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Anleitung 



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Analyse organischer Körper. 






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Dr. 3uftu0 Ci^big, 



ordentlicliem Professor der Chenlie ao der Universität an Giefsen, 

Ritter des Grofsherzogl. Hessischen Ludwigs- Ordens, Ehrenmitgliede 

der Royal - Society in Dublin, corresp. Mitgliede der Akademie der 

Wissenscbaften m Berlin und S\. Petersburg etc. etc. etc. 



Brauiischweig, 

D3i?.cfe und Verlag von Friedrich \ie\veg und Sohn. 

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In V C r D 1 II U U II g; m 1 1 ijn c xi I c 

herausgegeben 



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ehrten 



Dr. 3u6tu0 Ctebtg und Dr. 3. C jpojggenirorff, 

Professoren an den Universitäten in Giefsen und Berlin. 



In fünf Bänden. 



Dritte Lieferung, 

die Artikel von »Ammoniakharz« bis „Aräometer« enthaltend. 



Lex. 8°. mit 3 Kupfertafeln. 



Pränumerations-Preis für die bis zur Ostermesse 1837 eingegangenen 

Bestellungen, 16 Ggr. 
Subscriptions -Preis, welcher nur bis zur Vollendung des ersten 

Bandes besteht, 20 Ggr. 

Braunschweig, den 1. September 1837. 



Frledr. Vieweg & Sohn. 



Anleitung ^ 



zur 



Analyse organischer Körper. 



Von 



Dr. 3uftu6 Ciebig, 

ordentlichem Professor der Chemie an der Universität zu Giefsen, 

Ritter des Grofsherzogl. Hessischen Ludwigs-Ordens, Ehrenmitgliede 

der Royal -Society in Dublin, corresp. Mitgliede der Akademie der 

Wissenschaften in Berlin und St. Petersburg etc. etc. etc. 



Braunschweig, 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 



1837 



Q5> 
L57 Vorrede. 

9^ 



f^ffsS^^ 



Viele meiner Freunde, bekannt mit der Bearbeitung 
des Artikels »Organische Analyse« in dem Hand- 
wörterbuch der Chemie, ersuchten mich, zum speciel- 
len Gebrauch für sich und ihre Eleven in den Labo- 
ratorien, um besondere Abdrücke desselben. Diese 
W^ünsche h'auften sich in dem Grade, dass ich den 
Herrn Verleger veranlasste, eine besondere Ausgabe 
desselben zu veranstalten, so dass sowohl die, welche 
das Wörterbuch besitzen, als auch andere, die sich 
lediglich mit dem allgemein gebräuchlichsten Verfah- 
ren der organischen Analyse bekannt machen wollen, 
Gelegenheit haben, sich in den Besitz desselben zu 
setzen. 

Ich habe dem besondern Abdruck, um seinen 
Gebrauch noch nützlicher und bequemer zn machen, 
eine mit möglichster Genauigkeit berechnete Tafel 
beigefügt, wodurch alle nur vorkommenden Rechnun- 
gen auf die schnellste und leichteste Weise ausge- 
führt werden können. 

Giefsen, im März 1837. 

Dr. Justus Lieb lg. 



-L'ie Analjse organischer Substanzen hat den Zweck, die Ele- 
mente derselben ihrer Natur und Menge nach zu bestimmen; 
sie macht einen der wichtigsten Theile der analjtischen Chemie 
aus. Der Weg, den man einschlug, um sich in früheren Zeiten 
eine Vorstellung über die chemische Zusammensetzung orga- 
nischer Körper zu verschaffen, hat mit der jetzigen Analjse 
nicht die geringste Aehnlichkeit, Man unterwarf diese Körper 
der trocknen Destillation, und aus den Producten, die man er- 
hielt, schloss man auf die Verschiedenheit in ihrer Zusammen- 
setzung. 

Erst seit den letzten 30 Jahren ist dieser Theil der Che- 
mie nach wissenschaftlichen Grundsätzen vervollkommnet wor- 
den, und alle neueren Methoden weichen nur in der Ausfüh- 
rung dieser Grundsätze von einander ab. 

Um die Verhältnisse der Bestandtheile in einer organischen 
Verbindung auszumstteln, scheint der einfachste Weg der zu 
sejn, dass man die Elemente einzeln zu erhalten sucht; es ist 
aber klar, dass, wenn uns, statt der einzelnen Elemente, Ver- 
bindungen derselben mit anderen von bekannter Zusammense- 
tzung gegeben werden , dass sich daraus mit derselben Gewiss- 
heit ihre Menge bestimmen lässt. 

Die meisten Pflanzensubstanzen enthalten Kohlenstoff, Was- 
serstoff, Sauerstoff; ein kleinerer Theil enthält aufserdem noch 
Stickstoff. Von diesen 4 einfachen Substanzen lässt sich, aufser 
dem Stickstoff, kein einziger im Zustande der Reinheit aus den 
organischen Verbindungen darstellen; wenn aber aller Kohlen- 
stoff in Kohlensäure , aller Wasserstoff in Wasser verwandelt 
wird, so lässt sich aus der Quantität der Kohlensäure und der 

1 



des Wassers die Menge des Kohlenstoffs und Wasserstoffs mit 
der gröfsten Schärfe berechnen. Selbst in dem Falle, wenn 
die Elemente der organischen Substanzen rein abgeschieden 
und dargestellt werden könnten, würde man in der Analjse, 
der gröfseren Genauigkeit halber, der jetzt gebräuchlichen Me- 
thode den Vorzug einräumen müssen. 

Das Mittel, welches angewendet wird, um zu einer genauen 
Kenntniss der Zusammensetzung einer organischen Verbindung 
zu gelangen, besteht also in der Verwandlung eines bekannten 
Gewichts derselben in Kohlensäure und Wasser, und die Voll- 
kommenheit der Analjse hängt losofern lediglich von dem Ap- 
parate ab, als er erlauben muss, diese Producte ohne Verlust 
sammeln und ihr Gewicht bestimmen zu können. Bei Kör- 
pern, welche Stickstoff enthalten, wird dieser Bestandtheil im 
Zustande der Reinheit abgeschieden, und der Sauerstoff wird 
stets auf indirectem Wege ausgemittelt. 

Gaj-Lussac und Thenard, die ersten Begründer der 
organischen Analjse, wandtea zur Verbrennung der organischen 
Körper das chlorsaure Kali an. Die Substanz wurde damit ge- 
mengt, in Kügelchen geformt und in kleineren Portionen in 
eine aufrecht stehende glühende Glasröhre getragen. Die Gase, 
welche sich durchs Verbrennen entwickelten, wurden durch 
eine Seitenröhre unter einer Glocke über Quecksilber aufge- 
fangen. 

Alles Gas wurde genau gemessen, und nach der Correction 
des Barometer- und Thermometerstandes mit Aetzkali in Be- 
rührung gebracht. Nach der Absorption der Kohlensäure blieb 
entweder reines Sauerstoffgas oder ein Gemenge desselben mit 
Stickgas zurück. Die relative Menge des letzteren wurde durch 
das Eudiometer ausgemittelt. Mit der Kenntniss der Gewichte 
der Substanz, des chlorsauren Kali's , der Menge der gebilde- 
ten Kohlensäure und des zurückbleibenden unveränderten Sauer- 
sloffgases hatte man alle Data, um die Zusammensetzung des 
Körpers zu berechnen. Was von dem Sauerstoff des chlorsau- 
ren Kali's in den Gasen fehlte, musste mit dem Wasserstoff des 
Körpers Wasser gebildet haben. 

DSI 



DerÄpparat von Gaj-Lussac und Thenard hatte kei- 
nen andern Fehler, als dass er die Genauigkeit der Piesultate 
zu sehr von der Geschicklichkeit des Experimentators abhängig 
machte. Die Anaijse stickstoffhaltiger Körper mit Hülfe des 
chlorsauren Kali's wurde, der Bildung von salpetriger Säure wie- 
gen, wenig genau , und es war unmöglich, damit einen flüssi- 
gen oder einen flüchtigen Körper zu analjsiren. 

B er zelius bemühte sich mit Erfolg, durch Anwendung 
horizontal liegender Verbrennungsröhren und durch Aufsamm- 
lung des gebildeten Wassers, diese Methode bequemer für die 
Ausführung und unabhängiger von den vielen Rechnungen zu 
machen. Er wandte das chlorsaure Kali gemengt mit einer gro- 
fsen Menge Kochsalz an, wodurch die Verbrennung verlang- 
samt und zu gleicher Zeit der Vortheil erreicht wurde , dass 
die ganze Menge des zu verbrennenden Körpers gleich anfangs 
in die Verbrennungsröhre eingefüllt werden konnte. 

Diese Apparate, welche nur für eine gewisse und sehr 
kleine Reihe von Körpern anwendbar waren, erhielten durch 
die Anwendung des Kupferoxjds, anstatt des chlorsauren Kali's, 
welche Gaj-Lussac zuerst vorschlug und bei der Verbren- 
nung der Harnsäure anwandte, eine grofse und sehr wesent- 
liche Vebesserung. Bis jetzt sind seine Vorzüge vor dem chlor- 
saurem Kali so anerkannt, dass die Anwendung des Letzteren 
gänzlich aufser Gebrauch gekommen ist. Neben dem Kupfer- 
oxjd wendet man ferner zur Verbrennung mancher sehr koh- 
lenreicher Materien das chromsaure Bleioxjd an. 

Saussure und Prout haben Beide zur Analjse organi- 
scher Körper Apparate beschrieben, welche von dem ursprüng- 
lichen von Gaj-Lussac und Thenard nur in der Form 
und in der Substitution des Sauerstoffgases und Kupferoxjdes, 
anstatt des chlorsauren Kali's, abweichen. 

Der Apparat von Prout ist so eingerichtet, dass man die 
zu analjsirende Substanz entweder für sich oder gemengt in 
einem gemessenen Volum Sauerstoff verbrennt und das Volumen 
dieses Gases nach der Verbrennung mit dem ursprünglichen 
vergleicht; er stützt sich auf die Erfahrung, dass, wenn Koh- 

1* 



_4 

leiisloff in Sauerstoffgas verbrannt wird, die gebildete Kohlen- 
säure genau den Raum des verzehrten Sauerstoffgases einnimnii, 
und mithin sein Volum nicht ändert; dass , wenn Wasserstoff 
sich mit Sauerstoff vereinigt, für jedes Volum Wasserstoff 
Ya Volum Sauerstoff bei der Verdichtung des gebildeten Wal- 
sers verschwindet. 

Wenn mithin der zu verbrennende Körper aus Kohlenstoff, 
Wasserstoff und Sauerstoff besteht, so können nur drei Fäle 
stattfinden. Entweder das ursprüngliche Volum des Sauerstoffs 
bleibt nach der Verbrennung ungeändert, und in diesem ent- 
hielt der verbrannte Körper Sauerstoff und Wasserstoff in dem 
Verhältniss, wo sie Wasser bilden, oder das Volum des Sauer- 
stoffs nimmt ab, oder es vergröfsert sich; in den beiden letzte- 
ren Fällen war entweder in der Substanz mehr Wasserstoff, 
und mithin weniger Sauerstoff, enthalten, als nöthig gewe- 
sen wäre, um damit Wasser zu bilden, oder es war weniger 
Wasserstoff, und mithin mehr Sauerstoff, vorhanden. Die Quan- 
tität, um welche das ursprüngliche Volum des Sauerstoffgases 
ab- oder zugenommen hatte, konnte genau gemessen wer- 
den, und mit dem Volum der erzeugten Kohlensäure war es 
leicht, die Zusammensetzung der Substanz in Zahlen auszudrücken. 

Für stickstotfhaltige Substanzen und für die Analjse einer 
Menge anderer Körper war dieser Apparat aber nicht anwend- 
bar. Nach einem ähnlichen Princip ist neuerdings ein Apparat 
von B runner construirt worden. Alle diese Apparate sind 
ausschllefslich nur von ihren Erfindern in Anwendung gekom- 
men, und da sie keine Vorzüge vor den allgemein gebräuchli- 
chen gewähren, so würde es überflüssig sejn, sie hier ausfühi - 
lieh zu beschreiben. 

A 11 g^e meines Verfahren. 

Wir wollen in dem Folgenden die Apparate und Verfah- 
rungsweisen beschreiben, welche in dem gegenwärtigen Augen- 
blicke von der Mehrzahl der Chemiker zur organischen Analjse 
angewendet werden. Es ist hier der Ort, einige allgemeine Be- 



merbingen über die Operationen bei der organischen Analyse 
vorauszuschicken . 

Man v/ird bemerken, dass alle Apparate, welche zu diesem 
Zwecke angewendet werden, sehr einfach sind und zu ihrer 
Handhabung keine besondere Geschicklichkeit voraussetzen; die 
Haupterfordernisse zur Ausführung einer guten Analjse sind: 
die gröfste Genauigkeit im AbAvägen der Apparate, und die 
strengste Gewissenhaftigkeit In der Ausführung aller Vorberei- 
hingsarbelten. Man schmeichle sich nicht, zu einem genauen 
PiCsullate zn gelangen, wenn irgend etwas versäumt worden 
ij:t, was es sichern kann; alle sonst auf die Arbeit verwandte 
Mühe und Zeit sind verloren, wenn man eine der angegebenen 
Vorsichtsmafsregeln auszuführen unterlässt. 

Es Ist klar , dass man einen vorgesetzten Zweck auf ver- 
schiedenen Wegen erreichen kann, und dass die Mittel, welche 
in dem Folgenden angegeben v\^erden, einer Vervollkommnung 
wohl fähig sind; allein alle sogenannten Verbesserungen und 
Vervollkommnungen, welche bis jetzt vorgeschlagen wurden, 
beweisen nur die Unbekanntschaft mit dem allgemeinsten Prin- 
dp von dem, was man eine Methode nennt. 

Jeder Chemiker wird, wenn er sich einige Erfahrung in 
der organischen Analjse verschafft hat, die beschriebenen Ap- 
parate In besonderen Fällen nach seiner Einsicht verändern und 
sie seinem Zwecke anpassen können; aber man geht zu weit, 
wenn man diese Abweichung In einem speclellen Falle als eine 
Verbesserung des Ganges in Allgemeinen ansehen und empfeh- 
len würde. 

In der Natur des menschlichen Geistes liegt an und für 
sich das Streben nach Vervollkommnung; daher die Bemühun- 
gen, das Vorhandene zu verbessern und neue Wege zu finden, 
ein vorgesetztes Ziel zu erreichen. Man begeht hier meistens 
einen ganz allgemeinen Fehler, nämlich man versäumt, die 
Brauchbarkelt der bekannten Mittel auf die Probe zustellen oder 
sich damit bekannt zu machen ; man weicht von vorn herein 
von dem gewöhnlichen Wege ab, und wenn die Bemühungen 
mit Erfolg gekrönt sind, so übersieht die Befriedigung des Er- 



findungsgeistes die Umwege und die Schwierigkeiten, welche 
zu überwinden waren, und denen man auf dem gebahnten 
Wege nicht begegnet wäre. 

Wir haken uns In dem Folgenden an die Regel von Ber- 
zellus, dem erfahrensten Chemiker unserer und wahrschein- 
lich aller Zelten, und wir ziehen unter zwei gleich guten Ver- 
fahrängswelsen die einfache der oompllcirten vor. 

Die erste Aufgabe, welche man bei der Ausführung der 
organischen Analjse zu lösen hat, Ist, dass man sich die zu 
analjsirende Substanz in dem höchsten Grade der Reinheit 
zu verschaffen sucht; kein Mittel darf vernachlässigt werden, 
um sich über die Abwesenheit fremder Stoffe zu yergewlssern. 

Vorausgesetzt, dass die Materie rein sey^ Lat man, als 
eine Quelle der Unsicherheit in den Resultaten der Analjse ued 
der Ursache der Differenzen mehrerer Operationen, die Schwie- 
rigkeit zu beachten, das Gewicht des zu analjslrenden Körpers 
mit Genauigkeit zu bestimmen. Alle organischen Substanzen 
ziehen mit grofser Begierde Wasser aus der Luft an, und ihr 
Gewicht wird hierdurch vermehrt; sie müssen von aller hygro- 
skopischen Feuchtigkeit befreit und auf eine Art gewogen wer- 
den, dass eine Anziehung von Feuchtigkeit in der Zeit, wo sie 
auf der Wage liegen, nicht leicht möglich Ist. 

Wenn man erwägt, dass ein Wassergehalt von 5 — 6 
Milligrammen gleichbedeutend ist einem Verlust von 10—12 
Milligrammen Kohlensäure , so wird man sicher auf eine rich- 
tige Gewichtsbestimmung der Substanz alle Aufmerksamkeit ver- 
wenden. 

Man kann diesen Zweck auf verschiedene Weise erreichen- 
Der folgende Apparat gewährt In dieser Hinsicht vollkommene 
Sicherheit; er besteht in der Röhre ^ Fig. 1, Taf. I.; der untere 
weitere Theil hat etwa % 2i0ll Im Durchmesser; die Röhren 
a und b sind Barometerröhren, die eine von 2, die andere 
von 3 Linien im Durchmesser. Durch die weite Röhre h 
schüttet man die Substanz hinein, man verbindet diese vermit- 
telst eines Korkstöpsels mit der Ghlorcalclumröhre c , und die 
Seitenröhre a mit der Röhre d Flg. 2. Die Röhre e ist ein ge- 



wohnlicher Heber. Die Rohre d ist etwa einen Zoll kürzer, 
als das äufsere Rohr oc des Hebers. 

Man weifs, dass bei dieser Einrichtung ein vollkommen 
gleichförmiger Ausfluss des Wassers hervorgebracht wird, und 
da die Luft, welche das ausfliefsende Wasser ersetzt, aus der 
Oeffnung der Röhre d in die Flasche tritt, so sieht man sogleich, 
ob alle Verbindungen vollkommen schllefsen. 

Die dreihalsige Flasche ist mit Wasser gefüllt; man sieht 
leicht, dass, wenn das Wasser zum Ausfliefsen gebracht wor- 
den, ein beständiger Strom von trockner Luft alle Feuchtig- 
keit aus der Substanz vollkommen entfernt. 

Der horizontale Theil der Trockenröhre sitzt in einem 
Sandbade, Wasserbade, Ghlorcalciumbade etc., je nach der 
Temperatur, welcher man die Materie aussetzen will. Will man 
den Wassergehalt bestimmen, so wird der Apparat A zuerst 
leer, sodann mit der Substanz gewogen ; er wird sodann in das 
Wasserbad, Chlorcalciumbad etc. gesetzt, und man lä'sst so 
lange Luft hindurchgehen, als sich noch Wasser in der Röhre 
d verdichtet. Indem man nun von Zeit zu Zeit den Apparat A 
auf die Wage bringt, sieht man, ob sich sein Gewicht noch 
vermindert; sobald sein Gewicht sich nicht mehr ändert, schüt- 
tet man eine kleine Quantität der Materie aus dem Apparate 
A in eine lange, vollkommen trockne Probirröhre, Fig. 3, und 
setzt diese vermittelst einer Spirituslampe oder in einem Sand- 
bade einer höheren Temperatur aus , natürlich nur einem sol- 
chen Hitzegrade, bei welchem sie noch keine Zersetzung er- 
fährt. Bemerkt man in diesem Falle in der ProbirrÖhre nicht 
den mindesten Beschlag von Wasser, so ist man der völligen 
Trockenheit der Substanz gewiss; im entgegengesetzten Falle 
muss das gewöhnliche Wasserbad mit einer Kochsalzlösung oder 
Ghlorcalciumlösung verlauscht, und mit dieser Procedur fort- 
gefahren werden. » 

Mitscherlich wendet zum Austrocknen der organischen 
Materien einen ähnlichen Apparat an. Er unterscheidet sich 
von dem beschriebenen nur darin, dass er die Röhre a Fig. 1 
mit einer Handluftpumpe in Verbindung setzt, durch welche er 



' 

fortdauernd Luft durch den Apparat hindurchzieht, bis die Sub- 
stanz trocken ist. Es ist nun äufserst ermüdend, 4 bis 6 Stun- 
den lang unausgesetzt die Luftpumpe in Bewegung zu erhahen, 
und man wird wahrscheinlich zu dieser Einrichlung nur dann 
seine Zuflucht nehmen, wenn man keine dreihalsige Flasche zu 
seiner Verfügung hat. 

Statt der Glasflasche wendet man noch bequemer den 
Fig. 4 gezeichneten Apparat von Blech an ; er fasst etwa 40 
Pfund Wasser. Der Trichter a dient zum Nachfüllen des aus- 
geflossenen Wassers. Die mittlere Oeffnung b ist mit einem 
Korkstöpsel verschlossen: sie dient dazu, um der Luft bei dem 
Nachfüllen des Wassers Ausgang zu verschaffen. Den Aus- 
fluss des Wassers regulirt man durch die Stellung des Hahns, 

Substanzen, welche das Wasser mit äufserster Hartnäckig- 
keit zurückhalten , trocknet man im luftleeren Räume , unter- 
stützt durch eine steigende Temperatur. Fig 5 zeigt diese 
Einrichtung, yi Ist eine kleine Handluftpumpe, B ein Chlor- 
calciumrohr, C eine cjlindrische, starke Röhre, welche die aus- 
zutrocknende Substanz enthält ; man setzt diese in ein eisernes 
oder kupfernes Gefäfs mit einer concentrirten Auflösung von 
Chlorzink, erhitzt es darin bis nahe an die Temperatur, bei 
welcher die Materie zersetzt wird. Nachdem man die feuchte 
Luft durch die Luftpumpe entfernt hat, lässt man von Zeit 
zu Zeit durch Oeffnung des Hahns a wieder Luft in den Appa- 
rat hinein ; diese wird bei ihrem Durchzuge durch das Chlorcal- 
ciumrohr jedesmal von aller hjgroskopischen Feuchtigkeit be- 
freit, und in ganz kurzer Zeit, meistens in einigen Minuten, 
erreicht man mit Hülfe dieser Einrichtung die völlige Entfer- 
nung alles hjgroskopischen oder gebundenen W^assers. 

W^enn die Substanz trocken ist, so muss eine gewisse Quan- 
tität davon zur Analjse abgewogen werden. Am besten ge- 
schieht dies in einer offnen kleinen cjlindrischen, engen Röhre; 
sie ist Fig. 6 m natürlicher Gröfse abgebildet. Man kann diese 
Röhre horizontal auf die Wage legen , oder in ein konisch zu- 
sammengerolltes Röhrchen von Blech stellen, dessen weite Oeff- 
nung auf die Wagschale gestellt wird; auch ist ein Fufs von 



9 



Blech Fig. 6, Taf. II , sehr bequem. Man nimmt ihr Gewicht, 
bringt eine gewisse Quantität der Substanz hinein und wiegt 
wieder; die Gewichtszunahme drückt das Gewicht der Sub- 
stanz aus. 

Man kann auch die Röhre der Substanz mit auf der Wage 
tariren, die Röhre nachher entleeren und sie darauf mit dem, 
was hängen geblieben ist, zurückwiegen; man legt sie auf die 
Wage und bringt so viel Gewicht hinzu , bis das Gleichge- 
wicht wieder hervorgebracht ist. 

Man muss im Allgemeinen alles Wiegen in einem Uhrglase 
oder in einem offenen weiten Gefäfse vermeiden. Während 
der kurzen Zeit, wo die Röhre mit der Substanz auf der Wage 
Uegt, kann , ihrer Form halber, kein bemerklicher F.uftwechsel 
stattfinden, und auch bei sehr hjgroskopischen Substanzen än- 
dert sich in dieser einfachen Vorrichtung während einer hal- 
ben Stunde ihr Gewicht nicht. 

Man hat nun jetzt ein bestimmtes Gewicht der Substanz; 
um den Kohlenstoff- und Wasserstoffgehalt derselben auszumit- 
teln, muss man den Kohlenstoff in Kohlensäure, den Wasserstoff 
in Wasser verwandeln. Das Gewicht Beider muss bestimmt 
werden. 

Im Allgemeinen wird die Substanz, wenn sie trocken und 
pulverförmig ist, mit Kupferoxjd gemengt; die Mischung wird 
in einer Glasröhre mit glühenden Kohlen umgeben. Die Ver- 
brennungsröhre ist 15 — 18 Zoll lang, hat 4 — 5 Linien 
im Durchmesser , der hintere verschlossene Theil ist in eine 
Spitze ausgezogen, welche nach aufwärts gerichtet und verschlos- 
sen ist. 

Bei der Mengung der Substanz mit Kupferoxjd ziehen 
Beide aus der Luft Wasser an; dieses Wasser würde das Gewicht 
des durch die Verbrennung gebildeten vermehren ; es muss aufs 
Sorgfältigste und Genaueste vor der Verbrennung wieder ent- 
fernt werden. 

Dies geschieht am einfachsten durch die Vorrichtung, welche 
so eben beschrieben worden ist, um das Wasser aus der Sub 
stanz bei einer höheren Temperatur, unterstützt durch einen- 



10 

verminderten Luftdruck, zu entfernen. Fig. 7 zeigt diese Vor- 
richtung. A ist die Luftpumpe, B das Chlorcalciumrohr, C die 
mit der Mischung gefüllte Verbrennungsröhre; sie liegt in einem 
Bett von Holz D und wird mit 120° heifsem Sande umgeben. 
Vor dem Auspumpen der Luft wird die Röhre mit der Mischung 
flach auf einen Tisch mehrmals aufgeklopft, so dass sich über 
der Mischung ein sichtbarer leerer Raum bildet; wird es ver- 
säumt, der Luft bei dem Auspumpen Raum zum Entweichen zu 
geben, so begiebt sich die Mischung, sobald die Luftpumpe in 
Bewegung gesetzt wird, in die Chlorcalciumröhre. Indem man 
nun in der Verbrennungsröhre einen luftleeren Raum hervor- 
bringt, und von Zeit zu Zeit wieder durch Oeffnen des Hahos 
a trockne Luft einströmen lä'sst, ist nach 10 — 12maligem Aus- 
pumpen an der Stelle h der Chlorcalciumröhre kein Anflug von 
Feuchtigkeit mehr zu bemerken, selbst wenn diese Stelle durch 
Umgeben mit Baumwolle , auf welche man etwas Aether schüt- 
tet, stark abgekühltwird, und dieMischung ist als trocken zu be- 
trachten. 

Die Mischung der Substanz mit reinem Kupferoxjd ge- 
schieht in einem reinen und warmen Porzellanmörser ; je sorg- 
fältiger die Substanz vertheilt und mit dem Kupferoxjd gemengt 
wird, desto leichter, vollkommener und schneller geht ihre Ver- 
brennung von Statten. 

Mitscherlich lässt die Verbrennungsröhre an der Spitze 
offen, füllt sie zu % ihrer Länge mit Kupferoxjd, verbindet die 
offene Spitze oder die weite Oeffnung mit einem Chlorcalcium- 
röhre, mit deren anderem Ende ein Blasbalg verbunden ist, er- 
hitzt das Kupferoxjd bis zum schwachen Glühen, und treibt 
nun vermittelst des Blasbalges trockne Luft über das heifse 
Oxjd ; die Spitze wird nun zugeschmolzen , er tarirt alsdann 
die mit Kupferoxjd gefüllte Verbrennungsröhre , und schüt- 
tet die trockne Substanz hinein. Die Gewichtszunahme giebt 
ihre Quantität. 

Er mischt sie nun auf folgende Weise mit dem Kupfer- * 
oxjd: er biegt einen Kupferdraht an dem einen Ende in die 
Form eines Korkziehers , schraubt diesen Theil bis zur halben • 



11 

Oxjdschicht in die Rohre , und führt ihn auf und nieder , bis 
man die Mischung für innig genug hält. 

Diese Verfahrungsart ist unbequemer und umständlicher, 
als die beschriebene. Indem sich ferner bei einer Belastung der 
Wage von 120 bis 140 Grammen durch die Verbrennungs- 
röhre das Gewicht der Substanz nicht bis zu y^ Milligramm ge- 
nau bestimmen lässt, ist sie unsicher. Eine vollkommene Mi- 
schung lässt sich ferner mit einem Korkzieher nicht bewerkstel- 
ligen. Man kann sich davon leicht überzeugen, wenn man et- 
was Stärke mit Kupferoxjd nach dieser Methode recht innig 
mischt, und die Mischung nachher in einem reinen Mörser 
mit der Pistille platt drückt; man erkennt alsdann an einer 
Menge runder, weifser Stellen die ungemischte oder zusam- 
mengeballte Stärke, deren innerer Theü nur verkohlen, aber 
nicht verbrennen kann. Berzelius empfiehlt die beschriebene 
Trocknungsmethode für den Fall , wo man keine Luftpumpe zu 
seiner Verfügung hat; es ist aber alsdann besser, sich mit der 
organischen Analjse überhaupt nicht zu beschäftigen. 

Das durcb die Verbrennung gebildete Wasser wird in der 
Röhre Fig. 8 aufgefangen; sie ist mit geschmolzenem Chlorcal- 
cium, in der Kugel mit groben Stücken, in der langen Röhre 
mit grobem Pulver angefüllt ; vor die beiden Oeffnungen dieser 
Röhre bei a u. b wird etwas Baumwolle eingelegt, um das 
Herausfallen kleiner Stückchen Chlorcalciums zu verhindern. 
Die Röhre b wird vermittelst eines Korkes genau eingepasst, 
der Kork am Rande des Glases scharf abgeschnitten und mit 
gescbmolzenem Siegellack überzogen, um alles Anhängen von 
Staub zu vermeiden. Das Gewicht der Röhre ist bekannt, ihre 
Gew^ichtszunahme nach der Verbrennung giebt die Menge des 
gebildeten Wassers, 

Die Chlorcalciumröhre wird vermittelst eines Korkstöpsels 
mit der Verbrennungsröhre in Verbindung gebracht, wie Fig. 9 
Jj^eigt. Der Korkstöpsel wird mit einer feinen Feile oder mit 
Mohr's Korkbohrer (siehe Korkbohrer) durchstofsen und 
die Oeffnung durch Nachfeilen passend gemacht, vermittelst ei- 
nes sehr scharfen Messers wird er für die Oeffnung der Ver- 



12 

brennungsrÖhre zugerichtet; man giebt ihm am besten eine cj- 
lindrische oder eine etwas konische Form, dies richtet sich nach 
der Oeffnung der Röhre. Das Dnrchstofsen eines Korks ver- 
mittelst eines glühenden Drahls muss man vermeiden , indem 
meistens hierdurch der Kork Fehler, kleine Sprünge, bekommt 
und aufgetrieben wird. 

Einige Chemiker geben, nach dem Verfahren von Ber- 
zelius, der Chlorcalciumröhre die Form Fig. 10, Sie ziehen 
die Verbrennungsröhre a in eine Spitze aus, welche sie in die 
Chlorcalciumröhre h hineingehen lassen; die Verbindung beider 
bewirken sie durch eine Kautschuckröhre, welche auf beiden 
Seiten festgebunden wird. Nach der Verbrennung wird die 
Spitze der Verbrennungsröhre bei c abgeschnitten, das Kaut- 
schuckröhrchen, ohne die Spitze aus der Chlorcalciumröhre 
herauszuziehen, entfernt, das Chlorcalciumrohr mit der Spitze 
gewogen, die Spitze hernach herausgenommen, ausgeglüht und 
wieder gewogen ; nachdem man nun das Gewicht der Spitze 
abgezogen hat von dem ersteren Gewicht, erhält man das Ge- 
wicht der Chlorcalciumröhre mit der durch die Aufnahme des 
gebildeten Wassers hervorgebrachten Gewichtszunahme. 

Die durch die Verbrennung gebildete Kohlensäure wird in 
dem Apparate Fig. 11 aufgefangen; er wird mit Kalilauge an- 
gefüllt, und zwar so, dass in jeder Kugel noch eine kleine Luft- 
blase bleibt. Dieser Apparat besteht in einer Glasröhre, in 
welcher 5 Kugeln ausgeblasen sind; er wird auf folgende W^eise 
verfertigt: An eine 4 Linien weite, etwas starke Glasröhre 
von 3 Zoll Länge, a Fig. 12, schweifst man zwei, 2 Linien 
weite, Barometerröhren h h an, schmilzt die Oeffnung der ei- 
nen zu oder verstopft sie mit etwas geschmolzenem Siegellack, 
erweicht nun das eine Ende der dicken Glasröhre a, und 
bläst diesen Theil zu einer Kugel auf; man verfährt auf dieselbe 
Weise mit dem Ende der entgegengesetzten Seite, wie dies an 
Nro. 2 zu sehen ist; nachdem dies geschehen, wird der mitt- 
lere Theil sehr heifs gemacht und zu einer etwas gröfseren Ku- 
gel aufgeblasen, wodurch das Ganze die Gestalt von Nro. 3 
erhält. Nach der Hand löthet man an eine ähnliche enge Ba- 



• 13 

rometerröhre ein etwa zolllanges Stück a einer der Röhre a 
entsprechenden Glasröhre, zieht die eine Oeffnung zu einer 
Spitze aus , schneidet die Spitze bei d ab , und schweifst diese 
Oeffnung mit der Röhre h zusammen (Nro. 5); die letztere 
schneidet man vorher zu einer Länge von 2 Zoll ab. Nachdem 
dies geschehen ist, wird das Stück oc zu einer Kugel aufgebla- 
sen (Nro. 6). Auf die nämliche Art verfährt man mit dem ent- 
gegengesetzten Ende. 

Die eine Kugel kann etwas kleiner sejn, als die andere: 
jedenfalls muss die eine so weit sejn, dass sie etwas mehr Flüs- 
sigkeit fassen kann , wie die mittlere Kugel. Man erhitzt nun 
über einer Spirituslampe die Stellen ßß scharf an der Kugei 
(Nro. 7) , und biegt die beiden Seitenröhren in einem Winkel 
von 45° (s. Fig. 13, //.); über den Kugeln m und n bei oc er- 
halten diese Röhren eine zweite Biegung (s. Fig. 13, B.). Man 
hat hierbei Folgendes zu beachten: Es ist zweckmäfsig, die 
Röhre o, welche die weitere Kugel m trägt, so zu biegen, dass 
ihr horizontaler Theil , mit der Chlorcalciumröhre verbunden, 
dem Operateur zur Linken ist. Nachdem man die Röhren o 
und p bei o. (Fig. 13, B.) erhitzt hat, biegt man sie gleichzeitig 
so , dass beide über einander greifen. Wenn man sich genau 
an die Fig. 1 3, A. und B. hält, kann man die beste Disposition 
nicht verfehlen. Die scharfen Ränder der Röhren o und p wer- 
den an der Lampe glatt geschmolzen. 

Um diesen Apparat mit Kalilauge zu füllen, verbindet man 
das eine Ende mit der Röhre h Fig. 14 vermittelst eines Kork- 
stöpsels, taucht die Oeffnung des Kaliapparates in ein passendes 
Gefäfs mit Kalilauge, und zieht nun mit dem Munde die Flüs- 
sigkeit hinein. Nachdem dies geschehen ist, wird das inwendig 
feuchte Stück der Röhre o mit zusammengedrehtem Löschpa- 
pier vollkommen ausgetrocknet; der reine und trockne Apparat 
wird gewogen und mit der Chlorcalciumröhre vermittelst einer 
Kautschuckröhre verbunden. 

Der Kaliapparat, mit der Lauge gefüllt, wiegt 50 bis 60 
Grm. Bei einer Concentration von 1,25 bis 1,27 schäumt die 
Lauge nicht, und ihre Absorptionsfähigkeit ist alsdann am 



14 

Stärksten. Natronlauge schäumt wie Seifenwasser , und muss 
vermieden werden. 

j^ Die Kauischuckröliren schneidet man sich aus dünnen 
Blättern Kautschuck ; man legt ein Stückchen von ly^ Zoll 
Länge so zusammen, dass dadurch eine Röhre gebildet werden 
kann von der Weite der Barometerröhren , welche mit einan- 
der verbunden werden sollen. Durch einen einzigen Schnitt 
mit einer vollkommen reinen Scheere schneidet man der Länge 
nach etwa eine halbe Linie davon ab, und erhält auf diese 
Weise zwei gleiche Schnittränder , welche mit dem Nagel der 
beiden Daumen zusammengedrückt werden; zuletzt wird das 
fertige Röhrchen mehrmals stark auseinandergezogen. Wenn 
man die frischen Schnittflächen mit dem Finger berührt^ so 
haften sie an dieser Stelle nicht mehr. Es ist gut, das Stück 
Kautschuck vor dem Zusammenlegen inwendig etwas ^u befeuch- 
ten, damit die Wände der Röhre nicht zusammenkleben. Das 
Festbinden der Kautschuckröhre geschieht mit starken gedreh- 
ten Seidenschnüren , deren Enden man , um das Ausgleiten zu 
verhüten, mit Knoten versieht. 

Der Ofen, in welchem die Verbrennung der Substanz vor- 
genommen wird, ist Fig. 15 abgebildet; er ist von Elsenblech, 
22 — 24 Zoll lang, 3 Zoll hoch; der Boden ist 3 Zoll breit 
und mit Einschnitten in Gestalt eines Rostes versehen, die ei- 
nen halben Zoll von einander liegen ; die Wände erweitern 
sich nach oben, ihre Entfernung a h kann A% Zoll betragen; 
er ruht auf einem Ziegelstein e Fig. 18, und zwar so, dass 
die beiden vorderen Oeffnungen des Rostes offen, alle anderen 
hingegen durch den Ziegelstein verschlossen sind. Der ganzen 
Länge nach sind in dem Ofen Träger B von starkem Eisen- 
blech angebracht; sie haben die Form Fig. 16, C; sie sind 
gleich hoch und correspondiren genau mit der runden Oeff- 
nung der vorderen Wand A Fig. 16 des Ofens; sie sind be- 
stimmt, die Verbrennungsröhre zu tragen. 

Hat man die Absicht, stärkeres Feuer zu geben , d. h. den 
Zug zu vermehren , so wird der Ofen etwas auf die Seite ge- 
neigt und ein plattes Ziegelstück an zwei Stellen untergeschoben. 



15 

Speclelles Verfahren. 

f 

Die Verbrennungsröhre wird nÖthigenfalls mit Wasser aus- 
gewaschen und mit Papier, womit man einen Glasstab um- 
wickelt hat, ausgetrocknet; nach dem Ausziehen und Zuschmel- 
zen der Spitze wird sie sehr heifs gemacht, und eine lange en- 
gere Röhre bis auf das verschlossene Ende eingesteckt. Indem 
man nun mit dem Munde die Luft aus der engeren Röhre her- 
auszieht, wird mit derselben der letzte Rest von Feuchtigkeit 
hinweggenommen. Die trockne Röhre wird mit etwas heifsem 
Kupferoxjd zuletzt noch ausgespült, und dieses auf die Seite 
gcthan. Damit man ein bestimmtes IVIaafs für die Quantität hat, 
welche man mit der Substanz mischen will, füllt man jetzt die 
Röhre zu y^ ihrer Länge mit reinem Kupferoxjd aus dem Tie- 
gel an, in dem es frisch geglüht wurde, wobei man vermeiden 
muss, es mit irgend einer fremden Materie in Berührung zu 
bringen ; dieses Kupferoxjd ist bestimmt, mit der zu verbren- 
nenden Substanz gemischt zu werden. 

Die Mischung fester Materien muss jederzeit in einem hei_ 
Isen, tiefen Porzellanmörser mit glattem, jedoch mattem Bo- 
den bewerkstelligt werden; der Mörser wird vorher mit reinem 
Kupferoxjd ausgerieben und dieses auf die Seite gelhan; man 
schüttet die abgewogene Substanz in den Porzellanmörser und 
spült nun das Röhrchen, worin sie gewogen wurde, mit Kupfer- 
oxjd sorgfältig nach; man vertheilt zuerst die Substanz mit 
wenig Kupferoxjd, mischt so innig als möglich und setzt nach 
und nach die ganze Quantität Kupferoxjd zu, welche man in 
die Verbrennungsröhre eingefüllt hatte. 

Das Mischen muss mit der geringsten Anstrengung be- 
werkstelligt werden können; die Substanz und das Kupferoxjd 
müssen deshalb, die erstere vor dem Wiegen, das letztere vor 
dem zweiten schwächeren Ausglühen, in ein feines Pulver ver- 
wandelt werden. Enthält das Kupferoxjd harte Körner, so lässt 
sich die Mischung nicht innig machen; es geschieht dann häufig, 



16 

dass die Pistille von denselben abspringt , wodurch Theile der 
Mischung aus dem Mörser herausgeschleudert werden. Wenn» 
man bei der Mischung den Mörser auf einen Bogen von glat- 
tem weifsen Papier stellt, so kann man leicht sehen, ob man et* 
was von der Mischung verloren hat oder nicht. 

Die Älischuiig wird aus dem Mörser in die Verbrennungs- 
röhre gefüllt, mit der Vorsicht, dass man zuerst etwa einen 
halben Zoll reines Kupferoxjd auf den Boden derselben bringt; 
der Mörser wird mit reinem Kupferoxjd nachgerieben und aus- 
gespült, und aufser diesem wird die Röhre bis 1 Zoll von der 
Mündung mit reinem Kupferoxjd aufgefüllt. Bei Fig. 17 sind 
die Längen der verschiedenen Lagen von reinem Kupferoxjd, 
Mischung, Nachspülung und wieder reinem Oxjd durch die ent- 
gegengesetzle Fvichtung der Striche ungefähr angedeutet. 

Der Korkstöpsel, welcher die Verbrennungsröhre mit der 
Chlorcalciumröhre verbindet, wird mit einem leichten Hammer 
weich geklopft, wodurch er äufserst elastisch wird; nachdem 
das Loch hindurchgebohrt und er vollkommen zugerichtet ist, 
setzt man ihn in einem bedeckten Tiegel in hcifsem Sande einer 
ziemlich hohen Temperatur aus, um alle hjgroskopische Feuch- 
tigkeit daraus zu entfernen ; er muss mit einiger Mühe in die 
Oeffnung der Verbrennungsröhre passen, und seine weiche Be- 
schaffenheit erlaubt die Anwendung einer gewissen Gewalt, ohne 
den Apparat selbst der Gefahr des Zerbrechens auszusetzen. 

Die Verbrennungsröhre und Chlorcalciumröhre müssen 
genau horizontal oder etwas gegen den Kaliapparat geneigt ge- 
legt werden, damit das in dem engeren Theile der letzteren 
sich sammelnde Wasser von selbst hineinlliefst; man legt zu die- 
sem Zweck den hinteren Theil des Ofens etwas höher, als den 
vorderen. Fig. 18 zeigt die zur Verbrennung hergerichteteu 
und zusammengefügten Theile der Vorrichtung, a ist die Ver- 
brennungsröhre, b die Chlorcalciumröhre, c das Kautschuck- 
röhrchen, m die gröfsere Kugel des Kallapparales, welcher in 
Verbindung steht mit der Chlorcalciumröhre, e ist ein Ziegel- 
stein, / ein daruntergeschobenes Stück Eisen, um dem Ofen 
eine nach dem Kaliapparate geneigte Lage zu geben. 



17 

Die Verbrennungsröhre wird, ehe sie mit der Chlorcal- 
ciumröhre verbunden wird, mehrmals flach auf einen ebenen 
Tisch stark aufgeklopft man hat mit Vorsicht darauf zu ach- 
ten, dass über dem Kupferoxjd ein Luftraum vorhanden ist, 
welcher den gasförmigen Producten einen Ausgang gestattet; 
es geschieht sonst häufig, dass das Kupferoxjd hervorgeschleu- 
dert wird, oder dass sich die Röhre am hinteren Theil ver- 
stopft. Zahllose Erfahrungen haben bewiesen, dass bei dieser 
Disposition die Verbrennung nicht minder vollkommen ist, 
selbst wenn die Substanzen noch so reich an Kohlenstoff sind. 

Mitscher lieh dreht einen schraubenförmig gewundenen 
Kupferdraht durch die ganze Länge der Mischung und lässt ihn 
während der Operation in der Röhre; er hat den Zweck, den 
Zusammenhang derselben zu unterbrechen; man kann sich aber 
nicht auf seinen Dienst verlassen. Wir wiederholen es, nur bei 
der beschriebenen Einrichtung ist man sicher, dass die Analyse 
unter allen Umständen gelingt. ^ 

Der vordere Theil der Verbrennungsröhre enthält reines 
Kupferoxjd ; dieses muss zuerst in starkes Glühen gebracht wer- 
den, ehe man den Theil, welcher die Mischung enthält, mit 
Kohlen umgiebt. 

Ehe man aber überhaupt die Verbrennung beginnt, ist es 
vor allen Dingen nöthig, dass man sich versichert, ob alle Ver- 
bindungen luftdicht schliefsen. 

Um dies zu erfahren, zieht man vermittelst der Saugröhre 
Fig. 19 mit dem Munde eine kleine Quantität Luft aus dem 
zusammengefügten Apparate heraus; eine natürliche Folge da- 
von ist, dass bei dem Aufhören des Ziehens eine gewisse Quan- 
tität Kalilauge in die Schenkelröhre der Kugel m tritt. Der 
Stand der Flüssigkeit ist demnach darin etwa um V/^, Zoll höher, 
-als in dem entgegengesetzten Schenkel, wie dieses deutlich an 
Fig. 11, -B beobachtet werden kann, wo oc und ß den Stand der 
Kalilauge bezeichnen. Bleibt dieser Stand nicht eine Zeillang 
unverändert« sinkt also die Kalilauge in den mittleren Theil 
Fig. 11, ^^ hinab, so dringt entweder durch das Kautschuck- 
röhrchen c oder durch den Korkstöpsel Luft in den Apparat 

2 



18 ^ 

hinein; sie müssen in diesem Falle mit besseren vertauscht 
i werden. 

Man umgiebt nun den vorderen Theil der Verbrennungs- 
rohre mit glühenden Kohlen; man hat, wenn die Röhre nicht 
feucht ist oder Knoten enthält, nie ein Zerspringen derselben 
zu befürchten. Ist das Kupferoxjd nicht ganz trocken, so sieht 
man sogleich bei der ersten Einwirkung der Wärme einen 
mehr oder minder bemerkbaren Beschlag an dem vorderen 
leeren Ende der Röhre «, welcher einen Zoll lang aus dem 
Ofen hervorragt; in diesem Falle kann man darauf rechnen, 
dass die Wasserstoffbestimmung etwas zn hoch ausfallen wird, 
um das Herabfallen der Kohlen zu vermeiden und um die 
übrigen Theile der Röhre vor der Einwirkung des Feuers zu 

I schützen, dient der doppelte Schirm Fig. 18, g; er wird aus 

• starkem Eisenblech nach der Oeffnung des Ofens ausgeschnit- 

W • ten, und man gicbt ihm die Form Fig. 20. 

,0 Man stellt den Schirm hinter dem vorderen Theile der 

♦ Verbrennungsröhre, der reines Kupferoxjd enthält, auf, und 
nachdem dieser Theil der Röhre rothglühend ist, wird er um 
y2 bis 1 Zoll nach dem hinteren Theile zurückgerückt, und 
dieser Theil mit Feuer umgeben; wie weit man ihn jedesmal 
zurückrücken muss, richtet sich nach der Schnelligkeit der 
Gasentwicklung, Jedesmal müssen so viel glühende Kohlen 
auf einmal angelegt werden, dass die Röhre, ganz davon umgeben, 
schnell glühend werden muss. Auch wenn die Gasentwick- 
lung anfänglich stärker ist, als man sie zu haben wünscht, darf 

* man die einmal angelegten Kohlen nicht wieder entfernen; sie 
wird durch die Wegnahme derselben nur in seltenen Fällen 
verlangsamt, aber die Verbrennung kann dadurch unvollkom- 
men gemacht werden; man muss die Gasentwicklung durch 
Erhitzen von kürzeren Stellen der Röhre zu reguliren suchen. 

Der vordere, aus dem Ofen hervorragende, leere Theil 
der Verbrennungsröhre muss während dem ganzen Verlaufe 
der Verbrennung so heils erhalten werden, dass sich nicht 
die kleinste Quantität Wasser darin condensiren kann; man 
ist in diesem Falle vor einem Verlust anW^asser vollkommen sicher. 



19 



t 



Die Verbrennung würde am regelmäfsigsten vor sich ge- 
hen, wenn man dem Glase der Verbrennungsröhre alleW^ärme- 
leltungsfähigkeit benehmen könnte; dies ist nun nicht der Fall, 
man kann aber nicht aufmerksam genug darauf sejn, dass man 
jedesmal nur kurze Strecken der Verbrennungsröhre zum Glü- 
hen bringt; die Gasblasen müssen ununterbrochen und rasch 
auf einander folgen. Wenn die Anzahl der Träger der Ver- 
brennungsröhre zu gering ist, so biegt sich zuweilen ein Stück 
der Verbrennungsröhre; ein Aufblasen derselben hat man aber 
In keinem Falle zu befürchten, indem der Druck der Flüssigkeit, 
den das Gas zu überwinden hat, auf das möglicherweise weich 
gewordene Glas zu gering ist. • 

Mitscherlich legt das Verbrennungsrohr in einen aus- # 

gefeilten Flintenlauf, so dass sich das Glasrohr von oben hin- 
einlegen lässt; er sucht damit eine gleichförmige Erhitzung und 
Schmelzung der Verbrennungsröhre zu vermelden, allein mit 
dieser Einrichtung begiebt man sich aller Vortheile, welche eine j i^"^ 
genaue Regullrung des Feuers gewähren; flüchtige Substanzen % ' 
destilliren unaufhaltsam und unverbrannt über, und bei schwer- •^ 

verbrennlichen lässt sich die Temperatur nicht geben, welche 
eine vollkommene Verbrennung verbürgt. Die schnelle Ver~ 
breitung der Wärme in dem Flintenlaufe verhindert Mitscher- 
lich durch Blasen mit dem Munde oder durch Umgebung mit 
nassen Tüchern ; man hat aber bei der Verbrennung seine Auf- 
merksamkeit auf viel wichtigere Momente zu richten , als dass 
man sich damit abgeben könnte, den Fiintenlauf durch Bla- 
sen mit dem Munde kalt zu erhalten. Das Umgeben mit nas- 
sen Tüchern ist durchaus unzweckmäfsig und muss vel-mleden 
werden. 

Die Stellung des Kaliapparates während der Verbrennung 
ist in Fig. 18 angegeben. Man schiebt unter r ein Stück Kork 
5 unter, so dass dieser Theil etwas höher Hegt, als der hin- 
tere Theil; man glebt ihm eine welche Unterlage, am besten 
eine Serviette. Wenn die ganze Verbrennungsröhre zu Ende 
der Operation mit glühenden Kohlen umgeben ist, erhöht man 
die Temperatur in der ganzen Länge des Ofens, von unten^ 

2* # 



« 



^ 20 . ^ • 

indem man der Luft Zutritt zu dem Roste verstaltet, und von 
oben vermittelst des Windfächers. Sobald die Gasentwicklung 
• schwächer wird, entfernt man das Korkstück und giebt dem 
Kaliapparate die horizontale Stellung Fig. 11, A. 

Man sieht in diesem Zeitpunkte, ob die Verbrennung voll- 
kommen gelungen oder fehlerhaft ist; hört die Gasentwicklung 
auf einmal auf, so kann man der vollkommenen Verbrennung 
sicher sejn; dauert sie hingegen in Pausen längere Zeit fort, so 
war die Mischung nicht sorgfältig genug gemacht; man kann 
auf einen Verlust in der Kohlenstoffbestimmung sicher rechnen. 
Sobald sich kein Gas mehr entwickelt, steigt die Kalilauge 
in die Schenkelröhre der Kugel m; die Einrichtung dieser Ku- 
% gel (s. S. 13) entfernt jede Gefahr eines Zurücksteigens der 

^ Flüssigkeit in die Chlorcalciumröhre, und macht, dass man sich 

in der jetzt vorzunehmenden Operation nicht zu übereilen 
braucht. Wenn nämlich diese Kugel bis zur Hälfte mit Flüs- 
sigkeit gefüllt ist, hört alles weitere Steigen derselben auf, der 
^ untere Theil des Kaliapparates steht, wie bemerkt, horizontal, 
• er ist zur Hälfte leer, und es tritt von da an Luft in die 

^ Kugel m. (S. Fig. 11.) 7 deutet die Höhe an, bis zu welcher 
die Kalilauge steigen kann. Hat sie diesen Punkt erreicht, so 
steht dem Eintreten der Luft nichts mehr im Wege. (Siehe die 
Tafel III.) 
# Man entfernt jetzt die Kohlen , welche den hinteren Theil 

der Verbrennungsröhre und die gebogene Spitze umgeben, und 
schneidet diese Spitze ab. Am besten geschieht dies vermittelst 
*• ^» einer kleinen Zange (Fig. 22), mit welcher man die äufserste 
Spitze bei rx; (s. Fig. 9) abkneipt. Auf die offene Spitze steckt 
man eine passende, 15 — 20 Zoll lange Röhre Ä, welche durch 
den Halter Fig. 21, /l getragen wird. 

Die Oeffnung des Kaliapparates verbindet mäh durch ei- 
nen kleinen ausgefeilten Korkstöpsel mit der Saugröhre Fig. 19, 
und zieht mit dem Munde eine gewisse Portion Luft durch den 
Kaliapparat, dem man die nämliche Stellung, wie während der 
Verbrennung, wiedergegeben hat. Alle Kohlensäure und der 
Wasserdampf, die in dem Apparate zurückgeblieben sindj wer- 



21 

den nun von dem Kall und dem Chlorcalclum absorbirt, Fig. 21 
stellt den Moment des .Durchziehens von Luft dar. Man fasst 
den Kaliapparat bei r mit der Linken , und hebt diesen Theil 
ein wenig; mit der Rechten hält man die Saugröhre B. 

Man bemerkt bei diesem Hindurchziehen der Luft bei der 
vollkommenen Yerbrennung nicht den mindesten Geschmack, 
bei unvollkommener ist er mehr oder weniger brenzlich; man 
kann von dem letzteren nicht in allen Fällen auf eine misslun- 
gene Anal jse schliefsen, denn sehr oft weichen zwei Anaijsen 
nicht im geringsten von einander ab, obwohl man in der ei- 
nen geschmackloses Gas erhalten hat, und in der andern nicht, 
Berzelius schlägt vor, das Saugen mit dem Munde durch 
Verbindung des Kaliapparates mit dem Apparate Fig. 1 und 2 zu 
ersetzen, und den Durchgang der Luft in dem Apparate durch 
das Ausfliefsen des Wassers aus dem Heber zu bewerkstelligen. 
Diese Einrichtung ist unbequem, macht unnöthige Arbeit und 
ersetzt nicht entfernt den Willen und die Empfindlichkeit eines 
menschlichen Organs. 

Die durch den Apparat streichende Luft enthält Wasser, 
sie enthält Kohlensäure ; beide addiren sich zu den Producten 
der Verbrennung, wenn man nicht Sorge trägt, sie vor dem 
Eintreten in die Rohre der Luft zu entziehen. 

Berzelius verbindet zu diesem Zwecke nach der Ver- 
brennung die offene Spitze mit einer mit trockenem Kalihjdrat 
gefüllten Röhre; dies ist eine ausführbare, aber unangenehme 
Operation. 

Die Verbrennungsröhre muss nämlich beim Durchstrei- 
chen der Luft glühend erhalten werden, um die möglicherweise 
auf dem reducirten Kupferoxjd abgesetzte Kohle zu verbrennen, 
und um die Spitze mit einer Kautschuckröhre zu verbinden, 
darf sie nicht mehr sehr heifs sejn. In der trocknen Luft, wel- 
che durcb die Kalilauge geführt wird , verdunstet nun eine ge- 
wisse Quantität Wasser derselben , welches als ein Verlust 
von Kohlensäure aufgeführt wird, und wenn man die Luft eine 
Viertelstunde, wie Berzelius meint, hindurchströmen lässt, 
darf das Wiederauffangen dieses Wassers und das Hinzufügen 










22 • • 

seines Gewichtes zu dem Gewichte des Kaliapparates nicht ver- 
absäumt werden. Alle diese ermüdenden und den einfachen 
Gang der Analjse hindernden Operationen erspart man sich, 
wenn man auf folgende Weise verfährt. 

Die Verbrennung ist vollendet, die Spitze noch geschlossen 
und die Kalilauge im Zuriicksteigen ; man lässt sie bis 7 Fig. 11, 
B zurücktreten, neigt den Kaliapparat, so dass die Oeffnung der 
Röhre ß mit Flüssigkeit gesperrt Ist, und kneipt nun die Spitze 
der Verbrennungsröhre ab , wodurch Luft eintritt. Die natür- 
liche Folge davon Ist, dass die Lauge In m fällt und sich mit 
einer gewissen Portion Flüssigkeit in n bei j Ins Niveau stellt, 
in der Art also , dass In der Kugel m eine gewisse Flüssigkeits- 
schicht bis a stehen bleibt. (Siehe die Tafel IIl) 

Die ganze Kugel m Ist mit Kohlensäure angefüllt, sie wird 
* von der Kalilauge absorbirt; die Kohlensäure In der Ghlorcal- 

ciumröhre nimmt den Platz der absorbirten ein, und so tritt, 
wie man le'cht sieht, alle Kohlensäure des ganzen Apparates 
nach und nach in die Kugel m, wo sie absorbirt wird, und 
zwar ohne dass eine einzige Luftblase durch die Kalilauge ge- 
führt worden Ist. 
** Nachdem der Apparat einige Minuten ruhig gestanden hat, 

enthält die Luft in dem Apparate keine Kohlensäure mehr. Zu 
allem Ueberfluss zieht man nun mittelst der Saugröhre einige 
Secunden lang so viel Luft durch die Kalilauge, als etwa dem 
einfachen Rauminhalt der ChlorcalciumrÖhre und der Ver- 
brennungsröhre entspricht. 

Wenn sich bei der Verbrennung sehr kohlenreicher Sub- 
stanzen etwas Kohle auf das reduclrte Kupfer abgesetzt hat, so 
verbrennt diese auf Kosten des Sauerstoffs der nach der Ver- 
brennung durch die Röhre geleiteten Luft, 



Verbrennung flüssiger flüchtiger Körper. 

Der Gang der Analjse dieser Art von Körpern ist am 
leichtesten und einfachsten, die Resultate sind am genauesten, 



23 

und Anfänger thun wohl, sich mit der Verbrennung derselben 
zuerst zu beschäftigen. 

Die Flüssigkeiten werden in Glaskugeln eingeschlossen ge- 
wogen; man verschafft sie sich auf folgende Weise: Eine etwa 
12 Zoll lange, 3 Linien weite Barometerröhre «wird vor der 
Lampe in eine lange Spitze c ausgezogen (Taf. IL Fig. 1). Man 
benutzt diese Spitze als Handhabe, um ein kleines Stück von 
der Röhre a mit einer langen, engen Zwischenröhre abzuzie- 
hen. Man schmilzt alsdann die Spitze c bei d ab, erweicht den 
abgezogenen Theil der Glasröhre y/, und giebt ihm durch Ein- 
blasen von Luft bei B die Form einer kleinen Kugel (s.Fig. 1, h). 
Man schneidet die Röhre bei /3 durch , und fährt auf diese 
Weise fort, sich eine beliebige Anzahl von Glaskugeln zu ver- 
fertigen. Die Feuchtigkeit des Mundes gelangt, der Länge der 
Glasröhre a halber, nie bis in die Glaskugeln. 

Es versteht sich von selbst, dass das Aufblasen des Stückes 
Ä recht gut unterlassen werden kann , wenn es weit genug 
ist. Der Hals der Glaskügelchen ist 1 bis 1^2 Zoll lang; der 
scharfe Rand der abgeschnittenen Spitze muss in einer Spiri- 
tusflamme glatt geschmolzen werden ; man ist sonst leicht in 
Gefahr, bei ihrer Füllung mit der Flüssigkeit, kleine Splitterchen 
davon abzustofsen. 

Beim Einfüllen der Flüssigkeit erwärmt man die Kügel- 
chen und taucht die offene Spitze in die Flüssigkeit hinein; 
nachdem beim Erkalten eine gewisse Quantität Flüssigkeit in 
den Bauch eingetreten ist, erwärmt man die Kugel aufs neue; 
der sich bildende Dampf treibt den gröfsten Theil der Luft 
heraus, und nach dem Erkalten füllt sie sich bis zu % damit an, 
Die Spitze wird nun zugeschmolzen. 

Indem man das Gewicht der leeren Glaskügelchen von 
dem der gefüllten abzieht, erhält man das Gewicht der Flüs- 
sigkeit. 

Ehe man sich mit dem Abwiegen der Flüssigkeit beschäf- 
tigt, hat man das Kupferoxjd stark rothglühend gemacht und 
das noch rothglühende Oxjd aus dem Tiegel heraus in die 
Glasröhre Fig. 2 gefüllt; sie wird nach dem Füllen mit einem 



24 

trocknen Kork verschlossen, und man lässt es völlig kalt wer- 
den. Es ist nicht so bequem, den Tiegel unter einer Glocke 
mit concentrirter Schwefelsäure erkalten zu lassen. 

Die Röhre Fig. 2 ist so weit, dass die Verbrennungsröhre 
mit Leichtigkeit hineingesteckt werden kann. Man lässt zuerst, 
wie Fig. 3 zeigt, etwa 1 bis 1% ^oH von dem völlig trocknen 
Kupferoxjd hineinfallen, und beschäftigt sich nun damit, die 
Glaskügelchen auf dieselbe Weise mit Kupferoxjd zu schichten, 
in der Art also, dass das Kupferoxjd aus der Luft keine Feuch- 
tigkeit anziehen kann. Die Glaskügelchen erhalten einen schar- 
fen Feilstrich in der Mitte (s. Fig. 4 bei a) ; man fasst sie bei 
der Spitze, steckt sie in die Oeffnung der Verbrennungsröhre 
hinein, bricht die Spitze ab und lässt Kügelchen und Spitze in 
die Röhre hinabgleiten. 

Mit zwei Kugeln, welche 4 - 500 Milligr. Flüssigkeit fas- 
sen, reicht man vollkommen aus ; beide Kugeln sind durch eine 
Schicht Kupferoxjd von 2 — 3 Zoll Länge von einander ge- 
trennt. Wenn die Verbrennungsröhre 18 Zoll lang ist, so 
kommt auf die letzte Kugel eine Schicht Kupferoxjd von 
11 — 12 Zoll Länge. Fig. 5 zeigt die Kügelchen, mit Kupfer-^ 
oxyd geschichtet. 

Mitsc herlich ist der einzige Chemiker, welcher die Glas- 
kügelchen zugeschmolzen in die Verbrennungsröhre bringt; im 
Verlauf der Verbrennung erwärmt er den Ort, wo sie liegen, 
bis dass sie platzen. Bei Flüssigkeiten, welche wenig flüchtig 
sind, ist es überflüssig, die Kügelchen verschlossen zu lassen, 
und bei flüchtigen unpraktisch ; bei den letzteren ist hierbei 
eine rasche Dampfbildung unvermeidlich , namentlich wenn das 
Springen nicht in Folge der Ausdehnung der Flüssigkeit, son- 
dern in Folge der Elasticität ihres Dampfes geschieht. Es kann 
hierbei nicht vermieden werden , dass ein Thell des Dampfet 
unverbrannt über das Kupferoxjd hinweggeht. 

Flüssigkeiten , welche einen hohen Siedpunkt haben und 
die sehr reich an Kohlenstoff sind, verthellt man in 3 Kügel- 
chen , ohne übrigens im Ganzen mehr als 5 — 600 Mllligrm. 



25 ^ 

an Gewicht zu nehmen; sie sind von einander durch eine 
Schicht Oxjd getrennt. 

Diese Vorsicht muss man bei ätherischen Oelen nicht un- 
terlassen, weil das Kupferoxjd , womit die Kügelchen unmittel- 
bar umgeben sind, selten hinreicht, um den Dampf derselben 
völlig zu verbrennen; indem es nämlich ganz reducirt wird, setzt 
sich auf das Metall zuweilen eine dünne Schicht Kohle ab. 
Obgleich nun diese Kohle beim Durchstreichen der Luft nach 
der Verbrennung in Kohlensäure verwandelt wird, so thut man 
doch besser, sich nicht auf diese Rectification zu verlassen. 

Bei wenig flüchtigen Flüssigkeiten kann man die Kügel- 
chen vor der Verbrennung entleeren. 

Die gefüllte Verbrennungsröhre verbindet man , wie in 
Fig. 7, Taf IL, mit der Luftpumpe ; indem man die Luft durch 
einen einfachen Zug verdünnt, dehnt sich das Luftbläschen aus, 
was in jedem Kügelchen enthalten ist , und treibt das Oel her- 
aus, was von dem umgebenden Kupferoxjd eingesaugt wird. 

Bei sehr flüchtigen Flüssigkeiten stellt man über den Ort, 
wo das erste Kügelchen liegt, einen zweiten Schirm, Fig. 5 /v, 
um diesen Theil vor der Erwärmung zu schützen , während 
man den vorderen Theil der reinen Kupferoxjdschicht zum Glü- 
hen bringt; es ist immer gut, diesen Theil nicht auf einmal, 
sondern nach und nach mit glühenden Kohlen zu umgeben, in- 
dem man bei a anfängt. 

Unter die Spitze c (Fig. 5, Taf IL) der Verbrennungs- 
röhre müssen gleich von Anfang an einige glühende Kohlen 
gelegt werden , damit die Flüssigkeit nicht in die Spitze destil- 
lirt, aus welcher sie nur durch starkes Feuern wieder heraus- 
gebracht werden kann ; sie kocht in diesem Falle slofsweise und 
in kleinen Explosionen, wodurch leicht unverbrannte Substanz 
mit den Gasen in Gestalt eines sichtbaren weifsen Nebels über- 
führt wird. 

Nachdem der vordere Theil der Röhre, wo das reine 
Kupferoxjd liegt, glüht, nimmt man den Schirm b hinweg 
und nähert der Stelle, wo das erste Glaskügelchen liegt, von 
Zeit zu Zeit eine glühende Kohle; man verfährt im Uebrigen, 



26 

wie bei der Verbrennung im Allgemeinen beschrieben wurde. 

Feite Oele werden in der kleinen Glasröhre Fig. 6, Ä ab- 
gewogen; diese Röhre wird bei dem Abwiegen in den Fufs 
Fig 6, B gestellt; er ist von weifsem Blech. 

Nachdem man auf den Boden der Verbrennungsröhre 2 
Zoll hoch Kupferoxjd gebracht hat, lässt man das Röhrcheii 
mit dem Oel , die Oeffnung nach oben , hineingleiten. Durch 
Neigen der Verbrennungsröhre lässt man das Oel ausfliefsen, 
man sucht es bis zu der Hälfte der Verbrennungsröhre auf ihre 
Wände zu vertheilen und füllt sie hiernach , wie S. 24 be- 
schrieben, mit reinem Oxjd an. 

Bei weichen schmelzbaren Materien kann man ganz auf 
dieselbe Weise zu Werke gehen. 

Schmelzbare, aber in einem Mörser nicht mischbare Mate- 
rien, wie Wachs etc., bringt man in ganzen abgewogenen Stü- 
cken in die reine Verbrennungsröhre, erhitzt sie, nachdem man 
die Röhre mit einem Korke fest verschlossen hat, darin gelinde 
bis zum Schmelzen, und vertheilt sie bis zu % der ganzen Länge 
der Wände der Röhre , von dem verschlossenen Ende an ge- 
rechnet; nach dem Erkalten wird sie mit Kupferoxjd angefüllt. 

Man kann diese Art von Körpern auch in einem Gefäfse 
wiegen, welches die Form eines kleinen Nachens hat (s. Fig. 7) , 
es wird leicht durch Spalten mit einer Sprengkohle einer 3 
Linien weiten Glasröhre angefertigt, welche an zwei Stellen 
weich gemacht und nach oben hin ausgezogen wird. Bei die- 
ser Art von Körpern muss man die Verbrennungsröhre et- 
was weiter und länger wählen, als bei gewöhnlichen Verbren- 
nungen. 



Verbrennung sehr kohlenreiclier oder 
chlorhaltiger Substanzen. 

Es giebt einige Materien, bei welchen eine genaue Be- 
stimmung des Kohlenstoffs beinahe unmöglich ist, wenn man 
sich zur Verbrennung des Kupferoxjds bedient; dazu gehören 



4t 



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•, ♦ 27 . „ '• 

die Steinkohlenarten, Indigo, Ulmin und alle Materien , welche 
diesen ähnlich sind. Bei Steinkohlen hört z. B. die Gasentwick- 
lung zii Ende der Verbrennung nicht auf, sie wird wohl nach 
und nach langsamer, aber selbst eine Stunde nachher, wenn # 

sehr starkes Feuer gegeben worden war , steigt die Kalilauge » 

nicht zurück. **k* .» w 

Die Ursache liegt unstreitig darin, dass die Verbrennung ' 

ungleich ist. Bei der ersten Einwirkung des Feuers entwickeln ^ 
sich brennbare Gasarten , welche das Kupferoxjd in der Um- 
gebung jedes einzelnen Stäubchens der Substanz reduciren, und ^ 
es bleibt eine zu grofse Menge Kohle zurück, als dass diese durch 
Ceraentation verbrennen könnte. Der Verlust, den man auf diese 
Weise erleidet, beträgt 3 — 5 pGt. an Kohlenstoff. 

Bei der Verbrennung chlorhaltiger Materien wird die Was- I 

serstoffbestiramung ungenau , das sich bildende Kupferchlorür ^ 

ist flüchtig, und es kann eine Ablagerung desselben inderChlor- 
calciumröhre auf keine Weise vermieden werden. 

Man muss sich zu diesen Verbrennungen des chromsauren 
Bleioxjds bedienen, von dem man, dem Volumen nach, etwas 
mehr wie halb so viel mit der Materie mischt , als man Kupfer- 
oxjd genommen haben würde; sonst ist das Verfahren ganz 
das nämliche. 

Es ist bei dem chromsauren Bleioxjd zu Ende der Ver- ^^ 

brennung nöthig, eine starke Hitze zu geben; hierbei entwickelt 
sich reines Sauerstoffgas, in welchem der Rest von Kohle voll- 
kommen verbrennt. Es ist hierbei der hohen Temperatur we- 
gen ferner unerlässlich , die Verbrennungsröhre mit einem dün- 
nen Kupferblech zu umgeben ; vermöge seiner Biegsamkeit lässt 
es sich leicht um die Röhre wickeln und mit einem Eisendraht, 
den man in Form eines Ringes um die Röhre biegt, kann man 
es an drei oder mehr Stellen in seiner Form erhalten. 

Man erreicht bei Anwendung von Kupferoxjd seinen Zweck 
ebenfalls, obwohl nicht mit der nämlichen Bequemlichkeit, wenn 
man an das verschlossene Ende der Verbrennungsröhre eine 
Mischung legt von 1 Th. chlorsauren Kali's mit 8 Th. Kupfer- 
oxjd. Indem man zuletzt diesen Theil ins Glühen bringt, wird 






h 



•^ 28 • . . 



fc*» 



durch das sich entwickelnde Sauerstoffgas der Rest von Kohle 
verbrannt. 

Bei chlorhaltigen Materien ist das chromsaure Bleioxjd 

H ' ein kostbares und unentbehrliches Mittel zu ihrer Verbrennung; 

♦ ^ es bildet sich hierbei Chlorblei, welches in der Rothglühhitze 

jiicht im Geringsten flüchtig ist. 

• Auf die Darstellung des Kupferoxjds und des chromsauren 

Bleioxjds, welche zur organischen Analjse verwendet werden, 

so wie auf die Wahl der Verbrennungsröhre, hat man einige 

^ Sorgfalt zu verwenden. 



** 



Kupferoxyd. 



Dieses Oxjd kann man sich aus schwefelsaurem Kupfer- 
^ oxjd und., kohlensaurem Natron darstellen; die Auflösungen bei- 

der werden heifs mit einander gemischt; man lässt den bläuli- 
^ chen Niederschlag in der Flüssigkeit 8 — 14 Tage an einem 

w ^ warmen Orte stehen, nach welcher Zeit er seine gallertartige " 

Beschaffenheit verliert, grün und körnig kristallinisch wird ; er 
lässt sich nun leicht auswaschen und trocknen; vor selnei" An- 
wendung muss er stark geglüht und auf einen Gehalt von 
,, Schwefelsäure und Natron sorgfältig geprüft werden ; er ist un- • 

brauchbar, wenn er auch nur kleine Quantitäten davon enthält. 
*^ Das erhaltene reine Oxjd ist braunschwarz, äufserst locker 

und leicht und sehr hjgroskopisch ; organische Materien, damit 
gemengt, verbrennen mit grofser Leichtigkeit, aber zuweilen 
|J^ brennt das Gemenge in der Röhre, wenn ein Thcil davon glü- 

hend gemacht wurde, von selbst fort, und die Analjse ist als- 
dann misslungen. 

Es ist besser, sich des Kupferoxjds zu bedienen, was aus mt ■. 
salpetersaurem Kupferoxjd erhalten wird; seine Bereitungs-* *» 
art ist einfacher, wohlfeiler , und man ist seiner Reinheit wegen 
nie in Ungewisshelt. 
Il Zu seiner Darstellung macht man Kupferbleche rothglü- 

hend und wirft sie In kaltes Wasser; aller Schmutz und Unrei- t% 

- 



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29 



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• • 






nigkeitln springen mit dem gebildeten Oxjde ab, das blanke 
abgewaschene Blech löst man in reiner Salpetersäure auf, dampft 
die Auflösung in einer Porzellanschale bis zur Trockne ab, und 
glüht das trockne Salz in einem wohlbedeckten hessischen Tie- 
gel; bei dem Glühen wird das Oxjd mit einem heifsen Glas- 
stabe mehrmals umgerührt, damit kein Theil des salpetersauren 
Salzes unzersetzt bleibt. 

Man muss zum Ausglühen Platinliegcl vermeiden , indem 
sie nach und nach rauh und stark angegriffen werden. 

Das geglühte Oxjd wird in einem Mörser fein zerrieben 
und in einem verschliefsbaren Gefäfse aufbewahrt; es ist dicht, 
schwer, kohlschwarz; seine hjgroskopische Beschaffenheit 
hängt von der Temperatur ab, der es ausgesetzt war. 

Bei sehr starkem Glühen schrumpft das Oxjd zusammen, 
wird sehr hart und verliert beinahe alle hjgroskopischen 
Eigenschaften; in kleine Stücke zerschlagen, dient es, nach- 
dem das feine Pulver davon abgesondert, vortrefflich bei Ana- 
lysen von Flüssigkeiten und schwer verbrennlichen , fetten, 
schmelzbaren Substanzen; man kann damit die Röhre vollkom- 
men anfüllen, ohne sie aufzuklopfen ; es bleiben in dem porö- 
sen Oxjde Zwischenräume genug, um den Gasen Durchgang 
zu lassen. 

Zur Erreichung des nämlichen Zweckes benutzt Dumas 
das Oxjd , welcher durch Galcination von Kupferdrehspänen 
dargestellt wurde ; es behält die Form der Späne und leistet 
vollkommen denselben Dienst. 

Das Kupferoxjd, welches zur Verbrennung gedient hatte, 
macht man wieder durch Befeuchtung mit reiner Salpetersäure 
und neues Ausglühen brauchbar. Enthält das Metall, was man 
aufgelöst hat , Löthung von Messing, so ist das Oxjd zur Stick- 
Stoffbestimmung nicht anwendbar, indem das salpetersaure Zink 
bei der gewöhnlichen Glühhitze unvollkommen, aber mit Leich- 
tigkeit, zerlegt wird, wenn es mit organischer Materie ge- 
mischt ist. 

Hat man Verbindungen organischer Materien mit alkali- 
schen Basen verbrannt, so muss das Oxjd nach der Verbren- 



'•' • . . . , 

nung mit kalter verdünnter Salpetersäure digerirt, sodann mi**' ♦ ^ 
W Wasser ausgekocht und wohl ausgewaschen werden. * 

Hat man eine Chlorverbindung verbrannt, so muss es wie- •« 
der ganz in Salpetersäure aufgelöst, und das Chlor durch sal> ^ ^ ^ 
petersaures Silber ausgefällt werden; das überschüssige Silber- 
oxjd wird beim Glühen reducirt und schadet nichts. • #i 



■0 






Chrom saures Bleioxyd. 

Durch Fällung von einem löslichen Bleisalz mit saurem 
chromsauren Kali und durch sorgfälliges Auswaschen erhält^ 
man diesen Körper vollkommen rein; in der Form, wie man 
es nach dem Trocknen erhält, ist es aber zur Analjse nicht 
tauglich; es muss bei starker Rothglühhitze bis zum Weich- 
werden oder Schmelzen erhitzt, und nachher auf feinste pul- 
verislrt werden. Bei dem Glühen verwandelt sich seine schöne 
gelbe Farbe In eine schmutzig braunrothe, welche es auch 
nach dem Erkalten behält. 

Man kann zu jeder Art von Verbrennung sich dieses Kör- 
pers eben so gut bedienen, wie des reinen Kupferoxjds; die 
"Verbrennung geht leicht und schon bei niederer Temperatur 
von statten; sie ist stets vollkommen, denn die Gase nach der 
Verbrennung sind Immer ganz geschmacklos. 

Bei gleichem Gewichte enthält es nicht so viel Sauerstoff, 
als das Kupferoxjd, allein bei gleichen Volumen enthält es um 
die Hälfte mehr, indem sein speclfisches Gewicht über das Dop- 
pelte hinaus gröfser ist, als das des Kupferoxjds. 

Es Ist sehr wahrscheinlich , dass das chromsaure Bleioxjd 
in vielen Fällen dem Kupferoxjd vorgezogen werden wird, 
wenn es sich um eine genaue Bestimmung des Wasserstoffs han- 
delt; es ist nicht im geringsten hjgroskopisch , und die geringe 
Spur von Feuchtigkeit, welche die Materie bei dem Zusammen- 
mischen anzieht, kann der Mischung viel leichter wieder entzo- 
gen werden. 
% 






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31 



VerbrennungsrÖhren. 

Auf die Wahl des Glases, welches zu den Verbrennungs- 
röhren dient, hat man vorzügliche Aufmerksamkeit zu richten; 
das bleifreie böhmische Kali-Glas ist das beste, die Pvöhren sprin- 
gen nie, selbst nicht beim raschen Umgeben mit glühenden 
Kohlen; es ist äufserst schwerflüssig und, wenn es weich ge- 
worden, in hohem Grade zähflüssig; das deutsche grüne Bou- 
teillenglas springt leicht im Feuer, ist schwer schmelzbar, aber, 
wenn es weich geworden , sehr dünnflüssig ; die weichen Stel- 
len werden durch einen kleinen Druck aufgeblasen, und diese 
Stellen bekommen sogleich Löcher. 

Das französische weifse und grüne Bouteillenglas ist zu ver- 
Wjtrfen; das französische grüne Glas kann in einer böhmischen 
Glasröhre, ohne dass diese ihre Form verliert, bis zum Zusam- 
menfallen geschmolzen werden. 

Nachdem in dem Vorhergehenden alle Vorsichtsmafsregeln 
und Handgriffe beschrieben worden sind, welche das Gelingen 
einer untadelhaften organischen Analjse sichern, sind nun noch 
der Apparat und das Verfahren zu beschreiben, welche zur 
Bestimmung des Kohlenstoffs aus dem Volum der gebildeten 
Kohlensäure angewendet werden; es ist ferner der Grad der 
Genauigkeit zu berühren, welchen man in der Bestimmung des 
Kohlenstoffs und Wasserstoffs erreichen kann. 



Kohlenstoff. 

Die Bestimmung des Kohlenstoffs mit Hülfe des beschrie- 
benen Apparates kann ungenau werden durch mehrere Fehler- 
quellen. Die erste und beachtungswertheste ist die unvollkom- 
mene Verbrennung; sie lässt sich bei einer zweiten Analjse ver- 
meiden durch Verlängerung der Verbrennungsröhre und Ver- 
mehrung des Kupferoxjds; eine Folge der letzteren Ist eine 



32 

gröfsere Vertbeilung und eine langsamere Verbrennung, auf 
welche hierbei das meiste ankommt. 

' Eine zweite Unsicherheit liegt, wie schon erwähnt, darin, 
dass die nach der Verbrennung durcb die Kalilauge streichende 
Luft eine gewisse Portion Wasser aus dem Kaliapparate mit- 
nimmt, wodurch sein Gewicht vermindert wird. Man wird 
aber leicht bemerken, dass der Verlust an Wasser, welchen der 
Kaliapparat erleidet, zum Theil ersetzt wird durch den. Kohlen- 
säuregehalt der atmosphärischen Luft, dass die Gewichtsabnahme 
desselben also je nach diesem Gehalte wechselt. 

Hierüber bat man sich durch directe Versuche befriedigende 
Aufklärungen verschafft. Wenn die Verbrennungsröhre mit 
glühenden Kohlen bedeckt und die Spitze Taf. I., Fig. 21 (ohne 
die Röhre 1i) offen und ebenfalls mit glühenden Kohlen um- 
geben ist, so nimmt der Kaliapparat, wenn man 2000 G.C.Luft 
hindurchstreichen lässt, am (gewichte nicht allein nicht ab , soii- 
dern er nimmt um ISVg Mllligr. zu. 

Um die Menge des durch den Luftstrom entführten Was- 
sers zu bestimmen, verband man diesen Apparat mit einem voll- 
kommen gleichen mit concentrirter Schwefelsäure gefüllten ; es 
ist klar, dass das Wasser, welches die durch die Kalilauge ge- 
bende Luft zum Verdampfen brachte, durch die Schwefelsäure 
condensirt und beslimmbar wurde. 

Das Gewicht des mit Schwefelsäure gefüllten und mit dem 
Kaliapparate bei /?, Taf. I., Fig. 18, verbundenen Absorptions- 
gefäfses hatte sich um 14 Milligr. vermehrt. Die Kalilauge hatte 
mithin 32y2 Milligr, Kohlensäure aus der Luft aufgenommen 
und 14 Milligr. Wasser abgegeben; anstatt eines Verlustes hat 
man einen Ueberschuss an Kohlenstoff erhalten. 

Wenn man nach der Verbrennung auf die mit glühenden 
Kohlen umgebene offene Spitze eine Röhre Fig. 2\ h aufsetzte, 
welche 12 — 15 Zoll lang ist und bei der nämlichen Disposi- 
tion der Apparate 2000 CG. Luft durch ditn Apparat hindurch- 
geben llefs, so nahm das Absorptionsgefäfs mit Schwefelsäure 
wieder um 13,6 Milligr. zu, und das Gewicht des Kaliappara- 
tes nahm um 5 Milligr. ab. 



Es ist klar, dass bei dieser Einricbtwng der Fehler, welcher 
in der Kohlenstoffverbindung aus dem Wasserverlust entsteht, 
vollkommen durch die aus der Luft aufgenommene Kohlensäure 
compensirt wird. 

Beim Hindwrchleiten von 200 Kubikccntimetern Kohlen- 
säure beträgt der Verlust Yg Milh'gr. ; in Kohlenstoff macht dies 
nur aus 0,000138 Grm., welche sich auf 4 — 800 Milligr. 
Substanz vertheilen. 

Diejenigen , welche zu Ende der Verbrennung die Spitze 
der Verbrennungsröhre mit einer Röhre mit Knlihjdrat ver- 
binden , um die durchstreichende Luft von ihrem Kohlensäure- 
gehalt zu befreien, müssen mithin für je 100 CG. Luft, welche 
sie durch den Kaliapparat streichen lassen, im Durchschnitt dem 
Gewichte desselben 1,3 Milligrm. hinzurechnen. 

Nach den eben angeführten Erfahrungen ist es aber nicht 
der Mühe werth, diese Correction zu machen; es ist unJer 
allen Umständen sicherer, das beschriebene Verfahren zu be- 
folgen. 

Ist die Quantität der aufgefangeaeo Kohlensäure sehr grofs 
und folgen sich die Blasen schnell auf einander, so erwärmt sich 
die Kalilauge und der Verlust durch das entführte Wasser nimmt zu. 
Man hat bei dem Wiegen der Apparate zu beachten, dass 
von dem erwärmten Apparate weniger Wasser an der Ober- 
fläche condensirt wird, als von dem kalten vor der Ver- 
brennung; dieser Unterschied beträgt 3 — 4 Milligrm.; zu- 
weilen steigt er, wenn die Luft sehr feucht ist, bis auf 6 
Milligrm. 

Die Vergleichung der Anaijsen einiger Körper mit hohem 
Atomgewicht wird die genaueste Idee von der Vollkommen- 
heit der Kohlenstoffbestimmung in dem angegebenen Apparate 
geben. 

Man weifs mit genügender Sicherheit, dass das Atomge- 
wicht des amjgdalinsauren Barjts 6738,829 beträgt; nach dem 
Mittel dreier Kohlenstoffbestimmungen geben 100 Th. dieses 
Salzes 163,8, 163,5 und 163,3 pGt. Kohlensäure. Der Theo- 
rie nach würden 100 Th. amjgdalinsaurer Barjt 163,7 Koh- 



34 

lensäure liefern müssen. Der Verlust ist milhin 0,002 Kohlen- 
säure oder 0,00055 Kohlenstoff. Es giebt keine Art von Ana- 
lyse, in welcher eine gröfsere Genauigkeit erreicht werden 
kann. 

Es ist hier der Ort, einige Reflexionen über das wahre 
Atomgewicht des Kohlenstoffs niederzulegen. Die ersten Be- 
stimmungen desselben von Berzelius geben dafür die Zahl 
75,33, die letzteren hingegen 76,437; ich betrachte das letz- 
tere als das wahre Atomgewicht, bestimmt mit bewundernswür- 
diger Genauigkeit; die Erfahrung eines jeden Tages bestätigt 
seine Richtigkeit, und die folgende Betrachtung wird einem je- 
den Chemiker die nämliche Ueberzeugung beibringen. 

Das Mittel von 5 Analjsen des Stearins giebt für 100 
Theile dieses Körpers 76,084 pCt. Kohlenstoff, die drei höch- 
sten Resultate gaben 76,306 pCt. 

Aus den Zersetzungsproducten dieses Körpers weifs man 
mit Gewissheit, dass er 146 At. Kohlenstoff enthält, nach wel- 
chen sich, die Atomzahl des Kohlenstoffs zu 76,437 genommen, 
76,21 pCt. Kohlenstoff berechnen. Wäre die Zahl des Kohlen- 
stoffs, nach Thomson, genau 75, oder 75,33, wie die erste 
Bestimmung von Berzelius, so hätte die Analjse nicht über 
75,85 und 75,98 pCt Kohlenstoff liefern dürfen. 

Der Unterschied von 0,36 pCt. Kohlenstoff entspricht 
in der Formel einem ganzen Atom Kohlenstoff weniger; aber 
bei der Annahme von 145 At. Kohlenstoff verschwindet alle 
Uebereinstimmung mit den Zersetzungsproducten des Stearins, 
nämlich mit der Talgsäure und dem Glvcerin, und es müsste 
daraus geschlossen werden, dass entweder die Analjse beider 
oder von einem dieser Körper unrichtig ist: eine Voraussetzung, 
die aller Begründung entbehrt. 

Bei der Verbrennung von Körpern, welche Schwefel ent- 
halten, wie xanthonsaure Salze, Sulfosinapisin etc., fällt 
das Gewicht des Kohlenstoffs häufig zu hoch aus; dies rührt von 
schwefliger Säure her, welche stets erzeugt wird, wenn man 
versäumt, die Mischung des Kupferxojds mit der Substanz so 
innig als möglich zu machen; sie wird von der Kalilauge ab- 



sorbirt und vermehrt das Gewicht denselben. Wenn man glaubt, 
dass dieser Fehler eintreten kann , so bringt man zwischen der 
Chlorcalciumröhre und dem Kaliapparate eine mit Bleisuper- 
oxjd gefüllte Röhre an. 

Eine concentrirte Auflösung von Chlorcaicium in Was- 
ser, so wie sie sich in der ChlorcalciumrÖhre bildet, absorbirt 
diese Säure nicht, namenthch nicht, wenn man die Köhre so 
lange liegen lässt , bis dass alle Flüssigkeit darin fest geworden, 
d. h. bis dass das wasserhaltige Chlorcaicium kristallisirt ist. Die 
schweflige Säure, welche durch die ChlorcalciumrÖhre unabsorbirt 
gegangen ist, wird in der Röhre mitBleisuperoxjd zurückgehalten. 

Man darf letztere nicht zwischen der Verbrennungsröhre 
und der ChlorcalciumrÖhre anbringen, wenn man nicht das 
gebildete Wasser verloren geben will. 



W a s s e r s t o f f. 

Der einzige Fehler, mit welchem die beschriebene Methode 
hinsichtlich der Bestimmung des Wasserstoffs behaftet ist, rührt 
von dem Wassergehalt der Luft her, welche man nach der Ver- 
brennung durch den Apparat streichen lässt in der Absicht, um 
die Kohlensäure hinauszutreiben. 

Zahllose Erfahrungen haben bewiesen , dass die Quantität 
des Wassers, welche von dem Chlorcaicium aus der Luft auf- 
genommen wird, für200Kubikcentimeter Luft nie über 5 oder 
6 Milligrm. beträgt; dies macht mithin 0,55 bis 0,66 Milligrm. 
W^asserstoff aus. Dieser Ueberschuss vertheüt sich nun auf 3 
bis 500 Milligrm. Substanz, er ist gleich grofs für eine Substanz, 
welche viel oder wenig Wasserstoff enthält. Ist die verbrannte 
Materie reich an Wasserstoff, und ist ihr Atomgewicht klein, 
so wird in dem nämlichen Verhältr)iss dieser Fehler kleiner, 
als 1 Atomgewicht Wasserstoff; in diesem Falle ist man über 
die Anzahl der Atome des Wasserstoffs nicht in Ungewissheit. 
Ein Beispiel wird dies deuthch machen : 

100 Theile Essiggeist liefern im Mittel 94,23 Wasser, nach 



der Theorie sollte man 92,45 Wasser erhalten ; die Analjse gab 
also 1,8 Wasser oder 0,2 pCt. Wasserstoff Im Ueberschuss. Das 
Atomgewicht des Essiggeistes ist nun 366,750; wenn man diese 
Quantität verbrannt hätte, so würde man Im Ganzen 0,7335 Was- 
serstoff zu viel erhalten haben; da nun das Atom Wasserstoff 
6,23978 wiegt, so sieht man, dass der Fehler weit unter einem 
Atom beträgt, und dass er mithin vernachlässigt werden muss, um 
so mehr. Indem man die Ursache des Fehlers und die Grenzen, 
in welche er eingeschlossen ist, kennt. 

Bei Körpern, welche ein sehr grofses Atomgewicht besitzen 
und welche reich an Wasserstoff sind, ist dieser Fehler aber 
nicht zu vernachlässigen; man muss jederzeit bei der Berech- 
nung von dem erhaltenen Wasser 5 bis 6 Mllllgrm. Wasser 
abziehen, oder, wenn man dies nicht für zulässig erachtet, so 
muss mat! die Spitze der Verbrennungsröhre sogleich abbre- 
chen, ehe die Kalilauge in die Kugel zurücksteigt; man muss 
die Kohlen um die Spitze entfernen, und nach der Abkühlung 
derselben sie mit einer Chlorcalciumröhre oder mit einem Kali- 
apparate, welcher mit Schwefelsäure angefüllt ist, vermittelst 
einer Kautschuckröhre oder eines Korkes in Verbindung bringen. 
Ein Beispiel wird die Nothwendigkelt dieser Correction 
einleuchtend machen: 0,3054 Grm. Stearin lieferten ohne Cor- 
rection und ohne Anwendung der In dem Vorhergehenden an- 
gegebenen Entfernungsmittel des hygroskopischen Wassers, 
bei der Verbrennung 0,343 Grm. Wasser, 100 Thelle mithin 
112,31; der theoretischen Zusammensetzung nach sollte man 
nur 109,63 Wasser erhallen, man hat also 1,68 pCt. Wasser 
oder 0,185 pCt. Wasserstoff zu viel. Dieser geringe Ueber- 
schuss macht, auf das Atomgewicht dieses Körpers berechnet, 
über 3 Atome Wasserstoff aus. 

Zieht man nun von vorn herein von den 0,343 des erhaltenen 
Wassers 6 Mllllgrm. ab für das hjgrometrische Wasser, so 
bleiben für 100 Th. Stearin 110,35 Wasser, man hat mllhin 
nur einen Ueberschuss von 0,72 Wasser oder 0,08 pCt. Was- 
serstoff, was, auf das Atomgewicht berechnet, weniger als 1 
Atom Wasserstoff beträgt. 



37 

Wenn man nach der eben beschriebenen Methode ver- 
fährt, hat man also unter allen Umständen einen Ueberschuss 
von Wasserstoff in der Analjse zu erwarten, welcher 0,14 bis 
0,2 pCt. Wasserstoff beträgt; man hat also nur dann die Be- 
stimmung des Wasserstoffs für genau zu halten, wenn dieser 
Ueberschuss nicht gröfser ist, als 0,2 pCt. ; man hat allen 
Grund, misstrauisch gegen diese Bestimmung zu sejn, wenn 
die Analjse genau die theoretische Menge Wasserstoff giebt, 
und die aufgefundene Formel für die Zusammensetzung ist falsch, 
wenn das Resultat des Versuches bei wiederholter Analjse con- 
5tant weniger beträgt, als das Resultat der Berechnung. 

Bei der Angabe der Resultate der Analjse darf man den 
Ueberschuss an hjgrometrischem Wasser nicht abziehen, indem 
gerade die Gröfse desselben einen schätzbaren Anhaltpunkt 
für die Beurtheilung der Wasserstoffbestimmung abgiebt. 

Berzelius zieht die Verbindungsweise der Verbrennungs- 
röhre mit derChlorcalciumröhre, welche Fig. loTaf. 1. abgebil- 
det ist, der Anwendung eines trocknen Korkstöpsels vor, gewiss 
nur deshalb, weil er die letztere nie einer Prüfung unterwor- 
fen hat. Es ist aber in der That ein Kunststück, damit eine 
gute Analjse zu machen, und man hat die Vollendung dessel- 
ben immer als ein glückliches Ereigniss zu betrachten. 

Die ausgezogene Spitze ist nämlich sehr dünn und sehr 
zerbrechlich, die unbedeutendste Erschütterung des Apparates 
macht, dass sie abbricht, und dass man Zeit und Mühe verloren 
geben muss. 

Wenn die Spitze der Verhrennungsröhre nicht tief in die 
Kugel der Chlorcalciumröhre hineinreicht, so ist es häufig der 
Fall, dass sich ein Tropfen Wasser zwischen den Wänden bei- 
der Röhren hinaufzieht, und man findet bei dem Abbinden 
das Kautschuckröhrchen inwendig nass, was natürlich eine Ver- 
werfung der Wasserstoffbestimmung zur Folge hat. 

Das Abschneiden der Spitze, das Hinwegnehmen der 
Kautschuckröhre, ohne die Spitze aus der Chlorcalciumröhre 
herauszuziehen, Glühen der Spitze etc., alles dieses sind ausführ- 



38 

bare Operationen, aber sie sind von der Art, dass man Un- 
fällen ausgesetzt ist. 

Der Grund, warum Berzelius und die Anhänger die- 
ser Verbindungsmetliode einen so unnöthigen Aufwand von 
Mühe und Geschicklichkeit in Anspruch nehmen, ist nun an- 
geblich die hjgroskopische Eigenschaft des Korkes, welcher, 
so behauptet man, das aus der Luft aufgenommene Wasser 
bei dem Erhitzen in der Verbrennungsröhre abgiebt. 

Es ist keine Frage, dass wir uns entschliefsen miissten, dieser 
"Verbindungsröhre den Vorzug vor der einfacheren zu geben, 
wenn der Vorwurf derUngenauigkeit, welchen man derletzteren 
macht, nur entfernt begründet wäre ; allein besondere Versuche, 
die mit aller Sorgfalt angestellt wurden, Versuche, die ein 
Jeder, dem es darum zu thun ist, sich über diesen Punkt 
Gewissheit zu verschaffen, leicht wiederholen kann, haben be- 
wiesen, dass, wenn der Kork in einem heifsen Platintiegel ge- 
trocknet und sodann mit trocknen Fingern in die Verbrennungs- 
röhrc eingepasst wird, dass dieser Kork beim Erhitzen der Ver- 
brennungsröhre, während man trockne Luft durch den ganzen 
Apparat sehr langsam streichen lässt, kein Wasser abgiebt; 
denn das Gewicht der Chlorcalclumröhre ändert sich nicht um 
1 Milligrm. 

Die Erfahrung eines jeden Tages beweist, dass die Was- 
serstoffbeslimmungen, nach der Verbindungsmethode von Ber- 
zelius angestellt, nicht im Entferntesl^n genauer sind; man 
kann sogar in den meisten Fällen behaupten , dass sie weniger 
scharfe Kesultate giebt. 

Es giebt wohl schwerlich eine hjgroskopischere Substanz, 
als Kautschuck; ein kleines RÖhrchen , bei lOO*^ getrocknet, 
nimmt an der Luft in wenigen Augenblicken um 15 — 20 
Milligrm. zu, und ein stark gespanntes Stück dieses Körpers 
lässt sich als das emphndhchste Hjgrometer gebrauchen, wenn 
man das Fischbein in dem gewöhnlichen Instrumente damit 
vertauscht 

Wir sind, und dies muss ganz besonders hier hervorgehoben 
werden, gegen die Verbindungsmethode von Berzelius, weil 



39 

nach derselben die organische Analjse in den meisten Händen 
die Genauigkeit und Zuverlässigkeit verliert , die man ihr nach 
der beschriebenen Methode geben kann , und weil sie den Ar- 
beiten mit dem Apparate die Einfachheit nimmt, und ihn nur 
einer verhältnissmäfsig kleineren Anzahl von Experimentatoren 
zugänglich macht. 

Die Wasserstoffbestimmung wird ungenau, wenn man eine 
Chlorverbindung verbrennt und sich hierbei zur Verbrennung 
des Kupferoxjds bedient; das sich bildende Kupferchlorür ver- 
flüchtigt sich mit der Kohlensäure und den Wasserdämpfen, 
setzt sich in der Ghlorcalciumröhre ab und vermehrt das Ge- 
wicht derselben. Je langsamer die Verbrennung vorgenommen 
wird, desto geringer ist der entstandene Fehler, ganz darf er 
aber niemals vernachlässigt werden. Im Ganzen vermehrt sich 
das Gewicht des Chlorcalciums um 10 bis 15 Milllgrm. 

Durch Auflösung des Chlorcalciums, Ausfällen des Kupfers 
mit Schwefelwasserstoff etc. und Bestimmung desselben kann 
man diesen Fehler controliren. 

Ganz besonders muss man bei dieser Art von Körpern 
auf die Mäfsigang des Luftstromes nacli der Beendigung der 
Verbrennung bedacht sejn; wenn die durch den Kaliapparat 
durchgehenden Luftblasen einigermafsen schnell einander folgen^ 
so sieht man das Kupferchlorür in weifsen Dämpfen selbst durch 
die Kalilauge hindurchgehen , und man empfindet im Munde 
den ekelhaften metallischen Geschmack der Kupfersalze. 

Bei Anwendung von chromsaurem Bleioxjd kann dieser 
Fehler völlig vermieden werden. 

Die Chlorcalciumröhren müssen, wenn man sie nicht ver- 
lieren will, sogleich nach dem Gebrauche entleert werden ; ge- 
schieht dies nicht, so kristallisirt die concentrirte Auflösung des 
Chlorcalciums in dem Wasser, was sich bei der Verbrennung 
gebildet hat, und die Kugel der Röhre wird dadurch ge- 
sprengt. 



40 



Bestimmung des Stickstoffs. 

Bei Analjsen stickstoffhaltiger Körper wird der Kohlen- 
stoff- und 'Wassersloffgehalt , wie in dem Vorhergehenden be- 
schrieben worden, ausgemittelt, und die Bestimmung des Stickstoffs 
ist alsdann der Gegenstand eines besonderen Versuches, in welchem 
auf die anderen Bestandtheile keine Rücksicht genommen wird. 

Ob eine Materie Stickstoff enthält oder nicht , sieht 
man sogleich und unzweifelhaft bei der Bestimmung ihres 
Kohlenstoffs, denn in diesem Falle gehen durch den Kall- 
apparat, während des ganzen Verlaufs der Verbrennung, fort- 
während Gasblasen hindurch. Wenn sie, namentlich gegen das 
Ende der Verbrennung, gröfser sind, als der Kopf einer ge- 
wöhnlichen Stecknadel, so ist man sicher, es mit einer slick- 
sloffhaUigen Substanz zu thun zu haben. 

Im Besonderen kann man sich über einen Stickstoffgehalt 
Ueberzeugung verschaffen , wenn man etwas der Materie in ei- 
ner Probirröhre mit 4 — 10 mal ihres Gewichtes Kalihjdrat 
schmilzt; die stickstoffhaltigen Körper werden hierdurch ohne 
Schwärzung zerlegt, und ihr ganzer Stickstoffgehalt entwickelt 
sich als Ammoniak, was man unter allen Umständen deutlich 
riecht. Muss man Gurcuma oder andere Pieagentien anwenden, 
um den Stickstoffgehalt nachzuweisen , d.h. riecht man nicht 
deutlich das Ammoniak, so ist der Stickstoffgehalt zweifelhaft. 

Bei der Verbrennung der meisten stickstoffhaltigen Kör- 
per entwickelt sich der Stickstoff als Gas in reinem Zustande, 
gemengt mit der gebildeten Kohlensäure und dem Wasser; 
bei Verbrennungen anderer bildet sich Stickstoffoxjdgas. Die 
Entstehung desselben macht die Stickstoffbestimmung schwierig; 
sie macht sie ungenau, wenn man nicht die äufserste Sorgfalt 
auf seine Zurückführung in Stickgas richtet. 

Das Stickgas wird nämlich unter allen Umständen dem 
Volum nach besLimmt ; da nun dieser Körper bei seinem Ueber- 
gange in Stickoxjdgas sein Volum verdoppelt, so ist man hier- 



41 

durch einem Fehler In der Slickstoffbestimmung ausgesetzt, wo- 
durch derselbe vergröfsert wird. Diesem Fehler wird vorge- 
beugt, wenn man die Verbrennungsröhre um 3 — 4 Zoll län- 
ger nimmt, als bei der Kohlenstoffbcsllmmung, und auf das 
reine Kupferoxjd eine Lage Kupferdrehspäne bringt, welche 
man an der Luft bis zum Schwarzwerden geglüht, und deren 
Oberfläche, welche oxjdirt worden, nachher vermittelst Was- 
serstoffgases wieder vollkommen reduclrt hat. Man kann auch 
aufserdem die zu verbrennende Substanz mit Kupferoxjd 
mischen, welches zu einigen Verbrennungen schon gedient hat^ 
und das mithin eine beträchtliche Menge metallisches Kupfer 
enthält. 

Als Regel bei den Stickstoffbestimmungen hat man Fol- 
gendes zu beachten: Je inniger und sorgfältiger die 
Mischung mit Kupferoxjd gemacht ist, und je 
langsamer die Verbrennung vorgenommen wird, 
desto sicherer ist man vor einer Einmischung von 
Stickoxjdgas. Um nur einen Mafsstab zu geben, wie man 
zu verfahren hat, soll hier bemerkt werden , dass die Verbren- 
nung einer stickstoffhaltigen Substanz doppelt so viel Zeit in An- 
spruch nimmt, als die Verbrennung einer stickstofffreien er- 
fordert. 

Die Verfahrungsweisen, welche man in der Stickstoff- 
bestimmung zu befolgen hat, sind verschieden und mehr oder 
weniger einfach, je nach der Quantität des Stickstoffs, welcher 
in der Substanz enthalten ist. 

Jeder Sticksioffbestimmung muss die qualitative Analjse 
des Gasgemenges vorhergehen, welches sich bei der Verbren- 
nung der Substanz entwickelt; die Kenntniss des relativen Vo- 
lumverhältnisses des Stickstoffs und der Kohlensäure reicht in 
den meisten Fällen hin, um den Stickstoffgehalt darnach zu be- 
rechnen, und die Anwendung eines besonderen Verfahrens ist 
in diesem Falle völlig überflüssig. Der Apparat, welcher dazu 
dient, ist höchst einfach, die ganze Operation dauert, mit allen 
Vorbereitungen, etwa zwei Stunden, und was man dadurch er- 



42 

fährt, bestimmt die Wahl eines anderen Verfahrens, oder macht 
alle folgenden OperationeTi unnÖthig. 

Die Substanz wird gewogen oder nicht gewogen, dies ist 
gleichgültig, jedenfalls wird sie mit 40 bis 50mal mehr Kupfer- 
oxjd gemischt, als nöthig ist, um sie vollkommen zu verbrennen. 
Man bringt die Mischung in die Verbrennungsröhre Fig. 8, A 
(Taf. iL), deren halbe Länge sie einnimmt; von den beiden 
übrigbleibenden Vierteln der Röhrenlänge wird das eine mit 
Kupferoxjd von ex. bis j6, das andere mit Kupferdrehspänen 
an die Oeffnung angefüllt; sie wird mit der Gasentwicklungs- 
röhre B verbunden in den Ofen gelegt; diese Gasentwicklungs- 
röhre kann man durch eine Kautschuckröhre C beweglich ma- 
chen, ihre Oeffnung reicht in eine Quecksilberwanne, sie ist 
kaum mit Quecksilber bedeckt. 

Man setzt bei cc den Schirm m auf, und bringt sodann das 
metallische Kupfer und das Kupferoxjd in lebhaftes Glühen; 
die Oeffnungen in dem Roste unter Beiden sind offen, so 
dass diese Theile der Röhre der stärksten Hitze ausgesetzt sind; 
hat man zu den Verbrennungsröhren nicht böhmisches Glas 
genommen, so muss der vordere Theil der Röhre mit einem 
Kupferblech umgeben und dieses mit Kupferdraht festgebunden 
werden; wenn dies nicht geschieht, wird dieser Theil der 
weichen Röhre durch den Druck, den das Gas durch die Queck- 
silbersäule erleidet, aufgeblasen, und die Röhre bekommt ein 
Loch. 

Sobald Kupferoxjd und Kupferspäne rothglühend sind, 
setzt man den zweiten Schirm n in der Art auf, dass eine 
Länge von einem Zoll der Verbrennungsröhre, von dem ver- 
schlossenen Ende an gerechnet, hervorragt; man umgiebt die- 
sen Theil der Rohre mit glühenden Kohlen. Die Verbrennung 
der Substanz geht an diesem Theile also zuerst vor sich ; die 
Gase, welche entwickelt werden, treiben die atmosphärische 
Luft aus dem Apparate heraus; nach der Hand Ist der ganze 
Apparat ledighch mit den Producten der Verbrennung ange- 
füllt. Man fährt nun mit der Verbrennung von vorn nach 
hinten fort, indem man wie gewöhnlich verfährt. Der Schirm 



43 

tu wird um % Zioli nach dem versclilossenen Ende zu gerückt, 
dieser Thell mit glühenden Kohlen umgeben etc. Das Gas, 
was sich von da an entwickelt, wird in graduirten Röhren auf- 
gefangen. Diese Röhren haben einen halben Zoll im Durch- 
messer; sie müssen etwa 12 bis 15 Zoll lang, und ihre 
Theilung nmss übereinstimmen und genau sejn ; es ist hierbei 
gleichgültig, ob die Röhren in Theile von Kubikzollen oder in 
Kubikcentimeter getheilt sind, oder ob die Theilung ganz will- 
kürlich ist. 

Nachdem die erste Röhre mit Gas zu %^ angefüllt ist, zieht 
man sie aus dem Quecksilber heraus, und lässt dieses aus- 
fliefsen; indem sein Platz von atmosphärischer Luft eingenom- 
men wird, die sich nach einigen Secunden mit dem aufgefan- 
genen Gase mischt, erhält man ein vortreffltches Mittel, um die 
Reinheit des Gases zu beurtheilen. Enthält es nur Viooo seines 
Volums Stickstoffoxjdgas, so entstehen die bekannten röthli- 
chen oder rothen Nebel, welche, wenn nur wenig vorhanden 
ist, eine gelbe Färbung des Gases bewirken , wenn man durch 
die ganze Luftsäule der Länge nach hindurchsieht, d. h. wenn 
man die Röhre in eine horizontale Lage mit dem Auge bringt. 
Zuweilen entsteht gleich im Anfang Stickstoffoxjdgas, und 
gegen die Mitte der Verbrennung hin keines mehr, weil die 
Oberfläche des Kupferoxjds bei oc reducirt wird, und dieses 
die desoxydirende Wirkung der Kupferdrehspäne unterstützt. 
Man darf nicht vernachlässigen , die eben angegebene Prüfung 
des Gases zu Anfang, in der Mitte und gegen das Ende der 
Verbrennung hin zu wiederholen. ist während der ganzen 
Dauer der Verbrennung die Bildung des Stickstoffoxjdes be- 
merklich, so ist entweder die Mischung der Substanz mitKupfer- 
oxjd nicht innig genug gemacht gewesen, oder die Verbren- 
nung ist zu schnell vor sich gegangen, oder man muss die?Xäng-e 
der Lage von Kupferdrehspänen vermehren. 

Es ist nicht der Mühe werth, einen solchen Versuch zu 
Ende zu führen; er lehrt nichts, begründet falsche Vorstellun- 
gen über die Zusammensetzung der Substanz, und lässt nur 
Zweifel über die Richtigkeit einer folgenden besseren Analjse. 



44 

Man hat im Ganzen 6 ■ — 8 Röhren mit Gas gefüllt, 
deren Gesammtvolum etwa 3 — 600 Kubikcentimeter beträgt. 
Man hat nun das relative Volumverha'ltniss des Stickstoffs und 
der Kohlensäure zu bestimmen. Man bringt die Röhren, eine 
nach der anderen, in den Cjlinder mit Quecksilber (Fig. 9), 
welcher nach oben hin sich erweitert, stellt das Quecksilber in 
der Röhre mit dem äufsern ins Niveau, und notirt sich das Vo- 
lumen des Gases. 

Vermittelst der Pipette Fig. 10, welche mit Kalilauge ge- 
füllt und bei k mit Quecksilber gesperrt ist, wird nun in die 
graduirte Röhre einige Linien hoch von der Lauge einge- 
bracht; gewöhnlich gechieht dies, indem man mit dem geschlos- 
senen Munde bei 6 einen schwachen Luftdruck hervorbringt, nicht 
stärker, alsnöihig ist, um die Kalilauge hineinsteigen zumachen. 

Wenn die gekrümmte Spitze der Pipette etwa i% Zoll 
lang ist und über das Quecksilber in dem Innern der Röhre 
hervorsteht, so hat man nur die graduirte Röhre etwas aus dem 
Quecksilber in die Höhe zu heben, um die Kalilauge von selbst 
durch den äufseren Luftdruck in die Röhre steigen zu machen. 

Durch vorsichtige Bewegung der graduirten Röhre auf 
und nieder wird alle vorhandene Kohlensäure schnell absorbirt, 
und es bleibt nichts als Stickgas zurück. Der untere Theil der 
p^raduirten Röhren wird hierbei leicht abgestofsen und die Röh- 
ren zerbrochen; man vermeidet dies gänzlich, wenn der untere 
Rand der Oeffnung derselben fest an die Wand des Cjlinders 
angedrückt wird. 

Das Quecksilber wird inwendig und auswendig ins Niveau 
gebracht und das Volum des Gases notirt. 

o 

Das Volum des Gasgemenges betrage in den 6 Röhren 
620, nach der Behandlung mit Kalilauge sejen zurückgeblieben 
im Ganzen 124, es sind mithin verschwunden 496 Kohlensäure; 
das Volum des Stickstoffs verhält sich mitKin zu den Volumen 
der Kohlensäure , wie 124:496 = 1:4. 

Man kann nun auf verschiedene Weise verfahren, um den 
Stickstoffgehalt der Materie nach dem ausgemittelten Volum- 
verhältnisse zu berechnen, vorausgesetzt, die Quanti- 



45 

tat der Kohlensäure, welche ein gewisses Gewicht 
der Materie liefert, sey bekannt. Entweder verwandelt 
man die erhaltene Kohlensäure in Volum, und dividirt dieses 
durch die erhaltene Verhältnisszahl; das Product drückt die 
entsprechende Menge Stickgas im Volum aus. Z.B. 0,100 Grm. 
Caffein liefern bei der Verbrennung dem Gewicht nach 0,180 
Grm. Kohlensäure. Das Gasgemenge, welches dieser Körper bei 
der Verbrennung liefert, enthält Stickstoff und Kohlensäure im 
Volumverhältniss wie 1 : 4. 1000 Kubikcentimeter Kohlen- 
säure wiegen nun 1,97978 Grm., 0,180 Grm. Kohlensäure 
entsprechen mithin 91,85 Kubikcentimeter; dividirt man nun 
diese Zahl durch 4, so erhält man 22,85 Kubikcentimeter, 
welche sich zu 91,85, wie 1 ; 4 verhalten. Diese 22,85 Ku- 
bikcentimeter berechnet man als Stickstoff; man weifs , dass 
1000 Kubikcentimeter 1,26 Grm. wiegen; danach enthalten 
100 Tb. Caffein 28,834 Stickstoff und 49,796 Kohlenstoff. 

Dieser weitläuftigen Berechnung kann man sich überhe- 
ben , wenn man sich erinnert , dass 1 Volum Kohlensäure ei- 
nem Atom Kohlenstoff, und 1 Volum Stickgas zwei Atomen 
Stickstoff entspricht. Da die Menge des Kohlenstoffs und das 
Volumverhältniss der Verbrennungsproducte bekannt sind , be- 
rechnet man den Stickstoff aus den Atomgewichten. 

Nach der Kohlenstoffbestimmung enthält das Caffein 49,796 
pCt. Kohlenstoff; Stickstoffgas und Kohlensäure lieferte die- 
ser Körper im Volumverhältniss wie 1:4, er enthält mithin 
2 At. Stickstoff auf 4 At. Kohlenstoff. 

49,796 verhält sich nun zu a:, wie 4X76,437 (das Atom- 
gewicht des Kohlenstoffs) zu 2 X 88,518 (das Atomgewicht 
des Stickstoffs). 49,796 : x ziz 305,748 : 177,036, woraus 

49,796 X 177,036 . ^ o . , 

^ = 305748 — 28,834 pCt. Stickstoff. 

Die beschriebene qualitative Bestimmung gewährt eine 
vollkommene Sicherheit und ist scharf und genau für alle 
stickstoffhaltigen Körper, in denen der Stickstoff sich zum Koh- 
lenstoff in keinem kleineren Verhältniss, als wie 1 : 8 befindet. 

Zur Controle dieses qualitativen Verfahrens kann man den 



46 

Stickstoff vermittelst des folgenden Apparates (Taf. II., Fig. 11) 
quantitativ bestimmen. 

Er besteht in einem Cjlinder mit einem Fufs Fig. 11, A, 
in welchen drei Korkringe (Taf. IL, Fig. 12), der eine auf 
dem Boden, die anderen bei m und n eingekittet sind; sie die- 
nen dazu, die kleine graduirte Glocke B in ihren Bewegungen zu 
schützen. Die Röhre Cy durch welche das Gas in die Glocke 
einströmt, hat zwei senkrechte parallele Schenkel, deren auf- 
steigender dieselbe Länge wie die Glocke besitzen muss, wäh- 
rend der andere aufserhalb der Glocke durch die beiden Oeff- 
nungen in den Korkringen geht. (Fig. 12, X.) Die Leitungs- 
röhre wird nun in den Cjlinder gebracht, die graduirte Glocke 
bis auf den Boden o aufgesetzt, und der Cjlinder mit Queck- 
silber gefüllt. Die Glocke und Leitungsrohre werden beide 
durch den Halter 1) in ihrer Stellung so befestigt, dass sie 
durch das Quecksilber nicht wieder herausgedrückt werden kön- 
nen. Der Arm h des Halters lässt sich an dem Stabe auf und ab 
bewegen, und kann vermittelst der Schraube in jeder beliebigen 
Höhe festgehalten werden. An der Leitungsröhre 6" befestigt man 
vermittelst eines Kautschuckröhrchens die kurze Röhre E\ sie hat 
keinen anderen Zweck, als den Apparat etwas beweglich und 
weniger zerbrechlich zu machen. ]3ie letztere lässt sich vermit- 
telst eines Korkes mit der Verbrennungsröhre luftdicht verbinden. 
Die Substanz ist gewogen und auf die bei früheren Ope- 
rationen beschriebene Weise in die Verbrennungsröhre gebracht 
worden. Ehe man diese Röhre mit glühenden Kohlen umgiebt, 
versichert man sich, ob alle Verbindungen vollkommen schlle- 
fsen. Man hebt die Glocke in die Höhe, so dass das Quecksil- 
ber inwendig um einen Zoll höher steht, als aufserhalb, und 
notirt sich seine Stellung; bleibt sie während einer Viertel- 
stunde unverändert, so ist keine Luft bei oc oder ß eingedrun- 
gen; man kann sodann die Verbrennung beginnen. Vor der- 
selben wird das Quecksilber in dem Cjlinder innerhalb der 
Glocke mit dem äufseren ins Niveau gebracht, und sowohl das 
Volum der in der Glocke befindlichen Luft, als auch ihre Tem- 
peratur und der Barometerstand notirt. 



47 

Das Gas, was sich wahrend der Verbrennung entwickelt, 
tritt in die graduirte Glocke und treibt das Quecksilber heraus ; 
indem man aber den hölzernen Arm an dem Stabe aufwärts 
gleiten lässt, kann man das Quecksilber stets auf seinem eisten 
Standpunkte erhalten. 

Der Gasleitungsröhre muss durch einen zweiten Halter in 
dem Quecksilber eine feste Stellung gegeben werden ; er ist in 
der Figur nicht angegeben, um die Zeichnung nicht zu überladen. 

Ist die Verbrennung vollendet, d. h. bemerkt man keine 
Volumvermehrung mehr in der Glocke, so entfernt man die 
Kohlen und lasst den Apparat erkalten. Der Quecksilberstand, 
der sich beim Erkalten ändert , wird ins Niveau gebracht , die 
Temperatur und der Barometerstand beobachtet und das erhal- 
tene Gasvolum gemessen. Man zieht nun , um das wahre Vo- 
lum der entwickelten Gase zu haben, von dem ganzen Gas- 
volum das Volum der Luft ab , welches vor der Verbrennung 
in der Glocke enthalten war, und reducirt es auf 0° und 28" 
Barometerstand, vorausgesetzt, dass sich beide vor und nach 
dem Versuch nicht geändert haben, in welchem Fall diese Ke- 
duclion mit jedem besonders vorgenommen werden muss. 

Man kennt nun die Summe der Volumina des Stickgases 
und der Kohlensäure von einem bekannten Gewicht der Sub- 
stanz, man kennt ferner aus der vorhergegangenen Kohlen- 
stoffbestimmung die Menge der Kohlensäure; man berechnet 
sie auf das nämliche Gewicht in Volum und zieht dieses, um 
die Menge des Stickstoffs zu haben, von dem erhaltenen Gas- 
volum ab; was übrig bleibt ist Stickgas, was in Gewicht ver- 
wandelt wird. Das Volum des Stickgases muss zu dem der 
Kohlensäure in einem einfachen und zwar dem nämlichen Ver- 
hältniss stehen, wie in der qualitativen Analjse ; weichen beide 
von einander merklich ab , so ist die Analjse nach der einen 
oder anderen Methode falsch, sie muss wiederholt werden. 

Z. B. 0,100 Grm. Caffein liefern, in diesem Apparate ver- 
brannt, bei 0° und 28" B. 114,06 C. C. Gas. Dieselbe Quan- 
tität giebt, in dem Apparat Fig. 18, Taf I. verbrannt, 0,180 
Grm. Kohlensäure, entsprechend bei O*' und 28" B. 91,21 G. C. ^ 



48 _ 

0,100 Caffein geben also 114,06 — 91,21 =: 22,85 C. C. 
Stickgas, oder 28,836 pGt. 

Die Menge der Substanz , welche mit diesem Apparate 
analjslrt werden kann, richtet sich nach dem Rauminhalt der 
Glocke; man muss für jedes Procent Stickstoff und Kohlenstoff 
ein Kubikcentimeter Raum in der Glocke rechnen, und aufser- 
dem noch einen Spielraum von 15 — 20 Kubikcentimetern 
für die Volumsänderungen vor und nach der Verbrennung las- 
sen. Fasst die Glocke z. B. nur 100 Kubikcentimeter, so lässt 
sich damit nur das Gas von 60 Müligrm. Caffein und nur von 
90 bis 100 Milligrm. Morphin messen, vorausgesetzt, dass vor 
der Verbrennung 15 CG, Luft in der Glocke enthalten waren. 
Gewöhnlich fassen diese Glocken 200 bis 250 CG.; aber man 
sieht leicht ein, dass in allen diesen Fällen die Mengen der ana- 
Ijslrten Substanzen sehr klein sind und dass die Fehler der 
Operation oder der Beobachtung unter allen Umständen auf 
den erhaltenen Stickstoff einen grofsen Einfluss haben, so dass, 
wenn der Sticksloffgehalt der Substanz an und für sich sehr 
klein Ist, dieser Apparat ganz aufhört, genaue und zuverlässige 
Resultate zu geben. 

Eine Hauptfehlerquelle ist hierbei das Weichwerden der 
Röhre durch eine zu grofse Hitze bei der Verbrennung, wo- 
durch sie ihre Form verliert, was natürlich auf das Gasvolum 
der Glocke Einfluss hat ; dies geschieht besonders leicht , wenn 
der Druck des Quecksilbers in der Glocke nicht mit Sorgfalt 
regulirt wird. Es ist zweckmäfsig, den unteren Theil der Röhre 
zur Hälfte mit einem dünnen Kupferbleche in Form einer Rinne 
zu umgeben, was man mit einer Lage feinen Kohlenpulvers be- 
deckt , um das Anschmelzen zu verhüten. Am besten dient 
hierzu ein Platinblech von der Länge der Röhre und nicht 
breiter, als nöthig ist, um sie vor dem Biegen zu schützen. 

DIrecte Bestimmung des Stickstoffs. Bei Mate- 
rien, deren Stickstoffgehalt sehr gering ist, wird die ganze 
Quantität des bei der Verbrennung gebildeten Stickgases in 
einer einzigen Operation ausgemittelt. Man bedient sich dazu 
des Apparates Fig 11 ö, dem man die folgende Einrichtung 



49 

glebt. All das verschlossene Ende einer 18 Zoll langen Ver- 
brennungsröhre bringt man eine Lage von trocknem Kalkhjdrat 
von 2 bis 2% Zoll Länge ; das Gewicht desselben mnss wenig- 
stens 4 bis 5 Grm. betragen. Auf dieses Kalkhjdrat füllt man 
1 Zoll Kupferoxjd , sodann das Gemenge der Substanz mit 
Kupferoxjd; die anderen Abtheilungen Fig. ii b bezeichnen 
das Kupferoxjd, was zum Nachspülen des Gemenges dient; auf 
dieses kommt reines Kupferoxjd, zuletzt Kupferspäne. 

Die Verbrennungsröhre wird mit einer anderen in der 
Form einer grofsen ChlorcalciumrÖhre mit zwei Kugeln ver- 
bunden ; die Kugel oc ist leer, die andere und der daranstofsende 
weitere Theil sind mit trocknem Kalihjdrat angefüllt. Durch 
eine Kautschuckröhre wird nun diese Vorrichtung, nachdem 
sie in den Ofen gelegt worden , mit der GasleitungsrÖhre und 
dem Gasometer Fig. IIa verbunden und die Verbrennung wie 
gewöhnlich vorgenommen. Wenn die Absorptionsröhre 12 
Zoll lang, die Kugel 1 Zoll und die weitere Röhre 4 Linien im 
Durchmesser hat, so fasst sie etwa 30mal mehr Kali, als zur 
Absorption aller gebildeten Kohlensäure erforderlich ist. In die 
graduirte Röhre tritt demnach nur Stickgas. 

Wenn zu Ende der Verbrennung das Kalkhjdrat in schwa- 
ches Glühen gebracht wird, so verwandelt sich das darin ent- 
haltene Wasser in Dampf, und treibt alle Kohlensäure vor sich 
her in die Absorptionsröhre. Nach dem Erkalten enthält die 
Verbrennungsröhre nur Wasserdampf, der sich verdichtet; ge- 
ringe Spuren von noch vorhandener Kohlensäure werden von 
dem ätzenden Kalke aufgenommen. 

Vor der Verbrennung hatte man in der graduirten Röhre 
ein bekanntes Volumen Luft; nach derselben hat sich ihr Volu- 
men vergröfsert. Diese Zunahme drückt genau die Menge des 
hinzugekommenen Stickgases aus ; sie wird gemessen und nach 
der Reduction auf und den Normalbarometerstand in Ge- 
wicht berechnet. 

Dieser Apparat ist mit einem constanten Fehler behaftet, 
welcher nicht vermieden werden kann; man erhält nämlich stets 
etwas weniger Stickstoff, Avas ohne Zweifel daher rührt, dass 



50_ 

der Sauerstoff der Luft in der VerbrennungsrÖlire Antheil an 
der Verbrennung nimmt. Durch eine Reihe von mit aller Sorg- 
falt angestellten Analjsen stickstoffhaltiger Substanzen von be- 
kannter Zusammensetzung sind die Grenzen dieses Fehlers aus- 
gemittelt worden , und wenn man zu dem erhaltenen Stickstoff 
Ein Procent hinzurechnet, so drückt die erhaltene Stickstoff- 
menge genau die Quantität des Stickstoffs in der Substanz aus. 
Bei Anwendung des folgenden Apparates fallt der Stick- 
stoffgehalt der Substanz stets etwas zu hoch aus, und zwar be- 
trägt der Ueberschuss von guten Analjsen 1 bis ly^ C.C. von 
dem ganzen erhaltenen Volumen; wenn sich Stickstoffoxjd ge- 
bildet hat, ist dieser Fehler gröfser. Zwei Analjsen eines stick- 
stoffhaltigen Körpers, angestellt nach der so eben beschriebenen 
Methode und mit dem folgenden Apparate, geben, wenn man 
das Mittel beider nimmt , den Stlckstoffgehalt der Substanz mit 
aller bis zetzt erreichbaren Genauigkeit. Man wählt eine Verbren- 
nungsröhre von 24 Zoll Länge, bringt in diese eine Lage kohlen- 
saures Kupferoxjd von 6 Zoll Länge, von dem verschlossenen Ende 
an gerechnet, hinein, füllt auf diese 2 Zoll lang reines Kupferoxjd, 
sodann das Gemenge der Substanz mit Kupferoxjd, dann eine 
Lage reines Kupferoxjd ; zuletzt kommt eine Lage Kupferspäne. 
InFig. 13,Taf.II., sind diese Lagen angegeben. Die Verbrennungs- 
röhre wird mit der dreischenkligen Röhre Fig. 1 4 vermittelst eines 
Korkes verbunden; der Kork wird aufserhalb mit geschmolzenem 
Siegellack überzogen ; der eine Schenkel steht mit der Handluft- 
pumpe Fig. 13ö,jÖ der andere mit einer 30 Zoll langen geboge- 
nen Glasröhre A, welche in eine kleine Wanne D mit Quecksilber 
taucht, vermittelst Kautschuckröhren in Verbindung. Die drel- 
schenklige Röhre Fig. 14 ist bei oc etwas ausgezogen. Man macht 
nun den Apparat luftleer, das Quecksilber steigt bis 27 Zoll; bleibt 
sein Stand nicht unverändert, so schliefst eine der Verbindungen 
nicht. Man stellt nun einen Schirm über das reine Kupferoxjd 
bei ji, Fig. 13/>, und umgiebt das kohlensaure Kupferoxjd mit 
2 bis 3 glühenden Kohlen; es entwickelt sich sogleich reine 
Kohlensäure, das Quecksilber fallt, sie tritt aus der Oeffnung 
der Röhre aus. Man macht zum zweiten Male den Apparat 



51 

luftleer, fährt mit der Entwicklung der Kohlensäure fort, und 
wiederholt dies 4 — 5 mal, jedenfalls so oft, bis die Gasbla- 
sen, die sich aus der Oeffnung der F\öhre A entwickelten, bis 
auf eine kaum bemerkbare Luftblase verschwinden , wenn sie 
in einer kleinen mit Kalilauge angefüllten Glasröhre aufgefangen 
Verden. Alle atmosphärische Luft ist nun aus dem Apparate 
vollkommen entfernt. Man schmilzt nun den bei oc ausgezoge- 
nen Theil der dreischenkligen Röhre Fig. 14 mit einer Spiri- 
tuslarape ab, und entfernt die -5' förmige Verbindungsröhre C 
sammt der Luftpumpe; hierauf befestigt man durch den Hal- 
ter A Fig. 15 über der Oeffnung der Gasleitungsröhre eine 
graduirte Glasröhre von etwa 100 CG. Inhalt, halb mit Kali- 
lauge, halb mit Quecksilber gefüllt, und schreitet nun zur Ver- 
brennung der Substanz, wie früher angeführt; es entwickelt 
sich Stickstoff und Kohlensäure, welche letztere von dem Kali 
absorbirt wird; in der Röhre sammelt sich also nur Stickgas. 

Wenn die Verbrennung der Substanz bis n (Fig. 13 Ä) 
vorgeschritten, also beendigt ist, so enthält das Gas, was den 
inneren Raum des Apparates einnimmt, noch eine Quantität 
Stickstoff, welche in die graduirte Röhre Fig. 15, B geführt 
werden rauss. Die eine Hälfte des kohlensauren Kupferoxjds 
hat gedient, um die atmosphärische Luft zu entfernen, die an- 
dere Hälfte, welche zurückgeblieben, dient nun, um das Gas- 
gemenge in die graduirte Röhre zu treiben. Man umgiebt den 
hinteren Theil der Verbrennungsröhre mit Kohlen, und lässt 
etwa noch 3 — 400 Kubikcentimeter Gas sich entwickeln und 
in die graduirte Röhre treten; die Kohlensäure des kohlensau- 
ren Kupferoxjds treibt die Verbrennungsproducte vor sich her 
in die graduirte Röhre. 

Nachdem nun in der graduirten Röhre, besonders wenn 
sie bewegt wird, keine Absorption mehr bemerkbar ist, schliefst 
man die Glocke mit einer aufgeschliffenen Glasscheibe und trägt 
sie in ein grofses Gefäfs mit Wasser. Quecksilber und Kali- 
lauge treten heraus, ihr Raum wird vom Wasser eingenommen. 

Das Gas wird nach Notirung des Barometer- und Ther- 
mometerstandes gemessen, derEinfluss der Tension desW^assers 

4* 



52 

auf das Volumen des Gases in Rechnung genommen, auf 0° und 
28'' Druck reducirt, und das Stickstoffgas in Gewichten be- 
rechnet. 

ßerzelius meint, man könne die Luftpumpe ganz entbeh- 
ren , wenn man vor der Verbrennung eine Zeitlang Kohlen- 
säure durch die Verbrennungsröhre leitet, so dass hierdurch die 
atmosphärische Luft entfernt würde. Wenn man nicht grofsen 
Irrthümern sich aussetzen will , so darf man ihre Anwendung 
nicht aufiser Acht lassen; denn die in den Poren des Gemenges 
befindliche Luft wird hierdurch nicht entfernt, sie beträgt 8 bis 
•J Kubikcentimeler bei dem gewöhnlichen Volum der Mischung, 
und dies ist oft mehr, als das Stickgas, was 5 — 600 Milligrm. 
mancher Substanzen liefern. 

Mitsc herlich schlägt vor, die Mischung ohne kohlen- 
saures Kupferoxyd in die Verbrennungsröhre zu bringen, luft- 
leer zu machen, die Verbrennung wie gewöhnlich vorzuneh- 
men, und alles Stickgas und die Kohlensäure in einer Glocke 
aufzufangen, das Volum zu messen, imd durch Kalihjdrat die 
Kohlensäure zu absorbiren. Das Verhältniss beider erhalte man 
dadurch dem Mafse nach, woraus sich das Gewicht des Stick- 
stoffs berechnen lasse 

VS^enn man sich erinnert, dass bei der ersten Einwirkung 
des Feuers auf jede organische Materie sich flüchtige Producte 
entwickeln, welche erst dann vollkommen verbrennen, wenn 
sie langsam über glühendes Kupferoxjd geleitet werden, und 
man erwägt, dass beim Verbrennen In einem luftverdünnten 
Räume die entwickelten Gase sich mit grofser Schnelligkeit darin 
verbreiten, so hat man bei dieser Vorrichtung im Anfange eine 
unvollkommene Verbrennung derselben zu gewärtigen. Hierbei 
bleibt ferner in den Röhren eine gewisse Quantität Stickstoff 
zurück, welcher nicht in Rechnung gebracht wird, und das 
Volum des Kallhjdrats muss abgeschätzt und von dem Volum 
des Stickgases abgezogen werden. Dieser Vorschlag ist aus der 
Anaijse der Harnsäure hervorgegangen; allein für diesen stick- 
stoffreichen Körper hat man diesen Apparat nicht nöthig; er 



53 

möchte kaum bei Körpern, welche wenig Stickstoff enthalten, 
zu empfehlen sejn. 

Der beschriebene Apparat lä'sst sich ebenfalls brauchen znr 
Verbrennung von Körpern im luftleeren Räume, in der Ab- 
sicht, um durch die qualitative Anal jse des Gasgemenges die 
relativen Verhältnisse der Kohlensäure und des Stickstoffs zu 
erfahren, und zwar mit Ausschluss der atmosphärischen Luft, 
welche den Apparat erfüllt. Hierbei wird, wie sich von selbst 
versteht, die Anwendung von kohlensaurem Kupferoxjd unter- 
lassen. Man kann sich aber auf die erhaltenen Verhältnisse bei 
Körpern , welche sehr wenig Stickstoff enthalten , auch wenn 
mit aller Sorgfalt verfahren ist, nicht mit Sicherheit verlassen. 

Man darf nicht versäumen, bei allen Stickstoffbestimmun- 
gen die Genauigkeit der Gewichte, welche man zum Abwägen 
anwendet, einer scharfen Prüfung zu unterwerfen. Es ist, wie 
man weifs, gleichgültig für Analjsen anderer Art, ob die Ge- 
wichte genau sind oder nicht, vorausgesetzt, dass sie unter ein- 
ander übereinstimmen; wenn aber der Gramm und die Unter- 
abtheilungen desselben, mit denen man die Substanzen abwägt, 
unrichtig sind, so hat man bei den Reductionen der Gase auf 
richtige Gewichte stets nicht unbeträchtliche Differenzen zu ge- 
wärtigen. 



Controlen für organische Analysen, 

Nachdem nun in dem Vorhergehenden alle Vorsichtsmafa- 
regeln beschrieben worden sind, welche die Erreichung eines 
guten Resultates verbürgen, sind noch einige Verfahrungswei- 
sen zu berühren, welche als Controlen für die Kohlenstoff- und 
Stickstoffbestimmungen zuweilen in Anwendung kommen. 

Bei Körpern, deren Atomgewicht klein ist, in welchen also 
die Anzahl der Atome der Elemente in einem sehr einfachen 
Verhältnisse zu einander steht, hat man keine weitere Controle, 
als die genaue Bestimmung des Atomgewichts, nöthig. Ganz 
anders verhält es sich aber bei Körpern, deren Atomgewicht 



54 

beträchtlich ist; bei diesen beträgt zuweilen eine schwache 
Differenz in den Atomgewichtsbestimmungen mehr als V^ At. 
Kohlenstoff, und oft mehr als 3 At. Wasserstoff; bei dieser Art 
von Körpern sind die folgenden Hülfsmittel nicht zu vernach- 
lässigen. 

Controlen für den Kohlenstoff. Wenn sich 
der Körper mit einer stickstoffhaltigen Materie verbinden 
lässt, z. B. mit Ammoniak oder mit Salpetersäure, so giebt 
die Verbrennung dieser Verbindungen, in welcher die Quan- 
tität der stickstoffhaltigen Materie bekannt ist, durch das er- 
haltene Verhältniss des Stickgases zur Kohlensäure, eine scharfe 
Controle für den Kohlenstoff. Die Volumina der beiden Gase 
müssen sich verhalten, wie die Aequivalente des Stickstoffs und 
des Kohlenstoffs. 

Eine zweite Controle des Kohlenstoffs einer Säure mit ho- 
hem Atomgewicht erhält man, wenn man eins ihrer Salze ver- 
brennt, dessen Basis die Kohlensäure beim Glühen mit Kupfer- 
oxjd nicht fahren lässt, z. B. mit Barjt. Man erhält weniger 
Kohlensäure, als wenn die Substanz für sich verbrannt wor- 
den wäre, und zwar unter allen Umständen 1 At. Kohlenstoff 
weniger. Die Kohlensäure, welche mit der Basis verbunden 
bleibt, kann man berechnen; ihre Quantität muss sich zu der 
erhaltenen Kohlensäure verhalten, wie 1 zu der übrigen An- 
zahl der Atome des Kohlenstoffs der Säure. Beide zusammen 
addirt, müssen die Anzahl der Atome des Kohlenstoffs in der 
Substanz ausdrücken. Z. B. in dem amjgdalinsauren Barjt ent- 
hält die Säure 40 At. Kohlenstoff; sie giebt bei der Verbren- 
nung eine gewisse Quantität Kohlensäure, welche sich zu der 
der zurückgebliebenen Kohlensäure des kohlensauren Barjts 
verhält, wie 39 : 1. Beide zusammen addirt, geben 40. Auf 
eine ähnliche Art sind die Atomgewichte aller fetten Säuren zu 
controliren. 

Controlen für d e n W a s s e r s t o f f g e h a 1 1. Bei 
den organischen Basen lässt sich der Wassersloffgehalt der- 
selben controliren, wenn man ihre Verbindung mit Chlor- 
wasserstoffsäure verbrennt; da die Salzsäure bei der Verei- 



55 

nigung mit diesen Basen keine Zersetzung erleidet, so muss 
das erhaltene Wasser, auf das Gewicht der Substanz berech- 
net, stets um 2 Atome, nämlich um den Wasserstoffgehalt 
der Salzsäure, gröfser sejn. Dasselbe gilt für Säuren, die sich 
mit Ammoniak verbinden lassen und deren Ammoniakverbin- 
dung man der Verbrennung unterwirft. Bei Körpern wie Talg- 
säure, Oelsäure und ähnlichen bleibt stets eine Unsicherheit in 
der Wasserstoffbestimmung; man muss hier diejenige Anzahl 
der Atome wählen, welche am genauesten mit dem Minimum 
des erhaltenen Wasserstoffs am nächsten stimmt. Das sicherste 
Mittel , sich hier Gewissheit zu verschaffen , liegt in der Zer- 
legung des Körpers in mehrere neue, und in der Analjse der 
Producte, die daraus hervorgehen. Der Wasserstoffgehalt der 
Producte muss in einer bestimmten, nachweisbaren Beziehung 
zu dem Wasserstoffgehalt des Körpers stehen, aus denen sie 
hervorgegangen sind. Lässt sich diese Beziehung nicht nach- 
weisen, so bleibt die üngewissheit. 

Bestimmung der Anzahl der Atome der 
Elemente in einer organischen Ver- 
bindung. 

Die bis jetzt beschriebenen Verfahrungsweisen geben die 
Zusammensetzung der analjsirten Materien in einem bekannten 
Gewicht derselben, über die Anzahl der Atome der Elemente 
der Verbindung liefern sie hingegen keinen Aufschluss. Ueber 
die relative Anzahl derselben kann man sich allerdings nicht 
täuschen, wenn es gelingt, den Körper in Producte von be- 
kannter Zusammensetzung zu zerlegen; aber dies ist bis jetzt 
nur bei wenigen in Anwendung gebracht worden, und die 
Ausmittelung des Gewichtsverhältnisses, in welchem sich der 
Körper mit dem bekannten Atomgewicht eines andern verbin- 
det, bleibt immer das wichtigste Hülfsmittel zur Erforschung der 
wahren Zusammensetzung und zur Controle der durch die Ana- 
lyse gefundenen Zahlen. 



• # 



56 

IsL der Körper eine Säure, so besllnimt man ihr Atom- 
gewicht durch die Analjse von einem ihrer Salze; am besten 
dient dazu ihre Verbindung mit Silber, Fileioxjd oder Barjt. 
Silbersalze sind, wenn sie sich darstellen lassen, allen anderen 
vorzuziehen ; sie sind immer wasserfrei und hinterlassen nach 
dem Glühen reines metallisches Silber, aus welchem sich das 
Atomgewicht leicht berechnen lasst. Manche Silbersalze ver- 
puffen beim Erhitzen; diese muss man durch Verwandlung des 
Silberoxjds in Chlorsilber analjsiren Man hat Befeuchtung 
des trocknen Salzes mit Terpenthinol und Anzünden dessel- 
ben empfohlen, um das Verpuffen zu verhindern; allein klee- 
saures, fumarsaures und andere Silber^alze verpuffen demun- 
geachtet; es entspricht jedenfalls nur in sehr wenigen Fällen 
seinem Zweck. 

Rerzelius analjsirt die Bleiverbindungen auf eine sehr 
bequeme und expeditive Weise. Er legt sie in ein Porzellan- 
schälchen, erhitzt sie rasch nahe am Rande, wo sich die Ver- 
bindung meistens entzündet und fortglimmt, bis dass man zu- 
letzt nichts daraufhat, als ein Gemenge von Bleioxjd mit Me- 
tall. Nachdem man sein Gewicht genommen , wird es mit Es- 
sigsäure befeuchtet, sodann mit Wasser, zu Ende mit Wein- 
geist durch Decantlren ausgewaschen , und wieder getrocknet. 
Der Verlust ist Bleioxjd, die Gewichtszunahme des Schälchens 
metallisches Blei. 

Bei der Darstellung der Verbindungen mit Bleioxjd hat 
man ganz besondere Rücksicht auf die Eigenschaft unlöslicher 
Bleisalze, sich mit sonst löslichen Salzen zu verbinden, welche 
in der Flüssigkeit enthalten sejn können und die mit niederfal- 
len, zu nehmen. 

Bildet eine Säure ein saures und ein neutrales, oder ein 
neutrales und basische Verbindungen, so geben die Analjsen 
derselben neue Anhaltpunkte zur Feststellung des wahren Atom- 
gewichts; doch Alles, was hierüber gesagt werden könilte, 
versteht sich bei der Bekanntschaft mit der allgemeinen chemi- 
schen Analjse von selbst. 

Barytverbindungen eignen sich sehr gut; bei Körpern 



57_ 

mit hohem Atomgewicht geben Kalksalze leicht zu bemerk- 
baren Irrthümern Veranlassung, 

Die Verbrennung der Säure für sich und eines ihrer was- 
serfreien Salze entscheidet über ihren Wassergehalt und über 
die Quantität ihres Hydratwassers. 

Bestimmung des Kristallwassers der Salze ist für die or- 
ganische Analjse von Wichtigkeit; wo es nur immer gesche- 
hen kann, darf man sie nicht vernachlässigen. 

Die Sätllgungscapacität der organischen Basen bestimmt 
man mit Hülfe des Fig. 1 und 2, Taf. f., beschriebenen Appa- 
rates. In den weiteren Thell legt man die organische Basis, lei- 
tet, nachdem ihr Gewicht im trocknen Zustande bekannt ist, 
bei a trocknes salzsaures Gas hinein. Sie verbinden sich leicht, 
schnell und unter Erwärmung damit; manche schmelzen hier- 
bei, andere bleiben porös; jedenfalls bleibt der Verbindung eine 
gewisse Quantität Salzsäure, welche nicht zu ihrer Zusammen- 
setzung gehört; sie muss entfernt werden. Für diesen Zweck 
verfährt man ganz so, wie wenn man die Verbindung austrock- 
nen wollte; der Apparat wird mit siedendem Wasser umgeben 
und so lange Luft hindurchslrömen lassen, bis sich sein Gewicht 
nicht mehr ändert. Die Gewichtszunahme des Apparates ist die 
mit der Basis in Verbindung getretene Salzsäure. 

Hält man es für nöthig, sich Gewissheit zu verschaffen, ob 
bei der Verbindung der Base mit der Säure nicht eine gewisse 
Portion Wasser hinweggegangen ist, wodurch nach diesem Ver- 
fahren das Gewicht der Salzsäure zu klein ausfällt, so muss 
ein bekanntes Gewicht des Salzes in Wasser gelöst und die Salz- 
säure als Chlorsilber bestimmt werden. (S. Chlor, Bestim- 
mung desselben.) 

Manche organische Körper vereinigen sich , ohne gerade 
Säuren zu sejn, mit Bleioxjd; durch die Aufnahme desselben 
wird zuweilen eine gewisse Portion Wasser abgeschieden , was 
diese Substanzen durch Wärme allein nicht abgeben; jeden- 
falls erfährt man durch die Analjse dieser Verbindungen und 
der der reinen Substanz Alles, was man in Beziehung auf die 
Anzahl der Atome der Elemente erfahren will. 



58 

Andere Substanzen gehen weder mit Säuren noch mitMe- 
talloxjden Verbindungen ein; sie vereinigen sich aber im kri- 
stallisirten Zustande mit Wasser, dessen Bestimmung alsdann 
mit äufserster Sorgfalt vorgenommen werden muss. Man be- 
rechnet daraus mit derselben Sicherheit das einfache, halbe, 
doppelte etc. Atomgewicht der Substanz; dies hängt natürlich 
von der Anzahl der Atome des Wassers ab, das die Substanz 
aufnimmt. 

Beispiele. Zusammensetzung der Amjgdalin- 
säure. — Bestimmung des Atomgewichts der Säure. 
— 1,089 amjgdalinsaurer Barjt liefert, durch Schwefelsäure 
zersetzt, 0,234 schwefelsauren Barjt. Das Atomgewicht des 
schwefelsauren Barjts ist 1458,05, man erhält mithin das Atom- 
gewicht des amjgdalinsauren Barjts durch die Proportion: ^ 
0,234 : 1,089 — 1458,05 : x = 6783,37. 

Controle. 1,002 Barjtsalz liefern 0,182 kohlensauren 
Barjt. Daraus ergiebt sich das Atomgewicht des Salzes zu 
6790,00 ; im Mittel = 6786,68. 

0,668 Grm. desselben Salzes liefern 1,068 Grm. Kohlen- 
säure, mithin 158,88 pCt. Kohlensäure; 0,7235 Grm. liefern 
1,148 Kohlensäure, mithin 158,6 pCt. Kohlensäure. 100 Th. 
geben daher im Mittel 159,24 Kohlensäure. 

0,668 Grm. geben ferner 0,302 Wasser 
0,7235 - - - 0,326 



1,3915 0,628 

Bei der Verbrennung des Barjtsalzes mit Kupferoxjd ist 
kohlensaurer Barjt zurückgeblieben, dessen Kohlenstoff mit in 
Rechnung gebracht werden muss. Aus obiger Analjse ergiebt 
sich, dass 100 Th. amjgdalinsaurer Barjt nach dem Glühen 
hinterlassen: 18,17 kohlensauren Barjt. Diese enthalten 4,0718 
Kohlensäure, im Ganzen also 159,24 + 4,0718 z- 163,3118 
Kohlensäure. 

Man berechnet nun die erhaltenen Resultate auf 100 Th. 
amjgdalinsauren Barjt; was an 100 fehlt, ist Sauerstoff. Aus 



59 

den obigen Resultaten ergiebt sich, dass 100 Th. Barjtsalz ent- 
balten: 

Kohlenstoff 45,157 

Wasserstoff 5,014 

Barjt 14,098 

Sauerstoff 35,731 

100,000 

\Jm nun die Constitution der Säure, und damit die An- 
zahl der Atome ihrer Elemente, zu finden, berechnet man, wie 
viel Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff in der Summe der 
Atonizahlen aller Elemente, d. h, in dem ausgemittelten Atomge- 
wicht, enthalten ist. 

100 Th. amjgdalinsaurer Barjt enthalten: 

45,157 mithin 6786,68 3064,660 Kohlenstoff 

5,014 - 6786,68 340,284 Wasserstoff 

14,098 - 6786,68 956,706 Barjt 

35,731 - 6786,68 2424,948 Sauerstoff 

6786,598 

3064,660 ist die Summe der Atome des Kohlenstoffs in ei- 
nem Atomgewicht des Salzes; wird sie mit dem Gewicht von 
1 At. Kohlenstoff dividirt, so erhalt man die Anzahl der 
Atome Kohlenstoff = 

?5?M5 :::::: 40,09 At. Kohlenstoff, 

76,43T ' 

^^^^ ~ 54 At. Wasserstoff, 

6,2398 Gewicht v. 1 At. Wasserstoff 

956,706 . 4* P . 

.-.•,• • rzi 1 At. Baryt, 

956,88 Gewicht v. 1 At. Baryt 

2424,948 ,.. *. c . cc 

' — ^- .• zu 24 At. Sauerstoff; 

100 Gewicht V. 1 At. Sauerstoff 

die Formel für das Salz ist mithin: C^^ H-^ O^^ , Ba O. 

Die Vergleichung der procentigen Zusammensetzung, welche 
die Formel giebt, mit den Zahlen, welche durch die Analjse 



60 



erhalten wurden, zeigt nun, wie weit das Resultat des Versu- 
ches sich der theoretischen Zusammensetzung nähert. 

auf 100 Th. berechnet. 
40 At. Kohlenstoff . . . = 3057,480 45,28 

54 At. Wasserstoff . . . ==2 336,949 4,99 

l At. Barj't ~ 956,880 14,17 

24 At. Sauerstoff ... 1= 2400,000 35,56 

Atomgewicht nach der Formel = 6751,309 100,00 

Der gewöhnliche Gang der Berechnung der Anzahl der 
Atome der Elemente in einer analjsirten organischen Materie 
ist bei allen ganz so, wie in dem angeführten Beispiel ausein- 
andergesetzt wurde; die Formel, zu der man gelangt, ist der 
nächste Ausdruck der durch den Versuch gefundenen Zahlen; 
die Richtigkeit derselben muss nun einer strengen Prüfung un- 
terworfen werden. 

Dem Anschein nach stimmt das gefundene Resultat mit 
dem theoretischen so nahe, als sich nur wünschen lässt, über- 
ein ; dies ist , den Wasserstoff ausgenommen , bei allen an- 
deren Elementen eine hinreichende Bürgschaft ihrer Richtig- 
keit; allein bei diesem, wenn man sich erinnert, was über die 
Bestimmung des Wasserstoffs früher gesagt ist, beweist diese 
vollkommene Ueberelnstimmung, dass die Materie weni- 
ger Wasserstoff enthält, als die Formel angiebt. 

Es ist erwähnt worden , dass bei Körpern von hohem 
Atomgewicht die Wasserstoffbeslimmung einer Correction un- 
terworfen werden muss; dies ist bei der erwähnten Analjse 
nicht geschehen. 

Zieht man aber von dem in jeder Analjse erhaltenen 
Wasser 6 Milligrm. , als der Substanz nicht angehörend, von 
628 Wasser also 12 Milligrm., ab, so bleiben 0,616 Grm. 
Wasser, wonach sich für 100 Th. amjgdalinsauren Baryt nur 
4,91 Wasserstoff, also weniger, als die Formel giebt, berechnet. 
Nach der Formel C^^ H^^ O^^ BaO enthält dieses Salz 4,81 pGt. 
Wasserstoff, und dieser Gehalt stimmt mit dem corrigirten so 
nahe , als man bei Versuchen dieser Art nur erwarten kann. 



61 

Aus alle diesem kann mit genügender Wahrscheinlichkeit 
geschlossen werden, dass die Amjgdalinsäure nicht über 52 
Atome Wasserstoff enthalt, dass demnach das Atomgewicht des 
Salzes nur 6738,829 beträgt. 

Was den Kohlenstoff betrifft , so müssen die Gränzen der 
Beobachtnngsfehler aufgesucht und verglichen werden. 

Es ist klar, dass in dieser Analjse die Fehler in der Beob- 
achtung den Kohlenstoffgehalt vermindern. Wenn das Salz bei 
einem Atomgewicht von 6786,68 nur 39 At. Kohlenstoff ent- 
hielte, so würde seine Zusammensetzung durch die Formel 
Cgg H.^ O^- , Ba ausgedrückt werden müssen. Diese Formel 
giebt für das Atomgewicht des Salzes die Zahl 6874,872, welche 
dem gefundenen noch näher steht, als das oben berechnete; 
aber darnach würden 100 Th. Salz nur 43,35 pCt. Kohlenstoff 
geben dürfen. Darnach entspricht ein Unterschied von 1% 
pCt. Kohlenstoff einem Atom Kohlenstoff in der theoretischen 
Zusammensetzung, und es ist leicht zu bemerken, dass das 
Maximum des Verlustes nicht über 0,87 pGt. Kohlenstoff, d. h, 
nicht über Vz At. Kohlenstoff, betragen darf, wenn das Resul- 
tat nicht zweifelhaft sejn soll. 

Zieht man von dem Atomgewicht des Salzes das Gewicht 
von 1 At. Barjt ab, so erhält man das Atomgewicht der Säure 
6738,829 — 956,88 :=: 5782,049 , woraus sich ihre procentige 
Zusammensetzung berechnen lässt. 

Bei der Berechnung und Controle der Analjse einer or- 
ganischen Base wird das Atomgewicht durch die Quantität 
Säure bestimmt, mit welcher die Basis eine constante Verbin- 
dung bildet; sonst wird genau nach der beschriebenen Weise 
verfahren. 

Die Anzahl der organischen Substanzen, welche mit keiner 
andern von bekanntem Atomgewicht Verbindungen eingehen, 
deren Zusammensetzung sich also nicht controliren lässt, ist 
aufserordentlich klein; bei diesen muss man sich begnügen, das 
Atomenverhältniss ihrer Bestandtheile aufzusuchen und in der 
einfachsten Form auszudrücken. Mannazucker gehört z. B. zu 
dieser Art von Körpern, 2,735 Grm. lieferten durch die Ver- 



62 

brennung 4,097 Grm. Kohlensäure und 1,770 Grm. Wasser. 
Dies giebt für die Zusammensetzung in 100 Theilen: 

Kohlenstoff 39,7259 

Wasserstoff 7,72 lO 

Sauerstoff 52,5531 



100,0000 



Wenn man das Atomgewicht des Mannits zu 100 setzt , so 

.. . 39,7259 . 7,7210 

^"^ 76 437 ^^^ Anzahl der Atome des Kohlenstoffs, ^ .^^^g 

52 5531 

die Anzahl der Atome des Wasserstoffs und — '- die An- 

100 

zahl der Atome des Sauerstoffs ausdrücken. Da aber das Atom- 
gewicht unbekannt ist, so drücken die Quotienten lediglich das 
relative Verhältniss der Atome der Elemente des Mannits aus: 

0,518 At. Kohlenstoff 

1,238 At. Wasserstoff 

0,525 At. Sauerstoff 

Wenn man diese Verhältnisse näher ins Auge fasst, so 
sieht man sogleich , dass die Anzahl der Atome des Kohlen- 
stoffs in dem Mannit gleich sejn muss der Anzahl der Atome 
des Sauerstoffs; die Zahlen 0,518 und 0,525 weichen nur un- 
bedeutend von einander ab. Man bemerkt ferner, dass die 
Anzahl der Atome des Wasserstoffs, verglichen mit der Anzahl 
der Sauerstoffatome, gröfser ist, wie das Verhältniss, in wel- 
chem beide Wasser bilden. Wäre das Verhältniss wie im Was- 
ser, so würden auf 52 At. Sauerstoff vorhanden sejn müssen 
104 At. Wasserstoff; man hat aber 123,8, mithin sehr nahe 
Ve mehr. Auf 1 At. Sauerstoff sind darin enthalten 2,36 At. 
Wasserstoff, oder, letzteren in der nächsten ganzen Zahl aus- 
gedrückt, enthält der Mannit auf 3 At. Sauerstoff 7 At. Was- 
serstoff und 3 At. Kohlenstoff. 

Durch die Analjse des kristallisirten Rohrzuckers wurde 
folgende procentige Zusammensetzung erhalten: 



Kohlenstoff 42,301 ^^ = 0,553 

fi 4'=i4 

Wasserstoff 6,454 ~~- ~ 1,034 

Sauerstoff 51,501 ^^~ — 0,515 

100,000 

Man bemerkt hier, dass die Anzahl der Atome des Was- 
serstoffs genau doppelt so grofs ist, als die Anzahl der Atome 
des Sauerstoffs, dass mithin der Zucker beide Bestandtheile in 
dem Verhältniss wie im Wasser enthält. Die Anzahl der Sauer- 
stoffatome verhält sich zur Anzahl der Kohlenstoffatome, wie 
0,515 : 0,553, in ganzen Zahlen ausgedrückt wie 11 : 12. 
Nimmt man mithin an, der Zucker enthalte 11 At. Sauerstoff, 
so ist seine Formel : C^^ H^^ O^^. 

Sehr viele organische Körper, deren Atomgewicht sich di- 
rect nicht bestimmen lässt, zerlegen sich, wenn sie unter ge- 
wissen Umständen mit anderen in Berührung gebracht, mit 
Säuren, Alkalien behandelt werden, in neue Producte, deren 
Zusammensetzung entweder schon bekannt ist oder doch leicht 
ausgemittelt werden kann. Diese Zerselzungsweisen geben sehr 
wichtige Anhaltpunkte zur Beurtheilung der Zusammensetzung 
und zur Controle der Analjse ab. Zucker zerlegt sich , mit 
Ferment in Berührung , in Kohlensäure und Weingeist , Oxa- 
mid in Ammoniak und Kleesäure. Es ist klar, dass, wenn man 
bei der Zersetzung des ersteren die Quantität Kohlensäure, und 
bei dem Oxamid die Menge der gebildeten Kleesäure kennt, 
wenn man sich überzeugt hat, dass bei dem einen sonst kein 
anderes Product als Weingeist, und bei dem andern nur Am- 
moniak hierbei gebildet wird: dass man hieraus schon die Zu- 
sammensetzung mit vollständiger Gewissheit erschliefsen kann. 

Ein ganz wichtiges Mittel, um die Art der Zusammensetzung 
eines Körpers von unbekanntem Atomgewicht einer Prüfung zu 
unterwerfen, ist das übermangansaure Kali. Dieses Salz, mit 
einer auflöslichen organischen Materie gelinde erwärmt, zer- 
setzt sich in Manganhjperoxydhjdrat , die Ueberraangansäure 



•" 64 

giebt Sauerstoff an die organische Materie ab und es wird hier- 
bei , wenn die organische Substanz im Ueberschuss vorhanden 
ist, nur in seltenen Fällen der Kohlenstoff derselben oxjdirt. 
Durch die Oxjdation des Wasserstoffs entstehen organische 
Säuren, und zwar stets nur in dem Verhältniss, als das Kali be- 
darf, um davon neiitralisirt zu werden; die Flüssigkeit bleibt 
neutral. Die Säure, welche hierbei vorzugsweise gebildet wird, 
ist Kleesäure, in manchen Fällen Ameisensäure. Beide sind leicht 
bestimmbar; aus Ihrer Quantität und aus der Menge des Man- 
ganhjperoxjdhjdrats lässt sich die Zusammensetzung beurthei- 
len. Z. B. : Wenn eine reine Zuckerauflösung mit diesem Salz 
erwärmt wird, so erhält man neutrales kleesaures Kali undMan- 
ganhyperoxjd , indem auf 1 At. Kleesäiire (452,87) erhalten 
werden 2 At. Manganhjperoxjd (1091,78), woraus sich leicht 
berechnen lässt, dass der Zucker Wasserstoff und Sauerstoff in 
dem Yerhältnlss wie im Wasser enthält. 

Manche Indifferente stickstoffhaltige Substanzen zerlegen 
sich mit Alkalien in Ammoniak und in eine Säure, deren Atom- 
gewicht bestimmt werden kann. Dazu gehören z. B. Caffein, 
Asparagjn, Amjgdalln; man kann das Atomgewicht derselben 
leicht aus der Quantität der gebildeten Säure oder eines Ihrer 
Salze von einem bekannten Gewicht der Materie ausmitteln. 
So z. B. werden durch Behandlung von 1,357 Grm. Amjgdalln 
erhallen 1,592 amjgdalinsaurer Barjt. Das Atomgewicht des 
amjgdalinsauren Barjts ist 6738,829 , es verhält sich daher 
1,592 : 6738,829 =: 1357 : :v = 5797, dem Atomgewicht des 
Amjgdalins. 

Bei flüchtigen Körpern ist die Bestimmung des specifi- 
schen Gewichts seines Dampfes ein kostbares Mittel zur Con- 
trole der organischen Analjse. Das Verfahren , was hierbei 
angewendet wird, Ist von Dumas angegeben, von diesem aus- 
gezeichneten Chemiker zuerst in Ausübung gebracht und zu 
diesem Zweck angewendet worden. Die Beschreibung, Avelche 
Dumas von seiner Verfahrungsweise gegeben hat, urafasst 
alle Vorsichtsmafsregehi , welche ein genaues Besultat ver- 



65 

bürgen. {Traite de chimie par Dumas. Paris, Bediel jeune 
r. r. p. 45.) 



Bestimmung des speci fischen Gewichts der 
D'ämpfe flüchtiger Materien, als Mittel 
znr Bestimmung der Anzahl der Atome 
ihrer Elemente. 

Der Apparat, den man dazu benutzt, ist in hohem Grade 
einfach , und die ganze Operation mit Leichtigkeit und ohne 
grofsen Aufwand an Zeit oder Geschicklichkeit auszuführen. 
Die Aufgabe, welche man also zu lösen sucht, besteht in der 
Ausmittelung des Gewichts eines Dampfes von bekanntem Volum. 

Zu diesem Zweck wird ein passendes Gefäfs, gefüllt mit 
trockner Luft von bekannter Temperatur und Luftdruck, ge- 
wogen; man bringt alsdann die Flüssigkeit oder den flüchti- 
gen Körper hinein, von dessen Dampf das specifische Gewicht 
bestimmt werden soll; man erhitzt ihn darin etwa 30 — 40^* 
über die Temperatur seines Siedpunktes so lange, bis er gänz- 
lich in Dampf verwandelt ist, bestimmt die Temperatur des- 
selben, verschliefst das Gefäfs hermetisch und nimmt aufs neue 
sein Gewicht. Man kennt nun das Gewicht des Gefälses, mit 
Luft und mit Dampf gefüllt; nach der Reduction auf gleiche 
Temperaturen und Druck kann man das Gewicht beider be- 
rechnen , nachdem man vorher den Rauminhalt des Gefäfses, 
mithin das Volumen der Luft und des Dampfes, ausgemittelt 
hat. Das specifische Gewicht des Dampfes erhält man, wenn 
man das Gewicht eines gewissen Volumens durch das Gewicht 
eines gleichen Volumens Luft, beide von gleicher Temperatur 
und Druck, dividirt. 

Man verfährt auf folgende Weise; Man nimmt einen klei- 
nen trocknen und reinen Glaskolben von 3 bis 500 Kubikcen- 
timeter Inhalt (Fig. 16, Taf. IL), verbindet seinen Hals mit 
der Luftpumpe und dem Apparat Fig. 5, Taf. 1., pumpt die Luft 

5 



66 

aus und lässt durch Oeffnen des Hahns abwechselnd Luft wie- 
der einströmen; man erreicht hierdurch den Zweck, die feuchte 
Luft in dem Innern des Kolbens durch Luft zu ersetzen, welche 
beim Durchstreichen durch die mit Chlorcalcium gefüllte Glas-- 
röhre getrocknet worden ist. 

Man zieht nun den Kolben bei a in eine 6 — 8 Zoll lange, 
enge Röhre aus, glebt ihr eine Biegung bei />», schneidet die 
Spitze vermittelst einer scharfen Feile ab, und schmilzt in einer 
Spirituslampe den scharfen Rand derselben glatt. Das Glas des 
Kolbens darf sich bei dem Weichwerden nicht blättern oder 
schwärzen; es ist sonst schwierig oder unmöglich, die Spitze 
hernach schnell und leicht zuzuschmelzen. Man hat also eine 
Kugel oder einen Ballon mit einer ausgezogenen Spitze. Man 
wiegt nun den offnen ausgezogenen Ballon, und lässt ihn eine 
Zeitlang auf der Wage liegen, bis man sieht, dass sich durch 
Anziehung von Feuchtigkeit von der Oberfläche des Glases sein 
Gewicht nicht mehr ändert. 

Man hat nun in dieses Gefäfs die Flüssigkeit oder den ge- 
schmolzenen festen Körper zu bringen. Zu diesem Zweck 
erwärmt man den Bauch des Ballons gelinde , treibt damit 
eine Portion Luft heraus, und lässt ihn wieder kalt werden, 
während die offene Spitze in die flüssige Substanz hineintaucht; 
die Stelle der ausgetriebenen Luft wird von der Flüssigkeit 
eingenommen. Durch Abkühlen der Kugel vermittelst aufge- 
tröpfelten Aelhers lässt sich dies jederzeit und schnell bewerk- 
stelligen. Die Quantität der Flüssigkeit, die man eintreten 
lässt, richtet sich nach dem Volumen des Ballons; 5 Grm. kann 
man als das Minimum, und 10 Grm. als das Maximum betrach- 
ten. Wenn der Körper in dem Halse und der engen Röhre 
wieder fest wird, so muss dieser natürlich vorher erhitzt 
werden. 

Der Ballon wird nun in ein Wasserbad, Chlorcalciumbad, 
Ghlorzinkbad etc. gebracht, und dieses auf eine Temperatur 
erhitzt , welehe jedenfalls 30 bis 40° höher sejn muss , als der 
Siedpunkt des flüchtigen Körpers. Das Bad kann natürlich auch 
schon vorher bis auf die gewünschte Temperatur erhitzt sejn; 



67 

wan hat nie ein Springen des Ballons zu befiirchlen. Ein sehr 
genaues Thermometer zeigt seine Temperatur an. 

Der Kolben kann in dem Bade auf die mannichfaltigste 
Weise festgehalten werden, Fig. 17 zeigt eine solche Vor- 
richtung. Fig. 18 ist der Halter des Ballons. 

Sobald die Temperatur des Bades einige Grade über den 
Siedpunkt des Körpers gestiegen ist, entwickelt sich aus der 
offenen Spitze ein Strom seines Dampfes; er nimmt nach und 
nach ab, und nach 15 — 20 Minuten wird eine Flamme, in 
die Nähe der offenen Spitze gebracht, nicht im mindesten mehr 
bewegt. Sieht man , dass sich an der offenen Spitze , so weit 
sie sich aufserhalb des Bades befindet, kleine Tropfen der Flüs- 
sigkeit verdichten, so müssen diese jetzt entfernt werden. Man 
nähert derselben eine glühende Kohle, worauf die Spitze so- 
gleich davon entleert wird ; vermittelst eines Löthrohrs und 
einer in die Nähe gebrachten Spirituslampe wird nun die Spitze 
rasch erweicht ; sie schmilzt leicht und vollkommen zu. 

Das eiserne Gefafs des Bades wird nun vom Feuer ent- 
fernt, man nimmt den zugeschmolzenen Kolben aus dem Bade 
heraus, wäscht und trocknet ihn vollkommen ab, und nimmt 
mit der erwähnten Vorsicht sein Gewicht. 

Der Dampf der Substanz hat alle atmosphärische Luft bis 
auf eine kleine Quantität, die man bestimmen muss, ausge- 
trieben; das Volumen des Dampfes muss ebenfalls ausgemittelt 
werden. 

Zu diesem Zweck taucht man die Spitze des Ballons der 
ganzen Länge nach unter Quecksilber, macht mit der Feile 
einen Einschnitt nahe am Halse, und bricht die Spitze ab. Der 
luftleere Raum, welcher nach der Verdichtung des Dampfes 
bei gewöhnlicher Temperatur entstanden ist, wird nun durch 
Quecksilber ausgefüllt; es bleibt hierbei meistens eine kleine 
Luftblase zurück; sehr oft fiiilt er sich gänzlich an. Das Volu- 
men des Quecksilbers ist gleich dem Volumen des Dampfes in 
der hohen Temperatur, bei welcher der Kolben verschlossen 
wurde. Zur Bestimmung desselben leert man nun das Queck- 
silber in eine graduirte Röhre aus, und bemerkt sich die An- 

5* 



68 

zahl äe.r Kubikcentimeter, die das Quecksilber einnimmt. Man 
füllt nun das Gefäf's gänzlich mit Wasser an und misst das Vo- 
lumen des Wassers ; es beträgt meistens 1 bis 2 Kubikcenti- 
meter mefir, als das Volumen des Quecksilbers. Indem man 
beide von einander abzieht, hat man das Volumen der zurück- 
gebliebenen Luftblase. 

Aus den erhaltenen Resultaten lässt sich nun das speci- 
fische Gewicht des Dampfes berechnen. Das folgende Beispiel 
wird diese llechnungen versinnlichen. 

Beispiel. Bestimmung des speci fischen Ge- 
wichts des Kohlensäure-Aethers. Siedpunkt 125, 5°C. 
Der Ballon wog mit trockner Luft gefüllt 47,770 Grm., die 
Temperatur der Luft war 18°,6, der Barometerstand 33 f ',8. 
N.':ch Beendigung des Versuches fasste die Kugel, mit Wasser 
ausgemessen, 290 Kubikcentimeter, zu dem Volumen der darin 
enthaltenen Luft. 290 Kubikcentimeter Luft bei 18°,6 und 
33l'",8 B. geben bei 0° und 336'" B. 267,7 Kubikcentimeter. 
Da nun 1000 Kubikcentimeter Luft bei 0° wnd 336'^' B. 
1,299075 Grm. wiegen, so ist das Gewicht der 267,7 Kubik- 
centimeter Luft =0,34776 Grm. Zieht man von dem Gewicht 
des mit Luft erfüllten Ballons das Gewicht der Luft ab, 47,770 
— 0,34776 , so bleiben für das Gewicht der leeren Kugel 
47,42224 Grm. Die Kugel wurde in einem Chlorzinkbade erhitzt, 
die Oeffnung bei 150° C. und 331'",8 B. zugeschmolzen; ihr 
Gewicht betrug 48,431 Grm. Das in die Kugel eingetretene 
Quecksilber betrug 289,5 Kubikcentimeter (Temperatur des 
Quecksilbers: 18°, 6 C; Barometerstand: 332"')- ^»^ht man 
das (äewicht der leeren Kugel von der mit Dampf erfüllten ab, 
so bleiben für das Gewicht des Aetherdampfs 1,00876 Grm. 
Mimmt man an, das Volumen habe bei 150^ und 33l'",8 B. 
289,5 Kubikcentimeter betragen, so nehmen diese bei 0° und 
336'" Druck 182,98 Kubikcentimeter ein. Dieses Volumen 
Aetherdampf wiegt nun 1,100876 Grm., 1000 Kubikcentime- 
ter wiegen mithin 5,5129 Grm. Das specifische (gewicht des 

5 5129 

Kohlensäure Aetherdampfs iit demnach -^ zzz 4,243. 

^ 1,299075 



69 

Diese Bestimmung ist wohl hinreichend genau für die Con- 
trole der Analjse des Kohlensäure-Aethers, aber die Berech- 
nung kann unter Umständen ein fehlerhaftes Resultat geben, 
wenn man nicht auf den Umstand l\ückslcht nimmt, dass das 
durch das eingetretene Quecksilber gemessene Volumen des 
Dampfes weniger beträgt, als der Inhalt der Glaskugel; zieht 
man nämlich beide von einander ab, 290 — 289,5, so bleibt 
0,5 Kubikcentimeter Luft, welche mit den 289,5 Kubikcentime- 
tern die Kugel ausgefüllt hatte. Diese Luft ist aber mitgewogen 
worden; das wahre Gewicht des Dampfes erhält man mithin, 
wenn man von 1,00876 das Gewicht von 0,5 Kubikcentimeter 
Luft, auf 0°G. und 336''' B. reducirt, nämlich 0,00062, abzieht; 
es ist mithin 1,008135 Grm. 

Das Volumen des Quecksilbers, was in die Kugel einge- 
treten ist, drückt ebenfalls nicht genau das Volumen des Dampfes 
bei 150° aus; denn die 0,5 Kubikcenlimeter von Luft dehnten 
sich bei 150° um 0,23 Kubikcentimeter aus; ihr Volumen be- 
trug bei dieser Temperatur 0,73 Kubikcenlimeter, das Volumen 
des Dampfes ist also um 0,23 Kubikcentimeter zu grols ange- 
nommen; das wahre ist 289, !5 — 0,23 = 289,27 Kubikcenti- 
meter. Man sieht leicht ein, dass diese Correctionen das gefun- 
dene specifische Gewicht kaum merklich ändern. Beträgt aber 
der Luftrückstand über 2 Kubikcenlimeter, so muss er auf die 
oben angegebene Weise in Rechnung genommen werden. 

Das so eben beschriebene Verfahren zur Bestimmung des 
specifischen Gewichts des Dampfes ist keiner absoluten Genauig- 
keit fähig; die Volumina, welche man misst und wägt, sind zu 
klein, und wendet man grofse Kugeln an, so verliert der Appa- 
rat an seiner Einfachheit und Bequemlichkeit in seiner Handha- 
bung; er verlangt alsdann grofse, vollkommen gearbeitete Waa- 
gen. Alles dieses ist für den Zweck, den man erreichen will, 
nicht nöthig; es reicht hin, wenn die beiden ert-ten Decimal- 
stellen mit dem theoretisch berechneten specifischen Gewichte 
übereinstimmen; auf die Hichtigkeit der dritten kann man un- 
ter keinerlei Umständen zählen. Es ist aus diesem Grunde über- 
flüssig, die Ausdehnung des Glases und eine Correction des 



70 

Ouecksilberthermomelers in Rechnung zu nehmen. Die unbe- 
deutenden Aenderungen, welche diese Correctionen in dem ge- 
fundenen Resultate zu Wege bringen, wird man aus der Be- 
stimmung des speclfischen Gewichts des Kampherdampfes von 
dem Erfinder der Methode entnehmen. 

Ueberschuss des Gewichts des mit Luft und Kampherdampf 
gefüllten Ballons bei 13,5° und 0,742 Met. =z 0,708 Grm. 
Temperatur des Dampfes zu 244°. Volumen des Ballons zz: 295 
Kubikcentimeter. Das Gewicht der in dem Ballon enthaltenen 
Luft betrug bei 0° und 0,760 Met. 0,3559 Grm. 0,708 
4" 0,3559 =. 1,0639 Grm. ist also das Gewicht des Dampfes. 

Nimmt man an, das Volumen des Dampfes habe bei 244° 
ebenfalls 295 Kubikcentimeter betragen, und nuumt man auf 
die gröfsere Ausdehnung des Quecksilbers in der hohen Tem- 
peratur keine Rücksicht, so erhält man für das specifische Ge- 
wicht des Dampfes die Zahl 5,356. 

244° des Quecksilberthermometers entsprachen aber nur 
239° des Luftthermometer.«, Für jeden Grad des Luftthermo- 
meters dehnt sich ferner das Glas um Vssooo seines Volumens 
bei 0° C. aus Das Volumen des Dampfes bei 239° und 0,742 
Druck ist demnach : 

295 + ^^^ "^ ^^^ ~ 297 Kubikcentimeter. 
3500Ü 

Auf 0° C. und 0,760 Met. reducirt, betragt sein Volumen 
153,5 Kubikcentimeter, woraus sich das specifische Gewicht 
des Dampfes zu 5,337 berechnet. Die Unterschiede zweier Ver- 
suche sind aber unter allen Umständen gröfser, als der Unter- 
schied des corrigirten specifischen Gewichts von dem nicht cor- 
rigirten, so dass man sich mithin diese Berechnungen ersparen 
kann. 

Anwendung der Kenntniss des specifi sehen 
Gewichts eines Körpers von unbekanntem Atom- 
gewicht als Gontrole der Analjse. Die Zusammen- 
setzung des Kohlensäure- Aelhers ist durch die gewöhnliche Ver- 
brennung gefunden worden ; die höchsten Zahlen für seine 
procentige Zusammensetzung ergeben: 51,3075 Kohlenstoff, 



71 

8,5802 Wasserstoff und 40,1121 Sauerstoff. Diese Zahlea 
entsprechen der Formel C. H^^q O3 (s. Seite 62 u. 63). 

Die speclfischen Gewichte des Kohlenstoffdampfes, des 
Wasserstoff- und Sauerstoffgases verhalten sich nun zu einander 
wie ihre Atomgewichte ; es ist klar, dass in 1 Vol Kohlensäure- 
Aether die Volumina seiner Elemente Kohlenstoff, Wasserstoff, 
Sauerstoff sich wiederfinden müssen in dem Verhältniss wie 
5 : 10 : 3. Dieses Verhältniss kann doppelt oder nur V^mal 
so grofs seyn. Dies hängt von der Condensation der ßestand- 
theile ab, allein es muss sich gleich bleiben. 

Man sucht nun auf, wie viel Kohlenstoff, Wasserstoff und 
Sauerstoff in dem Gewicht von i Vol. Kohlensä'ure-Aether 4,243 
enthalten ist. 

100 Theile enthalten: 

51,3075 Kohlenstoff, also 4,243 .... 2,1769 

8,5802 Wasserstoff, - 4,243 .... 0,3645 

40,1121 Sauerstoff, - 4,243 .... 1,7018 

Die Zahl 2,1769 drückt aus die Summe der Volumina 
(der specif. Gewichte) Kohlenstoffdampf in einem Volum Aether- 
dampf; dividirt man sie mit dem Gewicht von l Vol. Koh- 
lenstoffdampf, d.h. mit seinem specifischen Gewicht =z= 0,84297, 
so erhält man die Anzahl derselben, nämlich 272. 

Das specifischc Gewicht des Wasserstoffgases ist 0,0688, 

mithin ist —^ zu: 5 die Anzahl der Volume Wasserstoff 

0,0688 

1 7018 

und — =: IVo die Anzahl der Volume des Sauerstoff- 

1,1026 ^ 

gases. 

Man sieht nun leicht, dass 2%: 5:1% sich verhält, wie 
5 : 10:3, woraus hervorgeht, dass die Analjse richtig ist. 
5 Vol. Kohlenstöffdampf wiegen 5 X 0,84279 = 4,2139 
10 - Wasserstoffgas - 10 X 0,0688 = 0,6880 

3 - Sauerstoffgas - 3 X 1,1026 =1 3,3078 

Die Summe derselben ist zz= 8,2097 
Die Zahl 8,2097 verhält sich zu dem gefundenen specifischen 



72 



(Gewichte 4,243 nahe wie 2:1, woraus hervorgeht, dass in 
einem Volumen Kohlensäure-Aetherdampf enthalten sejn muss: 
Vz Kohlenstoffdampf, ^% Wasserstoffgas und % Sauerstoffgas. 
Dies ist das Verhä'ltniss 2V2 : 5 : IVs, was oben gefunden wurde. 
Das Gewicht eines Volumens Kohlensäure beträgt nun 1,52400 

Aetherdampf - - 2,58088 

Die Summe Beider ist 4,10488 

Darnach enthält 1 Vol. Kohlensäure- Aether: 

l Vol. Aetherdampf ) 

^ XT 1 T^ 1 1 .. [ohne Verdichtung:. 

1 Vol. Kohlensauregas ) ^ 

Bei genauen Versuchen muss die Ausdehnung des Glases 

ebenfalls mit in Kechnung genommen werden. 



Angabe der Figuren in der Ordnung, wie sie auf 
den Seitenzahlen vorkommen. 



Tafel 1. 
Seite 6 Y'is;. 1, 2. 



7 - 


- 3. 




8 - 


. 4, 5, 6. 




10 - 


- 7. 




11 - 


- 8, 9. 




12 - 


■ 10, 11, 


12. 


13 


- 13, 14. 




14 ■ 


- 15, 16, 


18. 


16 - 


- 17, 18. 




17 ■ 


- 11, 19. 




18 ■ 


- 18, 20. 




19 


- 18. 




20 


- 11,21, 


22, 9, 


21 - 


- 21. 




22 ■ 


- 11. 





Tafel II. 
Seile 23 Fig. 1, 2. 



24 - 


- 3, 4, 5. 


25 - 


. 5 und Fig. 7, Taf. I 


26 - 


. 6, 7. 


42 - 


- 8. 


44 ■ 


- 9, 10. 


46 - 


- 11 a, 12. 


48 ■ 


- 11 a. 


49 


. 11 a, 11 h. 


50 


- 13 ß, 13 h, 14. 


51 


- 14, 15. 



Tafel III. 



siehe Seite 13. 
P s. S. 13. 

Ms. S. 13. 

m und n s. S. 22. 

S s. S. 19. 

ß ß ß ß s. S. 17. 

^; y ^^ j s. S. 22. 

a a a a s, S. 22 und Fig. U, Xaf. I. ß und oc. 



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lEaiib^rarbueh der ChemieMf. 



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'J'aßU/ 




^^ 



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HMÜMÜiMllilMMMlMM!! 



1 


1 


221,325 
442,650 
663,975 
885,3 
1106,625 


1 


1321,95 
1549,275 
1770,6110 
1191,925 
2213,25 


1 


2434,575 
2655,900 
2877,225 
3098,55 
3319,875 


i 


3541,2 

3762,525 

3983,850 

4205,175 

4426,5 


1 


4647,825 

4869,150 

40911,475 

5311,8 

5533,125 






Kohle 


n s t 


ff. 




II 


C; 




C,i 




C-, 


1910,875 


C,, 


2828,095 


c„ 


3745,315 


d 


152,870 


c 


1070,090 


^■^, 


1987,31 


c„ 


2904,53 


^v, 


3821,75 




229,305 


c;,. 


1146,525 


c„. 


2063,745 




2980,965 


^, 


3898,185 


c. 




l^,n 


1222,960 


l^,, 


2140,18 


c^ 


3057,4 




3974,620 


C- 




C„ 




c^ 


2216,615 


C., 


3133,835 


Ca 


4051,055 


c, 


458,610 


i;„ 


1375,83 




2293,05 


c,. 


3221,027 


C5, 


4127,490 


c. 


535,045 


c„ 


1452,265 


C31 


2369,485 


^„ 


3286,705 




4203,925 


^ 


611,480 


(-0 


1528,7 


Cjj 


2445,92 


t^„ 


3363,14 


L.V, 


4280,36 


1^0 


687,915 


l^„ 


1605,135 




2522,355 


^,'. 


3439,575 


^■r.-, 


4356,795 


c,„ 


764,3511 


S 


1681,570 


c„ 


2598,790 




3516,01 




4433,23 




840,785 


L„ 


1758,005 


c,, 


2675,225 


^7 


3592,415 


S" 


4509,665 


l^,= 


917,220 


L,4 


1834,410 


^« 


2751,660 


^, 




l^» 


4586,1 



S C 1. W f C 1. 


sj 


201,165 
402,330 


sl 


603,495 
804,66 


S5 1005,825 
S„ 1206,99 


S, 
Ss 


1408,155 
1609,32 


t 


1810,485 
2011,65 







S t 


ic 


^ S t f f 








N, 


88,52 


N, 


442,6 


Nn 


796,68 


N,i 




N„ 








177,04 


!> 


531,12 


N,„ 


885,2 


N,, 


1239,23 


N„ 









265,56 


«, 


619,64 


N„ 


973,72 




1327,80 


N,n 








354,08 


Ws 


708,16 




1062,24 




1416,32 


1^,0 


1770,40 



























Wasserst 


ff 






Hj 


6,23975 


M;„ 


193,43225 


S- 


380,62475 


H„ 


567,81725 


H,„| 


755,00975 




12,4795 




199,672 




386,8645 


ti^ 


574,057 


H,.„ 


761,2495 




18,71925 




205,91175 




393,10425 


U„ 


580,29675 




767,48925 




24,959 




212,1515 


^ 


399,344 


H„ 


586,5385 


H|„, 


773,729 






^hj 


218,39125 


H«,-, 


495,58375 


H», 


592,77625 


H,„ 


779,96875 




37,4385 


H.Vi 


224,631 


H» 


411,8235 


H% 


599,016 


Hl'H' 


786,2085 




43,67825 




230,87075 


Hr„ 


418,06325 


H.7 


605,25575 


H,„, 


792,44825 


» 


49,918 


H.vs 


237,1105 


H« 


424,303 


H^ 




H„, 




H9 


56,15775 




243,35025 


Ha. 


430,54275 


H^ 


617,73525 


H,oo 


804,92775 


H„ 


62,3975 




249,59 




436,7825 


H,„ 


623,975 


Hnn 


811,1675 


" 






255,82975 




443,02225 




630,21475 


H,i, 




Hr3 


74,877 


"« 


262,0695 


H„ 


419,262 


'■„r. 


636,4545 


Hn- 


823,647 


81,11675 


H« 


268,30925 




455,50175 


Hfm 


642,69425 


Hn, 


829,88675 


Sil 

H=o 


87,35650 


n" 


274,549 




461,7415 


H,o, 


648,934 








2: 


280,78875 




467,98125 




655,17375 


H,r 


842,36625 




287,0285 




474,221 


H™ 


661,4135 


H n 


843,606 




293,26825 


u" 


480,4607 


•1,07 


667,65325 


H ; 








H7, 


486,71015 


H,™ 


673,893 


Hn, 


861,0855 






«7. 


492,94025 


H|m 


680,13275 


H 


867,32525 






> 


499,18 


H|m 


686,3725 


H 








8, 




Hffi 




H,„ 




13 1,2745 


"I3 




H» 


511,6595 


H„„ 


698,852 


h' 


886,0445 


143,51425 




'«, 


517,89925 


H,n 




H„i 










"s, 










898,524 
904,76375 




Il„ 
H-, 


343,18625 


H«, 


530,37875 


H||' 


717,57125 


H, - 


1 


168,47325 
174,713 
180,95275 
187,1925 


349,426 

355,60575 

361,9055 

368,14525 

374,385 


5: 
1 


536,6185 

542,85825 

549,098 

555,33775 

561,5775 


Hxio 
H117 
Hu8 
11^ 


723,811 

730,05075 

736,2905 

742,53025 

748,77 


iE 


911,0035 
917,24325 
923,483 

935!9625 



Ammoniak N^ H 

Barjt B,i 

Blei Pb 

Bleioxjd Pb O 

Chlorwasscrstoffsäure . . H, CI, 

Chlorkaliura K CI, 

Chlorsilber A» Ci, 

Kalk Ca 

Kohlensäure C O5 

Kohlensaurer Barjl . • . EaO, CO, 
Kalk ...CaO, CO, 

Kupferoxj-d Cu 

Schwefelsäure S O3 

Schwefelsaurer Barjt. . BaO , SO, 
Blciox;(l Pb , S O3 



l^^MlMÜilMMilMMMMlilliMlPÜilPlpp 


214,47 


Schwefelsaures Kali 


.. KO 


SO, 


. . . 1592,25 


P 


956,88 




Kalk 


..CaO 


,sol 


. . . 857,18 


\M 


1294,50 


Silber.. . 




Ag 


. . . 1351,61 


1 


1394,50 


Wasser . 




H, 0- 


- Aq 


. . . 112,48 


455,14 










. . . 224,96 


932,57 








M, 


. . . 337,44 


1794,25 








Aq 


. . . 449,92 


Im 


356,02 








Aq! 


. . . 562,40 


[S 


276,44 








Aq.' 


. . . 674,88 


w 


1233,32 








A 


. . . 787,36 


\mi 


632,46 








^^ 


. . . «99,84 




495,70 








. . . 1012,32 


lEnl 


501,16 
1458,05 








^r 


. . . 1124,80 
. . . . 1237,23 


g 


1895,66 








Aq,., 


. . . 1349,75 


S 



Gefunden 


Gesucht •• 1 - 1 3. 


4. 


5. 


6. 


~ 


8. 


9. 


m 


Blei 


Bleioxjd 


1,07725 


2,15450 


3,23174 


4,30899 


5,38623 


6,46343 


1,54012 


8,61197 


9,69521 


1 


Bleioxyd 
Pbü 


Blei 
Pb 


0,92829 


1,85658 


2,78487 


3,71316 


4,64145 


5,56914 


6,49803 


1,42632 


8,35461 


1^ 


Bleioxvd 


Sauerstoff 


0,07171 


0,14342 


0,21513 


0,28684 


0,35855 


0,43026 


0,50191 


0,51368 


0,64539 


l 


Chlorkalium 
KCl 


Chlor 

CI, 

Chlor 


0,47466 


0,94932 


1,42398 


1,89864 


2,31330 


2,84196 


3,32262 


3,79728 


4,21194 


d 


Cblornalrium 


0,60344 


1,20688 


1,81032 


2,41376 


3,01120 


3,62064 


4,42408 


4,82752 


5,43096 


1 


Chlorsilber 

ClÄr 

Cht?s?^er 
AgCI, 

Chlorsilber 

AgCI, 
Chlorwasserstoff 

K^^'= 


chio'; 

CI, 
Chlor">,-asserstoffsäure 

CI, H, 
Silber ' 

Ag 
Silbero..ijd 

AgO 
Chlor 

"'^ 

Kohle 

C 
Kohlensäure 

CO, 
Bar;t 

BaO 
Kohlensäure 

CO, 
Kalk 

CaO 

"^:o 

Kali 

KO 
Kalk 

CaO 
Silberoxyd 

AgO 
Ammoniak 

N,H, 
Cj'au 

N,C, 
Sauerstoff 


Wasserstoff 

H, 


0,24670 
0,25366 

0,80903 


0,49340 
0,50732 
1,50660 
1,61806 


0,14010 
0,16098 
2,25990 
2,42709 


0,98680 
1,01464 
3,01320 
3,23612 


1,2335« 
1,2683« 
3,16650 
4,04515 


1,48020 
1,52196 
4,51980 
4,85418 


1,1269» 1,91360 
1,11565 2,02928 
5,21310 ' 6,02640 
5,66321 6,41224 


2,22030 
2,28294 
6,11910 
1,28121 


i 


0,97258 
2,15805 


1,94516 
4,31610 


2,91774 
6,47415 


3,89032 
8,63220 


4,86290 
10,19025 


5,83548 
12,94830 


6,80806 
15,10635 


1,18064 
11,26440 


8,15322 
19,42245 


1 


Kohlensäure 

CO, 
Kohlensaurer Barvt 

BaO, CO, 
Kohlensaurer Barvt 

BaO, CO, 
Kohlensaurer Kalk 

CaO, CO, 
Kohlensaurer Kalk 

CaO, CO, 
Schwefelsaurer Baryt 

BaO.SOj 
Schwefelsaures Kali 

KO,S03 
Schwefelsaurer Kalk 

CaO,S03 
Silber 

Ag 
Stickstoff 

N, 
Stickstoff 


0,27651 


0,55302 


0,82952 
0,67242 


1,18603 
0,89656 


1,38254 


1,65905 


1,93556 


2,21206 


2,48857 


i M 


1,34484 


1,56898 


1,79312 


2,01726 




0,17586 
0,43708 
0,56292 


1,55172 
0,87416 
1,12584 
1,31256 


2,32158 
1,31124 
1,68876 
1,96884 


3,10344 
1,74832 
2,25168 
2,62512 


3,87930 
2,18540 
2,81460 
3,28140 


4,65516 
2,62248 
3,37752 
3,93168 


5,43102 
3,05956 
3,94044 
4,59396 


6,20688 
3,49664 
4,50336 
5,25024 


6,98274 
3,93372 
5,06628 
5,90652 


i 


0,54067 
0,41532 


1,08134 
0,83064 


1,62201 
1,24596 


2,16268 
1,66128 


2,10335 
2,01660 


3,24402 
2,49192 


3,18469 
2,90724 


4,32536 
3,32256 


4,86603 
3,13188 


1 


1,07391 


2,15082 


3,22412 


4,29863 


5,31253 


6,44644 


1,52034 


8,59425 


9,66815 


p 


1,21147 


2,42294 


3,63441 


4,84588 


6,05135 


7,26882 


8,48029 


9,69176 


10,90323 


8 


1,86351 


3,72102 


5,59053 


7,45404 


9,31155 


11,18106 


13,04451 


14,90808 


16,11159 


8 


w!ier 
H,0 

Wasser 
H,0 


0,88889 
0,11111 


1,17178 
0,22222 


0,33334 


3,55555 
0,44445 


4,44444 
0,55556 


5,33333 


6,22222 
0,77118 


1,11110 
0,88890 


1,99999 
1,00001 


! 



, bei 0° C. und 0,76 Meter Baronieter- 
Kubikcentinietern 




iil^MÜlOMl^l^MMlMMMQiaiaiQMMllÜMMllQMllTllOMMMll^ 



Liföttß und Jhffse naor/p Il afU!im0 rfcfil>uch der r/*-c fm 



'/ä/HET. 



L/>^ü/s/faü-.^panil /m orefam'srAe/?. . ^m//i/sm 



(/t r I Zur //r/ir (iro-i.se ) 




( ). O^jfhuriff, /»e/c/>e mtl der Of.h/m/etum/öhrf oer^uJidfH fj/eda^/d r//</de// /nm\i . 
f. Oe/jfnii/i^, ///d n/r/cJier dd' Sau^rö/tre //cr/nrnde/t 7mrd . 
^M!. ßrffssfi- ^. Alcine Mtffe/ . 

/fl . Sc^efd>e/ro//re drr f/rosgen _ //. ScAr/d!:r/rö/ir(' der /deiMr//. A'un/e/. 

S. jOer/erd//(' T'/ted e/es . ippfutds , ii^ck/fer 7»dJ/rer/.d der /^ert!fre7f/iu/f(jf dnrd/ dyry/df-///e l/der/mjre 
um ^2 lo/f je/e/nj/>eM mrd . 
'XO^oC-iC. Stand der /Mi/yf/t^ßt wtfA (i^^M ?üde// r/r.f . Appnrrr/eci . 

■v/'vJA/. -^S/mtd e/rr /irddef/ft/e , »«rAf^e/M wan f/trrc/i J* r//pa,r Lit/f ffi(<fßesnii^f/tai, f/f» zu seAeu 
olf ä//r 77/ci/r r/'r.^- ///mxe/t /-e/'///v//M//i<^s-. i/jpfryr/^rs /ttffr/f'rA/ ffz-rfit-f/zd^/? .sind , 
^Dieses ü/ der FnM ufenu dd'.fer Sff/7id /d/u/err Zcd iii/pr/rrm/e// /j/r/M. 
'/''^/ .»S'/ßtya/ d^fr /icddu/(^e n/vcA tfo//er/dfde/- l'crA/r/i//////f/ . 

/ 'fi})'r' A^hwd f/erÄh^i/au^e naeAd^e'w nf'i? Spdzr e/tv / rr/yrr///nt//(js/ö/trr (f6</r/i?-ot//r'N ///ar^ 
de^t f..d . 



|lr0fpectu0. 

Handwörterbuch 



de 



reinen undangewandten 

Chemie. 



In Verbindimg mit mehren Gelehrten 

herauügeg^eben 
von 

Dr. InÜm Cieliig "nd Dr. 3. C IPoggmöorff, 

Professoren an den Universitäten in Giefsen und Berlin. 



In 5 Bänden. 



Brau 11 schweig, 
Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 



1836. 



Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verflossen, seit Deutschland zum 
letzten Male, — aus den Händen von Klaproth und Wolf f, — ein 
vollständiges Wörterbuch der Chemie erhalten hat Der Beifall, mit wel- 
chem dasselbe aufgenommen worden ist, die ehrenvolle Stellung, die es 
lange Zeit neben später erscheinenden Lehr- und Handbüchern behaup- 
tet hat, sind sprechende Beweise nicht blos im Speciellen für die zeit- 
gemäfse Güte dieses Werks, sondern auch überhaupt für den grofsen 
Nutzen der lexikalischen Abfassung und deren eigenthümhchen Vorzüge 
vor der systematischen bei einer so weitläuftigen Erfahrungswissenschaft, 
wie die Chemie. 

Seitdem hat die Chemie eine gänzliche Umgestaltung erfahren, und 
einen Aufschwung genommen, der wahrhaft erstaunlich ist. Noch jetzt 
eilt sie mit unaufhaltsamem Laufe ihrer Vollendung entgegen. Mit jedem 
Tage erweitert sie ihr grofses und fruchtbares Gebiet, mit jedem nimmt 
sie innerhalb desselben an Bestimmtheit und Reichhaltigkeit zu. Allein 
diese innere Ausbildung hat nicht gleichen Schritt gehalten mit der Ent- 
wicklung nach aufsen. Es ist immer mehr Land entdeckt, als urbar ge- 
macht. Trotz der Auffindung zahlreicher Analogien, welche die Einsicht 
in die verwickelten Aeufserungen der chemischen Verwandtschaftskräfle 
erleichtern; trotz der grofsen Entdeckungen, durch welche mit gewich- 
tigen Thatsachen zugleich auch höhere Gesichtspunkte für die Theorie 
gewonnen wurden; ja trotz der Feststellung jener alles Quantitative be- 
herrschenden Gesetze, welche selbst, innerhalb gewisser Gränzen, die 
Vorausbestimmung von Maafs- und Gewichtsverhältnissen erlauben; — 
trotz aller dieser unzweifelhaften Kennzeichen eines Vorrückens in wah- 



rer Wissenschaftlichkeit, bietet dennoch die heutige Chemie eine überaus 
grofse Masse vereinzelt stehender, noch unter keine Regeln gebrachter 
Thatsachen dar, deren Aneignung eben so schwierig ist, als ihre genaue 
Kenntniss für eine erfolgreiche Ausübung dieser Wissenschaft unerläss- 
lich genannt werden muss. 

Und gerade dieser Zustand einer ungleichmäfsigen Ausbildung, der 
übrigens in einer reichhaltigen und rasch fortschreitenden Wissenschaft 
unvermeidlich, ja für die schaffende Thätigkeit in derselben höchst er- 
freulich ist, macht, dass die Chemie, noch heut wie vor Jahrzehenden, 
ganz besonders für eine Darstellung in lexikalischer Form geeignet ist, 
und nicht nur ohne Schaden, sondern vielmehr mit eigenthümlichen 
Vortheilen in dieser Gestalt vorgetragen werden kann. Ein Wörterbuch 
hat im Allgemeinen den grofsen Vorzug, dass es alle auf einen Gegen- 
stand bezügliche Fragen an Einer Stelle beantwortet, geradezu und voll- 
ständig, ohne von anderweitigen Kenntnissen viel vorauszusetzen; wäh- 
rend das systematische Handbuch aus Liebe zu seinem — oft nicht ein- 
mal glücklich gewählten — Sjsteme denselben Gegenstand stückweise 
an vielen Orten vorträgt, und es der Einsicht des Lesers überlässt, sich 
daraus die Antwort zusammenzusetzen. Indem ein Wörterbuch der Chemie 
dasjenige in abgesonderten Artikeln vorträgt, was gerade für einen spe- 
ciellen Zweck besonders wissenswürdig ist, beseitigt es zum bedeutenden 
Theil die gröfste und im Grunde einzige Schwierigkeit beim Studium 
dieser Wissenschaft, diejenige nämlich, welche aus der unübersehbaren 
Masse der dem Gedächtniss aufzudrängenden Thatsachen entspringt. Es 
erleichtert nicht nur das erste Erlernen und das Wiedereinprägen des 
bereits Vergessenen, sondern es macht die Chemie auch zugänglich und 
nutzbar für alle diejenigen, welche, ohne diese Wissenschaft in ihrem 
ganzen Umfange studiren zu können oder zu wollen, dennoch in einzelnen 
Zweigen derselben eine specielle und gründliche Kenntniss erwerben müssen. 

Daher entspricht denn ein Wörterbuch der Chemie vorzugsweise 
den Bedürfnissen der Aerzte, Apotheker und GcAverbtreibenden aller 
Art, denen das Studium dieser Wissenschaft nicht genugsam anzuem- 
pfehlen ist. Man hat es oft gesagt, aber man kann es nicht zu häufig 
wiederholen : Die Chemie ist die nützlichste und zugleich populärste al- 
ler Naturwissenschaften. Statt andere Wissenschaften bei gesteigerter 
Ausbildung sich dem Leben mehr entfremden und in sich abschllefsen, 
hat die Chemie, trotz ihrer Riesenfortschritte, nicht aufgehört, immer 
tiefer in die physischen Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft 
einzugreifen, immer mehr den Wohlstand der Staaten begründen zu 
helfen. Mit den Gewerben und den meisten Zweigen der Industrie, mit 
der Heilkunde und den übrigen Naturwissenschaften, mit Allem, was zu 
den Bedürfnissen und Annnehmlichkelten des Lebens gehört, im engsten 
Verbände stehend, glebt es Niemand, der sie ganz entbehren kann. Nie- 
mand, der sie ohne wahren Gewinn kennen gelernt hat. Sie ist vorzugs- 
weise dazu berufen, ein Gemeingut aller Gebildeten zu werden. 

Betrachtungen dieser Art haben die Unterzeichneten veranlasst, zu 
glauben, dass die Herausgabe eines so lange entbehrten, dem gegenwär- 
tigen Zustande der Wissenschaft entsprechenden Wörterbuchs der Che- 
mie kein überflüssiges Unternehmen sejn würde, und sie haben sich um 
so mehr zu dieser Arbelt entschlossen, als nicht nur bei der Eigenthüra- 
lichkeit der Form eines solchen Werks, sondern auch bei der gröfseren 
Ausdehnung, die man von jeher gewohnt gewesen ist, darin den Ge- 
genständen zu geben, keine erhebliche Collision mit den vorhandenen, 



zum Thell vortrefflichen Hand- und Lelirbücbern zu besorgen steht. 
Um diesen Ausspruch zu rechtfertigen, erlauben sie sich hier, den Plan 
ihres Werkes kurz anzudeuten, wiewohl sie wünschen, dass derselbe 
mehr aus den zugleich ausgegebenen Heften als aus diesen Andeutungen 
beurlheilt werden möge. 

Die reine Chemie, in ihrem ganzen Umfange, wird den Stamm des 
Werkes bilden. Alle Erfahrungen^ alle Theorien, durch welche dieselbe 
bis in die neueste Zeit hinein erweitert und vervollkommnet ist, sollen 
sorgfältig benutzt werden. Besonders soll die Chemie der Körper orga- 
nischen Ursprungs, die in neuerer Zeit so aufserordentliche Fortschritte 
gemacht hat, aber dennoch nicht in allen Theilen so abgeschlossen und 
begründet dasteht, wie die sogenannte organische Chemie, eine ganz 
vorzügliche Beachtung finden, das Zuverlässige und Taugliche von dem 
Ungewissen und Verwerflichen gesichtet, und zweifelhafte Angaben so 
viel wie thunlich durch eigene Versuche geprüft und berichtigt werden. 
Es sollen zur Bereitung chemischer, pharmaceutischer und technischer 
Präparate Immer die besten Vorschriften gegeben, die chemischen Ope- 
rationen auseinandergesetzt, und dabei sowohl die nöthlgen Handgriffe 
als auch die zweckmäfsigsten Geräthe und Werkzeuge beschrieben, und 
letztere durch Abbildungen erläutert werden. 

Aufser der reinen Chemie, liegt es in der Absicht, das Wörter- 
buch auch auf die mannichfaltigen Zweige der angewandten auszudeh- 
nen, in so weit, dass es, ohne gerade ein Lexikon der Technologie zu 
sejn, doch von jedem technischen Chemiker und Fabrikanten mit Nutzen 
zu Rathe gezogen werden kann in allen Fällen, wo der vorthellhafte Be- 
trieb und die Vervollkommnung seines Geschäfts eine rationelle und 
gründliche Einsicht in die chemischen Operationen erheischt. 

Aus ähnlichem Grunde wird die pharmaceutische Chemie eine ganz 
besondere Berücksichtigung erhalten, und die Phjsiologie in so weit be- 
rührt werden, als sie zum Verständniss der chemischen Vorgänge im 
Organismus nothwendig ist. 

Da endlich ohne eine gewisse Kenntniss der Mineralogie, und be- 
sonders der Phjsik, nicht füglich eine erfolgreiche und rationelle Betrei- 
bung der Chemie möglich Ist, so soll aus beiden Wissenschaften dasje- 
nige ausgehoben werden, was von ihnen dem Chemiker vorzugsweise 
zu wissen nöthig ist. 

Im Ganzen also werden die Herausgeber ihrem Werke denselben 
Umfang und denselben Gehalt zu geben trachten , welchen man auch 
schon früher vollständigen Wörterbüchern der Chemie verliehen hat, 
nur dass sie Ihm eine dem gegenwärtigen Standpuncte der Wissenschaft 
angemessene Ausarbeitung verleihen, und es sich dabei zur Hauptaufgabe 
machen, durch einen klaren und bündigen Vortrag jedermann verständ- 
lich zu werden. 

Der äufsere Umfang des Werks ist auf 4 bis 5 Bände von etwa 
50 Bogen berechnet; zur schnelleren Verbreitung desselben wird es in 
Lieferungen von 10 Bogen ausgegeben werden. Die beiden ersten Lie- 
ferungen sind bereits versandt; aus ihnen wird man zugleich die Form 
und den Gehalt des Ganzen entnehmen können. 

Um das Werk rascher zu fördern, als es den Herausgebern bei ih- 
ren anderweitigen Geschäften möglich sejn würde, haben dieselben sich 
mit einer Anzahl von Gelehrten anerkannten Bufs zur gemeinschaftlichen 
Ausarbeitung desselben verbunden. Die Herren Dr. Buff in Cassel, Prof. 
Erdmann in Leipzig, Prof Gaj-Lussac in Paris, Prof. Graham in 



Glasgow, Prof. Ch! Henrj in Manchester, Prof. Kane in Bubiin, 
Prof. G. Magnus in Berlin, Dr. Mohr in Coblenz, Dr. Molden- 
hauer in Darmstadt, Prof. Otto in Brannschweig, Prof Pelouze in 
Paris, Prof. H. Rose in Berlin, Prof Turner in London, Prof F. 
Wo hl er in Göltingen haben den Herausgebern ihre Mitwirkung zuge- 
sagt, und Herr Prof Dr. Schweigger-Seidel in Halle wird von 
der dritten Lieferung an, die Pxedaction des Wörterbuchs mit übernehmen. 
Mit solcher Hülfe gedenken sie dasselbe ohne Uebereilung in wenigen 
Jahren zu Stande zu bringen, 

Giefsen und Berlin, im September 1836. 

Dr. Justus Liehig. Dr. J. C. Poggendorfj 



Dem Vorstehenden haben die Verleger nur die Bedingungen, un- 
ter denen das W'erk erscheint, hinzuzufügen : 

1) Diejenigen verehrlichen Käufer, welche ihre Bestellungen sofort 
und bis zum Schlüsse dieses Jahres machen, erhalten jede 
erschienene und bis zur Beendigung des Werks erscheinende 
Lieferung von 10 Bogen, in der Räumlichkeit des Gonversa- 
tions-Lexikons, für den ersten Subscriptlonspreis von 
16 Ggr. oder 1 fl. 12 Xr. Rheinl. 

2) Bei Bestellungen, die nach dem Schlüsse dieses Jahres und bis 
zur Leipziger Ostermesse 1837 eingehen, trilt der zweite Sub- 
scriptionspreis von 20 Ggr. oder 1 fl. 30 Xr. Rheinl. für 
jede erschienene und später erscheinende Lieferung ein. 

3) Die Bestimmung des nach Vollendung jeden Theiles ein- 
tretenden höheren Ladenpreises behalten wir uns vor. 

4) Vorausbezahlung irgend einer Art wird nicht verlangt, dagegen 
bleibt es Bedingung, dass die Subscriben(en den Betrag für 
jede Lieferung sofort bei Empfang derselben zahlen, und nur 
mit dem Schlüsse eines Bandes zurücktreten dürfen. 

5) Alle solide Buchhandlungen sind in den Stand gesetzt, Privat- 
sammlern, auf 12 Exemplare ein 13tes gratis zu bewilligen. 

Indem wir durch einen für Werke der Art ungewöhnlich billigen 
Preis, und durch die Einrichtung, dass die verehrlichen Subscribenten 
sich durch die bereits erschienenen Lieferungen vollständig von dem Plane 
und Gehalte des Ganzen unterrichten können , Alles gethan zu haben 
glauben , was zur Erleichterung des Ankaufs irgend geschehen konnte, 
empfehlen wir dieses wichtige Werk der Theilnahme 6es Pubhkums. 
Braunschweig, d. 1. Ort. 1836. Friedr. Vieiveg Sc Sohn. 



Der grofse Beifall, welchen das Handwörterbuch der Chemie gefun- 
den, hat die starke Auflage schon vor dem Schlüsse des Jalires vergreifen 
lassen, und es haben bei weitem nicht alle Bestellungen befriedigt werden 
können. Indem wir daher die Erscheinung eines zweiten, jedoch 
durchaus unverändertenAbdrucks der beiden ersten Lie- 
ferungen anzeigen, verlängern wir aus eben diesem Grunde zugleich 
den ersten Subscriptionstermin bis zum Schlüsse der Leipziger 
Ostermesse. Nach dem Isten Mai d. J. tritt unwiderrufflich der zweite 
Subscriptionspreis von 20 Ggr. für jede Lieferung ein, der bis zur Been- 
digung des ersten Bandes bestehen bleibt. 

Braun schweig, Jannar 1837. Friedr. Vieweg & Sohn. 



93ei ^vtebvid) S3teweg in 93raunfd)ttjeig ffnb ferner ct^fc^iencn : 

J. von den Brincken, Ansichten über die Bewal- 
dung der Steppen des Europäischen Russlands, mit allgemeiner 
Beziehung auf eine rationale Begründung des Staatswaldwesens. 
Mit Kupfern und Karlen. 4. geh. 3 Thlr. 8 Ggr. 

®at)=Suffac, aSoHjldttbtger Utttem(^t über ba^ SSer- 

faf)ren, ©ilbec auf naffem SCBege p pvobircn. ^eutfrf) beavheiUt 
»om ^rofeffor Dr. Suftuö Sieb ig in liefen. 50lit 6 Äupfer= 
tafetn. gr. 8. ge^ 1 S^tr. 6 ®gr. 

^atlep^ Dr. e^r. griebr., ®tc Snbifd)e ^oUxa 

m^ allen if)ren SSegie^ungen; gefrf)icl^tl"id9, pat^ologifd^:biagno|lifdf), 
ti^erapeutifd), unb aH ©egenftanb ber ^taaU= unb ©anttatö^^os 
liäei bargefteat. 2 2C6tf)etlungen. gr. 8. gel). 3 3:()lr. 16 @gc. 

^ec(et, @., Ueber bie SSdrme unb beren SSemenbunc; 

in ben fünften unb ©ewerben. @in »oUjldnbigeg unb n6ti)igeg 
»^anbbuc^ für ^{)9ft!et:, Sed[)notogen, gabrifanten, SiÄec!)am?er, 
2Crc^ttelten, ^orffcs unb ^uttenmdnner. 3Cug bem ^ranäöftfdben 
uberfe|t unb mit ben nöt^igen 3ufä^en für ^eut[ct)lanb oerfel)en 
t)on Dr. @. ^. 2(. «f)artmann. 2 3;t)le. mit 27 Äupfertaf. gr. 8. 

4 Sl^lr. 20 @gr. 
Scipio Breislack's Lehrbuch der Geologie, nach 

der zweiten umgearbeiteten französischen Ausgabe mit stäter 
Vergleichung der ersten italienischen übersetzt und mit An- 
merkungen begleitet von Fr. K. von Strombeck, In drei 
Bänden mit den Kupfern des Originals, gr. 8. 9 Thlr. 

Wiegmann, Prof, Dr. A. F., Ueber die Entstehung, 

Bildung und das Wesen des Torfes, eine von der Königlichen 
Akademie der Wissenschaften in Berlin des Preises für 1833 
würdig erkannte Preisschrift, nebst einem Anhange über die 
Entstehung, Bildung und das Wesen der Raseneisensteine und 
des erdigen Eisenblau. gr. 8. geh. 12 Ggr. 

Wiegmann, Prof. Dr. A. F., Ueber die Bastard- 
Erzeugung im Pflanzenreiche. Eine von der Königl. Akademie 
der Wissenschaften zu Berlin gekrönte Preisschrift. 4. geh. 

20 Ggr. 






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