. Dis ift geiftlich ze nemen AVennc der heilig geift 
dur ruefFet der toten gebein. fo erftant difer mönfchen gebein und 
ftant uf ir grebren und Martent Mas da MCrden Melle. la difiu 
mönfchen ftand uf ir eigenncr kleinheit und vernichtikeit und Mar- 

315 tent Mas got von inen (ll5a) haben Melle, das fi dem behendek- 
lich genuog fiien und es volbringen. Hie ift tot in tot la min kint 
difiu mönfchen die fint vorgeftorben aller ufwendiger dingen und 
alles des do diu natur troft oder luft an haben möchte. Aber nu 
mueffen fi fterben inMcndiges gütliches troftes. la fi mueffent fter- 

320 ben der andren frucht des heiligen geiftes diu da ift der zMclf 
fruchten einiu. Und dis ift fra?ide in dem heiligen geift dero mueffent 
fi nu lernen fterben. Und dis ift tot in tot Und ift ein geiftlich 
fterben dis mugent moI die fin von dien chriftus gefprochen hat 
Beati pauperes fpiritu quoniam ipforum eft regnum celorum. Selig 

325 fint die armen des geiftes MOn das rieh der himlen ift ir. la das 
rieh der himlen ift ir und fi fint fei ben ein rieh gottes. Und got 
ruOM^et in inen. Und hat alliu fin Molluft in inen. Nu möchtent ir 
fprechen War umbe erftat niut Mon das toten gebein und niut das 
fleuch, nein min kint das fleifch bedarf niut das es erftandö. Won 

330 difiu mönfchen die hant ir fleifch und ir bluot verzert und verfweint 
(115 b) in dem liden und leben chrifti dem fi alfo adenlich hant 
nach gevolget dur alles fin leben in liden in miden in fwigen in 



30t. 303 Ps. 113, 14. 15. 302 odorabcut 321 den 323 ir. Maltli. 5, 3. 

325 ift iweimal. 



LXVni 191 

gedultikeit in fenftmuetikeit. Und in diemuetikeit und recht alle fin 
fuoftapfen. Und alfo hant ü verfweint ir fleifch und ir bluot und 
alle ir craft. Und liar umbe bedarf es niut erftan niut a\ on allein 335 
das gebein der toten wirt dur ruefTet von dem heiligen geifte das 
es erftande. 3Iiniu lieben kindcr war Avenent ir das got mit difen 
niinnenklichen monlchen Averden fülle, ficher ficher ane allen zwivel. 
got wil difen mönfchen in zit noch in ewikeit nienant ftat noch 
ruowe geben denne in der Verborgenheit fines minnenklichen ant- 34o 
lütes als der m iffage her David in dem falter fprichet. Abfcondes 
eos in abfcondito faciei tue. Er fol fi verbergen in die Verborgen- 
heit fines antlütes. An dem zwelften tage fo vallent die fternen. 
Dis fol man niut alfo verftan das die fternen gantz vallent. Won 
ein fterne ift alfo grofz als alles ertriche Und viele ein fterne har 345 
nider uf das ertriche er erfluege alliu diu weit. Aber das geliucht 
der fterne das fi gebent (il6 a) uf das ertriche das vallet nider. 
Alfo vallet alles das geliucht das difiu mönfchen in keiner wife uf 
das ertriche gebent in Morten in Merken, in wandel in geberden 
oder in keinen dingen wie klein das uf ertriche iemer gelln mag 350 
das muofz gentzlich abe inwendig und ufzwendig Won iumme denne 
die fternen kein unluterkeit erliden mugent. Won wenne die wulken 
etzwas unluterkeit von dem ertriche uf ziechent Und die fternen da 
von kein unluterkeit enphachent. beiiendenklich fo reiftent fi fich 
und werifent von inen die unluterkeit das fi aber fchoen und luter 355 
mugen fin. Alfo tuond difiu mönfchen. fi werfent von inen alles das 
fi des ertriches ie oder ie gewunnen. Und dis mugent die minnenk- 
lichen mönfchen fin von dien der lieb chriftus felber gefprochen , 
hat. Beati mundo corde quoniam ipfi deum videbunt. Selig fint die 
die eins reinen hertzen fint won fi werdent got fechent. Wie ficht 360 
man got Difiu mönfchen Averdent got fechent drivalteklich. Zuo 
dem erften fechent fi got in aller (iiG b) creature. la es ift kein 
creatur in der zit du vindeft dinen got und dinen herren dar inne. 
Sicheft du ein gewaltig creature do merkeft du ein gewaltigen got. 
Sicheft du ein wife creature. fo bedenke den wifen got von dem 365 
alliu wifheit kumet. Sicheft du die gueti der creature fo bekenne 
das guot das got felber ift von dem und ufz dem alles guot vol- 
komenlich fliuffet. Zuo dem andren male fo fchoAvent difiu mön- 
fchen got als er mit finer gnade tougenliche in der feie würket 

341 Ps. 30, -21. 342 abfcondita 352 fehlt die zweite Hälfte des Satzes. 

353 diea Aernea 359 Ev. Jilatth. 5, 8. 



192 LXVUI 

3T0 menig niinnenklich verborgen ding, das nochdenne der felben feie 
dike verborgen ift untz das er fich von ir fcbeidet und underziucbet 
denne bevindet li was 11 guotes getan hat. das das alles komen ift 
von der gnade gottes. Zuo dem drytten male lo fechent fi aber got 
aber dis ift ein glorioflich fchow en das ift beffer ze bevinden denne 

375 da von ze fprechcn AN'on es ift über alles das man in zit gedenken 
oder gehörten kan. Ein einiger tropfe des gloriof liehen fchowens 
das man in ewikeit fchowet. über triffet alles das kein lerer in zit 
da von ie gefprach An dem drizechenden tage, fo fterbent alle ( 1 1 7 a) 
die mönfchen die uf dem ertriche fint. Dis ift ein feiig niinnenklich 

380 fterben das difiu mönfchen getan hant fi fint al ze male tot aller 
creature. AVon fi fint unwiffent aller creature. la fi haltent fich 
alfo diemuctcnklich under andren mönfchen das fi nieman bekennen 
kan es were denne der felben mönfchen eins das ouch difen weg 
gegangen hat. Won der lieb chriftus fprach felber. bi ir fruchten fol 

335 man fi bekennen Non poteft arbor bona fructus nialos facere. ne- 
que arbor mala fructus bonos facere. Kein guoter boun mag bces 
frucht bringen, noch kein boefer boun mag guot frucht bringen. 
Alfo ift es umb einen guoten mönfchen der mag kein boes werk 
Avürken. nein ficher mönfche difiu mönfchen fint ir felbers und aller 

390 untugent alfo ze gründe erftorben. das fi kein untugent mugent m ür- 
ken. Dis fint die feiigen toten von dien der lieplich minner lohannes 
ewangelift gefprochen hat Beati mortui qui in domirto moriuntur 
Selig fint die toten die in dem herren fterbent. Es fint ouch die 
lieplichen (ii7b) mönfchen von dien der lieb fanctus Paulus ge- 

395 fprochen hat. Mortui, enim eftis. et vita veftra abfcondita eft cum 
chiiflo in deo. Ir fint tod und iuwer leben ift verborgen mit chrifto 
in got. la difiu mönfchen fint wol verborgen in got. Won kein 
creatur kan fi vinden. la enkein creatur mag fi entzezen in lieb 
noch in leide war umbe do fint 11 tot allem dem das fi entzezen 

400 mag liplich oder geiftlich. Hie koment die licrlin und fchriigent und 
gehabont fich alfo hertzklichcn übel, es fint aber niut tier als die 
mer wunder die da an dem anevang an dem drytten tage kament 
das was ein klagberiu natur. Aber difiu tierlin das fint des mön- 
fchen nidren crefte der feie die begerent ouch mit dien obren kreften 

405 mit chrifto vereint w erden Und dis mag niut gentzklich gefchechen 
die wile die fei bi dem libe ift. Won die nidren crefte der fei hant 
alwegen ein nider finken Und dar umb ichriient fi und fprechent. 

371 vnlz 384 Matth. 7, 16. 18. 392 Apocal. 14, 13. 395 Coloss. 3, 3. 



LXVm . LXIX 193 

Cupio (liffolvi et effe cum chril'to. Ich beger entpunden Averden und 
fin mit chiifto. An dem vierzechenden tage fo brünnet alle die weit 
ze fa-(iisa)raen in einem fiur waffer und ertrich und recht alles 410 
das uf dem ertriche il't untz das es al ze male ze efchen wirdet. 
Alfo w erdent difiu mönfchen gentzklich in dem fiurc götlicher minne 
verbrönnet untz das fi ze efchen werdent la difiu mönfchen fint ir 
felbers als gar entworden als do fi in got waren, und ir felbers 
noch keiner creature niutzit \a üfton. An dem fünfzechenden tage fo 415 
wirt ein niuwi weit. Dis ift diu heilig niuw himelfchlich ftat ze 
Iherufalem von dero. der minnenklish lohannes ewangelift gefprochen 
hat. Si ift dur liuchtet als ein criftalle. und ift dur leit mit edlen 
margariten und ift durflagen und dur fmeltzet mit klarem golde. 
Und ich fach das vor dem thron gottes alliu ding niuw waren. Difiu 420 
himelfchlich Iherufalem ift wider gebuwen von dien lebenden ge- 
pulinicrten fteinen die under dem hamer des lidens in difer zit ge- 
ordinieret und gepulinieret fint. Und das fint die mönfchen in dien 
difiu fünfzechen zeichen geiftlich volbracht fint als ir fi nu gehoeret 
haut Difiu mönfchen die fint ficher des iungften gerichtes won fi 425 
fint ietz gericht in (iis b) ewig leben. Miniu kint bitten got das 
wir ewig leben mit in verdienen und ouch befitzen, des helfe mir 
und iuch der vatter und der fun. und der heiig seift AmeN 



Am zwanzigsten Sonntage nach Pfingsten. 

"uia heri hora feptima reliquit eum febris. Difiu wort fprichet der 
gemint lohannes ewangelifta in dem Ewangelio das man hiut ze dem 
heiligen ampt der meffe gelefen hat. Und fprechent difiu wort ze 
tiutfche alfo. Geftren zuo der fibenden zit des tages do lies in 
der ritte. In der zit was ein künglin des fun was fiech ze ca- 5 
pharnaum. Und do difer erhört das Ihefus kam von ludea in Galy- 
leam do gieng er in zuo zim und bat in das er ab gienge und ge- 
funt machote finen fun. er begond ietzzo fterben. Und Ihefus fprach 
zuo ime. Nuwen ir fechent zeichen und wunder ir geloubent anders 
niut. Und das künglin fprach zuo ime Herre gang abc E das min 10 
fun fterbe. Und Ihefus fprach zuo ime. Vade filius tuus vivit. Gang 
diu fun lebet und der mönfche geloubt der rede die Ihefus mit im 
hat gefeit. Und er gieng. Und do er ab gie-( 1 1 9 a )ng do liuffen im 

408 Philipp, i, 23. 418 Apocal. 21. LXIX, 2 JEv. Joh. 4, 46 fgg. 

Altd. Predigten. 13 



194 LXIX 

die knecht engegen und kunten ime und feiton das fin fun lebt. 

15 Und er fragt der zit von in in der im bas m orden m er. Und 11 
feiten im quia lieri hora feptima rollquit eum febris. Gefter \\o\ zuo 
der fibenden ftunde des tages do lies in der ritte, do erkant der 
vatter das es die felbe zit A\as in der Ihefus gefprochcn hat. din 
fun lebet. Und er wart gelou])ent und alles fin huf gefinde Nu ift 

20 ze Aviffen das der ritte den mönichen gern an gat von dem das er 
etzwas ungefundes geeffen hat und das in dem magen lit und es niut 
vertoewen mag. Und der difeni mönfchen helfen wil fo nuiofz man 
ime den magen rumen mit guoter artznie. Und ouch mit der helfe 
gottps ane die nieman niutzit vermag. Wellen Avir nu dis geiftlich 

25 nemen fo haben wir alle den ritten. Won wir haben in geerbet 

von ünfcrm erften vatter adam do der das verbotten ops as in dem 

paradyfe. do gewunnen A\ir alle den ritten. Und hein in von ime 

geerbet. Und a\ ie das ift das wir in dem touffe von der erbfchulde 

- gewefcben a\ erden, doch belibet (iiob) uns das würtzlin der ge- 

30 neiglicheit zuo der fchulde. Und zuo dem gebreften alfo das wir 
niut gentzklich dis ops verdowet haben won das es uns in dem 
magen lit. Wellen wir nu gefunt werden von dem ritten fo be- 
durffen Avir wol eins guoten artzatz der uns den magen wol rumen 
künne. Und von dem ritten gehelfen künne. Und dis ift der min- 

35 nenklich chriftus Ihefus der himelfchlich artzat an den in zit noch 
in ewikeit nieman niutz vermag. Dirre artzat der heiffet Celeftis 
medicus. der himelflich artzat. Wellen wir im nu volgon er machet 
uns fnellenklich gefunt. Und dis muofz ouch gefchechen an der fiben- 
den ftunde des tages. Diu erfte ftunde diu ift fo der mönfche hcrret 

40 fagen von dien manigvaltigen frcifen die ietzant fint in aller der 
kriftenheit. Und wie recht forgklich es ietzant ftat umb die liut 
oder fo der mönfche fichet wie recht unftet alles das ift das in 
difer weit loch etzwas frcelich fchinnet wenne man es beginnet recht 
an fechen. fo ficht man wol das es gar ein unftet ding ift. Miniu 

45 kinder, ir fechent wol der hiut gefunt ift ( 120 a) der ift morn fiech. 
Der hiut fraglich ift der ift licht morn trurig. Der hiut rieh ift der 
ift morn arn. Min kint fich an Avar ift der freilich minnenklich meile 
worden mit aller finer luftlicher minnenklicher blueft. Min kint er 
ift erdorret. Und diu fclurne bluoft ift verrifen. War ift der lieb 

50 fumcr Avordcn mit aller finer fumerlicher a\ unne und fra?de. es gat 
da hin recht als ob er nie were Avorden. Min kint nu nim allen 

21 YDgefundes 23 atznie 



LXIX 195 

den luft und fioeide fo ic kein münfche in difer zit gewan. fo muoft 
du es docli lafl'en du weilt niut welcr ftunde oder \\eles tages. nu 
Inege dir nienian kein leit Und luvb an einem tage alle die fra?ide die 
din liertze lüftet oder begert. Min kint nu nim din felbers war und 55 
fich ob es dir zc gantzer frooide und ze gantzem liebe muge werden, 
nein es das fage ich dir für ein gantz warheit. Du vindeft ienier 
etzwas das dich truket oder biffet in dinem hcrtzen Wie dir loch 
nieman kein leit tuet, fo tuoft du es aber dir felber. Dis ift diu 
erft ftunde. fo du nu dis alles an iicheft. fo (i20b) muoft du er- 60 
fehrekken ab dir felber. Und fo du einem toten hrereft liuten fo 
gedenkeft du in dir felber. Ach du armer mönfche was lebens haft 
du. \\ ilt du ienier alfo kranklich leben du weift doch niut weler 
ftunde du ouch ftirbeft. oder war du varn muoft. oder wie es dir 
ergan fof du fölteft doch billich din leben belfern. Wer nu der 65 
mönfche ift der im felber ftund oder ftat laffet in difer gedenknuft 
als ir nu gebeert haut, dem wirt behendenklich die ander ftunde 
nach gende. Aber Aver fich difer ftunde werrend ift und dar ufz 
louffet dar umb das finer natur niut we gefchech. ficher mönfche 
ufz difem mönfchen wirt niutzit und möchte im avoI gefchechen das 70 
er in der fiinde verdürbe. Won wer alle tffide fparen Avil uf einen 
tod das A\ irt im gar ein herter bitter tod Und Aver linen riuwen 
fparet untz uf fin ende das ift ze male ein forgklich ding. Won Aver 
ift der mönfche der des riuAven ficher fi an finem ende nieman in 
der zit. Und dar umb min kint fo folt du difer erften ftunde ftat 75 
und ftunde laffen in dir fo ku- (121 a) met behendeklich die ander 
ftunde difer ftunde nach. Und diu ander ftunde das ift hertzklichiu 
Tinw. Alfo das du alfölich bitterkeit geA\ ünneft umb din fiinde. das du 
niut allein an ficheft die groffen fiinde. du wirft ouch an fechen die 
aller n)inften fchulde die du getan haft. der du hie vor kleini niutzit 80 
fchaftoft noch ir kein acht hattoft. Du Avirdeft under die ftegen der 
feie gan Und har ufz Aviifchent das pulver der fchulde Hie ficheft 
du aliicheit der fiinde das ift vilheit. Und dir Avirt alfo Ave ze muot 
das du mit dem Aviffagen David A\irft fprechent. Recogitabo tibi 
omnes annos nieos in amaritudine anime mee. Ich Avider denk dir 85 
alliu miniu iar in bitterkeit miner feie. la min kint du A\irft an 
fechent din verlorn zit das du niemer mer her Avider bringen macht. 
Und du ficheft an Avie recht dike du dinen geminten got erzürnet 
haft. der dir fo gedultenklich gebettet hat. und dich fo minnenklich 

54 hab eine tage 84 vielmehr Ezechias bei Isaias 38, 15. tibi fehlt. 

13* 



196 LXIX 

90 M ider zuo inic ^erueffet hat dis wirt dir all'o we tuond das du aller 
der ])in m ol vergiffeft die du dar uiiib lideii lölteft ^\ ider dem allein 
das du dinen ( 1 21 b) got und dinen lierreii erzürnet halt, llie wir- 
deft du dich Ichament alib liertzi<li(li vor dineni got. und vor dinem 
herren das du mit der lieben Marien magdalenen vallelt zuo dien 
95 fueffen chriiti und du im aller diner liinden vergicheft mit ir mit 
rechter l'chame dines hertzen. Won es l'prichet der hoch geloht 
■\virdig fanctus Gregorius von der lieben marien Magdalcnen das 11 
fich alfo hertzklichen übel fchamt vor dem herren in irem hertzen 
das 11 niut wand das fich ieman ufzwcndig fchamen lölte Und do 

100 fi erhörte, das ir herre was in fymons hus. do kam fi Inelleklich 
louffend recht als ein löwin der ir kint genomen fint und nam nie- 
raans war MOn des herren allein, lud was ieman von ir redde 
oder feit des hört 11 ze male niutzit. AH'o grofz ^Aas ir inwendiger 
ernft und fcham die II zuo got hat. Und dar umbe fo wurden ir 

105 ouch fo behendenklich ir fünde vergeben. 11 gieng in ein fünderin 
und viel zuo dien fueffen chrifti ein riuM erin. und ftuond uf zuo 
dem houpt chrifti als ein fchowerin. Und chriftus hies 11 gan in 
fride (i22 a) .Und alfo gieng fi ufz von dem hus in einem minnenk- 
lichcn fride in dem fi chriftus ir geminter herre hies gan. Wer nu 

HO dis andern ftundc alfo minnenklich in riuwe llnes herzen vertriben 
hat dem wirt der herre nu helfent von der andren ftunde zuo der 
dritten ftunde und dis ift bichtc. Ilie folt du fechen wie du bich- 
teft. Zuo dem erften male folt du fechen. Ilabelt du kein tot fünde 
getan das du die mit funderheit bichteft Mie du He getan habeft 

115 wilklich oder unwilklich mit notdurft oder ane notdurft oder ufz 
Avelcher frevenheit. oder in welher meinunge. Won bicht \\art zuo 
dem erften uf gefetzzet durch tot fünden A\illen. W^as du aber weift 
das du gebichtet haft. des bift du für bas niut mer verfchult. Aber 
■was du weift das du niut gebichtet haft das folt du eigenlich lagen 

120 als verre du dich fin in kein wife verfinnen kauft. Aber teglich 
fünde folt du ineiner gemeinde rueren. Und du folt din felbers vil 
eben war nenien A\as du oder wie du dich verfchult habeft von 
einer bichte zuo der andren das du mit willen niutzit verfwigeft 
weder durch vorcht noch ((22b) durch fcham. Und du ouch vor 

125 der bichte dich wol verfinneft was du lagen folt kurtzklich. das du 
dinem bichter niut als vil zites benemeft. Du folt ouch dinem got 
und dinem herren vor und nach und alle ftunde bichten als die lieben 

96 gelobt 



LXIX 197 

appoftolen taten die fprachen alle zit Herre vergib. Herne vergib 
■won ü erkanten das mönfchlich krankheit alfo bloede ift das fi alle 
zit fändet Und liar unibe lönd Avir alle zit bicbten mit dem hertzen 130 
dem milten vergcber chrifto der do ah\'egen bereit il't dem fiinder fin 
fünde ze vergeben als dike er an dem tage kumet. Won do in der 
liebe himelfiirfte fanctus Petrus fragte. Herre a\ ie dike fol icli dem 
fiinder an dem tage fin fünde vergeben ze üben malen, do fpracli 
der minnenklich chriftus. Non dico tibi petre dimittendi fepcies fed 135 
ufque feptuagies fepcies. Petre ich heis dich niut ze fibcn malen 
vergeben, fimder ze fiben malen fibentzig mag der fiinder alfo dike 
an dem tage komen fo foltu ime ouch als dike fin fünde vergeben. 
Diu vierde ftande das ift buofz die der bichter geben fol. Won E. 
das dich der bichter von ime laffe fo fol er dir buoffe geben. Won i4o 
er fol dich niut ane buof-( (23 a)fe von ime laffen. Er fölt dir E. 
ein einig Ave Maria geben. E. er dich ane buoffe liefli. Aber dar 
nach als du bichleft dar nach buoffet man dich. Git man dir nu vil 
buoffe dar nach m irt dir die buoffe des fegfiurcs abe genomen. Won 
din bichter nimet dich der helle und antwürt dich dem fegfiure als 145 
vil du niut buoffeft in difer zit als vil muoft du es in dem fegfiur 
ab legen. Won din bichter die buoffe niut eben gevvegen kan en- 
gcgen der fünde die du getan haft. Dar umbe muofz er dich dem 
fegQure antwürten. Aber Avenne er dir buoffe gibct erkenneft du 
denne das du 11 niut geleiften macht, fo folt du fürfich an der felben 150 
ftat dinen bichter bitten das er es dir liechtri. erkennet denne din 
bichter fo du ime die fache für gcleift das es notdürftig ift fo mag 
er dir din buoffe \\o\ liechtren ob er es gerne tuet. Won ficlier 
mönfche niut anders macht du der buoffe ledig fin. und alle die 
Avile fo du ouch din buoITc niut geleiftet haft und du es von hin- 155 
lefheit laffeft fo bift du niut in gnaden. Möchte nu der bichter 
vvüffen wie grofz des menfchen riu«e Avere. Und das (123 b) ein 
mönfche als grofz fünde getan hetti das es unmuglich wer der mön- 
fche möchte alfölichen riuwen dar umbe haben das ime der bichter 
ein Ave Maria geben möcht und in fchulde und buoffe erlaffen und I6O 
abe nemen. Diu fünfte ftunde ilt einen gantzen vonker tuen von 
allem dem das füntlich und gebreftlich ift mit verwegnem gemuete 
Und niut allein von dien fänden die ich tuen möchte mit Avorten 
oder mit A\erken oder mit gedenken mere ouch alle die Avege die 
mir urfach bringen möchten ze fänden die fol ich ouch fliechen. les 

133 Ev. Mutlh. 18, 21 fg. 135. 136 dimilteli — vfzqz fepluagcs 



198 LXDC 

Won Avenne ich gan an die ftett da man fünde tuot fo han ich mir 
felber urfach der lüiide geben. Won ein mönfche mag lieh kum 
icmer fo gentzklich gehueteii er vallo ouch in gebreften wenne er 
flehet gebrel'ten neben eintweder mit Avolgevallen oder mit Porten 

170 oder mit werken oder aber mit milTevallen und mit urteil alfo das 
er den möntlchen in finem hertzen ver urteilt umb die lünde die er 
an ime iicliet oder hoeret. Und liarumbc l'ol der münlche urlach der 
fünde fliechen als finen eigenneu gebreften. Dar umbe das er von 
finer urfach niut in fache der fünde valle won das ift urfach das 

175 du dir ((2la) felber gift zuo dien fänden, l'nd das ift fach der 
fünde da man die fünde tuot. Und har umbe folt du fliechen gcfellc- 
fchaft gef])ilfchaft kleider kleinceder. Und ficchtlich geret alles das 
der nature luft und begirde bringen mag. Und do fi genuegde in 
fuochct do folt du eins hiut ab brecJien das ander morn ^^'on 

180 wölteft du es alles eins tages tuon. fo würgteft der natur den hals 
abe das were niut nütz, du folt fechen. und din felbers gar eben 
Avar nemen. war zuo du aller meift geneiget llgeft das du das zuo 
dem erftcn ab brecheft ift das holTart das brich abe und lern dic- 
muetig lin Won diemuot ift ein ])hunment uf das alle tugent ge- 

185 buw en ilnt. Won der lieb chriftus lert fi fin iungren und uns an in 
do er fprach. Difcite ame quia mitis fum et humilis corde. Lernent 
von mir won ich milt bin. Und diemuetiges hertzen. Er lert fi niut 
das fi wis \\ eren. er lert fi miltikeit. Und diemuetikeit. IJift du aber 
gcrede alfo das du gern fageft von dien dingen die dich niutzit an 

190 gant. Min kint fo folt du dinen mund gefw eigen. Ich tuon dich des 
ücher ane allen zwivel gefweigeft du den mund. got gefweiget das 
hertzc. Du folt (i24b) tuoii als der flange. fo der alt wirt fo 
fliulTet er durch z^\ en enge ftein und lat fin alten hut do zwüfchent 
helib.en. Und inic wachfet denne ein niuwi hut. Alfo folt du dich 

195 trengen zwüfchent dien z^^ ein engen fteinen durch. Das ift das ftrcngc 
gcrichte des herren fo er ^\irt habent an dem iungften tage über alle 
fünder. Und durch fin minnenklich verdienen das er allen fündern 
hat vor getan. Do der mönfche avoI nemen mag ablas aller fchulde. 
Alfo folt du dinen alten fündigen mönfchen abe ziechcn. Und einen 

200 niuwen mönfchen an legen A on difem hat der lieb fanctus Paulus 
fo minnenklich gefprochen. Henovamini fpiritu mentis veftre. Er- 
niuwrent iuwer gemuete. Und legent an einen niuwen mönfchen der 



179—1«! vgl. LWIU. 14-2— li5. 182 geneigeft fig:eft 18/* phuinel 

iSQIHatth. 11, 29. 201 i>/ies. 4, 23 fg. 



LXIX 109 

nach got gefchaffen fi in gerechtikeit und heilikeit und warheit. Du 
folt oucli tuon als der adler lo der alt Avirt lo wirt im iin Inabel 
krumb das er da vor niut eilen mag fo billet er in au einen herten 205 
Itein. Untz er vor abe brichet. Und wachlet ime denne ein niuwer. 
AH'o folt du dinen niund billen an den herten Itein der gerechtikeit 
gottcs diu kein unmuefiig wort ungerochen lat eintweder (i25a) 
in zit oder in ewikeit. Dis leret dich fvvigen von allen boefen un- 
nützen >\ orten und allein von chrifto fprechen. Diu fechfte ftunde 210 
ift das du von tugeiit ze tilgende gan folt untz das du koraeft von 
gewonheit in ein a\ efen alfo das du von gnaden werdeft das chriftus 
was von nature. Und dis muofz gefchechen von flis der tugent das 
du der minften tugent als flifklich Avar nemeft als der meiften. Won 
ficher mönfche die wile du der minften tugent niut war nimeft und 215 
fi ouch uebeft. fo macht du die meiften niemer volbringen. recht 
als ouch dem mönfchen gefchicht. der fich vor der kleinen fünde 
niut huetet der mag fich vor der groffen kum iemer gehueten. Und 
alfo folt du die tugent flifklich neben das du alle tugent weflich 
und minnenklich befitzeft. Hie wirt dem mönfchen alfo hertzklichen 220 
w ol mit dien lügenden das fi im alle zit gelich luftlich und begirlich 
werdent. Won er bevindet das er finen got in allen tagenden vindet 
Und bevindet in dem begirliclien w ürken der lügende das got fin 
gantzer friunt v»orden ift AVon das i't ein war zeichen das got fin 
friunt ift und bi ime ift wenne er die tugent luftlich und begirlich 225 
uebet. Nu raö-(i25 b)chteft du fprechen Wa von kumet das got fo 
recht w ening fiiunden hat in difcr zit und er doch fo minnenklich 
und fo heimlich und fo friuntlich mit inen a\ andlot. Das kumet von 
dryn fachen Zuo dem crften male das uns die feie als recht ver- 
borgen ift. und üas aber der lib als gegenwärtig ift das im alliu 230 
ding als recht we tuond und er nu niut bevindet was diu feie har nach 
lidcn muos umb das er nu verdienet. Nu möchteft du aber fprechen 
War umb muofz nu diu feie har nach bueffen das der lib verdienet 
hat. Do cntfpringot es in dem aller edloften der feie alle die fünde 
die der menfche iemer gctuon mag diu entfpringet zuo dem erften 235 
in der feie Und der lib mag kein fünde niemer volbringen diu feie 
gebe das edleft dar zuo das fi hat das ift der fry wille. Und dar 
umb muofz ouch diu feie zuo dem erften die lünde buoffen .E. der 
lib nach des mönfchen tod. Zuo dem andren male fo hat der lieb 
chriftus den mönfchen fo nienig luftlich ding in der zit gelaffen und 240 
gegeben da mit der mönfche zuo chrifto folt gan. do mit verret er 
fich von ime Won alliu luftlichiu din^ die in der weite fint. do mit 



200 LXIX 

folt der mönfche (126 a) zuo got gan. fo gat er von ime. Nu fprichet 
alliu unvcriiünffij:^ crcature gang für gang für Ich bin niut diu got. Und 

245 do ift der mönfche als tiinib das er in allen dingen luft nimet. Und 
do belibet da er folt für gan. fo der mönfche einen rofen in 
finer haut hat oder des gelich fo folt er behendenklich ein durh- 
bruch nemen und gedenken bi dem fueffen gefmak Mie fiiefz und 
wie recht minnenklich der fchöpfer ift der den rofen gemachet hat. 

250 Und alfo Averin dem raönfchen alle creaturen ein ingang in den 
fchöpfer. Das drytte ift dar umb got als A\ening friunden hat als 
balde der mönfche in die friuntfchaft gottes getrittet. fo ift das erfte 
das dem mönfchen begegnet das got gewalt gibet allen creaturen 
das fi den mönfchen pingen. Und fi fchendent den mönfchen A\a fi 

255 mugent. Und dis ift als hert das lieh nieman dar in gern \\ aget. 
Und tuot doch got dis alles dem mönfchen von rechter liebi das 
der mönfche ilch felber lerne bekennen fo man ime finen gebreften 
uf hebet, und er finen got lieb habe AVon in liden und in be- 
truebde fo rueifet der mönfche mer got an denn in frantzmue-(( 26 b) 

260 tikeit. Die fibende ftunde und die iungft in der du gentzklich gefunt 
folt werden diu ift das du mit grundloler verzigenheit din folbers. 
und mit dicmuetikeit alliu diniu guoten m erk dinem herren uf brin- 
geft und ime allein lob und ere gebeft. Und du bekenneft was du 
guotes tuoft oder getan haft das er das allein würket. Won du haft 

265 von dir felber niutzit won fünde und gebreften. Und \\ as du guotes 
Avürkeft in geift und in natur das ift fin und niut din Als er felber 
fprichet. Sine me nichil poteftis facere. Ane mich fo vermugent ir 
niutzit. Und noch denn fo ir getuont alle iuwer vermugent noch 
denne fo fönd ir fprechen Wir fin unnütze knechte. Wenne du nu 

270 alfo erkenneft alles das du guotes tuoft das das des herren ift und 
niut din und ime dankber bift ieklicher gäbe funderbar alfo das du 
fpricheft mit fancto Paulo. Cracia dei fum id quod fum. Das ich 
bin das bin ich von der gnade gottes. Und got guenlichi und ere 
gibeft von allem dinem tuon und laffen fo belibet dir der nutz, und 

275 got hat die ere des fi ouch ift aber lieber mönfche wiltu die ere 
haben got behebt den nutz, fo fich du was du denne habeft an der 
ere die vergat behendenklich die ere dirre zit. Min kint haft du 
(127 a) nu dis fiben ftiinden ordenlich volbracht als du hievorwol 
gebeert haft. fo bift du von dem ritten gefunt worden. Das uns dis 



267 Ev. Joh. 15, 5. 272 Cor. 1, 15, 10. 



LXDC . LXX 201 

allen wider var des helfe uns der vatter und der fun und der 280 
heilig geift AmeN 



Am dreizehnten Sonntage nach Pfingsten. 



D 



um irct ihefus in ierufalem tranfiebat permediani faraariam et 
galileani, Difi \vort hat gefprochen der lieb chriftus dur den ewan- 
geliften. fant lucas Und fprechtnt zetiutfch alfo in der zit gieng 
ihefus in ierufalem und gieng zwüfchent dien zwein lendren famariam 
(79a) und galileani, et cum ingrederetur quoddam caftellum, Und 5 
da er gieng inein caftel do be gegnoten im x. uffetzig menfchen und 
ftuonden vernef und huobon uf ir ftim fprechend ihefu ein gebieter 
erbarm dich über ünf Do fach er fiu und fprach gant erzoegent iuch 
den priefteren Und ef gefchach das fi giengent und wurdent gereint, 
einr \ on inen do der fach das er ift gereint der ift wider gant mit 10 
grofler ftim got lobent und gniefzent Und er viel uf fin antlüt für 
fin fuefz im dankent Und difer was ein famaritan ihefus antwürt 
und fprach waren iuw er niut zehen die gereint fint Und wa fint die 
niun ef ift niut funden denn einr von in der got guenlichi geb Und 
er fprach zuo im vade in pace. gang in frid Din gloub haut dich 15 
behalten , Dif ift das ewangelium nach dem texft 1 1 mini kinder nu 
nemen A\ir das erft svort har wider ihefus gieng gegen ierufalem 
und gieng zwüfchent dien zwein ftctten famarian und galilea, fama- 
rian ift alf vil gefprochen äff ein huot der gebott gottes , galilea 
betiut alf vil äff ein volbringer der xij reten.., mini kinder nu 20 
muefzend all menfchen dur die x. gebott in gan in ew ig leben aber 
äff ein Aveltlich menfch gebunden ift der .x. gebotten alfo ift ein 
geiftlich menfch gebunden der xij retten won diu .x. gebott hant 
vil urlobf das doch einem geiftlichen menfchen niut erloubt ift Und 
das merk bi dien kinden von yfrahel do die w ölten in das geheiffen 25 
laut do kam einkeiner nie dar dero die do giengen die witen und 
die gemeinen ftraufz niut m on die do giengen und uf klummen über 
die hohen velf und über die flueh und berg und das waren rifen 
und held Und die kamen euch in das geheiffen laut Und darumb 
fprach chriftus intrate per anguftam portam ir fond in gan dur die 30 

LXX, 2 lieb] in der Ilandschriftleh 3 Luc. 17, 11 fgg. 6 im] im fich 26 in 
der HS. nie oder ine d. h. iene? 29 hier und meist daru 30 Matth. 7, 13, 



M3 LXX 

ODgen port der weg, der verluft der ift wit Und darumb min kint 
du folt dich (79 b) niut allein hueton vor dien dingen die dir ver- 
botten fint nier ouch vor dien die dir erloubt fint nu ift lamaria alf 
vil gefprochen alf huot der gebott gottef nu laufz ich letz diu ge- 

35 bot ligen m on ich geiriuw das ir 11 avoI Aviffent wen all menfchen 
fi fint weltlich oder geiftlich die fond 11 kunnen nach dem texft und 
volbringen nach dien Merken Avon Aveler menfch diu .x. gebot niut 
kan der zuo llncn tagen konicn ift der tuot tot fünd und alfo dik 
er fi über gat fo tuot er ahvogent zwo fünd , Won das ift tot fünd 

40 das erf niut kan, Und das ouch tot fünd das er 11 brichet Aber ein 
menfch das diu gebot a\ eif und kan das tuot niut Avon ein tot fünd 
nu fj)richt galilea alf vil alf ein volbringen der xij nvt Won ein 
geiftlicher menfch dar zuo gebunden ift alf zuo dien .x. geholten nu 
Averdent dif xij ra;t geleit uf driu ftuk Und difi driu geloubent all 

45 geiftlich menfchen funderlich , Und die andren niuni fint denn in 
difen befchloffen Nu ift eins arinaot und gehorfami und luterkeit, 
Nu werdcnt dill driu ftuk gelichet einer Avucfti Diu hat ouch driu 
ftuk an ir, Das erft diu Avucfti ift vinfter und eilend an dem auA'ang 
fo man erft dar in gaun a\ il fo ift der Avcg vinfter und eilend, fo 

50 man aber ie verrcr gat in, in die a\ uefti fo do ie heitrer und liech- 
ter A\ irt Und das ift ouch ein gehorfam leben, fo man das erft an 
vachet fo ift ef gar vinfter und hert und eilend Won ef ift niut ein 
klein ding einem menfchen das gOAvonet hat finf eigennen Avillen 
das. das nu muof finen eignen Avillen in einf andren menfchen haut 

55 laffen und nach des A\illen leben und Uns Avillen gentzlich fterben und 
undergan in (uon und in lafzcn aber \\enn ein menfch verAvegenlich 
lieh dar in git er kumt in kurtzcr zit dar zuo das im fins oI)rcn 
A\illcn baff gevalt und awii iorgcn dar uf getar fterben und leben 
(soa) denn uffer fim willen Und im die gcliorfami lieber und liech- 

60 ter A\ irt denn iutzit das er im felber fetzet oder ordnet Won er 
enphindet das, das liecht gütlicher gnad in der gehorfami aller 
bebeiitklicheft uf brichet und dif bewart chriftus do er fprach ego 
fiim lux mundi, Ich bin ein liecht der Avelt Wer mir nach volget der 
Avandlot niut in der vinfternüft Avon er hat das liecht des lebens 

65 Und dif nach volgen cluifti mag in keiner \\ if baff befchechen denn 
in der gehorfami won chriftus ift ouch gehorfam gefin untz in den 
tot, Das ander ftuk das diu a\ uefti an ir hat das ift das fi A\ild 
und hert und ungeuebt ift und muof man fi ueben mit ftrengcr ar- 

59. 60 lic-chcr 02 Kv. Joh. 8, 12. 



LXX 203 

beit mit houwen und mit riuten ftein und ftök uf Und dif wirt zuo 
geleit raegtlicher luterkeit die muof man mit ftarkem ftrit gewinnen 70 
AVon die megt die niut ftritent was wüffent die du folt der weit 
angefigen alf die lieben iungfrouwen fant katherina fant margareta 
l'ant agnef dif all und ouch ander vil die, die weit verfmacht hant 
und all ir valfchen liebi und untriuw Wie luftlich ü fich erbiut fo 
ift fi doch unftet und valfch und darumb fo huet dich vor ir won 75 
was dir niut erloubt ift ze begeren noch ze tuend das ift dir ouch 
niut erloubt zcfchen ein magt folt alfo blug und alfo fchämig fin 
das fi keinen man mit vollen ougen niemer folt an gefehen Und fun- 
dcrlich ein gewiloti magt diu folt iren Avil alwegent vor irem antlüt 
haben das man fi ouch kuni möchti angefehen. Alfo folt du din 80 
megtlichen luterkeit neben mit über winden aller der dingen die ir 
wider wertig fint. das ift unbehuotheit der worten und geberden 
und fitten und werken und gedenken, Das dritt das an der wuefti 
ift das ift das 11 troftlof ift von allen menfchen Won die liut körnend 
gar A\ ening in die wuefti Und dif betiutet ein arm leben won das 85 
muof alwe-(80 b)gent ellent und arm fin Won der arm menfch muof 
vil luftes enbern den ein richer menfch hat an cffen an trinken 
an kleidren und vil ander dingen, mini kinder nu ftat an dem an- 
vang der bredig das chrifto begegneten x. uffetzig menfchen. Und 
dif begegnont got ouch in geiftlicher wif in eim geiftlichen orden 90 
won fo ein menfch in gaut in ein geiftlich leben fo erbiut fich im 
gar vil gebreften in dien der menfch wol bedörfti fin felbs war 
zenemen, Der erft uffetzig der chrifto hie begegnot das ift moyfef. 
chriftus hief moyfef iin hant tuen in finen buofen und er tet 
es er hief 11 wider uf ziehen do Avas fi Aviff Aon uffatz er fprach 95 
tuo fi Avider in den buofen und er tet ef do aa as fi Avider fchcen , 
Dif betiut das almuofen Avenn man das git mit Avüffent den liuten 
das man darumb gefehen Averd fo begegnot chrifto der erft uffetzig 
Won chriftus fprach felber nefciat finiftra tua quit faeiat dextera 
tua din linggi hant fol niut aa üffen was din rechti hant duot, ia ie loo » 
A-erborgenlicher du din almuofen gift ie mer frucht und nutz ef dir 
bringt, Der ander uffatz der chrifto begegnot das Avas diu fwcfter / 
moyfi diu murmlet Avider moyfef iren bruoder das im got äff vil 
guotz tet Und fi murmlet in ir felber und fprach ift difer niut din 

89. 90 x*^ (d. h. chriftus) bcjjenoten (aus begenote, dieses mis b(;g;cnotc gebefsert) 
X. uffetzig (aus uffetzigen geb.) .M. VrTdif be-gnot; got /imfer orden 93 moyfef 
hant. 9iExod.i,6fg. 98 x'^ 9d Matth. 6, 3. i03 Num. 12, l fg. 



204 LXX 

105 bruoder. ia weff zieht dich denn got daf er fo vil -wunderf mit im 
würket und niut mit dir Alfo tuond geiftlich liut wider ein ander, 
tuot got eim nie gnaden, hat man einC ])as dur Uns geiCtlichen lebenf 
willen oder dur iln alter oder tugent oder kunTt lo niurmlont die 
andren oder 11 niurmlont wider das. das man fi heift tuon oder 

llOmiden und dunkt 11 alwegent man heil" l'i nie denn ein anders, min 
kint bilT aun murmlon won ficher ein mentch das einvaltlich tuot 
das man el" heift verhengt got über (si a) ef das ef ebtifchin oder 
priolin Avirt elliu fini kinder werdent im ouch gehorfamer denn 
einem das alwegent murmlot wider iln obren, Der murniel tuot driu 

115 ding, Zuo dem erCten der murmlent menfch der ift ein unfridlicher 
menlch und fchedlich im felber und allen menfch en die bi im fintK 
Zuo dem andren maul fo z(egt der murmlont menlch einen grünt 
vollen büfheit || Zuo dem dritten maul fo git er bcpf bild und urfach 
allen dien die bi im fint das felb zetuenn, Und harunib min kint 

120 huet dich vor murmlon won ef ein alfo fchedlich ding ilt fo man in 
geiftlichem ordcn geueben mag murmlon und hinder redon , ia noch- 
tenn das du dines eben menfchen gebreften klageft uf fölicher minn 
das dir die trehen über die wangen nider gant nochtenn ift beffer 
du fwigeft dar von , ina min kint was fol dir der unflaut laufz in 

125 ligen und bit got in dineni gebott über inn ficher got wil in diner 
minn laufzcn geniefzen und \\il im riuwen und erkantnüft geben 
fanctus auguftinus was ein groffer lerer, und komen vil grofzer 
herren zuo im und enbiffen dik bi im fo 11 denn ob tifch fallen fo 
wolt ieglicher fagen was er gebeert und gefehen hat und wolten die 

130 liut hinder redon Und auguftinus hat zwen verf gefchriben ob finem 
tifch do was einer wer hie wil feien effen der ift miner wirtfchaft 
niut wirdig Und wenn fi hinder redon wolten die liut fo zcegt er 
inen mit dem vinger die verf Und fo li, fi gelafen fo erfchraken fi 
fo vaft das 11 denn f\\ igen aller hinder red. Und afo er wert er 11 

135 allen dien die zuozini komen || Der dritt uffatz. der x" begegnet 
das A\as naanian fyrus der was in der alten .e. ein befitzer des 
guotes Und betiut in geiftlichem orden unordenlich belltzung def 
guotes Won hat ein geiftlicher menfch einf helblingf wert fo ift er 
niut einf helblingf wert, ich mein, (si b) aun urlop oder aun noturft 

140 Du folt def felben das du haft mit urlop und gunft diner meifter- 
fchaft äff ledig ftaun fecheftu fi unbefchloffon das du 11 niut hieffcft 
befcblieffen ob du loch vörchtift das man dirf nem und hiefchifcht 

110 man hcif 11<.) haiu 136 nemo affiru Reg. 4, 5. 137 ordern 



LXX 205 

fi diner meifterfchaft und ü dirf niut geb das du darumb niemer 
zornig wurdift || Der vierd ufi'atz der ift fo man def vatters erb uf 
git und lidclich und luterlich dur got in einen orden komet fo 145 
ftreipht man denn andren liuten ir guot ab mit gilen und mit glichfnen 
und mit mengerhant liftcn, Difen A\eri vil weger das 11 das ir hettin 
gehebt denn das fif andren liuten angewinnent die fm baff bedörf- 
ten , Der fünft uffatz der chrifto hie begegnot der was vcffi famulus 
helifei. Difer hief yel'fy und Avas ein knecht helifeuf. helifeuf do 150 
der naanian geräint und gefunt machet von finer uffetzigi do \\olt 
im naanian guot han geben Darunil) won er was gar rieh Und 
helifeus wolt fin niut Won er niut wolt geiftlich gaben geben umb 
zitlich Und yeffi fin knecht liuf im nach und enphieng guot von im 
Und er ftarb uf der ftunt def gechen totz, min kint nu merk dif 155 
gar eben das du kein zitlich guot enphaheft umb geiftlich Won ef 
ift fymonig das ein affo fchedlichi fünd ift äff man fi in der zit ge- 
tuon mag Kern einr und geb dir .xv. fchilling und fprech bett mir 
XV vigilig im ift lieber unrecht Der dir geb .v. fchilling und fprech 
lif mir fünf felter ef ift valfch geb man dir iiij phunt .v. oder vj leo 
oder fchlechtlich gerett was ef ift und fprech man bett mir das 
grofz gebett oder fo vil miferere oder diu fiben zit im ift allem 
unrecht Und der dir all dif weit für eigen geb (s2a) du folteft 
niut ein ave maria darumb geben won ef genimmet niemer end fo 
nimmet allef das ein end das difi weit geleiften mag. Wer fin geift- 165 
lieh guot git um liplich das ift ein roup def bluotz chrifti won ir 
effent feien die mit dem bluot chrifti kouft fint Das aber ein menfch 
bettot dien felon von dien im almuofen worden ift und man begerot 
das man inen getriulich tueg 4es ift der menfch , verfchult , Aber 
nieman fol tuon alf ir vor hortent das man mit keinem geding oder 170 
fürfatz füll geiftlich guot geben um liplich def warnen ich iuch in 
gantzen triuwen. äff lieb iuch iuweri fei und got fi won wederf im 
felber fchedlicher tueg das do git oder das do enphahet def weif 
ich niut || Der vj. uffatz der chrifto hie begegnot daf A\as ozyaf 
das ift alf vil gefprochen alf ein fchouwer der dingen Und dif meint 175 
das der menfch Iini werk darumb tuot das er gefechen und gelobt 
werd und difem ift gar unrecht. Der menfch foll elliu fini werk tuon 
got zelob und ze eren Avöltiftu lieber das man dich fundi in der 



149. 150 fannill hely. 151 uennianund am Rande zwei Punkte als Zeichen eines 
Fehlers. Reg. 4, 5. 152 neuman 167 die fehlt. 169 dz ift 170 maiu 
174 Paralip. 2, 26. 



306 LXX 

kilchen denn ob einem fpilbret und du das darumb allein tuoft das 

180 man dich niut für Ixi-f Ichatzti fo ift ef niut gerecht Aber fechiftu 
ef darunib ungern das nieman von dir gc ergrot Murd noch bcef 
bild cn neni fo il't ef niut fchad Won all ergrung fol der menfch 
verhueten a\ o er mag , Dif .vj. uiTatz hterent zefamen und dif nach- 
genden vier ouch zelamen , Do ift nu der erft ulfatz der chriito 

185 begegnot tragheit an gottef dienft nu ift menigerhant tragheit ufwcn- 
dig und inwendig ufwendigi tragkeit ift das. das der menfch laff 
und treg ift ze l)etten zc vaften ze neben an venien an kniuwen 
an tugenlichen werken, Aber die inwendig trakcit ift vil fchedlicher 
nnd das ift in dien vermanungen gottes zuo (82b) riuw oder zuo 

190 andaechtigen inwendigen gedenken ef fi das liden chrifti oder fin 
gotheit oder fin nienigvaltigi triuw und niinn oder das der menfch 
finf felbf war nem das er finer finnen huet oder lieh felber nider 
truk in zorn in nid in baff in hochfart in gitkeit in ungcordnoter 
zitlicher liebi Dif Avarnenien des menfchen fin felbf in im felber .e. 

195 das diu untugent harus brech das denn der menfch fich felber ftilti 
Das weri dem menfchen beffer denn innendes zehen münden gebet 
und er aber fin untugent niut trukti oder toti ef ift ein gar grofz 
ding fo man ein vigilia kniuwent an einr ftat bettot noch vil groefzer 
ift das. das der menfch in dem kor oder an andren ftetten finen 

200 fchlaf brichet und fin natur afo überwindet || Der ander uffatz der 
chrifto hie begegnot ift frafheit. dem menfchen folt iiiemer imbis 
werden er fölti im felber driftunt finen luft an fpif ab brechen niut 
mein ich dry trabten mer niut won dry muntvol die er gern effe 
Won fo die inenfchen gar für fechent fo fi üljer tifch gant fo man 

205 denn ein tracht giffet fo begint man die tuecher oder den wil von 
dien ougen tuon fo man die andien giffet fo begint man lachen ia 
diu kint von yfrahel fo diu auifen und etzwie menig tracht gauffen 
fo begondon fi f'pilon und tantzen und wurden gar geil l nd darumb 
bedarf man gar a\ ol das der menfch ob dem tifch fin felbs war nem, 

2ioman folt fich vor dem maul und in dem mal und noch dem mal 
halten äff ob man den heiligen fronlicliamen wüUi enphachen fo würkti 
diu Ipif geiftlich äff der fronlicham Der menlch folt ouch das liden 
chrifti alwegent vor finen ougen han äff ob man in ietz gegen 
•würklich toti vor finen ougen und wenn im das engieng das im djis 



190 andachligera 197 er fehlt; am Rande zwei Punkte. 198 kuuwet 

201 der M. 205 begiül] gebint 206 begintj bint 208 gebondon 



LXX 207 

(83 a) hertzclich leit weri |I Das drit. der menfcli folt Ordnung der 215 
heiligen criftenheit halten Was fi gebiutet ze tuon das man das taeg 
Was fi verblutet das man das mide Und niut das minft hröfemli 
underwegen lafz das ift das wich wafler Wer difi ding an im hetti 
dem wurd der einfidel und klofterliuten und aller der Ion den man 
inzit verdienen mag || Der drit uffatz diler vierer der chrifto hie 220 
begegnot das ift gitkeit ia ef ift vil gciftlichcr menfchenidie wenent 
inen well hiraelrichf und ertrichf gebreften Und louffent mit ir fin- 
nen und forgen har und dar ia fi louffent gen bafel gen roni und 
gen ftrafburg ina min kint was Aviltu gen ftralburg umb holtz du 
vindeft fin doch hie genuog nu louf min kint war du welleft umb 225 
dif oder umb das, noch muoftu in getrang fin wiltu dich niut laun, 
Dif ift ein -torecht ding das man niutzit fchicket und doch alwegent 
forgen das ünf gebreft chriftus fprach primum querite regnum dei, 
fuochent zuo dem erften das rieh gottes und alliu andiiu ding funt 
iuch zuogeworfen werden min kint getriuw got und bif an zwivel 230 
kerftu zuo im und laft dich im er fol dich avoI verfehen ift eff niut 
dur friund ef ift aber dur frömd er lat din niut .e. das got fin 
friund lieffi die im getriuwotin er verfech fi .e. von eim der hun- 
dert mil verr von in weri dar an hab kein zwivel || Der .x. uffatz 
der chrifto hie begegnot das ift hochfart. ia ef ift vil geiftlicher 235 
menfchen die muoffend haben fchoeni meffer befchlageni, und röeti 
und agfteiniu pater nofter und guldini fchlöffer an ir buechrcn mini 
kinder iuweri buecher habent niut defter minder tütlen dur der 
fchlöffren willen iuweri zit werdent niut deft andächtiger din pater- 
(S3 b) nofter ift vor got niut deftbeffer dur der roten karallen willen 240 
fichcr aun zwivel froewt dich ein rceti fchnuor ein gruener bendel 
iutzit bas an dinem pater nofter denn ein riem oder ein fwartzer 
bendel das ift ein zeichen das du noch nie ein geiftlich menfch m ürd 
vor got Du macht ef noch wol weiden aber dif vinfelwerk muof 
ab ficher aun zwivel wo ein geiftlicher menfch wer dem got und 245 
götlichi ding fmaktin dem wer diu üppikeit difer zitlicher ding ein 
unluftlich ding aber die wil wir dem luft der natur und dem hcefchen 
ünfer vichlichen tierlichen kreften genuog fyen fo hoefchent fi alliu 
zit üppikeit und gnuegd difer dingen Und ie mer fi im nach gant 
und fin gebruchent ie ungenueglicher fi werdent min kint fichftu 250 
gern das dir din gewant wol ftat und glatt und eben ift noch ift ef 
alweg fwartz und wit und ficher nieman ift dir darumb defter höl- 

228 Matth. 6, 33. 234 von im 235 begg^iot 



208 LXX . LXXI 

der All din friund fehen dich gerner diemuetig denn hochfertig und 
got Avidcr ftat dien hoch fertigen und entfetzet fi von finr euigen 

255 gloria "NVon hochfart ift zuo einem mal uff dem himel komen und 
koniet niemer nier darin, min kint duo ef lulerlich dur got und fich 
an den diemuetigen fehin dinf geiftlichen lebenf und volbring in, in 
dien ^verken und üuch in allem dim tuon und lan A\'on ef nit noch- 
tcnn die uienfchen die felbcn hochfertig fint. die fpottent einf andren 

2C0 umb fin hochfart iit das under dien liuten fo fin wir hillich ein 
fpott gottes und aller englen und heilgcn won fi haut ewig leben 
mit dienmot und mit wider ftriten allen Untugenden fo hant fi be- 
fcifen ewig leben fanctus (s i a) auguftinus fprichet zuo im felber 
allen geiftlichen nienfchen vor, fölt ef mich koften min leben ich 

265 muof A\ erden das ich fchin und fchinen äff ich bin und wer daf in 
geiftiicliem leben niut entuot der lebet im felber forgklich darum 
mini lieben kinder bittent wir got das er ünf behuet vor difen x. 
uffatz und ünf geb ein alfo war geiftlich leben in dem wir wol gc- 
türren fterben des helf ünf der vatter und der fun und der heilig 

2"0 geift Amen. 



Am ersten Sonntage nach Ostern. Ep. Joh. i, 5. 4 — iO. 

§ Die ander geburt was in der czeit Alfo fpricht der Salme 
Quicumque von der fubftancien des vatirs vor der czeit geborn 
vnd von der fubftancien der mutir in der czeit geborn dorumme mag 
man fprechen von crifti menfcheit. das er aws gotc geborn fey vnd 

5 von gotlicher craft. wen er obirwant die werlt czuraole Als er felbir 
fpricht czu feinen iungern Ilabit zuuorficht. ich habe die werlt öbir- 
Munden Text drey ding geben geczewgniffe das criftus gotis fon 
was. geyft \\affir. vnd blut. Das ift der heilige geift der uff yni 
irfchein in eyner to\\ben gloichniffe, § Eyne ander glofe fpricht, 

ju feyn eigen geift. wen er eine gefchaffene feie hatte, vnd das waflir 
und das blut das er gos an dem cre\\czc das be\\ eilet das er got 
vnd menfche A\as. wen er gab dem vatir den geift vnd gab das 
waffir vnd das blut der erdin. drey geben geczewg in dem hymele 
der vatir. vnd das wort vnd der geift. vnd dife drey fint eyns. 

15 Glofa. wie der vatir fey in dem föne, vnd der fon in dem (ib) 

258 fehlt ttvcas. 269 des] dz LXXI, 6 Ev. Joh. 16, 33. 



LXXI . LXXII 209 

vatir. viul der heilige gcift in dem vatir vnd in dem föne vnd der 
vatir vnd der fon feyn in dem heiligen geilte, das lal man vornemen 
wefelich vnd perfonlich. § Wefelich. wen l'ie fein eyn wefen vnd 
haben eine nature § Perfonlich. wen fie eine vornumfl't vnd eine 
liebe haben, vnd alle wirken mitenander. Alfo fpricht Auguftinus. 20 
die werk der heiligen dreiualdikeit die fint vngeteilet § die dritte 
geburt il't als ein kint geborn ^\irt in der to\\ire do ym gegebin 
Mirt das cleyt der vnlchult. Text, wer do glowbit das criftus ift 
gotis fon der öbirwindet dy werlt donimme fprechen die heiligen, 
das eyn criften menfche die werlt vil bas öbirwinden mag. vnd den 25 
funden vil bas widerfteen mag. denne eyn iude. adir eyn heyde. 
vnd dorumme ift das eyn gewis czeichen. das der menfche prnelFe. 
das er eyn gerecht criften menfche ift. das er leichteclichen wedir- 
fteen möge allen bekorungen. vnd das in ym tot fey alle leichtverte- 
keit. Text, dirre hat (2a) geczewgniffe gotis in ym den do luftit 30 
ermuetes vnd kewfcheit das vns das allen \Aerde. des helffe vns 
eot Amen. 



s 



feria vj. 



ente Paulus der leret in der epifteln hewte die reichen lewte wie 
fie leben füllen. Text Thymothee lere die reichen difer werlde das 
fie nicht hochfertig gefeyn. wen öberig gut vnd öberig mut vnd 
öberige kunft dy blenden den menfchen vnd machen yn hochfertig. 
Text, vnd nymant fal hoffen in den vngewiffen reichtum. das meynt. 5 
das er mit forgen wirt gewunnen || das ander das er mit fwerheit 
des herczen behalden wirt § das dritte das er bey nymande blei- 
ben mag. er mus yn hie loffen § Man lift von eyme reichen kunige. 
der do fterben folde. do lut er feyn weip vor fich. vnd feine kin- 
der vnd alle feine frunde vnd vrogete fie , was fal mir volgen alle 10 
meines kunigreichs. vnd alle meines grofen gutis. Sie fj)rochen ITerre 
nicht mehe. Aven eyn leylach do man euch yn gevvinde. do gebot 
er feynen knechten das fi is hingen (2 b) an eyne ftange. vnd vur- 
ten is durch alle feyn kunigreich vnd riefen dem volke vnd fprechen 
Nymrac fal dem kunige volgen denne dicz leylach. Text. Sundir 15 
hoffit in vnfirn herren. ihefum criftum vnd das ir wol tut vnd reich 
werdit in allen guten werken, Is ift ouch felczne rede das eyn 

LXXII, 1 am Rande Ad Tymotheum. Tim. i, 6, iT fgg. 6 in der Hand- 

schrift das auder das is mil 8 am Rande exeiuplum. 

Altd. Predigten. 14 



210 LXXII 

nienfche gut liabe vnd dorczu nicht holl'e. AHo fpricht der \\eifc 
man Selig ift der reiche man der do Avirt vunden ane bevleckungc 

20 vnd der do noch filbcr \m\ noch golde nicht en geet. a\ o ift dirre. 
"vvir Avellen yn lohen, wen er hat wundirliche ding getan in leinen 
tagen. § Ir lullet AxiClen das ir me gewelt ilt die die toten halten 
loffin vff fteen. Aven die arm ye A\oren in dem gute, Doiunime hahe 
ich is vor eyn gros czeichen das eyn meniche gut hat. \ nd is nym- 

25 mer gerueret wen das er eynen toten lielle ull" l'teen a\ en man leret 
iczunt drey l'chedeliche leren vnd vil gleiche dem vnglowben vnd 
des endecrifts lere § die erfte 



19 Ecdesiustic. 31, 8 fg. 



SEGEN VNn GEBETE. 



14' 



73 213 



Vnder ftlllen meffe fprfch dlz gebet 



N 



u l'ten ich hie herro gagen^'T'irtich daman daz opfer fegenot daz 
tir hiinelefcer fater andenie cruoce gopferaet wart furallede criften- 
heit Inder vvarheite dinef trut fuiief. unferf herren ihefu chrifti. 
Nuone bin ih def nuoiiet vvirdich daz ich iemer da foltirfchinen 
da fo groz genade undeheilekheit volbracht vvirth. vvandaz ich 5 
mich def drofte daz tu infonteft indifevvelt zeineme waren opfere 
fiir alledine crifteiiheit. Hilfmir herre huote daz ich under dinen- 
kinden bactet muozevvordcn furderfalikheit dir diz gagenvvirtigopfer 
hiiote folijract vvirt inder vvarheit .lef heiligen lichamen dineftrut 
funef. unferf herren ihefu chrifti. Hilf mir herre daz ich der einu 10 
(7 a) liehe Der heiligen diemuote der muz ich genizen du dir daz 
geriet daz du zefufgetanervvif unfich zedenhulden dinef fater brach- 
toft. Dune fantoftengel noch enhein andergcfcephede nah unf dubift 
felbechomen nach dinerhantgetat. Hich gelovbe hie din heiige gagen- 
vvirtigi hich gere unde bitte der heiligengeraeinde diffef waren 15 
offerf daz iz mir huote fi en antlaz miner funte einfeftenunge minef- 
gelovben. ein Hb nare minef libef unde miner feie ein ruove miner 
funde ein bezerunge minef lebenef ein vvarnunge undeinbefcirmvnge 
uvider den tuofcl undalle fine rate Ilerre ihefu chrifte def leben- 
digen gotef fun. du der mitten willen def fater mitter gefruomede 20 
def heiligen geiftef mittineme tode erlidiget haft die kriften heit 
lidege mik durch dinenheiligeii lichamen durch dinef heiligen bluotef 
willen fon funden unde fon allem uobele. mache-(7 b)mich gehorfam 
dinengeboten. unden laz mich niemer fon dir ge fceiden werden. 
Qui uiuif et regnaf per oninia fecula feculorum amen. 25 



73, 4 defj d im Schreiben aus t gebcfsert. 7 in der Handschrift ciiftenehit 



JU 74 



De fancta niarla oratio 



E, 



h'vigu maget frovve feite maria du da bift ein kungin def himelel" 
under erde du da bift ein troft der fundare undeinvviderfuonarin 
der fcvldigcn. du da bift ein frovde undein ere der guoten. du da 
bift ein corona und ein zirde aller heiliger magede. ker die dine 

5 genadigen ovgen ze mir filarnier fundarin. unde ruoke mich zer- 
chennene under allen den die dich luterliche minnen. Heiligv maget 
fente marie fogetin undhelfarin aller dere die lieh an dich lazent 
unde dir getruvent hilf mir genaden und antlazef aller miner funten 
umbe dinen fun ihefum chriltum der dir nuvet defen ferfeith def du 

<0 inge bitteft. Ililfmir frovve durch die genadc die ir ze dir hat ge- 
tan duo ir fon dime reineme libe (8 a) geruochte geborn werden 
waiTB got unde vvarre mennefce dur taz heil unde dur tier lofunge 
aller der weide daz ir mir fergebe allez daz übel daz ich ie ge- 
tede fondef angennef minef übel unz andife ftunte. Ileiligu muoter 

15 du eine da bift ander genade und ander helfe wir unfich allefer- 
fen. du nach gote unfer einlichu zuoferficht unde (roft bift. hilf mir 
umbe dinen fun daz ir dur dine uuirde unde dur dine under cluinft 
minfele unde minen licbamen gerene unde gelutere fon aller un- 
reinecheit undefon alen bofheiten fon allen mentaten. e daz ich 

20 diffef libef fer wandele Kungin dergenaden bit ihefum din fun daz 
ir minu lafter fon mir neme unde mich er fülle mit finen heiligen 
lugenden, daz ir nid unde haz föne mir geferre undallen ubelen 
v\'illen. daz (sb) er mir gebe bruoderliche minne unde guten 
willen, daz ir alle hofart fonemir gefromede unde mir war diemuot 

25 gebe, daz ir alle unreine gedanke und übel gelufte und unfufer girde 
fon mineme geifte fertribe. unde mir reine gedanke unde kuofche 
girde gebe. Warre mer ftcrne fonder unf daz ewige liecht er fcliin 
ift fon der unf allu genade komenift habemik in diner geiicht und 



74. ohne Überschrift !\T. 1 fcä (icie auch spater) — kunig:inne 2 uii der — ün 
ein widir fotiare 3 du da—sriiotcn. /"c/i/f. 'i. 5 •jizierde — chcre d« dinv dinv 

gnadigv 5 iiil anuiin fundariiimi. livlirlirhe 7 uogitine im liclfcrinc 

8 dir fehlt. ^nOiAf^ 9. 10 nid dof iiirffit. di-f du hiltift. 12 wäre — wäre 

14 uon ancpcnee — an die Idmde. 1.'). 10 iinf iiirfchon 16 luido Iroft fehlt. 

19.20 un iior allir boflicit. im iion allir mcinlat. ic daz ich difin lil> 20kiiniir- 

inne der gnade 21 luiri laflir 22 uon mir gicliore 23. 2'f daz er— guloii 

•willen, fehlt. 24 giwarin mol 25 unfufer girde] ubilc rede 27 rede 

V 

gebe, wäre — irfchinin 28 geiirhl] hole. 



74 215 

in dineme gebete enalle zit for gote daz ich din geniezen muze daz 
ich alle die freife undazubel diffef libcf enfliehe. unde nak difeme 30 
libe den ewigen lib befize. Ich begindir frovve miner funte ich 
fende dich an dinen einbornen fun daz du niik umbin enfculdigeft 
daz du mir umbin antlaz ervverbeft. daz du allen fmen zorn fvva fo 
ik fin vviidik fi föne mir ke(9 a)ref( vndin zerbarmekheit über mik 
geneigeft Nu kere himelefchv kunegin din heiterez antluze ane mik 35 
luntarin. undegeneige din mildez undedingenadigez gefune zemir fil 
unvvirdigun. unde ruocbe mik cer kennene under allen dien die din 
lob emizegen die lik diner ere frovven die dik lutor like minnen. 
Min herze daz ger din flafende unde vvakende. min feie turfte nak 
dir fruo unde fpate fvvenne fo ik an dik gedenl<e fo fi ik fri fon 4o 
allem ubele. Der tufel dernehabe nekheinengevvalt über mik. alle- 
bekorunge fer lazen mik. du himelefche genade befchovve mich. 
AIIu minu werk die werden gefranfputiget. in allen minen wegen 
fomuozik werden berichtet, undalle minebegunfte unde flize die 
bringe got zegutcme ende fvvenne fo ik dingedenke. Nu hebik min 45 
herze undemin hende uf frovve (9 b) zuodir unde bitte dich durch 
die liebi dineftnit funef daz du geruokeft zuomir zekomene minze- 
guvifene mittinen heiligen niageden undemit allen heiligen fuuenne 
fo minfele fon difeme libe fceide. Gefrowe unde getrofte gotef 
muoter denne min feie mit diner heiliger gagenvvirti unde lofe mik 50 
fon allerder forkte unde der egefode fathane unde finer engele. 
Enfak mik denne under dine milden hende unde vvif min leitarin 
unde minbefchirmarin. daz der hubele hellewark mir weder formir 
nok nakmir gefcaden muge olde zuokomen. Fon der guolliki dinef 
luteren antluzef fo flihen unde zerfaren alleniine fiende alfder mor- 55 
gen welchen fondeme fchitneii der funnen Du vvif mir denne frovve 
engetruver und eingewiffer leitare. daz mir uwet gebrefte daz ik 
vwet girre dazik vweterkome ander eifpariger be(io a)fchownge 



•29 ziallir zit 30 imphlie 31 bij^ihe dir 34 vmbe mich 35kuiii^inne 
— aiilhilo 36fuiidariiiun 37. 38 allen dich lobin mozen. die fich 39 gert 

— (urllel 41 tieuil nehabo dichciii giwalt 42 div hiiuilfchu 43 in] an 

44 bireil. uq alle miue chuufte 45 gol fehlt. habe ich 4T diiiif funif 

47. 48miii(odermih^ziwifinne 48 heiligin— heiligon 49uonmime öOgeginwrti 
51 uu uon deine cgifode 52 denue fehlt. mille . 52. 53 min leterinc. un 

min bcfchirmerine 53 hcllewarte 54 odir zo chorae 5i. 55gonlichidiniflutiif 
anlhitef 55 yiande 57 ein gitruwe — niet gibrefte 57. 58 mich niet girre, 
daz uwet chome an die egiberliche 



516 74 . 75 . 76 

der freifliken antluzo die ik da gefen niuo?: Die porta der himelfchen 

60 ierulalem die nmozliik ofen finden fondinen genaden nnde muoze 

l)raclit werden fondir Irovve andefallerobereften belchovvnge. unde- 

muoze diner genadc genizen daz ik fin forchfam unde fin anklik 

urtelde enflihe. Genadigu maget fente maiia daz ervvelte gotef huf 

def hciligeiftel' du da bift ein flukt aller diefich fervvrchct hant 

65 undein vuider ladunge der ferkerten duda biCt geheizen duo himel 

porta. vvifdenne for goto min fiiorlpreke ergibtu rede für mik. undcr 

vvint dudich miner fake enlchuldege mik undentrede mik Hilfmir 

denne heiligu frouve daz ik fondir unde fon allen heiligen nuuet 

geiunderotvverde vndazik vvirdikerteltvverde dergenofchefte der- 

70 himelefchen köre fon evven unzeuuen. Ame\. 



Oratio eluf qve Incal'titate. uel iiirginitatc ciipit perinanere. 



H 



Diz gebet ift uilgvot tagilich goleCin. 



erre iefv cril'te. min gebet, irhore dv. durc die magitheit dinre 
cliulir mutir. lande MarivN. vnde behvote die chufci minf libil". vnde 
minre feie, unz andaz ende minf lebnnif amkn. 



Oratio bona ad dcum. 

Herre (l l») alniehtige got. ich bite dieh diu- din hciligir hovbit. 
unde dur allv dinu heiligin \\<'rfh. unde dur all\ div heiligin wort, 
die du den mcnifchon zignailon ie gilpreche. du inphach difv lieht, 
unde gibinl unde bitwinc hiile andil'inie tage alle die zungin die 
5 ininin Icadin Iprechin w eilen, aide die niicli hu(e anlchin l'iiln. odir 
diheinen giwalt ubir mich habin fuln. unde chcre ir allir zungin. 

.■39 der ficiflichir .uilliilL' (ll imdcr ohiroflim (ri ^ri.uloii — forliirnniiz 

Uli fin anfririliclicz iirlcildc (ii licilifjoiflcr dariilirr von spcplrrpr Iliiud p^pii 

Engclb.JIS.\\v\\\!^'\i\\^v\{X\\M. (WASö n\\\\\c\m\{. im >\i(iirla(liiii^'i' der hichoiiiton. 
65. 66 div himilfcliv porla. OT viulirwinl dicli (>S loiidii unde fddl. 

69 wirdccliche irtcill •werde der giiofcheflc 

76, 1. Auf der ersten Seite der Handschrift nur noch das rolh (jc.icliriebene les- 
bar: die Überschrift, ein G, ein N, und der Anfangsbuchstab von Hcrre 



76 . 77 217 

unde ir wgrt. unde ir willin an minc frovde. iinde an mine hulde. 
unde an mi(2 a)ne niinne. So miz den ubir din herze in modum 
crucif. unde von deme bruft leflTiIe zvo denie nabile. unde miz denne 
von eime rippe unz andaz andiie. unde fprich all'uf. Ilerre almeh- 10 
tige got. ich bite dich herre dur din heiligif herze, unde dnr die 
heiligin gidanche. der du do gidahtoft. do dv dife weit alle gifcvofe. 
unde do du den nienifchin nah din felbiz bilde gifcvofe. vnde dv 
gidahtoft in zir lofinne mit din felbif libe. unde (2b) gireindoft mit 
dinie heiligin bivote. do er dur fin felbif fchulde. uirlorn hate herre 15 
dine hulde. Nu bite ich dich herre. dur die felbun gnade, unde dur 
die gidanche. fo bite ich dich herre. daz du bichereft ir allir herze, 
unde ir mvot unde ir wiflin zvo mir mit truwon. unde mit Marheit. 
unde mit gnadon. unde mit minnon. die mich hüte anfehin fuln. odir 
dicheine rede fam mir aide uon mir fuln habin. So miz denne die 20 
(3 a) rehtun hant. uon deme lengiftin uingire unz an daz refti. unde 
miz denne uon deme dumin. zvo deme minniftin uingire. unde gib 
denne diu liet ufin den altir. unde fprich alfuf. 

Ilerre ich bite dich almehtigir got. du den himil unde die herde an 
diner hant haft. herre du gifezze hüte in mine hant. unde inmine 25 
giwalt. allu div menifchin. diu mir fcadin wellen, daz fiv mir undir- 
tan unde gihorfam mvozin fin. (3b) zi allen den dingin da ich ir 
zvo bidurfe. Tunc cantetur miffa defancta trinitate. unde brenne div 
lieht allv zi der miffe. Alfe fanctuf gifungin Averde. fo val nidir 
andinu baru chniu. unde finc dife falmin. Pf. Vfquequo. Pf. Deuf^o 
deuf meuf. refpice. Pf. Adte domine leuaui. Pf. Inte domine fperaui. 
Pf. Inclina domine. Pf. Deuf auribuf. 



H 



De fancto Petro. 



erre fancte pctir du den giwalt heft zigebindinne unde zin bin- 
dinne. dine gnade fvoch ich fundigv. dinif wegennif geron ich. Ich 
bite dich unwirdigu. umbe alle mine funde. unde umbe alle mine 
not. unde mine angifte, da mite ich (5 a) biuangin bin. oft unde mir 
geginwartich fint. Ich bite dich herre fancte petir dur die gnade 5 
die got dir täte do er dich uon der erde zieinim menifchin gibildote 
alf er unf alle hat gitan. daz du mir gnadeft in allen novtin. unde 
angiftin. alfe got dir täte, do er dich ime feibin ginande fweftir 

15 in der Handschrift hei(neMe Zeilej^in 30 chnu 30-32 Ps. 12. 21. 24. 30. 
85. 43. 77, 1 oder fante? fente? in der HS. hier und immer icc 8 Ev. 

Matth. 12, 50. Joh. 15, 15. 



218 77 . 7S 

undo nivotir. frivnt niet ein flialc. Hilf mir licrre fancte petir in 

10 allen notin unde angiftin. all" unfir tiehtin. dir den giwalt hat (5 b) 
f^igebin. Ich bite dich herrc fancte jjctir. dur die gnade die got 
ubir dich täte do du lln uirlovgenotof't. ineinir nalit drieftunt. unde 
din heilich herze mit fere unde mit leide, bivangin a\ art. umbe den 
tivrin tot. unfirif trehtinf. unde umbe die funde die du hatoft gitan. 

15 daz unfir trehtin nir hängte unf zitrofte fo Avir uielin indie funde. 
Nu irhuge hcrre fancte petir wie unfir trehtin zidir fprac. do du in 
(6a) fragetoft. \\ie diche du in foltift virlazin die indie funde 
givielin do antwrte er dir unde chat. Xon dico tibi petre dimittendi 
fcptief fed ufque feptuagief feptief. Dur die gnade fo bite ich dich 

20 unde manon dich dur den heiligin naniin def heiligin criftif. dinif 
liebin meiftirf. unde dur die figenufte def heiligin crucif. da allv div 
criftinheit ane Avart irlofit in dien gnadon fo irlofe mich uon allen 
minen fundon. Gihuge herre fancte (6 b) petir. der mandunge unde 
def troftif. da din heilich herze mite gifrovAvit Avart. do unfir treh- 

25 tin uon deme grabe irftvont. unde dir unde anderen finen boton. 
daz hiez chundin. daz er zigalilea indaz laut fvore. unde fiv in da 
mit mandunge gifehin mvofin. llerre fancte petir ich bite dich 
dur die mandunge der ich dich nu gimanit hau. daz du mir ziunfirme 
trehtine arne böte fielt, daz min fer unde min not. da mite ich 

30 biuangin ( 7 a ) bin inmandunge bicherit werde. Ovch bite ich dich 
herre fancte petir in minif trehtinif namin. unde dur minne def hei- 
ligin criftif. daz dv gihugeft der gnadon der got ul)ir dich tete. do 
dich herodef gibant. infiben ftetin. mit ifinin chetin. Gihuge herre 
fancte petir aa ie dich got irlofte. von der fitnde giAvalt. unde irbite 

35 mir umbe den feibin irlofere. daz er mich irlofe. dur fine gnade, 
unde dur dine minne. uon allir der not. undo uon den (7a) angiftin 
da mite ich biuangin bin. undo die ich dir giclagit han. unde irlofe 
mich, alfe unfir tiolitin dich irlofte. uon der vinftri def karcharif. 
unde uon den banden herre der A\arin fibin^•. uon den banden allen 

40 fo lofte dich unfir trehtin. allo tvo ovch dv mich nu dur fiue gnade, 
unde dur fine minne. uon allen angiftin unde der not der ich dir 
nv geclagit han. unde uon allen ubilen menifchin. unde A\ibin. die mir 
diheine not tvont unde mit diheinir ( 8 a) freife mir \n eilen zvo chomin. 



D 



az ewige lieht daz chome ziminin ovgon. Div heilige ftinmie 
chome zimime munde. Der heilige geilt chome ziminir brufte unde 

18 Matth. 18, 22. 



78 . 79 . 80 219 

gebe mir got die globe. die fancte petir habete do er indifeme libe 

Avaf. unde helfe mir fancte petir der gnadon. daz min lib unde min 

feie biwart werden zidifeme libe. unde zideme ewigin libe. 5 



H 



erre fancte michahel hüte wiftv .N. fin fliilt unde fin fper. min 
frov(9a)wa fancta maria fi fin halfperge. livte mvoze er indeme 
heiligin fride fin. da got inne wäre, do er indaz paradife chame. 
Herre got du mvozift in befcirmin. uor wage, unde for wafine. uor 
fivre. uor allen finen fiandin gifuniichen unde ungifunlichin. er mvoze 5 
alfe wol gifeginot fin. fo daz heilige wizzot wäre, daz min herre 
fancte iohannef mime herrin diin almehtin gote in den munt flozte. 
do ern indeme iordane tovfte. amesv. (9 b) 



II 



lerre got an dine gnade irgibe ich mich dir hüte, mit libe unde 
mit feie, indine gnade, unde indine irbarmide. unde inminir frovwn 
fancte mariun. unde fj)riche dir einin falmin. hüte indine gnade unde 
indine irbarmide. unde indinir heiligun mvotir inden wortin. daz du 
niemir uirhengeft. daz ich iemir gifcendet werde, uon deheime 5 
irdifchin menifchin. unde mir def gunnift. mit dinir gnade, daz ich 
dife weit uirwandelon mvoze. ungifchendet. unde min ( lOa) wiblich 
ere an mir niemir ginideret werde, unde rvochc allen minin fienden 
ir hör ferti widir mich zibicherinne. Pf Adte domine leuaui. Tu 
gihuge wol fwert unde wafen wef dich crift bat. do er alre erft 10 
ufin dich trat. Innomine ihefu chrifti div wort fin mir war. unde 
uefte. unde figehaft. def helfe mir dinu heiligu craft. div wort 
fin mir war. unde alfe uefte. fo daz pater nofter ander miffe. 
Pater nofter. Daz mich hüte infnide nihein wafin. daz fit giflagin 
wrde. fit crift giborn (lOb) wrde. Innomine patrif et filii et fpiri- 15 
tuf fancti. pater nofter. Innomine domini. daz heilige lignum domini 
gifegine mich hüte, undelian unde obinan. min buch fi mir beinin. 
min herze fi mir ftahelin. min hovbit fi mir fteinin. der gvote 
fancte feuerin. der phlege min. der gvote fancte petir. unde der 
gvote fancte ftephan gifegineigen mich hüte for allir minir fiande 20 
givvafine. Innomine dei patrif et filii. et fpirituf fancti. alfe milte 
unde alfe linde mvoziftu hüte fin ufin mime libe. fwert unde allir 



79, 6 fo heilige 80, 9 Ps. 24. 21 Innomine] I vom Miniator vergefsen. 



J20 SO . 81 . S2 . 83 

flato gifmide. fo ininir IVovnmi (ll a) lancto Mariun fweiz A\are. do 
25 fi den heiligin crift gibare. Pater nofter. 



F, 



Tovwa fancta mari\. hciligu magit undc nivotir. niinil' lierrin def 
almchtin gotif. gidcnchc daz er dich iiwelte uon allir dir \\clte. 
got uon hiraile. zitrol'te unde zigiiadon. allen menifchin. dur die 
gnade fo got andir täte, wif mir gnadich. vnde hilf mir der ruwe 

5 unde der bihte. unde der bicherde indirre weite, da mite ich garne 
antlaz niinir fundon. in den ewigin lib. (ll b) Frovwa fancta maria 
Avif mir gnadich. ziallen minen dingin. die mich ane gangen, minif 
liliif unde minir feie, frovwa fancta maria m if mir gnadich. ziallen 
minen not durftin. ziallen minen angiftin. frovwa fancta maria uirla 

10 mich niemir an minir hineuerte. noh andeme tage def uorhtlichin 
urteildef. amen. 



ricrre du da bifchirndoft trcf puerof decamino ignif. alfe du loftoft 
danielem dclacu Iconum. alfe lovfe mich herre hüte, uor fper. unde 
uor fw erte. unde uor allir flahte A\afine. unde uor allen fhozzin. 
allir minir fiande unde giwafine daz fie mir hüte alfe gvot fin. fo 
5 fancte marise fweiz AAaf. do fi criftif ginaf. diu fin mir war. amex. 

Frovwa fancta maria ich bitc dich dur die frovde (l2b) unde dur 
die mandunge. unde diir die wnne die du giwnne uon der bote- 
fchefte die dir brahte fanctnf Gabriel, do er dir chunte die urone 
giburt. daz du nnotir foltift w ofiii. unfirl' liorrin ihefii chrifti. daz 

5 andir irwilit Avrdin diu oracula et preconia proj)hctarum et bene- 
dictionef et promiffionef patriarcharum. unde dur die rawe. unde 
dur die gnado die du hetoft. fub umbra fancti fpirituf. et plenilu- 
dine gracie eiuf et inpregnatione dulciffimi lilii tui. daz du uirwande 
(l3a)left daz fer minif herzin. infrovde unde inmandunge. illiuf 

louentrif tui fructuf qui eft cluiftuf dominuf nofter fit femper fit bene- 
dictuf et gloriofuf et fu})erexaltatiif infecula. amen. Ich bite dich 
fancta maria dur die mandunge unde dur die A\nne die du hetof 
mit unlirf herrin pueritio mit finir infantia cum infinu luo collocando 
inter ubera tua reclinando brachiiftuif euni tiljiniet ucndicando. ofcu- 

15 lando amplectendo lactando omnem ei follicitudinem et diligentiam 



82, 4 gvot] got 5 inarie fweiz fehlt. 83, 15 folliciludine 



83 221 

iocan ( 1 3 b ) diffime matrif iure inpendendo et exhibendo. daz du 
mich irhoreft. inallen mincn angiftin unde noten. Ich bite dich chu- 
ninginiie def himilf unde der erde daz du mich irhoreft indirre an- 
gifte, unde inallen min angiftin. dur den heiligin tovf da got inne 
wvofc allv div mein dirre weite, et perfanctum iohannem ewange- 20 
liftam tuum uirginalem cuftodem. dazdu mich gnadecliche reineft. uon 
allen minen fundon. unde achuftin. Ich mane dich gnadi(i4 a)giv der 
martire dinif unfchuldigin chindif. daz du mich fchuldigun irhoreft. 
dur finir heiligin gibende willen, irlofe div gibende minir feie gna- 
decliche. Ich mane dich liebu frovwe der trahene die uon dinen ovgin 25 
fluzzin. do du din chint an deme cruce fahe. daz dich irbarmen mine 
trahene die ich fende andine gnade, umbe mine funde. unde umbe 
alle mine not. unde angifte. Gihuge gnadigu frovwe def wegif den 
du ufin den ftein zvo ime gien((4b)ge. da er dich biual fancte 
iohanne inder iungiftun not finir martire. unde la dir min lib unde 30 
mine feie, unde alle min not. unde angifte biuoln fin. unde alle die 
den ich gehetif fchuldich fi. die biuil ich dir andine truwe. alf er 
dir fanctum iohannem biual. daz ir mich bihvotent uor funden. unde 
uor fchanden. unde unf helfent ziden ewigin wnnin. Gihuge liebu 
frovwe. def herze ferif. da du fehe ginagilot. din vnfchuldige chint. 35 
zideme galgin def cru(i5a)cif. Ich hite dich dur die clagelichun 
ftimme die er Ivtte do fin heilich geift uon finime gibeine fehlet, 
dur den antlaz da er unf finif uatir hulde giwan. daz du uirnemeft 
mine ftimme inallen min notin unde angiftin. Ich bite dich gnadigiv 
dur den tot dinif chindif den du ane fehe. unde dur daz blvot finir 40 
fitun. daz du gitrofteft mich inminir ivngiftun ftunde. unde inallen 
min notin. Heiligiv troftei'in. allir trurigir herzin. ((5b) dur def 
grabif ere da unfir herre alre troft inne lac. dur fin diemvoti du 
cum mir zihelfe liebu frovwe. unde gihuge wie dime herzin wäre, 
do du uon firae grabe fchiede. unde irbarme dich ubir mich fundigif 45 
menifche. unde cum mir zihelfe anminir ivngiftun not. dur die herun 
urftende. da din herze mitte gilabit wart, unde gitroftit. do du in 
fahe irftanden dem du dauor ebindoltoft fereliche infin notin. Nu 
fende mir dine ( 1 6 a ) helfe, unde din troft. dur die frovde der herun 
urftende. daz ich irftan mvoze uon allen minen angiftin. Herre 50 
fcephare du da gifrotoft alle die indeme helle fere Marin, do du 
irftvode uon deme grabe, du gitrofte min ferigif hferze. Herre du 
irhuge min. dur din herun uffart. dur daz iamir dinir mvotir. unde 

39 Ich] I vergefsen. 48 dem] dn 



223 83 . 84 

dinir ivnijiron. daz fie lieton poft afcennonem tuain. unde irlofe mich 
55 iion der girdc unde uon dorne iamire dirre bovfun weite, unde mache 
()0b) mich wirdich def ew igin libil". unde gib mir din fride. unde 
din hciligit» geilt. Herre ihcfu clirifte uif in mir daz du mich bihvo- 
teft. MÜ" uor mir daz du mich gileiteft. wif obe mir daz du mich 
bifhirmelt. wil" umbe mich daz du micli gifegineft. Xu gifegine unde 
COblfchiiiiie mich der vatir. unde der lun. unde der heilige geift. fie 
biluoten min lib. bilialten mine lele. unde giriliten mine finne. unde 
gileilen mich ziden ewigen ^\nnin. amen. (l7a) 



l, 



)he dir ie^^et A^erre. lo mache drie cherza unde finc an baren 
cnien den lalmin. Audite coli, unde nah fivnf uerfin fo lif. Pater 
nofter. unde eine ueiiie. unde fprich difgibet. Jleiligu Irovwa fancte 
Iiil'anna. irliore micli indem namin del' almehtin gotil". unde fih an 
5 mine not. unde an alle min angil'te. unde gidenche A\ie gnadecliche 
dich got irlofte uon lukkin urchundin. unde uon denie biterin tode. 
dur die gnade die got (l7b) do dur dich täte, lo bite ich 
dich, unde bilVer dich fancta ful'anna. daz du mit dime emizigin 
gibete. diuin got bittelt daz er mich gnadecliche irlofe. uon allen 

10 minin angiftin. unde uon allen minen notin. Vndo uolfinc den falmin. 
alfo. unde lif denne ander uenie diz gibet. 

Herre got vatir almehtige. ich bite dich unde bifwere dich, dur die 
minne fancte fufannun. daz du mich loleft uon minen üenden unde 
minen angiftin. (isa) Ego figno crucif non clipeo protectuf aut 

lögalea. hoftium cuneof penetrabo fecuruf unde fegine din hovbet fivnf 
ftunt mit difime zeichinc. f zanuel. unde fprich den verf zvo deme 
der da obinan ftat. Ego figno. Paruc. domello. aftac. effranif. prota- 
nif. lezradif. Herre crift gotif fun dur der angift ere. da din heilich 
herze mite biuangin uaf. do du herre crift din heilic gibeine, zvo 

2Q der martire gäbe. ( 1 8 b ) dur die minne unde dur die tru\ve. die du 
ziden menifcin hatoft. fo bite ich dich daz du gitrofteft daz fer 
minif herzin. alle du gitroftoft daz fer dinir ivngiron indeme zite 
dinir urftende. Pater nofter. llerre crift unde dur der angifte ere da 
din heilich herze mite biuangin ^^ af. do fich din goteheit unde din 

25 ujenifcheit andeme cruce fchiediu fo bite ich dich. Pater nofter. 
Uerre crift ich bite dich dur der angifte ere. da dinir trut mvotir 



84, 3 eine ueniej fehlt t/aror ein Imperativ? 4 fufunna 10 minen aus 

Tdimn gehefiert. 12 almeltige 15 fecuruf tn fecura ^eänderr. 22 ivugon 



84 . 85 223 

(l9 a) herze mite biuangin Maf. do fi dich ir trut fun fah tovwen. 
unde irfteibin andeme cruce. Pater nofter. Herre crift unde dur der 
angift ere da der heiligo?i zwelfboton herze mite biuangin Avaf do 
li dich lahin iterbin. lo btte ich dich. Pater nofter. Icii bite dich 30 
herre fancte moyfef dur die gnade die unfir trehtin iibir dich gi- 
dahte. unde ubir aaron do ir vahtint wider pharaonem. unde ir 
ivwir arma ovf hvobint. (ob) unde in mit den l'elbin wortin 
grvoztont dur die feibin gnade, bite du criftif chemphe. daz er mich 
lofe. uon der crefte minir fiande. alf ivch unfir trehtin lofte uon 35 
pharaonif giwalte. amex. 



N 



i*v tvo dine bihte unde uirgih dinir fundon. fo uirgit dir got dine 
fculde. unde lif die ilbin falmin. Domine ne infurore. Gloria patri. 
Kirieleifon. Chrifteleifon. Kirieleifon. Paternofter. Ne reminifcarif 
doraine deuita mea. uel parentum meorum neque uindictam fumaf de 
peccatif meif. Dirre falme 11 gifungin deme heiligin geilte, unde 5 
allen den tuginden def himilf. cherubin. feraphin. (22b) tronif et 
dominationibuf allini himilfchim here. der heiligun botefchefte def 
heiligin wortif patrif. daz fancte gabriel chunte fancte mariun. def 
irhuge herre crift. m if gidultich ubir mine funde. alfe du herre wiz- 
zift minin willin dine hulde ziwerbinne. 10 

Oratio. 

Defende me domine ancillam tuam coram omni potentia tua proftra- 
tam et abhoftium me fortitudine tuere. nee bona tua difFiculter 
inueniam. fed concede fancte fpirituf ut prome fupplicent fancti tui 
et an(23 a)gelice poteftatef. Per Pf. Beati quorum. Gloria patri. 
Kirieleifon. Chrifteleifon. Kirieleifon. Pater nofter. Ne reminifcarif 15 
Domine ne meminerif iniquitatum noftrarum antiquarum cito antici- 
pent nof miferie tue quia pauperef facti fumuf niniif. Dirre falme 
fi gifungin. indie ere dinir heiligun giburte. herre got. unde fancte 
mariun magdalenun. unde fancte afre. unde fancte Avalpurge. unde 
allen den die ir chufci haut dur got bihaltin. dur der willin. fo 20 
gihuge du daz du mit deme vingire ander erdun fcribe. da mite du 
herre crilt daz wip (23 b) irloftoft. uon der giwalt die fi wolton 
fteinon. alfe irlofe du herre mich uon allen den die fich vbir mine 
funde wellen frovwin. odir ubir mine fchande. Omnipotenf miferi- 



30 fah 35 lofle] loft 85, 2 Ps. 6. 14 Ps. 31. 20 der] dn 



224 85 

25 corf deul' uniuerl'a mihi aduoi fantia propiciatuf exclude. ut niente et 
corpore expedita. «jue tua lint liberil' montibuf cxequi merear. PI". 
Doinine nc. infurorc. Gloria. Kirieleifon. Chrilteleifon. Kirieleilon. 
Pater nol'ter. Ne remiiülcarif. Hcrre drelitin ich lue difen lalmio 
indie ere dinir martyre. unde allen din martireren uiule bitte dich 
30 dur faiicte ftephanif (24a) undemlur fancte blafivn Milliii. vnde dur 
fände laurcntiun ^^ iUin. lancti geor^!;!!. ianctl benigni. unde tlur allir 
der willin die ie dihein itiwiz odir diheine niartiie dur dine niinne 
irlitin. daz du gnade habeft. luinir brodi. unde mich irlofeft alfe dv 
loitolt rulannani uon dem itiwizc der ubilon livten alfe irlofe du 
35 mich uon \\ eltlicliim itiw iz daz inheinif minif uiendif m ille ieniir an 
mir irwllit \\crde. Ne derelinquaf nie domine fancte pater et domi- 
nator uite mea? nt non corruam inconlpectu aduer(24 b)fariorum 
raeorum ne gaudeat deme inimicuf nieuf Per Pf. ISIiferere. Gloria. 
Kirieleifon. Clirifleleifon. Kirieleifon. Pater. Ne reminifcarif. Mit 
40 difime falmin fvoch ich dine gnade, herre ich habe in gifungin. dinir 
uf ferte zieron. unde fanclo iohanni baptifte. unde fancto iohanni 
ewangelifte fancto tloi"iano fanclo ])an(aleoni. fancto remigio. fancto 
ivliano fancte marie et fancte martlie. dem gvotin lazaro. der vier 
tage tot waf. vnde du in lebinden machotoft dur die gnade fo gi- 
45 denche unfirf teilif def du uon dinir nivotir fancte mariun name daz 
du hine zihimile uvortoft. def (25 a) uirgiz anniir niet. irhuge der 
gnadon die du dauide täte, do er "vvidir dich fchuldich waf. der 
manflaht. unde def hvorif. unde er dine gnade irwarb mit den wor- 
tin miferere mei deuf miferere mei. alfe gnade du mir herre uil 
50 fundigere. Tribue quefo omni])otenf deuf ut perinterceffionem fancte 
afcenfionif tue illuc lendat noftra deuotio quo tecum eft noftra 
fubftantia. Per deuni. Domine exaiidi. Gloria. Kirieleifon. Thrifteleifon. 
Kirieleifon. Pater nofter. Nereminifcarif. Virnim hei're crift dii'in 
falmin zieron (25b) deme heiligin geifte den du fantoft zitroftc 
55 dinen ivngiron. die mit vorhte ^\arin herre rvoche mich zibefchate- 
Avenne mit dem heiligin geifte der mich A\ife unde lere dinen Avillin 
zitvonne. der min herze intlivte. daz ich dich minne unde furhte. 
ich bite dich dur den dienift fancti martini. fancti gregorii. fancti 
iiicolai. fancti leonardi. dur alle die die mit bihte ginefin fmt daz 
60 ich ubir winde mine funde mine angifte mine not. (26 a) alfe div 
driv chint tatin. Sidrac mifach et abdenago. indemc eit ouine die 

26 expedial. Ps. 37. 33 du min gnad' 37 raee 38^5.56. 42 florino 
47gnadou 30 quel'ü] qs^ pcrlerceflion^e 52 7'a-. 101. 58 dieu('«e"eZei/eynift 



85 . 86 225 

(lannan uon gifunt chamin. der Celbun gnade gitniwe ich dir. nah 
gnade hilf du mir. 

orntio. 

sjeul' qui contritonim iion dcfpicil' gcmitiim et merentiuni non Ipernif 
affectum adelXo precibul' iioltril" qnaf pietati tue protribulatione 65 
noftra ofTerimiif ut eaf dementer fufcipiaf et l'olo pietatif tue intuitu 
tribuaf. ut qnicquid contra me diabolice atque humane moliuntur 
aduerfilater. ad nichilum redigaf et confilio tue pie(2() a)tatif alli- 
daf. ut nullir aduerlitatibul" lefa i'ed ab omni tribulatione et anguftia 
liberata. graciaf inecclelia tua reLram tibi leta. Per. Dej)rofundif. 70 
Kirieleilbn. Chrifteleifon. Kiiieleifon. Pater nofter. Nereminilcarif. 
Gifprochin fie dirre falnie dinir gotheit herre crift. unde bite dich 
dur die liebi die du lietolt zvo adamif feie, unde eue. abrahamif. 
yfaac. unde iacobil". der heiligon >\ ilTagon. unde dur alle die. die 
du uon helle loftolt. unde fie neme indin riebe, dur dier feie ^^illen 75 
die dannan here mit dinen (27a) gnadon. gincfin fint. odir nob 
ginefin fun. daz du minir ainuin feie gnadef. unde mime brovdeme 
übe. daz du juir die weit nob gifemfteft daz ich mit A\arre bibte 
bicbome dich zilobinne. minir armuu feie zignade. Deuf confolationif 
et pacif refpice propitiuf adprecef meaf et concede ut anime famu- 80 
lorum famularumque tuarum que abadam ufque inbodiernum diem 
de hac luce migrauerunt quique ba])tizati et confeffi infide catbolica 
perfeuerauerunt (2: b) et de fuif rebuf secclefiaf dei ditauerunt ut 
infinibuf abrabe yfaac. et iacob. feliciter requiefcant. moxque amorte 
fufcitati tibi placeant inregione uiuorum. Per Pf Dominc exaudi. 85 



leb lobe dich uatir got almcbtigin. unde diu fun. unde diu heiligin 
geift. unde gilobe die drie binemide ein warin got. Ich lobe dich 
herre allir der gnadon der du mir ie gitate daz du (29 b) mich fo 
dicbe irloft baft uon uii manigin angiftin notin unde fcbandin unde 
bifcirmit baft uor uil manigen fundin. jNu bite ich dich herre dur 5 
dine vatirlicbe gvoti. daz dv fift min troft inallim minini vntrofte. 
bidenche din ricbtvom unde min armvot. virlie mir w iftvom. binim 
mir tumpheit. bifchirme mir herre. min lip unde mine feie, unde 
mine ere uor allen minen uienden gifunlichen unde ungifunlichen. 



65 adt-ne- pielaii 70 /'s. 129. T.j wille 83 pcclcfiaf ul]& 

85 Ps. 142, «6, 7 din] rniii 

Altd. Predigten. 15 



22C SO . 87 . S8 

10 Ich bite (lieh (so a) herro dur den gnadeclichin rat den du täte mit 
dimc vatire undo mit diine lieili^in i^oille vmbe iinie heil daz du 
mich bilchirmeft vor allen ratin die iibil l'iiit. iior liiiider rede. \ or 
fchelt wortin. uor itiwiziii. uiide daz iibil daz ich widir dir i^itan 
han. dur mine brodi. vnde dur min um irw izzin heit. daz du daz 

<5uirtilgeft mit der menilcheit die du an dich iii]ihieni,'e uon der liei- 
ligun magit fanctc mariun. Ich bite dich herre (lioli) dur dinir 
heiligun giburte willin. unde dur dinil" tovITif w illin. den du injjhienge 
unde dur der martyr Avillin. die du lite andemc cruce. mit fpotte. 
mit halHei^in daz du mich nieniir lazeft chomin z\() weltlichen 

20 hovndon dur dibeine mine (unde. Ileiliii,ir geilt du dir ijüt ein troft 
allir gifergotin herzin. unde allir not haftigin menilchin dv gib mir 
daz ich dich got minne in allen minen (,!( a) luinin. unde gib mir 
die reinicheit minif herzin unde def nnotif. unde die chMCchi def 
libif unde daz ich indileme übe garnen mvoze. daz ich gnacU'cliche 

25 zidem e\\ igin Übe chomin mvoze. amfn. 



H< 



Defaiieto erafino. 



lerre fancte erafme du mime trehtine andifeme feibin orftirlichin 
tage giopherot wrde. zifrovde der heiligun relurrectione. Du ini)ha 
hüte diz opphir umbe mine Tele unde umbe mine weltliche ere (31 b) 
daz min trehtin mich giriere unde mich giw ere mit fin gnadin. unde 

5 mit allen din dingin die der Tele lobilich fin. ich bivil an dino 
gnade min rat unde mine gitat. unde minu wort da n)ite mir dihein 
menifche fcadin w eile, daz er mit din gnadin virmerit mvoze werdin 
wände min trehtin ielbe Iprach fwer fo din namin andifeme oftir- 
lichen tage ginemmit fwef fo er gibitit daz er giwert werde, (ri a) 

*0 nu inpha mich andine trivwe dife giwihtin tage, unde dife giw ihtin 
nahte, daz min trehtin mich dur fine gnade anallen gvoten dingin. 
Avonen laze unz an daz ende, minif libif. daz inheinif niinif uiendef 
wille anmir werde irvollot. daz chome dir zilobe. unde allen zi- 
trofte die dinir gnadon biten. amen. 



Ich bivil mich .N. dem almehtigin gote indie (42a) felbun gnade 
fo er fancto iohanni bival fine mvotir do er andcm cruce ftvont. 
ich bivil mich indie felbun ginade fo er fin geift fime vatir bival. 
do er andem cruce folte irfterbin. indie felbun gnade, unde indie 



25 zomin iil, 5 din] dincn 11 nahte in nahten ijeündert. 



88 . 89 227 

trovwe l'o er fancte iiiariun iino zieiiiir invotir ircliof. unde fi in 5 
zieme heiiigin Cuiic iiulie felbiin gnade, lo ime der gvote fancte 
iacob. fin fun bival do ern fante inegiptum indie felbun gnade fo 
ime (-iib) der gvote tobiat li.iin Tun bival do er in fante indaz 
lant regionera gentium. Ich bivil mich hüte indie heiligun hant den 
heiligin livf trahin blvotigen. den heiligen nagilin. dem heiiigin lO 
cruce. Icli bivil micli dem gitruwin fancte petir indie felbun gnade 
fo ime der heilige crift bival finii fcaf unde die fluzil def himilf. 
ich bivil mich hüte unde iemir inden heiligin fegin def almehtigin 
gotif noh niemir inhein min (43 a) viant mir muge gifchadin. gi- 
fihtich unde ungifihtich. Ich bifwere mich ])ideme uatire unde bi- 15 
deme fune. unde bideme heiligin geilte daz div ovgin nien haben 
da mite fti fehen daz mir fcade fi. noh der munt da mite fu fprechen 
daz mir gifcadin muge. noh div orin noh daz herze da mite fu hören 
odir gidenchen daz mir fcade. noh die fvoze da mite fiv gien odir 
ftein daz mir fcade fi. div uil heiligu (43 I») zefue def almehtin 20 
gotif der biuil ich hüte mich unde iemir min lib unde mine feie, 
unde mine weltliche ere. daz ich mit gnadon lebin mvoze unde mit 
fride minif libif unde minre feie, nu gifegine mich daz her cruce. 
vor mir fi der gotif fegin. mit deme feibin fegine da mite dir almehti 
got ^^ af gifeginot do er uvor zihimile. fro elifabet mit ir heiligim 25 
fune. gifegine mich fancta cilina (44 a) mit ir fune. gifegine mich 
fancta felicitaf ir fibin fune gifeginen mich, mit deme feibin fegine 
fi ich gifeginot da mite die drie kunige Man gifeginot. die der 
knnich herodef wolte martyron der heilige fun fancte mariun der fi ■ 
hüte min halfpcrge. minif libif unde minir feie, unde minir ^^•eltlichun 30 
ere der gitrovwe fancte petir fi min wegewife. minif libif unde 
minir feie mit dem feibin fe(44b)gine fi ich gifeginot fo got die 
drie knappin gifeginote die der chunich nabuchodonofor wolte vir- 
l)rennin. Sidraac. 3Iifaac. abdenago. Kirieleifon. Chrifteleifon. Kiri- 
elcifon. Pater, nofter. f 35 



Ich bin hüte uf giftandin. indie ginade du' almehtin gotif gangin 
(94 h) hüte fi ich inallir der weite gimvote. alfe ir herze inir plvote. 
alfo wol fie ich inallir der weite lüfte alfe ir herze inir brufte daz 
ich inen allen fi alfe lieb, dar ubir manon ich dilln namin. den adam 
ane rvofte. do er die hant fah div in da machote. daz dirre. adonay. 5 



88, 1 '•■ fehlt etwas. 25 hciligir 

15 



228 90 . 91 

Innomine jjatrir ot (ilii. et Ijiirituf fnnrti. Ilene fo bivil irh dir huto. 
min lip. undo niiiie lole. zibilivotiiiiie. uiido /ihilcliirmiiinc ( '»:. a ) 
alle dv bilcliinidort danieiem do er wal" iiideiiie hole der iovwdii. 
fufannam uon deme liii!;ili(liiii urcliiindc. liuictiiiu petnnii iioii den 
5 clietinnon. lanclain niariaiii magdak'iiaiii. uon ir i'undon. allb nivoziltu 
mich hüte bihvotin uor luadon uor Icliandon. iinde uor uii^inde andon. 
def bitte ich dicli herre diir dinir mvotir ere. uon der dv die men- 
ifcheit inphienge. die menil'cheit an daz cruce leitolt. mich (95b) 
uon der helle irloCtoft. zidenic hiniile du mich brahtoC. dannan bin 
<Oicli giuallin. eginil' danchif ei^inif wiilin. .Nu bit ich dich herre 
widirzicomlnne dur diu heilii^iii nainin on. dur den l'o liiit alliv dinc 
zideme ewigiu übe. d\ mich bilVliiruiirt. in dirinic i^cgin \\ar(ii;in /ite. 



Seliger vnd aller gvotefter lierre got gelobet fiftv iemer. der gena- 
uen der dv tete. dien hcligen zevvelfboten. vnd dinen ivngern. dien 
dv dinen heiligen geit fantoft. vnd fi fo Aviz kven vnd (tarch mach- 
tolt. dal" I'i getvrllelich in die A\elt giengen diu wort künden all' von 
5 in vor gelchribcn wal" in oinnem terrain exiuit lonul' eoruin. vnd dal" 
li alle zvngin redent wrdin. vnd aller der genaden der dv diner 
criftenheit mit in halt getan die dv mit inen ge])hlanzet halt, vnd 
fvnderlich liltv gelopet. der genaden der dv vnf haft getan an dem 
rtvül zerome. vnd an dem bablte. den wir an diner Itat da vinden. 

10 vnd an dem bilchollichem gew alte, vnd ])rierterlicher w ichte. vnd an- 
der ordenvng der heiigen melTe. da man dich alle tag handelot. vnd 
enphachet. vnd och vnl" armen mit teilet, dien dv din nit ungvnftig 
bil't. vnd fich och nach ir ftaten gegen dir bereiten went. tielobet 
lieft och lieber herre. der gvele der dv vnz och haft erzeiget, an- 

15 der ordenvng der heiligen bichte. da w ir w erden von fiinden eiloft. 
vnd troft enjthachen daf dv vnf weleft din rieh gelien. üIi wir vnf 
nach der bichtere rate, ricliten und halten wein. Aalmechtiger 
herre got gelopet fiftv fvnderlich der genaden. der dv crzegteft an 
diner lieben renen mvoter. der feiigen maget marien. die dv nach 



90, 9 irlolofl. 91, 1 in der Handschrift Gclig' 2 die heligc zewefbole. 

s 

vn (linc iviiger. ilio 3 vii flarch ö /'*. 18, '>. 8 IVdiich 9 dciij daii 

14dvYuzjdvz 15 ordenvg — werd 16 wlefl 17 bichlo ralcl. 



91 22a 

ir zit uf ze dir neme. mit lip und mit feil da für wir ef billich haben 20 
(20a) fvien vnd fi für dich geiezet halt, vber alle die koer der 
engelon. vnz zc einer getrevwer fürfprechcrinon. da aa ir fi vni din 
hvlde vlechen fvlen. Gelopet liftv och der. gvete. der d\' er zeget- 
hal'l. an allen dinen heiigen zewelf boten, die dv fürdich gefidelt 
haft. wan fi och hie din fchilt geverten waren, vnd an dien feiigen 25 
ewangeliften. die vnz din leben din lere din marter. lot. vrftend. 
vnd himelvart. getrevlich gefcriben hant. dar vm fi billich vor dir 
fvnder er haben fvlen. vnd fvnderlich fiftv gelobet, der liebi. die 
dv er cegtoft. dineni fvnder trvteii. laut lohanez e«angelift. wie lang 
dv in leben lieze. daf er dir vil frvcht brechle. vnd hochef lonez 30 
von dir er\\ rbe. vnd wie dv in do an bizvnder totef marter. hin vf 
ze dir vnd ze diner lieben nivoter genomen haft mit lip. vnd mit 
feie, def wir dir wol getrvwen fvn. daf die renen libe. din vnd 
diner mvoter. vnd och fin. die hie mit ein ander in folichen trevwen 
waren, daf och die von dir iiit gefreraedet fin. Gelobet fiftv och 35 
aller der gvete. der dv erzeiget haft allen dinen helligen ivngern. 
die dir hie vf erde nach volgend waren, dar vm fi och nv himelfche 
froede habent. Gelobet fiftv och lieber herre. der genaden der dv 
haft getan, allen dien feiigen marteren, die dv ftarchtoft in aller ir 
wider werdekeit. daf fi dir nach ge% olget hant. mit rechter reiner 40 
marter. dar vm fi och nv die ewigen rvowe vnd frcede bidir vnd 
jnit dir hant. Gelopet fieftv och. der gvete der dv vnz haft erzei- 
get, an dien heiligen bichtern. vnd lerern. die vnz din getrevwen 
lere, vnd diner boton erlvchtct hant, div vnfern kranchen finnen. 
ze tief vnd och ze tvnkel w er gew ezen. ob fi vnz nit von in er- 45 
levclitet wer. Gelobet fiftv och der hochen genaden. die dv haft 
getan allen reinen megden. die der weite fvezekeit dvr dich fer 
fmachtcn. vnd dir mit reiner kvfchekeit hant nach gevolget. vnd ir 
och vil ir blvot d\r dich ver gozen hant. Gelobet fiftv och der 
genaden die dv allen rein w itwen erzeiget haft. die dv mit rechter 50 
Itctckeit gefterket haft. daf fi in mangem vngeniach. in diner min 
\ol herdet hant. biz dv fi ze dir genomen haft. vnd aller der ge- 
naden der dv iegcteto. allen (2üii) dien die mit ir rechten .e. nach 
dinem gebot gelebet hant. daf fi da mit behalten fint. vnd och allen 
die noch in dem fegfivr fint. die dv gefiebert haft. daf fi fehler 55 

20 bilich 22 fvrfprecher inoa. 2i zewell bolee. 25 fehlt geverte 

26 cwangelift. — vrften. 39 dieu] die 40 m idV/dekeit. 41 fi] fo 

42 fioflY dv och. 4 3 bicher. 44 fiiien 50 erziget 



230 91 

oder llef^^en zedir konien fvlen. lieber herre gelopet fiftv och 
aller der gvete. «ler dv erzeiget liaft. allen dien die noch vf erde ' 
lebent. in niiiinen \ nd ti'»lt. \ iid zvoierlicht. dal" dv ir genaue habii't. 
vnd fviiderlich der genaden der dv vnl" haft getan, mit allen dien 
60 reinen tvgenden garten, die dv vf der erde gephlanzet hall, an allen 
reinen ordenen. vnd leligen clortcrn da dv bizvnder in geminnet. 
vnd getrevdet «irrt, ver mer den in aller der A\elte. vnd fvnderlirh 
an dien betel orden. mit dien dv dine kriftenheit. geleret vnd er- 
helltet haft. (ielobet Hltv och lieber herre der genaden der dv 
65 haft er zeiget, an allen dien die dv mit dem crevce gezecheiit haft 
gegen diiiez geloben lienden. ^ nd och an anderen die daf crevce in 
dincr minnc tragent. vnd och allen dien die in weiden vnd in klvzeii. 
dvr dich in diner minne wonent. vnd anderen armen brvodern vnd 
fwefteron. die dir vnd diner renen mvoter. an bizvnder orden in 
70 willekelicher armvot. renekelich nach volgent. vnd och allen dien 
die mit ir rechten .e. in dinen Inlden lebent. vnd och an allen dien 
die mit getrev^er arbeit daf erlrich bvwent. vnd ander anlwerch 
vebcnt. ^iid manger leie dienl't tvont. da von din criftenhet gef\ ore(. 
vnd bekleidet wirt. def fi din miltiv gveti iemer gelobet, vnd oth 
75 der genaden. der dv erzeigeft an allen, dien, die noh in ((etlicben 
fünden lebent. die dv vf bezrvng frifteft. vnd gedvltekelich Mortefl. 
wen fi wider kcren wein, daf dv fi gvetlich enphachift. lieb(M' 
vnd getrevwer herre vnd vater min. ich armer vnwirdiger menfche. 
loben vnd er dicb. vnd danken dir fvnderlich der genaden der dv 
80 mir armen haft getan, daf dn mich ie din creatvre ^^ erden lieze. 
vnd dv wer holz noch krvt. vf mir machtoft. fvnder daf dv din 
menfcheit an mich haft geleit. die dv nach dir felbem fch\efe. vnd 
felb an dich genomen haft vnd mich nach dir gebildet haft. \nd d\ 
mich vnder vngelobigen le\(en nit liaft Verlan, fvnder in diner rein 
85 Griffen heil. mhI ( l' i a ) dal" dv mich an allen minen geliden vnd 
finnen fo genedekelich verrichtet haft. vnd daf dv mir och dinel" 
zerganchlichen gvotcz fo vil mit (clteft. daf ich dvr miner liplichen 
noltvrft willen, von dinen hvidcn it dvrf gan. \ nd mir gvoter herre 
diz allez vergeben getan haft. vngebeten vnd vnverdienet. daf ich 
90 mich do in minen kintlichen tagen von dir fchict mit fvnden. vnd 

57 dien] dio 58 halt ift. 5'.) vnf) vf (11 rloft'— j;oniinrt. (Kl mit dio 

68minc G8. 6Ü hrvd^n fwoloro. 75 orzicfr 77 wpI.— epachifl. 78 nuMifclic 
aus miiifclic ijebefsert. 79 fvdlirh 81 maclioll 82 inroclieil — foll>c 

83 dich zweimal. Si viigelobi!:e 8G fiimenj fiiic 89 vii ■robclc 



91 231 

fo ich von dineri genaden mer vf gie an dem lip vnd an dem finne. 
fo ich verer von dir floch. vnd daf ich dich aller gvotefter herre 
Ib dich er z\ rnet han. mit l\) vil grozen vnd kleinen iVnden. vnd dv 
mir daf l'o gvetlirh vertragen halt. \nd daf dv midi mit der erften 
tot f\ nde. nit liez vallen in die helle. \ nd w ie nianger fvnden dv 95 
mich vl)erhal)en liaft. die ich ger getan hette. vnd wie dik dv mir diu 
genade I)vte. vnd ze minem herzen klophetolt. l'o ich din enkein 
war nam. alf ich folte. vnd w ie d\ getrcvw er. herre mit diner gvete 
min übel vber wunde, vnd mir revuc geh vm min fände, vnd mir 
zebichte hvlle. vnd ze gevelliger bvoze. Ach gvoter herre ich lop 100 
dich aber fvnderlich. daf dv mich halt vf genomen. für mangef dal 
cdeler. w ifer fchcener. vnd tvgenthaftcr Mal', denne ich ie wurde, 
vnd daf dv mich haft bracht, in diner tvge;.den garten einen, vnd 
mir haft gehvlfen. ze einem orden. für den ich enkeinen andern 
weite han. vnd aller der genaden der dv mir da in haft getan, an 105 
geflicher verrichtvng. an fw elterlicher niinne. an gvoter gefelle fchaft. 
vnd an liplicher notürft. vnd wie kranchlich vnd vnüzelich ich mich 
dar in gehalten han. vnd mit wie manger vn nvzer vnmvoz ich mich 
diche bekvnbert. han. vnd waf ich gvotez verfvniet han. daf ich 
^^ ol mecht han getan, vnd wie wening aber dv gvoter herre mich 110 
def haft lan engelten. vnd wie genedekelich dv mir in allen rainen 
arbeiten, vnd in allem minem kvnber zehelfe konien bift. def fi din 
miltiv gveti iemer glopet. vnd aller genaden der dv mir haft getan 
der ich nit betrachten kan. vnd och der dv mir hetel't getan, üb 
ich dir fi nit. mit minen fvnden vnd f\mekeit. vnd vndankbcri ver- H5 
derbet hette. vnd och der dv mir noch \\ilt tvon. def ich diner 
gvete getrevwen. Gelobet filtv och lieber lieiro aller der (2 1 b) 
genaden die dv haft getan, allen dien die dv mir ze IVnder frivnden 
geben haft. der licbi ich nie wirdig wart, vnd def dv mir mit in 
zcgvot haft getan, die mich dvr dich geminnet haut, vnd minen ge- 120 
breften gvetlich gellten hant. vnd mich gegen dir gefürdert hant. 
mit ir getrevwen. lere, vnd gvotem bilde, vnd frivntlichem gebette. 
lieber gvoter herre wand aber ich dich niemir vol lopen kan. 
noch enmag. der mang valten gveti. fo dv mir armen vnwirdigen 
menfchen haft erzeiget, fo bit ich die lobz riehen himelfchen kvngin. 125 
vnd alle heiigen engel vnd feiigen heiligen, vnd allef daf himelfch 

91 ^ciiad 97 klüpolofl. 99 vb wudc das ziveite \nd zweimal. 102 wde. 
lOß fwcflcrlicli miiic". 107 lipllich^— kraclilich 117 der (21b) der genade 
119 ich ziceimal. 120 gemitiet 124 arme vnwiidige 126 hiinelfech 



232 Ol 

in gofinde. daf fi dich für mich lopen. lieber herre. fo aber mir 
alle die gehvlfen Io|ioii. die in himel vnd vf erde fint dan noch 
lopt ich dicli billich vnd f^crn mer. dal ich nv vnd elliv menfchcn 

130 dich nacli dinem liehlten ^^ illen. \iid vnCeren ^Moeften leiden f^elopin. 
vnd geerin. vnd dir ,i;;edanken miigin. def hilf vnf herre dvr din 
milten gveti anie\. Aller gvotefter herre got. \\and aber dv mir 
vaterlicher haft getan den ie vater alil mvoter ir kinde. oder kein 
frivnl dem andern iegotete. lo klag ich dir all" ein armez vngetrevwe/- 

135 kint. finem getrevw en gvoten vater. allen den mangvalten gebrcften 
der noch an mir ilt. daf ich dich nie gemiiUe. noch geerte. noch 
gelopte. alf ich von rechte folte. vm alle die genade vnd daf gvot 
daf dv mir armen vnwirdigen haft getan, vnd daf ich noch nie fo 
grof iamer noch biterkeit gewan. \ in din grozen. vnd mangvalten 

140 arbeit, vnd biterlichen martei-. vnd eilen den tot. fo dv dvr mich 
erliten haft alf ich billich folte. vnd daf ich nie fo gro/, rev\>e ge- 
A\an vm alle die f\ nde. die ich ie geilet, alf mir Jiot \\ ere. vnd nie 
fo groz leit gewan. vm min mangvalten gebreften alf billich wer 
vnd noch an gedenken willen, w orten vnd A\erchcn. fo gar \nlvter. 

145 vnd vndvrncclUig bin. vnd och fo gar vn volkonien bin. daf min 
zvng fo fnel vnd min mvnt. fo bereit ze vniizen Morien if(. vnd io 
fvmig zc dincin lobe, vnd min lip fo halt ze der lichtekeit. vnd fo 
treig ze dinem dienfte. vnd daf min herze noch fo verkvmert ift. 
mit fo manger vpekeit. vnd fo gar vngeordenot ift. ze tvgenflichen 

150 gedenken, vnd daf ich noch fo vil gebreften han. an fenfter gedvlt. an 
(2?a) Ivter deinvete keit. an brinnender minne. gegen dir vnd 
minem eben criften. vnd daf ich anhvote. noch an zvclil. nie wart, 
noch niender bin. alf ich von rechte folte. vnd wie wenich ich ge- 
denke wie \ iid waf ich tveie. vnd wal" ich tvon feite, wie ich elliv 

155 ding nach dinem liebften w illen \-ol bringe, vnd daf ich dich w ir- 
digen got. nit ellivzit an ininer gegenw irtekeit han. an def gegen 
Avirtigi ich vn w irdiger menfche bin von angeng gewezen. vnd noch 
elliv zit bin. mit allem minem tvonne. A'iid klag dir lieber herre. 
daf felbe klein gvot daf ich tvon. daf daf noch fo gar \ nivter ift. 

ICO vnd fo Mmielig. von ifaler er. von betrogener hofart. von vrdrvze. 
vnd von flewekeit. vnd fo vnbehend bin ze allem dem daf mich 
gegen dir gefvrderen mechte. vnd fo geneget zeder lichtekeit. vnd 



i.30 vnd] vn i;{(). 137 tjcorcl. noch i;i'l(t|)lo. 1 '••'( wortc 1 U) viiv/c worl 

151 hriiioiul 158 Iviic. Kil vnbchcii 



91 233 

wie klein fliz ich hab. daf ich Ivterlich gerainne. daf dv minneft. 
vnd och daf haze. daf dv hazeft. an mir felber. vnd an anderen 
livten. vnd wie Ivzel ich minor brcpkeit. vod minen fleiflichen ge- i65 
Ivften. vnd vn nottvrftigem mvot willen, wider ftanden hab. vnd Avie 
bekvmbert ich noch bin. mit italen irdenfchen vnd zerganchlichen 
dingen, vnd \a ie gar vnwirdig ich dinef troftez bin. vnd der fveze- 
keit fo dv ze geben phligeft. dien die der weite fvezekeit dvr dich 
verfmachen wellent. vnd fich nach ir ftaten gegen dir bereident. vnd 170 
daf fo gar von minen fchvlden ift. vnd daf ich noch fo wening ge- 
denke vnd betrachte, nach dir minnender got. vnd nach dir geminter 
got. vnd dir reniv minne. vnd nach dir geminter vater. vnd geminter 
fvn. vnd nach dir fveziv reiniv minne heiliger geft. \> ie dv in diner 
heren drivalter einekcit. lebeft vnd richfeft. an angeng. vnd an ende. 175 
vnd wie dv himeifcher vater. din lieben mvoter. die himeifchen 
kvnginon. haft erhoechet vnd gekroenet. vber allez daf vnder dir ift. 
vnd wie die lieben engel. die min varwen feraphin. vnd die lichten 
kervbin. vnd die hochen troni. vnd die herlichen dominationes. vnd 
die tvgentlichen virtvtez. vnd die gewaltigen poteflatez. vnd die I8ü 
fiirftlichen principatvf. vnd erzelichen arkangeli. vnd angeli. alle die 
feiigen (22 b) engel der himel vor dir geleftent. vnd vmbvliegent. 
vnd in weler AAirdekeit die hohen patriarken. vnd die Avizen pro- 
veten vor dir wonent. vnd Avie dv die feiigen zwelfbotcn. din lieben 
fchilt geverten für dich gefidelt halt, vnd A^ie die getrevwen ewan- 185 
geliften. die man hie malot. vm din maieftat. da vm dich gebildet 
llnt. A'nd waf frceden alle die feiigen lA-nger die dir hie nach vol- 
gend Avaren da vor dir hant. vnd in weler vber gvlter roter fchoeni. 
die heiligen marterer vor dir levchtent llnt. And in Avie hocher ge- 
zierde. die feligea bichter. vnd die getrevwen lerer vor dir fchinent 190 
fint. vnd Avie verre vber lilien Avizer. vnd rofen roter fchoeni. die 
renen megde. vor dir gezieret fint. vnd in Avie AAnricher ftetekeit 
die gvoten Avitwin vor dir beftedet fint. vnd Avaf frceden allez daf 
lieb gefinde daf dv an dich gezogen haft. ewekelich mit dir. vnd vor 
dir hat. dien dv fo vber Avnflichcn gewalt gegeben haft. daf fi dich 195 
minnent anemveie. vnd erent an forchte. vnd nizent ane gebreften. 
vnd dich lopent an Ardrvz. dir dienent an arbeit vnd dich fechent 



163 geminc. de dv mincfl. 170 borideiil. 172 minend^ 173 min"e. vn 

nach dir gemiter 174mine 178 fcrapin. 179 Ironiii. 181 principalef. 
182 geleftet. 190 bicher. vn die hoche (darüber gctrvwen) lerer 192 vo 

dir geziercnl finl. 195 die dv 196 rainet 



231 91 

an vndcrlaz. vnd wie wunenkelich fi och diu götlich liett dvr Ivchtot. 
vnd diu götlichiv froede dvr flevzet. vnd wie gar dv von inen ge- 

200 freniedet haft. waf nicht nach ganzen frceden ift. vnd m ie li dich 
habcnt niczent vnd trevtont nach ir A\nrce. vnd nach ir willen, alf 
ir girdo geit. vnd wie gar dv li gesichert, vnd belledet halt, in fo 
wnricher frnede. die hie ovge nie gefach. ore nie gehorte, noch 
mcnlchen finne nie }»egiifen konde. vnd wie niemer nicht an in 

205 werden mag. dal" dir niile valle. Ach gvoter got nv gib mir die 
genade. daf ich har vber befrachte vnd gedenke, vnd ich troft da 
in an dicli fvoch. vnd och vinde. viid ich zieoh vnd trinke, in mich 
der götlichcn hiniellchen fvezekeit. fo vil dv mir von diner minne 
riehen miltekeit fchenken w eleft. vnd froew e vnd truelte mich damit. 

210 fo lang, vnd fo vil. alf dv mir von dinen erbarmherzigen genaden 
gvnnen wclift. vnd fwa mir def fvezcn götlichen himelfchen troftez 
nit werden niiig. dar nach alf min girde gert. ach götlichiv gveti 
fo erzeig din vaterlichen trevwe an mir. vnd gib mir fo fenendez 
iamer dar nach, daf min genivete elliv zit dar nach hvgende fi. (23 a) 

215 herre min nv gib mir och genade ze bedenken vnd ze betrachten 
waf iamerf vnd gebreften noch hie vf erde fi. an allen vn gelobigen 
levten. die din. vnd diner götlichen w arbeit nit erkennen wcnt. vnd 
in der blintheit zeder hello gent. daf la mir in diner minne. er- 
bermekelich zeherzen gan. vnd fvnderlich vnd aller mcft la mich 

220 nit ver gefen. diner heiigen criftenheit. vnd gib mir mit trevwen 
zcbedenkcne. waf irretvomef vnd vnverrichtekcit noch in mangen 
ende in der weite fi. an dem llvol zeronie. an dem babfte. an allen 
riehtern geflichen vnd weltlichen, vnd fvnderlich wie die weltlichen 
richtere. nit wand nach ir mvotwillen herfcliont. vnd lazen witwin 

225 vnd wezen vber fi fchrien. oherre ihefii chrifte la mir och in diner 
min klaglich zeherzen gen. daf daf heiig lant daf du mit dinem 
blvote gewichet halt, vnd da dv vnz mit dinem dot erloefet haft. 
vnd vber daf heiig grab, vnd ander heiig llete. wie die nv in der 
vngelobigen levten henden fint. vnd daf fi inen enhein er bident. 

230 vnd fo vil vnd fo dik \ on inen enteret werdent. vnd daf ich billich 
fürchten fol. daf ef von minen fvnden 11. daf lieh nieman dar vber 



19S an lor vndcrlaz ^e/i/f. wrifkelich 201 nozonl— wiife. 204 finnc ih fiii 
oder kot\<ic in koi\iiüi\ zu bef^ern. 20(> vii vii godciike. 208 niine riehen 

211 {,'vno 212';\li 213 eizi-: din valeiicn 21« vn ;renobige 217 erkeea 
218 niine. 221 noh noch 223 richler 22'» richte. 225 chriflcj ypc 

230 bilich 



91 235 

erbarinet. alf billich wer. Ach heri-e milter got gib mir och genade. 
in diiier inimie div werch der erbermede zc vebeii. vnd fvnderlich 
dar an daf ich betrachte, den mengvalten gebreft. den armelivt in 
dir weite lieint. vnd lidontr in elend von hvnger von froft. vnd 235 
tvrfto. vnd fichtagen. vnd in gefangnvft. vnd ferlmacht. vnd manger 
leie trvebioli. vnd wider mvet. dif la mir gvotcr got. alf erbermeke- 
lich zeherzen gen. daf ich min almvzen. bediv gczlich vnd liplich. 
in diner minne. nach miner mvgent. volkomenlich mit inen tele. 
eweger fchepher min gib mir och genade. in diner minne. dich ze 240 
llechen vnd zobiten. vber alle die in geflichem fchine fint. daf dv 
die dar in beftetift. vnd fi fterkift. vnd troeftift. wand leider geflich 
leben iez alf fer ab nimit. daf gar not ift dich dar vm zebiten. 
Aber die armen fvnder die fich ir feien nit erbarmen vvcnt. die fint 
aller meft zerbarmen, ow e w and fi dvr fo kvrze froed. vnd kranchen 245 
gelvft. fo blintlich gegen der helle gent. vnd doch mit fo grozer 
arbeite, vnd (23 b) manger leig mveie. von armvot vnd von vnrat. 
von gebreften. von wider mvet. von trvebfoli vnd herze leide, daf 
11 ledor in dez tiefel dienfte lident. daf manger himelrich verlichter 
erwirbet den fi die helle, ü geminter got mer gib mir zebedenken. 250 
vnd zeklagen. wer der ift gegen dem die fvnde befchent daf biftv 
herre. der aller eren wirdig ift. vnl och nit wand allez gvot vm 
vnz verfchvldet hat. owe getrevwer got vnd erbarmherziger herre 
vnd vater min. da von fo bit ich dich mit ganzem ernfte. daf dv dvr 
din götlichen gvete. elliv finftriv herzen erlivchtift. vnd w are revwe 255 
dar in fendeft. vnd inen vor ir dot helfift ze rechter Ivterer bichte. 
vnd volkomener bvoze. nach dinen erbarmherzigen genaden. vnd 
dien dürften ir ewigen helez. die armen elenden feien, die in dien 
w'ifen fint. die fint och wol zerbarmen, wand fi in felben nit ge- 
helfen mvn. vnd w ie die fin. vlechen vnd biten fvn. ach geminter 260 
got. da von erhör min gebet, vnd kvm inen troftlich zehelfe. dvr 
din grvndlozen erbarmherzekeit. vnd dvr miz armen gebetez. vnd 
kranchen dienftcz willen. Axen. hoch geloptv drivaltekeit. hilf 
mir daf ich werd alf gewaltig, alz w if vnd alf gvot. daf ich müg 
kün vnd w eile, dich hie alfo geminnen. gelopen vnd ge eren. vnd 265 



233 in dir mine dv wer 238 gen fehlt. 239. 240 mine 241 fchine fintj 
fchinel 242 befloifl 244 oder ir felben? ir fehlt. 246 krancbe ge 

gelvft. 2'i6. 247 groze arbeile, vnd {23 b) vri inanger lenger leig 255 er- 

Ivcht ifl. 258 beide dien] die 262 grrviidloze erbarherzekit. 263 die 

dienAez 264 al gvl 265 gemine. 



236 91 . 92 

dir bedanken der mangvaUen gveto vnd genaden. der dv vnf armen 
MI w irdigen haft getan, vnd iez tvoft. vnd noch tvon wilt. vnd detift 
üb wir viil" gegen dir hielten alz wir feiten, vnd dich och gellech 
vnd gebite. in diner niinne. vber. alle die nienfchen. die dv gefchafen 

270 haft, nach dir felbeni. vnd mit dinem dot erbezet haft. vnd ze dien 
ewigen froeden erwelet haft. mit alfo getrevwem ernft. daf din miltcMi 
gvete begenveg. von niiner armen ivranchen bra'dekeit. vnd daf dich 
gelvften müg mir dinez fvezen troftez hie fo vil zegeben. daf mir 
der \\clte fvezkeit. vnd alf daf mich diner genaden geirren müg 

lih fo fvr vnd biter m erde. ih\[' mich an dinem troft begenveg. vnd mir 
alf daf fvz Ivftelicb vnd begirlich fi. vnd werde, daf mich mit dir 
verenberen müg. Daf mir vnd allen dien menfchen. die ze dien 
ewigen froeden erweit fint dif wider war. def helf vnf der vater 
vnd der fvn. viA ,1er heilig geft. AMcn. amcN .xMcn. 



IlErre ich bitte dich durch des fmerzen ere den dv enphienge in 
diner kintheite. vnde durch das heiige bluot das dv guffe. das dv 
mir vergebeft alles das ich ie \\ ider dich getet. vnde das dvi mine 
feie reneft von allen fanden Ilerre ich bitte dich durch der be- 
^ trahtunge ere. vnde durch der i;vmerlichen gedenke ere die dv hateft 
da die zit dines todes gegen^^er-( is2 a ) tig \\as das dv mir ver- 
gebeft was ich mit füntlichor bctrahtvnge vnde mit gedenken ie 
A\ ider dich geted Liide bitte dich durch des bivotes ere fo dvi 
fwiftoft das dv mit mir geruocheft lin in allen minen engeften vnde 

IC inminer iungeften noit. fo min feie von mime übe fcheidet Ilerre 
ich bitte dich durch das zitorn vnde durch des angeftes ere fo dvi 
hatoft da dv vor gerihte ftuinde das dv mir helfeft das ich an dem 
iungeften tage ane zitorn vnde vnfchuldig aller miner fiinde ^^ erde 
ftan Nv gedenke an die noit das din fchöpher an die IVle gebun- 

l'> den «art. wie tot bivotig lin heiiger lij) wart ( isJb) vnde wie fin 
hcilgc hvit brach an lime libe von den vnorbcrmeherzigen flegen 
owe vnde die noit das in die fw ere liege ftrolten an den fweronden 
fmerzen ilnes libes llcrre ich bitte dich d\rch der bände ere da 
dv mitte gebunden w rde vnde durch des heiigen bivotes ere das dv 

20 inder not güffc das dv mich erhefeft von den banden der vngetriu- 



266 gedanke 269 mfne. 270 felbe 274 geiren 275 fvr 

92. Z 57. 7 in der Handschrift bclrahvngc 17 flroffen 



92 237 

wen weite vnde min leben rihteft noch dime aller willen Herre ich 
bitte dich durch der dvrninen cronen willen, vnde dvrch der wnden 
ere dines hobetes vnde durch dos heiigen blvotes ere das vbcr din 
raenfliches aiitltiz ran. das dvi dii. gotlic-(i S2 c ) hes antliiz gnedeii- 
liche gegen mir kerelt Herre ich bitte dich durch der verfmehte 25 
ere die dir erboten wart do din lieliges antlüz angefpuen Avart das 
dv mir gebest alles das zvo vcrfinahende das mich din geirren 
niüge Herre ich bitte dich durch der engefte ere die dv hateft da 
dir din heiigen ovgen A\rdent verbunden, das dv dine erbanneher- 
zigen ovgen gegen mir vf tuegelt vnde mich gnedickliche anfehes 30 
in allen minen erbeiten vnde mich von diner gotlichen angefith 
niemer gefcheideft ameN Vnde bitte dich durch die demuot da dvo 
dich geruocheteft zvo neigen vnder das criuze vnde durch (i82(l) 
die IVere bürde die dv trüge für aller menfchen lunde. das dv mich 
entlades des fweren vberlaltes miner funde vnde mir gebeft getulti- 35 
keit zetragenne alle zit durch dich Unde bitte dich durch des 
ganges ere den dv mit grofl'er armvot vnde mit gewillegir gehor- 
fam gienge inden tot. das dvo mir helfeft das ich dir nach gevolge 
mit gewilliger arniuot vnde mit vollekomener minne vnz an minen 
tot Unde bitte dich durch der fuftephen ere die dvo andas cruze 40 
gienge. das dvo vnder dine fuize treteft allen den gewalt miner 
viende. das mich ith verleitent in den wec der fundcn Herre ich 
bitte dich durch die minne (issa) Inder dvo dine arme zerftractes 
an dem cruce das dv mich enphaheft indinen heiigen vriden Herre 
ich bitte dich durch der nagel ere die dir durch dine hcnde gien- 45 
gent vnde durch den Aus der dur dine wnde flos das dv dine gnade 
laffeft vliezen inmine feie Herre ich bitte dich durch der a\ nden 
ere diner fuze das dv mir gebeft. mit rehter ruwe gnade zvo 
fuchende zv dinen fuzen vnde das ich von diner gviti da apIas 
enphahe aller miner funde Herre ich bitte dich durch den gebreften. 50 
das dv nacket an denie cruze ftunde vnde niut hatoft alles das dvi 
ie gefchvife das dv din höbet geneigeteft das dv dich crbarmeft 
vber (183 b) allen den gebreften den ich han an aller der gnade 
vnde tugende da mitte ich dich minnen vnde loben folte vnde zvo 
frunde gewinnen Herre ich bitte dich durch der trehen ere die dv 55 
weindeft da in der pine diner groffen noete das dvi mir gebeft von 



21 hinter aller fehlt ein Superlativ. 27 veifmahende alles de 28 uuige 

36 fehlt ein Object zu Iragcnne? bille durch 44 inic 47 durch fehlt. 

55 dv fehlt. 56 in fehlt. 



238 92 . 93 

ganzer minne die tiehenne ze^iefendc nach dir die dine gviti ze\ ber- 
\\indende. das dv geruochel't dich mit dincr gnade ze neigende in- 
niiti lele ITeire ich l)itte dich durch die turri vnde durch die itale 

60 diiier nienlcheit da dv liene durch jiiicli hatolt verzert din lieilges 
bluot vnde dine nienlchliche niath als gar das (is^c) dich dvrfti 
an denie criuce das dvo anfehelt die turri vnde die itali mines her- 
zen vnde niiner feie das dvo geruochel't mir zel'endenne din lenltes 
tov vnde dinen luizen regen das min herze gelindet vnde gereinet 

65 werde vnde min geilt gel'uizet vnde gcfenftet werde das dine 
wonange möge lln inmiiier feie Herie ich bitte dich durch das 
bittre tranc das din munt vnde din heiige zvnge verfuhte an deme 
cruzc das dvi mir vergebeft alles das ich mit miner zvngen ie wider 
dich getet llerre ich bitte dich durch des ruofes ere den dv ruof- 

70 teft zvo dinem vater an deme cruce das dv erha^reft minen ruof 
vnde durch die vinfter-( is;? <l)niffe die über alle die weit gefchach 
das dv vertribeft die vinfterniffe mines herzen vnde mich erlivhteft 
das ich erkenne dich vnde mich Herre ich bitte dich durch dinen 
heiigen tot das dv an mir toteft alle vlefliche girde vnde minne 

75 vnde durch din geminnete feie das dv mir gebeft ein minnende feie 
Ilerre ich bitte dich durch die minne die vns din heilgef herce vf 
tet an dem cruze da dv vmbe mich gebe den turen vnde den ver- 
borgenen fchaz der da beflozen was indeme heiigen l'crine dines 
fueffes vnde niinnekli(-hen herzen mit deme wir gefjjifet vnde er- 

80 quieket w crdent von deme ewigen tode. das (isia) was das heiige 
waffer vnde das rofevarwe bluot das vns von dime herzen vloz. 
dvrch des ere fo bitte ich dich herre das dv den kovf bchefteft an 
mir vnde mine fruht geruoheft fin vnde eine lieber iuino macheft 
zvifchent mir vnde dir das dv fclbe fchirmeft vnde hvoter Heft, das 

85 fv nienier nie zer brochen w erde AmeN 



iNmonte oliueti orauit ad patrem patcr 11 (icri poteft tranfeat ame 
calix iftc fpiritus (juidem ])romptus eft caro autem inlirma hat vo- 
luntas tua verumtamen non llcut ego volo fed iicut tu uis hat 
voluntas tua Herre himelfcher vater durch (i84c) das gebet das 
5 din lieber fun zvo dir Iprach anfiner angeftlicher noit an finer ge- 
ftracketcr venien anfime bibcndem herzen anfirae bluotigem fweizo 
vnde fprach alsus. vater ift es muglich fo la dife noit ver gan von 



57 gegiefende 02. 63 licrzcn fehlt. 75 durch die geminnete U3. Z 59. 



93 239 

mir iedoch noch dinen Avilleii fo erganc es mir fo bitte ich dich mit 
gcftracketeme libe. vnde lege mich mit dim füne andine veterliche 
fuize. vnde vcr enige min ruwig herze mit rmie bidemenden her- iO 
zen. vnde miner ovgen trehen vnde mines herzen blut. ver enige 
ich mit llnie blvotigem fweilie. vnde fpriche das felbe wort, vater 
mag es iemer fin. fo benim mir das micli liindert an ( i s i d ) niiner 
feie, wan das ich din darbe das ift über ein din « ille niut Ilerre hiniel- 
fcher vater durch das erhörte gebet das din liljer fun zvo dir fpiach 15 
andem cruze mit fcriendem herze mit bhotigem libe mit ferigem 
mvnde mit weinenden ogen fo er hoere min vnde fin gebet vnde 
Iceze mich von miner noit. durch finen bitteren lofenden tot Herre 
vater mit den werte mit deme dir din fun finen geift bevalch an- 
deme cruze fo bevilche ich dir min herze vor aller valfcher liebe 20 
vnde funden vnd der vigenJe anevehtunge andine gewaltige hant 
vnde fpriche Pater inmanus tuas conmendo fpiritum meum quem 
re( )85 a)demifti domine deus ueritatis herre ihefu clirifte 
durch dinen ferigen muot vmbe mich din fchricnde blvot vmbe mich, 
din fcriende wnden vmbe mich fo bevilhe ich dir hivte mine noit 25 
div mich an miner feie hindert herre durch den aneblic diner iemer- 
lichen mvoter die dv anme cruze anefehe fo fich an mine not. mit 
erbarmeherzigen ovgen herre durch din herce das div minne vnde 
der tot andem criuze zerbrach fo brich min herze von tcetlicher 
minne die mine feie hindert vmbe die dv den minnenden tot lite fo 30 
bitte ich dich das dv mich toiten welleft in allen minen vntugenden 
herre vater dinen fun (i85 b) den dv mir gegeben halt inminen lip 
vnde in min feie, den opher ich dir \vider zvo einie funer aller 
miner funde da ich dich mitte erzürnet habe zvo einer erfullunge 
aller miner fumekeit zv einie widergelte aller gnaden die ich von 35 
dir enphangen han Amen Herre himelfcher vater durch die ewige 
minne die dich neigete inmenfliche nature fo neige dich inmich vnde 
zivh mich indich. herre ihefv chrifte durch die minne durch die dv 
dine werc an irketeft dinen vater zv eren vnde zv lobe fo wirke an- 
mir dinef vater lop indeme hobelten herre ihefu chrifte durch diner 40 
marter (l85c) ere vnde durch dines toides craft fo tote an mir 
alle vnglichniffe vnde voilemache an mir din gotlich bilde nach din 
felbes lobe amen 



14 niul fehlt. 18 finen] fincr 19 dir fehlt. 20 min] rair 22 queiu fehlt. 
24 durch fehlt. 42 vnde zweimal. 



240 94 . 95 

Dl«i lerie brvoder ekkehart 



D< 



wr menfche der dis j)ater iioltor mit aiulath Iprichet. der w irt ge- 
^^el•t das im viiler herre gotlichcr beiiantnilTe me git dcnne .v. 
hundert melTeii die alle alfo guot lint als es. das eine pater noi'ter 
herre ich lobe dich an dinre hoch gelobeter gotlichcr natiire ich 
5 bitte dich zarter vater das dv midi l'chiere bringeft zvo der alre 
Ivterllen liekaiitnilTe div mir diu gveti geordent (i85 d) vnde behal- 
ten het. Das ander j»ater nofter herre ich lobe dich vmbe alle die 
heiige niiinie vmbe alle die heilgc begoninge vmbe alle die heiige 
vebunge die dv herre ie gewiine z\o dem heile meiilliches kunnef 

m ich bitte dich zarter vater das d\i mich Ichire bringeft zvo der 
alre hohefleii minne zvo der alre hohelten begerunge zv der alre 
hohelten vebvnge die mir din gveti geordent vnde behalten hat 
Das drite pater nofter herre ich lobe dich vmho die wandelungc 
die dv tete da dv ein menfche wrde. ich bitte dich zarter vater 

«5 das dv ver wandeleft miiie vleifliche tra( isft ;i)keit in eine geift- 
liche fnelheit Das vierde pater nofter herre ich lobe dich vmbe 
alle die heiige wandelunge die dv zvo allen meffen tuolt. ver\\an- 
dele herre allen minen breften ineinen vollekomenen vlis der ta- 
gende Das fünfte pater nofter herre ich lol)e dich vmbe die heilgo 

20 wandelunge die an dime tode gefchach vnde kvm mir zv helfe in- 
mines todes not vnde allen menfchen ameN 



Pater iioTter 



H. 



lErro lieber herre got ich bitte dich das dv mir geheft erneft zv 
rehteme lebenne. dvrch den erneft den dv heiteft da dv zv dinre 
heiigen martyr gien(i8Gb)ge jiater nofter Herre lieber herre got 
ich bitte dich das dv mir gebeft hize die mir biinge die andaht 
5 die dv hatoft da din heilgcs bliiot von allen dime libe flos Herre 
lieber herre got ich bitte dich das dv mir gebeft hize die mir bringe 
die andaht die alle zit gegenwertig fi vor dinre gotlichen befcho\\ede 
vnde mir erwerbe alles des ich noturftig fi zvo feie vnde zv libe 

94. Z f)0. In der t'bersclirift ekkeli.it 13 ich zweimal. IG flellieil 
17 alle die] die am Rande nuchgetragen. 19 dich vmbe dich vmbe die 

95. Z f.l. 3 paler nofl Herze 4 dv fehlt. 



11 



96 .97 241 



nfer herre fprach zuo einie guoten menfchen bitte mich das ich 
dich lere bitten, do fprach er. oherre so nianen ich dich aller der wif- 
heit so in din ere ie getragen wart das du ein wifen menfchen vs 
mir niacheft der fleh vor allen fünden künne hueten vnt sich ernft- 
lichcn iif ein guot lebenne künne gerichten Darnach herre so manen 5 
ich dich aller der minne so du selber bift vnt aller der minne so 
dur dich ie getragen wart das du macheft vffer ((44 c) mir ein 
geminten menfchen der dich ob allen dingen minne. vnt alliu ding 
minne dur dich diu da ceminnen fint 

Oherre ich manen dich aller der demuot so du ie getruege vnt so *0 
dur dich ie getragen Mart das du macheft us mir ein demuetigen 
menfchen der vor dim geminten antlüt müge geheiffen ein demue- 
tiger menfche vnt darnach herre fo manen ich dich aller der arbeit 
so du herre ie getruegte. vnt ouch dur dich ie getragen wart das 
du mir die gebeft cetragen guetlichen vntz uf min ende oherre so 15 
manen ich dich alles des pluotes so du ie uergüffe vnt in diner 
ere ie uergoffen wart das du mir hclfeft das ich alle min crafte 
dur dich uerzere alf du och din crafte dur min willen halt uerceret 
alf vil mir denne müglichen si. vnt darnach so erman ich dich herre 
dinef heiligen endes vnt aller der heiliger ende fo du ie guot machoteft 20 
das du mir helfeft eines guoten endes dur din ewigen guetin. (144 d) 
Oherre so manen ich dich diner heiligen uferftandunge. vnt nu nit 
nie fterben folt noch enmacht das du mir helfeft das ich mit dir 
erftande. von allen tcetlichen vnt cergangclichen dingen oherre so 
manen ich dich der ewigen vnt heiligen wonunge fo du haft in- 25 
hiraelriche mit allen dinen us erweltoften friunden das du mir helfeft 
wanne nv du ir ewige ruowe bift das ich ouch niener ruouueftat 
vinde denne an dir. herre so manen ich dich dines iuncften gerichtes 
des gerechten vrteiles das du mir gebeft das ich denne erftande 
mit dir vnt mit dinen aller liopftcn oherre alles des so ich dich 30 
gebetten han über mich des bitten ich dich über alle die die in- 
dim« heiligen namen lebent. vnt gemeinlichen über alle die heiligen 
criftenheit 



11 



erlihe mir barmherziger got das dir wol geuallet hitzeclichen ce- 
begeren wiflichen cefuochen geAvarlichen cerkennen vnt volkomen- 
lichen cefolbringen zuo einem lobe vnt guenlichi dines namen herre 



9«, 24 in der Handschrift aller 25 liciliy;** 26 helfeft 27 iiiemer 

97, 2. 3 erkenne — cerfolbiiiigca 3 nauiaiu 

Altd. Predigleu. 16 



242 97 

ordenne niiii Icbenne das du von mir w ilt das ich tueie das ich das 
5 A\ilTe vnt \n eile vnt gip mir es ceuolbringeii als es notürftig ilt 
vnt dir geziinmet vnt mache mir min uuege ficher gerechte vnt 
volkomcn das (264 c) ich nit geprerthafte werde ingelüke nocli in 
vngelüke alfo das ich micli in franfmuetikeit nit über habe, vnt euch 
in A\idermuctikcit nit enuallc. vnt das ich mich cnheines dinges 

10 froeuue. wan das micb zuo dir geciebeii mag nocli von dekeincn 
dingen trurre denne von den dingen die mich von dir gelcbeiden 
mügent vnt gip mir das ich nieman nit wolgeuallc ulTerent dir vnt 
ouch nit enfürchte iemans milTeuallen gib mir alliii citiidiiu ding 
dur dinen \\illen ceuerlmabenne vnt alles das das dich anlueret das 

15 ich das liep habe vnt dich über alliu ding gip mir ein vertrielTen 
in aller frcede die nicht mit dir ift vnt das ich in allen arbeitten 
die ich dur dinen willen tuon ein wolhirt enpfahe vnt alle die ruowe 
die in dir nit enift die si mir ein criuce gip mir das ich min herce 
hitzeclicben zuo dir richte vnt das ich mine (i'O^il) gepreiten mit 

20 fmertzen betrachte vnt mit ganzem willen ouch belTeri omin got 
mache mich demuetige avne vallche fru»licben avn verlalTenheit be- 
true])te avne truren ernfthaTte avne bel'w erde beringe ane lichver- 
tikeit gewere avne zwiuele das ich dich fürchte ane verzwinelen 
das icb an dir gedinge habe ane freuele das ich min ebenmenichcn 

25 lere vnt itraffe ane gelichfunge vnt in belTeri mit worten vnt mit 
werken ane hochuart das ich gehorfam fi ane alle wider rede ge- 
dultige ane murmelen o guoter got gip mir ein wacbendes herce 
das kein torlicher gedanke von mir valle vnt ein diirhnechtikeit das 
mich enkein üppige liebi nider ziehi machce mich ovch l'tarcke das 

30 mich enhein be noch vorcht überu indo mache mich frie das mich 
(26 5 I)) kein freueler gclurt über ^indo noch letze, vnt gip mir ein 
gerecbtikeit mines hercen das mich enhein vnrechte meinunge von 
dir wile verlibe mir min herre got Vernunft dich cerkennen rainne 
dich cefuocben \\iibeit dich ceuindenne ein huotfamkeit mit vorchte 

35 cebehalten ein wonunge diu dir geualle ein ftetikcit das ich din 
mit l'teter zuouerficht bcitte gip mir das ich gefterket w erde indinem 
lidenne mit rechter bevintlichcr mitlidung diner fmertzen vnt das 
ich mich uebe inallen lügenden mit begabunge diner gnade vnt das 
ich indem uaterland din fra'de do nieffende werde mit glorie diner 

40 cre. amen 

12 urffercnt J2. 1.3 v nil ouch nit 16 allen frojden 19 gpreflon 

26fieuea!le 30 be am i:u de einer Zeile; i-H'/Ztic/it bclnipple 32 luciiuungc 



98 243 



Ein suot scbetie 







iiiinneldich Avunneklicli götlicli Mcfen, . luter dar ewig leben. 
vetterliche trliiwe. oberl'te götlichi wifheit. hiuielfcher tiüft. 
heilige gebenedicte driualtikeit. einige gotheit. warer got. 
rechter herre. almechtiger fchöpher. einiger geborner iun 
des himelfchen vatters. ewiger flieffender brunne. des vetterlichen 5 
vrfprunges. fpifer der feie. recht war, e\\ ig liecht der Hechten 
geifte. liuchtender g'.antz des v^tterlichen Hechtes. klarheit aller 
heiligen. fuefi'er nani Yhefiis. (so a) lebendiger heilant Criftus. 
Du bift aUein der -weg der a\ arheit. Du bift daz c\\ ig leben. Ich bitte 
dich durch diner gütlichen ?dinnc a\ illen, die du herre himelfcher 10 
küng hette, Do du ftuende an dem kriutze allein mit minnender 
gotheit, 3Iit i'enfter feie, mit betruebten finnen, Mit gewundotem 
hortzen, mit krachenden gelidern. Mit gefpanncn armen, mit gedenten 
adren, Mit verhoA\enem übe, mit bluetigen wunden, Mit ächzendem 
hertzen, mit fiufzender kelcn, Mit rueffendem munde, mit heiferer 15 
ftirame, Mit bleicliem antlüt, mit tcetlicher varwe. Mit meinenden 
ovgen, mit betruebten geberden, 3Ht brünnendem ernft, Mit heiffer 
begerung, mit fwindlendem hirnin, 3Ht verfertem geneigtem hovbte 
zuo dem tode, mit totem übe. Mit verfcheidenem ende, mit ufge- 
taner fiten vnd hertzen. Mit flieffenden bedien vff dem vrfprung des 20 
lebenden brunnen. Mit diner lieben Muoter marien fo recht iöemerlich 
betruebt. Durch die minne bitte ich dich herre die dir brach din 
fueffes hertze, Daz du dich erbarmeft über mich dur diner göt- 
lichen grundlofen (sc b) erbermde Avillen, Ynd Hielt mir gnedig 
durch diner überflüffigen manigualtigen gnaden willen, Vnd durch 25 
die kraft dins götlichen namen. Vergib mir min füude, Vnd ftand 
mir bi, daz ich funden ^^erde, Vnd belibe in dem aller Hepften 
willen din, Vnd gib mir ein guot heiUg ende, vnd ein frcelich vr- 
ftcnde, AmcN. 

Benedictus der z^^ elfte Babft machte dis gebett, vnd gab allen den, 30 
die es mit gantzer andacht, vnd mit riuwe vnd bichte fprechent da 
ünfers herren fronlicham gegen würtig ift in der meffe, alf vil tag 
Aplas, als ünfer herre Yhefus Criftus wunden durch ünfer Avillen 
hat gelitten. Der warent fünf Tufeng zwei hundert vnd zwo vnd 
vierzig wunden. 35 

21 die Bandschrift ieinerlich 

16* 



244 99 

DIs noch gondo gebctt niaclitii an dem frltag Ipreclien vnd 
irenn du irllt. die fiben wort die. jüefiis an dem criutz 
fprach find dor jnnen (l^a) Zuo nonzit ftarb jhefus an 

dem criutz 







Du grundloffe götliclie wifheit. vnd E\\ igcs Hecht hoch vf erha- 
ben an dem ci'iutz du do ferr liuchtende bilt jn die ticlTen tal der 
verborgenen demuettigen begirlichen minnrichen hertzcn. 
Ich bette dich an mit dem hittzigen ernft aller diiier worer anbetter 
5Jn dem aller jeuierlicheften bild als du herre jhel'u chrifle von niin- 
nen hiengt jn der aller grasten todes not gclpannon gencgelt gc- 
tennet durch a\ iindct durch heml vnd durch riiclT verferet pitterlich 
vnd mit bluot berunnen über allen dinen (ilb) got ver einten lil) 
an dem A\erden criutz jn volkomencr geloifener gedultikeit zeugende 

10 din Ew ige bannhertzikcit. Alfo bettende. Vatter vergib jnen wand 
fi nit wüffent was l'i tuend. 

Wir bettend dich an herre jhelu chrifte. flielTendcr brunne göttlicher 
miltikeit. jn der riehen minne diner vlerwelten friund. In dem bild 
als du erbarmhertziger got von minnen an dem criutz hiengt. jn 

15 angl'thaftcr todes not. vlgielTende das riebe lebende marg götlicher 
gnod (loa) allen denen die dich mit rechtem glouben. vnd mit 
einem demuottigen erkanten riuM ir i'ünd vnd mit einer a\ orer zuo 
verficht an rueff'end. Das du vns halt be\\ert. mit den milten guet- 
tigen \\ ortten. do du iprccht zuo dem Ichocher der dir zuo l'mocheit 

20 nebent an din fiten A\as gehenckt Für wer du folt noch hiut bi mir 
fin in dem paradis. 

Wir bettent dich an Ewige wifheit jn dem bild als du wore wor- 
heit von groffer liebe hiengt an dem werden criutz jn fterbender 
((5lO todes not offenbarende diu ewige triuw allen denen die ein 

25 A\ ores noch folgen eines getriuw en mididens mit dir band Vnd dich 
anfeilend jn dem bild dines pittercn getriiiwen lidens. Eva wie min- 
neklichen die anblick werdent von dir Das haftu vns .bewert bi 
diner zarten muotter der din liden necher vnd getriuw lieber ze 
hertzen gieng denn allen njönfchen. die du fo getriuwlichen vcrfecht 

30 jn dem minneklichen blick von dem criutz har ab vf fi. jn dinem 



99 Überschrift an di-m fiitay:] die Handschrift an tlc frilag 10 am Rande 

rolh das crll >voil 15 vfgienen 20 am Hunde roth das ander 24 nol] 

nos 28 Keliiiwliche 



99 245 

hinfclieiden vntl fi bevelt fant Johannes dinem lieben junger do du 
fprecht Avib fich dinen fun Johannes fich din muotter 
Wir bettent dich an herr jhefu chril'te ( i 6 a ) jn dem bild als du 
Ewige Avifheit ein troft vnd zuo verficht aller weit von minnen hiengt 
an dem criutz in gantzer geloiieulieit jnnerlichen vnd vl'ferlichen 35 
von got dem vatter vnd von allen niönfchen das nieman do w as der 
fich über dich erbarmte der dir joch ze erlichterung ein band ge- 
keffet het von dem criutz das din ftrenger tot deft fenfter wer ge- 
wefen Als arm vnd geloffen das du nit hatteft do du din verwundet 
houbt mochteft an geleinen. Als gar blos vnd geloffen das ein ieck- 4o 
liches glid dines heiligen libes des finen niut behaben mocht Es 
were alles ( 1 6 b ) verwundet verferet. zer flagen zermuedet. zer- 
fpannen vnd zertennet. vnd milteklichen gewilleklichen gedultek- 
lichen von minnen alles vfF geben vmb ewiges heil des niönfchen- 
Alfo gar jemerlichen gelolfen vnd arm das die götliche nattur die 45 
do vereiniget ift mit der mönfchlichen nattur vnd alle ding vermag 
dir nie ze helf kam. jn allem dinem liden. wand recht als bitter es 
vffwendig fchein vnd was. Alfo Avas es jn der worheit jn wendig an 
dir. Vnd noch tufent molen (i7 a) me. denn jeman gemercken kond 
Das haftu vns ge offenbaret mit dem klagberen a\ ort das dich zarter 50 
herr der angfthaft bitter tot alfo fere zwang das du mit hinziechen- 
dem lib mit einer groffen krefftigen angftlichen cleglichen ftim fprecht- 
Min got. Min got Avie haftu mich geloffen den du Anfchuldig Aveift 
Wir bettent dich an herr ihefu chrifte jn dem bild als du A\orer 
brunn aller minnrichcn turftigen hertzen A'on minnen hiengt an dem 55 
criutz turftig vnd türre ( 1 7 b ) vnd erfigen dines heiigen bluottes 
Oherre dich turfte liplichen von rechter türre dines hertzen vnd 
libes von dem groffen vergieffen dines bluottes. Aber du meinteft 
nit allein dinen liplichen turft. me die ewige minne die do vf llam- 
met A'on dinen henden vnd fueffen. vnd A'on dinem verwundeten 60 
houbt. A'nd \'on dinem durch marterten lib der an dem criutz ge- 
Ipannen zertennet hieng. Dich turft ouch begirlich noch einem danck- 
beren Avider minnen von allen (i8a) mönfchen die zwang dich jn 
der todes not fprechende das aller minnecklichefte Avort. Mich tür- 
ftet noch des mönfchen heil. 65 

Wir bettent dich an volkomene götliche guettikeit. In dem bild Als 
du herr jhefu chrifte von diner götlichen minne hiengt au dem criutz 

32 am Rande roth das dril 36 mofch¥ 47 alle^ diiie 53 am Rande roth 
das .iiij 64 noch fprechende dz alle niineckliche Am Rande roth das fünft 



246 99 

rofon rot über goffen aller din f^ot ver einter lih mit dinem l<ofperen 
hluot das durch die keiiel diner leren wunden lo niilteklich fo vol- 

ro koraenlich vergoHen Avart. jn einem minnrichen (isb) zug rueffende 
vnd kündende die Ewige a\ iitfchaft allen denen die noch dir hungert 
vnd türltet als ob du Iprecheft koment frtelichcn es ift alles vollen- 
brocht. 
0. herr jhefu chriCte a\ ir bettent dich an E\\iger fchatz Din werdos 

75 vcrl'cheiden Din bitter hertz brechen Vnd dinen tielTen jungften 
fiufftzen Din t(Ptliches bleichen. Din angft varw. Dinen totfweis. 
Diner geficht vnd gehcerd toetliches vergon jn dem din ftrengor tot 
recht von dem marg vf zoch alles das gruonendes ( 1 9 a ) krefftiges. 
gefunt vnd lebende, das in dinem jungen lib vnd hertzen. vnd in 

80 dinem bluot was. In dem fcharpfen hinziechen. din krancker lip 
weinende mit einer ftarcken rueflenden ftim ftürbt mit tieffer nei- 
gung din verwundetes houbtnider lieft vallen über din achClcn vnd 
iprccht alfo vatter in diu hend bcvilich miiien geilt. 
Gelobet fveftu ewige A\ife getiiuwe fürfichtikeit. jn dem das du nit 

85 allein dinen geilt meintelt. 3Ie ouch alle die do ein gewores noch 
(l9b) folgen band dines bildes vnd diner lere die Averdent ze 
ftund alle gemeint mit dinem geift. vnd beuolen jn die almechtige 
band des himelfchen vatters. Do du fprecht vatter jn din hend befil 
ich minen geift 

90 Ach ich arme fündige creatur Ich fchr\ en \ nd rueffen mit minem 
armen gebet, min lieber herr jhefu chrifte. jn din ruelTen vnd bet- 
ten Als du ewige Axifheit. dinen Aatter an luolfteft vnd in an 
fchriuw te mit der gehorfanie vnd mit der ftercke des A'er einigeten 
Avillen mit dem du dicii iieigtelt j'n den (ioa) tot des criuces mit 

95 der pitteikoit des angllhartcn (ödes der in lieh hat genoinon vnd 
gezogen aller creadiren 11 erbende pilterkeit mit dem minnrichen 
turft vnd lult den du getriuw ewige wifiieit haüelt in aller diner 
lidung noch mönlchlichem heil vnd felikeit 
herre jhefu chrifte ich verbirge mich angfthalteldich vnd begir- 

100 liehen vnder die bluottgieffenden A'ettichen diner heiigen zer tenneten 
vnd zerfpannen arme an dem fron criulz. ^'nd in die hüli (20 b) 
vnd in die tielTe diner ergrabenen benden And fueffen. Vnd dines 
bluott gieffenden minnrichen bertzen ^"nd beger das das lebende 
marg dines got vereinten minnriclien bertzen veitiil» \ iid \ erl'w eine 



7-2 am liaiule roth das fecliflc 7.") diiion] dines 78 alles das] das hineinge- 

Icfsert. 82 dines YcrwiTdelo 83 ohi /{ande rof/i das fiben wort lOlzerfpane 



99 . 100 . 101 247 

alle wunden vnd flecken miner feien alfo das der vatter nit rieht 105 
an mir noch finer gerechtikeit funder noch finer göttlichen erbarin- 
hertzikeit. Vnd noch entlihung das du ewige Avifheit jhefu chrifte 
alle zit fordereft von dinem vatter mit dinem bluott gieffenden 
fchrven 



Ivb habe, wer dich irkennet der hot dich lib vnd vor gizfit fyn 
felbes. vnd hot dich lib mer den fich vnd left fich vnd kuramet czv 
dir daz her fich dyn vrauwe du weift herre daz ich dich nicht lyb 
habe alfo ich folde, daz machet das ich dich vollenkomenlich nicht 
irkenne vnd wen ich wenig irkenne fo habe ich wenig lyb vnd 5 
frauwe mich AACnig vnd vrauwe mich leider nicht inwendig wenne 
ich von dir fchc} de vs wendig, vnd dyn enpere vnd myne vroude 
vs wendig fuchc vnde alfo felbeft ich vnfeliger vor czerte myn 
hercze daz ich dir alleyne mit ganczer libe mit ganczer begerunge 
mit ganczer meynunge haldcn folde vnd vor nichte daz in eitelen 10 
dyngen vnd byn eytel a\ orden wenne ich lib habe gehabet dy eytel- 
keit do von ift daz komen daz ich mich dyn (b) nicht vrawe 
wenne ich dir nicht an hange vnd wenne ich byn yn vs wendigen 
dyngen. vnd du yn ynnewenigen vnd ich yn czytlichen. du yn geyÜ- 
lichen. ich vorgiffe mich mit gedenken vnd vorwerre mich mit der 15 
meynunge Ich bekumnier mich mit der rede yn czu gonklichen 
dingen vnd du herre woneft eewyclichen yn der ewykeyt du herre 
Moneft yn den hymmeln. vnd ich yn der erden du hoft lib dy 
hende vnd ich dy uedir du hymmelifche ding vnd ich irdifche. vnd 
wy möchten alle ding geglichet werden 20 

von des menfchen vnfalden vnd fyner krankheyt. 

ich dürftiger wy mag meyn vnrechtikeyt fich dyner gerechtikeit 
geglichen, du hoft lib dy eidkeyt vnd ich dy werelde. dw das fwy- 
gen ich daz gefchroy. du dy worheyt. ich d} ytelkeyt. ( c ) Du dy 
reynekeyt vnd ich volge der vnreynekcyt , vnd waz nit herre du 
bift Avorhafticlichen gut vnd ich bofe , du fenfte , vnd ich vnfenfte, 5 
du heylig, vnd ich vnfelig du yn der ewikeyt vnd ich yn der a\ ekle 



!0(i, 3 lyb fehlt in der Handschrift. 5 wen aus wenijr j/e&e/lserf. 12 do wo ; 
komen undeutlich. 19 hende] hde 101, 2 vclde. 6 wilde 



248 101 

du eyn liclit viul ich blinder, du daz leben vnd ich toter, du dy 
arcztye , vnd ich ficher, du dy vrewde , vnd ich trubelal, du dy 
hochlte Avorheyt, vnd ich alle ytelkeyt, alzo eyn iczlicher lebender 

10 nienfche ilt \\e mir Ichepher waz l'al ich i'prechen , hure fchepher 
dyne Ichephenunge bin icii , vnd bin iczczunt vortorben , dyne 
fchephenunge bin ich vnd fterbe iczczunt, dyn hantgetat bin ich vnd 
Averde czv nichte brocht diu gcniechtc byn ich dyne hende herre 
haben mich gemachet, vnd haben mich gefchalTen , dy hende dy 

15 durch mich, mit neilen durch graben l'ynt, dyner hende werk byn 
ich herre nicht vorfme-(d)he mich, befchauMC des bete ich dich, 
dy wunde dyner hende , vnd wenne du yn dyne hende mich ge- 
fchreben holt, fo lys dy felbe fchrift, vnd heyle mich, czv dyr der 
fufcze ich dyne fcheppfenunge, der fchepher biftu der quicke mich, 

20 czv d\r rufe ich dyne getat, daz leben biftu fpyfe mich, vor gib 
mir herre, wenne myne tage nicht fynt, der macher biftu \\eder 
brenge, Mas ift der menfche das her gefprechen muge \\eder got 
lynen fchepfer , vor gib mir der mit dir redet , vber fich dynen 
knechte, der mit dir herre reden tar, dy notdorft hot nicht gefeczes 

25 fmercze der twynget mich czv reden der wetag den ich lyde der 
twynget mich czv fchrien fiche byn ich, vnd ruffe czv dem arczete, 
blint byn ich, vnd eyle czv dem lichte tot byn ich, vnd der fufcze 

14 von anderer Hand am Rande iob )0 IG befchwe 22 im Texte fprechcn, 
ge aus bc gebefsert atn Rande. 24 dir aus der ijebefsert. 25 fmerczen 



ABHANDLUr<(GEN. 



▼ erstehende LXXII Predigten und 29 Gebete sind insgcsammt aus 
Handschriften entnommen ; fast alle erscheinen hier zum erstenmale 
gedruckt: nur einige sind schon früher von mir oder andern ver- 
öffentlicht worden. Von den meisten sind mir noch Avährend des 
Druckes die Originale selbst zu Händen gewesen, und nur bei dem 
kleineren Theilo habe ich die Correctur nach Abschriften , fremden 
oder eigenen, gemacht. 

An der urkundlichen Form ist um keine gebührende Grenze zu 
überschreiten nur so viel geändert worden, als wirklich von Noethen 
A\ ar : die Abkürzungen also , überall häufiger und stärker bei latei- 
nischen als bei deutschen Worten, sind aufgebest ; in einigen Stücken 
r gegen w, die kurzlautigen v gegen ü, in andern wo dieser Buch- 
stab gar zu häufig kam (XLI— LH. LIX. LXVHI— LXX) nun über- 
haupt alle vocalischen v gegen u und folgerecht alle consonantischen 
w gegen v vertauscht; falsche Lesarten aber im Texte selbst durch- 
weg gebefsert und hinunter in die Anmerkung gerückt. Weiter zu 
gehen habe ich für unerlaubt gehalten: Interpunction mit modernen 
Zeichen wird ein irgend kundiger Leser kaum vermissen, und was 
man berichtigte Schreibung nennt war zumal hier ohne Gewalt und 
Unrecht nicht durchzuführen. 

Bei der Auswahl der Stücke ist auf den Sachgehalt derselben 
und demna^chst auf den Gewinn welcher daraus für Grammatik und 
Lexicographie zu schöpfen, vorzüglich aber darauf geachtet worden, 
dafs sie neben dem von Grieshaber Hoffma^n Kling Leyser Mass- 
mann MoNE Pfeiffer Rotu u. a. schon gelieferten Stoffe als ein Ur- 
kundenbuch zur Geschichte der Altdeutschen Predigt und des Alt- 
deutschen Gebetes dienen möchten. Darum hier Predigten mehr als 
eines Verfafsers, aus mehr als einer Handschrift, von characteristi- 
scher Beschaffenheit und in geschichtlicher Anordnung durch eine 



252 

Reihe von vier Jahrhunderten hindurch ; und ebenso Gebete aus 
Zeiträumen und Richtungen wo die Litteraturgeschichte ihrer bisher 
nocli kaum gedacht hat. 

Die folgenden Abhandlungen sollen das Zweckdienliche über 
die benützten Ilandschril'ten , dann Einiges über die Geschichte der 
Altdeutschen Predigt und des Altdeutschen Gebetes, sowie zuletzt 
über die Sprache unsrcr Denkmäler beizubringen suchen. 



I. 

DIE HAIVDSCHRIFTEIV. 

ller benützten Handschriften oder Fragmente solcher sind im Gan- 
zen einundzwanzig; ich bespreche sie nach der Folge der oben 
daraus abgedruckten Stücke. 

I— XIII. 75. 

Handschrift der Wafserkirche in Zürich 0^^275) Pergament, 
Folio , 185 Blätter , die Seite von je zwei Spalten ; vielleicht zu 
Schaffhausen, noch im zwölften Jahrhundert, aber erst nach 1172 
(Haupts Zeitschr. f. Deutsches Alterth. 5, 293) und von zweierlei Hän- 
den geschrieben : die zweite, welche auch die Blätterlagen gezählt 
hat, füllt jedoch nur deren letzte, die dreifsigste, von S. 361 bis 
370. Die vier ersten Lagen fehlen, wie auch innerhalb hie und da 
einzelne Blätter ausgeschnitten sind. Von einer dritten Hand nur 
der Schlufsvers auf S. 370 c. 

Hmiril aquam cribro quiciinque findet fine l'tbro. 
Der Inhalt ist auf das bunteste gemischt, dem Mehrtheile nach 
lateinisch, Poesie und Prosa beinah jeglicher Art, des classischen 
Alterthumes wie des Mittelalters: so von S. 85 a bis 87 b Aemilius 
Macer (der Anfang ausgeschnitten) , 128 a — 142 b Periegeßs Prifciani, 
145 Excerpte aus Persius, 307 ex libro trifiium, 367 b — 370 b die 
leoninische Legende De Pilatho, an verschiedenen Stellen Gedichte 
des Archipoeta Waltherus (gedruckt bei Haupt a. a. 0.) , geistliche 
und weltliche Sequenzen und auch Predigten; S. 72 b der Mischvers 

Hie dabilur gotewez cunctif uenientibuf afchez. 
Ein geringerer Theil gebeert der Deutschen Litteratur. S. 4 a. 87 b. 
94 a bis 102 b Glossen zu Thier- und Pflanzeunamen : letzterer 
Abschnitt unvollständig in Grafts Diutisca 2, 273 — 277. Von 88 a 
bis 93 b Liber de naturali facuUale, theilweis gleich dieser Über- 



254 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEX I— XIII. 

Schrift lateinisch: m iodcruin Einzelnes daraus bei GralT a. a. 0. 269 
bis 273, und ein Pferdesegen in Haupts Zeitschrift 3, 41; noch einige 
Stücke, die \on Belang sind für die deutsche Culturgeschichte und 
mit ähnlichen unsrer Sammlung zu vergleichen , moegen hier nach- 
geholt werden. 

(93 a) Ad fanguinem de naribitf proßuentem. — llem. In chrifli 
nomine fcribe in fronte ipfius. nomen eiuf. et nomen emorroyf(V. ipfa 
dixit. Si tetigero ßnibriam ueßimenti ein/ tuntum falua ero. 

(93 b) Ad fcroplirlaf. Vbi dedicatio in doniinica etienerit. cnrbonef 
5 unde altare incenfatur referuenlu?'. et aruina mifceantur. et fic pentn- 
gantur. 

Ad pecora. In natale .f. lohannif bnptißie. Svme aucam mafcuJain. 
et prcecide ei capiit. ßime fanguinem eiuf in iiaje mundo, poßea capnt cum 
fanguine et pugillo falif in noua olla conbure. et puluerem ipßt die da 
10 aniniolibuf lingere. optima ref eß. 

Item ad equof ßtnandof raehin. Inaurem equi dicaf. et per omnef 
pedef. m. rßjre a. p. Vnion. geniphron. inditol cathaloli. genepif ita non 
ita. aran ipitara. k. x. k. Pater noßer. 

Si uermef equittn nwrdent. die. Ignitif quijßtij. minnilare nare. the- 
15 bal. gutgutenal. 

Ad fraßn. Sputo circumlinito minimo digifo. et die. Adiuro te mala 
maJanna. perpatrem et filium. et ßjiritum ßincfum. ut non creßaf. ßd 
euaneßaf. in nomine patriß et fHii. et ßürituj'ßincti. k. x. k. Pater noßer. 
ter. et pater noßer. 
20 Par vitce nrit. leo in nomine domini. moritur rrrrf. in homine ißo 

.N. agof agoß agoß chrißuf uincit. chrißuj regnat. chrißiif imperat. 

Ferner S. 146 a drei lleimsprüche in unabgesetzten Zeilen, deren 
erster und dritter im Altd. Lesebuche 213 fg. , der mittlere 

Tif fürt trrbe. 

trade ßhonc iviphurre. 

ßreme dar wirf ze gack. 

den geruil iz fa. 
S. 155 a das Gebet 75; endlich 210 a — 228 a und von der zweiten 
Hand 363 b— 366 a die Predig(en I— XI, XII und XIII. ^'on der 
ersten sind die Anfangsworte und die zweite fast ganz schon in 

2 emorroyfm] statt ob hat die Handschrift hier und in den folrrciidcn Zeilen e. 

3 Ev.Mallh. 9, 21. 43.18 k. x. k. d. h. hyrieleifon chrifteleifon kyrieleifon; 
aber m. vfqve a. p. ? 18 stall des crsleu nofter die HS. nri. 



HANDSCHRIFTEN DER PREDIGTEN I— XXXV. 255 

Graffs Diutisca gedruckt, 2, 277 — 279; die dritte im Altd. Leseb. 
191 — 196. Beide Schreiber, zumal der vordere, waren sichtlich 
mehr auf Lateinisch als auf Deutsch geübt : welche Mühe z. B. 
macht es jenem, die Sylbe fchaft in Buchstaben zu fafsen: gefellefchat 
gienofchpat chcnnefchat tritfcaph hcrfcaph wirtjcapht III, 34 fg. Be- 
merkenswerthe Abkürzungen sind v oder v. für vnde, d. für daz\ o 
gilt für ou und für uo] w ist von vv nur noch wenig unterschieden, 
und z ähnlich dem h: daher der Schreibfehler /es-e^ X,32. 

XIV- XVI. 

Drei auch am äufsern Rande beschnittene Querstreifen z\\eier 
zusammenhangender Pergamentblätter des zwölften Jahrhunderts , die 
der verstorbene Graft' besafs. Auf der Rückseite des zweiten Blat- 
tes Lateinisches von spaeterer Hand. Die beim Abdrucke versuchten 
Ergänzungen des Fortgeschnittnen sind durch Cursivschrift unter- 
schieden. 

XVII— XX. 

Zwei Pergamentblätter in kleinerem Quartformat vom Ende des 
zwölften oder Anfang des dreizehnten Jahrhunderts, die innen auf 
den Deckel der Baslerischen Handschrift III. 14 (Leben Diocle- 
tians von Hans von Bühel) geklebt \Aaren. Auch hier sind beide, 
ou und uo . mit o und ebenso die eigenthümlichen Diphthongen oi 
und io beide mit o geschrieben; der Circuniflex ist das Tonzeichen 
auch für kurze Vocale , wie umgekehrt der Schreiber von XII und 
Xni den Acutus als Längenzeichen gebraucht. Ein früherer Abdruck 
dieser Bruchstücke im Altd. Leseb. 297 — 304. 

XXI— XXVI. 

Wiederum Bruchstücke des zwölften oder dreizehnten Jahrhun- 
derts, z^^eimal zwei zusammenhangende Pergamentblätter in klei- 
nerem Quartformat; das dritte Blatt vielleicht, das vierte gewiss 
von anderer Hand als die beiden ersten: die Buchstaben sind dort 



eckichter, u wird auch für blofses u gesetzt, und de gern mit 
Anhängung des e oben ans d geschrieben. Die Ergänzungen des 
vom zweiten und vierten Blatte weggeschnittenen sind mit Cursiv- 
schrift gedruckt. Besitzer dieser Fragmente ist Hr v. d. Hagen; ich 
habe die Abschrift vor etwa fünfzehen Jahren nehmen dürfen. 

XXVII— XXXV. 

G2 IL 58 der Basler Universitaetsbibliothek: eigentlich zwei ge- 
trennte, nur durch den Einband zusammengebrachte Handschriften. 



25C HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XXVII— XXXV. 

Beide auf Papier, in Quart, aus dem vierzehnten Jahrhundert: am 
Schlulse der ersten Got fi (jelobt diz tagez dz diz gefchri/fl volbvach 
iß in dem Ixxxij jauv] \\ ohl die ältesten unsrer Papierhandschriften, 
und die zweite mit einer Sorgfalt und zierlichen Sauberkeit ge- 
schrieben die bei solchem Stolle selten ist. Die zw eite enthält auf 
28 Blättern aufser den acht Predigten XXVIl— XXXIV noch eilf Le- 
genden, namentlich von der heil. Jungfrau, und 10 b — 15 a eine 
■wohl auch als Predigt gemeinte Darstellung des jüngsten Gerichtes: 
ein Abdruck dieser in meinem Programm über die Altd. HSS. d. 
Basler Iniv. Bibl. 22—25. Die vordere Handschrift hat 249 Blätter, 
die von alter Hand bis c/.zt- gezählt sind: das erste fehlt. Ihr Inhalt 
sieben Predigten: eine davon unsere XXXVste; und vor und nach 
denselben siebzehn Heiligenleben grcefseren Umfanges , auch diese 
meist mit rednerischer Schlufswendung, z. B. 63 a nun gcb rnz got 
durch den icierdigen fchenhen ind (lies in der') ere finez lieben marlrez 
s. logini (so immer loginus statt longinns) der inf da vf tedt den 
lebenden brunnen dz wir alzo vjfer dem minnenden hertzen jefu chrijü 
getrenket werden dz in vnf vf wallend werd der lebend brunn der inj 
wider laitent fi den (in den) rrfprung dannen wir geflozzen find Amen; 
151 b (Cryfantius und Darya) Nun geb vnf gof dz wier ir rainkait rnd 
ir marfer tailhafft werdenl bi jnnen in dem ewigen rieh da ir felan mit 
fra'den ruoirenf in got jr tag ift mornend nach .s. ändrez tag; IGt b 
Nun heiß' vnf der hailig Minofilus vnd vnf er lieber her jefus dz wir 
komint in dz land da allez laid ift vnerkanf Endlich zwischen den 
Predigten noch folgender Bericht über das Land des Priesters Jo- 
hannes und den Gottesdienst bei S. Thomas Leichnam. 

^in her dez londez yndia der waz ain ertzbifchoff vnd hiez Johannes 
Vnd do er erweit wart zuo der wirdikait dez bgftums do kam er dar nach 
über ain jar ze der flat bizanziam rmb den mantel den er zuo dem 
hiftum haben muoft da vant er wirdig hotten dez bapftez kalixti die rmb 

5 ramer fach dar komen warent mit den fuor er gen rome daz er die ge- 
fechi do enpfieng in der bapft wirdiklich vnd hat in daz er bredigiti in 
dem münfter ze latren diz tet er wie er doch der fprache nil künde won 
daz er ainen betiuter hette der die lant fprach vnd och die finen wol 
künde vnd der felb fail och daz hie nach gefchriben ftat daz in dem lant 

iO Metrepelim lit ain ftat diu haiffet Militia diu ift alz tritt daz man iiij 
tag ritten muoz e man fi vmb (201 a) ritte vnd diu hwchi der ringmur 



1 In der Handschrift M für A gemalt. 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XXVII— XXXV. 257 

iß alz ain liochez turrez hoch vnd iß zwaiger toagen laißri dik vnd der 
iiij wafß'r fo lyffer dem paradys gaunt der gaut ainez da durch daz 
haiß'ef phyfoti vnd daz bringet alz vil dez aller beßun goldez vnd edelz 
geßainez daz ez allez daz lant tjndia richet vnd ivaz dar in kumet in die 
ßat daz nit crißan vnd geloebig iß daz miiof ze hant crißan werden ald 5 
aber ßerben diu Mich da der wirdig fant fhoman der xij bott in lit diu 
iß vor der ßat vf ainem hochen berg vnd iß der berg vm geben mit 
tie/fen iva[fern vnd an dem ßad der loaffer da find xij kilchen gcßifftet 
in der er der xij botten in dem find die aller hailigoßen ainfidel vnd in 
daz münßer dez haii'ioi h}ligen .s. thomaz daz vf dem berg da lit da 10 
mag nieman in komen den zuo ainer zit in dem jar ze finer dult vor 
der tult viij tag rnd dar nach och vüj tag vnd an dem tag ßner hochzit 
fo gaut der ertzhifchoff vnd fin helffer vnd allez daz volk dar in ivon diu 
waß'er l and f ich denne von ain ander vnd wirt da truken ertrich viij tag 
vor der tult vnd dar nach viij tag daz zyborium in dem münßer iß gar 15 
koßlich gemacht von gold vnd von filber vnd von edelm geßain vnd ob 
dem alter hanget ain filbrin bekin an ainer filbrinen kettenen in dem 
bekin ßat .s. thoman vf recht vnd gantz alz er lebt mit dem geivand daz 
er truog do er lebt ez hanget ain brinndiu amppel vor im von der ßand 
gefchriben driu ding diu ivonderlich vnd begierlich findt ze hoerent fi iß 20 
guldin (202 a) vnd hanget an filbrinen keltennen vnd iß vol balj'men vnd 
haut gar ain edeln fmak dirr balfame verßoindet niumer vnd erleßhet 
och daz Hecht niumer vnd an finem hochzillichen tag nimt man den bal- 
finen dar vf vnd füllet ez mit aim ander jn vnd zündet fi danne aber 
vnd ß) ze iar vm wirt fo iß fi vol dez balfem vnd brinnet alz fi erfi 25 
enzündet fig den baJfinen den man dar vf nimt vnd def hand die Hut gar 
groff bett vnd wem er wirt waz fiechtagen der haut ob er da mit berueret 
wirt er wirt gefunt An dem hochzillichen tag .s. thomanz fo gaut der 
Patriarch vnd fin helffer vnd legent fich an mit bifchofflichem klaid vnd 
nement den hailigen Hcham her ab vnd fetzent in mit erwirkait zuo dem. 30 
(202b) altar vf ainen guldinen ftuol Sin haur ift im rot vnd gat im vil 
biz vf die achfel Sin hart ift raid vnd kurtz Sin antlüt iß mineklich vnd 
liuchfet alz ain ßern Sin claider find hert an ze griffent So er in den 
ftuol gefetzt xcirt fo vachet man die meff an fo man fi gefinget vntz daz 
man kumet dar an daz man daz volk bewaren fol fo nimt der patriarch 35 
die hoftia vf die patenen vnd kniuwet für .s. thoman denne gefchehent 
iiij ding hart wunderlich Daz erft ift daz .s. thoman die patennen mit den 

1 wagen ynfen 2 gaunt'\ gat 6 flerber 13 der fehlt. 19 brinnu 

di amppel vor im vor den ftun 23. 24 balnfmen 26 vnd den hand 30 niement 
Altd. Predigten. 17 



258 HANDSCHRIFTEN DER PREDIGTEN XXVII— XL. 

hoßien enpfahet mit der rechten hand alz fürheßchteklich alz oh er leb 
Daz ander daz er die Hut bcicavel man vnd fruivan die ztio gand orden- 
lich ainez nach dem ander Daz drit iß xcenn ain mwirdiger menfch zuo 
gat fo ziuchet er die hand an ßch- vnd git im noch enchainem (203a) 
5 ander vnßrn herren die iril der mcjißh gegenuirtig iß Daz rierd iß daz 
dir menfch ze hand muof behert werden ald er ß/rbet aber al ze hant 
Darnach fo difer Commnnio vf nirl rnd diz hochzit rolbrachl nirl dar 
nach über acht tag fo nimet der pafriarch rnd ßn hel/fer den bailigen ..s. 
thoman vnd fetzent in ivider an ßn ßat rnd nigerit dem tieff mit groffer 

10 erwirkait vnd fchaident von dannan Vnd fo ßu vnd allez daz volk von 
dannan homent fo gand diu waffer wider rm den berg atz vor vntz an 
daz ander jaur Do imfer her den hailigen ßtngern den hailigen gaiß 
fandt vnd ß vf in die weit giengent Do fant rnfer her den gunfen .s. 
thoman jn daz land Indiam daz er daz bekerti Vnd do er dar kam do 

i5 vand er die dri küng den (203 b) tet er da bekant daz leben vnferz 
herren vnd ßn hailigen Marter vnd ßn vrßendi vnd toufte ßu vnd lert 
fi fölklich criftan geloben 

Die zweite Handschrift bezeichnet alle Umlaute, auch den des 
kurzen ?/, häufig sogar den des langen mit übergeschriebenem e, 

e 

den des langen ^^ ie des kurzen a abwechselnd mit a und (ß ; av wird 
stets mit ö , in der ersten bald so, bald mit au gegeben. Eigen- 
thümlich der ersten ist der Gebrauch im Beginn der Worte stivts nur 
grosses L und R zu setzen, und die Barbarei womit beim Übergang 
von Zeile zu Zeile mitten in einer Sylbe, vielleicht schon nach dem 
ersten Buchstab abgebrochen -wird, z. B. fu\ndent fpr\ach M\armel D\o. 

XXXVI— XL. 

„Eine Pcrg. Hs. des 14. Jahrhunderts in Quart aus dem Kloster 
Weingarten (F, 55.) in der königl. Privatbibliothek zu Stuttgart ent- 
hält teutsche Predigten , welche mit dem Pfingstsonntag anfangen 
und durch 27 Sonntage fortgehen. Darauf folgt eine teutsche Er- 
klärung der Messgebräuche , ein kleines .Stück de tribus impedimentis 
und dann eine gereimte teutsche Erkla^rung über die sieben Todsün- 
den , ^\ orin die lateinischen Ausdrücke teutsch glossirt sind. Das 
gereimte Stück ist aus dem 12. Jahrhundert und gleiches Alter hat- 
ten ursprünglich auch die Predigten." Mone, Anzeiger f. Kunde d. 
tcutschen Vorzeit 7, 393 fg. Sodann als Probe die zwei ersten Pre- 
digten, nur gleich im Anfang mit einer fehlerhaften Überschrift: 
Sermo in pentecoste. Der Codex hat dieselbe nicht , wie denn auch 
dieses erste Stück keine Predigt am Pfingstsonntage , sondern eine 



HANDSCHRIFTEN DER PREDIGTEN XXXVI— XLI. 259 

für den ersten Sonntag nach Pfingsten ist. Die weiteren fünf die 
meine Sammlung giebt sind aus einer freundlich mitgetheilten Ab- 
schrift Pfeiffers entnommen. Dasoe, welches die Mundart des alten 
Schreibers gerne für langes o gebraucht, bezeichnet derselbe gleich 
dem Umlaute mit o; sein v oder ii habe ich mit vu uö wiederge- 
geben, da er bei unabgekürzten Diphthongen den Circumflex über 
den zweiten Buchstab setzt. 

XLI. LIX. 

Handschrift der Wafserkirche in Zürich B 22 V-g^^ Papier, Quart, 
179 Blätter; auf der Rückseite des letzten Dif buoch wart gefchriben 
m dem iij vn nunzigßen . iar vn drizehen hunderdeß iar in dem hoiu 
manel do ich wc xxx jar alt vn felis iar in geißlichem frhin geßn 
Wohl in Zürich , etwa im Kloster Oetenbach : vgl. die Überschrift 
von XLI. Das übrige hinten und vorn noch freie Papier ist von an- 
dern noch ungeschickteren Frauenhänden vollgeschrieben. Den Inhalt 
machen siebenzig rubricierte Stücke bald vom geringsten , bald von 
groefserem Umfange , und alle von geistlicher Art , Erbauliches und 
Beschauliches. Nsechst den für unsre Sammlung theils daraus ent- 
nommenen, theils damit nur verglichenen Predigten XLI. LIX und 
XLII (5 das Zeichen eben dieser Handschrift) ist noch folgendes 
hervorzuheben. Verstreut durch das ganze Buch einzelne Sprüche 
benannter und unbenannter Mystiker : vier davon (45 a. 53 a. 62 a. 
und 77 b) bereits im Altd. Leseb. 889 , ii und iii. 692 , viii und ix ; 
andre nachher in der zweiten und der dritten Abhandlung. Ferner 
122 b — 124 b der Wettstreit der z^^ölf Meister von Paris, gedruckt 
in Haupts Zeitschr. 4, 497 fgg. Die Erzählungen von der weit valfcheit 
89 a — 90 a und von einer Heidinn 120, gedruckt im Altd. Leseb. 
945 — 948. Sodann 140 a — 144 b ein sicherlich aus dem Lateinischen 
übersetzter Tractat gegen Aberglauben und Zauberei, betitelt J)iJ 
ßuk ßit von den loffern vnd von den valfchen propheten : alle wichti- 
gen .Stellen daraus im Anhange zu Jac. Grimms Mythologie xli — 
xLiv. Gleichen Uisprunges ein sonst auch ähnlicher Tractat von den 
manigvalfigen ßhadcn def tanz 96 a — 99 b; er stimmt dem Sinn und In- 
halte nach, sonst jedoch nicht zu jenem der aus einer Wiener HS. des 
15 Jh. in den Altd. Blättern steht 1, 52 fgg. Zur Probe einige Sätze. 

Tenz die ßnt der tiuuel genge De fol man da bi merken de die tenzerr 
ziehent vnd tennent den tanz zeder lingen hanf. Wan de bewert der wif 
man der ßrrichet Die weg die zerrechten hant ßnt die ßnt bekant got 



3 Proverb. 4, 26. 



260 HANDSCHRIFT DER PREDIGT XLI. 

ünfcrm Herren Aber widerwertig rnd verliert fmt die zerlingen hant Die 
tenz fint orch den linueh iarmerg. Wan er gewinnet da mit menig feien 
Er lieft an dem inerg ßiwn korfman rnd korfmeninen. IJ'c de ß De iß 
holt fort. Vnkiufchkeit. Bcef begerung der orgen. Er hett ovch da die frovxcen 
5 diu da heifßt. Vppikeit. Vnd ovch ir hiifgefmd des nint wenig iß De iß 
verladen lachen. Vnmßßger ßhimph. Vngeordinatiu tcegung des libs 
(97b) Übergebung. Hohfart. Erhebung übermuetlich der orgen Diu er- 
haben halfader. Ein hohfertiger gang. Vnd vnzühtiger. Vnd menger hant 
anreizimg zebwßm biß des fleifrhes. 

10 C^^b^ Efiß daran gnuog de zuo rechten elichen hohziten tanzen 

erlorbl iß. Vnd die ßtlen dennoch mit mefßkeit geßhehen vnd mit zulit 
der ßtten vnd in guilicher vorht Mut mit keinr verlaßenheil oder vnfuor. 
Vmb de wan ünfer herre felb diu e gerret hett mit ßn ßlbes gegen- 
würtkeit vnd ßner lieben muoter vnd ßner iunger. Vnd de er ovch ßn 

15 erßef zeihen ander hohzit würketi weit 

Ferner 153 a Dis buechli heifßt ein fpiegel der kloßer Hüten; bis 
165 a. Endlich auch noch zm ei Gedichte , sparte und kunstlose 
Klosterpoesie. Das eine S. 83 a bis SG a vom Sturze Lucifers , von 
der Schöpfung des Menschen , vom Sündenfalle , vom staunenden 
Zorne des Hcesen bei Christi Geburt : damit bricht es unvollendet 
ab. Hier der xVnfang; in der Handschrift sind die Verse nicht ab- 
gesetzt. 

Wie adani verftoflen ivart Gegen dem fchwnen aquilone. 

vff «lern paradif 3(1 Eben höh der klaren funnen. 

fjot fprach ich fcha/fe. Wer möeht mir def nint günnen. 

Vff miner gütlichen magenkraft. Dem hoschften bin ich glich. 

Ein lieht zeßhinen. Vnd ovch de himelrich 

Viider den engten ininen. Sol mir wefen vndertane. 

20 Zedienend alle glich. 35 Wer de mit mir welle beftan. 

Einem herren indem himelrich Dem teil ich glich. 

Do wurden die enget gefchepfet. Elliu miniu rieh. 

Vnd ovch lucifer gemahet Do fprachen die betorten. 

Der aller fchwneß vnder in. Die zehimel nint gehorten. 

25 Vnd der fprach ich bin. 40 Ilerre de hein wir wol gefchen. 

Ein enget alfo her. Wir muoffendirvonfchuldeniehen. 

Vnd bin genant lucifer. De du biß gewaltiger herre. 

Vnd ßetze vf minem tron Da von v eilen wir keren. 

i in der Handschrift vnfn 3 hettc—kofmenin. )»'c de De ift G Ynmcffciijcr 
12 golich' 19 in der Jlaiidscbril't Vn 20 h're 



HANDSCHRIFT DER PREDIGT XLI. 



261 



Mit gemein an din gebot. 

Wir ßilen dich für got. 

Eren vnd dich loben alle 

Mit gemeinem jchalle. 
5 ^yit vnd verren. 

Zehimel einen herren. 

Do fprach aber der herre 

Der da genant iß lucifer. 

Heint dank ir engel min. 
10 Ir fand in ininem rieh ßn. 

lemer eiveklich. 

De niiß'end ßcherlich 

Do kam fant michahel. 

Ein treeßer der armen ßl. 
15 Wol dan ß)rach er ir engel rein. 

Vnd varend alle gemein. 

Zug ünßrm lieben ßhepfer. 

Der iß allein rein vnd gewer. 

Do ß)rachen die zioifeler. 
20 Die da waren got vnmer. 

War wellen wir fumlich. 

Ünf b einlebend die rieh. 

Swer daf befßr gewinne. 

Bi dem bliben wir hie inne. 
25 Do kan ünfer lieber herre. 

Zuo dißn groß'en gewerre. 

Er ßjrach lucifer zart. 

Wie haß du dich bewart. 

Wes haß du dich vermefßn. 
30 De du haß vergefßn. 

Großr eren die ich dir maß 

Du werd der engel lieht vaß'e. 

Du werd der engel krön. 

Nv fpricheß du ßeß der fron. 
35 Vndfüle dir (8 3 b) iceßn vndertan 

Alles de ich geßhaffen han. 

Da von ßll dich kerren. 



Von engelfchlichen eren 

Michahel ein engel her. 
40 Nim hein de himel fpere 

Niut lenger ße gefpart 

Lucifer genieße ßner hoffart. 

Er ßol rumen de himelrieh. 

Vnd ovch alle die im ßnt gelich. 
45 Er muof zuo der helle Valien. 

Mit den ßnen allen. 

Da ßl er ßn gebunden. 

Ze inreß indem ah gründe. 

Zehant do vielen ß alle 
50 In de ewig bechtcalle. 

Do ßrach aber der wife. 

Zuo fant michahel vil linß 

Michahel nv blaf ein hörn. 

Ich han dich ißrtvelt vnd vßrkorn. 
55 Wir ßilend ein paradys mähen. 

Von minneklichen fachen. 

Dar in fo fetzen wir einen man 

Den ich von leim ivol machen kan 

Der fol es buwen vnd ßn phlegen. 
60 De er behalt unfern fegen. 

Da folt du wefen wif 

Bis probft in dem paradgf. 

Zetroft vil maniger fei 

Der pßig du michahel 

65 (s5 a) Köndi ich mit kluogen Wor- 
ten daf. 

Zefiutfch bringen alf ich laf 

In latine fo wolt ich. 

Vil gern dar zuo erbeiten mich. 

Wie ich in tiutfch tele bekant 
70 Alf ich an einem buechlin vant 

De der lerer Maximuf. 

Von wort ze wort fchreib alfuf 



5 Wir 23 daf] es 

65 da/* fehlt. 71 D' d' 



35 fule 
Ir 72 alf 



38 engelfchelich 



48 id ab g rüde 



262 HANDSCHRIFTEN DER PREDIGTEN XLI— LH. 

Das andre Gedicht S. 150 a. 

Dir Ift de gebet §alnc mnndl Taliictarc zc tliitToh de fant 
• bcrnliart fpraeh do In de krIiiziAx viubvleng 

ijiut gruef dich aller weit heil 

Du flieg mir dines kriuzef teil 

Ich grucf dich lieber herre min 

Du ftieg mich an de de krinz din 
Und so fort in unal)gesctzten Versen bis 153 a. Von noch an- 
deren Stücken im weitern Verlaufe des Ilandschriftenverzeichnis- 
ses und der geschichtlichen Erörterungen. Eigen dem Schreiber 
oder der Schreiberinn dieses Codex ist die Vorliebe für langes / am 
Scbhifse der Worte, das sonst in dieser Zeit nicht melir gilt. Die 
Abkürzung des AVortes me/ifche in M'', characteristisch für die asce- 
tisclie und mystische Litteratur des vierzehnten Jahrliunderts, in 
Deutschland und den Niederlanden (vgl. z. B. die ninl. Predigt in 
Ilauj)ts Zschr. 2, 350 fgg.) begegnet auch hier, jedoch nicht so un- 
abänderlich durchgeführt als anderswo. 

XLII— LH. 

Der bei diesen Predigten als Quelle und bei andern CXLI. LHI — 
LVII) nur zur Vergleichung genannte Codex A ist schon früher (vgl. 
die Verdienste d. Sch^\ eizer um d. Deutsche Litt. 16. 39) von mir be- 
nützt, nun aber von Franz Pfeiffer, seinem jezigen Eigenthümer, mir 
zu neuer Bcrathung anvertraut \M)rden. Eine Handschrift die an- 
ziehend ist durch den Reichtlium ilii-es Inhaltes, die Eigenthümlich- 
keit der Sprache und besonders auch durcii die liebende Sorgfalt 
w eiche sichtlich auf die Anfertigung ver\\ endet w orden. Pergament, 
Ouart, 26 Lagen, 209 Blätter, beide schon von dem alten Schreiber 
selbst, jene mit rcemisclien, diese mit arabischen Ziffern gezählt. 
Je die Seite zu zwei Spalten; auf der zweiten des letzten Blattes 
Finita lihro fit laus et gloria chrißo. dann mit rother Schrift Es fönt 
uijjen alle die dis felient oder lefenl. dz ich plia/f Alloeht genant der holhe 
kirchherre ze Sygaris *) hau diz brock gefcliriben mit groffen vnßalten 
rnd dvrch ain fpieqel. **) do ich fechs nid fechsziq lar alt wz. vnd 

" o ". 

han ez vollebruht an ßmt Jacobs abent. Anno domini. M. ccc. Lxxxrij. 
der erjamen rrowen Johanfen ßoklins des ßalt ammans ze velkirchen 

') -wohl das heiilige GoeOs bei Feldkiich. 

*') einelirilic: y^l. Augenspiegel Schindler IJair. Wörlerb. 3, 558. leldspiegel 
hier zu Lande s. v. a. Fernrohr. 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XLII— LH. 263 

elichen vrowen. Div ez Gotte ze lob vnd finer lieben irwoter Marien vnd 
allem hymelfdw her ze eren. vnd ir fei vnd allen globen feien ze troft 
vnd ze hilf gefrhnet hat von mir obgenanfe prießer. Da von bitte ich 
alle die. die in Gottes namen iemer me lefent. diz- bvoch. dz fi Got fvr 
mich armen fvndigen prießer bittent dz er fich vber mich erbarme, tron 
ich fvrht dz ich iemer me (niemals mehr) bvoch gefchribe. Hie mit hat 
diz bvoch ain ende. In Goftez namen. AmeN. Die Fiau des Stadtam- 
maniis zu Feldkirch hat das Buch von Albrecht dem Kolben gefrümet 
d. h. von ihm schreiben, anderswoher abschreiben lafsen, ^vas sonst 
mit dem Verbum zingen ausgedrückt Avird (Pfeiffers Mystiker 1, 472). 
Der so von ihm gesammelten, theils in vollständiger Abschrift, theils 
blofs in Auszügen an einander gereihten Predigten Tischreden und 
Tractate sind fünfundachtzig; Autoren nennt er nirgend: doch ist' 
sein erstes Stück Von den zehen gebotten vnfers herren aus einer 
Predigt Bertholds (Kling 57 — 96) hervorgegangen, so auch das dritte 
Von der haikait vnd bezaichnvng der meffe (unsre XLIste Predigt), 
und ebenso wohl flas zweite Von vierhand ßvkin Criflans glöbeti (un- 
sre XLH): z weist für dieses auf den gleichen Verfafser hin, indem 
die Messpredigt mit Bertholds Namen da vorangeht, und ein Ge- 
sprsech zwischen Berthold und Bischof Albrecht nachfolgt. Für 
einen beträchtlichen Theil seines Werkes aber hat Albrecht der 
Kolbe offenbar eine schon vor ihm veranstaltete Sammlung benützt, 
eine Sammlung die Aveit verbreitet gewesen sein raufs, da aus eben 
derselben noch viele andre Schreiber in verschiedenen Gegenden 
Deutschlands, ja selbst in den Niederlanden geschöpft haben. Nicht 
weniger nsemlich als 39 von seinen 85 Stücken enthält auch, Schritt 
für Schritt in der gleichen Reihenfolge (nur ein einziges Mal ist sie 
verletzt) die Handschrift Z, über a\ eiche nachher noch zu sprechen; 
26 und 25 derselben finden sich, theilweis umgestellt, in zwei Hand- 
schriften zu Wien und zu Kloster-Neuburg (Hoffinanns Altd. HSS. 
zu Wien 303 — 305 u. Altd. Blätter 2, 173. 174), 6 auszugsweise in z, 
3 andre ebenso in der Handschrift B (oben XLIX, 30. LIII, 88. 281. 
LVI, 419); wieder von einer giebt es ein Bruchstück auf der Biblio- 
thek zu Marburg (Haupts Zschr. 2, 227 — 231), von einer andern auf 
der zu Karlsruhe (Mones Anzeiger 3, 183); und endlich von den 
Predigten aus S. Georgen im Schwarzwalde und den 47 niederlän- 
dischen im Haag wird nicht blofs das wenige das aus beiden schon 
gedruckt ist (Mone a. a. 0. 3, 184 fg. 4, 366—368 u. Haupts Zschr. 
2, 350 — 357) mit A und Z übereinstimmen: halten doch die ersteren 
sichtlich dieselbe Ordnung inne wie A und Z, und die letzteren fast eben 



264 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XLII— LH. 



dieselbe ^\ie die Kloster-Neulnirgcr und die Wiener Handschrift. Ich 
will den verzweigten Zusammenhang tabellarisch übersichtlich und 



A. Z. 

35 Der wifTag: fprichet alfvff. Mivl ift der 

frid her nider koineii. i, 

3G Sani Paulus fpiicliet. Ir fonl flark fin 

in Gollcs diLMift. 2. 

37 In fon( ^Micli fin dorn meiitfclicn fprichot 

iiiifor hcrre. 3. 

38 Do iiiifur hcrre vfT crtrich \vandlcl foben 

XLVI) 4. 

^39 Slo[ihanus -nz vol gnaden, vnd flerki. 

Spricht fant Lucas. 5. 

40 Gol hat fi erwpllet. vnd für weit. 6. 

41 Ich waiff aiiien nienlfthen fjuicht faat 

Paulus. 7. 8. 

42 Rehliu hiht fol hau fiinfzehen ding 9. 

43 Der wiffag vfayas fprichet. Lieben tohlra 

von fyon (oben XLVII) 10. 

44 Div minne ift fprichet Profper alz mich 

dvnkel gvoter wille. H. 

45 Ünfer herre gefchvof den mentfchen dar 

zvo 12. 

46 Ich diene vor Gotte in der haiigen wo- 

nvng hailigcs lebeus 13. 

47 Alle die. die min gereut fiul. die fönt 

zvo mir koincn 14. 

48 Got hat gepflanzet ein paradyf der wolin ft 15. 

49 Das ift min gebot fpricht ünfer herre. dz 

ir cnander alle minnenl. 16. 

50 Ich fach ainen cngel fprichet fant lohans 

in Apocalypfi. 17(ob.LIII). 

51 ünfer herre lailet den rehtcn mentfchen 

dvrch den rehten weg. 18. 

52 Gottes Wille ift iuwer hailikait. fpricht 

fant Paulus. 19 (ob. LIV). 

53 Iberufaleni div da obnan Hl. 20. 

54 Sant Lucas lobet ünfer vrowen an fibcn 

fvnderlichen tvgcnden. 21. 



SGeorger HS. 



Mono 4, 3G6, 1. 

Mone 4, 366, 2—4. 

Mono 4, 366, 5—7. 

Mone 4, 367, 8. 9. 
Mone4,367, 10—12, 

Mone 4, 367, 13. 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XLII— LH. 



265 



anschaulich zu machen suchen; die diilte und die sechste Columne wh'd 
sich ein Leser in Karlsruhe und im Haag' ieichllich heiser ausfüllen, 
\Meiier HS. KL. Neuh. HS. Hanger HS. s. B. Bruclistücke. 



7. 



1. - 



13. 



13. 



4. 5' 



4. 5? 



6. 



24. 



24. 



— — .'203 b. cd. — 



17. 



Altd. Predigten. 



18 



266 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XLU— LH. 

^- l- SGeorger HS. 

55 Sunt LiicuB Iprichel in der ^vveltbutten 

bvoch vun üiilers lierren vinirl. 22. Mone 4, 367, 14. 365. 

56 Unfers lierren wort lol in \\ rem horlzen 

wüncn. (oben XI.YIII) 23. — 

57 liol lol künden an der Iclnitt den livlen. 24 (ol>. \\). — 

58 Peter minnelt dv iniili Iprach üiilfr 

herre zvo fant Peter. 25. Mone 3, 184. 

59 Der balmbOm hat fiben efte. 26(ob. LVI). Mone 4, 367, 15. 

60 Benyaiain ilt Gol aller liebft. 27. Mone 4, 367, 16. 

61 Man vint in allen landen vnder vrosven 
dehaintcboenifohernlobstobtrenwarent. 28. .\Iune 4, 368, 17. 

62 Do ünfer herre xe hynnl wollt' \aren. 29. 

63 l'nler vrowe gelicbet lieh aincr reb\n. 

(oben XLIX) 30. — 

64 Unter herre hat niiengen namcn die 

bezaichenlich fint. 31. — 

65 Herre wer sei wonen in diner iifallentz. 32. — 

66 Nivn l'vnderlich l'cliaden enipfahet div 

feie von täglichen l'ünden. 49. — 

67 Belibent in mir. lo blib ieh in ivch. 33. Mone 4, 368; 18. 

68 (Jnler vrowe -feliehet iich ainer frvht- 

baren rebvu. 34. — 

69 Min lip ill wider gebiveget Ipriehet 

üni'cr herre. 35. — 

70 lervfaleni fprichel ylayas der wifiage. 

vroBwe dich. 36. _ 

71 Svüchent iiiifer herreii l'prichet der 

willage. 37. - 

72 Do die Ivden hie vor zaigetenl eiigegen 

dem lande. 38 (ob. LVHj. — 

73 Die gaÜehlichen livt lunt glich lin 

aineni bivoinen an vier dingen. 39. — 

74 Lieben l'prichet l'ant lohannes. .M innen! 

Got. 40. - 

Ein Verralticr dieser Predigten (all»' »iu'gen sehr wold einen 
einzigen gehabt habenj tritt mit genanntem Namen nirgend herv|Ltt': 
es ist eine um so gru'lsere Übereilung Holfmanns, den Schreiber der 
Kloster-Neuburger Handsihritl vuii 1372, Peter wiw Trebensee, Ca 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XÜI— LH. 267 

Wiener US. Kl. Neub. HS. Haager HS. ;. li. Bruchsliidve. 

10. 10. - - - 

11. 11. - _ _ 



— Karlsruher. 

201 b. Ma» burger. 



15. 


15 


12. 


12 


26. 


— 


IR 


16 


17 


17 



IS. 18. -- - 33 a 

19. 19. - _ - 

20. 20. - 3. - 



4 



U. 14. - 

21. 21. - 

22 22. 21. 

9. 9. - 

23. 23. - 



8. - 



pellaa zu Zelking, für den Prediger selbst zu hallen, als die um zehn 
Jahr ältre Wienerische von dieser« Namen nicht.s weils, sondern da 
wieder nur ein anderer Sammler, Bruder Peter im Gamingerhof zu 
Wien, und ein andrer Schreiber, Johannes Haller, unterÄeichnet ist ; 



268 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XLH— LH. 

die Wiener Handschrift scheint sof»jir ilns Original der Klosler-Neu- 
bufoischen zu sein: in l)eiden ist die fünfte Predigl beim Zahlen 
übersprungen oder mit der vierten in eins gesehrieben; am Sehluls 
hat die erstere noch eine Predigt, die 26ste, mehr. Aber die Zeit 
der Abfafsung wird uns angedeutet: in Z 22 heilst es und ebenso 
in der HS. von S. Georgen (Mone 4, 3G5) Die engil feheiit in ze 
allen ziten gcluftecUch vh girlichc an. Dar an mrgen loir icol 
merken, de das ein wiinneclichis lieht mvoz [in. de man ze allen 
ziten girlich ane fiht. mit i'roiden ane rrdrrz. i:nd haut fi doch wol 
drivzehen hrndirt iar [in fchone menfrhcil an gefehcn. rnd fehenf 
in noch alfc girlich an. alfe der erften ftrnde da er ein gaff da 
was. Also um 1300. Mit noch genauerer Bestimmung A 55 7ne 
deYi drrzehen hindert jar rh drt jar. Mone wird eben irren wenn 
er seine Handschrift und sein Fragment ins dreizehnte Jahrhundert 
rückt. So beruht von 35 — 74 die Übereinstimmung zwischen A Z z B 
auf dem Grunde einer und derselben älteren Sauunliing; wenn .1 aufser- 
dem noch mit der einen oder andern der genannten Haudsclniften zu- 
sammentrifft CA 2 = XLII mit üs 19; ^ 3 mit Z 55. s 18 = XLI; 
^ 6 = XLllI mit J5 32 a = LXIV; A 24 Von den ht/mclfchen froiden 
mit Z 42; A 81 Von dez gaifchichen menlfchen ordnvnge mit z G: 
A 82 Von der volhonienhait dez lehens mit z 5^ und die vierte Predigt 
Von mwnger hande Regel unvollständig auch in einer Schlettstädtcr 
Handschrift steht (Haupts Zeitschrift 5. 421 — 423), so sind das ver- 
einzelte Fälle, die auch sonst schon (2 und 3 rühren ja von Berlhold 
her, und Z 55 ist von andrer epa'lerer Hand) aufserhalb jenes Be- 
reiches liegen. Die Übereinstimmung aber von A und Z, welcher 
Codex hier zunfechst in Betracht kommt, iai meistens der Art, dafs 
A die Predigten und Reden ins Kürzere zu redigitnc.n sucht, oft mit 
Glück, nu'tunter auch eben nicht zum Vorlheile des Originals ; immer 
jedoch hat A vor Z dio gra^ssere F'ehlerlosigkeil und eine mehr an- 
ziehende Sprache voraus. Ich glaube durch mein VerfahrcMi bt;i Be- 
nutzung beider Handschriften beiden ihr Recht gethan zu haben : voll- 
ständige Vergleichung des andern Textes gebe ich Jiur bei XI-Vll und 
I.VII, bei den übrigen nur vereinzelte und blols für Erhebliches. 
Schliefslich noch den Tlieil von A 4, der zur Vervollständigung jener 
Schlettstädtcr Predigt und ihres Abdruckes dient, 

iSi gunnenl iren pigenden iihch an hdbtfiindc. alles daz inen 
'Widervaren mag. Si rerfagenl inen iren miind. und erzaigent inen 
'unwerilich gebcerd. Bekoment fi inen undcrwi/ent fi werdent blaivh 
von zorne. irs hertzen. und als fi fich huetcnt vor hobt fünden. 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN XLII— LH. 269 

(lifo huetent fia [ich daz fi [ich och niemer uebctit in tilgenden, 
ipoti flu [ich in ain leben gefetzt haut, daz ift in ain gnuegen zuo 
dem hymelrich. und lihter locerc ain fünder ze bekeren. denn dis 
fiirbas ze bringenn. Swas fi tuont daz tnont fi mit murmeln und 
mit trcegi. wan inen ift fwcer älliu arbait. loie fi doch gefunden 5 
und vrifchen lip habent. Dife die gant in den wagen (9 c) weg. 
und muoffent lang umb gan. und manglent in diefem Übe des göt- 
lichcn troftes. den die durnähtigen hanf. Nach difem libe fo lident 
fi die langen und die ftrengen wiffe. doch koment fi ze iungst zuo 
dem himelriche. und cnphahent kleinen Ion. Si fitzent in den loin- 10 
kelern und enbiffent doch niemer des wities. daz fprichet. fi fint 
in dem gaifchlichen leben und gefmekent doch niemer gaiftliches 
troftes iht. § Es fint och fumlich die gant den engen ioeg. ir ift 
aber der minft tail. Daz fint die durnähtigen die fleh fere huetent 
vor allen fünden. und mit fliffe dar nach ftant wie fi koment ze 15 
volkomenhait der tugent. § Die vliehent lob und ere. und allen 
üppigen ruom. Si verfmahent fich felber. und gerent daz man fi 
verfmahe. Si huetent fich vor zorne. und vliffent fich fenftmuetkait- 
widervert es aber inen etwenn. fo illent fi daz fi fin ab koment mit 
bihte und mit gebet. (9 d) Die in übel tuont jtmd fi befwcerent. 20 
den tuont fi wol. und erzaigent in mit loorlen und loerchen. daz fi 
mit den ivcrchen der minne überwindent die untugent des haffes. 
Si vliehent guot effen. und trinken, und alles liplich gemach alfo 
verre fo fin ir krankait enberen mag. ican nieman fich felber ver- 
derben fol. Doch bedurfent wir dirr manung in difen ziten nit. 25 
won wir fint alle gnuog befchaiden. § Dirr weg ist fchleht und 
kiirtz. won die in mit fliffe gant. die koment Got in ainemjär nceher. 
denn die in dem witen weg gant in fünfzehen jaren. Och enphahet 
ir ainer me lönes denn iener fünfhundert. Und dis ift uns beioceri 
in der künig buoch bi kuzi und achymas die da liuffent zuo David. 30 
§ Nu fint driu ding, diu ierrent uns des engen weges. S Daz erft 
ift gebreft an der begerung. daz kumet von zwain dingen. Wir 
dunkent uns felben gnuo guot. (10 a) und habent lützel aht umb 
gaifchlig gäbe. Sant Gregorius fpricht. Diu funne fchinnet uff den 
blinden, und entliuhtet fin doch nit. alfo icerdent och dife Hut ent- 35 



1 in der Handschrift hvlent fv fich och nierh vbent 3 UM wäre in 

fcnd 14 fich fehlt. 23. 24 vn alles liplich ken. vn alles liplich — fo fi 

30 Reg. 2, 17. 35 enUvlct — enüvlel. das zweitemal mit nachgelragenem A 



270 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN MJI -LH. 

liukfpf. itit roll den yaifchlicfien diiiycn. die fi die t/iio/pu fehent 
hon. Iran es ifl ir [pol- .^ Paz- ander daz iins da ierref. da:> iff 
daZ' wir uns bekinnbevrenl mit uffren dinijen. und nieinev i/nfrr liertze 
irellent befelioiren. Da ron hefr/iihl ins als den fpil Hufen, die alheeij 
5 ///. fvömder herbei <j fint. und feiten da haim. Da ron ift fehad daz> 
man niuw lint fo fchier wider fettet ze uffren dingen. Da ron fi 
körnen fint. Sint fi bcez fi irerdenl norh bmfer. Man fall fi iorh 
län ain jar ir fünde wainen. daz fi doch hefnndent den frhaden 
der an den fänden lit. und irie iciderz(pme fi der feie, und (!oi fint. 

10,y Daz dritte daz Uns ierrei. daz iff. daz wir Unfern lip :,r lieb 
hanf. und wir in z-uo kainen dingen wellent twingen. daz im wider 
iff. Als uns nu difiu (\0 h) drin ding ierrcnt. als fint öch driu 
ding die Uns fürderrent. $ Daz erft ift daz wir begerung fönt han. 
Mäht du aber begerung nit hau. fo beger doch, daz du begerend 

15 werde ft. aber zwai ding fint die Uns die begerung enziindent. daz 
ift gottes wort, daz füget die begerung. daz gebet fterket fi. an 
gebet frhaffel nieman niut. oder lützel. § Daz ander ift daz der 
mentfrh alweg ftrite. alfo daz er alweg gefige. an dem tiufrl. unrt 
an fim riaifeh. und daz er allweg under gelige an der durlKplitung 

20 der mentfchen. S Daz dritte ift daz du din minne zieheft von allem 
dem daz under Got ift. wan du folt enkain ding minnen won fo 
verre es zuo Got geziehen mag. wan diu feie ift alfo grsehaffen. 
daz fi nit mag fin an minne. Swer nu fin minne an Got gefamnen 
fol. der fol tuon als man ainem böm tuol den man wil dnz- er uf 

2b warhfp. der böm wir fei uf daz fa/fe (10 c) ///. die frlioffling der 
denne den böm über triben wil. der muoff daz faff in den böm 
twingen. alfo daz er die efte alle umbe ab fchlahe. § Daz faff in 
dem böme ift diu minne diu in der fei iff. diu giuffef fich auo den 
ögen uf. alfo daz fi minnen wil fwaz frhcen ift ze fehenn. zuo den 

30 oren us. daz fi minnen wil waz luftig ift ze lirrrenn. zuo dem munde 
US. daz fi nieffen wil. fwaz fue/f iff ze effenn oder ze trinkenn zuo 
der Zungen us. weltlirhiu mrere. und üppig kofe ze fribenn. zuo der 
nafen us. fueffiu ding ze fmekenn. zuo den hrnden us. hndiu und 
fenftiu ding ze grifenn. zuo den fueffen us. üppig weg ze gcende. 

35 .f Swer dife efte mit vliffe ab fchlehl und fich ziuhet von allen den 
dingen die under Got fint. der twinget fin minne in fich. daz fi 



8 W» Fehll. 15 z\r(n (ih\g\ fwir dir 19 dvrntrfflvg; diu fehlt. 21.22 H'ö 
fo vil fo verre ex dkh :r (iol (jrfvrdcricrt mag. ndrr zirlini. 36 Hudcr\ inid'; 
fin fehlt. 



HANDSCHRIFTEN DER PREDIGTEN XLH— LVIII. 271 

muoff uf wachfen in Gut. da wcrdetit fi fehend Got mit eren. da 
wevdent fin bevindent Gottes fueffikait. da werdent fiu erkennent 
Gottes wifhait. (10 d) fi werdent innen braht aller der vrop.de fo 
ron Got in die fei fliuffet. fo fi und er mit rehter haimlichi ain 
diny mit enander werdent. und fi in ime ruowef. Dis ahtent nit 5 
tnl ainen enget ze fehenn. Balames efel fach och ain enget, und 
waz dar nach doch ain efel. Dis erdriufet denn des lebens. und 
totere in denn aller nützeft ze lebenne wan fo fi Got hie ie hoeher 
minnent und bekennent. fo fi in och her nach in den etoigen vroeden 
ie me minnend und bekennend werdent. .y Nu fprichet fant Bern- 10 
hart daz den unvolkomnen lugenden . gefperret wirt diu vroede des 
hymelriches. aber den volkomnen lugenden, wirt voUeklich gefchenket 
die trced des hymelriches. $ Dar nach wirt gefprochen von fant 
Stephan, obdormivit in domino. daz fprichet. Er entfchlief in Got. 
In Got entfchldfen. daz ift an wiffe ze hymelrich varen. daz fint. 15 
die alle ir minne von allen dingen gezogen hant. Die (H 8) «6ß'' 
minnent zerganklich ding me denn Got liep fi. die varent fchleht- 
klich in die wiffe. Die aber minnent diu ding, diu wider Gottes 
gebot fint. die varent fchlehtes in die helle. Da vor uns Got 6e- 
hueten mueffi. Amen. 20 

LIII- LVIII. 92—95. 
Handschrift der Wafserkirche in Zürich C ''^jim, bei uns mit Z 
bezftichnet; Pergament, Kleinfolio oder Hochquart, 194 Blatter ?r)it je 
zwei Spalten auf der Seite. Drei Hände des vierzehnten Jahrhunderts. 
Eine bis 165 d, wohinter ein Blatt ausgerifsen, so dafs die letzte 
Nummer 54 unvollständig: von dieser Hand unsre Predigten XL VI — 
XLIX und LIII — LVIII, so wie das alterthtimliche Lehrgedicht in Haupts 
und Hoffmanns Altd. Bl. 1, 343—347, in der HS. Nr. 51. Bl. 147 d 
— 148 c*), das Stück von den neun Herzen Nr. 52. Bl. 149 a. b in 
Haupts Zeitöchr. 2,541 und die Beschreibung der Gestalt Christi Nr. 
53. Bl. 160 c— 161 a**) gleichfalls be? Haupt 4, 574 fg. Dann die 
zwf^itf Hand 166 a bis 187 d, Nr. 55 bis 62; das letzte Stück wiederum 
nicht ganz, da hier zwei Blätter weggeschnitten : in diesem Theile der 



1 (h. fi tidetH feilend 3 crodcn 8 tvnn fi Got 

'■') Altd. B!. 344, 4 v. n. libe ist, ein Driu-Itverselien statt liebe: ebenso dort und 
weiterhin nietirniats das itlcine V vor eingel<lannnertein so: es ist überall zu 
streichen. 
■ ■) nach dem untergeschobnen Briete des Publius Lentnlus. Anfser der Hand- 
schrill B 287 a. b hat diese Beschreibung auch z 48. Bl. 115 b. 116 a. 



272 HANDSCHRIFTEN DER TREDKiTEN Llll— LXIII. 

Jlaiulschiifl unsie Pietligl XLl und die Gebete 92 — 95. Die drille 
Hiind endlich, die auch ersl dem 15. Jahrh. angehören könnte, hal 
nur von Bl. 188 a bis 194 b die letzte Nummer, den Traclat Von Itcin 
fclphartcs reget p-eschrieben , woraus ein Absclinitt im Altd. Lescb. 
901 - 906. Von eben dieser dritten Hand auf Bl. 194 b die Inschrift 
Dif hüch ift fwcfter eilz-cn tröfchin ze adeinhufen. rh fol niemer 
hinnan kamen. Von einer andern auf dem ersten leeren Vorsatzblatte 
diß b fielt ift des Clofters adlenhtifen, und viederum von andrer auf 
dem zweiten § Difz> hfich ift des clofters ze adlcnhiifen. Addiiausen. 
auch ^zu l'nsrer Lieben Frauen auf der Pfütze" genannt, war ein 
Frauenkloster Benedictinerordens bei Pi'eiburg im Breisgau ; jezt liegen 
seine Gebäulichkciten in den Mauern der Stadt. Wie die Besprechung 
der vorigen Handschrift zeigt, hal Z mit derselben den Mehrtheil ihrer 
Stücke gemein; die übrigen alle sind gleicher oder ahnlicher Art, 
Predigten, Gebete, Tractate, erbauliche Notizen und, wie bereits be- 
merkt, ein kleineres geistliches Lehrgedicht. Der in den Gebeten vor- 
kommende Diphthong tii oder ri für w oder iie wird vom Schreiber 
mit ü V ausgedrückt; ebenso oi für ö oder oe mit 6. 

LIX. 

Die oben S. 259 fgg. schon besprochene Zürcher Papierhandschrifl. 

LX— LXin. 

Pergnmenlhandschrift von 381 Blättern und 32 schon vom alten 
Miniator gezählten Lagen in kleinem Formal, friiherhin der Carthüfer 
zfi Bafel und von ihnen mit C. xxvj. Berirhtung z-iim weg der rol- 
komenheAt, jezt der Basler Universita^tsbibliotlnU und hier nut R XT. 
10, von uns in der Vergleichung mit b bezeichnet. Bis 376 a von 
einer und derselben Hand des vierzehnten Jahrhunderts. Bl. 1 a die 
Überschrift Hie r alten t an die geminten predien der hohen lerer der 
kriftenheit und gleichsam als Einleitung dazu Folgendes. 

Die meifter fprechent von dem ewigen icortc Gol gefprach nie kein 
icort nie danne eins Vnd das felbe das ift noch vngefprochcn das 
fol man affo rerftan Das eioige wort ift das ivort des vatter vnd 
ift fin eingebor n ftm linfer herre ihefus ehriftus In dem hart er 
5 gefprochen alle crealnren avne anevang vnd ane ende Da irirt hc- 
weret das das wort noch vngeborn ift ivand es vs dem vatter nie 
bekan Das wort (1 b) fön irir rerftan invierhande wife § Das 
crfte ift vff dem allar zwifchent des priefters henden Da fönt wir 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN LX— LXIII. 273 

das ewig loort bekennen vnd minnen Als wir indem ewigen worte 
dez himelfchen vatter erfchinen fönt Zno dem ander male fönt icir 
bekennen das ewige war das da fliufet von dem meifter rff dem 
fluole Wir fönt ez nemen infiner eigenfchaft Als das waffer ßiufet 
dar den kener alfo fUnfet das (2 a) ewig wort dur den meifter wir 5 
fonl nicht anfehen ob der meifter ftat inkeinen gebreften wir fönt 
das ewig wort anfehen infime wefende als es ewekliche geßoffen ift 
rff dem gründe fin felbes ^' Zuo dem dritte male fön wir das ewig 
wort verftan an allen den friunden ünfcrs herren die dem ewigen 
wort gefolget habent vnd das bewwrt ift indem ewigen lebende 10 
§ Vnd och die die im nach volgant Inder zit (2 b) das finl alle die 
da ftent mit lebenne in ünferem herren ihefu chriflo S ■^wo dem 
vierden male fön wir verftan das ewig icort das da wirt gefprochen 
in die bioffen feie von der bioffen gotheit das ift vnwortlich ivan 
diu feie enkan fin nit geworten Ir fönt wüffen das das ewig wort 15 
fich felber gebirt indie feie fich felb felber vnd niul minrc funder 
vnderlas Wüffenl das diu feie das ewig wort bas bekennet denn 
alle (3 a) meifter geworten künnen S Was man geioorten mag das 
ift al ze kleine da von hat fi das ewig wort bi einer ftunde ver- 
richtet S Hie fprechent die meifter das wir billich fönt ilen zuo 20 
der fchuole da der heiig geift meifter ift Wiffent loa er fchiiol- 
meifter fin fol da toil er die ftudenten wol bereitet vinden das fi 
fin edel ler icol verftan miigent diu vff des vatters hertzen ßiufet 
Nu haut diu feie üb fi icil den vatter vnd den fun vnd den (3 b) 
heiigen geift da ßiuffet fi indie enikeit da wirt ir geoffenbaret blas 25 
inblos das fprichet ünfer meifter Das nieman hie zuo kumcn mag 
die will er von nideren dingen als vil anhaftunge hat als ain nadelen 
fpitz getragen mag In die bioffen gotheit mag nieman kamen er en 
fi denne niuman als blos als er ivas do er vß'er gotte geßoefit ward 
Hie fprechent die meifter vnd gent uns einen ivifen rat Das loir ^0 
got fin ere (4 a) laffen vnd enphahen von im alliu ding funder 
mittel vnd niut von den creaturen alfo laffen wir got fin ere vnd 
laffent in würken fwie er toil vnd fwenne er wil vnd fön wir fin 



7 die Handschrift tfinnc 14. 15 wan feie cnhani, h in k g^cbcfsert. Ir fönt] 
von hier an auch in B (s. zu LXIV) 256 1> 16 fich feil) felber fehlt B, 

19 fich h, 19. 20 berichlet B. 21 meifter] lefmcifler B. fin fol] ifl vTi 
fin fei. h. 25 da — enikeU fehlt B. 26 Hcrzuo fprechent die meifter B. 
27 naledelen b. 29 niuman felili B. vs got flösse B. 30 fprachenl b. 
31 von] wir b. 32 mitter b. von crealure B. 



274 HAxN[)S(."HKlFT DER PREHIGTEN LX - LXIII. 

tidifj nifl blas § irand wir fön das hrkennen Pns (jnl fttot nlUn 
ding rmh das hr/'fr Hie fon trir doch f/otle helfen fin ere hehallen 
als verre es an lins ift .$" Ein nirif/rr fprichef das ein kting nivl 
vil achtet rf die knechte die im irärkent nidriv (4 h) fcerch mer 
5 er achtet der die da fint infiuer heimlicher kameren Vnd fünf den 
alzemale iren willen § Alfns tnol gol mit finen rfferwelten frinnden 
die da fint infiner rcrhonjenen heimliheit den rcrfct {/nf enhciner 
belle Die nieifler fprcchenf das ril Unten zehimelrich körnen die 
f/ötlicher hemlicheit nicht nie enbruchent rf erfrich denne als einer 
10 der Hechten funnen in einem vinfleren walde her mibe fön wir 
bereen rf das aller hrehcfte vnd (5 n) das roibringen mit lebende 
vnd mit groffem willen 

Ditraiif vier Piedisjli'ii von Brfider Egharf. Bl. 44 a Hie valient 
an die ewangelien die man lifel von dem heiligen abenf zewich- 
nechten rntz ze öfteren; bis 112 a. Von ebenda an liis BI. 191 a 
eine nene Predigtreihe, vier von Briider Eghart (daraus nnsre LXste 
und LXIsle), eine ttbersehrieben Der von Egwin, zwei Der von f lernen 
gaffen (LXII), eine Briider franke von kolne ; dazwisehen anrh Aus- 
zujje Von der minnendc Sele, Wz du feie haben fol, und nnüber- 
sehriebne. Bl. 191 a bis 230 b nur Auszüge und kleinere Tractate, 
meist rubrieiert Ein frage oder Es ist ein frage. Danii wieder 
Predigten: Der kraft ron Boyberg, Der von fternengaffen hat die*) 
geprediet (LXIll), noch eine dessell)en Verfalsers und eine von Brnoder 
Eghart; bis 264 b. Nun wieder Auszüge und Traetate; darunter 
aiuh folgender 

Von den »wein lplM»n ninrlh^n vnd Ularlen 

JLjTlich prnofent alfo rf;. märten leben beffer fi vnd nutzer fi denne 
marien leben Dz- iß aller beft dz fich aller meift gemeinet dz ift 
15 war Nu mcrkent alle ding fin rfdkomener in iren erflen fachen als 
da vor bewifet ift Da ron ift alles gnot gevicnlich rnd alirmal 
inder (342 a) erftcn fa<hc die gol fclbcr ift Der fich dcnnr zun 
got aller meift fiinder mittel fnoget der gemeint fich aller meift 
Dz werch ift ovch aller edeleft des obiecht oder des gegenivurf 

1 tnd blns t.-hll IV hfknnir„\ viflm B. 2 fin] fi h. 'i ifl] fiel B. 

4 irrrrhl ding H. 5 laiel i». flif] dir U. kamrr i» fim hrimlirhfn raHr l^. 

6 gol finen Hiplien ftiunden R. fn'imlr li. 8 hrllr] bis hioher B. 11 »f ri' nW 

'■) napinlich predie: vgl. Hie Ausliilsunji von rhnnxnn Alifi. l.ieder S. 191. 
15 iniren] die llHiuisclirifl i ren 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN LX— LXIII. 275 

aller edeleft iß vncl vnnennittelt Muvlcii wcrc/i fint all vermittelt 
Der würket ovck aller beft der golies willen wartet aller meift Vnd 
dem ift gehorfam nnd vndertenig ineime lidenne des gbtlirheu Werkes 
Swie der menfche cf der (342 b) zit fi ane alles wiirken Doch wirf 
da me goties lob fürbracht denne in allen den werken diu all die 5 
hriftanheit mag gewürken fo tnl got hoher ift und edeler denne die 
creaturc fo ril ift dz, götiich werch edeler deune der crealure Diu 
warheit hat felber aller meift gelobt cnd bewifet der fchorwenden 
leben Er fprach zno Märten da fi klagte ron irre fwefter marien 
dz fi fi lies allein dienen (343 a) Maria marta du bift forgrnltig 10 
imd betruebet in manigraltikeit mer eins ift not Maria hell erkorn 
den aller heften teil Er bewifet es ovch do er fprach Veri adora- 
fores adorahunt patrem infpiritn et reritate Die waren an bclfer 
die fuln den ratter an betten im geifte rnd in der warheit Da ron 
muos gefcheiden fin elliu manigraltikeit indie einikeit bloffer war- 15 
heit Die menfcheit ünfers herren diu (343 b) wart na funderlicher 
warheit von gegenwirlikeit ab gefcheiden Dz- bewifet occh dz ewan- 
gelium Do iinfer herre fprach zno finen lungeren Expedit vobis vt 
ego cadam nifi enim ab iero paraclitus non reniet fpiritus veritatis 
S Es ift irch nütze das ich ron ivch ge Ift dz ich nit von irch 20 
ge entriuwen fo kumet niut der gölHch trrefter der geifl der war- 
heit den der vatter in minem namen fendef Swer den fun dz ewig 
wort (344 a) rinden wil der muos in vinden indem ratter in eini- 
keit der gotheil Ihefns dz ewig icort fprach Ego et pater vnnm 
fumus Ich vnd der vater fin ein Er fprach orch zuo philippo Non 25 
credis quia ego in patre et pater in me eft § Gelovbft du niut 
Wan ich in dem vater bin vnd der vater ift in mir Er fprach Uns 
ovch ein trceftlich wort zuo finem vater von finen iungeren Vater 
als du mich fantoft indie ivelt fo fend ich fi indic weit Vnd (344 b) 
ich machen mich heilig rmbe fin dz ovch fi geheiligot werden inder 30 
warheit Mer niut vmbe fi bitte ich alleine mer vmbe die wele ge- 
lovbig fin an mich dur ir wort dz fi alle ein fin als du vater in 
mir vnd ich in dir dz ovch fi in uns ein fin Do ihefus imfer herre 
gienge zuo Marien magdalenen do bekan ime engegen ir fwefter 
martha Do fragte ünfer herre zehant tva maria were tvan fi ivz 35 



2 der] des 5 lob 7 der\ die 8 gelobt 10 Luc. 10, 41. 42. 

12 och, doch do Ev. Joh. 4, 23. 16 u'irl 17 ron] vn 18 Ev. Job. 

16, 7. 19 ceiat—mU ze 24. 25 Ev. Joh. 10, 30. 14, 11. 28 Ev. Joh. 

17, 18-22. 35 Ev. Joh. 11, 28. 



276 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN LX— LXlIl. 

fiu gefpunl(ßA5 »)ze er kau nit mit Marlhen fponzicrcu noch denne 
fo diente fi inie /lifzeklicfi rnd mit (/rof/'cm ernftc orrh wz- es ime 
geneme doch wz- ir dicnft aller vermittelt vnd rfferlich inmanigvalti- 
keit Dz aller minfte gei flieh rnd innerlich wcrch ift vor got grof/'er 
5 denne das aller grcsfte loerch dz gotles marlerer ton rffen ie ge- 
litten Do ihefiis zuo Marien kam do fas fi zehant zuo finen fueffen 
rnd horte da diu wort (345 b) des ewigen Wortes Do kam Martha 
rnd klagte über marien ir fwcfter Dis wz bi den zitten iinfers 
horren und gefchit noch dike dz die die tnarten leben hant dike 

10 klagent und redent von dien die da ftent nach marien leben Wz 
lel Maria fi fweig wan fi tcz fo eil mit der minne bekümhert dz 
fi niut enachte do fi fweig do antwürt ir gefpiuitze ihefus für fi 
Swer noch behalten teil dz fchorwende leben der (346 a) mtios 
fwigen behalten So ift ihefus der fürfpreche alle zit Vnd an allen 

Ib ftetlen. 

So bis 376 a, wo die Schlufsimterschrift Swer niut fcriben kan der 
enwent nit dz es kein arbeit fi Drie ringer fcribent aber doch der 
lip arbeil mit an ander. '"') Auf tlen jezt iiodi iibiiffon BUitti-rii von 
anderer Hand allerlei Kleinigkeiten durch einander. So 377 a 

dis rillt die «vü» heiüKeit 

torß'e. firmrng. rivive bihte vnd bvoffe. der heilig fron lichamen 

ünfers hcrren. priefterlich ambacht. die heilige .e. der icngfte torf. 

di») lliit die .vii. tot ftiiid 

20 Hoffart. gittikeit. vnkivfchikeit. zorn. frafheit. nid rnd haffc. trakeit 
an gottes dienfl 

(377 b) dis Hut die .viiii. Tröindeii rüiid 
der do hcifct. ratet, gehillet. teilhaftig ift. bcfchirmet. lobet, fwigct. 
verhenget. vnd der onch belivmdet den andern, die begand fi'ömd 

25 fünde. 

clis fiiit die »v. fiiiiie 

geficht, gehoerde. gefniak. vcrfcochcn in dem mvndc. vnd berverde. 

iUs flnf .vii. galten des lieili(>eii sieiftes 

gotlich furcht, göltich miltekeit. götlich krnft. gütlich rat. gütlich 
'SO flerki. götlich wifheit. götlich verftentniffe. 

2 diene 6 fi'iffen VI fnr 14 fürfpreche 

*) Erneuerung nntl Vcrdcnlsclmnfj einer laleinisclien, die aiidcrweitiff nnd schon 
sehr friili l)e};e|?nci : (>H( nescil scrihcre »nn putal r.fsf lahnrnn. trcs enim 
di(fili sriilmni, tnlnm corinis lahoral SGiillisrlie IIS. der Kiirolinft-rzoit, Arx 
Gesch. V. .SGiillen 1, 187. vgl. die Wicncri.H-hcn des 15 Jahrh. in Iloirmanns 
Verzeichniss 151. 268. 



HANDSCHRIFTEN DER PREDIGTEN LXIII— LXVII. 277 

dis rillt (§78 a) die »vi. werk der erbarinlierzkeit 

Spifen t renken, kleiden die armen, her bergen die eilenden, gefehen 
die fiechen. trceflen die gegangenen, vnd begraben die toten 

•dis finf die .viii. Telikeit 
armvot des geifies. fenf'tmretkeit. iceinen, erbarmherzkeit. [in Iwngrig 5 
vnd tcrfiig nach gerechtikeit. eins reines herzen fin. fridfam fin. 
liden vmb gerechtikeit. 0. iefcs lieber herre min. diu eigen wil ich 
iemer fin. vnd rellet anders ict dar in. das iß nict des willen min. 
bit got für mich 

Ein auf der nfechsteu Seite folgendes Excerpt hat die Überschrift 
dis ift von dem von Wifenbfrg. Beide Schreiber üben aucli die 
Barbarei solcher Worttheiliiugen wie oben auf S. 258 ervvidnit worden, 
z. B. ande\rs wi\rt manigcaltikei\t fr\agte. 

LXIII. 

Die verglichene Handschrill E ist Nr. 278 des Klosters Einsiedeln, 
Pergament, Quart, 14. Jahrb., woraus mir Pfeiffer eine Abschrift dieser 
und aucli der vorangehenden Predigt Er. Johanns von Slerngafsen 
mitgetheilt hat. LXIII steht da von S. 188 a bis 190 b, LXII 293 a 
— 297 b und noch einmal 305 b — 310 a. 

LXIV— LXVH. 96. 97. 
Unsre Handschrift B, vormals der Karthäuser zu Basel (auf dem 
Vorsatzblatte über Carthufz bafz Ti. das buch der götlichen troftung 
C .xiiij^), jezt B IX. 15 der Universilaetsbibliothek; Pergament, klein 
Oiiart, 287 Blatter zu vier Spalten, bis auf die letzten anderthalb 
Spalten von derfelben Hand des vierzehnten Jahrhunderts und mit 
Zierlichkeit, ja mit Aufwände geschrieben: selbst die gehäuften und 
oft etwas willkih-lichen Abkürzungen '") machen, wie sie gehandhabt 
sind, einen kalligraphischen Eindruck; s für f im Beginn der Worte 
und der Silben gebeert wirklich der Schoenschrift an. """") Die Be- 
nutzung des reichen Inhaltes wird jedoch dadurch erschAvert, dafs die 
Handschrift verbunden ist. Den Anfang macht, wie die Karthäuser 
aus Irrlhum oder um der Kürze willen die ganze Sammlung betitelt 
haben, ein Buch der göttlichen Troeslung. 

•■) z. B. mich dich [ich iu m U s, mir dir in m lä, mit nil in in n, fprichel 

. j" ./JP2, hat in /iz, friheil udgl. in frihz^^vnt, in v; inenfche wird auch hier 

(s.. oben S. 262) in M oder m algekiirzt, der Umlaut langer nnd icurzer o 

meist ce, statt w nicht selten ganz alterthüiiilich noch uu gescinieben. 

■"") wie auch unser Schlufs-s ursprünglich nur eine ausschmückende Vertauschung 

ist gleich der des n am Schlul'se gegen n. 



278 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN LXIV— L.WII. 

KfiicdU'liis «l(>U8 et i»al<'i* doiiiiiii iioflri Ihiis (so) 
erirti. \'. ca. 

Der. edel. LEBEH. SÄNCTVS. PÄVLVS. der spricht Dlfia 
wort alfo itifiiier cpiffel Ge/'egenet si gol nid der ratler rnfers herren 
ihefit rhrifti ein uatter der barmhercikeit vnt yot alles troftes der 
ms Irceftel iiiallem rnferin betrueptnuffe. Nu ift drierleije hetrueptuü» 
5 de den nienfchen anuallet vnt trenget in difem eilende. Eines ift an 
dem fchaden ufferliches gitotes. De ander ift anfinen liebften 
frianden. De tritt e ift an im felben an fmac/ieil an vngemach rnt 
an fmerren des Ups rnt an leit des hercen 
tlervmb so han ich willen an difem buovh celeren etliche lere inder 

\0 /ich der menfche trosften mag inallem finem vngemach Betrueptnüs 
rnd leide. Vnt (1 b) hat man etliche toarheit dar rs rnd du von 
genomen wirf de den menfrhen billivhen rnt gentz-eclirhen getrieften 
mag inallcni finem leide. Dar nach rindet man bi .xxx. fachen 
vnt lere inder ieclicher alleine fich der menfche nv>l gelru'flen mag. rnd 

15 darnach rindet man indem tritt teile des bnoches bilde rnt lere anworten 
rnt werken die wife Hute hant getan vnt gefprochen Alf sin warent inleide 
In» besten und gewandleslen Stile der altdeutschen Mystik und Aücetik; 
auf den Verfalsor luhreii vielleicht die Worte ouch han ich etwenne 
ein offen gelichnüs gefprochen. So ein meifter bilde machet von holtz 
(26 a) ifder von fteine er treit de bilde nit in de holtze mer er 
fchnidet abe die fpene die de bilde uer borgen vnt bedecket hatten, 
er git dem holtze nit er benimet ime vnt grebet us die dicke vnt 
nimet abe den roft rnt denne so glentzet de dar vnder uerborgen 
WC. Dis ift der fchatze der uerborgen lil indem acker alf rnfer 
herre fpridiel indem eirangelio. Bl. 29 a Eexplicit liber benedictns 
wie der MiiiiiiUtr mit Uiukl)«*zieluini; auf siMue L'hersthrirt sich uusdrückl. 
K(»l^t eine Reihe erbaulicher Sentenzen und Anecdolen, Pn'iliotauszüye 
und Pn-diüleu: (huunlcr unsre LXIN sie. \\elche \sie ölten S. 263.268 
öchuu criuiierl worden sli'llcnweis luil XLIU ;Und XLiX sich beridnt. ^-j 

2 'Cor. 2, 1, y. 4. 11 yii \()m iMiniiilor Am In geJjelÄthff, 

') LXIV. 69-75 kommen iiiuh (es sind helielile Worte gewesen) iim Sehlufse 
von Z 28. Ä 61 vor; so in Z : alfo fptichil cnlir licne. Ich inde div feie 
Jen eilte u'onmye inil ein undir tiau. Denni' fpricliit dir feli'. Nt' luib ivit 
in eryiilfen. icti eniril in nionir me verlazen fo liel fi in ergriffen, alfe fi 
Ipiictiil in Cime tttioch^ Ich han min tiep ihefum sprißum gecmigen cnd 
hun in geleil in mine feie nid ich triige min czzer tceltis liep de obcrefle 
yiiot ender iiiinen biüftcn ulfe ein iitivre bürdeli {yebündelin A). da ift 
yecuegit dr biyc ze dem honiyv. dir yfopit zro dem bulfimnii. die iialdeyül zco 
Uri liUi pUen. dir hir; .e dem eiecycn brennen, dei jlerne ze dein liehlni leimen 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN LXIV—LXVH. 279 

Bl. 51 c Hie beginnet von der hieligen (so) altuelter lere: Sprüche 
der s. g. Allvater und kurze Erzählungen von ihnen, beide ausgezogen 
aus den Vitis patrum oder einer Verdeutschung- derselben (vgl. die 
Alld. HSS. d. Basler Univ. Bibl. S. 57. 58 und Karl Roths Dichtungen 
d. deutschen Mittelalters S. 39. 58); Bl. 142 d Ein ende der ueter 
lere. Nun wieder eine bunt gemischte Reihe gleich jener ersten, unter- 
brochen von einem groprseren Werke lelnhafler Art, dessen Anfang 
beim Binden auf Bl. 197 b .geralhen ist: Hie nahet an ein buechlin 
de heiffet ein fumma der lugenden vnt man vindet in ime gefchriban 
volkomenheit aller tilgenden in den man fich gote nehel vnt den 
nitugenden verret vnt wanne diu miune iß ein übergülle rolkomenheit 
aller tugenden da von so si de beginne von der minne vnt dar na 
non den andern allen als (197 c) hie underscheiden iß u. s. f. Ein 
vielgeleeeues vielgebrauchtes Buch : Stücke daraus sind auch in der 
Seele Spiegel übergegangen (Mones Anzeiger 4, 370, 41. 42); andere 
fmden sich in s (36. Bl. 80 a — 81a), besonders zahlreich aber in 
der Basler Papierhandschritl 0. I. 19, einer Sannnlung, die mit B 
gleichzeitig und ihr überhaupt ganz ahnlich, nur weniger umfafsend 
ist, und in allem (jleuuiinsamen so bis auf den Buchstaben zu ihr stimmt, 
dafs wo nicht aus B, dann beide aus der gleichen Urschrift müfsen 
geschöpft sein; das Buch dtr göttlichen Trcestung fehlt in 0. Aus der 
Sununa der Tugenden zur Probe ein Abschnitt der theilweis auch in 
enthalten. 

Von friheit 

rriheit uuar vnt uolkomen ift de man vngebvnden si von fanden 
wanne ß werlichen die sele bindenl alf künig salomon ßhribet vnt 
machent den menfchen eigen alf vnfer herre ihefus chrißus fprichet 
wer fünde tuot der ift der fünden eigen alf ein wifer meißer 
anfhelnms fprichet. Sünde tuon ift kein friheit noch ein ßükke der 5 
friheit funder es ift ein fncede eigenfchaft. Von dirre (148 a) 
eigenschaft enmag nieman frie werden alf er felben fprach er tief et 
iuch der sunc so werdent ir iverlichen fri 

(jeuuar friheif hat der iiienfche der nit begriffen ift mit begirden 
uueltlicher habe noch mit lobe noch mit gunfte der Hüten noch mit IQ 
eigener ere noch mit liplicher f rinnt fchaft noch mit knechtlicher 
vorchte noch mit uuollvft nueltlicher oder zergangclicher froeden 



2 ProverL, 5 L^2. Il macliU d. h. machet B. 4 Ev. Joli. 8, 34, 7 Ev. Joli 
8, 36. 



280 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN LXIV- LXVH. 

£j\n) der minne nuarer frihcil sol nns bringen (jötlichc ordenunge div 
dem menfvlien zun eint 7irkünde der friheit rjeijrhen hat frien iiuillen 
vnt den menfchen daran im felhen aller gehcheß gemachel hat de in 
nieman hetwingen mag alf auch got nieman hetu-ingen mag. von dirre 
5 friheit fprichet got felhen. nh fetzen dir für icaffer rnt /iur griffe in 
welkes du uuelles. vor dem menfchen fo ftet übel inl guot tot vnt leben 
vnt uuelhes er hegert de icirt im 

J±.her ZUG uuarer friheit kumet der menfche ane zuuivel der mit den 
gütlichen geholten vnt mit ratt vnt mit finen gelüpten die er (148 b) 

10 got gelobt hat ane vnderlas sin herce vnt sin gemuete bindet zuo gotte. 
de er alfo niemer von got kere. der fin finne vnt fin herze entziuhet 
von luftlichen dingen der fin lidmaffe mit keiner itelkeit noch mit 
vnnützen dingen vnt nuerken hekümpert der de ioch der gehorfamkeit 
von herzen minnet der mit allem flis darnach ftet wie er got alleine 

15 uuolbehage vnt einer ieclicher tilgende nach gat tif de aller hcechfte 
vnt zuo dem aller meiften zelobe vnt zeeren dem geminnoten rnferm 
lieben herti ihefu chrifto. vnt ie me der menfche an difen tagenden lept 
ie frier er uirt vnt so dem menfchen ie lieber ift zuo difen dingen so 
er ie fchierer geuuar friheit geuuinnet vnt ie me er dar an uuachfet 

20 vnt würtzelet ie gelichcr er finem erften adel lebet, wer aber frilichen 
lebet in dirre uuelt nach finem uuillen so er meift mag der uuirt 
gevangen 7nit mangen ftricken dez tiuuels. vnt so er aller frieft fchinet 
so ift er aller meift eigen (148 c) 

Urkunde der friheit hat der menfche der nit der dingen hegeret die 
25 in gentzeclichen von got vnt von finer heimlicheit funderent vnt uerrent 
alf diu meifterfchafl in bekü)nbert vnt forge V7nb uueltliche habe groffen 
jliffe vmb uueltlich vnt lipliche gemach vnt itelkeit des hercen vnt der 
fitte ift bekümerniis an mangerlei gefchefte der Hüten wiffentheit ent- 
fchuldigunge vnt minren eigen gepreftcn Offenbarung vnt bewifunge 
30 ander Unten gepreften 

lidin ander Urkunde uuarer friheit hat der menfche der ficherh^it hat 
an dem hercen de im golt alle sin fände habe ucrgeben vnt die pine 
der fcliulde. Die ficherheit kämet von innilieit dez hercen. wami^ diu 
hitze gütlicher minne gat vmb in dem liercen alf de fiure iii dem uuindc. 

35 vnt machet in der innikeit vnt in der hitze des gebettes dem rnenfchcn 
uuare friheit vnt trofte der do vor wc kalte vnt bleiche. Dir (148 d) 

"'' hitze uerdilget beidiu hitz der begirde füntlicher flecken vnt buoffe an 
dem hercen alf de fiur ucrhrennet den roft von dem ysen 
Urkündfi der eigenfchaft rnt gevanchniis hat der menfche der do haffet 

40 de ioch der gehorfamkeit der do nit ucrguot hat die minnclich bere- 



5 Ecdesi.-islic. 15, 17. 25 in\ im li. 20 in\ ifl 15. 39 von hier an 25b. c. 



HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN LXlV-LXVil. 2S1 

fjmnge cnt die lieplicke wanmnge fines ebcnmenfchen der do ßeteclichen 
gnfyranunel vnl trachtet vmb räche fines widermuetes Der uuoUufte 
enpfahct von lohe von meifterlirher kunfl vnl ividerntuot von hetrurpiiüs. 
Dem do ivol ift ziio den dingen de ivider got ifl vnt wider sin eigen 
uuiffen vnd ivider sin nieifterfchaft. den do lüftet renemen oder cegebenne 5 
cleinceder. vnt zefehenne oder zehaeren der niinne hriefe vnt die liep- 
liehen mit luft enpfahen. Der aller engfte ftriche des tiuuels de ift 
rleinoede tut minne hriefe gern fenden vnt enpfahen Aber st heiffent 
nit minne hriefe si heiffent vil nie des tiimeJs' holten, loanne hie von 
fprichet ein wifer man cleina'der (149 a) nemen ift friheif uerkouffen 10 
rnd der guot iob fprichet de für fol freffen der Unten uuommge die 
do geren cleina'der nement de ift de [iure der falfehen minne vnt' der 
minne volget eigen fehaft vnt de bant der geuancnliffe. aber von dem 
der do gern cteinna'der git fprichet kiinig salomon in fineni buoche 
Der do gaben git der eruuirbet itel ere ml nuirdekeit do von vnt nimel 15 
den ir feie die die gäbe enpfahent. Ein iectiches äirre.fachen benimet 
dem menfchen fin friheit von dem herzen vnt bringet in in iemerliche 
eigenschaft der geuancnüffe. wanne welher menfchc mit keiner dirre 
fachen begriffe?! ift der mag fin herce nit gemueffigen zuo goites be- 
kanlnüt noch gebrachen der heimUcheit noch der einunge mit friheit 20 
fines hercen. leantie teer si begriffen fol vnt fielt gentzeclichen uereinen 
mit dem frien vnt vngeuangenen vnt vnferbundenen gölte der bedarf 
wol eins frien vngebundenen herzen wanne gol wil Iian ein fries 
(149 b) vngebunden vnt vngeuangen herce 

Unter dio A\ie(leruiH folgenden kleineren Stücke, meist Sentenzen von 
Kirehenva?leni, von Theologen des Mittelalters (daran;» im Altd. Lese- 
bneli 8S9--892 die Sprüclie i - vii, nnd das Gespraecli zwiselieu Br. 
Bertliold und Albert dem Groisen in Haupts Zeitsclir. 4, 575 [^~) '■•) 
und von Philosophen des heidnischen Alterlhvnnes, sind auch einife ,-_ 
von groefserem l^mfang und andrer Art eingeschaltet : so die Predigten 
oder Predigtauszüge LXV— LXVIL die Gebete 96 vm(\ 97 (ersiere^ 
auch in 38 c. d). ein Gedicht Bl. 191 d— 192 c Gol ift ein wefen 
de ie WC ein Hechle des fchine noch nie erlafch u. s. f. Den Schlul's 
der Sammlung aber macht nach einer Aufzähluno; der Wunder die in 



11 tot) 15, 34. 13 dem] den B. 0. 14 Prov. 22, 9. 

'■) Exccrptb (lieser Art in denen B mit b znsiinnncntrifrt finden sicli aul'ser licni 
oben S. 273 verglichenen Slüclie nocii luif Bl. 256 d. 2571). 260 a: das erste 
aus einer Predigt Br. Ecliards b 25 b, das zweite aus einer Predigt dts von 
Slernengafseii b 177 a, das dritte aus einer Abhandlung Von dem bekanl- 
nUffe b 226 a. Ji nennt auch die beiden ersSen Male den Autor des Sprnclies 
nicht : sie sagt nur Dev meifter. Wir koninien in der naechsten A!)handl!iiig 
auf die^e Spruchexcerpte zurück. 
Altd. Predigten. 19 



282 HANDSCHRIFT DER PREDIGTEN LXIV-LXVII. 

dt*r Gebiirlsiuichl C'lirisli üeHclu'hiMi die Si-hihlcnmu' von Christi Ge- 
stalt 1111(1 Sitte wcIcIm' iuirli in Z imd z cntliiillf'n ist: s. ohon 'S. 271. 
In slohn beide Stücke oleiclifidls so iiiii Seliliils. Hl. 57 n — 58* a". 
Jenes vorletzte hmtet in H folgender Mafsen. 

L/ifiu wunder hefrltahcn ander naihl da nifer hi-rrc (jiliorin wart 
Das frftc die winyarlen zuo ierufaleni die brachten frucht wie ef doch 
Winter was Das ander diu funne erfcheine ceniilter nacht über alles 
ierufalem rnd erluchte alle die nacht Das tritte diu renfler des tentpls 

5 entfchluffenl [ich rnt tatent [ich uf das si enpftengen das (285 d>. wäre 
Hechte Das rierde ift alliu diu tore diu cebetleem traren vnt auch diu 
cenfter diu wrden an difer nacht offen fanden Das fünfte cebethleeut 
do enifjjrungen brunnen von ale von der erden Das vi. , der hehaller 
machote yefunt der nacht alle die bettrifcn rnd blinden rnt andej- 

10 fiechen die do cebethleeni waren Das vii. ein lebender brunne def; ent- 
fprange andern wege do die Hute hin giengen Das riij. ander naht 
eraachotan alliu menfchen in einer ftunde rnt ftundent rffe Das .ix. 
ander nacht do hatten sich der nacht cebethleetn^ rcrfantnet alle die 
wifen meifler die inaller der^ weit waren wan diu gewar wifheit wart 

15 der nacht geboren Das .x. vil kindlin diu erfte geboren warml rnt 
auch diu alfo dein warent das siu noch fugen diu lopten got an difer 
nacht. Das .oci. inder nacht do erluchten die fternen alfo fhone das 
die Hute dachte das ntan (28(; a) wol ein kerccn dar an hetti enziindet 
Das xij. indem lande iuda do wart ein hrut indifer nacht fanden das 

20 was fueffe alf das honig lad das jiij. ein flerne erfcheine q,ndifer nacht 
den trien künigen rnt fchript fant lohannes crifoftinius das die trie 
künig vf einem berge warent. rnt beitut an rnt erfcheine in ein fterne 
der hatte eine rönne def aller fcha-nften kindes rnt erfcheine dem kinde 
ein criuce an dem houpt vnt das kint reite mit in vnt hiesse das siu 

25 fueren indas land iudeam do were das kint geboren ein behalter der 
weit vnt ein fürftlichen kiinig der iuden. vnt do so fanden si das kint 

Jlber das xiiij. man fach zuo dem uf gange der funnen drie sunnen 
mueffeclichen. do yecingotant fich die dri fvnnen vnt wart ein funne das 
beceichenet das sin heiliger Hp rnt fin sele vnt sin gotheit vereinet sint. 

30 (286 b) Lnt das .rv. die wingärten von eugadia die den balfante 
bringent die bluotent der nacht vnt brachtent frucht 
Der prophet ieremiaf der gab den von egipten ein reichen wenne ein 
mayde ein ki7it gebere fo würden ir apgötte alle niderfallen vnl do von 
nament die ewarten rnt machotant ein magde vnl fatzten der ein kint 

35 an ir fchos vnd das fatzlent si inden tempele in ein winkele vnd 
bettotant das an 



24 



das vor liinl lelill in ß und 0. 27 xüj. B. 31, bülmt ^. 35 fiment B 



HANÖSCMlFTEN DER PKKDiG'ITiN I.XIV— LXIX. 283 

i^jibilla diu hatte ouch gßwiffuget wenne ein hpmne von oele mtfprimgp 
fi) würde der behalter geboren 

Uas, ..ii'ij. man lij'et con trien künigcn. l)cr eine halt ein cederbocni^ 
dein w noch fe in dem idqld'eh ein pfaller.Oo gebot der künig bi finen 
huJden das die pJalren nieinan breche, r/it man war ne)ne (286 c) was 5 
da werden wwlt 

Jiander;kacht vrid ander ftundc. do gol met\fche geborgen wa^rl do brach 
diu blatler dlfo'luie das der künig erwachte vnt auch diu küniginne 
cnt alles ingefinde cnt an der ftunde hies der küng zuo der plalteron 
fehkn. do ivas darrs geßogcn der aller fcha'nfte cogele der ie gefehen 10 
wart vnt er fang mit einer fueffen menfchlicher ftinime difia wort an 
der ftunde do ich rs der platteren flog so ift gehören coii einer mag de 
ein behaltet aller der weit Das .xviij. 

sJ er ander künig hatte ein ftruffe der bruote 'PS \zwei -t^jer der felben 
nacht rnt vs einem eg. fchtocfc ein leowe 'zi/o' einer Krkünde gotteflb 
menfcheit uf erftan an dem tritten tage, vs dem andern ey fchlorfe ein 
lemblin :u einem erkunde rnfers (286 d) herren vnf(,-huMligen )ncnfchcil 
Das .xix 

fl 

tJer tritte künig. def elichiu Irouwe gebar der selben nacht ein kinf 

do dct.^ erfte geboren wart do ftaont es rf für ntuoter rnt natter cnt 20 

fprach ander ftunde do ich geboren wart do wart geboren von einer 

magde der behalter aller der uwlte cnt wirt xxxiij. iare leben, ml 

denne andern criuce erfterben für mich cnt für alliu menfvhen cnt alf 

war das ift das ich nit wanne .xxxiij tage leben alfo war ift ouch das 

das ich coli ime gefeil han cnd das befchach ouch alfo Das xx. 25 

Unt man lifet das inder hunen lant das warenf gar übeltelig Hute do 
ciele ein gros hagele inder naclil Aber ander andern fleinen desselben 
hageles ciel ein ftein der was gecormct nach einer fchu;nen iuncfrouwen 
ml diu hatte ein kinf (^n ii' fcJios Den hagelfteine leident die hunen 
zuo dem /iure ml andie funnen cnt wolf nie verfmeltzen. mt do siu 30 
(287 a) in nit uerfmeltzen mochten do falzten siin inden tempele in 
ein winkele Vnt an der ftunde do diu menfcheit ihefu chrifti an fim 
lip erftarp andem criuce do cerfmaltz er aller erfte cnt fiel nider 

LXVIH. LXIX. 

PapiiMlinmlschril'l in {)\\;w\ und ans dem vierzehnten Jalirlinnderl. 
dem ''Vaiienklosler Benedielinei'ordens. das im .Jahre 1254 zu Kno(d- 
berg uebliitet und im Jahre 1015 von da nacli Sarnen veiieg-i worden, 

1 du hz {). du hz du halle ß. 13 üax .xcüj. lutli B. felill Ü. 17 vnfchul- 
dig B. 18 Das .xix n.lh B. lelill 0. 25 Das xx. luSli B. leiill 0. 30 dem 
fehlt B. 0. 31 faulzlen \i. 



284 HANDSCHR. DER FREI). UNI) GEBETE LXVIII— 74. 

iinei'lKprii; und liehst anilercn Iliiiulschrinen des oIcmcIumi Besitzes mir 
(liirc'li zuvorkommende Vennitteluno: des ehrw. P. Konrad F"runz, 
Grolskellners im Kloster Eno-elborü, zur Bennlzuno- überlarsen. Es 
haben an diesem Codex, den ieli spa'ferhin Sa zu nennen denke, 
niclii Aveniui'r als IVinf H.inde i>-escIiriGl)en : die erste vier Prediolen 
von Bl. 1 a l)is 40 a: die zweite, die (jrilte. die vierte nur je eine 
40 b — 51 b. 52 b— 56 b. 57 a— 01a: die fünfte zehen 62 a— 144 b. 
rrspriinüb'i li \ielleichl noch mehr als fünf: denn wohl die Hiilfle der 
Hajidschrill ist verloren gegangen, so dafs auch von der letzten Pre- 
digt nicht viel mehr als nur der Anfang noch vorhanden ist. Von 
den übrig gebliebnen zehen des l'ünfleii Schreibers sind die zwei 
ersten (idier lob 28, 10. 11) am Feste S. Benedicts acsprociien; die 
dritte und die vierte behandeln Ev. Luc. 11. 24: die achte und die 
neunte Ps. 96, 3: jedwede in andrer Art und Weis«' der Ausführung. 
Unsre LXVlllste und LXlXste sind die sechste und siebente dieses 
letzten Schreibers. Neben monfche oder iiionfch setzt auch er für 
dieses Wort ein blofses .V. vgl. oben S. 262. 277 Anni. 

LXX. 

Auch eine Sarnerische Papierhandschrift in ^n\\v[ und der vorigen 
gleichzeitig: sie rührt zum groesten Theile (Bl. 1 a bis 62 b. 93 a 
bis 203 a) von der fünften Hand derselben her; daneben noch drei 
andre 64 a bis 92 a. 201 a bis 203 a und 204 a bis 212 b. dem 
Schlufse: diese letzte spaltet die Seiten. Von 1 bis 02 sechs Predig- 
ten, die vierte und die fünfte über Ev. Luc. 14, 17; von 64 bis 92 
fünf; von 93 bis 203 neun; von 204 endlich bis 212 zwei, wiederum 
beide über den gleichen Text, Canl. 1,3. Unsre LXXste Predigt von 
der zweiten Hand, einer ebenso widerwärtii>en, als die erste durch 
saubere Sorgfalt angenehm ist ; menfch fast überall in .M. abgekürzt : 
am Wortschlufs lange f wie im cod. :; : vgl. obi'u S. 202; zuweilen 
auch eben solche Wortbrechungen: z. B. iro^lli krüjz(/i rcrhtü. Ich 
bezeichne diese Handschrift spmler mit Sb. 

LXXI. LXXll. 

Pergamentblatt des fiinfzelinten Jahrluinderts. Eolioformat. die Seite 
von zwei Spalten ; im Besitze Holfmaiiiis. Ein früherer Abiiruck die»es 
Bruchstückes in den Spivital. Theotixris 11-15. 

73. 74. 
Handschrift des Klosters Engelberg l'^/2i, Pergament, 128 Blätter 
in kleinerem Octav. von Füncr nur etwas iinjileich arbeitenden Hand 



HANDSCHRIFTEN DER GEBETE 73—90. 285 

des zwölflen Jahrhunderts, deren Unge\Aohiitheil deutsch zu schreiben 
sich in dem sinnlosen Zusammenhängen getrennter Wörter verrfeth. 
Aufser den zwei gedruckten Stücken, die schon früher von GrafT sind 
herausgegeben worden (Diut. 2, 288 — 291), alles tfbrige lateinisch, 
und alles kirchliche Gebete verschiedener Form und Beziehung. Bi. 
14 a Incipit curfuf fce marie virginif. davor 13 b ein in Farben 
^Yohlausgeführtes Bild der Jungfrau mit dem Kinde; Bl. 69 a Incipit 
hymnariiif s. Ambro fii, 87 b Expiicit ymnariiif s. Ambro fii ; Bl. 
127 b Jftaf orationcf obtimaf que fecuntur. debef dicere qiiando 
aliquif caroriim Inorum obieril prima die. itel quol diebuf uoluerif. 
et fine dubio refrigerabif animam eiuf. Rogo ut mihi eaf per xxx 
dief dicaf. fi me priorem. te contigerit tranfire ad deinn. vt hec 
fit mercef mea quod fcripfi eaf. Für die 3Iittheihing auch dieser wie 
einer bald zu erwidinenden zweiten Handschrift von Engelberg habe 
ich Herrn Konr. Frunz, Grofskellner des Stiftes, zu danken. Über 
den cod. M mit welchem 74 verglichen s. bei den Gebeten 76 90. 

75. 
Die oben S. 253 ig. schon besprochene Zürcher Handschrift C ^^/275. 

76-90. 
Ein Pergamentcodex vom kleinsten Format, sehnen und reinlich 
von Einer Hand des ZAvölften Jahrhunderts geschrieben, einst der 
Überlieferung nach das Eigenthum der Koeniginn Agnes, dann des 
Klosters Muri bis zu dessen Stoerung und Plünderung im Jahr 1841, 
seitdem verschwunden. Ich habe meine Auszüge im Jahr 1833 mitten 
unter dem letzten WafPenlarm der Baslerischen Wirren und selbst 
unter den Waffen gemacht, hoffe jedoch trotz dem nichts versehen 
zu haben. Folgendes ist der Inhalt Stück für Stück. Bl. 1 a bis 3 b 
das 76ste Gebet, zuerst gedruckt in GrafFs Diutisca 2, 292. 293.' 
Dann (Diut. 293) 

Uiz ift der vane dif almehtin gotif. icieme den lefin fol. der fiiln 
niune fi. die den lefin fuln. vnde nivn funnuntage. fo ez morginet. Div 
erfte fol lefin. Pater (4 a) nofter. div andire. Aue maria. dir dritte. 
Gloria inexcelfif div uierde. die fibin fahnin. div fivnfte die fivnfzehin 
falmin. div fehfte die letanie. div fihinde. Quicimque uult. div ahtode 5 
Pf Te deum laudamuf div nivnde. Pf Domini eft terra, den fol fi 
lefin daz ir Hb niet rvore die erde, ican die ellehogin imde div chnie. 
die andire fuln atle ftan. unz daz lieht uirbrinne. Pf Expectanf foltu 



6 Ps. 23. 8 Ps. 39. 



2R6 HANDSCHRIFT PER (iERETE 76—30. 

lefrji. indip. cre def uildn. uiidc def rotif den yol hole »nt fin fplhif 
Hhe. daz er dich gnadeclithr ir (4 b) lofe von (dien den. die dichpin 
rbiln uillin. nlde dichein rat ufnr dich haben. 

Oratio. 

i3anr(i fpirittis domine rorda noftra niundrt infufiu. pt fni mrif itihnm 
5 afperßone fecitndet. Per deuni. . 

ßl. 4^ h'm 8 a unser yVsies Geljef, zuerst gudnickt im AllcT liesoh. 
275^278; ßl. 8 a, b oin Inleinischcs in tlcxÄmcU'rw Irg.'ter iumentif 
muH pie paffor i.' s. f.: 8 b. n Hns TSsIc und 70sk' (Dinl. 29^: 
9 b— il a'das 80slc (die zweite [hiine Diiit 293. 204); 11 a. b ih> 
Sl'^le. Dann 

iJwenneJo du horeft die Ifczun uon fancte /kiuIo in der niiffc fo man 
lifit. lectio epiftole beati panli apofloli. So foltu uf ftnn. nndr foli 
(12 a) driv pater nufler lefin indic ere daz nn)i (rehlin dm rjrntxn 
fancte pauium bicherle. 

Bl. 12 a bis 16 b die Gebete 82 und 83: 17 ;i— 19 1» das 84slc, dessen 
Anlanffsworte Diut. 294. liieranC (Diut. 294) 

10 Jyii irif glvif fuar du iirrft. uhr du difr ahnrnfin f)ibif(. da:, dr 
gvot fjivertr haft. Ein almrofin inere def hriligin negif den gol zihi- 
mile nror daz alle dine uege gerihlet tcrrden. fridelieh. zwei (^20 a) 
nlwrofin inere def nbiroftin hirlif. daz er aber dieh wache, mit it^ag- 
lichin forgin. ubir dich unde uhir din lirte. Andern drir den hriligrn 

15 hirtin. unde bile fie daz fie dich bihalten. )nil hirtlichir rntche. Ahir 
den vieren ewangeliftin nieru. daz du alle die du hinder dir laft hi- 
haltin uindeft. Gib orc driv den drin chinigin. daz fie dich anden 
wec leiten, unde gvot giverte machon. Einiz indie ere def ewigin fridef 
den got- finen (20 b) ivngiron gab. do er chal. min fride gib ich iv. 

20 daz fie dir machen fridefamc ziden du uarin f<dl. 
Hieranl" (abo-ekiirzt aucii Dinl. 294) 

*3m v/- finif frirndif feie welle helfui uzir not. der fol nrinin ein hrot. 
unde fol daz. teilin indriv. unde fol nemin ein teil, unde fol fprrchin 
diz gibet. Sufcipe domine hanc elemofinam Innoniine palrif et ßlii et , 
fpirituf fancli. et fancte crucif et fände niarie et fancti michahelif. 
25 ei omniuni fupernoruni ciuium. et celeftium uirlutum. et fancti iohannif 
haptifte et (21 a) omni)im patriarcharum et prophetarvm. Du folt 
ovc nemin den andirn teil, unde folt fprechin diz gibet. Inhonore 
fancti petri. ,et omniu^nyf^^^ apoftolorum et feptuaginta duttrum 

difcipulorvm. ei inKofipre fancti flephani. et fancti laurentii. et omnium 

1 fin in der llandschrirt zweimal. 6 Senne 18 fidf , 



HANDSCHRIFT DER GEBETE 76—90. 287 

fanctonim martirum. inhonore fancti nycolay. et omnium fanctorum 
rnnfefforum et inhonore fancte cecilie et fancte agatc et omnium fanc-^, 
larum nirginuni. et in honorc fancte felicitatif et omnium uiduarum 
fiue continentitun. Du folt orc nemin den drittin teil, rinde folt fpre 
(21 h) chin diz gibet. Inhonore faneti benedicti et omnium fanctorum 5 
monüchorum et inhonore fancti pauli. et omnium heremitarum. inhonore 
omnium facerdotum. diaconorum. fubdiaconorum. acolitorum hoftia- 
riorum. ceroferariorum lectorum orphanorum et omnium fanctorum 
fpiriluum. inhonore o)nnium fidelium defunctorum. amen, vnde folt 
fprechin. Pf. Miferere. Pf. Domine probafti. Pf. Quicunque uult. 10 
Swer diz dlnwofin unde diz gibet ein tär tvöt umbe alle meintage umbe 
ßnif frivndif feie, der fol daz (22 a) wizzin. daz fi giwifliche irlofit 
ift uzir not. 

Folgt Bl. 22 a l)is 27 b das Beicht- und Bufsgebet 85 ; Bl. 27 b bis 
29 a der Aidals des Vt re mi der alteji Mu-ik. Paul Warnefrieds Ode 
De s. Johanne baptifia. Vt gueant laxif. refo'nare fibrif mira gef- 
lornm famuU tuorum u, a,,.f,;>. 29 a — 32 a die Gebete 86 und 87; 
32 a — 33 b lateinische. Bl. 33 b bis 36 a der älteste lyrische, inj. 
Reim genaue, iuL Versbau kunstvollere Leich der deutschen Poesie, 
die Seqnentia de S. MARIA (ohne diese Überschrift Diut. 294— 296. 
vgl. Lachmann über die Leiche der deutschen Dichter 9 — 1 1 ; berich- 
tigt schon im Alld. Leseb. 273—276). Bl. 36 a bis 41b das Geber 
Ewigu mag f. fronra fancla maria das unter 74 aus einer Engel- 
berg-er Handschrift mitgetheilt und dort mit M. dieser von Muri, nur 
vero-lii-hen ist*): 41 h— 44 b das Gebet 88: dahinter, das Intrige der 
Seite füllend, Maria hi schnarz und rolher Federzeichnung; ebenso 
a^egeuiiher auf Bl. 45 a Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. 
Bl. 45 I) l/icipif Passio S. Margarete, Leben und Leiden der heil. 
Margareta: als Verfafser nennt sich mehrmals Theotimus; reicht bis 
77 a. Von da bis 94 a eine buntg-emischle Reihe lateinischer Segen 
und Gebete ; darunter folgende zwei (Diut. 296 Anm.) zur Ausübung 
\o\) Liebeszauher. 

'■nnomiiio patrif. el ßlii. et fpirituf fancti. deuf abraham. deuf yfaac. 
deuf iacob. deus qui decofta primi hominif euam coniugem creafti eam 15 
fihi inadiutorium inftituifti. ui effent cor vnum. et anima una et ifti 
duo incar .92 b) ne una. ita ut homo relinqueret patrem et matrem 
et adhereret uxori fuc ueriffime. Deuf qui precepifti me defancta 
trinitate deuf uercck. et ipfa ueritaf. Adiuro te per nomina tua fanctoi» 

10 Ps. 50. Ps. 138. 

■■) Auch die Sequentia de S. Maria hat sich t'riiherhin handschriftlich zu Engel- 
berg befunden : Diut. 2, 294 Anm. 



2W^ IIAMDSCMHIFTKN DER (iEBKTH 7(3—91. 

qup fiint i/if/fnhilin nnntinn. alfa et o). tHrfif/ratnmaton. nrjla. fnlcrh. 
ihfifun. on. finit ntrihiif fnioiif /hninrunii if/nif rrmotirnf e.rtin.rifti. 
Sidräc miffiar. e( ahdenagn. irain ri.raui. difcordinni iotcr mr rl ninri- 
(fim mcuw .N. ealiiigucre (93 a) fnciaf. nof concorrhf yoddaf et inn- 
5 wo/p }i}eff ilhtin rmij'iftere ufque infincm uilc mca' concodaf. ut nrc \(ir 
ti^'))i>ffier mihi inamoro fuo noceat fed potüif ritr fnlam dUifjat. rl 
uH-o diiectione ieneat. quanta fnif intcr adäm et euam. et itUcr ahra- 
ham >/ faram. et inter infeph et fanetam tnariatn. Nunc amorem 
c^ncedftt deKS'V^\ marilo mco. AMEN. 

7' ' r ■■ ■ ■ V" 
i( (jut ef alja f't 10. coniuratwnein facio per magof. Cafpar. iiielchior. 

Bai (93 b) Ihofar. Leuiatqn. protinc. et crinile. fidrac. tniffiac. ab- 

deiKKjn. chrifluf un. rli/on. telKKjianunaton. elely. euunaiiuel. abia. 

nhraa. abrcuhum. abtacala. abruchalauf. i:a. ra. ha. fara. faza ziuelctiel. 

uof creaturaf dei coniuro per deum itiuuin. per deum. tierum. per devm 

15 fanctuw. coniuro uof per fanctam mariam niatrem domini. coniuro uof 
perffinrluni niichahclem. et per onutef angelof et archanrjelof dei. coniuro 
uof perffinclum io (94 a) hannem bapliftani et per umnef patriarchaf 
et prophetaf dei. coniuro uof perfanctum petruni. et per Oinnef fanclof 
fipoftolof dei. coniuro uof perfanctum ftephanuni et per oninef nuirliref 

20 dei. coniuro uof per fanctum filurftruni. et per onuief confefforef dri. 
cxyniuro uof perfanclam ayneni. et per oninef uirqincf dei. ul feriatif 
et incendatif cor et meutern .N. iuamorem nieum. 
Den SrhUiirf (Midlich luachon Bi. 94 a bis 95 1) die zwei tsenen 89 
und 90, bei Grad Diul. 2. 297. Von Eiyenheilen in der Sehreibunff 
dieses Cudc\ linde icb nur zu benieikeii. dals die Diphthongen nu 
und uo beide mit 6 ausuedrücKt werden, dafs h und z- auch liier 
einander idmlieh sehn, dals de last id)erall mit Anhinjirung des e oben 
ans (/, Ff mit Anhangung des .s oben ans F (beinahe wie unser §), 
und für diis lateinisehe et bah! ^*. bald 7 ijescljrieben \\ird. letzteres 
nie in dei; ,Uaudi?chriri der Predigten I — XUI. 
•ii(\ ( (11(1/ 

91. 

EngellxM'ger Handschrifl I ^/20. Perganiejil, in Kleinoclav. Zuerst 
BI 1 b bis Sb von einer Hand d(\s dreizehnten oder vierzehnten .lahrhmiderts 
eine Abhandlnnir id)er das ^^'ort Trnitc nie poft te Cant. 1. 4: Anfang 

UE'< ahnrhiif/en (jottes frid si yetrirlich mit allen dien die (/k< gegen- 
uürtig brrc/ilin mit andaht lefcnt vnd mit zühlen hwrcnd lefrn. >nd 
25 geb in eweclich fin genad an sei rnd an lip. amen. 



5 die Ilandsclirift cfiftercl vier 10 Capfdr 



HANDSCHRIFT DES GEBETES 91. 289 

rr an der menj'ch in dis eilend als der gedillig fop gef prochen hat ze 
arbeiten f/ehorn ifl ind ovch dar inne lüzel zites lebt. Ach da von fo 
ermanot uns sanctvs parlrs das es nr iß ein zit der erbarmherzigen 
gcnad goltes. Ynd wan dis gezit fteteclich hinflivzet vnd doch nit 
gewiffes end hdt. da von sol der menfch alle ßund jlis haben wie er 5 
es nach finer sei ewigen heil mit volkomnen tagenden in gottes liebften 
willen loblich rertrib. 

Der Schluls fehlt. Von Bl. 9 a Ins 23 b das grofse Gebet, dessen 
letztes Drittel unter 91 abgednickt ^vorden;. die Hand eine andre, 
aber aus g-leieher Zeit. Anfang- 

jflbnechtiger ieicefender vnd ewiger got. ich armer krancher rnwir- 
diger menfchc. lopen vnd eren dich, vnd danken dir aller der genaden 
vnd gveti. vnd fellekeit. der dv von angen der weite erzeig hafl. on lo 
allen creatvren. de dv himelrich vnd ertrich vnd allef de dar oben vnd 
dar vnder oder da enzewifchen iß. alf ordentlich vnd nvzelich gefchaffen 
haß. de diner wifheit einef pvnchtrn grof nit gebrißet. dv wißß ir 
aller achte, wie vnd war vm ir iekclichef alfo wefen folte. dar nach 
[ollen wir och nit vil trachten, noch vnf da mit bekvnberen. wie vnd 15 
war vm dv ein iekelich ding getan haß. oder noch tvoß. oder ver- 
hengeß. ef wer ein armer herre. der nicht dete. wan de finer minßen 
knechten einer wifen folte. aber de ef ift. de füllen wir geloben, alf 
ef vnf criflen gelovp helfet gelovhen. 

Folgen Lob und Dank für die Sehöpfuno- der Engel, der Well, der 
Menschen, für die Gnade, die auch Gefallenen, die sodsmn dem gDolen 
noe, dem gitoten abraham erwiesen worden; und so fort durch die 
ganze biblische Geschichte bis auf Leben und Tod Christi, wo sieb 
ehennifpfbig fortfahrend die oben niitgetheilteii weiteren Lobpreisungen 
und Klagen und Bitten anschliefsen. Die Hand ist eine äufserst un- 
geübte, und es kommen, gleich von ihr selbst gesehrieben, viele Ver- 
befserungen und Nachtraege vor. Auch hier (vgl. S. 262 und 284) 
am Schlufse der Worte staets nur langes /'; die Abkürzung 6 gilt dem 
Schreiber oder der Schreiberinn zugleich für iie und für eu. Von 
eben derselben noch auf dem naechsten Blatt 24 drei kleinert; 
Stücke, vielleicht Auszüge von Tischreden, td)er die Worte plorans 
plorauit in nocte Thren. 1, 2, über Simon iohannif diligif nie Ev. ' 
Joh. 21, 15 und Von megllicher wirdekeit. Das übrige der Hand- 
schrift enthält, wieder von einem andern Schreiber, eine lateinische 
Anweisung für Beichtioer. 



1 lob 5, 7. 3 Cor. 2, 6, 2. 6 in der {'and^chrirt ewige 10 angen (f d. h. 
äugender oder angeng der 14 allo 



290 HAiyf)SCHRIFTb:N DER GEBETE 92—101. 

"u, 92—95. ■ ...^ V.. 

^Ms (\rr AdelnhansTi- Hnndsrhrifl in Zürich: >. oh'rVi' *>.' 271. 
•fi\i Nie . vv,\\ ;:\' 

•' ' 96. 07. W, V, 

- .Ans der Basier Hiiiidselirilt B IX. 15:s: -obpn S. 277 fo-a. 

■"■■'W. 

rtMiriiiiiiMilliaudschi-ilV d(.'.s Frau('nkl(,)slurs iu^ Sar,iy^i, Wciiifliiarj. 
)S vom allen Selu'ciljei- seihsl nnl arabiselicn Ziffern geziiliKe Blalter. 
wohinter noeli eiiie Laoe verloren trcn-anffep. Dcji Inhalt , inaclien, in 
vier Bücher al)oelhei!t. allerlei Ideinere Stücke erbaidicher Art, ähnli^cli 
(Ion Handschrirtoii zB und 0. Tnser CJehet heschliefst erade daii dritt" 
Buch: Exp/irif tercius über. Deo gracins. Gedenimil auch ze G'of 
Johanfes frikdrs tle^ alfen SlatfcJiribers ton Lncern, der ifch dis 
bnoch in finem haften Hiirch^ ^otths willm geben,' vM' in iüwew^^^ 
ndmen'mif fiii felbs han( gefchr'beh hat äff cf uffer cler heilige » 
fclirifl geiioinen rnd ze Tiiitfch gemacht ift. Anno dumini. IJSO.^. 
Im \ieiien Buche' Ein^Predige von dem heiligen geift Bl. 42 a bi^ 48 '!>. 

99. 
ranierbandschrift des riinfzehnlen .lahrlinnderls, iezt noch «vou 
20 Blnttern. in kleinerem Format, mir selb.st oehoeriff. Bl. 1 a' 

Dis il't ein giio(j(e Liirtzp \vfri ; ,, 

yy Ennp. ein niönfch muof wefen mrf fin. dö vil vninuos. rmtioui' 
inftHlickeit ift ind »lant/nleji zuorelle lunnent do durch der mönfch 
zuo hetruehniffe wirf hnveyet cnrl gcirrct an andacht rnd an ernft zum 
gnf. vnd er dz ni( geivenden mag. rnd nach dar In muos fin. So )nag 
5 er dife noch gefchriben^ ler.e für fick nemmen. rnd fi<h dar jnn^n 
rehen fo nirt es jm nit (l b) fchaden fnndrr es icirl jm ril guoffes 
und nultzes bringen Bis Bl. 131); darauf das Gebet 99. 

100. 101. 
,^ ^ Pergamuntblatl des fünfzehnten .bdirhnuderls. in Fuliu. die Seite 
zu zwei Spallen ;■ Eigcnibnm IIolTniiinns. Ein früherer Abdruck in den 
Sjjirifal. TheoLiscis 6^—10. Die Anoi'ülluj]g einiger Liicken, die diirc|i 
Beiiehaedi^.ung de^ Pergamentes entstanden rsirid, habe ich auch hier,, 
durch fursivschrin bezeichnet. 



HlJÖtU) 



Bf. :-f •' 

DIE Ai.TOi^:rTsriii-: PR^oicäii^. 

Die Geschichte der deufschen, genaner l)en,annt der hochdeutschen 
Predigt besinnt mit eben derselben Zeit, mit welcher die Geschichle 
des Chrislonlhiimes in Deutschland beg-iiint. Zwar was die ältesten 
Glanbensboten betrilH, z. B. die imposante Gestalt des heil. Severintii;' 
der gleich nach der Mitte des fünften Jahrhunderts südlich der Donau 
in Noricum seine Tha^tigkeit begann und sie segensreich ein Menschen- 
alter lang fortsetzte, was ihn und andre jener früheren Zeit und Art 
betrifft, so wird nirgend ausdrücklich Meldung darüber gethan. ob Siö 
das bekehrende Wort auf Deutsch gesprochen, oder ihnen, da sie eben 
wie Sevcrinus sich mehr nur am Grenzsaum zwischen Roemern und 
Barbaren hielten, das Lateinische noch genü^-t habe. Beides ist denkbar: 
Severinus z. B. war zwar von röemischer Herkunft, vielleicht aus 
Africa, konnte aber wohl die Sprachen der Alamannen und andrer 
Germanen bald erlernen und sich deren im Missionswerke bedienen : 
abei" ebenso vvohl waren die germanischen Gren?beWohner mehr oder 
weniger vertraut mit der Sprache ihrer roemischen Nachbarn jenseits 
der Grenze*). öVach solchen Anfangs- und Vorbereiturigsze'ten und 
den schwankenden und beschränkten Erfolgen, wrlche die Bekehrun^s-* 
arbeit während der beständigen Ungewilshcit über den eigentlich'^Vi 
Herrn und Bewohner des Landes allein erringen konnte, kam mit dem 
Ausgange des fünften Jahrhunderts die Gründung des pjänkischen 
Reii-hes. d. h. die Germanisieriing Galliens und die Ch'ristiarrisierung 
'irr Franken. Damit war eine neue und die entscheidend«! Wendung 
;uich für die 'Christianisierung der übrigen Völker gegeben : Hand in 
Hand mit di-r Ausdehnung der fränkischen Herrschaff, wie sie r.och 
Jahrhimderti' forlschritt, s» hritt au<-h Jahrhunderte lang die Ausbreitung 
des Chrislenthums fort, und die Glanbensboten drangen unter dem 
Schutze der fränkischen Herren über die Grenzen hinaus bis in den 



"*) Vita S, ,Se,veri«i ;V^ feiiieni Sjchüier,Eugipj)iiis: \viedertxolendlic;ih gedrucla; am 
zngänglubsten bei Pez, Scrip!., P.er. Aiislr. Dd. 1. 



292 BEKEIIRUXGSPREDIGT. 

Kern des Landes unri bis in weiter entlegene LandersI riebe vor. in 
Gegenden, uo das Wort nicht anders denn auf Deutsch konnte ver- 
kündet werden, zu Völkern, die der roemischen Bildung fern und 
frcnid waren, lu der Tliat auch ^vi^sen wir. und wüfsten wir es 
nicht aus bestinnnten Zeugnissen, so dürften wir es annehmen ohne 
doch zu irren, dafs nun und hier zu den Deuts ihen auf Deutsch ge- 
predigt ward. Wir wifsen es z. B , um nur einige Hauplnamen her- 
vorzuheben, vom heil. Gallus, vom iieil. Pirniinius und vom heiligen 
Bonifacius. Es war das schwer nanienllich fiu' Gallus, den Irlander. 
Welche Mühe sich dieser zwar gegeben die Sprache seiner Glaubens- 
schüler zu erlernen zeigt uns am deutlichsten ein lateinisch-deutsches 
Vücabular zu S Gallen, das oifenbar berechnet war, auch für die 
naechsten und alltäglichen Dinge die deutschen, die alamannischcn 
Worte kennen zu lernen : nach aUer t'berlieferung heifst es Vocabu- 
larius S. (lalli, und wirklich mag es auch von ihm herrühren, nur 
nicht unmittelbar von seiner eignen Hand ^•■). Trotz solcher Bemühung 
war Gallus im Jahr 615, als er zu Constanz die Einsegnung eines 
nt'uen Bischofs vollzog, doch gena'thigt durch diesen die Predigt zu 
halten, indem Bischof Johannes dem versammelten Volke auf Deutsch 
vortrug, was Gallus ihm zuerst auf Lateinisch gesagt**); h\ 
dieser letzteren Sprache ist die Predigt noch vorhanden (Bibliolheca 
Patrnm ed. Lugd. 1677. 11, 1046—1051). Die Bekehrungsprediglen 
jedoch hat er selbst und auf Deutsch gesprochen: so zu Bregenz, 
bevor er die von den Alamannen dort verehrten drei Götterbilder in 
den See stürzte; wenn jedoch seine Lebensbeschreilier bei dieser Ge- 
legenheil sogar rühmen, wie bewandert Gallus in der Landessprache 
gewesen sei, so dürfen wir das nur für eine Übertreibung der Liebe 
und des Lobes halten: denn sie sagen in Betreff seiner Kcnntniss der 
lateinischen Sprache dasselbe ***) ; von der aber verstand , jenem 
^Vörlerbuche nach zu urtheilen, Gallus noch \iel weniger als \on der 
deutschen. Pirminius und Bonifacius hatten es begreiflicher Weise 

iH /M!i,W ,J4-i,'iii;-| \ i .. 

■) S(i»llisclic IliiiKlsilirirt 91o; zuletzt iiikI am besten pedri'dvt in den Denk iirilen 
fies Midclaltors von IhiUeiiier 1, 11 — 14. 
*'^') anliflUe preceploris fui vcrba inlerpre(cinle: \'\\-d S. üalli l)ci Periz, 31oDiini. 
(jenii. liist. 2, 14; ul ipfe qaidem (fdipcationis inflrunienla colligcrel, 
epifcopus vero titilitnlcm baiiximmm bciie protata inlerprelandn Irnns- 
funderel: Wiilafrid, Vitn 5, Galli 1, 24. 
*"**) Columbamis juffil Gallo ad popalum rccilare fcnnoncm, quia ille inlcr 
alias emincbal lepore lalinilatis nee nnn et idioma illius grnlis: Viia 
S. Galli, l'erlz 2, 7; danach Wainfrid 1, 6. 



BEKEHRUNGSPREDIGT. 293 

minder schwer: der erstere war walirscheinlicli (die Biographen lafsen 
uns über diesen Punkt im Stich), der letztere gewiss ein Angelsachse : 
sie konnl(!n die Landessprachen, weil sie verwandt Avaren. leichter 
crlertien, und wenn auch hie und da angelsächsische Worte und Laute 
nnt urjterliefen, wie in der That aus mehr als einer hocluleutschen 
Aufzeichnung jener Zeit, auch gerade aus Aufzeichnungen dieses kirch- 
iiihen und Missionsgebietes das Angelsächsische herausklinot (Holtz- 
mann in Pfeiffers Germania 8. 470 fgg.); so sta?rte das die Zuhoerer- 
schall nur wenig und that dein Eindrucke und der Einwirkung des 
Ganzen kaum Abbruch. Von Pirminius berichtet die dem neunten 
Jaiirhundert angehoerende Vita (bei Mone, Ont^Hensammlung der Badi- 
schen Landesgeschichte 1-31) Prcesul healiis ad ilUiin renieiis lociim, 
iibi populo folebal fanctre prcßdicalionis exhibere rerbvni iiträque 
Uugtia, Bomana '"'J frilicef Fraiiconimque '^*J, magnopere decentia 
mo/iita difinis ofßciis proferebaf, quin utramque linguam adprime 
f'riebat. Auch Bonifacius konnte den Hessen und Thüringern und 
gar den Friesen alsobald in heimatlichen Worten predigen (vgl. WiJli- 
baldi Vila S. Bonif. cp. 6 u. 7 bei Pertz 2, 341 sqq.). Und aU 
solchen Fidn'ern der deutschen Mission traten gleich von Beginn ihres 
Wirkens an Gehilfen aud dem Lande selbst zur Seite, viele freilich 
nicht : und es blieb allerdings ncethig für die Pr(Mligt innnerfort neue 
Fremdlinge, Iren (Schotten) und Angelsachsen, herbeizuholen, 
geschah das namentlich, indem man Klopster mit ihnen gründete und 
fort und fort bevölkerte. Diese waren die natürlichen Centralstälten 
der Mission, so S. Gallen für Gallus, Fulda für Bonifacius ; vorzüo-lich 
aber war in solcher Art Pirminius tlurtig, der vom Eisais durch 
Alamannien, Franken und Baiern bis nach Oesterreich einen ganzen 
Gürtel von Kloestern schlang. 

Welchen Inhalt nun und welche Form der Behandlung halten 
diese ersten Predigten in deutscher Zunge, die Bekekrungspredigten ? 
Überblicken wir die geschichtlichen Zeugnisse sammt den Denkmaelern 
selbst die sich vom siebenten Jahrhundert an und aus den naechst- 
folgenden erhalten haben, und erwaegen wir zugleicli die politischen 
und die kirchlichen Zustände der Zeit und die Bildung und Gesittung, 
die der neu herzugebrachte Glaube in Deutschland vorfand : so erweist 



-) romand d. h. Romaniscti, nicht Lateiniscli; im Elsafs, der ersten Haupl.>tHtie 
seines Wirkens, brachte die Nachbarschaft einer romani-ch redenden Bevol- 
Iceriin^ ihn in den Fall auch diiser Sprache sich zu bedienen. 

") Fianci im neun'cn Jahrhiinderi der Name der Deutschen. 



294 BEKEHRinVGSPREDIGT. 

sich lins (lals im Bciriiiiic iiml noch liiiifrcn? Zeit hindiirrli eiiicnllicht» 
rri'diol -wodtT stallgciuntlcn lra!)i' noth habe stalHiiKlcn krmnen, sondern 
stall doren mehr nur ein Catechismus-Unlerrieht und zwar von zienilieli 
dürftiger BeschafffMihcil. Bischa^fe und Priester beg-nüglen sich, nelieii 
etwaniffor Verlesnnüf hileinischer Honiih'en, die sie sell'sl vcrfafst hallen, 
oder älteren Verfiilsern, den Kirchenva^tern. entnahmen und die jedes- 
falls nur den Gelehrten, den Mitoreisllirhen unter ihrer ZuhoererschaH 
xerständJich waren und zu Gute kamen. heoTniirlen sich daneben, 
was das Laienvolk betraf, der Glaubi<rkeil imd der Sittlichkeit 
deiJselben durch Mittheiluno: blofs einiger deutsch abgefafsten 
Formulare eine feste Richl schnür zu geben. Sie trno-en also an! 
Deutsch das (Jlaubensbekennlni.-s und das Gebet des Herrn und etwa 
auch eine Fonnel di'r Geneialbeichte vor und beglcitctcii vielleicht 
die beiden ersleren noch not N'drwoit und Erläuterungen und die 
It'tztere mit einer kuizen Vor- und SchlulVansprache : aber Reden, 
die in wahrhaft rednerischer Haltung, belehrend und erbauend, auf den 
christlichen Glauben und die christliche Sitte zugleich gezielt hallen, 
wirkliche Predigten oder Homilicn wurden, wenn id)erhaui»t. dann jedes- 
Mh nur zu seltenster Ausnahme auf Deutsch gehallen. So stand es 
mit diesem wichlio-on Tlieile des Gottesdienstes, der für die evange- 
lische Kirche nnsrer .Zeit beinahe canz und alleiii den Gottesdienst 
(!er Gemeinde ausmacht, selbst noch wiihrend und nach der Herrschafl 
Karls des Grofsen, zu einer Zeit also, wo doch unter dem Volke der 
christliche Glaube und Gottesdienst schon allgiimein und fest begründet 
imd die Gei.sllichkeit durch die Stifts- und Klo.sterschulen auf eine 
t\icht ffrade uiedrioe Stufe wifsenschaniicher Bildung gehoben war: 
so noch im zehnten .bahi hundert, und erst im elften sollte es sieh 
damit zu .Viidcreiu und B('i'.sM"em wenden : da wahrlich konnte der 
Standpunkt der Kirclieni-ede kein lueherei' sein in den .lahrhunderteu 
der t.rsten Bekehrung, die wohl immer durch fromme, nicht abiM* stfpts 
durch gelehrte Männer betrieben ward, die meist mit einer gewissen 
Hasliffkeit vor sich gieng, bald weil die Bekehrer auf der Flucht voi- 
VerfolL'^orn. bald weil sie die Sicijfer und Herren waren und gewaltsam 
ilränoten. Wenn trotz dem das Bekelu unnswerk so schnell und si» 
voll gelang, geschah das. weil das H- idenlhum auch auf germaüischeni. 
wie auf üriechisch-rcemiscjiem Boden in sich verfallen war. Mcil auch 
in diesen Heiden und in ihueu vorzüglicii eine ahnungsvolle Sehnsuclit 
nach etwas Htjehereni, Heiserem wachte, weil das Werk gefördert wani 
durch die Kraft welche dem AVorte Gottes auch in dem irdensten 
Gefai'se innewohnt, nicht aber weil sich das Menschenwort irgendwie 



CATECHISMUSSTÜCKE. 295 

<;'nUpi('c]u;n(l iliia beigcüeiU halle ,mü.iJtühreichür. Ülierrediing- und mit 
iiberzDugungskrafl. nnlxtU \'.'.nhr\tt'^\i '»il.. ii'ij'ii! n. 

Wir.>vollen den anoedculcteii Charakter, dx?r also Ix'iiiah eirt ludli 
JahrtaiLsond liiii(hirch die Kirrheuredo Doiitschhinds behcrsciü hat. (hcseii 
langen langsamen, last regungslos! verharrenden Anfang unserer Predigl- 
kunst, noch nieiir in. seineu;, Einzelzügen aiiszuführen suchen : es betrifft 
<lieser erste Theil unserer Dai-stellmig denselben Zeilraum, den die 
Sprach- und Litteralurgeschiohte sonst den Althochdeutschen nennt. 

Aus jener Zeil sind mehrere deutsch verlalste kalechetischc Hand- 
inicher auf uns gelangt; so eines noch aus dem neunten Jahrhmulert 
y.u WolfenbiUtel, fridierhin zu Weifsenburg im Elsafs *), ein zweites 
von S. (jallischein Ursprung, aufgesetzt von Notker Labeo und seinei- 
Psalmenübersetzung angehängt, in zwei Handschriften. \A'ovon sich die 
eine, aus dem elften Jahrhundert, zu S. Gallen '"''■^), die andre, eine 
Abschrift vielleicht erst des zwölften Jahihunderls, zu Wien belindel^'*"'-'). 
Nach älterem Kirchenbrauche zeigen sich diese Handbücher beschränkt 
auf wenige und nur die hauptsachlichsten Stücke.! '.Die Weifsenburger 
Handschrift enihidl das Vaterunser, dann statt eines Wirklii'lien Beicht- 
lornudars l)loss ein Verzeichuiss der Hauptsünden, der criminalia peccata 
(wörtlich aus dem Brief an die Galateiijöi^iiiliQ— 21), das apostolische 
iMul das Athanasische Symbolum und das Gloria in excelsis. Notkers 
Arbeit ist iheihveise reicher: da finden wir das Vaterunser, das apo- 
st:olische Glaubensbekenntniss,, den» Hyninus Zacharifp (Benedictus), aus 
Ev. Lup. 1,. «las Canticum Mariae (Magnificat. ebenda), das Athana- 
sische Glaubensbekenntniss ; die Beichte fehlt zwar in der S. Gallischen 
Handschrift, aber die Wiener Handschrift enthalt die Teufelsentsagung 
inid ein Beichlformuiar. Das Benedictus und das Magnificat waren 
also um diese Zeit, im zehnten und elften .lahrhumlert, zu S. Gallen 
wenigstens Catechisnuisstiicke. Dagegen finden sich in keiner dieser 
Sammlungen die zehn Gebote : diese und den englisclien Gruss (Ave 
gratia plena, aus Ev. Luc. 1) hat man erst spaeter allgemein aufge- 
nonnuen; von der Aufnahme der zehn Gebote schon im achten Jahr- 
hundert wird uns spaeter ein vereinzeltes Beispiel begegnen. Häufiger 
als solche Zusaunnenstellungen. die sicherlich als kalechetische Hand- 
bücher gemeint waren, sind Aufzeichnungen blofs einzelner Stücke, 
blofs des Glaubens oder blofs tics Vatei'unser oder blofs eines Beicht- 



■•■) .Mit nnveräiKlerler Folge des Inlialles bei llotfinaiin, Allliociuleiilsciies aus 
VVoIfcnl). Handschriften IX— X\I. 
'-') Bei Haltemer a. a. 0. 2, 522—531. 
■ •*) S. Hoü'maiins Verzeiclmlss der altd. Haiidscliriflen n\ Wien 82. 



296 CATECniSMlJSSTiTKE. 

fonmilars. 3Iarsiuaiiii hat im Jalir 1839 t'iiie Sammlune- dicsn- kleinen 
Srlirillcn lirraiisyi'irt'ljeii (die deiitscluiii Abschwieninos-. (ilaid>ens-. 
Beieht- und Bellbniieln vom 8. Ins zinn 12. Jalnli.) : seitdem isl ndtli 
diel's und jenes uleieher Art nen l)ekannt aeworden*). 

Also Bekennlniss, (Jebel. ßeiehle. diese drei sind die allgemein 
unerKTlslichen Hauptstücke. Denn wie es in einer Caleeliismnsabseln'ifl 
aus dem zwölften Jahrhundert heilst (Münehner Bruehstüek bei Mais- 
mann S. 146). Sine /icle iiiipoffihile est placere den. Ins faget diu 
heilige fchrift daz daz nnmugelich fie daz iemen dem almahligen 
gut icol muge gefallen ane den rehten gelovben nnde ane die heiligen 
pihte unde ane den heiligen paler nofter. Bekemdniss und (Jehet 
dienen dem Glauben, die Beichte der Siltenzuelit. die erst ans dem 
Glauben lolttt : tien Bekehrern nnilste es, liii'r in Deutseldaiid wie 
anderswo und jetzt wie schon in früheren Zeiten, hauptsächlich und 
zuntpchst um di(! Gründung des Glaubens, also znn.Tclist um >litlhei- 
luntr der beiden ersten zu Ihun sein, des Credo und nicht nnnder des 
Paternoster, des christlichen Gel)etes. da um das Ileidenthum zu über- 
winden auch heidnische (Jebelformeln zu beseitigen waren. Glaubens- 
bekenntinss und Gebet des Herrn Averden desshalb von Auliuig au 
slfets ziisannnen und mannigfach nur dies(> zwei ocnannt und uejordert : 
eine Angelsächsische Predigt de Fide catholiea beginnt mit den Worten 
(Mafsmann S. 108) yElc cristen man fceal äfter rihte cnnnan wg- 
dhev ge his Pater nofter ge his eredan. Mid thani Pater noslre he 
fceal hine gebiddan ; mid iham eredan he fceal his geleafan ge- 
trymman. Für Aen Glauben hatte die Kirche zwei Bekenulnisslbr- 
mulare im Gebranch, das s. g. apostolische, welches kin'zer. und das 
s. 0-. Alhanasische, welches im Gegensatze zu mannigfachen Ketzereien 
absichtlich und sorolich viel weiter ansocjnhrt war. Die Kirche halle 
v(»n jeher Acw Takt Bekainitschafi nnl dem letzteren, das mehr der 
wirsenscliaftlichen Doüniatik diente, nur von den Geistlichen zu fordern, 
für die Laien genüyle der Ueücl nach das apostolische, und IVu" die 
iS'eubekehrten ward auch diel's noch auf die eigentlichen Schlauworle 
abgekürzt. Zwar jene Handbücher von Weifsenburtr und S. (Jallen 
enthalten aulser dem SyMd)olum apo.stolicum aucli das Athanasische : 
die ander ehr vereiiizcllen Aufzeichnunncu abei" und sonstige Denk- 



'■*) [Alles (liefs findet sich jetzt vereinif^t mui mit reiclii-ni ("oinmciiliir vcrscIicn 
in den Deiilvuiiiieni deulsclier Poesie vind Prosa aus dem Vlll — MI. Jalir- 
liundert herausgegeben von Müilenhotl' und Scherer. Berlin 1864. Zueile 
Aulla-a- 1873.1 



GLAUBEN UND GEBET. 297 

maeler und Zeugnisse beweisen, dals für den allgemeinen Gebrauch 
das erstere vorwaltete. In das Glaubensbekennlniss aber war oft als 
üblicher Eingang eine Abschwcerung des Heidenthunis. ..der Unholden", 
(I. Ii. der Götter, und .^des Teufels'^ niileiiibeoriffen : es war das nolh- 
wendio- wo es Neubekehrte waren, di«' das Bekenntniss ablegten. So 
enthalt sie z. B. von einer Hand des neunten Jahrhunderts ein Merse- 
burger Codex (Jac. Grinun id)er zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit 
des tleutschen Heidenthums, 1842. S. 25)*. in eben demselben stehn 
von noch spfpterer Hand zwei heidnische Zauberlieder. 

Interrogatio facerdotis. 
Forfahhiftu nnhoUhin? ih furfahku. 

Forfahhiftn unhohhm uuerc i/i(li uuillon? ^J ih furfahhii. 
Forfahhiftu allem them blnoftrum indi den gelton i/idi den gotum 

thie im heidene man zi geldom enti z-i gnium habent ? ih 

furfahhn. 
Gilanbiftu in got fater abnahtigan? ih gilaubn. 
Güanbiftit in Chrift gotes fun nerienton? ih gilaubu. 
(iilaabiflu in heilagan geift? ih gilaubu. 
Gilaubifttt einan got almahtigan in thriniffe inti in einiffe? ih 

gilaubu. 
Gilaubiftn Jieilaga gotes chirichun'/ ih gilaubn. 
Gilanbiftu thuruh taufunga funteono fovlazneffi? ih gilaubu. 
Gilaubifiu Hb after tode? ih gilaubu. 

Wir haben eine Anzahl von ko^niglichen Befehlen und von Be- 
ft;hlen der Kirchenobern, dafs die Geistlichen das Volk seinen Glauben 
und sein Gebet auf Deutsch lehren und es dieselben sollen auswendig 
lernen lafsen. ""*) Man sollte meinen, dieser Befehl sei darum immer 

*) Hienacti ist die entsprechende Stelle von Mafsmanns Nr. 2 {Forfacfiifu in- 
diumllnn) durch Ergänzung der Worte unholüun uuerc zu belsern, und es 
wird unnnnhig mit J. Grimm (iVIafsm. S. 33) ein Subst. indiuvil (Inteulel 
d. i. Hausgotl) zu vermnihen. Das Merseburger Stück war 1839 nocli un- 
kannt. 
*") Z. B. Statuta Bonifacii 27: J\ullus ßl prefbyler, qui in ipsa Lingua, qua 
nali funi huptizandi, abrenutUialiones oH confeffiones apeiie inlerroqare 
nou llud('(i(, ul inh'llignnt, qnibus abreimuctiant vel qme cnnftlenlur: et 
qui laliU'f ugeie dedignanlui\ recedant e pnrocliia (Dachery, Spiciieg. 1, 
507 fggO- Haito, Bischof von Basel, verordnete dafs Alle das Vaterunser 
nnd das apostolische Glaubensbekenntniss sowohl lateinisch als deutsch aus- 
wendig lernen sollten (ebd. 1, 584). Das Mainzer Concii vom Jahre 813, 
("an. 45, bestimmte, man solle das (ilaubensbekennlnis.'* und das Vaterunser 
in den Schulen lernen, rl qui aliler iton polucril, vel in fun Uiiyua hoc 
dijcal (Hartzheiin Concii. germ. 1, 412): u. a. 
Altd. Predigten. 20 



298 CxLAl'BENS- vm (iHBKTSKKDEN. 

>viederholl wordoii. weil er iiiclil ffchaTii» beachtet und befolgt wurde. 
Indessen die uehiiunen Aufzeichnung«'!! sohhei' Stucke in der deutschen 
Sprache, liir welche ich auf Mafsnianns angeführte Samnihing und das 
gehalti'eiche Werk Rudolf von liauiners über die Einwirkung des 
Christenlhunis auf die althochdeutsche Sprache (1845) verweisen kann, 
beweisen eher das Gegentlieil, und Olfried in seinem Evangelienbuche 
1, 1, 107 fgg. rühmt an den Deutschen na'chst vielem andrem auch 
den Eifer mit dem sie lernten : Sie ßnl (jotes nuorto fliz-ig ßln harto. 
thaz fle Ihaz gilernen, thaz- in Ihia buah z-elien, thaz jie thes higin- 
nen, iz> uzana gisingen, joh fie iz ourli irfuUen mit michilemo uuillen '^) 
Hin und wieder begegnen uns Symbol und Paternoster in solcher 
Weise verdeutscht, dals sie von Satz zu Satz mit einer bald mehr, 
bald weniger kurzen Erläuterung und Nutzanwendung des Inhaltes 
begleitet sind: s. bei Mafsmann Nr. 18 und Nr. 55 — 59: in dem 
Calechismus Notkers sind alle Stücke so behandelt. Notker zwar will 
damit nicht den Laien dienen : darum ist auch mancher Satz halb 
lateinisch, halb deutsch, und es fmden sich auch solche Erklärungen 
wie die. was Symbolum bedeute. Nicht so in den andren Beispielen. 
Da vernimmt man keinen solchen khüslerlich gelehrten Ton, da werden 
mit deutlichster Beziehung die Lebensverhaltnisse der Erwachsenen. 
es werden ausdrücklich tmd mit wiederholtem Gebrauch des Wortes 
die Männer berücksichtigt. Also Auslegung des Glaubens und des 
Gebetes zum Nutzen der Gemeinde. Und dergleichen galt schon für 
eine Predigt; maimigfach wiederkehrende Verordnungen legen den 
Bischad'en, namentlich aber den Prieslern nur eben dieses auf, wo sie 
das Predigtamt denselben in Erinnerung bringen. So das Capitulare 
ecclesiaslicum von Achen 789 cp. 00 Primo omnium ut jides cathotiva 
ab epifcopis et prefbt/teris diligenler legalur el omni popiih prcedi- 



'') Singen bezeichnet hier ein geliallenereä Hersagen: auch in der VVolt'enbiitller 
KrItlii'riiDg des Vaterunser (JlalVm. Nr. 55) Oi Ihiu fcal man daijo (jihuue- 
liches Ihiz gibel singen — /o huuer fo undhremo avholgun iß endi thii 
ytpel Ihanne fingil — fo Iniuer fo lliiz yibd lUullru mKiHu fingil, in 
tineni I'hysiologn.s des 12. Jahrh. der gnädige Irehlin leite uns ein nimvez 
fanc unde liiez unfich fus pelcn : l'aler noßer qui es in cclis Hodinaims 
l''und<rr. 1, 27, 24 und nocli im Uolandsiiede der fcol in der waren gotet 
ininne aia palcr noßer finge zelielue nänvm Herren 310, 17. Canlare 
und decanlare wurden im Latein des Mittelalters ebenso gebraucht: su vtr- 
ordnele ein I'ariser Coiicil 11 nemo ii facrn foule (iliqnvni fuscipiat. nisi 
itndioniin dontinicani el fgntboluni JuxUi iinguuni fuatn el inteUcctunt 
teneal el coram preföylero decanlel: titatnia canon. di' oKiciu clericoriim 
in Canisii Thes. iVloiiuin. cd. Basnage ö, 1, 40Ü. 






GLAUBENS- VM) GEBETSREDEN. 299 

cetnv (Perlz, Mommi. Genn. Iiist. 3, 63): cp. 09 Uf epifcopi dili- 
yeiiter disrutiani per fuas purrochias prcefbiferos — ut — domin i- 
ram orationem ipsi intellegant , ei omnibus prcpdicent inlellegendam, 
Hl quisque fciaf quid petat a deo (Perlz 64. vgl. das 29ste tlei" 
('apiti)la excerpla ebda S. 100); cp. 81 Sed et ceftrum mdenduni 
eft, dilectifßmi et renerabiles paftores et rectores ceclefiarum dei, 
ut prefbiteros quos mittitis per parrochias veftras ad regendum et 
ad prfedicandum per (eclefias popuhtm deo femientem, ut rede et 
honefte prcedicent — Sed et rosmetipß utilia honefta et recta et 
quae ad vitam ducunt aeternam prcedicate, aliosqne inftruile vt 
haec eadem prcedicent. Primo omnium prcedicatidum eft omnibvs 
generali ter, ut credant patrem u. s. vv. Item prcedicandmn eft 
quomodo dei füins incarnatus eft ii. s. w. Item diligenter prcedi- 
candum eft de refurrectione mortuorum u. s. w. (Pertz 66)'"-'); das 
Capilnlare von Frankfurt 794 cp. 33 Ut ßdes catholica fanctae trini- 
fatis et oratio dominica afqiie fymbolnm fidei omnibus prfedicetvr 
et tradatur (Pertz 74) ; der Brief Karls des Grofsen an Bischof Gari- 
bald von Liillich 804 fwpius in conrenlu et concilio noftro monui- 
ntus de prcedicatione in fancta dei ecclefia, ut imusquisque reflruiii 
fecundum fanctorum canonum autoritatem et prcedicare et docere 
deberet, primo omnium de fide catholica, ut et qui amplius capere 
non taluiffet tantummodo orationem dominicam et fymbotum fidei 
catholicce, ficut apoftoli docuerunt, teuere et memorifer recitare 
potuiffet (Perlz 128); und noch hundert Jahre spa^ter verlangt Reginu 
von den Pfarrern nichts Weiteres als solche Glaubens- und Pater- 
nosterreden (de Synodalibus causis ed. Wafserschleben pg. 25). So 
um 800, um 900: wir dürfen zuversichtlich zurückschliefsen, dafs 
auch um 600 und 700, in den Zeiten der erst anfangenden Bekeh- 
rung. Glauben und Gebet in eben solcher Weise empfohlen worden, 
und die ersten Predigten meist auch nur Bevorwortungen und Er- 
läuterungen der frisch überlieferten Formeln jener beiden gewesen 
seien. Ja wir brauchen das nicht einmal so blofs rückschiiefsend 
imzuuehmen : mehrere derartige Reden liegen noch vor uns. Erstlich, 
zwar nur auf lateinisch erhalten, ursprünglich aber zweifelsohne auf 
Deutsch vorgetragen, eine Predigt des heil. Bonifacius selbst"""*), sein 
fünfzehnter Sermo, gesprochen in der Adventszeit (natalis Domini 



*) [Eine lateinische Muslerpredigt genau nach Anweisung dieses Edictes hat 
Scheier mitgelheilt und besprochen Zschr. f. d. Alterthum 12, 436 i'gg.] 
* ') L^'gl- i'bt'" die Unechlheit und den spseteren Ursprung der SeruKinen des 
Bonifacius .MülienhulT u. Scherer 444 fg. 2. Autt. 504 ^g.^ 



300 BONIFACiUS TNO PIRMINIUS. 

immitiet), aber keine Adventspredigt, Sündern wesentlich nur eine 
Umschreibung und Auslegung dessen, was seine Zulirerer bei der 
Taufe Iheils abgeschworen, Iheiis gelobt haben. Sodann eben des- 
selben erster Sernio, gleichfalls und wohl ursprünglich schon lateinisch. 
Dieser ist nicht an eben erst getaufte l^aien. sondern an (jeistliclie 
gerichtet, an s(dclie, die unter Heiden und Neubekehrten predigen 
sollten (Valde neceffariinn csl omni homini vt diligeuler difcat fidtni 
catholicam et apoftolicam, maxime populi prcedicaloriüus chrifliani 
u. s. w): dennocli giebl er nur in Kürze den Inhalt des Glaubens- 
bekenntnisses wieder und einige Worte über Beichte, Reue und Bufse: 
das heifst, die Prediger werden nur auf diese zwei Punkte als den 
Gegenstand und das Ziel ihres ^^irkens angewiesen und werden an- 
geleitet wie in solcher Richtung zu wirken sei. Ferner des Bonifacius 
im Süden Deulscldands lluetiger Zeitgenofse Pirininius. Auch von 
ihm besitzen wir eine lateinisch aufgezeichnete Predigt, aber auch hier 
lißfst der Inhalt darauf schliefsen, dafs es eine Übersetzung sei, und 
zwar aus dem Deutschen oder auch aus dem Romanischen (folebal 
fanctae prcedicalionis exhibere rerbum utraquc lingiia, Romana 
l'cilicet FrancoritmqneJ "'•") Der Titel lautet Libellns abbatis Pirminii 
de fingulis libris canonicis fcarapsns. Durch das Wort fcarapsns, 
d. h. excerplus, auszugsweise abgekürzt, wird die Schrift als ein 
Auszug bezeichnet; aber auch so ist sie noch lang genug: darum 
wird sie libellus, nicht fevmo genannt. Es ist eben eine vollständige 
rednerische Belehrung der neubekehrlen Christen über alles was sie 
glauben, was sie thun und meiden sollen. Demgcm.Tl's falst sie in 
sich die zehn Gebote (diese sonst jezt noch kein Catechismusslück). 
eine AufzaMilung der Hauptsünden zum Behuf der Beichte, das Vater- 
unser und (las apostolische Symbolum; die Christen werden ermahnl 
l'ymboluni et oralionem donünicani et ipsi tenele et jiUos et /iliaa 
veftras docete ut et ipsi teneant ^'''). Endlich die s. g. Exhorlalio ad 

■ '!//■ .: ■ ■ ■■! ■\ ':>•<; u\ ■■■sV. ;i 1 ÜMj T,, .:-K.V\\ ■', th I.'.' ■■■>i'"i 

■•| Ge.lriukt l)ei M;.l)ill.)n, Neieni aiuilecla (1723) S. 65 fgj,'. 
' ' ) Als anitieiieiid iiiul lelirreicli ist tiocli hervorzuheben eine Slelle, die uns den 
Hergang i>ei der Taufe eines Nenbelielirten mit der Beilegung eines clirisl- 
liehen Namens, mit der Altsehvvd'riuif; des Teufels, d. h. des lleidenihums, 
und dem I5eiienntniss des clirislliciien Glaubens veranschaulicht /(/co, fiutres. 
ad memoriam veßram leducimus, quäle puclum in ipfo bapUflerio ciint 
deo fecimus. Cum intevroyali fiiigvli iwmen noßrum a facerdole fuimits, 
quoinodi) diccreniiir, refpondij'li aulem lu, .si juiii poleras rclpundeir, 
aal cerle qai pro tv /idciii fccil, qui Ic de foule safcepil el dixil »Jotiannes 
dtcitui (^ aal aliad nomen. Kl iulen nyaril fticerdos ujoltaniien. abrviiun- 



EXHORT ATIO. 301 

pleberri chrirtiaiiain. lateinisch und deutsch, in einer aus Fulda stam- 
menden Casseler Handschrift des achten und einer Münchener des 
neunten .Jahrhunderts ; bei Malsmann Nr. 42 und 43. Es ist das eine 
va^lerlich liebreiche Ansprache Qcliindo liupoßvn sagt der Redner und 
rhindili miniiO, die der Verlesung des Glaubensbekenntnisses voran- 
gehen sollte ; indem sie dieses und das Gebet des Herrn wohl aus- 
\\endig lernen heifst. nimmt sie besonders Rücksicht auf die Verpflich- 
lung der Taufzeugen beide wieder ihren Täufling zu lehren, eine 
Pflicht, die auf ältester Kirchenordnung beruhte *), und da sie dem 
Zeugen eine halbpriesterliche Stellung gab, der Anlafs gewesen sein 
mag den heidnischen Namen eines Priesters nun auf ihn zu über- 
tragen ; denn unser mundartliches Götti, d. h. der Pathe, kann nur 
das althochdeutsche cotinc sein, und cotinc ist eigentlich s. v. a. 
Priester ^'*). Es scheint aber die Exhortatio nur noch erwachsene 
Täuflinge im Auge zu haben : sie befiehlt mit deren Unterricht alleru 
zilungu (omni festinatione) zu eilen, während man doch Kinder erst 
vom siebenten .Jahr an lehrte*^"'""): und ebenso klingt es nach der 



das diabulo et omnibtts operibus ejus el omnibus pompis eiusa ? Refpon- 
dißi y)Äbrcmmtio h. e. defpicio el derelinquo omnia opera mala et 
diabolica. Pofl Iftam abretmncüttionem diabulo el omnibus operibus eins 
inlerrogalus es a facerdole ^^Credis in deum?a ii. s. w. (Mabill. S. 67). 
'") Bonilacius in seinem fünften Sermon eis, qiios in baptifmo fuscepiflis, hanc 
ipfam fidem Iradile, quia ideo pro ipfis ßdcjuffores exslilißis, ul fic cre- 
dere vobis docenlibus deherenl und im fünfzelmfen Orationem dominicam 
et fymbolum Iradile el fiUolis veflris, quoruni in baptifmo ßdejuffore.-: 
exfliiiflis. Eben desslialb ward aucli von Bonifacius (Statut. 26) und nacii 
ihm wiederliolendlich einwesctiärft als Taufzeugen niemand zuzulafsen der 
niclit den Glinibcn und das Vaterunser auswendig wifse (vgl. S. 300 Anm.). 
und in den Beicht formularen Ivommt öfters das Beiienntniss der Sünde vor. 
jene Pflicht gegen die funtivillola (fonlis ßliolosj versäumt zu liaben: 
Mafsni. S. 7 Anm. 

'• ) Wie goth. gudja, allnord. godi: vgl. Jac. Grimms Rechtsalterth. 751. Uie 
Traditiones Wi^enburgenses haben neben cotinc auch diese einfachere Bildung: 
Godio als Eigenname 213. cotta mons, monle coltane 39. cntinco (statt 
coUnea) marca 230. culiga marca 253. rilla cuttingas 220. Gleichfalls 
in kürztrer Form heifst die laufzeuginn Gölte, althochd. gola. Pathe (vgl. 
Reinhart CX) geht auf das lat. pater zuriicls, wie auch das mundartliche 
Tolt, althochd, Mo, eigentlich Vater bedeutet, und Gevaller nur eine Über- 
setzung von compater ist : denn das Taufzeugniss ward als eine geistliche 
Adoption verstanden; s. du Gange v. adoplari und die naechstfolgende An- 
merltung. 

•""") Im 13. Jahrb. wenigstens hielt man sich an diese Grenze: Ez folten des 
Irindes loten duz kinl den glouben unde daz palernoßer leren, so ez fiben 



302 EXHORTATIO. 

ßekehrungs/iril, wenn /um Scliliil'sc iiiflit blols aiil rolei< rapol iiiid 
unfer heil, sondern auch aul" iin/ares herriii vapot, dominationis 
noftrae mandatufn, das Gebol also der weltlichen Obrigkeit hinge- 
wiesen wird. Das erinnert an eine Stelle im zwölften Brief des heil. 
Bonifacius : Sine pafrorinio pvinripis Fvanrovtim nee popuUtm regere 
iiec prefbyierns vel diaeonos, monachos oeJ aneillas dei defenderr 
poffnm, rel ipfos payanorum rilvs el farri/eg/'a idolorum in Ger- 
mania fine ilHiis mandato et limore pruliibcre raleo ; auch mag wohl 
in Betracht gezogen werden, dafs die ältere Handschrift der Exhortalio 
aus Fulda stammt, ans Bonifacius Stiftung also und dem bedeul-ndsten 
Ausgangspunkte für seine und söiner Gehilfen Thjrligkcil. P'reilich 
wurden noch im Jahre 804 von Karl dem Grofsen sogar Leibesstrafeu 
über die verhüngl. welche den (ilauben. das Vaterunser luid das 
Kreuzeszeichen (fignacvlumj nicht leinen win'den : Pirlz 3. 130. 
Dafs aber die Exhortatio noch einmal in jüngerem deutschem und auch 
in lateinischem Texte vorhanden ist, zeigt uns wie die Bevorwortung 
der überlieferten Glaubens- und Gebetsformeln selbst auch zu blofser 
Überlieferung und Formel ward, wie schwach also der Trieb war auch 
luir in so bescheidener Weise, wie hier gefordert ward, einigermafsen 
mit Neuheit und Freiheil und Eigenheil zu wirken")- 

Sodann die Beichte *""") Bekenutniss der Sünden und der Reue. 
Auferlegung einer Bufse, Ertheilung des Ablafses. alles das gehoerle 



järe all würde: wan ß ßtils im fchuldiv: iraii p [int }in geiltliche votcv 
unde mnoler Bcitholcl 230 [Ausg. v. Kliiijil: mikI wohl sclum friilicr, dii 
sie von allreclillidier Becieiitiincr i.sl : Heclitsallerth. 411. 
'■■) [15ei Müllcnti. und Scli. 443 fg. 2. Anfl. 502 fg. wird die exliorlnlio au\' iUi- 
Synode vom November 801 zuriifkgelidirl.| 
■"■■ ) MiUeliioctid. bihl und b'Mc, allhochd. hijihl von bijehan l)ekeMiicn : eine 
Predigt des 12. Jal)rli. in (iriesliaber.s deutschen Spraclidoidinialen 34 brauciii 
fkh bekennen im Sinne von peccala con/Heri. liijihl übersetzt confefßo. 
bedenle dieis laleinisclie Wort nun was es wolle; die Einschiänkniio de- 
fientftchcn auf den ji-lzigen IJegriff iängt nacliweislieli erst mit dem 12. .'ti 
an, wo in den Windbcrgcr Psalmen die bilde von der iiryihl unlersihieden 
wird. Prwoccupcmus ßiciem eius in conß'fßone, el in pßdmis jubilemm 
ei. Furevahe wir anüuzec ßne in dere urgilüe. unde in den ßilnien jiiwe 
wir imc. ('(mfejßo quil bilde unde unjihl in zuein en(e, beidiu dere 
l'nnlen jouh des Inbes. So der mennißie erfurldel unde erchennel [in un- 
reld unde fine funte, unde ire ze bilde ehumil unde ire einem euarle 
vergihit, daz heizzU conf'efßo peccalorum. So der mennifke enzunlet 
wirdil vone der gnade des heiligen geißes in dere minne des alnuddigen 
gutes unde des nrigen libes, undi' diu liehe, diu ßoude beginnil u: bre$len 
durh dei worl, daz heizzil confessio luudis Ps. 94. 2. Auch nacii dem 



BEICHTE. ' 303 

zwar gleich der Teiifelsabschwoerung- utiil dein Glaubensbekenntnisse 
ueKentlich schon zu den vorbereitenden Bedingungen der Heidentaufe : 
Boiiifacius Statut. 27 nennt mit einander die abremmciationes und 
ionfeffiones der baptizaiidi ■*•") : indess zu der wahrhaft kirchlichen 
Bedeutung- eines beständig arbeitenden Mittels der Sittenzucht konnte 
die Beichte doch erst dann gelangen, wenn die Bekehrung bereits 
ijeschehen und um einen kirchlichen Mittelpunkt her ein festes Ge- 
nieindeleben gebildet war: dann aber erhielt auch diese Einrichtung 
ihre vollste Wirksamkeit. Hier nun. wo der Priester in den engsten 
Wrkehr mit den Laien trat und eine prüfende und zurechtweisende 
Aufsicht üi)er die Belhpeligung ihres Glaubens im Werktagsleben übte. 
hier war der Gebrauch der Landessprache noch um vieles nothwendiger 
und unumgänglicher als schon bei dem Bekennlniss des Glaubens und 
beim Gebet. Ob Glauben und Gebet immer auf Deutsch seien erlernt 
und aufgesagt worden, hat Rettberg noch bezweifeln dürfen (Kirchen- 
gesch. Deutschlands 1, 455): die deutsche Beichte ist so unzweifel- 
haft als die Abschwoerung auf Deutsch. Da jedoch die Abschwoerung 
(lern Glaubensbekennlniss. da beide zusammen der Beichte voranzu- 
gehen pilegten, da Glaubensbekenntniss und Gebet des Herrn staets 
in ungetrennter Verbindung genommen wurden, so möchte daraus für 
all diese Stücke auf Abfafsung m deutscher Sprache als den beständigen 
Gebrauch zu schliefsen sein; man Avird es damit schon im achten 
Jahrhundert gehalten haben wie nachher im dreizehnten: Die unge- 
Icrlen Hute die füln den gloubeii in tiutfche lernen, unde die ge- 
lerten in buochifchem"''''') Berlhold 230 (bei Kling). Deutsche Beichte 



12. Jahrh. Hndel sich noch zuweilen die weiter umfus.sende Bedeutung : 
z. B. confefjor. ein lleihgev. der die Seligkeit und Heiiiglieit durch ein ge- 
treues Bekenntniss des Glauben? trotz allen Verlockungen oder Noelhen er- 
worben hat, ein solcher heifst noch im spasteren Mhd. bihler, Be!<enner, 
während damit zugleich ein Geistlicher, der das Siindenbekenntniss abn.-'.hMi, 
ein Beichtvater, bezeichnet wurde. 

•■) Ein Gedicht des 12. Jiihrh. in Haupts Zeitschr. für Deutsches Al'erth. 3. 522 
Do der hcdine man fn verrc tvarth gehorfam mil glaube unde mit pi- 
gihle ; eine Predigt derselben Zeit Di [ich dn bekanten unde geloubic ivur- 
den Griesh. Sprachdcnkin. 34. 

■■ ) I). h. auf Lateinisch: ebenso am Schluls einer Sarner Handschrift des 

13. Jahrb., welche die Benedictinerregel lateinisch und deutsch enthält 
(Engelberg im \\\. und XIII. Jahrh. S. 96) Sil diz hvoch in felchir friß, 
in bvocfchvn vnde inlcfchvn iß. nach meißcrlicliir chvnß gejcribin u. s. w. 
und Alfd. Blätter 1, 364 die fünde die in liufclien heizenl boublalig, die 
heizenl in bmhcfcen morlalia. 



304 MKICHTREPE. 

schrieb Boiiiliiciiis jicllisl aiisdnicklich vor. schon liir die Nculickt-hrlcn. 
Statut. 27 iSiilliis sil prefhilcr qni in ipfa lingua qmi nali fiint 
hnplizandos ahrr/nnicidtio/tes rel ronfeffioncs (iperlc i/ilerrogarc 
iion ftudeat, vt iulelUyant (jitibus abreniincianf rel ijvac coiifilentur ; 
/um übertliirsigen Beweist*, ilal's man auch luuh der IJckehrunßf dabei 
jfi'blieben, dienen zahUeich erhaltene deutsche Beichtroniiularc. Es 
ward aber auch die Beichte, obschon sie an sich nur eine BesprechunL"^ 
zwischen dem Prii^ster und je einem einzigen Laien war, zu einer 
ffottesdienstiichen HandUrriii \\\v die ganze Gemeinde, zum Anlals einer 
Art von Prediyt i>('maclil. Es ward allo nicht blois neben dem 
(ilaubensbekenntniss und dem (iebet des Herrn auch noch id)er die 
Beichte jjepreiUgt, wie bei Pirminius a. a. 0., sondern einziir und 
allein über diese, in Bezug blol's auf sie und zum Behuf ihrer Ab- 
Icgung. Auf solche Beichlreden bezieht sich das Achner Capitular 
von 789, wenn es cp. 81 nach Anbefehlung der Glaubensreden weiter 
verordnet Item cum omni diligentia cunctis prcedicandum eft pro 
(piibus criminibus deputenttir cum diabnlo in (etermim fupplicium. 
(Folgen die Worte des Apostels Gal. 5, 19—21, welche die Grund- 
lage geworden sind für die liblichcn Siuidenverzeichnisse der Beicht- 
formeln ; die ältesten, in der Predigt des hoil. Pirminius und in dem 
Weifsenburger Catechisnnis. Mafsm. Nr. 20, sind Wort für Wort daher 
entlehnt.) Scd omni instantia ammonete eos de dilectione dei et 
proximi, de fide et fpe in deo, de hnmilitale et patientia, de cafti- 
latc et continentia, de benignilale et mifericordia. de elimofinis et 
confessione peccatorum fuorum, et ut debitoribus fiiis fecundum 
dominicam oraiionem fua debita dimiltant, fcientes certif'fime quod 
qui taiia agunt regnum dei poffidebunt (Pertz, 3. 66 fg.): und 
schon vorher cp. 65 Item prcedicari neceffe est quantum tnalnm 
sil odiitm vel invidia u. s. f. (Pertz 64). Diese ßeichlgollesdiensic 
pflegten jedoch nur einmal jährlich vorzukonmien. am Aschermittwoch. 
der die grofsen Faslen schicklich eröduete im'l einem Sinidenbckcnul- 
in'ss Aller, spater am hohen Donnerstag {antläz-lac) als N'orbereitung 
• li-r feierlichen Abendmalsspende, wodurch dieser Tag ausgezeichnet 
war. Der Hergang war etwa folgender *). Nachdem die Einzelnen 
(r<'beiclilet halten, hielt der Priester, zur Gemeinde gewendet, eine 
Ansprache, die zur Reue, zur Bufse, zur Al)legung der Sünden 
ermahnh'. und nn't vorgesagter Abschwoerungs- und Glaubensformel 
bald begann, bald schlofs. Dann gesprochen von der Gemeinde oder 

) [^'e'g'- J'e abweitliende Darslelliing hei Miilleiili. ii. ScIi. 511 l'jii^. 2. Aull. 592 igp.J 



PREDIGT. 305 

Einem, viellek'lil aurh wiodoriim vom Priosler selhsl. so dals jene nur 
(las Amen wiederholte, ein lunfalsendes Beichtformnlar. Endlich Siinden- 
frlals nnd Segen. Bereits sechs von den lateinisch niedergeschriebenen 
Sermonen des Bonifacins (der 3. 6. 8. 11. 12. nnd ISte), sodaini 
die unübersetzten Anfzeichnnngen in Mafsmanns Sammhnig Nr. 21 fgg. 
/eigen nns den geschilderten Verlanf hier in groefserer, dort in ge- 
ringerer Vollständigkeit nnd die Beichlreden bald mehr, bald minder 
jMisgefiihrl; es hat dabei sichtlich keine so bis znr Erstarrnng gehendr 
Sla^tigkeit der Überlieferung gewaltet: aber die Beichtreden waren 
auch andern Ursprunges als die Reden zum Glaubensbekenntniss nnd 
zum Vaterunser: sie waren mehr aus einem schon bestehenden Leben 
der christlichen Gemeinde herausgewachsen. '♦d ^ <"-i' 

Also Glaube. Gebet und Beichte, diese drei in deutscher Sprache, 
imd alle drei der Gegenstand einer so zu sagen homiletischen Be- 
handlung. Fal'sen wir das schon einmal angeführte 69ste Capitel jenes 
.\chner Capitulars von 789 jezt noch einmal seinem ganzen Zusammen- 
hange nach ins Auge. Ut cpifcopi ililigenter discnUant per fuas 
parrochias prcefbiteros, eorum ftdem baptifma et miffavum cele- 
hrationes, ut et fidein rectam teneant, et baptifma cathoUcmn ob- 
fervent, et miffanim prceces bene intellegant, et ut pfalmi dignr 
fecundmn dhrifiones rerfuum modufentur, et dominicatn orafionem 
ipfi intellegant et omnibus pivedicent inlellegendam, nt quisqnv 
friat quid petat a deo, et ut Gloria Palri cum omni honore apud 
omnes cantetur, et ipfe facerdos cum fanctis angelis et populo dei 
communi voce Sanctus Sanctus Sanctits decantet (Pertz, 3, 64). 
Otfeidiar soll, während die übrigen auch hervorgehobenen Stellen innner 
nur auf Einzelnes gehn, in dieser hier der gesammte InbegriH' des 
Priesteramtes umrilsen werden, und da richten sich, was die Predig! 
betrifft, Voraussetzung und Forderung nicht hoeher als gar allein auf 
Vaterunserreden. Diefs also, diel's wenige werden wir als die gewohnte 
Stufe betrachten müfsen, zu welcher sich damals wenigstens die priester- 
liehe Homiletik erschwungen habe. 

Indessen so ganz und gar ohne Predigt, wenn wir auch 
das Wort im engeren strengeren Sinne nehmen, war der alllioch- 
deutsche Zeitraum doch nicht: er begann sogar mit Predigt sol- 
cliei" hoeherer Art, sie ward nur, nachdem die Kirche fester ge- 
gründet war. wieder seltener und mnl'ste dann, langsam und eist 
allmählich, im Verlauf der Jahrhunderte, welche diesen Zeitraum 
bilden, sich erst aufs neue entwickeln. Zwar die Worte Predigt 
predigen Prediger oder althochd. brediga bredigön bredigäri er- 



306 PREDIGT. 

.scheinen niialihrlsja in den Sprachdenbma^lern *) : chi.s bcwt-isl jedoch 
nichts für eine beständig fortdauernde Übunfr der jezt von uns so 
benainüen reihierischen Darslellunsfsart ; nicht einmal die Bekanntschnfl 
mit ihr niinle es beweisen : denn jenes bredigöii hat den ffleichen 
weit ausgedehnten Sinn, den sein l rwort das iat. prcedicare besitzt : 
jegHche ]\Iittheilunof über Gott und göttliche Dinge, die sich mündlich 
an eine groefserc Menge richtet, lieifsl eine brediga, und auch die 
kürzeste Beicht- und Glanl)ens- und Vaterunserrede wird so geheifseu 
haben, da das lal. |)ra»dicare amli von diesen gilt. Erst seitdem es 
wieder im festen allgillligen Kircbengcliraucb eicreniliche Predigten ffab. 
begann sich dieses Wort auf sie zu beschranken : das geschah abei- 
erst mit dem Übergange vom althochdeutschen Zeiträume zum mittel- 
hochdeutschen. Bis dahin verhielt es sich mit der deutschen Predigt 
oder befser mit der Predigt in Deutschland in folgender Weise. 

Die Predigt, auf Lateinisch fermo, zuweilen auch tractatus oder 
mit Beibehaltung des griechischen Namens homilia homelia omelia 
«genannt (einen Unterschied zwischen Predigt und Homilie hat im o-anzen 
Mittelalter weder die Theorie noch die Praxis gemacht) war zwar 
nicht mehr wie in der älteren Zeit der wichtigste Theil des Gottes- 
dienstes, aber mitten in all der sonstigen reichen Ausbildung desselben 
immer noch ein wichtioer und hauptsächliche]- Theil : Gregors des 



*) Althoctid. brediga^ milteilid. bredige wie ital. predica, franz. preche. Diefs 
Bredig ohne I dauert nocti jelzf ninndartlicli fort: die Zürcher inactien, wenn 
sie tiüclideiitscber sprectien wollen, gelegentlicii eine Beredung daraus. 
Predigt mit ( mag zunaeclist auf dem seltneren nihd. predigäfe oder predigdi 
liernlien : prcdigüle S. Ulrich 374. 745. 747. Hermann v. Frizlar 4, 16. 18, 
28. predinic 63, 24. 95, 3. predigül S. l'lr. 342. }yir luin des dicke 
irol enifabeii Dnz mmiiger zun der liirclicn gaf Vnd hofrel fchvene pre- 
digal Da: im dock ze nicMe crumet Passional, Wiener HS. 2694. Nach- 
rede 42. t)ie Biidungsari scheint eine nndeulscbe, predigdte aus prcBdi- 
calio oder noch lieber rineni romanisclien predicala entstanden : auch von 
den andern ebenso alij^elcilelen Worten {fUläta fdUile oder villäl Üiuf. 3, 
263. Knndgr. 1, 63, 6. folüte Gottfr. Tristan 8078. Kemenate, clutteräl 
Hahns Passitinal 351. 30. maudätc Fnndgr. 2, 31, 45. Grieshabers Fred. 2- 
X\\. marteräl Pass. 305, 43. mundät Oberlin 1076. murmelät Mafsini 
Alexins 109 a. pärät bnrül Oltoc. 741b n. a reinnte \M. Leseb. 769,5. 
runddle Trist. 8077. 19215. leiläte Erfurter Slaluten 19. urlifilät Grinniis 
(ir. 2, 252. U'undätc Justinger 287, wozu noch die durchweg männlichen 
Zeugnanien piiäl röfi'it fcliarlät fchindt ciclät cindäl Uoinuien) ist die 
Mehrzahl schon dem Siamme nach fremd. Oder soll man ilas golb. fahclhs, 
das mhd. klcindt (Gr. 2, 257j neben kirinöl, das ncubd. Heimal Monat 
neben hriniuot mänöt vergleichen? 



TISCHREDE. 307 

Grofsen Liber pastoralis. für die Geistlichkeit des früheren Mittelalters 
(in Geselzbueh, machte sie zu einer ernsten nnd heiligen Pflicht. 
Stotr nnd Thema ijewahrlen die Evangelien nnd die Episteln nebst den 
Psalmen u. s. f.. nnd seitdem die Verehrnng der Heiligen innner all- 
gemeiner geworden, anch die Erzählungen von deren Leben und 
Sterben : für Texte der ersleren Art stellte sich schon frühzeitig in 
den s. g. Lectionarien eine gewisse Wahl und Reihenfolge fest; die 
Heiligenleben konnte man aus den Martyrologien schöpfen, deren seil 
Hiei'onymus erstem Vorgange noch immer mehr und von slaets groefserer 
Uisführlichkeil entstanden ; eines der gebrauchtesten mag das von 
Beda gewesen sein. Ein kurz unterscheidender Name beider Predigt - 
arten ist fermones de tempore und de fanclis : de tempore, weil das 
.Jahr durch die hohen Feste der Christenheit in Abschnitte getheiii 
und diesen die biblischen Lectionen in bestimmter Reihenfolge zuge- 
wiesen waren, so dass jede ihre Zeil, wenn auch, bei der Beweglich- 
keit des Osterfestes, nicht ihren bestimmten Tag hatte. 

Die Predigt war Sache der Priester, nicht der Mönche: Mönche 
isredigten nur, wenn sie auch zu Prieslern geweiht waren, mochten 
die Zuhoerer Klostergeistliche odei' Laien sein. Die Klostergeistlichen. 
Mönche wie Nonnen, hatten aufserdem innerhalb ihres engern Lebens- 
kreises noch einen zweiten Anlals zu predigtartiger Ansprache, in den 
>ogenannten CoUationen, den Vorlesungen eines Klostergenofsen, die 
sich alltaeglich nach der gemeinsamen Malzeit wiederholten. Durch die 
Benedictincrregel cp. 42 war festgesetzt : Mox ut furrexerinf a coena. 
fedeant omnes in uno loco, et legat nmis CoUationes vel Vitas patrum^-') 
mit certe aliud quod wdificet audientes; hieraus entnommen, die gleiche 
N'erordnung in Chrodegangs Regula canonica cp. 21. Also aut aliud 
(jiiod fedißcet audientes: damit war neben dem Lesen älterer Werk«' 
auch für eigene neue Vorträge der Raum eröffnet, und solche wurden 
nnd waren denn auch Klostersitte. Collatio, mittelhochd. colhUje 
(LIX, 91) blieb dafür der Kunstausdruck. 

Unter solchem gesetzmäfsigen Kirchen- und Klosterbrauch waren 
die erwachsen und gebildet, die aus dem romanischen Süden und 
Westen, aus Irland, aus England als Boten des Christenthums nach 



■) Danacli sind wohl fiie CoUationes palrnm des Cassianns der erste Gegen- 
slaiid dieser Voriesuiioen und die Ursache ihrer Benennung gewesen. Mit 
noch weiter gegangener Überiragniig bezeichnen collatio und Collalion dann 
auch überhaupt eine Malzeit, ein Frühstüclt oder Al)endefsen, sogar nn'er 
Laien, auch ohne Vortrag dabei, und in Mnndarien des Itatiiolischen Deutsch- 
lands ist hollazen das Zeitworl dazu. 



308 GALLUS UND PONiFACllS. 

Deutschland kamen. Aber eben dieser ihr Ursprung und die Verhält- 
nisse unter denen sie auftraten und wirkten erschwerten es ihnen, 
diesen Brauch seinen» f/anzen Umfange nach und auf Deutsch zu üben 
S. Gallus hat es allerdings wenigstens einjuai vorsucht, zu Constanz. 
als er den Bischof Johannes weihte und er durch dessen Mund wie 
einst Moses durch Aarons sprach (oben S. 295 fg.): da führte er in 
einer weit ausholenden und weit sich erstreckenden Darstellung, der 
sich die erbauliche Lehre blol's ein- und unterordnet. Schritt für Schrill 
all die Hauptmoniente der Weltgeschichte vor. in denen die Macht und 
Liebe und Weisheit Gottes zur Otfenbarung schon gekommen sei oder 
noch kommen werde : denn er beginnt mit der Schöpfung der Weit 
und dos Menschen und endigt mit dem Jüngsten Tage. Das war nun 
wohl eine deutsche, aber es war keine Bekehrungspredigt : den Red- 
ner umgab eine schon von älteren Zeiten her bestehende Christen- 
gemeinde; und auch so steht dieses Beispiel ganz vereinzelt da. 
Wie Gallus selbst bei der Bekehrung und sonst im Predigen sich ver- 
halten hal)e. wifsen wir nicht. Sodann Bonifacius. Diesem schickte 
sein Freund in England, Daniel Bischof von Winchester, eine hinrei- 
chend weitläuHige Anweisung zu (Bonif. Epist, 14) wie er versuchen 
solle auf die Heiden Germaniens homiletisch einzuwirken: liebreich, 
-anftnuithig:. ffemäisifft. mit eiiu'ju langsamen Fortschritt dialeclischer 
Erörleiungen, so dal's den Götzendienern, wenn auch nur allmählich, 
(loch um so sicherer der Grund und Boden ihres Irrlhums abgewon- 
nen würde. Ob jedoch dieser Ralh in allen Sllick(Mi sei befolgt 
worden, hat schon Rettberg I)ezweifelt ( Kirchengeschichle Deutsch- 
lands 1,408), und ich denke, mit Recht: Bonifacius erscheint in der 
Geschichte seiner Bekehrungsarbeilen nicht grade als ein Mann von 
vielen Worten, überall mehr als ein Mann der That. eines kurz und 
schnell entscheidenden Handelns, der lieber, wie er es ganz eigentlich 
zu Geismar gethan (Pertz 2.343). dem Baume die Axt an die Wurzel 
legte. Zudem auch zeigen die Reden und Predigten, die wir noch 
von ihm haben, einen ganz andern Character. als welchen Daniel 
forderte. Es sind deren fünfzehn, alle in lateinischer Sprache über- 
liefert (Martene et Durand. Vet. Script, t'ollect. 9. 187 — 218). ob- 
gleich wohl nur eine wirklich so ist gehalten worden, die erste, die 
sich ganz deutlich anZuhierer aus der Geistlichkeit richtet (oben S. 302): 
bei all den übrigen, in denen zu wiederholten Malen auf die Ver- 
hältnisse von Mann und A^'eib, von Ellern und Kindein, von Hei reu 
und Knechten, Neugetauften und Taufzeugen Bezug genommen, mit- 
hin eine Laiengemeinde angeredel wird, kann die lateinische Form 



BONIFACIUS UND PIRMINIUS. B09 

nur Übersetzung sein : Reltherg hat sich versehen, weini er sie für 
die Urform häh, und nun weiter l»ehauptet, alle fünfzehn Sermon»^ 
seien vor Klerikern und Mönchen, nicht vor der Gemeinde gesprochen 
worden C^ircheng-eschichte Deutschlands 1.457). Die l bersetzung 
nun nvdg zwar inaucherlei davon und dazu gelhan haben: indessen auch 
so gewähren diese Denkmale uns immer lioch ein genügendes Bild 
von Bonifacius rednerischer Tliäligkeil. Eigentlidie Bekehrungsprediglen 
finden bich darunter nicht, und doch wahren gerade solche der Auf- 
zeichnung besonders werth und fa^hig und bedürftig gewesen, falls 
sich Bonifacius wirklich in jene dialeclischen Erörterungen eingelalscn 
hätte, welche sein Freund ihm angerathen ; vielmehr setzen alle Reden 
das neue Bt^tenntniss als bereits abgelegt und durch die Taufe be- 
sla^ligt voraus. Beziehungen aber auf das Bekehrungswerk kommen 
nalüj-lich mehrfach vor: der eine Sermo soll dazu den Predigern eine 
Art Anleitung und Musler geben (der erste; vgl. oben S. 302): ein 
andrer knüpft sich an eine eben >ollzogene Taufe an (der 15.: oben 
S. 301); wieder in andern wird das Festhalten an Gebräuchen des 
abgeJegten Heidenlhums verboten, ja verdammt (im 6.. 8., 15.), mit 
rücksichtsloser Strenge, die eben auch nicht im Sinne Daniels lag. 
In Gehalt und Ausführung herscht grosse Verschiedenheit: acht dieser 
fünfzehn Sermone, wo nicht mehr, siiid blofse Glaubens- oder Beichl- 
reden der früher (S. 300. 306) besprochenen Art. und nur die noch 
übrigen können wirklich etwa Predigten genannt werden. Es sind 
aber Predigten von der allergr<Esten Einfachheit: der zweite Sernio. 
zur Weihnachtsfeier, giebt der Hauptsache nach nur Geschichtserzählung, 
eben wie der fünfte, der von der BethaHigung des Glaubens durch ein 
frommes Leben und durch Liebeswerke handelt, sich besonders bei 
der Schilderung des Jüngsten Gerichts und des Paradieses verweilt : 
der vierte, über die Seligsprechungen der Bergpredigt (Ev. Matlh. 
5, 8 — 10), folgt den acht Gliedern derselben ganz nur als Homilie 
mit erbaulicher Paraphrase. Entsprechend solcher Einfachheit des In- 
haltes ist auch der äufsere Umfang überall ein sehr geringer. Endlich 
der heil. Pirminius. Seine eine Predigt ist zwar zu einem kleinen 
Buch ausgearbeitet und mag von Haus aus länger als die des Boni- 
facius gewesen sein, aber dem Hauptinhalte nach Iheilt auch sie den 
neul)elvehrten Christen zum Behiife der Glaubensbelehrung und der 
Anweisung zum christlichen Wan lel nichts weiter mit als eine Um- 
schreibung der bezüglichen Formulare. Also bei S. Gallus. bei Boni- 
facius, bei Pii'minius bald nur Erzählung statt der Lehre, bald wohl 
Lehre, aber in der schmucklosen Form der Homilie, häuliger aber als 



310 LATEINISCHE PREDIGT. 

die Homilie nur liie Mittheilmio ujul Erliuileruno- der Catechismiis- 
stücke: diel's also der Inbegriff und diels der Characler ihrer kirch- 
lichen Beredsamkeit, und bicherlich ehenüd hei den iilnioen. minder 
namhaften oder nntjenannt «rehlieheneii GUmbeubboten. 

Aber auch diel's AN'euioo \errinoerie sich noch und verschwainl 
beinahe wieder, als die Arbeit gethan schien, als. wenn auch nicht 
der Glaube, doch die Kirche fest gegrimdet war. Sehen wir jezl 
noch von andren Hindernissen ab, die einer Behauptung und Weiter- 
bildung der deutschen Predigt entgegentraten. Schon iinierhalb der 
kirche selbst gab es deren mehr als eines und Iheilweise sehr ge- 
wichtige. EinniHl die grolse Zahl der Fremden, welche die ersten 
•Jahrhunderte hindurch unter der deutschen Geistlichkeit sich befand, 
die vielen englischen, irischen, romanischen Priester und Mönche, 
lienen die Sprache des Volkes mehr oder weniger unverständlich und 
schwer zu erlernen, nicht selten sogar in ihrer vermeintlichen Bar- 
barei zuwider war. In S. Gallen z. B. sind, den Handschriften nadi 
zu urtheilen. zeitweise mehr Iren imd Angelsachsen gewesen als etwa 
Alamannen; romanische Geistliche wanderten schon vor Karl dem 
Grolsen häufig zu: von einem solchen her hat sich noch zu Cassel 
eine ehemals Fuldische Handschrift des achten Jahrhunderts erhalten, 
ein romanisch-deutsche» Vocabular ganz in der Weise unsrer Ge- 
spra^chbüclier für Reisemle (Eckhart, Franc, Orient. 1,853 — 855. 
(iraff. Diutisca 3,211 fg.): ein kleineres Stück der Art aus deni 
neunten Jahrhundert zu Rom (Greith, Spicileg. Vatic. 31 — 33): beide 
machen uns di(^ ganze Mühseligkeil des Verkehrs zwischen Welschen 
und Deutschen bis zum Ergötzen anschaulich. Wie nun hätten der- 
gleichen Fremdlinge, wenn sie auch die Bekehrungsarbeit noch einiger- 
mai'sen erledigen mochten, doch mit der geha^igen Fülle und Flül- 
sigkeit der Rede auch deutsch predigen sollen? Vielmehr trug ihre 
.^prachunkunde nur dazu bei, dals eui zweites Hemmniss der deul - 
sehen Predigt sich noch mehr befestigte, die Erhebung nämlich des 
Lateinischen zur Kirchensprache auch unter deutsch redender Be- 
völkerung. Zwar die Gotlien und die N'andalen hatten bereits ilie 
heilige Schrift, hatten Messe und Predigt auf Golhisch gehabt (Papen- 
cordt, Gesch. der vandal. Herrschaft in Africa 295). aber sie waren 
Arianer : um so weniger mochte Rom, da unter seiner Leitung nun 
auch die übrigen germanischen Völker bekehrt wurden, deren Sprache 
ebenfalls iu der Kirche dulden: halten doch selbst die Apostel der 
(estlich abgelegenen Slaven. Cyrillns und Methodius. im neunten Jahr- 
huu<lort die grcesle Mühe in Rom es durchzusetzen, dals man in ihren 



PUEDIGT EIN BISCHOFSRECHT. 311 

Kirchen die ylavische Sprache duldete (Neanders Gesch. der ehrisll. 
Keligiou und Kirche 4,63 fg.)- Dazu kam nun jene Unkunde des 
Deutschen auf Seite der Bekehrer, während Lateinisch alle konnten. 
So denn ward nun auch in Ländern, aus denen vor Jahrhunderten schon 
die Kriegsiheere Roms halten zurückweichen mülsen. die Kirche r(P- 
misch, Bibel und Messe lateinisch und lateinisch alsbald auch die Prv.- 
(ligt, die ja ihren Stotf aus der Bibel schöpfte luid sich in die Messe 
nur als ein Glied derselben einreihte. Sobald di-r Glaube sicher, die 
Kirche festgestellt war, auch die Predigt: Glauben und Vaterunser 
wurden zwar immer noch auf Deutsch vorgetragen und erklärt und 
ebenso die Beichte mit einer Ansprache auf Deutsch begleitet : war 
aber kein Anlafs zu solch einem Vortrage, so sprach der Priestf r 
eine lateinische Predigt: es bestand mithin kein wesentlicher Unter- 
si'hied mehr zwischen dem Gottesdienste den man in Klcestern und 
dem welchen man in Pfarrkirchen begieng, und doch hiefsen de 
letztem in der Sprache jener Zeit Leutkirchen, d. i. Volkskirchen, wie 
die Pfarrgeistlichen Leutpriester, d. i. Volkspriester.") Ja genau und 
streng genommen, kann man nicht einmal sagen, es seien von den 
Priestern lateinische Predigten gesprochen worden, was immer noch 
■ als eine gute Vorübung auf etwanige deutsche und auf die Beicht- unil 
Catechismusreden hätte dienen können: sondern fund hiemit kommen 
wir auf einen ferneren und wohl den erheblichsten ('beistand) kraft 
eines Missbrauches der durch die Anmafsung der Bischoefe und die 
Tra?gheit der niedern Geistlichen eingerii'sen war, durften die letzteren 
überhaupt nicht eigentlich und nicht selber predigen; indem man eine 
kkpslerliche Übung*""") auch in die Leutkirchen übertrug, war ihnen 
nur gestattet fremde ältere lateinische Homiiien lateinisch vorzulesen 
oder herzusagen, und somit der gra'fsere und grade derjenige Theil 
der Geistlichkeit, der dem Volke ta'glich und am unmittelbarsten nahe 
trat, einer der wichtigsten Mühwaltungen seines Amtes überhoben und 
beraubt: die Befugniss eigener selbständiger Predigt hatten sich die 
Bischipfe vorbehalten, deren es doch in jedem Gaue nur Einen gab, 
und die mehr nur in Beziehungen zu der ihnen untergebenen niede- 
ren Geistlichkeit standen als zu den Gemeinden der Laien. Und wie 



^'; Uiit s. V. a. Volli: Hulprief(er im MiUellioctid. wie laf. plebanus; mit liul- 
chilchu giebt NoUier Ps. 34, 18 das tat. eccleßa wieder, und noch ist Leiil- 
kirch oder Leutkirchen ein öfters vorkommender Ortsname. 
) Codices aalem leganlur in vigiliis lam veteris teßamenti quam luici dicina- 
aiiciorilatis, fed el f.ipofitinnea corum (fuce ti nominatis ddrlnnitn mllin- 
do.ii.1 culhnlivis pulribns facke fiittl . Beiied. Regel 9. 



B12 KARL DER GROSSE. 

machten bald auch die Bischnpfe sich das Predigen bequem ! Nach Ab- 
lesung des dem Tage zufallenden Bibelabschnittes aus dem Lectiona- 
lium lasen auch sie nur eine ältere lateinische Homilie darüber und 
lügten etwa hie und da eine umschreibende Erklärung bei: das hieis 
daini prtpdicare. So gieng noch vor Ablauf des achten Jahrhunderts 
der ganze Gottesdienst in lodtes Lateinisch auf, insofern auch ein 
lodles, als nur die Wenigsten der einheimischen Geistlichen selber es 
vrrslanden und sich diejenige Bildung anzueignen suchten, zu welcher 
ihnen damit der Zugang eröffnet war. Denn, um endlich noch auf 
einen Umstand hinzuweisen, w^elcher die deutsche und überhaupt alle 
Predigt wiederum aurücksinken liefs, die gesammte Weltgeistlichkeil 
mit seltensten Ausnahmen und in ihrer Mehrheit selbst die Mönche 
blieben den Wissenschaften fern, ja entbehrten oft ihrer ersten An- 
funge. Mufste doch (ich darf bei einer so bekannten Thatsache mich 
auf Ein treffendes Zeugniss beschranken das hier nahe liegt) noch im 
Jahre 802 Karl der Grolse eine allgemeine Prüfung anbefehlen, ob die 
Priester es auch verstünden in dem Formular dei- Seelmessen »lie 
männliche und die singularische Form der Worte je nach Erforderniss 
gegen die weibliche oder pluralische umzutauschen (Perlz. Mon 
Germ. bist. 3, 106). Was mögen da diese Leute gelegentlich auch 
aus den fremden Houiilien gemacht haben, deren Verlesung die Kirchen- 
ordnung ihnen auferlegte! 

Wie diesen einen bezeichnenden Zug, so lernen wir all die so 
eben Norgeführten Tbelstände hauptsächlich aus den Verfügungen 
kennen welche Karl der Grolse dagegen traf. Man weifs, wie viel 
dieser Ka-nig auch für das Christenlhum und die Kirche seines Reiches 
gethan, din-ch die h(eliere Würde und Weihe die er dem Gottesdienste 
verlieh, durch die sircngerc Sitlcnzucht die er auch unter den Geist- 
lichen herstellte, durch die gelehrte Bildung die er von denselben 
forderte und zugleich durch geeignete Einrichtungen ihnen ma'glich 
machte. Und so nahm er sich denn nach dem bisherigen Prediglun- 
wesen auch des Predigtwesens an und zwar so. dafs man deutlich 
sieht, er ei kannte in der Predigt und selbst in der blolscn dürftigen 
Catechisnmsrede doch den eigentlichen Mittelpunkt eines fruchtbaren 
Gemeiudegottesdienstes. Freilich Alles auf einmal konnte selbst der 
gewallige und gewallig durchgreifende Karl nicht befsern. Wir haben 
einen Brief Alcnins, worin dieser dem befreundeten Koenige sehie Be- 
denken vorlra^gt gegen die Aussclilielsung der Priester von dem Recht 
und der Pllichl iWs Predigens: E|i. 124 Audio per erclefias Citri fti 
quatnliiin ri>tijiieliidiin'iii iiini j'ttlis ItnidahUem,, quam reftra auttorilus 



KARL DER GROSSE. B13 

facile emendare poteft, fi tarnen vera eft opinio et non magis falfa 
excufatio, vt qvod farere non volunt prefbyteri fuis injiciant epi- 
fcopis. iS'am dirunt ah epifcopis interdictum effe prefbyferis ei 
(liaconis prtedicare in ecclefüs. — Dicnnt enim in quibns canonibus 
interdicttim fit prefbyteris prcedicare? — Quare in ecclefüs üb ique 
ab omni ordine clericorvm homilicB legunlur? Quid eft homilia nifi 
prcedicatio? Mirum eft quod legere licet, et interpretari non licet, 
ut ab Omnibus intelligantur. Dennoch ist in diesem Sinne kaum 
Eine WM-orcinnng des Kffnio-s erfolgt : solche genug, wie wir gesehen 
haben (S. 299), die den Priestern hlofs die Catechismusreden anem- 
plehlen. Auf Vortr^pge der Priester, wie jene den Bischcefen vorbe- 
halfenen. auf Verdeutschung und Erkla?rung also der verlesenen latei- 
nischen Homilien. laefsl sich nur ein einziges königliches Gebot vom 
Jahre 802 beziehen, das in dreifacher Fafsung vorliegt : Prceceptvm 
eft — nnnmqueinque examinare — orationem dominicain qttomodo 
intellegant, et ipfam orationem rel fymboli fenfnm pleniter difcant, 
et fihimetipfis fciant et aliis itifinuarc prceimleant. Uf cannnes et 
librum paff oralem (vgl. S. 307 u. 318) //^rwo/i et homclias ad erudi- 
(ionem popidi diebus fingulis fefticitatum congruentes difcant (Capi- 
Inlare generale cp. 10. 11. Pertz 3, 106); Homelias orthodoxorum 
patrum quomodo intcllegitis cel alias inftrucre fcitis (Capitula exa- 
minationis generalis cp. 6. Pertz 107); Omelias dominicis diebus et 
folemnitatibus dierum ad prcedicandum (Capitula de doclrina cleri- 
cornm cp. 12. Pertz 108); nfpchstdeni ein Beschlufs der Mainzer 
Ivirchenversamndung von 813 dafs wenn ein Bischof an Sonn- oder 
Festtagen verhindert sei. doch für die Predigt jemand anderer d. h. 
ein Priester ihn vertreten solle : can. 25 Si forte epifcopus non fuerit 
in domo fna, anl inftrmus eft, aut alia aliqna causa exigente non 
caluerit, nunqiiam tarnen de fit diebus dominicis aut feftivitatibus 
qui verbum dei prcedicare juxta quod intclligere mdgus poffil 
(Harlzheim, Concil. German. 1, 410). Da braucht man sich auch 
nicht zu wundern dafs es im Frankenreicli Geistliche gab denen 
nicht einmal die Bibel bekannt war : wirklich konnte Theodulf Bischof 
von Orleans die Pfarrer seines Sjjrengels in, solcher Art zum Unter- 
richte der Gemeinden anmahnen, dafs die von ihnen, welche die heil. 
Schrift verstünden, diese erkla^ren, welche sie aber nicht kennten, 
sonst den Laien vortragen sollten was sie das Gute thun und das 
B(jese meiden lehre (Capitulare ad sacerdotes cp. 28 bei Harduin, 
Concil. 3, 918). Mit den Priestern also liefs es Karl im (Ganzen noch 
beim Bisherigen bewenden, und wenn sie gleichwohl mit dem weiteren 
Altd. Predigten. 21 



314 HOMILIARIEN. 

Verlaulc der Zeil in ilir ursprüngliches Recht wieder einyelrelcn iiinl 
wiederum iuuli die Prediger ihrer Gemeinden geworden sind. si> l'dlgleii 
sie damit nur, willig oder unwillig, dem allgemeineren Vm- und Auf- 
schwuiiiTO den überhaupt die Folgezeit bringen sollte. Dagegen mit 
den Bischoefen liefs es Karl nicht so bei der bisherigen Anden Übung : 
von ihnen durfte der Koenig mehr verlangen, und zugleich wohl er- 
wartete er. dals so wie sie sidber Herberes leisteten, sie nach und 
na(;h auch die IMarrgeistliclien nach sich ziehen und gerne die Hand 
zu deren Hebung bieten würden. Mochten sie nun auch die Art M)n 
Predigten die sie sich vorbehielten nicht grade mit Eifer id)en. oder 
mochte es ihnen wirklich zuweilen an Stofl" für diefs Predigtlesen ge- 
brechen, genug, Karl der Grofse liefs schon im Jahr 782 durch den 
gelehrten Langobarden Paulus Diaconus eine Sammlung von lateinischen 
Predigten (traclahis atqiie fcrmones) auf alle Sonn- und Festtage 
fertigen ■••') und stellte sie dann mit einen» empfehlenden l{undschreib<'ii 
den Bischoefen des Reiches zum Gebrauche zu (Pertz 3, 44 fg.). W'w 
haben diefs Homiliarium noch, handschriftlich und auch mehrfach ge- 
druckt; nur wird da fehlerhalter Weise als Samnüer desselben Alcuin 
genannt (vgl. Baehrs Gesch. derRoen». Lit., Supplem. 1, 158. 3, 335 fg.). 
Es enthalt an 200 Predigten all der berühmtesten Vseter beider Kir- 
chen, die griechischen natürlich in Latein übersetzt : ähnliche ältere 
Sannnlungen, wie jene die dem heil. Burkhard, Bischöfe von ^^'ürz- 
burg, zugeschrieben wird (Eckharl, Franc. Orient. 1, 837 — 846), waren 
um vieles ärmer und von nicht so mannigfachem und so oedidiuMem 
Inhalte gewesen; andre von Rhabauus Maurus und Haimo von llalber- 
sladt folgten nun alsbald nach. Das Honnliarium von 782 und Karls 
Einführungschreiben dazu liefsen noch die bisherige Prediglart der 
Bischoefe gelten und wiesen nur auf eine treuere Pflichterfidlung inner- 
halb der damit gezogenen Schranke hin : den grofsen Schritt, der 
über diese Schranke hinausführen sollte, der nur leider dem KdMiige 
nicht g(!bidn-eml nachgethan ward, wagte Karl erst am Hlnde seines 
Lebens: da, im Jahre 818. ward durch ihn selbst und durch die 
Kirchenversammlungen von Rheiuis inul i\lainz den Bisclioefen auferlegt 
die Homilien die sie bisjier nur lateinisch vorgelesen in der Sprache 
des Volkes vorzutragen oder vortragen zu lafsen : De officio prwdi- 
vationis, ut juxta quod intellegere riilgiis pussit assidue ftal (("apit. 
Aquisgran. 14. Perlz 3, 190); ut epifcopi fcrmones et homilias 
fanctormnpatrum, prout omnes intelligerc poffint, feciindum proprir- 
tatem linguce prcedicare studeant (Conc. Rem. can. 15. Labbei Concil. 



'') (S. hieriil.er Uaiiiv.-, Tluol. .SHi.l. ii. ivril. 1855, 382-39G.J 



GEBOT VERDEUTSCHTER PREDIGT. 315 

7, 1256); nunquam de fit diebus dominicis auf feflinitatibus qiii 
verbnm dei prwdicare juxta qvod int elligere culgiis poffit (Conc. 
Moofunt. can. 25. Hartzhciin. Concil. Germ. 1. 410): und im gleichen 
.Iniire oab eine drille Synode, die zu Tours, dem Gebole noch die 
bestimmtere Fiifsung-, die Homilien s(dlten je nach UnivStänden entweder 
in die romanische oder in die deutsche Sprache übersetzt werden : ul 
easdem homilias quisque (e|)irco|)us) aperte transferre ftudeat in 
rufiicam romanam linguam aut iheodifcum, quo facilius cuncti 
poffint int elligere quce dicantur (can. 17. Labbeus 7. 1263). Diese 
letzte Verordiinnor, welche ausdrücklich auch die beiden Volkssprachen 
nennt, ward um ein Mensclienaller spater, im Jahre 847. w«n'llich 
wiederholt von der Kirchenversammlung zu xMainz. welcher Rhabanus 
Maurus vorsals (can. 2. Hartzheim 2, 154). Deutsche Übersetzung-, 
deutsche Erkhrrung der Homilien : demselben Krenige also, der die 
erste deutsche Grammatik verfalsl. der schon die alten Heldenlieder 
des Volkes gesannnelt hat (Einhardi Vita Karoli 29), und demselben 
obersten Bischöfe der Deutschen, der zugleich recht eigentlich der 
erste deutsche Theologe war (er connnentierte seinen Schülern die 
heilige Schrift ni der Sprache der Heimat : vgl. Holfmanns Althochd. 
Glossen IV tgg. Rud. v. Raumer a. a. 0. 82 fgii.'), Karl dem Grofsen 
und mit ihm dem Bischöfe Hraban sollten wir auch eine neue, zweite 
(Grundlegung der deutschen Predigt verdanken. 

Aber die Grannnalik und das Liederbuch Karls des Grofsen sind 
verloren gegangen und ebenso bis auf einzelne verwehte Spuren der 
Bibelconunenlar des Rhabanus Maurus : auch von den deutschen Pre- 
digten die sie eingeführt oder verlangt haben besitzen wir keine 
mehr, und doch inülslen sie, falls man sie der Aufzeichnung wert!« 
gehallen hätte, zahlreich und an vielen Orten vorhanden sein. Man 
würdigle sie also nicht der schriftlichen Aufbewahrung, oder vielmehr, 
es war nicht viel zum Aufbewahren da ; man befolgte das Gebot nicht 
so, wie Karl es erwartete: sonst hatte sich Rhabanus Maurus niclil 
veranlafst gefunden im Jahr 847 ganz dasselbe noch einmal zu ver- 
ordnen was schon im Jahr 813 verordnet war. Die Lässigkeit der 
Bischoefe dauerte wenig oder gar nicht gebefserl auch im neunten, sie 
dauerte auch noch im zehnten Jahrhundert fort ; an Handschriften 
lateinischer Predigten ist aus dieser Zeit kein Mangel, und auch an 
deutschen Calechismusreden fehlt es aus derselben nicht, an deutschen 
Predigten aber fehlt es so gut als gänzlich. *) 

■-") [Eine Spur von solchen findet sich in einem Biichcrverzeichniss des zehn- 
ten Jiihrhunderl."* aus S. Enimerani zu Kegensburg, das fermones ad pn- 
piduin li'iiliinire erwälnd, S. Naumunns Seiii|)euni 1841, S. 261. J 



316 SACHSEN. BERNOLD. 

So jedoch mir. wenn wir den Ausdruck Deutsch in seinem eniicren 
Sinne nehmen, wo es wie jetzt so viel als Hochdeutsch ist. Oeini 
bei den Sachsen, wie deren Littt'ratnr schon IVidizeitig und der hoch- 
deutschen Aveit Noraneilend in (Jelialt und Form (he prosaische Hich- 
lung eingeschlagen, wie man da schon uiri die Jahre 900 und lOOO 
die Einkünfte o-eistlicher Stille frei in der Prosasjirache der Heimal 
verzeichnet hat *"). bei den Sachsen linden wir. damit ganz zusammen- 
stimmend, schon im neunten und um den Beginn des zehnten Jaln- 
hunderts einige Beweise dals sie geneigter, sie bcfser bcf'aehigt ge- 
wesen seien, in eben dieser Spraclie auch zu predigen. Je gewalt- 
samer dieses Volk war bekehrt worden, desto tiefer in sein Mark 
(das zeigt uns seine ganze Geschichte im neunten und zehnten Jahr- 
hundert) gieng die religioese Erschütterung, desto gro'fser und leben- 
diger war nun sein Eifer für den neuen Glauben. Jener Bernold, bis 
zum Jahre 840 Bischof von Strafsburg, (h'ii ein gleichzeitiger Dichter 
ausdrücklich deshalb rühmt, dafs er seinem Volke die heilige SchriH 
in der harbara lingua predigend deute*^'). war von Herkunft ein Sachse, 
und es ist eine Handschrift des westftelischen Krauenstiftes Essen, in 
welcher um das Jahr 900 die Homilien Gregors des Grofsen sichtlich 
zu dem Zwecke mit sächsischen Glossen sind begleitet worden, dals 
damit dem übersetzenden Vortrag auf der Kanzel sollte nachgeholfen 
sein (Lacond)lels Archiv für die Geschichte Ai'i^ Niederrheins 1. 1, 9). 
Noch mehr : die gleiche Handschrift gewählt eine ganz in der Sprache 
des Landes abgefafste Predigt für das Allerheiligenfest. Sie ist das 
älteste Denkmal der Art welches Deutschland keimt, und so wird es 
nicht unangemefsen sein dasselbe hier auch mitzutheilen (Lacomblel a. 
a. 0. 11 fg. Mülleiih. u. Scherer Nr. LXX. Heyne Nr. V). ■■ •'" 

'") Die Hlssencr HeI)eroiIe in I.iicomblcls Archiv f. d. (ieschiclite des Nieder- 
rlieins 1, 1, 12 fg. und die von Freclientiorst in Dorows DenliniaMern idler 
Sprache und Kunst 1, 2. [Jetzt bei Heyne, Itleinere «nttniederd. Denitm. Nr. 
IV u. VI.] 
"") Barbara Ungua fibi fcripliirw ncicia lacrtp, 

IS'i find ayUcüds infiniiofiix ri. 
Hie populo nnln fcripluras fraiigere ccrbo 

Cerlat el affiduo vomcrc corda lerit. 
Ernioldus Nigeilus in Pertzens Monuin. Germ. hisl. 2, 519. An eine Bibel- 
übersetzung «iiirf diil)ei niclit gedaclit werden : das Brolbreclien ist aucli ander- 
weitig ein Bild für die blolsc Erlilii-rung, nicht die Übersetzung der Scliril'l 
(z. B. Oll'r. 3, 7, 50 fgg.J, und die biblische Vergleichung der Predigt mit 
dem Werke des Ackermannes war so geläufig, dafs ein Prediger auf Lateinisch 
fpcrmologus oder feminiverbius hiefs (s. du Cange), ohne den tadelnden 
Sinn den <lie leiden Worte ursprünglich (.Act. Aposl. 17, 18j haben. 



PREDIGT VOM PANTHEON. 317 

Vui lefcd tho fanchts bonifacins pauos an roma uuas. Ihat he 
bedi thena kiefur aduocalum. that he imo an romo en hns gefi. that 
tkia liiidi uuiton pantheon heton. wan thar nnorthon alla afgoda 
inna begangana. So he it imo tho iegiuan hadda. fo fvteda he il 
an ufes drohlines era. ende vfero fruon sancte marinn. endi allero 5 
criftes martiro. le thiu alfo thar er inna begangan miarth thiu 
inenigi fhero diuuilo. that thar nu inna begangan mtertha thiu 
gehugd allero godes heUgono. He gibod tho that al that folk thes 
dages alfo the kalend nouember an ftendit te kerikön quami. endi 
alfo that gödlika thianuft thar al gedon was. fo loither gewarf \0 
nianno geioilik fra endi blithi te hns. Endi thanana fo timrth ge- 
woHohed that man hödigo ahter allero thero waroldi beged thia 
gehugd allero godes heligono. te thiu fo miat fo vui an allemo 
themo gera uergomelofon that loi it al hödigo gefullon. endi that 
vui thur thero heligono gethingi bekuman te themo ewigon liua. 15 
helpandemo ufemo drohtine. 

Die Erzählung wie der heilige Pabst Bonifacins von Kaiser Phocas 
(aus (lein hier durch Mitehmiischuno- eines bekannten Titels der spgp- 
leren Kaiser ein Kaiser Aduocatus wird) das Pantheon erbeten und 
diesen Tempel aller Götter nun allen Heiligen geweiht habe, war seit 
Beda. in dessen Martyrologium sie zuerst und zweimal vorkommt 
(Opp. ed. Basil. 1561. 3, 415. 464), das ganze Mittelalter hindurch 
eine der beliebtesten und häufigst vorgetragenen (Massmanns Eraclius 
S. 475 fg.): der Sachse des zehnten Jahrhunderts mochte sie aus 
der Vorrede zu Reginos Chronicon (Pertz, Mon. Germ. hist. 1,550) 
schöpfen.*) Als Legende des Allerheiligentages kehrt sie öfters auch 
in Predigten wieder : eine mittelhochdeutsche, deren Bericht sich naeher 
an die Mirabilia Romse oder ein dem ahnliches Werk anschliefst, in 
unsrer Sannnlung Nr. XXXV.*'") Und auch obiges Stück ist, wie der 
Schlufs ganz deutlich zeigt*"**), eben nichts als eine Predigt d. h. 
ein Vortrag vor der versammelten Kirchgemeinde. Allerdings nur 
erzählend und von sfcrino-em Umfang-e, ofleich den Predifflen des heil. 
Bonifacins (oben S. 309) und noch manchen spseteren. So ward der 

2 romoj o i)ezeicliiiet liier und nacliiiei' lieinen Diplilhongen, sondern nur die Un- 
enfscliiedenlieit des Schreibers zwisclien den Lauten o und w. 

■-) [Er tiat sie aus Bedas Homilie auf Atlerheiligen übersetzt: s. dessen Werke 
Basil. 1561. 7, 211.] 
"""") Mit der azibyle XXXV, 35 ist Cybele gemeint. 

••"■") Z. 16 helpandemo ufemo drolUine wie preslanle domino noflrn 
XXXVII, 26. 



318 HINDERNISSE DEUTStHEK rREDUJT. 

Gollrsdinist nirhl ühtM-iiia^fsiir aiisfrcMlchnt. iiiul man rrwics sich iiacli- 
ffiehiii gcüfeii die BiMlürfiiissi' und Gcwohiihcilen des Laieiivolkes : 
solch eine PrcdiiTt war nfleichsaiii nur die Prosaüberselznno eines 
episrhen Volksgesanges. Letzlere [dlegen damit zu beirinnen, dals 
sie auf die Autorilspt der Ueberlieferung sieh berufen, z. B. das Hilde- 
brandslied Ik (jiharta dhat ser/gen, der Leich von Christus und der 
Samarilerinn Lesen tn7\- chvn so nun auch der sächsische Prediger 
Viti lesed. 

Für die Sachsen also des neunten und des zehnten .lahrhunderls 
Beweise und sogar ein noch erhaltenes Beispiel von Prediul in der 
Landessj)rache. Indessen sind das nur vereinzelte Ausnahmen, und 
jedesfalls liegen sie ausserhalb des Gebietes das unsre Darstellung 
hier beschbvgt, aulsorhalb des Entwickelungsganges der hochdeutschen 
Lilleralur und Predigt. In diesem aber woher nun solch ein Zoegern 
und Versäumen und solcher Mangel? Man hatte doch bereits im achten 
Jahrhundert angefangen die deutsche Sprache in den Dienst der Kirche, 
des Christenlhuuis, der Gelehrsamkeit zu geben, und das neunte schritt 
auf den erölfneten Wegen geschäftig fort;*) man glossierte aulser 
den beliebten Classikern mit besondrem Fleifse die heilige Schrift uiul 
andre Schriflcn dci- Kirche, auch Prediglsanunlungen wie namentlich 
die Gregorianische (Raumer 111). und ebenso jenes Lehrbuch der 
Predigt uiul der Seelsorge, den Liber pastitralis des Gregorius (oben 
S. 307 u. 313): Räumer 109 fg. verzeichnet davon nicht weniger als 
17 solcher Handschriften; ja man unternahm neben mancherlei anderen 
Ueberselzungswerken wiederholendlich auch die Verdeutschung biblischer 
Bücher, des Evangelium Matlh<Ti im achten, der Evangelienharmonie 
des Aunnonius im neunten Jahrhundert, l'bersehcn wir aber nicht 
für wen und für welche Zwecke zunaechst man all dergleichen Ar- 
beiten bestimmte. Für die Geistlichen, um diese, wenn sie aus der 
Fremde hergekonuncn waren, dii^ deutsche Sprache, wenn sie aber 
aus Deutschland selbst gebürtig, die lateinische verstehn zu lehren ■."■'•■) 

*) Icli verweise auf die reiclitialti(ie und wohlgeordnete Übersiclit der LiUeraUir- 
deniuuH'icr in dein Werke Rud. v. Hauniers über den Einflnfs des Ctiriülcn- 
tlunns au! diu Aldiuclid. Sprache. 
" '**) Auch die carmma diverfa ad docenünm llieolifcain Unguavi, die sicli 
nacli der lirUanntcn Stelle eines Keichenaiier Calalogs (Neugarl, Epistopat. 
("onstanl. 1. 550) eejren die Mitle des nennten Jahrhumierl« in der Horlisren 
niiilioliwk befanden, können nur liir den riitcrricbl Fremder l>estirninl j;o- 
wesen sein : Deutsche ihre eigene Sprache zu lehren, daran (lachte man um h 
damals nicht, und auch die (»ramnialik Karls des (iroCsen (S. 315; h;it diesci; 
Zweck siclicrlich nicht «ehalj!. 



POESIE DER DEUTSCHEN. 319 

l.rtztcrtM- Zweck lag iialiii-lioh häufiger vor: ihm dienten besonders die 
Glossen und die Interliuearversioneu. wie der Benedictinerregel und 
der Anihrosianischcn Hymnen. Selbst die Verdeutschungen von Isidors 
Tractat de Gentium Vocatione, der 76. Predigt des heil. Augustinus 
und noch einer andern Predigt, welche sich, die letztere bis auf den 
Schlufs verkürzt, in Monseeischen Bruchstücken zu Wien erhalten 
halxMi, siiul schwerlich zu Yortrfegen in der Laiengemeinde gebraucht 
woi-dcn : dafür wahren sie viel zu lang gewesen ; zudem gehceren sie 
dem achten Jahrhundert an. wo die verdeutschte Homilie noch nicht 
geboten war. Sie sollten nur die Geistlichen selbst unterrichten, der 
Tractat de Gentium Vocatione über das Verhältniss zwischen Chrislen- 
!hnm und Heidenthum. die Augustinische Predigt über den Vorrang 
des Apostels Petrus und somit die Obergewalt der spaeteren Bischosfe 
Roms : jener folgt zum Behuf der noch schwebenden Bekehrungs- 
arbeit derselben Richtung, in welcher der gleichzeitig verdeutschte 
und in der gleichen Handschrift mit enthaltene Isidorus de Nativitate 
Christi liegt*); diese schliefst sich dem Streben des heil. Bonifacius 
an. die neubegründete Kirche Deutschlands abhängig zu machen von 
der R(emischen Mutterkirche. 

Deutsche Übersetzungen und Glossare für die Geistlichkeit brachten 
aber noch nicht mit sich dafs diese nun auch dem Volke mit ver- 
deutschten Homilien oder gar fnit ursprünglich deutschen nseher trat. 
Denn hier ist wiederum das nicht zu übersehn, und jene Geistlichen 
werden es selbst am besten wahrgenommen haben : das ganze Geistes- 
leben und die ganze Sprachgew öhinuig des Volkes der oberen Lande 
waren damals noch nicht der Boden in den auf solche Weise das 
Wort Gottes hätte können geptlanzt werden : die Oberdeutschen wenig- 
stens waren jetzt noch uueingerichtet für Prosa und Didaxis : von 
poetischem Sinne jezt und jederzeit tiefer als die Sachsen erfüllt, 
standen sie noch so fest mit beiden Füfsen in dem Zeilalter des epi- 
schen Gesanges, dafs dieser einstweilen die einzig mögliche Form 
einer wirksamen Mitlheilung Avar. Und ihrer sich zu bedienen haben 
auch die Geistlichen nicht verschnifeht: hochdeutsche Predigten sind 
aus all den Jahrhunderten bis zum Beginne des eilten nicht auf uns 
gelangt, wohl aber mehr als eine hochdeutsche Dichtung geistlichen 



-) Die in dem Buch de Nativitate eiUhaitene Beweisfülirung gegen die Ein- 
wendungen der Juden war meist aucti gegenüber den tieidnisclien Einwen- 
dungen zu gebrauchen ; beide Isidorischen Wcrlte konnten besonders solchen 
Geistlichen dienen, die narh dem R-.ilbe Daniels von Winchester (oben S 308) 
sich mit den Heiden auf dialectische Erörterungen einlai'sen mochten. 



820 OTFKIKI). ALFRED. 

Inhaltes und epischer Fonii. Die hedeuleiulste iiiul iiiiirtirsendsle der- 
selben, das grolse Evang-elienhiuii Olfrieds von ^\'eil'senbllI•ü[. hat wenig 
volksmaefsiges, es ist gelehrt inui mönchisch durch und durch, es kann 
in seiiuT moralischen Anwendung und allegorischen Ausleginig i\vs 
Stülles eben recht deutlich machen wie cnllremdet dem einfach ge- 
sunden Sinn des Volkes die Anschauungs- und Darstellungsweisc der 
Kirche war, und doch gab Otfried ihm die Liederform : denn er wollte 
auf das Yolk einwirken: er hatte die allegorische Behandlung, die 
zuerst Origenes aufgebracht, grade aus älteren Homileten gelernt, aus 
Augustinus und Gregorius (5, 14. 25 fg.). als Presbyter hat er wohl 
auch selber oft gepredigt, die Gewöhiunig daran klingt ganz ver- 
nehudich hervor, wenn er einmal einen Abschnitt (1. 7), ebenwie das 
in Predigten üblich war, mit der AuIForderung zum Gebete schliefst, 
und doch gab er seinen Lehren und Erzählungen nicht die Predifrt- 
foriu, sondern die des ejjischen Liedes : deim er wollte auf das Volk 
einwirken. Schon ein und zwei Jahrhunderte früher hatten Bonifacius 
und Galhis Predigten von durchaus epischem Inhalte vorgetragen (oben 
S. 308 fg.), aber nicht in dieser e|»ischen Form, und darum nicht so 
ganz im Sinne des Volkes, als vielleicht ihre Absicht war. 

Die Bemühungen Karls des Grofsen und die Erfolglosigkeit der- 
selben die bisher geschildert worden finden ihr Gegenbild an dem. 
was im gleichen Jahrhundert ein Geistesverwandter Karls, Alfred der 
Grolse. für die Kirche und die Sprache seines Volkes zu thun ver- 
suchte (Neanders Gesch. der christl. Religion und Kirche 4, 279-281). 
Auch er erkannte die Nothwendigkeit den chrisilichen Glauben und 
die damit verbundene Bildung den Laien naduT zu rücken indem die 
Sprache der Laien zu kirchlichem umi wifsenschaftlichem Gebrauch 
erhoben würde ; unterstützt von Gelehrten die er berief, von Schulen 
die er grimdete, legte er noch selber Hand aus Werk und übersetzte 
irnt Geist und Gewandtheit manches zweckdienliche Buch in das Angel- 
sächsische, z. B. auch den Liber pastoralis. Die Deutschen waren 
immer nur bis zu Glossieruiifjen desselben oehmgt (oben S. 318). und 
so macht überhaupt alles was Kcenig Alfred in dieser Richtung unter- 
nomnum viel mehr den Eindruck einer ganzen vollen Schöpfung als 
die Bestrebungen Karls. Aber nach seinem Tode kam auch hier 
wiederum der Rückfall thcils in die Latinit.Tt. tlieils in die Barbarei, 
und erst einem Ethelwold von WiiU'hester. in der zweiten Hälfte des 
zehnten Jahrhunderts, ward es nupglich die verlorenen Wege neu 
anzubahnen ; ihm folgte seil dem Beginn des clflen mit rüstigem und 
segensreichem Wirken der Minuh Alfric, ausgezeichnet als Gelehrter, 



ALDHELM. 321 

als Scluiltiiaiin imil als Predijacr in der Sprache des Volkes. Zwar 
jene Nationalität der Kirche, nach welcher AH'red gestrebt halte, war 
einmal verscher/J, und es stellte sich der angelsächsischen Predii>l 
nach nie vor dasselbe HindtM-niss entoeoen, das wir zuletzt in Deutsch- 
larul haben kennen lernen, der überniachtioe Trieb des Volkes zu 
epischem Gesänge. Aber das Hinderniss war hier doch geringer, weil 
sich die Geistlichkeit der Angelsachsen von Anfang an weniger schroll 
auch gegen das weltliche Volkslied verhalten hatte als die der Deutscheu, 
und die kluge Milde mit der sie Nachsicht und Nachgiebigkeit iil)le 
den Gegensatz immer mehr vermitteln half. Wir haben eine angel- 
sächsische Predigt zum Gcdächtniss des heiligen Bischofs Cudhberht 
(Leo, Ältsächs. u. Angelsächs. Sprachjtroben 23-39), welche durch- 
weg erzählend und mit gehäuften AUitterationen ausgeschmückt isl. 
in welcher sogar die j)rosaische Rede wiederholendlich vertauscht wird 
gegen ganze lange Reihen regelmaefsig gebauter Verse. Noch zu- 
IrelFeuder ist ein Zeugniss schon aus dem zweiten Jahrhundert vor 
Koenig Alfred: von dem heil, Aldhelm wird berichtet Nativce quoque 
lingiiw non negligebat carmina, adeo ut tefte libro Elfredi mala 
unquam cetate par ei fueril qnisqvain poefim Anglicani poffe facere, 
cantum componere, eadem appofite vel canere vel dicere. Denique 
rommemorat Elfredns carmen trioiale, qund adhuc (d. i. 1 1 25) 
vulgo cantatur, Äldhebmim feciffe, adjiciens canfam qua probet 
ralionahililer tantum ^Hrum his, quce indeantur frivola, inflituiffe 
populum €0 tempore feint bar bar um, parmn divinis fermonibus inten- 
tiim, [tat im cantatis miffis dontum curfitare folitum. Ideo fanctnm 
rirum fuper ponteni qni rura et urbem conti nuat abeuntibus fc 
oppofuiffe obicem, quafi artem cantandi profeffum, eo plus quam 
l'emel facto plebis favorem. et concnrfum emeritnm. Hoc commento 
fenfim inter ludicra verbis fcripturarum infertis cives ad fanitatem 
reduxiffe ; qui fi fevere et cum excomnmnicatione agendmn putaffet, 
profecto lufiffet operam, profeciffet nihil (Mone im Anzeiger für 
Kunde der leutschen Vorzeit 6, 170 fg. ans der Vita S. Aldhelmi 
cp. 2 bei Mabillon, Acta Sanct. Bened. 4, 1, 684). Bei solchem 
Verfahren wird es begreiflich wie die Litteratur der Angelsachsen 
nicht arm ist an homiletischer Prosa, ja verglichen mit der hoch- 
deutschen Litteratur derselben Zeit sogar einen gewissen Reichthum 
daran besitzt. 

Kehren wir nach Deutschland zurück. Die deutsche Predigt, die 
gleich nach den Zeiten der Bekehrung wieder veisiummt, die trotz 
den hilfreichen Anstrengungen Karls vor der lateinischen Homilie und 



322 ELFTES .1 AHKHl'iNDEKT. 

flciii Gcsanif des Volkes zmiick(rc\viclieri war, und fast mir auf der 
niederen Stufe diM* Calc^cliisMiiisrede noeli ein ferneres Dasein fristete. 
in deinselhen .lahrhunderl. wo die angelsäehsische Predigt zu neuem 
Leben erwaelile. schwaiio aucli sie mit frischen Kräften sieh empor 
mn von nun an niimnermehr zu sinken, um wenn auch hmgsam, (h)eh 
\(>n nun an ohne Stoeken einer stacts hoeheren VollenduuLr entgegen 
zu gehn. hn elften Jahrhundert, also erst in dem. welches das halbe 
Jahrtausejid der althochdeutschen Litteralur beschliefst : recht zum 
Zeichen dafs diese LitteralurpericMle selbst für die Predigt noch nicht 
berufen war. dafs sie nur noch den Anfang machen, die Weiterführung 
und Ausbildung aber das eigenthiunliche Werk der na^chstfolgenden. 
der mittelhochdeutschen, sein sollte. 

Es wirkte im Verlauf des elften Jahrhunderts mancherlei zusam- 
men nas solch eine Wendung zum Befsern nurglich. ja unausbleib- 
lich machte. Der Characler der ganzen Litteratur war jezt ein andrer 
und zwar ^^esentlich prosaischer geworden: eine Äiulrung die vor- 
züglich an das Kloster S. Gallen und hier au den Namen Nolkers 1)1. 
des Hauptes einer IhaMigen und fruchtbaren Übersetzerschule, geknüpft 
ersehehit. Die Form der Rede, der Predigt war somit n?rher gestellt. 
auch der entsprechende Geist und (iehalt bereitete sich. Der ge- 
waltige Aufschwung im Gebiete der hoechsten Wii'senschaflen welcher 
das zwölfte Jahrhundert welthistorisch auszeichnet beaann. nicht eben 
unscheinbar, schon widn'end dv:^ elften luid l)erührte da schon Deutsch- 
land. Es bezeugt das Williram. ein Fuldischer Mönch . in dem latei- 
nisch geschriebenen Vorwort seiner Verdeutschung und Paraphras(; 
des Hohen Lietles : Vmim in Franria comperi Lantfrancnin nomine, 
antea maximc valentem in dialeclica, nunc ad ecclefiaftira fe von- 
luliffe ftudia et in epißolis Pauli et Pfalterio multorum fua fublUi- 
fafc r.raruiffe inc/enid. Ad quem audiendum cum multi noftralum 
cnnfhiant, fpero quod eins exemplo etiam. in noffris prorinriis ad 
midlnrum ulilitatem inänftrire fnce fructum producant. Hiezu noch 
die Aufreiiung und Erhebung der Gemiitlier die \on den vernu'hrteu 
Pilgerfahrten nach Jerusalem, dami von der Aullordernng und deji 
Rüstungen zum Krenzzuge kam. Damit waren der Poesie*), ztigleich 
aber auch der rednerischen Prosa neue lebensvolle Stoffe zugeführt : 
es begannen jezl die Kreuzpredigten. 



*) £::o Ichohiflicus, rir omni ptpicnlid cl cloqucnlin pra'dilus, qui hi rnrlrm 
idiicir (nadi .ItTiisalcin im Jnhr l()()5j raiilüruain de inirnrnlix Chrijli 
palria liyigua nnbilHer cn>nptif}iil : I,cl)en Biscliof Altniaiins von Pafsiiii tiei 
l'ez, Script, ri-r. Anstr. 1,117. j Dii.'! (Jcdiilil sell)sl Lei Miillenli. ii. Sei). Nr X\XI.| 



IVOTKERS PSAF.iMEN. 32H 

In S. GhIIcm selbst und an (Irr (jivnzc des zelnilcn nnd rlfliu 
.lahrhiniderls. auf welche Notkers ThaMigkeil fällt, konnte sieh die 
vollere Wirkung all dieser Umstände freilich noch nicht zeigen. Wir 
haben sogar in einer S. (jallisclien Handschvifl dieser Zeit noch ein 
recht schlagendes Beispiel von der kirchlichen Missachtnng der Laien : 
nach einer deutschen Beichtrede, die auch nur ans dem Lateinischen 
übersetzt ist, eine nnid)ersetzte lateinische Predigt (Hattenier 1, 328). 
Aber gleich daneben stellt sich zu einer fast noch mehr als billigen 
Vergütung das Hauptwerk Notkers, die Übersetzung und Erkla^-ung 
der Psalmen. Denn diese war nicht gleich anderen Büchern nur l'tn- 
das stille Lesen bestimmt, sondern wie S. Augustinus über die Psal- 
men gepredigt hat (vgl. noch bei Notker den Eingang des llSten). 
so hat auch Notker seine Verdeutschungen theils vielleicht als Tisch- 
reden, Iheils und gewiss beim Gottesdienst in der IClosterkirche vor- 
getragen. Nach Beendigung des 88. Psalmes heisst es Explicit fermn 
fernndus hahitns per nirgilias Sancti Cypriani. Hier ist ende difes 
pfatmi, der ze zeuuein mattinon Sancti Cypriani gebredigot uuard, 
und der 38ste schliefst mit einem Zuruf an gegenwärtige Heerer: Hie 
laudale donmimn, qvoniam homis pfahmis. Die verloren gegangene 
Bearbeitung des Hiob wird ebenso gemeint gewesen sein, um so 
mehr als ein zweites, mitverdeulschtes und mitverlorenes Werk, des 
heil. Gregorius Moralia in Job, schon in seiner Urschrift gleichfalls 
zu kirchlichen Vorlesungen gedient hat (Greg. Epist. 12, 24). Red- 
nerische Kunst ist nun zwar in jenen Psalmenvortr<egen nicht vor- 
handen : sie begleiten den Text nur mit geistlicher, oft sogar mit 
philologisch-antiquarischer Auslegung, und bleiben mithin bei derselben 
Behandlungsweise stehn, deren man vom Vaterunser und den Glau- 
Ifenssymbolen her gewohnt war, wie denn anhangsweise diese Stücke 
oieichfalls verdeutscht und erkla^rt sind (die Wiener Handschrift, die 
auch ein Beichtformular enthält, macht damit den Catechismus voll- 
ständig: vgl. oben S. 295), aber es verdient Beachtung als ein unlei' 
den Umständen die bisher gewaltet heechst bedeutender Fortschritt, 
<iafs die deutsche Rede, der man noch kaum einen Platz in der Laien- 
gemeinde hatte gönnen wollen, hier sogar in Kirche und Refectorium 
eines Klosters eingeführt ist. Damit war endlich und am sichersten 
die Bahn gebrochen: von nun an mufste auch in den Leulkirchen 
iWc deutsche Predigt immer häufiger werden. 

Wirklich auch tritt alsobald mehr als ein Beispiel uns entgegen, 
und schon im elHen Jahrhundert treffen wir da auf jenen hoeheren 
Schwung der Gedanken und der Worte, welcher der rednerischen 



324 BAMBERGKR BEICHTREDE. 

Dar.stclhiinj; eigen isl, und da stliun, wenn wir es auch mit der Be- 
iieiinung strenger nehmen, auf eigentliche Predigten. In einer Hand- 
jjcluift dieser Zeil, die ehemals den Dominicanern zu Bamberg gehccrt 
hat, findet sich eine Schihlerung des Himmels und der Hölle (Haupts 
Zeitschr. für Deutsches Allerth. 3,443-445), deren Aufzeichnung nur 
erklärlich whd. wenn sie et\\a als Hauptstück einer ßeichtrede hat 
dienen sollen : es geht iiir auch ein (Jlaubens- und ein Beichtfornudar 
voran (Haupts Zeitschr. 5, 453-461 j. Sie ist in Prosa abgefal'st : -j 
aber wenn bereits dieses Formular eine Ausführung in mehr redne- 
rischer Weise zeigt, so nun gar sie den lebendigsten sinnlich an- 
schaulichsten Stil, eine so reich und gUinzciid ausgeschmückte, so 
durchaus poetisch gehobene Darstcilungsart, wie nirgend zuvor, selbst 
ijn SGallischen Boethius nicht erreicht worden. Aus Willirams 
Hohem Liede dürfte man wohl schliefsen, dafs auch mancher Prediger 
des elften Jahrhunderts so überaus arm Avie er an Geist und Geschmack 
gewesen sei : dieses Bamberger Denkmal giebt uns ein gewisses Zeugniss 
von hoeherer Befa?higung, schoeneren Leistungen. Selbst was an an- 
deren Orten meist auch nur den Eindruck der Geschmacklosigkeit macht, 
die Eiulleciitung von Reimen in die sonst uiirhylhmische i'rosa, er- 
scheint hier, bei solchem Gehall und solcher Haltung der Rede, kaum 
mehr als etwas ungehcErigcs. Der Verfalser folgte damit, nur in 
angemefsiu'rer Weise als andre, einer Liebhaberei die sich das ganze 
Mittelalter hindurchzieht, und der gerade im elften Jahrhundert auch 
die bedeutendsten lateinischen Historiker nachhiengen-"^"); einer angel- 
sachsischen Predigt die ebenso die Allitleralion einmischt isl schon 
vorher gedacht \Aorden. 



■) [Niieh Haupt in viermal gelioljeneii Versen : s. Müllenli. n. Sdi. Nr. XXX.] 
■) Vi\-Ileiclit flie friilicstcn Beispiele iiitciiiisclier lUimprosa des Mittelalters sind 
die Predigten des lldefons von Toledo (f 667) in der Biblioth. Tatr. 8, 277 
.s(|(|. und die Vita S. Galli im zweiten Bande der Monumenta von Perlz : die 
j;|jap(ern und l)edculendcrn gehuren meist dem elften Jalirhunderl an, Wippo, 
Ben/,0. Cosmas von Prag ii. u. (vgl. Sienzel, Gesch. Deutsclilands unter den 
l'^ränk. Kaisern 2, 47 — 49); auch die Dcnkspriichc Wippus (zulelzt wieder 
gcdriickl in Mones Anzeiger 4, 863. 5. 392 und in Haupts und Hoirmanns 
Alld. Blältern 1, 12 — 14. 2, 136 fg.) sind wesentlich nichts als reimende 
Prosasälze, eben wie im 12. Jalirh. die Strafsburgischen Proverbia Salomonis 
(Haupts Zeitschr. 3, 128 — 130). Gleichfalls im 12. Jahrb. schmüclUe Wernher 
\oii Tegernsce stellen weis (Kugicr de Werinhcro 38), im 13tcn der Auclor 
de Beneficiis Salz iiir Satz seine laleinis:;he Prosa mit Beimen, und noch im 
löten bringt Gabriel Biet, ein Prediger, besonders gereimte Parlitionen an. 
Für die F-il!eratiir der Volkssprachen belegt dieses Spiel als ältestes fran- 
zu'.sisciies Zeugniss die ( bcrsel/ung der Bücher der Ka-nige, die auch ans 



ZEUGNISS WILLIRAMS. H25 

Und dieses Denkmal, so l)edeulsani es schon für sich aHein sein 
würde, steht niclit aliein da : man liat (hunals andi wieder und mit 
Eifer anf Deutsch im eisenfliclien Sinne dieses Wortes oepredigt. 
Das l)ezenol einmal Willirams Ausl. des h. L.. wo zu Cap. IV., 1-4 
\()n der prcedicatin, von den dortnrcs und auditores in einer soh^hen 
Weise gesprochen wird, dais man nur eine dem Volk verständlich 
oeniachte. also deutsche Auslegung der h. Schrift verstehen kann: 
tin bist oiich fcone an dinen vuorten, itvante du in diner prcedi- 
ratione niene meineft ane min era nnle fratcrnam ulililatem .... 
//* dinen cotwenticulis fkinent beide dnctores ioh auditores. Diu 



dem 11. Jalirh. sein soll (Barba/an et Meon, Kabliaiix 3, IV — VI): naiuenl- 
licli aber liebten und üblen es naecbst den .Vrabern, deren Makamen eben- 
solche Prosa zeigen, die Dentschen, und diese vom 10. oder 11. Jahrh an 
fort und l'ort bis ins 14le, zumeist natürlich in Predigten und sonst geist- 
lichen Schriften. Da aber sind zwei Arten des Prosareimes zu unlerscheidcn. 
Bei der einen werden, wie das auch der Gebranch jener lateinischen Autoren 
ist, ganze Sätze oder gru'l'sere Satzglieder durch den Reim verbunden, so 
dal's man sie den Salzreim nennen mag: sie schliefst sich deutlich als eine 
unrhylhmische Vcrwilderur:g an die früheren Beimstrophen an, \ind wieder 
aus ihr scheint durch Herstellung festerer Mafse die uostrophische Form der 
mittelhochdeutschen Epik und Didactik hervorgegangen. Von dieser Art 
giebl es die altern und zugleich die hr^uligern Belege: schon der SGallische 
Boethius iiat dergleichen (Graffs Ausg. 170), dann jenes Bamberger Bruch- 
stück und aus demselben Jahrhundert die Predigten in IIolFnuuins Fundgruben 
1, 61, 6. 62, 24. 65, 35 und der ganze s. g. Merigarlo ebd. 2, 3 fgg. ; im 
zwölften Jh. das Schwabenverloebniss im Altd. Lesebuch 189 [jezt 365].derPhysio- 
logus Fundgr. 1, 23, 19. 27. 32. 24, 21. 32, 22. 24. 33, 17. der ver- 
deutschte Nortpertus de Virtulibus in Gralls Diutisca 1, 283—291. die Pre- 
digten unsrer Sammlung Y, 56. VII, 65. XX, 52. 56. die ungedruclUen 
Blaubeurcr, die Benedi clbeurer in Haupts Zeilschr. 1. 286. 288. 291. die in 
Grieshabers Sprachdenkmalen 14. 19. 21. 23. 32 und die von jezt an immer 
zahlreicheren Segens- und Beschwd^rungsformeln ; im dreizehnten unsre Pre- 
digten XXVIII, 84. XXXVI, 11. XXXVII, 10. XL, 10. 22; die ungedrncklen 
Weingarlner und die in den Altd. ßi. 2, 382; im vierzehnten endlich die 
Passion einer minuenden Seele (Mones Schauspiele des Mittelalters 1, 129 — 
131), der Seele Spiegel in Mones Anz. 4, 368 (= z 6. Bl. 6 a), Suso im 
Altd. Leseb. 871 und Heinrich v. Nördiingen in Ueumanns Opusc. 363. 
Nachweisungen aus der Litteratur des Rechts, denen noch die Judeneide bei- 
zufügen, in Jac. Grinmis Rechtsalterlh. 33. Die zweite Art, der Wortreim, 
bindet gleich ihrem Vorbilde, den sprichwörtlichen Redensarten (schon im 
Wefsobrunner Gebete neben der Ailitteration enlcö iii nuenicn; vgl. Jac. 
Grinwn, Andr. u. Elene XLIII) in unmittelbarer Folge Wort mit Wort. Ilie- 
von sind die Beispiele minder zahlreich : ich habe mir nur bemerkt die all- 
hochd. Predigt Fundgr, 1, 61, 13. 24. den Physiologus ebda 23, 27. unsre 
mhd. Predigt XIII, 24 und in Grieshabers Sanuulung 1, 69 fg. 73. 165. 



32G ÄLTESTE PREDIGTSAMMLUNG. 

>unii(/e l'ideliuin audHurmit isl gclili detiio geizcortare, uuantc fic 
fih percntdvt's bechennent : capra eiiim sacrißcium eft pro peccalu. 
nute doli fie /'In conftihili in feculari actione, diu ane finita uuefan 
nemag . . . Abo dine doctores, die per dentes pyurantiir, uininle 
fie cibos facrü' frriptitra'. exponendo romniiniiunt, nt poffint glutiri 
(i populis . . . Dine doctores, qui per labia fignrantur, die knndenl 
denio luite die rote tnines hluotes, da mite ih sie irlofta . . . In* 
gekofe ift ouch fuozze, vuante fie die fuo<za des euuegen libcs 
denio luite kundent . . . ante fie kundent iro auditoribus, uuelich 
randor lucis cBternw in cuman ift uone dero rote mines bluotes . . . 
Dine doctores, qui per colhnn fignrantur, unante fie mediatores 
fint inter nie et populum, alfe der hals zefamene uoiget daz hoibet 
iinte den liclianten, unte fie ouch demo luite ambehtent cibos 
(eternce vitce unte in offenent die toigene dero facrce fcripturip. 
alfe der hals daz ezzan in t reget unte abo die ftimnia uz t reget. 
Aller iiiclil blols dieses Zeiigniss, wir haben auch deutsche Preuigloii 
jener Zeit, ja, was noch erheblicher von Gewicht, es ist schon el)en 
damals, im 11. Jahrhnndert, gleich »'ine ganze Sannnlung eigentlicher 
Predigten in dcntscher Sj)rachc zusammengestellt worden, eine Sannn- 
lung, wie es sodann vom 12. Jahrb. an deren noch viele geben sollte: 
diels die älteste, l)is dahin hatte die Kirche nur ihre lateinischen Ho- 
iniliarien gehabt. Und diese älteste deutsche Predigtsammlung ha! 
sofort Verbreitung gefunden und Ansehen genofsen: es sind einst- 
weilen bereits drei Haiulschririen derselben nachzuweisen. Leider 
jedoch keiiu' voilsländio, jede nur in brnchstiicklichen (l)erresten : von 
zweien nui' einige Blätter oder Streifen zu München (Schmeller in 
Haupts Zschr. 8, 106 — 108); einige nmfangreichere Bruchstiu"ke in 
der Wiener HS. von Notkers Psalmen (HolTm. Fundgr. 1, 59 — 6Ö)*). 
Aber auch hier keine Predigt ganz, und überhaupt, alles znsanuueu. 
lieg(>n nur die kleinen Reste von etwa sechs oder sieben vor. Wie 
aber di(; eine diesen, die andre jenen evangelischen Text behandell, 
darf man ainiehmen, dals das Werk ursi)rüno;lich Predigten über alle 
Sonn- und Festtagsevangelien enthielt. 

Es konnte diese Samnünno- (nnd es gilt das auch von all (h'U 
s|»aMeren) für mehrere Zwecke zugleich bestinnut sein : für die stille 
Erbauung durch das Lesen, so dafs sie auch Laien, namentlich etwa 
frommen Frauen, lesend zu Gute kam; für Prediger, indem sie den- 

*) [Nacli Miiliciiliofr 11. Scliercr zu I.XWVI A gehcrrcii die von Scliiiieller iiiil 
1. lind 2. liezeichiiclcii Müncliiier Briulislüike zu derselben Hiiiidsclirirt ;nis 
(k-r wir dir Wiener Briiclislücive kennen. | 



ÄLTESTE PREDIGTSAMMLUNG. P.27 

selben Vorbild und Anleitung- gab. und abermals iür Prediger, indem 
(b'ese, >veim Nolh oder Bescheidcnlieil odei- TrcTglieit sie dazu trieb, 
einfach hieraus ihre Vorlra^ge enllelmen mochten. Von wem die Samm- 
inng- lierrühri'. darübei' ist nich! einmal eine XCnnuthnnu- g-es(altel. 
An Notker darf man nicht denken: denn die ^^'iener HandschriH, in 
der neben seinen Psalmen, wie oben erwähnt, Stücke unsres Prediol- 
buclies erhalten sind, ist Jünger als Notker, stannnt vielleiclit nicht 
einmal ans S. Gallen, und jedeidalis hat Notker ein ganz anderes 
Deutsch geschrieben; noch weniger kann von Otlried, auf den man 
in früheren nnkritisciien Zeiten gerathen hat, die Rede sein. Zudem 
weichen die Predigten so beträchtlich in der Darstellungswei.se nnter 
einander ab, dafs sie von verschiedenen Autoren herzm-ühren scheinen. 
Sie verrathen uns, obschon nur Bruchstücke, demnach genug von 
der Predigtweise ihrer Zeit und von dem Sinne, mit dem man jetzo 
predigte. Es sei das ein heiliges, von Christo selber eingesetztes 
Amt, das aber von vielen Geistlichen Nernachla'lsigt werde, zuweilen 
vielleicht ohne ihre Schuld, stfpts aber zum Schaden der Gemeinde : 
Tat' et iz ettesuenne demo hirte, iz taret ave ieiitie demo quartire. 
uuante ni mac der bredigare nielh sprechen, er cliau iedoh daz 
reih iDurchen, ante doh iz der Hut iiuelte warchen, er ni chan, iz 
ni uuerde imo kichundit (64, 10). Wie diese Stelle der vierten 
Predigt, so zeigt auch eine der fünften, dafs es Laien sind, an die 
das Wort hier ergeht, nicht geistliche Brüder : Ohe unfer chena odar 
unferiu chint odar nnfer charal fterbenf, fo klagun nuir fiu vile 
harlo Wide bim lango in manigere furiburti (64, 22). Bei zweien, 
der 5. und 6ten, ergiebt sich in Folge ihrer Lückenhaftigkeit nicht mehr 
welchen Text sie behandeln ; eine derselben, die 6te. eine Lobpreisung 
des Witwenstandes, klingt wie aus dem Lateinischen übersetzt: die andern 
sind was man Homilien nennt über Geschichten und Parabeln des Evange- 
liums, und diese ganz ohne Zweifel ursprünglich deutsch. [ol)wohl dem (ie- 
dankengehalte nach aus Gregors d. Gr. Homilien hervorgegangen] "■). 
In gema^fsigt einHicher Haltung der Rede (nur hin und wieder und 
jedesmal vielleicht nur zufällig bricht ein Reim hervor: oben S. 325 
Anm.) begleiten sie die Texte von Schritt zu Schritt mit erbaulicher 
Auslegung: man war dieser Behandlungsweise schon von den Kate- 
elnsmusreden her gewohnt, und eben sie ist gemeint, wenn Williram 
XXIX, 25 und der alte Umdichter der Biu^her Mose (Fnndgr. 2, 79, 8) 
die Prediger mit den Zähnen vergleichen uuante fie cibos facrce 



■•■) [Siehe den Niicliweis l)ei Miillenliofl' u. Schorcr 2. Aufl. .S. 587. 590. 



328 ALLEGORISCHE MF.THOnE. 

frriptiird' exponcnilo commi/niinil, i/l poffiiit (//iitiri a popnlis. Es 
oilt aber hier Ix'i der Aiislco;uiio- und Aiiweiuliini»- der ciiizcliien ffc- 
sv'hichtlirlicn Ziiijc dassolbc Verl'ahrcii, das zultsI von oriochischcn 
Tlieoloocn wit' On'ovncs aul'gobraolit, dann auch von denen des Abend- 
landes mil Eifer war erofrilfen worden, jene Metliode. die alles was in 
der Bibel berichtet wird aulser dem buchsUiblichen und deni histo- 
rischcMi noch in einem symbolischen Verstände faist und es nii/f/irr 
oder fpirllaliler, wie dei' lateinische, oder biz-eichanlUhho, ^\ie der 
deutsche Ausdnick war""), bald auf diesen, bald auf jenen Punkt im 
Leben der Menschheil und in der Lehre des C'hristenthnms deutet. 
Die lateinische Prediot hatte sich diese Erkl^rnngsart auch in Deulsch- 
and schon fridie zu eigen gemacht : Karl der Gr. unterstützte sie 
(hu-ch seine empfehlende Anerkennung""'*): in die deutsche Poesie 
ward sie durch Otl'ried eimrefidu'l : sie herscht in Notkers uiul Willi- 
lams Auslegungf der Psalmen uml des hohen Liedes: in der deutschen 
Predigt bezeugen sie gleich diese ältesten aller noch erhaltenen Denk- 
mjpler. Da ist (63. 13) die Stadt Jericho, deren Name so viel als Mond 
bedeute, ein Sinnbild der ^'erg;inglichkeit unseres Lebens, und der 
am Wege bettelnde Blinde welchen .Jesus dort heilt (Luc. 18. 35) 
ein Sinnbild des Menschengeschlechtes das blind aus dein Paradiese 
\ crstofsen ward, bis Jesus ihm die Augen wieder (drnete ""'"'*). Ferner 
Die ziuueni inngenin die er faule in dera hrediga (Luc. 7, 1) die 



"") \'^\. (Jratrs Aillioclul. Sprciiscli. 5, 597—99; Hiiiiplslcllen für uns giel)t Nol- 
lier Ps. 103, 3 Aber mufUcc (bczekläiilUcho): nnbes (uuolchin) finl prcB- 
dicatorcs (preOiarc' : per pn('dic(i(orcs ,nii( prrdiarin) pringep du in- 
finnos ad hdrllrcluni fcriplurdnmi idie uupichcn ze drro fcnunufte dero 
Icrißo) und 4 (Jui facis (nu/clos lao.s fpiriUis, Du diuc gvifla niacholl 
polrn, fo du fir uz fcndejt ad Jobiatn, ad Zachariam, ad Mariam. Aber 
inyßice (bezcichiiüiciwy : du in dincro ccclefia (gcfamenunga) fpirilales 
riros (kciflliche man) luoß uueß'n nuncios vrrbi lui (polin dinis arindis} 
unde fie ad carnalrs (zc fleifcincn) scndeß quaß de arlo ad Icrrani 
(famo oba hinicle ze crdo). Von dem inlid. hezeichcucn u. s. 1'. an einer 
."ipuMern Siclle. 

•'") In der Encyclita de lilteris colendis von 787, Perlz 3, 53 (um aulem in 
facris puginis ßhemala, Iropi, ei avlcra his fimilia invenianlur, nulli 
dubium eß quod va unusquisque legem lanlo eilius fpirilwiliter iutelligil, 
qiitttilo prius in lillerarum maqißnio ptenius iußrudus fueril. Von l,ud- 
\vi<r dem l-roniiiion Ixiielilcl sein l.cbenslicsclireiber Tlu^aii eap. 19 Sen/um 
in Omnibus ßripluris Ipirilalcm el moraUm nee non el anagogen oplime 
noveral. 

"■") Aus derselben (Jnelle, der belrcITindcn lloniilie Grejjors d. (Jr. hat diese Aus- 
lejjmig auch der Diihler der allsiiciis. lilvangelienharinonie gescliöpll : Sthinel- 
lers lleljand HO Ig- 



ALLEGORISCHE METHODE. 329 

pizeichinent di :jiuuei hibot dere minne, die niemir irfullet ni Diagen 
uuerden, niuuari iedoh zi minnifte unter ziuuaiu 63, 24. Und niil 
H(!ri'iiizieliuno- cinor iin MilU'lalli'r besonders beliebten nnd hiuin»- 
wiederkehrenden Gerfchichlsanschauung- Bie .v. uuile in. den dir der 
hnsherro ladole die uuerhliuti in finan uuinkarten (Matth. 20) die 
piz-eichinent die .v. mierlti die dir uore Chriftes kiburte iniaren. 
Ära die uuerhliute pizeichinent die, die dir der ahnahtige got in 
den uinf uuerlten kidite zi demo eiiuigen libe. Daz uuas in dere 
eriften Adam unde [in kiflahte, in dere anderen Noe unde [in ki- 
[Iahte, in der dritten Abraham unde fin kiflahte, in dere inerden 
Moyfes unde [in kiflahte; die fünfte gieng bis auf S. Johann (h^n 
Tiiiifer; mit Christo endlich ])egann die sechste, das ist diu heihga 
chriftinheit, diu dir ftet unzi an den enti dere uuerlte 60, 23 -). 

• j Der Prediger weiciit jedoch auf Grund Gregors d. Gr. eben wie spaelerliin 
Kiidolf von Ems (s. Vilmar über dessen Weltclironik S. 27. Gl fg. 66) von 
der sonstigen Überlieferung ab. Bei Isidor und Beda wird iolgenderniafspi. 
eingetheilt : die erste (Blas geht von Adam bis Noah, die zweite bis Abra- 
ham, die dritte bis David, die vierte bis zur babylonischen GeFangenscha!'!, 
die fünfte bis zu Ciiristi Geburt, von da an und so lange die Well noch 
steht die sechste: Isid. Origg. 5, 38; 5, Beda de Temporum ratione 64 S(|. 
und de Sex aetatibus mundi, Opp. ed. Basil. 1563. 2, 169 sq. und 174. 
Ebenso im Saclisenspiegel Landr. 1, 3, 1. im Schwabenspiegel Landr. 5 und 
bei Ruprecht von Freisingen 1, 63 ; nur wird hier stcerender Weise zugleich 
nach Jahrtausenden gerechnet und so noch eine gegenwärtig fortbestehende 
siebente Weh herausgebracht : die Jahrtausende sind aus Hieronymus (die 
Stelle bei Schilter zu Noik. Ps. 6, 1, bei diesem aber ans 2 Petr. 3, 8) ; 
auch eine Predigt des 14. Jahrh. (Lcyser 118) hat sieben Welten, jedosh 
nur weil sie die dritte bis Moses, die vierte bis David und so weiter zählt. 
Die blol'se Sechszahl ohne bestimmtere Abgränzung hat Hieronymus a. a. 0. 
und die allsächs. Evangelienharmonie 2, 9: auch Beda in einer Weihnachis- 
predigt (ed. Basil. 7, 444) nnd zwar so, dafs als siebentes Alter die Zeil 
bis zur Auferstehung, als achtes die nachfolgende Seligkeit bezeichnet wird : 
vgl. bei Notker Ps. 147, 1 daz zil dcro ufuuerligun bürg, diu danne 
chumflig if(, fo difc gefibenzalolen zile hina imerdenl. Den Grund gerade 
dieser Zahlen erweisen Hieronymus, Noiker Ps. 92, 1 und namentlich die 
mehr ausgeführte Fafsung von Bedas Worten de Temp. rat., die Eckhart in 
der Francia Orient. 1, 827 Si\. beibringt: wie vor dem Sabbath der Schöpfung 
\uid der measchlichcn Woche sechs Arbeitstage liegen, in ebenso viel Ali- 
schnitle soll nun auch die Zeil zerfallen, welche der einstigen Ewigkeit vor- 
angeht: darum nennt auch Beda mit Anschlufs an die requies dei und den 
fabbalifmus des Hebra;erbriefes Cap. 4 diefs letzte Alter die fcptima vel 
nclaca quielis. Im gleichen Sinne verstehn und brauchen das Wort oclavd 
Notker Ps. 6, 1. 11, 1, unsre vierte Predigt und die vierte bei Roth [auch 
eine der Benediclb. Sammlung bei Kelle S. 19]. 

Altd. Prediirten. 22 



330 ALLEGORISCHE METHODE. 

Oder aber Die .v. uiiihi die mögen ouh iii/ole kigagenmazzit uuer- 
ihin zi demo mennifkinen altere. Diu frvoi diu pizeirhiuel die 
chindifka, der mittimorqen die iugent, der milletar die lugenl, duz- 
isf diu metilfcaft des menuißineu alleris in demo er aller starrhift 
iß, alfo diu funna ze niiftenio Inga allerlieizz-iff ift fo fi rhurnet 
in die metiifca/l des himilif. So pizeichinet diu nona daz alfir, 
der abanl daz bibint allir*): auf jeder dieser Altersstureii koiiiie 
lind solle der Mensch für sein Heil soroen : der l.olni im lliinnuM ;dier 
sei allemal der oleiclie (Ol. 3). 

-) Anderswo werden der Lebensalter sechs »inlerschiedcii : Isid. Orig^. 11, 2. 
(iloss. Jim. 356: auch diefs niil Kücksichf iuiC die Zahl der Wochenlaije 
(Otfr. 1, 1, 49 tjf.) iitid zugleich als Gegenhild zu jener der Wellalter : Beda 
an den vorher angei'ührloii Stellen giebt auch letzteren die Namen der ui/ojj/itf. 
puerilio, adnlescenliu, Jufenilis a-tas, senilis «las, cetas di'crepita. Die- 
selbe Verbindung in zwei aui" Beda /.uriickgehenden Aufzeichnungen, welche 
die oben S. 253 besprochene Züricher Handschrift enthält. 282 b Primit 
elaf ab adam nfquc ad noe ! Conlinfnl'avnnf mille. j'cxvmloj. (ftiiuqua- 
yinlafcv (hii r w. nacliher die Zaldeii iniuier noch mit den Buciistabenzilicrn 
ilarülier geschrieben). c/»e lola periit diluiiio'. Secunda annc itlqiir utl 
aürahum ! ditcenlof. nonnginla. fe.r aminf habenf iu.rla hebreof Tftcia 
ab abraham ufque ad dauid! habenf annof nongenlof. qiiadragiuln. 
Quarta adaaid ufque ad lranfinigra(i(ynem bubijlonlf: quadrinqenUtf. 
oeloyinta. Iref annof habenf. Quinta a lidiifmiyralinne babglonif ufque 
ad adue]dum domin i ! habenf annof quingenlof. ocloginla. noucm. Sexla 
etfif. que nunc agiiiir nulla annorum feric certa fed ut elaf decrepila 
ipfa mnrie toliuf fecuti confumenda. Haf erunmaf plenafque laboribuf 
aiuudi elatef (/ui cnin feliri morte uicerunl. feplimant ium Sabbali per- 
hemiif elaleni in qua cum doniino pcrhenniter regnabunt e.ifpeclanl. 
Vml 3G0 a (i'llADVS Elalif. fe.r fnnt. i. infanlia. pueritia. adolefcenlia. 
iuuenluf giauilaf. fenerluf Infanlia tandeni ufque ad feplimum annum : 
puerilia. ad .riiii (danilier r) .' adolefcenlia ad. .r.r. riii! iuuenluf ad. 11 
grauilnf ad l.XX! Senerluf cß que n)iUn annorum Umpore fmilur! 
fcilicel pnfl illaf quinque etalef. quunlumrunque ejl uile fenecluli depu- 
lalur. Seiiium efl parf ullima feneclulif. dicla quod sil terminuf feste 
elalif (360 b) Quinque feeula funl preterila. fe.rlum prefenf. Abadam 
ufque ad noe. a noe ufque ad abrahiiii. ab abraham ufque ad 7Hoyfen. 
a mogfe ufque ad dauid. a dauid ufque ad chriflum. Sex elalef funl. 
infanlia. puerieia. adolefcenlia. iuuenluf fenecluf. decrepila elaf Dci- 
althochdcut.-che rreiligcr verringert aber scineui Bedürfnisse genueis dir 
Sechszahl auf üinf, wie das bei dem gleichen Texte ein mitlelhochdeulscher 
ihut {kintheil. jugenl, die nu ze rollern alter komen finl, daz bibenle aller 
luid die cor aller niht lenger geleben wagen: Mones Anzeiger 8, 421")): 
ein andrer dieser spa^teren Zeit gar nur auf drei, kinlheU ivgetU aller 
WWII, 15: doch hat dic.-icn einCaclieren Stufengang auch der Dichter des 
Kolaudsliedes 1, 26 fg. 



MITTELHOCHDEUTSCHE PREDIGT. 381 

Man mag dieses symbolisierende Verfahren, mafslos wie das 
.Millelalter es angewendet hat. wohl auch geschmacklos finden; doch 
übersehe man bei der Benrtheilnng nicht, dals die evangelischen Pa- 
rabeln selbst, vorzüglich aber der Brief an die Hebra^er. Anlal's inid 
Anleitung dazu gaben; dafs es mit einer allgemeinen Geistesricbtung. 
der auch die übrige Litteratur und selbst die bildenden Künste folgten, 
auf das innigste zusaunnenbieng; dafs endlich durch die schöpferische 
ThaMigkeit der Phantasie, welche an all solchen Combinationen des 
>\'itzes den wesentlichsten Anlheil hat . jedesfalls die Predigten in einer 
gewissen Hoehe id)er den Ebenen der gewöhnlichen Prosa erhalten 
wurden. 

Mit den eben besprochenen Denkma^lern endigt der erste, der 
althochdeutsche Zeitraum unserer Predigt, zugleich beginnt hier auch, 
wenn man will, der mittelhochdeutsche : denn es schliei'st sich ihnen 
in unmittelbarer, von nun an ununterbrochener Folge die ganze lange 
gedrängte Reihe der mittelhochdeutschen DenkmaMer an, und derselbe 
Charakter, der im elften Jahrhundert jene ersten und letzten allhocli- 
ileutsclien Predigten bezeichnet, bleibt fortan und bis nach der Mittt^ 
des dreizehnten der allgemein herschende. "■'■) 

■") [Bis znr Mitte des 13. Jalirlutnderts siiiti, aufser dem was die vorhergehende 
Aliliaiidlung verzeichnet und erwähnt, folgende deutsche Predigtsaiiimlungeii 
ganz oder theilweise beluuint geworden: 1) Die Benedictheurer Predigt- 
handschrift zu München, 12- Jahrh., als „Speculuni ecclesis altdeutsch" her- 
aufgeg. von Kelle 1858. 2) Reste einer Handschr. zu Wien, dem Inhalt 
nach wohl noch dem 12. Jh. angehcrrig, hg. v. Holfniann Fundgr. 1, 70— 
126. 3) Reste einer lis. aus Regensburg, 12. Jh., mit Ergänzungen aus 
einer Jüngern Oberuitacher 11s. derselben Sammlung und aus 2-, als „Deutsche 
Predigten des Xll. u. XIIl. Jh." hg. v. K. Roth 1839. 4) Reste einer 11s. 
des 12. Jh. zu Douaueschingen hg. v. Barack Germ. 10, 465—473. 5) Reste 
einer Hs. des 12. Jh. zu München hg. v. Keinz Sitzungsb. d. baier. Ak. 1869. 
2, 290—295. 6) 3 Predigten von einer Hand des 12. Jahrh. zu Kloster 
Neuburg herausg. v. Wagner, Zeitschrift f. d. A. 15, 439-442. 7) Reste 
einer oberhessischen Hs. wol noch des 12. Jh. abgedruckt in Griesiiabers 
Altern d. Sprachdenkm. rel. Inh. 1842, S. 10-36. 8) Von 66 Predigten 
einer Hs. bei Kuppitscli in Wien, um 1200, 20 abgedr. in Mones Anz. f. K. 
der d. Vorz. 8, 411-433. 509-530. 9) Blaubeurer Hs. zu Stuttgart, 13. 
Jh., lateinische Predigten mit deutschen untermischt; 2 der letztern in Mones 
Anz. 7, 396—399. Vgl. Mones Quellen u. Forschungen 1, 184. 10) Reste 
einer Hs., 1. Hälfte des 13. Jh., herausg. v. Grieshaber Germ. 1, 445—454. 
11) Hs. zu St. Paul (in Kärnten), 320 SS., 13. Jh.; eine Probe in Haupt.s 
u. ilolfmanns Altd. Bl. 2, 159. 12) Reste einer Hs. aus Prag, Mitte des 
13. Jh., hg. v. Diemer Germ. 3, 360-366. 13) 9 Predigten aus einer 
Leipziger Hs., die übrigens lateinische enthält, 13. Jh., in Leysers Deutschen 



832 GEISTLICHE PROSA. 

Das neue Zeitalter, das mit dem 12. Jaiirhiindert über den Staat, 
die Kirche, die Wilsenschaft. die Kunst, die Litteialur, das ganze 
lieben der i!uropa?ischen Völker hereinbrach, mufste eine seiner haupt- 
siichliehsten ^^'irkuno•en ßcrade in dnn Prediolwesen aiilsern, als dem- 
jeniyen Punkte wo (ieislliolikeil und Laien. Wilsenschan und Kunst, 
kirchliche und nationale Sprachübung- sich zusammentrefiend vereinigten. 
So lang der neue Tag noch leuchtete (er sollte aber erst nach drei 
Jahrhunderten wieder vergehn) ward auch der Predigt nut inuner zu- 
nehmendem Eifer, immer anwachsender Fruchtbarkeil gepdegl. 

Schon vor Ablauf des allhochdeutschen Zeitraumes hatte die 
Geistlichkeit ihre St(Mhu>g gegen die Nationalliteralur verändert: sie 
lutte schon da sich von der Poesie wieder ab und. ihr angemefsener. 
der Prosa zugewandt. Der mittelhochdeutsche vollendete diefs Ver- 
hältniss. Zwar ^^ährend der ersten drei Viertel des zwölften Jahr- 
hunderts lag die Geistlichkeit noch mit allem Fleifsc dem Dichten ob. 
und was wir aus denselben von Gedichten haben ist beinahe alles 
geistlich und gelehrt : zugleich aber kam mit erneuten Kratten die 
geistliche und gelehrte Prosa auf, die ihr Gegenbild, die Poesie, 
etwa nur noch in Reimeinschallungen wiederspiegelle oder in ver- 
einzelten Verscitaten ^^), widn-end auf der anderen Seite Gedich- 
ten hin und wieder eine Kafsung nach Predigtweise gegeben 
ward *■*). l'ud mit dem vierten Viertel des Jahrhunderts gieng die 
Poesie gänzlich an die Laien über, ward wesentlich und so sehr ein 
Werk dieser letzteren, dafs von da au selbst geistliche Dichtungen 



Predigten d. Xlll.— \IV. Jh. 1838. 14) 37 Predigten aus einer mehr als 
150 enihalteiideii mittcl'leiilsclicn Leipziger H.s. des 14. Jh., die aber anl 
inindeslens zwei verschiedenen SamniUnigen ans der ersten Hälfte des 13. 
Jh. beruhi, in deniseihen Buche von Leyser. 15) Reste einer thüringischen 
IIs. des 13. Jh.. hff. V. Jeiticics Germ. 17, 340— 354.J 

■ ) in einente gelpraiduch iiioufi'! ein l'ivr facti X, 26 sind Verse des Meiiter 
Marienliedes AltJ. i.eseh. 195, 22 |5. Aufl. 341, lOJ. 

■■),VgI. die deutsche Genesis Fnndgr. 2, 80, 28. Duz ivelle Chrill (jotes fun, 
daz wir alle miwzzcn twm, üaz irir cliomcn ze gnaden, des cliodel alle 
amen; ebenso predigtm;ei'sigc >A'endungen zum BeginJi oder Scidnis (^^•^ 
Ganzen inul einzelner .Absätze haben die Gorlilzer Evangelienharmonie Kumlgi. 
1, 146 ig. 204 und Wernhers Maria ebda 2, 162. 176, 31. 211 fg. Ob die 
gereimten altfranzoesischen Sermons des 13 Jh. (K. Schmidt über das Pre- 
digen in den l.andesspraclien während d. Mittelalters, Sind. u. Kril. 1846. 
S. 277) auch nur Gedichte in Predigiform oder wirklich Predigten in \ ersen 
und Strophen seien, wage ich mir selbst nicht zu entscheiden, da ich nur 
einen derselben, den von Jubinal herausgegebenen, lienue. 



DEUTSCHE HOMILIARIEN. 333 

(»flrr aus Laienmmule als aus der Feder gelehrter Geistlichen flofsen. 
Diesen verblieb luu- noch die Prosa: der aber widmeten sie fortan 
einen desto treueren Fleil's. iS'atürlich war der Jidiall ihrer Schöpfungen 
lind somit unserer ganzen alten I'rosalilleralur meistens eben auch ein 
geistlicher: selbst einem Denkmal hochdeutscher Rechtsprosa, dem 
Schvvabeuspiegel, durfte der geistliche Bezug und Grund nicht fehlen; 
{\k) historische Prosa fand ihre rechte Moeglichkeit und Nothwendig- 
keit erst da, als sie an die Stelle der erloschenen Epik riicken konnten *) 

Meistens also geistliche Prosa : diese aber meist eine homiletische, 
als Predigt, als Tischrede. Auch in deren Entwickelungsgange zeigt 
sich augenfällig genug das Wechselverhällniss zwischen poetischer und 
prosaischer Form, das wir soeben bei der Geschichtschreibung wahr- 
genonunen haben. So lange die mittelhochdeutsche Poesie noch ihre 
Blütezeit feierte, war die Predigt kaum hinausgelangt über den Stand- 
punkt den sie bereits im elften Jahrhundert eingenommen : sowie aber 
jene zu verfallen begann schwang sie sich empor, und nun erst, erst 
nach der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, kam der deutschen Predigt 
die doch viel ältere Scholastik zu gute und die Stiftung der Bettel- 
orden dia schon vor einem Menschenalter geschehen war. Und als 
mit dem ersten Viertel des vierzehnten Jahrhunderts der Verfall der 
Poesie seinen Abschlufs erreicht hatte, folgte dem wieder eine neue 
Wendung in den Fortschritten der Predigt: gleichsam zu prosaischer 
Wiedergeburt der abgestorbenen Liederdichtung nahm sie die 3Iystik 
in sich auf, obschon diese selbst nicht erst ein Kind des vierzehnten 
Jahrhunderts war. 

In solchem frisch erweckten und so sch(pn anhaltenden Fleifse 
predigten aber die Priester und die Mönche nicht blofs häufiger und 
gehallvoller und umfangreicher als vordem : ihr Fleil's und diese Fülle 
brachten es auch mit sich, dafs jezt die Predigten öfter aufgezeichnet 
und wiederholendlich ganze Sannnlungen solcher, deutsche Homiliarien 
also nach Art jener älteren lateinischen (oben S. 314) angelegt wurden. 
Zuna:>chst dauerte die homiletische Verwendung und Behandlung der 
Katechismusstücke und der Beichte dem Herkommen und der Kirchen- 
ordnuno- gemfefs fort, daher auch die Aufzeichnung der betreffenden 
Kormulare und der sie begleitenden Ansprachen : und zwar der erstem 
theils einzeln und für sich, theils so dafs sie mit in die Sammlungen 



■"■) Die gescliiclitliche u. rechtliche Prosa des niedeni Deutschlands hat sich früher 
als die des obern gebildet: denn dort war auch das Absterben der Poesie 
schon um vieles früher eingetreten. 



334 KATECHISMUSLEHRE. 

riiffiillicIuM rrcditihii aiirtrciitiiimieii. ;iii (Icicii Spitze oder Endo ffc- 
stellt odfT irireiidwtt in sie eiiigcscIiHÜet sind: viil. das xMiinelnier 
ReicIilluiinMlHr in Malsrninins Sannnlunt: unter Nr. 3d. 11 und ;^4 
|l)ci Midlcidi. n. Seil. Nr. XCVIIJ, das Brnidictbeurer bei Mal'smann 
unter Nr. 10, 38, 22 u. 44 [bei Kelle Spec. ecel. S. 8—8, bei 
Miillenh. u. Seh. Nr. XCVIl, das in Hoffinanns Fdgr. 1. 111 l'jj. 
enthaltene; und in unserer Samndung die Sehlnlsrede zur Beichte 
Nr. XVII. ■"') indessen schon jezl .nnd gar späterhin wird der- 
gleichen innner seltener: das Erheblichste gehoBrt erst wieder dem 
vierzehnieu Jahrhundert an ""'""')• ein weitlauftig ausgeführtes cateehe- 
lisches Lehrbueli und das Formular einer Beiehtrede mit allen ihr 
zum Grunde liegenden Calechismusstücken. ersteres von Oberliu 
1784 unter dem Titel Bihtebuoch herausgegeben, letzteres noeli 
ungedruekl auf den Anfangsblattern der bekannten Würzburger xMis- 
eellanhandsehrift zu München. *""=^) Diese Veränderung kam von 
mehr als einem Umstand her. Nicht dal's jezo die Geistlichen ge- 



*) Die Worte des Rolandliedes Er fagele in von dem goles riche 206^ 1 
htfscn sicli auf eine Valerunserredo deuten: der Arme Harlinann vcrsificicrl 
im ZiisanimenliaiiifC seiner Dicliliintj aneli das Be-ichtFonmdar, Glaiibf-ii 22 1) itC- 
"■■) Auch die Abliandlung von den sieben Todsünden und das Beicliirormuiir in 
Mones Scliauspielen d. Miticiailers 1, 326 Ig?, u. 2, 111 fjjg. sind sclnver- 
iich älter, obsrhon der Herausgeber sie noch in das dreizehnte JaiirhiindcJt 
set/.t. 
**^*) Ich iheile daraus die Catccliismnsstücke mit: 

Bl. 2 c. Dazfutfchepalernofier. Pairr d nnf(cr o l'ater o »»/tr o 
der o du o bifl in di-n o liiimln Gcheilgt o werde o div o namc Zv o 
kuni o VHS din o riche Diu o wiUe o werde o hie o uf o der o erden o 
als in dem o himel. Unfer o (egelich o brol o gib o vns o herre o 
hü'e Und o vergib o rns o vnfer o fchul o de o als o ir/r o tun o r»- 
l'ern o felmldern. (d) Und o verteile o vns o niht o in o dehein o übel o 
bekorunge. o Svnder o derlofe o vns o vor o allem o übel o Amen, o o o 
Die zwischengemalten Ringlein bezeichnen rlie Paternoslerliugeln. 
Bl. 2 d. Der englische (ünfs, der dem iilleren Catechisnms (oben S. 295) 
noch fremd war. Der felbe fjriioz suo ttttfchen Ave maria 
gegruzel fifl du waria l'ol aller gnaden. Gol iß mit dir. fin heiUje 
gnade fie mit mir Du biß gefegenl ob allen frauu-en. Gefegent iß di 
fruhl dines libes. Iheßis crißus Amen. 

Bl. 3 a Hl/« ip der f/latihe %u tülfehe den tlle heilf/eu 
xtvelfboten gemacht haben. (Die Namen sieben rolh am Rande). 
Petrus Ich gelaube an einen gel. valir almechdg. der ßliepfer iß 
himels vud erdin vnd allcv geßheppheil. .4ndreas Ich gelaube an 
ßnen einborn ßin. vnßi n herren iheßim crißum. vnd daz di dri ge- 
nanten, der valer. der fun. vnd der heilige geiß ein ivarir gnlhcil iß 
die ie was an angenge, vnd immer iß an en ende tiaeobus malor 



KATECHISMUSLEHRE. 335 

linqerc Kenntnis;^ von den Hauptstücken ihrer Lehi-c oder neben dem 
Eifer l'tir die Predigt keinen mehr fiir den sonstigen Unterricht und 
(nr die Seelsorge beselsen liiillen : Freidanks Worte Daz dorfliut iß 



Ich ffpi.aubc daz- dir felhr f/oles fttii (lekundel inni von dem piiqel gabricl. 
cnphangen irarl vnti dem heüigen (jvijl. grhorn irarl rou niinrr frnmve» 
fallt Diarien der ewigen magrl -Johannes Ich gehiube daz er ver- 
raten wart, geuangen icart. gemarlerl irarl. vnd an daz heilige rniee 
genagelt vart. dar an erflarp an der menj'cheit vnd nicht an der gol- 
heil. vnd daz er ab dem eruce genuinen wart, der erden enpholhen wart, 
in der er lag biz an den dritten tag. Thonuis Ich gclaube daz fin 
heüigiv feie zu der helle für di brach, dar cz nam alle di finen willen 
betten getan vnd daz er an dem dritten tage erftnnd warer got vnd 
wäre menfche tfacobtis minor Ich gelaabe daz er nach r-)-ftend hie 
uf erden tvonl vierzig tage, vnd daz er an dem vierzigeßen tage ze himel 
für ze (b) angefleht finer Jungern. vnd die des wiredig waren daz fi fin 
vffart fehen. vnd daz er da zu der rechten hant fines valers im eben 
herre vnd eben gea-aUig fitzet. Phllippus Ich gelaube daz er von 
danne künftig ift ze richten und ze vricilen einem iegeliclie menfchcn 
nach finen tverken. Bartholotnens Ich gelaube an den heiligen geift 
jllatheus Ich gelaube an die heiligen criflenheit Sytnon Ich gelaube 
gemeinfchafi aller heiligen, vnd aplaz miner fanden, t/udas Thadeus 
Ich gelaube vrftend mines libes. 3iatltias Ich gelaube nach difem 
leben daz ewige leben Amen. Über diese Willieilung unter die zwölf 
Apostel an einer spaptern Stelle. 

Rl. 6 b Ich bekenne dem almechUgen got. miner frauwen fant Marien, 
allen gotes heiligen, vnd uch prifler. aller der funden die ich ie begieng. 
mit gedenken, teilten, warten, vnde werken, an den zehen geboten, vnfers 
herren. an den fiben tot funden. mit minen fünf finnen. an den fehs werken 
der barmherzekeil. an den fiben heilikeit an fiben gaben des heiligen 
geifles. wa. oder wie. ich die funde hau getan, mit wem. oder wie dicke 
ich fie begangen han. willeclich oder vnwilleclich. totlich oder tegelich, 
wizzenllich. oder vnwizzentlich daz n'iwet mich von gantzem herzen, vnd 
bite mine frauwen fenle marien. alle golz heiligen, vnd uch priefter. daz 
ir vnfcrn hern für mich pit. daz (c) er mich frifle. biz ich min funde 
gebuze. vnd fin hulde verdiene. Neiget uch zu dem fegen. Abfolucio. 
151. 6 d Sprechet mir noch. Ich glaube in got. vater almcchtigen. ich 
glaube an fin einborn fun. vnfer herren Ihefum criflum. Ich glaube 
in den heiligen geift. Ich glaube daz die dri namcn ein warer ewiger golfinl. 
§ Sit ich daz glaube, fn wider fage ich dem Infel. Vnde bekenne inferm 
hern got. mincr frauwen fenle Marien allen heiligen. Und uch priefler 
aller der funden die ich ie begieng mit gednnken. mit willen, mit wortev. 
oder werken, willeclich oder vnwilleclich. wizzcntUch oder vnwizzentUch. 
totlich oder tegelich. die rüivent mich, vnd finl mir leit. vnd bit min. 
frauwen fenle Marien, alle golz heiligen vnd üch priefter. daz ir vnfern 
herren für mich bit. daz er mich frift. biz ich min funde gebiize. vnd 
fin liuldc enverbe. 



336 KATECHISI^IUSI-EHRE. 

niht irol hcrilit, lidii der pfafe des (//oithe/i niltf, 70, 20 "") sind 
norli kein Gniiul für solch ciiu' Aniialiiuc. und BlichtT wie die Siiiiiiiiii 
Confessonmi des Leseineislers Joliunii von Fioii)Mri> und deren Ver- 
(lenlsehuno; dureh Berlliold Ilnenlen \on lim (vol. die Alld. lland- 
sohrirten d. Basler Tniv. Bibl. 61 fo-.) bezenoen hinreichend dnls die 
ßeichliger auch im vierzehnten Jahrhundert vvahrlidi nicht minder 
pflichttreu uaren als jemals in der althochdeutschen Zeit. Sondern 
was erstlich jene Stücke an und für sich betrifft, so blieb eben im 
Allgemeinen dieselbe deutsche Fal'suno- fort bestehn, die sie schon 
rriiliei" erhalten und in der sie schriftlich oder mündlicli sich vererb! 
ballen ■""""): das td)eriiob natürlich eines öfteren neuen Xiederschreibens. 
Dann aber, so heilio- auch alle Weit die Formeln des Glaubens und 
des Gebetes hielt, sie in der Kirche sprach •"'•"•■") und daheim jegliches 
Tagewerk mit ihnen begann und endigte -{-), sie waren jezt docli nui 
ein Gegenstand des Jugendunterriclits, nicht melir eines mit der ganzen 
Gemeinde gehaltenen Gottesdienstes, wie das früherhin durch Noth- 
wendigkeit oder tra^ge Überlieferung Sitte gewesen (oben S. 294). 
und zwar eines Unterrichtes hauptsächlich und zunanlist durch die 
Pathen des Kindes -i-f) : so fiel die homiletische Behandlungsweise von 



■ ) Der geloube das Credo, das Glauhensbekeniitniss. wie im Alllioclul. und wie 
das lal. /ides. Vgl, die vorige und die gleicli folgenden Annierlunigen niid 
Reinliart Fiiclis S. 307 So man mir den (flouben vor fprach, von dem 
Übeln Weibe 482 doch traf mich dex roken ort ulfo jvrc (in den girl, daz 
mir der gloube gar enphiel. 

■■■"•■) z. B. in Konrads Silvester 1772 enisagl Kaiser Cunstantiii, da er getauft wird, 
dem lleidonthiime beinahe wörtlich ebenso, wie es schon ein halb Jahrlansetid 
zuvor die ersten deutschen Christen gellian : ich ivil gerne in mincn lagen 
dem argen liufcl icidcrfagen vnd aller der gczicrdc fin. 

■■■■•) XXXI, 36. 46. den glouben alle funnentage fingent gu-i/le di jui/len zo 
der iniffe durch di golis enße llarlm. (Glauben 14. 
1) Ein ieglich nienfclie fol den glouben zwircnl in dem läge fprerhen, rfcv 
morgens fö du uf flcß und des nahles fö du nider geft, hiz an dincn 
töl; l'd du danne an dem ende gelip, unde dir der tiuccl dincn kriflen 
glouben gerne an gewunne, daz er dir nihl guot ze nemene iß Berthold 
230 fg. [bei Kling; bei rfeiffcr 44]. Im Rolandsliedc 121, 14. 122, 11. 12 
bereiten sich die chrislliciien Helden mit Glanbcii, Gebei und Beichte zum Tode vor. 

■J-J-) Da folt du von kinllicher fugende den glouben krißcnliches tebencs gar 
unde gar wol bcveßen unde beßwlen in dinem herzen. Du folt in üzen 
lernen zc liulfche. Die ungelerlen Hute die füln den glouben in tiutfche 
lernen, unde die gelerlen in tmochifchem (vgl. oben S. 303) Ez foUen des 
kindes toten duz Idnt den glouben unde daz palernoßcr leren, fö ez fiben 
jure all würde : wan ß ßnts im ßhuldic: van fi ßnl fin geiftliche rnler 
unde muoler. Si füln fprechen ze finem vnlcr oder muoler »Geratere, ir 



KATErHlSMrSDICHTUNG. 337 

seihst fori. Und wo man daniil noch üher die Jugend hinaus wirken 
wollle, wo CS die l^lillheilung an Erwachsene und gar eine Erläuteruno 
fin* diese galt, da brauchte das dreizehnte und selbst schon das ZAVölfte 
Jahrhundert statt der prosaischen lieber die nun wülkonunnere und 
darum mehr eindringliche Form der Poesie : Reinmar von Zweter 
ii hertrug das Vaterunser in einen lyrischen Spruch (vd. Hagens Minne- 
singer 2, 179 b); Heinricli von. Krolewitz *) paraphrasierte es in aller 
^Yeitlänfligkeit bis auf beinahe 5000 Verse des episch-didactischen 
Maises, ob in der werkle ieman ril lihte hat alfö getan, der wol 
d'tfe felben wort vor mamgen jären hat gehört (naMulich als Kind) 
und daz er doch enmerkte niht die meinnnge dirre gefchihl, daz 
fie der mi merke baz (4589); ebenso gegen Ablauf des zwölften 
Jahrhunderts der Arme Hartmann den Glauben in 3800 Versen, sc 
lere den tmnben (den Ungelehrten) wände manige rede darane haf~ 
lent dar fi luzil iimbe ahtent (22). Auch die Bei<-htrede trat in die 
geschriebene Dichtung über : schon im -zwölften Jahrhundert in einem 
Reimwerke der Vorauer Handschrift (Diemer Ged. des 11. u. 12. Jh. 
305 — 309): ein halb poetischer, halb noch prosaischer Versuch der 
Art aus dem dreizehnten Jahrhundert, der nun auch die zehn Gebote 
unter die Catechismusstücke aufgenommen zeigt **), in Haupts und 
Hoffmanns Altd. Blättern 1, 362— 370 *=**): Hec fcribimns, sagt die 



füll mir mincn toton daz palernofier unde den glouben leren, oder ir 
läl in zuo mir gen: jö lere ich ez.« Eiinnen ß daz Ave Maria dar 
zuo, daz iß vil wunderguot. Iß aber daz daz kinl fin toten nilit lerenl, 
fi) foll du ez fclbe leren. Wati ficelicli menfilie vierzefien järe all wirl^ 
iiudc lian ez des palernoßers nilil, man fol ez an ein reit legen (von Haus 
und Heimat verstofsen) Bertlinlc! 230 [bei Pl'eiil'er 43 fg.]. 
*) lleinriclis v. Kr. Vaterunser, lieraiisg. v. IJscIi 1839; ein von [j'sch unljenulzt 
gei)liebenes Bruclislücli (1355—1406 m. 1512—1563) gaben schon 1827 
meine Spiritalia Ttieotisca 16 — 22. 

■""■"") Während des allhd. Zeitraumes waren sie es noch nicht: oben S. 295 fg. 
Jezt aber spricht die Beichte von Sünden gegen die zehn Gebole unsers üerrn 
(Mona, Schausp. d. }.IA. 2, 111 u. oben S. 335) nnd Heinrich v. Krolewitz 
betrachtet sie als initbegriffen in das Vaterunser (102 ". s. w. 3494 fgg. )• "" 
Armen Heinrich, Altd. Lesebuch 337, 28 [5. Aufl. 519, 26] ermahnt die Jlnllcr 
ihr elfjähriges Kind wan gedenkefl du an fin gcbol? ja geböl er unde 
bat er daz man munter unde valer minne und ere biete; VValiher \-, d. 
Vw. 22, 3 [bei Lachni.] Sa-er äne corhle, fierre gnt, wil fprecfien diniu 
zelten gebot, und bricliel diu, daz iß nilil rehliu minne; in Freidanlis 
Bescheidenheit 174 eine Versificierung derselben, eine andere jüngere in 
Schilters Thesaurus Tb. 1, S. 77—80 der Monumenta cateciielica. 

•"""") Später noch einmal ans einer andern Handschrift, der oben S. 258 bespro- 
chenen Weingartnerlschen, in llones Anzeiger 8, 58 fg., aber unvollständig 
und mit Überschätzung des Alters. 



338 FASTENPREDIGT. 

Riihrili. propler [iinplirrs et mituis intcUigetites. Wo sie jedocli 
innerhall) der Prosa zur Anwendung in der Kirclie seihst verblieh, d;i 
erhöh sie sich mit dein freieren Schwünge, der sie hereils im all- 
hoehdeulschen Zeitraum vor den Glaubens- und Vaterunserieden aus- 
gezeichnet hatte (oben S. 305). bis zu der eigentlichen Prediatform, 
und an die Stelle der Beiehlrede kamen seil Ende des zwölilen Jahr- 
hunderts wohl ausgeführle Fasten- und Aschermiltwoehspredigten. 
fennones quotidiaiii und iii. capite jejiinii, wie das Latein der Kirche 
sie betitelte. Dergleichen fcrmones quotidiani, d. h. die man all- 
tflpglich wührend der grol'sen Fastenzeit halten konnte, sind hei un- 
Xr. VI u. \\\ ; ein fermu in capite jejunii das Bruchstück in HolT- 
manns Fundgr. 1, 69: den Bulsprediglen bei Leyser 30 u. 125 fehlt 
die naphere Bezeichnung; für die zwei in Grieshabers Sanunlung 2. 
66 u. 74 lafsen die Überschriften selbst die Wahl zwischen dem und 
jenem Gehrauch : In capite jejunii et per tutam quadrage/'iviaiif 
quandocunque volueris und Ifte fermo Convertimini (die Ascher- 
nn'ttwochsepistel Cnnrertimini ad nie u. s. w. Joel 2. 12. 13) eliani 
eft communis quandocunque volueris. 

Catechismusstücke also und Catechismusreden sind jezo seilen, 
die letzteren seilen schon im lebendigen Gehrauch, noch seltener beidt 
in der Schrift : um so zahlreicher sind uns, namentlich aus dem drei- 
zehnten und dem vierzehnten Jahrhundert, deutsche Predigten über- 
liefert. Denn jezt erst war es mcpglich und der Mühe werth, das 
nüchtisre Wort mit dem Buchstaben zu befestigen und es für alle 
Zeiten dauerhall nutzbar zu machen ; wie der Dichter ik^ Passional> 
in Z. 220 fgg. der Nachrede sagt (Wiener HS. 2694. vgl. Diut. 2, 08.) 

Swaz ich Mute predigen pflege, 

Daz verget tnit dem gähne: 

Swaz aber ich mit dem halnie, 

Mit der vederen maine ich, fchribe, 

DaZ' hoffe ich ie ez blibe 

Nütze über manigen tac. 
Er meint das geschriehne Gedicht im Gegensatze zu der blofs giv 
sprochenen Predigt: wir moegen aber, und bleiben damit ganz im 
Sinne der Zeit, sein Wort auch von der geschriebenen Predigt ver- 
stehen. 

Vom Zwecke der jezt entstehenden Prediglsaiiiiulunoen gilt das- 
selbe, was oben bezüglich der in Bruchslücken vorliegenden Sanun- 
lung aus dem 11. Jahrhundert lieiiierkt wurde. Sie waren zu- 
nfechst Handbücher fin- Priester, die ihnen Muster aehcn. und unter 



ZWECK DER PREDIGTSAMI\1LUNGEN. 339 

linstandeii geradezu als FiindfJ^ruberi der Eiitlehiumg und als Foi- 
inidare dienen sollten; schwerlich eine einzige enthält Predigten, iUv 
wirklich alle das Jahr hindurch nach einander waM-en gehallen und 
dann erst zur Erinnerung und ni;r dazu auFgeschrieben worden. Den 
Beweis l'tn" jene Bestimmung erblicken wir, wenn z. B. die Benedict- 
•Ix'urer Sannnlung hie und da Vorschrilten giebf, dals und wie eine 
Credigl auch bei andern Anlapl'sen als den gerade in der ÜberschriH 
bezeichneten könne verwendet werden : Fred, de S. Laurentio, Kelle 
S. 100 Nomina quemcutnque marlirem celis: in iiniascuiusque marti- 
ris f'efto hec predicare poteris ; iiariae Geburt, S. 108 Hec predices 
in quocunque fefto beate Marie velis. Oder wenn die Predigt am Tag 
exaltationis crucis bis gegen das Ende über das Kreuz und Christi 
Erluehung an demselben handelt und dann S. 116 ein doppelter Schlafs 
kommt : Hec dicas in inventione fände crucis, Hec diras in exal- 
tatione*^. Oder wenn in der Wiener Sammlung Fdgr. 1, 112 aul 
die Glaubensformel die An\veisung folgt Hanc katliolicam fidein fie- 
pius in fefticilatibus dicere debes, et si sit fefticitas, quod ad 
corpus domini aliquis accedere velit, confeffionem fubjiinge ita di- 
cens Min vil lieben u. s. w. (Ansprache, Beichtformel und Indulgenz) : 
oder wenn anderswo mehrere Heilige genannt und zur Verehrung 
empfohlen werden, bei St. Nicolaus aber hinzugefügt wird (ebd. S. 119j 
Si de miraculis eius aliqua dicere volueris, habes fupra ante nati- 
citateni Christi. Daher, \\enn in dem Formular für eine Ansprache 
am Feste Aller Seelen S. 114 ermahnt wird: Gedenchet unser hüs- 
(jenözen, die ninlichen verfcheiden sint, rneifter Gumperhtes undc 
meifler Wizeperh unde anderre unfer hüsgenözen, so weist hiis- 
yenuz-en zwar auf eine Gemeinde hoeriger Landleute hin, aber die 
Namen sind nur beispielsweise als Ausfüllung des Formulars gemeint, 
und könnten ebenso gut andere genannt sein. Und ähnlich steht bei 
dem unmittelbar vorhergehenden Satze Pittet utnbe alle die üzer dirre 
famenunge i'erfcheiden finl, herren olde pruoder oder fwester zwar 
fest, dafs der Redner in einer Klosterkirche spricht, aber es ist offen 
gelafsen, ob in einem Männer- oder Frauenklosfer ""''')• 

Ebensolclie Bedeutung und Anwendbarkeit halten die lateinischen 
Homiliarien vor der Karolingerzeit und aus ihr besefsen; jezt traf 

*") Das eine Fest begeht die WiederfiiHluiig des Kreuzes durch die h. Heleny, 
das andere seine Wiedererhcehung, nachdem die Perser 614 es geraubl, 
durch Kaiser Heraclius 629 oder 630. 
■'■") Herrc ist Pfarrer, hier denn ein hioslerbruder. der als Priester eine Pfarre 
versieht. 



340 AUTORIT^.TRN ORR PRKDI(7r. 

iioili ein miilrcs Boispicl ii.rhci- iiiul Nvirktc noch unnnttclltaii'r. In 
(las erste Vierlei des 12. Jahrhumlerls fallt die aurserordentlich fruclil- 
bare und manniijfach eiTMJoreichc Thfrliirkeit des Honorins Aiiffiislo- 
dunensis, dessen Lebensumstände \vir s(» o-ul als irar nicht, dessen 
Schriften wir desto befser kennen*): darunter mehrere, deren Wir- 
kung das ganze Mittelalter hindurchgeht. Eine davon ist eine latei- 
nische Prediotsaininlunsr, Spi'culum ecdesiae genamit. ausdrüi'klich be- 
rechnet für die Anleitung zum Predigen und zur A^ushilfe dabei, in 
ihr gewahren wir den nsechsten Anstofs, eben dergleichen auf Deutsch 
zu verfafsen, um so zweifelloser, als sich z. B. in jener Benediclbeurer 
Sanunlunir wiederholendlich bald wortliche, bald freiere Anlehnungen 
an die lateinischen Muslerstücke des Honorius linden (virl. Kelle S. VII. 
[Müllenh. u. Seh. zu XCVl]). Natürlich bildete er nicht die einzige 
Ouelle und uiclil die Quelle fiu" alle : auch wo die Verfafser dieser 
honuletischeu Musterbücher nicht aus sich selber schöpften, standen 
ihnen noch genug andere noch angesehenere und ältere Autoritaeten 
zu Gebote. Und meist werden sie in dieser unselbstiindigen Weise 
verfahren sein, schon aus loeblicher Demulh, um doch nicht Dinge al> 
Cluster aufzustellen, die von ihnen selbst herrührten, sondern eher 
solche, deren Wertb der Ursprung von irgend einem heiligen Vater 
der Kirche verbiu'gte. In so fern haben all diese Sammlungen eigent- 
lich keine Verfafser, und wirklich wird auch nirgend der Name eines 
Verfafsers angegeben. 

Diefs Rückgehn der deutschen Predigt des zwölften Jahrhunderts 
auf altere Autorita^ten ist auch die na^chste Ursache, warum ihre ganze 
Fafsung und Hallung im Wesentlichen noch als dieselbe erscheint wie 
schon im elften Jahrhundert. Wälirend uns aber die Predigt dieser 
früheren Zeit nur in Bruchstücken erhallen ist, und so von ihrer All 
uiul Weise doch kein vollständiges Bild kann entworfen werden, haben 
A\ir luui. im zw(dften Jahrhundert, eine Fülle von Denkmadern, die es 
m()glich macht eine Characteristik der danuiligen Predigt weise zu ver- 
suchen. In allen Haui)tzüffen wird dieselbe auch rückwärts für die 
Predigt des 11. Jahrhunderts giltig und der einzige Unterschied etwa 
nur ehi quaulitativer sein: das 12. Jahrhundert zeigt gelegentlich eine 
vollere breitere Ausführung, wie der allgemeine Fortschritt der litte- 
rarischen Übung sie ermteglichte und wie auch noch andere Umstände 
den Anlafs dazu gaben. So entfaltet sich uamenllicli die Verehrung 
der Junoffrau Maria nicht selten nun in einem reicheren Mafse von 



■') [Sielie über beides Scherer in der Zschr. für ceslerr. Gyiiiii. XIX, 567 fgg.J 



ANLAGE DER PREDIGT. H41 

Worlon und Bildern, als n\ olil je in Prediglen der alleren Zeil : aber 
die Kirche selbst war darin jezt weiter vorgesclirilten, hatte die heil, 
.lungfraii noch mehr von den übrigen Heiligen fort und noch na^her 
riiristo selbst an die Seite gerückt, und auch die Poesie nicht blofs 
der Geistlichen, auch die der Laien gefiel sich in diesen Uberschwäng- 
üchkeiten. Sie waren der religi(ps verklärte Wiederschein des irdi- 
schen Minnedienstes, der jezt ein Hauptgegenstand der Dichtung wurde. 
Abgesehen von solcher volleren wärmeren Ausführung in Einzelheiten 
war also und blieb die ganze Anlage der Predigten, die Art und 
Weise den kirchlichen und in der h. Schrift gegebenen Stoff zu be- 
handeln dieselbe die sie schon vorher gewesen. 

Die Predigten sind entweder sermones de tempore oder de sauclis 
(s. oben 307). Letztere pflegen aus kurzer Erzählung mit angehängter 
erbaulicher Vermahnung zu bestehn, und sie gehn nicht uothwendig 
von einem Bibeltexte aus. Die Wiener Saunnlung zeigt ein eigenes 
Mittel um das geringere Mafs von Erbauung, das sie somit gewähren 
konnten, zu vergüten, indem wiederholendlich am Schlufs eines Vor- 
trages die Gemtinde zur Anslimmung eines Bittgesanges aufgefordert 
wird (Fdgr. 1, 80. 115); was denn auch aufser den sermones de 
sanctis bei anderen VortrjFgen geschieht, die nicht von Bibelstellen 
ausgehn, bei den Ermahnungen zum Gebet für Lebende und Abge- 
schiedene (Fdgr. 113. 114).-^) Den Predigten auf Sonntage und auf 
solche Festtage, die ihre Bedeutung aus der evangelischen Geschichte 
her besitzen, den Sermones de tempore konide der biblische 
Text nicht fehlen. Hier stellt in der Regel an der Spitze die von 
Alters her vorgeschriebene Pericope, zuerst lateinisch, dann in deut- 
scher Umschreibung-. Doch kann auch diese letztere vorausgehn und 
der lateinische Text folgen (oben S. ä5), oder auf die bereits in der 
Messe verlesene Pericope wird in der Predigt nur Bezug genonuneu, 
ohne dafs sie derselben in ihrem Wortlaut eingefügt würde (oben S. 10). 
Und nun wird denn, nach der besonderen Weise der Homilie, kein 
einheitliches Thema aus dem Text abgeleitet und ausgeführt, sondern 
er selbst wird unmittelbar und Glied für Glied belehrend und erbau- 
lich ausgelegt und angewendet, etwa so, dafs noch diese und jene 
andere pafsjiche oder pafslich erscheinende Schriftstelle mit herein- 



■) [Genn. 1, 449 zu Allerheiligen (vgl. Spec. ecci. 128- 28) iiiid Allerseelfii. 
Bei Honorins niiuen in einer Adventspredigt Spec. ecrl. ed. Co]. 1531 l'nl. 
250 a: Iden nunc gloria in e.rcelsis introniitiinuai. Anironlcning zmn Cm- 
sang am Sctilufs einer deutschen Adventspredigt Genn. 10, 467.] ; 



342 ANLAGE DF.H PREDIGT. 

gpzoffen nnd orobraiicht \M'rd um die Aiisleoiincr der Ein7A'lheiltMi zu 
unh^rsliil/en oder den Ihrrüan^ von der ciiicn zur andorn l)ild(Mi zu 
hcUcii. Xiclil sollen niicli wcrdiMi nicliicrc Anslcounofeii und Aiiwrii- 
diinocn (Miies und dcssclhcn Ttixlolünlcs als .oloirhbeiochtiul liiiiU-r 
einander vdrocfidirl. wovon jene Honn'lie von den finiferlei Arbeitern 
im \Yeinberfr niit deren Beziehung znersl auf die fünf Weltaller, dann 
anf die fünf Altersstufen ein älteres Beispiel friebl. Den Schlufs bildet 
eine alloemein g-ehaltene Ermahnung, wie sie entweder an das zulelzl 
besprorhene sich ansehliefst oder auch auf den Gesannntinhalt der 
jranzen Homilie sich begründet: in diesem Falle wird wenigstens liier 
und wenigstens implicile eine Art Thema aufgestellt; und das letzte 
Wort besteht gern in einem kurzen Gebeisruf um den Segen Gottes. 
Der Umfatig wächst bei diesei" Behandlungsart wohl über den des 
Sermo de sanclis hinaus, aber er bleibt geringer als der einer Predigt 
im engeren o-enaueren Sinne des Wortes ausgefallen wff're. I'iid er 
bleibt auch da ycring, wo. was nun allerdings mitunl(M- ireschiidil, \on 
(lie.-em schlichten Gange der Homilie abgewichen nnd schon mehr in 
die Art der eigentlichen Predigt eingetreten ^^ird. 

Diese Ausnahme geschieht in zwiefacher Weise. Enl\N'eder es 
wird dem Evangelienlext und dem was sich unmittelbar an diesen 
knüpft noch eine einleitende Betrachtung, wie die Homiletik es nennt, 
»m'u Exordium vorausgeschickt, die jedoch ihren Ausgang auch von 
kirchlich autorisierten Worten nimmt, z. B. Fdgr. 1, 123. 125 von 
der fiM" denselben Tag vorgeschriebenen Epistel- oder Prophetenstelle : 
fd)pn S. 9 beginnt, eifi noch vollerer Beleo-. die Predigt mit Worten 
Augustins, nimmt dann Bezuo- auf den Episleltext und gelangt niui erst 
zum Weihiiachtsevangelium und dessen besonderer Besprechung. Oder 
die Pericope ist so kurz luid einfach, dafs eine Theilung nnd Zer- 
gliederung nicht wohl möglich, und so wird sie von vornherein im 
Zusammeidiange des Ganzen und desshalb mit mehr einheitlichem 
Fhifse der Gedanken be.'^prochen. wie in der Predigt in octaua Domiiu' 
bei Kelle S. 17. [Für diese beiden als Ausnahme erscheinenden 
B(diandluugsweisen fand man bei Honorius von Antun die N'or- 
Itiider.] 

Gleichviel aber. ob. wie oewöhnlich. yanz als Homilie. ob ausnahms- 
wei.se mehr einer Predigt ähidich. all diese Kanzclreden haben, was das Dog- 
malische darin betrifft, durchweg eine und dieselbe bezeichnende Eigen- 
thümlichkeit: die eigentlichen Sätze der Dogmatik und ebenso alles, was ans 
dem Leben und der perscrnlichen Erscheinuno- Christi nnd der h. Jungfran 
dogmatisch zu verwenden ist. wird mit Vorliebe sofort sviidtoliscii ein- 



TYPOLOGISCHE METHODE. 843 

g-cklcidef, verbildlicht und vcrsinnliclil diirrli Dinge, dio der Natur, 
oder durch Ereignisse und Personen, die der Gescliirhte des alten 
Tesltuiiontos angchtpren. Ein Verfahren, das man wohl unterscheiden 
Minis von jener Art zu symbolisieren imd zu alleoorisioren. die wir 
<ib(Mi l)oi der Prediot des 11. Jahrhunderts besprochen haben und 
\\obei (b"e Thatsaclien der evangelischen Gescliiclile sfli>sl syndioliscli 
geuendet werden um sie auf Glaubens- und Siileniehren auszuleoen, 
wie etwa die zwei zusanunen ausgesendeten Jünger auf das (iebol der 
zwiefachen Liebe. Jezt bleiben vielmehr die evangelischen Thalsachen 
oder die Glaubenslehren gerade in ihrer ersten und eigentlichen Be- 
deutung bestehen und es wird ihnen etwas anderes als sie abspieo-eln- 
des Symbol an die Seite gestellt. Nicht zwar als ob damit etwas 
völlig Neues in dieser Zeit erst aufgekommen waere : aber jezt sieht 
dies(^ andere Art von Symbolik in vollerem Flor als fridier. und nauuMit- 
licli diefs ist einer der Umstände, wodurch jezt die Ausfidiruno- {J(m 
Homilien eine reicher belebte waid, als sie vordem gewesen. 

Die gebrauchten Sinnbilder waren nicht seilen wirklich sinnreich, 
nicht seifen wahrhaft dichterisch, wie denn auch die Dichtkunst ebenso 
gern als die Predigt sich ihrer bedient hat: man sehe das Melker 
Marienlied Leseb. P, 341. Sie waren natürlich ansprechender für die 
znho'rende Laiengemeinde, als eine in kalter und trockener Begrifflich- 
keil gehaltene Dogmatik ihr hätte sein können. Dennoch waren sie 
nicht gerade um der Laien willen, und keineswegs blols als dichte- 
rischer Schmuck, sondern in ganz ernsthaft realem, in durchaus wifsen- 
schaftlich theologischem Sinne gemeint. Bereits manch einzelnes Wort 
des Herren selbst und manches der Apostel, dann in einer fast syste- 
matischen Ausführung der Brief an die Hebraeer hatte dazu angeleitet, 
das Verhällnifs des alten Testamentes zum neuen als den des Typus 
zum Antilypus anfzufafsen, überall im alten Testament Vorbilder und 
Vorahnungen dessen zu gewahren, was dann in Christo und seiin^r 
Kirche die letzte eigentiiclie Verwirklichung und seine Erfüllung ge- 
i'unden habe. Mochte nun auch das meiste was in der Art erst das 
Mittelalter aufstellte hoechst subjeetive Willkür sein, es Iral doch nul 
Ansprüchen auf allgemeine kirchliche Berechtigung auf uiul schien 
einen wifscnschaHlich objecliven Werlh zu besitzen. Und wie man 
die Geschichte des alten Bundes als das Spiegelbild der evangelischen 
Geschichte betrachtete, ebenso erkannte man überall in der Naiur einoi 
Wiederschein von der Wesenheit Gottes und von seiner irdischen 
Erscheinung: das alte Testament beginnt ja mit der Schöpfung der 
Welt und die Welt ist von Gott durch das Wort, d. h. durch seinen 



344 GESETZLICHER GEIST DER PREDIGT. 

Sühn gescliall'en, warum al.su iiiclil auch die Natur in ähnlich lypo- 
logischer Weise betrachten und ausdeuten. 

Diese Geschichts- tnid Natursyniholik des Mittelalters liat sich 
alloemach zu einer fast unübersehbaren Fidle und iIainiijTfalti<fkeit ent- 
wickelt. Was der Arl die früheren Jahrhunderte erfunden hielten die 
spaeteren in Glauben und Andacht fest, erachteten sich aber durch das 
ältere Beispiel um so mehr befugt üleichartig weilei- zu arbeiten, ^^'ir 
beg-egnen diesen Symbolen, den allgemein angenommenen wie den 
seltneren, mehr nur gelegentlichen und vereinzelt gebliebenen, in rein 
wifsenschaftlichen Werken und in Gedichten und mitten inne zwischen 
beiden in der rednerischen Prosa der Predigten. Eine ziemlich er- 
schöpfende Zusammenstellung von ihnen giebt W. Grinnn in seiner 
Einleitung zur Goldnen Schmiede Konrads von Würzburg, einem Ge- 
dichte das schon selbst ghnchsam dit^ Schatzkaunner füi- alles bildet, 
was von dieser Arl gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Deutschland 
gäng und gaebe war. Der Dichter legte sie an, ein Laie für Laien, 
aber auch er nicht blofs des poetischen Reizes wegen, er so wenig 
als die Prediger: der Zweck war überall nicht die Lehrsätze des 
Glaubens nur sinnlich zu veranschaulichen, die Parallelen und Typen 
sollten vielmehr als Beweise für dieselben gelten. 

Noch eine zweite Eigenheit unserer allen Predigt verstärkte ihre 
Einwirkung auf die Laiengemeinde, wiederum ohne dal's solch eine 
Wirkung eigentlich beabsichtigt war. Fast überall wird noih viel 
mehr als die dogmatische Seite die andere, die zur Vollkonnnenheit 
des christlichen Lebens wesentlich gehoert, herausge wendet. Es wird 
fort und fort auf die Bellueligung des Glaubens durch den Wandel 
und die ^V'erke gedrungen, es wird dem Text den der Prediger er- 
läutert und den (Jlaubeussätzeu die ei- vortra^gt wo irgend möglich 
die Anwendbarkeit auf das pi'aktische Leben abgewonnen; gewils da- 
dui'ch wiederum eingänglicher für die Menschen des IhaHigen Alltags- 
lebens. Aber, und das ist nicht zu übersehen, die ethischen Forde- 
rungen werden seltner von dem Geist «ler Liebe gelragen, als sie mit 
alttestamentlicher Gesetzesstrenge auftreten. Die Prieslerschalt des 
Mittelalters trat mit Bewufstsein an die Stelle der alttestamentlichen, 
und wenn ihre Predigt i'rmahnl den (jlauben durch ^^'eJke zu be- 
tluetigen, so ha'rl man den Spruch des Jacobus, dal's der Glaube ohne 
die Werke todt sei, fast überall nut einseitiger Betonung heraus- 
klingen. 

Endlich eini; dritte Eigenheil scheinl erst jezt, im 12. Jahr- 
huntlerl, aufgekommen zu sein; auch sie geluerl mit zu der grtefseren 



ERZÄHLUNGEN IN DER PREDIGT. 345 

ren Fülh? der Ausfiihriiiiij, die man sich jezt im Vergleich zu der 
strengen Kürze des 11. Jahrhunderts gestattete. Es ist das die ge- 
legentliche Einschaltung kurzer, nicht aus der heil. Schrift entlehnter 
Geschichten, wodurch der eigentlich rednerische Gang allerdings unter- 
brochen ward, aber so, dafs dergleichen zur Verdeutlichung eines 
gerade behandelten Satzes der Glaubens- oder Sittenlehre diente oder 
ilienen sollte. Es waren entweder, wo nicht wirkliche von der Kirche 
anerkannte Legenden, doch legendenartige Erzählungen, oder Anec- 
doten aus der Profangeschichte, namentlich des vorchristlichen Alter- 
thumes. In der Verwendung auch dieser letzteren innerhalb einer 
christlichen Predigt lag nichts Anstoßfsiges : man war gewohnt die 
ganze Geschichte vor Christo, auch diejenigen Theile derselben, von 
denen das Alte Testament nichts berichtet, gleichwohl mit in die 
(ilte e hineinzurechnen : es war eben auch Geschichte, die der ninwen 
e vorangieng (s. Berthold v. Regensb. ed. Pfeiffer 398. 18 fgg.). Der 
Gebrauch solcher eingeschalteten Erzählungen, den wir spaeter noch 
in weiterer Ausbildung, auch als Missbrauch und in Missbildungen 
wieder treffen werden, geht wie es scheint auf jenen Honorius von 
Autun zurück, dessen Speculum ecclesiae fo maisgebend für die kirch- 
liche Beredsamkeit des 12. Jahrhunderts war. Er hat dergleichen 
öfter in dieser seiner Mustersammlung *), und aus ihr hat eine Predigt 
der Benedictbeurer Samudung mit wörtlicher Entlehnung vier solcher 
Geschichten geschöpft (Kelle S. 168—171; vgl. ebd. VII). Andere 
Beispiele gewährt die Wiener Sammlung an zwei verschiedenen Stel- 
len, einmal die Legende von S. Laurentius, ein andermal die Geschichte 
von Theophilus und seinem Bund mit dem Teufel (Fdgr. 1, 99. 120 fg.); 
[und andere wieder die zweite der von Leyser bekannt gemachten 
Sammlungen S. 60. 67. 69. 72. 76]. Von diesem zu heiserer Ver- 
deutlichung und groefserer Belebung gebrauchten Mittel könnte man 
nun wenigstens meinen, es sei zum Besten der Laiengemeinde und 
aus Rücksicht auf die dichterischen, die epischen Bedürfnisse und 
Neigungen des Volkes aufgebracht worden. Indessen auch hier ist 
eine Rücksichtnahme der Art, insoweit sie das einzig oder zuvörderst 
bestimmende gewesen waere, abzulehnen. Die Wiener Sammlung 
wenigstens war, wie wir gesehen (oben S. 339). zuuff'chst fin- ^Xi^n 
Gt^brauch in einer Klosterkirche berechnet ; und die Erzählungen, wie 
man sie jezt allein noch brachte, haben durchaus nichts Laienhaftes; 



*) [Z. B. Fol. 43 eine Jlarienlegende und gleich in der naeclislen Predigt loi. 

46'' fg die (iesciuchle von Ulysses und den Sirenen.] 
Altd. Predigten. 23 



346 KETZEREI. 

die legendarischen sclilofsen sich bei dem Glauben dessen sie ge- 
nolsen wn d;is Evangelium an, und Anecdolen aus der I*rüiangesehirhle 
des Allerlliunis traten mit in das Verliallniss von Typus und Anti- 
typus ein, in welchem man gewohnt wiw alles und neues Testament 
aulzufalsen *). 

In einer Fri'diglsannulung deren abgebrocheiu^ Überreste den 
Schriftzügen nach dem llbergange des 12. zum 13. Jahrliundert an- 
gehceren findet sich bereits, aus Anlals des Evangeliums vitn den 
zehn Aussätzigen, eine Beziehung auf die rrrcere, d. i. Ketzer (oben 
S. 37), Hiemil tritt ein neues für die weitere Entwickcluni» folgen- 
reiches jMotiv in die deulsciie l'redigtiibung ein, bei dem wir an der 
Schwelle des 13. Jahrhunderts mit einer einleitenden Betrachtung ver- 
weilen müfsen. 

Eben damals, in Verbindung mit den scharf (jrneuten Streitig- 
keilen zwischen Kaiserlhum und Pabsttiium. unter denen viele an der 
Kirche und den» (ilauben selber irre wurden, brach die manniu falligste 
Ketzerei, wirkliche und nur so geheilsene, wie sie von jeher gleich 
unterirdisch drohendem (j'e Walser unter dem Boden der rcemischen 
Kirche sich dahin gezogen hatte, an den verschiedensten Orten und 
in der verschiedensten Art aufs neue hervor, um von da an bald 
geräuschiger, bald stiller, bald trüber, bald heller die Jahrhun:ierle 
hindurch zu slru^men, bis sie endlich in der Reformation ihre Be- 
friedigung und ihre Läuterung fand. Der eigentliche Ouellboden war 
damals im südlichen Fraidireich uiul im nördlichen Italien, aus beiden 
IS'achbarlandern gieng der Erguls nach Ueuischland. Es wucherten 
groefsere uml kleinere einander wechselseilig verwerfende Gemein- 
schaften mit den niauuigfaltigsteu Reiu'nnungen^'"). Die einzelnen Lehr- 
begriÜe durch die sie von der Kirche und unter einander abwichen 



*') |Eiii»; bewiisste Kückbithliialuiic aiil' die Bedürruiüst; der Laieii{remeiiule wini 
wenigstens Ijci lloiiuriiis iiiclil ul>^uleliiien .sein. Oder was ist es iinderes, 
wenn nacii einer üigression iiljer die syinlinli.-ielie Bezieliung der 70 Tajje, 
wiünend welelier in der Kirelie das Alleliiia scliweigl, zu den 7Ü Jahren 
des l)al)ylonisclien Exils die l'rediul in seplna-^esinia durcli die Anweisung 
initeritroetie» wird Uwe swpius intermisce senitonibus /»(.s, tnoii liiiiu:i- 
cetnudi verbis eis faslidium lollis (lol. 46'').| 
*') lAul-^er llalins (ieseliichle der heller im Milleluller (8 Bde. 1845-50) selie 
man liieriiber J. (irinnn Wiener .lalirbl). d. Lill. 32, 211 Igg. ; Selmiidl Die 
Seelen zn Straisimrg im Millelaller, Zsehr. f. iiist. Tlieol. X (1840); FleiliVr, 
Zselir. r. d. All. i), 57 — 65. Zu den von PfeiHer znsammengelragenen 
Steilen üerlliolds v. Kegensburg Inge mau noeli die v«n I.eyser S. XXXI 
uns einer seiner lateinisehen i'rediglen niilgelluille.J 



KETZEREI. 347 

lafsen sidi nicht mehr genauer bestininieii : denn man ist fast ganz 
auf das angeAviesen, uas dit' kirchlicli ghinbigen GegiuM" berichten, 
denen man nur zu oft weder den Willen noch auch die Fa^higkeit 
zutrauen darl", die Wahrheit hier voll zu erkennen nnd zu sagen. 
Vnd die Ketzer selbst, meist niederen Standes und gelehrter Bildung 
entbehrend, waren gewiss vieliach nur in der iiegalivcMi Seile ihrer 
Hieresic, dem Widerwillen gegen die hcrschende Kirche, sich selber 
klar, ürei Hauplrichtungen lalsen sich indess inil zwcirellüst^r Be- 
slinuntheit erkeimen und benennen, zu Axelchen alles andre sich niu- 
als Mischart und Spielart verhält. Einmal die Richtung der Waldenser 
auf Riickführung der Lehre und des Lebens zur INorm des Evanoe- 
liums: sodann die manichfeische Irrlehre der Albigenser. die einen 
Dualismus in der Gottheit, ein gutes und ein ba>ses Princip schon bei 
Erschallung der Welt und der Menschen anuiunnt : enillich die my- 
stische Richtung, die sich, wie es anderwärts leicht und oft geschaii, 
in Pantheismus verlor oder barer Pantheismus von Hause aus war. 

Von diesen drei Hauptarten der Ketzerei fand zuerst und, wie 
es scheint, audi ihr die Folgezeit zumeist die evangelische der Wal- 
denser in Deutschland Eingang-. Ganz im Beginn des 13. Jahrhunderts 
lindel sich hier eines der vorzüglichsten Merkniale des Waldenser- 
Ihums. Vei-irauthcit mit der h. Schrift durch vei'breitete (Übersetzungen 
in die V(dkssprache, und giebt den kirchliclien Obern Ärgerniss. Schon 
um 1202 mufste Guido von Paleslrina, paebstlicher Bevollmächtigter zu 
Lültich, verordn<'n (Mira'i Opp. hisl. et diploinat. 1, 564) Onmes libri 
vomane vel iheulonice fcripti de du'inis fcripturis in maiius trci- 
dauttir epifcopi, et ipse, quos reddendos viderit, reddat. Ein Be- 
riclit über die Trierer Synode von 1231 sagt sodann von den Ketzern 
dieser Stadt MuUi eoniiii injivucti erant fcriplirn's fanct'ts, quas 
habebant in Iheulohicumtranslalas (Harlzheim Coiicil. German. 3. 319); 
uml weiterhin Br. DaNid von Augsburg (Haupts Zschr. 9, 64) von 
(h'U ketzei'ischen Lehrern Piiellas parindas docent etangclia et epi- 
j'tolas — düciles inier aliquos coinplices et facundus docent verba 
erangelii et dicta apoftolorum et fanctorum aliorum in vulgari lingua 
curde firmare (vgl. auch Bertliold ed. PfeilTer 406, 5), Dagegen 
scheinen die Verirrnngen der Albigenser in Deutschland erst gegen 
die Mitte des 13. Jahrhunderts tingedrungen zu sein: erst da treten 
bestimmtere, ausführlichere Zeugnisse auf (wie das Bertliolds 404, 12). 
Lediglich ein dculsclies Wort könnte einen Schlufs auf frühere Jahr- 
zehnle hier nahe legen. Jene neuen Manichieer nannten sich Cathari 
= xaitaoüi, die Reinen im Gegensatze zu der vom Teufel behersch- 



848 KETZEREI. 

ten Well mid Kirche. Hieraus nun enislainl, iiiiifieileulschl in die 
Verwandtschiiil von katze (s. Berthold 402, 21)*), die Bezeichnuntf 
kelzer, zuerst itn ersten Viertel des 13. Jahihimdcris für das idlere 
irrwre (z. B. oben XX, 37. 56) oder zwicelterc gebraucht. Doch 
wapre der Schlul's übereilt, dals mit diesem Namen auch die Sache 
selbst, die Irrlehre der eigentlichen Katharer bereits bezeugt sei : sie 
brauclile nur anderswoher bekannt zu sein, um Anlals zu geben, dals 
die Kechtgläubigen, deren Eifer weil entferni war es mit der gegne- 
rischen Sache genau zu nehmen, die Benennung der ärgsten Art von 
Irrglaubigkeit auf alles, was irgend Irrglaube war oder schien, als 
Sehimpfnamen übertrugen **^"). Umgekehrt wurde die wifsenschafllithe 
und kirchliche Bezeichnung hieretici schlechtweg auf die Kalharer 
insbesondere angewendet. 

Wie tief wellliche und kirchlich!» Gewalt zerfallen sein [uochten. 
im Kampfe gegen diese neuen Ausbrüche der Ketzerei durfte die 

") Und zwiir luich roinaniscliein Vorgunge, wo die Bezieiiiing auf calus nocli 
iia'her \:\'^. Alciiiiis al) Insulis (Lille), -f 1202 oder 1203, sii^l in M'ineni 
I. Buch iulvcrsiis ha'rolicos el VVnldenscs : Calavi dicunlur a calo, iiiiia 
oscttlanlur pos(cnnra caii, in cuius specie, ul dicuni, apparef eis Liicifcr. 
IVgl. übrigens Grimm VV. Jahrbb. 32, 217.J 
*'■) |Ans einer Prcdi^l der gra'fseren Leipziger Sammlung, die noch dem ersten 
Viertel des 13. Jahrh. angelia-reii nuils, Iheilt l.eyser (S. XWi) die Sielle 
mit: Gol der heizzel den luvel ein cioflen. nicht dnrumine duz er die 
werll habe (jeschaffen. als eüeliche ketzere f'preehen. Daraus gehl aller- 
dings nur die Üblirhkeit des Wortes und eine Kunde von der manichäischen 
Irrlehre der Katharer, nicht aber ihr Vorl<ommen in Deutscliland hervor. 
Aber die Kelzer, die Heinrich IH. 1052 zu Goslar anl'hiingen lieiV, verwarl'en 
bereits nach manichajischer Weise die tliierische INaiining und werden aus- 
drücklich dieser Seele zugewiesen (Hahn, 1, 46 fg.) ; diejein'gen, die zur Zeil 
des !». Bernhard in und um Köln auftraten, verwarfen mit Fleisch und Jlilch 
(quidquid eje coilti procrealur) auch die Ehe und gel)en sieh dadurch un- 
zweideutig als Manicha'er kund (das. 59 fg.) ; und die Kioster-JNeuburger 
Chronik berichtet zu 1210: pestilens hwresis i'alerinorum — prodita est 
el cariis lornientis multi eorum necati. l'atareni, im deutschen ,V!uiid 
Palrine, war nur eine andre Bezeichnung für Katharer oder ilanicha^er, 
und solche waren also doch wohl die Kelzer von denen Innocenz HI. (Episl. 
X, 52 ed. Baluzius) an den Bischof von Pafsau schreibt und die Leupold VH. 
von üesterreich zu grofser Befriedigung Tiiomasins von Zirclar (12683 ff-'g), 
also vor 1215 sieden und braleu liels. Waldcnser wurden allerdings 1212 
zu Strai'sbnrg entdeckt, verfolgt und gerichtet: aber mit ihnen zugieicli auch 
schon die panlheistisch-mystischen und zur Emancipation des Fleisches nei- 
genden Ortlieber (Schmidt a. a. 0. S. 45 fgg). Nach allein dem dürfte 
die im Text behauptete Friorila't der waldensischen Ketzerei in Deul.sehland 
kaum hailbar erscheinen.] 



NEUE ORDEN. 349 

kirtlii! auf den wellliclinu Ann rerhiieii. Die politischen Beweg^riinde 
kamer» ihr, aiuh wo es an kirchlichen ganz fehlte, aufs nachdrück- 
lichsle zu Hilfe, und auch ein Gegner und eir« Freia;eist wie Kaiser 
Friedrich II. verfolgte die Ketzer, um mit dem Irrglauben in den 
Städten Oberitalien.'^ zugltMch deren übrige Freiheitsgelüste tcrdtlich zu 
Irelfen. Es griff aber die Kirche, Schlag auf Schlag und beinahe 
gleiclizfilij^. zu den verschiedensten Mitteln der Gegenwehr: zur 
WafTcngcwalt im Alhigenserkriege 1209 — 1227; zur gerichtlichen 
Untersuchung und Bestrafung an Leib und Leben durch die von In- 
nocenz 111. anfänglich den Cisterzienscrn aufgetragene Inquisition : zur 
Belehrung des Volkes, einer nachdrücklicheren, als man den gewöhn- 
lichen Leutpriestern zutraute, durch die Stiftung der beiden mit dem 
Rechte der Predigt ausgestalteten ordines mendicantium, der fratres 
minores des h. Franciscus in Italien 1208 und 1212, und der prspdi- 
catores des h. Dominicus in Spanien 1215, welche letzteren durch 
Gregor IX. überdiefs Traeger der Inquisition wurden. 

Beide Orden hatten also ursprünglich die gleiche Bestimmung : 
beide waren zu Apologeten der Kirchenlehre gegen die Ketzer, zu 
Missionaeren innerhalb der Christenheit berufen; wie Friedrich II. in 
seiner Constitulio contra haereticos 1224 es ausdrückte Notnm fieri 
rohnmis fratres prwdicatores et mincres pro ßdei negotio in parti- 
hns hnpcrii nostri contra hceretiros depnlatos. Sehr bald aber 
schlugen sie ungleiche Wege zum Ziele ein. Die Dominicaner, vor- 
nehmlich aus den hoeheren Standen hervorgehend und gelehrten Studien 
hingegeben, schlolsen sich in zwiefachem Stolze von der iVlenge ab 
oder traten ihr nur als Ketzerrichter nahe ; so wurden sie dem ge- 
nieinen Manne zuerst entfremdet und dann verbalst. Die Franciscaner, 
die CS mit dem Gelübde der Armuth strenger nahmen, ihren Unter- 
halt wirklich erbettelten, blieben schon dadurch in beständiger Be- 
rührung auch mit den Geringsten im Volke, dem sie auch durch ihren 
Ursprung durchschnittlich nff>her stan'ien. Obschon auch aus ihrem 
Orden bedeutende Gelehrte, wie Bonaventura und Duns Scolus, her- 
vorgiengen. war die gelehrte Art für sie kein bezeichnendes Merkmal. 
Obwohl such sie eifrige Prediger gegen die Ketzer, wirkten sie nicht 
als deren Verfolger und Richter; ja, wie sie im Leben des Volkes 
sich lebendig mit Umtrieben, wurden sie gelegentlich selbst von Ketzerei 
angeflogen : hatte doch schon S. Franciscus selbst in einem nicht un- 
bedenklichen Verhältniss zu den Armen von Lyon gestanden. Ob- 
wohl grundsätzlich auch sie dem Pabste zu Gehorsam verpflichtet, 
üblen sie ihn nicht so unbedingt und blind wie die Dominicaner aus, 



350 NEUE PREOKJTWEISE. 

und zu wicdcrliollcii .Malen haben, wenn der l'ahsl über eine dein 
Kaiser getreue Stadt den Bann verhängte, die mindern Brüder ihre 
Kirrhen nicht gesrhlofsen, sondern nnbeirrl die Gnadenmittel gespendet. 

Kauin waren beide Orden rrcsliffet, so traten die neuen (ilanbens- 
bnten auch schon in Dentschland auf. Ihre Lage wie ihre Aufgabe 
war von der ihrer allen irischeii und angelsächsischen Vorgänger sehr 
verschieden. Die Elemente des (Jlaubens imd die Form des kirch- 
lichen Lebens, ja eine mehrhtniderl jährige Gewöhnung an die Priesler- 
predigt fanden sie vor : es galt aber nun eine neue Predigtweise zu 
finden, die eingänglicher, erwecklicher, die mehr geeignet wsere Alle, 
auch die Niedrigsten im Volke und gerade diese zuvorderst zu er- 
fafsen, eine Weise, die je nach Lmstiinden mit ihrer lebendigen Be- 
züglichk(M't wechselte, die uiclil mehr Jahr für Jahr nach idierlieferlen 
Formularen gienoe, die nicht |)iMrs!('i-licli slarr, nicht klösterlich ge- 
lehrt, die mit einem Wort volksmaMsig wa^re. Diese neue \\'eisc 
ward gefunden, und die deutsche Predigt nahm aus dem Munde der 
neuen Glaubensboten einen weil hadieren Aufschwung, als sie ihn im 
11. und wieder im 12. Jahrhundert genommen. Dafs eine neue und 
in Wahi'heit eine Hauptepoche nunujehr eintritt, giebt sich schon durch 
ein äufserliches Merkmal kund, das unter iihnlichen Umständen öfti-rs 
in der Litteraturgeschichte wiederkehrt, durch das Auftauchen von 
Autorennamen. [Wohl erfahren wir auch in der früheren Zeit von 
manchem bedeutenden Manne, dafs er sich unter anderm durch eifrige 
Predigt in der Volkssprache hervorgethan habe : aber dann sind, wie 
bei den Bischcrfen Godehard von Hildesheim und Otto von Bamberg, 
wie bei dem h. (Jimlher und dem h. Norbert, die Denkmff'ler die 
eine sohhe Tha^tigkeit belegen könnten der Aufliewahrung- nicht werlh 
gehallen worden : umgekehrt sind die Prediger deren Werke sich 
erhalten haben verschollen. | Bei der ganzen bisherigen Weise der 
Predigt kam eben die Individualität wenig oder gar nicht in den Fall, 
sich geltend zu machen. Das ward nun anders : in dem frei hervor- 
gebrachten Inhalte der Predigt prangte sich die Persomlichkeil des 
Redners aus, sein Name gieng mit Huhm durch den Mund der Zeit- 
genofsen und gelangte nn't seinem schriftlich befestigten Worte zur 
Nachwelt. 

Dieser epochemachende Aufschwung geschah aber, wie nach dem 
oben gesagten leicht zu erwarten, mehr durch die Franciscaner als 
durch die Dominicaner, obgleich gerade sie den Namen Prediger 
trugen; denn es ist schwerlich ein Zufall, dafs wenigstens im 13. 



KONRAO VON MARBURG. ALBERTUS MAGNUS. 351 

.luhrhiiiKiorl nur für die crslcm eine Wirkiinir dnrch die Predigt voll- 
ständig- belegt werden kann. 

Zwar die ersten Narhrichlen, die wir von der Art nnd den Er- 
loljii^n der deutschen Predigt beider Orden haben, betreifen nur die 
Doniinioaner, indem sie von jenem Konrad von Marburg handeln, der 
gleich nach dem Eintritt siMnes Ordens in Deutschland sich als Ketzer- 
spürer und Ketzerrichter einen furchtbaren Namen erworben iiat. 
Freilich, so lange und so oft dieser düstere Fanatiker auf siu'nen In- 
quisitionszügen durch Deutschland predigte, drang ihm das Volk in 
Haufen zu, so dafs er oft statt der Kirche einen Platz unter freiem 
Himmel wählen nuifste (s. ,1. Grinnn Wiener Jahrbb. d. ]>ill. 32, 202). 
Aber zuletzt überwog doch die Wirkung seines Thuns die seines 
Redens so weit, dafs ihn eben dasselbe Volk 1234 erschlug, und gleich- 
sam mit ihm sind auch seine Predigten erschlagen worden : keine 
einzige ist durch Aufzeichnung bis auf inis gelangt. Sein gleich- 
zeitiger Ordensbruder Albertus Magnus, der berühmte Erkiferer des 
Aristoteles (f 1280). hat allerdings auf die weitere Entwickelung der 
deutschen Predigt insofern eingewirkt, als er zuerst in Deutschland 
die mystische Richtung einschlug, die weiterhin von so grofser Be- 
deutung gerade für die Predigt werden sollte : aber er hat nichts der 
Art auf Deutsch geschrieben, seine mystischen Tractale sind wie seine 
sämmllichen Schriften lateinisch, und erst im 14. Jahrhun<lert fieng man 
an ihn zu id)ersetzen ; auch ist von deutscheu Predigten, die er etwa 
in solchem Sinne gehalten, nichts berichtet ■""). 

Von der deutschen Prculigt der Franciscaner im 13. Jahrhundert 
hebt unsre Kunde um etwas spa^ter an, uiul es ist auch da nur ein 



■J [Sjirfiihe Albrccfils ^^'llr(l^Il in fieutscher Fiifsun^ ü'oerliefcrl und finden sicdi 
n. ;i. Zschr. f. d. A. 8, 215 — 219 ans zwei liiindscliriflen des 14. Jalirh. 
milgetlieilt, Daninfer sind einige von der (Jelegenlieit hcrvorgemren ntiH als 
Sprüche nrsj)riinglich ausgegangen; einmal aber wird ganz ausdriicUlicl« der 
Inhalt einer Fredigl (von dem ewigen Leben, das wir in nns selber besilzefi 
sollen) angegeben nnd dann eine Keihe I'iraflsleilen ans ihr aiisgehoben. 
Niehls dentet anch darauf, dafs diese I'redigt ursi)riinglich laleinisrh gewesen 
und erst übersetzt worden sei. Mystisch allerdings im Grundgedanken kommt 
sie doch, wie ilbcrhanpt diese Sprüche Albrechts, ganz mit der gesunden 
kraftvollen Richtung anfs Ethische übercin, die wir bei Berthold wahrnehmen, 
l'ntcr Btuder Albrechl dein Lesemeisler, von dem a. a. 0. 23t ein kurzer 
Traclat oder ein Prediglauszng mitgetheilt wiril, Kann der sonst inuner als 
Bischnf Albrchl bezeichnete Albertus Magnus nicht zu verstehen sein. Wegen 
andrer Sprüche des letzteren vgl. Litt. (Jesch. § 90, 17 und Germ. 8, 
105.] 



352 DAVID VON AUGSBl'RG. BERTHOl.D VON RECENSBURG. 

Nanu-, hoechstens ein Paai' von Namen zu m iinen ; aber (Ilt eine sieht 
so in jedem Belrachl ausgezeichnet da. dafs er allein ich weifs nicht 
wie viele andere aufwiegt. Es ist Berthold von Rcüensburg^; nehen 
ihm und der Zeit nach schon um einiges vor ihm steht David von 
Augsburg. 

hii Minoritenkloster zu Regensburg fs. Pfeiffers Beweis hiefiir D. 
Myst. 1, XWIIIJ war dieser David Bertholds LehnT und älterer Freund; 
spazier und längere Zeil lebte er in dem Ordenshaiise zu Augsburg, 
wo er 1271 starb. Er soll deutsch gepredigt haben, wie allerdings 
die Ordensregel ihm das eigentlich zur Ptlicht machte, und er soll 
diese Pflicht mit Auszeichnung erfülll haben : aber es ist kein befserer 
Gewährsmaiui, dem wir die Nachricht vordanken, als der spaete, ge- 
lehrte aber utizuverlaefsige Abt Trilheim (-}- 1516 ). Er sagt Annal. Hirsaug. 
1, 588 von David quia sermonwn popularium declamatnr fiüf cgrc 
gius, de tempore si?nul et de sanctis devolione congruos sennones 
composiiit, und erwähnt noch anderswo diese sermones. Erhalten hat 
sich wenigstens davon nichts : aul'ser zahlreichen lateinischen Schriften 
(s. D. Myst. 1, XXX fg. Haupts Zschr. 9, 55 fg.) besitzen wir \on 
David auf Deutsch nur geistliche Abhandlungen, Betrachtungen und 
Gebete (D. Myst. I, 309—375 und 375—386. Haupts Zschr. 9, 8 
bis 55). diese aber in einem Deutsch, das in der Wahl der Worte, 
in dem Bau der Sätze id)erall die ihn beherschende lateinische An- 
gewöhnung verr<Fth. Wohl findet sich hie und da rednerischer 
Schwung, noch öfter gemüthreiche Tiefe, aber es ist keine schlichte 
Frömmigkeit, die hier spricht, und kein schlichter Ausdruck, den sie 
findet: denn der Verfafser zeigt sich als Mystiker in der Weise des 
Albertus (der 1260 — 1262 Bischof zu Regensburg war) und handhabt 
sein mystisches Denken und Emj)finden noch in etwas steif gelehrter, 
wenig beholfener Weise. Er war eben der erste Mystiker in deutscher 
Sprache, Bahnbrecher auf neuem und schwierigem Wege, den ihm in 
seiner Zeit nicht einmal sein Ztegling Berthold nachgehen mochte. 
Hat David wirklich auch auf Deutsch gepredigt, und hat er daiui so 
gepredigt wie er in den erhaltenen Schriften betet und abhandelt, so 
hat das Volk nicht viel von seiner Rede gehabt. 

Davids QTCBfserer Schüler ist eine der anziehendsten Erscheiinni- 
gen nicht nur in dei' Geschichte des Pi-edigtwesens, sondern auf dem 
Gebiete der deutschen Litteratur überhaupt. Diefs beweist schon die 
frühe Ausgabe, die ihm. nnt unzureichenden Kräften freilich, zu Theil 
geworden ist : Kling, Berlhold ik^^ Franciscaners Deutsche Predigten, 
mit einem Vorwort von Neander 1824. Diese etwas fahrlsefsige 



BERTHOLD VON REf.ENSBURG. 35H 

Arbeit giebt jedoch nur dcii kleineren Theil der in der Heidelberger 
Handschrift von 1370 enthaltenen Predigten vollständig, den viel 
grnpfseren blols anszugsweise. Sie hat übrigens das Verdienst, die 
erste des Gegenstandes würdige Besprechung durch .). Grinnn im 32. 
Bande der Wiener Jahrbücher der Lilteralui' veranlalst zu haben. Von 
der neuen und auf Vollslandigkeit angelegten Ausgabe Franz Pfeiffers 
ist nur der erste Theil 1862 erschienen [der jedoch samuiüiche 36 
Predigten jener wichtigsten Heidelberger Urkunde nebst einer AI»- 
handlung über Bertholds Leben und einer Ziisainmenslellung der 
historischen Zeugnisse über ihn enthält]. 

Ob mit dem Zusätze zum Namen Bertholds Heimath oder sein 
letzter und längster Aufenthalt bezeichnet werden soll, bleibt zweifel- 
haft wie bei David von Augsburg. Man hat zwar einige Zeit hindurch, 
auf Grund missdeuteter Urkunden, gemeint, er sei aus einem Regens- 
burger Geschlechte Lech hervorgegangen (s. Wiener Jbb. 32, 199. 
Roth D. Pred. 80 fgg.); aber es ist von PfeifFm* widerlegt worden. 
Wir wilsen nur, dafs BerthoM dem Ordenshause der Franci scaner zu 
Regensburg angehoerte, einem der ältesten auf deutschem Boden, das 
schon 1221 gegründet wurde. Er erscheint zuerst 1246 als Bruder 
daselbst, und da bereits als eine Person von Ansehen und in Gemein- 
schaft mit David. Er starb 1272. ein Jahr nach David, zu Regens- 
burg und ward dort im Kloster begraben. Das Wirken, das seinen 
Namen fast durch ganz Deutschland hin und über Deutschland hinaus*) 
und auf eine lange Frist hinaus berühmt gemacht hat, fällt in die 
anderthalb Jahrzehende von 1250 an. Diese Zeit hindurch erscheint 
er nach und nach in den verschiedensten Theilen des Reiches, ja auch 
aufserhalb seiner Grenzen als Landprediger, wie mau damals sagte 
(Pf. XXUI. Haupts Zschr. 4, 575): d. h. er band sich mit seiner 
Predigt nicht an eine Kanzel oder einen Ort, sondern durchzog pre- 
digend das Land; und in der That konnte er nicht befser als so der 
Bestimmung nachleben, um derentwillen sein Orden gestiftet war. Und 
jezt noch können wir die einzelnen Richtungen und Gebiete seiner 
Wanderschaft Schritt für Schritt verfolgen : Baiern, Mittelrhein, Elsals. 
nördliche und östliche Schweiz, Oesterreich, Boehmen, Mähren, Schlesien, 
Ungarn, Thüringen, und zuletzt und allein noch Baiern und Regens- 
burg. Den Slaven und Ungarn freilich hat er nicht in ihrer Sprache 



) [S. die von llofinann beigebrachten nierliwürdigen Zeugnisse des ilaliaDnisclien 
Minoriten Salimbene und des englischen Scholastiiiers Hoger Bacon Sitznngs- 
ber. der bayer. Ak. 1867, H, 374 Igg.J 



354 BERTHOLl) VON REdENSBURC. 

troprcdin-i : hior >liiii(l iliiii ein Dolmetsch zur .Seile. \vie dem h. (Jalliis 
dort zu Conslanz (Tf. XXVII). Innerhalb des Deutsehen jedoch 
verlieh ihm sein Sprachsinn, den mnndarllich anseinander«jehenden 
Sprochweisen trerechl zu werden. Er selber sprach keine bestimmte 
Mundart, weder bairisch noch schw.Tbisch, sondern eine Art hoch- 
deutseher Gesammtsprache. wie ihm dieselbe anl" sein(>n Wanderunsr«^! 
aus den verschiedeiKMi Mundarten zusammencredorsen war, in der 
Hauptsache nnbcwusst. aber im Einzelnen auch mit bewusstem Dazu- 
Ihun ; das zeiixen z. H. die sich wiederholenden Stellen, wo er davon 
spricht, wie der Beofrill' sprs hier mit gcdingr, dort nn'l -•uoversiht, 
d(u*t mit dem damals nur norddeutschen hofj'enunqp. iHisi»-edrückt werde 
(Pf. 165. 180. 546)-"). 

Als Berlholds Beofleitcr auf diesen Reisen wird einiffc Mal Bruder 
David «>(Mnunit. snriifs fralris BcrlhoJdi de Bnthpoiia (Pf. XXVII). 
der mit hnioder Ferchffwlt gieng (Myst. I. XX.XV) : aber es sind 
Iheils spnpte. th(Mls sonst unzuverlfrlsiife Nachrichten; jedesfalls diirrie 
di(!ser Beirleiter nicht neben Berthold o(>pre(ligt haben. Eher als ein 
Landpr(!diorer war David das, was man damals Meisterprediorr nannte 
(Boppe in vdHagens Minnes. 2, 385 a), ein o-elehrler Prediaer oder 
predigender Professor. Tm so befser war zu jenem Berufe Berlhold 
angeleg-t. Wohin er kounnt, sehen wir Tausende sich um ihn dran- 
gen ; oft freilich ist in den Nachrichten dieser Zulauf in das Märchen- 
hafte übertrieben. Noch ganz glaublich sagt die Überschrift einer 
seiner Predigten in einer Züricher Handschrifl (oben S. 09) da ef 
menig tufent mcnfrh hart, z-e z-ürirh rar der [tat; in andern Nach- 
richten aber id)er Predigten an andern Orten ist die Rede von 40.000. 
von 60,000 und 100,000, ja von 200,000 Zuhcrrcrn (Pf. XXX fg. 
XXVII). Dals indess die Zeitgenofsen und die ufrchsle Folirezcit 
dergleichen glaubte und (irziihlte, bezeugt wie aufserordentlich der 
Ruf dieses Predigers war. Das schlichte Wort „vor der sfaC' saijt 
uns hier schon genug: für die Zuhcercrschaft, die um ihn sich sam- 
melte, war eben jede Kirche und auch jeder Platz innerhalb einer 
damaligen Stadt zu eng : und so versteht es sich auch wenn er anderswo 
l . rj: ^ . ii- , i!)o - - 

'■*') [Frwiiliniinp vorflirnt iiiuii die Stelle, wo or den Nnnirn As,s;ir durch ein 
fnrsl interprolietl und dann fiirllälirt : Verstel ir nii» linlsche! ez isl als 
vil gesprochen der uamc Assnr als ein ualt oder ein forsl (Pf. 204). 
Atiiiliches lindct sieh auch in der zweiten I.eipzi^er Snnniilunj; (s. Lojser 
S. XXIY), wird aber vom Ileransgeber wol mit Recht iuif den Samndcr und 
Mberarbeiter 7.nnickj;eriihrt, der den AVnnsch halte, sein >Yerl\ in möglichst 
weitem Ivrcise mnndgerechl zu machen.] 



HERTHOLD VON BEGRNSBURG. 355 

iiiif freiem Felde oder im ^^';dde oder von Mauerlluinnen heniuter 
prodisren miissto (Litt. Geseh. 325. Pf. XXVII). Onr Begierde, 
mit der er geiinerl wurde, entsprach denn anch die Wirkiiiio .seiner 
Predijjt. von der Johannes von AA'interlhnr in seiner Chronik zum 
Jahre 1255 die Worte braucht Peccatores innnmeros rerbo ei exemplo 
pariler ad dominum com^ertebat. Es werden uns dafür einzehie 
B(>ispiele überliefert. Als Berlhohl 1256 iroendwo in Granl)ün(Ien 
über Uno-erechligkeit nn<i nng-ereclites Gut predigte, gab der Rittei- 
Albrecht von Sax dem Kloster Pfa^fers das Schlofs Wartenstein, das 
er ihm wider Recht entzogen, alsbald zurück (Pf. XIII. XXV): 
lauf der Reise gefangen und in ein Raubschlofs geschleppt mufste er 
nachdem er erkannt worden dem Burgherren und seinem Gesinde 
predigen, bekehrte alle, bestimmte sie Bufse zu thnn und nahm den 
Burcrherren auf sein Verlangen in den Orden auf (Hofmann a. a. 0. 
aus Salimbene)]: und in Ungarn wurden Viele, die sich von den lieid- 
m'schen Rumänen zum Abfall vom Christenthum halten verlocken lafsen, 
durch sein Wort aufs neue bekehrt (Pf. XXI. XXVII). Die Verehrung. 
di(^ (T durch solch ein Wirken sich erwarb, blieb begreillicher Weise 
bei jenen Zahlübertreibungen nicht stehn, sie erzählte noch von Berthold 
selber mancherlei Wnnderbares. Wir lesen wiederum bei Johannes 
von Winterthur Afferifttr habitiffe fpiri'um propheficp: nam muUa et 
direrfa pvo'dixernt — noftris tempon'biis (1340) adimpleta (Pf. XXIII) ; 
und anderswo bestimmte Einzelheiten der Art (Pf. XXIV. XXVII. vgl. 
XXX ^^.^. Ein Beispiel fällt noch in sein vorletztes Lebensjahr: als 
1271 Bruder David in Augsburg starb, ward das gleichzeitig dem 
Bruder Berthold, da er gerade zu Regensburg predigte, im Geiste 
olTenbart und von ihm sofort dem Volke verkündigt. Auch Wunder 
soll Gott an ihm und durch ihn haben geschehen lafsen. Als er in 
Thiu'ingen predigte, wurden einmal über seinem Haupte mehrere 
glänzende Kronen schwebend ge.sehen (Pf. XXI. XXVIII). Ein ander Mal 
ergreift eine seiner Predigten eine Buhlerinn so mächtig, dafs si(« 
ihrem sündlichen Leben entsagen will; Berthold fragt wer von den 
Znh<prern diese seine reuige Tochter zum Weibe nehmen wolle? er 
werde sie mit einer Mitgift ausstatten. Ein Mann meldet sich; Berthold 
verspricht 10 Pfund Mitgift und schickt einige Männer durch die ge- 
drängte Menge um sie einzusammeln ; während dieses Geschäft im 
Gange ist, ruft er plötzlich ^,Sufßcit: nos habemvs pecuniam quam 
optamiis^, und siehe, gerade 10 Pfund, kein Pfennig mehr noch min- 
der war gesammelt (Pf. XXIV). Ja einer andern Sünderinn, die unter dem 
Eindrucke seiner gewaltigen Predigt todt umsank, gab er durch sein 



356 BERTHt^LD VON KFJJENSBURG. 

(iehfl iinil (las Gebet di;.s mit (hy.u aulffelorderlen Volkes das Leben 
wieder (PI. XXI). Wir staunen idier die Menge und Mannigfaltifjkcit der 
NaeJirirhten über die.scn Prediger: aller Orten er/.nhien die Chroniken 
Deutschlands, warm der Bruder Berlh(dd hierhin und dorthin gekommen, 
von wii; vielen seine Predigt angeh(T?rl worden, was sonst dabei ge- 
schehen sei; und so ward aueh endlich sein Tod 1272 von nicht 
wenigen für ein chronikwilrdiges Ereigniss angesehen (Pf. XX VII Tg.). 
Das dankbar riihmende An lenken aber hat ihn lange iiberleld. Johannes 
von Winlerlhur schrieb 1340 cnius memoria in henedictionc est 
et ndhur recentisaima meo tempore persererat in homtnihus. Hein- 
rich Frauenlob sieht alles, was Berlhold vor manchem Jahr gesprochen, 
in seiner Zeit erfüllt: er giebt solche Aussprüche in seinen Versen 
wieder und leitet sie mit dem Worte ein durch sinen munt rett gol 
von himelrichc (Frauenlob ed. EtlmüUer S. 42 fg.). Ein Autor des 
15. Jahrhunderts über den Franciscanerorden stellt ihn. den der Pabst 
selber eine archam leslamenti genannt habe, als grofsen Prediffor mit 
dem h. Antonius von Padua zusammen (Pf. XXXI); noch im sechzehnten 
Jahrhundert liefsen sich nach Aventin wallfahrtende Ungarn scnn Grab 
\i\ der Minoritenkirche zu Hegcnsburo zeigen (Pf. XXI) und nahm ein 
protestantischer Prediger zu Frankfurt. Melchior Ambach, in eine 
Sammlung Prophetien ... Vom Ende der Welt und z-uhunfft des Endt- 
christs" (Franke. 1544) eine Weifsagung unter dem Xamen Briidei' 
Bertholds auf (Leyser D. Pred. XVll). 

Die bedeutsamste Wii'kung und auch wieder rückwirkeiule Ursache 
.'■olches dauerhaften Andenkens war die Fortpflanzung der Predigten 
Berlhol is, die uns bald einzeln, bald zu mehreren Stücken, bald in 
umfangreichen Sammlungen vielfach handschriftlich erhalten sind. Frag- 
wiirdij,' bleibt hiebei, wer sie zuerst niedergeschrieben. Man winl 
zuerst an Berthold selbst denken und dachte so vor Alters : denn 
Johanm^s von Winterthur spricht von dioersis voluminihus ab eo 
compilatis sermonum, (juos rustiranos appeUari roluil *) und ein 
andrer sagt dafs er rolumen sermonum dominicalium et de sanctis 
per annum compilacit (Pf. XXXI). Aber vor dem Vortrage kön- 
nen Predigten dieser Art nicht aufgezeichnet sein, ib?e frische Lebenilii;- 
keit, die ganz als Eingebung des Augenblickes erscheint, müfsle dann 
für das Erzeugniss theatralisch geschulter Relle.xion gellen, undenkbar 
für jede, wie viel mehr für jene Zeil; und auch nach dem Vortrage 

'■■) Vgl. ülier nuslicnmts aU Be/.eiclinniifj für cinr dcul^clic Predigl.-iHinmliuiir 
LG. 325, Anm. 23. [Hofinann a. a. 0. 385 fgg.j 



BERTHOLD VON REGET^SBURG. 357 

würden sie iinler der o-ewissenhaflen Feile des Redners selbst den 
Stempel der Redexion und einen iiiehr schriftstellerischen Charakter 
«Thalien hab<;n. Wir wirdi-n daher, wie spa^ter bei Geiler von Kaisers- 
berg, in diesen Aufzeichnungen das Werk feinsinniger und gedächtniss- 
starker Jünger erkennen niülsen. 

Zweck der Sammlung war, wie früher, anderen Predigern zu 
eignem Gebrauch auf der Kanzel und daneben Geistlichen wie. Laien 
zur Erbauung durch IMivatleclüre zu dienen. Die Heidelberger Per<'a- 
nu^nthandschrift, die unsre reichste und wichtigste Quelle bildet, wurde 
100 Jahre nach Berthold für Frau Elisabeth, Pliilzoiipfinu am Rhein 
imd Herzüginn in Baiern hergestellt; aber die Spuren jenes andern 
rein clericalen Gebrauches treten auch in ihr unversvischt zu Ta<j-e. 
Anweisungen UcTmlich, anderwärts gesagtes, dessen Wiederholung der 
Schreiber sich ersparen will, an ähnlicher Stelle einzuschalten. So 
hebt z. B. die Predigt üun dem wage)i (Pf. 157) mit demselben Ge- 
danken an wie die von den fihen pJanelen, dafs Gott den PfalFen zwei 
Bücher gegeben habe, woraus alles für Leib und Seele n(ethicre zu 
lernen, das alte und das neue Testament, statt des Fortganges aber, 
dafs auch den Laien zwei solche Bücher zum Lesen offen stehen. 
lUiMulich der Himmel und die Erde, findet sich die Anweisung: reht 
als /'ich der fermo an hebet ton den f'lben phmeten, diu felbeu wort 
fol man hie fprechen alle j'ami, und dann gehl die Predigt erst von 
da an weiter, wo sie von der edierten früheren abweicht. Oder, noch 
sprechender, S. 107 in der Predigt ron den engein unterbricht der 
Schreiber den Text nach dem Satze Unde dannoch fö hat diu ßbende 
nntugent manigerleie fchaden danne die andern alle famt um die 
Anweisung zu geben Unde fioie maniger leie fchaden diu felbe nn- 
tugent habe, diu da heizet gilikeit, daz mndet man in dem ferniöne 
von den drin lägen; unde fwie maniger leie gitikeit fi, die fol man 
alle hie rüegen, wuocherer, fürköufer u. s, w. Vgl. die iihnlichen 
Fälle S. 82 fgg. 86 fg. 130. 138. 163. 168. 249. 542 u. a. m. Noch ent^ 
schiedener und bezeichnender, zuüleich aber auch sehr verkehrter 
Weise tritt diese Bestimmung für den Gebrauch der Geistlichen darin 
hervor, dafs Berthold auch ins Lateinische übersetzt wurde. Zwei 
Handschriften des 14. Jahrhunderts zu Leipzig enthalten Sermones 
fralris Bertholdi, theilweise mit eingestreuten deutschen Ausdrücken 
(Leyser D. Pr. S. XXVII). Bedenken erregt es nur, dafs imter dem 
was man von Berlhold auf Deutsch hat und kennt zu keiner dieser 
lateinischen Predigten sich das Original findet; und doch, wenn mau 
im 14. Jahrhundert so kurzweg frater Bertholdus sagte, kann niemand 



358 BERTHOLl) VON REGENSBURG. 

anders als dt'r Regensburij;er geiiuMiil sein. [Auch sind die wenioen 
Proben die Leyser S. XXX %g. aus dem lateinischen Beilhold niil- 
Iheilt der Weise des deuischen oauz oeiiia'!!; : und am Ende isl es 
niclil undenkbar, dals er selbst in kla'stern auch lateinisch gepredigt 
hat und dals solche Predigten so gut wie die deuischen der Auf- 
zeichnung werlli gehalten worden sind. Wirklich neiint eine Sannnlung 
Sei'mones ad religiosos in einer Handschrift zu Erlangen den Bruder 
Berlhold als Autor (.Hobnaun a. a. U. 887 fg.). Bei ursprünglich 
dt'utschim Predigten, als welche die Seruu)nes rusticani zu München, 
wenn sie wirklich vtm Beithold sind, sich durch den Tilcl neben, 
braucht man am Eiule auch nicht au formliclu' ( bcrselzung aus dcul- 
scher Urschrift zu denken: sie können vom Munde des Redners weg 
gleich lateinisch aufgezeichnet worden sein.] '") 

Wir niüfsen uns, um den stauuenswerthen Erfolg dieses Predigers 
zu begreifen, vor allem nochmals die ganze Bedeutung der neuen 
Epoche vor Augen halten, die durch die Mönchspredigl des 13. Jahr- 
hunderts heraufgeführl wurde und in Berlhold für Deutschlarul ge- 
gipfelt hat. Die Predigt der Leulpriesler, auch in der vollei-eu Aus- 
führung, die ihr das 12. Jahrhundert g(;geben, blieb ihrem eigent- 
lichen Inhalte nach das Merk einer lodlen Gelehrsamkeit, wie sie der 
Form nach auf einem todten Schencalismus beruhte. Auch wo der 
Prediger sich nicht darauf beschranken nu»chte. eine gangbare Äluster- 
sainmlung, wie sie ihm gerade in die Hände kam. ein Kirchenjahr um 
das andere herunlerzupredigen, faiul er doch in seinen Mustern weder 
\oibild noch Antrieb zu zeit- und ortsgema'fsen Bezüglichkeiten, zu 
einem lieferen Eingehn in concreto Lebensfragen, wodurch es allein 
mo'glich gewesen waMe, die Gemeinde mit starker voller Slrc^mung 
zu erfalsen und fortzureilscn. So bewegte sich denn die Predigt 
[ahnlich wie wie«ler in unserer Zeit] auf der Oberfläche einer gleich- 
giltigen Allgemeinheil hin, auch wo sie etwas heiseres war als ein 
Geschalt, das uian Sonnlaü für Sduntaü' mit Ira^üer Gewtdmheit ablhat 
und an sich ablhun liels. Solcher l'bung gegenüber Irill nun der 

*J [Eine vollsläiidige ialeinisclie Predigt Berlholils hal aus riner Hiiixischr. des 
Klosters Kreiiisinüiister J. Sclimidt in der Scluil'l über Berllidld von Ki'gens- 
biirg. Wien 1871 von S. 15 bis 2ü niii|itllu'ill. Ihr l'e.vl ist das Ave Maria 
un<l sie bewegt sich oline prakliseh-elhisihe liiiiitiiny, aber ntil eelit scho- 
lastiselior Methode g«n^ um die N erheriiehnng der heil. Jungfrau, llbiigens 
kommt sie an rednerisclier (Jew alt und Fülle den deutschen Predigten gleieh : 
oh wir hier den Jugendlieben, nueli in der Schnllriiditinn befangenen Bertholil 
kennen lernen Yl 



BERTHOLDS METHODE. 359 

Minorit. von Gelehrsamkeit wenig beschwert, aber voll Begeisterung- 
l'iir seinen Beriil', voll inniger KeligiositaH, ein Mann aus dem Volke 
mit ocsiindem Volksversland und heifscr Liebe zum ^'olke, eifülll von 
dichterischer Ansclhinungskralt, nnt naturwüchsiger Beredsamkeit be- 
gabt. Er fragt nicht nach Autorila^len und wirft die Formulare bei 
Seile; aus sich selber schöpfend giebt er dem Strom seiner Rede je 
nach rmständen bald diese, bald jene neue Richtung: und welch ein 
breit und lang und voll dahin fliefsender Strom ! und das Ziel, das er 
sicher zu treffen und zu erschüttern weils, jedesmal das Gewissen 
jedes einzelnen seiner H(prer. Die andern hatten den Namen, das 
war nun der wirkliche Leutpriester ■>""). 

Machen wir uns die Art, wie Berthold seinen R(Mlestoff zu hand- 
haben und zu gestalten pflegt, nunmehr im Einzelnen anschaulich. 
Erst so werden wir erkennen, wie die Epoche, die er für das deutsche 
Predigtwesen bezeichnet, zugleich eine für immer entscheidende war: 
denn dii^enige umfangreiche und gegliederte Ausführung, deren die 



"■■) [Der Veifalser würde !)ci eigner Aiit;arbeitiiiij^ seines llcfles für den Dmeli 
gewiss nicht iiljersclien liaben, dal's uns in der zweiten der von Leyser be- 
Ivannt geniadilen Lei|>ziger Predigtsaninilnngen bedeiilsame iVIiUelgliedcr beider 
hier schroff gegenüber geslelllcii Epoclien der deulsclien Predigt vorliegen. 
Da zu drei Predigten dieser Sanunlnng andeivveitige Aufzeichnungen des 

12. oder 13. .JahrliiMiderls vorliegen, da nirgend in ihr, weder rühmend noch 
tadelnd, der neuen Orden gedacht wird und kein Wort des Preises für deren 
Stifter sich findet, schliefst Leyser (XXXll) mit tiechl, dafs die meisten der 
liier gesammelten Predigten, obgleich nur in einer (und zwar thüringischen) 
Handschrift des 14. .lahrhunderts überliefert, nicht über das erste Drittel des 

13. Jahrh. hinabzurücken seien; und wenn ferner nur einmal des lietzer- 
wesens und zwar einer manichieischen Lehre gedacht wird, doch so, dafs 
das anget'ührle dem Prediger niu-glicher Weise nur aus Büchern, nicht aus 
Erfahrung bekannt war, so werden wir dadurch noch eulschiedener an den 
Anfang des Jahrbundeils gewiesen. Diese Predigten nun, sichtlich von ver- 
schiedenen Verlafsern herrührend und daher von ungleichen» Werth, sind 
bereits nicht arm an concreleu Beziehungen. Der Leulpriesler oder Pfarrer 
spricht von den besondern Pflichten und Schwierigkeiten seines eignen Amtes, 
von den Versäumnissen, deren er sich mit seines gleichen selbst anklageiis 
mufs (124, 7 u. Anm. zu Z. 7); der Klosterprediger apjiliciert seinen Text, 
auf (las besondere Lebcnsverhältnifs seiner klceslerlichcn Zuhurer (59, 9. 
130, 40. 134, 28) und spricht ausdrücklich als Benedictiner zu Benedic- 
linern (59, 14. Vgl. 35, 20. 136, 32). b» Kaslenpredigten wird die Noth 
einer wilden gesetzlosen Zeit geschildert, wo rumilcli riclie und rüinilcft 
eie zullorel ist, also doch wohl der Zeit vom Tode Heiiniehs VI. bis zur 
Befestigung Philipps (125, 11 u. Aum. zu Z. 12), und wenn es in diesem 



360 BERTHOLDS >1ETH0I>E. 

rieuero Zeit in ihrer „Freiiiol" orewohnt ist. ist weseiitlidi hm- bereits 
Yorhantlen, ist Iner zuerst tlieils wirlvlitli yelt;islel, tlieils tiüeh erstrebt 
imtl versucht worden ''0 



I KU 1. 

Ziisninmenhangc heil'sl hifrliolue rnd pfujIwH Italni der icurheil geficiegett. 
ind liubn daz yntis reiht Uinderuerl rnrivorfen, so drücivt der l'iediger 
üiigi-ii.scheiiiiith sein staulisches l'iirleihewiisstsein im.-;. Anderswo hu'ren wir 
Worte Walthers v. d. Vogelvveide (30, 18 l)ei Wackern. ii. K.) wiederlilin- 
uen : die vürßen. pebiße. cardinale. bifcholue. aple. probifte. erzpriftere. 
pherrere. rnd aller hande prelalen. (leißlich rnd irerlliich. di die rbrifleu- 
lii'it foldeu beirarn vnd hirlen foldin [in ober die fcliaf rn/ers herrin 
ihefa crißi. die {in ivolue (109, 18) ; Worte, die i^ein l'redigerniöneh nocli 
^linorit wenigstens der früheren Zeit in den Mund hätte nehmen düri'en. 
zumal die Anrede lieben lule (Z. 22) beweist, dal's sie nicht im engen und 
vertrauten Kiostcrkreise, sondern vor der I.aiengcnieinde gesproclien sind. 
Gegenstand einer ausfülirliehen Hüge, woliei jedoch der t^rediger für gut 
lindel, seine eignen Vorgeselzlen ausdrücklicli auszunehmen, ist der Nepotis- 
mus der Prielaten (XXIX fg.); desgleichen ihr Wohllelien und ihre vvellliehen 
(«ewohnheiten (XXX). Aber auch dem Laienstande wird ebenso direct und 
derb zu Leibe gegangen ; es wird den Weibern ihre Kleiderpracht und Ge- 
lailsueiil, den Eltern und Ehemännern ihre Schwachheit gegen Töchter und 
Krauen vorgerückt, Schweigen Tanzen und Turnieren als Sünde bezeichnet 
(XXX fg.) ; es wird das unehrerbietige Betragen in der Kirche und das un- 
geislliche Begehen der Jürmesse gestraft (45, 20. 119, 4). Leyser hat von 
etwa 150 Stücken dieser Sammlung nur 37 und aus den übrigen nur einige 
Stellen milgetheilt; es ist also anzunehmen, dai's sich noch gar viel in diesem 
Sinui' charakteristisches würde ausheben lafsen.J 

*) |L)afs eine solche Ausführung und ein eiidieitlicher Aufi)au auf Grund eines 
einfachen Te.vtworte» auch der früheren Fredigt nicht ganz fremd war, ist 
schon S. 342 angegeben worden. In dieser Hinsicht zeigt die erste Leyse- 
rische Sauunlung. in cesterreichischer iMundart des 13. Jahrb. aufgezeichnet, 
eine i)emcrkenswerthe Leistung und nimmt die unniitttell)are Vorstufe zu 
Berlliold ein. Die 9 Predigten dieser Sauuulung haben aus den epistolischen 
Perikopen herausgenommene Texte, und der Prediger benutzt dieselben nur 
als Ausgangspunkte einer freien Ausführung, die er mittelst einer mehr oder 
weniger complicierlen Parlition zu Wege bringt. Die Ausführung seihst 
freilich ist hart und iroeKen und sucht durch häufige Citate zu ersetzen, was 
au Phantasie, Weltkennlniss und rednerischer Fülle abgeht. Dasselbe \ er- 
fahren findet sich denn auch, verbunden mit einer weit lebendigeren Aus- 
führung, in der jüngeren zweiten .Sattimlung Leysers, z. B. in der trefflii;hen 
Adventspredigt S. 39, die die Worte Ecce venil reu', uccurramus salralori 
nostro zum Texte hat, während andere Stücke, wie de Epipimnia S. 54, 
sicli an die alte Weise der llomilie halten und nur in der Behandlung ein- 

. zebier Thelle des Textes das Yermugeu zu freier Conceplion verrathen. 



BERTHOLD VON RECENSBURG. 361 

Am seltensten finden sich bei Berthold Sennones de Sanctis. Ei- 
nlochte sie, und mit Recht, für seine Behandlungsvveise minder frucht- 
l)ar eiachteii. Wo er ^^icii der Riicksiihlnahme auf den Heiligen, an 
dessen Tag- er gerade predigt, nicht entziehen kann, widmet er ihm 
(h)cli nicht, wie die Früheren, eine ganze und aussciilielslicli erzahhmde 
Predigt : er weifs sich vielmehr in aller Kürze mit dem Tagesheiligen 
abzufinden. Er giebt z. B. (in Nr. II v. d. 5 pfiindcm) gleich im 
Anfang kurz die Geschichte des h. Alexius, des tac man h'mte an 
etellcher siat beget in der kristenheit ; er schliefst mit den Worten 
Unde sin marter hat nü ende, aber sin freude hat niemer mir kein 
ende: unser herre sprichet nü zito im „nü wis frö, geiriuwer kneht, 
nü gang in die freude dines herren^', also man Mute liset in dem 
h. evangeliö. Und nun wird die Perikope Matth. 25, 14 - 30 ganz 
ohne fernere Beziehung auf den Heiligen abgehandelt. Mit der selben 
Formel, mit der zu Anfang dieser Predigt S. Alexius eingeführt war: 
wer ist der tcise kneht, der getriuwe kneht, dem sin herre sin guot 
bevilhet — den dürfen wir niht verre suochen, wird in einer andern 
Predigt (Vlll. v. d. üzselzekeit), die an S. Ulrichs Tage in dessen 
Stadt Augsburg gehalten ist, auch dieser Tagesheilige eingeführt und 
ebenso schnell verlafsen : und mehr Umstände werden in Nr. V von 
zwein icegen sogar mit S. Franciscns, dem hochgepriesenen Stifter 
dös Ordens, nicht gemacht. Am weitesten in dieser Enthaltung geht 
Nr. XXV über Matth. 5, 8 fgg., die Perikope für den Tag Aller- 
heiligen : hier ist des Festes an dem die Predigt gehalten w orden 
und seiiiJ'S Gegenstandes mit keinem Worte gedacht. Nur Nr. XXXIV, 
am Tage der h. Maria Magdalena gehalten, zeigt mehr die Art der 
Sermones de sanctis. Hier gilt es freilich einer Heiligen, die über 
alle andern mit Ausnahme der h. Jungfrau, aber doch dieser zunax-hst 
gestellt werden konnte, wie der Mond zur Sonne. Allgemach »ber 
lenkt er nach dieser Ausführung auch hier von der Heiligen ab : dal's 
Christus ihr nach seiner Auferstehung erschien führt, auf die einstige 
Auferstehung alles Fleisches und Christi Erscheinen zum Gericht, 
und das Kreuz des Herren das dann werde gezeigt werden auf das 
Kreuz, das auch jeder hier zu tragen und dort zu zeigen habe : und 
nun werden die vier Enden des Kreuzes ausgelegt auf die vier Tu- 
genden Glaube, Liebe. Hoffnung und Beständigkeit. 

Handelt es sich um Sermones de tempore, so wählt Berlhold 
wie es scheint mit Vorliebe nicht das Evangehum des Tages, sondern 
dessen Lection, die Epistel- oder Prophetenstelle. Wiederum wohl 
um sich freier bewegen zu können; vielleicht auch und vielleicht noch 

Altd. Predigten. 24 



362 BEUTHOLl) VON REGENSBURG. 

mehr, weil er Anstand nahm iiber einen Text von h(Pchstor HtMliokeit 
im Freien, ohne am gleichen Orte voratigeo-angene Messe, zn reden. 
Einem blofsen Apostel- oder Propheteoworte gegenüber durfte er diese 
Sehen weniger emplniden. 

Berthold hat, wie wir wilsen, t ben meist im Fieien, er hat aber 
auch, wie sich von selbst versteht, je nachdem es sich auf seinen 
Wanderungen fügte, oft genng an Wochentagen gepredigt, und aucli 
an solchen, für welche die Kirche keine Lection vorschrieb. Da hatte 
er denn Freiheit, sich eine Stelle der Bibel zum Texte selbst zu wäh- 
lt n; zuweilen aber sucht er sich auch den Text in einem ganz anderen 
Buche. Ihm sprach es zu Herzen und Sinne, wenn sein Predigtslnhl 
unter offnem Himmel stand, wo die Sonne schien und die Luft frisch 
über das grüne Land hin strich und Bäume und Gewäfser in das Wort 
des Predigers rauschten, und gern lenkte er Herz und Sinn der Heisrer 
auf diese lebendige, sta^ts gegenwärtige Offenbarung Gottes. Wieder- 
holendlich führt er es aus, wie nebi'n der h. Schrift alten i.nd neuen 
Testamentes, die den gelehrten Geistlichen gegeben sei, auch die Laien 
ihre Bibel hätten, na^mlich die zwei Bücher Himmels und der Erde 
(S. 19. 48 fg. 157 fgg. 168. 505 fg.)*). Demgemapfs nimmt er denn 
gelegentlich auch aus diesen Büchern eine lelze oder Leciion zum 
Predigttexte, also nicht Worte, sondern Schöpfungen Gottes, in IV die 
sieben Planeten, in XI das Sternbild <\ei Wagens: und er legt jene 
aus auf sieben, die Rinder des Wagens wiederum auf vier Tugenden, 
durch welche das Himmelreich erworben werde, das Sternbild der 
Krone aber auf die himmlische Krone der Seligen, und den benach- 
barten Riesen mit dem Kolben auf den Teufel, der uns die Krone 
wehren will (168 fg.). 

Aus dem so gewählten oder dem vorgeschriebinen Texte nun 
ergiebt sich entweder, wenn er kurz genug und selber einfach uiul 
einheitlich ist, von selbst ein einzigt>r Hauptgedanke als Thema der 
Predigt: so gleich in I aus dem Texte Epfi. 5, 15 ..Ir sult wise sin, 
daz in iht geschehe alse unwisen liuten'' das Thema : die obersl(! 
Weisheit, „diu wisheit, da mite man die sele behüetel vor houbet- 
sünden". Oder aber der Text ist umfafsender, in sich mannigfaltiger : 
da hat denn Berthold freitich nicht die exegetischi; und homiletische 
Kunst diese Mannigfaltigkeit dennoch in einen Hauptgedanken zusammiMi 
zu fai'sen, vielleicht auch fürchtet er, die Fafsungskraft seincir Zii- 
hoerer möchte dafür nicht reif genug sein; er schlangt auch nicht den 



"*) \y%^- '^'•^ Predigt von di^n drei Büchern bei F.eyser S. 4 fgg.] 



BERTHOLD VON REGENSBURG. 363 

alten Weg der Homilie ein, welche die Einzelheiten alle Schritt für 
Schritt behandelt, denn für diesen Weg würde hei der eingänglichen 
Ausführlichkeit die ihm einmal eigen ist die Zeit nicht ausreichen : 
sondern er nimmt aus der ganzen Fülle nur ein Stück heraus um nur 
diei>es zu behandeln, all'-s Übrige aber laMst er für dicrsmal auf sich 
beruhen. So wenn er in XXV über Malth. 5, 8 fgg. sieben von (l(!n 
acht Scligpreisungen hei Seite setzt um mir die eine abzuhandeln 
-Selig sind die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen'-*. 
Gleichviel aber, ob er den Redestolf in solcher Art abkürzt oder nicht, 
gern wendet auch er, wie die Früheren, den Text um ihm ein ergie- 
biges Thema abzugewinnen symbolisch und allegorisch, zieht auch er 
ihn in die beliebte Bildlichkeit und Gegenbildlichkeit hinein : nur bindet 
er sich dabei nicht so wie die Früheren an fesi stehende Überliefe- 
rnngen. sondern schöpft unbefangen aus dem Reichthuin eigener Ader, 
so unbefangen, dafs er auch die von Hause aus bildlich gemeinten 
Texte, wie die Gleichnisse des Herrn, ganz absonderlichen eignen 
Deutungen unterwirft. Da bedeutet (S. 140) in dem Gleichnisse 
Matlh. 13. 44 der Acker die Christenheit, die der Herr mit seiner 
Marter erkauft habe, und der in dem Acker verborgene Schatz die 
Menschenscele : und das Himmelreich^ das in den Worten der Schrift 
jtmem Acker gleich gesetzt wird, ist nach Bertholds Meinung damit 
der Christenheit gelichet, als aus welcher der einzige Zugang zum 
Himmelreiche führt. Gewifs ein bedenkliches Stück exegetischer 
Taschenspielerei ; aber es eröffnet den Weg vom Texte zu dem Thema, 
das der Prediger gern behandeln möchte, den einzelnen Standes- und 
Berufssünden der Menschen, indem er nun die Gleichung zwischen 
Hinunelreich und Christenheit dahin weiter führt, dafs er den zehen 
Engelcha*ren ebenso viele Arten Leute als Choere der Christenheit 
zum Gegenbilde aufstellt. In diesen Verbildlichungen findet denn auch 
sein Natursinn ein dankbares Feld sich geltend zu machen, und er 
schöpft sie gern wieder aus den beiden Büchern Himmel und Erde. 
So i.st ihm (S. 390 fg.) Gott die oberste Sonne, von deren Anblick 
alle Engel und Heiligen ihre Schoenheit und Freude haben, wie Mond 
und Sierno ihren Schein von dem Lichte der niederen Sonne, und auf 
Grund dieses Bildes geht dann die Predigt weiter und handelt von 
drei Haui»tsünden, die uns vom Anschauen Gottes trennen, Habsucht 
Hochmuth und Unglaube, im Anschlufs an die drei Hindernisse, die 
uns den Anblick der Sonne entziehen, Erde Nebel und Mond; und so 
veranlafst (S. 158) die Erwähnung eines Wortes des h. Bernhard, 
der seine Weisheit an den Bäumen zu lernen behauptete, eine Yer- 



364 BERTHOLl) VON REGENSBURG. 

gleichung zwischen Mensclieii iiiid Biiumen, die durchge führt wird bis 
auf das ewig raschelnde Espenhiub als Bild der unnülzlich khiöendeii 
Zunge. 

In der Behandlung des in solcher Weise gewonnenen und ge- 
stalteten Themas bedient sich Berthold, wie dicis schon einige der an- 
geführten Beispiele gezeigt haben, wo er nur irgend kann der l'arli- 
tion : er zerlegt das Thema in eine Reihe einzelner Theile. die dann 
einer nach dem andern zur Sprache konunen. Diese Partilion wird 
entweder erst vorgenommen,, nachdem zuvor das Thema einfach und 
einheitlich aufgestellt worden, wie in 1, wo auf die Ankündigung des 
Themas Diu oberste wisheit ist der sine sele befielt (ß. 1) zuerst 
eine längere Abhamllung und erst S. 5 die Partition in drier leie wis- 
heit folgt, na?mlich 1. kein endehaft dinc tnon dan tnit rate; 2. kein 
dinc üf schieben ; 3. vor gar wol betrahten, icelich ende ez neme. 
Oder aber das Thema ist von selbst schon ein getheiites, oder es 
wird doch gleich in solcher Eintheikmg aufgestellt, dafs Exposition 
und Partition in eins zusammenfallen : so in V, wo aus dem Texte 
Den rehten menschen wiset gut die rehtcn icege gleich von vorn 
herein der doppelte Weg der unschulde und der buoze als Thema 
hervortritt; in II, wo die Auslegung der fünf Pfunde des Textes von 
vornherein eine Fünfzahl von Gaben, die wir Gott zwiefach erstatten 
müfsen, herausstellt : unsre eigne Person, der Beruf den Gott uns an- 
weist, die Zeit des Lebens, das irdische Gut. die Liebe des NtPchsten. 
Aus diesem letzten Beispiele ersieht man zugleich, welchen logischen 
und rednerischen Werlh diese Parlitionen Berlholds haben. Eine alle 
Forderung der hoeher ausgebildeten Redekunst, sowohl der des grie- 
chischen und roemischen AUerthumes als der neueren Kanzelberedsain- 
keit, ist es dafs der Redestoff eingetheilt werde : aber die Tlieüe mülVen 
von Rechts wegen einen logischen Zusammenhang haben, nicht zu- 
fällig an einander gereiht sein; es mufs einer aus dem andern heraus- 
wachsen, einer den andern ergänzen oder begründen, es müf>en or- 
ganisch verbundene Glieder, nicht lose Stücke sein. Davon weils 
Berlhold nichts : ohne Fortschriltt, oft auch ohne Ordnung stehn die 
Theile neben einander, und eigentlich nicht einmal das, wenn sie wie 
in jenem Beispiel logisch ungleichartig sind, wenn die Liebe des 
Nächsten, die der Mensch nur haben soll, ohne Weiteres Dingen bei- 
geordnet wird, die jeder Mensch von Natur hat. Rein äufserlich sucht 
unser Redner die Masse von Dingen die er zu sagen hat nur in ein- 
zelne getrennte Fächer zu verllieilen, um sich die Bespreciumg, den 
Zuhoerern das Zuhoeren und Folgen zu erleichtern. Er hült aber so 



BERTHOLD VON REGENSBURG. 365 

vit'l auf diesen HimdfrriH', dal's er iiiclil selten den einzelnen Tlieilen 
noch fernere Partilionen unterordnet. Jene Predigt von der obersten 
Weisheit (I) zerfallt zunächst in die oben angeg-ebenen drei Theile, 
dann jeder derselben abermals in drei : im ersten Ilaupttheile werden 
dreierlei Rathsreber unterschieden, das eigene Herz, andere Leute, 
Gott: im zweiten drei Beweggründe dafür, dafs man nichts aufschiebe, 
lUTMilich dafs es Gott das liebste, dem Menschen selbst das beste sei 
und dafs Herz und Seele dadurch erfreut werde; im dritten dreierlei 
Bufse, davon wir eine zu wählen haben, Hölle oder Fegfeuer oder 
Fnglück bei Leibes Leben. Ähnliche Beispiele vergleiche man S. 12 
fgg. 81. 114 fq:g. 128. 554 fgg. 

Der rhetorische Gegensatz der Partition ist die Recapitulation, 
die kurze einiofende Zusammenfafsung aller Einzelheiten am Schlufs 
der ganzen Rede. Sie ist unserm Prediger zwar nicht fremd; er hat 
sie einmal (S. 28) ganz hübsch in das Schlufsgc^bet eingeflochten, 
ein ander Mal (401) erscheint sie beim Übergange zu dem letzten 
Theile *). Das sind jedoch Ausnahmen : herschend ist nach vollendeter 
Abhandlung die altüblich formelhalte Weise des Schlufses, ein kurzes 
Gebet um den Beistand Gottes, damit Prediger und Gemeinde in sein 
Himmelreich gelangen moegen, leicht angeknüpft an den letzt voran- 
gegangenen Gedanken, etwa auch mit einem Wiederhalle der Worte 
und Gedanken, mit denen der Prediger den Anfang gemacht, wie in 
der Predigt an S. Ulrichs Tage S. 123. 

Schon der Gebrauch so complicierter Partilionen, wie er oben 
Ix^egt wurde, IcPfst schliefsen, dafs der Umfang der Predigt bei Berlhold 
viel großfser war als bei den früheren, oft auch groefser als ihn 
jetzige Predigten zu haben pdegen. Diese Anschwel'ung wird noth- 
wendig erscheinen und begreiflich werden, wenn wir noch einen 
Blick auf die Art und Weise werfen, wie er den Rahmen seiner Partitions- 
schemata ausgefüllt oder das Gerippe derselben mit lebendigem Fleisch 
umkleidet hat. 

Eine grofse Verwandtschaft zeigt sich hier sowohl mit Geiler 
von Kaisersberg als mit Abraham a S. Clara. Aber wenn er 
diesem an bunter Belesenheit, jenem an Umfang und Sicherheit der 
gelehrten Bildung, auch am Mafsstabe seiner Zeit gemefsen, weit nach- 
steht, vor Abraham hat Berthold den Ernst und die Tiefe voraus, und 
den Strafsburger Prediger übertrifft er an dichterischer Kraft, au 



"') [Der Prediger der ersten Leyserisctien Sammlung schliefst keine Predigt otine 
Recapitulation.] 



36(5 BERTHOLD VON REGENSBURG. 

Reiihlhum des Gemüthes und der Phantasie. Johannes Vitoduianiis 
neinit ihn einen Mann magncB lüleraturce: das gehoertc eben zur 
Vollständijrkeil der Charakteristik des ausoezcichnelen Predijjers. 
Der rmfanj^: dieser Belescnhcil mochte den AnTorderung-en des Berufes 
allenfalls fr^uüfj^en, zu wenig aber genügte deren QualilaH. Er weüs 
nicht einniid in der Bibel rechten Bescheid. Die oft citierte XXV. Predigt, 
giebt allein dafür eine ganze R(Mhe von Belegen. [S. 390 wird daselbst 
Jüh. 21, 25 mit irrthümlicher Beziehung auf die OiTenbarung desselben 
Apostels und Anfügung eines dem entsprechenden vom Prediger sell)st 
erdachten Schlufssatzes ciliert.] S. 391 werden Worte des Paulus cilieit. 
die sich weder irgendwo in seinen Briefen finden, noch ihm gleichen: 
aber derselbe Gedanke, obwohl in stark abweichendem Ausdrucke, 
findet sich S. 224 noch einmal als Cilal aus Paulus. S. 398 fg. 
[auch 89, 20] spricht er vom König Alexander, übertrfegt aber Dinge 
auf ihn, die 2. Maccab. 5, 21 und 9. 8 — 10 von Antiochus berichtet 
werden; S. 401 fg. ahnt er nicht, dafs sein Spott über die Juden 
keinegeringerenalsJesaiauud Jesus selber trifft (Jes. 66, l.Matth. 5.24 fg.). 
und S. 406 ebenso wenig, welche gewichtige biblische Autori'cTteii 
die Ketzer für gewisse excentrische Lehren haben. Das slürkstc 
dieser Art ist wohl die Vermengung der Maria von Bethanien, nicht 
mit Maria Magdalena, denn dieses Fehlers macht sich die kirchliche 
Auslegung selber schuldig, sondern mit Maria der Mutter des Herrn 
im Eingange der XXXV. Predigt. Dieser Mangel ist eben die Kehr- 
seite seiner natürlichen volksmtpfsigen Beredsaujkeit und seines dich- 
terischen Sinnes, zweier Gaben, die neben einem wifsenschaftlichen 
Sinne und unter der Last gründlicher Gelehrsamkeit nur zu leicht 
Schaden leiden. 

Als eine Kundgebung dieses Dichlersinnes haben wir bereits 
seine Freude an der Natur kennen lernen, die sich in bald grofs- 
arligen, bald lieblichen Schilderungen von deren maüuigfacher Her- 
iichkeit ergeht : man mag darin einen Nachklang von der lyrischen 
Poesie seines Jahrhundirls finden. Anderswo i.^t es ein episches 
Element, das uns aus seiner Predigt entgegentritt, wenn er Jertu 
Verlauf hie und da durch eingeflochu ne Erzählungen zu belebt n 
versteht. Hie und da: derm er beobachtet darin, andeis als Abraham 
a S. Clara, ein tactvolles Mafs. Er unterscheidet sich auch darin zu 
seinem Vorlheil von Abraham, dafs seine Erzählungen nie ans dtMi 
schicklichen Tone ftdlen, nie blofs das Gelächter herausfordern. Berlhold 
meint und treibt es mit grol^em Ernste, und ir nimmt deshalb 
auch seine tna'rliii, wie er selbst sie nannte, entweder aus dem allen 



BRRTHOLD VON REGENSBURG. 367 

Testament und sonst uns der Geschichte der allen e: denn diese sei 
dazu ffH^eben. dal's der Mensch für das Leben in der neuen daraus 
lerne (66, 35. 203, 32. 398, 19 u. s. w.); oder es sind Erzählungen 
aus der christlichen Welt, denen irgend eine sittliche oder religioese 
Bedeutsamkeit innewohnt. So erzählt er in der III. Predigt aus 
Jud. 7 die Geschichte von d(>n dreihundert Streitern, die Gideon durch 
die Probe des Wafsertrinkens aus seint^m Heere aussonderte, in aller 
epischen ßriile, ja niil Hinzufügung eines der Quelle fremden Zuges 
(S. 37, 27 — 36); die Auslegung geht natürlich auf den Streit der 
Christenleule gegen ihre Feinde, die Teufel. Eine Erzählung der 
zweiten Art findet sich S. 572 fg. und wird mit einer Äufserung 
eingeführt, die beweist, mit wie wohl bewufster Absicht Berthold 
hiebei verfuhr : und da von wil ich iu ein tncerlin sagen, daz behallet 
ir vil lihte baz danne die predige alle samt. Noch mehr aber als das 
lyrische und epische springt das dramatische Element bei seiner Redekunst 
in die Augen. Die Theorie dieser Kunst hat es darzuthun, tfafs jegliche gut 
angelegte und ausgeführte Rede einen wesentlich dramatischen Character 
habe, dafs sie ganz in demselben Gange sich zu entwickeln habe wie ein 
Drama, und dafs sie fort und fort ein freilich verdecktes Z\viegespr<pch sein 
müfse zwischen ilen Gedanken dessen der spricht und derer die ihm 
zuhoeren. Berlhold aber ist bis zu einem solchen Grade dramatisch, 
dafs er diese Zwiegesprseche in unverdeckter Wirklichkeit vorführt, 
dafs er sich selbst allaugenblicklich unterbricht mit Fragen, mit Ein- 
würfen, mit Bitten um Auskunft die er seinen Zuhoerern in den 
Mund legt um dieselben sofort zurückzuweisen oder sonstwie Ant- 
wort darauf zu geben. 

Predigten sind aber einmal vor Allem aus auf Belehrung berechnet, 
und sind einmal immer Darstellungen in prosaischer Form : so klingt 
und scheint denn auch aus Bertholds Predigten zumal diejenige Art 
der Dichtung wieder, welche selbst zuufechst an die Prosa grenzt 
und selbst auch lehrt, die didactisclie Dichtung. Berthold folgte aller- 
dings nur einem schon alterthümlichen Gebrauche, indem er weniger 
auf die Glaubenslehre als auf die sittliche Beth<T?tigung des Glaubens 
eingieng. Offenbar aber hat ihn die moralisierende lehrhafte Richtung 
die in der Litteratur seiner Zeit herschend geworden war auf diesem 
Wege noch bestärkt; und unverkennbar zumal ist dieser Einflufs, 
^^enn wir sehen wie nun auch er die Lehre noch lieber und öfter 
und gewöhnlicher in das Gewand der Satire kleidet, lieber schilt und 
spottet als gradaus lehrt, lieber als von den Tugenden von den Lastern 
s|)richt die denselben entgegenstehn. So war es für ihn auch prac- 



368 BERT HOLD VON REGENSBITRG. 

lisclicr : denn so nur koniilo er seiner Lehn« eine lebensvolle Beziig- 
lichkcil ffebcn. konnte dieselbe Schrill für Schrill an die Wirküchkcil 
anknüpfen, konnte erreichen woranf es ihm ankam, dafs er ffleichsaiii 
einem seiner ZuhcBrer nach dem andern persönlich ins Gewissen 
redete. Persoenlich einem nach dem andern : denn er vermag in alle 
Einzelheiten iles Lebens seiner Zeit nnd seiner Heimalh einziitreten ; 
fiir jedes Geschlecht, für jedes Aller, jeden Stand nnd Beruf hat er 
die Lehre und die Strafe di(! ihm o-ebührl. Wenn er auch einzelne 
Unarten, wie die UmsUinde das verlangten, mit einer oewisscn Be- 
vorzugung behandelt, z. B. die Kleiderhoffart auch der geringen nnd 
armen Leute und die buhlerische Eitelkeit der Weiber, so bleiben 
darum die noch schwereren Sunden Anderer nicht verschont, und 
£?ern wählt er ein solches Thema und (riebt demselben eine solche 
Parlilion, die es ihm nKPglich macht Allen nach einander, dem Mann 
wie dem Weibe, dem Greise wie dem Jüngling, dem Geistlichen wie 
dem Laien, dem edlen Herrn wie dem Handwerks- und dem Bauers- 
mann, jedem das Seinige zu sagen. Und er thut das mit so genauer 
Kenntniss bis in die Kleiingkeit hinab, dafs man die Schärfe nnd Acht- 
samkeit seines Blickes bewundern mnfs, nnd dafs seine Predigten da- 
durch zu ein<M- Fundgrube fin dit; Cultur- und Sitteuffeschichte Dculsch- 
lands in jenem Zeitalter werden, wie wir kein»; sonst besitzen, wi(; 
auch der Renner Hugos von Trimberg, der sonst hier am nfpchsten in 
Betracht kommt, bei der verworrenen \rl seiner Abfafsung es nicht 
ist. Diese Satire aber, von so frisch gesunder Laune sie auch meist 
J)egleitet ist, steht immer unter der Hut wenn nicht eines klaren Be- 
wufstseins vom Ernste des Predigtamtes, doch (nnes richtigen Tactes 
und eines angeborenen Gemüthsernstes. Nicht einer finstern Priesler- 
härte: denn Berthold war ein Mann voll Gennithes. nnd das Gemülh 
schliefst wesentlich die Liebe ein. So liegt wohl hinler der Laune; 
stfets die Schärfe des Ernstes, und oft genug liegt nur die blanke 
Schärfe da, ohne dafs Laune sie umhüllte: aber wenn er noch so 
Einschneidendes über diese oder jene Sünde sagt, er laefst den Sünder 
nicht trostlos, er weist sofort auf die nie versagenden Gnad<Mnniltel 
der reuigen Beichte und Bufse hin. [Freilich triU Heiden Juden und 
Ketzern und zumal den letzteren gegenüber die Prieslerhärle in einer 
das moderne Gefühl erschreckenden Weise hervor: abei" doch niclil 
die des Predigers selbst, sondern die der Kirche die ihn aussandle 
und des kirchlichen Systems wie es sich mit historischer Nothwendig- 
keit einmal festgestellt hatte, ja es ist am Ende nur die Härte des 
Gemeindebewufstseins selbst die hier wiederhallt. Gleichwohl isl der 



ANDRE MINORITEN. 369 

Kainpf i>eo;en die KotzcMfi, so sehr er in Bortholds Bonifc lao- und so 
sehr seine eiirene Obcrzeiiginig mit diesem Beruf übereinstimmte, 
nielit einmal diejenige Seite seiner WirksanduMi, die am meisten in 
die Augen springt. Weit häufiger noch, eindringh'cher und an Wen- 
dungen reicher als den Ketzer und als jede andere Art von Sündern 
verfolgt er mit seinen Invcctiven den giligen, den er durch seine 
Erfahrung im Beichtstuhl als den härtesten, unzugänglichsten und 
holfniingslosesten aller Sünder erkannt haben nuifs. Und während 
wir ihn in aller Härte der kirchlichen Theorie den Feinden der Kirche 
gegenüber gläubig befangen finden, dürfen wir nicht übersehen welchen 
Erns( er mit dieser Theorie auch da macht, wo es sich um praktische 
Verirrungen der Kirche selbst handelt : denn schonungsloser geht er 
Keinem zu Leibe als dem pfenningprediger, d. i. dem Ablafskrspmer. 
Kein Ausdruck ist ihm hier zu scharf: er nennt ihn Mörder der 
rechten Bufse und der Seelen, denen die Bufse zur Rettung gesetzt 
ist (117, 2. 132, 18. 393 fg.); dem tiucel ein der liebesle knehf 
84, 3. 208, 20. 251, 18. 393, 35: des tiurels noch haz danne 
ein schcechcere in einem wähle 543, 13. Und doch trieb ja der Un- 
glückliche sein Gewerbe nicht auf eigne Faust, sondern im Auftrag 
grofser Prfelaten. deren Ansehen ihn vor den Angriffen eines andern 
Mannes, als Berthold war, gedeckt haben würde.] 

Wir sind durch Alles befugt, in den uns erhaltenen Predigten 
Bertholds die hnecliste und beste Veranschaulichimg der neuen Predigt- 
weise zu erkennen, welche die Beitelmönche in das XIU. Jahrhundert 
und nach Deutschland gebracht hatten. [Wir wifsen von den ürdens- 
genofsen die neben und nach Berthold deutsche Predigt trieben nicht 
viel; nur in einer dem folgenden Jahrhundert entstammenden Spruch- 
sammlung aus vier und dreifsig verschiedenen Predigern (Germ. 3, 
226 — 241) tritt uns neben vielem entschieden mystischem eine Anzahl 
Sprüche entgegen, die sieben meist namhaft gemachten Barfüfscrn zu- 
geschrieben werden und durchaus nichts mystisches, wohl aber Anklänge 
an Bertholds volksmaefsig derbe Manier enthalten. Dafs aber Viele 
neben ihm an der neuen Kraft und Fülle der geistlichen Rede Theil 
hatten, dafür finden wir auch wieder bei ihm das Zeugniss : ein Zeug- 
niss freilich, das zunaechst nur lehrt, wie jene Güter, kaum gewonnen, 
l)ereils dem Boesen dienstbar gemacht wurden. Das Gewerbe der 
Pfenningprediger Avar, wie wir an zwei Stellen (132, 32. 208, L7) 
von Berthold erfahren, in dessen Kinderjahren noch unbekannt, während 
es jezt, da er ihm predigend entgegenwirkt, schon sehr fühlbaren 
Schaden anrichtete. Da nun Berthold noch der ersten Minoriten- 



370 PFENNINGPREDIGER. 

generalioii in Deutschland angehoerle, so fällt das Aufkommen jenes 
Gewerbes ohngeffrhr mit der Ausbreitung der neuen Orden über Deutsch 
land ziisnniinen. und man kann der Annahme nicht ausweichen, dafs 
sie das Personal dazu <>elierert haben werden. >\'oher halle dasselbe 
auch anders kommen können, da vorher keine Classe von Clerikern 
mit dem Vorrecht an jedem Ort zu predigen ausgestattet war? Es 
ist nicht zu ver\Mnidern, wenn die weniger gewissenhaften Brüder 
die neue Kunst die unter ihnen erblühte bald zum Dienste der Hab- 
sucht oder doch der kirchlichen Baulust hergaben, und wenn andrer- 
seits das nunmehrige Angebot passender Werkzeuge die Nachfrage 
herausforderte. Nun zeichnet uns aber Berlhold in dem ihm so ver- 
hafsten Seelenmörder ganz das Bild des geübten, berechnenden ElFect- 
predigers : wan der rcrt vz under die einveltigen Ihite und prediget 
und ruofet, daz allez daz wirf weinen daz vor im ist 208, 21 ; 
wan er seit dir von vnsers herren marter alse vil und alse manigen 
enden, daz sie wanienl, er si ein rehfer gofes böte, ican er loeinet 
dar zuo u. s. w. 394, 13; und als die pfennincprediger und die 
den Unten gar vil von dem almehtigen gote sagent und von sinen heiligen 
und von siner muoter und von siner marlel und von der heiligen tnartel 
— und er seit dir so vil da von, daz der da von weinen mac, und er 
fuot reht etewenne als er weine 251, 10: als die pfennincprediger, 
die da fo wol von gote redent vor den Unten 543, 7. Es ist der 
schärfste Gegensatz gegen Berlholds Methode, der uns hier entworfen 
wird: statt der vorwiegend ethischen Richtimg, die wir bei ihm Hnden. 
statt des weltkundigen, aber unbestechlich ernsten, gewaltig strafenden 
Eingehens in alle Einzelheiten des Volkslebens, hier Aufregung der 
Phantasie, des ungelauterten religioesen Gefühles durch ausmalende Er- 
zählung*), unter Anwendung nicht allein rhetorischer, sondern geradezu 

*) Man vergleiche hier die iinschriftniaefsigen gruf^en Züge, mit welchen der 
ßarfiifser Scbölzclin das Leiden Christi ausstaflieri Germ. 3, 230. Im 
gleichen Stile behi\i;del! den Gegenstand das folgende BruchstiioU, das den 
Anfang unserer llamischrif! z (S. 259) bildet: den vnd für die brufl mit 
uilder vnzuchl. mit lobender geberde mit Harken fclüegen. iva fi in (reifen 
mochten an allem fim libe mit folichem grimme, alx ob ein ieklich fchlag 
in foll han getxvdel Siv rnvften im das har vs dem hovbel daz die löhc 
fines hures an der erden lagen geflrwirel, Einr zocli hin bi dein bare, 
der ander zoch bi dem barte har rvidcr Einr zoch in bi den oren als 
ob er ein govch oder ein tor ireri. Si leurfen im feil an fin kelen vnd 
bunden im fin licnde mit eim feil ober ein ander. Einr zitht in bi dorn 
feil, vnd flingol in dort hin mohl in han 
ziehen. Ein ander zucht in bi dem har her leider. Ein ander 



1 



PFENNINGPREÜIGER. 371 

Ihealralischer HilfsmiUel. Eine falsche, verwerfliche Hiinilelik, alx r 
eine in ihrer Art enlwickelle und so wirksame wie die Berlholds selbst : 
heide gekennzeichiicl durch die Einfidiruiia; eines der früheren Zeit 
fremden, suhjecliv leidenschafUichen Momentes, das ganz neue Kräfte 
wach ruft und ohne Zweifel als Gemeingut des Jugendalters der 
neuen Orden betrachtet werden darf. 



zuchl in bi dem harte, vnd gebaret mit im als der ein huon ivürgen 
teil. Ellich giengen hinder fich vnd namen den lovf für fich vnd an 
dem Inv/fe fiicifcn ß in mit den fueffen an ßniu bein vnd an ßnen 
rnggen das er vf die erden ßrulile vnd ee er jol jiir [ich geviel /"o züchten 
in die andren liar wider das er hinder ßch viel, vnd e das er ml hinder 
ßch gc (1'') viel fo zuchlon in ander icider ze ietweder ßlen. Einer 
bi dem har. der amter bi dem bart. alfo fchleißen ß in den berg ab. 
Einer znch in bi dem har. der ander zock in bi den hendcn der ander 
bi den feilen. Si würfen in dik vnder fich vnd fprungcn rf in mit ivilder 
tobender geberde, vnd vngefluemen vnfilen. vnd rnoficn vnd tobten als 
ob fi ein ivolf vnder handen hclten alfo brachten fiv in zvo der porlen 
der ftat daz er einen rehlen tril mil finen fließen nie geirat, nowan 
fchliffende. vnd kefchgenl vnd zukent. vntz das fi in braclüen in an- 
nas hus 

vmb ein marmelßeinin große ful. vnd vleklen in an die ful fo vaftc. 
das man entzirifchenl fim lichamen vnd der fiul ein hatn nivl mahl han 
geftoffen. Die ftrik an den henden die drungen daz bluot vnd daz ßcifch 
alfo fer das man daz ßeifch vnd das bluot fach vf [wellen vber die ftrike. 
vnd daz das bluot wolt zvo den nageln der vinger vs fin gedrungen vnd 
uxirden die liende vnd die vinger [warlz von dem bluot (1 " ) als fiv 
zer mült werin. Siv giengen von im vnd äffen vtid Irvnken. riid lieffen 
chriftum allein an der fal gebunden als ein eilenden vngetrwjten mar- 
terer. Nv kam ie einr nach dem andern vnd pinigotten in. Ellich brach- 
ten brinnenl eier fchalen vnd druchlen im die an meng ftat fines libes 
vnd fines antlütz vnd als fehler fi div eyer von der hivt taten fo hat 
fich div hut erhebt mit großen blalern. Etlich fprungcn vf mit ivilder 
vnzuht. vnd fpawen im vnder [in anllil. alfo vertriben fi alle die nacht 
mit wilder lobender vnzuht. vnd mil grimmer vnfiltiger geberde, vnd mit 
fchamlicher vnzuht was ir liufelfches hertz gedalit das volbrachtcn fiv 
an im mil wis vnd mit ivorlen vnd mit werken Siv handloten in alfo 
fchantiich vnd alfo fchamlich das es niemer ze gründe geoffenbaret ivirt 
vntz an den ivngflcn tag fo wirl von den hcefen geoffenbaret ir boBfiu 
Meinung vnd ir ubeliu werk die fiv an chriflo begicngen. vnd das uHrt 
den guolen ein ere. vnd dem vater ein lob das cliriftus dar fi als vil 
gelitten hat von den bafen. Edas der tag vf Irang do 7ia{l'^)men fiv 
m von der ful. vnd taten im fin gewant wider an. vnd fuorlen in mit 
mengen grimmen fchlegen vnd fla'ffen. vnd ruoßent im mit wilder toben- 
der geberd kayphas mit menger valfcher Ivgi. Siv fprachen er wer ein 
verkerer der weite, vnd wer ein lugener vnd ein abfprecher des guotes. 
vnd wer ein vnelich kint. vnd wer ein vnkiufcher. vnd ein vras vnd wer 



372 GRIESHABERS PREDIGER. 

Es IfrCst sich denken, dals neben dieser neuen Predijjtweise \\ut\ 
besonders neben einem Vorbilde, wie es Berlhj)ld p;ab. aueh die Predifrl 
der allen Orden und (bc der Leulpriesler nicht ruhiflf in den aus- 
jjefahrenen Geleisen weiter g^elien konnte, zumal wir sie l)ereits in 
den beiden Leipziger Sammlungen und in einigen andern Denkmaelern. 
die doch von Bertholds Einflulse noch nicht berührt scheinen, unver- 
kennbar in der Entwicklung zu neuen, höheren Formen begrifTen 
linden.] Die Einwirkung Bei'lbolds auf mit- und nachlebende 
Berufsgenolsen konnten wir schon früher (S. 357) darin erken- 
nen, wie die Sammlungen seiner Predigten voll sind von Merk- 
malen, dafs man sie zum Behuf des Gebrauches durch andre 
Prediger angelegt habe. Und diese andern werden nicht wieder 
Landprediger wie Berthold gewesen sein, sondern Leute, die mehr 
als jene wandernden Mönche Zeit, Neigung und Bedürfniss zum Lesen 
und Schreiben, zum Ausziehen und Vergleichen fremder Predigten 
und zum Auswendiglernen derselben hatten. Aber mehr als das : 
auf Bertholds Scbidiern steht als geistesverwandte neue Schöpfunu 
eine Sammlung Predigten de tempore, nach der Reihenfolge den 
Kirchenjahres, die Wirkung und Verbreitung gefunden haben mufs, 
da sie sich mehrfach in Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts 
erhalten hat *). [Über den Verfafser — denn wir haben hier zweifellos 
das Werk eines Mannes vor uns — fehlt jede Andeutung; dafs auch 
dieser Prediger ein Ordensmann war, dürfte seine wiederholte Em- 
pfehlung des Lebens im Orden (Griesh. 1. 46. 2. 50) noch nicht er- 
weisen; nur dafs er um den Oberrhein zu Hause war wird durch 
die Sprachformen der ältesten Handschrift wahrscheinlich, deren Cor- 
recturen nach Grieshabers Meinung (1, XX) nur vom Verfafser selbst 
herrühren können]. Diese Handschrift, die Grieshaber besafs, ist 

ein (linker, vud loer ein rerderber des volchex. vnd ein zer jUrrer der 
(jefelz vnd der e inid er nwm ficli an er wer (jol vnd alle die vnliujenl 
die />■(' vf in yereden mochlen das taten fiv im. Do fpracli hot/phas zvn 
im. Bifl dv ffoUes fvn. do fprach er. dv fpricheß es. vnd aljo dv fprerhe 
alfo iß es. Do kcrl fich kayphas zvo dem vnlk. vnd fprach was bedürfen 
wir mer gczivgnüfl er hat felber verjehen. vnd li<i( qnt an fin er geret. 
er iff iverlich fehuldig des Indes, vnd zerle fin (jeicanl. vnd mil dem 
brach er von int alle die ijnadc die er von chrißo vnd von fim hiniel- 
fehen vatcr iemer foll enphahen alfo namen fir in vnd fuorlen in hin 
zvo pylalen das fi als das zirifellklich rf in hnreren imlien als fi vor 
gerel hallen. Das 
'■') I Es sind vier lliuulsclirirtcn lickaiinf g:c\v(ir(l(Mi : s. /sehr. f. d. A. (>. 393 \'il'^ 
7, 139 Jg.J 



GRIESHABERS PREDIGER. 373 

vollständig von ihm hcransgegeben nnter dem Titel „Deutsche Predigten 
des XIII. Jalnh." Stuttg. 1844; aus der Stial'sburger Handsc Inilt habe 
ich eine Auswahl veiOnenllichl Zschr. f. d. A. 7, 140 — 159. Auch 
diese Sainuilung ein IJand- und Hüfsbuch für Prediger : die Anvveisiuigen, 
es könne dieser oder jener Theil mit Hilfe der und der andeiii Pi-edigt 
oder nur aus dem Kopfe noch weiter ausgefidul werden, fmden sich 
auch hier in Menge eingestreut [s. Grieshaber 1, XXVI]. 

Wenn Manches, was sich zuerst bei Berthold als eigentliches 
Merkmal seiner Predigtweise findet, von da an bis zu Ende des Mittel- 
alters in Gebrauch geblieben ist, so mag dazu ganz besonders dieser 
sich ihm so eng anschliefsende Nachfolger beigetragen haben. Er hat 
den bei Berthold breit und voll und in genialer Freiheil sich crgiefsen- 
den Strom der Rede, dem Mafse seiner Begabung entsprechend, in 
engere und in regelimefsige Ufer eingeschlofsen ; und die feste Methode, 
in die er die neue Predigtweise brachte, liefs sich dann abUrnen, 
widnend Bertholds übermächtige OriginalitaH als unmittelbares Vorbild 
kaum empfehlenswert giiwesen wa're. Auch forderte die regelmässige 
Sonntagspredigt der Leutpriester über das Evangelium doch eine andre 
Behandlung des Textes als Berthold sie sich in seinen Wochenpredig- 
ten gestatten konnte, theds durch die Natur der längeren und meist 
historischen Perikope, theils durch die alte und noch immer fortbe- 
stehende Gewohnheit, diese Perikopen in der Weise der Homilie Salz 
für Satz durchzunehmen. Es galt hier der Perikope irgend wie ihre 
Ehre anzuthun und doch in der neuen Weise ein selbstgestelltes meist 
nur auf wenigen Textworten beruhendes Thema auszuführen. So be- 
ginnt denn unser Prediger nicht mit Verlesung der ganzen Perikope, 
um darauf einen Theil derselben herauszuheben und zum einzigen 
Gegenstand der weiteren Besprechung zu erwählen, sondern er sleiit 
diesen einen Hauptgedanken gleich zuvörderst an die Spitze und laufst 
darauf in einer zergliedernden Umschreibung das ganze Evangelium 
selber folgen '"). Indem er hiemit die Umstände vorführt, unter denen 
z. B. das an die Spitze gestellte Wort gesprochen, dient das Evan- 
gelium um dieses Wort zuerst auf rein geschichtliche Wei.se zu er- 
kla^ren. Von da an aber geht es weiter wie bei Berthold. Es wird 
jenes Bibehvorl nun noch einmal aufgestellt und entweder buchslieblich 
wie es lautet zum Thema gemacht, oder durch bildliche Wendung in 

*) fSo jedoch niclit ausnahmslos: man sehe die Palmsonntagspredigt 2, S. 127, 
welche die ganze l'eriiiopc voranstellt, um dann aus der ganzen das Thema 
zu entnehmen.] 



374 GRIESHABERS PREDIGER. 

einen anik'rn Gedanken iiber^espielt, worauf dann dieser das Thema 
ist. Und sofort koinml nun die Partilion desselben, und zwar in der 
Regel eine ebenso iiurserlich., willkürliche, mitunter auch urdogische *). 
wie wir das bei ßerlhold wahrgenonmien haben. [Diese Fartition kann 
sich in den einzelnen Theilen wiederholen, ja sogar die ThtMle der 
Theile können noch einmal getheilt werden, und eine virtuose Sicher- 
heit zum mindesten ist dem Prediger in dieser Kunst nicht abzuspn - 
chen. Man betrachte z. B. die Pfingslpredigt 1, S. 30. Bei der Sen- 
dung des h. Geistes sind sieben Dinge zu merken : I. ton wem er 
gesendet wart ; 11. wie mangerleye icise ; III. ze weler zit ; IV wie 
dicke; V. wie; VI. in wiu; VII. warumbe. Die erste Frage dieser 
Parlition wird rasch erledigt, aber auf die zweite lautet die Antwort: 
in mnif layge bilde, und zwar 1. in ainer tuben bilde, bei der 
Taufe im Jordan: 2. in ainem Hellten wolchen, bei der Verkla^rung ; 
3. in ainem aten, bei der Erscheinung des Auferstandenen unter den 
Zwölfen; 4. in ainem fiur und 5. in ainer z-ungen auf Pfingsten. In 
dieser viumf bilde aigenfchaf't will er in den Herzen wirken. Nun 
hat erstlich die Taube sieben Eigenschaften : a. sie weint statt zu 
singen; b. sie ist ohne Galle; c. sia nistet in einer Felshöhle ; d. sie 
fliegt gern über das Wafser um den Schatten des Habichts darin zu 
sehen; e. sie kratzt und beiist nicht; f. sie beschädigt nicht die Feld- 
früchte, süiidern lebt von wertlosen Samen: g. sie erzieht und fütlf^rt 
oft fremde Kinder. Ferner hat die Wolke drei Eigenschaften u. s. w.] 
Die Ausführung sodann, welche auf Grund und nach Mafsgabe solcher 
Theilung des Themas geschieht, verra?lh ebenfalls durch Umfang und 
Reichthum, dafs nicht die ältere Prediglweise der Leutpriester, sondern 
die Berlholds ihr Vorbild ist: aber sie erreicht dieses Vorbild nicht. 
Die aus der allen entnonnnenen Typen, die aus der Natur entlehn- 
ten Sinnbill !er kouunen viel gehäufter als bei BertholJ vor und werden 
deshalb kürzer, abgerifsener, unanschaulicher abgethan : denn es fehlt 
dem Prediger, einem Manrio von Bildung und einem methodischen 
Küpfe, der warme dichterische Sinn, der seinem grofsen Vorgänger 
zu Stalten kam. Und allerdings wird auch hier darnach gestrebt, dafs 
alles Gesagte seine lebendige Bezüglichkeit für die ZuhaM-er habe : 
aber der Predißer ist dem Leben draufsen in der Laienwelt sichtlich 



•=) [Mail selie z. ß. 2, S. 46 mif Grund des Textes He el von in vineam meam 
ei quod Justum fueril dabo vobis folgende Anlage der Predigt: es ist 
viererlei Wintert, in dem wir arbeilen sollen: 1) dich. Christenheit; 2) ein 
lauleres (lewissen «der ein \\ ohl<^eürdneles Lel)en ; 3) eine biUere Reue oder 
ein geistlicher Orden; 4j der Wingert der Weisheit oder der h. Schrilt.J 



ANDRE VOLKSPREDIGER. 375 

freindor und ferner und bleibt, wo er awf den Lebenswandel zielt, 
doch gewöhnlich l-ei den Allgemeinheiten stehn ; fast noch lieber jedoch 
verlieft er sich mit seiniMi L(;hi"en untl Bildern in das Dogmatische, 
dl m Berlhold beinahe grundsätzlich und nicht unzwecRmfeftig ausweicht. 
Weder ist sein Auge wacker um recht in das Leben des Volkes zu 
schauen, noch sein Sinn frisch, seine Zunge geübt um zum Volke in 
•hassen eigner Art zu sprechen : so ist denn hier keine Spur von jenen 
dramatischen Wendungen, mit denen Berthold seine Rede belebt, und 
nichts von der launigen Bitterkeit seiner Satire. Dafür schaut der 
Gelehrte in der Weise jener Zeil überall hervor. Nicht blol's dal's er 
all die vielen Bibelcitate [nach Art der älteren Prediger] immer zuerst 
in der lateinischen Fafsung bringt, auch von anderswoher, aus den 
KirchenvfTtern und sonst (Griesh. 1, XXIV. 2, XXIX), häufen sich 
dergleichen Anführungen, für uns erwünscht, weil wir daraus die 
wü'senschafiliche Bildung des Mannes in ihrem Umfang und ihren 
Ouellen erkennen, aber für die Erbauung der damaligen Gemeinde 
gar viel weniger erspriefslich als die ungeiehrte Predigt Berlholds'"'). 
[Zur Vervollständigung des Bildes der Volkspredigt, wie sie sich 
neben und nach Berthold bis zu Ende des Jahrhunderts entwickelt 
hatte, genüge es, auf drei bekannt gemachte Denkmteler noch hinzu- 
weisen. Es sind die in ostfränkischer Mundart (wohl schon des 14. 
Jahrh.) geschriebenen Bruchstücke einer dem Kirchenjahr folgenden 
Sammlung zu Leipzig, abgedruckt in den Altd. Bl. 2, 376 — 382; 
sodann ebenda 32 — 40 das Bruchstück einer sehr umfangreichen Pre- 
digt über die sieben Bitten mit Einflechlung dt-r sieben Seligkeiten, 
der sieben Gaben des h. Geistes und der sieben Todsünden, dessen 
Sprache und Schreibung nicht nur, dessen bei aller Breite der Anlage 
alterthümlich starre Vortragsweise es etwa zur Mitte des Jahrhunderts 
emporrücken dürfte; endlich die in Mones Anzeiger 7, 510 — 513 
mitgethcilte erste von vierundvierzig Predigten zu Kloster Neuburg, 
deren vorletzte die Zeit und Stellung der Sammlung dadurch ergiebl, 
dafs sie die siebente Predigt Bruder Berlholds, also dessen schriftlich 
verbreitete Predigten citiert. Das letztgenannte Stück verdient zugleich 
darum Beachtung, dafs es sich als Predigt eines Leutpriesters zu er- 
kf nnen gicbt, dem zwar die Kunst der Partition unbekannt scheint, 



*) Es ist Ivanni lUBtiiig zu bemerlcen, dafs die lateini-sctien Parlitionsscheniata, 
die an der Spitze jeder Predigt auf die Texlworte folgen, nicht zu den 
Aeufserungen der Gelelirsamlieit unseres Predigers dürfen gereclincl werden, 
da sie nur dem Gebraucli seiner Arbeiten durch seines Gleichen zu dienen 
bestimmt waren. 



376 XIV. JAHRHUNDERT. MYSTIK. 

dem es aber iiiclil an (iewandlheil und Lebondigkeit des volksmcPfsio 
praklisiiieii V<)ilrai»es l'ehll.] 

Indem wir jezl aus dem lireizehnlen Jahrhundert in das vier- 
zehente hiniiberlrelen, haben wir vor allem zu erinnern, dals die Pre- 
digt in der /Adelzt besprochenen sowohl wie aueli in der älteren, noch 
vorberlholdischen Art auch in diesem Jahrhundert herkiunmlich foit 
gelrieben worden ist, wie uns ja Sanunlungen beiderlei Art in Hand- 
schriften gerade dieses Jahrhunderts tlieils allein erhalten, Iheils neben 
älteren Urkunden bezeugt sind : [Beweises genug, dals man auch jezt 
noch sich ihrer als homiletischer Handbücher bediente, und genug um 
zu vermulhen, dals schlichte, von der Bewegung der Geister unl)c- 
rührte Männer Predigten im Sinne der vergangenen Epochen auch 
jezt noch hervorbrachten ""').] Zugleich aber gelangen wir nun zu 
(jiner ganz neuen Wendung [des deutschen Prediglwesens, welche durch 
das Eindringen der Mystik in die Predigt bewirkt wurde. 

Lange schon war in der Theologie des Mittelalters die mystische 
Richtung neben der scholastischen hergegangen : es war neben den 
von der Kirche aufgestellten Gegenständen des Glaubens auch der 
reli^ioese Process in der gläubigen Seele, ihr Einswerden mit Gott 
und die Stadien, die sie zu diesem Ziele zu durchlaulen hat, erörtert 
worden. So nothwendig alle entwickeltere Religiosilael zur Mystik 
hinlenkt, alle Mystik enthält doch ihrer Natur nach ein dem Pantheis- 
nnis verwandtes Element. Indem der Mensch, der von Gott ausge- 
gangen, aber durch die Materie, durch sein uatih'liches und creatiu- 
liches Dasein von Gott getrennt ist, diese Schranken wieder aulzu- 
lieben und frei und ledig schon hier auf Erden in Gott zurückzukehren 
und eins mit ihm zu werden trachtet oder vermeint, so dals er nicht 
mehr aus Gott und durch Gott und für Gott lebt, sondern in Gott und 
Gott in ihm; indem er lernt, sich in den göttlichen Urgrund aller 
Ding(! zu versenken, um sein eigentliches Wesen da zu linden, und 
hinwie(l«'rum sich tiefer und tiefer in sich selber zu versenken, um 
auf dem stillen Grunde der eignen Persönlichkeit Gott zu linden : so 
bedarf er am Ende keines gottmenschlichen Mittlers mehr, so verliert 

"') Himdschrirteii des 14. Jalirli. nelicn iiltercn liaben wir von Rotlis u. Gries- 
iialiers l'rediyltM) und voii tcyser.s zweiter Sammlung. Nur aus dein 14. 
jaluli. bezeugt sind die Weingarlcr Predigten, von welchen liinle olien unter 
XXWI— XL sicli inilgellieill finden, und die oben erwähnten 44 IVediglen 
zu iviosler iSeuburg; leriier aelit Homilien in thüringischer Mundart zu Slult- 
guit und ein homiletisches Handbuch mit Agende und Katechismus zu t.inz (s. 
Moncs Anzeiger 7, 513. 517); endlich Berthold seihst. 



MYSTIK. 377 

die geschichtliche Offenbarung Gottes für ihn ihren Zweck und die 
göllhche Persoenlichkeit zerrinnt ihm mit seiner eignen in ein seiiges 
iViciils, das er nur noch beschaulidi zu genielseu braucht, ohne seine 
sittlichen Krärte mehr in guten Werken, im Kampf mit der Sünde 
üben zu dürfen. An die gefahrliche Grenze, hinter der solche Ver- 
irrungen liegen, war bereits im neunten Jahrhundert Johamu's Scotus 
Erigena gelangt, der das im Gnosticismus und jNeoplatonismus gewur- 
zelte, aber kirchlich und hierarchiscn ausgebaute System des ältesten 
christlichen Mystikers, des sogenannten Dionysius Areopagita, zuerst 
in die Theologie des Abendlandes einführte. Praktisch gesunder Sinn, 
Achtung vor dem Überlieferten und kirchliche Discipliu hennuten jedoch 
die Mystik auf ihrer abschüfsigen Bahn und begründeten den Unter- 
schied zwischen jener mystischen Richtung, die schon zu Anfang 
des dreizehnten Jahrhunderts in der Ketzerei der Ortlieber und unter 
andern Namen wieder und wieder von der Kirche verfolgt wurde, 
und der kirchlich vorwurfslosen Mystik eines Bernhard von Clairvaux, 
Hugo von St. Victor und Albertus Magnus, die mit der scholastischen 
Denkart in derselben Kirche nicht nur, sondern in demselben Kopfe 
sehr wohl zusammen wohnen mochte. 

Wenn David von Augsburg und Albertus Magnus wirklich, wie 
es von jenem eine unverbürgte Nachricht, von diesem ein spseterer 
Predigtauszug (vgl. S. 351 fg.) zu glauben Anlafs giebt, deutsche Pre- 
digten gehalten, und wenn sie dieselben, wie man vermuthen mufs, 
in mystischem Sinne gehalten haben, so haben sie damit in der ersten 
Zeit weder Wirkung noch Folge gehabt. Denn ihre Predigten sind 
verschollen, und der gi'ofse, tonangebende Prediger der Zeit, obwohl 
Davids Jünger, zeigt keine mystische Ader. Wohl aber ist David "■''') 



') Nach Greüh Deutsche Mystik im Predigeronleii (1861) S. 58 hätte iiodi 
früher bereits Bruder Heinrich, erster Prior der Dominicaner in Cöin, deutsche 
fiebete u. Betrachtungen verfafst, die in einer Handschrift zu Zürich vor- 
liegen. Eine (deutsche?) Predigt von ihm in einer Hschr. zu München: 
Bach M. Eckharl (Wien 1864) S. 47. Dafs Predigten von ihm in einer 
llschr. zu Heidelberg enthahen seien, giebt Wilkens Catalog S. 505 ohne 
rechten Grund an : denn auf eine Reihe namenloser Predigten im Geiste der 
älteren Mystik folgt hier zuerst eine von Bruder Berthold und dann erst, den 
Schlufs nicht der Handschrift, aber der Predigten bildend, ein Stück mit 
folgender legendenhaften Überschrift: Difiv icnrl prediget vnfer liebu fraw 
in brüder Heinrichs perfon auf dem hoffe zc Kölen zu den brediger. 
Der Heinrich an den sich eine solche Sage heftete wird eher Suso als der 
minder berühmte Kölner Prior gewesen sein. Das Stück enthält übrigens 
Aitd. Predigten. 25 



378 DOMINICANER. 

Begründer einer reichen myslischenTraclatlilteralur in deutscher Sprache 
geworden, die sich in der Folge auch aus Albrechls nur lateinischen 
Schriflcm durch Übersetzuni»- zu hcreichern wusste'"); und hiennl 
war eine wichtige, uneri<elsliche Voriirlteil für die uiyslische l'redi^l 
geschehen. Der Vorrath neuer Ausdrücke und AN'endungen, dessen 
sie bedurfte, wurde ihr vom Schriftsteller geschmiedet und gleichwie 
in einer Rüstkammer bereit gelegt. 

Schon diese Bedingtheil durch eine nebenher laufende und dem- 
selben Zwecke dienende geschriebene Prosa laufst erwarten, dafs die 
neue Predigtweise an Volksuurfsiükeit hinter der altern weit zurück- 
geblieben sein werde; weini man auch nicht wüssle, dafs mystische 
oder mystisch gefärbte Religiosita^l iuuner nur die Sache weniger war 
und sein kann. So ist denn auch bezeichnend, dafs diese Predigt- 
weise von den im 13. Jahrhundert durch den Ruhm des Minoriten 
ßerthüld verdunkelten Dominicanern, dem auf gelehrtes Treiben von 
vorn herein angelegten Orden vorzugsweise geübt wurde, während der 
Antheil der Franciscaner an ihr wenigstens für uns nicht sichtbar 
hervortritt ■'"""J; uml bezeichnend nicht minder, dafs nicht auf der Kanzi;!, 
sondern auf dem Lehrstuhl des Lectors oder Lesemeisters die Mystik 
zuna^chst und eigentlich sich entwickelte. Das Studium generale des 
Predigerordens zu Cöln und das Studium senlentiarum, das er zu 
Strafsburg besafs, wurden Brennpuiüvte mystischer Theologie, von wel- 
chen gleichgesinnte Schriftsteilerei und Predigt in das Land ausgiengen. 
Am erstem Orte, wo der grofse Albrecht 1280 als Lesemeisler sein«^ 
Tage beschlofsen hatte, wirkten die Anregungen die er gegeben fort ; 
in Strafsburg bestand seit hundert Jahren ein nie ganz erloschener 
Herd häretischer oder halbhaeretischer Mystik, dessen Glulh sich einer 
Niederlafsung der Dominicaner nothwendig millheilen, aber auch in 
ihr sich läutern musste. Noch entschiedener war durcii den Zuh(Prer- 
ki'eis auf dcMi sie allein rechnen durfte der Charakter eigentliclier 
Volksma^fsigkeit von der mystischen l*redigl ausgeschlofsen. Die ältere 



Tlieile jenes gcistliclien a I) c, das Tauler vcm <lem oberläiulischen (Jotles- 
l'reunde zu lernen l)ekiiiii, niui diu liandbclniri ist ein schiccliles Maciiwerk 
des 15. Jalirti. 

••) S. Bacli a. a. 0. 

") Die \on IM'eill'cr (ierin. ?>, 22G— 243 niilgeliieillen Sprüclie dentsetuT My- 
sliiter nennen allerding.s nelien siebenzelien Predigern ancli sielieiiinal Bar- 
l'iiiser als Autoren : al)er gerade die ilinen zugescliriebenen Spriitlie entliallen 
durchaus niclits Myslisclies. sondern erinnern weit el)er an Berlholds Predigl- 
weise. 



KLOSTERPREDIGT. COLLAZIE. 379 

objectiv kiroliliclic oder doch vorwioo-end geselzlicho, wenn man will 
itielir alllestaineiilliche Prediot halte sich an alle Getaufte gewendet, 
Berlhold sich mit allen orobcn Sünden und Lastern, wie sie unter dem 
orolsen Haufen im Schwang-e gehn, herumgeschlagen; der Mystiker 
iiiusste einen ausgewählten Kreis verlangen, mit dem über solche Dinge 
zu s[>rechen kein Änlafs, der über den Standpunkt einer gesetzlichen 
Krömnugkeil hinaus und auf den Wegen der goltsuchenden Seele, 
\veim nicht gar auf denen des speculativen Denkens bewandert waere. 
Diesen Kreis holen natürlich zuna?chst die Klo?ster, die des Prediger- 
ordens selbst sowie andre seinem Einflul'se sich öffnende, und so ist 
denn die mystische Predigt des 14. Jahrliunderts durcliw(!g Kloster- 
prcdigl, nachdem wir im dreizehnten die Volkspredigt sehr entschieden 
haben vorwallen sehen. Wiederum waren es unter den Kloeslern die 
Frauenkl(Bslc4', in denen die myslisclie Predigt vornehmlich ergieng. 
hl Männerklceslern mochte, wenn wir aus drei von Pfeiffer (Germ. 
7, 331 — 350) bekannt gemachten Klosterprediglen wohl noch des 
13. Jahrhunderts schliel'sen dürfen, auch jezt noch leicht in mehr 
scholastischem Tone gepredigt werden; und hier war auch jezt noch 
lateinische Predigt anwendbar. In Frauenkloestern dagegen bestand 
ein unbedingtes Bediirfniss nach deutscher Predigt, da die Nonnen nur 
ausnahmsweise Latein verstanden; und hier fand das bräulliche Ver- 
hältniss der Seele zu ihrem himmlischen Freunde, wie es die Mystik 
seit S. Bernhard auf Grund des Hohen Liedes auszumalen liebte, das 
bereiteste, eigentlichste Verständniss. Hier war denn auch der dank- 
barste Boden für eine Miltelgaltung zwischen Predigt und Tractat, die 
jezt ausgebildet wurde, die coUäzie. Was man in der regula s. 
Benedicli hierüber best (S. 8Ö7) commentiert Smaragdus folgender 
Mafsen : CoUatio dicta quasi collocutio vel confabulalio, quod de scrip- 
luris divinis aliis conferentibus interrogationes conferunt alii congruas 
resfiousioiies. Die Collalio.war also eigentlich freier Dialog, der aber 
aufgezeichnet nachmals als Lesestück dienen konnte, wie das auch 
Honorius von Aultih für seine Zeit bestaetigt: Qnod religiosi ad colla- 
lionem conveniut, hoc a sanctis patribus acceperunt, qui in vesperis 
solebanl convenire et de scripturis simul conferre, et quod ipsi tunc 
inviceui contulerint, coUationes dicebantur, et haec his sinülia ad colla- 
lionem leguntur (s. Ducange unter coUalio). Die dialogische Form 
brauchte natürlich bei der Aufzeichnung nicht gewahrt zu werden, 
und wenn dann noch eine Bibelstelle an der Spitze der geschriebenen 
Collazie stand, unterschied sie sich kaum oder nur durch die 
mangelnde Systematik im Aufbau von einer Predigt; sie konnte aber 



380 FRAUEN. 

auch Aussprüche der Vaeler, Erlebnisse heiliger Menschen, Erzählunffen 
und Purai)eln erl)aulich behandeln (s. z. B. die Stücke L — LH) nnd 
so o^erade der weiblichen Fal'snno-skraft und Eigenart Rechmniff traoen -. 
sie konnte endlich auch, und nicht nur unter Männern, über den Zweck 
der Erbauung hinausg^ehn und der Erörterung theologischer Fragen 
yewidmet sein, und dann erwuchs aus ihr der Tractat. der oft genug 
in Wendungen, die sich nur fin* die gesprochene Rede eignen, die 
Eierschale dieses seines Ursprunges an sich tra^gt, oder auch, weil 
zum Vorlesen bei der Collatio bestimmt, solche Wendungen absicht- 
lich in sich auf- sowie einen Text und prediglmfelsigen Schlufs an- 
nimmt *). 

Nicht nur empfangend, auch gebend betheiligteu sich die zahl- 
reichen Frauen, die der Regel des h. Dominicus anhiengen, unter der 
Pflege eitriger Beichtvfeter an dem mystischen Treibe». Ecstatischc 
Nonnen, wie die h. Hildegard, hatte es wohl auch früher gegeben ; 
jezt gab es KloBster, in welchen die Schwestern die keine Gesichte 
und Offenbarungen hatten die Ausnahme bildeten, und in welchen 
solche Zustände sich von einer GiMieratiou zur andern Ibripllanzten. 
Einzelne dieser Seherinnen fühlten sich berufen, eigne und fremde 
Erfahrungen auf diesem Gebiete aufzuzeichnen ^^^'), und ihre Schriften, 
zu deren Redaction und Verbreitung die Beichtväter eine fordernde 
Hand liehen, wurden von ernsten Denkern mit Ehrfurcht aufgenommen, 
mit Andacht gelesen: welch heifse Empfänglichkeit müfsen hinwiederum 
die Schriften und das gesprochene Wort der Mystiker in diesen Frauen- 

') Ein bezeichnendes Beispiel dieser ZwiUergaUung zwischen Predigt und Trac- 
tat ist das unter dem Kamen Bruder Franlie von Kölne überlieferte Stück 
bei Iliuipt 8, 243 — 251 : es beginnt giinz wie eine Predigt und nennt sich 
zum Schlufs ein Buch. Von der gleichen Art die ebenda 423 — 464 init- 
gelheilten Tractate. 
*^) Vgl. Offenbarungen der Schwester Mechthild hsgeg. v. P. Galt Morel 1869 
nebst der Besprechung von Preger Sit/,ungsber. der bayer. Akad. 1869. 
2, S. 151 igg. u. Bd'hiners Aufsalz „Matelda" Jahrb. der d. Dantegesell- 
schaft 3, 101 fgg. Schriften der Margareta Eimerin zu Medingcn im Bisth. 
Augsburg, der Freundin u. Correspondentin Heinrichs v. Nördlingen und 
Taulers, und ihrer Schwester Chrislina zu Engelthal in Franken: lleumanni 
opusc. Norinib. 1747, 331 sqq.; Heinrichs Briefe an Margarela ebda 
351 sqq., ergiinzt und chronologisch geordnet v. Preger Zschr. f. hislor. 
Theo!. 39, 7'J fgg. Der Nonne v. Eiigelthal Büchlein Von der gnaden 
überlast hrsgeg. v. Schru'der 1871 (Bibl. des liU. Ver. CVIII). Über die 
Kloester Untcrlinden zu Kolmar, Adelnhausen bei Freiburg, Katharinenthai im 
Thurgau, Ta'fs bei Winlerthur u. insbes. über Elisabeth Slaglin zu Tu'fs, die 
geistliche Tochter Suso.< : (Jieith d. Ulyslik im i'red. Orden 289 fgg. 



CONVERSEN. 381 

kreisen gefunden haben ^'). Briefwechsel, Sendung von Büchern, 
Reisen stellten dabei über weite Entfernungen einen regeren Verkehr 
her. als wir ihn jener Zeit geneigt sind zuzutrauen. 

Doch war jene Empfänglichkeit weit entfernt von den Mauern 
der Ki(L\ster eingeschlofsen zu werden. Das Schiff der Klosterkirche, 
in ilercix Chor die Ordensleute der Predigt beiwohnten, hatte Raum 
für eine beträchtliche ZuhaM-erschaft gleichgestimmter Laien; und es 
gieng auch durch die Laienwelt ein Suchen und Sehnen nach einer 
tiefern religioesen Befriedigung, als die Kirche mit ihren äufserlichen 
Ordnungen sie gewahren konnte. Den Kreis des eigentlichen Ordens- 
lebens umgab der viel weitere der Beginen und Begharden, Frauen 
und Männer, die ohne Gelübde und ohne eine andre Regel als die 
sie sich selber auflegten der Welt entsagt und sich, sei es allein, sei 
es zu mehreren zusammenwohnend, einem geistlichen Leben gewidmet 
hatten. Es war das ein der Kirche nicht ohne Grund verdächtiges 
Element, dem der Anschlufs an einen mystisch gestimmten Orden 
gegen die Einflüfse der in Secten verwildernden Mystik den besten 
Hall gewährte. Wurde doch, mitten im besten Aufstreben mystischer 
Theologie an den Schulen der Prediger, 1317 wieder einmal zu Strafs- 
burg eine Ketzerverfolguug eingeleitet, da man entdeckt hatte, dafs 
die ganze Ditpcese von Brüdern und Schwestern des freien Geistes, 
einem schlimmen Nachwüchse der alten Ortlieber, erfüllt war **). Und 
doch wurden auch wieder die Mystiker des Predigerordens durch ihre 
Beziehungen zu den religices erregten Laien auf einen Standpunkt 
geführt, der mit den Grundsätzen der Kirche in der That nicht mehr 
zu vereinigen war. In dem Begriffe der Gottesfreunde — einer aus 
.loh. 15, 15 entnommenen bereits den altern Waldensern geläufigen 



■") Alis Fraiienliioeslern zu Züricfi, Adeintiausen bei Freiburg im Breisgau, Engel- 
berg und Samen stammen die oben S. 259. 271- 283. 290 beschriebenen 
Handschriften ; aus einem solchen — Hernietschvvil im Aargau — auch be- 
reits die vorbin erwähnten ül^rigens an Mönche gerichteten Predigten des 
13. Jahrb.; ans dem Tertiarierinnenkloster Campe gegenüber Boppard der 
Tractat von den XV Graden (Germ. 6, 144 fgg.)", und für Nonnen schreibt 
der Mönch von lleilsbronn seinen Tractat über die VI Namen des Fronleich- 
nams, wie der Schlnfs der Nachrede (Alld. Bl. 2, 354. Ausg. v. Merzdorf 67) 
zu verstehn giebt. Beispiele mystischer Predigt, die an Nonnen gerichtet 
wurde, weiter unten. 
■"-') Schmidt in der Zsclir. f. bist. Tiieol. 1840, S. 60 fg. Derselbe handelt über 
Beginen und Begharden mit besonderm Bezug auf Strafsburg in der Zschr. 
Alsatia 1858-61, S. 149 fgg. 



382 GOTTESFREMNDE. 

Bezeichnung*) — wnv der rnlerschied zwischen Laien und Priestern 
grundsätzlich ausgeglichen inid gieng seiner thatsächlichen Ausgleichung 
entgegen. Die Nolh der Zeil war gewaltig dazu angelhan diesen 
Vorgang- zu Hirdern. Der Streit des in Avignon der Iraiizd'sischen 
Politik dienenden Pahsllhums gegen I^ndwig den Baier fVdu'te 1324 
zu dessen Excommunication, und demna?chst ward alles was ihm im 
Reiche anhieng mit dem Inlerdicte belegt. Bis zum Tode des ivaisers 
1347 und zum Theil noch länger blieb der groeste Thcil Deutsch- 
lands mit seinen volkreichsten Stiidten der Messe, der Sacramente und 
der Predigt beraubt, nur weil der Statthalter Christi einen Druck auf 
die politischen Entschlüfse des Reichsoberhauptes zu üben l'iir gut fand. 
Dieser ruchlose Widersinn bewirkte noch nicht die Abwerfung des 
hierarchischen Joches, aber die innerliche Befreiung vieler Gemüther. 
Vor die Geistlichen trat die gewichtige Wahl, ihrem himmlischen Ohei- 
haupte, das seine Lämmer zu weiden gebot, oder dessen Statthalter 
Gehorsam zu leisten, und eine Minderzahl auch im Predigerorden, aber 
mit einem Tauler an der Spitze, wählte unerschrocken das erslere. 
Den Laien entstand, wenn sie nicht geistlich verkommen wollten, die 
Aufgabe sich in geistlichen Dingen selbst zu helfen **). und die, Laien 
unter den Gotlesfrcunden unlerwandten sich dieser Aufüabe, ohne dafs 
gottesfreundliche Priester ihnen die selbstgeschaffenen Andachlsidjunsjen 
wehren konnten oder wollten. Der Grad von kirchlicher Emancipalion, 
den wir dann auch nach dem Inlerdicte bei dem sogenannten Nicolaus 
von Basel und seinem Anhang treffen, war hievon die Folge; geradezu 
einen Verzicht auf die Priesterrechte schliefst es andrerseits ein, wenn 
Tauler 1350 sich einem Laien aus dem Oberlande und wenn nach- 
mals der Priester und Benedictiner Marlin von Mainz sich dem Laien 
Nicolaus von Basel „an Gottes Stall zu Grunde lafsen"', d. h. uni)e- 
dingten Gehorsam in geistlichen Dingen geloben; und wohlbegründet 
erscheint vom Standpiuikl der Kirche der Urlheilsspruch zu Cöln, der 
1393 mit andern Irrthümern Martins auch diesen verdammte ***). 
Nicht minder verdammlich würde der Kirche, wenn das Geheinmiss 



*) Nach dem Zeugnisse Davids v. Aiiffsl)nrg- Zschr. 1". d. A. 9, 50. Nocli 
gleichzoitiff mit Diivid, zwi.^clicii 1250 und 1265, i)raiiclit aber Sclnvcstor 
Mechthild den Ausdruck auch von rechtgliinbigen Frommen : (In milc rifUeslu 
uf got und sine userwellen vrunde, bei IVlorel S. 198. 

*■) Eine Aiifscrung solclicr Selb-slbilfc, in der sich rrciiich deren ganze (lorahr- 
lichkeil alsbald ollcnbarle, war die bekannte IJruderschai'l der Geislcr zur 
Zeit des grofsen Sterbens 1349. 

*) S. Schmidt Joh. Taulei S. 237 fgg. 



GOTTESFREUNDE. 383 

iniiider orni bewahrt pfeblieben wfpic, die weitverzweigte, Priester wie 
Laien nmfarsende, aus der Verborgenheil geübte Thaetigkeit des Gottes- 
friMindivs, der über Taider eine solche Macht gewann, und seiner Ge- 
nol'sfMi erschienen sein, deren Zweck kein anderer war, als des von 
ihren Häuptern aufser Acht gelalsenen Wohles der Christenheit nach 
MdPgiichkeit wahrzunehmen : und wenn Tanler, übereinstinuTiend mit der 
Meinung dieser gehciinuissvolleu Gesellschaft, in seinen Predigten die 
(n)erz(Migung ausspricht, dals die GottesIVeuiule die Säulen der Kirche 
seien luui dafs nur ihr Gebet und Weinen die Gerichlc Gottes liber 
die ('hrist(Miheit noch aufhalte ■"'), so gelten ihm offenbar die Gottes- 
freunde und nicht mein' die von der Kirche geweihten für das wahre 
Priesterthum ""'"")• 

Bei solchen Anschauungen darf es nicht Wunder nehmen, wenn 
einzelne unter den gottesfreundlichen Laien auch ohne Kennlniss des 
Lateins und ohne all das Wifsen zu dem es der unentbehrliche 
Schlüfscl sich zu mystischer Schriftstellerei berufen fühlten. Eine 
glückliche Fügung hat uns in den Schriften des sogenannten Nicolaus 
von Basel und des Strafsburgers Uulinau Merswin die bedeutungs- 
vollsten Gegenstücke zu jenen vorhin erwähnten Aufzeichnungen 
schwärmender Klosterfrauen gerettet. Wir diu"fen aus solchen Er- 
scheinungen wiederum auf die Begierde zurückschliefsen, womit die 
deutschen Schriften der Mystiker selbst unter den Gottesfreunden auf- 
genommen, ihre Predigt gehoert und deren Aufzeichnung von solchen 
die sie gehoert und die sie nicht gebeert zum stillen Lesen wie zum 
Vorl(\sen im vertrauten Kreise verlangt wurde '■'''■'"')■ 

Dieser Zweck ist in der That jezt der einzige, der bei Anlage 
und Fortpflanzung der Prediglsammlungen waltet. Die Bestimmung 



■■■) Das. 167. Weiler gelicnci hatte sclion vor ihm Eclvart gelehrt, diifs (jott siiicn 
ussenrcUen friundev, die da sint in siner verborgenen lifimlicheit, Iteine 
BiUe versage: oben 273, 29 %?• ; .ja bei Nieoians von Strafsburg findet sich 
der luihne Satz .sin friunt der lunnget in wol: D. Myst. 1, 276, 3L 
■■■'J Über die GoUesfrciuule s. Cart Schmidt im Anhange zu seinem Tauier ; von 
demselben: die (lOtlcsfrennde im 14. Jahrb. bei IJeufs ii. Cnnitz Bcitr. z. 
d. theol. Wisscnsch. (,Iena 18.54); Nie. v. B. n. d. Gotlesfreunde in: Basel 
im 14. Jahrh. (I^asel 1856): Nie. v. Basel (seine Schriften), Wien 1866. 
Sodann Preger Zschr. f. bist. Theol. 39, 137 fgg., der die von Schmidt 
behauptete Identitaet des von Tauler und Merswin verehrten Gotlesfrenndes 
mit Nicolaus von Basel bestreitet. 
■••^•■") Zwei Handschriften des Klosters Einsiedeln, Predigten Eckarts und seiner 
Junger enthaltend, wurden einst von der zum goltcsfreundlichen Kreis in 
Basel gehcerigen Begine Margarela zum goldnen Ring den Waldschwestern 
bei Einsiedeln geschenkt: s. Morel Offenb. d. Schw. Mechthild VI fg. 



384 PREDIGTBÜCHER. 

zum Ersätze der eignen Predigt bequemer oder minder begabter 
Priester, wie sie die Snmmhmgen der frühern Jahrhundeiie noeh bis 
zu den Grieshaberischen Predigten herab so deutlich kund gel)en, ver- 
rfetli sieb jezt in'rgends mehr; sie \\(Cve bei der jezigen Prediglweise, 
die den Gemeindestandpunkt verlafsen und den ol)jeetiv kirebbeben 
Charakter aufgegeben hatte, geradezu >vidersinnig gewesen, ^^'ir finden 
darum auch jezt Samndungen, (be sich nicht mehr der Perikopenreihe 
des Kirchenjahres anschbefsen, sondern deren Anordnung vom Zufall 
eingegeben ist. Pezeichnend ist es ferner, dafs die Predigten in den 
Erbauungsbüchern vermischten Inhaltes, wie sie jezt für den Gebrauch 
der Kleester oder frommer Privatpersonen angelegt werden *), zw isclien 
Tractaten, Sprüchen, Erzählungen und dergleichen einzeln oder gruppen- 
weise eingestreut vorkommen, also für das Gefühl der Schreiber und 
Leser mit andern Lesestücken sichtlich auf derselben Linie stehen ; 
und eben damit hängt es zusammen, dafs man nicht mehr, wie vor- 
mals, beflifsen ist, nur ganze Predigten und diese meistens in voller 
rednerischer Ausführung und Abrundung aufzuzeichnen, sondern sich 
bald mit einzelnen Kernsprüchen der Prediger, die man gern in 
grtBfserer Anzahl zur Blumenlese vereinigt, bald mit Auszügen be- 
gnügt, in welchen wohl der wichtigste Gedankengehalt des betreffen- 
den Stückes niedergelegt, aber die Verbindung und Ausführung der 
Gedanken, die eine wirkliche Predigt erst ausmacht, mehr oder nn'n- 
der gespart wird. 

Wir haben nun von den bedeutenderen Zeugnissen der mystischen 
Predigtweise im Einzelnen zu handeln, und wir müfsen da zuerst der 
vielveibreilefen und vielbezeugten Sammlung gedenken, zu der unsere 
Stücke XLVI— XLIX und LIII— LVII gebeert haben. Man vergleiche 
hier die erste Abhandlung S. 263—268. Der Verfafser kannte, als 
er sie schrieb, die Haager und die S. Georger Handschrift nur aus 
dem Wenigen, das sich in Haupts Zeitschrift und in 31ones Anzeiger 
daraus und darid)er mitgetbeilt findet. Aber er erhielt nachmals durch 
Jonckbloet nadiere Kunde über den bdialt der Haager Handschrift, 
welche die Vermuthung, dafs auch hier die Sanunlung als Ganzes vor- 
liege, besta^tigte, und dieselbe Besta^tigung schöj)fle der Fortsetzer 
dieser zweiten Abhandlung bezüglich der in Karlsruhe aufbewahrten 



") Von dieser Art die in der ersten Abh. beschriebenen llss. ans l'"raneni<ifestern 
zu Zürich, Adehihansen n. Sarnen, ferner zwei aus dein Carlhänserkloster 
zu Basel (S. 272. 277) und eine aus der Benedictinerablei Engeiberg (S. 288), 
eine drille Rasier Hs. (S. 279), endlich die von dem Leutpriesicr Albrecht 
dem Kolben für die Frau des Sladlamuianns zu Feldkirch angefertigte (S. 262). 



ANONYME SAMMLUNG. 385 

S. Georger Handschrift. Wir besitzen also diese Sammlung, wenn 
auch nicht in überall gleicher Vollständigkeit, in nicht weniger als 
sechs Urkunden, abgesehen von den einzelnen Stücken aus ihr, die 
in sonstige Sammelhandschriften ünergegangen sind. Diese Urkunden 
verlheilen sich unter drei einander weit entlegene Mundarten: denn 
drei derselben wurzeln in allemannischer Erde, zwei in oesterreichischer, 
eine stammt aus einem Kloster bei Maastricht. Ihre Zahl und noch 
mehr ihre Verbreitung beweist, dafs wir es hier mit einem im 14. 
Jahrhundert w^^ithin beliebten und schon darum unserer Beachtung 
werthen Handbuche für klösterliche Erbauung zu Ihun haben. Für 
kloDsterliche Erbauung: denn der Gesichtskreis des Klosters ist fast in 
allen diesen Predigten deutlich erkennbar, während keine Spur über 
ihn hinausführt. Und zwar ist es ein Frauenklostcr gewesen, in wel- 
chem sie zuerst gehalten wurden, was aber ihre Benutzung in Männer- 
klcßatern nicht gehindert hat. Denn in der Handschrift Albrechts des 
Kolben (A) und in der Zürcherischen (Z), aus welchen die oben mit- 
gelheilten Stücke entnommen sind, finden sich die Bezüge auf eine 
weibliche Zuhoererschaft meistens getilgt: XLVI, 45 steht z. B. Heben, 
wo die S. Georger Handschrift liehen kint hat, und an mehreren 
Stellen liest man von Brüdern, wo dort von Schwestern oder von 
Jungfrauen die Rede ist: in zwei Predigten aber (LVI, LVll), damit 
uns ja kein Zweifel bliebe, war der Schreiber sorglos genug, das eine 
Mal die Schwestern in Brüder zu verwandeln und das andre Mal sie 
zu übersehen, ja sogar, wo er die Verwandlung vornahm, das gram- 
matische Geschlecht der Zahlwörter oder Pronomina bcstehn zu lal'sen. 
In der S. Georger Handschrift werden niemals männliche Zuhoerer 
vorausgesetzt, und nicht wenige Predigten bewegen sich auch so ge- 
llifsentlich in den bräutlichen Vorstellungskreisen des Hohen Liedes 
und des Buches Esther, dafs es einem seltsam vorkonnnen müsste, sie 
vor Männern gehalten zu denken. 

Die S. Georger Handschrift, obwohl nicht frei von Fehlern, nimmt 
unter den Quellen dieser Sammlung den ersten Rang ein; -ie kündigt 
das schon durch die Alterthümlichkeit ihrer Sprachformen und die 
Reinheit ihrer Schreibung an. Lesarten und Proben aus ihr findet man 
nebst ihrem Inhaltsverzeichnisse im Anhang. Sie ist leider am Ende 
verstümmelt, indem sie gleich nach Anfang des XXXVl. Stückes mit 
Blatt 108 abbricht; da sie bis dahin dieselben Stücke in derselben 
Reihenfolge wie Z enthält, wird sie wohl auch die vier in Z noch 
folgenden enthalten haben, welche die Vergleichung mit den andern 
Handschriften als zu der Sammlung gehcerig erweist. Auch im Texte 



386 ANONYME SAMMLUNG. 

steht Z der S. Geortfer Handselirifl verhältnissm?pfsig- nahe, indess die 
zu Wien (VV) und Kloster Neuburjr (N) schon weiter abweichen nnd 
A so^\(>hl wie die Haatrer Handschrift (H) sich orrolse Anslal'sunjTen, 
Kiirzniio^iMi und Freiheiten jeder Art gestatten. Die Reihenfolge der 
36 Stücke in SG und der 40 in Z findet sich dagegen bis auf eine 
Auslafsung und eine Einschaltung OvAdi Nr. 7 und 32), in A wieder, 
wahrend sie in WNH gründlich gestoprt isl, so jedoch, dafs sie bald 
in ^yN, bald in H eine Strecke weit doch wieder hervortritt und so 
auch hier ihre ursprüngliche Richtigkeit bewährt. Daraus folgt aber 
nicht, dafs SG und Z den ursprünglichen Bestand der Sammlung wirk- 
lich darstellen. Sechs der ihnen gemeinsamen Stücke (1. 8. 9. 11. 
12. 31) sind keine Predigten, sondern erbauliche Aufzeichnungen ver- 
schiedener Art: da ist es doch wohl kein Zufall, dafs diese bis auf 
eines nicht nur unter den 26 und 25 Stücken von WN. sondern auch 
unter den 47 von H fehlen. Aiulrerseils kann man nichl sacren. wie 
viele der Predigten in A und H, die sich in SG und Z nichl wieder 
fmden, wenn sie bckaunl wahren, sich diu'ch völlige Gleichartigkeit 
als ursprüngliche Bestandlheile der Sanuulung verrathen würden *). 
Findet sich doch das zweite Stück derselben in H als Nummer 46 vor, 
getrennt von den andern durch eine langt; Reihe von Predigten, die 
wenigstens den Handschriften, über deren Inhalt eine vollständige Ver- 
zeichnung vorliegt, fremd sind ""'*•"). 

Über Entstehungszeit und Heiuiath der Sammlung laefst sich etwas 
genauer Bestinunles nicht ermitteln. Der Schlufs, der S. 268 aus 
einer dort mitgetheillen Stelle auf die Entsteluingszeit gezogen wird, 
scheint mir trügerisch. Die Engel haben Christi schoene Menschheit 
wohl 1300 Jahre angesehen und sehen sie noch ebenso gern an. wie 
in der ersten Stunde do er ain gaft da waf: mit diesem da kat)n 
nicht die Erde, sondern nur der Hinunel gemeint sein, wo die M(;nsch- 
heit des Herrn nach seiner Himmelfahrt ein Ankönunliuo aus der 
Fremde war. Damit kfpmen wir denn nicht auf 1300, sondern auf 
1333. Aber wenn in A diese Z(!itbestinimung gema^fs der Gegen- 
wart nicht des Schreibers selbst, sondern eines seiner Vorganger be- 
richtigt erscheint, so bürgt uns nichts dafiu', dafs sie nicht schon in 
SG und Z auf einer solchen Berichtigung ruht; und dafs dem wirklich 



*) Dies Unit meines Kraclilciis Nr. XIJV dieses Buciies; auch \I>III nnH XLV 
Itönnlcn selir wollt dazn gehauen. 
■■■■-) Das Inhaltsvor/.eicfiniss der llaa^er Ilandsclirifl nacli Jonclvlijoels Anfzeictinnnp 
findet man im Anhanirc. 



ANONYME SAMMLUNG. 387 

so ist, darüber ifeslallcl die BeschafFenheit des sogenannten Bruch- 
stückes, das Mone Anz. 3, 183 bekannt orernacht hat, kaum einen 
Zweifel. Dieses Stück nimmt die erste Spalte eines rergamenlhlaltes 
ein, das anf die limenseile des Deckels der S. Georger Handschiill, 
ihrer ersten Seite gegenüber, autgeklel)l ist; auf der zweiten Spalte 
hat eine jüngere Hand noch vier Zeilen hinzugefügt, der Rest der 
Spalte sowie die Uiickseile des Blattes, soweit man sehen kaini, ist 
leer. Man sieht dafs hier iiiilit ein Überbleibsel (!iner Handschrift, 
sondern lediglicii eine Sehreibübuiig sich erhalten hat. Dieser kann 
aber nicht die Handschrift, mit ile. das Blatt \ereinigt ist, als Vorlage 
gedient haben, «lenii Sprachformen sowohl als Schriftzüge sind ailer- 
thümUcher, die letzteren von der Art, wie man sie im dreizehnten 
Jahrhundert zu finden gewohnt ist. Damit wird also eine entsprechend 
alte Handschrift unserer Samndung als Vorlage vorausgesetzt und das 
Werk selbst mit Wahrscheinlichkeit noch dem dreizehnten Jahrhundert 
zugewiesen. Bezüglich seiner Heiinath könnte die Schreil)erbemerkung 
am Ende der Wiener Handschrift irre führen: finitus eft Über illc 
per mantis Johannis dicti haller Conpilatus aulem per fratrem 
Petrum Magiftrnm Curie in Wienna venerabiliiim domnoritm De 
Gaminco (Hoffmann, Altd. Handschr. zu Wien S. 805). Denn wenn 
das Buch wirklich von einem Oesterreicher compiliert, d. h. aus ver- 
schiedenen Einzelaufzeichnungen zusammengestellt worden ist, so sind 
die Predigten, die seinen Inhalt bilden, morgen sie nun von Einem 
oder Mehreren herrühren, doch wohl auch in Oesterreich entstanden. 
Aber es waere wunderlich, wenn der Name des Sammlers so lange 
nach Herstellung des Buches, im Jahre 1363 noch wsere genannt 
word(3n, wahrend kein Name eines Verfafsors aus der Vergefsenheit 
em[»ortaucht. Compilatns wird in einem Beispiele bei Ducange vom 
Herstellen einer Gufswölbung gebraucht, und Diefenbach giebt für 
compilare neben fammeln auch die Bedeutung rolhringcn : Bruder 
Peler \var daher sicherlich nur der Schreiber, der das Buch dem 
groesten Theile nach anfertigte, während Johannes Haller es zu Ende 
brachte. Einen nnverwerüichen Fingerzeig über die Heimath des 
Werkes giebt dagegen das achtzehnte Stück in SG und Z durch fol- 
gendes Citat eines Bibelspruches : Sivenne ir den minneften gebot fe- 
ront. der an mich geloubit. fo wer ir bezzir. daz iv ain muliflain. 
an den rik were gehenkit. un in den rin icere gefenkit. Diese naive 
Verlauschung des Meeres mit dem Rhein war eben nur in seiner Nfehe 
denkbar. Um aber den Mittel- und Niederrhein auszuschliefsen tritt 
in Nr. 6 die Erwähnung des nur im Oberlande unter diesem Namen 



388 ANONYME SAMMLUNG. 

bekannten Föhnwindes hinzn : Deits ab auftrn iicnict — Er kumit 
von phönnvn — Bi der phönmin ift bezaichint daz kerce daz der 
minne eil hct. I)ü fönne ift warn, vh briiu/it den regen. Am 
Obcrrhoin also, nnd zwar im Ang-csicht eines Ministers, naeh der Stelle 
in 18 Gienge ick nf enz münftir. und fpninge har abe, hat unser 
Prediger gesprochen: dort sind, in ziemlicher Nachbarschaft, unsere 
beiden wiclifigslen Handschriften zn Hanse, von dort ist die Verbrei- 
tung des Buches nach Osten und Westen ausgegangen. Ich sage 
unser Prediger : denn es noethigt in der That nichts an eine Mehrzahl 
zu denken ; die Predigten haben unter einander die grneste Familien- 
iduilichkeit und sind schwerlich in etwas aiulerem verschieden als in 
der Länge und in dem was durch die verschiedenen Mafse der Aus- 
führung bedingt ist. Andrerseits könnte es freilich eine so wenig 
ausgebildete Individualittet der Behandlung, wie sie uns hier entgegen- 
tritt, bewirkt haben, dal's die Erzeugnisse von Nachtretern mit denen 
eines Vorgängers für unser Auge in eine unscheidbare Mnsse zusam- 
men rinnen. 

Im Äufseren der Anlage schliefsen sich diese Predigten sehr nahe 
an die Manier des ihnen heimathverwandten Grieshaberischen Predigers 
an. Wie bei diesem wird fast immer *) aus der Perikope nur ein 
Satz als Text entnommen; aber wieder aufgegeben ist die Verwerthung 
des Restes der Perikope : aus ihr wird nicht mehr wie dort die histo- 
rische Veranlafsung des Textwortes entwickelt, sondern gleich zur 
Abhandlung des ihm entnommenen getheilten Themas übero-egangen, 
wenn nicht etwa vorher ein in den Rahmen der Abhandlung nicht 
passender Gedanke zu kurzer Ausführung als Exordium sich aufdrängt. 
So z. B. im dritten Stücke der Sammlung. Hier ist der Text Luc. 
12, 26 Et vos similes hominibns expectanlibns dominum suum, 
quando revertalur a nupiiis, ut cum venerit et pulsaverit, statim 
aperiant ei; nach der Verdeutschung nnd einer kurzen Auslegung 
des Gleichnisses iührl der Prediger noch an was an denie ende de/' 
eicangelien steht: Sehini daz ir berait fint, wan ir enwifzent wenne 
aide welez lagef dez menfrhin kint kumil (Luc. 12, 40). Dies giebt 
denn Anlafs ausznfidu-en, warum Christus des Menschen Sohn heifst: 
wir alle sind zweier, er nur eines Menschen Kind ; und in die mensch- 
liche Natur zwang ihn die Minne, die uns hinwiederum zu Göttern 



-) Die einzige Aiisniihinc iiildcl die AinmDcialidnspredijil Nr. 21, die iliren 
Inhalt, die sieben infreiiden der Maria, aus der ganzen l'eriliope l.uc. 1, 26 
bis 38 zusammen liest. 



ANONYME SAMMLUNG. 389 

macht (Jüh. 10, 34). Dann erst wird aus dem Texte das Thema 
ofeliolt : die also ihres Herren Avarlen. sollen drei Ding-e haben, wollen 
sie sein warten wie es recht ist. Und hier zeig-t sich sofort an dem- 
selben Beisinel noch eine weitere Abweichung von der Weise des 
Grieshaberischen Predigers : denn die drei Dinge werden nicht vor 
Beginn der Abhandlung alle genannt, sondern diese beginnt gleich mit 
dem ersten und das zweite und dritte erfahren wir erst, nachdem das 
erste und zweite abgehandelt ist. Doch hat darin, wie er sich über- 
haupt fi-eier bewegt, der Prediger keine feste Regel und folgt gleich 
in der vorhergehenden Predigt auch der andern Weise: Conf'orlamhii 
in domino et in potent ia iiirtutis eins (E])h. 6, 10). Difii wart 
fprichit f. Paulus. Er fprichit ir fult ftarc fin in goltes tiigent. 
In difen icorten manot er uns vier dinge. Daz erfte ift daz wir 
ftriten fun. Daz- ander ift daz wir vns ze ftrite wcefmen fun. Daz 
dritte daz wir viende hain (befser im Verlauf der Abhandlung irer 
unfir viende fint). Daz vierde warnmbe wir ftriten fun. Und wie- 
der ebenso zu Beginn der Abhandlung des drillen Theiles: Wir han 
drigir handc viende. Ain rient ift der tieiiil. der andir daz vlaifch. 
der dritte du weit. Man sieht, unser Prediger giebt dem Grieshabe- 
rischen in der Kunst der Parlition und in deren ausgiebiger Anwen- 
dung nichts heraus; und der Leser kann aus den in diesem Buche 
vorgelegten Stücken Proben einer weit complicierteren Anlage ent- 
nehmen, als die eben angezogene Predigt sie bietet. Innig verbunden 
mit dieser Kunst und in der That eine Bedingung für ihre Wirksam- 
keit ist die andere, an Gegenstände, Eigenschaften und Vorgänge des 
Natur- und Menschenlebens die Lehre anzulehnen und somit durch 
die Partilion nicht den tra^gen Verstand, sondern die innner bereit- 
willige Phantasie anzusprechen. Lautet z. B. der Text Justum de- 
duxit dominus per vias reclas, so werden die Eigenschaften aufge- 
zählt, die zu einem guten Wege gehoeren, naMnlich hell, eben, rein- 
lich und gerade: der rechte Weg wird sodann auf das geistliche Leben 
und die vier Eigenschaften auf vier begrilfsverwandle Tugenden dieses 
Lebens gedeutet. Meist sind es einzelne Theile, die in dieser Weise 
angelegt werden, aber auch ganze Predigten '^) ; und der dichterische 
Glanz, der über dieser Prediglweise liegt, hat hier naschst dem Ge- 



*) Das anspruclivollsle, nidil das gliicklicliste Beispiel ist der Paimbaum (oben 
XI>VI), weil zwisclien Bild und Sache oft nur eine vvillluiriiche Beziehung 
statt findet und das (Jan^e zu wenig logisch beinerstert ist. Wie viel glück- 
licher die nur in A vorlindliche, aber völlig geistesverwandte Predigt von 
der Seele als Kloster (oben XMII). 



390 ANONYME SAMMLUNG. 

hraiuli der Typen seine llau|»t(|uelle. Die Partilion wird übriifens 
nicht iininer. wie bei Griesliahers Preilioer. aus dem Texte logisch ab- 
geleitet. Sie kiiiiii bereits in dem Texte selbst liegen, so dals die 
Abhandlung, allcüdrisch gewendet oder nieht. sich ihm unmittelbar an- 
scldielst. Entweder sind daini im Texte mehrere «•leichartiiii' Diny»' 
o(h'r Thalsacheii erwiiinit. wie oben XLVl und LVII, und wie in 
Nr. 28 der Sammlung die drei schoMien Tochter Hiobs (Job 42, 14. 
15): da bedeutet der geplagte Hiob den gemarterten Heiland und 
die Töchter dreierlei Kinder, die unser Herr im Kloster hat, deren 
Eigenschaften zu den Namen der Töchter in Beziehung gebracht und 
der Reihe nach abgehandelt werden. Oder die Salztheile des Textes 
geben die Themen für die einzelnen Theile der Abliandlnug, wie oben 
XLVIl \\\u[ liill und wie z. B. in Nr. 20 der Sannnlung idjer den 
T(!xt lila antem que fiirfvm eft, iherufaleiu libera ef't, ijue ej'l inaler 
nofha, der folgende' Parlition ergiebt : 1 j sie liegt hoch und ist daher 
siclun', 2j sie ist vridebaere (wegen des im Namen Jerusalem hegen- 
den Wortsinnes*), 3) frei, 4) unsre Mutter; und alle diese Aussagen 
werden dann zuerst auf die Christenheit und ihre Blülhe. das o-eislliche 
Leben, demnächst auf das Himmelreich angewandt. 

Groefsere Freiheit also, groefserer Fonnenreichthum in Behandlung 
des Textes erscheint auf Seiten des jüngeren Predigers im Vergleich 
mit der strengen Methodilv des alteren. Dahin gebeert auch der ein 
paar Mal angewendete subsidiarische Text, von dem man ein Beispiel 
oben in XLVl hat : es wird eine dem Text verwandle, ihn erläuternde 
und für die Behandlung ausgiebigere Schriflstelle trloich von vornherein 
augezootüi inid aid' dies»; daini. nicht auf die der Perikope entnom- 
menen Worte die Partilion begriuidet. Dals aber dw. Predigt vom 
Palmbauu) (oben LVi), wie so manche bei Berthold, di'^ Textes ganz 
entbehil ist wohl nur Schein : denn die NVorte Dui afcendam in 
palmam (Cant. 7, 8), die irleich v(n*nen in der Einleitung vorkommen, 
iWerden an der Spitze des Ganzen nur durch Zufall fehlen. Die Stücke 
d(;r Sammlung, die wirklich keini-n Text haben, sind in d<M- That keine 
Predigten, sondern kleine Tractate. 

Gruifsere Freiheit ^ili denn auch in Anwendung der Exhortatio, 
die nach vollendeter Abhandlnriü der Theile dn\ Schlufs des Ganzen 



') Über diese Manier, aus dem Worlsinne der Eigeiinainen Allegorien zu ent- 
nehmen, die hier eine weil gra-lsere Holle als bei dem Grieshaberischt-n 
Prediger spielt und bei meliriiiclu'iii Worlsiiin sogiir l'urlilionen ergiebt, siehe 
Grieslibber 2, XXV. 



ANOiNYME SAMMLUNG. 391 

bildet. Sic fehlt bei dem Griesbaberischen Prediger, wenn sie auch 
meist nur sein* kurz ist, äulsersl selten, sie beginnt bei ihm mit der 
stehenden Formel Nu hillent hiute den zarten (oder süezen') got und 
sieht meistens zu dem Gesannntinlialte der Predigt in einem logischen 
Verhältnisse; bei unserem Klosterprediger iehll sie olmgefahr so oft 
als sie sich findet, ist durch keine siehende Anfangsformel bemerklich 
gemacht und wächst lediglich aus dem lelzten Theile der Abhandluuir 
hervor. Merkwürdiger Weise scheint ihm die altherkömmliche gebet- 
arlige Schlulsformel, in welche bei dem Grieshaberischen Prediger bis 
auf verschvvindeiule Ausnahmen die Exhorlatio immer verlauft, sogar 
ganz fremd zu sein: denn sie findet sich niemals in der Sanct Georger 
Handschrift, auch nicht in der Predigt Hec eft volunlas dei, an deren 
Schlufse wir oben LIV, 265 nach Z die Worte lesen : daz wir duz 
l'clwwen werden dez helfe vnf yot ameN. 

Mit dem allem steht es in Übereinstimmung, dafs ganz besonders 
in der rednerischen Ausführung der Theile selbst ein ForlschriU zu 
freierer Bewegung ersichllich ist. Sie hat bei dem Grieshaberischen 
Prediger etwas ganz Schablonenhalles : zu jedem Theile bringt er regel- 
maefsig mindestens eine Erzählung, sei es aus der Naturgeschichte, 
aus der alten oder -aus der neuen e, sei es Typus, Beispiel oder Be- 
weis; ist es ein Typus, so folgt regelmsefsig, durch eine rhetorisclu! 
Frage eingeleitet, die Ausdeutung der bezeichenunge. Da diese so 
zahlreichen Erzählungen in weit überwiegender Mehrzahl aus der h. 
Schrift genonnnen sind, so gewinnt dadurch die Predigt dieses Mannes 
geradezu den Charakter eines Unterrichtes in dem was wir biblische 
Geschichte nennen, und man darf nicht zweifeln dals es bei ihm be- 
wusstes System war, mögUchst viel vom historischen Inhalte beider 
Teslamenle, durch die allegorische Auslegmig für das Leben nutzbar 
gemacht, unter die Gemeinde zu bringen. Unser Klosterprediger weifs 
von solcher schablonenhaflen Regelma-fsigkeil nichts : es verschlangt ihm 
nichts, seine Theile ganz ungleichmjefsig auszuführen, ja es ist eine 
beliebte Methode bei ihm, einen oder mehrere nnt wenigen Worten 
abzuthun und erst den letzten durch eine neue Partition, und in dieser 
wieder den letzten durch eine neue, zum eigentlichen Gegenstand der 
Abhandlung zu machen; wovon sich oben eine Reihe Beispiele findet. 
Sorglos verliert er sich anderswo in lange Excurse. Auch er ist mit 
biblischen Erzählungen, die bald als Beispiel, bald als Typus ange- 
wendet werden, nicht sparsam, und er macht daneben mehr als sein 
Vorgänger Gebrauch von der Geschichte der Heiligen nnd von anderen 
erbaulichen Erzählungen sowie von Gleichnissen aus dem Natur- und 



392 ANONYME SAMMLUNG. 

Mensrhcnloboii "'•■) ; nl'cr alles dies in zwanglosester Weiso. Und alles 
(lies tritt zurück hinter einem Elemente, das sich l)ei den Früheren 
und auch bei dem (irieshaherisciien Prediger nur in bescheidenem 
Mafse gellend machte, hier aber nur in den kleinen Predigten am 
Schlulse der Samndung gespart wird, hinter dem biblischen und patri- 
stischen Uitat. Also neben den Erzählungen aus di'r Bibel ein vor- 
wallendes Beibringen von Gedanken aus ihr, also auch eine ausoicbigere 
Berücksichtigung (hu* Proiiheteu, Psalmen uiul apostolischen Briefe als 
der historischen Bücher: um des Hohen Liedes, dieser Fundgrube 
erbaulicher Liebestandelei, nicht zu gedenken. Mehr Raum aber als 
die Bibel ninunt die Anführung der Kirchenlehrer ein. Da begegnen 
uns Origenes und Dionysius und Joliannes Damascenus. Hieronynuis 
und Gregorius, Hilarius, Isidorus, B(Hla und Anshelmus, aber vor allen 
hihifig und umfänglich Augustin uml Bernhard: oll auch namenlos ain 
hailige, ain lerer, ain icise man. Von heidnischen >h'istern kennt 
und ehrt der Prediger den Seneca, der wohl auch gemeint ist, wenn 
nur ain haiden citierl wird. Hier wird also eine wesentlich theo- 
logische Unterweisung statt der schlicht biblischen bezweckt, und sie 
ist dem Prediger so sehr Hauptsaclu», dafs im Eifer der Quellenaus- 
beulung seine eigne Rede, obgleich ihr eine schöne Fülle und ein 
bewegter Ton zu Gebote steht, oft trocken und dürHig wird. Denn 
was er selbst zu sagen hat ist freilich gerade in theologischer Be- 
ziehung wenig genug: er ist weder ein productiver noch auch nur 
eni scharfer Denker. Er setzt sich wohl mit seinen Zuluprern dialek- 
tisch auseinander, indem er ihnen mit solchen Wendungen wie nu 
merkint, ir fprcchint wie dem, wcere, oder mi mehtint ir fprechin, 
nu mehtift du fprechin wahrscheinliche Einwürfe oder Missverständ- 
nisse in den Muml legt, um dieselben dann zu widerlegen od(>r auf- 
zukliPren : aber er hefst sich kaum jemals auf Widerlegung oder Ab- 
waegung theoretischer Ansichten ein : die greisen Lehrer, die er citierl, 
geben ihm nur Belege für seine eignen Sätze und ersetzen ihm deren 
eigne Ausführung, (ierade diese Entfallung einer reichen Belesenheil 
bei grofser eigner Zurückhaltung des Verfafsers wird das Buch em- 
pfohlen und seine weile Verbreitung veranlafst haben, indem es Kh>ster- 
leulen und Conversen als eine Chrestomathie aus den für das geist- 



■■) Man sehe z. B. die Gleictiiiisse von der Sonne und dem bewegten Wafser 
und das vom Fischtang in den beiden ersten im Anluing niitgetlieiltcn Pre- 
digten : die drille bewegt sich fast ganz in Gleicluiissen und in'innil sogar 
ihre l'artilion datier. 



MCOLAUS VON STRASSßURG. 393 

liclie Leben wichtig.slen Schriftslellern dienen konnte. Und da ist es 
denn bezeichnend, dafs nnler diesen der mystische Angiistin und der- 
jenige, der vor allen neueren Kirchenlehrern das mystische Gebiet 
Truchtbar angebaut halte, S. Bernhard die bevorzugten sind, wahrend 
bei dem Grieshaberischen Prediger der nüchterne Räumen' Gregorius 
weitaus die Hauptrolle spielt. Ohne den mystischen Gedankenvorrath 
aus eignem Vermopgen writer zu entwickehi, ohne gar von der asce- 
lischen Mystik, wie sie Bruder DaAid in der deutschen Lilteratur ein- 
gebürgert hatte, einen Schritt zu der speculativen zu thun, zeigt sich 
unser Verüifser gleichwohl durch und durch mystisch angeregt, und 
die Ausführung der seligen Empfindung mit Gott eins zu sein ist es 
immer, was seine Beredsamkeit am ergiebigsten entfefselt, was ihm 
(wie in der Predigt Elegit eam deus im Anhang) den Kothurn der 
Prosopopa^ie leiht, wenn er in seiner eignen Person nicht reich, nicht 
innig, nicht glühend genug zu sprechen wüsste. 

Was die ethische Seite seiner Predigt anlangt, so ist sie natür- 
lich ganz und ausschliel'slich nach dem geistlichen Leben hin gerichtet. 
011 genug bildet dieses Leben im Allgemeinen ihren Gegenstand, und 
die einzelnen practischen Lebensfragen auf die sie eingeht liegen 
alle auf diesem Gebiete. So findet sich wiederholt (auch oben LIM, 
145 fgg. LIV, 78 fggO fJ'e Warnung vor Absonderung von der 
sainenunge durch eigenmächtige über die Regel hinausgehende Schär- 
fung der Disciplin ; andere Predigten eifern geg^n übertriebene Schätzung 
des Contemplierens (Z und SG 20), der Gesichte und Offenbarungen 
(21), gegen die falsche Demuth, die sich glaubt Ehrenämtern ent- 
ziehen zu müfsen (13. 21); wiederum anderwärts finden sich An- 
weisungen wie Ärgerniss bei den Mitschwestern zu meiden sei (18) 
und wann Übertretungen derselben zu rügen seien, wann nicht (18. 
20): alles in einem gesunden, mafsvollen und practischen Geiste, wie 
er geeignet war, die damalige Blülhe des Klosterlebens vor Entartung 
zu bewahren. 

Gleich hinter diesem Werk eines Unbekannten treten uns nunmehr 
um i\e\\ Beginn des vierzehenten Jahrhunderts zwei gefeierte Namen 
entgegen, zwei Richtungen bezeichnend, in welchen sich die mystische 
Predigt der Natur der Sache nach weiter entwickeln konnte: eine in 
kirchlich conservativem Sinn zur Scholastik ablenkende und eine in 
die letzten Consequenzen des mystischen Princips weiter führende. 
Es sind die Dominicaner Nicolaus von Slrafsburg und Eckard. 

Wii- wifsen nicht welcher von beiden der ältere war, und wir wifsen 
auch sonst vom Bruder Nicolaus nicht viel: dafs er aus Strafsburg stammte, 
Altd. Predigten. 26 



394 iMCOLAUS VON STRASSBURG. 

dafs er Lector in Köln war, aber am Oberrlicin predigte, sagen die 
Handschriften aus denen wir ihn kennen. jSiir an einem Punkte fallt 
ein Licht auf seine Laufbahn, da wo sie sich mit der seines groefseren 
Genofsen betU'utuugsvoU kreuzt. Im Jalir 1326 war Nicolaus pa^bst- 
licher Nuncius zur ßeaufsiciitigung der deutschen Provinz des Prediger- 
onlens und in dieser Eigenschaft mit der Untersuchung gegen den 
der Ketzerei bezichtigten Eckard beauftragt : und wir wifsen aucli, 
dafs er keine Schuld an ihm fand, vielmehr in dem vom Kölner Erz- 
bischof 1327 wieder aufgenommenen Processe ihm als Yertheidiger 
zur Seite trat und selber nur durch Appellation an den Pabst dem 
gerichtlichen Verfahren entgieng, das die In{|uisitoren des Erz- 
bischofes auch gegen ihn eröffneten (s. Preger Meister Eckharl und 
die Inquisition, München 1869; und Germ. 14, 377). 

Wir besitzen von ihm aus sechs Handschriften im Ganzen dreizehen 
Predigten (bei Pfeiffer D. Myst. 1, 261—305). Zu Sachsen derselben 
giebl die S. Galler Handschrift Ort und Zeit an : es waren Fasten- 
predigten zu Freiburg im Breisgau gehalten, eine im Predigerkloster, 
die andern in Frauenkloestern daselbst. Leider ergiebt eine genauere 
Betrachtung, dafs wohl keine einzige getreu so vorliegt wie sie ge- 
halten war : nicht nur dafs sie vielfältig gekürzt oder zusammengedrängt 
sein müfsen, wie schon der geringe Umfang des dritten und der feh- 
lende Anfang des vierten Stückes erkennen Isefst, es zeigt sich auch 
dafs Stellen aus anderm Zusammenhange da eingeschoben sind, wo der 
Aufzeichner gerade darauf geführt wurde sich ihrer zu erinnern *). 
Beiderlei Verfahren, die Auslafsung wie die Einschiebuug. kann sich 
in den so vielfach zu bemerkenden Mängeln der Gedankenverbindung 
sowohl wie in dem er sprach ouch, er seile ouch, womit der Auf- 
zeichner seinen Prediger mehrmals unterbricht, verrathen; und wenn 
der letztere selbst, wie 278, 12. 27. 305, 12, etwas Neues mit der 
trockenen Formel ich spriche ouch anzuknüpfen scheint, so ninunt 
darin vielleicht nur der Aufzeichner die erste Person als Maske vor. 

Aus einer so mangelhaften ('berlieferung können wir gleichwohl die 
Züge zusammenlesen, aus denen sich ein bedeutendcjs und anziehendes 
Bild der Predigtweise dieses Mannes ergiebt. Zeigt sich in den Pre- 



") Nr. I ist, wie die S. Galler Übersclirifl angiebt, bei den Predigern zu Frei- 
burg getiallen und die Stelle 262, 5 were ich aber priol iit discni 
kloster wa?re in einem Frauenkloster nicht am Platze gewesen : dennorli 
begegnen wir 263, 5 derselben Gebetsfonnel, die der Hedner in zwei andern 
Predigten 272, 16 und 283, 29 seinen Zuho-ierinnen in den Mund legt: 
ich bi» ein leiviu stniderin, mache mich ein hitzige minnerin. 



NICOLAUS VON STRASSBURC. 395 

digten der vorhin besprochenen Sammlung der gelehrte Ascetiker, der 
eine Fidle erbaulicher Citate aus reicher Belesenheit vor seinen Hoßrern 
auszuschütten weil's, ja auch der Kenner wifsenschafllicher Theorien, 
wie sie in der Predigt Slephanus autem plenus mehrfach angerührt 
werden, so sehen wir hier den theologischen Denker, der seinen Stoff 
wifsenschafllich beherscht und sich berufen fühlt, die Einfältigen nach 
Mcpglichkeil und Bedürfniss in die Fragen seiner Wifsenschafl einzu- 
führen, deren Ergebnisse für ihr Bewusstsein fruchtbar zu machen. 
Nicht als ob durch ein rein theoretisches Element die practisch er- 
bauliche Hauptaufgabe der Predigt zurückgedrängt würde ; wie herz- 
lich weifs er z. B. in der dritten die Gewifsensnoth der angefochtenen 
Seele zur Ruhe zu sprechen. Indem Nicolaus zu dem Verstände der 
Hcercr spricht, indem er die theologischen Hauptfragen, wie man 
Schuld ablegt und wie man Lohn erwirbt, zertheilt und casuistisch 
ausführt, ist er sich bewiisst, mit seiner scholastischen Weisheit dem 
religioes-sittlichen Leben, und auch dem der milzuhoerenden weltlichen 
Leute (s. 274, 11 fgg.) ganz unmittelbar zu dienen. Neben diesen 
wesentlich practischen sind es dann allerdings auch psychologische 
und sonst speculative Fragen, auf die er sich durch seinen Text 
führen laefst. In der zweiten Predigt besteht dieser z. B. in der Bitte, 
die der reiche Mann der Parabel aus der Hölle an den Vater Abraham 
richtet, und die Auslegung besagt dafs er darum von Lazarus nur mit 
der Spitze seines Fingers erquickt zu werden bat, weil er wusste, dafs 
schon davon seine Bitterkeit in Süfse des ewigen Lebens verwandelt 
werden wlirde, dafs er aber die Labung für seine Zunge erbat, weil 
er mit der Zunge gesündigt hatte; dies führt nun zu der Frage, wie 
denn Lazarus einen Finger und der reiche Mann eine Zunge haben 
könne, so sie doch Geister seien, und demnaechst zu einer Ausführung 
über die geistliche kraft in dem Menschen, die allen Sinnen ir icerc 
giebt und die Sinnesorgane überdauert. Bei solchen Erörterungen 
erscheinen denn auch bereits einzelne jener philosophischen Kunstaus- 
drücke, welche die deutschredende Mystik zum Theil zu dauerndem 
Gewinn in unserer Sprache geprägt hat, wie gegenwurf für Object, 
weselich und zuovallende für substantiell und accidentell. Gedanken 
der eigentlich mystischen Speculation schlagen indessen nur hie und 
da durch, genug um zu beweisen, dafs Nicolaus mit ihnen vertraut ist-*^): 

•■) Z. B. in der Ausführung 286, 28 fg^. : ewiges Leben liegt nicht daran, dafs 
wir Gott sehen, als er an ime selber bildecUche ist, sondern als er mit 
uns vereinelisl und ivir milime; wan ein geisllichiu kraß ist gegeben mime 
yemüele^ in der kraß ist gol als ein, daz er sich selben drinne sihel; da 



396 NICOLAUS VON STKASSBl'RG. 

aber es scheint als hielte er die Kanzel nicht für den Ort um sie aus- 
zuführen oder in ihre liieurelische Conse(|uenz zu veriolüvn. Daiiegen 
kehrt mehrmals und mit oiorenlhündichem Nachdruck der Gedanke wieder, 
der zweihundert Jahre spa'tcr das trcibendi' ^lunienl der Rtdornialion 
werden sollte, die Rechll'erliiiung allein durch den Glauben. Nicht in 
der Weise, dafs die von der Kirche und von der Scholastik empfoli- 
leneu Wege neben diesem Weg verv\orfen Würden: aber wer ihn zu 
iinden wifse, der bedürfe keines andern und komme auf ihm weiter 
als auf jenen allen (s- 275. 15. 282. 10. 283, -2ä. 287, 17). 

Bruder Nicolaus hat das mit den Predigern seit Berthold gemeiii, 
dafs er nicht die ganze Perikojjc, sondern, wie er sich ausdrückt, 
ein Wörtelia aus derselben seiner Predigt als Text zu Grunde legt. 
Aber er predigt gleichwohl mitunter über die ganze Perikope und er 
macht darin, wenn man will, einen Kiickschrilt. dafs er dem Texte 
nicht, wie seine ufechsten Vorgäntjer. ein einheitliches Thema ent- 
nimmt und dieses in Tlicile zerlegt, dafs er auch nicht den Inhalt d(\s 
Textes mittelst einer schon in ihm aegebenen Partition systematisch 
ausschöpfl, sondern wieder wie die Früheren in der Weise der Ho- 
milie Satz für Satz oder Wort für Wort des Textes auslegend be- 
gleitet. Diese Auslegung, bei der natürlich die willkürlichste Allegorie*) 
ihre herkömmliche Rolle spielt, giebt aber dem Prediger Gelegenheit, 
die scholastischen Fragen aufzuwerfen. deren Er()rterung sein Hau