SAMHUIG
KURZER &EAI1ATIKEN
GERMANISCHER DIALEKTE
HERAUSGEGEBEN
VON
WILHELM BRAUNE
IV. ALTNORDISCHE GRAMMATIK I
HALLE (SAALE)
VERLAG VON MAX NIEMEYER
1923
IVfe34' i a/L
ALTNORDISCHE GRAMMATIK I
ALTISLÄNDISCHE
UND
ALTNORWEGISCHE GRAMMATIK
(LAUT- USD FLEXIONSLEHRE)
UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DES URNORDISCHEN
VON
ADOLF NOREEN
VIERTE VOLLSTÄNDIG UMGEARBEITETE AUFLAGE
HALLE (SAALE)
VERLAG VON MAX NIEMEYER
1923
Vorwort.
[I. aufl. 1884.] Beim ausarbeiten der vorliegenden altis-
ländisch -alt norwegischen grammatik habe ich in erster linie
mich bestrebt, der in den vorhandenen iverken dieser art wenig-
stens nach heutigen anforderungen gar zu kärglich bedachten
lautlehre die ihr gebührende sorgfältige behandlung angedeihen
zu lassen. Aus der besonders in den letzten jähren auf diesem
gebiete so reich emporgewachsenen literatur, die ich mit allem
fleiss ausgebeutet zu haben glaube, ist in meine darstellung alles
das aufgenommen worden, was mir von wesentlicher bedeutung
zu sein und dabei die vergleichsiceise gesicherten ergebnisse der
forschung darzustellen schien, während noch unabgeschlossene
Untersuchungen und flüssige theorien nur in geringerem masse
berücksichiiyung finden konnten.
Ein anderer punkt, auf welchen ich auch ganz besonders
mein augenmerk gerichtet habe, ist die zeitliche und örtliche
auseinanderhaliung der vielartigen in der altnordischen lauf-
geschichte zutage tretenden erscheinungen. Ich habe also den
versuch gemacht, sowol den lautentwicktungen ihr rechtes Sprach-
gebiet als entweder urnordisch, alti^ländisch oder altnorwegisch
anzupreisen, als auch innerhalb jedes der genannten sprachkreise
das gegenseitige chronologische Verhältnis der erscheinungen, so-
weit möglich, festzustellen.
[II. aufl. 1892.] Die schnellen f ortschritte unserer Wissen-
schaft haben dazu geführt, dass diese grammatik schon nach
wenigen jähren fast wie ein neues buch erscheint. Von arbeiten,
die mir bei der ausarbeitung dieser neuen ausgäbe besonders
nützlich gewesen sind, nenne ich nur für das altnorwegische
die ausgezeichnete abhandlung E. Wadsteins, ' Fornnorska homi-
liebokens ljudlära\ Upsala 1890. für das altisländische das
Vi Vorwort.
musterhafte werk L. Larssons, 'Ordförrädet i de älsta islänska
handskrifterna', Lund 1891. — —
Betreffs der altnordischen Orthographie habe ich in dieser
aufläge (wie auch schon in meiner 'Geschichte der nordischen
sprachen' in Pauls Grundriss I, V, 4) nur die eine wichtige
Veränderung durchgeführt, welche mir dringend geboten schien,
indem ich konsonantisches i und u überall durch I, resp. u
(nicht j, resp. v) wiedergebe, jenes im einklang mit allen, dieses
mit den besten handschriften. -
[III. aufl. 1903.] Wiederum haben die wissenschaftlichen
f ortschritte dazu geführt, dass die neue aufläge meines buches
ein wesentlich verändertes aussehen darbietet. Keine seite,
kaum ein einziger paragraph ist ohne erhebliche änderung ge-
blieben. Von arbeiten, die mir bei dieser revision förderlich ge-
wesen sind, mögen besonders hervorgehoben werden: für die
allgemeine grammatik die wichtige abhandlung 0. v. Friesens,
'Till den nordiska spräkhistorien' , Uppsala 1901, welche mir
zu einer durchgreifenden Umarbeitung der umlautslehre anlass
gegeben hat, und für das altnorwegische die reiche material-
sammlung M. Hcegstads, 'Gamalt trendermaal ', Kristiania 1899
(desselben 'Maalet i dei gamle norske kongebrev', 1902, habe
ich hauptsächlich nur mehr für die nachtrage benutzen können).
Um eine allzugrosse anschwellung des buches zu vermeiden,
habe ich jedes irgendwie entbehrliche wort gestrichen, besonders
diejenigen vielen altnorwegischen nebenformen, welche nur ganz
regelmässige entsprechungen oder rein orthographische Varianten
zu den altisländischen sind; so dass also jetzt jede von mir
erwähnte form, welche nicht ausdrücklich als l aisl.' oder 'anorw.'
angegeben wird, als altisländisch und altnorwegisch anzusehen
ist, obwol sie nur in ihrem altisländischen gewand auftritt.
Trotz dieser knappen form ist dennoch das ganze nicht un-
bedeutend umfangreicher als früher geworden, besonders wol
weil ich nötig gefunden habe seltene sprachformen der regel
nach durch quellenzitate zu belegen, was hoffentlich beifall finden
wird. Auch habe ich zu den etwas seltneren flexionstypen die
beispiele soweit möglich vollständig angeführt, was nicht nur
an und für sich empfehlenswert erschien, sondern auch dadurch
geboten, dass Wimmers grammatik, auf die ich in den früheren
Vorwort. VII
auflagen diesbezüglich manchmal rekurrieren konnte, jetzt nicht
mehr vorrätig ist.
In der Orthographie habe ich jetzt, wie schon in meinem
'Abriss der an. (aisl.) grammatik', 1896, die änderung vor-
genommen, dass ich ausser bei wiedergäbe rein altnorwegischer
formen das zeichen 6 durch f> ersetzt habe, dies in Überein-
stimmung mit den ältesten altisländischen handschriften und
vielen in der letzten zeit erschienenen ausgaben (auch solchen,
die hauptsächlich für anfanget' bestimmt sind) wie Sijmons
und Jonssons Eddaausgaben, Golthers und Jönssons ausgaben
der Islendingabök u. a. Zwar halte ich aus gründen, die
Brate in Bezzenbergers Beiträgen XI, 179 ff. trefflich ent-
wickelt hat, diese neuerung weder von der icissenschaft un-
bedingt erheischt, noch für den ersten Unterricht gerade förder-
lich, aber sie ist doch eine früher oder später zu ziehende
konsequenz unserer sonstigen altisländischen Orthographie und
scheint deshalb auch schon ziemlich allgemein durchgedrungen
zu sein. — —
Zur vierten aufläge: Das nach zwanzig jähren mein buch
in vielfach veränderter gestalt erscheinen muss, ist selbstverständ-
lich. Der text ist jetzt um drei bogen erweitert, der ur-
nordische anhang ist von 68 zu 95 Inschriften angeschwollen, und
übrigens ist fast jede seife dank reichlicher benutzung der
neueren fachliteratur mehr oder weniger revidiert worden. Aus
der einschlägigen literatur ist vor allem Hagstads überaus
reiches werk Vestnorske maalfore mir von nutzen gewesen.
Viel verdanke ich auch Marstranders Bidrag til det norske
sprogs historie. Pippings De nordiska spräkens ljudlära ist
aber zu spät mir zur hand gekommen um berücksichtigt werden
zu können. Die sehr wichtige abhandlung I. Lindquists 'Galdrar'
(Göteborg 1923) ist erst, nachdem mein runologischer anhang
schon gedruckt worden ist, erschienen und hat daher nur als
nachtrag einigermaßen benutzt werden können.
Herzlichen dank schulde ich soicol herrn Johannes Warneck,
der die gute gehabt hat, die ausarbeit ung des mühsamen registers
zu übernehmen, wie auch meinem söhne Erik, der bei der heiklen
korrektur mir vielfache hilfe geleistet hat.
TJppsala, 1. April 1923.
Adolf Noreen.
Inhalt.
sehe
Einleitung § 1—16 1
Lautlehre.
I. Abschnitt : Einleitendes über schrift und ausspräche 33
Kap. 1. Die runen § 17—21 33
Kap. 2. Das lateinische aiphabet § 22—51 36
I. Aussprache der vokalzeichen § 23—33 37
II. Aussprache der konsonantenzeichen § 3-1—45 39
III. Phonetische Übersicht § 46—51 44
DI. Abschnitt : Die sonanten 49
Kap. 1. Lautgesetze der starktonigen silben § 53—135 49
A. Qualitative Veränderungen § 53 — 121 49
I. Urnordische Vorgänge § 53 — 57 49
IL Umlaut § 58—86 53
A. Verschiebung durch velarisierung § 59—61 53
B. Verschiebung durch palatalisierung § 62—75 .... 56
1. t'-umlaut § 63 - 67 57
2. j-umlaut § 68-70 64
a) Regressiver umlaut § 68—69 64
b) Progressiver umlaut § 70 65
3. Ä-umlaut § 71—72 66
4. Palatalnmlaut § 73—75 67
C. Verschiebung durch labialisierung §76—86 .... 69
1. «-umlaut § 77-81 69
2. «r-umlaut § 82—84 80
3. Labialumlaut § 85-86 85
in. Brechung § 87—96 86
IV. Die di- und triphthonge § 97—106 92
a) Entwicklung der alten di- und triphthonge
§97—101 92
b) Entstehung neuer diphthonge § 102—106 . . 95
V. Sonstige Verschiebungen § 107 — 121 97
B. Quantitative Verà ¤nderungen § 122—129 108
I. Dehnung § 122—126 108
IL Kürzung § 127—129 111
III. Hiatuserscheinungen § 130—135 115
X Inhalt.
eeite
Kap. 2. Lautgesetze der schwachtonigen silben § 136—161 . . . 118
I. Urnordische Vorgänge § 136—143 118
IL Sonstige qualitative Veränderungen § 144—150 .... 122
III. Kürzung § 151—152 129
IV. Schwund § 153—160 132
V. Svarabhakti § 161 140
Kap. 3. Vokalwechsel aus urgerm. zeit stammend § 162—173 . . 141
I. Spuren speziell urgerm. lautgesetze § 162—163 .... 141
IL Ablaut § 164-173 142
Kap. 4. Etymologische Übersicht über die sonanten § 174—218 . 152
I. Die sonanten der starktonigen silben § 174—214 .... 152
1. Monophthonge § 174—191 152
2. Diphthonge § 192—214 156
IL Die sonanten der schwachtonigen silben § 215—218 . . 159
III. Abschnitt : Die konsonanten 160
Kap. 1. Urnordische Vorgänge § 220—236 161
A. Qualitative und quantitative Veränderungen §220—227 161
B. Schwund § 228 - 236 166
Kap. 2. Altwestnordische lautgesetze § 237—316 173
I. Wechsel der artikulationsarten § 237—254 173
A. Die stimmhaften Spiranten § 237—239 173
B. Die stimmlosen Spiranten § 240—243 179
C. Die stimmhaften explosiv« §244-246 182
D. Die stimmlosen explosiv« § 247—249 183
E. Die halbvokale, nasale und liquid« § 250—254 . . . 184
IL Wechsel der artikulationssteilen § 255- 265 186
A. Die labiale § 255-258 186
B. Die dentale § 259—262 188
C. Die palatale und velare § 263—265 190
III. Quantitative Veränderungen § 266—286 192
A. Dehnung § 266-282 192
1. Assimilation § 266-278 192
a) Regressive assimilation § 266—274 192
b) Progressive assimilation § 275 — 278 199
2. Sonstige fälle von konsonantendehnung § 279-282 203
B. Kürzung § 283—286 207
IV. Uebrige lautgesetze der konsonanten § 287—316 .... 210
A. Schwund § 287-303 210
1. Im anlaute § 287—290 210
2. Im in- und auslaute § 291—303 212
B. Zusatz § 304—312 223
C. Metathese § 313—316 226
Kap. 3. Konsonantenwechsel aus urgermanischer zeit stammend
§317-322 229
I. Spuren urgermanischer lautgesetze § 317—319 229
IL Spuren indoeuropäischer lautgesetze § 320—322 .... 235
Inhalt. XI
seite
Kap. 4. Etymologische Übersicht über die konsonanten § 323—355 237
I. Die stimmlosen explosivae § 323—328 237
II. Die stimmhaften explosivae § 329—334 238
III. Die stimmlosen Spiranten § 335—341 240
IV. Die stimmhaften spiranten § 342—344 241
V. Nasale § 345-349 242
VI. Liquidae § 350-353 243
VE. Halbvokale § 354-355 244
Flexionslehre.
Abschnitt: Deklination 246
Kap. 1. Deklination der substantiva § 356—422 246
A. Vokalische stamme (starke deklination) § 356—398 .... 246
I. a-stämme § 356—372 246
a) Reine a-stämme § 357—363 247
b) wa-stämme § 364-366 255
c) ja-stämme § 367—369 256
d) ta-stämme § 370—372 257
U. ö-stämme § 373—384 259
a) Reine ö-stämme § 374—379 260
b) ice-stämme §380 263
c) jö-stämme § 381—383 263
d) lö-stämme §384 264
ZU. t-stämme § 385-392 265
IV. u-stämme § 393—398 272
B. n-stämme (schwache deklination) § 399 — 411 276
I. an-stämme § 399—405 276
DI. ön-stämme § 406—409 279
m. m-stämme 410-411 281
C. Uebrige (konsonantische) stamme § 412—422 282
I. Einsilbige stamme § 412—418 282
H. r-stämme § 419—421 286
m. nd-stämme § 422 287
Kap. 2 Deklination der adjektiva § 423—441 288
A. Starke deklination § 424—431 288
a) Beine a-, ö-stämme § 426—429 291
b) wa-, ico-stämme § 430 295
c) ja-, jö-stämme § 431 296
B. Schwache deklination § 432—435 296
a) Flexion des positivs und Superlativs § 433 — 434 297
b) Flexion des komparativs und partic. präs. § 435 297
C. Komparation § 436—441 298
Anhang : Komparation der adverbia § 442—443 302
Kap. 3. Die Zahlwörter § 444—463 203
a) Kardinalzahlen § 444—453 303
b) Ordinalzahlen § 451—458 306
c) Andere numeralia § 459—503 308
XII Inhalt.
seite
Kap. 4. Pronomina § 464—479 309
1. Persönliche § 464—466 309
a) Ungeschlechtliche § 464—465 309
b) Geschlechtliche § 466 312
2. Possessiva § 467 312
3. Demonstrativa § 468—472 313
4. Eelativa § 473 . 319
5. Interrogativa § 474 320
6. Indefinita § 475-479 321
II. Abschnitt : Konjugation 325
A. Tempusbildung § 480-526 325
I. Starke verba § 481-526 326
a) Ablautende verba § 482—501 326
Klasse I § 482-483 326
Klasse II § 484-488 327
Klasse III § 489—495 329
Klasse IV § 496 333
Klasse V § 497-498 334
Klasse VI § 499—501 336
b) Keduplizierende verba § 502—506 338
Klasse I § 502 338
Klasse II § 503 338
Klasse III § 504 339
Klasse IV § 505 339
Klasse V § 506 340
IL Schwache verba § 507-520 341
a) Erste schwache konjugation §509—511 . . . 342
b) Zweite schwache konjugation §512-514 . . . 343
c) Dritte schwache konjugation § 515—518 . . . 345
d) Vierte schwache konjugation §519-520 . . . 348
III. Verba, die zum teil stark, zum teil schwach gehen
§ 521-526 350
a) Verba präterito-präsentia § 521— 525 350
b) Das verbum vakla § 526 352
B. Endungen § 527-546 353
I. Aktivum § 527—541 353
a) Infinitiv § 528—529 354
b) Präsens indikativ § 530—532 355
c) Präteritum indikativ § 533—534 361
d) Konjunktiv (optativ) § 535-537 363
e) Imperativ § 538 364
f) Participium § 539—541 365
II. Medio-passiv § 542—546 367
Anhang: Die wichtigsten urnordischen inschriften 374
Nachtrag 394
Register 395
Verzeichnis wichtigerer abkürzungeii.
Aarboger = Aarbeger for nordisk
oldkyndighed, Kebenhavn 1866 ff.
abb. = abbildung(en).
Accentuierung = Die alt- und neu-
schwedische accentuierung von A.
Kock, Strassburg 1901 (Quellen
und forschungen LXXXVÜ).
adän. = altdänisch.
AfdA. = Anz. f. d. A. (s. unten).
afranz. — altfranzösisch.
afries. = altfriesisch.
ags. = angelsächsisch.
agutu. = altgutnisch.
ahd. = althochdeutsch.
aind. = altindisch.
air. = altirisch.
aisl. = altisländisch.
allg. = allgemein.
an. — altnordisch.
anal. = analogisch.
anfr. = altniederfränkisch.
An. gr. II = Altnordische grammatik
II. Altschwedische grammatik von
A. Noreen. Halle 1897 ff.
Annaler = Annaler for nordisk old-
kyndighed, Kebenhavn 1836 ff.
anorw. = altnorwegisch.
Ant. tidskr. f. Sv. = Antiqvarisk tid-
skrift för Sverige, Stockholm 1864 ff.
Anz. f. d. A. = Anzeiger für deut-
sches alterthum, Berlin 1876 ff.
aostnorw. = altostnorwegisch.
aon. = altostnordisch.
Arkiv = Arkiv for nordisk filologi
(s. § 16, a, s. 27).
as. = altsächsisch.
aschw. = altschwedisch.
asl. = altslavisch.
awestnorw. = altwestnorwegisch.
beisp. = beispiel.
Beitr. => Beiträge zur geschichte der
deutschen spräche und literatur,
Halle 1874 ff.
bes. = besonders.
Beyging = J. porkelsson, Beyging
sterkra sagnoröa i islensku, Reyk-
javik 1888.
bez. = bezeichnet, -en.
Bezz. Beitr. = Beiträge zur künde
der indogermanischen sprachen,
herausgg. von A. Bezzenberger,
Göttingeu 1877 ff.
Bugge, Bidrag = Bidrag til den
aeldste skaldedigtnings historie af
S. Bugge, Christiania 1894.
Burg = Die älteren nordischen
runenin Schriften von Fritz Burg,
Berlin 1885.
Cod. AM. s. § 12 anm. 2 (s. 15).
Cod. Holm. s. § 12 anm. 2 (s. 15).
Cod. Reg. g. s. s. § 12 anm. 2 (s. 15).
Cod. Tunsb. == Codex Tunsbergensis
(s. § 15, 30).
Cod. Ups. Delag. s. § 12 anm. 2 (s. 13).
d. = deutsch,
dän. = dänisch,
dial. = dialektisch,
dicht. = dichterisch.
Egilsson =Lexicon poeticum.couscrip-
sit S. Egilsson, Havniae MDCCCLX.
engl. = englisch.
F. Hom. = Fornnorska homilie-
bokens ljudlära af E. Wadstein,
Uppsala 1890.
XIV
Verzeichnis wichtigerer abkürzungen.
finn. = finnisch.
Forn. forml. = L. F. A. Wimmer,
Fornnordisk formlära (s. § 16, a ;
die citate stimmen auch mit des-
selben Verfassers 'Altnordische
grammatik, aus dem dänischen
übersetzt von E. Sievers', Halle
1871).
Fritzner = Ordbog over Det gamle
norske Sprog af J. Fritzner. Omar-
beidet Udgave. I— III, Kristiania
1886-96.
germ. = germanisch.
Germania = Germania. Vierteljahrs-
schrift hrsgg. von F. Pfeiffer und
K. Bartsch, Stuttgart und Wien
1856-81.
Geschichte 8 = A. Noreen, Geschichte
der nordischen sprachen, 3. aufläge,
Strassburg 1913 (in Grundriss 3 ).
geschr. = geschrieben.
gew. = gewöhnlich.
got. = gotisch.
Gott. gel. Anz. = Göttingische ge-
lehrte Anzeigen.
gr. = griechisch.
Grundriss 3 = Grundriss der ger-
manischen philologie, herausgg.
von H. Paul, 3. aufläge, Strassburg
1911 ff.
G. Tr. = Gamalt trondermaal av
M. Hsegstad, Kristiania (Viden-
skabsselskabets Skrifter II, 1899,
no. 3) 1899.
Hb. = Hauksbök udg. af Det kong.
nord. Oldskrift-selskab, Kebenhavn
1892-96.
hdschr. = handschrift.
Hertzberg = E. Hertzberg, Glos-
sarium, Christiania 1895 (Norges
gamle love V, 2).
Hild. = Hildinakvadet av M. Haeg-
stad , Christiania ( Videnskabssel-
skabets Skrifter II, 1900, no. 2) 1900.
ieur. = indoeuropäisch.
I.F. = Indogermanische Forschungen.
Zeitschrift hrsg. von K. Brugmann
und W. Streitberg, Strassburg
1892 ff.
I. F. Anz. = Anzeiger für indo-
germanische Sprach- und Alter-
tumskunde, hrsg. von Streitberg,
Strassburg 1892 ff.
inschr. = inschrift, -en.
isl. = isländisch.
Kong. = Maalet i dei gamle norske
kongebrev av M. Haegstad, Kristi-
ania(VidenskabsselskabetsSkrifter
I, 1902, no. 1) 1902.
kons. = konsonant(isch).
K. Z. = Zeitschrift für vergleichende
Sprachforschung, hrsg. von A. Kuhn
u. a., Berlin 1852 ff.
läpp. = lappisch.
Larsson == Ordförrädet i de älsta
islänska handskrifterna av L. Lars-
son, Lund 1891.
lautges. = lautgesetzlich.
Laesebog = L. F. A. Wimmer, Old-
nordisk laesebog (s. § 16 f.).
lehnw. = lehnwort, -Wörter.
litau. = litauisch.
Marstrander, Bidrag = C. J. S. Mar-
strander, Bidrag til det norske
sprogs historie i Irland (in Chra.
Vid. Selsk. Skrifter, Hist.-fil.
Klasse 1915).
mengl. = mittelenglisch.
misl. = mittelisländisch.
mnorw. = mittelnorwegisch.
mndd. = mittelniederdeutsch.
ndän. = neudänisch.
ndd. = (neu)niederdeutsch.
ngutn. = neugutnisch.
nisl. = neuisländisch.
nnorw. = neunorwegisch.
No. Hom. â– = das anorw. homilienbuch
(s. § 15, 6).
No. I. = Norges Indskrifter med de
aeldre Runer. Udg. ved S. Bugge,
und M.Olsen, Christiania 1891 ff.
Nord. stud. = Nordiska studier till-
egnade Adolf Noreen, Uppsalal904.
nschw. = neuschwedisch.
Verzeichnis wichtigerer abkürzungen.
XV
N. spr. = Till den nordiska spräk-
historien. Bidrag af 0. v. Friesen,
Uppsala 1901, 1906 (Skrifter utg.
af K. Hnm. Vetenskaps-Samfundet
i Uppsala VII, 2 und IX, 6).
obl. = casus obliqui.
onorw. = ostnorwegisch.
Oplysninger = Oplysninger til trond-
hjemske Gaardnavne I, II, Trond-
hjem 1893 (in K. No. videnskabers
selskabs skrifter).
orkn. = orknöisch.
ostn. = ostnordisch.
Reykj. Mäld. — Reykjaholts Maldagi
(s. § 12, 3 und 9).
Rimb. = Rimbeygla (s. § 12, 4).
run. = runisch.
Runenschrift = Die runenschrift von
L. F. A. Wimmer. Uebers. von
F. Holthausen, Berlin 1887.
schw. = schwach.
seit. = selten.
shetl. = shetländisch.
Skjaldesprog = Det norsk-islandske
skjaldesprog. Af F. Jönsson, Keben-
havn 1901.
son. = sonant(isch).
Senderjyll. run. = Senderjyllands
runemindesmserker af L. F. A. Wim-
mer, Kebenhavn 1901. (Separat
aus 'Haandbog i detnordslesvigske
spörgsmaels historie'.)
st. = stark oder statt.
St. Hom. = das Stockholmer homilien-
buch (s. § 12, 7).
Studier = Studier over de nordiske
Gude- og Heltesagns Oprindelse af
S. Bugge, Christiania 1881—89.
Stud. nord. fil. = Studier i nordisk
filologi, Helsingfors 1910 ff.
Supplement = Supplement til is-
laudske Ordb0ger af J. porkelsson,
(ved J. Thorkelsson) I, II, IV,
Reykjavik 1876, 1879—85, 1899.
Sv. fornm. tidskr. = Svenska forn-
minnesföreningens tidskrift, Stock-
holm 1872 ff.
Sv. landsm. = Nyare bidrag tili
kännedom om de svenska lands-
mälen ock svenskt folklif, Stock-
holm 1879 ff.
Tidskr. f. Fil. N. R. und in R. =
Nordisk Tidskrift for Filologi (og
Psedagogik), >'y Rsekke, resp.
Tredje Reekke, Kobenhavn 1874 ff.
Tidskr. f. Phil. og. Paed. = Tidskrift
for Philologi og Paedagogik,
Kebenhavn 1860 ff.
Upphavet = Upphavet til det norske
folkemaal av M. Heegstad, Kristi-
ania 1899. (Separat aus 'Syn og
segn'.)
urgerm. bb urgermanisch.
Urg. lautl. = Abriss der urgerma-
nischen lautlehre von A. Noreen,
Strassburg 1894.
um. = urnordisch.
urspr. = ursprünglich.
Vestno. maalf. =â– M. Haegstad, Vest-
norske maalfere fyre 1350, Kristi-
ania 1906 ff. (in Videnskapssel-
skapets skrifter).
Vigfusson = An icelandic-english
dictionary by G. Vigfusson, Oxford
MDCCCLXXIV.
vok. = vokal.
westn. = westnordisch.
wgerm. = westgermanisch.
wnorw. = westnorwegisch.
ZfdA. = Zeitschrift für deutsches
Alterthum, Leipzig und Berlin
1841 ff.
ZfdPh. = Zeitschrift für deutsche
Philologie, Halle 1868 ff.
Druckfehler.
S. 75 z. 6 f. lies s statt S.
S. 223 z. 22 „ 1000 statt 1200.
S. 247 z. 7 „ hAriwulfs statt hariwulfs.
S. 247 z. 18 „ stAtnAR statt stainaR.
S. 263 z. 1 „ wo- statt ivo-.
Einleitung.
§ 1. Unter altnordisch (an.) verstehen wir hier die
spräche der germanischeu bewohner des skandinavischen nor-
dens (mit einschluss von Island. Grönland und den Färöern)
und der vom norden aus besiedelten gegenden der jetzigen
britischen, russischen und deutschen reiche, von den durch
denkmäler bezeugten anfangen (bald nach Christi geburt)
dieser spräche bis zur reformatio!) (um 1530). Seit welcher
zeit die vorfahren der germanischen bevölkerung im norden
vorhanden gewesen sind, kann nunmehr annäherungsweise
exakt angegeben werden. Es steht jetzt fest, dass sie schon
sehr lange vor Christi geburt da waren, ja nach Montelius.
Fürst und De Geer vielleicht teilweise srhon bald nach dem
13. Jahrtausend v. Chr. Indessen kennt man nichts von der
beschaff enheit der spräche in der zeit v. Chr.
Änm. 1. Man wendet bisher oft — aber sehr inkorrekt — die be-
zeichnung altnordisch als gemeinsamen namen für nnr zwei (übrigens
nicht hinlänglich scharf auseinander gehaltene) altnordische sprachen (das
altisländische und das altnorwegische) an. Diese ansdrucksweise. an-
fänglich auf einem theoretischen irrtnm beruhend, muss aber jetzt, weil
auch praktisch irre führend, vermieden werden.
Anm. 2. Ueber das alter der germ. spräche im norden s. einerseits
0. Montelius, Nordisk tidskrift 1884, s. 21, und 1921, s. 401 ff. ; G. Kossinna,
1. F. VII, 276 ff. , 293 note und Die Herkunft der Germanen (Mannus-Biblio-
thek Nr. 6) Würzburg 1911; K. B. Wiklund, Xär kommo svenskarne tili
Finland? Upsala 1901 ; G. Eetzius (und C. M. Fürst) Anthropologia suecica.
Stockholm 1902, s. 19 ff.; .T. Ailio und A. Hackman, Förhistoriska fynd (in
Atlas öfver Finland 1910. Text II), s. 24. 39. 86: andererseits Joh. Steenstrup.
Historisk tidsskrift (dän.) 6. R?ekke. VI. 114, R. Saxeu, Den svenska befolk-
niugens älder i Finland (in Fiuska fornminnesföreningens tidskrift XXI.
no. 3). Helsingfors 1901 und B. Salin, Vitterhets historie och antiqvitets
akademiens Mänadsblad 1890. s. 12 ff. (Stockholm 1901).
§ 2. Seinen Verwandtschaftsverhältnissen nach bildet das
nordgermanische oder nordische einen selbständigen zweig
Jforeen, Alti*l. granun. 4. aull. i
2 § 3. Einleitung.
innerhalb der germanischen (germ.) familie des indo-
europäischen (ieur.) sprachstammes. Seine nächsten ver-
wandten sind also die beiden übrigen zweige derselben familie.
der (wandilische oder) ostgermanische — das gotische (got.).
wandalische, burgundische u. a. umfassend — und der (deutsch-
englische oder) westgermanische (wgerm.), von denen vielleicht
jener dem nordischen etwas näher steht, weshalb er früher
oft mit diesem unter dem namen "ostgermanisch" zusammen-
gefasst worden ist. Die vorzugsweise wichtigen Überein-
stimmungen der nord- und ostgermanischen sprachen sind:
1. Die Vertretung des urgermanischen icw durch ggw, z. b.
aisl. tryggue, got. triggiva der treue.
2. Die Vertretung des urgerm. ,?';' durch ggj, resp. ddj, z. b.
aisl. tueggia, got. twaddje zweier.
3. Die erhaltung der alten endung -t in der 2. sg\ prät,
ind. (wgerm. auf -i), z. b. aisl. und got. gaft gabst.
Anm. Noch andere Übereinstimmungen erwähnt H. Hirt, Journal of
germ. philology II, 272.
§ 3. Das altnordische ist keine einheitliche spräche, son-
dern eine kollektivbezeichnung vieler zu verschiedenen zeiten
und in verschiedenen gegenden existierenden sprachen, von
denen die älteste, die zugleich die mutter der übrigen ist,
passend als ur nordisch (urn.) bezeichnet wird. Unter der
urnordischen spräche versteht man demnach das altnordische
bis zu der zeit seiner Verzweigung in verschiedene dialekte,
die später als völlig selbständige sprachen hervortraten. Diese
Spaltung fällt in die sogenannte vikingerzeit (c. 800 bis c. 1050)
und ergab statt einer altnordischen spräche zunächst drei:
altnorwegisch (anorw.), altschwedisch (aschw.), das in
weiterem verstand auch den sehr eigentümlichen altgutni-
schen (agutn.) dialekt umfasst, und altdänisch (adän.), zu
denen nach der besiedelung Islands (c. 900) bald als vierte
altisländisch (aisl.) kam. Erst im 11. jahrh. sind die
differenzen so gross, dass man von vier (literatur)sprachen,
statt dialekten, reden darf, wenn auch noch lange zeit einer-
seits aisl. und anorw., andererseits aschw. und adän. einander
sehr nahe stehen, so dass man die beiden ersten als west-
nordische (westn.), die beiden letzteren als ostnordisclie
(ostn.) gruppe zusammenzufassen pflegt.
9 4. .'). Einleitung.
Anui. In der vikingerzeit und noch später wurde sowol in Skan-
dinavien als in England das altnordische als donsk tunga 'dänische zunge"
bezeichnet. Später kam dieser ausdruck auch, obwol selten, in der be-
deutung von alt westnordischer spräche statt des dann in dieser bedeutung
üblichen norrvut med 'nordische spräche* vor.
§ 4. Die liauptkenn zeichen des ur nordischen gegenüber
dem gotischen sind:
1. Die erhaltung der stammauslaute a und i im nom. und
acc. sg. der a- und i-stämme (got. synkope). z. b. dagaR : dags
tag. stama : stain stein. -$astii : gasts gast.
2. Die endung -as im gen. sg. der a-stämme (got. -/.vi. z. b.
godagas : dagis tages.
3. Die endung -e im dat. sing, der ^-stamme (got. -«). z. b.
-hn-ne : Mamma körn.
4. Die endung -an im dat. sg. der <â„¢ -stamme igot. -in).
z. b. -hüIüiTjar, : ga-hkdbin genossen.
5. Die endung -tu im dat. sg. der «-stamme (got. -><" •.
z. b. /&u»MMf[n]^Mi : magam sohna
6. Die endung -in im nom. plur. der r- stamme igot.
z. b. öoktrin : doMrjus töchter.
7. Die endung -Ö in der 1. ^g. des sehwachen Präteritums
(got. -«). z. b. tawufo : tan/da brachte zu stände.
§ 5. Die denkmäler des urnordischen bestehen fast aus-
schliesslich aus runeninschriften. Diese, die an altert üm-
lichkeit der sprachform alle übrigen germanischen Sprach-
denkmäler überragen, bedienen sich des älteren, allen germa-
nischen stammen gemeinsamen runenalphabets von 24 zeichen
und sind zu einer anzahl von beinahe 150 in Schweden.
Norwegen und Dänemark vorhanden. Von dieser ziemlich
grossen anzahl sind jedoch nur etwa die hälfte von eigentlich
sprachlicher bedeutung. und auch von diesen sind die meisten
sehr kurz. Die wichtigsten sind die folgenden, welche hier
in chronologischer Ordnung aufgeführt werden, wiewol bei
vielen die datierung sehr unsicher ist und die ansichten der
gelehrten zum teil noch ein wenig auseinander gehen.
Aus der zeit c. 200—300 n. Chr. die inschriften von Üvre
stabu, Mos. Vi und Torsbjarg.
300 — 400 die inschriften von Nedre Hov. Floksand
Kylver. Einang. Himlingoie und Xydam.
l*
4 § 5. Einleitung,
400 — 500 die inschriften von Lindholm, Kragehul,
Gjersvik, Vetteland, Nordhuglen, ßdemotland, Möje-
bro, Svarteborg, Rö. Strärup, Gallelius, Darum.
Dannenberg, Stenstad, Etelhem, Fyn (brakteat nr. 24),
Magiemose, Nsesbjserg, Seeland (brakt. nr. 57), Skodborg,
Schonen (brakt. nr. 19), Börringe, Asum, Vadstena.
Fredrikstad, Bjornerud, Selvig, Skärkind, Berga.
Skääng, Krogsta und Tune.
500 — 600 die inschriften von Tu, Kjolevig, Norge
(brakt. nr. 48), Valsfjorden, Sotvet, Trollhättan, Skryd-
strup, Faemo, Tanum, Tjurkö, Ägedal, Overhornbaek,
Bo, Bratsberg, die ältere von Torviken, Beiland, die
ältere von Myklebostad, Vänga, Fonnäs, Tomstad,
Elgesem, Saude, Järsberg, Opedal, Reistad, Mogedal
und Ärstad.
600 — 700 die inschriften von Stora Noleby, Amle,
Veblungsnaes, Eidsväg, Strom, By, Kinneved, die jüngere
von Myklebostad, Istaby, Gummarp, Stentoften, F^rde,
Björketorp und Eggjum.
700 — 800 die inschriften von Valby, Vatn, die jüngere
von Torviken, Tveito, Hämmeren, Roes, Flistad, Sölves-
borg, Tanem, Farsund, Martebo und Rävsal.
Anm. Ueber die um. inschriften vgl. u. . a. besonders die bahn-
brechenden abhaudlungen von S. Bugge in Tidskr. f. Phil, og Paed. VII, VIII
und in Aarbeger 1871 und 1905, sowie desselben und M. Olsens grossartiges
werk Norges Indskrifter med de teldre Kuner, Chra. 1891 ff.; ferner
L. Wiinmer , Die runenschrift, Berlin 1887, Senderjyllands runemindes-
moerker, Kopenhagen 1901 ; F. Burg, Die älteren nordischen runeninschriften,
Berlin 1885; E. Brate in Bezz. Beitr. XI, 177 ff. Zur Chronologie vgl.
O. Montelius in Sv. fornm. tidskr. VI, 265 ff. und IX, 272 ff. ; Wimmer,
Kunenschrift, s. 300 ff. , Senderjyll. run. , s. 28 ff. ; Bugge und Olsen, No. I.
passiin ; vor allem aber H. Schetelig, No. I. III, 1 ff. (1914). Abbildungen bei
G. Stephens, Handbook of the old northern runic monuments of Scandinavia
and England, Kopenh. 1884; die norwegischen besser bei Bugge, No. I. —
S. übrigens unten im Anhang betreffs der verschiedenen inschriften.
§ 6. Eine andere, zum teil wahrscheinlich ältere quelle
zur kenntnis des urnordischen haben wir in den lehn Wörtern,
die aus dem urn. in die finnischen und, durch diese vermittelt,
auch die lappischen sprachen hineingekommen sind, und die
oft noch altertümlichere sprachformen als die der runen-
inschriften voraussetzen, was vielleicht daraus zu erklären ist,
§ 7. Einleitung.
die entlehnungen zum teil schon in den ersten Jahr-
hunderten unserer Zeitrechnung (um 200 oder wol noch frühen
stattgefunden haben; anderseits aber ist es oft schwer oder
unmöglich, diese lehnwürter von einigen in das finnische wahr-
scheinlich aus dem gotischen eingedrungenen Wörtern aus-
zuscheiden, ein umstand, welcher den wert dieser quelle für
die nordische Sprachgeschichte ein wenig vermindert, besonders
weil eben die altertümlichsten formen in dieser weise zwei-
deutig sind.
Anm. Vgl. V. Thonisen (übers, von E. Sievers). Ueber den einflus-
der germ. sprachen aof die finnisch - lappischen . Halle 1870, Beröringer
mellem de finske og de baltiske Sprog (in Videnskabs Selskabets Skrifter,
6. Raekke. hist. og phü. Afd. I, 1), Kopenh. 1890 (bes. s. 27 ff., 150 f.); K. B.
Wiklund, Lnle- Lappisches Wörterbuch, Helsingfors 1890 (bes. s. 179 ff.),
Laut- und Formenlehre der Lule -Lappischen Dialekte (in Göteborgs
K. Vetenskaps- och Vitterhets Samhälles Handlingar. Ny tidsföljd XXV).
Sthlm. 1891. Die nordischen Lehnwörter in den russisch-lappischen Dialekten
(in Journal de la societe finno-ougrienne X, 146). Helsingfors 1892, und De
svenska noinadlapparnas flyttningar. Ups. 1908. s. 237 ff., sowie (besonders
wichtige Le monde oriental V, 217 ff.; 0. Almgren, Antikvarisk tidskrift
för Sverige XX, 1. s. 61 ff. ; J. K. Qvigstad. Nordische Lehnwörter im
Lappischen (in Christiania Videnskabs-Selskabs Forhandlinger 1893, no. 1),
Christiania 1893: Setälä. Journal de la Societe Finno-ougrienne XXDII, 1.
s. 1 ff. ; T. E. Karsten . Indogerm. Forschungen XXLT, 293 ff. . Germanisch-
Romanische Monat schrift VI. 65 ff.. Svenskarnas bosättningar i Finland.
Helsingfors 1914. und (wichtig) Germanisch -finnische Lehnwortstudien,
Helsingfors 1915 (wozu vgl. den wichtigen anisatz K. B. Wiklunds, Die
ältesten germanischen Lehnwörter im Finnischen in I. F. XXXVIII). und
Fragen aus dem Gebiete der germ.-önn. Berührungen, Hfors 1922.
§ 7. Weniger ergiebig ist eine dritte, übrigens oft schlecht
überlieferte, quelle: die nordischen orts- und Völkern amen
bei lateinischen und griechischen Schriftstellern aus
den letzten Jahrhunderten vor und den ersten Jahrhunderten
nach Chr.. wie z. b. Polybios. Cäsar. Livius. Strabo. Mela.
Plinius, Tacitus. Ptolemaios. Prokopios und vor allem Jordanes
um 6. jahrh.).
Anm. Vgl. z. b. K. Müllenhoh. Deutsche alterthum -künde II. Berlin
L. F. Läffler. Om de östskandinaviska folknamnen hos Jordanes (in Sv.
landsm. XHI, 9), Sthlm. 1894: Th. v. Grienberger, ZfdA. XLVI, 128 ff.:
G. Werle. Die ältesten germanischen Personennamen, strassburg 1910:
M. Schönfeld, Wörterbuch der altgerm. Personen- und Völkernameu.
Heidelberg 1911; J.V SreMBOB, TV nordiska folknamnen hos Jor
(Nftmn och bygd V) 1H1T. l't.-lema-us* redögörelse för folkeu p* ön Skandia
6 § 8. Einleitung.
(Xamn och bygd VII) 1919; A. IS T oreeu, Nordens älsta folk- och ortnanin
(Fornvännen 1920; mit karte).
§ 8. Eine Übersicht der urn. grammatik zu geben ist
wenigstens zur zeit nicht wol möglich, da die quellen teils
an umfang unzureichend, teils oft nicht sicher deutbar sind.
Die bisherigen ergebnisse der forschungen auf diesem gebiete
linden daher am besten ihren platz als momente in der dar-
stellung der beiden altertümlichsten tochtersprachen des ur-
nordischen. Dies sind die westnordischen.
Die wichtigsten Übereinstimmungen der beiden alt w est -
nordischen (awn.) literatursprachen, wie sie in den ältesten
quellen hervortreten, gegenüber den altostnordischen (aon.) sind :
1. Umlaut in vielen fällen, wo er im ostn. nicht da ist,
z. b. westn. vcere : ostn. väre (er) wäre, westn. i gcer : ostn. 1 gär
gestern, westn. lond : ostn. land 1 ander.
2. Ein silben auslautendes u in gewissen Wörtern, wo im
ostn. ö auftritt, z. b. westn. kü : ostn. kö kuh, westn. sü : ostn.
so sau, westn. gniia : ostn. gnöa reiben u. dgl.
3. Uebergang von i, e, y in konsonantisches i vor u. o, u,
welcher dem ostn. mit wenigen ausnahmen fremd ist, z. b.
westn. sid : ostn. sea sehen, Avestn. fiande : ostn. f lande feind,
westn. biär : ostn. byar dorfes.
4. Assimilation von mp, nk, nt zu resp. pp, kk, tt in weit
grösserem umfange als im ostn. durchgeführt, z. b. westn.
kroppenn : ostn. krumpin krüppelig, westn. ekkia : ostn. amkia
wittwe, westn. stytta : ostn. stynta kürzen.
5. Die endungen pl. nom. -er, -ir, acc. -e, -i statt ostn.
nom. -iar, -icer, acc. -ia, -im bei sehr vielen maskulinen {i- und
y'a-stämmen). z. b. westn. drenger, -e : ostn. dramgiar, -ia bursche.
6. Die endung -onom, -mmm gegen (normalerweise) ostn.
-umin, -omen im dat. pl. des mit suffigiertem artikel versehenen
snbstantivs. z. b. westn. fotonom : ostn. fotumin den füssen.
7. Einzelne wichtigere pronominalformen. wie z. b. westn.
ek : ostn. iak, ioßk ich: westn. rr,r (ano)'w. auch mir) : ostn. ol(r)
wir; westn. er oder per : ostn. /(»•) ihr; westn. sem : ostn. sum
gleichwie; u. a.
8. Die präteritalbildung auf -ra. weiche im ostn. nicht
vorkounm. /.. h. :;. sg. westn. *ne ■. osin. 8dße säeto.
§ 9. Einleitung. i
0. Die medio-passiv-form auf -sk neben der im ostn. fast
ausschliesslich gebräuchlichen auf -s(s), z. b. westn. kallask :
ostn. kallas(s) genannt werden.
Anm. Was hier angeführt ist, gilt nur für die eigentlichen literatur-
sprachen. Dialektisch kamen ohne zweifei vielfache abweichungen vor,
wie dies besonders in moderner zeit der fall ist. (Ueber die gruppierung
der neunordischen dialekte s. Noreen , Vart spräk 1, 129 ff. : B. Hesselman.
Sveamalen, Upps. 1905; H. Geijer bei I. Flodströ'm. Sverges folk, s. 196 ff..
Upps. 1918; A. B. Larsen, Oversigt over de norske bygdemäl, Kra. 1898;
H. Kristensen. Nydansk, Kph. 1906).
§ 9. Die hauptunterschiede des alt isländischen und
altnorwegischen untereinander, wie sie in den ältesten
literarischen quellen hervortreten, sind:
1. ^-umlaut im aisl. in vielen fällen, wo er wenigstens
im aostnorw. (normalerweise) nicht vorhanden ist, z. b. dat. pl.
aisl. sQkom : aostnorw. sakum Sachen, 1. pl. prät. aisl. kglloßom :
aostnorw. kallaöom nannten.
2. Aisl. in der ältesten literatur regelmässig e, o statt resp.
i. u überall in endungen und den meisten ableitungssilben,
während dagegen im anorw. (ausser im Südwesten) durch
eine art von vokalharmonie e, o nur nach gewissen vokalen
der vorhergehenden silbe eintreten, z. b. 3. sg.. resp. pl. prät.
ind. aisl. spurpe, -Jw : anorw. spurdi. -du fragte, -en, aber sowol
aisl. wie anorw. lodde. -o haftete, -en.
3. Erhaltung im aisl. von anlautendem h vor /. n. r. welches
im anorw. (ausser in den dialekten von Orknö und Shetland)
ziemlich früh schwindet, z. b. aisl. Maupa : anorw. loupa laufen,
aisl. hniga : anorw. niga sich neigen, aisl. hringf : anorw.
ringr ring.
4. Uebergang von tautosyllabischem dn in mn, von dem
das aisl. ziemlich wenige spuren hat, ist im anorw., bes. im
dronth. (s. unten d), fast als regel zu betrachten, z. b. aisl.
suefn : anorw. suemn schlaf.
5. Aisl. selten, anorw. dagegen häufig sind die pronominal-
formen mit neben vit wir zwei, mer neben ver wir. später auch
(besonders ostnorw.) knurr neben himrr (aisl. huerr) welcher
von mehreren.
ti. Aisl. ist gleichzeitige Verwendung von präpositivem und
postpositivem artikel selten, anorw. dagegen häutig, z. b. aisl.
ßat skip : anorw. auch />at xkipit dieses schiff.
8 § 10. 11. Einleitung.
7. Speziell anorw. ist (seit c. 1280) die endung -r neben
-ö, -t in der 2. pl., z. b. aisl. gripep, -et : anorw. gripir, -id. -it
greifet, aisl. gripo]), -ot : anorw. gripur, -uö. -ut griffet.
Anm. Ueber einige syntaktische differenzen s. Nygaard, Norran Syntax,
s. 4 note.
§ 10. In der geschiente des ausländischen kann man
am passendsten drei perioden unterscheiden: Die erste von
den anfangen der besiedelung (ende des 9. jahrhs.) bis um
1150 zeigt noch eine sprachform, die anfangs natürlich gar
nicht, später fast nur durch die oben (§ 9) angegebenen merk-
male von dem ältesten anorw. unterscheidbar ist. Die zweite,
die des sog. klassischen aisl., von c. 1150 bis c. 1350 zeigt
dagegen wichtige sprachliche Veränderungen, die den unter-
schied vom anorw. scharf hervortreten lassen, wie z. b. den
Übergang von 6 in de (s. § 120), später auch von e in ie (§ 103);
die dehnung von a. o, u vor l + f, g, k, m, p, später auch von
q vor ng und nk (§ 124, 3 und 4) ; die Vertretung älterer e, o
in endungen durch resp. i, u (§ 145, 1 und § 146, 1); später
diphthongierung von e, o zu resp. ei, au vor ng, nk (§ 102 und
$ 105), während q sonst zu e wird (§ 115, 2); svarabhaktisches
u zwischen konsonanz und auslautendem r (§ 161. a); medio-
passiv auf -z, später -st statt sk. Die dritte — 'mittelisländische'
(misl.) — periode von c. 1350 bis um 1530 zeigt spuren von
mehreren sprachlichen erscheinungen , die sonst als das neu-
isländische konstituierend betrachtet werden, wie z. b. den
Übergang von a in 6 nach v und w (§ 86); von anlautendem
kn- in hn- (§ 249): von m und nn in ddn (§ 305); von rl und 11
in ddl (§ 305); mediopassiv auf -st statt -ist u. a, m.
ij 11. Dialektische differenzen innerhalb des alt-
isländischen sind nur in sehr geringem mass bemerkbar, wenn
sie auch natürlich nicht ganz fehlen. So z. b. zeigt sich um
1200 teils ein (z. b. in Reykjaholts mäldagi 1 und II, s. unten
§ 12, 3 und Ö) westlicher dialekt mit e, <> in endungen und
mit partikel es. teils (z. b. in der Urkunde von Späkonuarfr,
s. § 12, 11) ein nördlicher mit i, o in endungen (jedoch -er und
-ungr) und mit partikel er (s. Neckel. Beitr. XL, 66Ü.). Ein
Übergang von //; rf in Ib, rb tritt vorzugsweise in solchen
handschriften des 13. und 14. jahrhs. auf, die aus dem west-
lichen viertel der insel stammen (§ 237, 3). Andererseits unter-
g 12L Einleitung. 9
bleiben im Westen die sonst allgemein vor ny und tik auf-
tretenden erscheinungen : diphthongierung des e zu ei (§ 102)
und dehnung des a zu d (§124.4). Anlautendes um ist im
norden nicht zu Im- (§ 249) geworden. Einige aisl. handschr.
schieben s zwischen f. und t ein. andere aber nicht (§ 309, 1).
In einigen fällen, wo die schrift keine Verschiedenheit auf-
zuweisen hat. darf eine solche auf grund der jetzigen mund-
arten vorausgesetzt werden. So z. b. ist wol der unterschied
ziemlich alten datums. dass altes ///>• im norden und westen
als /. t : in einem teile bes. des südöstlichen Islands als ch, sonst
aber als chiv ausgesprochen wird. Die hierher gehörigen fragen
sind aber bisher fast gar nicht untersucht worden, weshalb
nähere aufschlüsse noch nicht zu geben sind. — Inwieweit
die spräche Grönlands (wo von 986 bis c. 1450 isländische
kolonisten wohnten) ein von derjenigen des mutterlandes ab-
weichendes gepräge gehabt hat. ist den unbedeutenden (runen-)
denkmälern — den beiden aus c. 1300 stammenden runen-
steinen von Kingittorsuaq und Napassut ; s. F. Jönsson in Det
gronlandske Selskabs Aarskrtft 1914. resp. 1916 — gegenüber
nicht mit irgendwelcher Sicherheit abzusehen.
:? 12. Die denkmäler des aisl. sind zweierlei art:
A. Euneninschriften. Diejenigen (etwa 45), welche
sich noch auf Island befinden, sind sämtlich in sprachlicher
hinsieht ziemlich wertlos, zumal die ältesten (die inschrifteil
auf dem kirchtor von Yalj>j6fstaöur und auf einem grab-
stein von Hjaröarholt) erst aus der zeit um 1200 (oder
etwas später), resp. aus dem ende des 13. jahrhs. stammen
und also beträchtlich jünger als die ältesten handschriften
mit lateinischem alphabet sind.
Aniii. 1. Vgl. Kr. Käluml in Aarbwger 1882. i. 57 ff.: B. M. Olsen in
Ärbük hins i^lenzka fornleifafelags 1899. s. 19 ff.: F. Jönsson. Aarbager 1910,
-. 905 ff.
B. Handschriften mit lateinischem aiphabet, die
>owol überaus zahlreich als auch zum grossen teil sehr wert-
voll sind. Von den durch alter oder sonst besonders wichtigen
seien hier erwähnt:
a) Aus der zeit 900 — 1100 stammen die vielen aisl.
Personennamen im sog-. Reichen au er Neerologium: hrseg-.
tjiur die aisl. Bauen) im Diplomatariuni islandicum I, Kopen-
10 § 12. Einleitung.
hagen 1857—70, 8. 171 f.. besser, weil nach der originalhand-
schrift (und zwar alle an. namen) von P. Piper, Libri con-
fraternitatum (in Monumenta Germ, historica 1884), s. 145—352.
b) Aus der 2. hälfte des des 12. jahrhs. (ältere handschr.
wie z. b. diejenigen des schon im jähre 1118 niedergeschriebenen
gesetzbuches Hafltyaskrq sind nicht mehr vorhanden):
1. Ein vielleicht schon c. 1150 geschriebenes kleines
bruchstück eines homilienbuches, Cod. AM. 237a, fol.;
hrsgg. (nur teilweise) phototypisch in Palaeografisk atlas,
Kopenhagen 1905, als nr. 1 ; (vollständig) von f>. Bjarnarson in
Leifar fornra kristinna frceöa islenzkra, Kopenhagen 1878.
s. 162 IT.; vgl. dazu V. Dahlerup in Tidskr. f. Fil. N. R. IV, 153.
2. Zwei vielleicht schon c. 1150 geschr. bruchstück e
der Grägas, Codd. AM. 315 d und (ein wenig jünger) c, fol.;
hrsgg. jenes (nur ein teil) phototypisch in Palaeogr. atlas als
nr. 2, (vollständig) von V. Finsen in Grägas, Kopenh. 1852,
I, 219 ff. (vgl. dazu J. Hoffory in Tidskr. f. Fil. N. R. III, 294 f.
note); dieses ib. 1,231 ff. und Grägas, Kopenh. 1883, s. 490 ff.
3. Das älteste stück (vielleicht aus der zeit c. 1185) von
dem als Reykjaholts mäldagi (inventarienverzeichnis)
bekannten Originaldokument im landesarchiv zu Reykjavik;
hrsgg. (photolithographisch) von Samfund til udgivelse af
gammel nordisk litteratur, Kopenhagen 1885, photo typisch in
Palaeogr. atlas als nr. 44 — 45.
4. Eine wahrscheinlich c 1187 geschr. komput istische
abhandlung ('Rimbeygla'j und eine glossensammlung.
Cod. Reg. g. s. 1812, ältester teil, und (von derselben Land)
Cod. AM. 2491, fol.; jene hdschr. hrsgg. von L. Larsson, Kopen-
hagen 1883 (vgl. dazu Beckman und Kälund, Alfneöi islenzk
II, 65 f. und 72), diese von G. Dorläksson in Smästykker udg.
af Samfund &c, Kopenh. 1884, s. 78 ff. (vgl dazu Beckman und
Kälund, a. a. o. s. 67 ff.).
5. Pläcitüsdräpa, Cod. AM. 673b, 4°; hrsgg. von
F. Jonsson in Mindre afhandlinger udg. af det philologisk-
historiske samfund, Kopenh. 1887, s. 210 ff. (und Den no.-isl.
Skjaldedigtning A, 1,607 ff.).
c) Aus der zeit c. 1200 bis gegen 1250:
6. Ein c. 1200 (oder etwas früher) geschr. bruchstück
des Elucidarius, Cod. AM. 674a, 4"; hrsgg. (photolitho-
g 12. Einleitung. H
graphisch) von der Arnaniagnäanischen kommission (durch
K. Gislason), Kopenh. 1869; vgl. dazu Gislason in Aarboger
1870, s. 262 ff. und Hoffory in Det philologisk-historiske sam-
funds mindeskrift. Kopenh. 1879, s. 140 ff.
7. Das umfangreiche und in sprachlicher, besonders ortho-
graphischer, hinsieht sehr wichtige Stockholmer homilien-
buch, Cod. Holm 15, 4°. von sieben bänden geschr.. von denen
die älteste (phototypisch faksimiliert in Palaeogr. atlas nr. 3)
vielleicht schon dem 12. jahrh. gehört; hrsgg. von Th. Wisen.
Homiliu-Bök, Lund 1872; vgl. dazu L. Larsson, Studier över
den Stockholmska homilieboken I— II, Lund 1887, und Svar
pä prof. Wisens -Textkritiska anmärkningar', Lund 1888, sowie
Wisen im Arkiv IV, 193 und Nägra ord om den Stockholmska
homilieboken, Lund 1888; vgl. ferner K. Vrätny im Arkiv
XXXIII, 141 ff. und G. Neckel, Beitr. XXXVIII, 459 ff.
8. Cod. AM. 673 a, 4°, von c. 1200, umfassend teils zwei
verschiedene, aber gleichzeitige bruchstücke aus dem sog.
Physiologus, hrsgg. (photolithographisch) von V. Dahlerup
in Aarboger 1889, s. 199 ff.; teils eine allegorische aus-
legung vom schiff und regenbogen, hrsgg. von L. Larsson
in ZfdA. XXXV, 244 ff.
9. Das zweite stück von Reykjaholts mäldagi (vgl. 3 oben)
aus der zeit 1204-1208; hrsgg. wie 3.
10. Sechs bruchstücke der ältesten redaktion der so-
genannten legendarischen Olafssaga im norwegischen
reichsarchiv zu Kristiania, membr. nr. 52; aus der zeit um
1200; hrsgg. (zinkographisch) von G. Storni in Otte brud-
stykker af den a?ldste saga om Olav den hellige. Chra. 1893.
11. Eine um 1210 geschr. teilungs Urkunde von Spä-
konuarfr in der sog. bingeyrabök, Cod. AM. 279a, 4°; hrsgg.
(von J. Sigurösson) in Diplomatarium islandicum 1, 305 f.
12. Cod. AM. 655, 4°, fragmm. I (abschr. nach anorw.
original), II— VIII, XII— XV, XIX, XXIII, legenden,
biblische geschiente u. dgl. enthaltend. Hrsgg. I von Gisla-
sou in 'Um frumparta", Kopenh. 1846, s. LXVIlff.; II von
C. R. Unger in Mariu saga, Chra. 1871, s. XXXII ff. (teilweise
von Gislason, a. o. s. LXIXf.); III— VIII von G. Morgenstern
in Arnamagnäanische fragmente. Leipzig-Kopenh. 1893. s. 1 — 25.
35—44 (vgl. dazu L. Larsson in Anz. f. d. A. XXI, 56 ff.); XII,
12 § 12. Einleitung.
XIII von Unger in Postola sögur, Chra. 1874, s. 211 ff. 529 R'..
762 ff., 791 ff., 834 ff.; XIX von Unger in Marin saga, s. XXXI ff.;
XXIII von Gislason, a. o. s. LXXXII ff.; unediert sind XIV u. XV.
13. Die homilien und dialoge Gregors des grossen,
Cod. AM. 677, 4°, älterer teil; hrsgg. von Bjarnarson in
Leifar &c, s. 19 ff. ; vgl. hierzu Dahlerup in Tidskr. f. Fil.
X. R. IV, 150 ff.
14. Zwei homilienbruchstücke, (Jod. AM. 686, c und
(etwas jünger) b; hrsgg. jenes von Gislason in 'Um frumparta '.
s. Cff., dieses von Bjarnarson in Leifar &c, s. 175 ff. (vgl.
Dahlerup a. o., s. 153 f.).
15. Ein grosses bruchstück einer legendensammlung,
Cod. AM. 615, 4°, älterer teil; hrsgg. von L. Larsson. Isländska
handskriften Nr. 645, 4«, Lund 1885.
16. Die c. 1245 geschr. teilungsurkunde von Horna-
fiorö, Cod. AM. Dipl. isl. LXV, 1; hrsgg. (phototypisch) in
Palaeogr. atlas als nr. 47.
d) Aus der zeit c. 1250—1300:
17. Diehaupthandschrift ("Konungsbok") der Grägäs,
Cod. Reg. g. s. 1157, um 1260 — 70 geschrieben; hrsgg. von
V. Finsen, Grägäs I, II, Kopenh. 1852.
18. Die haupthandschrift der sog. Liederedda, Cod.
Reg. g. s. 2365, aus dem ende des jhs.; hrsgg. von S. Bugge,
Norroen fornkvaeöi, Chra. 1867 (vgl. Arkiv II, 116 ff.), photo-
typisch von L. Wimmer und F. Jonsson, Händskriftet Nr. 2305
4to gl. kgl. Sämling, Kopenh. 1891.
19. Die Uppsalaer handschrift der Snorra Edda,
Cod. Ups. Delag. 11, 4°, aus der zeit um 1300; hrsgg. (das
meiste) von der Arnamagnaeanischen kommission (durch
.1. Sigurösson) in Edda Snorra Sturlusonar II, Kopenh. 1852.
s. 250 ff. (vgl. Dahlerup und Jonsson in Islands grammatiske
litteratur, Kopenh. 1884—86, 1,56 ff., sowie E. Mogk in ZfdPh.
XXII, 129 ff., 364 ff.). III, Kopenh. 1880—87, s. 259 ff. und (der
kleine rest) in Diplomatarium islandicum 1, Kopenh. 1857—76,
s. 500 f., 504 ff.
e) Aus der zeit c. 1300 bis c. 1350:
20. 'Annales islandorum regii'. ('od. Heg. g. s. 2087,
von verschiedenen Schreibern zwischen 1806 1328 (mit einigen
g 12. Einleitung. 13
jüngeren Zusätzen) geschrieben ■hrsgg. von G. Storm, Islandske
annaler. Chra. 1888. s. 79 ff., und diplomatarisch von H.Buergel
Goodwin. Upps. 1906 (vgl. dazu E. Olsen, Arkiv XXVI. 87 ff.).
21. Der grösste (zum teil etwas norvagisierende) teil der
grossen miscellanhandschrift Hauksbok, d.h. Codd. AM. 371.
544 (und 675: vgl. £ IS, 27). 4». c. 1314—30 geschr.: hrsgg.
(durch F. und E. Jonsson) von Det k. nordiske oldskrift-selskab.
Kopenh. 1892—96.
22. Cod. Reg. g. s. 2367, umfassend teils den c. 1325 geschr.
ausführlicheren text der Snorra Edda, hrsgg. von der
Arnam. komm, in Edda Snorra Sturhrsonar I. Kopenh. 1848,
s. 24 ff. (vgl. Th. Möbius, Hättatal I. Halle 1879. II. Halle
1881) — handausgabe von F. Junsson, Kopenh. 1900 — . teils
zwei gediente des Orknöer bischofs Biarne Kolbeinsson: 16ms-
vikingadrapa. hrsgg. von C. af Petersens. Jomsvikinga
Saga, Lund 1879. s. 103 ff. (und F. Jönsson, Skjaldedigtning
A, II, 1 ff.) . und Malshättakua^e, hrsgg. von F. Jonsson in
Smästvkker udg. af Samfnnd til udg. af g. nordisk litteratur.
Kopenh. 1889—91. s. 283 ff. (und Skjaldedigtning A, IL 130 ff.).
28. Die grosse sagakollektion •Müöruvallabok". Cod.
AM. 132. fol.. hrsgg. von F. Jonsson. Egils saga. Kopenhagen
1886 — 88: Kr. Kälund. Laxdcela saga. Kopenh. 1884—91;
K. Gislason, Hallfreös saga in Fire og fyrretyve pruver &c.
Kopenh. 1860. !i.6it.: H. Gering. Finnboga saga. Halle 1879.
und Glkofra I'attr in Beiträge zur deutschen philologie
J. Zacher dargebracht. Halle 1880; ferner (mit -normalisierter"
Orthographie:) Th. Möbius. Kormaks saga. Halle 1886; G. Por-
kiksson, Glüma in Islenzkar fornsögur I. Kopenh. 1880, s. lff.;
K. Gislason, Sagan af Droplaugarsonum. Kopenh. 1847, und
Fostbroeora saga. Kopenh. 1852; H. Fridriksson. Bandamanna
saga. Kopenh. 1850: unediert sind drei brachst ücke der Nials
saga.
f) Noch spätere handschriften sind in sprachlicher hin-
sieht weniger bedeutend. Hier mag von solchen nur erwähnt
werden :
24. Die zwischen 1387 — 94 von zwei bänden geschriebene
riesige handschrift geschichtlichen inhalts. Flateyjarbuk.
d. h. Cod. Reg. g. s. 1005; hrsgg. von G. Vigfusson und C. R. Fnerer.
14 § 12. Einleitung.
Flateyjarbok I— III, Chra. 1860—68 (ein kleiner teil photo-
typisch von A. Reeves, The Unding of Wineland, London 1890.
und — derselbe teil — photolithographisch von dem dän.
generalstab, Flateyjarbok, Kopenh. 1893).
Die ältesten aisl. (und anorw.) sprachformen sind oft nicht
in den ältesten handschriften zu finden, sondern in einigen
skaldengedichten, die zwar erst in handschriften des 13. jahrhs.
erhalten sind, die aber infolge der metrischen abfassung manche
form von besonderer altertümlichkeit aufbewahrt haben. Eine
den heutigen forderungen der Wissenschaft genügende ausgäbe
dieser hochwichtigen denkmäler ist neuerdings von der Arna-
magnaeanischen kommission herausgegeben durch F. Jönsson,
Den norsk-islandske skjaldedigtning, Kopenh. 1912 und 1915.
Anm. 2. Ueber die aisl. literatur s. vorzugsweise K. Maurer, lieber die
ausdrücke altnordische, altnorwegische und isländische spräche, München
1867 (in den Schriften der bair. akademie) ; Udsigt over de nordgermaniske
retskilders historie, Kra. 1878; Ueberblick über die geschichte der nord-
germanischen rechtsquellen, Leipzig 1882 (in v. Holtzendorffs Encyclopädie
der rechtswissenschaft l 4 , 321. ff.); G. Storni, Snorre Sturlassöns historie-
skrivning, Kopenh. 1873; G. Vigfusson , Sturlunga saga I (prolegomena),
Oxford 1878; G. porläkssou, Udsigt over de norsk-islandske skalde, Kopenb.
1882; G. Cedersehiöld , Fornsögur SuÖrlanda (einleituug) , Lund 1884:
J. porkelsson, Om digtningen pä Island i det 15. og 16. ärh., Kopenh. 1888;
R. Meissner, Die Strengleikar, Halle 1902. Eine knappe Übersicht bietet
W. Golther, Nordische Literaturgeschichte I (Sammlung Göschen nr. 254) ;
eine ausführliche gesamtdarstellung E. Mogk im Grundriss 2 VI, 5, A,
s. 555 ff. (vgl. K. v. Amira, ib. 3 , Grundriss des germanischen Rechts); aus-
führlicher und reichhaltiger F. Jönsson, Den oldnorske og oldislandske
litteraturs historie I— III, Kopenh. 1894—1902 (2. ausgäbe 1920 ff.; kürzer
Den islandske litteraturs historie, Kopenh. 1907), wozu vgl. B. M. Olsen,
Hvar eru EddukvseÖiu til oröin (in Timarit 1894), S. Bugge, Helgedigtene,
Kopenh. 1896, und B. Sijmons, Die lieder der Edda (Einleitung), Halle 1906,
sowie F. Jönsson, Norsk-islandske kultur- og sprogforhold i 9. og 10. arh.
(Det K. Da. Vid. Selsk. Hist.-filol. Meddelelser III, 2), Kopenh. 1921.
Vollständiges Verzeichnis der textausgaben bei Th. Möbius, Ver-
zeichniss der auf dem gebiete der altnordischen (altisländischen und alt-
norwegischen) spräche und literatur von 1855 bis 1879 erschienenen schriften,
Leipzig 1880, und Catalogus librorum islandicorum, Leipzig 1856 (für die
zeit vor 1855); die nach 1880 erschienenen ausgaben verzeichnet jährlich
das Arkiv. S. ferner H. Hermansson, Islandica I — XIV, Cornell university,
Ithaca, New York 1908—21. — Vollständiges Verzeichnis aller ausserhalb
des atlas publizierten aisl.-anorw. faksimilia bietet Palaeogr. Atlas, Ny serie,
s. XI ff.
| 13. Einleitung 15
Die handschrifteu sind vorzugsweise in folgenden grossen Sammlungen
aufbewahrt: 1. Die Arnamagnseanische (AM.) der Universitätsbibliothek zu
Kopenhagen ; s. (Kr. Kalund), Katalog over den Arnam. händskriftsamling,
1. II. Kopenh. 1888—94. 2. Die alte Sammlung der königlichen bibliothek
(Reg. g. b.) zu Kopenhagen: s. (Kr. Kalund) Katalog over de oldnorsk-
islandske handskrifter i det störe k. bibliotek. Kopenh. 1900. 3. Die Dela-
gardiesche der Universitätsbibliothek zu Upsala (Ups. Delag.) ; s. V. Gödel.
Katalog öfver Upsala universitets biblioteks fornisländska och fornnorska
handskrifter (in Skrifter utgifna af Humanistiska vetenskapssamfundet i
Upsala II. 1), Ups. 1892. 4. Die Sammlung der königlichen bibliothek zu
Stocßholm (Holm.): s. V. Gödel, Katalog öfver kongl. bibliotekets fornis-
ländska och fornnorska handskrifter (in Kongl. bibliotekets kandlingar nr
19—22), Stockh. 1897— 1900. — Zur datierung der ältesten hdschr. vgl.
vor allem Kalund in Palseogr. atlas, bes. s. IX.
£ 18. Innerhalb der geschichtlichen entwicklung des alt-
norwegischen kann man dieselben drei perioden wie im
aisl. unterscheiden. Die sprachform der ersten periode ist in
ihrem gegensatze zum aisl. durch das oben (§ 9) angeführte
schon hinlänglich charakterisiert worden. Die zweite periode
(c. 1150 bis c. 1350) scheint zunächst keine grösseren Ver-
änderungen durchgeführt zu haben. Das 14. jahrh. bringt aber
mehrfache abweichungen vom älteren sprachgebrauche mit sich.
So z. b. treten ziemlich allgemein U (zum teil schon im 13. jahrh.).
nn, ss statt resp. rL m, r$ auf (s. £ 272): i wird vor /; p, m,
L r -- kons, oft zu y (§ 85) : zwischen kons, und auslautendem r
entsteht ein svarabhaktivokal. nach welchem das r bisweilen
schwindet (§ 161b. § 301,3) u.a.m. Die dritte — 'mittel-
norwegische' (mnorw.) — periode (c. 1350 bis um 1530),
die übrigens seit 1400 fast gar keine andere literatur als
diplome aufzuweisen hat. lässt z. 1>. anlautendes hu:- in
grosser ausdehnung zu hv- (§ 243» und p durchgehends zu t
werden (s. § 233 anm. 1). während d nach vokal schwindet.
Uebrigens zeigt diese periode infolge der Vereinigung Nor-
wegens (1319) in Personalunion mit Schweden einen ziemlich
starken einfluss des schwedischen (z. b. die endung -in in der
2. pl. des verbs. einzelne schwedische wortformen wie biuyy
st. hiigg gerste. hsgh st. Aar hoch, später Iwra st. heyra, mei-
st, meeir) und. nachdem Norwegen später mit Dänemark ver-
eint worden ist, noch mehr des dänischen (z. b. stimmhafte
statt stimmloser verschlusslaute nach vokalen, -e statt -a in
endungen. einzelne dänische lehnwörtar und wortformen wie
16 § 14. Einleitung.
s& st. sid sehen, sperge st. spyria fragen u. a. m.) auf die
spräche Norwegens. Schon seit 1450 sind alle aus Kopen-
hagen stammenden königlichen briefe und seit 1510 auch
alle erzbischöflichen rein dänisch abgefasst. Endlich hört
das norwegische zur zeit der reformation auf als offizielle
literatursprache zu existieren, wird durch das dänische ersetzt
(als rechtssprache jedoch erst um 1600) und lebt von da ab
bis in die erste hälfte des 19. Jahrhunderts nur in seinen
dialekten (vgl. A. Taranger, Vort retsmaals historie 1388 bis
1604, Kra. 1900; R. Iversen, Bokmäl og talemäl i Norge 1560
bis 1630, I. Kra. 1921, in Videnskapsselskapets skrifter).
§ 14. Schon in alter zeit sind im anorw. dialektische
differenzen bemerkbar, wie es auch bei den geographischen
Verhältnissen nicht anders zu erwarten war. Besonders hervor-
tretend — je später je mehr — ist der gegensatz zwischen
der spräche des westlichen Norwegens (zwischen Langesund
und Molde), welche zum teil dieselbe entwickelung wie ihre
tochtersprache auf Island durchläuft, und derjenigen des öst-
lichen Norwegens, welche noch mehr in die äugen fallende Überein-
stimmungen mit dem gleichzeitigen altschwedisch aufzuweisen
hat. Die hauptunterschiede des ostnorwegischen (onorw.)
vom westnorwegischen (wnorw.) um 1300 dürften sein:
1. Onorw. bewirkt erhaltenes u in der regel keinen Um-
lauf, s. oben § 9, 1.
2. Onorw. (oft schon in der ältesten literatur) Jxenn 'den',
p(Et 'das', J)wr 'dort' gegen wnorw. Jbann, Jxit, fiar. Vorzugs-
weise onorw. ist auch der (bald nach 1200 auftretende) pro-
gressive umlaut ia > ?>, z. b. hicerta st. Maria herz.
3. Onorw. zeigen sich nicht nur durchgehends die alte
schon vorliterarisch entstandene vokalharmonie (s. oben § 9,2).
sondern auch (schon im 13. jahrh.) spuren der jüngeren sowol
progressiven als regressiven vokalharmonie (sog. "tüjaevning"'),
welche den neunorw. mundarten in so hohem masse charakte-
ristisch ist, z. b. mykyt st. myhit grosses, d maÖal st, d medal
'zwischen'.
4. Onorw. wird (seit 1300) y vor r oder / + kons, bisweilen
zu in, z. b. hiurÖir < hyrdir < hiröir hirt. lyhiull < lyhyll <
lyhiU schlüssel.
§ 14. Einleitung-. 17
5. Onorw., aber im allgemeinen nicht wnorw., geht altes
oder aus e entstandenes ce (wenigstens zwischen >• oder kon-
sonantischem v und r) in oft schwachtonigen Wörtern vielfach
in a über, z. b. huarr statt kucerr (so im drontheimischen noch
bis in das 14. jahrh.) 'jeder', raröa st vercJa 'werden', mm
st. rem 'sein'.
6. Onorw. werden (nach 1300) Id. nd zu 11, nn assimiliert.
z. b. der Ortsname Vestfoll < -fold, bann < band band.
7. Onorw. gehen rö (nur bisweilen), rt und die sekundären
Verbindungen rn. rs. W. lt. In, Is in resp. kakuminales d, t, n, s
über (s. § 252).
Das ostnorwegische zerfällt schon zu dieser zeit in zwei
deutlich geschiedene dialektgruppen : einerseits eine nördliche,
das sog. drontheimische, welches sich um 1300 zu einer,
zwar etwas westnorwegisch gefärbten, reichssprache entwickelt,
die in königlichen briefen zur anwendung kommt; anderer-
seits eine südliche, das sog. ostländische. Die hauptunter-
schiede dieser gruppen sind damals:
a) Im ostl., aber nicht im dronth., geht (schon etwas vor
1300) a in endungen nach langer Wurzelsilbe in ce (noch
später e) über, z. b. scendce senden, Jwyrce hören (aber gera
tun, vita wissen, weil mit kurzer Wurzelsilbe).
b) Der svarabhaktivokal zwischen auslautendem -/• und
einem vorhergehenden konsonanten erscheint im südlicheren
ostl. als a, nach welchem dann bisweilen das r schwindet),
sonst aber als e, z. b. presto* priester, retar winter. aftax
zurück, br0Öa{r) brüder neben prester, reter. after. bräder.
c) Das negierende präfix erscheint im ostl. als u-, im
dronth. aber gewöhnlich als 6-.
d) Das ostl. behält gewöhnlich die "Verbindung fn. während
das dronth. das daraus entstandene mn bevorzugt, z. b. icefn :
iremn eben.
e) Im ostl. geht tl (über tsl) in sl über, im dronth. aber
wird es ebenso wie ursprüngliches sl zu hl (wie im nördlichen
westnorwegisch), z. b. ostl. U(t)sJi st. litli der kleine, A(t)sJe
st. Atle (ein mannsname).
Das westnorwegische wiederum zerfällt seinerseits eben-
falls in zwei (literarisch bezeugte) dialektgruppen: das sog.
Xoreen. Altisl. gTamm. 4. aufl. O
18 § 14. Einleitung.
nordwestnorwegische (von Molde bis Sogn, westlich) und
das sog. südwestnorwegische (von Sogn, östlich, bis Lange-
sund). Die hauptunterschiede dieser beiden gruppen sind:
«) Nordwestnorw. werden die endungsvokale i, e und u, o
durch die oben § 9, 2 erwähnte vokalharmonie geregelt (wie
im ostnorw.), während südwestnorw. in allen Stellungen teils
% und ti, teils (besonders an der küste nördlich und südlich
von Stavanger, "Eogaland") e und o, wie im ältesten aisl.,
verwendet werden.
ß) Der svarabhakti vokal vor r tritt nordwestnorw. als e
auf, südwestnorw. aber daneben teils als u (nördlich), teils
als a (östlich, vgl. das südlichere ostl. oben unter b).
y) Das negierende präfix erscheint nordwestnorw. in
gewissen gegenden als ö- (wie im dronth.), in anderen als ü-,
während südwestnorw. w- häufiger als 6- ist (wie im ostl.,
s. oben c).
6) Die Verbindungen sl und tl gehen beide nordwestnorw.
in hl über (wie im dronth., s. oben e), südwestnorw. aber fallen
sie mit der zeit in tl zusammen, z. b. nordwestnorw. geymhla st.
yeymsla Verwahrung, südwestnorw. sytla st. sysla beschäftigung.
Schwieriger ist — wegen des fast gänzlichen mangels an
einschlägigen denkmälern — zu bestimmen, inwieweit die dia-
lekte, die sich auf den westlichen inseln Europas ausbildeten,
nachdem sich dort skandinavische — wol meist norwegische — :
auswanderer angesiedelt hatten, von der spräche des mutter-
landes abwichen. Diese kolonien waren:
a) Die Färöer, deren charakteristischer, ursprünglich
südwestnorwegischer (s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, n,
s. 153 ff.) dialekt in neuerer zeit vielfache beachtung
gefunden hat wegen der umfangreichen gedieh te altertümlichen
inhalts, die im 19. jahrh. auf den inseln nach der volkstüm-
lichen tradition aufgezeichnet worden sind. Aus anorw. zeit
stammen nur teils die etwa um 850 datierende Kirkeboer
runeninschrift (s. Wimmer, Runenschrift, s. 311 f.), teils ein
paar unbedeutende handschriftliche quellen aus der zeit 1400
bis 1450 (s. Hsegstad, a. o., s. 63 ff.). Von mutmasslichen dialekt-
eigentümlichkeiten um 1300 s. Hsegstad, a. o., s. 151 f.
b) Die Orknöer -inseln, wo der ebenfalls ursprünglich
südwestnorwegische dialekt (s. Hsegstad, Hild., s. 75) etwas
§ 14. Einleitung. 19
nach 1700 ausgestorben ist. Denkmäler der alten zeit sind
die 30 runeninschriften zu Maeshowe aus der zeit um 1150
(a P. A. Manch, Samlede Afhandlinger IV. 516 ff.; M. Olsen.
Tre orknoske runeindskrifter. in Chra. Vid. Selsk. Forhandlinger
1903) und eine zu Stenness (s. Olsen. A newly discoyered in-
scription. in Saga-Book of the Viking Club 1908), sowie 4 bis
6 diplome aus der zeit 1329—1426 (s. M. Haegstad. Hild..
s. 32), welche uns belehren, dass h vor h n. r hier mindestens
200 jähre länger als in Norwegen blieb, und dass in einigen
Wörtern u, ü vor o, 6 bevorzugt wurden, z. b. brut st. brot
bruch. landhüle st. -böle pächter u. a. m. (s. Haegstad, Hild..
passim, und S. Bugge, Aarboger 1875, s. 240).
c) Die Shetland-inseln (Hialtland), deren etwas nach 1750
ausgestorbener, ebenfalls ursprünglich südwestnorwegischer
(s. Haegstad, Hild., s. 75) dialekt — jetzt "Nora" genannt
(wie auch oft das alte orknöisch) und durch etwa 10000 in
das heutige englisch (nieder-schottisch) hineingekommene lehn-
wörter (s. J. Jakobsen, Etymologisk ordbog over det norrone
sprog pä Shetland, Kopenh. 1908 — 21) sowie durch das im
jähre 1774 aufgezeichnete gedieht Hildinakvadet (hrsgg. mit
kommentar von Haegstad in Chra. Vid. Selsk. Skrifter Hist.-fil.
Klasse 1900) repräsentiert — als denkmäler aus alter zeit
nur 8—10 diplome aus der zeit 1299—1509 (s. Wadstein
F. Hom., s. 67 f. note. Haegstad, a. o., s. 32) aufzuweisen hat.
von denen das älteste (von 1299) phototypisch hrsgg. ist in
Palaeogr. atlas als nr. 52. Diese zeigen ey, ay oder ö st. ty,
z. b. Orkneyar, Ovendason st. 0yvindarson\ bisweilen e und ü
st, ai (ei), resp. ou (an), z. b. rldum st, reeidum, ilstan st aastan
von osten ; e, o stehen in offenen, i. u dagegen in geschlossenen
endungen; iah neben elc 'ich'; h vor konsonantischem j wurde
wie 'ich '-laut gesprochen (vgl. SyeüeJandia 1299 aus Hialt-
land) und scheint noch 1360 vor r dagewesen zu sein, z. b.
Hrolfs 'Kudolfs'; ia wird mit der zeit, wie oft im onorw, zu
im, z. b. si&lfr selbst; l schwindet vor t, z. b. HiaÜcmd 1299
< Hialtland (& Wadstein, a. o.. Haegstad. Hild.. passim. und
Arkiv XXVI, 214 f.).
d) Auf Man existiert schon seit vier oder fünf Jahr-
hunderten kein nordischer dialekt, von dessen einstigem dasein
jedoch 27 meistens aus der zeit 930 — 1050 stammende runen-
2*
20 § 15. Einleitung.
inschriften zeugen (s. E. Brate, Fornvännen 1907, s. 20 ff., 77 ff.
und die daselbst zitierte literatur, H. Schetelig in Opuscula
archaeologiea 0. Montelio dicata 1913, s. 391 ff.; abbildungen
bei P. ML C. Kermode, Manx crosses, 1907). In betreff der
spräche geben diese nur sehr wenige auf Schlüsse.
e— g) In Irland und dem nördlichen Schottland sowie
auf den Hebriden (Suöroyiar) ist die im 9. jahrh. aus dem
südwestlichen Norwegen (s. Marstrander, Bidrag til det norske
sprogs historie i Irland, Chra. Vid. Selsk. Skrifter, Hist.-fil.
Klasse 1915, s. 128 ff.) übernommene nordische spräche längst
erloschen: in Irland um 1250 (s. A. Bugge, Aarboger 1900,
s. 279 ff.), in Schottland im 17. jahrh., auf den Hebriden um
1400 oder etwas später. Von denkmälern aus alter zeit gibt
es nur ein aus Island stammendes Verzeichnis der runennamen
(s. S. Bugge, Bidrag, s. 23 f.; Marstrander, a. o., s. 1351; v. G-rien-
berger, Arkiv XIV, 104 und 106) und ein paar irische runen-
inschriften (s. K. A. S. Macalister in Proceedings of the Royal
irish academy XXXIII, sect. C no. 13, Dublin 1917), beides
natürlich von geringer sprachlicher bedeutung.
§ 15. Die denkmäler des altnorwegischen (mit aus-
schluss der eben erwähnten inseldialekte) sind, wenn wir von
den vielen ins altirische (etwa 100, vorzugsweise im 11. jahrh.
entlehnten, s. Marstranders eben erwähnte Bidrag usw.) und
noch mehr ins angelsächsische und mittelenglische (s. Björkman,
Scandinavian loanwords in Middle English, I 1900, II 1902,
Nordische Personennamen in England 1910, Zur englischen
Namenkunde 1912 und Zur dialektischen provenienz der
nordischen lehnwörter im englischen in Spräkvetenskapliga
sällskapets i Upsala förhandlingar 1897 — 1900; H. Lindkvist,
Middle-English place-names of Scandinavian origin I, Uppsala
1912, und Some Old Scandinavian deposits in Middle English
records in Minnesskrift tillägnad A. Erdmann, Uppsala 1913)
eingedrungenen Wörtern sowie von den wenigen bei lateinischen
Schriftstellern zitierten eigennamen absehen, zweierlei art:
A. Rune n inschriften (etwas mehr als 300), von denen
jedoch die weitaus meisten gleichzeitig oder doch wenig älter
als die ältesten literaturdenkmäler sind, daher in sprachlicher
hinsieht nicht besonders wichtig. Hier mögen deshalb nur
erwähnt werden aus der zeit um 1000 die wichtige und aus-
§ 15. Einleitung. -1
führliche (21u runen) inschrift von Karlevi (auf der schwe-
dischen insel Öland) — in welcher ein norwegischer skalde
in 'drottkiuetf einen dort begrabenen dänischen häuptling
verherrlicht — . um 1050 die inschrift von Frösö in der jetzt
schwedischen provinz Jämtland, um 1150 die von Fiat dal in
Telemarken und aus dem 13. jahrh. die zum teil metrischen
inschriften von Ar dal in Sogn.
Anm. 1. S. besonders Nicolassen, Norske fornlevninger, Chr. 1862 — 66;
Undset, Indskrifter fra middelalderen i Throndhjems domkirke (Chra.
Videnskabs-selskabs forhandlinger 1888, nr. 4); S. Boije in Bidrag tili
kännedoni om Göteborgs och Bohusläns fornminnen och kistoria III, 266 ff.,
Sthlni. 1886 (behandelt die Inschriften der jetzt schwedischen provinz
Bohnslän; dazu auch Brusewitz und Montelius ib. 1, 425 ff.) ; Bugge, >~o. I.
passim, und No. I. med de yngre Runer 1902, 1906; M. Olsen (und Bugge).
Runeindskrifterne i Urnes kirke i Sogn (in Aarsberetning for foreningen
til norske fortidsmindesmserkers bevaring 1907); M. Olsen und H. Schetelig.
De to runestener fra Tu og Klepp fra Jsederen (in Bergens musenms
aarbog 1909, no. 11); 0. v. Friesen in Hoops Reallexikon IV, 30ff. Ueber
die inschr. von Karlevi s. S. Söderberg, Ölands runinskrifter, Sthlm. 1900ff.,
s. 14 ff., Bugge, Aarbeger 1900, s. lff., Gering, ZfdPh. XXXVIII, 142, Brate,
Ölands runinskrifter, s. 134 ff., Wimmer ib., s. 136 ff. und De danske rune-
mindesmaerker I. CXIVff.: die von Frösö s. Xoreen im Arkiv III, 31 ff.; die
von Flatdal s. Wimmer, Dobefonteu i Akirkeby kirke, s. 53 f., Kopenh. 1887:
die von Ardal s. Bugge in Foreningens til norske fortidsmindesmserkers
bevaring aarsberetning for 1868, s. 30 ff., Chra. 1869. Die 23 inschriften aus
Telemarken behandelt 0. Skulerud, Telemaalet. Kra. 1918, s. 36ff., 70 u. 101.
B. Handschriften mit lateinischem aiphabet, die
zwar nach anzahl hinter den aisl. unvergleichlich zurückstehen,
aber in betreff des alters diesen fast gleichkommen. Als die
ältesten und wichtigsten mögen hier erwähnt werden:
a) Aus der zeit 900 — 1100 stammen die anorw. (von
den ostn. nicht genau zu scheidenden) personennamen im
Reichenauer Necrologium (s. § 12. B, a) und die anorw.
namen unter den (überwiegend wol adän.) c. 200 namen in
Durhams ''Liber vitae" (seit 800). hrsgg. von J. Stefansson.
The oldest known list of Scandinavian names (in Saga-Book
of the Viking Club IV, 296 ff.), sowie unter den mehr als
50 namen in einer ags. handschrift aus dem anfang des
11. jahrh., hrsgg. von G. Stephens in Blandinger 1,62.
b) Aus dem ende des 12. jahrh. (obwol das drontheimer
gesetzbuch schon vor 1047 und das christenricht vielleicht
noch früher niedergeschrieben sein sollen):
22 § !§• Einleitung-.
1. Drei legendenbruchstücke, Cod. AM. 655, 4 Ö ,
fragm. IX, die schon c. 1150 niedergeschrieben sind; hrsgg.
von Unger in Heilagra manna sögur 1,269 — 71, 11,207—09,
Chra. 1877, und Postola sögur, s. 823—25. Faksimile in Palseogr.
atlas nr. 8.
2. Steuerverzeichnis aus dem kloster Munkeliv, Cod.
Eeg. g. s. 1347, c. 1175 geschr.; hrsgg. phototypisch in Palseogr.
atlas als nr. 11.
3. Vier bruchstücke des älteren Gulathings-
gesetzes, Fragin. 1 B im Reichsarchiv zu Kristiania, gegen
1200 geschr.; hrsgg. von Keyser und Manch, Norges gamle
love 11,495—500, Chra. 1848 (1.— 3 auch photolithographisch,
ib. IV, faksimil. XIII— XV; vgl. s. 795 f.).
4. Drei bruchstücke des ältesten Galathings-
gesetzes, Cod. AM. 315 F, a, b, c, fol., gegen 1200 geschr.;
hrsgg. von G. Storm, Norges gamle love IV, 3 — 13, Chra. 1885;
F. a genauer von A. Karlgren in Den AM. handskriften 315 F. a
(Uppsala universitets ärsskrift 1905), Upps. 1904.
5. Steuerverzeichnis der Jönskirche in Drontheim,
c. 1200 geschr.; hrsgg. in Diplomatarium norvegicum XIII, 1.
c) Aus der zeit c. 1200 bis gegen 1250:
6. Das sehr wichtige, von drei verschiedenen Schreibern
im ersten viertel des 13. jahrhs. geschriebene homilienbuch,
Cod. AM. |019, 4°; hrsgg. von Unger, Gammel norsk homilie-
bok, Chra. 1864 (vgl. dazu Wadstein, F. Hom., s. 4â €”33).
7. König Philips schutzbrief für das kloster Hovedt»,
c. 1210 geschr.; hrsgg. in Dipl. norv. I, nr. 3, phototypisch in
Palaeogr. atlas als nr. 48.
8. Ein bruchstück eines für das Eidsivathing und
das Borgarthing gemeinsamen (s. S. Tunberg, Studier
rörande Skandinaviens äldsta politiska indelning, s. 213 ff.)
gesetzes, Fragm. 1A im reichsarchiv zu Kristiania; hrsgg.
photolithographisch in Norges gamle love IV, faksimile XVII
(vgl. s. 797).
9. Ein bruchstück des älteren Gulathings-gesetzes,
Cod. AM. 315e, fol.; hrsgg. in Norges gamle love 1,115 — 18.
10. Ein brief bischof Nicolas' von 1224. hrsgg. in Dipl.
Norv. I, nr. 7,
S lö. Einleitung - . 2o
11. Ein bruchstück des Fagrskinna. 51 im reiehs-
arehiv zu Kristiania, gegen 1250 geschr.; hrsgg. phototypisch
in Palaeogr. atlas nr. 23—4.
12. Die einzige vollständige handschrift der legenda-
rischen Olafssaga, Cod. Ups. Delag. 8, zweiter teil, um 1250
geschr.; hrsgg. von 0. A. Johnsen, Olafs saga hins helga, Kra. 1922.
13. Die (ziemlich stark islandisierende) haupthandschrift
der (nach dem lateinischen original Oddr Snorrason's über-
setzten) saga Olaf Tryggvason's nebst einer aufzeichnung
der zehn geböte und zehn wunder in Ägypten, Cod.
AM. 310, 40; hrsgg. von P. Groth, Det AM. haandskrift 310.
<lvarto, Chra. 1895.
14. Der erste teil der miscellanhandschr. Cod. Ups. Delag.
4 — 7. ein bruchstück der eben genannten saga Olaf Trygg-
vason's enthaltend; hrsgg. von P. A. Munch in Saga Olafs
konungs Tryggvasunar, Chra. 1853. s. 64 — 71 (vgl. dazu
L. Larsson, Arkiv XXXI, 46 f.).
d) Aus der zeit c. 1250 bis c. 1300:
15. Ein bruchstück des stadtrechtes von Dront-
heim (Niöaross biarkeyarrettr), Cod. AM. 315g, fol., um 1250
geschr.; hrsgg. in Xorges gamle love IV, 71—4.
16. Der zweite und grösste teil der miscellanhdschr. Cod.
Ups. Delag. 4—7 und AM. öQ6 b, 4°, romantischen inhalts uud
um 1250 von drei verschiedenen Schreibern geschr.; hrsgg.
(vgl. dazu L. Larsson. Arkiv XXXI, 50 f., resp. 49 f. und 47 f.).
von Kölbing, Pamphilus und Galathea in Germania XXIII,
129—41; Elis saga ok Rosamundu, Heilbronn 1881; Keyser
und Unger, Strengleikar, Chra, 1850 (vgl. dazu E. Meissner.
Strengleikar. s. 137 ff.); Unger in Heilagra manna sögur 1,452
note, ein kleines bruchstück eines dialoges zwischen
mut und feigheit.
17. Die einzige vollständige handschrift ('Rantzovianus')
des älteren Gulathings-gesetzes, Cod. 137, 4° e dona-
tione variorum in der Universitätsbibliothek zu Kopenhagen,
nach 1250 geschrieben; hrsgg. von Keyser und Munch, Xorges
gamle love 1,3—110, Chra. 1846.
18. Die haupthandschrift der Barlaamssaga, Cod.
Holm. 6, fol., nach 1250 geschr.; hrsgg. von Keyser und Unger.
Barlaams ok Josaphats saga, Chra. 1851,
21 § 15. Einleitung-.
19. Die haupthaiidschrift des Speculum regale (oder
Konungsskuggsiä), Cod. AM. 243 b «, fol., nach 1250 geschr.;
hrsgg. von Brenner, Speculum regale, München 1881 (vgl. dazu
Mogk in ZfdPh. XIV, 102 ff.), und F. Jonsson, Kopenh. 1920;
photolithographisch, Kristiania 1871 und Urbana, Illinois 1915.
20. Drei bruchstücke des älteren Frostuthings-
gesetzes, Cod. Me II, 2 in der Universitätsbibliothek zu
Tübingen, um 1260—70 geschr.; hrsgg. von Sievers in Ver-
zeichniss der doctoren ... im decanatsjahre 1885 — 86, Tübingen
1886, und von G. Storni, Norges gamle love V, 1 — 7 (und photo-
lithographisch ib. faksim.), Chra. 1890.
21. Fünf bruchstücke des Speculum regale, wovon vier
im reichsarchiv zu Kristiania (sign. 58 C), eins in Kopenhagen
(Cod. Reg. n. s. 235 g); hrsgg. jene phototypisch von G. T. Flom
in The University Studies IV, nr. 2, Illinois 1911, dieses von
Brenner, a. o., s. 89—93. Vgl. F. Jonsson, a. o. Indledning, s. 23 ff.
22. Drei bruchstücke des Speculum regale im reichs-
archiv zu Kristiania; hrsgg. von Brenner, a, o., 6 — 15, 21 3,
24—7, 35—9. Vgl. F. Jonsson, a. o. Indledning, s. 27 1
23. Ein bruchstück der Karlamagnussaga im reichs-
archiv zu Kristiania, c. 1270 geschr.; hrsgg. von Unger in
Karlamagnus saga ok kappa hans, s. 556 — 8, Chra. 1860.
24. Die haupthandschrift der saga erzbischof
Thomas', Cod. Holm. 17, 4°, c. 1280 geschr.; hrsgg. von Unger,
Thomas saga erkibyskups, s. 1—282, Chra. 1869.
25. Das überaus interessante, aus wachstafeln zusammen-
gesetzte, von zwei verschiedenen händen geschriebene notiz-
buch von Hoprekstad in Sogn; hrsgg. photolithographisch
von H. J. Huitfeldt-Kaas, En notitsbog paa voxtavler (Chra.
Videnskabs-selskabs forhandlinger 1886. nr. 10).
26. Die drei ersten hände der von fünf verschiedenen
Schreibern im ende des 13. jahrhs. geschriebenen haupthand-
schrift der Dietrichssaga, Cod. Holm., 4°, fol.; hrsgg. von
H. Bertelsen in Diöriks saga af Bern, Kopenh. 1905—11; photo-
lithographisch (in 10 exx.), Chra. 1869.
e) Aus der zeit c. 1300 bis c. 1350:
27. Die von drei norw. Schreibern nach aisl. originalen
niedergeschriebenen und daher mehr oder weniger islandi-
sierenden partien von Hauksbok (und zwar Cod. AM. 544,
S, Ib. Eiuleituug. 25
t" teilweise, 675. 4° ganz; vgl. § 12. 21); hrsgg. in Hauksbok,
Kopenh. 1892— 6. s. 150-77, 178-85, 470—99.
28. Sieben bruchstücke der (sonst verloren gegangenen)
norwegische königssagas enthaltenden grossen hdsehr. Jöfra-
skinna: Cod. Holm. 9, fol., Cod. AM. 325, YIII,3, d, 4« und
zwei kleine stücke im reichsarchiv zu Kristiania; hrsgg. (photo-
typisch) von F. Jönsson in De bevarede brudstykker af skind-
begerne Kringla og Jöfraskinna. Kopenh. 1895.
29. Die einzige hdsehr. der politischen Streitschrift 'Oratio
contra clerum Xorvegiae', Cod. AM. 114a, 4° (Matt 3 V — 9 r ).
um 1325 von Ivar Klerk abgeschrieben; hrsgg. von G. Storni.
En tale mod biskoperne. Chra. 1885.
30. Die grosse gesetzsammlung Codex Tunsbergensis
(Cod. Reg. n. s. 1642), deren ältester und grösster teil zwischen
1320 und 1330 geschrieben ist; hieraus hrsgg. photolitho-
graphisch Borgarthings aeldre kristenret. Chra. 1886 und Hird-
skraa. ib. 1895; anderes von Keyser und Munch in Xorges
gamle love HI, 17 f., 32 f., 44—55, 63—7. 70—3, 86—90, 93—7,
1141, 118—20. 125—34; 'Tunsberg bylog' von G. T. Flom in
The Journal of English and Germanic philology X. 214— 35 und
415 — 28; das meiste noch anediert (vgl. G. Storm. Norges
gamle love IV. 425 ff.).
31. Ein bruchstttck von dem arzneibuch Harpe-
streng's (Cod. AM. 696, 4», I). c. 1330—1350 geschrieben;
hrsgg. von M. Haegstad. Gamalnorsk fragment av Henrik
Harpestreng. Chra. 1906.
Uebrigens mag als in sprachlicher hinsieht besonders
wichtig hervorgehoben werden die grosse menge von diplomen.
die seit dem anfang des 13. jahrhs. das ganze mittelalter hin-
durch auftreten, nach 1400 fast die einzigen literaturdenkmäler
ausmachen und vorzugsweise für die erforschung der dialek-
tischen differenzen der jeweiligen sprachform von belang sind ;
hrsgg. von Lange, Unger und Huitfeldt-Kaas. Diplomatarium
norvegicum, Chra. 1847—1915 (B. I — XX). sowie Taranger.
Johnsen und Kolsrud. Xorges gamle love 2. raekke, I (1388
bis 1447), Chra. 1904—12, II (1448 — 82) 1914—18. Photo-
typisch wiedergegeben sind 3 aus der zeit 1225 — 77 in Palaeogr.
atlas nr. 49—51 und 6 aus der zeit 1340—1484 in Palaeogr.
atlas, Ny serie nr. 50 — 55.
26 § i(j. Einleitung.
Aiim. 2. Ueber die anorw. literatur (welche fast immer mit der aisl.
zusammen behandelt worden ist), die textausgaben und die handschrift-
sammlungeii s. die oben § 12, anm. 2 erwähnten werke.
Anm. 3. Eine gruppierung der wichtigsten anorw. denkmäler nach
dialekten bietet M. Hsegstad, G. Tr., s. 23 ff., 96 f., Vestno. maalf. Innleiding,
s. 8 ff., Kordvestlandsk, s. 30 ff., Sudvestlandsk 1 , 102 ff. , 11,2, n, s. 30 ff.,
Hoops Reallexikon III , 336 f. Demnach wären z. b. von den oben ver-
zeichneten hdschr. ostl. nr. 7, 8, 10, 18, 21, 30, dronth. nr. 1, 5, 11, 12, 20,
26 erste (und zweite?) band, 29, nordwestnorw. nr. 2, 3, 4, 6 erste und
zweite hand, 9, 15, 17, 31, südwestnorw. nr. 6 dritte band, 13, 14, 16, 19,
22, 23, 24, 26 dritte hand, 27, 28.
§ 16. Aus der menge von hilfsbüchern zum Studium der
aisl. und anorw. sprachen — die bisher fast nie gesondert
behandelt worden sind — mögen als die brauchbarsten hervor-
gehoben werden:
a) Laut- und flexionslehre:
L. F. A. Wimmer, Fornnordisk formlära, Lund 1874, ver-
glichen mit der vorrede zu dem lesebuche desselben Verfassers.
Die eigentliche formenlehre ist besonders gut, die lautlehre
knapp und jetzt veraltet.
Einen knapp gehaltenen leitfadeu für den anfänger bietet
A. Noreen, Abriss der altisländ. grammatik, 3. aufl., Halle 1913.
Eine geschichtliche darstellung gibt A. Noreen, Geschichte
der nordischen sprachen, 3. aufl. (im Grundriss 3 ), s. 1 — 34,
67-126, 162—230.
Einzelne gebiete behandeln ausführlicher u. a. F. Jönsson,
Det norsk-islandske skjaldesprog, Kopenh. 1901 (nur beitrage
zur flexionslehre); Norsk-islandske kultur- og sprogforhold i
9. og 10. ärh., s. 192 iL, Kopenh. 1921; J. Dorkelsson, Athuga-
semdir um islenzkar mälmyndir, Reykjavik 1874 ; Brey tingar a
myndum vidtengingarhättar, Reykj. 1887; Beyging sterkra sagn-
oröa, Reykj. 1888—94 (vgl. dazu Wadstein, Arkiv VIII, 83 ff.);
Islensk sagnorö meö f>älegri mynd i nütiö. Reykj. 1895; B. Kahle.
Die spräche der skalden, Strassburg 1892; S. Bugge bei Fritzner.
Ordbog, 2. aufl., B. III, 1101 ff.; 0. v. Friesen, Till den nordiska
spräkhistorien, Upps.-Leipz. I, 1901, II, 1906; H. Celander,
Om övergängen av d > d i fornisländskan och fornnorskan,
Lund 1906; B. Hesselman, Västnordiska studier I, II, Upps.-
Leipz. 1912, 1913; die einleitungen zu L. Larsson ; s ausg. der Isl.
handskr. nr. 645, 4« Lund 1885, und des Cod. 1812, 4°, Kopenh.
§ lij. Eiuleituii:;. "-' <
1883; H. Gering*^ ausg. der Finnboga Saga. Halle 1879. und
der Islendzk .-Eventyri I, Halle 1882 ; V. Dahlerup's ausg. des
Ägrip, Kopenh. 1880; der Arnamagnaeanischen ausg. der Hauks-
bök, Kopenh. 1892 — 6; E. Olson, Yngvars saga, Kopenh. 1912;
M. Olsen. Volsunga saga, Kopenh. 1906—08. u. a.; endlich
verschiedene — zum teil sehr wichtige — abhandlungen
u. a. von S. Bugge, Hj. Falk. K. Gislason. J. Hoffory, A. Kock.
E. Liden, Fr. Läffler. A. Xoreen, H. Paul, H. Pipping.
E. Sievers und E. Wessen in u. a. folgenden Zeitschriften:
Beiträge zur geschichte der deutschen spräche und literatur.
Halle 1874 lt.; Aarboger for nordisk oldkyndighed, Kopenh.
1866 ff.: Nordisk Tidskrift for Filologi (og Paedagogik), Ny
Raekke, Kopenh. 1874 ff., 3. Ra?kke 1892 ff.; Spräkvetenskap-
liga sällskapets i Uppsala förhandlingar 18S2ff.; Studier i
nordisk filologi, Helsingfors 1910 ff.; vor allem aber Arkiv for
nordisk filologi I— IV, Chra. 1882—88, Vff. (= Arkiv för nord.
öl., Ny följd I ff.), Lund 1889 ff. — Vgl. auch die eben erschienene,
für das nisl. wichtige arbeit von V. Guömundsson, Islandsk
Grammatik, Kopenh. 1922.
Das altnorwegische berücksichtigt — doch nur in einzel-
heiten — N. M. Petersen, Det danske, norske og svenske sprogs
historie II. 57 ff., Kopenh. 1830 (jetzt veraltet); Th. Möbius.
Ueber die altnordische spräche, s. 15 ff., Halle 1872; J.L.Jones.
The phonology of the Elis saga, Chicago 1897; H. Haegstad.
Gamalt trondermaal, Kra. 1899; Maalet i dei gamle norske konge-
brev, Kra. 1902 ; die einleitungen zu Sievers : ausg. der Tübinger
bruchstücke, Tübingen 1886; Vigfusson's ausg. der Eyrbyggja
Saga, Leipzig 1864: Keyser's und Unger's ausg. der Olafs Saga,
Chra. 1849, und der Barlaams Saga, Chra. 1851: Unger's ausg-
der Saga Piöriks, Chra. 1853; Groths ausg. der AM.hdschr.
310 qvarto. Chra. 1895: die AM. ausg. der Hauksbök, Kopenh.
1892 — 6; F. Jonsson, Konungs Skuggsjä, Indledning, Kopenh.
1920; aber vor allem die wichtige abhandlung E. Wadstein's
Fornnoi-ska homiliebokens ljudlära, Upsala (universitets ärs-
skrift) 1890, und Hagstads überaus reichhaltigen Unter-
suchungen Vestnorske maalfore fyre 1350, Kra. 1906 — 17. —
Ueber das • mittelnorwegische ' s. u. a. A. B. Larsen, Arkiv
XIII, 244 ff. (vgl. dazu Haegstad. ib. XV, 100 ff.) und H. Falk
und A. Torp, Dansk-norskens syntax, Kra. 1900, s. XI— XV-
28
S 16. Einleitung.
b) Stammbildungslehre:
Eine zusammenfassende und einigermassen erschöpfende
darstellung bietet A. Torp, Gamalnorsk ordavleiding (in Gamal-
norsk ordbok von M. Haegstad und A. Torp, Kra. 1906 — 9.
s. XXVIII IT.; auch separat). Einzelnes bieten: F. Kluge,
Nominale stammbildungslehre der altgerm. dialekte, 2. aufl.,
Halle 1899; F. Tamm, Om fornnordiska feminina afledda pä ti
och pä ißa, Upsala (univers. ärsskr.) 1877; W. Schlüter, Die
mit dem suffixe -ja gebildeten deutschen nomina, Göttingen
1875 ; K. v. Bahder, Die verbalabstracta in den germ. sprachen,
Halle 1880; L. Sütterlin, Geschichte der nomina agentis im
germanischen, Strassburg 1887; Hj. Falk, Die nomina agentis
der altnord. spräche (in Beitr. XIV, lff.), 1889; E. Hellquist,
Bidrag tili läran om den nordiska nominalbildningen (im Arkiv
VII, lff., 97 ff.), 1890 (sehr reichhaltig) und Om nordiska verb
pä suffixalt 4, -l, -r, -s och -t (ib. XIV, lff., 136 ff.), 1898;
T. E. Karsten, Studier öfver de nordiska spräkens primära
nominalbildning I, II, Helsingfors 1895, 1900 (vgl. dazu Falk,
Arkiv XIII, 196 ff.) ; E. Ekwall, Suffixet -ja i senare leden af
sammansatta Substantiv, Upps. 1904; J. Sverdrup, De gammel-
norske adjektiver paa -ligr og adverbier paa -liga, -la (in
Arkiv XXVII, 1 ff. und 140 ff.); 0. v. Friesen, Substantiv avledda
med suf fixet -ju in Xenia Lideniana, s. 235 ff.); W. Cederschiöld,
Studier över genusväxlingen i fornvästnordiska och forn-
svenska, Gotenburg 1913: F. Jönsson, Maskuline substantiver
pä -nir (Arkiv XXXV, 302 ff.).
Eine elementare Übersicht bietet F. Holthausen, Alt-
isländisches elementarbuch, Weimar 1895, s. 108 ff.
c) Syntax:
Das hauptwerk ist M. Nygaard, Norron syntax, Kra. 1906
(wozu Bemerkninger, Rettelser og Supplementer, Kra. 1917).
Einzelnes bieten noch G. Lund, Oldnordisk ordföjningslaere
(Nord. Oldskrifter XXIX— XXXI), Kopenh. 1862 (material-
sammlung) ; K. Hildebrand, Ueber die conditionalsätze und ihre
conjunctionen in der älteren Edda, Leipzig 1871 ; Th. Wisen.
Om ordfogningen i den äldre Eddan, Lund (univers. ärsskrift)
1865; E. Mogk, Die inversion von Subjekt und prädikat (in
I. F. IV, 388 ff.) ; A. Gebhardt, Beiträge zur bedeutungslehre
§ 16. Einleitung. 29
der altwestnordischen präpositionen, Halle 1896; L. Bernstein.
The order of words in old norse prose. New York 1897;
G. Xeckel, Über die altgermanischen relativsätze (in Palaestra V),
Berlin 1900; R. Vonhof. Zur entwicklung der germanischen
echten verbalcomposita im altwestnordischen, Bremen 1905;
V. E. Mourek, Zur altgerm. negation (in Sitzungsberichten der
k. böhmischen Ges. der Wiss.. hist. klasse 1905. VIII); T. Frank,
The use of the optativ in the Edda (American Journal of
Piniol. XXVII) ; B. Delbrück. Der germ. optativ im Satzgefüge
(in Beitr. XXIX) ; Germ, syntax II. Zur Stellung des verbums.
Leipz. 1911; Synkretismus, Strassburg 1907; Germ, syntax III.
Der altisl. artikel, Leipz. 1916; A. Musinowicz, Die Stellung
des attributiven Adjektivs im Aisl. und Anorw.. Riga 1911;
Sievers, Zur technik der Wortstellung in den Eddaliedern I,
Leipz. 1909 (Verhandl. der Sachs. Wiss. Ak.. Phil. -Hist, Kl.
XXVII, nr. 15); A. Akerblom, Bruket av historiskt presens
(Arkiv XXXIII. 293 ff.): K. Ringdal. Om det attribute adjektivs
Position i oldnorsk prosa, Kra. 1918; Fr. Dietrich. Über den
nordischen dativ (in ZfdA. VIII. 23 ff.); G. Vigfusson, Some
remarks upon the use of the reflexiv pronoun in Icelandic
i Transactions of the philol. society 1866, I, 80 ff.) ; M. Xygaard,
Eddasprogets syntax I, II, Bergen 1865, 1867; desselben ab-
handlungen über das hilfsverb munu in Aarboger 1878, den
gebrauch des partic, praes. in Aarboger 1879, den gebrauch
des konjunktivs im Arkiv I — III, subjektlose sätze ib. X, 1 ff..
particula expletiva er ib. XII, 117 ff., die Stellung des verbs
ib. XVI, 209 ff. und den gelehrten stil in Sproglig-historiske
studier tilegnede prof. C. R. Unger. Kra. 1896; H. Winkler,
(Der dativ und die örtlichen beziehungsverhältnisse im alt-
nordischen, in) Germanische Casussyntax I, 454 — 510.
Eine gute kurze Übersicht gibt A. Heusler, Altisländisches
elementarbuch, Heidelberg 1921 (s. 113 — 97); noch kürzer
F. Holthausen, Aisl. elementarbuch, Weimar 1895 (s. 132—89);
ausführlicher dagegen H. Falk und A. Torp, Dansk-norskens
syntax, Kra. 1900, passim.
d) Metrik:
Grundlegend sind die Abhandlungen von E. Sievers. Bei-
träge zur skaldenmetrik I— III in Beitr. V. VI, VIII; Das
30 § 16. Einleitung.
Verhältnis der ags. inetrik zur altnord. und deutschen, ib. X;
Proben einer metrischen herstellung der Eddalieder, Tübingen
1885. Einzelne ausführungen bieten ferner: Th. Wisen, Malahättr
im Arkiv III, 193 ff.; desselben einleitung zu Eiddara Rimur,
(Lund-) Kopenh. 1881; K. Hildebrand, Die versteilung in den
Eddaliedern, Halle 1873; J. Hoffory in Gott gel. anz. 1888,
s. 153 ff.; W. Ranisch, Zur kritik und metrik der Hamjnsmäl,
Berlin 1888; A. Heusler, Der Ljööahattr in Acta Germanica
I, 2), Berlin 1890, und Über germanischen Versbau, Berlin 1894,
bes. s. 93 ff.; E. H. Lind, Versifikation i Gulatingslagen (in
Uppsalastudier tillegnade S. Bugge, Uppsala 1892; B. Kahle,
Die spräche der skalden, Strassburg 1892; K. Gislason, Fore-
lsesninger over oldnordisk verslsere (in Efterladte skrifter II
= Forelaesninger og videnskabelige afhandlinger, s. 27 ff.).
Kopenh. 1897; H. Gering, Die Rhythmik des Ljööahattr (in
ZfdPh.), Halle 1902 ; H. Pipping, Bidrag tili Eddametriken (in
Skrifter utg. af Sv. litteratursällskapet i Finland LIX), Helsing-
fors 1903; B. Sjöros, Malahättr, Hfors 1906; H. Wenck, Die
alliteration im eddischen fornyröislag (Beitr. XXXI); B. Sijmons,
Die lieder der Edda I, ccxxff.; R. Leonhardt, Der Malahättr
der Atlamql, Halle 1907; L. F. Läffler, Om nägra underarter
av ljööahattr (in Studier i nordisk filologi IV, 1 und V, 5) ;
E. Noreen, Nägra anteckningar om ljööahattr (Meddelanden
frän nordiska seminariet, utg. av Ad. Noreen, 9), Upps. 1915 ;
Studier i fornvästnordisk diktning, Upps. (univers. ärsskrift)
I, 1921, s. 18 ff., II, 1922, s. 1 ff.
Eine kurzgefasste Übersicht geben E. Brate, Fornnordisk
metrik, 2. aufl., Sthlm. 1898; F. Jönsson, Stutt islenzk brag-
frseöi, Kopenh. 1892; E. Sievers, Altnordische metrik (im Grund-
riss 2 II, ii, s. 16 ff., Strassburg 1905); Th. Wisen, Carmina
norroena 1, 169 ff.; Lund 1886. Eine ausführlichere darstellung
bietet E. Sievers, Altgermanische metrik, s. 50 ff., Halle 1893.
e) Wörterbücher:
(R. Cleasby und) G. Vigfusson, An Icelandic-English dictio-
nary, Oxford 1874. Das reichhaltigste Wörterbuch (der pro-
saischen literatur), aber nicht immer ganz zuverlässig; die etymo-
logien sind oft gänzlich verfehlt. Hauptsächlich einen auszug
hieraus bietet G. T, Zoega, Old Icelandic dictionary, Oxford 1910.
§ 16. Einleitung. di
J. Fritzner, Urdbog over det gamle norske sprog. 2. ausg.,
I— EH. Kra. 1886—96. Besonders betreffs der flexionsformen
und der quantitätsansetznngen nicht immer ganz zuverlässig
(s. vor allem die wichtige schritt J. Thorkelssons. Anmaerk-
ninger til J. Fritzners Ordbog, Reykjavik 1913): legt anf das
semasiologische besonderes gewicht; berücksichtigt vorzugs-
weise den anorw. prosaischen Wortschatz.
K Hregstad und A. Torp, Gamalnorsk ordbok med nynorsk
tyding : Kra. 1909 ; kurz und bündig.
E. Hertzberg. Glossarium (in Norges gamle love Vj 2),
(hra. 1895. Enthält den Wortschatz der altnorwegischen
gesetze bis 1387.
S. Egilsson. Lexicon poeticum antiquae linguae septentrio-
nalis. Kopenhagen 1860; neue, sehr veränderte ausgäbe von
F. Jonsson, Kopenh. 1913— 16: enthält den poetischen Wort-
schatz bis gegen 1400.
J. Dorkelsson, Supplement til islandske Ordboger. Reykja-
vik 1876: Anden samling, Reykj. 1879—85; Fjerde samling.
Kopenh. 1899 (wichtig, bes. für die grammatik).
Th. Möbius. Altnordisches Glossar ("SVtb. zu einer auswahl
ai*l. und anorw. texte). Leipz. 1860.
H. Gering. Glossar zu den liedern der Edda. 4. aufl., Pader-
born 1915; ausführlicher Vollständiges Wörterbuch zu den &c.
Halle 1903.
L. Larsson. Ordförrädet i de älsta islänska handskrifterna.
Lund 1891. Absolut vollständiges Verzeichnis aller belegten
formen in den oben § 12. 1 — 9 und 15 genannten ältesten aisl.
hdschr.; ohne Übersetzung der Wörter.
G. T. Flom, The language of the Konungs Sknggsjä. I.
University of Illinois 1921. Vollständiges Verzeichnis der
nomina.
0. Rygh (von K. Rygh, A. Kja?r. M. Olsen, Hj. Falk und
A. B. Larsen fortgesetzt) Norske gaardnavne I— XVII. Kra. 1897
— 1919 (Forord og indledning. Kra. 1898); Norske fjordnavne
(in Sproglig-historiske studier tilegnede prof. C. R. Unger, Kra.
1896); Oplysninger til trondhjemske Gaardnavne, I,II,Trondhjem
(K. no. videnskabers selskabs skrifter) 1883, 1893; Gamle
personnavne i norske stedsnavne, Kra. 1901; Norske elvenavne,
Kra. 1904: vgl. K. Rygh. Bemarkninger om stedsnavne i den
32 § 16. Einleitung.
sondre del af Helgeland (in der norwegischen Historisk tids-
skrift 1,53 ff., Kra. 1871); Om gaardnavne in Nordland (in
Det k. no. videnskabers selsk. skrifter 1905, nr. 4); Nogle
bemerkninger om gaardnavne (ib. 1906 nr. 7); F. Jonsson,
Baejanöfn ä Islandi (in Safn til Sögu Islands IV, 412 ff.), 1911;
Islandske elvenavne (in Namn och bygdll, 18 ff.), 1914; Hj. Falk.
Altnordisches Seewesen (aus Wörter und Sachen IV), Heidelb.
1912 (über die schiffsnamen s. B. Kahle, I. F. XIV, 133 ff.);
Altnordische Waffenkunde (Vidensk. selsk. skrifter II", Hist.-
filos. kl. 1914 nr. 6); Altwestnordische Kleiderkunde (ib. 1918
nr. 3), Kra. 1919; 0. Nordgaard, Fiskenavnene i Snorres Edda
(Maal og minne 1912, s. 54 ff.); F. Fischer, Die Lehnwörter des
Altwestnordischen (Palaestra LXXXV), Berlin 1909; E. H. Lind,
Norsk-isländska dopnamn, Upps. 1905 — 15; Norsk-isländska
personbinamn, Upps. 1920 — 21.
Von grosser Wichtigkeit für das aisl. ist natürlich auch
das eben erschienene neuisländische Wörterbuch von Sigfüs
Blöndal, Islandsk-dansk Ordbog I (A-leggingarbönd), Kopenh.
1920—22.
f) Lesebücher für anfänger:
L. F. A. Wimmer, Oldnordisk laesebog, 7. aufl., Kopenh. 1916
(eine ganz vorzügliche arbeit).
H. Sweet, An Icelandic primer, 2. aufl., Oxford 1896 (ein
kleiner auszug aus dem vorhergehenden).
M. Nj^gaard, Udvalg af den norröne Literatur (I — III),
3. aufl., Bergen 1889 (ein sehr gutes buch).
H. S. Falk, Oldnorsk lsesebog, Kra. 1889 (gut).
F. Holthausen, Altisländisches lesebuch, Weimar 1896.
Treffliche kommentierte texte bietet die Altn. Saga-
bibliothek, hrsgg. von G. Cederschiöld, H. Gering und E. Mogk,
I-XVI, Halle 1891—1921.
Von texten mit glossar seien hier erwähnt nurW.Kanisch,
Die VQlsungasaga, Berlin 1891; A. Heusler, Zwei isländer-
geschichten, Honsna-Pores und Bandamanna saga, Berlin 1897.
Anm. 1. Sonstige hilfsbücher verzeichnen Th. Möbius' schon (§ 12
anm. 2) erwähntes Verzeichniss &c. und die bibliographie im Arkiv Iff.
Anm. 2. Betreffend die in dieser einleitung erörterten fragen vgl.
meine 'Allgemeine historische übersieht' im Grundriss 8 unter dem titel
Geschichte der nordischen sprachen, Strassburg 1913.
Lautlehre.
I. Abschnitt. Einleitendes über schritt und
ausspräche.
Kap. l. Die runen.
§ 17. Es kommen im alten norden drei verschiedene
runenalphabete vor. Das erste ist das. welches auch bei den
übrigen germanischen stammen im gebrauch war. Es wird
daher das germanische genannt oder, weil es im norden
von einem jüngeren abgelöst wurde, das ältere; wegen der
grösseren anzahl der zeichen wird es auch wol manchmal das
längere genannt. Die zeichen sind 24. von denen einige
von denjenigen, die in Deutschland und England im gebrauch
waren, abweichen. Mit lateinischen buchstaben transskribiere
ich im folgenden diese als
/' n J> a r k g ir . h n i j e p r s , t 5 e m l » o Ö.
welche hier in der Ordnung angeführt sind, die sie auf dem
brakteaten von Vadstena (wo jedoch d jetzt nicht sichtbar ist)
haben.
Dieses alphabetes bedienen sich alle urnordischen runen-
inschriften sowie zum teil einige aus der vikingerzeit.
§ 18. Welche ausspräche diesen zeichen im norden zukam,
ist natürlich schwer ganz genau zu bestimmen. Aller Wahr-
scheinlichkeit nach waren d, d. g wenigstens anfänglich zeichen
für stimmhafte Spiranten, für explosive nur unmittelbar nach
nasalen sowie als geminaten ; / war bilabial, nicht labiodental ;
w ein mitlautendes u ; h wol in den meisten Stellungen noch als
deutsches ch zu sprechen; ist wol r ein frikatives dorsales >•
Xoroe n. AJtisl. grramiii. 4. aufl. •>
34 § 19. 20. Die nuten.
(andere halten es für ein gingivales, lispelndes r); w drückt
palatalen oder velaren nasal (vielleicht auch dessen Verbindung
mit folgendem g) aus. Die übrigen zeichen sind wol wie in
der späteren spräche auszusprechen. Doch scheint a sowol
ce wie a zu bezeichnen. In späten inschriften wird der a-laut
auch durch die (etwas modifizierte, hier durch a bezeichnete)
j-rune ausgedrückt.
Anm. Etwas unsicher ist der lautwert des sehr seltenen e (geschlossenes
e oder offenes /? s. Bugge, No. I., s. 117 ff.; y, wie v. Grienberger, Arkiv
XIV, 121 f., vorschlägt, ist ja unmöglich, da dieser laut nach aller Wahr-
scheinlichkeit dem älteren urn. ganz fremd war).
§ 19. Dies runenalphabet, dessen sich die urnordischen
inschriften bedienten, wurde in der vikingerzeit durch ein
anderes ersetzt. Dieses jüngere runenalphabet ist aus dem
älteren entwickelt, hat aber nur 16 zeichen, weshalb es auch
als das kürzere bezeichnet werden kann. Weil es den
Skandinaviern eigen ist, hat es auch einen dritten namen,
das nordische. Dies ist in lateinischer transskription :
f u p q r k , h n i a s , t b l m ß.
Dieses alphabetes bedienen sich während der vikingerzeit
fast ausschliesslich, später nur teilweise (s. § 21), sowol die
ostnordischen als die westnordischen runeninschriften. Unter
diesen letzteren nehmen die meisten inschriften der insel Man
sowie sehr viele norwegische wie die von Oseberg (in der nähe
von Tönsberg ; gegen 850), Vang (in Valdres), Alvstad (Toten),
Honen (Ringerike) und viele auf Jaederen (s. Bugge, Aarboger
1899, s. 231) eine besondere Stellung ein durch verschiedene
eigentümlichkeiten der runenformen.
§ 20. Ueber die ausspräche dieses höchst mangelhaften
alphabetes sei hier unter vergleichung des aisl.-anorw. normal-
alphabetes (s. kap. 2 unten) nur folgendes bemerkt (vgl. Noreen,
An. gr. II, § 15; v. Friesen, Upplands runstenar, s. 77 ff.).
a entspricht sowol (unnasaliertem) a wie ce und q ; q be-
zeichnet die entsprechenden nasalierten laute.
i bez. i (sowol sonantisches wie konsonantisches) und e,
später auch ce; dann werden ce und e auch durch die Ver-
bindung ai, seltener ia, ausgedrückt; sonst bez. ai, ia die
diphthonge cei, ia (ice, ig).
§ 21. Die runen. 35
m bez. sowol u (sonantisches und konsonantisches) und o
wie y und 0, selten g\ später werden 0, g und auch durch
an ausgedrückt; sonst bez. au teils au, teils ey (und e«/).
/;, /, m, n, r, s sind die entsprechenden aisl.-anorw. laute.
Die nasale werden indessen gewöhnlich nicht vor den b- und
k- runen. oft auch nicht vor der £-rune ausgeschrieben, z. b.
kühl = kumbl, lilci = fangt, aitapis = cendadiss.
b, Je, t sind sowol mediae, resp. b, g, d, wie tenues, resp.
p, k, t\ ausserdem bez. b bisweilen stimmhaftes f (d), k oft
spirantisches g (<$-).
h bez. h und. besonders etwas später, spirantisches g (g).
a bez. frikatives r (vgl. § 18), selten e, ai oder t.
P bez. ]) und d.
Länge (sowol der vokale wie der konsonanten) wird nur
ganz ausnahmsweise (dann durch doppelschreibung der be-
treffenden rune) bezeichnet, z. b. truün = drottinn.
§ 21. Schon um 1000 zeigen sich spuren einer neuen
modifikation des runenalphabetes, die dahin zielte, die runen
in stand zu setzen, ebensoviele laute auszudrücken wie das
lateinische aiphabet. Diese bestrebungen gewannen ihren
abschluss durch die reform vorschlage, welche von Thoroddr
rünameistare (um 1125) vorgebracht und in der grammatischen
abhandlung Olafs huitaskäld (um 1250; hrsgg. von B. M. Olsen
in Den tredje og fjserde grammatiske afhandling i Snorres
Edda, Kopenhagen 1884) dargestellt wurden. So entstanden
allmählich die jüngsten runen, die punktierten (so ge-
nannt, weil einige der alten runen durch pünktchen modifiziert
sind) oder, wie sie auch wol (nach dem königlichen gönner
Olafs) genannt werden, Waldemarsruneh. Dies aiphabet,
das in transskription natürlich ganz mit dem lateinischen
alph. der gleichzeitigen altnord. literatur zusammenfällt, hat
schon im 13. jahrh. die kürzere runenreihe so gut wie ganz
verdrängt. Da aber seit dem 12. jahrh. das lateinische aiphabet
— auch für inschriftliche zwecke — immer häufiger angewandt
wurde, so schwinden allmählich die runeninschriften überhaupt,
in Norwegen im allgemeinen mit dem ende des 14. jahrhs., auf
Island dagegen erst nach der reformation. Aisl.-anorw. runen-
handschriften hat es wahrscheinlich nie gegeben.
3*
36 § 22. Das lateinische aiphabet.
Anm. lieber die eutstehung und geschichte der runen s. vor allem
teils das jetzt etwas veraltete hauptwerk von L. F. A. Wimmer, Die runen-
schrift, übersetzt von F. Holthausen, Berlin 1887 (vgl. dazu R. Henning, Die
deutschen runendenkmäler, Strassburg 1889, passim — dagegen Wimmer,
De tyske runemindesmaerker in Aarbeger 1894 und v. Grienbeiger, Arkiv
XIV, 114 ff. ; gute referate über Wimmers und Hennings arbeiten liefert
E. Brate in Sv. fornm. tidskr. VIT, 50 ff. und 247 ff.), teils und vorzugsweise
0. v. Friesens zeitgemässe darstellung in Hoops Reallexikon III, 5 ff. und
die dort s. 12 f. angeführte litteratur; weiter P. Gr. Thorsen 'Om runernes
brug til skrift udenfor det monumentale', Kopenh. 1877, und B. M. Olsen
'Runerne i den oldislandske literatur', Kopenh. 1883 (vgl. dazu (x. Storm
im Arkiv II, 172 ff. ; V. Dahlerup und F. Jönsson, Den ferste og anden
grammatiske afhandling i Snorres Edda, s. VI ff., Kopenh. 1886; F. Jönsson,
Den oldisl. og oldno. literaturs historie II, 246 ff. und 'Runerne i den no.-isl.
digtning og litteratur' in Aarbeger 1910). Eine gute, populär gehaltene
Übersicht bietet E. Alund 'Runorna i Norden', Stockh. 1904 (vgl. auch
E. Brate, Sverges runiuskrifter, Stockh. 1922). Eine sehr kurze, aber fach-
mässiger gehaltene», orientierende Übersicht gibt E. Sievers im Grundrisse
1, 248 ff. Beides doch jetzt ziemlich veraltet.
Kap. 2. Das lateinische aiphabet
§ 22. Schon etwas vor 1050 begann man die heimische
spräche in lateinischer schrift aufzuzeichnen, dies wenigstens in
Norwegen (s. oben § 15, ß, b), wol erst etwas nach 1100 auf Island
(s. § 12, B, b). Um den bedürfnissen der spräche zu entsprechen
musste aber das lateinische aiphabet einigermassen bereichert
werden. Deshalb wurde aus dem angelsächsischen y, p und
(später) ö entlehnt; ausserdem nahm man zu digraphen
(ce, cu, co u. d.), modifizierung der lateinischen buchstaben durch
'zweige' (%, p, ö u. d.) und accente seine Zuflucht. Diese reform-
versuche fanden — wenigstens was Island betrifft — durch
die ganz hervorragende orthographische abhandlung eines
unbekannten Isländers (um 1170, s. Haegstad, Yestno. Maalf.
Innleiding, s. 27 — 32; hrsgg. von V. Dahlerup und F. Jönsson
in Den forste og anden grammatiske afhandling i Snorres
Edda, Kopenh. 1886) ihren einstweiligen abschluss (die auf-
nähme des ö geschah erst um 1225).
Die Orthographie der handschriften ist natürlich sehr ver-
schieden; oft ist sie in derselben hdschr. sehr inkonsequent.
Im allgemeinen unterscheiden sich die anorw. handschriften
von den aisl. vorzugsweise durch folgende zwei eigentümlich-
>; 23— 25. Aussprache der vukaizeickeu. ; ><
keiten der Orthographie. 1. J> wird, ausser in den ältesten
westländischen denkmälern, fast nie im in- und auslaute
gebraucht, während es in aisl. hdschr. in dieser Stellung ent-
weder ausschliesslich oder neben Ö vorkommt. 2. gh kommt
oft (im aisl. selten) statt y in spirantischer funktion vor.
Anna. Ueber die Orthographie der handschriften vgl. vorzugsweise :
K. Gislason 'Um frumparta islenzkrar tüngu i fornöld', Kopeuh. 1846;
K. J. Lyngby 'Den oldnordiske udtale' in Tidskr. f. Phil, og Paed. II; Möbius,
Aualecta Norroena, 2. ausg., Leipz. 1877. s. 290 ff.; Hoffory, Arkiv II, lff. ;
Wadstein, F. Hom.; Htegstad. G. Tr., s. 31 ff., Gamalnorsk ordbok. s. X, und
vor allem Vestno. Maalf. Innleiding; G. T. Flom in Publications of the
Society for the Advaneement of Scandinavian Study II, 92 ff. (1914 — 15) und
in The Journal of English and Germanic philology XIV nr. 4, XVI nr. 3 ; die
einleituugen zu den in § 12 und § 15 erwähnten textausgaben (besonders
den in § 16, a nochmals angeführten); endlich Islands grammatiske litteratur
i middelalderen, udg. for Samfund til udg. af gammel nordisk litteratur,
Kopenh. 1884—86 und — besonders wichtig — Palseographisk atlas, Kopenh.
1905 (Schriftstücke aus der zeit c. 1150—1330) und >'y serie, c. 1300—1700,
Kopenh. und Kristiania 1907.
Das bisher in den meisten grammatiken und sehr vielen
textausgaben vorkommende normalalphabet nimmt auf die
Schreibung der ältesten und besten handschriften oder, was
auf dasselbe hinauskommt, die phonetische seile der spräche
allzu wenig rücksicht. Das aiphabet, dessen wir uns in dieser
grammatik bedienen, ist: aähddeefgh iiJclmnooprs
t u ti v x y y s ]> p 6 ce ce e 4.
I. Aussprache der vokalzeichen.
§ 23. a bezeichnet kurzes offenes, ä langes geschlossenes a.
Anm. Hier (wie im folgenden) wird zunächst die ausspräche um
1200 — die zeit der ältesten hdschr. — berücksichtigt. Später wurde a
wol im allgemeinen als langes offenes o (d) ausgesprochen (s. ij 107).
§ 24. e bez. kurzes (geschlossenes, im aisl. doch vielleicht
so wol geschlossenes wie offenes, vgl. § 103). e langes (ge-
schlossenes) e.
§ 25. i bez. sowol konsonantisches als sonantisches i:
1. Kons, i (nicht spirans j) unmittelbar vor vokal (z. b.
hiarta herz. sTciöta schiessen, dylia verhehlen) und in den Ver-
bindungen ei, oei.
Anm. 1. Die hdschr. haben vor vokal fast ausnahmslos i, selten im
inlaut gi (z. b. Agrip, s. Dahlerup's ausg. s. XXVII). Die Schreibung e
deutet in den allerältesten hdschr. vielleicht eine etwas verschiedene aus-
38 § 26 — 29. Aussprache der vokalzeichen.
spräche an; kaum aber wenn das e ganz ausnahmsweise in jüngeren
hdschr. (wie der anorw. Barlaamssage — § 15, 18 — und der einen hand
der Flateyjarbök — § 12, 24) vorkommt. Das in ' normalisierten ' text-
ausgaben (und im nisl. seit c. 1794) übliche j kommt nur sehr selten in
einigen anorw. und norvagisierend aisl. hdschr. (vgl. Wadstein, F. Hom.,
s. Ulf.; Groth, AM. 310, s. XXIX; Hsegstad, G. Tr., s. 33), vielleicht auch
ausnahmsweise im aisl. (s. Olson, Yngvars saga, s. XLV) vor.
2. Son. kurzes i in übrigen Stellungen; i ist der ent-
sprechende lange laut.
Anm. 2. Die in anm. 1 angedeuteten hdschr. haben sehr selten j in
der bedeutung von i oder i.
§ 26. o bez. kurzes, 6 langes geschlossenes o.
§ 27. u bez. sowol konsonantisches als sonantisches u:
1. Kons, u (nicht spirans v, w) unmittelbar vor vokal
(z. b. huar wo, suä so, JiQggua hauen) sowie in den Verbindungen
au, ou (qu).
Anm. 1. Nur einige von den ältesten hdschr. (wie z. b. Reykj. Maid,
erste hand und Rimb.) und vereinzelte späteren (wie die zwei ersten norw.
Schreiber derHauksbök) schreiben konsequent u vor vokal (s. z.b. L. Larsson,
Cod. 1812, 4°, s. XV, und Hb. s. XXIII, XXXIII); sonst ist die Schreibung
» häufiger; selten ist w. Auch kommt av (oder die ligatur w) statt au vor.
2. Son. kurzes u in übrigen Stellungen; ü ist der ent-
sprechende lange laut.
Anm. 2. Die hdschr- haben sehr oft v. Ob (wie Hb. s. LIII angenommen
wird) auch y bisweilen denselben lautwert haben kann, bleibt sehr
zweifelhaft.
§ 28. y bez. sowol konsonantisches wie sonantisches ü:
1. Kons, ü nur in den Verbindungen ey (cey, ay\ ey.
Anm. 1. Statt des seltenen ay kommt in den hdschr. auch av oder
die ligaturen ay, w vor.
2. Son. ü (geschlossenes und offenes) in übrigen Stellungen:
y ist der entsprechende lange laut.
Anm. 2. Die hdschr. haben oft u oder v.
§ 29. o bez. kurzes offenes o; 6 ist der entsprechende
lange laut.
Anm. 1. Die ältesten hdschr. haben p, o oder die ligatur w; später
kommt gewöhnlich o, bisweilen ao, au (w) vor. Die normalisierten aus-
gaben, besonders die etwas älteren, schreiben gewöhnlich, aber sehr irre-
leitend, nach Vorgang des nisl., ö, ein zeichen, das erst im 16. Jahrhundert
aus der deutschen schrift entlehnt worden ist.
Anm. 2. Später bez. g einen ö-laut (s. §115,2); p ist dann durch das
gleichwertige ä (s. § 23 anm. und vgl. § 107) ersetzt.
33. Ausspr. d. vokalzeicueu. : pr. d. kausomuitenzekhen. ; ">'.»
§ 30. et bez. kurzes, de langes offenes ä.
Anm. Die hdschr. haben statt ce (so besonders anorw.) auch e oder
p. sehr selten ae. Die normalisierten texte geben gewöhnlich, sehr un-
zweckmässig, den kurzen laut durch e. den langen durch (e wieder.
§ 31. o bez. kurzes (geschlossenes und offenes), s langes
(geschlossenes) ö.
Anm. Die hdschr. verwenden ausser ö und (in auorw. hdschr. fast
immer) o> — welche beiden verwandten zeichen wir hier aus praktischen
gründen durch e wiedergeben — nicht selten o, ey, eo (oft in alten aisl.
hdschr.), seltener io (s. M. Olsen, Volsunga saga. s. XXVII und die dort
note 2 zitierte literatur). Die normalisierten textausgaben verwenden im
allgemeinen — sehr unzweckmässig — ö oder o für den kurzen, ce für
den langen laut.
§ 32. Die nasalität, die tonstärke und die tonhöhe
der vokale werden in dieser grammatik — wie auch sonst
allgemein — der regel nach nicht bezeichnet.
Anm. Nur die in § 22 erwähnte alte orthographische abhandlung
bezeichnet die nasalität und zwar durch einen über das vokalzeicheu
gesetzten punkt, welcher bezeichnungsweise (,im wesentlichen) wir uns auch
ganz ausnahmsweise hier bedienen: z. b. ä'.
• § 33. Länge wird — wie wir schon oben gesehen
haben — durch einen über den vokal gesetzten akut (') aus-
gedrückt.
Anm. 1. Nur die ältesten hdschr. verwenden in dieser weise accente.
Die hdschr. des 13. jahrhs. bezeichnen die länge gewöhnlich nicht: die
noch späteren verdoppeln das vokalzeichen, wobei statt aa seit 1300 nicht
selten die ligatur ca gebraucht wird.
Anm. 2. Die hdschr. drücken durch den accent bisweilen vielleicht
den platz des haupttones, bisweilen nur den punkt des ?'. bisweilen diaeresis
aus; vgl. Wadstein. F. Hom., s. 122 f.
IL Aussprache der konsonantenzeichen.
§ 34. b, d, m, p, r, s, t. x sind etwa wie im deutschen
auszusprechen.
Anm. 1. Statt d haben die hdschr. nicht selten d (so z. b. das älteste
bruchstück der Gragäs, s. § 12, 2), selten Ö (z. b. in Agrip dann und wann,),
sehr selten p; vgl. Hoffory, Tidskr. f. Fü. N. R. HI, 294 f., Arkiv H, 25
note ; Haegstad. Kong. s. 23. Ueber das seit 1350 auftretende dh s. unten
§ 35 anm.
Anm. 2. In dem alveolaren r- laute, der durch r bezeichnet wird,
sind zwei laute zusammengefallen, die in runenschrift (doch nicht der
jüngsten) durch verschiedene zeichen ausgedrückt wurden : das tremulierende
r und das frikative r ; vgl. oben § 18 und § 20. Ob der unterschied in
40 §85 — 37. Aussprache der konsonantenzeichen.
einigen anorw. dialekten noch in literarischer zeit bewahrt ist und das r
also zum teil zwiefache geltung hat, bleibt unsicher. — Auslautend nach
einem konsonanten (wenigstens nach stimmlosem) ist wol r in den meisten
gegenden stimmlos gewesen (vgl. Sievers, Beitr. V, 457 note), z. b. uJcr,
upr, otr; so wol auch m nach s und fi, z. b. bgsm, meißm.
Anm. 3. Wo bei ableitung und flexion ks, gs entstehen, gebrauchen
die normalisierten texte diese etymologischen Schreibungen statt x, das in
den hdschr. auch in diesem falle oft vorkommt.
Anm. 4. Statt x hat Cod. AM. 655, 4°, fragm. III bisweilen z; vgl.
An. gr. II, § 49 anm. (anders Hoffory, Arkiv II, 83 note).
§ 35. Ö bezeichnet im anorw. (vgl. §44,2) die stimm-
hafte dentale spirans (engl, weiches ih)\ s. Wadstein, F. Hom.,
s. 107 f.
Anm. Sehr viele wnorw. (aber nur sehr wenige onorw.) denkmäler,
wie das steuerverzeichnis von Munkeliv, die erste band des Hoprekstader
notizbuches u. a. (s. G. Storm, Tidskrift for retsvidenskab 1890, s. 424, 43t f.;
Hsegstad, G. Tr. s. 35, Vestno. Maalf. Innleiding, s. 14 ff., und bes. Celander,
Om övergängen av d^> d, s. 31 note) verwenden ausschliesslich oder häufiger
alternativ p. Seit c. 1300 kommt d neben (wie z. b. schon in Oratio contra
clerum , s. § 15, 29, und Cod. Tunsbergensis, s. § 15, 30) oder statt Ö vor (s.
Hsegstad, G. Tr. s. 35; Celander, a. o. s. 38); noch später tritt bisweilen dh
auf, z. b. in dem 1394 geschriebenen gildestatut von Onarheim (hrsgg. von
M. Pappenheim in Ein anorw. schutzgildestatut, Breslau 1888, s. 160 ff.),
aber dann auch statt d. Ueberhaupt wird nach 1350 im allgemeinen nicht
mehr in der Orthographie zwischen Ö und d geschieden, sondern d oder dh
wird ausschliesslich gebraucht (s. Celander, a. o. s. 39 mit note 3 und s. 56).
§ 36. /' bezeichnet zwei verschiedene laute:
1. Bilabiales, später labiodentales f im anlaut (des Wortes
oder des Zusammensetzungsgliedes), vor k, s, t und in der Ver-
doppelung, z. b. fara, rifka, liiifs, Hüft, offra.
2. Bilabiales v (d), später labiodentales v in übrigen
Stellungen (wegen Cod. AM. 310, 4° vgl. Groth's ausgäbe
s. XXXIV f. und bes. Celander, Om övergängen av ö > d, s. 32
note 1), z. b. hafpa, erfa, kelfa, yefa, gaf, huarf.
Anm. 1. Die ältesten hdschr. schreiben oft inlautend v, die anorw.
auch u ; jüngere haben in dieser Stellung nicht seit, fu (anorw. bisweilen
fw, z. b. in Oratio contra clerum), bes. nach l, z. b. kcelfua.
Anm. 2. Ueber die bilabiale ausspräche des f s. Noreen, Arkiv 1, 297 f. ;
Hoffory, ib. II, 10 ff.; B. M. Olsen, Germania XXVII, 271 f. ; Mogk, ZfdA.
X,60f., 186.
§ 37. g hat sechsfache geltung:
a) Stimmhafter verschlusslaut (g) im anlaute, nach n und
in der Verdoppelung:
§ 38. 39. Attttpnche der koiisouantenzeiekeu. 11
1. palataler vor palat. vokalen, z. b. gefa, gilde, giant, leggia.
Anm. 1. Die hd<ekr. schreiben bisweilen gi (doch nicht vor i), s. z. b.
Hb.. B. XXXVII: Haegstad. G. Tr.. s. 36; Gering, Isl. Mr. I, XX.
2. velarer in übrigen fällen, z. b. gamaU. gr/pa. benign,
hoggua, dogg.
Anm. 2. Xach n kommt in anorw. (seit, in aisl., s. z. b. Ceder-
schiöld, Geisli. Lund 1873, s. XIII) hdschr. bisweilen gh vor, das wol eine
etwas verschiedene ausspräche andeutet.
b) Stimmhafte spirans (<§-) in- und auslautend (ausser in
der Verdoppelung, nach n und vor s, t):
1. palatale vor palat. vokalen sowie nach einem palat. vok.
auslautend und vor den meisten konsonanten. z. b. berge, segia.
•■eg. ngjja ; reg*.
2. velare in übrigen fällen, z. b. draga, dggom, biarga,
helgan. Icigjja, lag.
e) Stimmlose spirans (cÄ-laut) inlautend (ausser nach n)
vor s und t (vgl. Hoffory, Arkiv IT. 16 ff.):
1. palatale nach palat. vokalen, z. b. vegs. cigt
2. velare nach vel. vokalen, z. b. bl6]>ogs, blo^ogt.
Anm. 3. In ostiändischen, seit c. 1300 auch in sonstigen anorw. (seltener
und etwas später auch aisl.) hdschr. wird die spirans (sowol die stimm-
hafte wie die stimmlose) oft nach vokalen, bisweilen auch nach l, r durch
gh (wie im aschwed. und adän.) wiedergegeben. Selten und sehr alt sind
anorw. h und hg, jenes im Steuerverzeichnis von Munkeliv, dieses in AM. 655.
S. Haegstad, G. Tr., s. 36, und Vestno. Maalf. Innleiding, s. 12 f.
§ 38. h hat zweifache geltung:
1. h im allgemeinen, z. b. hafa, kimenn. So auch in den
(nur im isl. vorkommenden) Verbindungen hl. hn, hr, z. b. hlaupa,
hniga, hringr.
2. Stimmlose spirans (cä -laut) vor konsonantischen u
(wenigstens in den meisten gegenden. vgl. B. M. Olsen, Ger-
mania XXVII, 272 ff.) und i (wenigstens in gewissen gegenden.
vgl. anorw. Schreibungen wie Tiehnsical st. Hicelms call, Ticerundh
st. Hiarrandr, s. Eygh, Oplysn. s. 195, Gamle personnavne s.293,
oder Sgettelandia 1312, Schetland 1391 st. HialÜand), z. b. kuat.
hiarta,
§ 39. k hat zweifache geltung:
1. Palatales k vor palat. vokalen, z. b. kippa, rike, kiolr.
Anm. 1. Die hdschr. haben bisweilen ki (doch nicht vor i) — vgl.
§ 37 anm. 1 — oder ch (vgl. anm. 2).
42 § 40 — 42. Aussprache der konsonantenzuidien.
2. Velares k in übrigen Stellungen, z. b. kasta, kutya,
krefia, sok,
Anm. 2. Die hdsehr. haben oft c, c7t oder (vor konsonantischem u) q.
Viele der ältesten und besten hdsehr. (z. b. die oben § 12, 1. 3. 4. 7. 13. 15
erwähnten; gewissermassen. auch § 15,6) bezeichnen der regel nach das
velare k durch c, das palatale durch h (nur nach s auch durch c); andere
(z. b. Ägrip) bez. jenes durch c oder lc, dieses durch c/i (neben c und jfc).
§ 40. I hat wahrscheinlich zweifache geltung:
1. Dentales l anlautend und (fast immer) in unmittel-
barer Verbindung mit dental (doch nicht p, ö und vgl. 2 unten)
sowie in der Verdoppelung und wahrscheinlich auch nach
schwachtonigem vokal (s. Sjöros in Stud. nord. fil. VIII, 3,
s. 25 ff.), z. b. liös, halda, falla, Opal.
Anm. 1. Die hdsehr. schreiben oft 11 vor d, t, s. § 260.
2. Ein kakuminaler, zwischen r und l schwebender laut
('dickes' l) in übrigen fällen, z. b. Uiüfa, fliüga, tala, halfr,
folh, holmr, qI, valfia; auch hals, gln, mylna u.dgl., wo die Ver-
bindung von l mit dental durch synkope entstanden ist.
Anm. 2. Ueber ein eventuelles stimmloses l im inlaut s. § 238, 2, b.
Sicher war wol auslautendes l stimmlos nach stimmlosen konsonanten,
z. b. hasl.
§ 41. n hat dreifache geltung:
1. Dentales n anlautend und in unmittelbarer Verbindung
mit dental (ausser ]>, d) sowie in der Verdoppelung und wahr-
scheinlich auch nach schwachtonigem vokal (vgl. § 40, 1), z. b.
nenna, h^nd, gaman, alin.
Anm. 1. Die hdsehr. schreiben oft mi vor d, t, s. § 260.
2. Velares n (w) vor g, k, z. b. syngua, tgng, hpnk.
Anm. 2. Die hdsehr. bez. bisweilen diesen laut — oder auch oft die
Verbindung dieses lautes mit folgendem g (was sonst mit ng bezeichnet
wird) — durch ein besonderes zeichen: rj, ?j oder q. Nicht seit, kommt
auch nn vor, s. z. b. Hb. s. XLIX, Wadstein, F. Hom., s. 134.
3. Kakuminales n in übrigen Stellungen, z. b. knütr, mon,
venia, vanpa (urn. *ivanidö).
Anm. 3. Ueber ein eventuelles stimmloses n im inlaut s. § 238, 2, b.
Sicher war wol auslautendes n stimmlos nach stimmlosen konsonanten,
z. b. söhn, väpn, lausn, vatn.
§ 42. v bez. bilabiales v (5), später labiodentales i?.
Anm. Die hdsehr. haben oft u, seit, w oder (s. z. b. Hb., s. L1V) y.
§ 48. 44. Ausbräche der konsuiianieuzeichen. 43
§ 48. 8 ist ursprünglich (d. h. bei der einfiihrung des
lateinischen alphabetes) nur in der bedeutung von ds gebraucht
worden. Aber schon in den ältesten der uns erhaltenen hdschr.
tritt es — in folge des lautlichen Überganges von ds in ts
(§ 245, 1) — auch (und zwar häufiger) in der bedeutung von
ts auf. weshalb es in dieser grammatik nur für ts gebraucht
wird. Noch später bezeichnet es — in folge des Überganges
von intervokalischem ts in ss (§274,2) und des Schwundes
von t vor antekons. s (s. § 303, 2) — zwischen vokalen ss und
vor konsonanten s. Vgl. Wadstein, F. Hom.. s. 118 f.: Mogk.
AfdA. X. 65 f.; Gering. ZfdPh. XYI, 380; Hoffory. Arkiv IX 79 ff.:
Gislason. Xjala IL »326 5.: Groth. Det AM. haandskrift 310, 4»
s. XXXVI ff.
Anni. Statt 8 kommt, bes. in den ältesten hdschr., auch ds. ts vor.
Hie und da wird ausnahmsweise p gebraucht (s. u. a. Specht . Acta ger-
manica HI, 1. s. 12: Gislason, Um frumparta s. 98 f.; Gering, Isl. -Ev.
I, XVIlIf. Pipping. Stud. nord. fil. Y, 6, s. 17 f. und daselbst angeführte
literatur).
§ 44. ß hat (im aisl.) zweifachen lautwert (im anorw.
nur den unter 1 angegebenen) :
1. Stimmlose dentale spirans (engl, hartes th) anlautend,
nach k, jp und vor fc, s. z. b. ßungr. fylkßa. hleypßa, rißJca.
baPstofu.
Anm. 1. Die ältesten anorw. hdschr. haben im anlaut auch die
majuskel £>, welche wol nur eine andere form des/) ist: im 13. jh. kommen
anlautend sowol D wie Ö in der bedeutung von ß auch (aber sehr seit.)
in aisl. hdschr. vor. Einige, vorwiegend anorw., hdschr. haben th, das
seit c. 1450 alleinherrschend ist (s. Hsegstad, Yestno. Maalf. II, 2, i, s. 58). —
Die meisten normalisierten textausgaben schreiben in- und auslautend Ö.
2. Im aisl. (vgl. § 35) stimmhafte dentale spirans (engl,
weiches th) in übrigen Stellungen, z. b. ntejtan. verpa, baß, leifp,
garßr (= anorw. medan usw.).
Anm. 2. Die ältesten (aisl.) hdschr. zeigen nur seit, d oder (wie
AM. 677, 4°, älterer teil, s. § 12, 13. selten, jüngerer teil konsequent; Cod.
Reg. der Eddalieder, s. § 12, 17, oft) d. Seit dem anfang des 13. jahrhs.
kommen p und Ö (das immer häufiger wird) promiscue (konsequent Ö in der.
wahrscheinlich von einem norw. schreiber herrührenden, teilungsurkunde von
Spakonuarfr, s. § 12. 11) vor. nach 1350 d (sporadisch noch p, s. Kälund,
HeiÖarviga Saga. s. XXIV, M. Olsen, VQlsunga saga, s. XLIV). S. weiter
Celander. Om övergängen av Ö > <l. s. 42 ff. : Hsegstad. Vestno. Maalf. Inn-
leiding, s. 16.
44 § ib. Ausspr. d. konsonantenzeieken. § 16. 47. Phonetische übersieht.
§ 45. Länge (" geniin ation") wird durch doppelschreibung
des betreffenden Zeichens ausgedrückt.
Anm. Die hdschr. drücken die länge auch durch grosse buchstaben
oder durch ein über den konsonanten gesetztes pünktchen aus. Neben kk
kommen cc, ck ("so z. b. in der Hauksbök regelmässig), kc (bes. in öl. hei.
leg. saga) vor. Viele hdschr. bezeichnen ss mit s , aber s mit f (s. Sjöros,
Stud. uord. fil. VIII, 3, s. 5; G. Indreba, Sverris saga, s. XXVI).
III. Phonetische Übersicht.
Das alt westnordische lautsystem um 1200 war also
mit dem jetzt erörterten normalalphabete ausgedrückt
folgendes :
§ 46. Sonanten (nur vokale) :
Palatale
Velare
od. Hintere
Ohne labialisierung : a ä
Mittlere
ce db e
Vordere
e i l
\Q $
Labialisierte:
o 6
u ü
y y
§ 47. Konsonanten :
Labiale
Oentale
I'aUiale
u. Velare
Halbvokale: u; y
*i y
Liquidae: stimmhafte: —
1 tt; r n
—
„ stimmlose: —
l r
—
Nasale: stimmhafte: m mm
n nn
n
„ stimmlose: m
n
— •
Spiranten: stimmhafte: . ' ,
* (in- u. ausl
f
f aisl. p
|anorw. d
9
„ stimmlose: /' ff
(#=s=ts, sc
p S SS
= ks) |anl.A
|inl./7
Explosivae: stimmhafte: b bb
d dd
9 99
„ stimmlose: p pp
t tt
K n/h-
(x — ks).
Hierzu kommen laryngales h (hauchlaut) und kakuminale
l, n. Ueber kakuminale d,
n, s, t
s.
§ 252.
§ 48. 40. Phonetische Übersicht. § 50. Nasalierung. 45
§ 48. Eine Verbindung von einem sonantischen und einem
konsonantischen vokale nennt man diphthong. Solche kommen
im aisl.-anorw. in grosser anzahl vor und sind zweierlei art :
1. Fallende, die mit dem sonanten anfangen: (vorzugs-
weise aisl.) au, ei, ey, resp. (vorzugsweise anorw.) ou (ou). tm,
cey (ay) und ey: anorw. auch dialektisch cei.
2. Steigende, die mit dem konsonanten anfangen: kurze:
ia, ie (aisl.), io, iic, iy. ig, ice (vorzugsweise aostnorw.), ie; ua,
ue, ui, uo (misl.), ug, uce (vorzugsweise anorw.), ue; lange: id,
ie (aisl.), io, iü, ig, ie: ud. ue, ui, uo\ uce, ue.
Anm. Aach einige triphthonge (Verbindungen von einem sonan-
tischen mit zwei konsonantischen vokalen) hat das aisl.-anorw. aufzuweisen :
uei (ucei), z. b. in stieigia biegen, uey (ucey) und uey, z. b. in kueykua,
kueyJcua beleben; endlich iau (iou), uau (uou) in je einem einzigen bei-
spiele: siau sieben, tuau zwei.
§ 49. Ihrer quantität nach treten — wie wir schon
oben gesehen haben — sämtliche vokale und explosivae.
stimmloses f, stimmhaftes m und r, dentales stimmhaftes l
und m. endlich s sowol als kurz wie als lang ("geminiert") auf.
Unter "lange (stamm)silbe' verstehen wir im folgenden
diejenige, die entweder einen laugen vokal (oder diphthong)
mit folgendem konsonanten oder einen kurzen vokal mit zwei
folgenden konsonanten (ausser gy) enthält, z. b. (tef, eig-a, hdld-a.
Eine ; kurze (stamm)silbe' ist dagegen vorhanden, wo ent-
weder ein kurzer vokal von nur einem konsonanten (oder gy)
gefolgt wird, oder die silbe einen langen vokal (oder diphthong)
ohne folgenden konsonanten enthält, z. b. far-a, egg, lü-a, dy-ia.
Anm. reber die metrische geltung einer silbe s. Sievers, Beitr.
XV, 401 ff., bes. 410; Altgerm, metrik, s. 58 f.
§ 50. Alle vokale (auch diphthonge) können auch als
nasalierte vorkommen. Hauptsächlich aus der alten (in § 22
oben erwähnten) orthographischen abhandlung wissen wir,
dass um 1170 nasalität wenigstens im aisl. in folgenden fällen
da war (& Noreen, Arkiv III, 1 ff.. 36 ff.: Bugge, ib. II, 230 ff.;
Kock. Arkiv XVII, 179 f., 185 ff., Svensk ljudhistoria IV, 467 ff.):
1. Unmittelbar vor nasal (nur nicht wenn diese Stellung
durch an. synkope entstanden ist), z. b. sy-na zeigen (aber syna
gen. pl. von f. syia). rcnmr stark, vämr gewöhnt.
46 § 51. Betonung.
2. Unmittelbar nach nasal, wenigstens wenn die silbe
starktonig oder halbstark (s. § 51 anm. 1) ist. z. b. m&r mir,
pl. framer zu frwmr unverschämt.
Anm. 1. Nach ausweis der inschrift von Eggjum (c. 700) — wo die
fälle 1 und 3 belegt sind — war die nasalierung in diesem falle damals
noch nicht eingetreten; s. M. Olsen, No. I., 111,111.
3. Wo ein urnordischer nasal nach einem starktonigen
(oder halbstarken) vokale fortgefallen ist, z. b. i' in, nom. pl. f.
6'rar unsere; alt auch etcc essen u. dgl. (während gialda ver-
gelten u. dgl. noch früher, vielleicht schon urn., die nasalie-
rung aufgegeben hat ; vgl. anm. unten.
Anm 2. Wie lange in diesem falle ein schwachtoniger vokal nasaliert
blieb, bleibt für das aisl. unsicher. Im anorw. war — wenigstens nach
der Frösöer inschrift zu urteilen — in diesem falle schon um 1050 die
nasalierung nicht mehr da, z. b. kirua (d.h. gerua aus -an) machen; s.
Noreen, Arkiv III, 31 ff.
4. Wo schon in urgerm. zeit ein nasal hinter einem stark-
tonigen vokale fortgefallen ist, z. b. fds'r empfängt, &re jünger,
]>H feile, hä'r hai.
Die nasalierung schwindet allmählich, wol zu sehr ver-
schiedener zeit in verschiedenen gegenden.
§ 51. Ueber die altwestm betonung ist bis jetzt nur
verhältnismässig wenig genauer ermittelt worden. Es lässt
sich aber vermuten, dass sie im wesentlichen mit derjenigen
des ältesten altschwedisch übereinstimmte; vgl. meine dar-
stellung im Grundriss 3 4 =±= Geschichte der nord. sprachen 3 ,
s. 90 ff., § 54. Hier sei nur in aller kürze folgendes bemerkt:
In betreff des exspiratorischen akzents konnte eine silbe
entweder haupttonig, stark nebentonig, schwach nebentonig
oder unbetont sein. Die haupt- und stark nebentonigen Silben
fassen wir als starktonige, die andern als schwachtonige
zusammen.
1. Der haupt ton ruht der regel nach:
a) In zusammengesetzten Wörtern auf der Wurzelsilbe des
ersten gliedes. Jedoch gibt es nicht wenige Wörter, bei denen
die Wurzelsilbe des letzten gliedes wenigstens alternativ den
hauptton trägt. Solche sind die meisten auf for- (fyr-) 'ver-',
of- 'allzu' und tor- 'schwer', z. b.forbop verbot, ofmiok zuviel,
torkenna unkenntlich machen; viele auf ä- 'an-', iafn- 'eben-'
§ 51. Betonung. W
und ü- (neben haupttonigem 6-) ; un', z. b. äsiöna ansehen,
iafnsterhr ebenso stark, uhreinn (aisl. neben gewöhnlicherem
ühreinn; umgekehrt anorw. öfter ürceinn als orceinn) unrein;
ausserdem eine menge einzelner Wörter mit einsilbigem ersten
glied, insbesondere solche, wo sowol das erste wie das zweite
glied langen vokal haben, z. b. mishmn erbarmen, fdtökr arm,
gäleyse Unachtsamkeit, framfarenn gestorben, hordomr hurerei,
ret(t)Idtr rechtfertig, hugsJcot gemüt, ndlcegr anliegend, Mtip
fest, die Zahlwörter auf -tan (nicht aber -tiän) wie sextdn
sechzehn u. a. m. Weil die hdschr. nur ausnahmsweise den
platz des haupttones angeben (s. § 33 anm. 2), und die metrik
uns auch oft im Stiche lässt, sind wir in vielen fällen darauf
beschränkt, mit hilfe der lautlichen Verhältnisse — wie sie
im folgenden werden erläutert werden — konstatieren zu
können, dass bei einem worte die letzterwähnte betonungs-
weise wenigstens einst vorhanden gewesen ist, z. b. forynia
(aus *for-rynia) vorbote, Purtyr (*Purfripr) ein frauenname;
bisweilen geht sogar aus der lautentwickelung hervor, dass
die früher vorhandene accentuierung mit haupttonigem letzten
gliede schon zugunsten der gewöhnlicheren betonungsweise
gewichen ist, z. b. ellefo (ellifo. *ainlidu) elf. Oft stehen
nebeneinander doppelformen, die infolge der alternativen be-
tonung lautlich mehr oder weniger verschieden gestaltet sind,
je nachdem das erste oder zweite glied den hauptton trägt
oder einst getragen hat, z. b. Uk(h)amr : likamr körper, fost(r)-
syster-.fosyster pflegeschwester, Grik{k)land : GirMand Griechen-
land, anorw. bryllaup (s. Hsegstad. Vestno. Maalf. II, 2, i, s. 32)
ibr tUmp hochzeit; liQrfiar: Harfiangr.
b) In einfachen Wörtern auf der Wurzelsilbe. Jedoch
dürfte in einzelnen fällen die ableitungssilbe, wenigstens alter-
nativ, haupttonig gewesen sein; so besonders in vielen mit
-ing- und -ung- abgeleiteten Wörtern, z. b. prening dreieinigkeit,
mining erinnerung. kening poetische Umschreibung, teningr
Würfel neben resp. firenneng usw. mit haupttoniger Wurzel-
silbe.
2. Starker nebenton tritt in folgenden fällen auf:
a) In zusammengesetzten Wörtern auf der Wurzelsilbe des
nicht haupttonigen gliedes, z. b. kirkiogarpr friedhof. Doch
48 §51. Betonung.
ist das letzte glied schwachtonig in artikulierten noroinal-
formen, z. b. barnet, -eno das, dem kind. sowie in vielen sonstigen
Wörtern, denen das gefühl der Zusammensetzung abhanden
gekommen ist, z. b. Airehr (* Al-rikr), Hamper (älter Hamper),
SigurPr (*Sig-wgr(ir), J)anneg (*pann-weg) dorthin, nekkuat
{*ne-wmt-ek-hwat) etwas, tottogo zwanzig.
b) In einfachen Wörtern auf sehr vielen ableitungssilben
zum teil aus alten Zusammensetzungsgliedern entstanden), wie
-and, -ind, -und, -ing, -ung, -em, -ug, -ul, -ur (s. Neckel, Beitr.
XL, 48 ff. und 65) und noch anderen (wofern sie nicht haupt-
tonig sind, s. 1, b), z. b. eigande besitzer, sanninde Wahrheit,
tiund zehnt, vikingr vikinger, lausung falschheit, faperne väter-
liche seite, haupangr Stadt, apaldr apfelbaum, heimill von
rechtswegen gestattet u. a.; vgl. § 78 (schluss). Dialektisch
können doch auch diese silben schwachtonig sein, z. b. fiande
(pl. fiandr — s. Gislason, Njäla II, 235 f. — nach § 64) neben
dem aus fiande (mit starktonigem -and-) entwickelten fiande
und, mit anschluss an ftä hassen, fiande (pl. fiandr, anal, neu-
gebildet nach dem sg. statt *fiendr, vgl. büendr zu buande
u. dgl.) feind u. a. m., s. § 64.
3. Schwacher nebenton kommt der regel nach der-
jenigen silbe zu, die in einem einfachen wort unmittelbar
auf eine haupttonige silbe folgt (wofern jene nicht starken
nebenton hat), s. 2, b, z. b. tunga zunge, kallape rief. Doch
fehlt jedweder nebenton in den meisten zweisilbigen kom-
parativen z. b. starre grösser, yngre jünger, färre weniger,
betre besser (aber meire grösser, fleire zahlreicher mit neben-
toniger ultima); ausserdem in einzelnen Wörtern, z. b. nio
neun, tio zehn, deren anzahl mit der zeit immer zunimmt.
Ueber den grund dieser Verschiedenheit s. Noreen, Geschichte 3 ,
s. 93 und (kaum annehmbar, aber anregend) Pedersen, Arkiv
XXVIII, 1 ff.
Anm. 1. Wenn die haupttonige silbe kurz ist, so ist früher — und
wol noch in gewissen, bes. anorw. dialekten — der folgende nebenton
etwas stärker ("halbstark") gewesen, z. b. gata gasse, tälape redete.
4. Unbetont ist eine silbe in allen übrigen fällen; natür-
lich auch die Wurzelsilbe proklitisch oder enklitisch stehender
Wörter, z. b. epa oder, mepan während, ehe (neben betontem
eiche) nicht, pikia (bet. pykkia) dünken usw.
$52. Pie uni. sonanten. $6& Die starkton. silben. Fm. Vorgänge : #. 44*
Anm. 2. Vgl. noch u. a. Wadstein. F. Hom., s. 122, 125; Bugge, Xorrceu
fomkvseöi, s. 36 note. Aarbeger 1884, s. 87 f.; Jessen, ZMPh. II, 139 f.:
Sievers, Beitr. VIII. 75; L. Larsson, Arkiv IX, 122 ff.: Beckman, ib. XV. 74 ff ;
i'raigie. ib. XVI , 360 ff. ; Falk. ib. IV, 358; Kock, Aceentuierung s. 89f.,
208 ff. und bes. 219 ff. Vgl. aber besonders die bedenken E. Noreens, Studier
i fornvästnordisk diktning. s. 47 ff. (Upps. 1921).
II. Abschnitt. Die sonanten.
§ 52. Das lirnordische übernahm ans urgerra. zeit folgende
sonanten:
Kurze: a. e. i. o (das nur schwachtonig vor m da war), u.
Lange: ä, e, 7, ö. 77, ä:
Dazu kamen mehrere diphthonge:
Fallende: a% an, tu. Steigende: wo, we, ><i: wü, >re, ivl. wß.
Diese vokale (und diphthonge) waren nasaliert, wenn ein
nasaler konsonant unmittelbar nachfolgte oder doch in urgerm.
zeit nachgefolgt war; ä scheint immer nasaliert gewesen zu
sein und zwar aus letztgenanntem gründe.
Die entwickelung dieser laute innerhalb des (urnordischen
und) altwestnordischen wurde durch folgende lautgesetze
bestimmt.
Kap. l. Lautgesetze der starktonigen silben.
A. Qualitative Veränderungen.
I. Urnordische Vorgänge. 1 )
§ 53. a> in starktoniger silbe (vgl. anm. 2) ist schon in
den ältesten um. Inschriften zu a geworden, z. b. c. 250 Vi
makia (got, mekeis) 'schwört' und marihai ein mannsname
(vgl. aisl. mceringr zu got. mcrs), c, 275 Torsbjaerg -maria (got,
mers) 'berühmt' und c. 400 Möjebro frcucaradan (vgl. got,
redan) ein mannsname: vgl. ferner aisl.-anorw. f/rdta (got,
grstan) weinen, mdne (got, mena) mond usw. Die meisten
an. ä sind in dieser weise aus älterem ö 5 entstanden.
x ) Hier werden nicht aUe solchen Vorgänge aufgeführt, welche
möglicherweise oder gar wahrscheinlich, sondern nur diejenigen, welche
unzweifelhaft aus um. zeit stammen. Die um. umlaute und der Übergang
//?> eR werden jedoch erst später (§ 58 ff., reap. § 106, 2 mit anm. 3) behandelt.
Noreen, Altisl. «ramm. i. aiii'l. 4
• r )0 § 54. Urnordische Vorgänge: ai.
Anm. 1. Die annähme Wimmers (bei Burg, a. 153), dass spuren eines
älteren um. a> noch in einigen finn. lehn Wörter erhalten seien,, ist (trotz
Thoinsen, Ueber den einftuss s. 123, Beröringer s. 30 note, Samlede Afhand-
linger II, 163, jetzt aber anders s. 251; Bugge, No. I. s. 153 und 305 note;
Setälä. Journal de la Societe finno-ougrienne XXIII, 1, s. 17 f.) glänzend
bestätigt worden durch die aufspürung von mehr als ein dutzend finn.
und ein paar läpp, lehnwörtern mit ie aus e aus «, z. b. finn. lieko (aisl.
16g) 'liegender baumstamm', mielcka 'schwert' (s. oben), rievä 'frisch'
(aisl. hrär 'roh'), läpp, riekko '36 pfund' (aisl. vög 'gewicht') u. a., s. Wik-
lnnd , Entwurf einer urlappischen lautlehre , s. 164 ff . , Le monde oriental
V, 219 ff.; T. Karsten, I. F. XXII, 292, Germ.-finn. lehnwortstudien, s. 80 f.
(und die dort zitierte literatur), und Fragen aus dem Gebiete der germ.-
finn. Berührungen, s. HOL, Hfors. 1922; H. Pipping, Förhandlingar och
nppsatser 31, s. 374 ff., Helsingfors 1918.
Anm. 2. In schwachtoniger silbe ist OB (zwar durch a bezeichnet,
aber seinem lautwert nach) einstweilen erhalten. Ueber dessen folgende
entwickelung s. § 138.
§ 54. ai wird schliesslich in den meisten Stellungen zu
m, z. b. urn. Kragehul halte (Lindholm hate ist statt haue ver-
schrieben), brakteat von Seeland haiti > anorw. Jueiti, aisl..
daraus entwickelt, heite heisse; Tune staina > stein stein;
Reistad wraita > reit ritzung : Björketorp JiAiÖR- > hei]>r ehre.
In folgenden Stellungen wird es aber zu ä kontrahiert:
1. Vor (später geschwundenem) h. In den ältesten in-
schriften steht noch ai, z. b. Einang c. 375 und Vetteland
c. 400 faihido malte, noch Overhornbsek c. 575 (archaisierend?)
Aih? (und Fonnäs c. 550 aih?) = aisl.-anorw. d besitze, aber
schon Rö c. 450 fahido malte, Äsum c. 475 (und St. Noleby
c. 600) falii male. Sonstige beispiele sind: für (got, faihs)
schimmernd, fldr (vgl. got. piaihan) hinterlistig, mar (mör
§ 77, 2 ; ahd. meh) möwe, län (neben dem d. lehnwort Un lehn)
darleihe, cett (vgl. § 63, 2 ; got. aihts) familie, tö (vgl. § 77, 2)
zehe, rö reh, ?sdld eimer zu sdr (litau. sa'ikas, s. Liden, Uppsala-
studier s. 81 f.) zuber, Hd(a)rr (< *haihaharin zu got. haihs.
lat. caecus, s. Detter, Beitr. XIX, 503 note) ein Odinsname.
2. Vor (ursprünglichem) r. Urn. beispiele fehlen (Rö saira-
ist unsicher); spätere sind: Ar (got. air) früh, sdr (got. sair)
wunde, sdrr (finn. sairas) verwundet, harr (ahd. her) grauhaarig,
dma (vgl. aschw. cBrna, got. airinön) ausrichten, örr (got. uirus)
böte, ör (finn. airo) rüder, skcerr (*8kairin ; und nach § 64 ? iipp-,
nisl. nphi-skarr offenbar, vgl. Karsten, Stud. öfver de nord. spr.
£ 54. DnMfdJsehe Vorgänge: mi. 51
prim. nominalbildning 11.272. und Psllander in Xeuia Lideuiana.
s. 234: vgl. noch skirr. got. sJceirs) hell.
Anm. t. Vor R tritt dagegen kontraktion nicht ein. z.h.or (got.
mir) bronze. meire (got. mnizo) grösser, (fein (urgerm. latinisiert gmimt)
ger u. a. Ags., resp. d. lehnw. sind khra (vgl. got. laisja») lehren, ctra
ehren (echt nordisch eint rücksicht nehmen).
3. In stark nebentoniger silbe (s. § 51. 2) und zwar:
a) Vor dem haupttone, z. b. d (zu ey "immer', got. diu i
in fällen wie d mepav -stets" (Kock. Arkiv VII, 177) oder
Ovalt (< :: ä>r-aUt. got. am aUata, s. v. Friesen. R spr. 1. 14 t;
später volksetymologisch of valt, of alt, um alt) 'immer', ebenso
nnorw. dmi/rja neben aisl. rimyrim heisse asche: mit später
gekürztem vokal (s. § 127, 1) nakknahr (< *nakkwarM < *ne-
wati-ek-hwdrix) neben nekkuarr (< *nmkkwwrm § 82, 6 < *ne-
wdit-ek-hwariM) irgendein, ellefo {ce'Uefo § 127.6 < allitm § 65
< *än-li% vgl. got. oi»Ubim) elf.
Anm. 2. Biifyer (got. bai pai) beide' kann — unter annähme
späterer Verschiebung des haiipttones — hierher gehören; aber das o kann
anch vom acc. bäfia (got. bans pamäj aus weiter verschleppt worden sein.
bi Nach dem haupttone. z.b. Porldkr u. a. mannsnameu
auf -War neben (wol etwas anders betontem) dat. Parleikr
usw., Öldfr (woraus nach § 151, 1 Ölafn und andere manns-
nameu auf -Idfr neben dat. Olafe (s. Hesselman in Minnes-
skrift utgiven av Filologiska Sanifundet i Göteborg 1920.
s. 55 f.). wozu das entsprechende fem. Olaf aus -löf. *-UÜm
{& § 151,5) usw., latinisiert Hal(l)$tamis (st. HnJlsteinn) u. dgl.
namen (wozu der kurzname anorw. Stäme st. Skemi); anorw.
so wol (erfceöe (und -ade. s. § 64, § 151. 1) arbeit (aber kaum
andiäte antlitz. s. § 64 und Ekwall. Suffixet ja. s. 57 note) als
mannsnamen wie Momamr (ahd. -heim, s. Lundgren. Uppsala-
studier, s. 18 note). Undss Hieben aisl. imem trefflich), run. (auf
Man) Ufaak (d. h. Ofdij. aisl. Öfei(i) und Purhlbr (aisl. Porleifr:
s. Bugge. Aarboger 1899, s. 239). Hierher mit früh gekürztem
vokal auch dkafr eifrig (ags. cdf. s. Björkman. Xordiska studier,
s. 168), heraj) bezirk (ahd. herimita. s. Tunberg, Studier rörande
Skandinaviens äldsta politiska indelniug, s. 40 ff.), die vielen
mannsnamen auf -am (aus *-[g\ltaaa neben -geirr). z. b. Porom
neben Porgewr (entlehnt air. Tomrair 847, resp. Taraair 1171).
Braawr {*Hrö6wü*M s. § 228. § 151. 1) neben Hropgein: trauen-
4*
o2 § 55. 56. Urnordische Vorgänge: au. en.
namen wie anorw. (s. Rygh, Gamle personnavne, s. 198 und
230) Iiognog, Bgnnog, Sglog (aus *-vög nach § 151.5) neben
liggncwig, Jianncwig, Sglvwig, sowie nafarr (*nada[$]äRa/i, Ann.
napahaira, ahd. »«hager) b obrer, das negierende verbalsuffix -at.
-(( (got. ainata, resp. ain\ also ursprünglich gleich '[nicht] irgend
etwas'), z. b. varat, -a war nicht; möglicherweise auch (s. Kock.
Arkiv XI, 136 f., XIV, 263 f.) anorw. for{r)ad gefährliche passage
(zu eip passage) und huar(r)a wo in aller weit (zu d 'immer',
s. oben a). Ueber kann er, hönom ihm. hon. acc. hdna sie (alle
zu got. jains) s. Noreen, Geschichte 3 , s. 180.
Anm. 8. Aus dem afris. stammen bütr (neben dem einheimischen
beit) schiff und klcbpc kleid (s. Wadstein, Friserna och forntida handelsvägar
i Norden, s. 13 f., Göteborg 1920, und Friesische Lehnwörter im Nordischen,
s. 8, Upps. 1922; anders Sverdrup, Maal og minne 1922, s. 49 ff.). Ags. lehnw.
sind ärhialmr bronzehelm (s. Falk, An. Waffeukunde, s. 156 und besonders
E. Noreen, Studier i fornvästnordisk diktniug, s. 47 ff. , Upps. 1921), tahn
(neben teikn) zeichen und lapmaÖr (ags. läÖmori) lootse (zu leip weg) gleichwie
nisl. säpa seife. Ueber das nicht hierhergehörige seit, rpk neben reih furche
s. § 172, 2. Ganz unverwandt sind nisl. gäri ader im holze und aisl. genre
streifen (s. Torp in Sproglig-historiske studier tilegnede prof. Unger, s. 187).
Unklar bleiben häss heiser (s. zuletzt Karsten, Stud. öfver de nord. spr.
nominalbildning II, 205) und um. Tune daliÖun teilten (verschrieben statt
dailidrm oder zu litau. dah'jti teilen, lettisch dala teil?). Vgl. nocli
F. Jönsson, No.-isl. kultur- og si»rogforhold, s. 67 mit note 2.
§ 55. au wird etwa um 900 (s. Marstrander, Bidrag
s. 155) zu (w, z. b. urn. laukan Floksand c. 350, die brakteaten
von Schonen (nr. 19) und Börringe c. 475 sowie Skrydstrnp
c 500, woraus IgtiJcr, gewöhnlich aisl. lau/cr, anorw. loukr, beides
aus Igukr entwickelt: Bjöi'ketorp -ÖaüÖb > danfie tod. -laitfu:
> lauss los.
Anm. Bahn iahd. botihhafi) zeichen (in sigrbäkn) ist fremdwort
(afris. bähen).
§ 56. eu ist in den ältesten finn. lehnwörtern und in
älteren urn. inschriften (vor 600) noch in den meisten Stellungen
erhalten, z. b. finn. hetUa (ags. ceol, ahd. keol, aisl. Jeiöll) schiff,
Skääng c. 500 leugna; vgl. bei Jordanes c. 550 theustes ein wohner
der aschw. landschaft Pinst. Wenn aber die folgende silbe
i oder u enthält oder n unmittelbar folgt, ist es wenigstens
schon c. 575 zu iu geworden, z. b. Reistad iupingari (vgl. ahd.
Fodunc), Opedal n. sg. f. liudu lieb (s. Bugge, Arkiv VIII, 22),
aisl. dyy (s. § 71, 7) tier. Erst später (jedenfalls vor 900) ist
§ 67. Die üb. BQflaaton. $ 58. I 'miaut. § b'J. Gu. Velarisierung. 5 : >
><i in sonstigen Stellungen zu igu geworden, z. b. finn. jouhi
— st. (j)iuhi durch einfluss des gen. — Weihnachten (vgl. got.
jiuleis). aschw. Rök Jtiaurika Theodorik, adän. run. niqut geniest.
•piaup (got.Jjiuda) volk. Noch später gehen sowol iu wie iqu
von fallendem in schwebenden diphthong. resp. triphthong
über. \yie aus der folgenden entwickelung (s. § 100 und § 101)
hervorgeht.
Anm. Vgl. Bugge. Vitterhetsakadeinien.- Handlingar XXXI, 3. s. 17;
Pipping, Gutalag, s. LXIIff. ; Xoreen, Geschiebte 3 , s. 79; Karsten, Ger-
manisch-finnische lehnwortstndien, s. 55 und 247.
§ 57. Die etwas spätere um. zeit hatte also folgende
sonanten :
Kurze: a. e. i. o (s. § 52), u. Lange: «. ( T . 7. o. n.
Diphthonge und triphthonge: fallende: m, oh: schwebende:
in. i{m: steigende: na. we, wi und na. ivc. in.
Von diesem stand gehen wir im folgenden aus.
II. Umlaut.
>j 58. Mit um laut bezeichnet man im allgemeinen eine
Verschiebung des Vokalsystems, die durch den assimilierenden
einfluss benachbarter laute hervorgerufen wird. Die artiku-
lationsstelle des vokals wird also nach der seite hin verschoben,
wo der den umlaut bewirkende laut gebildet wird. Von diesem
gesichtspunkte aus ist der an. umlaut dreierlei art: velari-
sierung. palatalisierung oder labialisierung des be-
treffenden vokals.
Anm. Je nach dem platze des umlautwirkenden lautes nach oder
vor dem umgelanteten unterscheidet man zwischen regressivem uud
progressivem umlaut. Im westn. jedoch ist der letztere nur spärlich
vertreten.
A. Verschiebung durch velarisierung.
§ 59. Velarisierung. sog. «- umlaut, wird von a. offenem e
(s. ij 61,2) und wahrscheinlich auch (s. § 61. 3) urn. ce (offenem e)
bewirkt und tritt nur bei i und u ein.
£ 60. Starktoniges i wird in kurzer silbe ausser wol
nach g und k (s. Kock. Beitr. XXIII. 514 ff.) zu e. wenn in der
nächsten silbe ein a oder ein sich nach § 137. 2 zu a ent-
wickelndes, also offenes, ö ohne dazwischenliegendes j oder
'» 1 § öl. «-umkuit von n.
nasal -+- kons, steht oder doch in nrn. zeit stand, z. b. hefian
von hier neben hipra (alt, s. Gislason, Njala 11,604: später
anal, hepra) hier, ylepa (ags. glida zu glidan gleiten) weih.
verr (lat. rir; vgl. vielleicht pl. virpar < *wvridö& i gebildet wie
fytpar < ' u firhwidöR § 77, 5, a, die männer der verpony ehren-
geleit des königs sowie möglicherweise aschw. pl. virpar die
einwohner der landschaft Vcerand, aisl. Veriind: dagegen aber
Lindroth, Namn och bygd VI, 41 ff.) mann, sef neben ndän. sir
binse (zu lat, dissipo, ahd. sib), duena neben duina (ags. divhian)
erschlaffen, anorw. suena neben sitina, suina (ahd. suinan)
schwinden, prefa zanken neben prifa, prifa tappen (s. Noreen,
Vart sprak III, 182 uote 2), nepan von unten neben nipre
(auch nepre, neParre) niedere, heyre (ags. higora), here? (s. Vig-
fusson; vgl. fi. Haihara, haikara, s. Saxen, Stud. nord. fil. I, 3,
s. 93) § 317, 3, 1 reiher, anorw. skref, dat. skrifi (s. Fritzner)
schritt. Durch ausgleichung ist der Wechsel beseitigt worden,
resp. sind doppelformen entstanden wie steye (seit.), stiye aus
ursprüngl. nom. stiyL pl. steyar leiter (wie noch in norw. dial.,
s. Haegstad, Vestn. maalf. II. 1, s. 154); ebenso sele, sile siele
(vgl. Hsegstad. a. o. I, s. 111). sege, siye (s. Hellquist, Arkiv
VII. 54, 58) : Bugge, ib. X, 87) Schnitzel, ref-ormr flechte neben
nf reibung (vgl. Noreen, Vart sprak III, 186 mit note 4),
pl. nepar (selten, s. Larsson) neben nipar abnehmender moud,
klefe. seit, klife kleine stube, oeya. anorw. auch viga kämpfen,
töten zu big kämpf, mannsnamen auf -(f)repr, -(fjrepr § 77. 3
(wie Hallfrept; Geirropr) neben fripr friede (s. Bugge, Arkiv
11,251); vgl. noch slepe neben aschw. ^Upi (nnorw. dial. slidi)
schütten.
Anui. Nach dem am, WiivaR Tune eiu mannsname zu urteilen, ist
der Übergang 1 nm äOO noch nicht durchgeführt.
§61. Starktoniges u geht in o über:
1. Wenn in der nächsten silbe ein ä oder ein sich nach § 137, 2
zu a entwickelndes, also offenes, ö ohne dazAvischenliegendes j
oder yy oder nasal -f- kons, steht oder doch in urn. zeit stand; vor
m. n ohne folgenden kons, doch wol erst spät-urn. und zwar
nach der «-synkope, so dass ein fall wie z. b. humarr hummer
statt Vtomarr durch den einfluss der synkopierten kasus (humrc,
-rar, -ra, -rom) zu erklären wäre. Vgl. Kock, Beitr. XXIII, 511 ff.,
Arkiv XXVI, 97 ff.; Hultman, Hälsingelagen 1,182 ff.: Setälä.
jj 61. »/-Umlaut voll u. 58
Journal de la societe finno-ougrienue XXIII. 1. s. 21; E. Olson,
Arkiv XXVIII, 291 ff. Schon um. beisp. sind horna Gallehus.
Strom hörn gegen dat. -kurne Tjurkö körn. 1. sg. prät. icoro.hto
Tum (aisl. ortet) machte. Dieser Wechsel ist aber fast überall
ausgeglichen worden, so dass man nur ganz ausnahmsweise
eine hdschr. finden kann, die das lautgesetzliche Verhältnis
aufrecht hält. z. b. nom. sunr. gen. sonar. dat. syni. acc. siut.
pl. nom. synir. gen. sona usw. (s. Gering. Isl. aev. I. XVI).
Ziemlich oft sind aber doppelformen entstanden wie sonr : (bes.
in alter zeit) sunr söhn, hugr : Jwgr sinn, fugl : (alt) fogl vogel.
gull : (alt fast immer) §oü gold. gop (bes. in Zusammensetzungen
vorzugsweise von den heidnischen göttern gebraucht) : gu\)
(bes. in zus. vorzugsw. von dem christlichen gott gebraucht)
gott. bukkr : bokkr bock, m m nr : monr sinn, unterschied.
kona : (seit., s. Vigfusson) huna weib. togr : flupr anzahl von
zehn. sfo/« : st ufa (s. Egilsson und Fritzner) stube. stofn :
anorw. auch stufn (stumn) unterläge. Broddr : mnorw. auch
Bruddr, Oddr : mnorw. auch Uddr mannsnamen. opt : anorw.
seit, aft oft. pl. gotar ; pu&ir (s. Hertzberg. wol aschw. lehn-
wort) einwohner von Gottland, -smogoll (s. Hertzberg) : smugall
eindringend, koma : anorw. auch kuma kommen, stop : stuft stütze.
burr : borr solm, bolr : bulr rümpf, bolstr : bulstr polster, fluy
: flog gesch windigkeit. gul. -a : gol, -a windstoss. huerskonar
: -kuuar von jeder art. rnp : (seit.) rop neuland. ulfr wolf neben
mannsnamen auf -olfr (wie Porolfr. He Hol fr u. a.. vielleicht
wegen schwachtonigkeit : aber auch -ulfr, wie schon urn.
-irulaf,;. -wulafa Istaby neben -woljfjt Gummarp. -icoUfn Sten-
toften). u. a. m., s. bes. Gislason, Um frumparta, s. 197 f.; Ha?g-
stad. G. Tr.. s. 45.
Anin. 1. « statt sonstigen o ist besonders in dem färöischen dialekt
beliebt, z. b. brut brach, mul« zermalen. turf torf u. a. , s. Bugge. Aar-
boger 1875. s. 40.
Anm. 2. Kommgr köniy st. ■anorw. . ». § 160 anm.) kunutujr ist von
koar edelgeborner beeinliusst. Umgekehrt erklärt sich ein fall wie hunang
honig vielleicht aus einer ausspräche mit haupttoniger ultima: vgl. 51, 1, b
und Kock, Beitr. XXIH 517.
Anm. 3. Der diphthong eu scheint nicht in entsprechender weise zu
eo entwickelt worden zu sein. s. § 56.
2. Wenn in der nächsten silbe ein — weil vor -na- stehend
offenes — e (s. Wessen. Spräkvet. sällskapets i Upps. förhand-
56 $ 62. Palatftlisierung'.
Ungar 19 13 — 15, s. 56 ff., bes. s. 78) ohne dazwischen liegendes
gg (und gd?) oder nasal + kons., alt-urn. auch m -f- son., steht,
z. b. brostenn geborsten, brotenn gebrochen, stolen gestohlen.
lokenn (St. Hom. einmal lulcenn) geschlossen u. dgl. part. prät.
gegenüber bruggenn gebraut (brugPenn, seit, anorw. brogöenn,
s. s. 495 anui. 5, geschwungen), bundenn gebunden, mimen n
(anorw. und seit. aisl. auch nomenn) genommen.
3. Wenn in der nächsten silbe urn. — ältest a geschriebenes —
cB (woraus nach § 138 e) ohne dazwischen liegendes j, gg oder
nasal (vgl. näher oben 2 und 3) stand (s. Hultman. Hälsinge-
lagen I, 198 f., 213 f.), z. b. orte By usw. {mirte Tjurkö hat
wol u von dem pl. und inf. bezogen) machte, olle verursachte.
böge bogen, oxe (neben uxe nach pl. *uxnin > yxn) ochs, gofie
: seit, gupe (nach guj>) priester, hertoge : seit, -tage herzog gegen-
über gume mann, fune teuer.
B. Verschiebung durch palatalisierung.
S 62. Die palatalisierung findet in starktoniger silbe
(vgl. § 147) im allgemeinen (vgl. § 75 und § 147) nur bei den-
jenigen vokalen statt, die nicht vordere palatale sind (vgl.
das vokalscheina § 46), also bei a, e, o, u, o, ä, ö, ü, 6, ö
(s. § 68, 4) und solchen diphthongen, die diese vokale enthalten,
wie ia, io, in, io, iti, ou (und den daraus entwickelten au. ou.
s. § 98), tut, ud. Bewirkt aber wird im westn. dieser umlaut:
1. durch ein mittelbar (aber jedenfalls zur zeit des Um-
lautes in der nächsten silbe. vgl. § Q6 anm. 2) oder unmittel-
bar folgendes sonantisches i (wahrscheinlich auch », s. Hessel-
man. Västnordiska studier 1. 7 ff.), welches in literarischer zeit
sehr oft entweder infolge der synkope (s. § 153 ff.) nicht mehr
da ist oder auch in e (s. £ 145) übergegangen ist: »-am laut;
Anm. 1. Dass ein vokal auch durch unmittelbar folgendes, noch
nach der synkopieruugszeit erhaltenes, wenn auch später durch kontraktion
( nach § lüö) geschwundenes, i umgelautet wird, geht aus fällen wie bktingr
der schwärzliehe, luell (*häÜM < urn. 'hähikai) ferse, pneU knecht, aschw.
Stginge ein mannsname u. a. hervor, s. Bugge, No. I. s. 83 note; Pipping,
Neuphilologische Mitteilungen 15/11 — 15 '12 1902. s. 17, und Grammatieka
studier, s. 4 note.
2. durch ein mittelbar (aber jedenfalls in der nächsten
silbej oder unmittelbar folgendes, seltener unmittelbar vorher-
§ 68. i- umlaut von ", ä, t. ••«
gehendes, konsonantisches i; (regressiver, resp. progressiven
./- tun laut:
3. durch ein unmittelbar folgendes frikatives (vvul /-haltiges)
/ (mn. a. urgerm. : ; vgl. § 18: § 34 anm. 2: § 224. 1; § 265):
/.-umlaut:
Aum. 2. Die annähme Kock's (Arkiv VIII, 256 ff. und öfter | dass
ein k. vor welchem ein i ohne umlaut zu bewirken synkopiert worden i<t.
auch einen nicht unmittelbar vorhergehenden vokal umlautet, ist biufälliy.
s. Wessen in Spräkvetenskapliga sällskapets förhandlingar 191(J — 191S.
s. 73 ff.
4. durch ein von r s oder k vorangegangenes ^ das zum teil
wol schon in urn. zeit zu umlautbewirkendem i (s. oben 1)
übergegangen ist (& Xoreen. Arkiv I. 152 note 2; Wessen,
a. o. 1913—1915. s. 79: E. Xoreen. Xanm och bygd EX, 46):
palatalumlaut (eigentlich nur ein Spezialfall von 1 oben).
1. i-umlaut.
>j »33. Die fälle sind :
1. a > et (woraus aisl. e, s. § 117). z. b. ketell (got. Ä
kessel. heldr (got. hu.ldis) lieber, nefnu (got. namnjan aus *nam
man) nennen: schon Stentoften c 675 -gestnniR gasten gegen-
über gasÜB Gallehus c. 425.
2. (i (über dessen Ursprung s. ^ 52, $ 53, ^ 54) > ct. z. b.
präs. 1. sg. mctle spreche zu mal spräche. 2. sg. Icetr (got.
lässt.
3. e > t, z. b. ctrk: cirkc Averk. hirtt (got. bairhtei) hellheit.
nest proviant : nist« proviantieren. sess sitz : sissa sitz bereiten.
segl segel : sigla segeln. ü mepul : d mi]>eJ zwischen, dat. Heftne
(wonach nom. Heften») : anorw. selten HiÖin ein mannsname.
Pckmgrh eine landschaft : pl. }>ilrr deren einwohner. dat. selten
>. b. b. Yigfusson) vwpe (gew. anal, rerfte) zu >:er]>r malzeit ;
noch andere beispiele s. Kock. Umlaut und Brechung, s. 44 ff.
Schon Opedal c. 575 steht vielleicht birg birg (zu got. ba'ngan)
und wahrscheinlich schon Veblungsnaes c. 625. By c. 650 wüam
gegenüber Lindholm. Kragehul c. 400. Järsberg c. 575 erila/t
ein mannsname (über air. ereil \jarl' s. Marstrander. Bidrag.
s. 86 mit note l). womit die völkernamen f er vir und bergio bei
Jordanes c. 550 übereinstimmen. — Urn. scheint t wenigstens
«8 £ li:{. /- unilaut von o, 6, u. ii, p.
nacli s auch durch ein folgendes a zu i umgelautet worden
zu sein, z. b. gtbu Seeland (ich) gebe, wo doch i vielleicht aus
gihln (ahd. gibis) gibst entlehnt sein kann.
4. o > e (geschlossenes), z. b. sener söhne zu sonr söhn,
3. sg. konj. prät. Jwlfie zu pola dulden, norpre nördlicher zu
norjir nord, pl. exn zu oxe ochs. Dieser fall ist verhältnis-
mässig selten, weil (nach § 61) o nie lautgesetzlich in der
betreffenden Stellung stand, sondern erst durch ausgleichung
innerhalb eines paradigmas dazu gekommen ist.
Anm. 1. Weil (nach §61) o sehr oft mit u wechselt,, entsteht häufig
der schein, als ob y der i- unilaut von o (statt von n, s. 6 unten) wäre,
z. 1). sonr (älter und seltener sunr): pl. syner (jünger und seltener sener).
Anm. 2. Da dieses e oft mit e wechselt (s. § 119), entsteht auch bis-
weilen der schein, als ob o zu e umgelautet wäre.
5. 6 > (geschlossenes), z. b. 1. sg. präs. böte büsse zu bot
busse, dmna (got. dömjan) urteilen, 2. sg. präs. ind. bUtr (got.
blötls) zu Motu mit opfer verehren.
Anm. 3. Weil (nach § 166 anm. 2) ö bisweilen mit ü wechselt , ent-
steht unter umständen der schein, als ob o zu y umgelautet worden wäre
(vgl. oben anm. 1), z. b. byle (neben bele) aufenthaltsort zu böl ort, wo
man sich niedergelassen hat, und zu büa wohnen (vgl. orkn. landbuli gegen-
über gew. landböle pächter).
Anm. 4. Auch das nach § 77, 2 und § 11(5 durch «t-umlaut entstandene
6 wird auf dieselbe weise zu ö «-umgelautet, z. b. pl. später (neben spmnw
zu spann, sponn) zu spann span. Beispiele sind äusserst selten, weil
dies 6 nie lautgesetzlich, sondern nur durch ausgleichung innerhalb eines
paradigmas in der betreffenden Stellung steht. — Der sehr seltene pl. ni>lr
(s. Gislason, Udvalg af oldnordiske skjaldekvad, s. 148; Hsegstad, Vestno.
maalf. II, 2, i, s. 94) statt ncetr zu nött (nott) nacht ist wol eine analogie-
bildung nach bot: betr, rot: retr, not: netr u. dgl.
6. u > y (offenes), z. b. syner söhne zu sunr (neben sonr,
vgl. anm. 1) söhn, fylla (got. fulJjan) füllen.
7. ü > y, z. b. 1. sg. präs. hyse beherberge zu litis haus.
2. sg, präs. lykr (got. Itikis) zu luka schliessen.
8. o (über dessen entstehung s. § 77, 1, § 82, 1) > e (offenes),
z. b. 0JAc (aus *oöli > *aö*uUa, vgl. §06 anm. 2) neben afial
begabung und dat. sg. oßla begabt (bei Brage, s. Bugge, Bidrag
s. 161, vgl. § 173,1; dazu oplas/c, später nach ejtle zu epias'k
geworden, 'sich aneignen'), ofjwgle übergrosse Schweigsamkeit
(zu poyoll schweigsam wie athygle zu -higoll u. dgl.), vipforle
$ 63. /-uinlaut von ia, tOj iö, in, iü, <hi. 59
weites; umherfahren izu fyroll reisend), stepuer beruhiger (zu
stQjnut zum stehen bringen), anorw. ertog (*Qrti- > *aruti-, ahd.
. i â– u mark. Beispiele sind selten, weil q nur ausnahms-
weise in der betreffenden Stellung zu stehen kommt. Vielleicht
gehören doch hierher einige von den £ 82. b* angeführten bei-
Bpielen.
9. ia > im (aisL ie). woraus später nach § 295 w (e),
z. b. pl. vd(i)endr zu vetternde wählend (vgl. § »54). Beispiele
sind selten, weil ia nur ausnahmsweise in der betreffenden
srelhmg steht.
10. io > ie. woraus nach § 295 o. z. b. o. sg. konj. prät.
h(i)0fjije neben 1. pl. ind. prät. hioggom hieben. h(i)egge neben
hioggom wohnten. Beispiele sind sehr selten.
Anw. 5. Der scheinbare Übergang iu >> y. z. b. hygge. bygge neben
h(i)eyye, b{P)oyye ist nach anin. 1 oben zu beurteilen.
11. iö (über dessen entstehung s. £101.2) > iö. woraus
nach $ 295 e. z. b. o. sg. konj. prät. hUpe neben 1. pl. ind. prät.
hUopom liefen. (i)6se neben iosom schupften. (i)ele neben iökom
vermehrten. Beispiele sind sehr selten.
Anw. 6. Wenn es bisweilen aussieht, als ob iü zu y umgelautet
worden wäre, so ist das betreffende iü aus einem nach S, 5tf mit m wech-
selnden i'ju eutstauden (s. § 101, 2), z. b. 1. sg. präs. fc/ae leuchte zu Kos
licht, 2. sg. präs. bypr (got. biudis) zu biüpa bieten.
12. iu > ff, zunächst aus ig (s. § 295». das durch den ein-
fiuss verwandter formen bisweilen erhalten sein kann. z. b.
3. sg. konj. prät. yke neben 1. pl. ind. prät. iukom vermehrten.
iyse neben iusotn schöpften, anorw. lypi neben liupum liefen.
Beispiele sind sehr selten (s. z. b. anm 5 oben).
13. in turn. in. über dessen entstehung s. £ 100) > y
zunächst aus **jj (s. § 295 \ z. b. syke krankheit zu siiikr krank.
dypp (got. diupijHi) tiefe zu ijmpr tief.
14. qh (über dessen entstehung s. £ 55) oder in den meisten
gegenden wol erst die daraus entwickelten (s. § 98) <m (vor-
zugsweise anorw.) und nu (vorz. aisl.) > ey. resp. ey (cey, ay.
wie wol noch um 900 gesprochen, s. Marstrander, Bidrag s. 72),
/.. b. 1. sg. präs. (Iroijmi. dreyme träume zu droumr, drautnr
träum. 2. sg. präs. loypr. klcypr (gw. Maupis) läufst, heyra. heyro
I vgl. got. hansjan) hören.
(>0 tj 64. /-und. in uebeutun. silben. § 65. /-und. durch siai-ktou. vokal.
Anin. 7. Dieser fall ist natürlich nur ein korollar der in 1. 4, 6u. 8
oben behandelten fälle.
15. ua > uce (aisl. ue), z. b. nom. pl. cender neben gen. pl.
vcmda ruten, huessa (*kwassian) schärfen zu huass scharf.
16. ud > uds, z. b. 3. sg. konj. prät. kuceme (alid. quämi)
käme, vceta (*ivätiari) nässen zn vätr nass.
17. ue > ui, z. b. huirfing kreis zu huerfa sich wenden.
§ 64. Die stark nebentonigen vokale werden ganz wie
die haupttonigen umgelautet, z. b. pl. gefendr aus *-andiR) zu
gefcmde geber (vgl. § 60, 9), tipende neuigkeit, fapeme, moperne
väterliche, resp. mütterliche seite, rettynde recht, högynde neben
hegende) kissen, daupyfle (got. daupubleis) leiche, innyfle (ahd.
innubli) eingeweide, eimyria (ahd. eimuria) glühende asche,
anorw. amhcetti (Haegstad, G. Tr. s. 67 f.) dienst zu arnbött dienst-
magd. afrcede (neben afräd) abgäbe und andickte (vgl. mudd.
antlät) antlitz: noch andere beispiele s. Kock, Umlaut und
Brechung, s. 102 f. Dagegen werden schwach nebentonige
vokale nicht umgelautet, z. b. proklitisch um(b) aus *umbi
(ags. ymb), pl. fiandr (§51, 2, b) zu fiande feind, 3. sg. konj.
prät. Icallape riefe, cesall elendig zu swll glücklich, Ingemarr
(mnorw. auch -murr, nnorw. -mär) ein mannsname zu mderr
(urn. -mariR Torsbjserg) berühmt, varü]> neben der neubildung
carhygP vorsieht, mepan (got. mippanei) während, ? upjasMrr
offenbar zu skeerr hell (s. § 54, 2), von denen jedoch die einst
zusammengesetzten vielleicht das i schon vor der umlautszeit
synkopiert haben (vgl. die behandlung eines ersten gliedes,
s. § 66, 1 schluss; anders Kock. Umlaut und Brechung, s. 133 f.).
Wo die betonung zwischen starkem und schwachem nebenton
schwankt (s. § 51,2, b), finden sich natürlich doppelformen,
z. b. domere (got. dömureis) : domare richter. missere : missare
halbjahr, allynges : ollonges (durch kontamination auch allonges,
Qllynges) ganz und gar, anorw. wtfeede i < er fade arbeit.
Anm. ITeber eine art späteren umlauts in schwachtoniger silbe
s. § 147.
§ 65. Vielleicht wird der umlaut lautgesetzlich auch
durch starktonigen vokal bewirkt, wiewol er in Zusammen-
setzungen wie $stvinr lieber freund, fäoiss unwissend u. dgl.
fast immer sowie in abgeleiteten Wörtern mit stark neben-
toniger ableitungssilbe wie sanninde Wahrheit, »lättigr (got.
§ 66. Entwickeln!!«* des /-nmlantes. Ol
nw.hteigs) mächtig, braut in ge reisender, drötning königin u. dgl.
sehr oft durch assoziation mit verwandten unumgelauteten
formen unterbleibt oder früh aufgehoben worden ist (vgl. § 67).
Wo aber ein ursprüngliches kompositum durch Schwächung
des zweiten gliedes undurchsichtiger geworden ist und den
schein eines simplex angenommen hat. ist die assoziation
gewöhnlich unterblieben und der zu erwartende umlaut dem-
zufolge vorhanden, z. b. Hrerekr (neben seit, anorw. Bödreh)
Rodrich zu hropr rühm. Hderekr neben Hörelrr (s. Lind, Xo.-isl.
dopnamn. s. 490) ein mannsname. Gyripr neben Gufrfpr und
PyriJ>r neben Puripr (vgl. § 51. 1. a) frauennanien, HyJiipr
neben Hirfljirrißr ein mannsname. Bryn aus *bru-vin, Man
I Jfo-rm), Ben (*ro-t?m), -7-7/? (*«-n»), Scendin neben Sandvin.
Oystrin neben Austr[r]in u. a. dgl. anorw. Ortsnamen (s. Rygh.
Xorske gaardnavne. Forord s. 86), Ssrkner (§82,12) neben
Sorkver (§82,8), Oluer (§82,6; anorw. auch JEluir) neben
Olver (vgl. Bugge bei Fritzner 111,1103; anorw. auch Älter).
Hemer. Hesuer. Pyrgils neben Porgils, Hlejmer neben HtoJmSr
Ludwig u. a. dgl. mannsnamen. ymiss (ygL got misso) wechselnd,
aisl. s(i)tyti<hi neben s(i)autwn siebzehn, ßeyge (*pau-gi) jedoch
nicht, noin. acc. pl. ntr. btiepe (*bä-piu, vgl. and. bediu) beide.
huetvctna neben huatcitna was auch immer zu huat was, huer-
rrtna neben huarritno. allenthalben zu huar wo.
§ 66. Der i'-umlaut wurde wol am frühesten durch ein
ganz unbetontes, erst später durch ein etwas stärker betontes ?
bewirkt. Infolgedessen haben wir in der historischen ent-
wickelung des /-umlautes mehrere verschiedene perioden zu
unterscheiden (s. Kock. Beitr. XIV. 53 ff.. XV. 261 ff., XVIII,
417 ff.. XXVII, 166 ff.. ArkivXn.249ff., Umlaut und Brechung,
s. 38 ff.: Xoreen, Geschichte 3 , s. 84 ff.: zum teil anders Pipping.
Gotländska studier, Uppsala 1901. s. 97 ff., und noch anders in
Memoires de la societe neophilologique ä Helsingfor< IV, 237 ff.,
wogegen Wessen in Sprakvetenskapliga sällskapets förhand-
lin^ar 1916—18. s. 61 ff.):
1. Die zeit (etwa 600 — 700), wo umlaut nur durch urn.
ganz unbetontes (daher relativ früh synkopiertes, s. § 153, 1) t
bewirkt wird. So besonders in langer — selten in kurzer
(zur erklärung s. Wessen, a. o. s. 73 ff., A. Xoreen. ib. s. 91 ff.:
vgl. E. Xoreen, ib. s. 95 ff. ) — starktoniger silbe. z. b. um 675
62 § 60. Entwiokelung des «'-Umlautes.
Stent of teil dat. pl. -gestumit (— anorw. gcestum) zu *gwst(j)n aus
um (Gallehus) -gastin gast, um 700 Björketorp 3. sg\ präs.
TiArutü {= aisl. bryir) aus urn. *briutin (got. 2. sg. briutis; aber
noch Stentoften dariutip bricht: gleichzeitig mann (d. h. nurnnn)
Eggjum mann er; dömpa (ich) richtete aus urn. *<fömi#ö u. dgl.
— In fällen wie hiänlauss (*hwüm-) unverheiratet zu hichi
(hum und liuün nach dem gen.) weib u. dgl. (s. Falk, Arkiv
III. 297 f.) ist wol i schon vor dem eintritt des i-umlauts
synkopiert worden (s. Kock, Arkiv XII. 251. 255. Noreen a. o.)
«der von der simplex-form Man beeinflusst,
Anm 1. 2vicht überzeugend sucht Bngge (No. I. s. 106 f.) den umlaut
von a und au schon für die zeit um 500 nachzuweisen. Erst um 575 ist
umlaut von e durch Opedal birg (s. § 63, 3) belegt, erst um 625 der umlaut.
von ä durch Stram icate (d. h. wßte aus *u>ätto netze), um 675 der umlaut
von (( durch das oben erwähnte -^estumn.
2. Die zeit (etwa 700 — 850), wo auch ein nach kurzer
silbe stehendes und also (s. § 51 anm. 1) etwas stärker betontes
sowie ein nach langer silbe stehendes, aber erst aus i ver-
kürztes (s. Sverdrup, Arkiv XXVII, 185 ff.), daher in beiden
fällen relativ spät synkopiertes, i der synkope anheimfällt,
aber ohne umlaut zu bewirken (anders im agutn.. s. N. Carls-
son, Det gotländska «-omljudet, Göteborg 1921). So erklären
sich teils sah saal aus *8qUk 9 ralpa (ich) wählte aus *walidö
(vgl. got. walida), $61 (got. sauil), fdpa (ich) malte aus *fltido
(s. § 49 und vgl. § 62 anm. 1) < urn. faMÖo Rö, teils pl. niösner
(got. niuhseinös) nachrichten, gullner (got. gnlpeinai) goldene.
3.- Die zeit nach der i-synkope, wo umlaut auch durch
ein urn. noch stärker betontes (daher später erhaltenes) t
bewirkt wird (z. b. demer (got. domeis) richtest, lykell (pl. lukhtr
nach 2 oben) Schlüssel aus Hukiln (pl. HuMan. älter *lul;ilaii).
Dieser prozess ist betreffs a zwar ostn. erst um 960 sicher
bezeugt durch die adän. inschrift von Store Rygbjrerg, wo
U[n\U (d. h. Iwngi) = anorw. Icengi (got, laggei) 'lange' belegt
ist; doch dürfte er — wenigstens westn. — beträchtlich älter
(aber kaum älter als c. 850, s. Marstrander, Bidrag s. 02 und
154) sein, denn der Norweger Jriooolfr 6r Huini (gegen 900)
lässt schon lamgi mit dramgr (aus *Örangi* nach 1 oben) junger
mann assonieren u. a, dgl. Betreffs e wiederum ist dieser
umlaut schon im 7. jahrh. belegt, wenn — wie wahrscheinlich
5; 07. Ausgleichung. 03
ist — in den Inschriften von Yeblungsnses und By küa* (noch
im 6. jahrh. erilan, s. § 63. 3) zu lesen ist.
4. Die spätere zeit, wo die umlautstendenz völlig erloschen
ist. Demzufolge bewirken diejenigen i nicht umlaut, welche
(ausser nach g und k, worüber s. § 73) erst jetzt durch kürzung
von um. w, ai, e entstanden sind, ein Übergang, welcher nach
ausweis ags. lehnwörter wie die eigennamen Bondi, Tosti, Tofi
(s. Sievers, Beitr. XII, 482 ff.) wenigstens im adän. schon um
1000 vollzogen war. Also z. b. faper, -ir vater. 2. sg. prät, ind.
ralper, -ir (got. walides) wähltest, 3. sg. konj. präs. Inte, -i (got.
Irtid) lasse. Haniper. -ir (älter Hamper) u. a.
Anm. 2. Aus dem oben 2 und 3 angeführten geht hervor, tlass unter
umständen ein i den vokal einer urspr. nicht unmittelbar vorhergehenden
silbe umlauten kann, z. b. eple (§63.8). eple (*adh '<*adol> zu rtpal, ahd.
edili) begabung, ellefo «*fiin«-lib-, s. §54,3,a) elf, 3. sg. prät. konj.
reiße aus ncalöi aus *icnlidi (vgl. got. tcab'dedei) wählte, ellegar aus *cdligaR
<_*ah'ligaR < *aljahlr,n (got. aljaleikös) sonst, anonv. &rtog (s. § 63, 8);
<trtug (arti- <C *<&%&-, ahd. arvsi) ' M mark : vgl. F. de Saussure in Melange»
Ueuier, s. 391.
jj 67. Ein durch den umlaut hervorgerufener Vokalwechsel
ist sehr häufig durch analogische ausgleichung aufgehoben
worden. Wo nämlich in einem paradigma oder in einer gruppe
von Wörtern, die untereinander nahe verwandt sind, ein um-
gelauteter vokal und der diesem entsprechende unumgelautete
nebeneinander vorkamen, ist manchmal der Wechsel aus-
geglichen worden, so dass bald jener, bald dieser vokal durch-
gedrungen ist, bald doppelformen entstanden sind. z. b.:
a) Sg. präs. ind. flyg. flygr. flygr statt *fliiig (ahd. fliugu).
flygr (ahd. fliugis). flygr von fliäya fliegen; sg. nom. ferj>, gen.
ferpar statt ferjj ^fardi-). : farpar fahrt; pl. vinpr (aus *rinipr
— bei Plinius noch renedi — durch ausgleichung nach den
synkopierten kasus), gen. cinpa (selten lautgesetzlich renfia).
s. Bugge, Arkiv II, 229) die wenden.
b) Sg. stapr. pl. staper statt stapr. '"steper statte: sg. valept;
pl. acc. rfilpa statt *relepr. >alpa gewählt.
c) ben neben bön aus urspr. nom. ben. gen. bona r bitte:
\>\. lyllar neben Inklar zu hftdl Schlüssel (vgl. $60. 3); ba:tr
und be.-.tr best sind aus urspr. nom. *betistr. acc fortan kon-
taminiert. S. weiter die flexionslehre.
64 § 68. 69. Regressiver ./-umlaut.
2. /-umlaut.
a) Regressiver umlaut,
§68. Die fälle sind:
1. a > a> (aisl. e), z. b. telia zählen zu tal zahl, skepia
neben skapa schaffen.
2. d > ce, z. b. #?w (prät. dpa) weiden, Mceia jucken neben
Jcld reiben.
3. e > ?', z.b.mipr (acc. nrijri 'an; got. midßs, lat. medius)
neben d ?wed«/ zwischen, Sif (gen. Sifiar) Thor's gattin und
pl. sifiar Verwandtschaft neben sefe verwandter, Uggia liegen
n. legr lager, sitia sitzen n. setr sitz.
4. 6 > 4 > y, z. b. &^r (analogisch &j^r nach dem gen.) mit
gen. byiar (anal, böiar nach dem nom.) dorfes (vgl. bände bauer
u. a.), frißa (got. frawröhjan) absprechen, t;'/ia {töia nach präs. U)
helfen (vgl. got. ubiJ-töjis missetater), glyiapr froh (vgl. as. gUfkm
'glühen) neben gUa glühen, lüyia wärmen (prät. hUfia aus
'hlöwidö) neben hloa heiss sein. Beisp. mit 6 sind äusserst
selten, weil 4 (das nur unmittelbar vor i vorkommen kann)
vor erhaltenem i lautgesetzlich zu y weiterentwickelt worden
ist (vgl. § 75). S. 0. v. Friesen, N. spr. II, 38 und Xenia Lide-
niana, s. 237 note, Noreen, ib. s. 9 und Geschichte 3 , s. 75.
5. u > //, z. b. dylia verhehlen zu dnlr verbergung, flytia
(prät. flutta) fortschaffen.
6. u > y, z. b. lyia (prät. lüßa) zerquetschen, gnyia zu
gnüa reiben. Beisp. sind sehr selten, weil nur die Verbindung nj
in betracht kommt.
7. kl > y, z. b. pl.pymr (got. fikijos) mägde, acc. sg. ntfian
(got, niiijana) neuen.
8. qu (ou, au) > ey (aisl. ey), z. b. deyia sterben zu daupr
tot, pl. meyiar (got. maitjös) mädchen.
9. ua > ua j (aisl. ue), z. b. Jcuelia (prät. knalpa) quälen.
10. ue > ui, z. b. luipia versagen zu hiepa sagen.
§ 69. Jedes kons, i wirkt umlaut; also auch ein (nach
§ 133) aus sonantischem t in hiatusstellung entstandenes, z. b.
die mannsnamen Heriolfr aus Hari{u-)olfn (JiArkvolAfR Sten-
toften) und das latinisierte Herioldus aus *Hari(w)oldjt < *Hari-
HoldiiR (urn. Harjawaldiiß, s. Noreen, Uppsalastudier s. 20 note;
daneben die neubildung *HenyawaldaR, finn. als ortsname ll<<rj<t-
S, 70. Progressiver ./-umlaut.
ralta. wozu gen. Hurohls < mn. *]Iari-. Harja>r<rfda$ neben
llaraldar < urn. *Hari-, *Ha*yavaldöm). Wenn es hier und da
scheint, als ob vor geschwundenem j der umlaut unterblieben
wäre, so erklärt sich das daraus, dass j nach der synkope
eines unmittelbar folgenden vokals zunächst sonantisiert
(a § 220) und dann wie andere sonantische i nach kurzer
silbe ohue umlaut zu hinterlassen synkopiert worden ist
• s. ^ 66. 2). z. b. mannsnamen wie Haraldr aus *HariwcddaR
< urn. *Harj«>rcddan (s. oben) oder Ragnarr aus *Kazmharin
< urn. *Baginakarjau (ahd. Bagmhari) u. dgl.
Anm. Der gegensatz vou seit. Brunolfr neben gew. Bryniolfr (durch
kontamination seit. Bryncifr) erklärt sich vielleicht aus uom. *Bmn{i)irolfaR:
«tat. Bririiiiinulfe . so dass w vor u schon vor, vor o aber erst nach der
/-synkope geschwunden wäre, was phonetisch sehr begreiflich wäre.
b) Progressiver umlaut.
§ 70. Die fälle sind:
1. a > «b, nur anorw.. bes. aostnorw., etwas nach 1200,
z. b. giarn > giaern begierig, gialda > guelda entgelten. fiaJI
> fueü felsen: in der legendarischen Olafssaga nur nach gi,
s. Haegstad. G. Tr. s. 58. und Kock, Arkiv XXXIII, 254 note.
In Oratio contra clerum bleibt ia vor //'. lp. rt. bisweilen auch
vor kl s. Kock. Arkiv XIII, 170 f.
Anm. 1. Shetl. und orkn. tritt ia > im wenigstens nach s und zum
teil h ein, z. b. shetl. S'W/>- 1355 selbst. Bietkmä 1509 Shetland, orkn.
sMoer 1426 ; s. Hsegstad, Hild. s. 42.
2. a > de erst mnorw.. z. b. fritidagr > fricedagher freitag
1392, friuls > fridels frei, diühi > di&frn diakon. s. Hängst ad.
Vestno. maalf. II. 1. s. 20.
3. (und o?) > e, im allg. erst inisL und mnorw.. aber
zum teil weit früher nach ausweis von Cod. AM. 645. 4°. alt.
teil, wo schon überwiegend ie steht, z. b. gief gäbe, slieldr
schild. mihi- sehr statt giof usw.. während vor r]>. rt, lk (zum
teil auch m, g. k) und im lehn wort diofoU noch io vorherrscht.-
z. b. ior]) erde, J/ioHr dick. Dass der umlaut auch im 645.
4". später als die dehnung o > 6 nach § 124,3 ist, geht aus
hiöJp hilfe u. dgl. mit konstantem 6 (o) hervor. 8. Kock.
Beitr. XX, 118 ff.
Anm. 2. Ueber diesen umlaut in sehwachtonigen sill.t-n b. § 146 in, :!.
Xoreon. AltiM. gramm. i. aufl.
...
>*4 MMtfc 4*» ka* 4M. * iwp t
•iwrw A», p*)
| 74 Hfcrtor gftMra
HAWAII.
*jW»w frob fffL gel ftu/mnm
nupyt) (ff,ttr.r. H**f*wn
prftf.. wie ftttffrnn
t&agma* memm
genommen n*w. ^§5*1), *«lt
vorhanden war.
Im I M MMMjMl MM *)Mpmm bM •«'/<« ■jfawfjMfcMjm
«f. 'lUffpnn n. ». w. aiaii Meli *> '»»» », fmtnm n. 4%\ mgikildet: v%i.
"ihn»» ftsf** fuifin».
wandte eraWiMMM g ist der sporadisch*
^aiur de* -'hon (iunh t'-umlant entstandenen <i in y 'und *
- __ -. Arkiv I
I I ifffkmk Mmag werden Mka ämm Kind nflöeweB.
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-i'-li -■ühertreibnngr (an gufc, wrateay -wat;
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68 g 74. 75. Palatalumlaut,
aus (> (älter ai und &) nach c s und /.• entstanden ist (vgl. § 62, 4).
z. b. dat. dege (urn. *dage, got. rfa#a) zu dagr tag, .<>e#<?r (alid. sages)
sagst, j>e</rr (alid. Jn<ges) schweigst, hager (prät. ftagße Haust-
1911g 18; alid. häges) hinderst, f'ylger (aschw. prät. fulghjie)
folgst, syrger (alid. Borges) sorgst, wonach inf. segia (aschw.
präs. sühim Rök) usw., drehe (aus mndd. drahe) drache. Dem-
nach ist hier eigentlich der umlaut durch das früher als sonst
(vgl. § 66, 4) und zwar durch den diesen Wörtern spezifischen
palatalen konsonanten aus e hervorgerufene i bewirkt.
Anm. In den weitaus meisten fällen ist a durch einfhiss verwandter
formen erhalten, z. b. fäage genösse nach den kas. ohl., dat. fiale zu pak
dach, konj. präs. vdke wachen u. s. w. , oder sind doppelformen entstanden
wie hrimdreye und nach den kas. obl. -dragte, fnikmenge n. -ränge schlafe.
anorw. fiarger {Pyrger) neben ßorgeirr ein manusname.
ij 74. Hierher gehören auch fälle wie myrgenu (alt und
selten, s. Fritzner; got. maürgins, s. Wessen, a, 0. s. 89 f. und
1816 — 1818, s. 24, sowie über anorw. mm- ginn ib. s. 22 f. und
27), fegenn froh (vgl. got. fagin-ön sich freuen), pl. regen (got.
ragin) götter, liegenn ein niannsname. megen stärke und part.
prät, wie fengenn empfangen, gengenn gegangen, slegenn (urn.
sla^inaii schon Möjebro bald nach 400) geschlagen, tekenn
genommen usw. (s. § 501). seit, anorw. dryhhinn (Elis saga;
vgl. aschw. dryhUnskaper) getrunken, denn fälle, wo kein pala-
taler konsonant vor dem e steht, wie farenn gefahren, maJenn
gemahlen usw. zeigen, dass nur nach r s und Je ein i zur umlauts-
zeit vorhanden war.
Anm. Folgemi verborgen statt *f;/l(jeim (got. fvilgms), flogen» geflogen
st, *flygenn u. s. w. sind nach brostnni , flotrnn u.dgl. umgebildet; vgl.
got. fulhans gegen fulgins.
§ 75. Eine verwandte erscheinung ist der sporadische
Übergang des schon durch /-umlaut entstandenen 4 in y (und »
in y? s. § 515 anm. 2) vor gi und M (s. Bugge, Arkiv II, 350 ff.).
z. b. ygiasli stössig werden neben ägja schreck einflössen, yger
statt gew. öger schrecker, ygr (nach acc. ygian u. a.) neben
seit, ägr wild, tße Übertreibung (zu got. wdkan, tri,/,: wßkrs u.a.).
Vgl. § 68, 4.
g iii. Labialer umlaut. s, .7. "-umlaut von o, ä. 69
C. Verschiebung durch labialisierung.
§ 76. Die labialisierung trifft im allg. (vgl. § 76.2. 10, 11,
§ 82, 8) nur diejenigen vokale, die nicht schon mehr oder
weniger labial sind (vgl. das vokalschema § i6), also a, e. i.
»f. d. v. i. ce und die meisten diphthonge. die als letzten koni-
ponenten einen dieser vokale enthalten, wie ia. nn. ni. tue (ue).
nd. ni. uce. m (ei). Bewirkt wird im westn. dieser umlaut:
1. durch ein mittelbar (aber jedenfalls zur zeit des
unilautes in der nächsten silbe). bei langem vokal oder
diphthong auch durch ein unmittelbar folgendes sonantisches
— sei es ursprüngliches oder nach § 226 aus w entstandenes —
h. das in literarischer zeit sehr oft entweder infolge der
synkope (a § 153 ff.) nicht mehr da ist oder in o (s. § 146) über-
gegangen ist: m -umlaut.
Anm. 1. Kurzer vokal wird durch unmittelbar folgendes (dauu >\u-
kopiertes) *< nicht umgelautet ; s. § 80, 2.
2. durch ein mittelbar (aber jedenfalls in der nächsten
silbe) folgendes h ■: «-umlaut.
Anm. 2. unmittelbar folgendes tc bewirkt keinen umlaut (s. \
•">. durch ein unmittelbar folgendes, tautosyllabisches /'.
>». f (alle bilabial). /. r (beides wol labialisiert); oder durch
ein unmittelbar vorhergehendes v (und /<•?): (regressiver, resp.
progressiver ) 1 a b i a 1 u m 1 a u t.
1. «-umlaut.
^ 77. Die fälle sind:
1. a > o. z. b. mögt (got. magus) söhn. sgJc \ f s«ku) neben
gen. saka.r sache. pl. Und (*Umdu) zu land land, 1. pl. präs. ind.
aisl. hollom (aoetnorw. kalhim. s. § 80. 3) zu fo.dla rufen. Ebenso
wo (das später synkopierte) >/ aus w entstanden ist. z. b. g&rr
(< *gärus, aschw. run. Jtaruä Rök < *gotwak) fertig.
Anm. f. lieber die weitere entwicklung des p bei nasaherung s.
S, 115, 1. bei schwachtonigkeit s. § 14H.
2. d > n (später d geschrieben, s. £ U>7). z. b. skol schale.
pl. sgr zu sdr wunde, pl. aisl. gtom (aostnorw. dtom § 80. 3) zu
dt ass. Wo ein später durch synkope (aber nicht ein noch
70 § 77. a timiauf vuu <■.
später durch kontraktion nach § 132) geschwundenes n un-
mittelbar folgte, ist die labialisierung bis zu 6 fortgeschritten
(vgl. Pipping, Stud. nord. fil. XII, 1. s. 7 ff), z. b. Mo (Haan,
ahd. Mäiva, s. Psilander, K. Z. LXV, 284 f.. 269 note 2) klaue,
Föll (neben später entlehntem Fall) Paul, seit, anorw. (s. Haeg-
stad, G. Tr. s. 95) tö {Haiku > Hau, s. § 54, 1) neben gew. tö
zehe, 6 (Falk, Arkiv VI, 117; Hsegstad, G. Tr. s. 95; Rygh,
Norske gaardnavne, Forord s. 41 u. a.) fluss (aus *üu < *ah>cu.
got. aha) neben ö, neubildung zu pl. *awan. (got. ahös), später
— mit aiialogisch entferntem w — d(a)r, nach der analogie
styl : sMlar u. dgl.; frö s. § 80, 2, s. 78. Nnorw. hö (HiaJuc/t.
s. Liden, Uppsalastudier s. 9!) nachgras, rö (mlit. rahe) Stange,
slö (*slahu-ii) schlagbaum u. a. (s. Falk a. o.) erweisen anorw.
hö, rö, slö neben den analogischen hö, rö, slö usw. Mör
(*mahuR < *maihwaji, s. § 54, 1) möwe und nö- (*nühu- < Hiälnctt.
got. neh-) nahe sind auch nach § 116 zu erklären.
3. e > e (geschlossenes) tritt nur dann ein, wenn e nach
$ 00 (vgl. § 89) nicht gebrochen werden konnte, also nach r
wie in 3. pl. prät, ind. rero (auch rero nach sg. rera, wie um-
gekehrt sg. rora nach dem pl.) ruderten, grero (grerö) keimten,
Preskoldr (öfter preskoldr s. § 79, § 148) türschwelle, Ballfrepr,
Gupropr u. a. mannsnamen auf -(f)repr (*-fredus), anorw.
rottyndi (kontamination von rrttyndi, s. § 64, und *r/ittundi
< *rett-undi nach rettr < rettr, s. § 127) recht, mnorvv. Äsbern
(danach simplex Born) ein mannsname; nach l wol in 1. pl. präs.
ind. anorw. lesum (lnial) zu lesa lesen (s. Wadstein, F. Hom.
s. 82); in nicht haupttoniger silbe. z. b. tai-. pritogr u. dgl. 2,
3 dekaden enthaltend aus Hegun (danach das simplex tegr
statt Hiogr, aschw. tiugher dekade), vielleicht moga (lmal.
s. Larsson, s. 219) nach *meffoni, -op, -o neben tuega können,
später häufig anorw. Olafs-, hrossnwssa u. dgl. (s. z. b. Hsegstad,
Vestno. maalf. II, 2, i, s. 22) nach obl. -messo (dann auch simplex
messa) messe. Ebenso wo a aus w entstanden ist, z. b. r0Jc(Jc)r
aus *rekw(a)n (vgl. got. riqis) dunkel ; in diesem falle auch bei
aus l (nach § 110, 1) entstandenem e, z. b. dekhr (*dekkt</t
< *dinhwah, afries. diunk) dunkel. Vgl. Bugge. Arkiv II, 250 ff.,
Wadstein, F. Hom. s. 150 note, Haegstad, G. Tr. s. 52, 50.
Anm. 2. Ueber die weitere entwickeluns: des 6 bei nasalierang: s».
§ 116, bei schwachtonigkeit s. § 14S.
? uiiiiaui T«.ii • . i 1
> //. nur unmittelbar vor (.später >ynkopiertem) u.
z. b. ß (a. Larsson s. 104. Wadstein. F. Hom. s. 21. 82. Haegstad.
Vfstno. maalf. 1. 142 und II. 2. i. s. 94, 95: vgl. aschw. gen.
f»iar- st. fear-) geld aus feu (so im 10. Jahrb.. a Wadstein. Alt-
säehsische Sprachdenkmäler, s. 129. 20: gleichzeitig geschrieben
flu. s. Bugge. Bidrag s. 22 1 und dies aus *fehu (got. fo.ih>n:
vgl. nnorw. fas viehstall aus *fe-hus? Die gew. form fe ist
dem eiustigen gen. fear. pl. gen. fea. ä&t. feum nachgebildet
(darnach * fek m > fios).
5- ' > V (geschlossenes) in folgenden fällen:
a) wo tt aus u> entstanden ist. z. b. nyhr (*nikuR > *nik>riR.
ahd. mkkuSj ags. mcor) nix. ykhr (*ikkup. > *inkui>\ got. ig
euch beide, ypr (got. izicis) euch, myrkr (*aujrhuri* neben nierkut:
obl. miorkua) finsterni<. pl. fyrpar (^fvrhu-idöp. zu got. fairhus)
menschen, tryggr ^triyyiiR. vgl. aschw. run. aec. Siktriku; got.
triyyics) treu, präs. hnyggr (porkelsson. Beyging s. 230: *hniggus
<*hniyyuip.\ stösst; /. --4) heideki'aut u.a.m.
Anm. 3. Vor nicht ans <r entstandenem u ist der nnüaut durch Aus-
gleichung innerhalb des naradiginas nnterblieben <s. 0. v. Friesen. N. Spr.
II. 7 ff.), z. b. litr statt *Jytr (adän. /»/f. ndän. Jed) färbe nach gen. Utar
u. s. w. Von *$igu- <ah<l. «</«)> syg- sind doch in (bes. anorwr.) personen-
namen spuren häutig, z. t». Sygwg. -rt'Pr (bei Saxo Sygrutha), -tryggr (rschw.
'rtjkR). -urpr u. a. m. neben -iigny usw. zn sigr sieg.
b) wo dem i ein bilabialer kons. (b. m. bei p fehlen beisp.)
unmittelbar vorhergeht und das u erhalten ist. z. b. byskop
(gew. durch fremden einfluss biskop) bischof. dzt. myklom. -o
(anal miklom, -o zu mikeU tanal.. bes. anorw.. mykilJ) gross.
myskunn (gew. miskunn) barmherzigkeit. anorw. Ortsname
MyÖiu zu nnör mittler, nisl. mysa nach obl. niysu zu aisl. misa
(2 mal in Kroka-Refs saga. Kopenh. 1883. s. 35; vgL nsen w.
mesost ans ~*ni<sn-n$tr) molken. Vgl. Hoffory. Tidskr. f. Fil.
X. R. III. &95 f.
•5. / > </. nur unmittelbar vur i später synkopiertem) u.
z. b. pl. by (*bit< : anal, auch sg. by statt *bi. aschw. bi) bienen.
bly (ahd. blw) blei. sly (ahd. «Ho, ags. s//w Schleie) byssus. hg-
byl.e (got. heiica-) neben hi-byle (nach dat. *ä//<?. pl. gen. *At/h)
hauswesen, hyske ahd. hhriski) hausgenossenschaft, yr (*»w*
<*fK-as. ags. Iv) neben gen. pl. ifa -. Sperber. Sv. landsm.
72 §7(. «-uinlaut von <r, ab.
1912, s. 65 f.) eibe, bogen, spijr (got. speiwis) speist, snyr (ahd.
snlwit) schneit, Tyr (ahd. Tlo. ags. jföw, lat. dlvus) ein götter-
name neben pl. tifar götter.
7. » (aisl. e) > e (offenes), z. b. ex (*cektis- < *akwis-;
anorw. auch (ex. s. Hertzberg ; vgl. got. aqüi) neben j># (z. b.
Dahlerup, Agrip s. IX; Larsson, s. 396; Hertzberg, s. 760;
Haegstad, Vestno. maalf. I, 83 ; nnorw. ox ; ahd. achus) und ow
(z. b. Dahlerup a. o.: nacli gen. axar — s. Fritzner — zu ox
neugebildet) axt, err (*Orwia, No. Hom. eer, wrr, s. porkelsson,
Supplement IV, 27. aschw. <<r. eer, Ann. arjn\ narbe. sokkr
(*sankwiR, got. sagqs) gesunkene läge, pl. ntr. rek (z. b. St. Hom..
No. Hom.: aus *rcekit, neubiklung zu rekia darlegen) statt rok
(z. b. Hb.; ags. racu) darlegung, obl. rekkio zu rekkia bett
(s. porkelsson, Supplement IV. 122), komp. gerr (*garwin) zu
goruä (anal, genta) völlig, prät. gerpa (ahd. garota < garwita)
machte, melpa (got. malwida) zermalmte, präs. heggr (*hteggun
< *haggtvi/i) zu hgggua hauen, hneggr (porkelsson, Beyging,
s. 230) zu hrioggUa (Unger. Postola Sögur, s. 470, Thomas saga,
s. 337) stossen, firengr (porkelsson a. o. s. 568; Leffler. Oin
r-omljudet, s. 60) zu prongua drängen (dringen), komp. prengre
{*Prangu-iite) enger, anorw. (z. b. Wadstein, F. Hom. s. 81)
gegnuni (auch gwgnum, aisl. gegr^m) statt gognum 'durch'
nach (/) gmgn (aisl. gegn , anal, gggn, anorw. auch gegn) aus
gcegin (s. § 428 anm. 1) 'gegen', anorw. ellyfti (Wadstein,
F. Hom. i 79. 81, eJlyktl, eil pti Fritzner I, 324; III, 1077) elfte
durch kontamination (vgl. rettyndi oben 3) von *eüofte (zu
nnorw. ellov, ellug, anorw. wttugu, aschw. cellovo, adän. ceUuvat
u. a. elf) und cellifti (;> *cellyßi s. §85), ? anorw. obl. Helgu
(anal. Hwlgu) zu Hcelga (anal, sowol Helga, z. b. Hb.. wie auch
mask. Helgi neben der noch dunkleren form Holgi. worüber
s. Bugge, Helge-digtene. s. 326 f. mit note 2, und Marstrander,
Bidrag s. 63 note 3) ein frauenname; ferner anorw. stemfnu,
Hellu, missemiu, hettu, stafkerkim zu stwmna, Htella, -swmia'
usw.. s. Haegstad, G. Tr. s. 51 f., 69.
8. de > 6, nur unmittelbar vor (später synkopiertem) u,
z. b. dat.. acc. so (in Rimb. und Physiologus. s. Larsson s. 296,
324; Pipping, Stud. nord. fil. VIII, 1, s. 6 ff.) see aus *scbu
< *scew mit (vor der **-synkope) aus gen. seewar und dat. seewe
entlehntem w\ ebenso U (s. Fgilsson. s. &01; dazu Uhraut ver-
£77. e-ninlaut vom tu, tat, k&. '•>
dorblicher weg. s. Kalile. Die spräche der skalden. s. 283)
neben Im (dat. Ickfe) verderb und anorw. (2 mal. s. Haegstad.
i. Tr. 8. 59) frS- statt free (dat. freefe) sarae; anorw. (s. Haeg-
stad. Vestno.maalt.Lio7, 143; II, 2, i, s. 94. 95: Gamalnorsk
fragment. s. 10) twre aus *nähicin$ näher und nästr < *nähivist-
nächst,
9. ia > ig (geschrieben und vielleicht gesprochen io. s. § 89).
z. b. smior (^smiaru < smerwa § 83. >} 2 i6. alid. smero) lieben
dat. anorw. s>n&r(u)e (anal, smiorui und smyrui nach smi/rta
schmieren) aus *sni>r«r (§82,3) schmeer u.dgl., s. Torp und
Falk. Dansk-norskens lydhistorie. s. 128 f.; ferner z. b. dat.pl.
hiortom aus *hiartum zu hiarta herz. io/ötr fürst lieben aostnorw.
iafurr u. dgl.
10. na > k<>. z. b. <•«■/«■//• (got. xandus) rute. sao>l>r (gen.
sc'irpfir) schwarte, obl. / arfo zu rorfa warze. Postkonsonantisch
(in welcher Stellung w als solches bleibt, s. $ 250) ist die
labialisierung durch erhaltenes u bis zu *ivo. woraus (nach
§ 235. l,a) ". fortgeschritten, z. b. soppr (neben anal, suoppr)
pilz, ball nach dat. acc. pl. soppom, -<> (anal, suoppom. -u): sorta
schwärze aus *suarta (anorw. dial. srorta). obl. sortu (woraus
nnorw. dial. surta): gen. horfc schlinge (in Ynglingatal) zu
hnarfa ( nnurw. dial. kcorra: s. Wadsteiu. Arkiv XI. 68 f.):
anorw. Ortsname Sokku zu schwed. sencku Vertiefung (s. Lind,
Dopnamn. sp. 1012); part, s(u)orenn (s. Egilsson und Hertzberg)
statt saarenn geschworen nach den obl. formen auf -um. -u:
pl. sor (Hertzberg) st. suor antwort nach dem dat.: anorw.
herso (anal, auch kor) wie und horium (Hsegstad. G. Tr. s. 67)
welchem zu hmarr welcher. Hierher gehören wol auch tottogo
ittuyii s. § 266, 2 = acc. tw't tugu) zwanzig und tolf (statt
noch lmal iaolf. s. Jjurkelsson. Supplement IV. 153. und
aschw. tualf. d. h. twolf Rökj zwölf aus einstigem *twa&uf mit
demselben u. das sich in ahd. eintuph, afries. andloru. ags. end-
lufa». aschw. müovo (und attofte), adän. afflma (ceUufie), anorw.
tellugu (»Uyfti) elf zeigt.
11. aä. > u<>. /.. b. röjj {*nä()u) zeug zu gen. rtijtar. ]>uöttr
(gen. pudttar) waschen, pl. v$pn zu vapn walte. Vor erhaltenem
/' wird es zu *uö > ö (vgl. ua > uo > *uo > o oben 10), z. b.
söno so (nun) aus sua nii (s. § 151. 4). ut sögoro so getan aus
ai mn g-rro (s. § 148), Vaec. öf<, | R. \[. Olsen, Arkiv IX, 231 f.)
f'4 S, 77. <t-unilaut von ui, tu.
zu vdfa gespenst, obl. komo (anal, kuoino) zu Jcudma (anal, köinu)
ankunft, 7*o^Z statt Imäll hügel nach dat. pl. holom, pl. kongor*
ofor zu kgngorväfa spinne. Jmpöro nichtsdestoweniger aus
*J)6-(a)p-huäru, 3. pl. prät. ind. öfo, 6ro, höpo, sofo zu sg. resp.
va/* wob, var war, &*«$ sagte, ääo^ schlief; s. Wadstein.
F. Hom. s. 06 ff. Vor geschwundenem u steht in Ol. hei. leg.
saga (anorw.) auffallenderweise vd 2 mal (neben lmal vd) in
vöpn (aber immer väpnom), s. Haegstad bei 0. A. Johnsen, Olafs
saga s. XXXIII.
Anm. 4. ue >• e ist nicht durch anorw. (vgl. Iiaegstad. G. Tr. s. ;V2)
s0/7( (neben suefn und durch kontamination suefri) schlaf belegt, denn es
dürfte aus einem durch aschw. si/mn belegten *subni- (vgl. gr. vjivoq
<< *supnos) stammen, das nach sofa schlafen zu sotmi-, woraus nach § 63, 3
sefn (aschw. sempri), umgebildet worden und durch neuen einfluss von
sofa zu anorw. sofn (s. Heegstad a. o. ; aschw. sompn) geworden ist (s.
Wessen, Spräkvetenskapliga sällskapets förhandlingar 1910 — 1918, s. 71.
Ein allzu isoliertes beispiel wäre pl. riphuep zu vipkuep geschrei (s.
porkelsson, Supplement IV, 176).
12. ui > (*m/, woraus nach § 235, 1, a) y, z. b. kyn\ kuirr
ruhig (urspr. nom. kyrr, acc kuirran; vgl. got. qa/rrus, acc.
'/(th-rjana), syptr statt suiptr beraubt nach dat. syptom, -<> u. a.
(dazu anorw. m. andsypUr ateinnot), anorw. (s. Hertzberg, s. 803;
Haegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 17) Syftun. Syptun neben
Suipthun (kontaminiert Siftun) ein heiligenname, syll (anal,
anorw. suill) zu gen. siiUlar (anal, syllar) grundschwelle, sykn
(got. swikns) schuldlos aus urspr. m. *.wikit. f. sykn usw., systor
schwester aus ''"suistir (statt *suestir, urn. siccstar nach pl. *suistr
aus *swistriu), obl. systm\ forrista (-ysta) zu obl. forysto (-visto)
leitung. pyreXl (ahd. dtrirü. nnorw. tinrel) quirl nach *pyrnll
(nnorw. terull, s. Ross; vgl. auch dat. pl. fiyvlum <*/mirh(m)
anorw. tynni {tuinni) zwei nach dem dat. (s. Hertzberg), tyttuyu
aus tuittugu (nach dem prätix tut-) zwanzig und tyttugü
zwanzigste, huennsyft (s. Hertzberg) neben -suift weibliche
seite nach gen. -suifiar, pyngan nebe» fiuingan zwang aus
urspr. nom. -un, gen. -anar (s. § 137 anm. 3), einmaliges tystr
(s. Jonsson, No.-isl. kultur- og sprogforhold, s. 300) st, tuistr
schweigsam nach dat. tystum, -u u. a.
13. ui > *u$ > y (vgl. oben 12), z. b. skyare statt skuiare
bedienter nach dem dat. pl. (anders Kock, Umlaut und Brechung,
s. 187), Öayfr (fttn&vtötux, eine rw-ableitung zu stiifa ablenken,
k- nmlaut in nebentonigen siiben. v9
während das adj. 6s*ifr, pl. ösuifer, eine o-ableitung ist) neben
(isuifr ein mannsnanie (eig. rücksichtslos ; noch lmal als adj.
pl. asuifrir in Sturlunga). Dyna ans :f Duhia, obl. Dynu (s. Wik-
lund. Le monde oriental X. 171) ein flussname, anorw. oft
(Haegstad. G. Tr. s. 56, 52. Kong. s. 11, 17. Vestno. maalf. 1,9.
Tl. 1. s. 17 und 2. i. s. 35 sowie 2, n. s. 22) pl. S{u)ijar und
(mit parasitischem i) S(u)yiar statt 8wm Schweden nach dem
dativ : anorw. syns/str Schweinefett (s. Hsegstad. Vestno. maalf.
I. 135) setzt wol einen dat. *synum zu suiii seh wein voraus.
14. uce > *uv > (s. § 235. 1. a), nur durch sänskr neben
sucenskr schwedisch nach smiskom. -o vertreten.
15. cei (aisl. ei) > ey (aisl. ey), nur wo u aus //• entstanden
ist. z. b. ey (*«w < Xatwa, got. uin . s. v. Friesen. X. spr. I. 24)
neben schwachtonigem (vgl. § 78) ei immer, prät. veyi (s. Vig-
fusson) neben ceik zu ykua weichen, sucyk is. Brenner, Alt-
nordisches handbuch s. 136) zu sijkua betrügen, ceykr (anal.
gew. veikr nach dat. v&kom u. dgl.) weich.
§78. Die, stark nebentonigen vokale werden ganz wie
die haupttonigen umgelautet, z. b. aisl. dat. pl. gefondam (aostnorw.
gefanäum, s. § 80.3) zu gefande geber, pegnskgpom (aostnorw.
-skapum) zu Pegnskapr lapferkeit. heldentat. Dagegen erleiden
schwachtonige vokale keinen umlaut. und schwankende be-
tonung gibt zu doppelformen anlass. z. b. Harpangr (noch
anorw. Bar danger) ein landschaftsname zu Jivrpur (lat.-germ.
harudes) ein völkername: 'k(k)la (ahd. ankläo) fussknöchel
neben klo klaue, präf. na- und nd- nahe (s. § 77. 2); an und 6n
ohne, hdnom und honom ihm u. a. m. (s. § 116): ei und ey immer
(s. § 77, 15). Fälle wie aisl. grenign (woraus grenioti nach § 148)
heulen zu gen. grenianar, rtom., aee. lrtr. pL tieügg (heilog) zu
heihiyr heilig. 6])o( (ößol) zu öfml eigentum, dat. pl. riddorom
(■orom) zu riädare ritter. >. pl. eJskopo (-ofto; anorw. celskaÖo)
liebten zu 3. sg. elskape u. a. m. zeigen, dass viele später schwach
nebentonige ableitungssilben einst stark nebentonig gewesen
sind is. ij 51.2, b und besonders Kock. Altnordischer *<-umlaut
in ableitungs- und beuguugsendungen. s. 17 ff., Lund 1918). ja
dass sogar " halbstark" nebentonige silben (g. § 51 anm. 1)
umgelautet worden sind.
7<3 § 79. K-uml. durch schwächten, vokal. $ Hü. Safewickel, dos K-uml.
§ 79. Wahrscheinlich wird der umlaut lautgesetzlich auch
durch starktonigen vokal bewirkt, wie wol er in fällen wie
z. b. barnungr jung wie ein kind. nättüra natur u. a. durch
assoziation und fremden einfluss unterbleibt (s. Kock. Unilaut
und Brechung, s. 240 f.). Wo ein urspr. starktoniger vokal zur
schwachtonigkeit niedergesunken ist, unterbleibt gewöhnlich
die assoziation, und der umlaut macht sich geltend, z. b. die
mannsnamen Fgstolfr (anorw. Fastulfr), Omolfr (gegen Arn-
grhnr u. dgl.). Ondopr (gen. Andapar: aus *Andhgpr, ahd. Ant-
had), Stgrkopr (gen. Starkapar; s. Bugge, Sv. fornm. tidskr.
XI, 110) und at sögoro § 77, 11. Durch schwankende betonuug
und eventuelle assoziation mit verwandten formen entstehen
doppelf ormen , z. b. dggorpr : dagretpr frühstück, gndorpr : and-
vetpr anfänglich, gndoge : andvege hochsitz, gloge : alhuge ernst,
Olfuss ein mannsbeiname : alfuss sehr begierig, glu]> : cdgp, -üp
gewogenheit, gf und : af und neid. gllonges : allynges ganz und
gar (vgl. § 64), glmosa : almusu almosen, gmhott : ambött magd,
prodoldr : preshgldr (s. § 77,3) türschwelle u. a. m.
§ 80. Der «-umlaut wurde wol am frühesten durch ein
ganz unbetontes, erst später durch ein etwas stärker betontes u
bewirkt. Infolgedessen haben wir auch in betreff des u-
umlautes mehrere perioden — in hauptsächlicher Überein-
stimmung mit denjenigen des ^-Umlautes (s. § 66) — zu unter-
scheiden (s. die An. gr. II § 67 zitierte literatur und ausserdem
Bugge, Bidrag s. 16 ff, Kock, Arkiv X, 388 ff., XII, 166 ff., 258 ff.,
Umlaut und Brechung, s. 153 ff.) : .
1. Die zeit (etwa 700 — 900), wo umlaut nur durch urn.
ganz unbetontes (daher relativ früh synkopiertes, s. § 153, 1) u
bewirkt wird. So besonders in langer starktoniger silbe —
in kurzer wol nur vor synkopierter binnensilbe — z. b. um 900
ös, söl (so im Abecedarium nordmannicum: aus, aber soulu,
reidu, s. § 153. 5. im Cod. Leidensis lat. 83, 4", beides denk-
mäler — freilich wahrscheinlich ostn. und zwar am ehesten
adän. - aus dein 10. jahrh.. wiewol Cod. Leid, eine etwas
ältere vorläge voraussetzt) aus *ansun, *sölu als runennamen.
aber schon Eggjuni c. 700 haMci (d. h. ngkdan. s. Olsen, No. I.
III. 105 f.) aus *nakudan (vgl aschw. uakudher nackt): gleich-
zeitig ist wol /.. b. acc. »tötkaii (später tnöthin. s. § 116) zu
>. Entwickelnnsr ÖM /f-nmlau* « i
nmtt>i>i>- (später mottogr. mHtogr, s. 3 unten) ' mächtig" ent-
standen. — Tn fällen wie katthelgr (*k<xttu-) katzenbalg zu
hottr katze. die mannsnamen Arngrimr zu örn adler, Asmundr
zu fes (o5.s) gott u. dgl. ist wol u schon vor dem eintritt des
//-umlautes synkopiert worden, wie ja auch schon die inschrift
von Sölvesborg um 775 acc. sg. asmu[n]t (neben sunu söhn)
aus *Answmmdu aufzuweisen hat (s. Kock. Arkiv XII. 252.
259, Noreen, Geschichte 3 , s. 86).
2. Die zeit um 900. wo auch ein um. etwas stärker
betontes (daher relativ spät synkopiertes) u umlaut bewirkt.
So besonders in kurzer starktoniger silbe vor synkopierter
endsilbe. z. b. log (aus *lagn) gesetz zu lag läge. Ordnung.
als runenname lauer, d. h. logr. im Cod. Leid. Dieser umlaut
war im allg. vor 900 nicht deutlich ausgeprägt nach aus-
weis air. lehn Wörter wie lagor (aus aisl. logr. s. Marstrander,
Bidrag s. 74 f.. 1351; vgl. auch ags. lehnwörter — freilich
meistens aus dem adän. — wie la$u gesetz, sowie die runen-
namen feu, lagu im Abecedarium nordm.. fiu im Cod. Leidensis.
s. 1 oben). Andererseits muss er bald danach durchgeführt
worden sein, weil das betreffende n zu dieser zeit synkopiert
wird (s. § 153, 7), womit auch stimmt, dass das gedieht HofoJ?-
lausn (aus dem j. 936) Wörter wie Top (*/«//«). kuo]> C : kua]>i<)
u. dgl. als einsilbige reime gebraucht. — Nur unmittelbar
nach kurzem vokal, in welcher Stellung u überall aus w ent-
standen ist, ist es synkopiert worden ohne umlaut zu hinter-
lassen (vgl. § 66, 2). So erklären sich z. b. strdjxt (*stra-u&a
< *strawiÖö. got. straivida) streute, strd (ahd. strao, gen. strau.es)
Stroh, nur (got. naus leiche). fdr (got. ]A. fawai) wenig, hrdr
(ahd. Iran) roh. dna-sott (vgl. got. awö grossmutter) alters-
schwache, meer (got. muiri) mädchen, der (lat. ocis, got. aui-str)
mutterschaf (vgl. £71.2). Jene (got. kniu) knie, tre (got. tritt)
bäum, hie (ags. Ueo) lee, Ham-j« <r {uro. -frevan Torsbjaerg. Vals-
fjord. got. }n äs) u. a. dgl. mannsnamen. p!r (got. Jnici) magd.
•s7,v (St. Hom., gew. sky nach dat. *kye, pl.gen.skyia. dat. skyiom:
ags. seeo. as. seio) wölke. Signi (aisl. gew. >>iyny nach gen.
Signyiar: ahd. Siginiu) ein frauenname. \">h (urn. Wiieila
Veblungsnaes, s. Sievers. Berichte d. kgl. sächs. ges. d. Wissen-
schaften 1894, s. 133) ein mannsname u. a. m.: s. Kock, I. F.
V. 153 ff. (wo jedoch </• -Schwund angenommen wird). I>a>
f8 i? 80. Kut Wickelung des u- Umlautes.
scheinbar widersprechende fror neben frär (urn. fraiva-
Möjebro, ahd. frao) munter ist wol zu nom. sg. fem. und nom.,
acc. pl. ntr. fro (nach § 77, 2 aus *fräu < *frawu, s. Pipping,
Stud. nord. fll. XII, 1, s. 10) neugebildet; vgl. acc. sg. m. fräfan
statt *frawan nach frär.
Aura. 1. Sonstige ausnahmen sind nur scheinbar. Da formen wie Üläfr
(*AnulaibuR , s. § 54,3, b), aschw. Skepvc (*Skgöwi<i*SkaÖuicih-?) u. dgl.
lautgesetzlich sein müssen, sind fälle wie sparhaukr (neben spi/rhankr)
sperber zu spgrr sperling, prumsky schild zu prgmr rand (teils als von
Zusammensetzungen wie lagastnfr meer zu logr flüssigkeit beeinflusst, teils
und zwar gewöhnlich) als analogische neubildungen nach dem typus katt-
belgr: kgttr (s. 1 oben) oder nach dem simplex *spaniR «*sp«rintR).
*PramuR, ehe dies zu spgrr, prgmr wurde, zu ei klären.
3. Die zeit nach der w-synkope, wo umlaut auch durch
ein urn. noch stärker betontes (daher später erhaltenes) u
bewirkt wird, z. b. Skggol aus Skagul ein walkürenname, pl.
sogor zu saga aussage. Dieser prozess ist wenigstens in
gewissen westnord. gegenden noch um 1000 nicht da nach
ausweis des Reichenauer necr., wo neben Sorli (aisl. Sgrle),
Olaf (aisl. Ol äff) und Gunnor (aisl. Gunnvgr) stehen Assur,
Azor (aisl. Ozorr) und Anunt (aisl. Onundr) ; s. Kock, Arkiv
X, 349 f. Wann und wo im westn. dieser umlaut entstand.
ist nicht genau zu ermitteln. Zwar finden sich bei den aisl.
skalden bis um 1150 häufige assonanzen wie faxa : larnsgxo,
randar : strgndo u.dgl. (s. Gislason, Om helrim, s. 9 ff., Arkiv
VIII, 52 ff.; porkelsson, a. o., s. 1511; Möbius, Kormaks saga,
s. 99 ff.; Jonsson, Sv. Landsm. XII, 7, s. 22 f. note, No.-isl. kultur.
s. 242 ff.; Kahle, Die spräche der skalden, s. 28 ff.), aber diese
lassen nicht auf eine ausspräche -saxo, strando schliessen,
ebensowenig wie die auch zu dieser zeit vorhandenen, wenn
auch nicht so zahlreichen, assonanzen sonn: man nom, mggr :
fvgro u. dgl. (s. Wadstein, Sv. Landsm. XIII, 5, s. 33 f.; Kahle.
a. o., s. 30 ff.) eine ausspräche monnom, fggro erheischen. Denn
wie besonders aus fällen, wo sowol g wie a unzweifelhaft sind
(z. b. prgm : gram in der Hofoplausn), hervorgeht, können bei
diesen skalden g und a assonieren, sei es dass man eine auf
dialektmischung oder archaisierung beruhende poetische lizenz
anzunehmen hat (Kock, Arkiv X, 3371), oder wol eher dass
die differenz noch nicht so sehr gross gewesen ist, weil der
umlaut im werden begriffen war (Söderberg in Öfversigt af
§81. An^-leicbunsr des m- umlaute. TQ
fllol. sällskapets i Lund förhandlingar 1881—88, s. 94 f . note:
Falk. Anz. f. d. A. XIX, 214 ff. und die daselbst zitierte
Literatur). Erst um 1200 sind "reine reime" (a : a und g:o)
ausschliesslich herrschend, und zu der zeit — wenn nicht
früher — muss wol also der betreffende umlaut vollständig-
durchgeführt worden sein: dies jedoch nur im aisl. und (mit
wenigen ausnahmen) in den awestnorw. denkmälern. Im
aostnorw. dagegen tritt zwar konsequenterweise umlaut vor
erhaltenem u ein bei nasaliertem ä sowie den diphthongen ud
und postkonsonantischem na, tri, tri (beisp. s. § 77); betreffs
der übrigen vokale aber verhalten sich die denkmäler sehr
verschieden. Einige, wie die § 15. 12, 26 und 30 angeführten,
zeigen nie (oder fast nie) umgelauteten vokal, z. b. dat. sg. aru
pl. onim) zu gr pf eil . gafugr bedeutend neben acc. ggfgan,
Amoidr (aisl. Onundr) ein mannsname usw. Andere (s. z. b.
§ 15,18) zeigen umlaut in unmittelbarer nähe von labialen
(b, f, m, r, w) und labialisierten konsonanten (wenigstens /),
z. b. tyrnum kindern. dat. ntr. fggru schönem, dat. pl. mgrgum
vielen, pl. mkttr wachen, acc. duoh.i Verzögerung, gfund neid,
dat. pl. ollum allen, sowie wo der vokal nasaliert ist. z. b. dat.
ntr. sä- nanu kurzem, hgndutn bänden. 1. pl. ggngum gehen.
Wieder andere (s. z. b. § 15, 29) zeigen ausserdem umlaut in
stark nebentoniger silbe. z. b. dat. pl. fortglum vorreden neben
hdum reden. S. Kock. Arkiv XII, 128 ff. (bes. 166 ff.; vgl.
dazu Pipping. Memoires de la societe neophilologique a Helsing-
fors IV. 247 note); Wadstein. Der umlaut von A bei nicht
synkopiertem U. Uppsala 1894; Ha?gstad. G. Tr. s. 55 note.
Anm. 2. Suffigiertes pü du bewirkt keinen umlaut. z. b. farpu fabre.
§ 81. Ein durch umlaut hervorgerufener Vokalwechsel
innerhalb eines paradigmas oder einer gruppe von verwandten
Wörtern ist oft durch ausgleichung beseitigt worden und
zwar in verschiedener weise:
a) Der umlaut ist überall durchgedrungen, z. b. sgkn statt
*suikn nach f. syh>. dat. m. $yk».uni. ntr. sykim\ syster, gen.
s'/stor statt " : suistir. systur (& § 77, 12); gen. mgrnar st,*marnar
zu niom riesin (s. M. Olsen, Forhandlinger i Videnskabs-selskabet
i Ohristiania 1908. nr. 6, s. 7 f.).
b) Der umlaut ist überall geschwunden, z. b. hallr (got.
80 § 88. »■-unilaut von a, ü. c.
hallus) t'els nach gen.*hallar (später hak); blär blau und grär
grau statt *bUr (ahd. Mao) und *grw (ahd. gräö) — nach
§ 77, 2 — nach acc *hläiran, *gräwan (später bläan, bläu und
grdan, grän nach blär, grär) u. dgl.; har]>r statt *h»r])r (got,
hardus) hart vielleicht nach den sehr vielen Zusammensetzungen
wie harjjgorr (vgl. § 80, 1) hart gemacht u. a. (anders, aber
unsicher, Kock, Umlaut und Brechung, s. 129 ff.).
c) Doppelformen sind entstanden, z. b. holl, seit, hall saal
aus nom. holl, gen. hallar; rgnd, seit, rand schild; hnfn, spät
auch hafn hafen (s. Gislason, Efterladte skrifter 11,175, 178);
bMr, seit, balhr balken; <>, ä und nwr. mär (§77,2); /#, fc
(§ 77, 4); hg-, hi-byle und tyr, ttr gott (§ 77, 6); gognum, gwgnmu
(§77, 7j; $4 s« (§77,8); fö&, kdR (§77.11); bin: kitirr,
syll, suill und tynni, tuinni (§ 77, 12); skgare. skitiare und Osgfr,
Ösuifr (§ 77, 13); sönsh; sucenskr (§ 77, 14) u. a. m.; s. Kahle,
Die spräche der skalden, s. 28 f.. Hsegstad. Vestno. maalf. II, 1,
s. 13. S. weiter die flexionslehre.
Aum. Schreibungen wie vän, spann u. dgl. (statt lautgesetzlichen
na, spann n. dgl. nach § 116) sind wol in den meisten fällen mit den auch
vorkommenden von, spornt u. dgl. gleichwertig (vgl. §107). Die letzt-
genannten formen sind gen. vanar, spänur u. dgl. nachgebildet in analogie
mit entsprechungen wie sköl, gen. skälar, schale, nr, gen. arar, rüder u. dgl.
Sie sind natürlich erst zu einer zeit entstanden, wo der Übergang ö > o
(s. § lHi), dem formen wie ön. spömi u. dgl. ihr dasein verdanken, längst
durchgeführt ist.
2. tr -umlaut.
§ 82. Die fälle sind :
1. a > ö, z. b. hgggua hauen, stgßua hemmen, \A.sgnguar
gesänge.
Anm. 1. T T eber die weitere entwicklnng des o bei nasalierung
s. § 115,1.
2. d > q nur durch *nükkuarr (s. § 54, 3. a) > *nokkorr
(s. § 148) > *nokkprr (s. § 116) > anorw. nokkorr (s. § 127.;!;
anders Wadstein, F. Hom. s. 95. 97) irgendein vertreten.
3. e > e (geschlossenes), z. b. rskkua finster werden, â– nwrkac
(Elis. Barlaam u. a., s. Egilsson; auch miorkue nach den kas.
obl. und mgrkne nach nigrkr) finsternis, anorw. dat. smerue
(s. z. 1). Hsegstad, Vestno. maalf. 1, 14 und TT. 2, f. s. 71 f.) zu
§82. «/-umlaut von i, i, ce. 81
-smior (s. §77, 9; anal, «mar) butter, nisl. ket (*Jcet, s. anm. 2;
aschw. tot) fleisch nach dem dat. (vgl. aisl. kiot aus dem nom.
H-iatu < *Jcetica). Ebenso wo e aus älterem i (nach § 110,1)
entstanden ist. z. b. sekkua sinken, stekhia (got, stigqari) springen.
hrekkua zurückweichen, klekkua stöhnen, ekkuenn dick, nisl.
skkr (nschw. dial. ink. vgl. lat. inguen, Bugge, Bezz. Beitr.
III, 115) geschwulst.
Anm. 2. e wechselt oft mit e nach § 119.
4. i > y (geschlossenes), z. b. syngua singen, Jtryngua
drängen (dringen), slyngim schleudern, dat. lyngue zu lyng
(*Ungu < *Ungiva nach § 77, 5, a) heidekraut, Yngue (aschw.
Inge, s. weiter Noreen, Namn och bygd VIII, 1 ff.) ein manns-
name, tyggua kauen, acc. trygguan zu tryggr (s. §77,5, a)
treu, hrygguan zu hryggr betrübt, dygguan zu dyggr treu, dat.
byggue zu bygg gerste, gyggua schreck einflössen, Pryskua
(neben Priskia) dreschen, ypuarr (aschw. ijbar) euer, acc. pykkuan
zu piokkr (anal. pykkr, s. § 91 anm. 1 und § 92) dick, sniyrua
schmieren, tyrue (vgl. tiara teer) kien und der schwertname
Tyruingr (s. Falk, An. Waffenkunde, s. 62), fyrua (vgl. fiara
ebbe) ebben, acc. myrkuan zu myrkr (as. tnirki) finster, pl. fyruar
(s. Gislason, Efterladte skrifter I, 140; danach syruar, a. o.
s. 143 f., statt seruar. s. 6 unten, krieger; vgl. got. fairkus weit)
menschen, Prysuar dreimal. Xyrue ein inselname zu JSiorua-
sund der sund Gibraltars.
5- i> y (geschlossenes) , nur durch seit. (s. St. Hom. und
wol Hättatal 70) strykua (ags. strican; öfter zu strykia um-
gebildet, s. Fritzner) streichen und dessen part. prät. strykuenn
B, § 483 anm.) vertreten. Vgl. 11 unten.
6. ce (aisl. e) > e (offenes), z. b. melua (got. gamahcjan)
zermalmen, behia (z. b. Jones, The phon. of the Elis saga s. 4;
gew. bolua nach bgl Unglück) verfluchen, 0luer (ahd. Almcih),
Heiner (ahd. Hariicih), Hesuer (seit. H suer; zu hgss, acc. h sttan
grau) mannsnamen, sekkua (got. saggjan) senken, dekkua ver-
dunkeln, stskkua (got. stagqjan) besprengen, hrekkua scheuchen,
slekkua (aschw. slcekkia, slekkiä) auslöschen, nekkueftr (aschw.
nakuidher) nackt, acc. klekkuan zu klekkr sentimental (viel-
leicht zu 3 oben), Prengua (anorw. auch fircengia) drängen,
slengua (aschw. slcengia) schleudern, engua (got. aggujan)
Noreen, Altisl. gramm. 4. aufl. 6
82 § 82. w- umlaut von ia, ua.
engen, engr (und gngr aus urspr. gngr, acc. enguan; got. aggtvus,
acc. aggwjana) eng, prengr (s. Vigfusson und Hertzberg; gew.
]>r' ngr) eng, sneggr (seit, sn<>ggr, z. b. Gering, Finnboga saga,
s. 74; nschw. dial. snägg, snogg, snagg) kurzhaarig, gleggr (seit
gl ggr, z. b. af Petersens, Jömsvikinga saga AM. 291, 4°,
s. XI, 2 mal, M. Olsen, Vojsunga saga, s. XXVI, aschw. glugg-.
got. glaggwus) genau, deutlich, hneggr (nach acc. hnegguan-
ags. hneaw) knapp, deggua betauen, gerua (mhd. genven) machen,
gerne kleidung, serue (mhd. geserwe) haisschmuck, pl. seruar
krieger, skrekua fabeln zu shrgk (s. Hertzberg; auch anal, skrek,
s. ib. und Leffler, Om v-omljudet, s. 62 note) fabelei; Nerua-
sund (auch anal. Ngrua-; vgl. noch 4 oben) der sund Gibral-
tars zu Nurr (ags. nearu eng) mit der schwachen nebenform
Nere (nach § 119 aus *N&rue, got. *narwja; anal. Ngrue;
s. Bugge, Helge-digtene s. 96 f.) ein mannsname. Ebenso wo
ce aus cei entstanden ist (s. § 128), z. b. nekkuarr, -err irgend-
ein, engr (nach acc. enguan u. dgl.) neben enge kein. Vgl. die
scheinbar gleichlautenden sekkua, stekkua, hrekkua mit ge-
schlossenem e, oben 3.
Anm. 3. Gerr (gerr) neben gprr (so immer bei den älteren skalden.
s. Kable, Die spräche der skalden, s. 44, und noch weit überwiegend in
den ältesten hdschr., s. Larssou) fertig hat wol sein e aus dem adv. komp.
gerr (s. § 74, 7; gerr) und dem verbum ger(u)a (s. oben 6; ger(u)a) bezogen,
wie umgekehrt das statt gerpa (gerpa) bald auftretende (s. Kable a. o.)
prät. ggrpa (später auch nach § 263 anm. 1 giorpa wie dann auch giorr)
sein p aus gorr entlehnt hat.
7. ia> ig, z b. Nioruasund {^Niarwa- < *Nerwa-) s. oben 4,
obl. miorkua zu merkue s. oben 3, iorua (anal. nom. iorue statt
*erue) sand, Kiotua (anal. nom. Kiotue) ein Spottname.
Anm. 4. Fälle wie dat. sg. hiorue schwert, smiorue butter u. dgl.
st. *hire (vgl. got. hairus) , smerue (s. § 77, 9) sind neubildungen zu nom.
hiorr, smior nach den typen spgrr : sporne, hol : bqlue.
$3 ua > ug, z. b. vglua Weissagerin, v<pue muskel. Post-
konsonantisch (in welcher Stellung iv als solches bleibt, s. § 250)
ist die labialisierung bis zu *uo (vgl. § 77, 10), woraus nach
§ 235, 1, a) o, fortgeschritten, z. b. horuetna (agutn. hurvitna)
neben dem nach huar (anal, mnorw. auch hör, z. b. Dipl. norv. II
nr. 451) 'wo' aufgefrischten hugr-, huarvetna wo auch immer,
hotuetna neben huatvetna was auch immer, Sorkver neben
ßuerkuer (Serkuer s. 12 unten) ein mannsname; vgl. noch
§ 83. Ausbleiben des to Umlautes. 83
nnorw. dial. solo (suht, nschw. dial. solva, sula) aus *sicahca
(ahd. swalaica) schwalbe (vgl. § 84 anm.).
9. ue > ue (woraus lautgesetzlich wol e, s. § 235. 1, a), z. b.
kuokua (neben kuekua: vgl. ahd. quec lebendig) beleben neben
kuihr lebendig, ehkuekua neben eldkueikia (anal, -kueykia)
feuerung.
10. ui > (*uy, woraus nach § 235. 1, a) y, z. b. part. prät.
ykuenn gewichen, acc. sg. m. kykuan (anal, kuikuan) zu kuikr
(nach § 77, 12 kykr; ags. cwicu) lebendig, kykuende (kuikuende,
k uikende) geschöpf, tysuar (ahd. zuirö) zweimal, kyrkia (statt
*kyrkua) neben kuirkia erdrosseln.
11. ui > *uy > y (vgl. 10 oben), z. b. ykua (anal, vykua)
neben vikia weichen, sykua (s. z. b. porkelsson, Supplement IV)
neben suikia betrügen.
12. wb (aisl. ue) > ue > e (s. § 235, 1, a), z. b. Serkuer
neben Suerk(u)er (Sorkver, s. 8 oben, und durch kontamination
oft Serkuer) ein mannsname, röAwa neben reföa erwecken,
vekue m. oder vdk[ku)a f., obl. vek\k)o (anal, re&o) flüssigkeit.
13. cpz (aisl. e«) > ey (aisl. e?/), z. b. keyk(u)a (aus kueykua
nach § 235, 1, a) neben kueikia beleben, kueykua zu pl. kueikor
(wonach anal. sg. kueika, wie umgekehrt pl. kueykor nach dem
sg.) feuerung, anorw. Leykvin (und Leikvin), Oydvin (zu -EVd),
BUykin (zu bfetfcr bleich) u. a. dgl. Ortsnamen s. Rygh, Norske
gaardnavne, Forord s. 86), anorw. 0ykrey neben JEikarey
(s. Haegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 50; vgl. ä. nschw. ökia
< *eykua : nschw. eka nachen).
§ 83. Jedes w (d. h. kons, u) wirkt umlaut ; also auch ein
(nach § 137, a) aus sonantischem u in hiatusstellung ent-
standenes, z. b. der frauenname Bupuildr aus *Badu(h)ildR
< *BaÖwahildiR. Wenn es scheint, als ob unmittelbar nach
kurzem vokal * ohne umlaut zu hinterlassen geschwunden
wäre, so erklärt sich dies nach § 80,2 so, dass w nach der
synkope eines unmittelbar folgenden vokals sonantisiert worden
ist, so dass hier kein w, sondern u synkopiert wurde; daher
strdpa (got, stratcida), strä, ndr usw. (s. § 80, 2). Wiederum
wenn erhaltenes w einen unmittelbar vorhergehenden vokal
nicht umgelautet hat, so ist dies wol so zu erklären, dass w
in dieser Stellung schon vor dem eintritt des u-umlautes zu d
6*
84 §84. Ausgleichung des w- Umlautes.
(geschr. /') geworden ist (s. § 250), also nicht mehr als solches
(d. h. kons, u) da war. Daher sind umlautlos z. b. afe (vgl.
got. awü f., lat. avus) grossvater, pl. mdfar (anal, mofar) zu
mör möve, fräfan zu frdr munter (vgl. § 80,2), läfe (die seit,
nebenform 16 fe, s. Larsson, hat ablaut wie aschw. löe, Ann.
luuva, gr. äXcoq, dkcof/j) dreschtenne, ävalt (s. § 54, 3, a) immer,
snifenn (vgl. ahd. sniwan) beschneit, pl. tifar (vgl. § 77, 6)
götter, Ifarr (*Ihu-hariii) ein mannsname, Suifor (Suivgr) ein
frauenname, skcefa (got. skewjan) gehen, dat. hrcefe (got. hraiwa)
leiche, Icefe Verderb, fr tiefe (got. fraiiva) samen, acc. mdefan
schmalen, slcefan stumpfen, frcefan fruchtbaren, pl. stiefar seen,
dat. sncefe (got. snaiwa) schnee, tiefen- (got. aiweins) ewig-, tiefe
lebenszeit. Da der Übergang w > 5 in der betreffenden Stellung
frühestens um 1000 (durch eine assonanz wie Suifor : life,
s. § 250) bezeugt ist, wäre also der eintritt des w-umlautes
frühestens in diese zeit zu verlegen. Damit stimmt auch,
dass assonanzen, wo ein durch «-umlaut aus u (also älteres)
und ein durch w-umlaut aus i entstandenes (also jüngeres) y
miteinander reimen (z. b. hygg : Tryggua, ynglengr :]>ryngue), erst
etwas nach 1000 belegt sind (s. Falk, Anz. f. d. A. XIX, 2 15 f.).
Zu dieser zeit wäre demnach der w-umlaut schon vorhanden.
Dagegen spricht nicht, dass noch im 1 1. jahrh. assonanzen wie
her -.genta, eJckio : nekJcuat, hringe : lyngua begegnen, wo man
nicht gerua, nekkuat, lingna einzusetzen, sondern nur ein noch
nicht ausgeprägtes 0, also "unreine reime" (vgl. §80,3 und
Falk, a. 0. s. 216, F. Jönsson, No.-isl. kultur, s. 241) anzunehmen
hat. Dass andererseits um 1200 der w-umlaut nicht mehr ein
lebendiges lautgesetz gewesen ist, beweisen wol solche auf
ausgleichung (s. § 84) beruhenden formen wie nakkuat, gerua,
tuisuar, acc. kuikuan u. a.
Anm. In der ältesten poesie bis c. 1000 assoniert ein (aus i, i durch
w>-umlaut entstandenes) geschlossenes y, y nicht mit einem (aus u, ü, iü
durch i- und J-umlaut entstandenen) offenen y, y, was wol beweist, dass
die beiden laute nicht früher als c. 1000 oder etwas später zusammen-
gefallen sind ; s. Marstrander, Bidrag, s. 73 mit note 1, F. Jonsson, No. - isl.
kultur, s. 241, Kahle, Die spräche der skalden, s. 267 ff.
§ 84. Durch ausgleichung kann der w-umlaut beseitigt
werden, resp. wo er nicht lautgesetzlich motiviert ist, ein-
dringen (vgl. § 81), z. b. Olvalde ein mannsname : alvaldr (nach
§ 85. Regressiver labialumlaut. 85
anderen mit al- zusammengesetzten Wörtern) herrscher, Rogn-
valdr : Ragnvaldr (nach Bagn-arr, -hildr u.a.), NgrucNarfe
(Xare, nach *narion, -u zu norr, s. § 82, 6) mannsnamen,
nokkuarr. nekkuar : nakkuar. nekkuar (nach nakkor, nekkor
u. a.), horvetna : huarvetna (nach huar), acc. enguan : enguan
(nach engom, -6) keinen, gerua : genta (nach prät. gerpa. seiner-
seits statt g&rßa nach dem inf. *geru-a vor dem eintritt des
w-umlautes neugebildet), tysuar : tuisuar (nach dem präfix tui-),
Ynguarr : Inguarr (nach IngoJfr, -unnr u. a.) ein mannsname,
Solveig : Salveig (nach Salbiorg, -gerßr u. a.) ein frauenname,
Leykvin : Leikvin . anorw. Bergvin (s. Haegstad. Vestno. maalf.
II, 2, i, s. 73 und 94) : Bergvin Ortsnamen (nach berg gebirge)
u. a. m. (s. § 82 passim).
Anm. Es gibt auch fälle, wo eine umlautlose form in ein para-
digma hineingekommen ist. das lautgesetzlich keine einzige unumgelautete
form aufzuweisen hätte. Hier ist also die analogie anderer paradigmen
massgebend gewesen, z. b. gata statt *gotua (got. gaticö) gasse zu pl. aisl.
ggtor, aostnorw. gatur, nach dem Verhältnis von saga aussage zu pL sggor,
sagur u. dgl. ; ebenso suala statt *solna (s. § 82, 8) schwalbe zu pl. suylor,
sualur; ebenso bei "brechuDg", z. b. tiara teer statt *tiorua (vgL §82,7;
finn. terra) zu obl. tioro, aostnorw. tiaru, nach stiarna gestirn zu pl. stiornor,
stianrnr; fiara strandwasser statt *fiortta (läpp, fjercvd) zu obL fioro, fiaru.
3. Labialumlaut.
§ 85. Ein regressiver umlaut ist der vorzugsweise
anorw., besonders nach 1300 häufige — aber doch sporadische
— Übergang i (das in allen Wörtern noch der häufigere laut
ist) > y vor tautosyllabischem f, p, m, l, r mit folgendem
konsonanten, z. b. pl. gudsyfiar (s. Hertzberg) paten, ellyfti
(s. § 77, 7) elfte; klyppa scheeren, sypta (suiptä) reissen:
pl. ymbrudagar jejunia quatuor temporum. Grymkell ein manns-
name, frdeyidsymi Verwandtschaft. g>jm$t<?inn (Elis saga) edel-
stem; sylfr silber, PorgyU ein mannsname, yJmr duft, yhna
duften: fyrra entfernen, byrta kundmachen, dyrfask dreist sein.
cyröa ehren, herbyrgi herberge, hyröa schützen, hyrdir hirt,
hyrta züchtigen, Byrgir und Byrgitta personennamen. S. z. b.
Haegstad, G. Tr. s. 54, Kong. s. 11, 18. 32. Vestno. maalf. 1,20
und II, 1, s. 44, F. Jonsson. Fagrskinna, s. XXIV f.
Anm. 1. Vor heterosyllabischem f (b) ist der Übergang nur durch
yfa (Wadstein. F. Hom., s. 79, porkelsson. Supplement IV, 183; bezweifeln,
86 § 86. Progressiver labialumlaut. § 87. Brechung.
vor n nur durch fynna (Cod. Tunsb. , s. § 15, 30) finden belegt. Ganz un-
klar bleiben hyte hitze und hytta finden statt gew. hite, hitta (s. porkelsson
a. o., s. 73).
Anm. 2. Dialektisch scheinen e und ce vor f (b), l, r zu o zu werden,
z. b. gefet gegeben, refr, Refr fuchs, resp. mannsname, öfter (vgl. § 172 anm. 2)
nach, Leftravägr (statt Lceifira-, vgl. § 128) ein ortsname (s. Bngge, Ant.
tidskr. f. Sv. X, 224); heimele wob n sitz; kertisicceinn k erzen träger. Ebenso
e und ce zu e vor m, resp. f (b), z. b. Klemcetson (zu lat. Clemens) ein
mannsname, efenlegr ewig; vgl. noch mnorw. Fereum st. F&reyium.
S. Häigstad, G. Tr. s. 69, Vestno. maalf. II, 1, s. 44, Arkiv XXVI, 221; Rygh,
Gamle personnavne, s. 200; Lind, No.-isl. dopnamn, s. 693 f., 852 (vgl. noch
N. G. L. III, 119).
Anm. 3. Ob derselbe Übergang vor l stattfindet, bleibt sehr unsicher.
Beisp. wären etwa (s. Bugge, Helge-digtene, s. 326) helzti (aber daneben
liplzti) statt hcelzti allzu, Helge (und Hqlge; vgl. aber oben §77,7, wo
auch über ellyfti und Hellu).
§ 86. Ein progressiver umlaut ist der speziell misl.
Übergang d (jetzt wie o auszusprechen, s. § 106) > 6 unmittel-
bar nach tautosyllabischem v (und w?, vgl. § 250), z. b. vööi
(älter väpe) gefahr, svö (suä) so, hvörhi (huärJce) weder. Der
Übergang tritt nicht vor 1350 ein (s. Gislason, Aarboger 1889?
s. 360, 363).
Anm. 1. Unklar ist der misl. sporadische Übergang ue^>uo (obwol
die schrift das e gewöhnlich behält) in den Wörtern liuom jeden, huossu
wie, huort wohin, huorfa weggehen (alle schon am ende des 14. jahrhs.,
s. Boer, Orvar-Odds saga, s. III, Leiden 1888), kuold (gegen 1500 belegt)
abend. Vgl. nisl. hvolfa (hvölfa) wölben, hvolpur junger hund und hvör
(hvur) jeder, hvöncer wann, kvöld abend, Jccörn mühle, tvöfalda verdoppeln
u. a. gegen hvessa, kveda, sverfa u. s. w. (s. B. M. Olsen, Germania XXVII.
266 f.; Kahle, Gott. gel. anz. 18y5, s. 909 ff.).
Anm. 2. Verwandt sind die Übergänge wq > (w)o § 77, 10 und § 82, 8,
top > {w)ö § 77, 11 , i > y § 77, 5, b, und die § 80, 3 erwähnten aostnorw.
erscheinungen.
III. Brechung.
§ 87. Unter brechung verstehen wir hier die entstehung
eines parasitischen vokals nach einem andern vokal durch den
einfluss eines in der nächsten silbe folgenden sonantischen
vokals. Brechung — eigentlich nur ein Spezialfall von umlaut
— tritt im aisl.-anorw. nur bei e ein, welcher vokal (mit den
unten § 90, § 94, § 95, b erwähnten ausnahmen) gebrochen
wurde so oft in der nächsten silbe ein — in literarischer zeit
oft infolge der synkope (§ 153 ff.) geschwundenes — a oder u
§88.89. Brechung. 87
folgte. Je nach der verschiedenen qualität des wirkenden
vokals haben wir zu unterscheiden zwischen der durch a
hervorgerufenen a-brechung und der durch u bewirkten
M-brechung. Vgl. auch § 96.
Anm. 1. Wo früher eine w-brechung angenommen worden ist, liegt
vielmehr u-brechung vor, indem w, vor dem eintritt der brechung, zu u
sonantisiert worden ist ; vgl. § 77, 9.
Anm. 2. Auch ein nach § 128 und § 117 aus an entstandenes e wird
gebrochen, z. b. anorw. hicelgi (nach obl. hicelga aus Viialga § 70, 1 <C helga-
s. Undset, Indskrifter fra middelalderen, Chra. 1888, s. 13) der heilige sowie
oft Hicelgi als mannsname ; s. Noreen , Arkiv 1, 170 f. , und vgl. Kock,
Umlaut imd Brechung, s. 263.
§ 88. Durch die a-brechung wird aus e zunächst der
fallende diphthong *ea, woraus dann steigendes ia (vgl. § 133, a),
z. b. biarga bergen, hiarta herz, siarna stern, gialda vergelten,
Hialdr (urn. lieldciR Tjurkö) ein mannsname = hialdr kämpf,
sialdan selten, iafn eben, siatna zusammensinken, iata krippe,
iara streit, giafare geber, iafiarr rand, iaxl backzahn u. a.
Anm 1. Ueber a(ost)norw. ice aus ia s. § 70, 1.
§ 89. Durch die w-brechung wird aus e zunächst *ea,
dann ia (das aonorw. vor erhaltenem u bleibt, ausser unmittel-
bar vor g, k) und noch später ig (in der ältesten literatur
gewöhnlich geschrieben und vielleicht auch gesprochen io,
s. Kock, Umlaut und Brechung, s. 281 und die daselbst zitierte
literatur, Arkiv XXII, 347 mit note; Jones, The phonology
of the Elis saga, s. 5), z. b. iorp erde, hiorfi herde, i fiorfi
(gr. jrtQvoi) im vorigen jähre, hiortr (ags. heorot) hirsch, hiorr
(got. hairus) schwert, fior (vgl. got. fairlvus leben), miolk (got.
miluks) milch, fiol- (got. filu) viel-, ioforr (aonorw. iafur) eber,
fürst, fiotorr (aonorw. fiatur) fessel, iotonn (aonorw. iatun) riese,
Iokoll (aonorw. Iakul), Iorundr (aonorw. Iarundr) mannsnamen,
miok (gr. (itya) sehr; s. Hultman. Hälsingelagen I, 344 und die
dort zitierte literatur. Bei dehnung (nach § 124, 3 oder sonst)
wird dies io (io) zu io (nicht iq), z. b. hiolp hilfe, miolk milch,
dat. siölfom selbst, fiorom (*fiodrom § 292) vier.
Anm. 1. In einigen fällen findet man anorw. iu neben io, z. b.
fiugur vier (ntr.), fiugrtän vierzehn, tiugu (s. §449 anm.), piukkr dick,
Piustulfr (s. § 95, 1). Wahrscheinlich steht (wie im aschw.) tu ursprünglich
nur vor erhaltenem u oder w, also piokkr {*pekwuR), aber dat ßiukkum :
doch kommt im mnorw. selten als mannsname Biurn statt Biorn vor.
88 §90—92. Brechung.
Anm. 2. Ueber a(ost)norw. fialde menge neben gew. fiolde (aisL
fiolpe) s. teils Hultman, Hälsingelagen, s. 346, teils Noreen, Arkiv 1,166.
Anm. 3. Wol nur dialektal ist die anorw. brecbung eines i zu tu
(seit, io) unmittelbar vor gw, z. b. SingurÖr (aus -vprdr; einmal SiogvorÖr),
Siugvalde, Siugvatr (einmal Siog-) neben SigurÖr, -valde, -{h)uatr u. dgl.
mannsnamen. S. Kock, Arkiv XXXII, 176 ff.
§ 90. Brechung findet nicht statt, wo ein v, w (kons. u\
l oder r dem e unmittelbar vorhergeht, oder heterosyllabisches
h (das früh mit ersatzdehnung schwand, s. § 230, 1) unmittel-
bar folgte, z. b. verpa werden, velta wälzen, vefa weben ; huerfa
sich wenden, suelta hungern; lefir (Hepra) leder, legr, lega
grabplatz; reka treiben, rekkr (s. §77,3; vgl. dagegen piokkr)
finsternis; sea (sid) aus *sehan (statt *sehwan, got. saihan)
nach den übrigen Stammformen: *sah, *säjum usw. sehen, fe
(ß < feu, got. faihu, s. § 77, 4) vieh, geld. Vgl .noch § 94 und
§95,3,b.
§ 91. Wo in einem paradigma oder in einer gruppe von
verwandten Wörtern gebrochene und ungebrochene formen
wechseln sollten, ist oft ausgleichung eingetreten, so dass
entweder der gebrochene vokal durchgeht, z. b. bialke balken
nach obl. bialka, siafne liebe (vgl. sefe gemüt), dat. Malte nach
nom. hialt schwertknopf ; oder es ist der ungebrochene vokal
verallgemeinert worden, z. b. ßegn (aschw. picegn) freier mann,
setr. (und seta f.) sitz nach dat. setre (vgl. auch setia sitzen,
aus scbtia), sehr (aschw. sicel) seehund nach dat. *sele, melr
Sandbank, stertr (aschw. sticerter) sterz, snerta berühren nach
präs. snertr, gnesta krachen, serpa Unzucht treiben, bera bärin
nacli obl. bero (s. § 95, 3, b), obl. setta (aschw. siätta aus *siähta
<*siahta) nach nom. sette (*sehte) sechste; oder endlich sind
doppelformen entstanden, z. b. biarg und berg gebirge, fiall und
feil fels, berftall bärenhaut : bokfell pergament, fialms- : felms-
fullr erschrocken, gupspiall : -spell evangelium, kiaptr, kioptr
und keptr kinnlade, spiall und spell schaden, spiald : speld tafel,
siatna : setna zusammensinken, iata : eta (nach eta essen) krippe,
anorw. Piasmör : Pesmor (s. Haegstad, Gr. Tr. s. 61) ein Ortsname,
anorw. Biarne : Berne, Iarpr : Erpr, Hicelgi (s. § 87 anm. 2)
: Hcelgi mannsnamen u. a. m.
§ 92. Das den brechungsvokalen zugrunde liegende e
kann in gewissen formen (zu e) ?£-umgelautet worden sein
§93 — 95. Brechung. 89
(§ 82, 3), in anderen (zu ä) i-umgelautet (s. § 63, 3), endlich in
anderen zunächst in genannter weise i-, dann (zu y) «'-um-
gelautet (s. § 79, 4). Durch ausgleichung entstehen dann
doppelformen wie miorkue : merke {myrkue) und smior : sm&r
(§82,3 und 77,9); fiarre-.firre fern, anorw. tiogo (nach nom.
sg.*tiogr, schwed. tjog; lmal bei Sighuatr) oder üugu (lmal
in Fagrskinna, F. Jönssons ausgäbe s. 222; s. § 89 anm. 1)
zwanzig : acc. pl. tigo (nach nom. tiger; tego nach § 95, 3, b)
dekaden; fiorua : fyrua (s. § 82, 4) ebben, piokkr (anorw. auch
P'tukkr) : pykkr und tiara :■: tyrue §82,4. Tgl. noch gegensätze
wie giald: gilde bezahlung, hialpa helfen : hilper helfer, pl. hiap-
ningar gefolgschaft Heden's (ahd. Hetari) : anorw. Hiden
(s. § 63, 3) ein mannsname, kialta (kioltung) : kilting schoss,
sniallr begabt : snille begabung; fior leben : firar (fyruar § 82, 4,
anal, fioruar) männer, fiorpr (gen. fiarpar) : pl. firper meerbusen;
iolstr : ilstre salix pentandra, miok sehr : mikell gross', Skiolf
u hügel" als Ortsname : skilfingr eine fiirstenbenennung.
§ 93. Ebenso sind, wo a- und u-brechung wechselten,
bisweilen ausgleichungen eingetreten, z. b. kiaptr : kioptr kinn-
lade, anorw. seit, tiarn ntr. : tiom f. kleiner see. Fälle wie
aonorw. dat. Ingibiargu : awnorw. -biorgu ein weibername, iarÖu
: iordn erde, dat. pl. skialdum : skioldum erklären sich im allg.
nach § 89, dagegen fälle wie gen. Ingibiorgar statt -biargar
(Haegstad, G. Tr. s. 61), dat. anorw. fiatri (nach nom. fiatur,
s. § 89) st. fiotri durch ausgleichung.
Anm. Der mannsname latmundr Edmund ist ags. lehn wort. I'eber
iaparr : ioporr s. § 173, 5.
§ 94. In schwachtoniger silbe tritt keine brechung ein,
z. b. mepal zwischen, mepan inzwischen, epa (got. aippau) oder,
ef wenn (vgl. aschw. ioef zweifei). Verschiedene betonung gibt
anlass zu doppelformen wie anorw. (s. Wadstein, F. Hom., s. 67
note; Groth, Det AM. Haandskrift 310 qvarto, s. XXIII; Falk
und Torp, Dansk-norskens syntax, s. XII note; Kock, Arkiv
XXX, 344 ff., XXXII, 185 f.) iak (urn. eka) : ek ich.
§ 95. Die brechung wurde wol am frühesten durch ein
ganz unbetontes, erst später durch eiD etwas stärker betontes
a, resp. w bewirkt. Infolgedessen haben wir auch in betreff
der brechung mehrere perioden — in hauptsächlicher über-
90 § 95. Brechung.
einstimmung mit denjenigen der nahen verwandten umlaute
(s. § 63, § 77) — zu unterscheiden (s. Söderberg in Öfversigt
af filol. sällskapets i Lund förhandlingar 1881 — 88, s. 95 f.;
Kock, Arkiv XVII, 161 ff.):
1. Die zeit (etwa 650 — 900), wo brechung nur durch urn.
ganz unbetontes (daher relativ früh synkopiertes, s. § 153, 1)
u, resp. u bewirkt wird. So besonders in langer starktoniger
silbe. Formen wie hialdr (urn. heldaii Tjurkö um 550) kämpf,
biarg (*berga) gebirge gehören schon der letzten urn. zeit,
weil das betreffende a um 700 nicht mehr da war (vgl. zwar
in Schweden schon c. 650 Istaby -ivulafR < -*wulfa,R, aber gleich-
zeitig in Norwegen noch By hroRCLR und erst c. 725 Vatn
rhoaltR mit synkope); iorft erde u. dgl. wiederum der zeit
gegen 900 (vgl. § 80, 1 und air. c. 850 elta pl. t, das un-
synkopiertes anorw. *heltu, d. h. hiolt schwertgriff, voraussetzt.
s. Marstrander, Bidrag, s. 77). — In fällen wie der mannsname
(s. Lind, Arkiv XI, 269) anorw. Pestolfr (neben Picest-, Piostolfr,
Piustulfr nach 3 unten) oder (s. Falk, Arkiv III, 306 f.) spellvirke
beschädigung zu spiall (spell) schaden, bergbüe felseneinwohner
zu biarg (berg) berg, ferner der Ortsname Bergvin (anal. Biarg-
vin, Biorgviri) zu biorg grat (s. Rygh, Norske gaardnavne, Forord
s. 43), erpgröenn (bei Egell, überliefert iard-, aber mit ver]>a
assonierend, s. F. Jonsson, Kritiske studier, s. 117 f.) aus der
erde gewachsen zu iorp erde u. a. m. ist wol a, resp. u schon
vor dem eintritt der a-, resp. w-brechung synkopiert worden;
anders Kock, Umlaut und Brechung, s. 299 f.
2. Die zeit gegen 900, wo auch ein urn. etwas stärker
betontes (daher relativ spät synkopiertes) a, resp. u brechung
bewirkt. So besonders in kurzer starktoniger silbe, z. b.
giafmildr freigebig aus *gedamüdtR, fiolkunnegr zauberkundig.
miopdrekka zeche (ein fall wie miapveiter, -kona 'metgeber.
-geberin ist wie sparhaukr § 80 anm. zu beurteilen, verhält
sich also zu miopr wie z. b. skia.dsueinn statt *skeldsueinn,
s. 1 oben, Schildträger zu shigldr, d. h. ist neubildung nach
dem typus kattbelgr : kgttr) , Mal rede, Molr kiel usw. (miop,
Mor, miol, siot als einsilbige reime schon in der Hofoldausn,
vgl. §80, 2).
Anm. I. Fälle mit ungebrochenem vokal wie metorp Würdigung.
berfiall bärenhaut sind wol von meta würdigen, bera bärin u. a. beeinflusst.
§95. Brechung. 91
3. Die zeit nach der a-, resp. w-synkope, wo brechung
durch ein um. noch stärker betontes (daher später erhaltenes)
«, resp. u hervorgerufen wird, z. b. hiarta herz, dat. pl. kiolom
kiele. Dieser fall ist bei a-brechung vielleicht schon um 900
durch assonanzen wie (bei piööolfr) blaÖ : fiaörar u. dgl.
(s. Kahle, Die spräche der skalden s. 51; vgl. auch den runen-
namen biercan im Cod. Leid.), bei w-brechung etwa gleichzeitig
durch air. eobur aus anorw. iofurr (nicht iofurr l nach Mar-
strander, Bidrag s. 79) und um 1000 durch (bei Sighuatr)
flokke : piokkua (s. Kahle, Arkiv XII, 375) belegt. Diese jüngere
brechung wird von jedem in um. zeit schwachtonigen a und u
bewirkt, aber nur von solchen; demnach haben wir bei der
brechung folgende zwei verschiedene fälle zu unterscheiden
(s. Kock, Arkiv XXX, 339 ff. und die dort zitierte literatur,
XXXI, 321 ff., Umlaut und Brechung, s. 248 ff.):
a) In langer silbe tritt brechung allgemein ein. Also
steht brechung sowol vor um. unnasaliertem vokal, z. b. hiarta
(got. hairtö) herz, stiarna (got. stairno) stem, gen. iarpar (got.
airpös) erde, wie vor urn. nasaliertem vokal, z. b. hialpa
helfen, biarga bergen, obl. bialka balken, acc. pl. fiorpo neben
nom. ferner meerbusen; sowie auch vor noch in literarischer
zeit nasaliertem vokal, z. b. sialdan selten, iafnan immer,
biarkan ein runenname, fiorggn (got. fairguni) die erde, kiol-
tung neben kilting (s. § 92).
Anm. 2. Anorw. gema neben gew. giarna gern ist wol von dem
mndd. gern beeinflusst.
b) In kurzer silbe unterbleibt die brechung vor vokalen,
die in urn. zeit wegen des Schwundes eines folgenden nasals
lang geworden oder geblieben sind, und die infolgedessen bei
späterer kürzung noch wenigstens halbstark (vgl. § 51 anm. 1)
sind. Es tritt demnach zwar brechung auf z. b. in gen. giafar
(got. gibös) gäbe, iaparr, giafare. iura, iata (gew. eta nach eta
essen), s. § 88, iotonn riese , ' ioforr fürst, fehlt aber in stela
stehlen, bera tragen, obl. ]>ela frost in der erde, bero bärin,
acc. pl. tego (got. tiguns).
Anm. 3. Unklar sind die überhaupt etymologisch etwas dunklen
fxgat (pagat) dorthin, pegar (anorw. auch pagar, s. Hsegstad, Vestno.
maalf. II, 1, s. 21 und 11,2, i, s. 37) sogleich, anorw. peöan (aisl. papan)
von dort.
92 § 96. Brechung. § 97. Entwickelung der alten di- und triphthonge.
Anm. 4. In gewissen anorw. gegenden steht brechung in kurzer
silbe auch (wie im ostn.) vor (einst) nasaliertem a, z. b. giafa (Haegstad,
Vestno. maalf. I, 67, gicefa Haegstad, G. Tr. s. 61) neben gefa geben, obl.
stiaTca stecken und die Spottnamen Hiaka, Hicesa « *Hiasa s. § 71 anm. 1),
wonach nom. stiaki u. s. w.
Anm. 5. Unsichere aisl. spuren dieser brechung sind iake, obl. -a
eisblock, räßgiafe, -a ratgeber u. a. auf -giafe, die vielleicht auch anders
erklärt werden können (s. Kock, Arkiv XXXI, 334 ff.). Hiala reden, skiala
schwatzen und stiaka einen stoss versetzen haben sich nach präs. hialar,
prät. hialafia u. s. w. gerichtet (s. a. o., s. 324 ff.).
§ 96. Eine verwandte, wenn auch weit spätere, erscheinung
ist die seit dem anfang des 13. jahrhs. in gewissen anorw.
hdschr. auftretende i-brechung bei e, ce, ce, welche zu ei, resp.
cei und cei werden, wenn die folgende silbe ein (son. oder kons.)
i enthält, z. b. dreipin getötet, veirit gewesen, hceifir hat, sceitia
setzen, leeigi läge, landamceiri grenze usw. statt drepenn usw.;
s. Dahlerup, Ägrip, s. XIV; Wadstein, F. Hom., s. 62; Haegstad,
G. Tr., s. 70, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 121.
IV. Die di- und triphthonge.
a) Entwickelung der alten di- und triphthonge.
§ 97. cei (urn. ai, s. § 54) wird — vom umlaut (§ 77, 15
und § 79,13) abgesehen — auf dreifache weise behandelt:
1. In den meisten Stellungen ist es im anorw. (in den
meisten gegenden) als solches erhalten, dagegen im aisl. natür-
lich bei dem Übergang des ce in e (s. § 117) zu ei geworden,
z. b. anorw. bceit, aisl. beit (got. bau) biss, ceinn, einn (got. ains)
ein, hceill, heill (got. hails) heil, hceita, heita (got. haitan) heissen.
2. Zu e kontrahiert vor einem aus schon in urn. zeit aus-
lautendem s entstandenen, später geschwundenen, h (s. § 230, 2),
z. b. 1. 3. sg. prät. hne zu hniga sich neigen, stc (anal. 2. sg. stet
neben steigt) zu stiga steigen, se zu siga sinken, me zu miga
harnen neben den anal, neubildungen hneig, steig usw.
Anm. 1. Dialektisch kommt dieselbe kontraktion auch in anderen
Stellungen vor: aisl. belege schon vor 1250, z. b. in Codd. AM. (645, 4°, alt.
teil?) 655, 4°, fragm. II, IV, V und 677, 4°, alt. teil (s. L. Larsson, Arkiv V,
142 ff.); shetl. aus dem j. i355 (Haegstad, Hild., s. 44); onorw. vor 1400
(Hsegstad, Upphavet s. 7; Falk und Torp, Dansk-norskens syntax, s. XII
note); orkn. aus 1426 (Haegstad, Hild., s. 44).
§ 98. Entwickelung der alten di- und triphthonge. 93
3. Zu ds kontrahiert vor erhaltenem (später zu 5 über-
gegangenem, s § 250) w, s. v. Friesen, N. spr. I, 17 ff., 29 f.,
II, 11 ff. Beispiele sind dsfen (got. aiweins) ewig-, cefe (vgl. lat,
ceuum) lebenszeit, langcer (lat. longcevus) lange dauernd, de (nach
dat. *awe) neben ey (got. aiw, s. § 77, 15) immer, hrce (got.
hraiiv) leichnam nach dat. hrcefe, Icefirke (ags. läwerce) lerche,
Hläfopr, -freyr (zu urn. hlaiwa grab) Odinsnamen, sär (got.
saiws) see nach gen. sdefar u. a., sncer (got. snaiws) schnee,
s£ö§r (ags. slcew) stumpf, free (got. fraiw) same, />#/- fruchtbar,
freefask gedeihen, vce (finn. vawa, ahd. we, gen. icewes) weh, ^
(ags. Za, ahd. Ze^-es) verderb. Ueber die weiterentwickelung der
Verbindung ceiv s. § 106.
Anm. 2. Ueber die kürzungen von cei, ei zu ce, e s. § 128, zn i, e s.
§ 127 anm. 1.
§ 98. Ott (um. au, s. § 55) wird — vom umlaut (s. § 63, 14,
§ 68,7 und § 71,8) abgesehen — auf zweifache weise behandelt:
1. In den meisten Stellungen zwar in einigen dialekten
als solches erhalten, im allgemeinen aber anorw. zu ou (oder
au), aisl. zu au geworden, z. b. anorw. gout, aisl. gaut (got.
gaut) goss, ouka, auka (got. aukan) vermehren, douör, dau]>r
(got. daapus) tod, ouga, auga (got. augo) äuge. Wenn es durch
schwund eines folgenden 5 vor u (s. § 235, 2) antesonantisch
zu stehen kommt, geht es in w, woraus nach § 250 d, über,
z. b. anorw. hofuÖ (hufuÖ nach § 121), hofoö, hafud, aisl. hofo]>
aus *JiqwuÖ < *haubuÖ (ags. heafod, vgl. got. haubip), in alten
gedienten noch vereinzelt (s. Sijmons, Die lieder der Edda,
Nachträge s. XIV und Einleitung s. CCLIII) liaufop mit wieder
eingeführtem 5 nach den synkopierten kasus, z. b. dat. hanfpe
(aschw. h&fpe) haupt; ebenso tofr (bes. nisl.) neben taufr (bes.
aisl.) durch ausgleichung einer flexion Hofor aus *tau(ß)ur (ags.
teafor) : dat. taufre Zauberei.
2. Zu o kontrahiert vor einem urspr. oder aus schon in
urn. zeit auslautendem g (s. § 230,2) entstandenen, später ge-
schwundenen h, z.h.pö (got. }>auh) jedoch, prät. (selten) flö
(got. piauh) oder (öfter) fläpa (*flauhicfö) floh, subst flö (ahd.
flöh) floh, hör (agutn. haur, got.hauhs; vgl. § 55) hoch, No. Hom.
höÖ [*hauhipu) höhe, lö (agutn. Lau, ahd. loh, litau. laükas, lat.
Jmcws) hain, bes. in Ortsnamen wie Oslo u. dgl.; 1., 3. sg. prät.
94 § 99 — 101. Entwickelung der alten di- und triphthonge.
ind. 16 (got. laug) zu liüga lügen, so zu süga saugen, smö zu
smiüga schmiegen neben den anal, neubildungen laug usw.
S. Leffler, Arkiv I, 269 ff.; Pipping, Stud. nord. fll. XII, 1, s. 58
und die dort zitierte literatur.
Anm. Dialektisch kommt dieselbe kontraktion auch in anderen
Stellungen vor: aisl. schon vor 1250, z. b. in Cod. AM. 677, 4°, alt. teilj
onorw. Bömariki (1383) statt Roumariki, BökstaÖer < Baugstader Orts-
namen (s. L. Larsson, Arkiv V, 146 ff. ; Hsegstad, Upphavet s. 7). Selten
steht (wie im ostn.) e, z. b. bisweilen in Cod. AM. 645, 4° sowie mnorw.
(drontheimisch, s. Hsegstad, Kong. , s. 22 und 32 f.) uud im orknöischen
(s. L. Larsson , Isländska handskriften Nr 645, 4°, s. XLVIII und LIV;
Hsegstad, Hild. s. 43); in shetländischen Urkunden ü (s. Wadstein, F. Hom.,
s. 67 note; Haegstad a. o.). Z. b. böß, resp. böÖ und büö statt baup bot.
§ 99. Das durch i-, j- oder Ä-umlaut aus gu, ou ent-
standene ey (s. § 63,14, § 68,7, § 71, b) ist demnach über-
wiegend anorw., das aus au entstandene ey (anorw. wy) vor-
zugsweise aisl. Im 13. jahhr. schwindet ey auch wo es durch
u- oder et'-umlaut aus ei entstanden ist, s. § 77, 15 und § 79, 13)
im aisl. ganz, wozu der im § 119 erwähnte Übergang e> e
beigetragen haben mag.
Anm. Dialektisch kommt kontraktion zu e vor, z. b. in Codd. AM.
645, 4°, alt. teil und 677, 4°, alt. teil, im orknöischen, im shetländischen
und mnorw., bes. drontheimisch (s. L. Larsson und Haegstad, a. o.). Selten
steht y, z. b. in Codd. AM. 320 fol. und 625, 4° (s. Gislason, Om navnet
Ymir, s. 7 ff., Um frumparta, s. 196) z. b. hyra statt Jieyra (hceyra), heyra
{hera) hören.
§ 100. Der schwebende diphthong iu (um. eu > iu, s. § 56)
wird — vom umlaut (§ 63, 13, § 68, 6 und §71,7) abgesehen —
zum steigenden iu, z. b. nom. sg. f. liüf (ürn. liudu) Opedal, s. § 56),
iül (bes. anorw., s. Fritzner) aus urn. \f)iulu (s. § 56) neben gew.
iöl nach § 101,2 a usurn. *(j)igulu (s. § 56) mit igu nach *igul-
> iöla-aptann Weihnachten, itigr, iür (s. § 292) euter.
§ IUI. Der schwebende triphthong igu (urn. eu, s. § 56)
wird zu den zwei steigenden diphthongen:
1. iu vor f, g, Jc,p, z. b. hiüfra (vgl. got. hiufan) wehklagen,
fliüga fliegen, siükr (got. siuks) krank, kriüpa kriechen.
Anm. 1. Ausnahmsweise steht iö (vgl. 2 unten) vor f und p. So
allgemein in piöfr (in mannsnamen auch seltener -piüfr, s. Bugge, Arkiv
VI, 225) dieb, selten misl. stiöpmöÖir, -son (s. M. Olsen, VQlsunga Saga,
s. LXXXVIII) Stiefmutter, -söhn, mnorw. riöfa (s. Haegstad, Kong., s. 21)
reissen.
§ 102. 103. Entstellung neuer diphthonge. 95
2. iö in übrigen Stellungen, z. b. siön (got. siuns) das
sehen, Jriöp (got. piuda) volk, kiösa (got. kiusan) wählen, hliömr
ton, <7id£a (got. gintari) giessen, piörr stier, kiöll schiff, pio
(&gs. peoh) lende.
Anm. 2. In anorw. dialekten kann in (wie im aschw.) statt iö vor-
kommen, z. b. liüs (s. Hertzberg s. 238) licht, orkn. biürr (s. Hsegstad, Hild.
s. 42) bier.
Anm. 3. Vielleicht war in irgend einem anorw. dialekt der Übergang
in steigende diphthonge noch im anfang des 13. jahrhs. nicht durchgeführt,
s. Wadstein, F. Hom. s. 123.
Anm. 4. Die fallenden brechungsdiphthonge ea, ig werden ebenfalls
zu steigenden und zwar zu ia, io (iu), iä, iö (iü); s. § 88 und §89
mit anm. 1.
b) Entstellung neuer diphthonge. *)
§ 102. e (altes oder nach § 117 aus ce entstandenes) vor
ng wird seit 1300 (zum teil schon früher, s. Kälund, Heiöar-
viga saga, s. XX) im aisl. (selten im awestnorw., s. Haegstad,
Gamalnorsk fragment, s. 11, Vestno. maalf. 11,2, i, s. 121, 122)
— doch nicht im westlichen teil der insel (mitteilung R. Arpi's)
— zu ei z. b. geingu (sie) gingen, leingi lange.
Anm. Ueber e > ie nach k, g, h s. § 103 ; e > ei vor » s. § 96.
§ 103. e wird im aisl. (sporadisch auch im awestnorw.,
aber erst in mnorw. zeit, s. Haegstad, Vestno. maalf. II, 2, i,
s. 89) zu ie, dialektisch schon um 1200, allgemein erst um
1300, z. b. hier hier, iel schneeschauer, mier mir, liet liess statt
her usw., wiewol die Schrift gewöhnlich das zeichen e behält;
s. J. porkelsson, ßreytingar, s. 34, Dahlerup, Aarboger 1889,
s. 248. Nach (den palatalen) k, g. h hat gleichzeitig kurzes
(nach h aber nur geschlossenes, d. h. nicht aus ce nach § 117
entstandenes) e die analoge entwickelung zu ie durchgemacht,
z. b. kietill kessel, giekk ging, hiekk hing, hielt hielt, hiedan
von hier, hieri (vgl. § 71 anm. 1) hase, Hieöinn ein mannsname
statt ketell usw. Sehr auffallend tritt diphthong auch in hieraö
(anorw. im allg. hcerad, also mit urspr. offenem aisl. e) bezirk
auf. S. Sievers, Beitr. XVI, 242 ; Hoffory, K. Z. XXVII, 502.
Anm. Ueber ?w > iö s. § 106 anm. 1.
') Ueber die brechungsdiphthonge s. §§ 87 — 96.
96 § 104 — 106. Entstehung- neuer diphthonge.
§ 104. y wird sporadisch im anorw. (bes. ostländisch)
des 14. und 15. jahrhs. zu iu (selten io) vor r oder l (bes.
kakuminalem) mit folgendem konsonanten, z. b. GiurÖ(e)r,
Giordr ein mannsname, hiuröir (< hyrdir aus hirdir nach § 85)
hirt, kiorkia kirche, Murr still, kiurtil rock, skiorta hemd statt
GyrÖr usw.; kiulna darrofen, miulna mühle statt Jcylna, mylna,
der mannsname Giulfe st. 6fyZ/e, sj'wI/V (< s«/£/V < silfr) Silber,
skiuldr, skioldr (< skyldr < skildr) geschieden. Der Übergang
tritt auch in nebentonigen ableitungssilben ein, z. b. lykiul
(< lykyl § 145 anm. 5 < lykill) Schlüssel, mykiul gross, kcetiul
kessel, JEgiul, JEitiul, Vigiul, Porgiuls u. a. mannsnamen.
S. Noreen, Arkiv VI, 335; Haegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 45 f.
und II,2,i, s. 97 f.
Anm. Aus dem Drontheimischen ist nur ein vereinzeltes tiusdagr
statt tyrsdagr (s. § 272, 3) < tyrsdagr (s. § 127, 5) dienstag zu belegen,
s. Haegstad, G. Tr. s. 70; vgl. aber § 106 anm. 2.
§ 105. q geht im aisl. in au über vor ng und nk, z. b.
staung stange, nom. acc. ntr. pl. laung lang, haunk handhabe
statt stgng usw. Spuren hiervon zeigen sich um 1300.
Anm. Derselbe Übergang zeigt sich weit früher sporadisch sowol
aisl. als bes. anorw. (wie jetzt z. b. in nordwestnorw. dialekten, s. Haegstad,
Vestno. Maalf. I, 8) vor g, k und l -f- kons., z. b. mannsnamen wie Augmundr,
-valdr, -urr, Haugne; Aukrene (s. A. B. Larsen, Maal og minne 1914, s. 166 f.)
ein ortsname, haukstaldr (so immer; als mannsname hagusta[l]daR
Kjalevig, hagustalöifi Valsfjorden, s. § 239, l,b) häuptling, raukn (s. Gislason,
Nogle bemserkninger om skjaldedigtenes beskaffenhed , s. 27 f.; Wimmer,
Lsesebog s , s. XXI note; Bugge, Bidrag, s. 30) zugvieh; mannsnamen wie
Aulvaldr, Aulver (anorw. auch 0yluir nach § 65) , Saulver u. a. , hauldr
(so anorw. immer, aisl. hglpr) freier grundbesitzer u. a. m. (s. Haegstad,
a. o. II, 2, i, s. 78) neben gew. Qgmundr u. s. w. — Vgl. die im nord-
westnorw. (wie allgem. im nisl.) angetroffenen spuren eines Überganges g
(aus ä nach § 107) >• au, z. b. bauöom beiden, maugr verwandter durch
heirat u. dgl. (s. Haegstad, a. o. II, 2, i, s. 88) statt bädom u. s. w.
§ 106. cew, welche Verbindung lautgesetzlich nur ante-
sonantisch steht, kann früh (aber erst nach der w-synkope)
durch ausgleichung in den auslaut oder in antekonsonantische
Stellung geraten. Schon im 10. jahrh. kommen neubildungen
wie frcew (neben free) same nach dat. freewi vor. Wenigstens
um 1150 ist das so entstandene cew (über eo) zu iö geworden,
das dann das ganze paradigma durchdringen kann, so dass
§ 107. 108. Sonstige Verschiebungen : ä, c. V"
friö (so bes. oiiorw.), dat. friofe neben free (so bes. wnorw.),
dat. frtiefe steht. Sonstige beispiele sind : friör, freier fruchtbar.
miör, meer schmal, slior, slder stumpf, sior, stier see. snior, sntier
schnee, spio (*sp(Siv <*spceiic §97,3. neubildung statt *spey,
got. spaiw § 77, 15. zn zptwa nach dem muster bäSÜ : hlta) spie.
S. v. Friesen, X. spr. I, 30 ff.. IL 19 ff.
Anra. 1. Wahrscheinlich hat ein auf dieselbe weise entstandenes eiv
in derselben Stellung die gleiche entwickelung durchgemacht, z. b. anorw.
nom. acc. pl. triö neben tri hölzer und l-nid neben h\e kniee nach gen.
*trexca. *hieica (got. trhee, kniwe) ; vgl. v. Friesen, >\ spr. I, 48 f. Ior pferd
braucht man nicht hierher zu ziehen, denn *ehicaR (got. aiha-) gibt *iahuR
§88, § 226 > *iäuR (vom ags. lehnwort Jaulf <C*Iäuiculf vorausgesetzt,
s. Björkman. Nordische personennamen . s. 71) §123 >»tfr (wozu der
mannsname lölfr = ags. Jaulf) § 77. 2.
Anm. 2. Ein entsprechendes ito ist durch gen. *iws statt ys zu (//-.
dat. *iiei bogea bei Sighuatr belegt; s. v. Friesen, N. spr. 1.57 ff. Ein
daraus entwickeltes m könnte in dem § 10-1 anm. erwähnten anorw. tUuämgr
f art tf/sflagr vorliegen.
V. Sonstige Verschiebungen.
§ 107. ä fällt allmählich im laute mit ö zusammen. Schon
um 1250 ist diese entwickelung abgeschlossen, und seither
wird von den beiden nunmehr gleichwertigen zeichen d und 6
nur jenes — also mit der lautlichen geltung des ehemaligen o
— gebraucht, z. b. pl. dto assen, sdr wunden statt älteren oto,
sar usw. Bisweilen steht umgekehrt ö oder 6 (bei späterer
kürzung o) statt «, z. b. No. Hom. vorr unser, mol spräche,
Jcuäma ankunft statt vdrr, mal. kudma (s. Wadstein, F. Hom.,
s. 76), anorw. Nikolos, Bordr u. dgl. (s. Hsegstad, Vestno. maalf.
II,2,i, s. 88), Olofr ein mannsname; shetl. 6 'auf, Örnason
ein mannsname st, d, Ärnason, s. Haegstad, Hild. s. 34.
§ 108. e geht nach ausweis der assonanzen im anorw.
schon vor 1000 (s. F. Jönsson, No.-isl. kultur- og sprogforhold,
s. 237) in ce über zwischen v oder w (kons, u) und r, z. b. vcerk
werk, vcerda werden, hucerfa weggehen, sucerÖ schwert; in
gewissen dialekten in geschlossener silbe nach v oder w,
weniger konsequent nach b, r, l, z. b. vcel wol, vcestr westen,
i-eegr weg (aber pl. cegar, wonach analogisch sg. vegr), suasfn
schlaf, hicedr (zu hieöa) sagt, beerg berg, bmn (zu bera) trägt.
Xorean, Altisl. grramm. 4. aufl. 7
98 § 109. Sonatige Verschiebungen : 6.
rosgn regen, broegda schwingen, bloeza segnen, klcerkr clericus.
Endlich in anderen dialekten tritt ce überall ausser nach g
und k ein, z. b. ncema nehmen, pl. vcegar wege, bcera tragen
(aber gefa geben, geta bekommen, Teerte kerze). Vgl. Sievers,
Tübinger bruchstücke, s. 9; Wadstein, F. Hom., s. 55 ff.; Brenner,
Literaturblatt für germ. und rom. philo!. 1885, sp. 52; Haeg-
stadt, G. Tr. s. 32 und 57; Kolsrud, Arkiv XXXIII, 290;
(F. Jonsson) Konungs skuggsjä (1920), Indledning s. 12. Nach
M. Kristensen , Arkiv XVII, 87 f. sollen die meisten fälle auf
einer art von a-umlaut beruhen, was sehr unsicher bleibt.
Anm. 1. Weil dieser Übergang in schwachtonigen silben unterbleibt,
steht also in Wörtern, die oft proklitisch oder enklitisch vorkommen, e
neben ce, z. b. vera, seltener vcera, sein.
Anm. 2. Ueber die Weiterentwicklung zu a s. § 149 anm. 2.
§ 109. e wird im aisl. sporadisch zu de vor tt, z. b. sdette
(Rimb. und mehrmals St. Hom.) sechste, Idettare (St. Hom.)
leichter, bei skalden schon um 1000 leetta, rdettar, später steettar
(s. Gislason, Njala II, 602) statt sette usw.; bes. oft nach v
(vgl. Sievers, Beitr. XVI, 244), z. b. in vdett (zu vega heben)
deckel, vcettvangr (zu vega töten) kampfplatz. In vdettr (got,
waihts) wicht ist de häufiger als e, in vdett (zu vega wiegen)
gewicht sogar alleinherrschend, was wol darauf beruht, dass
nach v (und w) der Übergang auch von einst folgendem h hervor-
gerufen wurde, z. b. allgemein sumra (got. swaihrö, s. Schulze,
K. Z. XL, 401, und vgl. Hellquist, Studier tili. E. Tegner,
s. 238 ff.) Schwiegermutter, aisl. tucevetr ('Himh-, vgl. § 111)
zweijährig, misl. hucel (gew. huel ; ags. hiveohl) rad, vdela (*ivihl-,
s. § 111; gew. vela) sich beschäftigen und vielleicht sucenskr
(*sivih-, s. § 110 anm. 4) schwedisch. Möglicherweise kommt
derselbe Übergang auch zwischen v und l vor, z. b. vdela (gew.
vela) überlisten und vdel (gew. vel) kunstgriff , s. Kock, Arkiv
XI, 140 f.
Anm. Kaum darf man (mit Kock, a. o.) denselben Übergang zwischen
v und r wegen des anorw. seit c. 1250, aisl. erst nach 1300 neben ver auf-
tretenden vcer (s. Gislason, Njäla II, 602, Jones, The phon. of the Elis saga,
s. 10 und Hsegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 18 und II, 2, i, s. 30) ' wir' annehmen,
denn das anorw. kennt nicht nur vcer, sondern auch hetr hier, metr wir,
peer ihr statt gew. her u. s. w. und übrigens ce sporadisch st. e in allerlei
Stellungen, z. b. breef brief, fee vieb, licet hiess, leerept, -reft (z. b. Norges
gamle love 11,346, 111,177, V, 35) leinwand, rcett recht, sab sei u.a.m.
(s. Haegstad, a. o.)
§ 110. Sonstige Verschiebungen : t 99
§ 110. i wird vorliterarisch zu e (bei dehntmg e) in
folgenden fällen:
1. Wenn unmittelbar nach dem vokal ein nasal (nach
§ 266 oder § 233) geschwunden ist — jedoch nicht wenn in der
folgenden silbe ein t oder ü noch zur zeit des nasalschwundes
stand (vgl. Liden. Uppsalastudier. s. 80 f.) — z. b. drekka trinken.
brekka brink, ekke (ags. inca) schmerz, rekkr (ags. rinc, aschw.
Rinka-by) mann, sekkua (aus *sekkua. s. § 82. 3) sinken, stekkua
(got. sügqan) springen, hrekkua (aschw. rynkia aus *hrinkira)
zurückweichen, klekkua iä&n.klynke) stöhnen, ekkuenn (vgl. nisl.
ekkr § 82, 3) dick, dekkr (afries. diunk. s. § 77, 3) dunkel, defta
(vgl. aschw. dynter schlag) niederfallen, ?nisl. skuetta (gr. orrtr-
öeir) bespritzen, mnorw. sletta (aschw. slinta) gleiten, spretta
(mhd. sprinzeyi) springen, prettdn (*prinn-tdn. vgl. got.prins) drei-
zehn. vet(t)r neben seit. rit(t)r (s. Yigfusson) nach dat. vit<J)ri. -um,
anal. vet(t)ri. -um winter. klettr (aschw. klinter) f eisen, kleppr
(aschw. klimper) klumpen, krepp-hendr (vgl. mhd. krimpfen) mit
krummen bänden, skreppa (mndd. schrimpen) gleiten: vgl. mit
lautges. i skikkia mantel (zu uschw. skynke stück zeug). Dehnung
des e (nach § 123) zeigen mel neben nisl. (und aschw.) mil
durch ausgleichung einer flexion *minnil dat. mele (aus *minnle
< *mhiple. ags. midi ahd. mindil) mundstück des gebisses und
anorw. acc m. (s. Hertzberg) pre (got.prins: anders Hultman.
Hälsingelagen, s. 180 note 1). mit anal, -aprea (>prid § 133, b, 2)
drei ; vgl. mit lautges. i fifl (ags. fifel) aus *fimfill (vgl. fimbol-
§ 317, 1) mit synkope nach dat. *fefle riese, istr ^inpistra-,
d. iyister. vgl. lat. intestlnus) schmer. pikis- neben pikkisdagr
(aschw. pinkis-) pfingsttag.
Anm. 1. Durch ansgleichuug kann i wieder hergestellt werden, z. b.
imperat. spriklc zu springa zerspringen, litt zu binda binden. Statt gen.
*ekk-uar (got igqara) steht ykkar euer beiden nach dat. ykkr (got. igqis).
Anm. 2. Weil der Übergang in schwachtoniger silbe unterbleibt (z. b.
anorw. himiriki himmelreich aus himin-), steht in solchen Wörtern, die
gewöhnlich proklitisch sind, natürlich i (fi, z. b. ntr. mitt, pitt, sät zu
mimt mein, pinn dein, sinn sein; präp. i in, präfix si- (got. sin-) immer-.
2. Vor r (wie im ags., s. Behaghel. Germania XXXI, 381.
Sievers, Zum ags. vocalismus, s. 33: vgl. Pipping, Gutalag.
s. XLY note 1), z. b. ero (urg. *üunp. agutn. iru) sind. Dehnung
des e (nach § 126, 1) zeigen mer (agutn. mir. got. mis, ahd. mir)
lfK) §110- Sonstige Verschiebungen: i.
mir, ]>er dir. ser (got. sis) sich, ver (ahd. wir) wir, er (ahd. tr)
ihr, er (Larsson, s. 358, 361, Wadstein, F. Hom. s. 125; gew. er,
weil unbetont, vgl. auch den pl.) ist. Vgl. An. gr. II, § 88
anm. 3.
Anm. 3. Dieser Vorgang ist, wie Opedal meR 'mir' zeigt, schon ur-
nordisch (vom agutn. abgesehen). Dass er dann nicht (wie Kock, Arkiv
XV, 355 will) in nichthaupttoniger silbe stattfand, beweisen ?'-umgelautete
formen wie brytr brichst u. dgl. , welche nur aus urn. *briutiR (nicht -eR)
u. dgl. erklärt werden können.
3. Vor (später geschwundenem) h, ausser wenn in der
folgenden silbe ein / oder ü zur zeit des Überganges stand
(vgl. Lindgren, Sv. landsm. XII, 1, s. 155 ff.), z. b. mit dehnung
nach § 123 heia (*hihlön-, vgl. aind. gigird-, s. Bugge, Arkiv
II, 354 f.) reif, el (*jihla) schneeschauer; mit dehnung nach
§124,1 vet(t)r, seit. vit(t)r nach \A. vitür (anal vetMr), wicht,
stett (zu stiga steigen) fuss eines bechers, seit anzahl von
sechs, frett frage, vettvangr (zu vig kämpf) kampfplatz, iättyrpe
(mit brechung aus *eht-, ahd. jiht) einwilligüng, retta (anal,
präs. rettir) aufrichten, sletta schlichten. Vgl, nit{t)a nein sagen
nach präs. nit(t)ir.
Anm. 4. Der Vorgang dürfte schon urn. sein nach ausweis von
Jordanes Suehans (wo das e doch auch wol schon durch «-umlaut ent-
standen sein kann, Avie übrigens auch in einigen von den oben angeführten
beispielen), aschw. Swear, aisl. Suiar nach dat. Suium und aschw. Swiar
(s. Wigforss, Namn och bygd VI, 119 f., 124 f.). Dann wäre Tacitus Suiones
ungenaue Schreibung statt Suihones (mit demselben kollektivsuffix wie
got. bropahans gebildet) wie auch der vielleicht dazu gehörige — aber
jedenfalls verwandte — sg. ahd. gi-swlo 'verwandter durch anheiratung'
statt -swiho (so Laistner, Germ, völkernamen, s. 39). Da -weh- nach § 109
zu -ivceh- wird, so hiesse der gen. lautges. *Sv.cfcna (wie got. aühsns u. dgl.
gebildet), was das auffällige et im adj. sucenskr (das doch wol auch die
entlehnte aschw. form sein könnte) erklären würde. — Dasselbe *swih-
' selbst, eigen' (vgl. got. swi-hunps selbstverständlich, ags. swi-tal selbst-
redend) finden wir wol im anorw. sue-, sui-däe (auch suidda, suiddauÖr
mit aus hd assimiliertem dd) von selbst gestorben, aisl. sue-viss selbstklug,
eigensinnig wieder.
Anm. 5. Dass ih > eh später als hs > ks (s. § 222, 2) stattfindet,
zeigt vixl Wechsel.
Anm. 6. Sporadische fälle von i^> e in noch anderen Stellungen finden
sich im orkn. und shetl. des 14. und 15. jahrhs., z. b. greptn gegriffen, velia
wollen, iel zu, s. Haegstad, Hild. s. 36: ausserdem überhaupt dann und
Wiiini im uinorw.. s. Hfpgstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 48 und 11,2. i. s. 103.
§111.112. .Sonstige Verschiebungen : i. u. IW
§ 111. i wird vorliterarisch zu e in folgenden fällen:
1. Vor einem nach § 299 geschwundenen nasal, ausser
wenn die folgende silbe zur zeit des nasalschwundes ein t
oder ü enthielt, z. b. lerept leinwand zu lin lein. Tgl. pi(n)sl
pein, weil später entlehnt oder nach jü.pislir und^//m peinigen.
Anm. Dass der Vorgang nicht (wie Kock. Arkiv XV, 313 f. will)
in nicht -haupttoniger silbe stattfand, beweisen <-uingelautete formen wie
fräße (got. frödei, -eins, -ein) gelehrtheit u. dgl. , welche nur aus älterem
*/Vö<)t(m). nicht -e(n,), erklärt werden können.
2. Vor (später geschwundenem) h. ausser wenn in der
folgenden silbe ein t oder u zur zeit des Überganges stand
(vgl. Lindgren, Sv. Landsm. XII. 1. s. 155 ff.), z. b. Hloßver
(afränk. Chlodoinch) Ludwig, tea (got. teihan) zeigen, lea (got.
ieikari) leihen, vtlu (litau. »:eikaloti. s. Bugge. Arkiv 11,354) sich
beschäftigen, tuenn (s. porkelsson, Supplement II, 617, sp. 2;
vgl. got. pl. tweihnai. aschw. Urmü) doppelt, ßrenn (porkelsson
a. o.: "Wadstein. F. Hom. s. 131) dreifach. Uttr (ahd. hhti) leicht.
petir (mhd. dihte) dicht, ve (got. weih n. a. ntr.) heiligtum. pel
(urg. *pi[n]klö, s. HeUquist, Arkiv VII, 160 note) feile, fei
(B. M. Olsen, Aarboger 1888, s. 85 f.; ahd. fihala) feile, nisl.j>e/
(zu ]>ettr. s. Liden. Studien zur aind. und vgl. Sprachgeschichte.
s. 39 ff.) zusammengelaufene milch. Vgl. mit lautges. i JAsl
(durch ausgleichung von nom. *fiisil. gen. *peslar; ahd. dihsila.
aschw. JilstiJ) deichsei. ffarr (ags. Inner, air. Imar. lehnw. wo
», resp. m die nasalität des vokals bezeichnet; urn. *fkuhariä
> *IuatR = Ynguarr — vgl. Marstrander, Bidrag. s. 67. 108, 117.
anders v. Friesen. Rökstenen, s. 139 f. — < *Ingu-harin nach
§ 134, a, ags. Ingar) ein mannsname: anal, sia (ahd. siha) nach
obl. siu seihe, sia seihen, anorw. Utia (s. Hertzberg neben gew.
letta erleichtern nach präs. Hittir, anal, lettir.
§ 112. u wird vorliterarisch zu o (bei dehnung o) in
folgenden fällen:
1. Wenn unmittelbar nach dem vokal ein nasal (nach
§ 266 oder § 233) geschwunden ist — jedoch nicht wenn in
der folgenden silbe ein t oder ü zur zeit des nasalschwundes
stand (vgl. Kock, Arkiv XI, 315 ff.) — z. b. strolch- (d. Strunk.
Liden, Uppsalastudier s. 84) butterfass, pokke (agutn. p"unki)
wolwollen, okkarr (got. ugkar) uns beiden zugehörig (wonach
102 § 112. Sonstige Verschiebungen : u.
okkr uns beide statt *ykkr, got. ugkis), part. prät. wie sokkenn,
stokkenn, hrokkenn, dottenn, sprottenn, skroppenn (zu sekkua
usw., s. § 110,1) und das adj. kroppenn (aschw. kr umpiri) ver-
krüppelt. Vgl. mit lautges. u prät. pl. sukkum, stukkum usw.
sowie (mit i-umlaut) pykkia dünken, drykkr trunk (drukkenn
getrunken gegen anorw. seit, lautges. nach § 74 und § 162, 2
drykkinn, s. § 495 anm. 5 — vgl. auch aschw. drykkin-skaper
trunksucht — hat u aus drukkum u. a.), kryppell krüppel, stytta
kürzen (stuttr kurz statt *stottr nach dat. stuttum, -u u. a.). —
Dehnung des o (nach § 123) zeigen z. b. ösk wünsch (aber
yskia, anal, öskia wünschen), anorw. 6s (got. uns\ vgl. aisl. ess
< *ösir nach ös statt *«, got. unsis, wie auch die beiden
kontaminationen aisl. seit. 4ss und das gew. oss) uns, Batatoskr
(*töskr § 127, 3 < *tunsk-, ags. tüsc zahn) ein mythisches eich-
hörnchen, pl. orer zu värr (*6arr oder *üarr § 134, b — agutn.
öar, ngutn. euar aus *Uar — s. Noreen, Sv. landsm. I, 346,
v. Friesen, N. spr. 1,63 ff.), eine neubildung st. *6$arr, f. *üsur
zum pl. urspr. *un{z)reR unser, Pörr (aber Puripr s. § 51, 1, a
und nach § 65 Pyripr neben seit. Por(r)ipr und Pyre nach § 65
neben Porve frauennamen, anorw. seit. Purgils und oft nach
§ 65 Pyryils neben gew. Porgils, mnorw. Pure neben Porer
mannsnamen) aus *Punrait (ags. Punor, gen. Punres; s. Lind-
roth, Namn och bygd IV, 161 ff.) der donnergott, töpt (nisl.
tött; gew. aisl. topt nach § 127, 3 neben anorw. *tiift > tuft
nach dat. tuftu, -um u. a.) aus *tumft (anorw. turnt — s. Lind,
No.-isl. dopnamn, sp. 98 — und tomt, aschw. tompt mit o von
toft) bauplatz, präfix 6- neben unbetontem (s. § 51, 1, a) ü- (so
besonders im anorw., aber selten im Nordwesten und im Dront-
heimischen, s. Hsegstad, G. Tr. s. 68 und 96, Vestno. maalf. II, 1,
s. 23) un-.
Anm. 1. Die scheinbare ausnähme husl (gut. hunsl) das heilige abend-
mahl ist aus ags. husl entlehnt. Kan(n)ukr (neben Jcanöke) und mükr sind
von den gelehrten nebenformen kanunkr canonicus und munkr (aus ags.
munuc) mönch beeinflusst. Im anorw. kuppän < kumpänn kumpan bleibt
u wegen schwachtonigkeit, denn dass nicht, wie Kock, Arkiv XV, 383 ff.
will, nicht-haupttoniges u(n) zu 6 wird, lehren auch ?(-umgelautete formen
wie acc. pl. mggo (got. maguns) söhne n. dgl., welche nur aus altem *ma$ü,
nicht -5 (das übrigens, weil nasaliert, später zu -a geworden wäre wie in
Peima aus *paimüh u. dgl.), erklärt werden können. Das vereinzelte füss
(so immer, aber 2 mal Qlföss — s. Kock, Arkiv XV, 325 — ein mannsname.
§ 113. Sonstige Verschiebungen : «. 103
aschw. 1 mal fös und öfter framfö's vorwitzig) eifrig dürfte sein H von
*füsiR vor dessen Übergang in fyser gelüstet n. dgl. entlehnt haben.
Anm. 2. Anch vor erhaltenem n wird u (nnd w) zu o (o) in aostnorw.
diall. (seit, im aisl.), z. b. Äsmondr u.dgl., Gonnor {Gunter): Bönolfr
Personennamen, ortsname mnorw. Bmice zu rüm räum (s. Lindroth, De
nord. ortnamnen pa -nun, s. 105 und dort zitierte literatur); dies schon im
12. jahrh., s. Bugge, Arkiv X, 258.
2. Vor (später geschwundenem) *, ausser wenn in der
folgenden silbe ein t oder ü zur zeit des Überganges stand,
z. b. dröttsete truchsess, gnott (ahd. ginuht) genüge, flotte flucht,
Jcnes-bot (d. bucht) kniehöhle (sowie Bot, fi. Pohto, als ortsname,
s. Lind, Namn och bygd II, 173 ff.), sott, söt (d. sucht) krank-
heit neben anorw. (s. Wadstein, F. Hom. s. 127 ; Haegstad, G. Tr.
s. 43; porkelsson, Supplement IV, 141) sütt nach dat. pl. u. a..
i-smött das worin man schmiegt (vgl. anm. 3), Ion (anorw. auch
lün) stilles wasser (vgl. logn § 317, 3, b stille), floe weite und
seichte wassersammlung (vgl. aschw. fly < *fluhja seichte pfütze,
s. Saxen, Stud. nord. fll. I, 3, s. 60 f.), böla (*buhlön- zu ahd. buhil
hügel) beule neben aschw. brda nach den kas. obl., ebenso
(s. Kock, Beitr. XXIII, 538 note) föa (got. faühö) füchsin neben
orkn. füa,
Anm. 3. -smätt neben -smött (s. oben) beruht nach v. Friesen. N. spr.
1,69, auf gen. -smättar, entstanden durch entgleisung nach dem typus
nött : nättar u. dgl.
Anm. 4. Um. ÖohtriR Tune (aisl. detr) tö'chter hat das o ans dem sg.
*öohtßr entlehnt. Da dies o vielleicht durch a-umlaut entstanden ist. so
ist der Übergang uh > oh (und üh > <jh, s. § 113) nicht für das um. sicher
erwiesen, um so weniger als die Schreibungen muha Kragehul und hariuha
brakteat von Sjaelland (nr. 57) direkt dagegen zu sprechen scheinen. Dass
uh > oh später als hs > ks (s. § 222, 2; stattfindet, zeigt uxe (got. aühsa) ochs.
Anm. 5. Wahrscheinlich ist u schon um. (vgl. § 110 anm 3) vor R
zu o, woraus nach § 71,3 e und mit dehnung nach § 126,1 e, geworden
(vgl. Behaghel, Germania XXXI, 381). Beisp. s. §71,3 und 4. Die prä-
position ür oder (nach §71,6) yr 'aus' und die präfixe *tur- (später nach
§ 146, 3 tor- und nach § 71, 5 tyr-) schwer-, ur- (or- und nach § 71, 3 er-)
ohn- sind zur zeit des Überganges schwachtonig {uß, tun-) gewesen und
daher dem übergange entzogen.
§ 113. u wird vorliterarisch zu 6 vor (später ge-
schwundenem) h, z. b. ötta (got. ühtwö) früheste morgenzeit,
pötta (got. pühta) dünkte, pro (ags. prüh) trog, mor heideland
(fi. muha sumpf mark, s.Karsten, Germ.-finn. Lehnwortstudien.
s. 601); mit t'-nmlaut 4m (got. jühha) jünger, statt dessen man
104 §114.115. Sonstige Verschiebungen : »/,{>•
in anal ogie mit § 112,2 *yre erwarten sollte (adän. yrce kann
vom snp. yngstcer beeinflusst sein, wie noch gründlicher die
neubildung aisl. yngre), 6ska Jugend.
Anm. 1. Ueber das unklare anorw. almöge neben -mügi (aschw. müghe,
aisl. müge, ags. müga, müha? schar) das ganze volk s. meine unsichere Ver-
mutung in Urg. lautl. s. 179 (wozu vgl. Hellquist, Arkiv XXXIV, 183 note 2).
Anm. 2. Ueber ü > 6 in aostnorw. diall. s. § 113 anm 2.
§ 114. Ein dialektischer Übergang y > i, wenigstens
wenn die folgende silbe i enthält, findet, bes. im südwnorw.
(wie durchgehends im nisl. wenigstens um 1550, s. Jiriczek,
Bosa Bimur, s. XXV) statt (vgl. § 147), z. b. brinia brünne
(vgl. den häufigen anorw. mannsnamen Briniolfr), higgia
verstand, minni (wol nach ösminni § 147) mündung, lif
(wol nach pl. lißar) arzneiraittel, anorw. ifrinn überschüssig,
reichlich, anorw. kindir zündet u. dgl. neben brynia usw.;
s. Haegstad, Gr. Tr. s. 69 note, Vestno. maalf. II, 1, s. 47. Der
Vorgang scheint durch air. lipting (aisl. lypting) schon für das
11. jahrh. bezeugt zu sein (s. Marstrander, Bidrag s. 73). Wo
ausnahmsweise y zugrunde liegt, dürfte zunächst kürzung
(nach § 127, 5 und § 151) zu y anzunehmen sein, z. b. prät.
sindi zeigte, anorw. imiss wechselnd, hibili Wohnsitz, selten
(s. Haegstad, Gr. Tr. s. 69 note) bisna (nach präs. -ir) zu weit
gehen neben syndi, ymiss (pl. ymsir § 127, 5), Mbyle usw., aber
so können wol nicht z. b. anorw. seit, hiding Stäupung, Urit(t)r
allgemeines recht, Hisingr ein mannsname statt gew. hyding,
lyrettr, -rit(t)r, Hysingr erklärt werden, sondern dürfte hier
ein dialektischer Übergang // > i (wie allgemein im nisl.) an-
zunehmen sein.
Anm. 1. Ueber das seltene anorw. bril(l)aup (s. z. b. Haegstad, Vestno.
maalf. II, 2, i, s. 32) neben bryllaup (vgl. § 51, 1, a) hochzeit s. ein erklärungs-
versuch bei Kock , Arkiv XII, 257. Ueber hibxjli neben lautgesetzlichem
htfbyli s. § 77, 6.
Anm. 2. Mnorw. kann y, besonders vor r und kakuminalem l, in
e übergehen (wie im aschw.), z. b. ferre frühere, melna mühle, efer über
u. dgl., s. Haegstad, Kong. s. 18, Vestno. maalf. II, 1, s. 48 und II, 2, i, s. 104.
§ 115. o. wird verändert:
1. Zu o vor nasalen mit folgendem kons., wenn in der
folgenden silbe ein u (o) oder w steht, vorliterarisch in gewissen
sowol aisl. wie anorw. dialekten. Für das aisl. wird der
Übergang bezeugt durch die alten bruchstücke der Olafssaga
§116. Sonstige Verschiebungen : <}. 105
(§ 12, 10), welche z. b. monnom männern, atgongo (und gongo)
angriffe, Rognualdr (d. h. Bon-, s. § 239, 2)- ein mannsname
haben, während in anderen Stellungen konsequent o steht,
z. b. hond. rond. Onnndi: nofnom. morgom (lmal morgom, wol
Schreibfehler), fofior usw.; für das anorw. (s. Kock, Arkiv
XVI, 254 ff.) durch den ersten anorw. Schreiber des Hauksbök
(s. § 15,27) und wol auch Oratio contra clerum (§ 15,29);
vgl. Haegstad. G. Tr. s. 84).
2. Zu (offenem) e (nisl. ö geschrieben) im aisl. (im anorw.
nur in der gegend nördlich von Bergen sowie auf den Fär-
bern) überall ausser vor ng, nie (s. § 105) und in dem oben 1
erwähnten falle. Dies e tritt in einzelnen gegenden schon
im 13. (z. b. Cod. Am. 645, 4°, alt. teil, wo schon gew. e ausser
nach kons, u steht, also z. b. vetn gegen suor u. a.), sonst
allgemein erst im 14. jahrh. auf, z. b. dat. sg. ntr. e]>ro anderem,
dat. sg. geto gasse. Vgl. Lyngby, Tidskr. f. Phil, og Paed.
II, 300 f.; L. Larsson, Isländska handskriften Nr. 645, 4°, s. IUI;
Kock, Beitr. XX, 122 ; Haegstad, Vestno. maalf. I, 80 f., 85 und
II, 2. ii, s. 156; F. Jönsson, Arkiv XXXV, 314 ff.
Anm. Im sonstigen anorw. (wie im ostn.) kommt dieser Übergang
mir vor r und kakuminalem l und nur in gewissen dialekten (aber schon
bisweilen in den ältesten hdschr.) vor, z. b. &rn (No. Hom. 3 mal) adler.
el bier.
§ 116. o wird zu o, wo es nasaliert ist (s. § 50), z. b. spönn
(*spänuR, gen. spdnar. wonach nom. spann) span. 6n (und rä»
nach gen. vänar) hoffnung, Iorjjon (-an) der fluss Jordan', ön
(ahd. äno) neben schwachton. an ohne, hon und (schwachton.) hdn
(Reykj. Mäld.; vgl. das agutn.) sie, hönom und hdnom ihm, 1. pl.
som zu sä sah. mönoJ>r (gen. mänapr) monat. 3. pl. nomo zu
ndm (wozu neugebildet nwno, ndmo nach analogie von bar : boro,
bäro u. a.) nahm, möto zu mat mass, nött (gen. ndttar) nacht, öst
(gen. dstar; got. ansts) liebe, oss name der germ. rune *ansuz
(identisch mit oss, dss gott, älter oss, gen. äsar, wozu der Orts-
name aostnorw. und aisl. Oslo neben awestnorw. AsU, lat.
Asloia, mndd. Anslo). Oh (ahd. Anulo) neben Ale (ahd. Analo.
ags. Onela), Oläfr, -lafr aus *AnulaibaR (air. lehnw. Amlaib,
ags. Anldf), On(n) neben pn(n), An(n) mannsnamen, öl (anaL 61,
dl nach gen. dlar) riemen (gr. tvpcvhj), oll (und all; sanskr.
ankurd-) keim, ro (anal, rä) zu pl. rar (anal, röar) winkel
106 § Ü7. 118. Sonstige Verschiebungen : ce, ct.
(vgl. rong spant), eld(s)-tö herd neben anal, td hofplatz und
schwachtonigem -ia in nnorw. elta herd und nschw. spilta ver-
schlag (vgl. finn. lehnw. tanhua hürde und ags. töh zäh), ? Öttarr
neben nmorw. Attarr (vgl. ahd. ähta, ags. oht Verfolgung; anders
Marstrander, Bidrag, s. 82, 155, 156, und Björkman, Studien
z. engl. Phil. LVIII, 85 ; vielleicht sind zwei namen zusammen-
gefallen) ein mannsname; vielleicht auch hierher iprött (aschw.,
adän. ifrrcet; vgl. Noreen, Värt spräk III, 326 f.) talent und
lömundr neben Icemingr lemming. Nach ausweis der assonanzen
(wie nött : ötta) ist 6 schon um 1050 statt o eingetreten. Vgl.
Wadstein, F. Hom., s. 64 ff.; Gislason, Njala II, 607 ff., 612 ff.;
Kock, Arkiv V, 46 ff.; Falk, ib. VI, 114 ff.
Anm. Ueber mör, nö- s. § 72, 2 ; anorw. nokkorr s. § 82, 2.
§ 117. ce fällt im aisl. früh orthographisch und vielleicht
auch lautlich mit e zusammen, z. b. selia (anorw. soslid) über-
geben, erfa (anorw. cerfa) erben usw.; zwar unterscheidet der
aisl. grammatiker um 1150 noch e (d. h. ce) und e, aber schon
die ältesten skaldengedichte lassen die beiden laute assonieren.
Vgl. L. Larsson, Isl. hdskr. Nr. 645, 4°, s. LH ; Heusler, Aisl.
Elementarbuch 2 § 57 anm. 1. — Dagegen im anorw. tritt
der Übergang ce > e im allgemeinen nur vor nn sowie vor n
(und m?) mit folgendem heterosyllabischen konsonanten ein;
dies schon im anfang des 13. jahrhs., z. b. Jcenna (got. kannjan)
kennen, menn niänner, dat. hende (aber pl. hcendr) hand, lenge
lange (aber leengr länger); s. Wadstein, F. Hom. s. 50 f.; Sievers,
Tübinger bruchstücke, s. 8; Haegstad, G. Tr. s. 68, 79 ff., 83.
Im Cod. Holm. 34, 4 — steht e ganz regelmässig vor nn und
m, n + kons, sowie in nefna nennen; aber ausserdem wird e
wenigstens geschrieben vor i oder u der folgenden silbe,
wiewol die vokalharmonie (i, u, nicht e, o, als endungsvokale)
zeigt, dass das ce nicht zu gewöhnlichem e geworden ist;
s. Kolsrud, Arkiv XXXIII, 287 f. Speculum reg. hat e nach g, k,
s. Jönssons ausg., Indl. s. 12.
§ 118. ce geht im anorw. (seit, aisl.) dialektisch in e über,
teils (z. b. in Cod. AM. 310, 4°, §15,13; s. Groth's ausgäbe,
s. XVI) nach g (nach k fehlen zufällig beispiele), z. b. cigetr
berühmt, gefa glück; teils (s. Skulerud, Arkiv XXVIII, 259 und
dort angeführte literatur sowie Kolsrud, Arkiv XXXIII, 290)
vor und nach », z. b. renr raubt, ner (auch aisl., s. Larsson)
§119—121. Sonstige Verschiebungen: e, <i u. a. 107
nahe; vielleicht auch vor r (js), z. b. serr sät, Leradalr ein
Ortsname (s. M. Olsen. Stednavnestudier, s. 119 und dort an-
geführte literatur).
§ 119. Geschlossenes e (nach § 63, 3, § 71, 3, § 77, 3 und
§ 82, 3 entstanden) wechselt, bes. in aisl. hdschr. (anonv. beisp.
bei Haegstad, G. Tr. s. 69 und Vestno. maalf. 1, 89) mit e, ohne
dass man überall imstande ist zu entscheiden, ob ein laut-
licher Übergang e > e vorliegt. In einzelnen fällen kann
nämlich möglicherweise e der ältere, nicht durch u- oder
w-umlaut veränderte, laut sein, z. b. smer (smer) butter, wie
wol sicher der fall ist in eple < cepli (ahd. edili) neben ej)le
(s. § 66 anm. 2) begabung, wo übrigens das e offen ist. Sonstige
beispiele — welche keine regel durchblicken lassen (nach
Kock, Arkiv IX, 150 note soll das e zum teil auf schwach-
tonige Verwendung des betreffenden Wortes oder der betr. silbe
beruhen, was aber sehr unsicher ist) — sind u. a. präs. Jcemr
kommt, sefr schläft, trepr tritt, prät. konj. jier/>e wagte, part.
prät. frerenn gefroren, pl. stePr stützen, sener söhne, komp. efre
oberer, nerpre nördlicher, eocn ochsen neben kemr, sefr usw.
§ 120. e geht im aisl., schon etwas vor 1250, in dz über,
z. b. dcema richten, starre grösser usw.; s. J. porkelsson, Brey-
tingar ä myndum etc., s. 30 f.; Kälund, Palaeogr. Atlas (1905),
s. VI f. — Ueber vorKterarisches •§ aus vor j s. § 68, 3. Ueber
etwas späteres y aus vor yi. Jci s. § 75.
Anm. Orkn. ist i statt w aus dem j. 1369 belegt, z. b. bäa büssen;
s. Htegstad. Hild. s. 41.
§ 121. Spuren der dem neuostnorw. charakteristischen
vokalharmonie, welche einen kurzen vokal in offener (selten
in geschlossener) silbe demjenigen der folgenden silbe ganz
gleich werden lässt, finden sich schon, wiewol anfangs selten,
seit dem 13. jahrh. in onorw. denkmälern, z. b. ä madal statt
ä medal zwischen, afan st. ofan von oben, gumul st, gomul alt,
hufud st. hofud, Tcana st. Jcona weib, samar st, sumar sommer,
slada st. skoda schauen, Falke, FalJcvarör st. Folk-, Fanne
st. Forne, Parsten st, Porstein und mit urspr. langem vokal
Paraldr st. Poraldr u. a. (vgl. Lind, Arkiv XI, 271) manns-
namen, falage st. felage genösse u. dgl.. s. Haegstad, G. Tr.
s. 62 f., Vestno. maalf. II, 1, s. 43 und 50; A. B. Larsen, For-
handlinger i Videnskabsselsk. i Kristiania 1913, nr. 7, s. 29 t
108 §122-124. Dehnung.
B. Quantitative Veränderungen,
I. Dehnung.
§ 122. Gedehnt wird jeder kurze vokal, der entweder
ursprünglich oder durch Schwund folgender laute (vgl. § 123)
auslautend steht, z. b. sä (got. sa) der, ])ü (got.jw) du; ä
an, ]>ä dann, i in, sä (got. sah) sah, prät. vä zu vega aufheben,
brä zu bregfia schwingen, präs. mä zu mega können, Jene
(*Jcnewa) knie, tre bäum.
Anm. 1. Wo im auslaute kein konsonant geschwunden ist, kann die
länge des vokals möglicherweise schon urgermanisch sein.
Anm. 2. Auch in urspr. ' halbstarker ' silbe (s. § 51 anm. 1) ist
dehnung einst (wenigstens in offener silbe) eingetreten. In anorw. dialekten
ist die länge noch in die literarische zeit hinein (ja noch in nnorw. diall.)
erhalten, z. b. in No. Hom. verä sein, erö (vgl. das häufige rö § 158 anm. 2)
sind, acc. einsetö einsamkeit, etä (4 mal) essen, acc. etö krippe, getä
bekommen (formen wie ifän, varän, eröm, tgküm, ävitäsk, later können von
*ifä, *varä, erö, HaJcä, *vüä, late u. dgl. beeinflusst sein ; vgl. jedoch gleich
unten); anders Wadstein, F. Hom., s. 122 ff. In anorw. hdschr. des 14 jahrhs.
kommen oft Schreibungen wie beraa tragen, hafaa haben u. dgl. vor (s.
J. Storm. Englische philologie J , s. 251), wo jedoch aa wol schon nach § 107
o bezeichnet, wie o in mnorw. kono weib, meto messen, skoSo schauen
und gleicherweise ofon von oben, somon zusammen, uton von aussen (s.
A. B. Larsen oben § 121 a. o.). Sonst ist kürze eingetreten, weil die halb-
stärke zur schwachtonigkeit geworden ist.
§ 123. Sogenannte ersatzdehnung kommt im inlaut
vor, wo unmittelbar nach dem vokal entweder ein vokal syn-
kopiert wird oder ein konsonant schwindet ohne sich einem
folgenden zu assimilieren (d. h. ohne konsonantische ersatz-
dehnung), z. b. när (*na-m § 80, 2 < *nawix) leichnam, fdr (vgl.
got. fawai) gering an zahl; o, 6 (*äu, s. §77,2; got. aha) fluss,
ß, fe (feu § 77,4; got. faihu) vieh, geld, tär zähre, Ale, Ole
(ahd. Analo, resp. Anulo), Pörr der donnergott, gos gans, qst
(got. ansts) liebe, äss (got. ans) balken, Äke (ahd. Enihho), nom.
pl. huärer zu huaparr (gew. huärr nach dem pl.; got. hqpar)
welcher von beiden, Görejir statt Gofrrejjr Gottfried, Frirekr
Friedrich, nol nadel, mal (got. mapl) spräche u. a. m. (s. §§ 292
bis 299).
dort §124. Dehnung vor konsonantenverbindungen tritt
vor uzenden fällen ein:
§ 124. Dehnung. 1Q9
1. Vor ht (später zu tt assimiliert, s. § 267), z. b. dötter
toehter, ätta acht, retta richten; vgl. Kock, Beitr. XV, 252 note.
Die dehnung muss schon um 900 vorhanden gewesen sein,
weil die assimilation ht > tt schon aus dem 10. jahrh. belegt
ist. Andererseits zeigt ein fall wie iättyrpe (§110,3), dass
die dehnung später als die betreffende brechung (gegen 700,
s. § 95, 1) ist. Sie fällt demnach zwischen 700 und 900.
2. Vor rh und Ih (woraus später r, resp. I, s. § 230) findet
sporadisch dehnung statt, z. b. fyre, fyre föhrenholz und füra,
fura (vgl. ahd. foraha) föhre. snire (*sicerhian-, vgl. ags. sweora
aus *swerhan) nacken, pl. vdler, gew. valer (vgl. ahd. walaho)
kelten (s. Bugge, Studier s. 208 note), föle (agutn. fuli, vgl.
got. fulhans verborgen) diebsgut, or (bei Larsson und oft im Cod.
Eantzovianus, § 15, 17) neben or (ags. earh. vgl. got. arhazna)
pfeil, Ml als ortsname neben aschw. pl. Alir (vgl. got. alhs
tempel), pl. firar (s. Pipping. Neuphil. Mitteilungen 1914, s. 150 f.)
neben firar (as. gen. firiho) männer, vielleicht Byleiptr oder
Byleistr ein mythischer mannsname aus *byl-heiftr (mhd. keifte
adj. heftig, subst. sturmwetter), resp. -heistr (ahd. heisti, ags.
hceste heftig), also ; windstossheftig': aber nur marr (ags. mearh)
pferd, fior (ags. feorh) leben, puerr (ags. fiiceorh) quer, for
(jedoch nschw. dial. for) furche, snara (ahd. snaraha) schlinge
neben nschw. mär gestrüpp, fiol (*felhö, s. Wiklund, Finnisch-
ugrische Forschungen XII, 33 f.) brett, melr (s. ib.) sandhügel, fela
(got. filhari) verbergen, fair hülse, Fialarr ein name, malr (vgl.
shö..malaha) sack neben nnorw. Maal- in Ortsnamen, s. M. Olsen,
Arkiv XXII, 105, und aschw. Mcelir als seename, s. Pipping,
Stud. nord. fil. XII, 55, seh (ags. seolh) seehund, biartr (ags.
beorht) hell, licht u. a. Zur erklärung s. vor allem Pipping,
Stud. nord. fil. XII, 28 ff. und dort angeführte literatur sowie
Noreeu, Geschichte 3 § 46, e und dort zitierte literatur.
3. Vor kakuminalem l (s. § 40, 2) + konsonant (also haupt-
sächlich vor If. Ig. 1k, Im, lj)) sind a, o, g, u im aisl. und zum
teil im südwestlichen (seit, nordwestlichen) anorw. und färöisch
(s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, n, s. 155 und I, 50, 68 sowie
Wadstein, F. Hom., s. 121) schon etwas vor 1200 (beisp. schon
in St. Hom., vgl. auch Marstrander, Bidrag, s. 79) gedehnt
worden, z. b. hälfr, f. holf (half) halb, ulfr wolf, gölf fussboden
im zimmer; yalge galgen, söJgenn verschlungen: slidlh- diener.
110 §125.126. Dehnung,
fölk volk; hälmr stroh, hidlmr, dat. pl. hiolmum (hiälmum)
heim, holmr kleine insel; hiälpa helfen, hiölp Qiiälp) hilfe,
holpenn geholfen. Beispiele der dehnung vor In, Is, welche
gruppen nur wo sie durch synkope entstanden sind kakumi-
nales l enthalten, sind qln (vgl. got. aleina) eile, kolna (zu
aschw. kolin gekältet) kalt werden , bölstr (anorw. bolstr und
bulstr) polster, hals hals, s. Noreen, I. F. IV, 320 ff.; Celander,
Om ö vergangen av ä > d, s. 79 f.
Anm. 1. Die seltenen ausnahmen beruhen auf analogie, z. b. prät.
Jialp, hulpom zu hiälpa (älter hiälpa) helfen, sualg, sulgom zu suelga ver-
schlingen, skalf, skulfom, part. prät. skolfenn zu slciälfa (skialfa) zittern
nach barg, bitrgom, borgenn zu biarga bergen u. dgl. Ebenso pl. stolner
nach sg. stolenn gestohlen u. dgl. , s. Noreen a. o. , s. 321 ; über prät. valpa
zu velia wählen u. a. s. ib. note.
Anm. 2. In säld sieb und skäld skalde ist die länge ursprünglich.
4. Vor ng, nk wird a im aisl. — jedoch nicht im west-
lichen teil der insel (mitteilung R. Arpi's) — und anorw.
nördlich von Bergen (s. Hsegstad, Vestno. maalf. I, 145 und
11,1, s. 41) wenigstens um 1350 gedehnt, z. b. längr lang,
krdnkr krank. Vereinzelt steht kongr (kongr) neben konungr,
-ongr könig.
Anm. 3. Dialektisch wird in anorw. ein vokal vor rd, rt und m
gedehnt, z. b. bärn kind (s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, 1, s. 79 ff.).
§ 125. Zu welcher zeit die in der jüngeren spräche fast
überall durchgeführte dehnung jedes kurzen vokals vor kurzen
konsonanten eingetreten ist, ist unsicher. Wahrscheinlich
fand sie statt zu verschiedenen zeiten je nach verschiedenen
orten, auf Island wol erst nach 1400, stellenweise doch viel-
leicht schon im 13. jahrh. In Norwegen ist sie westnorw.
seit dem anfang des 14. jahrhs. belegt (s. Hsegstad, Vestno.
maalf. 1, 145, II, 2, i, s. 83 und IL 2, n, s. 41), z. b. maat speise,
laas las, eer ist.
Anm. Vgl. noch Bugge, Beretning om forhandlingerne pä det ferste
nordiske filolognxode, s. 141, Wimmer, Lsesebog*. s. XVI ff., Dahlerup, Ägrip,
s. VII, Kock, Studier i fornsvensk ljudlära, s. 236 f. — Wegen mnorw.
(südwestlich) okkaar, odhaal u.dgl. vgl. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i,
s. 84.
§ 126. Sonstige fälle:
1. Vor tautosyllabischem, aus urn. r (urgerm. z) ent-
standenem r (ausser natürlich wo zwei konsonanten folgen,
§127. Kürzung. 111
z. b. mergr mark, s. § 71 anm. 1), z. b. präpos. 6r, tir, &r, yr
(got. us) 'aus' neben dem privativ-präfix or-, ur-, er-, nom. pl. f.
pcer (um. pcui Einang < *pöz § 137, 2) die. prät. vdr (No. Hom.
8 mal, s. Wadstein, F. Hom. s. 121; gew. rar, weil unbetont)
war, ?dat. (Rigsf>ula 3) arm (anal, arne) zu arenn herd (s. § 72
anm.), mer, per, ser, ver, er pron. und er (gew. er) verb s. § 110,2.
Anm. 1. Fälle wie gier (§ 71, 1) glas, fror (§ 71, 3) frost u. dgl. haben
sich nach den zweisilbigen formen giere n. s. w. gerichtet | tyr- (§ 68, 5)
ist erst nach der deknungszeit starktonig geworden (vgl. § 72). Also ist
die dehnung älter als der Ä-umlaut,
Anm. 2. Die seit. prät. -formen sera, smra statt sera (got. sa(sö)
säete. snera wandte haben wol die länge aus dem inf. sä, snüa, resp. dem
präs. und part. entlehnt.
2. Sporadisch im anlaut, s. A. B. Larsen, Maal og minne
1914, s. 147 ff., z. b. anorw. äf von, anorw. d~kr acker, mnorw.
dl- all-, mnorw. äpostole apostel, anorw. dt zu, dass, anorw.
Ormr ein mannsname, aisl. eh (misl. jeg, vgl. § 103), aisl. eta
(s. B. M. Olsen, Germ. XXVII, 262 f.) neben af, abr usw.); s. Haeg-
stad, G. Tr., s. 65, Vestno. maalf. I. 50, 89, II, 1, s. 41 und
II,2,i, s. 82 f.; Wadstein, F. Hom., s. 121; Hertzberg. s. 854 f.;
Fritzner; Lind, No.-isl. dopnamn.
3. Ueber init. iu > iö, in s. § 100 und § 101.
4. Ueber eventuelle dehnung bei hiatus (z. b. fear > fiar
viehes) s. § 133, b, 2.
Anm. 3. Ganz unklar sind die Verhältnisse bei sehr vielen lehnwörtern,
bes. eigennamen. Denn zwar ist die länge urspr. in z. b. Ädäm (lat. Ädäm),
DäviÖ (lat. David) Jesus (lat. Jesus), Tomas (gr. 6o>,m5^) u.a., aber wie
ist sie zu erklären in z. b. der ersten silbe von Ärön (lat. Ärön), oder der
zweiten von Magnus (lat. Magnus), der beiden von Petrus (lat. Petrus),
Satan (lat. Satan) u. s. w.? S. das material bei F. Jonsson in Festskrift til
V. Thomsen (1894), s. 204 ff. (wo s. 220 ein ungenügender erklärungsversuch).
und L. Larsson, Arkiv IX, 118 ff.
II. Kürzung.
§ 127. Vor tautosyllabischer oder durch synkope ent-
standener konsonantengruppe — doch nicht den in
§ 124,2, 3 und 4 genannten Verbindungen — oder geminata
tritt kürzung eines langen vokals ein, aber zu sehr ver-
schiedenen zeiten je nach verschiedenen Stellungen. Jedoch
ist dies Verhältnis sehr oft nicht mehr aufrecht erhalten, so
112 § 127. Kürzung,
dass faktisch die lautgesetzliche kürze nur in verhältnismässig
wenigen fällen auftritt. Dies beruht teils auf ausgleichungen
nach verwandten formen, wo die länge nicht in der betreffenden
Stellung stand, teils wol auch darauf, dass in gewissen dia-
lekten die kürzung vor gewissen Verbindungen nie eingetreten
ist. Jedenfalls ist das lautgesetz durch die isolierten formen
als solches gesichert. Von beispielen (vgl. anm. 3) mögen hier
angeführt werden:
1. d > a in kann (gen. hans) er neben dat. hqnom, hönom
ihm, gasse gänserich zu gas gans, vapmäl (väp-) kleidstoff zu
vop zeug, skald (skäld nach dem dat.) dichter, haske (häske)
gefahr, arna (dma) böte sein, tarn (idrn) eisen, natt (gew.
ndtt, nott, nott) nacht, att (gew. dtt, ott) geschlecht, ntr. vart
(vdrt) unser zu f. vdr (vor, 6r), ntr. sart (sdrt) verwundet zu
f. sdr (sor), nakkuarr (s. § 54, 8, a) irgend ein, Aslaug, -mundr
neben As- personennamen.
Anm. 1. Das nach § 97 anm. 1 aus cei, ei dialektisch entstandene c
wird zu i verkürzt, z. b. huimleipr (aschw. hwemisßer) jedem verhasstzu
hueim jedem, Indripe neben Eindripe ein mannsname, anorw. inginn (schon
Hoprekstad 2. band acc. ingan; spätere beisp. s. Hsegstad, Upphavet, s. 8)
neben ceinginn kein; dazu ntr. ikki (s. Hsegstad, G. Tr. s. 91) neben cekM
nicht(s) ; mnorw. Girmnndr <C Geirmundr ein mannsname.
2. i > i in minn, pinn, sinn (ntr. mitt. J)itt, sitt) zu f. min,
J>in, sin mein, dein, sein, vitke (ags. witga, ahd. wlzzago prophet)
zauberer, pl. Utler (selten litler) zu Meli klein, Skirner ein
mythischer name zu skira (prät. skirfia, skirfia) hell machen,
skirr (skirr) zu acc. skiran hell, Vigfüss ein mannsname zu vig
kämpf, sild (sild, vgl. den fischnamen sil) hering, huilp, -d
(huilfi, -d) ruhe zu huila ruhen, litt (litt) neben litet wenig, iss
(iss) zu pl. isar eis, ntr. fritt (fritt) zu f. friß schön, fifl (fifl)
idiot, ipvandr (ip-) tatkräftig zu ip tat, illr (illr, aschw. Uder,
nisl. illr neben illr) böse.
3. 6 > o, seit, u, in Porsteinn, -finnr u. a. dgl. namen neben
Pöroddr, -(h)ildr u. a., HroJ)biartr (Hröp-), Hrolleifr, Hrollaugr,
Hrokkell u. a. dgl. namen zu hrofiogr ruhmvoll, ntr. gott (gott;
3 mal gutt, wie im aschw., im Cod. AM. 921, 4°, IV, 1, s. Morgen-
stern, Arnamagn. Fragmente, s. 44 f.) zu f. göj) gut, topt (seit.
töpt, s. § 112, 1), anorw. tuft bauplatz, drot(t)ning (dröt-) königin
zu dröttenn (drottenn) könig, ogn (ogn) schreck, forn (forn)
§127. Kürzung. 118
opfer. briost (briöst) brüst. Porpr (Porfir) ein mannsname, lioss
(liöss) zu acc. liösan licht, hell. Xorreyr neben Xoregr
(s. § 235. 1. 1) Norwegen, okr (got. icökrs) wucher. anorw. kriny-
hitr u. dgl. (in Ol. h. leg. saga, § 15. 12 1 st. -öttr (s. Kock. Arkiv
X. 330 note 1), mnorw. mkn (s. Ha?gstad. Vestno. maalf. 11. 2. i.
s. 33, vgl. seit, aschw. ticfta < sökm) durch anschlug an söknar-
dagr zu gerichtlicher Verhandlung freier tag neben söhn
(wie oft im aschw. > nach säkia gerichtlich belangen st. sykn
(s. § 77, 12) zu gerichtlicher Verhandlung frei, schuldlos, Eulfr
(aisl. Hrölfr). Prundr taisl. Pröndr) mannsnainen. Diese
kürzung ist .durch air. lehnwörter schon bald nach 800
bezeugt, s. Marstrander. Bidrag. s. 65.
i. n > m in Wuüaup aus brujtlaup hochzeit zu brüpr
(gen. brüpar) braut.
5. y > // in KnyÜenyr zu Knütr (dat. Knute), pl. ymser
zu [jmiss (anal, ymiss) wechselnd, ytre (ytre) äusserer, yztr
(yztr) äusserster zu üt hinaus, dyrka (dyrka) verehren, dyrp
[dyrp) herrlichkeit. dyrr (di',rrj zu acc. dyran teuer, hyske
(hyske. ühtLhiwisü) hausgenossenschaft. prät. synda (synda) zu
sf/na zeigen, brynn {brynn) -augenscheinlich' zu acc, bryi
anorw. bryllaup (= bndlaup. s. 4 oben).
6. de > as (aisl. e) in kenne ihr neben hämun ihm, ellefo
(s. § 54. 3, a) elf, hestr < Viceistr iura. Viähistaa < urgerm.
*ha(ti)histoz, vgl. ahd. hengisi) pferd. anorw. nefJr neben >?#$/>•
(s. § 135; auch nestr s. § 118) nächst, prell neben gew. prall
(nach ^X.prdtlar; vgl. § 62 anm. 1) sklave. suenskr (s. E. Olson.
Yngvars saga. s. XXXVIII) neben gew. sucenskr schwedisch.
Anm. 2. Vettr wicht kann ebensowol aus rettr wie tetttr sekürzt
sein: 9. § 109 und § 110.:',
7. > in tfss (gew. oss s. § 112, 1) neben 6s (und es) uns.
Ob edda (aus *<*Wa nach § 119?) als name eines buches hierher
gehört, bleibt sehr unsicher, s. Sijmons, Over afleiding en
beteekenis van het woord Edda. Amsterdam 1898. s. 16 ff. und
die dort zitierte literatur.
Anm. 3. EeL-p überhaupt bei Gislason, Aarbeger 1666. s. 242 ff.,
Annaler 1858, s. 89, Om helrim. s. 49 f.. Xjala 11,953; Mogk, Auz. f.d.
A. X, 62 f. : Wimmer, Laesebog*. â– . XIII ff.: Hsegstad, G. Tr. s. 73. Vestno.
maalf. 1,10 and 11,2, i, s. 31.
Xortsn. Altisl. jrauim. i. aufl. t>
114 §128.129. Kürzung.
§ 128. In ganz denselben Stellungen wird der diphthong
cei (aisl. ei) zu ce (aisl. e) verkürzt, z. b. ekke (ethe) 'nichts'
aus *ceitt-gi, nekkuerr, -arr irgend ein aus *ne-wceit-ek-hwcerr,
-hwarr, helge (vgl. air. Lehnwort Elgi als mannsname im j. 922,
s. Marstrander, Bidrag, s. 63) der heilige zu heilagr (anal,
anorw. hcelagr) heilig, superl. mestr zu meire grösser, flestr zu
fleire mehrere, gedda (zu fi. kaita, ags. gäd spitze, s. Liden,
Finn.-ugr. forschungen XI, 137), flesk Schweinefleisch, eldr
(aschw. eleper, Eider, ags. dsled) feuer, edda grossmutter zu eipa
(vgl. got. aipei) mutter, pl. hepner (s. Kälund, Heiöarviga saga,
s. XXIII) zu heipenn heidnisch, ve(i)tka ich weiss nicht, gen. pl.
pe(i)rra ihr, kle{i)ss lispelnd, E{i)ndripe (*Ainida-rädie, s. § 151, 6;
vgl. adän. runisch ainrapi neben aschw. enda, adän. run. enip
einzig, s. Noreen, Arkiv VI, 380) ein mannsname, ve(i)da be-
wirtung, e(i)nn ein, e(i)nge kein, aisl. endeme (eindäme) etwas
ausserordentliches, pl. e{i)gner zu eigenn (anal, anorw. ceginn)
eigen, sue(i)nn bursche, ekkia (aschw. cenkia; zu einka einzeln, vgl.
got. ainakls vereinzelt) wittwe, Sue(i)gper (zu sueigia, s. Noreen,
Uppsalastudier s. 200, 203) ein mythischer name, hegre (no.
dial. auch heigre; ahd. heigaro, fi. heikara) reiher, anorw. serlcestis
(zu Imstr fuss, s. An. gr. II, § 80 anm. 6) besonders, Ge(i)rmundr
(shetl. Gcermundr), Sve(i)nke mannsnamen u. a. m.
Anm. 1. S. u. a. Wadstein , F. Hom. s. 58; F. Jönsson in Mindre af-
handlinger udg. af det phil.-hist. samfund, Kph. 1887, s. 224; Boer, Orvar-
Odds saga, Leiden 1888, s. III; Larsson, pass. ; Brate, Ant. tidskr. f. Sv.
X, 17 note ; Hsegstad, G. Tr. s. 73, Hild. s. 44.
Anm. 2. Selten und zum teil unsicher sind spuren einer dergleichen
kürzung von qu (oh) zu q (o) und von ey (cey) zu e (ce), s. Wadstein,
F. Hom., s. 76 und Hsegstad, G. Tr. s. 73 f., Vestno. maalf. 1, 68, 89. Beisp.
wären etwa teils aisl. Qr-, Aurvandell (ags. earendel morgenstern), Qpr, Auftr
Personennamen; anorw. Oöbiorn, -finnr, -gceir st. Aud- mannsnamen, Sors-
haugr (zu saurr schmutz) ein Ortsname, sgrgasTc (saurgask) sich schmutzen,
gen. pl. qgna (aagna) äugen; teils das häufig sowol aisl. als anorw. vor-
kommende brott neben braut weg, hin (vgl. § 152, 2); teils anorw. Jcepte
(keypte) kaufte, semdr (soymdr) genäht, yEstein (JEisteinn, ßystehm) ein
mannsname. Vgl. jedoch § 98 anm. und § 99 anm.
§ 129. Ein langer vokal scheint unmittelbar vor einem
andern verkürzt worden zu sein, wenigstens fakultativ bis
um 1400 (später steht wieder ausschliesslich länge), z. b. hua
(bria) wohnen, gloa (glöa) glühen, buenn (buenn) fertig, aber
§ 130. Hiatuserscheinungen. 115
pl. biiner, daenn tot, pl. däner. In St. Hom. wären wenigstens
/ und m, nicht aber, scheint es, 6 (und «?) verkürzt worden
(s. Koek, Arkiv XIII, 175 ff.). Aber diese kürzung ist bestritten
worden (s. Beckman, Arkiv XV, 86 ff., Pipping, Bidrag tili
eddaraetriken, s. 1) und ihre annähme vielleicht überflüssig
(s. § 49).
Anm. 1. Vgl. noch Bugge, Beretning om ... det ferste nordiske
füologmade, s. 142 f., Beitr. XV, 391 ff. ; Sievers, Beitr. V, 462, 468, XV, 401 ff.;
porkelsson, Beyging, s. 59; Gislason, Xjala II, 945 (vgl. dagegen Hoffory,
Gott. gel. anz. 1888, s. 155 f. ; Wadstein, Arkiv VIII, 87).
Anm. 2. Eine derartige kürzung darf man als Zwischenstufe in den
Übergängen e, i, y, <e > kons, i (§ 133, a und b, 2) und 6, ü > kons, u
(§ 134, b) voraussetzen. .
III. Hiatuserscheinungen. 1 '
§ 130. Wo zwei gleiche sonanten — e, e sind hierbei
mit i, i sowie o, 6 mit u, u gleichwertig — zusammentreffen,
werden sie zu einem langen von der qualität des stärker be-
tonten kontrahiert. Hier wie in allen im folgenden behandelten
kontraktionsfällen setzen die ältesten skaldengedichte (bis gegen
1200) sowie die allermeisten Eddalieder noch fast durchgängig
unkontrahierte formen voraus (s. Sievers. Beitr. V, 515, Gislason,
Njälall, 260 ff., Udvalg af oldnordiske skjaldekvad, s.X, XIV f.,
porkelsson, Supplement IV, 271, 29 f., Sijmons, Die lieder der
Edda I. CLXXIII, F. Tönsson, No.-isl. kultur- og sprogforhold,
s. 257 ff. und bes. Bugge, Beitr. XV, 394 f.). Z. b. fä (got. fähan)
bekommen, acc. sg. m. bldn (älter bläari) zu bldr blau, der
Odinsname Hä(a)rr (s. § 54, 1); U{e) sichel, 3. sg. präs. konj.
se(e) sehe, dat. sg. kne(e) knie, pl. frtendr > frcendr verwandte,
frelsa (auch frialsa nach frials. s. § 133, a) < *fre(h)elsa
< *frihcdsian (s. § 111, 2) frei machen; dat. pl. shö{o)m schuhen,
bonde (*böunde — vgl. aschw. runisch bonnta An. gr. II, § 440 —
neben biiande) bauer, Hrö(ö)lfr (s. § 228) Rudolf, Iö(o)lfr u. a.
dgl. sowie SQhkölfr aus * SQJcJco-olfr mannsnamen; dat. pl.
hüsfri((o)m hausfrauen, gen. sg. tru(o) glaubens. Später treten
durch analogie hiatusformen wie bldan (zu bldr nach truan
zu triir) u. dgl. wieder auf.
') Ueber kürzung des ersten vokals s. § 129 , hiatusfüllendes kons, i
s. § 312.
8*
116 §181—133. Hiatuserscheinungen.
Anm. Wo der eine komponent ein diphthong ist, bleibt dieser als
kontraktionsprodukt, z. b. veill < *ve(h)atill krank. Anorw. Sd[h]mmr ein
ortsname ist jedoch auf mehrfache weise behandelt worden: wnorw. Seimr,
onorw. Seceimr, Siccimr, Siaimr (einsilbig), gew. Sckmr, Sernr; s. 0. Rygh,
Oplysninger til Trondhjemske gaardnavne II, 228f., Hsegstad, Gr. Tr. s. 71.
§ 131. d -\- e, i bleibt unverändert, z. b. ddmn todt. pde
pfau, nom. pl. m. fder wenige.
§ 132. ä (6) -f- o, u gibt 6, z. b. dat. sg. ntr. blo' {Udo)
zu bldr blau, dat. pl. 6m {dorn), 6m (s. § 116) zu nom. pl. dr
(dar) flüsse, 3. pl. prät. so (sdo) sahen, mannsnamen wie Bprftr,
Ol fr, (Jn(n) u. a. (s. § 228), öl (dl s. § 116) riemen, oll (all 8. ib.)
keim. Später wurde das zeichen p, wie gewöhnlich (§ 107),
von ä verdrängt, also dm u. dgl. Noch jünger sind analogie-
bildungen wie dum nach anderen dat. pl. auf -um usw.
Anm. Die Verbindung aivu (aus abu s. § 235, 2 oder arbu, arwn s.
§234) gibt den diphthong du, z. b. havkr habicht, haustr herbst u. a.
(s. a. o.).
§ 133. e, e, i, i, ij, ce, 6 4- a, d, o, 6, u, ü, werden in mehr-
facher weise behandelt:
a) Wo der zweite vokal starktonig ist, geht — und zwar
verhältnismässig früh (wenigstens etwas vor 1200, s.Marstrander,
Bidrag, s. 79) — der erste in konsonantisches ** über, z. b.
siunde, seit, sionde (*sedunde § 235, 2, as. sivondo) siebente,
frials (frials § 124, 3, anorw. seit, fr aus nach fr (Bisa § 130,
s. porkelsson, Supplement IV, 4(3) frei aus freals (so noch seit,
im anorw., s. Hertzberg) < *frihalsan § 111, 2 (vgl. got. freihals
freiheit), fiös (*fc-hiis) Viehhof; mipialdre von mittleren jähren,
anorw. Midiö ('mittelfluss') ein ortsname, mannsnamen wie
Heriolfr aus urn. Hariwulf(a) r, Nefiulfr, Bryniolfr u. a. dgl.
(s. Sievers, Beitr. XII, 486ff., ZfdPh. XXI, 104 note), fiande
(fidnde, s. §51,2, b) feind; skiöttr i^shjottr) fleckig, Biolfr
(Biolfr § 124, 3) < "Bf/olfr, anorw. Biulfr < *ßi}ulfr: Sfiiolfr
(Sndmlfr), Siolfr {*Säolfr) mannsnamen.
Anm. Die Verbindung ewu (aus ebu s. § 235, 2) gibt zunächst den
triphthoug ioti, welcher nach § 101 teils als u> teils als iü auftritt, z. b. bi6rr
biber, Gikke ein mannsname; vgl. aber sin mir, Sionde (s. oben) mit in, io,
wol weil zwei konsonanten folgen.
b) Wo der zweite vokal schwachtonig ist, wird die Ver-
bindung verschieden behandelt:
§134. Hiatuserscheiaungen. 117
1. Nach >\ w (kons, u) bleibt überall der hiatus, z. b. gen.
pl. vea, dat. pl tteam zu vi heilige statte, pl. suiar die Schweden.
2. Sonst zeigt sich ein schwanken, so dass in gewissen
Wörtern nur hiatusformen auftreten, z. b. nio neun, tio zehn.
ah seihe, seihen, sia geschmolzenes eisen, hüct diskutieren: in
anderen geht (ausser in gewissen anorw. hdschr., s. z. b. Wad-
stein. F. Hom.. s. 53, Haegstad, G. Tr. s. 71) — vielleicht nur
wenn der zweite vokal schwach nebentonig ist (s. Kock. Arkiv
XIV. 220 f.) — der erste vokal in kons. * über, wobei der
zweite vokal gedehnt wird (eventuell seine ursprüngliche länge
behält), z. b. sid (anorw. auch sea) und 1. pl. präs. siöm (seom:
anal, sidm nach dem inf. und der 3. pl.) sehen, liä (lea) leihen.
bria (brea; mhd. breiten) funkeln, idm (alt eam, s. M. Kristensen,
Nordiska studier tili. A. Noreen. s. 18 ff.) eisen, gen. sg. fair
(fear), pl. fid, dat. pl. fiöm (feom; anal, fiäm) zu fe vieh, hniom
(knidm) zu kne knie, triam (triam) zu tre bäum, friädayr (anorw.
auch frea-, fre-, frice-, free-, freea-, s. Haegstad, Vestno. maalf. II. 1.
s. 52 und II. 2. i. s. 35. 117) freitag, gen. liä zu le sichel; pl. hh'i
(aschw. Bio als Ortsname; ahd. kiwtin), gen. Warna (anal, hidna
nach dem nom.; ahd. hucöno) eheleute, familie; gen. sg. War,
pl. bid, dat. hiöm (bidm) zu bär. byr dorf; anorw. ylid (ylcea)
glimmern.
if 134. o, 6, >j. ii -\- a. d. e. e. », i werden in zweifacher
weise behandelt:
a) Wo der zweite vokal starktonig ist, geht — und zwar
verhältnismässig früh — der erste in konsonantisches u über,
z. b. die personennamen Bgßuarr, Bo])uildr aus resp. *Badu-(h)arR.
-(h)ildn. pol uer renn vielbeschäftigt zu fiol (got, filu) und er renn
(vgl. Sievers, Beitr. X1T. 487 f.). der mannsname Ynyuarr (anal.
Tnguarr) oder Ifarr aus *Ingu-, resp. *Ilui-(h)arR.
b) Wo der zweite vukal schwachtonig ist. bleibt ge-
wöhnlich der hiatus. z. b. roa rudern, floe untiefe wasser-
sammlung. smia wenden, bue bewohner. Selten geht — wenn der
zweite vokal schwach nebentonig ist? (vgl. § 133, b. 2) — der
erste vokal in kons, u über, wobei der zweite vokal gedehnt
wird (eventuell seine urspr. länge behält), z. b. pl. shuär (ski.iar.
skoar Hb. s. XXIX, später skör) zu skör schuh (s. Wadstein.
F. Hom.. s. 79); rärr unser aus *6arr oder *iiarr. s. § 112.1.
118 § 135. Hiatuserscheinungen. § 136. 137. Um. vorg. in schwächt, silben.
Im auorw., bes. dem südlichen, schwindet das kons, u nach
I, m, r, z. b. pl. mär (möar) zu mör haideland, Flär (Flöar) ein
Ortsname, gen. brär (bniar) zu brü brücke, Eäld(e)r (älter
Ruäldr, aisl. Hröaldr), Rar (Ruär, aisl. Hröarr), ? Prändr (zu
proask gedeihen) neben Prondr (< *Pröundr, vgl. bönde
< *bounde u. dgl., s. § 130) mannsnamen (s. Bugge, Beitr.
XV, 396 f.).
§ 135. Bei y, de, 6 -f e, i schwanken schon die ältesten
hdschr., so dass bald hiatus, bald kontraktion in resp. y, cb,
stattfindet, z. b. my{e)U ball, mje der neue, dat. sg. bhj(e) blei,
Bnjn (Briivin, s. Eygh, Oplysninger II, 242 f.) ein Ortsname;
dat. sg. hrce(e) kadaver, frce(e) samen, konj. sce(e) sähe, sce(i)ng
bett, ncestr (urn. ^nähistan) nächst, blceingr, hcell, fircell u. a.
(s. § 62 anm. 1), Hcen (Hävin) ein Ortsname; konj. dö(e) stärbe,
Hö{i)ngr, KU{i)ngr (s. Gislason, Njäla II, 258 f.) mannsnamen,
Mön (Mövin) ein Ortsname.
Anm. Anorw. sind sowol ey -j- cei als ey -j- ui zu ey geworden im
ortsnamen Freymr {*Fr0ylueimr, s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, 1, s. 102),
resp. 0yndr (runisch JEyintr u. dgl.) neben 0yvimh- ein maunsname.
Kap. 2. Lautgesetze der schwach tonigen silben.
f. Urnordische Vorgänge.
§ 136. a ist wahrscheinlich (wie im ags.) wenigstens schon
um 500 in einer (später synkopierten) mittelsilbe zu i über-
gegangen, wenn die vorhergehende Wurzelsilbe ein son. oder
kons, i enthielt, sowie unmittelbar nach g und k, z. b. urn.
acc. sg. m. minino Kjolevig (got. meinana; vgl. as. enna, ags.
cenne < *aininö, got. ainana) meinen, anorw. dat. sg. merne
(< *morgine, vgl. ahd., as. morgan) morgen. S. Walde, Die germ.
Auslautgesetze, s. 93 f., Wessen, Spräkvetenskapliga sällskapets
förhandlingar 1916—18, s. 27; vgl. § 162, 2.
§ 137. und (später gekürzt) haben, wenn auch zu sehr
verschiedenen zeiten (s. anm. 2), ganz dieselbe entwickelung
durchgemacht und treten, wo sie nicht später geschwunden
sind, in historischer zeit in zweifacher gestalt auf:
§ 137. Uniordische Vorgänge in sohwachtouigen silbeu. 1 19
1. Als u (woraus später unter umständen o, s. § 146) un-
mittelbar vor m und in unnasaliertem auslaut. z. b. dat. pl.
riinom (got. rünöm) runen. 1. pl. präs. ind. koUom (urn. *keiUömR)
rufen, bindom (got. bindam. urgerni. *bindomü) binden, dat. sg.
m. blindom (got. Uindamma) blindem; urn. tAuiu (got. tauja
Overhombaek (ich) stelle her. urn. nom. sg. fem. Opedal mimt
(got. meinet) meine und liubu (got. littba) liebe, dat. sg. strondo
ufer. dat. sg. ntr. Uindo blindem, nom. sg. f. sti (nach § 122 in
haupttoniger Stellung aus urspr. *su gedehnt: got. so) die.
lieber das auffallende minino Kjelevig meinen statt des zu
erwartenden *miminu s. Hesselman. Västno. studier II. 36.
Anm. 1. Sicherlich ist dieselbe entwiekelnng nicht auch vor (nz >)
nn eingetreten, wie Xock. Beitr. XXIII, 523 note will (anders, aber ebenso
unannehmbar Bugge, Xo. I., s. 180). Beisp. wären gen. sg. wie tuv.yo (got.
tuggüns, vgl. urn. dat. ijijön Steustad?) zunge u. dgl. Aber wahrscheinlich
liegt hier urgerm. -Unz <ahd. -ün. as. -uri) vor, dessen u-qualität wol aus
dem acc. stammt, s. Paul, Beitr. VI, 223 ; Möller, ib. VII. 543 f. ; Streitberg,
ib. XTV,220; v. Helfen . ib. XV, 463; Jelünek, Beitr. zur erklärung der
germ. flexion . s. 86 f. : Loewe, Germ. Sprachwissenschaft 2 , s. 88 fi". ; Noreeu,
Gescbichte 3 § 196, 2 und 3.
2. Als a in allen übrigen Stellungen, z. b. nom. acc. pl. f.
pmr (< *J>äa § 71, 2; got. pös. aber urn. schon Einang Pur)
und acc. sg. i.])ä (got. j/ö) 'die' in haupttoniger Stellung aus
Pur nach § 126. 1. resp. *pa nach $122 gedehnt, nom. acc. pl.
rünar (got. rünös. urn. runoR Järsberg, Tjurkö. später rutiAR
Istaby). gen. pl. riina (urn. ntno Björketorp) runen, tunga (got.
tuggö) zunge. hiarta (got. hairtö) herz. 1. sg. präs. ind. ~ka.Ua
nenne (aber kollo-mk nenne mich, nach 1 oben), 2. sg. kallar
nennst, 1. sg. prät. ind. orta (urn. uorahtö Tune) machte, /«/></
(urn. faihidö Einang. Vetteland, fahido Rö) ritzte, kallapa
(*kallödö < *-öm) rief, rnänapr (got menöj)s) monat. komp.
fröpare. sup. -astr (got frödöza. -östs) klüger, -st. acc. sg. f.
blinda blinde, inf. kalla (*kaUön) rufen, aostnorw. kallado (vgl.
aisl. kollopo mit w-umlaut) riefen, spakastom (aisl. spokostoin)
den weisesten u. dgl: acc. pl. daga (urgerm. *dagonz) tage, inf.
und 3. pl. präs. ind. binda binden, acc. sg. m. Mindern blinden,
acc. sg. hana hahn. Dieselbe entwickelung zeigt ein nach
§ 98, 2 und § 113 entstandenes ö. z. b. en{n)da (*enn-äö, anders
v.Friesen. Rökstenen. s. 32 f.) "und (doch)' neben en pö (got.
Pauli) -und jedoch', ok\k)Ia (ahd.ankläo: vgl. Wo < *ldqu § 77. 2)
120 § 138. Urnordische Vorgänge in schwachtonigen silben.
fussknöchel, anorw. Stagla statt Staglö (zu 16 hain) ein orts-
name (s. Hsegstad, G. Tr. s. 76); herna (got. her nnh) eben liier,
dat. pl. fieima (got. *paimüh) diesen.
Anm. 2. Der Übergang <7 > a tritt am frühesten in unbetonter silbe
ein, z.h.paR Einang; dann in nicht nasalierter nebentoniger silbe, z. b.
runAR Istaby (runoR Järsberg, Tjurkö): am spätesten in nasalierter neben-
toniger silbe (s. Walde, Die germ. Auslautgesetze, s. 101), z. b. aisl. gen.
pl. räua (noch um. runo Björketorp, vgl. acc. pl. runo <C *-önz Einang und
noch St. Noleby, s. Walde a. o. s. 51 ff., sowie raginaku[n]do St. Noleby). —
Dagegen tritt urgerm. o schon in den allerältesten um. inschriften als a
auf, z. b. in den zahlreichen nom. und acc. sg. auf -aR, -a (gr. -oq, -ov,
lat. -ms, -tun), wie -pewaR Torsbjserg, horua Clallehus, ÖQgaR Einaug, erilaR
Kragehul.
Anm. 3. Nicht hierher (s. § 78) gehört der Wechsel innerhalb eines
paradigmas zwischen a und durch «-umlaut entstandenem u (o), je nach-
dem die folgende silbe urspr. u enthielt oder nicht, z. b. prifnopr (got.
-ödus) das blühen, gen. prifnapar, gen. pl. -apa , dat. pl. -opom (aostnorw.
-adom); skipon « *-anu, vgl. got. -uns) anordnung, gen. -anar; kallapa ich
rief, pl. kollopom (aostnorw. kallaöom) u. s. w. ; s. Kock, An. w-umlaut in
ableitungs- und beugungsendungen (Lund 1 918). Bisweilen ist ausgleichung
dieses wechseis eingetreten, so tlass doppelfonnen entstanden sind, wie bei
den fem. auf -an (-on), -an, z. b. skipon, -an, gen. sg. skiponar, 'anar,
und den mask. auf -upr (-opr), -upr, z. b. prifnopr, -apr.
Anm. 4. Aus obigem geht hervor, dass man in fällen wie glika (got.
galeikd) gleich, 1. sg. prät. ind. sera (got. saiso) säete nasalierten auslaut,
resp. analogiebildung nach Wörtern mit nasaliertem auslaut (wie den
schwachen prät.) voraussetzen muss; vgl. aber Walde, Die germ. Auslaut-
gesetze, s. 108 mit note.
Anm. 5. Nom. acc. f. Uuer (aus *twä& § 71, 2) zwei entspricht nicht
dem got. twös, sondern ist aus Hwä (got. in twa püsundja) mit anal,
zugetretenem -R entstanden: s. Geschichte 3 §215,2 und Torp, Arkiv
XIII, 340 note.
Anm. 6. Das späte" misl. mänudagr (aber schon früh anorw. mano-
dagr) montag hat sich nach sunnudagr sonntag gerichtet (s. Bugge,
Sproglig-historiske studier til. prof. C. R. Unger, s. 21 mit note), malu-.
rapu-, pingu- nautr u.a. -genösse wol nach foru-, Irgit-, nwtu- nautr u. a.,
wo teils dat., teils gen. von for, legu, mala u. s. w. vorliegen ; vgl., etwas
abweichend. Swenning, Arkiv XXIII, 1 ff,
§ 138. ce, welclies in den urn. inschriften durch die a-
rune wiedergegeben wird (s. Bugge, Arkiv VIII, 17 ff.; Walde,
Die germ. Auslautgesetze, s. 62 ff., 102 ff.; anders Hirt, Arkiv
XVIII, 373), geht in e und weiter in i (woraus später unter
umständen wieder e. s. § 145) über, z. b. 3. sg. prät. ind. orte
(urn. w[o]rt« Etelhem, wurte Tjurkö, orte By — vgl. sxte
§ 139 — 141. l'rnordische Vorgänge in Khwftchtoni£en silben. 121
(Tiimmarp setzte— urti'C Sölvesborg) machte. Yile (urii. iciu'dn
Veblungsmes; vgl. -ÖAUÖe tot Björketorpi ein mannsname, syster
(urn. sirestar Opedal) Schwester, 2. sg. prät. ind. voller (got.
ivalides) wähltest
Anm. Der Übergang ce > e lindet ara frühesten in nicht nasalierter
silbe statt (vgl. § 137 anm. 2), z. b. icurte Tjurkö c. 550, während noch nm
825 iriicila mit nasaliertem -a Veblungsnses vorkommt: erst gegen 100
jähre später in nasalierter silbe, z. b. -ÖAuÖe Björketorp (vgl. adän. nm.
kußi Helnses, Flemlose um 800. gleich aisl. go/je priester).
§ 139. ot ist schon in den ältesten urn. Inschriften im
allg. (s. die flexionsieh re) durch kontraktion zu e geworden,
welches zum teil schon lange vor dem ende der urn. zeit i s.
haiti-ka hier unten) als i (woraus später unter umständen e.
s. § 145) auftritt, z. b. 3. sg. präs. konj. fare (got. farai) fahre.
2. sg. präs. ind. hefer (vgl. got. habais) hast. 2. sg. präs. imperat.
life (got. libai) lebe. nom. pl. m. blinder (got, bl'utd<ii. vgl. um.
sijostes Tune) blinde. 1. sg. präs. ind. heite (uro. hatte Kragehul
c. 100. ha[i]te Lindholm e. -100 und noch c. 575. h[a\ite -Tärsberg,
aber schon brakteat von Sjaelland nr. 57 c. 475 haiti-ka) heisse.
dat. sg. f. Jieire (vgl. got. pisai) der. dat. sg. ulfe (vgl. urn.
woÖuriÖe Tune. -käme Tjurkö. wage Opedal u. a.) wolf.
Eine ausnähme macht pa^miltima von nicht zusammen-
gesetzten Wörtern, wo nach kurzer wurzeisilbe ai vor kurzer
unbetonter (und daher später synkopierten) ultima zunächst
wol zu a geworden ist (vgl. § 54. 3. b) und dann zu a verkürzt,
z. b. dtapr{< ■'uitädart, got. uitaips) angewiesen, sayapr gesagt.
/*/a* gelebt; s. Xeckel. ZfdA. XLIX. 815. Tijdschr. voor Nederl.
Taal- en Letterkunde XL. 239. Kock. Sv. ljudhistoria IV. 168.
§ 140. au ist in entsprechender weise zu ö kontrahiert
und dann weiter (nach ij 137) zu u oder u entwickelt worden.
z.b.ätta igot. ahtau) acht, sonar {got. sunaus) sohnes. konj.
präs. gefu (got. gibau) gebe. pr&t. gdefa (got. gebjau) gäbe; aber
gefomk, gcefomk werde, resp. würde gegeben.
§ 141. eu, ix sind (sehr spät) zu i u. s. § 145) geworden.
z. b. eyrer (wol aus lat. aureus entlehnt) eine art münze: dat. mege
(urn. *jnagw, vgl.leunimu[n]<Hu Tjurkö) söhne, syne (ahd. suniu)
söhne, nom. pl. syner (got. sun jus) söhne: vgl. Sievers. Beitr.
V. 158 mit note 1.
122 § 142. 143. Um. Vorgänge in schwachton. silben. § 144. Schwachton. a.
§ 142. Svarabhakti (d. h. entwickelung eines vokals aus
dein stimmton eines stimmhaften konsonanten) tritt sporadisch
schon in alten urn. inschriften (c. 400—600) — später (c.600 - 700)
bes. in den aus dem südlichen Schweden stammenden — ein,
indem konsonantengruppen, die r, l oder (seltener) n enthalten,
ein parasitisches a zeigen, z. b. worahto (aisl. ortd) Tune machte,
waritu Järsberg (ich) schreibe, ivarAÜ (aisl. reit) Istaby (er)
schrieb, dAriutip (got. briutip) Stentoften, dArutii (aisl. brytr)
Björketorp bricht, upAVAdAsdA (aisl. üparfaspo) Björketorp un-
heilbringende Prophezeiung; gen. sg. asugisalas (aisl. Asgisls)
Kragehul, dat. sg. wita[n]da-halaiban (vgl. got. hlaibs brot) Tune
brotherrn, -ivulafn, -ivulafa, -ivulaßR Istaby, -woUfA Gummarp,
-woUfii Stentoften (aisl. -ulfr, -ulf -olfr, -olf) wolf, JaUIia!*
(aisl. falh) Björketorp ich verbarg; harabanaR (aisl. Hrafn)
Järsberg u. a. Dies a ist aber später überall geschwunden.
§ 143. Kurzer, unnasalierter, auslautender vokal ist schon
vor 500 apokopiert worden, z. b. 1. 3. sg. prät. ind. [rajist
Vetteland c. 400 ritzte, -nam Reistad -nahm, was Tanum war,
war Ait Istaby schrieb (vgl. gr. folöa, folöe = aisl. veit weiss),
m[i]k Etelhem c. 475 mich (gr. ifitys), ?2. sg. imperat. dirg
« *bergi, s. § 63, 3) Opedal birg, bitt (urn. *bind, s. § 220)
binde (vgl. gr. <ptgi- = aisl. ber trage) u. a.
Anm. Ueber sonstige synkope in urn. zeit s. § 153 ff.
II. Sonstige qualitative Veränderungen.
§ 144. a wird im onorw. — doch nicht im Dront-
heimischen — etwas vor 1300 (vielleicht am frühesten wo die
vorhergehende silbe einen palatalen vokal oder palat. diphthong
enthält, s. Hsegstad, G. Tr. s. 93 note) zu ob nach langer Wurzel-
silbe, z. b; sendas senden, heyrw hören usw. (gegenüber gera
machen, vita wissen u. a.); s. Haegstad, Arkiv XV, 102 f., G. Tr.
s. 77, 93.
Anm. 1. Anderer art — wol, wenn auch teilweise analogischer,
ablaut wie in aisl. pess, penna, petta u. a. neben pat, pann u. s. w. — muss,
wenn auch nur zum teil (denn in einem anorw. briefe vom j. 1303 wird
zwischen schwachtonigem peet und starktonigem pat geschieden, s. Hpegstad,
Vestno. maalf. 1, 141), sein das schon im onorw. des 13. jahrhs. allgemein
auftretende ce statt des in den ältesten hdschr. gew. (doch nicht in pegat
§ 145. Schwachtoniges i. 123
dorthin, pegar sogleich, s. §95 anni. 3) a in den pronominalen Wörtern
pott da?, pcftin den, pcer dort, ficedan von dort, pcengat, pcenneg dorthin
(s. Hsegstad, G. Tr. s. 65 f., Hertzberg, pass.. porkelsson. Supplement IV,
186 f.), dies um so mehr als entsprechende wnorw. formen mit e vorkommen
wie peöan (so regelmässig in Cod. Rantzovianus des Galathingsgesetzes;
vgl. agutn. ruu. piapan), pengat, pennug.
Anm. 2. Im mnorw. wird, zum teil durch dänischen einnuss, dies a>
oft durch e ersetzt, z. h.lwre hören {sSghe suchen) u. dgl. ; s. A. B. Larsen,
Arkiv Xin, 247.
§ 145. i (altes oder nach § 138, § 139, § 141, § 151, 2, 3
und 7, § 152, 1 neu entstandenes) geht in silben, welche nach
der haupttonigen stehen, schon vorliterarisch in e über:
1. Aisl. (und anorw. in Stavanger amt. 'Rogaland') in
allen Stellungen (bes. konsequent in den § 12, 1.3 und 9 genannten
denkinälern sowie in dem § 15, 6 erwähnten homilienbuch,
3. hand), z. b. acc. pl. geste (got. gastins) gaste, acc. sg. hirfe
(got. liairdi) hirt, 2. pl. präs. ind. biöpep (got. biadip) bietet,
ralepr (got. iralips) gewählt: nur dass in gewissen alten hdschr.
/ häufiger ist nach Jk und g. z. b. miJcill, -eil gross, eigi. -e nicht
(s. z.b. Wisen. Homiliu-Bök, s.VI), oder wenn die vorhergehende
sübe i (oder y) enthält (s. anm. 1). Aber schon vor 1250 tritt
statt e allgemein wieder i ein. wol teilweise durch einfluss des
nördlichen isl., wo nach dem § 12,11 erwähnten denkmal zu
urteilen r nie ausser gebrauch geraten ist (vgl. Xeckel, Beitr.
XL, 66 ff.) — was wol auch der fall ist bei dem § 12. 13
genannten denkmal sowie im Südwesten Norwegens (ausser
Rogaland) — z. b. gesti, biöpip u. s. w., wenn auch in einigen
endungen (bes. vor r) das e (wenigstens in gewissen hdschr.,
z. b. den § 12, 18 und 23 genannten) weit länger bleibt (oder
von neuem entsteht), z. b. prät. pass. kallapesJc wurde genannt,
nom. sg. der verwandtschaftswörter wie fdper, -ir vater, möper,
-ir mutter, nom. pl. m. der adj. wie blinder, -ir blinde, präpos.
wie under, -ir unter, gfer. -ir über, epter. -ir nach (s. Dahlerup,
Ägrip s. Xu; Gering, Finnboga saga, s. VIII. Isl. ^Ev. I,
s. XIV f.; F. Jönsson, Egils saga, s. Vit; Neckel, Beitr.
XL, 73 f.); in einigen hdschr. steht (wie im aschw.) e fast
nur nach langer Wurzelsilbe oder nebentoniger ableitungssilbe
(s. F. Jönsson. Egils saga s. VIIL Hb. s. XXXV1Ü: vgl. auch
Kock, Accentuieruug, s. 89). Dialektisch (z. b. in der Flateyjar-
124 § itö. Schwachtoniges /.
bok) tritt wiederum am ende des 14. jahrhs. e statt i auf, dann
aber vorzugsweise in offenen silben (oder vor r, s. E. Olson,
Yngvars saga, s. XLII).
2. Anorw. (ausser im Südwesten) vielleicht schon im
9. jahrh. (s. Marstrander, Bidrag, s. 86), wenn die vorhergehende
silbe ein a, d, e (altes oder nach § 117 entstandenes), e, o, 6,
o, oder o, ce enthält (bes. konsequent in onorw. und nord-
wnorw. schritten wie der leg. Olafssaga, resp. dem homilien-
buch, 1. hand), z. b. nom. pl. m. marger viele, räöenn geraten,
3. sg. präs. konj. gefe gebe, rette richte, dat. sg. hende hand,
kononge könige, dorne urteil, S0ne söhne, nom. pl. m. söter süsse,
nonge nachbar, 3. sg. prät. ind. mcelte sprach (gegenüber synir
söhne, spurdi fragte, dat. sg. vcelli feld, shildi schild, vini wein,
hofdi köpf u. s. w.); s. bes. Haegstad, Gr. Tr. s. 78 ff.. Vestno.
maalf. passim, Wadstein, F. Hom., s. 88 ff. Jedoch weichen
viele hdschr. mehr oder weniger von der regel ab. Die § 15, 4
erwähnten bruchstücke des Gulathingsgesetzes haben e auch
nach ey. Oratio contra clerum (§ 15,29) hat bisweilen % nach
e und umgekehrt e nach ce; dies letztere auch die Tübinger
fragm. (§ 15, 20) und teile vom Cod. Tunsbergensis (§ 15, 30).
Die Hauksbök (§ 15, 27) hat i nach (so auch Cod. Holm.
34,4«, aber nicht nach 0: s. Kolsrud, Arkiv XXXIII, 284), ö,
gew. auch nach e, e, ce, aber dagegen e nach (s. Hb. s. XXI f.);
ein teil der hdschr. bevorzugt zwar i nach i, y, ei, ist aber
übrigens ganz regellos (s. ib. s. LI). Auch in Cod. AM. 310,4°
(§ 15, 13) stehen e und i ohne sichtbare regel (s. Groth's aus-
gäbe, s. XX ff.). Andererseits haben z. b. diplome aus AgÖer
der regel nach i in allen Stellungen (s. Haegstad, Upphavet
s. 3); ebenso Elis' saga, wo doch ziemlich oft e nach a (bes.
nebentonigem) und « steht (s. Jones' Phonology s. 12f.). Um-
gekehrt haben No. Hom. 3. hand (s. Wadstein, F. Hom.. s. 93)
und diplome aus Rogaland c 1300 sowie die mnorw. könig-
lichen briefe (s. Haegstad a. 0. und Kong.. s. 21 f.. 33) der regel
nach e in allen Stellungen. Thomas' saga hat zwar gew. -e
(auch vor kons.), aber in der regel -is(s); vgl. Haegstad, Arkiv
XV, 101 note. Shetl. und zum teil orkn. sowie in einigen
diplomen aus Bergen um 1340 steht im absoluten auslaut -e,
vor kons, aber -i- (s. Haegstad, Hild., s. 56 f., Vestno. maalf.
11, 2, 11, s. 2).
§ 146. Schwachton iges u. 125
Anm. 1. Spuren einer derartigen vokalharmonie zeigen sich auch
in einigen alten aisl. hdschr.. in so fern das i statt e nach i (so z. b. in
St Hom. und Placftiisdräpa) und _;/ (a. b. in Pläc.-dr.) beliebt ist.
Anm. 2. Wenn in gewissen, sowol aisl. (z. b. AM. 237, 4° und Eine,
s. Kock; Stud. öfver fsv. ljudlära. s. 228 f.) wie anorw. (z. b. No. Hom., s.
Wadstein, F. Hom., s. 89) hdschr. und bes. in den alten skaldengedichten
(s. Sievers, Beitr. XII. 483; Jönsson bei Gislason, Udvalg af oldno. skjalde-
kvad, s. Vif.) das suifix -ing- regelmässig % zeigt, so beruht dies darauf,
dass -ing- starktonig war (s. § 51, 2, b und 1, b), z. b. drotning (schwachton.
-eng) königin. Bei schwankender betonung eine3 kompositums finden sich
natürlich ebenfalls doppelformen, z. b. andlet (St. Hom.; vgl. andlete § 165
No. Hom., leg. Olafssaga) neben ändüt imit noch starktoniger ultima)
antlitz, lerept, -ript leinwand.
Anm. 3. Anorw. (s. z. b. Hsegstad, G. Tr., s. 79, Vestno. maalf. II, 1,
s. 91 und II, 2, i, s. 56; Wadstein, F. Hom., s. 53) mek mich, pek dich, sek
sich, cet, met wir zwei neben (vorzugsweise aisl.) mik. pik, sik , n't, mit
gehören wol auch hierher und zwar als in proklitischer und enklitischer
Stellung entstanden. Ueber mnorw. j >> e vor ö (wie in den meisten nnorw.
dialektenj, z. b. med ans mit wir zwei s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i,
s. 103.
Anm. 4. Unklar bleibt der umstand, dass im anorw. das suffix -lig-
iu vielen hdschr. regelmässig die form -leg- oder -leeg- (vgl. § 108) hat ohne
rüeksicht auf den vorhergehenden vokal, z. b. nylegr neulich, müdlegr mild,
u. a. In Oratio steht immer -leg- vor vokal (jedoch ausnahmslos elligar
'sonst') aber -leeg- oder -leg- vor kons. (s. Kock, Arkiv XII, 245 ff.).
Anm. 5. Statt i, e zeigt sich dann und wann y, (vorzugsweise) wenn
ein y vorgeht, z. b. aisl. sgstkyn (z. b. St. Hom. mehrmals) geschwistei,
anorw. pykkyr (z. b. oft in der Barlaamssage) es dünkt, mykyü gross,
It/kyU Schlüssel.
Anm. 6. Im mnorw. des 15. jahrhs. wird auslautendes -in, -en über
-4M zu -«, z. b. iordan c. 1100, iorda 1437 statt ioröen die erde; s. Hseg-
stad, Arkiv XV, 105, A. B. Larsen, ib. XHI, 248.
§ 146. u (altes oder nach § 137, 1, § 140, § 151, 4 und 5,
§ 148 entstandenes) geht schon vorliterarisch in o über:
1. Aisl. (und anorw. in Stavanger amt. 'Rogaland') in
allen silben, welche nach der haupttonigen stehen (bes. konse-
quent in den § 145, 1 genannten denkmälern). z. b. acc. pl.
sono (got. sununs) söhne, nom. acc. pl. gqtor gassen, 1. pl.
präs. ind. bmdom binden, ebenso in enklitischen Wörtern,
z. b. heyrpo höre (du), sono so (nun), tottogo (s. §77,10)
zwanzig. Aber u kommt daneben schon in den ältesten
hdschr.. bes. in den meisten (wol nebentonigen) ableitungs-
silben (s. Neckel, Beitr. XL, 51 ff., 56) vor, so dass z. b. St. Hom.
es gern nach einem u, ti, o, 6, e, 6 der vorhergehenden silbe.
126 § 146. Schwaehtoniges u.
AM. 645, 4o oft nach o (> 0, s. § 115, 2) hat (s. Larsson, Stud.
över den St, hom., s. 67, Isl. hdskr. nr. 645, 4 ft , s. XL VI). Schon
um 1225 steht bei einigen Schriftstellern (z. b. dem 3. Schreiber
des Reykj. Maid., s. Mogk, Anz. f. d. A. X, 67) u regelmässig
in geschlossener silbe, z. b. bindum u. dgl.; nur dass in gewissen
hdschr. (z. b. der norvagisierenden Ägrip) vor r fortwährend
beliebt ist, z. b. gotor, ~ur. Seit 1300 ist u auch in offener
silbe gewöhnlicher als 0, z. b. sonu söhne, bundu banden usw.
2. Anorw. (ausser im Südwesten) in nachtoniger silbe,
wenn die vorhergehende silbe ein e (altes oder nach § 117 ent-
standenes), e, 0, 6, 0, 6 oder ä, 0, de sowie der regel nach ein
nebentoniges a (bisweilen auch i) enthält (bes. konsequent in
onorw. und nordwnorw. Schriften; vgl. § 145, 2), z. b. dat. pl. vegom
wegen, velom kunstgriffen, acc. sg. kono weib, 3. pl. prät. ind.
toho nahmen, acc. sg. 0Ölo eidechse, mödgor mutter und tochter,
acc. sg. gäto rätsei, 3. pl. prät. ind. voro waren, dat. pl. fircelom
knechten, 3. pl. prät. ind. Jtiönado dienten (gegenüber acc. sg.
düfu taube, mylnu mühle, viku woche, 3. pl. prät. ind. hafdu
hatten, badu boten u. s. w.); doch scheint u vor m hie und
da gegen die regel beliebt zu sein; s. bes. Haegstad, G. Tr.,
s. 78 ff., Wadstein, F. Hom., s. 94 ff. (vgl. Kock, Arkiv VII, 370
note). Aber viele hdschr. weichen mehr oder weniger von
der regel ab: Oratio contra clerum (§ 15,29) hat u nach e,
e, gew. nach ä, de und nicht selten nach 0, 0; teile vom Cod.
Tnnsbergensis (§ 15, 30) haben u nach de und gew. nach e, e\
umgekehrt die Tübinger bruchstücke nach ce. Die Hauks-
bok (§ 15, 27) hat u nach ce, 0, 6 und gew. -um nach jedwedem
vokal; aber andererseits auch nach a (s. Hb., s. XXIII f.);
ein teil der hdschr. ist ganz regellos (s. ib. s. LI). Auch in
Cod. AM. 310, 4° (§ 15, 13) stehen und u ohne sichtbare regel,
nur dass unmittelbar nach kons, i immer vorkommt (s. Groth's
ausgäbe, s. XVIII). Andererseits haben z. b. diplome aus
AgÖer (und einige aus Bergen, s. Hsegstad, Vestno. maalf.
II, 2, 11, s. 2) der regel nach u in allen Stellungen (s. Haegstad,
Upphavet, s. 3); vergleichbar ist Elis' saga, wo jedoch nach
d, 0, 6, 0, 0" überwiegend, nach e, ziemlich häufig ist
(s. Jones' Phonology, s. 14). Umgekehrt haben No. Hom. 3. band
(s. Wadstein, F. Hom., s. 99) und diplome aus Rogaland c. 1300
sowie die mnorw. königlichen briefe (s. Hsegstad a, 0. und Kong.,
§ 147. 14a Schwachtoniges y, g. 127
s. 21 f.. 33) der regel nach o in allen Stellungen. Shetl. und
zum teil orkn. steht im absoluten auslaut gew. -o, vor kons,
aber gew. -u-. bes. in -mn (s. Haegstad, Hild., s. 57).
Anm. 1. Sparen einer vokalharmonie zeigen sich gewissennasseu
auch in einigen aisl. hdschr. s. 1 oben.
Anm. 2. Wenn in gewissen, sowol aisl. wie anorw. hdschr. und bes.
in den alten skaldengedichten (s. Jonsson bei Gislason . Udvalg af oldno.
skjaldekvad, s. VUljf.) das suffix -itng- regelmässig u zeigt, so beruht dies
darauf, dass -ung- starktonig war (s. §51,2, b und l.b), z. b. buphtngr
(schwachton. -ongr) fürst.
Anm. 3. In Cod. AM. 645, 4° kommt ein progressiver umlaut io > ie
(vgl. §70,2) vor wi vor; s. Kock, Beitr. XX. 121 f.
Anm. 4. Spuren eines Überganges m > (geschlossenes) e zeigen sich
im aisl. hie und da schon vor der mitte des 13. jahrhs. ; s. Gislason, Um
f rumparta, s. 129 ; L. Larsson, Isl. hdskr. nr. 645, 4°, s. XL VII.
Anm. 5. Im mnorw. werden sowol u wie o des suffigierten artikels
zu einem dunklen, durch e oder ce bezeichneten, e- laute, z. b. rikene dem
reiche, brevenoe dem briefe; s. A. B. Larsen, Arkiv XIII , 252 , Haegstad.
Vestno. maalf. I, s. 21.
3. Sowol aisl. wie anorw. in schwachtonigen präfixen und
proklitischen Wörtern, z. b. präf. tor- (got. tuz-), or-, präpos. Ar
aus (dann starktonig er-, resp. ör nach § 71,3 und § 126,1),
mon (später nuui) wird, pl. mono (munu) werden, skolo (später
shrfu) sollen, seit, mnorw. om statt um(b) um, shetl. op 1355
statt upp hinauf und onder 1465 statt undir unter (s. Haegstad.
Hild.. s. 38 und 49, Kong.. s. 18).
Anm. 6. Of (neben seltenerem uf — s. Egilsson und porkelsson.
Supplement IV, 154 — got. uf) 'über' kann dem ahd. oba entsprechen und
also nach § 61 zu erklären sein.
§ 147. // wird vorliterarisch zu • (e § 145), wenn die
folgende silbe i enthält — dies also eine art von /-umlaut —
z. b. ifir über. firi(r) für. Jjikia dünken, konj. skili solle, prät.
sJcildi sollte, mindi würde u. a. neben starktonigem yfir, fyri(r),
pykJda usw.; apinia affin, innifli eingeweide (vgl. anorw. Orts-
namen wie Sikk-, Sunn-, Purm-, Vanifli), ösmhmi mündung
neben apynia, innyfli usw. mit starktonigem y (vgl. § 51, 1, a).
S. Noreen, Arkiv 1, 168 f. note 3 und die daselbst zitierte
literatur; Kock, ib. IT, 163 ff.
^ 148. o und nach § 151.5 gekürztes o werden vor-
literarisch zu h (o § 146). z. b. forjtnm (got. fam pommd) ehe-
128 § 149. Schwachtoniges re.
dem, die mannsnamen Ondopr (ahd. Anthad), StgrJcopr, Nipopr
(ags. Nidhad) mit gen. -apar (wonach anal. StarJcapr, seit.
Nipapr) zu hgpr krieg, die frauennamen Gunnor (schon c. 1050),
Steinor neben -vor, nom. 8g. f., nom. acc. pl. ntr. ngkkor (seit.
nukkurr, s. porkelsson, Supplement IV, 112) irgend welche zu
hugr welche, at sögoro (s. §77, 11) so getan, orrosta (-rasta,
-rgsta; urspr. orrasta, obl. -rgstu, -rosto, vgl. ahd. rasta ruhe)
streit, preskoldr (preskgldr, s. § 77, 3; ags. perscwald) türschwelle,
Gizorr, Ozorr < *-vgrr mannsnamen, pl. hundrop < *-rgd hundert,
Sigorpr (misl., mnorw. Sigvarpr vielleicht aus dem deutschen;
urspr. nom. Sigurpr, gen. Sigvarpar) Sigwart zu vgrpr wache,
anorw. obl. BötolfsoJco, -uJca zu Botolfseaka vigiliae S. Botulphi,
Vglundr < *-hgndr (got. handus; s. Brate, Zeitschr. f. d. Wort-
forschung X, 174, 180), lor-, Onundr zu vondr rute (s. Noreen,
Namn och bygd 1, 143 if.), nom. sg. f., nom. acc. pl. ntr, heilgg > -og
heilig, vesgl > -ol unglücklich, anorw. Gunnuldr neben -valdr
(s. Lundgren, Uppsalastudier, s. 20; vgl. nom. Herioldr : gen.
Haraldar § 69) mannsnamen. Beisp. von 6 > g > u s. § 151, 5.
S. Noreen, Arkiv VI, 300 f.
§ 149. ce und nach § 151,6 gekürztes de werden vor-
literarisch zu e, z. b. anorw. pl. gefendr zu gefande geber,
skynseme Vernunft zu skynsamr vernünftig, 2. 3. sg. präs. ind.
hefer hast, hat, huerr welcher, epter 'nach' neben stark-
tonigem anorw. hcefir, resp. hucerr, ceptir; gew. gera machen,
mega können, 1. pl. Jenegon vermögen, weil gew. schwachtonig.
Ueber de > ce > e s. § 151, 6. S. Wadstein, F. Hom, s. 52, 54f.;
Sievers, Tübinger bruchstücke, s. 8; Haegstad, G. Tr., s. 79.
Dies e kann dann in ein mit e wechselndes i übergehen.
So schon vorliterarisch vor ng (s. Bugge, Arkiv II, 224, Kock,
Beitr. XXIII, 508), z. b. foringi (ags. foregensa, got. faiiragaggja)
Vorsteher, vebringe (ags. weergenga) Söldner, anorw. unningi,
undingi (ags. üd'genge) entwischter Sklave u. a. urspr. Zusammen-
setzungen mit -geenge, -geengia (vgl. § 229) wie lanzof ringe
vagabond, erfinge erbe, hgfpinge häuptling, brautinge reisender,
freisinge freier mann, lausinge freigegebener, hamingia schutz-
geist. Später tritt der Übergang auch in anderen Stellungen
ein, z. b. harpinde (ägs.heardtcende) härte, heilinde (&gs.hdlwende)
gesund hei t, (eipinde (ags. lädwende, ahd. leid wen ti) abscheu u. a.
§ 150. Schwachtoniges e. § 151. Kürzung in schwachton. silben. 129
auf -inde (vgl. §173.2), frcendsime Verwandtschaft, gershne
kostbarkeit, apile (zu apal wesen) hauptmann einer rechtssache.
Erlindr, mnorw. AsJciU mannsnamen.
Anm. 1. In den wenigen fällen, wo ein altes, kurzes e in schwach-
toniger Stellung zu stehen kommt, geht es ebenso in i über, welches nach
§145 wieder mit e wechselt, z. b. hinnig, -eg aus *hinniceg (§235, 1, f)
dort, pannig dorthin, sinnig jeder für sich, der bestimmte artikel am (in
gewissen anorw. hdschr. so immer ohne rücksicht auf benachbarte vokale,
x. Wadstein, F. Hom., s. 88 und 61; Hb., s. XXUI; Haegstad, G. Tr., s. 79),
inn der, die. das, en, in noch (vor komparativen, z.b.en, in meira noch
mehr) neben starktonigem enn noch, ausserdem; mnorw. Fartign st. Farpegn
ein mannsname, Nörigr (Haegstad, Kong., s. 22, Vestno. maalf. II, 1, s. 29)
Norwegen.
Auin. 2. Mnorw. wird, ausser in gewissen wnorw. dialekten, ce
zwischen v, w und r zu a, z. b. huarr jeder, rara sein, varda werden.
austnnrarör gegen osten gerichtet, s. Hsegstad, G. Tr., s. 67, Hild., s. 46,
Vestno. maalf. II, 2, i, s. 38, Hertzberg, s. 855 und bes. Skulerud. Arkiv
XXVIII, 219 ff.
§ 150. lieber e > i (e) s. § 151, 2; 6 > i (e) s. § 151. 7.
Anm. Mnorw. wird in nachtoniger (über vortoniger vgl. § 121)
Stellung o und u seit, und sporadisch zu o, z. b. Guttarmr seit 1400 statt
Guüormr, Vikand c. InOO statt Vidkunnr, GoÖ-, GuÖman st. GoÖ-, Gudmundr
(s. Rygh, Oplysninger H, 238 note). — Das präfix af- neben of- über-, allzu-
(z. b. of-, afstope Übermut, s. u. a. Wadstein, F. Hom., s. 49 f.) gehört nicht
hierher, sondern entspricht dem got. af- (z. b. in afdrugkja trinker, afetja
fresser), resp. uf- (vgl. got. afar neben ufar).
III. Kürzung.
§ 151. Kürzung langer vokale tritt schon vorliterarisch
und wol zum teil sehr frühe (über urn. kürzung s. §§ 137 — 141)
ein. Die fälle sind:
1. ä > o, z. b. die mannsnamen Ölafr neben Öldfr (mit
stark nebentoniger ultima), Ingemarr (bei Tacitus Inguiomerus.
mnorw. auch Ingemarr. nnorw. dial. -mar) zu m&rr (vgl. § 64)
berühmt, vesall unglücklich zu sdll (*säliii) glücklich, Styrkarr
neben -karr (Karr und Kare) ein mannsname, afra]) neben -rdj)
(und anorw. -rdede § 64) abgäbe, anorw. airfad{e) neben -a}de
(s. §61) arbeit, acc. pl. m. bdpa (*bd-pd, got. bans pans. vgl.
§ 122) beide, acc. sg. hana neben (seit., s. Gering, ZfdPh.
XXIX. 543) haupttonigem hdna sie; nach § 54, 3, b sowol dkafr
eifrig, herdp bezirk, nafarr bohrer, anorw. for{r)aö gefährliche
Noreen, Altisl. gramm. i. auf]. 9
1 30 § 151. Kürzung in schwachtonigen silben.
passage, . die mannsnamen Pörarr, Hröarr u. a. (so schon in
air. lelmwörtern aus dem anfang des 9. jahrks., s. Marstrander,
Bidrag s. 89) aus *-drr wie die negierenden verbalsuffixe -a
und -at neben haupttonigem einn (got. ain, vgl. § 54, 3, a), resp.
eitt (got. ainata) etwas; ferner missare neben misser e (aus
-*cere nach 6 unten) halbjahr zu dr jähr, dömare neben (seit.)
dömere richter u. a. auf -are (und -ere, s. § 64 sowie unten 6,
und vgl. ahd. -äri).
2. e > i (e, s. § 145), z. b. Hamper aus älterem Hamper
(s. § 51,2, a) ein mannsname, Hlepuer aus -ve'r (afränk. Chlodo-
wich, vgl. § 65 und 111, 2) Ludwig, huatvetna was auch immer
und eyvet, -ar, -o nichts zu vet(t)r (s. § 110, 3) wicht, ding, lyritr
gesetzliches verbot zu rettr recht. Vgl. § 139.
3. i > i (e, s. § 145), z. b. hirper (got. hairdeis) hirt, frdpe
(got. frödei) Wissenschaft, nom. pl. gester (got. gasteis) gaste,
1. pl. prät. konj. bypem (got. budeima) böten. Auffallenderweise
steht konstantes e in namen wie Alrekr (§ 51, 2, a) Alarich,
Hrörehr Eodrich u. a., in vielen hdschr. (vgl. § 145 anm. 4)
auch im suffix -leg- (aus -*lik- zu lik körper); vgl. Neckel,
Beitr. XL, 74 ff. und 79 f.
Anm. 6 > u ist wenigstens durch aisl. gen. dat. Öslu neben -16 (s.
Jonsson, Skjaldesprog s. 62, Hsegstad, Utredning om no. bynavn, s. 12 und
14, G. Indreba, Sverris saga, s. XVIII, oft) sowie in den vielleicht eher
nach § 127, 3 zu beurteilenden anorw. adj. auf -utr st. -öttr, z. b. kollutr
ohne hörner, striputr gestreift (s. Hsegstad, Vestno. maalf. 1, 112 und II, 2, i,
s. 71 sowie bei 0. A. Johnsen, Olafs saga, s. XLII) u. a., s. § 127, 3, belegt.
4. ü > u (o, s. § 146), z. b. obl. sg. tungo, nom. acc. pl.
tungor (ahd. zungün) zunge, -en, nom. acc. pl. augo (ahd. *ougün
;> ougun) äugen, utan von aussen her und utar weiter hinaus
neben älterem utan, resp. utar zu ut hinaus (und üte draussen),
nu, no (bisweilen suffigiert) neben nü nun, vildo du willst.
esto du bist zu pü du (s. L. Larsson, Stud. över den Stockh.
homilieboken s. 54).
5. o > u (o, s. § 146), z. b. dat. pl. domorom richtern, nom.
sg. f. und nom. acc. pl. ntr. vesol unglücklich, nom. acc. pl. forop
gefährliche passage, pl. (dann auch sg.) afrop abgäbe, anorw.
ozrfud aus *-od (*-äöu, *-aidu) arbeit; urspr. schwachtonig hon,
später auch hun, neben starkton. (alt) hon < *h$n § 116 sie;
§ 152. Kürzung in schwachtonigen silben. 131
frauennamen wie anorw. Bgnnog, Sglog s. § 54, 3, b. Vgl. über-
haupt 1 oben und § 148. — Bei verhältnismässig später kürzung
steht auch o, z. b. Älof (Alof) ein frauenname zu dem manns-
namen Oldfr: a.is\.kgnom (lmal [hjunom St. Hom.) neben honom
(könom § 116) ihm, vesql neben vesol, -ul (s. gleich oben und
§64).
6. ce > e (bisweilen *, s. § 149), z. b. de > e 'immer', re-
in vescettj -sali (s. 1 oben), veill (s. § 130 anm.) zu vce weh
(s. v. Friesen. N. spr. I, 29 note), pl. Heipsefar (anorw. 2Eid-
sifar; -sifiar durch volksetymologischen anschluss an die Orts-
namen JEiÖ, JEidsvollr und pl. sifiar) die einwohner der gegend
um den see Heifiscefe; missere halb jähr, dömere richter u. a.
s. 1 oben; H16r(r)ipe ein Torsname, E{i)ndripe (s. § 128) ein
mannsname < -räpi (zu rdpa walten); nom. pl. f. per statt
gew. p&r.
7. ä>i (e, s. § 145), z. b. endeme (-dimi) neben eindöme
(mit stark nebentoniger pänultima) etwas ausserordentliches,
anorw. norenn neben nörönn (s. § 291, 3) norwegisch.
§ 152. Die diphthonge werden ebenso verkürzt:
1. cei {ei) > i (e § 145), z. b. bdper aus *bd-Panr (got. bai
pai, s. § 54 anm. 2) beide, nom. pl. m. per, gen. pl. pera, dat. pl.
pem st. gew. Peir, peira, Peim, erfede (< *cerfaiiöi mit einst
haupttoniger pänultima) neben anorw. wrf&de, -ade (s. § 54, 3, b)
arbeit, anorw. Asger, -gir neben -gceirr, Kolbinn neben -bmnn
mannsnamen; mnorw. Ortsnamen Ufikspueit (Rygh, Gamle
personnavne, s. 188) zu dem mannsnamen Ufeigr und Särefs-
land, -stadir zu Scerazifr; St. Hom. egi (cegi in AM. 921, 4°,
IV, 1, s. Morgenstern, Arnam. Fragmente, s. 46), eg (vgl. aschw.
igh) neben starktonigem eige nicht. Spuren solcher kürzung
zeigen air. lehnwörter schon in der mitte des 9. jahrhs.,
s. Marstrander, Bidrag s. 89.
Anm. Seit, elifr (St. Hom. 2 mal) ewig ist nicht aus dem gew. eilifr
entstanden, sondern verhält sich zu diesem wie et > e § 151, 6 zu ei § 77, 15.
Ueberhaupt scheint kein Übergang eiy>e, i in vortonigen silben vor-
zukommen.
2. ou (ou, au) > o (seit, u), z. b. Hdlogaland land der
anorw. Hdleygir, valrof (ags. wcelreaf) beute, ok (schon Eggjum
c. 700 uk) 'und' neben starktonigem (bes. anorw.) auk 'auch'
132 § 153. Schwund der vokale.
(und 'und', z. b. Hb. s. LIII u. a.; vgl. Gislason, Njäla II, 951
note, Sijmons, Die lieder der Edda, s. GLXXXIV, Jonsson.
No.-isl. kultur- og sprogforhold, s. 231 f.), brot{t), brutt, bort, burt
(s. § 315), brgt (! s. G. Storm, Otte brudst., s. 5, porkelsson,
Supplement IV, 17) neben starktonigem braut (hin)weg (vgl.
§ 128 anm. 2), brullup (s. Haegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 32)
neben -laup hochzeit; anorw. ertog, osrtug (vgl. agutn. ertaug;
doch vielleicht zu § 166) eine art münze, niDorw. Hicelmlop
< Hialmalaup (Haegstad, G. Tr., s. 76), Allsogh < Alvishaugr
(s. Rygh, Oplysninger II, 157) Ortsnamen, Äsgotr (-gautr), Gup-
logr, Hrollugr, anorw. Hcerlogr, -lugr u. a. mannsnamen auf
-laugr, mnorw. Äslog, Gislog u. a. frauennamen auf -laug.
IV. Schwund.
§ 153. Gegen die mitte der urn. zeit und im anfang der
vikingerzeit, also etwa zwischen 450 und 900, wird allmählich
jeder unbetonte kurze (urspr. oder in urn. zeit gekürzte
wie alle in unnasalierter ultima und S, e — aus ai nach
§ 139 — in pänultima vor nicht synkopierender ultima) vokal
synkopiert. Wenn wir von vielleicht schon urgerm. synkope
auslautender kürzen (s. § 143) absehen, so sind die ältesten
belege fahi (*faihiu) Asum c. 475 male (vgl. aber unten 7, 3
mit anm.), an (got. and) Tjurkö c. 550 an, wate (*wätie) Strom
c. 625 nässe. — Ueber die Chronologie der einzelnen syn-
kopierungsfälle sind folgende allgemeine bemerkungen zu
machen (vgl. Noreen, Geschichte 3 , s. 84 ff. und die oben §66
und § 80 zitierte literatur) :
1. Synkope tritt früher nach langer als nach kurzer
Wurzelsilbe ein, weil nach jener nicht wie nach dieser ur-
sprünglich ein nebenton folgte, der erst schwinden musste.
So z. b. hat die Sölvesborger-inschrift c. 775 im acc. sg. der
«-stamme asmu[n]t (aisl. Asmund), aber sunu (aisl. sun) söhn,
die adän. inschr. von Helnaes (c. 800) ebenso Kupumu[n\t (aisl.
Gupmund), aber sunu. Abecedarium nordmannicum (s. § 80, 1)
hat die runennamen söl (*sölu) 'sonne' und 6s (*äsuR) 'Gott',
aber feu (aisl. fe) 'vieh' und lagu (aisl. hgr) 'flüssigkeit'. Die
3. sg. präs. ind. weist in der Björketorper-inschrift (c. 700) die
form dArutn (aisl. brytr) 'bricht' auf, aber noch die aschw.
§ 153. Schwund der vokale. 133
inschr. von Rök (c. 850) hat sitip. (aisl. sitr) 'sitzt' (vgl. den.
wenn nicht etwa deutschen, runennamen fiuris = aisl. p>n*.
im Abeced. nordm,).
2. Synkope tritt früher in binnensilben als in der ultima
ein. z. b. Strom c. 625 wate (*icätie. aisl. eckte) nässe, aber hali
(d. h. halli, aschw. heel) stein; vgl. Rök fatlapR (*fatil- zu aisl.
feteU tragband) umgebunden, aber sitia sitzt.
3. Synkope tritt früher nach schwachtoniger als nach
starktoniger und früher nach nebentoniger als nach haupt-
toniger silbe ein. z. b. an (got. ana) Tjurkö c. 550 'an' und
uilalä Overhornbaek c. 550 kunststück, aber hlaiita Bo c. 550
grabhügel, uraita Reistad c. 575 ritzung. horna Strom c. 625
hörn; Afunp Valby c. 700 neid, aber Jjah 'r Bratsberg c. 550
und noch Rök süir sitzt: fahi <*faihiu; vgl. aber anm. unten)
Äsum c. 475 (ich) male, aber Uinu Overhornbaek c. 550 (ich)
stelle her. Dies dürfte der eigentliche grnnd sein, weshalb
der umlaut fehlt in den früher — d. h. vor der umlautszeit
— synkopierten Ingemarr. ol-(k)hi u. dgl. gegenüber den syn-
kopierten meerr, Mo ; vgl. § 64 und § 78.
4. Synkope tritt früher vor starktoniger als vor schwach-
toniger silbe ein. Daher hiänlauss gegen die umgelauteten
demjia und hickn (s. § 66. 1) und Jcatthelgr gegen mötkan und
kottr (s. § 80, 1).
5. Synkope scheint früher vor konsonanten als im absoluten
auslaut eingetreten zu sein, wenigstens nach den runennamen
des Cod. Leidensis (s. § 80, 1) aus (d. h. aisl. oss), aber reidu
I aisl. reiß), soulu (aisl. sol) und lauer (aisl. /• gr), aber ftu (aisl. fe)
zu urteilen; vgl. auch Istaby -irulafR. aber -wulafa (unten 6).
6. Synkope tritt früher bei unnasaliertem als bei nasa-
liertem vokal ein. Die Istabyer-inschrift um 650 hat schon
nom. sg. -uulafR (aus *-umlfam i s. § 142). aber noch acc. sg.
-wulafa (aus *-uulfa mit nasaliertem a. weil aus -om, lat. -um,
gr. -or); ebenso die wenig jüngere inschr. von Gummarp acc.
sg. -icoUfA. erst die adän. Helnaeser-inschr. c. 800 -ulf wolf.
7. Synkope tritt wahrscheinlich unter sonst gleichen Ver-
hältnissen am frühesten bei a ein, wol etwas später bei i. am
spätesten bei u; aber mit irgendwelcher Sicherheit ist es aus
dem dürftigen material nicht zu schliessen, und die zeitlichen
134 § 153. Schwund der vokale.
differenzen sind jedenfalls ziemlich unbedeutend. Die urn.,
oft natürlich allzu spät auftauchenden, ersten belege der
synkope sind die folgenden: 1) a fehlt nach kurzer, unbetonter
silbe in Tjurkö c. 550 an an, nach langer Valby c. 700 wipr
'gegen', nach schwach nebentoniger Overhornbaek c. 550 uilalct
kunststück, nach stark nebentoniger (und zwar unnasalierter
vor kons.) Istaby c. 650 -wulafR (neben -tvulafa, nasaliert und
auslautend, s. oben 5 und 6), nach langer, haupttoniger Eggjum
c. 700 stain stein (fiskR fisch, sot gesucht u. a.), nach kurzer
aber erst in den adän. inschr. von Tryggevaelde und Glaven-
drup c. 900 acc. sg. uar (aisl. ver) mann; 2) i in pänultima
nach langer silbe Strom c. 625 wate (aisl. vcete) nässe, nach
kurzer Gummarp c. 675 sa te (vgl. satiöo Rö) setzte, in ultima
nach schwachtoniger silbe Stentoften c. 675 -gestuniR -gasten,
nach starktoniger Valby c. 700 Afunp neid, nach langer haupt-
toniger Eggjum manR männer und Björketorp c. 700 darutR
bricht (nach kurzer aber noch nicht in Rök süIr; 3) u in
ultima nach schwach nebenton. silbe in Äsum c. 475 fahi (auf-
fallend früh und daher verdächtig, sonst Stora Noleby c. 600 ;
vgl. anm.), nach stark nebenton. Björketorp c. 700 -sÖa (aus
*-spähu), in mittelsilbe nach stark nebenton. silbe Sölvesborg
c. 775 (zu später beleg) asmu[n]t, nach schwach nebenton.
Eggjum c. 700 nAMa[n] nackten, in ultima nach langer haupt-
toniger silbe erst in Abeced. nordm. 10. jahrh. ös y söl (Cod.
Leidensis zwar aus, aber reidu und soulu, s. 5 oben), nach
kurzer nebenton. silbe zwar etwas nach 900 nom. -siiur, acc.
-sun söhn in den aschw. inschr. von Sparlösa, resp. Gursten,
aber noch um 850 Rök sunu, JcaruR (aisl. gorr) und etwa
gleichzeitig, ebenfalls aschw., Kälvesten sunu gegen adän.
Tryggevaelde, Rönninge c. 900 sun. Das durch sonantisierung
von w (s. § 226) entstandene u scheint etwas später als das
alte synkopiert worden zu sein, denn die aschw. Vedelspanger-
inschrift gegen 950 hat noch Siktriku (aisl. Sigtrygg) neben sun.
Anm. Nach Hesselman, Västno. studier II, sind a und i in kurzer
pänultima nach langer silbe oder kurzer ableitungssilbe früher als u in
ultima (vgl. 2 und 1 oben) synkopiert worden, was den auffallenden gegen-
satz part. prät. dempr : talepr erklären würde. Die entwickelung wäre
dann nom. sg. f. und nom. acc. pl. ntr. *dömiÖu : HaliÖu >> *Ö5mdu : HaliÖu
>» dSmb : HaliÖ, wozu analogisch nom. sg. m. d&mör : taliör. Gegen
Hesselmans regel verstösst das oben mehrmals erwähnte fahi Asum, Stora
§154.155. Synkope. 135
Noleby, fai Yatn c. 725, das — wenn überhaupt richtig gelesen — dann wol
als eine, zwar auffallend früh, nach 2. 3. sg. *fählR vorgenommene Umbildung
von zu erwartendem fcehu (oder dem älteren *faihiu) aufzufassen wäre;
vgl. Hesselman, a. o. s. 49 f.
Wir gehen jetzt dazu über die verschiedenen synkopierungs-
fälle zu besprechen:
§ 154. In unbetonten silben wird vortoniger vokal synkopiert,
z. b. teygia (got. ataugjan), s. Wadstein, Arkiv XVIII, 180 f.)
zeigen; breipa bereiten (s. Kock, Arkiv XXIV, 184) ; fryja (got.
frcucröhjan, s.§68,3) absprechen; granne (got. garaznd) nachbar,
greipa (got. garaidjan) in Ordnung bringen, gUhr (got. galeiks)
gleich, glam neben hlam lärm, glymr starker klang neben hlymr
klang, glöfe handschuh zu 16 fe handfläche, gneiste (vgl. and.
ganeisträ) funke, ? gneggia neben nisl. hneggia (ags. hncegan,
mhä. neien) wiehern, gnögr (vgl. got.ganöJis) hinreichend, gnüa
(ahd. part. prät. ginüan) reiben, ggrr (as. garu) neben grr (as. aru)
fertig, grein (got. garaideins) bescheid, gr edder einer der zu
speisen gibt (vgl. ags. gereordian speisen), gdera schaffeil zu hcera
haartuch vgl. mhd. gehär behaart) u. a. Wörter mit dem präfix
ga- (s. Bugge, Arkiv II, 212 f., 2381; Erdmann, Ant. tidskr. f.
Sv. XI, 4, s. 29 ff., Wadstein, I. F. V, 12 ff., wo vieles unsichere,
vgl. z. b. Liden, Bezz. Beitr. XXI, 114 ff.); prät. sg. sueip (*se-
swceip) zu sueipa einhüllen, ? seit. (s. § 502 anm.) heit (got. hai-
hait) neben gew. het zu heita heissen; slikr (got. sualeiks)
solcher. — Vgl. mit betonter vorsilbe pl. gotuar (ags. geatwe)
rüstung (s. Kluge, K. Z. XXXVI. 70, v. Grienberger, Zeitschr.
f. d. österr. gymnasien 1905, s. 753), prät. sera (got. saisö) aus
älterem *sezö zu sä säen.
Änm. In lehnw. wie postole (ags. postol) apostel , pi stell (ags. pistol)
epistel, spitale (ahd. spitäi) hospital, papreimr hippodrom, Pül Apulien ist
wol der vokal meistens schon vor der entlehnung geschwunden. — Unklar ist
das Verhältnis von dis zu as. idis, ags. ides hehres weib. — Erst mnorw. trifft
man pä st. appä auf, an (s. Haegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 89).
§ 155. Unbetonter kurzer vokal in der ultima wird ausser
vor urn.w, m, r synkopiert, z. b. dagr (um. dagaR Einang) tag,
heitenn (um. haitinaR Tanum) geheissen, gestr (um. -gasttR
Gallehus) gast, sunr (got. sunus) söhn, fe (got. faihu) vieh,
acc. sg. stein (um. staina Tune) stein, hörn (um. hör na Gallehus)
hörn, mag (um. magu Kjolevig) söhn, nom. sg. f. und nom. acc.
136 § 156. Synkope.
pl. ntr. gnnor (got. anpara) andere, gen. sg. yisls (urn. -gisalas
Kragehul) geissei, dat. sg. fe]>r (lat. patri) vater, acc. sg. m. einn
(vgl. got. ainnö-hun) einen, Mindern (got. blindana) blinden, dat.
sg. m. blindom (got. blindamma) blindem, nom. pl. d6tr (urn.
dohtriR Tune) töchter, 1. pl. konj. präs. berem (got. bairaima),
prät. beerem (got. bereima), 1. sg. präs. ind. ber (got. baira) trage,
2. sg. imperat. söh (got. sö&ei) suche, fiol- (got. /?7w) viel-, ÄeZdr
(got. haldis) mehr, Äatfr (got. hatis) hass, 2. sg. präs. ind. brytr
(got. briutis) brichst u. a. — Vgl. dagegen mit kurzem vokal
vor n, m, r z. b. acc. pl. daga (got. dagans) tage, geste (got.
gastins) gaste, suno (got. sunus) söhne, 3. pl. prät. ind. bupo
(got. budun) boten, inf. und 3. pl. präs. ind. gefa (got. #i6cm, resp.
giband) geben, acc. sg. hana (got. hanari) haben, nio (got. niun)
neun, 1. pl. bindom, bundom (got. bindam, resp. bundum) binden,
banden, ?//er (got. ufar) über u. a.; ferner mit langem vokal
z. b. valper (got. walides) wähltest, s?/sfcr (urn. swesteer, § 158)
Schwester, 3. sg. prät. ind. orte (urn. w[o]rtce, § 138) machte,
nom. pl. gester (got. gasteis) gaste, /is&ar (got. fiskös) fische, gen.
pl. rw'wa (got. rwnö mit urspr. nasaliertem ö, weil aus *-öm)
runen, acc. sg. tungo (ahd. sungün) zunge u.a.m. s. § 137 — 141.
Anm. Die 3. sg. prät. konj., z. b. bijße (got. budi) böte, welche laut-
gesetzlich synkope erleiden sollte, hat wol schon urn. langes I von der
2. sg. und dem pl. (got. budeis, resp. budeima, -eip, -eina) entlehnt. Die
verba präteritopräsentia, welche im präs. konj. (das ja urspr. ein prät.
konj. ist) fast nie i-umlaut zeigen, haben wol (wie im aschw. alle verba,
s. Noreen, Geschichte 8 , s. 215 f.) schon vor der umlautszeit die endungen
des funktionell ja gleichwertigen präs. konj., welche sämtlich lautges. nicht
synkopiert werden (z. b. 3. sg. got. -ai u. s. w.), entlehnt. Die erhaltung
des vokals in der 2. pl. starker verba, z. b. bindep (got. bindip) bindet,
bundop (got. bundup) bandet, beruht wol auf einfluss der lautgesetzlichen
typen demep (got. -eip) und hafep (got. -aip), welcher einfluss ja offenbar
bei kallep st. -ap (got. -öp) vorhanden ist.
§ 156. Unbetonter kurzer vokal in pänultima wird, wenn
ultima nicht nach § 155 synkopieren soll, synkopiert, z. b.
1. sg. prät. ind. fäpa (urn. faihido Einang) malte, gen. pl. augna
(ags. eagena, eagna) äugen, gen. dat. sg. f. hennar, -ne (*häniRö~R,
-ine) zu hön i^hänii) sie, gen. pl. gumna (got. gumane) männer,
nom. acc. pl. Jiimnar, -a (got. himinös, -ans) himmel, numner, -a
(got. numanai, -ans) genommene, valper zu sg. calepr (anal,
später calpr) gewählt, dat. pl. hofpom (vgl. got. haubidam) köpfen,
§157. Synkope. 137
eure (got. alpiza) älter, minzte (got. minnistd) der kleinste,
\A.mensker (anal. sg. menskr; got. manniskai) menschliche, fagna
(got. faginon) sich freuen u. a. — Urspr. langer vokal, sowie
das nach § 139 aus ai entstandene e, wird zunächst gekürzt
und dann synkopiert — a jedoch nur nach nicht haupttoniger
silbe — z. b. nom. pl. m. gullner (got. gulpeinai) goldene, mdtker
(wenn gleich got. mahteigai) mächtige, pl. lausner (got, lauseinös)
lösungen; munpe (got. munaida) erinnerte sich, vitte (got. icitaida)
beobachtete, gen.pagnar (vgl. got, Jtahainais) Schweigens, gen.
pl. blindra (got. blindaizo) blinder, mikella (got. mikilaizö) grosser;
komp. veglegre (got. -öza) und sup. nom. pl. m. veglegster (got.
-östai) zu veglegr prächtig gegenüber z. b. armare (got. armöza)
ärmer, 1. sg. prät, ind. losnafia (got, lusnöda) wurde los, skapere
(vgl. and. -äri, got. -areis, s. § 151, 1) Schöpfer. Vgl. Neckel,
ZfdA. XLIX, 3 15 ff., Tijdschr. voor Nederlandsche Taal- en
Letterkunde XL, 238 ff., Sverdrup, Arkiv XXVII, 185 f., Kock,
Arkiv XXI, 107 f.
Anm. Fälle, wo (wenigstens scheinbar) sowol die ultima als die
pänultima synkopiert worden ist, erklären sich teils nach § 159 (beisp. s.
dort), teils wol nach § 153 anm., z. b. acc. sg. m. einn ' einen', minv « *mhinu
< 7nuu'no, s. § 136) 'meinen' oder part. wie bundenn « *bundinnu < *bun-
denanö) gebunden, vgl. got. ainnö(/iun), ?meinna (Matth. 11,10); ebenso nom.
acc. sg. ntr. Mint blindes aus *blintu < *-blindato, got. blindata oder heilagt
<^*hceilagtu <^*hailagat() heiliges (vgl. dagegen pat 'das', welches nicht
got.pata, sondern pat in pat-üh, vgl. gr. röds — go\..pata aus *patö gäbe
in Verbindung mit -üh ein *patöh, s. Noreen, Arkiv VI, 374 note — entspricht;
got.pata wäie aisl. *pot); ferner fälle wie dypp <*dyppu <C*diupipu,
-ipö (got. diupipa) tiefe. S. Hesselman, Västno. studier II, 7 f., 43 ff.
§ 157. Unbetonter kurzer vokal sowol in antepänultima
wie in ultima wird synkopiert, z. b. dat. sg. m. bundnom (got.
bundanamma) gebundenem, acc. sg. m. ralpan (got. walidana)
gewählten, gotneskr aus *gotaniskaR gutnisch. — Vgl. dagegen
mit nebentoniger antepänultima und langer ultima — deshalb
mit synkopierter pänultima nach § 156 — z. b. gen. dat. sg. f.
und gen. pl. mikellar. -eile, -ella (< *ileaö) zu mikell gross.
Anm. Fälle, wo drei silben nach einander synkopiert zu sein
scheinen, sind immer zum teil analogisch entstanden. So z. b. entspricht
nom. acc. sg. ntr. valt gewähltes nicht got. walidata, sondern ist nach der
analogie blindr : blindan : blint wie valpr : vaipan : x gebildet.
1 38 § 158. 159. Synkope.
§ 158. Enklitische einsilbige Wörter werden — wo nicht
assoziation hindert — wie sonst unbetonte ultima (s. § 155)
synkopiert, z. b. emk (neben em eh) ich bin, mceltak (mcelta ek)
ich sprach, kollomk (*kallö-mik) ich nenne mich zu kalla (ich)
nenne (über den gegensatz -a : -o-mJc s. § 137, 1 und 2), Utom
(Hetu-mR aus *letu-men gleich leto mer) sie Hessen mir, kallask
(*Jcalla-siJc) sich nennen, snüas (*snüa-SR aus *smia-seR) sich
wenden, sds {sä es), Peims (peim es) derjenige, resp. demjenigen
welcher, nüs {nii es) nun ist, Paz (J>at es) das ist, unz (*und-es)
bis, ])6t(t) neben seit. pö at wiewol, suät (suä at) so dass, seit,
anorw. (s. Fritzner) hit (*hi-at, s. Noreen, Arkiv V, 373) hierher,
anorw. pit {*pi-at) dorthin, weil, mattet (*mätti-at) konnte
nicht, pät eins St. Hom. {pä at eins) nur dann, anorw.
aldregen {*aldrege-enn, s. Kock, Arkiv IX, 161) noch nie, humrgin
(*hucergi-enn, ib. XI, 126) noch nirgends u. a. Reichliche
beisp. aus den skaldengedichten bieten u. a. Sievers, Beitr. V,
491 ff. und Jönsson bei Gislason, Udvalg af oldn. skjaldekvad,
s. XIX ff. — Wenn das zu synkopierende wort vor dem
(schwindenden) vokal w hat, wird dies nach § 226 sonantisiert,
z. b. hinnog neben hinn{v)eg (s. § 235, 1, f) dort, pannog n.
gew. panneg (J>ann veg) dahin, huernog (huern veg) wohin,
huersug wie. Vgl. aber slikr (got. sivaleiks) § 154.
Anm. 1. In derselben weise sind vielleicht (nach einer Vermutung
Liden's) entstanden die formen auf -t und -r der 2. pl. , z. b. bindet (aus
bindid-t, s. § 268, 2, § 285, 5), anorw. bindir (bindiö-r, s. § 292) gleich bindiÖ
it, er (auch bindi pit, per) ihr bindet.
Anm. 2. In den zweisilbigen verbalformen erom, erop, ero wird e
nur (? s. Sievers, Beitr. V, 495) nach unmittelbar vorhergehendem r syn-
kopiert. Das dadurch entstandene rr wird bisweilen vereinfacht (§ 285
anm. 1), die einstige länge des ultimavokals in ero (s. § 122 anm. 2) ge-
wöhnlich (bes. in St. Hom.) erhalten , eventuell auch auf erom übertragen.
Z. b. ver(r)öm (ver erom) wir sind, peir(r)ö (peir ero) sie sind, seblerro
(sceler ero) selig sind.
§ 159. Wo innerhalb eines paradigmas synkopierte und
unsynkopierte formen (resp. formen mit synkope bald in der
ultima, eventuell auch der antepänultima, bald in der pänultima)
mit einander wechselten, ist oft ausgleichung — gewöhnlich
zu gunsten der synkopierten formen — eingetreten oder doppel-
formen entstanden. Z. b. valpr neben valepr nach pl. valp&r
gewählt, danskr statt *deneskr nach pl. dansker dänisch, eldr
§ 160. Synkope. 139
(aschw. noch seit, eleper, ags. celed) nach dat. elde teuer, Hgrpr
(aschw. run. noch gen. liarups Rök) ein mannsname nach pl.
hgrpar ein wohner von Hordaland, beztr und baztr aus urspr.
*betistr (got. batists), acc. baztan bester, magn und megn neben
megen nach dat. magne stärke, nektr neben nekkaepr, nekfatepr,
(bes.) anorw. auch ngkknepr (s. z. b. Leffler. Om r-omljudet
s. 13 note) nackt aus urspr. nekkuepr, acc. nekpan, ngkpan
(s. v. Friesen, N. spr. I, 7), ntr. btit (als adv. 'vielleicht') statt
Met nach bünom, -no, -ner usw. 'fertig', ebenso anorw.
ddt(t) statt ddet totes und nänn statt ndenn nahe u. a., s. die
flexionslehre.
§ 160. Weit später, erst zur zeit der ältesten hdschr.
durchgeführt, ist die synkope des anlautenden vokals im pron.
enn. inn bei dessen Übergang in den suffigierten artikel. Das
nähere hierüber s. § 472, 1.
Anm. Sonstige beispiele späterer synkope sind im aisl. selten und
unklar, z. b. gen. pl. erna neben erenda zn erende in der bedeutnng ' not-
durft '. In proklitischer Stellung sind möglicherweise entstanden die manns-
namen Bärpr (alt Bäropr, air. Barid, ags. Bared) und Pörpr (ags. Pored).
Vielleicht auf dissimilation beruhen kongr (erst gegen 1300, s. Gislason,
Njala II, 216) neben konongr (anorw. häufiger kungr aus kunungr, s. Haeg-
stad, Vestno. maalf. 11,2, i, s. 67, Kong., s. 22) könig, pengr (auch anorw.
s. Haegstad, Vestno. maalf. n, 2, i. s. 112) neben pen K n)engr münze (vgl.
aber Kock, Arkiv XXIV, 194 ff.). Dagegen ist das adv. lit{t) 'ein wenig'
kaum aus dem ntr. litet kleines entstanden, sondern entspricht wol dem
genau gleichwertigen got. adv. leita, worüber s. Grienberger. Untersuchungen
zur got. wortkunde, s. 146. Fiogrtän vierzehn ist nicht aus fiogortdn ent-
standen, sondern wie dies aus *fioÖrtän durch partiellen, resp. vollständigen
anschluss an fiogor vier; s. Noreen, Svenska etymologier, s. 41. Nicht
hierher, sondern zur wortbildungslehre gehören die von Hellouist, Om de
svenska ortnamnen pä -inge, s. 246 mit note, angeführten fälle des typus
borgfirpingar leute von Borgarflorpr; indem hier keine synkope von -ar
vorliegt, u. dgl. — Wiederum in anorw. ist eine sekundäre synkope keines-
wegs selten (bes. nicht seit c. 1300) und zwar am häufigsten auftretend in
lehnwörtern (wo die synkope vielleicht zum teil vor der entlehnung statt-
gefunden hat) sowie in personen- und Ortsnamen , z. b. (s. bes. Haegstad,
G. Tr., s. 93 ff., Kong., s. 22, M. Olsen, Hedenske kultminder 1, 51) Benye)dikt,
Lar en)s: Phil(i)pus, Öl(a)fr, Eir(i)kr, 0y{vi)ndr, Marg{a)reta, Kat(a)rina,
Mari(u)m(BSsa, Gregöri{u)stncessa, Ing{i)biorg, -g&rdr, -mundr, -Hör, resp.
Nör(e)ge Norwegen, Häl(o)gatand , Ö<f)e)nsal, Nid(a)röss, Biark{a)rey,
-heimr, Gceit(a)r{h)ceimr. Efrüsum (Ofrahüsum) , Sti6na)daü, Brig{i)daruÖ,
sonst mä(naöar)matr esswaren, bröÖie)r bruder, möö{e)r mutter, skoddom
<CskoÖaÖom (wir) schauten, frcenk{on)a verwandtin (zur erklärung s.
140 § 161. Svarabhakti.
Xoreeu, Vart spräkIII,422 note3), de(yia) sterben, fry(ia) absprechen,
ßy(ia) fliehen, husfrey(ia) ekefrau, äsan(a) die gräte, iorÖen(e) der erde,
talaÖ(e) redete, s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 52, 53 und II, 2, i, s. 101,
112, 113, 116, 118; in proklitischer Stellung ha (schon 1299) aus hafa haben,
luk(a) upp 1346 aufschliessen. Kicht hierher gehören dial. formen wie
Siurdr, orkn. tuttü (statt Siugurdr Sigwart, tuttugu zwanzig), welche nach
§ 293, 4 und § 130 zu erklären sind.
V. Svarabhakti.
§ 161. Svarabhakti tritt in etwas jüngerer spräche zwischen
auslautendem r und einem vorhergehenden konsonanten ein:
a) Im aisl. ist der svarabhaktivokal u, von dem spuren
schon vor 1300 sich zeigen, z. b. rikur (statt rikr) mächtig, pl.
bcendur (böndr) bauern usw. Um 1400 ist wol die ausspräche
-ur allgemein üblich gewesen, obwol die Schreibung -ur
erst nach 1550 völlig durchdringt; s. porkelsson, Um r og
ur i niörlagi oröa, Keykjavik 1863, E. Olson, Yngvars saga,
s. XLIII.
b) Im anorw. ist der svarabhaktivokal verschieden in
verschiedenen gegenden. Wnorw. tritt südlich von Bergen u
oder o, nördlich davon i oder e (orkn. i, shetl. e, später auch u)
ein; onorw. dagegen im allg. a, in gewissen gegenden auch e
(so regelmässig im Drontheimischen) oder ce, z. b. wnorw.
aftur, -or, -ir, -er, onorw. aftar, -er, -cer statt aftr zurück, usw.
In einigen denkmälern richtet sich der svarabhaktivokal nach
demjenigen der vorhergehenden silbe, wie z. b. in der Barlaams
saga heilagar heilig, slihir solcher, mättogor mächtig, atburdur
ereignis usw. statt lieilagr usw. Die entwickelung tritt
(wenigstens in Barlaams saga und im Drontheimischen) schon
um 1250 auf, wird seit 1325 häufiger und ist wol im all-
gemeinen während des 14. jahrhs. vollzogen worden. Vgl.
J. Storm, Norvegia I, 35; Hsegstad, G. Tr., s. 91 f., Hild., s. 58,
Vestno. maalf. I, 145.
Anm. 1. Cod. Holm. 34, 4° zeigt auffallender weise svarabhakti nur
vor einem aus z > R entstandenem r, vor urspr. r aber nicht, z. b. eter isst,
Üiker solch, aber aJcr acker, alldr alter; s. Kolsrud, Arkiv XXXIII, 284
note 2.
Anm. 2. In anorw. runeninschriften kommen auch nicht selten im
inlaut spuren von svarabhakti nach der art der um. inschriften (s. § 142)
§ 162. Spuren speziell urgerm. lautgesetze. 141
vor, z. b. beleitir (d. h. bleytir, Aardal. 13. Jahrb..) netzt, acc. Lumpur (d. h.
bröÖor Tanberg) brnder ; s. Bngge , Foreningens til norske fortidsmindes-
mserkers bevaring aarsberetning for 1869, s. 33. In der anorw. literatur
kommen selten beisp. von svarabhakti zwischen r und kons, vor, z. b.
kirikia st. kirkia kirche, kores st. kors kreuz, dat. ntr. okoro st. okro zu
okkor uns beiden zugehörig, dat. sg. gareöe zu gardr hof, s. Hsegstad,
Yestno. maalf. II, 2, i, s. 122 f., Kolsrud, Arkiv XXXin, 284 note 2. Ver-
einzelt steht einmaliges tuu-eir st. tuceir zwei, s. Hsegstad. a. o.. s. 123.
Kap. 3. Vokalwechsel aus urgerm anischer zeit
stammend.
I. Spuren speziell urgerm. lautgesetze.
§ 162. e wurde zu i:
1. Unmittelbar vor nasal mit folgendem konsonanten.
Daher gen. pl. kuinna (*kicen-nö, gebildet wie got. aühsne.
abne u. a.) neben kuenna (aus *kivenanö synkopiert, vgl. got.
qinöno) und Zusammensetzungen wie kuen-kendr weiblich (vgl.
got. qina-kunds, s. Bugge bei Fritzner III, 1110) zu kona (aber
obl. kuenu. geschrieben cuinu in einer runeninschr. aus Man und
als air. lehnwort cuiniu, s. Marstrander, Bidrag. s. 107) weib.
snema und snimma (durch kontamination auch snemma und
snima) früh. Ebenso ist aus brinna (alt und seit), rinna
(ziemlich seit.) neben brenna brennen, rennet fliessen zu er-
schliessen, dass in der urspr. flexion dieser verben nn mit n
gewechselt haben muss (vgl. brune brunst. mne rinnen);
s. Noreen, Urg. lautl., s. 13.
Anm. Prät. pl. gengo gingen, fengo bekamen (neben den bis etwas
nach 1200 weit häufigeren gingo, fingo ; s. Larsson, Ordförrädet, und Jönsson
bei Gislason, Udvalg af oldno. skjaldekvad, s. XI f., und Skjaldesprog, s. 98,
sowie porkelsson. Beyging), hengo hingen, blendo mischten haben e von
sg.gekk, fekk, hekk, bleu entlehnt (vgl. umgekehrt aschw. sg gik. fik nach
dem pl.), während wiederum part. prät. gingenn, fingenn statt der in der
ältesten zeit fast ausschliesslich (s. Jönsson a. o.) gebräuchlichen gengenn
(anorw. geenginn, also aus *ganginn durch palatal-umlaut. s. § 71), fengenn
sich nach gingo, fingo gerichtet haben. Das seit, anorw. hengat (Heilagra
manna sögur II. 208 und bei Hertzberg; heengat No. Hom.) statt hingat
hierher ist wol nach pengat dorthin ( das sich zu ßangat wie penn, peenn
zu pann § 144 anm. 1 verhält) umgebildet worden, während andererseits
die form fringat auf einfluss des hingat beruht.
142 § 163. Spuren speziell urgerm. lautgesetze. § 164. Ablaut.
2. Unmittelbar nach g und h sowie wenn die vorher-
gehende silbe ein son. oder kons, i enthielt, z. b. slagina/i Möjebro
(später slegenn) geschlagen, haitinaR Tanum verheissen. Ueber
scheinbare ausnahmen (ohne fumlaut) s. § 74 anm. Vgl. § 61, 2,
§ 73, § 74, § 137 und bes. Wessen, Spräkvet. sällskapets i Upps.
förhandlingar 1913 — 1915, s. 56 ff., 1916—1918, s. 28.
§ 163. au, eu und aiv, ew wechselten in der weise, dass
jenes vor konsonanz (und auslautend), dieses vor sonanten
stand (vgl. got. taujan : prät. tawida, kniu : gen. hniwis u. dgl.).
Daraus erklären sich folgende gegensätze:
1. au (oder ./-umgelautet ey) : aw, woraus nach der Syn-
kope d, z. b. pl. meyiar (got. maujös) : sg. mär (*mawiR § 80, 2
und § 71, 2; got. mawi) mädchen; daupr tod, tot und deyia
sterben : part. prät. däenn (statt *dafenn < *dawenR nach pl.
däner u. a. synkopierten kasus); heyia ausführen : prät. häpa
(*hawido) ; preyia sich sehnen : prät. J)rd])a ; peyia tauen : po
aufgetaute erde. Gewissermassen hierher gehören fälle wie ey
aue, insel : 6 § 77, 2, g (got. aha) fluss; hey gras : ho § 77, 2,
hö nachgras; vgl. § 317 anm. 2.
2. eu (woraus iö, iü § 100 und § 101 oder ^'-umgelautet
y) : ew, iw, woraus nach der synkope e, i, in z. b. hly (*hliuja)
obdach und hlyia schirmen : prät. hlepa (*hlewiöo), hie (*hlewa,
ags. hleo) lee; triöna Stange und tryio-sg^oll (= trog-sQ^oll)
eine art sattel : tre holz, bäum; Icnyia drängen : prät. knipa
(nach dem anal. inf. Icnia diskutieren); gnyia lärmen : prät.
gnipa; piönn dien er und \A.])yiar (got. piujös) : sg.pir (*piwtR,
got. piwi) magd; sJciöl schirmdach, shiöpa tasche und dat.
pl. skyiom : ski (s. § 80, 2) wölke; gen. Signyiar : nom. Signi
(s. § 80, 2), gen. Bor(g)nyiar : mnorw. Borni (anal. Bomy, aisl.
Borgny) frauennamen.
Anm. Eine verwandte erscheinung ist der Wechsel ü (auslautend und
vor konsonanz) : iv (aus u, vor sonanten) in z. b. stil säule : suill § 77, 12
grundschwelle; syr § 71,6 (acc. sü) sau : suin schwein.
II. Ablaut.
§ 164. Unter ablaut verstehen wir jeden Vokalwechsel
innerhalb einer gruppe etymologisch verwandter Wörter, den
das urgerm. aus ieur. zeit übernommen oder analogisch nach-
§ 165. 166. Ablaut. 143
gebildet hat. Je nach der natur der wurzeln ist der ablaut
verschiedener art. In den germ. sprachen zeigen sich folgende
sieben ablautsreihen, die bes. deutlich in der tempusbildung
der sog. starken verben hervortreten. Vgl. Noreen, Urg. lautl..
s. 37 ff.; Streitberg. Urgerm. granimatik, s. 79 ff.
§ 165. Die erste ablautsreihe lautet:
urgerm. i — cd — i; anorw.-aisl. i — o?i (ei) — i, e (§ 60).
z. b. btta beissen : prät. beit : pl. bitom : part. prät. bitenn u. a.
verben; ferner lp tat : ipia geschärt: stigr : stigr pfad; vißer
weidebusch : vip gerte; uty kämpf : vega, viga (§ 159, 1) kämpfen;
Por-gisl (-gils) u. dergl.. Gisle mannsnamen : geisl, geisle stock;
sui : suei pfui; sMrr : skderr (*skairin § 54. 2) hell; heitr heiss
: Jiite hitze; feitr fettig : fita fett; kleif reihe von klippen : klif
klippe; Tceikr zurückgebogen -.hihna hinsinken; fiueite ntr. :]>uita
f. abgespaltenes stück; geil : gil kluft; deigr teig : digoll
tiegel; streitask : stritask sich sträuben; Uta sehen : suart-
leitr von schwärzlichem aussehen, leita suchen (got. wlaitön
spähen) : litr färbe, aisl. andlit(e), -Jet. anorw. auch -lete § 145 r
anm. 2 (got. ulits) antlitz; u. a. m. s. z. b. Kock, Svensk
ljudhistoria I, 89 ff.
Anm. Selten kommt in dieser reihe auch ein ablautsvokal urgerm.
-l.-anorw. e vor, z. b. her : hißra, hepra (s. § 159, 1) hier, higat, hegat
hierher, hepan hievon : anorw. (s. § 158 ff.) hit hierher.
§ 166. Die zweite ablautsreihe lautet:
urgerm. eu — au — u oder ü; anorw.-aisl. iü, io § 100 r
§ 101 — qu (ou, au § 98) — u, o (§61) oder ü, z. b. verben
wie kriüpa kriechen (giota giessen, siipa saufen) : prät. Jcraup
: pl. krupom : part. prät. Jcropenn; ferner riöpr : raupr rot : ro/>e
röte; styra (got. stiurjan) steuern : staurr Stange : styria stör
(s. Liden, Cppsalastudier. s. 91 note); hriiifr schorfig, hryfe
schorf : hrufa rinde einer wunde; Uüga lügen : lyge lüge, lugvitne
falscher zeuge; strhipe : strüpe kehle; striügr : strügr neid; niötr
geniessend : nautr genösse : wotegleich(en); biiigr krumm : baugr
ring : böge bogen; shöpa tasche : pl. skauper vorbaut des pferdes;
liona (s. F. Jönsson. Fernir forn islenskir rimnaflokkar, Kph. 1896,
s. VIII) : leyna verhehlen; liöp lied : hipr hörn zum blasen ;
hliöp aufmerksamkeit : Hlopver Ludwig; liotr ungestalt : lütr
gekrümmt; taug : tog, tug seil; gautar : gotar Völkernamen;
baula kuh : bole stier, bylia brüllen; Maut f. anteil (der götter)
144 §167. Ablaut.
: hlutr los, teil; daa]>r tod, tot : dode ein Spottname, aisl. (s. Möbius,
Analecta norroena 1 , s. 196) dopna wie tot werden (vgl. nisl. dodi
erschlaffung, dodna erschlaffen); hiüpr wünschen : totroghypia
lumpiges weib; mittler weich : molca ausmisten, mykr mist; haufop,
hofop (s. § 98, 1) haupt : Mfa haube; braup brot : brop (s. Vig-
fusson) brühe; gnaup : gnypr lärm; fraup : fropa schäum; aisl.
f rauhe, anorw. fraupr : froskr frosch; daufr taub : dofe duselei;
leygr flamme : löge lohe; blautr weich : blotna weich werden;
praut anstrengung : prote schwulst : Pnitenn geschwollen; aurr
nass : tlr regen, niederschlag; aurr griess, eyrr Sandbank : anorw.
pl. Yriar, -a Ortsnamen; lauss los : losna los werden; saurr
schmutz : surr sauer; myrr (*meuz-) moor : mose moos; tryggr
(*triuw-, s. § 227, 2) treu : traust trost : trua trauen; greyfa
: grijfa vorüber beugen; suin (*su-, s. § 163 anm.) schwein : syr
(*su) sau; ? kuiga färse : kyr kuh; kiüklingr gänseküchlein
: kokr hahn; hrüga häufen : hroke (nschw. rage) aufmass; u. a.
m., s. z. b. Kock, a. o. II, 320 ff.
Anm. 1. Auffallend ist au (vielleicht aus der zweiten silbe entlehnt)
im 2 maligen braullaup (Hb. XXXVIII; gleich aschw. brellep?, vgl. aber
An. gr. II, § 116) neben gew. bruttaup, brüplaup hochzeit. Vgl. das noch
mehr auffallende konstante brudgaumi st. brüpgume bräutigam in Bösa
saga nach Cod. AM. 586, 4° gegen 1450 (s. Jiriczek's ausgäbe , s. XXVII).
Anm. 2. Selten kommt in dieser reihe ein ö (aus öu) vor, z. b. nör
schiff : naust schuppen für böte; bände (s. §130) bauer, landböle (orkn.
-büli) pächter, böl, bele (anders Ekwall, Suffixet ja, s. 41) wohnort, ber
dorf : büa (anorw. seit, böa) wohnen, büande (anorw. auch böande s. § 422)
bauer, bü Wohnsitz, büp bude, biie (anorw. auch -böe, s. Jönsson, Fagrskinna,
s. XXV, und als mannsname Böe) einwohner, bür stube, hybyle wohnung,
byr dorf, byggua wohnen; störr gross : gny-styrer grossen lärm machend;
prät. dö, gö zu deyia sterben, geyia bellen. Mcht hierher gehörig, sondern
aus verschiedenen sprachen oder dialekten entlehnt sind sköle (ags. seol,
lat. schola) : anorw. (seltener) sküli schule (mhd. schuok) und dökr (mndd.
dök) : (häufiger) dükr (mndd. dük) tuch.
Anm. 3. Ebenfalls selten zeigt diese reihe ein Ce{w), z. b. grär §81
grau : gryia (s. Vigfusson) grauen, dämmern : ? grey-hundr (graue?) hündin:
anorw. sncelda i^mä-öl-iön-) spindel : snüa drehen, zwirnen.
§ 167. Die dritte ablautsreihe lautet:
urgerm. e — a — u; anorw. -aisl. e, i (§ 63, 3) — a —
u, o (§61), z. b. verben wie verpa werfen : prät. varp ' pl.
urpom : part. prät. orpenn; binda binden : prät. batt : pl. bun-
dom : part. prät. bundenn; ferner giallr (*gella- § 88) : gallr hell
§ 167. Ablaut. 145
tönend; Kalke balken : bolkr Scheidewand; giorp (*gerSu § 89)
gurt : garpr zäun, garten ; gyrpa gürten; vella : anorw. (seit..
s. Wadstein. F. Hom.. s. 48) valla wallen, sieden; Xyrue, Xiorua-
sund §82, 4 : Nerua-, Noruasund. Nf/ff §K2, 6; ping Volks-
versammlung, Pinyill (anorw., s. Rygh, Oplysninger II, 230)
: Pen y eil ein mannsname (aisl. auch als fürstenbenennung);
strind rand (anorw.; auch als Ortsname) : strond ufer; mitte
(*nestia) spange : nesta (*nastian: vgl. agutn. nast heftnadel)
heften; vindr schief : vandr schwierig, misslich; minnask sich
küssen, mel (s. § 110, 1) mundstück des gebisses : munnr mund
(s. Liden. Uppsalastudier, s. 7yf.), mynne (minne § 114) mündung:
kind nachkommenschaft : -kundr. -kunnr herstammend; hindre
später : handan jenseits (vgl. agutn. handar mair weiter hin):
tindr zahn am rade : tonn (*tanpn) zahn, Gullentanne. Hilde-
tannr beinamen : Tunne (vgl. got. tunjius) ein mannsname,
sannr wahr : nauft-syn (vgl. got. sunjis wahr) not; miolh milch
: molka melken; biary berg : bory bürg, Boryund ein Ortsname;
kiame kern : körn körn; verk werk : yrkia würken; Perm (vgl.
got. ya-Pairsan verdorren) dörren : J)urr dürr; duergr zwerg
: dyryia zwergin ; verfa werden : urPr Schicksal ; viryell strick
ivargr räuber; lend (*landi-) lende : pl. lunder Schinken: skars
hexe : skyrse Schrecknis; sterkr : styrkr stark, storkna starr
werden; yoltr (*galtuR) ferkel : yyltr sau; faldr : anorw. (seit,
s. Fritzner) foldr falte; ? troll (s. Noreen, Svenska etymologier
s. 8f. und die daselbst zitierte literatur sowie Gislason, Efter-
ladte skrifter II, 160, Jonsson, Aarboger 1912, s. 9) : troll (vgl.
mhd. trolle) dämon; suartr schwarz : sorta schwärzen, sorte
dunkelheit (auch als mannsname), sortna schwarz werden,
Surtr ein feuerriese; valda walten : prät. olla\ hallr sich
senkend (ahd. hald geneigt) : hollr hold; bgllr ball : bolle bowle;
yrann- : yrunnleitr hohlbäckig (s. Karsten, Stud. öfver de nord.
spr. prim. nominalbildning II, 144); ha (*ha[n]hön. vgl. lit. kanka
quäl) quälen : hunyr hunger; sejtr (< *sennr) für sich, je : sundr.
anorw. (s. Hertzberg, s. 860, sp. 2) auch syndr abgesondert, ent-
zwei (s. Noreen, Arkiv VI, 370 ff.), ? einmaliges d^kkr (s. F. Jonsson.
No.-isl. kultur- og sprogforhold, s. 308; nnorw., shetl. dokk; aus
*dankwa-) : dekkr (*dinkiva-, s. § 77, 3, § 110, 1 ; oder ist es *dank-
tria- nach § 87, 6?) dunkel : dunkr ein beiname (s. § 266 anm. 3).
Anm. Ueber den ablaut »' — a — w in ableitungssilben s. § 173.
Noreen. Altisl. gTamm. 4. aiifl. 10
146 § 168. 169. Ablaut.
§ 168. Die vierte ablautsreihe lautet:
urgerm. e — a — c& — w; anorw.-aisl. e, i (§ 63,3) —
a — ä (§53) — u, o (§ 61), z. b. verben wie stela stehlen
: prät. stal : pl. stglom : part. prät. stolenn; nema nehmen : nam
: nömom : numenn (anorw. auch nomenn); ferner g. pl. Jcuenna
(u. a. mit Jcuen-, s. § 162), Jcuinna (§ 162, 1) : kucen (*kiväni-)
: Jcona, kuna (s. §61,1) weib; suima schwimmen : prät. suam
: pl. sutfmom : symia schwimmen, sund (*swumÖ-) das schwimmen:
suefn schlaf : suaf schlief, suefia beruhigen : sucefa einschläfern,
pl. söfom schliefen (s. § 77, 11) : sofa schlafen, syfia schläfrig
machen; vin(r) freund : vanr gewohnt : vcenn schön : una zu-
frieden sein; grim{m)r : gramr feindselig; mepal- mittel-, mibr
mittler : undorn (*um&-) nachmittag; vel wol, vilia wollen
: anorw. val (so regelmässig im landgericht könig Magnus', oft
in Hb. u. a., s. Fritzner, Haegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 21 und
II,2,i, s. 38; as., ahd. wala) wol, val wähl; saman : anorw.
auch soman (s. Hertzberg, s. 535, 862; asch w. soman, suman,
s. Noreen, Arkiv VI, 365 ff.) zusammen ; samr : dat. sg. ntr. sumo
(Cod. AM. 645, 4°) derselbe, sumr ein gewisser; gemlingr ein-
jähriger widder : gymbr junges weibliches schaf; prät. trap
tritt : pl. tr$pom : tropa treten; vatn- wasser : vätr nass : otr
otter; sualr kalt : sudela rauchen (s. Torp, Nyno. et. ordbok);
vefa weben : vefr (*wabja-) webe, vafra hin und her fahren
: väfahm und her schwanken : ofenn gewoben.
Anm. Bisweilen kommt in dieser reihe ö vor, z. b. Tcemr (*Tcdmi-)
neben kudmr (*kwämi-) passabel, zu pass : koma kommen; skära kämpf,
anorw. skära (s. Hertzberg) aufschneiden : skera schneiden : skarpr be-
schnitten : pl. skctre schere : skor einschnitt; suefn usw. (s. oben) : sefa
töten. Vgl. § 170 anm. 1, § 171 anm. 2. — Ueber brüpgaumi st. -gumi
s. § 166 anm. 1.
§ 169. Die fünfte ablautsreihe lautet:
urgerm. e — a — «; anorw.-aisl. e, i (§ 63, 3) — a — ä
(§ 53), z. b. verben wie gefa geben (bipia bitten) : prät. gaf
(bap) : pl. gtffom : part. prät. gefenn ; ferner pess des : pat das
(anorw. pedan : padan u. a., s. § 144 anm. 1); stiake kleiner
stecken : stake stecken; bikkia : grey-baka hündin; hie lee : Meer
lau; sid (< *sehan, s. § 235 anm. 4) : Saga name einer göttin
('die Seherin'); $ (got. aha) fluss : JEger der meergott (vgl.
ags. ceg-iveard wache an der see) ; mggr söhn : mdgr verwandter
§170. Ablaut, # 147
durch heirat; tagl steifes haar, f#*'a (got. tahjan) karden
: fgy faser.
Anm. Bisweilen kommt in dieser reihe 6 vor, z. b. lekr i*löki-) bach
: leka leck sein : prät. lak : pl. /pfroo»; Zd^r lagerbestand für einen tag : liggia
liegen, leg friedhof : leggia legen, lag Ordnung : lägr niedrig, log liegender
bäum, leege läge: möt form, art : meta messen : prät. mat : mäte art und
weise; fötr fuss : fet fusstapfe, fit schwimmfuss : prät. fat fand einen weg
pl. fgtom; freMenm mutig : frekr gierig; rekr legitim, rekia beachten
rettr recht : rakr gerade, rek <s. §77, 7), rgk darlegung. rekia darlegen
rgk furche; snäkr ringeluatter : stwkr als beinarae; segr (: aschw. saghi,
mndd. sage) Schnitzel : sigpr sense : sog säge. Vgl. § 170 anm. 1, § 171 anm 2.
§ 170. Die sechste ablautsreihe lautet:
urgerm. a — ö; anorw.-aisl. a — 6, z. b. verben wie skafa
schaben : prät. sköf, pl. sköfom : part. prät. skafenn; ferner hagr
geschickt : lwgr, liöglegr leicht zu bewältigen; dagr tag : dägr
tag oder nacht; stapr platz : -stepingr -einwohner; fiefia
musig machen -.pdf zank; net netz : not zugnetz; hane bahn
: hena henne. Jwns hühner; fnasa : fnesa schnauben; skape
: skop schade ; skage Vorgebirge, skegg bart : skögr wald ; apal
eigenart : öpal eigenart, eigentum; batna besser werden, betre
besser : bot besserung, busse; sama : söma passen; hake haken
: hekia krücke; age: ögn schreck, egiask erschrecken, otie furcht:
slakr schlaff : slökr herumschlenderer: sgk sache : sekia suchen.
Anm. 1. Bisweilen kommt in dieser reihe ce, an. ä vor, z. b. ku&fa
: anorw. k{u o?fia, aisl. kefia ersticken, k\n)afna erstickt werden : kefa
ersticken, gr&fr : grefr einer der begraben werden darf : grafa graben; dobld
tälcheu, d'tla rinne : dalr : del tal; häfr fischhamen : liefia heben : prät. höf;
atlujtfe verbalten, aup(h cefe (s. z. b. Wadstein , F. Hom., s. 59) reichtum.
anorw. häfa (d. lehnwort?) hab und gut : hafa haben, behalten, enthalten,
hafask sich verhalten : höf das richtige Verhältnis, )wfa das ziel erreichen,
aupChwfe reichtum, anorw. athefe (Hb., Cod. AM. 310, 4°) verhalten. Vgl.
§ 171 anm. 2.
Anm. 2. Ausnahmsweise kommt in dieser reihe auch u, o vor, z. b.
kulpe kälte : kaldr kalt, kala frieren : prät. köl; dylia verschweigen : duelia
verzögern, duol ausruhen : delskr töricht; prät. pl. uxom : vaxa wachsen
: prät. öx; gryfia grübchen zu grafr, grefr, grafa s. oben anm. J ; gnött (ahd.
ginuht, s. §112, 2) genüge : gnögr (vgl. got. ganöhs) genügend; luma los-
lassen : lame lahm : lömr schlechtheit s. Noreen, Svenska etymologier,
s. 50 ff., Hultmau, Hälsingelagen s. 213 note 3).
§ 171. Die siebente ablautsreihe lautet:
urgerm. ce — ö; anorw.- aisl. d — 6, z. b. grata weinen
: grata zum weinen bringen; ? anorw. Nord-, Sunnmcere (Haegstad,
10*
148 . §171.172. Ablaut.
G. Tr. s. 69, Vestno. maalf. I, 20) : -möre Ortsnamen; rdmr heiser
: römr stimme; ncera nähren : nöra stärken; läfe : löfe dresch-
tenne; suä : anorw. (z. b. Haegstad, G. Tr. s. 51, Vestno. maalf. 1, 9
und 92; seit. aisl. wie z. b. E. Olson, Yngvars saga, s. XXXII)
auch so (ahd., as. so; vgl. aber söno § 77, 11) so; hudesa zischen
-.hoste husten; hudta (s. Bugge, Tidskr. f. Fil. N. R III, 264;
porkelsson, Supplement 11,217) : höta (s. Hertzberg) treiben,
stossen, stechen, hot drohung, hMa drohen; glce{f)a glänzen u.a.
(s. v. Friesen, N. spr. I, 37 und 57) : glöa (ags. glöwari) glühen:
fcegelegr : ßgelegr angenehm; döj) geschicklichkeit, dcell fügsam
: dömr urteil; gräpa zu sich raffen : gröpasamlega brutaler weise;
flg (< *flahö) fläche : flo Schicht.
Anm. 1. Unklar bleibt (trotz Kock, ZfdA. XL, 196; vgl. dagegen
Hellquist, Arkiv "VII, 46 und Sv. etym. ordbok) blckia (zu mhd. blähe) neben
seit. (z. b. Goprünarkuipa 1, 13) bleia (wie im aschw.) bettuch.
Anm. 2. Bisweilen kommt in dieser reihe a vor, z. b. latr faul : lata
lassen (: aschw. löt Hess); snefia aufspüren : mtäfr : snefr flink; hrake : Jcräkr
: krökr haken; huatr keck, huass scharf wol zu huäta, heta (s. oben); gleggr
scharfsichtig zu gldsa, glöa (s. oben), fegenn froh zu ftäge-, fügelegr (s. oben).
Vgl. § 168 anm., § 169 anm., § 170 anm. I.
§ 172. Berührungen dieser reihen untereinander (vokalische
1 wurzel Variation') sind nicht selten, wiewol grossenteils erst
sekundär entstanden entweder durch "entgleisung" eines Wortes
aus einer reihe in eine andere, partiell übereinstimmende, oder
durch assoziation etymologisch nicht verwandter, aber lautlich
wie begrifflich ziemlich übereinstimmender Wörter. Ausser dem,
was schon in den anm. zu §§ 168 — 171 angeführt worden
ist, mögen hier noch folgende fälle in aller kürze erwähnt
werden :
1. Vermischung der 1. und 2. reihe, z. b. in skirr, skcerr
(§ 165) : sJcyrr hell, rein; rifa : riüfa zerreissen; gripa greifen.
greip klaue : greypa in einander hineingreifen lassen ; gnipa
: gnüpr steiler abhang, gneypr vorüberliegend; Maupa laufen
: anorw. prät. (wie im dalekarlischen) lep (s. Fritzner); hrista
rütteln : hriösa schaudern ; ellefo § 54, 3, a : anorw. seit, cellugu,
mnorw. (s. Hsegstad, G. Tr. s. 54) celluva (vgl. § 77, 7 sowie ahd.
einluph, ags.. endlufan, afries. andlova) elf; brime feuer : breyma
brünstig; sima strick : saumr Saumnaht; strykua § 82, 5 : striüka
streichen.
§ 172. Ablaut. 149
Anin. 1. Sehr selten ist Vermischung der 1. und 5. reihe, z. b.
bipa erwarten, beipa verlangen : bipia bitten, bap bat, böpom baten; vig
kämpf, vega, viga (s. § 60) kämpfen, prät. vi (aus *tcaih^: pl. vögom.
2. Vermischung der 1. und 7. reihe, z. b. in gnipa (s. oben 1)
: gnapa vorüberliegen; suipa, sueipa : söpa fegen; gripa, greip
(vgl. oben 1) : gräpa, gröpasamlega (s. § 171); ?prät. seit. (z. b.
Haegstad, G. Tr. s. 70, M. Olsen, Vojsunga saga, s. XXI und
regelmässig in Cod. AM. 291, 4°, s. Petersens, Jömsvikinga Saga,
Kph. 1882, s. X f.) reip, wenn nicht umgekehrte Schreibung (vgl.
Hesselman, Arkiv XXVII, 351 ff.), was jedoch nicht für alle
fälle annehmbar ist : rdpa raten ; reik haarfurche : rtfk (§ 169
anm.) furche (Xoreen, Svenska etymologier, s. 62 f.); bleikr
bleich : blakkr fahl; huisla flüstern : hucesa, hoste (§ 171); blistra
pfeifen, prät, bles : bläsa blasen; grina greinen : grenia heulen.
3. Vermischung der 2., 6. und 7. reihe, z. b. in fnysa
■.fnasa, fnösa (§ 170) schnauben; gnüpr. gneypr : gnapa (s. oben
1 und 2); tugr, togr (vgl. ahd. zwein-zug, -zog) : tigr. tegr,
tegr (§ 77, 3) anzahl von zehn; gnaup, gnyPr (§ 166) lärm
: gnadd brummen ; ? dys Steinhaufen : des (kaum aus dem air.,
s. Marstrander, Bidrag, s. 154) heuhaufen; kliüfa spalten, klauf
gespaltene klaue, klyf, klofe : klafe etwas zweispaltiges, saum-
sattel; greypa. s. oben 1 : gröpasamlega § 171, gröp aushöhlung,
gräpa § 171; baula, bole. bylia (§ 166) : belia brüllen; lasmeyrr
: -mehrt gebrechlich; stofn stamm, stubbr stumpf : stafn Steven,
stafr stab ; stypia stützen : stepia fixieren; knütr knoten, ti-knytter
böse streiche : kngttr ball; fliiiga fliegen, flokkr schar : ?floke
haarflocke, flgkra umherstreifen.
Anm. 2. Ganz unklar sind anorw. eyÖla : aisl. epla eidechse; auplingr
iBugge bei Fritzner III, 1 103; wol von aupr reichtum beeinflusst) : yplingr
edeling. Ueber anorw. eptir, efter (s. z. b. Wadstein, Autiqvitetsakademiens
mänadsblad 1891, s. 78, Hsegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 44), färöisch run.
nftiR Kirkebo 'nach', 'über' statt ceptir §85 anm. 2.
4. Vermischung der 3., 4. und 6. reihe, z. b. in miol
mehl, mole brocken, mold (staub)erde : mala mahlen, prät. möl;
fiorpr enger meerbusen, 'fahrwasser'. fdr gefahr : fara fahren,
prät. for; anorw. oft (s. Sievers, Tübinger bruchstücke, s. 8 note:
Haegstad, G. Tr. s. 49 und 81; Fritzner) drega (ob mit aus
dem präs. übertragenem e??) ziehen, dorg angelschnur : draga
ziehen, drog streifen: kunna können, kann (und knd) kann
: kenn erfahren.
150 § 173. Ablaut.
Anm. 3. Noch verwickelter sind die Verhältnisse z. b. in tiara teer,
tyrue kienholz : tre holz, tryggr fest : traust Sicherheit : trür treu : trog
trog; hiortr hirsch : hrütr widder; biorn bär : brünn braun; duergr, dyrgia
(§ 167) : draugr gespenst: s. Noreen, Urg. lautl. s. 90, 85, 224. Etwas unklar
ist pema (wol aus einem dem mndd. derne zugrunde liegenden as. *thema
<! thiorna) dirne : piönn diener.
§ 173. Ein, in vielen fällen wol analogisch entstandener,
ablaut i — a — u kommt in ableitungssilben häufig vor, wie in:
1. Suffix -il-, -al-, -ul-, z. b. subst. wie vapell (anorw. auch
veÖill, s. Hertzberg s. 831) : pl. vgplar (*ivadula,R; anal, vajblar)
fürt; drasell : dat. drgsle, pl. drgslar (Bugge, Studier s. 394 f.
note; Jönsson, Skjaldesprog, s. 19; Noreen, I. F. XIV, 3ü6n\)
eine benennung des pferdes ; bitell : -oll gebiss ; virgell : -oll
strick; gymbell seh af : anorw. gumbull als beiname; smyrell
Zwergfalke : air. lehnw. Smurull als mannsname (s. Marstran der.
Bidrag, s. 54); Engell : Ongoll, mnorw. BreJcill : Brghull manns-
namen; f ereil reisender : adj. foroll fahrend; ä mipel in der
mitte : mepal- (vgl. § 63, 3) mittel- ; ävitall : -oll anzeichen ;
apal'.efile (*apulia §63,8) begabung, eigenart; oder adj. wie
afial- edel- : dat. sg. m. best. f. Qpla (s. §63,8) begabt; seit.
pagall : ppgoll (vgl. subst. ofpegle < *-pagulia § 63, 8) schweig-
sam; seit, giafall : giofoll freigebig; anorw. seit, hosimall : gew.
-Ul : -ull verfügbar; hugall achtsam : flä-hugoll hinterlistig (vgl.
athygle < *-hugulia § 63, 8 nachdenken) ; Suipall ein beiname
Odin's : suipoll veränderlich; veitall freigebig : 6-veitoll karg;
smugall : -smogoll (s. § 61, 1) durchschlüpfend.
Anm. 1. Gegensätze wie vapell : pl. vgplar, drasell : dat. drösle pl.
drgslar, um. erilaR (s. §63, 3) jarl? : pl. als völkername latinisiert Erulos
(acc. = urgerm. nom. *Erulöz) Herulen zeigen, dass in um. zeit, wenigstens
bei vielen mask. subst., die suffixformen -il- und -ul- innerhalb eines para-
digmas derart verteilt waren, dass jene nebentonig und daher später nicht
synkopierend, diese unbetont und daher später synkopierend war. Eine
entsprechende Verteilung von -al- und -ul- dürfte bei den adj. durch fälle
wie pagall -.pegle, hugall : hygle u. dgl. erwiesen sein, so dass die mit der
zeit immer häufiger auftretenden formen auf -ull (z. b nisl. nur fjögull,
hugull) als vor der syukope entstandene neubildungen (statt formen auf
-all) nach den später synkopierenden kasus anzusehen sind. (Hugall, smugall
statt der lautgesetzlich a-umgelauteten *hogall, *smogall sind wol am
ehesten von hug sinn, resp. smuga loch beeinflusst). S. Noreen, I. F.
XIV, 396 ff. und vgl. anm. 3.
2. Suffix -and- (^-umgelautet -wnd- > -end-, bes. wnorw.,
s. Haegstad, G. Tr. s. 41. Vestno. maalf. I, 109 und II, 2, i,
| 173. Ablaut. 151
& 50, 70, > -ind- § 149). -und- («-umgelautet -ynd-, bes. onorw..
> -ind- § 147). z. b. rettende, -indi- : -ynde recht; sannende, -indi
und (nach § 64) -ande : -ynde und (nach § 64) seit, anorw. -unde
Wahrheit; harpende. -indi : -ynde härte; fegrende. -indi : -ynde
Schönheit; högende (auch högendc. -indi nach högr bequem und
zwar immer in der bedeutung 'kissen') und 6-hogande (s.Larsson)
: hogynde bequemlichkeit: hlunnende, -indi (mnorw. auch -ande.
s. Hsegstad, Yestno. maalf. II, 2, i, s. 70) : -ynde landwirtschaft-
liche nützlichkeit; tipende, -indi neuigkeit; heilende, -indi: -ynde
gesundheit: rangende, -indi : -ynde ungebührlichkeit; vitand.
-end. -ind : -und wissen; büande : bände (*böunde § 130) bauer;
? Prändr : Prondr § 134, b ein mannsname: hefiande : hgfundr
Urheber.
Anni. 2. Die form -inde, welche in den ältesten hdschr. überhaupt
nicht vorkommt, ist wol durchgeheiids nach § 147 und § 149 ans -a-ndi
und -yndi entstanden, also nur scheinbar ablautend. Die formen beruhen
sicherlich gTOssenteils auf Zusammensetzung mit einem adj. *icandia mit
der nebenform *icimdia, die entweder ablautend (s. Falk. Beitr. XI V, 50)
oder wol eher nach § 226 entstanden ist. S. § 149.
3. Suffix -ing-, -ang- (seit.), -ung-, z. b. cettinge : öttungr
verwandter; SJceringr ein mannsname : skorungr hervorragender
mensch; hemingr : hgmungr haut eines hinterfusses ; hading
(anorw. und seit.) : hppung spott; anorw. seit. pl. skaningar
(s. Jönsson, Fagrskinna, s. XXVII) : sJcönungar leute aus Schonen.
Vgl. agutn. laipingr : anorw. -aisl. leipangr (s. § 229) : aschw.
Uponger kriegsexpedition zur see.
4. Suffix -ig-, -ag- (sehr seit.), -ug-, z. b. gofegr : -ogr edel ;
naupegr : -ogr genötigt; gfegr : -ogr umgekehrt; aupegr : -ogr
reich; kunnegr : anorw. seit, (s. Haegstad, G-. Tr. s. 42) kunnugr
bekannt, Vgl. heilagr heilig.
5. Sonstiges, z. b. myrgenn (s. § 74) ; morgonn (durch
kontamination morgenn) morgen; Openn : mnorw. auch ÖÖon\
fepgen vater und mutter : seit, anorw. (s. Fritzner 111,1096)
fwÖgan vater und tochter; undam : -orn nachmittag; iaparr
: ioporr rand; ex {cex; *akivis) : gx (aar; *ahis) axt, s. § 77, 7;
set. setr (gr. tdoc) sitz : siot (*setu[R]) Wohnsitz ; elptr (ahd.
albh) : olj)t {*albut-) schwan; anorw. osrtug cariti- §66 anm. 2)
: ertog (*aruti- § 63,8) * , 24 mark: halr (ags. ha?le, hwled) ; held'.
freier mann : hglp>r (*halup-) freier grundbesitzer.
152 § 174. 175. Uebersicht über die starktonigen sonanten.
Anm. 3. Aus einem gegensatz wie Hepenn (anorw. Hifiin nach § 63, 3)
ein mannsnarae : hiapningar (*hedan-) Hedin und seine leute dürfte her-
vorgehen, dass in um. zeit, wenigstens bei einigen Wörtern, die suffixformen
-in- und -an- innerhalb eines paradigmas derart verteilt waren, dass jene
nebentonig und daher später nicht synkopierend, diese unbetont und daher
später synkopierend war. Vgl. anm. 1.
Kap. 4. Etymologische Übersicht über die
sonanten.
I. Die sonanten der starktonigen silben.
1. Monophthonge.
§ 174. Aisl.-anorw. a hat folgenden Ursprung (vgl. § 195, 1):
1. Gewöhnlich geht a auf urgerm. a zurück, z. b. faper
vater, halda halten, hafa haben, dagr tag, band band, allr all.
2. Bisweilen ist a aus älterem ä verkürzt, s. § 127, 1;
§129.
§ 175. ä ist:
1. Gewöhnlich urgerm. ce, s. § 53.
2. Bisweilen aus a gedehnt, s. §§ 122 — 126.
3. In einigen fällen urgerm. ai, s. § 54, 1 — 3.
4. Selten urgerm. ä, z. b. fä (got. fahari) bekommen, ])ättu
(got. pähta) wurde gewahr, gätt (got. -gähts) türöffnung (und
weg?, s. v. Friesen, Arkiv XVIII, 74), pdttr (ahd. daht) abteilung,
ha (vgl. lit. Jcankä quäl) plagen, hdr hai, dulle (vgl. fi. lehn-
wörter wie hanho trinkgefäss mit zwei handgriffen, hanka
ruderpflock u. a. m., s. Liden, Uppsalastudier, s. 89 ff., Setälä,
Journal de la Societe Finno-ougrienne XXIII, 1, s. 30 f.), rd
(rö § 116) winkel, td (tö § 116) hofplatz, all (oll § 116) riemen,
fid (got. pähö, ags. Ööhe) lehmboden, hd-möt, -sin (vgl. ags. höh,
aisl. hdül ferse) fersenglied, -flechse, vg, vd Unfall und vd verargen
(vgl. ags. wöh, got. un-wähs), wozu vdndr bös und vdpe gefahr
(s. v. Friesen, N. spr. 1, 9 ff.), prdr (ags. droh ranzig) zudringlich,
beharrlich. Dies d ist immer nasaliert (s. § 52).
5. Selten mnorw. aus 6a, üa entstanden, s. § 134, b.
Anm. Ueber ü als orthographischer Stellvertreter des älteren y
S. § 107.
§ 176—180. Uebersicht über die starktonigen sonanten. 153
§ 176. e (vgl. § 188) hat folgenden Ursprung:
1. Gewöhnlich urgerm. e, z. b. nemo, nehmen, gefa geben.
cePr wetter, vegr weg, verpa werden.
2. Seltener urgerm. i, s. § 60, § 110, 1.
3. Im aisl. allgemein (vgl. § 188). im anorw. seltener aus
älterem ce entstanden, s. § 117.
4. Sporadisch kommt e neben älterem e vor, s. § 119.
§ 177. e hat sehr verschiedenen Ursprung:
1. Urgerm. e~ regelmässig, aber sehr selten, z. b. her (got.
her) hier.
2. Urgerm..*, s. § 111.
3. Urgerm. i, s. § 110.
4. Gedehnt aus älterem e, s. §§ 122 — 126.
5. Kontrahiert aus cei (urn. cd), s. § 97, 2 und anm. 1.
6. Im anorw. dialektisch aus de entstanden, s. § 118.
7. Steht orknöisch statt ö, s. § 120 anm.
Anm. Hie und da beruht e auf entlehnung aus dem deutschen oder
ags., z. b. klenn klein, pena (ags. ßenian aus pegnian?; die echt nordische
form piöna ist dann ein verschiedenes wort, aber vielleicht ist pena eine
kontamination von piöna zu piönn diener und mndd. denen — vgl. Perna
§ 172 anm. 3 — oder auch aus *pewanön entstanden, vgl. xxra.peicaR diener)
dienen, href brief, len (echt nordisch län § 54, 1) lehn.
§ 178. i vertritt:
1. Gewöhnlich urgerm. i. z. b. binda binden, bitom (wir)
bissen, fiskr fisch.
2. Oft urgerm. e nach § 63, 3 und § 68, 3.
3. Hie und da urgerm. l, nach § 127, 2 und § 129 verkürzt.
4. Selten älteres y nach § 114.
5. Selten aus e verkürzt, s. § 127 anm. 1.
§ 179. i entspricht:
1. Gewöhnlich urgerm. i, z. b. Uta (got. beitan) beissen,
rifa reiben, iss eis, sipa seite, ribr reich (adj.).
2. Bisweilen urgerm. i, nach §§ 122 — 126 gedehnt.
§ 180. o entspricht (vgl. § 199 und § 210):
1. Gewöhnlich urgerm. u nach § 61 und § 112, 1.
2. Selten älterem o, nach § 127, 3 und § 129 verkürzt.
3. Selten gekürztem ou, s. § 128 anm. 2.
154 § 181 — 185. Uebersicht über die starktonigen sonanten.
4. Selten u- oder ^{;-umlaut von postkonsonantischem ua,
s. § 77, 10 und § 82, 8.
5. Dialektisch nasaliertem o, s. § 115,1.
§ 181. 6 hat sehr verschiedenen Ursprung (vgl. § 200):
1. Gewöhnlich urgerm. ö, z. b. br öfter (got. bröftar) b rüder,
böJc (got. böka) buch, fröftr (got. fröps) gelehrt, prät. för fuhr.
2. Dehnung eines o, s. §§ 122 — 126.
3. Urgerm. w, s. § 113.
4. Urgerm. u, s. § 112.
5. Aus qu (um. au) kontrahiert, s. § 98 und anm.
6. Nasaliertes o, s. § 116.
7. w-umlaut von a, s. § 76, 2.
8. w-umlaut von uä, s. § 77, 11.
9. Misl. aus d nach v entstanden, s. § 86.
Anm. Ueber o als orthographischer Stellvertreter des 6 (ä) s. § 107.
§ 182. u entspricht (vgl. § 201, 3 und 4):
1. Fast überall urgerm. ü\ z. b. hundr hund, ungr jung.
fturr dürr, bundenn gebunden, gutom (wir) gössen.
2. Selten älterem ü, nach § 127,4 und § 129 gekürzt.
3. Selten 6 durch kiirzung, s. § 127, 3.
§ 183. ü entspricht:
1. Gewöhnlich urgerm. ü, z. b. düfa (got. dübö) taube, hüs
(got. hüs) haus, bruftr (got. brüfts) braut, lüka (ags. lücan)
schliessen.
2. Bisweilen urgerm. u, nach §§ 122 — 126 gedehnt.
.3. Shetländisch älterem gu, s. § 98 anm.
§ 184. y hat folgenden Ursprung (vgl. § 203) :
1. Gewöhnlich i-, j-, r- oder palatal-umlaut von u, s. § 63, 5,
§68,5, §71,5, §73 und § 74.
2. Seltener u-, w- oder labial-umlaut von *, s. § 77, 5, § 82, 4
und § 85.
3. Selten i-umlaut von iu, s. § 63, 12.
4. Selten u- oder w-umlaut von ui, s. § 77, 12 und § 82, 10.
5. Selten kürzung von y, s. § 127,5 und § 129.
§ 185. y hat sehr mannigfachen Ursprung:
1. Gewöhnlich i-, j- oder Ä-umlaut eines u, s. § 63, 7, § 68, 6
und §71,6.
§ 186—190. Uebersicht über die starktonigen sonanten. 155
2. Oft V-. j- oder Ä-urnlaut eines iti s. § 63. 13, § 68, 7 und
£71.7.
3. Selten u- oder w-unüaut eines *, s. § 77, 6 und § 82, 5.
4. Selten u- oder ?<--umlaut von ui. s. § 77, 13 und § 82, 11.
5. Selten j- oder palatal-umlaut von ä, s. § 68. 4. resp. § 75.
6. Dehnung eines y, s. §§ 122—126.
7. Dialektische kontraktion von ey {ey\ s. § 99 anm.
§ 186. o (vgl. § 204) ist überall durch u- oder w-umlaut
eines a entstanden, s. § 77, 1 und § 81. 1.
§ 187. o ist zweierlei Ursprungs:
1. Gewöhnlich u- (selten «Mumlaut von ä, s. § 77, 2 (resp.
§ 82, 2); über o aus o (o) + u, s. § 132; über g gleich sonstigem
d in späterer zeit s. § 107.
2. Selten dehnung eines o } s. §§ 122—126.
§ 188. Anorw. ce (aisl. überall durch e ersetzt, s. § 117:
vgl. §176,3) ist (vgl. §205):
1. Gewöhnlich i-,j-, r- oder palatal-umlaut eines a. s. § 63, 1.
§68,1, §71,1, §73 und §74.
2. Selten i-umlaut von ia, s. § 63, 9.
3. Aus älterem e entstanden, s. § 108.
4. Aus cei verkürzt, s. § 128.
5. Aus de verkürzt, s. § 127, 6.
§ 189. ä hat folgenden Ursprung (vgl. § 206) :
1. Gewöhnlich i-, j-, r- oder palatal-umlaut eines a,
s. § 63, 2, § 68, 2, § 71, 2 und § 73.
2. Aus cei kontrahiert, s. § 97, 3.
3. Selten aisl. aus e entstanden, s. § 109.
4. Im späteren aisl. durchgehends statt älteren e, s. § 120.
5. Sehr selten dehnung eines w, s. §§ 122 — 126.
§ 190. e hat sehr mannigfachen Ursprung (vgl. § 207):
1. i- oder Ä-umlaut eines o, s. § 63, 4 und § 71, 3.
2. i'-umlaut eines o, s. §63, 8: im aisl. später jedes o
vertretend, s. § 115,2.
3. i-umlaut eines io, s. § 63, 10.
4. m-, tc-, dialektisch auch labial-umlaut eines c, s. § 77, 3.
§ 82, 3 und § 85 anm. 2.
156 § 191 — 195. Uebersicht über die starktonigen sonanten.
5. u-, iv- (dialektisch wol auch — z. b. anorw. skynsomd
verstand, s. Bugge bei Fritzner III, 1102 — labial- )uml au t
eines ce, s. § 77, 7, § 82, 6 (und § 85 anm. 2).
6. w-umlaut von uce, s. § 82, 12.
7. Kürzung eines 0, s. § 127, 7 und § 129.
8. Mnorw. aus y entstanden, s. § 114, anm. 2.
§ 191. hat ebenso sehr verschiedenen Ursprung (vgl.
§208):
1. •-, j- oder Ä-umlaut eines 0, s. § 63, 5 (auch wenn 6
aus entstanden ist, s. ib. anm. 4), § 68, 4 und § 71, 4.
2. «'-umlaut von iö, s. § 63, 11.
3. w-nmlaut eines e, s. § 77, 4.
4. M-umlaut von de, s. § 77, 8.
5. w-umlaut von uce, s. § 77, 14.
6. Dialektische kontraktion von ou (au, ou), s. § 98 anm.
7. Dialektische kontraktion von 0y, s. § 99 anm.
8. Dehnung eines 0, s. §§ 122—126.
2. Diphthonge.
§ 192. au (ou, s. § 98, 1) hat folgenden Ursprung:
1. Gewöhnlich urgerm. au, urn. ou, s. § 55 und § 98, i.
2. Urgerm. -dbu-, -ardu-, s. § 132 anm.
3. Aus diphthongiert, s. § 105 mit anm.
§ 193. ei (cei § 97, 1) entspricht:
1. Urgerm. ai, urn. mi, s. § 54 und § 97, 1.
2. Aelterem e, s. § 96 (anorw.) und § 102 (aisl).
§194. ey (ey §99) ist:
1. Gewöhnlich i-, j- oder Ä-umlaut von au (ou), s. § 63, 14,
§ 68, 8 und 71, 8.
2. Selten u- oder w-umlaut von ei (an), s. § 77, 15 und
§ 81, 13.
§ 195. ia hat folgenden Ursprung:
1. Gewöhnlich a- (anorw. auch n-)brechung eines e, s. § 88
(und § 89) :
2. Aus e, i, i -f- a kontrahiert, s. § 133, a.
Anm. Ueber ia im anorw. giagnum s. §263 anm. 1.
§ 196—203. Uebersicht über die starktonigen sonanten. 157
§ 196. id ist:
1. Dehnung eines ia, s. §§ 122 — 126.
2. Aus e, i, y, de -f « kontrahiert, s. § 133. b. 2.
3. Urgerm. jah in id jawol, s. § 231 anm. 1.
Anra. Ueber iä in giär, gidta s. § 263 anm. 1.
§ 197. ie ist nur aisl. und entspricht:
1. Aelterem ice. vgl. § 176, 3 und § 205.
2. Aelterem e nach g, h, k, s. § 103.
§ 198. ie ist nur aisl. und immer aus älterem i entstanden,
s. § 103.
§ 199. io (vgl. § 204) hat folgenden Ursprung :
1. Gewöhnlich w-brechung eines e, s. § 89.
2. Selten aus i, y, de + o, u kontrahiert, s. § 133. a.
3. Selten anorw. aus iu (< y, s. § 201, 4) entstanden,
s. § 104.
§ 200. io hat sehr mannigfachen Ursprung:
1. Um. iou, s. § 101, 2.
2. Dehnung von io (io), s. § 89 und § 124, 3.
3. Aelteres dew, s. § 106.
4. Seit, älteres ew (und ho), s. § 106 anm. 1 (und 2).
5. Aus e, e, i, i, y, de -f o, 6, u entstanden, s. § 133, a
und b, 2.
6. Urgerm. -ebu-, s. § 133 anm.
§ 201. iu ist überhaupt selten und zwar als :
1. t, y + m, s. § 133, a.
2. Urgerm. -ebu-, s. § 133, a mit anm.
3. Anorw. entwickelung von io, s. § 89 anm. 1.
4. Anorw. aus älterem y entstanden, s. § 104.
5. Anorw. selten brechung von /. s. § 89 anm. 3.
§ 202. iu ist :
1. Urn. iu, s. § 56 und § 100.
2. Urn. iou, s. § 56 und § 101, 1.
3. Aus t , y + u entstanden, s. § 133, b, 2.
4. Selten urgerm. -ebu-, s. § 133 anm.
§ 203. iy ist sehr selten und immer i-umlaut von im.
s. § 63, 12.
158 §204—214. Uebersicht über die starktonigen sonanten.
§ 204. iq (io) ist immer durch u- oder w-umlaut von ia
sowie w-brechung von e entstanden, s. § 77, 9, § 82, 7 und § 89.
Anm. Ueber ig in gigrr, giggnum s. § 263 anm. 1.
§ 205. ice (aisl. ie, s. § 197, 1) ist «'-umlaut von ia, s. § 63, 9;
im anorw. auch durch progressiven J-umlaut aus ia entstanden,
s. § 70, 1.
§ 206. ids ist mnorw. durch progressiven j'-umlaut aus ia
entstanden, s. § 70, 2.
§ 207. ie ist in ältester zeit sehr selten und immer i-um-
laut von io, s. § 63, 10; später auch durch progressiven /-Umlaut
aus io entstanden, s. § 70, 3.
§ 208. iö ist selten und urspr. nur durch i-umlaut aus io
entstanden, s. § 63, 11; dann mnorw. auch durch progressiven
J-umlaut aus iö, s. § 70, 4.
§ 209. ua, ue, ui (anlautend va, ve, vi) sind entstanden aus:
1. w + a, e, i, über deren Ursprung s. § 174, § 176 und § 178.
2. u -+• a, e, i, s. § 134, a.
§ 210. ud, ue, ui (anlautend vä, ve, vi) sind entstanden aus:
1. w -f- ä, e, i, über deren Ursprung s. § 175, § 177 und § 179.
2. o, ü + a, e, i, s. § 134, b.
§ 211. uo vertritt im misl. selten älteres ue, s. § 86 anm. 1.
§ 212. uo, uo", uo3, ua?, ue, uö (anlautend vo, v$ usw.)
sind immer aus w + o, q, as, ä, e, 6, über deren Ursprung
s. §§ 186 — 191, entstanden. Vgl. aber bes. für ug § 77, 10
und § 82, 8; ug § 77, 11; wo? § 63, 15 und § 68, 9; im § 63, 16;
ue § 82, 9 und 12.
§ 213. Das seltene anorw. dsi (über an s. § 193) ent-
spricht älterem dz, s. § 96.
§ 214. Die triphthonge uau (uou), uei {uasi), uey
{uey) sind immer aus w + au, ei, ey, über deren Ursprung
s. §§ 192—194, entstanden.
§ 215 — 217. Uebersicht über die schw&chtonigen sonanten. 159
II. Die sonanten der schwachtonigen silben.
§ 215. a entspricht:
1. Urgerm. und um. o, s. § 137, 2.
2. Urgerm. o, urn. a, s. § 137, 2.
3. Urgerm. au, urn. o, s. § 140.
4. Seltener älterem a, nach § 151, 1 verkürzt.
5. Selten urgerm. ai, s. § 139.
6. Selten mnorw. o, s. § 150 anm.
7. Später ist a im aonorw. svarabhaktivokal, s. §161, b.
8. Mnorw. ce, s. § 149 anm. 2.
Anm. Ueber a als um. svarabhaktivokal s. § 142.
§ 216. e und i. nach § 145 wechselnd, entsprechen:
1. Urgerm. 7, s. § 151, 3.
2. Urgerm. i, z. b. ynglingr, -engr Jüngling, valefir, -ifir
gewählt, acc. pl. geste, -i (got. gastins) gaste, 2. pl. präs. ind. und
imperat. bitep, -ip beisset, part. prät. bitenn, -inn gebissen u. a.
Vgl. auch § 73, § 74.
3. Urgerm. ä?, s. § 138.
4. Urgerm. ai urn. e, s. § 139.
5. Urgerm. eu, iu, urn. in, s. § 141.
6. Aelterem e durch kürzung. s. § 151, 2.
7. Aelterem «, s. § 149.
8. Selten älterem ce durch kürzung, s. § 151, 6.
9. Urgerm. e, s. § 61, 2 und § 149 anm. 1.
10. Selten älterem y, s. § 147.
11. Selten älterem ei, s. § 152, 1.
12. Sehr selten älterem ö, s. § 151, 7.
13. Später sind sie im nordwestnorw. svarabhaktivokale,
s. § 161, b. Vgl. 16 unten.
Ohne mit • zu wechseln kommt e ausserdem vor:
14. Aelterem w entsprechend, s. § 149.
15. Aelterem & entsprechend, s. § 151, 6.
16. Im späteren aonorw. als svarabhaktivokal, s. §161, b.
§ 217. o und u, nach § 146, 1 und 2 wechselnd, entsprechen:
1. Urgerm. ö, s. § 137, 1.
2. Urgerm. o, s. § 137, 1.
3. Urgerm. ü, s. § 151, 4.
160 §218. Uebers. über die schwachton. sonanten. §219. Die konsonanten.
4. Selten urgerm. au, s. § 140.
5. Selten urgerm. w, z. b. acc. pl. suno, -u (got. sununs)
söhne, 1. pl.prät.ind. bitom, -um (got. bitum) bissen. Vgl. 11 unten.
6. Selten älterem g", s. § 151, 5.
7. Aelterem g, s. § 148.
8. Aelterem w, s. § 226.
9. Selten älterem w, s. § 158, § 226.
10. Im etwas späteren süd westnorw. sind sie svarabhakti-
vokale, s. § 161, b. Vgl. 12 unten.
Nur ausnahmsweise mit u wechselnd kommt o ausser-
dem vor:
11. Aelterem gu {au, ou) entsprechend, s. § 152, 2.
12. Urn. u entsprechend, s. § 146, 3.
Ohne mit o zu wechseln kommt u ausserdem vor:
13. Im späteren aisl. als svarabhaktivokal, s. § 161, a.
§ 218. Von den übrigen vokalen kommen in schwach-
toniger Stellung nur y, ce und 0, alle verhältnismässig selten,
vor und zwar:
1. y seit, statt i, s. § 145 anm. 5.
2. m im späteren aonorw. teils älteres a vertretend,
8. § 144; teils als svarabhaktivokal, s. § 161, b.
3. sporadisch im etwas späteren aisl. statt eines älteren
u, s. § 146 anm. 4.
Anm. Ueber die diphthonge in schwachtoniger silbe s. § 354 und § 355.
III. Abschnitt. Die konsonanten.
§ 219. Das urnordische übernahm aus urgerm. zeit folgende
konsonanten:
labiale
dentale
l-ahttale u. velare
Explosiv«: stimmlose:
P, PP
t, tt
Ä, KfC
stimmhafte:
b, bb
d, dd
9, 99
Spiranten: stimmlose:
f,"f
J>, s; ßß, ss
h, hh
stimmhafte:
d —
&, z —
s —
Nasale:
m, mm
n, nn
13
Liquidae:
—
l, r; 11. rr
Halbvokale:
w, ww
—
.;', ü-
§ 220. 221. Urnordische Veränderungen von d, g. p. 161
Auni. 1. b, d, g kamen wahrscheinlich nur nach den entsprechenden
nasalen vor: d ausserdem nach 1 (sofern dies nicht wegen assoziation
kakuminal gewesen ist. S. Pipping, Stud. nord. fil. VI, 5, s. 25 ff."». Vgl.
Paul, Beitr. 1, 147 ff.
Anm. 2. Urgerm. ff, fip, Mi waren sehr selten, sodass ff und hh über-
haupt nicht im an. durch sichere belege vertreten sind; s. Kluge, Beitr. IX.
157 ff. ; Kauffmann , ib. XII, 504 ff. ; Liden , Arkiv IV. 98 f. : v. Friesen , Om
de germ. mediageminatorna, s. 10 und 115 f.
Die entwickelung dieser laute innerhalb des l urnordischen
und) altwestnordischen wurde durch folgende lautgesetze
bestimmt.
Kap. 1. Urnordische Vorgänge.
A. Qualitative und quantitative Veränderungen.
§ 220. Die stimmhaften explosiv* d. g in den Ver-
bindungen nd. vg und Id (s. § 219 anm. 1) werden im urspr.
(d.h. vor der synkope) um. auslaut einer starktonigen silbe
zu /. resp. k (aus nt, wk wird später tt. kk nach § 266, 2
und 3). z. b. imperat. hitt, sprikk. gialt. prät. hatt, spiraük, galt
zu hinda binden, springet zerspringen, gialda bezahlen. Schein-
bare ausnahmen wie imperat. bind, > a ld. giald. haUL gang,
prät. sprang neben gew. bitt. valt, gialt. halt, gaiek, wprakk
zu bindu, ralda walten, gialda, halda halten, ganga gehen,
springa sind dem infinitiv, präs.. prät. pl. u. a. nachgebildet, —
Nach schwachtonigem vokal scheint nd zu nn geworden und
dann wie jedes solche nach § 299. 5 geschwunden zu sein.
z. b. 3. pl. präs. ind. hinda (got. bindand) binden.
Anm. 1. Der Übergang ist früher als die synkope eines auslautenden
nasalierten a nach langer Wurzelsilbe (§ 153. 6) durchgeführt worden, wie
ans dem erhaltenen d, g in formen wie acc. *e\ band furn. *bamdf) band,
giald bezahlung, gang e;ang erhellt.
Anm. 2. Ein entsprechender übergaug -mi> > ->np (-)>/> nach § 266, 1)
ist wol anzunehmen, wenn auch sichere beispiele fehlen.
§ 221. Die stimmlose spirans p wird zu:
1. ö (aisl. ]> geschrieben) nach stimmhaften lauten sowie
anlautend in schwachtoniger silbe. z. b. anorw. broder (got,
bröpar) bruder, kueda (got. qipan) sagen, vcerda (got. nah-pan)
werden. Sigdir \*Si£i])eiran), Hamder. Eggder w. a. mit um.
pewan zusammengesetzten mannsnamen. Ber(g}dörr. üafdorr
N uroen, Altisl. jrramm. i. aut'l. {{
162 §222. Urnordische Veränderungen von h.-
neben -])6rr u. a. dgl. mannsnamen; ferner anorw. du du, dinn
dein, öat das, tfme dieser, dar dort u. a. (s. z. b. Hb, s. LV;
aisl. beisp. bei Storm. Otte brudstykker, s. 6) neben betonten
/>«', pinn usw.
Anm. 1. Durchsichtige Zusammensetzungen behalten oft p nach
massgahe des simplex, z. b. arfpege erbe, hioiping schlacht, Suipiöö
Schweden, alpyda das ganze volk, iprött kunst u. a. neben seltneren laut-
gesetzlichen formen wie arföege, hioröing, SuiÖioÖ, alÖyÖa, iÖrött usw.
zu resp. piggia empfangen, ping gericht, piöb volk, pröttr stärke u. a.
(s. Falk, Arkiv V, 120). Vgl. noch Lindroth, Namn och bygd III, 41 ff.
Anm. 2. Die um. inschriften bis gegen 700 (z. b. noch Eggjum, s.
Olsen, No. I. III, 189 note 3) scheiden noch etymologisch zwischen p und ö
(s. Bugge, Aarheger 1884, s. 86). Aber schon um 775 zeigt sich eine Ver-
wechselung, die wol wenigstens für Schweden den Übergang p>Ö beweist,
z. b. die umgekehrte Schreibung Sölvesborg ivAp(i) ein mannsname (ags.
Wada, ahd. Wato). In Dänemark wiederum scheint dieselbe Verwechselung
weit früher belegt zu sein durch Overhornboek aupa (ags. Eada, ahd. Öto)
c. 550. Ob sie in Norwegen schon c. 650 durch By m\arki]pe r i belegt ist
(vgl. ebendaselbst alaifu? st. -bu) bleibt unsicher.
2. /" anlautend vor l, z. b. flyia (got ])Uuhan) fliehen, flär
falsch (vgl. got. gaplaihan liebkosen), wenn wirklich das got.
pl primär ist (s. aber die bedenken bei Noreen, Urg. lautl.,
s. 1971, und Zupitza, Die germ. gutturale, s. 131).
§ 222. Die stimmlose spirans h (deutsch ch) wird zu:
1. Blossem hauchlaute (h) anlautend ausser vor konso-
nantischem i und u (wenigstens in gewissen gegenden, vgl.
Marstrander, Bidrag, s. 104), z. b. hörn hörn, haue hahn, hefia
heben, hlaupa springen, hniga hinsinken, hringr ring.
Anm. 1. Der Übergang ist wol schon durch sigaötiR (Svarteborg)
st. -haduR, aber jedenfalls aus dem anfang der vikingerzeit bezeugt durch
das air. lehnw. elta knöpf oder Schutzvorrichtung am schwert , urn. *helta
(aisl. Malt).
Anm. 2. Dialektisch werden dann hl, Im, hr weiter zu gehauchten
/, n, r (geschrieben ah, rh; Vi ist noch unbelegt) entwickelt. Der Über-
gang ist schon etwas nach 700 bezeugt durch die Schreibung der Vatner
inschrift: rhoÄltR statt urn. *HröpuwalÖuR oder -aR (aisl. Hröaldr) ; dann
etwas vor 1100 durch den Spitznamen Nhaki statt Hnakke in einer inschrift
aus Man (s. Bugge, Aarbeger 1899, s. 236). Vgl. weiter Noreen, Geschichte 3 ,
s.13, §8,6.
2. Je vor s, ausser wenn anderer konsonant als l oder n
folgt (ks wird dann x geschrieben), z. b. ax (got, ahs) ähre, sex
sechs, vaxa wachsen (wonach vgxtr ge wachs), fylxne (got,
§228.234. Ürnordisehe Veränderungen von h, ö, g, z. 168
fulhsv.i) versteck, qx\ achsel. «xla vermehren, pl. yxn (vgl. got,
gen. auhsne) ochsen ; dagegen . aber U6§ (vgl. got. liuhap) licht.
Uöss hell, hjstr y^ahstus. vgl. ags. leahtor) laster, misfr (*mihst-)
dampf, mistelteinn vgl. got. ma'<h$tus düngen Viscum album.
niösn das spähen i*niuhsin-. got »nihseins besuch". i»j?m (got.
ruthsjan) spähen, ost (vgl. ahd. uohsanä) höhle über dem
Schlüsselbein; über die scheinbare ausnähme pisl s. £ 111. 2.
8. Sverdrup. I. F. XXXV. 149 ff.. 163. Pipping. Inledning tili
studiet av de nordiska spräkens ljudiära. s. 175 t.
Ania. 3. Der Übergang ist wenigstens älter als die in § 112, 2 und
§ 110, 3 erwähnten Übergänge « > o (> 6) nnd i > e (> i) vor h. Sonst
wären ja formen wie uxe ochs, warf Wechsel unmöglich: Tgl. § 106 anm. .">
und § 112 anm. 4.
§ 223. Die stimmhaften Spiranten 5. d. g werden zu:
1. b, d. g anlautend (s. Wimmer. Runenschrift. 8.2205.),
z. b. brt'/tr iura, hjxrut* Björketorp) bricht, dagr »urn. Öagan
Einang) tag. gestr (urn. -gast in Gallehus. Berga) gast.
Anm. 1. Schon urn. Zusammensetzungen behalten im sekundären inlaut
einstweilen die spirantische ausspräche nach ausweis air. lehnwörter wie
l'recan 830. Colvan (ans Kol>> Marstrander. Bidrag s. 106: ebenso
'•'•pis am Ynglingatali zu iör pfer.l und dfa hehre frau (die form ioödis
in Snorra Edda beruht wol auf volksetymologischem anschlug an iöd neu-
geborenes kind). Vgl. aschw. Öirrädher st. Obrmdkar u.a.. s. Xoreen. An.
gr. II, § 225 anm.
Anm. 2. Der Übergang scheint um 700 durch die umgekehrte
Schreibung -*'<-< Björketorp st. -spä Prophezeiung bezeugt zu <ein.
2. /'. ]>. h (welches .später nach § 230. 2 schwindet) aus-
lautend, wenigstens etwas vor 700 (s. Bngge. Arkiv VIII. 14 note:
vgl. Groth. Det AM. haandskrift 310 qvarto. s. XXXIV f.). z. b.
Stentoften gAf gab und b~Ariutil> bricht. Beisp. von g > h
- ; 230, 2. Ueber die spätere entwickelung von diesen f und ]>
8. § 240. 1, resp. § 221. 1.
3. Inlautend vor u wird d zu >/•. welches später nach
§ 235, 2 schwindet. Beisp. s. ebendaselbst.
§ 224. Die stimmhafte spirans urgerm. r (weiches s) ist in
den ältesten finnisch-lappischen lehnwörtern noch als spirans
erhalten, z. b. finn. armas (got. arms. aisl. armr) elend, Huris
(aisL dyrr) teuer u. a., später aber — vielleicht schon vor 550
(s. anm. 1) — allgemein (vgl. aber 2 unten)
11*
164 § 225. Urnordische Veränderungen von m.
1. zu ä (palatalem r) geworden, z. b. Torsbjserg -pewaa
(got. pius) diener, -marin (got. mers) berühmt, Gallehus -gasUa
(got, gasts) gast. Einang dagcm (got. dags) tag (als mannsname).
Anm. 1. Dass um. R wirklich einen r- und nicht einen s-laut be-
zeichnet, ist vielleicht aus Jordanes fermr einwohner von Fjäre zu er-
sohliessen (s. Bngge, No. I. II, 511). Beispiele aber, wo man bisher Ver-
wechselung von n und r angenommen hat. sind alle hinfällig.
2. td, zn (eventuell rö, an) werden zu (dd, woraus,
wenigstens schon um 950 [s. Marstrander, Bidrag, s. 102], nach
§ 238. 1, a) dd, resp. nn, z. b. gaddr (got. gazds) stachel. hodd
(got. huzd) hört. vQdd (got. razda) stimme, oddr ort. spitze,
broddr (ahd. Wort) spitze, gredder § 154 einer der zu speisen
gibt; rann (got. razn) haus, granne § 154 nachbar, onn (ahd.
aran; vgl. got. asans) Jahreszeit für f eidarbeit, hronn (ags. hcern)
woge, fonn (lit. pusnls) schneefei d, Marne, fiorna s. § 283.
Ueber die scheinbare ausnähme prät. eirpe (aschw. edde) zu
eira (aschw. edha) gefallen s. Noreen. Arkiv V. 394 note.
Anm. 2. Diese assimilation muss sehr früh, vor dem eintritt des
Ä-umlautes (ob auch vor dem Übergang *>> R - so Setälä, Journal de la
Societe Finno-ougrieune XXIII, 1, s. 34, dagegen aber Karsten, Neu-
philologische Mitteilungen 1906, nr. 12, s. 15 f.), durchgeführt worden sein;
sonst würde man ja w-umlaut des vorhergehenden vokals (§ 71) finden.
Anm. 3. Ueber eine, vielleicht schon urgerni., assimilation #/■>• II
in knylla schlagen zu knöto zerstossen, hrolla zittern zu hriöm schandern
s. Kluge, Beitr. VIII, 524.
Anm. 4. Ist 0m (Rm) — oder dm (s. § 268 anm. 3) - - zu »mm, woraus dann
nach § 285 anm. 1 m , geworden in dem häufigen p;/k1cc mer statt [yyTcker
mer (oder ßykke/) mer) es scheint mir? VgL pykke frer aus *fiykkeß P&r
nach § 241 (vgl. § 285 anm. 1).
§225. mn wird zu 5», z. b. hafn name, safn Sammlung
(zu saman zusammen), lief na rächen und hafna verwerfen neben
hemia hemmen, dat. sg. hifne (anal, wieder himne) und gafne
(gamne) zu himenn himmel. resp. gaman freude; hierher wol
auch der schlangenname Fdfner (< Fadmnir § 292; auch
Famner. s. M. Olsen, Voteunga saga. s. XXVIII) neben anorw.
Fadmer 'umarmer' wie anorw. ('s. Hertzberg) fdfn neben gew.
faömr busen (vgl. adän. fafnce neben aisl. fajmta umarmen).
S. Bugge, Arkiv II, 214 ff., Studier, s. 343 note.
Anm. 1. Die erscheinung stammt vielleicht zum teil schon aus nrgerm.
zeit, s. Noreen, Urg. lautl. s. 140 f.: Brugmann, Grundriss d. vgl. gram.-
1,383; dagegen J.Schmidt, Kritik der sonantentheorie, s. 133 ff.
Anm. 2. Dies bn kann später wieder zu mn werden, s. § 237, 2.
| 226. 227. Uruordiscbe Veränderungen von .;', tc. .y, ww. 1Ö5
§ 226. Die lialbvokale /. »• werden, wo sie durch synkupe
des folgenden sonanten antekonsonantisch oder auslautend zu
stehen kommen, souantisch d. h. zu silbenbildendem i. resp. '/.
Insofern diese neuerschaffenen sonanten schon vor der all-
gemeinen i. resp. /r-synkope (s. $ 153) entstanden sind, werden
sie gleichzeitig mit altem i. u synkopiert s. v. Friesen. N. spr.
1.3 ff.), z. b. Uta. Her/«- ; später Huri- > aisl. Har- in manns-
namen (s. § t>9): urn. dat. sg. kuninnvji dia Tjurkö aus
ein mannsname: \\v\\. zo.ruaR (ahd. gur/rer) bereit und acc. : "> 5
trifiijira 'Vgl. got. triggtcs ein mannsname > in der vikingerzeit
kurun. resp. Siktrik". >. § 153.7 und 77.5, a) > aisl. i/orr. resp.
Stf/tn/gy. vgl. aschw. nakodb*,- nackt durch kontamination von
nakuidhd : aec nuk >/ d'ut (aisl. nekkuejn : nokpan. s. ij 159).
Sonst bleiben /. o. z. b. bei enklitischer Verwendung von *-tceg
in hinnog dort, {lonnog dahin, huemog wohin, huersog wie
- § 15b), oder wo die pänultima späterer Zusammensetzungs-
glieder mit der zeit zu völliger unbetontheit niedersinkt und
daher der synkope anheimfällt, z. b. andugi hochsitz statt des
älteren ondvege (andvege. s. § 79), dogorpr neben -rerpr früh-
stück, f/tuJorPr neben -vetfr vorwärts gerichtet, wol auch fälle
wie harpyndt (ags. htardu-ende- härte, heilynde (ags. hdhvende)
gesundheit is. § 173.2 mit anm. 2). Aun{n) Edwin durch kon-
tamination von *Auwmn bei Einhard als Aoün belegt: aus
Auövni:. >. §228: latinisiert Auduen nus. s. Lind. Dopnaran.
s. 105 und 1278. air. Oduind. ags. Eddwine) und gen. Außunar
I wonach nom. Aupon. -o, tl ,. wie umgekehrt nach Aunn der
gen. Aumar entsteht/, gen. Ingmnmr zu Yiigmnn (& Noreen.
Namn och bygd VIII. 1 ff.. Hdkon<»\ neben anorw. latinisiert
Haquinus (air. Acut ><d; anorw. und aschw. durch kontamination
Hdquon. s. Noreen a. u.) mannsnameii oder Btorgyn Bergen
statt ui-jäpr. Bw/grih (zu w», gen. pttotor Weideland; ; gen.
Biorgyniar (< t-ummt. durch 7-umlaut'. später auch durch
kontamination Biorgiti. gen. Sigyniar (wonach nom. Sigyn) zu
nom. 'Sygiin oder (s. Lind. a. u. s. v»t»i) durch kontamination
Sygin ein frauenname: u. a. dgl.
§ 227. ,jj (got. ddj) und wm (got. ggu) werden wenigstens
im anfang der vikingerzeit zu ygj. resp. ggu\ Xach dem urn.
niuwila Naesbjaerg ein mannsname zu urteilen wäre der Über-
gang nicht (früh-mmordisch (sonst stände *Nigwüa)\ vgl. aber
100 §228. Urnordischer küiisouaiitensehwnnd: d.
Bugge, Arkiv VIII, 22. Jedenfalls ist aber das firm, lehnwort
kuva bild (aisl. skugge, got. skuggwa. s. unten 2) vor dem Übergang
entlehnt worden (s. Karsten, Germ.-finn. Lehnwortstudien, s. 151).
1. jj > ggj, z. b. gen. tueggia (got. twaddje, ahd. sweiiö) zu
tueir zwei, veggr (got. waddjus) wand, egg (dat. pl. eggiom) ei,
jPn<%/ (gen. Friggiar: ahd. 2<Wa) Odins gattin, gneggia (s. § 154)
wiehern, gen. beggia zu 6a/>er (s. § 54 anm. 2) beide, Priggia
(ahd. $rJo, aber got. prije, vgl. Osthoff, Etymologische parerga,
s. 139) zu Jmr drei, skeggia beil zu skeina streifwunde.
2. kw > ggw, z. b. tryggr, acc. -gguan (got. triggws, ahd.
triuwi) treu, gleggr (vgl. §82, ö). acc. -gguan (got. glagywus)
deutlich, skugg-sid Spiegel, skugge (got, skuggwa spiegej>
schatten, skyggua überschatten, hoggua (ahd. houwan) hauen.
(%<7</, gen. -gguar tau, hryggua (vgl. ahd. hriuwan) betrübt
machen, bruggenn (vgl. ags. breowan) gebraut, 6«/</</, 'dat. -</</we
(ags. 6cöw) gerste, hneggr, acc. -gguan (ags. hneaw) karg,
hngggua (s. § 77, 7) stossen. sneggr, acc. -gguan (vgl. got. snüran)
hurtig, tyggua kauen, gygguu schreck einflössen, snugga
schielend spähen (vgl. sww'a drehen), >></(/ grobe haare zu
rijia rupfen, byggua neben bua wohnen, gluggr lichtöffnung zu
glöa (ags. glöwari) leuchten.
B. Schwund.
§ 228. t), altes oder nach § 221, 1 aus p entstandenes,
schwindet sporadisch vor w (s. Noreen, Arkiv VI, 315 ff.), z. b.
die personennamen Hrölfr (ags. Hrödwulf) Rudolf, HQlfr (urn.
}\,Apuwulafn Istaby, -woUfx Stentoften), Olfr (belege dieser
Schreibung gibt Bugge bei Fritzner III, 1105 und Lind; aschw.
run. Äulfr. ags. JEdwulf) Adolf. Onn, On (mnorw. oft nach
§ 110 On. s. Rygh, Garnle personnavne s. 10, och Lind, Dop-
namn, neben An; ahd. Adwin), Amin. Ann neben Aupon{n)
Edwin (s. § 220-), mnorw. Awwlff (s. Lind) neben gew. Audulfr,
Kolfr (ahd. üathwulf, ags. Geadwulf), pl. mö(P)ylßngar nach-
kommenv on Möjndfr, Hroaldr (ahd. Hrödowald, vgl. § 235, 1, d).
Hröarr (*Hröpu[g]üRR, ags. Erödgdr) Rüdiger; ferner py(p)-
verskr deutsch, pl. Unavdgr mythischer Ortsname zu unap
genuss. Vgl. aber mit erhaltenem dw — wol im allgemeinen
durch einfluss verwandter Wörter - z. b. Bopuarr, Bgpuüdr
(s. § 134, a), stgpua hemmen, vgPue muskel u. a.
$229,230. Urnordischer konsouantenschwund : ±, h. 167
Anm. Das alter (spätestens bald nach 700) der erscheinung wird
durch rhoAltR = Hröaldr in der Yatner iuschrift erwiesen. Uebrigens
zeigt die entwiekehmg - Hröpuu:oifoR > *Hrüdwolf'R > *Hrölw)olfr
> Hrölfr u. dgl. da-s* der Vorgang nach der betreffenden »-synkope aber
vor dem seh wunde des w vor o stattfindet.
§ 229. 6 fehlt ohne ersichtliche regel im anlaut einiger
späteren zusammensetznngslieder : -gisl (-gisl $ 127. 2. -gils
§ 313,4), -nein-, -genge, z. b. die mannsnamen Apisl (Apils. alt
wol noch Apgils. s. Sievers. Beitr. XII, 487), mnorw. AuÖels
neben Aupgisl tags. Eddsils): Hröarr (s. § 228, i; 151. 1; ags.
Hrödgdr). Pörarr (Porgtirr. & § 54,3, b; air. Tomroi, ■. 'tttorr
(aisl. auch *Ottir. s. Marstrander. Bidrag, s. 89 und 15(3). ferner
nafarr iahd. nabager) bohrer; vceringe. forjnge, lanzofringe,
anorw. unningi umdingi). hofpinge. erfinge, brautinge. freisinge,
1 ansinge, humingia 8. § 149 (Bugge, Arkiv II, 224 f.): leiptangr
kriegszug zur see zu gangr gang (s. E. Olson. De appellativa
Substantiven, s. 206).
Anm. Wenigstens in den nainen auf -isl fehlt das g schon in der
vikingerzeit nach ausweis des mannsnamens aschw. pl. HqislaR (Rök .
§ 230. k schwindet :
1. Inlautend in allen Stellungen, ausser vor s (nacii § 222. 2i
und zwischen vokal und t (nach § 267). Die ältesten beisp.
wären etwa, wenn die inschr. richtig gedeutet sind. Svarte-
borg sigaduR aus *-hadu& (vgl. Kjolevig badulaUcciR) ein manns-
name. Etelhem iv[o]rtu (vgl. Tnne iroruhto). Tjurkö nurte. By
orte. Sölvesborg urti machte. Björketorp -sZa aus *-spahu Prophe-
zeiung. Yatn 1. sg. präs. foi'i ( < foki Ä<um und noch St. Noleby
< *faihiit: vgl. präi. I. sg. Einang. Vetteland faihiöo. Rö fahido.
aber 3. sg. adän. run. um 800 fapi Helnaes. faabi Flemlose)
male, aber andererseits noch Tjurkö wUha (statt *icalha-) wälsch.
Björketorp fAl.ih-.ik ich verbarg. Aisl. beisp. sind u. a. <>. pl. dr
(got. aka, pl. akus. vgl. § 77, 2) fluss, sid (got. saihari) sehen, fela
(goX.filhan) verbergen, fqr furche, fa (got. fähari) bekommen.
fe (got. faihu. Abeced. nordm. feu. Cod. Leid, fiii) vieh. slä (got.
slakan; als lehnw. im Orrmnlumin slän) schlagen, malr (ahd.
mafoha) sack.
2. Auslauteud erst später, z.b.pö (got. pauk; noch als
ags. lehnw. poh. s. Björkman. Scandinavian loanwords. s. 73 f..
181) doch, d (got, aih. urn. Ath Overhornbaek. aih Fonnäs?)
168 §231 — 238. Urnordiseher kousouanteuschwund : j, m, n.
besitze, flö (gut. plauh: adän. run. flu Haellestad um 980. der
älteste beleg des h -Schwundes im auslaut) floh. — Ebenso
wenn h nach §223,2 aus g entstanden ist, z. b. präs. md zu
mega können, prät, pd zu piggia (*pigi(^ s. § 279, 1) empfangen,
drö zu draga ziehen, ste § 97. 2 neben anal, steig zu stiga
steigen, 16 § 98, 2 neben anal, laug zu Ihiga lügen.
$ 231. j schwindet anlautend, z. b. är jähr, ok joch, ungr
jung, enn (got. jains) der, ostr (Ann. jausto) käse, ysa (läpp.
jukso) gadus aeglefinus. ? einer (lat. jfftti-perus, s. Taram, Arkiv
II. 347 f.) Wacholder, eyJb* zugvieh (vgl. got juk joch), «o? (ags.
geohhol) Weihnachten, gier (got. jinl eis) weihnachtsmonat, iokoll
(vgl. ags. gicel) eiszapfen.
Anm. 1. Eine scheinbare ausnähme, die bejahende partikel ia (got.
ja), erklärt Liden, Arkiv III, 235 ff. laf/a jagen, htngfrü Jungfrau u.dgl.
sind (spät) aus dem deutschen entlehnt.
Anm. 2. Dass schon um 550—650 j geschwunden war, beweisen die
inscbriften von Fonnäs und Istaby, wo die alte järu-nme die bedeutung
a, d. h. u (nicht mehr j) hat. Ihr name war also schon damals är (nicht
mehr jära), wie im Abecedarinm nordmannicum.
§ 232. m ist wol (wie n, s. § 23:5) vor s geschwunden,
z. 1). Idss (*UiMsaR zu aisl. Igm türangel an einem kästelten,
lat. lammina metallplatte, s. Noreen, Arkiv III, 13) riegel, ?dss
(got. ams schulter, s. Torp, Nyno. et. ordbok) bergriieken.
§ 233. u schwindet (vielleicht schon in vorchristlicher
zeit, s. Wiklund, Le Monde Oriental V, 235) vor s, z. b. aada-
gasu Vi ein t'rauenname zu aisl. gqs gans. gen. asugisalas
Kragehul und acc. asmu[n]t Sölvesborg mannsnamen zu aisl.
oss gott (vgl. got, Ansi- in namen), bdss (nhd. banse) kuhstall.
füss (ahd. ftms) willig, istr (nlul. instr) schmer, 6s, üs (oss, ess.
s. § 112,1) uns. osk wünsch. Ost (got, ansts) liebe. Matatoskr
(s. § 112, 1) mythisches eichhörnchen. des (vgl. lat, ansa griff)
schuhloch.
Anm. 1. Ob die erst misl. je 1 mal belegten humt , -a (s. Unger,
Heilagramanna sögur 1,41,394) neben gew. küsl (s. § 112 anm. 1) auf aus-
gleichung von *hunisla- : *hunsla- beruht (s. v. Grienberger, Untersuchungen
zur got. wortkunde s. 122 ; anders, aber unannehmbar, Kock, Arkiv XV, 327
note), bleibt sehr unsicher.
Anm. 2. Auch vor p eines späteren zusaminensetzuugsgliedes ist H
verstummt nach ausweis von upArAbAsh A Björketorp Unglücksprophezeiung.
§234.230. Urnordischer konsonantensckwund : r. ic. IÖ9
§ 234. /• schwindet vor wo, wu (vor dem Schwunde de«
>i nach § 235, 1. a) um 800 (s. Xoreen. Arkiv VI. 303 ff.: anders
Kock. Arkiv IX. 154ft'.>. z. b. Pool fr (ags. lehnw. TouJf. s. Björk-
man. Nordische personell n amen. s. 63 mit note 3) > Pol fr
neben Pörolfr (*-icolfii). Stilfr neben Störolfr mannsnamen.
iioumr ('naruHinn. vgl. as. naru. ags. nearu) eng. Ebenso wo
>c nach § 220. 3 aus f> entstanden ist. z. b. monr (*artums)
neben armr (*arbin-) elend, kamt Charbusta. vgl. ahd. herbist.
ags. ha'rfest) herbst. — In fällen wie dat. spar f um zu nom.
sporfar Sperlinge u. dgl. war die Verbindung rtem zur zeit des
r-schwundes nicht vorhanden (& £ 235 Anm. 1).
§ 235. ir. sowol altes wie nach £ 223. 3 aus d entstandenes,
schwindet :
1. Ursprüngliches w in folgenden Stellungen:
a> Vor o. 6. m, ti und (zum teil wol schon vor der nmlauts-
zeit) deren umlauten y. y. e. 4 allmählich während der zeit
850 — 800, z. b. By orte, Sölvesboig urti (aber noch Tjurkö
wurte, got. Hüthhta; vgl. Tune woraktö) machte, ais]. orf (ahd.
worf) sensenstiel. ormr (adän. Urm bei Einhard c. 800. got.
waürms) schlänge, wurm. or}> wort, sorg (ahd. swörga) kummer.
1. pl. synyom zu syngua singen, dat. pl. rolom zu vglua Wahr-
sagerin : öpr (got. tcöds) rasend. Opexn (vgl. ahd. Wötan) ein
göttername. ömon stimme (vgl. ags. woma laut), pl. orar Ver-
wirrung, örr verwirrt (vgl. ahd. worag berauscht, ags. teerig
ermüdet i. 6p geschrei. opa (got. uöpjati) schreien, höt (got. höta)
drohung. Mste tags, kwdsta) husten: nlfr (noch Istaby -wulafm,
Rävsal gen. -irulfs. aber adän. run. c. 900 Ulfs Hammel) wolf.
in mannsnamen -olfr (noch Stentöften wolAfpX uü wolle, undr
wunder. ?urt las. wurt oder got »nirti-yards garten, s. "Wiklund.
Le Monde Oriental V. 248) kraut, und wunde, yrkiu würken.
syltu (gut. .sirultjau) stürbe. — Ueber alte fälle wie Wöfienn.
nfrrft. uulfr in gedienten s. porkelsson. Supplement IV. 179.
181 f. (zweifelhaft).
Anm 1. Durch einfluss verwandter formen kann das w anal, erhalten
resp. wieder eingeführt werden, z. h. prät. | >< <>t zu sueria schwören: um-
gekehrt auch anal, entfernt werden, z. h. k u)efia niederdrücken (nach prät.
kof), k(u)afno ersticken, gaia. suala. fiara. fiara statt *gotua usw.. s. § 84
anm. — Nachdem «• zu z | f) geworden ist ^s. § 250), kann die analogische
einfünrung diese» laute* natürlich noch leichter vor sich gehen, z. b. prät.
170 $ 235. Urnordischer konsonantensehwund : w.
pl. vunuum statt urmom zu sg. waww, part. prät. vunninn statt loinenn zu
Mftrta ausführen, vorpinn statt orpenn zu r<?r/)a werden, prät. (w)dx zu
wa#ö wachsen . dat. pl. spgrfum statt spgrom nach nom. spgrfar < spgruar
zu spprr sperling, mäfum nach mdfar zu mor (anal, mar, später auch
/wa'/V) möve, dat. sg. f. gorfri nach acc. fifpr/o <iggrua zu </p?T fertig. Beisp.
zeigen sich schon um 1250, am frühesten in anorw. hdschr. (z. b. AM. 310,
4°), dann in aisl., wo aber diese erscheinung immer ziemlich selten bleibt.
b) Vor r mit folgendem o, 6, u, ü, y, y, e, ä (s. Bugge,
Ant. tidskr. f. Sv. X, 265), z. b. roskenn (zu got. ga-wrisqan)
gereift; röta (ags. wrotan) aufwühlen, röy streit; regia (as.
wrögian) vorwürfe machen. In anderen Stellungen bleibt w
vor r einstweilen erhalten, s. § 288.
c) Vor l, z. b. litr (got. wlits) färbe, Uta (ags. wlitari) sehen.
d) Nach 6, z. b. Hröaldr (schon Vatn rhoAlts), Hröarr
(aus *Hrödw-, s. § 228 und § 229) personennamen, röa (ags.
röwari) rudern, flöa (ags. flöwan) überfliessen, spöe (nschw. spov
zu ags. spötvan, s. Noreen, Tidskr. f. Fil. N. R. IV, 37 f.) wetter-
vogel, Noattin (zu lat. nävis) ein nvythischer Ortsname, Möens-
heimar = Man (s. § 65, § 135 und Bugge, Helge -Digtene,
s. 135 f.), pl.prönder (ags. pröwend-, s. Bugge, No. I. s. 358) ein
völkername und Pröndheimr Drontheim zu ])röask gedeihen
(vgl. Noreen, Fornvännen 1920, s. 47), ylöa (ags. jlöwan
leuchten.
Anm. 2. Das auffallende löfe (aschw. lautges. lue, finn. luuva, vgl. gr.
a'AojFij) dreschtenne hat wol sein f von der n ebenform läfe (s. § 83, § 171)
bekommen.
e) Nach y, k, wenn die vorhergehende silbe u oder o
enthält (vgl. Kock, Arkiv XII, 241 ff.), z. b. skugge (got. skuggwa)
schatten, part. prät. tuggenn zu tyggtia kauen, sungenn zu
syngua singen, sokkenn (got. sugqans) gesunken u. a. m.
f) Nach langer, auf anderen konsonanten als g, k (vgl. e
oben) endender silbe (s. Heinzel, Anz. f. d. A. XII, 49, z. b. ötta
(got. uhtwö) frühe morgen zeit, benda (got. bandwjan) anzeigen,
Porer aus *-ver (s. Marstrander. Bidrag, s. 156), Steinarr (aus
stainawarijaR Rö), Pöraldr neben Porvaldr (s. § 127,3), anorw.
Pörifill zu Vifill und Iöris zu viss weise (s. Luudgren, Arkiv
X, 178 f.) personennamen, Noregr (s. Sievers, Beitr. VI, 290,
VIII, 59 ; Kahle, Sprache der skalden, s. 254; Gislason, Efter-
ladte skrifter I, 206; Noreen, Svenska etymologier, s. 22 f. - x
jäi 235. Uruordischer konsenantensehwund : t&. 171
Haegstad, Vestno. maalf. II. u. 1. s. 56) neben seit. (z. b. Hertz-
berg, s. 817: Storm. Otte brudstykker, s. 7) Norvegr (s. § 127,3;
durch kontamination dann auch Noregr) Norwegen. Pyp(u)erska
Deutschland. harrende (vgl ags. adj. heard wende) härte, leipende
(vgl. ags. adj. lädwende) abscheu. In Zusammensetzungen ist
das w natürlich oft anal, enthalten, z. b. Prüfttangr mythischer
ortsname. Asialdr. Bogn-, Bagni-aldr neben Ragn-. Rognaldr.
anorw. Pöraldr neben seit, (im aisl. allg.) Porraldr. Gunn(v)ald>\
Rann(v)wig neben li-jnnog (s. § 151.5). Aid(u)ir. 0yl{u)ir und
Saul(u)ir (s. § 105 anm.) personennamen, brün{v)glue der tinster
blickende, hinn(v)eg dort, anorw, pann(r)eg f Haegstad. G. Tr..
s. 66) dahin u. a. dgl.
Anm. 3. Vor kons, t scheint m ebenfalls zu schwinden . z. b. hiöl
(ags. hiceol) rad. siöt (VqIospq 40,3. Hyndloliöp 43.8. Fiolsuinzmöl 1.3.
Biskupa sögur 1, 647 ; ags. sweott schar.
Anm. 4. Wo w sonst geschwunden ist . beruht dies auf dem einiluss
verwandter formen, z. b. ykkar (got. igqar) euer (von zweien) nach ykkor,
ykkrom. -rar usw.. t//j<n)arr euer (von mehreren) nach ypor, yprom u. a„
tyr(u)e kieu nach den synonymen ti/ro-tre. tyr-cipr u. dgl., Fyr(u)e ein Orts-
name nach fiara Strand wasser, kuik(u)enäe animal nach kuikr lebendig.
keyk(u)a neben kueikni beleben (& § 82, 13) . anorw. Bleykin ein ortsname
statt *-vin nach bleikr bleich, däenn tot (8. §163,1), my(f)eU (*müicilaK,
s. Falk. An. Waffenkunde , s. 87 note) ball nach pl. mylor. äe urgrossvater
neben afe grossvater (s. Kock. I. F. V. 163 ff.), Leik(v;ungr ein ortsname
nach kaupanyr Stadt, Biorg(cjin § 226. Syyiu mythischer frauenname
durch kontamination von *Sygvin : gen. Sigymar (anal, auch nom. Sigyn,
Sigtm, gen. Sigunar, vgl. § 226). stit < sea < ®sehan (st. *sefan. got. sailvari)
sehen nach prät. *sah > sä, 1. pl. präs. *sehum "> »tönt n. dgl., ptiä (aus j6«ö
nach § 133, b, 2), prät. piäpa durch ausgleichung einer flexion *ßefa (got.ga-
piwan), prät. *pepa knechten, Huraldr § 148, gä beachten st. *gafa (inengl.
lawen, s. Björkman. Nord. stud. s. 169 ff.) nach prät. gäpa, pl. firar männer
(as. gen. pl. firiho, und vgl. aisl. fior leben § 124, 2) neben fioruar und fyrnar
(vgl. got. fairhus weit), hüi 'neben* t's. § 405). Im anorw. s(u)h-irding miss-
achtung könnte wol der w- seh wund dissimilatorisch sein.
Anm. 5. 8d (4 mal in St. Hom.. nicht seit, im anorw.. s. Hertzbergi
neben gew. mm 'so' ist wol eine kontamination von suü und so (s. § 17 i
und § 77, 11). Pü neben dem wol anal, neugeschaffenen päe (z. b. Sn. E.
11,489, Njala 1.325, 351. Forum, sögur II. 19. Kormaks saga 1832, s. 118:
mitteilung K. Arpi's) pfau ist wol mittelenglisches lehnw. (s. Kock. I. F.
V, 166).
2. Aus t> nach § 223. 3 entstandenes w vor ursprünglichem
(nicht aus ö entstandenem) «. vielleicht schon um 550, wenn
nämlich der mannsname haukopuR Vänga zu aisl. hatikr (Ann.
172 §236. Urnordischer konsonantenschwund : ß.
havukka, ahd. habuh, ags. heafoc) habicht gehört. Andere aisl.
beisp. sind z. b. au- (*adu-, gr. cljcv = djto) ab- in auvirp (ags.
wfwyrd) verächtlicher mensch, aukuise entarteter mensch, auvisle
schade; aur- (ahd. abur-) zurück in aurkunnask entarten, aurvase
einer der wieder znm kind geworden ist (vgl. nschw. vase
bube), aurgat'j (zu geta) empfang; anorw. (s. Hertzberg, s. 750)
oukt statt gfukt, gfugt verkehrt; biörr (ags. beofo>\ adän. biwccer
aus *bebur-) biber; biörr (Vgl. lat. fibra) streifen; niöl (ahd.
nebul, ags. ra/»Z) neben m/7; siö (siau) sieben und sionde
(siaunde) siebente; Giüke (*Geduke, vgl. got. Gevica, ahd. Gibihho)
ein mannsname; siöle (vgl., mhd. un-swel unfreundlich) ein
fürstenepitet; Iörvik (aus ags. Eofonvic) York, iftr- (ahd.
ebur) in personennamen wie Iör-unn, -eipr, -is (s. Lundgren,
Arkiv X, 179; Bugge, No. I. s. 248) neben ioforr nach dat. iofre
u. a. 'eber' als fürstenepitet; anorw. seit. (s. Haegstad, Vestno.
maalf. II, 2, i, s. 197, resp. Fritzner und Haegstad, Gr. Tr. s. 54)
celliufu, celHufti nach *celliu (< *cettibu) neben cellifu elf, wllifti
elfte; yrenn (zu ahd. ubur) neben yfrenn (anorw. i/h'«w § 147)
und efrenn (zu ahd. obar), durch kontamination auch ^rewn
überschüssig, zahlreich. Ueber haustr, aumr s. § 234. S. weiter
Noreen, Arkiv 1,163 f., VI, 310 ff.
§ 236. p schwindet vor l, z. b. mal (got. mafil) spräche,
nöl (got. ne})la) nadel, stäl (ahd. stadal) der einer halbstrophe
eingefügte parenthetische satz, heuschober, vdlap (zu ahd.
wadal) elend, sil (*sipla-) ein tischname neben sild hering
(*sidla-. s. E. Smith, Maal og minne 1910, s. 141).
Anm. Das auffallende anorw. (und aschw.) mall (s. Hertzberg) statt
gew. mal ist wol mit wgerm. mallo- in Lex salica u. a. zu vergleichen.
Ohne zweifei sind mehrere der im folgenden behandelten
lautgesetze auch der urnordischen zeit zuzuschreiben, was
jedoch zur zeit nicht erweisbar ist.
§237. Die ätimmhafteu «piranten: b. 173
Kap. 2. Altwestnordisclie lautgesetze.
I. Wechsel der artikulationsarten.
A. Die stimmhaften Spiranten.
§ 237. b unterliegt folgenden Veränderungen:
1. Zu (stimmlosem) /* — wo nicht assoziation hindert —
vor A\ s, t. ]). z. b. vif h.i vermehren zu rifr (ndd. ribe) freigebig,
gen. Uufs und nom. acc. sg. ntr. litift zu liii.fr lieb, mnorw.
Haftör ein mannsname aus -J)o'rr. Nach l\ s. t ist f selten,
weil gewöhnlich assoziationsbildungen eintreten: vgl. jedoch
z. b. knesfotr neben hiesbot (zu bot < *bot bucht, s. § 223, 1)
kniehöhle, vettfangr neben vettwmgr (zu vcmgr < *bangr § 255
< *warujR § 250 feld) ort an dem ein kämpf stattgefunden hat.
Anm. 1. l T eber die weitere eutwickelnng von fs, ft zu ps. pt s. § 240
anm. 4.
2. Zu nasaliertem b (geschrieben mf. selten fm, s, z. b.
Hsegstad. Vestno. maalf. II, 1, s. 33, II, 2, i, s. 60, resp. I, s. 16
und 110,11.2.1. s. tu), woraus um 1200», vor n und zwar
vorzugsweise anorw., z. b. iofn. iamfn, iamm (ift-mn) eben. In
gewissen (bes. aostnorw. sowie shetl. und orkn.) dialekten tritt
bn > >»» überall ein (z. b. in Öl. hei. leg. saga); in andern nur
wenn bn tautosyllabisch ist, z. b. suann. dat. suefne. schlaf
(dann ausgleichungen): in anderen (wie z. b. Cod. Holm. 34, 4°,
färöisch und wol auf Man. s. Marstrander. Bidrag, s. 130, 158)
nur vor konsonanten. z. b. »afn. gen. nam(n)s, name; in andem
nur vor labialen konsonanten, z. b. iam(n)fridr ebenso schön,
aber iafndiarfr ebenso kühn; in andern nur in schwachtoniger
silbe, z. b. (mit haupttoniger ultima) anorw. i<tm{rt)rcel (statt
*emncd. aschw. &mwel, s. § 94) "ebenso wol' zu iafn eben; in
andern (aisl.und zum teil südwnorw.) endlich nie; vgl. Wadstein.
F. Hom. s. 1081: Kock, Arkiv VI. 37f. Bisweilen zeigt sich
m statt b auch vor einem nasalierten vokal (vgl. Bugge,
Sv. landsm. IV. 2. s. 8 f. note; Kock, Arkiv XIII. 242 notej, z.b.
"f'a.n. anorw. oman von oben; seit, helfingr neben hehningr hälfte:
ftialfe. pirilme (vgl. aber keltisch taut*, te1m)bezv?mgei\ schlinge:
sküfingr, seit, skilmingr könig in Upysala; Pambarskelfe . seit.
-skelme ein zuname. Ueber wahrscheinlich nicht hierher
gehöriges nema (anorw. seit. neima\ s. Hertzberg) "wenn nicht'
174 §388. Die stimmhaften Spiranten: ö.
(zu got. imma dem?; anorw. Imal, wie im adän., em, s. Hertz-
berg) neben seit, nefa (zu got. niba) S. v. Friesen, Vär älsta
handskrift pä fornsvänska, s. 43 f.
Anm. 2. Unklar sind aisl. fiermlask (sehr seit, perfla&k) entbehren zu
pqrf bedürfnis ; hmlmt : Imilft (vgl. got. hilftri sarg) höhle, ntr. feskylmt
: -skylft < skyflt (s. § 313, 1 ; zu skyfla vergeuden) geldvergeudend: ialmr
: -ialfr (seit.) geräusch; anorw. lmim\f)t : aisl. heipt (got. haifsts, vgl. § 291
anm. 2) hass; mnorw. gen. Öleims st. Üleifs Olafs. Ueber anorw. JElm-
trartiorn ein Ortsname zu celftr (vgl. alt. ndän. elmte) schwan (vgl. nschw.
Ämterud — anorw. *2ElftruÖ, %. Noreen, Namn och bygd I, 9 f. Aus lat.
scamellum, scabettum entlehnt ist skemell, resp. slcefett schemel.
Anm. 3. Seltene Schreibungen (s. z. b. Bugge, Helge-Digtene, s. 343)
wie sopna (sofna) einschlafen, dat. hipni (hifm) himmel sind vielleicht nur
Schreibfehler (s. Brieskorn, Arkiv- XXV, 168).
3. Zu b nach l und r im westisländischen des 13. und
14. jahrhs., z. b. tolb (tolf) zwölf, fiorb (pgrf) bedürfnis: s. Hoffory.
Arkiv II, 14; Vigfusson, Eyrbyggja saga, s. XLV.
Anm. 4. Mnorw. kommt bisweilen b auch vor Ö vor, z. b. hcebdhi
« hceßi) hatte, libdc « lüifÖe) schützt, s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, 1,
s. 126 f. und II, 2, n, s. 40. Vgl. das nisl.
§ 238. d (altes oder nach § 221, 1 entstandenes) ist ebenso
in mehrfacher weise verändert worden:
1. Zu d in folgenden fällen:
a) Wo zwei Ö durch synkope zusammentreffen, entsteht
schon in der vikingerzeit da, z. b.prät. eydda i^audidö < *aupidö
§ 221, 1; vgl. got. aujbeis öde) zu ey]>a veröden, ßdda zu fäßa
nähren, gladda zu gleftia freuen, hadda (vgl. lat. catena) kette,
edda grossmutter (§ 128), rudda keule zu rypia aufräumen,
samfeddr, -möddr (vgl. § 291, 10) von demselben vater, resp.
mutter geboren zu faper vater, möper mutter.
Anm. 1. Schreibungen mit Öd, pd (s. § 44,2 mit anm. 2) beruhen auf
analogischem anschluss an formen mit einfachem d, p (z. b. ßdda, ßpdn
nach feöa, fepa), s. Hoffory, Arkiv II, 31 f. note.
Anm. 2. Nach konsonanten tritt öd teils (z. b. immer im Cod. AM.
310, 4°) als d (aus dd nach § 283), teils (nach § 245,2) als aisl. p, anorw.
o auf, z. b. prät. hirda (hirdda, hirpda, s. anm. 1) und hirpa, hirÖa zu htrpa,
hiröa bewachen. Spätere formen wie prät. hirta (aus MrÖ-ta) haben zur
Verdeutlichung des tempus nach der analogie anderer verba mit lautgesetz-
lichem t (wie rdina rauben, prät. rdmta) t angenommen.
Anm. 3. Ueber zo (*ö) > dd s. § 224, 2.
b) Schon vorliterarisch und zwar nach ausweis der skalden-
reime wenigstens schon um 900 (s. H. Geländer, Om övergängen
§388. Die stimmhaften Spiranten : a. 175
av d > d) nach einer auf I. n auslautenden langen ȟbe
(ausser in dem unten 2. b erwähnten falle), z. b. huild ruhe,
prät. gimda machte begierig, die mannsnamen Arndörr
(fast ausschliesslich anorw.. vgl. § 275), Halldörr, Kelldarr
(vgl. §221.1). Steindörr zu Parr. prät. felda i*falliöö) fällte.
kenda kannte. skal(l)do du sollst. mon(n)do imundu) du wirst
zu du (pu. $ 221. 1 : im anorw. Cod. AM. 31o. 4" u. a. auch
nach langer silbe auf -r. z. b. fir(r)dr entfernt, fegrd Schön-
heit (s. Groth's ausgäbe, s. XXIV und vgl. Celander, Om
ö vergangen av 6 > d. s. 95 f.). Später, anorw. im allg. schon
etwas vor 1200. im Südwesten — z. b. Cod. Delag. 4 — 7.
AM. 310, 4". haupthdschr. des Spec. reg.. Thomassaga — doch
Bfftt 1250—1300, aisl. wiederum erst etwas nach 1300. ja zum
teil erst nach 1400 (s. Olson. Yngvars saga, s. LV) nach einer
auf l. n auslautenden kurzen starktonigen silbe sowie nach m,
z. b. prät. (taipa) talda zu telia zählen, (canpä) vanda zu venia
gewöhnen, Valdiüfr zVLpiüfr (piöf'r) dieb (§ 221. 1). tamda zu temia
zähmen, demdr verurteilt. Homdir (s. § 221. 1) ein mannsname.
Noch später, doch im anorw. zum teil (wie im No. Hom.) schon
vor 1250, allg. um 1250. im aisl. aber erst nach 13 00, auch nach b,
If (&. h. lv). lg. ny. rg. z. b. prät. kembda (älter kembpd) zu kemba
kämmen, skelfda zu skelfa schütteln, fylgda zu fylgia folgen.
h.engda zu hengia hängen. Ber(g)dorr ein mannsname. Vgl.
Wimmer, Laesebog 4 Xf.; Wisen, Homiliu-b6k. s. XII: Bugge.
Aut. tidskr. f. Sv. X. 247: Wadstein, F. Hom. s. 106: vor allem
Celander, a. o., und Pipping, StucL nord. hl. VI, 5.
Anm. 4. Ueber vereinzelte, auf neubildung beruhende, fälle wie sctlp
glück, huilp, girnpa, s. Celander, a. o. s. 4 ff.. 9 ff. und — wol besser —
Pipping, Stud. nord. fil. VI 5, s. 23 f., 38.
Anm. 5. Wo also in älterer zeit <3 nach einer kurzen auf l, n
auslautenden silbe auftritt, wie in prät. selda zxx selia verkaufen, rtida zu
tilia wollen, skyida zu skolo, skulu sollen, mundo zu mono, munu werden,
hat keine synkope stattgefunden, sondern d ist nach § 219 anm. 1 zu be-
urteilen, also schon urnord. So vielleicht auch in V^lsungasagi-
M. Olsens ausg. . s. XXV11) skiUde (vgl. seJlda u. dgL) scheidete gegenüber
hulde, kualde. valde u. dgl.
2. Zu (stimmlosem) p. woraus dann t. allgemein nach
und vor stimmlosen konsonanten, also:
a) Nach s. z. b. prät. reista (got. raisida) zu reisa auf-
richten, hueßta zu huessa schärfen, busta zu by^ja strömen,
176 §238. Die stimmhaften Spiranten: Ö.
estu (*es-Öu) du bist, anorw. Icegstu "du legst dich' zu du {pu)
du, u. a. (s. Wadstein, F. Hom. s. 115).
Anm. 6. Die mittelstufe /> zeigt sich in runeninschriften, z. b. raispi
(er) richtete auf.
b) Nach ü, nn, wo sie aus Ip, np entstanden sind (s. § 265),
sowie nach l, n, vor welchen ein stimmloser konsonant steht
oder in urn. zeit gestanden hat, wodurch l. n auch einmal
stimmlos geworden sind (eine ausspräche dieser laute, die
vielleicht noch in literarischer zeit einstweilen stattfand; vgl.
Hoffory, ZfdA. XXII, 375 ff.), z. b. prät, vilta (schon Eggjum
part. prät. pl. m. unltiR) zu vüla (vgl. got. wiipeis) irre führen,
nenta zu nenna (got. nanpjan) wagen; öx(l)ta zu exla vermehren.
vix(l)ta zu vixla wechseln, mdelta zu mcela (got. mapijan)
sprechen, stcelta zu stMa (vgl. ahd. stahal) stählen, velta zu
irla (litau. veikaloti) sich beschäftigen, vcepnta zu vcepna
bewaffnen, rdenta zu rcena (ahd. bi-rahanen) berauben.
c) Nach (stimmlosem) f\ k, p, wo die älteste literatur noch
die mittelstufe p bewahrt. Nach langer silbe tritt aber t neben/»
nach (anorw. wol schon vor) 1200 auf und wird ziemlich bald
herrschend, z. b. merktet, (alt merkba) zu merkia bezeichnen,
dreypta zu dreypa tropfen lassen; nach kurzer silbe dagegen
dringt t erst etwa 50 jähre später durch, z. b. prät. vakpa,
vakta zu vekia wecken, ylappa, glapto zu ylepia narren, mnorw.
Haftör (s. § 237, 1) neben Hafdörr (zu Porr, s. § 221, 1) ein
mannsname; vgl. Wimmer, Leesebog 4 Xf., Hoffory, Tidskr. f.
Fil. N. R. III, 293, Wadstein, F. Hom. s. 107, Geländer, a. o. s. 100.
Anm. 7. Wo also in den ältesten hdschr. t nach /', p ausschliesslich
herrscht, wie in prät. purfta, frei/pta zu pnrfa bedürfen, kaupa kaufen, ist
t schon urgermanisch. Purfta ist got. paürfta; über keypta < Tceyfta
(§ 240, 2) < *k9yftÖa (§ 268, 2, § 283) < *kaufUöö zu Jcaufta (ahd. koufta)
s. E. Noreen, Spräkvetenskapliga sällskapets i Upps. förhandlingar 1916-1918,
s. 96 ff.
Anm. 8. Helfp, -t hälft« neben lautgesetzlichem (anorw.) hrelß, -d
(*halbiÖ-) ist wol nach tylft zwölfter u. dgl. umgebildet worden (vielleicht
zum teil unter fremdem einfluss; vgl. mndd., afries. Jielft) ; ebenso anorw.
Pyft, Aisl.pyfp (*ptubtd-) diebstahl nacb pyrft bedürfnis B. a.
Anm. 9. Vor f ist derselbe Übergang belegt durch anorw. staifeMa
feststellen (s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, 1, s. 125).
d) Vor s, wo nicht assoziation hindert, So steht häutig
schon in den ältesten hdschr. £ statt ps in ableituugen auf
$ jtfs. I>ie stimmhaften Spiranten: ft 177
-ska, -sla } -sie. superl. auf -st und 2. pl. reflex. der verben. z. b.
yäzka gute zu göpr gut. ßzJa nahrung zu fepa nähren, brigzle
Vorwurf zu hregjba schwingen. si:t am wenigsten* zu sipr
weniger. 2. pl. hr&pezk zu hrchfuisk furchten: selten vor s in
einsilbigen reflexivformen, z. b. prät. humrk zu httß* sagen,
und im gen. sg.. z. b. <ß: zu </o/>/- gut. adv. vU weit, eigentlich
gen. sg. zu vifir weit: in den ältesten anorw. hdschr. sind
aber formen wie die letzten nicht gerade selten (in einigen
späteren allyinherrschend): in aisl. hdschr. werden sie während
des laufes des 13. jahrhs. regel. wo dem p ein ;• vorhergeht,
z. b. gen. sg. "/■; zu 0rj> wort. Am seltensten ist ; £fo)*, wo ö
und s verschiedenen zusammeiisetzungsgliedern gehören, z. b.
haztufa (bitpstofa) badstube. Ileircpfesping gerichts Versammlung
der Upplond. anorw. Auteetr (zu *t$0e öde) ein ortsname. Vgl.
Hofforv. Arkiv IL 32 ff.. 86 ff.. Mogk. Anz. f. d. A. X, 64. Gering.
Isl. ,Ev. i, xvnif.
Anm. 10. Die textausg-aben haben hier gewöhnlieh etymologische
sehreibnng mit fe.
e) Vor /. z.h.hlipku säuft igen zu blipr sanft, ripka er-
weitern zu mpr weit. Hier bleibt gewöhnlich d. p durch
assoziation; vgl. ohne solche den namen HrokkeU aus "HrotkeJJ
v § 274. 1) und dies ans *Hropkell (§ 127, 3) < *Hr6d-Ml
Anm. 11. Auch hier haben die meisten textausgaben etymologische
Schreibung mit b. t
f) Ausserdem tritt im etwas späteren aisl. statt d (oder j!>
wie konsequent im Stockholmer fragm. der Laxdöla. s. Kälund's
ausgäbe, s. XXII f.) auslautend nach schwachtonigem vokal t
ein. was doch möglicherweise nur auf umgekehrte Schreibung
(vgl. § 248) beruht (so Cel ander. Om övergängen av ö > d,
s. 95 note 1. und F. B. Sehröder. Beitr. XLIII. 497 ff.: vgl.
aber das aschw.. s. Noreen. Grunddragen av den fornsvenska
grammatiken. 2. aufl. § t>3). z. b. met (selten) neben mep mit.
acc. sg. skihat zu shli>n}>r Verschiedenheit, hreivsut nom. sg. f.
zu hreinsapr gereinigt: s. Gering. Isl. Mw. 1. XVIII. L. Larsson,
Isländska hdskr. No. 645, v. s. LXY. Kälund. Laxdoela saga.
s. VII. Hb. s. XLVIII und L. M.Olsen. Volsunga saga. s. XLI.
E. Olson. Yngvars saga. s. L mit note. Ausnahmsweise tritt
die erscheinung auch in anorw. hdschr. auf. z. b. nt bei. met
Xoreen. Alrisl. gramm. i. aufl. J2
1 78 § 239. Die stimmhaften spivanten : j.
mit, hundrat hundert u. a. (s. Jones. The phonology of the Elis
saga, s. 22, Haegstad, Vestno. maalf. II, 2, i. s. 126.
Anm. 12. Formen wie acc. bei statt bep bett, prät. kuat statt Jcuap
sprach, misl. bat (Olson, Yngvars saga, s. LI) st. baß bat u. dgl. sind wol
aus gen. bez, pass. kuazk (s. oben d), bazk abstrahiert (anders Celander,
a.o. s. 94 f.). Natürlich können so auch formen wie foral (-«/>) gefährliche
passage, hefut (hpfop) köpf erklärt werden. — Misl. imperat. vert (z. b.
Bösa saga, Jiriczek's ausgäbe s. 18') statt verp ist aus verttu (verp-pü
nach § 241) abstrahiert. Wegen mnorw. vart (Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i,
s. 126) wurde vgl. Noreen, An. gr. II, § 260 anm. 7 (schluss).
Anm. 13. Was bedeutet tö statt d, z. b. matör (madr) mann, ytör
(yör) euch, bädia (piöia) bitten u. a. im anorw. (piöreks saga)? Eine
Vermutung bei Celander, a. o. s. 96.
3. Dialektisch, bes. im anorw., scheint ö auslautend und
(besonders) vor l, n, s in einen (interdentalen?) r-laut (ör ge-
schrieben) übergegangen zu sein, z. b. ordr (schon in St. Hom.)
statt ord wort, gen. gudrs zu gad Gott. pl. hceidrnir zu hceidinn
heidnisch, ceörli (aisl. eple) natur, u. a., s. Haegstad, G-. Tr. s. 37 f.
Anm. 14. Auf dissimilation beruht wol o > r in anorw. hofudbarmr
(-badmr) männliche seite (Stammbaum, hauptzweig), aisl. hröprbarmr 'ruhm-
baum' (doch auch cettbarmr, -bapmr Stammbaum). Aber anorw. lanzeyra
neben landeyöa Verwüstung eines landes? Suipior (Agrip) st Suipt'öd ist
dittographie (s. Brieskorn, Arkiv XXV, 148).
Anm. 15. Ein dialektischer Übergang Öm > nm (vgl. An. gr. II, § 257
anm. 7) ist durch anorw. vanmäl (z. b. Hsegstad, G. Tr. s. 73) neben vaömäl
kleiderstoff und häufiges mnorw. Gunmundr st. Gudmundr ein mannsname
belegt.
Anm. 16. Ueber rö > kakum. / s. § 252 anm.
Anm. 17. Anorw. I statt Ö vor b ist im mannsnamen Gulbrandr (wie
auch im aschw.) belegt (s. E. Schröder, ZfdA. L, 222 f. und bes. E. Noreen,
Namn och bygd IX, 53).
§ 239. s wird in folgender weise verändert:
1. Zunächst stimmlos, dann zu Je:
a) Regelmässig nach s, t, z. b. gen. sg. m. enskes zu enge
keiner, huärshes zu huär(r)ge keiner von beiden, lyske laus-
krankheit zu lüsogr lausig, mnorw. Aski, kurzname zu Asgautr;
acc. sg. m. m6Ut)kan zu mottogr mächtig, huatke (dat. huige)
was auch immer, hudr(t)ke keines von beiden, vitke zauberer
(s. § 127, 2), sys{t)ken (vgl. fepgen eitern) geschwister.
b) Häufig auch vor s, t, z. b. gen. Nor ex zu Nöregr Nor-
wegen, dax zu dagr tag, bfol neben bögr bug, haukstoldr vor-
§240. Die stimmlosen Spiranten. 170
nehmer mann neben um. hagusta[l]dan (s. § 105 anm.), anorw.
Ortsnamen wie BauhstaÖer , Ufffikskiöer zu den raannsnamen
Bauyr, resp. Ufceiyr: brixle aus *brik(t)sJi (nach § 291, 11)
> hrigzle (s. § 238, 2, d) Vorwurf, ntr. heilakt. drvikt zu heilayr
heilig, äriügr tüchtig, anorw. Syltryyyr (Keyser £ Unger.
Olafs saga, Chra. 1849, s. 59 notej statt Syytryyyr ein nianns-
name. Dass man häufiger y als /.• findet, beruht aur assoziation.
Anm. 1. Der tibergang in k vor t ist früher in unbetonten silbeu
eingetreten als in betonten . welche in den allerältesten aisl. hdse.hr. noch
immer g aufweisen j vgl. Hoffory. Arkiv II. 19 ff. ; Wadstein. F. Hom. s. 1 10.
Anm. 2. Dialektisch und seit, tritt derselbe tibergang im schwach-
tonigen auslant ein. z. b. aisl. pannok (Unger. Alexanders Saga. s. 51) neben
pannog dorthin, anorw. aUrek < s. Hertzberg) statt aldrege nie ; vgl. (§ 238, 2, f
und) An. gr. II, § 258, 3.
Anm. 3. Vor /) ist <j > /« im manusnamen anorw. Uokporsaon neben
Hag- (vgl. aschw. Haghporn).
2. Dialektisch geht g im 13. jahrh. (oder noch früher, denn
ein bruchstüch des ältesten Gulathingsgesetzes — s. § 15,
B, b, 4 — schreibt yeyner st. yengner, vgl. anm. 4) vor n in
velaren nasal (oft ny. seltener w geschrieben) über. z. b. shjnyn
statt skyyn klarsehend, gen. reus (aus remis ij 291. 9 statt reyns)
regens, u. a., s. Ha?gstad, G. Tr. s. 36.
Anm. 4. Daher erklärt es sich, dass statt etymologisch berechtigten
»ii nicht selten gn geschrieben wird. z. b. gen. fagns (fangs) zu fang griff,
empfang, ntr. lagnt statt langt langes n. dgl.
3. Ueber <$■> yy bei dehnung s. § 279. 1.
B. Die stimmlosen Spiranten.
§ 240. Ueber /' ist folgendes zu bemerken:
1. Nach vokalen und /. r (<$•? s. anm. 1) wird es. wenn
kein s, t oder p folgt, gegen das ende der vikingerzeit stimm-
haft (d.h. d). z. b. hefin (got. hafian) lieben. »1fr wolf. Jtarf
bedarf.
Anm. 1. Dass derselbe Übergang lautgesetzlich auch da eintrat, wo/"
als anlaut des späteren gliedes eines zusammengesetzten wortes stand, geht
aus Schreibungen wie air. Torbend aus *Porbinnr st. -finnr (s. Marstrander.
Bidrag s. 105), (anorw.) Porvastr < Porfatfr (dazu der kurzname Vaste
-tatt Faste) ein mannsname, tuevoUdr <C tuefaldr doppelt u.dgl. hervor.
So auch nach ^ dann und wann: z. b. mnorw. Si{g)raster (-fobtr) ein
mannsname.
12*
180 § 240. Die stimmlosen Spiranten.
Anm. 2. Dass dieser Vorgang nicht der uro. zeit, sondern erst dem
9. jahrh. (s. Marstrander, Bidrag s. 106) angehört, beweisen ausser air.
lehnwörtern auch aschw. und adän. runeninschriften der vikingerzeit, die
noch in der bezeichnung streng zwischen dem stimmlosen /' (got. /') und
dem stimmhaften b (got. b) scheiden (vgl. aber By alaifu?, s. § 221 anm. 2);
s. Noreen, Geschichte 8 , § 6, 21 und § 64, a sowie An. gr. II, § 259. 1 ; vgl.
auch M. Olsen, No. I. III, 189 note 3 über die Eggjnm-in.sohrift.
2. Vor s, t geht es (das nocli bilabial ist, s. § 86, 1) ohne
klare regel seit etwas vor 1000 (s. Kahle, Die spräche der
skalden, s. 68) in p über. Schon in den ältesten hdschr., sowol
aisl. als anorw.. findet sich eine menge hierher gehöriger
beispiele (neben formen mit fs, ft), z. b. repsa (ahd. refsan)
züchtigen, gen. PöroJps, Olaps, Üsnips, Sharps. Valdiüps manns-
namen, hepta (got. haftjan) hindern. Besonders beliebt ist pt
nach schwachtonigem vokal, z. b. epter neben efter (vgl. got.
aftd) nach, ellepte elfte; oder wo pt tantosyllabisch ist, z. b.
opt oft; oder wo verwandte formen mit p vorhanden sind,
z. b. skipta (jedoch vielleicht ans *sfäpatjan, also mit urspr. p)
verteilen neben skipa ordnen; oder nach a, z. b. skapt schaft
neben giß gäbe usw., vgl. Kock, Arkiv VI, 42, Wadstein, F. Hom.
s. 109, Haegstad, Vestno. maalf. 1,87; anders, aber verfehlt,
Heusler, Aisl. Elementarbuch 2 § 159. Später ist in aisl. hdschr.
pt, in anorw. (bes. onorw.) hdschr. ft (zum teil vielleicht
wieder aus pt entwickelt, s. § 247) weit überwiegend (vgl.
Olson, Yngvars saga, s. XL VII).
Anm. 3. Die 2. sg. prät. starker verben richtet sich gewöhnlich
nach der Lsg.; also drap, drapt tötete, -test, aber gaf, gaft gab, gabst.
Auch sonst liegen vielfach aualogiebildungeu vor.
Anm. 4. Auch das aus h (nach §237,1) entstandene /' kann in p
übergehen, z. b. ups (got. ubis-wa) traufdach, anorw. gen. skaps zu shaf
rinde zum essen, erpskinn zu erfr vielfrass, Stüpsrud ein ortsname zum
mannsnamen Stfyfr, wenn auch dies weit öfter durch analogiebildung ver-
hindert wird, z. b. hnpt (seit.), hoff gehabt zu hnfa haben, leypt, leyft
gelobt zu leyfa loben , epstr, ofstr oberster. Vgl. Hoffory, Arkiv II, 4 ff.,
Ftegstad, Vestno. maalf. 1, 11 1 und II, 1, s. 34, KÜlnnd, Heiöarviga saga, s. XXI.
Anm. 5. Die nicht seltenen Schreibungen pft, (seltener) fpt drücken
wol verschiedene Übergangsstadien aus; vgl. Noreen, Geschichte 8 §64, b.
Anm. 6. K ach s ist f zu p geworden in hütpreyia (so z. b. regelmässig
in der Laxdöla nach MöÖruvallabök ; anorw. auch hüspreya, -prey, -prce/'a,
-prei, s. Hsegstad, Vestno. maalf. 1, 20 und IL 2, i. s. 101, 124, 126) neben
tmHfreyia (nach freyia frau aufgefrischt) hausfrau.
Anm. 7. In löseppr (griech. Ivjaijnng) neben Jösef (griech. 7ty<;//^)
ist die doppeltheit alt.
§ 24 1—243. I »ie stimmlosen Spiranten. 181
g 241. ]>]> wird nach starktonigem vokal zu tt, z. b. woto
(ags. moöde) motte, sfiotta spotten, rtitta (ags. ryddä) lumpen-
huud. brotfall (als lelmw. mengl. broppfuU im Orrmulumm)
fallsacht, Svttungr (^sup-paayr "vom absud beschwert* zu .so/».
aschw. saj, -absud". s. Xoreen. Uppsalastudier. s. 208: durch
Volksetymologie seit. Sitptungi) der riese iw dichtermets.
imperat. biottu biete (&\i\ hiettu sage (du: s. porkelsson. Bey-
ging. s. S6 und 2S4) au* biofr <s. ;* 223,2% resp. kae]i ]•«. kuittr
geschwätz zu kur]>« sagen. Nach schwachtouigem vokal tritt d
iaus ]> § 221, 1 und dies aus ]>]> J; SJ8ß, 1 ) ein. z. b. mepan (got.
mippau-ei) während, sipan tags. siöÖam "seitdem" neben sipuii
mach sipare "später" umgebildet) -nachher*. <p<i (got. o.ippau)
'oder* neben sehr seltenem etpa iPhysiologus I lmal: kom-
promiss von f ettu und eöu), Guttormr fßutfhonmr, QuQPo
u. a. Schreibungen) ein mannsname zu pyrnkn ehren.
Aum. 1. Mnorw. wird p allmählich in allen Stellungen zu t. in
.Tämtland schon um 13ÖO. sonst erst etwas später, am spätesten im Süd-
westen is. Hsegstad, Uppliavet s. 9. Koug. s. 36, Vestno. maalf. II. 1. s. 31 f.
und II. 2. i. s. öy. Featakrift til Torp. s. t>9). am frühesten nach .»■. z. b. orts-
namen wie Gaukstorp, Gautstorp zu purp dorf. Am allerf rühesten — schon
seit c 1100 — tritt ( in hypochoristischen nanieu ein und dann auch im
aisl.. z. b. ToOha st. Pmbiorg. luddu st. Pordis, lubbe st. Porbioro und
vielleicht Toste st. Porsteiun: vgl. F. .lönsson. Aarbeger 1907. s. 301.
Anni. 2. Unklar i>t das t *tatt p in den maunsnamen Angantyi- (ags.
fMgettpeutr; vielleicht nach ////â– gott umgebildet! und Hiahnth: -f>er ans
urn. pevaH.
\ 212. sl wird in wnorw. mundarten schon im 14. jahrh.
zu tJ oder hl (s. § 14, e>. z. b. sytlo (sysla) beschäftigung. Pinthn
(Pinslar) ein Ortsname. yeymhla (geymslu) anfbewaarnng. S.
z. b. Haegstad. Vestno. maalf. 1. 146 und II. 2. i. s. 125,
Anm. Ueber Ig, n > kakum. 8 s. § 2.V2.
§ 24o. hu: wird zu /.» wnorw. schon im anfang des
14. jahrhs. ^s. Haegstad. Vestno. maalf. IL 1. s. 57 und IL 2. i.
>. 1201), OBorw. um 14U0. im norden und westen Islands wol
noch später, z. b. hxü (Jwat) was. hvitur, -är Omitr\ weiss.
Anm. Vor vokal fallen hi uud p> anorw. beide in eine palatale
frikativa (da) zusammen, dies zum teil schon bald nach 1300. z. b. piä at.
hiä bei, hiowsta st. piöwsta dienst u. dgl. (s. Haegstad. Vestno. maalf. II, 1.
s. 60, 61 f. und II. 2. i. â– , 1*2. 133.
182 § 244 — 246. Die stimmhaften explosivae.
C. Die stimmhaften explosivae.
§ 244. b wird, wo assoziation nicht hindert, zu p nach s,
z. b. gen. Aspiannar (im Hoprekstader notizbuch, 2. hand) statt
Asbiarnar zum mannsnamen Äsbiorn.
Aum. Nach vokal ist b zu b geworden in biflia neben biblia bibel
und vielleicht dem Öpens-namen Bif linde, Biblinde. Unklar ist misl.
Vemarftr neben BernarÖr (Biarnharpr) Bernhard.
§ 245. d wird schon zur zeit der ältesten hdschr.:
1. Zu t vor und nach k, s, t, wo nicht assoziation hindert,
z. b. stentk (stend ek) ich stelle, Otkell (Oddkell) ein mannsname,
anorw. Mertalr (*Myrk-dalr) ein Ortsname; unz (*und es) bis,
gen. sg. lavis zu land land, eh zu eldr feuer, Gaustalr ein Orts-
name, ty(r)st{d)ayr (tysdayr) dienstag, pörst(d)agr (porsdagr)
donnerstag, mnorw. Ästts st. -dis ein frauenname; anorw. fiuät-
tagr st. -dagr Sonnabend (s. Haegstad, Vestno. maalf. II, 2, 1,
s. 125). Vgl. Hoffory, Arkiv II, 92 ff.
Anm. 1. In den ältesten skaldengedichten (und einigen späteren) ist
jedoch ds, nacli ausweis der reime, noch erhalten ; s. Mogk, Anz. f. d. A. X, 65.
2. Zu d nach stimmhaften lauten, wo nicht assoziation
hindert, z. b. samfepr, -mäfir von demselben vater, resp. mutter
geboren aus -feddr, -möddr (s. § 238, 1, a, § 284, § 291, 10), prät,
hirpa < hirda < *hirdda (s. § 283 ; vgl. § 238 anm. 2) zu hirfta
bewachen, prät. brigPa < brigda < *brigdda zu brigPa brechen;
vgl. aber abbadis äbtissin, Pordis ein frauenname nach dis
ehrwürdiges weib u. dgl.
Anm. 2. Vereinzelt steht mnorw. Hallinyedaal aus Haddingiudidr
(s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 59).
§ 246. y wird zur selben zeit :
1. Zu / vor (stimmlosem) /', s, t, wo nicht assoziation
hindert, z. b. iunkfru (iimyfrä) Jungfrau; ynxte der jüngste,
gen. konunx königs; ntr. ylekt zu yleyyr deutlich, rankt zu
rangr verkehrt.
Aum. Die von Bugge ( Helge -Digtene, s. 129 note und s. 344) an-
genommene entwickelung ggl > kl ist durch kein sicheres beisp. gestützt.
2. Zu $ nach vokal isch vor konsonanz, z. b. prät. byypa
zu byyyua wohnen, skyyPa zu skyygua überschatten u. dgl.
(s. Liden bei Ottelin, Studier öfver codex Bureanus I. 80 f. note,
öislason, Njäla, s. 362 ff.), skygn klarsehend, gugna zu gyygu«
schreck einflössen, ngla (ahd. Uwila) eule. Vgl. § 284.
55 247. 248. Die stimmlosen explosivae. 183
D. Die stimmlosen explosivae.
§ 247. j)s und pt treten im anorw. sehr selten (aisl.
noch seltener, aber mal. allgemein, wiewol die schritt p behält)
als fs. resp. ft (beides mit labiodentalem f s. § 255) auf. z. b.
aisl.. anorw. allg. ylefsa kläffen neben ylepia zum kläffen
bringen, gen. anorw. Greifs. Täkofs zu Greifr. Iakopr. aisl. Hofs
zum seenamen Hop i Kälund, Heiöarviga saga. s. 64 note);
prät. hyfti (lei/pti). auorw. stceyftut (stceyptizf) zu leypu laufen
lassen, sheyp« stürzen; s. Wadstein. F. Hom.. s. 109 note. Ha?g-
stad. G. Tr. s. 35.
Anm. Vor einem auf b, d anfangenden zusaininensetzuiigsglied ist
p su h geworden in anorw. nbborit aufgetragen . Ubdale ein ortsname ;
s. Haegstad. Vestno. maalf. II, 2. i. s. 124,126. Zur erklärung s. Xoreen.
Minnesskrift tillägnad A. Erdmann. s. 1 ff.. Lindroth. Namn och bygd III, 37 ff.
ibes. s. 50).
§ 248. In unbetonter silbe (bes. im auslautj werden t. k
nach vokal häutig zu 9 (woraus t nach § 238. 2. f ; s. Kälund.
Laxdtela saga. s. XXII f.). resp. g. Beispiele kommen (wenigstens
bei t > ö), wenn auch selten, schon in den allerältesten hdschr.
bei einigen pro- und enklitischen Wörtern vor. z. b. ap (at)
•zu\ ; dass". Später werden die fälle häutiger. In hdschr. des
13. jahrhs. treffen wir z. b. mioy (miok) viel, miy (mik) mich.
piy [pik) dich, siy (sik) sich, dp (dt) wir zwei, ip (it) ihr
zwei, skyldup (skyldu-at) sie sollten nicht, nom. acc. sg. ntr.
wie mikip (-it) gross, kallap i-at) geheissen, pakip (-it) das
dach u.dgl. Um 1300 und später werden die beispiele noch
häufiger, z. b. ey yek) ich. oy (oh) und. hmad (huat) was, lud
(hit) jenes. Peöur. Peör st. Peturr. Petr Petrus.
Anm. 1. Einige aisl. hdschr. (z. b. das Kringla-fragment. Hauksbök,
Finnboga saga nach MöÖruvallabök und Jomsvikiuga saga nach cod. AM.
291. 4°; zum teil auch Elis saga j. die nicht zu den ältesten gehören, haben
eine art dissimilation durchgeführt, so dass immer 9 steht, wenn die silbe
mit t anlautet, z. b. litid wenig: sonst ist t häutiger, z. b. tekit genommen;
vgL Gering. Finnboga S., s. XI, Jones. The phonology of the Elis $.. s. 19.
Haegstad. Vestno. maalf. I, 115, 131. Umgekehrt ist oft / besonders gut
bewahrt, wenn die silbe mit Ö oder d anlautet, z. b. bobit geboten, bundit
gebunden; vgl. P. Palsson. Krokarefs saga. s. XV. M. Olsen, Vojsunga saga,
B. XLI, Kälund, Kirialax saga. s. XIII. Haegstad. a. o.. II. 2. i, s. 130.
Anm. 2. Im südwestlichen mnorw. sowie gleichzeitig im orkn. (im
15. jahrh. auch bisweilen anderswo , aber dann durch dänischen eintluss
treten fe, d, g statt p. t. k auch nach haupttouigem vokal ein. z. b. rceig-
1 84 § 249. Stimmlose explosivae. § 260. Halbvokale, nasale u. liquidae.
nodos (schon 1344 statt rmfataöe) zählte, orkn. lüga (1369 st. luka) schliessen,
hordo (1426 st. burtu) weg, weghe (1529 st. vika) woche u. a. dgl. ; s. Hseg-
stad, Upphavet s. 7, Arkiv XV, 106, Hihi. z. 65 und 67, Vestno. maalf. II, 1,
s. 58, J. Storni, Norsk Retskrivniug 1, 10.
Anm. 3. In ' Riniur ' des 15. jahrhs. steht regelmässig (sporadisch
weit früher) Ö statt t auslautend nach langem haupttonigen vokal, z. b.
neu (set) gesehen, späö (spät) prophezeit. Das häufig schon früher vor-
kommende büd (büt) als adv. 'vielleicht' neben buifi (büel) als adj. 'fertig'
erklärt sich nach (§ 248 und) § 159.
Anm. 4. Vereinzelte Schreibungen, wie Gopland, Gaupland, GodpioÖ
land der Goten, Hauten u. dgl. (s. Heinzel, Ueber die Hervararsaga, s. 75 f.)
beruhen auf volksetymologischer Umbildung nach gop götter. Das schon
in der ältesten zeit auftretende -Ugr, -legt- in adj. wie dagligr täglich u. dgl.
beruht wol wesentlich auf analogischer Umbildung von -Ukr 'gleich'
durch anschluss an adj. wie aupigr, -egr. ntr. aupikt, -ekt reich (ebenso in
adv. wie ettegar — got. aljalaikm 'sonst';; zum teil anders Sverdrup, Arkiv
XXVII, 2 f.
Anm. 5. Vor einem auf d, g anfangenden zusammensetzuugsglied
ist / zu d geworden in anorw. Fladdal < FlatÖalr (s. No. gaardnavne VII,
331), Gr(i)6dgar$r (Hsegstad, Vestno. maalf. DI, 2, i, s. 125, 127), Grad- (s.
§ 295 anm. 3) ein mannsnamen. Zur erklärung s. die § 247 anm. angeführte
literatur.
§ 249. Anlautendes hn wird im misl. (jedoch nicht in
den nördlichen mundarten) des 15. jahrhs.. selten im anorw.
seit 1300 (s. Hsegstad. Vestno. maalf. II, 2. i, s. 151 f.) zu hn.
z. b. hnütur (knütr) knoten, hnifur (Jcnifr) messer.
Anm. Hieraus erklärt sieb, dass hie und da umgekehrte Schreibungen
mit ku statt etymologisch berechtigtem hn anzutreffen sind.
E. Die halbvokale, nasale und liquidae.
§ 250. w d. h. kons. •*) geht anlautend und nach vokal
allmählich seit dem ende der vikingerzeit, nach heterosylla-
bischen konsonanten wol erst im 18. jahrh. in bilabiales t>.
woraus dann (s. § 255) labiodentales /• (geschrieben v, f. s. § 42.
§ 36, 2). über, z. b. vor (vgl. urn. was Tanum) war, vinna (got.
tvinnan) ertragen, pl. häfer zu hör. (Aar) hoch, cefe (vgl. got.
aiws zeit) leben, sniöfa (vgl. ahd. snuvan) schneien, part. snifmn
beschneit; nach 1200 auch z. b. gerfe kleidung (zu gerr gemacht),
stgPfa (älter stgpua) hemmen; vgl. auch neuschöpfungen wie
mdfr möwe statt mor (mär) nach pl. mdfar (§ 83), dat. sg. f.
ggrfri statt ggrre nacli acc. gyrfa zu gorr gemacht (vgl. § 235
anm. 1). Eine frühzeitige spur des assonierens eines nach-
$351— 253. Die halbvokale. nasale und liquidae. 1^5
vokalischen 5 aus 10 mit altem ft ist vielleicht Suicor : ///ie bei
porbiorn disarskald (c. 1000). aber sonst kommen solche
assonnanzen erst nach 1300 häufig vor. Andererseits scheint
anlautendes te noch im Cod. AM. 310. 4° (gegen 1250) erhalten
zu sein. Vgl. Kahle. Die spräche der skalden. s. 69: Groth.
Det AM. haandskrift 310 qvarto. s. XXXIV: v. Friesen. N. spr.
1,62t; Mogk. I. F. XXVI. 209 ff.: E. Noreen. Stud. nord. fil.
III. 5. — Weit später (und wol zu sehr verschiedener zeit in
verschiedenen dialektem tritt derselbe Übergang nach tauto-
syllabischen konsonanten ein. z. b. svartr st. suartr usw. Nach h
ist u: in gewissen gegenden noch erhalten, z. b. nisl. Jmat neben
(nördlich u. westlich) kvat (beides hvat geschrieben); vgl. § 243.
§ 251. Kons, j wird wenigstens dialektisch seit 1250 zur
Spirans,;, wie aus assonanzen mit y : i wie yeiga : syiur, eigi : skyium
u. dgl. (s. Kahle. Die spräche der skalden. s. 69) hervorgeht.
§ 252. /• und kakuminales / schmelzen im ouorw. — zu
sehr verschiedener zeit in verschiedenen mundarten — mit
folgendem d (d). h. s, t zu kakum. d. resp. ». s, t (geschrieben
rd. Id. d: ru. ht, n usw.) zusammen, wenn die betreffende
konsonantengruppe durch synkope entstanden ist. bei rö und
ri auch sonst, z. b. run. (schon Flatdal) gen. sg. m. kamas
(d.h. gamate) zu gemäß alt: nach 1300 Sitrd&er 1301 ff. st.
SuUtSler einwohner von Siildal. ätüd st. drtiö seelentag (Haeg-
stad, Vestno. maalf. II. 1, s. 92). kolsbroder (st. körs-) kanonikus.
gen. sg. Boerdols st. Bcer{y)Ö6rs (Bergpörs). Giuls st, (nur{d)s,
Vardiüfr st, Valdiufr (Vaipiöfr). Pü(l)ne. iniu(l)na mühle, kiu(l)na
darrofen; mnorw. Ortsnamen (s. Rygh. Oplysninger II. 155. 241.
vgl. 194) wie Mo(l)skones, Vigu(l)stadtr.
Anm. Kakuminales d wird dauu nmorw. zu kakum. /. z. b. b'imjii!
1851 < -yardr. latinisiert Huliualn* | HuUcurdr) 1851 (Lind. Dopnamn,
s. 1290) mannsnamen. Kammefwl < "-fiord ein ortsname.
§ 253. /■(altes oder nach § 265 aus /.> entstandenes i wird :
1. Bisweilen zu ö durch dissimilation infolge eines iu der
vorhergehenden silbe vorkommenden >•. z. b. aisl. hrefiask neben
hrerna in verfall geraten, hrept oder hrepa unruhe zu hr&ra
bewegen, anorw. Fridikr (Frfribr aus Fridrikr £ 292) Friedrich.
Prydikr (Pryrikr). Porid (Wadstein. F. Hom. s. 137) < P&rir
mannsnamen. Ragndidr mach §288,1/% aus *-4UFr < *-ri#r)
ein frauenname. Vgl. Bugge, Arkiv II. 241 f.. 247 ff.
186 § 254. Die halbvokale, nasale und liquidae. § 255. Die labiale.
Aum. 1. Das erste r ist dissimiliert worden im anorw. Ortsnamen
LceiÖangr (um 1200 Loeirangr, s. Bygh, Oplysninger II, 244 f.). Dagegen ist
bapmr 'beide ausgebreitete arme, busen, bäum' (eigentlich 'Verzweigung')
wol nicht, wie allgemein geschieht, mit barmr, got. barms busen, resp.
bagms bäum zu identifizieren, sondern vielleicht eine nebenform von fupmr
'beide ausgebreitete arme' (gr. nora/xoq? vgl. Noreen, Urg. lautl. s. 126).
Anm. 2. Unklar bleiben einige fälle von (seit.) ä statt r, wo dissimi-
lation nicht vorliegen kann, z. b. bößpa neben -fern (s. Falk, Beitr. XIV, 16)
brünne (vgl. bppfara brünne), mannlepa neben -lera (und mannleyse) ver-
ächtlicher mensch, ?dat. sg. bopue und byrue zu bprr bäum.
2. Bisweilen anorw. zu 1 durch dissimilation infolge eines
vorhergehenden r, z. b. Borgal{ß)stadir (No. gaardnavne II, 171
und III, 178) ein ortsname zum mannsnamen Borgarr (vgl.
auch § 252), morteel (mndd. morter) mörser, quartell (mndd.
quarter) viertel (s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 100, resp.
101), SorJcel, Serquill ein mannsname (s. § 82, 12).
Anm. 3. Das erste r ist dissimiliert in mnorw. Cantelbergh (Haegstad,
Vestno. maalf. II, 1, s. 60) st. anorw. Kantarabyrg Canterbury.
§ 254. I wird bisweilen durch dissimilation zu r oder n,
z. b. das zweite l in hialmur-, hialmun- (hialmu-, s. § 297) neben
hialmul-volr (eine tautologische Zusammensetzung, denn hialmul-
< hialmvol- nach § 148), hialmvglr helmstock, al(e)mandr neben
alemandel mandel und wol auch helfningr, helmnlngr hälfte
st. *helflingr (ags. hylfling, mhd. helbelinc, s. E. Olson, De appella-
tiva substantivens bildning, s. 256 note), anorw. (seit.) nyUU
st. lyhill (anders Byskov. Arkiv XXV, 179 f.) Schlüssel.
Anm. Unklar ist ulfalde kamel gegen got. ulbandus, ags. olfend,
und anorw. JwgeldekirTcia (Haegstad, Vestno. maalf .\ I, s. 39) st. högitide-
kirkia private kirche. Nicht verwandt sind bvlke (engl, bulle) und anorw.
buriki (afries. bimk) Schiffsladung. — Unklar ist auch der Wechsel l : r in
kpngol- (seit.) : kpngorväfa spinne. — Ueber einen wol fraglichen Übergang
anorw. lr^>&r im Ortsnamen Odhrin, JEÖrin und orir i^gÖrir'i) erle neben
[dr, oärir erle s. No. gaardnavne XII, 64 f. und Amund B. Larsen, Maal og
minnel914, s. 165 f.
II. Wechsel der artikulationssteilen.
A. Die labiale.
§ 255. Die bilabialen Spiranten, urgerm. und noch urn. f
und 5, gehen, wol während des 13. jahrhs. (im aisl. jedenfalls
zum teil nach dem § 237, 3 erwähnten Übergang lö, rt > Ib, rb).
g 9H 258. Die labiale. 187
in die entsprechenden labiodentalen Spiranten 'beide mit f
bezeichnet) über.
Anm. Die Verbindungen Ift, rft werden im nisl. zum teil noch bilabial
ausgesprochen, s. B. M. Olsen. Germania XXVII, 271 f.
§ 256. 5 wird in anorw. inundarten sporadisch zu g,
z. b. stoga. acc. sttigu (stofa, stufa) stube. AlgartB im (aisl.
Alfarheimr) ein Ortsname. LiÖskialg (aisl. Hlifiskialf ) ein
mythischer ortsname. hielgdar- [hcelfdar-)land stück land von
gewisser grosse. StagU (Staflö). Bagund (Bafund) Ortsnamen.
LggÖarhorn (Lofdar-) ein gebirgsname (jetzt 'Lyderhonr), nagle
(gew. nafle) nabel. sugl (suft) znspeise. Yaldiugcer (Valdiiifr.
aisl. Valpiöfr), Vtgiul- in Ortsnamen st. Vifül (s. § 104. § 145
anm. 5) mannsnanien, cellugu (vgl. celluia § 172, 1 und gew.
asÜifu) elf. sthig- (stiüf-) stief-. mnorw. Biiigr oft st. Biü{l)fr
ein mannsname. — Ebenso wo w zu gründe liegt, z. b. siögarlud.
hüs (Haegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 132; siöfar-) baude am
see, mnorw. mit hiatusfiillendem ir ts. §312. 2) Iogan (Iöwan.
Iöan, Iöhari). lögar {löuarr. Ioarr). Bögar (Boucir. Böarr),
Bö(g)alde>% R6{g)e. lrö(g)en mannsnamen.
Anm. Die anorw. mannsnamen Hagpör(e)r und Hafporn sind wol
am ehesten durch kontamination von den beideu ursp. verschiedenen namen
Hogfiont und Hafpör(e)r entstanden ; vgl. § 239 anm. 3.
§ 257. p wird ebenfalls im anorw. sporadisch zu k. bes.
vor n. z. b. (ziemlich seit. ) vakn auch nisl. seit. cokn. s. Maurer,
Arkiv IV, 284 ff., porkelsson. Supplement IV. 180: färöisch
räkn. finn. vaaktma) statt gew. räpn waffe. Gaukna st. Gaupna
(s. Rygh. Sproglig-historiske studier tilegnede Unger. s. 41 note)
ein ortsname. gauko? 1 mal (& Hertzberg) st. gaupa luchs.
stiük-. style- (stülp-, styp- 1 sti^f-. ux (s. Rygh. No. gaardnavne.
Indledning s. 83) st. gew. ups (vgl. § 240 anm. 4) traufdach.
ellykti (vgl. § 77.7 und cellugu $ 256; gew. leUipti) elfte.
Anm. Vielleicht durch umgekehrte Schreibung kommt seit dem 15. jahrh.
finngäipn statt -gd1k(a)ii kentaur vor; s. Bugge. Aarbeger 1895. s. 127.
§ 258. m wird, wo nicht assoziation hindert:
1. Zu velarem (n geschriebenem) nasal vor g. k. z. b. dat.
pl. mglonge zu nujlom mahlzeiten . dat. sg. pl. hu&ronge (-amge)
zu hudrge keiner von beiden, huerionge zu huerge keiner von
allen, einonge zu enge kein. 1. sg. präs. ind. pass. minnonk (gew.
188 § 259. Die dentale.
-onik) ich erinnere mich, anorw. Grinkell (seit. Gritn-, s. Rygh.
Gamle personnavne, s. 94) ein mannsname.
2. Zu n vor d, s, t, z. b. Handir (seit.) statt Hamdir
(§ 238, 1, b) ein mannsname; Ond st. Omd (s. Bugge in No.
gaardnavne XVI, 411) ein inselname; der anorw. ortsname
Lanornstadir zum mannsnamen Landormr, misl. passivendung
(seit c. 1500) -unzt statt -umzt\ önta (s. Fritzner) st. ömta
berücksichtigen, anorw. (Cod. Tunsb.) prentände (*prem-tände,
vgl. ahd. zweinmiy, ags. twenüg. wol gleich got. twaim tiyum;
aschw. pramtände, s. An. gr. II, §493 anm. 1; zum teil wol
von prennir drei beeinflusst; anders Kock, Arkiv IX, 140 f.)
dreizehnte.
Anm. 1 . Auf dissimilation beruht m > n in ünu-mapkr statt d»iu-
itiapkr eine art made, anorw. Mundn neben Mwndinr, Monämr (s. §54, 3, b;
wol unrichtig Rygh, Gamle personnavne s. 183) ein mannsname ; wol auch
möna mutter (ahd. muoma, mndd. mönte, möne, mengl. mfine muhme'i,
mnorw. millm (Haegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 132) st. m/'Uim zwischen.
Vgl. noch § 278 anm. 2. — Bukrau. -rum eine art zeug ist mlat. bucaraittiui,
resp. mhd. buckerom; siklulun ist afranz. siglatou, während s/Matton wol
dat. pl. von siklat (lat. cyclas) eine art zeug ist.
Anm. 2. Unklar ist der Wechsel fiös : später pioa waltischrleisch.
B. Die dentale.
§ 259. d (urspr. oder nach § 221, 1 entstandenes) wird schon
vorliterarisch zu g zwischen io, iu, au und einem (erhaltenen)
sonan tischen u (s. Noreen, Svenska etymologier, s. 40 ff.), z. b.
ntr. ftoyor (*fiodur nach § 89 aus *feduru, vgl. got. fidur-, aschw.
fioper-) vier; iägr neben nir (Hudr § 292) euter durch aus-
gleichung von nom. *iügur (urn. *iudura, afries. iader, mndd.
jeder) : dat. ldre(< HuÖre); anorw. laugur-dagr Sonnabend neben
aisl. laupr (nach den synkopierten kasus; ags. leador < Haupur)
ascheulauge; anorw. Auyun (s. Rygh, Gamle personnavne, s. 25,
Lind, Dopnamn. sp. 105) neben AuÖun (nach sonstigen namen
auf AuÖ-) ein mannsname. — In fällen wie dat. traupum, -u
(blaupum. raupum usw.) ist d erhalten durch einfluss von
formen wie traupr. -an, -ra usw. unwillig (vgl. umgekehrt
nschw. dial. traug, nnorw. dial. hlaug. rang u. a. nach *trauyum,
-u < *traudum, -u u. a.).
Anm. 1. Über gagarr iair. gagar, erst später gadharj huud
s. Marst.rander, Bidrag s. 158. Ueber seit, fngnui (i. Möbius, Analecta
$>ÜMli6t. Die dentale. 189
norrcena 2 , s. 309' neben fafma vgl. ags. fatm) umarmen s. An. gr. II.
§ 274 anm. 3.
Anm. 2. Zweimaliges Biarhnarr st. Binrtmarr ein raannsname ist
wol nur Schreibfehler.
§ 260. Vor einem nach § 2:38. 1. b entstandenen d (aber
nicht vor d) und vor altem oder nach § 238, 2. b entstandenem
t werden bald nach 1200 kakuminales / und n in stark-
toniger silbe zu dentalem (oft //, nn geschriebenem) /. n, z. b.
huild > hutlld ruhe, gremda > greinnda erörterte, erst weit
(vgl. § 238. 1. b) später i'anorw. schon früh. K Wadstein. F. Hom..
s. 134) xfold«. > sMlda entschied u. dgl.: füll > füllt hassliches,
mcel{T)ta sprach. van(n)t gewohntes, rcen{u)tr beraubt; vgl.
Äström. Sv. Landsm. VI. 6. s. tttl lt.. XIII, 2, s. 62 ff.. Kristensen,
Arkiv XII. 3131.. Pipping, Stud. nord. fil. VI, 5. Die Schreibung
mit 11. nn hat also jetzt die aufgäbe bekommen, die qualitative
art der 1-, «-laute anzugeben (vgl. § 40, 1 und 2. § 41. 1 und 3).
Daher werden jetzt auch die altererbten Verbindungen Id, It,
nd. nt, wo /, n von alters her dental gewesen sind, oft mit 11,
resp. nn geschrieben, ohne dass dadurch eine veränderte aus-
spräche angegeben werden dürfte, z. b. hallda halten, sallt salz,
b.tnnd land, ntr. rannt zu ran(n)dr schwierig. Vor r steht aber
oft nd (nicht und), was vielleicht angibt, dass hier nd etwas
alveolar ausgesprochen worden ist. s. Pipping. Stud. nord. ül.
VI. 5, s. 3 ff.
Anm. Cod. AM. 921, 4° hat (nach der mitteilung Kristensens) immer
tiutlta, aber m<tüt neben iwrlt, sodass hier ?>fl vielleicht mir vor tanto-
syllabischem t stattgefunden hat ; vgl. ? St. Hom. r<tntesk gegen rc6nnt(r).
§ 261. nn (altes oder nach § 275 und § 277, 2, c ent-
standenes) wird vor t (wegen r s. § 277. 4. b) zu d, z. b. ißre aus
*inneri innerer (vgl. minne aus *minniRi. got. minniza minder),
supr südwärts zu nmna n von Süden, pl. aprer zu nnnarr anderer.
Da die gruppe nnr überall durch synkope entstanden ist. fällt
demnach dieser Übergang frühestens in die vikingerzeit (beisp.
bei Einarr Skälaglamm gegen 1000). Aber auch wo etwas
später ein | urspiüngliches oder aus r nach § 265 entwickeltes)
/• zu im tritt, findet dieselbe ent Wickelung statt, z. b. pl. mejn-
imit neu zugetretenem plural-/) aus wenn (*manniR. got. maus)
männer. 2. sg. präs. brefir (*brenn -f- r) neben brenn (got. brinnis)
zu brennet lodern. Durch ausgleichung entstehen dann häufig
100 § 262. Die dentale, § 268. Die palatale und velare.
nebenformen mit nnr, z. b. innre (ipre) nach imian innerhalb,
(alt, s. Jönssoii, Skjaldesprog, s. 63) mannr (mapr) nach dat.
manne mann und pl. (s. ib.) mennr (mepr) nach gen. manna,
brunnr (brupr) brunnen und munnr (mufrr) mund nach pl.
brunnar und munnar, suinnr {suipr) weise, sannr (sapr) wahr,
kunnr (kuPr) kund nach acc. suinnan, sannan, kunnan, tiiennr
(tuepr) neben tuenne doppelt, 2. sg. präs. finnr(f>p-), rmnr (vipr)
zu finna finden, vinna ausführen usw.
Anm. Ob das auffallende ypr (got. iztcis) euch hierher gehört, indem
es ein nach unsis umgebildetes Huzwiz *> *inmviR > *yimr voraussetzt?
Ebenso entspräche yprum einem nach iinsaramma umgebildeten *inzw«-
rammet, und yjmarr wäre dazu neugebildet statt *ynnworr.
§ 262. n wird, wo assoziation nicht hindert, zu:
1. m vor b und p. z. b. almboge (seit., z. b. F. Jonsson,
Sn. Sturluson Edda, s. VI) neben gl(n)boge, alboge eilenbogen,
acc. sg. Gestumblinda aus *Gcest unblinda 'den nicht blinden
gast' (Kock, Arkiv VII, 180), Vimboldr (mndd. Winbold), Fimbogi,
Stceimbiorn, Ambiorn st. A(r)nbiorn u. dgl. mannsnamen, anorw.
Umblauzstadir ein ortsname zu dem mannsnamen Ublaudr
(vgl. § 299 anm. 5), amboÖ st. an(d)bod instrument, anorw. ambon
(aisl. ombon) st. andbun (s. Hertzberg) lohn; Jcampr neben kanpr
(afries. kanep) Schnurrbart, hampr, hanpr (ags. heenep) hant
Bampr, Banpr (got. Danaper) Dniepr. — Ausnahmsweise tritt
m auch vor f ein, z. b. mnorw. Emfrith neben Enfridh ein
frauenname.
Anm. Aus umgekehrter Schreibung erklärt es sich wol, dass (seit.)
np statt alten mp geschrieben wird, z. b. kenpa, kempa kämpe.
2. Velarem nasal (gew. n geschrieben) vor g und — wo
der nasal nicht schwindet (s. § 299, 1) — k, z. b. mumdt {mungdt)
heimisches bier, vimof (vingiof) Schlüsselgeld; kanunkr (kanükr)
canonicus, u. a.
C. Die palatale und velare.
§ 263. Velares g, g, k wird vor palatalen vokalen pala-
talisiert. Die in dieser weise modifizierte ausspräche erhält
der regel nach keine besondere bezeichnung (vgl. jedoch § 37
anm. 1 , § 39 anm. 1). Wo aber, bes. durch synkope eines
dazwischenstehenden palatalen vokals, ein palatales g, s, k vor
§ 963. Die palatale und velare. 191
einen nicht palatalen vokal zu stehen kommt, tritt die
Schreibung gi. ki auf. welche ohne zweifei in sehr vielen
mundarten als g, & k + i aufzufassen ist. z. b. merkia (2 -silbig)
aus *markian (3-silbig) merken, dat. pl. rikiom, engiom. lägiom
zu rike reich, enge wiese, läge läge. Ein durch vorher-
gehenden palatalen vokal hervorgerufenes 7:i, gi tritt (fast)
nur in lehnwörtern auf, z. b. kirkia (ags. cirice) kirche, Grikkiar
(und Grikker) Griechen, fikia (sehr seit, fika; lat. ßcus) feige.
Mk(i)äU Michael, blikia (ags. blkan) blinken, suikia (ags. suican)
betrügen, cikia (ags. witxm) weichen; gigia (mhd. gige) geige.
In mergr, gen. mergiar mark scheint gi durch das einst vorher-
gehende fnkative r (vgl. asl. mozgü) hervorgerufen zu sein. —
Mnor w. ist anlautendes g(i) zur spiransj geworden, z. b. loerPrud
st. Gos{i)r])rüdr ein frauenname. Inlautend ist gi zum teil weit
früher zu j geworden, z. b. teyia st. teygia zeigen. Ryia- st.
RygiafyJki die landschaft Ryfylke u. dgl. (vgl. umgekehrte
Schreibungen wie ftijgia st. flyia fliehen, nygian st. nyian neuen;,
s. Haegstad. Vestno. maalf. 11,2. i. s. 134 und II. 1. s.60f. Vgl.
noch § 293, 2.
Anm. 1. Durch kontamination entstanden ist gi in giorr i^auch gen)
statt gorr gemacht' nach genta l woneben dann giorua nach giorr machen.
?' giär (bes. anorw., s. Fritzner) st. *i gar (s. § 71, 2) nach i ga?r gestern,
anorw. giognum (s. Fritzner und porkelsson, Supplement IV. 54) oder
giagmtm (s. Bugge bei Fritzner III, 1101, Hsegstad bei 0. A. Johnsen, Olafs
saga, s. XXXV; gicegnum §70.1 statt gggnum (s. Bugge, a. o.i, resp.
*gagnum (vgl. §80,3) nach gcpgnum und gegmtm iß. §77,7) 'durch'. Un-
klar ist anorw. gutta (z. b. in >'o. Hom. 4 mal, vgl. Hsegstad, Vestno.
maalf. I, 50) neben gceta hüten.
Anm. 2. Sehr seit, stehen k, g statt zu erwartenden ki, gi z. b.
drykk(f\a trunk, was vielleicht nur ungenaue Schreibung ist wie in den
runeninschriften, s. M. Kristeusen, Tidskr. f. Fil. HI B. XV. 150f.), vielleicht
aber auch eine verschiedene ausspräche anzugeben hat (vgl. § 389 anm. 4).
Anm. 3. g wird im anorw. dialektisch wenigstens nach a, ü, p (vgl.
An. gr. U. § 279, 1) zu b i/), z. b. Kagastadum > Kofstoottm i vgl. Eygh.
Gamle personnavne, s. 152) ein Ortsname, küga >■kitfa bezwingen, kogurr
>• seit. ! s. Fritzner kofurr teppich, anorw. rt'tfa faisl. hritga. s. Xoreen, Värt
sprak 111,259 häufe, Ofmundr <iOgmundr ein manusname.
Anm. 4. kn wird im anorw. dialektisch zu t». z. b. Ortsnamen wie
Gaukna (vgl. «5 257 > Gantna, Barkna's > B&rtnas, *Au(d)kn (aschw.
epkn, e~kn, s. An. gr. II, § 308 anm. 3* > Autn; s. Bygh, Oplysninger I. 32 f.,
Xo. gaardnavne 1, 5, Indledning s. 42. — Skarlat {-ad, s. § 248) neben
skarlakaro Scharlach ist mhd. seharlät imengl. scarhitf. resp. scharlor-h
192 § 264. 265. Die palatale und vefare. $ 26f>. Regressive assimilation.
mndd. scharlaken). Unklar ist das Verhältnis von träne zu mhd. kraue
iandd. krano, ags. crftn) kranich.
Anm. 5. Mnorw. fallen Kit) und vorvokalisches ti (sowie pi und hi,
s. § 241 anm. 1 und § 243 anm.'i in eine palatale frikativa (ch) zusammen,
z. b. Ktösos st. Tinsäs ein ortsname (vgl. umgekehrte Schreibungen wie
lie- st. Kidm-\, s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 138.
§ 264. Velarer nasal (») ist zu n geworden in enshr aus
eng{l)s"kr englisch, harfiensbr einer aus Haröangr, anorw. Ban{g)se
ein mannsname, a?wfo' aus *cengii nichts, s#w saka statt st/n# 5.
oder sy^n s. (s. Hertzberg) freigesprochen, mnorw. Ben{k)t, gen.
Drmn{g)s mannsnamen, Ban(g)didr < Ragn(f)ridr (s. § 239, 2
und 253); zu m in iüinfni, iömfrü (anorw. auch ionfru) neben
iungfrü (aus dem deutschen) Jungfrau; beides durch partielle
assimilation an den folgenden konsonanten.
§ 265. Das aus urgerin. ? entstandene urn. « (s. § 224, 1)
ist schon vorliterarisch (vgl. F. Jonsson, No.-isl. kultur- og
sprogforhold, s. 206, 262 f.; anders Marstrander, Bidrag, s. 116 f.),
am frühesten nach dentalen und interdentalen konsonanten
(s. Noreen, Geschichte 3 § 62), mit altem /• zusammengefallen,
z. b. betre (got. baiisa) besser, meire (got. maiza) mehr, er (got.
iz-ei) welcher u. a. (s. § 7 1 und § 72).
III. Quantitative Veränderungen.
A. Dehnung.
1. Assimilation.
a) Repressive assimilation.
§ 266. Die nasale werden schon in der vikingerzeit in
folgenden fällen assimiliert:
1. mp > pp, z. b. kapp kämpf, kappe kämpe, Meppr § 110, 1
klumpen, kroppenn § 112, 1 verkrüppelt, skreppa § 1 10, 1 gleiten,
sugppr (schon als air. lehnw. soppi mndd. swamp) pilz, apr
(*appr § 284; mschw. amper) bitter.
Anm. I. mp kommt fast nur in lehn Wörtern, oder wo es (nach § 262, l)
älteres np vertritt, vor; dialektisch ist mp bisweilen erhalten, z. b. dtimpit
schlagen, gumpr steiss, stumpr stumpe, kumpr, rynipell, vimpr heinamen
ts. Liden, Stnd. nord. fil. 1, 1, s. 47). Wegen der schwach tonigkeit der silbe
ist mp assimiliert worden im lehnw. kump&tm > seit, anorw. bM f p d nA
is. Kock, Arkiv XI, 817uotei.
< 2»>6. Regressive assimilation. 193
2. nt (altes oder nach § 220 aus nd) > tt. z. b. stuttr
(aschw. stunter) kurz, vetr (*rettr § 284; misl. rintur. s. Jonsson,
Fernir fornisl. rimnaflokkar, & YII, und porkelsson, Supplement
IV. 178. ist vielleicht ein danismus) winter. klettr ß 110, 1 fels.
spretta § 110. 1 springen, nisl. skufttn $ 1 10. i bespritzen, detto
$ 110,1 niederfallen, prettin (*pfi*n4an < *£rww § 277. 2, e
+ £.. vgl. got, prins) dreizehn, tottogo (*tH-ann-tu$vnn. vgl.
got. £w>««s tigun*. s. $ 77. 10) zwanzig, tigfr (aschw. vcuiter)
handschuh, fattr (lat. pandus) biegsam, brattr (aschw. branter)
steil: (mit tä aus iuQ prät. bott (sehr seit. 6aw/ mit wieder
anal, nach dem pl. eingeführtem n). imperat. bitt zu bind«
binden, prät. bleu zu blando mischen, catt zu vinda winden,
hratt zu hrinda stossen u. dgl. Auch alte lehnwörter nehmen
an dieser assimilation teil. z. b. mottoV (anorw. auch manttdl)
mantel. kleme(v).zmessa missa Clementis, mnorw. Laure(ri)s
Laurentius. Wenn aber nt erst durch synkope entstanden ist
(auch wenn das n urspr. kakuminal gewesen ist, s. § 41. 3.
und erst durch das zusammentreffen mit t dental geworden,
s. § 260) :
a) bleibt es im allg. in starktoniger silbe wegen starker
assoziation, z. b. prät. nenta zu nenna wagen, ntr. vant zu vanr
gewöhnt. Mint zu blind r blind. leipint zu -indr (mit stark
nebentoniger ultima) langweilig. Lautgesetzliche formen sind
nur ntr. satt zu .w?>>>- wahr (wol von dem m. sapr § 261 gestützt,
nach der analogie ghtpr : glatt froh u. dgl.: vgl. superl. sijztr
st, synnztr nach komp. sypre südlich), rcettn (neben rd>nto. nach
Kckna) erwarten; ferner ntr. mitt. pitt. sitt. eitt zu minn mein.
pinn dein, sinn sein, einn ein. wo die erhaltung der assimilation
in dem überaus häufigen gebrauch der Wörter (die drei ersten
sogar oft als seh wach tonige. s. unten b» zu suchen ist;
b) wird es in schwachtoniger silbe (wo n wahrscheinlich
von alters her dental gewesen ist, s. £ 41. 1 > zu tt. Avelches aber
nach §285.5 zu / verkürzt worden ist. z. b. ntr. fandet zu
bundenn gebunden, heipet zu heipenn heidnisch, et (got. jamata)
•das' (als artikel).
Anni. 2. Nicht durch syiikope entstandenes nt kommt wol uur in
eiuigen lehnwörtem vor sowie in der 2. sg. prät. ind., z. h. temmi kannst.
mant erinnerst dich, munt wirst u. dgl. formen, die nach 1. 3. sg. kann.
mm u.s.w. neugebildet sind.
Xoreen. Altisl. gTamm. 4. aufl. 13
1 94 § 266. Regressive assiuiilation.
3. nk (altes oder nach § 220 ans ng) > kk, z. b. drekka
trinken, brekka brink, ekke § 110, 1 schmerz, >eMr § 110, 1
mann, sekkua sinken, fiokke § 112, 1 avoI wollen, okkarr § 112, 1
uns beiden zugehörig, strokkr§ 112. 1 butterfass, pykkia dünken.
stekkua (aschw. stiunka) springen, hrekkua § 110,1 zurück-
weichen, klekkna § HO, 1 stöhnen, dekkr § 110, 1 dunkel, ykkarr
(got. iggar) euch beiden zugehörig, ekkia § 128 wittwe, bekkr
bank, hlekkr (aschw. Icenker) fessel. pakka danken, pekkr anmutig,
Pokke wolgefallen, blakkr (ahd. Manch) blass, pekkia (got.pagk-
jan) gewahr werden, gk(k)la (vgl. §137,2 und aschw. ankul)
fussknöchel, hlakka (lat. clango) kreischen, makke (nschw. manke
(wampe u. a.; (mit nk aus ng) prät. stakk zu stinga stechen,
sprakk zu springa zerspringen, gekk zu ganga gehen, hekk zu
hanga hängen, fekk neben pl. fingom zu fä bekommen u. dgl.
Auch bei alten lehnwörtern tritt assirnilation ein, z. b. akkere
anker, pikkisdagr (s. 110, 1) pfingsttag, pl. Frakkar (Frankar)
Franzosen. Ueber die behandlung eines durch synkope ent-
standenen nk s. § 299, 1.
Anm. 3. nk kommt vielleicht nur in lehnwörtern und neubildungen
wie (litnkr ein beiname (einheimisch? vgl. as. dunkar dunkel), honk (viel-
leicht einheimisch) henkel und hanke haspen (wol aus mndd. hank hand-
habe), krankr krank, anorw. senkt? besetzt u.a. vor; vgl. noch §299,1.
4. nl > 11 wahrscheinlich nur unmittelbar nach urspr.
schwachtonigem vokal, z. b. ellefo (got, ainlif: vgl. § 51, 1, a) elf,
mullaug (mit urspr. haupttoniger ultima?) neben mun{d)laug
Waschbecken zwmund hand und mit kürzung nach § 285,5 kriste(n)-
legr christlich u. dgl. (s. Sverdrup. Arkiv XXVII, 147). Ueber
die behandlung des nl nach haupttonigem vokal s. § 299, 2.
Anm. 4. Beispiele einer assirnilation mb >• bb sind wol nicht
(s. v. Friesen , Om de germ. mediageminatorua . s. 8 note) klubba , klumba
kenle, kubbr, kumbr klotz : vgl. kamb kämm, lämb lamm, r.gmb bauch u. a.
Anm. 5. Die von Noreen, Arkiv VIII, 147, als wahrscheinlich und
von Kock, ib. XIII, 186 f. und XXI, 118 f. als sicher angenommene assirni-
lation wh>hm existiert nicht (vgl. über mu> mm § 278 anm. 2). H&ma
(zu akinn haut und air. rem» schuppe, s. Liden, Bezz. Beitr. XXI, 107 ff. i
und einmaliges himna (zu agutn. lümin, nnorw. hlm, h'ima haut) häutchen
sind nicht verwandt: mälfinne (s. Egilsson), -fime beredsamkeit und velßnnf,
-fime knnstfertigkeit gehören zu fhma (er)finden, resp. fhnr rasch. Ueber
den von Kock ebenfalls hierher geführten typus kauponautr s. § 137 anm. G.
— Eher ist eine assirnilation IM > mm anzunehmen, s. § 299 anm. 2 und
misl. Bruwmadr st. Brtinmafrr? ein mannsname.
jj 267. 268. Regressive assimilation. 195
§ 267. ht wird vor 900 (s. Marstrander. Bidrag s. 98), ja
nach Eggjura sot (d. h. sott) gesucht zu urteilen wenigstens
wnorw. schon um 700, zu tt, das dann antekonsonantisch
(s. § 284) und nach schwachtonigem vokal («. § 285) zu t wird.
z.b.dötter (ygL mm. pL Öohtrin Tune. aisl. äetr. wonach auch
sg. doter) tochter. retta richten, nott. nätt nacht, ätta acht,
m/itta mochte, sott, satt (ig*, seht) vertrag, frett orakelbefragen
(ags. freht orakelspruch), rdttr zeuge (vgl. ahd. giuaht er-
wähnung) u. a. m. (s. z. b.§§ 110.3; 111,2; 112,2; 113: 17'.. 4 ;
321). Vgl. mit t z. b. pl. no?tr nachte, (ktla i.'meugl. ehthn, zu
as. ahtön) die absieht haben, ät'wn (zu dtta acht) achtzehn.
retr (und rettr nach den 2-silbigen kasus) recht, richtig, drötenn
{dröttenn) nach dat. drötne fürst, almdtegr {-mdttegr) nach acc.
mdthm allmächtig u. a.: eyvet, -ar. -o § 151,2 nicht«, pöta
neben haupttonigem fiötta schien. ]>öt (seltener ßött, vgl. § 158
und § 230, 2. s. Jönsson bei Gislason. Udvalg af oldno. skjalde-
kvad. s. XX». gen. h/rit{t)ar § 151,2 des allgemeinen rechts.
Anm. 1. t statt tt in fneta [gew. f retta) ausfragen, prä-t(t)a zanken
(wonach firetta zank), »it{i)a verneinen ist eine neubildung zn tt in prät.
frtttta usw. nach der analogie von verben wie rata. hlHo : prät. vettta, hlitto
(s. v. Friesen, De genn. mediageminatorna. s. 16 note). lata (ahd. gi-jäzen)
bejahen ist urspr. von idt/o laM.jihianj -gestehen" verschieden, s. Lideu.
Arkiv. TTI. 238 f. Unklar bleibt t in Bot. knesböt und söt{t), s. § 108,2.
Anm. 2. Ob seltene Schreibungen wie reeta st. retta, magtigr st. mdttegr.
gect st gart, oktag st. ättok. pokt st. polt, freekt st. frett. bjrictnr st. lyn't J)or
eine dialektische ausspräche des alten spiranteu (noch in literarischer zeit)
bezeichnen oder nur Schreibfehler sind, bleibt unsicher: vgl. Bugge. Arkiv
IV, 116 f., Runeindski ifteu paa ringen i Forsa, s. 57, "Wadstein. F. Hom. s. 110,
Kock, Undersökningar i sv. sprakhistoria. s. 81 ff., Liden, Arkiv III, 238 note.
Noch unklarer sind Schreibungen wie hiriftor. Urij/tar (vgl. tgpto st. tykta
züchtigen; d. lehnw.j. lyrbrimr.
Anm. 3. Eine assimilation hd > dd ist wol durch auorw. tuidda,
tmdfanbr (s. § HO anm. 4) belegt: hk>kk? s. § 280,2 (schlnssi.
§268. d und d werden in folgenden fällen assimiliert:
1. dt. ddt > tt ausnahmslos, z. b. ntr. blint (ans *blintt
nach § 283) zu blindr blind, ßtt zu feddr geboren.
2. dt > tt ausnahmslos, z. b. ntr. glatt zu glaftr froh, gott
zu göpr gut.
Anm. 1. Gladt, yoöt u. dgl. in späteren hdschr. sind wol nur etymo-
logische Schreibungen. Anders Hoffory. Arkiv II, 31 note.
13*
196 §269 — 271. Regressive assimilation.
3. Öd > dd, wo nicht assoziation hindert, z. b. guddomr
gottheit zu gup gott, hgfoddukr kopftnch zu hgfop köpf.
4. öl > /?. z. b. frilla konkubine zu fripell liebhaber,
d mille, millom neben d mepal, i mipel zwischen, brullaup (aisl.
auch bruphlaup. anorw. auch briiÖlaup. bryölanp, bryllaup,
brullup §152,2) hochzeit zu briipr braut. sUJn < sipla spät,
brdlla < brdpla plötzlich, traulla (traup'lega) kaum, hrapallegr
eilend zu hrapapr eile, kuilla wehklage zu knipa ängstlich
sein, mannsnamen wie Gkdlaugr, -leifr. -leih- (und deren kurz-
name Gnlle) neben Gupiaugr usw., Hrolleifr. Hrollaugr gegen
Hröpgeirr, -murr, frolleikr (St. Hoin.) < fröpleikr wissen. Unter,
noch nicht bestimmbaren, umständen bleibt dl, z. b. anorw.
syöla, aisl. epla eidechse, eple neben apal natur u. a. m. Vgl.
endlich § 292.
Anm. 2, ddl ist ebenso (über dl § 284 > öl § 245, 2) zu U geworden
in den personennamen Olleif, -r, Ollaug neben Oddleif, -r, Oddlang; vgl.
aber Arpi, .Nord. stud. s. 74.
Anm. 3. Vereinzelt steht Ob > bb in anorw. Gu{Ö)brand, Hobbcerder
(isl. Hröpbiartr) mannsnamen; dm > mm in anorw. Gnmmundr ein manns-
name, vammdl < vdömdl kleiderstoff ; <hi und ddn > mm in anorw. Ronny,
resp. Onwy frauennamen.
§ 269. Das stimmhafte f (5) kann sich einem folgenden S
oder stimmlosen f assimilieren, z. b. abbragp statt afbragP das
was sich vor andern auszeichnet, abbinde stuhlzwang, abburpr
< afbarpr Überlegenheit, obbelde < ofbelde Übermut; affgr
abreise. Vgl. Hoffory, Arkiv II, 9.
§ 270. ggk wird kk, z. b. hykk {hygg ek) ich denke, pikkat
(*pigg-ek-at) ich empfange nicht,
Anm. $m scheint anorw. (wol über Htm, vgl. § 239, 2 und An. gr. II,
ij 258 anm. 1 ) zu mm geworden zu sein im mannsnamen Ammundr, Qm-
nmndr (z. b. schon im Hoprekstader buche, 2. band; s. übrigens Lind, Dop-
namn) neben Agmundr, Qgmundr. — Vereinzelte fälle sind auch : g b > bb
in anorw. Sibborg iSigbiori)) ein frauenname, mnorw. HabbarÖr ein mamis-
name: sf > 1f in mnoiw. Daffindcr {JJagfinnr). Auffallend ist ,$t > dd
(wol über $d) in ags. Sidroc 871 (Sigtryggr, s. Marstrander, Bidr&g, s. 159,
und Björkman, Nordische Personennamen, s. 120) ein mannsnaim\
§271. pt wird im mnorw. dialektisch zu tt, z. b. tutt
(anorw. tupt < tuft; vgl. nisl. tott < aisl. töpt: s. § 112, 1) bau-
platz , anorw. (bes. mnorw.) und orkn. a(t)ter < aptr zurück,
§ 272. Regressive assimüatiou. l-'<
noch: s. ILegstad. Yestno. maalf. IL 1. s. 35 und
FI. 2. i. s. 138. UO. Hild. s. 66, 0. Sknlerud. Telemaalet. s. TP.
Anm. Vereinzelt stebt pk > kk im seit. (s. Fritzner) skakker < «tapfer
(mid volksetymologiseh sknptker) bowle: S.Falk. Arkiv XIII. 90S.
§ 272. / wird im aisl. and vielen anorw. mundarten in
literarischer zeit in folgenden fällen assimiliert:
1. //>//. /.. b. kaU < hui alter manu, ketting < kerling
altes weib. toti fori jarl. polfci is.-hon in St. Honu < varfa
kaum. framaUa | sc&on > T Hom.) < framatrla weiter vorwärts, die
mannsnamen Polhifr < Porleifr. Polkikr < Porldla. Stullaug-r
(als kurzuame Stuüe) ' Sturlaitgr u. a. m.. s. bes. Gislason.
Njäla IL 435 ff.. Efterladte skrifter IL 165 f.
Anm. 1. In gewissen gegendeu ist uur tautosyüabisckes ri assimiliert
worden, z. b. aisl. fcotf, aber dat. pl. kprlum n. a. (Hb., s. XLIX).
2. m > ><». z. b. anorw. Bionn (schon im Hoprekstader
buche. 2. hand. vor 1300) ein mannsname vgl. § 244). honu
(ib.) hörn st. Biorn, resp. hörn, in personennamen häufig .
st.. Am-, pl. (ib.) prestanner {-arner) die priester: püfonner die
päpstc; vgl. J. Storni in Norvegia 1. 101. 124 note. Im aisl. ist
wol die assimilation etwas später als im anorw.. aber jedenfalls
vor 1400. eingetreten (vgl. Arkiv IX. 382 und Arpi. Nord. stud..
>. 75 1. Nach air. Vorfand 1014 aus Porbiom zu urteilen ist
r« (das iu air. lehnwörtern derselben zeit in lianpitoniger silbe
durchgehend* steht) im südnorw. weit früher in schwaehtoniger
als in haupttoniger silbe zu u» geworden (s. Marst rander.
Bidrag. s. 129 f. und 151).
Anm. 2. Anderer art ist wol spemtu (,prät. spenta und spunn) neben
wahrscheinlich unverwandtem sptnw (qpemta, sporn) einen fussstoss ver-
setzen; vgl. nscbw. dial. »pärma (gpaim). S. Persson, Beiträge zur indog.
Wortforschung, s. 412 nute 2.
3. r« > ss (doch, der assuziatiun wegen, nur ausnahms-
weise wo * der flexionseudung gehört, z. b. Cod. AM. 921, 4"
annas staßar statt aamars st. anderswo), z. b. foss < fors was>^i -
fall, huessu < huersc wie. skass < skars hexe, mnorw. Besst
< Berse ein mannsname. In einigen hdschr. nur wenn rs
antekonsonantisch steht, weshalb ss (nach § 284) zu *■verkürzt
wird, z. b. fy(r)str erster. rc(r)sna sich verschlimmern, poi â–
dorsch. bu(r)st börste u. a. m. (s. Gislason. Efterladte skrifter
• 9$ § 273. 274. Regressive assimilation.
II.1661) Die assimilation ist nach ausweis der skalden-
assonanzen wenigstens schon um 1300 (vereinzelt schon um
1200, z. b. Rimb. fyst anorw. Cod. AM. 655, 4°, IX huassu wie)
da: s. Mogk, Anz. f. d. A. X. 186; Morgenstern, I. F. Anz. VI, 96.
Anin. 3. Hieraus erklärt sich wol, dass man (durch umgekehrte
Schreibung) bisweilen rs statt etymologisch berechtigten ss geschrieben
findet; so besonders in anorw. hdschr. (aisl. beisp. s. z. b. Hb., s. XLV).
Anm. 4. Ueber eine andere behandlung der gruppen rn, rs im onorw.
8. § 252.
§ 273. ss wird zu ss assimiliert und dann eventuell nach
§ 284 verkürzt, z. b. 3. sg. präs. ind. pass. kallask aus *kallaR-s(i)k
nennt sich, mannsnamen wie gen. Porgei(r)s, anorw. Gesteein
(aisl. Geirsteinn).
Anm. 1. Eine assimilation Rl > U (mit späterer kürzung) wird wol
vom onorw. mannsnamen G(?i(r)laug>- (zu geeirr aus *gaiSaB speer) vor-
ausgesetzt.
Anm. 2. Ueber eine möglicherweise vorhandene assimilation Rr > rr
s. Pipping, Neuphilologische Mitteilungen 1909, s. 214.
§ 274. t wird in folgenden fällen assimiliert:
1. tk. ttk > kk, z. b. nekkuerr (s. § 128) irgendein, seit.
huakke < huatke was auch immer, seit, pakke (fiatke) 'nicht
einmal das' (l)orkelsson, Supplement IV, 186). ekke < seit, etke
(s. § 128) nichts, vekke < cet(t)ke, vcettke nichts, acc. sg. m. (schon
in der Flatdaler rasehr. um 1150) almakkan < -mdttkan (vgl.
§239, l,a) zu almattegr allmächtig, ffrokkell (s. § 238, 2, e).
Bokke (< *Botke < *Bopke zu Boßuarr, s. Lind, Dopnamn,
s. 185) mannsnamen, hlykk (aus hlyt-ek) ich bekomme, lekkuji
(aus leet-ek-at) ich lasse nicht, anorw. vcekka (*vcetka) feuchtigkeit
u. a. (s. Bugge. Tidskr. f. Phil, og P&d. IX, 125; Studier, s. 137
note).
2. ts (,?) > 88 in iutervokalischer Stellung (über antekons. ts
s. §303, 2) dialektisch schon um 1150, allgemein- (wo nicht
assoziation hindert) seit um 1250, z. b. bfesson (blezon) segen.
Gissurr (Gizorr) ein mannsname, Piassi (Piaze) ein riesen-
name u. a.; s. Mogk, Anz. f. d. A. X, 66; Gislason, Njäla II, 626 ff.
Anm. Vereinzelt steht tl > U (wol über dl, s. §268,4 und §248)
in Porkell u. a. mannsnamen auf -kell < -ketl (so sehr seit., z. b. im
mnorw. Ortsnamen JiafnkeUsstadir) statt -tetell nach dem dat. -hatte; vgl.
§ 359, 2.
; JT5. 276. Progressive assiuiilation. H-W
b) Progressive Hssiuiilation.
£270. //>. np werden zu U, resp. nn wenigstens um 950,
wie aus ags. lehnwörtern wie Gunner Günther (Björkman.
Nordische Personennamen, s. 84 1) u. a.. sowie auch Reichenauer
Xecrologium Arnur (d.h. Amörr < Arnpdrr) ein mannsname
hervorgeht, aber noch nicht um 700. nach Valby .<fu,tp zu
urteilen, wiewol andererseits aus läpp, skidne (< urn. skinna.
8. Wiklund. Finn.-Ugr. Forschungen XII. 34 f.) hervorzugehen
scheint, dass die assimilation irgendwo schon vor dem Schwund
des auslautenden et, also c. 700. vorhanden war; vgl. Xoreen.
G-eschk-hte • £ <<. 1»'>. Z. 1>. goU. yitli (got. gnlp) gold. IbUr (got.
/?><//>*) hold. W/Ve (got. tdpiza) älter. faritr (vgl. got. halpei)
geneigt, voür < ahd. »ald) feld. prät, /W/ (seit., s. Egilsson: gew.
/'eft. dem pl. nachgebildet, nach § 220: vgl. got. faifaip) zu fakla»
falten, prät. hell (seit., s. Egilsson; gew. helt. s. §317. 2. a» zu
halda halten, prät. oVa zu >aldn walten. Vllr (got. mäpt»\
vgl. urn. o w lj mfrcw an Torsbj*rgi ein göttername: annarr (got.
anpai) ein anderer. /?><>/« (got. pnjwo) finden. MMNir (nm^r
§261; got. mmnps) mund. <Hiw (vgl. ahd. scindan) haut, /öih/-
lahd. lint) lindwurm. unnr (ahd. undea) welle, hlennt (vgl. ahd.
hndtri. ags. hUdere) räuber. ümm (vgl. mhd. rinden) flinte.
(vgl. got. >////<-.<•: gang, kynne (got. kunpi) künde, prät
jhmna (got. kunpd) konnte, prät. wnm liebte, mtnne (got.
gaminpi) gedächtnis. Homm (got. nanfijan) wagen, tonn (vgl.
got. tunpus) zahn. 8 — -: got. sicinps) weise. ww m <ft
(ags. mtot») von süden her. a an n r (sapr: ags. sotf. lat. sOns,
gen. söntis) wahr. o&mmi (ygi ahd. alwf) eine fischart. stinnr
(stipr: ags. »&ffj steif, u. a. m. (vgl. jj 317. 2\.
Anm. In onorw. nmndarten der mnorw. zeit werden Id. nd zu //.
resp. nn, z. b. VestfoU (so auch Hb.. s. XLV. wol norvagisuvus) < -/bW ein
landschatt>nauie, Bungi>>U<^ Ragnhildr ein frauennaine: battn < 6m«f band.
S. bes. Hsegstad. Vestno. maalf. II. 2. i. B. 148. resp. 146 f.
§ 276. tö wird zu tt ausnahmslos, z. b. atte (got. ahtuda)
der achte, prät. betta (got. bötida) büsste. prät. inatta (got.
tnatida) schlürfte, gaftuttu (aus *gaft-at-Öu) du gabst nicht.
briöttu (briöt du) brich (du), pöttu (aus *pöh-at-du) obgleich
du. Httat (litt Öat) ein wenig, u. a. (s. Wadstein. F. Hom..
s. 115). — Ebenso würde dö zu dd werden; nach £ 283 ist
200 § 277. Progressive assimilation.
aber kürzung des dd eingetreten, z. b. prät. vendu (got. wandida)
zu venda wenden.
Anm. Eine assimilation td i^oder vielleicht auch hier td, s. § 228, 1 )
> tt, woraus nach § 283 t, zeigen anorw. Ortsnamen wie Aftalr « *Aft-
dalr), Gtestalr n. a. , s. Fritzner 1.286. — Ebenso ist pb (oder pb) zu pp
geworden im aisl. Ortsnamen Pappyli aus -byli (s. Kalund, Bidrag til en
historisk-topografisk beskrivelse 11,276).
§ 277. Die gruppen h. ns, r/t. s& (über ms s. anm. 4
unten) wurden g^gen das ende der urn. zeit fast überall zu
resp. II, nn, rr, ss (woraus später oft l. n. r. s. s. § 283. § 285, 5.
§286). Folgende fälle sind zu unterscheiden:
1. Wo ein langer vokal (oder diphthong) oder ein kurzer,
sohwachtoniger vokal vorhergeht, tritt assimilation ein, z. b.
stöll (got. stöls) stuhl, heul heil, ketell kessel (vgl. air. Ereil
848 ein inannsname — s. Marstrander. Bidrag, s. 115 und 159 —
aus urn. erilaR Lindholm, Kragehul. Järsberg); 3. sg. präs. skinn
zu skina glänzen, steinn (schon Eggjum c. 700 stAtn aus
stainuR Krogsta?) stein, heitenn (urn. haitiua h Tanum) geheissen
(vgl. schon Eggjum skorin aus *skorewiK geschnitten: ferner
air. Agonn aus Hdhmn, s. Marstrander, Bidrag, s. 118); mcerr
(urn. -marin Torsbjaerg) berühmt, aurr sand, hamarr hammer
(vgl. air. Badbarr vor 850 — aisl. Bofyuarr ein mannsname);
iss eis, 3. sg. präs. eyss zu ausa schöpfen, lauss (um. -Iausr
Björketorp) los, ymiss wechselnd.
Anm. 1. Statt ss tritt um 1800 bei adj. auf -s in obliquen kasus
analogisches ir auf. z. b. g. pl. vlssa, später visra (nach göpra u. a. formen
gebildet) zu viss weise, g. sg. f. i'/missar, -srar, dat. sg. f. ymisse, -$ri,
g. pl. ymissa, -sra.
2. Wo ein kurzer, starktoniger vokal vorhergeht:
a) Treten rr, ss überall ein. z. b. barr (vgl. got. bariz-eins)
nahrung. ferne (vgl. nhd. färse) stier, byrr günstiger fahrwind.
rgrr niederschlag (vgl. lat. versus strich), Purr (vgl. got.paürsus)
dürr, verre (vgl. got, waiirsiza) ärger, 3. sg. präs. ferr zu fara
reisen, less zu lese, lesen, yss lärm r ]jys.s getümmel, gyss spott.
Vgl. § 286 anm.
b) Dagegen ist 11 verhältnismässig selten, z. b. fiall felsen,
3. sg. präs. gell (und gelr) zu gala singen, stell (seltener stelr)
zu stela stehlen, skill (und skilr) zu skilia scheiden, vill (sehr
seit, vilr) zu mlia wollen, anorw. (Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i,
?; 277. Progressive assinnlation. -Ol
s. 144) teil (gew. telr) zu telia zählen. Gewöhnlich aber steht
lr. z. b. oh\ eher erle, 3. sg. präs. hylr zu hyliu hüllen, sclr
seehund. mehr sandhaufe. Der grund der doppelheit ist unklar
(vgl. Tamni. Beitr. VII. 453: Kock, Spräkhist. unders. om svensk
akeent IL 452 f.. Arkiv VI. 52 f.. VIII. 386. XIII. 193 f.. .
c) »« bleibt, wo die gmppe durch synkope entstanden ist,
unassimiliert. z. b. suanr schwan. Unr mild. 3. sg. präs. vewr zu
Kenia gewöhnen u. a. dl Nur scheinbare ausnahmen sind solche
fälle, wo der vorhergehende vokal entweder ursprünglich lang
gewesen ist. z. b. kann er (§ 127. 1). dat. kenne (gen. kennar)
ihr (§ 127. 6), minn mein, pinn dein, sinn sein (§ 127, 2), oder
gewöhnlich schwachtonig ist. z.b.enn (got. jains) 4 der (als
artikel). hinn jener (auch als artikel). Solche formen sind
also nach 1 oben regelmässig. — Dagegen wo die gruppe
schon um. ist. wird ni (**? s. §224) immer zu nn assimiliert,
wiewol dies nn später immer nach § 284 gekürzt worden und
dann nach £ 299. 5 oder § 266 geschwunden ist. z. b. aec daya
(got. dayans) tage, tud (got. ticans) zwei. anorw./»r (got. prins
£ 110. 1) drei, prettän (*prinntän § 2(36, 2) dreizehn, tottoyo (vgl.
got. taans tiyuns) zwanzig: vgl. noch §261 anm.
Anna. 2. Auffallend ist das einigemal vorkommende anorw. so**, sunn
('s. Haegstad. Vestno. maalf. II, 2, i : s. 145 und Hertzberg, seit, aisl., s. Egilsaon ;
got. hnum) söhn neben seit, sour i'aisl. gew. sonr. s«>»r) und gew. sov. (viel-
leicht urspr. als letzte Zusammensetzungsglied wie regelmässig im aisl.».
seit. IM
3. Wo ein konsonant vorhergeht, müssen die durch assimi-
lation entstandenen U. nn. rr. ss zu /. n. r, s werden (§ 283).
z. b. iarl (vgl. urn. erilar. Lindholm. Kragehul. Järsberg) jarl?.
krafn (urn. kardbanaa Jftrsberg) rabe. vdkr (tum. wahra* Rei-
stad) wachsam. Jd(f)t,- (uro. Öoktri* Tone) töchter. jmrs riese.
lax lachs.
Anm. 'A. In adj. auf -n i*t in den obliquen kasus da« /■analogisch
wieder hergestellt worden. /.. b. gen. sg. f. iafm rm mach göprm u. dglA
dat. sg. f. iufnre. g. pl. iafnm zu iefk eben Später können auch derartige
formen bei adj. auf -.-• vorkommen, z. b. fr<öJs(rtar. -()•)>'. -rra zu (Hat
freigeboren, htiassirjar. -ini. -na zu huas* scharf.
Anm. 4. Ober die Wörter auf -//. -».» s. unten 4.
4. Eine Sonderstellung nehmen die Wörter auf // uud
nn ein:
202 § 278. Progressive assimilation.
a) Nach 11 steht fast ausnahmslos r, was sehr wol laut-
gesetzlich sein kann in den fällen, wo 11 aus ip (§ 275) ent-
standen ist, z. b. hollr hold, eure älter; denn in dieser Stellung
ging r (nach § 265) sehr früh in r über, welches nicht assimi-
liert wird. Aber sonst muss wol llr auf analogiebildung (statt
des sehr seltenen 11) beruhen, z. b. 3. sg. präs. fellr zu fallu
fallen, allt; gen. pl. alba (No. Hom. lmal alla), gen. sg. f.
allrar (St. Hom., Pläcitüsdräpa und No. Hom. je lmal allar),
dat. sg. f. allre, ganz, illr, gen. pl. iura (St. Hom. 1 mal illa). bös.
b) Nach altem im ist n assimiliert in minne (got. minniza)
minder, pl. menn (*manniR, got. mans) neben me]>r (seit, mennr,
s. § 261) männer, 3. sg. präs. brenn (alt; später brennt-, brefir)
brennt, renn (rennr) reimt, fliesst; sonst steht allgemein anal.
mir oder (nach § 261) J>r, z. b. brunnr, brupr brunnen, mafir
(alt mannt; seit, mann, erst spät öfter mann nach dem acc.)
mann u. a. m., s. § 261. Wo aber nn aus n]> entstanden ist
(§275), steht lautgesetzlich (vgl. aber Kahle, I. F. Anz. V,96
und Pipping, Stud. nord. fll. VI, 5, s. 55) pr oder anal, nnr, weil
in dieser Stellung r sehr früh (nach § 265) zu nicht assimilier-
barem r wurde, z. b. gupr, gunnr (ags. güd) streit ; jedoch hat
man neben pl. tepr (seit, tennr) auch tetin zahne (vgl. sg. htm
neben Hildetannr), neben upr, unnr (ags. äff) woge die vielen
frauennamen auf -unn (neben -upr, -unnr), z. b. Ipunn, Pörunn.
Anm. 5. Auch mR ist wol nach schwachtonigem vokal zu mm (woraus
dann nach § 285, 6 m) assimiliert worden. Wenigstens kommt im No. Hom.
10 mal dat. pl. pttumm neben sonstigem pllom 'allen' vor (s. Wadstein,
F. Hom., s. 135). In derselben weise entstanden sind fälle wie letom < **0»ä
(Mio mer, s. § 158) sie Hessen mir, erom (ero mir) sie sind mir u. dgl.
Vgl. dat. pl. seit, tueimr (gew. und ältest tueim — eine urspr. dualform,
ags. tiväm, s. Loewe, KZ. XLIII, 91 f. — s. Jönsson. Hb., s. XXX) analogisch
(nach primr, s. Loewe, a. o., s. 92) zweien, gew.ßrimr (später /w/w» — so
1 mal schon in St. Hom. — nach anderen dat. pl.) dreien mit -mr nach
starktonigem vokal und urn. geektmM (Stentoften) gasten mit noch un-
assimiliertem -mR. Fromm (got. framis , s. Sievers, Beitr. XV, 405 note)
'hervor' ist wol ursprünglich nur schwach tonig gewesen (daher später —
aber in der skaldeupoesie noch äusserst selten [wiewol schon bei Egell],
s. Jönsson bei Oislason , Udvalg af oldno. skjaldekvad , s. XVII f. — fram
nach § 285, 1 und 3), dann aber auch stark tonig gebraucht worden.
§ 278. Eine eigentümliche assimilation von anlautendem
ic mit einem vorhergehenden, auslautendem m kommt vor in
4J 279- Konsonantendehmiug vor kunsonanz. 203
fällen von enklise wie oprom megen (statt regen n. s. Kock.
Arkiv XXXV, 82) oder megom (statt cegom) auf der andern
seite. böpom m. auf beiden Seiten. ollom m. auf allen seiten
u.a.; dann steht megen. megom auch in ausdrücken, wo das
nächstvorhergehende wort nicht auf m endet. In derselben
weise sind die fast ausschliesslich anorw. formen mit. met
neben cit. ret -wir zwei*, mer neben cer 'wir* entstanden, denn
diese pronomina standen oft unmittelbar nach ihrem verbum.
das auf -m auslautet, z. b. anorw. hallum mer wir rufen.
Anm. 1. mb wird nach schwachtonigeui vokal zu mm, woraus m »ach
§285,1. Altes beispiel ist nur die präpos. umb (alt und dichterisch, s.
Jönsson. Skjaldesprog. s. 122), später umm (anorw. bald nach 1200. s. Wad-
stein, F. Hom., s. 135, Hertzberg. s. 660), gew. mm um. Spät mnorw. tritt
mb > mm auch in starktoniger silbe auf, s. Haegstad. Vestno. maalf.
II. 2, i, s. 146.
Anm. 2. Schwachtoniges mn ist wol zu mm (woraus nach § 285, 5 m)
assimiliert worden in dem mit suffigiertem artikel verseheneu dat. pl., z. b.
seit, mpnnomnom > *mr»tnom(»>')om (aschw. monnomom . s. An. gr. II,
§ 294, 1) > gew. monuvnom iinit dissimilation des mittleren m um die
spezifische dativeuduug -om zu wahren; vgl. auch § 258 anm. 1) den
männern; s. Liden, Bezz. Beitr. XXI, 110 note 3; Noreeu, Geschichte 3
§ 267, c.
2. Sonstige fälle von konsonantendehnung.
§279. Vor einem anderen konsonanten tritt dehnung
in folgenden fällen ein:
1. Vor kons. I werden (vor 900) g und k nach kurzem
vokal zu gg. woraus (vgl. öd > dd § 238, 1. a) gg. resp. zu kk.
z. b. leggia (got. lagjari) legen, hyggia (got. hugjan) denken,
byggia (got. bugjan) vermieten, hryygr (gen. -iar) rückgrat, egg
(gen. -iar) schneide: lykkio schlinge zu lok schluss. bikha
neben greybaka hündin. anorw. hornekkio j s. Bugge bei Hertz-
berg) neben aisl. kornreka (winkel)beischläl'erin. anorw.
(s. Hertzberg) kmekkia (zu hscIiw. knokai zerknicken, bekkr
(gen. -iar) bach. Weil in den meisten fällen nach g. k bald
kons, i stand, bald nicht, ist sehr oft ausgleichung eingetreten
— bei g gewöhnlich zugunsten der geminata (gg). bei Ä' gew.
(bes. im aisl.) zugunsten des kurzen lautes — oder auch sind
doppelformen entstanden, z. b. präs. liggr statt Ugr (anorw-
nicht seit.; aschw. ligher, got. ligis) nach Hggio liegen, ßig(ß)r zu
204 § 279. Konsonantendehnung vor konsonanz.
piggia empfangen, seggia (z. b. Cod. Tunsb. oft, sonst sporadisch.
s. Gislason, Njäla II. 451 ff., Jonsson, Skjaldesprog, s. 109)
neben gew. segia sagen nach präs. seger, pegia (Cod. AM.
645, 4° 2 mal fieggia) schweigen nach präs. peger; \)\.bekker.
Grikker (und Grikkiar, seit. Griker) nach gen. bekkia, resp.
Grikkia Griechen, vekkia neben vekia wecken nach präs. vekr,
anorw. acc. sg. scv(k)kian neben aisl. sekian zu scekr, resp. sekr
schuldig, anorw. soe{k)kia schuldig machen, anorw. pce(k)kia
neben aisl. pekia decken zu pak dach, anorw. rce(k)kia neben
aisl. rekia recken, aisl. (oft) rekia neben rekkia bett, ly(k)kia f.
eingezäuntes grundstück, v. zuschliessen u. a. m. (vgl. Bugge,
ßeitr. XIII, 171 f., Gislason, Njäla II, 351 ff., Annaler 1863^
s. 329).
Anm. 1. In literarischer zeit tritt im anorw. (ziemlich sporadisch,
z. b. piöreks saga, Cod. Tunsb.) dehnung auch bei n und / (hier auch im
aisl. , obwol sebr selten) vor kons. » auf, z. b. syiinia weigern, brynniu
brünne, oittia besuchen, scettia setzen, sittia sitzen u. a. gleich aisl.
si/nia usw.
2. Vor kons, u (w) wird (wol zur selben zeit) k nach
kurzem vokal zu kk, z. b. slekkua auslöschen zu slokenn erloschen.
nnkkue nachen, pykkr (acc. pykkuan; vgl. air. tiug) dick. Oft
kommen durch ausgleichung doppelformen vor, z. b. rek(k)ua
finster werden, rek(k)r (got. riqis) finsternis, acc. sg. m. kuikuan
neben seltenerem kuikkuan (kykkuan) zu kuikr lebendig.
nekikjaepr (vgl. § 226 und got. naqaps) nackt, anorw. präs.
ocekkir zu vek{k)ua zum fliessen bringen.
3. Vor l werden ^ k sporadisch zu (gg. woraus) gg, resp.
kk, z. b. mgg(g)lan das brummen, pl. mik(k)ler zu mikell gross,
dat. iok(k)le zu iokoll eiszapf en u. a,; vgl. Gislason, Njäla II, 443.
Wadstein, F. Hom., s. 134; Jones, Phonology of the Elis saga.
s. 24, Gering, Isl. Mv. I, XX.
Anm. 2. Vor /• werden im anorw. (selten im aisl.) k und t sporadisch
gedehnt, z. b. blak(k)>a flattern. c«k(k)r wachsam, gen. pl. spak(k)ra zu
spakr weise; biet(t)ri besser, oitit)ra klugheit, präs. ettar (§l61,b) statt
etr zu eta (bisweilen anal, etta) essen. Vgl. u. a. Wadstein, F. Hom., s. 134,
Hb., s. LVII. — Mnorw. kann d vor r (zu da) gedehnt werden, z. b. fryääer
< {P)yÖr euch, medäer < meÖr mit ; s. Larsen, Arkiv XVIII, 86.
Anm. 8. Vor n kommt dehnung sehr seit, (am häufigsten bei t,
B. Hb., s. LVII) vor, z. b. vü(t)ne zeuge, f } 6t(t)n ein Ortsname, nom. pl. m.
ty<f(y)ner zu lygenn lügnerisch.
§280. Konaonantendehnung nach langem vokal. 206
§280. Nach langem, haupttonigem vokal tritt bis-
weilen dehnung ein (vgl über diese schwierige frage Noreen.
Arkiv VI. 319 ff., und Kock. ib. TU 334 ff.). Die fälle sind:
1. In urspr. (d. h. urn. auslaut) wenigstens bei /. z. b.
prät, hctt (seit., s. Laisson. s. 141. sp. 2. Hertzberg. s. 859,
IL Olsen. Volsunga saga. s. XL) hiess und lett (im Hoprek-
stader buche; aschw. seit. Isett. s. An. gr. II. §297 anm. 4) Hess
neben gew. het und Ut: ilft (oft, s. Hertzberg. Haegstad. Vestno.
maalf. I. s. 133 und II. 2. i. s. 171, F. Jonsson. Gunnlaugs saga,
s. VIII. E. Olson, Yngvars saga LXXIl.. Kälund, Alfraeöi
islenzk I. xv; vgl. das sehr häufige aschw. utt s. An. gr. II, a. o.;
ob vielleicht aus *i<t-at wie hit. anorw. pit u. a. nach § 158
gebildet'?), wonach anal, uttnu. littar. uttnstr, neben iit (litan
usw.) hinaus.
Anm. 1. Imper. wie blöü opfere, grätt weine neben blöt, grät können
aus blöttu (< blöt-Öu % 276), grätt* abstrahiert sein; prät. wie biött wohntest.
fu'ott hiebst neben seit. biot. hiöt können zu der 1. sg. feto, hiö neugebildet
sein nach der analogie sfött «*f>toht §267) schlugst, hlött lachtest zu
slö, hlö.
2. Wo der konsonant durch synkope mit dem vokal
zusammentrifft, wird wenigstens r vor unbetontem vokal
gedehnt (doch noch nicht in den ältesten hdschr.), z. b. gen.
sg. f. grär(r)ar. dat. sg. f. grar(r)e, gen. pl. grdr(r)a (wonach
nom. sg. m. seit, grdrr neben gew. grdr) grau, komp. fcer(r)e
weniger, smder{r)e geringer, ngr(r)e neuer u. dgl., H16(r)ripe
(zu hlöa heiss sein: vgl. § 151, 6) ein Torsname: vielleicht
auch /• in fällen wie sek(k)a aus *se-(e)k-a ich sehe nicht.
dk(k)a ich habe nicht u. a., wiewol andererseits möglich ist.
dass sekka aus *seh-k-u, *äh-k-a mit assimilation des hk zu kk
(vgl. ht >.tt§ 267) entstanden sind.
Anm. 2. Nicht hierher gehört das schon in einigen der ältesten hdschr.
iz. b. Cod. AM. 315 F — s. § 15, B. b, 4 — wo peim\ aber noch fctre, nicht
fterrt) alternativ vorkommende -rr- der nicht durch synkope entstandeneu
formen peirirun: -r(r)e. -r(r)a 'derfen. deren' nach deren analogie dann
zum pron. tiA 'dieser' pc<*ar r «r. -rtr(i-y, nrirui statt /mmt, -m, -sa ent-
standen sind. Nach E. Olson. Östgötalagens 1300-tals-fraginent. s. XCVIf.,
wäre peirrar usw. ein urn. paiRiRöR usw.. d. h. eine Umbildung von paiRöR
usw. nach *blindiRöR « blhidrar) n. dgl.
Anm. 3. Ueber das wol nicht hierhergehörige anorw. .sHÜldaudr. -da
neben wtkUmdr, -chi s. § 267 anm. 3.
206 §281.282. Konsonantendehnnng.
Anm. i. Wo kein vokal folgt, ist vielleicht überhaupt (vgl. doch
1 oben) keine lautgesetzliche dehnung anzunehmen. Z. b. ist wol das schon
in den ältesten hdschr. auftretende komp.-adv. vutir 'näher' so zu erklären,
dass, nachdem der urspr. komp. ncbr (got.neJvt's) früh die bedeutung : nahe'
angenommen hatte, die komp.-endung -/• zum zweiten male hinzugetreten
ist (wie in mipr < minnr weniger neben aschw. min, got. min*, oder fremr
'weiter' zum urspr. komp. framm, got. framis, s. § 277 anm. 5); ebenso in
dem eines eigentlichen positivs entbehrenden komp. meirr (so schon in den
ältesten hdschr. häufiger als meir, got. mais) mehr. Von ncerr, meirr u. a.
ist wol rr anal, übertragen worden in fällen wie optar{r) 'öfter', nepar{r)
'weiter unten'. — Ebenso zweifelhaft ist dehnung bei anderen auslautenden
kons, als r. So z. b. ist vielleicht ss urspr. (\gl.pess, Jniess, hirpess u. dgl.)
in solchen gen. wie adj. grds(s) u. a., subst. ntr. bü$(s), tres(s) — so schon
im St. Hom. — m. Tys(s), wids(s), wozu möglicherweise rr in nom. Ttfr(r),
mör(r) eine neubilduug ist. Seltenes siäkk statt siäk 'ich sei' kann ja nach
siäkka (s. 2 oben) u. dgl. sein kk angenommen haben. Und es konnte wol
auch sein, dass das schon in den ältesten hdschr. weit überwiegende tt in
sg. n. a. ntr. wie fätt weniges, miött schmales u. dgl. auf assoziation beruhte,
indem fätt statt des seit, fät zu für, miött zu miör neugebildet wäre nach
der analogie smätt (*smäht nach § 267, vgl. ahd. smähi) : smär, hott {*höht,
got. hauhata) : hör u. dgl.; umgekehrt seit, smat, hat nach fät u. a. Upp
(ags., as. upp; vgl. aisl. uppe, yppa u. a.) neben seltnerem (s. Larsson, bes.
s. 340) üp (ags., as. üp, ahd. üf; vgl. aisl. seit, äpi, s. Larsson, ib.), seit,
durch kontamination üpp hinauf ist wol nach § 318, 2 zu erklären (s.
Johansson, Bei tr. XV, 240 ff.).
§ 281. Nach kurzem, haupttonigem vokal tritt,
scheinbar ganz regellos, dehnung in einigen fällen auf, wie
in brot(f), brutt (vgl. § 152, 2) neben braut weg, hin, seit.
huatta beschleunigen , hatta hassen u. a. statt huata, hata
(8. Bugge, Norrene skrifter, s. 356), skattyrpe neben sköting
höhn u. a. (s. Falk, Arkiv V, 121 f.), anorw. forraö (s. z. b.
Wadstein, F. Hom., s. 133) gefährliche passage und huarra,
•e wo in aller weit neben f'oraö, huara; vielleicht auch das
rätselhafte snimma, snemma (s. § 162, 1) neben seltenerem
(bei den älteren skalden nie vorkommendem, s. Jönsson,
Skjaldesprog, s. 113) snema, snima (aschw. snima; vgl. got.
sniumundö) früh, bald.
Anm. Das im mnorw. häufige Uli statt til 'zu' ist wol wie im aschw.
zu erklären (s. An. gr. II, § 299).
§282. Nach gewissen konsonanten, bes. /, n, r, tritt
(wie im aschw., s. An. gr. II, § 301) dialektisch dehnung ein
und zwar nach /, n, r in der anorw. Barlaams saga. z. b. birtta
$ 283, 284. Konsonantenknrznng. 207
offenbaren, enddo enden, halldda halten: nach /. //. r in der
Flateyjarbok: bei / nach r und bei n nach f, g, r im anorw.
Cod. AM. 655. 4 Ö . fragm. IX. b und Cod. Holm, der Olafs saga
helga (vgl. Brenner. Beitr. X. 436 ff.); bei n nach f. r in Cod. Reg.
n. s. 1824 b. 4* c 1400 (>. M. Olsen. Volsunga saga. s. XXXIV ;
bei /, n nach r in einem teile der Hauksbok (s. Hb.. s. XL1V)
und (hier auch bei n nach f) in Jöfraskinna (s. De bevarede
brudstykker s. XVIII), z. b. nafkn name. korll alter mann
kornn körn. same.
Anna. In lehn Wörtern wird d nach haupttonigem vokal zu dd, z. h.
kredda lags. creda) credo. tteddn (ags. steda) stnte. Zur erklämng n.
Noreen. Värt gprSkIV, 62.
8. Kürzung.
§ 283. Nach einem anderen konsonanten (nicht aber
konsonantischen vokal) wird geminata verkürzt, z. b. ntr. blint
^aus *bUntt § 268.1; got. blindata) blind, prät. venda (aas
*wmdda, -dda § 276) zu venda wenden, ntr. hudrt{t)ueggia
jedes von beiden, karl {*karü <*Jcarh §277.3) alter mann,
bot* (*hotnn < *botnn) boden. lax (*Iakss < *laksii) lachs, hiarne
{*hernne, *herznW §224.2: vgl. hiarse Scheitel und §317,4)
hirn, J>oma [*por.zna. vgl. got. paiirsus) dorren. Vgl. dagegen
z. b. teinn zweig, omr lehm. nass. ei/ss schöpft u. dgl.
§ 284. Vor einem anderen konsonanten sind schon
vor 1200 alle geminaten (wenigstens in der schrift) vereinfacht
worden, ausser II, mm. nn. rr vor /. m, n, r und gg, kk vor
kons. i. u. Jedoch ist schon in den ältesten hdschr. diese regel
durch ausgleichung vielfach durchbrochen worden. Beispiele
des alten Verhältnisses sind u. a. hlotr (ahd. hlahtor) gelächter.
r(it{t)r zeuge, slötr schlachttleisch. Idtr ruhestätte der See-
hunde, ncetr. detr (seit, dettr) u. a. § 267. vetr § 266. 2, ketlingr
junge katze (zu kgttr katze). Otkell §245.1. etki nichts
(zu eitt ein), retke gar nichts {*u-ett-Äi nach §239. l.a; vgl.
ahd. triht), brotfall § 241. misktoin barmherzigkeit (zu präfix
miss-). ok(k)la §266.3. bijgpa. yngna. ueia §246.2. f skygna
['tkuggwinön) spähen, galdr \*yadl- § 313. 2. § 245. 2. zu gaddr)
i'ussstapfe im schnee. ntr. J>tat zu Jmrr. dürr, prät. kipta zu
kippa rücken, samfepr §245.2. apr §266.1. Vgl. Hoffory.
208 §306. KonsonanteokUrzufig".
Arkiv II, 38 ff.. Mogk. Anz. f. d. A. X. 61 ff.. Wadstein, F. Hom.,
si 127 ff.
§ 285. Nach schwachtonigem vokal tritt regelmässig
kürzung ein, jedoch nur zu sehr verschiedenen Zeiten in ver-
schiedenen fällen, je nachdem ein ursprünglich starktoniger
vokal früher oder später schwach tonig geworden ist. Bei-
spiele sind:
1. Enklitische und proklitische Wörter (von denen die
meisten natürlich auch oft haupttonig vorkommen, dann fast
immer mit erhaltener geminata), z. b. epa oder, mepan während,
sifian seitdem (vgl. über diese drei § 241), fiih'a (haupttonig
pykkia, vgl. § 147) scheinen, ek(k)e nicht, os{s) uns, kan{n)
kann, han(n) er, hin(n) der (als artikel), en(n) noch, pan(n)
den, huer(r) jeder, pes(s) des, um (umm, umb § 278 anm. 1) um,
hineg dorthin, hierher neben hinneg (aus hinn-iveg nach § 235, 1, f)
dort, pan(n)eg dahin, vil{l) will, anorw. nok{k)or{r) irgendein,
sin(n), sit{t) sein u. a. (s. z. b. Wadstein, F. Hom., s. 130 ff.).
2. Schwachtonige Vorsilben einfacher Wörter, z. b. gew.
teningr (mit haupttoniger pänultima tenningr, s. § 51, 1, b)
würfe], pre{n)ning dreieinigkeit. ke(n)ning poetische Um-
schreibung, mi{n)ning erinnerung, s. Kock, Accentuierung,
s. 225 f. und die daselbst zitierte literatur; Wadstein, F. Hom.,
s. 125; Hb.. s. XXIX (wo unrichtige erklärung) und s. XLIII.
Peningr (so z. b. oft in Norges gamle love) neben pennmgr
pfennig ist wol aus ags. pen(n)inx entlehnt.
3. (Urspr.) schwachtonige erste Zusammensetzungsglieder
(s. § 51, l,a), z. b. forynia (s. Falk, Arkiv IV, 357 f.) vorbote,
Puripr (aus *Pwtffipr § 291. 4. b) ein frauenname, orgsta
(s. z. b. Wadstein, F. Hom., s. 126), -rosta (z. b. Kräkumäl; gew.
orr-, s. § 148) kämpf, fosyster aus *fös(t)systir und dies aus
föst(r)systir (vgl. § 201, 10 und 11) pflegeschwester. ijwbtt
geschicklichkeit (s. Kock, Accentuierung, s. 214). spanyr
(St. Hom.) neben spännyr nagelneu, anorw. malauss (s. Kock,
ZfdA. XL. 199) neben gew. mdllauss stumm. iam(m)ihit gleich
viel, stör(r)dör grosse plane hegend (s. Kock, Accentuierung,
s. 218), brilaup neben bryllanp (vgl. § 114 anm. 1) hochzeit.
4. »Schwachtonige zweite Zusammensetzungsglieder, z. b.
rindt{f)a freundschaft, eyvet, lyrit(t)ar s. § 267, mishun(n),
s, 28.Y Koiistiiiaiiten-kürzimg. 209
barmherzigkeit. anonv. (fwb(pf(t)f amt. u. a. m.. s. Wadstein,
F. Hom.. s. 126.
."». Schwachtonige ableitungs- und endungssilben. z. b. dat.
8g. m. blindow (got. blind nrii ma) blindem, dat. pl. ollom (glhimm
jj 277 anm. 5) allen, nom. acc. sg. ntr. bandet ( H/t md iH i § 206. 2. b i
gebunden. feo&ri (*Aa#a<W § 2(33. 2) gerufen; entsprechend
hgfo(d)d>ikr ans hqfuSdmhr | § 2(38. 3 ) köpf tuen. diofn{l)le(ir teui-
lisch. hrigtdegr (vgl §206, 4) christlich. hriino(l)lr<in behörig
u. dgl. (s. Sverdrup. Arkiv XXVII. 7). Nach langem vokal
(auch wo dieser schon in der ältesten literatur verkürzt worden
ist) und wo die geminata verhältnismässig spät entstanden
ist. bleibt sie — tt vielleicht besonders lange, s. Sjöros. Stud.
nord. fil. YIll. :'«. s. 13 f. — einstweilen, z. b. gen. sg. hirpess (vgl.
]>ess. bness) zu hmper (got hu'rrdeis) hirt. Jcoüottr kahl. jfeefeft
kessel, gen. sg. Lyren nar der kuh u. dgl. Später kann die
geminata auch in diesen fällen verkürzt werden: im aisl.
kommt dies in älterer zeit nur ziemlich sporadisch vor. z. b.
nnnar(r) "anderer. drotten(n) herr u. dgl. in St. Hom. i andere
beisp. bei Gislason. Xjäla II, 628JL, später aber regelmässig
in gewissen hdschr. 's. .liriczek. ßusa saga. s. XXXII): dagegen
im anorw. (bes. onurw.) ist diese kürzung nach 1200 ganz
regelmässig, z. b. nokior(r) irgendein, kristin(n) Christen.
drepen(n) getötet (Tüb. brachst.), n'nnahj) alt. annar(r) anderer,
gen. pl. fktffur{r)a vier (Cod. Tunsb.). mykil(l) gross. hhmn(n)
himmel. amb6i(t) dienstmagd (Xo. Hom.: weitere beispiele bei
Wadstein, F. Hom.. s. 130 iL), gen. pl. ij)»i$($)<< zu ifmis(s)
wechselnd, der suffigierte artikel -en(n). -in(n). gen. f. 8g.
ar usw.
Anm. 1. Die oben erwähnten kürzuugeu können auch dann eintreten,
wenn die gfUri— t» aus dem auslaut eines wertes und dem anlaut eine-
folgenden besteht, z. b. Jx'i ki<<ii/>) pai IM wir 'dann sprach so B.'. drefe />â–
J>i'i tötet sie. }>>ihke }>*>)■aus * p t fkki i (got. pivikeijA Ber ij»'r\ ; es scheint
dir', n { p\ /j"t nif po(. s. § 248) dass es'. toio(m) w'r («*#) -wir (zweii
nahmen", peim) mon : in dem masm m %xu vor eron (§ lös anm. 2)
•wir sind'.
Anm. 2. Anden zu beurteilen sind fälle wie die urspr. zusammen-
gesetzten mannsnamen Hökun neben seit, -kunn is. Egilssom. anch -tonn s.
Lind, Dopnauni ; air. Agonn S47. s. Marstrander, Bidrag, s. 118i, später gew.
■l;on is. Gislason. Efterladte skrifter 1,3). Aun(n) §228 neben (sehr seit,
anorw. Auöunr, s. Lind. Arkiv XIII. 193. nndi gew. Aufiundi). -oh und (JitUt)
< *Aun(n) §226 und §228. wo auch in aisl. hdschr. -» hännVer als -,n\ ist.
X^rpfri. Alti*l. granmi. 4. aufl. ii
210 § 286. Konsonantenkürzung'. § 287. Konsonantenschwund im anlaute.
In jenen formen fehlt nämlich die nominativendung wie bisweilen im simplex
kon (s. Egilsson) , vin neben konr sprössling, rinr freund. Zur erklärung
s. Noreen, Arkivlü, 14 note, VI, 308 f., Uppsalastudier, s. 195 f. und 201.
Auffallend ist son, sun neben sonr, sunt; sonn, sunn (s. § 277 anm. 2) und
Halfdan neben seit, -danr st. des zu erwartenden * Halfdann (doch air.
Albann 874,876, Albdann 934, s. Marstrander, Bidrag, s. 1 18;.
§ 286. Nach langem, starktonigen vokal (oder
diphthong) wird auslautende geminata in älteren aisl. hdschr.
nur ganz ausnahmsweise (sporadisch) verkürzt, z. b. piön(n)
knecht, 3. sg. präs. skm(n) leuchtet, is(s) eis, laus(s) los, vis(s)
weise, 3. sg. präs. frys{s) friert, stöl(l) stuhl, scelil) glücklich,
heil{l) gesund, pior(r) stier, skir(r) klar u. a. schon um 1200
(s. Gislason, Njäla II, 628 ff.), fälle die wol sämtlich auf Über-
tragung aus formen mit lautgesetzlich einfachem konsonanten
(wie acc. sg., 1. sg. präs. u. dgl.) beruhen können; in den misl.
rimur aber ganz regelmässig (s. Jönsson, Fernir fornisl. rimna-
flokkar, s. Vif.). Dagegen in anorw. (bes. onorw.) hdschr. ist
schon früh (in nebentoniger silbe schon um 800 durch air.
lehnwörter bezeugt, s. Marstrander, Bidrag, s. 119) diese kürzung
durchaus regelmässig (s. Wadstein, F. Hom., s. 130 ff.), z. b. ntr.
breit zu bräÖr hastig (aber satt zu sadr wahr), vis weise (aber
Jcoss kuss), kr ös (vgl. ahd. chruzi) neben hross kreuz.
Anm. Fälle wo eine geminata nach kurzem, starktonigem vokal
verkürzt worden zu sein scheint, beruhen — mit ausnähme der misl.
kürzung eines auslautenden rr, worüber s. Gislason, Efterladte skriftei
II, 169 f. (und vgl. An. gr. IL §305) — wol auf anal. Übertragung, z. b.
3. sg. präs. seit, stel, skil, fer, oft les statt stell (steh; s. § 277, 2, b) stiehlt,
skill (skilr) scheidet, ferr fährt, less liest, wol durch entlehnung aus der
1. sg. präs. Unklar bleiben pakä (so immer im Cod. AM. 645 4°) neben
pakka danken, fiori (so immer im aisl. teile der Hauksbök, s. Hb., s. XLIV,
wie zum teil im nisl.) neben porre der 4. wintermonat, aisl. pes(s)a dieses,
-er (gen. sg. und pl. ; ein erklärungsversuch bei Hänninger, Fornskänsk
ljudutveckling, s. 38; aber vielleicht kommt pesa nur in solchen hdschr.,
z. b. St. Hom., vor, wo ss durch s wiedergegeben wird, s. §45 anm.i.
IV. Uebrige iautgesetze der konsonanten.
A. Schwund.
1. Im anlaute.
§ 287. Wo durch synkope einer unbetonten vorsilbe (§ 154)
eine der spräche fremde konsonantengruppe oder auch eine
geminata entstehen sollte, schwindet der anlautende konsonant,
§ 288. 2S9. Konsonantenschwund im anlaute. 2 1 1
z. b. nmnui (ags. bemämm) berauben, xtolernt (ags. bestolen)
beraubt; burpr (got. gabau rp$) geburt. nnnne (got. gaminpi)
gedächtnis; prät. meip § 154 u. a. m. Vgl. Delbrück. Syn-
kretismus, s. 51 uud 178, Yonhof. Zur entwicklung der germ.
echten verbalkoraposita. s. 4 f.
Anni. Aus demselben grund fehlt gew. p in den lehuwörtern {p>*nh»r
psalm und ip<$a1t(ire psalter.
§ 288. ><■schwindet im allg. schon vorliterarisch vor r.
z. b. reipr (aschw. rreper) zornig, reha (aschw. rrmku. got. wrikan)
treiben, rangr i aschw. vranger, engl, tcrong) schief, rata (got.
irmton) wandern, rist (nschw. vrist) rist, rise (vgl. as. torisitik)
riese. ripa (aschw. cripa. ags. wHÖan) drehen, rita (ags. iiritan,
mndd. irrlten, vgl. urn. prät. wotaü Istaby. präs. waritu Järs-
berg) schreiben, rcijje (vgl. ags. urced. got. irripus statt *wre~Pus.
s. Bugge, Bezz. Beitr. III. 114) ferkel, ro (aschw. crä) winkel,
reine hengst (vgl. aschw. vrSna, mndd. urenschen wiehern).
reitr (aschw. irreter. vgl. urn. wraita Reistadj abgesteckte
fläche.
Anni. 1. Noch im 10. jahrh. ist ic in dieser Stellung nicht fortgefalllen.
wie bewiesen wird durch gedichte. die zu dieser zeit verfasst worden sind,
wo Wörter, die später mit r statt vr anfangen, durch die alliteration mit
solchen Wörtern verbunden sind, wo » als v auch später geblieben ist. z. b.
bei Eilifr Guju-ünarson: [TT] /•?«/»• ttoß [W]rgsJco bröper, vä gagn faper
Magna, u. a. (s. Bugge, Bidrag s. 8». Noch später als auf Island schwand
w in Norwegen und hier später im Süden (wo, bes. onorw., noch heute iw
als w in vielen dialekten herrscht; vgL anorw. vreiöe zom aus dem j. 1381,
s. Fritzner III, 58) als im westeu und norden. Vgl. noch Sijmons, Die lieder
der Edda I, clxxiv und cclxxxiv, F. Jönsson, Arkiv VI, 150 f. . No.-isl.
kutan- og sprogforhold. s. 264 ff., B. M. Olsen, Timarit XV, 43 ff.
Anm. 2. In anorw. hdschr. seit dem 13. jahrh. kommt es einigemal
vor, dass statt wegfall von w metathesis von to und r eingetreten ist, z. b.
ruceidi (gew. rmÖi) zom, ruangr (rangr) schief: s. Vigfusson, Eyrbyggja
saga, s. XLIX note ; Fritzner III, 58 ; Hsegstad, Kong. s. 24 und 35, Vestno.
maalf. II, 2, i. B. 151 : G. Flom, University Studie* IV. 2. s. 15 (wo unrichtige
erklärung).
§ 289. Im anorw. schwindet h schon vorliterarisch vor
l, n, r, z. b. lutr (aisl. hlutr) teil, niga (aisl. kniga) sich neigen.
rasinn (aisl. hreinn) rein.
Anm. 1. Die Orthographie einiger alten rnneninschriften (wie Hrikarifo
= Hringariki Alstad im 10. jahrh., Hrabisun = Hr(eppis$ MM Skollevold
c. 1000, s. Bugge, Norsk Sagafortaelliug . s. 124 note 2) und die alliteration
14»
212 §290. Kons. -Schwund im anlaute. §291. Im in- und auslaute.
der ältesten anorw. gediente zeigen, dass im 10. und ll.jahrh. h noch da
war; andererseits fehlt, es schon in der Faberger inschr. c. 1050 [Itoar
= Hröarr, s. Bugge, ib.) und in der literatur schon bei Theodoricu*
monachus um 1175 (Ranason — Hranason, Ringr = Hringr). Orkn. blieb
es wenigstens bis ins 13. jahrh. (s. Vigfusson , Eyrbyggja s. , s. XXXV) ;
sbetl. ist noch aus dem j. 1360 Hrolfs bezeugt (s. Hgegstad, Hild. s. 64).
Anm. 2. Auch in aisl. hdschr. des 13. und 14. jahrhs. finden sich
einige beispiele von dem wegfall des h vor l, n, r (s. z. b. Bugge, Norroen
FornkvjeÖi, s. XII und 446; Gering, Isl. /Ev. I, XX).
Dagegen fehlt sporadisch, sowol in aisl. als in anorw.
hdschr., anlautendes h vor vokalen; so z. b. oft in St. Hom.,
in Agrip u. a.
Anm. 3. Dieser Unsicherheit des anlautenden h verdankt wol das
bisweilen zugesetzte unetymologische h (§ 306) sein dasein.
§ 290. Seit 1300 schwindet im aisl. g vor n, z. b. (g)naga
nagen, (g)neisti funke; mnorw. auch in einigen dialekten, z. b.
Nüpr st. Gnüpr ein mannsname.
Anm. Die schon früher (und auch anorw.) auftretenden nogr hin-
reichend, Wer gleich neben älteren gridgt, f/likr sind wol selbständige bil-
dungen ohne das präfix ^a-.
2. Im in- und auslaute.
§ 291. Wo durch synkope, Zusammensetzung oder sonst
eine aus drei konsonanten zusammengesetzte gruppe ent-
steht, welche sonst nicht der spräche geläufig ist, fällt der
mittlere konsonant fort, wo er nicht durch assoziation erhalten
wird:
1. b fällt zwischen m und s, z. b. I)um(b)s haf das eis-
meer, gen. dram{b)s zu dramb (das) prahlen; zwischen m und /
wol in kum(b)l (as. kunibl, -dl) grabdenkmal zu kumhr (vgl.
griech. yo/tr/oQ pflock) keule (s. Meringer. I. F. XIX, 447 und
XXI, 298).
2. d. z. b. frcen(d)kona muhme, pl. syn{d)ger zu syndogr
sündig, van(d)lega sorgfältig, mun(d)laug handfass, tial{d)lnt])
zeit, hol(d)gan incarnatio, hal(d)faicemr nützlich, pl. hal(d)ner
zu haldenn gehalten. slenguan{d)bauge ringvergeuder, Vellan[d)-
katla, Hengiankiapta u. a. dgl. poetische benennungen (Falk,
Beitr. XIV, 42); bes. häufig in dem präfix and-, z. b. an(d)mar/:r
fehler, an{d)lit antlitz, an{d)lät tod, an(d)nes Vorgebirge u. a.
sowie die vielen adj. auf -«wfr?)^-. z. b. elskanlegr liebenswürdig
§291. Konsuuauteuschwuuil in dreikuusouautischer giwppe. 213
neben dugandlegr tüchtig (s. Sverdrup. Arkiv XXVII. 156 ff.);
ferner häufig wo d zwischen zwei l oder zwei n kommt, z. b.
mil\d)lega sanft. v?ral\d.)ltgr weltlich. d\d\hgr feurig, pl.
bun(d)ner zu bundenn gebunden. blanid)ner zu bJandenn
gemischt. — In fällen wie tm tfymuir {emtmar^ antwort. -skate
gegner. -spiall gespräch. -xtyggr hässlich oder gen. tiaHdis zeltes.
suu(d)s sundes u.a. (s. Gislason. Xjäla II. i>34fi ist wol eher
t (s. § 245. 1) geschwunden.
3. ö. z.b. l'iiap^and. wn-fviin ahd. nord roxi: auch wo'/ â–
s. Gislason. Efterladte skrifter 1.208. anorw. noreno § 151.7.
nach Noregt) norwegisch, pl. nor{p)menn norweger. dat. ntr.
//>•'/ <i>J)- iio zu bruffpmn geschleudert. hai\p)la sehr. iuryPSleyr
irdisch. sÄwr( 7^ )</'># götzenbild. stir{P)na steif werden, pl. <>n p)ner
zu urpenn geworden, dat. or(p)yom zu or(p)oyr heftig, aufrecht,
aufsätzig. orj/uiu. aufrichten, heben. cer(P)gangr bettelei. die
mannsnamen anorw. HdfanÖr). -voiiär). Siyur(#r), die wol auch
nach § 292 anm. 2 erklärt werden können u. a. — In fällen
wie anorw. mar(d)skinn marderfeil ist wol am ehesten t
(s. § 238. 2, d) geschwunden.
4. f: a) Stimmhaftes (Z), z. b. par{f)nask bedürfen.
Personennamen wie ll(f)gestr. -rekr. Al{f)dis. -yautr. anorw.
hfpVf ningr hälfte. haslda- neben hxdfdar-lund stück land von
sre wisser grös>e. anorw. tolmönudr (Cod. AM. 31 5 F.: st. tolf-
Jahresfrist, prät. (el(f)öi. yl(f)Öi s. § 313. 1. bi Stimmloses \f.
eventuell p. s. $ 240. 2 . z. b. find anzahl von fünf, fimte fünfte,
anorw. hrnit. turnt vgl. §112. 1 und 298. 2) bauplatz. land-
skiahf'U erdbeben. al(f)i BOawaa, Sigroja- iso schon um 1000.
s. Maut I ander, Bidrag s. 92 und 106; ''Siyr-frodn. Gop)-.
Guprepr (sehr seit, -frepr) Gottfried u. a. mannsnamen auf -repr
(vgl. HcdlfreJ/r u. a.). Sigripr. Gu]nripr, Pnnpr \*PurfHPr).
Rayn{f\>'tp>\ Arnif \>npr. Hobu(f ')ripr DL a. frauennamen auf
-(fyipr. gen. B6tol\f)s. Bryniol(f)s (wonach auch ein mnorw.
nom. Brgmoh, E>/iobf)6. (Jl(f)s (<01afs) mannsnamen. anorw
Biol(f)stader ein Ortsname.
5. s fehlt sehr häufig in den synkopierten formen von
moryonn {moryenn) morgen, z. b. dat. sg. mor(g)ne. nom. pl.
mor(g)nar: ferner z. b. fgl(g)P begleitung, dbyr(g)p Verantwort-
lichkeit und personennamen wie Ber[g)dorr, Ber(y)sueinn.
214 §291. Konsonantenschwund in dreikonsonantischer grappe.
Bor{g)ny (mnorw. Borni). Dol(g)finnr, mnorw. Mar{g)reta. —
Im ntr. märt (so überall in den ältesten aisl. hdschr., sehr
häufig auch in älteren anorw. hdschr.; erst später tritt margt,
markt auf) zu margr 'mancher' ist. es wol zunächst der stimm-
lose spirant (s. § 239, 1, b), welcher fortgefallen ist.
Anm. 1. Explosives g (oder wol eher k, s. §246,1) fehlt in enskr
(sehr seit. engsJcr, vgl. 7 unten), harpenskr, anorw. ionfru, s. § 264.
6. k. z. b. ntr. beis{k)t zu beiskr bitter, gen. ver(k)s zu
oerk werk, heims(k)legr von törichter art und viele andere
adj. auf -s{k)legr (s. Sverdrup, Arkiv XXVII, 7 und 48), fyl(k)sne
versteck § 222, 2, hannyrp kunstfertigkeit < *-yrkp (zu yrkia
verfertigen, s. Hultman, Hälsingelagen I, 66 note), iartegn Wahr-
zeichen aus (nach Liden) ^iarktcgn\ä&s wol in der Schreibung
iargtegn. s. § 293, 3, vorliegt) < *iark(ii)tegn (s. unten 9) zu
iarkna-steinn edelstem (got. -airkns, ahd. erchan echt), anorw.
Mertalr (*Myrk-dalr, s. § 245, 1) ein Ortsname, kir(k)messa
kirchenfeier. Vgl. anm. 1.
7. I, z. b. kar(l)mapr mann. gen. kar{l)s (wonach sehr seit,
nom. kar) zu karl alter mann, gen. im\l)s zu iarl jarl. engskr
(gew. enskr. s. anm. 1) aus *ceng(l)skr neben unsynkopiertem
engliskr englisch; bes. oft in prät. öx(l)ta zu oxla vermehren.
sys(l)ta zu sysla verrichten, part. prät. cix{l)ir zu vixla wechseln.
8. m, z. b. Hol(m)steinn . Hulvipr {<C*Hulmvidr). mnorw.
Hol[m)fastr, Hol(m)ger mannsnamen. Or(m)snces ein ortsname.
9. n, z. b. ber(n)ska kindheit, 3, sg. prät. gir(n)tesk zu
yimask verlangen, ol(n)boge eilenbogen, ntr. iam(n)t zu iamti
(anal, sehr seit, iam) eben, iam(n)büenn 'ebenso bereit', gen.
vcm (so immer in den ältesten hdschr.) zu mtn wasser. boz
(botns) zu botn boden. naf(n)s zu nafn name. gangs (gaws)
statt gagns (gamis §239,2) nutzen, iartegn (s. oben 6) Wahr-
zeichen, Ar(n)biorn, Ar{n)möpr, Kag(ri)-. Hog{n)valdr manns-
namen; anorw. beisp. sind u. a, horrcekkm (s. § 279, 1) bei-
schläferin, ncef(n)dr, ncef(n)t genannt, gen. stof{n)s. stom(n)s
stumpfes, mnorw. Ar(n)cidr u. a. auf Ar{n)-, Biar{n)mödr, gen.
Bior(n)s mannsnamen, Ram{pn)stader ein ortsname.
10. r, z. b. die verwandtschaftswörter pl. fepgar (aschw.
run. faprkan, d. h. fasdrgaR) vater und söhn, mepgor (aschw. run.
muprku, d. h. mtörgu) mutter und tochter, mäpgen (adän. run.
^ 292. Konsonantenschwund im iu- und auslaute: d. 215
muptkin. d. h. medrgin) mutter und solin. systken fsyai,
vgl. 11) geschwister. sammeddr (*-m4ÖriÖr) von derselben
mutter. u. a.: ferner schwankend z. b. gen. myrk{r)s zu myrkr
tinsternis. aust)-)ker (vgl. 11) schöpfgefäss. fast r)syster pflege-
sch wester. nom. sg. «7/V/e (*nlfr-gi) 'ein wolf nicht', nom. acc.
pl. kuerk(r)nar die kehle, gen. AleMo>dir)s ein mannsname.
Anin. 2. Unsicher bleibt, ob s iu der gruppe fst (pst) schwinden
kann (vgl. § 309. 1). Heipt, heift uud seit. (3 mal bei Larsson) keifst hass
können mit verschiedenen suffixen (-ti-. resp. -sti-) gebildet sein (vgl. mhd.
keifte sturmwetter : got. kaifs's nebeu haifts. s. Streitberg. Got. elementar-
buch 8 , s. 88, streit), oder auch ist keifst nach § 309, 1 aus keift entstanden.
Ebenso können das nicht seltene (s. z. b. Larsson) eftr. eptr (vgl. got. iftuma'f)
und das gew. efstr letzt sich zu einander verhalten.
11. t. z. b. heip{f)giam rachgierig, krisitjne Christentum.
hudr[t)ke keines von beiden. aus(t)ker (s. oben 10), Bes(t)la.
Biartt)marr personennamen. gen. pl. hiar(t)na (s. H. Rydberg.
Die geistlichen dräpur. s. XXX) beizen. sys(t)ken geschwister.
ä-At. pis'tjle zu JdsteV. distel. gen.hesitjs pferdes. Kris'ts Christus.
fosyster (§ 285. 3) aus föstsyster (s. oben 10) pflegeschwester.
brixle aus brig.de (aus brigdsli § 238. 2. d) Vorwurf . anorw.
op(t)lega oft. Aus{t)maÖr ein mannsname: bes. oft in den syn-
kopierten kasus von aptann abend, z. b. dat. sg. ajAtme. nom.
pl. ap(t)nar. — S. auch oben 2 ischluss) und 8 (schluss).
jj 292. ö (altes oder nach £ 221. 1 aus J, entstandenes)
schwindet sporadisch vor /•. », seltener vor nt. y. 1. /', k. z. b.
die personennamen Görepr iGoprvpr) Gottfried. Gyrip, iGupripr.
mnorw. auch QwriÖr . Pry\p)reki\ Morekr ^ahd. Möderlh). Börekr
\*Bodrikr, ahd. Paturlh;, Frirekr (Fnprekr) Friedrich, Piö(P)rekr
Dietrich. Hrd{]>rekr Roderich, mnoi'w. Pe{Ö)r. ferner z. b. d(J))r
vorher, iür enter, fiörer ffedweä > *fwdrir) vier und fer- (ans
schwachtonigem 'feör-'i. s. Noreen. Svenska etymologier. s. 41:
seit, anorw. fier-, s. Haegstad, Vestno. maalf. 1. 130. entspricht
wol aschw. ficepr-. mschw. fixer-) vier-. yr (jgpr) euch, lyritr
(HyÖrettr) allgemeines recht, pl. hudrer zu huaparr (gew. anal.
hnärr) wer von zweien, mnorw. Endri(ß)r ein mannsname.
ner (nidr) hinunter is. Haegstad. Vestno. maalf. II. 1. s. 32. resp.
II,2,i, s. 60): Skdney (ags. Scedenig. aber Sconeg schon bei
Wulfst&n vor 900; lat. Scadinauia. aber Scania bei Adam von
Bremen c. 1050) Schonen, pl. heiner ibei "WidsiA IneÖnas. vgl.
210 g 2!>ü Konsonantenschwund im in- uiid auslaute: £.
Ptolomaeus Xaidtiroi in Schweden) einwohner der Heipmork
(ebenso Hb. s. LVI heinir statt gew. heipnir heidnische), (/rein
bescheid zu greifia in Ordnung bringen (vgl. § 154), reyner
sperberbaum zu raupt rot. pl. truncr (tropmer) zu tropenn
getreten, vielleicht Bon die meerfrau zu rapa walten (s. Kock.
ZfdA. XL, 205); die mannsnamen Hrdipjmandr, Gu(P)mundr.
Hrei{p)marr (s. Lind. Arkiv XI. 269), anorw. Bd{Ö)mundr
(s. Rygh [und Bugge |, Gamle personnavne, s. 197 f. mit note),
mnorw. Frömundr (ahd. Frödomand) ; mnorw. Augaüt (*Aiidgautr).
Bögard. (*Hrödyardr)\ Fri{p)leifr (s. Hb., s. XLV), yö(P)leyr
schön (über das zweifelhafte (Aegr s. v. Friesen, N. Spr. 1,11).
mnorw. Sauland (Ha?gstad. Yestno. maalf. II, 2, i, s. 60) ein
Ortsname zu sauÖr schal'; Fdfner (s. § 225, aus Fadmner Ha-g-
stad bei 0. A. Johnsen. Olafs saga, s. XLIX) mythischer
schlangenname. bgßrq neben bopfara brünne (vgl. § 253
anm. 2). mnorw. sta{d) feste (H;egstad, ib.) bestätigen; anorw.
(sehr seit, aisl.) Vi{Ö)kunnr ein mannsname. Beispiele kommen
schon bei pioöolfr (um 900) vor. Vgl. Bugge, Ant. tidskr.
f. Sv. V.41, Kingen i Forsa kirke, s. 56. Arkiv II, 2121. 2181,
246 ff.; Gislason, Udvalg af oldno. skjaldekvad, s. 61 und 72.
Anm. 1. lieber zweifelhafte fälle, wo d vielleicht nach seh wach touigem
vokal auch vor anderen konsonanten als den oben erwähnten geschwunden
ist, s.Falk, Arkiv IV, 354 (bes. die note) und andererseits Noreen. Urg.
lautl., s. 171.
Anm. 2. Anorw. fällt bisweilen <) teils intervokalisch. z. b. mara(d)e
antwortete u. dgl. (s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 32 und II. 2. i, s. t>0).
mnorw. Vier (Vidarr) ein mannsname, teils auslautend nach /•, z. b. 6rskur(dr)
entscheidung, skipgier{d) Schiffsausrüstung, mnorw. ior(d) erde (s. Hsegstad,
ib. 1, 15 und II, 2, i, s. 60, vgl. 132). Mnorw. kann d auch inlautend nach r
schwinden, z. b. giondy machte, Har(9)angr ein ortsname (s. Hfegstad, ib.
II, 2, i, s. 60). — Vgl. auch § 303, 3.
§ 293. s schwindet :
1. In nicht haupttoniger silbe zwischen u, y und d, sowie
vielleicht in unbetonter silbe zwischen u und /. z. b. die vielen
Zusammensetzungen auf -(h)dp. -yp neben -{h)uyp. -yyp wie
dst(h)dp liebe, illdp bosheit (vgl. Bugge, Beitr. XIII. 50S), ferner
afbrype {-bryyPe) eif ersucht, dbrdpegr eifersüchtig; ipu(g)lega
unaufhörlich, mottuleyr neben mottugr mächtig. naufnt{g)legr
streng u. a. (s. Kock, Arkiv XXI,' 108 ft'.).
§294. Konsonantenschwund im in- und auslaute: h. 21 r
2. Vor kons, i allgemein gegen das ende des 13. jahrhs.
iaiiMialmisweise schon früher, z. b. anorw. in Xo. Hom. und
Cod. AM. 310. 4°). wie aus Schreibungen wie gy(g)iar zu gxjgr
riesin und umgekehrte Schreibungen wie py(g)iar zu pgr magd,
blce{g)ui decke. Orhue(g)ior die Orknöer erhellt: vgl. Bugge.
Xorroen Fornkva?di. s. XII. Liden. Blandade sprakhistoriska
bidrag I. 39 note und oben § 2(53 (schluss).
3. Sporadisch vur w, seit, auch d. ?/'. /. m. ?#, r, z. b.
Ä(g)vahh\ anorw. Ma(g)i(ddr. Si(g)rardr mani^namen. Beiig)rin
i B. H*gstad. Vestno. maalf. II. 2. i. s. 74) Bergen, mnorw. Si(g)-
raldr. -rastr {-fastn. -ro.tr. -cidr mannsnamen; mnorw. lo.udagr
(Haegstad. ib. II. 2. i. s. 117) Sonnabend zu laug bad: anorw.
V>(g)fast>\ aisl. Fi(ß)füs8 mannsnamen (in welchen wahrschein-
lich doch f als b. r nach ^ 240 anm. 1 aufzufassen ist; vgl
Bugge. Arkiv 11.105. Lundgren. ib. X. 181); hl4{g)legr lächer-
lich ; anorw. | seit, misl.) A(g)mundr (vgl. § 270 anm. und Lind.
Dopnamn. sp. 1239). anorw. $i(y)m>.tndr mannsnamen: qmbon
(anorw. auch atuBmn^ >. >. 262,1; aus *anäabusm-?, s. Falk,
Arkiv III. 342) lohn. <ort?nq)n y-tegr<. später — wol volks-
etymologisch teihi. seit, lardttik». lüar-. iary-. artcgn. ia.rtign.
s. Wadsteiu. F. Hom.. s. 60. anders Hultman. Hälsingelageu
-. 76) Wahrzeichen; förUlct < fagrJ/kt'f schöne* iso Mogk.
Literaturblatt f. germ. u. rom. phil. 1893. sp. 278). mnorw. Si(g)-
//'/,/•. Si\y)ridr personennamen.
4. Dialektisch zwischen zwei u (o). z. b. fu(g)uti (auch
f'ogutti. folguti. fwiti u. a. unklare formen) vogt. auorw. Siurdr
(schon 1338: shetl. 8eorör 1452 1 aus Siugurör \§ 89 anm. 3)
Sigwart. orkn. tottu aus tuttuyit zwanzig (s. Ha?gstad. & Tr..
s. 94, Hild. s. 63) ; vgl. £ 203 anm. 3.
Anni. 1. Vereinzelt steht mnorw. statu st. >Utfutuir > Schreibfehler ?? |
eiu inannsnawe. Ueber die nicht hiureicheud erklärten adv. auf -la neben
â– lega s. bes. Sverdrnp. Arkiv XXVII. 181 ff. und Kock. ib. XXYTII. 178 ff.
Anni. 2. Auslautend in hize\ij\ dort. h ucv$ u ( g) wie und ninorvv.
Ingebior(g) ein frauenname.
§ 294. h schwindet, wo es durch Zusammensetzung in
den inlaut zu stehen kommt, wiewol es natürlich oft durch
assoziation erhalten wird. z. b. öneis* bedeutend zu hneiss un-
bedeutend. 6f aus ohaf (& Jönssun. Skjaldesprog. s. 24) grosse
menge, umböge (ags. ymbhagm) sorge. nt(h)d>fr gebärde. er(h)cefe
218 §295. Konsonantenschwund im in- und auslaute: i.
küste ohne hafen, er(h)öf unmenge, austr-, vestr-, norpr{h)alfa
(danach anorw. anal, auch als simplex alfa neben halfa) öst-
licher usw. Weltteil. eWk{h)uge liebe, afr(h)endr vollendet, lik-
(h)amr, -me körper, frials (vgl. got. freihals) frei, Gimle Wohn-
ort der seligen (zu Me obdach). yullaj) (gullMap) goldenes band,
brulLaup (seit., z. b. St. Hom., bruplauj)) hochzeit, ein(Ji)arpr
zuverlässig, varp(h)ald wache, Seimr oder Scemr (§ 130 anm.)
aus Sce(h)eimr, anorw. Vllarvdll (< *-huäll, s. M. Olsen, Maal
og minne 1917, s. 48) Ortsnamen; ferner eine menge von
Personennamen, z. b. llluge (zu huge), Nipopr (zu hqfir; ags.
NiÖhad), Älf{h)eipr. Möeipr. Bagneißr. Bandeipr, Arn(h)ei/jr
(zu heipr), Älf(h)ildr, Bopuüdr, Yng-, lnguildr, Gunn(h)ildr,
Grim(h)üdr (zu hildr), Sig(h)uatr, Pör(h)allr, Pör(h)addr und
bes. die vielen auf -arr (zu herr), z. b. Gunnarr (ahd. Guntheri).
Harr (alt Häarr, s. § 54, 1).
Anm. Ueber das möglicherweise hierhergehörige — dann aus den
vielen Zusammensetzungen losgelöste — reifr froh (nisl. hreifr) s. Pipping.
Kuninskril'terna pä Ardre-stenarna, s. 21 f.
$ 295. Kons, t (welches urspr. überhaupt nur antesonantisch
nach kurzer silbe vorkam, s. § 226) schwindet in nicht haupt-
toniger silbe vor palatalen vokalen, z. b. 2. pl. präs. velep (got,
waljip) zu velia wählen, eile (gen. vüia) wille. In alten
gedichten zeigt sich noch bisweilen i vor w, e, z. b. nom. pl.
part. präs. dylicendr verneinend, hyggicendr denkend, viniey
Weideland am wasser u. a. (s. Sievers, ßeitr. XII, 486, ZfdPh.
XXI, 104 note). Später kann lautgesetzlich erhaltenes i durch
analogie schwinden, z. b. mip{i)aldr ; von mittleren jähren"
(nach mipr mittlerer), skegg(i)uld kriegerische zeit (nach skeggex
'securis barbata' u. dgl.).
Anm. 1. Durch dissimilation ist i geschwunden in siautän, seit.
sautiän iseytimi) neben siautiän (sieytiän) siebzehn (Gislason, Aarbeger
1879, s. 161 ; Noreen, Arkiv VI, 331 f.).
Anm. 2. Ueber das scheinbar erhaltene i nach langer auf ^ , g , k
endenden silbe s. § 263.
Anm. 3. FreUa frei macheu (zu frials § 133, a frei) hat kein i ver-
loren, sondern ist aus *fre{li)elsa <C*frihal$ian entstanden. Aber sonst
schwindet nicht seit, im anorw. und noch häufiger im mnorw. i zwischen
r und haupttonigem vokal, z. b. fr(i)als frei, fr(j)cpdagr (s. § 70, 2) freitag,
Gröd-, Gröd- (s. § 248 anm 5), Gröt- (vgl. § 70, 4) st. Griötgardr ein manns-
name, StrensstpÖum (Striöns-) ein ortsname, pr{i)ü drei, pr{i)özka wider-
§ 296—298. Konsonantenschwund im in- uud auslaute: k, t. m.
spenstigkeit ; seltener auch nach /. z. b. Ledolfr (ZJ6Ö-), Lot-. Letuifr,
-olfr (Liöt-) mannsnamen, tep (aus Miöp) lief: noch seltener nach n. z. b.
m ut mam (sntö-, s. §70,4) schneeschnielzung: s. bes. H#gstad. Vestno. inaalf.
II, 1, s. 54, 87 und II, 2, i, s. 119. — Nonr. t'rauennainen wie anorw. Ingiborg,
-barg, muorw. Giinnborg, Raüborg (statt der älteren -biorg) sind wol den
wgerm. auf -burgt's (neben -berga) gleichzustellen, sei es dass sie um. ver-
wandt oder wol eher entlehnt sind.
§ 296. k kann vor sk durch dissiuiilation schwinden, z. b.
prät. pass. lau(k)sk schloss sich. tö(k)sk nahm sich. fe(kk)sk
(vgl. § 284) empfing u. dgl. (s. Wadstein. F. Hom.. s. 139).
yri{k)skr griechisch. häley\k)skr aus Hdloyaland stammend.
§297. t Kakuminales 1 schwindet dialektisch im anorw.
(vorzugsweise wnorw.. s. M.Olsen. Xamn och bygd II. 248 f.)
vor labialen und gutturalen konsonanten. z. b. 3. präs. konj.
(runisch) hiabi (Äardal. Byglandj. d. li. hidpe (hialpe) helfe
wie Hb? s. XXXVIII hidp ; im Hoprekstader buche ihahh; höf
statt idfülde kamel. //Z/halb: in Hb. sid(l)fo; ferner Biu(T)fr,
Brynio(l)f>\ Gvnnu(l)fr : Uro 1 fr. Sando[l)fr. l\l)fgestr, So(l)fe.
P6(l)fr, St6(l)fr, X6tto(l)fr mannsnamen. hdfsdld. -scelda halbes
mass, hialmu & § 254 helmstock: E{l)ftaleyti; Ä{l)mdaler
Ortsnamen. H6{l.msüeinn, Sä(l)mundr, Vilid(l)ntr: Ko'ljbiorn:
H(B{l)ge. Va(l)gardr mannsnamen. fy(hgt gefolgt; he(T)kn Stein-
boden. fö{l)k volk. F6(l)ke ein mannsname; vgl. umgekehrte
Schreibungen wie piolfr statt piöfr dieb, Hündiulfr, Valdiulfr
statt -diüfr (s. § 238. 1, b). Vgl. z. b. Haegstad. Vestno. maalf.
IL 1. s. 75 und II. 2. i. s. 154. sowie u. s. 47.
Anm. 1. Seiten ist dieser schwand bei dentalem 1. z. b. fria(l)s frei,
kgndi(l)smessa lichtmesse, Päfa(l)staö ein Ortsname : Ha(U)dörr ein manns-
name. landskytlyi pachtgeld (s. z. b. Haegstad. a. o.). Shetländisch ist
HiaÜand (schon 1226) st. Ritäüaml (<. Wadstein. F. Hom.. s. 67 f. noteV
vgl. nshetl. getling aus *g(eltlingr.
Anm. 2. Ausnahmsweise kann /. sowol aisl. als anorw., im unbetonten
auslaut nach vokal schwinden, z. b. hdzti, miküsti allzu, mhkursti 'ein
bisschen zu" neben til -zu'. sÄ-«(/) soll. .
g 298. m schwindet :
1. Im urspr. auslaut. z. b. fra (got. fram\ 'von' (vielleicht
noch mit lautges. inlaut. m in St. Hom. frambmrr neben frabchrr
'ausgezeichnet - . 1. sg. präs. püna ahd. diovöm diene u.dgl.
vgl. § 531 anm. 2).
220 § 291). Konsonantenschwund im in- und auslaute : u.
Auin. Mnorw. schwindet m ziemlich allgemein in der dativendung
-um, -om, i. b. gardeno, -ue st.gardenom dem hofe; s. A. B. Larsen. Arkiv
XIII, 250 f., Haegstad, Vestno. niaalf. II, 2, i, s. 160.
2. Vor urspr. stimmlosem /; z. b. fifl (s.-§ 110, 1) riese, tor
neben fimbol- riesen-, töft (toft, anorw. tuft, s. § 112, 1) bau-
platz neben anorw. tomt, turnt (nach § 291, 4, b), beides ans
Humf't-; fim, seit, fimm (got, fimf) fünf hat sich nach fimte (got.
fimfta), fimtän u. a. gerichtet (s. Noreen, Arkiv III, 39 f. note.
§ 299. n ist in folgenden Stellungen fortgefallen :
1. Vor k, wo die laute durch synkope zusammentreffen
und nicht assoziation oder gelehrter einfluss das n (dann als
velaren nasal) erhält, z. b. Äke (adän. run. qaki, alid. Anihho),
Hake (ahd. Hannihho). dykr (dynkr zu dynr) lärm, mtikr (ags.
munkr, ags. nmnuc, s. § 112 anm. 1) mönch, kan(n)ükr (kanöke,
kanunkr) canonicus, pl. pikisdagr (vgl. l&t. pentecoste) pfingsttag
(vgl. Bugge, Ant. tidskr. f. Sv. X, 42 note); aber seinka ver-
zögern zu seinn spät, Sueinke zu Sueinn mannsnamen usw.
2. Vor l nach starktonigem vokal (vgl. § 266, 4) etwa
bald nach 900 (s. Marstrander, Bidrag, s. 61t, F. Jonsson,
No.-isl. kultur- og sprogforhold, s. 292, Björkman, Nordische
Personennamen, s. 5), z. b. die personennamen Ate (ahd. Analo),
OVe (s. § 116), Äleifr (nicht ganz sicher belegt, s. Hesselmau,
Minnesskrift utg. av Fil. Samfundet i Göteborg, s. 55 ff.; air.
Amlaib, ags. Anläf), Oldfr (s. § 116), Eileifr. -läfr (wol zu einn)
mannsnamen, Älof, mnorw. Sualaug neben seltnerem Suan-
laug frauennamen, Väle (ahd. Wanilö), Beyla (vgl. ahd. m.
Bönila, s. Sievers, Beitr. XVIII, 582 ff.) mythische personen-
namen, üselegr (zu senn gesehen, s. Sverdrup, Arkiv XXVII, 159)
hässlich anzusehen, der Ortsname Grönland, Greland (Gren-
land), mel (s. § 110. 1) mundstück des gebisses.
3. Vor r, z. b. lerept (zu Im) lehrwand, pl. örer (§ 112, 1)
unsere, Port- aus *Punran ($. § 112, 1) der donnergott, Eirekr
^jEinrikr) Erich, anorw. himi{n)riki himmelreich.
Anm. 1. Der Vorgang gehört der vikiugerzeit , z. b. air. Turges 845
(aisl. Porgestr; s. Marstrander, Bidrag, s. 118), adän. run. Pur (d. h. Pörr)
Nerre Nasrä (c. 850), Glavendrup (c. 900).
4. Vor s (vgl. § 233) nur sporadisch, z. b. pi{n)sl peinigung
zu pina peinigen, anorw. rm(n)son reinigung zu reeinn rein,
§299. Konsonantenschwund im in- und auslauft- : it. 221
â– jgL tffeire (seit., z. 1). St Hom.) neben vkuite der linke, pl. )w{n)sn
(vgl. v. Umverth. Beitr. XXXVI. 23 und 29) hühner. Mo{n)sir
ein Ortsname,
Aura. 2. Ob n lautgesetzlich auch vor m schwindet (oder vielleicht
eher tm zu i»m assimiliert — vgl. § 267 anm. 5 — und danu pm nach
schwachtonigem vokal und? nach diphthong verkürzt wirdV/ Wenigstens
hat St. Hom. 2 mal poleimpe gednld, St. Hom. und Cod. AM. 645. 4° je
1 mal polemöplega geduldig neben gew. polen-, und der mannsname Eymundr
scheint ags. Eanmtmd, ahd. Amummtd zu entsprechen (s. Levander, Ant.
tidskr. f. Sv. XVIII, 3. s. 21. Björkman, Studien z. engl. Phil. LVIII. 14 ff.).
Ob Ämtindr (wie Björkman. a. o., s. 16 f.. annimmt i ans *Anmundr ent-
standen ist?
Anm. 3. Vor ic dürfte n geschwunden sein im mannsnamen mnorw.
Äfarr (adän. run. quo/n, agutu. Äw«ir. s. Bugge. Arkiv II. 224) und aisl.
ipi'Pffiarn böse (zu as. imrid bosheit), iripin hexe.
5. Im urn. auslaut. z. b. d (nrn. an Tjurkö. aber schon
c. 800 adän. ä Snoldelev. ja schon Eggjuni c. 700 scheint o
zu haben) an, pd (got. ])an) dann (vgl. meßan = got, »rißpanei
während), i (so vielleicht schon Eggjum) in. inf. binda binden.
3. pl. präs. ind. binda (s. § 220) binden, acc. pl. daga (got, dagans
s. § 277. 2. c) tage, pd (got pans) sie. die. tud (got. tuans) zwei,
gen. dat. acc. sg. hana (vgl. urn. dat. Prauijan Tanum. -halaihan
Time, got. acc. totmm) hahn. gen. dat. acc. sg. tungo (ahd. znngün)
zunge.
Anm. 4. Wo n im urn. durch einen auslautenden vokal geschützt
war, bleibt es, z. b. acc. sg. blinden (got, blindana) blinden, «mm (got.
ainnö-hun) ein. Zur erkläruug der scheinbar widersprechenden 3. pl. konj..
z. b. präs. here (gegen aschw. bierin. got. bairaina). prät. betre (gegen
aschw. hnrin , got. bereina) und nom. acc.pl. der schwachen neutra, z. b.
ttugo neben seltnerem anorw. cmjfwi (aschw. eghon. got. augma) äugen,
s. teils Noreen. Geschichte 3 ij 252, 3 und 195.7. teils Falk, Anz. f. d. A.
XVIII, 191 (anders Kock, Beitr. XV, 244 ff.: noch anders Holthausen,
ib. XI, 555).
Anm. 5. Die präfixe 6-, ü- (got. un-) 'un-* und si- (got. sin-) : immer-'
sind vor k, 1. r, » (/?, h?, m?, ic? p?) eines späteren znsammensetzungs-
gliedes lautgesetzlich (s. 1—4 oben sowie anm. 2 und 3) entstanden und
von da aus verallgemeinert worden. Vgl. die laute:esetzlichen Grst-uwblind<t.
l'mhlnuzsUiftir (§262,1).
Anm. 6. Dialektisch schwindet im anorw./* auch im unnrspr. aus-
laut, z. b. sidain) später, nordain) von norden her u.a., s. Kock, Arkiv
XIII. 173 note; beisp. aus dem mn«>rw. 8. A. B. Larsen. ib. XIII. 253. Hseg-
stad, Vestno. maalf. II, 1, s. 71 und II. 2, i. s. 162, 166; vgl. noch oben
§ 145 anm. 6.
222 § 300. 301. Konsonantenschwund im in- und auslaute: r.
§ 300. r (um. r, vgl. § 301) schwindet:
1. Vor n, t in unbetontem auslaut (vgl. aber anm. 1), z. b.
schon in den ältesten hdschr. acc. sg. m. annan, ntr. annat
(aschw. run. noch qnart Rök um 900) zu annarr ein anderer;
etwas später auch okka(r)n, -a(r)t zu oftkarr uns beiden zu-
gehörig, ykka{r)n, -a{r)t zu ykkarr euch beiden zugehörig,
yPua(r)n, -a(r)t zu yPuarr euer, noMo(r)n zu nokkorr irgend-
ein. Die r- formen beruhen auf anal, neuerung oder auf
schwachem, in kofa(r)n schosshund auf starkem nebenton.
Anm. 1. Vielleicht ist eher analogische Umbildung anzunehmen.
Npkkon kann sehr wol nach ntr. ngkkot, das nie -rt gehabt hat (vgl. huät),
umgebildet sein. Noch wahrscheinlicher ist, dass annat u. dgl. anal, zu
annarr, annan neugebildet ist nach massgabe von nokkor (nakhtarr)
: nokkot {nakkuat), pan(n) :pat u. a. m.
2. Durch dissimilation (schwankend) in z. b. anorw. F(r)i-
rekr, Frip{r)ekr Friedrich, Pryp(r)ekr ein mannsname, anorw.
Magretta (mnorw. auch Margeta) Margareta, my{r)kr finsternis,
dia(r)fr kühn u. a. (vgl. Wadstein, F. Hom., s. 140). Vgl. noch
§ 301, 1.
Anm. 2. Fyre, fire — neben häufigerem fyrer, firer (s. § 147) oder
fyr, fir — kann hierher gehören, aber beruht wol eher wie im agutn.
(s. Pipping, Gutalag, s. LXXXIV) auf sandhi, so dass R vor gewissen kon-
sonanten (durch assimilation , vgl. § 273 mit anmerknngen) geschwunden ist.
§ 301. r (urn. r, vgl. § 300) schwindet:
1. Durch dissimilation (jedoch wol erst nachdem r zu r
geworden ist, so dass die betreffenden fälle eigentlich zu
§ 300, 2 gehören) bisweilen in Krist(r) Christus, seit, in andern
nomin ativen auf -r, z. b. anorw. styrk(r) stärke, frid(r) friede,
burä(r) geburt, fyrst(r) erst, vwrst{r) bösest (Wadstein, F. Hom.,
s. 140). Ausserdem wol in anorw. Ortsnamen wie Biark(r)ey
(vgl. § 160 anm.), Ncerd{r)eimr (s. M. Olsen, Hedenske kult-
minder 1,51), Orka-, Stiörna-, Siirna-, Yeradalr aus *Orkar usw.
(s. M. Olsen, Historisk Tidsskrift IV R. V, s. 158).
2. Im onorw. sporadisch seit c. 1300 nach dem svarabhakti-
vokal a (ce), z. b. Gu&lceifce (schon 1349) < Gudlceifr ein manns-
name, seltener wnorw., z. b. Irööe (schon 1338) < bröör brüder;
seit c. 1300 auch sonst nicht selten, z. b. pl. konunga{r) könige,
alleir) alle u. dgl., s. Haegstad, G. Tr. s. 93, Kong. s. 23 und 35,
Vestno. maalf. I, s. 146, II, 1, s. 67 f., II, 2, i, s. 156 f. und II, 2, n,
§ 302. 303. Kons.-schwund : u, t. § .°>04. Zusatz von kons. 223
s. 47; Falk und Torp. Dansk-norskens syntax. s. XIV note 1
und 2.
§ 302. s fehlt nicht selten durch dissimilation auslautend
nach st. z. b. gen. sg. (vorzugsweise anorw.) Krist(s) Christus.
hest(s) pferdes. prest(s) priesters, mest(s) meist (Wadstein.
F. Hom., s. 141). Ob Schreibungen wie Kriz (oft in St. Hom.).
prez die ausstossung des ersten s angeben? Vgl. jedoch § 316
anm.).
Anm. 1. Vereinzelt steht der dissiinilatorische schwnnd des in-
lautenden s im anorw. süki(s\parlak seidener Vorhang.
Anm. 2. Ueber tarn (alt tarn, aus dem keltischen) neben älterem
imm eisen s. M. Kristensen. Nord. Stud.. b. 23.
§ 303. t fehlt:
1. Bisweilen durch dissimilation auslautend nach z (d. h. ts).
z. b. he1z(t) am liebsten, siz{i) am wenigsten. 2. sg. prät, ind.
leeif) liesst. ceiz(t) weisst (vgl. Gering, Isl. Mv. I. s. XIX,
XXIII); so immer in einigen hdschr. bei den superl.-endungen
st. -ast, -azt (s. § 310 anm. 3), z. b. huataz am keckesten
u. dgl. s. H. Rydberg. Die geistlichen drapur. s. XXX f.. XXXII.
E. Olson. Yngvars saga, s. LIII note. welche — vielleicht mit
recht — b als eine nur orthographische Variante zu st ansehen.
2. Vor antekonsonantischem s schon um 1200. z. b. bgsto,
beste (acc. sg. f.), estr vornehmst, priosha Widerspenstigkeit.
göska gute, kuask sagte sich statt bgxto, eztr usw., s. Morgen-
stern, Arkiv X,207f., I. F. Anz. VI." 95 f.: Wadstein, F. Hom.,
s. 119; Gislason. Udvalg af oldno. skjaldekvad. s. 133. Vgl.
$274,2.
3. Mnorw. bisweilen im schwachtonigen auslaut. was wol
zunächst einen Übergang t > d nach § 248 (vgl. auch § 292
anm. 2) voraussetzt, z. b. brefe(t) der brief, 1ege(t) gelegen,
s. Haegstad, Vestno. maalf. I. s. 24 und II. 2, 1, s. 161.
Anm. Ueber mnorw. schwnnd von tc zwischen L m. r und betontem
vokal s. § 134. b.
B. Zusatz.
§ 304. b wird anorw. seit, zwischen m und r (wie im
aschw.) eingeschoben, z. b. dat. ham(b)rp. s>(m(b)ri zu hamarr
hammer. mmmt sommer.
224 §305 — 'iiÖH. Zusatz von konsoiianten.
ij 305. Von ddl, ddn statt 11, nn (sowol alten wie aus W,
rn nach § 272 entstandenen) zeigen sich spuren im misl. des
15. jahrh. und in gewissen mnorw. dialekten (s. Marstrander.
Bidrag, s. 115, Haegstad, Vestno. maalf. IL 1, s. 116 und II, 2. i,
s. 142 f.), z. b. fnddla, hoddn 9t. falla fallen, hörn hörn. Vgl.
das nisl.
Anm. 1. Vereinzelt steht der eiuschub von d zwischen n{n) und /,
r (vgl. das aschw.) in Vin(d}htnd, Swi(d)lendingä fiorpungr (s. Hb., s. XLI)
Ortsnamen, anorw. (nach 1300). andrwm, -a anderen, -e (s. §455 anm.),
mnorw. Dagßn(d)er ein mannsname. Unklar bleibt der aisl. (seit, anorw.)
mannsname Hgskoldr neben (gew. anorw.) Hpskollr, hoskollr grankopf.
Arm. 2. In lehnwörtern tritt nicht seit, ein unurspr. d nach aus-
lautendem n auf, z. b. prisund (afranz. prisan) kerker, tuend (ags. inen)
namen des buchstaben v, u. a., s. Bugge, Studier 1, 130 f.
Anm. 3. Mnorw. ist auslautendes au dialektisch zu aug geworden in
siaug sieben, tuaug zwei, paug die, s. Haegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 76
und II, 2, i, s. 1 70, 1JX) sowie Kong., s. 37.
§ 306. h wird nicht seit, im anlaut vor vokalen (seit, vor
1, n, r) zugesetzt, z. b. (h)elska lieben, (h)af 'von', (h)er 'ist'
(alle in St. Hom.) u. a.; s. Gislason, Um frumparta, s. 64 ff., Om
navnet Ymir, s. 5ft., Wadstein. F. Hom., s. 111, Bugge, Norro?n
Fornkvseöi, s. 417. Vgl. § 289 anm. 3. — Immer // zeigt hnipr
(vgl. frz. jwpe und oben § 243 anm.) kurze jacke ohne ärmel.
Anm. Auffallend ist der (wie im aschw., s. An. gr. II § 328) sporadisch
vorkommende einschub von kons, i nach anlautenden konsonanten im mnorw.,
z. b. f(i)orn von alters her, h(i)engia aufhängen, l(i)opt luft, m{i)ellow
zwischen, n(i)cettr nachte, s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 123. — Das
ziemlich häufige anorw. milliitm (s. Fritzner) 'zwischen' ist wol aus milli
und m/llum kontaminiert.
§ 307. k wird in anorw. mundarten sporadisch vor st
eingeschoben, z. b. Ortsnamen wie Kui(k)stader, Lwiri(k)sttina\
öri(k)staöer, Gan(k)storp (aus Gautsfiorp), Gan(k)staÖer u. a.
(s. Rygh, Oplysninger, C-raardnavne. Personnavne u. a. passim).
§ 308. p tritt ziemlich seit, zwischen m und t ein, z. b.
lam(p)taland , ntr. sk«m(p)t (in St. Hom.) zu skummr kurz,
ös6m{p)t (in St.Hom.) zu ösemr unpassend, mm(p)t (in Agrip)
zu sumr irgendein. Noch seltener, mnorw. jedoch ziemlich
häufig (s. Haegstad, Kong., s. 34 f.), sind fälle von eingeschobenem
p zwischen m und n, z. b. sam(p)nu (in Agrip) sammeln, anorw.
Pi<un(p)n- (aisl. Hrafn-) in Ortsnamen. Vgl. das aschw. (s. An. gr.
§ 309. 310. Zusatz von kousonauteu. 326
II, § 332). — Sehr seit, ist (wie im aschw.) mnorw. mps st n ?,
z. b. Onempsht'tser ein oitsname. s. Liden. Spräk och <til VT. 12
note.
Anm. Ueber das nicht genügend erklärte r in tpu(r)1egr unaufhörlich.
»öf)u(r)legr gnädig u. a. s. Sverdrup. Arkiv XXVIT. 172 ff.
§ 309. .5 wird eingeschoben :
1. In mehreren alten aisl. hdschr. zwischen f und t. wenn
die gTiippe ff alt ist. d. h. nicht durch synkope entstanden,
z. b. ofst (oft, opt) oft. kmfstr (kraflr, krajrtr) kraft, afstt (aflr,
nptr) zurück u. a. Vgl. Hoffory. Arkiv IT, 10 ff.. WiseD, Homiliu
B6k. s. X.
2. Dialektisch im ostläudischen onorw. um 1300 zwischen t
(welches später schwindet, vgl. £ 303, 2) und /. z, b. htli > Htsli
> lisli der kleine. AÜe > Üfefc > Js/c ein manusname. pl.
kretslar (s. Hertzberg, s. 860» kessel. Vgl Haegstad. Vestno.
maalf. II. 2. r, s. 125 und IT. 2. n. s. #5:
§ 310. t wird in vielen Stellungen eingeschoben :
1. Vorliterarisch zwischen //. »x und einem folgenden s:
statt ts wird r geschrieben (vgl. Hoffory. Arkiv II. 88 ff.), z. h.
gen. al(l)z zu nflr ganz. goM})s zu goü gold. superl. e/t /)://• zu
komp. eWre älter: gen. »ot» rn): vumnmr, »m]>r mund. samjn:
zu sannr. sapr wahr, superl. »>i»(»):t mindest, refl.-pass. />»i
es findet sich.
Anm. 1. In den ältesten hdschr. kommt noch s statt z dann nnd
wann vor.
2. Zwischen s und altem t (urn. r, nicht a : vgl. § 277). z. b.
die personennamen Astrdfrr (s. Zimmer. De da. runemindes-
maerker IV. s. XL: adän. rtUL qsraßr), Astripr (noch rrmisch
qsripr — adän. qsfripr — z. b. Dynna. s. Bugge. Tidskr. f. Phil,
og Paed. Vltl. 190. und auf Man. s. Brate. Fornvännen 1907.
s. 32). husUni (ziemlich spät i statt Äws/rW hausfrau. in welchen
fällen sfr zunächst nach £ 291. 4. b zu a¥ geworden ist. Vgl.
Xoreen. Arkiv I. 295 ff.. Hoffory. ib. I. 38 ff.
3. In einigen anorw. hdschr. (z. b. Barlaams saga immer
im anlaut. Ol H. leg. saga auch sonst i zwischen s und n. z. b.
*(t)min wenden. s(t)ni<'»r schnee. s(t)negyr hurtig. lnns(t)ti
erlösung. niös{t)» ausforschung. u. a.: seit, im aisl.. z. b. rametißpi
s. Jonsson. Arkiv TX. 377 ansehen.
Xur^n. Alti«l. gnuiUB. +. aufl. IX
226 §311.312. Zusatz von konsonanteu. §313. Metathese.
4. Bisweilen zwischen s und l, z. b. in den mannsnamen
As(t)läkr, As(t)leifr (oder ist hier assoziation mit äst liebe
anzunehmen ?).
Anra. 2. Vereinzelt steht anorw. rmk(t)na rechnen (s. Hsegstad, G. Tr.,
s. 37); vgl. §263 anm. 4. — Ueber seit. (s. Hertzberg) anorw. aldriyt'(t)
'nie' s. die erklärungsversuche bei Kock, Svensk ljudhistoria IV, 74.
Anm. 3. Etwas unklar ist das, bes. in anorw. hdsohr., seit c. 1250
häufige ~~ statt e zwischen a und /, z. b. der frauenname Aztridr und bes.
die vielen superl. auf -aztr, ntr. -az (statt -azt nach §303,1?), wie
(Uüpaztr neben -astr tiefster (aber z. b. nur fkesler zahlreichster, tdfarstt
spätester usw.): s. z. b. Brenner, Beitr. X, 432, Gering, Isl. JEv. I, s. XIX,
Wadstein, F. Hom., s. 118, F. Specht, Acta Germanica III, 18 f., 34 f., Hb.,
s. XXXIV und LVI, F. Jönsson De bevarede brudstykker af . . Jöfraskinna.
s. XVIII, Rydberg. Die geistlichen dräpur, s. XXXII, Olson, Yngvars saga,
s. LH, G. Indrebe, Sverris saga, s. XXVII. Wahrscheinlich ist z nur eine
orthographische Variante zu s und st, s. § 48 und § 303, 1. Vgl. § 816 anm.
— Ueber arz, ras s. § 315 anm. 3.
§ 311. Volksetymologischer art ist wol der einsclmb
von (j, r, n in fällen wie aisl. Mik(g)ar])r (Lind. Arkiv XI, 266)
Richard, anorw. Kristia(r)n (nach den namen auf -tarn und
-biarn, s. Lind, ib. 257 f.. Kock, ib. XII, 269) Christian, linspund
neben seit. U(f)spunä (aus mndd. lispunt, llvespunt livischer
pfund.
Anm. Ueber anorw. al(lrer/r(n), lm(t'rgi{n) s. § 158.
§ 312. Hiatusfüllend tritt bisweilen im anorw. ein:
1. Kons, i oder («', j, ghi geschriebene) spiransj (s. § 251)
zwischen palatalem und nicht- palatalem vokal, z. b. fre(i)«-
dagr freitag (Bugge, Arkiv IV, 123), fe{i)ar viehes (Hertzberg.
s. 857), ti(j)u zehn, ti(f/hi)und (vgl. § 263 schluss) zehnt u. dgl.
Schreibungen (s. z. b. Haegstad, G. Tr., s. 71). sky(i)are bedienter
(s. Fritzner), ufrmals (s. Haegstad, Vestno. maalf. I, s. 143) un-
frei, pl. s{u)i{i)ar, s(u)y(i)ar (s. Haegstad, Vestno. maalf. II, 2, ir,
s. 35 und vgl. § 77, 13) Schweden.
2. Kons, u (w) zwischen 6 und a, i. Beisp. s. § 256 (schluss).
C. Metathese.
§ 313. I kann in folgenden gruppen umgestellt werden:
1. dl, fl > lb~, z. b. innylfe neben -yfle (vgl. ahd. imwfili)
eingeweide. ftskylfr (skyflr) vergeudend zu skyfla vergeuden.
filfsTii (Hb., s. XLV) der törichte neben ffflsha torheit. präi.
§314. MKathe.se. 227
(anorw.) tjlfdi {ilfdi, 8. £ 114) und part. ylft zu *$/§ö ^ags. y/fa»;
s. Bugge bei Hertzberg. s. 730 f.) unrechtfertig anklagen, part.
Uilfdr (s. Hertzberg) zu te//« spielen, alfe und '</fa stärke, elfa
und ^/?« (ygL ahd. aval&n) zuwege bringen; ebenso wol iqilfn.
kyfla tappen, stottern (& Bngge, Xorropn Fomkvaeöi. s. 419).
2. öl > Id (statt W, s. $ 223, 1) wol schon urn. regelmässig
in dem suffixe -dla-, z. b. sdld sieb. ? s-Äv/W dichter. siW bering
(& § 236). heimold (ygL got, hmmöl/li heimati recht, bilda beil
u. a.; ausserdem wol in yaldr fussstapfe im schnee aus *y<u)l-
<*yo<)d-l- in peubn> C'nadd- <*gazd-, got. yazds) Stachel, s.
Bugge. Sv. landsm. IV. 82 f. note.
3. £l > lg antekonsonantisch selten, z. b. gen. yalys (yayls)
und iu Zusammensetzungen ynly- (yayl-) zu gayl vogel. part.
nelydr (Hb.. s. XXTX) statt neglär vernagelt. Vgl. umgekehrte
Schreibungen wie tegldr statt trtydr is. Fritzner) geschnitzt.
4. sl > Is oft im auslaut. z. b. mannsnamen auf -(y)ish
die gew. auf -(</)//•>• enden, wie Porgüs (-gisT), Hergäs, Apils.
welche bisweilen konsequent nom. -d.s. aber dat. -isle zeigen
(s. Jonsson. Egils Saga 1894. s. 43 note und s. 154 note). der kurz-
name Güs neben Gislj seit, beüs (s. Vigfusson). hüls (s. Fritzner).
snifirls. shrimls (Hb.. s. XLV. Kälund, Kirialax saga, s. XI).
oft pils (s. Gislason. Um frumparta. s. 119. I">orkelsson. Supple-
ment IV. 121) neben beisl (auch beis% anal, nach he/to.) gebi».
hrnsl Sakrament, smgrsl salbe, shrmsl gespenst. pisl peinigung.
Inlautend vielleicht im snffix -eise, z. b. in reykelse Weihranch,
aus *-isli (vgl. Sievers. Beitr. V. 529).
Auni. Vereinzelt stehen ajwl st. nlnfi nahrung (Gislason. Aarbeger
1881, s. 224 f.), cpie st. dpe leibesfurcht . gen. Stmpif (Hb.. s. XLV. fcanl)
zu Skalpr ein mannsname.
§ 314. » wird ausnahmsweise umgestellt in den aus-
lautenden gruppen sn. tu. hu (jm? s. anm. 2). z. b. seit. Umns
(Hb., s. LVI: vgl. An. gr. 11.337,9) st. fousn erlösung. anorw.
pLjfWE (! Fritzner 11.922. 2 mal) st. gxn oclisen. anorw. tmmi
(s. Hertzberg, s. 686) st. veän wasser. anorw. sonk (s. Ha^gstad.
Vestno. maalf. IL 2. i. s. 176. Skulennl. Telemaalet, s. 47: auch
aschw.) und (durch kontamination?) sonkn (Hoprekstad) statt
söhn kirchspiel.
Anm. 1. Anorw. *>/gn neben sykn (got. sicikns. s. § TT. 12) schuldlos,
zu gerichtlicher belangung frei kann ans dem ntr. $yknt > feyntt > sifut
15*
228 §31&«lft Metathese.
(geschrieben sgnkt, syngt, si/gnt, sgngnt, s. Hertzberg) stammen, indem zu
8yvt ein m. sygn geschaffen worden ist nach der analogie lovt « lopnt
< lognt, s. § 239, 2 mit anm. 4 und § 291, 9) : logti ruhig- u. dgl.
Anm. 2. Im anorw. dürfte auch ausnahmsweise (wie im aschw.,
s. An. gr> II, § 337, 5) auslautendes pn zu mp werden können. Dann wäre
seit, campn (s. Hertzberg) waffe als koutamination von nom. *oamp << väpn
und dat. vdpne aufzufassen (vgl. sonkn oben). Dunkel bleibt die seit,
anorw. form vamn (Hoprekstad; vgl. auch Heinzel, lieber die ostgot.
heldensage, s. 55, wogegen aber F. Jönssou, Heimskringla IV, 53 note),
denn zwar könnte sie eine Vereinfachung (nach § 29 1 V, vgl. aber §308)
von dem eben genannten campn sein, aber vielleicht entspricht sie eher
dem ebenfalls unklaren ags. wremn (neben inepu) und dem wämbn-nm des
Hildebrandsliedes.
Anm. 3. Vereinzelt steht anorw. Maghins (früh nschw. Magens) ans
Magnus ; anders Haegstad, G. Tr., s. 94.
§ 315. r wird bisweilen nach dem folgenden vokale ver-
setzt, z. b. schwachtonig bort, burt neben starktonigem brot{t),
brutt (s. § 152, 2) weg, hin, aJcarn (got. ahran) ecker, pl. Girker
und GriMer Griechen, girshr und gri(k)slcr (s. § 296) griechisch,
mnorw. Anders und Andreas; auffallend umgekehrt mnorw.
f J rü(g)ils, Proeis, Pruls neben gew. Porgils ein mannsname.
Anm. 1. Gewaltsamer ist die Umstellung gewesen in fifrilde aus
*f{ftiäri (vgl. ahd. ftfaltra) Schmetterling (vgl. nisl. fidrildi aus *fiÖildri zu
aschw. fifedhal u. a.). In kokodriHus statt crocodihis ist die Umstellung
schon auf ausländischem boden vorgenommen.
Anm. 2. Ueber anlautendes riv statt wr s. § 288 anm. 2.
Anm. 3. Die verschiedene Stellung der r im adj. (urspr. part.) skorpenn
eingeschrumpft und skreppa (wozu neu gebildet part. skroppetvn) gleiten
stammt aus urgerm. zeit; vielleicht auch seit, hors neben hross (vgl. as.
hros und lat. cnrrere laufen aus cttrs-). lieber die euphemistischen formen
ragr neben argr (ahd. arg) feige, raz neben arz aisch, einmaliges er]»-
(Fritzner II, 50) neben gew. repr (ib. III, 47) männliches glied, freta furzen
(: schwed. f'järta, ahd. ferzan, gr. nkQÖeo&ta), strepa (part. prät. slropemi)
neben serpa (sorpenn) perverse Unzucht treiben s. E. Noreen, Studier i forn-
västnordisk diktning II, 60ff. — Gramr neben Garmr (zu mnorw. garma,
gorma lärmen) name eines mythischen hundes ist wol das von Garwr
etymologisch verschiedene adj. gramr zornig.
§ 31t). s erleidet (von den § 313, 4 und § 314 erwähnten
fällen abgesehen) selten metathese wie in geispa (zu geij>«
den mund verzerren) gähnen, rispa (zu no. und schwed. dial.
ripa ritze; vgl. Noreen, Värt spräk III, 187 mit note 2) f. ritze,
v. ritzen, britxle neben brixtle (brixle § 239. 1, b) statt' brigzle
§ 238, 2. d Vorwurf, sysken statt sgstken geschwister. fi/hkur
§317. Urgerm. lautgesetze : Yerners gesetz. 229
statt fyLcne jj 222.2 versteck. bmntA&ies oder Ashnes (s.
Kygh. Oplysuinger IL 155) ein Ortsname.
Aum. Kaum annehmbar ist. dass fälle wie gen.. seltener aec. Krü
statt £rof (s. § 302) und superl. ntr. ämpoM >tatt -fl*f (gBgei aus-
schliessliches flcest u. dgl. . s. § 310 anm. 3) hierher gehören. Denn die
annähme einer metathese von auslautendem -st (so dass m. dinpastr zu
dem ntr. rfinpaz neu gebildet wäre statt des lautgesetzlichen diüpastr)
erklärt weder den gegensatz äiüpai : fUtsi noch warum Kn'z u. dgl.
häufiger im gen. als im acc. auftritt (vgl. § 302 schluss). Vgl. § 310 anm. 3
ischluss) und § 303. 1.
Kaj». ^ Konsonantenwechsel ans urgermanischer
zeit stammend.
I. Spuren urgermanischer lautgesetze.
§ 317. Unter allen urgerm. lautgesetzen ist das Weitaus
wichtigste das s. g. Yernersche gesetz. wonach inlautendes
/'. ]>. h und s (ausser in den Verbindungen fs. ft. hs. ht. .v/r. sp,
ss\ st) in resp. 5. <1, $ (nach nasalen resp. b. d, y) und z (<L Ii.
stimmhaftes s) übergehen, wenn der nächst vorhergehende
sonant nach der altererbten betonung nicht den hauptton
trug. Bei verschiedener betonung entstehen demnach doppel-
bildungen mit /': 5 (b). j> : ö (d). h : g (y) und 8 : :.
1. Der w T echsel f:h ist im nordischen durch die Über-
gänge f > t (§ 240. 1) und 5 > f (§ 223. 2 und § 237. 1) fast
immer aufgehoben worden, z. b. parf bedarf : pl. fiurfom gegen
got. parf 'â– ': pcuirbum. Nur ist von dem Wechsel mf (an. > f
§ 208. 2) : mb eine spur bewahrt in fifl riese. tor (ags. fifel
untier) : funbol- riesen- (in Zusammensetzungen wie fimbolcetr
furchtbarer winter >.
2. Von dem Wechsel p : ö ist wol noch eine spur bewahrt
in dem urn. gegensatze von kApuwmktfu (Istaby; vgl. auch
Stentoften und Gummarp) und hadulo.ihiR (Kjelevig) wie auch
wol sigaduR (Svarteborg) — vgl. ags. Headvläf, aber Xidhad —
und vielleicht Af'unp (Valby) gegen aisl. ofund neid. Später
ist aber durch den Übergang j> > 6 (§ 221. 1) und d>p (§ 223, 2
und § 238.2) der Wechsel aufgehoben worden, z. b. anorw.
bröSer (got. bröpar) bruder wie fader (got. fadar) vater ; dies
jedoch nicht nach l und n. weil lp, np ja zu U, nn (§ 275)
B#0 § BIT. Urgerm. lautgesetze: Yeniers gesetz.
und lö\ nd zu Id (§223.1), nd (dies schon urgerm., s. oben)
geworden sind. Also gehören hierher folgende zwei fälle:
a) 11 : Id. z. b. ballr (vgl. got. halpei kühnheit; aber baldr
Hampesmol 25) gefährlich, ballripe (bald-) kühner reiter : baldr
(ags. bealdör) fürst, baldenn übermütig, ofbelde Übermut; ellre
(got. alpha) älter, eile alter : aldenn alt, aldr alter, (cer)old Zeit-
alter; prät. feil (das nähere s. § 275) bedeckte : pl. feldom; prät.
(s. § 275) /teil (vgl. ahd. halt/tan neben kaltem) hielt : pl. heidom:
prät. otta : später (und daher vielleicht neubildung) olda zu
i-alda verursachen.
Anin. 1. Unklar ist II : Id, in gußspiaU evangeliuni. skilliuyr münze,
anorw. auch -gpjtUd, skihlingr (dies, wiewol seit., aucli im aisL), tLoskvIlr,
-koldr (s. § SÖ5 anni. 1) und haukstcddr (nur einmal -siallr, s. Egilsson)
bäuptling, wo nach got. spitt, skittüjgs und mndd. hol da» //. resp. nach
got. -staldau das Id schon urgerm. ist. Uh in den zwei ersten fällen nur
umgekehrte schreihuugen mit Id nach §275 auin. vorliegen? Wegen skil-
dingr vgl. aber E. Schröder, KZ. XLVIII, 254 f.
b) nn : nd. z. b. finita (got. finftan) linden, prät. fann : pl.
fnndom. part. fundvnn; sinn (vgl. got. sinp-s) reise : senda (got.
sandjan) senden; -kunnr (kupr) : -kandr (got, -kunda: s. t-rislason,
Aarboger 1881, s. 208) entsprossen, kundr söhn; enne stirn
: ender ende; yrunnr (yrupr) grund : yriind boden ; linnr (lijrr)
lindwurm ; linde band; anorw. unninyi : seit, undinyi entwischter
sklave, undan weg von (vgl. got. unpa-plmhan : afries. und-fha
entfliehen, s. Bugge. Arkiv 11,224); ttnnr (uör. ags. yd) welle
: Verm-undr ein seename.
3. Der Wechsel h : & zeigt sich im nordischen seit dem
Schwunde des h (§ 230) als ein Wechsel zwischen :
a) Formen ohne und mit g. z. b. da (got. slahan). prät.
slo : pl. sloyom. part. sleaenn schlagen; ^d, flo : floynm. ftegenn
schinden: ,vio. .svi (got. sa&) : pl. (anorw. seit., s. § 498 anm. 4)
sägom sehen. Saga name einer . göttiu (s. £ 169); päd (got,
pwahan). pö : poyom, pueyenn waschen; hlwia (got. hlahjan).
hlö : hloy om, hleyenn lachen: flyia fliehen, prät. (seit.) flo : pl.
(seit.) ftuyom; fda (got. filhan) verbergen, /o/c (§ 124) diebs-
gut : part. folyenn verborgen, fidya dünne Schneedecke; tiöa
(got. tiuhan) oder tyia ausreichen : toyenu gezogen ; tiä (got.
teihan) : alt auch (s. F. Jonsson. Aarboger 1912. s. 44) teya
zeigen, tiyenn ausgezeichnet, iarteiyn. -teyn. -tiyn (vgl. § 293.3)
Wahrzeichen: d (got. aih) : pl. elyom besitzen, eiyenn eigen: W
§317. Urgerm. lautgesetze : Verners gesetz. 831
leiben : hifji'i mieten: Ut zehn : tegr. tigr anzahl von zehn:
hör (hör) : anorw. auch kaugr (sehr seit., s. Fritzner) hoch.
haugr hügel: herel (s. § 60) : hegte (s. § 128) reiher; leer
Schenkel : leggr (*lagja- § 279. 1 ) bein ; lq Strandwasser : logr
wasser; prät. cd (got. waih) kämpfte : part. n-genn getötet, ctg
kämpf: sia seihen : sigu sinken: prät. St. Hom. gnepe-sk (got.
ganöhlda) : gnegia befriedigen; Ion stilles wasser : logn stille;
skitd-? : skialgr schief s. Hesselman. Västnordiska studier I. 25);
flö schicht : flaga dünne schicht (s. Persson. Beitr. zur indogerm.
Wortforschung, s. 238): brid (mhd. brehen) oder brä funkeln
: brago flammen: fi»r (ags. feork leben, gut. faMms weit) leben
: in Zusammensetzungen auch fiarg- (s. (rislason. Efterladte
Skrifter I. 17S), Lokasenna 19 pl. forg (ags. feorg) lebende
wesen: i-(' (gut. ireih-s) heimstätte : -reig "heimisch, hausgenosse'
in frauennamen wie Bann-. Poneig (s. Noreen. Urg. laut!., s.
130); Ve\e) (got. iveihu) ein mythischer mannsname. pl. vear
die heiligen : vigia weihen: o (got. alm\ fluss : JEgcr (vgl. ags.
(Pftceard uferwächter) gutt des meeres. Vgl. noch nisl. tdsjä
(anorw. dial. fasern: gut. tahjun reissen) : tag faser. tag! haar.
b) Formen ohne und mit ng. wo n schon urgerm. vor h
geschwunden ist (s. Noreen. Urg. lautl.. s. 25 f.). z. b. fd (got.
fähetti) : prät. fekk (aus *fmg § 220. dem pl. nachgebildet), pl.
fingonh part. fingen n bekommen; ere (got. j/ihiia) jünger, eska
Jugend : ungr jung: fd (rd § 116) winkel : tong spant ; fo (s.
§ 116) fest zugestampfter boden : tong zange, tengia zusammen-
binden: ffarr : Yngxarr (anal. Inguarr) s. § 111.2: d$ unfall
(s. § 175,4). vd verargen : cangr (Sn. E. 11.601) falsch (s. Noreen.
Urg. lautl.. s. 222). ränge backen (eig. krümmung. rundung):
l»i quälen : hungr (s*. § 167) hunger; häske gefahr (vgl. got.
hiihan hangen), heett« t ^ 321) riskieren : hanga hangen; -rrr
(afränk. -tneh. zu got. weihdn, lat. rincere) "kämpfer* in
mannsnamen wie Hloprir Chlodwich: Ving-pörr. Vingner be-
nennungen des donnergottes.
Anin. 8. Weil htc unter umständen zu urgerm. / wurde, ist der
Wechsel hie : ,pc (woraus teils j. teils nach § 319, 1 m) bisweilen durch
einen Wechsel / *: g wie in ofn (Tgl. got. aühns) : anorw. Cselt. s. Fritzner)
ogn ofen. itlfr wolf ; ylgr wöltin ersetzt worden. Sonst ist der Wechsel
htc : (g\to im nordischen gew. nicht bemerkbar, weil nicht nur h. sondern
auch ic (s. § 235, 1) in den meisten Stellungen schwinden musste. Nur in
den wenigen fällen, wo w (aus gw) schon urgerm. vokalisiert worden ist
232 § 818. Urf erat, lautgesetze : Geniinaten.
orliT in einein diphthong vorkommt (vgl. § 163) , entstehen (vokalische)
doppelformen, z. b. siä sehen : suht (*segwm'-) gesiebt; hn nachgras : linj
gras (s. § 168, 1) ; 6 (got. aha) fluss : ey (*agivja-) insel, aue; huel (Vmrhla-.
ags. hweohl) : hiöl (*Jiwegtt&a- §235 anm. 3, ags. hweowol ', hiveol) neben
(nicht redupliziertem, s. Noreen, I. F. IV, 320 ff. ; anders Kock, Arkiv
XIV, 246) liuel (Vntrla-, vgl. asl. Jiolu; die kürze des e ist durch den
schwedischen dialekt von Dalarna sicher bezeugt, s. Noreen, Sv. landsm.
IV, 106, so dass der zweifei Bugge's bei Fritzuer III. 108 hinfällig ist) rad.
4. Der Wechsel s : z tritt als s : r (urn. r § 224, 1, § 265)
auf, z. b. kiosn. prät, latus : pl. kerom \ktirom § 72, anal, auch
kusom). part. kerenn (korenn, kosemi) wählen: (bes. anorw.) Jcos-
iu Zusammensetzungen : gew. kor wähl; friösa, fraus : frerom
(fruso)n). frorenn (frosenn) frieren ; res« (anal, cera), cas (cur)
: vörom, reret (anal, ceset) sein: sä säen : prät. sera (*se#o-. vgl.
got. slepan : saizlep) ; wesfo* (got. muists) grösster : meire (got.
maiza) grösser; ynystr jüngster : ere (got. jühiza) jünger usw.
in komparativen; ysiu feuer : eim-$ria glühende asche; pysia
: pt/ria hervorstürzen; ofse : ofr iibergrösse; h$ms : hmnr hülle;
forste durst. Jjyrstr durstig, porskr dorscli : Jnirr (aber got.
paureus) dürr. Jtorna § 283 (aber got. yupmirsnan) dorren; ///».s7
das äussere ohr : hhra lauschen, hlyr wange ; yeisl geissei : yeirr
ger; Marse Scheitel : hiarne ^herzn- § 283) hirn; cersna schlimmer
werden ; rerre (*verRRe < *rerziz-, vgl. got. uairsim) schlimmer;
mose moor ; myrr sumpf; heilsa grüssen : heul (*hanlR § 277, 1)
heil, glück; iolstr. ilstre weide : ohr erle; 6s, es, ess, oss uns
: pl. örer (*uHzar«i-. s. £ 112, 1; anal, osser) unsre; ylys glimmei
: ylyrna äuge ; Glaser mythischer hain mit goldenem laubwerk.
ylcesa glänzend machen : yler glas; huysa sinnen : hityr sinn;
hrqste gemeischtes malz : hrvra rühren, hronn (s. § 224, 2) woge
u. a. (Bugge, No. I., s, 98) ; fauskr mürbes holz : anorw. (Hertz-
berg, s. 857) fftyra poröses Zellgewebe: lasenn kraftlos (vgl.
got. Jasiws schwach) : yaiiylere reisemüde, mamüera entarteter
mensch, söttleru durch krankheit entkräfteter mensch, cettleru
entarteter geschlechtsgenosse.
§ 318. Wechsel von einfachem konsonanten mit
geminata (welche nach konsonanten und nach langem vokal
verkürzt wird) findet in folgenden fällen, meistens infolge
urgerm. assimilation eines n statt (s. Noreen, Figerm. lautl..
s. 154 ff., 100 ff., 163 ff. ; v. Friesen, De germ. mediageminatorna.
pass. ; Sievers, I. F. IV, 335 ff.) :
$318. Urgerm. lautgesetze : Geminaten. 888
i. 5 (/') : bb. z. b. stüfr. stufe, stofn, stufn : dtubbr, stubbe
stumpf: lauf laub. Itifu dickes haar : lubba grosser dorsch;
kiiföttr kugelförmig i kobbe robbe, saltkubbe salzklumpen: prät.
tjafdi (v. Friesen, a. o., s. 39) gaffte : yabba spotten.
2. b (/*) : pp, z. b. kuföUr kugelförmig I koppr erhöhung
(des helmes): krof kröpf : kroppr rümpf: knefell knebel : knappr
knöpf ; äkafr (s. § 54, 3. b) eifrig : kippu (schwed. auch Jtfpa ;
vgl. E. Olson. Frän filol. f öreningen i Luud III. 59 ff.) schnappen ;
ofan von oben : uppe oben, upp und mit kürzung des pp seit.
is. § 280 anm. 4) üp hinauf: Gleifner (vgl. Kock. I. F. X. 109)
: Olapner mythische fessel.
Anin. 1. Durch ausgleichung kauii (auch uach kurzem vokal) ein
Wechsel b : p entstehen (vgl. aum. o). z. b. prät. gäfSi (k oben 1) : gopo
gaffen.
3. Ö : tt. z. b. buftkr büchse. boftn ein gefässname. bioßr
tisch : bytta bütte. ?bauta stossen (t durch ausgleichung, vgl.
anm. 1 und 3. auch in buta kappen, butr stück holz?); knopu
kneten : pl. il-knytttr böse streiche, hnütr knoten; ? geldr gelt
: ynltr kastriertes ferkel. yyltr sau. Durch ausgleichung
auch dd : tt, z. b. todde bisschen : tuttr kleine person.
Anm. 2. Ein urspr. p ; pp liegt in mapkr niade : motte (s. $241)
motte vor.
4. g : yy. z. b. cuyn wagen : cayyo wiege.
5. g : kk. z. b. sminya schmiegen : smokkr brustlatz ; fliuga
fliegen, fluya fliege iflokkr fliegende schar: boye bogen : ?bokkr
bock, "krumm hörn': hruga : hramkr häufen (nisl. hnika): ? sniyell
Schnecke : snäkr, snohr ringelnatter : teyu zeigen, ki.rteiyn, -tegn,
-tign (s. § 293, 3) : teikn zeichen.
Anm. '6. Durch ausgleichung entstehen aöwol ^ : k (vgl. anm. 1). z. b.
hrüga haufeu : hruke aufmass. wie auch gg : kk. z. b. ? bagge packen : bm&ke
auhöhe. kinnbakke backen: knggoll tingerspitze, kaggr. kagge : äy'Ääv fässchen.
kokkr klumpen.
H. h : kk. z. b. tui (gut. tti/wn | zeigen : teikn zeichen (vgl.
oben 5): ?hol (ags. holh.\ höhlung : kotier zwinge.
7. j :jj (an. ggf, s. § 227. 1). z. b. firif : gen. pnyyw drei;
M£r : gen. tttSffffia zwei: bdfrer (gnt. bai pah : gen. beggw beide.
Anm. -k Friä-dagr freitag (zu Frigg (Mens gattini ist lehnw. (ahd.
inatag, ags. frigetUeg).
284 § 319. Sonstige argem: Lautgesetze der kons.
8. k : kk, z. b. läüktotogr gänseküchlein : kokkr hahn; brök
hose, •gebrochenes kleidstück' : Brokkr mythischer schmied, 'der
sich mit brocken beschäftigt'; stake stecken : stakkr schober,
"das stehende' (lat. stagnum); bakr rücken (runde erhöhung)
: bakke (u. a., s. anm. 3).
9. I : U, z. b. bolr bauch : bolle bowle; miol mehl : mioll
neugefallener schnee; präfix al- ganz : all- all-; stöll stuhl
: stallr stall.
10. m : mm, wol in z. b. suhn{m)a, sym'ia schwimmen;
stam(m)r (got. Stamms : ags. stamof) stotternd ; grim(m)r (vgl.
gramr) wild ; skam(m)r kurz ; ram[m)r stark ; slcom (Hb., s. XLIH,
Olsen, Voteunga saga, s. XXXII) : gew. skomm schände; ganOv
adler : gammr geier; glam{m) lärm; Mum(m)r handhabe des
ruders ; hrum(m)r schwach ; hamingia : anorw. seit. (s. Hertz-
berg) hemmmgia glück; Hem(m)ingr ein mannsname; möglicher-
weise auch snema (vgl. got. sniumundö) : snimma (u. a., s. § 162,
vgl. § 281) früh; vgl. noch hrammr bärenpfote : aschw. ram-
(ahd. rama). S. z. b. Olsen, a. o.
11. n : nn, z. b. spune gespinnst : spinnet spinnen; brune
brunst : brenna brennen; rune fluss : renna fliessen; vgl. kona
weib : gen. pl. kuenna (s. § 100).
Anm. 5. Ueber man- in Zusammensetzungen (manvii und pl. man-
heimur. s. Bugge bei Fritzner 111,1110; vgl. got. manuseps) neben mannt
(maßt; got.manna, dem vielleicht manne Vafprupnesmöl 55 entspricht;
anders Neckel, K. Z. XLV, 6) mit unurspr. un s. Noreen, Urg. laut!., s. 159 f.
12. p : bb, z. b. snopa schnauze : snubba anschnauzen
(vgl. 13); gapa gaffen : gabba spotten (vgl. 1 und anm. 1 oben).
1 3. p : pp, z. b. sleipr schlüpfrig : sleppa entschlüpfen ; snopa
: snoppa (vgl. 12) schnauze.
14. ic : iv w (an. ggw, s. § 227,2), z. b. biorr bier?, büa
: byggua wohnen, bygg gerste: trdr : tryggr treu; stuia drehen
: snugga schielend spähen ; prät. hiö hieb : pl. hiuggom hieben ;
gloa (ags. glöwan) leuchten : gluggr lichtöffnung ; ryia rupfen
: rqgg grobe haare.
§ 319. Sonstige, spärlicher vertretene, erscheinungen sind:
1. Nach vokalisches g schwindet vor w, z. b. (vgl. § 317
anm. 2) mogr söhn : mär (got. mawi) mädchen; JEger gott des
meeres : ey (*auja im latinisierten Scadinauia) insel. aue; taug
seil : taumr (*taugw-) zäum ; flitiga fliegen : flaumr schwärm:
§320-321. Iurtoenropäische laufgesetze der kons. 235
drangt- gespenst : draumr träum: Xaglfar "leichenschiff ? ivgl.
jrr. p&evg) : ndr (got. naus. pl. naweis) leiche.
2. d und p schwinden im auslaut. bleiben aber im inlaut.
Daraus erklären sich doppelbildungen wie z. b. mdne mond.
monat : mänafir monat; nefe neffe : nifi. nipt nicht«: miot inass
: miotojtr igot. mitaps mass) Schicksal; «/ (ags. ealu. obl. ealod)
: anorw. gen. pl. olda (s. Bugge bei Hertzberg. s. 162 und 535)
hier (vgl. fijtr hier, schmaus); hcdr (ags. h/vle) freier mann
: Jwlpr (ags. hreled) freier Grundbesitzer; pl. ff&gp (as. giscagm
Schicksal : skupopr schöpfer; e/* zweifei, 'wenn' : efa(p)samr
zweifelhaft : leika (*-«»]>) : leikunde Spielzeug.
3. m wird vor </ zu >/. z. b. ftymui schwimmen : sund (das)
schwimmen; koma kommen : mm kund Zusammenkunft; brim
brandung : brundr brunft.
-f. hu: und kir werden vor u. U zu h. resp. k. z. b. /*«</£
was lieben ha wie: gen. pl. kuinna. kutnna : kitna > kona weib.
5. f schwindet vor sk. z. b. frtir : Mdr bitter. («Ur faul
: /ö.sA'f schlaff. MriN wasser : caska waschen.
6. » schwindet vor h. Beispiele B. § 317. 3. b und § 175.4.
II. Spuren indoeuropäischer lautgesetze.
§ 320. t. d, d. }) -f t treten als $#, nach oder vor kons,
sowie nach langem vok. oder diphthong als $ auf. z. b. vita
wissen : prät. rissa w T usste. viss tpl. viser) weise, gewiss, risa
weisen, cisa gebundene rede: hmatr keck, huetia anspornen
: huass scharf; sitia sitzen : sess sitz: giöta giessen : giosa
sich gewaltsam ergiessen. gegso in heftige bewegung versetzen,
vgl. nisl. Geysir name einer quelle: hnito anstossen : hniss
widriger geschmack: meüa abhauen : meiss art holzgerät: fundr
fund : fti.ss C'funss-. s. ^ 233) begierig; hJajxi laden : Mass
führe; hnopet gehämmert : hnoss geschmeide: snipa schneiden
: sneis spiess: htopr rühm : hrosa rühmen; ß]»/. füttern : föstr
(*fö$ra- mit eingeschobenem t) nalirung.
£ 321. /.. g. c. h h t treten als ht tan. tt. s. § 267) auf;
vor ht schwindet ein « (s. § 319,6). Beispiele sind u. a. seha
>uchen : prät. sötta: pgkkia sclieiuen : prät.pötfa; Pekkia merken
: prät. pätto; [fi-kin bewirken : prät. oria (urn. worahio Tune);
B36 § 322. Indoeuropäische lautgesetze der kons.
siiikr krank : s6U sucht; miolk milch : mialtr (*melhtan) melk;
mega können : prÄfc matta : stiga steigen : stett fuss eines bechers;
haga einrichten : lurftr beschaffenheit; draga ziehen : dröttr
(mengl. draught) zug; ganga gehen : gott (got. -gähts) gang,
durchgang; hanga hangen ; hcetta (vgl. mengl. häht, haughte
gefahr) von etwas abhängig sein lassen, riskieren.
§ 322. Anlautendes s kann unter umständen fehlen (s.
Noreen, Urg. lautl., s. 202 f., Siebs, K. Z. XXXVII, 277 ff. , H.
Schröder, Beitr. XXIX, 479 ff. und die dort — s. bes. s. 484 mit
note l — erwähnte literatur). Statt sk, sp, st stehen dann
h, f, ]). Beispiele sind u. a.:
1. sk : h. z. b. skera schneiden : hiorr schwert; skor : här
haar; skiöpa ledersack, pl. skauper vorhaut des pferdes : htlp
haut; sküme : hiim dunkel; skare gefrorene kruste des schnees
: hiarn reif; pl. skurfor : hrufa , hryfe schorf, hriüfr schorfig;
skrcekr geschrei : hrökr seerabe; skrikiu schreier, eichelkrähe
: hrika knirschen; skrukka runzel, pl. skrykker wellenbeAvegungen
: hrokkenn runzelig ; skraume : hraume schlingel ; skark : hark
tumult; skiallr laut, sküd : hial geschwätz; skg Wölkchen : hy
flaum; skemmask sich schämen ('sich hüllen') : hamr hülle,
gestalt; snykr (*sknyk-) : hnykr stank.
2. sp : /" z. b. sprekla fleck chen : pl. freknor Sommersprossen ;
sprcekr rührig : frekr gierig, frech, frakkr, frökn mutig (s. Torp.
Sprogl.-histor. studier til Unger, s. 183 ff.).
3. st : j>, z. b. stirfenn starrköpfig, stiarfe erstarrung : fr'tarfr
derb; stynia stöhnen : Porr (^PunraR. s. § 112, 1) der donnergott.
4. Sonstige fälle, z. b. ?smär (ahd. smähi) klein : magr
mager; snqs f eisen vorsprang : nqs nasenloch, nes erdzunge;
snefta aufspüren, snafpr mit feiner nase, sncefr, snöfr flink
: nef nase, n&fr klug (s. Liden, Bezz. Beitr. XXL 101 note,
Armenische Studien, s. 64 f.).
Anm. Im anlautenden skr scheint ;• bisweilen schwankend zu sein,
l. b. sk(r)okkr ranzen, sktrjukko runzel, pl. sk(r)ykker Wellenbewegungen;
skreppa ranzen : skeppa scheffel; skrißa gleiten (z. b. vom schiff), skreip
(das) gleiten, lavine (ags. scräd schiff) : skeip f. schiff', ntr. lauf. Aber
wahrscheinlich liegen hier nur reimwörter vor.
§323—326. l'ebersicht über ilie stimmlosen explosivae. 237
Kap. 4. Etymologische Übersicht über die
kon so« a nten.
I. Die stimmlosen explosivae.
§ 323. p entspricht :
1. Gew. urgerm. p im in- und auslaut sowie nach an-
lautendem 5. z. b. gripa (got. greipan) greifen, skejna (got.
skapjan) schaffen, hialpa (got. hilpan) helfen. skij> (got. styp)
schiff, spgrr sperling, springa entzweispringen.
Anm. Anlauteudes p kommt, soweit die etymologischen Verhältnisse
klar sind, fast nur in lehnwörtem vor. z. b. penningr pfennig. pund pfund,
prestr priester und vielen anderen. L'eber mehr oder weniger sichere fälle
von urspr. an. p- s. K. F. Johansson. K. Z. XXXVI. 342 ff.
2. Aelterem /: & § 240. 2.
3. Aelterem 5. s. § 240 anm. 4 (und § 237 anm. 3??).
4. Seit, älterem b. s. § 244.
5. Es ist selten eingeschoben, s. § 308.
6. Es ist selten aus pp verkürzt, s. § 284.
§ 324. pp entspricht :
1. Gew. älterem mp. s. § 266, 1.
2. Seltener urgerm. />/>. z. b. klapp« klopfen, hoppn hüpfen.
tnoppa schnauze. Jniappr knöpf.
§ 325. t hat mehrfachen Ursprung :
1. Eegelmässig urgerm. t, z. b. tueir (got. ttrui) zwei, tre
igot. kirn) bäum, hiarta (got. hairtö) herz, et» (got itan) essen.
ixtn (got. ivatö) wasser.
2. Aelteres d. s. § 238. 2.
3. Aelteres d. s. § 220. § 245. 1.
4. Ist eingeschoben, s. § 310.
5. Aus tt verkürzt, s. §§ 283—286.
6. Dialektisch (anorw.) aus s enstanden. s. § 242.
7. Seit, (anorw.) älteres /.-. s. §263 anm. I.
8. Aelteres p (mnorw.i, s. § 241 anm. 1 (vgl. anm. 2).
Anm. Ueber kakuminales t s. § 252.
§ 326. tt hat sehr verschiedenen Ursprung :
1. Aelteres nt (nd). s. §266.2 (§220).
238 § 927: 32^. fJebei-6. über <1. .stimmlosen explosivae. § 3*29. Stimmhafte«.
2. Urgerm. ht, s. § 267.
3. Aelteres dt, s. § 268, 2.
4. Aelteres d(<fK, s. § 268, 1.
5. Aelteres tö (und td?), s. § 276 (vgl. anm.).
6. Aus * gedehnt, s. § 270 anm. 1, 2 und 3, § 280, 1, § 282.
7. Urgerm.«, z. b. skattr (got. skatts) schätz, hottr (ags.
htett) hut, knottr ball (vgl. ags. enotta knoten), kottr katze.
8. Urgerm. t -\- t, durch synkope zusammengestossen, z. b,
ntr. fa*o« (got. liutata) zu froft- hässlich u. dgl.
9. Urgerm. pp, s. § 241.
10. Seit, (mnorw.) pt, s. § 271.
§ 327. k (velares und palatales) hat folgenden Ursprung:
1. Gew. urgerm. k, z. b. kne knie, kennet kennen, «kr acker,
ek (got. **#) ich, Höbe (got. reiki) reich.
2. Urgerm. h, s. 4? 222, 2, § 243.
3. Aelteres 6 -, s. § 239, 1.
4. Aelteres g, s. § 220, § 246, 1.
5. Aus kk verkürzt, s. § 284, § 285.
6. Seit, (anorw.) p, s. §257.
7. Seit, (anorw.) eingeschoben, s. § 307.
8.? Seit, älteres t, s. § 259 anm. 2.
§ 328. kk hat mehrfachen Ursprung:
1. Gew. aus älterem nk (ny). s. § 266, 3 (§ 220).
2. Urgerm. kk, z. b. sekkr sack, bokkr bock, flekkr tleck.
fiuakke nacken, smokkr (ags. smocc) Unterkleid, stokkr stock.
lokkr locke, lokka verlocken, flokkr schar.
3. Aus k gedehnt, s. § 279, 1, 2, 3 und anm. 2, § 280, 2.
4. Aus t{t)k assimiliert, s. § 274, 1.
5. Aus ggk assimiliert, s. § 270.
II. Die stimmhaften explosivae.
§ 329. h kommt nur anlautend und nach m vor. Es
entspricht:
1. Urgerm. d, s. § 223, 1, § 237, 3.
2. Urgerm. b (§ 219 anm. 1), z. b. kambr (ags. comb) kämm.
lamb (got. hmth) lamm, mnb (ags. //mb) um. tnttif, (got. toamba)
bauch.
S Iftft MH fTffctfnirtit über die stimmhaften explosivae. 889
3. Seit, älterem ;>. s. § 247 anm.
4. Ist seit, i'anorw.) eingeschoben, s. § 304.
§ 330. bb ist im ganzen selten. Es ist :
1. Urgerm. bb. z. b. krabbe krabbe. gabbu (ags. gatirimt)
spotten, stubbr stumpf. Vgl. § 318. 1 und 12.
2. Aus b -- h assimiliert, s. £ "269.
3. Seit, aus ob assimiliert, s. § 268 anm. 3.
4. Seit, ans xb assimiliert, s. § 270 anm. (schlu>-
§ 331. d kommt nach vokalen nur in Zusammensetzungen
(z. b. friddagr freitag) vor. Es hat folgenden Ursprung:
1. Gew. urgerm. ö, s. § 223. 1. § 238. 1. b.
2. Urgerm. Ü-{§ 210 anm. 1). z. b. binda binden, hond hand.
hnid land u. a.
3. Seit, älteres p, s. §238. l.b verglichen mit $ 221.1.
4. Seit, älteres t s. § 248 anm. 5.
:>. Aus dd (öd) verkürzt, s. § 283.
(5. Ist eingeschoben oder zugesetzt, s. $ 305 anm. 1 und 2.
leber kaknminales d s. § 252.
§ 332. dd hat folgenden Ursprung:
1. d+d, s. §238 ? l.a.
2. Urgerm. zö (urn. wdf% s. § 224. 2.
3. Urgerm. dd. z. b. kodde (vgl. ags. codd) lasche, todde
(and. zotto) wollflocke.
4. Aus Öd assimiliert, s. § 268. 3.
5. Aus 4 gedehnt (anorw.). s. $ 279 anm. 2. $ 280 anm. S,
§ 282.
6. In lehnwörtern d. s. § 282 anm.
7. Ist eingeschoben? (misl. und mnorw.). s. § 305.
§ 333. g (velares und palatales) kommt nur anlautend
und nach n vor. Es ist:
1. Anlautend urgerm. g, s. § 223. 1.
2. Urgerm. g (§ 219 anm. 1), z. b. langt lang, mngr gesang.
nngr jung.
§ 334. <jg hat dreifachen Ursprung:
1. Aus gedehntem s- s. § 279, 1 und 3 mit anm. 3.
2. Urgerm.,//. s. § 227.1.
240 §335 — 339. Ilebersicht über die stimmlosen Spiranten.
3. Urgerm. ww, s. § 227, 2.
4. Urgerm. gg. z. b. mgga (vgl. mengl. waggw) wiege.
hugge packen.
III. Die stimmlosen Spiranten.
§ 335. /' kommt nur anlautend und im inlaute vor k, s,
t, p vor; auslautend ist es früh nach § 240, 1 zu K geworden.
Es entspricht:
1. Gew. urgerm. f, & b. fotr fuss, fliöta fiiessen. friösa
frieren, giß (got. gifts) gäbe.
2. Urgerm. T) in- (und aus)lautend, s. § 237, 1 (und § 223. 2).
3. Urgerm. p? (anlautend vor /), s. § 221,2.
4. Seit, (anorw.) urgerm. p, s. § 247.
§ 336. ff kommt fast nur in lehnwörtern vor, z. b. off'ra
opfern, die buchstabennamen eff = f und vaff=r. In echt
nordischen Wörtern ist es aus d + f entstanden, s. § 269.
§ 337. p kommt nur anlautend und im inlaute vor )c
sowie nach k. p vor; auslautend ist es früh nach §221.1 zu
(J geworden. Es entspricht:
1. Anlautend urgerm. ]>, z. b. pola (got. pulan) dulden.
pro- (got Preis) drei, piöf'r (got. piufs) dieb, puti (gotpivahan)
waschen.
2. In- (und auskaufend älterem fl, s. § 238, 2, c — f (und
§ 223, 2).
§338. s ist:
1. Gew. urgerm. 8. z. b. sonr söhn, stand« stehen. hiSsa
(got. kiusan) wählen, oxe ochs, hals hals, gras gras.
2. Aus ss verkürzt, s. §§ 283—286.
3. Eingeschoben, s. § 309.
Anm. l T eber kakuminales s s. § 252.
§ 339. ss hat mehrfachen Ursprung :
1. Urgerm. ss, z. b. huass (got. Jvass) scharf, rissa (got.
n-issa) ich wusste, Mass führe, sess sitz, hnoss gescfrmeide.
2. s | 5, durch synkope zusammengestossen, z. b. gen. sg.
hdss hauses, rtss eines weisen.
:;. Aelteres ss (urgerm. s f ,?). s. § 277.
?j 340. 341. Uebers. über 4 stiniml. spir. § 3-12. 343. Die stimmhaft, spir. 241
4. Aelteres (später gekürztes! /?.?. s. $ 273. '
5. Aus rs assimiliert. 8. § 272. 3.
6. Aus te assimiliert, s. §273,2,
§ 340. Der (velare und palatale) Spirant h kommt um
anlautend vor kons, i und >/ vor und entspricht immer urgerm.
h (s. § 222. 1), /.. b. hi'irtn herz. fttMtf (vgl. got. feil) #*&
Auiu. 1. Derselbe laut — jedoch g geschrieben — "kommt als iiber-
gaagntafe in <ler entwickelung ^ >> spir. h >■k vor. s. § 239. 1.
Anm. 2. I'eber ek aus /,/-. />/-. li- g. $ 243 an in.. § 2*»3 anm. 5.
IL Der hauchlaut h kommt (ausser in Zusammen-
setzungen) nur anlautend vor sonanten vor und entspricht:
1. Gew. urgerm. spirantischem h. s. § 222. 1.
2. Aelterem jfc vor n (niisl.), s. $ 249.
3. Ist zugesetzt, s, § -306.
IV. Die stimmhaften Spiranten.
§342. h. später (& § 25^ und vgl. § 250 1 < anlautend
durch r. sonst durch f bezeichnet) entspricht:
1. Urgerm. T>. z. b. grafa graben. H>ifr lieb, 'trfmgt erbe.
halft kalb.
2. Urgerm. /'. s. § 240. 1.
3. Urgerm. w } s. §250; (im diphthonge an s.) §98.1.
4. Seit, urgerm. m, s. § 225.
•">. Seit, älterem * (anorw.). s. § 263 anm. 3.
6. Seit, älterem b. s. § 244 anm.
§343. (1 kommt sehr selten anlautend (s. § 221.1) vor.
Ks hat folgenden Ursprung:
1. Gew. urgerm. d. z. b. fmfor (got. faäar) vater. hitfm
(got. bimdan) bieten, §arpr (got. gards) gehnft. ],iüj, (gut.
fiiitda) volk.
2. Urgerm. /,. s. § 221. 1.
3. Aelteres t s. § 248.
4. Aelteres nn, s. § 261.
5. Aelteres fip. s. § 241 (schluss
6. Aelteres dti. s. § 285 anm. 1.
7. Aelteres r, s. § 253.
8. Aelteres a\d). s. § 245. 2.
Tfumii. AHM gl â– im *. aufl. | t j
242 §344. Uebersicht über d. stimmhaft, spir. §845-347. Die nasale.
§ 344. g (velares und palatales) kommt nur nach vokalen
und ff, (stimmhaftem) f, l, r vor. Es entspricht:
1. Fast überall einem urgerm. g, z. b. eiga (got. aigan)
haben, dagr (got. dags) tag, slegenn geschlagen, rUyla weihen.
2. Seit, älterem k, s. § 248.
3. Dialektisch älterem 5, s. § 256.
4. Seit, älterem d, s. § 259.
5. Aelterem g(g), s. § 246, 2.
6. Ist seit, zugefügt, s. § 365 anm. 3.
Anni. Ueber spirantisches j aus i s. § 251, aus g(i) s. § 263 (schluss).
V. Nasale.
§ 345. m entspricht :
1. Gew. einem urgerm. m, z. b. mdnc mond. nema, nam
nehmen, nahm, armr arm.
2. Seltener älterem d, s. § 237, 2.
3. Seit, älterem n, s. § 262, 1.
4. Seit, älterem w (ng), s. § 264.
5. Aelterem mm durch kürzung, s. § 284, § 285.
Anm. Ueber anlautendes m statt w s. § 278. Ueber auslautendes
stimmloses m s. § 34 anm. 2 (schluss).
§ 346. mm ist sehr mannigfachen Ursprungs :
1. Fast überall urgerm. mm, z. b. ramm (got. wamm)
schände, dimmr (ags. dimm) dunkel.
2. Seit, älteres mb, s. § 278 anm. 1.
3. Seit, älteres mn, s. § 278 anm. 2 und § 266 anm. 5
(schluss).
4. Seit, älteres »ä, s. § 277 anm. 5.
5. Seit, älteres m + iv, s. § 278.
6. Seit, älteres dm (anorw.), s. § 268 anm. 3. Vgl? § 224
anm. 4.
7. ? seit, älteres gm (anorw.), s. § 270 anm.
Anm. Ueber eventuelles mm aus urgerm. 4 + m s. § 224 anm. 4.
Etwas unklar ist das mm in fim(m) fünf (vgl. § 298, 2) ; vgl. auch mehrere
der im §318,10 angeführten Wörter.
jj 347. Das dentale oder kakuminale n (vgl. § 349) ist :
1. Gew. urgerm. dentales oder kakuminales n, z. b. nott,
nott nacht, hane hahn. kyn (got, kmri) geschlecht, laun lohn.
§ 348. 349. Uel.ersiohT über <\W nasale, g MX). 851. Die liquidae. 243
2. Seit, älteres m, s. § 258. 2.
3. Seit, älteres velares n («), s. § 264,
4. Seit, älteres 1. s. § 254.
5. Seit älteres tf (anonv. i. >. § 238 anm. 15.
6. Aus nn verkürzt, s. §§ 283—286.
Anm. T'elter kakuminales h s. auch £ 252; über stimmloses » %. sj 41
anm. 3.
§348. »9i ist sehr mannigfachen Ursprungs:
1. Urgerm. nn. z. b. sp mm a spinnen, knnna. burn können,
kann. ace. sg\ hyuun brunnen.
2. Urgerm. nj>. s. £ 275.
3. Urgerm. zu (urn. sn?\ s. §224.2.
4. Aelteres »«, s. § 277. Vgl § 285 anm. 2.
5. Aelteres ™. s. § 272. 2.
6. Seit, älteres nd (anorw.X s. ^ 275 anm.
7. Aus n gedehnt, s. § 2-_\
8. Urgerm. n + n, z. b. gen. pl. kuentm zu kann weib.
9. Seit, aus ön oder ddn assimiliert, s. § 268 anm. 3.
?j 349. Das velare n (u) kommt fast nur vor g (sehr seit, k
— dies vielleicht nur in lehnwörtern — und n) vor und ent-
spricht :
1. Gew. urgerm. velarem /*. z. b. lan<ir lang, ferign zunge.
hi.nk henkel.
2. Seit, älterem m. s. § 258. 1.
3. Seit, älterem dentalen oder kakuminalen n, s. § 2Ö2. 2.
4. (Geschrieben §, ng) älterem g vor n. s. ^ 2'dv. &
VI. Liquidae.
§ 350. / ist :
1. Gew. urgerm. I. z. b. lamtr lang, v&a (gut. nHjatt) wollen,
IJönif blume. steht. stoJ stehlen, stahl.
2. Seit, älteres r, s. § 253. 2.
3. Aus ü verkürzt, s. §§ 283—280.
Anm. Ueber stimmloses / s. § 40 anm. 2.
§351. // hat sehr mannigfachen Ursprung:
1. Urgerm. II. z. b. ull wolle, fußt voll, falht fallen.
2. Urgerm. //-. s. § 27".
244 §352.353. Uebersieht über die liqnidae. §354. Die halbvokale.
3. Aelteres In, g. § 277.
4. Aelteres öl, s. § 268, 4. Vgl. § 274 anm.
5. Aelteres rl, s. § 272, 1.
6. Seit, älteres nl, s. § 266, 4.
7. Seit, urgerm. d (oder urn. rJ), s. § 224 anm. 3, § 273
anm. 1.
8. ?Selt. älteres d(d)l, s. § 268 anm. 2.
9. Seit, älteres Id (anorw.), s. § 275 anm.
10. Aus l gedehnt, s. § 281 anm., § 282.
11. ? Aelteres tl, s. §274 anm.
12. Vereinzelt d, s. § 245 anm. 2.
§ 352. r ist folgenden Ursprungs :
1. Urgerm. r, z. b. rettr recht, bera (got, huiran) tragen,
verr. (got. wair) mann, armr arm.
2. Urgerm. z (urn. n), s. § 224, 1, § 265.
3. ? Seit, älteres ö, s. § 238, 3.
4. Seit, älteres l, s. § 254.
5. Aus rr verkürzt, s. §§283-286.
6. ? Eingeschoben, s. §308 anm.
Aiim. Heber auslautendes stimmloses r s. § 34 anm. 2 (sf.hlnss).
§ 353. rr ist folgenden Ursprungs :
1. Aelteres m, s. § 277.
2. ?Aus r gedehnt, s. § 281, § 280,2.
3. Urgerm. rr, z. b. kuirr. /.y/rr (got. qaforüs) ruhig, fiarre
(got. fairra) fern.
4. r + r, z. b. norrönn (ahd. nordröni) norwegisch.
5. ä -f- ä (urgerm. # + #), z. b. rayrr (vgl. got. rawa) röhr,
^eirr (gr. als lehnwort yaloog) spiess.
6. r H- r, z. b. Geirrepr (*GceiRfreÖR) ein mannsname.
7. ?Aus * gedehnt, s. §280,2.
VII. Halbvokale.
§ 354. i findet sich in starktoniger silbe — ausser in
den § 306 anm. erwähnten fällen — nur in den § 103. §§ 195
—208, § 213 und § 214 schon erwähnten diphthongen und
triphthongen. Tn schwachtoniger silbe ist es:
§ 355. Uebersicht über die halbvokale. 245
1. ürgerm. kons, i inlautend uach kurzer silbe. z. b. velia
(got aal Jan) wählen, leggia (got. lagjan) legen, brynia (got.
biunjö) panzer.
2. Nach palatalem g, y. k entwickelt, s. § 2ö3.
3. Seit, hiatusfüllend (anorw.). s. § 312.
§ 355. m (tc) findet sich in starktoniger silbe nur in den
§ 192, §§ 209—212 und § 214 erwähnten diphthongen und
triphthongen. In schwachtoniger silbe entspricht es:
1. Fast immer einem urgerm. w, z. b. syngua (gut. sigg-
wan) singen, vyluq Wahrsagerin.
2. Ist seit, hiatusfüllend (anotw:), s. § J56 (schluss).
Flexionslehre.
I. Abschnitt. Deklination.
Kap. 1. Deklination der substantiva.
A. Vokalische stamme (starke deklination).
I. «-stamme.
§ 356, Die «-stamme sind maskulina uud neutra. welche
letzteren nur im uom. sg. und nom. aec. pL von den maskulinen
abweichen. Die endungen sind:
uiask.
neutr.
niask.
neutr.
8g. N. -r
Pl.N.-or
— («Html. d. wurzelv.)
•G.
-s
G. -u
D.
■h ■<' (§ 145)
D. -um,
-um (§ 146)
A.
—
A. -a
— (Vuml. d. wurzelv.)
Anm. 1. Nom. sg. in. endete urn. auf -a.R. Die kierhergehövigen
Beispiele (auch adj.) sind (chronologisch geordnet): owIpupewuR (Torsbjserg,
pewaR Valsf jorden) , laukaR (Floksand, brakteat aus Schonen, Börringe,
Skrydstrup), daguR (Einaug), erilaR (Lindholm, Kragehul, Järsberg, iriluR
Veblungsnueg , By), wilagan (Lindholm), . . . daR (Vetteland), fratoaraöaü
und daginaR (Mà ¶jebro), hrapoR, stainaivarijaR, sairaiciÖoR und swaba-
harjaR (Rö), holtijaR (Gallehus), haktR (Stenstad), hou\h\aR (brakteat aus
Fünen), gakaB (brakteat aus Schonen), ukon (Äsum), ubaR (Skärkind,
Järsberg), leugaR (Skaäng). atainaR (Krogsta), whvaR (Tune), haÖulaikaR
und hagusta\l]daR (Kjelevig und, wenn -lR st. -aR verschrieben ist, hagu-
HtaldiR Valsf jorden), fakaR (Faeine), haitinaR (Tanum), IveldaR (Tjurkö),
la[n]dawarijaR (Torviken I), harabauaR (Järsberg), iupingan und irakrui;
(Reißtad), laipigoR (Mogedal), hiwigaR (Ärsrad), h[l]aiwidaR (Amle). hau[h]-
aRaR (Eidsvag), hroRaR (By), viaU[u}sar Stentoften). Spät-urn. steht
nur -R, e. b. hapuwulafn (Istaby, -woUfR Stentoften), iuaIausr (Björketorp),
fiskR und mit assimilation nach § 277, 1 und 3 skurin, stAiu, fokl (Eggjura ).
hroAltR (Vatn), tAitn (Tveito), gawR? (Flistad). Vgl. § 870 anm.
§ 357. Keine u - stamme.
347
Auin. 2. Nom, acc. sg. utr. hatte um. die endung -«. Beispiele: bn«
(Floksaud). homu (Gallehus, Strom), auja (Seeland. Skodborg), ui-bija
<Tune), hhiivo (Bei. gwimal (By). Leber die synkopierten uilald (Over-
hombadc). lernt, sot (Eggjum) s. § 153. 7.
Anm. 3. Gen. sg. endete um. auf -a$. Beispiele sind: aaugismUu
iKragehul), godogtu (Valsfjordenj . hnaludo.s (Bo), wa[n](}aradas (Saude).
Spät-um. steht nur -i z. b. harhruJß (Bävsal).
Anm. 4. Dat. sg. hatte urgerni. die endung -oi. die vielleicht noch
in den allerältesten um. inschr. erhalten ist. z. b. gisai (hobel von Vi).
murihai (zwinge von Vi), hahai (Möjebro): später steht -e, z. b. fki[)i]/xilf
(Skärkindi. woÖmriÖe iTune), wilhakurne (Tjurkö), wage (OpedaK
(Eggjum).
Anm. 5. Ate. ,<g. m. endet urn. auf -a. z. b. makia (zwiuge von Vi i.
[stayina (Vettelaud. dainu Tunej, wraita (Reistad), haha? (Strom), h.iri-
tntlafu i.Istaby . h.ipincol.ifA (Gummarpt.
Anm. 6. Xom. acc. pl. m. sind aus alter um. zeit nicht belegt,
müssen aber die endungen -öß, resp. -arm (vgl. got. -ös, resp. -aus) gehabt
haben. Spät-um. steht im nom. -aR. z. b. steinalt (Bävsal). im acc. -«, i. b.
kAlbA (Eggjuni). Nom. acc. pl. ntr. sind ebenfalls aus um. zeit uicht
belegt , müssen aber auf -u geendet haben ; vgl. das finn. lehnw. joulu
iaisl. ü'/ pl. t. Weihnachten [noch alter wol -o. vielleicht in liuu. jukko joch
entlehnt). Die.se endung ist später fortgefallen, zeigt aber ihre frühere
existenz durch x-umlaut oder -brechnng in der Wurzelsilbe des wortes.
Anm. 7. Gen. pl. ist um. nicht belegt, aber endete wol auf
nasaliertes -ö.
Anm. 8. Dat. pl. endet urn. auf -umR nach ausweis zweier anal,
gebildeten /-. resp. rtn-stamms-dative : hagestumn, häborumR (Stentofteu).
Als Unterabteilungen der a- stamme werden gew. ab-
gesondert die ia-, ja- und tra- stamme; die übrigen fasst man
als -reine' a -stamme zusammen. Wir behandeln hier zunächst
die letzteren.
a) Reine «•
§ 357. Paradigmen: mask.
mor heideland; neutr. bam kind.
muskulina:
Sg. N. armr hamarr
G. arais
D. arme
A. arm
PI. N. armar
G. arma
D. ormoin.
> inum
A. arm
hamars
hamre
hamar
hamrai
hamra
h<jmrom,
liamrmn
hamra
mor(r)
mös(s)
mö
mo
möar
möa
möni
stamme.
armr arm. hamarr hamnier.
s'.i.mar sommer. bu Wohnsitz,
n e u t r a :
sumar bü
sumar. s büs(s)
bam
barns
barne
bam
bom
bama
boraom.
sumre, -» (ij 145) büe, -i
sumar bu
sumor. -«/-(§ 146) bü
sumra büa
sumrom. büm
bornum summm
bijrii
sumor, -ur
bü
248 §358. Reine «-stamme.
Anni. Die kursiv gedruckten formen sind hier und in allen folgenden
Paradigmen die altnorwegischen (bes. ostnorwegischen).
§ 358. Wie armr flektieren die meisten einsilbigen mask.
mit langer Wurzelsilbe, z. b. domr urteil, fiskr fisch ; glugyr
lichtöffnung, hundr hund, kambr kämm, mopr mut, skattr tribut,
toppr oberste spitze, raryr wolf, piöfr dieb usw.; ferner die
vielen zweisilbigen auf -engr (-irigr; oft daneben -inye nach
§ 403), -onyr (-unyr), -auyr (vgl. anm. 2), -leikr (oft daneben
-leihe nach i; 401) sowie die zahlreichen urspr. zusammen-
gesetzten mannsnamen auf -arr (urn. -harjas, -warijan Rö),
-yeirr (-arr § 54, 3, b, § 151. 1), -yisl (-yisl, -yüs, -isl, -ils, s. § 229),
-kell (vgl. § 359, 2), -lauyr, -leifr (-lafr § 54, 3, b), -leikr (-ldkr
§ 54, 3, b), -murr (s. § 151, 1), -rdpr, -rekr (s. § 151, 3), -tannr (-tapr)
u. a. (vgl. s. 250), z. b. bdnenyr rüstung. hmongr könig, kaapanyr
Stadt (vgl. anm. 2), kcerleikr liebe, Raynarr, Porgeirr (Pörarr),
Aupyisl, -yüs (AuÖils), Hrollaayr, Oleif'r (gew. -Idf'r, seit. Äleifr,
air. Äieib, s. Marstrander, Bidrag, s. 89), Porleikr (-ldkr), Biart-
marr, Apalrdpr, Eirekr, llildetannr (-tapr); dagegen von ein-
silbigen Wörtern mit kurzer Wurzelsilbe nur sehr wenige wie
— von den urspr. langsilbigen malr § 230,1, marr § 124,2,
melr (s. Bugge, Öv. landsm. IV. 150 note) sandabschuss, selr
§ 124,2 abgesehen — dayr tag, huerr kessel, refr fuchs, verr
mann und die schwankenden (s. 4 unten) dalr, smipr, stafr,
siigr, ceyr (malr, valr u.a., s. §387, 2); ausserdem noch ein-
zelne Wörter wie die namen Herlann, lieyenn und fast alle
lehnwörter auf kons., z. b. inkarr becher, Petarr (Pettarr) Peter.
Kristr Christus usw.; vgl. Wimmer. Forn. forml. § 32, § 35
§ 36, § 47, Larsson, s. 422 f., Jonsson, Skjaldesprog s. 7 ff. —
Ueber die einzelnen kasusendungen ist zu bemerken:
1. Im nom. sg. ist zu beachten die verschiedene be-
handlung des -r (-n) bei den Wörtern auf /. h. r. s (§ 277).
z. b. stöll stuhl, steinn stein, iss eis; selr seehund; fuyl (alt
fogl) vogel, hrafn rabe, akr (gen. akrs, dat. akre usw., s. anm. 2)
acker, prurs riese; hallr stein, mupr (§ 261; jünger munnr)
mund, brupr (brunnr) brunnen. — Heber misl. -ar. das auch
vor dem artikel eindringt, s. § 1(31.
Anm. 1. Die eudung fehlt ganz in einigen frenulwörtern : biskop, -tip
(alt auch byskop, -up § 77, 5, b), anorw. aber auch oft biskuper (s. Hsegstad,
Kong. , s. 23 j bischof, siniör herr und eigennamen wie Benedikt, Israel,
§ 358. Keine a - stamme. 249
X'kolas, Magnus ^seltener Moguäsj. Salomön, Satan, Simon u.a.: gew.
(s. Jonsson in Festskrift til V. Thomsen, s. 226) iu Adäm(r), Däciß{r)
(auch anal. Bnfipr, -finnr, gen. -flnz nach Fipr, Fi nur : Finz), Iäkob(r),
lösef, gew. Iösep (löseppr, s. § 240 anm. 7), bisweilen in Krist^r) § 301,2.
Ueber Qn(n), Auhji), Aupun(r), Häkun(n) (s. § 226). Halfdan{r) s. § 285
anin. 2; stöl(l), piör(r), is(s) u.dgl. §286: idfge (*ulfrgi) u.dgl. §291,9.
In den niisl. rimur' fehlt die endnng durchgehends in Wörtern auf -ing,
-louj sowie in vielen uiannsnamen, bes. denjenigen auf -muiui (s. (jislason.
Efterladte skrifter II, 167, 174). Mnoiw. kann die enduug -/• überhaupt
fehlen (s. Falk und Torp, Bansk-norskens syntax, s. XIV note), wol durch
entlehnung der acc.-form.
Anm. 2. Nicht enduug, sondern dem stamme gehörig und daher in
der flexion durchgehend ist -r in akr (vgl. 1 oben) acker, aldr alter, andr
Schneeschuh, angr reue, meerbusen, a>pr ptlug. tmetr schöpfen, bak*tr
backen, Baldr Balder, bUmstr blume. bolstr polster, galdr zauberlied,
gambf strauss (tien. hafr bock, Irriipr schorf, hangr hunger, klungr
hagebuttenstraueh . hur lärm, Uöstr nachgäbe], litpr hörn (zum blasen),
motr kopftuch, napr schlänge, nykr nix, otr otter. pustr ohrfeige, sigr (seit,
ntr. sig, s. Egilsson und zur erkläruug Xoreen. Arkiv III, 14 f. note) sieg
und alle auf -angr. z. b. leifmngr kriegszug (jedoch schwankt im auorw.
/ronpongr Stadt. /.. b. dat. -ge nebeu -grr): ferner die 2 unten erwähnten
hlätr, Itropr. lem.itr. mrlir, vepr und (alle schwankend) apaldr. gropr. Iiripr.
rekstr, rofir (s. Ekwall. Snflixet./". s. tj8 note). Im gen. sg. ist dies r
bisweilen nach §291,9 schwankend, z. b. apald(r)s. arpir)s. käupang(r)8.
2. Im gen. sg. haben viele Wörter die endung -ar (wie
bei den *- und »stammen, aus deren liexion die meisten von
diesen Wörtern hierher getreten sind) statt -s. Solche sind
yrautr grütze, g-röpr (gen. yröprar. alt auch grojjar) Wachstum.
bh'itr (gen. -rar) gelackter, hufnndr hauptmann. lernst)- (gen.
-rar) Verstümmelung, mundr brautkauf sgabe. re/.-str (gen. -rar
und -ar) das treiben. rt;jrr (auch nach § 384) röhr, smipr
vorteil, sueiyr kopftuch. tnipr gatikler. lirr auerochs. cisandr
bisonochs und mannsnamen wie Volandr. Punär und diejenigen
auf -{f'jreßr (s. § 77. 3. § 291. 4, b; oft auch -fropr. -ropr. s. Bugge.
Arkiv IL 250 f.. vielleicht durch Vermischung mit den nameii
auf -ropr. raupr, s. § 397 anm. 2). -(f)repr (s. £ 119). z. b. Hall-
frepr. Goprejjr. Andere schwanken zwischen -s und -ar. wie
apaldr (gen. -drs. -ds. s. anm. 2. und -dar) apfelbaum. aupr
reichtum. bastarpr bastard. eipr eid. yarßr (seit. -ar. s. Jonssou.
Skjaldesprog. s. 8) Umzäunung, heipr (gen. heipar. später heiprs)
ehre, hröpr (gen. -rs. -rar) rahm, kraptr kraft, lävarßr herr.
/andr hain. meipr bäum, meldr (gen. -rar. -rs) mahlen, öss (gen.
250 § 358. Reine et -stamme.
Ö88y aber Xiparosar neben -oss Drontheiin) niündung, ö]>r
(gen. -är, -s, aber als eigenname immer Ö]>s) gedieht, Vopr
(gen. -rs, -rar) rudern, seißr Zauberei, sigr (gen. -rs, aber bes.
bei Zusammensetzung auch sigrar-) sieg, skögr. wald, smipr
(s. porkelsson, Supplement II) schmied. teigr erdstreif, tirr ehre,
vegr weg, vepr (gen. -rar. später -rs) widder, vindr wind und
eine menge von eigennamen wie Andres (erst später -s), Aron
(seit, anorw. -ar), Asgautr (seit, anorw. -ar), Aupon(n), Börpr,
aisl. Eipr, anorw. Eindridr, Erlendr (seit. aisl. -ar), Ey vindr
(erst misl. und mnorw. -s, s. Gislason, Efterladte skrifter II, 175,
Rygh, Gamle personnavne, s. 289), Gizorr, Gyrpr, Hdhm(n),
Halfdan(r), Heimdal(l)r (seit, -dollr, s. Bugge, No. L, s. 181;
misl. auch -dcell, s. Gislason a. o. II, 196, vgl. dcell < däll tal-
bewohner), anorw. Hiarrandr, Hoskoldr, -uldr, -ollr, -ullr (s. § 305
anm. 1), Magnus (gen. alt -ss, erst später -sar, s. Jönsson, Fest-
skrift til V. Thomsen, s. 226 f.), Rikarpw, Sig(h)uatr (nur ein-
mal anonv. -ar), Sigorpr (-vaipr, -verpr), Simon, Stefan (seit.
misl. -ar), Surfe (auch schwach gen. Surta), Ullr, Vigfuss (seit,
aisl. -ar), anorw. Viglaugr, Vipkunnr (seit, -s), Pomäs (seit, -ar),
PorJ»; Porgils {-ar nur anorw.), Prondr (Prändr, s. § 134, b
und § 173,2), Qndottr, Qnundr (anorw. auch Anundr), Qzorr
(anorw. auch Azurr) und diejenigen auf -möpr (z. b. Am-,
Pormopr), -miiudr (z. b. As-, Geir-, Gup-, Sigmundr), -(v)aldr
(z. b. As-, Mogncaldr, Arn-, Har-, Pöraldr), -varpr (z. b. Ha-,
Hall-, Porvarpr) und -vipr (z. b. Ar(n)vipr), wo im allg. -s bes.
anorw. und verhältnismässig spät ist.
Anm. 3. In Wörtern auf s mit einem vorhergehenden konsouanten
ist, natürlich der gen. dem nom. gleich (§ 283) , z. b. purs riese, lax lachs.
lieber fälle wie Jiest(s), Kriat(ß) s. § 302 (Hess, Kriss § 291, 11); liös(s)
u. dgl. s. § 286. Sonst fehlt -s nur in einigen fremden eigennamen wie
Dävip(s), Israel.
Anm. 4. Wörter auf U, nn haben z statt s (§ 310, 1). z. b. hal(l)z zu
halb' stein, muti{n)z zu muwnr, mupr mund. Ueber formen wie elz zu
dar feuer s. § 245, 1; über garz zu garpr Umzäunung u. dgl. s. § 238,2, d;
k<u-(1js, iar(l)s, bot(n)s, stof(n)s s. § 291, 7 und 9.
Anm. 5. Statt Nöreys Norwegens kommt mnorw. ein nach dem dat.
gebildeter gen. Nör(e)ges (s. § 160 anm.) bisweilen vor (s. Hsegstad, Koug.,
s. 22 und 23). — Anorw. Elrikis (aschw. run. Airikis Sparlösa), Erikis,
JErkis (s. § 160 anm.) entspricht got. (Enpa)reikeis und geht von dem
adj. *rUür (später zu rikr umgebildet) aus, vgl. got. -mere is (um. -maris
Torsbjserg s. § 385 anm., aisl. tnarr), *aupeis (aschw. »pe, aisl. aupr, aber
Jj 359. Reine u - stamme. -o 1
ah prstes zusaimnensetzungsglied und substantiviert <'.'//*• >. müßeii (an.
ml»-) u. dgl., s. Streitberg, Die got. Bibel II, 110; vgl. v. Grieuberger, Gott,
gel. Aas. 1908. nr 5. B. 423. Vgl. auch § 425 aum. 2.
Anm. 6. Mnorw. wird seit, -s zu der alten eudung -ur gefügt, z. b.
Attdunars.
3. Dat. sg, ist nicht selten endungslos (wie bei den i-
stämmen), z. b. Aiw(e). d6m{e). eld(e). Grim(e), Gunnare (anorw.,
bes. mnorw.. oft ohne -e). Regen (so immer), skog(e). zmijne).
carg(e), veg(e). cer(e), Por(e) u. a. m. (s. Jonsson. Skjaldesprog.
s. 7 ff.. Walde. Die germ. auslautgesetze, s. 4 f.). Sehr selten
kommt dies in alter zeit (misl. öfter, s. trislason, Efterladte
skrifter II, 174) bei den Wörtern auf -ingr. -ongr vor.
Aum. 7. Von dagr tag heisst der dat. depe (s. >; 73) ueben seit, dag,
welche form bei dem eigennamen Dugr die in alter zeit einzig gebräuchliche
ist (muorw. aber auch Dage). Bei dem urspr. «-stamm mundr (s. obeu 2)
kommt im anorw. (die if ntMilfiftiim) myndi neben mundi vor.
4. In nom. acc. pl. können ryzar (aber nicht die neben-
form rnzar) russen. sigr sieg (s. porkelsson. Supplement IV.
1291), smifir künstlet-, sta.fr stab (in der bedeutung Tunen-
stab* immer) und (seit.) vermar die bewohner von Värmland.
später auch ckdr tal und murr (pl. metrar, -ir) pferd wie
/-stamme flektieren: smipr und vegr (z. b. noch in Volsunga
saga. s. Olsens ausg.. s. LXX. und oft in den anorw. gesetzen)
seit, auch als «-stamme (vgl. 2 oben). Prettr list. sUgr oder
stigr steig können nur im acc. pl. wie «stamme flektiert
werden.
Anm. 8. Gen. pl. von cegr zeigt die form cegna (statt gew. cega)
in adverbielleu ausdrücken wie tueggiu vegna beiderseits, m t nn a vegma
meinetwegen u.dgl.; vgl. An. gr. II. ij 407. 4, und Bugge bei Hertzberg.
s. 699.
§ 359. Wie hamarr flektieren die meisten mehrsilbigen
mask. mit kurzer ableitungssilbe. /.. b. JmmaU daumen. pistell
distel. diofoü teuf el . apbmn (anorw. oft aftoum, s. z. b.
F. Jousson. Fagrskinna. s. XXV. und Hertzberg: wol mit ie
nach ceftlr •nach', s. Kuck. Svensk ljudhistoria IV. 22) abend.
himenn himmel. Hepenn ein mannsname, iotonn riese. ia]tarr,
ioporr rand. fiotorr fessel: vgl. Wimiuer. Form forml. ^ 37,
Larssou. s. 42o. Jonsson, skjaldesprug. s. lsff. Die synkopie-
rung des ableitungsvokals tritt (nur) vor vokal isch anlautender
252 §359. Reine a- stamme.
endung ein. Jedoch erleidet diese regel scheinbar einige aus-
nahmen :
1. Synkope kommt überhaupt nicht vor in einer anzalil
von Wörtern, die meist urspr. Zusammensetzungen oder auch
fremdwörter sind, wie z. b. bikarr, Gunnarr, Petarr oder Pettarr,
Pitymarr, Pörarr, Gamall (vgl. aber mit synkope das adj.
yamall § 428), Mall, IJeriann, Begenn, Alrekr u. a., s. § 358
mit 1 und 2.
2. Durch ausgleichung bekommen bisweilen sämtliche
kasus den anschein synkopiert worden zu sein, z. b. myll neben
my(f)ell ball (zum etymon s. H. Falk, An. Waffenkunde, s. 86
note) ; gndr, andr (s. Jonsson, a. o. s. 20) neben ondorr Schnee-
schuh aus urspr. *andurr (> ondorr, s. § 80, 3) : pl. gndrar; Ion
(erst nach 1200, s. Jonsson, a. o. s. 23) neben älterem Joan
Johann nach dat. Jö(a)ne; Porkeil u. a. namen auf -kell (schon
aus dem 11. jahrh. belegt, s. Gislason, Njäla II, 269 ff.; Jonsson,
a. o. s. 19, Arkiv IX, 381; Bugge, Bidrag, s. 98 f.) aus *-ketl
(s. §274 anm.) neben altem -ketell nach dat. -katle (vgl. anm. 1;
erst spät auch -kell nach dem neuen nom. Auf --kell); eldr feuer
statt *eilej>r i (aschw. noch einigemal eledh, s. An. gr. II, § 384
anm. 2; ags. Med) nach dat. elde (§ 128). Wol schon urn.
standen nebeneinander die stamme *erla- (ags. eorl), *karla-
(ags. carl; vgl. ags. ceorl < *kerla-) und *erila- (*erula- s. § 173
anm. 1), *karula-, jene durch aisl. iarl jarl, karl alter mann,
diese durch urn. erilaR, lat. (lehnw.) carolus repräsentiert.
Anm. 1. Wörter mit kurzer Wurzelsilbe und dem ableitungsvokal i
sollten eigentlich in den nicht synkopierten kasus umgelauteten , in den
synkopierten kasus aber nicht umgelauteten vokal aufweisen (§ 66, 2 und 3).
Diese regel ist aber nur in wenigen Wörtern aufrecht erhalten worden:
fetell tragband, ketell kessel, h/kell Schlüssel, trygell kleine Schüssel, tygell
schnür der und eigenname Egell mit dat. katle, lukle usw., pl. katlar usw.
Jedoch kommen auch bei diesen Wörtern (bes. bei fetell) in den synkopierten
kasus nebenl'ormen mit umgelautetem vokal (bei Egell sogar später und seit.
ein nicht synkopierter dat. Egüi) vor. doch bei ketell nicht im pl. (erst
spät onorw. pl. luttdar, s. § 309, 2) und nur seit. (s. z. b. Gislason, Efterladte
skrifter II, 243) im sg. Bei allen anderen Wörtern ist ausgleichuug durch-
geführt worden und zwar sowol zu gunsten des umgelauteten vokals wie in
f'ereU reise, reisender (pl. ferlar, statt *farlar) als des unumgelauteten wie
in stuftell stütze statt *styßell (pl. stuplar). Wenn der ableitungsvokal
u ist, haben im aisl. und awnorw. alle kasus w-umlaut oder -brechung in
der Wurzelsilbe, im aonorw. dagegen nur die synkopierten, z. b. spftoll (saÖulf)
§360.361. Reine n- stamme.
sattel, ioforr (ia/urr) fürst, pl. soplar. >'ofrar (§ 80. 2 und 3). — Ueber den
gegensatz vapell (veöill) : pl. roplar (anal, rapiar). dmaell : dat. drösle, pl.
drgslar s. § 73 anm. 1.
Aimi. 2. Ueber nom. sg. mit einfachem auslautenden kons., wie
hamar(r). drottenO»). kgriel(l) u.dgl.. s. § 285, 5. Umgekehrt kann, wenn
auch sehr seit., doppelkonsonant (durch anal. Übertragung ans dem nom.)
vor dem gen. -s erscheinen, z. b. (bisweilen) drötten(n)s zu dröltenn herrscher;
ebenso steirn'n)s Steines u. dgl.
Anm. 3. Dat. sg. von morgen», murgonn. mgrgenn (s. § 74) morgen
heisst im anorw. oft mern.e und pl. mernar (s. § 136 und Hsegstad, Vestno.
maalf. I, s. 92. 95. sowie Hertzberg), wonach bisweilen nom. m&rgemi
(s. § 74).'
Anm. 4. Ueber die synk. kas. von morgonn morgen, apta mi abend,
himenn himmel vgl. noch § 291, 5 und 10, resp. § 225.
§ 360. Wie mor(r) flektieren nur wenige Wörter, alle auf
langen vokal endigend, z. b. hrandnor schiff mit galeone. G6r(r)
ein mythischer mannsname, HUr(r\ name des meergottes. ior
pferd (dicht.). Mor ein mythischer pferdename. slör schuh,
die eigennamen auf -v&r und -per, wie Hlopver, RandvSr, Eggpt'r.
Hialmper u. a. (Ueber War. Ufa s. § 404 anm. 1). Bei der
flexion dieser Wörter sind die § 130 ff. behandelten hiatus-
erscheinungen zu beachten, z. b. dat. sg. Hie (< Hlee). dat. pl.
mom (< ninom; später wieder anal. mnnm).
Anm. 1. Wegen nom. sg. -rr und gen. sg. -ss (gew. -$) s. §280
anm. 4.
Anm. 2. Dat. sg. ist fast immer ohne endnng (vgl. § 358, 3) : je
1 mal sind brandnöe und Möe belegt.
Anm. 3. Nom. acc. pl. von i&r kann auch wie von einem /-stamme
gebildet werden, also ider, -e. Vgl. anm. 5.
Anm. 4. Skör flektiert im pl. : nom. dküar (tkoar, später skör) neben
(alt und seit.) skuür, gen. skia, sküd, dat. skdm, acc. sküa (sköa. später skn).
sfotä ; s. § 134. b.
Anm. 5. Die eigennamen auf -Per und -Jjtr können auch, nach kürzung
des e (§151,2), wie /«-stamme (auf -?vr, -per) flektieren. In der späteren
spräche (zum teil vielleicht doch schon um 1000, s. Marstrander, Bidrag.
s. 117) kommt auch eine flexion Hloöver, Hialmper, gen. -vers, -pers usw.
mit durchgängigem r vor: ebenso spät von iör gen. iörs, pl. iörar usw.
§ 361. Wie harn gehen fast alle neutra auf konsonanz.
z. b. einsilbige wie hak rückeu. fmll berg. gop (seltener gtip,
vgl. § 61. 1, § 387) heidnischer (seltener christlicher) gott. hiolt
(auch f. hiolt nach § 375) schwertknopf. hdhi (anorw. auch
hatbm) Steinboden, hens. htinsn. Iwsn (§ 299. 4) pl. t. hühner. laun
254 §362. Reine a- stamme.
pl. t. (anorw. auch f. sg.) lohn, log pl. t. (anorw. auch f. sg.
nach § 375) gesetz, Iggn pl. t. (anorw. auch f. sg.) zugnetz.
akald, sMld (§ 127,1) skalde, ping Versammlung; zweisilbige
wie herap bezirk, mäpgen pl. t. mutter und söhn. Vgl. Wimmer,
Forn. forml. § 34; Larsson, s. 4231; Jönsson, Skjaldesprog
s. 24 f.
Was oben § 358 anm. 3 und 4 für das mask. bemerkt ist,
gilt auch in betreff der neutra. Ausserdem ist hier zu beachten,
dass durch die in nom. acc. pl. einmal vorhandene endung -tt
(§ 356 anm. 6) ein Vokalwechsel in der nächstvorhergehenden
silbe hervorgerufen wird. z. b. fiall, pl. fioll durch M-breclmng,
herap, pl. herop, mannWcan bildnis, pl. -on (vgl. siimar § 357)
nach § 78.
Anm. 1. Ueber den gen. sg. vaz (später anal, mtns) zu vatn (alt
und seit, vatr, s. Gislason , Udvalg af oldno. skjaldekvad , s. 206) wasser.
drambis), tial(d)s, sun(d)s, ver(k)s, naf(n)s, gangs (gagns), myrk(r)s u.a.
derartige fälle s. § 291, 1, 2, 6, 9, und 10. Von län leihe kommen in Zusammen-
setzungen sowol länrir(dröttemi) wie läns(fe) vor.
Anm. 2. Im dat. sg. fehlt die endung gewöhnlich bei gas gut (urspr.
gen. sg. ntr. zu göpr gut), sonst (im gegensatz zu dem mask.) nie, weshalb
Öwennings versuch (Arkiv XXIII, 24 ff.) das dunkle oprovis(e) 'auf andere
weise' hierher zu führen verfehlt ist.
Anm. 3. Ob etwaige spuren des alten instrumentalis auf -u (vgl.
§ 393 anm. 5) in Zusammensetzungen wie kaupo-, mplo-, pingo-nautr kauf-,
gesprächs-, dinggenosse u. dgl., wie Swemüng, Arkiv XXIII, 15 ff. vermutet,
vorliegen ?
Anm. 4. In nom. acc.pl. haben berg berg, cip landzunge, 7« oft holz,
wald, hrte gebüsch, ht'is haus, fand land, torg markt, tun hof, porp gehöft
u. a. als Ortsnamen gebraucht auch formen auf -ar oder -//•, also Berget) .
Eipar, Holter (ahd. holz/r), -ar, Hrisar (vgl. ahd. hrixir), Husar, -er (ahd.
hüsir), Lander, Torgar, (Sig)tüner und Timor, I'orpar. Diese formen
sind im allg. femininen geschlechts; s. 0. Eygh, No. gaardnavne, Forord
s. 11 f., Oplysninger 11,216, v. Unwertb, Namn och bygd 1914, s. 55 ff.
(dagegen Hppgstad, Maal og minne 1915, B. 168 f.).
§ 362. Wie sumar (lmal als mask. belegt, s. Jonssoii,
Skjaldesprog s. 18) flektieren nur sehr wenige neutra: opal
eigentum, gaman (vgl. § 225) freude. wegen stärke, regen pl. t.
götter, hofop haupt. Die übrigen zweisilbigen neutra mit
kurzen ableitungssilben synkopieren nicht, z. b. herap, dat. sg.
herape (§ 361).
Anm. 1. Opal kann auch ohne synkope flektieren. Nom. acc. pl.
heisst sowol o/tol als opol, s. § 78.
§363. Reine '/-stamme. § 3<W. 3^ö. ^/-stamme. 855
Audi. 2. liegen hat in den synkopierten kasns keinen /'-umlaut des
wurzelvokals . megen dagegen hat doppelformen (vgl. «$359 anm. 1); bei
beiden Wörtern kann die synkope durch ausgleichung anch in den uom. acc.
eindringen, also magn (1 mal auch gen. mogns). megnsg., rognfl.; endlich
kann zu diesem rogn und dat. rognom ein gen. rogna statt ragna gebildet
werden. Bei gagn (seit, gegn) vorteil (vgl. ahd. gagin) sind keine un-
synkopierten formen mehr anzutreffen.
§ 363. Wie bi.i gehen bh) blei. da entzückung, fe vieli
(vgl. anm. 1). hli- lee. bne knie, strn stroh, tr<- bäum, vi ge-
weihte statte. Hier sind die § 130 ff. erwähnten regeln zu
vergleichen; z. b. gen. pl. stro (aus streut), dat. pl. ström {stränm >;
später ström (§ 107). noch später sträum (§ 130. schluss); dat.
^g. hie (hiee). gen. pl. Luid (kn<'a). dat. pl. hiiom (kveotri). aber
gen. pl. r/-a. dat. pl. i&m ; dat. pl. bum (buom). später bmnn.
Anm. 1. Im gen. sg. kommt oft -8 neben etwas häufigerem -ss vor.
Der urspr. ((-stamm fr. seit, f» § 77. 4 (got. fatlm) endet auf -tu: also fiar
\fear). mnorw. anal, zu fidrs. fiart erweitert (s. A. B. Larsen, Arkiv
XITI, 245; Falk und Torp. Dansk-norskens syntax. s. XV note : vgl. §358
anm. 6 und § 363 anm. 1).
Anm. 2. Nach gen.pl. knio . tria wird später dat. pl. knium. triam
statt kniöm. triöm gebildet. Nach dem dat. pl. kniöm, triam sind vielleicht
die anorw. nebenformen nom. acc. pl. kniö. triö statt knt, tre sowie gen. pl.
statt fria geschaffen worden: vgl. jedoch § 106 anm. 1.
b) wa- stamme.
§ 364. Paradigmen : mask. horr flachs, neutr. hogg hieb,
mask. neutr. mask. neutr.
Sg. X. hQrr hQgg PI. X. horuar hQgg
G. hors hQg(g)s G. hQrua hoggua
D. hQrue, -/ hoggue. -/ D. horom, harum hQggom, haggum
A. hör hQgg A. horua hogg
§ 365. Wie harr flektieren borr bäum (dicht), pl. fioruar.
fyruar (s. § 82. 4) leute. hiorr (vgl. anm. 1) schwert, marr un-
geschmolzener talg. roggr haarbüscliel (vgl. rogg § 380), spgrr
(vgl. anm. 1) Sperling, sgngr gesang. pl. s&ruar £ 82. 6 (sgruar
§ 82, 4, s. Egilsson) männer (dicht.) und eigennamen wie Si]>-
hoggr, Xon: Sigiryggr u. a. Das; charakteristische »■darf urspr.
nur vor einem a oder e (i) der endung stehen (§ 226, § 235, 1).
In der etwas späteren spräche wird aber durch ausgleichung'
oft iQ entweder auch in dieser Stellung beseitigt, oder es dringt
auch vor dem w der endung ein (vgl. § 235 anm. 1). — Sehr bunt
256 § 366. n'ii - stamme. § 367. ja - stamme.
infolge der vielfachen ausgleichungen und auch sonst wesentlich
abweichend ist die flexion der Wörter mbr(r) § 77, 2 möwe.
stör § 106 see, sniör § 106 schnee und Tyr{r) § 77, 6 ein götter-
name (dazu pl, tifar götter, seit. sg. tyr gott) ;
3£br(r), später mdr(r), nid fr § 235 anm. 1; gen. mbs(s),
mds(s), später mdrs; dat. mdfe, onbfe §83; acc. mb. md\ pl. n.
mdfar, mbfar; g. mdfa. mbfa; d. nu'nn, mdfom; a. mdfa, mbfa.
Sibr, scbr, sidr; gen. smfar. sibfar, sidfar; seit. sces(s), sibs(s),
sids(s), später scers. mnorw. auch sibfars (vgl. § 358 anm. 6);
dat. sce(fe), sib(fe), sid(fe), seit, sd §77.8; acc. sib, sce, sid,
seit, sd § 77. 8; pl, n. scbfar, sibfar. sidfar; g. scefa, sibfa, sidfa;
d. sm{f)om, sibfom, sidfom ; a. scefa, sibfa, sidfa.
Snibr geht wie sibr, ausser dass im gen. sg. -s älter als
-ar ist und dass eine form snd nicht in alter zeit (vgl. aber
§ 70, 4 und § 295 anm. 3) belegt ist,
r J'yr(r); gen. Tys{s), später Tyrs; dat. tife, Tyife). Tyre;
acc. Ty;^\. tifar; g. Ufa, seit, tyfa; d. tifom; a. Ufa.
Anm. 1. Im gen. sg. hat der urspr. u- stamm hiorr (got. hairus)
neben hiors auch hinrar (nach § 396), spgtr neben spors auch sparrar und
als mannsname Spar(r)är.
Anm. 2. Dat. sg. ist oft ohne endung, z. b. bor(ne), hior(ne), h(>r(vr)
sgmjiue); vgl. § 358,3, § 360 anm. 2.
§ 366. Wie hggg gehen byyy gerste, hol Unglück, fior
leben, frib, fra? (fre, s. § 77, 8) samen, fgl dünner schnee, glyyy
wind, hrdi aas, Hot fleisch, lyny heidekraut, leb (U, s. § 77,8)
betrug, miol mehl, skrok, skrok §82,6 (anorw. auch skrmk)
Unwahrheit, smior (smer, dat. sg. auch smyrae; s. § 77, 9, § 92)
butter, sol eine art meertang, gl bier; über hey s. § 369 anm.
Das iv kann später fehlen, z. b. dat. glyggi (gegen 1300), frib(e)
neben fribfe (s. porkelsson, Supplement IV, 47), kiot(u)i u. dgl.
Anm. Ueber anorw. gen. pl. o/da (später oldra nach dem synonym
nldr) zu ol s. § 319, 2.
c) //'«-stamme.
§ 367. Paradigmen : mask. nipr abkömmling, neutr. kyn
geschlecht,
mask. neutr. mask. neutr.
Sg. N. nipr kyn PI. JS. nipiar kyn
G. nips, ni)>iar kyns G. nipia kynia
I). nip kyne. -/ D. nijnom, -um kyniom, -um
A. nip kyn A. Bipia kyn
$ J6& 909. ./«-stamme. ?; oTO. m lflhnwi 257
58. JN7//r (auch mfre nach gf 408) steht fast ganz allein
mit seiner flexion (die dagegen im aschw. sehr zahlreich ver-
treten ist. >. An. gr. II. § 391, § 392). Der ortsuame pl Nesiar
(zu nee § 369: vgl. £ 3öl anm. 4) darf hierher gerechnet werden.
Von rcengr Hügel, anorw. vdarmg* (gew. wie im aisl. -gi nach
g 403) varäger. pl. grikker, girier, griechen. pl. ryger ein wohner
von Rogaland und vielleicht noch einigen Wörtern, welche
gewöhnlich als '-stamme flektieren, kommen in sehr alten
hdschr. hierher gehörige formen (nom. acc. pl. -/",-. -i-.n vor.
deren kons. i. sofern es nach langer silbe steht, nach §
zu erklären ist. Ausserdem ist von hepr bett einmal acc. pl.
hf'lki !>. Gislason. Aarboger 1879. s. 194) neben gew. hefte
belegt. Sonst sind die alten ja- stamme in die /-deklination
übergegangen.
Anm. Anonv. ist einmal acc. pl. nidi belegt (& Fritzner).
§ 369. Wie kgn flektiert, eine auzahl von Wörtern mit
kurzer Wurzelsilbe: her beere, egg ei. fen sumpf, ffet fussboden.
fley schiff, fyl fohlen, gep gemüt. gil kluft. gren höhle, greg
hündin. heg (vgl. anm.) heu. hregg stürm, kip zicklein. pl. Igf
(sg. gew. als Jö-stamm. s. § 382) arznei. men haisschmuck, nef
nase. hes (vgl. § 368) Vorgebirge, net netz. ni]> (auch f. pl.
nipar. seit. nePorj s. § 160 abnehmender mond. Hy neumond.
nf rippe. sei sennhütte. skegg hart, eher schären, skg {ski
S, 80. 2 1 wölke, stef kehrreim. »er fangort, vep pfand. pü diele.
Ueber heu. skyn s. S, 382 — Das charakteristische i kann hie
und da fehlen, gew. bei nij>, bisweilen bei lip, sehr seit, bei kyn.
Anm. Hey hat im dat. sg. auch die form heyfe (zur erklärung s.
lüden. Uppsalastudier. s. 94 notei wie von einem >r« -stamm (s. § 366) neben
hei/e oder, auffallenderweise. heu («. bes. porkelsson. Supplement IV, 63).
d) trt-atämme.
§ 370. Paradigmen: mask. hirper hirt. neutr. Lucepe gedieht.
mask.
neutr.
mask.
neutr.
Syr. S. kirper. -ir
kusepe
PI. N. hirpar
knspe
G. hirpes(s), -w
ktuej -
G. hirpa
kuffepa
D. hirpe, -*"
kusepe
D. hirpon.
kusepom
A. hirpe. -»
kmepe
A. hirpa
kufppe
Anm. Ein paar vielleicht hierher gehörige nom. sg. m. auf -in < ?f.
< *-aiR (s. § 139) < *-((ioK (s. Sievers. Berichte d. K. rifcka Urs. d. Wiss.
Nortta, Altisl. gnunm. *. »ut'l. VI
258 § 371. in- stamme.
1894, s. 189 f.) sind aus der späteren um. zeit belegt: hsroSeR (By). IxAeru-
wulafiR (Istaby). In alter zeit steht -ijaR, z. b. holtijaR (Gallehus): vgl.
§ 356 anm. 1.
§ 371. Wie kirper geht eine sehr grosse anzahl von
Wörtern (von denen jedoch die meisten der dichterischen
spräche eigen sind) mit langer Wurzelsilbe, z. b. elrer erle
heller f eisenhöhle, herser herse. leehier arzt, mceker Schwert.
/>;/>•)> er dornbusch und bes. eine grosse menge von eigennamen
wie (irr/Irr. Gylfer (auch schwach Gylfe), SLinicr, Shörer.
Suerrer. Viler (auch schwach Yile), JEger der meergott u. a.;
s. Falk, Beitr. XIV, 20 ff.; Hellquist. Arkiv VII, 21 ff.; Sievers,
a, o., s. 1881, 142, 150. Ausnahmsweise ist die Wurzelsilbe
kurz, z. b. in den eigennamen Urinier, dinier, (ii/mer. Hymer.
Nefer, Her er. Siner. Ymer (Sievers, a. o., s. 120 ff.), mnorw.
Scelir (öfter Sceli nach § 403). Der i-umlant der Wurzelsilbe
fehlt in einigen namen, wo nicht urn. -ian, sondern -aian zu-
grunde liegt (s. $ 370 anm. und Sievers, a. o., s. 130 ff.) wie
z. b. Glaser, (r6er, (iuser (auch schwach (iuse), Kuaser, Möer,
Praser; aus demselben gründe wol in den meisten der vielen
Wörter auf -ner und in einigen auf -per. z. b. Fäfner. Miollncr
(*Mellunir), Vafpriipner (aber Mijlner, Jif/mner), logper schwelt
u. a.; s. Sievers, a. o., s. 148 ff., 151. Ebenso fehlt lautgesetzlich
der umlaut bei urspr. Zusammensetzungen auf -per, -ver. die
hierher übergetreten sind, z. b. ifampt r. Hlopuer (neben Hlopen).
Sgluer (neben Sglrer; auch schwach Solue. Solfe) — vgl. § 300
anm. 5 und § 151, 2 — Pörer ^hm-urr'?, s. Marstrander, Bidrag,
s. 156). Bei eyrer 'öre' (ein gewicht) fehlt auffälligerweise
der umlaut im pl. (aurar, aura usw.).
Anm. 1. Ueber spuren dieser flexion bei den Wörtern auf -are (got.
•areis) s. § 402 anm.
Anm. 2. Gen. dat. acc. sg. weiden bei dem eigennamen Mimer
oft wie von einem an- stamme (§ 401) gebildet. Ausserdem kommt nicht
ganz seit, ein gen. (nach § 358) Mims vor. Ender ende geht im nom. sg.
bisweilen, im gen. sg. fast immer, im dat. acc. sg. immer wie ein ««-stamm ;
zur erklärung s. Noreen, Geschichte 8 , §195,4 (schluss). Vgl. §402 anm.
und Gißfer, Viler, Guser, Scelir, Hoher oben. Mnorw. weiden fast alle
hierhergehörige Wörter schwach flektiert (s. Hsegstad, Kong. 8. 13 und 24.
Anm. 3. Im pl. muss das charakteristische i nach § 156 synkopiert
werden. Also hirpar aus *ltirdiaR usw.
Anm. 4. In der etwas .späteren spräche werden diese Wörter mir
durchgängigem r (gen. sg. Mkmrs usw.; so mnorw. bes. bei mannsiiaiiieu,
g 972. in -stamme. §373. ö-stämme. 859
s. Hsegstad. a. o.. s. 24) flektiert und dann entweder nach §358 (nom. pl.
IfAJMrar usw.) oder nach § 359 (nom. pl. hrtlrar nsw. zu Mbr).
§ 372. Wie kucepe flektieren sehr viele Wörter, die ent-
weder lange Wurzelsilbe oder auch zwei silben vor der endung
haben, z. b. denn behauptung. enge (vgl. eny § 382) wiese, turne
stirn. merke merkzeichen. rfke reich; erfej>e arbeit, forellre
(anorw. auch -celdri, s. Hertzberg; auch m. pl. -elbnr oder -ellar.
später, bes. anorw.. -eidrar) vorfahren, finde geschäft u. a.
(s. Larsson. s. 124 f.: Hellquist. Arkiv VII. 31 ft\). Kurze Wurzel-
silbe vor der endung kommt vor nur bei grene fichtenholz.
tepe mist. frile (neben ]tü i s. ij 3o9) bretterwand. sowie in
späteren ziisammensetzungsgliedern vieler Wörter mit kollek-
tiver bedeutung. z. b. unyiipe junge bäume, iVgrese unkraut
u. a. (s. Hellquist. a. o.. s. 34); endlich in hadere mittagsstunde.
Aum. 1. (ieu. dat. pl. von Wörtern auf -ki, -yi, -^i müssen nach
§ 263 ein parasitisches i vor der endung aufweisen, also ri&a, rikiom zn
rike n. dgl.
Aum. 2. Von birke birkenwald, eike eichenwald. hdle wohusitz u. a.
kommen Ortsnamen pl. Birkiar. Eiklar. re>p. Bdler vor, s. Rygh, Oplys-
ninger 11.216. No. gaarduavne. Foxord, s. 12. und vgl. § 361 anm. 4.
Anm. 3. Lirte betragen, laut hat gen. pl. hita. dat. pl. /o7o»w (wie
von lät nach §361 und mit derselben bedeutnngi. aber auch kttom (s.
F. .Tonsson. Arkiv IX, 378).
Anm. 4. Von fylke schar, leerte Wachslicht, tippe büschel, khepe kleid.
-peise. purite eine gewisse müuzeinheit kommen gen. pl. fylkaa
(fylkia). frerli >t>'t. k ippim , kktp{nui . älnn. anorw. Puarit(n)a vor: zur er-
klämng tans alten -/></- stammen) s. A. Erdmann. Arkiv VII, 75 ff.
II. '^-stamme.
ij 373. Die ö-stämme sind nur feminina. Die regelmässigen
endungen sind:
Sg.N. (»-uml. des wnrzelvokals i PI. N. -ar
8. -ar G. -a
D. — (tt-tuiil. des wzv.) oder -u, -o § 146 D. -u»t. -om § 146
A. — (t<-uml. des wzv.) oder -u. -<■A. -ar
Anm. 1. Nom. s«-. endet nrn. auf -u. ist aber bei subst. nicht sicher
belegt. Beisp. wären etwa: MfJjp«! iKylver). alu (Lindholm. Darum I.
Schonen, lijömerud. Skrydstrnp, Elgesem). lapn (Damm II. Fünen. Schonend
tau iElgesemj; ganz rieber aber sind die adj. -formen mimt, lialn (Opedal).
Vgl imch lappische lehuworter wie farru (aisl, for) wanderschar, lauka
17*
260
§374. Reine s- stamme.
(aisi. laug) waschen (s. weiter Wiklund, Laut- und formenlehre der Lnle-
lapp. dial., s. 88) und finnische wie orkku (aisl. ork) kästen , panku spange
oder (wol noch älteres -ö voraussetzend) runo rune, sakko sache. Die
enduug ist später (schon in um. -sbA Björketorp, s. § 153, 7) fortgefallen,
wird aber durch den M-uinlaut oder -brechnng des wurzelvokals noch
bezeugt.
Anm. 2. Gen. sg. ist um. nicht belegt, muss aber auf -DR (vgl. got.
-ö.s) geendet haben.
Anm. 3. Dat. und acc. sg. sind aus alter urn. zeit nicht ganz sicher
zu belegen, müssen aher die endungen -u (das später synkopiert wird)
und ?-w, woraus das spätere -u, -o (vgl. ahd. dat. erdu. erdo) gehabt haben.
Urn. beisp. des dat. wären etwa aaöagasu (spange von Vi), tanu/u (Börringe),
sardlu? (Arstad), alaifu? (By), später sohl (Eggjum).
Anm. 4. Nom. acc. pl. endeten urn. auf -DR, z. b. acc. runoR (Järs-
berg, Tjnrkö), woraus später runAR (Istaby, Björketorp) nach §137,2;
hierzu auch das zahlwort nom. [>rijoR (Tune) und das pron. acc. pAtAR
(Istaby; paR Einang, s. § 137 anm. 2). Eine acc. nebenform auf (wol
nasaliertes) -8 ist durch acc. runo (Einang, St. Noleby) und das adj. ragina-
l;u[u]do (St. Noleby) belegt (vgl. Walde, Die germ. Auslautgesetze, s. 5.1 ff.,
Noreen, Geschichte 3 , § 192,5; anders Bugge, Arkiv XV, 144 f., No. I.
s. 288 und 528).
Anm. 5. Gen. pl. urn. auf (nasaliertes) -5 ist wol durch das späte
-nmo (Björketorp) belegt. Eine später ausgestorbene nebenform auf -öuo
zeigt vielleicht das ebenfalls späte runono (Stentoften); vgl. ahd. erdöno,
as. gebono, ags. north, sorgona, aind. äfvünäm u. dgl.
Anm. fi. Dat. pl. ist urn. nicht belegt.
Als Unterabteilungen der ö-stämme haben wir in analogie
mit den «-stammen aufzustellen: wo- stamme. jö- stamme, io-
stämme und 'reine' ö-stämme.
a) Reine ö-3tämme.
§ 374. Paradigmen : sog säge, kerling altes weib, Ingebiorg
ein frauenname. Skogol (anorw. SJcctgul) name einer Walküre,
6 tluss.
Ingebiorg Skqgol, Skagtd ö
Ingebiargar SkQglar äv
Ingebiorgo, SkQgol, Skagtü (>
litgibiargu
Ingebiorgo, Skogol, Skagtd (>
Ingibiargu
iir
ä
üin
Sg. N.
sog
kerling
G.
sagar
kerlingar
D.
SQg
kerlingo,
koerlingu
A.
SQg
kerling
I'l.X.
sagar
kerlingar
G.
saga
kerlinga
D.
sogoni,
kerliugom.
wgum
L<i'Hingu))i
A.
sagar
kerlingar
§ Mb. 376. Reine <>- stamme. -'>1
§ 375. Wie sog geht eine ziemlieh grosse anzahl von
einsilbigen Wörtern. z. b. bni brücke, dreif zerstreuen. </>// speer.
döl tal. clitö (seit, eldtö. s. ^ 116) feuerstätte. fiopr feder. jfar
furche, t/erl klnft. pl gerfiar anzog, ///>»•/> gnrt. ggmbr mutter-
sehaf. /////' selmtz. pl. iprar eingeweid^. kl elf steiler abhang.
kui i anorw. auch schwach kum) bürde. /•//. 1 quäl, tot kranken-
bett. hos häufe, hif Überrest. lifr leber. pl. ümar (vgl. § 395)
zweige, lom eine art haspen. Ion reihe, pl. me^mar kostbarkeiten.
m ,n mahne, nol oadel, me/* i anorw. einmal pl. -//•. s. Fritzner)
birkenrinde. pl. örtar Verwirrung, ramf loch, reim riemen. ritn
schindel, ro ruhe (vgl. ro ecke § 379). rtin rune. sin sehne,
«for schnitt. && /• kopfhaar. snew Splitter, siteiX braten, pl. sualar
gedeckter gang. trii glaube, toi betrug, pl. rnrar gelübde.
trank, rigr speer, mg Schlitten, cks schuhloch. anorw. ortoy
(certog § 173.5) * , 4 mark, frauennamen wie HU f. Hhkk, i
Vor, Ortsnamen wie Böhn. pl. Biliar, pl. H/rar. Hin. Suolpir).
Sehr viele können auch wie /-stamme (nach § 390) flektieren.
z. h. pl. borttr (seit, -er: auch schwach boror) bahre, dorg eine
art tischzeug. dugl aufenthalt. fiol brett. flaug flucht, giöf
gäbe, gisl geisel. grof grab. gron Schnurrbart, ggrn dann.
kuern mühle. kuisl zweig. lend (seit. pl. -er) lende. nof nabe.
ngs nasenloch (pl nase). rq% reihe, sköl schale, slifr (gew.
1*1- ► scheide, spior läppen. sok rechtssache, taug (tog, tag § 166)
seil, rrl list. vatif) lippe. Pgrf bedürfnis. ogn spreu. <dn (vgl.
§ 378) eile: diese flexionsweise ist in der späteren spräche
bei diesen Wörtern die gewöhnliche (bei einigen auch die
ursprüngliche >• Ueber sonstige Wörter, welche alternativ hierher
gehören, fc. §890,4; §395 [lim -.. § U6,8, £4*7 anm. 2 und
§ 418 anm. 2.
Anm. 1. Ueber anorw. lern neben /../< und dgl. 9. §81,c
Anm. 2. Im pl. hat 6/« neben &*Mor sehr seit. 6ni/\ anorw. auch
bryr (nach § 416) oder brär (s. § 134. b). dies jedoch wol erst mnorw.. aber
dann seit, auch im gen. sg.
§ 376. Wie kerling gehen zunächst die sehr zahlreichen
zweisilbigen Wörter auf -ing und -ung. z. b. drotning herrin.
lausung unverlässlichkeit u. a. (Larsson. s. 425); ferner Agnes
(auch nach § 384) ein frauenuame. Hleipr (gen. Hleipar
neben gew. Hleiprar. s. Jönsson. Skjaldesprog. s. 12) ein Orts-
name. Miß seite. laug bad, mioll sg. t. neugefallener schnee.
262 $ 377-379. Keine o- stamme.
paradit (auch -dise nach § 410) paradies. rein rain, tdl sg'. t.
wolle, öl, 61 (§ 116) riemen, <}r rüder sowie die. bes. in etwas
späterer spräche, auch wie i- stamme (nach § 391) flektierenden
fgr reise. Mit genüge, leip reise, reip reiten, vok loch im eise;
über iorp, sol, gld s. § 391 anm. 2. Alle diese Wörter können,
bes. in der etwas späteren spräche, auch nach § 375 flektieren,
die Wörter auf -ing, -ong doch ziemlich selten (s. Jönsson,
Skjaldesprog, s. 40 f.).
Aum. I. Gen. sg. auorw. laugurdagr ist wol von dem aisl. laugardagr
Sonnabend urspr. etymologisch verschieden, s. § 259.
Anm. 2. Selten, wenigstens in der älteren spräche, endet bei Wörtern
auf -mg auch der acc. sg. auf -o (-u) nach § 377.
§ 377. Wie Ingebiorg gehen nur eigennamen: die zu-
sammengesetzten auf -biorg (seit, borg, s. § 295 anm. 3; mnoiw.
auch durch ausgleichung -biarg, -biterg), -huit, -laug (seit. -log.
s. §152,2), -leif, -hp, -rtin, -reig, -vor u. a., z. b. Droplaug,
Suanhuit, Asleif, (iunnhp, (ruprün. ltannveig, Skialdvgr: ferner
Jhrgliöt, Osk und fremdwörter wie z. b. Katrin, Kristin,
Margret.
Aum. Hie und da kommt neben der regelmässigen forin ein acc.
ohne -o (-») nach § 376 vor, wie Almveig, Gidlveig, Ösk (so auch im dat.
sg). Auffallend kommt bisweilen im anorw. ein gen. Anbiorgo vor.
§ 378. Wie Skggol gehen nur Ggndol name einer walküre.
Vimor ein flussname und noch einige seltene Walküren- oder
flussnamen (s. Hesselman. Västnordiska studier II, 9) sowie das
auch im pl. vorkommende alen (statt lautges. 'tagen, vgl. $ i>7
und agutn. ein), woneben mit durchgeführter synkope (vgl.
§ 359, 2 und § 362 anm. 2) und dann regelmässig nach § 375
oder als ?'-stamm nach § 391 flektierend gln, <}ln (§ 124. 3),
anorw. (dicht.) auch alun (wozu dat. sg. ahm nach § 376) eile.
§ 379. Wie ö (6. s. jj 77. 2) flektieren fast alle fem. auf -<}.
z. b. brg' wimper. giö kluft, Gnö ein mythischer frauenname.
fw nachgras, lö flüssigkeit. ro {rö § 116; pl. rar. später röar)
ecke, ro rahe, rö reh. skrö Schrift, slö schlagbaum, spö Wahr-
sagung, pinghö gerichtsbezirk, pro Sehnsucht. Ueber formen
wie dar, da, dum s. § 130 und § 132.
Anm. Seltene nebeuformen nach der i- Stamms -ttexion sind pl. <)vr.
Hpäer (Hb., s. XXIX). Ein schwacher pl. &or ist anorw. 1 mal belegt (s.
porkelsson, Supplement IV, 193).
§380. wo-BOmmt § 381 ft£ jo- staune. 263
b) u'o-stämme.
§380. Paradigma : tfapy tau.
Sg. N. di}gg PL S. dqgguar
G. dqgguar G. dQggua
D. dogg(o), daggu. dogg D. dQggom, äaggum
A. dqgg A. dqgguar
Se gehen nur noch &g£ i dicht.) kämpf. pLgotuar anzog,
Iggg kimme. rogg (vgl. >*o</*/r § 365) Ziegenhaar, stop landungs-
platz, pL (anorw.) trygguar (run. auch dat. sg. triku. d. li. tryggu.
s. Aarboger 1899. B. 241) vertrauen. /;>w^/ druck, or pfeil.
Ueber die behandlung des w gilt das § 365 bemerkte.
Anm. i. Im dat. sg. ist die endnng -o. -u verhältnismässig selten.
An m. 2. Spät kommen nom. acc. pl. daggir (dann auch gen. sg.
daggar, pl. daggu). arir statt dogguar, oruar vor.
c) /©-stamme.
§381. Paradigmen: ben wunde, egg schneide.
PI. >'. beniar eggiar
G. benia eggia
D. beniom. b attmm eggioni. teygwm
A. beniar eggiar
§ 382. Wie ben (seit. ntr. nach §369) gehen einige Wörter
mit kurzer Wurzelsilbe : des heuhaufen. dregg hefen, dgs grab-
hügel. fit schwimmhallt, aue. fies kfippe im meer. pl. hrejnar
scrotum. ü fasssohle, i]> (auch ij> nach § o90) Wirksamkeit. /•////'
säum, lyf (vgl. § 369) arznei. pl. miwiar gaben zum andenken.
nyt nutzen, skel schuppe, skyn (seit. ntr. nach £ 369) einsieht.
syn leugnen (nau]>syti bedürfnis hat im anorw. auch pl. -ir). vifr
band: mit langer Wurzelsilbe nur eng wiese (vgl. enge § 372).
§ 383. Wie egg flektieren nur wenige appellativa (sämt-
lich mit kurzer Wurzelsilbe; wie ey insel, hei tod. meer (s.
anm. 1) junge trau, py (s. anm. \) magd; dagegen viele frauen-
namen. z. b. Frigg, Sif (pl. sifiar Verwandtschaft). Sigg und
bes. die zusammengesetzten auf -ey. ->ty (vgl. aber anm. 3), -yu
oder -(c)in (S. § 226. § 235 anm. 4). z. b. Laufet}. Borguy. Fioryyn.
Sigyn (Sygin. Sigun. s. a. o.): endlich einige Ortsnamen wie
Vigg. Biorg(r)i)i (s. § 226) oder Biorggn Bergen u. a. auf -yn.
Sg. N. ben
egg
G. beniar
eggiar
D. ben
eggio, oygiu
A. ben
egg
26 1 § 38 J. in- stamme.
-(ü)m, bei welchen im anorw. das kons, i schwankend ist. z. b.
gen. sg\ Biorgvin{i)ar (vgl. aisl. gen. Siyunar neben Sigymur).
Anm. 1. Nom. sg. zu dem stamme maujö-, heisst few&r (s. § 163, i;
erst spät und seit., den übrigen kasus nachgebildet, we//, noch seltener
i/wyt'a nach ij 408 flektierend) wie von einem «ö-stamme (§ 384), aber gen.
meyiar (got. maujös) usw.; zu/»«/ (ebenfalls den übrigen kasus nachgebildet)
kommt eine seit, (dicht.) nebenform fiir (s. § 163,2) vor; neben Signy seit.
anorw. Sign* (s. § 163, 2 und § 80, 2), wozu gen. Signiar.
Anm. 2. Dat. sg. kann, doch nicht bei Iiel, auch endungslos sein,
also nach $ 382.
Anm. 3. Acc. sg. endet auf -io (-m) bei eigennamen auf -ity
(vgl. § 377).
d) tö-stämme.
§ 384; Paradigma: heij>r (die) beide.
8g. N. heipr PL N. heipar
G. heijmr G. heij?a
D. heip»e. hmdi D. heipom, lucidum
A. heipe, ha-ihi A. heipar
So flektieren noch eine anzahl von appellativen mit langer
Wurzelsilbe, z. b. abbaute (vgl. anm. 2) äbtissin. byrjbr bürde.
dfr fluss, ermr ärmel. ei/rr sandufer, festr band, fleijpr (gen.
fleyjtrar) dachsparren (s. Hertzberg, s. 857), fläßr flut. förhupr
(-hi)inr, s. § 261) neugier, fyllr fülle. r/«^»r (gunnr) kämpf
(dicht.), (jygr (vgl. anm. 4) riesenweib. gr«/% sau, helgr fei er,
Äer^r (gew. pl.) Schlüter, hildr (dicht.) kämpf, pl. hrei/sar Stein-
haufen, merr (anorw. seit. gen. sg. und nom. acc. pl. murar,
worüber s. Hesselman. Västnordiska studier 11,32 note 2; die
Wurzelsilbe ist erst sekundär kurz, denn der stamm ist urspr.
*marhiö-, alid. nicrilm. vgl. marr. § 124,2) stnte, myrr sumpf.
r&yrr (s. I)orkelsson, Anmarkninger s. I I : auch nach §358,2)
röhr, reyjir forelle. rygr (vgl. anm. 1) weil) (dicht,), veipr jagd.
ylyr (vgl. anm. 4) wöltin, d j f>r eider. ce/ir (oder ce]> nach § 390)
ader, m i vgl. anm. 2), < : x. <u\ anorw. auch ce£ (s. §77,7 und
J? 173,5) axt; ferner frauennamen wie Agnes (auch nach § 376).
Aujir. Eltn (neben Elina nach § 408), Frifir, Oefn, Gerftr (pl.
gerjtar kleidertracht sowie anorw. almosogiurdar almosen, abei'
gerp handlung nach § 390), Gripp, Hildr. Jfn/r. Binär, Pnifir.
Yrr (vgl. Vre § 401 ) und bes. die zahlreichen auf -dis (vgl.
anm. 2; aber dis — seit, diss. s. Sjöros. Stud. nord. fll. VIII, 3.
§ 385. '- stamme. -''- 1
s. 5 - ehrwürdiges weib nach § 390). -eip\r). -(f)fifrr), -yerfir.
-gupr (-gtinnr), -ftüär] ->mn (-uftr, -u»»>\ s. anni. 2), -/>>"/>>â–
und die seit, auf -elf); z. b. I J ordis. Jkujneipr. IöfriJ»: Sigripr,
Porgerjtr, ftoryupr, Raynhildr, Ipunn. Siyprüpr. Porelf r\ endlich
der ortsname Di/flinn Dublin. Ueber schwankende Wörter
s. g 390, :i. § 416.1.
Anm. 1. Der zu erwartende /-unilant fehlt in einigen hierher über-
getretenen /- oder r>- stammen, wie Aufor. forhipr. gußr. Prüf* und den
namen auf -gupr. -nun. -prüpr (der nmlaut im namen Pryßreh; Prtfrekr
ist wol nach §66 zu erklären): vgl. noch anorw. pl. uuirar (s. oben). Zu
anorw. (riß- tluss kommt ein alter gen. sg. ohne uuüaut im Ortsnamen
Alfarlueimr vor (s. Bngge. Arkiv 11,209 ff.); vgl. § 390 anm. 1.
Anm. 2. Im nom. sg. fehlt gew. die endung bei den namen auf -dt's
(und abbadis) statt -diss (£277.1) und -unn (aber daneben -upr. -unnr
mit -/•); in alten anorw. hdschr. auch sehr oft bei den namen auf -aid(r)
und -(f')rid(r) , später und seltener iu aisl. hdschr. bei namen auf -(f)ribr
und (sehr seit.) -hildr (s. Hb.. s. XL1X; Gislason, Efterladte skrifter II. 176:
Kälund. Gnll-pöris saga. s. V). Dagegen fehlt -r nur scheinbar in ex
(♦•faü § 277, 3).
Anm. 3. In der späteren spräche endet der nom. sg. oft auf -» wie
dat. acc. Umgekehrt fehlt bisweilen in den rimur das -* das acc. sg.
(s. Gislason. Efterladte skrifter 11.177); vgl. einmaliges anorw. myr
(s. Fritzuer).
Anm. -1. Wörter ivie gygr. rygr, glgr schieben nach £ 2fi:i for einem
a oder o (") der endung ein kons. > ein. Ausnahme macht W'/c pl. hrlgar;
zur erklär ang s. Hesselman. Västnordiska studier II. 17 Bote 3.
Anm. 5. Anorw.. bes. muorw., kommt nicht seh. gen.. dat., acc.
Astrid« (wie nach § 408) vor.
III. /-stamme.
§ 385. Die /-stamme sind mask. und fem., bei welchen
letzteren man eigentlich, ausser im acc. \\\.. dieselben endungen
wie bei den mask. erwarten sollte. Diese sind:
Sg. N. -r PI N. -ir, -er
G. m. -soder -«/•; f. -//- G. -c
D. — D. -um. -om
A. — A. m. -/. -e : f. -ir, ->')â–
Die feminina folgen aber (bis auf wenige spuren, s. § 390,
1 und 8 sowie anm. 1) im sg. der tiexion der ^-stamme (§ 875
und $ 376).
Anm. 1. Nom. sg. endet nru. auf -in. i. b. hletcagaistiB Gallehus),
litiR (Darum III), gleaugi* (Dannenbergi. iaKgasÜK i Berga), pfiHR (Brats-
206 § 386. 387. /-stamme.
barg), asugttaiJiR (Myklebostad). -in (Amle) und die adj. -marin (Torsbjssrg;
urspr. ««-stamm *mariaR i got. -mereis, s. § 358 anm. 5), tmgcmÖili
(Nordhoglen).
Anm. 2. Acc. sg. um. au? -i ist wol durch hall (Strom, aschw. Iwh
belegt und später durch das schon synkopierte Afunp (Valby).
Anm. 3. Ein vok. sg\ steckt vielleicht in alawin (Skodborg) und ein
acc. pl. -hin (got. -ins) in hallin 'einwohuer von Hailand' bei Jordanes.
Anm. i. Alle übrigen kasus sind urn. nicht belegt, ausser dat. pl.
aus der spätesten zeit und in unursprünglicher form (s. § 356 anm. 8).
Eine spur der urspr. endung -imR (vgl. got. -im) ist in der literatur nur
das zahlwort jyrimr drei.
§ 38(3. Paradigmen sind: mask. gestr gast, stajrr statte,
hekkr bach ; fem. oxl aclisel, rost meile.
mask uli na
femin i na
8g. N. gestr
stapr
bekkr
oxl
l'QSt
(t. gests
stapar
bekks. bekkiar
axlar
rastar
D. gest
stap
bekk
oxl
rqsto, rastu
A. gest
stap
bekk
oxl
rost
PL N. gester, gcestir
staper
bekker, bcekkir
axler
raster
(t. gesta
stapa
bekkia
axla
rasta
D. gestom,
stqpom,
bekkiom,
oxlom,
rqstom.
gcestvvt
stabum
bcekkiwm
awlum
rastiou
A. geste, gcesti
stape
bekke, bmkhi
axler
raster
§ 387. Wie gestr (als mannsname mnorw. auch mit gen.
■ar, dat. -e) gehen recht viele Wörter, z. b. alr ahle, brestr
(s. anm. 3) mangel. bugr biegung, bulr, bolr rümpf, dugr
tüchtigkeit, dgttr schlag. doli talbewohner, fair schafthülse
des spiesses, Glapr ein pferdename, glepr verbrechen, gramr
(s. anm. 2) kriegsheld (dicht.), griss (s. 2 unten) ferkel, gufi
(seltener goß, vgl. § 161. § 361; s. noch 2 unten sowie anm. 1
und 2) gott, hagr lebensbedingung, halr (s. anm. 4) mann (dicht.).
hamr (s. anm. 2) hülle, här (pl. häer, seit, hdfer, s. Egilsson) ruder-
dulle. hlumr (oder hlummr nach § 358) handhabe des ruders,
hualr (s. 2 unten) walfisch, Uk(h)amr (seit, likawu. Hb., s. LVI;
auch Ukame nach § 401) körper. Ifipr (s. 2 unten und § 392)
mensch, ndr (s. anm. 2) leichnam, pyttor pfütze, mr (s. 2 unten)
zuber, skellr klatschen, slagr saitenspiel, sullr geschwür. suanr
schwan, suipr rasche bewegung. vaty (pl. fehlt) die gefallenen.
valr (s. 2 unten und anm. 2) falke. vanr (s. anm. 2) eine art
götterwesen, vajir angelschnur, vegr (pl. fehlt) rahm, prtkr
kraft und viele vttlkernamen wie daner (sg. als mannsname
| Bft /-stamme. 887
Dmnr, ereii. ■«, seit. -ar). egper (s. 2 unten), friser. hdrer, raufc-
wmwdmr, skeynt r. stxeäder, volar, restfi/kler. Joönder u. a. Ueber
die einzelnen kastts ist zu bemerken:
1. Im nora. sg. kommen, wie bei den a- stammen, die
ij 277 gegebenen regeln zur anwendung. z. b. doli. bolr. sheUr,
suanr, griss.
Anin. 1. Iii gup. gop fehlt die nom.-endung, weil das wort ursprünglich
neutr. ist. In St. Honi. fehlt die endnng einigemal auch im gen. sg.
Anm. 2. Dat. sg. hat hei gup immer, bei gestr. gratin: havtr, nar,
coli- falke. ranr bisweilen die eudung -e (-/).
2. Im nora. acc. pL haben viele Wörter -ar, resp. -«. wie
die «-.stamme, neben -er. -e (-tr, -/>. Solche sind gramr. gup.
hualr. h)pr leute. sär (pl. aisl. säet: auorw. aar aus säar). seit.
eg])er. griss. r,dr falke. Ueber dalr. marr pferd. rgzar. smipr,
sto.fr. rermar s. § 358. 4.
Anm. 3. Von brestr ist der acc. pl. selten nach den «-stammen
(§ 385) gebildet.
Anm. 4. Von hair heisseu geu. nud dat. pl. nur Unlpo (s. §319, 2),
resp. holpern . nom. acc. pl. aber sowol /><>Ifxi.r, -a wie (neugebildet) haier,
-r: s. Gering. Vollständiges Wörterbuch, sp. 139S.
§ 388. Wie stapr flektiert eine ziemlich grosse anzahl von
einsilbigen Wörtern, wie bragr diehtkunst. burr. bort (g. 1 unten)
söhn (dicht.), barpr geburt (vgl. 2 unten i. ft-hlr is. 2 und 3 unten )
mantel. flugr flucht. /'////(//• is. 2 unten) Zusammenkunft, gripr
(s. 4 unten) kustbarkeit. wwwm argwöhn. hUdr is. 4 unten) los.
teil, b.ayr sinn, fomr t vgl. anm.) geschlechtsangehöriger (dicht.),
geschlecht (so nur in adv. wie z. b. abtkowm von jeder an).
kostr (s. 2 und 4 unten) bedingnng. »tun- (s. 1 und 2 unten)
meer (dicht.», ino.tr (s. 3 unten) speise. »omi: monr (s. 2 unten
und anm.» sinn, unterschied, rugr roggen. s. 1 unten und
anm.) saal. scmPr <chaf. sl.ripr <>. 1 unten» lauf, skurpr scheren.
skulr hintersteven. stidftr diebstahl. sultr (s. 1 und 2 unten»
huuger. a.2 unten und aum.) freund, Jtrottr (s. 1 unten»
stärke, foilr redner. purpr Verminderung und die zahlreichen
wöner auf -skapr (dat. pl. aisl. -skopom $ 78. anorw. -skapum).
z. b. fumdskapr feindschaft. Doch kommen bei vielen von
diesen Wörtern schwankenden nach de? seite der a- oder »-
stamme vor:
268 §989, /-stamme.
1. Gen. sg. auf -6' neben -ar bei burr, man; munr, sah,
skrijtr, sultr, firottr, anorvv. auch stajrr in der bedeutung \stad1 •'
(erst ranorw. in der bedeutung 'statte', s. Haegstad, Kong., s. 30;
niuorw. auch stadhars, vgl. § 358 anm. 6, § 363 anm. 1 und die
daselbst zitierte literatur) und vinr (s. F. Jönsson, Arkiv XI, 378).
2. Dat. sg. auf -e (-i) bei athurfir ereignis, felär, fundr,
kostr, marr, munr, stapr, sultr.
3. Nom. acc. pl. auf -ar, resp. -a neben -er, -e (-ir. -i)
bei felär und seit. mutr.
4. Acc. pl. auf -o {-u) kommt, obwol selten, bei yrij>r
(s. Haegstad, Vestno. maalf. I, 117), hlutr und kostr vor.
Anm. Im nom. sg\ kann -r fehlen bei mtm(r), mon(r) und cin(r),
sehr selten hei Jcon(r) und (s. Noreen. Uppsalastudier, s. 201 f.) sul(r); vgl.
Aufion (ags. Eadwitie), Au», Qu und Hähon § 358 anm. 1. Zur erklärung
s. § 285 anm. 2 und die daselbst zitierte literatur.
§ 389. Wie bekkr gehen mask., welche /-umgelautete,
entweder kurze oder auf g, g, k endende lange Wurzelsilbe
haben (s. Wimmer, Forn. forml., § 41, b; Jonsson, Skjaldesprog,
s. 32 ft'.), z. b. Bäleyyr ein mythischer mannsname, bekkr bank,
belyr balg, berserkr berserker, bepr (vgl. § 368 und anm. 2
unten) bett, bylr windstoss, bf/r oder bör (s. anm. 3 und 4 unten)
dorf, byrr günstiger fahrwind, drenyr (vgl. anm. 2) junger
mann, drykkr (vgl. anm. 2) trank, dykr lärm, dynr getöse, elyr
elentier, eykr zugvieh. fenyr fängst, fnykr stank, Freyr ein
göttername, ylymr geklirr, ynyr getöse, ynypr brummen, pl.
fjrikker, girier (vgl. § 368) griechen, gyss (*gysft) spott, pl.
hdleygr einwohner von Halogaland, heggr traubenkirsche. herr
(vgl. anm. 2; nom. acc. pl. nicht belegt) heer, hlekkr kette.
hlymr getöse, hlynr ahoi'ii. hrckkr ranke, hryggr rücken, hrytr
schnarchen, hylr Schlund, hyrr teuer (dicht.), kengr bügel, kylr
kälte, leggr Schenkel. If/r eine art dorsch, Ukr bach, mergr
(vgl. anm. 2) mark, reykr (vgl. anm. 2) rauch, rifr weberbaum.
pl. ryger (vgl. § 368) einwohner von Rogaland. rykkr ruck,
rymr lärm, seggr kampfgenosse (dicht.), sekkr (vgl. anm. 4)
sack, pl. serker Sarazenen, serkr (vgl. anm. 2) hemd, skrcekr
geschrei, skykkr erschütterung. slegr vorteil, sprengr sprengen,
stekkr Schafhürde, strengt- sträng, strykr Sturmwind, stynr
stöhnen, styrr streit (dicht.), suelgr Schlund, sylgr trank, sägr
ungewitter, vefr gewebe, veggr wand, verkr schmerz, uiggr
g Ha /-stamme.
pferd (dicht.), vtbmgw (vgl. anm. 4 und § 368) flügel. Yggr ein
name Odins. ///>• wärme, ymr lärm, yss (*ysft) lärm, 7>e/>' geruch,
peyr tauwetter. prytnr donner. puengr schuhriemen. pffkkr ver-
druss. £yss (*pysR) tumult. ^j///- lärm.
Aum. 1. Im gen. sg. sind BoJeygr. (Ire-ugr, dynr, Freyr, glywr.
gnyr, kengr. lyr, seggr, sprengt; mtelgr. ssgr nur und elgr fast nur mit «i
belegt; byrr, fengr. hryggr, hylr, teh: riggr. yh: pykkr nur nnd drykkr
fast nur mit -
Anm. 2. Im dat. sg. kommt die endung -e (-<") sehr seit, vor, z. b.
bei bepr, drengr, drykkr. harr, r»prgr. reykr und terir; häufiger erst im
inuorw.
Anm. 3. Ber, byr (s. § 68, 4) hat gen. sg. be(i)ar, by(i)ar (seit, bes,
bys, byss) und bi<ir (§ 333. b. 2). gen. pl. be(i)a. byii)a und bin. dat. pl.
l'Sii)om, btti». byiom und biom, biävx (vgl. §363 anm. 2).
Anm. 4. Einige von diesen Wörtern können auch wie reine t-stämme
flektieren, z. b. teuer, pl. sekkar. -a usw. statt -iar, -ia (vgl. § 263 anm. 2),
anorw. nom. pl. bear (g. Jönsson. Fagrskinua. s. XXVII. Hs-gstad bei
O.A.Johnsen. Olafs saga. s. XLIX). acc. pl. bea (s. z. b. Flom. The
lauguage of the Konungs sknggsja), byu. Dat. pl. r<engom (z. b. 2 mal in
St. Hom.) neben rchngiom erklärt sich wol daraus, das3 vtengr nach § 135
aus *v<£)ngr entstanden ist und also ursprünglich zu § 358 gehört.
§ 390. Wie oxL also im sg. nach § 375. gehen die meisten
aisl.-anorw. feminina. z. b. sorg sorge, pgkh dank. bes. viele auf
-d. -p. -t. -n. wie vkld weite. t>p (scheint in den ausdrücken
/ pann oder pennu tlp zu jener zeit' mask. zu sein) zeit, ddp
tüchtigkeit. sott krankheit. nom norne sowie alle auf -on
(gen. sg. -anar. nom. pl. -aner usw.. bald auch nom. dat. acc. sg.
umgekehrt bisweilen, bes. in den ältesten hdschr.. gen. sg.
-onar; vgl. § 137 anm. 3) und -l-xnn. z. b. skipon. -an anordnung.
■<i.rki<nn nachsieht u. a. (vgl. Wimmer. Forn. forml. § 481 üeber
die einzelnen kasus ist zu bemerken:
1. Im nom. sg. ist die alte und ursprüngliche endung -r
(vgl. got. -s) noch erhalten bei bnipr braut, frau. naup(r) not-
wendigkeit. Cipr name einer norne — urpr. yrpr Schicksal,
Verhängnis i dicht.) ist mask.. >. Gislason. Aarbeger 1881.
s. 242 f. — upr. nnnr welle (dicht.), vdsttr (seltener rettr. vittr.
- § 109. § 110.3: in Zusammensetzungen -n'(t)tr und dann aus-
nahmsweise mit nom. acc. pl. nach § 413. z. b. hialmvitr Wal-
küre) wicht, wesen. — Ueber durch ausgleichung entstandene,
umlautslose nom. acc. wie hafn hafen. skamni (s. Gislason. Efter-
ladte skrifter Tl. 175 1 schände statt hof». m ^ 81. c.
270 §391. /-stamme.
2. Gen. sg. endet als erstes Zusammensetzungsglied seit,
auf -s, z. b. (zu hiolp) hialpsmapr heiland, pl. hlsingsbüar ein-
wohner von Hising.
Anm. 1. Spuren einer uralten endung -?,n (vgl. got. -ais) bieten
vielleicht aisl. vetterges 'nichts' zu vd>ttr, vettr wicht, ding- und anorw.
Alfer- in Ortsnamen zu dem in die flexion der in- stamme übergetretenen
odfr (s. § 384 anm. 1).
3. Dat. acc. sg. auf -e (-i) nach § 384 zeigen brnpr frau,
dis ehrwürdiges weib, Hrist (acc. auch ohne -e) ein mythischer
frauenname (s. Jonsson, Skjaldesprog, s. 54). vcettr, vettr wicht.
Ebenso dat. von eir, http. lind, aber nur wenn sie in frauen-
bezeichnungen gebraucht werden (s. Gislason. ITdvalg af old-
nordiske skjaldekvad. s. 59); ausserdem einmal acc. von mpt
Schwester.
Anm. 2. Ein nach § 391 gebildeter dat. von vetttr, vettr scheint in
vettoge 'nichts' vorzuliegen. Von nxl ist t mal anorw. dat. oxlu belegt
(s. porkelsson, Supplement IV, 194).
4. Alt und selten kommen nom. acc. pl. auf -ar nach
§ 375 vor. z. b. von ambgtt. ambött dienerin, hgfn hafen, anorw.
(später) ncefnd nennung. - - Von pgp zeug kommt bisweilen
(dicht.) pl. vcejjr nacli § 416 vor (s. Jonsson, Skjaldesprog, s. 51);
ebenso anorw. einigemal von vettr wicht pl. vettr. aisl. nur in
Zusammensetzungen -c/(t)tr (s. 1 oben).
5. Gen. pl. von vcettr, vettr heisst ausser vcetta (z. b. in
ekke vcetta oder mit suffig. artikel vcettana 'durchaus nichts')
auch retna. vitna in Zusammensetzungen wie fwtvetna. -ritna
"was auch immer', horvetna. -vitna wo auch immer'. Vgl.
§ 358 anm. 8.
§ 391. Wie rgst. also im sg. nach § 376, gehen borg bürg.
braut weg, fold boden, erde, gipt gäbe, grund erde, hiorj) herde,
hur]) tu)', holt {hall s. § 81, c) halle, ior]> erde, laut tälchen (dicht.),
mold staub, erde, mgrk wald (vgl. mgrk mark § 413). rgdd stimme.
rond rand. skidd (s. Hertzberg) schuld, snM weib (dicht). s6l
sonne, spgng platte, strgnd Strand, stund zeit, stgng Stange, so/
seele, long zange. rist aufenthalt. rön, 6n (§81 anm.) hoffnung.
}n6]> volk. nid Zeitalter. <md atem und vielleicht noch einige.
Von diesen Wörtern gehen jedoch mgrk. rond, spgng, stvgnd.
stgnp, tmg im pl. {t<>ng und seltener mwk auch im gen. sg.)
auch nach § -110 oder §417. Uebrigens können die meisten
| 3vc2. /-stamme. 271
auch, wiewol seltener, nach § 890 gehen (beisp. bei Jonsson.
Skjaldesprog. s. 51 ff.).
Aum. 1. Gen. sg. von *o/ zeigt im anorw. auffallend söJo-idayr,
-f/hidan) neben «ö/«r(-).
Anm. 2. Alt und selten kommen in der dicht, spräche nom. acc. pl.
auf -or (nach 4; 376) vor. wie z. b. von fold (s. Hjelmqvist. Arkiv
XXIV. 171 i. i'orb. *nl. ohl.
§ 392. Die /-stamme sollten lautgesetzlich in nom. acc.
pl.. die mit langer Wurzelsilbe auch in nom. acc. sg. (§66,1),
/-umlaut des wurz« j lvokals aufweisen. Aber bei sämtlichen
Wörtern ist — von vereinzelten fällen wie den völkernamen
ryyer : (gen. rffgia, aber der landschaftsname) Roya-land. piler
: Pela-m >rh. hdleyger : (gen. kdleygia, aber) Hdloga-land
(s. §152.2) abgesehen: s. Mach, ZfdA. XXXIX. 40, M.Olsen,
Xamn och bygd 1916. s. 58 — ausgleichung eingetreten (vgl.
§ 67) entweder
1. zugunsten des nicht umgelauteten vokals. wie in m.
(s. § 388) sau})}- (agutn. soi/pr). skurpr (aschw. skyip f.). sta.pr
(agutn. stepr). stnlpr (aschw. styld £), mUtr (aschw. st/lt f. und
snl t er m.) und (s. §387) slayr (agutn. sleyr); — f. dop (aber
noch Karlevi pl. taipir. d. h. dcedir) tat. 8cgn (aschw. swyn) sage.
urt (aschw. i/rt) pflanze, vorn (aschw. oaurn) Verteidigung;
2. oder zugunsten des umgelauteten vokals, wie in m.
8. § 387) gestr, yUpr. ferner beUjr. bekkr u. a. auf -g. -y. -k
3. § 389) und vielen nur im pl. vorkommenden völkernamen,
wie prender. restfyJder u. a.: seltener in f. wie (den zwar als
ö-stämme. aber wol einst als i- oder w-stämme flektierenden.
s. § 375) del. gymbr. ncefr. ces\
3. oder es sind doppelformen entstanden, wie m. hüner
: Ityner (s. Fritzner; auch hünar nach § 358) hunnen. Mumr
: seit. (s. Egilsson) hlymr griff des ruders, dünn : seit. (s. Fritzner)
dynn schar, fundr : seit. (s. Leffler. Sv. landsm. I. 278 note,
l)orkelsson, Supplement IV. 49. Hsegstad, Vestno. maalf. 1. s. 83
und 71. II. 2, i. s. 33. sowie bei 0. A. Johnsen. Olafs saga.
s. XXXV) fijmlr Zusammenkunft, biopr : seit. f. byrp (s. Leffler.
a. o.. und Jonsson. Skjaldesprog. s. 48) geburt. «rpr : yrpr Ver-
hängnis (vgl. § 390. 1). fiirr : seit. (s. Bugge, Runeindskriften i
For&a kirke. s. 21) fyrr teuer (dicht. ». ürr (pl. ürar nach §358)
seit. ///■/■(»Tislason. Aarboger 1881, s. 208) auerochs, gluggi
272 §393. u- stamme.
(pl. -ar nach § 356) : anorw. glyggr (s. Fritzner: ausserdem in
Konungsskuggsiä) lichtöffnung, pytr : seit $üfr (s. Falk, Arkiv
III, 296) lärm, dünn : seit, dynn (s. Vigfusson) daune, lyPr : seit,
Höpr (s. Fritzner und Egilsson) mensch, hlütr : anorw. seit, lytr
(s. Hertzberg, s. 860) los, teil, egper als Völkername : Agper
als landschaftsname (s. Noreen, Fornvännen 1920, s. 45 f.), ytar
männer : iutar jäten (s. Noreen, a. o., s. 40 f.); — f. ött : cett
himmelsgegend, familie, sott : scett vertrag, Jcuon : Jcucen haus-
frau, bon : bän bitte, sion : syn sehen, jtoerftf : Pyrft bedarf, tylft
: seit, tolft zwölfter, nauj)(r) : seit, neijp notwendigkeit, skuld
: 5%M schuld, lund : anorw. seit, lynd (s. Hertzberg, s. 860) art,
feip : seit. pl. farper (s. Jönsson, Skjaldesprog, s. 54) fahrt, iprott
: seit. pl. iprötter (s. Larsson) talent, flöp : /fo$ (vgl. /fc^' § 384)
flut, gnött : seit, gnett (s. Fritzner) genüge, Zusammensetzungen
auf -(#)«/> : -///> oder -(h)ugp : -ygp s. § 393, 1; vgl. noch brüpr
braut, aber bryllaup (neben brullaup, brüplaup) hochzeit, vop
zeug, aber anorw. vcedmäl (neben vädmäl, vaömäl § 127, 1, durch
Volksetymologie vefmäl, durch mndd. einfluss ratmäl: vgl.
pl. vcePr § 390, 4) kleiderstoff, anorw. Alfarlueimr zu sdfr (§ 884
anm. 1).
TV. n -stamme.
§ 393. Die w-stämme sind nur maskulina (über das fem.
hond s. §416 anm. 1, das neutrum ff s. §368 anm. 1). Die
endungen sind:
Sg. N. -r («-umlaut d. wurzelvok.) PI. N. -ir, -er (/-uml. d.wurzelvok.)
G. -ar G. -n
D. 1) ;t, -* («-uml. d.wurzelvok.) D. -um, -om
2) — (u-uml. d. wurzelvok.) A. 1) -u, -o
A. — (w-uml. d. wurzelvok.) 2) -/, -e («'-uml. d. wurzelvok.)
Anm. 1. Xom. sg. endet urn. auf -uR. Beispiele sind: sigaöuR
(Svarteborg), haukopuR (Vänga), waruR (Tomstad).
Anm. 2. Gen. sg. und der ganze pl. ist urn. nickt belegt,
Anm. 3. Dat. sg. endet urn. auf -hi. Beispiel ist kwnimu[n]diu
(Tjurkö).
Anm. 4. Acc. sg. endet um. auf -u. Beispiele sind: magu (Kjolevig).
lapoÖu? (Trollhättan), sun-u (Sölvesborg: ebenso in aschw. und adäu. runen-
inscbriften) neben synkopiertem atimu[n]t (Sölvesborg).
Anm.."). Vielleicht ist ein instrum. sg. (vgl. § 301 anm. 3) durch
hußu (Strom) und ein vok. sg. durch ahurio (Skodborg) belegt,
§ 394. 395. «-stamme.
273
§ 394. Paradigmen sind: rxmdr rute. fiorpr meerbusen.
fognopr freude.
v _ X. vondr
tiorpr
foguopr, fagmt&r
G. vandar
fiarpar
fagnapar
D. vende. voml
firf»e. -/
fagnape
A. vond
fiorp
fognop. fagmtd
PI. N . vender
firmer. -fr
fagnaper
G. van da
fiarpa
fagnapa
D. vondom, van-li-w
fior)7om, fiarSum
fognopom. fagnaöom
A. Vull'lii, rinnhi.
veiule
fioorpo, fiardu
fagnape
§ 395. Wie nrndr geht eine ziemlich grosse anzahl von
Wörtern, /.. b hlüstr 'gen. hjnstnr. später Uastrnr. dat. blcestr.
sp. blcestri usw.; vgl. anm. 2 unten) blasen, Ao//r (dat. hege) bug,
feöftr (anorw. seit, acc pl. bglia, s. Dorkelsson. Supplement IV. 18;
vgl. anm. 2 unten) balken. bgUr ball, bgrhr rinde, (/>v>ft>- zug.
//etfr fläche, frißr friede, groptr (gen. graptar. später graptrar
usw.; vgl. anm. 2) grab, grofr gier. ggUr eber. Hgrpr ein manns-
name. ft^ftr (vgl. anm. 2) hut, höttr art und weise, Hopr-em
mythischer name. hnorr (gen. Jmarrar) handelsschiff. hiottr ball.
fettttfr- zweig, hiittr (auch als «-stamm nach § 358) geschwätz.
Inipr zeugnis. bauch, hgkkr klumpen. Kgrfr ein beiname und
pferdename, kostr häufen, Icgttr (vgl. anm. 2) katze. Umr (pl.
auch Umar f. § 375. seit. m.. z. b. in No. Hom.) glied. zweig. litr
färbe, lipr (vgl. 2 unten) gelenk. Iggr tlüssigkeit. lostr laster.
mogr söhn (dicht.). mgMor Staubwolke, mglr motte, mgrpr marder.
M^fr macht. r«är (später — aber doch schon um. irraita
Reistad — auch als «-stamm) ritze. rStör recht, sipr sitte.
slottr mähen. führ (vgl. 1 unten) solin, spglr schindel.
spann, spornt (pl. spcener, spmer §63 anm. 4) span. suqppr pilz.
suorPr schwarte, tegr (tegr. tigr. tugr, togr. vgl. anm. 3) zehner.
röttr (nur anorw.. s. Hertzberg und Möbius, An. Glossar; aisl.
und anorw. rö.ttr geht als a-stamm nach § 358) zeuge, verpr
(vgl. anm. 1) mahlzeit (wozu dogorpr frühstück und nottorpr
nachtmahl. ohne Vokalwechsel in der flexion), vi]>r holz. wald.
roh- stab. vgllr feld. vorr (gen. inrm,) ruderzug. >:orpr (vgl. 2
unten) wacht, vottr handschuh. nutr Wachstum. &rn (vgl.
anm. 2) adler. orr (pl. drar neben derer: vgl. anm. 2) böte. (>ss
heidnischer gott (auch äss nach § 358 und so immer in der
bedeutung 'balken'). preslMr (presJiohh- §77.3. £ 79, §148.
X o r <• « n . Altisl. stramm. 4. aufl.
18
274 §395. »(-stamme.
durch Volksetymologie preskioldr, prasMoldr, prepsikioldr\ frep-
sfaddr; vgl. noch anm. 2) türschwelle, prgmr rand, prgstr drossel.
propr (seit, anorw. nach §413, s. Jönsson, Arkiv IX. 378; vgl.
auch 2 unten) zwirn, pnottr waschen, pottr abteilung. lieber
prettr, smipr, stigr (stigr), regr s. § 358, 4; spgrr s. § 365 anm. 2;
anorw. mundr s. § 358 anm. 7; hrestr s. § 387 anm. 3; gripr,
hlutr, kostr s. §388,4; fötr, fingt, retr s. §414. Ueber die
einzelnen kasus sei bemerkt:
1. Im nom. sg. fehlt sehr oft das -r bei son(r), sun(r),
aisl. (aber nicht anorw.) regelmässig, wenn das wort als
späteres Zusammensetzungsglied steht (s. Vigfusson). Ueber
spgnn, orn, öss s. § 277, 1 und 3.
2. Gen. sg. endet auf -s oft bei rorpr (corps neben varpar)
und mannsnamen auf -rij>r (z. b. Ärnvipr), bisweilen bei lipr
und Jjropr, spät-mnorw. Orn (gen. A ms. vgl. anm. 2). — Mnorw.
steht oft sonars statt sonar (s. A. B. Larsen, Arkiv XIII, 245;
vgl. § 358 anm. 6, § 363 anm. 1. § 388, 1). bisweilen sons
(s. Haegstad, Kong. s. 24).
3. Dat. sg. ohne endung (rgnd) ist etwas später als die
form auf -i (rende) — daher wol aus dem acc. entlehnt —
und nur bei gewissen Wörtern wie fripr. gröpr. higrr, Umr,
Utr, lipjf, Iggr. mogr, mgttr. rettr, sipr. sdhr, stigr. vißr, rgndr.
vgrpr, promr. pöttr, örr, öss neben der längeren belegt.
Anm. 1. Von dem nur im sg. gebräuchlichen verpr kommt neben
verfii seit. (z. b. Havamol 32 und 116) ein alter, lautgesetzlicher (s. §63.3)
dativ rirpe vor. Vgl. aber Gislason, l'dvalg af oldno. skjaldekvad, s. 1601'.
und Bugge, Norrcen FornkvpeÖi, s. 394. Sonst zeigt sich kein /-umlaut von e.
4. Acc. pl. auf 4 (wie rende) kommt in der ältesten
literatur nur bei wenigen Wörtern (alternativ) vor: Umr. sonr.
sunr (acc. pl. sene, sgne). örr (cere), öss (cese). Sonst zeigen
sich solche formen erst später, werden aber immer gewöhn-
licher.
Anm. 2. Der Wechsel von umgelauteten und nicht umgelauteten
formen hat bisweilen ausgleichung und doppelformen veranlasst, z. b, mit
anal, /-umlaut seur (acc. sen, gen. pl. nenn, dat. pl. senom, s. Larsson) statt
SOtir, <?rr (No. Hom.) st. orr, fw&iheldr st. -nldr. anorw. gen. sg. grceftar
(s. Hertzberg) st. graf'Uir, dat. pl. <rsnm (s. Gislason . Efterladte skrifter
II, 178; vgl. auch namen wie JEstHpr, in Agrip, statt gew. Ästripr, der
vorzugsweise aisl. kurzname Jiuia neben dem vorzugsweise anorw. Am.
anorw. JEsbiom, -gteirr, -kell neben As- zu 6ss) statt Qsom. Umgekehrt
ist der /-umlaut anal, entfernt, z. b. anorw. dat. sg. bläute st. bltcste, erne
-»6.397. «-stamme. '211
'ans *;»/»>. 9. § 115 anm.) st. erne. beides in Xo. Hom.. ebenso der ti-nmlant
in bnlkr (dal bolki. s. Hsegstad. Vestno. maalf. II. 2. i. s. 33. pL balkmr),
toffr, kuttr. preskohlr. mnorw. Am als mannsname neben bolkr iuw.
Anm. 3. Das urspr. zu § 396 gehörende (vgl. §91 anm.) tegr (S,
zehner flektiert in den ältesten kdschr. : sg. nom. tegr (tegr). gen. tegar,
dat. tifje. ace. teg . pl. nom. tiger. gen. tega , dat. tegom {tigom). aee. tego
(togo, >. S, 17*2 3): später tigr, tegr. tegr. togr. tugr. gen. tigar, tegar n<w.
ohne jeden Vokalwechsel innerhalb des paradigmas.
\ 96. Wie fiorpr. also mit >-umlaut von e (§63,3) im
dat. sg. und nom. pl.. mit brechung in allen übrigen kasus.
gehen biorn (*hiornR) bär. hiortr hirsch. iostr gäscht. kinlr kiel.
miopr met. Xonpr ein göttername. skioldr schild. ttiolf gl
Ueber hi&rr schwert s. § 365 anm. 1.
Anm. 1. Durch ansgleichnng steht mehrmals dat. sg. skiolde statt sküde
(s. Gislasou. Efterladte skrifter 1,32, Jonssou. Skjaldesprog s. 56), lmal
vielleicht nom. pl. skioblor st. skilder (Jönsson a. o.), spät und seit. dat. sg.
biert, mied (Gislason. a. o. 11,177): anorw. als mannsname gen. Biornar
(Bernar), mnorw. dat. B>urn(?\. nom. -bitern. -bim (s. Lind. Dopnamn.
s. 38, 64. 703).
Anm. 2. Als mannsname ist gen. sg. Biorns anorw. (mnorw. auch
Biortis) mehrmals belegt. Vgl. § 395. 2.
§ 397. Wie fognopr. also ohne jedweden /-umlaut (dies
wegen der schwachtonigkeit der betreffenden silbe. s. § 64).
gehen alle mask. auf -ofir, später anal. -a}>r (also fagnajtr.
s. § 137 anm. 3). z. b. buno]>r zubehor, glotqpr verderber.
iolfojtr (geu. kdfnpar. vgl. anm. 1) ochs, skihwfir Scheidung u. a.
• >n Bahder. I»i^ verbalabstracta in den germ. spr.. >. 104 f.;
Falk. Beitr. XIV. 33 ff.) ftowie mannsnamen. z. b. Sipo}»-. Stork-
opr (dat. lmal Starkepe — s. Jönsson, Skjaldesprog. s. 49 —
also noch mit starkem nebenton wegen der urspr. Zusammen-
setzung, s. § 143, § 64 1. OndoPr. Ueber nwnopr (mänapr) s. § 414.
Anm. 1. Gen. sg. endet bei den Wörtern auf -nopr .-napr) bisweilen
anorw. auf -nadr (vgl. mänaßr S, 414i statt -nudur. >. Gislason, Um fruinparta,
b. 78f., Wadstein. F. Hom.. s. 104 — lolfopr hat als Odinsuame geu.
lolfops: ebenso zeigt grondopr Schädiger lmal -grondui)* (s. Jonssou.
>kjaldesprog. s. 49 f.).
Anm. 2. Getrropr : gen. Geirrapar (Sa. E. II, 300 f. 6 mal, I. 290 note.
Grimnessmül 49. Landnainabok. Kph. 1900, s. 154 > ist wol nach diesem
paradigma anal, umgebildet statt Gein-mißr vso mehrmals in Landnäma n. a. ;
â– itter -ropr, -rupr nach dem gen. und dat.) : Geirropar (dat. -ropt), welche
formen sich dann zu einander verhalten wie Hälegger ; Häloga{litrul).
b. §158,2. Gen. Sigrapar (Bngge, Arkiv II. 251) statt -rtpar, -ropar isl
wol zu Sigropr anal, neugebildet.
18*
276
§399. 400. an- stamme.
B. n-stämme (schwache deklination).
I. aw-stämme.
§ 399. Die «w-stänime sind fast nur maskulina (über fem.
vgl. § 401) und neutra, die, ausser im nom. sg\ und nom. gen.
acc. pl., dieselben endungen haben, nämlich:
mas
k.
ueutr.
Sg. N.
-i, -e
-a
G.
-a
D.
-a
A.
-a
m ask.
neutr.
Pl.N.
-ar
-U, -0
G.
-a
-na
D.
-um,
-Olli
A.
-a
-11, -0
Die maskulina haben also (bis auf wenige spuren, s. § 401.
2 und 3) im pl. die flexion der «-stamme (§ 357) angenommen.
Anm. 1. Nom. sg. m. endet um. auf -ff. Beispiele: rauntja? (0vre
Stabu), ala (zwinge von Vi), laasamvija (spange von Vi), harja (kämm
von Vi), hera (messerschaft von Kragehul), muha (lanzenschaft von Krage-
lml), g-udija (Nordhuglen), frohila (Darum II), uha (Darum III), m[a]r[i\la
(Etelhem), niumla (Nresbjserg), hariuha (Seeland), aupa und no[ri]tiva?
(Uverhorabtek) , wiivila (Veblungsnsos) , wozu das adj. farauisa (Seeland).
Spät-urn. steht -e: weUÖAuÖe (Björketorp). — Nom. sg. ntr. ist nicht belegt.
Anm. 2. Gen. sg. ist um. kaum sicher belegt, aber endete vielleicht
auf -an, z. b. ...an (Tomstad, wenn nicht dat., s. anm. 3). Ueber eine mut-
massliche endung -inn (got. ins), etwa im lat. Scadin-auia s. Noreen,
Geschichte 3 § 195,4.
Anm. 3. Dat. sg. endet um. auf -an (aus dem acc. entlehnt, s. Noreen.
a. o.). Beispiele: harijari'! (Skääng), ivita[n]Öahala>'ban (Tone), prairljan
(Tanum), kepan (Beiland), ...an (Tomstad? vgl. anm. 2). Später steht -a,
z. b. gla{n]ta? (Flistad).
Anm. 4. Acc. sg. und nom., dat., acc. pl. sind um. nicht belegt.
Anm. 5. Gen. pl. endet um. auf -anö: arbijano (Taue).
§ 400. Paradigmen sind: mask. hane hahn, harjmre harfner.
hryte Verwalter, pae pfau; neutr. hiarta herz.
maskulina
Sg. N. hane
G. D. A. hana
PI. N. hanar
G. hana
D. hQnom,
hunuui
A. hana
harpare
harpara
harparar
hai^para
hQrporom,
harparum
bryte, bryti
brytia
brytiar
brytia
brytiom,
l>rj)1ivm
harpara brytia
pae
pa
pär
pä
pöm
pa
neutr.
hiarta
hiarta
hiorto, liiurUi
hiartna
hiortom,
liiarlmii
hiorto, hin riii
§401. '/«-stamme. 277
§ 101. Wie feine gellt eine sehr grosse anzahl von niask..
z. b. arfe (lmal erfe. s. Larsson. gleich got. arbju. aschw. rerce
und urn. gen. pl. ardijano Tnne) erbe, bardage kämpf, felage
genösse, granne nachbar. mdne inond. moshie (dat. pl. nnjsl-om
$ 235. 1. a) masche. ska]>e schade, tbne zeit, Warne (später auch
trana nach § 407) kranich. eise (später anch ciser nach £ 371)
anführer n. a. (s. Larsson. s. 427: Jonsson. Skjaldesprog. s. 58 f.);
ausserdem die weiblichen eigennamen ska]>e und Yre (neben
Yrr. s. £ 384). während dagegen die drei dichterischen be-
nennungen des weibes: sprakie, »Manne und suarre mask. sind
(s. Sievers. Berichte d. K. sädis. Ges. d. Wiss. 1894. s. 141).
Ueber die einzelnen kasus ist zu bemerken:
1. Auch der nom. sg. endet auf -a bei den lehnwörtern
/terra i neben herre und seit, harre) herr, papa (auch -e, gew.
pdfe). sira (anorw. auch siri) herr (bes. von geistlichen), sehr
seit, postola (gew. -e) apostel und profeta (gew. -e) prophet n. a.
s. Hsgstad. Vestno. maalf. I. s. 146 f.). sowie den mannsnamen
Attda. Ecca, Falko. Sifka und Vipga.
Aniu. 1. Acc. sg. von ande geLst kann bisweilen (z. b. in St. Hom.
und Na Hom.) ande statt -u heissen; ebenso einmal lundshiulfte st. -"
erdbeben -
2. Im pl. zeigi ochs eine sehr altertümliche
flexion (vgl. got. mann aus *man-niz. gr. &qvgc, u.dgl.) : nom. acc.
ijxh {*yxnn < *yxns, urn. *uham*\ vgl. ags. eexen, afries. ixen)
oder exn (beides später auch als neutr. gebraucht; die seit.
m. form exner. fanür s. Vigfusson und Egilsson. ist wie menner
§415 zu erklären), gen. yxna, eama (anal, statt des seltenen
— s. Sn. E. I. 484 — u . ><a. aschw. uxna. got. aiihsne), dat.
yxnom, #xnom. Flexion nach ^ ■">•" 7 inom. pL uxar, oxat usw.)
kommt erst später vor.
Anm. 2. Eine andere urspr. endung des uuin. pl.. nämlich -« (vgl.
got. -ans) i>t in 'indeklinablen' Wörtern wie z. b. samfepra, -meßra 'die-
jenigen welche gemeinsamen <-e) vater (mutter) haben' bewahrt. Ueber
spuren der urspr. endung -nu des acc. pl. s. Noreen. Geschichte 3 § 195,9.
3. Im gen. pl. kommen spuren der alten endung -na
(gew. -a nach § 357) vor (ausser bei v 2 oben, und ein-
maligem boyna zu böge bogen, s. Gislason. Efterladte skrifter
1. 107) nur in einigen Wörtern, die sämtlich männliche weseu
bezeichnen, der dichterischen spräche eigen sind und oft das n
278 §402 — 401. an- stamme.
aus dein gen. in die übrigen kasus des pl. eindringen lassen:
hraynar pl. •principes' (sg. Braye als mannsname), flotnar pl.
seeleute, yot{n)ar pl. ; goten' (sg. Gote als beiname und pferde-
name). yume, pl. gum{n)ar (aber nur brüpgumar, gen. -guma zu
-gtime bräutigam), mann, skate, skat{n)ar hervorragender mann.
§ 402. Wie harpare gehen alle mask. auf -are, z. b.
dömare richter, leikare gaukler, skapare Schöpfer. Weil diese
Wörter ursprüngliche «a-stämme sind (vgl. got, -areis, ahd. -Ort),
zeigen sie in alter zeit noch oft -ere neben -are (vgl. § 151, 1
und § 64), s. Larsson. s. 428.
kam. Spuren der Urspr. fiexion (nach § 871) kommen in alter zeit
sehr seit, vor, z. b. nom. sg. ganfjverc(r) kleider, raldere(r) gebieter, gen.
sg. mütares falke, vartares ein lischname; s. Gislason, Njäla II, 42f.
§ 403. Wie bryte (aus *brytie § 295) gehen alle mask.
auf -byyye, -Inge, -nyte, -skeyye, -vere, -cirke, z. b. aptrbyyge
krieger im hinterteil des schiff es. er finge (der) erbe, arfnyte
erbnehiner, eyiar skeyye Inselbewohner, skipvere matrose. iUvirke
missetäter; ferner apile hauptmann einer rechtssache, einhere
kämpf er (in Walhall), yupsife pate. kleyye heuschober. bremse,
uipe (s. § 368) abkömmling, skyle könig (dicht.), shyte schütze.
stepe amboss, tygge (s. Gislason, Om helrim, s. 42 ff.) oder tigge
(nach § 84; vgl. Tiggue als zwergname) fürst, tyrke türke,
vile wille und die mannsnamen Bele, Ifte, Vige und mnorw.
Stell (auch -ir, s. § 371). Auch nach § 401 gehen z. b. aj>ih-.
skyte, seit, bryte, ni/x: rile und die auf -cere; auch nach § 865
im pl. die auf -byyye; anorw. auch nach § 389 im pl. die auf
-vere.
§ 404. Wie päe (vgl. anm. 1), also unter beachtung der
in § 130 ff. enthaltenen regeln, flektieren einige wenige Wörter
wie z. b. de urgrossvater. bäe (dat. pl. tum) dorfbewohner. floe
(dat. pl. flimi) sumpfige stelle (pl. als ortsnaine anorw. Flow
und mnorw. Fldr, vgl. § 134, b). Jcle stein zum straffziehen des
gewebes, kmie knöchel, U (alt lee; gen. sg. liä aus Ua usw.)
sense, Ve (alt Vee: gen. sg. Vea usw.) ein göttername.
Anm. 1. Im nom. sg. kommen später die formen lidr, Uiät neben
U, Jcle vor. Neben päe kommt auch pä (mengl. pä) vor; vgl. §235 anm. 5.
Anm. 2. Im gen. pl. ist vielleicht eine spur der urspr. endung -h«
( vgl. § 401, o) in anasott altersschwache (zu de) bewahrt, s. f.eiTler, Arkiv
III, 188 f.. 287 f.
§405. «/«-stamme. §-406. on- stamme. -7'. 1
§ l<»5. Wie h ia rta gehen die wenigen neutr. auf -" : auga
äuge, ptugw wnrst, eista hode. ^//ra ohr. flagbrioska brnst-
knorpel. heima heimat. Mona, hiüna nur im sg. vorkommend
in der bedeutung 'dienstboten'; in der bed. ''ehegatten' kommt
zwar ein nom. acc pl. vor, ist aber dem sg. ganz gleich, dies
weil das wort urspr. ein nach ij 399 auf -na gebildeter gen. pl.
des unten erwähnten pl. hui ist. s. Koek. Arkiv XL 138 f. note)
hausleute. hnojta knäuel. hüela rad, leiht Spielzeug, pl. lungo
(anorw. einmal Umgusöü — wie von einem schwachen f. —
sehwindsucht st. Ittngna-, s. BaBgstad, Yestno. maalf. I. s. 138)
hinge. inipnutni/a (gewöhnl. t nach £40li mittelpunkt. nara
liiere, slma (auch m. sime nach §461) seil, ripbcina Schlüssel-
bein. <A\krfa (auch m. oJUe nach § 401) fussknöchel.
Von diesen haben im anorw. wenigstens hiarta, <>uya und
nyra nicht seit. (s. Wadstein. F. Hom., s. 14) im nom. acc. pl.
-un (wie im aschw.. vgl. got. -öna) statt -u. Im aisl. ist diese
endung anscheinend im pl. hion, hitin neben hiii (s. § 133. b. 2)
ehegatten. hausleute belegt, aber hier ist das -n wol aus dem
gen. hiüna entlehnt wie in flotnar nach flotna u. dgl. (s. § 401, 3);
der urspr. dazu gehörige sg. hi>i statt *hifa nach dem pl. />/«'
umgebildet, vgl. § 235 anm. 4) ist nur als präpos. ; bei. neben'
(i hiä in der nähe') im gebrauch und wird als subst. ersetzt
teils (und gew.) durch die nach dem pl. neugebildeten formen
hion, h'uin oder hiüna. hiä na (s. oben», teils durch das (zu /*//-
§77,6 neugebildete) m. hye ; diener' (vgl. m. sime neben ntr.
u. dgl.).
IL o/< -stamme.
i? 406. Die pn-st&mme sind fast nur feminina (über mask.
vgl. § 408 und § 409. Die endungen sind :
Sg. X. -ii PLN. -ur, -ur
G. -u, -o G. -na
D. -u, -o D. -um, -ont
A. -u, -o A. -"/•. -or
Anm. 1. Nom. sg. eudete um. auf nasaliertes -ö. Beispiele sind
vielleicht talijo (hobel von Vi», hariso (Himlingeje). lefiro (Strärup). fmo
(Berga), [i]vgubor</? (Opedal\ nluko (Ferde): vgl. übrigens finn. lehnw.
kaltio (aisl. kelda) quelle, snotto (aisl. sota) heuhaufen u.a.
Anm. 2. Ein urn. gen. sg. auf -ön ist kaum (vgl. anm. 3)
iStenstad); vgl. § 137 anm. 1. Spät-urn. mit vom acc. entlehntem -u ArAgeu
I Stentoften. Björketorp).
280 §407.408. ön- stamme.
Anna. 3. Dat. sg. ist wol durch igijon (Stenstad) belegt.
Anm. 4. A c c. s g. ist vielleicht spät-urn. durch ronu (Björketorp) belegt.
Anm. 5. Nom. acc. pl. sind sicher um. nicht — wie auch gen. und
dat. pl. — belegt, enden aber in der vikingerzeit (wenigstens alternativ
noch) auf -n (vgl. ahd. -ün, s. § 137 anm. 1), wie aus dem acc. la[n]kmuprka
(wäre aisl. *langmeprgo) der sehr alten aschw. iuschr. von Kärnbo hervor-
geht. Wahrscheinlich ist diese endung auch im aisl.-anorw. hie und da
erhalten, nämlich regelmässig beim schwachen adj. (z. b. göfio die guten),
sehr seit, beim subst. (z. b. nom. pl. sköfo 'späne' in Haustlong, vgl. Arkiv
V, 287, und öriöstk/rkio 'kirchen im herzen' in St. Hom.), endlich im
zahlwort ellefo elf. Die gew. endung -w; -or — vielleicht schon durch
Stentoften -ronon belegt — hat wol ihr -/• anal, von den übrigen de-
klinationen übernommen. Vgl. Bugge, Ant. tidskr. f. Sv. V, 101 f.; Leffler,
Tidskr. f. Fil. N. R. IV, 285 f.; Noreen, Geschichte 3 § 196, 4.
§ 107. Paradigmen sind: gata Strasse, smijna schmiede.
Sg.N.
gata
smipia
G. D. A.
gQto, gatu
sinipio, -u
Fl. N.
gotor, gatur
smipior, -tir
G.
gatna
smipia
D.
gotom, guttun
smipiom. -um
A.
gotor, gattir
smipior, -tir
§ 408. Wie gata flektiert noch eine sehr grosse anzahl
von femininen wie z. b. bylgia (gen. pl. bylgna, s. § 226) woge,
1' regia (sehr seit. Fregfa, s. Larsson ; vgl. § 408, 1) naine einer
göttin, gata (gen. sg. aisl. goto) rätsei, Grou (gen. Grö §130;
anorw. auch Grda, vgl. § 134. b) ein frauenname. kirkia § 263
(gen. pl. kirkna) kirche, stiarna (gen. pl. stkirna § 283) stern, sgia
(gen. pl. st/na, s. § 226) naht der Schiffsbekleidung, tnia (gen.
tni § 130; auch nom. trü nach § 379 flektiert) glaube, tunga
zunge, vika (anorw. seit, uha: aus ags. wfcti, resp. wucu entlehnt)
woche. volua Wahrsagerin (gen. sg. colo §235, 1, a; so auch
slnngua sohlender und der eigenname lloskua) u. a.; ausserdem
einige wenige mask.. z. b. kempa (auch kappe nach § 401)
kämpfer. rytta schult (diese beiden auch f.) und die manns-
namen Ella, Sifka, Sküta, Sturla (auch m. Sturle nach § 401),
Urekia (vgl. Kock, Skandinavisches Archiv 1, 1 ff.). Ueber die
einzelnen kasus ist zu bemerken:
1. Nom. sg. ist ohne endung bei frd (bisweilen frau, fron.
sehr alt frdca, frauva, froua, frouva) frau, hüsfru (später auch
hiistrd § 310, 2) hausfrau, hmgfrä Jungfrau. Später kann fni
im sg. auch nach § 379 flektieren.
$ 409. ön-stäinnie. §410.411. m- stamme. 281
Anni. 1. In No. Hora. kann nom. .sg. sehr seit, auf -«, -o wie der acc.
enden . lvie umgekehrt (etwas häufiger, bes. mnorw. . s. Hsegstad , Kong.,
s. 36, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 179) acc. sg. auf -a wie der nom. (Wadstein,
F. Hom., s. 103 und 106).
Anm. 2. Gen. sg. kann im auorw. seit, auf -ur. -or (wie im agntn.)
enden, z. b. (im Cod. Tunsb.) kirknir. stefnor zu kirkia kirche. ttefna Zu-
sammenkunft. Im aisl. sind solche formen nur in Zusammensetzungen
belegt, z. b. eisor-fäht riesin zu eisa feuer, geigo(r)-skot feindlicher schuss.
Vgl. Xoreen, Geschichte 3 § 196,2.
2. Gen. pl. von kona, kunu (später auch kuinna. am
frühesten auf Man belegt, s. Bugge, Aarboger 1899. s. 235)
trau heisst kuenna oder (Jönsson. Skjaldesprog, s. 61; Gislason.
Efterladte skrifter II. 156 f.) kuinna. worüber s. § 162, 1 und
§ 168.
Anm. 3. Bei den Wörtern auf -ua (und den weitaus meisten von den
übrigen) ist der gen. pl. nicht zu belegen.
§ 409. Wie smifiia gehen diejenigen Wörter auf -ia. welche
unmittelbar vor dem i einen anderen konsonanten als £, g
oder k haben, z. b. bnjnw bräune, gyjna priesterin. tiUa lilie.
skytia erker. stijria stör, ripia draht u. a. sowie die mask. hctio.
(auch f.) mutiger mensch und skytia (vgl. m. skyte § 403) schütze;
ferner Wörter auf -siä (aus -st«), z. b. dsid (gen. 8g. dsiö. pl.
äsid (§ 133, b. 2) aussehen, fürsorge. 8kuggsid Spiegel. Von
diesen letzteren können einige, bes. in etwas späterer zeit,
auch nach § 379 flektieren (sg. nom. dsio, gen. -sidr usw.).
III. /»-stamme.
§ 410. Die *»-stämme sind nur feminina. Die endungen
sind: sg. in allen kasus -/. -e; pl. fehlt bei fast allen hierher
gehörigen Wörtern, sollte aber, nach ausweis von § 435
eigentlich nom. gen. acc. -*, -e. dat. -nm. -dm haben. Paradigma :
eile alter.
.Sg. N. G. D. A. eile, oft
PI. fehlt.
Anm. Aus um. zeit ist kein kasus belegt.
§411. Wie eüe geht noch eine sehr grosse anzahl von
Wörtern, meist abstrakter bedeutung. z. b. frdpe (auch neutr.
nach § 372) künde, gtepe freude. (jöe (als frauenname einmal
282 § 412. 413. Einsilbige stamme.
Gö) der fünfte wintermonat, heijme heidentum, helge heiligkeit.
hlypne gehorsam, kcete numterkeit, Ute faulheit. retvtse recht-
schaffenheit, snille trefflichkeit. hyggiande verstand und viele
andere auf -ande, -ende, -iude. -ynde sowie noch andere (Wimmer,
Forn. forml. § 74; Larsson, s. 429). Zu den einzelnen kasus ist
zu bemerken:
1. Nom. sg. von myke düng hat die nebenform mykr.
2. Gen. sg. endet auf -ur bei faske (gen. fiskiar § 384
anm. 4, seit, fiske) fischfang, gerseme kostbarkeit, gerue tracht.
rekende fessel; bisweilen auch bei müde milde, cefe Zeitalter.
Die endung -is, -es zeigt sich nicht selten, z. b. bei forvitne
neugier, frcendseme Verwandtschaft, kristne Christentum, reipe
zorn und vielen andern sowie auch oft in Zusammensetzungen.
z. b. öglePes-klcepe trauerkleider (porkelsson , Athugasemdir,
s. 7 iL).
3. PL kommt bei einigen wenigen Wörtern vor: gprseme
kostbarkeit, gorue tracht. lyge (pl. nom. h/gar. nicht -iar usw.)
lüge gehen nach § 374 ; rekende fessel nach § 422 ; frelst(n)e
Versuchung, bamsyke kinderkrankheit, cefe Zeitalter sehr seit,
nach § 386.
C. Uebrige (konsonantische) stamme.
I. Einsilbige stamme.
§ 412. Diese sind maskulina und feminina. Die endungen
beider geschlechter wären eigentlich :
Sg. N. -r PI. K, -;■(7-uuü. d. wurzelvok.)
G. -r (<-uml. d. wurzelvok.) G. -<<
D. — (i'-uml. d. wurzelvok.) L>. -kih. -om
A. — A. -r (/-uml. d. wurzelvok.)
Diese endungen sind aber fast nur im pl. geblieben. Im
sg. nämlich flektieren die meisten mask. ganz wie u- oder
«-stamme, die fem. ganz oder teilweise wie o-stämme.
Aum. Ans urn. zeit ist kein kasus belegt.
§413. Paradigmen sind: mask. fötr fnss, nagt nagel; fem.
rong spant, mork mark (geld oder gewicht), kyr kuh.
§ 414. 415. Einsilbige stamme.
maskalina
feminin a
Sg. N.
f.'.tr
nagl
rong
mork
kyr
G.
fötar
nagls
rangar
merkr. markt
kyr
D.
Ute
nagle
rong
mork
kü
A.
fot
nagl
l-Qllg
mork
kü
PI. N.
Uta
negl, ntegl
rengr. rcengr
merkr. markr
kyr
Ö.
fota
nagla
ranga
marka
küa
D.
fotom
nqglom.
rongom.
inorkom,
küui
naglum
rangitm
BMVÜHN
A. f#tr negl, niegl rengr. rangr merkr, markr kyr
§ 414. Wie fotr (vgl. anm.). also im sg. nach £ 395 (aber
mit dat. sg. nur auf -/. -e). gehen: fhigr (*finfjnt § 277^3;
also gen. sg. fingrar, später fmyrs nach §415. \\<m\.\A.f>nyr)
tinger (seit, als ntr. nach i> 361 flektiert), vetr (*vettra: gen. sg.
retmr. später seit, vetrs Hb., s. XXX) winter. die völkernameu
pl. eistr (auch eistet: eistrer nach § 387) estländer, pl. rinpr
(Bugge. Arkiv II. 228 ff., porkelsson. Supplement IV. 178: später
mah- $ 238. l.b und cinder nach § 387; gen. pl. seit, rcnpa. s.
Bugge. Arkiv IL 229. neben cinpu nach § 63. 3. vgl. lat. cenedi,
aber ahd. winid) wenden, \A.prmdr (Jonsson, Skjaldesprog s. 64:
gew. prender nach § 387) einwohner der gegend von Drontheim
und pl. iamtr (ohne /-umlaut. also spät aus *ia$natr nach gen.
iamta umgebildet, vgl. Xoreen. Urg. lautl. s. 52 und 85: auch
inmtar nach § 358) bewohner von Jämtland; endlich das zwei-
silbige münopr. mäno.pr (im pl. auch nach § 397, aber später
bisweilen im acc. pl. mit der endung -u ; im anorw. kann der
pl. auch als «-stamm flektieren) monat. welches wort übrigens
allein (vgl. aber § 397 anm. 1) unter den mask. auch den
alten gen. sg. auf -/• (nu'owpr. anal, auch mono]*, gleich nom.
acc. pl.) aufweisen kann.
Anm. Gen. sg. von feto ersetzt als späteres ziisamuieusetzungsglied
von Spitznamen in der etwas späteren spräche die form -fötar (s. Jonsson.
Skjaldesprog s. 63) durch -jöts. z. b. uasaföUt, aber alt pyrttefötar.
§ 415. Wie »wjl (*naglit, pl. negl < *wvylR, s. ij 277,3),
also im sg. nach >ü 358. geht nur noch mapr (alt auch mannr
— Eggjum ma[n]n geschrieben — ft § 261; spät — bes. mnorw..
s. Falk und Torp. Dansk-norskens svntax s. XV note. Haegstad.
Vestno. maalf. II, 1. i. s. 132 und 179 — auch mann) mann.
gen. man{n).i. dat. /t'<uit>t. acc, Mann, pl. nom. acc, menn
284 § 416. Einsilbige stamme.
(§ 277, 4, b), ftiepf, alt auch mennr (Eggjum mann geschrieben;
s. § 261), gen. mannet, , dat. mgnnom (vgl. noch § 318 anm. 5).
Die mit artikel versehene form (menn-ener oder seit.) menner
(aus *menn-ner, vgl. § 472, 1) wird als unbestimmte form (vgl.
pl. gester u. dgl.) aufgefasst und daher nochmals mit artikel
versehen : menner-ner (seit,); vgl. 0xner(ner), yxnir(nir) § 401, 2.
§ 416. Wie rgny. also im sg. ganz nach § 375 oder § 379,
geht eine ziemlich grosse anzahl von Wörtern, z. b. brik tafel,
brök (pl. brökr) hose, dreif band (aber dreif zerstreuen auch
im pl. nach § 375), pl. dyrr (vgl. anm. 4) tür, pl. ertr (vgl.
anm. 3) erbsen, flo (pl. fl4r) floh, flö Schicht, ggs (vgl. anm. 3)
gans, ggt (s. porkelsson, Anmaerkninger, s. 23) umsieht, hind
hindin, hnot (vgl. anm. 3) nuss, hond (vgl. anm. 1 und 2) hand,
kinn (vgl. anm. 3) wange, klö klaue, 16 regenvogel, Jus (vgl.
anm. 3) laus, mus (vgl. anm. 3) maus, pl. meetr (s. porkelsson,
a. o., s. 41) Wertschätzung, not fischnetz, oblot, oflot (auch
schwach obläta, ofläta) hostie, reik haarfurche, rist rist, rö
eisenplatte, rot wurzel, spik fliesse, stöp (s. Noreen, Svenska
etymologier, s. 69) stütze, syll (seit, schwach sylla) grundstock,
tint (s. porkelsson, Supplement IV, 149) flasche, to (pl. tmr,
gen. tu, dat. tom) zehe, tonn (vgl. anm. 3) zahn, veit Wasser-
graben sowie folgende, welche Schwankungen nach andern
Paradigmen aufzuweisen haben :
1. Auch nach § 417, also mit (i-umgelautetem) gen. sg.
auf -r, flektieren: eik eiche, yeit geiss, ngtt, nött (s. §116;
gen. sg. ncetr, ndttar. sehr seit. nMr, s. § 63 anm. 4) nacht,
sce{i)ng bett, tik hündin, tong zange, ork kiste; seit, bok buche,
buch, mork wald und olpt. (im sg. auch, bes. anorw.. (elptr. nach
§ 384 flektiert ; im pl. gew. idpter nach § 386 ; ausserdem
kommen noch sehr unregelmässig acc. sg. elptr oder elpt, gen.
pl. elptra, dat. pl. elptrqm vor) schwan (vgl. § 173, 5 und betreffs
alvitr in der V^lundarkuiJ'a teils Wadstein, Uppsalastudier,
s. 175 note, teils Bugge, Helge-digtene, s. 18).
2. Auch nach § 376, also mit dat. sg. auf -u, -o, können
im sg. flektieren: grind gitter, mork wald, nott, nött nacht,
rond (vgl. anm. 1) rand, strgnd Strand, stgng stange, sce(i)ng bett.
3. Auch im pl., also durchgehends, nach § 375 können
flektieren: ßk zipfel, galei]> galeide, greip hand, sild hering,
§ 417. Einsilbige stamme. 285
skeip schiff, tög wurzelfaser. pro ausgeholter bäum oder stein,
seit, honk handhabe. Ueber bru brücke s. § 375. 2.
4. Wie /-stamme können im pl. flektieren: rit (Jonsson.
Skjaldesprog, s. 65) schild (dicht.), skrip schiff, spong platte.
(um)sot (s. Dorkelsson. Anmaerkninger, s. 41 und 51) hinterhalt,
tong zange. v$g hebel und anorw. vett (s. porkelsson. Supple-
ment IV) gewicht, gew. o$ zeug und olpt (vgl. 1 oben) schwan,
seit, (dicht.) bot busse, glo]> glühende kohle, lind wesen.
familie, skript (s. Egilsson), schritt, gnd (alt unp. s. Geländer.
Om ö vergangen av d > d. s. 50) ente und im anorw. bnin
(s. ftorkelsson, Supplement IV) augenbraue. spät stop (vgl.
anm. 3). stu]> stütze, welche Wörter also ganz nach § 390
gehen können: ferner grind (selten), mork wald. rond. strond,
stong, die also ganz nach § 391 flektieren können (vgl. oben 2).
Anm. 1. Nom. (dat., vgl. anm. 2 acc. sg. von hpnd und rond können
bisweilen auch hond. rund obne M-umlaut heissen (s. porkelsson, Supple-
ment IV, 60: Gislason. Efterladte skrifter II, 178) , was auf ausgleichung
nach dem gen. sg. beruht. Vgl. § 81, c und § 375 anm. 1, § 390, 1.
Anm. 2. Dat. sg. von hond heisst henie, weil das wort alter «-stamm
ist (got. handus); später auch hond (hand, s. anm. 1).
Anm. 3. Nom. acc. pl. kinnr. kipr zu kinn und tepr, tenn, tennr zu
tonn (aber HiMptannr und Topr. Tonnr. Tannp als mannsnamen) erklären
sich nach § 277, 4. b und §261: >>njnn, gcess, Jyss. myss zu brün, gös. lüs.
»ins nach §277.1: pl. ertr (gen. ertra usw.) nach §277,3. Ueber hnetr.
hnetr (anorw. ncttr. bisweilen seit um 1300 gen. iiata, dat. natum neben
notii. resp. notom; jene formen wol nach dem Verhältnis ncttr : nätta, hcendr
: hnnda u. dgl. neugebildet") und stepr. stepr zu hnot. stop s. § 119; der auf-
fallende i-umlaut in diesen kurzsilbigen Wörtern (s. § 66, 2) erklärt sich
nach Wessen. Spräkvetenskapliga Sällskapets Förhandlingar 1916 — 1918,
s. 73 ff., daraus dass sie die accentuierung der weit zahlreicheren hierher-
gehörigen langsilbigen früh angenommen haben und daher gleichzeitig
mit ihnen (und zwar mit umlaut. s. § 66, 1) synkopiert worden sind.
Anm. 4. Dyrr (später auch dt/r) pl. t. tür kommt in älteren hdschr.
auch als ntr.. doch nur im nom. acc. vor. In etwas späterer zeit dringt
der Mimlaut (über welchen s. anm. 3 schluss) in gen. dat. pl. ein: o'j/m.
ihjrum statt älteren dura, durom.
§ 417. Wie mork flektieren: kuerk (vgl. anm. 3) kehle.
miolk (vgl. anm. 1 und 2) milch, rip fels (dicht.), iik bucht
und, wenn auch sehwankend, die oben § 416. 1 erwähnten bok,
f'l: geit. mork wald. ngtt. sce(i)ng. tik. tong. glj)t, grk.
Anm. 1. Gen. sg. von miulk ist ohne /-umlaut [miolkr), weil spät
aus *miolokr {*melukix, vgl. got. mditks) nach dem nom. acc. umgebildet (vgl.
mnitr S+14): pl. ist nicht belegt.
286 §418. Einsilbige stamme. §419.420. r- stamme.
Anm. 2. Dat. sg. von wioll- kann anorw. auch miaUco heissen
(s. Hb., a. XXX).
Anm. 3. Nora. acc. pl. auf -ar (§375) kann bei hterh vorkommen.
§ 418. Wie hyr. also mit erhaltnng der ursprünglichen,
fl-umlaut bewirkenden endung des nom. sg., flektieren nur 8#r
sau und der (dat. acc. o) mutterschaf.
Anm. 1. Als beinamen haben kyr (anorw. auch einmal als appellativ,
s. Haegstad, Vestno. maalf. 11,2, i, s. 178) und syr im da't. acc. sg. kyr, syr
neben kü, 9Ü; syr ausserdem im gen. sg. sf/rs, syrar oder m'irar neben syr.
Anm. 2. Nom. acc. pl. auf -ar (nach §379) zeigt der pl. slagär
mutterschafe, die geschlachtet werden sollen. Ein nach § 379 flektierendes
simplex 6 (statt (er) ist sehr selten.
IL } -stamme.
§ 419. Die r-stämme sind maskulina und feininina. Para-
digmen sind: mask. faper Pater, fem. moper mutter.
mask.
fem.
mask.
fem.
Sg. N.
faper
moper
PI. N. fepr, fceör
möpr
(t.
fQpor, fadur
mopor
Gr. fepra, faöra
niiöpra
D.
fepr, fceör,
fopor, faötir
mopor
D. feprom,
fceÖrum
möprom
A.
fopor, faÖttr
mopor
A. fepr, fcedr
niöpr
Anm. 1. Aus urn. zeit sind nur nom. sg. swestar (Opedal) und nom.
pl. dohtriR (Tune) belegt.
Anm. 2. Ueber nom. acc. pl. fepr, mäpr (*fad> •/?. *nwärR) s. §277, 3.
§ 420. Wie faper geht nur noch bröper, pl. bröpr, bruder.
Anm. 1. Später und ziemlich seit, kommen die formen fepr, br4pr
auch in no m. (beisp. schon aus dem j. 1229), gen., acc. sg. vor. s. (iislason,
Efterladte skrifter II, 178 f.; porkelsson, Supplement IV, 29; Kalund, Qall-
p6ris saga, s. VI; Fritzner; Olsen, Volsunga saga, s. LXX.
Anm. 2. Von faper kann (dicht.) in zusammensetzungeil eine flexion:
sg. nom. -fgpr, gen. -fgprs, -fgpr (s. Lind, Dopnamn, s. 11; vgl. foor-, d. h. /;><)/•-.
Kälnnd, Heiftarviga saga, s. XXVI), dat. acc. -fopr vorkoniinen, z. b. AI- und
Valfgpr namen Odins. Später und seit, kommt fgpr (anorw. fßÖr) auch als
simplex vor. — Ein gen. sg. aisl. (z. b. St. Hom., Lind, a. o., und Olsen, a. o.)
fgpors, anorw. (z. b. Cod. Twusb.) faöurs ist einigemal belegt. Mnorw. sind die
formen fafrurs, brööors (auch misl., s. Olsen, a. o.) häufig (s. Falk und Torp,
Dausk-norskens syutax, s. XIV note, XV note). Zu solchen gen. ist wol
der in rimur (c. 1400) ausnahmsweise auftretende nom. brödur (g. F. Jönsson,
Feruir fornisl. rimnaflokkar, s. VII) anal, neugebildet.
Anm. 3. Gen. und dat. pl. können im anorw. (wie im aschw.. s. An.
gr. II, §438,0) bisweilen ohne /-umlaut gebildet Bein, i. b. brtöra, -om,
g. Hsegstad, G. Tr. s. 49.
§421. >- stamme. $ 422. /<'/- stamme. 287
§ 421. Wie moper flektieren nur noch dotier (nom. acc. pl.
(Uir. seit, düttr § 284: tochter. st/ster Schwester.
Anm. Seit, kommen im dat. sg. mäpr, -dätr mach § 420) vor, 8. z. b.
Sijmons, Die lieder der Edda. s. < I.XXVI. Später und ziemlich seit, treten
dieselben formen auch in nom. (s. Gislason a. o.), gen. (s. z. b. mfgtr Sijmons.
a. o.. Kalund, a. o.), acc. (s. z. b. si/nlr Sijmons. a. o.: dagegen — auch
betreffs gen. und dat. — F.. Jönsson, No.-isl. kultur- og sprogforhold, s. 306)
sg. auf; vgl. § 420 anm. 1. Ein nom. sg. möÖr ist anorw. (z. b. Cod. Tunsb.t
einigemal belegt, mödur misl. c. 1400 (s. Jönsson, Fernir fornisl. rimnaflokkar,
9. VII). Mnorw. kommt oft der gen. sg. möfiors vor (a. Falk und Torp. a. o.).
III. nd- st am nie.
§ 422. Hierher gehören fast nur maskulina. Die flexion
ist im sg. die der schwachen an-st&mme (§401). im pl. die-
jenige der einsilbigen stamme (§ 412). Paradigma ist gefande
geber.
Sg. N. gefande PI. N. gefendr
G. gefanda G. gefanda
D. gefanda D. gefondom § 78, -ondom § 148, gefunden»
A. gefanda A. gefendr
So flektieren alle substantivisch (sehr seit, auch adjektivisch)
gebrauchten partieipia präs. (meist nur als mask. gebraucht),
unter welchen drei zu reinen Substantiven geworden sind:
fände (seit, fände £51.2. b: nom. acc. pl. ohne umlaut favdr.
alt und seit, fiandr. s. § 64) feind (zu fd hassen), freende (statt
*frumde — anders Sievers. Beitr. XVIII. 410 — nach dem pl.
freendr. alt und seit, noch unkontrahiert wol friendr. s. § 130)
verwandter (urspr. part. prfbs. zu fiid aus *fria lieben), buande
(anorw. oft boamde, s. § 166 anm. 2. so z. b. in AM. 815 F fol.. oft
in Ol. hei. leg. saga. gew. in Xo. Hom. und regelmässig im Cod.
Rantzovianus des älteren Tiulathingsgesetzes) oder bönde (§ 130),
pl. alt gew. buendr, später gew. höndr. seit, höendr. bauer (zu
bua, anorw. auch boa wohnen). Sonstige hierher gehörigen
Wörter s. bei Sütterlin. Gesch. d. nom. agentis. >. 25t; Falk.
Beitr. XIV. 42; Jönsson. Skjaldesprog s. 67 f.
Anm. 1. Nicht selten i-t der /-umlaut ans nom. acc. pl. in den dat.
(seit, gen.) pl. eingedrungen , z.h. bdendom . bändom (gen. anorw. bvcnda,
benda sehr seit.) zu biwnde, bönde; anorw. (g. Wadstein, F. Hom. s. 58)
dötaa ndu m richtern, misgeerandum missetätern. Umgekehrt kann im
anorw. der /-umlaut des nom. acc. pl. anal, entfernt (oder nach § G4 unter-
288 §423. Deklination der adj. § 424. Starke ad j.-dekl.
blieben) sein, z. b. böandr (Hsegstad, G. Tr. s. 49), hafnandr missbilliger
u. a. (Hb., s. LVII).
Anm. 2. PI. rekendr (der seit. sg. rekende geht nacb § 410) fessel isl
gew. fem., sehr seit, neutr. oder mask. Sehr seit, sind auch die plural-
formen rekander f., rekende ntr.
Anm. 3. PI. nom. -ar, acc. -a nach §358 kommen seit 1200 dann
und wann vor, z. b. aM. srmpandar verfertiger u. a. (s. Jonsson , Skjalde-
sprog, s. 68), anorw. asigandar eigner u. a. (s.- Hsegstad , Vestno. maalf.
11,1, s. 81).
Anm. 4. Spuren der einstigen starken flexion auch im sg. kommen
hie und da noch im gen. sg. (vgl. got. nasjandis) vor, z. b. siänz-vil >w
zeugnis eines sehenden, segianz-saga hörensagen, flanz-bop botschaft eines
feindes u. a. zusammensetzungeil; vgl. Brate, Bezz. Beitr. XIII, 38 f., Bugge,
Arkiv IV, 139, Falk, Beitr. XIV, 41 f. Ausserdem ist der urspr. konsonant-
stamm in Zusammensetzungen wie dugand-mapr taugender mann, frcend-
kona verwandtin u. a. bewahrt, s. Falk a. o. Vgl. noch nomina propria wie
Hiarrandr neben -andf, SUgandr neben -ande, Prondr und appellativa
wie hofmulr (§ 358, 2; vgl. § 173, 2 und § 539 anm. 3) Urheber, tonn (*t«»p- )
zalin, pröndr geschnittener eher, vitund wissen, s. Xoreen, Vart sprak
II, 270 note 2.
Kap. 2. Deklination der adjektiya.
§ 423. Die weitaus meisten aisl.-anorw. adjektiva können
im positiv und Superlativ sowol stark als schwach flektiert
werden. Die schwache flexion wird gebraucht, wenn das adj.
vom artikel bestimmt steht (z. b. enn göpe honongr der gute
könig), oft auch im vokativ (z. b. göpe konongr! guter könig!)
und als beiname (z. b. Hdkon göpe H. der gute); sonst kommt
fast überall die starke flexion zur anwendung. Dagegen wird
der komparativ nur schwach flektiert.
Anm. Ueber die im pos. und sup. nur schwach flektierenden adj.
s. § 434, §435, §456—458. Nur stark gehen z. b. (dir all, awnarr ander,
m/pr mittel, sialfr selbst, aumr irgend ein.
A. Starke deklination.
§ 424. Eigentlich müsste man bei den adj., in Überein-
stimmung mit den Substantiven, «-, ö-, i- und w-stämme mit
ihren verschiedenen flexionen erwarten. Dies ursprüngliche
Verhältnis ist aber durch zwei Vorgänge schon in urgerm. zeit
durchgreifend verändert worden:
§424. Starke adj.-deklinatiom 289
1. Die /- und w-stämme sind mit den a- und o-stämmen
zusammengefallen. Diese Veränderung ist in urgerm. zeit (vgl.
das got.) noch nicht ganz durchgeführt, im aisl.-anonv. aber
in allen formen.
Aura. 1. Noch in um. zeit haben »-Stämme wenigstens im uom. sg. in.
(s, ^."»85 anni.i ihre alten formen bewahrt, z. b. fiun. lehnw. Huris (aisl.
dyrr teuer, um. -murin (aisl. mehr) berühmt. Die «-stamme (welche um.
nicht belegt sind) müssen wol im allg. schon um. im nom. sg. zu den
«-stammen übergetreten sein . denn sonst wäre das fehlen des «-umlautes
in harpr (got. hordus) hart u. dgl. unbegreiflich; s. Kock. Umlaut und
brechuug. s. 180 ff. — T'eber die /"-stamme s. § 358 anm. 5 (schlnss).
Anni. 2. Alte '/-stamme können bisweilen noch in aisl.-anorw. zeit
als solche erkannt werden durch das nebeneinander Vorhandensein von formen
ohne und mit /-umlaut (vgl. den gegeusatz von got. kardtu nom. : h är dje ma
acc. sg. m.). z. b. <eh R.§82, ' ; ) glogy>' <g"t. gloggu-us) : gew. gleggr genau,
deutlich: seit. (a.$$8,6) snoggr : gew. sneggr mit kurzem haare, hurtig;
ongr (got. aggicux) : engr eng: piotkr \*pek k n m) : pgkkr (*pikkicia- § 82.4.
ahd. dick») dick: prgngr (litau. trunkim) : seit. (s. § 82,6) prengr eng:
strirkr (s. Jönsson, Skjaldesprog s. 70, No.-isl. kultur- og sprogforhold,
s. 309) : Stärkt stark ; Xorr ; Ni - i 82, 6; h»g- fs. Gisla.son, l'dvalg
af oldno. skjaldekvad, s. 49; vielleicht /-stamm und dann als kuän-lauss
u. dgl. nach S, 66. 1 zu erklären) : h»gr bequem; fhärr (8. § 54,2; vielleicht
von hur haar beeinflusst) : hehr (vielleicht nach hrtra grauhaarigkeit) gran-
haarig : pnrr (vgl. got. ßawrsus) : anorw. -elt . wie im mackw.)ßf/rr (s.Haegstad.
G. Tr. s. 49. VtttM. maalf. II. !. s. 19) dürr: ? aisl. SÜup- : anorw. *tgp(faden
stief(vater): ffrarnt : nisl. raek'/roMn glänzend: -hmdr (s. .lousson, Skjalde-
sprog s. 70) neben hjndr gesinnt ist wahrscheinlich von lund gesinnung
beeinflusst: über das sieht hierhenrehörige gorr : gerr 8. §82 anm. 3. Vgl.
folgende fälle, wo die doppelheit erst durch herauziehung des ostn. oder nnorw.
ans licht tritt: Mal. punw (aind. tnuu.<. gr. r«ii-) : mschw. ihgnder dünn:
aisl. fastr : nebw. fettter (ahd. festi) fest: aschw. seit, dnl â– . aisl. ditfl leicht:
aschw. giibb'r : aisl. geldr (rnndd. geldc) unfmehtbar; 'aschw. lugn (vielleicht
vom subst. lugn beeinflusst) : aisl. Jygn (vielleicht von Iggna ruhig werden
beeinflusst") still: aschw. napper : aisl. hneppr spärlich: aschw. kufer (got.
qafmu) : aisl. kuirr innd kt/rr. s. jj 77. 12) ruhig: aisl. sunrr : nnorw. mar
(ahd. swäri] schwer: nnorw. ungg ; aisl. hueggr (§ 82. 6) knapp: nnorw.
maur : aisl. mejfrr mürbe. — Bei den /-stammen kommen derartige doppel-
formen seit, und nur bei kurzer Wurzelsilbe vor. z. b. aisl. frmur (vielleicht
von fram : hervor* beeinflusst) : aschw. froewber aus *fi ra mi (ags. freme)
hervorragend: aschw. sdher (vielleicht von eak rechtssache beeinflusst) : aisl.
sekr schuldig. — Vgl. Söderberg, Forngutnisk ljudlära. s. 12: Xoreen.
Sv. landsm. I. 691 f.. 783, Arkiv I. 167 t'.. An. gr. II. §455.1: Karsten. Stud.
tifver de nord. Bprikena primära nomiualbildning II, 183 ff.
2. Etwa die halbe anzahl der alten nominalen endungen
Koreea, Altisl. gramm. i. aufl. 19
290 §425. Starke adj.-deklinatiou.
sind von pronominalen (den endungen des pron. demonstrativum,
got. sa, so, fiata) verdrängt worden.
§ 425. Jedes adj. flektiert sowol als a- wie als ö-stamm.
Jener tritt in m. und ntr., dieser im f. auf. Die endungen —
die von der substantiv-dekl. abweichenden kursiv gedruckt —
sind nun:
mask.
fem.
neutr.
•.N.
-r
— (u-uml.
d.
Avurz
il'lv
.)
-t
G.
-s
-rar
-s
D.
-um, -om
-ri, -re
-11, -0
A.
-an
-a
-t
UN.
-ir, -er
-ar
— (u-uml. d. wnrzelv.)
G.
-ra
-ra
-ra
D.
-um, -om
-um, -om
-um, -om
A.
-a
-ar
— (u-uml. d. wurzelv.)
Aura. 1. Von den mit pronominalen endungen versehenen kasus sind
ans turn, zeit nur acc. sg. m. minino (Kjelevig; vgl. § 1.56 anm.), hino
(Strom), spät-urn. synkopiert nAkba[n\ (Eggjum), sin (Sölvesborg) und nom.
pl. in. s/josteR (Tune). snAreh, voiltiR (Eggjum) belegt. Zu vergleichen sind
aber noch die urn. belege bei einigen demonstr. pronominen. — Die etwa
16 belege (nur nom. sg. und pl. m., nom. sg. und acc. pl. f.) der mit nominalen
endungen gebildeten kasus sind schon §356 anm. 1, §373 anm. 1, §385
anm. 1 und § 399 anm. 1 angeführt worden.
Anm. 2. Nom. acc. sg. u t r. sind selten nominal statt pronominal
gebildet, also ohne -t (vgl. got. blind neben Hindata), z. b. (im St. Hom.)
verp, all, (im No. Hom.) lang, mild, (im Cod. Tuns b.) half, slik u. a. m.
neben gew. vert wertes, allt alles, langt laiiges, milt mildes, halft halbes,
slikt solches. S. Noreen, Arkiv VI, 361 , 36< i und Geschichte 3 § 205, 1 ; Wadstein,
F. Hom., s. 141. In adverbialem und substantivischem gebrauch sind dagegen
solche formen häulig, z.b. saman zusammen, sialdau selten, ftol- viel-,
miok sehr, d mepal oder i mißcl zwischen, nög genug, tu zu, i gegn
entgegen, diüp tiefe, füll becher, hol loch, lios licht, kol (vgl. Kolr als
mannsname) kohle, sä/) aussaat, skarp scharte, verp wert, eigen eigentum,
Imnden garbe, megen (vgl. §428 anm. 1), rype (s. §358 anm. 5) einöde,
gihlf bezahlung, gilde, dai+pyflt (zu got. chm/^ddris) kadaver, inn/tfle ein-
geweide u. a.
Anm. 3. Acc. sg. m. zeigt seit dem U. jahrb. oft (z. b. in der Flateyjar-
bök, M. Olsen, V(jlsunga saga, s. XXXIII, E. Olson, Yngvars saga, s. LVI)
die endung -ann statt -an (s. J. porkelsson , Breytingar a myndum viM.,
9.85), wo -nn wol von kristenn, minn u. dgl. übernommen ist (s. Walde,
Die germanischen auslautgesetze, s. 96). Vgl. aber die partikel eipanh
(in alten hdschr., wol um die dentale natur des N hervorzuheben, rgL
§ 260) neben sipan, Bißart seitdem.
S 420. 427. Adj. reine n-, ö-stäinnie.
291
Anni. 4. Eine kontaraination von dat. sg. (müh") und pl. (miUum)
zeigen wol mehrere von folgenden präpositionalen formen: (/) millem, auorw.
auch mellem, maih'ni is. z. b. Hsegstad. G. Tr. s. ßS. resp. Kong., s. 11)
•zwischen" neben MtSr, nullom, anonv. milhun, millium (& Fritzner. Hsegstad.
Yestuo. maalf. 11,2. i. s. 22 f.). nifllom. aus *m>dl>\ resp. miNum (§268,4) zu
meftai (mipcA in Agrip: ?ih.A. meto 1 'inedius' oder mipH â– - ; â–
Aisl. gegnem (häufig in der Hauksbök, sonst sehr seit. s. Hb. & XLYI.
porkelsson. Supplement IV und Egilsson) neben gegnom durch' zu gegn
'gerade' (vgl. § 428 anm. 1) dürfte von miUem beeinflnsst sein. 8. Kock.
Arkiv XXXV, 85.
Anm. 5. In den ; rimur' des 15. jahrhs. fehlt bisweilen jede eiidung
bei einem nach seinem snbst. stehenden adj.
a) Reine a-, o- stamme.
§ 42t>. Paradigmen: spmbv verständig-, gtmaü alt. grtö grau.
Sg. N. spakr
G. spaks
D. spokom. spttkinn
A. spakan
PI. N. spaker
G. spakra
D. spokom. »paktm
A. spaka
Sg. X. gamall § 277. 1
G. gamals
D. gomlom. gamhtm
A. gamlan
PI. N. garnier
G. gamalla
D. gomlom. gamhm
A. gamla
N. grär(r) §280.2
G. gras(s) § 280 anm. 4
D. grom § 132
A. grän § 130
PI. N. gräer
G. grar(r)a
D. gröm
A. gra
spok
spakrar
spakre
spaka
spakar
spakra
spokom, spnI;ion
spakar
gQmol, (jininil
gamallar
gamalle
gamla
gamlar
gamalla
gomlom, gamhtm
gamlar
gro
grar(r)ar
grarine
gra
grar
grär(r)a
grom
grar â–
spakt
spaks
spoko, spaku
spakt
spok
spakra
spokom, s^iiktim
spQk
gamait
gamals
gqmlo, gamla
gamait
gQmol, gmnul
gamalla
gomlom, gumlum
gQmol, gamul
grätt§280anm.4
grä~
gâ„¢
grätt
gâ„¢
gräri r)a
grom
gTQ
£ 427. Wie spakr gehen die meisten adjektiva. z. b. mikr
krank, kupr, fattwr (§ 2tU und ^ 277. 1. b) bekannt, iafn (§ 277. 3)
eben, vcknn < § 277. 1) schön, heilt (§ 277, 1) gesund. ]n<jr | pl. fag
;j 277, 3) schön, huass (pLA«a«*er; §277,8) scharf. pfes(p],
. S, 277. 1 ) weise, die auf -6ttr wie härottr brliaart. part.
19*
202 §428. Adj. reine a-, ö- stamme.
prät. auf -apr wie lallapr genannt, superl. auf -astr (mit aus-
nähme derjenigen auf -legastr, s. § 428) wie spakastr ver-
ständigst.
Ueber die kasus, die das paradigma mit den substan-
tivischen a- und ö-deklinationen gemeinsam hat, s. was dort
angeführt worden ist. Ueber die abweichenden kasus sei be-
merkt :
1. Im nom. acc. sg. ntr. assimiliert sich dem -t ein vorher-
gehendes d. Ö (§ 268, 1 und 2) ; tt wird dann nach einem
konsonanten oder schwachtonigen vokal gekürzt (§ 283; § 285, 5).
Z. b. blint zu blindr blind, ßtt zu ßddr geboren, breitt zu
breipr breit, hart zu harpr hart, fast zu fastr fest, hitt zu hittr
gefunden, kallat zu kallapr genannt.
Anm. 1. Ueber mart (später mtinjl , markt) zu murgr mancher s.
§291,5; iam(ri)t zu iafn eben §291,8; s«1f zu safir, mnnr wahr § 266, 2, a:
f/olt (neben f/ött) zu gößr gut § 127, 3.
2. In gen. dat. sg. f. und gen. pl. ist bei Wörtern auf -l
-«, -r, -.<? zn beachten die verschiedene behandlung des an-
lautenden -r- in den endungen -rar, -ri, -ra nach den in § 277
dargestellten gesetzen. Z. b. gen. sg. f. vcennar zu vcenn schön,
linrar zu linr mild, iafnrar zu iafn eben, saprar, sannrar zu
.<?«/>■>', sannr wahr; w'ssar (später visrar) zu ms weise, huassar
(später huassrar) zu /mass scharf; heillar zu />e«7Z heil, hollrar
zu Äoüf hold; feffror zu foYr (pl. &#rer) bitter.
Anm. 2. Im anorw. schwindet seit 1300 (am frühesten, wie es scheint,
im Drontheimischen) das -/•- analogisch auch bei anderen Wörtern, z. b.
gen. sg. f. (ifenhg{r)cir, dat. sg. f. half{r)r, gen. pl. göd(r)a, s. Hsegstad,
Arkiv XV, 102, Koug. s. 25, Vestno. maalf. II, 1, s. 74 und II, 2, i, s. 181, 183,
Falk und Torp, Dansk-norskens syntax, s. XV note. Mnorw. kann im gen.
pl. -s nach der analogie der substantiva hinzutreten, z. b. alla's statt ultra,
s. Falk und Torp a. o. Vgl. überhaupt die aschw. entwickelung, worüber
s. An. gr. II, § 454, 2, 3, 5 und anm. 9.
Anm. 3. Adj. auf -legr können mnorw. in nom. sg. m. und f. auf
-ligen enden, s. Hpegstad, Kong. s. 25.
§ 428. Wie gamall gehen, von den unten 1 — 5 erwähnten
abweichungen abgesehen, die meisten zweisilbigen Wörter mit
kurzer ableitungssilbe, z.b.hugaU aufmerksam, fgroll umher-
streifend. Utell (pl. litln: litUr § 127.2) klein, mikell (mykitt
§77,'5,b); openn offen, alle part, prät, auf -inn. wie bunäenn
gebunden; aupeyr reich, mdttegr (pL mdtker § 230, 1, a) oder
S 42S. Adj. reine «-. o-. stamme. 293
ttintt'xjr ipl. motker) mächtig- . wologr gesprächig, heiUtgr (pL
beiger ii; 128) heilig; nßk[l)ue]>r fpl. nekfier. nekter £ 22i*>. ^159,
§238, 2. c; seltener nokJ.\-mJ.,: >. § 159) nackt, alle part. prät.
auf -idr, wie valejir gewählt: mit langer ableitungssilbe nur
fftniss ( *y m iss m), ymiss (§127,5), anorw. auch imis.s (§114
•wechselnd' und die superl. auf -legastr (aber im allg. nicht die
sonstigen auf -astr. s. ^ L56), z. b. veglegasir ipl. reglegster)
prächtigst (s. Oederschiöld. Arkiv IX. 95 1 .
In betreff der synkopierung ist zu bemerken:
1. Die synkope unterbleibt infolge ursprünglicher länge
des ableitungsvokals in den part. prät. auf -aar (got. -&]>s),
z. b. kalhtpr genannt; infolge des starken nebentones in beimell.
heimoll verfügbar, bisweilen auch in andern Wörtern auf -/.
z. b. vesall (pl. aisl. vesaler, aber anorw. vesler) elend; nicht seit.
(bes. im anorw., aber im aisl. erst seit c. 1300) bei den Wörtern
auf -//. z. b. aji/iegr. hrilagr. dregrogr blutig (pl. aupger und
aufregtr usw.i: endlich nicht seit, in y m is s ulann pL yiw«
neben ymser. ymser. anorw. auch hnsir .
2. Die synkope ist durch ausgleicliung in allen kasus
durchgeführt worden bei den Wörtern auf -efir. die schon in
den ältesten hdschr. keine nicht -synkopierten formen in gen..
dat. sg. f. und gen. pl. mehr aufweisen. Später haben sie durch-
gehende synkope. also nekjtr, nektr statt rihk{kue},>\ ralpr statt
>ale]tr. Wenn die Wurzelsilbe auf ö oder t endet, ist die (früher
eingetretene, s. § 6o\ 1 und die daselbst zitierte literatun syn-
kope schon in der ältesten spräche durchgängig, z. b. gladdr
(nie *glape]>>) erfreut, huattr (zweimal huettr, nie *huatepr)
geschärft, mettr (zu got mafian essen) satt: s. Noreeh, Sprak-
vetenskapliga sällskapets fnrhandlingar 1916 — 191\ & 92.
Anm. 1. Auch von Qmiss kommt bisweilen ein anal, synkopierter
gen. pl. im*[>')a vor. Neben megetm kräftig- steht ein durchsynkopiertes
megn (über «las substantivierte ntr. megen, wegn. mag* s. § 3<5*2 anm. 2
und §425 anm. 2); neben f rekenn mutig- steht freien, neben nüenn 'nahe'
anorw. auch nänn-. über ntr. äntit) und Iriti s. § 159. Nur synkopierte
formen, aber teils mit, teils ohne /-umlatit (vgl. § 359 anm. t und §362
anm. 2) sind durch ausgleichung entstanden bei gegn gerade, vorteilhaft.
gagfi-stigr richtweg. i gegnom. gggnom durch, i gegn. gggn entgegen.
gagn-vart gegenüber, gagn (seit, gegn) vorteil (substantiviertes ntr.. s. S, 4"2"-i
anm. 2).
294 §429. Adj. reine a-, o- stamme.
l'eber die bildnng der einzelnen kasus sei bemerkt:
3. Im nom. acc. sg. ntr. wird bei den Wörtern auf -enn
das n dem t assimiliert, tt dann verkürzt (§ 266, 2, b), z. b. keipet
zu heipenn heidnisch, lieber heilakt (ebenso gen. sg. m. ntr.
heilaks) zu hcilagr u. dgl. s. § 239, 1, b.
Anm. 2. Ueber Utell, mikell s. unten 5.
4. Ueber die behandlung des anlautenden -r- der endungen
in gen. dat. sg. f. und gen. pl. s. § 277,1; also gen. sg. f.
heimellar zu heimelt, lieipennar zu heipenn. Von fpniss kommen
neben ymissar, -sse, -ssa später ymisrar, -ri, -ra vor (§ 277
anm. 1).
5. Im acc. sg. m. haben die Wörter auf -enn (gleichwie
alle — auch einsilbige — adjektivpronomina und Zahlwörter
auf -n oder -r; zur erklärung s. v. Friesen. N. Spr. 1, 63 note)
statt der endung -an nur -n (vgl. § 156 anm.), z. b. kristenn
(nicht *kristnan, wie häufig im aschw.) zu kristenn christlich. —
LUell klein und mikell gross bilden sowol acc. sg. m. als auch
nom. acc. sg. ntr. wie von einem adj. auf -enn, also acc
(mnorw. seit, auch nom., s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 186)
sg. m. Wenn, mikemi, nom. acc. sg. ntr. Met, miket, woneben als
adv. lit{t) — worüber s. § 160 anm. — wenig, miok (*nieku.
gr. fitya) sehr.
Anm. 3. Ueber die doppelfornie» im nom. sg. f. und nom. acc. pl.
ntr. oesol, heiloy oder vesöl, hciloq zu desatt und hetlagr s. § 78 und S, 151, ■)
(vgl. § 148).
Anm. 4. Nom. acs. pl. ntr. von ynüss bat bisweilen die ganz unregel-
mässige form ymse oder yws.
Anm. 5. Ueber die fiexion tffrewn, yreun, »renn reicblicb, pl. yrner,
erner s. §235. 2 und Noreen, Arkiv VI, 312 f.
§ 429. Wie (}riir{r) flektieren die meisten (über frdr. frch:
/na: mch: slcer s. $ 430., nyr § 431) adj. auf langen vokal,
z. b. bldr blau, fdr gering an zahl, \\dr falsch, fldr warm, hlyr
(poet.) oder hlter lau, hrdr rau, kndr tüchtig, ror ruhig, die auf
•sMr (z. b. herskdr kriegerisch ), smdr gering, .spar prophezeiend,
die auf -sdur (z. b. aupsder leicht sichtbar), trnr treu. ]>rdr
trotzig, die auf -der (z. b. skdmmcer kurzlebend).
Anm. Ueber späte formen wie acc. sg. in. gräan, dat. pl. grdvtn u. a.
s. § 130. § 132.
S 430. < l '"\- "ö- stamme. -•'•'
b) w(t-, «'«-stamme.
ij 180. Paradigma f\>lr bleich.
mask. fem. neutr.
Sg. X. fofr
fQl
fo.lt
G. f(jls
fQlrar
fols
D. fQlom, fghim
foke. fptri
folo. fnhi
A. folnan
folna
folt
PI. N. foluer. foha'r
folnar
fol
G. folra
folra
fQlra
D. fQlom. fohon
folom, fohon
folom, fohon
A. folua
folnar
fol
86 flektieren noch: dyyyr (vgl. anm. 4) treu, deich- (dokkr.
9. § 167) dunkel, frdr. fror (§ 80.2 schluss sowie anm. 2 und 3
unten) munter, fr der (pl. frdefer). frior (§ 106) fruchtbar. f Uj&r
(§424 anm. 2) deutlich. y»rr ( pl. ynruer). yorr (yerr § 82 anm. 3)
bereit, här. alt hör (§98.2 sowie anm. 2 und 3 unten) hoch.
h.noyyr knapp, hryygr (vgl anm. 4) betrübt, hoss ipl. hod
grau, klokkr sentimental, kuikr. kykr (§ 62. 10. § 279. 2) lebendig,
hjskr träge. rtyrir (vgl. anm. 3 und 4) liuster. mcer <pl. miefen.
mior (§106), mtrfr ■wol nach dem pl. midfer. der seinerseits
zu >/>*'o>- nach der analogie fror : frdfer gebildet ist: vgl. noch
anm. 2! schmal, t&skr rasch. slcer. sliör. slidr (vgl. mcer und
anm. 2 unten) stumpf, sneggr (£ 424 anin. 2) schnell, kurzhaarig.
■styyyr mürrisch, tryyyr treu, prmyr (vgl. § 424 anm. 2) eng.
pykkr. piokkr (s. >j 424 anm. 2. £ 92 sowie anm. 8 unten), olr
betrunken, onyr. nnyr (ij 424 anm. 2) eng. orr (pl. qruer) rasch,
freigebig.
Anm. !. Teber .späte fonueu wie fpkwm, folru vgl. 5; 335 anm. 1.
Anm. 2. Bei adj. anf laugen vokal, z. b. d<err) u _' mit
anm. 4 zu beachten: also nom. acc. ntr. slti-tt, diött. sliött. gern pl.
$ker(r)a usw.
Anm. 3. Har{r) — nach Pippiug. Stud. nord. fiL XII. 1. s. <i6. au<
*hahic- (oder auch wie fror: fror) — hdir(r) und frär(n. frör\r) gehen
auch (bes. in etwas späterer zeit' nach ^429. Au< h sonst (z. b. bei pykkr
und myrhj kommt schon ziemlich früh eine flexion ohne das charakte-
ristische io (also nach § 427) vor.
Anm. 4. Dyggr (s. Bugge, Beitr. XIII. 510). hrygyr, myrkr und viel-
leicht noch einige andere gehen auch nach S, 431.
296 § 131. ja-, ja- stamme. §432. Schwache adj.-deklination.
c) ja-, ,/o-stämme.
§ 431. Paradigma sehr (anorw. votier, vgl. § 279, 1) schuldig.
mask.
fem.
nentr.
Sg. N. sekr
sek
sekt
G. seks
sekrar
seks
D. sekiom, srrkkittm
sekre, scekri
sekio. sa'kkiu
A. sekian
sekia
sekt
PL N. seker, scekir
sekiar
sek
U. sekra
sekra
sekra
D. sekiom, scekkmm
sekiom, scekkhmi
sekiom, siekkium
A. sekia
sekiar
sek
So gehen ziemlich wenige adj.: von Wörtern mit kurzer
wurzelsibe nur mipr mittel und nyr (ntr. nytt, gen. sg. m.
und ntr. nys(s), t nf/r(r)ar usw.. s. § 2*0. 2 mit anm. 4) neu;
sonst einige auf ~g, -y, -k endende (urspr. teils $-, teils w-, teils
ia-, iö-stämme) wie äeiyr weich, die auf -ärfyr (z. b. eindregr
fortwährend), eyyr mit äugen versehen. fdtökr armselig (aber
tekr annehmbar nach § 427), die auf -fenyr (z. b. harpfengr
kräftig greifend), fleyyr fliegend, freegr berühmt, yengr gang-
bar, hegr bequem, Idegr liegend, rikr (vgl. § 358 anm. 5) mächtig,
rcekr verwerflich, sampykkr einwilligend, slegr schlau, sterkr
(§424 anm. 2), styrkr (§ 167) stark, vigr streitbar, omgr wiegend,
yyr, ögr (§ 75) schrecklich, pekkr angenehm, peegr annehmlich:
vgl. noch § 430 anm. 4.
Anm. 1. Die meisten von diesen Wörtern können — einige schon
früh, andere (z. b. mipr, nyr) erst später — anch nach § 427 flektieren.
Anm. 2. Die übrigen ia-, io- stamme sind, wie die meisten /- und
/(-stamme (vgl. §424 anm. 2|, mit den reinen a-. o- stammen ganz zu-
sammengefallen (vgl. jedoch § 3öS anm. h) und sind nur durch den /-Um-
lauf als solche zu erkennen.
B. Schwache deklination.
§ 432. Die schwache adj.-deklination (im positiv und Super-
lativ) ist im allgemeinen im sg. m. und ntr. die der «w-stämme
(§ 399), im sg. f. die der cm- stamme (§ 406); der pl. hat eine
besondere flexion (vgl. jedoch § 406 anm. 5). Aber die partieipia
präs. (in adjektivischer funktion; vgl. § 422) und die komparative
flektieren im sg. f. und im ganzen pl. wie «w-stämme (§ 410).
§ 4:s:j— 435. Schwache adj.-dekliuation. BOT
a) Flexion des positivs und Superlativs.
§ 133. Paradigmen: spake der verständige (vgl. sjmkr
$ 426). grde der graue (vgl. grdr § 426).
mask. fem. neutr. mask. fem. neutr.
Sg. X. spake spaka spaka grae grä § 130 grä
8; D. A. spaka sp<jko. spaku spaka grä grö § 132 grä
PI. N. G. spoku, spaku grö
D. spokom, spaku (s. anm.) grQio. </r« (s. anin.)
A. spoko. spaku gro
Auin. Iu anorw. und sehr späten aisl. hdschr. endet auch der dat.
pl. auf -u. -o. z. h. spoku (spaku): vgl. Winater, Lsesebog* s. XXIV f.
uote. Wisen, Kiddara Biinur, s. XXXIX. Sehr seit, enden im anorw. sg.
gen. dat. acc. m. (vgl. § 401 anm. 1) und sg. ntr. auf -»", -e statt -« (Wad-
stein. F. Hom.. k 102 >.
So flektieren die meisten adj.. z. b. kunne der bekannte
vgl. kupr. kunnr §427). fagre der schöne (vgl. fagr §427).
gamle der alte (vgl. gcmall § 428). matke der mächtige (vgl.
mattegr § 428). helge oder heilage der heilige (vgl. heilagr
§ 428). folue der bleiche (vgl. folr § 430). sehe, f. und ntr.
sekia (anorw. stekk ia). der schuldige (vgl. sehr § 431). spukaste
der verständigste (zu spakastr verständigst).
£ 434. Sehr viele, meist zusammengesetzte, adj. sind (aus
verschiedenen gründen, s. z. b. § 401 anm. 2) indeklinabel ge-
worden mit der schwachen endung -«. älter auch oft mit nom.
sg. mask. auf -i. -e (übrigen kasus auf -a). z. b. andvake, -a
schlaflos, thnnbe (auch stark dumbr) stumm, frvmoaxta aus-
gewachsen u. a.i v s. die vollständige materialsammlung bei Wessen,
Zur geschichte der germ. w-deklination. s. 136 ff.).
b) Flexion des komparativs und partic. präs.
§ 435. Paradigmen: spakure weiser, gefande gebend.
mask. fem. neutr mask. fem. neutr.
Sg. N. spakare spakare spakara gefande gefande gefanda
G. D. A. s pakara spak are spakara gefanda gefande gefanda
PL X. G. spakare gefande
I>. BpQkorom, spdkaröm geftmdom. -oadom, gefmiäom
A spakare gefande
298 § 436. 437. Komparation.
Anm. 1. Im anorw. können alle kasus, sowol im sg. als im pl.,
auf -e (selten auf -d, s. Wadstern, F. Hom., s. 100) enden. Im aisl. kommt
selten (später häufiger) dat. pl. auf -e. -i vor ; in rimur einigemal acc. sg.
m. auf -» (s. Gislason, Efterladte skrifter 11,179). Vgl. noch porkelsson,
Athugasemdir, s. 10 f.; Wimmer, Lsesebog* s. XXIV note; Wisen, Riddara
Rimur s. XXXIX.
Anm. 2. Im anorw. kann, wenn auch selten, der komparativ nach
§•±33 flektiert werden (s. porkelsson, Athugasemdir, s. 9 f. , Hsegstad,
Vestno. maalf. II, 1, s. 81); bisweilen auch stark, z. b. gen. sg. f. mceirrar,
dat. sg. ntr. bcetrn, fkeiru, mceiru (s. Hsegstad, a. o. I, s. 118 und II, 2, i,
s. 181, 183).
C. Komparation.
§ 436. Die steigerungsformen des adjektivs können nach
dreifacher art gebildet werden:
1. Komp. mit suffix -ar-, superl. mit suff. -ast- (-azt- § 310
anm. 3), z. b. spakr verständig, komp. spakare, sup. spakastr.
Anm. 1. Aus urn. zeit ist ein hierher gehöriger superl. belegt : noni.
pl. m. sijosteR (Tune). Vgl. got. armöza, armösts.
2. Komp. mit suff. ->•- (aus -in.-, got. -iz-), superl. mit dem
suff. -s£- (aus -ist-, got. -ist-); ^-umlaut des wurzelvokals tritt
(bei langer silbe immer, bei kurzer — nur durch ein beisp.
vertreten — gewöhnlich, vgl. § 06, 1, § 67, c) sowol im komp.
als superl. ein, z. b. lanyr lang, komp. lengre, superl. lengstr:
göpr gut, komp. betre, superl. beztr (baztr).
3. Komp. mit suffix -r (aus -ar-, -er- und -r, vgl. got. aftarö
und aftra, ahd. aftaro, -ero und -ro), superl. entweder nach 2
oder 1 oben gebildet; i-umlaut tritt im komp. gewöhnlich
(aber auch bei langer Wurzelsilbe nicht immer) ein. Positiv
fehlt bei allen hierhergehörigen Wörtern. Beisp. s. § 441.
Vgl. F. de Saussure in Melanges Renier, s. 383.
Anm. 2. Das partic. präs. wird nie, das partic prät. seit, gesteigert.
Anm. 3. Der komparativ flektiert nur schwach (§ 435). der Superlativ
sowol stark (§ 427) als schwach (§ 433).
§ 437. Wie spakr gehen die meisten adj., z. b.
fegenn froh fegnare fegnastr
gofogr vornehm gofgare ggfgastr
heilagr heilig heigare § 128 helgastr
huass scharf huassare huassastr
s, 438. Komparation.
kndnn tüchtig hnär{r)e § 130. § 280, 2 hndstr
mdttegr mächtig - mdtkare § 239. 1. a mdtkastr
ndenn nahe ndnare, vgl. § 428 nanaatr
) Ermächtig; vgl. §439 rikare (vgl. § 431 anm. 1) rikastr
toder rasch rosk{u)are (vgl. £ 430 anm. 3) roski u)astr
ritr klug ritrare vitrastr
>>>•>• freigebig oruare § 430 ruastr
Anm. 1. Anal, kontrahiert siud mioi\r)e (miäre Hb.. s. XXXVII i.
Diiöstr neben miöfure (miäfare), miöfestr zu »nur. miar schmal: ebenso
fröre, frästr neben frafastr (fröfantr) zu fror, fror hurtig.
Anm. 2. Der positiv fehlt bei siakhiore 'seltener', fialdmmitr und
ist nur im acc. s£>\ ntr. als adv. s/aldan (§ 425 anm. 2) erhalten. Ein
primitiveres *sialdr ist in Zusammensetzungen wie siaM-sänt -selten' und
adv. komp. sialdar belegt.
§ 138. Wie lau t/r gehen ziemlich viele adj.. z. b.
fagr schön fegre § 277. 3
fdr\) : ) wenig fa3r(r)e (vgl. anm. 2)
(jnumr. grupr seicht yrynnn: <jnjl>re
hdt\r), hör(r) hoch h(kr(/)e. höre
hreinn rein
ld.gr niedrig
,skam(m)r kurz
smmjf) klein
störr gross
NMpr jung
pr>mgr eng
hreinne § 277, 1
Icegre
skem(m)re
.mi(er(f)e (vgl. anm. 2)
större
yngre (vgl. anm. 3)
prengre
fegrstr
fdtstr
grgtutr $ 310, 1
h(Estr, büstr
hreinstr
Icegxtr
skemstr
smästr
â– stdrstr
gngstr
prmigstr (vgl. § 439
anm. 2)
So gehen auch (ausser den in § 439 erwähnten Wörtern;
vgl. auch § 440) u. a. gr&nn grün. \dzr lau. mein» schädlich.
skirr. skyrr (aber zu der form skeerr superl. skeerastr) hell.
siA/r klug, synn offenbar, /n/kkr dick, rdinn (vgl. §'439 anm. 2)
schön: wahrscheinlich auch die nur im komp. belegten auphdnn
erbittlich. aujyveldr leicht zu bewältigen, ferr imstande zu
fahren, gagns&r durchsichtig und das nur im superl. belegte
peegy annehmlich.
Anm. 1. Im positiv fehlen Itrhlre, helzir (ludzlr Hb.. s. XXXVII) vor-
züglichst, dpre, 4ztr vornehmst. » -v. anorw. seit, »ere und öfter
nestr (s. Hsegstad. Vestno. maalf. I. s. 137. 148 und II. 2. i. s. 94. 95 sowie
Gamalnorsk fragment. s. 10. wo unrichtige erklärungi nächst' (vgl. posit.
300 § 439. Komparation.
na-, no-, §77,2, §78 'nahe-' in Zusammensetzungen) und fytre 'früher',
fyrstr, fystr § 272, 3 (sehr seit. — wenn nicht Schreibfehler — ohne umlaut,
§67, c, im ausdruck i fursfonne statt t fyrstonne 'anfangs') 'erst'. Vgl.
noch § 440.
Anm. 2. Von smär und für kommen im komp. auch seit, snwre (Gis-
lason, Um frumparta s. 154, Unger, Saga BiÖriks, s. XVIII, Hsegstad,
Gamalnorsk fragment, s. 10; vgl. anm. 1 oben), f&re (Unger a. o.) vor.
Anm. 3. Von vm.gr jung kommt im komp. auch ihr (§113; got.
juhiza) vor; im superl. ist einmal ürstr (nach anm. 4) belegt.
Anm. 4. Sehr seit, dringt ;• aus dem komp. in den superl. hinein.
So findet sich von für neben frestr auch febretr; über erstr s. anm. 3 oben.
Vgl. § 442, 3.
Anm. 5. Die adj. (urspr. participia) auf -Utk' werden im allg. durch
vorangestelltes betr, bezt kompariert, z. b. snp. viliazir, häufiger bezt viliadr
'am meisten geneigt'.
§ 439. Doppelte Steigerungsformen (nach § 437 und § 438)
haben einige adj. wie z. b. diiipr (diüpare, diüpastr und dypre,
d;'/pstr) tief, dyrr teuer, f'ramr vorzüglich (komp. und sup. in
der bedeutung 'vorder', 'vorderst'), frceyr (frägre. frcegstr und
später frcegare, -astr) berühmt, gleggr {yleyyuare. yleyyuastr
und yhyyre, yleyystr) deutlich, yreipr (komp. nicht belegt)
leicht zu bewerkstelligen, hcettr (superl. nicht belegt) gefährlich,
rikr mächtig, skyyn (skyyne, skyynstr und skyynare, -astr)
klarsehend, shyldr verwandt, sterhr (styrkr § 167; seit. komp.
sterkare, superl. alt gew. sterkstr) stark, punar schwer. punnr
dünn. Ueber die eigentlich nicht hierhergehörigen midr. frdr
s. § 437 anm. 1.
Anm. 1. Einige adj., die nach § 437 gehen, haben nur im komp. doppel-
formen, z. b. giofoU, komp. gioflare und gio fülle, freigebig; müdr milde;
nyr, komp. nyi'are (seit.) und nyr(r)e, neu ; slrm; komp. skefarc und skh-(r)e,
stumpf; setr süss; tryggr, komp. tryggvarr und irygyre, treu.
Anm. 2. Einige adj., die nach §438 gehen, haben nur im superl.
doppelformen, z. b. fript schön ; heill gesund j Iwgr, sup. hfgetr und Iwgiaxtr.
bequem; seinn, sup. seimtr und temastr, langsam; still, sup. xcrtstr und
soblastr, glücklich; vildr (sup. seit, rilzlr, s. Jönsson, Skjaldesprog s. 72)
beliebt; vihin (aap. vdbnastr erst in rimur, s. Gislason, Efterladte skrifter
II, 179; früher, aber sehr seit, im anorw., s. Hsegstad, Vestno. maalf. I, s. 118)
schön; prongr, sup. firengstr und proHyatyistr (s. Vigfusson), pronguastr
(s. Hertzberg), eng. Doppelbildung nur im komp. zeigt renal/, komp. aisl.
resaUe, anorw. veslare, sup. vesalstr elend (vgl. § 428, 1).
Anm. 3. Gemischte koraparation, so dass komp. nach § 438 und superl.
nach § 437 gebildet ist, kommt wol nur scheinbar vor, z. b. uu/jegr, aupegre,
mipgastr reich und (mit wenigen ausnahmen, s. Flom, The language of
§ 440. 441. Komparation.
301
the Konungs skuggsjä. s. 138) die auf -legr wie wejßegr, -legr>\ JekjtUHr (aber
acc. -legstan usw., s. §428: seit, anorw. anal, -legst) prächtig, wo synkope
nach § 156 anzunehmen ist. Komp. nach § 437 und superl. nach § 438 zeigt
fiohnetmr, -rnrnnare. -mentir von vielen lenten begleitet.
§ 440. Einige adj.. die nach § 438 gehen, aber nur in
komp. und superl. vorkommen, ersetzen den fehlenden positiv
durch Wörter, die ihrerseits nur im pos. vorkommen:
gamaU (alt auch al-
denn) alt
gopr gut
>lh\ rändr böse
litell klein
margr (anorw. seit.
mangr) mancher
mikeü (m/fkilT) gross
eure (seit, anorw. elstr § 310. 1
cehlri)
betrt (vgl. § 416
anm. 3 schlussi
rerre s. anm. 2
minne § 277, 4, b
fleire
bfitr, alt gew. baztr
§67,c
rerstr, restr § 272. 3
minztr § 310. 1
flestr § 128
meire
mestr § 128
Anm. 1. Hierher kann auch ffiafcfowm, rialdmare, tktkhmstr (s. § 437
anm. 2) gerechnet werden.
Anm. 2. Verve statt *vü*e (s. §63. 3) beruht wol teils auf anschluss
an da-ss adv. verr (got. wah*) . das nach Usthoff aus "versa* teine bilduug
wie lat. mmnm) entstanden ist. teils auf dem einrluss von betrt (s. Pipping.
Neuphilologisrhe Mitteilungen 1902. 15. 11.— 15. 12.. s. 3).
§ 441. Der dritten komparationsart (§ 43(5. 3) gehören nur:
(vgl. präp. af ab) efre später
(vgl. adv. apUiu von
hinten)
( vgl. adv. uuston
von osten her)
(vgl. das späte und
sehr seit. adv. //'>?/•
fern)
(vgl. adv. handän
von jener seitei
(vgl. adv. /»« hinein;
(vgl. adv. »epnn
unten)
eptre (sehr seit, op-
tre)\ aptate
eifstre
fiarre. seit, firre fern;
t>n> ort entfernter
hmdre später
innre, ifire § 261
§ 280 anm. 4
e/&r,e/fr(§291anm.2)
letzt
epztr: aptastr hinterst
austastr östlichst
fhttr entferntest
hmztr letzt
inztr innerst
neztr unter. st
302
§ 442. Komparation der adverbia.
(vgl. adv. norpan nj/rprf\7ierj)re.ner])- )i//i\:h\ nontr, nerztr\
von norden her) re (seit, norpre); horpästr nördlichst
nor])ar(r)e
(vgl. präp. of über) efre, efre § 119
(vgl. adv. s/p spät) sipre; sipar{r)e, vgl
§ 442, 1
(vgl. adv. sunnan sy\yre § 261, anorw.
von Süden her) auch sundri, sun-
nare
(vgl. adv. üt hinaus) ytre, ytre § 127,5
ofstr, efstr oberst
stpastr, siparstr (vgl.
§ 438 anm. 4), ##-
arastr spätest
synztr, sy.Hr (§ 266,
2, a) südlichst
yztr, yztr, anorw. auch
ytarstr äusserst
vestastr westlichst
(vgl adv. vestan von vestre
westen her)
Anm. Nur im komp. kommen vor: vinstre (seit, vistre §299,4) link
und dessen (urspr. zu luif/r bequem nach § 438 hörender) gegensatz
högre recht.
Anhang: Komparation der adverbia.
§ 412. Die adverbia werden im allgemeinen ganz wie
die adj. gesteigert, also in dreifacher weise:
1. Komp. -ar (oft -arr § 280 anm. 4, anorw. bisweilen -are.
s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 207), sup. auf -eist, z. b. opt
oft, 0}jtar(r), optast; sialdan selten, sialdnar (und sialdar § 437
anm. .2), sialdnast-, vipa weit, npar(r), vipast, u. a.; bes. alle
auf -la und -lega.
2. Komp. auf -r, sup. auf -st, beide mit i-umlaut der
Wurzelsilbe, z. b. ggrua, gerua (s. § 77, 7) genau, gerr, gorst;
{nä- y no- vgl. § 438 anm. 1; urspr. komp.) ncer und ner (nach
nest, s. § 127, 6), seit, nach 1 oben alt u. dicht, ndar (s. Sievers,
Arkiv V, 133 f.), etwas später auch nceri nahe, komp. nd'rr,
später auch ncerri, sup. ncest, nest § 127, 6 und durch kon-
tamination nest (s. H&gstad, Vestno. maalf. II, i, s. 31); snem(m)a.
snim(m)a bald, snem(m)r, snim(m)r früher, snemst, snimst neulich;
lenge lange, lengr (temporal, vgl. anm. 3), lengst; skamt kurz,
skem(m)r (temporal, vgl. anm. 3), skemst, u. h.
Anm. 1. Im positiv fehlen (vgl. § 438 anm. 1) sipr weniger, s/n/y,
Tgl. 3 unten: fi/rr früher, fyrst, fyti, §272,8, zuerst.
§ 443. Komparation der adverbia. i; 444. Kardinalzahlen. 303
Auni. 2. Poppelformen kommen auch hier (vgl. § 439) bisweilen vor.
/.. b. fram(w) vorwärts, hervor (vgl. § 277 anm. 5). fremr und framar(r),
fremst und framast, -arst (vgl. § 438 anm. 4).
3. Die dritte komparationsart weicht bei den adv. insofern
von der entsprechenden der adj. (s. ij 436. 3. § 441) ab, als der
komp. auf -<tr(r). der 'superl. auf -a(r)st endet, z. b. sip spät,
sij)ar(r\ $>.pa(r)st (vgl. anm. 1 oben). So gehen noch die schon
§ 441 erwähnten adv. aptan. austan. inn. nejmn. norpan, summ».
dt, vestan; abweichend jumr {fmrre. ferre. s. Jönsson. Skjalde-
sprog, s. 116, M. Olsen. Volsunga saga, s. LXXVI). fm\ fnst
und (handan), hindar(r). hmet
Anm. 3. Wie im positiv (z. b. ritt neben vipa weit) und superl. (z. b.
ijzt neben utarat, annnv. auch fttthnst. äusserst), so kann auch im komp.
die form des acc. sg. (seit, pl.) ntr. des adj. statt der eigentlich adverbialen
form verwendet werden. Bei vielen Wörtern ist in der älteren zeit diese
bildung sogar die einzig gebräuchliche, z. b. tißara zu t/tt oft, lengra
(lokal, vgl. 2 oben) zu langt laug, skem(m)ra (lokal, vgl. 2 obeu) zu skomt
kurz (s. porkelsson. Athugasemdir. s. 25 ff.); sonst z. b. vipara neben
ripnrir) weiter, fyrre neben fyrr früher, seltener optare neben optor(r) öfter.
Anm. 4. Bisweilen kann der adverbialen komparativform noch »wir r)
>mehr" angehängt werden, z. b. fymneirir) früher, firrmeir(r) ferner,
n(e(r)meir(r) näher, ofarmrinr) mehr nach oben, sipanncirin mehr nach
unten, später.
§ 443. Besonders ist zu merken die suppletorische kom-
paration (vgl. § 440) folgender adverbia:
yiarna gern heldr, giamara helz{t) 303. 1
illa § 127, 2 übel ven verst, rest § 272. 3
VH{t) § 160 anm. wenig minnr. mipr mimt
miok sehr meir(r) mest
npp auf wärts (vgl. ofxxbev) ofar(r), ofarmeir(r) ofa(r)st
vel(worw.vel,vcel,vdty'Wo\ betr bezt, bazt
Kap. 3. Die Zahlwörter.
a) Kardinalzahlen.
v? ! U. Kinn, mn § 128 'ein'. ; einer flektiert:
raask. fem. neutr.
8g. N. einn ein eitt § B66, 2. a
G. eins einnar tMii-
Di einem, e rinu ti einne. teimn eino, tt iu u
A. einn § 428, 5 eiirn eitt
&04 § 445. 446. Kardinalzahlen.
mask. fem. neutr.
PI. N. einer, ceinir einar ein
Gr. einua einna einna
D. einom, mmtm einom. semutn einom, crinvw
A. eina einar ein
Anm. 1. Der pL kommt in den bedeutungen 'irgend ein* und 'allein"
vor. In der letzteren bedeutung kommt auch schwache flexion: eine, eina
usw. (nach § 433) vor.
Anm. 2. In etwas späteren Schriften kann eiun auch als unbestimmter
artikel gebraucht werden.
§445. Tueir 'zwei' flektiert:
mask. fem. neutr.
N. tueir tuser § 71, 2 tuau (seit, tua)
Gr. tueggia, tnaiggia tueggia, tmeggia tueggia, tmeggia § 227, 1
D. tueim tueim tueim
A. taä tuser tuau (seit, tua)
Anm. 1. Dat. heisst alt (vor c. 1200; einige spätere beisp. s. bei
porkelsson, Supplement IV, 152, Hsegstad, Vestno. maalf. I, s. 26, und
Wimmer, Aarheger 1867, s. 59) auch tueimr, s. § 277 anm. 5.
Anm. 2. Acc. m. hat in alten gedichten bisweilen die anal, (nach
bläa, grün u. dgl.) gebildete form tudä; s. Jonsson, Skjaldesprog s. 85;
porkelsson, Supplement IV, 152.
Anm. 3. Aeusserst seltene formen sind nom. m. tuier (St. Hom.),
nom. acc. f. hier (Reykj. mald., Rimb.), tueir (St. Hom., Strengleikar s. 46),
ntr. tu (s. Hregstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 198). mnorw. auch ptUmg | s.
§ 305 anm. 3).
Anm. 4. Tuemier, tuhmer 'zwei' (über den bedeutungsunterscbied
von tueir und tuenner s. Sievers bei Brugmanu, Die distributiven, s. 71 ff.)
flektiert ganz wie ein starkes adj. Jedoch kann im nom. acc. ntr. (anorw.
auch in anderen kasus) bisweilen titenne neben titenn (aisl. auch seit, tucnneu ;
anorw. auch titinn, tuinni, z. b. Jonsson, Fagrskinna, s. XX VII, tynni, ja
ein sg. titint) vorkommen.
§446. Bäfter 'alle zwei', 'beide' flektiert:
mask. fem. neutr.
N. bäper bäpar b«pe, bade
G. beggia, bceggia, bä&ra beggia, bceggia, bofya beggia, bceggia, bäöra
D. bopom. bä&om böpom, bddom bopom, bäDom
A. bäpa bapar baepe, bäÖt
Anm. 1. Nom. acc. ntr. kann im anorw. bisweilen und ziemlich
spät bdeöen, bäöen (wie im aschw.) heissen; im aisl. alt und seit, beißt-
(St. Hom.), bepe (so immer in der Hauksbok, gew. im Cod. AM. »145, 4 U ,
bisweilen mnorw., s. Hpegstad, Vestno. maalf. II, 2. i, s. 95), dies aber gew,
als konj. 'sowol* (. . . . als).
§447—449. Kardinalzahlen. 305
Anm. 2. Gen. kann mnorw. bisweilen auf -ins. -Art, -*• enden, s.
Falk und Torp, Dansk-norskens syntax, s. XV note.
§ 447. Prir 'drei' flektiert:
mask. fem. neutr.
N. prir priär, prear J>riü
ff. priggia priggia priggia § 227, 1
T). prim'r). prem(r) prim(r), prem(r) prim(r), prem(r) 55 277 anm. 5
A. pria, prea, pre priär, jf»-e'or J>riu
Anm. 1. Aus urn. zeit ist nom. f. als prtjon (Tune) belegt.
Anm. 2. Sehr seltene nebenformen sind: nom. acc. ntr. priö (Agrip,
Dablerups ausg. s. XV), anorw. prü (s. Haegstad, Vestno. inaalf. 11,2,1,
s. 119), mnorw. prea (s. Haegstad, Kong. s. 37), try (Haegstad, Vestno. maalr'.
II. 2, 1. s. 198).
Anm. 3. Prenner, prinner 'drei' (vgl. §445 anm. 4) geht wie ein
starkes adj., nur dass im nom. acc. ntr. anorw. prenne (Haegstad, Q. Tr..
s. 43), aisl. prenne n (Jonsson, Skjaldesprog s. 87) vorkommen kann.
§ 448. Fiorer (mnorw. auch firir. s. Haegstad. Vestno.
maalf. II, 2, 1. s. 198) 'vier' flektiert:
mask. fem. neutr.
N. fiörer fiorar ■liogor § 259, fiugnr § 89 anm. 1
Ct. fiogorra, fingurra fiogorra, fingurra fiogorra, fingurra
D. fiörom fioroni fiörom
A. fiora fiörar fiogor, fiugur
Anm. 1. Sehr seit, ist mnorw. gen. figurra (Fritzner, Haegstad.
Vestno. maalf. ü, 1, s. 84), fygura (Haegstad, a. 0.) ; vgl. agutn. fygura und
aschw. nom. acc. ntr. fighur.
Anm. 2. Ferner 'vier* (vgl. § 415 anm. 4) geht wie ein starkes adj.
§ 449. Indeklinabel sind (von dem vereinzelten dat. anorw.
siaum, s. Fritzner, abgesehen) die zahlen von 5 bis 20. Sie
lauten: fim (seit. fimm, s. porkelsson, Timarit 1901, s. 68, mnorw.
femm, s. Haegstad, a. 0. II, 2, 1, s. 103; vgl. § 298,2) 5, sex 6.
fMM 7, ätta 8. nio 9. tio 10, ellefo 11, tolf 12, prettdn (§ 266, 2)
13, fiog(o)rtdn (anorw. auch fiug(u)rtän), fiortan (vgl. 160 anm.,
§ 89 mit anm. 1) 14, fimtän 15, sextdn 16, siaut{i)än § 295
anm. 1) 17, dt{t)iän 18, nitiän 19, tottogo (§266,2), tuttugu,
tuitiän 20.
Anm. Seit, nebenformen sind, für 7: siö (Agrip; Cod. 655, 4°; Fritzner;
porkelsson, Supplement TL), misl. sie (porkelsson, ib. I: ein erklärungs-
versuch bei Kock, Beitr. XV, 252 f.), anorw. siaug (Fritzner und § 305
anm. 3; vgl. aschw. siügh, afries. siugon); 11: anorw. celliufu § 235, 2, cellugu
(§ 172,1; §256), mnorw. tettuva §172,1; 12: tuolf §77.10; 13: preti&n
Noreen, Altisl. graram. 4. aufl. 20
306 §450— 453. Kardinalzahlen. § 454. 455. Ordinalzahlen.
(Jonsson, Skjaldesprog s. 87; vgl. auch prentän-de § 456 anm.); 14: anorw.
fiürtän (Fritzner, vgl. das aschw. ; vgl. auch fiörtiän-de §456 anm); 15:
flmtiän (Jönsson, a. o.); 16: sextiän (Jonsson, a. o.); 17: sautiän, s(i)eytiän,
anorw. siötiän, misl. sietiän (s. Fritzner; Vigfusson; porkelsson, Supple-
ment I; Gislason, Aarboger 1879, s. 161); 20: tiogo § 89, 1 (kaum suecismus
wie Bugge, Arkiv II, 252 note vermutet, denn vgl. tiugu hier unten), anorw.
tuittugu, tyttugu, tugtugu, tyktugu (Fritzner ; Hsegstad, G. Tr. s. 52, Vestno.
maalf. II, 1, s. 17, II, 2, i, s. 170 und II, 2, n, s. 23 f.), tut(e)gu, tutigu (beides
im Hoprekstader buche), tiugu (F. Jönsson, Fagrskinna, s. 222), orkn. tuttu(gu)
(Hsegstad, Hild., s. 63).
§ 450. Die zahlen 30, 40 usw. bis 110 werden durch 3,
4 usw. mit folgendem pl. des subst. tig?% tegr, tegr, togr, tugr
(§395 anm. 3) 'anzahl von zehn' gebildet; also p>rir tiger, teger
usw. 30, fiörer tiger 40, ellefo tiger 110. Später hat man
indeklinabel: Jbriätigi (shetl. prcetige, s. Hsegstad, Hild., s. 42,
anorw. ]>rcettigi, s. Haegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 34 und 111),
fiörutigi, fimtigi, sextigi (-togo Re} r kj. mald., -tugu Hb., s. L VII,
anorw. -tigu, s. Hasgstad, a. o. II, 2, i, s. 197) usw., noch später
PridUu, fiörutiu, ßmtiu usw.
§ 451. Die zahlen 21 — 29, 31 — 39 usw. werden in fol-
gender weise gebildet: tottogo ok einn oder einn ok tottogo 21,
fiorer tiger ok fim, fim ok f. t. 45, ellefo tiger ok nio 119 usw.
§ 452. Hundra]) 120 (Jmndrap tolfrätt; seit, in der be-
deutung von 100, hundrap tirMt, das gew. durch tio tiger
bezeichnet wird) ist ein subst. neutr., das nach § 361 flektiert;
also tuau hundro]) 240, firiil hundrop 360 usw.
Anm. Seit, wird hundrap als indeklinables adj. gebraucht.
§ 453. Pusund, ])ushund 1200 (seit. 1000) ist ein subst.
fem., das nach § 390 flektiert; also tucer Jaistinder 2400 usw.
Die nebenform ptisundraj) ist natürlich neutr. nach § 361.
b) Ordinalzahlen.
§ 454. Fyrstr (stark nach § 427) oder fyrste (schwach
nach § 433) 'der erste' (vgl. § 438 anm. 1). Bei aufzählung
und in den Verbindungen '21ste' usw. kann auch die kardinal-
zahl einn oder eine gebraucht werden (vgl. § 444 mit anm. 1).
§ 455. Annarr 'der zweite' (auch 'der eine' oder 'der
andere') wird in folgender weise (nur stark) flektiert:
§456—458. Ordinalzahlen.
307
mask.
fem.
nentr.
Sg. K.
annarr
Qnnor. anmtr
annat § 300. 1
G.
annars
annarrar
annars
D.
Qprom, abrum § 261
an narre
qpro, abrn
A.
annan §300,1 mit anm. 1
af>ra
annat
PI. N.
aprer
aprar
Qnnor, cuniur
G.
annarra
annarra
annarra
D.
Qprom, abrum
oprom, abrum
oprom, abrum
A.
ap>ra
aprar
qnnor. annur
Anm. Seit 1300 zeigt sich anorw. gen. pl. annra, dat. pl. and nun,
acc. pl. andra (s. Hsegstad, Vestno. maalf. I, s. 147 nnd II. 2. i. B. 134); vgl.
§ 305 anm. 1.
§456. Die Ordinalzahlen für 3 — 12 lauten: Jjripe; fiorpe,
fwrpe; fimte; sette (anorw. auch sexte); siaunde. stunde; dtte.
dttande, ottonde: nionde: tionde; ellepte: tolfte. Diese, wie alle
folgenden, flektieren nur schwach (nach § 433). wobei Jjripe
(fem.pripia usw.) als -jan-, -Jon -stamm geht.
Zu 13 — 19 sind die ordinalia aus den kardin alzahlen
durch zufügung von -de gebildet; also prettdnde usw.
Anm. Seit, nehenformen sind, zu 7: sionde (Hb. s. XXV; Fritzuer;
Lind, Dopnamn, sp. 873; siende), anorw. sütudi (Wadstein, F. Hom., s. 140);
1 1 : anorw. tellhifti § 235, 2, eUyfti § 77, 7, § 85, ellykti § 257. e^epti, wlipti;
13: anorw. prent ände (s. §258,2); 14: anorw. fiörtiände (Hb., s. XXXV:
2 maliges fogrtdnde — s. Kock. Arkiv XXXIII, 253 — ist wo! nur Schreib-
fehler); 17: seytidnde.
§ 457. Um zu 20, 30, 40 usw. die ordinalia zu bekommen,
hat man den stammen tot- oder tut-, pri-. fer-, fim-, sex-, siau-,
dthi-, ni- die endung -togonde, -tugonde, -tegonde, -tegonde.
-tngande, später -tugti (-tukti), noch später -tugasti anzuhängen.
z. b. tottogonde, tuttugonde usw. der zwanzigste usw.
Anm. 1. Neben tottogonde usw. kommt auch tadüamde, seit, tugtugti
(sehr seit, anorw. tyttugti, tyktugti, s. Hsegstad. Vestno. maalf. II, 2, i, s. 170:
vgl. § 449 anm.) vor, neben pritogonde auch seit. aisl. prettogonät
(St. Hom.), anorw. pretugti, priätygtt; neben fertugti auch fioriugti.
Anm. 2. Zu 100 und noch höhereu zahlen kommen in der alten
spräche keine ordinalia vor.
§ 458. Zu 21—29, 31—39 usw. lauten die Ordinalzahlen
tottogonde 6k fyrste (oder einn) oder auch fgrste {einn) ok totto
gonde usw.
20*
308 §459—463. Andere numeralia.
c) Andere numeralia.
§ 459. Multiplikativa (adj.) werden durch komposition mit
-faldr gebildet: ein-, tut- (seltener tue-, vgl. § 111,2, und tuce-
in tucevetr zweijährig), pH- (seit, pre-), fer-faldr (anorw. ver-
einzelt ficer-, s. Haegstad, Vestno. maalf. I, s. 130) usw. Ausser-
dem hat man tuepr, tuennr (alt auch tuipr, tuinnr, seit, tuenn
§ 111,2, tuinn, vgl. ags. twin zwirn) doppelt, Prepr, prennr
(seit, pripr, prinnr und prenn) dreifach.
Anm. Die pl. tuenner usw., prevmer, ferner werden als reine kardinal-
zahlen gebraucht. Vgl. § 445 anm. 4, § 447 anm. 3, § 448 anm. 2.
§ 460. Auf die frage 'wieviele dekaden enthaltend' (bes.
'wie alt') antworten die adj. tuitegr 20 jähre alt, pHtegr
30 jähre alt, fertegr 40 j. a., fimtegr 50 j. a., sextegr 60 j. a.,
siautegr (siötugr), vgl. anm. 1, oder siauräpr 70 j. a., ättröpr
80 j. a., niröpr od. nitegr 90 j. a., tiräpr (seit, teröpr) 100 j. a.,
tolfräpr 120 j. a.
Anm. 1. Statt -tegr kommt seltener -togr, anorw. (später auch aisl.)
-tagr vor; vgl. porkelsson, Athugasemdir s. 25. Das vereinzelte tmtygr
(Agrip, s. XVI) ist wol nur ein Schreibfehler.
Anm. 2. Halffertegr bedeutet 35 jähr alt, halfnirepr 85 j. a. usw.
§ 461. Eine anzahl kann bisweilen auch durch subst.
fem. auf -d, -t ausgedrückt werden: fimt, sett, siaund, niund,
tylft (seit, tolft § 392, 3), pritegt usw. vgl. § 460) anzahl von
5, 6, 7, 9, 12, 30 usw.; vgl. noch cett, ätt drittel des runen-
alphabets (also ursprünglich 8 runen, s. Brate, Sv. fornm. tidskr.
VII, 55 f.), misl. auch oktant des horizonts (s. Hertzberg, s. 679,
sp. 2, Bugge, No. I. Indledning, s. 33 f.), tiund zehnt. Auf -ing
enden eining einheit, tuen(n)ing (vgl. § 285, 2) zweiheit,
pren(n)ing (prinn-) dreiheit. Isoliert steht tigr, tegr usw.
(§ 395 anm. 3) anzahl von zehn.
§ 462. Subst. mask. durch -ung- von den Ordinalzahlen
abgeleitet drücken den teil aus: prip{i)ongr drittel, fioipongr
(fiörpongr) viertel usw. Ausnahme macht helmingr, hel(f)ningr
(seit, helfingr § 237, 2) oder helfp, -t (anorw. hcelfd, -d § 238
anm. 8) hälfte.
§ 463. Von Zahladverbien kommen nur zwei vor: tysuar,
uisuar (anorw. auch tysuar, tysuor, tuisuor, s. Hertzberg) zwei-
§ 464. Persönliche Pronomina.
309
mal, prysuar, prisuar (anorw. auch oft prysuar, seltener prysuor,
Prysor, priss(u)or, Presuor, s. Hertzberg) dreimal. Sonst bedient
man sich der Umschreibungen eino sinne einmal, tueim sinnom
oder tysuar sinnom zweimal. Prim oder prysuar sinnom drei-
mal, fiörom sinnom viermal usw.
Anm. 'Zum ersten, zweiten etc. male' heisst (et) fyrsta sinn, (i)
annat sinn (auch opro sinne), (et) pripia sinn usw.
Kap. 4. Pronomina.
1. Persönliche.
a) Ungeschlechtliche.
§ 464. Diese sind ek 'ich', pü, du (§ 221, 1) 'du' und das
reliexivum der dritten person. Die flexion zeigt noch einen
dual.
Sg. N. ek, eg § 248
G. min
D. mer
A. mik, mig § 248, mek
§ 145 anm. 3
Du.N. vit, vip § 248, mit
§ 278, vet, tuet
§ 145 anm. 3
G. okkar
D. A. ok(k)r
PI. N. ver, v&r. vier § 278
G. vir
D. A. oss, (aisl. auch) oss,
ös§ 112,1, §127,7
Anm. 1. Aus urn. zeit ist nur die erste person belegt: Sg. nom. ek
(Nedre Hov, Lindholm. Kragehul. Xordhuglen. Eö, Gallehus, Magiemose,
Tune. Kjolevig, Valsfjorden. Faem«, Järsbergi. f A- (ßeistad), ek? (Veblungsnaes.
By), ik (isum), ekA? (Stentoften), Ak? (Björketorp), vgl. §465 anm. 2; dat.
meR (Opedal); acc. m[i]k (Etelhem).
Anm. 2. Im nom. sg. hat das anorw. und der Shetlandsdialekt bis-
weilen iak (wie das aschw.) statt ek, s. §94. Im 15. jahrh. kommt ein
danisierendes iek vor. Im aisl. kommt seit, ek (woraus nisl. jeg) vor.
Anm. 3. Im gen. sg. kommt pina (vgl. agutn. refl. sind) statt pin
in ein paar anorw. runeninschr. vor.
Anm. 4. Ueber dat. sg. mcer, ßctr s. §109 anm. Mnorw. kommen
mik, sik auch als dat. vor, s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 187 und
Festskrift tu Torp, s. 70.
hü
—
pin
sin
per
ser
pik, pig § 280, fiek
sik, sig § 248, sek
§ 145 anm. 3
§ 145 anm. 3
it, ip § 248, pit § 465
—
anm. 5, piö
ykkar
yk(k)r
? wie im sg.
er, per § 465 anm. 5
—
yp(u)ar§23oanm. 4
\ wie im sg.
310 § 465. Persönliche pronomina.
Aum. 5. Nom. pl. vctr statt ver kommt anorw. seit c. 1250 (z. b. Elis
saga 47 mal vdr : 1 mal ver), aisl. seit c. 1300 (z. b. Morgenstern, AM. frag-
mente, s. 46 f., und im Cod. reg. der Snorra Edda ausschliesslich) vor und
ist in den 'limur' des 15. jahrhs. häufig (s. Gislason, Njäla II, 602 f.);
s. § 109 aum. Alt und äusserst seit, sind vir (bei Sighuatr, s. Gislason a. o.,
s. 600) st. ver und es (in der anorw. inschr. von Sele c. 1100 und Cod.
AM. 677, 4° etwas nach 1200, s. Bugge, Arkiv XVI, 327, 329) st. er. Mnorw.
vi (s. z. b. Heegstad , Kong. s. 26 und 37) ist vielleicht ein suecismus. Die
anorw. formen mit (welche mnorw. auch als pl. gebraucht wird, s. Hsegstad,
Vestno. maalf. II, 2, i, s. 187), mir kommen in aisl. hdschr. nur sehr seit,
vor. — Seit 1350 werden nom. du. und pl. it, er von den anfangs seltenen
pit, per (s. § 465 anm. 5) ganz verdrängt.
Anm. 6. G e n. p 1. värr st. vär ist zweimal in St. Hom. belegt. Un-
mittelbar nach allra und sialfra werden die formen värra und yp(u)arra,
nach beggia die form okkarra gebraucht, s. porkelsson, Supplement IV, 172,
179, 182.
Anm. 7. Dat. acc. pl. aisl. es st. ess, anorw. (auch misl., s. M. Olsen,
Volsunga saga, s. LXXI) öss st. 6s (Wadstein, F. Hom., s. 133) sind äusserst
seit. ; ebenso (das anorw. häufige) 6s im aisl. — Mnorw. ist pydr, pydfier,
pifdder (s. § 465 anm. 5) belegt, s. A. B. Larseu, Arkiv XVIII, 86 note,
Kristiania bymäl, s. 111, Haegstad, Afhandlinger viede S. Bugges Minde,
s. 224. Mnorw. iöir ist vielleicht ein suecismus.
§ 165. Enklitischer anschluss von pronominalformen an das
vorhergehende verbum kommt in vielen fällen vor (vgl. § 156) :
1. Eh wurde (vor 1200 in der regel, im 13. jahrh. vor-
wiegend) in der dichterischen spräche, nicht seit, auch in der
prosa (z. b. St. Hom., Cod. AM. 645, 4° u. a., s. B. M. Olsen, Aar-
boger 1893, s. 225) als -k, seltener -g (vgl. § 248) suffigiert,
was man 'bragarmal' nennt. Z. b. mmltak ich sprach, siäkk
(§ 280) ich sei, emk ich bin, hykk (§ 270) ich denke, frettag
ich fragte. Treten die enklitischen negationen -«, -at hinzu,
so steht nach starktoniger silbe -k, nach schwachtoniger -g }
z. b. sekka ich sehe nicht, pikkat (§ 270) ich empfange nicht,
aber porega ich wage nicht, gerpega ich tat nicht. Das -k
kann nach der negation nochmals angehängt werden, z. b.
mäkuk idi kann nicht, mättegak ich konnte nicht; nichtsdesto-
weniger kann ausserdem proklitisches ek vorkommen, z. b. ck
mäkak ich kann nicht.
Anm. 1. Zahlreiche beispiele s. bei Gislason, Um frumparta s. 228 ff.,
Njäla II, 11 ff. ; Sievers, Beitr. V, 501 ff . , VI, 322 ff . ; Vigfusson, Eyrbyggja
saga, s. XLVII.
§ 465. Persönliche pronomina. 311
Anm. 2. Beisp. schon urn. suffigierung sind ha[i]teka (Lindhohn \ hnitika
(Seel. brakt.), wol auch fAlAhÄk (Björketorp; vgl. adäu. ak?). Ueber das
Verhältnis der formen s. Xoreen, Geschichte 3 , §201,1.
2. Pii kann als -du (§ 221.1), -du (§ 238, l,b), -tu (§ 238,
2, a) suffigiert werden, z. b. estu (*es-öu, *es-pu; durch unrichtige
auflösung von estu entsteht dann [])ü] est statt es) du bist.
kenn du kenne (du), skal{l)du (dann sehr seit, shdd statt skall\
statt* (*skalt-du § 276, § 283) du sollst. viliMu. viltu du willst.
heyrJ>o, -u höre (du). Die negation -at kann zwischen das
verbum und das pron. hineingeschoben werden, z. b. gaftattu
(*-at-Öu) du gabst nicht, grdtattu weine nicht u. a. Vgl. attu
{at J)ü) dass du, ])öttu (J)6tt pü) obgleich du.
3. Dat. mer und acc. mik werden in alten gedichten nicht
selten als -m (aus *-mx, s. § 277 anm. 5). resp. -mk dem verbum
in der 3. pl. suffigiert, z. b. letom sie Hessen mir, rökomk
sie trieben mich, under stöpomk sie standen unter mir. Die
formen auf -mk können bald diejenigen auf -m vertreten und
umgekehrt, z. b. leip eromk fioll leid sind mir die berge. Wo
diese suffixe an die 3. sg. treten sollten, hat das verbum die
form der 3. pl., z. b. verpomk or]>e ä (statt verpr d mik) er
schleudert worte auf mich, göfomk (statt gaf mer) er gab
mir, miok erom (statt er mer) tregt sehr schwer ist es mir,
von erom hoffnung ist mir. Noch mehr auffallend sind kon-
strnktionen wie st/>ida auke hofom (statt hefer mik) sott die
menge der Sünden hat mich niedergedrückt. Reichliche beisp.
bei Kock. Arkiv XXXV. 56 ff., wo auch s. 68 ff. eine wahr-
scheinlich richtige erklärung.
Anm. 3. Diese formen werden bald mit den gleichlautenden medio-
passiven auf -om(k) verwechselt und bekommen daher wie diese später
nebenformen auf -omz, -umzt, -univt, -unst. s. Dyrlund, Tidskr. f. Fil. N. R.
VI, 262 f.
Anm. 1. Ueber die suffixe -m. -mk und -s (aus sir), -sk (aus sik] bei
der bildung des medio-passivs s. daselbst.
Anm. 5. Ueber eine mutmassliche suffigierung der nom. du. und pl.
it und er als resp. -t, -r s. § 158 anm. 1. Sonst werden it. er nicht ganz
seit, unsynkopiert suffigiert, z. b. komeper ihr kommet, später als kome per,
dann auch komep per (vgl. § 285 anm. 1) aufgefasst. So sind die jüngeren
formen per, pydr und pit statt er, resp. yÖr, it (§ 464 anm. 4 und 6) ent-
standen.
312 § 466. Persönliche pronomina. § 467. Possessivpronomina.
b) Geschlechtliches.
§ 466. Dies ist das pron. der 3. person hann er, hon sie.
Ntr. und pl. werden von dem pron. dem. sä (§ 469) entlehnt.
mask.
Sg. N. hann
G. hans
D. honorn (alt auch hönom), hQ-
nom, hänom, hQnom, hanum
A. hann
fem.
hon, später auch hun, alt auch hon
hennar
henne
hana (alt auch häna), hona, hena
Anm. 1. Seltene nebenformen sind: mask. nom. (Rimb.) hänn, gen.
(AM. 645, 4°) häns, dat. (St. Hom.) [h]unom, mnorw. hunum (s. Hsegstad,
Vestno. maalf. 11,2, i, s. 106 und 107); fem. nom. (Reykj. mäld.) hän (wie
im agutn.), anorw. hon (wie seit, im aschw. ; s. Hsegstad, a. o. II, 2, i, s. 23
und 103), gen. anorw. lienne (Fritzner II, 703, sp. 2; Haegstad, Kong. s. 26),
hannar (Wadstein, F. Hom., s. 59 note), hennom (vor subst. im dat.pl.;
Wadstein a. o., s. 37)', mnorw. henna(r)s (Falk und Torp, Dansk-norskens
syntax, s. XV note), dat. anorw. henno (Wadstein a. o., s. 37). Reichliche
belege der anorw. acc. sg. f. hona und hena bieten Wadstein a. o. , s. 59
note; Haegstad, G. Tr., s. 49, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 189; Hertzberg;
porkelsson, Supplement IV.
Anm. 2. Ueber den sowol qualitativen wie quantitativen Vokalwechsel
s. § 116, § 127, 1 und 6, § 151, 1 und 5 ; über den Wechsel von n und nn
s. §277,2, c.
2. Possessiva.
§467. Diese sind: minn mein, fiinn dein, sinn sein, ihr,
okkarr uns beiden zugehörig, ykharr euch beiden zugehörig,
värr unser (von mehreren), y]>(u)arr euer (von mehreren).
mask.
fem
neutr.
Sg.N.
minn § 127, 2
min
mitt
G.
mins
minnar
mins
D.
minom, minum
minne, miniü
mino, minn
A.
minn
mfna
mitt
PI. N.
miner, minir
minar
min
G.
min na
minna
minna
D.
miuom, minum
minom, minum
minom, minum
A.
mina
minar
min
Sg.N.
varr
ör, VQr
värt
G.
vars
varrar
vars
D.
orom, ossom, v«jrom,
värom
varre
öro, 08so, VQro
väro
A.
varn
öra, ossa,
vara
vart
§ 468. Demonstrativpronomina.
313
mask.
PI R. örer, osser. varir
G. varra
D. orom, ossom , vörom,
värom
A. ora, ossa. vara
Sg. X. yj>i»arr § 235 anm. 4
G. yp(u)ars
D. yprom, yÖrum
A. yp(u)a(r)n § 300, 1
PI. >". yprer, yörir
G. yp(n)arra
D. yprom, yörum
A. ypra
fem.
orar, ossär, varar
varra
orom, ossom, vörom,
värom
orar, ossär, varar
ypor, yöur
yp(n)arrar
yp(u)arre
ypra
yprar
yp(u)arra
yprom, yörum
neutr.
6t, vöt
varra
orom, ossom, vörom,
värom
6r, VQr
y p(u)a(r)t§ 300,1
yp(u)ars
ypro, yöru
yp(n)a(r)t
ypor, yöur
yp(u)arra
yprom, yörum
ypor, yöur
yprar
1. Wie minn flektieren pinn und sinn. Formen mit i vor
nn, tt {minn, mitt usw.) kommen vor 1200 bisweilen (s. Jonsson.
Skjaldesprog. s. 76) sowie in den rimur durch ausgleichung
sehr oft (s. Gislason, Efterladte skrifter n, 180) vor.
Anm. 1. Um. belegt sind nom. sg. f. minu (Opedal) nnd acc. sg. m.
minino (Kjelevig). vgl. § 156 anm.. später sin (Sölvesborg).
Anm. 2. Durch ausgleichung steht nicht selten nn statt N und um-
gekehrt, z. b. gen. sg. m. ntr. sinns, acc. sg. f. und acc. pl. m. sinna, sinna,
acc. pl. ntr. sinn; andererseits gen. sg. f. shiar, gen. pl. sina, acc. sg. m. sin
(vgl. § 285, 1, wonach sit neben sät zu erklären ist).
2. In der flexion von värr kommen die (nach pron. pers.
oss gebildeten?) mit oss- anlautenden formen fast nur in alten
gedichten vor. Die mit 6r- anlautenden formen werden im
13. jahrh. allmählich durch die (in der ältesten zeit seltenen)
mit vdr-, vor- (später natürlich vär- geschrieben, s. § 107) an-
lautenden nebenformen ersetzt.
3. Wie yp(u)arr (anorw. auch iöarr. seit, pydarr — nach
pydr § 465 anm. 5 — s. Haegstad. Vestno. maali IL 1. s. 83,
IL 2. i. s. 170 und 188) flektieren okkarr und ykkarr.
Anm. 3. Ueber die flexion der pron. poss. vgl. ftorkelsson. Athu-
gasemdir. s. 12 f.. Wimmer. Lsesebog* XIII f., Hoffory, Tidskr. f. KL R. K.
ni,297ff., Gislason, Aarbeger 1889, s. 343 ff., v. Friesen. N. Spr. I, 63 ff.
3. Demonstrativa.
§ 468. Diese sind: sd der (pron. dem.), siä (fiesse) dieser.
hinn jener, enn. inn der (artikel). Auch können hierher
gerechnet werden puilikr (seit. püür, s. Gering, Isl. ^Ev. I, xxi,
314 § 469. Demonstrativpronomina.
porkelsson, Supplement IV, oft in Volsunga saga, s. Olsens
ausg., s. LXXI) solcher, slikr solcher, sialfr selbst und same
(seltener samr) derselbe, welche ganz wie adj. (nach § 427,
same nach § 433) flektieren, sowie der partikel saä solcher.
§ 469. Die flexion von sä ist wie folgt:
mask. fem. neutr.
Sg. N. sä su pat, pcet, pet
G. pes(s) peir(r)ar pes(s)
D. peim peir(r)e, pceir(r)i p ui, pi
A. pan(n), pcen(n), pen(n) pä pat, pcet, pet
PI. N. peir p&r pau
G. peir(r)a peir(r)a peir(r)ra
D. peim peim peim
A. pä paer pau
Anm. 1. Ans nrn. zeit sind nom. sg. m. sa (Lindholm) , sa(r)
(Stentoften) und sar (Björketorp ; wahrscheinlich als sä-eR aufzufassen),
dat. sg. m.pAim (Eggjum), dat. sg. f. ?ßini (Tu), acc. sg. m. Jiino (Strem),
acc. sg. ntr. pAt? (Magiemose), pat (ßy), pAt (Björketorp), acc. pl. f.
paR (Einang), pAiAR (Istaby) belegt.
Anm. 2. Die formen mit -rr- (über welche s. § 280 anm. 2) werden
allmählich häufiger als diejenigen mit ->•-.
Anm. 3. Nebenformen sind: sg. nom. m. s«r (St. Hom. lmal; vgl. anm. 1
und das aschw.), mnorw. pann (auch misl., s. Gislason, Efterladte skrifter
II, 180 f.), pcenn, penn, nom. f. mnorw.^m, pcen, pen (Hsegstad, Kong.
s. 26, Vestuo. maalf. II, 1, s. 83), nom. acc. ntr. anorw. pä (Wadstein,
F. Hom., s. 141) und oft (z. b. Tüb. brachst, Cod. Tunsb. u. a.) pcett, pett
(nach petta?), gen. m. ntr. öfter pers (anorw. auch f>ers, z. b. Flatdal), orkn.
pis (Haegstad, Hild., s. 46), dat. i.perre (s. Olsen, Volsunga saga, s. LXXI),
mnorw./>e (s. Haegstad, a. o. II, 2, i, s. 192), dat. ntr. (belege der form pi
— wie oft im nisl. — bei Egilsson, Hertzberg, Gering, Isl. JEv. I, xxj,
Kälund, HeiÖarviga saga, s. XXII, XXIV, XXVI, Olsen, Vojsunga saga,
s. LXXI, Haegstad, a. o. II, 1, s. 83; vgl. auch Brenner, Altnord, handbuch,
s. 117, und pi-likr § 468) pue (Brenner, a. o.), pü (St. Hom., vgl. das
aschw.), mnorw.jfa/ (suecismus? vgl. aber Egilsson, s. 909), acc. f. mnorw.
pan, pen (Haegstad, Kong. s. 13), pe (s. Haegstad, a. o.); pl. nom. m. pdr
(St. Hom., Wadstein, F. Hom., s. 58; zur erklärung s. Hultman, Hälsinge-
lagen s. 98 note 1), per (Wadstein, a. o.), per (nach § 152, 1; Physiologus I,
Olsen, VQlsunga saga, s. XLVIII), mnorw. pei (s. Haegstad, a. o. II, 2, i,
s. 189), nom. f. peir (Reykj. mäld., Rimb., Jönsson, Fagrskinna, s. XXV;
zur erklärung s. Hultman a. o.), per (St. Hom., AM. 645, 4°, Physiologus III),
pei- (nach §151,6, Rimb., Physiologus I, die bruchstücke von Grägäs),
nom. acc. ntr. mnorw. fiaug (wie im nisl.; s. § 305 anm. 3), gen. per(r)a
(z. b. Physiologus I , brachst, von Elucidarius , Pläcitüsdrapa) § 128 und
§ 152, 1, mnorw, tlmrras (Falk und Torp, Dansk-norskens syntax, s. XV
§ 470. Demonstrativpronomina. , 315
uote. Haegstad. a. 0. II. 2, i, s. 190), ther(r)is, thceires (Haegstad, Kong. s. 37),
dat. pem (z. b. Placitusdräpa : § 152.1), acc. m. und ntr. anorw. peim
(Haegstad. Kong. s. 13. 26. 37. Vestno. maalf. II, 2, i, s. 190, wo auch mnorw.
them, suecismus'?). acc. f. mnorw. th(e (Haegstad, a. o.), thä (Haegstad,
Kong., s. 37). Ueber die häufigen pes, pan statt fxss, pann s. § 285, 1. —
Vgl. überhaupt Noreen, Geschichte 3 , §204.
Anm. 4. Statt des anlautenden p steht häufig d (§ 221, 1).
Anm. 5. Am frühesten im anorw., dann auch hie und da im aisl.
kann dies pronomen auch (st. hinn und wol etwas prägnanter als dies) als
artikel vor adj. gebraucht werden, s. Xygaard, Norron Syntax, s. 4 note
und s. 53.
§ 470. Die tiexion von siä ist in den ältesten lidschr.
sehr verschieden, je nachdem sie aisl. oder anorw. sind. Die
im folgenden paradigma durch den druck hervorgehobenen
formen sind diejenigen, die in den ältesten aisl. hdschr. die
einzigen gebräuchlichen sind. Die übrigeu kommen anfangs
nur in anorw. hdschr. vor, zeigen sich aber später auch im
aisl. (noni. sg. pesse schon um 1152, s. porkelsson, Breytingar,
s. 25).
m a s k. f e in. n e u t r.
Sg. N. siä, pesse. pessorr, pesser siä, pesse, pessor petta
G. pessa Pessar, pessar(r)ar pessa
D. pessom, paeima. pema pesse, pessar(r)e puisa, pessu
A. peuna, penuan pessa petta
PI. N. pesser pessa r pesse, pessor
G. pessa, pessarr)a pessa, pessar(r)a pessa, pessar(r)a
D. pessom, paeima, pessom, paeima, pessom, j'aeima,
pem(m)a pem(m)a pem(m)a
A. pessa pessar pesse, pessor
Anm. 1. Aeltere formen, die den Ursprung dieses pronomens aus
pron. sä und den enklitischen Partikeln -si und -o (got. -üh) klar legen,
kommen häufig in den runeninschriften der vikingerzeit vor. z. b. sg. nom.
m. sasi, f. susi , -atr.patsi und pita, acc. m.pans» > pensi auf Man. s. Aar-
boger 1899, s. 242) und pana oder pina, i.pasi, posa, dat. m. paimsi (z. b.
Karlevi), pl. nom. ntr. paust n. dgl. Aus um. zeit ist ein wahrscheinlich
hierhergehöriger acc. sg. ntr. pit (Overhombaek) belegt.
Anm. 2. Die formen sg. nom. in. f. pessi. gen. f. pcssarrar, dat. m.
pessum, f. fxssarri, ntr. pessu, pl. nom. acc. ntr. pessi, gen. pessarra , dat.
pessum werden im aisl. allmählich die herrschenden: die form siä wird im
mnorw. nie mehr gebraucht (s. Haegstad. Vestno. maalf. 11,2, i, s. 192 note).
Alle formen mit -ss- haben statt dessen nicht selten -s- nach § 285, 1.
Seltene nebenformen sind sg. nom. m. anorw. pessar (Bugge, Tidskr. f.
Phil, og Paed. IX, 119, Haegstad, a. o., s. 191), penna (Falk und Torp, Dansk-
norskens syntax, s. XV note), nom. f. mnorw. pemia, -e (Haegstad, Kong.
316 §471.472. Demonstrativpronomina.
s. 26, Vestno. maalf. II, 1, s. 83), dat. ntr. anorw. puisu, pisa (Bugge, a. o.
s. 117, Haegstad, a. o.), acc. m.panna (Gislason, Efterladte skrifter II, 152),
f. pissa (Jonsson, Skjaldesprog, s. 79), ntr. patta (porkclsson, Supplement IV,
Haegstad, a. o. I, s. 118, II, 1, s. 21, II, 2, i, s. 191 und 193), petti (St. Hom.),
hitti (St. Hom.; von hinn § 471 beeinflusst) , pl. nom. m. anorw. pesse
(Wadstein , F. Hom. , 8. 140) , nom. a c e. ntr. anorw. pcessir (s. Hsegstad,
a. o. II, 2, i, s. 191), dat. pl. anorw. pema (s. Hsegstad, a. o. I, s. 118 f. und
II, 2, i, s. 92.
Anm. 3. Bes. in anorw. hdschr. (vgl. auch Isl. Mv. I, xxn) kommen
oft formen mit -rs- statt -ss- vor. Vgl. § 272 anm. 3.
Anm. 4. Ueber die flexion des wortes vgl. bes. porkelsson, Athu-
gasemdir, s. 13 ff. Zur etymologie vgl. Bugge, Tidskr. f. Phil, og Paed. IX,
111 ff.; Liden, Arkiv IV, 97 ff . ; Th. v. Grienberger, Zf dWortforschung IX,
66 ff. Vgl. übrigens im allgemeinen Noreen, Geschichte 3 §206.
§ 471. Hinn flektiert ganz wie minn (§ 467; doch überall
mit kurzem i in der Wurzelsilbe). In etwas späterer spräche
(doch schon vor 1250) kann hinn auch als artikel (statt enn,
inn §472) vor adjektiven gebraucht werden; es hat dann
im nom. acc. sg. ntr. die form hit (statt hitt, das jedoch anorw.
nicht seit, ist, s. porkelsson, Supplement IV) und im nom. acc.
sg. m. oft hin (st. hinn), vgl. § 285, 1.
Anm. 1. In Reykj. mald. kommt einmal dat. sg. f. henni statt hinni
vor ; vgl. aschw. sg. nom. m. Tuen (neben gew. hin) und hcengat (neben gew.
hingat), anorw. hengat, hingat hierher (s. § 162 anm.).
Anm. 2. Von einem ursprünglicheren pronominalstamme lie-, hi- sind
nur einige trümmer erhalten worden: sg. nom. acc. ntr. hit (got. hita), dat.
ntr. *hi im anorw. hit (aus *hi-at § 158; vgl. ? aisl. higat, hegat) hierher,
vielleicht auch acc. m.hin (Eggjum), *hinn (got.hina; vgl. pann = got.
pana) in hin(n)eg oder hinnveg (s. § 235,1, f, vgl. § 285,1) 'hierher',
'dort'.
§ 472. Enn, inn (§ 147 anm. 1) wird ganz wie hinn
flektiert, hat aber im nom. acc. sg. ntr. immer die form et —
einigemal anorw. at, s. Haegstad, Vestno. maalf. I, s. 38 note
und II, 1, s. 30 — it (nie *ett, *itt § 285, 1) und, bes. im anorw.,
oft en (in) im nom. acc. sg. m. Es wird als bestimmter artikel
gebraucht und zwar vor einem adjektiv (z. b. enn göpe der
gute, et göpa das gute), dagegen nach dem Substantiv. Auch
in dem letzteren falle ist der artikel ursprünglich freistehend
gewesen (St. Hom. und No. Hom. haben noch einige beispiele
davon) ; schon früh (etwa um 1000, s. Jonsson, No.-isl. kultur-
og sprogforhold, s. 315) aber ist er dem subst. suffigiert worden,
§472. Flexion mit suffigiertem artikel. 317
am häufigsten im anorw. (s. Xygaard, Xorron Syntax, s. 4 note).
Dabei treten folgende Veränderungen der selbständigen Wörter
ein (s. Noreen, Arkiv VIII, 140 ff.).
1. Der artikel verliert seinen anlautenden vokal:
a) in den einsilbigen formen nur nach schwachtonigem
sonanten. z. b. likame-nn (St. Hom. noch likameenn) der körper,
trüa-n (St. Hom. trüa en) der glaube, auga-t das äuge, gen.
hana-ns des hahns, nom. acc. pl. augo-n die äugen, aber nom. sg.
o-en der fluss, tre-et der bäum, faper-enn der vater usw.;
b) in den zweisilbigen formen mit geschlossener pänultima
ausserdem oft nach stärkt onigem sonanten, z. b. nicht nur
gen. pl. orpa-nna der Wörter, dat. sg. sulo-nne und söl-enne der
sonne, sondern auch o-nne neben o-enne dem flusse, aber nur
gen. sg. fiafirar-ennar, dat. sg. fiopr-enne der feder usw.;
c) in den zweisilbigen formen mit offener pänultima immer
nach schwachtoniger, sehr oft aber auch nach starktoniger
silbe, z. b. dat. sg. ulfe-nom (und ulf-nom) dem wolfe, barne-no
dem kinde. nom. pl. ulfar-ner, acc. pl. ulfa-na die wölfe, tungor-
nar die zungen, aber dat. sg. streng-{e)nom der saite, acc. sg.
sol-(e)na die sonne, fiofir-ena die feder neben ona den fluss,
nom acc. pl. menn-ener neben (seit.) menn-er (aus *menn-ner;
später seit, menner-ner, s. § 415) die männer. negl-ener die
nägel, aber myss-nar die mause, hierk(r)-nar die kehle usw.
2. Im dat. pl. steht statt des nach 1, c oben zu erwartenden
-om-nom gewöhnlich -onom, das wol zunächst (nach § 278
anm. 2) aus *omom und dies aus *-om-mom entstanden ist,
z. b. orpo-nom den Wörtern, kirkio-nom den kirchen. In den
ältesten hdschr. wie St. Hom. und No. Hom. kommen noch
einige formen auf -omnom, z. b. kirkiomnom den kirchen (nebeu
uoch ursprünglicheren auf -omenotn, z. b. anorw. stceinomenom
den steinen) vor; weil aber in allen derartigen fällen der
erste nasal verkürzt geschrieben worden ist, ist eine lesung
-Hu- nicht ausgeschlossen (vgl. L. Larsson, Stud. över den
St. hom., s. 89 note; Wadstein, F. Hom., s. 112 und 156).
Paradigmen: m. boge-nn der bogen, f. laug-en das bad,
ntr. borp-et der tisch.
318
§ 472. Flexion mit suffigiertem artikel.
mask.
fem.
neutr.
8«.
. N. boge-nn
laug-en
bor)7-et
G. boga-ns
laugar-ennar
borps-ens
D. boga-nom
laugo-nne, laug-enne
borp>e-no
A. boga-nn
laug-(e)na
borp-et
PL
N. bogar-ner
laugar-nar
borf>-en
G. boga-nna
lauga-nna
borpa-nna
D. bogo-nom
laugo-nom
bor]?o-nom
A. boga-na
langar-nar
borp-en
Anm. 1. Von dem bestimmten artikel bei den adjektiven findet man
bisweilen (in den ältesten hdschr. jedoch sehr seit.) im pl. formen, die von
dem folgenden schwachen adj. die endung -u herübergenommen haben,
z. b. nom. acc. eno (und nach § 471 hinu), gen. enno (hinnu) statt enna
(bei wirklich schwacher flexion des artikels stünde ja *eno); vgl. L. Larsson,
Stud. över &c, s. 74, Svar pa prof. Wisens &c, s. 61 (wo jedoch die be-
treffenden formen als blosse Schreibfehler betrachtet werden; ganz sichere
beisp. bietet jedenfalls das 14. jahrh.).
Anm. 2. Bei dem mit suffigiertem artikel versehenen Substantiv kann
gen. sg. m. und ntr. (seit, f.) schon in den ältesten aisl. hdschr. (und
etwas späteren anorw. wie Barlaams saga, Strengleikar u. a.) bisweilen in
der weise gebildet werden, dass die artikelform -ens (seit. f. -ennar) zu dem
acc. sg. des subst. gefügt wird, z. b. m. suein-ens des knaben, smip-ens des
Schmiedes, ntr. nafn-ens des namens, tungl-ens des mondes, mustere-ns des
klosters, f. skirn-ennar der taufe. Zur selben zeit kommt aber auch schon
vor, dass die endung -s zu dem mit artikel versehenen acc. sg. eines mask.
subst. tritt, z. b. ösenn-s der mündung, dagenn-s des tages, heimenn-s der
weit, likamann-s des körpers, pafann-s des papstes; durch Übertragung
kann dann die einheitliche endung -nns auch bei neutren auftreten, z. b.
ker-enns des fasses, mustere-nns des klosters, tre-enns des baumes, aber auch
vaz-mns des wassers. Vgl. L. Larsson, Stud. över &c, s. 64 f., Svar &c, s. 53.
— Cod. AM. 645, 4° hat immer suemns-en(n)s st. sueins-ens des knaben u. dgl.
Anm. 3. Hie und da kann der acc. eines mask. subst. mit dem nom.
des artikels verbunden werden und umgekehrt, z. b. (St. Hom. und Cod.
AM. 645, 4°) nom. pl. postola-ner die apostel, nom. sg. prest-enn der priester,
st<ein-en(n) der knabe, acc. sg. sneinn-en(n) den knaben.
Anm. 4. Mnorw. kann dat. pl. (wie im aschw.) auf -omen (-ome, -ume
§ 299 anm. 6) enden, z. b. gardomen, böndome, iorÖumme, Jcannuhivinice
u.dgl., s. A. B. Larsen, Arkiv XIII, 253; Falk und Torp, Dansk-norskens
syntax, s. XII note, Hsegstad, Vestno. maalf. II, 1, s. 79.
Anm. 5. Verbindungen von artikuliertem adj. (s. §471) und artikuliertem
subst. , wie z. b. hinn huite biornenn u. dgl. , kommen bes. im anorw. hie
und da vor (s. Nygaard, Norren Syntax, s. 4 note und s. 29 f.).
Anm. C. Ueber die entstehung des suffigierten artikels s. bes. Delbrück,
Germ. Syntax III, 1 ff. , und Kock , Arkiv XXXV, 97 f. ; dagegen — aber
nicht überzeugend — Nygaard, a. o., s. 33f., und H. Pollak, I. F. XXX,
283 ff., 390 ff.
§ 473. Relativpronomina. 319
4. Relativa.
§ 473. Als pron. relat. dienen teils, aber ziemlich seit,
und fast nur in dem gelehrten stil, die Interrogativpronomina
huat (nur anorw. im dat. pl., s. §474 mit anm. 1), huerr (huarr)
und huüih- (über welche s. §474,3 und 4), teils und zwar
sehr seit, das pron. demonstr. sä s. § 469 ; beisp. bei Fritzner
III, 155 sp. 2), teils endlich und dies gewöhnlich die Partikeln
es (später er, am frühesten bei Sighuatr c. 1025 belegt; in
alten aisl. hdschr. sowie im anorw., bes. onorw. und südnorw.,
auch bisweilen bis c. 1500 en) und — etwas später, am frühesten
(s. Nygaard, Norron Syntax, s. 263) im anorw. (doch aisl.
schon bei Are, s. Heusler, Aisl. elementarbuch. 2. aufl., § 471)
— seni, denen gew. das pron. demonstr. sä (sii. pat usw.) voraus-
geht. Ausserdem kommt nicht seit, die konjunktion at (wo-
neben seit, ein aus dem ablautenden *<rf entstandenes *ed, z. b.
Flateyjarbok III, 254 n , Olsen, Volsunga saga. s. XLI u. LXXII
und nisl. bisweilen) in relativer bedeutung vor. — Nicht ganz
seit, fehlt jedwedes relativum als einleitung des nebensatzes,
s. Neckel. Teber die altgerm. relativsätze, s. 77 und die dort
angeführte literatur.
Anm. 1. Die form es herrscht durchaus in den allerältesten hdschr.
(Reykj. mald. I. II, AM. 237 fol. sowie den bruchstücken der Gragäs, anorw.
in AM. 655, 4°. fragm. IX). ist fast alleinherrschend im bruchstücke des
Elucidarius und in der pingeyrarurkunde , überwiegend in St. Hom.
(es : er = 3 : 2) und noch im AM. 645, 4° (gegen 1250) ebenso häufig wie er.
Sonst ist schon um 1200 die form er allgemein (schon in Rimb. weit über-
wiegend, er : es = 12 : 1), in anorw. hdschr. ausschliesslich gebräuchlich.
T.'eber das etymologische Verhältnis der formen es, er, en und at (*et>ed)
s. Xoreen, Geschichte 3 § 208.
Anm. 2. Es wird sehr oft als -s (s. § 158), seltener er als -r (s. Neckel,
a. o., s. 74 ff. und 80) seinem korrelate enklitisch angehängt, z. b. säs (wol
schon hierher das urn. sar ßjörketorp s. § 469 anm. 1) derjenige welcher,
süs diejenige welche, paz dasjenige welches, fianns denjenigen welcher,
huars, pars doit wo, da wo, pegars so bald als, huärz (*huärt-es) ob, pim
{par) damals als n. a. Ausführliche beisp. bei Gislason, Um frumparta.
s. 235 ff.; Sievers, Beitr. V, 497 ff.
Anm. 3. Mnorw. (ja schon 1345 f.) kommt bisweilen sum, som (vgl.
das aschw.) statt km vor, s. Hsegstad, (x. Tr., s. 92, Kong. s. 26, Vestno.
maalf. II, 1, s. 83, 159 und II, 2, i, s. 193. Sehr seit, (wol suecismns) ist
mnorw. Par, s. Haegstad, a. o. s. 194.
Anm. 4. Ok 'und' steht in alter zeit als relativum fast nur nach
samr, »am-, *<iman, s. Heusler, Altisl. elementarbuch. 2. aufl. §472, Nygaard,
Bemerkniuger, s. 49 ff. (bes. s. 53).
320
§ 474. Interrogativpronomina.
5. Interrogativa.
§ 474. Diese sind die folgenden:
1. Das defektive huat '(wer,) was', dessen fehlende formen
durch entlehnung von huerr (s. unten 3) ersetzt werden:
mask. neutr. mask.
Sg.N. — huat Pl.N. —
G. hues(s) hues(s) N. —
D. hueim hui D. humm(r)
A. — huat A. —
Anm. 1. Seltene nebenformen sind: sg. nom. acc. ntr. hol (Fritzner),
anorw. (s. Wadstein, F. Hom., s. 141) huä (vgl. nekkua § 475 anm. 1 und
got. ha) und hü, gen. hues (St. Hom.), dat. hue ('warum'; häufig aber als
fragepartikel 'wie'), anorw. hü (nur in der Verbindung hü ok ha 'wie und
was'. Misl. kommt in derselben bedeutung wie hui 'warum' auffallender-
weise auch häufig pui (§469) vor, s. porkelsson, Supplement IV, 191. —
Gen. sg. ist nur aus den ältesten hdschr. zu belegen, dat. pl. nur anorw.
sehr seit. (s. porkelsson, Athugasemdir, s. 16 und Hertzberg, s. 860) und
gew. als relativum gebraucht.
2. Huärr, seit, in alten gedichten (s. Jonsson, Skjaldesprog,
s. 82) huaparr (got, hapar; s. § 292), 'welcher von beiden'
flektiert :
fem. neutr.
huor huart
huärrar huärs
huarre huoro, huäro
huära huart
huärar hu(jr
huärra huärra
huorom, hua'rom huorom, huärom
huärar huur
Anm. 2. Die lautgesetzliche form des dat. sg. ntr. ist in pöpöro (aus
*pö-aß-hörö, s. § 77, 11) 'nichtsdestoweniger' erhalten.
3. Huerr, anorw. hucerr (in alter zeit weit überwiegend,
s. Haegstad, G. Tr., s. 67, Vestno. maalf. I, s. 147, Wadstein,
F. Hom., s. 48) und, onorw. und bes. mnorw. (s. § 149 anm. 2),
huarr 'welcher von mehreren'. Huerr flektiert ganz wie sehr
(§431; also z. b. dat. sg. m. hueriom, f. huerre, ntr. huerio usw.),
nur mit der abweichung, dass statt des regelmässigen acc. sg.
m. huerian, welche form nur in alten gedichten (häufig, s.
Jonsson, Skjaldesprog, s. 82 f., Sijmons, Die lieder der Edda
I, clxxix) und einmal im Cod. AM. 645, 4° belegt ist, der
mask.
Sg. N. huärr (huaparr)
G. huärs
D. huorom, Jmdrom
A. huärn (huaparn)
PI. N. huärer
G. huärra
D. huqrom, huürom
A. huära
§ 475. Indefinite pronomina. 321
prosaische Sprachgebrauch durchweg die (auch in der poesie
häufigere) form huern aufweist. Huarr dagegen wird gew.
wie huarr (s. oben 2) flektiert, also z. b. dat. sg. m. huarum.
f. huarre, ntr. huaru usw.), seltener wie huerr (also dat. sg. m.
huarium, ntr. huariu); acc. sg. m. heisst spät oft huan statt
huarn (vgl. § 300, 1).
Anm. 3. Seltene nebenfonnen sind: sg. gen. f. anorw. huceriar,
huariar (s. z. b. Hertzberg, s. 306), dat. m. anorw. hugrium (Fritzner II, 116)
und horium (s. §77, 10), acc. f. aisl. huerio (nur nach einer anderen schwachen
form auf -o, vgl. § 472 anm. 1).
4. Huüikr "wie beschaffen' flektiert ganz wie ein starkes
adj. (nach § 427).
Anm. 4. Seit, nebenfonnen sind: Sg. nom. ni. huelilcr (Gislason, Um
frumparta, s. 191), dat. ntr. hulko (Fritzner II, 90; suecismus?), Jiolko,
nom. acc. ntr. hulkett, lucukkit (s. Hsegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 194;
suecismen ?).
6. Indefinita.
§ 475. In der bedeutung 'irgendeiner)' werden gebraucht :
ein(n)huerr oder einshuerr, eittlmat (nur substantivisch), nakkuarr
(u. a. formen, s. unten 3), sumr und einn; endlich das nur in
negierenden Sätzen gebräuchliche neinn. Nur anorw. belegt
(lmal) ist sumhucerr (s. porkelsson, Supplement IV).
1. Einnhaerr, f. einhuer, ntr. eitthuert wird in den übrigen
kasus gew. so flektiert, dass ein- unverändert bleibt und huerr
nach § 474,3 geht; in der ältesten zeit flektiert oft auch einn
(nach § 444). In dem vorwiegend anorw. e ri nsJm w rr bleibt
mns- unverändert; ebenso sum- in sumhucerr.
2. EiWmat wird nur im nom. acc. ntr. gebraucht.
3. Sakkuarr ist durch mischung von zwei ursprünglich
verschiedenen pronominen entstanden: das adj. nekkuerr (auch
nvkkuerr § 82, 6) oder nekkuarr (auch nekkuarr), das wie huerr
(aber oft ohne das charakteristische i vor «, o, u der endung),
resp. huarr (§474,3) flektiert; und das subst, nekkuat (auch
nekkuat, früh daneben nakkuat. das auch als adj. gebraucht
werden kann; seit, nekkuet), welches wie huat (§474,1) geht.
Diese flexion kommt aber nur in den ältesten hdschr. vor.
Die Vermischung beider Wörter ergab schon in der älteren
literatur ein pron. nakkuarr (auch nokkuarr und nakknerr).
Xoreen, Altisl. gramm. 4. aufl. 21
322 § 476. Indefinite pronomina.
das sowol als subst. wie als adj. gebraucht wird und folgende
flexion hat:
mask. fem. neutr.
Sg. N. nakkuarr nQkk(u)or § 148 nakkua(r)t § 300, 1
N. nakkuars nakkuarrar nakkuars
D. nQkk(u)orom § 148 nakkuarre n<}kk(u)oro § 148
A. nakkuarn nakkuara nakkua(r)t
PL N. nakkuarer • nakkuarar nqkk(u)or
G. nakkuarra nakkuarra nakkuarra
D. nQkk(u)orom iiQkk(u)orom no.kk(u)orom
A. nakkuara nakkuarar nQkk(u)or
Früh tritt aber daneben (durch ausgleichung?) eine form
nqkkuorr (f. nqkkuor, ntr. nqkkuot usw.) auf. Aus dieser ent-
steht endlich das in der späteren spräche gew. aisl. nqkkurr
(f. nokkur, ntr. nokkut § 300, 1, seltener nqkkurt), welches wie
ein regelmässiges adj. (ohne synkope) flektiert (doch im acc.
sg. m. nqkkurn oder seltener nach § 300, 1 nqkkun) ; oft auch
nqkkorr, nokkorr, seit, nakkorr, nukkurr § 148 (s. porkelsson,
Supplement IV), nekkurr oder nokkurr; anorw. (schon in No.
Hom.) nokkorr (vgl. § 148, § 285, 5), seit dem ende des 13. jahrhs.
oft (s. z. b. Hb., s. XXIV) nokor (§ 285, 1).
Anm. 1. Alte nebenformen sind:«nom. sg. ntr. nekkua (lmal St. Hom.)
statt nekkuat (vgl. §474 anm. 1), dat. sg. ntr. nekki (lmal St. Hom.),
nekkue (oft) st. nekkui (§151,3). Die anorw. bruchstücke der Jöfraskinna
zeigen formen wie nokkoria, -tum, nokkria, -iar (s. Jönssons ausgäbe, s. XIX).
Anm. 2. Ueber die flexion vgl. besonders Wimmer, Laesebog 1 XXIIf.,
Forn. forml. § 99, a, 3; Vigfusson, s. 451 f. Zur etymologie vgl. Bugge,
Tidskr. f. Phil, og Pged. IX, 122 ff., Hoffory, Tidskr. f. Fil. N. R. III, 296 f.;
oben § 54, 3, a, § 128.
4. Sumr flektiert ganz wie ein gew. adj. (§ 427).
5. Die flexion von einn s. § 444. Ganz ebenso geht neinn.
§ 476. 'Keiner', 'kein' wird durch enge, 'niemand' auch
durch man(n)ge, 'nichts' auch durch vetke oder vcetke aus-
gedrückt; über Marge 'keiner von beiden' s. § 477,3.
1. Enge (über dessen entstehung s. § 128) hat eine sehr
bunte flexion. Im folgenden paradigma werden die ältesten
formen zuerst angeführt, die am häufigsten vorkommenden
durch Sperrung hervorgehoben, die seltensten [eckig] ein-
geklammert.
§ 477. Indefinite pronomina. 323
mask. fem. neutr.
Sg.N. en(n)ge, [engr, enge, enge, fang, eng,] eingi, etke,ekke §274.1.
engr,] eingi, e(i)nginn e(i)ugin eke §285,1,
[cmktit, (enti]
G. e(i)nskes. e(i)nkis, einegrar, engrar, ong- = m.
[e(i)ngis, e(i)nskins, rar, eng(u)arrar,
cenkins] [eng(njarrar]
D. [einonge §258,1], en- einegre, engre, engre, einoge, [enoge,]
gom, [oeingum,] en- eng(n)arre,[eng(u)arre] engo, engo
gom
A. eng(u)e, eng(u)an, [einega], enga, [cei)iga,]
[enguan,] engan, eng(u)a, [engua], cengi = nom.
eingi, angin
P1.N. eiueger, enger, eng- e[i]negar, engar, eng- enge, [engo,]
(u)er, [enguer, engij (n)ar, [engnar] eingi, e(i)ngiu
G. einegra, engra, engra, eng(n)arra, [eug(n)arra]
D. einegom, engom, engom
A. [einega,] enga, eng (n)a, = nom. = nom.
[engna]
Anm. 1. lieber die flexion des wortes vgl. besonders porkelsson,
Atbugasemdir, s. 22 ff. : Wimmer, Forn. forml. § 99, e, 1 ; Fritzner; Jönsson,
Skjaldesprog, s. 83 f. — Seit, anorw. (bes. mnorw.) nebenformen sind sg.
nom. m. imgin (Hsegstad, Uppbavet, s. 8, Vestno. maalf. II, 1, s. 84, und II, 2. i.
s. 123), dat. ntr. ingo (Hsegstad, a. o. II, 1, s. 84), acc. m. ingan (Hoprekstad,
2te band), acc. f. inga iHsegstad, a. o.), nom. acc. ntr. ikki (Haegstad,
G. Tr., s. 91), onorw. enkie, mnorw. einki, einkii, einte, einket, hütet (Hsegstad,
a.' o.II,l, 3.84 und II, 2, i, s. 122, 123, 170), pl. nom. m. inge (Hiegstad,
a. o. II, 1, s. 84); vgl. § 127 anm. 1.
2. Man{n)ge, gen. man{n)zkes, dat. mannege, acc. man(n)ge
(pl. fehlt) wird meist von dichtem gebraucht.
3. Vetke, das nur im sg. vorkommt, hat folgende formen:
Sg. N. A. vetke, vsetke, vekke § 274, 1
G. vettoges, seit, vetkes, vetterge(s)s (z. b. St. Hom., Volospo;
s. § 290 anm. 1)
D. vettoge
Anm. 2. Vgl. die ausdrücke ekke vcitta (vättanna) durchaus nichts.
nokkot vceüa irgend etwas. Vgl. noch § 109, § 110, 3 und § 127 anm. 2. —
Nur als adverb 'nicht' werden gebraucht eyfet, eyvet, -ar, -o, s. § 151. 2.
§477. 'Was auch immer' heisst huatke. huatcetna, huat-
•wer auch immer' huerge, wenn von mehreren, dagegen liuärge.
wenn von zweien die rede ist; seit, velhuerr (s. porkelsson.
Supplement IV).
21*
324
§477. Indefinite pronomina.
1. Huat und huatvetna werden nur im sg. gebraucht:
huatvetna § 390, 5, -vitna § 151, 2, huetvetna
§ 65, -vitna, hotuetna § 82, 8, -uitna
huersvetna, -vitna (vgl. § 474, 1 und 3)
huivetna, -vitna, sehr seit, huevetna, hövetna
(s. Egilsson)
Anm. 1. Vgl. porkelsson, Athugasemdir, s. 20 ff.
Huat flektiert ganz wie das pron. interr. huat (§ 474, 1).
Sg. N.A. huatke, seit.
huakke § 274, 1
G. kuesskes (alt u. seit.)
D. huige
2. Huerge flektiert:
mask.
fem.
n e u t r.
Sg. N. huerge § 284 huerge huer(t)ke
G. huer(s)kes, [huerges] hueregrar huer(s)kes, [huerges]
D. huerionge§ 258,1, hueregom huer(e)gre, huerrigi huerego
A. huernge, huern(e)gan huerega huer(t)ke
PI. N. huereger hueregar, huerege, huer(e)ge
[hueriage]
G.
D.
hueregra
huerionge § 258, 1,
hueregom
A. huerega
hueregar, huerege, huer(e)ge
[hueriage]
Anm. 2. Vgl. porkelsson, Athugasemdir s. 18 ff.,
Wimmer, Forn. forml.
§ 99, e, 2.
3. Huärge flektiert:
mask.
fem.
neutr.
Sg.N. huärge, [huäregr,] huärgen
huorge
huär(t)ke, [huärgi]
G. huär(s)kes, [huärges]
huärregrar
huär(s)kes, [huärges]
D. huoronge, huäronge § 258, 1,
huäregre,
hugroge, huäroge,
huär(e)gom
[huärrigi|
huär(e)go
A. huärnge, huärn(e)gan,
huäre)ga
huär(t)ke, [huargij
huär(e)gan
Pl.N. huär(e)ger
huär(e)gar
[huärge]
G.
huäregra
D. huoronge, huär(e)gom, huäronge
§ 258, 1
A. huar(e)ga huar(e)gar [huärge]
Anm. 3. Die synkopierten formen (nom. pl. Iniärger, huärgar o. d.)
sind verhältnismässig selten. Vgl. übrigens porkelsson, Athugasemdir,
s. 16 ff., Wimmer, Forn. forml. § 99, c, 1.
4. Velhuerr geht wie huerr, s. § 474, 3.
§ 478. 479. Indefinite pronomina. § 480. Tempusbildung. 325
§ 478. 'Jeder' heisst huerr (anorw. hucerr, huarr, s. § 474, 3),
wenn von mehreren, hudrr, hudr(r)tuegge und (bes. im anorw.)
hudr(r)tueggia (-tuceggia) oder tueggia hudrr. wenn von zweien
die rede ist; 'jeder für sich' wird durch ser huerr (hurerr.
huarr), 'jeder zweite' durch annarr huerr (hucerr, huarr) aus-
gedrückt. In diesen Wörtern flektieren die einzelnen bestand-
teile ganz wie die gleichlautenden pron. interr. (§ 474, 2 und 3)
und das Zahlwort annarr (§ 455); tueggia (§ 445) und ser
(§ 464) bleiben natürlich unverändert. In hudrrtuegge flektiert
das erste glied nach § 474, 2, das zweite schwach nach § 433
(und mit einem i vor a. o, u der endung), seltener nach § 435
(so bes. im nom. sg. f., nom. acc. pl. ntr., sehr seit, in andern
kasus).
Anm. 1. Alt und seit, sind sg. m. nom. huapartitegge (s. Egilssoii ,
acc. huaparntueggia (s. Fevers, Arkiv V. 132 f. ; vgl. §474,2). — Später
findet man bisweilen nom. pl. m. huärutneggiu, wo also auch das erste
glied schwache flexion hat.
Anm. 2. Das nur plurale bäper (§ 446) mit derselben bedeutuug
wie huärr, huär(r)tueggia , huär{riuegge kann auch hierher gerechnet
werden.
§479. Als pron. indef. können auch betrachtet werden:
mapr (s. § 415) man, annarr hudrr (§ 455 und § 474, 2), annarr
tueggia (flexion nach § 455, tueggia bleibt unverändert) oder
annarrtuegge (flexion wie hudrrtuegge § 478) einer von zweien
(pl. die einen, von zwei parteien gebraucht).
Anm. PI. menn kommt auch bisweilen in der bedentung "man' vor,
dann aber immer mit dem verbum im sg., s. porkelsson, Supplement IV, 103.
II. Abschnitt. Konjugation.
A. Tempusbildung.
§ 480. Je nach der bildung des präteritalstammes sind
die germ. verba zweierlei art: starke, die ihren präterital-
stamm ohne zusatz am ende bilden, z. b. prät. gaf zu gefa
geben, let zu lata lassen; und schwache, die im Präteritum
eine mit dentalem konsonanten beginnende ableitungssilbe an-
hängen, z. b. prät. valpa zu velia wählen, felda zu fella fällen,
lysta zu lysa leuchten. Einige verba sind zum teil stark, zum
teil schwach, s. § 521—526.
32(5 § 481. Starke verba. § 482. Klasse 1 der ablautenden verba.
I. Starke verba.
§481. Die starken verba sind zweierlei art:
1. Die ablautenden, welche ihren präteritalstamm durch
ablaut (§ 164 ff.) des wurzelvokals bilden, z. b. zu gripa
• greifen ' prät. greip, prät. pl. gripom, part. prät. gripenn.
2. Die (einst) reduplizierenden, welche in urgerm. zeit
(und noch im got.) den präteritalstamm (ausser im part. prät.)
durch reduplikation der Wurzelsilbe bildeten; dies ursprüng-
liche Verhältnis ist jedoch im an. durch Schwund der redupli-
kationssilbe (s. § 154) und noch andere Vorgänge gänzlich
verdunkelt worden, z. b. zu heita 'heissen', prät. het (got. haihait),
prät. pl. hetom, part. prät. heitenn ; zu sueipa 'einhüllen' prät.
suelp, part. prät. sueipenn. Bei einigen verben ist jedoch die
reduplikation noch einigermassen erhalten, s. § 506.
a) Ablautende verba.
Klass9 I.
§ 482. Verba der ersten ablautsreihe (§ 165), z. b.
gripa greifen, greip, gripom, gripenn.
Ganz wie gripa gehen: hlipa (älter klypa, schwach nach
§515) kneifen; blifa (d. lehnw. des 15. jahrhs.) werden, bleiben,
drifa treiben, hrifa greifen, Mifa klimmen, rifa reissen, suifa
ablenken, prifa (aber prifa schwach nach § 509) ergreifen ; Uta
beissen, drita cacare, hnita stossen, Uta sehen, rista ritzen,
rita schreiben, sldta cacare, slita zerreissen; lipa gehen, ripa
reiten, ripa (aschw. vripa) drehen, sipa zaubern, skripa schreiten,
snipa schneiden, suipa sengen ; hniga sich neigen, miga mingere,
siga sinken, stiga steigen; fisa pedere, risa sich erheben; gina
das maul aufsperren, hrina schreien, sich erfüllen, huina
kreischen, sJcina glänzen.
Anm. 1. Hniga, miga, siga, stiga haben im prät. sg. auch hne (ein-
mal hncg, Morkinskinna, ed. Unger s. 60, mit anal, wieder eingeführtem g;
vgl. aschw. stcegh < *steg), im, se, ste (s. § 230, 2 ; § 97, 2), welche formen
ursprünglicher, wenn auch später seltener, sind.
Anm. 2. Von hniga (s. Jönsson, Skjaldesprog, s. 96), sipa, suifa, suipa
kommt seit. , von lipa , snipa öfter auch ein schwaches prät. nach § 515
vor; ginpa gehört aber zu einem dem ahd. ginm entsprechenden schwachen
verb (vgl. Celander, Om övergangen av Ö >■d, s. 69 f.).
§ 483. Kl. 1 der abl. verba. g 484. 485. Kl. 2 der abl. verba. 327
Aiim. 3. Von hnita und Mm ist part. prät.. von skita ausserdem
prät. sg. nicht belegt.
§ 483. Besondere eigeutümliclikeiten zeigen sich bei :
bißa warten
beip
bißom
beßenn § 495 anm. 5
blik(i)a blinken
—
blikom
—
anikia, su/'kua. seit.
sueik, seit.
suikom
suik{u)enn, seit, sykenn
sykua § 82, 11 be-
sueyk § 77, 15
vgl. § 82, 10, § 235
trügen
anm. 4
vikia , vfkua , seit.
veik , seit, veyk
cikvm
vikenn, seit, ykuenn
(v)ykua , anorw.
gew. vika weichen
Anm. Von einigen ursprünglich hierher gehörigen verbeu sind nur
schwache spuren der alten starken bildung erhalten :
inf. strykua (ags. strica7i, s. § 82, 5). part. prät. str ykuenn (s. Jönsson,
Skjaldesprog s. 102) streichen (vgl. § 486 anm.) ;
part. prät. snifenn beschneit und 3. sg. präs. ind. snyr (§ 77, 6) schneit
(beide formen nur dicht.), vgl. ahd. snlwan;
part. prät. hnipenn beklommen zu hnipa (schwach nach § 515 oder
auch nach § 509) beklommen sein ;
part. prät. visenn verwelkt (vgl. ags. töweosan, mhd. verwesen);
part. prät. suigenn gebogen (zu schwed. dial. svlga) ;
part. prät. lifenn (zu got. bi-leiban) lebend;
1. sg. präs. ind. te (got. teiha) und part. prät. t/genn (§ 317, 3, a) aus-
gezeichnet, vornehm zu tiü (schwach nach § 520) zeigen ;
1. sg. präs. ind. U (got. leika; § 111,2) und part. prät. nom. pl. m.
lener (einmal belegt, s. Vigfussoni zu lia (schwach nach § 520) leihen.
Die schwachen verben digna erweicht werden und stikna geröstet
werden setzen hierher gehörige starke part. prät. *diginn (got. diyans) und
*stikinn (vgl. steik braten) voraus.
Klasse II.
§484. Verba der zweiten ablautsreihe (§ 166), z. b.
fliöta fliessen. flaut, flutom. flotenn;
Jeriüpa kriechen, kraup. krupom. kropenn;
süpa saufen, saup, siqwm. sopenn.
Anm. Ueber die doppelheit iö, iü im inf. s. § 101.
§ 485. Wie fliöta gehen : briota zerbrechen, giöta giessen,
hliöta bekommen, hriöta schnarchen, stieben, liösta schlagen.
niöta geniessen, skiota schiessen, piöta tosen, priöta aufhören
(unpersönlich): biöpa bieten, hriöpa reuten, riofia röten, siöpa
sieden; giösa sprudeln, hniosa niesen.
328 §486—488. Klasse 2 der ablautenden verba.
Auin. 1. Von hniösa ist part. prät. nicht belegt, von priöta nicht
prät. pl. (wol aber prät. konj.).
Anm. 2. Eine nebenform zu part. prät. protenn 'erschöpft' (zu priöta)
ist vielleicht das adj. prutenn 'geschwollen'. Seltene nebenformen sind:
anorw. prät. sg. hob (AM. 655, 4°, Thomas saga u. a. ; ein er klärungs versuch
bei Kock, Beitr. XXIII, 496), pl. boöom, Skotom, part. prät. bnöinn, s. Wad-
stein, Arkiv VIII, 85 ; aisl. part. prät. hlutenn (St. Hom.); vgl. §486 anm,
§ 487 anm. 1.
§486. Wie kriüpa gehen: driüpa triefen; Miüfa spalten,
rkifa zerreissen; fiüka stieben, riüka rauchen, strkika (vgl. anm.)
streichen, liüka, s. § 487; fliüga (auch flüga nach § 487) fliegen,
Uüga lügen, smiüga schmiegen, siüga, s. § 487.
Anm. Von fliüga, Uüga, siüga, smiüga kommen im prät. sg. neben
flaug, laug, saug, smaug die ursprünglicheren formen fto, 16, so, smö vor
(§230,2, §98,2). Seltene nebenformen sind: inf. strykia und strykua
(vgl. § 483 anm., § 172, 1), ßügia (nach fliügip, -i u. dgl., s. § 263), auorw.
ryfa (nach dem präs. ; s. Hertzberg), riöfa (Hsegstad, Kong. s. 21 ; vgl.
§101 anm. 1); prät. sg. aisl. klof, anorw. fok; part. prät. anorw. rufinn;
s. porkelsson, Beyging; Wadstein, Arkiv VIII, 88; Hsegstad, Vestno. maalf. I,
s. 130. Vgl. § 485 anm. 2.
§ 487. Wie süpa gehen : lüka (spät und seit., s. Fritzner,
liüka nach § 486) verschliessen, hita sich beugen, süga (spät
und seit, siüga § 486) saugen, flüga s. § 468, und wahrscheinlich
die nur im inf. belegten stüpa hervorragen und dufa (nur
anorw. einmal) niederdrücken; dazu part. prät. als adj. dofenn
erlahmt.
Anm. 1. Ueber die nebenform prät. sg. so s. § 486 anm. Ein paar-
mal ist part. prät. lukenn (St. Hom.; Hsegstad, Kong. s. 38) belegt, vgl.
§ 485 anm. 2.
Anm. 2. Neben lüka steht lykia schwach nach § 522, aber sehr
seit, in übertragener bedeutung. Lüta hat seit, schwaches prät. nach § 519
(lütta, pl. lüttom).
§ 488. Besondere abweichungen zeigen folgende verba :
flyia fliehen flö (*flauh flugom § 317, 3, a ; vgl. —
§ 230, 2) anm. 2 unten
(fraus ifrusom tfrosenn
friösa frieren < aisl. alt frwal aisl. alt frerom '. aisl. alt frerenn
v aisl. frera I aisl. frerom \ aisl. frerenn
(kaus (kusom (kosenn
aisl. alt keral aisl. alt kerom, kuruml aisl. alt kerenn, komm
aisl. kera l aisl. kerom l aisl. kerenn
spyia speien spiö § 106 spiöm —
§ 489. Klasse 3 der ablautenden verba. 329
Anm. 1. Prät. sg. frera , kera (mit schwacher flexion nach § 533)
?ind den pluralformen frerom, kerom nachgebildet, über welche s. §71.3,
§ 317,4; über die nebenformen frera, -om, kern, -om s. § 119. Prät. konj.
kesa setzt wol ein prät. pl. *kosom (vgl. § 485 anm. 2) voraus. — Seit,
heisst part. prät. im anorw. kesenn (legendarische Olafssaga), kerenn (s.
Hertzberg; öfter im aisl., s. oben).
Anm. 2. Flyia (statt *fli6a , got. pliuhan) ist dem präs. fhjr (got.
pliuhis) nachgebildet. Prät. flö, flttgom kommt nur alt und dicht, vor.
Sonst hat das wort schwaches prät. nach § 533, 2 : flößa (Jlö mit zugefügter
schwacher endung -da; nur 2 mal belegt, Schreibfehler nach porkelsson,
Anmserkninger. s. 15). flepa (*tlauhiÖö), flypa mach präs. /h/r), anorw. (s.
Wadstein, F. Honi. s. 63) flyida /nach dem inf.), part. flüeßr (lmal belegt,
Schreibfehler nach porkelsson, a. o.), fleepr, flyepr, flypr; in später zeit
auch bisweilen fh'iÖa, part. fli'iidr, flüÖr nach lyia : lüöa, lü(i)dr u. dgl.
Nach dem prät. flepa, fleepr sind ferner die nebenformen inf. fleia, präs.
fUr gebildet.
Anm. 3. Spyia (nach präs. spyr § 77, 6 gebildet ) hat später schwaches
prät. nach § 512 (spüpa, part. ntr. spüt).
Anm. 4. Nur in spärlichen resten ist die starke bildung bei vielen
verben erhalten :
prät. pl. bugum, part. prät. bugenn 'gebogen";
prät. sg. hnaup, part. prät. ntr. hnopet 'geschlagen';
3. sg. präs. ind. hryss. prät. sg. hraus 'schauderte' ;
zu tiöa (got. thihan) "ausreichen, helfen' (präs. ind. tiö . tyr. tyr, pl.
tiöm, tiöep. tiöa) kommt in der bedeutung 'gezogen' ein altes part. prät.
togenn vor: sonst hat das wort (in seiner gew. bedeutnng) nur schwaches
prät. (nach §513,2): tepa, typa, part. tepr, tyPr, wozu die inf. teia (präs.
te), tyia (präs. ty), mit derselben entwickelung wie bei flyia (anm. 2 oben ;
zum teil aber urspr. ein anderes verb, s. §68,4); ausserdem kann tiöa
ganz nach § 509 gehen (präs. tiöa. prät. tiöafra. part. prät. tiöapr). im prät.
ind. auch nach §519 (tiöpa); über die Vermischung mit tiä, tepa (tiäpa)
s. Hultman, Hälsingelagen, s. 43 note 3 :
nur im part. prät. belegt sind: füenn verfault, hropenn (vgl. ags.
hreoÖan) gefärbt, anorw. [h]rufinn ([A]rti/tnn?; vgl. § 485 anm. 2 und § 487
anm. li struppig, lopenn (vgl. ags. leodan) haarig, rotenn verfault, snopenn
dünnhaarig; femer hokenn zu hüka (schwach nach §519,1) kauern, Herrn
zu lyia (prät. schwach nach §512) zerquetschen; die schwachen verben
losna sich lösen und glüpna stutzen setzen starke part. prät. *losinn (got.
lusans), *glüpinn voraus.
Klasse HI.
§ 489. Verba der dritten ablautsreihe (§ 167), z. b.
bresta bersten, brast, brustom, brostenn;
biarga bergen, barg, burgom, borgenn;
spinna spinnen, spann, spunnom, spunnenn;
330 § 490. 491. Klasse 3 der ablau tenden verba.
slyngua, slyngia schleudern, slgng, slungom, slungenn;
sekkua sinken, sokk, sukkom, sokkenn.
Anm. Ueber e, i im iuf. s. §162, §110,1; ia §88; y §82,4; e
§ 82, 3, § 110, 1. Ueber o, u im part. prät. s. § 61, 2, § 112, 1. Vgl. § 490
anm. 2.
§ 490. Wie bresta gehen : detta niederfallen, gnesta krachen,
kretta mucken, snerta berühren, spretta springen, suelta hungern,
sterben, velta wälzen; skreppa gleiten, sleppa gleiten lassen, verpa
werfen; serfia (vgl. § 315 anm. 3) perverse Unzucht treiben, verpa
werden; huerfa sich wenden, suerfa feilen; suelga (auch suelgia
nach der 2. pl. präs. ind. suelgip, 2. 3. präs. konj. suelgir, -i u. a.,
vgl. § 263 und fliügia § 486 anm.) schlucken; bella treffen,
suella schwellen, vella sieden; puerra abnehmen.
Anm. 1. Von bella und kretta ist ausser dem inf. (und dem auf-
fallenden, wol etymologisch verschiedenen, präs. knettr Mälshättakusepe 24 ;
vgl. nnorw. knetta) nur prät. sg. belegt ; von gnesta und vella ist part. prät.
nicht belegt, von serpa und suerfa nicht prät. pl.
Aum. 2. In detta, kretta, spretta, skreppa, sleppa ist e im inf. nach
§ 110, 1, o im part. prät. nach § 112, 1 (sonst nach § 61, 2) zu erklären.
Anm. 3. In verhen wo v oder kons, u dem wurzelvokal vorhergeht,
fehlt dies in alter zeit natürlich vor dem u, o des prät. pl. und part. prät.,
zeigt sich aber oft in der späteren spräche, z. b. urpom,- orpenn (später
vurdum, vorÖinri) zu verpa; hurfom, horfenn zu huerfa u. dgl. (s. § 235, 1, a
mit anm. 1).
Anm. 4. Das adj. skorpenn 'eingeschrumpft' ist urspr. part. zu skreppa
(wozu part. prät. skroppenn neugebildet ist); vgl. § 315 anm. 3. Sehr
seltene anorw. nebenformen sind inf. valla (Wadstein, F. Hom., s. 48; ahd.
wallan, ags. weallan) statt vella und prät. pl. voröom (leg. Olafssaga) st.
(v)urdum; ebenso setzt anorw. prät. konj. herfa (leg. Olafss.) st. hyrfa ein
prät. pl. *horfom (vgl. § 485 anm. 2) st. hurfum zu huwrfa voraus ; vgl.
noch shetl. und mnorw. inf. varda (s. § 149 anm. 2). Mnorw. kommt
bisweilen prät. sg. vart (wie im aschw., s. Ad. gr. II, § 260 anm. 7) statt
varö vor, s. Haegstad, Kong. s. 38, Vestno. maalf. 11,1, s. 56.
§ 491. Wie biarga gehen: gialda (prät. sg. galt § 220)
gelten, gialla (part. prät. nicht belegt) gellen, skialfa zittern,
skialla klatschen.
Anm. 1. Spät geht biarga auch schwach nach § 509.
Anm. 2. Sehr seltene nebenformen sind: inf. skella (s. porkelsson,
Beyging) und anorw. gelcla (Cod. Tunsb.), gilda (mehrmals, s. Haegstad,
G. Tr. s. 45) ; prät. sg. anorw. skolf (porkelsson , Beyging ; vgl. holp § 495
anm. 5).
§ 492 — 495. Klasse 3 der ablautenden verba.
331
§492. Wie apüma gehen: cinna ausführen. Linda binden,
hrinda stossen, vinda winden; springa zerspringen, stinga
stechen; suimma (vgl. suima. symia §496) schwimmen.
Anm. 1. Prät. sg. zu binda , hrinda , vinda , springa . Stmga heissen
bau (seit, baut, Hb. s. XXX 2 mal und Wadstein, Arkiv VIII, 85, Hsegstad,
Vestno. maalf. IT, 1, s. 56), hratt, vatt, sprakk (spät und seit, sprang nach
dem pl.. s. porkelsson, Supplement II). statt , s. § 220, § 266,2 und 3. —
Ueber prät. pl. [r)imnom, (v)undom, summom, part. prät. (v)umienn usw.
s. § 235. 1, a mit anm. 1.
Anm. 2. Sehr seltene nebenformen sind 1. pl. imperat. hryndum (so-
wie die schwache 2. sg. präs. ind. hrinder, nach § 515 wie im nisl.) und
part. prät. ntr. sommet (vgl. §496 anm. 2). S. Wadstein, Arkiv VIII, 92
und porkelsson. Beyging.
§ 493. Wie slyngua, slyngia gehen : syng(u)a (§ 235 anm. 4),
-(i)a (§ 263 mit anm. 2) singen, pryngua. -ia drängen; tyggua,
■ia (dies auch schwach nach § 512) kauen.
Anm. ßryngua hat im präs. neben pryng(r) auch ßreng(r), wozu
sowie zu einem vorauszusetzenden *sleng(r) dann neugebildet werden inf.
ßr&ngua , -ia und slengua (wie nach präs. tyggr inf. tyggua statt *tio>igua.
aschw. tiugga, aus *teggwa § 82, 7) welche später oft schwach nach § 516, b
flektieren. — Seltene nebenformen sind inf. aisl. songua (St. Hom. ; Schreib-
fehler?), anorw. prangt ji)a (Hb., s. XXXIII: Hertzberg, s. 748 f. ; hierzu
das oben erwähnte präs. firengr < *prangiciR § 77,7), gebildet wie
hnggg(u)a (nschw. nagga) §495 und vaüa §490 anm. 4; ebenso scheint
das eben erwähnte *slengr ein inf. *styngua vorauszusetzen; prät. pl.
songom (St. Hom. 4 mal: nach dem sg.), syngom (AM. 645, 4° nach dem
konj. synga); part. prät. syngenn (St. Hom. 3 mal. AM. 645, 4°), songenn
(St. Hom. 3 mal).
§ 494. Wie sekkua gehen: hrekkua weichen, ktekkua
stöhnen, stekkua springen.
Anm. Seit, nebenformen sind: inf. sokkiui (Hb., s. XXXIII; Kahle,
Die spräche der skalden, s. 278); part, prät, sukkenn (Kahle, ib. s. 260).
§ 495. Besondere abweichungen zeigen :
bregpa durch eine schnelle
bewegung in eine ver-
änderte läge versetzen
brä
brugpom
brugpenn
brenna brennen
braun
brunnom
brunnenn
drekka trinken
drakk
drukkom
drukkenn § 112, 1
finna finden
hialpa helfen
hnggg(n)a stossen
fann
halp, hialp
hnogg
j funnom
I funiom
hulpom
\ funnenn
\/»w?e>m§317,2,b
holpenn
hnuggenn
renna rennen
rann
runnom
runnenn
sporna anstossen
spam
spurnom
—
332 § 495. Klasse 3 der ablautenden verba.
Anm. 1. lieber die Unregelmässigkeiten bei bregpa s. § 61, 2 und
Noreen, Geschichte 3 § 235, 1. In den bedeutungeu 'rügen', 'betrügen', 'aus-
lösen', 'auf etwas ansprach machen' kommt auch, bes. anorw., die (gew.
schwach nach § 515 flektierende) form brigpa vor , welche dem 2. 3. sg.
präs. (anorw., s. Hertzberg) brigdr (§ 530 anm. 4) nachgebildet ist.
Anm. 2. Neben brennet, rennet kommen (bes. in alter zeit und anorw.)
seit, brinna (Hertzberg; Jonsson, Skjaldesprog, s. 90), öfter rinnet (porkels-
son, Beyging; Hertzberg; Jonsson, a. o. und No.-isl. kultur- og sprogforhold,
s. 316) vor; vgl. § 162, 1, § 318, 11.
Anm. 3. Hnggg(u)a — nicht *hneggua, wie Bugge bei Fritzner III, 1102
angibt (s. Wadstein, Arkiv VIII, 91) — hat im präs. ind. sg. neben hneggr
auffallend auch hnygg(r). Da hier ggw aus ww (§ 227, 2) entstanden ist,
gehört dies verb (wie auch tyggua und gyggua anm. 6 unten) ursprünglich
zu der 2. ablautsklasse (§ 484 ff.).
Anm. 4. Von (dem gew. schwach nach § 509 flektierenden) spornet
(ahd., ags. spurnan) ist ein starkes präs. *spyrn (§ 63 anm. 1) nicht belegt,
liegt aber der nebenform spyrna (schwach nach § 515) zu gründe. Neben
spornet hat wol einmal ein dem aschw. spicerna entsprechendes *spiarna
gestanden — vgl. (die schwachen) horfa sich wenden, molka melken neben
(den starken) huerfa, ahd. melchan — und zu dessen präs. *spern (§ 530
anm. 4) ist die form spernet (schwach nach § 515) neugebildet.
Anm. 5. Sonstige, sehr seltene nebenform en sind: zu hialpa inf. anorw.
heelpa (Hertzberg), prät. sg. holp (porkelsson, Beyging), help (Fritzner;
auch 3. sg. prät. konj. helpe, s. porkelsson a. o.); über das zu spornet {sperna,
s. anm. 4 oben) wahrscheinlich nicht gehörige prät. spann (porkelsson a. o.)
s. § 272 anm. 2; zu bregpa, drekka und finna part. prät. anorw. brogÖenn
(Wadstein, Arkiv Vni, 87) §61,2, drykkinn (Elis saga) §112,1, fynninn
(Spec. regale , ed. Brenner, s. 96 35 ) mit analogisch eingeführten suffix -in-
st, -en-, wie umgekehrt in benenn § 483 -en- st. -in- § 162, 2 eingeführt sein
und a-umlaut bewirkt zu haben scheint (oder ist es nur von bepenn § 498
beeinflusst ?) , vgl. nisl. byndin, porkelsson, Supplement II, neben bundin
garbe. Hialpa kann auch schwach nach § 509 gehen.
Anm. 6. Nur in spärlichen resten erhalten sind:
3. prät. pl. (anorw. einmal, s. porkelsson, Beyging) gnullu schrien;
inf. und part. prät. bryggia (anorw., s. Hertzberg; ags. breowan),
bruggenn brauen, gyggua, *guggenn (aus gugna ' erschrecken ' zu erschliessen)
schreck einflössen, melta, *moltenn (erst als nisl. molttnn belegt) schmelzen ;
part. prät. bolgenn angeschwollen, holfenn zu holfei (schwach nach
§ 519, 1) gewölbt sein, kroppenn zu kreppa (schwach nach § 515) schrumpfen,
roskenn (vgl. got. wrisqan) gewachsen, storkenn erstarrt; die schwachen
verben morkna morsch werden und porna (vgl. § 283) dorren setzen starke
part. prät. *morkenn (nisl. morkinn) und *porrenn (vgl. got. gapaürsans)
voraus.
§ 496. Klasse 4 der ablautenden verba. 333
Klasse IV.
§ 496. Yerba der vierten ablautsreihe (§ 168), z. b.
hera tragen, bar, borom, borenn.
So gehen noch skera (vgl. jedoch anm. 4) schneiden, stein
stehlen und mit gewissen abweichungen :
fela verbergen fai fglom folgenn § 317, 3, a
Jioma (anorw. oft Jcuma) kom kugmom,kömom komenn
kommen § 77, 11
nema nehmen nam nömom, nömom numenn, nomenn (oft
§ 116 anorw., sehr seit, aisl.)
sofa schlafen suaf sugfom, söfom soferm
§77,11
suima, si/mia schwimmen sttam sugmom sumenn § 235, 1, a
tropa treten trap trgpom tropenn
vefa weben vaf, vgfom, öfom oferm
öf § 77, 11
Amn. 1 . Fela (*felha § 230, 1 ; anorw. einmal präs. pass. fiadzt, s. Hsegstad,
Vestno. maalf. II, 2, i, s. 200, vgl. aschw. ficela) gehörte urspr. der 3. ablauts-
klasse (§489 ff.), wie auch das part. prät. bezeugt: demnach ist prät pl.
fölom anal, neubildung (statt *fulgom. aschw. run. fuJku Kolunda) zu sing.
fai nach dem Verhältnis stal : stglom u. dgL Sehr seit, kommt anorw. ein
schwaches part. prät. felaör (s. Fritzner; vgl. aschw. jiaüaper) vor sowie
misl. prät. falda (wie im aisl.) st. fal mit neu hinzugetretenem -da (s.
porkelsson, Anmaerkninger, s. 12).
Anm. 2. Neben suima (später auch schwach nach § 509), symia
(*sumjan) kommt auch saimma (*swimnan §318, 10) mit nur präsentischem
-n-, vgl. f reg na § 498 anm. 2) nach klasse III vor (s. § 492). Aus einer
urspr. flexion suimma, prät. suam, part. sumenn, *somenn (gebildet wie
nomenn, s. oben) sind durch ansgleichung sowol suima wie suamm, summenn
und sommenn (§ 492 anm. 2) entstanden ; ein dem inf. nachgebildetes part.
prät. ntr. suimit ist einmal belegt (s. porkelsson, Beyging).
Anm. 3. Koma, tropa, sofa (über deren vokalisation s. Noreen, Sv.
laudsm. I. 693; Sievers, Beitr. VIII, 80 ff.) haben präs. kern, trep, sef(% 66, 1,
§416 anm. 3. schluss). resp. kern, trep, sef (§ 119). Zu trep ist wol das
bisweilen vorkommende schwache prät. tradda, part. traddr gebildet nach
der analogie glep erfreue : gladda : gladdr u. dgl. (§ 512).
Anm. 4. Ueber prät sg. kom s. Ljungstedt, Anmärkningar tili det
starka preteritum (Upsala 1887), s. 111 ff. Öf ist wol zu dem pl. öfom ge-
bildet nach der analogie för : forom (§499): ebenso wol auch ein sehr
seltenes näm (Wadstein, Arkiv VIII. 89) zu nämotn nach ät : ätom u.dgl.
(§ 498 anm. 7). Umgekehrt sind nach der anal, nam : nömom gebildet zu
prät. sg. bar seit. pl. aisl. börom (z. b. St. Hom. 3mal). zu skar sehr seit. pl.
anorw. skörom (Hb. s. XXV) ; vgl. § 497 anm. 2.
834
§ 497. 498. Klasse 5 der ablautenden verba.
Anm. 5. Von *slokkua «*slekwan §82,3, mnorw. dial. slekka: kk
nach § 279, 2) erlöschen (vgl. das schwache slekkua § 82, 6 auslöschen) ist
aus alter zeit nur part. prät. slolcenn belegt; dann aus dem nisl. ein präs.
slökkr. — Von hlymia klirren, das übrigens schwach geht, ist in Egils
HQfoplausn ein starkes prät. hlam (oder hlamm? vgl. suam und suamm zu
symia) einmal belegt; von koma einmal part. prät. dat. kumnum, s. Jonsson,
No.-isl. kultur- og sprogforhold , s. 317. — Ueber strepa, part. strojjenn
s. § 315 anm. 3.
Klasse V.
§ 497. Verba der fünften ablautsreihe (§ 169), z. b.
gefa geben, gaf, ggfom, gefenn.
So gehen noch: drepa erschlagen; feta den weg finden,
freta pedere, geta bekommen, meta abschätzen; leka leck sein,
reka treiben; lesa lesen; trega betrüben, vega (prät. vä §230,2)
aufheben, wiegen, wägen.
Anm. 1. Von trega sind prät. sg. und pl., von freta prät. pl. und
part. prät., von leka prät. pl., von feta part. prät. nicht belegt. Die neben-
formen frata, fata (gebildet wie valla, prpngua u. a., s. § 493 anm.) gehen
schwach nach § 509; so bisweilen auch freta und gew. trega, das aber
auch ein prät. tregpa in der bedeutung 'betrauerte' aufzuweisen hat.
Anm. 2. Sehr seltene nebenformen sind: inf. giafa (s. § 95 anm. 4),
prät. sg. gäf (Rimb. , St. Hoin.), mät (No. Hom.; vgl. § 498 anm. 7, §496
anm. 4 und Wadstein, Arkiv VIII, 89); prät. pl. anorw. (No. Hom., leg*
Olafssaga) mötom (s. § 116). Aisl. dröpom, götom, (beides z. b. in St. Hom.)
sind entweder als nur ungenaue Schreibungen statt dröpom, götom oder
als anal, neubildungen nach nömom , kopom (§ 498) u. dgl. aufzufassen
(vgl. borom, skörom § 496 anm. 4, pögom § 498 anm. 7).
§ 498. Besondere ab weichungen zeigen :
eta, eta, s. anm. 1 dt, s. anm. I
essen
fregna fragen, s. anm. 2 frd §230,2
ötom
kuap,kuat§238
anm. 12
frögom
kuöpom, kopom
§ 77, 11
kaepa sagen
rek(k)ua § 82, 3,
§ 279, 2 dunkeln
siä (sea § 133, b, 2,
§ 230, 1) sehen
vega (anorw. auch
viga) töten
vesa, vera sein
rom § 77, 11
und mit dem präsens vokal i nach § 168, 3 :
sd § 122
va, s. anm. o
vcis, var
söm § 132, söm
§116
vögom
vörom, seit. (v)6-
etenn
fregenn
kuepenn
ntr. rekk(u)et
senn § 130
vegenn (anorw.
auch viginn)
ntr. veret, seit.
veset
§ 498. Klasse 5 der ablautenden verba. 335
bipia bitten bap bopom bepenn
liggia § 279, 1 liegen lä § 230, 2 logom legenn
sitia sitzen seit sotom setenn
piggia empfangen pä pögom pegenn
Anm. 1. Neben ein tritt eta (ieta § 103), wo die vokallänge wol ans
dem prät. ät (got. fr-et, lat. edi, gr. eö-rjöa) herübergenommen ist, schon
seit dem anfange des 13. jahrhs. auf, s. B. M, Olsen, Germania XXVII, 262 f.
Anm. 2. In fregna ist n ein spezifisches präsenssnfiix, das den übrigen
Stammformen fremd ist; vgl. § 496 anm. 2 sowie lat. cerno, sino, Uno u. dgl.
Statt präs. fregn kommt sehr seit, freng (st. *frengn, vgl. §239,2) oder
freg (zu dem prät. frei, frögom neugebildet nach reg : vd , vugom) vor;
s. Fritzner. Das wort geht auch schwach nach § 515, später und seit, auch
nach § 509.
Anm. 3. Von kuepa kommt einigemal (in alten handschr.) auch prät.
sg. kuad (in Verbindungen wie kuap pat 'sprach so' entstanden, vgl.
§ 238, 1, a) vor; wenn das folgende wort mit p (oder 8) anlautet (sonst
sehr seit., s. Arkiv X, 207 note), steht sogai bisweilen kua (vgl. Hoffory,
Arkiv II, 33 ff. ). Dem prät. pl. kupom nachgebildet ist der seit, anorw.
(s. Hsegstad, Vestno. maalf. I, s. 140, und Hertzberg) sg. köÖ, pass. koz
(*köp-S); vgl. aschw. köp.
Anm. 4. Von siä kommen spät im präs. statt se, ser, mm, sep die
formen siai, -ir, -im, -it (wie nach §509 gebildet" vor. Anorw. steht im
prät. pl. bisweilen (wie im aschw. immer) sägom , s. Hsegstad, a. o. , II, 1,
s. 76 und II, 2, i, s. 200.
Anm. 5. Vega {riga — so regelmässig im Cod. Rantzovianus des
Gulathingsgesetzes — vgl. § 60; gehört urspr. der 1. ablautsklasse (vgl.
got. weihan, ahd. ic'igan). Demnach ist prät. rü aus *ica//< (s. §54,1,
§ 317, 3, a) entstanden und pl. vjgom neubildung statt *vigom.
Anm. 6. Ueber den Wechsel von s und ;■in vesa, vera s. § 317, 4.
Im inf. und prät. sg. sind die formen vera, rar, wo r auf Übertragung aus
den übrigen formen beruht (wie umgekehrt s im part. reset), jünger als
KM, vas, kommen aber schon bei den dichtem seit Einarr Skvilason c. 1140
(s. Jönsson, Skjaldesprog s. 93) sowie in den ältesten hdschr. vor (z. b. Eimb.
und Placitüsdrapa). Die formen mit s kommen noch vereinzelt bei Snorre
und einmal in der etwa gleichzeitigen Liknarbraut vor, sind aber später
ganz ausser gebrauch (vgl. Palseographisk Atlas 1905, s. VI). — Das im
inf. einmal belegte rasa (St. Hom.) dürfe nur Schreibfehler sein; vgl. aber
mnorw. (und shetl.) vara § 149 anm. 2 und § 497 anm. 1. — Ueber die sehr
eigentümliche flexion des präs. s. § 532, 3 und § 537.
Anm. 7. Sonstige seltene nebenformen sind: inf. sita (porkelsson,
Beyging) nach präs. sit; präs. konj. pege neben dem gew. (nach dem inf.
gebildeten, s. § 279, 1) pigge (s. porkelsson, Supplement IV, 186); prät. sg.
bäÖ (Wadstein. F. Hom. s. 121), sät (Wadstein. Arkiv VIH,89), vär (mehr-
mals in No. Hom., s. Wadstein, F. Hom. s. 121) zu pl. bopom usw. neugebildet
(nach ät : otom; vgl. § 496 anm. 4 und § 497 anm. 2), mnorw. einmal (s. Hseg-
stad, a. o. II, 1, s. 76) lag (wie im mschw. sehr oft) st. lä; prät. pl. frögom
336
§ 499. 500. Klasse 6 der ablautenden verba.
(Fritzner; ungenaue Schreibung statt frggom?), pögom (Islendinga Bok,
ed. Jonsson, s. XVII), vgl. § 496 anm. 4, § 497 anm. 2; part. prät. spät
rekkuat (Fritzner II, 1099), anorw. einmal (alt, aber vielleicht Schreibfehler)
voret st. veret, s. G. T. Flom, The University Studies IV, 2, s. 29.
Anm. 8. Vereinzelt stehen prät. sg. huak (Ägrip, ed. Dahlerup, s. 15 17 )
wankte (vgl. das schwache huika wanken nach § 509) und part. prät. iäenn
zu iä (&h(\.. jehan, s. Liden, Arkiv III, 240 f.) versprechen, das sonst schwach
nach § 520 geht.
Klasse VI.
§ 499. Verben der sechsten ablautsreihe (§ 170), z. b.
fara fahren, fà ¶r, förom, farenn;
taka nehmen, tök, tökom, teJcenn (anorw. twkinn) § 74.
§ 500. Wie fara gehen: ala ernähren, gala singen, kala
frieren, mala mahlen; grafa graben, skafa schaben; hla])a
(auf)laden, vafia (prät. 6p, öpom, später vöd, vodum, s. § 235, 1, a
mit anm. 1) waten ; und mit besonderen abweichungen :
äeyia <*daujan) sterben
dö (*dou)
dorn {*döwum
däenn § 163, 1
§130)
geyia bellen
9 Ö
göm
—
hefia heben
höf
hofom
hafenn
kefia niederdrücken
köf
köfom
kafeun
skepia schaffen
sköp
sköpom
—
standa stehen
stop
stöpom
stapenn
sueria schwören
s(u)ör
mit
§ 235, 1, a
anm. i
s(u)6rom
suarenn
vaxa wachsen
öx
öxom, uxom
§170 anm. 2
vaxenn
Anm. 1. Auch schwach nach § 512 gehen kefia (bes. in alter zeit),
skepia (im part. prät. immer) , sueria, nur im part. prät. (aber dort fast
immer) hefia. Das mit skepia gleichbedeutende skapa geht schwach nach
§ 509 ; so seit, im prät. misl. gala (üislason, Efterladte skrifter II, 181), seit,
im part. prät. anorw. skafa (s. Hertzberg).
Anm. 2. In standa ist n ein spezifisches präsensinfix, das von alters
her den übrigen Stammformen nicht zukommt; vgl. lat. tundo, ttmgo,
cumbo u. dgl.
Anm. 3. Sehr seltene nebenformen sind: inf. anorw. (s. Haegstad,
Arkiv XX, 365) fera (nach dem präs.); prät. (schwach) aisl. deype, anorw.
debe (s. Fritzuer), aisl. vexta (s. Vigfusson) den inf. anorw. (s. Hsegstad, a. o.)
vexa (got. wahsjan , aschw. vtexa) voraussetzend; prät. pl. aisl. (St. Hom.)
grofom (vgl. grdifr § 170 anm. 1) den inf. anorw. (s. Hsegstad, a. o.) grefa
nach § 497 (aschw. gra>va) ; anorw. (Streugleikar, s. 70) häfom ist vielleicht
§ 501. Klasse 6 der ablautenden verba. 337
nur Schreibfehler (vgl. aber §170 anm. 1): part. prät. ntr. anorw. dät(t),
den synkopierten kasus, pl. deiner u.dgl., nachgebildet (s. § 159), anorw.
einmal (s. Flom, a. o., s. 42) tikit st. teekit (Schreibfehler? Vgl. jedoch aschw.
präs. tiker und oft konj. tiki).
Anm. 4. Nur im prät. sg. belegt ist aisl. (und nisl. , s. porkelsson,
Beyging) hnöf 'schnitt ab".
§ 501. Wie taJca gehen diejenigen verba. bei denen nach
dem wurzelvokale im part. prät. ein palatal folgt. Ganz gehen so
aka fahreD, skaJca schütteln und mit besonderen abweichungen:
draga (anorw. auch drega drö §230,2 drögom dregenn (anorw. dree-
§ 172, 4) ziehen ginn und dregenn)
flä(*flahan§ 230,1, §130) flö flögovi flegenn
schinden
hlceia (*hlahjan § 123) hlö hlögom hlegenn
lachen
klä reiben kiö klugem hlegenn
slä schlagen slö slögom slegenn
puä waschen p{u)ö § 235, 1, a p{u)ögom puegenn
mit anm. 1
Anm. 1. Ueber den Wechsel zwischen (einstigem) h und g in flä,
hlctia, slä, puä s. § 317, 3, a. Klä flektierte urspr. wie deyia (§ 500), aber
statt *kleyia (dän. kle) wurde klä neugebüdet zu dem präs. klcer (*klaiciR;
vgl. umgekehrt präs. deyr st. *dcer nach deyia wie nom. niey st. mti-r nach
gen. meyiar § 163, 1) nach dem muster slä : sUer; zu prät. klö wurde pl.
hlögom st. *klöm (vgl. aschw. später döghom st. dorn) gebildet nach slö
: slögom, und ebenso part. klegenn st. *kläenn nach slegenn.
Anm. 2. Auch schwach nach § 509 geht aha (seit.). Slä geht im
prät. auch nach § 506: slera, slera, pl. slerom, slerom.
Anm. 3. Seit, nebenformen sind: prät. sg. slög (s. porkelsson. Beyging)
mit aus dem pl. entlehntem % : part. prät. ntr. anorw. dragit (Elis saga).
mnorw. taket (Hsegstad, Kong. s. 38), nach anm. 5 zu erklären.
Anm. 4. Von dem schwachen (nach § 509) gnaga nagen sind zwei starke
formen je einmal belegt (s. porkelsson, Beyging): 3. sg. präs. ind. aisl. gnegr
und part. prät. ntr. anorw. gnaget (nach den synkopierten kasus, vgl. anm. 5
und aschw. gnaghin). Vereinzelte part. prät. sind: fegenn (ags. gefa>gen,
vgl. got. fahsds und faginün) froh, vakenn wach zu vaka (schwach nach
§519,1; got. wakan) wachen und der name Präenn zu preyia (schwach
nach § 513, 5) oder prd (nach § 511 : vgl. klä , s. anm. 1 oben) sich sehnen.
Anm. 5. Part. prät. hat — von den vereinzelten norw. dragit, taket
(s. anm. 3), gnaget (s. anm. 4) abgesehen — den Wechsel von umgelautetem
vokal in den nicht synkopierten und unumgelautetem vokal in den
synkopierten kasus (s. § 74) durchgehends (vgl. doch Konungs skuggsiä
dreeginn : nom. pl. f. dragnar ; gezogen') zugunsten des umgelauteten aus-
geglichen, z.b.tekenn, pL tekner st. *takner (wonach umgekehrt aschw.
takinn) 'genommen'.
Noreen, Altisl. gramm. 4. auü. 22
338
§ 502. 503. Klasse 1 und 2 der reduplizierenden verba.
b) Reduplizierende varba.
§ 502. Klasse I. Verba der ersten ablautsreihe. Hier-
her gehören nur:
heita heissen het hetom heitenn
leika spielen lek lekom leilcenn
sueipa fegen, wickeln sueip suipom (Fritzner III, 624) sueipenn
Anm. Seltene nebenformen sind: prät. heit, -om (s. Olsen, VQlsunga
saga, s. XXI, Hb., s. XXXVII, Haegstad, Kong. s. 38 u. a., wol nicht alles
Schreibfehler — wie Hesselman, Arkiv XXVII, 360, vermutet — sondern
zum teil nach §154 zu erklären), sg. hat (s. §280, 1), hit (Hauksbök,
s. Brenner, Literaturblatt 1885, sp. 54). Sueipa geht gew. schwach nach
§ 509 oder § 515. Ein isoliertes part. prät. ist eikenn rasend.
§ 503. Klasse IL
Hierher gehören:
Verba der zweiten ablautsreihe.
auka vermehren
iök
iökom, iukom
aukenn
ausa schöpfen
iös
iösom, iusom
ausenn
hlaupa laufen
hliöp
hliöpom, hlupom
(anorw. auch liupuni)
hlaupenn
büa wohnen,
biö (anorw. auch
bioggom, biuggom
büenn
bereiten
biugga, biogga)
hogg(u)a § 227, 2
hiö (anorw. auch
hioggom, hiuggom
hggg(u)enn
hauen
hiogga)
Anm. 1. Seltene nebenformen sind: inf. böa, wenigstens durch das
öfter im anorw. als im aisl. belegte substantivierte part. präs. böande (s. § 422
und vgl. § 166 anm. 2) bezeugt, anorw. heggua (und part. prät. hegguenn;
s. Hertzberg) nach dem präs. heggr (wie umgekehrt bisweilen hgggr nach
hgggua) ; prät. sg. hiü (s. Larsson) und mnorw. (wie aschw.) hiogg (s. Hsegstad,
Vestno. maalf. II, 2, i, s. 200), anorw. (s. Fritzner II, 4, sp. 2; ebenso im
dalekarlischen, s. Noreen, Sv. landsm. IV, 144 f.) lep (vgl. §172, 1) und mnorw.
lep (Hfegstad, a. o. II, 1, s. 87) § 295 anm. 3, aisl. (wie im anorw., s. oben)
biogga (s. Jönsson, Skjaldesprog s. 99) und mit aus der 2. 3. sg. entlehntem
gi (s. § 263 anm. 1) anorw. bygga (s. Haegstad, a. o. II, 1, s. 87 und II, 2, i,
s. 200, 204) oder (wol nach dem pl.) biuggia (s. Wadstein, Arkiv VIII, 87);
prät. pl. hiuggiom (s. Larsson), hioggiom, bioggiom, buggiom (Schreib-
fehler?) alle mit gi nach § 263 anm. 1, misl. hlaupum (Olson, Yngvars
saga, s. LXIV) und anorw. laupom (s. Wadstein a. o., s. 90). Zur erklärung
der formen s. Noreen, Geschichte 3 §240 und 243; anders Lindroth, Arkiv
XXIV, 353 f., noch anders Wood, Modern Phüology XIV, 2, s. 63. — Ueber
part, prät. ntr. büt neben bitet s. § 159.
Anm. 2. Auch schwach flektieren auka (bes. im anorw.) nach § 509
und im anorw. büa nach § 519, II (doch nicht im präs.).
Anm. 3. Von bauta schlagen sind nur präs. ind. pl. und (als zweites
glied in Zusammensetzungen) part. prät. (dicht.) belegt; später auch ein
§ 504. 505. Klasse 3 und 4 der reduplizierenden verba.
339
schwaches prät. bautapa nach § 509.
'vom Schicksal bestimmt".
Ein isoliertes part. prät. ist aiipenn
§ 504. Klasse m. Verba
der drittel
i ablautsreihe.
Hierher gehören:
blanda mischen
blett (*blind) §220,
§266, 2, §110,1
blendom
blandenn
fä(*fanhan §317, 3, b.
fekk (*fing) § 220,
fingom, später
fingerin, fengenn;
§ 130) bekommen
§266,3,b,§110,l
fengom
vgl. anm. 1
falda den köpf be-
feit § 220
feldom
faldenn
decken
falla fallen
fett
fdlom
faflenn
ganga gehen
gekk (*ging)
gingom.
später gengom
gingenn, gengenn
halda halten
heit
heldom
haldenn
hanga hangen
hekk (*hing)
hengom
hangenn
Anm. 1. Von fä heisst die 3. sg. präs. konj. ein paarmal (s. Fritzner)
fange (st. fäe); .der inf. fanget, welcher sich zn fä verhält wie hanga zu
got. hähan, bedeutet gew. -fangen' (und wird schwach nach §509 flektiert),
seit, 'bekommen'; ebenso heisst die nicht seltene part. prät.-form fangenn
gew. 'gefangen'. Zu ganga kommt mehrmals (s. porkelsson, Beyging)
eine 3. sg. präs. ind. aisl. gingr (st. gengr) vor wie von einem inf. *ginga
(vgl. ?ahd. gingen, litau. zengiu, § 167 und Kluge, Beitr. z. gesch. d. germ.
conj. s. 84, 160; anders Kock, Beitr. XXIII, 508). Die im Cod. Tunsb. belegte
3. sg. präs. konj. hange ist wol mit dem aschw. inf. heengia zu vergleichen.
Sehr seltene nebenformen sind ferner: prät. sg. feil (st. feit) § 275, § 317, 2, b,
anorw. gikk (Haegstad, a. o. II, 1, s. 87; wie im aschw.), hell § 275, § 317, 2, b
oder hüt (mehrmals heilt geschrieben, s. Wadstein, Arkiv VIII, 89 und
Hsegstad, G. Tr., s. 70); prät. pl. anorw. hiaüdo (s. porkelsson, Beyging; agutn.
hieldu), mnorw. heldo, hello (s. A. B. Larsen, Lydlaeren i den solerske dialekt,
s. 135; aus *hieldo < *hioldo, s. An. gr. II, § 75, 2 und § 313 anm. 2).
Anm. 2. Hanga geht im präs. ind. immer, im prät. sg. und pl. oft
schwach nach § 519. Falda geht selten , blanda oft schwach nach § 509.
Anm. 3. Ein isoliertes part. prät. ist aldenn alt (vgl. got. us-alpan
altern).
Anm. 4. Ueber die (späte und seltene, s. Egilsson und porkelsson,
Supplement FV) nebenform gä zu ganga, welche ursprünglich zwei ganz
verschiedene verba sind, s. Lorenz en, Tidskr. f. Fil. >".R. IV, 223 ff.; Mahlow,
Die langen vokale, s. 136 ff.; v. Fierlinger, K. Z. XXVII, 432 ff.
Anm. 5. Prät. pl. fengom , gengom, hengom, blendom sind dem sg..
part. prät. fingenn, gingenn dem prät. pl. und dem inf. *ginga (vgl. anm. 1
oben) nachgebildet.
§ 505. Klasse IT. Verba, die im inf. und part. prät.
der siebenten ablautsreihe (§ 171) angehören, im prät. dagegen
— wenigstens anscheinend — der ersten (§ 165. anm., vgl.
22*
340 § 506. Klasse 5 der reduplizierenden verba.
§ 172, 2). Hierher gehören folgende verba. die in zwei gruppen
zerfallen, je nachdem der inf. ä oder 6 als wurzelvokal zeigt:
•. bläsa blasen
bles
blesotn
bläsenn
grata weinen
gret
gretom
grätenn
huäta stossen
—
—
huätenn
lata lassen
Ut
Mtom
lätenn
räpa raten
rep
repom
räpenn
Anm. 1. Im inf. kommt neben lata nicht seit, lata vor (s. Gislason,
Njäla II, 920 f.), urspr. wol nur wenn das wort proklitisch stand (s. § 151, 1).
Ausserdem kommt anorw. bisweilen (s. z. b. Hertzberg) leta vor, wol nach
dem präs. anorw. letr (s. Wadstein, F. Hom. s. 52, und Hertzberg; aus lottr
verkürzt in proklitischer Stellung, s. §151,6) gebildet. Auffallend sind
die seltenen anorw. (z. b. in No. Hom. und Spec. reg.) formen: 2. pl. imperat.
UtiÖ, litit. — Neben huäta steht seit, anorw. höta (s. § 171 und vgl. II unten).
Anm. 2. Im prät. kommen folgende, mehr oder weniger seltene, neben-
formen vor: lit (agutn. Ut) Hauksbök (vgl. hit § 502 anm.), anorw. lett
s. § 280, 1, pl. Utom (z. b. Cod. AM. 677, 4°; agutn. litum), reiß § 172, 2; mnorw.
prät. pl. lötom (s. Hsegstad, a. o. II, 1, s. 87; vgl. das aschw.).
Anm. 3. Im part. prät. kommt neben huätenn (s. Bugge, Tidskr. f.
Fil. N. R. III, 264) später ein schwaches huätat (s. porkelsson, Supplement II),
neben lätenn ein anorw. letenn (s. Hertzberg und Hsegstad, a. o.; vgl. inf.
leta anm. 1 oben) je lmal vor. Ein isoliertes *brä£>enn (aschw. bräpin und
ahd. gibrätan) wird von dem schwachen bräpna 'geschmolzen werden'
vorausgesetzt.
II. blöta opfern biet bletom blötenn
söa feierlich töten — — söenn
Anm. 4. Auch schwach nach § 509 gehen sowol blöta (im präs. ind.
und prät. gewöhnlich) wie später söa.
Anm. 5. Ein isoliertes part. prät. ist flokenn 'verworren', 'verwickelt'
(gleich ahd. far-fluohhan?).
§ 506. Klasse V. Verba, bei denen die alte redupli-
kationssilbe noch bewahrt ist (s. Noreen, Geschichte 3 § 244).
Hierher gehören z. b.
röa rudern rera, rera § 77, 3 rerom, rerom röenn
sä säen sera § 317, 4, sera serom, serom säenn
snüa wenden snera (*snesö-), snera snerom, snerom snüenn
Nach röa geht gröa keimen, nach snüa geht gmia reiben.
Von sld (s. § 501) schlagen kommen alternativ die nach sd
gebildeten formen prät. sg. slera, slera, pl. slerom, slerom vor.
Anm. 1. Sä kann (schon vor 1200, s. Jonsson, Arkiv Xin, 267) auch
schwach nach § 511 gehen. Von snüa ist ein schwaches part. prät. snüpr
einmal in St. Hom. belegt.
§507.508. Schwache verba. ;,, 4l
Anin. 2. Hierher gehört auch die einmal (aus Cod. AM. 677. 4°) be-
legte 3. sg. prät. bnere zu einem *bnüa (got, bnauari) reiben.
Anm. 3. Das prät. sg. dieser verba flektiert schwach (§ 533).
Anm. 4. Ganz anders entstanden sind die §488 mit anm. 1 erwähnten
prät. frera, frera und k«ra. kern.
II. Schwache verba.
§ 507. Diese bilden regelmässig ihr prät, (und part.
prät.) durch zusatz eines Ö. seit, t (§ 518. 1; § 522.2; § 523,3;
§ 525). d (§ 513, 3; § 524, 2 und 3; § 526), p (§ 523, 1 und 2;
§ 526) oder s (§ 522. 1). Wenn durch synkope dies Ö mit
einem vorhergehenden konsonanten zusammentrifft, treten die
in § 238 dargelegten lautgesetze ein, so dass das d sich oft
als rf, p, t zeigt.
Anm. Selten kommen formen ohne dentale ableitung (s. Noreen,
Geschichte 8 1,635, §246,3 und § 256,3; anders Wood, Modern Philology
XIV, 61 f.) vor, z. b. in St. Hom. prät. ind. 3. sg. horf(p)e, haf(p)e, skelf(p)e,
misgeri p)e, hug(p)e-sk, 2. pl. sog(p)op, part. prät. vaf(p)r, sef(P)r, lag(p}r,
sag(p)r, samteng(p)r: in No. Hom. prät. ind. 3. sg. horf\Ö)e, part. prät.
samtcengid)r, lag(Ö)r. Gewöhnlich sind part. prät. gprr, sparr neben dem
seltenen anorw. ggrör, gerbr (s. § 518 anm. 3) 'gemacht' und dem nur im
ntr. belegten sparat 'gespart'. Vgl. das aschw. und adän.
§ 508. Dagegen ist die bildung des präsensstammes
sehr verschieden. Je nach dem ausgange der 1. sg. präs. ind..
wo der präsensstamm am deutlichsten hervortritt, kann man
vier schwache konjugationen unterscheiden:
1. Präs. sg. auf -«. prät, sg. -ada, part. prät, -aör, z. b.
kalla, kallaPa. TcallaPr zu kalla rufen.
2. Präs. sg. auf konsonantisches *-i (das nach § 226
sonantisch wird, um dann nach § 155 fortzufallen), prät. ^g.
■da (ohne ?'-umlaut der Wurzelsilbe, s. § 66, 2), part. prät. -{i)ör
(ohne /-umlaut, s. §67, b), z. b. vel, valpa. vdl{e)Pr zu velia
wählen.
3. Präs. sg. auf sonantisches (und zwar ursprüngliches) -i
(mit i- umlaut der Wurzelsilbe), prät. sg. -da (mit z'-unilaut), s.
§ 66, 1), part. prät. -Ör (mit t'-umlaut). z. b. styre. styrpa, styrpr
zu styra steuern.
4. Präs. sg. auf (aus ai entstandenes) -e (im allg. ohne
j-umlaut der Wurzelsilbe s. § 66, 4, vgl. aber § 73). prät. sg. -da
342 §509 — 511. Schwache koujugation 1.
(ohne «'-umlaut), part. prät. -adr oder -ör (ohne i-unilaut), z. b.
spare, sparpa, sparat (ntr.) oder sparßr zu sparet, sparen.
a) Erste schwache konjugation.
§ 509. Hierher gehören die meisten aisl.-anorw. verba, z. b.
elska lieben
präs. elska
prät. elskapa
part. prät. elskapr
stgpua aufhalten
stgpua
stgPuapa
stppuapr
heria verheeren
heria
heriapa
heriapr
spä prophezeien
spä
späpa
späpr§ 130
und bes. die vielen abgeleiteten verba auf -na, z. b.
vakna erwachen vakna vaknapa vaknapr
Anm. Im prät. können flöa fluten und das deponens öask sich fürchten
nach § 519, 1 gehen ; glöa glühen, leuchten so auch im präs. Visa zeigen
kann anorw. im prät. und part. prät. nach § 515 gehen.
§ 510. Verba wie heria sind von denen, die wie heria
(§512) gehen, wol zu unterscheiden. Die ersteren sind, der
regel nach, denominativa zuja-,jö- (oder «'-)stämmen; bei den
letzteren dagegen ist -i- ein verbales ableitungssufflx. Nach
heria (zu herr § 389) gehen z. b. dnyia erneuern, belia brüllen,
brynia die brünne anziehen, brytia zerstückeln, byria (zu byrr
§ 389) beginnen, dysia begraben, eggia (zu egg § 381) anreizen,
emia heulen, gilia verlocken, gneggia wiehern, grenia heulen,
ipia sich womit beschäftigen, kilia zanken, Myfia belasten,
klceia jucken, lyfia (zu lyf § 382) heilen, netia mit netz fangen,
nytia melken, rifia auswickeln, skynia (zu skyn § 382) ein-
sehen, stefia (zu stef § 369) hindern, syfia schläfrig machen,
synia verweigern, vefiia wetten, vitia besuchen, ßefia riechen.
Anm. Synia kann später (wie im aschw.) nach § 512 gehen ; so auch
bisweilen im anorw. byria geziemen, anstehen. Vgl. feria §513 anm. 6.
§ 511. Wie spä (aus späa), also mit kontraktion (§130),
gehen nur wenige verba wie fd (< fda § 130 < urn. *füian
§ 66, 2 < *fähian § 230, 1 < *faihian § 54, 1 ; das präs. fd aber
ist eine neubildung, nach dem inf. und dem ebenfalls laut-
gesetzlichen prät. fdpa, statt *fce < *fcei § 135, § 62 anm. 1
< urn. fäi Vatn § 230, 1 < fähi Äsum, Stora Noleby § 54, 1,
statt *fah(i)u, s. § 153 anm.) malen, fiä hassen (dicht.), md
abnutzen, skrd anschreiben und die neubildungen strd (statt
§ 512. 513. Schwache konjugalem 2.
34(
*streyia. aschw. strffia, nach prät. sträpa uiid der analugie von
preijia : ßrdpa u. dgl. § 513, 5; vgl. ßrd § 513 anm. 5) streuen.
pid (s. § 235 anm. 4) knechten.
b) Zweite schwache konjugation.
§ 512. Hierher gehört eine ziemlich grosse anzahl von
verben mit kurzer Wurzelsilbe, z. b.
krefia verlangen kref
beria schlagen ber
telia erzählen tel
venia gewöhnen mm
temia zähmen fem
gießt a erfreuen glep
vek{k)ia § 279, 1, Bei
anorw. seit, vekua
§ 82, 12, erwecken
glepia narren
flytia fortschaffen flyt
bysia strömen bys
leggia § 49, § 279, 1 legg
legen
lyia zerquetschen ly
ctia weiden ob
krafßa
barßa
talßa, später talda
§ 238, 1, b
ranßa, später randa
tamßa, später tamda
gladda § 238, 1. a
vakßct §238,2,c,
später vakta
kraf(e)ßr
bar(e)ßr
taJ(e)pr, taldr
van(e)ßr, cundr
tam(e)ßr, tamdr
gladdr § 428, 2
vak(e)ßr, vaktr
glep glapßa, später glapta glap(e)ßr, glaptr
flutta § 276
busta § 238, 2,
lagßa
lüßa
äßa
fluttr § 428, 2
lag{e)pr (vgl. jedoch
§507 anm., §5 14 anm.)
lü{e)ßr
ä{e)pr
Anm. 1. Ein ausführliches Verzeichnis hierher gehöriger verba findet
sich bei Wimmer, Forn. forml. § 145 — 148. Vgl. auch Jonsson, Skjaldesprog
8. 105 ff.
Anm. 2. Vereinzelte fälle von /-umlaut im prät. und part. prät., wie
dynda zu dynia donnern, gremßa zu gremia erzürnen (s. "Wadstein, Beitr.
X VII, 417 ff., wo auch viele andere beisp. angeführt sind), kefßr zu kefia
(s. Fritzner) ersticken, vendr (statt vandr s. oben) in rimur (s. Gislason,
Efterladte skrifter II, 183) oder anorw. ütrektr (s. Hertzberg) zu ütrek(k)ia
ausdehnen, beruhen wol teils auf entlehnung des präsensvokals, teils wol
auch auf kontamination von urspr. *vetießr, acc. vandan u. dgl. (s. § 67, b).
Vgl. § 514 anm. Heber hueitr und mettr s. § 428, 2 und § 66, 1.
§ 513. Besondere abweichungen zeigen sich in vielen fällen:
1. Im präs. (auch inf.) gehen wenigstens alternativ, nach
§515:
fyrua ebben (impers.) fyruer (3. sg.) furße (3. sg.) —
melia, melua § 82,6 zer- mel, meine malßa, melpa —
malmen
smyria, smyrua schmieren smyrue, s. § 532, 5 smurßa smurpr
344 § 513. Schwache konjugation 2.
veJcia (anorw. vcekkia), vek- vek (anorw. auch vakpa, vakta, vakpr,vaktr
(k)ua § 82, 12, § 279, 1 u. 2 voekki) vekta (Fritzner)
zum fliessen bringen
2. Im prät. (auch part. prät.) gehen, wenigstens alter-
nativ, nach § 515 :
fryia absprechen fry fryßa, seit, früpa fry(e)pr
gnijia lärmen gny gnüpa, seit, gnypa oder —
gnipa § 163, 2
hlyia § 68, 4 wärmen
—
hlepa
—
hlyia schirmen
hlxj
hlüpa, alt seit, hlepa § 163, 2
hlü(e)t (ntr.)
knyia drängen
kny
knypa, knüpa, dicht, auch
kny(e)f)r, knü(e)pr,
knipa(s. Jonsson, Skjalde-
knipr
sprog s. 107) § 163, 2
lyk(k)ia § 279, 1
lyk
lukpa, lukta, später lykpa,
lukpr, luktr,
zuschliessen
lykta
später lykpr, lyktr
melua s. 1 oben
sek(k)ia § 279, 1
sek
sekpa, sekta
sekpr, sektr
schuldig machen
selia verkaufen
sei
selda § 238 anm. 5
seldr
setia setzen
set
setta
settr
*syia (got. siujan)
—
sepa
sepr, sepr
nähen
vek(k)ua s. 1 oben
Anm. 1. Zur erklärung von lykpa, sekpa s. Kock, Beitr. XVIII, 436 f.
Ueber selda (*saldiÖo), setta (urn. satido Rö) s. E. Noreen, Sprakvetenskapliga
sällskapets förhandlingar 1916 — 1918, s. 98, resp. A. Noreen, ib. s. 91 (vgl.
oben § 428, 2).
Anm. 2. Knyia hat seit, ein prät. knijiapa, kniapa nach § 509. Ueber
inf. knia s. §163,2. — Sehr seltene anorw. nebenformen sind: prät. sg.
fryiöa (nach dem inf., wie flyida § 488 anm. 2; Wadstein, F. Hom. s. 63),
pl. sgldum (Wadstein, Beitr. XVII, 422 note; aschw. saldum), sattum (Wad-
stein, Der umlaut von a, s. 44; aschw. sattum).
Anm. 3. Ueber die ursprünglich starken verba flyia, spyia, tyia s.
§488 mit anm. 2—4.
3. Das prät. ist, auch in der ältesten zeit, mittelst -d
(nicht ö) gebildet (s. § 238 anm. 5) ausser bei selia (s. oben 2)
auch bei
vilia wollen vil vilda vüiat (ntr.), adj. viliapr, vilpr erwünscht,
dessen part. prät. übrigens alternativ nach § 509 gebildet ist.
Anm. 4. Ueber die flexion des präs. von vilia s. § 532, 7. — Ein aisl.
prät. skilda (neben skilpa) wird vielleicht (vgl. aber § 260) vom misl. skilldi
(gegenüber dualdi u. dgl., so konsequent in Yngvars saga, Olsoris ausg.
s. LXX; vgl. nschw. sklMe gegenüber välde u. dgl.) 'schied' vorausgesetzt.
§ 514. Schwache konjugation 2. § 515. Schwache konjugation 3. 345
4. Im pari prät. schwankt nach §519,1
hyggia meinen hygg hugpa hngpr, hugat (ntr.)
5. Aus einem urgerm. Wechsel zwischen antesonantischem
-auj- und antekonsonantischem -aui- (s. § 163. 1) erklärt sich
der Vokalwechsel in:
heyia ausführen hey häßa hä(e)pr
preyia sich sehnen prey präpa präpr
Anin. 5. Statt preyia und prey kommt durch ausgleichuug später
Prä (nach §511), statt liey auch hä (s. Jonsson. Skjaldesprog s. 106) vor.
Anm. 6. Feria *mit der fähre über das wasser setzen" kann später
ganz nach § 509 gehen.
§514. Die nicht synkopierten formen auf -epr im part.
prät., welche überhaupt der älteren spräche angehören (belege
z. b. bei Jonsson. Skjaldesprog s. 105 f.), kommen nie bei verben
vor. deren Wurzelsilbe auf ö oder t endet (z. b. fluttr. nie
*flutepr, zu flytia), s. §428, 2; auch bei den meisten von den
übrigen ist schon vorliterarisch die synkopierte form (seit um
1100) belegt und bei vielen sogar durchgedrungen. Wo in
der ältesteD spräche -ep- stand (also im sg. nom. m. f., gen. m.
ntr., pl. nom. acc. ntr., s. §428,2), ferner in sg. gen. dat. f.,
acc. m. und pl. gen. tritt nach 1200 -en- ein nach der analogie
der starken verba, gemäss der proportion ntr. malet : m. malenn
= ntr. valet : x, z. b. sg. nom. m. valenn. i. valen. gen. f. valennar.
acc. m. valenn, pl. nom. acc. ntr. valen statt valePr, vahp. valprar,
calpan, valep zu velia wählen (aber nie *flutenn usw., weil
kein *flutePr usw. vorhanden gewesen war).
Anm. L T eber den mangelnden i-umlaut in den unsynkopierten kasus
s. § 67, b. Ein lautgesetzlicher nom. acc. sg. ntr. mit umlaut ist ein paarmal
angetroffen worden, z. b. legit zu leggia legen (s. Kock. Beitr. XVIII, 433).
lemiÖ zu lemia (lahm) schlagen (s. H. Eydberg, Die geistlichen dräpur.
s. XIV); vgl. auch § 512 anm. 2.
c) Dritte schwache konjugatiom
§ 515. Hierher gehören eine sehr grosse anzahl von
verben mit langer Wurzelsilbe, z. b.
erfa erben erfe erfPa erfpr
fera fuhren f&re ferpa f»rf>r
deggua betauen deggue degpa § 226, § 284 degpr
kemba kämmen Jcembe kembpa,$pitkembda%238,l,'b kembpr, kembdr
346
§ 516. Schwache konjugation 3.
shelfa schüttelu skelfe
slengua schlingen slengue
dema urteilen deme
hirpa hewachen lihpe
skelfpa, spät skelfda
slengpa, spät slengda
demßa, später d6mda
hirda, hirpa, später hirta
§ 238 anm. 2
felda § 238, 1, b
siglda
Jcenda
nefnda
pydda § 238, 1, a
senda § 283, § 276 schluss
sekpa, später sekta § 238, 2, c
eppa, später epta
mätta § 276
huesta § 238, 2, a
lypta § 283, § 276
skelfpr, skelfdr
slengpr, slengdr
dempr, demdr
hirdr, hirpr, Mrtr
feldr
sigldr
Teendr
nefndr
Pyddr
sendr
sekpr, sektr
eppr, eptr
mättr
huestr
typtr
fella fällen feile
sigla segeln sigle
kennet kennen kenne
nefna nennen nefne
pypa deuten pype
senda senden sende
sekkua senken sekkue
epa rufen epe
m-äta begegnen möte
huessa schärfen huesse
lypta in die höhe lypte
heben
Anm. 1. Weitere beispiele sind in grosser menge verzeichnet bei
Wimmer, Fora, forml. § 137—141 und § 143. Henta 'passen' geht oft,
enda 'enden' und efla 'im stände setzen' selten nach §509.
Anm. 2. Slekkua auslöschen hat im prät. neben gew. slekpa, -ta auch
seit, slekpa (Jönsson, Skjaldesprog s. 102), slekta (Fritzner III, 428; vgl.
aschw. sl&kkia, s. § 82,6) und slykta (Fritzner a. o.; vgl. §75 und An.
gr.ll, §106,2,a).
Anm. 3. Ueber späteres siglöa, nefnöa s. Geländer, Om övergangen
av Ö <C d, s. 55 ff.
§ 516. a) Verba, deren Wurzelsilbe auf,?, <j oder k endet,
müssen nach §263 inf. auf -ia aufweisen, z. b.
hneigia beugen
syrgia trauern
telgia verschneiden
sprengia sprengen
drekkia ertränken
hneigpr
syrgpr
telgpr, telgdr
sprengp/)', sprengdr
drekpr, drektr
hneige hneigpa
syrge syrgpa
telge telgpa, spät telgda
sprenge sprengpa, spät sprengda
drekke drekpa, später drekla
Anm. 1. Weitere beispiele bei Wimmer, Fora, forml. § 142. In leiga,
später leigia mieten und steik(i)a braten ist das kons, -i- schwankend.
St. Hom. (g)lika statt sonstigen (g)likia 'gleichen' ist mit got. galeikon
zu vergleichen.
b) Einige verba, deren Wurzelsilbe auf -gw oder -kw endet,
haben infinitivformen auf -ia neben -ua, z. b.
byggua, byggia wohnen bygg(u)e bygpa bygpr
prengua, prmgia, anorw. auch preng(u)e
preengia § 82, 6 drängen
pryskua § 82, 4, priskia , anorw. pryskue,
auch preskia dreschen priske
prengpa, spät prengpr,
prengda prengdr
priskpa, später priskpr,
priskta prisktr
§ 517. 518. Schwache konjugation 3. 347
Anm. 2. Wie byggua gehen noch hryggua. -ia betrüben, skyggua, -ia
überschatten, styggua, -ia erschrecken, tryggua, -ia ruhig machen; wie
pryskua gehen kueykua (s. Jönsson, Skjaldesprog s. 102), keyk(u)a § 82, 13,
keykia (Jönsson a. o., H. Bydberg, Die geistlichen dräpur, s. XXV), kueikta
beleben und myrkua, -ia verfinstern.
§ 517. Hierher gehörige verba, deren Wurzelsilbe auf l
oder n ausgeht, haben gewöhnlieh prät. auf -da. part. prät. auf
-dr (z. b. fella, sigla, kennet, nefna § 515). Unter umständen
(s. § 238, 2, b) kommen aber bei solchen verben prät, auf -ta,
part. prät. auf -tr vor, z. b.
viUa irreführen vitte vilta viltr
r&na rauben rcene mnta rctntr
So gehen noch: hello, giessen. spilla verwüsten, stilla be-
ruhigen, gylla vergolden; heia (später regelmässig) mit reif
überzogen werden, vela (anorw. auch auffallend väla, s. Fritzner)
hm sich womit beschäftigen, vela (aisl. auch vtiela, s. § 109;
part. prät, jedoch im Cod. AM. 645, 4° einmal vceldr, vgl. anm. 2)
überlisten, mcela sprechen (aber mala messen geht regelmässig),
stdela stählen, ßla (auch regelmässig) höhnen; sysla (prät. systa,
part. prät. systr § 291,7) verrichten, vixla (part. prät. vixtr
§291,7, vixltr) wechseln, exla (prät. öxta, &xlia, part. prät
oxtr § 291,7) vermehren; nenna wagen, senna sich auseinander-
setzen, zanken, spenna spannen, ginna bezaubern, inna aus-
führen, minna erinnern, minnash sich küssen, pynna dünn
machen, kudena (auch regelmässig, s. Fritzner und Gislason,
Efterladte skrifter II, 183) verheiraten; girna (s. Gislason, Um
frumparta s. 110; gew. regelmässig) begehren, vdepna bewaffnen.
Anm. 1. Sysla, vixla, exla gehen auch nach § 509; gylla, spilla,
spenna in rimur auch regelmassig (s. Gislason, Efterladte skrifter II, 183).
Anm. 2. Bei einigen von diesen verben , z. b. vüa überlisten (vgl.
oben und Bugge, Arkiv II, 352 ff.), pynna, ist t nicht lautgesetzlich ent-
standen, sondern beruht auf analogiebildung; ebenso das einmalige v£nta
(s. Jönsson, Skjaldesprog s. 104) statt v&nda zu vaHia vermuten.
§ 518. Besondere Unregelmässigkeiten zeigen :
1. Einige verben, die das prät. schon urgermanisch mittelst
t (unmittelbar an der Wurzelsilbe angefügt) bildeten; über
die dann eintretenden konsonantischen Verhältnisse vgl. § 321,
§ 267; die Wurzelsilbe hat natürlich im prät, keinen umlaut.
Diese sind:
348 § 519. Schwache konjugalem 4.
sökia suchen seke söttet, später sekta söttr
yrkia machen yrke orta § 321,. später orkta, ortr, später orktr,
yr(k)ta §29\, 6 yr(k)tr
pekkia gewahr werden pekke pätta (nur dicht.), pekpr, pektr
pekpa, pekta
pyk(k)ia, pik(k)ia PyKk)e, pötta § 113 pöttr
§ 285, 1, § 147 pi{k)ke
scheinen
Anm. 1. Von sekia und pykkia kommen spät prät. sökta und pökta
(mnorw. auch tette, tykte) vor, s. z. b. Jiriczek, Bösa saga s. XXXIV, und
Jönsson , Fernir f ornislenskir rimnaflokkar, s. VII. Sampylckia einwilligen
geht regelmässig nach § 516, a, also prät. sampykpa, -pykta.
Anm. 2. Zu skemma schämen (vgl. skpmm schände) kommt im prät.
neben skempa auch skampa vor, das einen inf. *skama (got. skaman; vgl.
skamma nach § 509) und eine flexion nach § 519, 1 voraussetzen dürfte.
2. Das verbum 'machen' mit mehreren hauptformen:
ger(u)a § 82, 6 f ger(u)e f gerpa ( ggrr, gerr, gerr
ger(u)a § 84 ' ger(u)e ) gerpa )
gior(u)a §263 [ gior{u)e; vgl. ( g{i) orpa § 82 \ gigrr ; vgl. § 507 anm.
anm. 1 § 532, 5 anm. 3
Anm. 3. Die formen mit iv kommen nur dichterisch vor. Sehr seltene
anorw. nebenformen sind prät. giarÖa (Ko. Hom. und bei Hertzberg), part.
prät. ggrör (zu ntr. ggrt gebildet nach styrÖr : styrt u.dgl.), gerör; vgl.
noch § 507 anm.
Anm. 4. Ueber die verschiedenen formen s. u. a. Gering, Finnboga saga,
s. VI ff.; Gislason, Udvalg af oldno. skjaldekvad s. 130, Njäla II, 168— 193;
F. Jönsson, Egils saga (1888), s. VHIf.; M. Olsen, Voisunga saga, s. XXVI
und XXII, XXIII.
d) Vierte schwache konjugation.
§ 519. Hierher gehört eine ziemlich geringe anzahl von
verben. Das part. prät. kann entweder auf -adr § 139 (schluss)
oder (seltener) auf -dr (vgl. § 156, schluss) gebildet sein; infolge
der bedeutung der meisten hierher gehörigen Wörter kommt
aber diese form fast nur im neutrum vor. Beispiele:
dugPa § 156 (schluss) dugat
unpa , später unda § 238, 1, b unat
skolda § 238, l,b skoUat
lodda § 238, 1, a lopat
vakpa, später vakta § 238, 2, c vakat
brosta § 238, 2, a brösat
Anm. 1. Wie duga (seit, duga, s. Jönsson, Skjaldesprog s. 108) gehen:
bäga (präs. b&ger § 73 ; auch nach § 509) quälen, holfa oder hualfa gewölbt
duga taugen
duge
una zufrieden sein
une
skolla schlenkern
skolle
lopa anhaften
lope
vaka wachen
vake
brosa lächeln
brose
§ 520. Schwache konjugation 4.
349
sein (park prät. nur als holfat belegt; vgl. aber holfenn §495 anm. 6). lafa
schlenkern, Ufa (part. prät. auch Ufpr, Ufinn, vgl. § 514, in der bedeutung
'lebendig' leben, nara leben, stara starren, väfa schweben, vara ahnen
(impers. ; vara warnen geht nach §509), vita beobachten (s. v. Friesen,
Arkiv XVI, 196), pora (part. prät. seit, port nach II unten) wagen und die
im part. prät. nicht belegten grüfa sich niederbeugen, mara mit dem Vorder-
teile (des Schiffes) tief im wasser liegen, stüra betrübt sein, ugga fürchten.
Ueber flöa, glöa, öask s. § 509 anm. Vgl. noch § 520.
Anm. 2. Wie una gehen: gana (später bisweilen auch nach § 509)
fortstürzen, sama oder söma geziemen (part. prät. nur als samat belegt),
pola (part. prät. auch polt nach II unten) ertragen. Von luma loslassen
kommt wol nur die 2 sg. imperat. lume vor.
Anm. 3. Wie skolla geht tolla anhängen.
Anm. 4. Wie vaka gehen: gapa (über einmaliges prät. gaföi s. §318
anm. 1 und v. Friesen, De germ. mediageminatorna s. 89) gaffen und die
im part. prät. nicht belegten drüpa sich neigen, flaka gähnen, gnapa sich
beugen, hüka (vgl. aber § 488 anm. 4) hockern; blaka flattern geht im prät.
nach § 509.
Anm. 5. Wie brosa geht das im part. prät. nicht belegte pr.asa
schnauben.
II. horfa umkehren horfe horfpa (vgl. jedoch § 509 anm.) horft
skorta mangeln skorte skorta § 276, § 283 skort
Anm. 6. Wie skorta geht wol das im part. prät. nicht belegte glotta
grinsen. Auch nach § 509 geht (bes. später) iät{t)a zugeben , einräumen.
Ueber pola s. anm. 2, pora s. anm. 1. Vgl. noch § 520.
§ 520. Unregelmässigkeiten zeigen sich bei:
gä achten
gäe, anorw.
auch ga)
gäpa
gäf>r § 130
hafa haben
hefe, alt auch
hef
hafpa
hafpr, alt u. sehr seit,
ntr. hafat
iä versprechen
iäe, iä § 511
iäpa
iäpr, seit, iüenn § 498
anm. 8
kaupa kaufen
kaupe
keypta
anm.
§238
7
keyptr
kligia ekel empfinden
klige
—
—
Zi'd (alt Zea§ 133, b, 2)
le, spät lia?
lepa
lepr, sehr seit, lenn
leihen
§ 483 anm.
nä bekommen
näe, spät neb
näpa
näpr, näet (ntr.)
segia, seltener seggia
sege § 73, alt u.
sagpa
sagpr, dicht, sehr seit.
§ 279, 1 sagen
sehr seit, seg
sagapr
spara sparen
spare
sparpa
sparr § 507 anm.,
spar(a)t, vgl. I oben
tiä (alt tea), seltener
te, tiäe, tiä
tepa, tiäpa
tepr, tiäpr, adj. tigenn
tega § 317, 3, a
§ 483 anm. aus-
zeigen
gezeichnet
350 § 521. 522. Verba präterito - präsentia.
trüa glauben trüe, anorw. trüpa trüat, adj. trüajbr
auch tri) gläubig
pegia schweigen pege § 73 pagpa M#( a )*
Anm. 1. Ueber die schwankende flexion des präsens von gä, hafa,
liä, nä, segia, trüa und pegia s. § 532, 6. Mistrüa geht ganz nach § 509 ;
so auch bisweilen spara; nur im präs. (vgl. jedoch anm. 2) das neben tiä
nicht ganz seit., bes. in alter zeit, vorkommende tega.
Anm. 2. Sonstige sehr seltene nebenformeu sind: zu hafa aisl. 3. sg.
prät. hafe (s. § 507 anm.), anorw. inf. hgfa, hefa, prät. hpßa, hefda (s, Wad-
stein, F. Hom., s. 68 note); zu segia aisl. 2. pl. prät. sggop und part.
prät. sagr (§507 anm.); zu tega part. prät. ntr. tegat (s. Jönsson, Skjalde-
sprog s. 110).
III. Verba, die zum teil stark, zum teil schwach gehen.
a) Verba präterito-präsentia.
§ 521. Diese sind ursprünglich starke verba, deren präsens
verloren gegangen ist ; das alte starke Präteritum hat präsens-
bedeutung angenommen (vgl. lat. memini, gr. olöa), und ein
neues schwaches Präteritum mit präteritaler bedeutung ist
geschaffen worden. Die hierher gehörigen verba sind im ganzen
zehn, deren präsens den 1., 3., 4. und 5. ablautenden klassen
angehört; prät. und part. prät. sind am ehesten als nach der
4. schwachen konjugation gebildet zu betrachten. Der alte
infinitiv ist durch einen neuen, der sich dem präs. pl. an-
schliesst, ersetzt worden.
Anm. Wegen der unregelmässigen flexion des präs. ind. (s. § 532, 3
und 7) werden vesa (vera) 'sein' und vilia 'wollen' oft — aber mit un-
recht — zu den verb. prät.-präs. gerechnet.
§ 522. Erste ablautsklasse :
1. v ita wissen, präs. veit, pl. vitom, prät. vissa § 320, part.
prät. vitapr (oder zu vita § 519 anm. 1?).
Anm. 1. Ueber die form vetka aus veit-ek-a ich weiss nicht s. § 128.
Nicht ganz seit, ist im mnorw. prät. viste (wie im aschw. ; s. Hsegstad, Vestno.
maalf. II, 2, i, s. 205).
Anm. 2. Im part. prät. kommt sehr seit, ein vitinn (s. Jönsson, Skjalde-
sprog s. 112) vor. Auch das adj. viss weise (s. § 320) ist ursprünglich
eine part. prät.-form von vita.
2. eiga besitzen; ä (um. aih § 54, 1), mnorw. auch ceiger,
-ar, -ur (d. h. ceigr, s. § 161, b), s. Hsegstad, a. o.; eigom, mnorw.
sehr seit, ägom (wie im aschw.) ; (Uta (*aihta § 267) ; ättr.
§ 523. 524. Verba präterito-präseutia. 351
Anm. 3. Ueber den Wechsel von h und g s. § 317, 3, a, § 321.
Anm. 4. Das adj. eigenn eigen ist ursprünglich ein altes starkes
part. prät. zu eiga.
Anm. 5. Beachte den unregelmässigen ablaut im präs. pl. !
§523. Dritte ablautsklasse:
1. unna lieben; ann\ unnom; unna (*unj)a § 275); un(na)t ntr.
Anm. 1. Spät kommt im prät. auch unti (Hb. lmal undi) vor, s.
porkelsson, Islensk sagnorö med pälegri mynd i nütiö, s. 25.
2. kunna können; kann; kunnom; kunna (*kun])a § 275),
mnorw. seit, künde (s. Haegstad, a. o.); kunnat ntr.
Anm. 2. Auch das adj. kupr, kunnr §261 bekannt, kund ist urspr.
ein hierher gehöriges part. prät. — Sehr seit. (St. Hom.) kommt prät. kynna
(aus dem konj. entlehnt , vgl. anm. 3 und § 524 anm. 4) statt kunna vor.
3. ]>urfa bedürfen; jbarf; Jfurfom-, Jturfta § 248 anm. 7;
Purft ntr.
Anm. 3. Seltene anorw. nebenformen sind inf. porfa (So. Hom.;
aschw. porva), Pyrfa (s. Hertzberg, porkelsson, a. o. s. 31, Haegstad, Kong.
s. 19, Kälund, Heiöarviga saga, s. XXII), parfa (Hertzberg s. 864), präs.
anorw. pcerf (Wadstein, F. Hom. s. 80 note, Hertzberg, Jönsson, Fagrskinna,
s. XXV, Haegstad, Vestno. maalf. I, s. 95 und 99 sowie bei 0. A. Johnsen,
Olafs saga, s. XXXV), plporforn (Bugge bei Fritzner III, 1107) , pyrfom
(Jporkelsson, a. o. s. 30), part. prät. purfat (ib. s. 32). Selten ist aisl.-anorw.
prät. pyrfta (aus dem konj., vgl. anm. 2, § 524 anm. 4), s. ib. s. 31.
§524. Vierte ablautsklasse:
1. muna (St. Hom. lmal ?nona) sich erinnern; man; tnunom;
munPa, später munda § 238. 1, b ; munapr.
2. mono (anorw. auch manu, s. J)orkelsson, a. o. s. 43;
Wadstein, F. Hom. s. 49), sp. munu § 146, 3, werden; mon, sp.
mun (anorw. oft man); monom (anorw. oft manum), sp. munum;
munda § 238 anm. 5, monda, mynda, minda § 147, menda,
seit, menda § 119; part. prät. fehlt.
Anm. 1. Verhältnismässig seltene anorw. nebenformen sind präs.
mpn, pl. monom (s. Wadstein, F. Hom. s. 76), prät. m andi (s. Flom, The
University Studies IV, 2, s. 42).
3. skolo, sp. skulu §146,3, sollen; skal; skolom (anorw.,
bes. onorw., oft skalum, s. Wadstein, a. o. s. 49, porkelsson, a. o.
s. 53 f., Haegstad, a. o. II, 2, i, s. 15), sp. skulum; skylda § 238
anm. 5, skilda § 147, ziemlich seit, und bes. anorw. (s. z. b.
porkelsson, a. o. s. 57, Haegstad, a. o. I, s. 121 und 131,11,1,
s. 86 und II, 2, i, s. 205) skulda ; adj. skyldr schuldig.
352 § 525. Verba präterito-präsentia. § 526. Valda.
Anm. 2. Ziemlich seit, ist präs. pl. skolom (St. Hom. mehrmals), sehr
seit. inf. anorw. (Barlaams s.) skalu, wnorw. skolu (Hsegstad, a. o. II, 2, i,
s. 15), präs. sg. anorw. (Strengleikar) ska (vgl. das aschw.), s. § 297 anm. 2.
Einmaliges aisl. sal (S.Morgenstern, AM. Fragmente s. 47), gleich aschw.
lmal sal (s. An. gr. II, § 314 anm.), ist vielleicht nur ein Schreibfehler.
Anm. 3. Ueber die inf. skolo (anorw. bisweilen skula, s. Hsegstad,
a. o. II, 2, ii, s. 50 , Kong. s. 17 und 31) , mono s. § 528. Beachte den von
der 4. ablautsklasse abweichenden ablaut im präs. pl. dieser verba sowie die
unregelmässige bildung des präs. sg. von mono.
Anm. 4. Prät. mynda, minda, menda, menda und skylda, skilda sind
eigentlich die formen des konjunktivs (§ 535), die im ind. gebraucht
werden (wegen skylda vgl. aber die bedenken E. Noreens, Spräkveten-
skapliga sällskapets förhandlingar 1916 — 1918, s. 99 f.; vgl. § 533 anm.
2 und 3).
§ 525. Fünfte ablautsklasse:
1. mega können; md § 230, 2; megom- mdtta (*mahta § 321,
§ 267); megat, matt ntr.
Anm. 1. Seltene nebenformen sind inf. anorw. muga (Fritzner II, 742,
vgl. Hertzberg s. 861, Hsegstad, Kong. s. 27; aschw. mugha), moga (Hsegstad,
Vestno. maalf. II, 1, s. 97) und maga (Fritzner II, 618, Hsegstad, a. o. II, 2, i,
s. 106; got. magan, aschw. magha), aisl. mega (s. § 77, 3), sehr alt (9. jahrh.)
einmal (s. Jönsson, No.-isl. kultur- og sprogforhold, s. 316) megia (vgl. got.
opt. magjau), misl. einmal megu (s. porkelsson, a. o. s. 8 f.); präs. pl. mnorw.
mugom (Hsegstad, Kong. s. 19); prät. anorw. matte (Hsegstad, Vestno. maalf.
H, 2, i, s. 94). Der auffällige stamm meg- stammt wol aus dem konj., der
einst *megja gelautet haben muss (vgl. das got.).
2. knqtto können; knd; knegom; kndtta; part. prät. fehlt.
Anm. 2. Ueber den inf. knqtto s. § 529. Zu knä (ags. cnäwe) sind wol
die übrigen formen nach der analogie von mä : megom usw. gebildet. —
Seit, kommt ein prät. knäpa vor (s. Vigfusson).
b) Das verbum valda.
§ 526. Valda 'walten' geht im präs. und part. prät. wie
ein starkes verbum; das prät. aber ist schwach gebildet und
zeigt ablaut in der Wurzelsilbe: valda, präs. w?W, prät. olla
(*wol]>a § 275, § 235, 1, a), später olda § 317, 2, a oder volla,
volda § 235 anm. 1, part. prät. ntr. valdet, später voldit, spät
ollat.
Anm. 1. Nur einmal ist prät. pl. ullum st. ollom belegt (s. Vigfusson).
Prat.konj.bat aber immer die form ylla, später vylda, nie *ella u.dgl.
Anm. 2. Ueber schwache präterita auf -ra zu starken verben s. § 488
anm. 1, § 501 anm. 2, § 506.
§ 527. Paradigmen.
353
B. Endungen.
1. Aktivum.
§ 527. Als paradigmen regelmässig flektierender verba
seien aufgestellt die starken skiöta schiessen (§ 485). falla
fallen (§ 504) und die schwachen safna sammeln (1. konj.),
suefia beruhigen (2. konj.), styra steuern (3. konj.). vaka wachen
(4. konj.).
Präsens.
Infinitiv.
skiöta
falla
safna suefia,
sucefia
Indikativ.
styra
vaka
Sg.l.
skyt
feil, fatt
safna suef, sucef
styre. -
â–º
vake
2.3.
skytr
fellr, fceUr
safnar suefr, sucefr
styrer,
-ir
vaker
PI. 1.
skiötom
fQllom,
fallutn
SQfnom, suefiom,
safnum sucefium
styrom,
-um
vqkom,
vakum
2.
skiöte)?, -et,
falle)?, -etj
safne)?. -et. suefe)?, -et,
styre)?,
-et.
vake)?,
-«•§531.4,
c -er
-er sucefir
-ir
-et, -er
3.
skiöta
falla
safna suefia,
sucefia
Konjunktiv.
styra
vaka
Sg.l.
skiöta
falla
safna suefia,
suwfia
styra
vaka
2.
skiöter
faller
safner suefer,
su&fir
styrer.
-ir
vaker
3.
skiöte
falle
safne suefe, sua'fi styre. -
i
vake
PI. 1.
skiötem
fallem
safnem suefem.
stvrein.
-im
vakem
suazfim
2. skiötep, -et, falle]?, -et, safne)?, -et, suefe)?, -et, styre)?, -et. vake)?.
-er -er -er sua*fir -ir -et, -er
3. skiöte falle safne suefe, sua'fi styre, -i vake
Imperativ.
Sg. 2. skiöt fall safna suef, suaf styr
Sg. 1. 2. = präs. ind. pl. 1. 2.
Participium.
skiötande fallande safnande suefiande, styrande
sua'fiande
Xoreen, Altisl. gramm. 4. aufl. 98
vake
§538.4
vakande
354
§528.529. Infinitiv.
Präteri
tum.
Indikai
biv.
sg.i.
skaut
feil
safnapa
suafpa
styrpa
vakpa
2.
skauzt
§534,2
feit
safnaf>er
suafper
styrper,
-ir
vakper
3.
skaut
feil
safnape
suafpe
styrpe, -i
vakpe
P1.1.
skutom,
fellom
sQfnopom,
suQfpom,
styrpom,
VQkpom,
-um
safnaÖom
suafdum
•um
vakpum
2.
skuto)?, -ot,
fello)?,
sqfnopop, -ot,
SUQfpOp, -ot,
styr}?oJ>,
VQkpop, -ot,
-ur
-ot, -ur
safnador
suafÖur
-ot, -ur
vakpur
3.
skuto, -u
fello
SQfnopo,
safnaöo
SUQfpO,
suaföu
styrpo, -u
VQkp>0,
vakpu
Konjunktiv.
Sg.l.
skyta
fella
safnapa
suefpa,
suceföa
styrpa
vekpa,
vcekpa
2.
skyter, -ir
feller
safnaper
suefper,
suceföir
styrper,
-ir
vekper,
vcekpir
3.
skyte, -i
feile
safnape
suefj?e,
sucefdi
styrpe, -i
vek|>e,
vcekpi
Pl.l.
skytem,
feilem
safnapem
suefpem,
styrpem,
vekpem,
•im
•n»
suceföim
-im
vcekpim
2.
skyte)?, -et,
fellep,
safnape]?, -et,
suefpep, -et.
styrpe]?,
vekpep, -et,
-ir
-et, -er
-er
suceföir
-et, -ir
vcekpir
3.
skyte, -i
feile
safnape
Particip
suefpe,
sucefdi
ium.
styrpe, -i
vekpe,
vcekpi
skotenn
fallenn
safnapr
suaf(e)pr
styrpr
vakat (ntr.)
a) Infinitiv.
§ 528. Präsens inf. endet regelmässig auf -a, das nach
einem ä natürlich schwindet (§ 130), z. b. slä schlagen, spä
prophezeien. Nur die verba präterito-präs. mono, munu 'werden',
skolo, skulu 'sollen' (s. § 524, 2 und 3) — vereinzelt auch megu
s. § 525 anm. 1 — haben die endung -u (= 3. pl. präs. ind.,
wie ja auch sonst präs. inf. und 3. pl. präs. ind. dieselbe endung
haben). Vgl. Noreen, Geschichte 3 § 247. Vgl. § 529 mit anm.
Anm. Präs. inf. ist aus um. zeit nicht belegt.
§ 529. Ein Präteritum inf., mittelst der endung -u von
dem präteritalstamme gebildet (der form nach mit der 3. pl.
prät. ind. identisch, vgl. anm.), kommt bei einigen (etwa 37)
§ 530. Präsens indikativ. 355
verben vor. Im prosaischen Sprachgebrauch finden sich nur
vier beispiele: mundo (myndo, mendo, mondo, mindo s. § 524. 2),
shßdo (sehr seit, skuldo) und seltener vildo, anorw. uröu zu
mono werden, skolo sollen, vüia wollen, vceröa (anorw.) werden.
Sonst kommen derartige formen nur in der poesie vor, z. b.
in der poetischen Edda: mdelto. sJcipto, bendo zu mala sprechen.
shpta schalten und walten, benda beugen; andere fälle sind
föro zu fara fahren, knotto (präs. inf. fehlt) können, hämo zu
kun na können, misto zu missa verlieren, mqtto zu mega können,
ollo zu valda walten, sendo zu se>\da senden, stopo zu standa
stehen, vjro zu vesa. vera sein u. a. (s. Lund, Oldnord. ord-
föjningslsere, s. 386; Jonsson, Skjaldesprog s. 89 f., 100 f.). Von
den verben der 1. und 2. ablautsklasse sowie der 1. schwachen
konjugation ist keine einzige hierher gehörige form, von den
verben der 4. schwachen konj. nur einmaliges nopo (ndöu)
belegt.
Anm. Dass diese an. nenbildung ans der infinitivisch verwendeten
3. pl. piät. ind. entstanden ist (s. Xoreen, Geschichte 3 § 248), geht aus hie
nnd da angetroffenen konstrnktionen wie einerseits hygg ek iarlar knättu
(porkelsson , Isl. sagnorö meö pälegri mynd 1 nütiö s. 14), andererseits
Pörir kuaß G-retti skyldi (ib. s. 59; vgl. nisl. hann sagbist skyldi, ib. s. 61),
hann kuaz mundi (Niala) hervor.
b) Präsens indikativ.
§ 530. Die endungen eines regelmässig flektierenden
verbs sind:
stark schwach 1 schwach 2 schwach 3, 4
Sg. 1. — ^ mit t'-uml. d. -a — -*,-«§ 145
2. 3. -r j wnrzelvokals -ar -r -ir, -er
PI. 1. -um, -om § 146 -um, -om -tum, -iom -um, -om
2. -iÖ, -ed oder -it, -et (anorw. auch -ir, -er)
3. -a -a -ia -a
Anm. 1. In der 1. sg. der starken verba ist der i'-umlaut aus der
2., 3. sg. entlehnt; vielleicht ist einmaliges aisl. blöt statt biet ein archaismus
(8. Wadstein, Arkiv VIII, 85) und so wol sicher die hie und da auftauchenden
anorw. biöÖ, fä, kiös, skiöt u. a. (s. Hsegstad, Arkiv XX, 358 ff. und XXII, 283 ff.,
A. B. Larsen, ib. XXV, 75ff.; dagegen Jonsson, ib. XXI, 253ff.). Die um.
endung der 1. sg. ist nämlich bei den starken und den schwachen verben
der 2. und 3. konj. -u, resp. -ju, -tu mit folgenden belegen: Hawiju lanzen-
schaft von Kragehul, gitu Seeland §63,3, Um* Overhornbaek, icaritu Järs-
23*
356 § 530. Präsens Indikativ.
berg (über fdhi Äsum, Stora Noleby, fai Vatn s. § 153, 7 mit anm.). Diese ur-
sprüngliche endung -u ist vor dem enklitischen -mk, -m(R) in der 1. sg. pass.
(s. § 542) noch erhalten, z. b. aisl. bindomk werde gebunden, glepiomk freue
mich, leynom verberge mich. Bei den schwachen verben der 1. konj. muss
die urn. endung (nasaliertes) -ö (durch tawo Trollhättan belegt ?) gewesen
sein. Auch diese endung ist vor dem passivischen -mk, -m(R) als -u, -o
enthalten z. b. aisl. kollomk nenne mich, hrösom rühme mich. Die (un-
belegte) urn. endung der 4. schwachen klasse scheint (nasaliertes) -e gewesen
zu sein.
Anm. 2. Die 2. sg. ist urn. nicht belegt, setzt aber die en düngen -in,
-T>R, -jiR, -ir, -er (vgl. got. bairis, salbüs, nasjis, dömeis, habais) voraus.
Anm. 3. Die 3. sg. hat urn. die endungen -id, -dö, -jiÖ, -iÖ, -EÖ (vgl.
got. bairip, salböp, nasjip, dömeip, habaip) gehabt nach ausweis von hA-
riutip bricht (Stentoften). Aber schon mit dem anfang der vikingerzeit
(wenn nicht früher) wird die endung der 2. sg. angenommen, z. b. urn.
hArutR bricht (Björketorp). Doch sind spuren der ursprünglichen endung
noch in der literatur erhalten, teils häufig vor dem passivischen -sk, -s(R),
z. b. betezk wird gebüsst, leynez verbirgt sich usw. (s. Brate, Äldre Vest-
mannalagens ljudlära, s. 64; vgl. Schreibungen wie JiefÖz, hefdzt bei Fritzner
I, 685), teils in vereinzelten formen wie pykke per es scheint dir (s. § 285
anm. 1), St. Hom. gerip (aschw. einmal gcerid) macht (s. Noreen, Arkiv
V, 393 f.), verÖ wird.
Anm. 4. Durch ausgleichung steht bei allen starken verben im ganzen
sg. e statt i, wo dies in urgerm. zeit aus e entstanden war (s. § 63, 3),
z. b. huerf, huerfr, huerfr statt *huirf (huerf? s. § 63, 3 schluss) , *huirfr,
*huirfd nach dem inf. (und präs. pl.) huerfa sich wenden. Sehr seit, tritt
ausgleichung zugunsten des i ein, z. b. anorw. bisweilen brigdr, wonach
inf. brigöa, neben aisl. (immer) bregpr nach inf. bregpa schnell ersetzen.
Wenn das e im inf. gebrochen ist, hat das präs. zwiefache bildung, je
nachdem es den infinitivvokal vor oder nach der brechungszeit entlehnte;
daher teils formen wie bergr, helpr, skelfr, g Idr, teils — seltener und vor-
zugsweise anorw. — biargr (aostnorw. bicergr, s. § 67, 1) , hialpr, skialfr,
gialdr zu biarga bergen, hialpa helfen, skialfa zittern, gialda gelten, beides
statt urspr. *birgr usw.
Anm. 5. Der i'-umlaut im sg. sollte urspr. lautgesetzlich unterbleiben
in starken verben mit kurzer Wurzelsilbe (s. § 66, 2). Jedoch sind solche
umlautlose formen sehr selten (im gegensatz zu dem Verhältnis im ostu.),
wenn überhaupt vorkommend, denn z. b. anorw. 3. sg. komr (Haegstad,
G. Tr. s. 47) zu koma kommen, hpggr (s. Hertzberg, Hsegstad, Vestno.
maalf. I, s. 83) zu hgggua hauen, takr (Haegstad, a. o. I, s. 124) können
sehr wol nach dem inf. neugebildet worden sein (vgl. anm. 4) wie um-
gekehrt anorw. Iwggua (§ 503, anm. 1) u. dgl. nach dem präs., und bes. fälle
aus dem spätesten mnorw. (s. Hsegstad, Kong. s. 37, Falk und Torp, Dansk-
norskens syntax , s. XIII) dürften am ehesten ostnordischem einfluss zu-
zuschreiben sein. Durch accentverschiebung nach analogie der starken
verba mit langer Wurzelsilbe ist nämlich sonst überall umlaut eingetreten
(vgl. § 416 anm. 3 und § 66, 1), z. b. kem(r), gel(l), fer(r) zu koma kommen,
§ 531. Präsens indikativ. 357
gala singen, fara fahren usw. Auffallend ist das einmalige anorw. daur
(Hsegstad, G. Tr. s. 47) statt de t/r oder lautges. *d(tr « *dam'R nach
§80,2 und §71,2) stirbt; ist es von daiipr tot, tod beeinflusst?
Anm. 6. Starke verha, die im inf. auf -ia nach kurzer Wurzelsilbe
enden, z. b. hefia heben, zeigen die endungen der 2. schwachen konj., also
z. b. 3. pl. hefia.
§ 531. Folgende abweichungen sind zu bemerken :
1. Die 1. sg. nimmt schon ziemlich früh bisweilen die
form der 3. sg. an — so bes. häufig bei vesa, vera sein (aisl.
erst seit um 1350, anorw. aber schon seit 1280. s. J. Storm bei
Bugge, No. I., s. 493), hafa haben, segia sagen und noch einigen
— z. b. byPr bietet (St. Hom.). stendr steht (G. jDorkelsson,
GyMnga saga. s. 62 7 ), skialfr zittert (Strengleikar). shytr
schiesst (Norges gamle love II, 30 l4 ). Diese entlehnung findet
früher im anorw., wo sie vor 1300 durchgeführt ist (Haegstad,
a. o., II, 2, i, s. 199), als im aisl. statt.
Anm. 1. Dicht, kommt bei verben der schw. konj. bisweilen -/, -e
statt -a vor, wenn das pron. ek — und gew. noch dazu die negation -a —
dem verbum suffigiert wird (vgl. §465, 1), z. b. kallegak (statt kalla-pg-a-sk)
'ich rufe nicht', cttleg 'ich denke'. Derselbe austausch, welcher wol auf
elidierung der verbalendung -a vor dem e des pronomens beruht (s. Kock,
Arkiv XIV, 224 ff.) zeigt sich unter denselben bedinguugen auch in der
1. sg. prät. ind., z. b. vildegak 'ich wollte nicht', ßorßeg 'ich wagte', präs.
konj., z. b. biargegak 'ich rette nicht' und prät. konj., z b. myndegak 'ich
würde nicht'.
Anm. 2. Dicht, kommen oft formen auf -um , -om vor, welche also
der 1. pl. ganz gleich sind (s. porkelsson, Arkiv VIII, 34 ff.). Bei verben
der 1. schw. konj. kann diese form, wenigstens zum teil, ursprünglich sein
(s. Wadstein, Arkiv VHI, 86; anders Falk, AfdA. XVIII, 193, wo entlehnung
aus dem passiv angenommen wird), z. b. cbtlomk ich denke (mit suffigiertem -k,
und mit ausschluss desselben) piönum (ahd. dionöm, as. thionon) diene
u. dgl. Anal, ist dann bei anderen verben die form der 1. pl. in den sg.
eingeführt worden, z. b. hyggiom denke, reynom prüfe, hofom habe, biö-
pomk ich biete, leikom spiele u.a. formen, von denen die meisten doch
auch nach § 530 anm. 1 (also mit suffigiertem mk, mR) erklärt werden
können. Vgl. § 534 anm. 3 und § 536 anm. 1.
Anm. 3. Bei verben der 3. schw. konj. sollte nach § 153 anm. die
1. sg. eine um. entwickelung -iu > -u zeigen, und vielleicht ist dies -u
noch in solchen fällen wie dem oben anm. 2 erwähnten reynom (wenn aus
*reynu-mR entstanden) erhalten. Sonst ist -m schon früh (z. b. Asum fahi)
von dem aus 2. 3. sg. entlehnten -i ersetzt worden.
Anm. 4. Anorw. kommen ausnahmsweise solche sehr auffallende
formen wie bitt, halt, ritt, statt st. gew. bind binde, held halte, (h)rind
358 § 531. Präsens indikativ.
stosse, stend stehe vor, 8. Hsegstad, Arkiv XX, 358 f., 361, 362 (vgl. s. 365)
und XXII, 286.
2. Wo bei den starken und den schwachen verben der
2. konj. die endung -r der 2., 3. sg. mit einem vorhergehenden
l, n, r, s zusammentrifft, sind die § 261, § 277 und § 286 mit
anm. gegebenen regeln zu beachten. Es heisst also z. b. gell
und gelr, stell (gew.), stelr und sehr seit, stel, duelr und duel
(Hb. s. XL VI), selr und seil (anorw., s. porkelsson, Supplement
IV, 128), skill, skilr und seit, skil, hylr und sehr seit. (z. b. Hb.
s. XLVI 2mal) hyl, aber nur fellr zu gala singen, stela stehlen,
duelia verzögern, selia übergeben, skilia scheiden, hylia hüllen,
falla fallen; sMn(n), venr, fregn, brepr und brennr (alt brenn;
ebenso renn neben rennr rennt, aber nie *re]>r, s. Jönsson,
Skjaldesprog, s. 88 f.), fipr und finnr zu skina glänzen, venia
gewöhnen, fregna fragen, brenna brennen, finna finden; ferr,
ßuerr zu fara fahren, puerra abnehmen; frys(s), less und oft
les, vex zu friösa frieren, lesa lesen, vaxa wachsen.
Anm. 5. Von pyk{k)ia, pik(k)ia 'scheinen' kommen oft pyk{k)e, pik(k)e
statt -er vor; so besonders häufig vor unmittelbar folgendem mir mir oder
per (per) dir. Zur erklärung s. § 530 anm. 3 und § 285 anm. 1.
3. In der 1. pl. fehlt sehr oft, doch nicht in den aller-
ältesten hdschr. (anorw. aber schon in AM. 315 F. fol. und
Elis saga, s. Haegstad, Vestno. maalf. II, 2, i, s. 156, vgl. s. 158),
das auslautende -m, wenn die pron. vit (mit) 'wir zwei', ver
(mer) 'wir' unmittelbar folgen, sonst seit., z. b. bindo ver wir
binden. Zur erklärung s. § 258 anm. 1.
Anm. 6. Mnorw. wird die form durch diejenige der 3. pl. ersetzt,
z. b. ver vilia wir wollen (s. Falk und Torp, Dansk-norskens syntax s. XV
note; Hsegstad, a. o, II, 2, i, s. 201, Kong. s. 37).
4. a) In der 2. pl. fehlt regelmässig das auslautende -d
der endung -iö, -ed, wenn pron. pit (Öit) 'ihr zwei', per {der)
'ihr' unmittelbar folgen, und auch sonst nicht seit., wenn das
folgende wort mit p (ö) anlautet, z. b. gefe Per ihr gebet, er
drepe pä ihr tötet sie. Zur erklärung s. § 465 anm. 5 und
§ 285 anm. 1.
b) Die endung -it, -et kommt schon in den ältesten hdschr.
hie und da (in St. Hom. doch nur sehr seit.) vor und ist
schon im Cod. AM. 645, 4°, sowie allgemein seit dem ende des
13. jahrhs. häufiger als -id, -ed (doch nicht wenn t unmittelbar
§ 532. Präsens iadikativ. 359
vor -id. -ed geht). Zur erklärung s. § 158 anm. 1 (resp. § 248
anm. 1); anders Hoffory. Arkiv IL 33 note (dagegen L. Larsson.
Isl. handskr. Nr. 645, 4», s. XLVf.).
c) Die endung -ir, -er ist ausschliesslich anorw. (bes.
onorw.) und kommt (neben -id. -ed und -it, .-et) seit c. 1280
dann und wann, seit c. 1335 weit überwiegend vor; s. Bugge.
Arkiv XVI, 333 ff, Ha?gstad. Vestno. maalf. II, 2, i, s. 130 f. Zur
erklärung s. § 158 anm. 1; anders Wadstein. F. Hom. s. 137.
Anin. 7. Im mnorw. des 15. jahrhs. kommt bisweilen (als suecismus)
-in vor, z. b. vilin wollet, s. Haegstad, a. o. II, 2, i, s. 157.
Anm. 8. Mnorw. werden die pluralformen nicht seit, durch singular-
formen ersetzt, s. Falk und Torp. Dansk-norskens syntax, s. XV, note:
Hsegstad, Kong. s. 27.
§ 532. Unregelmässige oder schwankende flexion zeigen
folgende verba:
1. Die starken verba blikia blinken, suikua. sykua
betrügen und r/kua. ykua weichen ('§ 483) können auch wie
schwache verba der 3., 4. konj. flektieren, also z. b. 3. sg.
suikuer, syk(u)er neben suikr. sykr.
2. Heita (§ 502) geht in der bedeutung 'rufen, versprechen'
regelmässig, aber in der bedeutung 'genannt werden' (sehr
seit., z. b. in No. Hom.. in der bed. 'rufen, versprechen') wie
ein schwaches verb der 3., 4. konj. (vgl. § 542 anm. 2).
3. Vesa, vera (§ 498 mit anm. 6) geht fast ganz wie ein
Präteritum :
Sg. 1. em, später er § 531, 1 PI. 1. erom
2. est, später ert 2. erop, -t, -r
3. es. später er 3. ero
Anm. 1. Ueber die verkürzten formen s, (r)6m, (r)6p, (f)ö statt es,
erom, erop, ero s. § 158 mit anm. 2. — Die formen est, es, s sind vor 1200
fast ausschliesslich gebräuchlich, aber schon im anfang des 13. jahrhs. ist
er ebenso häufig wie es und wird bald alleinherrschend; ert wird am
frühesten bei Einarr Skülason c. 1140 sowie etwa gleichzeitig bei Rogn-
valdr jarl angetroffen und ist sehr bald nach 1200 das allgemeine. — Sehr
seltene alte nebenformen sind 2. sg. es (got. is), er, 3. sg. er, s. § 110,2,
ves (Schreibfehler? denn immer nach of stehend; oder nach dem inf. vesa
umgebildet?), s. Larsson. — Um. ist die 3. sg. vielleicht als -s (Kylver,
Eggjum). kaum aber als i[s] (Möjebro) belegt ; das e in es ist wol von der
nach § 110, 2 entstandenen nebenfonn er entlehnt.
360 §532. Präsens indikativ.
4. Die verba präterito-präs. (§§ 522 — 525) gehen im
allgemeinen wie regelmässige präterita. Doch kommen in der
2. sg. bei mono, munu 'werden' und skolo, skulu 'sollen' oft
die nach § 544, 2, d (vgl. § 260) entstandenen formen monn,
munn und skall (in älterer zeit auch nicht seit, mon, mim und
sJcal, s. Gislason, Udvalg af oldno. skjaldekvad, s. 51 f.) statt
mont, munt und sJcalt vor. Im pl. zeigt fast immer muna 'sich
erinnern', gewöhnlich auch unna 'gönnen, lieben' die endungen
des präsens, welche in späterer zeit auch bei den übrigen verba
prät.-präs. auftreten, bei eiga 'besitzen', hunna 'können', mega
'können' und bes. anorw. vita 'wissen' ausnahmsweise schon
in alter zeit.
5. Unter den schwachen verben schwanken ger(u)a, ger(u)a,
gior{u)a 'machen' § 518, 2 und smyrua, smyria 'schmieren'
§ 513, 1 zwischen der 2. und 3. konj. in folgender weise:
sg. 1. ger(u)e, ger(u)e, 2., 3. ger(u)er, ger(u)er, in alter zeit
auch gerr, gerr oder gerr er, gerrer (vgl. den lmal in Eluc,
s. Larsson, belegten inf. gerra gleich agutn. gierra), pl. 1. gerom,
gerom, giorom, 2. ger{u)ep, ger{u)ep, gior(u)ep, 3. ger(u)a, ger(u)a,
gior(u)a; vgl. Sievers, Gott. gel. anz. 1883, s. 55 ff.
6. Zwischen der 2. und 4. schwachen konj. schwanken gä
achten, hafa haben, kligia ekel empfinden, lid leihen, nd be-
kommen, segia sagen, trüa glauben und Pegia schweigen § 520
in folgender weise:
Sg. 1. hefe, alt auch hef , sege, alt und sehr seit, seg, trüe, anorw.
spät hefir §531,1 spät segir § 531, 1 auch try
2. 3. hefer, alt oft hefr seger, alt auch segr trüer, anorw.
auch tryr
PI. 1. hQfom, hafum segiom trüm
2. hafep, -t, -r segef», -t, scegir trtiep, -et, -ir
3. hafa segia trüa
Anm. 2. Wie sege gehen Tclige und ßege, bei denen aber keine ein-
silbigen formen zu belegen sind; wie trüe gehen gäe und spät (aber auch
im isl.) näe und U (litis). Zur erklärung der schwankenden flexion s. Sievers,
Beitr.VIII,90ff.
7. Villa 'wollen' (§ 513,3) flektiert wie folgt:
Sg. 1. vil, dicht, bisweilen vilia PI. 1. viliom
2. vill, später vilt, bisweilen (z. b. oft in No. 2. vilep, -et, -ir
Hom.) vil § 285, 1, sehr seit, vilr § 277, 2, b
3. vill, bisweilen vil, sehr seit, vilr 3. vilia
§ 533. 534. Präteritum indikativ. 361
Anm. 3. Die form vüia (got. xäljau) in der 1. sg. ist eigentlich die
der 1. sg. konj. präs.. Zur erklärung s. Kluge, Beitr. VIII, 515 ff., Sievers,
ib. IX, 563 ff.
c) Präteritum indikativ.
§ 533. Die regelmässigen endungen sind :
stark schwach stark und schwach
Sg. 1. — -a PI. 1. -wm, -07»
2. -t -ir, -er 2. -up, -op, -at, -ot (anorw.
auch -ur, -or)
3. — -i, -e 3. -u, -o
Anm. 1. Die 1. sg. der starken verba ist schon urnordisch ohne
enduug: un-num (Reistad), fAlÄh (Björketorp). Die schwachen verba
dagegen enden urn. auf nasaliertes -ö, z. b. faihiöo (Einang, Vetteland),
fahido, satiÖo (Rö), tawiÖo (Gallehus), icorahto (Tune), MaaiiciÖo (Kjelevig).
Anm. 2. Die 3. sg. der starken verba ist schon urn. endungslos:
[ra]ist (Vetteland), was (Tanum), aih? (Fonnas), warAit (Istaby), gAf
Stentoften, ivarh (Eggjum). Bei den schwachen verben ist die endung -ä
(d. h. -ß, s. § 18, § 138), später -?, noch später -i (s. § 138), z. b. ?aiwuida
(Darum III), w[o]rta (Etelhem), wurte (Tjurkö), orte (By), SAte (Gummarp),
tnAÖe (Eggjum), urti (Sölvesborg).
Anm. 3. Die 3. pl. eines schwachen verbums ist urn. einmal belegt
und endet auf -im: Öa[i]lidun (Tune).
Anm. i. 2. sg. und 1. 2. pl. sind um. überhaupt nicht belegt, setzen
aber die endungen -t (stark), -en (schwach), resp. 1. -um, 2. -uÖ voraus.
§ 534. Ueber die endungen im einzelnen ist zu bemerken:
1. In der 1. sg. der schwachen verben kann schon ziem-
lich früh (am frühesten in anorw. hdschr., z. b. schon in No.
Hom. mehrmals, s. Wadstein. F. Hom.. s. 102 ; vielleicht schon
urn. in orte By) die endung der 3. sg. -i, -e statt -a vorkommen;
im 14. jahrh. ist dies -i in gewissen hdschr. regel; vgl. § 531, 1
mit anm. 1.
Anm. 1. Umgekehrt kommt im anorw. — z. b. in No. Hom. (s. Wad-
stein, F. Hom., s. 101) und in runenin Schriften (s. Eydqvist, Svenska spräkets
lagar 1, 329) — bisweilen vor, dass die endung -a aus der 1. sg. in die 3. sg.
entlehnt wird.
Anm. 2. Ueber die behandlung auslautender Id. )id, ng im starken
prät. s. § 220, § 266, 2 und 3. Ueber auslautendes g s. § 230, 2.
Anm. 3. Dicht, kommen oft formen auf -mm, -om vor, welche also
der 1. pl. ganz gleich sind (s. porkelsson, Arkiv VIH,34ff.)- B ei dem
schwachen prät. kann diese form ursprünglich sein (s. Wadstein, Arkiv
VIII, 86 f.), z. b. hpfpom hatte, Ipgpomk ich legte, hengpom hängte. Anal.
362 § 534. Präteritum indikativ.
ist dann auch bei starken verben die form der 1. pl. in den sg. eingeführt
worden, z. b. repom riet, Jcömomk ich kam, u. a. m. Vgl. § 531 anm. 2 und
§ 536 anm. 1.
2. Beim zutritt der endung -t in der 2. sg. des starken
verbums ist folgendes zu beachten:
a) Endet die 1. 3. sg. auf vokal, so wird t gew. gedehnt
(§ 280 anm. 1), z. b. biött, seit, biöt, zu biö wohnte; in fällen
wie stett, stet (neben steigt; s. § 230, 2 und § 267) zu ste {steig)
stieg, slött zu slö schlug ist tt lautges., weil aus ht entstanden.
b) Endet die 1. 3. sg. auf -t, so ist die älteste endung -st
(aus -ss § 320 -f nochmaliges endungs-^) sehr seit, belegt, z. b.
(zweimal in St. Hom.) veist (got. waist, aschw. vest) zu veit
weiss. Durch einfluss der 1. 3. sg. lautet nämlich die 2. sg.
fast immer auf -zt (nicht seit, -z nach § 303, 1) aus, z. b. veiz{t),
lez(t) zu veit weiss, let Hess, baz(t) zu ba tt band, helz(t) zu
helt hielt, oder (doch sehr seit.) auf -tt, z. b. lett liesst, oder
endlich ist die form derjenigen der 1. 3. sg. ganz gleich, z. b.
helt hieltst, hratt stiessest, was immer der fall ist, wenn die
1. 3. sg. auf -st endet, z. b. laust zu laust schlug.
c) Endet die 1. 3. sg. auf -ö, so ist das zu erwartende (und
im aschw. bisweilen vorhandene) -st nicht zu belegen; sondern
durch einfluss der 1. 3. sg. hat die 2. sg. ältest -tt (später nicht
seit. -dt geschrieben, s. §268,2 mit anm. 1), später sehr oft
(aber bei gewissen verben nie) -zt, z. b. batt, bazt zu baß bat,
reitt (reidt) zu reip ritt, stött (nie *stözt) zu stop stand, vart
(*vartt § 283) zu varp wurde.
d) Die endung -t fehlt oft, wenn pü unmittelbar folgt
(sonst sehr seit, und dann wol durch entlehnung der 1. 3. sg.),
z. b. gekk pü (mit restituiertem pü statt gekktu aus gekkt Pu,
§ 276, § 283) du gingst (St. Hom. pü tök du nahmst, in den
Eddaliedern kuapattu du sagtest nicht, varattu du warst nicht).
3. In der 1. und 2. pl. fehlen die auslautenden -m, -ö nach
derselben regel wie im präsens (s. § 531, 3 und 4, a), z. b. töko
ver wir nahmen, töko Per ihr nähmet; ausserdem scheint -ö
auffallend zu fehlen (durch entlehnung aus der 3. pl.? oder
Schreibfehler?) in urpua ip (GuJ>rünarhuc;t 3) 'ihr zwei wurdet
nicht'. Eine form wie töko vit 'wir zwei nahmen' kann
möglicherweise eine alte 1. dual sein.
§ 535. 536. Konjunktiv. 363
4. In der 2. pl. kommen die endnng -ut. -ot und die
anorw. nebenform -ur, -or in derselben ausdehnung wie im
präsens -it, -et und -ir, -er vor (vgl. § 531. 4, b und c).
Anm. 4. In No. Hom. kommt einigemal ein aus dem präsens ent-
lehntes -iÖ, -eÖ vor (s. Wadstein, F. Hom., s. 103).
Anm. 5. Mnorw. kommt in der 3. pl. nicht selten -e st. -o vor, z. h.
svarade (> svara § 292 anm. 2) antworteten, haföe hatten, s. Hsegstad,
Vestno. maalf. II, 1, s. 86 und II, 2, i, s. 202.
d) Konjunktiv (optativ).
§ 535. Präsens und Präteritum konj. haben in historischer
zeit dieselben endungen. Doch besteht der wesentliche unter-
schied, dass die endungen des prät. koüj., weil urgerm. i ent-
haltend, /-umlaut hervorrufen in der Wurzelsilbe der starken
verben (welche übrigens die ablautsstufe des prät. pl. ind.
aufweist) und der schwachen verben der 2., 3. und 4. konj.,
während die endungen des präs. konj.. weil urgerm. ai (urn. e)
enthaltend, keinen umlaut erzeugen. Die regelmässigen
endungen beider tempora sind:
Sg. 1. -a PI. 1. -im, -etn
2. -ir, -er 2. -iß, -eß, -it, -et, anorw. auch -ir, -er
3. -i, -e 3. -i, -e
Anm. 1. Aus urn. zeit ist von hierher gehörigen formen nur 3. sg.
präs. wate (d. h. wette, Strom) belegt.
Anm. 2. Auffallenderweise zeigen die verba präterito-pras. — ausser
skyla (später skula, skola) 'solle' und myna, mena (neben muna, mono,
mana) -werde' sowie im anorw. bisweilen ßyrfa statt ßurfa 'bedürfe',
s. Wadstein, F. Hom., s. 80; porkelsson, Islensk sagnorö &c, s. 30 f.) —
keinen umlaut im präs. konj., das doch ein altes prät. konj. ist. Auch im
prät. konj. zeigen einige von diesen verben bisweilen unumgelautete formen:
ynunda, monda neben mynda, minda, m&nda 'würde', ßurfta neben ßyrfta
•bedürfte', shdda neben skylda, skilda 'sollte' und seit, kuntia neben kynna
•könnte', mnorw. rare 'wäre', svöre 'schwüre' (s. Haegstad. a. o., EL 2. i.
s. 120): also mit einer Vermischung, die der im § 523 anm. 2 und 3 und
§ 524 anm. 4 erwähnten entgegengesetzt ist. Sonst ist unum geläutetes
prät. konj. sehr seit., z. b. biogga neben bygga, biegga, begga und Miöpa
neben hlepa, hlypa zu bita wohnen, hlaupa springen.
§ 536. Von abweichungen sind folgende anzuführen :
1. In der 1. sg. wird die endnng der 3. sg. in derselben
ausdehnung wie bei dem schwachen Präteritum (§ 534. 1 ; vgl.
§ 531 anm. 1) entlehnt, und zwar anorw. schon im anfang des
364 §537. Konjunktiv. §538. Imperativ.
13. jahrh., aisl. erst um 1300 (s. porkelsson, Breytingar ä myn-
dum viötengingarhättar, s. 9 ff.).
Anm. 1. Alt und dicht, kommen einigemal formen vor, die der 1. pl.
ganz gleich sind, z. b. aisl. eigem besitze, cbttem besässe. In fällen wie
anorw. (legend. Olafssaga) kudmomk ich käme (eigentlich mediopassiv,
s. § 542, 1) — das nur scheinbar der 1. pl. gleich ist (vgl. 2 unten) — statt
kudbma (got. cfimjau) ek ist die endung -o(mk) aus *-ö < *au vor m(i)k
lautgesetzlich berechtigt (s. § 140 und vgl. § 137, 1). Vgl. übrigens § 531
anm. 2 und § 534 anm. 3.
2. Der pl. kann, bes. in der späteren spräche, die endungen
des indikativs annehmen. Im präs. konj. geschieht dies fast
nur in der 1. pl., z. b. anorw. schon in No. Hom. bidium statt
bidim 'bitten' u. a., aisl. erst in Mööruvallabök lätum st. Jdtim
'lassen' u. a. (ausnahmslos seit 1500). Im prät. konj. dagegen
findet etwas später die entlehnung auch in der 2. und 3. pl.
statt, z. b. anorw. in der legend. Olafssaga 3. pl. mindu st. -i
'würden', misl. in der Flateyjarbök (um 1370—80) 2. pl. vcerut
st. -it 'wäret' (bei mono und skolo aber schon in St. Hom.);
doch kommen auf Island die alten formen noch im anfang
des 17. jahrhs. bisweilen vor. Vgl. porkelsson, a. o.
Anm. 2. In St. Hom. kommt (durch verschreibung ?) dreimal eine
form der 1. pl. präs. konj. auf -e (wie in der 3. pl.) statt -em vor, z. b. auke
'vermehren'; ausserdem einmal haldenn (gleich aschw. haldin?; vgl. Hult-
man in Finländska bidrag, Helsingfors 1894, s. 226) st. holdem 'halten'.
§ 537. Besonders unregelmässig ist der konj. präs. von
vesa, vera 'sein':
Sg. 1. sia, später auch se § 536, 1 PI. 1. sem, später seum § 536, 2
2. ser, seit, verir 2. B&p, -t, -r
3 se, seit, vese (alt) oder veri 3. se, später s6u
Anm. In der ältesten zeit kommen natürlich auch unkontrahierte
formen (sea, seer, sie usw.) nach § 130 vor. Die 3. pl. hat in St. Hom.
einmal die form vese. Misl. kommt im 15. jahrh. auch die form sert (nach
dem ind. ert) in der 2. sg. vor; s. porkelsson, Breytingar a myndum &c.
s. 63, vgl. Beyging s. 534, Olsen, VQlsunga saga, s. LXXIV.
e) Imperativ.
§ 538. Der imperativ kommt nur im präs. vor und nur
in der 2. sg., sowie 1. 2. pl. Die beiden letzten formen sind
den 1. 2. pl. des präs. indik. völlig gleich. Die 2. sg. dagegen
zeigt eine besondere form, über die folgendes zu bemerken ist :
§ 539. Participium. 365
1. Die starken verba haben keine endung, z. b. far fahre.
gef gieb ; ebenso die präterito-präsentia, z. b. eig besitze. Dass
dies schon um. (vgl. das got.) der fall war, beweisen formen
wie bitt (sehr seit, bind nach dem präs.. wie umgekehrt seit.
präs. bitt u. a., s. § 531 anm. 4, nach dem imperat.?) binde,
sprikk zerspring (s. § 220 mit anm. 1). Ueber formen wie blöt(t)
opfere, grät(t) weine s. § 280 anm. 1.
2. Die 1. schwache konj. endet auf -a, z. b. kalla rufe.
3. Die 2. und 3. schwache konj. haben keine endung,
z. b. vel wähle, dorn richte. In urn. zeit muss aber (wie aus
formen wie send, nicht *satt, 'sende' hervorgeht, s. § 220 anm. 1)
eine, vielleicht durch skapi und ligi (s. anm.) belegte, endung -l
(vgl. got. walei, dömei) vorhanden gewesen sein. Diese ist wol
noch im inlaute erhalten in formen wie hyggiat 'denke nicht',
teygiattu 'strecke nicht (du)', kueliat "peinige nicht', deilet
'streite nicht' zu hyggia, teygia, kuelia, deila.
4. Die 4. schwache konj. zeigt bei den meisten verben
keine endung, z. b. lif lebe, haf habe, seg sage. Doch kommt
eine endung -i (urn. -e, vgl. got. habai u. dgl.) bei einer anzahl
hierher gehöriger verben vor: aisl. duge tauge, gape gaffe,
lume lass los, trve glaube, ugge fürchte, une sei zufrieden.
vake wache, Pege schweige (und Xo. Hom. einmal lifi lebe).
Ausser pege sind diese formen später durch endungslose impera-
tive ersetzt worden.
Anm. Der imperativ ist wol aus urn. zeit belegt durch birg'! (Opedal.)
und vielleicht ligi, skapi (Strem).
f) Participium.
§ 539. Das part. des präsens wird bei allen verben
mittelst -ande gebildet, z. b. farande fahrend, kallande rufend,
veliande wählend usw.; zu spä prophezeien u. dgl. (§ 511) heisst
das part. präs. natürlich spände (§ 130). Ueber die flexion
des part. präs. als subst. s. § 422, als adj. s. § 435.
Anm. 1. Prädikativ (mnorw. auch attributiv) steht seit, (wie im
aschw.) -andes statt -ande, z. b. Vera lifandes 'lebendig sein' (s. Fritzner
H, 511). Vgl. An. gr. II, § 465, 2.
Anm. 2. Ueber das ablautende suffix -und- im subst. bände (aus
*böunde, vgl. ahd. friunt, as. flund, ags. friond, fiond, s. Sievers, Zum ags.
vocalismus, s. 51 f.) neben büande (böande) 'bauer zu biia (part. büande)
366 §540.541. Participium.
'wohnen', högynde bequemlichkeit, kissen zu hegin bequem machen (vgl.
hpfundr anm. 3) u. a. s. § 173, 2.
Anm. 3. Urspr. participia ohne e'-umlaut zu schwachen verben der
2. und 3. konj. sind die subst. dömande richter (neben part. demande) zu
dema richten, högynde (vgl. anm. 2) neben anal, umgebildetem hegende
bequemlichkeit zu hegia bequem Qiöglegr) machen, hgfundr Urheber (neben
part. hefiande) zu hcfia heben; zur erklärung s. Streitberg, Zur germ.
Sprachgeschichte, s. 15, 17 f. und Urgerm. grammatik, s. 286. Ueber die
starke flexion bei ligfundr u. dgl. s. § 422 anm. 4.
Anm. 4. Eine um. spur des part. präs. bietet wita[n]da- (Tune).
§ 540. Das part. Präteritum endet bei den starken
verben auf -inn, -enn, z. b. farenn gefahren; bei den schwachen
der 1. konj. auf -apr, der 2. konj. auf -{e)pr (vgl. § 514, § 428, 2),
der 3. konj. auf -pr (-dr, -tr\ vgl. § 515), der 4. konj. auf -{a)pr
(vgl. § 519). Die flexion ist die eines gewöhnlichen adjektivs.
Anm. 1. Ueber das scheinbar starke part. auf -enn bei den verben
der 2. konj. s. § 514. Dagegen ist die partizipialbildung auf -pr ursprüng-
lich nicht auf die schwachen verben beschränkt, sondern spuren solcher
bildung kommen auch bei den starken verben vor, z. b. Jcaldr kalt zu
Jcala frieren, daupr tot zu deyia sterben, skarpr vermindert zu skera
schneiden. — Ueber part. ohne dentale ableitung s. § 507 anm. und Noreen,
Geschichte 3 § 256, 3.
Anm. 2. Aus um. zeit sind zwei starke part. prät. belegt : slaginaR
(Möjebro), haitinaR (Tanum); ferner wahrscheinlich zwei schwache:
sairawiÖaR (Rö), h\l\aiwiÖaR (Amle).
Anm. 3. Ueber reste des einstigen part. prät. akt. wie halze wer
festgehalten hat zu halda, heize wer versprochen hat zu heita u. dgl. (vgl.
got. berusjös die geboren haben , eitern) s. Noreen , IF. IV, 324 ff. , Brate,
Z. f. d. Wortforschung XIII, 150, Torp bei Hsegstad - Torp , Gamalnorsk
ordbok, s. LVII.
§ 541. Das part. prät. wird in Verbindung mit dem präs.
und prät. von hafa 'haben', bei einigen verben vesa, vera 'sein',
zur bildung eines umschriebenen perfekts, resp. Plusquam-
perfekts verwendet. Das part. steht in der Verbindung mit
hafa gewöhnlich im neutr., kann sich aber auch oft (bes. in
alter zeit) nach dem Objekt richten, z. b. eh hefe hallat hann
oder hann hallapan ich habe ihn gerufen, hann hafpe set hana
oder hana sena er hatte sie gesehen. In der Verbindung mit
vesa, vera richtet sich das part. nach dem Subjekt, z. b. peir
ero gengner sie sind gegangen.
Anm. 1. Das hülfsverb hafa kann bisweilen ausgelassen werden.
§ 542. Medio-passiv. 367
Anm. 2. Futurum und konditionalis werden mittelst des präs.,
resp. prät. von mono (in der 1. pers. auch skolo, das sonst mehr die
bedeutung von 'sollen' hat) und eines folgenden präs. infinitivs umschrieben,
z. b. ek mon kalla, ganga ich werde rufen, gehen, ek munda kalla, ganga
ich würde rufen, gehen. In derselben weise bildet man ein futur. exakt,
und kondit. exakt.: ek mon hafa kallat, resp. vera gengenn. ek munda hafa
kallat, resp. rem gengenn, wo jedoch bisweilen hafa und oft vera aus-
gelassen werden können.
II. Medio-passiv.
§ 542. Die formen des aktivums erhalten reflexive oder
auch, wiewol seltener, passive bedeutung durch enklitische
anfügung von persönlichen ungeschlechtigen pronominen ent-
weder im acc. oder — urspr. wol nur bei verben mit dativischer
rektion, ein unterschied der jedoch bald verwischt worden
ist — im dat. Demnach treten zu den aktiven formen der
1. sg. teils -mk (aus mik § 158), teils (sehr seit.) -m (aus *mex
> *men § 151, 2 > *mn § 158 < *-mm § 277 anm. 5 > m § 285, 5);
dagegen zu allen übrigen formen das pron. reflexivum, teils
als -sk (aus sik). teils seltener als -s (aus *seR >*sen > *sr
> -ss — so noch oft im aschw. — § 277, 1 > -5) ; in der 1. pl.
vielleicht doch auch -k (aus okkr) und -s (aus oss). s. Kock,
Arkiv XXXV. 74 ä.. Hierbei sind folgende erscheinungen zu
zu beachten:
1. In der 1. sg. präs. ind. starker verba und schwacher
verba der 1., 2., 3. konj., prät. ind. schwacher verba sowie präs.
und prät. konj. aller verba sind die urn. endungen -u (got. -a),
nasaliertes -0 (got. -ö) und nicht nasaliertes -ö (got. -au) sämt-
lich als -u. -0 (§ 187, 1) erhalten, z. b. aisl. tokom(k) werde
genommen zu tek nehme, ko!lom(k) werde gerufen zu kalla
rufe, veliom{k) werde gewählt zu vel wähle, demomik) werde
gerichtet (aus *dömiu-mik synkopiert, s. § 157) zu deme richte,
vol]>om(k) wurde gewählt zu valßa wählte. velpom(k) würde
gewählt. Nach der analogie dieser formen tritt -um(k),
-om(k) auch im präs. ind. schwacher verba der 4. konj. und
im prät. ind. starker verba ein. z. b. Jjolrmik) statt *polemk
werde geduldet zu pole dulde, gofom(k) statt *gafmk wurde
gegeben zu gaf gab, bundom(k) statt *battmk wurde gebunden
zu bau band; in dem letzten falle ist ausserdem (wie in den
368 § 543. Medio-passiv.
§ 465, 3 erwähnten fällen) das pronominale suffix an die form
der 3. pL getreten (d. h. gofomk, bundomk sind in der tat aus
gqfo mik gaben mich, bundo mik banden mich entstanden).
2. In den übrigen formen müssen vor dem suffigierten
-s(k) folgende lautgesetzliche Veränderungen der aktiven
endungen eintreten:
a) -r (um. -r) schwindet nach § 273, z. b. 2. sg. präs. ind.
gefs(k) zu gefr gibst, binzQc) zu binär bindest, kallas{k) zu
kallar rufest.
b) -ö und -d werden zu -t (und t -f- s wird dann z ge-
schrieben) nach § 238, 2, d, z. b. 2. pl. präs. ind. und konj. gefezQt)
zu gefep gebet, prät. ind. dömpoz{k) zu dämpop richtetet, 1. 3. sg.
prät. ind. kuaz(k) zu kuap sprach, 3. sg. präs. ind. pykkez(k) zu
*pykkep (s. § 530 anm. 3) scheint, gefz(k) zu *gefp gibt, stenzk
zu stendr steht.
c) Nach -11, -nn wird t eingeschoben nach § 310, 1, z. b.
2. sg. präs. ind. felz(k) zu fellr fällst, finz(k) zu finnr (fipr,
s. § 261) findest, 1. 3. sg. prät. ind. fanzk zu fann fand.
d) Geminata wird meist vereinfacht (s. § 284), z. b. 2. sg.
präs. ind. bldesk zu blcess bläst, 1. 3. sg. prät. ind. feks(k) zu fekk
bekam, part. prät. ntr. möz{k) zu mött begegnet.
Anm. 1. Ueber die bildung und geschiente des mediopassivs s. Wimmer,
Det phil.-hist. samfunds mindeskrift 1879, s. 184 ff. ; Wisen, Arkiv I, 370 ff. ;
Hoffory, ib. 11,96; Lyngby und Dyrlund, Tidskr. f. fil. N. B. VI, 257 ff.;
Brate, Äldre Vestmannalagens ljudlära, s. 65; Bugge, Ant. tidskr. f. Sv.
X, 117; Larsson, Studier över den isl. homilieboken , s. 75 f.; porkelsson,
Supplement II, v und Breytingar ä myndum &c, s. 32 f. ; Mogk, ZfdPh.
XIII, 235; Wadstein, F.Hom., s. 115 f.; Noreen, Geschichte 8 §258; Morgen-
stern, Arkiv X, 207 f.; Specht, Acta germanica III, 1 (reiche material-
sammlung) ; Kock, Arkiv XXXV, 55 ff.
Anm. 2. Von dem uralten ieur., im got. zum teil noch bewahrten,
medio-passiv ist eine einzige spur erhalten in der 1. sg. präs. ind. heite ich
werde genannt (die übrigen personen wie von einem schwachen verbum
der 3. schw. konj. ; s. § 532, 2). Diese form ist schon in um. zeit mehrere
mal belegt: ha[i]te-ka (Lindholm), hatte (Kragehul), haiti-ka (Seeland),
hait(e) und h[d]ite (Järsberg). Vgl. Sievers, Beitr. VI, 561; Schmidt, K. Z.
XXVI, 43. — Von dem neugebildeten mediopassiv ist um. keine form belegt.
§ 543. Die ältesten endungen des medio-passivs (vor 1200)
hätten demnach folgendes aussehen:
§ 544. Medio-passiv.
3»59
Infinitiv:
Präsens.
-as(k). 2. schw. konj. -ias(k)
Indikativ:
Präsens.
Sg. 1. -um(k), -om(k), 2. schw. -ium(k), -wm(k)
2. st. u. 2. schw. -s(k), 1. schw. -as(k), 3. n. 4.
schw. -i's(fc), -es{k)
3. st. u. 2. schw. -z{k), 1. schw. -<*.?(&), 3. u. 4.
schw. -iz (k). -ez(k)
PI. 1. -Mmsft"). -oms(k) 2. schw. -iumsik), -ioms(k)
2. ->z k) t -ez(k)
3. -as(k), 2. schw. -?as(Ä-)
Konjunktiv:
Sg. 1. -um(k), -om(k), 2. schw. -ntm(k), -iom(k)
2. -Js(fc); -es(k)
3. -/»(*), -^s(Ä-)
Imperativ:
Sg. 2. -s(£). 1. schw. -as{k) (4. schw. unbelegt?)
Präteritum,
kommt nicht vor.
Präteritum.
-om(k(, -unvk)
| st. -z[k), schw. -is(k),
-es(k)
st. -s(£), schw. -**(£)
-i<»js(i\ -owis(ä:)
-«z(Ä). -oz(k)
-us(k), -os(jfc)
PI. 1. -ints(k), -ems(k)
2. ->>(&)> "«*(*)
3. -isik). -es(k)
PI. 1. -itms(k), -oms(k).
2. -&(*), -^(*)
Participium:
Präsens. Präteritum ntr.
-andesije), 2. schw. -iandes(k) st. u. 2. schw. -tffjfc), -££(&)> 1- u - 4.
schw. -az(&), 2., 3.. i. schw. -z(jfc)
. § 544. Diese endungen gelten aber in ihrer reinheit nicht
einmal für die ältesten hdschr. Folgende Veränderungen treten
in rascher folge ein:
1. Schon vorliterarisch sind (wie im aktivum. s. § 530)
die 2. und 3. sg. präs. ind. zusammengefallen, so dass sie beide
auf -s(k) oder -2(k) enden können. Seit um 1250 im anorw..
um 1300 im aisl. kann (wie im aktivum, s. § 531, 1, § 534, 1,
§ 536, 1) auch die 1. sg. (ausser im starken prät.) die form
der 2. 3. sg. (zunächst im konj.) annehmeü. was immer häufiger
stattfindet und im anorw. um 1300 sowie im nisl. ausnahms-
los durchgeführt worden ist.
2. Schon etwas nach 1200 können alle endungen, die -s(k)
enthalten, dieses durch -z(k) ersetzen (selten umgekehrt), was
wol teils nur eine orthographische neuerung ist (s. § 43), teils
auf analogiebildung nach denjenigen formen beruht, welche
Xoreen, Altisl. gramin. 4. aufl.
24
370 § ML Medio-passiv.
lautgesetzlich -z(k) zeigen, nämlich ausser den § 542, 2, b und c
sowie oben 1 erwähnten fällen noch die 2. sg. prät. ind. starker
verba, part. prät. ntr., 2. sg. präs. ind. wie binz(k) wirst ge-
bunden, lcez(k) wirst gelassen, 1. 3. sg. prät. ind. wie lez(k)
wurde gelassen u. a. Doch tritt e statt s nach l, n?, r fast
nie (bes. nicht im aisl.), zwischen n und k nur im anorw. ein;
also z. b. aisl. 2. sg. präs. ind. nur spyrsk, 1. pl. spyriomsk
(anorw. -umzk) zu spyria fragen. Sonst kommen im aisl. (im
gegensatz zum anorw.) seit um 1300 keine s-formen mehr vor.
3. Bald nach 1200 können die endungen der 1. sg. und
pl. miteinander verwechselt werden. So steht in der 1. sg. ind.
aisl. -omsk (sehr seit., z. b. AM. 645, 4° und Agrip), anorw.
(vgl. oben 2) -umzk (sehr seit., z. b. Strengleikar 3 mal), resp.
aisl. -anorw. (sehr seit, z. b. AM. 623, 4° und Strengleikar)
-oms, -ums, häufig -omz, -umz, welche letzte form vor 1300
(bes. im aisl.) herrschend wird und dann dieselbe entwickelung
wie die gleichlautende form der 1. pl. einschlägt (s. unten).
In der 1. sg. konj. kommen entsprechende "plural"- formen auf
-ems(k), -ims(k) nicht vor, sondern nur im anorw. ein sehr
seltenes -imz (einmal auch -emk in tynemk Strengleikar, wol
durch kontamination von 1. sg. -umk und 1. pl. -imsk, vgl. § 536
anm. 1). — In der 1. pl. ind. ist vor 1250 die " Singular "-form
-omk (einmal -om in kollom St. Hom.), -umk ebenso häufig, im
anorw. sogar häufiger als -omsk, -umsk (-umzk), -omz, -umz
(oms, -ums sind hier nicht belegt) ; dagegen in der 1. pl. konj.
ist das nach -omk gebildete -emk, -imk weit seltener als -emsk,
-imsk, -emz, -imz. Seit 1250 werden -umz, -imz und deren
fortsetzer (s. unten 4) -umzt, -imzt (anorw. seit 1250, misl. seit
1350) bald herrschend, um endlich (c. 1500) im misl. durch
-unzt (noch später -unst geschrieben), im mnorw. durch die
form der 3. pl. ersetzt zu werden.
4. Die anfangs weitaus häufigsten formen auf -k (-mk, -sk,
-zk) werden im anorw. seit 1250 (oder ein wenig später, denn
noch Elis saga hat 9 mal -zk, 3 mal -sk gegen sonstiges -z
oder, s. unten, -zt), im aisl. seit 1300 (oder etwas früher, denn
schon die bruchstücke der Kringla gegen 1260 und eine
Urkunde von c. 1245 haben immer -z) nicht mehr gebraucht
(so dass das häufige -sk, -zk, seltener -mk in einem teile der
Hauksbök wol als ein archaismus anzusehen ist, vgl. Hb.
§ 545. Medio-passiv. 3? 1
s. LVI). Doch werden dadurch diejenigen auf -z (seltener -s.
s. 2 oben; -m ist immer, auch im sg., äusserst selten gewesen)
nicht alleinherrschend. Schon in den ältesten anorw. hdschr.
wird bisweilen zu den formen auf -s und -* (ganz ausnahms-
weise zu einer auf -k) ein -t hinzugefügt, welches wol zum
teil funktionell berechtigt ist. z. b. Xo. Hom. 2. sg. imperat.
minzt (aus minzta < minz Öu § 238, 2. a ausgelöst; Elis saga
hat 4 mal -zt vor ]>. z. b. slöguzt pegar u. dgl., sonst nur -z
oder. s. oben, -zk, -sk) erinnere dich, part. prät. ntr. farezkt
(d. h. faret "gefahren' -f sk -f- nochmaliges neutrales -t). teils
aber analogisch übertragen. Diese -st, -zt werden allmählich
häufiger (schon alleinherrschend in der ersten partie der Hauks-
bok, s. Hb. s. XXX), bis sie -s. -z überwiegen (um 1350). Seit
1300 zeigt sich -zt (ganz ausnahmsweise -st wie in einer
etwas norvagisierenden partie der Hauksbok neben seit, -z,
s. Hb. s. L) auch im aisl. Da aber jetzt z und ss phonetisch
gleichwertig sind (s. § 43), wird ohne unterschied -zt. -zst und
(misl. jedoch erst seit 1450 sowie ausnahmslos im nisl.) -st
geschrieben. Seit 1450 kommen im misl. keine formen auf -z
mehr vor. Dagegen im mnorw. wird (seit 1350) die form
ohne -t wieder immer häufiger und um 1450 (wenigstens im
onorw.) alleinherrschend, dann ohne jeden unterschied der
ausspräche -s(s), -s(s)z, -zs(s), -z geschrieben.
§ 545. Als paradigmen seien angeführt für die starken
verba hikas(k) "sich schliessen. geschlossen werden', für die
schwachen kallas(k) "sich nennen, genannt werden'. Die ältesten
formen werden zuerst angeführt, die seltensten [eckig] ein-
geklammert.
Präsens.
Infinitiv:
lükask, [-as,] -azk, -az, -azt (anorw. kallask nsw.
anch -ast, -as), -ast
Indikativ:
Sg. 1. lükomk, -nink, [-om, -omsk. kollomk. kaUumJc usw.,
-utnzl; -oms,] -nmz nsw. = 1. pl.. kallaz nsw.
lykz usw. = 2. 3. sg.
2. 3. lyksk, [-8,] -zk. -z, -zt (und -st. kallask usw.
-*), -st
24*
372
PL 1.
2.
3.
2. 3.
PL 1.
Sg.2.
PL 1. \
2.1
§ 545. Medio-passiv.
Indikativ:
lükomsk, -umzk, -omk, -umk, [-om,]
-umz, -umzt (und -umst, -ums),
-umst, -unzt, -unst
lükezk, -izk, -iz, -izt (und -ist,
-is), -ist
lükask usw. = inf.
Konjunktiv:
lükomk, -umk, [-imk,] -umz [und
-imz], -umzt [und -imzt], -iz usw.
= 2. 3. sg.
Mkesk, -isk, [-es, -is,] -ezk, -izk,
-iz, -izt (und -ts£, -is), -ist
lükemsk, -imsk, -emk, -rnft, -imz,
-imzt (und -e'wsf, -ims), -umz,
-umzt usw. = ind.
lükezk, -izk usw. = ind.
lükesk, -isk usw. = 2. 3. sg.
Imperativ:
hiksk, [-s,] -zk, -z, -zt (und -st,
-s), -st
wie im ind.
kqllomsk, kallurnzk usw.
kallezk usw.
kallask usw.
kollomk, kattnmk usw.
kallesk usw.
kallemsk usw.
kallezk usw.
kallesk usw.
kallask usw.
Participium (selten):
lvikandesk, [-es,] -ezk, -iz, -izt (und kallandesk usw.
-ist, -is), -ist
Präteritum.
Indikativ:
Sg. 1. lukomk, -umk, [-omsk, -umzk,]
-umz usw. = 1. pl. präs. ind.,
laukz usw. = 2. 3. sg.
2. laukzk, -z, -zt (und -st, -s), -st
3.
lauksk, -zk, -z usw. = 2. sg.
PI. 1.
lukomsk, -umzk usw. = 1. pl. präs.
ind.
2.
lukozk, -uzk, -uz, -uzt (und -ust,
-us), -ust
3.
lukosk, -usk, [-os, -us,] -ozk, -uzk,
-uz usw. = 2. pl.
kQllopomk, kallaÖomk usw
kallapesk, [-es,J -ezk, -iz,
-izt (und -ist, -is), -ist
= 2. sg.
kqllopomsk, kallaÖomzk
usw.
kQllopozk, kalladozk usw.
kQlloposk, kulladosk usw.
3 546. Umschriebenes pas>iv. 373
Konjunktiv:
Sg, 1. lykoink, -umk usw. = 1. sg. präs. kQÜopomk, kaUadomk usw.
konj., lykiz usw. = 2. 3. sg.
2. 3. lykesk, -isk usw. = 2. 3. präs. konj. kaliapesk usw.
PI. 1. lykemsk. -imsk usw. = 1. pl. präs. kallapemsk usw.
konj.. lykumz usw. = ind.
2. lykezk. -izk usw. =f 2. pl. präs. konj. kallapezk usw.
lykuz usw. = iud.
3. lykesk, -isk usw. = 3. pl. präs. konj. kallapesk usw.
lykuz usw. = ind.
Participium (nur im neutr.):
lokezk. -iz. -izt (und ist. -is) kallazk usw.
§ 546. Ein umschriebenes passivum wird mittelst
vesa, vera *sein' in Verbindung mit dem park prät. gebildet.
Später (sehr seit, in alter zeit) kann statt vera bisweilen verpa
'werden' gebraucht werden. Also z. b. von Jcalla "rufen,
nennen' 1. sg. präs. ind. ek em oder verjt kallaPr, konj. ek sid
od. verfia kallapr, prät. ind. ek vas, var od. varp k.. konj. ek vcera
od. ytpa k., perf. ind. ek hefe veret (äusserst seit. or])ei) Ä\, konj.
ek hafa veret k., plusquamperf. ek hafpa veret k., konj. ek hefPa
veret k., futur. ek mon vesa, vera od. verPa k.. kondit. ek mundo
vesa, vera od. veipa k., futur. exakt, ek mon hafa veret k.. kondit.
exakt, ek munda hafa veret k. usw.
Anm. 1. Statt perf., plusquamperf., futur. exakt, und kondit. exakt,
werden gewöhnlich präs., resp. prät, futur. und kondit. gebraucht.
Anm. 2. Im futur. und kondit. wird fast gewöhnlich der inf. vesa,
vera od. verpa ausgelassen.
Anhang.
Die wichtigsten urnordischen inschriften.)
1. Stein von Amle, Norwegen, c. 600.
Die inschrift lautet: . Ar h\l]aiwiÖaR Par.
Dies wäre in aisl. spräche: . .r *hläpr (vgl. § 77, 8) par.
Ins deutsche übersetzt: . .r [ist] begraben dort.
Anm. 2 ) Vgl. Bugge, No. I. s. 575 f. (mit abbildung); anders v. Grien-
berger, Gott, gel. Anz. 1906, s. 1031
2. Stein von Bell and, Norwegen, 6. jahrh.
Urn.: kefran
Aisl.: *Kepa (oder Kiapa, s. § 95, 3, b mit anm. 4; vgl. anorw.
Kiadabwrg, nschw. Kädenäs und Kidinge).
Uebers.: [Dem] KeJ>e [steht dieser stein].
Anm. Vgl. Bugge, No. I. s. 211 ff. (mit abb.), 538.
*) Alphabetisch geordnet nach den fundorten. Ergänzungen sind
eingeklammert, durch ( ) was als in späterer zeit verloren gegangen, durch
[ J was als, absichtlich oder unabsichtlich, von dem ritzer fortgelassen ver-
mutet wird (sowie meine sonstigen ausfüllungen). Ein ptinktchen unter
dem buchstaben gibt an, dass die lesung der betreffenden rune unsicher
ist, während ganz rätselhafte runen mit x bezeichnet werden. Ein bogen
über zwei buchstaben bezeichnet, dass die beiden runen zu einer "binderune"
vereint sind. Die Interpunktionszeichen der inschriften sind durch einen
punkt wiedergegeben; neue zeile wird durch |, neue seite des denkmals
durch — angegeben. Die hier durchgeführte worttrennung rührt von dem
jeweiligen interpretator her.
2 ) Ich verzeichne hier zu jeder inschrift nur das wichtigste der be-
treffenden literatur. Vgl. übrigens für die zeit bis 1885 das ausführliche
literaturverzeichnis bei Burg , s. 167 ff. , mit nachtragen von Noreen in
Nordisk revy 1884—85 , sp. 363 (= Bezz. Beitr. XI, 181). Vollständige
bibliographie bietet betreffs der norwegischen inschriften Bugge -Olsen,
No. I. bei der jeweiligen inschrift.
Die wichtigsten nrnordischen Inschriften. 375
Mein von Berga, Schweden, gegen 500.
Um.: fino | saligastiü
AM.: Finna (frauenname), *Salgestr (anfr. SaUgast).
Uebers.: Finna. Salgestr [ruhen hier].
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook. s. 10. S. übrigens Bugge, Tidskr.
f. Phil, og Paed. VTL 244 ff. ; 313 f.
4. Stein von Björketorp, SchwedeD. gegen 700.
Urn.: u^ataZa sZa — JiAiditruno ronu \ fAlAhAk liAÖerA $\
itiAruriAR ATAgeu J Jiacta itiaIausr \ uüam uelAÖAude \ sar hAt
Aisl.: Vparfa spo. Heifirrüna rono (vgl. nisl. runa 'folge', aisl.
rune 'lauf' ) falk hePra. *gimirünar *ergio (vgl. erge, ergiask) . . .
mdllauss . . . *veldanj>e sd'r Pat brytr.
Uebers.: Unheilbringende Prophezeiung! Die reihe der ehren-
runen verbarg ich hier, die grossrunen der hexerei . . .
stumm . . . tückischen todes wer dies [denkmal] bricht.
Anm. S. v. Friesen. Lister- och Listerby-stenarna, s. 5 ff. (mit abb.) ;
Brate, Arkiv XXXV, 184 ff.: Kock, ib. XXXVII, 22 ff: M. Olsen, No. I., s. 626 f.
Vgl. die inschr. von Stentoften (nr. 65 ff. unten).
5. Brakteat von Bjernerud, Norwegen, 5. jahrh.
Urn.: alu
Aisl.: *ql
Uebers.: Amulett [ist dies].
Anm. S. Bugge. No. L. s. 428 (mit abb.). Vgl. nr. 9 (und die dortige
literatur), 11, 17, 20, 36, 39, 40, 48, 57, 61 unten.
6. Stein von Bratsberg, Norwegen, 6. jahrh.
Urn.: PaliR
Aisl.: *Palr (vgl. langobard. Thaloardus, ahd. Thalilo).
Uebers.: palr [ruht hier].
Anm. Vgl. v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1906. s. 128; abweichend
Bugge, No. I, s. 364 ff. (mit abb.).
7. Stein von By (oder Sigdal). Norwegen. 7. jahrh.
Urn. : ek iriluR (s. § 63. 3 und vgl nr. 86) hroRüR Iß-OReR orte
Pat aßina übt qlaifu o\o^o\r \ r[unoR] m[arki]Pe
Aisl.: Ek iarl (§ 359, 2) *Hrerr (vgl. § 71, 4; ags.. as. hrör hurtig)
*Hr6rer (s. § 370 anm.) orte (3. statt 1. sg.? s. § 534, 1) pat
aren? (s. § 72 anm.) *upt (st. ept? vgl. § 172 anm. 2? oder
37(5 Anhang.
asehw. run. yftia, s. An. gr. IL § 288?) Älof? D[ay]r? ni[nar}?
m[erk]be ?
Uebers.: Ich jarl Hrorr, Hror's söhn, maclite diesen hügel nach
Älof. Dagr die runen zeichnete.
Anm. Vgl. Bugge, No. I, s. 93 ff. (mit abb.) , 529 ff. ; Sievers, Ber.
d. k. sächs. ges. d. Wissenschaften 1894, s. 139; Brate, Arkiv XI, 369 f., Sv.
fornm. tidskr. IX, 333 ff. ; v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1906, s. 115 ff.
8. Stein von Bo, Norwegen, 6. jahrh.
Urn.: hnabudas hlaiwa
Aisl.: *Hnofops (vgl. ? ags. Hnuef, ahd. Hnabi, aisl. prit. fwof
schnitt ab) *hley (got. hlaiw, vgl. § 77, 15).
Uebers.: HnQfoJ?'s grab.
Anm. Vgl. Bugge, No. I., s. 238 ff. (mit abb.), 544 f.
9. Brakteat von Börringe, Schweden. 5. jahrh.
Urn.: laukan \ tanulu . al[u\ (verkürzt, wol um eine anzahl von
8 runen zu erlangen)
Aisl.: Laukr (aisl. als beiname) *Tonol (frauennamen, zu ahd.
zenen, ags. tennan reizen, got. faüra-tani wunderzeichen?). *Ql.
Uebers.: Laukr [gibt dies der] Tonol. Amulett [ist dies].
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 192 (vgl. doch Bngge, Aarbeger
1871, s. 199 note). Vgl. v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1908, s. 398 f., 406,
ZfdPh. XXXII, 292; Noreen, Xenia Lideniana, s. 12.
10. Brakteat von Dannenberg, Hannover, 5. jahrh.
Urn.: gle'augin ue'u fcgR
Aisl.: . . . eygr . . .
Anm. Vgl. Bugge, No. 1. , s. 125 ff.; Wimmer, Sonderjyll. run., s. 22.
11. Brakteat von Darum, I, Dänemark, 5. jahrh.
Urn.: niujil[a] . alu
Aisl.: *Nyle (mannsname; zu aisl. nyr, got. niujis). *Ol.
Uebers.: Nyle. Amulett [ist dies].
Anm. Abb. bei Stephens, Runic monuments IV, 79. Vgl. Bugge,
Arkiv VIII, 22; Wimmer, Sonderjyll. run., s. 25 f., 33; nr. 49 unten.
12. Brakteat von Darum, II, Dänemark, 5. jahrh.
Urn. : frohila . laj>u
Aisl.: *Fräle (vgl. ahd. Fruolo). Lop.
Uebers.: Freie [gibt? oder empfange? dies]. Liebesgabe [ist es].
Die wichtigsten nrnordischen iuschriften. Mi
Anm. Abb. bei Stephens, Bunic monaments IV, 76. Vgl. Bugge,
Arkiv VIII, 20, No. L. s. 247 : Wimnier, Senderjyll. rnn., s. 33 : v. Grienberger,
Gott. gel. Anz. 1906, s. 154; m. 22, 57 unten.
13. Brakteat von Darum. III ("Naesbjaerg"). Dänemark.
5. jahrh.
Urn.: ?HHr aiicui\öa it uha
Aisl: ?*LiUr (vgl. ags. LH. gen. LW.es, und den aschw. Orts-
namen LiUingf). *0pe (vgl. §77, 8; mhd. eicen nach recht
machen) *et (s. § 473 anm. 1. sehluss) *Öe (vgl. got. aühuma,
aisl. Ome).
Uebers.: Lillr [besitzt dies]. Rechtlich machte es Öe.
Anm. Abb. bei B. Salin, Ant. tidskr. f. Sv. XTV, 2. s. 36 (eine jüngere
und schlechtere kopie bei Stephens, Handbook, s. 195, wird dort unrichtig
nach Xaesbjaerg verlegt). Vgl. (mit wesentlich abweichender lesungi Bugge,
No. L. s. 264 f., 551 ff.
14. Steinplatte von Eggjum. Norwegen, um 700.
Urn.: ni s sohl sot uk ni SAkse stAin skorin nxxxxx ma[n]n
nAJcSa[n] ni snAreR ni idUtR manR la$i\hin ua)Z tiAseu ma[n]a
ntAÖe JiAtm kAibA i dormopA huni Jiuicar ob kam JiAtxx hxx
la[n]t $otnA fisl'R orxxx nAttim suema[n]de fokl if sxxxxxx
gxlanÖis \ axxx misurkx \ hin | la
Aisl.: Ne's solo soft ok ne saxe stein skorenn: n(e sete) mannr
nokpan (s. § 159, § 226), ne snarer ne vittter mennr legge.
*Hin varp *ndsiö mannr, mdöe peim keipa land gotna.
Fiskr . . . *suemande, fogl ef . . . galande ....
Uebers.: Nicht ist es von der sonne getroffen und nicht der
stein mit messer geschnitten: nicht richte jemand ihn entblösst
auf oder legen kecke oder unsinnige leute ihn so hin. Diesen
bewarf der mann mit leichen-nass . . . das land der goten.
Der fisch . . . schwimmend, der vogel. ob .... schreiend
Anm. S. M. Olsen. >"o. I. ni,S2ff. (mit abb.): Meissner. Nachrichten
der K. Gesellschaft der Wissenschaften zn Göttingen. Phil.-hi>t. Klasse 1921.
6. 89 ff. : Burg, ZfdA. LVm, 280 ff. ; Brate, Arkiv XXXVHI. 206 ff.
15. Stein von Eidsväg. Norwegen, anfang des 7. jahrh.
Urn.: huu[h]aEaR (durch das einsetzen des h entsteht die
erwünschte anzahl von 8 runen).
Aisl.: Hdvarr (< *Hanha-gaiRaR)?.
Uebers.: Hävarr [ruht hier].
378 Anhang.
Anm. Vgl. Bugge, No. I., s. 452 ff. (mit abb.) und Indledning, s. 118
note 1.
16. Stein von Einang, Norwegen, gegen 400.
Urn.: da$a,R Pur runo faihiÖo
Aisl.: Dagr pcer rünar (lautges. *rüna, s. § 373 anm. 4) fdpa.
Uebers.: [Ich] Dagr die runen malte.
Anm. Vgl. Bugge, No. I, s. 73 ff. (mit abb.); M. Olsen, ib. s. 624
note 7.
17. Stein von Elgesem, Norwegen, 6. jahrh.
Urn.: diu
Aisl.: *0l
c
Uebers.: Schutzmittel [ist dies].
Anm. Vgl. Bugge, No. L, s. 159 ff. (mit abb.).
18. Spange von Etelhem, Schweden, etwas vor 500.
Urn.: m[i]k m[a]r[i]la w[o]rta q (dies vielleicht ohne sprachliche
bedeutung oder kürzung von alu?)
Aisl.: Mik *Mcerle (got. Merila) orte.
Uebers.: Mich Mserle machte.
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 13. Vgl. Bugge, Tidskr. f.
Phil, og Paed. VII, 246 ff., No. L, s. 148 ff.; Wimmer, Runenschrift, s. 169.
19. Stein von Flistad, Schweden, 8. jahrh.
Urn.: garriR AtR gla[n]ta
Aisl.: Gammr (aisl. beiname, urspr. vogelname) *ettr (vgl. aschw.
cettir, run. etiR, atiR u. dgl, s. An. gr. II § 288) *Glenta (dän.
glente, schwed. dial. glänta weih).
Uebers.: Gammr nach Glente [errichtete dieses denkmal].
Anm. Vgl. Bugge (und Noreen), Arkiv XVIII, 1 ff.
20. Beinernes gerät von Floksand, Norwegen, c. 350.
Um.: lina laukäh q\lu\ (verkürzt, um die bei erotischen in-
schriften beliebte anzahl von 10 runenzeichen zu erlangen).
Aisl.: lin, laukr, gl.
Uebers.: lein, lauch, schütz.
Anm. S. M. Olsen, No. L, s. 649 ff. (mit abb.).
21. Spange von Fonnäs, Norwegen, 6. jahrh.
Um.: a\ih sbi[n]dul[d\ t[a]l\ij[a]R spjsrdse \jlsklR \ wkshu
Aisl.: A *spindol (ahd., ags. sjpindel) *Tceler ....
Die wichtigsten uruordischen iuschrifteu. 379
Uebers.: Tarier besitzt die spange
Anm. Vgl. Bugge, No. I., s. 50 ff. (mit abb.), 5261; Olsen, ib. s. 634;
A. Burgun, Forhandlinger i Yidenskapsselskapet i Kristiania 1911,1 (mit
abb.) ; v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1906, s. 144 ff.
22. Brakteat (Stephens nr. 24) aus Fünen, Dänemark,
5. jahrh.
Um. : hou[h]aR \ la]>u aaöuaaaliilall (statt diu ver-
schrieben? Durch das einsetzen des h — vgl. 15 oben —
entsteht die beliebte zahl 24).
Aisl.: Hör (hier wol als name). LgJ) ol
Uebers.: Hör. Liebesgabe [ist dies] .... Amulett.
Anm. Abb. bei Saun. Ant. tidskr. f. Sv. XIV, 2, s. 46. Vgl. Bugge,
Aarbflger 1905, s. 200 ff.
23. Brakteat von Faemo ("Femo"), Dänemark, anfang
des 6. jahrhs.
Urn.: ek fakciR f[aihiöo] (kiirzung wol um 8 runen zu erhalten).
Aisl.: ek Fäkr (vgl. ahd. Faco, Fachilo, Facco, langob. Facho;
anders Hellquist. Maal og minne 1916, s. 198) f[dpd\.
Uebers.: Ich Fäkr schrieb [diesj.
Anm. Abb. Aarbeger 1915, s. 175 f. Vgl. Olsen, Xo. I., s. 610.
24. Angelschnurstein von Forde, Norwegen gegen 700.
Urn.: aluko
Aisl.: *Olka (frauenname; vgl. as. Aluco, ags. Äluca m.).
Uebers.: Olka [besitzt diesen stein].
Anm. C Vgl. Bugge, Xo. L, s. 312 ff. (mit abb.).
25. Goldenes hörn von Gallehus ("Mogeltonder"), Däne-
mark, etwas nach 400.
Um.: ek hlewagastiR . holtijaR . horna . tauiÖo.
Aisl.: Ek *HUgestr *helter (vgl. § 63, 4) hörn *tdj)a (1. sg. prät.
ind. von *teyia, got. taujan; flexion wie heyia § 513,5).
Uebers.: Ich Hlegestr aus Holt (d. h. Holstein) stellte das
hörn her.
Anm. Abb. Stephens. Handbook. s. 85 ff. Vgl. Bugge. Tidskr. f.
Phü. og Paed. VIII, 215 ff. : Burg, s. 10 ff.; Thomsen, Arkiv XV, 193 ff. ;
Wimmer. Semderjyll. run., s. 18 ff. (mit abb.).
26. Beinernes gerät von Gjersvik, Norwegen, c. 400.
Urn. : dxyfio pi (8 runen) llllllllll (10 runen)
Anm. S. Olsen, >"o. I., s. 640 ff. (mit abb.).
•380 Anhang.
27. Stein von Gummarp ("Gommor"), Schweden, gegen 700.
Um.: liA^uwolAfA — stAÜA priax — sÄte — fff
Aisl.: . . . Holf (s. § 228) stafa priä sette . . .
Uebers.: . . . [nach] Hqlf drei stäbe setzte . . .
Anm. Vgl. Bugge, Tidskr. f. Phil, og Paed. VII, 347 ff.; Burg, s. 84 ff.;
v. Friesen, Lister- och Listerby-stenarna, s. 21 ff. (mit abb.).
28. Felsenwand von Hämmeren, Norwegen, 8. jahrh.
Urn.: uu\lfpalfe
Anm. S. Bugge, No. I., s. 373 ff. (mit abb.), 565 ff.
29. Spange von Himling(h)0ie, Dänemark, gegen 400
Urn.: hariso
Aisl.: *Harsa (frauenname; vgl. erulisch Hariso m.)
Uebers.: Harsa [besitzt dies].
Anm. Abb. Stephens, Handbook, s. 81. Vgl. Bugge, No. I , Indledning,
s. 203.
30. Kamm von Nedre Hov, Norwegen, c. 300.
Urn. : ek ad x x x . . — fyul x
Anm. S. Bugge, No. I., s. 419 ff. (mit abb.).
31. Stein von Istaby, Schweden, c. 650.
Urn.: Afatr hAriwulafa | hAfiuwulafit hAeruwulaftR (fehler für
heruwulafiü?) — warAit tuhar Paiar
Aisl.: Epter (lautges. aptr?) Heriulf. Hqlfr (s. § 228) *Hiorylfer
(s. § 370 anm.) reit rünar pcer (lautges. *]>eiar, s. Noreen,
Geschichte 3 § 204, 12).
Uebers.: Nach Heriulfr [steht dieser stein]. H<)lfr, Hiorulf's
söhn, ritzte diese runen.
Anm. Vgl. v. Friesen, Lister- och Listerby-stenarna, s. 28 ff. (mit abb.).
32. Stein von Järsberg (oder Vamum), Schweden, 6. jahrh.
Urn.: haü(e) (vielleicht nachträgliche korrektur des im folgenden
verschriebenen hite) \ ek elilaR ubaR h[a]ite (durch das ein-
setzen des a macht ek . . . haue die beliebte zahl von 16 runen).
harabanoR runoR wa\rit\u
Aisl.: ek iarl (§ 359, 2) JJfr (aschw. run. Uf Bugge, No. I, s. 247
note 3, vgl. aisl. JJfe, lat. lehnwort ubii als völkername. ahd.
uppi, got. ubils böse) heite. Hrafn rünar rit.
Die wichtigsten urnordischen inschriften. 381
Uebers.: Ich jarl Üfr heisse. [Ich] Hrafn die runen ritze.
Auia. S. E. Noreen, Sprakvetenskapliga säHskapet9 i Uppsala för-
handlingar 1916—1918. s. 1 ff. (mit abb.) ; vgl. (abweichend) Bugge, Tidskr.
f. Phil, og P?ed. VII. 237 ff. ; J. Sahlgren, Studier tillägnade 0. Almgren,
s. 300 ff.
33. Stein von Kinneved, Schweden, 7. Jahrh.?
Urn.: sitt aluh
Anm. Vgl. Bugge, No. L, s. 162 ff.
34. Stein von Kjolevig (oder Strand). Norwegen, c. 500.
Um.: hadulaiJcaü \ ek hagusta[l]dait \ hlaaucido (fehler für hlai-
iviöo?) magu miyiino
Aisl.: *Hgpleikr. Ek Haukstaldr (lautges. *Hogstaldr, s. § 105
anm.) *hU])a (§ 77, 8, 1. sg. prät. ind. zu *hlcefa aus *hlaiwian\
vgl. got. hlaitv grab und urn. Mauca Bö) mog minn.
Uebers.: HoJ>leikr [ruht hier]. Ich Hagestolz begrub meinen
söhn.
Anm. S. Bugge, No. I.. s. 268 ff.; anders v. Grienberger, Gott. gel. Anz.
1906, s. 100 ff.
35. Lanzenschaft von Kragehul, Dänemark, um 400.
Urn.: ek erilak asugisalas imrfia Imite £a $a gh (d. h.? drei-
maliges gibu au ja) ginufalielija haga [ga]laiviju di gi . . .
Aisl.: Ek Iarl (s. § 359, 2), *Äsgisls möe (zu ags. tnuha, aisl.
mugr wie ahd. Hüfo als mannsname zu hau f. hnfo häufen)
heite. Gef{k) *ey ? (dreimal, vgl. 58 und 60 unten). *Ginn-
hille (ahd. gahelli, vgl. § 425 anm. 2, § 358 anm. 5) *hag (sub-
stantiviertes neutr., vgl. § 425 anm. 2, zum adj. hagr künstle-
risch) *la?fa (got. gaUujan überlassen) . . .
Uebers.: Ich Iarl, AsgisFs gefolgsmann, heisse. Ich gebe glück
(dreimal)? Sehr helltönendes kunststück (d. h. die lanze)
überlasse ich . . .
Anm. Vgl. Wimmer. Runenschrift, s. 123 ff. (mit abb.); Olsen, No. L,
s. 625 f. ; v. Grienberger, ZfdPh. XXXIX, 55 ff.
36. Messerschaft von Kragehul, Dänemark, um 400.
Urn. : . . . uma . dera — . . aau (statt alu verschrieben ?) . .
Aisl.: *Bere (aschw. Biari. Bi&ri nach den kas. obl.,
vgl. Lind, Dopnamn, sp. 135, und fem. aisl. Bera).
Anm. S. Bugge, Aarbeger 1905, s. 166 ff.
382 Anhang.
37. Stein von Krogsta, Schweden, c. 500.
Um.: mwsteiji — stainaR
Anm. Vgl. Bugge, No. I., s. 128 ff.; Wimmer, Runenschrift, s. 155 note.
38. Steinplatte von Kylver, Schweden, um 400.
Um.: fu]> arkgwhn ij p e rs td emlw Ö o x | suliu s
Aisl.: /"(usw.) | *syVs (got. sulja, gr. vXla sohle; vgl. got. gasuljan
das fundaraent legen, mndd. sul, ags. syll grundstock, aschw.
sula sohle, s. Noreen, Värt spräk III, 120 mit note 3).
Uebers.: f (usw.). Grundlage (d. h. aiphabet; vgl. gr. öror/eiov)
ist [dies].
Anm. Ahb. hei v. Friesen und Hansson, Ant. tidskr. f. Sv. XVIII, 2.
Vgl. v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1908, s. 410 ff.; Bugge, No. I,
Indledning, s. 6 ff., 34 ff.
39. Beinchen von Lindholm, Schweden, um 400.
Urn.: ek erilaR sa wilagaR ha[i]teka. (durch das einsetzen von i
erhält man die erwünschten 24 runen) — aaaaaaaaRRRnnn x
bmuttt . diu . (im ganzen 24 runen)
Aisl.: Ek Iarl (s. § 359, 2), sä *vilagr (vgl. ags. wil kunstgriff)
heitek *Ql.
Uebers.: Ich Jarl, der kunstfertige bin ich genannt
Amulett [ist dies].
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 24 (mit berichtigungen von
Söderberg und Bugge, No. L, s. 162 note 1 und Olsen, ib. s. 600 note 1);
vgl. Olsen, Aarb0ger 1907, s. 29 ff., No. I., s. 600, 625.
40. Brakteat (Stephens nr. 55) von Magiemose, Däne-
mark, 5. jahrh.
Urn.: Jio.r (statt houhaR, s. oben nr. 22) | sihaukjju \ all (ver-
schrieben statt alu)
Aisl: Hör (hier wol als name) *Ql.
Uebers.: Hör [besitzt oder machte dies]. . . . Amulett [ist es].
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 185 (vgl. I. Lindquist, Väster-
götlands fornminnesförenings tidskrift IV, 72). Vgl. Bugge, Aarboger 1905,
s. 198 ff., 205 f.
41. Lanzenspitze von Mos, Schweden, 3. jahrh.
Urn.: sioag
Anm. S. B. Nerman, Rig 1918, s. 50 ff. (mit abb.).
Die wichtigsten urnordischen inschriften. 383
42. (Aelterer) stein von Myklebostad, Norwegen, 6. jahrh.
Urn.: asugasdi^R . .)
Aisl.: *Asgestr . . .
Anm. Vgl. Bugge, No. I., s. 321 ff. (mit ahb.); v. Grienberger, Gott,
gel. Anz. 1906, s. 125 ff.
43. Stein von Möge dal. Norwegen, gegen 600.
Urn.: laipigaR
Aisl: *Leipegr (wol als mannsname; ahd. leidig).
Anm. S. Olsen, No. I., s. 711 ff.
44. Stein von Möjebro (oder Hagby). Schweden, etwas
nach 400.
Urn.: frawaradciR \ ana liahai slagina\n
Aisl.: *FräräÖr ä (got. ana\ lautges. *an, s. § 299, 5 mit anm. 5)
*Hege (verhält sich zu här wie aisl. haugr zu got. hauhs)
slegenn.
Uebers. : Fräräör auf Hag (jetzt Hagby im gerichtsbezirk
Hagunda) geschlagen.
Anm. S. Pipping, Stud. nord. fil. XII, 1 , s. 78 f., 65 f.; Brate, Arkiv
XXXI. 227 ff. ; vgl. (abweichend) v. Friesen, Upplands rnustenar, s. 3 f. (mit
abb.); Olsen, Arkiv XXXTTT, 276 ff.
45. Stein von Stora Noleby (oder Fyrunga). Schweden,
um 600.
Urn.: runo fahi raginaku[ri\Öo töA x a \ unapou . suhurah . susi x
xxafxn|x akupo
Aisl.: Bünar (lautges. *rüna § 373 anm. 4) fd (lautges. *fce,
s. § 511) regenkunnar (lautges. *-hunda § 317, 2, b, § 373
anm. 4) ....
Uebers. : Von den mächten stammende runen schreibe [ich]
Anm. Vgl. Bngge, Arkiv XIII, 317 ff. (mit abb.), XV, 142 ff.; Brate,
ib. XIV, 329 ff. ; Pipping, Stnd. nord. fil. XU, 1, s. 13.
46. Stein von Nordhuglen (~Huglen"), Norwegen, c. 400.
Urn.: eh suÖija unganöin i b(iigulu)
Aisl.: Ek gope (lautges. *gype, got. gudja) *6gendr (lat. lehnw.
Ongendus als mannsname. zu gandr zauberstab) i H(ugul\
Uebers.: Ich der priester, der nicht vom zauber getroffen
werden kann, in Hugl [schreibe dies].
Anm. S. Olsen , No. I. , s. 605 ff. (mit abb.) ; v. Grienberger, Arkiv
XXIX, 367 ff.
384 Anhang.
47. Brakteat (Stephens nr. 48) aus Norwegen, c. 500.
Urn.: anoana.
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 182. Vgl. Bugge, lS~o. I..
s. 456 ff. ; v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1906, s. 155 f.
48. Pfeilschaft von Nydam, Dänemark, gegen 400.
Um.: lua (wol statt diu verschrieben).
Anm. Vgl. Wimmer, Senderjyll. run., s. 17 f. (mit abb.), Runenschrift,
s. 57 note 5.
49. Brakteat (Stephens nr. 80) von Nsesbjserg (oder
Varde), Dänemark, 5. jahrh.
Um.: niuwila (statt niujila — vgl. nr. 11 oben — verschrieben?
oder als niwila — ahd. Niwilo — auszusprechen?) | Ifil \ tk
Aisl. : *Nyle oder *Nile (s. § 80, 2 ; mannsname) . . .
Anm. Vgl. Bugge. Aarbeger 1871, s. 217 ff. und 1905, s. 213 f., Arkiv
VIII, 22; Wimmer, Sanderjyll. run., s. 33; v. Friesen, N. Spr. II, 5 note;
v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1908, s. 400.
50. Stein von Opedal, Norwegen, 6. jahrh.
Um.: dirg [i]wgudoro swestar minu | liudu meR wage
Aisl.: Biarg (lautges. birg) *Yngbora (? vgl. Hornbori, bes. in
Ortsnamen, adän. run. Hurnburi), syster (lautges. *suester, vgl.
§ 77, 12) min, litif mer Wäge (vgl. ags. Wceg-mund; oder
*Vage, vgl. ahd. WagoY).
Uebers.: Hilf, Yngbora, meine Schwester, mir Vägr lieb.
Anm. Vgl. Bugge, No. L, s. 295 ff., 558 ff.; v. Friesen, Spräk-
vetenskapliga sällskapets i Uppsala förhandlingar 1903 — 1906, s. 44 note.
51. Brakteat (Stephens nr. 28) von Overhornbaek, Däne-
mark, 6. jahrh.
Um.: aupa ]>it eih uilalÖ tAuiu uo[n]twa | utl
Aisl.: Aupe *])itt (as. thit, ahd. diz, s. Liden, Arkiv IV, 97 ff.)
ä (lautges. *e, vgl. § 97, 2). Wtiald (vgl. 38 oben) Hey (got.
tauja) *Vgtte (ahd. Wanzot) . . .
Uebers.: AuJ?e besitzt dies. [Ich] Votte stelle das kunststück
her . . .
Anm. Abb. bei Bugge, Aarherger 1905, s. 242. Vgl. Olsen, ib. 1907,
s. 19 ff. ; v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1908, s. 388 ff. ; I. Lindquist, Väster-
götlands fornminnesförenings tidskrift IV, s. 72 note 2.
Die wichtigsten urnordischen inschriften. 3 80
52. Stein von Reistad, Norwegen, gegen 600.
Urn. : iupingaR \ ek wakran . unnam \ wraita
Aisl.: *Ypingr (ahd. Eodunc, lat. lehnw. jil. Iuthungi, vgl. aschw.
Iildhe, ahd. JEWo, aisl. io]>?). Ek Vakr *un[d]nam (1. sg. prät.
ind. von *undnema) reit (aisl. reitr, u- und a- stamm, ritze,
aschw. wre~ter abgestochener platz, ahd. reiz linie; vgl. got.
writs strich).
Uebers.: Yj>ingr [ruht hier]. Ich Wacker unternahm die ritzung.
Anm. Vgl. Bugge, Xo. I., s. 216 ff. (mit abb.) ; Wimmer, Runenschrift,
s. 210 ff.; v. Friesen, a. 0., s. 41 note; Hellquist, Om de svenska ortnamnen
pä -inge, s. 176 f.
53. Stein von Roes, Schweden, 8. jahrn.
Um. : iupin . duz. oder uÖr [?] rak
Anm. Vgl. Bugge, Sv. fornm. tidskr. XI, 114 ff.; Läffler, ib. 197 ff.;
Olsen, Ho. I. IU, 164 ff. (mit abb.).
54. Stein von Rävsal, Schweden, gegen 800.
Urn. : h Arneulf s . stAiriAR
Aisl.: Heriulfs steinar.
Uebers.: Heriulfs steine [sind diese].
Anm. Vgl. Bngge, Tidskr. f. Phil, og Paed. YTn, 163, Xo. L, s. 178;
Wimmer, Runenschrift, s. 230 f.; S. Boije, Bidrag tili kännedom om Göte-
borgs och Bohusläns fornminnen och historia III, 262 ff. (mit abb.).
55. Stein von Rö, Schweden, etwas nach 400.
Urn.: sicahaharjaR \ sqirawiöaR \ stdinaicarijdR fahido \ ek hra-
J)aR satiöo (s)tain(ä) | ana m(agu)
Aisl. : Sudfarr [ek] Steinarr fd]>a. Ek Hrdp-r (hier
als mannsname; vgl. Hrafie) setta stein d (vgl. 44 oben) mqg.
Uebers. : Suäfarr . . . [Ich] Steinarr malte. Ich HraJ?r setzte
stein über den söhn.
Anm. Die lesuhg nach Photographien v. Friesen's und einem Vortrag
desselben.
56. Stein von Saude, Norwegen, 6. jahrh.
Urn.: wa[n\daradas
Aisl.: VandrdJ)s.
Uebers.: Vandrä)?s [stein ist dies].
Anm. Vgl. Bugge, Xo. I., s. 183 ff. (mit abb.).
Noreen, Altisl.gTamm. 4. aufl. 25
386 Anhang,
57. Brakteat (Stephens nr. 19) aus Schonen, Schweden,
5. jahrh.
Urn. : lapu laukan . £alcaR llu (st. alu verschrieben)
Aisl.: Lop . Laukr (hier als mannsname? vgl. 9 oben, anders
20 oben) . *Gakr (mannsname ; vgl. ahd. Gakes-husen). *Ql.
Uebers.: Liebesgabe [ist dies]. Laukr. *Gakr. Amulett [ist
dies].
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 172 (mit herichtigungen von
Bugge, No.L, s. 162 note 2). Vgl. Olsen, No.L, s. 650 und 668 f.; v. Grien-
berger, Gott. gel. Anz. 1908, s. 398.
58. Brakteat (Stephens nr. 57) aus Seeland, Dänemark,
5. jahrh.
Urn.: hariuha haitika . farauisa (8 runen) .gidu auja (8 runen) . t
Aisl.: *Heriöe (vgl. 13 oben) heitek *färvise. Gef (lautges. *gif;
vgl. § 63, 3) *ey (vgl. got. awi-liup dank) . .
Uebers.: Heriöe heisse ich, der gefährliches wissende. [Ich]
gebe glück . .
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 186. Vgl. Bugge, Aarbeger 1905,
s. 284 ff.; Olsen, No. I, s. 601, 624f., Aarbeger 1907, s.33ff.; v. Grienberger,
ZfdPh. XXXIX, 54.
59. Brakteat von Selvig, Norwegen, 5. jahrh.
Urn.: tau (< *tawu? vgl. ahd. gizawa, mndd. touwe gerät? zu
got. taujan herstellen).
Anm. Abb. bei Bugge, No. I., s. 267.
60. Brakteat (Stephens nr. 67) von Skodborg, Däne-
mark, 5. jahrh.
Urn.: [$idu] auja alawin auja alawin auja alawin j[a] dlawid
Aisl.: [Gef] (vgl. 58) *ey (vgl. 35) *Ällvin (ahd. Älwini), *ey
*Allvin. *ey *Allvin *ä (as.^'a, got. ja-h 'und') *AUvip (ahd.
Älluid).
Uebers.: [Ich gebe] glück Allvin, glück Allvin, glück Allvin
und AllviJ?.
Anm. Abb. Stephens, Handbook, s. 190. Vgl. v. Grienberger, Gott,
gel. Anz. 1903, s. 708 f. ; Olsen, Aarbeger 1907, s. 34 f.
61. Brakteat von Skrydstrup, Dänemark, anfang des
6. jahrh.
Urn.: laukan I alu
Die wichtigsten urnordischen inschriften. 387
Aisl. : Laukr . Ol
Uebers.: Lauch. Amulett
Anm. VgL Wimmer, Sanderjyll. run., s. 28 ff. (mit abb.), und nr. 5 oben.
62. Stein von Skääng, Schweden, gegen 500.
Um. : harijan leiigan .
Aisl.: *Heria (ahd. Herio, aisl. ein-here) *Litigr (griech. Xsvxog;
vgl. die mannsnamen auf -laugt).
Uebers.: [Dem] Here [errichtet dies] Liügr.
Anm. Vgl. v. Friesen, Kunorna i Sverige, s. 8 (mit abb., s. 25).
63. Stein von Skärkind, Schweden, gegen 500.
Urn.: sk^n]pah uZür
Aisl.: *Skele (vgl. mele < *minnle § 110, 1; ahd. Scindalesheim,
vgl. schwed. Skinnstad im kirchspiel Skärkind. aisl. Skinna-
staper u. dgl. und Skinne als beiname).
Uebers.: [Dem] Skinnall [errichtet dies] Üfr.
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 7. S. Swenning, Frän
filologiska föreningen i Lund III, 220 ff.
64. Lanzenspitze von 0vre Stabu, Norwegen, c. 250.
Urn. : raunij.a x x
Anm. S. Bugge, No. L, s. 412 ff. (mit abb., besonders s. 416); Wiget,
Arkiv XXXTY, 155.
65. Stein von Stenstad, Norwegen, um 450.
Urn.: igijon halaR
Aisl. : *Igio (vgl. got Igo, Igila, Igulfus) Hallr.
Uebers.: [Der] Igia [errichtet dies] Hallr.
Anm. Vgl. Bugge, No. L, s. 174 ff. (mit abb.).
66. Stein von Stentoften. Schweden, 2. hälfte des
7. jahrhs.
Urn.: niu hAboruntR niu hagestuniR . \ JiApuwolAfR $Af j \ liAri-
icohfR ßAUsnuh x e h[Ä\ideRrunono \ fAlAh ekA heder a gino-
ronoR | herAtnAlA[u]sAR ArAgeuwelAd[A]ud[e] sa[r] — dAriutij>
AisL: Xio *Hdborumr, nio *Hägestumr . Hqlfr gaf . . Heriolfr
. . . heiprrüna (lautges. *hei]>runana; vgl. Heiprün, acc. -rüno,
ein frauenname und § 373 anm. 5) fal iak (s. § 464 anm. 2)
hepra *ginnronor (vgl. nisl. runa folge) . . mdllauss *ergio.
*Veldau])e sd'r brytr (lautges. *brytt).
25*
388 Anhang.
Uebers.: Den neun helden in der schar Häbore's (vgl. Homhori,
nr. 50 oben, und A. Olrik bei Bugge, Der runenstein von Rök,
s. 259 ff.) und Hägest's (vgl. Sal-, Hlegestr oben 3, resp. 25)
[steht dieses monument]. Hqlfr gab . . Heriolfr . . . der
ehrenrunen grosse reihen der hexerei verbarg ich hier . . .
stumm. Des tückischen todes [ist], wer [das denkmal]
bricht.
Anm. Vgl. die inschr. von Björketorp (nr. 4 oben) ; v. Friesen, Lister-
och Listerby-stenarna, s. 35 ff. (mit abb.); Lindroth, Studier tillegnade
Es. Tegn<§r, s. 167 ff. ; Brate, Arkiv XXXV, 184 ff. ; Kock, ib. XXXVII, 2 ff.
67. Diadem von Strärup (oder Dalby), Dänemark, etwas
nach 400.
Urn.: lepro
Aisl.: * Lepra (f rauenname ?).
Uebers.: Le]?ra [besitzt dies].
Anm. Vgl. Wimmer, Senderjyll. run., s. 16 f. (mit abb.).
68. Wetzstein von Strom, Norwegen, erste hälfte des
7. jahrhs.
Urn.: wate hali hino horna — haha skapi hapu ligi
Aisl.: Vate *hell (aschw. hcel) hinn hörn .Ha ske]>, hop ligg.
Uebers.: Nässe diesen stein das hörn. Verletze einem pflock,
liege [denn] im kämpfe unter.
Anm. S. Olsen, No. I., s. 677 ff. (mit abb.).
69. Medaillon von Svarteborg, Schweden, etwas nach 400.
Urn. : s[kridado] sigaduR (8 runen !)
Aisl.: *Sigoßr (aschw. Sighadher).
Uebers.: [Ich] SigoJ?r [schrieb dies],
Anm. Abb. bei Bugge, Sv. fornm. tidskr. XI, 109. Vgl. Kock, Arkiv
XXXVIII, 159 ff.
70. Stein von Sölvesborg, Schweden, ende des 8. jahrhs.
Urn. : (Aft) qsmu[n]t . sunu sin \ urti . waPj . . .
Aisl.: Ept Asmund sun sinn orte Va])e . . .
Uebers. : Nach Äsmund, seinen söhn, machte Va}?e . . .
Anm. S. v. Friesen, Lister- och Listerby-stenarna, s. 53 ff. (mit abb.).
71. Stein von Tanem, Norwegen, gegen 800.
Urn.: mairlxx
Anm. Vgl. Bugge, No. L, s. 367 ff. (mit abb.), 564 f.
Die wichtigsten urnordischen inschriften. 389
72. Stein von Tan um, Schweden, anfang des 6. jakrhs.
Um.: firawijan haitinaR icas (stainaii)
Aisl. : *Prcefa (vgl. aschw. Prcecesta, Prceuingce Ortsnamen)
Uebers.: Dem pr-iGfe wurde der stein verheissen (oder: gewidmet).
Anm. Vgl. Bugge, Tidskr. f. Phil, og Paed. VII, 248 ff.; S. Boije,
Bidrag tili kännedom om Göteborgs och Bohusläns fornmiunen och historia
III, 259 ff. (mit abb., pl. 1); Wimmer, Ranenschrif t , s. 156 note; v. Grien-
berger, ZfdPh. XXXII, 294 ; ganz anders v. Friesen, Rökstenen, s. X f.
73. Brakteat (Stephens nr. 25) von Tjurkö (eigentlich
Kyrkö), Schweden, anfang des 6. jahrhs.
Um.: helÖaR kunimu[n]diu . würfe tuhor an wllhaJcurne (wol
statt walhakurne verschrieben).
Aisl.: Hialdr (hier als mannsname wie in der Landnäma, gall.
Celtus, s. Much, Deutsche Stammeskunde, s. 52; vgl. das
entsprechende fem. aisl. Hildr) *Kunmunde (ags. Cynemund,
ahd. Chunimunt) orte riinar ä *valkurne.
Uebers.: Hialdr dem Kunimund machte die runen auf dem
wälschen körne (d. h. römischen Steuer).
Anm. Vgl. Bngge, Aarbeger 1871, s. 190 ff., No. I., s. 334; Wimmer,
Runenschrift, s. 213 f. (mit abb); R. Henning, Die deutschen runen-
denkmäler, s. 123 ; v. Friesen , Reallexikon d. germ. Altertumskunde , s. 16.
74. Stein von Tom st ad, Norwegen, 6. jahrh.
Um. : (. .)an . wütur
Aisl. : . . . a (gen. sg. eines mannsnamens) *varr (vgl. aisl. vor
steinerne landungsbrücke).
Uebers. : ... .'s Steinhaufen [ist dies].
Anm. Vgl. Bugge, No. I., s. 204 ff. (mit abb.).
75. Zwinge von Torsbjaerg, Dänemark, gegen 300.
Um.: ow[u]ipufewaR — ni wajemartR
ALsl.: *üllper (mannsname; vgl. got. ivutyus und urn. pewaR
Valsfjorden), ne *veimcerr (vgl. got. uajamerjan, aisl. vei und
mcerr).
Uebers.: Ultyer, der nicht tadelhafte [, besitzt dies].
Anm. Vgl. Bugge, Tidskr. f. Phil, og Paed. VIII, 180 ff.; Wimmer,
Runenschrift, s. 104 f. (mit abb.), v. Grienberger, ZfdPh. XXXII, 289 ff. ;
v. Friesen , Spräkvetenskapliga sällskapets i Uppsala förhandlingar 1903
-1906, s. 28.
390 Anhang.
76. Schildbuckel von Tor sbjaerg, Dänemark, gegen 300.
Urn. : ais[a]g[aiRa]R [ai]h
Aisl.: *Eisgeirr (vgl. burgundisch Aisaberga, aisl. eisa glüh-
feuer) d.
Uebers.: Eisgeirr besitzt [dies].
Anm. Vgl. Wimmer, Sönderjyll. run., s. 15 f. (mit abb.).
77. Brakteat (Stephens nr. 27) von Trollhättan,
Schweden, anfang des 6. jahrhs.
Um.: tawo lapoÖu
Aisl.: *Tafa (ags. tawian, vgl. got. taujan) *l$op (vgl. lopopr
einlader).
Uebers.: [Ich] stelle eine liebesgabe her.
Anm. Abb. bei Stepbens, Handbook, s. 176. Vgl. v. Grienberger, Gott,
gel. Anz. 1906, s. 139 und 1908, s. 401.
78. Spange von Tu, Norwegen, c. 500.
Urn.: pini (got. pimi?) Öape . . .
Anm. S. Olsen, No. I., s. 718 ff. (mit abb.).
79. Stein von Tune, Norwegen, um 500.
Urn.: (. . .)r woÖuride . staina . (sati\da.) PrijoR ÖohtriR öä[i]lidun \
arbija sijosteR arbijano — ek wuvür after woduri\de wita[n]-
dahalaiban . worahto (runoR)
Aisl. : . . . r *Opripe stein sette. Pridr dötr deilpo erfe, *siaster
arfa (lautges. *erfna, vgl. got. arbja, aschw. cerve). Eh *Vir
(nach § 80, 2) aptr *Opripe (dat. sg. m.) *vitandhleifa (dat.
sg. m.; vgl. aisl. vita anweisen und hleifr brot) orta runar.
Uebers. : . . . r dem Öfrfyr den stein setzte. Drei tà ¶chter teilten
das erbe (oder vielleicht eher: die kosten für den erbschmaus),
die am nächsten verwandten der erben. Ich Vir darauf
für ÖJ?ri]?r, dem brotherrn, machte die runen.
Anm. Vgl. Bugge, No. I., s. 1 ff., 510 ff. 'mit abb.); Läffler, Uppsala-
studier, s. 1 ff., Arkiv XII, 98 ff.; v. Friesen ib. XVI, 191 ff. (vgl. dagegen
Wimmer, Senderjyll. run., s. 13 f.; Burg, ZfdA. XXXVIII, 161 ff.), Reallexikon
d. germ. Altertumskunde, s. 14; v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1906, s. 94 ff.
80. Stein von Tveito, Norwegen, 8. jahrh.
Urn.: tAÜR
Aisl.: Teitr.
Uebers.: Teitr [ruht hier].
Anm. S. Bugge, No. I., s. 431 ff. (mit abb.).
Die wichtigsten urnordischen inschriften. 391
81. (Aelterer) stein von Torviken (oder Torvik oder
Jondal), Norwegen, 6. jahrh.
Um. : la[n]ÖawarijaB
Aisl: *Landarr (ahd. Lantwari; vgl. Rö stainawarijaR Steinarr)
Uebers.: Landarr [ruht hier].
Anm. Vgl. Bugge, No. L, s. 278 ff. (mit abb.).
82. Brakteat (Stephens nr. 22) von Vadstena, Schweden,
5. jahrh.
Urn.: luicatuwa (8 runen) . fuparkgw . hnijepRS . tbemlmÖ
Anm. Vgl. "Wimmer, Runenschrift, s. 7G (mit abb.. pl. 3); v. Grienberger,
Arkiv XXIX. 364 ff.; v. Friesen, Keallexikon d. germ. Altertumskunde, s. 16;
Pipping, Stud. nord. fil. VI, 3.
83. Stein von Valby, Dänemark, c. 700.
Urn.: wipr A\fun]> | r (10 runen)
Aisl.: vipr ofund (lautges. *ofunn, s. §317, 2).
Uebers. : Gegen neid . .
Anm. S. OlseD, Christiania Videnskabs-Selskabs Forhandlinger 1907,6
(mit abb.), ßergens museums aarbog 1909, 7, s. 36 f.
84. Felsen wand zu Valsf jorden, Norwegen, anfang des
6. jahrh.
Um.: eh hagustaldiR (wol statt -clr verschrieben) PewaR zodagas
esuipelR [8 runen]
Aisl.: Ek Haukstaldr (lautges. *Hogstaldr, vgl. 34 oben und
§ 105 anm.), per (vgl. anorw. pe-borenn und Zusammen-
setzungen wie aisl. Hialmper u. dgl.; %o\,.pius) *G6pags . . .
Uebers. : Ich Hagestolz, der mann Gobag's [, ritzte die runen].
Anm. Vgl. Bugge, No. L, s. 340 ff. (mit abb.), 563.
85. Stein von Vatn, Norwegen, anfang des 8. jahrhs.
Urn. : rhoÄltR fax x x
Aisl.: Hröaldr (mannsname) fä (vgl. nr. 45 oben) ....
Uebers.: [Ich] Hröaldr schreibe . . .
Anm. Vgl. Bugge, No. I., s. 353 ff. (mit abb.).
86. Felsenwand zu Veblungsnaes, Norwegen, anfang
des 7. jahrhs.
Um.: ek irilaR (vgl. nr. 7 oben) iciwila.
Aisl: Ek iarl (§ 359, 2) Vile (diminutiv zu Wir Tune; § 80,2).
Uebers.: Ich jarl Vile [ritzte die runen].
392 Anhang.
Anm. Vgl. Bugge, No. I., s. 316 ff. (mit abb.); Sievers, Ber. d. k.
sächs. ges. d. wissensch. 1894, s. 133.
87. Stein von Vettel and, Norwegen, c. 400.
Urn. : (. . rajist (. . sta)ina {ek . . )öür faihido
Aisl.: . . reist .... stein . Ek . . . ])r fä])a.
Uebers. : . . . ritzte . . . den stein . Ich . . . pr malte.
Anm. S. Bugge, No. I., s. 438 ff. (mit abb.).
88. Scheidenbeschlag von Vi, Dänemark, c. 250.
Urn.: liiwurk, d.h.? l[itö]s (s. 13 oben) wurk[io]
Aisl.: *Lülr (s. 13 oben) yrke.
Uebers.: [Ich] Lillr mache [dies].
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 82.
89. Hobel von Vi , Dänemark, c. 250.
Urn. : talijo \ gisai o[rda] j[ehu] . wüjr aila orbq, — x x x otipis .
Menno . ]>e regu
Aisl. : *TMa (vgl. ahd. zälön wegreissen, griech. di]Xtoftcu zer-
störe, lat. dolare behauen, ? delere tilgen, lit. dilti sich ab-
nutzen, aisl. tel-gia schnitzen). *Gise (vgl. die vielen lango-
bardischen u. a. namen auf -gis) *orf (aschw. orf erbteil)
id . . .
Uebers.: Hobel [ist dies. Dem] Giss [dies als] erbteil zuspreche
[ich].
Anm. Abb. Stephens, Handbook, s. 83, berichtigt von Wimmer, Aar-
bager 1867, s. 29 und 1868, s. 69 f. Vgl. Bugge, Aarheger 1905, s. 149 ff
90. Kamm von Vi, Dänemark, c. 250.
Urn.: harja
Aisl: *Here (vgl. oben nr. 62).
Uebers.: Here [besitzt dies].
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 82. Vgl. v. Grienberger,
Arkiv XIV, 116.
91. Spange von Vi, Dänemark, c. 250.
Urn.: laasauwija (10 runen; wol als läsauja auszusprechen)
aaÖagasu (8 runen)
Aisl.: *Läseye (vgl. ags. Ides weide, asl. Usü wald und Tacitus
pl. aviones, aisl. Eyia als frauenname) *Apgos (lautges.-^os,
s. § 116; vgl. ngutn. ad, aisl. cepr eider und Gos als beiname).
Uebers.: Ldseye [eignet dies der] Apgqs.
Die wichtigsten urnordischen inschriften. 393
Anm. Abb. bei Wimmer, Eunenschrift, s. 147. Vgl. v. Grienberger,
Gott. gel. Anz. 1906, s. 162 f., Namn och bygd DT, 63 f.
92. Zwinge von Vi, Dänemark, c. 250.
Um.: mariha\i ala — makia
Aisl. *Mcere (vgl. norw. Mceresland, Mcerestad Ortsnamen, aisl.
mderingr § 317, 3, b berühmter man) Alle (adän., aschw. Alle,
ags., got. Alla, ahd. Allo) mceke [gaf\
Uebers.: [Dem] Mserer [gab] Alle [dieses] schwert.
Anm. VgL Bngge, Aarboger 1905, s. 145 ff. (mit abb.) ; v. Grienberger,
Axkiv XXIX, 352 ff. ; Kjser, No. Gaardnavne IX, 306 ; Olsen, Stedsnavne-
studier, s. 5 ff.
93. Stein von Vänga, Schweden, 6. jahrh.
Um.: hauko]niR
Aisl.: *HaukoJ>r (mannsname, 'der mit habicht jagt'?, s. § 235,2).
Uebers.: Haukojr [ruht hier].
Anm. Abb. bei Stephens, Handbook, s. 8. Vgl. Burg, s. 95 f.;
Bngge, >"o. I., s. 17 und 165 note.
94. Stein von Ärstad (oder Orstad), Norwegen, gegen 600.
Urn. : MivigaR | saralu | x x wina x
Aisl.: *Hifegr (mannsname?, vgl. ?ags. hhcisc, as., ahd. hitcisJci
familie, lat. ei vis) *S<?rol (vgl. ahd. Sarah, aisl. S^rle)
Uebers. : Hif egr der Sorol
Anm. Vgl. Bngge, No. L, s. 225 ff. (mit abb.) ; Wimmer, Runenschrift,
s. 214 f.; v. Grienberger, Gott. gel. Anz. 1906, s. 117 ff.
95. Brakteat (Stephens nr. 96) von Äsum, Schweden,
5. jahrh.
Um.: elie ik ahm fahi
Aisl.: .. (mannsname im dat. sg. m.?) ek (lautges. *ik) *Akr
(vgl. ags. Aca, got. Accila, ahd. Aho mannsnamen, Ahhilin-stat
ein Ortsname) fä (vgl. nr. 45 oben).
Uebers. : Dem ... ich Akr schreibe [die runen].
Anm. Vgl. Bngge, No. L, s. 111 und 123.
Nachtrag.
Im Anhang ist in den anmerkungen folgende literatur hinzuzufügen :
Nr. 7: I. Lindquist, Galdrar (Göteborg 1923), s. 191.
„ 26 : Lindquist, a. o. s. 75 note.
„ 27: Kristensen, Danske studier 1919, s. 27 f.; Lindquist, a. o., s. 65 ff.
r 31: Lindquist, a. o. s. 191, 192.
„ 39 : Lindquist, a. o. s. 74.
„ 65: Lindquist, a. o. s. 83.
„ 66: Lindquist, a. o. s. 96 ff. 158 ff., 182 ff.
Register.
A. Altisländisch -altiiorwegische Wörter.
Die zahlen beziehen sich anf die paragraphen der grammatik. Wörter
wie halfr, hälfr, Tiiarta, hicerta, mep, meÖ, telia, t&lia, steinn, stceinn, auga,
ouga, dreyma, dr&yma sind gew. unter der ersten form aufgeführt; ebenso
Wörter wie bryie, bryti oder iotonn, iotunn nur als bryte, resp. iotonn. —
In der buchstabenfolge stehen in diesem register (im gegensatze zu der
s. 37 angegebenen Ordnung) p, 9 nach 0, ö sowie ß (3) unmittelbar nach t.
ä präp. adv. 'an' 51, 1, a; 122; 299, 5.
ä adv. 'immer', s. e.
ä f., s. 'fluss'.
-a neg. suffix, s. -at.
abbadis f. 245,2; 384 u. anm. 2.
abbinde n. 269.
abbragp n. 269.
abburpr m. 269.
äbrüpegr adj. 293, 1.
äbyr{g)P f. 291, 5.
Ädäm m. 126, anm. 3; 358, anm. 1.
äe m. 235, anm. 4; 404 u. anm. 2.
af, äf präp. adv. 126, 2; 441.
af- präfix, s. of.
afan adv. 121.
afbragp n. 269.
afbrype n. 293, 1.
afburpr m. 269.
afe m. 83; 235, anm. 4.
aff?r f. 269.
afle m. 313, 1.
afräp, -rop n. 64; 151,1,5.
afr(h)endr adj. 294.
afrdbde (anorw.) n. 64.
af(s)tr adv. 309, 1.
Aftalr (anorw.) m. 276.
afund f., s. gfund.
-ag- suffix 173,4.
age m. 170.
A(g)mundr (anorw.) m. 270, anm.;
293,3; 299, anm. 3.
-agr adj. 428 u. anm. 1.
A{g)taldr (anorw.) m. 293,3.
aka stv. 501 u. anm. 2.
dJeafr adj. 54, 3, b; 151,1; 318,2.
akarn n. 315.
Äke m. 123; 299, 1.
akkere n. 266, 3.
akr, äkr m. 126,2; 327, 1 ; 358, 1 u.
anm. 2.
äl f., s. 61.
al- präfix 318, 9.
-a&- suffix 173, 1 u. anm. 1.
aia stv. 500.
alap n. 313, anm.
albogt m. 262, 1.
aidenn adj. (part.) 317, 2, a; 440;
504, anm. 3.
Aldis f. — Alfdis 291, 4.
aldr m. 317, 2, a; 358, anm. 2.
aldregen (anorw.) adv. 158; 311, anm.
aJdrigi(t) (anorw.) adv. 310, anm. 2.
aldrnare m. 72, anm.
Ale m. 116; 123; 299,2.
396
Register.
Äleifr m. 299,2; 358.
al(e)mandr m. = dlemandel 254.
alen f. 378, s. gln.
alfa (anorw.) f. = kalfa 294.
Alfarheimr 256, 384, anm.l; 392,3.
alfe m. = afle 313, 1.
Alfer- (anorw. ; in namen) 390, anm.l.
Alfgpr m. 420, anm. 2.
Algarceim (anorw.) 256.
alhuge m. 79.
all- präfix 126,2; 318,9.
all 'keim', s. 611.
All 124, 2.
allonges, -ynges adv., s. gllonges.
allr adj. 174,1; 277,4, a u. anm. 5;
423, anm.; 425, anm. 2; 427, anm. 2.
aUrek (anorw.) adv. 239, anm. 2.
Allsogh (mnorw.) 152, 2.
allynges adv., s. gllonges.
almandr, s. alemandr.
almät(t)egr adj. 267; 274,1.
almboge m. 262, 1.
almöge, -müge m. 113, anm. 1.
almosogajrÖar (anorw.) f. pl. 334.
almusa f., s. glmosa 79.
Almveig f. 377, anm.
Älgf, -oft 151,5; 299,2.
aZr m. 387.
AlreJcr m. 51, 2, a; 151,3; 359,1.
alun (anorw.) s. gln 378.
dlvaldr m. 84.
alvitr adj. 416,1.
aZ?//), w/> f. 79.
alzhonar adv. 388.
d maÖal (anorw.) präp. 121.
Ambiorn, A(r)n- m. 262. 1.
ambon (anorw.) = andbun 262, 1.
amboÖ (anorw.) n. pl. 262, 1.
ambgtt, -bött f. 64; 79; 285, 5; 390, 4.
amb&tti (anorw.) n. 64.
ä mepal präp. 425, anm. 2.
ä mitte, millom präp. 268, 4.
Am(m)undr, s. Agmundr.
An (mnorw.) m. 228.
an präp. 78; 116.
-an- suffix 137, anm. 3; 173, anm. 3.
änasött f. 80,2; 404, anm. 2.
and- präfix 291, 2.
-and- suffix 51, 2, b; 173,2.
an(d)boÖ (anorw.) n. pl. 262, 1.
andbun (anorw.) 262,1; 293,3.
ande m. 401, anm. 1.
-ande f. 411; vgl. -and-.
Anders, Andreas m. 315.
andlit{e), -let{e) n. 145, anm. 2; 165;
291, 2.
andl&te (anorw.) 54, 3, b; 64; 165.
an{d)nes 291, 2.
andr m. 358, anm. 2.
andsyptir (anorw.) m. 77, 12.
andvake, -a adj. 434.
andvege, s. gndvege.
andverpr adj. 79.
-ang- suffix 173, 3.
Angantyr m. 241, anm. 2.
angr m. 358, anm. 2.
-angr m. 35S u. anm. 2.
anfo'tf n., s. andlit(e).
annarr pron. 261; 275; 285, 5 (2 mal);
300,1 u. anm.l; 423, anm.; 425,
anm. 3; 455.
annarr huärr pron. 479.
annarr huerr pron. 478.
annarr tueggia, annarrtuegge pron.
479.
annas stapar 'anderswo' 272,3.
ansuar n. = andsuar 291, 2.
änumapkr m. 258, anm. 1.
J.ratwdr m. 80,3.
änyia swv. 510.
apaldr m. 51,2, b; 358,2.
apinia f. 147.
äposiole m. 126, 2.
<y>r adj. 266,1; 284.
aptan adv. 441; 442,3.
aptann m. 291, 11; 359 u. anm. 4.
aptare, -astr adj. 441.
aptr adv. 271; 309,1.
aptrbygge m. 403.
ajtfre adj. komp. 441.
apynia f. 147.
dr n. 231.
är adv. 'früh' 54,2.
är adv. = d/>r 292.
Register.
397
-are 151, 1,6; 156; 371, anm. 1; 402.
arenn m. 72. anm.; 126,1.
arfe m. 401.
arfnyte m. 403.
arfpege 221, anm. 1.
argr adj. 315, anm. 3.
ärhialmr m. 54, anm. 3.
armr m. 357.
armr adj. 234; 345,1; 352,1.
Arn m. 395, anm. 2; vgL Qrn.
ärna swv. 54,2; 127,1.
Ar(n)biorn m. 291, 9.
Arndörr m. 238, 1, b.
Arn(f)ripr f. 291, 4.
Arngrimr m. 79; 80,1.
Arn(h)eipr f. 294.
Ar{n)möpr m. 291,9.
Jmdrr, ^T^nur m. 275 ; vgL Arndörr.
Arön m. 126, anm. 3.
-arr (in namen) 54, 3, b; 151, 1; 294;
358.
ars m. 315, anm. 3.
arpr m. 358, anm. 2 (2 mal).
Arvidr (mnorw.) m. = ArnviÖr 291, 9.
äsan(a) 160, anm.
Äsbern m. 77,3.
Äsger, -gir, -gceirr (anorw.) m. 152, 1.
Äsgotr, -gautr m. 152, 2.
äsiä f. 409.
Aski (mnorw.) 239, 1, a.
Askill m. 149.
Asknes (anorw.) 316.
Äsläkr m. 310, 4.
Asle (onorw.) = Atle 309, 2.
Äsleif f. 377.
Äsleifr m. 310, 4.
Aslö (anorw.) 116.
Äslog f. 152. 2.
Äsmundr m. 80,1; 112, anm. 2;
127,1; 153,1.
äss 'balken' 123.
äss 'bergrücken' 232.
äss 'gott', s. oss.
Astis, -dis (mnorw.) 245, 1.
Äs(t)läkr m. 310,4.
Äs{tjleifr m. 310,4.
-astr superl. 427; 428.
Ästräpr m. 310, 2.
Astripr f. 310, 2.
Äsvaldr m. 235, 1, f.
at, ät konj., präp. 126,2; 158;
248.
at rel.-partikel 473 n. anm. 1.
-at neg. snffix 54, 3, b ; 151,1; 158;
245,1; 248; 465,1,2; 531, anm. 1.
atburpr m. 388, 2.
ater (orkn.) = aptr 271.
at{h)dbfe n. 170, anm. 1; 294.
athygle n. 63, 8; 173, 1.
athefe (anorw.) n. 170, anm. 1.
ätidn zablw. 267.
At(s)le, Asle m. 309, 2.
at sögoro adv. 77,11; 79; 148.
ätt f., s. oft 127,1; 461.
ätta zahlw. 124,1; 140; 267; 449.
ättande zahlw. 456.
Attar m. 116.
atte m. 276.
ätte zahlw. 456.
ät(t)iän zahlw. 267; 449.
Aüüa m. 401,1.
ättrepr adj. 460.
atdfe n. 294.
ap konj., s. at konj. 248.
apal n. 63,8; 170; 173,1; 313,
anm.
apal- präfix 173, 1.
Äpalräpr m. 358.
Ap(g)isl, -(g)ils m. 229; 358.
apile m. 149; 403 (2 mal).
Apils m. 331, 4.
ö(/))r adv. 292.
-q/>r m. 137, anm. 3; 397.
-apr part. prät. 427; 428,1; 438,
anm. 5.
an- präfix 235, 2.
auga n. 98,1; 405 (2 mal).
Augun (anorw.) 259; vgl. Aupon(n).
auk konj. 152,2.
auka stv. 98,1; 503 u. anm. 2; 536,
anm. 2.
aukuise m. 235, 2.
Aui{u)ir (anorw.) m. 235, 1, f.
aumr adj. 234; (235,2).
398
Register.
Aun(ri) m. 226; 228; 285, anm.2;
358, anm. 1 ; vgl. Aupon{n).
aur- präfix 'zurück' 235,2.
aurgate m. 235,2.
aurkunnask swv. 235,2.
aurr m. 166.
aurr ad]. 166.
Aurvandell 128, anm. 2.
aurvase m. 235, 2.
ausa stv. 503.
austan adv. 441 ; 442, 3.
austanvarör, -verpr adj. 149, anm. 2.
austastr adj. sup. 441.
^4tts(t)ma5r m. 291, 11.
austr m. 358, anm.2.
austr(h)alfa f. 294.
-Aus<r[yjiw 65.
Autn (anorw.) 263, anm. 4.
Autsetr (anorw.) 238, 2, d.
AuÖbiorn m. 128, anm.2.
aupbenn adj. 438.
aupegr, -ogr adj. 173,4; 428 u. 1;
439, anm. 3.
Audels (mnorw.) m. 229.
aupenn adj. (part.) 503, anm. 3.
AuÖfinnr m. 128, anm. 2.
Aupgisl m. 229.
Audgceir m. 128, anm.2.
aup(h)dbfe, -Qi)efe n. 170, anm. 1.
auplingr m. 172, anm. 2.
Aupon{n) m. 226 ; 228 ; 259 ; 285, anm. 2.
a«/>r m. 172, anm.2; 358,2.
Aupr f. 128, anm.2; 384 u. anm. 1.
aitpsdsr adj. 429.
Auöulfr (mnorw.) 228.
Aupun(n), -on m. 285, anm. 2.
aupveldr adj. 438.
auvirp n. 235, 2.
auvisle m. 235, 2.
J.vaZrfr, s. Agvaldr.
ävalt adv. 54, 3, a ; 83.
ävitall, -oll adj. 173, 1.
o# f. =ex 77,7; 384.
ax 'ähre' 222,2.
Axnes (anorw.) 316.
-aztr superl. 310, anm. 3.
AztriÖr (anorw.) 310, anm. 3.
bäga swv. 519, anm. 1.
bagge m. 318, anm. 3; 334,4.
bah n. 361.
baJcke m. 318, 8 u. anm. 3.
bäkn n. 55, anm.
bakr m. 318, 8.
bakstr m. 358, anm. 2.
baldenn adj. 307, 2, a.
baldr m. 317,2, a; 358, anm.2.
baldripe m. 317,2, a.
Bäleygr m. 389 u. anm. 1.
balkr m. 81, c; 395, anm.2; vgl.
bolkr.
ballr adj. 317, 2, a.
band n. 174, 1.
Ban(g)se (anorw.) m. 264.
barar, -er f. pl. 375.
bardage m. 401.
barmr m., s. bapmr.
barn n. 357.
barnsyke f. 411, 3.
barnungr adj. 79.
ftarr (anorw.) adj., s. &m\
barr n. 277, 2, a.
BärÖr (anorw.) = Bqrpr 107; 160,
anm.
bäss m. 233.
bastarpr m. 358,2.
ftatoa swv. 170.
bätr m. 54, anm. 3.
batre adj. komp., s. betre.
bäf>er zahlw. 54, anm. 2; 65; 151, 1;
152, 1; 227, 1; 318, 7; 446 u.
anm. 1, 2; 478, anm. 2.
bapmr m. 239, anm. 14; 253, anm. 1.
baugr m. 166.
Baug-, Baukstader (anorw.) 98, anm. ;
239, 1, b.
baula f. 166; 172,3.
bauta stv. 318,3; 503, anm. 3.
bazt adv. sup. 443.
baztofa f. 238, 2, d.
baztr adj. sup., s. beztr.
beils n. = beisl 313, 4.
fcmfcr adj. 291,6; 319,5.
beisl n. 313, 4.
beit n. 54, anm. 3.
Register.
beipa swv. 172, anm. 1.
beiße (zahlw.) konj. 446, anm. 1.
beizl n. 313, 4.
bekkr m. 'bach' 279,1; 389; 392,2.
bekkr m. 'bank' 266,3; 389; 392,2.
Bele m. 408.
belgr m. 389; 392,2.
belia swv. 172,3; 510.
betta stv. 490 u. anm. 1.
ben f. (n.) 381; 382.
benda swv. 235, 1, f; 529.
Ben(e)dikt m. 160, anm.; 358, anm. 1.
Ben(k)t m. 264.
ber n. 369.
bera f. 91.
bera stv. 95,3, b; 352,1; 496 u.
anm. 4.
Berdörr = Bergdörr 238, 1 , b ; 291, 5.
berfiaU n. 91 ; 95, anm. 1.
berg n. 91; 361, anm. 4; vgL biarg.
Bergar 361, anm. 4.
bergbüe m. 95, 1.
Berg/börr m. 221, 1.
Bergvin = Biorgvin 84; 95, 1.
beria swv. 510; 512.
Berne m. 91.
ber(n)ska f. 291, 9.
ftero f. 95, 3, b.
berr adj. 71, anm. 1; 72.
Berse, Besse (mnorw.) m. 272,3.
berserkr m. 389.
Bes(t)la 291,11.
betr adv. komp. 443.
beire adj. komp. 170; 440.
bepr m. 368; 389 u. anm. 2.
Beyla 299, 2.
6<?2f adv. snp. 443.
beztr adj. snp. 67, c; 159; 303, 2; 440.
ftiaZte m. 91; 95, 3, a; 167.
biarg n. 91; 95,1; 167; vgl. berg.
biarga stv. 88; 95, 3, a; 489; 491;
530, anm. 4 (2 mal).
Biargtin = Biorgvin 95, 1.
biarkan n. 95, 3, a.
Biarkar&y, Biarkey (anorw.) 160, anm.
Biarne m. 91.
Biartmarr m. 291,11; 259,2; 358.
biartr adj. 124,2.
biflia f. 244, anm.
Biflinde 244, anm.
bikarr m. 358; 359,1.
bikkia f. 169; 279,1.
bilda f. 313, 2.
6t'w<7a stv. 110, anm.l; 167; 178,1;
182,1; 220; 266,2; 331,2; 492 u.
anm. 1; 534, 2, b; 538,1.
biogga stv. 503, anm. 1.
Biolfr, Biölfr m. 133, a.
Biol(f)staÖer (anorw.) 291,4.
Biotin (anorw.) m. 272,2.
-biorg f. 377.
Biorg(v)in, -yn 95,1; 226; 235,
anm. 4; 383.
biorn m. 172, anm. 3; 396 n. anm. 1,2.
Biom m. 89, anm.l; 272,2; 291,9;
396, anm. 2.
biörr m. 'biber' 133, anm.; 235,2.
biörr m. 'bier' 318, 14; vgl. biürr.
biörr m. "streifen' 235,2.
biöpa stv. 63, anm. 6; 343,1; 485
n. anm. 2; 531,1 u. anm. 2.
biöpr 318, 3.
birke n. 372, anm. 2.
Birkiar m. pl. 372, anm. 2.
birta swv. 85.
birte f. 63, 3.
biskop, -up m. 77, 5, b; 358, anm.l.
bita stv. 165; 178,1; 179,1; 482.
biteU, -oü adj. 173, 1.
bitr adj. 319,5; 427,2.
bipa stv. 172, anm.l; 483.
bipia stv. 169; 172, anm. 1; 238,
anm. 13; 498 n. anm. 7; 534,2, c;
536,2.
biüga n. 405.
biuggia (anorw.) stv. 503, anm.l.
Biügr m., s. Biüfr.
biügr adj. 166.
Biulfr (anorw.) m. 133, a; 256; 297.
Biurn m. 89, anm. 1 ; vgl. Biorn.
biürr (orkn.) 'bier' 101, anm. 2.
blaka swv. 519, anm. 4.
blakkr adj. 172,2; 266,3.
blanda stv. 266,2; 504 n. anm. 2, 5.
400
Register.
blär adj. 81, b; 130; 132; 429.
bläsa stv. 172,2; 505,1.
blautr adj. 166.
bleikr adj. 172,2.
blesson f. 274, 2.
blifa stv. 482.
blikia stv. 263; 483; 532,1.
blindr adj. 427, 1.
blistra swv. 172, 2.
blipka swv. 238, 2, e.
blöme m. 350, 1.
blömstr m. 358, anm. 2.
fcZota stv. 63, 5; 505, II; 530, anm. 1.
blotna swv. 166.
blystr m. 395 u. anm. 2.
Wtf n. 77,6; 135; 363.
bldbia f. 171, anm. 1.
bldbingr m. 62; 135.
bldbr 71, 2.
&Z<^'a f. 171, anm. 1.
Bleykin (anorw.) 82, 13 ; 235, anm. 4.
*bnua stv. 506, anm. 2.
böa (anorw.) stv. 166, anm. 2; 503,
anm. 1 ; vgl. büa.
böande m. 166, anm. 2 ; 422 u. anm. 1 ;
503, anm. 1; 539, anm. 2.
böge m. 166; 318,5; 401,3.
bogenn adj. (part.) 488, anm. 4.
bögr m. 395.
bök f. 181,1; 416,1; 417.
bökfell n. 91.
Bokke m. 274, 1.
bokkr m. 61,1; 318,5; 328,2.
Bökn f. 375.
Bökstader (anorw.) 98, anm.
böl n. 63, anm. 3; 166, anm. 2.
bola f. 112,2.
bole m. 166; 172,3.
bölgenn adj. (part.) 495, anm. 6.
bolle m. 167; 318,9.
bolr m. 61,1; 318,9; 387.
bolstr, bölstr m. 61,1; 124,3; 358,
anm. 2.
bön f. 67, c; 392,3.
bönde m. 68,4; 130; 166, anm. 2;
173,2; 422; 539, anm. 2.
Bondi m. 66, 4.
borg f. 167; 391.
Borgal(z)stadir (anorw.) 253, 2.
Borgny f. 383 u. anm. 3.
Borgund 167.
borr m. 61,1; 388 u. 1.
bort adv. 152, 2; 315; vgl. braut adv.
bot f. 63,5 u. anm. 4; 170; 416,4.
So* 112,2; 267, anm. 1.
botn m. 283; 291,9.
Bötolfsvaka (anorw.) f. 148.
bopn 318, 3.
böfera, (-pa) f. 253, anm. 2; 292.
bgl n. 366.
bglkr m. 81, c; 167; 395 u. anm. 2.
bgllr m. 167; 395.
bglua swv. 82, 6.
Börekr m. 292.
bgrkr m. 395.
fcprr m. 253, anm. 2 ; 365 u. anm. 2.
JS^r/jr m. 132.
bgp f. 380.
bppfara f., s. bgßra.
Bgpuarr m. 134, a ; 228.
Bgpuüdr f. 83; 134, a; 228; 294.
brä swv. 317, 3, a.
braga swv. 317, 3, a.
Brage m. 401, 3.
bragnar m. pl. 401, 3.
bragr m. 388.
fcraZZa adv. 268,4.
brandnör m. 360 u. anm. 2.
ftrattr adj. 266, 2.
bräpla adv. 268,4.
bräpna swv. 505, anm. 3.
braullaup n. = brullaup 166, anm. 1.
ftrcm« f. 391.
&rau< adv. 128, anm. 2; 152,2; 281;
315; vgl. bort,
brautinge m. 65; 229.
braup n. 166.
bref n. 177, anm.
&rajf/>a stv. 122; 495 u. anm. 1,5;
530, anm. 4.
breipr adj. 427, 1.
brekka f. 110, 1 ; 266, 3.
brenna stv. 162,1; 261; 277, 4, b;
318,11; 495 u. anm. 2; 531,2.
Register.
401
bresta stv. 489.
brestr m. 387 u. anm. 3.
breyma adj. 172, 1.
bnä swv. 133. b, 2; 317, 3. a.
Brig(i)ÖaruÖ (anorw.) 160, anm.
brigpa stv. (245,2); 495, anm. 1;
530, anm. 4.
brigzle n. 238, 2, d; 239, 1, b ; 291, 11;
316.
brik f. 416.
brilaup (anorw.) n., s. bryllaup
61,1,*
brim n. 319, 3.
brime m. 172, 1.
Brimer m. 371.
brinia f. = brynia f. 114.
Briniolfr m. 114.
brinna stv. , s. brenna 162, 1 ; 495,
anm. 2.
fendsf f. 127,3.
briöstkirkia f. 406, anm. 5.
briöta stv. 72; 485.
brix{t)le n. = brigzle 316.
fcroddr m. 61,1; 224,2.
ftroft f. 318, 8; 416.
Brokkr m. 318,8.
brosa swv. 519, 1.
brot(t) adv., s. ferawf adv.
&ro//aÄ n. 241; 284.
brop n. 166.
bröper m. 160, anm.; 181,1; 221,1;
317,2; 420 u, anm. 1,2, 3.
brö f. 379.
.BrpfcuÄ m. 173, 1.
brgt adv., s. braut adv.
ftrit f. 134, b; 375 u. anm. 2; 416,3.
brudgaumi m. 166, anm. 1; vgl.
brüpgume.
bruggenn part. 61,2; 227,2; 495,
anm. 6.
brullaup n. 51, 1, a; 127, 4, 5; 152, 2;
166, anm.l; 268,4; 294; 392,3:
vgl. bryllaup.
brün f. 4*6, 4 u. anm. 3.
brundr m. 319, 3.
brune m. 162, 1 ; 318, 11.
brünn adj. 172, anm. 3.
Noreen, Altisl. gramm. 4. aufl.
brunnr m. 261; 348,1; 358,1.
Brunolfr m. 69, anm.
brun(v)glue adj. 235, 1, f.
brutt adv., s. braut.
brüpgume, -gaume m. 166, anm. 1 ;
401,3.
brüp{h)laup n. 166, anm.l; 294:
vgl. brullaup.
brupr m., s. brunnr.
brupr f. 183,1; 390,1,3; 392,3.
Brüvin 135.
bryggia (anorw.) stv. 495, anm. 6.
bryllaup (anorw.) n. 51, 1, a; 114,
anm. 1 ; 127, 5 ; 285, 3 ; vgl. brullaup.
Bryn 65; 135.
brynia f. 354,1; 409.
brynia swv. 510.
Bryniolfr m. 69, anm.; 133, a; 291, 4.
brynn, brynn adj. 127,5.
bryte m. 400; 403 (2 mal).
brytia swv. 510.
Brekill m. 173, 1.
bü n. 166. anm. 2; 357.
büa stv. 63, anm. 3; 129; 166, anm. 2;
227,2; 318,14; 503 u. anm. 1, 2;
534,2, a: 535, anm. 2; 539, anm. 2.
büande m. 16Ü, anm. 2; 173,2; 422
u. anm. 1 ; 539, anm. 2.
büe m. 166, anm. 2; 404.
buenn adj. 129.
bugr m. 387.
bukkr m. 66,1; vgl. bokkr.
bukran. -ram 258, anm. 1.
bulke m. 254, anm.
bulr m. 61,1; 387; vgl. bolr.
bulstr n., s. bolstr 61,1; 124,3.
bunden n. 425, anm. 2; 495, anm. 5.
bunki (anorw.) m. 254, anm.
bünopr m. 397.
bür n. 166, anm. 2.
burr m. 61,1; 388 u. 1.
bu(r)st f. 272, 3.
burt adv., s. bort.
burpr adv. 287; 301, 1 ; 388 a. 2; 392, 3.
büt adv. 159; 428, anm. 1; vgl. büp
adv.
buta swv. 318,3.
26
402
Register.
butr m. 318, 3.
büß f. 166, anm. 2.
buk adv. = büt 248, anm. 3.
bupkr m. 318, 3.
by n. 77, 6.
bygg n. 82,4; 227,2; 318,14; 366.
-bygge m. 403 (2 mal).
byggia, -ua swv. 166, anm. 2; 227, 2;
246,2; 284; 318,14; 516, b.
byggia swv. 'vermieten' 279,1.
byle n. 63, anm. 3; vgl. bele.
Byleiptr, -leistr m. 124, 2.
bylgia f. 408.
bylia swv. 166; 172,3.
bylr m. 389.
byndin (nisl.) n. 495, anm. 5; vgl.
bunden.
byr m. 68,4; 133, b, 2; 166, anm. 2;
389 u. anm. 3, 4.
Byrgir 85.
Byrgitta 85.
öj/roa swv. 510 u. anm.
byrr m. 277, 2, a; 389 u. anm. 1.
byrta swv. = foWa 85.
byrpr f. 334.
6yr/> f. 392, 3.
bysia swv. 512.
byskop, -up m. 77, 5, b; 358, anm. 1.
bytta f. 318,3.
Bcertnces, Bcerk- (anorw.) 263, anm. 4.
bele n. 63, anm. 3; 166, anm. 2; 372,
anm. 2.
Beler 372, anm. 2.
belua swv. 82, 6.
6ö'n f. 67, c; 392,3.
her m., s. &t//\
Borgvin 84.
JBom m. 77,3.
beta swv. 276.
&#/>e (zahlw.) konj. 416, anm. 1.
Mxl f. 239, 1, b.
da n. 363.
däenn adj. 129.
Däfifyr, -finnr m. 358, anm. 1.
dagr m. 73; 155; 170; 174, 1; 344, 1;
358 u. anm. 7.
Dagr m. 358, anm. 7.
dagverpr m.; 79; 226; vgl. dggorpr.
dalr m. 170, anm. 1; 358 u. 4; (387,2).
Dampr m. 262, 1.
Daner m. pl. 387.
Danpr m. 262, 1.
danskr adj. 159.
datf(£) adj. n. 159; (428, anm. 1);
500, anm. 3.
daufr adj. 166.
daupr m. u. adj. 68,8; 98,1; 163,1;
166; 540, anm. 1.
daupyße n. 64; 425, anm. 2.
Dävip(r) m. 126, anm. 3; 358, anm. 1
u. 3.
deigr m. 165.
deigr adj. 431.
deila swv. 538, 3.
des f. 172,3; 382.
detta stv. 110,1; 112,1; 266,2; 490
u. anm. 2.
<%/a stv. 68,8; 163,1; 166, anm. 2;
235, anm. 4; 500 u. anm. 3; 501,
anm. 1; 530, anm. 5; 540, anm. 1.
diäkn m. 70, 2.
dia(r)fr adj. 300, 2.
digna swv. 483, anm.
digoll m. 165.
dimmr adj. 346, 1.
diofoll m. 70, 3 ; 359.
diofoQ)legr adj. 285, 5.
dirfask swv. 85.
dis f. 154, anm.; 384; 390,3.
-dis (in namen) 384 u. anm. 2.
diüp n. 425, anm. 2.
cfoujpr adj. 63, 13; 439.
diür (anorw.), s. dtfr.
dicbkn m. 70,2.
dofe m. 166.
dofenn adj. (part.) 487.
do/cr m. 166, anm. 2.
domande m. 422, anm. 1 ; 539, anm. 3.
dömare, -ere m. 64; 151,1,5,6; 402.
dd»w m. 171 ; 358, 3.
dorg f. 172,4; 375.
döi(t)er f. 112, anm. 4; 124,1; 267;
277, 3 ; 284 ; 419, anm. 1 ; 421 XL anm.
Register.
403
doÖe, -t m. 166.
dopna swv. 166.
dof f. 375.
dogg f. 227,2; 380 u. anm. 2.
dogorfcr, -urpr m. 79; 226; 395.
dokkr adj. 167.
dop f. 171; 390; 392,1.
draga stv. 172,4; 230,2; 321; 501
u. anm. 3, 5.
dramb n. 361, anm. 1.
drasell m. 173, 1 u. anm. 1 ; 359,
anm. 1.
draugr m. 172, anm. 3; 319,1.
draumr m. 63,14; 319,1.
drega (anorw.) stv., s. draga 172,4;
501 u. anm. 3.
dregg f. 382.
dreif f. 375; 416.
drehe m. 73.
drekka stv. 110,1; 112,1; 266,3;
495 u. anm. 5.
drekkia swv. 516, a.
drengr m. 389 u. anm. 1, 2.
drepa stv. 497 u. anm. 2.
dreyre m. 71, 8.
dreyrogr adj. 428, 1.
drifa stv. 482.
drita stv. 482.
driüpa stv. 486.
drög f. 172, 4.
Droplaug f. 377.
dröt{t)enn m. 127,3; 267; 285,5;
359, anm. 2 (2 mal).
dröt(t)ning f. 65; 127. 3; 145, anm. 5;
376.
dröttsete m. 112, 2.
drgttr m. 321; 395.
drüpa swv. 519, anm. 4.
drykk(i)a f. 263, anm. 2.
drykkr m. 112,1; 389 u. anm. 2.
-dregr adj. 431.
du pron. = pu 465, 2.
duelia swv. 170, anm. 2; 531,2.
duena swv. 60.
duergr m. 167 ; 172, anm. 3.
d«/a f. 183, 1.
düfa (anorw.) stv. 487.
duga, düga swv. 519, 1 u. anm. 1 ;
538,4.
duganllegr adj. 291,2.
dugandmapr m. 422, anm. 4.
dugr m. 387.
duina swv. 60.
rfwir m. 166, anm. 2.
duir 68, 5.
dumbe, dumbr adj. 434.
dumpa 266, anm. 1.
dunkr m. 167, 266, anm. 3.
Ahm f. 392, 3.
dünn m. 392, 3.
duql f. 170. anm. 2 ; 375.
dy<7<jr adj. 82,4; 430 u. anm. 4.
dijkr m. 299,1; 389.
dylia swv. 68, 5 ; 170, anm. 2.
Dyna 77, 13.
dynia swv. 512, anm. 2.
dynkr m. 299, 1.
<fyn» f. 392, 3.
dynn m. 392, 3.
dynr m. 389 n. anm. 1.
<fyj>/> f. 63, 13; 156, anm.
dyr pl., s. tfyrr.
dyr n. 56; 71,7.
dyrfask swv. = dirfask 85.
dyrgia f. 167; 172, anm. 3.
dyrka swv. 127, 5.
dyr(r) f. (n.) pl. 416 u. anm. 4.
dyrr adj. 127,5; 424, anm. 1; 439.
dyrp f. 127, 5.
dys f. 172,3; 382.
dysia swv. 510.
dyttr m. 387.
<ta# adj. 171 ; 424, anm. 2.
deggua swv. 82, 6 ; 515.
degr n. 170.
dekkr adj. 77,3; 110,1; 167; 267,3;
430.
dekkua swv. 82, 6.
del f. 170, anm. 1; 375; 392,2.
dell m. 387 (u. 1).
dälskr adj. 170, anm. 2.
dema swv. 63,5; 515; 539, anm. 3.
deme n. 372.
de(yia) stv. 160, anm.
26*
404
Register.
Ö-, s. i>.
e adv. 151,6; vgl. ey adv.
Ecea m. 401, 1.
edda f. 'grossmutter' 128; 238,1, a.
edda f. 'poetik' 127,7.
ef n. konj. 94; 319,2.
efa(p)samr adj. 319, 2.
etf 336.
e/Za swv. 313,1; 515, anm. 1.
e/re adj. komp. 119; 441 (2 mal).
Efrüsum (anorw.) 160, anm.
ef(s)tr adj. sup. 291,10 u. anm. 2;
441 (2 mal).
Eftaleyti 297.
efter präp. = epter 240, 2.
eg pron., s. e& 288; 464; 465,1.
eg adv., s. egi.
Egell m. 359, anm. 1.
egg f. 279,1; 381.
egg n. 227,1; 369.
egffirm swv. 510.
Eggper m. 221,1; 360.
eg(i) = e*'#<? adv. 152, 1.
-egr adj. 428 u. 1.
Egper m. pl. 387 u. 2.
e» adv. 77,15; 78; vgl. ey adv.
eiga v. 54, 1 ; 230, 2; 317, 3, a; 344, 1 ;
522,2 u. anm. 3, 4, 5; 532,4; 536,
anm. 1.
eigande m. 51,2, b; 422, anm. 3.
e/'ge adv. 152, 1.
eigen n. 425, anm. 2.
eigenn adj. 128; 317, 3, a; 522, anm. 4.
eik f. 416, 1 ; 417.
eike n. 372, anm. 2.
eikenn adj. (part.) 502, anm.
Eikiar m. pl. 372, anm. 2.
eilifr adj. 152, anm.
eimyria f. 54, 3, a; 64; 317,4.
einarpr adj. = einharpr 294.
Ein{d)ripe m. 127, anm. 1 ; 128; 151, 6.
eindregr adj. 431.
eindeme n., s. endeme.
eine zablw. 454.
ei'wer m. 231.
einfaldr adj. 459.
em<7<? pron., s. enge 128.
ein(h)arpr adj. 294.
einJiere m. 403.
eining f. 461.
<?(*')«» zahlw., pron. 128; 151, 1; 155;
156, anm.; 266, 2, a; 299, anm. 4;
444 n. anm. 1, 2; 454; 475 u. 5.
ein(ri)huerr pron. 475 u. 1.
Einripe m.. s. Eindripe.
einshuerr pron. 475 u. 1.
eir f. 390, 3.
ei'r n. 54, anm. 1.
eira swv. 54, anm. 1 ; 224, 2.
Eirekr m. 160, anm.; 299,3; 358.
eisa f. 408, anm. 2.
eisorfäla f. 408, anm. 2.
es'sta n. 405.
Eistr, Eistet m. pl. 414.
eitthuat pron. 475 u. 2.
eip n. 361, anm. 4.
Eipar m. pl. 361, anm. 4.
-e//>(r) (in namen) 294; 384 u. anm. 2.
eipr m. 358, 2.
e/c pron. pers. 94; 126,2; 158; 248;
327, 1; 464 u. anm. 1,2; 465 u.
anm. 2; 531, anm. 1.
ek(k)e pron., adv., s. enge 51,4; 127,
anm. 1; 128; 274,1; 284; 285,1.
ekke m. 'schmerz' 110,1; 266,3.
ekkia f. 128; 266,3.
el n. 103; 110,3.
el{d)legr adj. 291, 2.
eldkiieikia, -kueykia f. 82, 9.
eldr m. 128; 159; 358,3 u. anm. 4;
359, 2.
eld(s)tö f. 116; 375.
elfa swv. = efla 313, 1.
elfr f. 384 u. anm. 1 ; 390 , anm. 1 ;
392, 3.
-clfr (in namen) 384.
E{l)ftaleyti 297.
elifr adj. 152, anm.
Ella m. 408.
eile f. 410.
ellefo zahlw. 51, 1, a; 54, 3, a; 66,
anm. 2; 127,6; 172,1; 266,5; 406,
anm. 5; 449 u. anm.
Kegister.
405
ellegar adv. 66, anm. 2; 145, anm. 4;
248, anm. 4.
eUepte zahlw. 77, 7; 85; 210,2; 257;
456 u. anm.
ellre adj. komp. 275; 317, 2, a; 440.
elptr f., s. olpt 173, 5.
-eise snffix 313, 4.
elska swv. 509.
clskanlegr adj. 291,2.
elsk(h)uge m. 294.
elpe n. 313, anm.
elzkuekua f. 82, 9.
elztö f., s. elcl(s)tö.
elztr adj. sup. 440.
em (anorw.) konj. = ef 237, 2.
emia swv. 510.
en rel. part. 473 u. anm. 1.
en adv., s. en« adv.
-end- suffix 173, 2 u. anm. 2.
en<7a swv. 515, anm. 1.
enda adv. 137,2.
-ende f. 411.
endeme, eindeme n. 128; 151,7.
ender m. 317,2, b; 371, anm. 2.
Endripe m., s. Eindripe.
eng f. 382.
ew/<e n. 372 n. anm. 1.
enge pron. indef. 82, 6 ; 84 ; 127, anm. 1 ;
128; 239, l,a; 258,1; 274,1; 284;
476 n. 1 u. anm. 1.
-enge = -genge m. 229.
Engell m. 173, 1.
engl(i)sJcr, en{g)skr adj., s. enskr
291,7.
-engr, -ingr m. 216,2; 358 u. 3 u.
anm. 1.
-enn adj. 428, 3, 4, 5.
enn zahlw. (s. einri) 444 u. anm. 1, 2.
enn best. art. 149, anm. 1; 160; 231;
266, 2, b; 277,2 c; 278, anm. 2;
468; 471; 472 (passim).
en{n) adv. 149, anm. 1; 158; 285,1.
en(n)da adv. 137, 2.
enne n. 317, 2, b; 372.
enskr adj. 264; 291,7 u. anm. 1.
epter präp. 85, anm. 2; 172, anm. 2;
240, 2.
eptr adj. sup. = ef(s)tr 291, 10 u.
anm. 2.
eptre, epztr adj. 441.
er pron. pers. 110, 2 ; 126, 1 ; 158,
anm. 1; 464 u. anm. 5 (2 mal);
465, anm. 5.
er rel. -partikel, s. es 265; 473 u.
anm. 1, 2.
-ere m. = -are 151, 1; 156; 402.
erfa swv. 515.
erfe m. 401.
erfepe n. 152,1; 372; vgl. cerfaö(e).
erfinge m. 149; 229; 342,1; 403.
Erlindr m. 149.
ermr f. 384.
-ern- suffix 51, 2, b.
Erpr m. 91.
erpskinn n. 240, anm. 4.
ertr f. pl. 416 u. anm. 3.
erpgröenn adj. 95, 1.
erpr n. 315, anm. 3.
Erulos pl. 173, anm. 1.
es pron. = er 464, anm. 5.
es rel.-partikel 158; 473 u. anm. 1, 2.
eta f. 91; 95, 3, b.
eta, eta stv. 279, anm. 2; 325,1;
498 u. anm. 1.
etke pron. zu enge pron. 274, 1.
eÖ konj. = at 473 u. anm. 1.
epa konj. 51,4; 94; 241; 285, 1.
epla f. 172, anm.; 268,4.
eple n. = elpe 313, anm.
ejWe n. 'natur' 66, anm. 2; 119;
268,4.
-epr, -ipr part. 216,2; 428,2; 514.
ey f. 163, 1; 317, anm. 2; 319, 2; 383.
ey adv. 54, 3, a; 77,15; 78; 97,3;
vgl. adv. ä, e, de.
-ey (in namen) 383.
eyfet(ar), -o 476, anm. 2; vgl. eyveHar).
eygr adj. 431.
eyiarskegge m. 403.
Eyiofr m. 291, 4.
eykr m. 231 ; 389.
eyra n. 71,8; 405 (2 mal).
eyrer m. 141; 371.
eyrr t 166; 384.
406
Register.
eystre adj. komp. 441.
eypa swv. 238, 1, a.
eyvet{ar), -o pron. (adv.) 151, 2; 267;
285,4; 476, anm.2.
Fyvindr m. 358, 2.
fä stv. 50,4; 130; 175,4; 230,1;
266.3; 317, 3, b; 504 u. anm. 1, 5.
fä swv. 54,1; 511.
fafn (anorw.) = faÖmr 225.
Fäfner m. 225; 292; 371.
fagma swv. = fapma 259, anm. 1.
fagnapr m., s. fognopr 397.
fagr adj. 427; 433; 438.
falage m. 121; vgl. felage.
falda stv. 275; 504, anm.2.
faldr m. 167.
-faldr adj. 459.
Falko, m. 401, 1.
FalkvarÖr m. 121.
falla stv. 317,2, a; 351,1; 504 u.
anm.l; 527; 531,2.
fair m. 124,2; 387.
fanga stv., s. fä stv. 504, anm. 1.
Fanne m. 121.
/dr adj. 'paucus' 80,2; 123; 429;
438 u. anm. 2, 4.
jfdr adj. 'schimmernd' 54,1.
fara stv. 172,4; 181,1; 277, 2, a;
286, anm.; 499; 529; 530, anm. 5;
531, 2.
färlikt adj. neutr. 293, 3.
farre m. 277, 2, a.
Faste m. 240, anm 1.
fastr adj. 424, anm.2; 427,1.
Fastulfr (anorw.) m. 79.
fata swv. 497, anm. 1.
fattr adj. 266, 2.
fätekr adj. 431.
faper m. 66,4; 155; 174,1; 317,2;
343, 1 ; 419 u. anm. 2; 420, anm.l, 2.
faperne n. 51, 2, b; 64.
FaÖmer (anorw.), s. Fäfner 225.
fapmr m. 225; 253, anm.l.
/dör (anorw.) m., s. /e0er 420, anm. 2.
fauskr m. 317,4.
/ave'ss adj. 65.
/e n. 77,4; 81, c; 90; 123; 133, b, 2;
153,1,5; 155; 230,1; 312,1; 363;
393.
fegenn adj. (part.) 74; 171, anm.2;
437; 501, anm. 4.
fegrinde n. 173,2.
feitr adj. 165.
fei f., s. pel f.
fela stv. 124, 2; 230, 1; 317, 3, a; 496
u. anm. 1.
felage m. 73, anm.; 121; 401.
feldr m. 388 u. 2, 3.
feil n. 91.
fella swv. 515; 517.
felmsfullr adj. 91.
fen n. 369.
fengr m. 389 u. anm. 1.
-fengr adj. 431.
/er- zahlw. 292.
fera (anorw.) stv. 500, anm. 3.
f ereil m. 173,1; 359, anm.l.
ferfaldr adj. 459.
feria swv. 513, anm. 6.
ferner zahlw. 448, anm.2; 459, anm.
ferre adv. 442, 3.
fei-tegr adj. 460.
ferp f. 67, a; 392,3.
fervir m. 224, anm. 1.
feskyflr, -skylfr adj. 313,1; vgl.
feskylmt, -skylft 237, anm. 2.
tesfr f. 384.
fet n. 169, anm.
feto stv. 169, anm. ; 497 u. anm. 1.
fetell m. 359, anm. 1.
fepgar m. pl. 291, 10.
fepgen n. pl. 173, 5.
fepr m. 420, anm.l.
fiä swv. 511.
Fialarr m. 124,2.
fialde (anorw.) m. 89, anm.2.
fiall n. 70, 1 ; 91; 277, 2, b; 361 (2 mal).
fialmsfullr adj. 91.
fiande, fiande m. 51, 2, b; 64; 133, a;
422.
fianzbop n. 422, anm. 4.
fiar adv. 441; 442,3.
fiara f. 84, anm.; 235, anm.l.
Register.
407
fiarg- 317, 3, a.
fiarr adv. 353,3; 442,3.
fiarre adj. komp. 92; 441.
fiarre adv. komp. 442, 3.
fiatur (anorw.) m., s. fiotorr.
fifl m. 110,1; 127,2; 298,2; 317,1.
fifrilde n. 315, anm. 1.
fikia f. 263.
filfski zu fiflskr adj. 313, 1.
Fimbogi m. 262, 1.
fimbol- 110,1; 298,2; 317,1.
fim(m) zahlw. 298, 2; 346, anm.; 449.
fimt f. 291,4; 461.
fimte zahlw. 291,6; 456.
fimt(i)än zahlw. 449 u. anm.
fimtigi zahlw. 450.
fimtht zahlw. 450.
fimtegr adj. 460.
Fingal m. 252, anm.
fingr m. (n.) 414.
finna stv. 85, anm. 1; 262: 275;
317, 2, b; 495 n. anm. 5; 531,2.
finngälk(a)n, -gälpn n. 257, anm.
Finnr m. 358, anm. 1.
fiog(o)rtän zahlw. 89, anm. 1; 160,
anm. ; 419 (n. anm.).
fiol- präfix 89 (u. anm. 2); 155; 425,
anm. 2.
fiol f. 124,2; 375.
fiolde m. 89, anm. 2.
fiolkunnegr adj. 95, 2.
fiolmennr adj. 439, anm. 3.
fioluerrenn adj. 134, a.
fior n. 89; 92; 124, 2; 317, 3, a; 366.
fiörer zahlw. 89 u. anm. 1; 259; 292;
448 u. anm. 1.
fiorg d. pl. 317, 3, a.
Fior gyn f. 95, 3, a; 383.
fiörtän zahlw., s. fiog(o)rtän 419.
fiörtiände (anorw.) zahlw. 456, anm.
fiörtugti zahlw. 157, anm. 1.
fiorp adv.. s. i fiorp.
fiorpe, fiörpe zahlw. 456.
fiorpongr, fiorpongr m. 462.
fiorpr, figrpr m. 92; 172,4; 394.
fiorua swv. 92.
fioruar m. pl. 365.
fiorutigi zahlw. 450.
fiorutiu zahlw. 450.
fiös n. 'Viehhof 77,4; 133. a.
fiös f. 'walfischfleisch' 258, anm. 2.
fiotorr m. 89; 93; 359.
fiopr f. 375.
fir präp., s. fire(r).
firar m. pl. 92; 124,2; 235, anm. 4.
Firekr m. = Friprelcr 300, 2.
fire(r), -i{r) präp. 147; 300, anm. 2.
firnare adj. komp. 441.
firr adv. komp. 442, 3 u. anm. 4.
firra swv. 85.
firre adj. komp. 92; 441.
firrmeir{r) adv. komp. 442, anm. 4.
first adv. snp. 442, 3.
firstr adj. snp. 441.
fisa stv. 482.
fiske f. 411, 2.
fiskr m. 178,1; 358.
fit f. 169, anm.; 382.
fita f. 165.
Fipr m. 358, anm. 1.
fiÖrildi (nisl.) n. 315, anm. 1.
fiugur zahlw. 89, anm. 1.
fiug(u)rtän (anorw.) zahlw., s. fio-
g(o)rtän 89, anm. 1 ; 449 (u. anm.).
fiüka stv. 486 u. anm.
fiürtän (anorw.) zahlw., s. fiog(o)rtän
449, anm.
fiozll n. 70, 1.
fld stv. 317, 3, a; 501 u. anm. 1.
Fladdal (anorw.) m. 248, anm. 5.
flaga 317, 3, a.
flagbriöska n. 405.
fiähugoll adj. 173, 1.
flaka swv. 519, anm. 4.
Flär (mnorw.) 134, b; 404.
flär adj. 54,1; 221,2; 429.
flaug f. 375.
flaumr m. 319, 1.
fieire adj. komp. 51,3; 128; 440.
flekkr m. 328, 2.
fies f. 382.
fiesk n. 128.
fiestr adj. snp. 128; 440.
flet n. 369.
408
Register.
fley n. 369.
fleygr adj. 431.
fleyßr f. 384.
flik f. 416, 3.
fliöta stv. 335,1; 484.
fliüg(i)a stv. 67, a; 101,1; 172,3,
318, 5; 319, 1; 486 u. anm. (2 mal).
flö f. 'floh' 98,2; 416.
flö f. 'schicht' 171; 317, 3, a; 416.
flöa swv. 235, 1, d ; 509, anm.
Flöar (anorw.) 134, b; 404.
flöe m. 112,2; 404.
flog n. 61, 1.
flöhe m. 172, 3.
flöJcenn adj. (park) 505, anm. 5.
fiokkr m. 172,3; 318,5; 328,2.
flör adj. 429.
flotnar m. pl. 401, 3.
flotte m. 112, 2.
flöß f. 392, 3.
flgkra swv. 172,3.
flgtr m. 395.
flug n. 61, 1.
fluga f. 318,5.
flüga stv. 486; 487; vgl. flikga.
flugr m. 388.
flyia stv. 98,2; 160, anm.; 221,2;
230,2; 263; 317, 3, a; 488 u. anm. 2;
513, anm. 3.
flytia swv. 68,5; 512; 514.
fleia swv. = flyia 488, anm. 2.
flöß f. 392, 3.
fleßr f. 384.
fnasa swv. 170; 172, 3.
fnykr m. 389.
/nj/sa swv. 172, 3.
fnösa swv. 170 ; 172, 3.
föa f. 112, 2.
fögelegr adj. 171, anm. 2.
fOfi m. 61,1; 358,1.
fo{g)ut{t)i m. 293, 4.
fold f. 391.
/bZtfY (anorw.) m. 167.
föle m. 124, 2; 317, 3, a.
folguti m. 293,4.
FolkvarÖar m. 121.
/br- präfix 51, 1, a.
for f. 124,2; 230,1; 375.
foraÖ n., s. forraÖ.
forellre n., -ell(r)ar m. 372.
/brenne m. 149; 229.
forkunnr, -kußr f. 384 u. anm. 1.
förn, forn f. 127,3.
Forne m. 121.
for(r)aö, -t n. 54, 3, b; 151, 1, 5; 238,
anm. 12; 281.
fors m. 272, 3.
forßom adv. 148.
forvista f. 77, 12.
forvitne f. 411,2.
forynia f. 51, 1, a; 285, 3.
/brysta f. 77, 12.
foss = fors 272, 3.
/osfr- n. 320.
fo(str)syster f. 51, 1, a; 285, 3;
291, 10, 11.
fötr m. 169, anm.; 335,1; 413; 414
u. anm.
fouti m., s. fogut(t)i.
fpgnoßr m. 394; 397.
fol n. 366.
fglr adj. 430 u. anm. 1; 433.
fgnn f. 224, 2.
fgr f. 376.
föroZZ adj. 63,8; 173,1; 428.
Fgstolfr m. 79.
fgßr m., s. faßer 420, anm. 2.
/"ra präp. 298, 1.
fräbcbrr adj. 298, 1.
Frakkar m. pl. 266, 3.
frakkr adj. 322, 2.
fraw adv., s. fram(m).
framalla adv. 272, 1.
frambdbrr adj. 298,1.
fram(m) adv. 277, anm. 5 ; 280, anm. 4 ;
442, anm. 2.
framr adj. 424, anm. 2; 439.
Frankar m. pl. 266, 3.
fränn adj. 424, anm. 2.
/rar adj 80, 2; 83; 430 u. anm. 2, 3;
437, anm. 1 ; 439.
frata swv. 497, anm. 1.
frau f. 408, 1.
frauke m. 166.
Register.
409
fraup n. 166.
fraupr (anorw.) m. 166.
frauva f. 408, 1.
freals (anorw.) adj. = frials 133, a.
fregna stv. 267, anm. 2; 498 u.
anm.2, 7; 531,2.
fre\i)adagr (anorw.) m. 133, b, 2;
312, 1 ; vgl. friädagr.
Freifa f. = Freyia 408.
freist{n)e f. 411, 3.
freknor f. pl. 322, 2.
frekr adj. 169, anm.; 322,2.
frelsa swv. 130; 295, anm. 3.
freisinge 229.
fremr adv. komp., s. framm.
freta stv. 315, anm. 3; 497 u. anm. 1
(2 mal).
freU f. 110,3; 267 u. vgl.
fretta swv. 267, anm. 1, 2.
-if)repr, -(f)repr(m namen) 60; 291, 4.
Freyia f. 408.
Freyr m. 389 n. anm. 1.
friädagr m. 70, 2; 133, b, 2; 318,
anm. 4; 331.
frials adj. 70,2; 133, a; 294; 295,
anm. 3.
frialsa swv. = frelsa 130.
Fr% f. 227,1; 318, anm. 4; 383.
Frileifr m. 292.
frilla f. 268, 4
/Wo n.. s. frde.
friör adj., s. /refer 430.
friosa stv. 71,3; 317,4; 335,1; 488
u. anm. 1; 506, anm. 4; 531,2.
Frirekr m., s. Friprekr.
Friser m. pl. 387.
Fripekr m.. s. Friprekr 292.
Fri(p)leifr m. 292.
/W/>r m. 60; 395 u. 3.
Fripr f. 381.
fripr adj. 127,2; 439, anm.2.
-(f)rip(r) (in namen) 291, 4; 384 n.
anm. 2.
Friprekr m. 123; 253, 1 ; 292; 300, 2.
fridtls adj. 70,2.
frolleikr m. 268, 4.
/rör adj., s. frär.
froskr m. 166.
fropa f. 166.
fröpleikr m. 268,4.
/rö/>r adj. 181, 1.
fron, frou(v)a f. 408, 1.
fru, friiva f. 408,1 (2 mal).
frumvaxta adj. 434.
/ryta swv. 68,4; 154; 160, anm.;
513,2 u. anm.2.
frde n. 70, anm. 3; 77,8; 83; 97,3;
106; 135; 366.
frdefask swv. 97,3.
frdegr adj. 431; 439.
frais (anorw.) adj. = frials 133, a.
frdende m. 422.
frdbn(d)kona f. 160, anm.; 291,2;
422, anm. 4.
frdbndseme f. 85; 149; 411,2.
frcenn (nisl.) adj. 424, anm. 2.
frder adj. 83; 97,3; 106; 430.
frdbta = fretta 267, anm. 1.
fre- (anorw.) 77,8; vgl. frdb.
frek{en)n adj. 169, anm.; 322,2;
428, anm. 1.
frer n. pL 71,3; 126, anm. 1.
frepe f. n. 111, anm.; 151,3; 411.
-{f)repr (in namen) 77,3; 291,4.
Freymr 135, anm.
füa (orkn.) f. 112, 2.
fuenn adj. (part) 488, anm. 4.
fugl m. 61,1; 358,1.
fulga 317, 3, a.
füll n. 425, anm.2.
fullr adj. 351, 1.
fundr m. 320; 388 u. 2; 392,3.
furo, füra f. 124, 2.
/"«irr m. 392, 3.
füss adj. 112, anm. 1; 233; 320.
fuviti m., s. fogut(t)i.
fyl n. 369.
/V?o*'a swv. 238, 1, b.
fyl(g)P f. 291, 5.
fylke n. 372, anm. 4.
fyUa swv. 63,6.
/Vtfr f. 384.
fylxne, fylskne n. 222, 2; 291, 6; 316.
/yntfr m. 392, 3.
410
Register.
fyr, fyre(r), -ir präp. 147; 300, anm. 2.
fyre, fyre n. 124,2.
fyrr m. 392, 3.
fyrra swv. = firra 85.
fyrr(e) adv. komp. 442, anm. 1, 3. 4.
fyrre, fyrstr adj. 114, anm. 2; 272, 3;
438, anm.l; 454.
fyrrmeir(r) adv. komp. 442, anm. 4.
fy(r)st adv. sup. 273,3; 442, anm.l.
fyrpar m. pl. 60; 77, 5, a.
fyrua swv. 82,4; 92; 513,1.
fyruar m. pl. 82, 4 ; 92.
Fyr(u)e 235, anm. 4.
fyst (s. fyrst) 272, 3.
fdegelegr adj. 171 u. anm. 2.
für n. 71, 2.
fcedgan (anorw.) n. pl. 173, 5.
ß n. = fe 77,4; 81, c; 90.
fegelegr adj. 171.
fela swv. 517.
fera swv. 515.
/&r adj. 438.
fepa swv. 238, 1, a u. anm. 1.
feyra (anorw.) f. 317,4.
fezla f. 238, 2, d.
gra- präfix 154.
gä stv., s. ganga 504, anm. 4.
#« swv. 235, anm. 4; 520 u. anm. 1;
532, 6 u. anm. 2.
gabba swv. 318, 1, 12; 330, 1.
gaddr m. 224,2; 284.
gafugr adj. 80, 3.
gagarr m. 259, anm. 1.
gagl n. 313, 3.
gagn n. 291,9; 361, anm.l; 362,
anm. 2; 428, anm.l.
gagnstigr adj. 428, anm. 1.
gagnsdbr adj. 438.
gagnvart adv. 428, anm. 1.
gala stv. 277, 2, b ; 500 u. anm. 1 ;
530, anm. 5; 531,2.
galdr m. 284; 313,2; 358, anm. 2.
galeip f 416, 3.
galg- zu sra#Z n. 313,3.
gallr adj. 167.
gamall adj. 285,5; 426; 433; 440.
gaman n. 225; 362.
gambr m. 358, anm. 2.
gamle m. 318, 10.
gammr m. 318, 10.
#cma swv. 519, anm. 2.
#Gm<7 n. = gagn 291, 8.
ganga stv. 220; 266,3; 321; 504 u.
anm. 1, 4, 5.
ganglere adj. 317, 4.
gangvere(r) m. 402, anm.
(jraßa swv. 318, 1, 12 u. anm. 1 (prät.
gafÖi); 519, anm. 4; 538,4.
gäri (nisl.) 54, anm. 3.
Garmr m. 315, anm. 3.
garpr m. 167; 343, 1; 358,2 u. anm. 4.
gasse m. 127, 1.
gata f. 84, anm. ; 235, anm. 1 ; 407.
gäta f. 408.
gätt f. 175, 4.
gauka (anorw.) f. — gaupa 257.
Gaukna (anorw.) = Ganpna 257;
263, anm. 4.
Gau(k)staÖer (anorw.) 307.
Gau(k)storp (anorw.) 241 , anm. 1 ; 307.
Gaustalr 245, 1.
Gautar m. pl. 166.
Gautna (anorw.) 263, anm. 4.
Gautsporp, s. Gau(k)storp.
Gaupland 248, anm. 4.
gefa stv. 85, anm. 2; 169; 176,1;
497 u. anm. 2.
gefande m. 64; 78; 422.
gegn n., s. gagn.
gegn präp. u. adj. 77, 7; 425, anm. 4;
428, anm. 1 ; vgl. folg.
gegnom, -em präp. 77,7; 81, c; 263,
anm.l; 425, anm. 4; 428, anm.l.
geigo{r)skot n. 408, anm. 2.
geil f. 165; 375.
geire m. 54, anm. 3.
Geirmundr m. 128.
geirr m. 54, anm.l; 317,4; 353,5.
-geirr 54, 3, b; 229; 358.
Geirrepr, -ropr, -raupr m. 353, 6 ;
397, anm. 2.
geisl f. 317, 4.
gehle 'stock' 165.
Register.
411
geispa swv. 316.
geit f. 416, 1 ; 417.
gelda (anorw.) stv., 8. gialla 491,
anm. 2.
geldr adj. 318,3; 424, anm. 2.
gemlingr m. 168.
â– (g)enge 229.
gengr adj. 431.
gera swv. = genta 149.
gerfe f. 250.
gerna (anorw.) adv. 95, anm. 2.
gerr adj., s. flrprr.
gerra swv. i= ##raa 532,5.
gerp f. 384.
£<?r/>ar f. pl. 375; 384.
Gerjyr f. 384.
-gerpr (in namen) 384.
genta swv., s. genta,
gestr m. 155; 386; 387, anm. 2;
392, 2.
Gestumblinda 261,1; 299, anm. 5.
Gesteein (anorw.) m. 273.
geta stv. 497 n. anm. 2.
#<?/> n. 369.
geyia stv. 166, anm. 2; 500.
geysa swv. 320.
Geystr (nisl.) m. 320.
giafa stv. = gefa 95, anm. 4 ; 497,
anm. 2.
giafall adj. 173, 1.
-$iza/<? m. 95, anm. 5.
giafmüdr adj. 95,2.
giagnum (anorw.) präp. = gegnom
195, anm.; 263, anm. 1.
giald n 92.
gialda stv. 70,1; 88; 220; 491 u.
anm. 2; 530, anm. 4.
gialdkere m. 71, 3.
gial kyri m. 71, 5.
gialla stv. 491.
giallr adj. 167.
giär, s. i giär.
giarn adj. 70, 1.
giarna, -ara adv. 95, anm. 2 : 443.
giäta (anorw.) 196, anm. ; 263, anm. 1.
giß f. 335, 1.
gigia f. 263.
gil n. 165; 369.
gilda stv. 491, anm. 2.
gilde n. 92; 425.
gilia swv. 510.
Gas m. 313, 4 n. vgl. folg.
-(g)üs (in namen), s. -gisl.
Gimer m. 371.
Gimle 294.
gf/na stv. 482 u. anm. 2.
ginna swv. 517.
giofi. 70,3; 375.
giofott adj. 173, 1 ; 439, anm. 1.
giorr adj., s. #prr 263, anm. 1.
giorp f. 167; 375.
gionta swv., s. genta 263, anm. 1;
518, 2 u. anm. 3, 4.
GiorÖr, Giurö(e)r m. 104.
giösa stv. 320; 485.
giöta stv. 101,2; 166; 182,1; 320;
485.
gio f. 379.
giognum (anorw.) präp. = gegnom
204, anm.; 263, anm. 1.
giorr adj., s. gorr 204, anm.; 263,
anm. 1.
giorua swv., s. genta 263, anm. 1.
gipt f. 391.
Girker m. pl. 315; vgl. Grik(Jc)iar.
Girkland 51, 1, a.
girna swv. 238, 1, b u. anm. 4; 291, 9;
517.
girskr adj. 315.
Gisl m. 313, 4 u. vgl. folg.
gisl f. 375.
-(g)isl, -(g)isl (in namen) 229; 313,4;
358.
gisle td.. 165.
Gislog f. 152, 2.
Gissurr m. 274,2.
Giüke m. 133, anm.; 235,2.
gialda stv. 70, 1.
giavrn adj. 70, 1.
Gfoorr m. 148; 274,2.
gladdr adj. 428,2.
glam(m) n. 154; 318,10.
Glaser m. 317,4; 371.
Glapr m. 387.
412
Register.
glefsa (anorw.) 247.
Glei frier, Gleipner m. 318, 2.
glepia swv. 51 2.
gier n. 71,1; 126, anra.l; 317,4.
glepa f. 60.
gieße f. 411.
glepia swv. 238, 1, a; 512.
gliä (anorw.) swv. 133, b, 2.
glika adv. 137, anm. 4.
glik{i)a swv. 516, anm. 1.
glikr adj. 154; 290, anm.
glöa swv. 68,4; 129; 171 u. anm. 2;
(227,2); 235,1, d; 318,14; 509,
anm.
glöfe m. 154.
glotta swv. 519, anm. 6.
glöp f. 416, 4.
glgggr adj. 82,6; 424, anm. 2; vgl.
gleggr.
glgtopr m. 397.
gluggr m. 227, 2; 318, 14; 358; 392, 3.
glüpna swv. 488, anm. 4.
glygg n. 366 (2 mal).
glyggr (anorw.) m. 392, 3.
glyiapr adj 68, 4.
glymr m. 154; 389 u. anm. 1.
glyma 317,4.
glys n. 317, 4.
glce(f)a swv. 171 u. anm. 2.
glcbsa swv. 317, 4.
gleggr adj. 82, 6; 171, anm. 2; 227,2;
424, anm. 2; 430; 439.
gUpr m. 387; 392,2.
gnadd n. 172, 3.
gnaga swv. 290; 501, anm. 4, 5.
gnapa swv. 172,2,3; 519, anm. 4.
gnaup f 166 ; 172, 3.
gneggia swv. 154; 227,1; 510.
gneisle m. 154; 290.
*gnella stv. 495, anm. 6.
gnesta stv. 91 ; 490 u. anm. 1.
gneypr adj. 172, 1, 3.
gnipa f. 172, 1, 2.
#«ö>r adj. 154; 170, anm. 2; 290,
anm.
gnött f. 112,2; 170, anm. 2; 392,3.
Gng f. 379.
gnüa stv. 68,6; 154; 506.
gnüpr m. 172, 1,3.
gnyia swv. 68,6; 163,2; 513,2.
gnyr m. 389 u. anm. 1.
gnystyrer m. 166, anm. 2.
#m//w m. 166; 172,3; 389.
gnegia swv. 317, 3, a.
gnett f., s. gnött 392, 3.
gnepesk prät. (zu gmgia) 317, 3, a.
Gö f. 411.
0Ö<? f. 411.
Goer m. 371.
#oZ n., gola f. 61, 1.
gölegr adj., s. göplegr.
goll n. 61,1; 275.
Gdr(r) m. 360.
Görepr m., s. Go(p)repr 123; 292.
grotar m. pl. 166.
Gote m. 401, 3.
got{n)ar m. pl. 401, 3.
gop m. n., s. gw/».
gope m. 61, 3.
Gopland 248, anm. 4.
gö{p)legr adj. 292.
Gopormr m. 241; vgl. Guttormr.
Goipyopr, -roprm. 77,3; 123; 291,4;
292.
#o/>r adj. 127,3; 427, anm. 1, 2;
436,2; 440.
GoÖpioÖ 248, anm. 4.
#00 n. 235,2, d; 361, anm. 2.
ggfegr, -ogr adj. 173,4; 437.
gpgn(um) präp. 77,7; 263, anm. 1;
428, anm 1; vgl. gegnom.
ggltr m. 167; 318,3; 395.
ggmul adj. 121.
Gondol f. 378.
ggm f. 375.
ggrr adj. (part.) 77,1; 82, anm. 3;
154; 204, anm.; 226; 235, anm. 1;
250; 263, anm. 1; 424, anm. 2;
430; 507, anm.; 618, 2 u. anm 3, 4.
gprua adv. 77, 7; 235, anm. 1; 442,2.
g$s f. 123; 233; 416 u. anm. 3.
gp't f. 416.
gg-tt f. 321.
ggluar f. pl. 154; 380.
Register.
413
grafa stv. 170, anm. 1, 2; 342,1;
500 u. anm. 3.
gramr m. 387 u. 2 u. anm. 2.
Gramr m. 315, anm. 3.
gramr adj. 168; 315, anm. 3; 318,10.
grantie m. 154; 224,2; 401.
grannleitr adj. 167.
gräpa swv. 171; 172,2,3.
grär adj. 81, b; 166, anm. 3; 426;
429, anm.; 433.
gras n. 338, 1.
grata stv. 171; 505, I.
graatr m. 358, 2.
gredder m. 154: 224,2.
Gregöri(a)smassa 160, anm.
G-reifr (anorw.) 247.
grein f. 154; 292.
greip f. 172,1,2; 416,3.
greißa swv. 154; 292.
greifir adj. 439.
Greland = Grönland 299, 2.
gremia swv. 512, anm. 2.
grmi n. 369.
grene n. 372.
grenia swv. 172,2; 510.
Grenland = Grönland 299, 2.
Grrtter m. 371.
grey n. 369.
grey-baka f. 169; 279,1.
grey-hutidr m. 166, anm. 3.
greyfa swv. 166.
greypa swv. 172, 1, 3.
<jrn"är adj., s. grär.
Grik(k)iar, Grik(k)er m. pl. 263;
279,1; 315; 368; 389.
Grik{k)land 51. 1, a.
gri(k)skr adj. 296; 315.
Grhn(h)üdr f. 294.
Grimkeü m., s. Grinkell.
grim(m)r adj. 168; 318, 10.
Grimr m. 358, 3.
«jr/na stv. 172, 2.
grind f. 416, 2, 4.
Grinkell (anorw.) m. 258, 1.
Grii)ödgarbr, Grsd- m. 248, anm. 5.
gripa stv. 172,1,2; 323,1; 482.
gripr m. 388.
griskr adj., s. gri(k)skr.
griss m. 387 n. 1, 2.
Gröa f. 408.
gröa stv. 77,3; 506.
#ro^ f. 172, 3.
gröpasamlega adv. 171 : 172, 2, 3.
gröpr m. 358, 2.
t/rö/" f. 375.
groftr m 395, anm. 2.
gron f. 375.
grcndopr m. 397, anm. 1.
grgptr m. 395.
<jrro/>r m. 395 n. 3.
grüfa swv. 519, anm. 1.
grund f. 317,2,6; 391.
grannleitr adj. 167.
grunnr, grupr m. 317, 2, b.
grunnr, grupr adj. 438.
grunr m. 388.
<7n//ia swv. 166.
gryia swv. 166, anm. 3.
Grymkeü m. 85.
«/rce/ir adj. 170, anm. 1 u. 2.
grefr adj. 170, anm. 1 u. 2.
Grä(n)land 299, 2.
<7/wm adj. 438.
#r^a swv. 171.
guddömr m. 268, 3.
gugna swv. 246,2; 284; 495, anm. 6.
Guike m. 2ä5,2,
£!</ n , gida f. 61, 1.
Gulbrandr (anorw.) m. 238, anm. 17.
gutt n. 61,1; 275.
guüap n. 294.
Gtdlaugr m. 268,4.
Gulle m. 268, 4.
Gmöct'/t m. 268, 4.
Gulleikr m. 268,4.
gidlenn adj. 156.
Gullentanne m. 167.
Gullveig f. 377, anm.
gutnbuü (anorw.) m. 173, 1.
0«»j<? m. 61,3; 401,3.
gumul adj. 121.
Gamundr m. = Gupmundr 268,
anm. 3; 292.
Gunnarr m. 294; 359,1.
414
Register.
Gunnb(i)org (mnorw.) f. 295, anm. 3.
Gunn(h)ildr f. 294.
Gumüpp f. 377.
Gunnor, -vor f. 112, anm. 2 ; 148.
gunnr f. 277, 4, b ; 384 u. anm. 1.
-gunnr (in namen) 384 u. anm. 1.
Gunnuldr, -valdr (anorw.) m. 148;
235, 1, f.
Gunnidfr m. 297.
Guser m. 371.
gutar m. pl. 61,1; vgl. gotar.
gutt, s. göpr (127, 3).
Guttormr, Guttarmr (mnorw.) m. 150,
anm.; 241.
gup m. n. 61,1; 361; 387 u. 2 u.
anm. 1, 2.
Gudbrand (anorw.) m. 268, anm. 3.
gupe m. 61, 3.
Guplaugr, -leifr, -leikr 268, 4.
Giiplogr m. 152, 2.
Gu(p)mundr m. 150, anm. ; 153, 1 ;
238, anm. 15; 292.
GaÖormr (anorw.) m. = Guttormr 241.
gupr f. 277,4. b; 384 u. anm. 1.
-gupr (in namen) 384 u. anm. 1.
Gupripr f. 65; 291,4; 292.
Guprün f. 377.
Guprepr m., s. Go(p)repr.
gupsife m. (85); 403.
gupspett, -spiall, -spiald n. 91; 317,
anm. 1.
gudsyfiar = -sifiar 85.
gyggua swv. 82, 4; 227, 2; 495,
anm. 3, 6.
gygr f, 293, 2; 384 u. anm. 4.
Gylfe{r) m. 104; 371 u. anm. 2.
<jri//Za swv. 517 u. anm. 1.
02/ftr f. 167; 318,3; 384.
gymbell m. 173, 1.
gymbr f. 168; 375; 392,2.
Gymer m. 371.
gymstceinn (anorw.) m. = gim- 85.
Gyripr f. 65; 292.
gyrpa swv. 167.
<jf?/ss m. 227, 2, a; 389.
gyPia f. 409,
Gcei(r)laugr (anorw.) m. 273, anm. 1.
gdr, s. i giär.
gcera f. 154
Gosrmundr (sbetl.) m. = Geir- 128.
Geestair (anorw.) m. 276.
geeta swv. 263, anm. 1 ; 267, anm. 2.
gegn(um) (anorw.) präp. = gegnom
77,7; 81, c; 263, anm. 1.
gora swv., s. gerua.
gerr adj., s. gprr.
g&rr adv. komp. 77,7.
gerseme f. 149; 411,2,3.
gerua swv. 77, 7 ; 82, 6 u. anm. 3
84; 149; 263, anm.l; 507, anm.
518, 2 u. anm. 3, 4; 530, anm. 3
532, 5.
gerua adv. 77,7; 442.
gerne f. 82,6; 411,2,3.
gezka, geska f. 238, 2, d ; 303, 2.
Jiä (anorw.) = hafa 160, anm.
ha swv. 'plagen' 167; 175,4; 317, 3, b
Hä(a)rr m. 54,1; 130; 294.
Habbarör m. 270, anm.
hadda f. 238, 1, a.
hädege n. 372.
hafa swv. 160, anm. ; 170, anm. 1
174,1; 240, anm. 4; 507, anm.
520 u. anm. 1, 2; 531, 1 u. anm. 2
532,6; 534, anm. 3; 538,4; 541
u anm. 1, 2.
hafa (anorw.) f. 170, anm. 1.
hafask swv. 'sich verhalten' 170,
anm. 1.
hafn = hpfn f. 81, c; 390,1,4.
hafnandi (anorw.) m. 422, anm. 1.
hafr m. 358, anm. 2.
häfr m. 170, anm. 1.
häfsäld, -scelda (anorw.) n., f. 297.
Haftör m. 237, 1.
Hafporn (anorw.) m. 256, anm.
Hafporr m. 221, 1.
hafuÖ (anorw.) n. = hpfop 98, 1.
haga swv. 321.
hagr m. 387.
hagr adj. 170.
Hagpörer (anorw.) m. 256, anm.
hale m. 170.
Register.
415
Hake m. 299, 1.
Hakanen), -un(n) m. 226 ; 285, anm. 2.
Hakporsson, Hag- (anorw.) m. 239,
anm. 3.
halda stv. 174, 1 : 220: 275; 317, 2, a;
504 u. anm. 1; 534, 2, b (2 mal);
536, anm. 2; 540, anm. 3.
hal(d)kuaimr adj. 291,2.
Haleyger m. pl. 389; 392.
Jiäley<g)skr adj. 296.
halfa f. 294.
Halfdan{r) m. 285, anm. 2: 358,2.
halffertegr adj. 460, anm. 2.
halfnirepr adj. 460, anm. 2.
halfr adj. 425, anm. 2; 427. anm. 2.
halkuämr adj. 291, 2.
hau f. = hall 81, c; 391.
Raüb{i)org (mnorw.) f. 295, anm. 3.
hal(l)da stv. 260.
Halldörr m. 238, 1, b ; 297, anm. 1.
Hallfrepr, -fropr, -frepr in. 77,3.
hallr m. 81, b; 358,1 u. anm. 4.
haür adj. 167; 275.
Haüvarpr m. 252, anm.
Hälogaland 152,2; 160, anm.; 392.
halr m. 173.5; 319,2; 387,3 n. anm. 4.
Juüs (hals) m. 124.3; 338, 1.
hamarr m. 304; 357; 359, anm. 2.
Hamdir m. 238, l,b; 258,2; vgl.
Hamper.
luxmingia (anorw.) f. 149; 229 ; 318, 10.
hä-möt 175, 4.
hampr m. 262, 1.
hamr m. 317, 4 ; 322, 1 ; 387 u. anm. 2.
hams m. 317,4.
Hamper, -per m. 51, 2, a; 66, 4; 80, 2;
151, 2; 221, 1; 238, 1, b; 258, 2; 371.
hand f., s. hcnd 416, anm. 1.
handan präp. adv. 167; 441; 442,3.
Handir m., s. Hamper 258, 2.
hane m. 170; 347,1; 400.
hanga stv. 266. 3 u. anm. 3; 317, 3, b;
321; 504 u. anm. 1 (2 mal), 2, 5.
hanke m. 266, anm. 3.
hann pron. m. 54, 3, b; 78; 116;
187,1; 277, 2, c; 285,1; 466 u.
anm. 1, 2.
hanpr m. 262, 1.
hannyrf) 291, 6.
här m. 'hai' 50,4; 175.4.
här m. 'rnderdulle' 175.4; 387.
här adj. 98,2; 2.50; 317, 3, a; 322,1;
429; 430 a. anm. 3; 438.
Har- (in namen) 226.
Haraldr m. 69; 148; (226); 235,
anm. 4.
Härekr m. 65.
hart (anorw.) m. 71, anm. 1.
hark n. 322, 1.
harla adv. 291, 3.
Mröttr adj. 427.
harpare m. 400.
Harr m. 291.
harr adj. 54,2; 424, anm. 2; 430,
anm. 3; 438.
harre m. 401,1.
Harpangr m. 51, 1, a; 78; 292. anm. 2.
harpende n. pl. 149 ; 173, 2 u. anm. 2;
235, 1, f.
har/xnskr adj. 264; 291, anm. 1.
harpfengr adj. 431.
harpia adv. 291, 3.
harpr adj. 81, b; 427, anm. 2.
harfrynde n. pl. 173, 2; 226; vgl.
liarpende.
häsin 175,4.
Iiäske, haske m. 127,1; 317, 3, b.
häss adj. 54, anm. 3.
hata swv. 281.
häta stv., s. heita 502, anm.
hatr n. 155.
hat{t)a swv. 281.
hattr m. 395, anm. 2: vgL hgttr.
haufop n., s. hgfof) 98,1; 166.
haugr m. 317, 3, a.
haugr (anorw.) adj., s.här adj. 317, 3, a.
hankr m. 132, a; 235, 2.
hauksialdr, -stalde, -stalle m. 105,
anm.; 239, l,b; 317, 2, a.
hauldr (anorw.) m. 105, anm.
haustr m. 132, anm.: 234.
Hävin 135.
he-, hi- pron. 471, anm. 2.
hefa ^anorw.) swv., s. hafa 520. anm. 2.
416
Register.
hefia stv. 170, anm. 1; 240,1; 500
u. anm. 1,3; 530, anm. 6; 539,
anm. 3.
hefiande m. 173, 2.
Jiegat adv. 165, anm.
Jieggr m. 389.
hegre m. 60; 128; 317, 3, a.
heif(s)t f., s. heipt 291, anm. 2.
hedagr adj. 78; 128; 173,4; 428 u.
1, 3 u. anm. 3; 433; 437.
heilinde n. 149; 173,2 u. anm. 2.
heill m. 317, 4.
heilt adj. 286; 427 u.2; 439, anm. 2.
heilsa swv. 317,4.
heilynde n. 173,2; 226.
heima n. 405.
Heimdal(l)r, -dpllr, -dcell m. 358,2.
heimdrage, -drege m. 73, anm. 1.
heimeil, -oll adj. 51, 2, b; 173,1;
428, 1, 4.
heimold f. 313,2.
Jieimo(l)lega adj. 285, 5.
heims Jc)legr adj. 291, 6.
heimele 85, anm. 2.
Heiner, lieinir m. pl. 292.
Iwipt f. 237, anm. 2; 291, anm. 2.
heip,t)giarn adj. 291,11.
heita stv. 54; 154: 280,1; 481,2;
502 u. anm.; 532,2; 540, anm. 3;
542, anm. 2.
heitr adj. 165.
heißem adj. 128; 428,3,4.
lieißiie f. 411.
heißr m. 358,2.
lieißr f. 54; 384.
Heißsefar m pl. 151, 6.
Heizdbfesßing n. 238, 2, d.
teZ f. 383 u. anm. 2.
ZieZa f. 110,3.
7teZa swv. 517.
heldr adv. komp. 63,1; 155; 443.
heldre, helztr adj. 438, anm. 1.
hel(f)ningr, helfingr m. 237, 2 ; 254 ; 462.
Mft, -ß f. 238, anm. 8; 462.
Helga f. 77,7.
Helge m. 77,7; 85, anm. 3; 87,
anm. 2; 91; 128.
helge f. 411.
helgr f. 384 u. anm. 4.
he(l)kn n. 297; 361.
hella swv. 517.
lieller m. 371 u. anm. 4.
helmingr, helningr m. 254; 291,4;
462,
helzit) adv. sup. 303, 1; 443.
Iielzti adv. 85, anm. 3 ; 297, anm. 2.
helztr adj. sup. 438, anm. 1.
liemingr m. 173, 3.
hemmingia (anorw.) f. 318, 10.
Hem(m)ingr m. 318, 10.
hengat (anorw.) adv. 162, anm.
hengia swv. 238, 1, b.
Hengiankiapta f. 291, 2.
henta swv. 515, anm. 1.
hepta swv. 240, 2.
her adv. 103; 165. anm.; 177,1.
heraß n. 54, 3, b; 103; 151,1; 361
(2 mal); 362.
herbyrgi n. 85.
here m. 71, anm. 1 ; 103.
here in. = hegre 60; 317, 3, a.
Hergils m. 313,4.
heria swv. 509; 510.
Heriann m. 358; 359, 1.
Herioldr m. 69; 148.
Heriolfr m. 61,1; 69; 133, a.
herna adv. 137, 2.
herr m. 389 u. anm. 2.
herra, -e m. 401, 1.
herser m. 371.
Iwrskär adj. 429.
hertoge, -uge m. 61, 3.
for^r f. 384.
Äes<r m. 127,6; 291,11; 302; 358,
anm. 3.
lietia m. 409.
hepan adv. 60; 103; 165, anm.
Heßemi m. 103; 173, anm. 3; 359.
Jießra adv. 60; 165, anm.
liey n. 163,1; 317, anm. 2; 366; 369
u. aum.; vgl. hf.
lieyia swv. 163, 1 ; 513, 5 u. anm. 5.
heyra swv. 63,14; 99, anm.
heyrn f. 71,8.
Register.
417
M-, he pron. 471, anm.2.
Mä präp. 235, anm. 4 ; 405.
Hiaki (anorw.) m. 95, anm. 4.
html n. 95,2; 322,1.
Mala swv. 95, anm. 5.
hialdr m. 88; 95,1.
Rialmper, -ter m. 241, anm.2; 360
u. anm. 5.
hialm(ul)-vplr u. a. formen 254; 297.
hialmvitr t 390, 1, (4).
hialpa stv. 92; 95,3, a; 323,1; 491,
anm. 2 ; 495 u. anm. 5 (2 mal) ; 530,
anm. 4.
Malpsmapr m. 390, 2.
hüdt n. 91; 222, anm. 1; 361.
Eia(T)tland 297, anm. 1.
hiarn n. 322, 1.
hiarne m. 224,2; 283; 317,4.
Hiarrandr, -e m. 422, anm. 4.
Marse m. 317,4.
Marta n. 77, 9: 88; 95,3, a; 325,1;
340; 400; 405.
Martegn n., s. iarte(i)gn.
Hiatland 297, anm. 1.
Mapningar m. pl. 92; 173, anm. 3.
hibyle, -büi n., s. hybyle.
Meri m. = here 71, anm. 1 ; 103.
higat adv., s. hegat.
Mggia swv. = hyggia 114.
Hildetannr, -tapr m. 167; 277, 4, b;
358; 416, anm. 3.
Hildr f. 384.
Mldr f. (294); 384.
-hildr (in namen) 294; 384 u. anm. 2.
Eillar f. pl. 375.
Mlper m. 92.
himenn m. 225; 237, anm. 3; 285,5;
359 n. anm. 4.
7wni(ri}nfö(anorw.)n.llO,anm.2 ; 299,3.
Mmna f. 266, anm. 5.
hind f. 416.
hindar(r) adv. komp. 442, 3.
Mndre adj. komp. 167; 441.
Mneg adv., s. hinneg.
hingat adv. 162, anm.
Mm pron. 277, 2, c; 285, 1; 468; 471
u. anm. 1, 2; 472, anm. 1.
Noreen, Altisl. gTamm. 4. aufl.
hinna f. 266, anm. 5.
hinneg, -ig, -veg adv. 149, anm. 1;
235, l,f; 285,1; 471, anm.2.
hinnog, -ug adv. 158; 226.
hinzt adv. snp. 442, 3.
liin-tr adj. sup. 441.
hiöl n. 235, anm. 3; 317, anm.2.
Molp f. 70,3; 89; 390,2.
hiolt f. 95,1; 361.
hiön n. 405 (2 mal).
Mona n. 405 (2 mal).
hiorr m. 82, anm. 4; 89; 322,1; 365
u. anm.l, 2; (396).
hiorir m. 89; 172, anm. 3; 396 u.
anm. 1.
hiorp f. 89; 391.
hioröing n. 221, anm. 1.
Hirar f. pl. 375.
hirpa swv. 238, anm.2; 245,2; 515.
hirper m. 104; 151,3; 370.
Hising m. 390, 2.
Hisingsbüar m. pl. 390, 2.
hit pron. 248; 471, anm.2.
hit (anorw.) adv. 158; 165, anm.;
471, anm.2.
hite m. 85, anm. 1 ; 165.
hitta swv. 85, anm. 1.
hitti pron. (neutr.), s. siä pron. 470,
anm. 2.
JU9 pron. = hit 248.
Hipen, -in (anorw.) m. 92; 173,
anm. 3.
Möing (anorw.) f. 114.
hipra adv. 60; 165, anm.
Müfra stv. 101, 1.
Mü(n) n. 133, b, 2; 405 (3 mal).
hiüna n. 405 (2 mal).
Hiozlgi (anorw.) m. 87, anm.2; 91.
Hicelmlop (mnorw.) 152. 2.
hioesi (anorw.) = here m. 71, anm. 1.
Hiazsi (anorw.) m. 95, anm. 4.
Makka swv. 266,3.
hlam n., s. glam (154).
hlam prät. 496, anm. 5.
Mass n. 320; 339,1.
hlätr m. 284; 358,2.
hlapa stv. 320; 500.
27
418
Kegister.
hlaupa stv. 63,11,12; 172,1; 503
n. anm. 1 ; 535, anm. 2.
hlaut f. 166.
Me n. 80,2; 163,2; 169.
Hleipr f. 376.
hlekkr m. 266,3; 389.
hlenne m. 275.
Hler(r) m. 360 (2 mal).
Mif f. 375.
Hilf f. 375.
hliöta stv. 485 u. anm. 2.
Wtö/> n. 166.
Mit f. 376.
fti$ f. 376.
hlip f. 390, 3.
Hlipskialf 256.
ÄZda stv. 68,4.
Hlör(r)ipe m. 151, 6.
Hlopver, -ver m. 65; 111,2; 151,2;
166; 317, 3, b; 360 u. anm. 5; 371.
Hlgkk f. 375.
hlum{m)r m. 318,10; 387; 392,3.
hlunninde n. pl. 173, 2.
äZms< f. 71,7; 317,4.
hlusta swv. 71, 3.
hlutr m. 16«; 388 u. 4; 392,3.
7iZtf n. 163, 2.
7tfr7*a swv. 68,4; 163,2; 513,2
'wärmen'.
hlyia swv. 513,2 'schirmen'.
Jüymia swv. 496, anm. 5.
Jüymr m. = glymr 154; 389.
Mi/mr m. = hlum(m)r 392, 3.
hlynr m. 389.
Äft/r n. pl. 71,7; 317,4.
hlyr adj. 429.
hlypne f. 411.
Bldefopr m. 97, 3.
Hldbfreyr m. 97, 3.
7^c6i'a stv. 317, 3, a; 501 n. anm. 1.
Mdbr adj. 169; 429.
Ue{g)legr adj. 293, 3.
hlera swv. 71,3; 317,4.
Hlepuer, -ver m. 65; 151,2.
hnakke m. 328,2.
hneggia (nisl.) swv. 154.
hneigia swv. 516, a.
hneiss adj. 294.
hneppr adj. 424, anm. 2.
Tmefr- f. 416, anm. 3.
Ttragra stv. 97, 2 ; 482 u. anm. 1, 2.
hniösa stv. 71,3; 485 u. anm. 1.
*hniöpa stv. (def.) 320; 488, anm. 4.
hnipa swv. 483, anm.
hnipenn adj. (part.) 483, anm.
/mm n. 320.
hnita stv. 320; 482 u. anm. 3.
hnöf prät. 500, anm. 4.
/rnoss f. 320; 339,1.
hnot f. 416 u. anm. 3.
hnopa n. 405.
hnogg(u)a stv. 77, 5, a, 7; 227, 2; 493,
anm.; 495 u. anm. 3.
/wm/ät m. 322, 1.
Me^r adj. 82, 6; 227, 2; 424, anm. 2;
430.
hn&re m. 71,3.
/mefr f. 41 6, anm. 3.
ho f. 77,2; 163,1; vgl. hf.
hodd f. 224, 2.
höf n. 170, anm. 1.
hofod (anorw.) n. 98,1; vgl. hgfop.
hög~ adj. 424, anm. 2.
högetide n., s. högynde.
höglegr adj. 170.
hogr m. 61, 1.
högynde n. 64; 173, 2; 539, anm. 2, 3.
hokenn adj. (part) 488, anm. 4.
ÄoZ n. 318,6; 425, anm. 2.
holfa swv. 495, anm. 6; 519, anm. 1.
holfenn adj. (part.) 495, anm. 6.
holgan f. = holdgan 291, 2.
ÄoMr m. 318, 6.
höll m. 77,11; 81, c.
hollr adj. 167; 275; 427,2.
Holm{f)ripr f. 291,4.
H6(l)mst<xinn m. 297.
Äo& n. 361, anm. 4.
Holtar, -er 361, anm. 4.
Äön, hon pron. f. 116; 127,6; 151, 1,5;
277, 2, c; 466 u. anm. 1, 2.
7ionw n. = hörn 272, 2.
Hop 247.
Tioppa swv. 324, 2.
Register.
419
hör (mnorw.) adv. 77, 10; S2, 8.
hör adj., s. hdr 250; 317,3, a; 430
u. anm.3; 438.
horfa swv. 495, anm. 4; 507, anm.
(2 mal); 519,11.
hörn n. 155; 272,2.
horrcekkia (anorw.) f. 279, 1 ; 291, 9.
hors n. 3 t 5, anm. 3.
hör so (anorw.) adv. 77,10.
horretna, -vitna adv. 82, 8; 84; 390, 5.
hoste m. 171; 172, 2; 235, 1, a.
höt n. 171; 235, 1, a.
höta swv. 171.
höta (anorw.) stv. 505, anm. 1, 3.
hotvetna, -vitna pron. 82,8; 390,5;
477,1.
hq f. 77,2; 163,1; 317, anm. 2; 379;
vgl. hey.
hpfa (anorw.) swv., s. hafa 520,
anm. 2.
hofn f. 81, c.
hpfo{d)dükr m. 268,3; 285,5.
hpfop n. 98,1; 121; 166; 362.
hpfpinge m. 149; 229.
hpfundr m. 173,2; 358,2; 422,
anm. 4; 539, anm.3 (2 mal).
hpfudbarmr (anorw.) m. 238. anm. 14.
hpgg n. 364.
hpggua stv. 63,10 u. anm. 5; 77,7;
" 82, 1 ; 227, 2 ; 318, 14 ; 503 u. anm. 1 ;
530, anm. 5.
Hogne m. 105, anm.
H&fr m. 228.
Hplge m. = Helge 77, 7 ; 85, anm. 3.
holkn n. 361.
hpü f. 81, c. 391.
hplpr m. 105, anm.; 173,5; 319,2.
hpltzti adv. 85, anm. 3.
hpmungr m. 173, 3.
hpnd f. 115, 1 ; 331, 2; 416 n. anm. 1, 2.
hpnk f. 105; 266, anm.3; 349,1;
'416,3.
hprr m. 364; 365, anm. 2.
Hörbar m. pL 51,1, a; 78.
Hprpr m. 159; 395.
Hpskuldr m. 317, 2, a.
hoss adj. 430.
Hpsuer m. 82, 6.
hpttr m. 326,7; 395.
hpttr m. 321. 395.
Hppr m. 395.
höpung f. 173, 3.
hrafn m. 277, 3; 358, 1.
hramtnr m. 318, 10.
hrapallegr adj. 268, 4.
hrdr adj. 80,2; 429.
hraukr m. 318, 5.
hraume m. 322, 1.
hregg n. 369.
hreifr (nisL) adj. 294, anm.
hreinn adj. 438.
hreinsapr adj. 238, 2, f.
Hret(p)marr m. 292.
hrekkr m. 389.
hrepiar f. pl. 382.
hreyse n. 71, 8.
hreysar f. pl. 384.
hrifa stv. 482.
hrika stv. 322,1.
hrina stv. 482.
hrinda stv. 266, 2; 492 n. anm. 1, 2.
Äriosa stv. 172, 1; 488, anm. 4.
hriöta stv. 485.
hriöpa stv. 485.
hris n. 361, anm. 4.
Hrisar 361, anm. 4.
Sm* f. 390, 3.
hriüfr adj. 166; 322,1.
Hröaldr m. 134, b, 2; 222, anm. 2;
228 n. anm.; 235, l,d.
Hröarr m. 54, 3, b ; 72 ; 134, b ; 151, 1 ;
228; 229; 235, 1, d.
Hröbiartr m., s. Hröpbiartr.
hroke m. 166; 318, anm.3.
Hrokkell m. 127,3; 238, 2, e; 274,1.
hrokkenn adj. 322, 1.
hrökr m. 322, 1.
Hrölfr m. 130; 228 n. anm.; 297.
hroüa swv. 224, anm. 3.
Hrollaugr m. 127,3; 268,4; 358.
HroUeifr m. 127, 3; 268, 4.
Hroliugr m. 152, 2.
Hrömundr m. 292.
Hrö{p)lfr m., s. Hrölfr.
27*
420
Register.
hrösa swv. 320.
hross n. 315, anm. 3.
hroste m. 317, 4.
Hrö(p)biatr m. 127, 3.
hropenn adj. (part.) 488, anm. 4.
Hröpgeirr m. 54, 3, b ; vgl. Hröarr.
Hr6(p)mundr m. 292.
hröpogr adj. 127,3.
hröpr m. 65; 320.
hröprbarmr m. 238, anm. 14.
hrgnn f. 224,2; 317,4.
hrufa f. 166; 322,1.
hrüga f. 166; 263, anm. 3; 318,5 u.
anm. 3.
hrum{m)r adj. 318, 10.
hrütr m. 172, anm. 3.
hrüpr m. 358, anm. 2.
hryfe m. 166; 322,1.
hryggr m. 279, 1 ; 389 u. anm. 1.
hryggr adj. 82,4; 430 u. anm. 4.
hryggua, -ia swv. 227,2; 516,
anm. 2.
Aryfr m. 389.
/wcfe n. 83; 97,3; 135; 366.
hrekkua stv. 82,3; 110,1; 112,1;
266,3; 494.
hrekkua swv. 82, 6.
hrer n. 71, 3.
hrera swv. 253,1; 317,4.
Hrerekr m. 65; 151,3; 292.
hrorna swv. 71, 3; 253, 1.
hrepa, -e f. 253, 1.
hrepask swv. 253,1.
Sre\p)rekr m., s. Hrerekr.
hu (anorw.) adv. 319,4; 474, anm.l.
huak prät. 498, anm. 8.
huakke pron., s. huatke 274, 1.
hualfa swv. 519, anm. 1.
huäll m. 77,11; 81, c.
hualr m. 358; 387 u. 2.
huar adv. 65.
/mara (anorw.) adv., s. huarra.
huärge(n) pron. 239, 1, a; 258,1;
477 u. 3 u. anm. 3.
huarr (anorw.) pron. 77, 10; 149,
anm. 2; 464,3; 473; 474,3 u.
anm. 3; 478.
huärr pron. 123; 292; 474,2; 478.
huar(r)a, -e (anorw.) adv. 54, 3, b ;
281.
huär(r)tuegge, -tueggia pron. 283;
291,11; 478 (2 mal) u. anm. 1, 2.
huär(t)ke pron. 239, 1, a.
huarvetna adv. 65; 82,8; ^4.
huärz konj. 'ob' 473, anm. 2.
huass adj. 63,15; 171, anm. 2; 320;
339,1; 427 u. 2; 437.
huassu (anorw.) adv. 272,3.
huat pron. 65; 248; 319,4; 340;
473; 474,1 u. anm.l; 477 u. 1.
huata swv. 281.
huäta stv. 171 u. anm. 2 ; 505, 1 u.
anm. 1, 3.
huatke pron. 239, l,a; 274,1; 477
u. 1.
huatr adj. 171, anm. 2; 320.
huat[t)a swv. 281.
huattr, huettr adj. 428, 2.
huatvetna, -vitna pron. 65; 82,8;
151,2; 477 u. 1.
huaÖ = huat 248.
huaparr pron., s. huärr 123; 474, 2.
huapartuegge pron. 478, anm. 1.
hue pron., part. 474, anm. 1.
huel, huel n. 109; 317, anm. 2.
huela n. 405.
huerfa stv. 63, 17 ; 90 ; 490 u. anm. 3, 4 ;
495, anm. 4.
huerge pron. 258, 1 ; 477 u. 2.
huernog adv. 158; 226.
huerr m. 358.
huerr pron. 86, anm.l; 285,1; 473;
474,1,3 u. anm. 3; 478.
huerskonar, -kunar adv. 61, 1.
huerso adv. 272, 3.
huersog, -ug adv. 158; 226.
huervetna, -vitna adv. 65.
huessa swv. 63, 15; 515.
huessu adv. 272, 3.
huetia swv. 320.
huetvetna, s. huatvetna.
hüfa f. 166.
hufud (anorw.) n. = hpfop.
hugall adj. 173,1 u. anm.l; 428.
Register.
421
hugr m. 61,1; 317,4; 388.
hugsa swv. 317,4.
-Qi)ugp suffix 293,1; 392.3.
hui pron. 474, anm. 1.
huika swv. 498, anm. 8.
hiulft f. 237, anm. 2.
huilikr pron. 473; 474,4 u. anm. 3.
huilmt f. 237, anm. 2.
huilp, -d f. 127, 2; 238, 1, b n. anm. 4.
huimleipr adj. 127, anm. 1.
hu/'na stv. 482 n. anm. 3.
hui r fing 63,17.
huisla swv. 172, 2.
-Au?$ (in namen) 377.
hüka swv. 488, anm. 4; 519, anm. 4.
Hid[m]vipr m. 65.
hüls n. = ÄusZ 313, 4.
htm n. 322, 1.
hu)7iarr m. 61, 1.
Tiun pron., s. hon 151,5; 466.
hunang n. 61, anm. 2.
hundr m. 182,1; 358.
hundrap, -t zahlw. 148; 238, 2, f ;
450; 452, anm.
Hüner, Hünar m. pl. 392, 3.
hungr m. 167; 317, 3, b; 358, anm. 2.
hunsl (misl.) = hüsl 233.
huorfa (misl.) = huerfa 86, anm. 1.
huort (misl.) adv. 86, anm. 1.
huossu (misl.) adv. 86, anm. 1.
huorvetna 82,8; vgl. huarvetna.
hurp f. 391.
hüs n. 63,7; 183,1; 339,2; 361,
anm. 4.
Husar, -er 361, anm. 4.
hüsfreyia, hüsfrü f. 160, anm.; 240,
anm. 6: 310,2; 408,1.
hüsl n. 112, anm.l; (233); 313,4.
hüspreyia, -pr&y f. 240, anm. 6.
hüstrü f. 310,2; 408,1.
hüp f. 322, 1.
-Qi)üp suffix 293, 1 ; 392, 3.
hucergi(n) (anorw.) adv. 158; 311,
anm.
hucerr (anorw.) pron. 478.
hudsa swv. 171; 172,2.
hy n. 322, 1.
hybyle, -bili n. 77,6; 81, c; 114 u.
anm. 1 ; 166, anm. 2.
hye m. 405.
hyggia swv. 114; 279,1; 507, anm.;
513,4; 531, anm. 2; 538,3.
hyggiande f. 411.
hylia swv. 531, 2.
hylr m. 389 u. anm. 1.
Hyhipr m. 65.
Hymer m. 371.
Hyner m. pl. 392, 3.
hyra swv. = heyra 99, anm.
hyrr m. 389.
hyrta swv. = hiria 85.
hyröa swv. = hirda 85.
hyröHr m. = hirbHr 85.
Hysingr m. 114.
7ti/ste n. 77,6; 127,5.
hyte m. = Äi'te 85, anm. 1.
hytta swv. => hitta 85, anm. 1.
hyÖing f. 114.
JuEtmall (anorw.) adj. 173, 1 ; vgl.
heimelt.
hceim(f)t (anorw.), s. heipt 237,
anm. 2.
hcelagr (anorw.) adj., s. heilagr (128).
Hcelga f. 77, 7.
hcelgdarland, hcelda- (anorw.) n. 256.
Hcelge, -i m. 91; 297.
hcsll m. 62, anm.l; 135; 175,4.
Hcella (anorw.) 77, 7; 85, anm. 3.
hcdpa (anorw.) stv., s. hialpa 495,
anm. 5.
Hcbn 135.
hcengat (anorw.) adv. 162, anm.
h&ra f. 154.
Hdbrekr m. 65.
Hoerlogr, -ugr (anorw.) m. 152,2.
harr adj. 424, anm. 2.
hcetta f. 77,7.
hcttta swv. 327, 3, b; 321.
hcettr adj. 439.
hctdtng (anorw.) f. 173,3.
Hä(i)ngr m. 135.
hefa swv. 170, anm. 1.
hefut n. = hpfop 238, anm. 12.
hegeldekirkia (anorw.) f. 254, anm.
422
Register.
hegende n. 64; 173,2; 539, anm. 3;
vgl. Jwginde.
Jieggua (anorw.) stv. 503, anm. 1;
530, anm. 5.
Jiegia swv. 539, anm. 2, 3.
Jwginde n. 173,2; vgl. liegende,
hegr adj. 170; 424, anm. 2; 431;
439, anm. 2.
hegre adj. komp. 441, anm.
He{i)ngr m. 135.
Mkia f. 170.
Helga (anorw.) f. 77,7.
Helge m. = Helge 77, 7 ; 85, anm. 3.
helzti adv. 85, anm. 3.
Jwna f. 170.
Hengr m. 135.
Jwns(n) n. pl. 170; 299,4; 361.
Heruer m. 65; 82,6.
Jwsn n. pl., s. Jiensin).
Hesuer m. 65; 82,6.
heta swv. 171 u. anm. 2.
heb (anorw.) f. 98,2.
* präp. 50,3; 110, anm. 2; 122; 299,5.
iä swv. 498, anm. 8 ; 520.
iä adv. 196, 3; 231, anm. 1.
idenn adj. (part.) 498, anm. 8.
iafarr m. 359, anm. 1.
iafn- präfix 51, 1, a.
iafn adj. 88; 237,2; 427 u. 2 u.
anm. 1.
iafnan adv. 95, 3, a.
iafur (anorw.) m. 77, 9.
iaga swv. 231, anm. 1.
iak pron., s. ek 94; 464.
iaJce m. 95, anm. 5.
Iäkob(r) m. 247; 358, anm. 1.
iall m. = iarl 272, 1.
ialmr, ialfr m. 237, anm. 2.
iam{m)ikit (anorw.) adj. 285,3.
iamn adj. = iafn 237,2; 291,9.
iam(n)vaä (anorw.) adv. 237,2.
Iam(p)taland 308.
Iamtar, Iamtr m. pl. 414.
iara f. 88; 95, 3, b.
iargtegn n., s. iartei(g)n.
iarknasteinn m. 291, 6.
iarl m. 272,1; 277,3; 291,7; 358,
anm. 4 ; 359, 2.
iarlegr adj. 291, 3.
tarn, iärn n. 127, 1 ; 133, b, 2.
iartei(g)n, -teilen, -tegn, -tign n.
291,6,9; 293,3; 317, 3, a; 318,5.
iarögröenn adj. 95, 1.
iata f. 88; 91; 95, 3, b.
Iatmundr m. 93, anm.
iät(t)a swv. 267, anm. 1 ; 519, anm. 6.
iättyrpe n. 110,3; 124,1.
iaparr m. 88; 93, anm.; 95, 3, b;
173,5; 359.
iaxl 88.
jeg (nisl.) pron. = ek 464, anm. 2.
iek (anorw.) pron. = ek 464, anm. 2.
Jesus m. 126, anm. 3.
ieta stv. = eta 498, anm. 1.
ifa swv. 85, anm. 1.
Ifarr m. 83; 111, 2; 134, a; 317, 3, b.
i fiorp adv. 89 (2 mal).
ifir präp. 147.
ifrinn (anorw.) adj. 114; 235,2; vgl.
yfrenn.
i furstonne adv. 438, anm. 1.
-ig- suffix 173, 4.
i gegn{om) präp. adv. 425, anm. 2;
428, anm. 1.
i giär, i g&r adv. 71,2; 72; 196,
anm. ; 263, anm. 1.
ikki pron. 127, anm. 1; vgl. enge,
il f. 382.
-il- suffix 173, 1 u. anm. 1.
illa adv. 443.
illgrese n. 372.
illr, illr adj. 127,2; 277, 4, a; 440
(u. anm. 2).
Hinge m. 294.
illvirke m. 403.
Ilmr f. 384.
-ils (in namen) 358.
ilstre n. 92; 317,4.
(i) millem präp. 425, anm. 4.
imiss, i- adj., s. ymiss 114; 428.
i mipel präp. 425, anm. 2.
in adv. 'noch', s. enn 149, anm. 1.
-in- suffix 173, anm. 3.
Register.
423
-ind- suffix 51, 2, b; 173, 2 u. anm. 2.
-inde f. 411.
Indripe m., s. Eindripe.
-ing- sufnx 51, l,b; 51, 2, b; 146,
anm. 2; 173,3; 376 (2mal) u.
anm. 2; 461.
-inge m. 403.
Ingebiorg f. 93 ; 160, anm. ; 293, anm. 2 ;
295, anm. 3; 374.
Ingemarr m. 64; 151,1; 153,3.
inginn (anorw.) pron. 127, anm. 1 ;
476, anm. 1 ; vgl. enge.
Inguarr m. 84; 134, a; 317, 3, b.
Ingue m. 84.
Inguildr f. 294.
inn best. art. = enn 149, anm. 1;
468; 471; 472.
inn adv. 441; 442,3.
•Am part. prät. 428 u. (4), 5.
inna swv. 517.
innifli n., s. innyfle 147.
innre adj. komp. 261; 441.
innyfle, -ylfe n. 64; 147; 313, 1: 425,
anm. 2.
inztr adj. sup. 441.
16 an m. 256.
löarr m. 256.
iod(d)is f. 223, anm. 1.
ioforr m. 77,9; 89; 95, 3, b; 235,2;
359, anm. 1.
Iöfripr f. 384.
log an m. 256.
Iögar (anorw.) m. 256.
Ioltan m. 256.
iokoU m. 89; 231; 279,3.
iöl n. pl. 100; 231.
iolfopr, lol- m. 397 u. anm. 1.
Iölfr m. 106, anm. 1; 130.
Iö(f)mundr m. 297.
iolstr m. 92; 317,4.
iomfrü, ionfrü (anorw.) f. 264; 291,
anm. 1.
Ion m. 359, 2.
I6(o)lfr m. 130.
Iör- (in namen) 235, 2.
iör m. 106, anm. 1; 223, anm. 1; 360
n. anm. 3, 5.
Iöris (anorw.) 235, 1, f.
iorp f. 70,3; 89; 93; 95,1 u. 3,a;
160, anm.; 292; 376; 391 u. anm. 2.
Iorpön, (-an) 116.
Iorundr m. 89; 148.
Iörvik 235, 2.
Iösef, Ioseppr m. 240, anm. 7 ; 358,
anm. 1.
iostr m. 396.
iotonn m. 89; 95, 3, b; 359.
ioporr m., s. iaparr.
IoQ)fe m. 297.
igrue m. 82,7.
-t'sZ (in namen) 229, anm.; 313, 4; 358.
ismätt, -ött f. 112,2 u. anm. 3.
Israel m. 358, anm. 1, 3.
In m. 127,2; 179,1; 358,1.
it pron. pers. 248; 464 u. anm. 5;
465, anm. 5: 531,4, a.
ip pron., s. it 248; 464.
ip f. 165.
idarr (anorw.) pron. = yp{u)arr
467, 3.
Ipe m. 403.
ipia f. 165.
ipia swv. 510.
■ipr part. prät. 428 u. 2.
iprar f. pl. 375.
ipre adj. komp. 261 (2 mal); 441.
ipr ött f. 116; 221, anm.l; 285,3;
392,3.
Ipunn f. 277, 4, b; 384.
ipu(r)legr adj. 308, anm.
ipvandr, if>- adj. 127, 2.
iügr n. 100; 259; 292.
twJ n. pl. 100.
iungfru, iank-, tum- f. 231, anm.l;
246,1; 264; 408,1.
iür n., s. iügr.
kafna swv., s. kuafna.
Kägastaöum (anorw.) 263, anm. 3.
kagge m. 318, anm. 3.
kaggr m. 318, anm. 3.
kakke m. 318, anm. 3.
kala stv. 170, anm. 2; 500; 540,