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J. B. LIPPINCOTT COMPANY
Dictionary Library
^^Q, Shelf JAN I51906
^303
\
SAMMLUNG
GERMANISCHER
ELEMENTARBÜCHER
UNTER MITWIRKUNG VON
Prof. Dr. Karl v. BAHDER, Prof. Dr. K. D. BÜLBRING, Prof.
Dr. Max FÖRSTER, Prof. Dr. F. HOLTHAUSEN, Prof. Dr.
G. HOLZ, Prof. Dr. B. KAHLE, Prof. Dr. A. LEITZMANN,
Prof. Dr. E. LIDEN, Prof. Dr. V. MICHELS, Dr. E. WADSTEIN
HERAUSGEGEBEN
VON
Dr W. STREITBERG,
A. O. PROFESSOR DER VGL. SPRACHWISSENSCHAFT UND DES SANSKRIT
AN DER KGL. AKADEMIE IN MÜNSTER I. W.
I. REIHE: GRAMMATIKEN.
3. ALTISLÄNDISCHES ELEMENTARBUCH.
-§-#»-3--
HEIDELBERG.
CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG.
1900.
ALTISLÄNDISCHES
ELEMENTARBUCH.
Von
Dr B. KAHLE,
A. O. PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT IN HEIDELBERG.
HEIDELBERG.
CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBÜCHHANDLUNG.
1900.
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Alle Rechte, besonders das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen,
werden vorbehalten.
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Vorwort.
V
Schon vor zwei Jahren habe ich die Bearbeitung des
altisländischen Bandes dieser 'Sammlung von Elementar-
büchern der altgermanischen Dialekte' übernommen, was
ich um so lieber gethan habe , als es sich mir als
wünschenswert erwiesen hatte, dem Anfänger eine kürzere
Darstellung der altisländischen Sprache in die Hand zu
geben, als sie die zweite Auflage von Noreens altisländischer
und altnorwegischer Grammatik darbietet. Inzwischen
sind Noreens Abriß seiner Grammatik und Holthausens
Elementarbuch erschienen. Da sich nun mein nach dem
Plan der Sammlung bearbeitetes P^lementarbuch von beiden
nicht unwesentlich unterscheidet, so darf ich wohl hoffen,
daß auch dieser Band der Sammlung sich nützlich er-
weisen und neben jenen seinen Weg finden wird.
Was den von mir verarbeiteten Stoff betrifft, so beruht
er, wie es ja natürlich ist, im wesentlichen auf der No-
reenschen Grammatik und den Materialsammlungen von
Wimmer, doch habe ich mich bemüht, auch die nach dem
Erscheinen von Noreens Grammatik herausgekommene
grammatische Litteratur möglichst herbeizuziehen. Auch
neues, eigenes wird man hie und da finden. So darf ich
in dieser Beziehung wohl besonders auf meine Darstellung
der Umlautsperioden verweisen; die Einreihung von Fällen
wie bryllaup (§ 127 Anm. 1) danke ich brieflicher Mitteilung
von A. Kock, der inzwischen im Ark. f. n. f. XII, 249 ff.
eine im wesentlichen mit der meinen übereinstimmende
Darstellung veröffentlicht hat. Für meinen dritten Haupt-
teil, in dem ich keine systematische Darstellung der Syntax
VI Vorwort.
zu geben beabsichtigte, sondern nur einige der wichtigern
Regeln in möglichster Kürze hervorheben wollte, konnte
ich die betreffenden Abschnitte von Holthausens Elemen-
tarbuch noch benutzen. Die Beispiele habe ich nach Mög-
lichkeit den Lesestücken entnommen, sonst beruhen sie
im wesentlichen auf Lunds Materialsammlung.
Einige Worte über die Orthographie dürften noch not-
wendig sein. Auf Wunsch des Herausgebers sollte die
Orthographie der Noreenschen Grammatik beibehalten
werden. Dies ist denn auch geschehen und persönliche
Neigungen, wie z. B. die durchgängige Anwendung von þ
für die stimmhafte wie stimmlose Spirans, mußten unter-
drückt werden. Im Glossar herrscht dieselbe Schreibung,
auch für die Wörter der Lesestücke, die sich in diesen
selbst zum Teil in anderer Form finden. Aber hier war
Einheitlichkeit geboten. Der Leser wird beim Aufschlagen
der Wörter sich die Veränderungen, besonders der End-
vokale und des Wandels von ó zu é ins Gedächtnis rufen
müssen. Hinsichtlich der Orthographie der chronologisch
geordneten Lesestücke ist noch folgendes zu bemerken.
Obwohl ich sonst kein Freund von Normalisierungen bin,
schien es mir in diesem Fall, wo es sich darum handelte,
Anfängern einige leichte Lesestücke zu bieten, doch not-
wendig, solche vorzunehmen und ihnen besonders die
Schwierigkeiten einer mehr oder weniger ungeregelten
Orthographie zu ersparen. Auch erschien es wünschens-
wert, die Orthographie der Lesestücke im wesentlichen in
Übereinstimmung mit der der Grammatik zu bringen. Dies
habe ich denn auch versucht, bin aber dabei bemüht ge-
wesen, an dem sprachlichen Charakter der Stücke
nichts zu ändern und möglichst die Entwicklung
der isländischen Sprache zum Ausdruck zu
bringen. So habe ich in dem ersten Stück z. B. i und u
in Endungen in den wenigen Fällen, in denen sie vor-
kamen, beibehalten. Hier habe ich ferner immer þ ge-
schrieben, da diese Handschrift wohl mit am konsequen-
testen in der durchgängigen Anwendung dieses Buchstabens
Vorwort. VII
ist. Sonst bin ich in diesem Punkt der Grammatik ge-
folgt. Im zweiten Stück stehen noch e und o in den
Endungen, aber in den schweren Ableitungssilben i und u,,
also Ketill und konungr. Ferner habe ich hier wie in den
folgenden Stücken die Schreibung von z durchgeführt ; es
wird für den Anfänger eine gute Übung sein, sich die
verschiedenen Lautverbindungen , aus denen das z ent-
standen ist, klar zu machen. Das dritte Stück hat im
wesentlichen dieselbe Schreibung, wobei ich der Recht-
schreibung der Kringla gefolgt bin, wie sie uns die von
Jónsson herausgegebenen Bruchstücke zeigen ; zu bemerken
ist dabei besonders, daß im suffigierten Artikel i steht.
Die beiden letzten Stücke haben i und u in den Endungen,
é für 0, d für 6, ferner z statt sk im Mediopassiv.
Ich will nicht schließen, ohne noch meinen Freunden,
Prof. H. Wunderlich und Dr. L. Sütterlin, meinen Dank
ausgesprochen zu haben für wertvolle Ratschläge, letzterem
auch für seine Hilfe bei der Korrektur.
Heidelberg, März 1896.
B. Kahle.
VIII
Inhalt,
Einleitung.
Seite.
Erstes Kapitel. Litteraturangaben (§1—17) .... 1—6
Zweites Kapitel. Stellung des Altisländischen (18—20) 6 — 8
Drittes Kapitel. Quellen (21-24) 8-10
Erster Hauptteil: Laut- und Akzentlehre.
Viertes Kapitel. Alphabet und Aussprache .... 11—18
Vorbemerkung (25). — A. Einzellaute. I. Vo-
kale (26— 37).— II. Konsonanten (38-50). — B. Silben
(51. 52). — C. Betonung (53—57).
A. Vokalismus. Fünftes Kapitel. Die germani-
schen Vokale im Altisländischen 18—30
I. In haupttoniger Silbe. A. Die kurzen Vokale:
a (58—61). e (62-66). i (67—70). o (71. 72). u
(73—75). — B. Die langen Vokale: ä (76-78). œ
(79—81). e (82). I (83—85). ö (86. 87). ü (88-90).
C. Die Diphthonge: ai (91—93). au (94— 96). eu (97
bis 101). — IL In nichthaupttoniger Silbe. A. Die
kurzen Vokale: a (102). e (103— 105). i (106). o (107).
u (108). — B. Die langen Vokale: ä(109). «(110—112).
e (113). l (114). ð (115. 116). ü (117). — C. Die
Diphthonge: ai (118. 119). au (120). eu (121).
Sechstes Kapitel. Vokalschwund (122—124) .... 31-33
Siebentes Kapitel. Brechung. Chronologisches (125) 33—34
Achtes Kapitel. Umlaute 34—39
I. Palatale Umlaute: 1. i- Umlaut (126). Chrono-
logisches (127). 2. «-Umlaut (128). 3. «?-TJmlaut (129).
— II. Labiale Umlaute: 1. w-Umlaut (130). Chrono-
logisches (131). 2. lo- Umlaut (132). Chronologisches
(133).
Neuntes Kapitel. Sonstige Vokalveränderungen . . . 39—41
I. Kontraktion (134—138). — IL Dehnung (139
bis 142). — III. Kürzung (143. 144).
Inhalt. IX
Seite.
Zehntes Kapitel. Ablaut 41—43
Vorbemerkung (145). — a) Ablaut der Wurzel-
silben (146 — 153). — b) Ablaut in Suffixen (154. 155).
B. Konsonantismus. Elftes Kapitel. Die ger-
manischen Konsonanten im Altisländischen . . . 44—57
p (156. 157). t (158—160). Js (161 — 163). ð
(164—167). #(168—173). «(174—179). j (180-185).
/•(186—190). /(191—196). s (197. 198). ft (199— 204).
m (205—210). n (211—216). I (217-219). r (220.
221). i (222—224). U (225-228).
Zwölftes Kapitel. Sonstige Konsonantenveränderungen. 57—59
I. Konsonantendehnung (229). II. Konsonanten-
kürzung (230— 232). III. Konsonantenausstoßung (233).
Zweiter Hauptteil: Formenlehre.
Erster Abschnitt: Deklination.
Dreizehntes Kapitel. Nominaldeklination 60-77
I. Vokalische Stämme. 1. a-Stämme (234): a) Reine
«-Stämme (235 — 242). b) m-Stämme (243). a)ta-Stämme
(244). ß) ia- Stämme (245—247). c) ua- Stämme
(248—250). — 2. ö-Stämme (251): a) Reine ö-Stämme
(252—256). b)?ö-Stämme(257). a)?'ö-Stämme(258— 260).
ß) lö-Stämme (261. 262). c) uö- Stämme (263. 264).
— 3. i-Stämme (265—270). — 4. w-Stäinme (271—274).
— II. Konsonantische Stämme. 1. n-Stämme (schwache
Deklination): a)an-Stärnme (275). a) Reine an-Stämme
(276—279). ß) jaw-Stämme (280. 281). y) n«n-Stämine
(282). b) ön-Stämme (283). a) Reine ön-Stämme (284.
285). ß) i'ön-Stämme (286). y) ««ön-Stämme (287).
c) in- Stämme (288 — 291). — 2. Nicht auf -n ausgehende
konsonantische Stämme: a) Einsilbige Stämme (292
bis 297). b) r- Stämme (298. 299). c) ná -Stämme
(300—302).
Vierzehntes Kapitel. Pronominaldeklination .... 77—86
l.Personalia: a) Geschlechtslose (303. 304). b) Ge-
schlechtige (305). — 2. Possessiva(306— 310). — 3. De-
monstrativa (311 — 316). — 4. Relativa (317). — 5. Inter-
rogativa (318. 319). — 6. Indefinita (320-326).
Fünfzehntes Kapitel. Nominal-Pronominaldeklination
(Adjektiva) 86—98
Vorbemerkung (327). — A. Starke (vokalische)
Deklination(328— 330). 1. Reine a-, ö-Stämme (331—335).
— 2. ia-, fö-Stämme (336. 337). — 3. iia-, wö-Stämme
X Inhalt.
Seite.
(338. 339). — B. Schwache (konsonantische) Deklina-
tion: Vorbemerkung (340). — 1. Positiva und Super-
lativa (341—343). — 2. Komparativa und Partizipia
Präs. (344). — Anhang 1: Komparation. A. Adjektiva
(345—350). B. Adverbia (351. 352). — Anhang II: Die
Zahlwörter. A. Kardinalzahlen (353—360). — B. Or-
dinalzahlen (361—363). — C. Die übrigen Numeralia
(364—368).
Zweiter Abschnitt: Konjugation.
Sechzehntes Kapitel. Einteilung der Verba und Tempus-
bildung 98—110
I. Starke Verba : a) Ablautende Verba. Klasse I.
(369). Klasse IL (370-372). Klasse III. (373-377).
Klasse IV. (378. 379). Klasse V. (380). Klasse VI.
(381—383). — b) Reduplizierende Verba : 1. Verba
mit erhaltener Reduplikationssilbe (384). — 2. Verba
mit geschwundener Reduplikationssilbe : Klasse I.
(385). Klasse II. (386). Klasse III. (387). Klasse IV.
(388). — II. Schwache Verba : Vorbemerkung (389).
— Klasse l.(ian- Verba) (390). a) Kurzsilbige (39 1—393).
b) Langsilbige (394—396). Klasse II. (ön- Verba)
(397 — 401). Klasse III. [en- Verba) (402 — 404). —
III. Verba gemischter Flexion : a) Präterito-Präsentia.
Vorbemerkung (405). — Erste Ablautreihe (406). Dritte
Ablautreihe (407). Vierte Ablautreihe (408). Fünfte
Ablautreihe (409). — b) valda (410).
Siebzehntes Kapitel. Die Endungen 110 — 121
I. Aktivum. Paradigmata (411). — Die Endungen
des Infinitivs (412. 413). — Die Endungen des Indi-
kativs, a) Präsens (414—417). b) Präteritum (418.
419). — Die Endungen des Optativs (420. 421). -
Die Endungen des Imperativs (422). — Partizipium
(423—425). — Das Verbum vesa, vera (426. 427). --
II. Mediopassiv (428—432).
Dritter Hauptteil: Syntaktisches.
Achtzehntes Kapitel. Kasus 122 — 131
Nominativ (433). — Akkusativ (434-436). — Ge-
nitiv (437-441). - Dativ (442—447).
Neunzehntes Kapitel. Verbum 132—139
Genera (448). - Tempora (449—451). — Modi
(452). — Optativ: 1. In Hauptsätzen (453). 2. In
Nebensätzen: a) Konjunktionalsätze (454). b) Relativ-
Inhalt. XI
Seite.
Sätze (455). c) Fragesätze (456). d) Sonstige Fälle
des Optativs (457). — Imperativ (458). — Partizipium
(459). — Infinitiv (460).
Zwanzigstes Kapitel. Kongruenz und Wortstellung . 140—144
1. Kongruenz: a) Beziehungen der Nomina unter-
einander und zum Verbuni (461 — 464). b) Beziehungen
der Verba untereinander (Consecutio temporum) (465.
466). — 2. Wortstellung (467—470).
Vierter Hauptteil: Lesestücke.
I. Nativitas sancti Johannis baptiste 145 — 150
II. Die Ansiedlung der reichen Unnr auf Island . 151 — 159
III. Wie Hakon der gute König von Norwegen wurde. 159 — 167
IV. Geschichte Gunnars von Hlidarendi und der
schönen Hallgerdr 168—181
V. Þorsteinn Ketilsson erschlägt einen Eäuber . . 181 — 187
Wörterverzeichnis 188—235
Berichtigungen und Nachträge 236—238
XII
Die wichtigern Abkürzungen.
ae. =
ags. =
ahd. =
aisl. =
altind. =
anorw. =
as. =
aschwed. =
engl. =
finn. =
frz. =
gerra. =
got. =
gr. =
gutn. =
altenglisch.
ae.
althochdeutsch.
altisländisch.
altindisch.
altnorwegisch.
altsächsisch.
altschwedisch.
englisch.
finnisch.
französisch.
germanisch.
gotisch.
griechisch.
gutnisch.
isl.
=
isländisch.
lat.
=
lateinisch.
mhd.
=
mittelhochdeutsch
nisl.
=
neuisländisch.
nordd.
=
norddeutsch.
norw.
=
norwegisch.
N. pr.
=
Nomen proprium.
ostn.
=
ostnordisch.
schwed
=
schwedisch.
urgerm.
=
urgermanisch.
um.
=
urnord.
urnord.
=
urnordisch.
wgerm.
==
westgermanisch.
westn.
=
westnordisch.
Aarb. = Aarböger for nordisk oldkyndighed og historie.
Ark. — Ark. f. n. f.
Ark. f. n. f. — Arkiv for nordisk filologi.
IF. — Indogermanische Forschungen.
PBrB. — Paul und Braunes Beiträge.
Sv. landsm. — Nyare bidrag tili kännedom om de svenska
landsmalen ock folklif.
Tidskr. f. Phil. = Tidskrift for Philologi og Paedagogik.
-«=£=2<$§-ü=g§£=
Einleitung.
Erstes Kapitel.
Litteraturangaben.
I. Zeitschriften.
1. Aarb0ger for nordisk oldkyndighed og historie, udgivne
afdetkongel. uord. oldskrift. selskab. Kopenhagen 1866 ff.
(Aarb.J.
Tidskrift for Philologi og Paedagogik, Kopenh. 1860 — 73.
Kegisterband ebd. 1874.
Nordisk Tidskrift for Filologi og Paedagogik. Ny Bække. I.
IL Kopenh. 1874. 1875—76. HI. IV., 1. 2. unter dem Titel: Nord.
Tidskr. for Filologi, ebd. 1877—78. 1878—79. Tredje Eække ebd.
1892-93 ff.
Arkiv for nordisk filologi. L— IV. Christiania 1882—88 ; V.ff.
(Ny följd I. ff.) Lund 1889 ff, herausg. G. Storni; A. Kock
(Arie. f. n. f.).
Nyare bidrag tili kännedom om de svenska landsmálen ock
svenskt folklif. Stockholm 1878 ff. (Sv. landsm.). Diese Zeitschrift
ist zwar zunächst für schwedische Volksdialekte und Volkskunde
bestimmt, behandelt aber gelegentlich auch wichtige Fragen der
icestnord. Gramm. Herausg. J. A. Lund eil.
II. Bibliographie.
2. Möbius, Theod., Catalogus librorum islandicorum et
norvegicorum aetatis mediae editorum versorum illustratorum.
Skáldatal sive poetarum recensus eddae Upsaliensis. Leipzig 1856.
Derselbe, Verzeichnis der auf dem Gebiete der altnordischen
(altisländischen und altnorwegischen) Sprache und Literatur von
1855 — 1879 erschienenen Schriften. Leipzig 1880.
Bibliographie im Ark. f. n. fil., Bd. I von Gust. Stjern-
ström, Bd. III ff. von E. H. Lind.
Kahle, Altisländisches Elementarbuch. 1
2 Einleitung. [§3—5.
III. Urnordisch.
3. Noreen, A. Abriß der urgermanischen Lautlehre mit
besonderer Rücksicht auf die nordischen Sprachen. Straßburg 1894.
Thomsen, V. Über den Einfluß der germ. Sprachen auf
die finnisch-lappischen (übersetzt von E. Sie vers). Halle 1870.
Wiklund, K. B. Lule-Lappisches Wörterbuch, Helsingfors
1890, S. 179-87.
Derselbe. Die nordischen Lehnwörter in den russisch-
lappischen Dialekten, in Suomalais-ugrilaisen Seuran Aikakauskirja,
(Journal de la société finno-ougrienne) 1892.
Quigstad, J. K. Nordische Lehnwörter im Lappischen.
Christiania 1893.
Vgl. im übrigen die unter Runen angeführten Schriften,
besonders das Buch von Burg.
IV. Grammatische Gesamtdarstellungen.
4. Wim m er, L. F. A. Altnordische Grammatik. Aus
dem Dänischen übersetzt von E. Sievers. Halle 1871.
Derselbe. Fornord isk formlära. Schwedische Bearbeitung
von Th. Wisén. Lund 1874. ( Besonders vortrefflich die reich-
haltigen Sammlungen aus der Formenlehre, die Lautlehre veraltet.)
Brenner, 0. Altnordisches Handbuch. Litteraturübersicht
(gut), Grammatik, Texte, Glossar. Leipzig 1882.
Noreen, A. Geschichte der nordischen Sprachen in Pauls
Grundriß der germ. Phil. I. 415 ff. (Eine im wesentlichen histo-
rische Darstellung der Entwicklung des Nordgerm, bis auf die
neuere Zeit.)
Derselbe. Altnordische Grammatik I. Altisländische und
altnorwegische Grammatik unter Berücksichtigung d. Urnordischen.
2. Aufl. Halle 1892. (Die vollständigste westnord. Grammat. hin-
sichtlich der Lautlehre.)
Holthausen, Ferd. Lehrbuch der altisländ. Sprache I.
Altisländisches Elementarbuch. Weimar 1895. (Wichtig die Ka-
pitel über Wortbildung und Syntax.)
V. Die Runen.
5. Bugge, S. Aufsätze in Tidskr. f. Phil. VI. VH. VIII.
und in Christiania Videnskabsselskabs Forhandlinger 1872, in
Aarb. 1870, 71, 72, 84.
Derselbe. Norges indskrifter med de œldre runer. Chri-
stiania 1891 ff. (Noch nicht vollendet.)
Wimmer, L. F. A. Aufsätze in Aarb. 1867. 68.
Derselbe. Die Runenschrift (übers, von F. Holthausen).
Berlin 1887.
§ 5 — 8.] Litteraturangaben. 3
Die Arbeiten dieser beiden Gelehrten sind für die Frage nach
der Entstehung der Bunenschrift und ihre Deutung grundlegend.
Burg, F. Die älteren nordischen Kuneninschriften. Ber-
lin 1885.
Brate, E., in Bezzenbergers Beiträgen XL 177 ff.
Montelius, O., in Svenska fornminnes föreningens tid-
skrift VI. 236 ff.
Stephens, G. Handbook of the old northern runic monu-
ments of Scandinavia and England. Kopenh. 1884. (Haupt-
sächlich wegen der Abbildungen von Wert.)
Sievers, E. Runen und Kuneninschriften in Pauls Grund-
riß der germ. Phil. I, 238 ff. (sehr kurz).
Thorsen, P. G. Om runernes brug til skrift udenfor det
monumentale. Kopenh. 1877.
Magnusson Olsen, B. Runerne i den oldislandske lite-
ratur. Kopenh. 1883.
VI. Lateinisches Alphabet.
6. Islands grammatiske litteratur i middelalderen, udg. for
samfund til udgivelse af gammel nordisk litteratur.
Kopenh. 1884—86.
Gislason, K. Um frumparta íslenzkrar túngu í fornöld.
Kopenh. 1846. (Wichtige Arbeit über die Schriftzeichen in den
ältesten Handschriften.)
Lyngby, K. J. Den oldnordiske udtale, in Tid skr. f. Phil.
IL Kopenh. 1861.
VII. Einzeluntersuchungen.
a) Lautlehre.
Betonung.
7. Sievers, E., in PBrB. IV. 522 ff., V. 63 ff. (Sehr wich-
tige Abhandlungen über die Betonungsverhältnisse aller german.
Sprachen.)
Kock, A. Spräkhistoriska undersökningar om svensk
accent. Lund 1878. 84. 85. (Wenn auch zunächst den schwed.
Akzent behandelnd, enthält das Buch doch auch wichtige Bei-
träge zur icestnord. Betonung, z. B. IL 311 — 386. 394—403. 432
bis 450.)
Derselbe in Ark. f. n. f. V. 66 ff, VII. 334 ff.
Noreen, A., in Ark. VI. 319 ff.
Synkope.
8. Wimmer, L., bei Burg, Die ältesten nord. Runen-
inschriften. 154 ff.
4 Einleitung. [§ 8—13.
Hoffory, J. Eddastudien. Berlin 1889, 36 ff. (auch Gott.
Gelehrt.- Anz. 1885, 31 ff.).
Bugge, S. Bidrag til den ældste skaldedigtnings historie.
Christiania 1894, 11 ff.
Wadstein, E., in Indogerm. Forsch. (IF.) V. 1 ff.
Ter gl. im übrigen die unter Betonung, sowie die unter Um-
laute angeführten Arbeiten.-
Palatalumlaute.
(i-, R-, iß-Umlaut).
9. Noreen, A., in Ark. f. n. f. I. 150.
Kock, A., in PBrB. XIV. 53 ff. (— Ark. f. n. f. IV. 141 ff.).
XV. 261 ff., XVIII. 401 ff., Ark. f. n. f. VIII. 256 ff.
Wadstein, E., in PBrB. XVII. 412.
Bugge, S. Norges indsk. m. d. ældre run. 83 u. 107.
Labialumlaute.
(u- und w-Unilaut).
10. Leffler, L. Fr., in Upsala universitets ärsskrift 1877.
Söderberg, S., in Lunds universitets ärsskrift 1883.
Kock, A., in PBrB. XIV. 53 ff. (= Ark. f. n. f. IV. 141ff.),
Sv. landsm. XII. Heft 7. Ark. f. n. f. V. 46 ff, X. 288 ff.,
IF. V. 156.
Wadstein, E. Fornnorska homiliebokens ljudlära, Upsala
1890, 42ff, 70 ff., 142 ff. Sv. landsm. XIII. Heft 5, PBrB.
XVII. 433 ff. Skrifter utgifna af humanistiska vetenskapssam-
fundet i Upsala III. Heft 5.
Gíslason, K., in Ark. f. n. f. VIII. 52 ff.
Kahle, B. Die Sprache der Skalden auf Grund der Binnen-
und Endreime, verbunden mit einem Rimarium. Straßburg
1892, 28 ff.
Brechung.
11. Paul, H., in PBrB. VI. 16 ff.
Falk, Hj., in Ark. f. n. f. III. 289 ff.
Kock, A., in Ark. f. n. f. VI. 46.
Kahle, B. Die Sprache der Skalden, 49 ff.
1)) Formenlehre.
Deklination.
\2. W immer, L. Altnord. Gramm. § 28—107.
Konjugation.
13. Wimmer, L. Altnord. Gramm. § 108-160.
Ljungstedt, K. Anmärkningar tili det starka praeteritum
i germanska sprák (Upsala universitets ärsskrift 1887).
§ 13 — 16.] Litteraturangaben. 5
Þorkelsson, J. Beyging sterkra sagnorda í íslenzku.
Reykjavik 1888 ff. (noch nicht vollendet, eine reichhaltige Sammlung
von Formen starker Verla).
Specht, Fr. Das Verbum reflexivum und die Superlative
im Westnordischen. In Acta Germanica, Bd. III., Heft 1. Ber-
lin 1894.
c) Syntax.
14. Lund, G. Oldnordisk ordföjningslære (nord. oldskrifter
XXIX.— XXXI., sehr reichhaltige Materialsammlung). Kopen-
hagen 1862.
Hildebrand, K. Über die Conditionalsätze und ihre
Oonjunctionen in der älteren Edda. Leipzig 1871.
Wisén, Th. Om ordfogningen i den äldre Eddan. Lund
(univers. ärsshrift) 1865.
.Nygaard, M. Eddaprogets Syntax I, II, Bergen 1865,67;
Abhandlungen über das Hilfsverbum munu in Aarb. 1878; über
den Gebrauch des Part. Präs. in Aarb. 1879, über den Gebrauch
des Konjunktivs in Ark. f. n. f. I— III, über Auslassung des Sub-
jekts, subjektlose Sätze, Ark. f. n. f. X. 1 ff.
Braune, W. Zur Lehre von der deutschen Wortstellung
in Forschungen zur deutschen Philologie. Leipzig 1894.
Mogk, E. Die Inversion von Subjekt und Prädikat in den
nordischen Sprachen, in Indogerm. Forsch. IV. 388 ff.
VIII. Wörterbücher.
15. Cleasby, R., und Vigfusson, G. An icelandic-
english dictionary. Oxford 1874. (Das umfassendste, aber nicht
immer, besonders nicht betreffs der Etymologieen , zuverlässige
Wörterbuch.)
Fritzner, J. Ordbog over det gamle norske sprog (2. Aufl.),
Christiania 1887. (Noch nicht ganz vollständig, sehr zuverlässig.)
Egilsson, Sv. Lexicon poeticum antiquae linguae septen-
trionalis (sehr reichhaltig, aber vielfach veraltet). Kopenh. 1860.
Möbius, Th. Altnordisches Glossar. Leipzig 1866. (Den
Wortschatz der Analecta Norrœna [§ 16] enthaltend.)
Gering, H. Glossar zu den Liedern der Edda. Paderborn
und Münster 1887.
Larsson, L. Ordförrádet i de älsta islänska handskrifterna.
Lund 1891. (Enthält die Wörter der ältesten ist Handschriften
unter Angabe aller Belegstellen, ohne Übersetzung.)
IX. Lesebücher.
16. Möbius, Th. Analecta Norrcena. 2. Aufl. Leipzig 1877.
Wimmer, L. F. A. Oldnordisk læsebog 4. Aufl. Kopenh.
1889. (Sehr zu empfehlen.)
6 Einleitung. [§ 16—18.
Nygaard, M. Udvalg af den norröne Literatur. 3. Aufl.
Bergen 1889.
Falk, H. S. Oldnorsk læsebog. Christiania 1889.
X. Textausgaben für Anfänger.
17. Gunnlaugssaga Ormstungu, mit Einl. und Glossar.
Herausg. Mogk, E. Halle 1886.
Volsungasaga, nach Bugges Text mit Einleitung und Glossar.
Herausg. Rani seh, W. Berlin 1891.
Altnordische saga-bibliothek. Herausg. v. Cederschiöld,
Gering, Mogk. 1. Ares Isländerbuch, herausg. v. Golth er, W.
Halle 1892. 2. Orvar-Odds saga, herausg. v. Boer, R. C. ebd.
1892. 3. Egils saga Skallagrimssonar nebst den größeren Ge-
dichten Egils, herausg. von Jónsson, F. ebd. 1894.
Zweites Kapitel.
Stellung des Ausländischen.
18. Das Altnordgerroanische umfaßt die Sprachen
Skandinaviens und der von hier aus besiedelten Lande,
von der Zeit seines ersten Auftretens an bis zur Refor-
mation (Mitte des 16. Jahrh.). Die älteste, dialektisch
kaum geschiedene Sprache bis zur beginnenden Vikinger-
zeit (ca. 700) heißt die ur nordische. Durch Dialekt-
spaltung zerfällt sie in zwei Gruppen: das Ost nordische
und das Westnordische.
Das Ostn. teilt sich in
a) das Altschwedische und das Altgutnische
(auf der Insel Gotland);
b) das Altdänische.
Das Westn. (auch Altnordische genannt) in
a) das Altnorwegische;
b) das Altisländische.
Anmerkung. Die altnorweg. Sprache der Orkney-, Fär-
öer-, Shetlandsinseln und der Kolonien in Schottland
und Irland ist wenig oder gar nicht bekannt.
Das Nordgermanische bildet gegenüber dem Ost-
germanischen und Westgermanischen eine Einheit.
§ 19. 20.] Stellung des Altisländischen. 7
10. Die Hauptunterschiede zwischen dem Westn.
und Ostn. sind:
1. Fehlen des jüngeren %-Umlauts im Ostn.
Dat. PI. westn. dggum : ostn. dagum 'Tagen'.
2. Fehlen des ^-Umlauts in einigen ostn. Dia-
lekten: westn. % gar : aschw. I gär 'gestern'.
3. Im Ostn. werden é, l vor folgendem Vokal nicht
wie im Westn. zu i: z. B. Infiu. westn. sid : ostn. séa
'sehen 5 , westn. fiande : aschw. f lande 'Feind'.
4. Westn. ei; au, ey entsprechen ostn. e; 0: 1. 3. Sg.
Prät. westn. beit: ostn. bet 'biß', 1. 3. Sg. Prät. westn.
braut : ostn. brpt 'zerbrach', Inf. westn. Imjra : ostn. hora
'hören'.
Anmerkung. Nur das Gutn. hat die Diphthonge be-
wahrt: bau, braut, li0yra.
5. Die im Westn. zu pp, tt, kk assimilierten mp, nt,
nk bleiben im Ostn. meistens erhalten : westn. sapppr :
ostn. svamp 'Schwamm', 1. 3. Sg. Prät. westn. batt: ostn.
baut 'band', westn. ekkia : ostn. ænkia 'Witwe 5 .
6. Der Dat. PI. mit suffigiertem Artikel geht im
Westn. auf -unum (-onom), im Ostn. auf -umin aus. Westn.
dggunum : ostn. dagumin 'Tagen'.
7. Das im Westn. erhaltene alte Praet. auf -ra ist
im Ostn. analogisch ersetzt. Westn. sera : aschw. sadhe,
sadde 'säte'.
20. Die Unterschiede zwischen dem Aisl. und
Anorw. sind naturgemäß im Anfang gering. Besonders
zu bemerken ist:
1. Der im Aisl. vollständig durchgeführte jüngere
w-Umlaut (bei erhaltenem u) scheint im Anorw. nur in
einigen, besonders westlichen Gegenden ganz durchgeführt
zu sein. Dat. PI. aisl. dggum : anorw. dagum 'Tagen'.
2. Das Anorw. verliert im Gegensatz zum Aisl. das
h vor /, n, r:
aisl. hlutr : anorw. lutr 'Los';
aisl. hneigia : anorw. nœigia 'neigen 5 ;
aisl. hringr : anorw. ringr 'Ring 5 .
8 Einleitung. [§ 20—23.
Innerhalb des Aisl. sind dialektische Unterschei-
dungen fast gar nicht bemerkbar. Wir behandeln
im wesentlichen die altisl. Sprache bis zum An-
fang des 14. Jahrhunderts.
Drittes Kapitel.
Quellen.
21. Das Urnordische kennen wir nur aus Runen-
inschriften. Diese sind in dem aus dem Latein, ent-
standenen gemeingerm. Runen aiphabet hauptsächlich
auf Grab- oder Gedenksteine, ferner auf Brakteaten, Lanzen-
spitzen, Hörner usw. geritzt. Sie reichen zurück bis
ungefähr ins 3. Jahrh. Die im N. gebrauchten Zeichen
haben nur geringe Abweichungen gegenüber den wgerm.
Das ältere Runenalphabet.
22. Fast vollständig aufbewahrt ist das Alphabet
(Fu^ark) auf dem Brakteaten von Vadstena:
rwhKXMH'Hwrre
f u þ a r kg w : h n i j f p R s
tmmom
f b e ml ng o et
Anmerkung. Auch aus den in sehr früher Zeit ins
Finnisch-Lappische eingedrungenen Lehnwörtern können
wir Schlüsse auf den Lautstand des Urn. ziehen.
23. Quellen des Westn.
a) Runeninschriften in dem in der Vikingerzeit
aus dem älteren gemeingerm. entstandenen jüngeren
Runenalphabet, das in ganz Skandinavien gebraucht
wurde und nur 16 Zeichen enthielt.
§ 23.] Quellen. 9
Das jüngere Runenalphabet.
rnfwinr*tiiii
fuß q(u) r k h n i a s
tHYA
t bim R(y)
Anmerkung 1. Da die Lautbezeichnung des jüngeren
Runenalphabets eine unzureichende ist, so muß dasselbe
Zeichen verschiedene Laute ausdrücken, z. B. steht das
Zeichen für a auch für æ, das für a (nasaliertes a) auch für œ,
i für e oder œ, die auch durch a -\- i wiedergegeben werden; u
für o, y, 0, zuweilen auch für g, später werden o, y, auch durch
a + u ausgedrückt; b steht für p, mitunter auch für ð (f), k
für g oder p, t für d, h für 3; R selten für e, œ, i, p für &. Die
Nasale werden vor den Zeichen b, \ t meistens nicht geschrieben,
Länge wird nur selten und dann, bei Vokalen und Konsonanten,
durch Doppelschreibung bezeichnet.
Anmerkung 2. Vom 11. Jahrh. ab erleidet dieses Alphabet
allmählich eine Modifikation durch die Einführung sogen, punk-
tierter Runen, die im 13. Jahrhundert die kürzere Runen-
reihe ganz ersetzen, z. B.:
4t!
a e p.
Anmerkung 3. Ob es auch isl. Handschriften in
Runen gegeben hat, ist zweifelhaft, jedenfalls sind keine er-
halten.
b) Handschriften in lat. Alphabet, die älteren
auf Pergament. Für das Isl. kommen nur diese in Be-
tracht, da uns auf Island nur wenige Runeninschriften
und diese nur aus verhältnismäßig junger Zeit bewahrt sind.
Anmerkung 4. Die meisten westn. Handschriften befinden
sich in der Arnamagnæanischen Sammlung (AM.), auf der
Universitätsbibliothek in Kopenhagen, in der alten
König 1. Sammlung (Reg. g. s. = gammel kongelig samling),
ebenda und in der Königl. Bibliothek in Stockholm
(Holm).
10 Einleitung. [§ 24.
Isländische Handschriften.
34. 1. Reykjaholts máldagi, 2 /2 12. Jahrhs., Verzeich-
nis der Kirchengüter von Reykjaholt, photolithograph. Ausgabe,
Kph. 1885.
2. Cod. AM. 237 fol., 2 fr 12. Jahrhs., Homilienfragment,
ed. Þ. Bjarnarson in Leifar fornra kristinna frcetfa islenzkra,
Kph. 1878, S. 162 ff.
3. Cod. AM. 673 b, 4to ? ca. 1200, Plácitúsdrápa, ed. F. Jon s-
son in Mindre afhandlinger udg. af det philologisk-historiske
samfund, Kph. 1887, S. 210 ff.
4. Cod. AM. 674a, 4to, i/ 2 13. Jahrhs., Elucidariusfrag-
ment, ed. K. Gislason (photolithogr.), Kph. 1869.
5. Cod. AM. 673a, 4to ? i/ 2 13. Jahrhs., a) 2 Physiologus-
fragmente, ed. V. Dahlerup in Aarb. 1889, S. 199ff.; b) eine
Allegorie vom Schiff und Regenbogen, ed. L. Larsson
in Zeitschr. f. d. A. 35, 244 ff.
6. Cod. Holm. 15, 4to ? i/ 2 13. Jahrhs., eine Homilien-
sammiung, das sogen. Stockholmer Homilienbuch, ed.
Th. Wisén, Homilíubók, Lund 1872. Eine der umfangreichsten
und wichtigsten Handschriften.
7. Cod. AM. 645, 4to, älterer Teil, */* 13. Jahrhs., fragmen-
tarische Legendensammlung, ed. L. Larsson, Lund 1885.
8. Cod. AM. 677, 4to, älterer Teil, V 2 13. Jahrhs., ed.
Bjarnarson in Leifar, S. 19 ff.
9. Cod. Reg. g. s. 2365, 2 /2 13. Jahrh., die meisten Edda-
lieder enthaltend, ed. S. Bugge, Norrœn fornkvædl, Chra., 1867,
L. Wimmer u. F. Jónsson (phototypisch u. diplomatisch),
Kph. 1891.
10. Cod. Ups. Delag. 11, 4to, z/ 2 13. Jahrhs., wichtigste
Handschrift der Snorra Edda, ed. S. Sigur^sson in Edda
Snorra Sturlusonar II, Kph. 1852.
11. Cod. Reg. g. s. 2367, V 2 14. Jahrhs., Sammelhand-
schrift, darin der überarbeitete Text der Snorra Edda,
ed. in Edda Sn. Sturlus. I, Kph. 1848.
12. Cod. AM. 132, fol., x / 2 14- Jahrhs., große Sagensamm-
lung, darin unter andern Egilssaga, ed. F. Jónsson, Kph.
1886—88; Laxdcelasaga, ed. Kr. Kálund, Kph. 1889 — 91;
Finnboga saga, ed. H. Gering, Halle 1879.
§25—28.] 11
Erster Hauptteil.
Laut- und Akzentlehre.
Viertes Kapitel.
Alphabet und Aussprache.
25. Da das lat. Alphabet zur Aufzeichnung der
nord. Laute nicht ausreichte, mußte es einige Änderungen
erfahren. So behielt man die Rune þ und entlehnte aus
dem ags. y und d und schuf durch kleine Zusätze und
Ligaturen Zeichen für einige Vokale. Die Längen be-
zeichnete man durch Akute.
Anmerkung. Die Handschriften schwanken vielfach in
der Bezeichnung der Laute, da für einen und denselben Laut oft
verschiedene Zeichen im Gebrauch waren.
Wir bedienen uns folgenden Alphabets:
Vokale: a, e, i, o, u, y, o, œ, o und deren Längen
d, é usw.
Konsonanten : b, d, d, /, g, h, k, l, m, n, p, r, s, t, v, x, z, þ.
A. Einzellaute.
I. Vokale.
20. a ist kurzes offenes a wie in c Mann', d
langes geschlossenes wie in nordd. 'Vater 5 , fällt aber
später mit 6 zusammen.
27, e ist kurzes geschlossenes e wie in frz. 'blé',
é langes geschlossenes wie in 'See'.
28. i ist kurzes i wie in e Fisch', vor Vokalen
z. B. in Jiiarta 'Herz' ist es konsonantisch wie engl, y
in c young'; i ist langes geschlossenes % wie in 'bieten'.
12 Laut- und Akzentlehre. [§28—37.
Anmerkung. Die Handschriften schreiben meist i vor
Vokalen, zuweilen auch e, nicht j wie die meisten Ausgaben.
29. o ist kurzes geschlossenes o wie in frz.
c mot', 6 langes geschlossenes wie in 'hoch'.
30. u ist kurzes u wie in c Nuß 5 , vor Vokalen
wie in liuat Svas' ist es konsonantisch wie das engl, iv;
ú ist langes u wie in c Ruhe'.
Anmerkung. Nur einige der ältesten Handschriften
schreiben ständig u vor Vokalen, sonst steht meistens r.
31. y ist kurzes ü wie in 'Hütte 5 , ý langes wie in
c üben\
32. p ist kurzes offenes o wie in nordd. 'Stock 5 ,
frz. e sol 5 , 6 langes offenes wie o in frz. mort.
Anmerkung. Die ältesten Handschriften haben für
q auch o oder eine Ligatur von a + o, später steht meistens o,
an oder eine Ligatur von a + v. Normalisierte Texte drucken
vielfach ö.
33. æ ist kurzes offenes e wie in 'helfen', œ
langes offenes wie in frz. c fer'.
Anmerkung. Die Handschriften schreiben auch e e, selten
ae für œ, normalisierte Texte geben häufig den kurzen Laut durch
e, den langen durch æ wieder.
34. o ist entweder kurzes geschlossenes ö wie
eu in frz. 'peu' oder kurzes offenes wie in nordd.
'Götter', ó ist langes geschlossenes ö wie in 'lösen'.
Anmerkung. Die Handschriften schreiben auch ö, o,
ey, eo. In normalisierten Ausgaben steht häufig ö für den
kurzen, œ für den langen Laut.
35. Die Diphthonge au, ei, ey entsprechen ungefähr
den deutschen in c Haus, Ei, heute 5 .
Anmerkung. Für au schreiben die Handschriften auch
gu, für ey auch ay und 0y.
36. Alle Vokale sind vor und hinter Nasalen
nasaliert, auch beim Schwund von Nasalen behalten
die benachbarten Vokale diese Nasalität noch eine Zeit
lang. Doch drücken die Handschriften in beiden Fällen
diesen nasalen Klang nicht aus.
37. Länge der Vokale wird in den ältesten
Handschriften, aber auch hier nicht durchgehend,
durch Akute bezeichnet.
§38—43.] Alphabet und Aussprache. 13
II. Konsonanten.
38. ti, d, m, p, t werden ungefähr wie im Nord-
deutschen ausgesprochen.
39. r ist ein Zungenspitzen-r (alveolar), das
später mit diesem zusammengefallene b wahrscheinlich
ein palatales (kakuminales).
40. s ist stets stimmlos wie in 'das'.
41. ð ist stimmhafte postdentale Spirans wie
th in engl, 'father'.
Anmerkung. Die ältesten isl. Handschriften schrei-
ben fast immer p, später promiscue p und &. Die normali-
sierten Texte haben meist Ü, neuestens vielfach/.
42. f ist 1. stimmlose labiolabiale Spirans,
wird dann anlautend, vor ~k, s, t, p und als Geminata
labiodental, z. B. in fara 'fahren', rifka 'etwas vorteil-
haft machen', piófs 'des Diebs', Hüft 'lieb', tylfp 'Anzahl
von 12', offra 'opfern'. Gesprochen wird es dann wie
deutsches /. 2. stimmhafte labiolabiale, später dann
auch labiodentale Spirans in den übrigen Stellun-
gen, z. B. liafa, Prät. hafða 'haben', gaf 'gab', huerfa 'sich
drehen'. Es entspricht dann etwa norddeutschem w.
43. g ist 1. stimmhafter Verschlußlaut im An-
laut, nach n und in der Verdopplung, und zwar vor
palatalen Vokalen palatal wie in gefa 'geben', gialda
'zahlen', leggia 'legen', es entspricht dann dem g wie in
'geben'; in den übrigen Fällen velar wie in gaf 'gab,
langr 'lang', gripa 'greifen', ligggua 'schlagen', wo es dem
g in 'gab, gut' entspricht. 2. stimmhafte Spirans im
In- und Auslaut, außer in der Verdopplung, nach
n, vor s und t, und zwar palatal vor palatalen Vo-
kalen, z. B. berge 'dem Felsen', dessen g inlautendem
palatalen g (j) in nordd. Aussprache entspricht, z. B.
'Igel', velar in den übrigen Fällen, z. B. draga 'ziehen',
sggor 'Erzählungen', lagða 'legte 5 , Akk. Sg. drang 'Gespenst',
es entspricht dann nordd. g in 'Bogen'.
Anmerkung. Trifft infolge der Synkope eines palatalen
Vokals palatales g mit nicht palatalem Vokal zusammen, so be-
14 Laut- und Akzentlehre. [§43—47.
hält das g seinen palatalen Charakter und es entsteht ein fol-
gendes {, z. B. Dat. PI. engiom zu enge 'Wiese'. Dasselbe ist der
Fall nach palatalem Vokal bei Lehnwörtern, z. ß. mhd. gige, aisl.
gigia 'Geige'.
3. stimmlose Spirans inlautend, außer nach n,
vor s und t, z. B. vegs 'des Wegs', Uóðogt 'blutig', es ent-
spricht dann dem ch in 'ach 5 resp. 'ich 5 .
44. h ist 1. anlautend vor Vokalen Hauch-
laut wie im Deutschen, z. B. liafa 'haben'. 2. vor «
und i ist es, z. B. in liuat 'was', Marta 'Herz 5 , stimm-
lose Spirans wie ch in c ach resp. ich', vielleicht aber ist
das h auch hier Hauchlaut, wie in engl, icliat 'was', hue
(= hjü) 'Farbe'. 3. vor l, n, r wie in hlaupa 'laufen',
hniga 'sich neigen', hringr 'Ring' ist es vielleicht zu
stimmlosem l, n, r geworden, so daß stimmloses l
+ stimmhaftem l usw. entsteht, oder aber die ganze
Verbindung ist zu stimmlosem l, n, r geworden.
45. k ist palatal vor und nach palatalen Vo-
kalen wie k in 'Kind', z. B. in kirkia 'Kirche', mik
'mich', velar in den übrigen Stellungen wie k in
'Kunde', z. B. kasta 'werfen', kraptr 'Kraft', sgk 'Streit-
sache'.
Anmerkung. Ebenso wie gi (§ 43 Anm.) verhält sich M,
z. B. Dat. PI. Hkium zu rikr 'mächtig', ags. cyrice, aisl. Tcirlcia
'Kirche'.
46. I ist 1. dental im Anlaut, in der Verdopp-
lung, in unmittelbarer Verbindung mit einem
Dental, wenn diese nicht erst durch die gemein-
nordische Synkope erfolgte, wahrscheinlich auch wenn
es ursprünglich auf schwach betonten Vokal folgte,
vielleicht auch nach hauptbetontem langen Vokal
oder Diphthong, z. B. in liúfr 'lieb', futtr 'voll 5 , vilda
'ich wollte', keteü <j*kaHl(a)R 'Kessel', füll <i*fuUui 'faul'.
2. supradental (kakuminal) in den übrigen Stellungen,
z. B. selr 'Seehund', folk 'Volk', gl 'Bier 5 , valða < :S: waim
'ich wählte'.
47. n ist 1. dental in denselben Stellungen
wie l, z. B. nema 'nehmen', kenna 'kennen', munda 'ich
§47—52.] Alphabet und Aussprache. 15
wurde 5 , lieitenn <^*haitin(a)E 'geheißen 5 , steinn <^*stainau
'Stein'. 2. supradental (kakuminal) in den übrigen
Stellungen ausgenommen vor g, k, z. B. sonr 'Sohn',
kijns 'des Geschlechts', Akk. Sg. son, vanða <^*waniðo
'ich gewöhnte'. 3. velar 00 vor g, k, z. B. syngua 'singen',
tgng 'Zange 5 ; das ng ist nicht zu sprechen wie in dtsch.
'Engel', sondern als tö+gr.
Anmerkung. Stimmlos waren wohl l und n nach in hi-
storischer Zeit oft geschwundenen stimmlosen Konsonanten,
.7. B. hasl 'Hasel', mala vgl. got. mapljan 'reden', 0xß)ta Ver-
mehrte 5 , vápn c Waffe', rœna, vgl. ahd. birahanen 'berauben', vgl.
§ 171, 3.
48. v ist ursprünglich labiolabial wie das b
in mitteldeutschen Dialekten in 'haben', später labio-
dental wie / in 'fahren' (§ 228).
49. x und z drücken den Lautwert von ks und
ts aus, doch bezeichnet dies später, als ts zu ss geworden
(§ 160, 2), auch den von ss.
Anmerkung. Wohl zu unterscheiden von dem isl. s ist
das urgerm. z, welches das Zeichen für stimmhaftes s ist.
50. p ist tonlose postdentale Spirans und wird
gesprochen wie th in engl, think 'denken 5 .
Anmerkung. Die Geminaten sind inlautend lange
Konsonanten mit einer Druckgrenze innerhalb des Kon-
sonanten, wie im Ital., Schwed. und Baltisch-Deutschen, also
zu sprechen z. B. ren-na e rennen'. Auslautend fällt diese Druck-
grenze fort.
B. Silben.
51. Lange Silbe enthält langen Vokal oder
Diphthong mit folgendem Konsonanten oder kurzen
Vokal mit zwei oder mehr Konsonanten, außer gg,
z. B. ggs 'Gans 5 , eiga 'haben', hdlda 'halten. Kurze
Silbe enthält kurzen Vokal mit einem folgenden
Konsonanten oder gg, oder langen Vokal resp. Diph-
thong ohne folgenden Konsonanten, z. B. bera 'tragen',
egg 'Ei 5 , búa 'wohnen', ey 'Insel'.
52. Die Silbentrennung ist im Nord, folgende:
16 Laut- und Azentlehre. [§ 52. 53.
1. Int ervokalis eher Konsonant gehört zur ersten
Silbe, z. B. far-a 'fahren', ausgenommen sind i und %i,
z. B. dey-ia 'sterben', mei-far 'die Möven'.
2. Tritt an eine konsonantisch auslautende
Wurzel infolge von Synkope noch ein Konsonant,
so gehört dieser der zweiten Silbe an, z. B. G. Sg. F.
rik-rar <^*rikÍRÖR zu rikr 'mächtig', blind-rar zu blindr
'blind', bet-re <^*batiRi 'bessere'; Nom. PL igk-lar zu
iokoll 'Gletscher', him-nar zu himenn 'Himmel'. Ist der
Antritt des Konsonanten direkt geschehen, so ge-
hört er zur ersten Silbe, z. B. vüd-a 'ich wollte*,
mund-a 'ich wurde'.
Anmerkung. Der Analogie von vilda, munda folgen die
Präterita auf lef, m&, nff, z. B. valcf-a ^wcüifta c ich wählte',
demÖ-a < ðomi&o "ich richtete 5 , vanef-a <[ *icaniðö c ich gewöhnte'.
3. Endet eine Wurzel auf zwei Konsonanten,
so gehören sie bei folgendem Vokal ursprünglich
der ersten Silbe an, z. B. vax-a (= *vaks-a) 'wachsen',
skialf-a 'zittern'. Doch werden die Wörter auf Konsonant
+ h n, r, ð mit folgendem Vokal meist nach Analogie der
Formen mit Synkope so geteilt, daß die l usw. der zweiten
Silbe angehören, z. B. Dat. Sg. nað-re zu naðr, Gen. naðrs
'Natter', Gen. Sg. vet-rar zu vet(t)r 'Winter 5 , bat-na 'besser
machen', af-le 'Stärke, Nom. PL byg-der zu bygð 'Wohnung 5 .
4. Bei Kompositen gilt im allgemeinen die Regel,
daß die den zweiten Bestandteil etymologisch be-
ginnenden Konsonanten auch durch Silbentren-
nungvon demvorhergehenden Teil geschieden wer-
den, z. B. 6-glaör 'unfroh 5 , hiá-huíla 'Konkubinat', hús-bonde
'Hausherr 5 , land-reke 'Landverteidiger', her-stiörn 'Heeres-
leitung'. Wurde aber die Komposition nicht mehr als
solche empfunden, so wurde oft der beginnende Konsonant
des zweiten Gliedes zum Schluß des ersten gezogen, z. B.
huerg-e 'wer auch immer 5 .
C. Betonung.
53. Man unterscheidet Hauptton ('), Nebenton, der
stark Q oder schwach (") sein kann, Unbetontheit.
§54—57.] Alphabet und Aussprache. 17
54. Haupttonig sind:
1. Meistens die Wurzelsilbe einfacher Wörter, z. B.
géfa geben'.
2. Zuweilen die schwere Ableitungssilbe ein-
facher Wörter, besonders bei Wörtern auf -eng, -ong,
z. B. þrenneng neben þreníng 'Dreieinigkeit', konongr neben
konungr (§§ 106 Anm., 108 Anrn.),
3. In zusammengesetzten Wörtern meistens die
Wurzelsilbe der ersten Glieder, z. B. bóð-orct 'Befehl',
drott-sete 'Truchseß', lítil-lœte 'Demut'.
4. Die Wurzelsilbe des zweiten Teils zu-
sammengesetzter Wörter, deren erster Teil ein
einsilbiges Wort mit langem Vokal ist und deren
zweiter in der ersten Silbe gleichfalls langen
Vokal hat, z. B. a-gætr 'berühmt 5 , aug-syn 'Gesichtskreis',
bruð-liuíla 'Brautbett'. Ferner oft auch in andern Zu-
sammensetzungen mit einsilbigem ersten Glied,
besonders solchen mit ofr- und jor-, z. B. ofr-giäld 'über-
mäßige Vergeltung', for-boð 'Verbot'.
55. Stark nebentonig sind:
1. Die Wurzelsilbe des Gliedes zusammen-
gesetzter Wörter, die nicht den Hauptton trägt,
soweit diese Wörter noch als Komposita angesehen werden,
z. B. drott-séte, a-gætr, ofr-giäld.
2. In einfachen Wörtern die schweren Ab-
leitungssilben, die zum Teil ursprünglich selbständige
Kompositionsglieder waren, wenn die Wurzelsilbe den
Haupt ton trägt, besonders die Silben -and-, -end-, -ond-,
-eng-, -ong-, ern, -tan-, z. B. eigände 'Besitzer', þrennéng
'Dreieinigkeit', laúsöng 'Falschheit', sextän 'sechzehn'.
56. Schwach nebentonig ist:
Die unmittelbar auf eine haupttonige Silbe fol-
gende Silbe, sofern sie nicht starken Nebenton
trägt, z. B. túnga 'Zunge', kállaðe 'er rief.
57. Unbetont sind:
Alle übrigen Silben, so besonders auch enklitisch
und proklitisch gebrauchte Wörter, wie eda 'oder 5 , meðan
Kahle, Altisländisches Elementarbuch. 2
18 Laut- und Akzentlehre. [§57—60.
'während', der suffigierte Artikel, z. B. harnet 'Kind 5 ,
und die zweite Silbe der zweisilbigen Komparative
wie starre 'größer', mit Ausnahme von meire 'größer',
fleire Zahlreicher'.
j\.. "Vokalismus.
Fünftes Kapitel.
Die germanischen Vokale im Altisländischen.
I. In haupttoniger Silbe.
A. Die kurzen Vokale.
a.
58. Germ, a bleibt im allgemeinen, z. B. urnord.
gastiit Gast', dagr 'Tag", allr 'all', halda 'halten 3 , nam
'nahm'.
59. Es wird zu g: 1. durch u-JJ miaut, der durch
ein entweder in historischer Zeit geschwundenes oder noch
erhaltenes u (resp. o, §§107. 108), der folgenden Silbe bewirkt
wird, z. B. got. magus, aisl. mggr 'Knabe', got. liandus, aisl.
hgnd 'Hand 5 , aisl. Ignd <C um. *landu N. PL zu la?id 'Länder';
Igndom 'Ländern', ligldom zu halda 'wir halten". 2. durch
tv-XJ miaut, der durch ein entweder in historischer Zeit
geschwundenes oder noch erhaltenes w (#) der folgenden
Silbe bewirkt wird, z. B. ags. spearwa } aisl. spgrr 'Sperling',
bgl 'Unglück', vgl. got. balwjan 'quälen', Dat. Sg. spgrue,
bglue; lwggua 'hauen', sgkk <C *sakkv 'ich sank 5 (§ 226, 5).
60. Das a wird zunächst zu æ, das dann weiterhin
zu e wird: 1. durch i-V miaut, der durch ein entweder in
historischer Zeit geschwundenes oder noch erhaltenes i (resp.
e § 106) oder i der folgenden Silbe bewirkt wird, z. B. urn.
gasti.R, aisl. gestr 'Gast', got. (ana-)nanþjan, aisl. nenna 'wagen',
§ 60—64.] Die germanischen Vokale im Altisländischen. IÖ
got. katils, aisl. ketell 'Kessel', got. N. PI. gasteis, aisl. gester.
2. durch b-V miaut, der durch ein unmittelbar auf den
Vokal folgendes aus urgerrn. z entstandenes run. R awestn.
r '(§§ V76. 179) bewirkt wird, z. B. got. kas, aisl. ker 'Ge-
fäß'; ahd. liaso, aisl. here 'Hase 5 . 3. durch i.ß-Umlaut,
bewirkt durch ein auf eine kurze Wurzelsilbe folgendes
-in, dessen i in historischer Zeit geschwunden ist, z. B.
dregr <C *dragiB 'zieht', betre <C *batim 'der Bessere', got.
harjiSj aisl. herr <C *liarin 'Heer'.
öl. Das durch i-Urnlaut entstandene æ (e) wird
durch ein erhaltenes oder geschwundenes ti der folgenden
Silbe zu offenem o umgelautet, z. B. got. aqizi, aisl. 0x
'Axt', gloggr 'genau', vgl. got. Adv. glaggwo 'aufmerksam';
got. sagqjan, aisl. sokkim 'senken' (§ 212, 2).
e.
62. Germ, e ist nur selten erhalten, z. B. vega
'bewegen', huelpr 'junger Hund', lesa 'lesen', reka 'treiben 5 ,
sex 'sechs 5 .
Anmerkung. Soweit das e nicht idg. Erbgut ist, ist es
schon urgerm. aus älterem i entstanden bei einem a, o der fol-
genden Silbe, wenn kein Nasal + Konsonant oder i da-
zwischen stand, z. B. lat. vir, aisl. verr <^*wiros 'Mann', be-
nenn "gewartet", vgl. got. bi&ans.
63. Es wird zu *ea, historischem ia durch ein er-
haltenes oder in historischer Zeit geschwundenes a der
folgenden Silbe (a-Brechung) (doch vgl. § 65), z. B. ahd.
helfan, aisl. hialpa (§ 141, 2) 'helfen', ahd. eban, aisl.
iafn 'eben', ahd. etar, aisl. iaðarr 'Rand', urgerm. *helmaz,
ahd.. Mm, aisl. hialmr (§ 141, 2) 'Helm'.
Anmerkung. Durch i- und iR- Umlaut wird ia zu œ, e,
z. B. Erlengr zu iarl 'Fürst', bergt < *bergiR zu biarga "bergen 5 .
In diesen Stellungen ist das vorauszusetzende ia immer analogische
Neubildung (§ 67 Anm.).
64. Germ, e wird zu *eo, historischem io durch
ein erhaltenes oder in historischer Zeit geschwundnes u
resp. u der folgenden Silbe (?.«- Brechung), z. B. got miluks,
aisl. miolk 'Milch'; got. filu, aisl. fiol- Viel', ahd. hiruz, aisl.
hiortr 'Hirsch'.
2*
20 Laut- und Akzentlehre. [§64—68.
Anmerkung 1. In den meisten Fällen ist dieses io später
durch ig, den «-Umlaut von ia, durch Analogiebildung verdrängt
worden, z. ß. bigrgom 'wir bergen', Nom. Sing. F. snigll zu
sniallr 'schnell 5 , Dat. PI. igrlom zu iarl 'Fürst 5 .
Anmerkung 2. Zuweilen findet sich neben io auch in,
das vielleicht ursprünglich nur bei erhaltenem u stand, z. B.
ftogor, fiugur r vier 5 , piokkr, ßiul'kr 'dick 5 .
Anmerkung 3. ig wird zu *i0, (§223) durch i-Umlaut,
z. B. Konj. Prät. liúgge zu 1. PI. Ind. Prät. higggom 'wir hieben 5 .
05. Brechung tritt nicht ein, wo dem e ein
v, 11, l, r unmittelbar vorhergeht, z. B. verða 'werden',
huerfa 'sich wenden 5 , lesa lesen', reka 'treiben'.
Anmerkung. Liegen in einem Worte Formen mit und
ohne Brechung nebeneinander, so ist vielfach Ausgleichung nach
der einen oder andern Richtung hin eingetreten oder es sind
Doppelformen entstanden, z. B. ioforr 'Fürst', Dat. Sing, iofre
neben (veraltetem) efre, stertr 'Schwanz 5 , selr 'Seehund 5 im ganzen
Wort mit nicht gebrochenem Vokal. Die Verbindungen r, l +
Konsonant scheinen im allgemeinen eine die Brechung bewahrende
Rolle gespielt zu haben, denn während giafa neben gefa 'geben 5 ,
giata neben geta 'bekommen 5 stehen, und eine Anzahl Verba wie
bera 'tragen 5 , stela 'stehlen 5 ausschließlich e zeigen, haben Verba
wie gialda 'gelten 5 , biarga 'bergen 5 nur ia.
66. Es wird zu geschlossenem (§ 34): 1. durch
u -Umlaut, z. B. r0ro c sie ruderten' (§ 384), in den
Namen auf -(flroðr (<l *-freðun) wie in Hallfroðr, Guðroðr.
2. durch w -Um laut, z. B. r0kkr (vgl. got. riqis) 'Finster-
nis', rokkua 'finster werden'.
Anmerkung. Diese Labialisierung kann natürlich nur da
eintreten, wo das e nicht gebrochen werden konnte (§ 65).
67. Germ, i bleibt meistens erhalten, z. B.
spinna 'spinnen', risenn 'auferstanden', fiskr 'Fisch'.
Anmerkung. Soweit das i nicht ererbtes indogermani-
sches ist, ist es schon urgerm. aus älterm e entstanden, wenn in
der nächsten Silbe ein?,,/, stand oder wenn unmittelbar Nasal
-|- Konsonant folgte, z. B. lat. medius, aisl. mifrr 'mittlerer 5 ,
aber meüal- 'mittel- 5 , ftor&r < *ferüim : PI. fir&ir 'Meerbusen 5 , lat.
ventus, aisl. vindr 'Wind 5 , binda 'binden 5 , aber huerfa 'sich wenden 5 .
68. Es wird zu e vor einem aus nk, nt, mp ent-
standenen kk, U, 21p (§§ 212. 206), wenn in der folgen-
§'68— 72.] Die germanischen Vokale im Altisländischen. 21
den Silbe kein t stand, z. B. got. drigkan, aisl. drekka
trinken', got. ivintrus, aisl. vetr <l*vettr (§ 231 Anm.)
'Winter 5 , skreppa gleiten', vgl. ahd. schimpfen 'runzeln'.
Anmerkung. Dieses e wird durch w-Umlaut zu ge-
schlossenem 0, z. B. got. siqgan, aisl. s0kkua 'sinken', got. stigqan
'stoßen', aisl. stokkua 'springen'.
69. Ebenso wird, wenn in der folgenden Silbe
kein t steht, germ. i zu *e, das aber weiterhin durch Er-
satzdehnung zu é wird: 1. vor einem geschwundnen
Nasal, z. B. Ntr. PL mél<*minþla (§ 220, 1) 'Gebiß am
Zaum", vgl. ahd. mindil. 2. vor einem h, das entweder
geschwunden ist (§ 214) oder sich assimiliert hat (§ 212),
z. B. got. teiha, aisl. U 'ich zeige', got. leika, aisl. U 'ich
leihe'; ahd. vriht, aisl. vét(t)r 'Wicht'.
Anmerkung 1. Daß ein i der folgenden Silbe diesen
Wandel des i zu e hindert, zeigen Fälle wie skikkia < *skinkiön
'Schinken', nit('t)a <^*nihtian 'sich weigern', nisl. mil Ntr. <*min-
þila 'Gebiß am Zaum'.
Anmerkung 2. Wechseln in einem Wort Formen mit e
resp. é und i, i, so sind Doppelformen entstanden, z. B. vet(t)r:
vitfijr nach dem Dat. vitre < *vintri 'Winter', vétftjr 'Wicht' :
hialmvitr 'Walküre'; oder es ist Ausgleichung zu Gunsten des e,
é resp. i, í eingetreten, z. B. sétt 'Anzahl von sechs', sia 'seihen'.
70. Germ, i wird zu y durch ?(;-Umlaut, z. B.
got. siggivan, aisl. syngna 'singen', got. triggics, aisl. trijggr
'treu', got. igqiSj aisl. ykkr 'euch beiden'.
o.
TL Germ, o bleibt meistens, z. B. hoddr 'Schatz',
liollr 'hold', boðenn 'geboten'.
72. Es wird zu geschlossenem o (§ 34): 1. durch i'-Um-
laut, z. B. soner zu sonr 'Söhne', wrðre 'nördlichere' zu
norcfr nördlicher'. 2. durch ír-V miaut, z. B. hnotr zu
hnot 'Nüsse', stQðr zu stod 'Stützen', komr zu koma 'er kommt'.
Anmerkung I. In diesen Stellungen stand das o nie
lautgesetzlich, sondern immer analogisch nach anderen Formen
desselben Paradigma, die o hatten. Zu erwarten wäre u in der
Wurzelsilbe, da im Urgerm. oder auch erst im ürn. (vgl. § 97
o aus älterem u nur dann entstanden war, wenn in der folgenden
Silbe ein a oder o stand, wofern nicht ein dazwischen-
22 Laut- und Akzentlehre. [§72 — 75.
stehender Nasal -f- Konsonant oder ein j den Laut-
wandel hinderte, vgl. bufrum 'wir boten' : boüenn, ahd. gibotan
'geboten'; bunäenn 'gebunden'.
Anmerkung 2. Das so und anderweitig (§ 66. 75, 3) ent-
standene geschlossene wird vielfach zu e, doch stehen die
Formen mit meistens daneben, z. B. Jcemr:h0mr 'er kommt',
fr0remi : frerenn 'gefroren.
u.
73. Germ, u bleibt meistens, z. B. hundr c Hund';
liundrað 'hundert', ungr 'jung', buðom c wir boten'; numemi
'genommen'.
74. Es wird zu y: 1. durch i-Umlaut, z. B. syner
zu sunr 'Söhne', ahd. burdi, aisl. byrðr 'Bürde'; yngre zu
ungr 'der jüngere', got, Jiuljan, aisl. %fóa Verhüllen, ver-
bergen'. 2. durch %r- Um laut, z.B. glymr <C*ghimin 'Ge-
töse* , vgl. glumra 'rasseln', N. PI. dyrr <^*durÍB 'Thür',
hlymr 'er tobt', vgl. Prät. lilumða, ahd. furist, aisl. fyrstr
'der erste'.
75. Es wird zu o: 1. vor h, nach dessen Assimi-
lation oder Wegfall (§§ 203. 204) es zu 6 gelängt wird,
z. B. ahd. suht, aisl. sótt Krankheit', ahd. truM'in, aisl.
dróttenn 'Herr'. Dieses 6 kann durch i- Umlaut zu ó
werden, z. B. urn. dolitrin, aisl. dotr 'Töchter', 2. vor
einem in historischer Zeit geschwundenen Nasal,
wenn in der folgenden Silbe kein i, i oder u stand:
a) wenn sich der Nasal dem folgenden Konsonanten assi-
miliert hat (§ 212), z. B. got. sugqans, aisl. sokkenn 'ge-
sunken', got. stugqans 'gestoßen', aisl. stokken 'zerbrochen',
mhd. gekrumpfen , aisl. kroppenn 'eingeschrumpft', got.
ugkar, aisl. okkar 'unser beider'. Aber got. þugkjan, aisl.
þykkia 'dünken', drykkr <C *drunktB 'Trunk', die PI. Prät.
drukkom, -od, -o von drekka 'trinken', stitkkom von stokkua
'springen'; Part, drukkenn statt *drokkenn nach Dat. Sg. PI.
drukknum, drukknu. b) wenn der Nasal ohne Assimilation
geschwunden ist (§ 214). In diesem Fall ist das o zu 6
gelängt worden, z. B. ahd. wansc, aisl. ósk 'Wunsch', got.
uns, norw. 6s 'uns'. 3. vor n, welches alsdann das o zu o
umlautet, z. B. got. uz-, aisl. or- privatives Präfix, ahd.
§75—81.] Die germanischen Vokale im Altisländischen. 23
snura, aisl. swr 'Schwiegertochter', ags. hryre 'Ruine', aisl.
hr0re 'Leichnam 5 , got. kusans, aisl. k0renn 'gewählt'.
B. Die langen Vokale.
ä.
76. Germ, ä, welches immer nasaliert ist,
bleibt, z. B. fd 'bekommen', þátta 'ich wurde gewahr',
dl 'Riemen 5 <C *anhlöj vgl. lat. angulus, aisl. angi 'Dorn 5 ,
sdttr 'versöhnt', vgl. lat. sanctus 'heilig 5 .
77. Dieses d wird zu é durch i- Um laut, z. B.
þétte 3. Sing. Opt. zu þdtta; satt 'Versöhnung 5 zu sdttr.
78. Es wird zu g durch u-Umlaut, z. B. þgttom
'wir wurden gewahr 5 , glom 'den Riemen 5 .
ce.
79. Germ, æ wird zu d, z. B. got. séþs, aisl. sdct
'Saat', got. ména, aisl. mdne 'Mond 5 , got. letan, aisl. lata
'lassen', got. grtian, aisl. grata 'weinen'.
80. Dieses d wird zu œ: 1. durch i- Umlaut, z. B.
urn. márÍR, aisl. mœrr 'berühmt 5 ; grétr 'er weint' zu grata.
2. durch r- Um laut, z. B. aisl. í gér, vgl. aschw. I gär
'gestern 5 .
81. Es wird zu g: 1. durch u-Umlaut, z. B. Igtom
'wir lassen', grgtom 'wir weinen'. Dieses g wird zu ó,
a) unmittelbar nach w, welches alsdann schwindet
(§ 226), z. B. got. icésum, aisl. órom 'wir waren 5 , got.
qßmum, aisl. kómom wir kamen 5 ; b) wo es nasaliert ist,
z. B. ahd. ano, aisl. o'm 'ohne 5 , ahd. spdn, aisl. spann, Gen.
spánar (urgerm. spénu-) 'Span, Holzlöffel', got. ménöþs, aisl.
mónoðr, Gen. mdnaðar 'Monat 5 ; got. ncmum, aisl. nómom
'nahmen 5 . 2. durch ?£-Umlaut, der auf d jedoch nur
durch ein unmittelbar folgendes derselben Silbe an gehöriges
w bewirkt wird, das in histor. Zeit geschwunden ist
(§ 226). Dieses 6 ist zu ó geworden, z. B. Präf. nó- vgl.
got. nelo (§ 226, 5), ahd. clüäwa, aisl. kló 'Klaue', urgerm.
*ß<swäj aisl. fló Schicht 5 , vgl. mhd. vlœjen 'spülen 5 .
Anmerkung. Gelangt das g, z. B. im Satzgefüge, in ver-
hältnismäßig schwach betonte Stellung, so wird es zu g wie in
24 Laut- und Akzentlehre. [§ 81—88.
hgnom neben hgnom 'ihm', das also entstanden sein muß, bevor
g zu ó geworden, später entstand dann ebenso neben dem haupt-
tonigen hónom lionom (§ 305).
e.
82. Germ, e bleibt erhalten, z. B. her 'hier', vir
'wir 5 , ér 'ihr 5 , mér 'mir 5 .
i.
83. Germ. 7 bleibt meistens erhalten, z. B.
stiga 'steigen', Im 'Leine wand', huttr 'weiß 5 .
84. Es wird zu é: 1. vor einem in histor. Zeit
geschwundenen oder dem folgenden Konsonanten
assimilierten h (§§ 204. 203), wenn in der folgenden
Silbe kein í stand, z. B. got. teiha, aisl. U 'ich zeige',
got. leika, aisl. U 'ich leihe', Dat. Sg. Uttom, vgl. ahd.
Nom. Sg. lihti 'dem Leichten'. 2. vor einem in histor.
Zeit geschwundenen Nasal (§ 212), z. B. lérept <i*lin-
rept 'Leinewand'.
Anmerkung. Auch dieser Wandel tritt wahrscheinlich
nur ein, wenn in der folgenden Silbe kein % stand (vgl.
§ 68. 69), z. B. Uript e Leinewand\
85. Es wird zu ý: 1. durch ein unmittelbar fol-
gendes in histor. Zeit geschwundenes u (§ 226) der-
selben Silbe, z. B. gíý <^*$Uwá (vgl. ags. gleó <C ^litoa-)
'Freude', ahd. bllo Gen. Ulmes, aisl. bhj 'Blei', ahd. sniwit,
aisl. snýr 'es schneit'. 2. durch ein u der folgenden Silbe,
z. B. ijkua << *vikua 'weichen 5 neben vikia, sýkua << *sutkua
'betrügen 5 neben suikia.
ö.
86. Germ, ö bleibt gewöhnlich, z. B. fótr 'Fuß 5 ,
flóðr 'Flut 5 , bróðer 'Bruder 5 , skóp ich schuf 5 von skepia.
87. Es wird zu o: 1. durch i- Umlaut, z. B. fotr
<i*fötÍR 'Füße', bróþr <^'bröþrÍB, vgl. lat. frätres 'Brüder';
3. Sg. Opt. Prät. got. sköpi, aisl. skope 'er schuf. 2. durch
R- Um laut, z. B. bór 'Dorf 5 , vgl. ból 'Wohnort'.
ü.
88. Germ, ü bleibt gewöhnlich, z. B. hús 'Haus 5 ,
þúsnnd 'tausend', füll 'faul', luka 'schließen'.
§89 — 93.] Die germanischen Vokale im Altisländischen. 25
89. Es wird zu ý: 1. durch i -Umlaut, z. B. skrýða
<C *skruðian ausschmücken', vgl. skrúð 'Schmuck', fýla
'Fäulnis', vgl. füll 'faul 5 , got. lukis, aisl. lýkr 'du schließt".
2. durch r- Umlaut, z. B. lat. süs, aisl. sýr 'Sau', ags.
cü, aisl. Ä#r 'Kuh'.
ÖO. Es wird zu 6 vor 7*, das in histor. Zeit ge-
schwunden (§ 204) oder sich dem folgenden Kon-
sonanten assimiliert hat (§ 203), z. B. ags. driih, aisl.
þró Trog', got. uhtwö, aisl. ótta 'Zeit der Morgendämme-
rung', got. þúlúa, aisl. /oYfa 'mich dünkte'.
Anmerkung. Dieses 6 wird zu 0: 1. durch t-Umlaut z. B.
3. Sing. Opt. Prät. þétte; 2. durch r- Umlaut, z. B. got. jühiza,
aisl. 0re 'jünger'.
C. Die Diphthonge haupttoniger Silben.
ai.
91. Germ, ai ist urn. noch erhalten, wird westn.
zu m, aisl. zu ei, z. B. urn. haite-ka, aisl. heite ich heiße',
urn. stainaR, aisl. sfciww 'Stein 5 , got. grdip, aisl. grreijp
'er griff'.
92. Es wird zu é vor einem schon in urn. Zeit zu
h gewordenen und deshalb fortgefallenen j (§ 181), z. B.
got. sfazV/, aisl. sté 'ich stieg'; got. Make, aisl. fall 'ich
neigte micV <C '■'hnai^ic.
93. Es w T ird zu á: 1. vor einem in histor. Zeit ge-
schwundenen h (§ 204), z. B. got. dili, urn. <w'A, aisl. d
'ich besitze'; got. *mdi1uös, aisl. máfar <C*mäwaR 'Möwen',
aisl. sáld <i*saiha-ðla 'Eimer, Tonne'. 2. vor r, z.B. got.
ftftr 'Schmerz', aisl. sdr 'Wunde'; got. dir, aisl. ár 'früh',
got. dirinön c Bote sein', aisl. drna 'ausrichten'. 3. vor w,
vgl. die Beispiele in Anm. 1.
Anmerkung 1. Das so entstandene á wird 1. durch i-
V miaut zu œ, z.B. got. dihts Ts. PI., dihteis e Vermögen 3 , aisl. étt
'Familie', skœrr <C *skairiB 'leuchtend' ; urgerm. *fraiivi, got. fraiw,
aisl. /Vö? r Same'; got. hraiw, aisl. /ir« 'Leichnam'. 2. Durch w-
(zü)-Umlaut zu g resp. ó (§ 81), z. B. urgerm. *taihö, ahd. seÄa,
aisl. ip 'Zehe', ahd. meh, aisl. mór 'Möwe', aber Dat. Sing. i??<m,
got. íwms, aisl. grr 'Bote', finn. vaiva, aisl. vg 'Unglück', got.
saiivala, aisl. sól 'Seele'.
26 Laut- und Akzentlehre. [§93—100.
Anmerkung 2. Das Verhältnis der Vokale in got. snaiivs,
aisl. snœr, sniór, sniár 'Schnee' ; got. saiws, aisl. sœr, siór, siár
'See'; frœr usw. fruchtbar', mckr 'schmaP, slœr "stumpf ist noch
nicht genügend erklärt.
Anmerkung 3. Vor r wird ai nicht zu c'i, sondern zu ei,
z. B. got. aiz, aisl. eir "Erz', got. maiza, aisl. meire 'größer'.
au.
94. Germ, au wird meistens zu ow, geschrieben
im Isl. au, z. B. auga 'Auge', auka 'vermehren 5 , dauðr
'tot', laug 'ich log \ altind. Ntr. tväu, aisl. tuau 'zwei'.
95. Dieses au wird zu ey: 1. durch i- Umlaut, z. B.
got. «ÄSj aisl. eykr 'du vermehrst'; got. dauþjan, aisl.
r%zY< 'töten'. 2. durch i-U miaut, z. B. got. «msö, aisl.
eyra 'Ohr'; got. razis, aisl. reyrr 'Rohr', dreyre 'Blut', vgl.
got. draus 'ich fiel herab'.
96. Germ, au wird zu d vor h, das in histor. Zeit
geschwunden ist (§ 204), z. B. ahd. flöh, aisl. flu << *flauhö
'Floh', got. Jiaulis, aisl. ÄoV 'hoch', got. þaúh, aisl. ^d
doch', got. þlauh, aisl. ,/?d er floh', flu <C *^dÄ <C */&?J
(§ 181) 'er flog'.
eu.
97. Germ, e« ist vor einem a, o der folgenden
Silbe urnord. noch erhalten, z. B. um. leubaR 'lieb',
vgl. got. Hufs, urn. hleuno werde beschirmt' (Imper.).
98. Dieses eu wird dann durch ein a, o der fol-
genden Silbe zu *eo, woraus *io und endlich ió entsteht,
z. B. got. þiubs, aisl. þiófr 'Dieb', ahd. sciozan, aisl. skivta
schießen', got. kiusan, aisl. kiösa 'kiesen'.
99. Es wird, schon um., zu w, woraus dann
iú wird, durch ein i, u der folgenden Silbe, z. B.
urn. dariutip <C *ðreutip, vgl. ags. briet 'er zerbricht', urn.
Nom. Sg. fem. liubu von leubaR 'lieb', Nom. Sg. fem. got.
s'tuka, aisl. siYía: <C *siuku krank', aisl. siitkom dem Kranken';
got. liugiþ, aisl. fayf<jre£ 'ihr lügt'.
lOO. Dieses iti wird zu *$, dessen i fortfallt (§ 223):
1. durch ?'-Umlaut, z. B. br/jtr <i' : 'briútr er zerbricht',
?//#'* <C *liúgir 'er lügt', got. diiqriþa, aisl. d#pi Tiefe'.
§ 100—105.] Die germanischen Vokale im Altisländischen. 27
2. durch r- Umlaut, z. ß. got. äius, aisl. thjr 'Tier 5 , ags.
hleoVj aisl. hlýr 'Wange 5 .
101. Es wird zu ió } soweit es nicht umgelautet
ist, vor dentalen Konsonanten, z. B. got. þiuda, aisl.
þióþ 'Volk'; skiótom <^*skiútom wir schießen 5 .
Anmerkung. Da in zahlreichen "Wörtern der Vokal der
Wurzelsilbe je nach der Endung bald als ió, bald als iú, bald
als ý erschien, so ist entweder Ausgleichung nach einer Richtung
hin eingetreten, oder es sind Doppelformen entstanden. Im all-
gemeinen siegen die Formen mit ió, z. B. piófr, Dat. Sg. þiófum
neben þiúfum; iú erscheint nur vor f, g, l; p, z. B. fliüga statt
*flióga 'fliegen 5 . Doppelformen sind z. B. lúún : Man 'Ehepaar',
þiúfr:þiófr 'Dieb', miúlcr : miókr 'weich', siómsýn 'Gesicht'.
II. In nichthaupttoniger Silbe.
A. Die kurzen Vokale.
a.
102. Germ, a in nichthaupttoniger Silbe hat
wahrscheinlich nicht existiert, doch ist es immerhin
möglich, daß der in § 107, 2 behandelte Wandel von o
in a sich schon in gemeingerm. Zeit und nicht erst einzel-
sprachlich vollzogen hat.
e.
103. Germ. 6 ist nur selten in nichthaupttoniger
Silbe erhalten, z. B. indem Ortsnamen MosfelKi *Mos-
fella, weil hier das a vor der Brechungszeit ausgefallen
(vgl. §§ 124. 125, 1), ebenso in forspell 'schwerer Verlust', wenn
hier nicht das zweite Kompositionsglied den Hauptton
trägt (vgl. § 54, 4).
104. Da in nichthaupttoniger Silbe keine
Brechung, wohl aber u-Umlaut eintreten konnte
(§ 130, 2), so ist e zu o geworden, z. B. in fer-togr <^*fer-
teguR '40 Jahre alt'.
Anmerkung. In solchen Stellungen entstanden wird tögr
dann auch als Simplex statt des lautgesetzlichen *tiugr 'Dekade'
gebraucht (§ 274 Anm. 1).
105. Gelangt ein ursprünglich haupttoniges e in
nichthaupttonige Stellung, so scheint es zu i geworden
zu sein, z. B. hinnig <C *hinn-weg r dort\
28 Laut- und Akzentlehre. [§ 106—109.
i.
106. Germ, i bleibt urn. und wird dann aisl. zu
e, z. B. urn. -gastiR 'Gast', dpglengr <C äajulingaR 'Fürst',
got. Akk. PL gastins, aisl. geste 'Gäste 5 , heitenn << *haitinan
'geheißen', tameðr <C *tamiða,R 'gezähmt'.
Anmerkung. Um die Mitte des 13. Jahrhs. tritt dann
wieder i für e in den Endungen ein. Wenn in älterer Zeit viel-
fach -ing, -ning neben -eng, -neng erscheint, so erklärt sich dies
daraas, daß diese Endungen auch den Hauptton tragen konnten
(§ 54, 2).
0.
107. Germ, o wird 1. zu urn. u, das dann aisl. zu
o wird : a) vor erhaltenem m, z. B. dpgom << *cfajwm 'den
Tagen', gr. ^épojJLSv, aisl. berom 'wir tragen', got. blin-
damma, aisl. blindom 'dem Blinden'; b) wenn die folgende
Silbe ü o enthält, z. B. gnnor <C *anporö 'die andere'.
2. zu a in allen übrigen Fällen (§ 102), z. B. urn. stainas
<C *stainoz 'Stein', urn. Akk. Sg. liorna <C*hornom 'Hörn 5 ,
gr. ^pspovti, aisl. bera 'sie tragen 5 .
Anmerkung. In stark nebentoniger Silbe kann das
a 1. zu g werden durch t*-Uinlaut (§ 130, 2), z.B. Dat. PI. gefgn-
dorn zu gefande 'Geber'; 2. zu æ, e durch i-Umlaut (§ 126, 1 b),
z. B. Nom. PI. gefendr <£ *gefandÍR, tutende < Hiffande 'Neuigkeit 5 .
u.
108. Germ, u bleibt urn. und wird, soweit es er-
halten, aisl. zu o, z. B. urn. suuur 'Sohn', urn. Akk. Sg.
magu 'Sohn', Akk. PI. got. sununs, aisl. suno.
Anmerkung. Sowohl dieses, als das aus urn. u, germ. o,
entstandene o der Endungen und Ableitungssilben (§ 107, 1) wird
dann im Laufe des 13. Jahrhs. wieder zu u, vgl. § 106 Anm.
Über auch schon in älterer Zeit vorkommendes u wie in konungr
'König 5 , vgl. § 54, 2. 106 Anm.
B. Die langen Vokale.
ä.
109. Ein germ. ä existierte nur in hauptton igen
Silben.
§ 110 — 116.] Die germanischen Vokale im Altisländischen. 29
œ.
110. Germ, æ wird urnord. zu e, das dann wahr-
scheinlich auf dem Wege über ä, urnord. zu a wurde,
z. B. urn. die Eigennamen Wiwila, Nimvila, Erla; Adj.
fauauisa 'der wenig wissende'.
111. Dieses a, das wahrscheinlich dem ce ähnlich
ausgesprochen wurde, wurde später zu e(i), z. B. die Nom.
Sg. Mask. der w-Dekl. hane 'Hahn 5 , arfe 'Erbe 5 , vile 'Wille';
fader 'Vater', syster 'Schwester'.
112. In anderen Fällen, in denen auch e er-
scheint, kann es zweifelhaft sein, ob die lautliche Ent-
wicklung die gleiche war, oder ob hier etwa direkte
Kürzung von é zu é vorliegt, z. B. got. ivalidés, aisl.
valðer 'du wähltest", urn. wurté, aisl. orte 'er machte'.
é.
113. Urgerm. é scheint nur in haupttonigen
Silben vorzukommen.
I.
114. Urgerm. I wird zu i(e) gekürzt, z. B. got. Mir-
deis, aisl. hirðer 'Hirte', got. frödei 'Klugheit', aisl. fráðe
'Kenntnis', got. gasteis, aisl. gester 'Gäste', 1. PL Prät.
Konj. got. oudeima, aisl. byðem 'wir böten'.
ö.
115. Germ, ö ist urnord. noch erhalten, z. B.
got. rünös, urn. riinöR 'Runen', urn. worahtö <i *worahtön
'ich machte 5 .
110. Dieses ö wird dann zu o gekürzt und ebenso
behandelt wie urspr. o (§ 107), wird also: 1. zu u(o):
a) vor erhaltenem m, z. B. got. rünöm, aisl. ri'mum 'den
Runen'; b) bei u, o der folgenden Silbe, z. B. sofnoðo
<^*safnöð~un 'sie sammelten'; außerdem noch c) in nicht
nasaliertem Auslaut, z. B. Dat. Sg. N. góðu<C?3öðöð
(alter Ablat.) 'dem Guten', vgl. ahd. tagu 'dem Tage 5 , Fem.
drótnengo 'der Königin', vgl. ahd. gebo 'der Gabe'. 2. wird
es in allen andern Fällen zu a, z. B. nlnar 'die Runen ,
orta 'ich machte 5 , safna <^ *safnön 'sammeln 5 .
30 Laut- und Akzentlehre. [§116—121..
Anmerkung. In historischer Zeit apokopiert ist es z. B.
in iQvid < Hanau < Handö 'Länder (§ 122, 2).
117. Germ, ü wird zu u(o) gekürzt, z. B. Gen.
Dat. Akk. Sg. tungo, Akk. PI. tungor, ahd. zungiin 'Zungen',
Nom. Akk. PI. ahd. ougun <^ougün, aisl. augu 'Augen',
hafdu <C hafpü 'du hast', estu <Cesþú 'du bist'.
C. Die Diphthonge.
ai.
118. Germ, ai wird zu e kontrahiert und fällt
mit altem aus æ entstandenen e zusammen und wird
wahrscheinlich direkt zu e(i). In urnord. Zeit war
die Länge wohl noch vorhanden, z. B. Dat. Sg. des Eigen-
namens Wöðurlðé , sijostéR 'die nächst verwandten'; got.
olindai, aisl. blinder 'die Blinden 5 ; Dat. Sg. F. got. þizai,
aisl. þeire 'der', got. habais, aisl. hefer 'du hast'.
119. Es wurde zu á in stark nebentoniger Silbe,
z. B. árliialmr 'Erzhelm', zu eir , got. aiz (vgl. § 93
Anm. 3), þorlákr : þorleikr, Oláfr : Aleifr.
120. Germ, au wurde wohl zunächst zu ö kon-
trahiert, schließlich zu a, z. B. got. sunaus, aisl. sonar
'des Sohnes', got. alitau, aisl. dtta 'acht', 1. Sg. Opt. Präs. got.
himaUj aisl. nema, 1. Sg. Opt. Prät. got. nemjau, aisl. Wíéma
zu nema 'nehmen'.
eu.
121. Ob germ. eu im ältesten Um. in nichthaupt-
toniger Stellung noch erhalten ist, erscheint
zweifelhaft, da Beispiele fehlen. Jedenfalls begegnet es
schon in urn. Zeit als tu, z. B. Dat. Sg. Kunimu(n)diu von
einem ?<-Stamm, im Aisl. erscheint es als i(e), vgl. ahd.
suniu, aisl. syne <C *sunewi 'dem Sohne'.
§ 122.] Vokalschwund. 31
Sechstes Kapitel.
Vokalschwund.
122. Jeder unbetonte Vokal in kurzer Silbe
schwindet und zwar in folgenden Fällen:
1. in der Vorsilbe, z. B. got. garazna, aisl. grame
'Nachbar 5 (§ 175, 2); got. galeiks, aisl. glikr 'gleich'; got.
haihait, aisl. heit, Prät. Sg. von heita 'heißen 5 . Ferner in
Fremdwörtern wie postole 'Apostel 5 , spitale 'Hospital'.
Anmerkung 1. Betonte Vorsilbe haben z. B. gamall
^alt' zu mal 'Zeit', gaman 'Freude'.
Anmerkung 2. Folgt auf die Vorsilbe ein vokalisch an-
lautendes Wort, so wird kontrahiert, z. B. géta <^ ga-éta f auf die
Weide führen', vgl. as. ähtian Verfolgen'.
2. in ultima, z. B. um. -ðagciR, aisl. dagr 'Tag', urn.
gastiR, aisl. gestr 'Gast 5 , urn. sunuz, aisl. sunr 'Sohn', Part.
Prät. heitenn <i*JiaitinaR 'geheißen', Akk. Sg. urn. horna,
aisl. hörn 'Hörn', Nom. PI. urn. ðolitrÍR, aisl. dótr 'Töchter 5 ,
1. PL Konj. Präs. got. bairaima, aisl. berem, 1. Sg. Präs.
Ind. got. baira, aisl. her von bera 'tragen 5 , 2. Sg. Ind.
Präs. got. briutis, aisl. brf/tr von brióta 'brechen 5 .
3. in paenultima, z. B. 1. Sg. Prät. Ind. got.
ivalida, aisl. valüa von velia 'wählen 5 , got. faginbn, aisl.
fagna 'sich freuen 5 , Nom. (Akk.) PI. got. Mminös, aisl.
himnar 'Himmel'.
4. zu gleicher Zeit in antepaenultima und in
ultima, z. B. Dat. Sg. M. got. bimdanamina, aisl. bundnum
'gebundenem 5 , Akk. Sg. M. got. walidana, aisl. valðan 'ge-
wählten 5 .
5. in enklitischen einsilbigen Wörtern, z. B.
em(e)k 'ich bin', mœlta(e)k 'ich sprach 5 , kallask <C *kcdlasik
'sich nennen 5 , suát <C suá at 'so daß 5 , sä(e)s 'derjenige
welcher 5 , þeim(e)s 'demjenigen welchem, þaz <Cþat(e)s 'das
ist'; est<iestii << *es-ðu 'du bist 5 , vilt <i viltu 'du willst 5 .
Anmerkung 3. In den Formen erom, eroð, ero Svir sind'
usw. wird das e nur nach vorhergehendem r synkopiert, das -rr-
wird dann zuweilen vereinfacht und das o gedehnt, z. B. vérfrjóm
Svir sind'.
32 Laut- und Akzentlehre. [§ 123. 124.
123. Wechseln innerhalb eines Paradigmas synko-
pierte mit nichtsynkopierten Formen, so ist oft Aus-
gleichung, meist zu Gunsten der synkopierten Formen
eingetreten, oder aber es sind Doppelformen entstanden,
z. B. danskr statt *deniskr nach Akk. Sg. danskan 'dänisch',
Jcarl statt *kerül nach PI. karlar 'Kerl', valðr neben valiðr
nach Akk. Sg. valðan 'gewählt.
Anmerkung 1. Synkope tritt nicht ein in neben-
tonigen Silben, z. B. Dat. Sing. Neutr. ahd. blintu, aisl. blindo
Mem Blinden', vgl. ferner die ursprüngl. dreisilbigen und vier-
silbigen Formen, in denen Synkope nur in einer resp. zwei Silben
eintritt, z. B. heitenn < *haitinciR 'geheißen' mit nebentoniger
Pänultima, Gen. Sing. Fem. mikellar <C *mikiliRöR vgl. got. miki-
laizös, von mikell c groß' mit neben ton. Antepänultima. In
dieser Form wird der Vokal der Ultima nicht synkopiert, weil
er urspr. lang war, wie z. B. noch in Nom. PI. gester vgl. got.
gastéis 'Gäste', facfer, vgl. gr. TiaxÝjp 'Vater' oder im Akk. PI. daga,
vgl. got. dagans 'Tage', wo es durch nasalen Klang gedeckt war.
Anmerkung 2. Bei schwankender Betonung entstehen
Doppelformen, z. B. Dat. Sg. laugfo) 'Bad' (§254).
Chronologisches.
124. Vokalschwund trat (abgesehen von den Vor-
silben) am frühesten ein in der zweiten Silbe urnord.
zweisilbiger Wortformen, die das erste oder zweite
Glied einer Komposition bildeten und den Haupt-
ton des Wortes trugen, z. B. (q)salliaukum <^*salihau-
gum (adän. Snoldelev ca. 800 — 25) 'den Erdhügeln',
Asmut N. *pr.<i*Ansumundu (aschw. Sölvesborg ca. 700 — 75),
uþarat)ast)a<^-*spa}iu (aschw.Björketorp 8. Jahrh.) 'Unglücks-
prophezeiung'. Dann erscheint Vokalschwund in allein-
stehenden Wörtern früher nach langer als nach
kurzer Silbe, und zwar im ersten Fall wieder früher
vor Konsonanten, als wenn der Vokal auslautend stand,
z. B. N. Sg. -wul(q)fR, aber Akk. Sg. -icul(q)fq (anorw.
Istaby ca. 700) 'Wolf, im Leidener Runenalphabet (ca.
825 — 50) soulu = aisl. sól 'Sonne', aber aus = aisl. gss
<C *ansuR 'Balken', T)(a)ndR = aisl. brýtr (Björketorp) 'er
bricht', aber síUr = aisl. sitr (aschw. Rök ca. 900) 'er
sitzt', im Abecedarium nordmannicum sal 'Sonne', aber
§ 124. 125.] Brechung. 33
feie = aisl. fé 'Vieh'. Zuletzt wahrscheinlich schwindet
der Vokal in ursprünglich zweisilbigen ersten Kom-
positionsgliedern, wenn das zweite Glied den Haupt-
ton des Wortes trug (§ 54, 4), wie in bryllaup < *brúþi-
hlaup 'Hochzeit' (§ 127 Anm. 1). Am frühesten, wahr-
scheinlich 7. Jahrh., beginnt die Synkope von a, dann
folgt die von i, zuletzt die von u, doch so daß z. B. die
früheren Akte der u- Synkopierung mit den späteren der
i-Synkopierung gleichzeitig sind. Wie lange sich a, i, u
gehalten, läßt sich nicht bestimmt angeben, doch wird
das u ungefähr in der 2. Hälfte des 10. Jahrh. überall
geschwunden sein.
Siebentes Kapitel.
Brechung.
Über die einzelnen Fälle der a- und M-Brechung vgl.
§§ 63-65.
Chronologisches.
125. Man hat wahrscheinlich verschiedene Peri-
oden zu unterscheiden. Für die a-Brechung gestaltet sich
das Bild folgendermaßen:
1. Eine früheste Zeit, in der weder bei erhal-
tenem noch bei geschwundenem a Brechung eintrat,
z. B. urn. HeldciR N. pr. (Tjurkö ca. 550—600) = aisl.
liialdr 'Kampf, bergbúe <C *bergabüe 'Bergbewohner', forspell
'schwerer Verlust 5 , vgl. spiall 'Schaden 5 .
Anmerkung. Komposita wie giafmildr 'freigebig 5 , giald-
clage 'Zahlungstag' sind entweder als junge Komposita aufzufassen,
oder der Vokal ist umgebildet worden nach dem Muster von
giafar, Gen. Sing, von gigf 'Gabe', gialda 'zahlen'.
2. Eine Periode, ca. 700, in der Brechung durch den
Schwund des a veranlaßt wird, z. B. liialdr 'Kampf, biarg
'Fels'.
Kahle, Altisländisches Elenientarbuch. 3
34 Laut- und Akzentlehre. [§ 125. 126.
3. Eine Periode, in der Brechung durch erhaltenes
a veranlaßt wird, z. B. hiarta 'Herz'. Die ältesten Belege
hierfür reichen bis ca. 900 zurück.
Anmerkung. Für die «/-Brechung wird man denselben
Verlauf anzunehmen haben, nur muß, da das u später als das a
schwindet, die 2. Periode später eingetreten sein.
Achtes Kapitel.
Umlaute.
I. Palatale Umlaute.
1. i-Umlaut.
Über die Vokale, die diesen Umlaut erleiden, vgl.
§§ 60, 1; 63 Anm.; 64 Anm. 3; 72, 1; 74, 1; 75,
1 und 2; 77; 80, 1; 87, 1; 89, 1; 90 Anm.; 93 Anm. 1.;
95, 1; 100, 1; 107 Anm.
126. Dieser Umlaut, der dem ganzen Norden
angehört, wird bewirkt:
1. Durch ein in historischer Zeit oft geschwun-
denes i (resp. <?, § 106), i der folgenden Silbe, a) Der
umgelautete Vokal steht in haupttoniger Silbe,
das i, i ist, soweit erhalten, meistens schwachneben-
tonig, z. B. urn. gastin, aisl. gestr 'Gast'; got. lukis, aisl.
lýkr 'du schließt'; got. katüs, aisl. ketell 'Kessel'; oder aber
€S hat starken Nebenton wie in Knýtlengar 'Nach-
kommen des Knútr', Ylfengar 'Nachkommen des Ulfr'.
b) Der umgelautete Vokal steht in starkneben-
toniger Silbe, z. B. Nom. Akk. PL gefendr <i *gefandi.R
zu gefande 'Geber', tíðende <C *tíðande 'Neuigkeit'.
Anmerkung 1. Das Fehlen des Umlauts in Wörtern
wie arminge, auminge 'ein unglücklicher Bursch' beruht auf
Analogie nach armr, aumr c arm, unglücklich', oder aber auch
darauf, daß die Endungen -inge, -ingr auch den Hauptton tragen
konnten (§ 54, 2).
Anmerkung 2. Schwachnebentonige Vokale wer-
den nicht umgelautet, z. B. 3. Sing. Opt. Prät. Jcallafre <
§126.127.] Umlaute. 35
*Jcdllaðí 'er rief. Bei schwankender Betonung entstehen Doppel-
formen, z. B. bindende : bindernde 'Enthaltsamkeit', Fem. Part.
Prät. gefende : gefande 'gebend', dómere : dómare 'Kichter'.
2. Durch ein unmittelbar auf langen Vokal fol-
gendes i (resp. e) i, z. B. flýia <C fliuhian 'fliehen', Prät.
jlýða <C *fliuhi&ðj néstr <C *náistan 'der Nächste 5 .
Chronologisches.
127. Man hat auch hier (vgl. § 125) verschiedene
Perioden zu unterscheiden.
1. Eine früheste Zeit, in der weder durch er-
haltenes noch durch geschwundenes i(i) Umlaut
bewirkt wird, z. B. urn. gastiR 'Gast', kuänfang <C *kuäni-
fang 'Heirat', grunlauss <C *grunilausa,R 'unverdächtig'.
2. Eine Periode, in der i(i) durch seinen Aus-
fall (nach langer Silbe) Umlaut bewirkt, z. B. dómða
<^ ðömiðö 'ich richtete 5 , kuén <C *kuáni 'Weib'. Das älteste
Zeugnis für den älteren Umlaut ist t>(a)rutn = aisl. brýtr
<C ttriutÍR, vgl. got. *briutis 'du brichst' (schwed. Björketorp
ca. 700).
3. Eine Periode, in welcher der Ausfall des i(i)
keinen Umlaut bewirkt, z. B. talða <C*taliðö 'erzählte 5 ,
Akk. Sg. stað<i*staði zu staðr 'Stätte'.
4. Eine Periode, in der Umlaut (sogen, jüngerer
i-Umlaut) durch erhaltenes i(i) bewirkt wird, z. B.
lykell <C *luJtüas 'Schlüssel', syner <^ *suuír 'Söhne 5 . Um
die Mitte des 10. Jahrh. ist dieser Umlaut bereits vor-
handen.
Anmerkung 1. In diese Zeit fällt wahrscheinlich auch
der Umlaut in bryllaup <^ *brüdi-Maup 'Hochzeit', d. h. das i fiel
hier erst aus nach der Periode des jüngeren i-Umlauts, vgl. § 124.
Anmerkung 2. Liegen in einem Wort umgelautete neben
nichtumgelauteten Formen, so tritt häufig Ausgleichung ein (§ 237
Anm. 1), z. B. Nom. PI. lyklar neben laklar nach h/kell; Nom.
Sing, vdle&r statt *veleðr nach Akk. Sing, valðan 'gewählt'.
Anmerkung 3. Die durch Kürzung von urspr. œ, e, ai
entstandenen i(e) bewirken keinen Umlaut, z. B. faefer 'Vater', vgl.
gr. rcaT-fjp, 2. Sg. Prät. got. walides, aisl. val&er 'wähltest', 3. Opt.
Prät. got. lükai, aisl. Mike 'er schlösse'.
3*
36 Laut- und Akzentlehre. [§128—130.
2. .ß-Umlaut.
Über die Vokale, die diesen Umlaut erleiden, vgl.
§§ 60, 2; 75, 3; 80, 2; 87, 2; 89, 2; 90 Anrn.; 95, 2;
100, 2.
128. Wann dieser Umlaut, der nur auf unmittel-
bar vorhergehenden Vokal ausgeübt wird, eingetreten,
kann nicht sicher bestimmt werden. Wahrscheinlich ist
er jünger als der ältere i-Umlaut.
3. iß-Umlaut.
Über die Vokale, die diesen Umlaut erleiden, vgl.
§§ 60, 3; 63 Anm.; 72, 2; 74, 2.
120. Wahrscheinlich ist der iß- Umlaut, der nur
von einem auf kurze Wurzelsilbe folgenden iß beim
Schwund des i ausgeübt wurde, ziemlich gleichzeitig mit
dem jüngeren i-Umlaut.
Anmerkung. Auch hier sind Ausgleichungen zu beachten,
so z. B. Nom. Sing, stacfr statt ^sted'r < staÖÍR nach Akk. Sing, stafr
'Stätte 5 , Akk. Sing, byr statt *bur nach Nom. Sing, byrr 'günstiger
Fahrwind'.
II. Labiale Umlaute.
1. ?i-Umlaut.
Über die Vokale, die diesen Umlaut erleiden, vgl.
§§ 59, 1; 66, 1; 78; 81, 1; 93 Anm. 1; 104; 107 Anm.
130. Er wird bewirkt durch ein in historischer
Zeit oft geschwundenes u der folgenden Silbe.
1. Der umgelautete Vokal steht in haupttoniger
Silbe, der umlautwirkende ist entweder, soweit er
erhalten ist, und zwar in den meisten Fällen, schwach-
nebentonig, z. B. Nom. PL lonä<i Hanau, Dat. PI. Ignäom
'Länder 5 , oder starknebentonig, z.B. Ogmundr N. pr.,
pfund 'Mißgunst'.
2. Der umgelautete Vokal steht in starkneben-
toniger Silbe, z. B. Nom. Sg. Fem. gpmol<i*gamól<i*ga-
málu zu gamall c alt\ Dat. PI. gefgndom zu gefande 'gebend',
þegvslxopom zu pegnskapr 'Heldenthat'.
§131.] . Umlaute. 37
Chronologisches.
131. Auch hier sind wieder (vgl. §§ 125. 127. 133)
verschiedene Perioden zu unterscheiden.
1. Eine früheste Zeit, in der Umlaut weder durch
erhaltenes noch durch geschwundenes u bewirkt
wird, z. B. Akk. Sg. maju (norw. Strand) = aisl. mog
^Knabe', Asmut N. Pr. <C *Ansumundu (schwed. Sölvesborg),
kattbelgr <C *kattubalgiR 'Katzenfell 5 .
2. Eine Periode, in der Umlaut nur durch den
Schwund eines u hervorgerufen wird, z. B. got. magns,
aisl. mggr 'Knabe', Ignd << *landu 'Länder', Hggne N. pr.
<C Ha^una, Akk. Sg. mgtkan zu máttogr 'mächtig'. Dieser
(ältere w-Umlaut) ist am frühesten eingetreten in den
zweiten Gliedern von Kompositen, darauf wohl in
Wörtern mit Synkope in der Pänultima, z. B. -old
<C*aldu 'Alter', Jwsli <C*hasuli 'Hasel' (schwed. Rök ca.
900), aber in derselben Inschrift noch Akk. Sg. F. strqntu
= *stranduj später aisl. strgnd 'Strand', und kariiR =
*garuR<^*garwas, später aisl. ggrr 'bereit'. Durchgeführt
in allen Fällen scheint der ältere «-Umlaut gegen das
Jahr 1000 und zwar in allen nordischen Sprachen.
3. Eine Periode, in der Umlaut durch erhaltenes
m bewirkt wird, z. B. Igndom 'Ländern', Skggol N. pr.
Dieser (jüngere) w-Umlaut ist nur westnord., und
zwar ist er ganz durchgeführt, ums Jahr 1200, im Island.;
ferner wahrscheinlich in westl. Dialekten Norwegens,
während er den östl. Dialekten fremd gewesen zu sein scheint.
Anmerkung. Auch hier sind Ausgleichungen zu beachten,
so ist z. B. der Umlaut überall durchgedrungen in syster statt
*suister nach Gen. sy stur 'Schwester'; überall geschwunden ist er
z. B. in har&r statt *ligrcfr, vgl. got. hardus 'hart' nach Kompositen
wie harð'ggrr "hart gemacht'; Doppelformen sind entstanden z. B.
in hgll, hall nach urspr. Nom. hgll, Gen. hallar Halle', rgnd,
rand 'Schild', ów, ván (§ 226) 'Hoffnung'.
2. w-Umlaut.
Über die Vokale, auf die ?r-Umlaut gewirkt wird,
vgl. §§ 59, 2; 61; 66, 2; 68 Anm.; 70; 81, 2; 85; 93
Anm. 1.
38 Laut- und Akzentlehre. [§ 132. 133.
133. Umgelauteter Vokal findet sich nur in
haupttoniger Silbe; er wird verursacht:
1. Durch ein erhaltenes oder geschwundenes
nicht unmittelbar folgendes w (u, v) der folgenden
Silbe, das entweder in schwachnebentoniger Silbe
steht, z. B. spngr <C *sanguaR 'Gesang 5 , syngua 'singen 3 ;
oder in starknebentoniger Silbe, z. B. Rggnvaldr
N. pr., gndverðr 'anfänglich'.
2. Durch ein unmittelbar auf ursprünglich
langen Vokal folgendes geschwundenes w, z. B. ahd.
sniwit, aisl. smjr 'schneit', blý, vgl. ahd. blio, bliioes 'Blei'.
Chronologisches.
133. Auch hier sind verschiedene Perioden zu
unterscheiden (vgl. §§ 125. 127. 131).
1. Eine Periode, in der Umlaut bewirkt wird
durch Verlust des w; dieser (ältere) w-Umlaut ist ge-
meinnordisch und trifft die Fälle wie sgngr, bhj. Wann
dieser Umlaut eintrat, ist nicht genau zu bestimmen.
2. Eine Periode, in der durch Verlust des w kein
Umlaut bewirkt wird. Dies ist der Fall, wenn w un-
mittelbar nach ursprünglich kurzem Vokal aus-
fällt (wo der Ausfall später eintrat als nach langem
Vokal), z. B. þír <i*þiw(i)R vgl. got. þiwi 'Dienerin'; Nom.
PI. daner <C '-'dawnen zu dctenn 'tot', Prät. Méða << *hlewiðö
zu lilýia 'schirmen 5 , séða <^.*seuri&ö zu *sýia vgl. got. siujan
nähen' (§ 393 Anm. 1).
Anmerkung 1. Die Form hUtFa ist Neuschöpfung nach
té&a zu týia 'ausreichen' (§ 372 Anm.), fUÖa, zu flýia 'fliehen*
(§370 Anm. 2), ebenso Part. Prät. SßÜ'r neben séðr.
3. Eine Periode, in welcher Umlaut im Island, und
Vorweg, durch erhaltenes nicht unmittelbar folgen-
des w(u) bewirkt wird. Dieser (jüngere) w- Um laut ist
wohl ungefähr gleichzeitig mit dem jüngeren w-Umlaut,
also etwa ums Jahr 1200.
Anmerkung 2. Unmittelbar auf Vokal folgendes erhal-
tenes w(%) wirkt keinen Umlaut, z. B. tivar 'Götter', Ivarr N. pr.
Anmerkung 3. Ausgleichungen sind zu beachten wie
Nom. Sing, mar : mar, nach PL máfar 'Möve', lyng : ling nach PI.
§ 133—138.] Sonstige Vokalveränderungen. 39
ling <^*ling(w)u 'Heidekraut', engr:0ngr nach Akk. Sing. 0nguan
'keiner', gerr : ggrr 'fertig'. In tuisuar, ßrisuar neben tysuar,
prysuar 'zweimal, dreimal' ist der Vokal unter Verkürzung (§ 143, 2)
neugeschaffen nach tui-, fri- (§ 364).
Neuntes Kapitel.
Sonstige Vokalveränderungen.
I. Kontraktion.
134. Wo zwei gleiche oder gleichartige Vokale
zusammentreffen, werden sie, seit ca. 1200, zu einem
langen von der Qualität des stärker betonten zu-
sammengezogen, doch begegnen meistens auch daneben die
unkontrahierten Formen als analogische Neuschöpfungen,
z. B. Gen. Sing, dar, dr, Dat. PL *gum, gm von g 'Fluß',
róum, Tom 'wir rudern', büum, htm 'wir wohnen', *sœem,
sæm 'wir sähen', knée, kné 'dem Knie'.
Anmerkung, á + c(i) bleibt, z. B. ddenn 'gestorben'.
135. e, é, i, % gehen vor a, d, o, o, u, u, ebenfalls
seit ca. 1200, in i über, wobei der zweite Vokal, wenn
kurz, häufig gedehnt wird, z. B. sid <C *séa <C *seha 'sehen',
knióm<Cknéom <Cf : 'kneícom c den Knien 5 , liá <C *li(h)a 'leihen',
fiande <C *f lande 'Feind', þriú <C *þríu vgl. got. þrija Ntr.
PL 'drei'.
Anmerkung. Dieselbe Behandlung scheint auch bei ý
und æ vorzukommen, z. B. Gen. Sing. Mar, Dat. PI. bióm zu bij
'Dorf und Sniólfr N. pr. <^ *Sndülfr.
136. Dieser Übergang tritt nicht ein: 1. wenn u
dem e usw. vorhergeht, z. B. Gen. PL véa, Dat. PL véom
von vé 'Heiligtum', Suiar 'die Schweden'. — 2. In einigen
Wörtern wie nio 'neun', Üo 'zehn*, sla 'seihen', knia 'dis-
kutieren'.
137. o, 6, u, ú + a, d, e, é 3 i, Í bleiben, z. B. raa
'rudern', búa 'wohnen', lue 'Bewohner'.
138. Die Behandlung von ý, cc, ó -f- e, i schwankt :
z. B. mi/ell und mýll 'Ball', Dat. Sg. free und free 'Samen'.
40 Laut- und Akzentlehre. [§ 139—143.
II. Dehnung.
139. Jeder kurze auslautende Vokal wird ge-
dehnt, z. B. got. sa, aisl. sd 'dieser', got. þu, aisl. þú
c du 5 , got. alva, aisl. 6 'Fluß', got. faihu, aisl. fé 'Vieh',
Prät. sd <C *sahv 'ich sah'.
140. Schwindet unmittelbar nach einem in-
lautenden Vokal ein Konsonant, so tritt Ersatz-
dehnung ein, d. h. der Vokal wird gedehnt, z. B. ahd.
zahar, aisl. tár 'Zähre", ndr <C *nawis 'Leichnam 5 , gas 'Gans',
got. maþl, aisl. mal 'Sprache', Nom. PL hudrer <C' f 'huaðrer
zu huaðarr 'welcher von beiden', ßfl <C *fimfl 'Riese'.
141. Ferner tritt Dehnung vor folgenden Konso-
nantenverbindungen ein: 1. Schon vorlitterarisch vor aus
ht entstandenem tt (§ 203), z. B. dótter 'Tochter', dtta
'acht', rétta 'richten'. — 2. Seit etwa 1200 werden a, o,
y, u gedehnt vor l -\- f, g, k } m, p, z. B. sidlfr 'selbst',
úlfr 'Wolf, hdlfr, Fem. hol/ 'halb', gälge 'Galgen 5 , fólk
'Volk', skalier 'Diener', hidlmr 'Helm', hidlpa 'helfen'.
Anmerkung 1. Präteritalformen wie halp zu hidlpa
'helfen', snalg zu suelga 'verschlingen', skolfenn zu slndlfa 'zittern'
sind Analogiebildungen nach barg, borgenn zu biarga 'bergen'.
Anmerkung 2. Zuweilen findet sich auch Dehnung vor
7 -f- d, n, s, z. B. älteres skaJd, späteres skáld 'Dichter' und neben-
einander gln, gln 'Elle', hals, háls 'Hals'.
142. Zuweilen steht auch vor dem aus e entstan-
denen r gedehnter Vokal, z. B. Präp. ór, úr, ár, ýr (vgl.
got. us) 'aus' neben dem Privativpräfix or-, ur-, er-, iárn
neben iam 'Eisen'.
III. Kürzung.
143. Ein langer Vokal wird in den entsprechen-
den kurzen, der Diphthong ei in e gekürzt, doch stehen
oft die Formen mit langem analogisch wiederhergestellten
Vokal daneben:
1. Vor Geminata, doch nicht vor dem aus ht ent-
standenen tt, z. B. gasse 'Gänserich' zu gós << *gansu,
þrettdn, vgl. aschwed. þrér 'dreizehn', minn, þinn, sinn, Ntr.
mitt etc. zu Fem. min etc. 'mein, dein, sein', sUrr : skirr
§ 143—147.] Ablaut. 41
'hell', Ntr. gótt : gott c gut*, Hrolleifr < *Hróðleifr N. pr.,
brullaup <C brúðhlaup 'Hochzeit', dýrr : dyrr 'teuer', Dat.
Sing. Fem. kenne <C*hœnne 'ihr' (§ 60), vœt(t}r : vœtfflr
'Wicht', ekke < *eit(t)ke < *eit(t)ge 'nichts'.
2. Seltener auch vor andern Konsonantenver-
bindungen, z. B. Ms&e : haske 'Gefahr', drna : arwa c Bote
sein', PI. Utler : litter von Z/te// 'klein", fó/í : toft 'Bauplatz',
porsteinn <i*þórsteinn N. pr., tolf<C*tólef 'zwölf 5 , brióst: briost
'Brust', PL f/mser zu #m«ss 'wechselnd', M</e 'der Heilige'
zu Jieilagr 'heilig', Superl. mestr zu meire 'größer', flestr zu
fleire 'zahlreicher', freista : fresta 'versuchen'.
144. Langer Vokal wird, besonders in der Poesie,
vor Vokal vielfach als kurzer gebraucht, z. B. búa : bua
'wohnen', glóa : gloa 'glühen'.
Zehntes Kapitel.
Ablaut.
145. Ablaut nennt man die verschiedenartige Ge-
stalt der Vokale in Wörtern desselben Stammes und zwar
sowohl in den Wurzelsilben wie in Suffixen.
a. Ablaut der Wurzelsilben.
146. Am reinsten erscheint dieser Ablaut in den
ablautenden Verben, welche zu vergleichen sind, viel-
fach liegt er sonst nicht vollständig vor.
1. Ablautreihe.
147. urgerm. I ai i(e) (§ 62 Anm.)
aisl. í ei i(e).
Hierher gehören z. B. :
drifa 'treiben', Prät. Sg. dreif, Prät. PI. drifom, Part. Prät. drifenn
bíða 'warten' beið biðom, beðenn.
víss 'gewiß, weise' : viss 'gewiß'; skina 'glänzen' : skin
'der Glanz'; heifr 'heiß' : Ute 'Hitze'; vátbr, vœttr « *waikts,
42 Laut- und Akzentlehre. [§ 147—151.
*icaihtiz) § 93, 1 u. Anm. 1 : véttr, vítr § 69, Anm. 2 (vgl.
got. waihts) 'Wicht'.
2. Ablautreihe.
148. urgerm. en au u oder ü.
aisl. iú (ió §§ 98 — 101) au u(p §72 Anm. l)oder ú.
Hierher gehören z. B.:
drüipa 'triefen' draup drupom dropenn.
brióta 'brechen'; súpa 'saufen'; rióðr : rauðr 'rot' : roðe
'Röte'; siúkr 'krank' : sótt 'Krankheit' (vgl. got. saúhts);
liúga 'lügen' : lyge 'Lüge'; þraut 'Anstrengung' '.þrote 'Ge-
schwulst' : þrútenn 'geschwollen'.
3. Ablautreihe.
149. urgerm. e (i § 67 Anm.) a u
aisl. e, i a u (o §72 Anm. 1).
Hierher gehören z. B. :
huerfa 'sich wenden' huarf hurfom horfenn
binda 'binden' batt bundonn bundenn.
rinna 'rennen 5 : renna 'laufen machen 5 (vgl. got. rann-
jan) : (vegg)-rune 'das aus der Dachtraufe fließende Wasser';
biarg (§ 63) e Felsen' : borg 'Burg'; duergr 'Zwerg 5 : dyrgia
(§ 74) 'Zwergin'; sterkr : styrkr 'stark'.
4. Ablautreihe.
150. urgerm. e (i% 67 Anm.) a æ u
aisl. e, i a á (§ 79) u (p § 72 Anm. 1).
Hierher gehören z. B. :
bera 'tragen' bar bgrom borenn
nema 'nehmen' nam ngmom numenn.
suima 'schwimmen 5 : symia 'schwimmen', sund 'das
'Schwimmen'; bera : barn 'Kind' : burr (dichter.) 'Sohn', Borr
N. pr.; Gen. PI. kuinna «*kwen -nö), kuenna «%icen(a))ia)\
kuén (<C '-'kicäni-), kugn « *kwänu) : kona, kuna 'Weib 5 .
5. Ablautreihe.
151. urgerm. e (i § 67 Anm.) a œ
aisl. e, i a á (§ 79).
Hierher gehören z. B. :
gefa 'geben' gaf gófom gefenn.
§151-155.] Ablaut. 43
biðia 'bitten'; yista (<C *jestian) 'als Gast besuchen':
gestr(<? : 3astiR); ó (got. áfoa) 'Fluß 5 : Æger 'der Meergott';
mggr (got. magus) 'Sohn' : mclgr 'Verschwägerter'.
6. Afolautreilie.
152. urgerm. a ö
aisl. a 6.
Hierher gehören z. ß. :
fara 'fahren' fór fórom farenn (8ta,tt*ferenn, vgl. § 127 Anm. 2).
taka 'nehmen' tök tókom tekenn.
baztr 'der beste' : bot 'Buße 5 ; dagr 'Tag' : dégr (vgl.
got. ahtaii-dögs 'acht Tage alt') 'Tag und Nacht'; grafa
'graben' : gröf 'Grube' ; hane 'Hahn 5 : Jwna 'Henne'.
7. Ablautreihe.
153. urgerm. œ ö
aisl. á (§ 79) 6.
Hierher gehören z. B. :
sä 'säen 5 , Prät sera (vgl. got. saian, saisö§$ 176. 179),
grata 'weinen 5 : grata 'zum weinen bringen'; dgð (dáð) 'Ge-
schicklichkeit 5 : dómr 'Urteil' ; rámr 'heiser' : rómr 'Stimme'.
b. Ablaut in Suffixen.
154. Besonders häufig erscheint ein Ablaut i(e) —
a — u in Ableitungssuffixen, z.B. vaðeU : va&att : vgðoll
'Furt'; feréU ifproü 'Reisende'; giafaü : gipfoll 'freigebig';
sanninde : sannande, sannende : sannynde 'Wahrheit', Jwginde:
hegende : Mgynde 'Bequemlichkeit 5 ; virðeng 'Schätzung':
verðong 'Ehrengeleit'; œttenge : óttongr 'Verwandter'; auðegr:
auðogr 'reich 5 ; gpfegr : gpfogr 'edel 5 ; myrgenn'.morgonn 'Morgen';
þreskeldr : þreskaldr : preskoldr 'Thürschwelle 5 .
155. Ablaut in Flexionssuffixen ist nur noch
in Spuren nachzuweisen, z.B. urn. gastin, aisl. gestr 'Gast :
N. PI. gester (<C*gastiR, vgl. got. gasteis); urn. summ, aisl.
sunr 'Sohn' : G. Sg. sonar (vgl. got. sunaus § 120) : N. PL
syner (vgl. got. sünjus <^*sunewes); fader 'Vater' : Dat. Sg.
feðr<C *faðri\ Gen. Sg. oxa « : ' :: oxan) 'des Ochsen' : Nom.
PI. yxn (<C *uhsniit); px (vgl. got. aqizi) : px (vgl. ahd. acchus)
'Axt'.
44 Laut- und Akzentlehre. [§156-161.
Elftes Kapitel.
Die germanischen Konsonanten im Alt-
isländischen.
p-
156. Germ, p bleibt erhalten, z. B. súpa 'saufen',
gripa 'greifen', diúpr 'tief, þorp 'Gehöft, Dorf, spinna
'spinnen'.
Anmerkung. Im Anlaut kommt jp nur in Fremdwörtern
vor, z. B. prestr 'Priester', psälmr 'Psalm 5 .
157. Ebenso bleibt pp, z. B. ae. hoppian, aisl. hoppa
'hüpfen', ae. cnœp(p), aisl. knappr 'Knopf,, engl, happy
'glücklich", aisl. Jmpp 'Glück'.
t.
158. Germ, t bleibt in der Regel erhalten,
z. B. tid 'zeigen', stiga 'steigen', bita 'beißen', þat 'das'.
Anmerkung. Zwischen 11, nn und s ist auf westnord.
Boden ein t entstanden (ts = z § 49), z. B. Gen. a(l)lz zu allr
'ganz', Superl. el(l)ztr zu Komp. ellre 'älter', Gen. sanfn)z zu
sa&r, sannr 'wahr', Superl. minfnjztr 'mindest'.
159. Ebenso bleibt tt, z. B. got. skattSj aisl. skattr
'Abgabe', ae. liœtt, aisl. hottr 'Hut', ae. catt, aisl. kgttr
'Katze'.
160. t resp. tt wird assimiliert: 1. folgendem k,
z. B. ekki<j''eitt-ki 'nichts', Mykk <^*hlt)t-ek 'ich bekomme';
2. folgendem s: a) bei int er vokalischem ts } dialektisch
(norweg.?) schon um 1150, z. B. blesson 'Segen', vgl. ae.
bleUian, aisl. bleza (bletsa) 'segnen'; allgemein um 1250,
z. B. Gissorr N. pr. = Gizorr (Gitsorr) ; b) auf das s
folgt ein t oder k, die so entstehenden Lautgruppen sst,
ssk werden zu st, sk vereinfacht (§ 231), z. B. haste <C *batste
'der beste', skosker <C skotsker 'die schottischen'.
k.
161. Germ, k bleibt meistens erhalten, z. B.
ker 'Gefäß', kiósa 'wählen', auka 'vermehren', ek 'ich'.
§ 162 — 167.] Die german. Konsonanten im Altisländischen. 45
162. Auch die Geminata blieb, z. B. ae. bueca,
aisl. bokkr 'Bock 1 , ahd. locchön, aisl. lokka Verlocken', got.
sakkus, aisl. sekkr, 'Sack', ae. smocc, aisl. smokkr 'Frauen-
hemd'.
163. Germ, k wird zu kk gedehnt: 1. vor i nach
kurzem Vokal, z. B. lykkia 'Schlinge' zu luka 'schließen';
2. vor u(ic), z. B. slokkna 'auslöschen', aber slokenn 'er-
loschen', nokkue 'Nachen'.
Anmerkung. Da sehr oft in denselben Wörtern Formen
mit *, u mit solchen ohne %, u wechselten, so ist vielfach Aus-
gleichung eingetreten oder es sind Doppelformen entstanden, z. B.
béklcr 'Bach' statt bekr nach Gen. Sing. bekJciar, Akk. Sing, sekian
nach Nom. Sing, sehr 'schuldig', aber anorw. sœhkian; r0k(k)ua
'finster werden', rúk(kjr 'Finsternis', vgl. got. riqis, Akk. Sing.
huik(kjuan zu kuikr 'lebendig'.
164. Germ. b (stimmhafte labiolabiale Spirans) ist
im Nom. noch erhalten, z. B. borumn 'den Söhnen', ba-
riutip 'er zerbricht', N. Sg. Fem. linbu 'lieb'. Es wird,
am frühesten wohl nach m, sodann anlautend zu b, z. B.
kambr 'Kamm', lamb 'Lamm', brióta 'zerbrechen', biöða
'bieten'.
165. Sonst bleibt es meistens erhalten (geschrieben
/ § 42, 2), z. B. got. graban, aisl. grafa 'graben', got. ibns,
aisl. iafn 'eben', got. twalif, Dat. PI. twalibim, aisl. tolf 'zwölf.
Anmerkung. Geschwunden ist es schon vorlitterarisch
inlautend vor u, z. ß. ahd. habuk, aisl. haukr 'Habicht', ae. beo-
for, aisl. biórr 'Biber', ahd. Gibihho, aisl. GiüJce < *GibuU.
166. Es wurde stimmlos vor den stimmlosen Kon-
sonanten s und tj und ging dann weiter in pt über, doch
sind die Schreibungen mit / vor s die häufigeren, z. B.
Gen. Sing. Hufs zu lii'ifr 'lieb', aber leypt neben leyft
'gelobt'.
Stimmlos ist es wahrscheinlich auch vor fc, z. B. in
rlfka 'vorteilhaft machen' (§42, 1).
167. Die Geminata bb ist selten und ihr Ursprung
unsicher, z. B. krabbe 'Krabbe', gabba 'zum Narren halten',
stubbr 'Stumpf.
46 Laut- und Akzentlehre. [§168—170.
ð.
168. Germ, ð ist urn. noch erhalten, z. B. ðajaB
r Tag', und bleibt im allgemeinen in- und auslautend,
z. B. got. fadar, aisl. facfer Vater', got. waúrd, aisl. orð
'Wort', got. þiada, aisl. þióð 'Volk'.
169. Es ist zu d geworden: 1. zuerst wahrschein-
lich nach Nasal, dann anlautend (9. Jahrb.), z. B.
land 'Land', sandr 'Sand*, dagr 'Tag', drepa 'erschlagen';
2. schon vorlitterarisch, wenn auch bedeutend später,
nach nicht aus lp, np entstandenen XI, nn (§ 194), z. B.
fel(l)da 'ich fällte', hren(n)da 'zündete an' (§ 231) ; 3. um
1200 nach m, l, n, z. B. temda 'ich zähmte', deilda 'teilte',
reynda 'erprobte'; 4. etwas später noch auch nach b, If,
lg, ng, z. B. kembda 'kämmte', skelfda 'schüttelte*, fylgda
'folgte', hengda 'hängte'; 5. wenn infolge von Synkope
zwei, urgerm. oder erst später entstandene ð zusammen-
stoßen, entsteht dd, z. B. grodda 'ließ wachsen' zu gróða,
eydda << *auðiðö <C *außtöo (vgl. got. auþs 'öde') 'verödete',
edda<*vöðiðó (§§ 72 Anm. 2; 143, 1; 226, 1) 'Poetik 5 ;
6. wo es in der Komposition mit d zusammenstößt, z. B.
guddómr <C?guðdómr 'Gottheit'.
170. Das so entstandene d, resp. dd, wird zu t,
resp. tt: 1. Im Auslaut nach w (-nt wird dann zu -tt,
§ 212, 1), z. B. bitt 'binde' zu binda, liratt 'stieß* zu
hrinda; und nach I, z. B. gialt 'bezahle' zu gialda. 2. In
Verbindung mit den stimmlosen Konsonanten t,
k, s, z. B. Ntr. reynt <C*reyntt <^'-'reyndt 'erprobt' (vgl.
§230), Mint <^*blindt 'blind', eytt <C *eyddt Verödet 9 , stentk
<C stendek 'stehe ich', lanz 'des Landes' {z = ts) zu landr,
allvalz 'des Allwaltenden' zu allvaldr.
Anmerkung 1. Der Übergang von d zu -t wird häufig
durch Systemzwang gehindert, z. B. land e Land 5 , oder es ent-
stehen Doppelformen wie giald: gialt.
Anmerkung 2. Wie Skaldenreime zeigen, ist die Aus-
sprache von ds noch bis ins 13. Jahrh. erhalten, doch mag hier
der Systemzwang eine Rolle gespielt haben. Die Handschriften
haben hier wie in den in andern Fällen schon in ältester Zeit t
(resp. z).
§ 171 — 175.] Die german. Konsonanten im Altisländischen. 47
171. In den Fällen, in denen sich ð gehalten hat,
wird es in Verbindung mit stimmlosen Konso-
nanten in verschiedener Zeit zu t, und zwar auf dem
Wege über þ, das nur selten belegt ist: 1. mit s, z. B.
fázla<C*fóðsla 'Nahrung' zu fóöa ernähren', reista<^*reisða
'ich richtete auf; 2. mit t, z. B. Ntr. vítt<^víðt 'weit',
keypta <C *keyptüa 'ich kaufte, vgl. got. kaapatjan, botta
'büste 5 , vgl. got. bötida: 3. mit stimmlosem l, n (§ 47 Anm.),
U, nn (<3Þ, nþ> § 194), z. B. óxlta "ich vermehrte', mélta
'sprach \ stélta 'stählte', vœpnta 'bewaffnete', rénta 'be-
raubte 5 , vilta 'führte irre' von villa, nenta 'wagte' von
nenna (§ 231); 4. mit /, k, p } im 13. Jahrh., z. B. tylft
(tylfp, §42, 1) 'eine Anzahl von 12', glikta 'ich verglich 5 ,
vakta 'wachte', ópta 'rief 5 , glapta 'narrte'.
Anmerkung. In Runeninschriften ist die Form raisþi
r er richtete auf belegt.
172. d, urgerm. oder erst später entstandenes (§ 193)
schwindet zuweilen unter Ersatzdehnung (§ 140) be-
sonders vor r ohne erkennbare Regel, z. B. lýritr <C*lýðréttr
'gesetzliches Verbot', Frirekr N. pr. < -PV^reÄr, Nom. PL
Iraner neben trodner zu troðenn 'getreten', urn. RlioaltR N.
pr., vgl. ahd. Hrodoicald.
173. In einigen Fällen, in denen Synkope nicht
nachweisbar ist, beruht die Geminata -dd- wahrscheinlich
auf urgerm. -ðð-, z. B. kodde 'Tasche', vgl. ae. codd, todde
'Wollflocke', vgl. ahd. zotto 'Haarbüschel'.
z.
174. Germ, z (stimmhaftes s, § 49 Anm.) ist in
ältester urnordischer Zeit, aus der wir noch keine
Inschriften haben, wie finnisch-lappische Lehnwörter
vermuten lassen, noch erhalten, z. B. armas, aisl.
armr 'elend', sairas, aisl. surr 'krank', parmas, aisl. barmr
'Busen'.
175. In diese Zeit fallen vielleicht die Übergänge
1. von -zd zu -ðð, woraus dann später -dd wird, z. B. got.
gazds, aisl. gaddr 'Stachef, got. liuzds, aisl. Iwddr 'Horf,
got. razda, aisl. rgdd 'Stimme'; 2. von -zn zu -nn, z. B.
48 Laut- und Akzentlehre. [§175—177.
got. razn, aisl. rann Haus', got. garazna, aisl. granne
'Nachbar 5 (§ 122, 1).
176. Soweit die Inschriften reichen, ist sonst
z zu r geworden, d. h. einem wahrscheinlich palatalen,
von dem idg. alveolaren r-Laut verschiedenen r (§ 39),
z. B. got. dags, urn. -da^an 'Tag', urn. Uroma N. pr., vgl.
ae. as. hrör 'rührig, rüstig', aisl. liróra <C *hrözjan 'rühren'.
177. r wurde vorhergehendem Konsonanten
assimiliert:
1. dentalem l und 11, das gleichfalls dental war
(§ 46, 1), lll wurde dann zu 11 vereinfacht, z. B. got. ka-
tüs, aisl. ketell "Kessel 5 , got. stöls, aisl. stall 'Stuhl 5 , Gen.
Sg. F. allar von allr 'all 5 , vgl. got. allaizös, Gen. PI. itta
von ülr c böse', vgl. got. allaize.
2. dentalem n und nn (§ 47, 1), nnn wurde zu nn
vereinfacht, z. B. urn. haitinaR, aisl. heitenn 'geheißen 5 ,
urn. stainaR, aisl. steinn 'Stein 5 , skinn <C *skiniR 'duscheinst 5 ,
menn <C *mannÍR 'Männer 5 , tenn <C *tenn.R <C *tanpir 'Zähne',
got. minniza, aisl. miwwe 'minder 5 .
Anmerkung. 1. Hier haben zahlreiche Analogiebildungen
stattgefunden, z. B. mannr neben mann, unnr 'Woge' neben þór-
unn N. pr. Bei 11 < Ur sind die lautgesetzlichen Formen meistens
durch die Neuschöpfungen auf Ur verdrängt, wie in allr r ah",
liollr 'hold'.
3. r, z. B. urn. máriR, aisl. múérr 'berühmt 5 , hamarr
<C *1iamaraR, 'Hammer 5 /err <C */utn.ß 'du reist'.
4. 5-, z. B. urn. «wsííí?, aisl. öss 'Balken 5 , ahd. /uns,
aisl. fúss 'bereit 5 , less <C *lesin 'du liest'.
Anmerkung 2. Die Assimilationen von nR, rR zu nn, TT
haben sich wahrscheinlich im 9., die von lR, SR zu 11, ss im
10. Jahrh. vollzogen.
5. m nach schwachtonigem Vokal, worauf dann
•mm zu -m wurde, z. B. Utoyn<iHétomm<^létomR<^UtoméR
(§ 304, 3) 'sie ließen mir 5 .
Anmerkung 3. Ob die Verschiedenheit der Dative PI.
tueimr 'zweien', primr 'dreien' und Igndom 'Ländern', gestim 'Gästen'
usw. so zu erklären ist, kann zweifelhaft erscheinen, da mög-
licherweise hier zwei Suffixe -mis, -mi vorliegen.
§ 178—184.] Die german. Konsonanten im Altisländischen. 49
178. Vor s schwindet r, z. B. 3. Sing. Präs. Ind.
Med. kallask <l*kallaR-s(i)k 'wird genannt' (§ 429, 3a).
179. In den übrigen Fällen ist r, am frühesten
(Anf. 10. Jahrh.) nach dentalen Kons., dann (2. Hälfte
11. Jahrh.) in den andern Stellungen zu r geworden,
z. B. betre 'bessere', Bagnhildr N. pr., gestr, sunr, dagr,
ulfr 'Wolf, reyrr <C *rauzaz, vgl. got. raus 'Rohr'.
3-
180. Germ, j (stimmhafte palatale oder velare Spi-
rans) ist im Urnord. erhalten, z. B. -^astÍR 'Gast' und
bleibt es im Anord. nach Vokalen, l und r, z. B. stiga
'steigen', fagr 'schön', ylgr 'Wölfin', vargr 'Wolf.
181. Es w 7 ird Urnord. im Auslaut zu h, das
dann fortfällt (§ 204), z. B. sté 'ich stieg' zu stiga (meist
an alogisch steig), dró 'ich zog' von äraga.
Anmerkung. Findet sich ein g(j) im Auslaut, so ist es
infolge Systemzwangs wieder neu geschaffen , z. B. Akk. Sing.
veg zu vegr e Weg', Prät. flcmg neben fló zu fliúga 'fliegen'.
182. Vor i wird es nach kurzem Vokal zu jj,
woraus dann weiterhin, ebenso wie vielleicht urspr. jj,
gg wird, z. B. got. lagjan, aisl. leggia 'legen', liryggr 'Rück-
grat'. Urspr. jj ist vielleicht in vagga 'Wiege', bagge
'Packen'.
Anmerkung. Hier hat oft Ausgleichung stattgefunden,
vgl. § 163 Anm. 1, meist zu Gunsten der Formen mit gg, also
liggr c er liegt' nach liggia, aber auch anorw. ligr, vgl. got. ligis.
183. Es ist zu g geworden zuerst nach Nasal und
im 9. Jahrh. im Anlaut, z. B. hanga 'hangen', gestr 'Gast',
gamall 'alt'.
184. Aisl. j oder später entstandenes g resp. gg
werden in Verbindung mit stimmlosen Kons, zu k(kk).
1. s: z. B. die Gen. Sg. huárskes zu huárge 'keiner von
beiden', Nórex (x = ks) zu Nöregr 'Norwegen', heilax zu
heilagr 'heilig', nnx zu ungr jung'. 2. t: lostkan Akk. Sg.
zu lostegr 'bereitwillig', patki 'daß nicht' <ißcitgi, heilakt, unkt,
glokt zu gloggr 'genau, deutlich'. 3. /: z. B. iunkfrit <C
iungfrii 'Jungfrau'. 4. Vor k wird gg zunächst wohl zu
Kahle, Altisläiidisches Elementarbuch. 4
50 Laut- und Akzentlehre. [§ 184—189.
kk, dann wird kkk vereinfacht, z. B. hykk <C hygg(e)k 'ich
denke 5 .
Anmerkung 1. Die ältesten isl. Handschriften haben in
betonter Silbe noch g vor t und in dieser Stellung wie auch bei
s bedeutet g wahrscheinlich stimmlose velare Spirans.
Anmerkung 2. In den Handschriften herrschen vielfach
etymologische Schreibungen wie Nóregs, heilagt, oder diese Formen
sind analogisch neu gebildet. Doch zeigen uns Skaldenreime oft
das lautgesetzliche Verhältnis.
185. G nach Nasal wird auslautend zu k, wo-
rauf dann nk zu kk wird, z. B. gekk 'ich ging' von ganga,
sprakk 'ich zersprang 5 von springa (§ 212, 2).
Anmerkung. Inlaut, ist j in einigen Zusammen-
setzungen, wohl infolge Seh wachtonigkeit der Silbe, aus-
gefallen, wobei dann bei wechselnder Betonung Doppelformen
entstanden, z. B. A&gils: Afrüs, Au&gisl : Auisl, ßorgeirr : ßorarr,
got. faúragaggja, aisl. forenge 'Anführer, hei&enge 'Heidegänger,
Wolf 5 = got. *liaißigaggja.
/.
186. Germ . / (stim mlose labiolabiale Spirans) bleibt
anlautend und vor den stimmlosen Konsonanten
s, t, þ erhalten, wird aber später zu stimmloser labio-
dentaler Spirans (§ 42, 1), z. B. fara 'reisen', flóð 'Flut 5 ,
fregna 'fragen 5 ; refsa 'strafen 5 , giß 'Gabe 5 , tylfp 'Anzahl
von zwölf 5 .
187. Vor s und t geht dann / in p über, und zwar
vor t schon in der 2. Hälfte des 10. Jahrh., doch stehen
die Formen mit /vielfach neben denen mit^ z. B. repsa
'strafen', kraptr : kraftr 'Kraft 5 , epter : efter 'nach'.
188. Nach s kommt der Übergang vor in Mspreyia:
húsf regia 'Hausfrau 5 .
Anmerkung. Dialektisch w T ird ft zu fst, z. B. efster,
krafstr.
189. Nach Vokalen, nach /und r, wird/, wenn
kein s oder t folgt zu T> (stimmhafter labiolabialer, später
labiodentaler Spirans, vgl. § 42, 2), z. B. hefia 'heben 5 ,
tolf 'zwölf 5 , þarf 'ich bedarf 5 .
Anmerkung. Im Westisl. wird das ð nach l und r im
13. Jahrh. zu b, z. B. tolb, ßgrb 'Bedürfnis 5 .
§ 190— 197.] Die gerinan. Konsonanten im Altisländischen. 51
190. Assimiliert wird T>(f) folgendem 1. b, z. B.
abbinde <C *af-binde 'Stuhlzwang', abbragð neben afbragð
'Überlegenheit in einer Sache'. 2. / (stimmlosem), z. B.
affgr 'Abreise'.
Anmerkung 1. Einem vorhergehenden m scheint es
sich assimiliert zu haben in fimm 'fünf, vgl. got. firnf.
Anmerkung 2. Die Geminata /f kommt sonst nur in
Lehnwörtern vor, z. B. offra 'opfern'.
A
191. Germ, þ (stimmlose postdentale Spirans) ist
um. noch erhalten, bleibt aber im Aisl. nur im An-
laut außer vor l, z. B. piócf 'Volk', þorn 'Dorn', prir 'drei'.
192. Vor l ist es im Silbenanlaut zu /geworden,
z. B. got. pliiihan, aisl. flijia 'fliehen', flár 'falsch', vgl. got.
ga-þlaihan 'liebkosen', inmjfle 'Eingeweide'.
193. Nach Vokalen (ca. 700) und nach r wird es
zu d, z. B. got. bröþar, aisl. bróðer 'Bruder', got. qipan,
aisl. kaeða 'sagen'; got. wairpan, aisl. verða 'werden'.
Anmerkung 1. Im Anlaut schwachtoniger Silben wird es
gleichfalls zu &, z. B. &u neben pú c du', Ham&er N. pr. neben
Hampér. Es kann dann weiterhin zu d werden (§ 169), z. B. skaldo
c du sollst', mondo f du wirst'.
Anmerkung 2. Über den Schwund des ð in einigen Fällen
vgl. § 172.
194. Germ, p wird (wahrscheinlich im 9. Jahrh.)
assimiliert: 1. vorhergehendem l, z. B. villa 'in die Irre
führen', vgl. got. wilpeis 'wild', got. gulp, aisl. gutt 'Gold';
2. vorhergehendem w, z. B. got. finpan, aisl. finna 'finden',
got. tunpus, aisl. tgnn 'Zahn'.
195. Germ, p fällt unter Verlängerung des vorher-
gehenden Vokals (§ 140) inlautend vor l fort, z. B. got.
mapi, aisl. mal 'Sprache', got. nepla, aisl. ngl 'Nadel'.
Anmerkung. Die Stimmlosigkeit des l in mala 'reden'
(§ 171, 3) zeigt, daß p ausfiel, bevor es zu & geworden.
196. Germ, pp wurde zu tt, vgl. ae. moððe, aisl. motte
'Motte', spotta 'spotten'.
s.
197. Germ, s ist im Nord, erhalten, z.B. sonr 'Sohn',
skip 'Schiff, kiösa 'wählen', fiskr 'Fisch', kaus 'ich wählte'.
4*
52 Laut- und Akzentlehre. [§ 198—206.
198. Ebenso ist die Geminata erhalten, z. B.
vissa 'ich wußte', missa Vermissen', huass 'scharf 5 .
h.
199. Germ, h ist um. wohl in den meisten
Stellungen als solches, d. h. stimmlose Spirans,
erhalten. Es bleibt im Aisl. anl. vor i und u, z. B.
hialpa 'helfen', Maria 'Herz', huass 'scharf, hnat 'was'
(doch vgl. § 44, 2).
200. Es wird zum Hauchlaut vor Vokalen, z. B.
hús 'Haus', halda 'halten', hestr 'Pferd'.
201. Vor l, n } r wird es entweder zu tonlosem l,
n, r oder hl etc. ist gleich tonlosem l etc. (vgl. § 44, 3),
z. B. hlaupa 'laufen', hnoss 'Geschmeide', hrafn 'Rabe'.
202. Es wird, und zwar schon urn., zu k nach
kurzem Vokal vor s, z. B. got. afts, aisl. ax 'Ähre', got.
wahsjan, aisl. vaxa 'wachsen', ahd. sahs, aisl. sax 'Schwert'.
203. Es wird vor t zu t, wobei der vorhergehende
Vokal gelängt wird (§ 141, 1), im 10. Jahrh., z. B. urn.
ðohtrÍR, aisl. dotier 'Töchter ', ahd. truhtin, aisl. dróttenn
'Herr, Fürst 5 .
204. Es schwindet schon vor 800 im Inlaut,
und bald darauf auch, ebenso wie das aus j entstandene
(§ 181), im Auslaut; z. B. fló <^*flóh 'er floh' zu fliúga,
got. faihu, aisl. fé 'Vieh, Geld', slá<,*slaha (§ 134)
'schlagen', got. þivaírhs 'zornig', aisl. þuerr 'verqueer', got.
aha, aisl. g 'Fluß', got. sa'üvan, aisl. sid <C *seha 'sehen'.
Anmerkung 1. In der Komposition ist h im Anlaut des
zweiten Gliedes, durch den Einfluß des einfachen Wortes, oft
bewahrt, resp. wieder hergestellt, z. B. brú&hlaupibrullaup 'Hoch-
zeit'; UJchamr : likamr 'Körper'.
Anmerkung 2. Eine Geminata hh scheint nicht existiert
zu haben.
m.
205. Germ, m ist meistens erhalten, z. B. mik
'mich', nema 'nehmen', hialmr 'Helm', barmr 'Busen'.
206. Es wird zu p bei folgendem p, wahrschein-
lich schon im 8. Jahrh., z. B. aisl. sugppr <C *suampun
'Schwamm', ae. camp 'Kampf, aisl. kapp 'Eifer'.
§ 207—212.] Die german. Konsonanten im Altisländischen. 53
207. Es wird zu t(f) vor n, z. B. got. namö, Gen.
namins, aisl. nafn c Name', hifne Dat. Sing, zu liimenn
'Himmel 5 .
Anmerkung. Analogisch wird das m wiederhergestellt,
z. B. himni; im Anorw. tritt in einzelnen Dialekten nui auf laut-
gesetzlichem Wege wieder für t>n ein.
208. Es wird zu n (velarem Nasal) vor g resp. k,
z. B. allyngis <C allum -f- gis 'ganz und gar', minnunk <1
minnum + (e)k 'ich erinnere mich'.
Anmerkung. Doch liegen auch hier die Formen mit m
infolge Systemzwanges vielfach neben den lautgesetzlichen, z. B.
minnumk.
209. Das m schwindet 1. vor germ. / bei fol-
gendem tautosyllabischem Konsonanten unter Ver-
längerung des vorhergehenden Vokals (§ 140), z. B. ßfl
"Riese < *fimfl; töft < *tumß oder toft (§143, 2) 'Bauplatz 5 ,
aber fimm <C *fimf (vgl. § 190 Anm. 1). 2. In urspr.
Auslaut, z. B. got. fr am, aisl. frei 'von 5 .
210. Die Geminata mm bleibt erhalten, z. B.
ahd. grimmij aisl. grimmr 'grimm 5 , got. wamm, aisl. veimm
'Schande'.
n.
211. Germ, n blieb im allgemeinen erhalten,
z. B. nema 'nehmen 5 , rúna 'Rune 5 , hond 'Hand 5 , suin
Schwein 5 , ungr 'jung 5 .
212. Es wird assimiliert:
1. folgendem t, z. B. anorw. mantull, aisl. mgttoll
'Mantel 5 , got. wintrus, aisl. vetr <i*vettrn 'Winter 5 (vgl.
§231 Anm.), litt 'binde 5 , bau 'ich band 5 zu binda.
Treffen n und t aber erst durch Synkope zu-
sammen, so tritt dieser Übergang nur in seh wach-
ton igen Silben ein, worauf -tt zu -t wird (vgl. § 232),
z. B. fundit Neutr. zu fundinn 'gefunden 5 , heiðet zu heiðenn
'heidnisch', aber lireint zu Jireinn 'rein 5 , Mint zu blindr 'blind 5 .
Anmerkung. Formen wüe Neutr. mitt, ßitt, sitt, eitt zu
minn 'mein', pinn "dein 5 , sinn 'sein', einn 'ein', sind wohl in
schwachtoniger Stellung entstanden, dann aber, bevor die Kürzung
eintrat, auch in starktonigen Silben verwandt worden.
54 Laut- und Akzentlehre. [§ 212—218.
2. Folgendem k, z. B. got. drigkan, aisl. drekka
'trinken 5 got. sigqan , aisl. sokkua 'sinken 5 ; got. ugkar,
aisl. okkarr 'uns beiden gehörig 5 ; gekk 'ich ging 5 von ganga,
sprakk 'ich zersprang 5 von springa.
213. Es wird gelängt vor d, um 1200, z. B. /íwwí?
'Land 5 , doch wird in den Ausgaben meistens «^geschrieben.
214. Das n schwindet unter Dehnung des vorher-
gehenden Vokals (§ 140): 1. vor l nach starktonigem
Vokal, z. B. mél Neutr. PI. -< *minla- <C *minnla <C *minþla }
vgl. ahd. mindil 'Stachelgebiß 5 . 2. vor r, z. B. Urept
<< *linrept 'Leinewand 5 , orer << *unnreB <C *unzarez 'die
unsrigen'. 3. vor s, z. B. ahd. /uns, aisl. fiiss 'bereit',
ahd. gans, aisl. ggs 'Gans 5 , got. ans, aisl. gss 'Balken 5 .
4. wenn es um. im Auslaut stand, z. B. noch urn.
halaitan 'dem Genossen', got. Akk. Sg. lianan, aisl. liana
'den Hahn', Akk. Gen. Dat. Sg. ahd. zungün, aisl. tungo
'der etc. Zunge'; got. steigern, aisl. s%a steigen'.
215. Germ, nn ist im allgem. erhalten, z. B.
Www« 'fließen 5 , kann 'ich kann 5 .
216. Vor idg. r wird es zu ð, z. B. ?dre <^*innere
'der innere' , swdr <C *sunnr 'südwärts 5 , a^rer <C *annrer
'die andern 5 zu annarr.
Anmerkung. Da ww mit r nur infolge von Synkope
zusammenstößt, muß der Übergang zu & also erst nach dieser
stattgefunden haben. Infolge von Ausgleichung sind zahlreiche
Doppelformen entstanden, wie innre : iure. Formen wie meþr
'Männer', tepr 'Zähne 5 neben den lautgesetzlichen (vgl. § 177, 2)
menn, tenn sind entstanden, indem man zu einer Zeit, als r schon
mit r zusammengefallen war, *mennr, Hennr neu schuf.
Ebenso zu beurteilen sind brunnr : bruðr 'Brunnen' statt
*brunn, suinnr: < suiür 'weise', finnrififfr 'er findet'.
I.
217. Germ. I bleibt erhalten, z. B. lúka 'schließen',
slä 'schlagen', lüeifr 'Laib Brot 5 , ludda 'halten', skal 'ich soll'.
218. Es wird um 1200 vor d und t gelängt,
z. B. vallda 'walten 5 , ült Ntr. 6< ilt <C ült) zu lllr 'schlecht 5 ,
stéllta 'ich stählte' zu stcela, doch wird auch hier in den
Ausgaben meistens Id, It geschrieben (vgl. § 213).
§ 219 — 225.] Die german. Konsonanten im Altisländischen. 55
219. Ebenso bleibt germ. II erhalten, z. ß. allr
f all', ull 'Wolle 5 , fullr Voll'.
r.
220. Germ, r bleibt erhalten, z. B. ráða 'raten 5 ,
hringr 'Ring', bera 'tragen 5 , barn 'Kind 5 , bar 'ich trug'.
Anmerkung 1. r schwindet in schwachtoniger
Silbe vor n,t, z. B. Akk. Sing. M. annan, Neutr. annat zu annarr
e ein anderer', oJclcati, -at zu dkkarr c uns beiden gehörig', yJcJcan,
-at zu ylikarr "euch beiden gehörig', doch wird es auch analogisch
wiederhergestellt, z. B. oikkam, olclcart.
Anmerkung 2. Zuweilen wird ein auf das r folgender
Vokal vor diesen gestellt, z. B. hross : hors c Roß', brott : bort c weg,
hin', Gramr : Garmr c ein Hundename'. Einige Doppelformen wie
ragr : argr (ahd. arg) e feige', rass : ars c Arsch' stammen wohl
schon aus urgerm. Zeit.
221. Ebenso ist rr erhalten, z. B. got. quairrus,
aisl. kuirr, kyrr 'ruhig', got. fairra, aisl. fiarre 'fern'.
i.
222. Germ, i war um. noch erhalten in Stel-
lungen, in denen es später schwindet, z. B. jära
der Name einer Rune, vgl. got. jer 'Jahr', jäh 'und', vgl.
got. jah.
223. Im Aisl. ist i nur erhalten vor ä o Ö ü
nach kurzer Silbe, z. B. got. waljan, aisl. velia 'wählen 5 ,
veliom 'wir wählen 5 , got. brunjö, aisl. brynia 'Brünne', got.
lagjan, aisl. leggia 'legen'. Geschwunden ist es z. B. got.
juggs, aisl. ungr 'jung', got. juk, aisl. ok 'Joch', got. jains,
aisl. enn 'der', got. sandjan, aisl. senda 'senden'.
Anmerkung. Der Schwund des i im Anlaut ist dialektisch
schon ca. 600, im übrigen ca. 700 eingetreten, wie der Gebrauch
der Jära-Rune als Zeichen für a zeigt.
224. Germ, ii ist zu ggi geworden, z. B. Gen. PI.
ahd. zweiiOj got. tioaddjé, aisl. tueggia 'zwei', got. icaddjus,
aisl. veggr, Gen. Sg. veggiar 'Wand', egg <C m *aiiaz 'Ei 5 .
w.
225. Germ, iv ist im älteren Urn. noch in Stel-
lungen erhalten, in denen es später schwindet, z. B.
56 Laut- und Akzentlehre. [§225—227.
wiil(q)fjt 'Wolf, worahtö 'ich wirkte', tawiðö 'machte', Gen.
Sg. Hrawðas N. pr., Akk. Sg. wraita 'Ritzung 5 .
226. Es schwindet: 1. im 9. Jahrh. vor den labi-
alen Vokalen o, u, ö, y, z. B. ulfr 'Wolf 5 , got. waúrd,
aisl. orð 'Wort', got. uhtwö, aisl. ótta 'Zeit der Morgen-
röte 5 , ndd. Wodan, aisl. Oðenn N. pr., got. köta, aisl. hat
'Drohung', syster << *swister 'Schwester', oskia 'wünschen',
ýkua << *wtkua 'weichen', sýkua << *sidkiia 'betrügen' ; 2. an-
lautend vor r und l, z. B. ae. wrötan, aisl. rata 'auf-
wühlen', got. wrikan, aisl. reka 'treiben', ae. writan, aisl.
rita 'schreiben', got. wlits, aisl. litr 'Farbe 5 , ae. wlitan,
aisl. Uta 'sehen 5 ; 3. inlautend vor Konsonanten,
z. B. got. saiws, aisl. sœr 'See', got. speiwis, aisl. spýr
'du speist', hléða <C *hlewi&ö 'ich schirmte' zu lihjia (§§ 133,
2; 393 Anm. 1); 4. anlautend in schwachtoniger
Silbe, wenn kein Guttural vorhergeht, z. B. got.
bandwjan, aisl. benda 'anzeigen'; aber sokkna 'sinken',
stokkua 'springen'; 5. im Auslaut, z. B. Akk. Sg. sœ
zu sær 'See', sgkk 'ich sank' zu sokkna (§ 59, 2), stgkk
'sprang' zu stpkkaa.
Anmerkung 1. Im 10. Jahrh. war w, wenigstens vor r,
noch vorhanden, wie Allitterationen wie (ivjrei&r 'zornig 5 : Ving-
þórr N. pr. (Þrymskui/>a 1, 1) beweisen.
Anmerkung 2. Nóregr neben Norvegr < *Nor&vegr(% 172)
'Norwegen 5 ist wahrscheinlich in schwachtoniger Stellung ent-
standen, wie z. ß. in Nóregs rike c N.-s. Reich 5 , wo der Hauptton
auf dem zweiten Worte ruhte ; ebenso Haraldr N. pr. < *Har-
wäldr in Verbindungen wie Haraldr hárfagre C H. Schönhaar.
227. In den übrigen Stellungen, in denen es nicht
ausgefallen, hält sich germ. iv als Halbvokal (u), am
längsten nach tautosyllabischen Konsonanten, z. B.
supppr 'Schwamm', þuá 'waschen', tueir 'zwei'. Bis un-
gefähr 1200 auch nach heterosyllabischen Konso-
nanten, z. B. stgðua 'kennen 5 . In beiden Stellungen
geht es dann auf dem Wege über labiolabiales T> in
labiodentales v über (§ 48). Anlautend vor Vokalen
ist es noch in der ersten Hälfte des 11. Jahrh. Halb-
vokal, wie Allitterationen zeigen, wie gto 'sie aßen 5 : veit
§ 227 —230.] Die german. Konsonanten im Altisländischen. 57
'ich weiß 5 (Helgakv. Hundingsb. I, 5 7 . 8 ). Inlautend
zwischen Vokalen ist es schon im 10. Jährt, zu T>
geworden, wie Binnenreime wie of-rak 'ich erhebe' : sév-ar
'der See" beweisen. In beiden Stellungen wird es
dann auch schließlich zu labiodentalem v, was inlautend
schon in der zweiten Hälfte des 11. Jahrh. der Fall war,
wie ein Keim des Sighvatr Þór^arson ýfs 'des Reibens':
üvar 'Götter' zeigt.
22H. Germ, ww ist zu ggiv geworden, z. B. got.
triggws, ahd. triuwi, aisl. tryggr, Akk. Sg. trygguan 'treu';
got. glaggivus, aisl. gloggr (glgggr), Akk. Sg. -uan 'deutlich';
ahd. hauwan, aisl. hoggita 'hauen".
Zwölftes Kapitel.
Sonstige Konsonantenveränderungen.
I. Konsonantendehnung.
Vgl. über gg §§ 182, 228, kk § 163, 11 § 218, nn
§ 213.
229. In mehrsilbigen Wörtern wird ein inter-
vokalischer Konsonant gelängt, wenn ein langer
Wurzelvokal mit (einhebigem) Hauptton vorausging
und der folgende Vokal unbetont war, doch sind die
Formen mit kurzem Konsonanten oft analogisch wieder
hergestellt, z. B. Gen. Dat. Sg. Fem. bUr(r)ar, Uár(r)e,
Gen. PI. blár(r)a von blár 'blau' (§ 331) fér(r)e 'weniger',
nýr(r)e 'neuer' (§ 350 Anm.), ákka <C á ek at 'ich habe
nicht 5 , sékka <C sé ek at 'ich sehe nicht'.
II. Konsonantenkürzung.
230. Folgt auf einen Konsonanten Geminata,
so wird sie verkürzt, z.B. Ntr. blint <C *blintt <C *blindt
'blind', Ntr. vert < *vertt < *verðt 'wert', akr < *akrr <
*akrn 'Acker', botn <C *botm <C *botnR 'Boden', hals <. *halss
<< ::: hahR 'Hals', venda << *vendda <C vendða 'ich wandte'.
58 Laut- und Akzentlehre. [§ 231—233.
231. Kürzung der Geminaten ist auch vor
einem folgenden Konsonanten eingetreten. Aus-
genommen von dieser Regel sind 11, mm, nn, rr vor l,
m, n, r, ferner 11, nn vor s, und gg, kk vor i, u. Doch
finden sich vielfach die analogisch wieder neugeschaffenen
Formen mit Geminata neben den gekürzten, z. B. nœtr
zu ngtt 'Nächte', dét(t)r zu dotier 'Töchter', kipta zu kippa
'ich rückte'; dagegen allr, Gen. Sg. allz 'all', sannr, saðr,
Gen. Sg. sannz 'wahr', gammr 'Geier', leggia 'legen', sßkkua
'sinken 5 .
Anmerkung. Doch finden sich in den letzten Fällen auch
gelegentlich Formen mit Verkürzung, so besonders vor -z, also
alz, manz neben mannz c des Mannes'. Über die Behandlung des
11, nn vor r und r vgl. noch § 177. Stoßen zwei Geminaten zu-
sammen, so werden beide verkürzt, z. B. vetr <C *vettrr < *veMr&,
vgl. got. wintrus (§ 212, 1) c Winter'.
232. Ferner tritt Kürzung ein nach schwach -
tonigem Vokal, z. B. in enklitischen Wörtern, neben
denen dann oft die hauptbetonten Formen mit Geminata
stehen, z. B. got. aíþþau, aisl. eða 'oder', got. miþþanei, aisl.
meðan 'während', ek(k)e 'nicht', os(s) 'uns', hin(n) 'der', sinOú,
sit(t) 'sein'; in Wörtern mit schwankender Betonung
wie ken(n)eng 'poetische Umschreibung', for(r)act 'gefähr-
licher Platz', miskun(n) 'Barmherzigkeit', in Ableitungs-
und Endungssilben, z. B. Dat. Sg. M. blindom, vgl. got.
blindamma 'dem Blinden', Nom. Akk. Sg. Ntr. bandet
<C *bunditt <C bundint 'gebunden'.
Anmerkung. Nach ursprünglich, wenn auch später
verkürztem, langem Vokal bleibt die Geminata, z. B. Gen.
Sing, hirfress neben hir&es zu hirüer, vgl. got. haírdeis 'Hirte',
Jcollóttr 'kahF.
IM. Konsonantenausstoßung.
233. Treffen drei Konsonanten zusammen, so
wird, wenn die Gruppe schwer aussprechbar ist, in der
Regel der mittlere Konsonant ausgestoßen, doch
stehen vielfach auch die alten Formen daneben, z. B.
Gen. Sg. dram(b)s zu dramb 'Prahlen'; frccn(d)kona 'Muhme';
§ 233.] Die gerraan. Konsonanten im Altisländischen. 59
sehr häufig im Präfix and-, z. B. an(d)suar 'Antwort',
an(d)skote 'Gegner', an(d)lit 'Antlitz'; mil(d)lega 'sanft',
Nom. PI. bun(d)ner zu bundenn 'gebunden', norrénn <C *nor-
ðrónn vgl. ahd. nordröni 'norwegisch 5 , har(ð)la 'hart'; þar(f)-
nask 'bedürfen'; mar(g)t 'manches', ver(k)s 'des Werks',
kar(l)maðr 'Mann', Präter. óx(l)ta, sýs(l)ta zu óxla 'ver-
mehren', sýsla 'verrichten', Part. Prät. vix(l)tr zu vixla
'wechseln'; 3. Sing. Prät. gir(n)tisk zu girnask 'verlangen';
sammáddr <i*-máðriðr (§ 169, 5) 'von derselben Mutter';
myrk(r)s 'der Finsternis', kris(t)ne 'Christenheit', sys(t)ken
'Geschwister', ap(t)ne 'dem Abend'.
60 [§ 234. 235.
Zweiter Hauptteil.
Formenlehre,
Erster Abschnitt: Deklination,
Dreizehntes Kapitel.
Nominaldeklination.
I. Vokalische Stämme.
1. «-Stämme.
234. Zur a- Deklination gehören Maskulina und
Neutra. Man unterscheidet reine a-Stämme, ia- und na-
Stämme.
a) Keine «-Stämme.
Maskulina.
Singularis.
235. N. armr c Arm" Jiamarr 'Hammer' mar 'Heide'
A. arm hamar mó
G. arms hamars mos
D. arme hamre mó.
Pluralis.
N. armar hamrar móar
A. arma hamra móa
G. arma hamra móa
D. grmom homrom nwm.
§ 235—237.] Nominaldeklination. 61
Neutra.
Singularis.
N. land 'Land 5 sumar 'Sommer' vé Heilig-
A. land sumar vé [tum'
G. lands (lanz) sumars vés
D. lande sumre vé.
Pluralis.
NJpwíf(§239Anm.)swwtor(§240Anm.2) vé
A. Ignd sumor vé
G. landa sumra véa
D. londom sumrom véom.
236. Wie armr gehen die meisten einsilbigen
Maskulina, z. B. askr 'Esche', garðr 'Umzäumung', sandr
'Sand', vargr 'Wolf', ulfr c Wolf, draumr 'Traum', fiskr
'Fisch', hialmr 'Helm', ormr 'Wurm'.
237. Wie hamarr , also mit Synkopierung des
Suffixvokals vor vokalisch anlautender Endung,
gehen die meisten zweisilbigen Maskulina mit kurzer
Ableitungssilbe, wie biðell 'Freier', igkoll 'Gletscher',
aptann 'Abend', himenn 'Himmel', igforr 'Fürst'. Doch ist
zu beachten, daß in einigen Wörtern die Formen mit
Synkope infolge von Ausgleichung im ganzen Paradigma
stehen, z. B. iarl für *irett (§ 67 Anm.) aus urnord. irilaR
(§ 177, 1), urgerm. *erilaz 'Fürst' nach dem Plur. *iarlar
usw., ähnlich karl für *kerell, aschwed. karÜR 'Mann', nach
karlar, Þórr neben altem Þonarr, nach dem Dat. Þóre <1
*Þonre (vgl. § 214, 2). Die Synkope fehlt dagegen in
einigen zusammengesetzten Eigennamen, wie Gunnarr,
Gissorr, Hákon.
Anmerkung 1. Die Wörter mit i(e) im Suffix und
kurzer Wurzelsilbe müssen in den synkopierten Kasus
unumgelauteten Vokal zeigen (§ 127, 3. 4. u. Anm. 2), wie
Jcetell c Kesser, lyJcell 'Schüssel', Dat. Sing, katle, lulcle, doch hat
meist Ausgleichung nach der einen oder andern Richtung statt-
gefunden, so hat in f er eil 'Reise, Reisende 5 der umgelautete, in
stucfell e Stütze' der nichtumgelautete Vokal gesiegt.
Anmerkung 2. Die Wörter mit u im Suffix haben
im ganzen Paradigma je nach der Beschaffenheit der Wurzel-
62 Formenlehre. [§237 — 242.
silbe ii- Umlaut oder -Brechung, z. B. sg&oll 'Sattel 5 , figtorr
'Fessel'.
238. Wie mar gehen z. B. skór 'Schuh', Hier ein
Name des Meeresgottes Ægir, und Eigennamen auf -vér
und -þér. Zur Flexion vgl. die Regeln über Kon-
traktion §§ 134—138.
Anmerkung, skór hat im PI. skúar neben skór, Gen. sJcúa,
Dat. skóm, Akk. skúa neben slcó.
239. Wie land gehen die meisten Neutra, z. B.
harn 'Kind', fiall 'Felsen', orð 'Wort', goð, guð 'Gott',
skald 'Dichter', Jiús 'Haus', hörn 'Horn'.
Anmerkung. Daß der Nom. Akk. PI. «-Umlaut oder
-Brechung zeigt, ist durch ein früher vorhanden gewesenes -u
der Endung bedingt.
240. Wie sumar gehen nur einige Wörter, nämlich
óðal 'Eigentum', gaman 'Freude', megen 'Stärke 5 , regen
PI. 'Götter', Jigfoð 'Haupt'. Sonst ist überall durch Aus-
gleichung der Suffixvokal wieder hergestellt, z. B. herað
'Bezirk', Dat. Sg. Jwraðe.
Anmerkung 1. Auch öüal hat Nebenformen wie Dat.
Sing, óðále.
Anmerkung 2. Bei den Wörtern, die ein a im Suffix
haben, ist der N. Akk. PI. mit M-Umlaut zu beachten, wie sumor.
241. Wie vé gehen M 'Wohnort', kné 'Knie', tré
'Baum', strá 'Stroh', hhj 'Blei'. Auch bei diesen Wörtern
sind die Kontraktionsregeln zu beachten (§§ 134 — 138).
Anmerkung, fé 'Vieh 1 ist alter w-Stamm (vgl. got. faihu)
und hat noch den G. Sing, fiár nach t<-Deklination bewahrt.
Die einzelnen Kasus.
242. 1. Nom. Sg. Mask. Bei den auf l, n, r, s aus-
gehenden Wörtern sind die Regeln über den Zusammen-
stoß dieser Laute mit i'( R ) (§ 177) zu vergleichen; das r
assimiliert sich teils dem vorhergehenden Laut wie in
Jcetell 'Kessel', stall 'Stuhl', steinn 'Stein', Jiamarr 'Hammer',
iss 'Eis'; beim Zusammenstoß dreifacher Konso-
nanz wird dann die Geminata gekürzt (§ 231) wie in akr
'Acker', purs 'Riese', vagn 'Wagen"; teils bleibt r erhalten
§ 242.] Nominaldeklination. 63
wie in selr 'Seehund', malr 'Schnappsack 5 , oder aber es
sind Neuschöpfungen entstanden wie munnr neben muür
'Mund 3 , brunnr neben bruðr 'Brunnen' statt der lautgesetz-
lichen *munn, *brunn.
2. Gen. Sg. Mask. Neutr. Die auf -11, -nn aus-
gehenden Wörter haben die Endung -z (§ 158 Anm.),
z. B. halte zu hallr 'Stein 5 , fiallz zu fiall 'Fels 5 , munnz zu
munnr 'Mund'. Die auf -s mit vorhergehendem Konso-
nanten verkürzen das -ss (§ 230), z. B. þurs 'des Riesen 5 .
Die auf -d ausgehenden wandeln das d vor s zu t
(§ 170, 2), also hunz zu hundr 'Hund 5 , elz zu eldr 'Feuer 5 .
Bei den Wörtern wie vé heißt der Gen. auch véss wahr-
scheinlich nach Analogie einsilbiger Pronominalformen wie
þess 'des 5 (§ 311). Viele Maskulina, die ursprüngl. der
i- oder 2i-Deklination angehören, haben die Endung
■ar (§§ 265. 271), z. B. mundr 'Gabe an die Eltern der
Braut 5 , hpfundr 'Hauptmann', hei&r 'Ehre 5 , óðr 'Dichtkunst 5
und Eigennamen wie Eyvindr, Sigurðr, die auf -mundr,
-freðr, -fredr, -roðr wie Sigmundr, Hallfreðr, -froðr, Geirroðr.
Eine Anzahl Wörter schwanken zwischen -s und -ar, wie
eifrr 'Eid 5 , auðr 'Reichtum 5 , lundr 'Hain', skógr 'Wald 5 ,
kraptr 'Kraft' und einige Eigennamen wie Siirtr, Heim-
dallr, Ullr.
3. Dat. Sg. Mask. In einigen Wörtern, besonders
solchen mit langer Wurzelsilbe, ist die Endung zuweilen
apokopiert, z. B. hring neben bringe von hringr 'Ring',
Pór neben Þóre von Þórr 'Donar', leik neben leike von
leikr 'Spiel' und mit -leikr zusammengesetzten Wörtern
wie beiskleik von beiskleikr 'Bitterkeit'. Selten aber tritt die
Apokope auf bei Wörtern auf -engr und -ongr. Von kurz-
silbigen z. B. gramr 'Fürst', selr 'Seehund', vegr 1. 'W T eg 5 ,
2. 'Ruhm 5 . Bei den wie mar flektierenden Wörtern er-
scheint der Dativ immer endungslos, sei es daß
die Endung wie bei mar apokopiert ist oder daß wie in
KU aus *Hlée Kontraktion eingetreten ist.
Anmerkung. Der neben seltenerem dag vorkommende
Dat. dege f dem Tage' ist vielleicht alter Lokativ aus *&ajl.
64
Formenlehre.
[§243—246.
b) ia- Stämme.
243. Die fa-Stämme teilen sich in ja-Stämme mit
kurzer und in rä-Stämme mit langer Wurzelsilbe
(resp. mit zweisilbiger Wurzel).
a) ia- Stämme.
Singularis.
Maskul.
Neutr.
14. N.
niðr 'Abkömmling'
kyn 'Geschlecht'
A.
nid
kyn
G.
niðs
kyns
D.
nið
Pluralis.
Jcyne,
N.
niðiar
kyn
A.
niðia
kyn
G.
niðia
kynia
D.
niðiom
kyniom.
ie ni&r
geht vielleicht nur
noch herr 'Heer 5 , vgl.
got. harjis, doch sind Nom. Akk. PI. nicht belegt, so daß
es vielleicht auch nach i-Deklination geht (§ 268), in welche
auch die übrigen M-Stämme übergegangen sind.
ß) ia -Stämme.
Singularis.
Maskul.
Neutr.
245.
X. hirðer 'Hirt'
kléðe 'Kleid'
A. liirðe
klcéðe
G. Mrðes
klœðes
D. Mrðe
kléðe.
Pluralis.
N. hirðar
klæðe
A. hirða
klccðe
G. hirða
klœða
D. lúrðom
klccðom.
246. Wie hirðer gehen z. B. lékner 'Arzt', herser
'Herse', viele Eigennamen wie Æger, STdrner, Gretter, so-
wie eine große Zahl hauptsächlich der dichterischen
Sprache angehöriger Wörter auf -er.
§246 — 251.] Nominaldeklination. 65
Anmerkung. Einige Eigennamen mit kurzer Wurzelsilbe
und Umlaut wie Gymer, Hymer, Ymer haben wahrscheinlich Suffix
germ. -l'iaz, urnord. -1r, aisl. -irf-erj, während andere ohne Um-
laut wie Glaser, Guser, Kuaser Suffix germ. -aiaz, -aiz, urn. -e~R,
aisl. -er(ir) haben. Über den Gen. hir&ess vgl. § 232 Anm.
247. Wie klcccfe gehen sehr viele Wörter, z. B.
kuéðe 'Gedicht', dorne 'Behauptung 5 , enne "Stirn 3 , erfeðe
'Arbeit'.
Anmerkung. Über die Synkope des i im Plural vgl.
§ 122, 3 ; über Formen wie Gen. Dat. PI. rikia, rikiom zu rike
c Keich vgl. § 45 Anm.
248.
y) «rt-Stämme.
Singularis.
Maskai.
Neutr.
N. hgrr 'Flachs'
bgl 'Unglück'
A. hgr
bgl
G. hgrs
bgls
D. hgrue
bglue.
Pluralis.
N. hgruar
bgl
A. hgrua
bgl
G. hgrua
bglua
D. ligrom
bglom.
249. Wie hgrr gehen z. B. higrr 'Schwert', sgngr
'Gesang', mar, mór 'Möve' (§§ 93, 1. 133 Anm. 3), rgggr
'Haarbüschel' (auch rggg Fem. § 264).
Anmerkung 1. Über die Behandlung des ti, das nur vor
■a, -e steht, vgl. § 226.
Anmerkung 2. sœr (siór, siár) c See 5 , snær (sniór, sniár)
'Schnee' haben den Gen. Sing, auf -ar, vgl. § 93 Anm. 2.
250. Wie bgl gehen z. B. hggg 'Hieb', migl 'Mehl',
gl 'Bier', smigr 'Butter', kigt 'Fleisch', lyng 'Heidekraut',
bygg 'Gerste', fræ (frió) 'Samen'.
Anmerkung, liey c Heu' hat den Dat. lieye neben lieyfe.
2. ö-Stämme.
251. Dieser Deklination gehören nur Feminina
an. Man unterscheidet reine ö- Stämme, iö- und ^ö-
Stämme.
Kahle, Altisländisches Elementar buch. 5
66 Formenlehre. [§252—257.
a) Reine ö-Stärnme.
252. Singularis.
N. skgr 'Rand', drót(t)neng 'Herrin 5 Ingebigrg brg 'Augen-
A. skgr drót(t)neng(o) Ingebigrgo brg [braue'
G. skararSch&Y* drót(t)nengar Ingebiargar brár
D. skgr drót(t)nengo Ingebigrgo brg.
Pluralis.
N. skarar drót(t)nengar — brár
A. skarar drót(t)nengar — brár
G. skara drót(t)nenga — brá
D. skgrom drót(t)nengom — brgm.
253. Wie skgr gehen viele Wörter, z. B. sog 'Säge',
figðr 'Feder 5 , KU/ 'Schutz', reim 'Riemen'. Ein Teil der
hierhergehörigen Wörter hat auch den Nom. Akk. Plur.
auf -er (nach i- Deklination, § 265), z. B. gigf 'Gabe', gerð
^Handlung', sgk 'Rechtssache 5 , kuern 'Mühle', der dann in
späterer Zeit der übliche wird.
254. Wie drót(t)neng geht die große Klasse der
Wörter auf -eng (-ing) und -ong (-ung) 3 z. B. kerleng 'alte
Frau', iátneng 'Bejahung 5 , lausong 'Unzuverläßlichkeit',
naaðong 'Zwang'. Ferner einige Wörter wie z. B. laug
^Bad 5 , fgr 'Reise', hgll 'Halle'. Doch können besonders
die letzten, die auf -eng, -ong selten, den Dat. Sing, auch
auf -o bilden.
255. Wie Ingebigrg, also Akk. Sing, auf -o, gehen
nur Eigennamen wie Droplaug, Ásleif, Gunnlgð, Gudrun,
Rannveig , Skialdvgr und andere mit denselben zweiten
Komponenten.
Anmerkung. Skggol und Ggndol, die Namen zweier Wal-
küren, flektieren unter Synkope des Suffixvokals : Skggol, Skggol,
Skgglar, Skggol.
256. Wie brg flektieren z. B. g 'Fluß', rg 'Raa 5 ,
rg 'Reh', ró, rá 'Ecke', brú 'Brücke'. Hier sind die Regeln
über Kontraktion zu beachten (§§ 134—138).
b) iö- Stämme.
257. Die w-Stämnie teilen sich in iö-Stämme mit
kurzer und in w-Stämme mit langer Wurzelsilbe.
§ 258—262.] Nominaldeklination. 67
a) iö-Stänime.
Singularis. Pluralis.
258. N. ben 'Wunde' beniar
A. ben beniar
G. beniar beniä
D. ben beniom.
259. Wie ben gehen z. B. des 'Heuschober', dregg
'Hefe', fit 'Schwimmhaut', við 'Band'.
Anmerkung. Mit langer Wurzelsilbe gehört nur eng 'Wiese'
hierher (§ 43 Anm.).
260. Einige Wörter, wie egg 'Schneide', hei 'Toten-
reich', ey 'Insel', und Eigen- und Ortsnamen wie Laufey,
Álfný, Fiorgyn, Bigrgvin oder Bigrgyn 'Bergen', ferner Frigg,
Sif haben im Dat. -o, also eggio neben späterem egg.
Anmerkung, mar 'Jungfrau' hat Nom . nach -iö-Deklination
< *mawÍR, aber sonst flektiert es nach -io-Deklination ; daneben
kommt später der Nom. mey auf und, mit Übertritt in die -ön-
Deklination, meyia.
ß) iö-Stämme.
Singularis. Pluralis.
261. N. heiðr 'Heide' heiðar
A. lieiðe heiðar
G. lieidar heiða
D. keifte heiðom.
262. So flektieren zahlreiche Wörter, z. B. byrðr
'Bürde', flóðr 'Flut', ermr 'Ärmel', mýrr 'Sumpf, merr
<C marhiö, vgl. ahd. meriha 'Stute'; Eigennamen auf -dis,
•eiðr, -Cf)riðr, -gerðr, -guðr oder -giinnr, -hildr, -uðr oder
-unnr, -þrúðr, -elfr.
Bei einigen, in diese Deklination übergetretenen i-
oder ö-Stämmen fehlt der i- Umlaut, z. B. in guðr (§ 216
Anm.) 'Kampf und den Namen auf -guðr, -þrúdr, -unn.
Anmerkung 1. Im Nom. Sing, fehlt die Endung bei den
Namen auf -dis und dem Fremdwort dbbadis 'Äbtissin'. Assimi-
lation des -R ist eingetreten bei den Namen auf -unn (§ 177, 2)
und bei 0x < *0lsR Axt' (§ 177, 4).
Anmerkung 2. gýgr 'Riesin', rýgr 'Weib' (dichter.), ylgr
'Wölfin' haben i vor a, o der Endung (§ 43 Anm.). Eine Aus-
nahme bildet lielgr 'Feier'.
5*
68 Formenlehre. [§263-267.
c) Mö-Stämme.
Singularis. Pluralis.
263. N. gr 'Pfeil 5 gruar
A. gr gruar
G. gruar grua
D. gro, gr grom.
264. Wie gr gehen z. B. dggg 'Tau 5 , bgü 'Kampf,
rggg 'Haarbüschel 5 (auch rgggr, §249), stgd 'Landungsplatz 5 .
Anmerkung. Über den Ausfall des « vgl. § 226.
3. i-Stämme.
Maskulina. Feminina.
Singularis.
265. N. staðr 'Stätte 5 elgr 'Elenn 5 gnd 'Atem 5
elg gnd
elgiar, elgs andar
elg gndOj gnd.
Pluralis.
elger ander
elge ander
elgia anda
elgiom gndom.
266. Wie stadr gehen viele Wörter, z. B. bragr
'Dichtkunst 5 , matr 'Speise 5 , burðr 'Geburt 5 , feldr 'Mantel 5 ,
gripr 'Kostbarkeit 5 , ferner die Wörter auf -skapr wie
fiandskapr 'Feindschaft 5 , und die auf -nadr wie prifnaðr
'Blühen 5 .
267. Über die einzelnen Kasus ist folgendes zu
bemerken :
1. Nom. Sg. Hier sind dieselben Regeln über die
Verbindung von -l, -n, -r } -s mit -r(-ü) wie in § 242 zu
beachten : doli 'Thalbewohner 5 , þulr 'Dichter', vinr 'Freund 5 ,
hrócfr 'Ruhm 5 , griss 'Ferkel 5 .
2. Gen. Sg. Eine große Zahl von Wörtern, die
sonst wie staür flektieren, haben im Gen. Sg. -s, z. B.
gestr 'Gast', dugr 'Tüchtigkeit 5 , gramr (dichter.) 'Fürst 5 ,
hamr 'Hülle', hlumr 'Rudergriff 5 . Einige haben sowohl -ar
N.
stadr 'l
A.
stað
G.
staðar
D.
stað
N.
staðer
A.
staðe
G.
staða
D.
stoðom
§267 — 270.] Norninaldeklination. 69
wie -Sj z. B. auðr 'Reichtum', hróðr 'Ruhin', róðr 'Rudern',
kraptr 'Kraft', skógr 'Wald 5 , vindr 'Wind', ei&r 'Eid', seiðr
'Zauberei', burr (dichter.) 'Sohn', salr 'Saal', sultr 'Hunger 5 .
3. Dat. Sing, lautet auf -e bei fundr 'Zusammen-
kunft', sultr 'Hunger', kostr 'Bedingung', feldr 'Mantel'.
4. Nora. Akk. PI. Einige Wörter haben neben -er,
-e auch -ar, -a, z. B. dalr 'Thal', griss 'Ferkel', hnalr
'Wal', hßr 'Volk', stafr 'Stab', feldr 'Mantel', matr 'Speise'.
Anmerkung. Die Wörter auf -no&r gehen in den ältesten
Handschriften im Sing, nach u-, im PL nach ^-Deklination, z B.
fggno&r, PI. fagna&er 'Freude' (vgl. § 272 Anm.), dann dringt -atfr
auch in den Nom. Akk. Sing., aber der Dat. auf -e bleibt. Einen
Akk. PI. nach «-Deklination haben zuweilen kostr 'Bedingung',
hlutr 'Los' (§ 272 Anm.).
268. Wie elgr gehen alle Maskul., die entweder
bei kurzer oder bei langer auf Guttural ausgehender
Wurzelsilbe Palatalumlaut haben, z. B. beðr 'Bett',
vefr 'Gewebe', herr 'Heer' (vgl. § 244), bekkr 'Bank', bekkr
'Bach', serkr 'Hemd', und die nur im Sg. vorkommenden
þytr 'Lärm', hlymr 'Getöse', dynr 'Getöse'.
Anmerkung. Einige Wörter wie glymr 'Getöse', Freyr
'ein Gott', drengr 'Jüngling', belgr 'Balg' haben im Gen. Sing,
nur -s, andere wie byrr 'günstiger Fahrwind', hryggr 'Rücken'
immer -iar.
369. Wie gnd gehen zahlreiche Feminina, wie
rost 'Meile', higrð 'Herde', igrð 'Erde'.
270. Zu den einzelnen Kasus ist zu bemerken:
1. Nom. Sg. In einigen Wörtern hat sich die alte
Endung -r (vgl. got. anst-s) erhalten: Urðr 'eine Norne',
naudr neben nauð 'Notwendigkeit', -unn, uðr, unnr 'Welle"
(§§ 177 Anm. 1, 216 Anm.), brúðr 'Braut', vccttr (-vitr)
'Wesen, Wicht'.
2. Akk. Sg. brúðr hat brúðe im Akk. Sg.
3. Dat. Sg. Die meisten hierhergehörigen Wörter bilden
den Dat. nur auf eine Art. Mit Endung, z. B. braut
'Weg', rgst 'Meile', rgnd 'Rand', strgnd 'Strand', mgrk 'Wald',
stgng 'Stange', tgng 'Zange', spgng 'Spange', rgdd 'Stimme';
oder aber endungslos; z. B. gxl e Achsel' , tíð 'Zeit', þióð
70 Formenlehre. [§270-272.
'Volk', þurýt 'Bedürfnis', étt 'Geschlecht', hefnd 'Rache';
ferner die Wörter auf -on, wie blezon, Gen. blezanar 'Segen 5
(später auch N. Sg. blezan). Der Dat. von brúðr lautet
brúðe, von vættr vætte.
4. Gen. PI. von vœttr heißt in Zusammensetzungen
auch -vetra, -vitra.
Anmerkung. Da die ursprünglichen Endungen des Nom.
Akk. Sing, -iß, -im, die des Nora. Akk. PI. -1b, -inz waren., so
mußten sämtliche Wörter, Mask. wie Fem., soweit es der
Vokal der Wurzelsilbe gestattet, im Nom. Akk. PI., die mit
langer Wurzelsilbe auch im Nom. Akk. Sing. i-TJmlaut,
die mit kurzer Wurzelsilbe ÍÆ-Umlaut haben, vgl. §§ 127.
128, jedoch ist hier vielfache Ausgleichung eingetreten.
Entweder ist der nichtumgelautete Vokal ganz durchgeführt
worden, wie in sta&r 'Stätte', sultr 'Hunger 5 , urt 'Pflanze', oder
der umgelautete wie in gestr 'Gast 5 , lyür 'Volk 5 , belgr 'Balg 5 ,
dél 'Thal 5 , oder aber es sind Doppel formen entstanden wie
bwr, byrr 'Sohn 5 , hlumr, hlymr 'Rudergriff 5 , burtfr, byrcf 'Geburt 5 ,
gtt, œtt 'Familie 5 , sgtt, seit 'Vertrag 5 , kugn, Tcuœn 'Frau 5 , bón, bpn
'Bitte 5 , sión, sýn 'Sehen 5 .
4. ^-Stämme.
Maskulina.
Singularis.
271. N. vgllr 'Feld 5 figrðr 'Meerbusen 5
A. vgll
figrð
G. vallar
fiarðar
D. velle, voll
firðe.
Pluralis.
N. veller
firðer
A. vgllo, velle
figrðo
G. valla
fiarða
D. vgllom
figrðom.
272. Wie vgllr gehen zahlreiche Wörter, z. B. kuistr
'Zweig 5 , Hör 'Glied 5 , sicfr 'Gewohnheit 5 , bgrkr 'Rinde 5 , kgttr
'Katze 5 , sugppr 'Schwamm \ vgndr 'Zweig 5 , Jigttr 'Hut 5 , die
Wörter auf -gttr, -ättr (mit Ausnahme von vdttr 'Zeuge 5 ,
das nach der a-Dekl. geht), z. B. hgttr 'Art und Weise 5 ,
þgttr 'Abteilung 5 .
§272—274.] Nominaldeklination. 71
Anmerkung. Auch nach «-Deklination gehen vegr 'Weg',
gss 'Balken', gss 'Ase', grr 'Bote 5 , auch wie ein -ua-Stamm spgrr
'Sperling'; nur im Sing, gehen nach «t-Deklination, im Plur. nach
t-Deklination die "Wörter auf -nocir, wie fggnoür 'Freude', G. Sing.
fagna&ar (vgl. § 267 Anm.); einen Akk. PI. auf o nach ii-Deklination
haben Tcostr 'Bedingung', hlutr 'Los' (§ 267 Anm.).
273. Über die einzelnen Kasus ist zu bemerken:
1. Nom. Sg. Hier sind die Regeln über die Assimilation
des -R zu beachten (§ 177), z. B. bei grn "Adler 5 , gss,
grr; spgnn, spann (§ 81, 1) 'Span'.
Anmerkung. Daß in sonr, sunr 'Sohn' oft das r fehlt,
ist wohl aus nebentoniger Stellung zu erklären, z. B. Haralzson,
von wo es dann auch in haupttonige Stellung drang.
2. Gen. Sg. Bei vgrðr 'Wacht', lidr "Glied' kommt
oft die Endung -s vor.
3. Akk. PL Ein Akk. PI. nach i-Dekl. ist anfangs
selten, wie vende, ase, wird dann allmählich häufiger und
schließlich die gewöhnliche Form.
274. Wie figrðr gehen bigrn (§ 177, 2) c Bär', higrtr
'Hirsch', kiglr 'Kiel', skigldr 'Schild', Nigrðr 'ein Gott'.
Anmerkung 1. Da die Endung des N. Sing, -ur, die des
Akk. Sing, -um war, die des Akk. PI. -ufo), des Dat. PI. -um(-om) r
die des Dat. Sing. Akk. PI. -ife), des N. PI. -ir(er) ist, so muß
in diesen Kasus, soweit angängig, u- resp. i- Um laut oder u-
Brechung eintreten. In fcgrüv <^ *fercfuR ist im Dat. Sing. N. PI.
das e schon durch urgerm. i- Umlaut i geworden (§ 67 Anm.).
Zuweilen treten nun Ausgleichungen ein, wie in œrr neben grr
'Bote'. So war die ursprüngl. Flexion von sunr 'Sohn' : Akk. sun,
G. sonar, D. syne, PI. Nom. syner, Akk. sunu neben syne, G. sona,
Dat. sunum. Es entstanden sonr und s0nr, Akk. Sing, son und
s0n usw. Die ursprüngl. Flexion von t0gr 'Dekade' war folgender-
maßen: Sing. Nom. Hiogr < HejuR, vgl. got. tigus (§ 64), Akk. tiog-
< *tegu, Gen. tegar, Dat. tigi (§67 Anm.), PI. Nom. tigir, vgl.
got. tigjus, Akk. tiugu, vgl. got. tiguns (§ 64 Anm. 2), Gen. tega,,
Dat. Hiugum. Nach dem Gen. Sing. PI. erhielt man den Nom.
Sing, tegr, nach Dat. Sing. Nom. PI. tigr. in der Komposition
entstand bei haupttonigem ersten Glied z. B. fer-tógr (§ 104 Anm.);
man löste dann den zweiten Teil des Kompositums los und
brauchte die Form t0gr selbständig. Ebenso entstand aus *ßm-
tiugu, da in nebentoniger Stellung das i ausfiel, *fim-tugu, oder
mit Übernahme des Vokals des Nom. Akk. Sing. *fim-tiogu >
*fimtogu. Durch Loslösung des zweiten Teils ergaben sich
72 Formenlehre. [§ 274—278.
dann die Formen tagu, togo, zu denen man die Nom. tugr, togr
bildete.
Anmerkung 2. Über das Ntr. fé 'Vieh' vgl. § 241 Anm.
II. Konsonantische Stämme.
1. w-Stämme (schwache Deklination).
a) ««-Stämme.
275. Die aw-Stämme zerfallen in reine anStämme
mit Mask. und Neutr., in im- und waw-Stämme, die nur
Maskulina haben.
a) Reine «»-Stämme.
Maskulina, Neutra.
Singularis.
276. N. kam 'Hahn 5 pde 'Pfau 5 Maria 'Herz'
A. G. D. hana pd Maria.
Pluralis.
N. hanar per Mgrto
A. hana pd Mgrto
G. hana pd Marina
D. hgnom pgm Mgriom.
277. Wie haue gehen sehr viele Wörter, z. B. böge
*Bogen 5 , arfe 'Erbe 5 , félage 'Genosse 5 , granne 'Nachbar 5 ,
mdne 'Mond 5 , Urne 'Zeit 5 , ferner alle Wörter auf -are wie
dómare 'Richter 5 , skapare 'Schöpfer 5 , die als alte ia-Stämme
(vgl. got. laisareis 'der Lehrer 5 ) in älterer Zeit noch oft
-ere haben.
Anmerkung 1. Einige Lehnwörter haben den Nom.
Sing, auf -a: herra 'Herr 5 neben herre, síra 'Herr', Titel für Geist-
liche ; postola 'Apostel', profeta 'Prophet' haben gewöhnlich den
Nom. auf -e.
Anmerkung 2. uxe, oxe 'Ochse' flektiert im Plur. Nom.
Akk. yxn(<^ *ulisniii), Gen. yxna (eigentl. *oxna), Dat. yxnom,
0xnom. Den Gen. Plur. wie uxe bilden auch die Wörter der
Dichtersprache gume 'Mann', skate 'ein hervorragender Mann',
bragnar 'Fürsten', flotnar 'Seeleute', gotnar 'Goten'.
278. Wie pde gehen z. B. de 'Urgroßvater 5 , Me
'Bewohner 5 , Vé N. pr. 'ein Gott 5 . Bei diesen Wörtern
sind die Regeln über die Kontraktion zu beachten,
§§ 134—138.
§279 — 283.] Nominaldeklination. 73
279. Wie hiarta gehen z. B. auga 'Auge', eyra 'Ohr',
lunga 'Lunge', nýra 'Niere', sima 'Seil 5 , heima 'Heimat'.
ß) mn-Stämme.
Maskulina.
Singularis.
280. N. skyte 'Schütze'
A. G. D. skytia.
Pluralis.
N. skytiar
A. skytia
G. skytia
D. skytiom.
281. Wie skyte gehen viele Maskulina, z. B. bryte
'Vorschnei der', guðsife 'Pate', vile 'Wille', ferner die Wörter
auf -enge (inge) wie er f enge 'Erbe', auf -nyte wie arfnyte
(dichter.) 'Erbe', auf -skegge wie eyiarskegge 'Inselbewohner 5 ,
auf -vere wie Nom. PL skipsveriar 'Schiffsmannschaft', auf
-virke wie illvirke 'Missethäter'.
Anmerkung, aifile 'Sachfuhrer', skyte, bryte, vile haben
das i früh aufgegeben, gehen also auch wie hane (§ 276). Über
die Erhaltung und Ausstoßung des i vgl. § 223.
Die Wörter auf -bygge gehen auch im PI. nach wa-Deklin.,
also wie TiQrr § 248 (sie sind eigentlich wan-Stämme), z. B. fram-
byggiar •■: frambygguwr 'Mannschaft im vordem Teile eines Kriegs-
schiffes 5 .
Y) uanSt'úmme.
282. Bei der Flexion dieser Stämme ist nur zu
bemerken, daß das ii im Dat. PI. fortfällt, vgl. § 226, 1,
also zu mgskue 'Masche', Dat. PI. mgskom. Hierher ge-
hören nur wenige Wörter wie myrkiie 'Finsternis', Yngue
'Beiname des Gottes Freyr', und das nur im Kompos.
vorkommende -bygguar 'Bewohner', vgl. § 281 Anm.
b) öw-Stämme.
283. Die öft-Stämme zerfallen in reine örc-Stämme,
in iön- und Möw-Stämme. Sie sind alle, mit geringen
Ausnahmen, Feminina.
74 Formenlehre. [§ 284—287.
a) reine ön-Stäinme.
Femininum.
Singularis. Pluralis.
284. N. gata 'Gasse' ggtor
A. ggto ggtor
G. ggto gatna
D. ggto ggtom.
285. Wie gata flektieren zahlreiche Feminina, z. iL
tunga 'Zunge', aska 'Asche', gata 'Rätsel 5 , saga 'Erzählung 5 ,
stiarna 'Stern' und die urspr. Feminina, dann Eigen-
namen männlicher Personen, Sifka, Sküta, Ella, Sturla
(auch Sturle).
Anmerkung. Der Nom. ist ohne Endung bei frú 'Frau',
húsfrú 'Hausfrau 5 , iungfrú 'Jungfrau'. Ferner bei trú neben trúa
'Glaube', Gen. Sing, trú (§ 134). Beide Wörter gehen später
auch wie brú (§ 256).
ß) iöH-Stämme.
286. Von diesen ist nur folgendes zu bemerken:
Die Wörter mit g, k vor dem i stoßen dieses im G.
PI. aus; so gehen z. B. bylgia 'Woge 5 , ekkia 'Witwe 5 , kirkia
'Kirche 5 , also G. PL kirkna u. s. w. Die übrigen haben
den G. PI. auf -ia, so gehen z. B. gijðia 'Göttin, Priesterin 5 ,
lilia 'Lilie 5 , smiðia 'Schmiede 5 , und die Wörter auf -siä
wie äsid 'Aussehen 5 , skuggsid 'Spiegel 5 , also G. PI. gyðia,
ásiá; bei den letzten sind die Kontraktionsregeln § 134
bis § 138 zu beachten. Später gehen sie auch wie brg>
(§ 252), also Nom. ásig, Gen. ásiár.
y) ■iiön-St&mme.
Singularis. Pluralis.
287. N. vghia 'Wahrsagerin 5 vglor
A. vglo vglor
G. vglo *vglua
D. vglo vglom.
So gehen nur wenige Wörter, z. B. slgngua 'Schleuder 5 ,
Bgskua N. pr.
Anmerkung. Über den Verlust des u vgl. §226, 1. Der
Gen. Flur, ist nicht belegt; später wird das u analogisch wieder
hergestellt, also Gen. Sing, vgluo usw.
§288—293.] Nominaldeklination. 75
c) FM-Stämme.
288. Diese Stämme sind ausschließlich Feminina.
Der Sing, zeigt durchweg die Endung -e(i); soweit ein
Plural vorkommt, ist er in andere Deklinationsarten
übergetreten.
289. Die meisten hierhergehörigen Wörter sind Ab-
stracta, z. B. eile 'Alter', fróðe 'Kenntnis', móðe 'Müdig-
keit', helge 'Heiligkeit', dgirne 'Begehrlichkeit', fréndseme
'Verwandtschaft', rétívíse 'RechtschafFenheit', hyggiande 'Ver-
stand 5 .
290. Der Gen. Sing, endet bei einigen Wörtern
auf -ar, z. B. gprue 'Tracht', gprsime 'Kostbarkeit', rekende
'Fessel'; -e und -ar haben céfe 'Zeitalter' und milde 'Milde'.
Auf -es gehen zuweilen einige Wörter, z. B. reide 'Zorn 5 ,
kristne 'Christenheit', fréndseme 'Verwandtschaft'.
291. Den Plur. nach ö-Dekl. bilden gorue, gorsime
und lyge 'Lüge', nach wd-Dekl. rekende (§ 301).
2. Nicht auf -n ausgehende konsonantische Stämme,
a) Einsilbige Stämme.
292. Die Wörter sind Mask. oder Fem., im Sing,
sind sie in die Dekl. der a- und m-, resp. ö-Stämme über-
getreten, die konsonant. Flexion tritt nur im Nom. Akk.
PI. und zuweilen im G. Sg. Fem. zu Tage, wo die Endung
■iz und der Wurzelvokal Pa-
latalumlaut
zeigt.
Maskulina.
Feminina.
293.
Singularis.
N. fótr 'Fuß'
nagl 'Nagel' rgng 'Querband mgrk C M
A. fót
nagl
rgng [imSchifT' mgrk
G. fótar
nagls
rangar merkr
D. ßte
nagle
rgng mgrk
Pluralis.
N. fétr
negl
rengr merkr
A. fétr
negl
rengr merkr
G. ßta
nagla
ranga marka
D. fótom
ngglom
rgngom mgrkom.
76 Formeulehre. [§ 294—298.
294. Wie fótr, also im Sing, nach a-Dekl., gehen
fingr <l*fingm (§§ 177, 3. 230), also Gen. fingrar 'Finger',
vetr 'Winter' < vettr (§§ 177, 3. 231 Anm.), einige Völker-
namen wie Yinör PL 'Wenden' und das zweisilbige mónoðr,
mánaðr 'Monat" (im PL auch als i- Stamm und zuweilen
auch als ««-Stamm), das als einziges Maskul. den alten
Gen. auf -r hat.
295. Wie nagl, also im Sing, nach a-Dekl., geht
nur maðr, mannr 'Mann' (vgl. § 177 Anm. 1), N. Akk.
PL menn (§§ 177, 2. 216 Anm.).
296. 1. Wie rgng, also im Sing, nach ö-Dekl., gehen
viele Wörter, z. B. Und 'Hindin', tg 'Zehe', fló 'Floh',
klö 'Klaue', brök 'Hose'. 2. Einige haben auch den Gen.
Sg. wie mgrk, z. B. eik 'Eiche', tgng 'Zange', ngtt nótt
(G. Sg. nát(t)r, náttar) 'Nacht', mgrk 'Wald', Uk 'Buche'.
3. Den Dat. auf -o, wie ärot(t)neng (§ 252) haben auch
rgnd 'Rand', strgnd 'Strand', stgng 'Stange', mgrk 'Wald'
und ngtt. 4. Einige sind auch im PL in die ö-Dekl. über-
getreten, z. B. sild 'Hering', greip 'Hand', skeið 'Schiff;
andere in die i-Dekl. wie z. B. skeið, tgng 'Zange', gnd
'Ente', rgnd, strgnd, stgng, mgrk 'Wald'.
297. Wie mgrk 'Mark' also mit kons. Gen. gehen z. B.
kuerk 'Kehle', miolk 'Milch', vik 'Bucht', und die (§ 296, 2)
erwähnten eik usw., sodann ki/r 'Kuh', sýr 'Sau', er
'weibliches Schaf, mit Bewahrung der alten kons. Endung,
die i?-Umlaut bewirkt.
298
b) r -Stämme.
Maskulinum.
Femininum.
Singularis.
>. N. fader 'Vater'
móðer 'Muttc
A. fgðor
móðor
G. fgdor
móðor
D. feðr, fgðor
móðor.
Pluralis.
N. feðr
móðr
A. feðr
móðr
G. fedra
móðra
D. fecfrom
méðrom.
§ 299—303.] Pronominaldeklination. 77
299. Wie faðer geht noch bróðer , N. Akk. PL
bréðr 'Bruder'. Wie móðer gehen noch dotier, N. Akk. PI.
dét(t)r (§ 231) 'Tochter", syster 'Schwester 5 .
Anmerkung. Der i-TJmlaut im Gen. Dat. Plur. ist Neu-
schöpfung nach Nora. Akk. PI. auf *-ír.
c) wd-Stämme.
300. Diese Stämme sind fast nur Maskulina, sie
gehen im Sing, wie die aw-Stämme, im PI. wie die ein-
silbigen konsonantischen Stämme.
Maskulinum.
Singularis. Pluralis.
301. N. gefande 'Geber' gefendr
A. gefanda gefendr
G. gefanda gefanda
D. gefanda gefgndom.
302. Wie gefande gehen die substantivisch ge-
brauchten Partizipia Präs. und die ganz zu Sub-
stantiven gewordenen fände 'Feind', frænde 'Ver-
wandter', büande, bände 'Bauer', PI. búendr, bóndr.
Anmerkung. Der i- Umlaut ist aus dem Nom. Akk. PI.
in das ganze Paradigma gedrungen bei frcénde (*friánde zu friá
'lieben)'; zuweilen dringt er in den Dat. PI. bei búendom, béndom,
selten auch in den Gen. búenda, bmda. Dagegen hat fiande im
Nom. Akk. PI. nicht umgelauteten Yokal: fiandr.
Vierzehntes Kapitel.
Pronominaldeklination.
1. Personalia.
a) Geschlechtslose.
Singularis.
303. N. ek 'ich' þú 'du' —
A. mik þik sik 'seiner
G. min þín sin
D. mér þér sér.
F
orraenlehre.
Dualis.
N. vit
ií(^ií §304 Anm.)'
A. okkr
ykkr
G. okkar
ykkar
D. okkr
ykkr '
Pluralis.
N. vér
eV(^r§304Anm.)
A. OSS, 055
yðr
G. vdr
yð(u)ar
D. 05S, 055
yðr '
78 Formenlehre. [§ 303. 304.
die
Singular-
formen.
die
Singular-
formen.
Anmerkung. Der Ausfall des u in y&uar beruht auf
Analogiebildung nach Akk. PI. yðr.
304. Besonders häufig in der Dichtersprache, sel-
tener in Prosa, wurde ein Teil dieser Pronominal formen
an vorausgehende Verbalformen suffigiert.
1. Bei ek wird das e synkopiert und es sind dann
die Regeln über den Zusammenstoß des k mit andern
Konsonanten (§§ 160, 1. 166. 170, 2. 171, 4. 184, 4), zu be-
achten, z. B. emk c ich bin', liykk c ich denke' <C *hygg(e)k.
Außerdem kann noch die enklitische Negation -a, -at hinzu-
gefügt werden, nach schwachtoniger Silbe wird dann das -k- zu
•g- ; z. B. sékka (§ 229) c ich sehe nicht', aber þorega c ich
wage nicht', das -k kann dann noch einmal angehängt
werden, also sékkak, ja sogar das ek auch noch vorgesetzt
werden, ek sékkak.
2. Wird þú suffigiert, so kommen die Regeln über
den Zusammenstoß des þ (resp. ð) mit andern Konso-
nanten zur Anwendung (§§ 169 — 171. 193), sowie die
über ú in schwachtoniger Silbe (§ 117). Das -u wurde
dann auch apokopiert (§ 122, 5), z. B. est c du bist', skald
c du sollst', vilt c du willst', ist aber meistens analogisch
wieder hergestellt worden, also estu, skaldu, viltu. Die Ne-
gation -at wird zwischen Verbum und Pronomen geschoben,
z. B. gaftattu c du gabst nicht'.
3. mar und mik werden in der altem Dichtersprache
unter Synkope des Vokals der 3. Plur. suffigiert,
*-mp, -m (§ 177, 5) wird, z. B. ßgttom e sie
§ 304—308.]
Pronominaldeklination.
79
schienen mir', rgkomk "sie trieben mich'; -m steht dann
auch für -mk und umgekehrt. Werden diese Formen der
3. Sing, suffigiert, so hat diese die Form der 3. PI., z. B.
bóþomk c er befahl mir'.
Anmerkung. Suffigiert werden auch, aber ohne Synkope,
it und ér, z. B. kome&ér c ihr kommt'. Durch falsche Auflösung
entstanden dann die Formen þit, þér.
h) Greschlechtige.
Mask.
Singularis.
305. N. kann e er'
A. hann
G. hans
D. hgnom, hgnom, hónom, Jwnom
Anmerkung. Über den Wandel von g zu g, 6, o vgl,
§ 81, lb und Anm., über das e § 143, 1, über nn § 177, 2.
Fem.
hón, hon 'sie'
hdna, hana
hennar
306.
308.
2.
Possessiva.
Mask
Fem.
Singularis.
Neutr.
N. minn c :
mein'
min
mitt
A. minn
mina
mitt
G. mins
minnar
mins
D. minom
minne
Pluralis.
mino.
N. miner
minar
min
A. mina
minar
min
G.
minna
D.
minom.
imerkung.
Über den Wechsel
von i
und % vgl. § 143, 1.
07. Wie 1
minn
gehen þinn 'dein',
sinn 'sein'.
Mask.
Fem.
Singularis.
Neutr.
N. vdrr 'unser'
6r, vgr
värt
A. várn
óra, ossa,
vára
: värt
G. vdrs
várrar
vdrs
D. öronij ossom, vgrom vdrre
óro, osso, vgro.
80
Formenlehre.
[§308-311,
Pluralis.
N. órer, osser, várer órar ossär , várar ór, vgr
A. óra, ossa, vára órar, ossär, várar ór, vgr
G. várra
D. órom, ossom, vgrom.
Anmerkung. Die Formen mit oss- begegnen besonders
in der älteren Poesie ; in der älteren Prosa herrschen die mit dr-,
die dann durch die mit v- anlautenden allmählig verdrängt
werden.
Mask. Fem. Neutr.
Singularis.
309.
N.
A.
G.
D.
yð(u)arr
yð(u)a(r)
yð(u)ars
yðrom
'euer' yðor
n yðra
yð(u)arrar
yð(u)arre
Pluralis.
yð(u)a(r)t
yð(u)a(r)t
yð(u)ars
yðro.
N.
A.
yðrer
yðra
yðrar
yðrar
yðor
yðor
310.
G. yð(u)arra
D. yðrom.
Wie yð(u)arr gehen noch okkarr c uns beiden
gehörig', yJckarr 'euch beiden gehörig 5
311.
3.
Demonstrativa.
Mask.
Fem.
Singularis.
Neutr.
N. sá c der 5 sú
þat
A. þann
þá
þat
G. þess
þeir(r)ar
þess
D. þeim
þeir(r)e
Pluralis.
þuí, þué, þí.
N. þeir
þér
þau
A. þá
þœr
þau
G. þeir(r)a
D. þeim.
Anmerkung. Über die Formen mit -rr , die besonders
in jüngerer Zeit überwiegen, vgl. § 229.
§312—315.] Pronominaldeklination. 81
Mask. Fem. Neutr.
3125. Singularis.
N. pesse 'dieser'
Pesse, pessor þetta
k.penna
ßessa petta
G. pessa
ßessar , pessar (r)ar pessa
D. þessom
pesse, pessar (r)e puisa,pesso.
Pluralis.
N. pesser
pessar pesse, pessor
A. pessa
pessar pesse, pessor
G. pessa, pessar(r)a
D. pessom.
Anmerkung. In älterer Zeit, in der die an erster Stelle
aufgeführten Formen die gebräuchlichsten sind , wird für den
Nom. Sing. Mask. Fem. meistens sid gebraucht.
313. Des weitern gehören hierher die wie Adjek-
tiva flektierenden puílíkr 'solcher', sMJcr 'solcher', sialfr,
siälfr (§ 141, 2) 'selbst', same neben seltenerem samr 'der-
selbe', ferner der Artikel enn 'der', und das in späterer Zeit
vor Adjektiven auch als Artikel gebrauchte Jiinn jener 5 , die
im allgemeinen wie minn flektieren, doch Tiinn stets mit
kurzem i, und als Artikel gebraucht immer mit den
Formen hit statt hat im Nom. Akk. Sg. Neutr., und oft
hin im Nom. Akk. Sg. Mask., ebenso wie auch enn immer
et und häufig en hat.
314. Enn (im nach § 105) steht als bestimmter
Artikel vor einem Adjektiv, aber nach dem Sub-
stantiv. In dieser Stellung wird es suffigiert und dann
wird entweder der Anfangsvokal des Artikels oder der
Endungsvokal des Substantivs synkopiert.
315. Verlust des Anfangsvokals des Artikels
tritt besonders ein nach nichthaupttonigem Vokal,
so immer bei den einsilbigen Formen des Artikels,
und zwar nur in diesem Fall, z. B. boge-nn 'der Bogen',
tunga-n 'die Zunge', auga-t 'das Auge', aber tré-et 'der
Baum', faöer-enn 'der Vater', ferner bei den zweisilbigen
Formen, doch verlieren die zweisilbigen mit offener
Pänultima den Anfangsvokal überhaupt nach nicht-
Kahlc, Altisländisches Elementarbuch. 6
82
Formenlehre.
[§315—318.
haupttoniger, oft auch nach haupttoniger Silbe,
während die mit geschlossener den Vokal verlust immer
nach nichthaupttonigem, oft aber auch nach haupt-
tonigem Vokal eintreten lassen, z. B. bogar-ner 'die
Bogen', g-na und g-ena 'den Fluß 5 ; boga-nna 'der Bogen 5 ,
g-nne und g-enne 'dem Fluß 5 , sölo-nne und söl-enne 'der
Sonne'.
Anmerkung. Im Dat. PI. kommt nur in älterer Zeit -om-
nom vor, z. B. Mrkiomnom c den Kirchen 5 , später immer -o-nom,
z. B. bogo-nom c den Bogen'.
316. Als Beispiele mögen dienen:
Mask.
Fem.
Singularis.
Neutr.
N. boge-nn 'der Bogen
5 laug 'das Bad 5
vé-et 'das Heiligtum'
A. boga-nn
laug-(e)na
vé-et
G. boga-ns
laugar-ennar
vés-ens
D. boga-nom
laugo-nne laugenne
Pluralis.
vé-no.
N. bogar-ner
laugar-nar
vé-en
A. boga-na
laugar-nar
vé-en
G. boga-nna
lauga-nna
véa-nna
D. bogo-nom
laugo-nom
véo-nom.
4. Relativa.
317. Als Relativa dienen meistens die Partikeln
es in älterer Zeit, später er und sem (ursprünglich 'wie'),
gewöhnlich mit vorausgehendem Demonstrativum sä. es
verschmilzt häufig mit diesem, z. B. sás, sús, þats (þaz).
Neutr.
318.
was
5. Interrogativa.
Mask. Fem.
Singular.
N. — —
A. — —
G. hues(s) —
D. hueim —
Anmerkung. Für die fehlenden Formen tritt das Pro-
nomen huerr ein (§319 Anm. 2).
hnat
huat
hues(s)
hui
§ 319—321.] Pronominaldeklination.
Mask. Fem. Neutr.
Singularis.
310. N. huaöarr, huárr "welcher hugr hnárt
A. hnaffarn,huárn'[ von beiden' huára haárt
G. huárs haar rar hudrs
D. hugrom huärre hugro.
Pluralis.
N. huárer huárar hugr
A. huära huárar huór
G. huárra
D. hugrom.
Anmerkung 1. Dem Nom. Sing, hua&arr, Akk. Sing. M.
huað'arn (vgl. got. foapar § 193) begegnet man nur selten in älteren
Gedichten; der Nom. Sing, huárr ist Neuschöpfung nach den
Kasus, in denen das & vor r ausfiel , z. B. Nom. Plur. hucirer
< *hua&rer (vgl. § 172).
Anmerkung 2. Huerr 'welcher von mehreren' flektiert
wie mi&T (§ 336), doch lautet der Akk. Sing. M. huern neben den
der älteren Dichtersprache angehörenden huerian. Das wie huárr,
zuweilen auch wie huerr, flektierende huorr 'welcher von mehreren'
ist norwegisch. Huüikr 'wie beschaffen' flektiert wie s})ah'
{§ 331).
6. Indefinita.
320. Ein(n)huerr, F. einhuer, Ntr. eitthuert 'irgend
einer' flektiert in älterer Zeit oft beide Hälften , also
z. B. Dat. Sing. Mask. einom hueriom, später gewöhnlich
nur die zweite, also einhuer tum.
Anmerkung, eüthuat, N. Akk. Sing. Neutr., 'irgend was'
wird nur substantivisch gebraucht.
321. Nekkuerr (wkkuerr), F. nekkuer, Ntr. nekkuert
und nekkuarr (wkkuarr), nekkuar, nekkuart c irgend einer'
(<C *we veit ek huerr, resp. huarr) flektieren wie huerr resp.
Jiuarr, doch oft ohne i vor den a, o der Endungen. Aus
der Vermischung der Formen dieser Pronomina mit Hin-
zutritt des auch als Adjektiv gebrauchten Substantiv
nekkuat (nokkuat), nakkuat, das ursprünglich wie huat flek-
tierte, entsteht ein Pronomen nakkuarr mit den Neben-
formen ngkkuarr, nakkuerr, das adjektivisch und substan-
tivisch gebraucht wird. Seine Flexion ist alsdann folgende:
6*
84
Formenlehre.
[§321.322.
Mask.
N. nakkuarr
A. nakkuarn
G. nakkuars
D. ngkk(iQorom
N. nakkuarer
A. nakkuara
Fem.
Singularis.
ngkk(u)or
nakkuara
nakkuarrar
nakkuarre
Pluralis.
nakkuarar
nakkuarar
Neutr.
nakkua(r)t (§220
nakkua(r)t Anm. 1)
nakkuars
ngkk(u)oro.
ngkk(u)or
ngkk(u)or
G. nakkuarra
D. ngkkúQorom.
Anmerkung 1. Außerdem kommen folgende Formen vor:
ngkkorr, ngltkor, ngkkot; ngkkuorr, nglckuor, ngkkuot; ngJckurr, ngk-
Tcur, ngkku(r)t (nekkurr und nptäurr seltener), welche Form dann
im späteren Island, die gebräuchlichste ist.
Anmerkung 2. Auch das Zahlwort einn und das Adjektiv
sumr haben die Bedeutung irgend einer'.
322. Aus der Zusammensetzung einiger Pronomina
mit der negativen Partikel -ge (-gi) entstehen neue in-
definiter Bedeutung: ein(n)ge (§ 231), häufiger en(n)ge
(§ 143), Fem. enge, Ntr. etke und ekke (§ 160, 1) 'keiner'.
Ursprünglich wurde nur der erste Teil flektiert, wovon
ebenso wie von der Flexion beider Teile nur wenige Reste
erhalten sind. In der Regel flektiert nur der zweite Teil.
Früh treten dann auch Formen mit u in der Ableitung
auf, die w-Umlaut des e veranlassen, z. B. Akk. Sg. M.
onguan. Im folgenden sind nur die am meisten gebrauchten
Formen angeführt :
Fem.
Singularis.
Mask.
Neutr.
N. en(n)ge
A. enge, ongOOan, engan
G. e(i)nskes, e(i)nkes
D. engom, 0ngom
N. enger, 0ng(u)er
A. enga, 0ng(u)a
enga, ong(u)a
engrar, ongrar
engre, pngre
Pluralis.
engar, ong(u)ar enge
engar, ong(u)ar enge
ekke
ekke
e(i)nskes, e(i)nkes
engo, pngo.
G.
engra, ongra
engom, ongom.
§ 323—326.] Pronominaldeklination. 85
Neutrum.
Singularis.
323. N. A. vét(t)ke (§ 231), vet(t)ke (§ 143), vekke (§ 160, 1)
G. vettoges, selten vet(t)kes, vetterges(s) ['nichts'
D. vettoge.
Neutrum.
Singularis.
»524. N. A. huatke, hiiakke (§1Q0,1) huat-, huet-vetna (-vitna),
hotvetna (-vitna) 'was auch immer 5
G. Jmesskes huersvetna, -vitna
D. huige huivetna, -vitna.
Anmerkung. In derselben Bedeutung wird auch huat
(§ 318) gebraucht.
Mask. Fem. Neutr.
325. Singularis.
N. huerge 'irgendeiner von huerge huer(t)ke(§233)
mehreren'
A. huernge, huern(e)gan huerega huer(t)ke
G. hiier(s)kes (§ 233) hueregrar [rege huer(s)kes
D. huerionge (§ 208), hueregom huer(e)gre, hier- huerego.
Pluralis.
N. huereger hueregar ,huerege lauer (e)ge
A. huerega hueregar ,huerege huer(e)ge
■>
G. hueregra
D. huerionge (§208), hueregom.
326. Singularis.
N. huerge 'irgendeiner von huórge huár(t)ke (§ 233)
zweien'
A. huárnge, huárn(e)gan, huá- huár(e)ga huár(t)ke
r(e)gan.
G. huár(s)kes (§ 233) huárregrar huár(s)kes
D. huóronge($208)huár(e)gom huáregre huóroge, huár(e)go.
Pluralis.
N. huár(e)ger huár(e)gar —
A. huár(e)ga huár(e)gar —
v . v *
G. huáregra
D. huóronge (§ 208), hudr(e)gom.
86 Formenlehre. [§ 326—329.
Anmerkung, huárge hat auch die Bedeutung 'keiner von
beiden 5 . Ferner sind noch zu erwähnen : huerr jeder von
mehreren', hudrr, huárfrjtuegge 'jeder von zweien'; über die
Flexion vgl. § 319 u. Anm. 2; bei dem letzten werden beide Teile
flektiert, der zweite wie sehe (§ 342).
Fünfzehntes Kapitel.
Nominal-Pronominaldeklination (Adjektiva).
327. Die Adjektiva können im allgemeinen im
Positiv und Superlativ sowohl stark wie schwach
flektieren, im Komparativ aber nur schwach. Wird
das Adjektiv unbestimmt gebraucht, flektiert es stark,
z. B. r'tkr maðr 'ein mächtiger Mann', wird es bestimmt
gebraucht, so flektiert es schwach, enn rike maðr c der
mächtige Mann'. Doch steht oft auch im Vokativ die
schwache Form ohne Artikel, ríkemaðr 'mächtiger Mann'
und als Beiname Haralär hdrfagre 'Harald Schönhaar'.
A. Starke (vokalische) Deklination.
328. Die Adjektiva der starken Deklination sind
vom aisl. Standpunkt aus nur a- und o-Stämme, d. h.
die ursprüngl. i- und «-Stämme sind im Mask. und Neutr.
in die Flexion der a-, im Fem. in die der o-Stämme über-
gegangen, doch sind im Urnord. (und Aschwed.) noch No-
minative nach i- und w-Deklin. bewahrt, wie urn. märiE,
aisl. mcérr 'berühmt', aschwed. karuR, aisl. ggrr 'fertig'.
Anmerkung. An einem Nebeneinander von Formen mit
und ohne i- Umlaut der Stammsilbe kann man zuweilen alte
H- Stämme erkennen, z. B. ggrr < *jarivu- und gurr < *jaricia-
'fertig', got. *glaggiuus, aisl. glgggr : gUggr 'deutlich', got. aggwus,
aisl. gngr : 0ngr 'eng 5 .
320. Die Adjektiva flektieren nicht rein nach no-
minaler Deklination, sondern eine Anzahl Kasus sind
der pronominalen Flexion entnommen. Es sind
dies im Mask. Akk. Dat. Sg., Nom. Gen. PL, im Fem.
Akk. Gen. Dat. Sg., Gen. PL, im Neutr. Nom. Akk. Dat.
Sg., Gen. Plur.
§330.331.;
Nominal-Prononiinaldeklination.
87
330. Die Adjektiva der starken Deklination zer-
fallen in reine a-, ö-, in ia-, iß- und in ua-, «ö-Stämme.
1. Reine a-, ö-Stämme.
Maskul. Fem.
331. Singularis.
Neutr.
N.
, spakr Vers
tändig' spp&
spakt
A.
spakan
spaka
spakt
G.
, spaks
spakrar
spaks
D.
spokom
spakre
Pluralis.
spgko,
N,
. spaker
spakar
spgk
A.
spaka
spakar
spgk
G
I),
spakra
spokom.
Singularis.
N. g amall
alt'
ggmol
gamalt
A. gamlan
gamla
gamalt
G. gamals
gamallar
gamals
D. gomlom
gamalle
Pluralis.
gpmlo.
N. garnier
gamlar
ggmol
A. gamla
gamla r
ggmol
G.
gamalla
D.
gomlom.
Maskul.
Fem.
Neutr.
Singularis.
N. bldrCr)
'blau 5 ' big
blátt
A. blän
bld
Witt
G. blds(s)
blár(r)ar
blds(s)
D. blgm
blár(r)e
Pluralis.
big.
N. &7áer
blár
bló
A. Má
hlár.
big
G.
blár(r)a
D.
blgm.
88 Formenlehre. [§332—335.
332. Wie späh" gehen die meisten Adjektiva, z. B.
diarfr f kühn', góðr 'gut', langr 'lang', margr 'mancher',
die Wörter auf -öttr, wie háróttr 'behaart', skpllöUr 'kahl',
die Superlative auf -astr, wie S2iakastr und die Partizipia
auf -aðr wie kalladr 'genannt', bei denen die Synkope
unterbleibt, weil der Vokal der Ableitung urspr. lang (-ö)
war (§ 123 Anm. 1).
333. Wie gamall gehen z. B. atall 'grausam', fgroll
c umherstreifend', Utell 'klein', mikell 'groß', heiðenn 'heid-
nisch', kristenn 'christlich', openn 'offen" und alle Partizipia
auf -enn, wie bundenn 'gebunden"; Jieilagr 'heilig' und die
Wörter auf -egr und -ogr wie auðegr 'reich', pflogr 'stark',
die Partizipia auf -eðr wie taledr 'gesagt', die allmählich
die Synkope in allen Formen durchführen, also z. B.
Nom. Sg. Mask. talðr für taledr. Die auf -ü oder t in der
Wurzelsilbe ausgehenden haben dies schon in sehr früher
Zeit gethan, z. B. gladdr 'erfreut' aus *glaðeðr, huattr 'ge-
schärft' aus *huateðr.
Anmerkung. Die Wörter auf -enn bilden den Akk. Sing.
Mask. auf -n, also kristenn, nicht *kristnan; Utell c klein', mikell
'groß' haben im Akk. Sing. Mask. Utenn, mikenn, Nom. Akk. Sing.
Neutr. lüet, miket.
334. Wie blár gehen nur wenige Wörter, z. B. grár
'grau', fár 'gering an Zahl', smár 'gering', trúr 'treu'.
Anmerkung. Über die Verdoppelung des r im Gen. Dat.
Sing. Fem. und Gen. PI. vgl. § 229, der Nom. Sing. Mask. hat
sein zweites r von diesen Kasus bezogen; der Nom. Sing. Neutr.
ist gebildet nach Analogie von Formen wie fritt 'schön', (§ 335, 2),
heitt c heiß\ der Gen. Sg. Mask. Neutr. möglicherweise nach ein-
silbigen pronominalen Genitiven wie pess 'dieses', huess
'wessen 5 (§§311. 318). Über die kontrahierten Formen, sowie über
die Neuschöpfungen wie Akk. Sing. Mask. bldan vgl. § 134.
335. Bei der Flexion der Adjektiva hat man auf
folgende Regeln zu achten:
1. Bei den auf -l, -n, -r, -s auslautenden kommen
die Regeln über den Zusammenstoß des ß mit diesen
Lauten zur Anwendung (§ 177): Nom. Sg. Mask. z. B.
heul 'gesund', gamall 'alt', Utell 'klein, fullr 'voll*; ku&r,
§335-33^
Nominal-Pronominaldeklination.
89
'bekannt'; iafn 'eben', vœnn 'schön 5 , openn 'offen',
linr 'mild'; fagr 'schön'; viss 'weise'. Gen. Dat. Sg. Fem.
z. B. heillar, heule, gamallar, g amalle, fullrar, fullre; vænnar,
vœnne, opennar, openne, linrar, linre, iafnrar, iafnre; jagrar y
fagre; vissar, visse. Gen. PI. lieilla usw.
2. Im Nom. Akk. Neutr. sind die Regeln über die
Assimilierung eines d, ö, n an ein folgendes -t zu be-
achten (§§ 170, 2. 171, 2. 212, 1), ferner über die Kürzung
des tt nach Konsonanten und in nichthaupttoniger Silbe
(§§ 230. 232), z. B. Mint zu blindr 'blind', fett 'geboren' zu
féddr, fritt 'schön' zu fríðr, hart 'hart" zu harðr; läget 'ge-
legt' zu lageðv, huatt 'geschärft' zu huattr , fast 'fest' zu
fastr; heiðet 'heidnisch' zu heiðenn.
3. In einzelnen Fällen ist langer Vokal vor Geminata
oder Doppelkonsonanz verkürzt worden (§ 143), z. B.
Neutr. gott : gótt 'gut' von góðr ; PI. Utler : litter von litell
'klein', PI. ymser 'wechselnd' zu ýmiss, dann auch ymiss
neugebildet, PI. helger zu Jieüagr 'heilig'.
336.
2. ia- ) io-Stämme.
Maskul. Fem. Neutr.
Singularis.
N.
miðr 'mittlerer'
mið
mitt
A.
miðian
miðia
mitt
G.
miðs
miðrar
miðs
D.
miðiom
Pluralis.
miðre
miðio
N.
miðer
miðiar
mið
A.
miðia
miðiar
mið
G.
miðra
D.
miðiom.
337. Wie miðr gehen noch sehr 'schuldig', nýr
e neu ! und auf -g, -k endigend einige wie frctgr 'berühmt',
slogr 'schlau', sterkr 'stark', rikr 'mächtig'.
Anmerkung 1. Über die Erhaltung und Ausstoßung des
i vgl. §§ 43 Anm., 45 Anm., 223. Über nýr, Neutr. mjtt vgl. § 334
90 Formenlehre. [§ 337—340.
Anm. Die meisten Wörter haben auch Formen, die das i ver-
loren haben, wo es eigentlich erhalten sein müßte.
Anmerkung 2. Die Ursprung!, ia-, iö-Stämme flektieren,
ausgenommen die wenigen, die in die ia-, iö-Deklination über-
gegangen sind, wie a-, ö- Stämme.
338.
3.
na
■, uö- Stämme.
Singularis.
Maskul.
Fem.
Neutr.
N. fplr 'bleich'
fol
fplt
A. fgluan
fplua
fplt
G. jgls
fplrar
fpls
D. fplom
fplre
Pluralis.
folo
N. fpluer
fpluar
Jol
A. fplua
fpluar
fol
G. fpb'a
D. fplom.
339. So gehen zahlreiche Adjektiva wie tryggr 'treu',
þrpngr 'eng', þijkkr, þiokkr, þipkkr 'dick', g&rr, gprr, gerr
(§ 328 Anm.) 'bereit', rár, friór 'fruchtbar', mœr, miór,
miár 'schmal', slccr, sliór, sliár 'stumpf (§ 93 Anm. 2).
Anmerkung 1. Bei Wörtern auf langen Vokal sind die
Kegeln über Längung des Konsonanten zu beachten (§§229, 334
Anm.), z. B. Neutr. mætt, Sing. PI. mér(r)a; ferner die Kontrak-
tionsregeln (§ 134), z. B. bei Dat. Sing, hgm von hór 'hoch'.
Anmerkung 2. Auch wie Wir(r) (§ 331) gehen hór, lidr
"hoch 5 , fror frár, 'hurtig'; einige wie pykkr e dick', myrkr 'dunkel'
auch wie spdkr (§§ 331), also ohne u; einige wie myrkr, dyggr 'treu',
liryggr 'betrübt' auch wie mufr (§ 336).
Anmerkung 3. Das w dringt später auch in Formen ein,
denen es ursprüngl. fremd war, z. B. Dat. Sing, fglvnm, liófiun.
B. Schwache (konsonantische) Deklination.
340. Die Positiva und Superlativa flektieren im
Mask. Neutr. Sing, ganz wie die an- (resp. ian-, uan-)
Stämme, im Fem. Sing, ganz wie die ön- (resp. iön-, nön-)
Stämme. Nur der Plural weicht ab.
§ 341 — 344]
Nominal-Pronorninaldeklination.
91
1. Positiva und Superlativa.
Singularis.
Maskul. Fem. Neutr.
bláe 'der blá bld
bld [blaue' big bld.
341.
Maskul. Fem. Neutr
N. spake 'der Ver- spaka spaka
A. G. D. spaka [ständige 5 spgko spiaka.
Pluralis.
N. A. G.
D.
spgko
spgkom
big
blöni.
342. So gehen die meisten Adjektiva. Zu be-
achten sind bei blde die Kontraktionsregeln (§ 134), bei
Wörtern wie seke c der Schuldige 5 die über Schwund des i
(§ 223), also F. Ntr. Nom. Sg. sekia, bei folue 'der Bleiche',
die über Schwund des u (§ 226), also Dat. Plur. fglom.
343. Eine Anzahl Adjektiva, die in älterer Zeit im
Nom. Sing, -e, in den übrigen Kasus -a haben, führen
dies -a später meistens auch in den Nom. Sg. ein, so
daß sie ganz flexionslos werden, z. B. andvake, -a 'schlaf-
los 5 , andvane, -a entbehrend', dumbe 'sprachlos', friimvaxta
'ausgewachsen'. Einige von diesen haben auch starke
Flexion, z. B. dumbr, andvanr.
2. Komparativa und Partizipia Präs.
Maskul. Fem. Neutr.
344. Singularis.
N. spakare 'weiser 5 spakare spakara
A. G. D. spakara spakara spakara.
Pluralis.
N. A. G.
D.
spakare
spgkorom.
Singularis.
N. gefande 'gebend 5 gefande gefanda
A. G. D. gefanda gefande gejanda.
Pluralis.
N. A. G.
D.
gefande
gefgndom.
92 Formenlehre. [§ 345—347.
Anhang I: Komparation.
A. Adjektiva.
345. Die Steigerungsformen der Adjektiva werden
gebildet durch die Suffixe:
1. -ar-, -ast- (got. -öz-, -öst-), z. B. spakr, spakare, spa-
kastr 'verständig'.
2. -r-, -st, (got. -iz-j -ist-, daher Palatalumlaut des
Wurzelvokals), z. B. langr, lengre, lengstr 'lang 5 .
3. -r- (vgl. got. aftarö, aftra, ahd. aftaro, -ero, -ro von
hinten, wiederum), Superlativ nach 1. oder 2. Der Po-
sitiv fehlt den Wörtern dieser Steigerungsart, doch stehen
Adverbia gleichen Stammes daneben, z. B. (neðan) 'unten',
neðre, niðre (neðarre), neztr 'untere'.
340. 1. Wie spakr gehen die meisten Adjektiva, z. B.
hiass 'scharf huassare huassastr
vitr e klug' vitrare vitrastr.
2. Die Adjektiva auf -ja gehen, soweit sie diese
Steigerungsart haben, teils wie die auf -a, also ohne i
vor dem a, z. B. :
rikr 'mächtig' rikare rikastr
sterkr 'stark' sterkare sterkastr,
teils mit Erhaltung des i vor a, z. B.:
hégr 'bequem' [hégre] (§ 348 Anm. 1) Jwgiastr (hogstr)
nýr 'neu' [nýr(r)e],nýiare(%?>±§ Anm. 1) nýiastr.
3. Die auf -ua behalten ihr u, z. B. :
grr 'freigebig' gruare gruastr.
Doch kommen auch Doppelformen vor, z. B.:
rgskr 'rasch' rgsk(u)are rpsk(u)astr.
4. Die zweisilbigen, die den Vokal der Pänultima
in der Flexion synkopieren, thun dies auch hier, z. B. :
ggfogr 'vornehm' ggf gare ggfgastr
máttogr 'mächtig' mdt(t)kare (§§ 184, 2. 231) mát(t)kastr
heilagr 'heilig* heigare (§ 143, 2) helgastr.
347. Wie langr gehen viele Adjektiva, z. B.
§347—350,] Nominal-Pronominaldeklination. 93
grnnnr (gruðr) 'seicht' grynnre (-ðre-) grynnstr
starr 'groß" starre stórstr
skammr 'kurz' skemmre skemmstr.
348. Einige Adjektiva haben Formen sowohl nach
1. wie nach 2., z. B. diúpr 'tief, diúpare : dýpre, diúpastr :
dýpstr; frégr 'berühmt', frœgre : frœgare, frœgstr : frœgastr;
dýrr 'teuer', djjrre : dýrrare, dýrstr : dýrastr.
Anmerkung 1. Einige Wörter gehen teils nach der einen,
teils nach der andern Art, z. B. :
heill 'heil' heule (§ 177, 1) lieüastr
seil 'glücklich' seile (§ 177, 1) sélstr, scélastr
Mgr 'bequem' hégre hégiastr (§ 346,2)
nýr 'neu' nýr(r)e (§229), nýiare{% 346, 2) nýiastr [hégstr
h'yöQr 'treu' trygguare (§ 346, 3), tryggre trygguastr
veglegr 'prächtig' veglegre veglegastr.
Anmerkung 2. Bei einigen, so bei den Adjektiven auf
-legr, scheint sich die scheinbar gemischte Komparation so zu er-
klären, daß sie ursprünglich nach 1. steigern, aber daß Synkope
des Suffixvokals eintritt, wenn die Flexionsendung mit Vokal
beginnt, daher im ganzen Komparativ -re (usw.), im Superlativ
ursprüngl. z. B. veglegastr, Akk. Sing, veglegstan.
349. Einige Wörter, die nur im Positiv vorkommen,
bilden die Steigerungsformen auf -re, -st von Stämmen,
denen ihrerseits der Positiv fehlt:
gamall 'alt' eure ellztr (§ 158 Anm.)
góðr 'gut' betre, batre (§ 60, 3) beztr, baztr (§ 127, 3)
íllr, vándr böse' verre verstr
Meli 'klein' minne (§ 177, 2) minnztr{% 158 Anm.)
margr 'mancher' fieire flestr (§ 143, 2)
mikell 'groß' meire mestr (§ 143, 2).
Anmerkung. Der Wurzelvokal in dieser Klasse muß bei
den langsilbigen im Komparativ und Superlativ i- Umlaut (§127),
bei den kurzsilbigen im Komparativ ír- Umlaut ^§ 129) zeigen,
so daß bei diesen das ursprüngliche Verhältnis war: betre: baztr;
dann drang der Umlaut nach Analogie der Komparative und der
zahlreichen andern Superlative mit Umlaut auch in die Super-
lative der kurzsilbigen ein, vgl. beztr.
350. Wie neöre gehen z. B. :
(o/ 'über') ofre, efre (§ 72 Anm. 2) obere' 0fstr, efstr
94 Formenlehre. [§350—352.
(inn c hinein 5 ) innre, iure (§ 216 Anm.) innztr (§ 158 Anm.)
['innere 5
(út 'hinaus') ytre,ýtre(§ 143, 2) 'äußere' yztr, ýztr
(norðan 'von nyrðre 'nördlichere' nyrztr. norztr, nerztr,
[Norden her') norðre, nerðre, norüastr
(norðre), norðarve
(austan 'von eystre östlichere' austastr
[Osten her)
(yestan 'von vestre 'westlichere' vestastr
[Westen her')
{sið 'spät') síðre 'spätere' síðastr, síðarstr.
síðar(r)e.
Anmerkung. Bei der Bildung der Steigerungsformen von
2. und 3. sind noch folgende Hegeln zu beachten: 1. Die ia- und
wa-Stämme verlieren ihr i resp. u vor Konsonanten (§§ 223. 226, 3),
z. B. nýiare:mjr(r)e (§ 229), trygguare : tryggre (§ 348 Anm. 1).
2. Beim Komparativ kommen die Regeln über den Zusammen-
stoß von r mit vorhergehendem l, n, r, s zur Anwendung (§ 177),
z. B. heule zu heill 'gesund', lireinne zu hreinn Tehr, fegre <^ *fegme
zu fagr 'schön', aber analogisch þynnre zu punnr f dünn\
B. Adverbia.
351. Die Adverbia bilden die Steigerungsformen im
wesentlichen ebenso wie die Adjektiva, doch fehlt die
dritte Steigerungsart (§345, 3) und die dort erwähnten Ad-
verbia gehen nach § 345, 1.
1. -ar, -ast, z. B. :
opt 'oft'
optar
optast
aptr 'rückwärts'
aptar
aptast
vida 'weit'
víðar
víðast
siiðr 'südwärts'
sunnar
sunnast
austr 'ostwärts'
austar
austast.
r, -st, z. B. :
2.
lenge 'lange' lengr lengst
skam(m)t (§ 231) 'kurz' skem(m)r skem(m)st
gorua 'genau' gprr gorst.
352. Einige Adverbia bilden den Komp. und Superl.
von anderm Stamm als den Positiv:
§352—356.]
Nominal-Pronoroinaldeklination.
95
vel Svohl' betr bezt (bazt)
ílla, illa 'übel' verr verst
litt 'wenig' minnr, miðr (§216 Anm.) minnzt{% 158 Anm.)
migk 'sehr' mei(r)r mest (§ 143, 2).
Anmerkung. Über den Umlaut vgl. § 349 Anm.
Anhang II: Die Zahlwörter.
A. Kardinalzahlen.
353. einn e l\ tueir '2\ þrír c 3", fiórer r 4', fim(m)
c 5\ sex r 6', siau r 7', átta f 8\ nio e 9', tio c 10', ettefo e ll 5 ,
tolf r 12', þrettán c 13', fiog(o)rtán, fiug(u)rtán, fiórtán c 14',
fim(m)tán ? 15', sextán C 1Q\ siaut(i)án c 17', át(t)ián c 18,
nítián 19', tottogo, tuttugu, tuítián c 20', tottogo ok einn oder
ei«w o& tottogo '21' usw., ^rór %er c 30 ? , ,/Edrer %er c 40'
usw., íím %cr '100', eZfe/o %er ? 110', hundrað 'das Groß-
hundert, 120', tuau hundrod c 240 ? usw., þúsund r 1200',
tuér þúsundir usw.
354. Die ersten vier Zahlen sind flexionsfáhig; sie
gehen folgendermaßen :
Mask. Fem. Neutr.
Singularis.
355. N. einn 'eins' ein eitt
A. einn eina eitt
G. eins einnar eins
D. einom einne eino.
Pluralis.
N. einer einar ein
A. eina einar ein
350.
G.
einna
D.
einom.
Pluralis.
N.
tueir
zwei' tuér
tuau (tuá)
A.
tuá
tuær
tuau (tuá)
G.
D.
tueggia
tueim(r){% 177 Anm. 3).
96 Formenlehre. [§357—361.
357. Zu tueir stellt sich:
Pluralis.
N. báðer 'alle beide' háðar bœðe, báðe
A. báða báðar bcéðe, báðe
G. beggia, báðra
D. bóðom.
Mask. Fem. Neutr.
Pluralis.
358. N. prír 'drei" priáv priú
A. priá þriár priá
G. priggia
D. þrim(r),þrem(r) (§ 177Anm.3).
Pluralis.
359. N. /dre^' Vier' fiórav fiogor, fiugur
A. fióva fiórar fiogor, fiugur
G. fiogorra, fiugurra
D. fiórom.
300. Über togr, tegr, ügr, togr, tugr 'Dekade' vgl.
§ 274 Anm. 1, púsund Tausend' ist fem. i- Stamm, da-
neben kommt auch das Neutr. der «-Deklination þúshun-
dracf vor.
B. Ordinalzahlen.
301. fyrstr '1.', annarr '2.', priðe c 3.', fiórðe '4.',
fim(m)te r 5.\ sétte c 6.', siaunde, siunde c 7.', dtte , áttande,
óttonde r 'S.\ níonde e 9.', tíonde e 10.', eliefte, ellepte (§ 187)
c ll.', tolfte c 12.', prettdnde '13.', fiog(o)rtdnde, fiiig(u)rtdnde,
fiórtánde r 14.\ fim(m)tdnde '15.', sextdnde c 16.', siautdnde,
siautidnde c 17.', dtidnde c 18.', nitidnde c 19.', tuttugande, -onde
r 20.\ tuttugande ok einn oder fyrste (oder ei/m oder fyrste
ok t.) c 21. 3 usw., pritugande {-onde) c 30. 5 , fertugande C 4Ü.\
fim(m)tugande c 50.', sextugande c 60.', siautugande 70. , a#a-
tugande r 80 5 , nitugande c 90' (in allen Fällen auch -owrfe).
Anmerkung 1. Der e 20.' heißt auch tuitidnde, der c 40. 5
/íórfaígíe.
Anmerkung 2. Die Endung der Ordinalia von r 20— 30'
heißt auch -tegonde, -t0gonde, später -£w/£e und zuletzt -tugaste.
§361—366.] Nominal-Pronominaldeklination. 97
Zu hundraff und púsuncl fehlen in der ältesten Sprache die ent-
sprechenden Bildungen.
362. Die Ordinalzahlen von þriðe an flektieren nur
schwach, und zwar þriðe wie ein tan-, iöw-Stamm (§ 342),
fyrstr hat die schwache Form fyrste neben sich. Für
fyrstr kann auch, bei Aufzählungen und in Verbindungen
wie 'der einundzwanzigste', einn oder eine gebraucht werden.
363. Die Flexion von annarr ist folgendermaßen:
Mask.
Fem.
Neutr.
Singularis.
N.
annarr
■ 'der zweite'
gnnor
annat (§ 220 Anm. 1)
A.
annan
(§ 220 Anm.
1) adra
annat
G.
annars
annarrar
annars
D.
gdrom
(§216)
annarre
Pluralis.
gðro.
N.
a&rer
ad rar
gnnor
A.
adra
aðrar
gnnor
G.
annara
D.
oðrom.
C. Die übrigen Numeralia.
364. Zur Bildung der multiplikativischen Ad-
jektiva dienen Zusammensetzungen der Zahlwörter mit
-faldr, z. B. einfaldr, tuífaldr, þrífaldr usw. Ferner kommen
vor tueðr, tuennr neben älterem tuiðr, tuinnr, auch tuénn,
tuínn 'doppelt', þreðr, þrennr (þriðr, þrinnr, þrénn) (§216)
dreifach'.
365. Mit t0gr zusammengesetzte Adjektiva bedeuten
'eine Anzahl Dekaden enthaltend', besonders zur Bezeich-
nung des Alters gebraucht, z. B. tuitogr '20 Jahre alt',
þrítogr '30 Jahre alt' usw. Von '70' an beginnt Zu-
sammensetzung mit -réðr, z. B. siaufygr und siauróðr c 70
Jahre alt', aber nur áttréðr '80 Jahre alt', níróðr und
niUgr '90 Jahre alt', tíróðr '100 Jahre alt', tolfróðr '120
Jahre alt' usw.
366. Teile werden durch Maskulina ausgedrückt:
Jielmengr 'die Hälfte' (daneben auch helfþ, helft F.); die
Kahle, Ausländisches Elementarbuch. 7
98 Formenlehre. [§366—369.
übrigen werden zusammengesetzt mit -ongr, z. B. þriðiongr
'Drittel' usw.
367. Feminina auf -t, -d drücken eine Anzahl aus,
z. B. find 'Anzahl von 5", siaund 'Anzahl von 7', Hund
'Anzahl von 10', tylfp, -t 'Anzahl von 12', þrítpgt 'Anzahl
von 30' usw. Auf -eng (-ing) endigen: eineng 'Einheit',
tuenneng 'Zweiheit', þrenneng 'Dreiheit'. Die 'Dekade'
heißt togr, tegr, tigr, tugr, togr (§ 274 Anm. 1).
368. Auf die Frage 'wie oft' antworten tysucu\
tuisuar 'zweimal', þrymar, þrisuar 'dreimal' (§133 Anm. 3),
im übrigen hat man Umschreibungen wie eino sinne 'ein-
mal', tueim sinnom (auch tysuar sinnom) 'zweimal', fiórom
sinnom 'viermal' usw.
Zweiter Abschnitt: Konjugation.
Sechzehntes Kapitel.
Einteilung der Verba und Tempusbildung.
I. Starke Verba.
Die starken Verba bilden ihr Präteritum ohne
Präteritalsuffix.
a) Ablautende Verba.
Bei den ablautenden Verben stehen die Vokale
des Präteritalstammes in einem Ablautverhältnis
zum Vokal des Präsensstammes. Man unterscheidet
6 Klassen.
Klasse I. (§ 147).
369. drifa 'treiben' drei/ drifom drifenn.
So gehen z. B. gripa 'greifen', Uta 'sehen', ríða 'reiten',
risa 'sich erheben', rista 'ritzen', rita 'schreiben', sklna
'scheinen'.
§369—372.] Einteilung der Verba und Tempusbildung. 99
Anmerkung 1. hniga 'sich neigen', stiga 'steigen' haben
im Prät. hné, sté (§§ 92. 181) neben analogischem hneig, steig.
Anmerkung 2. biffa 'warten' hat im Part. Prät. benenn
(§ 62 Anm.).
Anmerkung 3. Mit i- Suffix im Präsensstamm sind ge-
bildet :
blikia 'blicken' — blikom —
suikia auch suikua, sueik suikom suik(u)enn
sýkua (§ 85, 2) 'be- selten sueyk sykenn (§ 70).
trügen'
vihia, vikua 'weichen' veik, veyk vikom vikenn, selten
(v)ýkua (§ 85, 2) ykuenn (§ 70).
Anmerkung 4. Hierher gehören noch einige isolierte
Formen, z. B. (dichter.) snýr 'es schneit', snivenn 'beschneit', vgl.
ahd. sriiwan; tigenn 'ausgezeichnet' zum schw. Verb, tiá 'zeigen',
vgl. got. teihan; U 'ich leihe', Nom. PI. Mask. Part. Präs. léner
^geliehen' zum schw. Verb, lici 'leihen'.
Klasse II. (§ 148).
370. 1. driúpa 'triefen' draup drupom dropenn.
So gehen z. B. biúga 'biegen', kliúfa 'spalten', riüka
'rauchen'.
Anmerkung 1. fliúga 'fliegen', liúga 'lügen', smiuga
^schmiegen', siúga 'saugen' haben im Prät. Sing, neben den ana-
logischen Formen flaug usw. auch die lautgesetzlichen flö usw.
(§ 96).
Anmerkung 2. flýia 'fliehen' hat meistens schw. Prät.
und zwar die Formen flóða, fléða, flý&a, Part, flóecfr, flée&r flýeffr,
flý&r. Nach dem Prät. flé&a dann auch den Inf. flóia, Präs. Ind.
flér. Selten und alt (dichter.) das Prät. fló (§ 96), flugom. Ebenso
hat spýia 'speien' später schw. Prät. spúða, Part. Neutr. spút
neben ursprünglich Prät. spió < *spiöw (§ 226, 5), spióm.
371. 2. brióta 'brechen' braut brutom brotenn.
So gehen z. B. bióða 'bieten 5 , flióta 'fließen', gióta
'gießen', liósta 'schlagen', nióta 'genießen', skióta 'schießen',
þióta 'tosen'.
Anmerkung 1. friósa 'frieren', kiósa 'wählen' haben neben
den lautgesetzlichen Formen fraus, fr0rom (frerom) (§§ 65. 66. 72
Anm. 2), fr0renn (f rerenn) ; kam, k0rom (kerom), k0renn (kerenn)
auch die analogischen Neubildungen Sg. Prät. fr0ra, k0ra (mit
schw. Flexion) nach dem PI., und umgekehrt den PI. fr-usom, kusom.
An merkung 2. Über iú und ió im Inf. vgl. §§ 98. 99. 101.
372. 3. súpa 'saufen' saup supom sopenn.
100 Formenlehre. [§ 372— 376.
So gehen lüta 'sich beugen', stúpa 'hervorragen',.
dúfa 'niederdrücken', und mit Doppelformen lüka, liúka
'schließen', súga 3 siüga 'saugen' (§ 370 Anm. 1), fiúga, fiiúga
'fliegen' (§ 370 Anm. 1).
Anmerkung. Hierher gehörende isolierte Formen sind
z. B. bugom 'wir bogen 5 , bogenn 'gebogen', togenn 'gezogen" zum
schw. Verb, tióa 'ausreichen' (Inf. auch téia, týia, Prät. téfra,
tyfta, vgl. flýia § 370 Anm. 2), lúenn 'zerquetscht' zum schw. Verb.
lýia, lo&enn 'haarig', rotenn 'verfault'.
Klasse III. (§ 149).
373. 1. bresta 'bersten' brast brustom brostenn.
So gehen z. B. detta 'niederfallen', snerta 'berühren',.
serða 'Unzucht treiben', skreppa 'gleiten'.
Anmerkung 1. Steht ein v oder u vor dem Wurzelvokal,
so müssen sie vor dem u, o des Plur. und Part. Prät. fortfallen
(§ 226, 1), so in velta 'wälzen', verpa 'werfen', verfra 'werden'.
huerfa 'sich wenden', suelga (auch suelgia) 'verschlingen', suella
'schwellen'; also z. B. ver&a, varff, urffom, or&enn; huerfa, huarf,
liitrfom, horfenn. In späterer Zeit wird das v häufig analogisch
wieder hergestellt, also vurfrom.
Anmerkung 2. bregfra 'ans Licht ziehen' flektiert brá y
brug&om, brugüenn; ferner hat drekka 'trinken' das Part. Prät.
ärukkenn nach Dat. Sg. drukknom (§ 75, 2).
374. 2. spkkua 'sinken' sgkk sukkom sokkenn.
So gehen noch hrpkkua 'weichen', klpkkua 'stöhnen',.
stpkkua 'springen'.
Anmerkung. Über das e(p) im Präs. dieser und der
Verba wie detta und skreppa vgl. § 68, über das o im Prät. Part.
§§ 72 Anm. 1, 75, über q im Sing. Prät. § 59, 2, über das
Schwinden des u § 226.
375. 3. biarga 'bergen' barg burgom borgenn.
So, also mit Brechung im Infinitiv (§§ 63. 65
Anm.), gehen noch gialda 'gelten' (Prät. galt § 170, 1 u.
Anm. 1), gialla 'gellen', skialfa 'zittern', skialla 'klatschen'.
Anmerkung, hialpa 'helfen' hat im Sg. Prät. neben halp
auch hialp.
376. 4. spinna 'spinnen' spann spunnom spwmenn.
So gehen noch binda 'binden', vinna 'ausführen',
hrinda 'stoßen', vinda 'winden', springa 'zerspringen', stinga-
'stechen', suwima 'schwimmen'.
§376—379.] Einteilung der Verba und Tempusbildung. 101
Anmerkung 1. Über das i im Inf. und u im Part. Prät.
vgl. §§ 67 Anm., 72 Anm. 1. Bei Bildung des Präteritums sind
die Regeln über -d, -g im Auslaut (§§ 170, 1. 185) und über die
Assimilation von -nt, -nk (§ 212) zu beachten, z. B. batt, spraJck;
bei vinna über den Verlust des v, z. B. PI. Prät. (vjunnom (§ 226, 1).
Anmerkung 2. brennet "brennen 5 und renna 'rennen' haben
in alter Zeit auch die Infinitive brinna, rinna.
Anmerkung 3. finna 'finden' (< *finpa § 194, 2) hat gram-
matischen Wechsel im Plur. und Part. Prät. fundom, fundenn
« *fiin(F-om, -enn, § 169, 1) neben den analogischen Neuschöp-
fungen funnom, funnenn.
377. 5. slyngua, slyngia 'schleudern' slpng shmgom
slungenn.
So gehen noch þryngua, -ia 'drängen', gyggua-, ia 'ver-
zagen', tyggua, -ia 'kauen' (auch schwach flektierend), syn-
gua 'singen'.
Anmerkung 1. ßryngua bildet das Präs. ßryng(r) neben
pr0ng(r), danach dann auch Inf. þr0ngua, -ia, wie auch sl0ngua
begegnet; syngua hat noch folgende Nebenformen: Inf. sgngua,
Prät. PI. sgngom, syngom, Part. Prät. syngenn, sgngenn.
Anmerkung 2. Abweichend im Präs. sind noch hnQggua
""stoßen 5 , 1. Sg. Präs. hnygg, hnggg hnuggenn; spornet 'anstoßen 5 ,
spam, gewöhnlich spomaeta, spurnom.
Anmerkung 3. Isolierte Formen sind: bolgenn 'ange-
schwollen 5 , bruggenn 'gebraut 5 , holfenn zu schw. V T erbum holfei
^ge wölbt 5 , ~kroppenn zu schw. Verb, kreppet 'eingeschrumpft 5 , ros-
Tcenn 'gewachsen 5 .
Klasse IV. (§ 150).
378. 1. bera 'tragen 5 bar bgrom bor enn.
So gehen noch skera 'schneiden', stela 'stehlen'.
Anmerkung 1. nema 'nehmen 5 und vefa 'weben 5 haben
im Prät. Plur. neben den analogischen ngmom, vgfom auch die
lautgesetzlichen Formen nomom §81, lb, ófom § 81, la, im Part.
Prät. numenn, ofenn; vefa hat im Sing. Prät. neben vaf auch öf
nach PI. Prät.
Anmerkung 2. suima (auch symia) hat im PI. Prät. nur
sagmom, nicht auch zu erwartendes *sómom § 81, 1 b, Part. Prät.
sumenn § 226, 1, der Inf. suimma geht auf urgerm. *sivimnan zurück.
370. 2. troða 'treten' trað tróðom troðenn.
So gehen noch koma 'kommen', Prät. Sing, kuani,
kom, PL kugmom, kómom § 81, lb; sofa 'schlafen', Plur.
Prät. sugfom, safom § 81, la.
102 Formenlehre. [§ 380. 381.
Klasse V. (§ 151).
380. gefa 'geben 5 gaf ggfom gefenn.
So gehen noch drepa 'erschlagen 5 , geta 'bekommen 5 ,
leka 'leck sein', lesa 'sammeln, lesen 5 , meto, 'abschätzen 5 , reka
'treiben 5 , trega betrüben 5 , vega 'aufheben, wägen 5 .
Anmerkung 1. vega 'töten 5 hat i?á (<C t'aiÄ § 93, 1), vggom
(statt *vigom\ vegenn, ist also aus Klasse III hierher übergetreten,
vgl. got. weihan.
Anmerkung 2. eta 'essen' ist eigentlich reduplizierendes
Verbum und hat daher im Prät. Sing, cti, vgl. got. fr- et.
Anmerkung 3. Besonderheiten sind noch bei folgen-
den Verben zu bemerken:
a) kuetfa 'sagen' kuað kugðom kueffenn
U&rnn (§81, la)
siá 'sehen' (§ 204) sä (§ 139) sgm (§ 134) sénn (§ 134)
sóm (§ 81, 1 b)
vesa, vera 'sein' vgs, var vgrom Xtr. veret, veset.
órom (§81 a).
b) Mit i-Suffix im Präsensstamm : biðía 'bitten', sitia 'sitzen',
liggia 'liegen', ßiggia 'empfangen', Prät. Sg. lá, pá (§§ 139. 181).
c) Mit w- Suffix im Präsensstamm : fregna 'fragen', Prät. Sg.
frei (§§139.181).
Anmerkung 4. Bei vesa 'sein' sind die durch gramma-
tischen Wechsel entstandenen r- Formen schon früh in das Präs.
und Prät. Sg. eingedrungen, ebenso wie andererseits die Form
mit s ins Prät. Part. Später erlangen die r-Formen die Allein-
herrschaft.
Klasse VI. (§ 152).
381. 1. fara fahren 5 fór fórom farenn.
So gehen noch z. B. ala 'ernähren 5 , gala 'singen 5 ,
grafa 'graben 5 , lüada aufladen 5 , mala mahlen', skafa
schaben 5 .
Anmerkung 1. vada 'waten' hat Prät. óð, 6Üom (§226,1)
neben späterem vöü, vó&om; vaxa 'wachsen', óx, óxom und mit
anderem Ablaut (3. Reihe) axom.
Anmerkung 2. Besonderheiten sind noch bei folgen-
den Verben zu bemerken:
a) Mit i -Suffix im Präsensstamm sind gebildet: hefia
'heben', leefia 'niederdrücken', skepia 'schaffen', sueria 'schwören',
Prät. s(u)ór, s(u)órom (§226,1), deyia« *dawian) 'sterben', Prät.
da (§ 226, 5), dorn (§ 134), Part. Prät. dáenn (§ 134 Anm.) und ebenso
(jeyia 'bellen', dessen Part. Prät. nicht belegt ist.
§381—386.] Einteilung der Verba und Tempusbildung. 103
b) Mit Na salin fix im Präs. ist gebildet standet, stócf,
stóctom, sta&enn "stehen 5 .
c) Schwach flektieren auch Icefia, Sleepia, sueria im Prät,
hefia im Part. Prät.
382. 2. taka 'nehmen 5 tók tókom tekenn.
So gehen noch aka 'fahren', skaka 'schütteln 5 , draga
'ziehen 5 , Prät. Sg. dró § 181.
383. 3. slá 'schlagen' (§§ 204. 134) sló (§ 204) slógom
slegenn.
So gehen noch/á 'schinden 5 , kld 'reiben 5 , þuá 'waschen 5 ,
Prät. þ(u)ó, þ(u)ógom (§226) und mit j-Suffix im Prä-
sensstamm Mceia 'lachen 5 .
Anmerkung 1. Bei diesen Verben liegt grammatischer
Wechsel h : j vor.
Anmerkung 2. Isolierte Formen sind : vdkenn 'wach' zum
schwachen Verbum vaka und fegenn 'erfreut'.
b) Reduplizierende Verba.
1. Verba mit erhaltener Reduplikationssilbe.
384. róa 'rudern 5 rera, rpra rorom, rerom ( §§65. | röenn
sä 'säen 5 sera, sora, sorom, serom 72 ! sclenn
snúa 'wenden 5 snera, snora snßrom, snerom\Amn .2)snúenn.
Wie róa geht gróa 'keimen 5 , wie snúa gnúa 'schaben 5 .
Anmerkung 1. Von slci 'schlagen' (§383) kommen auch
die Formen Prät. Sg. slera, sUra, PI. slérom, slerom vor, sä flek-
tiert auch schwach nach §399, snúa hat auch Part. Prät. snMr.
Anmerkung 2. Alle diese Präterita flektieren schwach.
Anmerkung 3. Das Prät. snera ist aus *snezo entstanden,
sera aus *sezo.
2. Verba mit geschwundener Redupi ikatior ssilbe.
Klasse I.
385. Der Vokal der Stammsilbe ist ei.
Uika 'spielen 5 Uk Ukom leikenn.
So gehen noch sueipa 'fegen, wickeln 5 und heita
'heißen 5 , das zuweilen auch hext (§ 122, 1), sehr selten
auch Mit und Mt im Prät. Sg. hat, im PI. heitom.
Klasse II.
386. Der Vokal der Stammsilbe ist au oder ii,
104 Formenlehre. [§386—388.
1. aiika Vermehren' iók iókom, iukom aukenn.
So gehen noch ausa Schöpfen", hlaupa kaufen'.
Grammatischen Wechsel haben:
hggg(u)a (§228) 'hauen' Jiió hioggom, hiuggom, hggg(u)enn
[higggom
2. búa 'wohnen' bió hioggom, hiuggom. büenn.
[higggom
Anmerkung 1. auka flektiert auch schwach nach § 397.
Anmerkung 2. Isolierte Form ist aufrenn c vom Schicksal
bestimmt 5 .
Klasse III.
387. Der Vokal der Stammsilbe ist a.
hlanda 'mischen' bktt(§§ 170, 1. 212) hlendom blandem.
So gehen noch falda 'den Kopf bedecken', halda
'halten' (Prät. Sg. feit, lielt § 170, 1), falla 'fallen' (Prät.
Sg. feit); hanga 'hängen', ganga 'gehen', fá(<C *farihan §§ 76.
204) 'bekommen' (Prät. Sg. hekk, fekk, gekk §§ 185. 212, 2).
Anmerkung 1. ganga und fä haben als ältere Formen
im Prät. PI. auch gingom, fingom, Part, gingenn, fingenn, neben
dem als häufigste Form noch fengenn steht.
Anmerkung 2. Schwach flektieren auch, und zwar
immer im Präs., hanga nach §402, zuweilen auch falda,
Anmerkung 3. Eine isolierte Form ist aldenn 'gealtert'.
Klasse IV.
388. Der Vokal der Stammsilbe ist á oder ó.
1. hlása 'blasen' hlés hlésom hlásenn.
So gehen noch grata 'weinen', lata 'lassen', ráða 'raten',
die im Prät. Sg. auch greit, leit, reid haben, und liuáta
'durchbohren', dessen Prät. nicht belegt ist.
Anmerkung 1. Neben lata begegnet auch die ursprüng-
lich wohl nur in proklitischer Stellung gebrauchte Form lata,
außerdem auch selten im Prät. PI. litom.
2. hlóta 'opfern' biet hlétom hlótenn.
So geht nur noch sóa 'feierlich töten', dessen Prät.
nicht belegt ist.
Anmerkung 2. blóta wie sóa flektieren auch schwach
nach § 398, die Nebenform séfa immer nach § 395.
Anmerkung 3. Isolierte Form ist flóJcenn 'verworren.
§389—392.] Einteilung der Verba und Tenipusbildung. 105
II. Schwache Verba.
389. Die schwachen Verba bilden ihr Präte-
ritum im allg. vermittelst eines mit -ö anlautenden
Suffixes, das jedoch zuweilen schon im Urgerm. resp.
Urnord. Veränderungen erlitten hat.
Man teilt die schwachen Verba je nach der Bildung
des Präsensstammes in 3 Klassen ein:
Klasse I. (j'aw- Verba).
390. Der Präsensstamm endet urgerm. auf -ja.
Diese Klasse zerfallt in zwei Abteilungen, je nachdem
die Wurzelsilbe kurz oder lang ist. Das Prät. wird
durch das Suffix -(e)cf gebildet.
a) kurzsilbige.
391. Das Suffix bleibt -ja, der Inf. endet auf -ja,
l.Sg.Präs. ist endungslos (das auslautende i fällt fort, § 223),
das Prät. endet auf -da, das Part. Prät. auf -(e)ðr, i-Uml.
steht nur im Präs.
392. 1. beria 'schlagen' her barða bar(e)ðr.
So gehen noch z. B. duelia 'aufhalten 5 , krefia Ver-
langen 5 , vefia 'umwickeln', spyria 'fragen 5 , leggia 'legen 5
(§ 51).
Anmerkung 1. Das Präteritalsuffix erleidet beim Zu-
sammenstoß mit andern Konsonanten folgende Veränderungen :
&) l, m, n + & werden (§ 169, 3) zu l, m, n + d, z. B. telia 'er-
zählen 5 , tal&a, talda, tal(e)Ür, taldr ; temia 'zähmen 5 , tamða, tamda;
venia 'gewöhnen 5 , vanfra, vanda. b) ffff wird zu dd (§ 169, 5), z. B.
gleffia 'erfreuen 5 , gladda. c) t& wird zu tt (§171,2), z. ß. huetia
"schärfen 5 , huatta. d) Tc, p, s + & werden zu k, p, t -f p, das
später zu t wird (§ 171) z. B. vekfkjia 'wecken 5 , vdkpa, väkta;
vake&r, vakpr, vaktr; glepia 'narren 5 , glappa, glapta; bysia 'strömen',
busta.
Anmerkung 2. Schon in alter Zeit mit d, das direkt,
ohne Synkope, an den Verbalstamm trat, sind gebildet: vilia
Vollen 5 , vilda, JSIeutr. viliat (nach § 397) und selia 'verkaufen 5 ,
selda (nach § 394), seldr.
Anmerkung 3. Bei den Verben auf -s ist die Mittelstufe
mit -sp- nicht belegt (doch vgl. § 171 Anm.), ebenso wie auch
das Part. Prät. nicht vorkommt.
106 Formenlehre. [§392—395.
Anmerkung 4. Einige Verba gehen im Präs. auch nach
§ 394, z. B. melia, m0lua 'zermalmen', mel, m0lue; smyria, smyrua
'schmieren 5 , smyr, smyrue; setia 'setzen' bildet sein Prät. nach
§334, setta, settr.
393. 2. Verba mit langem Wurzelvokal:
lýia 'zerquetschen' lý lúða lú(e)ðr.
So gehen noch z. B. äijia 'schütteln', œia 'weiden'.
Anmerkung 1. Einige haben auch Präterita nach §394,
z. B. frýia 'absprechen', frú&a, frý&a, frýeðr; gnýia 'tosen', gnú&a,
gný&a, gní&a (Part, fehlt); hlýia 'schirmen', Múða, Mécfa (< *hle-
w(i)&ö §133,2), hlé&a, Neutr. hlúet; von dem nicht belegten *sýia
(vgl. got. siujan) 'nähen', séffa, séxfr, sécfr (§ 133, 2 u. Anm. 1).
Anmerkung 2. lieyia < *hauian 'ausführen' flektiert hey,
IwÜa « haw(i)Üö § 133,2), hcifejd'r; ebenso geht preyia 'sich sehnen',
Part. Prät. nur prá&r.
Anmerkung 3. Die Verba auf -<?", -t haben im Part.
Prät. nie die unsynkopierten Formen auf e&r, die auch
bei den übrigen Verben nur der älteren Sprache angehören. Im
Sg. Nom. M. F., Gen. M. Neutr., PI. Nom. Akk. Neutr., 8g. Gen.
Dat. F., Akk. M. und PI. Gen. nimmt im Anfang des 13. Jahrh.
das Part, statt -eff- die Formen der starken Verba an, z. B. va-
lenn 'gewählt', F. valen, Gen. F. välennar.
b) Langsilbige.
394. Das Suffix ist -ia-, das ganze Verbum zeigt
i-Umlaut (§ 127, 2), Prät. Sg. endet auf -da, Part, auf
-dr. Die auf -g, -k ausgehenden Verba haben im Inf. -gia,
-kia (§§ 43 Anm., 45 Anm.).
395. 1. fora 'führen' fóre fárða fórðr.
So gehen noch z. B. erfa 'erben', hneigia 'beugen',
syrgia 'trauern'.
Anmerkung 1. Einige haben im Präs. Doppelformen,
z. B. byggua, byggia 'wohnen', pr0ngua, pr0ngia 'drängen', pryskua,
priskia 'dreschen'.
Anmerkung 2. g0r(u)a 'machen', hat die Nebenformen
ger(u)a, gtQrfuJa; Präs. g0r(u)e, gerfuje, gigr(u)e; Prät. Sing.
gOr&a, gerüa, gigr&a; Part, ggrr, g0rr, gerr, gigrr (§§ 61. 163
Anm. 3. 328 Anm.). Die Formen mit u gehören der Dichter-
sprache an.
Anmerkung 3. Außer den § 392 Anm. 1 angeführten
Regeln über die Veränderungen des Präteritalsuffixes ist noch
zu beachten, daß schon vorlitterarisch nach nicht aus lp, np ent-
standenen 11, nn (§ 194) Ü zu d geworden ist (§ 169, 2), ferner daß
§395—398.] Einteilung der Verba und Tempusbildung. 107
dieser Wandel auch nach -&, -If, -lg, -ng um 1300 eintritt (§ 169, 4),
sodann daß auch nach stimmlosem -l, -11, -n -nn tfzut wird (§171,3).
Über die Kürzung von Geminaten vgl. § 231. a) -ða > -da: sigla
'segeln', siglfra, siglda, sigl&r, sigldr; déma 'urteilen 5 , dymüa dém-
da; nefna 'nennen', nefnüa, nefnda; fella 'fällen 5 , felda; Tcenna
'kennen 5 , Jcenda; kemba 'kämmen 5 , kembða, kembda ; skelfa 'schütteln 5 ,
skelf&a, skelfda; telgia 'verschneiden', telg&a, telgda; spreng ia
'sprengen', sprengtet, sprengda; pý$a 'deuten', pýdda. b) -Üa > -pa
y -ta: s0kkua 'senken', s0kpa, sókta; épa 'rufen', éppa, épta; huessa
'schärfen', huesta; méta 'begegnen', métta ; lypta 'in die Höhe
heben', lypta; mala 'sprechen 5 , mcélta ; villa 'irre führen', vilta;
rdna 'rauben', rénta; nenna 'wagen', nenta.
Anmerkung 4. Bei den Verben auf -s ist die Mittelstufe
mit -p nur runisch belegt, z. B. 3. Sg. Prät. raispi zu reisan
'aufrichten' (§171 Anm.).
Anmerkung 5. Von Verben mit tonlosem 1(11), nfnn)
sind noch zu nennen: véla, véla 'sich beschäftigen, betrügen',
stæla 'stählen', sýsla 'sich beschäftigen 5 , vixla (Part. vix(l)tr § 233)
'wechseln 5 , pxla 'vermehren 5 (im Prät. éxfljta, Part. éx(l)tr vgl.
§ 233), spilla 'verwüsten 5 , stilla 'beruhigen 5 , væpna 'bewaffnen 5 ,
senna 'zanken 5 , spenna 'spannen 5 , ginna 'bezaubern 5 , inna 'aus-
führen 5 , minna 'erinnern', minnask 'sich küssen', pynna 'dünn
machen'.
Anmerkung 6. Einige wie pynna, spenna haben das -t
auf analogischem Wege angenommen.
390. Einige auf -k ausgehende Verba bilden schon
in urgerm. Zeit ihr Präteritum ohne Bindevokal
durch Anfügung von -t an die Wurzel, woraus urgerm.
-U, aisl. U wurde (vgl. § 203).
sékia 'suchen' sótta sóttr
yrkia 'machen' orta (später orkta y or(k)tr
[auch yrkta) yr(k)tr
þekkia 'gewahr werden' pátta,pekpa,pekta pekpr, pektr
pykkia 'dünken 5 pótta (§ 90) þóttr.
Klasse II. (ö;í- Verba).
397. Der Präsensstamm endet urgerm. auf -ö, aisl.
-a, z. B. got. faginön, aisl. fagna 'sich freuen', das Prät.
geht auf -ada, das Part, auf -aðr aus.
398. 1. fagna fagna fagnaða fagnaðr.
So gehen die meisten schwachen Verba, z. B. kalla
'rufen', elska 'lieben', slitna 'reißen' und alle auf -na ab-
108 Formenlehre. [§ 398—404.
geleiteten Verba, und urspr. Inchoativa wie vakna 'er-
wachen'.
309. 2. spá 'prophezeien' spá spáða spáðr.
Wie spá, also mit Kontraktion nach § 134, gehen
noch z. B. fd 'malen', strd 'streuen', þiá 'quälen', mä
'abnutzen' .
400. 3. heria 'verheeren' heria heriaða heriaðr.
Wie heria, also mit i- Um laut, gehen einige, die
meist Denominativa von ia-, iö, i- Stämmen sind, z. B.
byria 'beginnen', eggia 'anreizen', grenia 'heulen'.
401. 4. bolua 'verfluchen' bglaa bpluaða bgluaðr.
So, also mit w-Umlaut, gehen noch stgðua 'aufhalten',
grua 'antreiben'.
Klasse III. (en- Verba).
402. Hierher gehören nur wenige Verba, deren
Präs. auf -e ausgeht, Prät. Sg. -da, Part, auf -aðr oder
seltener -dr (doch begegnet meist nur das Neutr.). Der
Stamm hat keinen i -Umlaut; es entsprechen die got.
Verba wie haban, 2. Sg. Präs. habais 'haben'.
403. 1. a) duga 'taugen' äuge dugda dugat.
So gehen noch z. B. Jwlfa, hualfa 'gewölbt sein', Part.
Prät. holfat und holfenn (§ 377 Anm. 3), Ufa 'leben'
(Part. Prät. lifdr, lifenn 'lebendig'), vara 'ahnen', stara
'starren', und ohne Part. Prät. ugga 'fürchten', grúfa 'sich
niederbeugen', stúra 'betrübt sein'.
Anmerkung. Auch hier sind dieselben Regeln über die
Veränderung des -d zu beachten wie §§ 392 Anm. 1, 395 Anm. 3,
z. B. una "zufrieden sein', un&a, unda; sama, sóma 'geziemen', samda,
samda, sóm&a, sómda; skolla 'schlenkern', sköllda ; loüa 'anhaften',
lodda; vaTea 'wachen', vcücßa, vakta; brosa 'lächeln', brosta.
b) gd 'achten' gáe gada gáðr.
So gehen noch id 'versprechen', das im Präs. auch
ia, im Part. Prät. auch iäenn, und nd 'bekommen', das
im Part. Prät. auch ndet hat. Über die Kontraktionsregeln
vgl. § 134.
404. 2. horfa umkehren' horfe horf(d)a horft.
§ 404 — 407.] Einteilung der Verba und Tempusbildung. 109
So gehen noch skorta 'mangeln', Prät. Sing, skorta,
pola 'dulden', Part. Prät. pol(a)t, pora 'wagen', Part. Prät.
por(a)t, ferner spara 'sparen', Part. Prät. spart, spar(a)t, und
iä(t)ta 'zugeben', die auch nach § 398 flektieren.
Anmerkung. Einige Verba zeigen Besonderheiten, die
vornehmlich im Eindringen palatalen Umlauts bestehen:
hafa 'haben', lief, später liefe, hafcfa, haf&r, alt Ntr. hafat; leaupa
"kaufen', kaupe, keypta, keyptr; lici 'leihen', lé, léða, Ucfi'; segia
'sagen', seg, später sege, sag&a, sagðr, dichter, sagatfr; tici 'zeigen',
té, tiáe,tiá, té&a, tiáða, téffr, tiáðr; þegia 'schweigen', pege,pagða,
þag(a)t.
III. Verba gemischter Flexion,
a) Präterito-Präsentia.
405. Nachdem das Präteritum dieser ursprüng-
lich starken Verba präsentische Bedeutung angenommen,
ging das ursprüngliche Präsens verloren. Man bildete
nunmehr ein neues schwaches Präteritum zu den als
Präsens gebrauchten ursprünglichen Präteriten, sowie einen
neuen Inf. mit dem Vokal des Plur. Präs. Diese Verba
verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Ablaut-
reihen :
Erste Ablautreihe.
406. vita 'wissen'; Präs. Sg. veit, PL vitom; Prät.
vissa; Part. Prät. vitaðr.
eiga 'besitzen'; á « *aih § 93), eigom; ätta « aihta
§ 203) dttr.
Anmerkung. Ursprüngliches Partizipium hierzu sind die
Adjektiva viss 'sicher', viss 'weise', eigenn 'eigen'.
Dritte Ablautreihe.
407. unna 'Heben 3 ; ann, unnom; unna(<^'unþa% 194,2);
Ntr. unn(a)t.
kunna 'können'; kann, kunnom ; kunna (<C kunþa
§ 194, 2); Ntr. kunnat.
Anmerkung. Ursprüngliches Partizipium ist Jcu&r, Tcunnr
(§ 216 u. Anm.) 'bekannt'.
þurfa 'bedürfen'; parf, purfom; purfta; Ntr. purft.
110 Formenlehre. [§408—411.
Tierte Ablautreihe.
408. muna 'sich erinnern"; man, munom; munða,
-da; munat Ntr.
mono, munu 'werden*; mon, mun ; monom, munum; munda,
monda, mynda, monda (nach dem Opt.); Part. Prät. fehlt.
skolo, skulu 'sollen'; skal, skolom, skulum; skylda (nach
dem Opt.), seltener skulda; Adj. skyldr 'schuldig'.
Anmerkung, mono, skolo sind Infinitive Prät. (§ 413).
Fünfte Ablautreihe.
409. mega 'können'; má (§§ 181. 139), megom; mätta
«*mahta §203); Ntr. mátt.
kngtto 'können *; Jena, knegom; knätta; Part. Präs. fehlt.
Anmerkung. Tcngtto ist Inf. Prät. (§413).
b) valda 'walten'.
410. Die Flexion ist im Präs. und Part. Prät. stark,
im Prät., das Ablaut des Wurzelvokals hat, schwach.
valda veld olla (<^*wolßa §§ 194, 1. 226, 1), valdet, voldit,
[später olla, volla, volda [ollat.
Siebzehntes Kapitel,
Die Endungen.
I. Aktivum.
Paradigmata.
Präsens.
Infinitiv.
Stark. Schwach.
411. skióta falla suefia 'be- fora fagna 'sich vaka
Schießen' 'fallen 'ruhigen' 'führen 5 freuen' 'wachen'
Präsens.
Indikativ.
S. 1. skýt feil suef fore fagna vake
2. 3. skýtr fellr suefr fórer fagnar vaker
§411.
412.]
Die Endungen.
111
P.
1.
skiótom
fgllom
suefiom forom
fggnom
vgkom
2.
skióteð
falleð
suefecf fóreð
fagneð"
vakeð
3.
skióta
falla
suefia fóra
Optativ.
fagna
vaka.
S.
1.
skióta
falla
suefia féra
fagna
vaka
2.
skióter
faller
suefer fórer
fagner
vaker
3.
skióte
falle
suefe fóre
fagne
vake
P.
1.
skiótem
fallem
suefem fórem
fagnem
vakem
2.
skióteð
falleð
suefeð fóreð
fagneð"
vakeð
3.
skióte
falle
suefe fóre
Imperativ.
fagne
vake.
s.
2.
skiót
fall
suef fór
fagna
vak(e)
p.
1.
skiótom
fgllom
suefiom férom
fggnom
vgkom
2.
skióteð
fálleð
suefeð fóreð
Partizipium.
fagneð
vakeð.
skiótande
falland
e suefiande férande fagnande
vakande.
Präteritum.
Indikativ.
s.
1.
skaut
feil
suafða fórða
fagnaða
vakpa
2.
skauzt
feilt
suafðer fórðer
fagnaðer
vakper
3.
skaut
feil
suafðe fárðe
fagnaðe
vakþe
p.
1.
skutom
fellom
sugfðomfórðom fggnoðom
vgkþom
2.
skutoð
felloð
sugfðoð fárðoð
fggnoðoð
vgkþoð
3.
skuto
fello
sugfðo fórðo
Optativ.
fggnoðo
vgkþo.
s.
1.
skyta
fella
suefða fórða
fagnaða
vekþa
2.
skyter
feller
suefðer fórðer
fagnaðer
vekþer
3.
skyte
feile
suefðe fórðe
fagnaðe
vekþe
p.
, 1.
skytem
feilem
suefðem fórðem fagnaðem
vekpem
2.
skyteð
felleð
suefðeð fárðeð
fagnaðeð
vekþeð
3.
skyte
feile
suefðe forde
Partizipium.
fagnaðe
vekpe.
skotenn
fallenn
suaf(e)ðr fórðr
fagnaðr
vakaŒtr.
Die Endungen des Infinitivs.
412. Präs. Inf. endet immer auf -a, das mit einem
voraufgehenden d kontrahiert wird, z. B. sld 'schlagen',
112 Formenlehre. [§ 412—415.
spá 'prophezeien' (§ 134), geht ein palataler Vokal vor-
her, so wird dieser konsonantisch, das a wird gelängt und
erhält den Hauptton, z. B. siel 'sehen 5 .
Anmerkung. Bei den auf el, er -f- Konsonant ausgehen-
den Verben ist die a-Brechung zu beachten, also gialda 'bezahlen',
biarga 'bergen', aber gefa 'geben', vgl. §§ 63. 65 u. Anm.
413. Prät. Inf. endet auf -o. In der Prosa findet
sich außer den zu den Präterito-Präsentien mono 'werden',
skolo 'sollen', die selbst ursprünglich solche Infinitive sind,
gehörenden mundo, skyldo nur noch vildo zu vilia 'wollen'.
In der Poesie kommen sie öfter vor, z. B. von mcela
'sprechen', skipta 'schalten', fara 'fahren', vera 'sein',
kunna 'können', mega 'können', standet 'stehen' die Formen
mélto, skipto, fgro, vóro, kunno, mgtto, stóþo.
Anmerkung. Der Form nach sind diese Infinitive iden-
tisch mit der 3. PI. Prät., wie auch der Inf. Präs. gleich der
3. PI. Präs. ist, und wahrscheinlich ursprünglich auch aus diesen
entstanden, in Verbindungen wie ek sä ßa fóro 'ich sah , sie
fuhren'.
Die Endungen des Indikativus.
a) Präsens.
Stark. Schwach.
414.
2. -eð
3. -a -ia -a -a -ct..
415. Gestaltung des Wurzelvokals. In der
2. 3. Sg. starker Verba, deren Endung um. -ír war, steht
bei den langsilbigen i-, bei den kurzsilbigen iü-Um-
laut (§§ 127, 2. 129), z. B. skýtr : skióta 'schießen', býr:
búa 'wohnen', hleypr : hlawpa 'laufen', hoggr : hgggua 'hauen 5 ,
fellr: fallet 'fallen', fern fara 'fahren', komr : koma 'kommen'.
Von hier aus ist dann der Palataluml. auch in die 1. Sg.
eingedrungen.
Die Verba der 1. schw. Klasse haben im ganzen
Präs. Palatalumlaut. Die 1. PI. zeigt w-Uml., z. B.
Ia.
Ib.
II.
III.
Sg. 1.
—
—
-e
■a
-e
2. 3.
-r
•r
■er
-ar
-er
PL 1.
-om
-iom
-om
•om
•om
§415.416.] Die Endungen. 113
fgllom, fggnom, rgðom : rdd'a 'raten', dagegen sind beim e
sowohl n- Umlaut durch Ausgleichung beseitigt, z. B. veltom :
velta 'wälzen 5 , wie auch ?i-Brechung, soweit nicht im Inf.
Präs. «-Brechung vorliegt, also berom : bera 'tragen 5 , aber
gigldom : gialda 'bezahlen' (§§ 66, 1. 64). Bei den Verben mit e
in der Wurzelsilbe ist der urgerm. Wechsel von e : i (§§ 62
Änm. 67 Anm.) überall zu Gunsten des e ausgeglichen.
Da die 1. Sg. einmal auf -u ausging, wäre zi-Brechung
oder w-Umlaut zu erwarten, doch sind auch diese zu
Gunsten des e beseitigt; also 1. Sg. gef, 2. 3. gefr statt
*giof, *gifr von gefa 'geben'. Ebenso in geld, geldr, wo
aber das e der 2. 3. Sg. ?*Ä-Uml. des aus dem Inf. gialda
eingedrungenen ia ist, nach dem sich die 1. Sg. richtete
(§ 63 Anm.).
416. Zu den einzelnen Endungen ist zu beachten:
Sg. 1. Bei einigen Verben, besonders bei vera 'sein 5 ,
hafa 'haben', segia 'sagen', tritt schon früh oft die 3. Sg.
an Stelle der 1.
Anmerkung 1. Ursprünglich war die Endung bei den
starken Verben -u, den schwachen der 1. Klasse -in resp. -iu,
bei denen der 2. Klasse nasaliertes -ö. Diese Endungen haben
sich wahrscheinlich erhalten in der 1. Sg. Präs. Pass. (vgl. § 429
Anm. 1), die letzte wahrscheinlich auch in der Dichtersprache,
z. ß. þiónom ich diene', œtlomk 'ich beabsichtige 5 . Da diese
Formen der 1. Plur. gleich waren, so wurde von den Dichtern
auch bei Verben anderer Klassen die 1. Plur. für die 1. Sing,
verwendet.
2. 3. Beim Zusammenstoß des -v(r) mit voraus-
gehendem Konsonanten kommen die § 177 gegebenen
Regeln zur Anwendung: gell und gelr von gala 'singen',
skill, skilr, selten skil von skilia 'scheiden 5 , skinn von skina
'glänzen 5 , venr von venia 'gewöhnen', fregn von fregna
'fragen', brenn, brennr, breðr von brenna 'brennen', ferr,
selten fer von fara 'fahren 5 , frýss von friasa 'frieren 5 , less,
les von leset 'lesen', vex von vaxa 'wachsen 5 .
PL 1. Bei folgendem vit (mit) 'wir zwei', vér (mér)
'wir' fehlt oft das -m, z. B. /pro mér 'wir reisen'.
2. Das -ö der Endung fehlt vor þit 'ihr zwei', þér
'ihr 5 (resp. ðit, der) und auch sonst häufig vor unmittel-
Kahle, Altisländisches Elementarbuch. 8
114 Formenlehre. [§416.417.
bar folgendem þ(ð), z. B. gefe þit 'ihr zwei gebt', site þar
'sitzet dort 5 . Schon früh begegnet auch et neben -ed als
Endung und wird allmählich, seit dem Ende des 13. Jahrh.,
häufiger als -ed.
Anmerkung 2. Beim Zusammenstoß langer Vokale mit
vokalisch anlautenden Endungen kommen im Präs. wie in den
andern Verbalformen die §§ 134—138 angeführten Kontrak-
tionsregeln zur Anwendung, vgl. auch dort die Beispiele.
Anmerkung 3. Verba auf -ia, -ua verlieren das i, u nach
den §§ 223. 226 gegebenen Regeln, also z. B. bi&ia 'bitten', 3. Sg.
Präs. biðr, sýkua 'betrügen', sýkr.
41*7. Über die Flexion einzelner Verba ist noch
folgendes zu bemerken:
1. DiePräterito-Präsentia flektieren im allgem. wie
Präterita, doch kommen bei mono, munu 'werden' und
skolo, skulu 'sollen' in der 2. Sg. auch die Formen mon(n),
mun(n), skal(l) vor. Muna 'sich erinnern' und iinna 'gönnen,
lieben', in späterer Zeit auch die übrigen Verba, haben
im PL meistens die Endungen des Präsens.
2. Teils wie suefia teils wie féra geht g0r(u)a, ger(u)a,
gior(u)a 'machen', vgl. § 395 Anm. 2.
Sg. 1. gor(u)e, ger(u)e PL 1. gorom, gerom, giorom
2. 3. gor(\i)er, ger(u)er, gorr, 2. g0r(u)eð, ger(u)eð, gio-
gerr, gorrer, gerrer. r(u)eð
3. gor(u)a, ger(u)a, gior(u)a.
3. Teils wie suefia teils wie vaka gehen hafa 'haben',
segia 'sagen' :
Sg-
1. liefe, lief,
hefer
sege, seg, seger
2.
3. hefer, hefr
seger, segr
PL
1. hofom
segiom
2. hafeð
segeð
3. hafa
segia.
Anmerkung 1. Die einsilbigen Formen kommen nur in
alter Zeit vor, wie segia gehen noch kligia c Ekel empfinden 5 und
pegia 'schweigen'.
4. Vilia 'wollen' flektiert:
Sg. 1. vil PL viliom
2. vill, vilt } ,, ., rileð
selten vilr
3. vill, vil J vilia.
§417—419.] Die Endungen. 115
Anmerkung 2. In der Dichtersprache begegnet auch
1. Sg. vilia, eigentlich 1. Sg. Opt. gleich got. iciljau.
Anmerkung 3. Über die Flexion von vesa, vera 'sein'
vgl. § 426.
b) Präteritum.
418. Stark. Schwach.
Sg. 1. — -a
2. -t -er
3. — -e.
-om
PI. 1.
2. -oð
3. -o.
419. Zu den einzelnen Endungen ist zu bemerken :
Sg. 1. Schon früh kommt bei den seh w. Verben die
Endung -e vor. Dichterisch begegnen Formen auf om-,
vgl. § 416 Anm. 1.
2. a) Nach langem Vokal erscheint -tt, z. B. biótt zu bió
'wohntest', hiótt zu Mo "hiebst". Die Form ist abstrahiert
aus *bióttu <C *biótpú.
b) Endet die Wurzel auf -t, so ist die Endung -zt,
dessen t auch ausfallen kann, z. B. veiz(t) zu vita 'wissen 5 ,
Uz(t) zu lata lassen*; ebenso wenn in 1. 3. Sg. Prät. -t(t)
steht, z. B. baz(t) zu bau von binda 'binden', helz(t) zu
lielt von haläa 'halten'; zuweilen ist auch die 2. der 1.
3. Sg. ganz gleich, z. B. helt, hratt von hrinda 'stoßen'.
Geht die Wurzel auf -st aus, so geschieht dies immer,
z. B. laust zu liósta 'schlagen'.
Anmerkung. Die alte lautgesetzliche Form der 2. Sg. der
auf -t ausgehenden Wurzeln, -st, ist sehr selten, z. B. veist 'du
weißt 5 , vgl. got. ivaist.
c) Endet die Wurzel auf -&, so ist die Endung -tt,
später oft -zt, z. B. batt, bazt zu biðia 'bitten', vart (§ 230)
zu verða 'werden'.
d) Bei unmittelbar folgendem þú fehlt oft die Endung,
z. B. gekk þú 'du gingst'.
PI. 1. 2. Bei unmittelbar folgendem Pronomen fehlen
ebenso wie im Präs. (§ 416) oft -m, -ð, z. B. lausto vér
'wir schlugen', lausto þér 'ihr schlugt'.
8*
116 Formenlehre. [§420—422.
Die Endungen des Optativs.
420. Im Präs. wie im Prät. sind die Endungen gleich.
Sg. 1. -a PI. -ein
2. -er -eð
3. -e -e.
421. Gestalt des Wurzel vok als. Da die En-
dungen des Opt. Prät. ein urspr. I enthalten (vgl. got.
2. Sing. Prät. Opt. némeis, 1. PI. nemeima von niman
'nehmen 5 ), so rufen sie i-Uml. des Wurzelvokals hervor,
die des Präs. aber, auf urgerm. ai, urn. é zurückgehend
(vgl. got. 2. Sg. nimais, 1. PI. nimaiiva), nicht.
Anmerkung. Der zu erwartende Umlaut fehlt bei den
Präterito-Präsentien im Präs. außer bei skyla, später skula
e ich solle 5 und myna, m0na neben muna, mona "daß ich werde'.
Auch im neugebildeten Prät. kommen munda neben mynda 'ich
würde 5 etc. und ~kunna neben Tcynna 'ich könnte 5 vor.
Zu den einzelnen Endungen ist noch zu bemerken:
Sg. 1. Später wird auch die Form der 3. Sg. ge-
braucht, vgl. § 416. Dichterisch kommen zuweilen auch
die Formen der 1. PL vor, vgl. § 416.
PL Später werden auch die Formen des Indik. ge-
braucht, im Präs. aber nur in der 1. PL
Die Endungen des Imperativs.
422. Nur das Präs. hat einen Tmper. und zwar in
der 2. Sg. und, den Formen des Indik. Präs. gleichlautend,
in der 1. 2. PL Für die 2. Sg. gelten folgende Regeln:
1. Ohne Endung sind:
a) die starken Verba, z. B. skiót 'schieße', fall
'falle". Über Formen wie bitt zu binda 'binden', sprikk zu
springa 'springen' (§ 185), gialt zu gialda 'bezahlen 5
vgl. § 170, 1. Formen wie blót(t) zu blóta 'opfern', grát(t)
zu grata 'weinen' sind abstrahiert aus *blóttu, *blótþú
(vgl. § 419);
b) die schw. Verba der 1. Klasse, z. B. suef zu
suefia 'beruhigen', dem zu dóma 'richten'.
Anmerkung 1. Da hier -nd, -ng nicht zu *-tt, *-kk werden,
z. B. send 'sende 5 , spreng 'sprenge' (vgl. §§ 170, 1. 185. 212), so
§422—424.] Die Endungen. 117
muß in urnord. Zeit noch eine Endung -l gefolgt sein, vgl. got.
dömei. Diese Endung ist inlautend vor dem Negationssufnx (a)t
noch erhalten, z. B. hyggiat 'denke nicht' zuhyggia, cleilet 'streite
nicht' zu deila.
2. Eine Endung hat, und zwar -a. die 2. schw.
Konjugation, z. B. kalla 'rufe'.
3. Teils ohne (in den meisten Fällen), teils mit
Endung ~e ist die 3. schw. Konj., z. B. seg Wge', haf
^habe', aber þege 'schweige 5 und mit späterem Fortfall des
-e dug(e) 'tauge', gap(e) 'gähne', trü(e) 'glaube', ugg(e) 'fürchte',
un(e) 'sei zufrieden 5 , vak(e) 'wache'.
Anmerkung 2. Da dieses -e(i) auf um. -e, urgerm. -ai
zurückgeht, vgl. got. habai, so wirkt es keinen Umlaut.
Partizipium.
423. Das Part, Präs. hat die Endung -ande, z. B.
skiótande 'schießend 5 , suefiande 'beruhigend', spunde 'prophe-
zeiend 5 (§ 134). Die Flexion ist adjektivisch (§ 344) oder
substantivisch (§ 301).
424. Das Part. Prät. lautet bei den starken auf
-enn, z. B. skotenn 'geschossen 5 , bei den schwachen der
1. Konj. a) auf -(e)ðr, z. B. suaf(e)ðr 'beruhigt', b) auf
-ðr, z. B. férðr 'geführt', der 2. auf -aðr, z. B. fagnaðr
'erfreut', der 3. auf -aðr, z. B. vakat Ntr. 'gewacht 5 . Im
übrigen sind die Regeln über den Zusammenstoß des -d
mit vorhergehenden Konsonanten zu berücksichtigen
(§§ 169-171.)
Anmerkung 1. Die schwachen Verba der iaw-Klasse
(Ia) bilden auch einige Formen wie die eines starken Partizips,
z. B. val(e)$r : valenn 'gewählt', vgl. § 393 Anm. 3.
Anmerkung 2. Einige Partizipia mit Dentalsuffix, die
aber zu Adjektiven geworden, kommen auch bei starken Verben
vor, z. ß. kaldr 'kalt' zu kdla "frieren', dautfr 'tot' zu deyia 'sterben',
skar&r 'vermindert' zu sk&ra 'schneiden'.
Anmerkung 3. Einige indeklinable Adjektiva sind ur-
sprünglich Partizipia Prät. Aktivi auf -us (-uðs-, -ues-, -ms-)
starker Verba, vgl. gr. zloóic, 'wissend', got. berusjös 'Eltern', ae.
é$(e)sa 'Besitzer'. Es sind: heize, -a 'wer versprochen hat' zu
heita, halze 'wer festgehalten hat' zu halda, d-leikse 'wer im Spiel
verloren hat' zu leika, of-gangse 'zuweitgegangen', al-gangsa 'überall
118 Formenlehre. [§424—429.
verbreitet' von ganga, epter-staose 'zurückgeblieben 5 , sta&sa 'ge-
standen' zu standet (das a statt *g erklärt sich hier wie bei den
andern als Analogiebildung nach den übrigen Formen mit a).
Nach Analogie dieser Formen sind dann auch von einigen schwachen
Verben solche Partizipia gebildet worden, nämlich á-heyrse 'wer
gehört hat' zu heyra, iáze 'wer eingewilligt hat' zu iáta, Mrse
'wer ausgewichen ist' zu Mra.
425. Zur Bildung des Perfekts resp. Plusquam-
perfekts bedient man sich des Part. Prät. mit hafa
'haben 5 , bei einigen Verben mit vesa, vera c sein'; das
Partiz. steht bei hafa gewöhnl. im Neutr., z. B. ek hafa
kallat c ich habe gerufen 5 , bei vera richtet es sich nach
dem Subjekt ek em gengenn c ich bin gegangen 5 , vgl. § 450.
Das Verbum vesa, vera 'sein 5 .
Präsens.
Opt.
Sg. 1. em PI. erom Sg. 1. siá, sé PI. sém
2. sér, selten verer séð
3. sé, selten vese, sé.
vere
Anmerkung. Die r-Formen des Ind. Sing, sind aus dem
PI. eingedrungen , in dem sie infolge grammatischen Wechsels
standen. Sehr selten kommt in alter Zeit auch vor: 2. Sing, es
(got. is), er; 3. Sing. ves. Über die enklitischen Formsn -s, -frjóm,
■(rjóð', -frjó vgl. § 122 Anm. 3. Im Opt. kommen in ältester Zeit
auch die unkontrahierten Formen vor (vgl. § 134), z.B. 2. Sg. séer.
427. Das Präter. Ind. lautet vas, verum; Opt.
vére; Imp. ves, Part. Präs. vesanäe, Prät. Neutr. veret.
Anmerkung. Die r-Formen werden auch hier später
überall die herrschenden.
II. Mediopassiv.
428. Durch die enklitische Anfügung von -mk
(aus mik), selten -m (aus mér) an die 1. Sg., von -sk (aus
sik), selten -.9 (aus sér) an die übrigen Personen des Aktivs
erhalten diese reflexive oder passivische Bedeutung.
Anmerkung. Über die Gestaltung der Pronomina vgl.
§ 304.
429. Folgende Regeln sind zu beachten:
426.
Ind
1.
em
PI.
erom
2.
est.
ert
erod
3.
es,
er
ero.
§ 429. 430.] Die Endungen. 119
1. Die 1. Sing, aller Tempora und Modi lautet
-om(k) resp. -iomk, z. B. kpllomk 'ich werde gerufen 5 von
kalla, biðiomk c ich werde gebeten' von biðia, veliomk 'ich
werde gewählt' von velia.
Anmerkung 1. In dieser Form sind die alten Endungen
urnord. -u, nasaliertes -ö, -ö{<^*-aii) erhalten, vgl. §416.
2. Die 1. Sg. Ind. Prät. starker Verba hat die Form
der 3. PL, z. B. bundomk c ich wurde gebunden'.
3. Vor -s(k) sind folgende Änderungen des Auslauts
der Endungen zu merken:
a) -t(b) schwindet , z. B. gefs(k) <C *gefrs(k), kaüas(k)
<C*kallars(k) "du wirst gegeben, gerufen' (§ 178).
b) -d, -ð wird zu t, z. B. binzk <C *bints(k) <C *binds(k)
<< *bindrs(k) 'du wirst gebunden', kuaz(k) <C kuaðs(k) 'du
sprachst 5 , fórðozfk) <i*fórðoðs(k) ihr werdet geführt' (§§ 170,
2. 171, 1).
Anmerkung 2. Hierhergehört auch die 3. Sg. Präs. Ind.,
die ursprünglich auf -Ü ausging, z. B. leijnez(k) <[ *leyneðs(~k) r er
wird verborgen 5 zu leyna.
c) Nach -II, -nn entwickelt sich ein t (§ 158 Anm.)
und die Geminata wird alsdann gekürzt (§ 231), z. B.
felz(k) c du fällst 5 zu falla, finz(k) 'du findest 5 zu finna.
4. Trat an eine auf -s oder -z auslautende Form ein
mit þ (§ 193 Anm. 1) auslautendes Pronomen, wie þíi
'du 5 , þér 'ihr', so entstand -st-, -zt- (§ 171, 1), z. B. kallastu,
kcdlaztu 'du wirst gerufen 5 , woraus dann Formen wie kailast,
kallazt abstrahiert wurden, indem man -st, -zt als medial-
bildende Endungen auffaßte.
430. Über die Endungen ist noch folgendes zu
bemerken:
1. Bald nach 1200 tritt -z(k) meistens an Stelle von
-s(k), doch bleibt dieses nach m, n, l, r, z. B. 2. Sg. Präs.
Ind. spyrsk, 1. PI. spyriomsk von spyria 'fragen 5 . 2. Zur
selben Zeit ungefähr können die Endungen der 1. Sg.
und der 1. PI. miteinander vertauscht werden. 3. All-
mählich, etwa seit 1300, werden die Formen auf -mk,
-zk (sk) durch die auf -m, -z (s) ersetzt, dann, um 1350,
120 Formenlehre. [§430.431.
werden meistens die Formen auf -zt (-st) gebraucht, ohne
jedoch die auf -z (s) ganz zu verdrängen, die auf -m aber
schwinden fast ganz.
Paradigmata.
Präsens.
431. Infinitiv.
lúkas(k), -az(k), -azt, -ast c ge- kallas(k) usw. 'sich nennen,
schlössen werden , sich genannt werden',
schließen'.
Indikativ.
Sg. 1. lúkom(k), -oms(k), vgl. kgllomk usw.
2. 3. Sg. 1. PL
2. 3. lýks(k), -z(k), -zt, -st kallask usw.
PI. 1. lúkom(s)k,-mnz(t),-umst kgllomsk usw.
2. liikezk, -iz(th -ist kallezk usw.
3. lúkask usw. = Inf. kallask usw.
Optativ.
Sg. 1. lúkomk usw. = Indik. kgllomk usw.
2. 3. lúkes(k) ) -ez(k),-izt > -ist kallesk usw.
PL 1. hikem(s)k , -imz(t), kallem(s)k usw.
'umz(t), -umst
2. lúkezk usw. = Ind. kallezk usw.
3. lúkesk usw. = 2. 3. Sg. kallesk usw.
Imperativ.
Sg. 2. lúksfk), -z(k), -zt, -st kallas(k) usw.
PI
2 , Ind.
Partizipium.
Mkandes(k), -ez(k), -izt, -ist kallandes(k) usw.
Präteritum.
Sg. 1 . lukoms(k) , -umz(t), kglloðomk usw.
-umst, vgl. 2. 3. Sg.
2. laukz(k), -zt, -st kallacfesk, -ez(k), izt, -ist
3. lauks(k), vgl. 2. Sg. = 2. Sg.
§431.432.] Die Endungen. 121
PL 1. lukoms(k) usw., vgl. kglloðoms(k) usw.
1. PI. Präs. Ind.
2. lukoz(k), -uz(t) kgllodozk usw.
3. lukos(k), -ozk, -uz, vgl. kglloðosk usw.
2. PL
Optativ.
Sg. 1. lykomk usw., vgl. l.Sg. kgUodomk usw.
Präs. Ind., 2. 3. Sg.
2. 3. hjkes(k) usw., vgl. 2. kallaðes(k) usw.
3. Präs. Opt.
PL 1. lykems(k) usw., vgl. kallaðemsík) usw.
1. PL Präs. Opt., Ind.
2. lykez(k) usw., vgl. kaUaðez(k) usw.
2. PL Präs. Opt., Ind.
3. hjkes(k)usw\, vgl. 3. PL kallaðes(k) usw.
Präs. Opt., Ind.
Partizipium (Neutr.)
lokezk, -iz(t) kallazk usw.
432. Ein umschriebenes Passivum wird mit vesa,
vera c sein ? , später aber selten mit verða Verden' und dem
Part. Prät. gebildet, z. B. ek em (verð) kallaðr 'ich werde
gerufen', ek liefe veret kallaðr c ich bin gerufen worden',
ek mon vesa kallaüv c ich werde gerufen werden" usw.
<8>-
122 [§ 433. 434.
Dritter Hauptteil.
Syntaktisches,
Achtzehntes Kapitel.
Kasus.
433. Nominativ. Der Nominativ ist der Kasus
des Subjekts. Außerdem vertritt er den verloren ge-
gangenen Vokativ, z. B. huerso lítz þér , Hrútr fr énde
'wie scheint's dir, Vetter Hr.? 5 Ferner steht er als Prä-
dikat bei den Verben vera 'sein', verða 'werden 5 , lieita
'heißen', bei Verben wie þykkia(sk) 'scheinen 5 , bei pas-
siven (reflexiven) Ausdrücken, die 'gemacht werden 5 ,
'für etwas gehalten werden 5 und ähnliches bedeuten, z. B.
maðr liét Gunnarr 'ein Mann hieß Gunnarr 5 , þykker þer
eige fggr vera 'scheint sie dir nicht schön zu sein? 5 , ekke
þykke rnér þetta iafnrœðe 'das scheint mir keine ebenbürtige
Heirat', kann var kallaðr enn sigrsœle 'er wurde der Sieg-
reiche genannt 5 , gerðesk kann þá þungfórr 'er wurde da
schwer beweglich 5 .
434. Akkusativ. Der Akk. steht frei 1. ursprüng-
lich nur zur Bezeichnuug der Ausdehnung über Zeit
und Raum, doch wird dann auch der Zeitpunkt so
ausgedrückt, z. B. var kann heim allan þann vetr 'er war
diesen ganzen Winter über zu Hause', Haraldr konongr
lifðe þriú vetr 'König Harald lebte (noch) drei Winter 5 ,
siglðe dag ok nétt 'er segelte Tag und Nacht', var þesse
orrostostaðr átta mílor í kring dieser Kampfplatz war acht
§ 434. 435.] Kasus. 123
Meilen im Umkreis', þat var XX milor ifrá á þeire 'das
war 20 Meilen von diesem Fluß entfernt' , annat samar
epter 'den zweiten Winter darnach 5 , þat var einn dag 'das
war eines Tages', annat sinn 'zum zweiten Mal'. 2. Zur
Bezeichnung des Gewichtes, Wertes oder Maßes
eines Gegenstandes, z. B. gullliring, er vä halfa mgrk 'einen
Goldring, der eine halbe Mark wog 5 , hringr er stendr sex
aura 'der Ring, der auf 6 Öre zu stehen kommt'.
Der Akk. steht abhängig:
435. 1. Vom Verbum.
a) Er bezeichnet bei transitiven Verben das direkte
Objekt, z. B. liaße margan mann drepet 'er hatte manchen
Mann erschlagen'.
b) Einige Verba können einen Akk. bei sich haben
von einem Wort, das denselben oder einen ähn-
lichen Begriff ausdrückt wie das Verbum und meist
desselben Stamms ist, z. B. déma dorn 'ein Urteil fällen',
ráða ráð 'einen Rat raten', beriask orrostor 'Schlachten
schlagen'.
c) Die Verba der Bewegung können den Weg durch
den Akk. ausdrücken, z. B. ganga alla leid' 'den ganzen
Weg gehen', riðo peir þá Bratta-brekko 'sie ritten da über
den Paß Bratta-Brekka'.
d) Ein Akk. der Person steht bei einer Anzahl un-
persönlicher Verba, z. B. mik þyrster 'mich dürstet 5 ,
hungrar 'hungert', dreymer 'mir träumt', minner 'ich er-
innere mich', lyster 'es gelüstet mich' etc.
e) Ferner steht ein Akk. der Person, auf die sich
die Handlung des Verbums erstreckt, bei einigen
Verben, die 'anreden, begrüßen, bitten' bedeuten, z. B.
kuadde hón þegar Gunnar 'sie begrüßte sofort Gunnarr'.
Ferner bei Verben wie liúga 'belügen', rœna 'berauben' etc.
f) Einen doppelten Akk., und zwar des Objekts
und Prädikats, haben Verba, die 'zu etwas machen,
wählen, ernennen, für etwas halten, ansehen, je-
manden nennen' und ähnliches bedeuten, z. B. Þrónder
hgfðo sér konung teket slíkan at püo sem . . . die Thrönder
124 Syntaktisches. [§435—437.
hatten sich zum König genommen einen ganz ebensolchen
wie . . .", ok vildo hann heita lata Zachariam 'und sie wollten
ihn nennen lassen Zacharias 5 .
Anmerkung. Selten ist ein Akk. der Person und eines
Substantivs, das die Handlung des Verbums aufnimmt,
z. B. lýstr hana kinnliest c er schlägt ihr eine Ohrfeige'.
436. 2. Von Präpositionen:
a) um, of um, über', die Ausdehnung über Zeit
und Raum bedeutend, oder die Beziehung auf einen
Gegenstand, z. B. kom hann um haustet tu Nöregs 'er
kam im Laufe des Herbsts nach Norwegen', tóko Hákon
tu konungs um alt land 'sie erwählten Hakon zum König
über das ganze Land', mun ek suara þér um petta 'ich werde
dir in Beziehung auf dieses antworten 5 , of allan heim 'über
die ganze Erde hin', var of þat tíðrótt e es wurde viel
darüber gesprochen'.
Anmerkung, of steht hauptsächlich in der Dichtersprache
und in der älteren Prosa, in jüngerer Zeit wird es fast ganz
durch um ersetzt. Auch die Zusammensetzungen von um wie
umhuerfes 'ringsherum', um framm "drüber hinaus' regieren den
Akk., z. B. hann mat Unnr um framm alla menn c ihn schätzte
Unnr über alle Menschen'.
b) Die Präpositionen d 'in, auf, bei', at c zu, nach,
bei", epter 'nach', fyrer Vor 5 , í 'in 5 , med 'mit 5 , under 'unter',
útan 'ausgenommen', við 'bei 5 , yfer 'über', auf die Frage
wohin, zum Ausdrucke der Bewegung, z. B. gekk ä land
'er ging ans Land', leiða í vamdkuéðe 'in Verlegenheit
bringen 5 , epter þat 'darauf, fór hon yfer Breiðafigrð 'sie
reiste über den Breidafjord 5 , Unnr mélte við sína menn
'Unnr sprach zu ihren Leuten', gekk fyrer konung 'er ging
vor den König hin'.
c) % gegnom 'durch 5 , z. B. rekr % gegnom hann atgeirenn
'er stößt den Speer gegen ihn', fyrer in Verbindung mit
Ortsadverbien wie z. B. fyrer nordan land 'nördlich vom
Land', /. sunnan Laxä 'südlich vom Laxfluß 5 .
43*7. Genitiv. Der Gen. steht frei in Prosa
ziemlich selten, während er in den eddischen Lie-
dern häufiger vorkommt. Er steht zur Bezeichnung des
§437-439.] Kasus. 125
Zeitpunkts oder der Zeit, in welcher etwas ge-
schieht, des Orts, der Art und Weise, in welcher
etwas geschieht, u. ä., z. B. eins dags 'an einem Tage 5 ,
loksens 'schließlich', optsinnes 'oft', sams misser es 'während
desselben Halbjahres', annarstadar 'an anderer Stelle', þar
lanz 'dort im Lande', Grimr var líkr feðr sínom béðe
yferliz ok at skajrfynde 'Gr. war seinem Vater gleich sowohl
der äußeren Erscheinung, wie dem Charakter nach'.
438. Der Gebrauch des Gen. in der Abhängig-
keit ist ein sehr mannigfaltiger. Es können hier
nur die Hauptkategorien angeführt werden. Er steht
abhängig :
439. 1. Vom Verbum.
a) Bei einigen Verben steht das direkte Objekt
im Gen., so bei gialda 'entgelten', lief na 'rächen', iðrask
bereuen', z. B. þess muno marger gialda 'das werden
viele entgelten müssen', idromk ek þess miok 'das bereue
ich sehr'.
b) Eine entferntere Beziehung, die Sache, auf
welche sich die Handlung des Verbums erstreckt,
wird durch den Gen. ausgedrückt bei Verben, die be-
deuten: nach etwas streben, etwas bedürfen, ge-
nießen, Mangel haben, sich enthalten, auf etwas
warten, bekommen u. ä., z. B. leitoþo sér Málpráðs af
honom 'sie suchten hilfreichen Rat von ihm zu erhalten',
sá þurfte hans at engo 'er bedurfte seiner durchaus nicht',
nióta guðs miskunnar 'Gottes Erbarmen genießen', þá saknar
kann kntfsens 'da vermißt er das Messer', þá hefer mikils
mist 'du hast großes verloren', fekk Kollr Þorgerðar 'Kollr
bekam, d. h. heiratete, Þorgeréfr', vitiaðe kono sinnar er
besuchte seine Frau , d. h. wohnte ihr bei', námo þeir
staðar 'sie nahmen Aufenthalt, d. h. standen still'.
c) Der Gegenstand steht im Gen., die Person im
Akk., besonders bei Verben, die bedeuten nach etwas
fragen, um etwas bitten, von etwas abhalten', z.B.
spijria kann üöenda 'ihn nach Neuigkeiten fragen, liann lad
kann Ms 'er bat ihn um Unterstützung'.
126 Syntaktisches. [§ 439. 440.
d) Der Gegenstand steht im Gen., die Person im
Dat., bei einigen Verben wie drna Verschaffen', frýia
'absprechen', liá 'leihen', synia 'verweigern, abschlagen,
berauben", varna 'verweigern', z. B. liá mér fiaðrhams 'leihe
mir das Federgewand', enn kann kuaðz ekke varna mundo
kenne máls 'aber er sprach, er würde ihr nicht die Unter-
redung abschlagen'.
e) Bei den Verben, die den Begriff des Schätz ens
enthalten, steht der Gen. Ntr. eines Adjektivs oder
Pronomens zur Angabe einer Schätzung allgemeiner
Art, z. B. hans orü miküs vir da 'seine Worte sehr hoch
schätzen', muno þin orð her um einskes meten 'deine Worte
werden hier für nichts gerechnet werden'.
440. 2. Von einem Nomen (resp. Pronomen).
a) Bei Wörtern, die den Teil eines Ganzen be-
zeichnen, steht das Ganze im Gen., z. B. fimtungr
Englandz 'ein Fünftel von England', tolf manna '12 Leute',
hundrað manna '100 Leute', yngstr harna 'das jüngste unter
den Kindern', huat kuenna hón vére 'was für eine Frau
sie wäre', mart manna 'viele Männer', enge annara 'nie-
mand unter den andern', afbragð annara kuenna 'eine Per-
son, die die andern Frauen überragt'.
b) Bei Substantiven bezeichnet der Gen. den Be-
sitzer, die Zugehörigkeit, den Ursprung und ähn-
liche Verhältnisse, z. B. suercf hans 'sein Schwert', son
Biamar 'der Sohn des Biarne', móðer Ketels 'die Mutter
Ketels', mal manna 'die Rede der Leute 5 .
c) Beim Nomen agentis ist der Gen. ein objek-
tiver, z. B. skapare himens ok iarðar 'Schöpfer des Himmels
und der Erde', Ms rddande 'der über das Gefolge herrscht'.
d) Beim Nomen actionis ist er entweder ein sub-
jektiver, z. B. gipt ens helga anda 'die Gabe des heiligen
Geistes', ferö hennar 'ihre Reise'; oder ein objektiver,
z. B. fand Haralz 'das Zusammentreffen mit Harald',
útburðr harna 'die Aussetzung der Kinder'.
e) LTm die Eigenschaft oder Art und Weise aus-
zudrücken, steht vielfach der Gen. eines Substantivs
§ 440—443.] Kasus. 127
mit einem Adjektiv oder Pronomen, oder aber auch
ohne solche Beifügung, z. B. mikils liättar maär 'ein
Mann von großer Bedeutung, alls konar kurteise 'höfische
Sitte jeder Art', miskunnar augom 'mit mitleidsvollen
Augen', slíkr afburðar maðr 'ein solcher Mann von andere
überragender Bedeutung 5 .
f) Einige Adjektiva bedürfen zu ihrer Ergänzung
eines Genitivs. Es wird durch diesen Gen. besonders
die Anteilnahme, das Streben nach Anteilnahme
oder die Befreiung von der Anteilnahme ausgedrückt.
Auch der Wert wird so ausgedrückt, z. B. margra tíðenda
víss 'manche Neuigkeiten wissend', þess fúsare 'dazu be-
reiter', þess skyldr 'dazu verpflichtet', gfundar fullr 'voll
von Neid', synþa lauss 'sündenlos", mikils verðr 'viel Wert'.
g) Der Gen. bezeichnet die Ausdehnung in der
Zeit oder im Raum, z. B. ttu vetra gamall '10 Jahre
(Winter) alt', fimm fóta langr '5 Fuß lang', lieidr rastar
breið 'eine Heide, eine Meile breit'.
441. 3. Von den Präpositionen tu 'zu, bis', án
'ohne', innan 'innerhalb', útan 'außerhalb', (ä oder í) meðal (á
mille, á millem, millem) 'zwischen', (á)vegna 'mittelst', i stað
'anstatt', fyrer saker (f. spkom, f. sakar) 'wegen', z. B. Gun-
narr reid til þings 'G. ritt zum Ding', innan garðs 'inner-
halb der Einzäunung', í meðal peira 'zwischen ihnen',
minna vegna 'meinetwegen' (Gen. PL des Possessivpron.
statt des Personalpron.).
443. Dativ. Da im germ. Dativ verschiedene
indogerm. Kasus (Dativ, Lokativ, Instrumentalis,
Ablativ) zusammengeflossen sind, so thut man gut, diese
zur Erklärung der Gebrauchsarten des Dativs heranzuziehen,
obwohl sich natürlich die Grenzlinien nicht immer genau
ziehen lassen.
443. 1. Ein freier Dativ, der den Sinn des Lo-
kativs hat, steht zum Ausdruck des Moments in der
Zeit oder des Ortes im Raum, z. B. eino sinne 'einmal',
gllom misserom 'während des ganzen Jahres (eigentl. wäh-
128 Syntaktisches. [§ 443. 444.
rend aller Halbjahre)', stundom 'zuweilen', Jiinom vinstra
megen 'auf der linken Seite 5 .
444. 2. Der Dativ steht abhängig.
I. Der Sinn ist dativisch, d. h. der Dativ drückt
das entferntere Objekt aus, auf welches sich eine
Handlung erstreckt.
a) Abhängigkeit vom Verbum.
Der Dativ steht bei
a) Verben, die das direkte Objekt im Akk.
haben, z. B. kann selr konunge suerð 'er überreicht dem
König ein Schwert', Hankr seger slnom mgnnom 'H. sagt
seinen Leuten', gera Jwnom banadrykk 'ihm den Todestrank
bereiten 5 .
ß) Bei zahlreichen Verben, die keinen Objekts-
akkusativ bei sich haben, so besonders bei solchen, die
eine Handlung oder Stimmung ausdrücken, die je-
manden nützlich oder schädlich ist, bei Verben des
Schadens oder Verhinderns, des Glaubens, Ge-
horchens, Dienens, Folgens, Einladens, Ver-
lierens, Vergessens, Herrschens, Ordnens, Len-
kens, Tötens, Schiagens (Dat. d. Pers.), Zerstörens.
Einige gebräuchliche Verba, die im Deutschen den
Akk. regieren, sind folgende:
biarga 'bergen 5 , Jieüsa 'grüßen 5 , Jilifa 'beschützen', bana
'töten', eijða 'vernichten 5 , spella 'verderben 5 , ráða 'beherr-
schen 5 , stiörna 'steuern', stýra 'steuern', lúka 'schließen 5 ,
bióða 'einladen 5 .
Beispiele: Gunnarr bauð Niále tu boðs 'G. lud den
Nj. zu einer Gasterei ein 5 , lúka Jieyverkom 'die Heuarbeit
beendigen 5 , engo spilla 'nichts zerstören', tapaðe Unnr kambe
sino 'U. verlor ihren Kamm', fagnaðe fréndom sínom 'er
begrüßte seine Verwandten 5 , eyða gllom sonom Haraldz
'alle Söhne H.'s vernichten', unne honom 'er liebte ihn 5 ,
kastar hgnom dauðom 'er wirft ihn tot 5 .
Anmerkung. Bei einigen dieser Verba, wie bei denen des
Herrschens z. B., hat jedoch ursprünglich vielleicht der Instrum.
gestanden.
§ 444. 445.] Kasus. 129
Y) Hierher gehören auch eine Anzahl unpersön-
licher Verba, die bedeuten: besser werden, behagen,
taugen, scheinen u. ä., z. B. mun þer skiótt batna c es
wird dir bald besser werden', huerso lítz þér á mey þessa
'wie scheint dir dies Mädchen? 5 , þijkke þér eige fpgr vera
'scheint sie dir nicht schön zu sein? 5
d) Oft steht auch beim Medio-Pas sivum und beim
Gerundivum (§ 459, 1) die handelnde Person im Dat.,
z. B. Norðimbraland var mest byggt Norðmgnnom 'Nort-
humberland war am meisten bewohnt von den Norwegern 3 ,
hann virðesk þar vel hueriom manne 'er war bei jedermann
wohl angesehen 5 , er þér þess ekke biðianda 'darum darfst
du nicht bitten'.
b) Abhängigkeit vom Nomen.
Besonders bei Adjektiven (und auch Adverbien),
zuweilen auch bei Substantiven, die eine Gesinnung,
Gleichheit, Ähnlichkeit, Gehorsamkeit, Treue,
resp. deren Verneinungen bezeichnen, steht der Dat.
zur Angabe der Person oder Sache, auf welche sich
die Eigenschaft erstreckt, z. B. vin sínom skal maðr
vinr vera 'seinem Freund soll man Freund sein', ok sé
honom illt í augom 'und daß es ihm schlecht in den Augen
sei', sat hit nésta honom 'er saß ihm am nächsten', er
þat ekke fiarre hennar skape 'das liegt ihrem Charakter
nicht entfernter 5 , Uhr fgðorfrœndom 'seinen väterlichen
Verwandten gleich', var hann mgrgom mgnnom miok harm-
dauðe 'er war vielen Menschen zum Kummer ge-
storben'.
445. II. Der Sinn ist ablativisch, der Dativ
drückt also ursprünglich den Ausgangspunkt der Hand-
lung aus.
a) Abhängigkeit vom Verbum.
a) Bei den Verben der Gemütsbewegung, z. B.
unde iarl stórilla ferð sinne 'der Jarl war sehr wenig mit
seiner Fahrt zufrieden', konungr reiddesk ordom hennar 'der
König war über ihre Worte erzürnt'.
Kahle, Altisländisches Elementarbuch. 9
130 Syntaktisches. [§ 445. 446.
Hierher darf man wohl auch ein Beispiel stellen wie
lirósaðe gðro sáre 'er rühmte sich der zweiten Wunde
(nämlich daß er sie beigebracht hatte)'.
ß) Bei den Verben des Entfernens, Beraubens,
Verbergens (die Person im Akk.), z. B. þóat kann vœre
firðr ríke 'obwohl er des Reiches beraubt war', at sú rœne
þik kuárke fé né ráðom 'daß du dich weder an Geld noch
Vermögen überhaupt beraubst', nú skal ekke leyna pik þuí
'nun soll dir das nicht verborgen bleiben'.
b) Abhängigkeit vom Nomen.
a) Beim Komparativ (auch Adverbium) steht der
verglichene Gegenstand im Dativ, z. B. Tryggue var
hueriom manne meire ok sterkare C T. war größer und stärker
als jedermann', engo miðr Skallagríme um nichts weniger
als Sk. 5
ß) Bei Adjektiven der Gemütsbewegung, z. B.
gagne fegenn 'erfreut über den Sieg', hann var reiðr Einare
'er war zornig über E. 5
446. III. Der Dativ vertritt den Instrumentalis,
d. h. der SubstantivbegrifT, in Verbindung mit dem (Be-
gleiter oder Werkzeug) der Träger der Handlung diese
vollzieht, steht im Dativ.
a) Abhängigkeit vom Verbum.
a) Die eine Handlung begleitenden Personen
oder Sachen, z. B. sigldi Hrútr liði sínom suðr 'Hr. segelte
mit seinem Gefolge südwärts 5 , Ketell flatnefr kom skipe sino
við Skotland 'K. fl. kam mit seinem Schiff nach Schott-
land 5 .
ß) Die begleitenden Umstände, z. B. á fellr austan
saurom ok suerüom 'ein Fluß fällt von Osten mit Schlamm
und Schwertern', gengo þeir . . . þurrom fótom 'sie gingen
mit trockenen Füßen 5 , kom kann skilde fyre sik 'er kam
mit dem Schilde vor sich, d. h. er hielt ihn vor sich 5 .
7) Ein Dativ des Mittels oder Werkzeugs steht
bei sehr vielen Verben, so besonders bei denen der sinn-
lichen Wahrnehmung, des Werfens, Schiagens,
überhaupt der Bewegung, des Füllens u. a., z. B. leit
§446.447.] Kasus. 131
miskunnar augom 'er sah mit Augen des Mitleids 5 , eyrom
hlýðer 'er hört mit den Ohren', skaut grom 'er schoß mit
Pfeilen', leggr til hans atgeirenom 'er hält den Spieß gegen
ihn', son, er Hákon koniingr iós vatne "der Sohn, den König
H. mit Wasser begoß', mgrgom lýð mon kann snúa gude til
handa 'viel Volk wird er auf Gottes Seite wenden 5 , fyllesk
figrve feigra manna "er füllt sich an mit dem Fleische
dem Tode verfallener Männer 5 .
b) Abhängigkeit vom Nomen.
a) Der Dativ drückt bei Adjektiven eine freiere
Beziehung aus, z. B. hón var fríð sýnom ok mikel vexte
'sie war schön von Angesicht und groß an Wuchs', haltr
eptra féte c lahm am Hinterfuß', (skarlatsskikkia) var búen
hlpðom 'der Scharlachmantel war mit Bändern besetzt'.
ß) Bei Komparativen (auch Adverbien) wird das
Maß, um welches ein Gegenstand den andern
übertrifft, durch den Dativ ausgedrückt, z. B. hafðe lið
miklo meira c er hatte ein um vieles größeres Gefolge',
tueim vetrom siðarr e zwei Winter später'.
447. 3. Abhängigkeit von Präpositionen.
Folgende Präpositionen regieren den Dativ:
a) afy frá Von', hiá c bei', ór, úr 'aus', ígegn 'gegen',
á hendr, á hgnd 'gegen', til handa 'zu Händen, zum Besten 5 ,
á mót(e), í mót(e) 'gegen 5 , á hak, at hake 'hinter, nach',
undan 'fort von'. Z. B. af þuí vaxa 'davon wachsen 5 , ór
þuílíkom ófriðe 'aus solchem Unfrieden heraus', igegn vinde
'gegen den Wind 5 .
b) Dieselben Präpositionen wie in § 436 b auf die
Frage wo? zum Ausdruck der Ruhe, z. B. hann bió í
Raumdólafylke 'er wohnte im Gau der Raumsdoler 5 , gera
at démom 'nach den Beispielen handeln', á gamals aldre
'im Alter eines Alten, d. h. auf meine alten Tage'.
9*
132 Syntaktisches. [§ 448. 449.
Neunzehntes Kapitel.
Verbum.
Genera.
448. Das Isländische hat im Laufe der Zeit ein
besonderes Medio-Passiv entwickelt (über die Entstehung
vgl. §428). Es dient zum Ausdruck folgender Beziehungen:
1. Reflexiv, z. B. verjask 'sich wehren', dneliask 'sich
aufhalten', stadfestask 'sich einen festen Wohnsitz nehmen',
eignask 'sich aneignen', haldask 'für sich behalten, in Be-
sitz bleiben'.
2. Reziprok, z. B. þau fundusk 'sie fanden sich',
settusk þati 'sie setzten sich', at vit mundem sókom sékiask
'daß wir uns sollten gegenseitig im Kampfe aufsuchen'.
3. Passiv, z. B. nemnask 'genannt werden, heißen',
reicfask 'zornig werden', finnask 'sich finden, sich heraus-
stellen'.
4. Aktiv, d. h. die ursprüngliche medio-passive Be-
deutung ist in den Hintergrund getreten, z. B. kueðask
'reden', pykkiask 'glauben', snúask Svenden', oder intrans.
skerask 'einschneiden, sich erstrecken'.
Anmerkung. Neben dem eigentlichen Medio-Passiv kommt
auch ein umschriebenes Passivum vor, vgl. § 432.
Tempora.
449. Da das Island, ebenso wie die andern germ.
Sprachen nur im Besitze eines Präsens und Präteritums
ist, so muß es eine Anzahl Zeitbestimmungen teils durch
diese, teils durch Zusammensetzungen ausdrücken. Das
Präsens und Präteritum werden im wesentlichen wie im
Deutschen verwendet. Hervorgehoben sei:
1. Bei lebhafter Erzählung von Dingen, die der
Vergangenheit angehören, steht ein historisches Prä-
sens, und zwar fällt die Erzählung oft direkt aus dem
Präteritum ins Präsens oder umgekehrt, z. B. m'i gerer
hann enn sud ok bar . . . 'nun thut er ebenso und brachte',
§449-452.] Verbum. 133
þá tök Haukr sueininn Hákon ok setr . . . 'da nahm H.
den Knaben H. und setzt . . .'.
2. Das Präsens steht zum Ersatz des Futurums,
z. B. vetr sä k0mr 'der Winter, der kommen wird'. Über
sonstigen Ersatz des Futurums vgl. § 451.
3. In Nebensätzen dient das einfache Präteritum
zuweilen zum Ausdrucke des Plusquamperfektums,
z. B. enn er þeir kómo vestr . . ., þá bar Þangbrandr róðo-
kross fyrer skipldenn 'und als sie westwärts gekommen
waren . . ., da trug Þ. das Kruzifix vor dem Schilde 5 .
450. Zur Umschreibung des Perfekts, resp.
Plusquamperfekts dient das Part. Prät. in Verbindung
mit hafa 'haben', bei einigen Verben auch mit vesa, vera
'sein'. Das Part, steht gewöhnlich im Neutr. (doch vgl.
§ 463), oder richtet sich bei vesa nach dem Subjekt,
z. B. ek liefe (hafðe') kallat 'ich habe (hatte) gerufen', ek
em (vas) gengenn 'ich bin (war) gegangen 5 , ek vas kallaðr
'ich wurde gerufen 5 .
451. Das Futurum, sowie der Konditionalis
werden durch das Präs. resp. Prät. von mono 'werden 5 ,
zuweilen auch von skolo 'sollen' mit dem Inf. gebildet,
z. B. ek mon (skal) kalla, ganga 'ich werde rufen, gehen',
ek munda (skylda) kalla, ganga 'ich würde rufen, gehen 5 ,
ek mon (skal) vesa (verða) kallaðr 'ich werde gerufen werden',
ek munda (skylda) vesa (verða) kallaðr 'ich würde gerufen
werden'. Das Futurum -Exactum und der Kondition,
exact. heißen dann ek mon(skal) hafa kallat, resp. vesa
gengenn, ek munda (skylda) hafa kallat, resp. vesa gengenn,
ek mon(skal) hafa veret kallaðr , ek munda (skylda) hafa
veret kallaðr.
Modi.
452. Der Indikativ wird hauptsächlich gebraucht,
um etwas als thatsächlich hinzustellen. Seine Anwendung
macht wenig Schwierigkeit. Auf Beispiele kann verzichtet
werden, Besonderheiten kommen beim Optativ zur Sprache.
Der Optativ (ein Konjunktiv fehlt dem Germ, und der
134 Syntaktisches. [§452-454.
Opt. hat die Funktionen dieses mit übernommen) drückt
in der Hauptsache etwas nicht Thatsächliches aus.
Optativ.
1. In Hauptsätzen.
453. a) Der Optativ Präs. steht hauptsächlich als
Optativ und Iussiv zum Ausdruckeines Wunsches, einer
Bitte, einer Aufforderung oder eines Befehls, z. B.
guð þakke yðr 'Gott danke euch 5 , ok sé hér lieygðer 'und
mögen sie hier beigesetzt werden', ok fcére hann einn 'und
soll er allein fahren'.
Anmerkung. Für die 2. Person Sing, und 1. Person
Plur. steht meist der Imperativ.
b) Der Opt. Prät. steht, und zwar unter gänzlicher
Zurückdrängung der präteritalen Bedeutung, als Poten-
tialis zum Ausdruck der Möglichkeit oder Denkbar-
keit, besonders kommt er in vorsichtiger Redeweise
vor, wenn man etwas als nicht ganz sicher hinstellen
will, einen Vorbehalt macht, z. B. attfúss véra ek tu
þeira 'ich wäre sehr begierig nach ihnen, d. h. ich bin
es 5 , vildem vér til yðar fara Vir möchten zu euch fahren 5 ,
sä skylde mikla sémd af mér hafa, er . . . e der sollte viel
Ehre von mir haben, welcher . . . 5 .
2. In Nebensätzen.
a) Konjunktionalsätze.
454. Die wichtigsten Konjunktionen, nach denen der
Optativ steht, sind folgende:
1. at 'daß 5 .
a) Nach Ausdrücken der Aussage, wenn die Aus-
sage als Worte eines andern oder als nicht wirklich
oder als Vermutung hingestellt werden soll, z. B. seget
honom sud at ek sé siúkr 'berichtet ihm so, daß ich krank
sei 5 , ekke er þess getet, at peir vére céttstórer menn 'das ist
nicht erwähnt, daß sie vornehme Männer gewesen seien', pat
var mcclt, at hann vœre enge skapbéter Hallger de 'das wurde
erzählt, daß er keinen guten Einfluß auf Hallg. habe',
§ 454.] Verbum. 135
sende orð, at Gunnarr mynde vera einn heima 'er sendete
die Botschaft, daß G. (wahrscheinlich) allein zu Hanse
sein dürfte'.
Aber: ßeir sggðo, at kann var vist ßar 'sie sagten, daß
er sicherlich da war 3 .
Anmerkung 1. Sehr häufig kommt bei lebhafter Erzählung
unvermittelter Übergang aus indirekter in direkte
Rede vor, z. B. hón sag&e, at suá vœre, < ok er ßat eTiJce margra
at hétta á þat > 'sie sagte, daß es so wäre, < und ist das nicht
vieler Leute Art, das zu erproben ^>\
b) Nach Ausdrücken des Glaubens, des Zweifels,
der Furcht, der Hoffnung, z. B. kann ßottesk vita, at
hón mynde sud gera 'er glaubte zu wissen, daß sie so
handeln würde', trúðo eige, at hann vére Krists lœresneinn
'sie glaubten nicht, daß er Christi Jünger sei', ek óomk
at hér úte sé minn oróðorbane 'ich fürchte, daß hier draußen
mein Brudermörder sei 5 , eigi er ßess ván, at þér sigrizt d
Häkone 'es ist keine Hoffnung darauf (Aussicht), daß ihr
H. besiegt 5 .
c) Nach Ausdrücken des Wollens oder Strebens,
z. B. . . . at ek vüda, at hann bære þréls nafn . . . 'daß
ich wollte, daß er den Namen eines Knechts trüge', ger
þú eige þat . . ., at þú veker þá 'thue das nicht (= hüte
dich), daß du sie aufweckst (aufreizt)'.
d) Nach Ausdrücken, welche die Möglichkeit oder
die größere oder geringere Wahrscheinlichkeit des
Eintretens einer Handlung bezeichnen, z. B. vera
kann ßat, at ßic sér éttstérre enn hon c es kann sein, daß
du vornehmer bist als sie 5 , er pat allfiarre, at ér sét iafna-
ðarmenn miner fyrer œttar saker 'es ist weit davon entfernt,
daß ihr mir gleich an Geschlecht seid 5 , var ßd við sialft,
at ßeir myndi beriask c es war nahe daran, daß sie gekämpft
hätten 5 .
e) Nach den Ausdrücken des Bedürfens und der
Notwendigkeit, z. B. her ßarf, at synðer sé fyrgefnar
hier ist es nötig, daß die Sünden vergeben seien', er gss
nauðsyn, at vér ßyßem . . . ngfn ßeira 'es ist uns die Not-
wendigkeit (wir müssen) ihre Namen zu deuten 5 .
136 Syntaktisches. [§ 454.
f) In Absichtssätzen, oft mit vorhergehendem sud
'so' oder til þess 'dazu', seltener fyrer þui, (af) þui, z. B.
ek vil bióða fé fyrer mann fietina, til ßess at hann halde life
'ich will Geld bieten für diesen Mann, damit er das
Leben behalte'.
g) In Folgesätzen, meist mit vorhergehendem suä,
bei verneinendem, fragendem oder befehlendem
Hauptsatz, z. B. eige var sd leikr , at nakkuarr þyrfte við~
hans at keppa 'nicht gab es das Spiel, in dem jemand
sich hätte mit ihm messen dürfen', huárt ero peir bróðr
suá nér, at þeir mege heyra mal mitt 'sind die Brüder so
nahe, daß sie meine Rede hören können?', géttu hans sud,
at hann komesk eige d braut 'achte so auf ihn, daß er nicht
fort kommt 5 .
h) In Kausalsätzen, wenn verneint wird, daß die
Handlung des Nebensatzes der Grund der Hand-
lung des Hauptsatzes ist; vor at steht häufig ßui, af
pui, med pui, fyrer ßui, z. B. ekke ero af þuí okkrer fdleikar,
at vér sé dstlaust við þik 'nicht daher, stammt unser Miß-
vergnügen, daß wir ohne Liebe zu dir sind'.
2. dör und fijrr enn 'bevor' haben meistens den Opt.
nach sich, immer wenn der Hauptsatz eine positive
Aufforderung enthält, z. B. var lenge, dar hann gœte
vaket hann 'es dauerte lange, bis er ihn aufgeweckt hatte',
þat skalt pú alt d morgen gialda, fyrr enn loket sé hdmesso
'das sollst du alles morgen bezahlen, bevor das Hochamt
geschlossen ist'.
Anmerkung 2. Sonst steht im allgemeinen, und bei aür
und fyrr enn bei verneintem Hauptsatz immer, in Tem-
poralsätzen der Indikativ. Die einleitenden Konjunktionen
sind: þáer, er 'da, als', til ßess er (at), unz 'bis', þegar(er) 'sobald
als', metfan 'während', síðan (er, at) 'nachdem', frá pui 'seitdem'.
3. ef 'wenn 5 steht in Bedingungssätzen und hat
den Opt. nach sich, wenn die Bedingung irreal ist,
und zwar den des Prät. für die Gegenwart, den des
Plusquamperf. für die Vergangenheit, z. B. ek vilda
fegenn upp risa, ef ek mœtta 'ich würde mich erfreut er-
heben, wenn ich könnte', karlmannlegt verk vcére þetta, ef
§ 454. 455.] Verbum. 137
einn hefðe at veret 'es wäre eine mannhafte That gewesen,
wenn einer dabei gewesen wäre'.
4. póat, þótt 'obwohl' hat meistens den Opt. nach sich,
z. B. enn póat vér keyptem eige, pa vilde vér þó vera viner
píner 'und wenn wir auch die Ehe nicht zulassen würden,
so würden wir doch deine Freunde sein 5 .
5. nema und utan 'wenn nicht 5 haben immer den
Opt. nach sich, z. B. ek mon ekke koma, nema kann sende
epter mér Þóro f ich werde nicht kommen, wenn er nicht
Þ. nach mir sendet'.
6. sem c wie, als, ob' nach Ausdrücken des Maßes
oder der Gleichheit, enn 'als' nach annarr 'ein anderer 5
oder nach einem Komparativ haben den Optativ zur
Bezeichnung des Vergleichs oder einer irrealen Hand-
lung bei sich (sonst Indik.!), z. B. mýss sud stórrar sem
ketter vére 'so große Mäuse, wie wenn es Katzen wären',
suá var minn Sigurðr hid sonom Giúka, sem vére geirlaukr
ár grase vaxenn 'so war mein S. im Vergleich zu G.'s
Söhnen, wie wenn eine Lauchstaude aus dem Grase ge-
wachsen wäre', eige er maðr skyldr at gefa framarr enn
honom sé boðet 'nicht ist der Mensch verpflichtet, mehr zu
geben, als ihm geboten ist'.
b) Relativsätze.
455. Einleitende Partikeln sind es, später er, sem, zu-
weilen at und zwar können sie alle relativen Verhältnisse aus-
drücken. Der Opt. steht nach verneinendem, fragen-
dem oder aufforderndem Hauptsatz und außerdem oft,
wenn er eine verallgemeinernde Behauptung enthält,
z. B. nú er suá illa, at ek liefe ekke vdpn pat er nýtt sé
'nun steht ; s so schlecht, daß ich keine Waffe habe, die
brauchbar wäre', er ngkkurr sá maðr á ßinge, er þat kunne
at segia . . .? 'ist irgend ein Mann auf dem Ding, der
das sagen könnte . . . ?', fd honom þat fgroneyte, er kann
komesk ßangat í friðe 'gieb ihm das Gefolge, mit dem er
in Frieden davon kommen möge', stendr sá d meðal ypuar,
er ek véra ßeyge vercfr at leysa skoþueng hans 'es steht
138 Syntaktisches. [§ 455—458.
unter euch der, dem ich gleichwohl nicht wert bin, den
Schuhriemen zu lösen'.
c) Fragesätze.
456. Die indirekten Fragesätze werden entweder
durch Fragepronomina und -adverbia oder durch die Kon-
junktionen ef, huárt 'ob', huárt-eða 'ob — oder 5 eingeleitet.
Der Optativ steht besonders, wenn ein Zweifel oder eine
Ungewißheit ausgedrückt werden soll, z. B. spurðe, haat
kuenna hon vœre 'er fragte, was für eine Frau sie sei',
spurtfo, ef hann vére Kristr 'sie fragten, ob er Christus sei 5 .
d) Sonstige Fälle des Optativs.
457. Der Optativ steht außerdem überhaupt in Neben -
Sätzen, wenn diese als Erzählung oder Gedanken
eines andern als des Redenden oder Verfassers hinge-
stellt werden, ferner wenn sie zur näheren Bestimmung
des Sinnes eines optativischen Satzes oder eines
Infinitivs dienen, z. B. Jarl bauð' pllom grið , þeim er
eige vilde veria hann 'der Jarl bot allen denen Vergleich
an, die ihn (den Feind des Jarls) nicht verteidigen wollten',
hann kennde suá mikla grlynde, at maðr skylde gefa annan
kyrtel sinn, þeim er enge étte 'er lehrte so große Barm-
herzigkeit, daß man seinen zweiten Mantel dem geben
sollte, der keinen hätte', þá hugsaðe Þórr þat, ef hann
kuéme suá í fére, at slá hann it þriðia hggg "da dachte
Thorr das, wenn er in die. Lage käme, ihm den dritten
Schlag zu schlagen'.
Imperativ.
458. Der Im per. dient im wesentlichen zum Aus-
druck derselben Beziehungen wie der Optativ des Be-
fehls und Wunsches (§ 453a), z. B. kióstþu þaz þú vill
'wähle was du willst 5 , far pú hingat tu min c geh her zu mir',
sitet heiler, herra 'sitzet gesegnet, Herr 5 , tóko vér strengena
'wir wollen Seile nehmen 5 .
Anmerkung. Oft werden auch Umschreibungen mit
skölo gebraucht, z. B. ml skaltu vera ßegn hans 'nun sollst du
sein Mann sein'.
§ 459. 460.] Verbum. 139
Partizipium.
459. 1. Das Partizipium Präs. kann zuweilen
gerundive Bedeutung haben, z. ß. eige er þat trúanda
'nicht darf man das glauben 5 , hengiande þiófr 'ein hängens-
werter Dieb', d deyianda elege 'am Tage, an dem man
sterben soll 5 .
2. Entsprechend dem latein. Ablativ absolutus
kann, wenn auch selten, ein Dativ absolutus stehen,
um ein Zeitverhältnis auszudrücken, z. B. liðnom þeim
VII vetrom 'nachdem die 7 Winter vergangen waren 3 .
Öfter ist ein Partizipium mit einem Substant. ver-
bunden., von Präpositionen abhängig, besonders «i,
seltener epter und við, z. B. at lyktgðom þessom bardaga
'nachdem diese Schlacht vollendet war 5 , at pllom gefront so-
fpnelom 'während alle andern schliefen 5 , epter Ingialcl liüenn
'nachdem I. gestorben war 5 .
Infinitiv.
460. Der Infinitiv steht direkt ohne Konjunk-
tion:
1. Nach den Verben des Könnens, Sollens,
Werdens, Wollens, Nehmens usw., z. B. nú mcittu
myrða kann 'nun kannst du ihn morden', sä skal síðarst
útganga 'der soll zuletzt herausgehen 5 .
Anmerkung 1. Über den Infinitiv bei mono, slcolo zur
Bildung des Futurums und Konditionalis vgl. § 451.
2. Ein Akkusativ mit einem Infinitiv steht zum
Ausdruck einer Aussage, eines Gedankens, einer
Wahrnehmung, eines Befehls, einer Bitte, eines
Willens und Zulassen s, z. B. kglloðo vera hualrétt mi-
kenn 'sie sagten, es sei starkes Antreiben von Walen dort',
sal sér hon standet 'eine Halle sieht sie stehen 5 , bað kann
segia sér 'sie bat ihn, ihr zu sagen 5 , Uto Jiann fara nauðgan
með sér 'sie ließen ihn wider seinen Willen mit sich
ziehen 5 .
Anmerkung 2. Sind Subj ekt im Haupt- und Neben-
satze dasselbe, so steht das Verbum des Hauptsatzes
im M e d i o - P a s s i v , z.B. ßeir ku(}etoz snd gera mundo c sie sagten,
sie würden so handeln^.
140 Syntaktisches. [§ 461—464.
Zwanzigstes Kapitel.
Kongruenz und Wortstellung.
1. Kongruenz.
a) Beziehungen der Nomina untereinander und zum
Verb um.
461. Die allgemeinen Regeln sind hier die gleichen
wie in den andern germanischen Sprachen. Besonders
hervorgehoben seien folgende:
462. Das Prädikatsadjektiv richtet sich nach
dem Substantiv, zu dem es gehört, in Genus, Nu-
merus und Kasus, z. B. oss sé tueir koster goruer c uns
sind zwei Wege bereit (wir haben die Wahl zwischen zwei
Dingen)', fann Bigrn reknar pndvegessidar sinar c es fand
Biorn die Säulen des Hochsitzes angetrieben 5 , þú gerer pik
góðan 'du machst dich zu einem Guten', hafa frœnda
óbótta c die Verwandten ungebüßt haben, d. h. keine Buße
nehmen für die Tötung Verwandter 5 , Uto kann fara nauð-
gan med sér c sie ließen ihn wider seinen Willen mit sich
ziehen'.
463. Hauptsächlich in der älteren und dichte-
rischen Sprache richtet sich bei dem mit hafa gebildeten
Perfekt und Plusquamperfekt transitiver Verba
das Partizipium nach dem Objekt, wenn ein Zustand
ausgedrückt werden soll, später steht allgemein der
Nom. Sing. Neutr., z. B. sannspur ðan liefe ek fiándskap
c ich habe die Feindschaft sicher erfahren'. In einem
Satze verbunden sind beide Arten, z. B. liafde Gunnarr
sœrða átta menn enn veget tuá e es hatte G. acht Mann ver-
wundet und erschlagen zwei'.
464. Bezieht sich ein Adjektivum, Partizipium
oder Pronomen auf Substantiva verschiedenen Ge-
schlechts, so stehen sie im Neutrum Plur., wenn das
Verbum im Plur. steht, z. B. síðan skildo þau tatet 'da-
rauf beendeten sie das Gespräch, nämlich Gunnarr und
§ 464. 465.] Kongruenz und Wortstellung. 141
Hallgerdr', Gunnhilär ok syner Eiriks vgro faren tu Dan-
merkr 'G. und die Söhne E.'s waren nach Dänemark
gefahren 5 .
Steht aber das Verbum im Singular, so richtet
sich das Adj. etc. nach dem zunächst stehenden
Substantiv, z. B. var þá Hervor albnen ok allr hennar
herr f da war H. und ihr ganzes Heer vollkommen gerüstet'.
Sind mehrere Subjekte in der 3. Person vor-
handen, so richtet sich das Verbum nach dem zunächst
stehenden, z. B. Nidll var á þinge ok syner hans e N. war
auf dem Dinge und seine Söhne 5 . Bei zwei Personen-
namen aber steht meist der Plural, z. B. Bigrn ok
Helge vildo . . . fara 'B. und H. wollten reisen'.
Anmerkung, Steht vor einem Personennamen der Plur.
eines Pronomens, so ist diese Person und noch eine oder mehrere
gemeint, die aus dem Zusammenhang zu erschließen sind , das
Verbum steht dann im PL, z. B. fóro pau HallgercFr r H. und
Gunnarr reisten'.
b) Beziehungen der Verba untereinander.
(Consecutio temporum.)
465. Übereinstimmung der Tempusformen im
regierenden und abhängigen Satz findet statt:
1. Bei Gleichzeitigkeit, beide Sätze stehen ent-
weder im Präsens oder im Präteritum, z. B. ef þú berr at
manne biart liós . . . þá vex verkr í angom hans 'wenn du zu
jemandem ein helles Licht trägst . . ., da wächst das Übel
in seinen Augen 5 , greip tu suerðs, er var liiä honom c er griff
zum Schwert, das bei ihm war'.
2. Bei zeitlichen Unterschieden. Dies ist der
Fall in der Oratio obliqua. Steht nämlich das Verbum
des regierenden Satzes im Präteritum, so wird eine an
sich präsentische Handlung oder ein noch jetzt an-
dauernder Zustand auch durch das Präteritum ausgedrückt,
z. B. þat var malt, at hann vœre enge skapbóter Hallger ðe
'das wurde erzählt, daß er keinen guten Einfluß auf H.
habe', trúðo eige, at hann vœre Krists lœresueinn 'sie
glaubten nicht, daß er Christi Jünger sei 5 .
142 Syntaktisches. [§466-468.
466. Abstufung der Tempusformen findet statt:
1. Wenn im abhängigen Satz dem im Präsens stehen-
den regierenden gegenüber die Vergangenheit ausgedrückt
werden soll. Es steht alsdann das Präter., z. B. fyrer
vestan kirkionna liggr legsteinn, sä er lä yfer lege hans í hau-
genom c im Westen der Kirche liegt der Grabstein des
Königs, der über seinem Grab im Hügel lag'.
2. Wenn die Vergangenheit gegenüber dem Prät. ab-
gestuft werden soll. Es steht alsdann das Plusquamperf.,
z. B. enn er Vikueriar sparðo, at Hgrðar hgfðo teket tu
yferkonongs Eirik c und als die V. erfuhren, daß die H.
Eirik zum Oberkönig gemacht hatten 5 .
3. Soll die Zukunft ausgedrückt werden, so stehen
die Umschreibungen mit mono und skolo (§ 451), z. B.
im er oss eige sýnt, huern enda hafa mun þetta hit rangliga
riki nun ist uns nicht klar, welches Ende diese unge-
rechte Herrschaft haben wird'.
Anmerkung. Steht die zukünftige Handlung in Abhängig-
keit von einem Präter., so wird das Präter. von mono, skolo ge-
setzt (vgl. § 465, 2), z. B. par sýndesk pat, at liann mynde fei
eile ok hœro c daraus wurde das klar, daß er Alter und graues
Haar erlangen würde'. Über den Irrealis vgl. § 454, 3.
2. Wortstellung.
467. Das wichtigste Moment der Wortstellung im
Satze ist die Stellung des Verbums; diese ist entweder
Anfangsstellung, die rein oder durch ein vorhergehen-
des unbetontes Wort (Personalpronomen, Konjunktion etc.)
gedeckt sein kann, oder aber das Verbum steht an
zweiter Stelle.
468. Die Anfangs Stellung ist ungemein häufig.
Wir finden sie in folgenden Fällen:
1. Wenn das Verbum besonders hervorgehoben
werden soll oder zuerst ins Bewußtsein tritt. Vor
allem ist dies der Fall beim Fortgang historischer
Erzählung, z. B. peira bgrn vgro fimm, hét einn Bigrn
Mnn anstróne c ihrer Kinder waren fünf, es hieß einer B.
der östliche 5 , Herðe gaf hon Hgrðadal allan . . ., Jiann bió
§468—470.] Kongruenz und Wortstellung. 143
á Hgrðabólstað 'dem Hprdr gab sie das ganze H., er wohnte
zu H.', fekk iafnan sigr, síðan gerðe kann sætt 'er errang
immer den Sieg, darauf machte er einen Vertrag'. Be-
sonders zu bemerken ist, daß auch bei der Verknüpfung
zweier Sätze durch ok 'und' das Verbum im allge-
meinen in Anfangs Stellung steht, z. B. stefner kann
þing ok hóf suá mal 'er beruft ein Ding . . . und begann
so seine Rede', . . . ok vil ek þik í engo snikia 'und ich
will dich in nichts betrügen'.
2. Immer in Frage-, Wunsch- oder Befehlssätzen,
z. B. þykke þér eige fggr vera 'scheint sie dir nicht schön
zu sein?', huárt er Gunnarr heima 'ist G. zu Hause?', far
þú hingat 'komm hierher!', brenno yer kann inne 'wir
wollen ihn drinnen verbrennen'.
3. In der direkten Rede angegliederten Sätzen
(eingeschoben oder nachgestellt) wie seger hann 'sagt er',
malte Gunnarr 'sprach G.' u. ä.
4. Im allgemeinen im Nachsatz, z. B. enn er Ketell
fregn þetta, síðan stefner kann þing 'und als K. das erfährt,
beruft er darauf ein Ding', ok er skipet var algort, þá bió
hon skipet 'und als das Schiff ganz fertig war, da rüstete
sie das Schiff aus', ok er skálenn var alskipaðr, fannzk mgnnom
miket om . . . 'und als der Saal ganz besetzt war, da
wurde es sehr von den Leuten bemerkt . . .'
469. An zweiter Stelle steht das Verbum, wenn
irgend ein Wort des Satzes, besonders das Subjekt
hervorgehoben werden soll und deshalb an die Spitze
getreten ist, z. B. móðer Ingialäs var Þóra 'die Mutter I.'s
war Þ.', Hrútr hét bróðer lians 'Hr. hieß sein Bruder',
margr maðr fór at finna Gunnar 'viele Leute fuhren G. zu
treffen'.
Anmerkung. Steht ein anderes Wort als das Sub-
jekt im Anfang, so hat dieses die Stelle nach dem Verbum,
dieses selbst kann nie, außer in der Poesie, nach der zweiten
Stelle stehen, z. B. aldre skal hon spilla c nie soll sie zerstören',
satt er pat 'wahr ist das'.
470. Während attributive Adjektiva, Prono-
mina und Zahlwörter in der Regel vor dem Subst.
144 Syntaktisches. [§ 470.
stehen, wird das Possessivpron. meist nachgesetzt, z. B.
frœndr sinar 'seine Verwandten', häufig auch bei Eigen-
namen ein als Beiname zugefügtes Adjekt., z. B. Óláfr
hiäte c O. der Weise'. Der Gen. steht in der Regel nach
dem Substant., zuweilen jedoch auch vor, mitunter so-
gar, wenn er besonders hervorgehoben werden soll und
deshalb an den Anfang des Satzes getreten ist, von ihm
getrennt, z. B. manna var kann kurteisastr 'unter den
Menschen (seinen Zeitgenossen) war er der höfischste'.
Mit dem Artikel verbunden kann das Adj. sowohl
vor wie nach stehen, z. B. Hardldr enn Mrfagre C H. haar-
schön', enn lielge ande e der heilige Geist'.
-40§-
145
Vierter Hauptteil.
Lesestücke.
Vorbemerkung.
Vor der Lektüre möge man folgende §§ noch einmal ver-
gleichen: 26. 106 Anm. 108 Anm. 169, 3. 170. 171. 392 Anm. 1.
395 Anm. 3 und 5. 403 Anm. 430.
J¥ativitas sancti Johannis baptiste.
(Aus Cod. Holm 15, 4to fol. 5 a — 7 a, geschrieben ca. 1200; Homi-
líuból; herausgeg. von Th. Wisén, Lund 1872. S. 10—15.)
Sud seger Lukas evangelista, at á dpgom Herodis konungs
vas biskop, sä er Zacharias lief; en kona hans hét Elisabéþ,
hon var komen frá Aron bróþor Moises, pau véro rétlgt bœþe
fyr gupe, ok gerþo epter hans boporþom, suát enge fann at
þeim. Etke Otto ßau bama, þuíat Elisabéþ vas óbyria. En
þá er kom at hleyte Zacharias at fremia biskops embœtte, þá
ferr kann tu templum domini at bera þar reykelse. En aþrer
menn stóþo á bénom úti mepan hann bar reykelset. Þá sér
hann engel guþs til hógre lianndar, en ótte mikill fylgþe sýn
engelsens. — Engellenn kuadde hann: r Eige skaldo óask Zaka-
rias þuíat heyrþ er bón pín, monoþit Elisabéþ sun eiga ok
skalldu hann Joan kalla. Mon hann þér verpa at ynþe ok
gleþe, ok marger mono fagna í burþ hans. Mikül mon hann
verþa fyr guþe, mona han vín drekka ne þat er áfingit er,
Kahle, Altisläudiscbes Elemeutarbuch. 10
146 Lesestücke.
heldr mon hann taka gipt enns helga anda fyrr en hann sé
bor enn, ok mgrgom hjp mon hann snua gupe til handa af
kenningom sínom. Zacharias suarape englenom: c Hvapan af
skal ek ßetta vita? Ek em gamall, en kona min hefer eige
eþle til barna elpes '. Pd suaraþe engellenn: c Ek em Ga-
briel er stentk fyr gupe ok emk sendr at mdla vip pik ok
segia þér pessa Mute. Nu skaldu missa máls pins unz pesser
hinter fyllask ok koma fram, fyr put at eige trúer pú orpom
minom peim er fram mono koma . Þióþen beiþ úti Zacka-
rias ok unndrapesk er hann varp sud seinn, en hann matte
eige mala viþ pd, en þó visso þeir at fyrer hann hafpe boret,
fyr Pili at hann bennde þeim. Sípan fór Zacharias heim, ok
vitiape kono sinnar, pá verþr Elisabép hafande, ok leynde hon
pui V. mónopr. 'Braut tók\ kuap hon, c dróttenn brigþzli
mitt frei mér. A enom setta mänape var senndr enn same
engell til Mario gups mópor. En epter ßat för Maria til
fiindar vip Elisabép, ok kuepr drótning hana fyrr. En er
Elisabép heyrpe heilson Marie, pd komr pat fram er engellenn
kuap, sueinenn monndo taka enn helga annda i mópor kuipe, iekr
papan af Elisabép gipt enns helga annda, er sueinenn hafpe
äpr teket. En er kom sú üp sem nú hgldom vér, pá verpr
Elisabép léttare. En er pat heyrpo frándr hennar ok viner,
at gup leit miskunnar augom á hana, pá fggnopo peir. Enn
ätta dag kömo peir at gefa skurparskirn sueinenom ok nafn,
ok villdo hann heita lata Zachariam, en Elisabép lét hann
Joan skyldo heita. Þeir léto of pul kynlega, ok tglpo enge
suä heita hennar frœnnda. Boro sipan ritfore at Zakaria, ok
bgpo hann ríta, hué hann skylde heita. En pd er hann hafpe
ritit, pd gefsk honom malet. c Joan skal hann heita' ', kuap
hann. Pesse tipende furo vipa ok pótte gllom mikils umb vert.
Var of pat típrótt hverr sueinn sid mpnde verpa fyr sér.
Pd tekr Zakarias af gipt enns helga anda at yrkia. Bene-
dictus dominus deus Israel. Joan magnapesk sipan sem vgn
var of pann er enn helge annde stýrþe at hann leitape at sid
vip synpom gllom ok fremia manndýrp hueria. Hann varapesk
suä afgorper at hann villde eige heldr lata sik sókia smalvgmm,
en starre glope. Hann orkapesk sud at pui at forpask rangar
Lesestücke. 147
liugreningar ok orþa slaug, at hann för frd gprom mgnnom
tu Jordanar ok kennde þar hóleitar kenningar, peim es til
hans sötto. Fyr put at eige vilde hann heldr misgera í Pgg-
nenne en í máleno. Skyldr er sd huerr til at kenna gprom
heil róp er gap lér hyggennde til, of pat fram sem annarr
kann sér, hudrtz kann er lœrpr epa ólérpr. Hann kennde
sud mikla grhjnde, at mapr skylde gefa annan kyrtel sinn
Peim er enge œtte, ok panneg sud taka ncér sér enn at skipta
fotzlonne vip apra. Pat boporp mon flestom monnom 0ret
grlyndlekt pykkia, ok pat vel ggrt er sud es, ok eige er mapr
skyldr at gefa framarr, en eige puerrer pat dýrpar verket,
at mapr gere framarr en honom sé bopet, ok vile hann heldr
hneppa vip sik pann enn eina búningenn er honom er leyfpr.
Pat si/na oss dóme enns séla Marteins biskops, pars hann
gaf tysuar sud klépe af sér at hann var valla 1 ) óberr epter.
Joan kynne ok vilde velia sér enn bazta Mut, pui kaus hann
at eiga etke at pat er gópo betra. Gott er at gefa fé sin fyr
gups sakar purfgndom, en enn er ppra at vilia etke eiga ok
una vip pat, pat sijnde oss sid gups dýrlengr er nü hgldom
vér burpar tip Joan baptiste, huerso gorla skal fyr lata aurana,
sd er sanna hgfnon fidrhlutanna fórer gope. Pat er sannlega
eins manz búningr at eige sé í eino klæpe verp tueggia epa
priggia epa meirr. Fóm œtla ek pat í hag koma at varask
Pat, pót hann vili algorr vera at hafa ullklépe til fata sér,
nema pessom Joane er nu rópom vér umb 2 ). Hann lét klipya
flöka af úlfgldom ok gera sér par kyrtel ýr, pat klœpe hafpe
hann dvalt fyr pui at sd einn var, pat var hudrtke hegt ne
skrautlekt, panneg sud varapesk hann synper skrautz ok
hógennda, pau sette hann rgp vip ofdte at hafa pat eitt til
fótslo sér, er solltenna manna matr pótte vera. Fogla pd
veidde hann sér til handa er locuste ero kallaper, ok drakk par
vib vatn epa skógar hunang, pui er kallat bcis(k)t at bergia.
En vip pat er hann gerpesk slikr afburpar mapr, pä Iggpo
menn á hann pd virping at peir furo til fundar vip hann ok
i) valla = varla, vgl. Nachtr. u. Bericht. Zu § 220.
2 ) umb die ältere Form für um.
10*
148 Lesestücke.
spurþo ef hann vcére Kristr. En vip stigr pau er hann suarape
li/sesk yfer pui, í hueriom krafte Utettétesenns hann stoß.
r Eige em ek Kristr 3 , kuap kann, 'en stendr sá á mepal yþuar,
er ek véra þeyge verþr at leysa skóþueng hans, pót ek léga
allr viþ iorþo rakepr fyr honom, mon kann vaxa at virþingo
en ek mon puerra. Marger menn síþan leitoþo sér hidlprdps
af honom luœsso þeir skyldo afgerper sínar bóta. En kann
leggr pat mark á pá alla er iþroþosk synþa sinna ok tóko
róp af lionom, at hann skírþe þá alla í gnne Jordón ok vas
sú kglloþ iþranar sktrn. Þá bar ggfokt vitne Jesus siálfr
hué lionom þótte funden sú breytne, alz hann sótt<> siálfr heim
Ioan ok baþ hann skíra sik. Joan óaþesk ok leit at sá var
komenn, er hann þurpte at huívetna, en sá þurýte hans at
engo, ok suarape. 'Hui ertu komenn tu min pars ek em
Prell pinn, en pil ert dróttenn minn, ok ätpu mik at skira
synpgan en pü ert synpa lauss\ 'Sud skolom vit gera alt sem
batst er' \ kuap Jesus, 'ok skaldn skira mik i vatneno, fyr
pui at vptnen þurfo helgonar '. Þá bar Joan pat vitni Jesu
*at par megopér nú\ kuap hann, 'siá pann gups gymbel, er
d braut tekr synper heimsenns, ok hann sd enn helga annda
koma yfer hann % dúfo Uke , pd er hann skirpe hann. Er
hann af pui kallapr Joan baptiste, at hann skirpe bdpe gup
ok menn. Nu af pui at meira voro meten orp hans en annara
manna, pd vildo menn enn ok at hann séte fyr vanndenndom
peim er d urpo. Þd urpo missdtter brépr tueir ok konungar
at nafne, Herodes ok Philippus syner Herodis pess er bgr-
nom lét farctj hafpe Herodes vélta kono bröpor suis frd
honom. Bar hann fagrméle sipan d Joan, sagpe Joan at
ongom manne være lofat at liafa bróporkono sína, pd lét
Herodes taka Joan ok setia í myrkuastofo. Sipan fyllesk
hann pess of metnapar, at hann heldr burpar tip snia , sem
honom epa gprom vccre veitt i at hann vœre borenn. Hero-
diadis hét kona sie er hann hafpe af Philippo teket, dotier
hennar fylgPe kenne. En er manbopet preifsk, pd lék mären
vel fyr konunge ok bopsmonnom, pd mceler Herodes vip meyna.
Kióstpu paz pü vill at leiks launom, ok mun ek veita per
pöt pü viler halft rtke mitt. Maren rennr pd Hl möpor
Lesestücke. 149
sinnar ok leitar rdps wider hana huers bipia skylde. En
þapan kom et mesta órdp. c Þess skaldu bipia' ', kvap hon, 'at per
sé fort hgfop Joans baptiste d diske'. Meeren kýss petta sem
moper hennar hafpe fyrer hana lagt, kom pat par fram sem
miok oft pijker verpa, at kglld ero kuenna rgp x ). Var Joan
fyr pessa sgk af lifi tekenn. Ok var folget hgfop hans langa
œfe, unnz kann sagpe sidlfr hudr var. Lceresueinar hans
grofo likama hans virpelega. Burpar tip Joans baptiste
hglldom vér i dag, góp systken, en pat er ongom leyft fleirom
heilagra. Gups eins ok Mario ok Joans er burpar tip holden.
Obyrian bar Joan ok átte kann vip búanda sínom, en mæren
gat Jesum af gipt ens helga anda. Mikill er Joan siá , af
Puiat sidlfr Jesus bar honom pat vitni, at enge vcére honom
meire karla borenn peira er af Múskap vére geiner. En at
pat körne fram sem hann sagpe sidlfr, r 'at kann mon vaxa ,
knap hann, c en ek puerra , puiat Joan var borenn fyrst pegar
á peim dege er papan af skemmask dagar, en Jesus d peim
dege er peir taka at lengiask, pu'i hgldom vér burpar tip
Joans, at hon er füll af tdkne lœgpar vdrrar, sicut burpar
tip domini nostri er füll af tdkne hepar vdrrar. Lœgiom
vér oss sidlfer, at gup liefe oss. Lcégesk dirfp mannzenns,
at vaxe misericordia domini. Tcikn pessa hlutar fyldesk í
písl peira, puí var hggguet hgfop af Joane at minkapesk maprenn,
en pui vas Jesus festr d kr oss at gup hofesk upp. Segia
mon ek ypr fyr hui groparenn kallape Joan liósker epa fyr
hu't hann villde sennda hann fyrer sik í heim penna, af pui
er hann enn kallapr fyrerrennare domini. Joan er suá
senndr fyr gupe sem rgdd fyr orpe, lies fyr solo, kältere fyr
dómannda, préll fyr drötne, vinr fyr brúpguma. Enn dpr
Joan kerne, pd hgfpo sud lipet of allan heim synpa myrkr ok
nótt ótrúnnar, at eige mgtto of sid sól rétlœtes peir er óskygner
vgro orpner af illzko sinne. Nu peir er eige mgtto Uta mikit
lies ok satt, pui var Joan senndr at peir venpesk fyrst vip
et minna lies kenninga hans, pat es pó firpe pd synpom, at
l ) l'Qlld e. Tcu. r. ein Sprichwort 'verderblich ist immer der
Frauen Rat'.
150 Lesestücke.
þeir mœtte nióta þess ens himneska þá er kóme Jesus Christus
dominus noster. Sicut verþa kann ef þú berr at manne biart
liós ok sé honom illt í augom, þd vex verkr í augom hans
viþ en eige er honom gagn at. Suá er ok meþan maþr uner
viþ synþer sínar, þá verþra honom gagn at lióse kenninga
heldr mein, þuí gerþe guþ ok várr dróttenn suá, at hann
sennde Joan fyrst at eige of stóþosk mennener ellegar biartleik
hans. Suá verþr ok at at fara vip óstyrkia menn, at minna
þá hóglega á þurpt sína. En huí sé eige þá sem vón var at
mikit stoþaþe til gagns þat er Joan var senndr allz hann
þýþesk misericordia guþs; en at vér megem, góþ systken, halda
hótiþ hans eige síþr anndlegom fagnaþe en líkamlegom, fórom
vér hug várn til miskunnar viþ vesalinga, ok vesom friþsamer
viþ alla, kost gœfom at stoþua oss siálfa sem vér megom á
slíkom hótíþom at ferlego orþalage, ok suá alla þá er hiá oss
ero fyr guþs sakar , ok lótom huártke oss saurga suá helga
tipj grimþar orþ ne munupar , þá má sanctus Joan geta at
guþe þat er hann biþr fyr oss ß ej hann sér oss hallda hótíp
sína friþsama ok hreina ok granndvara. A þessa Mute liefe
ek yþr minnt, góþ systken, af fgþorlegre nmbhyggio. En
suá treystomk ek yþuarre gótsko at ér bróþr monoþ varpveita
yþr hreinlega, ok suá alla þá er ér megoþ orþom viþ koma,
þaþan af gere ek þakker almótkom goþe ok þess biþ ek at sá
er ypr gaf at hefia helga Mute, sá láte yþr vel til loka leipa
þat er ér hófoþ vel. En ef vér erom staþfester í góþom-
hlutom, en leiþomk annmarka, þá mon hann laþa oss til ein-
fror vistar mep sér á dóms dege. Dominus noster Jesus
Christus qui cum patre et spiritu sancto vivit et regit per
omnia secuta seculorum.
Lesestücke. 151
IL
Die Ansiedelung der reichen JJnnr auf Island.
(LaxcUla saga, ed. Kr. Kálund, Kopenh. 1889—91, Kap. 1 — 7.
Geschrieben ca. 1230, Haupthandschrift Cod. AM. 132 fol.)
1. Ketill flatnefr hét maðr, son Biarnar buno; kann var
herser 1 ) rlkr í Nórege ok kynstórr. Hann bió í Raamsdal í
Raumsdélafylke 2 ); þat er mille Sunnmórar ok Norðmórar. Ketill
flatnefr átte Yngvilde, dóttor Ketils veðrs, ágæz mannz. Þeira
bgrnvgrofimm; hét einn Bigrn ennaustróne, annarr Helge biólan.
Þórunn lujrna hét dótter Ketils, er átte Helge enn magre, son
Eyvindar austmannz ok Rafprto dóttor Kiarvals Irakonungs.
TJnnr en ditqjúðga var enn dotier Ketils, er átte Úláfr huíte
Ingialzson, Fróðasonar ens frékna, er Suertlingar drgpo.
Jórunn manvizbrekka Jiét enn dótter Ketils. Hon var móðer
Ketils liins fiskna, er nam land í Kirkiubé 3 ). Hans son var
Asbigrn, faðer Þorsteins, fgðor Surz , fgðor Sighuaz Ipgsg-
gomannz.
2. A ofanverðom dggom Ketils hófsk ríke Haralz konungs
ens Mrfagra^), svá at enge fylkeskonungr þreifsk í landeno
né annat stórmenne, nema liamx rede einn nafnbótom þeira.
En er Ketill fregn þetta, at Haraldr konungr hafðe honom
slíkan kost œtlat sem gðrom ríkesmgnnom at hafa frcéndr
öbétta, en gorr þó at leigomanne siálfr, — síðan stefner liann
þing við fréndr sina ok hóf suá mál sitt: ^kunnig hafa ycfr
veret skipte vár Haralz konungs, ok þarý eige þau at inna,
þuí at oss berr meire nauðsyn til at ráða um vandkuœðe þau,
er vér eigom fyrer hgndom. Sannspurðan b ) liefe ek fiándskap
Haralz konungs til vár; sýnesk mér suá, at vér munem eige
1 ) Die Hersen waren Häuptlinge über kleinere Bezirke und
hatten wahrscheinlich zugleich priesterliche Funktionen.
2 ) JRaumsdalr das heutige Eomsdal.
3 ) KirTziiibér, ein Gehöft im südöstl. Island.
4 ) Harald Schönhaar war der erste Einheitskönig Norwegens,
durch die Schlacht im Hafrsfiord (872) besiegte er die letzten
widerstrebenden Gaukönige (fylkeskonungarj .
5 ) Über die Konstruktion vgl. § 463.
152 Lesestücke.
þaðan trausts bíða; lizk mér , suá sem oss sé tueir koster
goruer 1 ), at flýia land eða vera drepner 1 ) huerr í síno rúme;
em ek ok pess fúsare 2 ) at hafa slíkan dauðdaga sem frœndr
m'tner ; en eige vil ek yðr leiöa í suá mikit vandkuœðe með
einrede núno, puí at mér er kunnigt skaplynde frænda minna
ok vina, at þér vileð eige við oss skiliask, þótt mannraun sé
í ngkkor at fylgia mér. Bigrn, son Ketils, suarar: 'skiótt
mun ek birta minn vilia. Ek vil gera at dómom ggfogra
manna ok flýia land þetta; þykkiomk ek ekke af þuí vaxa,
þótt ek bíða lieiman þrœla Haralz konungs, ok elte þeir oss
af eignom vórom, eða þiggia af þeim dauða með gllo. At þesso
var gorr góðr rómr, ok þótte þetta drengeliga tálat. Þetta
ráð var bundet, at peir mundo af lande fara, þuí at syner
Ketils fýsto þessa migk, en enge málte í móte. Bigrn ok
Helge vildo til Islanz fara, þuí at þeir þóttosk þaðan mart
fýseligt fregnt hafa; sggðo þar lanzkoste góða, ok þurjte
ekke fé at Jcaupa; kglloðo vera hualrétt mikinn ok laxveiðar,
en fiskastgð gllom missorom 3 ). Ketill suarar: e i þá veidestgð
kern ek aldrige á gamals aldre . Sagðe Ketell þá slna cetlan,
at liann var fúsare vestr um haf 4 ); kvazk þar virðask mann-
lífe gott. Vóro honom þar v'iða Ignd knnnig, þuí at Kann
hafðe par víða heriat.
3. Epter þetta hafðe Ketill boð ágætt. Þd gipte liann
Þórunne lujrna, dóttor sína, Helga hinom magra, sem fyrr
var ritat. Epter þat býr Ketill ferð sína ór lande vestr um
haf. Unnr dotier hans fór með honom ok marger aðrer
ýréndr hans. Syner Ketils heldo þat sama sumar til íslanz
ok Helge magre, mágr þeira. Bigrn Ketilsson kom skipe
x ) Über die Konstruktion vgl. § 462,
2 ) Vgl. §440 f.
3 ) Island war ums Jahr 860 von dem dorthin verschlagenen
norweg. Yikinger NaddoÖr entdeckt worden. Der erste Ansiedler
war Ingólfr Arnason, der sich 874 in Reykjavik an der West-
küste des Landes, der heutigen Hauptstadt, niederließ. Die ersten
Berichte über die guten Lebensbedingungen der Insel scheinen
sehr optimistisch gefärbt gewesen zu sein, um Ansiedler herbei-
zulocken.
4 ) K. w r ollte nach den groß britannischen Inseln.
Lesestücke. 153
síno vestr í Breiðafigrð ok siglde inn epter firðenom ok nér
hino syðra landeno, par til er figrðr skarsk inn í landet; en
fiall hátt stóð á neseno fyrer innan figrðenn. En ey lá skamt
frá landeno. Bigrn seger, at peir mundo eiga par dugl
ngkkora. Bigrn gekk á land upp med ngkkora menn ok rei-
kaðe framm með siónom; var þar skamt í mille fiallz okfigro.
Honom þótte par byggeligt. Þar fann Bigrn reknar gndveges-
súlor sinar í einne vík; þótte þeim þá á vísat um bústaðenn 1 ).
Síðan tók Biorn sér þar land alt á millom Stafár ok Hraun-
fiarðar ok bió þar, er síðan heiter í Biarnarhgýn^). Kann
var kallaðr Bigrn enn austréne. Hans kona var Giaflaug,
dótter Kiallaks ens gamla. Þeira syner vóro þeir Ottarr ok
Kiallakr. Hans son var Þorgrimr, faðer Víga-Styrs ok Ver-
mundar, en dótter Kiallaks hét Helga; liana átte Vestarr ú
Eyre 3 ) son Þórólfs blgðroskalla , er nam Eyre. Þeira son
var Þorlákr , faðer Steinþórs á Eyre. Helge biólan kom
skipe síno fyrer sunnan land ok nam Eialarnes alt á mille
Kollafiarðar ok Hualfiarðar ok bió at Esiuberge^) tu eile.
Helge hinn magre kom skipe stno fyrer nor&an land ok
nam Eyiafigrü allan á mille Sigloness ok Beynesness ok Mo
í Kristnese 5 ). Frei þeim Helga ok Þórumie er komet Ey-
firðingakyn.
4. Ketill flatnefr kom skipe s'tno viü Skotland ok fekk
góðar viðtgkor af tignom mgnnom, þuí at liann var frœgr
maðr ok stóráttaðr, ok buðo honom pann ráðakost þar, sein
vilde hafa. Ketill staðfestesk par ok annat fréndlið
x ) Beim Verlassen der Heimat nahmen die vornehmen
Bauern die schön geschnitzten, vielfach mit dem Bilde des Haupt-
gottes der Norweger, Thors, geschmückten Säulen des Ehren-
platzes des Hausherrn mit sich und warfen sie, wenn sie in die
Nähe des zur Ansiedlung bestimmten Landes kamen, ins Meer.
Wo diese antrieben, glaubten sie, sei von den Göttern selbst
ihnen der neue Wohnsitz angewiesen.
2 ) Die Gegend liegt im westl. Teil der südl. Küste des
Breidlfjord.
3 ) Eyrr, ein Hof im westl. Island.
4 ) Im südwestl. Island.
5 ) Im nördl. Island.
154 Lesestücke.
hans, nema Þorsteinn. dóttorson hans. Hann lagdesk pegar
í hemad ok heriade vida um Skotland ok fekk iafnan sigr.
Sidan gevüe hann sétt vid Skota ok eignadesk hälft Skotland
ok vard konungr yfer. Hann citte Þuríde Eyvindardóttor,
systor Helga ens magra. Skotar heldo eige lenge sdttena,
piá at peir suiko hann Í trygd. Sud seger Are Þorgelsson
enn fr öde 1 ) um líflát Þorsteins , at hann feile ä Katanese 2 ).
TJnnr diúpúðga var á Katanese, er Þorsteinn feil, son hennar.
Ok er hon frei þat, at Þorsteinn var látenn, en faðer hennar
andaðr, þá þóttesk hon þar enga uppreist fá mundo 3 ). Epter
þat lcétr hon gera kngrr í sköge á laun. Ok er skipet var
algort, þá bió hon skipet ok haße auð fiár. Hon hafðe í
brott með sér alt frcéndlið sitt, pat er á lífe var, ok þykkiask
menn varla dorne til finna, at einn kuennmaðr hafe komezk í
brott ór þu'díkom ófriðe med iafnmiklo fé ok fproneyte. Má
af puí marka, at hon var miket afbragð annarra kuenna.
TJnnr hafðe ok med sér marga þá menn, er mikils vgro v er der
ok stórœttader. Madr er nefndr Kollr, er einna var mest
verdr af fproneyte TJnnar ; kom mest til þess étt hans, hann
var herser at nafne. Sá maðr var ok í ferð med Umie, er
Hpvdr hét. Hann var enn stórcéttadr madr ok mikils verdr.
JJnnr heldr skipeno í Orkneyiar, þegar er hon var búen. Þar
dualdesk hon lítla hríð. Þar gipte hon Gró, dóttor Þorsteins
rauz. Hon var móder Greiladar, er 'Þorfinnr iarl átte, son
Torf-Einars iarls, sonar Bpgnvalz Máraiarls. Þeira son var
Hlodver , fader Sigurdar iarls , fodor Þorfinnz iarls, ok er
padan kämet kyn allra Orkneyinga iarla 4 ). Epter þat helt
1 ) Der 'Vater der isländ. Geschichtsschreibung', geb. 10G7,
Verfasser der íslendingaöól % , in der die Besiedlungsgeschichte der
Insel bis zum Jahr 1120 erzählt wird (herausgeg. v. W. Golther,
Halle 1892).
2 ) Caithneß, die nordöstl. Halbinsel Schottlands.
3 ) Über die Konstruktion vgl. § 460, Anm. 2.
4 ) Harald Schönhaar hatte seinem Freunde, dem mächtigen
Jarl Rognvaldr, der die Landschaft Mére am Drontheimfjord be-
herrschte, das Jarltum über die Orkney- und Sketlandinseln ge-
geben (ca. 851). Dieser setzte seine Söhne als Jarle ein. Einer
von ihnen, sein unehelicher Sohn Einarr, wurde der Gründer der
Lesestücke. 155
Unnr skipe sino til Fccreyia ok dtte par enn ngkkora dngl.
Par gipte hon adra dóttor Porsteins ; sú hét Olof. Padan er
komet kyn hit dgcezta í pui lande, er peir kalla Ggtoskeggia.
5. Nú býsk Unnr i brott ór Fœreyiom ok lýser pui fyrer
skipveriom sinom, at hon cétlar tu Islanz. Hon hefer med
sér Olaf feilan, son Porsteins ranz ok systr hans, pccr er
ógiptar vgro. Epter þat létr hon i haf ok verðr vel reidfara
ok kemr skipe sino fyrer sunnan land á Vikrarskeid. Par
brióta ßau skipet í spón. Menn aller heldosk ok fó. Síðan
fór hon á fund Helga bróðor síns med tuttugu menn. Ok er
hon kom par, gekk hann d möt henne ok band kenne tu sin
vid tiunda mann. Hon suarar reididiga ok kaazk eige vitat
hafa, at hann vcére sükt litümenne, ok ferr í brott ; œtlar
hon nü at sókia heim Bigrn bródor sinn í Breidafigrd. Ok
er hann spyrr til ferda hennar , þd ferr hann Í möt henne
med fiolmenne ok fagnar henne vel ok band henne til sin med
gllo liöe sino, pui at hann kunne veglynde systor sinnar. Pat
likade henne allvel, ok pakkade honom stórmensko sina. Hon
var par um vetrenn, ok var henne veitt et stórmannligsta, pui
at efne vgro gnóg, en fé eige sparat. Ok um váret fór hon
yfer Breidafigrd ok kom at nese ngkkoro, ok gto par dagverd.
Par er sidan kallat Dggurdarnes, ok gengr par af Medal-
fellsstrgnd. Sidan helt hon skipe sino inn epter Huamms-
firde 1 ) ok kom par at nese eino ok ätte par dugl ngkkora.
Þar tapade Unnr kambe sinom. Par heiter sidan Kambsnes.
Epter pat för hon um alla Breidafiardardale ok nam sér
Ignd sud vida, sem hon vilde. Sidan helt Unnr skipe sino í
fiar darbotnenn ; vgro par reknar d land ondvegessúlor hennar.
Potte henne pd aud vitat, huar hon skylde bústad taka. Hon
lœtr bó reisa, par er sidan heiter % Huamme 2 ), ok bygde par.
Pat sama vár, er Unnr sette bú saman í Huamme, fekk
Dynastie der Orkneyjarle. Seinen Beinamen erhielt er davon,
daß er die Einwohner das Torfbrennen lehrte.
J ) Der Huamrasfjord ist eine Abzweigung des Breidlfjord,
an seiner Nordseite liegt der Mec)alfellsstrand.
2 ) Huammr, am innersten Teil des Huammsfjord gelegen,
bedeutet 'ein kleines Thal 5 . Die Verbindung eines Ortsnamens
mit i, auch d und at, ist häufig.
156 Lesestücke.
Kollr Þorgerðar , dóttor Þorsteins rauz. Þat boð kostaðe
Unnr; lœtr hon Þorgerðe heiman fylgia Laxárdal 1 ) allan, ok
sette liann þar bú saman fyrer sunnan Laxá. Var Kottr enn
meste tilkuœniðarmaðr . Þeira son var Hgskuldr.
6. Hpter þat gefr TJnnr fleirom mgnnom af landnáme
síno. Herðe gaf hon Hgrðadal allan út til Skrgmohlaupsár.
Sann bió á Hgrðabólstað ok var mikill merkesmaðr ok kyn-
séll. Hans son var Asbigrn auðge , er bió í Ornólfsdal á
Asbiarnarstgðom 2 ) ; kann átte Þorbigrgo , dotier Miðfiarðar-
Skeggia. Þeira dotier var Ingebigrg, er átte Illuge enn suarte ;
þeira syner vóro þeir Hermundr ok Gunnlaugr onnstunga' ).
Þat er kallat Gilsbekkingakyn i ). Unnr mœlte við~ sína menn:
c nú skido þér taka gmbun verka yðuarra: skorter oss nú ok
eige fgng til at gialda yðr starf yðuart ok góðuilia. En yðr
er þat kunnigt, at ek liefe frelse geýet þeim manne, er Erpr
heiter, syne Melduns iarls 5 ); fór þat fiarre um suá stórétta-
ðan mann, at ek vilda, at hann bére þrœls nafn. Síðan gaf
TJnnr honom Sauðafellslgnd á millom Tungoár ok Miðár.
Hans bgrn vóro þau Ormr ok Asgeirr, Gunnbigrn ok Halldís,
er átte Dala-Alfr. Sgkkólfe gaf hon Sgkkólfsdal, ok bió hann
þar til eile. Hunde hét lausenge hennar ; hann var skozkr at
étt : honom gaf hon Hundadal. Osk hét hin fiórða dotier
Porsteins ranz, hon var móðer Þorsteins surz ens spaka, er
fann sumarauka. Þórhildr hét en finita dotier Þorsteins. Hon
var móðer Alfs í Dglom ; telr mart manna 6 ) kyn sitt til hans.
Hans dotier var Þorgerðr, kona Ära Mássonar, á Beykia-
1 ) Das Thal der Laxá erstreckt sich in nordöstl. Richtung
vom Huamrnsfjord. Alle im folgenden genannten Gegenden, die
Unnr vergiebt, liegen hier in der Nähe.
2 ) Im westl. Island.
3 ) Gunnlaug Schlangenzunge, berühmter Held und Dichter;
seine und der schönen Helga Liebesgeschichte behandelt eine
Saga (herausg. v. E. Mogk, Halle 1886).
4 ) Geschlecht von Gilsbakki, einem Hof im westl. Island.
5 ) Jar von Schottland.
6 ) mart manna 'viel der Menschen, viele Menschen", vgl.
§ 440 a, mart < *margt vgl. § 233.
Lesestücke. 157
nese 1 ) Atlasonar, Ulfssonar ens skiálga, ok Biargar Eyvindar-
dótter, systor Helga ens magra. Þaðan ero Jcomner Reyknesingar.
Vígdís hét en sétta dotier Þorsteins ranz. Þaðan ero komner
Hgfðamenn í Eyiafiräe 2 ).
7. Oláfr feilan var yngstr barna -Porsteins: kann var
mikill ma&r ok sterkr, fr'tðr sýnom ok atgervemaðr enn meste.
Kann mat TJnnr um fr am alla menn ok lýste þuí fyrer mgn-
nom, at hon œtlaðe Olafe allar eigner epter sinn dag Í Huamme.
TJnnr gerdesk þá migk ellemócf. Hon kallar til sin Olaf feilan
ok malte: r þat lief er mér komet í 1mg, fr ende, at þú muner
staðfesta ráð þitt ok kucénask\ Óláfr tók þuí vel ok kuezk
hennar forsiá lilíta mundo um þat mal. TJnnr mcélte: c suá
liefe ek heizt étlat, at ooð þitt mune vera at áliðno sumre
þesso, þuí at þá er auðveldast at afia allra tilfanga. þiú at
þat er ncér minne cétlan, at viner várer mune þá migk figl-
menna hingat; þiií at ek cétla þessa veizlo síðast at búa.
Óláfr suarar: 'þetta er vel mélt, en þeirar einnar kono étla
ek at fá, at sít rœne pik huárke fé né ráðom. Þat sama
haust fekk Oláfr feilan Alfdísar. Þeira boð var í Huamme.
TJnnr hafðe mikinn fékostnað fyrer veizlonne, þuí at hon lét
víða bióða tignom mgnnom ór gðrom sueitom. Hon bauð
Birne bróðor sínom ok Helga bróðor sínom biólan; kómo þeir
figlmenner. Þar kom Dala-Kollr mágr hennar ok Hgrðr ór
Hgrðadal ok mart annat stórmeune. Boðet var allfiglment, ok
kom þó huerge nccr suá mart manna, sem TJnnr hafðe boðet,
fyrer þuí at Eyfirðingar ótto farveg langan. Elle sótte þá
fast at Unne, suá at hon reis ekke upp fyrer miðian dag, en
hon lagðesk snemma niðr. Engom manne leyfðe hon at sókia
ráð at sér, þess á mille er hon fór at sofa á kueldet ok hlns,
er hon var klccdd; reiðuliga suarar hon, ef ngkkorr spurðe
at mcétte hennar. Þann dag suaf TJnnr í lengra läge, enn
þó var hon á fótom, er bozmenn kómo, ok gekk á mót þeim
ok fagnaðe frœndom sínom ok vinom med sómð; kuað pá
ástsamliga gort hafa, er þeir hgfðo sótt þangat langem veg —
x ) Keykianess, Halbinsel im nordwestl. Island an der Nord-
küste des Breiififjords.
2 ) Fjord im nördl. Island.
158 Lesestücke.
'nefne ek til þess Biorn ok Helga, ok gllom vil ek yðr þgkk
kunna, er hér eroð komner '. Stefan gekk TJnnr inn í skála
ok sueit mikil med henne. Ok er skálenn var alskipaðr,
fannzk mgnnom mikit um, huerso veizla su var skgrolig. Þá
mœlte TJnnr: *Bigm kueð ek at þesso, bróðor minn, ok Helga
ok aðra frœndr mína ok vine; bólstað þenna med slíkom
búnaðe, sem nú mego þér siá , sei ek í hendr Oláfe frénda
mínom til eignar ok forráða . Epter þat stóð TJnnr upp ok
kuazk ganga mundo 1 ) til þeirar skemmo, sem hon var vgn at
sofa í, baö, at þat skylde huerr hafa at skemtan, sem þá vœre
næst skape, en mungát skylde skemta alþýðonne. Suá segia
menn, at Unnr hafe béðe veret há ok þreklig. Hon gekk
hart utar epter skálanom; fandosk mgnnom orð um, at konan
var enn virðolig. Drukko menn um kueldet, þangat til at
mgnnom þótte mal at sofa. En um dagenn epter gekk Oldfr
feilan til suefnstofa Unnar frœndkono sinnar ; ok er hann
kom í stofona, sat Unnr upp vid hegenden. Hon var þá
gndoð. Gekk Óláfr epter þat í skála ok sagðe tíðende þesse.
Þótte mgnnom mikils um vert, hnerso Unnr hafðe haldet vir-
ðingo sinne til dauðadags. Var nú drukket alt saman, brullaup
Oláfs ok erfe 2 ) Unnar. Ok enn síðasta dag bozins var
TJnnr flutt til haugs pess, er henne var búenn. Hon var Iggð
í skip í haugenom, ok mikit fé var í hang lagt með henne :
var epter pat aptr kastaðr haugrenn 3 ). Oláfr feilan tók þá
við búe í Huamme ok allre fiárvarðveizlo at ráðe þeira frœnda
!) Vgl. § 460 Anm. 2.
2 ) Es war Sitte, zu Ehren eines Verstorbenen, entweder
gleich bei der Bestattung, oft aber auch später, ein Erbmahl
{erfe oder erfegl = e Erbbier 5 ) abzuhalten. Bei diesem ergriff der
Erbe feierlich Besitz von der Hinterlassenschaft.
3 ) Daß die Leiche in ein Schiff gelegt und darüber ein Hügel
aufgeworfen wurde, ist eine Verbindung jener uralten Bestattungs-
art der meeranwohnenden Germanen, nach der das Schiff, zu-
weilen wie bei der Bestattung des Gottes Baldr in Brand
gesetzt, mit der Leiche ins Meer gestoßen und den Wellen über-
lassen wurde, und der einfachen Beisetzung im Hügel. Ein
solches Schiff wurde in Gokstad in Norwegen in einem Hügel
gefunden.
Lesestücke. 159
sinna, er hann hgfdo heim sott. En er veizlona þrýtr, gefr
Oláfr stórmannligar giafar þeim mgnnom, er þar vóro mest
virðer, áðr á brott fóro
III.
Wie Hákon der gute König von Norwegen
wurde.
(Aus Snorre Sturlusons Heimskringla [Weltkreis], so genannt nach
den Anfangs worten des Werkes, das die Geschiebte norwegischer
Könige von mythischen Zeiten bis zum Jahre 1177 behandelt.
Verfaßt ist es ca. 1230. Die beiden Haupthandschriften Kringla
und Jofraskinna sind 1728 in Kopenhagen fast ganz verbrannt,
doch liegen Abschriften vor. Ausgaben: C. R. Unger, Christiania
1868 and F. Jónsson, Kopenh. 1893 ff., noch nicht vollendet. Nach
dieser das folgende Stück, aus Haraldz saga ins hárfagra, Kap. 38
bis 43, saga Hákonar göða, Kap. 1—3, S. 156 — 170; F. Jónsson,
De bevarede brudstykker af skindbogerne Kringla og Jofraskinna
i fototypiske gengivelse, udg. f. samf. til. udgivelse af gamin. nord.
litter., Kobenhavn. 1895).
38. OrÜsenäing Aðalsteins konungs.
Aðalsteinn 1 ) hét þá konungr í Englande er þá hafðe
nýieket við konungdóme ; hann var kallaðr enn sigrsœle ok
enn trúfaste. Kann sende menn til Nóregs á fund Haralz
konungs med þess konar sending , at sendemaðr gekk fyrer
konung; hann selr konunge sverð gidlbúet med higltom ok
meðalkafla, ok gll umgerð var búen með gulle ok silfre ok sett
di/rligom gimsteinom ; lielt sendemaðrenn suerz higltonom til
konungsins ok mælte: 'hér er suerð , er Aðalsteinn konungr
mœlte at þú skylder við taka. Tók konungr meðalkaflann,
ok þegar mælte sendemaðrinn: 'nú tóktu suá, sem várr konungr
vilde ok nú skaltu vera þegn lians, er þú tókt við suerðe
hans\ Haraldr konungr skilðe nú at þetta var með spotte
gort, enn hann vilde enskes mannz þegn vera, enn þó mintesk
hann pess, sem hans hättr var, at huert sinn er skiot öde eda
reiðe hlióp á hann, at hann stillte sik fyrst ok lét suá renna
J ) A&alsteinn, ae. Æ&elstan, herrschte von 924—941.
160 Lesestücke.
af sér reiðina ok leit á sakar óreiðr ; nú gerer hann enn
suci ok bar petta fyrer vine sina, ok finna þeir aller saman
hér ráð til, þat et fyrsta, at lata sendemenn heim fara
óspillta.
39. Fertt Haiiks til Englanz.
Annat surnar epter sende Haraldr konungr skip vestr tu
Englanz ok fekk tu sti/remann Hauk hábrók 1 ); hann var
kappe mikill ok enn kctrste konunge; hann fekk i hond honom
Häkon, son sinn 2 ). Haiikr für þa vestr til Englanz ä fund
Adaisteins konungs ok fann hann í Lundúnom 3 ) ; þar var þá
boð fyrer ok veizla virðelig. Haukr seger sinoni mgnnom, þá
er þeir koma at hgllinne, huernug þeir skolo hattet innggngonne,
seger at sä skal síðarst út ganga, er fyrst gengr inn, ok aller
standet iafnfram fyrer borðino ok huerr peira hafet suerð á
vinstre hlið ok festa suci yferhgfnina, at eige sé suerðit 4 ').
Siðan ganga peir inn i hgllina; peir vgro XXX manna b ).
Gekk Haukr fyrer konung ok kuadde hann. Konungr biðr
hann velkominn. Þá tók Haukr sueininn Häkon ok setr á
kné Aðalsteine konunge. Konungr sér á sueininn ok spyrr
Hauk, hui hann ferr suci. Haukr suarar : 'Haraldr konungr
baö pik föstra honom ambättar barn 6 ). Konungr varð
reiðr migk ok greip til suerz, er var hiä honom, ok brá
suá, sem hann vilde 1 ) drepa sueininn. 'Knésett 8 ) lief er þá
1 ) hábrók f. "der mit der hohen Hose' (brók f.), eine poet.
Bezeichnung einer Habichtsart. Da nun der Name Haukr eigent-
lich auch ^Habicht' bedeutet, so erklärt sich der Beiname.
2 ) Hákon war ein unehelicher Sohn, den Harald im Alter
von fast 70 Jahren mit der schönen íóra aus Mo(r)str in Sund-
hordland gezeugt hatte.
8 ) Lundúner 'London'.
4 ) sc. 'man', also "daß man das Schwert, nicht sähe 5 . Bei
Verben des Sagens und der Wahrnehmung wird das Subjekt,
wenn es eine unbestimmte Person ist, häufig nicht gesetzt.
5 ) Vgl. über den Gen. § 440 a.
6 ) Die Mutter Hákons wurde konungs ambeitt c des Königs
Magd 5 genannt.
7 ) Über den Optativ vgl. § 454 b.
8 ) Die Kniesetzung war die symbolische Handlung, durch
die man ein Kind als Pflegekind annahm.
Lesestücke. 161
hann nu , seger Haukr, 'nú máttú myrða kann, ef þú vill, en
ekke mantu meü þuí eyða gllom sonom Haralz konungs 3 . Gekk
Hankr síðan út ok aller hans menn, ok fara leið sina til
skips ok halda Í liaf, er þeir ero at þuí buner, ok kómo aptr
til Nóregs ä fund Haralz konungs, ok likade honom ni'i vel,
puiat þat er med mannet, at sei vœre ótignare, er gðrom
fóstraðe harn *). I þuílíkom viðskiptom konunga fannzk þat y
at húarr þeira vilde vera meire enn annarr ok varð ekke
misdeile tignar þeira at heldr fyrer þessar sakar ; Imárrtuegge
var yferkonungr síns rikes til daudadags.
40. Skir&r Hcikon.
Aðalsteinn konungr Ut skira Häkon ok kenna rétta trú 2 )
ok góða siðo ok allz konar kurteise. Aðalsteinn konungr unne
honom suá mikit, meira enn gllom frœndom sínom, ok út í
frá unne honom huerr maðr, er hann kunne. Kann var
siefan kallaör Aðalsteinsfóstre. Hann var inn meste íþrótta-
maðr, meire ok sterkare ok friöare, enn huerr madr annara,
hann var vitr ok orðsniallr ok vel kristenn. Aðalsteinn
konungr gaf Hakone suerd þat, er higltin vgro 6r gulle ok
meðalkaflinn, en brandrinn var þó betre; þar hió Hákon
meo" kuernstein til augans; þat var síðan kallat Kuernbitr%
þat suerd hefer bezt komet til Nóregs; þat átte Häkon til
dauðadags.
41. Leiddr Eirikr til rikes.
Haraldr konungr var þá áttróðr at aldre, gerðesk hann
þá þungfárr, suá at hann þóttesk eige mega fara yfer land
1 ) Die Sitte, sein Kind andern zur Erziehung zu übergeben,
war weit verbreitet. Man rechnete es sich zur Ehre an, die
Kinder vornehmer Leute aufzuziehen. Doch war nicht immer
ein Unterschied in der socialen Rangstellung damit verbunden
(vgl.S. 162Anm.4), wiewohl dies meistens der Fall war. Zwischen den
Pflegeeltern und Pflegekindern bestand ein sehr inniges Pietäts-
verhältnis, ebenso wie zwischen den Pflegegeschwistern.
2 ) Norwegen war um diese Zeit noch heidnisch.
3 ) Den Schwertern Namen zu geben, war bei den Germanen
allgemeiner Brauch, erinnert sei nur an das Schwert Siegfrieds,
das bei den Deutschen Balmung, im Norden Grämt hieß.
Kahle. Ausländisches Elementarbuch. 11
162 Lesestücke.
eða stiórna konungs mólom. Þá leidde liann Eirik, son sinn,
til hásœtes síns ok gaf honom vald yfer lande gllo. En er
þat spurðo aðrer syner Haralz konungs, þá settesk Hálfdan
suarte 1 ) í konungs Msœte; tók kann þá til forráða allan
Þrándheim 2 ) ; hurfo at þuí ráðe aller Þrónder med honom.
Epter fall Biarnar kaupmannz 9 ) tók Oláfr bróðer lians ríke
yfer Vestfold ok til fóstrs 4 ) Guðroð, son Biarnar. Tryggue
hét sonr Óláfs, ok vgro þeir Guðreðr^) fóstbróðr ok migk
iafnaldra ok báðer iner efneligsto ok atggrvemenn mikler ;
Tryggue var hueriom manne 6 ) meire ok sterkäre. En er Vík-
veriar 1 ) spurðo, at Hgrð~ar s ) ligfðo teket til yferkonungs
Eirík, þá tóko þeir Óláf til yferkonungs í Yikinne, ok helt
hann þuí ríke. Þetta líkaðe Eiríke stórilla. Tueim vetrom
siðarr varð Hálfdan suarte bráðdauðr inn í Þrándheime at veizlo
ngkkurre, ok var þat mál manna, at Gunnhildr konungamóðer*)
Jiefðe keypt at figlkunnigre kono } at gera honom banadrykk.
Epter þat tóko Þrénder Sigroð til konungs.
42. Dauðe Haralz konungs.
Haraldr konungr lifðe III vetr , síðan er kann hafðe
x ) Halfdan der Schwarze, ein Sohn Haralds, war im Gebiet
von Drontheim aufgewachsen. Sein Vater hatte ihm und drei
andern Brüdern ihre Einkünfte aus diesem Gebiet angewiesen
und ihnen eine Stellung über den Jarlen verliehen.
2 ) Þrándheimr , die Gegend von Drontheim, also das mittlere
Norwegen, ßronder c die Einwohner von Þr\
3 ) Biorn 'der Kaufmann', auch ein Sohn Haralds, hatte
seinen Beinamen erhalten, weil er, wenig kriegerisch gesinnt,
Kauffahrteischiffe besaß und Handel trieb. Er hatte seinen Sitz in
der Handelsstadt Tunsberg in Vestfold, südl. von Christiania am
Christianiafjord.
4 ) Vgl. S. 161 Anm. 1.
8 ) ßeir Guðr0ðr, d. h. G. und Tryggue, vgl. § 464 Anm.
6 ) Vgl. § 444 bß.
7 ) Vikueriar, die Einwohner von Vik(en) , der Landschaft
um den Christianiafjord.
8 ) Borðar, die Bewohner von Sunn- und ÜSordhorduland,
zwischen Sogne- und Hardangerfjord.
9 ) Die Gattin Eiriks galt selbst als zauberkundig. Ihren
Beinamen "Mutter der Könige 5 erhielt sie, als ihre Söhne Könige
von Norwegen geworden waren.
Lesestücke. 163
Eiríke gefet einvald ríkessins ; var þá á Bogalande 1 ) eða á
Hgrðalande at stórbúom, er hann átte. Eiríkr ok Gunnhildr
ótto son, er Harald 'r konungr iós vatne ok gaf nafn sitt 2 ),
seger suá, at sá skylde konungr vera epter Eirík fgðor sinn.
Haraldr konungr gipte flestar dótr sínar innan lanzigrlom
sínom, ok ero þaðan komnar miklar kynkuísler. Haraldr
konungr varð sóitdau&r 3 ) á Bogalande, er kann heygðr á
Haugom við Karmtsund*). I Haugasunde stendr kirkia, en
við siálfan kirkiogarðinn í útnorðr er haugr Haralz konungs
ens hárfagra; fyrer vestan kirkiona liggr legsteinn Haralz
konungs, sä er lá yfer lege hans í hauginom, ok er steinninn
liálfs fggrtánda fez°) langr ok nér II álna breiðr. I miðiom
hauginom var leg Haralz konungs, þar var settr steinn annarr
at hgfde, en annarr at fötom, ok logð þar hellan á ofan, en
hlaðet grióte tueim megen útan under ß ). Þeir steinar standa
nú þar í kirkiogarðinom, er þá vóro í hauginom ok ml var
frá sagt. Suá segia fróðer menn, at Haraldr enn härfagre
hafe veret allra manna friðastr sýnom ok sterkastr ok mestr,
enn gruaste af fé ok allvinséll við sína menn ; hann var her-
maðr mikill gndverða céfe, ok þýða menn þat nú, at vitat
hafe um tré þat et mikla, er móðor hans sýndesk í draume
fyrer burð hans, er enn neuste hlutr tréssins var rautt sem
blöd, en þá var leggrinn upp frä fagr ok grónn , at þat iar-
tegnðe blóma ríkes hans, en at ofanverðo var huitt tréit; ßar
Sf/ndesk þat, at hann mynde fd eile ok hœro; kuister ok limar
a ) Bogaland, die Gegend von Stavanger.
2 ) ausa vatne 'mit Wasser begießen', eine Art heidnischer
Taufe.
3) Im Jahr 933.
4 ) Karmtsund, jetzt Karmsund, nördl. von Stavanger, sund N.
c ein schmaler Wasserstreifen, der zwei Länder trennt', besonders
gebraucht von dem Meer zwischen Festland und den Schären.
Karmsund oder Haugesund ist auch heute noch der Name einer
Ortschaft an diesem Sund.
5 ) half s f. f. 131/3 Fuß.
6 ) Es war also eine Grabkammer aus Stein, deren Seiten-
wände aus Geröll bestanden. Ähnliche kamen auch bei deutschen
Stämmen vor.
11*
164 Lesestücke.
tréssins boðaðe afkuœme hans, er um alt land dreifðesk, ok af
hans étt hafa veret iafnan síðan konungar í Nórege.
43. Fall Oláfs ok Sigrúðar.
Eiríkr konungr tók allar tekior þér, sem konungr átte um
mitt land, enn nœsta vetr epter andlát Haralz konungs, en
Oláfr austr um Yíkina, en Sigroðr } bróðer þeira liafðe alt
um Þróndalgg ! ). Eiríke l'tkaðe petta stórilla, ok fóro þau
orð um, at liann mynde með styrk epter leita við bróðr sína,
ef liann métte fá einvalzríke yfer lande gllo, suá sem faðer
hans liafðe gefet honom. En er Óláfr ok Sigroðr spyria
þetta, þá jara sendemenn mille þeira; þuí nœst gera peir
stefnolag sitt, ok ferr Sigroðr um váret austr til Víkr , ok
finnask þeir Óláfr bróðr í Túnsberge ok duglcfosk þar um hríð.
Þat sama vár býðr Eiríkr út liðe miklo ok skipom ok sni'jr
austr til Víkr. Eir'tkr konungr fekk suá miket hraðbyre,
at liann siglðe dag ok nótt, ok fór enge niósn fyrer lionom,
ok er kann kom tu Túnsbergs, þá gengo þeir Oláfr ok Sig-
roðr med lið sitt austr ór bónom á brekkona ok fylkðo þar.
Eiríkr liafðe lið miklo meira ok fekk kann sigr, en þeir Óláfr
ok Sigroðr fello þar báðer , ok er þar haugr huárstueggia
þeira á brekkonne, sem þeir lógo fallner. Eiríkr fór um
Víkina ok lagðe under sik ok dualðesk par lenge sumars.
Tryggue ok Guðroðr flýðo til Uplanda 2 ). Eiríkr var mikill
maðr ok jríðr, sterkr ok lireystemaðr mikill, hermaðr mikill ok
sigrsœll, ákafamaðr í skape, grimmr, óþýðr ok fálátr. Gunn-
kildr, kona hans, var kuenna fegrst, vitr ok margkunnig , glað-
mœlt ok underliyggiomaðr mikill ok en grimmasta. Þau vgro
bgm þeira Eiríks ok Giuinhildar : Gamle var elztr, Guthormr,
*) Dréndalgg. Es gab von alters her Eechtsverbände in
Norwegen, die gemeinsames Recht hatten (Jgg N. PI. e Recht"). Einen
solchen Verband hatten die Þrénder gebildet. Ein solcher Verband
trug teils seinen Namen nach dem Stamm, der ihn gebildet, wie Dr. y
teils nach der Dingstätte, z. B. Gulaßingslgg, nach dem Hof Gide
am Sognefjord. Diese Namen wurden dann auch auf die Land-
schaft angewendet, die zum Verband gehörte.
2 ) TJplgnd umfaßt das Gudbrandsdal und benachbarte
Gegenden.
Lesestücke. 165
Haraldr, Ragnfrpðr, Ragnliüdr, Erlingr, Guüroür, Sigurðr
sleva. Oll vgro bgrn Eiriks frið ok mannvén.
Upliaf sggo Hdkonar göða.
1. Bákon A&alsteinsfóstre tíl konungs tékenn.
Hákon Aðalsteinsfóstre var þá á Englande, er kann spur de
andlát Haralz konungs, fgðor síns; biósk hann þá pegar til
fercfar. Fekk Aðalsteinn konungr honom lið ok góðan skipa-
kost ok bió hans fpr allvegliga, ok kom kann um haustit til
Nóregs x ). Þá spurðe liann fall bréðra sinna ok þat, at Eiríkr
konimgr var þá í Víkinne ; siglðe þá Hdkon norcfr til Þránd-
heims ok fór á fimd Sigurðar Hlaðaiarls 2 ), er allra spekinga
var mestr í Nórege, ok fekk þar góðar viðtcjkor , ok bundo
þeir lag sitt saman; liét Hákon honom miklo rike, ef hann
yrðe konungr. Þá léto þeir stefna þing figlment, ok á þingino
talaðe Sigurðr iarl af liende Hákonar ok bauð bóndom hann
til konungs. Epter pat stócf Hákon siálfr upp ok talaðe ;
mœlta þá II ok II sín á mille, at þar vœre þá komenn
Haraldr enn hárfagre ok orðenn angr í annat sinn. Hákon
hafðe þat uphaf síns máls, at liann beidde béndr at gefa sér
konungsnafn ok þat med, at veita sér fullting ok styrk til at
halda konungdóminom, en þar í mót bauð hann þeim, at gera
alla béndr óðalborna ok gefa þeim óðul z ) sin, er byggia. En
Im Jahr 934.
2 ) Sigur&r Hla&aiarl, ein mächtiger Jarl, der seinen Sitz in
Hlafter, jetzt Lade, am Drontheimsfjord hatte.
3 ) ó&al N. dedeutet ursprünglich e das Eigentum', dann, wie
hier, besonders "der von den Vorfahren ererbte Landbesitz des
freien Bauern', ó&alborenn "der durch seine Geburt zum Besitz
des 6Üal berechtigte'. Harald Schönhaar hatte wahrscheinlich
versucht, einen neuen staatsrechtlichen Begriff einzuführen, den
von der Maiestas des Königs, wie er sich theoretisch, hervor-
gerufen durch die Lehre vom römischen Kaisertum, bei den
fränkischen Königen herausgebildet hatte. Diesen Versuch und
die Reaktion der bäuerlichen Aristokratie unter Führung Hákons
dagegen stellte dann die spätere Tradition so dar, als wenn
Harald sich zum Herrn alles Grundbesitzes erklärt, Hákon aber
den Bauern diesen wieder gegeben hätte.
166 Lesestücke.
at þesso wende varð rómr suá mikill, at allr búandamúgr
ápðe ok kallaðe, at peir vildo kann til konungs taka, ok var
suá ggrt, at Þrónder tóko Hákon til konungs um alt land;
pá var kann XV vetra; tók kann sér pá kirð 1 ) ok fór yfer
land. Þau tíðende spurðosk á Uplgnd, at Þrénder hofðo sér
konung teket slíkan at gllo , sem Haraldr enn kárfagre var,
nema þat skilðe, at Haraldr kafðe allan lýð í lande þrélkat
ok áþiát, en þesse Hákon vilde kueriom manne gott ok bauð
aptr at gefa bóndom óðul sin, þau er Haraldr konungr kafðe
af þeim teket. Yið þau tíðende urðo aller glaðer ok sagðe
huerr gðrom, flaug þat sem sinoeldr alt austr til lanzenda.
Marger bóndr fóro af Uplondom at kitta Hákon konung,
sumer senda menn, sumer gerðo orðsendingar ok iartegner,
aller til pess, at kans menn vildo gerask. Konungr tók þuí
þakksamliga.
2. Frá Hc'ikone konunge.
Hákon konungr fór ondurðan vetr á TJplgnd, stefnde þar
þing, ok drei/ alt fólk á kans fund, þat er komask matte;
var kann þá til konungs tekenn á gllom pingom; för kann þá
austr til Vikr. Par kömo til kans Tryggue ok Guðroðr,
bróðrasyner kans, ok marger adrer, er upp tgldo karma sina,
þá er klotet kgfðo af Eirike, brödor Mns. Eiríks ovinséW
óx é þuí meir, sem aller menn gerðo sér kérra við Hákon
konung ok keldr kgfðo sér traust til at mcela, sem þótte. Há-
kon konungr gaf konung snafn Tryggua ok Goðroðe ok rike
þat, sem Haraldr konungr kafðe gefet feðrom peira ; Tryggua
gaf kann Bánríke ok Yingulmgrk 2 ), en Guðroðe Vestfold, en
fyrer pui, at peir vgro unger ok bernsker, pd sette kann til
ggfga menn ok vitra at ráða lande med peim, gaf kann peim
land med peim skildaga, sem fyrr kafðe veret, at peir skylde
1 ) hird" F. ist das Gefolge des Königs, eine auserlesene Schar,
die den König als seine Leibwache immer begleitet, der für ihren
Unterhalt sorgen muß.
2 ) Bánrike ok VingulniQrk, der nördl. Teil der nördl. vom
Götaelf gelegenen Landschaft Bohuslän (jetzt teilweise schwedisch)
und die Landschaft am Christianiafjord, die zwischen der Mün-
dung des Glommen und dem Dramsfjord liegt.
Lesestücke. 167
Tiafa helming skylda ok skatta við kann. Fór Hákon konungr
norðr til Þrándheims, er váraðe, et 0fr a um Uplgnd.
3. FtrÜ Eiriks ór lande.
Hákon konungr drn saman her mikinn l Þrándheime, er
váraðe, ok récf til skipa; Vikueriar hgföo ok her mikinn Ute,
ok étloðo til móz við Hákon. Eiríkr bauð ok liðe út um
mitt land, ok varð honom ilt til liz, þuíat ríkesmenn marger
skutosk honom ok fóro til Hákonar, en er hann sá enge efne
til mótstgðo í móte her Hákonar , þá siglðe hann vestr um
haf med þuí liðe , er honom vilde fylgia, fór hann fyrst til
Orkneyia ok hafðe þaðan með sér lið mikit; þá siglðe hann
suðr til Englanz ok heriaðe um Skotland, huar sem hann
kom við land; hann heriaðe ok alt norðr um England. Aðal-
steinn Englakonungr sende orcf Eiríke ok bauð honom at taka
af sér ríke í Englande, sagðe suá, at Haraldr konungr, jaðer
hans, var mikill vinr Aðalsteins konungs, suá at hann vill þat
virða við son hans. Fóro þá menn í mille þeira konunganna ok
sœttosk áþat med einkamólom, atEiríkr konungr tók Norðimbra-
land x ) at halda af Aðalsteine konunge ok veria þar land fyrer
Dgnom ok gðrom víkingom. Eiríkr skijlde lata skírask ok kona
hans ok bgrn þeira ok alt lið hans, þat er honom haf de fylgt
þangat. Tók Eiríkr þenna kost, var hann þá skírðr ok tók rétta
trú. Norðimbraland er kallat fimtungr Englanz. Hann
hafðe atseto í Iórvík 2 ), þar sem menn segia, at fyrr hafðe
setet Loðbrókar syner 3 ). Norðimbraland var mest byggt Norð-
mgnnom, síðan er Loðbrókar syner unno landit ; herioðo Daner
ok Norðmenn optliga þangat, síðan er vald lanzins hafðe
undan þeim genget. Mgrg heite lanzins ero þar gefen á
norréna tungo^), Grímsbér ok Hauksfliót ok mgrg gnnor.
x ) Northumberland, hier saßen viele Dänen.
2 ) York.
3 ) Die Söhne des sagenhaften dänischen Königs Kagnarr
Lo^brók.
4 ) norrén tunga bezeichnet ganz allgemein die Sprache der
Skandinavier, sonst auch dgnsk t., was ursprünglich die dänische
Sprache heißt.
168 Lesestücke.
IV.
Geschichte Gtinnars von Hlíðarendi tmd der
schönen Hallgerðr.
(Aus der Niála, d. h. der Nic'ds saga, her. von c det kongel. nord.
oldskrift-selskab'. Kopenh. I. 1875, IL 1889, Hauptmitarbeiter
K. Gislason. Zahlreiche Handschriften, deren älteste ums Jahr
1300 geschrieben sind; verfaßt wurde die Niála ca. 1275. Die
Ereignisse spielen in den ersten Jahren des 11. Jahrhunderts.)
1. . . . Nu vikr sggunni vestr til Breiðafiarðardala 1 ). Maðr
er nemndr Hgskuldr, Jiann var Dalakollzson, mööir hans hét
Þórgerðr ok var dóttir Þórsteins hins rauða, Óláfssonar liins
huíta, Inyialzsonar , Helgasonar. Mööir Ingialz var Þóra,
dóttir Sigurðar orms í auga, Ragnarssonar loðbrókar 2 ). Uðr
hin diúpúðga z ) var móðir Þórsteins rauz, dóttir Ketils fiat-
nefs, Biarnarsonar bunu, Grímssonar hersis ór Sogni^). Hgs-
kuldr bió á Hgskulzstgðum í Laxárdal 5 ). Hrútr hét bróðir
hans, hann bió á Hrúzstgðum, kann var sammæðr við Hgs-
kald, faðir hans var Heriólfr. Hrútr var vœnn maðr,
mikill ok sterkr, vigr vel ok hógvérr í skapi, manna vitrastr,
hagráðr við vini sína, enn tillagagóðr liinna stœrri mála.
Þat var einu hueriu sinni, at Hgskuldr hafði vinaboð,
ok þar var Hrútr bróðir hans ok sat hit nœsta hánum. Hgs-
kuldr átti sér dóttur, er Hallgerðr hét. Hón lék scr á gólfi
við~ aðrar meyiar. Hóti var fríð sýnum ok mikil vexti ok
hárit suá fagrt sem silki ok suá mikit , at þat tók ofan á
J ) Breitfafiarcfaräalar, die Thäler, die sich vom Huammsfjord
(vgl. S. 155, Anm. 1) ins Land erstrecken.
2 ) Der sagenhafte dän. König Ragnarr lo&brók war vermählt
mit einer Tochter Sigurds und der Brynhild. Sie hatten einen
Sohn Sigurd, der ein Muttermal hatte in Gestalt einer sich um
seine Augen legenden Schlange, zum Zeichen seiner Abstammung
vom Schlangentöter Sigurd. Daher sein Beiname (vgl. Saga
Ragnars konungs lo&brókar, Fornaldar spgur L, 237—299, Kopen-
hagen 1829).
3 ) TJÜr hin diupuüga, vgl. Lesestück IL
4 ) Sogn, Landschaft am Sognefjord in Norwegen.
5 ) Laxárdal, vgl. S. 156 Anm. 1.
Lesestücke. 169
belti. Hpskuldr kallar d hana: c far Jjh Iringat til min sagði
kann. Hon gekk þegar til hans. Kann tök undir hgkuna
ok kyssti hana. Síðan gekk hón í braut. Þá rœddi Hps-
kuldr til Hrúz : 'huersu litz per á mey þessaf þykki þér
eigi fpgr veraf Hrútr þagði við. Hpskuldr talaði til annat
sinn. Hrütr suaraði þá: 'cérit fpgr er mær siá; ok munu
margir þess gialda. En hitt veit ek eigi, huaðan þiófsaugu
er u komin i œttir várar . Þá reiddiz Hpskuldr; ok var fátt
um með þeim bréðrum nakkuara liríð. Bréðr Hallgerðar
váru þeir Þórleikr, faðir Bolla, ok Oláfr, faðir Kiartans,
ok Bárðr.
9. Nú er þar til máls at taka, at Hallgerðr vex upp,
dóttir Hgskulz, ok er kuenna fríðust sýnum ok mikil vexti,
ok þuí var hón langbrók kplluð. Hón var fagrhár, ok suá
mikit háritj at hón mátti hylia sik med, hón var grlynd ok
skaplwrð. Þióstólfr hét féstrÍ 1 ) hennar, hann var suðreyskr
at étt, hann var styrkr maðr ok vígr vel ok hafði margan
mann drepit ok bætti engan mann fé. Þat var mœlt } at hann
vœri engi skapbétir Hallgerði ....
19. Gunnarr hét maðr, hann var frœndi JJnnar 2 ), Bann-
veig hét móðir hans ok var Sigfúss dóttir, Sighuazsonar hins
rauða. Hann var veginn við Sandhólaferiu^). Faðir Gunnars
hét Hámundr ok var sonr Gunnars Baugssonar. Yið þann
er kennt Gunnarsholt^). Móðir Hámundar hét Hrafnhildr,
hón var Stórólfs dóttir , Háingssonar. Stórólfr var bróðir
Hrafns logspgumannz 5 ). Sonr Stórólfs var Ormr hinn sterki.
!) Über die Pflegekindschaft vgl. S. 160 Anm. 8.
2 ) Unnr, die Tochter des Mor&r gigia ('Geige') eines mäch-
tigen Häuptlings, der in der Gegend der Hekla wohnte, eines
Sohnes Sighuats des Roten.
3 ) Sandhólaferia, ein Hof mit einer Furt (feria e die Fähre 5 )
am unteren Lauf der im westl. Teil der Südküste Islands ins
Meer fließenden 2>órsá.
4 ) Gunnarsholt, im südl. Island gelegen.
5 ) Der logsogumacfr war ein meist auf drei Jahre gewählter
Beamter, der den Vorsitz der Landesdingversammlung zu führen
und Rechtsgutachten zu erteilen hatte. Besonders aber gehörte
zu seinen Obliegenheiten, daß er in jedem Jahr die Bestimmungen
170 Lesestücke.
Gunnarr Hámundarson bió cd Hlíðarenda í Fliózhlíð 1 ), hann
var mikill maðr vexti ok sterkr ok allra mannet bezt vígr;
hann hió háðum hgndum ok skaut, ej hann vildi; ok kann
vá suá skiótt med suerði, at þriú þóttu á lopti at siá. Hann
skaut manna bezt af boga ok hæfði allt pat er hann skaut
til, hann hlióp meir enn hœð sína med ollum herklæðum ok
eigi skemmra aptr enn framm fyri sik. Hann var syndr sem
selr, ok eigi var sá leikr, at nakkuarr þyrfti við hann at
keppa, ok hefir suá verit sagt, at engt vcéri hans iafningi.
Hann var vénn at yfirliti ok lióslitaðr — rétt nefit ok hafit
upp í framanvert — bláeygr ok snareygr ok rióðr í kinnum:
hárit mikit, gult, ok fór vel. Manna var hann kurteisastr,
harðgrtrr í gllu, ráðhollr ok góðgiarn, mildr ok stilltr vel,
vinfastr ok vinavandr, hann var vel auðigr at fé
33. Gannarr reið — ok peir allir — til pings 2 ), en er
þeir kuámu á þing, pá váru þeir suá vel búnir, at engir
vára þeir þar, at iafnvel væri búnir ; ok fóru menn út ór
huerri búð' d ) at undraz þá. Gunnarr reið til búðar Ban-
gœinga A ) ok var þar með fréndum sínum. Margr maðr fór
at finna Gunnar ok spyria hann tíðenda b ). Hann var við
alla menn léttr ok kátr ok sagði gttum slíkt er vildu. Þat
var einn dag, er Gunnarr gekk frá lggbergi & ), hann gekk fyri
der Dingordnung, und die übrigen Abschnitte des Landrechtes
einmal während seiner Amtszeit vorzutragen hatte.
x ) Im südl. Island gelegen.
2 ) Gemeint ist das allgemeine Landesding (alping), das in
der zweiten Hälfte des Juni begann und zwei Wochen dauerte.
Es fand statt zu Þingvellir im südl. Island (vgllr, PI. vellir
Thäler').
3 ) Die Dingleute hatten aus Stein und Rasen aufgeführte
mit Leinewand oder Wollstoff gedeckte Buden (bútf F.), die zum
Teil ziemlich großen Umfang hatten.
*) Bangéingar, die Bewohner der JRangavellir, ungefähr des
heutigen Eangarvallabezirks, der Landschaft an der Hekla.
5 ) Gunnarr war kürzlich von Norwegen und Dänemark
zurückgekommen, von wo aus er auch Vikingfahrten unter-
nommen hatte.
6 ) Iqgberg 'Gesetzesfelsen 5 war eine Erhöhung an der Ding-
stätte, wo der Gesetzessprecher seinen Platz hatte, und von dem
aus Ansprachen und Verkündigungen erfolgten.
Lesestücke. 171
neðan Mosfellingabúð 1 ). Þá sá kann konur ganga í móli
sét } ok váru vel búnar. Sú var í ferðarbroddi konan, er
bezt var búin, en er þau funduz, kuaddi hón þegar Gannar.
Kann tók vel kueðiu kennar ok spurði, linat kuenna kón véri.
Kón nemndiz Kallgerðr ok kuaz vera dóttir Hgskulz Dala-
kollzsonar, hón mcélti til hans diarfliga ok bað kann segia sér
frá ferðum sínum. En kann kuaz ekki varna mundu kenni
máls. Settuz þau þá niðr ok tgluðu. Hón var suá búin, at
hón var í rauðum kyrtli, ok var á búningr mikill. Kón hafði
yfir sér skarlazskikkiu ok var búin klgðum í skaut niðr, liárit
tók ofan á bringu kenni ok var béði mikit ok fagrt. Gunnarr
var í tignarkléðum peim, er Karaldr konungr Gormsson 2 )
gaf kánum, kann hafði ok hringinn á kendi, Hákonarnaut 3 ).
Þau tgluðu lengi luítt. Þar kom, er kann spurði, kuárt kón
væri úgefin. Hón sagði, at sná vcéri, 'ok er þat ekki margra
at kcétta á þaf, segir kón. ( Þykki pér kuergi fullkostaf
segir kann. 'Eigi er þat\ segir kón, 'en mannvgnd mun ek
vera . 'Huersu munt þú suara, efek bið þínf segir Gunnarr.
r Þat mun þér ekki í kug\ segir kón. 'Eigi er þat\ segir kann.
'Ef þér er nakkuarr kagr d\ segir kón, 'þá finn þú fgður
minrí . Síðan skildu þau talit. Gunnarr gekk þegar til búðar
Dalamanna^) ok fann menn úti fyri búðinni ok spyrr, kuárt
Hgskuldr vœri í búð. En þeir sggðu, at kann var víst þar.
Gekk þá Gunnarr inn. Hgskuldr ok Hrútr tóku vel við
Gunnari. Kann settiz niðr í meðal þeira, ok fannz þat ekki
í tali þeira, at þar kefði ngkkur mispykkia í meðal verit.
Þar kom niðr réða Gunnars, at kann spurði, huersu þeir
bréðr myndi þuí mara, ef kann béði Hallgerðar. 'Vet,
x ) Mosfellingabúð', 'die Bude der Bewohner von MosfelP, das
im südl. Island lag.
2 ) König von Dänemark.
3 ) Ebenso wie Schwertern (vgl. S. 161 Anm. 3) gab man
auch wertvollen Kleinodien (nautr M.) Namen und zwar vielfach,
wie hier, nach dem Geber. Gunnarr hatte den Ring von dem
mächtigen Jarl Hákon Sigurcteson erhalten, der damals Norwegen
beherrschte.
4 ) Die Bewohner der Dalar ('Thäler') am Breidifjord.
172 Lesestücke.
segir Hgskuldr, ' ef per er þat alhugaf. Gunnarr segir sér
þat alvgrUj c en sud skildu vér nœstum, at mgrgum myndi
þat þykkja likligt, at her myndi ekki samband vercfa. c Huersu
lítz þér Hrútr frœndif segir Hgskuldr. Hríitr suaraði:
c ekki pykki mér þetta iafnrcéði . 'Huat finnr þú til þessf ,
segir Gunnarr. Hrútr mœlti: 'þuí mun ek suara þér um
þetta, er satt er: þú ert inaðr vaskr ok vel at þér, en hón
er blandin migk, ok vil ek þik í engu suíkia\ 'Vel man þér
fara } segir Gunnarr, 'en þó mun ek pat fyri satt hafa, at
ér virðið í fornan fiandskap. ef ér vilið eigi gera mér ko-
stinn . ^Eigi er þat\ segir Hrútr, 'meir er Mtt, at ek sé,
at þú mátt nú ekki við gera, en þó at vér keyptim eigi, þá
vildi vér þó vera vinir pínir. Gunnarr mœlti : 'ek hefi talat
við hana, ok er þetta ekki fiarri hennar skapi. Hrútr mélti:
'veit ek, at suá mun vera, at ykkr er báðam girndaráð, liœttið
it ok mestu til, huersu ferr'. Hrútr sagði Gunnari nf regit
allt um skapferði l ) Hallgerðar, ok pótti Gunnari þat fyrst
érit martj er áfátt var. En þar kom um síðir . at saman
feil kaupmáli þeira. Var þá sent eptir Hallgerði, ok var þá
um talat sud at hón var við, Létu þeir nd enn sem fyrr,
at hón festi sik siálf 2 ). Skijldi þetta boð vera at Hlíðarenda,
ok skyldi fara fyrst leyniliga; en þó kom þar, er allir vissu.
Gunnarr reið heim af þingi ok reið þegar at finna Nidl 3 ) ok
sagði hdnum kaupin. Hann tók þungt d kaupum hans.
Gunnarr spurði, huat hann fyndi til , at hdnum þótti slíkt
sud úrdðligt. Nidll saaraði: 'af henni mun standa allt hit
illa, er hón kemr austr hingat\ 'Aldri skal hón spilla okkru
vinfengi , segir Gunnarr. e Þat mun þó suá ncér leggia segir
Nidll, enn þó munt þú iafnan béta fyr henni . Gunnarr
bauð Nidli til boz ok gllu þuí þaðan, sem hann vildi at
') Hallgerdr war sehr hochfahrend und rachsüchtig und
hatte bereits den Tod ihrer beiden ersten Männer veranlaßt,
jedesmal, weil sie einen Schlag erhalten. Allerdings hatte sie die
Ermordung ihres zweiten Mannes, den sie liebte, nicht gewollt.
2 ) Im allgemeinen durfte kein Weib sich selbst verloben,
doch wird auf Island dies gelegentlich von Witwen berichtet.
3 ) Niáll war der beste Freund Gunnars.
Lesestücke. 173
færi. Niáll Tiét at fara. Síðan reið Gunnarr heim ok reið
um heraðit at bióða mgnnum.
35. *) Þat var siðvenia þeira Gunnars ok Niáls, at sinn
vetr þá huárr þeira heimboð at gðrum ok vetrgrið fyri vi-
náttu sakir. Nú átti Gunnarr at þiggia vetrgrið at Niáli,
ok fóru þau Hallgerðr til Bergþórshuáls 2 ). Þá váru þau
Helgi 3 ) eigi heima. Niáll tók vel við peim Gunnari, ok þá er
þau hgfðu þar verit nakkuarra hríð, kom Helgi heim ok
Þórhalla kona hans. Þá gekk Bergpóra at pallinum ok Þór-
halla med henni, ok mœlti Bergþóra til Heiliger ðar: 'þá skalt
poka fyri konu þessi. Hón suarar: 'huergi mun ek þoka;
þuí at engi hornkerling vil ek vera. 'Ek skal hér ráda\
sagði Bergþóra. Sícfan settiz Þórhalla niðr. Bergþóra gekk
at borðinu med handlaugar. Hallgerðr tók ligndina Bergþóru
ok mælti: 'ekki er þó kosta munr með ykkr Niáli, þú liefir
kartnagl á huerium fingri, en hann er skegglauss\ c Satt er
þat'j sagði Bergþára, c enn huártki okkart gefr þat gðru at
sgk; en eigi var skegglauss Þórvaldr búandi þinn^), ok rétt
þú þó hánum bana . 'Fyri lítit kemr mér , segir Hallgerðr,
'at eiga þann mann, er vaskastr er á Islandi, ef þú hefnir
eigi þessa, Gunnarr . Hann spratt upp ok steig framm yfir
borðit ok mélti: lieim mun ek fara, ok er þat makligast, at
þú sennir við heimamenn þína en eigi í annara manna
h'ibýlum, enda á ek Niáli marga sœmð at launa, ok mun ek
ekki vera eggianarfífl _þitt\ Síðan fóru þau heim. c Mun fiú
þat Bergþóra, sagði Hallgercfr, 'at vit skulum eigi skildar '.
Bergpóra sagði, at ekki skyldi hennar hlutr batna við þaU
Gunnarr lagði ekki til ok fór heim til Hlíðarenda ok var
heima allan þann vetr í gegnum. Lí&r nú á sumarit ok allt
til þings framan.
*) Inzwischen ist die Hochzeit gefeiert worden und Hallg.
hatte sich als gute Hausfrau gezeigt.
2 ) Der Hof Niáls, in der Nähe der Küste, im ßangarvalla-
bezirk gelegen.
3 ) Helgi, der Sohn Niáls, und seine Frau, vgl. § 464 Anra.
*) Ihr erster Gatte.
174 Lesestücke.
48. l ) Gunnarr riör til pings um sumarit, en at lians
gisti figlmenni mikit austan af Síðu 2 ). Gunnarr bauð , at
þeir gisti þar, er þeir riði af þingi. Þeir kuáðuz suá gera
mundu. R'tða nú til þings. Niáll var á pingi ok synir lians.
Þingit er kyrrt. Nú er pat til at taka, at Hallgerðr kemr
at máli við Melkólf þrœl: 'sendifgr ließ ek hugat þér, segir
lión. c þú skalt fara í Kirkiubé' 3 ). 'Ok huat skal ek þangatf
segir hann. Þú skalt stela þaðan mat á tuá Jiesta ok hafa
smipr ok ost, en þú skalt leggia eld í útibúrit : ok munu
állir étla, at af vangeymslu haß orðit ; en engi mun œtla,
at stolit haß veritf. Þréllinn mælti: vándr ließ ek verit,
enn aldri ließ ek þiófr verif. 'Heyr á endimi' , segir Hall-
gerðr, þú gerir þik góðan, þar sem þú hefir bœði verit þiófr
ok morðingi, ok skalt þú eigi þora annat enn fara, ella skal
ek láta drepa þik\ Kann þóttiz vita, at hón myndi suá
gera, ef hann fœri eigi ; tók kann um nóttina tuá hesta ok
lagði á lénur ok fór í Kirkiubœ. Hundrinn gó eigi at hánum
ok kenndi kann ok hlióp í mót liánum ok lét vel við kann.
Síðan fór hann til útibúrs ok lauk upp ok klyfiaði þaðan tuá
hesta af mat en brenndi búrit ok drap liundinn. Hann ferr
upp með Rangá. Þá slitnar skóþuengr hans , ok tekr liann
knífinn ok gerir at. Hánum liggr eptir knífrinn ok beltit,
liann ferr par til, er hann kemr til Hlíðarenda. Þá saknar
hann knífsins ok þorir eigi aptr at fara. Færir nú Hall-
gerði matinn. Hón lét vel yfir hans ferð. Um morgininn,
er menn kuámu út í Kirkiubœ, sá menn þar skaða mikinn.
1 ) Es liegen mehrere Jahre dazwischen. Zwischen Hall-
ger^r und Berg/>óra ist heftige Feindschaft entstanden, die bereits
zu mehreren Totschlägen geführt hat, doch ist die Freundschaft
der Männer unerschütterlich und sie haben durch Zahlung von
Buße den entstandenen Schaden immer wieder gut gemacht.
2 ) Síð~a, Landschaft im südöstlichen Teil.
3 ) Kirkiubér liegt in der Nähe von Hlidarendi. Dort wohnte
ein Mann namens Otkell, der dem Gunnarr, als dieser während
einer Teurung Vorräte und Heu hatte kaufen wollen, dies ab-
geschlagen, ihm aber seinen irischen Knecht Melkólf verkauft
hatte.
Lesestücke. 175
Var pd sendr maðr til pings at segia Otkatli 1 ); piä at hann
var á pingi. Hann vard vel við skaðann ok kuad pat valdit
mundu hafa, at eldhúsit var áfast útibúrinu 2 ): ok átluðu
pat pá allir, at pat myndi tu liafa borit. Nu ríða menn
heim af pingi, ok riðu margir tu Hlíðarenda. Hallger ðr bar
mat á borð, ok kom innar ostr ok s?nipr. Gunnarr vissi sliks
matar par ekki ván ok spurdi Hallger di, huadan pat kuœmi.
' Þadan sein pú matt vel eta , segir hón, 'enda er pat ekki
karla at annaz um matreidiC . Gunnarr reiddiz ok mœlti:
Hlla er pd, ef ek em piófsnaiitr' \ ok lýstr liana kinnhest. Hón
kuaz pann hest muna skyldu ok launa, ef hón mœtti. Gekk
hón pd framm ok hann med' henni; ok var pá borit allt af
borðinu en borit innar slätr, ok ætluðu allir, at pat myndi
tu hafa borit, at pd myndi Pykkia fengit betr. Fara ping-
menn nü % braut.
76. 3 ) Um haustit sendi Mgrcfr Valgarzson orð, at
Gunnarr myndi vera einn heima en lið allt myndi vera nidri
% eyium at lúka heyverkum. Riðu peir Gissurr huiti ok
Geirr godi austr yfir är, pegar peir spurdu pat, ok austr
yfir sanda tu Hofs*). Þá sendu peir ord Starkadi undir
x ) In Zusammensetzungen wird -ketill oft in -kell zusammen-
gezogen, also Otkell oder -ketill, aber der Dat. stets -katli.
2 ) Die isländischen Gehöfte bestanden aus lauter einzelnen
Häusern, deren jedes eine besondere Bestimmung hatte.
3 ) Wieder sind einige Jahre vergangen. Gunnarr ist, zum
Teil durch Schuld seiner Frau, in Händel verwickelt worden,
doch durch den Beistand seines treuen Freundes Niáll sind diese
immer beigelegt worden. Zuletzt wird er wegen eines Totschlags
auf drei Jahre von der Insel verbannt. Für den Fall, daß er
nicht geht, soll es den Verwandten des Erschlagenen frei stehen,
ihn zu töten. Schon ist Gunnarr im Begriff, vom Hause zum
Schiff zu reiten, das ihn fortführen soll, da strauchelt sein Roß
und wirft ihn ab. Da spricht Gunnarr die Worte: 'schön ist der
Abhang, so daß er mir nie gleich schön erschien, gelb die Äcker
und gemäht der Grasplatz — und will ich wieder heim reiten
und keineswegs (von dannen) fahren' (Kap. 75). Er bleibt also
daheim und es sammeln sich seine Feinde.
4 ) Im Rangarvallabezirk.
176 Lesestücke.
'ÞríhyrningV) ; ok funduz þeir par allir, er cd Gunnari skyldu
fara, ok rédu, huersu peir skyldi med fara. Mgr&r sagði,
at þeir myndi eigi koma á úvart Gunnari, nema peir tcéki
búanda af nccsta bcé, er Þórkell hét, ok léti hann fara nauðgan
með sér at taka hundinn Sám 2 ), c ok féri hann einn heim á
bœinrí. Fóru peir síðan austr til Hlíðarenda en sendu menn
at fara eptir Þórkatli. Þeir tóku hann hgndum ok gerðu
hánum tud kosti: at þeir myndi drepa hann, ella skyldi liann
taka hundinn. En liann keyri Jieldr at leysa líf sitt ok fór
med þeim. Traðir váru fyrir ofan garðinn at Hlíðarenda,
ok námu þeir þar staðar med flokkinn. Þórkell búandi gekk
heim á oéinn, ok lá rakkinn á husum uppi, ok teygir hann
rakkann á braut í geilamar med sér. I þuí sér hundrinn,
at þar eru menn fyrir, ok hleypr á hann Þórkel upp ok
grípr nárann ok rífr þar á hol. Onundr ór trgllaskógi 3 )
hió med gxi í hpfud hundinum, suá at allt kom í heilann.
Hundrinn kuad vid hátt, suá at þat pótti þeim med údœmum
miklum vera, ok feil hann daudr nidr.
77. Gunnarr vaknadi í skálanum ok mélti: 'sárt ert
þú leikinn, Sámr fóstri, ok búd suá sé til œtlat, at skammt
skyli okkar í medaC. Skáli Gunnars var ggrr af vidi einum
ok súdpakidr útan, ok gluggar hiá brúnásunum ok snúin þar
fyri speld. Gunnarr suaf í lopti einu í skálanum ok Hall-
gerdr ok módir hans. En er þeir kuámu at bénum, vissu
peir eigi, huárt Gunnarr myndi heima vera. Gissurr mælti,
at nakkuarr skyldi fara heim á húsin ok vita huat af kannadi.
En þeir settuz nidr á vgllinn medan. Þórgrímr austmadr
gekk upp á skálann. Gunnarr sér, at raudan kyrtil berr vid
glugginum, ok leggr út med atgeirinum á hann midian. Þór-
grími skruppu fœtrnir ok vard lauss skigldrinn ok hratadi
hann ofan af þekiunni. Gengr hann sídan at peim Gissuri
*) Þríhymingr ein 'dreispitziger' pyramidenförmiger Berg,
daher der an seinem Fuße liegende Hof undir þr., im selben
Bezirk.
2 ) Sdmr ^schwärzlich, dunkel grau' war ein großer irischer
Hund, dem man menschlichen Verstand beilegte.
8 ) trollaskógr 'der Riesen Wald 5 , auch im Rangav.-Bezirk.
Lesestücke. 177
þar er þeir sátu á vellinum. Gissurr leit við hánum ok
mélti: ^huárt er Gunnarr heimaf 'Vitið ér þat, en hitt
vissa ek, at atgeirr lians var lieima , segir austmaðrinn. Fell
kann þá niðr dauör. Þeir sóttu þá heim at liúsunum. Gun-
narr skaut út grum at þeim ok varðiz vel, ok gátu þeir ekki
at ggrt. Þá hliópu sumir á húsin upp ok œtluðu þaðan at
at sœkia. Gunnarr kom þangat at þeim grunum, ok gátu
þeir ekki at gort, ok fór suá framm um liríð. Þeir tóku huíld
ok sóttu at í annat sinn. Gunnarr skaut enn út grunum, ok
gátu þeir enn ekki at ggrt ok hrukku frá i annat sinn. Þá
mélti Gissurr huíti: ( sœkium at oetr, ekki verðr af oss\
Gerðu þeir þá hríð hina þriðiu ok váru við lengi. Eptir
þat hrukku þeir frá, Gunnarr mélti: 'gr liggr þar úti á
þekiunni, ok er sú af þeira grum, ok skal ek þeiri skióta til
þeira, ok er þeim þat skgmm, ef þeir fá geig af vápnum
sínum. Móðir hans mélti: 'ger þú eigi þat, son minn, at
þú vekir þá, er þeir hafa áðr frá Jwrfit\ Gunnarr þreif
grina ok skaut til þeira, ok kom á Eilíf Onunðarson, ok fekk
liann af sár mikit. Hann hafði staðit einn saman; ok vissu
þeir eigi, at hann var sérðr. c Hgnd kom þar úf , segir
Gissurr, e ok var á gullhringr, ok tók gr, er lá á þekiunni;
ok myndi eigi út leitat viðfanga, ef gnógt véri inni: ok skulu
vér nú sœkia at\ Mgrðr mélti: 'brennu vér hann inni '.
( Þat skal verða aldrí' \ segir Gissurr, r þó at ek vita, at líf
mitt liggi vicf. Er þér siálfrátt at leggia til ráð þau er dugi,
suá slégr maðr sem þú ert kallaðr\ Strengir lágu á vellinum
ok váru hafðir til at ýesta með hús iafnan. Mgrðr mœlti:
'tgku vér strengina ok herum um ássendana en festum aðra
endana um steina ok snúum í vindása ok vindum af rœfrit
af skálanum . Þeir tóku strengina ok veittu þessa umbúð
alla, ok fann Gunnarr eigi fyrr en þeir hgfcfu undit allt þakit
af skálanum. Gunnarr skýtr þá af boganum suá at þeir
komaz aldri at hánum. Þá mœlti Mgrðr í annat sinn, at
þeir myndi brenna Gunnar inni. Gissurr suarar: 'eigi veit
ek, huí þú vill þat mala, er engi vill annara, ok skal þat
aldri verða . I þessu bili hleypr upp á þekiuna Þórbrandr
Þórleiksson ok hgggr í sundr bogastrenginn Gunnars. Gun-
Kahle, Altisländisches Elemeutarbuch. 12
178 Lesestücke.
narr þrífr atgeirinn báðum hpndum ok smjz at hánum skiótt
ók rekr í gegnum kann atgeirinn ok kastar liánum dauðum á
vgllinn. Þá hlióp upp Asbrandr bróðir hans. Gunnarr leggr
til hans atgeirinum, ok kom kann skildi fyri sik. Atgeirinn
renndi í gegnum skigldinn ok sná meðal kandleggianna. Snaraði
Gunnarr þá suá fast atgeirinn, at skigldrinn klofnaði en
brotnuðu báðir kandleggirnir, ok feil kann út af vegginum.
Áðr hafði Gunnarr sérða átta menn en regit þá tuá. Þá
fekk Gunnarr sár tuau; ok sggðu þat allir menn, at kann
brygði sér huártki við sár né við bana. Kann mælti til
Hallgerðar : e fá mér leppa tuá ór kári þinu ok snúið it móðir
mín 1 ) saman til bogastrengs mér '. c Liggr þér nakkuat viðf,
segir hón. c Líf mitt liggr við* segir kann, c _þuí at þeir munu
mik aldri fá sóttan, med an ek kern boganum rið\ c Þá
skal ek níi , segir hón, 'muna þér kinnkestinn; ok kirði ek
aldri, huárt þú verr þik lengr eða skemr. Gunnarr kuað
þá visu:
Haerr hefir dreyrgra darra
dómreynir til sóma
nicfr drepr sueigar sága
síns ágétis mínum.
Ongr skál lítils lengi
li&s rá&andi bi&ia
fús verðr fagrmigls disi
feniu hond á veniu 2 ).
1 ) Ihr beide, meine Mutter und du.
2 ) Diese und die folgenden Strophen sind im drótikucéiFr
háttr oder drótikuœtt gedichtet, so genannt, weil sie die im Ge-
folge des Königs (drótt F.) übliche Weise war, die von den Skalden
am meisten gebrauchte. Die Strophe zerfällt in zwei Halbstrophen
von je vier sechsgliedrigen Halbzeilen (visuortf). Die ungrad-
zahligen haben Doppelalliteration und der Regel nach Binnen-
reim von Konsonant zu Konsonant oder von Konsonantengruppen
zu einander (skotliending) , die gradzahligen haben einfache Alli-
teration (den Hauptstab) auf der ersten Silbe (Hebung) des Verses
und stets Binnenreim von Vokal + Kons, zu Vokal + Kons.
(atfalhending). Jedes Versglied ist der Regel nach einsilbig, doch
ist Auflösung außer im Schlußglied gestattet, vgl. Sievers, Alt-
germ. Metrik § 61. Die fünf Grundtypen sind nach Sievers
Lesestücke. 179
'Hefir Jiuer til síns ágétis nakkuaf , segir Gunnarr, 'ok
skal x ) þik þessa eigi lengi hiðia. Rannveig mælti : c illa ferr
þér ok mun þín skgmm lengi uppi. Gunnarr varði sik vel
ok frœknliga ok sérir nú aðra átta menn suá stórum sárum,
at mprgum lá við bana. Gunnarr verr sik þar til er hann
feil af mœði: Þeir sœrðu kann þá mgrgum stóruni sárum.
En þó komz hann ór hgndum þeim ok varði sik þá enn lengi.
En þó kom þar, at þeir drápu kann. Um vgrn hans orti
Þórkell Elfaraskáld 2 ) i vísu þessi:
Spurcfu vér hué var&iz
vigmóð~r Jcialar sló&a
gla cFstýrandnm geiri
Gunnarr fyri kiol sunnan.
{l lang haupttonig, ^ lang nebentonig, X Senkung beliebiger
Quantität) :
l.A.'-XI'-XUX
2.B.X-IX-UX
3. O. X '- I '- X I '- X
j,|,, X l'-X
5 E ( ^XhhX
5 - E - U x , | , | , x.
Charakteristisch für die Skaldenpoesie sind besonders die
zahlreichen Bilder und Umschreibungen (kenningar). Im folgen-
den sind die zu einer kenning gehörenden Wörter durch c\: ver-
bunden.
Prosaische Wortfolge: Hefir huerr (dreijrgra <^>) darret oj
dómreynir til síns ágœtis (sc. nakkuat). Sueigar co sága drepr niffr
sóma minum. Ongr lifo co ráiFandi skal lengi Hüls bifria. Feniu
oo (fagr) miols <^> dísi ver&r hgnd fús á veniu.
Fenia. König FrcVTe von Dänemark besaß zwei Riesen-
mägde Fenia und Menia, die ihm auf wunderbaren Mahlsteinen
Gold mahlen mußten. Daher heißt das Gold das Mehl der Fenia;
die Dis des Goldes ist dann die goldgeschmückte Frau, und als-
dann überhaupt die Frau.
a ) Eine solche Auslassung des Subjekts ist sehr selten,
einige Handschriften haben daher auch ek eingesetzt.
2 ) Þorkell Elfaraskald ist sonst nicht bekannt, doch muß er,
seinen Versen nach zu schließen, etwa am Ende des 12. Jahrh.
gelebt haben.
12*
180 Lesestücke.
Sökrýrir vann scíra
sextan victris mc'ma
hricfar hercfimeicfa
haucfrmens enn tuá daucfa 1 ).
En sud segir Þórmóðr Oldfsson 2 ):
Ongr var solar slgnguir
sandheims d Islandi,
hrócfr er af heicfnum lýffam
hcégr Gimnari frœgri.
Meicfr nam hidlma hricfar
hlifrunna tud Ufi
sár gaf stála stýrir
stórum tólf ok fiórum 3 ).
Gissurr mœlti: ^Mikinn gldung hgfu vér nú at velli
lagit, ok hefir oss erfitt veitt, ok mun hans vgrn uppi, meðan
landit er byggt'. Sicfan gekk hann til fundar við Eannveigu
ok mélti: c vül þú veita mgnnum várum tueimr igrd, er dauðir
eru, ok sé hér Jieygðirf c At heldr tueimr, segir hón, *at ek
mynda veita yðr gllum '. ^Varkunn er þér tu þess, er þú
mélir , segir liann, c þuí at þú hefir mikils misst\ ok kuad
áj at þar skyldi engu rdna ok engu spilla; fóru d braut
síðan. Þd mœlti Þórgeirr Starkaðarson: 'Eigi megu vér vera
heima í búum várum fyri Sigfússsonum*), nema þú Gissurr
huíti eða Geirr goði sér suðr hér nakkuara hríð^ . e Þetta
mun suá vera , segir Gissurr, c ok hlutuðu þeir, ok hlaut Geirr
eptir at vera. Stefan fór hann í Odda 5 ) ok settiz þar. Hann
!) Prosaische Wortfolge : Vér spurium, hué vigmócfr Gunnarr
varcfisk kialar co slócfa co glacfstýrandum geiri fyri sunnan Idol.
Haucfrmens co sóJcrýrir vann sextán Vicfris co mána co hrí&ar co
hercfimeicfa sára enn tuá daucfa.
2 ) Þórmócfr Ólafsson lebte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhs.
Zu beachten ist der Reim hœgr : frœgri, der in hégr den Wandel
von zu œ zeigt.
8 ) Prosaische Wortfolge: Ongr sandheims co solar co sl0nguir
d Islandi var frœgri Gimnari af heicfnum lýcfum — hrócfr er hccgr — .
Hidlma co hricfar co vicfr nam tud hlifrunna Ufi. Stäla co stýrir
gaf stórum sár tólf oJc fiórum.
4 ) Die sieben Sigfússsöhne waren mächtige, angesehene
Männer, Oheime Gunnarrs, die Brüder seiner Mutter.
5 ) Im südlichen Teil der Insel gelegen.
Lesestücke. 181
átti sér sorij er Hróaldr hét } hann var laungetinn, ok hét
Biartey móðir hans ok var systir Þórvalds hins veila, er
veginn var við Hestlœk 1 ) í Grímsnesi. Hann hrósaði þuí,
at hann hefði veitt Gunnari banasár. Hróaldr var í Odda
með fgður sínum. Þórgeirr Starkaðarson lirósaði gðru sári,
at hann liefði Gunnari veitt. Gissurr sat Jiewia at Mosfelli.
Víg Gunnars spurðiz ok mœltiz illa fyrir um allar sueitir ok
var hann mgrgum mgnnum migk liarmdauði.
l ) Hestlœkr, ein Bach im südlichen Island.
Þorsteinn Ketilsson erschlägt einen ttäuber.
(Aus der Vatnsdælasaga S. 3 — 9, herausg. v. Vigfusson und Möbius
in Fornsögur, Leipzig 1860. Entstanden wahrscheinlich in der
zweiten Hälfte des 13. Jahrh., erhalten nur in späten Papier-
handschriften.)
1. Maðr er nefndr Ketill ok var kcdladr raumr 1 ), hann
var ríkr maðr ; hann bió á þeim oœ, er í Raumsdal 2 ) heitir,
þat er norðarliga í Nóregi, hann var son Orms skeliamola Hross-
biarnarsonar Raumssonar Igtwibiarnarsonar norðan ór Nóregi.
Þá váru fylkiskonungar í Nóregi, er þessa saga gerðiz. Ketill
var ágétr maðr ok vel auðigr at fé, ramr at afli ok hinn
rgskuasti í gllum mannraunum, ok hafði verit í hernaði hinn
fyrra Mut œfi sinnar, en settiz nú at búuni sínum, sem aldr
férðiz yfir hann. Hann átti Migll dóttur Anar bogsueigis 3 ).
Ketill átti son með henni, hann er Þorsteinn nefndr, hann
*) raumr, eigentlich 'groß und häßlich', besonders von Per-
sonen riesigen Aussehens gebraucht. Ketill trägt den Beinamen
nach seinem Urgroßvater Raumr, der offenbar der Heros epony-
mus des Raumsdals, des heutigen Romsdals, ist.
2 ) Über die Konstruktion vgl. S. 155 Anm. 2.
3 ) Von c An dem Bogenschützen 5 giebt es eine eigene Saga
(Fornaldarsögur II, 323). Er ist eine sagenhafte Figur, der Name
seiner Tochter Mioll bedeutet 'frisch gefallener Schnee', von der
Drifa 'Schneesturm' hatte er einen Sohn.
182 Lesestücke.
var vénn maðr siónum, engi var liann ágœtismaðr á vgxt
eðr aß; kann var XVIII [vetra] x ) þá er þetta var tíðinda, en
þó var athcéfi Þorsteins ok allr férleikr með enu betra me-
ðallagi at þuí sem þá várii ungir menn. í þenna tíma þóttuz
menn þess verða varir at úthlaupsmenn eðr illvirkiar mundi
vera á leid þeirri er liggr á milli Jamtalanz 2 ) ok Maums-
dals, þuiat engir kómu aptr þeir er fóru, ok þótt saman væri
XV eða XX, þá ligfðu þó engir aptr komit ok þóttuz menn
þuí viia at frágerð[amaðr] mundi úti liggia. Menn Ketils
bónda urðu minst fyrir þessum úfriði, ~béði manndrápum ok
féskgðum, ok gerðu menn mikit orð á til ámœlis, at sá véri
mikill vanskgrungr er yfirmað'r var þess lieraz, at engar at-
gerðir skyldi í móti koma slíkum úhœfum, ok kuácfu Ketil nú
migk eldaz, en liann gaf sér fátt um, en pótti þó eptir þuí
sem þeir sggðu.
2. Þat var eitt sinn at Ketill mælti við Þor stein son
sinn: ^gnnur geriz nú atfercf ungra manna enn þá er ek var
ungr, þá girntuz menn á nokkur framaverk, annat tueggia at
ráðaz í liernað, eðr afla fiár ok sóma med einhuerium atferðum
þeim er nokkur mannhœtta var í, en nú vilia ungir menn
geraz heimaelskir ok sitia við bakelda ok kýla vgmb sína á
miði ok mungátij ok þuerr þuí karlmenska ok liarðfengi, en
ek hefir þuí fiár aflat ok virðingar at ek þorða at leggia mik
í hœttu ok hgrð einvígi. Nú liefir þú, Þorsteinn, lítinn krapt
liíotið afls ok vaxtar, er þat ok líkast at þá fylgir þar eptir
þinni athgfn ok fari þar elian eptir ok gll tilréði, þuíat eigi
viltu víkiaz eptir atferðmn enna fyrri frénda þinna , ok
sýnir þik eptir þwí sem þú ert ásýndum ok mun liugr fylgia
vexti. Þat var ríkra manna siðr, konunga eðr iarla várra
iafningia, at þeir lágu i liernaði, ok gfluðu sér fiár ok frama,
ok skyldi pat fé eigi til arfs telia, né sonr eptir fgður taka,
heldr skyldi þat fé í hang leggia hiá siálfum [þeim] 3 ). Xú
2 ) Das heutige Jämteland, im Mittelalter zu Norwegen ge-
x ) Das in [] stehende ist ergänzt.
hörig.
3 ) Es war in alter Zeit vielfach Brauch, verstorbenen Helden
einen Teil ihrer Schätze ins Grab mitzugeben.
Lesestücke. 183
þótt synir þeirra tæki iarðir, máttu þeir eigi haldaz í sínum
kostum, þótt vir ding felli til, nema þeir legði sik ok sína
menn í héttu ok herskap, aflandi suá fiár ok frégðar, huerr
eptir annan, ok stíga suá í fótspor frœndum sínum. Nú étla
ek at pér sé ókunn liermanna log, ok métta ek þau kenna
þér , ertu nú ok suá aldrs 1 ) kominn at þér vœri mál at
reyna huat hamingian vill unna þér. Þorsteinn suarar:
'eggiat véri nú ef nokkut tióaði. Hann síóð upp ok gekk í
brot ok var enn reiðasti. Skógr mikill liggr á milli Raums-
dals ok TJpplanda, er almannavegr liggr yfir , þótt nít heptiz
fyrir þeim meinvéttum, er menn liugðu úti liggia, þótt enginn
kynni frá at segia; ná þótti sú framaferð mest at ráða hér
bétr á.
3. Þat var litlu síðarr enn þeir feðgar hpfðu við talaz,
at Þorsteinn gekk út einnsaman frá drykkiu, ok hyggr þat
heizt fyrir sér at hann mun treysta á hamingiu fpður sins ok
verða eigi fyrir atyrðum lians, lieldr vildi hann nú leggia sik
í nokkura mannhcéttu; hann tók hest sinn ok reið einnsaman
til skógar þangat sem Jionum þótti heizt ván illvirkianna þóat
honum þétti lítil ván framgangsins við slíkt ofrefli, sem hann
þóttiz vita at fyrer miindi búa; vildi hann nú ok heldr leggia
lífit á enn fara at erendislausu. Hann hepti hest sinn við~
skóginn, ok gekk síðan í hann ok fann afstíg einn, er lá af
þióðggtunni: ok sem hann hafði lengi gengit, fann hann í
skóginum hús mikit ok vel gert. Þorsteinn þóttiz vita, at
þetta herbergi mundi sá eiga, er stígana hafði bannat, huárt
sem þeir váru einn eða fleiri. Síðan gekk Þorsteinn inn í
skálann, ok fann þar stórar kistur ok mart til gœða. Þar
var skíða[hlaði] mikill en annars vegar vara í sekkum ok
allz kyns varningr. Þar sá hann rekkiu eina, hon var miklu
meiri enn nokkur seng, er Þorsteinn hafði fyrr séð, þótti
honum sá érit hár, er þetta rúm var mátuligt. Bekkian var
vel tiglduð; par var ok borð búit með hreinum dúkum ok
x ) suá aldrs kominn c so weit im Alter vorgerückt', eine Kon-
struktion, die ungefähr den im § 440 f. angeführten Fällen
entspricht.
184 Lesestücke.
heicfrligum krásum ok liinum bezta drykk. Eigi gerði Þor-
steinn at þessum hlutiim; siðan leitaði hann sér undanbragz,
at hann vdri eigi þegar fyrir augum þeim er skalann bygði,
þidat hann vildi fyrr vita huert efni honum þétti í vera enn
þeir tœkiz orðum eðr séiz. Hann fór síðan upp í milli sek-
kanna í vgruhlaðann ok sat þar. Síðan heyrði hann út dyn
mikinn er á leið kueldit, ok síðan kom inn maðr ok leiddi
eptir sér liest; siá maðr var harðla mikill, huítr var hann
á hár, ok feil þat á herðar med fggrnm lokknm. Þorsteini
sýndiz maðrinn vera hinn fríðasti; síðan kueykti þessi maðr
tipp eld fyrir sér en leiddi áðr hest sinn til stallz; hann setti
munnlaug fyrir sik, ok þuó sik, ok þerði á huítum dúk.
Kann rendi ok af verpli vcénan drykk í stórt stéttarker ok
tók sícfan til matar. Allt sýndiz Þorsteini athœfi pessa mannz
merkiligt ok migk hœverskligt ; miklii var hann meiri maðr
enn Ketill faðir hans, ok þótti hann, sem var, manna mestr.
Ok er skálabúinn var mettr, sat hann við éld, ok sá í ok
mélti: skipan er her á vorðinn 1 ), eidrinn er nú meirr fgls-
kaðr enn ek hugða, hygg ek at hann hafi verit fyrir skgmmu
app k[u]eyktr, ok veit ek eigi huat þat veit, ok má vera, at
menn sé komnir, ok siti um líf mitt, ok er þat eigi fyrir
sakleysi, ok skal ek fara ok leita um húsit. Síðan tók hann
sér eldiskíð, ok leitaði, ok kom þar at sem vgrulilaðinn var.
Suá var þar háttað, at ganga mátti af hlaðanum ok í einn
stóran reykbera er á var skálanum. Ok er spellvirkinn kan-
naði hlaðann, var Þorsteinn úti, ok gat skálabúinn eigi hitt
hann, puíat Þorsteini var annara forlaga auðit enn vera dre-
pinn. Hinn leitaði þrysuar um húsit ok fann eigi. Þá mcélti
skálabúinn : c kyrt mun ek nú vera lata, ok er úvíst til huers
um dregr, ok má vera, at þat komi framm um mlna liage
sem malt er, at illa gefaz ill ráð 2 ). Síðan gekk hann aptr
til huilunnar ok tók af sér saxit. Sud sýndiz Þorsteini, sem
pat vœri in mesta gersemi ok alllikligi til biz, ok gerði sér
þat í hug at duga mundi ef hann ncéði saxinu. Honum kom
x ) vor&inn vgl. § 373 Anm. 1.
2 ) Ein Sprichwort: 'Schlechter Lebenswandel endet schlecht'.
Lesestücke. 185
nú i hug eggian feðr 1 ) síns, at þrótt ok diarßeik mundi til
þurfa at vinna slikt afrek edr pnnur, en frami ok fagrligir
penningar mundi i móti koma, ok kann mundi þá þykkia betr
gengit hafa enn sitia vid eldstö móður sinnar. Þá kom honum
ok í hug, at faðir hans segði kann eigi betra til vápns enn
dóttur eðr aðra konu, ok meiri sémd véri fréndum [hans]
at skarð véri í étt þeira enn þar sem hann var. Slíkt
huatti Þorstein framm ok leitaði hann sér þá féris at hann
mœtti einn hefna margra vanréttis, en í oðru lagi þótti honum
þó skaði mikill um manninn. Síðan sofnar skálabúi, en Þor-
steinn gerir tilraun með nokkuru harki, hué fast hann suœfi;
hann vaknaði við ok sneriz á hlið ' , ok enn leid stund, ok
gerði Þorsteinn tilraun aðra ok vaknaði hann enn við ok þó
minnr. Hit þriðia sinn gekk Þorsteinn framm ok drap mikit
hogg á rúmstokkinn ok fann at þá var allt kyrt um hann.
Síðan kueykti Þorsteinn log ok gekk at rekkiunni, ok vill
vita, ef hann vœri á brautu. Þorsteinn sér at hann liggr
par, ok suaf í sükiskyrtu gullsaumadri ok horfði [í] lopt
upp. Þorsteinn brá þá saxinu ok lagði fijrir brióst enum
mikla mannt ok veitti honum mikit sár. Þessi brást við~ fast
ok þreif til Þorsteins ok kipti honum upp í rúmit hiá sér,
en saxit stóð í sárinu, en suá fast hafði Þorsteinn til lagit
at oddrinn stóð í beðinn, en þessi maðr var fárrammr ok lét
þar standa saxit sem komit var, en Þorsteinn lá í milli þilis
ok hans. Hinn sári maðr mélti : c huerr er siá maðr, er mér
hefir áverka veittanf Hann suarar: c Þor stein n heitir ek ok
em ek son Ketils raums \ Maðrinn mélti: 'ek þóttumz vita
áðr nafn pitt, en pó þykkiumz ek frá ykkrum feðgum pessa
hafa sízt makligr [verit], þuiat ek hefir ykkr lítið eðr ekki
mein gert, en nú vartu heldr til skiótr en ek heldr til seinn,
þuiat nú var ek á brott búinn ok [at] huerfa frá þessu úráði
en á ek allz kosti við þik huárt ek lét þik Ufa eðr deyia ;
nú ef ek geri eptir verðleik ok þú hefir til stefnt, þá segöi
engi frá okkarri sameign, en ek cétla þat nú r(íd~ligast at láta
þik þiggia líf pitt, ok mœtti mér verða at þér gagn ef suá
l ) Die Dativforin steht gelegentlich für den Genitiv,
186 Lesestücke.
vildi takaz. Nu vil ek ok segia þér nafn miti, ek heiti Jg-
kull 1 ) ok em ek son Ingimundar iarls af Gautlandi 2 ); en
eptir hcttti rlkra manna sona aftaða ek mér fiár, þótt heldr
véri frekliga at ort, en ml var ek búinn til brottferðar. Nu
ef þér þykkir nokkut veitt Í Ufgigf ßinni þá far á fand fgður
míns, en hitt þó fyrr at máli móður mina, er Vigdís heitir,
ok seg henni einni saman þenna atburð ok her henni dstsam-
liga kuediu mina, ok seg at hon komi þér í ýrið við iarl ok
füllet vingan med þeim hétti at kann gipti þér dóttur sína en
systiir mína, er Þórdís heitir. Nú er hér gull, er þú skalt
bera til iarteigna at ek sendi þik, ok þótt henni þykkir mikill
harmr sinn eptir mik, pá véntir ek at hon vir dir meira äst
ok orðsending mina en tilgerning þinn; en mér segir suá hugr
um at þú munir gœfumadr verða; nú ef þér verðr sona auðit
eðr þínum sonum, þá láttu eigi nafn mitt niðr liggia ok
væntir ek mér þar gœða af, ok hefir ek þat fyrir lífgigfina.
Þorsteinn bao hann nú gera sem honum líkaði um Ufgigf við
sik ok aðra hluti, ok kuaz þar einkis mundu um biðia. Jg-
knll kuað nú vera hans líf undir sér, c ok allmigk mmitu
eggiaðr verit hafa pessa verks af feðr þínum, enda hafa mik
nú at fidlu bitid hans ráð ' , ok sér ek at þér líkar þótt vit
deyim báðir, en meiri forlaga mun þér auðit vera, eigi eru
þeir forustulausir, er þú ert fyrirmaðr, sakir áréðis ok karl-
mensku, ok betr er pá séð fyrir kosti systur minnar at þít
fáir hennar, enn vikingar fái hana at herfangi 3 ). Nú þótt pér
sé til boðit í Gautlandi, þá far pú heldr til eigna þinna í
Raumsdal, þuí eigi munu fgðurfréndr mínir þér ríkis unna
eptir hans dag, en verða má, at hgrmungarvíg liggi í kyni
yðru ok munu menn missa saklaussa frénda sinna. Nú seg
eigi til nafns míns alþýðu , nema feðr þínum ok fréndum
a ) Jokull bedeutet eigentlich 'Gletscher'.
2 ) Gautland, der südliche Teil Schwedens.
3 ) Þorsteinn erfüllt später den Auftrag Jokuls und erhält
dessen Schwester zur Frau, mit der er einen Sohn Ingimundr
hat, der nach Island übersiedelt, wo er den Vatndalr im nord-
westl. Island in Besitz nimmt. Von ihm und seinem Geschlecht
handelt die Vatnsdælasaga.
Lesestücke. 187
., puíat éfin liefir ófggr verit, encla er nú goldit at
verðugu, ok ferr sná flestum ranglétismpnnum. Nú tak hér
gullit ok haf til iarteigna, en kipp í braut saxinu, ok mun
þá eigi langt verða okkat viðtal. Síðan kipti Þorsteinn í
braut saxinu, en Jgkull dó.
4. Eptir þessi tíðindi ríðr Þorsteinn heim, ok er kann
nálgaðiz bœinn sá kann marga menn ríða í mót sér ok kendi
þar fgður sinn ok marga kunningia, ok fóru allir hans at
leita; ok er þeir funduz, kuaddi Ketill son sinn med blíðiim
orðum ok þóttiz hann ór lieliu heimtan liafa, r ok iðrumz ek
þegar eptir þeirra orða, er ek mélta við þik til frýiu eðr
áleitni. Þorsteinn suarar ok kuacf hann litt liafa fyrir séð,
haart kann kæmi nokkurn tíma aptr eðr aldri, en kuað lia-
mingiuna hafa styrkt nú suá sitt mal, ai liann liafði lieill
aptr komit. En þótt þeir kasti þessum orðum framm med
nokkuri stygð^ þá urðu þeir brátt vel sáttir ; segir Þorsfeinn
nú feðr sínum allan atburð sinnar ferðar. Fyrir þetta verk
fekk Þorsteinn góðan orðstír af huerium manni, sem ván var.
Síðan létr Þorsteinn þings kueðia ok kuámu þar allir byg-
ðarmenn ór þeim lieruðum. A þessu þingi stóð Þorsteinn upp
ok mélti: 'pat er pllum yðr kunnigt at gera, at ótti sá er á
hefir legit liér um liríð af stigamgnnum, at menn máttu eigi
fara ferða sinna, hann er nú af ráðinn ok endaðr ; er pat
ok mest undir þessi minni þingstefnu at ek vil at huerr taki
sitt fé þat er átt liefir, en ek mun þat eignaz, er af gengr.
Her at var gerr góðr rómr af mgnnum, ok fekk Þorsteinn
virðing mikla med gllu sínu tiltœki. Nafn illvirkians vissi
eigi alþýða manna, af þuí at þat var litt á lopt borit.
-«60*-
ls-
Wörterverzeichnis,
(Die wichtigsten Abkürzungen sind: Adj. = Adjektiv, Adv.
= Adverb, Akk. = Akkusativ, c. = cum ('mit'), Dat. = Dativ,
F. = Feminium, Gen. = Genitiv, indekl. = indeklinabel, Komp.
= Komparativ, Konj. = Konjunktion, M. = Maskulinum, N.
= Neutrum, Nom. = Nominativ, N. pr. = Nomen proprium,
Num. = Numerale, Ordin. = Ordinale, Part. = Partizipium,
Partik. = Partikel, Plur. = Pluralis, Präf. = Präfix, Präp. =
Präposition, Prät.-Präs. = Präterito-Präsens, Pron. = Pronomen,
red. V. = reduplizierendes Verbum, relat. = relativ, s. = siehe,
Sing. = Singularis, st. V. = starkes Verbum, Superl. = Super-
lativ, bw. V. = schwaches Verbum. Die Zahlen zeigen die §§ an.)
Altisländisch,
-a s. -a(t).
abbadis F. (262 Anm. 1) Äbtissin.
abbinde N. (190, 1) Stuhlzwang.
abbragü s. afbraqü.
AÜ(g)üs N. pr. (185 Anm.).
aü'de M. (281 Anm.) Sachführer.
af Präp. c. Dat. (447 a) von.
afbragü N. (190, 1) Überlegen-
heit in einer Sache, auch per-
sönlich gebraucht, hon var
mikit a. annara knenna sie
überragte andere Frauen be-
deutend.
afbur&r M. etwas, das etwas
anderes überragt; afburtfar
ma&r ein hervorragender, an-
dere übertreffender Mann.
affgr F. (190, 2) Abreise.
afg0r&, -gertf F. pflichtwidrige
Handlung.
afkuœme N. Nachkommenschaft.
afl N. Kraft, Stärke.
afla sw. V. II. ausführen, zu
stände bringen; a. ftär sich
Vermögen erwerben.
afle M. (52, 3) Stärke.
a freie N. hervorragende That.
afstígr M. Seitenweg.
aka st. V. VI. (382) fahren.
akr M. (230. 242, 1) Acker.
ala st. V. VI. (381) ernähren.
aldenn Adj. (387 Anm. 3) gealtert.
aldr M. Alter.
aldre Adv. niemals.
aldrege Adv. niemals.
alfe s. afle.
algangsa Adj. indekl. (424 Anm. 3)
überall verbreitet.
algOrr Adj. vollkommen fertig,
vollkommen.
alhuga&r Adj. ernstlich be-
schlossen.
allfiolmennr Adj. sehr zahlreich
besucht.
Wörterverzeichnis.
189
allUHegr Adj. sehr wahrschein-
lich ; a. til sehr geeignet zu
etwas.
allmáttegr Adj. allmächtig.
allmigJc Adv. gar sehr, gewaltig
viel.
dllr Adj. (58. 158 Anm. 177, 1
u. Anm. 1. 219. 231 u. Anm.)
all; Gen. Sing, allz, häufig mit
folgendem Relat. er, da, weil;
Akk. Sing. N. allt überall, in
jeder Hinsicht, ganz.
allvaldr Adj.(170', 2) allwaltend.
allveglega Adv. sehr ansehnlich.
allvel Adv. sehr wohl, sehr gut.
allvinsœll Adj. sehr reich an
Freunden.
allynges Adv. (208) ganz und gar.
almannavegr M. Landstraße.
alskipa&r Adj. vollkommen an-
gefüllt mit Menschen.
alvara F. Ernst, Aufrichtigkeit,
Zuverlässigkeit.
alpýcfa F. große Menge, im Gegen-
satz zu hervorragenden Per-
sonen.
ambátt F. Magd.
and- Präf. (233).
anda sw. V. II. atmen, leben;
-as~k sterben ; andaðr ge-
storben.
ande M. Geist.
andldt N. Hinscheiden.
andlegr Adj. geistig.
anfdjlit N. (233) Antlitz.
an(d)skote M. (233) Gegner.
an(d)suar N. (233) Antwort.
androhe, -a Adj. indekl. (343)
schlaflos.
andvane, -a, s. andvanr.
andvanr Adj. (343) entbehrend.
ange M. (76) Dorn.
annarr Num. (107, 1 b. 216. 220
Anm. 1. 361. 363) andere,
zweite; a. tueggia einer von
beiden.
annask sw. V. II. sich um et-
was kümmern.
annmarke M. Fehler in mora-
lischem Sinn.
qptann M. (233. 237) Abend.
aptr Adv. (351, 1) rückwärts,
zurück, wieder.
arfe M. (111. 277) der Erbe.
arfnyte M. (281) der Erbe.
arfr M. das Erbe.
argr Adj. (220 Anm. 2) feige.
armiw<7eM.(126 Anm. 1) unglück-
licher Bursche.
armr Adj. (126 Anm.l. 174) arm,
unglücklich, elend.
armr M. (235) Arm.
ars M. (220 Anm. 2) Arsch.
asTca F. (285) Asche.
askr M. (236) Esche.
-a(t) negat. Partik. (304, 1 u. 2).
at Konj. (122, 5. 454, 1) daß.
at Adv. u. Präp. c. Akk. (436 b),
c. Dat. (447 b. 459, 2), zu, nach,
bei ; vera vel at sér von gutem
Charakter sein ; c. Gen. einer
Person, wo Mise oder ähn-
liches zu ergänzen, bei je-
mandem.
atall Adj. (333) grausam.
aibur&r M. (Gen. -ar, Plur. -er)
Begebenheit.
atfer&F. Benehmen, Aufführung.
atgeirr M. eine besondere
Lanzenart.
atgerð F. Maßnahme.
atgeruematfr = atggruema&r.
atggruemad'r M. tüchtiger Mann.
aíhœfe N. Aufführung.
athgfn F.Vorhaben, Aufführung,
Handlungsweise.
atseta F. Aufenthalt.
atyr&e N. Vorwurf.
au&egr, -ogr Adj. (154. 333) reich ;
«. «i fé reich an Vermögen.
aucTenn Adj. (386 Anm. 2) vom
Schicksal bestimmt, c. Gen.
d. Sache u. Dat. d. Person.
Aucfgísl N. pr. (185 Anm.)
au&r M. (242, 2. 267, 2) Reich-
tum ; a. fidr großes Vermögen.
au&veldr Adj. leicht, ohne Mühe.
au&vitat N. Part. Prät. leicht zu
sehen, augenscheinlich.
auga N. (94. 117.279) Auge, Auge
eines Mühlsteins.
augsýn F. (54,4) Gesichtskreis.
190
"Wörterverzeichnis.
Auisl s. Auðgísl.
auka red. V. (94. 95, 1. 161. 386
Anm. 1) vermehren.
auminge M. (126 Anm. 1) un-
glücklicher Bursche.
aumr Adj. (126, 1) unglücklich.
ansa red. V. (386) schöpfen, be-
gießen.
austan Adv. (350) von Osten
her.
austmadr M. Norweger, eigent-
lich 'Ostmann', vom isländ.
Standpunkt aus.
austr Adv. (351, 1) ostwärts.
austrénn Adj. östlich, von Osten
gekommen, von den Isländern
hauptsächlich für die Nor-
weger gehraucht.
ax N. (202) Ähre.
á F. s. g.
d Präp. c. Akk. (436 b), c. Dat.
(447 b) in, auf, bei, nach.
áðr Adv. Komp. früher, vorher,
bevor, Konj. (454,2 u. Anm. 2).
de M. (278) Urgroßvater.
dfastr Adj. vereinigt, zusammen-
hängend.
dfátt N. Adj. fehlerhaft, mangel-
haft.
dfingenn Adj. berauschend.
dgirne F. (289) Begehrlichkeit.
dgœte N. Berühmtheit.
ágætesma&r M. hervorragender
Mann.
dgætr Adj. (54, 4. 55, 1) be-
rühmt.
dheyrse Adj. indekl. (424 Anm. 3)
wer gehört hat.
ákafamaðr M. hitziger Mann.
dl F. (76. 78) Riemen.
dleikse Adj. indekl. (424 Anm. 3)
wer im Spiel verloren hat.
dleitne F. das, wodurch man
einem zu nahe tritt, Vorwurf.
Älfnij F. N. pr. (260).
dliüenn Part. Prät. zu Ende
gehend, s. UÜa.
dmœle N. Vorwurf.
an Präp. c. Gen. (441) ohne.
ár Adv. (93, 2) früh.
drhialmr M. (119) Erzhelm.
arm sw. V. II. (93, 2. 143, 2)
ausrichten, verschaffen, c.Gen.
der Sache, Dat. der Person
(439 d).
áráðe N. Angriff, Verwegenheit.
dsiá F. (286) Aussehen.
Ásleif F. N. pr. (255).
ássende M. Balkenende.
dst F. Liebe.
dstsamlega Adv. lieb, freund-
schaftlich.
dstsamlegr Adj. lieb, freund-
schaftlich.
ásýnd F. Aussehen.
átiánde Ordin. (361) achtzehnte.
dtta Num. (120. 141, 1. 353)
acht.
dttande Ordin. (361) achte.
dttatugande, -onde Ordin. (361).
achtzigste.
dtte Ordin. (361) achte.
dt(t)idn Num. (353) achtzehn.
áttró&r Adj. (365) 80 Jahre alt.
dvalt Adv. immer, stets.
dverhe M. Körperverletzung.
ápiá sw. V. II. knechten, unter-
drücken.
1).
bagge M. (182) Packen.
bah N. Rücken; d bake, cd bake
c. Dat. (447 a) hinter, nach.
bal-eldr M. Backfeuer.
bana sw.V. II. (444 1 a ß) töten.
banadryJckr M. Todestrank.
banasdr F. Todeswunde.
bane M. Tod.
banna sw.V. II. verbieten.
barmr M. (174. 205) Busen.
barn N. (57. 150. 220. 239) Kind.
baste 8. baztr.
batna sw.V. IL (52,3. 444 Ia T )
besser werden.
batre s. betre.
baztr Adj. Superl. (152. 160,2b.
349 u. Anm.) bester.
báffer Pron. Plur. (357) beide.
bedr M. (268) Bett.
bcicTa sw.V. I b. etwas (Gen.) von
jemandem (Akk.) begehren.
Wörterverzeichnis.
191
beishleihr M. (242, 3) Bitterkeit.
bei skr Adj. beißend, bitter.
bekkr M. (163 Anm. 1. 268) Bach.
beider M. (268) Bank.
belgr M. (268 Anm. 270 Anm.)
Balg.
belte N. Gürtel.
ben F. (258) Wunde.
benda sw.V. Ib (226,4) durch
Zeichen zu erkennen geben,
anzeigen.
bera st. V. IV. (51. 65 Anm.,
107, lau. 2. 122,2. 150. 220.,
378) tragen, darbringen, ge-
bären; b. til dazu beitragen;
impers. berr eitthuat fyrer
(c. Akk.) es erscheint jeman-
dem etwas.
bergbúe M. (125, 1) Bergbe-
wohner.
bergia sw.V. Ib Speise oder
Trank zum Genuß nehmen.
beriet sw.V. la (392) schlagen.
bernskr Adj. noch im Kindes-
alter stehend, kindlich.
betr Adv. Komp. (352) besser.
betre Adj. Komp. (52, 2. 60, 3.
179. 349 u. Anm.) bessere.
beztr s. baztr.
biMl M. (237) Freier.
btöia st. V. V. (151. 380 Anm. 3 b.
416 Anm. 3) bitten, begehren,
c. Gen. der Sache (439 c); b.
Jcono um eine Frau anhalten.
bil N. Zeitraum; íþessobile in
diesem Augenblick.
binda st. V. III. (19, 5. 67 Anm.
72 Anm. 1. 122,4. 149. 170,1.
212,1. 232. 233. 376 u. Anm. 1)
binden; b. lag sitt ein Bünd-
nis schließen; b. rciif einen
Plan fest verabreden, einen
Entschluß fassen.
bindernde F. (126 Anm. 2) Ent-
haltsamkeit.
bindende F. (126 Anm. 2) Ent-
haltsamkeit.
birtci sw. V. I b klar machen,
offenbaren.
bisJcop M. Bischof.
bit N. Biß, Seh wert biß.
U&a st.V. I. (62 Anm. 147. 369
Anm. 2) warten, erwarten, c.
Gen.
Uta st. V. 1. (19, 4. 158) beißen,
auf schmerzliche Weise be-
rühren, verletzen.
biarg N.(43, 2.125, 2. 149) Felsen.
biarga st. V. III. (63 Anm. 64
Anm. 1. 65 Anm. 141 Anm. 1.
375. 412 Anm. 444 I a ß)
bergen.
biartleikr M. Klarheit, Glanz.
biartr Adj. leuchtend, hell.
biócta st.V. IL (71. 72 Anm. 1.
73. 114. 164. 371) bieten, an-
bieten, einladen; jemandem
zeigen, was er zu thun hat,
was seine Schuldigkeit ist;
b.tileme Anerbietung machen.
bióle M.? ein Beiname.
biórr M. (165 Anm.) Biber.
biúga st.V. II. (370) biegen.
Biorgrin s. Bigrgyn.
Bigrgyn F. (260) Bergen.
biqrn M. (274) Bär.
blanda red. V. (387) mischen;
Part. Prät. blandenn unzu-
verlässig.
bláe Adj. (341. 342) der blaue.
bldeygr Adj. blauäugig.
blár(r) Adj. (229. 331. 334 Anm.)
blau, dunkelblau, schwarz.
blása red.Y. (388) blasen.
blesson F. (160, 2 a) Segen.
bleza sw.V. II. (160, 2 a) segnen.
blezon F. (270, 3) Segen.
blindr Adj. (52,2. 107,1a. 118.
123 Anm. 1. 170, 2. 212, 1.
230. 232. 335, 2) blind.
Idictr Adj. freundlich.
blikia st.V. I. (369 Anm. 3)
blicken.
bU& N. Blut.
blóctogr Adj. (43, 3) blutig.
blóme M. Blume.
blóta red.V. (388, 2 u. Anm. 2)
opfern.
&#N.(85,1. 132,2. 133,1. 241)
Blei.
blcjffroskaUe M. Blatternkahl-
kopf, ein Beiname.
192
Wörterverzeichnis.
botf N. Botschaft, Einladung;
Gastmahl, Hochzeitsfest.
botfa sw.V. II. verkünden.
boüorö N. (54, 3) Gebot, Befehl.
bogastrengr M. Bogensehne.
böge M. (277) Bogen.
bogenn Part. Prät. (372 Anm.) ge-
bogen.
bogsueiger M. Bogenschütze.
bóKkr M. (162) Bock.
bolgenn Adj. (377 Anm. 3) an-
geschwollen.
bor ff N. Tisch.
fcon/ F. (149) Burg.
Borr X. pr. (150).
bort s. frroíí.
botn M. (230) Boden.
bozmaür M. (boüsmaür) Gast.
fcófc F. (296, 2) Buche, Buch.
Z>dZ N. (87) Wohnort.
bölsta&r M. Wohnort, Gehöft.
fców s. Z>0w.
fcó^Ze M. (302 u. Anm.) Bauer.
bot F. (Plur. &í?ír) (152) Ver-
besserung, Buße.
bragnar M. Plur. (277 Anm. 2)
Fürsten.
bragr M. (266) Dichtkunst.
brandr M. Stock, Schwertklinge.
ftrairf F. (270, 3j Weg; br. von
dannen, fort, auch d oder %
braut oder brauto.
braftdaucfr Adj; eines plötzlichen
Todes verstorben.
?>ra#r Adj. plötzlich, schnell; N.
brcttt bald.
fcre#6to st.V. III. (373 Anm. 2)
ans Licht ziehen, in Bewegung
versetzen, schwingen ; br.suer-
&e, saxeno, das Schwert aus
der Scheide ziehen; br. sér
vi& c. Akk. sieh um etwas
kümmern, sich etwas anfech-
ten lassen; -ask vi& sich in
Bewegung setzen.
breiffr Adj. breit.
brekka F. abschüssiger Hügel.
brennet st. V. III. (376 Anm. 2.
416) brennen.
brenna sw.V. Ib (169, 2) ver-
brennen, anzünden.
bresta st.V. III. (373) bersten.
breytneF. was vom gewöhnlichen
abweicht, neuer Brauch.
brig(ß)zle N. Vorwurf, Schande.
bringa F. Brust.
brinna st.V. s. brennet.
brióst F. (143, 2) Brust.
brióta st. V. II. (19, 4. 100, 1.
122, 2. 124. 127, 2. 148. 164.
371) zerbrechen.
broddr M. Spitze.
brosa sw.V. III. (403 Anm.)
lächeln.
brotna sw.V. II. zerbrechen,
entzwei gehen.
brot(t) Adv. (220 Anm. 2) fort,
weg, hin; í br. dasselbe.
bvottferü F. Abreise.
bróffer M. (86. 87, 1. 193. 299)
Bruder.
bróðorkona F. Frau des Bru-
ders.
brok F. (296, 1) Hose.
bru&r 8. brunnr.
bruggenn Adj. (377 Anm. 3) ge-
braut.
brullaup N. (143, 1. 204 Anm. 1)
Hochzeit.
brunnr M. (216 Anm. 242, 1)
Brunnen.
brú F. (256) Brücke.
brúcTgume M. Bräutigam.
brú&hlaup s. brullaup.
bru&huüa F. (54, 4) Brautbett.
bruür F. (270, 1. 2. 3) Braut.
brúnáss M. Giebelbalken.
bryllaup N. (124. 127 Anm. 1)
Hochzeit.
brynia F. (223) Brünne.
bryte M. (281 u. Anm.) Vor-
schneider.
brg F. (252) Augenbraue.
bundenn Part. Prät. zu binda
(333).
buna? ein Beiname.
ftur^r M. (266. 270 Anm.) Ge-
burt.
bin-r M. (150. 267, 2. 270 Anm.)
Sohn.
bú N. (241) Wohnort, Haus-
haltung mit allem Zubehör.
"Wörterverzeichnis.
193
búa red.V. (51. 134. 137. 144.
386. 415) 1. wohnen, 2. rüsten,
bereiten, ausstatten; b. fyrer
vorhanden sein.
biiande M. (302 u. Anm.) Bauer,
Hausherr, Ehemann.
bú& F. Bude, Hütte, Zelt.
búcf Partik. das kann noch
sein.
bui' M. (137. 278) Bewohner.
búna&r M. Ausrüstung.
búnengr M. Ausrüstung,
Schmuck, Bekleidung.
búr N. Gebäude, Vorratshaus.
bústaðr M. "Wohnort.
bycß F. (52, 3) Wohnung.
bygðarmaur M. Bewohner einer
Landschaft.
bygg N. (250) Gerste.
byggelegr Adj. geeignet zur An-
siedlung.
byggua,-ia sw.V. Ib(395 Anm.l)
wohnen, bebauen.
-bygguar M.Plnr. (282) Bewohner.
bylgia F. (286) Woge.
byrff F. (270 Anm.) Geburt.
byr&r F. (74, 1. 262) Bürde.
byria sw T .V. II. (400) beginnen.
byrr M. (129 Anm. 268 Anm.)
günstiger Fahrwind.
byrr s. burr.
bysia sw.Y. Ia (392 Anm. 1)
strömen.
bý N. (135 Anm.) Dorf.
báðe N. Plur. von bá&er, vielfach
adverb. gebraucht, beides.
bm F. (270 Anm.) Bitte, Gebet.
bór M. (87, 2) Dorf, Stadt, auf
Island Gehöft; bewohnte Land-
schaften der mehrere Gehöfte
liegen, die ziemlich weit von-
einander entfernt sein können.
Uta sw.V. Ib (171,2) besser
machen, etwas zur Wiederer-
stattung thun; b. mann fé
Buße für einen (erschlagenen)
Mann bezahlen.
bgff F. (264) Kampf.
bgl N. (59, 2. 248) Unglück
bglna sw.V. II. (401) verfluchen.
bgrlr M. (272) Rinde.
dagr M. (19, 1. 19, 6. 20, 1. 58.
107, la 122, 2. 123 Anm. 1.
152. 169, 1. 179. 242 Anm.
Tag; epter sinn dag nach)
ihrem Tode.
dagver&r M. Frühstück.
clalr M. ^267, 4) Thal.
danslcr Adj. (123) dänisch.
darr N. Lanze.
dau&adagr M. Todestag.
dauð~dage M. Tod, Todesart.
dau&e M. Tod.
dau&r Adj. (94. 424 Anm. 2) tot.
dclenn Part. Prät. s. deyia (133, 2.
134 Anm.) tot.
deila sw.V. Ib (169, 3. 422
Anm. 1) teilen, streiten.
des F. (259) Heuschober.
detta st.V. III. (373) nieder-
fallen.
deyia st.V. VI. (52, 1. 95, 1.
381 Anm. 2 a. 424 Anm. 2)
sterben.
dirfcf F. Mut, Kühnheit.
diskr M. Schüssel.
tf/.s F. göttliche Frau.
-dis F. (in Namen) (262 u.
Anm. 1.).
diarflega Adv. kühn, dreist.
diarfleikr M. Mut.
tf/ar/V Adj. (332) kühn.
<&#r Adj. (156. 348) tief.
diúpúð'egr Adj. sehr klug, Bei-
name der Unnr, die sonst
meistens diúpaad'ga c die sehr
reiche' genannt wird. Welches
der ursprüngl. Beiname war,
ist schwer zu entscheiden.
dómande M. Richter.
dómare M. (126 Anm. 2. 277)
Richter.
dómere M. (126 Anm. 2) Richter.
dómr M. (153) Urteil; tfows
dagr Tag des jüngsten Ge-
richts.
dómreyner M. Erprober des Ur-
teils; d. darra Erprober des
Urteils der Lanzen, Kämpfer,
hier einfach gleich Mensch.
Kahle, Ausländisches Elementarbuch.
13
194
Wörterverzeichnis.
dotier F. (75, 1. 122, 2. 141, 1.
203. 231. 299) Tochter.
draga st.V. VI. (43, 2. 60, 3.
181. 382) ziehen; d. til impers.
zu etwas führen, Folgen haben.
dramb N. (233) Prahlen.
draugr M. (43, 2) Gespenst.
draumr M. (236)' Traum.
dregg F. (259) Hefe.
dreifa sw.V. Ib. vertreiben, zer-
streuen; -aslc sich zerstreuen,
sich ausbreiten.
drékJca st.V. III, (68. 75, 2 a.
212, 2. 373 Anni. 2) trinken;
dr. erfe, brullaup ein Erbmahl,
eine Hochzeit feiern.
drengelega Adv. mannhaft.
drengr M. (268 Anm.) Jüngling.
drepa st.V. V. (169,1. 380) durch
Erschlagen töten.
dreyma sw. V. I b (435 d) träumen.
dreyre M. (95, 2) Blut.
dreyrogr Adj. blutig.
drifauLV. I. (147. 369) treiben,
intr. von Unwetter gebraucht;
dreif folk das Volk strömte
zusammen.
driúpa st.V. II. (148. 370) triefen.
Droplaug F. N. pr. (255).
dróttenn M. (75, 1. 203) Herr.
drótftjneng F. (116, 1 c. 252)
Herrin, Königin.
dróttsete M. (54, 3. 55, 1) Truch-
seß.
d/rykkia F. Trinken.
dryJckr M. (75, 2 a) Trunk.
duga sw. V. III. (403, 1 a) taugen.
dugr M. (267, 2) Tüchtigkeit.
dumbr Adj. (343) sprachlos.
dúfa F. Taube.
düfa st.V. IL (372) nieder-
drücken.
dükr M. Tuch.
duelia sw.V. Ia (392) auf-
halten; -aslc sich aufhalten.
dnergr M. (149) Zwerg.
daol F. Aufenthalt.
dyggr Adj. (339 Anm. 2) treu.
ctyrcr M. (268) Getöse.
dyrgm F. (149) Zwergin.
dyrr F. Plur. (74, 2) Thür.
<7?/í"íí sw. V. I. a (393) schütteln*
dýpt F. (100, 1) Tiefe.
dýr N. (100, 2) Tier.
dyrü F. Herrlichkeit.
dýrlegr Adj. kostbar.
dýrlengr M. Person, die jeman-
dem teuer ist, die in Ansehen
bei ihm steht.
dýrr Adj. (143, 1. 348) teuer.
dégr N. (152) Tag und Nacht,
die Zeit von 48 Stunden.
dél F. (270 Anm.) Thal.
déU M. (267, 1) Thalbewohner.
déma sw.V. Ib (52 Anm. 127,2.
395 Anm. 3) richten.
dßme N. (247) Behauptung, Bei-
spiel.
dggg F. (264) Tau.
dgghngr M. (106) Fürst.
dggur&r s. dagverffr.
dg& F. (153) Geschicklichkeit.
edda F. (169, 5) Poetik.
e$a Konj. (57. 232. 456) oder.
e&le N. Naturanlage, Fähigkeit.
e&r Konj. = e&a.
e/Konj. wenn (454, 3); ob (456).
efne N. Stoff, Material; Möglich-
keit etwas auszuführen; Ver-
mögen, Vorräte; Stellung, Um-
stände, in denen sich eine
Sache oder Person befindet.
(fnelegr Adj. tüchtig.
efre s. 0fre.
efstr s. ofstr.
efster s. epter.
efter s. epter.
egg F. (260) Schneide.
egg N. (51. 224) Ei.
eggia sw.V. II. (400) anreizen.
eggian F. Anreizung.
eggianarfífl N. Einfaltspinsel,
den man zu allem veranlassen
kann.
ei&r N. (242, 2. 267, 2) Eid.
-eicfr F. (in Namen) (262).
eiga Prät.-Präs. I. (51. 93, 1.
229. 406) haben, besitzen;
zur Ehe haben, verheiratet
sein mit jemandem.
Wörterverzeichnis.
195
eigande M. (55, 2) Besitzer.
eige Adv. nicht.
eigenn Adj. (406 Anm.) eigen.
eign F. Eigentum, besonders
Landbesitz.
eigna sw.V. II. jemandem etwas
zum Eigentum anrechnen
oder machen; eigna(sk) sér
sich etwas aneignen.
eil F. (296, 2. 297) Eiche.
eili fr Adj. ewig.
eineng F. ^367) Einheit.
einfaldr Adj. (364) einfach.
ehdamal N. Plur. besondere
Verabredung.
einn Num. Pron. (212 Anm. 321
Anm. 2. 353. 355) einer, irgend
einer.
einfnjge s. en (n)ge.
ein(n)huerr Pron. (320) irgend
einer.
einn-saman Adj. ganz allein.
einrœtfe N. selbstgefaßter Be-
schluß.
einväld N. Alleinherrschaft.
einvalzrike N. Alleinherrschaft.
einvíge N. Einzelkampf, Zwei-
kampf.
eir N. (93 Anm. 3. 119) Erz.
eitthuat N. (320 Anm.) irgend
was.
eTc Pron. (122, 5. 161. 229. 303.
304, 1) ich.
eiche Pron. u. Adv. s. en(n)ge(l4S,l)
nichts, nicht.
ekkia F. (19, 5. 286) Witwe.
eldask sw.V. Ib alt werden.
eldeslíð~ N. brennendes Scheit.
éldhús N. Haus, in dem gekocht
wird, Küche.
cldr M. (242, 2) Feuer.
eldstó F. Feuerstätte.
elüe N. Erzeugen, Gebären.
-elfr F. (in Namen) (262).
élgr M. (265) Elenn.
eít'an N. Stand haftigkeit.
Ella N. pr. (285).
ella Adv. oder Konj. sonst; e&a
— ella entweder — oder.
eile F. (289) Alter.
ellefo Num. (353) elf.
ellefte, -epte Ordin. (361)
elfte.
ellegar Adv. oder Konj. andern-
falls, im übrigen, oder.
éllemóðr Adj. vom Alter be-
drückt.
eure Adj. Komp. (158 Anm. 349)
ältere.
el(l)ztr Adj. Superl. (158 Anm.)
elska sw.V. IL (398) lieben.
elta sw.V. I b drücken, ver-
treiben.
embætte N. Dienst, Amt.
en s. en(n).
enda Konj, auch, und auch.
ende M. Ende.
endeme N. etwas Unerhörtes.
e«i/ F. (259 Anm.) Wiese.
enge N. (43 Anm.) Wiese.
engell M. Engel.
Englalonongr M. König der
Engländer.
England N. England.
m#r s. óngr Pron.
-e»#r (242, 3).
enn Pron. (233. 313. 314. 315)
der.
en(n) Adv. wiederum, ebenso
wie vorher, trotzdem. Meistens
enn geschrieben; das Verhält-
nis von en : enn ist in den
ältesten Handschriften unge-
fähr gleich 1 : 23.
en(n) Konj. (454, 6) als, bei komp.
Ausdrücken, meistens en ge-
schrieben; das Verhältnis von
en : enn in den ältesten Hand-
schriften ist ungefähr gleich
20 : 1. Es ist daher in den
Lesestücken an den betreffen-
den Stellen en in enn zu
ändern.
en(n) Konj. aber, und. Meistens
en geschrieben; das Verhält-
nis von en : enn ist in den
ältesten Handschriften unge-
fähr gleich 10 : 1.
enne N. (247) Stirn.
enfnjge Pron. (143, 1. 160, 1.
232. 322) keiner.
13*
196
"Wörterverzeichnis.
ejpter Präp. (187. 188 Anm.) c.
Akk. (436 b. 459, 2), c. Dat.
(447 b) nach, gemäß, Adv.
danach, darauf.
epterstaðse Adj. indekl. (424
Anm. 3) zurückgeblieben.
er s. es.
erendeslauss Adj. fruchtlos; at
erendeslauso fara ohne Erfolg
bleiben.
erfa sw.V. Ib (395) erben.
erfe N. Erb mahl.
erfeüe N. (247) Arbeit.
erfeür Adj. beschwerlich, müh-
sam; lief er oss er fett veitt er
hat uns viel Schwierigkeit
bereitet.
erfenge M. (281) der Erbe.
Erla N. pr. (110).
Erlengr N. pr. (63 Anm.).
ermr F. (262) Ärmel.
es relat. Partik. u. Konj. (122, 5.
317), es wird gebraucht 1. für
alle Kasus des Relativprono-
mens (455); 2. weil, da als,
wenn \þá er) (454 Anm. 2);
nachdem (si&an erj; daß, wie.
eta st.V.V. (227.380 Anm.2) essen.
etke s. ekke,
eij F. (51. 260) Insel.
e\ßa sw.V. Ib (169, 5. 170, 2.
444 laß) veröden, vernichten.
eyiarskegge M. (281) Inselbe-
wohner.
exjra N. (95, 2. 279) Ohr.
egrerM. (Plur. aurar)Öre, Münz-
einheit im Werte von 1 js Mark;
im Plur. allgemein Geld.
egstre Adj. Komp. (350) öst-
lichere.
Eyvindr N. pr. (242, 2).
ér Fron. Nom. Plur. (82.303.304
Anm.) ihr.
f.
fauer M. (111. 123 Anm. 1. 127
Anm. 3. 155. 168. 298) Vater.
fagna sw.V. II. (122, 3. 397.
398. 411. 415) sich freuen,
f. % (c. Akk.) über etwas; be-
grüßen (444 I aß).
fagr Adj. (180. 335, 1. 350 Anm.)
schön.
fagrhár Adj. schön von Haar.
fagrlegr Adj. schön, angenehm.
fagrmigl N. schönes Mehl.
fagrmcéleN. schöne Redensarten.
falda red. V. (387 u. Anm. 2) den
Kopf bedecken.
-faldr (364).
fall N. Fall, Tod.
fallet red.V. (387. 411. 415)
fallen; saman f. überein-
stimmen; /. tu etwas zur
Folge haben.
fang N. Griff, mit dem man etwas
greift; der Raum, den man
mit ausgebreiteten Armen um-
schließen kann; fgng Mittel,
um etwas auszurichten.
fara 8t. V. VI. (42, 1. 52, 1.
152. 177, 3. 186. 381. 413.
415. 416) in Bewegung sein,
fahren, reisen ; sich benehmen ;
hárit fór vel das Haar sah
gut aus; cel man þér f. du
handelst gut; f. leynelega
heimlich bleiben ; fór suá
framm es ging so weiter; f.
lata bgrnom die Kinder er-
morden lassen; f. mit einem
Adverb, frei, illa, siid) und
dem Dat. der Person: es er-
geht einem gut etc.
farvegr M. Reiseweg.
fast Adv. fest, kräftig.
fastr Adj. (335, 2) fest.
fat N. Faß; Reisegepäck, Klei-
dung.
fata s. feto.
fá red.V. (76. 387 Anm. 1)
greifen, fangen, bekommen,
erhalten; c. Gen. heiraten
(439 b) ; jemandem etwas über-
geben.
fd sw.V. IL (399) malen.
fálátr Adj. verschlossen, zurück-
haltend.
fár Adj. (334) wenig; verstimmt;
var feitt um med þeim bró&rom
die Brüder waren verstimmt,
hatten wenig Verkehr mit
Wörterverzeichni s.
197
einander; gefa sér fätt um
sich wenig um etwas kümmern.
fárramr Adj. furchtbar stark.
feügar M. Plur. Vater und Sohn.
fegen n Adj. (383 Anm. 2) erfreut.
feilan Adj.? ein Beiname.
felast.V. IV. (Berichtig, u. Nachtr.
zu S. 101 § 378 Anm. 1) ver-
bergen.
feldr M. (266. 267,3 u. 4) Mantel.
fella sw.V. I b (169, 2. 395 Anm. 3)
fällen.
ferü F. Fahrt, Reise.
fertfabroddr M. der vorderste in
einer Schar.
ferell M. (154. 237 Anm. 1) Rei-
sender, Reise.
ferlegr Adj. widerwärtig, ab-
scheulich.
fertugande, -onde Ordin. (361)
vierzigste.
fertógr Adj. (104. 274 Anm. 1)
40 Jahre alt.
festa sw.V. Ib fest machen, be-
festigen; verloben.
fet N. Schritt, Fuß (als Längen-
maß).
fé N. (124. 139. 204. 241 Anm.
274 Anm. 2) Vieh, Vermögen,
Geld; Flur. Habe, Habselig-
keit; ßurfte ekke fé at "kaupa
es bedurfte keines Geldes, um
(Land) zu kaufen.
fekostnacfr M. Aufwand von Geld,
Ausgabe.
félage M. (277) Genosse.
féska&e M. Vermögensverlust.
fimm Num. (190 Anm. 1. 209, 1.
353) fünf.
fim(m)tán Num. (353) fünfzehn.
fim(m)tdnde Ordin. (361) fünf-
zehnte.
fim(m)te Ordin. (361) fünfte.
fim(m)tugande, -onde Ordin. (361)
fünfzigste.
fimt F. (367) Anzahl von fünf.
fimtunqr M. fünfte Teil.
fingr M. (294) Finger.
finna st.V. III. (194, 2. 212, 1.
216 Anm. 376 Anm. 3) finden,
bemerken, aufsuchen, treffen;
erfinden; f. at c. Dat. d. Per-
son etwas an jemandem ta-
deln ; fannzk monnom mikit
um es wurde sehr bemerkt.
firra sw.V. Ib entfernen, be-
rauben, c. Akk. d. Person u.
Dat. d. Sache.
fislnstgð' F. zur Fischerei ge-
eigneter Platz.
fiskne Adj. von fiskenn gut zu
fischen? Sonst erscheint der
Beiname Ketils als finzhe c der
finnische 5 oder fiflske f der
thö richte 5 .
fish- M. (67. 197. 236) Fisch.
fit F. (259) Schwimmhaut.
fifl M. (140. 209, 1) Riese, be-
sonders von dummen Riesen
gebraucht, Thor.
fiall N. (239. 242, 2) Felsen,
Berg.
fiande, fiánde M. (19, 3. 135.
302 u. Anm.) Feind.
fiandskapr M. (266) Feind-
schaft.
fiara F. Ebbe; der Teil des
Strandes, der durch die Flut
überspült wird.
fiar&arbotn M. innerster Teil
eines Fjordes.
fiarre Adv. (221) fern; fór pat
fiarre um mann das ziemte
dem Manne wenig.
fiárhlutr M. Eigentum, Habe.
fidrvarcfceizla F. Vermögensver-
waltung.
fiogor, fiugur s. fiorer.
fiogfojrtän Num. (353) vierzehn.
fiog(o) Hände Ordin. (361) vier-
zehnte.
fiol- Präf. (64) viel, sehr.
fiör&e Ordin. (361) vierte.
fiórer Num. (64 Anm. 2. 353. 359)
vier.
fiórtán Num. (353) vierzehn.
fiórtánde Ordin. (361) vierzehnte.
fiórtugte Ordin. (361 Anm. 1)
vierzigste.
fiugurtán s. fiogortdn.
fiuq(u)rtánde s. fiogortánde.
fi(jür F. (253) Feder.
198
Wörterverzeichnis.
fiolkunnegr Adj. Zauberkünste
verstehend.
figlmenna sw.V. Ib zahlreich
an Volk machen, viele Leute
sammeln.
figlmenne N. eine Menge Men-
schen.
fiolmennr Adj. zahlreich an Volk.
figrðr M. (67 Anm. 271. 274
Anm.) Meerbusen.
Figrgyn N. pr. F. (260).
figtorr M. (237 Anm. 2) Fessel.
flatnefr Adj. plattnasig, ein Bei-
name.
flá st.V. VI. (383) schinden.
fldr Adj. (192) falsch.
fleire Adj. Komp. (57. 143, 2.
349) zahlreicher.
flestr Adj. Superl. (143, 2. 349)
der meiste.
flióta st.V. IL (371) fließen.
fliúga st.V. IL (96. 101 Anm.
181 Anm. 204. 370 Anm. 1.
372) fliegen.
flohkr M. Schar.
flotnar M. Plur. (277 Anm. 2) See-
leute.
fló F. (81, 2) Schicht.
fló F. (96. 296, 1) Floh.
flótt N. (86. 186) Flut.
flöhe M. zusammengefilztes Haar
oder Wolle.
flókenn Adj. (388 Anm. 3) ver-
worren.
flilga s. fliúga.
flýia st.V. II. (96. 126, 2. 133
Anm. 1. 192. 370 Anm. 2)
fliehen.
flýtia sw.V. Ia übers Wasser
führen, transportieren.
flóctr F. (262) Flut.
fléia s. flýia.
fólqenn s. fela.
folk N. (46. 2. 141, 2) Volk.
forbod- N. (54, 4) Verbot.
/br#a sw.V. IL bewegen; -asfc
c. Akk. zu entgehen suchen.
forenge M. (185 Anm.) Anführer.
forlgg N. Plur. Leben, das man
nach Schicksalsbestimmung
zu führen hat.
/bra Adj. alt, von alters her.
for(r)að N. (232) gefährlicher
Platz.
forraü N. Botmäßigkeit.
forrostolauss Adj. ohne Leiter,
Beschützer.
forsiá F. Vorsicht, Sorge.
/brs^eZZ N. (103. 125, 1) schwerer
Verlust.
fóstbrócfer M. Pflegebruder.
/ósír N. Erziehung.
fóstra sw.V. IL aufziehen, er-
ziehen.
/osíre M. Pflegevater , Pflege-
sohn.
fótr M. (86. 87, 1. 293) Fuß.
fótspor N. Fußspur.
framaferü F. Fahrt, durch die
man Berühmtheit erwirbt.
framan Adv. vorn, an der Spitze;
voran, vorwärts.
framanverd'r Adj. vorwärts ge-
wandt.
framarr Adv. Komp. länger,
darüber hinaus, mehr.
framaverk N. hervorragende
That.
framhgggiar, -uar M. Plur. (281
Anm.) Mannschaft im vor-
deren Teil eines Kriegsschiffs.
frame M. Mut, Tapferkeit, Be-
rühmtheit.
framgangr M. Erfolg.
fram(m) Adv. vorwärts. Da die
ältesten Handschriften fast
ausschließlich fr am schreiben,
so ist diese Form in den
Lesestücken einzusetzen.
fr ata s. freta.
frd Adv. u. Präp. (209, 2.) c. Dat.
(447 a) von, von her, weg von
etwas ; út í frei darüber hinaus,
außerdem.
frágerd' F. Auszeichnung, Ab-
weichung vom gewöhnlichen;
fráger&amaðr ein hervorragen-
der Mann.
frdr s. fror.
■freür (in Namen) (242, 2).
fregnast.Y.Y. (186. 380 Anm. 3c.
416) fragen, erfahren.
Wörterverzeichnis.
199
f reistet bw.V. II. (143, 2) ver-
suchen.
fréklega Adv. streng, rauh.
frelse N. Freiheit.
fremia sw.V. Ia ausführen, voll-
bringen.
fresta s. f reistet.
Frei/r N. pr. (268 Anm.).
fri&r M. (Gen. -ar) Friede.
Fri&r ékr s. Frirekr.
fri&samr Adj. friedlich.
JFWgrfl N. pr. F. (260).
fri&r Adj. (334 Anm. 335, 2)
schön.
-/Wdr (in Namen) (262).
Frirekr N. pr. (172).
/Wár s. /V«r.
/Wdr s. fr ér.
friósa st.V. II. (72 Anm. 2. 371
Anm. 1. 416) frieren.
fröür Adj. klug, weise.
fror Adj. (339 Anm. 2) hurtig.
frumvaxta Adj. indekl. (343) aus
gewachsen.
/foi F. (285 Anm.) Frau.
fri/ia sw.Vi. 1 a u. b. (393 Anm. 1)
absprechen, c. Gen. d. Sache,
Dat. d. Person (439 d).
frýia F. Vorwurf.
fré N. (93 Anm. 1. 138. 250)
Same.
frégif F. rühmende Erwähnung,
Kuhm.
frœgr Adj. (348) berühmt.
fremde M. (302 u. Anm.) Bluts-
freund, Verwandter.
frthifdjlona F. (233) Muhme.
frendlicJ N. Verwandtengefolg-
schaft
frœndseme F. (289. 290) Ver-
wandtschaft.
fr ér (93 Anm. 2. 339) fruchtbar.
-fr0&r (in Namen) (242, 2).
frj&e F. (114. 289) Kenntnis.
freien Adj. mutig, tapfer.
froknlega Adv. tapfer, mutig.
fugl M. Vogel.
fullkosta Adj. indekl. gut genug.
fullr Adj.. (46, 1. 219. 335, 1)
voll; at fullo vollkommen,
gänzlich.
füllting X. Beistand.
fundr M. (267, 3) Zusammen-
kunft, Besuch.
füll Adj. (46, 1. 88. 89, 1) faul.
fúss Adj. (177,4. 214, 3) bereit,
entschlossen zu einer Sache.
fylgia sw.V. Ib (169, 4) folgen.
fyÜcesJconongr M. Gaukönig, Be-
zeichnung der Kleinkönige
vor Errichtung des norwegi-
schen Einheitsstaates.
fylkia sw.V. Ib das Heer in
Schlachtordnung aufstellen.
fylla sw.V. Ib anfüllen, voll-
ständig machen, erfüllen.
fyr s. fyrer.
fyre s. fyrer.
fyrer Präp. c. Akk. (436 b), c.
Dat. (447 b) vor, wegen; f.
sunnan, norefan c. Akk. (436c)
im Süden, Norden von; f. in-
nan c. Akk. innerhalb.
fyrermad'r M. Anführer.
fyrläta red.V. verlassen.
fyrre Adj. Komp. früherer.
fyrerrennare M. Vorläufer.
fyrläta red.V. verlassen, auf-
geben, verschmähen.
fyrr Adv. Komp. früher; f. enn
Konj. (454, 2 u. Anm. 2) bevor.
fyrst Adv. Superl. zuerst.
fyrstr Adj. Superl. (74, 2. 361.
362) erste.
fýla F. (89, 1) Fäulnis.
fýsa sw.V. Ib antreiben, be-
treiben.
fýselegr Adj. wünschenswert,
vorteilhaft,
fœr(r)e Adj . Komp. (229) weniger.
ß&a sw.V. Ib (171, 1) ernähren,
gebären.
fóddr Part. Prät. vón fóða (335, 2).
ßra sw.V. Ib (395. 411) et-
was in Bewegung setzen;
führen, bringen; aldr fórffesk
yfer hann das Alter kam über
ihn
fére N. Gelegenheit, etwas aus-
zuführen.
fprleikr M. Befähigung, etwas
auszuführen.
200
Wörterverzeichnis.
fózla F. (171, 1) Nahrung.
fgðorfránde M. Verwandter
väterlicherseits.
fgftorlegv Adj. väterlich.
fqgnoðr M. (267 Anm. 272 Anm.)
Freude.
fggrtdnde s. fiogortdnde.
fglr Adj. (338. 339 Anm. 3)
bleich.
fglska&r Adj. mit Asche bedeckt.
fglue Adj. (342) der Bleiche.
fgr F. (254) Fahrt, Reise,
f groll Adj. (154. 333) umher-
streifend, auf der Reise be-
findlich.
fgroneyte N. Reisebegleitung, Ge-
folgschaft.
gahba sw. V.U. (167) zum Narren
halten.
gaäär M. (175, 1) Stachel.
gagn N. Hilfe, Nutzen, Vorteil.
gagna sw.V. II. nützen.
</aZa st.V.VL (381. 416) singen.
galge M. (141,2) Galgen.
gamall Adj. (122 Anm. 1. 130, 2.
183. 331. 335, 1. 349) alt.
gaman N. (122 Anm. 1. 240)
Freude.
gammr M. (231) Geier.
ganga red.V. (185. 212, 2. 387
u. Anm. 1) gehen; g. af als
Überschuß übrig bleiben ; g.
unclcui aus jemandes Besitz
kommen.
gapa sw.V. III. (422, 3) gähnen.
garffr M. (236) Zaun, das Um-
zäunte, der Hof mit sämt-
lichen Baulichkeiten, Gehöft.
Garmr N. pr. (220 Anm. 2).
gasse M. (143, 1) Gänserich.
gata F. (284) Gasse.
gd sw.V. III. (403) achten.
gdta F. (285) Rätsel.
-ge (-Tee) neg. Partik. (184, 2).
gefa st.V. V. (42,2. 43,1. 54,1.
65 Anm. 151. 380. 412 Anm.
415) geben; gefa(sk) illa sich
als schlecht erweisen.
gefande M. (107 Anm. 126, Ib.
301) Geber.
gefande Part. Präs. (126 Anm. 2.
130, 2. 344) gebend.
gegn Präp. c. Dat. (447 a) gegen,
meist mit vorhergehendem i.
gegnom mit und ohne vorher-
gehendes i, 1. Präp. c. Akk.
(436 c) durch, hindurch, 2. Ad v.
ganz zu Ende.
geigr M. Schaden, Verletzung.
geil F. Schlucht, Plur. geilar
Weg zwischen Zäunen oder
Häusern.
geirr M. Lanze.
Geirr0&r N. pr. (242, 2).
gerü F. (253) Handlung.
-gerefr (in Namen) (262).
gerr s. gorr.
ger seine s. g0rseme.
ger(u)a s. g0r(u)a.
gestr M. (60, 1. 106. 114. 122, 2.
123 Anm. 1. 126,1a. 151. 155.
177 Anm. 3. 179. 183. 267, 2.
270 Anm.) Gast.
geta st.V. V. (65 Anm. 380) be-
kommen, empfangen; ver-
bunden mit dem Part. Prät.
eines Verbums: erreichen, daß
man die Handlung des im
Part, stehenden Verbums aus-
führt, z. B. gat eige hitt kann
es gelang ihm nicht ihn zu
treffen.
geyia st.V. VI. (381 Anm. 2a)
bellen, heulen.
giß F. (186) Gabe.
gimsteinn M. Edelstein.
ginna sw.V. Ib (395 Anm. 5)
bezaubern.
gipt s. gift.
gipta sw.V. I b verheiraten (ein
Mädchen).
gimaslc sw.V. Ib (233) ver-
langen.
qimdarrdö" N. Neigungsheirat.
Gissorr N. pr. (160, 2a. 237).
gista sw.V. Ib (151) als Gast
besuchen.
gigia F. (43 Anm.) Geige.
giafa s. gefa (65 Anm.) geben.
Wörterverzeichnis.
201
giafall Adj. (154) freigebig.
giafmildr Adj. (125, 1 Anm.) frei-
gebig.
gialda st.V. III. (43, 1. 65 Anm.
125, 1 Anm. 170, 1 u Anm. 1.
375. 412 Anm. 415. 439 a)
gelten, entgelten, zahlen; þess
g. dessen entgelten, dafür
büßen.
gialddagelsl. (125,1 Anm.) Zah-
lungstag.
gialla st.V. III. (375) gellen.
giata s. geta.
gióta st.Y. II. (371) gießen.
Giüke N. pr. (165 Anm.).
gigf F. (125,1 Anm. 253) Gabe.
gigfoll Adj. (154) freigebig.
gigr(u)a s. górfuja.
gladdr Part.Prät. von gle&iaföSS).
glacfmæltr Adj. lebhaft in der
Sprache.
gla&r Adj. froh.
gla&stýrande M. einer der fröh-
lich steuert, lenkt; g. kialar
slóða einer der fröhlich das
Meer befährt, Seemann, über-
haupt Mann, Kämpfer.
Glaser N. pr. (246 Anm.).
glecíe N. Freude.
gle&ia sw.V. Ia (392 Anm. 1)
erfreuen.
glepia sw.V. I a (171, 4. 392
Anm. 1) narren.
glfkia sw. V. Ib (171, 4) ver-
gleichen.
glikr Adj. (122, 1) gleich.
glóa sw.V. II. (144) glühen.
gluggr M. Öffnung, besonders
Fensteröffnung.
glumra sw.V. II. (74, 2) rasseln.
glymr M. (74,2. 268 Anm.) Ge-
töse.
gh) N. (85, 1) Freude.
()Í0ggr Adj. (61. 184,2. 228. 328
Anm.) genau, deutlich.
glépr M. »Sünde.
glgggr s. glöggr.
gnogr Adj. genug.
gnúa red.V. (384) schaben.
gnýia sw.V. Ia u. b (393 Anm. 1)
tosen.
go& M. N. (239) Gott.
go&e M. Priester, auf Island zu-
gleich Tempelvorsteher und
politisches Oberhaupt des zum
Tempel gehörenden Bezirkes.
golf N. Fußboden, Diele.
'gotnar M. Plur. (277 Anm. 2)
Goten.
góðgiam Adj. das Gute liebend,
wohlwollend.
göür Adj. (116, 1 c. 143, 1. 332.
335,3. 349) gut.
göümle M. guter Wille.
grafa st.V. VI. (152. 165. 381)
graben, begraben.
gramr M. (242, 3. 267, 2) Fürst.
grandvarr Adj. vor Sünden sich
hütend.
granne M. (122, 1. 175, 2. 277)
Kachbar.
grár Adj. (334) grau.
grata red.V. (79. 80, 1. 81, 1.
153. 388) weinen.
greip F. (296, 4) Hand.
grenia sw.V. II. (400) heulen.
Gretter N. pr. (246).
grim(m)ð F. Verbitterung, Feind-
schaft.
grimmr Adj. (210) grimmig.
gripa st.V. 1. (43, 1. 91. 156.
369) greifen.
gríss M. (267, 1 u. 4) Ferkel.
griót N. Steine.
gróa red.V. (384) wachsen,
keimen.
gróf F. (152) Grube.
gruðr s. grunnr.
grunlauss Adj. (127, 1) unver-
dächtig.
grunnr Adj. (347) seicht.
grúfa sw. V. III. (403) sich nieder-
beugen.
greif a sw.V. I b (169,5) wachsen
lassen.
gréftare M. Erlöser, Heiland.
grönn Adj. grün.
gróta sw.V. Ib(153) zum weinen
bringen.
guddómr M. (169, 6) Gottheit.
gutf s. goff.
guffr F. (262) Kampf.
202
Wörterverzeichnis.
-gu&r s. -gunnr.
Gudrun N. pr. F. (255).
Gu&r0&r N. pr. (66, 1).
quüsife M. (281) Pate.
gull N. (194, 1) Gold, goldener
Fingerring.
gúllbúenn Adj. mit Gold verziert.
gullhringr M. Goldring.
gullsaumaðr Adj. mit goldenen
Fäden gestickt.
gulr Adj. gelb.
grttíwe M. (277 Anm. 2) Mann.
Gunnarr N. pr. (237).
Gunnlgü N. pr. F. (255).
-gunvr (262).
éwscr N. pr. (246 Anm.).
</2/#<a F. (286) Göttin, Priesterin.
gyggua, -ia st.V. III. (377) ver-
zagen.
gymbéll M. Lamm.
Gymer N. pr. (246 Anm.)
í^/í/r F. (262 Anm. 2) Riesin.
qcefomaür M. Glücksmensch.
gr<ér (% gár) Adv. (19, 2. 80, 2)
gestern.
gfϒa sw.V. Ib (122 Anm. 2)
auf die Weide führen.
görla Adv. vollkommen, gänzlich.
górr, s. auch ggrr, Adj. Part.
(328 Anm. 339) bereit, fertig,
gemacht.
górsime F. (299) Kostbarkeit,
Kleinod.
gOrua Adv. (351, 2) genau.
g0r(u)a sw.V. Ia und b (395
Anm. 2. 417,2) machen; -ask
werden; g. viá c. Dat. gegen
etwas arbeiten, um es zu ver-
hindern ; g. at c. Dat. sich
mit etwas beschäftigen, um
es auszubessern; g. at ohne
Kasus: etwas ausrichten, er-
reichen.
görue F. (290. 291) Tracht.
góö~e N. Plur. Güter, Dinge, von
denen man Vorteil hat.
gózka F. Güte.
ggfegr, -ogr Adj. (154. 346, 4)
vornehm, ansehnlich, edel.
Ggndol N . pr. F. (255 Anm.).
ggrr Part. s. g0r(u)a.
ggrr Adj. 5. górr (131, 2. 133
Anm. 3. 328 u. Anm. 339) ver-
fertigt, gemacht, bereit.
ggrseme s. ggrseme.
ggs F. (51. 140. 143, 1. 214, 3)
Gans.
Imf N. Meer.
liafa sw.V. III. (42, 2. 44, 1.
118. 404 Anm. 416. 417, 3)
haben; brauchen, anwenden;
Part. Präs. F. hafande frucht-
bar, schwanger; h. vel eich
wohl befinden.
hagr M. Stellung, Lebenslage,
in der man sich befindet.
hagráðr Adj. willig, Rat zu er-
teilen.
lial'a F. Kinn.
hilda red. V.(51. 58. 59,1. 200.
217. 387) halten; eine Rich-
tung auf der Reise einhalten ;
h. rike ein Reich im Besitz
halten; h. ti& ein kirchliches
Fest feiern; -ask in Sicherheit
gebracht, gerettet werden ; zu-
rückhalten, festhalten.
halfr Adj. (141, 2) halb.
hall s. hgll.
Hallfreör, -0Ür X. pr. (66, 1.
242, 2).
hallr M. (242, 2) Stein.
hals M. (141 Anm. 2. 230) Hals.
holze Adj. indekl. (421 Anm. 3)
wer festgehalten hat.
hamarr M. (177, 3. 235. 242, 1)
Hammer.
Ham&er s. Hamþér.
liamingiaF. Schutzgeist; Glück,
Geschick.
hamr M. (267, 2) Hülle.
Hampér JS T . pr. (193 Anm. 1).
handlang F. Wasch wasser für
die Hände, besonders im Plur.
gebraucht.
handleggr M. der ganze Arm,
zuweilen auch der untere Teil
des Armes vom Ellbogen ab.
kam M. (111. 152. 214,4. 276)
Hahn.
Wörterverzeichnis.
203
hanga red. V. (183. 387 u. Anm.2)
hängen (intr.).
liann Pron. (81 Anm., 305) er.
happ N. (157) Glück.
Haraldr N. pr. (226 Anm. 2).
hardfenge F. Streitbarkeit.
har&ggrr Adj. (131 Anm.) hart
gemacht, streitbar.
har(ð)la Adv. (233) hart; sehr.
har&r Adj. (131 Anm., 335, 2)
hart, heftig in der Bewegung.
hark N. Lärm.
harmäau&e Adj. jemand, dessen
Tod andern Kummer verur-
sacht.
harmr M. Schmerz, Kummer,
Unbill.
hasl M. (47 Anm.) Haselstrauch.
haudrmen'S . Halsband der Erde,
Meer.
liaugr M. Hügel.
ftmifcr M. (165 Anm.) Habicht.
haust N. Herbst.
Háfeorc N. pr. (237).
Hcikonarnaulr M. Hakonkleinod
(das von Hakon geschenkt ist).
hár N. Haar.
Mr Adj s. ftór.
hárfagr Adj. mit schönem Haar
versehen.
hdrottr Adj. (332) behaart.
ftásfce M. (143, 2) Gefahr.
hásœte N. Hochsitz, Ehrenplatz.
hátta sw.V. II. etwas (Dat.) ein-
richten.
háttr M. (Gen. hdttar, Bat. hatte)
Art und Weise, Gewohnheit;
med peim hatte auf solche
Weise.
hefia st.V. VI. (189. 381 Anm.
2 a u. c) heben, erheben, be-
ginnen; -ask sich erheben,
entstehen.
hefna sw.V. I b (439 a) rächen.
hefnd F. (270, 3) Rache.
heidenge M. (185 Anm.) Heide-
gänger, Wolf.
heidenn Adj. (212, 1. 333. 335, 2)
heidnisch.
heidr M. (242, 2) Ehre.
heidr F. (261) Heide.
heidrlegr Adj. prächtig.
heilagr Adj. (143, 2. 184, 1, 2 u.
Anm.2. 335, 3. 346, 4) heilig.
heile M. Hirn.
heill Adj. (335, 1. 348 Anm. 1.
350 Anm.) heil, ganz, gesund;
glücklich, glückbringend.
heilsa sw.V. II. (444 laß)
grüßen.
heilson F. Gruß, Begrüßung.
heim Adv. heim, nach Hause,
auch gelegentlich vom Hause
eines andern gebraucht.
heima N. (279) Heimat.
heima Adv. zu Haus.
heimaeWkr Adj. heimatliebend,
geneigt zu Hause zu bleiben.
heimamadr M. Hausmann, Mit-
glied des Gesindes.
heiman Adv. von Hause, bida
heiman zu Hause erwarten.
heimbod N. Einladung zum Be-
such.
Heimdallr N. pr. (242, 2).
heimr M. Heim, Welt.
heimta sw.V. Ib heimholen.
heitared. V. (47, 1. 91. 106. 122,
lu. 2. 123 Anm. 1. 177,2. 385.
433) heißen (trans. u. intrans.);
verheißen.
heite N. Name, Benennung.
heitr Adj. (147) heiß.
heize, -a Adj. indekl. (424 Anm. 3)
wer versprochen hat.
hei F. (260) Totenreich.
heidr Adv. Komp. mehr, be-
sonders beim Unterschied
zwischen zwei Zuständen viel-
mehr, lieber; at h. desto mehr.
helfp, -t F. (366) Hälfte.
helge F. (289) Heiligkeit.
helgon F. Heiligung.
helgr F. (262 Anm. 2) Feier.
hella F. flacher Stein.
helmengr M. (366) Hälfte.
heizt Adv. Superl. am liebsten,
am meisten.
hengia sw.V. lb (169, 4) hängen
(trans.).
ta sw.V. Ib binden, unzu-
gänglich machen.
204
Wörterverzeichnis.
heracf N. (240) Bezirk, entweder
in allgemeiner Bedeutung, Um-
gegend, oder festabgegrenzter
politischer Bezirk.
lierberge N. Haus, Wohnung.
herfremei&r M. einer der anreizt,
erregt (Jiercfa sw.V. Ib an-
reizen, meid'r M. Baum; jede
Bezeichnung eines Baumes
kann in der Dichtersprache
für 'Mann' stehen).
her&r F. Schulter.
here M. (60, 2) Hase.
herfang N. Raub, Beute, die man
durch Heerfahrt erwirbt.
heria sw.V. II. (400) verheeren.
herliefe N. Plur. Kriegsgewand,
Rüstung.
hermaðr M. Kriegsmann.
hemaðr M. Plünderungsfahrt,
besonders gebraucht von den
Kriegszügen der Vi kinger.
herr M. (60, 3. 244. 268) Heer.
herra, -e M. (277 Anm. 1) Herr.
herser M. (246) Herse, ein nor-
wegischer Häuptling.
herskapr M. Krieg, Kriegsfüh-
rung.
lierstiórn F. (52, 4) Heeres-
leitung.
hestr M. = kinnliestr.
hestr M. (200) Pferd.
hey N. (250 Anm.) Heu.
lieygia sw.Y. I b jemanden in
einem Hügel begraben.
heyia sw.V. Ia (393 Anm. 2)
ausführen.
liegra sw.V. Ib (19, 4) hören,
erhören.
heyverk N. Heuernte.
her Adv. (82) hier.
■hildr (in Namen) (262).
liimenn M. (52, 2. 122, 3. 207.
237) Himmel.
himneslcr Adj. himmlisch.
hind F. (296) Hindin.
hingat Adv. hierher.
hin(n) Pron. (232. 313) jener,
der.
hinnig Adv. (105) dort, dorthin.
hircf F. Gefolge.
hir&a sw.V. Ib Acht haben, sich
um etwas kümmern.
hirder M. (114. 232 Anm. 245)
Hirte.
Ute M. (147) Hitze.
hitta sw.V. I b. aufsuchen,
treffen.
híbýle, hýbijle X. Plur. Haus,
Wohnung.
hvra sw.V. Ib (424 Anm. 3) ein-
willigen.
hirse Adj. indekl. (424 Anm. 3)
wer eingewilligt hat.
hialdr M. (125, 1 u. 2) Kampf.
hialmr M. (63. 141, 2. 205. 236)
Helm.
hialmvitr F. (69 Anm. 2) Walküre.
/wa/pa st.V. III. (63. 141, 2 u.
Anm. 1. 199. 375 Anm.) helfen.
hialpráð~ N. helfender Rat.
Malt N. Parierstange, meist im
Plur. gebraucht.
hiarta N. (28. 44,2. 125,3. 199.
276) Herz.
7üVt Präp. c. Dat. (447 a) bei.
hiáluúla F. (52, 4) Konkubinat.
hiortr s. higrtr.
hiórt s. hiiin.
híún N. Plur. (101 Anm.) Ehe-
paar.
hiúskapr M. Ehe, ehelicher Um-
gang.
higrcf F. (269) Herde.
/n'pn- M. (249) Schwert.
higrtr M. (64. 274) Hirsch.
hlað' N. Ort, an dem etwas auf-
gestapelt ist, Auf bewahrungs-
stätte, Schmuckband.
hlaüa st. V. VI. (381) aufladen.
hlaupa red. V. (44, 3. 201. 386.
415) laufen, springen.
hleifr M. (217) Laib Brot.
hleyte N. Teil, Pflicht, die einem
zukommt; kom at hleyte Za-
charias at fremia bislcops em-
bœtte es kam die Reihe an
Zacharias sein Amt als Bischof
zu versehen.
Hier N. pr. (238. 242, 3).
lüüJ F. Seite.
hlif F. (253) Schutz.
Wörterverzeichnis.
205
Jilífa sw.V.Ib (444 Laß) be-
schützen.
hlifrunnr M. Schildhain, Schild-
baum, Kämpfer, Mann.
hlita sw.V. Ib sich mit einer
Sache (Dat.) begnügen, sich
ihr unterziehen.
lilióta st.Y. II. (160, 1) auf sein
Los erhalten.
Jilumr M. (267, 2. 270 Anm.)
Eud ergriff.
liluta sw.V. IL losen.
hlutr M. (20, 2. 267 Anm. 272
Anm.) Los, Teil; Stellung,
Lage, in der man sich befindet ;
Sache, Ding.
lüymia sw.V. I a (74, 2) toben.
lihjmr M. (268) Getöse.
hlymr M. (270 Anm.) Rudergriff,
vgl. Jilumr.
hhjia sw.V. Ia u. b (133, 2 u.
Anm. 1. 226,3. 393 Anm. 1)
schirmen.
lih/r N. (100, 2) Wange.
hlœia st.V. VI. (383) lachen.
lineiaia sw.V. Ib (20, 2. 395)
beugen, neigen.
hneppa sw.V. I b klemmen; h.
eitth. vi& c. Akk., etwas von
sich trennen, fortgeben.
hniga st.V. I. (44, 3. 92. 369
Anm. 1) sich neigen.
hnoss F. (201) Geschmeide.
hnot F. (72, 2) Nuß.
hnoggua st.V. III. (377 Anm. 2)
stoßen.
Jiocldr M. (71. 175, 1) Schatz.
hol N. hohler Raum, Bauch-
höhle.
holfa sw. V. III. (337 Anm. 3.
403) gewölbt sein.
holfenn Adj. (377 Anm. 3) ge-
wölbt.
hoUr Adj. (71. 177 Anm. 1)
hold.
lioppa sw.V. IL (157) hüpfen.
liorfa sw.V. III. (404) umkehren.
hom N. (122, 2, 239) Hörn.
homkerleng F. eine Frau, die
wegen ihres geringen Standes
nicht wert ist, auf dem Ehren-
sitz der Frauen (pallr) zu
sitzen, sondern sich mit einem
Platz in einer der Ecken (hom)
des Gemaches begnügen muß.
liors s. liross.
hotvetna s. huatvetna.
hóglega Adv. sanftmütig.
hógvœrr Adj. sanftmütig.
Iwleitr Adj. erhöht, erhaben.
hór, hár, Adj. (96. 339 Anm. 1
u. 2) hoch; tala liätt laut
sprechen.
hót N. Plur. (226, 1) Drohung.
hótícf F. hohe Festlichkeit.
liraðbyre N. günstiger Wind.
hrafn M. (201) Rabe.
lirata sw.V. IL aus dem Gleich-
gewicht kommen, herabfallen.
lir einleget Adv. rein.
hreinn Adj. (212, 1. 350 Anm.)
rein.
Ureystema&r M. mutiger, kräf-
tiger Mann.
hrinda st.V. III. (170, 1. 376)
stoßen.
hringr M. (20, 2. 44, 3. 220. 242, 3)
Ring.
IxriÜ F. 1. ein kurzer Zeitab-
schnitt; um li. eine Weile;
2. Angriff, Unwetter; hialma
h. Unwetter der Helme,
Kampf.
Hrolleifr N. pr. (143, 1).
hross N. (220 Anm. 2) Roß.
hró&r M. (267, 1 u. 2) Ruhm.
hrósa sw.V. IL sich rühmen.
hryggr Adj. (339 Anm. 2) betrübt.
hryggr M. (182. 268 Anm.) Rück-
grat, Rücken.
hr0kkua st.V. III. (374) zurück-
weichen.
hr0r N. (75, 3) Leichnam.
liróra sw.V. Ia (176) rühren, be-
wegen.
liré N. (93 Anm. 1) Leichnam.
huga sw.V. IL denken, aus-
denken.
hugr M. Sinn.
hugren(n)eng F. Gedanke.
hunang N. Honig.
hundr M. (73. 242, 2) Hund.
206
Wörterverzeichnis.
hundraff N. (73. 353) Groß-
hundert, 120.
hungra sw.V.II. (435 d) hungern.
hús N. (88. 200. 239) Haus.
húsbonde M. (52, 4) Haasherr.
húsfreyia F. (188) Hausfrau.
húsfrú F. (285 Anm.) Hausfrau.
húspreyia s. liüsf regia.
huaffan Adv. vorher; hu. af das-
selbe.
huaffarr Pron. s. huárr.
huaklce s. huatfce.
hualfa s. liolfa.
hualr M. (267, 4) Wal.
luialrcttr M. Stelle, an der öfter
tote Wale antreiben.
liuar Adv. wo.
/imctss Adj. (198. 199. 346,1^) scharf.
huat Pron. (30. 44, 2. 199. 318.
324 Anm.) was, was auch
immer.
huatJce Pron. N. (324) was auch
immer.
huattr Part. Prät. von hiietia
(333. 335, 2).
huatuetna Pron. N. (324) • was
auch immer.
Marge Pron. (184, 1. 326 u. Anm.)
irgend einer oder keiner von
beiden; huárftjlce N. weder.
huárr Pron. (140. 319 u. Anm. 1.
326 Anm ) welcher von beiden,
jeder von beiden; N. liuclrt,
häufig mit folgendem es (er)
als Kodj. gebraucht, (456) ob;
huárt—eð'aob — oder ;hu d r(t)z
= huárt es.
huár(r)tuegge Pron. (326 Anm.)
jeder von beiden.
liuártz s. huárr.
liuáta red. V. (388) durchbohren.
huélpr M. (62) junger Hund.
huerfa st.V. III. (42, 2. 65. 67
Anm. 149. 373 Anm. 1) sich
drehen, sich wenden.
huerge Adv. nirgends, keines-
wegs.
huerge Pron. (52, 4. 325) wer
auch immer, irgend einer von
mehreren.
huemug Adv. auf welche Weise.
huerr Pron. (318 Anm. 819 Anm.2.
326 Anm.) welcher von meh-
reren,wer, jeder von mehreren.
hiierso Adv. (Ber. u. Nachtr. zu
S. 55 § 220) auf welche Weise.
Jiuessa sw.V. Ib (395 Anm. 3)
schärfen.
huesso s. huerso.
huetia sw.V. Ia (392 Anm. 1)
schärfen, antreiben.
huetvetna s. huatvetna.
hué Adv. wie, auf welche Weise.
hui Pron. Dat. Sing. (318) wie.
liuüa F. Bett, Lager.
huilffF. Ruhe, Verweilen; taica
li. Ruhepause eintreten lassen.
huilikr Pron. (319 Anm. 2) wie
beschaffen.
huitr Adj. (83) weiß.
hyggencle F. Verstand, Klugheit.
hyggia sw.V. Ia(184,4.448Anm.)
denken.
hyggiande F. (289) Verstand.
liylia sw.V. Ia (74, 1) verhüllen,
verbergen.
Hymer N. pr. (246 Anm.).
hyma F. Ecke, Zipfel.
háff F. Höhe.
hœra F. Grauheit, hohes Lebens-
alter.
hœtta F. Gefahr.
hétta sw. V. I. b etwas aufs
Spiel setzen, erproben, wagen
(« c. Akk.)
Mfa sw.V. 1 b einer Sache eine
bestimmte Richtung geben,
treffen; h. iipp erheben.
héginde, -ende, -ynde N. (154)
Polster; Plur. Bequemlichkeit,
alles was dazu dient, ein be-
quemes, angenehmes Leben
zu ermöglichen.
Ugr Adj. (346, 2. 348 Anm. 1)
bequem, leicht zu machen.
hpgre Adj. Komp. rechts; til
hégre handar auf der rechten
Seite.
Ilona F. (152) Henne.
Mversklegr Adj. höfisch.
hgfnon F. Verachtung, Ver-
schmähung.
Wörterverzeichnis.
207
ligfoü N. (240) Haupt.
hgfunär M. (242, 2) Hauptmann.
hggg N. (250) Hieb.
ligqgua red.V. (43, 1. 59, 2. 64
Anm. 3. 228. 386. 415) bauen,
schlagen.
Hggne N. pr. (131, 2).
hgll F. (131 Anm. 254) Halle,
Saal, Palast.
hgnd F. (59, 1. 211) Arm mit
Hand, Hand ; af liende c. Gen.
von Seiten; á hendr, á hgnd
gegen, til lianda zu Händen,
zum Besten, c. Dat. (447 a);
eifja fyrer kgndom eitthuat mit
einer vorliegenden Sache zu
thun haben.
hgrmungarvig N. beklagens-
werter Totschlag.
hgrr M. (248) Flachs.
hgttr M. (159. 272) Hut.
hgttr M. (272) Art und Weise.
i&ra sw.V. II. Reue hervor-
rufen; -ask (439 a) bereuen.
iure s. innre.
idron F. Reue.
illa s. illa.
illr s. illr.
illvirke M. (281) Missethäter.
Ingebigrg N. pr. F. (252).
inn s. enn Pron.
inn Adv. (350) hinein.
inna sw.V. 1b (395 Anm. 5)
ausführen.
innan Adv. u. Präp. c. Gen. (441)
von innen her, innerhalb, da-
rinnen.
innar Adv. Komp. weiter hin-
ein, hinein, drinnen.
inne Adv. drinnen.
innganga F.Hineingang, Eintritt.
innre Adj. Komp. (216 u. Anm.
350) innere.
inmjfle N. (192) Eingeweide.
it Pron. Nom. Dual. (303. 304
Anm.) ihr beide.
í Präp. c. Akk. (436 b), c. Dat.
(447 b) in.
illa Adv. (352) schlecht, übel.
iZZrAdj.(177,1.218.349)schlecht,
böse; varð Jionom ilt til Uz
er bekam nur wenig Gefolge.
ülzka F. Schlechtigkeit.
Irar M. Plur. die Iren.
Iss M. (242, 1) Eis.
ívarr N. pr. (133 Anm. 2).
ípróttamaðr M. jemand, der in
iþrótter bewandert ist, d. h.
Künste des Leibes wie reiten,
schwimmen, fahren versteht,
oder auch schöne Künste wie
Harfeschlagen beherrscht, od.
Gelehrsamkeit besitzt.
iaifarr M. (63) Rand.
iafn Adj. (63. 165. 335, 1) eben.
iafnaldra Adj. indekl. gleich-
altrig.
iafnan Adv. stets.
iafnenge M. ein Ebenbürtiger.
iafnfram Adv. gleich weit vor.
iafnmikell Adj. ebensogroß.
iafnrd&e N. Partie, Heirat, die
nach Stand und Vermögen
ebenbürtig ist.
iafnvel Adv. ebensogut.
iarl M. (63 Anm. 64 Anm. 1. 237)
Fürst.
iarn N. (142) Eisen.
iartefijgn F. Zeichen, Erken-
nungszeichen.
iartegna sw.V. Ib und II. be-
deuten, bezeichnen.
iá sw.V. III. (403) versprechen.
icitneng F. (254) Bejahung.
iát(t)a sw.V. II. und III. (404)
zugeben.
■icize Adj. indekl. (424 Anm. 3)
wer eingewilligt hat.
iungfni F. (184, 3. 285 Anm.)
Jungfrau.
iurikfrú s. iungfrú.
igforr M. (65 Anm. 237) Fürst
(ursprüngl. Eber).
igkoll M. (52,2, 237) Gletscher.
igrü F. (269) Erde, Land, Land-
besitz.
k.
lala st.V. VI. (424 Anm. 2)
frieren.
208
Wörterverzeichnis.
kaldr Adj. (424 Anm. 2) kalt;
verderblich.
holla sw.V. IL (56. 126 Anm. 2.
178. 398) rufen, nennen.
Jcallaðr Part. Prät. von kalla
(332).
ballere M. Kufer, Herold.
kambr M. (164) Kamm.
kanna sw.V. II. erforschen;
k. af erfahren, erkennen.
kapp N. (206) Eifer.
Kappe M. Kämpfer.
karl M. (123. 237) Mann.
Tcar(Vma&r M. (233) Mann.
Jcarlmenmka F. Mannhaftigkeit.
kartnagl M. mißgestalteter
Nagel.
Tcasta sw.V. II. (45. 4441. aß)
werfen.
kattbelgr M. (131, 1) Katzenfell.
lcaup N. Kauf, Übereinkunft,
Ehekontrakt.
kaupa sw.V. III. (171, 2. 404
Anm.) kaufen; k. at c. Dat.
der Person, von der man
etwas kauft, eine Übereinkunft
schließen.
kaupmað'r M. Kaufmann.
kaupmale N. Verabredung über
einen Handel, Übereinkunft.
Mtr Adj. vergnügt.
~Jce s. -ge.
kefia st.V. VI. (381 Anm. 2 a u. c)
niederdrücken.
kemba sw.V. I b (169, 4. 395
Anm. 3) kämmen.
Unna sw.V. Ib (47, 1. 395
Anm. 3) kennen; kennen
lehren; etwas nach jemandem
{vi& c. Akk.) benennen.
ken(n)eng F. (232) Lehre, poe-
tische Umschreibung.
keppa sw.V. 1b im Wettstreit
kämpfen.
her N. (60, 2. 161) Gefäß.
kerleng F. (254) alte Frau.
ketell M. (46, 1. 60, 1. 126, 1 a.
177. 237 Anm. 1. 242, 1)
Kessel.
kinn F. Wange.
kinnliestr M. Ohrfeige.
kippa sw.V. Ib (231) rücken,
c. Dat.
kirkia F. (45 u. Anm. 286) Kirche.
kirkiogarðr M. Kirchhof.
kista F. Kiste.
kiósa st.V. II. (75, 3. 98. 161.
197. 371 Anm. 1) wählen.
kiolr M. (274) Kiel; Gebirgs-
rücken.
kigt N. (250) Fleisch.
klá st.V. VI. (383) reiben.
Jdippa sw.V. I.b scheren.
kligia sw.V. Ia und III. (417
Anm. 1) Ekel empfinden.
kliúfa st.V. IL (370) spalten.
klofna sw.V. II. bersten, sich
spalten.
kló F. (81. 296, 1) Klaue.
klyfia sw.V. I a vermittelst eines
Packsattels belasten.
klœtfa sw.V. Ib bekleiden.
klœðe N. (245) Kleid.
klOkkua st.V. III. (374) stöhnen.
knappr M. (157) Knopf.
kné N. (134. 135. 241) Knie.
knésetia sw.V. I a u. b. aufs Knie
setzen.
Inüfr M. Messer.
knia sw.V. II. (136, 2) disku-
tieren.
Kmjtlengr M. (126, la) Nach-
komme des Knútr.
hiQrr M. ein größeres Schiff.
kngtto Prät.-Präs.V. (409 u. Anm.)
können.
kodde M. (173) Tasche.
kollóttr Adj. (232 Anm.) kahl.
koma st.V. IV. (72, 2 u. Anm. 2.
81, la. 379. 415) kommen;
kom niffr róð~a die Rede kam
darauf; fyre lítet kemr mér
wenig nützt mir; kom Jiann
skilde fyre sik er hielt den
Schild vor sich ; meüan ek kern
boganom Di& so lange ich mich
des Bogens bedienen kann;
k. fram in Erfüllung gehen;
k. vid~ c. Dat. eine Sache ge-
brauchen, Vorteil von ihr
ziehen; k. mcst tu ßess am
meisten dazu beitragen; k. c.
Wörterverzeichnis.
209
Dat. der Person, í c. Akk.
jemanden in eine Sache brin-
gen, ihm etwas verschaffen.
Jcona F. (150) Frau, Ehefrau.
konar Gen. Sing, von dem ver-
alteten konr M. wird mit dem
Gen. eines Adj. oder Pron.
verbunden, Art und Weise;
me& þess k. sendeng mit sol-
chem Auftrag.
konongdómr M. Königtum.
konongr M. (54, 2. 108 Anm.)
König.
konongsnafn N. Königsname.
kosta sw.V. II. kosten, proben;
die Unkosten für eine Sache
bezahlen.
kostgéfa sw.V. Ib sich Mühe
geben, sich angelegen sein
1 Q QCpi')
kostr M. (267, 3 u. Anm. 272 Anm.)
Wahl, Bedingung, Wahl einer
Frau, Partie, Lage, Stellung,
in der man sich befindet; eiga
atts koste vifre. Akk. die Wahl
haben, mit jemandem zu thun,
was man will.
krabbe M. (167) Krabbe.
krafstr s. kraptr.
kraftr s. kraptr.
kraptr M. (45. 187. 188 Anm.
242, 2. 267, 2) Kraft.
kráser F. PI. Delikatessen.
krefia sw.V.Ia (392) verlangen.
kreppa sw.V. Ib (75, 2a. 377
Anm. 3) einschrumpfen.
kristenn Adj. (333 u. Anm.) christ-
lich.
kris(t)ne F. (233. 290) Christen-
heit.
kroppenn Adj. (75, 2a. 37 7 Anm.3)
eingeschrumpft.
kross M. Kreuz.
ku&r s. kunnr.
kuna 8. kona.
kunna Prät.-Präs. III. (215. 407.
413.421 Anm.)können, kennen,
sich auf etwas verstehen; k.
sér eitthuat wissen, daß man
etwas zu thun hat; Je. ßgkk
Dank abstatten.
kunnegr Adj. bekannt.
kunnenge M. Bekannter.
kunnr Adj. (335, 1. 407 Anm.)
bekannt.
kurteise F. Höfischkeit, Kennt-
nis und Ausübung ritterlicher
Lebensart.
kurteiss Adj. höfisch, von guter
Lebensart.
Kuaser N. pr. (246 Anm.).
kudnfang F. (127, 1) Heirat.
kueda st. V. V. (193. 380 Anm. 3 a)
reden, sagen; k. luitt (vom
Hunde) laut bellen.
kue&ia F. Gruß, Anrede.
kue&ia sw.V. Ia anreden, be-
grüßen ; c. Gen. etwas fordern,
begehren; k.þings eine Volks-
versammlung einberufen.
kueld N. Abend.
kuennmaðr M. Weib.
kuerk F. (297) Kehle.
kuern F. (253) Mühle.
Kuernhitr M. Mühlen- (d. h.
Mühlstein-)beißer, Name eines
Schwertes.
kuernsteinn M. Mühlstein.
kuegkia, kueikia sw.V. Ib leben-
dig machen ; anzünden,
schüren.
kui&r M. (Gen. -ar) Bauch,
Magen.
kuikr Adj. (163 Anm.) lebendig.
kuirr s. kyrr.
kuistr M. (272) Zweig.
knete N. (247) Gedicht.
kuœn F. (127, 2. 150. 270 Anm.)
Frau.
kuœna sw.V. Ia jemanden (einen
Mann) verheiraten; -ask sich
eine Frau nehmen, sich ver-
heiraten.
kugn s. kudn.
kgn N. (47, 2. 244) Geschlecht,
Art; allz kyns allerlei.
kynkuisl F. Zweig eines Ge-
schlechts.
kynlega Adv. wunderlich; lata
k. seine Verwunderung äußern.
kynstórr Adj. von angesehenem
Geschlecht abstammend.
Kahle, Ausländisches Elementarbuch.
11
210
Wörterverzeichnis.
Jcynsœll Adj. mit zahlreichen
Nachkommen begabt.
l-yrr Adj. (221) ruhig.
Jcyrtell M. ursprünglich ein bis
zum Gürtel reichender Rock,
dann auch mit einem oberen
Teil versehen, von Männern
und Frauen getragen, Tunika.
~kyssa sw.Y. Ib küssen.
Itýla sw.Y. Ib. anfüllen.
Tiýr F. (89, 2. 297) Kuh.
hérr Adj. teuer, lieb.
lottr M. (159. 272) Katze.
1.
la&a sw.V. II. einladen.
lag N. das, was man wohin
legt; Stelle, wo etwas nieder-
gelegt ist, Stellung, die etwas
einnimmt; % g&ro läge auf der
andern Seite ; Art und Weise,
wie sich etwas verhält; í lengra
läge ziemlich Jang; Gemein-
schaft,die auf Übereinkommen
beruht; Plur. Igg Gesetz.
lageefr Part. Prät. von legia
(335, 2).
lamb N. (164) Lamm.
Und N. (59, 1. 116 Anm. 130, 1.
131, 2 u. 3. 169, 1. 170, 2 u.
Anm. 1. 177 Anm. 3. 213. 235)
Land.
landnám N. Besitzergreifung
herrenlosen Landes, der tech-
nische Ausdruck für die Be-
sitzname der ersten Ansiedler
auf Island.
landréke M. (52, 4) Landver-
teidiger.
langbrök F. Langhose, ein Bei-
name.
langt Adj. (43, 1. 332. 345, 2)
lang.
tanzende M. Ende, Grenze des
Landes.
lanzlcost r M. Beschaffenheit des
Landes.
lanziarl M. landsässiger Jarl,
Fürst.
Laufeg F. Ortsname (260).
laug F. (123 Anm. 2. 254) Bad.
laun N. PI. Lohn.
laun F. Verneinung, Verheim-
lichung; á l. heimlich.
launasw. V. IL vergelten, lohnen.
laungetenn Adj. heimlich erzeugt,
unehelich geboren.
lausenge M. Freigelassener.
lausong F. (55, 2. 254) Unzuver-
lässigkeit, Falschheit.
lauss Adj. (440 f) los, ledig.
laxveiðr F. Lachsfischfang.
lata red.V. (79. 81, 1. 177, 5.
388 u. Anm. 1.) lassen; sagen,
sich aussprechen; l. í haf
das Schiff ins Meer lassen,
in See stechen; látenn ge-
storben.
leg N. Grabstätte.
leggia sw.V. Ia (43. 1 u. 2. 182.
223. 231. 392) legen; zielen,
stoßen mit etwas (Dat.); I. til
sich zu einer Sache äußern;
l. eitthuat fyrer c. Akk. je-
mandem etwas vorschreiben ; l.
Hfetá sein Leben daran setzen ;
-ask í c. Akk. sich auf etwas
legen, etwas betreiben.
leggr M. Knochenröhre, Kno-
chen, Baumstamm.
legsteinn M. Grabstein.
leiü F. Reise; Weg, den man
zurücklegt; Straße.
leifta sw.V. Ib jemandem etwas
verleiden.
leiüa sw.V. Ib leiten, begleiten.
leigomað'rM. Dienstmann, Lehns-
mann.
leika red.V. (385) angreifen, je-
manden auf irgend eine Weise
behandeln; spielen, tanzen.
leikr M. (242, 3) Spiel, Tanz,
besonders vonWaffenübungen
und Bewegungsspielen ge-
braucht.
-leikr (242, 3).
leita sw.V. II. (439 b) etwas zu
erreichen suchen, c. Gen. oder
epter c. Dat. ; die Person, von
der man Rat erbittet, steht
zuweilen im Akk. abhangig
von ander.
"Wörterverzeichnis .
211
leka st.V. V. ;380 leck sein.
lenge Adv. (351, 2 N lange; l. su-
mars lange Zeit des Sommers.
lengia sw.V. Ib länger machen.
leppr M. Haarlocke.
lesa st.V. V. (62. 65. 177, 4.
380. 416 sammeln, lesen.
leyfa sw.V. Ib erlauben.
leyfa sw.V. Ib (166) loben.
leyna sw.V. Ib verbergen, c. Dat.
der Sache.
leynelega Adv. heimlich.
leysa sw.V. Ib lösen.
Jena F. Pferdedecke.
lérept N. (84, 2. 214, 2) Leinewand.
léttr Adj. 84, 1) leicht, freund-
lich; der Kompar. Uttare be-
sonders gebraucht von einer
Schwangeren, die ihrer Bürde
ledig wird, gebiert.
lið" N. Schar, Mannschaft, Ge-
folge, Dienerschaft.
U&r M. (272. 273, 2) Glied.
Ufa sw.V. III. (403) leben.
liggia st.V. V. (182 Anm. 380
Anm. 3b) liegen; hgnom liggr
epter ihm bleibt liegen, er
läßt liegen; liggr ßer nakJcuað
vict liegt dir etwas daran?
mgrgom Ja vid> bana manche
waren dem Tode nahe; J.nicfre
unbeachtet bleiben.
lilia F. (286) Lilie.
Umr M. Reis, kleiner Zweig.
ling s. lyng.
linr Adj. (335, 1) mild.
litr M. (226, 2) Farbe.
fóéfast.V.I. sich bewegen, gehen;
impers. Jíða á c. Akk. etwas
geht zu Ende.
líf N. Leben.
UfgiQf F. Handlung, durch die
man jemandem das Leben
schenkt.
líflát N. Tod.
lik N. Gestalt, Person.
Ulm sw.V. IL gefallen.
likamlegr Adj. leiblich.
HkfhJamrM.. (204 Anm. 1) Leich-
nam.
UJclegr Adj. wahrscheinlich.
Kfer Adj. gleich, so beschaffen,
wahrscheinlich.
lin N. (83) Leine wand.
Jirept N. (84 Anm ) Leinewand.
Zifa st.V. I. 226, 2. 369) sehen;
■askc. Dat. der Person (444 IaY)
u. á c. Akk. der Sache, je-
mandem scheint etwas gut
oder schlecht.
JiteJl Adj. (143, 2. 333 u. Anm.
335, 1 u. 3. 349) klein.
JíteJJœte N. (54, 3) Demut.
Utelmenne N. Person geringen
Standes ; jemand, der wenig
auf sein Ansehen hält.
Jitt Adv. (352) wenig.
Jiá st.V. L, sw.V. III. (69, 2.
84, 1. 135. 369 Anm. 4. 404
Anm.) leihen, verleihen; c.
Gen. der Sache, Dat. der Per-
son (439 d).
Mos N. Licht.
liósker X. Lampe.
lióslitað'r Adj. von heller Haut-
farbe.
Mostet st.V. IL (371) schlagen,
c. Akk. der Person und der
Art des Schlages.
Jhifr Adj. (42, 1. 46,1. 166) lieb.
Jiüga st.V. II. (94. 99. 100, 1.
148. 370 Anm. 1) lügen.
liuka s. JüJia.
Jocta sw.V. III. (403 Anm.) an-
haften.
loctbrólc F. Lodenhose, ein Bei-
name.
Jo&enn Adj. (372 Anm.) haarig.
Jofa sw.V. IL erlauben.
Joy X. Lohe, Flamme.
loh N. Riegel, Ende; til JoJia
ganz bis zu Ende, die ganze
Zeit hindurch.
lökka sw.V. IL 162) locken.
lolckr M. Locke.
Jopt N. Luft; Giebelstube; í lopt
vpp nach oben, in die Luft.
lostegr Adj. 184. 2) bereitwillig.
lundr M. 242, 2) Hain.
lunga N. (279 Lunge.
lúmn Adj. (372 Anm.) zer-
quetscht.
11*
212
"Wörterverzeichnis.
lúka st.V. II. (88. 89, 1. 126, la.
127 Anm. 3. 163. 217. 372.
444 Ia,^ schließen.
lata st.V. II. (372) sich beugen.
lyge F. (148. 291) Lüge.
lykell M. (127, 4 u. Anm. 2. 237
Anm. 1 »Schlüssel.
lykkia F. (163, 1) Schlinge.
lyng N. (133 Anm. 3. 250) Heide-
kraut.
lypta sw.V. Ib (395 Anm. 3) in
die Höhe heben.
lysta sw.V. Ib (435 d) gelüsten.
lý&r M. (267, 4. 270 Anm.) Volk,
der einzelne Mann des Volkes.
lýia sw.V. la (372 Anm. 393)
zerquetschen.
lýritr M. (172) gesetzliches Ver-
bot.
lýsa sw.V. Ib leuchten machen,
offenbaren.
lœgcf F. Erniedrigung, Unan-
sehnlich keit.
lœgia sw.V. Ib. niedriger legen,
erniedrigen.
lékner M. (246) Arzt.
lcérð~r Adj. (eigentlich Part. Prät.
von lœra lehren) gelehrt, be-
zeichnet besonders die Geist-
lichen.
lœresueinn M. Schüler, Jünger.
Iggberg X. Gesetzes berg.
IggsggomafrrN. Gesetzessprecher.
m.
maür M. (177, 2 u. Anm. 1. 216
Anm. 295) Mann.
magnask sw.V. IL zunehmen,
wachsen.
magr Adj. mager.
maklegrAd}. geziemend, passend;
eine Sache verdient habend.
mala st.V. VI. (381) mahlen.
mdlr M. 242, 1) Schnappsack.
man(n)bod~ N. Gasterei, Gelage.
manndráp N. Tötung von Men-
schen.
manndýrð F. menschliche Voll-
kommenheit.
mannhœtta F. Lebensgefahr.
mannlife N. was für das Leben
der Menschen notwendig ist,
Lebensbedingungen.
mannraun F. Probe, besonders
solche, bei der man sich einer
Gefahr unterzieht.
mannvandr Adj. heikel in der
Wahl eines Ehemannes.
manvit N. Verstand.
mannvœnn Adj. jemand, der zur
Hoffnung berechtigt, daß er
ein tüchtiger Mensch wird.
manvizbrekka F.? ein Beiname.
margkunnegr Adj. vieles ver-
stehend.
margr Adj. (233. 332. 349) man-
cher, Plur. viele.
mark N. Kennzeichen als Beweis
für etwas.
marka sw.V. IL merken, einen
Schluß ziehen.
matr M. (266. 267, 4) Speise.
matreitfa F. Zubereitung der
Speisen.
má sw.V. II (399) abnutzen.
mágr M. (151) Verschwägerter.
mál N. Zeit, Zeitpunkt.
mal N. (140. 195) Sprache, Rede,
Gerede, Unterredung; Rechts-
sache; jede wichtigere Ange-
legenheit, Vorhaben; konungs
mgl d. Geschäfte eines Königs.
mänaür s. mónoðr.
máne M. (79. 277) Mond.
már M. s. mór (52, 1. 133 Anm. 3.
249) Möwe.
mátoleqr Adj. passend.
máUogr Adj. (131, 2. 346, 4)
mächtig.
mdttr (Gen. mcittar, Dat. Duette
u. mátt) M. Kraft, Stärke; Be-
finden.
med- Präp. c. Akk. (436 b) c. Dat.
(447 b) mit, in Begleitung.
me&al- (67 Anm.) mittel-.
me&al Präp. c. Gen. (441) teils
mit teils ohne vorausgehen-
des á oder i, inmitten,
zwischen.
me&alkafle M. Schwertgriff zwi-
schen den Parierstangen.
Wörterverzeichnis.
213
me&allag N. Mittelmäßigkeit.
me&an Kony (57.232.454 Anm.2)
während, inzwischen.
mega Prät.-Präs. V. (409. 413)
mögen, können.
megen Subst. indekl. Seite, Kante.
wegen N. (240) Stärke.
mei&r M. Baum; mei&r hialma
hri&a Kampf bäum, Krieger.
mein N. Schaden.
meinvœttr F. schädliches Wesen,
Unhold.
meire Adj. Komp. (57. 93 Anm. 3.
143, 2. 349) größer.
mei(r)r Adv. Komp. (352) mehr;
pul meir sein um so mehr als.
melia s. molua.
merJcelegr Adj. bemerkenswert,
merkwürdig.
merkesma&r M. Fahnenträger,
ausgezeichneter Mann.
merr F. (262) Stute.
mest Adv. Superl. (352) am
meisten.
mestr Adj. Superl. (143, 2. 349)
größte.
meto. st.V. V. (380) abschätzen,
würdigen; c. Gen. u. Akk.
(439 e).
metnaðr M. Ehre, Einbildung,
Übermut.
mettr Adj. satt.
mey s. mar.
meyia s. mœr.
mel N. Plur. (69, 1. 214,1) Ge-
biß am Zaum.
mér Pron. Dat. Sing. (82. 177, 5.
303. 304, 3. 428) mir.
mi&r Adv. s. minnr.
mi&r Adj. (67 Anm. 336) mitt-
lerer.
mih Pron. Akk. Sing. (205. 303.
304, 3. 428) mich.
mikell Adj. (123 Anm. 1. 333 u.
Anm. 349) groß; N. miket,
adverb. gebraucht, sehr.
milde F. (290) Milde.
milfdjlega Adv. (233) sanft.
mildr Adj. milde, barmherzig.
mitte Präp. c. Gen, (441) in-
mitten, zwischen, häufig á
oder í in., sin á in. unter
sich.
minka sw.V. II. vermindern.
minn Pron. (143, 1. 212 Anm.
306) mein.
minna sw.V. Ib (208 u. Anm.
395 Anm. 5. 435 d) erinnern.
minnask sw.V. Ib (395 Anm. 5)
sich küssen.
minne Adj. Komp. (177, 2. 349)
minder.
minnr Adv. Komp. (352) weniger.
minnzt Adv. Superl. (352) am
wenigsten; ur&o minnzt fyrcr
pessom ófriðe sie hatten am
wenigsten von diesem Un-
frieden zu leiden.
min(n)ztr Adj. Superl. (158 Anm.
349) kleinster.
misdeilelH. Unterschied im Wert.
misgera sw.V. Ib etwas Unrechtes
thun, sündigen.
mislun(n) F. (232) Mitleid.
missa sw.V. Ib (198) vermissen,
verlieren, c. Gen. (439 b).
missare M. Halbjahr; Qllom mis-
sorom das ganze Jahr hin-
durch.
missättr Adj. uneinig.
mispykkia F. Zwietracht, Miß-
helligkeit.
mil N.(nisl.)(69 Anm. 1) Gebiß am
Zaum.
min Pron. Gen. Sing. (303)
meiner.
miár s. mar.
miok s. migTc.
miolk F. (64. 297) Milch.
miókr s. miukr.
miór s. mar.
miukr Adj. (101 Anm.) weich.
miQ&r M. (Gen. miacfar, Dat.
mi&e) Met.
miok Adv. (352) sehr.
miol N. (250) Mehl.
mono Prät.-Präs. IV. (47, 1.
52, 2 u. Anm. 408 u. Anm.
413. 417, 1. 421 Anm.) werden;
monopit Elisabéð sun eiga ihr
beide, (du und) Elisabeth, wer-
det einen Sohn haben.
214
Wörterverzeichnis.
morüenge M. Mörder.
morgonn M. (154) Morgen.
Mosfell Ortsn. (103).
motte M. (196) Motte.
móíter F. (298) Mutter.
mönoür M. (81, 1 b. 294) Monat.
wiór M. (235) Heide.
mar M. s. auch mar (52, 1. 93
u. Anm. 1. 133 Anm. 3. 249)
Möwe.
mót N. Zusammentreffen ; i mót
dagegen, i möte c. Akk. gegen,
dagegen, entgegen, wider; á
mót(e), í mót(e) c. Dat. (447 a)
gegen.
mótstaða F. Widerstand.
mvffr s. munnr.
muna Prät.-Präs. IV. (408. 417,1)
sich erinnern, gedenken.
mundlaug F. Schüssel zum Wa-
schen der Hände.
-mundr in Namen (242, 2).
mundr M. (242, 2) Gabe an die
Eltern der Braut.
mungát N. einheimisches Bier,
Trinkgelage.
munoð F. Begehrlichkeit, Wol-
lust.
munnlaug s. mundlaug.
munnr M. (242, 1 u. 2) Mund.
munr M. Unterschied.
munu s. mono.
miujr M. Menge, Schwärm.
myrða sw.V. Ib morden.
myrgenn M. s. auch morgonn
(154) Morgen.
»/??//*»• Adj. (339 Anm. 2) dunkel.
myrkr N. (233) Finsternis.
myrkuastofa F. Gefängnis.
myrlcue M. (282) Finsternis.
wýfeJZZ M. (138) Ball.
iwýn* F. (262) Sumpf.
??iö?Za sw.V. 1b (47 Anm. 171,3
195 Anm. 395 Anm. 3. 413)
reden, sprechen.
mar F. (260 Anm.) Jungfrau,
Mädchen.
mar Adj. (93 Anm. 2. 339 u.
Anm. 1) schmal.
mérr Adj. (80, 1. 177, 3. 328)
berühmt.
molua sw.V. Ia u. b (392 Anm. 4)
zermalmen.
méfc F. (289) Müdigkeit.
méta sw.V". Ib (395 Anm. 3) be-
gegnen.
mogr M. (59, 1. 131, 1 u. 2. 151)
Knabe.
mork F. (270, 3. 296, 2, 3 u. 4)
Wald.
mgrk F. (293) Mark.
moskue (282) Masche.
mgttoll M. (212, 1) Mantel.
naðr M. (52,3) Natter.
nafn X. (207) Name; at nafne
der Stellung, dem Titel nach.
nafnUt F. Titel, Würde.
nagl M. (293) Nagel.
nakkuarr Pron. (321 u. Anm. 1)
irgend einer.
nakkuat N. (321) irgend etwas.
nauð~ F. (270,1) Notwendigkeit.
nauftegr Adj. genötigt, gezwun-
gen.
nauüong F. 254) Zwang.
nauffr s. nauö~.
nau&syn F. Not, Notwendigkeit;
oss berr n. für uns liegt die
Notwendigkeit vor, wir müs-
sen.
nä sw.V. III. (403) bekommen.
nálgask sw.V. II. sich nähern.
nár M. (140) Leichnam.
náre M. Weiche.
nátt s. wp'íí.
72e (auch né) Adv. und nicht,
noch weniger; hudrke — ne
weder — noch.
neffan Adv. (345,3) von unten
her, unten; fyre neðan c. Akk.
unterhalb.
neüarre s. neðre.
neðrekáy Komp. (345,3) untere.
neuste s. nezte.
I nef N. Nasenbein, Nase.
; nef na sw.V. I b (395 Anm. 3)
nennen, anführen.
I nekkurr s. nakkuarr.
I nekkuarr s. nakkuarr.
Wörterverzeichnis.
215
nekkuat N. (321) irgend etwas.
nekleuerr s. nakkuarr.
nemo, Konj. (454, 5) wenn nicht,
außer.
nema st.V. IV. (47, 1. 58. 73.
81, Ib. 120. 150. 205. 211.
378 Anm. 1) nehmen; c. Gen.
(439 b).
nemna s. nefna.
nenna sw. V. 1b (60,1. 171,3. 395
Anm. 3) wagen.
nertfre s. nyrðre.
nes N. Landzunge.
nezte Superl. zu nedre.
né s. ne.
nid')- Adv. nieder.
n iör M. (244) Abkömmling.
ni&re Adj. Komp. s. neüre.
nitfre Adv. drunten.
nio Num. (136, 2. 353) neun.
nionde Ordin. (361) nennte.
nírótfr Adj. (365^ 90 Jahre alt.
nítián Num. (353) neunzehn.
nítiánde Ordin. 361) neunzehnte.
nüftja sw.V. Ibu. II. (69 Anm.
1) sich weigern.
nüugande, -onde Ordin. (361)
neunzigste.
nitögr Adj. (365 90 Jahre alt.
niósn F. Kunde von etwas Ge-
schehenem.
nióta st.V. II. (371) genießen,
c. Gen. (439 b).
Nigrðr N. pr. (274 .
norcfan Adv. (350) von Norden
her.
nor&arlega Adv. nördlich.
nor&arre s. nyr&re.
nordr Adv. (72,1) nördlich.
norðre s. nyr&re.
norrónn Adj. (283) norwegisch;
norrón tunga norwegische
Sprache mit Einschluß der
Sprache der Kolonieen, also
überhaupt westnordisch.
Norvegr s. Nóregr.
nó- Prüf. (81, 2) nahe.
Nóregr M. (184, 1 u. Anm. 2.
226 Anm. 2) Norwegen.
nött s. ngtt.
nú Adv. nun, jetzt.
nyr&re Adj. Komp. (350) nörd-
lichere.
nijr Adj. (337 u. Anm. 1. 346,
2. 348 Anm. 1. 350 Anm.)
neu.
nýrírje Adj. Komp. (229) neuer.
nýra N. (279) Niere.
nýtekenn Adj. kürzlich in Besitz
genommen.
nœr Adv. nahebei, in der Niihe
von, c. Dat.; nahezu, fast.
nástr Superl. (126, 2) nächste.
ndstom Adv. eben erst, kurz
vorher.
n0kkurr s. nakkuarr.
n0kkuarr s. nakkuarr.
nökkitat s. nakkuat.
n0rftre Adj. Komp. s. nyr&re
(72, 1. 350) nördlichere.
j nQkkorr s. nakkuarr.
í ngkkurr s. nakkuarr.
ngkkue M. (163, 2) Nachen.
ngkkuorr s. nakkuarr.
ngl F. (195) Nadel.
ngtt F. (231. 296, 2 u. 3) Nacht.
oddr M. Spitze.
o/" Adv. (350) Präp. c. Akk.
(436 a u. Anm.) um, über, in
Beziehung auf. Oft steht o/",
besonders in älterer Zeit,
wahrend später um dafür
eintritt, vor dem Prädikats-
verbum in expletiver Weise.
Durch Übersetzung kann dies
schwer Wiedergegebenwerden.
ofan Adv. von oben; o. á oben
darüber.
ofanver&r Adj nach oben ge-
wendet, oberer; á ofanver&om
dggom in den letzten Tagen.
ofdt N. übermäßiges Essen,
Fresserei.
offra sw.V. II. (42, 1. 190 Anm.
2) opfern.
ofgangse Adj. indekl. (424 Anm.
3) zu weit gegangen.
ofmetnaðr M. Übermut, Hoch-
mut.
216
Wörterverzeichnis.
ofra bw.V. II. (227) erheben.
ofrefle N. überlegene Macht.
ofrgiald N. (54, 4. 55, 1) über-
mäßige Vergeltung.
oft s. opt.
ok Konj. (468, 1) und, auch.
dk N. (223) Joch.
okkar Pron. Gen. Dual. (75,2 a.
303) unser beider.
okkarr Pron. (212, 2. 220 Anm.
1. 310) uns beiden gehörig.
okkr Pron. Akk. Dat. Dual. (303)
uns beide(n).
-ongr (242, 3).
openn Adj. (333. 335, 1) offen.
opt Adv. (351, 1) oft.
opthga Adv. oft.
or- Präf. (142).
or& N. (168. 226, 1. 239) Wort;
Botschaft; gera mikit or& d
ein großes Gerede über eine
Sache machen.
orffdlag N. Ausdrucksweise.
or&sendeng F. Botschaft.
or&sniallr Adj. beredt.
or&stírr M. Lobpreisung, Be-
rühmtheit.
orÄ'a sw.V. II. im stände sein,
etwas zu thun; -ask sich an-
strengen.
Orkney iar M. PI. Orkneyinseln.
ormr M. (236) Wurm, Schlange.
ormstunga F. Schlangenzunge,
ein Beiname.
oss Pron. Akk. Dat. Plur. (232.
303) uns.
ostr M. Käse.
oxe M. s. auch w,re (155) Ochse.
óask sw.V. II. sich fürchten.
óberr Adj. bedeckt, nicht nak-
kend.
óbyria F. unfruchtbare Frau.
Öbyria Adj. unfruchtbar.
óbóttr Adj. ungebüßt, wofür
keine Buße gezahlt worden ist.
ó&al N. (240 u. Anm. 1) Eigen-
tum, Erbland.
öcfaJborenn Adj. rechtmäßiger
Besitzer seines Landes seiend.
Öüenn N. pr. (226, 1).
ó&r M. (242, 2) Dichtkunst.
ódéme N. PI. Ungeheuerlichkeit.
ó/Ví//r Adj. unschön.
ófregenn Adj. ungefragt.
ófricfr M. Unfrieden, Krieg.
ógefenn Adj. unverheiratet.
ógiptr Adj. unverheiratet.
óglaffr Adj. (52, 4) unfroh.
óÍM/a F. Ungehörigkeit.
ókunnr Adj. unbekannt.
Ö7á/> N. pr. (119).
ólœr&r Adj. ungelehrt, besonders
Bezeichnung der Laien.
I ów F. s. ván.
on Präp. c. Gen. Dat. (81, 1 b)
ohne.
j ór Präp. (142) c. Dat. (447 a) aus,
heraus; Adv. daraus.
órátf^s. Unglücksrat; schlechter
Entschluß; schlechter Lebens-
wandel.
óráðíegr Adj. unratsam.
óreiðr Adj. nicht zornig.
órer s. várr.
ósk F. (75, 2 b) Wunsch.
óskygn Adj. außer Stande, klar
zu sehen.
óspilltr Adj. unverletzt.
óstyrkr Adj. schwach, kraftlos.
ótignare Komp. geringer an
Ansehen, Würde.
ótrú F. Unglaube.
ótta F. (90. 226, 1) Zeit der
Morgendämmerung.
ótte M. Furcht.
óvarr Adj. unerwartet; koma á
óvart Gunnare den Gunnarr
überraschen.
óvinsœJð'F. Mangel an Freunden.
óviss Adj. unbekannt, unsicher.
óþýðr Adj. unfreundlich.
1>.
pallr M. Stufe, erhöhter Sitz
für die Frauen.
páe M. (276) Pfau.
pen(nJengrM. Eigentum ; Münze,
bar Geld ; Pfennig.
pisl F. Peinigung, Marter, Leiden.
postole, -a M. (122,1. 277 Anm. 1)
Apostel.
Wörterverzeichnis.
217
prestr M. (156 Anm.) Priester.
profete, -a M. (277 Anm. 1)
Prophet.
psalmr M. (156 Anm.) Psalm.
Bagrihildr N. pr. (179).
ragr s. argr.
rakke M. Hund.
ramfmjr Adj. stark.
?w?rf s. rpwfZ.
ranglétesma&r M. Verbrecher.
rangr Adj. schief; vom Rechten
abweichend, böse.
rann N. (175, 2) Haus.
Bannveig N. pr. F. (255).
r«s.9 s. ars.
rawdir Adj. (148) roth.
raumr M. große und häßliche
Person.
rrf s. ró.
rá# N. Rat, Entschluß; Gesamt-
lage d. Verhältnisse jemandes,
Lebensverhältnisse; Stellung,
die man auf Grund dieser
Verhältnisse einnimmt.
rá&a red.V. (220. 388. 415) raten,
bestimmen; r. lande (444 laß)
ein Land beherrschen; r. nafn-
bótom die Bestimmung über
die Würden haben, sie ver-
leihen oder bestätigen; Uz
rá&ande der über das Gefolge
herrschende, Held, Mann;
r. til skipa seinen Weg zu den
Schiften nehmen ; r. af aus
dem Wege räumen; -ask í
c. Akk. sich auf etwas legen,
sich mit etwas beschäftigen.
rá&akostr M. Lebensstellung.
rá&hoUr Adj. guten Rat er-
teilend.
rdmr Adj. (153) heiser.
refm sw.V. Ib u. II. (186.187)
strafen.
regen N. Plur. (240) Götter,
Schicksalsmächte.
rei&ask sw.V. I b zornig werden.
reiüe F. (290) Zorn.
j rei&fare, -a Adj. indekl., immer
in der Verbindung verða vel r.
eine glückliche Reise haben.
! rei&olega Adv. zornig.
| reiðr Adj. (226 Anm. 1) zornig.
reika sw.V. II. hin und her sich
bewegen.
reim F. (253) Riemen.
reisa sw.Y. Ib (171, 1 u. Anm.
395 Anm. 4) aufrichten.
reka st.V. V. (62. 65. 226, 2. 380)
treiben; r. í gegnom c. Akk.
etwas in einer bestimmten
Richtung in Bewegung setzen.
rekende F. (290. 291) Fessel.
rekia sw.V. I a auswickeln, aus-
breiten.
rekkia F. Bett.
renna sw.V. Ib (149) rennen
machen, ausfließen lassen ;
intr. rennen, laufen.
renna st.V. III. (50 Anm. 376
Anm. 2) rennen.
repsa s. refsa.
reykbera F. Leitung für Rauch,
Rauchfang.
reykelse N. Räucherwerk.
reyna sw.V. Ib (169, 3. 170, 2)
erproben.
reyrr M. (95, 2. 179) Rohr.
rétta sw.V. Ib (141, 1) richten;
gerade, recht machen.
réttlátr Adj. rechtschaffen.
rétftjlá'te N. Rechtschaffenheit.
réttr Adj. gerade; recht, richtig.
rcttvise F. (289) Rechtschaffen-
heit.
rinna st.V. III. s. auch renna
(149. 215) rennen, fließen.
ritfóre N. Schreibmaterialien.
-riö'r F. (in Namen) s. -frid'r.
rid'a st. V.l. (369) reiten.
rifa st.V. I. reißen, zerreißen.
rifka sw.V. II. (42, 1. 166) etwas
vorteilhaft machen.
rike N. (247 Anm.) Reich.
rikesmatfr M. mächtiger Mann,
Vornehmer.
rikr Adj. 45 Anm. 52, 2. 337.
346, 2) mächtig.
risa st. V. I. (67. 369; sich erheben.
218
Wörterverzeichnis.
rísta st.V. I. (369 ritzen.
ríta st.V. I. (226, 2. 369 schreiben.
rió&r Adj. (148) rot.
riüka st.V. II. (370) rauchen.
ro&e M. (148) Röte.
roskenn Adj. (377 Anm. 3) ge-
wachsen.
rotenn Adj. (372 Anm.) verfault.
ró F. (256) Ecke.
róa red.V. (66, 1. 134. 137, 2.
384) rudern.
ró&r M. (267, 2) Rudern.
rómr M. (153) Stimme, Lärm
rata sw.V. II. (226, 2) aufwühlen.
rinn X. Raum, Bett.
rúmstoTxh' M. Bettpfosten.
n*wa F. (116, la und 2. 211)
Rune.
rijgr F. (262 Anm. 2) Weib.
r<é/r N. Satteldach.
rccna sw.V. Ib (47 Anm. 171,3.
395 Anm. 3) berauben.
-r0&r (in Namen) (242, 2).
rokh- N. (66, 2. 163 Anm.) Fin-
T0lc(TcJua8w.V. IL (66, 2. 163
Anm.) finster werden.
réefa F. Rede.
r0#a sw.V. Ib sprechen.
-rp&r (365).
rodcZ F. (175, 1. 270, 3) Laut,
Stimme.
rggg F. (249. 264) Haarbüschel.
rgggr M. (249. 264) Haarbüschel.
Bggnvaldr X. pr. (132, 1).
rgnd F. (131 Anm. 270, 3. 296,
3 u. 4) Rand.
rang F. (293) Querband im Schiff.
rgshr Adj. (346, 3) rasch.
Xgskua X. pr. F. (287).
rgst F. (269. 270, 3) Meile.
rg F. (256) Raa.
rg F. (256) Reh.
saftr s. sannr.
safna sw.V. IL (116, lb u. 2
.sammeln.
saga F. (43, 2. 285) Erzählung.
saJclauss Adj. schuldlos.
sáklegse N. Grundlosigkeit.
saA'na sw.V. IL vermissen, c.
Gen. (439 b).
sah M. (267, 2) Saal.
sawia sw.V. III. (403 Anm.) ge-
ziemen.
saman Adv. zusammen; einn s.
allein.
samband X. Verbindung, Ver-
einigung.
same Pron. (313) derselbe.
sameign F. Kampf.
samméðr s. sammóddr.
samméddr Adj. (233) von der-
selben Mutter geboren.
scnnr s. same.
sandheimr M. Wohnung des
Sandes, Meer; so? sandheims
Sonne des Meers, Gold; slgn-
guer solar sandheims Ver-
schleuderer des Goldes, Mann.
sandr M. (169, 1. 236) Sand, PI.
Sandbänke, sandiger Grund.
sanninde, -ande, -ende, -ynde X.
(154) Wahrheit.
sannlega Adv. wahrhaftig, sicher-
lich.
sannr Adj. (158 Anm. 231) wahr.
sannspyria sw.V. Ia etwas als
sicher erfahren.
saurga sw.V. II beschmutzen.
sax X. (202) Schwert.
sei red. V. (19, 7. 153. 384 u.
Anm. 1 u. 3) säen.
sá Pron. (122,5. 139. 242,2. 311)
der, derjenige.
sáð F. (79) Saat.
Sága F. eine Asin.; s. sueigar
die Sága der Frauen haube,
d. i. Weib.
sálcl X. (93, 1) Eimer, Tonne.
sár X. (93, 2) Wunde.
sárr Adj. (174) schmerzhaft,
verwundet.
sdttr Adj. 76. 77) versöhnt.
segia sw.V. III. (404 Anm. 416.
417, 3) sagen; s. til Bescheid
Aufklärung geben, nennen.
seiðr M. (267, 2) Zauberei.
seinn Adj. langsam, spät, ver-
spätet.
Wörterverzeichnis.
219
seke Adj. (342) der Schuldige.
sekkr M. (162) Sack.
sehr Adj. (163 Anm. 337) schul-
dig.
selia sw.V. Ia (392 Anm. 2)
überreichen, verkaufen.
selr M. (46, 2. 65 Anm. 242, 1
u. 3) Seehund.
sem relat, Partik. (317) kann
alle möglichen relativen Be-
ziehungen ausdrücken (455);
als Konj. (454, 6) wie.
sendet sw.V. Ib (223) senden.
sendefgr F. eine Fahrt, Reise,
die man im Auftrag eines
andern unternimmt.
sendemaðr M. Bote.
sendeng F. Sendung, Botschaft,
Auftrag.
senna sw.V. Ib (395 Anm. 5)
mit Worten streiten, zanken.
ser&a st.V. 111. (373) Unzucht
treiben.
serkr M. (268) Hemd.
sctia sw.V. Ia u. b. (392 Anm.
4) setzen ; s. gimsteinom mit
Edelsteinen besetzen; -ask
sich zur Ruhe setzen.
sex Nura. (62. 353) sechs.
sextdn Xum. (55, 2. 353) sech-
zehn.
sextdnde Ordin. (361) sech-
zehnte.
sextugande, -onde Ordin. (361)
sechzigste.
sér Pron. Dat. (303. 428) sich.
sétt F. (69 Anm. 2) Anzahl von
sechs.
sétte Ordin. (361) sechste.
si&r M. (272) Gewohnheit, Sitte.
siffvenia F. Gewohnheit.
Sif N. pr. F. (260).
Sifka N. pr. (285).
sigla sw.V. Ib (395 Anm. 3)
segeln.
Sigmund)' N. pr. (242, 2).
sigr M. Sieg.
sigrsœll Adj. siegreich.
Siqurðr N. p. (242, 2).
sik Pron. Akk. (122, 5. 178. 303.
428) sich.
silfr N. Silber.
silke N. Seide.
sükesJcyrta F. seidenes Hemd.
sinn Pron. (143, 1. 212 Anm.
232. 307) sein ; sinn-huárr hat
distributiven Sinn, z. B. sinn
vetr þá huárr þeira heimbcxT
at Q&rum jeder einzelne von
beiden nahm im Winter vom
andern eine Einladung an.
sinn N. (368) 1. Begleitung, Ge-
folgschaft 2. Zeitpunkt; huert
s. jedesmal , i annat s. zum
zweitenmal; eino liuerio sinne
einmal, in indefiniter Bedeu-
tung.
sinoeldr M. Feuer in trockenem
Grase; sina F. Wintergras,
trockenes Gras.
sitia st.V.V. (124. 380 Anm. 3 b)
sitzen ; s. fyr(er) c. Dat. einer
Sache im Wege sein, s. um c.
Akk. sich vereinigen, um etwas
in seine Gewalt zu bekommen,
etwas auszuführen.
sia sw.V. (69 Anm. 2. 136, 2)
seihen.
sid> F. nur in der Verbindung
of, um sitf oder si&er zuletzt,
endlich.
si& Adv. (350) spät.
siffan Adv. später, darauf; .9. er
oder at Konj. (454 Anm. 2)
nachdem.
si&arr Adv. Komp. später.
siüa(r)re s. siüre.
si(ta(rjst Adv. Superl. zuletzt.
siffr Adv. Komp. weniger.
si&re Adj. Komp. (350) spätere.
süd F. (296, 4) Hering.
síma N. (279) Seil.
sin Pron. Gen. (303) seiner.
sira M. (277 Anm. 1) Titel für
Geistliche, Herr.
sidlfr Adj. Pron. (141, 2. 313
selbst.
siálfráð'r Adj. selbst ratend;
jemandes Verfügung über-
lassen.
sitiu Num. (353) sieben.
si(ajunde Ordin. (361) siebente.
220
Wörterverzeichnis.
siauró&r Adj. (365) 70 Jahre alt.
siaut(i)cin Num. (353) siebzehn.
siautfijánde Ordin. (361) sieb-
zehnte.
siautugande, -onde Ordin. (361)
siebzigste.
siautögr Adj. (365) 70 Jahre alt.
siä Pron. (312 Anm.) dieser.
siá stV.V. a9, 3. 134. 135. 139.
204. 229. 380 Anm. 3 a, 412)
sehen ; s. vi& c. Dat. sich vor
etwas in acht nehmen; s.
fyrer c. Dat. für etwas Sorge
tragen.
siár s. sckr.
síón F. (101 Anm. 270 Anm.)
Sehen, Gesicht.
siór s. sœr.
siúga st.V. II. (370 Anm. 1. 372)
saugen.
siükr Adj. (99. 148) krank.
skaðe M. Schaden.
skafa st.V. II. (381) schaben.
skaka st.V. II. (382) schütteln.
skald N. (141 Anm. 2. 239)
Dichter.
skalkr M. (141, 2) Diener.
skammr Adj. (347) kürz.
skam(m)t Adv. (351, 2) kurz,
kurze Zeit; sk. skyle ohJcar í
me&al nur kurze Zeit wird
zwischen uns liegen, ich werde
dir bald in den Tod folgen;
sk. frei kurz von entfernt,
nahebei.
skap X. Beschaffenheit, Cha-
rakter, Sinnesart; vera næst
skape am meisten jemandem
behagen.
slapare M. (277) Schöpfer.
skajjbóter M. Verbesserer des
Charakters.
aluipfercF F. Sinnesart.
skaphar&r Adj. herb, unfreund-
lich.
sliajjh/nde N. Sinnesart.
skar& N. Öffnung, Lücke.
skard'r Adj. (424 Anm. 2) ver-
mindert.
skarlazsliklia F. Scharlach-
mantel.
skate M. (277 Anm. 2) hervor-
ragender Mann.
skattr M. 159) Schoß, Abgabe.
skaut N. Ecke, Schoß, unterer
Teil des Gewandes.
sMlabúe M. jemand, der einen
skdle bewohnt.
skäleM. Hütte, besonders Schlaf-
haus, aber auch überhaupt
ein großes Gemach.
sltetiqlauss Adj. bartlos.
skeið F. (296, 4) Schiff.
sJcelfa sw.V. Ib (169, 4. 395
Anm. 3) schütteln.
skéliamole M. eine in kleine
Stücke zerbrochene Schale,
Scherbe; ein Beiname.
skemma F. kleines Haus, kleines
Gemach.
skemma sw.V. Ib abhacken,
kürzer machen; -ask kürzer
werden.
skemta sw.V. Ib die Zeit ver-
treiben, unterhalten.
skemtan F. Zeitvertreib.
skepia st.V. VI. (86. 87, 1. 381
Anm. 2 a u. c) schaffen.
skera st.V IV. (378. 424 Anm.
2) schneiden; -ask inn í c.
Akk. einschneiden, hinein-
reichen, sich erstrecken in.
skikkia F. (69 Anm. 1) Schinken.
skÜdage M. Bedingung.
skilia sw.V. Ia (416) 1. scheiden,
trennen, beenden; 2. unter-
scheiden, merken.
skin N. (147) Glanz.
skip N. (197) Schiff.
skipakostr M. Seemacht.
skipan F. Anweisung, Bestim-
mung, Veränderung.
skipsveriar M. Plur.(281) Schiffs-
mannschaft.
skipta sw.V. Ib (413) schalten
und walten, c. Dat. teilen.
skijrte N. Wechsel zwischen zwei
Dingen ; Angelegenheit, die
zwischen zwei Parteien spielt.
skidalüad'e N. aufgestapeltes Holz.
skina st.V. I. (147. 177, 2. 369.
416; glänzen.
Wörterverzeichnis.
221
skíra sw.V. Ib taufen.
skirn F. Taufe.
Skírner N. pr. (246).
skvrr Adj. (143, 1) hell.
Skialdvgr N. pr. F. (255).
skialfa st V. III. (52, 3.141 Anm.
1. 375) zittern.
skialgr Adj. schief, schielend.
shialla st.V. III. (375^ klatschen.
sUóta st.V. IL (98. 101. 371.
411.415) schießen; -ask c. Dat.
jemanden verlassen.
skiótr Adj. schnell.
skigldr M. (274) Schild.
skolla sw.V. III. (403 Anm.)
schlenkern.
skolo Prät.-Präs. IV. (217. 408
u. Anm. 413. 417, 1. 421 Anm.)
sollen.
skorta sw.V. III. (404) mangeln.
skoskr Adj. (160, 2 b) schottisch.
skozkr s. skoskr.
skógr M. (242, 2. 267, 2) Wald.
skór M. (238 u. Anm.) Schuh.
skóþuengr M. Schuhriemen.
skraut N. Prunk, Pracht.
skrautleqr Adj. prachtvoll.
skreppa st.V. III. (68. 373)
gleiten.
skrútf F. (89, 1) Schmuck.
skrýiía sw.V. Ib (89, 1) aus-
■t schmücken.
skuggsiá F. (286) Spiegel.
skuhi s. skolo.
skurffarskirn F. Beschneidung.
Skúta N. pr. (285).
sfo/ZcZ F. Abgabe.
sfo/Mr Adj. (408) schuldig.
skyte M. (280. 281 Anm.) Schütze.
skérr Adj. (93 Anm. 1) leuchtend.
Skggol N. pr. F. (131, 3. 255
Anm.)
skgMttr Adj. (332) kahl.
skgmm F. Schande, Schmach.
sfcpr F. (252) Hand, Schar.
skgrolegr Adj. ansehnlich, prunk-
voll.
slaug F. Leichtfertigkeit, Frech-
heit.
sld stV. VI. (204. 217. 383. 384
Anm. 1. 412) schlagen.
slátr N. frisch geschlachtetes
Fleisch.
sleva F. Sabber, Geifer; Schlange.
slitna sw.V. IL (398) reißen.
slikr Adj. Pron. (313) solcher.
sliár s. slœr.
sliór s. sZæt.
slófr F. Spur, Fährte, Weg;
kialar sl. Fährte des Kiels,
d. h. Meer vgl. glatfstyranäe.
slyngua, -ia st.V. III. (377 u.
Anm. 1) schleudern.
sUr Adj. (93 Anm. 2. 339) stumpf.
slokkua sw.V. Ib (163, 2) aus-
löschen.
sl0ngua s. slyngua.
slégr Adj. (337) schlau.
slgngua F. (287) Schleuder.
slgnguer M. Verschleuderer.
smalvamm N. kleines Versehen.
smclr Adj. (334) gering.
smidm F. (286) Schmiede.
smiúga st.V. IL (370 Anm. 1)
schmiegen.
smigr N. (250) Butter.
smokkr M. (162) Frauenhemd.
smyria s. smyrua.
smyrua sw.V. Ia u. b (392 Anm.
4) schmieren.
snara sw.V. II werfen, wenden,
drehen.
snareygr Adj. scharfäugig.
snemma Adv. bald, schnell.
snivenn Part. Prät. (369 Anm.
4) beschneit.
sniallr Adj. (64 Anm. 1) schnell.
sniVir s. SMíér.
£móZ/r N. pr. (135 Anm.)
sniör s. snccr.
snerta st.V. III. (373) berühren.
smla red.V. (384 u. Anm. 1 u. 3)
wenden, drehen; eine Rich-
tung einschlagen; mgrgom lýp
mon hann smla gupe til handa
viel Volk wird er auf Gottes
Seite wenden, es zu Gott be-
kehren.
snýr st.V.I. (85, 1
Anm. 4) es schneit.
már M. (93 Anm. 2. 249 Anm.
2) Schnee.
132, 2. 369
222
Wörterverzeichnis.
sn0f F. (75, 3) Schwiegertochter.
sofa st.V. IV. (379) schlafen.
sofna sw.V. II. einschlafen.
son s. sonr.
sonr M. s. auch sunr (47, 2. 72.
120. 197. 273 Anrn. 274 Anm.
1) Sohn.
sóa red.V. (388, 2 u. Anm. 2)
feierlich töten.
sókrýrer M. Verschwender des
Feuers'? s. hau&rmens Ver-
schwender des Feuers des
Meers (s. hautfrmen • das Feuer
des Meers = Gold), Ver-
schwender des Goldes =
Mann.
sol F. (124) Sonne.
sóma sw.V. III. (4Ö3 Anni.) ge-
ziemen.
sóme M. Ehre, Auszeichnung.
sótt F. (75, 1. 148) Krankheit.
sóttdauðr Adj. an Krankheit
verstorben.
spakare Adj. Komp. (344) ver-
ständiger.
späkastr Adj. Superl. (332) ver-
ständigster.
spähe Adj. (341) der verständige.
spaJcr Adj. (331. 345,
ständig.
spara sw.V. II.
sparen.
spá sw.V. II. (399. 412) prophe-
zeien.
spékingr M. weiser Mann.
spelä N. viereckige Tafel, Brett.
spella sw.V. II. (444 laß) ver-
derben.
spelh'irke M. Übelthäter, Ver-
brecher.
spenna sw.V. Ib (395 Anm. 5
u. 6) spannen.
sjjiUa sw.V. Ib (395 Anm. 5)
verwüsten, zerstören.
spittna st V. III. (67. 156. 376)
spinnen.
spiall X. (125, 1) Schaden.
spitale M. (122, 1) Hospital.
sporna st.V. III. (377 Anm. 2)
anstoßen.
spott N. Spott.
1) ver-
III. (404)
sptotta sw.V. IL (196) spotten.
spann M. (81,1b. 273, 1) Spahn,
Holzlöffel.
sprengia sw.V. Ib (395 Anm. 3
sprengen.
spretta st.V. III. spritzen, auf-
springen.
springa st.V. III. (185. 212, 2.
376 Anm. 1) springen.
spyria sw.V. la(392j forschen,
erfragen, hören; c. Akk. d.
Person, Gen. d. Sache jeman-
den nach etwas fragen (439 c) ;
c. Gen. oder til c. Gen. von
etwas hören.
spýia st.V. II. 0226, 3. 370 Anm.
2) speien.
spQng F. (270, 3) Spange.
spgrr M. (59, 2. 272 Anm.)
Sperling.
spgnn s. spann.
staðfesta sw.V. Ib festen Aufent-
halt verschaffen, befestigen.
stadT M. (127, 3. 129 Anm. 265.
270 Anm.) Stätte, Platz; nemo,
stao~ar Halt machen.
stacfsa Adj. indekl. (424 Anm.
3) gestanden.
stafr M. (267, 4) Stab.
stallr M. Stall.
standa st.V. VI. (170, 2. 381
Anm. 2b 413) stehen; o/*
henne mun st. von ihr wird
kommen; -ask Widerstand
leisten.
stara sw.V. III. (403) starren.
starf N. schwere Arbeit, Mühe.
stál N. Stahl, Eisen; Speer,
Schwert.
stefna sw.V. Ib einer Sache die
Richtung auf etwas geben,
eine Richtung einhalten; zu-
sammenberufen; vor Gericht
rufen, zur Verantwortung
ziehen.
stefnalag N. Verabredung zu
einer Zusammenkunft.
steinn M. (47, 1. 91. 177,2. 242,
1) Stein.
stela st.V. IV. (65 Anm. 378)
stehlen.
Wörterverzeichnis.
223
sterhr Adj. (149. 337. 346, 2)
stark.
stertr M. (65 Anm.) Schwanz.
stétta(r)~ker N. ein auf Füßen
ruhendes Gefäß.
stigama&r M. Räuber.
stilla sw.V. Ib (395 Anm. 5)
stillen, beruhigen; Part. stillt)'
maßvollen Charakters.
stinga st.V. III. (376) stechen.
stiga st.Y. I. (83. 92. 158. 186.
181. 214, 4. 369 Anm. 1)
steigen.
stigr INI. Weg.
stiarna F. (285) Stern.
stiórna sw.V. II. (444 I. a ß)
steuern, lenken, leiten.
stoð F. (72, 2) Stütze.
stocfa sw.V. II. unterstützen,
helfen.
stofa F. Stube.
stóll M. (177, 1. 242, 1) Stuhl.
stórbú N. Plur. Gehöft, Gut.
stórilla Adv. sehr schlecht.
stórmannlegr Adj. was sich für
eine angesehene Person ziemt,
großartig, prunkvoll.
stórmenne X. großer Mensch,
vornehmer Mann.
stórmenslía F. Benehmen, das
eines angesehenen Mannes
würdig ist.
starr Adj. (347) groß; Dat. Sing.
N. stórom sehr.
stóráttaðr Adj. von hoher Ab-
kunft.
strä sw.V. II. (399) streuen.
strá N. (241) Stroh.
strengr M. (Plur. -er) Seil.
strgnd F. (131, 2. 270, 3. 296,
3 u. 4) Strand.
stubbr M. (167) Stumpf.
Stufott M. (237 Anm. 1) Stütze.
stund F. Zeit, Zeitraum, eine
Weile.
Sturla, -e N. pr. (285).
stúpa st.V. IL (372) hervorragen.
stúra sw.V. III. (403) betrübt
sein.
stygð F. Unwille, Unfreundlich-
keit.
styrkia sw.V. I b stärken, unter-
stützen.
styrJcr M. Stärke, Gewalt, Unter-
stützung.
stgrkr Adj. (149) stark.
stýra sw.V. Ib (444 Laß) steu-
ern, lenken, herrschen.
stýremað'r M. Steuermann.
stýrer M. einer, der beherrscht,
lenkt.
stœla sw.V. Ib (171, 3. 218.
395 Anm. 5) stählen.
st0kkua st.V. III. (68 Anm. 75,
2 a. 226, 4 u. 5. 374) springen,
zerspringen.
stprre Komp. (57) größer.
stQð F. (264) Landungsplatz.
stQ&ua sw.V. II. (227. 401) hem-
men, aufhalten, Maß halten.
stgng F. (270, 3. 296, 3 u. 4
Stange.
su&r Adv. (216. 351, 1) süd-
wärts.
su&reyskr Adj. von den Su®-
iar, den Hebriden, herstam-
mend.
sultr M. (267, 2 u. 3. 270 Anm.)
Hunger.
sumar N. (240 u. Anm. 2) Som-
mer.
sumarauke M. wörtl. 'Sommer-
vermehrung', die Woche, die
auf Island jeden siebenten
Sommer eingeschoben wurde,
da das Jahr nur 364 Tage
hatte.
sumr Adj. Pron. (321 Anm. 2)
mancher, irgend einer, Plur.
einige.
sun s. sunr.
sund F. (150) Schwimmen.
sundr Adv. getrennt, entzwei;
häufig * s.
sunnan Adv. von Süden her.
sunr M. s. auch so«r (74, 1. 108.
121. 122, 2. 127, 4. 155. 179.
273 Anm. 274 Anm. 1) Sohn.
Surtr N. pr. (242, 2).
sú&þake&r Adj. mit. Holzschin-
deln gedeckt.
súga s. siúga.
224
Wörterverzeichnis.
súpa st. V. IL (148. 156. 372)
saufen.
suar N. Antwort, meist im PI.
suara sw.V. IL antworten.
suartr Adj. schwarz.
suá Adv. so; lcomenn suá aldrs
at in die Jahre gekommen,
so alt, daß.
sudt Konj. (122, 5. 454, 1 g) so
daß.
suefia sw.V. Ia. (411) beruhigen.
suefnstofa F. Schlafgemach.
sueigr M. Frauenhaube.
sueinn M. Knabe.
sueipa red . V . (385) fegen, wi ekeln .
sueit F. Schar, Heeresabteilung;
Landschaft.
suelga st.V. III. (141 Anm. 1.
373 Anm. 1) verschlingen.
suelgia s. suelga.
suella st.V. III. (373 Anm. 1)
schwellen.
suelta st.V. III. sterben; Hunger
leiden.
suerff N. Schwert.
sueria st.V. VI. (381 Anm. 2a
u. c) schwören.
suitfr s. suinnr.
suirna st.V. IV. s. auch suimma
(150. 378 Anm. 2) schwim-
men.
suimma st.V. III. s. auch suima
(376. 378 Anm. 2) schwimmen.
suinnr Adj. (216 Anm.) weise.
Suiar M. Plur. (136, 1) die
Schweden.
suikia s. sýkua.
suikua s. sýkua.
suín N. (211) Schwein.
sugppr M. (19, 5. 206. 227. 272)
Schwamm.
sy&re Adj. Komp. südlicher.
symia st.V. IV. s. auch suima
(150. 378 Anm. 2) schwim-
men.
Ä?/ndr Adj. einer, der schwim-
men kann.
synef F. Sünde.
syn&ogr Adj. sündig.
si/wpwa st.V. III. (47, 3. 70. 132,
1. 377 u. Anm. 1) singen.
synia sw.V. IL verweigern, ab-
schlagen, berauben, c. Gen. d.
Person, Dat. d. Sache (439 d).
syrgia sw.V. Ib (395) trauern.
syster F. (111. 131 Anm. 226, 1.
299) Schwester.
systken N. (233) Geschwister.
*sýia sw.V. Ia (133, 2 u. Anm.
1. 393 Anm. 1) nähen.
sýhua st.V. I. (85, 2. 226, 1.
369 Anm. 3. 416 Anm. 3)
täuschen, betrügen.
sýn F. (101 Anm. 270 Anm.)
Sehen, Gesicht, Aussehen;
Dat. Plur. sýnom von Ansehen,
der äußern Erscheinung nach.
sýna sw T .V. Ib weisen, zeigen;
-asfc erscheinen.
sijr F. (89, 2. 297) Sau.
sýsla sw.V. Ib (233. 395 Anm. 5)
verrichten, sich beschäftigen.
seil Adj. (348 Anm. 1) glück-
lich, selig.
seng F. Bett.
sdrM.. (93 Anm. 2. 226, 3 u. 5.
227. 249 Anm. 2) See.
sœra sw.V. Ib verwunden.
satt F. (77. 270 Anm.) Vertrag,
Versöhnung.
sœtta sw.V. Ib versöhnen.
sökkua st.V. III. (59, 2. 68 Anm.
75, 2a. 212, 2. 226, 4 u. 5.
231. 374) sinken.
soU-ua sw.V. Ib (61. 395 Anm.
3) senken.
*ónr s. sonr.
séfa sw.V. Ib (388 Anm. 2)
feierlich töten.
spkia sw.V. Ib (396) sich etwas
suchen, aufsuchen, zu treffen
suchen, verfolgen, angreifen;
s. lieim c. Akk. jemanden be-
suchen; peir hofffo sóttþangat
Jangan reg sie hatten einen
langen AVeg bis dahin zurück-
gelegt, sie hatten eine weite
Heise gehabt.
S0m& F. Ehre; me<)' sómft ge-
ziemend.
sgMl M. (237 Anm. 2) Sattel.
sog F. (253; Säge.
Wörterverzeichnis.
225
sgk F. (45. 253) Streitsache,
Sache; [fyre('r)] -sdkar(-er),
sokom c. Gen. (441) aus dem
Grunde, wegen: gefa at sgk
zum Vorwurf machen.
sgngr M. (132, 1. 133, 1. 249)
Gesang.
songua s. syngua.
sgl F. (93 Anm. 1) Seele.
sótt s. sœtt.
taka st.V. VI. (152. 382) er-
greifen , halten , in Besitz
nehmen; reichen, sich er-
strecken : beginnen ; t. til mäls
zu erzählen beginnen; t. til
matar zu essen beginnen; nü
er ßar til at t. jetzt ist nun
das dort zu erzählen; t. vel
vifr (c. Dat.) eine Sache gut
aufnehmen; t.þungtá (c. Dat.)
eine Sache ungern aufnehmen,
hören; t. viá (c. Dat.) etwas
in Besitz nehmen; -ask in
Gang kommen, seinen Anfang
nehmen; glücken.
tal N. Unterhaltung, Zahl.
tala sw.V. II. reden ; -asJc w'd* mit-
einander reden.
tal(e)Cfr Part. Prät. von tala
(333).
tapa sw.V. II. (444 1 a ß) ver-
lieren.
tákn N. Zeichen.
tdr F. (140) Thräne.
-tegonde (361 Anm. 2).
tegr s. t0gr.
tekia F. Einkommen.
telgia sw.V. Ib (395 Anm. 8)
verschneiden.
telia sw.V. Ia (127,3. 392 Anm.l)
zählen, erzählen.
temiasw.Y. Ia (106. 169, 3. 392
Anm. 1) zähmen.
teygia sw.V. ziehen, locken, ver-
locken.
tign F. Würde, vornehme Ge-
burt.
tignarklé&e N. Ehrenkleid,
Staatskleid.
tigr s. tögr.
til Präp. c. Gen. (441) zu, bis,
nach; Adv. dazu; til ßess er
(at) (454 Anm. 2) bis.
til fang N. was für irgend einen
Zweck nötig ist.
tilgernengr M. That, durch die
man etwas verschuldet.
tilkuemd'arma&r M. Person von
großer Bedeutung.
tillagagó(fr Ad}. Interessehabend.
tilraun F. Probe, Versuch.
tilrceüe N. Angriff; Dreistigkeit.
tiltéke N. Unternehmen.
tiü F. (270, 3) Zeit; kirchlicher
Gottesdienst, sowohl im all-
gemeinen, wie auch der zu
Ehren einer bestimmten Per-
son abgehaltene.
tiüende N.Plur. (107 Anm. 126,1b)
Neuigkeit.
tiifroddr Adj. oft besprochen.
tigenn Adj. (369 Anm. 4) von vor-
nehmer Abstammung, aus-
gezeichnet.
Urne M. (277) Zeit.
tio Num. (136, 2. 353) zehn.
tionde Odin. (361) zehnte.
tíré&r Adj. (365) 100 Jahre alt.
Hund F. (367) Dekade.
tivar M. Plur. (133 Anm. 2. 227)
Götter.
tialda sw.V. II. mit Teppichen
behängen.
tid sw.V. III. (69/4 84, 1. 158.
369 Anm. 4. 404 Anm.) zeigen.
tioa sw.V. IL s. auch tijia (372
Anm.) ausreichen, helfen.
todde M. (173) Wollflocke.
toft s. taft.
togenn Part. Prät. (372 Anm.)
gezogen.
toqr s. t0gr.
tolb s. toi f.
tolf Num. (143, 2. 165. 189 u.
Anm. 353) zwölf.
tólfré&r Adj. (365) 120 Jahre alt.
tolftc Odin. (361) zwölfte.
tottogo Num. (353) zwanzig.
tóft F. (143,2. 209, 1) Bauplatz.
traust N. Vertrauen, Trost.
Kahle, Altisländisches Elemeutarbuch.
!■")
226
Wörterverzeichnis .
trega st.Y. V. (380) betrüben.
treysta sw.V. I b aufmuntern,
sich verlassen; -asJc sich ver-
lassen.
tré N. (241) Baum.
troða st.V. IV. (172.379) treten.
trú F. (285 Anm.) Glaube.
trúa sw.V. III. (422, 3) glauben.
trúa F. s. trtt.
trúfastr Adj. pflichttreu, zuver-
lässig.
trúr Adj. (334) treu.
trygðar, -er F. Plur. Treubund,
durch den der Friede ge-
sichert ist.
tryggr Adj. (70. 228. 339. 348
Anm. 1. 350 Anm.) treu.
trQ& F. zur Viehweide benutzte
Brache (Norwegen) ; Hürde
(Island).
trgllaskógr M. Wald der Riesen,
Unholde.
-tugaste (361 Anm. 2).
tugr s. t0gr.
-tugte (361 Anm. 2).
tunga F. (56. 117. 214, 4. 285)
Zunge.
tuttur/ande, -onde Ordin. (361)
zwanzigste.
tuttugu s. tottogo.
tue&r s. tuennr.
tueir Num. (94. 177 Anm. 3.
224. 227. 353. 356) zwei.
tuenneng F. (367) Zweiheit.
tuennr Adj. (364) doppelt.
tuénn Adj. (364) doppelt.
tui&r 6. tuinnr.
tuinnr Adj. (364) doppelt.
tuisuar s. tysuar.
tui- (133 Anm. 3).
tuifcddr Adj. (364) zweifach.
tuínn s. tuénn.
tuítián Num. (353) zwanzig.
tuítiánde Ordin. (361 Anm. 1)
zwanzigste.
tuit0gr Adj. (365) 20 Jahre alt.
tyggua, -ia st.V. III. (377) kauen.
tylfp, t F. (42, 1. 171, 4. 186.
367) Anzahl von 12.
tysuar Adv. (133 Anm. 3. 368)
zweimal.
týia sw.V. Ia u. b s. auch tióa
(133 Anm. 1) ausreichen.
-t0gonde s. -tegonde.
túgr M. (104 u. Anm. 274
Anm. 1. 360. 365. 367) Dekade.
tpia s. tióa.
tQng F. (47, 3. 270, 3. 296, 2 u. 4)
Zange.
tgnn F. (177, 2. 194, 2. 216 Anm.)
Zahn.
tg F. (93 Anm. 1. 296, 1) Zehe.
ii(7 r s. unnr.
-uffr (in Namen) s. -unn.
ugga sw.V. III. (403) fürchten.
ulfr M. (141,2. 179. 226,1. 236)
Wolf.
ull F. (219) Wolle.
ulXklœ&e N. Wollkleidung.
Ullr N. pr. (242, 2).
umfbj Präp. c. Akk. (436 a) um,
über, in Beziehung auf; u.
framm (436 Anm.) darüber
hinaus.
umfbjhyggia F. Sorge, Sorgfalt.
umbú& F. Vorrichtung; veita ti.
Vorrichtung treffen.
nmgercf F. Schwertscheide.
umhuerfes Präp. c. Akk. (436
Anm.) ringsherum.
ana sw.V. III. (403 Anm.) zu-
frieden sein.
undan Präp. c. Dat. (447 a) fort
von.
undanbmgð'R. Mittel, um nicht
gesehen zu werden ; Versteck.
under Präp. c. Akk. (436 b), c.Dat.
(447 b) unter.
underhyggiomaðr M. hinterlistige
Person.
undra sw.V. II. bewundern; im-
drask (c. Akk.) sich wundern.
ungr Adj. (73. 74,1. 184, 1 u. 2.
211. 223) jung.
-vmn (in Namen) (262 u. Anm. 1.
270, 1).
unna Prät.-Präs. III. (407. 417, 1)
gönnen, lieben, c. Gen. der
Sache und Dat. der Person.
imw*F.(177Anm.l.270,l)Welle.
Wörterverzeichnis.
227
-unnr (in Namen) s. -unn.
unz Konj. (454 Anm. 2) bis.
uphaf N. Anfang.
npp Adv. auf, hinauf; ?f. /ra
von oben.
upjpe Adv. oben; mun hans vgrn
uppe (veraj seine Verteidigung
wird berühmt bleiben.
uppreist F. Verbesserung der
Stellung, Fortkommen.
ur- s. or-.
ZTr&r N. pr. F. (270, 1).
urt F. (270 Anm.) Pflanze.
utan s. útan.
utar s. útar.
iixe M. (277 Anm. 2) Ochse.
ú- s. Ó-.
Ulf aide M. Kamel.
úr s. ór.
2íí Adv. (350) hinaus, draußen;
ú. i frei außerdem.
útan, utan Präp. ausgenommen,
c. Akk. (436 b), c. Dat. (447 b):
außerhalb, c. Gen. (441): Konj.
(454, 5) wenn nicht; Adv. von
außen.
útar Adv. Komp. weiter hinaus;
ú. epter in der Richtung nach.
Ute Adv. draußen.
útébúr N. das abseits von den
andern Gebäuden stehende
Vorratshaus.
útganga red.V. herausgehen.
útganga F. Ausgang.
úthlaupsmað'r M. Räuber.
útnorffr N. Nordwest, eigentlich
Außennorden, d. h. seewärts
vom norweg. Standpunkt aus;
ebenso landnorðr Nordost.
v.
xaüa st.V. VI. (381 Anm. 1)
waten.
va&ell, -all, cg&oll M. (154) Furt.
vagga F. (182) Wiege.
vagn ^Sl. (242,fl) Wagen.
val-a sw.V. III. (171, 4. 403
Anm. 411) wachen.
vakenn Adj. (383 Anm. 2) wach.
vdkna sw.V. IL (398) erwachen.
vald N. Gewalt, Herrschaft.
valda st. sw.V. (218.410) walten;
veranlassen.
ramm N. (210) Schande.
vandende N. Schwierigkeit.
vandkué&e N. was in Verlegen-
heit, Schwierigkeit versetzt.
vangeymsla F. Unvorsichtigkeit.
vanr Adj. gewohnt.
vanrétte N. Gewaltthat.
vansTcQrongr M. wenig hervor-
ragender Mann.
vara F. Ware.
vara sw.V. IL aufmerksam
machen, warnen; -asTc c. Akk.
sich vor etwas in Acht nehmen.
vara sw.V. III. (403) ahnen.
varðveita sw.V. Ib in acht
nehmen.
vargr M. (180. 236) Wolf.
varkunn F. Entschuldigung.
varla Adv. kaum.
varna sw.V. IT. abraten, ver-
weigern; c. Gen. der Sache,
Dat. der Person (435 d).
rarnengr M. Ware.
varr Adj. aufmerksam; verffa
varr auf etwas aufmerksam,
etwas gewahr werden.
vaskr Adj. tüchtig, wacker.
vatn N. (Gen. vaz oder vatns)
Wasser.
vaxa st.V. VI. (52, 3. 202. 381
Anm. 1. 416) wachsen.
ván F. (131 Anm.) Hoffnung,
Erwartung.
vándr Adj. (349) schlecht, böse.
rdpn N. (47 Anm.) Waffe.
vár N. Frühling.
vdr Pron. Gen. Plur. M. (303)
unser.
vára sw.V. II. Frühling werden.
várr Pron. (214, 2. 308) unser.
vátr s. vœt(t)r.
váttr M. (272) Zeuge.
veð~r M. (Gen. -rar u. -rs) Wid-
der.
vefa st.V. IV. (378 Anm. 1)
weben.
vefia sw.V. Ia (392) umwickeln.
vefr M. (268) Gewebe.
vega st.V. V. (380 Anm. 1) töten.
15*
228
Wörterverzeichnis.
vega st.V. V. (62. 380) bewegen,
aufheben, wägen ; v.með~ suerfte
das Schwert schwingen.
veggr M. (224) Wand.
veggrune M. (149) aus der Dach-
traufe fließendes Wasser.
veglegr Adj. (348 Anm. 1. u. 2)
prächtig.
veglynde N. Neigung zu statt-
lichem Auftreten.
vegna Präp. c. Gen. (441) mit-
telst, mit oder ohne vorge-
setztes á.
vegr (43, 3. 181 Anm. 242, 3.
272 Anm,) Weg; annars vegar
auf der andern Seite.
vegr M. (242, 3) Ruhm.
vei&a 8W.V. Ib fangen.
veill Adj. krank, schwach.
veita sw.V.Ib geben, gewähren;
jemanden als Gast haben;
honom er veitt es liegt ihm
daran; var kenne veitt it stor-
mannlegsta sie wurde aufs
großartigste aufgenommen.
veizla F. Gelage, Fest.
vekke s. vetßjlce.
vekfkjia sw.V. la (392 Anm. 1)
wecken.
vel Adv. (852) wohl.
velia sw.V. I a (46, 2. 52 Anm.
112. 122, 3 u. 4. 123. 127
Anm. 2 u. 3. 223. 393 Anm. 3)
wählen.
velliomenn Adj. willkommen.
velta st.V. III. (373 Anm. 1. 415)
wälzen.
vencla sw.V. Ib (230) wenden.
venia F. Gewohnheit; fús er
hond á venio die Hand ist
(schnell) bereit zu dem, an
das sie sich gewöhnt hat.
venia sw.V. Ia (47, 2. 52 Anm.
392 Anm. 1. 416) gewöhnen.
vera st.V. V. (81, 1 a. 122 Anm. 3.
380 Anm. 3 a u. 4. 413. 416.
426 u. Anm. 427. 433 sein;
erpat ekke margra (karla) at . .
das ist nicht jedermanns (der
Männer) Sache, zu . .
verff N. Wert, Preis, P>ezahlung.
verüa st.V. III. (65. 193. 373
Anm. 1. 433) werden; v. á
eintreffen, sich ereignen; v.
fyrer (c. Dat.) einer Sache
ausgesetzt sein; ekke verö~r af
oss wir richten nichts aus.
ver&leikr M. Würdigkeit.
ver&ogr Adj. was man verdient
hat; at vercfogo nach Ver-
dienst.
verüong F. (154) Ehrengeleit.
verür Adj. (230) wert; pótte mi-
hils um vert es schien von
großer Bedeutung.
veria sw.V. Ia verteidigen.
verl: X. (233) Werk.
verJcr M. (Gen. Sing, verliar,
Nora. Plur. verker) Schmerz.
verpa st.V. III. (373 Anm. 1)
werfen.
verpéll M. Faß.
verr M. (62 Anm.) Mann.
verr Adv. Komp. (352) schlechter.
verre Adj. Komp. (349) schlechter.
vesa s. vera.
vesalengr M. Unglücklicher.
vestan Adv. (350) von Westen
her; fyrer v. c. Akk. an der
westlichen Seite.
vestr Adv. nach Westen.
vestre Adj. Komp. (350) west-
lichere.
vetrgriü N. Winteraufenthalt.
vet(tjl-e s. vœtftjlce.
vetftjr M. (52, 3. 68. 69 Anm. 2.
212, 1. 231 Anm. 294) Winter.
Vé N. pr. (278).
vé N. (136,1. 235. 242, 2)Heilig-
tum.
véla sw.V. I b (395 Anm. 5) sich
beschäftigen, betrügen; v. eitt-
liuat frei c. Dat. etwas von
jemandem fortlocken.
vir Pron. Nom. Plur. ^82. 303)
wir.
vétCt))' s. vcbt(t)r.
vi& Präp. c. Akk. (436 b) c. Dat.
(447 b) vgl. § 459, 2. bei, an,
mit; vera viO' zugegen sein.
vitf F. (259) Band.
viüfong N. Plur. Vorrat.
Wörterverzeichnis.
229
vi&r M. Baum.
Viðrer M. ein Beiname Odins;
Vi&res meine Mond Odins,
Schild; hri& V. meina Un-
wetter des Schildes, Kampf;
herdemeidr V. mdna hridar
Kämpfer.
við~skipte N. Plur. Verkehr.
vidtaka F. Empfang, Aufnahme.
viðtcd X. Unterredung.
vile M. (111. 281 u. Anm.) Wille.
vilia sw.V. Ia (46, 1. 52, 2 u.
Anm. 392 Anm. 2. 413. 417,4
u. Anm. 2) wollen.
villa sw.V. lb (171, 3. 194, 1.
395 Anm. 3) in die Irre führen.
vinabod N. Gelage, zu dem
Freunde eingeladen sind.
vinavandr Adj. vorsichtig in der
Wahl der Freunde.
vindtta F. Freundschaft.
vinda st.V. III. (376) winden.
vindáss M. Balken oder Stock,
um den ein oder mehrere
Seile gewunden werden, so
daß er als Handhabe zum
ziehen dient.
vindr M. (67 Anm. 267, 2) Wind.
Vindr M. Plur. (294) Wenden.
vinfastr Adj. fest an den Freun-
den haltend.
vinfenge 'S. Freundschaft.
vingan F. Freundschaft.
Vingporr N. pr. (226 Anm. 1).
vinua st.V. III. (376 u. Anm. 1)
ausführen, arbeiten, gewinnen,
erobern: vann sextdn sdra
enn tud dauda er verwundete
16 und tötete 2.
vinr M. (267, 1) Freund.
finstre Adj. links.
virda sw.V. Ib schätzen, an-
rechnen, würdigen, ehren, c.
Gen. u. Akk. (439 e).
virdelegr Adj. würdig.
xirdclega Adv. würdig.
virdeng F. (154) Schätzung,
Würde, Ehre.
virdolegr s. vir&elegr.
viss Adj. (147. 406 Anm.) sicher,
gewiß.
vist F. Aufenthaltsort, Aufent-
halt.
Vit Fron. Nom. Dual (303) wir
beide.
vita Prät.-Präs. I. (198. 227. 406)
wissen; Bedeutung haben.
vitia sw.V. II. besuchen, bei-
wohnen, c. Gen. (439 b).
vitne N. Zeugnis.
vitr Adj. (346, 1) klug.
vi&a Adv. (351, 1) weit.
vidr Adj. (171, 2) weit.
vigmó&r Adj. kampfesmutig.
vigr Adj. kampfgeübt.
vik F. (297) Bucht.
víkingr M. Seeräuber.
viTcia s. ykua.
ríh'tia s. ýkua.
vin *&. Wein.
visa sw.V. II. weisen, den Weg
zeigen.
viss Adj.' (147. 335, 1. 406 Anm.)
gewiß, weise, N. vist sicher-
lich.
vixla sw.V. Ib (233. 395 Anm. 5)
wechseln.
vykua s. ýkua.
vœla s. véla.
r er im Adj. (335, 1) schön.
vénta sw.V. Ib erwarten, hoffen.
vépna sw.V. Ib (171, 3. 395
Anm. 5) bewaffnen.
vétftjke Pron. N. (323) nichts.
vétftjr (vét(t) r, vátr, væt(t)r, vitr,
-vitr) F. (69, 2 u. Anm. 2.
143, 1. 147. 270, 1. 3 u. 4)
AVicht, Wesen.
vóla s. véla.
VQ&öll s. vadell.
vgllr M. (271) Feld.
vglva F. (287 u. Anm.) Seherin.
vomb F. Wanst, Bauch.
vnndr M. (272. 273, 3) Zweig.
vordr M. (273, 2) Wacht.
vorn F. Verteidigung.
vuroJtlada F. Lade, Verschlag,
Haus, in dem Waren unter-
gebracht sind.
co.rtr M. Wachsen, Wuchs.
vg F. (93 Anm. 1) Unglück.
von s. ván.
230
Wörterverzeichnis.
ytfr Pron. Akk. Dat. Plur. (303)
euch.
yü(u)ar Pron. Gen. Plur. (303
u. Anm.) euer.
y&(u)arr Pron. (309) euer.
yfer Präp. c. Akk. (436 b), c. Dat.
(447 b) über.
yferhgfnF. Obergewand, Mantel.
yferkonongr M. Oberkönig.
yferlitr M. äußere Erscheinung.
yferma&r M. oberster Mann,
Leiter.
ykkar Pron. Gen. Dual. (303)
euer beider.
ykkarr Pron. (220 Anm. 1. 310)
euch beiden gehörig.
ykfor Pron. Akk. Dat. Dual. (70.
303) euch beiden.
Ylfengr M. (126, 1 a) Nachkomme
des Ulfr.
ylgr F. (180. 262 Anm. 2) Wölfin.
Ymer N. pr. (246 Anm.).
ymiss s. ýmiss.
ynüe N. Wonne, Entzücken.
yncjre Adj. Komp. (74, l)jüngere.
Yngue N. pr. (282).
yrUa sw.V. Ib (112. 116, 2. 396)
wirken, machen; ein Gedicht
oder eine Strophe machen.
ytre Adj. Komp. (350) äußere.
ýf N. (227) Reiben.
ýkua st.V. I. (85,2. 226, 1. 369
Anm. 3) weichen ; impers. ml
vikr sggonne til die Erzählung
sucht einen andern Schau-
platz auf; -aslc sich bewegen.
ýmiss Adj. (143, 2. 335, 3)
wechselnd.
ýr s. 6r.
paüan Adv. von da.
pal N. Dach.
palcka sw.V. II. danken.
pakksamlega Adv. dankbar.
pangat Adv. dorthin.
panneg Adv. diesen Weg (pann
veg), dorthin; auf solche
Weise, so.
par Adv. dort, damals; par mefr
damit; Pars (par es) während,
obwohl.
par(f)nask sw.V. II. (233) be-
dürfen.
pat Pron. N. s. sei.
pá Adv. damals; pá er Konj.
(454 Anm. 2) da, als.
pegar Adv. sogleich; p. er Konj.
(454 Anm. 2) sobald als.
pegia sw.V. III. (404 Anm. 417
Anm. 1) schweigen.
pegn M. Degen, freier Mann,
Unterthan.
pegnskapr M. (130, 2) Helden-
that.
peire s. sá.
pekia F. Dach.
Pekkia sw.V. Ib (76.77.78.396)
gewahr werden.
perra sw.V. Ib trocknen.
pesse Pron. (312) dieser.
pesser s. siá.
pessor s. pesse.
petta s. Pesse.
peyge Konj. gleichwohl nicht.
per Pron.Nom. Plur. (304 Anm.)
ihr.
per Pron. Dat. Sing. (303) dir.
piggia st.V. V. (380 Anm. 3 b)
annehmen, empfangen.
pik Pron. Akk. Sing. (303) dich.
pile N. Diele, Planke, Bretter-
verkleidung, Bretterwand.
ping N. Volksversammlung, Ding.
pingstefna Einladung zum Ding.
pina Pron. (143, 1. 212 Anm.
307) dein.
pit Pron. Xom. Dual. (304 Anm.)
ihr beide.
pin Pron. Gen. Sing. (303) deiner.
pir F. (133, 2) Dienerin.
pid sw.V. II. (399) quillen.
piokkr, pitikkr s. piokkr.
pioü F. (101. 168. 191. 270, 3)
Volk.
piótfgata F. allgemeiner Weg,
Landstraße.
piófr M. (42, 1. 98. 101 Anm.)
Dieb.
piófsauga N. Diebsauge.
Wörterverzeichnis.
231
piófsnautr M. Diebsgenosse.
þióna sw.V. II. (416 Anm. 1)
dienen.
piata st.V. II. (371) tosen.
piúfr s. þiófr.
piQkkr Adj. (64 Anm. 2. 339 u.
Anm. 2) dick.
poka sw.V. II. bewegen; Platz
machen, weichen.
pola.sw.V. III. (404) dulden.
Þonarr s. Þórr.
pora sw.V. III. (404) wagen.
Þorgeirr N. pr. (185 Anm.).
Þorleikr N. pr. (119).
/om M. (191) Dorn.
/orp ^. (156) Gehöft, Dorf.
Þorsteinn N. pr. (143, 2).
/Ó Adv. (96) doch; Konj. ob-
gleich, häufig in Verbindung
mit at (póttj (454, 4).
7>órarr s. Þorgeirr.
Mrr N. pr. (237. 242, 3).
Þórimn N.pr. F. (177 Anm. 1).
/oíí s. ^ó.
praut F. (148) Anstrengung.
preðr s. prennr.
preklegr Adj. kräftig, stark.
prenfnjeng F. (54, 2." 55, 2. 367)
Dreiheit, Dreieinigkeit.
prennr Adj. (364) dreifach.
preskeldr, -aldr, -oldr M. (154)
Thürschwelle.
prettcin Num. (143, 1. 353) drei-
zehn.
prettánde Ordin. (361) drei-
zehnte.
preyia sw.V. Ia (393 Anm. 2)
sich sehnen.
prénn Adj. (364) dreifach.
/ritte Ordin. (361. 362) dritte.
pri&iongr M. (366) Drittel.
/ridr s. prinnr.
prifnaür M. (266) Blühen.
prinnr Adj. (364) dreifach.
Prisida s. ßryskua.
ßrisuar s. pnjsuar.
pH- (133 Anm. 3).
prifast.V. I. ergreifen, erfassen;
J>. iiZ nacli etwas greifen ;
-asfc gedeihen, fortkommen.
prifaldr Adj. (364) dreifach.
prir Num. (135. 177 Anm. 3.
191. 353. 358) drei.
pritugande, -onde Ordin. (361)
dreißigste.
prítógr Adj. (365) dreißig Jahre
alt.
pritOgt F. (367) Anzahl von
dreißig.
prióta st.V. IL zu Ende gehen;
veizlona prýtr das Gastmahl
geht zu Ende.
prote M. (148) Geschwulst.
pro F. (90) Trog.
próttr M. Stärke, Tapferkeit.
-prü&r (in Namen) (262).
prútenn Adj. (148) geschwollen.
pryngua, -ia st.V. III. (377 u.
Anm. 1) drängen.
pryskua sw.V. Ib (395 Anm. 1)
dreschen.
prysuar Adv. (133 Anm. 3. 368)
dreimal.
prcélka sw.V. II. knechten.
prœll M. Knecht. Sklave.
pröngua, -ia st.V. s. pryngua.
pröngua, -iasw.Y. Ib(395Anm.l)
drängen.
prongr Adj. (339) eng.
pulr M. (267, 1) Dichter.
pungßrr Adj. schwer beweglich.
pungr Adj. schwer; tafca pungt
etwas unwillig aufnehmen.
punnr Adj. (350 Anm.) dünn.
purfa Prät.-Präs. III. (189.407)
bedürfen, c. Gen. (439 b) oder
Akk. Part. Präs. purfande be-
dürftig.
Purft F. (270, 3) Bedürfnis.
purpt s. purft.
pars M. (242, 1 u. 2) Riese.
pii ((tu, -du, -tu, -t) Pron. (117.
122, 5. 139. 193 Anm. 1. 303.
304, 2) du.
püsund F. (88. 353. 360) Tau-
send, zwölf Hundert.
púshundrad' N. (360) Tausend,
zwölf Hundert.
pud st.V. VI. (227.383) waschen.
puerr Adj. (204) verquer.
puerra sw. V. I b abnehmen
machen.
232
Wörterverzeichnis.
ßuerra st.Y. III. austrocknen,
abnehmen.
pui Dat. Sing. X. von sei des-
wegen; í pui in dem Augen-
blick; pui at af Cfyrer, med)
pui at (454h) da, weil; frdpui
(454 Anm. 2) seitdem.
ßuiat s. pui.
puilikr Pron. Adj. (313) solcher.
pykkia sw.V. Ib (75, 2 a. 90 u.
Anm. 396. 433. 4441a T dün-
ken, scheinen; -ask sich selbst
dünken, glauben, scheinen.
pykkr s. pigkkr.
pynna sw.V. Ib (395 Anm. 5 u. 6)
dünn machen.
pyrsta sw.V. Ib (435 d) dürsten.
pytr M. (268) Lärm.
pýffa sw.V. Ib (395 Anm. 3)
deuten, auslegen; -ask be-
deuten.
pggn F. Schweigen.
pokk F. (Plur. pakker) Dank.
pgrb s. pgvf.
pgrf F. (189 Anm.) Bedürfnis.
pgttr M. (272) Abteilung.
IV.
œ Adv. immer, ständig.
œfe F. (290) Zeitalter, Lebens-
zeit, Zeit.
Æger N. pr. (151. 246).
<s?io. sw.V. la (393) weiden.
ér F. (297) weibliches Schaf.
œrr s. prr.
étla sw.V. IL (416 Anm. 1)
meinen, vermuten, beabsich-
tigen, vorhaben; á. tu möz
vid~ jemanden zu treffen be-
absichtigen; cé. til Islam
nach Island zu fahren beab-
sichtigen; ct. c. Dat. d. Per-
son und Akk. d. Sache, je-
mandem etwas bestimmen,
ihm zudenken.
œtlan F. Vorhaben, Plan.
d'tt F. (93 Anm. 1. 270, 3 u. Anm.)
Geschlecht, Familie.
(Htenge M. (154) Verwandter.
0,
0fre Adj. Komp. (350) oberer;
et 0fra der obere Weg, der
Weg durchs Innere des Lan-
des.
ó))f/r Adj. (328 Anm.) eng.
0ngr Pron. s. auch en(n)ge (133
Anm. 3) keiner.
0r- s. auch or- (75, 3).
0rende N. Geschäft, Vorschlag.
0SS s. oss.
0x F. (61. 155. 262 Anm. 1) Axt.
6Üe F. Wut.
eure Adj. Komp. höher, mehr
wert.
Opa sw.V. Ib (171, 4. 395 Anm. 3)
rufen, lärmen.
ér s. ór.
0re Adj. Komp. (90 Anm.) jünger.
érenn Adj. sehr groß, reichlich;
óret N. als Adv. gebraucht.
éskia sw.V.Ib (226, 1) wünschen.
Óæla sw.V. Ib (47 Anm. 171, 3.
233. 395 Anm. 5) vermehren.
gflocjr Adj. (333) stark.
gfund F. (130, 1) Mißgunst.
Ogmundr X. pr. (130, 1).
gl X. (46, 2. 250) Bier.
gldongr M. eigentlich ein alter
Bulle, dann 'Held'.
gln F. (141 Anm. 2) Elle.
gnibun F. Belohnung.
gnd F. (296, 4) Ente.
gnd F. (265) Atem.
gndvcgessüla F. Hochsitzsäule.
gndmrðr Adj. (132, 1) im Beginn
einer Periode stehend, an-
fänglich; gndverö'a œfe in der
früheren Zeit seines Lebens.
gngr Adj. s. 0ngr.
gr F. (263) Pfeil.
grlynde F. Barmherzigkeit.
grlyndlegr Adj. freigebig, mild-
thätig.
grlyndr Adj. freigebig, mild-
thätig.
gm M. (273, 1) Adler.
Wörterverzeichnis.
233
orr Adj. (346, 3) freigebig.
gruei sw.V. II. (401) antreiben.
QX S. 0X.
gxl F. (270, 3) Achsel.
6 F. (134. 139. 151. 204. 256)
Fluß.
grr M. (93 Anm. 1. 272 Anm.
273, 1. 274 Anm.) Bote.
gss M. (124. 177, 4. 214, 3. 272
Anm. 273, 1) Balken.
gss M. (272 Anm. 273, 1) Mit-
glied des Göttergeschlechts
der Äsen.
gtt s. ætt.
öttonäe s. áttande.
gttongr M. (154) Verwandter.
Urnordisch
(und Eunisch).
aih 93, 1.
ansiiR 177, 4.
(a)salhaukum 124.
Äsmut 124. 131, 1.
ans 124.
t(a)riutiß 99. 164.
t(q)rutB 124. 127,2.
hör ums 164.
-0a<7rtB 122, 2. 168.
176.
tfofcfnß 75, 1. 122, 2.
205.
Erla 110.
fauauisa 110.
/6M 124.
jasii'i? 58.60,1. 106.
122,2.126,la.l27,l.
151. 155. 180.
haiteka 91.
liaitinaB 177, 2.
-lieüaihan 214, 4.
IZWctai? 125, 1.
Menno 97.
borna 107, 2. 122, 2.
hosli 131, 2.
Hrawffas 225.
HroRctR 176.
jflfc 222.
j«ra 222.
7,Y(W7ff 237.
fcarwiz 131, 2. 328.
-taiba/? 97. 99.
liudu 99. 164.
Kimim uOO diu 121.
majw 131, 1.
wänfi 80. 1. 177, 3.
328.
Niuwila 110.
-o7c? 131, 2.
raispi 171 Anm. 1.
Bhoalts 172.
ränöR 115.
sijostJB 118.
srtiÄ 124.
sowZw 124.
Stomas 107,2. 177,2.
strantu 131, 2.
swmifi 108. 122, 2.
155.
tawi&ö 225.
uparatasba 124.
WwiZa 110.
worahtö 115. 225.
WöeJuriele 118.
icraita 225.
icid(a)fa 124.
icul(q)fR 124. 225.
zt'iíríe 112.
Finnisch-lap-
pisch.
armeis 174.
parmas 174.
sairas 174.
Altschwedisch
(ostnordisch).
&ita 19, 4 u. Anm.
6iwda 19, 5.
7>/7/£<x 19,4 u. Anm. 4.
dagher 19, 1.
fremde 19, 3.
(%> 0är 19, 2. 80.
Ä0ra 19, 4 u. Amn.
sä 19, 7.
sea 19, 3.
scamp 19, 5.
ícwjWíi 19, 5.
Gotisch.
aftarö 345, 3.
«/im 345, 3.
aejejwus 328 Anm.
aÄs 202.
ahtau 120.
ahtaudögs 152.
a//T( 139. 151. 204.
aigan 93.
aifeis 93 Anm. 1.
air 93, 2.
airinön 93, 2.
auf 93 Anm. 3. 119.
íií^flíí. 232.
alls 177, 1.
ans 214, 3.
ansts 270, 1.
aqizi 61.
awfeíWí 95, 1.
ausö 95, 2.
aw/>s 169, 5.
bairein 122, 2.
balwjan 59, 2.
bandwjan 226. 4.
berusjös 424 Anm. 3.
fríífy'a 62 Anm.
hindern 122, 4.
hindern 114.
Minds 107, la. 118.
232.
tötyOf! 171, 2.
&nwiew? 122, 2.
234
Wörterverzeichnis.
brößar 193.
brunjö 223.
dags 123 Anm. 1.
176.
daußjan 95, 1.
diupißa 100, 1.
dim 100, 2.
drigkan 212, 2.
driusan 95, 2.
/War 168.
/apwöw 122, 3. 397.
failiu 139. 204. 241
Anm.
faürra 221.
faúragangja 185
Anm.
/zZ7i<m Berichtig, u.
Xachtr. zu S. 101.
füu 64.
ftnþan 194, 2.
/Wt -«tan 380 Anm. 2.
/Yttüo 93 Anm. 1.
fr am 209, 2.
frödei 114.
graZeifcs 122, 1.
garazna 122,1.175,2.
'gasts 60, 1. 106. 114.
123 Anm. 1. 155.
gazds 175, 1.
gaßlaihan 192.
glaggwö 61.
*glaggvms 228. 328
Anm.
graban 165.
greipan 91.
gretan 79.
</«eZ/ 194, 1.
Äa&afl 118. 402.
fca«rä*eisll4232Anm.
haitan 122, 1.
7<a«« 214, 4.
handus 59, 1.
hardus 131 Anm.
harjis 244.
liaulis 96.
hauwan 228.
himins 122, 3.
Jmeiivan 92.
fcraiw 93 Anm. 1.
ItuJjan 74, 1.
fett£Ó*s 175, 1.
Ä-öia 226, 1.
£6ns 165.
igrgis 70.
jrt/i 222.
Jams 223.
jer 222.
></</« 223.
juhiza 90 Anm.
j M fc 223.
fcas 60, 2.
latus 60,1. 126,1a.
177, 1.
kaupatjan 171, 2.
kiusan 75, 3. 98.
Zobern 182. 223.
laisareis 277.
Zßfcn 69, 2. 84, 1.
letan 79.
Ziw/s 97.
liugan 99.
Zwfcan 89,1. 126,1a.
127 Anm. 3.
magus 59, 1. 131, 2.
151.
maiza 93 Anm. 3.
ina/Z 140. 195.
mena 79.
menößs 81, 1 b.
miJcils 123 Anm. 1.
miluks 64.
minniza 177, 2.
miþþanei 232.
namo 207.
(anaj-nanßjan 60, 1.
wefo 81, 2.
>/f 7 //a 195.
m'ma» 81, Ib. 120.
qairrus 221.
qipan 193.
rawnjan 149.
raws 95, 2. 179.
razda 175, 1.
rasw 175, 2.
■nV/is 66.
rüna 115. 116, la.
sa 139.
.sri/Ym 153.
sai/rau 204.
sYf/?cs 93 Anm. 2.
220, 3.
sakkus 162.
sandjan 223.
saühts 148.
sigqan 68 Anm. 75,1a.
212, 2.
siggwan 70.
siujan 393 Anm. 1.
sí'hÁ-s 99.
sfoiíís 159.
snaiws 93 Anm. 2.
speiwan 226, 3.
stigqan 68 Anm.
75, 2 a.
sfei<yaw 92. 214, 4.
siöZ.s 177, 1.
simes 108. 120. 155.
iaÄara 69, 2. 84, 1.
369 Anm. 4.
iwjws 274 Anm. 1.
triggws 70. 228.
íítnJ5«js 194, 2.
fcoai 224.
hvalif 165.
^/jar 75,2 a. 212,2.
«ns 75, 2 b.
uz- 75, 3.
ätoö 90. 226, 1.
waddjus 224.
wahsjan 202.
waihts 147.
wairßan 193.
waZjan 112. 122, 3.
127 Anm. 3. 223.
wamm 210.
waúrd 168."
weihan 380 Anm. 1.
wiljan 417 Anm. 2.
«•/7/W.s 194, 1.
lüiMteitö 68. 212, 1.
231 Anm.
wlits 226, 2.
wrikan 226, 2.
/a«<7& 96.
/<'^.s 98.
þiuda 101. 168.
/iwi 133, 2.
/t*at 118.
pliuhan 96. 192.
/;•</'" 135.
/i* 139.
ßugkjan 90.
ßwairhs 204.
Wörterverzeichnis.
235
Altsächsisch.
alitian 122 Anm, 2.
hrör 176.
TTöi7a« 226, 1.
Altenglisch.
beofor 165 Anm.
bletsian 160.
breótan 99.
fofcc« 162.
caw?jp 206.
cíiíí 159.
cnæp(p) 157.
co(7t7 173.
cä 89, 2.
ðrwfc 90.
jleó 85, 1.
liappy (neuengl.)157,
hleór 100, 2.
hoppian 157.
ftrör 176.
7iryre 75, 2.
liætt 159.
modtfe 196.
smocc 162.
spearwa 59, 2.
?rZ7fan 226, 2.
icr/tan 226, 2.
ioröiem 226, 2.
Althochdeutsch.
acclius 155.
aftaro, -ero,-ro 345,3.
rt>Y7 220 Anm. 2.
«w> 81, 1 b.
biotan 72 Anm. I.
Mint 123 Anm. 1.
bim 85, 1. 132, 2.
burdi 74, 1.
chläwa 81, 2.
eðaw 63.
etar 63.
/Zö7i 96.
/uws 177, 4. 214, 3.
furist 74, 2.
gans 214, 3.
#e?>fl. 116, 1 c.
Gibihho 165 Anm.
grimm i 210.
habuk 165 Anm.
ftcwo 60, 2.
lielfan 63.
7ie7w 63.
Äirw0 64.
Hrodoicald 172.
ftfai 84, 1.
locchön 162.
wik 262.
??ze7fc 93 Anm. 1.
mindil 69, 1. 214, 1.
nordröni 233.
ouqa 117.
Wis 202.
sciozan 98.
sníican 132, 2. 369
Anm. 4.
snura 75, 3.
spann 81, 1 b.
smaí 75, 1.
.s?me 121.
tac 116, Ib.
trimui 228.
tniAttfl 75, 1. 203.
icunsc 75, 1 b.
iSaÄcw 140.
^e7ia 93 Anm. 1.
zoíío 173.
zunga 117. 214, 4.
£?ce>?e 224.
Mittelhoch-
deutsch.
Tcrimpfen 75, 2 a.
sehr impfen 68.
vld'jen 81, 2.
236
Berichtigungen und Nachträge.
Seite 2, § 4 füge hinzu: JSoreen, A., Abriß der altnor-
dischen (altisländischen) Grammatik. Halle 1896.
S. 4, Z. 12 v. o. füge hinzu: Ark. XII. 249 ff.; Z. 21 v. o.
lies: IF. V. 153 ff. und füge hinzu: Ark. XII. 128 ff. u. 249 ff.;
Z. 8 v. u. füge hinzu: Wadstein, E., Sprákvetenskapliga säll-
skapets i Upsala förhandlingar 1894—97; Kahle, ß., demnächst
im Ark.
S. 5, § 13 füge hinzu: Brugmann, K., IF. VI. 89 ff.
S. 7, Z. 4 vi o. lies: daglium; Z. 8 v. o. lies: sea; Z. 16 v. u.
lies: äagliumin.
S. 10, Z. 9 v. u. lies:.J. Sigur^sson.
S. 14, Z. 7 v. o. lies: 'ich' resp. 'ach'. § 46, 1 und § 47, 1
A. Kock ist (brieflich) unter Hinweis auf die Verhältnisse der
neuschwed. Dialekte der Ansicht, daß l, n nach hauptbetontem
langen Vokal oder Diphthong supradental sind.
S. 15, Z. 4 v. o. lies: *wani&ö.
S. 16, Z. 15 v. o. lies: dömifrö; Z. 23 v. o. lies: 'besser
werden'.
S. 18, Z. 12 v. o. und Z. 1 v. u. lies: jasÜR.
S. 21, Z. 3 v. o. lies: mhd.; Z. 5. v. o.: sigqan; Z. 10 v. o.:
(214, 1); Z. 12 v. o.: (204) (203); Z. 8 v. u.: 'nördlich'.
S. 23, Z. 2 v. o. lies: lir0r u. Z. 11 v. u. lies: äno und spän.
S. 24, Z. 8 v. o. lies: i; Z. 8 v. u. lies :.fló(7; Z. 6 v. u. statt
lat. fratres lies gr. cppáxspsc.
S. 25, § 93, Anm. 1. Der got. Diphthong ai ist hier wie
auch sonst gelegentlich teils ai teils di geschrieben.
S. 27, Z. 2 v. o. lies: lüeor.
S. 28, Z. 1 v. u. füge hinzu: abgesehen von den Fällen, in
denen hauptbetontes ä durch Komposition nichthaupttonig wurde.
Es wird dann wahrscheinlich zu a, vgl. ußaraüa-sfia <C -*spähii
'Unglücksprophezeiung'.
S. 31, Z. 13 v. o. lies: ffástÍR.
S. 32, Z. 17 v. o. lies: gasteis; Z. 11 v. u. lies: uparaba
-sba; Z. 3 v. u. lies: ansuß.
Berichtigungen und Nachträge. 237
S. 34, Z. 14 v. u. lies: jastiR.
S. 35, Z. 1 v. o. lies: *kalla&i; Z. 12 v. o. lies: jastin; Z. 1
v. u. Präs.
S. 40, Z. 3 v. o. lies: 'der' statt 'dieser'; Z. 3 v. o. lies:
faihu.
S. 41, Z. 6 v. o. lies: arna 'ausrichten'.
S. 43, Z. 2 v. o. lies: jastis und Z. 6 v. u. lies: *jastíR.
S. 46, Z. 18 v. o. lies: auþi(Jö.
S. 47, Z. 6 v. u. lies: sárr 'verwundet'.
S. 48, Z. 14 v. u. lies: marin.
S. 50, § 188. Die Anmerkung ist nach § 187 zu setzen.
S. 54, §§ 213 u. 218. P. A ström (Sv. landsm. XIII, Nr. 2,
S. 62—64) und M. Kristensen (Ark. f. n. f., XII, 313f.) sehen
in dem nn (handschriftlich N) vor ursprünglich d(t) eine Be-
zeichnung für kurzen Dental im Gegensatz zu dem gewöhnlichen
supradentalen n. Das gleiche sei der Fall gewesen bei -IUI, -llt.
S. 55, § 220 füge hinzu: Anm. 3. r vor l wird im Anfang
des 13. Jahrhunderts folgendem l, gegen Ende auch folgendem s
assimiliert, doch wird die Schreibung rl, rs meistens beibehalten,
z. B. kall < karl 'Mann', vdlla < varla 'kaum', foss < fors 'Wasser-
fall', fystr < fyrstr 'erster, Jiuesso <C haerso 'auf welche Weise'.
S. 55, Z. 2 u. 3 v. u. lies: u statt w.
S. 56. Zu § 226, 4 vergleiche man die jetzt von A. Kock,
Ark. f. n. f., XII, S. 241 aufgestellte Regel : In Wörtern mit langer
Wurzelsilbe schwindet iv nach einem Guttural, wenn der Wurzel-
vokal u (vielleicht auch o) ist, sonst bleibt es nach Guttural, z. B.
got. skuggioa, aisl. skugge "Spiegel'; syngua 'singen' : Part, sungenn;
S0lckiia 'sinken' : Part, sökkenn.
S. 56, Z. 5 v. u. lies: 'hemmen'.
S. 57, Z. 11 v. o. lies: *glaggwus.
S. 61, Z. 15 v. u. lies: iarlar und Z. 6 v. u. lies: 'Schlüssel'.
S. 62, Z. 2 v. u. lies: (230).
S. 65, Z. 12 v. o. lies: c) statt y)-
S. 66, Z. 3 v. o. rücke 'Schar' an 'Rand' heran.
S. 71, Z. 9 v. o. lies: gm.
S. 78, Z. 1 v. u. lies: *-méR, *-mR.
S. 82, Z. 12 v. u. lies: er,.
S. 90, Z. 20 v. o. lies: fr<cr.
S. 99, Z. 11 v. o. lies: vikuaimdZ. 16 v.o. lies: Part. Prät.
S. 101, § 378, Anm. 1 füge hinzu: fela 'verbergen' (got. fd-
han) hat im Part. Prät. grammatischen Wechsel : folgenn, und ge-
hört ursprünglich zu Klasse III.
S. 102, Z. 10 v. u. lies: va&a.
S. 106, Z. 4 v. o. lies: 394; Z. 15 v. u. tilge 1.; Z. 7 v. u.
lies: 133 statt 163.
238 Berichtigungen und Nachträge.
S. 107, Z. 9 v. o. lies: sókta und Z. 14 v. o. lies: reisa,
S. 112, Z. 14 v. o. lies: stócfo.
S. 121, Z. 8 v. o. lies: Präs. Opt.
S. 127, Z. 14 v. o. lies: 'wert.
S. 137, Z. 12 v. o. lies: endo.
S. 144, Z. 4 v. o. lies: 'Weiße'.
S. 147, Z. 9 v. o. lies: oret.
S. 148, Z. 3 v. u. lies: bozmonnom.
C. F. Winter'sche Buchdruckerci.
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Demco 293-5
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