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Full text of "Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung"

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THE J. PAUL GETTY MUSEUM LIBRrVRY 



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Annalen des Vereins 



für 



Nassauisclie Altertliumskunde 



und 



Geschiclitsforscliung. 



Annalen des Vereins 



für 



Nassauische Alterthumskunde 



und 



Greschichtsforschung. 



. >••■,. ■.J'Wv^-vy.> 



Zehnter Band. 
1870. 



(Mit 6 lithogiaphirten Tafeln und mehren in den Text eingedruckten 

Lithographien und Holzschnitten.) 



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Wiesbaden. 

Auf Kosten des Vereins. 

(In CoDunission bei W. Roth.) 



Inhaltsverzeiclmiss 

des zehnten Bandes. 



Seite. 

I. Die Verträge zwischen den Grafen Adolf Ton Nassau und Diether 
ton Isciiburir-BUdingren zur Beilegrnng des Streites nm das Erz- 
stift Mai uz. Von Archivsecretär Dr. Menzel in Weimar .... 1 
II. Die Burpen und die Burgfrieden des deutschen Mittelalters. Von 
Gmnasial-Oberlehrer Colombel in Hadamar 42 

III. Taufnamen als Gattungsnamen in sprichwörtlichen Redensarten 
Nassaus. Von Dr. Münz, Pfarrer in Oberhöchstadt 88 

IV. Zur Nassauischen Schriftstellergeschichte. Von Dr. Nebe, Pro- 
fessor in Herborn 113 

V. Die RheinUbergänge der Römer bei Mainz. Nebst einer lithogr. Tafel. 

Von Dr. Becker, Professor in Frankfurt 157 

VI. Das Dillenburger Schloss. Nebst zwei lithogr. Tafeln. Von Professor 

Spiess in Dillenburg 223 

VII. N'assanische Territorien nach dem Besitzstande unmittelbar Tor 
der franz. Revolution bis 1866. Nebst einer Karte des Herzogthums 

Nassau. Von Hofrath Weidenbach in Wiesbaden 252 

VIII. Römische Funde in Wiesbaden. Von Dr. R. Kekule 361 

IX. Christliche Inschrift aus Wiesbaden. Von dems 364 

X. Mogon, ein Stammesgott der Tangionen und Mogontiacum, eine Tan- 

gionische Stadt. Von Ober-Med.-Rath Dr. Reuter 365 

XI. Ueber Lage und \amen einiger Oertlichkeiten. Von Dr. jur. J. Grimm 378 

XII. Der Aar-Uebergang im Zuge der römischen Grenzwehr. Nebst zwei 

lithogr. Tafeln. Von Staatsarchivar a. D. Dr. Rössel 392 

XIII. Miscellen 401 

XIV. Yereinsnachricbteu 405 



Drucit: Ph.C.W. Schmidt, 8530 Neustadt a. d. Aisch 



THE J. - '„..TTy CENTER 

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Die Verträge zwischeo den (irafeo Adolf von \assaii 

und Diether von Isenbnr^- Büdingen zur Beile^iin^ 

des Streites um das Erzstift llainz. 



Von 

Dr. Karl Menzel, 

ÖecicUr nm Grussli, Sachs. Ueli Staatsanliiv zu VWiiiiaf. 



Es war eine folgenschwere Begebenheit, als Papst Pius IT. bei 
dem Congresse zu Mantua den Gesandten des p]rwählten und des Dom- 
capitels von Mainz, welche für Diether von Isenburg um die Bestätigung 
der am 18. Juni 1459 erfolgten Wahl zum Erzbischof von Mainz und 
um das Pallium baten, die Antwort eitheilte, dass er den Klecten nur 
dann bestätigen wolle, wenn derselbe persönlich erscheinen und durch 
die Theilnahme an dem Congresse die grossai-tigen Pläne des Papstes 
wider die Türken fördern werde. Denn damit war der Keim zu dem 
Streite gelegt, dei* zwischen dem obersten Kirchenfürsten des deutschen 
Reiches und dem Papste in leidenschaftlicher Weise entbrannte , und 
nicht allein am Rheine, sondern man kann sagen, in allen Ländern des 
oberen und mittleren Deutschlands eine gewaltige Aufregung unter 
weltlichen und geistlichen Ständen hervorrief. Schon der Umstand, dasa 
der Erwählte von Mainz in Folge der Weigerung des Papstes, ihm 
das Pallium unbedingt zu übersenden, eine zweite Gesandtschaft nach 
dem fernen Mantua abordnen musste, erfüllte ihn bei dem schlechten 
Zustande, in dem sich damals fast alle fürstlichen Finanzen befanden, 
mit Aerger und Missmuth, und als Pius II. dann auf die Vorstellungen 
des Führers der kaiserlichen Partei, des Markgrafen Albrecht von 
Brandenburg, die Bestätigung ertheilte, aber als Annate eine viel höhere 
Summe verlangte , als seither üblich gewesen , und die Strafe der Ex- 
communication zuliess, um den widerspänstigen Schuldner zur Bezahlung 
zu zwingen, da wurde der Erzbischof, welcher seither zur päpstlich-kaiser- 
lichen Partei im Reiche gehört hatte und mit dem Führer der Opposition, 

l 



2 

dem Pfalz^rafen Friedrich eben einen verderblichen Krieg führte, in das La- 
ger der knrtürstlicheu Opposition getrieben; er schloss Frieden und Bünd- 
niss mit dem bisherigen Uegner und nahm mit grossartigen Plänen die 
Politik seiner Vorgiinger auf. deren sich srhon \ iele zum Schutze der Frei- 
heit der deutschen Kirchen feindselig gegen die rön)ische Kurie er- 
hoben hatten. Jet/t wurde nicht nur über die willkürliche Erhöhung 
der Annat^ntaxe geklagt, sondern auch viele andere alte und neue Be- 
schwerden wider die Kurie erhoben, namentlich über die grossen Summen 
tleldes, welche ilurch Krhebung von Zehnten und andern Steuern, durch 
Kxspectanzeu , durch Pfrundeiiverleihungen an zahllose Ausländer von 
Deutschland nach Italien waiulerten , über den Biutli der Concordate, 
über die Missachtuug der W ahlfreiheit der (Japitel und andere)' kirch- 
lichen Collegien Der grössere Theil der' Kurfürsten, von geistlichen der 
von Trier, von weltlichen Pfalz und Brandenburg und viele geistliche 
und weltliche Fürsten stellten sich auf Seite des Erzbischofs Diether 
und beriethen sich mit ihm über die Mittel , wodurch man für alle 
Zeiten diese firarumnut nationis gerhinuicc abstellen könnte. Von 
grossem Einfluss aul' diese Bewegung waren die Dinge in Frankreich, 
wo König Karl Vll. dei- die bekannte pragmatische Sanction gegründet, 
gerade zu jener Zeit trotz eines scharfen päpstlichen Verbotes zum 
Schutze der Pragmatik eine Appellation an ein künftig (Joncilium er- 
lassen hatte. Auch die Deutscheu strebten eine solche pragmatische 
Sanction als allgemeines Reichsgesetz zu gründen, durch welche die 
nachtheiligen Bestimmungen des Concordats vom Jahre 1448 beseitigt 
werden und die deutsche Kirche zu grösserer Selbstständigkeit und Un- 
abhängigkeit gelangen sollte. Gregor von Heimburg, der berühmte 
Sachwalter und Sprecher dieser Opposition, soll im Auftrage der kurfürst- 
lichen Partei nach Frankreich gereist und mit König Karl unterhandelt 
haben. Aber auch weltliche und politische Ziele setzte sich diese Be- 
wegung. Man wollte dem Kaiser Friedrich, der ganz auf Seite des 
Papstes stand, in dem Könige Georg von Böhmen einen Mitregenten zur 
Seite stellen, und auch sonst im Reiche das kaiserliche Regiment durch 
neue ständische Einrichtungen beschränken und überwachen. 

Aber die Kurfürsten waren dem schwierigen Werke einer gründ- 
lichen Umgestaltung der Verfassung der Kirche und des Reiches nicht 
gewachsen. Vor Allem fehlte es ihnen an der ausdauernden Einheit, 
welche sich über kleinliche und eigene Interessen hinwegsetzend 
allein das erstrebte Ziel im Auge hat; es fehlte ihnen die rechte 
sittliche Ueberzeugung von der Nothwendigkeit dessen, was sie in ihrer 
Unzufriedenheit und {Erregung planten und beriethen. Mochte Diether 
von Isenburg sein Ziel auch fest und klar im Auge haben , als er den 
Streit mit dem Papste begann, seine Verbündeten wurden sich, wie ich 
meine, niemals recht klar über ihre Bestrebungen und Ziele, oder es 



8 

lag ihnen der missliche Zustand des Reiches weniger am Herzen, als 
sie bei ihren zahlreichen Versammlungen es verkündeten. So zerrann 
die gewaltig aufbrausende Bewegung, die vielversprechende Keaction 
gegen das Wiener Concordat allmählig in Nichts, ein Fürst nach dem 
andern liess sich durch die Vorstellungen päpstlicher Legaten oder durch 
die Einflüsterungen des Kaisers von der beschworenen Sache abspenstig 
machen und schliesslich sah sich Diether, von Allen verlassen, allein seinen 
erzürnten und beleidigten Gegnern, dem Papste und dem Kaiser gegenüber. 

Es war nun in hohem Grade verhängnissvoll , dass Papst und 
Kaiser sich mit diesem entscheidenden Erfolge, die kühnen Pläne der 
Kurfürsten vereitelt und vernichtet zu habep, nicht begnügten, sondern 
den Gefühlen des Hasses und der Rache freien Lauf Hessen und sich 
vornahmen , den gefährlichen Gegner , das Haupt der Bewegung, für 
immer unschädlich zu machen. Im Einverständniss mit dem Kaiser 
sprach Papst Pius II. am 21. August 1461 die Absetzung Diethers 
von Isenburg aus und ernannte am nämlichen Tage den Grafen Adolf 
von Nassau zum Erzbischof von Mainz. Adolf war nach dem Tode 
des letzten Erzbischofs von Mainz, des Dietrich von Erbach, unter den 
Bewerbern um die Nachfolge gewesen und hatte höchst wahrscheinlich 
eine Partei im Domcapitel, welche seine Wahl wünschte und betrieb, 
als aber Diether von Isenburg vorgezogen wurde, fügte er sich diesem 
Ausgange und lebte seitdem als Statthalter des neuen Herrn in dem 
fernen Erfurt, wie es scheint mit Diether in gutem Einverständniss. 
Aber er hatte keineswegs vergessen, dass er bei der Wahl vom 18. Juni 
die Minderzahl der Stimmen gehabt habe, auch das ßewusstsein, dass 
aus seinem Hause ein römischer König und mehrere bedeutende mainzer 
Kirchenfürsten hervorgegangen seien, mochte seinen Ehrgeiz nähren und 
stacheln. Nachdem er sich mit seinen Freunden, mit einigen Anhängern 
der kaiserlichen Partei berathen hatte, nahm er die ihm angebotene 
Würde an und traf sofort Anstalten, um den entsetzten Isenburger, 
welcher sich dem Willen des Papstes und des Kaisers zu widersetzen 
wagte, mit Gewalt aus dem Erzstifte zu verdrängen. 

Es ist nicht meine Absicht, den nun folgenden Kampf und die 
Anstrengungen beider Parteien zu schildern; ich kann hier auf mem 
Buch über Diether von Isenburg verweisen, m dem ich diesen Bischof- 
streit mit Hülfe gedruckter und vieler ungedruckter Quellen erzählt 
habe. Ich will nur die drei Verträge, durch welche der Streit beigelegt 
werden sollte und schliesslich beigelegt wurde, in ihrer Reihenfolge einer 
besonderen Betrachtung imterziehen und einige Actenstücke und Urkunden, 

') Diether von Isenbiug, Krzbisrliuf v,.i. Main?. M59~ HH:^ Ein Beitrag mr 
(Jeschichte der staatlichen und kirchlichen Reformbestrebungen de!> fünfzehnten 
Jahrhunderts. 18b8. Erlangen. Eduard Besold. 



die einen näheren Kinhlick in die Verhältnisse gestatten, zum ersten 
Male veröffentlichen. Ks versteht sich dabei von selbst, dass ich zur 
Unterrichtung des Lesers den Zusammenhang der f>eignisse in ganz 
kurzen Zügen schildern muss. 

Als sich Diether von Isenburg seinem vom Papste ernannten 
(legner widersetzte, hoftte er wohl, dass seine Mitkurfürsten das Ver- 
fahren d'^s Papstes missbilligen und sich mit ihm sofort von Neuem 
vereinigen würden, um entschiedene Massregeln gegen die curialen Ein- 
griffe zu treffen. Aber er täuschte sich; trotz des Kurvereins vom 
Jahre 1446, der in den Tagen der Bewegung erneuert worden (März 1461) 
trotz mannigfacher Freundschafts- und Bündnissverträge, bot Keiner dem 
entsetzten Kirchenfürsten freiwillig seine Unterstützung , selbst Pfalzgraf 
Friedrich, der mit Diether am engsten verbunden war, hielt sich äusserst 
schweigsam und zurückhaltend, als er um Hülfe wider den Grafen von 
Nassau gebeten wurde: ja er hatte die Politik des Frühjahres so sehr 
\ ergessen, dass er keinen Anstand nahm, mit Adolf selbst Unterhand- 
lungf'n anzuknüpfen, welche ein Bündniss wider den Grafen von Isenburg 
zur Folge haben konnten. Es war natürlich, dass diese wiederholten 
Enttäuschungen, diese bittere Wahrnehmung das Gemüth Diethers aufs 
empfindlichste berührten , seine Zuversicht schwächten , seinen Muth 
brachen. Es war klug von ihm, dass er sich nun beeilte, mit Adolph 
einen Vergleich zu schliessen, ehe sich der Pfalzgraf mit diesem ver- 
ständigt habe, er glaubte, dass er im ersteren Falle noch einiges retten, 
im zweiten aber Alles verlieren werde. Und er hatte seine Berechnungen 
richtig gestellt; Graf Adolf hielt es für besser durch einen raschen 
Frieden mit Diether zum vollen Besitze des Erzstiftes zu gelangen, als 
auf dem Wege der Gewalt sich der theueren und anspruchsvollen Unter- 
stützung seiner Verbündeten und Solcher, welche es werden wollten, 
bedienen zu müssen. So nahm er die ihm angebotene Hand der Ver- 
söhnung bereitwillig an un-i verständigte sich mit Diether von Isenburg 
wenige Tage vor Martini libor folgenden Vertrag: ') 

1 ) Adolf solle sogleich eine Botschaft an den Papst senden und 
ihn bitten, da^s er Herrn Diether von Isenburg wieder als P^rzbischof 
einsetze, alle Strafen die er wider ihn erlassen , abthue und diese güt- 
liche Rachtung bestätige. 

2) Wenn dies geschehen, solle Herr Diether aus eigenem guten 
Willt-n auf seine Wahl, seine Bestätigung und sonstigen Gerechtigkeiten 
in dem Erzstifte Mainz vor Notar und Zeugen verzichten. 

.'{) Auch sfdle er alle zum Erzstifte gehörigen Lande, Leute, Städte, 
Schlösser u. s. w. mit allem Zubehör dem Herrn Adolph übergeben, mit 



') (iedrurkt l>fi Müller, Hcicli.stHgstlicatei unter K.iiser Friedrich V. B. II. 
S. IOt;-ll(i. 



Ausnahme der Städte und Schlösser Höchst, Steinheim, Dieburg, Starken- 
burg, Bensheim, Heppenheim und Mörlenbach, welche er bis zu seinem 
Tode besitzen solle, doch mit der Beschränkung, a) dass er alle Gülten 
und Beschwerungen (Schuldverschreibungen), die auf den Städten und 
Schlössern hafteten, bezahle, b) dass die genannten Städte und Schlösser 
nach seinem Tode an das Erzstift zurückfallen sollten, c) dass Diether 
die zu seinem Gebiete gehörigen Geistlichen und Weltlichen bei ihren 
Freiheiten und Gewohnheiten lasse und sie nicht höher beschwere, als 
es bisher herkömmlicii gewesen, d) dass er nichts von seinem Besitzthum 
versetze, verkaufe oder beschwere 

4) Alle Amtleute und Einwohner der drei Städte und Schlösser 
sollten dem Herrn Diether als ihrem rechten Herrn Huldigung thun. 

5) Adolf solle den Herrn Diether und dessen Gebiet in seinen 
Schutz nehmen und im Besitze erhalten ; und Herr Diether solle gegen 
das Erzötift nichts Feindliches unternehmen. 

6) Herr Diether solle das Geleite von der Sulz an bei Heppenheim 
bis Frankfurt haben und Adolf ihn darin beschützen. ') 

7) Herr Diether solle das Domcapitel und die Präsenten in Mainz 
ihre Renten und Gefälle in seinem Gebiete einnehmen lassen. 

8) Adolf solle alle Schulden , die Diether während seiner Regie- 
rimg mit oder ohne Bewilligung des Domcapitels gemacht, und alles 
Soldgeld, das er verschrieben, aber noch nicht entrichtet habe, auf sich 
nehmen, doch dürfe beides zusammen nicht mehr als 20,000 Gulden 
betragen. Ebenso solle Adolf alle Ansprüche und Forderungen, die an 
Herrn Diether als Erzbischof gestellt worden, ohne des letztern Schaden 
abmachen. 

9) Adolf solle die von Seite Diethers den römischen Banquiers 
wegen der Annaten schuldigen 20,000 Gulden,^) auf sich nehmen und 
eine besondere Absolution wegen des Ueberfalles des Stiftes Neuhausen, 
der während der Fehde mit dem Pfalzgrafen geschehen, auswirken. 

10) Adolf solle bewirken , dass die Domherrn Hans Münch von 
Rosenberg und Johann Specht und alle die Herrn Diethers Appellation 
adhärirt hatten und desshalb entsetzt worden, restituirt würden. 

11) Adolf solle bewirken, dass der Papst den Herrn Diether von 
den Gelübden und Eiden, die er dem Dechant und Domcapitel gethan 
habe, ledig spreche und absolvire. 



') Dies Geleite gehörte zum Amte Starkenburg, s. Kremer, Gesch. des Kurf. 
Friedrich.s des Ersten von der Pfalz. Urk. S. 320. — ^) Dass hier die Summe, 
welche Diether noch an die römischen Wechsler zu bezahlen hatte, genannt 
wurde, ist sehr bemerkenswerth. Es ist das einzige Zeugniss, das wir fiir die 
Aussagen Diethers haben. In den späteren Verträgen vermied man es \vieder, 
die Höhe der Summe zu nennen. 



6 

12) Alle Lehensleute, welche zu den Städten und Schlössern Diethers 
gehören, sollen von diesem ihre Lehen empfangen, und ihm seine Lebtage 
treu und gehorsam sein ; nur die hohen und edlen Lehensleute sollen dies 
zu thun nicht verpflichtet sein. 

13) Es solle Herr Diether bei Uebergabe der erzbischöflichen 
Lande an Herrn Adolt zugleich alle Briefe und Register übergeben, 
und wenn er davon einige über die in seinem Besitze befindlichen 
Stadt* und Schlösser bedarf, sollen sie ihm von Adolf geliehen, aber 
nach dem Gebrauche wieder zurückgegeben werden. 

14) Alles was seit Verkündigung der Entsetzungsbulle wider 
Herrn Diether auf beiden Seiten geschehen, es sei Raub, Brand, Nähme 
oder Todtschlag, solle vergessen sein und Niemand mehr desshalb be- 
langt werden. 

15) Wenn der Papst den Herrn Diether restituirt und absolvirt 
und demselben die betreff'enden Bullen zugestellt habe , solle sich 
Herr Adolf mit dem Domcapitel unter seinem und des Capitels grossen 
anhangenden Insiegeln verschreiben und dem Herrn Diether einen ge- 
lehrten Eid thun, dass sie alle Puncte dieses Vertrages halten wollten. 

16) Herr Adolf stellt zur Sicherheit unter den folgenden Grafen 
und Herrn, nämlich: den Grafen Johann, Philipp und Johann jun. von 
Nassau, Walram von Waldeck und Gerhard von Seyne, Ludwig, Herrn 
von Lichtenberg, Eberhard von Eppenstein , Herrn zum Königsstein, 
Werner von Eppenstein, Herrn zu Müntzenberg und Conrad, Herrn zu 
Bickebach: Vier Bürgen, welche, wenn er den Vertrag nicht halte, 
auf Diethers Mahnung mit je 3 Knechten und 4 Pferden nach Mainz, 
Frankfurt oder Worms in eine offene Herberge kommen und so lange 
rechte Leistung thun sollten, bis Adolph seinen Verpflichtungen nach- 
gekommen sei. 

17) Jeder der Herrn solle die Lande und Leute des Erzstiftes, 
die er gerade inne habe, behalten bis zur Uebergabe; auch sollen alle 
Vorräthe an Wein und Früchten, und aller Hausrath da bleiben, wo 
sie sich gerade befinden. 

18) Was nach Martini an (ield auf dem Zolle zu Lahnstein ein- 
gehen werde, soll in eine Zollkiste geworfen und nicht daraus entfernt 
werden ; nach der Uebergabe des Erzstiftes aber solle das Geld an Herrn 
Adolf fallen, damit er davon die Schulden bezahle. 

If») Bis zur Uebergabe sollen beide Parteien Waffenruhe halten, 
und jeder Besitz vor dem andern sicher und feiig sein. 

dat. in dem jare 1461 auf Sant Martins unsers patronen tag. 

Dieser Vertrag, obwohl ihn Diether von Isenburg, wie es scheint, 
rnil allen nothigen Formen abgeschlossen hatte, kam nicht zur Aus- 
fuhrung. Denn sobald der Pfalzgraf vernommen hatte, dass sich Adolf 
/iir nämlichfD Zeit, wo er mit ihm wegen semer Hülfe in Unterhand- 



lung stand, mit Diether ohne sein Wissen verständig habe, überwand 
er beleidigt und erzürnt alle politischen Bedenken und fasste den raschen 
Entschluss, sich mit Diether zu Schutz und Trutz gegen Adolf zu 
verbinden. Diether, dem natürlich der volle Besitz des Erzstiftes lieber 
war als das kleine Fürstenthum, das ihm Adolf zugestanden hatte, 
der zudem jenen Vergleich nur im Gefühle bitterer Enttäuschung und 
Verlassenheit abgeschlossen hatte, nahm keinen Anstand, wort- und 
treubrüchig zu werden, ging auf das Anerbieten des Pfalzgrafen ein, 
schloss mit ihm und dem Grafen von Katzenelnbogen am 19. November 
1461 zu Weinheim ein enges Bündniss und überliess dem ersteren als 
Preiss für seine Hülfe die Bergstrasse mit ihren Städten und Schlössern, 
also gerade den grösseren Theil des Besitzthums, das ihm Adolf von 
Nassau in dem Vertrage vom 11. November hatte abtreten wollen. 

Da entbrannte alsbald der Krieg, der von beiden Parteien mit 
abwechselndem Glücke, hauptsächlich auf mainzischem, nassauischem und 
pfälzischem Gebiete geführt wurde, bis endlich die Verbündeten von 
Weinheim die bedeutendsten Anhänger Adolfs von Nassau, nämlich: 
den Markgrafen Karl von Baden, den Grafen Ulrich von Würtemberg 
und den Bischof Georg von Metz am 30. Juni 1462 bei Seckenheim, 
in der Nähe von Heidelberg, aufs Haupt schlugen und alle drei ge- 
fangen nahmen. 

Dieser Ausgang war ein empfindlicher Schlag für die kaiserliche 
Partei, insbesondere für den Grafen Adolf von Nassau, und wären er 
und seine Anhänger weniger muthvoU und tapfer gewesen, so hätten 
sie jetzt den Kampf für verloren gehalten, den glücklichen Siegern das 
Feld überlassen. Allein dies thateu sie mit Nichten, ihr ganzes Streben 
war seitdem darauf gerichtet, den bei Seckenheim erlittenen Schaden 
auf irgend eine Weise wieder gut zu machen; sie entwickelten eine 
ganz staunenswerthe Rührigkeit und Thätigkeit, um der Sache, für die 
sie stritten, zum Siege zu verhelfen. Pfalzgraf Ludwig von Veldenz, 
Graf Johann von Nassau, Herr zu Wiesbaden, Adolfs Bruder, sein 
Schwager Eberhard von Eppenstein, Wirich von Falkenstein , und Adolfs 
Feldhauptmann Graf Alwig von Sulz zeichneten sich \or Allen au8. 
Ihre Ausdauer, ihre Zuversicht wurden belohnt. Während die Gegner 
den Krieg nur langsam betrieben, und der Pfalzgraf sein Hauptaugen- 
merk auf die Ausbeutung seiner Gefangenen gerichtet zu haben schien, 
ersann die nassauische Partei den külmeu Plan, die Stadt Mainz, welche 
es mit Diether hielt, zu erobern und durch diesen glücklichen Streich 
den Graten Adolf zum wahren Herrn des mainzer Erzstiftes zu macheu. 
Am 28. October führten sie mit Kühnheit und Geschick das Unter- 
nehmen aus, nach zwölfstündigem Kampfe wurde Mainz genommen und 
von Adolph von Nassau besetzt — es war dies die glänzendste Ent- 
schädigung für die Niederlage bei Seckenheim. 



8 

Aber die Katastrophe von Mainz war es nicht allein , welche der 
Sache Adolfs von Nassau zum Siege verhalf, ganz andere Ereignisse 
und Verwicklungen, welche Niemand erwartete, Niemand voraussah, 
trugen am meisten dazu bei. den Widerstand des Pfalzgrafen und 
Diethers von Isenburg zu bewältigen. Des Ersteren Bruder Ruprecht 
wurde am 3U. März 1463 zum Erzbischof von Köln gewählt und hatte, 
wie es scheint, vor seiner Wahl die Verpflichtung übernommen, den 
Streit im Erzstifte Mainz um jeden Preis zu Gunsten Adolfs von 
Nassau zu schlichten. Er beeilte sich, seinen Bruder Friederich zur 
Nachgiebigkeit zu bewegen, erreichte aber vorerst nichts als einen 
Waflenstillstand. Jedes andere Zugeständniss zu Gunsten Adolfs wies 
der Pfalzgraf zurück, es schien als ob die Sache Diethers durch die 
Kolner Wahl in keiner W'eise geföhrdet sei. Aber doch war es so, 
denn dem Plalzgrafen war es keineswegs gleichgültig, ob sein Bruder 
Erzbischof von Köln sei oder nicht, und er wusste recht wohl, dass 
der Papst und der Kaiser den Electen nicht eher bestätigen und be- 
lehnen würden, als bis Adolf von Nassau zur vollen Herrschaft im 
Mainzer Stifte gekommen sei. Auch Diether verhehlte sich nicht 
das Missliche seiner Lage, er meinte, dass der Pfalzgraf hauptsächlich 
in eigennütziger Absicht die Fehde fortzuführen trachte und dass er 
sich eines Tages entweder durch die Aussicht auf weitereu Gewinn oder 
durch die unbedingte Bestätigung Ruprechts für Adolf gewinnen lassen 
könne; er begann desshalb sich mit dem Gedanken seines Rücktrittes, 
eines zweiten Vertrages mit Adolf vertraut zu machen. Dem Pfalz- 
grafen, der solche Stimmungen seines Verbündeten wohl beobachtete, konnte 
diese Entschliessung nur angenehm sein , denn sie ersparte ihm eine 
offenbare Handlung der Treulosigkeit, war der Bestätigung Ruprechts 
günstig und nahm ihm keineswegs die Aussicht und Möglichkeit neuen 
Gewinnes. Der Nachtheil, dass in Mainz ein Gegner der pfälzischen 
Politik zur Herrschaft gelangte, wurde durch den Eintritt Ruprechts 
ins kurfürstliche Collegium aufgewogen. So geschah es, dass unter der 
Vermittlung des Markgrafen Karl von Baden, der sich bei seiner Be- 
freiung hatte verpflichten müssen, den Streit im Erzstifte nach des 
Pfalzgrafen Willen und Gefallen zu schlichten, und nach längeren Unter- 
handlungen der betheiligten Fürsten, wahrscheinlich in dem nassauischen 
Städtchen Idstein am ersten Juni 1463 ein zweiter Vergleich zu Stande 
kam.') Seine einzelnen Artikel lauten: 

1) Herr Adolf solle auf seine Kosten erlangen, dass der Papst 
alle Ungnade und allen Unwillen gegen Herrn Diether abstelle und alle 



4) Uifs^r Vergleich ist zum erstenmal geilruckt bei Hasselhold-Stockheim , Ur- 
kunden und H<'ilagen zum Kampfe der wittelsbachischen und brandenburgiachen 
Politik in denen Jabreu 145i^" 14Gr). Leipzig 1865. S. 071—678. 



9 

Processe und Censuren , die wider denselben ergangen seien und seine 
Person beträfen, aufhebe und tollire. 

2) Herr Adolf solle von dem Papste eine Bulle erlangen, wodurch 
dieser alle geistlichen und weltlichen Personen von Diethers Partei 
absolvire, die Geistlichen rehabilitire und in ihre Würden und Lehen 
restituire, und wenn der Papst nicht Jedermann durch eine allgemeine 
Bulle absolviren wolle, so solle er solchen durch eine Bulle gestatten, 
sich einen Beichtherrn zu wählen , der sie zu absolviren, zu rehabilitiren 
und zu restituiren Macht habe. 

3) Herr Adolf solle bei dem Kaiser erlangen, dass er die Acht, 
die er wider das Erzstift und andere Städte ausgesprochen, und alle 
Ungnade abthue und alle Mannen des Reiches bei ihren Lehen und 
Freiheiten verbleiben lasse. 

4) Wenn Alles dies vollzogen und vollendet sei, solle Herr Diether 
alle Schlösser, Städte, Lande urd Leute des Erzstiftea mit allen ihren 
Zubehörungen dem Herrn Adolf übergeben und die Einwohner ihrer 
Gelübde und Eide ledig sprechen, doch mit Ausnahme der Schlösser und 
Städte Höchst, Dieburg und Steinheim, welche er mit ihren Zubehörungen, 
insbesondere den Landzöllen zu Erbenheim, Castel, Weissenau, Langen, 
Urberach , Astheim , Flörsheim und Mörfelden ') und anderen Landzöllen 
seine Lebtage mit allen Rechten und Einkünften innehaben , nutzniessen 
und gebrauchen solle. Nur 1000 Gulden an Manngeld und Gülten, 
welche auf den genannten Schlössern verschrieben seien, solle Herr 
Diether jährlich bezahlen. Herr Adolf, sowie jeder Erzbischof von 
Mainz und das CapiteK^^ daselbst sollen bei Diethers Lebzeiten in den 
genannten Städten und Schlössern und der dazu gehörenden Landschaft 
und den weltlichen Personen daselbst nichts zu gebieten und zu ver- 
bieten haben, mit Ausnahme der heiligen Sakraments- und Testaments- 
sachen. Die geistliche Jurisdiction dagegen solle dem Erzbischof und 
Capitel vorbehalten sein. Die Mannen, Burgmannen, Zollschreiber, Zoll- 
knechte, Schultheisse, Kellner, Amtleute und Einwohner der drei Schlösser 
und Städte sollen von dem Capitel ihrer Gelübde und Eide ledig ge- 
sprochen und an Herrn Diether als ihren rechten, natürlichen Herrn 
gewiesen werden, nach dessen Tode aber dem Erzbischof und dem Dom- 
capitel von Mainz wieder gewärtig sein. Herr Diether solle die Ein- 
wohner imd die Landschaft der drei Schlösser und Städte bei ihren 
herkömmlichen Freiheiten und Gnaden erhalten, sie nicht höher belasten 
und von dem Besitze nichts veräussern oder versetzen. 

M Urbevach , Langen, Mörfelden. Astheini liegen im Giussherzogthum Hessen 
und zwar an der von Aschaffenburg und Dieburg nach Mainz führenden 
Strasse. Diese Zölle, mit dem von Offenthal gehörten wahrscheinlich zum 
Schlosee Dieburg. Ueber die anderen siehe unten. - ») Unter dem Capitel 
ist immer das Domcapitel zu verstehen. 

1* 



lu 

5) Herr Adolf und das Capitel sollen sich verschreiben, den 
Herrn Diether seine Lebtage im Besitze der 3 Schlösser und Städte 
ungehindert und unbeirrt erhalten und ihn und die Einwohner nicht 
beschädigen und bekriegen zu wollen; auch wenn dem Herrn Diether 
ein Theil davon von irgend einem Feinde abgewonnen worden, ihm zur 
Wiedergewinnung desselben behültlich sein. 

ü) Herr Adolf und das Capitel sollen nicht gestatten, dass Herr 
Diether und sein Besitzthum aus den Schlössern und Städten des Erz- 
stiftes angegriften oder beschädigt werde, ebenso wenig solle Herr Diether 
seinerseits Feindseligkeiten wider das Erzstift zulassen. 

7) Daä Capitel zu Mainz solle Niemand als Erzbischof oder in das 
Capitel aufnehmen, der sich nicht zuvor verschreiben würde, den Herrn 
Diether im Besitze vuu Höchst, Steinheim und Dieburg bleiben 

zu lassen. 

8) Wenn ein Erzbischof von Mainz mit Bewilligung des Capitels 
eine Landsteuer im Erzstift erhebe, solle Herr Diether eine solche auch 
in seinem Gebiete zu erheben berechtigt sein. 

9) Herr Diether solle alle geistlichen und weltlichen Lehen , die 
zu seinem Besitzthum gehören, und die darin gelegenen geistlichen 
Lehen, die ein Erzbischof von Mainz zu verleihen habe, sein Lebtage 
verleihen, su oft sie ledig werden. 

10) Alle in den Schlössern Höchst, Steinheim und Dieburg befind- 
lichen Hausgeräthe und (leschütze sollen aufgezeichnet und nach Herrn 
Diethers Tod nicht entfernt werden. 

11) Herr Diether solle dem Herrn Adolf alle zum Erzstifte ge- 
hörigen Hauptbüchsen und Zelte übergeben. 

12) Alle Mannen und Burgmannen, denen Herr Diether Manngeld 
und Burglehen von seinem Besitzthum ausrichten werden, sollen ihre 
Lehen von ihm empfangen und tragen , und Solchen , welche die Lehen 
nicht vun ihm empfangen wollten, sei er nicht verpflichtet, Manngelder 
oder Lehengülten zu bezahlen. 

13) Aller Hausrath, (ieschütze und Vorräthe, welche in des Stiftes 
Schlös.sern und Kellnereien vorhanden seien, sollen darin belassen werden. 

14) Alle Gefälle, Zinsen und Flüchte sollen in die gehörigen 
Schlösser und Kellnereien gebracht, zu keinem andern Zwecke veräussert 
und nur soweit davon genommen werden, als zur Zehrung d. h. zur 
Verköstigung der Beamten nothwendig sei. 

15) Bei der Uebergabe der Schlösser und Städte des Erzstiftes an 
Herrn Adolf sollen zugleich alle dieselben betreffenden Briefe, Ver- 
schreibungen, Register und Bücher ausgeliefert werden, mit Ausnahme 
derer, welche sich auf Diethers Besitzthum beziehen. ') 

') Für das Archivwesen ist es interessant su sehen, wie Diether auch dadurch, 
da«8 ihm .iie Höchst, Steinheim und Dieburg betreffenden Urkunden und 



11 

16) Herr Diether solle dem Herrn Adolf ein Verzeichniss aller 
Manngelder, Dienstgelder und (iulien, welche nul den :^ Schlössern und 
Städten verschrieben seien, übergehen. 

17) Jeder geistlichen und weltlichen Person sollen die Zinsen und 
Gefälle, die sie in den (jebieten von Höchst, Steinheim und Dieburg 
gehabt haben, verabreicht werden, ebenso den geistlichen und weltlichen 
Einwohnern dei' A Schlösser und Städte und den Dienern des Herrn 
Diether in der Landschaft und den Städten des Mrzstiftes, nur mit 
Ausnahme der Zinsen und Gefälle, die Jemand in der Stadt Mainz ge- 
habt hätte. 

18) Zur Sicherheit d(^s Herrn Diether sollen sich die Mannen 
und Städte des Erzsiiftes und des Kheingaues verschreiben, dass sie ihn 
seine Lebtage in ruhigem Besitze der 8 Städte und Schlösser erhalten, 
und wenn Herr Adolf oder das Capitel ihn daraus zu verdrängen oder 
zu beschädigen trachteten, sie ihnen keinerlei Hülfe leisten wollten. 

19) Herr Adolf solle von dem Papste erlangen , dass er den 
Herrn Diethei' ah omni jurisdictionc archiepiscopali eximire. 

20) Herr Adolf solle erlangen , dass allen geistlichen Personen 
von Herrn Diethers Partei, die zu Mainz bepfründet seien, gestattet 
werde, ihre Pfründen zu vertauschen und dass den Domherrn von Diethers 
Partei drei Jahre die Nutzniessung ihrer Pfründen zu Mainz in absencia 
eingeräumt werde, nur mit Ausnahme der täglichen Präsentien; dasselbe 
solle auch anderen Geistlichen, ungefähr zwanzig, die namentlich zu nennen 
seien, bewilligt werden. 

21) Diejenigen, welche von Herrn Diether oder seinen Anhängern 
mit geistlichen Lehen collatione ordinaria in turno ordinario oder in 
Folge eines Todesfalls, Verzichtes oder Tausches belehnt worden, sollen 
im Besitze bleiben und wenn Einige daraus verdrängt seien, sollen sie 
restituirt werden. 

22) Die Anhänger Diethers, geisthchen und weltlichen Standes, 
sollen zu allen Wm-den, Pfründen, geistlichen Gaben, Aemtern und 
Lehen, welche sie vor der Zeit der Irrungen inne gehabt, wieder zu- 
gelassen werden. 

23) Herr Adolf solle mit dem Orator des Papstes oder zu Rom 
ausmachen, dass die Mönche, die in einem Orden zu Mainz gewesen, 
ihrer Eide ledig gesprochen würden und es mit ihnen gehalten werde, 
wie mit der übrigen Geistlichkeit. 

24) In den Schlössern Höchst, Dieburg und Steinheini soll je 
Einer Person, die Herr Diether präsentirt, so oft es nothwendig ist, 
auctoritas episcopalis gegeben werden. 

Acten ausgeliefert wurden, und nicht wie nachdem eisten Vertrage in Adolfs 
Händen blieben, die Gerechtsame seines Besitzthums als erweitert ansah. 



12 

25) Jede geistliche oder weltliche, edle oder unedle Person beider 
Parteien solle die Güter, die sie während der Irrungen verloren habe, 
wieder erlangen und künftig ungehindert geniessen ; nur mit Ausnahme 
der in der Stadt Mainz liegenden (tüter,') doch sollen auch hier 
Dr. Humerv. der Schultheiss von Mainz, Hans der Barbier, die Herrn 
Diethers Amtleute und Diener gewesen, ihre Häuser und liegenden Güter 
wieder erlangen. 

26) Herr Adolf solle erlangen, da^s von den «'apiteln aller Stifter 
/u Mainz auf Ersatz des Schadens, .Inn Hen Diether der Pfaflfheit ge- 
than. verzichtet werde. 

27) Alle Gefangenen geistlichen und weltlichen Standes sollen 
gegen Beschwörung einer Urfehde ledig gelassen werden, mit Ausnahme 
der Bürger und weltlichen Bewohner der Stadt Mainz , Avelche bei der 
Eroberung ergriffen worden seien: von diesen sollten jedoch Dr. Humery, 
der Schultheiss, Oyswyn der Schneider, Meister Hans der Barbier, 
Conrad Bender und Peter Metzler, als Käthe, Diener und Amtleute des 
Herrn Diether frei gelassen werden. 

28) Herr Adolf -^olle erlangen, dass Herr Diether der Annaten^) 
von dem Papste und den Banquiers ledig gesprochen und Diejenigen, 
welche sich dafür verbürgt hätten, aus der Haftung und dem Banne 
gelassen würden. 

29) Alle aufgesagte Lehen sollen binnen einem halben Jahre, 
wenn das Ansuchen an die Lehensherrn gestellt werde , wieder ver- 
liehen werden. 

30) Alle Grafen, Herren. Ritter und Knechte beider Parteien und 
besonders die, welche Anhänger Diethers gewesen, sie seien geistliche 
oder weltliche, geordnete oder ungeordnete Personen , sollen fortan frei 
von jeder Strafe sein, und keine Ungnade, keinen Unwillen erdulden. 

31) Alle Nebenfehden, die aus Anlass dieser Irrungen entstanden, 
sollen mit diesen geschlichtet und beendet sein. 

32) Herr Adolf solle dem Herrn Diether seinen Hof zu Mainz 
wieder überlassen. 

33) Herr Diether solle fortan keine Schulden mehr auf das Erz- 
stift machen. 

34) Wenn der Papst diese Beredung bestätigt habe, sollen zwischen 
Adolf und Diether ein Austragsvergleich geschlossen werden zur Bei- 
legung künftiger Streitigkeiten. 



') Indpm hier Uiether dip iii Kolge der Kroberung von Mainz vorgenommenen 
Maasregeln Adolphe von Nassau anerkannte, legte er den Grund zu seiner 
während seiner zweiten Hegierung wider die frühere Reichsstadt befolgte 
Politik. — •■<) Man beachte, dass hier, wahrscheinlich um die Wahrheit der Aus- 
sAfren ftiethers zu verhüllen, die Hi>he der Summe nicht mehr angegeben wurde. 



13 

35) Wenn der Papst diese Beredung ganz verwerfen oder sie nur 
theilweise nicht bestätige oder wenn Herr Adolf den Kaiser nicht zur 
Anerkennung derselben bewegen könne, oder das Domcapitel sie nicht 
annehmen wolle, so solle die ganze Beredung aufgehoben und für keinen 
Theil verbindlich sein. 

36) Wenn die nothwendigen Bullen und Briefe von dem Papste 
und Kaiser erlangt und ausgestellt seien, so solle Herr Diether zwei 
seiner Räthe, Pfalzgraf Friedrich einen, Herr Adolf zwei und Mark- 
graf Karl von Baden einen auf einen Tag senden, den Bischof Reinhard 
von Worms als Obmann nach Worms anberaumen werde. Vor diese 
sechs solle Herr Diethei- alle Schulden und Verschreibungen , die von 
ihm während der Mainzer Irrungen gemach! und ausgestellt worden 
seien, bringen, und diejenigen, welche von den sechs oder von der Mehr- 
heit als ungefährliche Schulden und Verschreibungen anerkannt würden, 
solle Herr Adolf übernehmen und sich mit den (Gläubigern des Herrn 
Diether darüber verständigen, und zwai- so, dass Herr Diether vor Ueber- 
gabe des Erzstiftes von allen Anforderungen frei werde. Wenn sich 
die Sechs über einen Entscheid nicht verständigen könnten, und drei 
Stimmen eine Schuld für gefährlich, die andern für ungefährlich er- 
klärten, so solle Bischof Reinhard als Obmann den Ausschlag geben. 
Wenn ein Gläubiger eigenwillig wäre, sich auf diese Weise nicht be- 
friedigen und von seiner Forderung an Herrn Diether nicht ablassen 
wollte, so sollte wenn die Mehrheit der Sechs oder Sieben dahin sich 
ausgesprochen habe, dass dieser Gläubiger sich nicht wie die andern 
befriedigen lasse, das Verfahren doch nicht stille stehen, sondern von 
beiden Theilen beobachtet werden. Auch solle Herr Adolf dem Herrn 
Diether gegen solche Gläubiger , welche ihn befehden wollten , Hülfe 
leisten, als ob es ihn selbst angehe. Es solle auch Herr Adolph dafür 
sorgen, dass er zur Zeit des oben genannten Tages 5000 Gulden baar 
habe, um sogleich einen Theil der Schulden, die Herr Diether benennen 
werde, bezahlen zu können. 

Die Urkunde wurde besiegelt von dem Markgrafen Karl von Baden, 
und von den vier angefertigten Exemplaren jeder Partei eins, das 
dritte dem Pfalzgrafen und das vierte dem Markgrafen Karl übergeben. 

dat. Mittwoch in der heil. Pfingstwoche a. 1463. 

Auch dieser Vertrag kam nicht zur Ausführung, ohne dass wir 
die Gründe mit voller Sicherheit erkennen und darlegen könnten. Er 
scheint nicht daran gescheitert zu sein, dass sowohl Diether, wie der 
Pfalzgraf den Entschluss, dem Nassauer das Erzstift zu überlassen, 
nicht ohne jeglichen Rückhalt gefasst hatten, sondern ich meine, dass 
vor Allem die Weigerung des Kaisers, den Vertrag zu bestätigen, diesen 
wiederholt ungünstigen Ausgang herbeigeführt habe. Hätten freilich 
beide Parteien den ernstlichen Willen gehabt, den Vertrag durchzu- 



14 

führen, so wäre es trotz des Kaisers Willen gescheht^n und Friedrich III. 
in dt-m fernt^n Oesterreioh hätte jetzt so wenig die Mittel gehabt, es 
zn verhindern wi^ später. Allein weder Diethe)- noch der Kurfürst von 
der Pfalz waren mit dem Ausgleiche recht zufrieden. Der letztere 
sollte laut eines Neben Vertrages die Bestätigung der Verpfandung der 
Bergstrasse erhalten, aber, wie wir wissen, war sein Sinn noch auf 
weitere Erwerbungen, selbst eines Theiles von Mainz gerichtet. Diether 
von Isenburg hielt ohne Zweifel die Art und Weise, wie die Schuld- 
.sachen geordnet werden sollten, für gefährlich und fürchtete, dass die 
in Artikel 36 genannte Commission einen Theil der Schulden ihm zu- 
weisen und dadurch von vornherein sein kleines Besitzthum allzu sehr 
belasten könnten. Da nun , wenn der Kaiser nicht bestätigte , nach 
Artikel 35 der ganze Vertrag ab sein und keinen Theil binden sollte, 
so machten beide Fürsten unbedenklich davon Gebrauch und traten von 
dem Vertrage zurück, ein Verfahren, das Diether schwerlich zum zweiten 
Male gewagt hätte, wenn ihm durch die Haltung des Kaisers nicht 
ein besserer Grund geboten worden wäre, als bei dem Bruche des Ver- 
trages vom 11. November 1461. 

Seitdem trugen Diether und Friedrich von der Pfalz, so sehr auch 
der erstere die eigennützigen Absichten seines Verbündeten durchblickte 
eine ungetnibte Einigkeit zur Schau, ohne Zweifel weil jeder glaubte, 
auf diese Weise am besten der Feindseligkeit des Kaisers, der Keinem 
einen Gewinn gönnen wollte, begegnen zu können und bessere Bedin- 
gungen zu erzielen. Und sie erreichten ihren Zweck; jeder von ihnen 
erlangte schliesslich einen vorth eilhafteren Frieden, wenn ihre Eintracht 
auch nicht bis zum Ende währte, wenn es auch der nassauischen Partei 
gelang, den Isenburger von dem Pfalzgrafen abzuziehen und zu einem 
Sondervertrag zu bewegen. Man kennt die List, die sie offenbar mit 
Hülfe des Erwählten von Köln anwandten. Sie brachten den Isenburger 
durch nachgemachte Briefe auf den Glauben, dass der Pfalzgraf ohne 
sein Wissen dem Grafen von Nassau einen Vertrag angeboten habe, und 
verleiteten ihn, arg^vöhnisch \vie er war, nun ebenfalls ohne Friedrichs 
Wissen mit Adolf abzuschliessen. Sie erreichten ihren Zweck um so 
leichter , als sie ihm wirklich bessere Bedingungen stellten , wie am 
1. Juni und schon der Vermittler eine dem Isenburger angenehmere 
Person war, als der Markgraf von Baden, nämlich sein Freund und 
Bundesgenosse, der Landgraf Heinrich von Hessen. Am 5. October 
schloss dieser zu Zeilsheim zwischen beiden Parteien folgenden Ver- 
trag ab. 

Maynung der abrede zwuschen dem hochmrdigen fursten herren 
Adolffe erweiten und bestedigten zu Mentz und herren Dietheren von Isen 



15 

bergh graven 7A\ Büdingen betedingt durch den hochgebornen Herren 
Henrich landgraven zu Hessen. ') 

1) Zum ersten das her Adoltt' utt" synen kosten erlange und bestelle, 
das der bebstlich orator alle und igliche bebistlich mandat, process, 
pene und censure, wie die über und widder herrn Dyethherrn usgangen 
synt, alst'erre dye syne persone antreffent, uff bethe hern Henrichs lant- 
graven zu Hessen oder eyns anderen, dem er das an syn stat bevelhen 
wirdet und macht gibbet, durch bebistlicher gewalt voUenkommenhayt 
gegen dem benanten herren Diethern ane alle verdingunge tollire und 
uffhebe. [Bei Artikel 1 steht am Rand von derselben Hand : ^) is vollen- 
zogen und darmid her Diether absolviret.J 

2) Item das herr Adolff bestelle und uff synen kosten erlange, 
das unserr heiiger vatter der babst alle Ungnade und Unwillen etc. 
gentzlich und unvordinglich sunder alle underscheyt slechtlich und grunt- 
lich abstelle. 

3) Item das her Diether von unserm heiligen vatter dem babst 
und auch hern Adolffen etc. eximiret werde ab omni jurisdictione archi- 
episcopali. 

4) Item das unser allergnedigster herre der romischer keysser 
alle Ungnade und Unwillen gegen herrn Diethern und allen den jhenen, 
dye syner parthye und anhengere oder ime zulegig oder bystendig ge- 
west syn, abstelle nnd abethuwe, auch alle und igliche des rychs manne. 



i) Ueber die Vorlage, nach welcher ich diesen Vertrag raittheile, will ich Fol- 
gendes bemerken. Es ist eine gleichzeitige Aufzeichnung, welche auf dem 
Tage von Frankfurt, in etwas abkürzender W^eise (wie die häufigen etc. an- 
deuten) angefertigt und dem Kurfürsten von Brandenburg oder seinem 
Bruder, dem Markgrafen Albrecht Achilles zur Kenntniss mitgetheilt wurde. 
Sie ist werthvoUer als eine blosse, wenn auch vollständige Copie des Vertrags, 
die, wie es scheint, demJoannis vorgelegen, denn erstens hat dieselbe Hand, 
welche sie schrieb, an dem Rande bemerkt, ob der betreffende Artikel schon 
ausgeführt sei, und ein zweiter Schreiber hat ohne Zweifel ohne Wissen des 
ersten, dem Stücke verschiedene Mittheilungen beigefügt, von denen nur Wenige 
wussten und über die im tiefsten Geheimniss verhandelt worden. Joannis 
(Rer. Mogunt, tom. II. S. 192 fi) hat seine Vorlage übrigens an manchen 
Stellen ungenau und fehlerhaft benützt. So fehlen bei ihm die wichtigen 
Artikel ^6 und 37 ganz. Dass sie in seiner Vorlage nicht fehlten, sieht man 
daraus, dass er unter Absatz 31 von 4 arliculis pecuniariis spricht. Unter 
den Bürgen, welche Adolph stellte, nennt er noch irrthümlich den Grafen 
Johann von Wertheim, der keineswegs darunter war, wie man aus den weiter 
unten folgenden Urkunden sehen kann. Ich fand die Aufzeichnung im kgl- 
preuss. Staatsarchiv zu Berlin unter den Literalien des XV. Jahrh. Abth. 
Reichstage. Die Abkürzungen, welche der Schreiber beliebte, sind meistens 
ganz unwesentlich und man kann sie grösstentheils durch die von mir mit- 
getheilten Urkunden ergänzen. — ^) Ebenso ist es bei den folgenden in 
eckigen Klammern stehenden Worten. 



16 

darinn uff herrn Diethers svten vorwant, bie iren lehen gnaden und 
freyheiton. sie vom rych gehabt oder noch han, der vermelten irrung 
und Sachen halber unverhindert zu verlieben laysseu. I13ei2, 8 und 4: 
sali bynnen dryen moneden vollenendet werden, und ist daz mit bürgen 
und versohribungen nach nuytdorfft versorget, daz ez gescheen sal.l 

5) Item sali her Adolft" bynnen dryen moneden uff synen kosten 
erlangen, das her Diether der annaten von unserm heUigen vatter dem 
babist und den bangtyrern ledig gezelt und die davor versprochen han 
uss haftung und banne gelayssen werden, und obe das bynen dryen 
moneden nyt gescheen mochte, dass dann herr Adolff solicha dar- 
nach, so er schierst mag, zu erlangen verpflicht syn sali ane herren 
Diethers etc. kosten und schaden. 

6) Item sali herr Adolff uff synen kosten erlangen etc. , das alle 
und igliche geystlich und werntlich, geordent und ungeordent personen. 
die herren Diethers parthy anhengere ader ime myt worten oder wergken 
hilfflich, rehtlich, zulegig oder sust darunder verdacht oder gewant ge~ 
west oder noch syn, absolviret, rehabilitirt und reponiret werden zu 
allen iren wirden, lehen, ampten etc. [ist vollenzogen doch ussgeslossen 
den pfalzgraven und die synen und auch ander, die des stiffts gut in 
dieser irrung an sich bracht und noch inhaben.j 

7) Item das herr Adolff erlangen soll eyn gemein bullen, darinne 
den allen obgeschrieben macht und gewalt gegeben werde, ob ir eynen 
oder mehere gewissen wyter bewegt, eynen bichtere nach eins jedes ge- 
wissen zu kyessen, dem zu bichten, der forter macht habe ine uff heil- 
sam busse diesser dinge halber zu absolviren, zu reabiliteren und zu 
restituiren, und sali das bynnen dryen moneden geschehen. 

8) Item sali her Adolff erlangen etc. herrn Friderichen dem pfaltz- 
grafen, lantgrafen Henrich zu Hessen und grave Philippen von Katzen- 
elnbogen ir yedera in sunderheit eyn absolucien etc. und die absolucien 
alle drye zu banden herren Diethers stellen, die in zu halten und key- 
nem derselben herren die syTien übergeben, er wolle dann auch in die- 
ser rachtung mit begriffen und dernach irer Inhalt, so vil und ine die 
beruren weren, verpflicht syn halten und auch nachkommen, und die 
gefangen in yr yedes hant gelobt und verhafft syn irer gefängniss ledig 
geben und loyss sagen uff eyn alt orvehde, und das herr Friderich der 
pfaltzgrave syner absolucien halber dem wes von synen wegen und ine 
belangende gegen herren Adolffe dem stifft zu gute beredt oder ver- 
schrieben were, das sich kuntlich erfunde, auch nachkomme und gnug 
thuwe ane alle gerede. |item lantgraf Henrich halt syne absolucien 
und halt er widdergeben, was er des stifftes slosss etc. in gehabt hat. 
item des grafen von kaczenelnbogen absolucien hat der lantgrave alsferre 
er der rachtung nachkomen wirdet, sie ime übergeben, item der pfalz- 
grafe ist nicht absolviret sunder myt den synen nemlich ussgeslossen,] 



17 

<)) Item uiul so diese dinge abgeriut ger-cheen oder myt bürgen 
davor versorgniös getlian ist, wil her Diether abtreden aller gerechtig- 
keyt etc. und von dem stiffte alle sloss, stete und landschattte dem 
stiffte zustehend, die er noch innehält, myt allen und igliclien iren 
luit/en. renthen, gefellen etc. herren Adolffe übergeben etc. ussgescheyden 
Hoest, Steynheym und Dypurg mit allen und iglichen in- und zu- 
«rehorden, die er syn leptage gantz uss behalten sali mit aller oberkeyt, 
herlicheyt, geystlichen und werntlichen lehen, und dabie sali er von 
herren Adolfte und ertzbischoff zu Mentz zu zyten und dem capittel 
daselbs gehanthabt werden, [ist vollenzogen.] 

10) Item was von husgerede und geschutz in den dryen slossen 
Hoest, Steynheym und Dypurg ist, sali uffgezeichent yedem herren des 
eyn ussgesnytten Zettel übergeben und noch hern Diethers tode unver- 
want darinne gelaissen werden. 

11) Item sali herr Diether herrn Adolffen überantworten und 
folgen laissen alle brieve, verschribung, registere und buchere dem stiffte 
zu Mentz zugehorende etc. 

12) Item sali her Adolff oder eyn ertzbischoff zu zyten zu Mentz 
in den benanten dryen slossen keyne gebott oder verbott haben, geyst- 
lich oder werntlich, danne alleyn usgescheyden , was die heiligen sacra- 
ment, testament und sentrecht antrifft etc. [zu 10. 11. und 12: ist 
verbriefft und versigelt.] 

13) Item sali herr Adolff myt dem capittel etc. noytturtt'tige ver- 
schrybunge geben, herrn Diethern syn lebtage gantz uss bie den be- 
nanten dryn slossen zu blieben laissen, und obe yme der eyns oder mehe 
angewonnen worden, uff iren kosten allen vermogelichen flisss thun sollen, 
das oder die widder zu erobern und widder zu herren Diethers banden 
stellen, [ist vollenzogen.] 

14) Item sal her Adolff oder eyn yeder ertzbijschoff etc. zu Meutze 
nit gestatten, den benanten herrn Diethern noch dye vorgenanten drye 
sloss etc., in oder uss des stiffts slossen etc die er zu zyten inhait, zu 
beveheden, beschedigen oder zu bekriegen, desglichen auch herr Diether 
uss den dryen slossen. [ist verbrieffet etc.| 

15) Item ob ymants wer der were herrn Diethern beveheden wolte, 
und er uff herrn Adolffen etc. recht botte etc. sali her Adolff etc. 

yme heltten. 

16) Item sal herr Adolff erlangen, daz das capittel zu Mentz sich 
verschribe, keynen zu ertzbischoffe uffzunemen, er globe und swere dann 
tmd gebe brieffe zuvor, das alles wie obgeschrieben steet und ine an- 
treffend ist herrn Diethern uftVichtig zu halten, [ist vollenzogen. | 

17) Item wann herr Adolff etc. eyn lantsture oder subsidium im 

stifft Mentz uffheben wirdet, mag her Diether daz auch in den dryen 

benanten slossen thun. 

2 



18 

18) Item es 5>olleii evneiu yedem geystlidi und werntlich folgen 
und gefallen alle gereclitigkeyt, zynsse. gefelle, die sie bissher in den 
dryen benauten slossen gehabt haben, desglichen geystlichen und wernt- 
lichen innewonern der benanten dryer slosse aucli gescheen sali, usge- 
scheyden ab ymant zynsse, gefelle etc. in der staidt Mentz gehabt bette 
<oll herinn unvergritten syn. 

HM Item es sollen alle und igliche , geystliche und werntliche, 
herrn Dietliers yarthij etc. zu allen iren digniteten, pfrunden . leben, 
ambten. hussern und hoften darzu gehörig etc. widder gelaissen und 
restituiret werden und ine gegonnet werden, ire pfrunden und leben zu 
verT\ecbslen, ob und wann sie des begeren. doch das sie myt togelichen 
personen verwechseln. 

20) Itt'ni sali her Adolft' erlangen, das den dhumherren zu Mentz 
herrn Pietbers parthij und darzu 15 personen uss der gemeynen paff- 
heyt zu Mentz, die durch hern Diethern benant werden, alle nutzunge, 
usgescheiden tegelich presentz, aller irer leben zu Mentz drye jar langk 
gegeben werde, doch das sie da bynnen zu Mentz mit huse nit wonnen, 
wolte aber er eyner zu Mentz syn, der solte zu chore gehen und die- 
selbe zijt keyne absentz. wie obgerurt, haben, [ist alles verbriefft 
nach noytdoiflt.l 

21) Item was geystlicher leben von herrn Diethers parthij turno 
ordtnario geluwen syn, alsferre lijhunge an den gewest, sollen dabie 
blieben, were der ymant vertrungen, sali restituirt werden oder des zu 
erkentniss der zweyer herren kommen, wie die sie darombe entscheiden 
da sali ez blieben. 

22) Item soll alle monche in eroberunge der stat Mentz gefangen 
der eyde und gelubde sie gethan han ledig gesagt werden. 

23) Item sali aller nnwille absyn gegen geystlich und werntlich 
von allem dem daz sich in zijt dieser irrmige gemacht und begeben hait. 

24) Item sali in yedem der benanten dryer slosse eynem den 
hen- Diether benennet gegeben werden aiictorUas episcopalis , so dicke 
des noyt geschieht. 

25) Item sollen personen von herrn Diether benant von hern 
Adulffen eximiret werden ab omni jurisdictione archiepiscopali, doch 
das dieselben bynnen zijt der exempcion zu Mentz nyt wonnen auch 
keynerley, das die capittel oder paffheyt zu Mentz handeln, thun, schaffen 
oder besliessen, irren hindern oder widdersprechen sollen. 

2G) Item sali eyn yeder edel oder unedel widder gelaissen werden 
zu allen etc. lijgenden gutern, der er entweret ist zu zijten dieser 
irrun'.,'e, usgescheiden die staid Mentz, den ligenden gutern darinne ge- 
legen und darzu gehörig. ') 

>) Was hier durch die .Abkürzung weggefallen, ist aus der unter Nr. 19 unten 
folgenden l'rkundt? zu ergänzen. 



19 

27) Item sollen grave Ludewig von Iftienburg und Eberhart von 
Eppensteyn herr zu Kuningesteyn ir forderung und irrung (Jrtenburg 
halber in der gutlicheit zu erkenntniss kommen uft' lantgraven Henriche 
von Hessen. 

28) Item sali her Adoltt" abetragen den schaden, der der paftlieyt 
im stifft zu Mentz durch den von Isenberg und die synen /Aigefugt ist. 

29) Item sollen alle gefangen geystlich und werntlich, usgescheyden 
werntliche inwonere und bürgere zu Mentz, uft" eyn ald orfehde ledig ge- 
sagt werden. ') [ist vollzogen. | 

3(1) Item es sollen alle schaczung aczung und ungegeben gelt von 
hei'n Diethers wegen furter ungegeben verüben. 

81) Item alle uifgesagte lehen sollen widder geluwen werden 
bynnen eyn halbem jare, wann des dabynnen an die lehen herren be- 
geret wirdt. 

32) Item sali herr Adolft* herrn Diethern etc. synen hoft' zu Mentz 
widdergeben. 

33) Item es sollen auch alle neben fehde und tyantschattt der 
vermelten sachen halber entstanden abesyn und abegethan werden. 

34) Item sali her Adolft" alle schult und verschribung die herr 
Dietlier bie zijt sijner regierung im stiftt gethan und gemacht halt uff" 
sich nemen, die an herrn Diethers kosten und schaden ussrichten ader 
die schuldener myt zemlicher Versorgung die vergnügen, doch das er 
nyt verbunden sie eynichem myt ingebung slosse stete land oder lute 
versorgniss zu thund. [ist verbriff"t.] 

35) Item sali her Adolft" hern Diethern 5U0Ü gülden von stunt 
bare geben oder dye uft" dem zolle zu Lansteyn laissen uftheben damidt 
eyns teyls schuldener zu betzalen die er herrn Adolft"en benenen sali. 

36> Item sali herr Diether die verschribunge und biittzetel ^) und 
was er des halt die er von der gefangen wegen vom pfaltzgrafen hait 
myt aller gerechtigkeyt die her Diether des halben zum pfaltzgrafen 
haben mag zu banden herrn Adolifs stellen etc. [ist vollenzogen. | 

37 t Item dargegen sali her Adolft" herrn Diether geben 30,000 gülden 
myt namen bare myt 3000 oder die uft" dem zolle zu Lansteyn laissen 
ulfheben und darnach vier jar langk alle jar 3000 gülden uft" dem zolle 
zu Lansteyn laissen uffheben uff" sant Michaels tag und die uberigen 
15000 gülden graven Ludewigen von Isenberg myt sampt den 9000 gül- 
den ime der stift"t vor schuldig ist. Item demselben herrn Ludewige 
sali her Adolft" von den 9000 gülden jargulte geben, von 20 eynen imd 
von den 15000 gülden nach herrn Diethers tode verschriben und ingeben 
.Steynheym myt syner zugehorunge. [darüber sint verschribunge nach 
noytdorff" gemacht. | 

') Zu ergänzen aus der Urkunde Nr. hK — •*) Wahrscheinlicli „ BenUv.ettel " 
s. Mittelliochdeutsches VViirterbuch von Miiiler I. S. U"». 



2U 

Hier fol^'t nuii anderer Hand, aber gleichzeitig, die Bemerkung: 
Item des hot mein berr von Eisenpurgk graffe Ludwig 
meinem berrn von Menntz dervor quidyret keinen an- 
sprucb dornach zu baben. es weiss aber der alt bisebof 
uit do\on. noch snnst aucb nyman, dann mein berre von 
Menntz 

S^. Item sali ber Diether sloss staid und zolle zu Lansteyn 
iunt'bebalt^'n zu undei-pbande alslange biss daz er der fünft" tusent gül- 
den und dann a\icli der 3000 gülden in abslag der 15000 gülden also 
bare entiiibt und er der 12000 gülden syn bruder grave Ludewig der 
9000 gülden mit gyseln und bürgen versorgt und dei- obgenant grave 
Ludewig derselben 9000 gülden und darzu der 15000 gülden in abslag 
der aoooo gülden uft" dem sloss Steynheym nach tode herrn Diethers 
inzuhaben vergewisset und herrn Diethers schuldener myt zymlichen ver- 
schribungen irer schuld vergewisset synt. Doch übe der schuldener 
eyner «»der melif sich nyt zimlich versorgen laissen wolten sali Lan- 
steyn davoi- nyt i»antbar syn und sollen dabynnen dye renthe und get'elle 
zu Lanst^yn durch zolschiibere und besehere daselbes in bijwesen eyns 
herrn Adnltts und eyns herrn Diethers dyenere gesamelt werden und 
daselbs zu Lansteyn utt' dem zolle ligen verlieben und gelaissen werden. 
|der merer teil der schuldener synt vorgewiset. | 

Von der 2. Hand: item doch also komet anders der von 
Eisenpurgk der be rieht nach on alle wegerung und an 
verc Zügen und ebenfalls von der 2. Hand am Rande: Item mein 
herr von Menntz ist in hoffnung es sullen iczundt am 
czoll. doselbst die achttausent gülden par vorhanden 
sein: item und getrawt die schuldener voll et gar in 
V u r z e ni z u \ e r w i s e n. 

;{!•. Item sullen sich daz Kyngauwe und des stiftes 9 stete mit 
vorschriben den benanten herrn Diethern bie den dryen slossen Hoest 
Steynheym und I)ip])urg syne leptage uss zu blieben laissen und widder 
ine nyt zu thuud. 

40. Item das alle vorberurten artigkel hern Diethern vullenfurt 
werden so hait her Adolff" etc. ime davor zu bürgen gesatzt die wolge- 
bornen Johanne graven zu Nassauw und zu Sarbrucken, ') Johann graven 
zu Nassauw,^; und Adollf junggraven zu Nassauw, 3) und Eberhart von 
Epi>ensteyn lierren zu K'uningsteyn . ob ez were daz durch den obmann 

') tinil .lohiiiin von 'l«;r walraini.^iclieii Linie: Kcboren 142:J, gestorben 1472, seit 
27. Februar 1412 Hoir der Grafschaft Saarbrücken und der Herrschaft C'oni- 
mercy. Kr wiril audi Herr von Heinsljerg genannt von seiner ersten Ge- 
mahlin .lohanna di-r Erbin von Heinsborg. — 2) ist des Krzbiscliofs Adolf 
Bruder und Hen 711 \Vi.'<baden und Idstein f 14*^0. — 3) ist des vorigen 
S<ihn t l-Ml. 



21 

ncmlich graveii Otten von Solnisn oder noch synem tode Philippen 
graven zu Hanauw noch ansprach und entwort erkant wurde, da/ herren 
Diethern nyt gehalten wurde in eynichen oder raehe artickeln daz sie 
alsdann wann sie von herrn Diethern gemanet werden iglicher myt 10 
knechten und 10 pferden leysten solte etc. 

41. Item alle gezelt und houbtbussen sollen herrn Adolften uber- 
antwort werden etc. Von 2. Hand: itemdoch also ob herr Diether 
in einem oder mer artickel czwitrechtig würd so hot er doch 
der pürgen nicht zu monen, er koem danne vor für den ob- 
mann und das der obman tage setze und was aldo durch den 
Obmann erkant wirdet, dem sol nachgegangen werden 
on igliche wegrung. Item mein herr von Menntz ist in 
hofnung ee dann viertzehen tage vergeen, er wijsse die 
wege die iczundt auf der pon sinndt dordurch er Diepurgk 
mit gunst des von Eisenpurgk zu seinen hannden prengen 

wolle. 

Bei einer V^ergleichung der einzelnen Artikel dieses Vei-trages mit 
dem vom 1. Juni wird man finden, dass einige ganz ähnlich ja gleich- 
lautend, andere aber neu und wesentlich verschieden seien. Es war vor 
Allem eine Errungenschaft, ein grosser Gewinn für Diether, dass 
Erzbischof Adolf alle Schulden, welche jener während seiner Regierung 
gemacht hatte, auf sich nahm und sich mit den Gläubigern desshalb ver- 
ständigen musste, ferner dass ihm und seinem Bruder Ludwig, dem re- 
gierenden Grafen von Büdingen je 15000 fl. theils baar bezahlt, theils 
verschrieben wurden, und dass er als sicheres Pfand, dass Adolf allen 
Punkten des Vertrages insbesondere seinen finanziellen Verpflichtungen 
genau nachkommen werde, die Stadt, das Schloss und der Zoll von 
Lahnstein mit ihren ansehnliclien Einkünften eingeräumt wurden, welche 
soviel wir wissen, erst mit dem Tode Adolts und der zweiten "\^"ahl 
Diethers von Isenburg an das Erzstift zurück kamen. Man sieht also, 
dass der Kaiser dem Erzstifte keinen Nutzen brachte, wenn er den Ver- 
trag vom 1. Juni nicht bestätigte, ihm vielmehr neue Lasten, und neue 
Verluste zufügte. Adolf von Nassau glaubte wohl sich dafür in 
anderer Weise entschädigen zu können, denn es befanden sich in dem Zeils- 
heimer Vertrage einige neue Bestimmungen, welche dem Erzstifte Vortheil 
verhiessen. Es sollten die Rechte, welche sich Diether laut eines Briefes des 
Pfalzgrafen vom 31. October 1462 auf einen Antheil am Gewinne des Secken- 
heimer Sieges erworben hatte, nach Artikel 36 auf Adolf übergehen ; sodann 
war weder in dem Vertrage, noch in einem Neben vertrage von einer 
Anerkennung der VeiTfändung der Bergs trasse durch Adolf und das 
Domcapitel die Rede, und es schien, als ob man dieselbe rückgängig 
habe machen wollen. Aber das blieben Wünsche, die niemals erfüllt 
wurden, denn in dem Augenblick, wo Pfalzgraf Friedrich von den Dingen 



22 

Ternommeu hatte und Verwahrung gegen den Missbrauch seines Namens 
und den Abschluss eines Friedens einlegte, kam man zur Einsicht, dass 
man auf diese Weise nicht mit ihm verfahren, dass man mit ihm ab- 
rechnen, ihm billigere Bedingungen bieten müsse, als diejenigen, welche 
man zu Zeilsheim beabsichtigte. Und so geschah es. Unter der Be- 
dingung, dass die Verptandung der Bergstrasse bestätigt, und ihm noch 
einige andere Vortheile, wie ansehnliche Einkünfte vom Zoll zu Ehren- 
fels und die Stadt Pfeddersheim eingeräumt würden, liess sich der Pfalz- 
graf endlich zum Frieden herbei. Dazu wurde noch die Wahl Ruprechts 
zum Erzbischof von Köln bestätigt. Von einem Antheil Adolfs an den 
Lösegeldern der bei Seckenheim gefangenen Fürsten war dagegen keine 
Rale. Man sieht, dass auch der Pfalzgraf einen günstigeren Frieden 
als den vom 1. Juni erlangt habe. 

Alle diese Verträge wurden abgeschlossen und ausgeführt, ohne 
die Einwilligung des Kaisers abzuwarten. Man war diesmal so vor- 
sichtig, den Artikel 35 des Idsteiner Vertrages vollständig wegzulassen. 
Erst am 13. Februar 1463, also mehr als 14 Monate später, hielt es 
Friedrich III. für gut, den Vertrag von Zeilsheim zu bestätigen und 
die im Erzstifte zu Mainz hergestellte Ordnung anzuerkennen. Der 
Papst dagegen, der trotz einzelner lästiger Bedingungen den Sieg Adolphs 
von Nassau mit Freuden begrüsste, ertheilte den Verträgen vom 5. Oc- 
tober ebenso seine Zustimmung, wie er es bei denen vom 1. Juni 
gethan. 

Ich lasse nun zum Schlüsse eine Reihe von Urkunden und Ver- 
zeichnisse von Urkunden folgen, welche sämmtlich Bezug auf den Ver- 
trag von Zeilsheim haben und durch welche auf den Zusammenkünften 
zu .\rainz und Frankfurt der dreijährige Streit zwischen Adolf von 
Nassau und Diether von Isenburg vollständig ausgeglichen worden ist. 
Man wird durch sie einen näheren Einblick in die einzelnen Artikel und 
Ausführungen des Vergleiches erhalten. 



1. Mainz 1463 Oct. 20. 

Erzbischof Adolf von Mainz verschreibt sich gegen Herrn Diether von Isenburg, 
die einzelnen Artikel des Vertrages von Zeilsheim genau zu beobachten und die 
liäjistliehe und kaiserliche Genehmigung derselben auszuwirken. 

Wir Adolff von gotts gnaden des heiligen stuls zu Mentz erweiter und bestä- 
tigter des heyligen romischen richs durch Germanien ertzcantzler und kurfurst be- 
kennen und thun kunt offinbar geyn aller meniglieh mit diesem brieve für uns unnser 
nachkomen und stifft zu Mentz: als nach innhalt eyner versiegelten aberede der 
datum steet , geben und gcscheen im felde neben Zylssheim zwuschen Hoest und HoefF- 
heim gelegen am mitwochen nach Francisci anno domini 1463" durch den hochge- 
bomen fursten unsern lieben neven herren Heinrichen lantgraven zu Hessen graven 
zo Cziegenhayn und zu Nyed<le zwuschen dem wirdigen lierrn Dicthern von Isemburg 



23 

etc. eyiis und uns des stiffts zu Mentz lialber des andern te.vls furgenomen ander 
andemi beteydingt worden sint etliche artickel wir dem genanten herrn Diethern 
von bebstlichcr und keyserlicher gewalt erlangen und mit gnuglicher verschrybunge 
und bürgen vergwissen sollen uff mass und meynunge nachgeschrieben und ludet 
nemlich der eyn also: Item das herr Adolflf auch uflf sinen kosten erlange und be- 
stelle das der bebstlich orator und ob er des nicht macht hett unnser heiliger vater 
der babst selbs alle Ungnade und Unwillen sin heylikeyt zu dem benanten herrn 
Diethern hat ader gehaben mochte gentzlich und unverdinglich sunder aller under- 
scheydt slcchtlich und gruntlich abestelle, auch das herr Diether von unnserm hei- 
ligen vater dem babst und auch herrn Adolffen duroli notturfftig bullen und ver- 
schrybunge eximirt werde ab omni jurisdictione archiepiscopali. desglichen sal herr 
Adoiff bestellen das unser gnediger herr der keyser alle Ungnade und Unwillen gegen 
herrn Diethern und allen den ihenen die syner partliij und anhengere ader ime zu- 
legig ader bystendig gewest oder noch sint geistlicli und werntlich gruntlich auch 
abcstelle und abthue, auch alle und igliche des rychs inanne darinn nfi" herrn Diethers 
siten verwant by iren gnaden lehen und fryheiten sie vom ryche gehojjt oder noch 
hau der vermellten irrunge und Sachen halber unverhindert zu verlijben lassen, und 
das herr Adoiff alsebalde herrn Diethern der vermelten stucke nnd punct halber 
dieses artickels die furderlich an dem orator und ob er des nit macht hett bynnen 
dryen moenden an unnserm heiligen vater dem babst selbs zu erlangen und zu volen- 
den gnungsam versorgniss mit burgschafft nach notturfft tliun soll uff mass und forme 
die burgschafft uff andere nachfolgende artickel begriffen steet sunder geverde. Item 
der ander artickel : sal herr Adoiff uff sinen kosten bynnen dryen moenden erlangen 
das herr Diether der Annaten von unnserm heiligen vater dem babst und den 
banckirem ledig getzielt und die darfur gesprochen han uss hafftunge und banne ge- 
lassen werden und ob des binnen dryen moenden nit gescheen moclite das dann herr 
Adoiff solichs darnach so er schirst mag uff die vermelten versorgniss und gw.issheit 
zu erlangen verptlicht sin solle doch ane lierrn Dietliers auch der sinen und die sich 
desshalbe verpflicht und verwant han kosten und schaden sunder geverde. Item 
uff den dritten artickel: ob der geistlichen oder werntlichen geordent und ungeordent 
herren Diethers anhengere zulegere und zugewanten eyns ader merer gewissen iren 
eynen ader merer der ding halber wyter bewegt dann zu der gemeynen absolucion 
ine innhalt der gutlichen beredunge erlangt solle werden sol herr Adoiff an unnserm 
heyligen vater dem babst ader were des sust zu thun macht hat erlangen bullen und 
Indult das der ader die herren Diethers anhengere zulegere und zugewanten geistlich 
und werntlich geordent und ungeordent weliclis gewissen solichs berurnde wurde 
macht und gewalt haben solten deshalben einen bichtherren nach irer yedes gewissen 
zu kiesenn dem zu bychten und das derselbe bichtherre von bebstlicher gewalt mogde 
und macht habe yeden nach siner notturfft uff heilsam busse zu absolviren zu relia- 
bilitiren imd zu restitueren auch sunder alle verdingunge und geverde und ab der 
orator die bichtherren herüber zugeben uff mass obgerurt nicht macht hett sal herr 
Adoiff solichs vonn unserm heiligen vater dem babst ader were des sust von siner 
heilickeit wegen zu thunde macht hett erlangen uff sinen kosten auch bynnen dryen 
moenden und uff versorgniss obgerurt sunder geverde. Item der vierde artickell: 
sal herr Adoiff auch uff sinen kosten von unnserm heiligen vater dem babst ader 
sinem orator ader were des sust zu thunde macht hett erlangen herm Friederichen 
dem pfaltzgraven herm Heinrichen lantgraven zu Hessen und Philipsen gravcn zu 
Katzenelnbolgen irer yedem inn sunderhcyt ein absolucien uff mass und meynuug des 
artickels inn der gutlichen beredunge uff herrn Diethers anhengere und zugewanten 
mit ferrerm innhalt desselbeii artickels begriffen steet. Item und der funffte also 
lutendo: als die monich die inn eroberunge der stat Mentz iun den orden daaelb» 



24 

gewest sind etliche glubde und ovile haben thun inut^en. was (lei;>elljou ghilxle und 
evde sint die herr Ailoltf leilig gesogen adef die monioh davon entpinden nuig sal 
er thun und sie der ledig ^igon slei'htlich und unverdinglioh ane veraugk, was der 
aber inn siuer gewalt ader macht ledig zu sagen nit weren sunder dem babst zu- 
stünde sal herr Adolff von dem bebstliclien orator alssbalde und ob er des nit macht 
hette von unn-^enn heyligen vater dem babst denselben monichen durch ein gemeyne 
bullen enipindunge und erledigunge ane alle venlingunge erhingeu l)ynnen zit und 
uff versüTgniss vor und na«.'hberurt etc. Item und der sechste : 'las wir Adolff obge- 
nant ak auch iu der gutlichen beteydunge sunderlich abegeredt ist an unnserm hei- 
ligen vater dem babst ader sinem orator ob er des macht hette und unnserm gnedigeu 
herrn dem keyser erlangen sollen das soliche gutliche beteydigunge obgemelt von 
ine inn allen stucken puncten und artickeln darinn begriffen durch notturfftig bullen 
verschrybunge und brive gewilliget und zugelassen werden auch bynuen zijt und 
versorgniss wie obsteet etc. nach dem im wir Adolff erweiter und bestetigter zu Mentz 
obgenant der vermelten articule versorgunge nach irem inuhalt dem benanten herrn 
Diethern und den sinen und wen die sust beruren ader antreffende sin eyns teyls 
von unnserm heiligen vater dem babst selbs und eynsteils von siner heilickcit orator 
ader were des sust von siner heylickeyt wegen zu thun macht liett auch eynsteyls 
von unnserm gnedigen herrn dem keyser innhalt derselben obgemelten articule und 
auch der gutlichen und tVuntliche beteydunge egemelt zu erlangen und ptiichtig zu 
sin erkennen, darumb so geraden und versprechen wir by unseren fürstlichen ereu 
und wirden und guten waren truwen für uns unnser nachkomen stifft and capittel 
zu Mentz inn und mit klafft diess brieffs dem benanten herrn Dietheru und den sinen 
und wen sust soliche artickel berurende und antreffende sin dieselben obgerurten 
artickele und irer yeden nach irer innhalt mit notturffliger verschrybunge und ver- 
gwLssunge bebstlicher macht bullen und brieve gefertigt zu erlangen und zu bestellen 
und die dem benanten herren Diethern zu sinen hannden bynnen der bestyuiiiten zijt der 
vormelten artickele und auch der gutlichen beteydunge egemelt Inhalt zu übergeben 
sunder vertzug iimlrag argelist und on alles geverde. Und des zu merer Sicher- 
heit uff das der benant herr Diether die sinen und ihenen die solichs bemren ader 
antreffende ist ader sin mag solicher orlangunge und bestellunge Inhalt der ver- 
melten artickele deste gewisser versorgt zu werden von uns nach notturfft vergnügt 
und vergwist gesin mögen so haben wir für uns unnsei- nachkomen stifft und capittel 
zu Mentz dem benanten herrn Diethern darfur in guten unverscheydelichen bürgen 
ge^>atzt und setzen auch mit crafft dieses brieffs die edeln unnser lieben bruder vettern 
und swager nachgeschrieben mit >olicher betingunge und underscheyt: ob es were 
daö wir unnser nachkomen stifft und capittel zu Mentz an erlanguiige und be- 
stellunge der vermelten artickel eynem ader merer nach irer innhalt sumig und dem 
benanten herrn Diethern des für sich und die synen auch die ihenen die das be- 
rumde und antreffende ist innhalt derselben artickele nit erlangen schicken bestellen 
noch überantworten wurden notturfftige bebstliche versorgunge bullen brieve und 
verriciirybunge auch bynnen zijt und uff mass Inhalt derselben artickel und der gut- 
lichen aberede egemelt begriffen ist, so mag alsdann der benante herr Diether die 
nachgeschrieben bürgen inn des obmans der die tzijt Inhalt der gutlichen beredunge 
egemelt zwui«:hen uns ubmann wurde sin slosse oder stete eyns weliche herrn Diethern 
allergefelligst ist und sin wurdet ader, ob derselbe obemann inn sinen slossen und 
steten dahin dann die manuiig inn leistunge zu thun und zu volfuren wie hernach 
Mtat nit lyden noch gewtatten wolte, ine der dryer sloss und stete Hoest Steinheim 
und hiepurg eyne inn eyns offin wirtshuss denselben nachgeschrieben bürgen von dem 
benanten herrn Dieth.-m benant inn leistunge zu komen manen, dahin dann dieselben 
bürgen und irer yed.-r mit sinem selbs lybe mit nunen leistbaren itcrsonen und zehon 



25 

re_yHJgen plierdeu urt' st mit und onvovtzoglich urt die orMo uiamm^' herni Pietliers so 
und wann er ino die sanient adev ir yedeni inn sunilerlievt ■icluifttlicli inn sin huss 
da er dann ungevcrlich sin wonung lieldet ubeisant ader niontlicli uner äugen ge- 
th.an hat ane ferrer ersuchen irer keyner sich des mit dem andern zu entschuldigen 
ader zu sunderen noeh domit ufi' den an<leren zuvertziehen ader zu verlialten sunder 
alle verpieten und verhinderunge geistlichs ader werntlichs gebott uflFhalt ader be- 
heniiiiung in leistunge kommen rechte und stete unablessige leistunge darinn thun 
und volntzieJien und daruss noch von danuen sich nit lugen iioih von der leistunge 
ntfhoren ader abelassen sollen, dem benanten herrn Diethern den sinen und den 
ihenen die solichs bcrurnde ader antretlcnde ist sy dann zuvor undj alles das darumb 
herr Diether inn leistunge gemant hett sam])t allem schrybelone und bottenlone auch 
allem kosten und schaden von ime daruff gewant und ergangen volkomunge ussrach- 
tunge und begnugunge gescheen und volnthan sunder geverde, und weres das der 
bürgen eynchem siner knechte ader pferde eyns atler nierer inn der leistunge todt« 
abegeen sich vertzeren und verleisten ader zu leysten sust unnutzlicli wurden so solde 
'ler bürge den das berurt furderli.'h bynnen acht tagen ane alle ermanunge noch 
eyiiem ader merer anderen leistbaren knechten und jiherden inn leistunge zu kommen 
.«.chicken und bestellen und mit denselben die leistunge volntzieheu sunder abelass 
\uid mass obgerurt sunder geverde, ginge auch der bürgen nachgeschrieben eyner 
ader mehre inn ader usswendig der leistunge todts abe ader sust inn eygener personen 
zu leisten unvennoglich wurde so sollen wir unsere nachkommen stifft un<l capittel 
zu Mentz utt' ersuchen und gesynnen des benanten herrn Diethers bynnen eynem 
inonde schirst nach solicher manunge dem benanten herrn Diethern einen ader merer 
ander graven ader herrn dieses landes an des ader der abegangen unvermoglichen 
leistbaren bürgen stat zu bürgen setzen der ader dieselben sich dann alles des gegen 
den benanten herrn Diethern den sinen und den ihenen die solichs herum und an- 
treffende were zu thun zu leisten und zu volnfuren verschryben sollen als der ader 
die an iles ader der stat sie gesatzt werden getan solten lian und zu thun innhait 
dieser verschrijbunge und der gutlichen beteydigunge egemelt verpflicht woren sunder 
geverde. Wer es aber das wir uunser nachkomen stifft und das capittel zu Mentze 
an ersetzunge der bürgen nach ermanunge lierrn Diethers und bynnon zit obgerurt 
sumig wurden so sollen dannoch die überleben blijbenden bürgen ob sie alle gereyde 
inn leystunge weren darinn blyben und ob sie nit inn leistunge weren uff ersuchen 
herrn Diethers wie obsteet in leistunge komen recht leistunge thun und volntziehen 
und davon nit abolassen dem benanten herrn Diethern sy dann die ersetzunge der 
bürgen wie obsteet und underscheiden ist gescheen so dicke und vil sich das gepuren 
und noit sin wurdet sunder inntrag und ane alles geverde. Alle und igliche abge- 
schriben stucke puncte und artickele dieses brieffs gereden und globen wir Adolff 
erweiter und bestetigter für uns unsere nachkomen stifft und cai)ittel zu .Mentz ob- 
genant by rechten guten waren truwen stete und veste zu halten den auch uffricht- 
lich nachzukommen und zu volfuren getruwelich und darwidder nit zu sin zu suchen 
zu thunde noch schaffen getan werden durch uns selbs ader yemant anders von 
unnsern wegen geistlich ader werntlich heymiich ader olfmtlich auch uns darwidder 
nit zu setzen noch zu behelffen mit eynchen sachen gnaden fryhe^-ten ader Privilegien 
wie die ymmer gesin ader von eyncher uberhant gegeben ader die sust ycmants er- 
dencken ader erwerben mochte inn keyn wyss sunder alles geverde. Wir gereden 
dartzu auch mit guten woren truwen für uns unsere nachkomen >tifft und capittel 
zu Mentz inn krafft dieses brieffs diese nachgeschrieben unnser bürgen dieser burg- 
schaff't gutlichen zu entheben zu ledigen und zu losen ane eyde noitrede und one 
allen in yedes und irer erben schaden geverde und argeliste um allen obgemrten 
Sachen stucken puncten und artickeln gentzlich hindangesatzt und us.sgeslossen . und 

9* 



20 

de» zu Urkunde j^o liaii wir Adolfl' erwolttr und bcstotigtor obgenant uii-or ingesifrel 
an die.>^Mi brieft' thun heiickeii und wir IJichart vom überstein dunideiliant und daa 
cai'itud genieinlich des dunistiolits zu Menntze bekennen auch inn diesem briefte das 
alle und ipliche obgeschrieben saehen dieser verschrijbunge wie die ptucks wijse ob- 
genirt ^iiit und gei^^brieben steent nnt unnserm kuntliolieni wissen und willen zu- 
gangen boscheen und verschrieben sin. geredcn dannnb bij rechten guten waren 
truwen für un.- und unnscre naohkomen inn krafft dieses brieffs den als ferre uns die 
Wruren und antrertendo sint uffrichtiglioh nadi zu kommen ane inntrag sunder arge- 
list und geverde. und des zu warer erkentniss habeii wir unnsers capittels ingesiegel 
bij des obgenanten unnsers genedigen herrn ingesiegel an diesen brieff geliangen. 
Und wir die nachjresclirieben bargen bekennen uns uffintiich audi inn diesem brieH 
äolicher abgenirter burgschattt und gereden und globen au<h mit rechten guten 
waren truwen an eyd stat inn krafft dieses brieft's recht gute unverscheydeliche bürgen 
der obgerurten saolien halber gegen dem benanten horni Diethern zu sin auch inn 
leistunge uft' nniss cbgerm-i persönlich zu koiueii und zu leisten so dicke sich das 
geburen und wir des samentlich ader unnser yeder inn sunderheit ermant wurdet un>l 
sust alles das zu thun und zu volntziehen da- un- iini (Ur gemeyne und besunder 
innhalt dieser vers«hrijbungc zu tun gepurt sunder weygerung uffhalt und vertziehen 
auch runder allen behelffe geistliclis uud wcrntlichs gesuchs ussgescheyden alle argelist 
und geverde. l'nd des zu urkundt so han wii die nachgeschrieben bürgen unnser 
yeder sin eigen ingesiegel bij des obgenanten unnsers gnedigen herrn und des capittels 
zu Mentz ingesiegcle an diesen brieff gehengkt un.l sint wir diess die bürgen mit 
nainen: Johann grave zu Nassauw und zu Sarbrucken herr zu Henxsperg etc lohaui! 
grave zu Nassauw. Adolff junggrave zu Nas.sauw mid Kberliart von Eppenstein herr 
zu Konigstein. tieben inn unnser stat Mentz am dornstag nach sant Tiucastag anno 
iloniini millesimo <|uadringentesimo sexage.simc tercio. 

ton XXIX. toi. 272"- 27:.--"i 
L Mainz 1463 Okt. 20. 

KrzbLscliot .\dolph von Mainz. Kichanl vom t>borst<!i)i Dechant und das 
Capitel daselbst entbinden alle Mannen. Hurgmannen, Zollschreiber. ZoUknochte. 
Schultheisse, Kellner. .-Vmtleute. Diener. Bürger und Einwohner der Schlösser um! 
Städte Höest. Steinheim und Diepurg und der dazu geliörigen Landschaft von allen 
ifelübden und Eiden und gebieten ihnen dem Herrn Diether von Isenburg seine 
Lebtage als ihrem natürlichen rechten Herrn mit der Lehenschal't und allen andern 
Pflicht^'n gewärtig zu sein, nach dessen Tode aber, einem Erzbischofo zu Mainz uni) 
dem Domcapitel daselbst wieder zu gehorclien und zu gewarten. 

dat. in unser .stat Mentz. l>ornstag nach sant TiUcastag. 

tom. XXIX. Fol. 287. 
3. Mainz 1463 Okt. 2U. 

Dieselbe Urkunde nur von dem Dechanten und dem Capitel erlassen. 

dat. wie oben. 

tom. XXIX. Fol. 292''- 2MX». 



•) Dies ist der 2!i. Band der Mahiz-Aschaffenburger Ingrossaturbücher, welche 
.sich im kgl. bayr. Archivconservatorium zu Würzburg befinden. Diese Samm- 
lung von t'opiaibüchern der Erzbischöfe von Mainz ist eine reiche Fundgrube 
für die deutsche (ieschichte . denn sie entliält nicht nur Urkunden über terri- 
toiiale Verhältnisse, .sondern auch alle staatsrechtlichen Verträge und Bünd- 
nisse, wclf-he die Erzbischöfe von j\Iainz geschlossen haben. Der 29. Band 
umfasst ausschlies-slich Urkunden Diethers von Isenburg ; während die Bände 
23-28 sidi über die Hegierung des Erzbischofs Dietrich aus dem Hause der 
Schenken von Erbafli und ;lii nnil ff. über die Adolfs von Nassau verbreiten. 



27 

4. Mainz, 146:? Okt. 20. 

Kr/bischot' Adolph von Mainz. Uichanl vom Obcrstfiii Utvhaiit iiml «las Capitel 
daselbst <,'ebieten den Städten AschaÜenburg, Seligcnstadt, Dieburg , Miltenberg, 
Düren. Kulssheim, IMschofsheini , Bvicheim und Amorbach, ») sich gegen Herrn Diether 
von Isenburg zu verschreiben, dass sie ihn seine Lebtage im Besitze der Schlösser 
und Städte Höchst, Steinheini und Dieburg erhalten, niemals wider ihn sein, und 
wenn Erzbischof Adolf und das Domcapitel etwas Feindliclies wider ilin unternehmen 
würden, denselben keinerlei Hülfe leisten wollten. 

>lat. Mentze, dornstag nach s. T;Uoastag. 

tom. XXIX. Fol. 29(^ — 291«. 

5. 1468 Okt. 20. 

Die Neun Städte versprechen dem Herrn Diether \on Isenburg, ihn bei dem 
Besitze der Städte und Schlösser Höchst, Steinheini und Dieburg erhalten zu 
wollen u. s. w. 

dat. dornstag nach ö. Lucastag. 

tom. XXIX. FoL 291^ — 292«. 

6. Mainz 1463 Okt. 20. 

Richard vom Oberstein Dechant und das gesammte Domcapitel zu JLiinz ver- 
sprechen. Niemanden als f^rzbisrhof von Mainz aufzunehmen, der sich nicht zuvor 
verschreiben würde, die Verträge, die am r>. Okt. zu Zeilsheim zwisclien Adolf von 
Nassau und Diether von Isenburg geschlossen worden, genau und gewissenhaft zu 
beobachten. 

dat. Mentz dornstag nach s. Lucas. 

tom. XXIX. fol. 293^- 294 a. 

7. Mainz 1463 Okt. 21. 

Erzbischof Adolph von Mainz bekennt, dass er die Mönche von Herrn Diethers 
von Isenburg Partei, welche bei der Eroberung von Mainz gefangen und genöthigt 
worden seien, gewisse Gelübde und Eide zu leisten, dieser Gelübde und Eide los 
und ledig spreche; bezüglich der Gelübde aber, von denen zu entbinden nicht in 
seiner Macht stehe, wolle er die Lossprechung bei dem päpstlichen Orator oder dem 
Papste selbst erwirken. 

dat. Mentze, Frytag nach s. Lucas. 

tom. XXIX. foL 294»^ — 295«. 

8. Mainz 1463 Okt. 21. 

Erzbischof Adolph von Mainz spricht dem Carmeliter- und dem Barfüsserkloster 
zu Frankfurt, welche auf Herrn Diethers von Isenburg Partei gewesen und trotz 
des Interdictes öffentlich gesungen, begraben und die heiligen Sacramente gereicht 
hätten, seine Verzeihung aus und gelobt, sich bei Papst \md Kaiser für sie zu 
verwenden. 

dat. Mentze, frytag nach s. Lucas. 

tom. XXIX. foL 294. 
0. Mainz 1463 Okt. 22. 

Erzbischof Adolph von Mainz, Dechant und Capitel daselbst bekennen, dass 
Herr Diether von Isenburg die Schlösser und Städte Hoest, Steinheim und Diepurg 
mit allen Zöllen u. s. w. auf Lebenszeit besitzen solle. 

dat. Mentz, samstag nach s. Lucas. 

tom. XXIX. fol. 285» — 286b. 



1) Dies sind die Neun oberländischen Städte des Erzstiftes Mainz. 



28 

1<>. Fraiikfmt \UV.i Okt. 24. 

KizliiMliot Aiiolt von Main/ \or>iliieil»t dein Herrn I>ietlier von Isenburg das 
Sclilu»«. die Stallt und den /oll zu L;ilin«teiii. 

NN'ir Adolff von potls «Suaden des heiligen stul> zu Mentz orwelter und be^te- 
tigior des heiligen lioniistlion rijths durch (Jennanieu ertzkantzler und kurturst be- 
kennen und tliun kunt oftinbar mit diesem brieft' gein aller iiieniglich für uns unnsei 
naehkonien und stitft zu Mentz: als nach inlialt eyner vei-siegelten aberede der da- 
tum steet und iieldet ,gel>en und gescheen im vclde neben Zylssheim zusehen Hoest 
ond Hoffheim gelegen am mitwochcn nach Francisci anno domini Ht.):]" durch den 
hoehgebornen fursten herni Heinrichen lantgraven zu Hessen graven zu Ziegenhavn 
und zu Nidde zwuschen dem wirdigen herrn Diethern von Isenburg etc. evns und 
uns des stiffts zu Mentz halber des anderteyls mit unnser beydersits wissen und 
willen forgenomen under anderm beteydingt ist, das wir alle und igliche schult und 
verschrybunge di der benant herr Diether by zyten siner regirunge das ist sythere 
der zijt das derselbe herr Diether zum stifft zu Mentz erweiter worden ist bicss uff 
diesen hutigen tage inn stifft zu Mentz getan und gemacht hat von demselben herrn 
Diethern uff uns und unnsern stifft zu i\lentz nemnien, die an sie stat und von sine« 
wegen sunder sinen und der sinen kosten und schaden ussrichten betzalen und 
volntziehen ader die schuldencr und wen das berurt der nach zimlicher versorgunge 
vergnügen, doch das wir uit verbunden sin eynchen mit inngebunge sloss stete 
lannde ader lute veivorgniss zu tun und lierrn Diethern des entledigen solichernias!^ 
das herr Diether und sin erben des alles an iordeioingo gequitiget en tragen und 
loiss gela.<sen werden etc. item das wir herrn Diethern funfftusend gülden uff stunt 
also bare geben ader irae die mit verwilligunge des capittels zu Mentz für uns und 
unnser nachkomen uff des zoUes zu J^anstein renthen und gefeilen furderlich uffzu- 
heben eynsteils siner schuldener die er uns benennen sal inn abeslag der andern 
damitde zu betzalen nach notturfft verschryben sollen etc. item und das wir dem 
l»enanten herrn Diethern inn abeslagk der funffzchen tusend gülden, er ime und sinen 
erben ader wen er das beschert an den drissig tusent gülden wir ime innhalt der 
vernielteu beredungc geben selten behalten hat. dry tusent gülden ulsobalde und 
bare uff dem zolle zu Lanstein auch zu heben und dartzu für die uberichen zwolff 
tusent gülden ime sinen erben oder wem er das bescheydt die darnach jerlichs mit 
dryen tusent gülden inn abeslag der uberichen zwolff tusent gülden uff dem zolle zu 
Lanstein zu betzalen gnungsam verschrybunge und mit gyseln und bürgen versorgunge 
übergeben, und das wir des zu gewisslicher Versorgung aller solicher vorgemelten 
punct zu-sampt der ver.schrybungc und vergnugiinge die wir herrn Diethers bruder 
gn"ave Ludwigen von Iseniburg von der funtizehen tusent gülden wegen, herr Diether 
inne an den vermelten drissig tusent gülden überlassen hat, und dann auch von der 
nun tusent gülden wegen, der stifft grave Ludwigen vor schuldig gewest ist, ime 
und .sinen erben mit gyseln und bürgen nach lute desselben artickels inn der gut- 
lichen aberede davon begriffen übergeben dem benanten herrn Diethern desshalber 
Lan.stein slos« stat und zolle mit der inngehorde Inhalt dez vernielteu beredunge zu 
underphande iniistellen sollen etc. wie dann solichs alles die vermelten artickcle inn 
der obgeinelten gutlichen beredung begriffen volliglicher zuerkennen geben; also ge- 
reden und globen wir Adolff erweiter und bestetigter obgenant by unsern fürstlichen 
eren und wirden und guten waren truwen für uns unser nachkomen und stifft inn 
krafft diess brieffs den obgeschrieben vier artickeln nach innhalt der vermelten be- 
redunge gegen dem benanten lierrn r)i«thern sinen erben ader weme er das be- 
BcheN-t und wen sust das antreffende ist uffrichtlich nach zu komen die zu halten 
und zuvolntziehen sunder intrng getruwlicli und unverbrochlich ane alles geverde, und 
uff das der benant lierr Diether sin erben oder wem er das bescheydt und wen das 



29 

su.st aiitroftcndc ist des alles (le>tcr vergwister gesin mögen ine uftriclitlich gelialten 
und volntzogen zu werden, ho haben wir Adolff erweiter und bestetigter für uns und 
unser naclikomen stifft und cai>ittel zu Mentz obgenant mit zytigon» gutem vorbe- 
trachtem rate auch mit kuntlicher bewilligunge des vcrmelten capittels und rechter 
wissen dem obgenantcn herrn Diethern und sinen erben inn underj)fantswyse darfur 
inn gegeben und inngestalt unnser und unnsers stiftts sloss stat und zolle Lanstcyn 
sami)t den luten und inn wonern auch mit allen renten nutzungen gefeilen gepotten 
und verbotten und allen anderen zu- und inngehorungen , die darfur mit aller ge- 
rechtickeyt wie sie dann ein ertzbischoff zu Mentz biesshere besessen inngehai)t und 
gebrucht hat inn siner hannde zu underpfande darfur zu besitzen inntzuhaben zu 
nyessen und zu gepruchen biess alss lange das der vermelte herr Diether sin erben 
ader wem er das besoheyt der funff tugent gülden inn abeslagk der betzalunge siner 
schuldener zusam])t den dryentusent gülden inn abeslagk der funifzehen tusent gülden 
von des zolles zu Lansteyn renten und gefellen gentzlich und für foUe gnunglich also 
bar und zuvor über alle und igliche ussgebunge und bestellunge des slois stat und 
Zolles zu Lanstein wie das dann einem ertzbischoff zu Mentz biesshere zu Lanstein 
usszurichten zugestanden und gepurt gehabt hat gnunglich entricht und betzalt 
worden sint sunder alles geverde: und wann dann die betzalunge solichcr funff tusent 
gülden zusami)t der dryer tusent gülden egerart dem benanten herrn Diethern sinen 
erben ader wem er das bescheydt also wie obgemelt steet für foUe gescheen ist, alss- 
dann sol sicli herr Diether und sin erben derselben renten nutzen und gefellen zu 
Lnsteyn nichts mer kmden nach der undertziehen , sunder die von eynera zolschryber 
bescher und zolknechten die dann yetzutzyten zu Lanstein sin inn bywesen und 
mit wissen zweyer personen. der eyner vom herrn Diethern und der ander von uns 
und dem capittel zu Mentz dartzu gesatzt und den beyden auch im sloss zu Lan- 
stein koste gegeben werden sal, uffgehoben und versamelt und doch daselbs uff" dem 
zolle zu Lanstein ligende blyben und gelassen werden sal, und dannoch glichwol 
Lanstein slois stat und zolle mit den araptluten dienern burgern und innwonern inn 
banden und Verpflichtung des benanten herrn Diethers und siner erben blyben, biess 
als lange das herr Diethers schuldener irer sohuldt aller und gar was ine der herr 
Diether schuldig ist und ine der von ime und uns nochmals unbetzalt usssteende 
were von uns unsern nachkomen stifft und capittel zu Mentz von den vermelten ver- 
samelten des zolles zu Lanstein renten und gefellen entricht und betzalt oder sie der 
sust von uns vergnüget sint, das herr Diether desshalber von den schuldeneren allen 
aller anclage und forderungc entragen und geledigst ist, doch ob der schuldener 
eyner ader mer sich umb sin schulde nit zymlich vergnügen lassen wolte nach lute 
des artickels inn der aberede davon begriffen, das des ader derhalber Lanstein uns 
unnsern nachkomen und stift't nit für behalten sundern nach lute desselben artickels 
inngegeben und die dinge gegen dem oder den nach underwysunge der vier und des 
obmans uff meynunge noch genirt furgenomcn und gehalten werden solle ane alle 
geverde, und das damidte auch vor ubergebunge Lanstein dem selben herrn Diethern 
die verschrybunge für die überleben zwolff tusent gülden an den funffzehentusent 
gülden uff gysel und bürgen jerlichs mit drytusent gulnen inn abeslagk zu betzalen 
und sinem bruder grave Ludwigen die nun tusent gülden der stifft ime vor schuldig 
ist auch uff gysel und bürgen sampt den funffzehen tusent gülden herr Diether ime 
an den drissig tusent gülden obgerurt uff uns überlassen hat mit insetzunge Stein- 
heyms slois stat und zolle mit irer zugehorde darfur nach herrn Diethers tode zu 
underphande inntzuhaben mit gnuglich versorgunge von uns ader unsern nachkomen 
stifft und caj.ittel innhalt der obgerurten gutlichen beredunge volkomenlich vergwLst 
und nach notturfft verschrieben worden ist, doch das den burgern zu Lanstein ire 
schulde die sie den soldonern pflichtig weren und noch unbetzalt u&sstunde und die sie 



30 

uff sich von» zolle in l.aiistein in betzalen gnovm>i.ni han was der nocli uu^'et'alloii und 
von ino unurt'gehaben und unibetzalt ussstunde von dem zolle zu Lansteyn bevorabe auch 
furderlich gereicht und betzalt werden sal, und ob der von Lanstein schalt von ine ichts 
ungepurlich werde ader furgnonien wurde und auch das der schuldener eyner ader 
mer nngepurlich schulde furnemen ader sich umb sin schulde von uns zimlich nit 
wolt vergnügen lassen, wie dann Friederich von Kiflfenberg ritter und Diether von 
Is^niberg von herrn Diethen; syten unnser swager Eberhart von Eppenstein herr 
zu Konigstein und Stain von Slitze unnser marschalck von unnser syten, ader ob der 
eyiier ader mer todts abegingen des kranckeyt ader anderer verhinderunge halber 
nit gewarten ader getan konten eyns ader mer ander personen von beyden syten an 
des ader derselben stat gegeben wurden ader der mer teyle under ine darumb eyns 
wurden und sie bedachte zimlich and redelich dem ader denselben irer schult halber 
uff zu neraen were und gehalten solte werden, daby solte ess blyben sunder geverde, 
und ob die vier dorumb nit eyns ader keynen merteyle under ine desshalber machen 
wurden, so sal Henn von Buches zu staden des ein obnian sin , und welichem teyle 
der eynen zufalle desshalber tun wurde daby solte es blyben, und ob derselbe obman 
bjTinen zyt dieser verschrybunge todts abegeen wurde, sollen die vermeJten vier sich 
bjTinen viertzehen tagen so dicke sich des gepuren und noit sin wurde eyns andem 
obmans vereynen und vertragen und ob sie des nit eins werden mochten yede parthy 
von der vieren einen zu obman n benennen und dann darumb ungeverlich loissen und 
Ulf welichen uss den zweyen das loiss fallen wurde solte an des abegegangen ob- 
mans stat dieser sachen innhalt dieser verschrybunge obmann sin suuder alle ge- 
verde. und wann dann solichs alles wie obgeschrieben steet dem benanten herrn 
Diethern sinem bruder grave Ludwigen und ander die das beruren und antreffende 
ist uff mass das alles eigentlich inn den vermelten artickeln der obgerurten gutlichen 
beredunge und auch inn dieser verschrybunge begriflien steet von uns unsern nach- 
komen stifft und capittel zu Mentz volnthan volendet volnfurt und vergnügt ist. alss- 
dann und nit eher sal herr Diether und sin erben Lanstein slois stat und zolle mit 
den luten und aller nutzunge zu unnseren unser nachkomen stiflts und capittels zu 
Mentz banden ane uffhalt übergeben und komen lassen und die amptlute diener zol- 
schryber beseher und zolknecht auch burger und inwoner daselbs irer huldunge 
glubde und eyde ine getan damit auch ledig sagen onvertziehen. vorbehalten doch 
herinn das man von des zolles zu Lanstein renthen und gefellen die uff dem zolle 
inn vorgeschriebener mass blyben sollen glichwol bynnen der zyt und ehe Lanstein 
uss herrn Diethers und siner erben banden wurde komen volgen lassen und reichen 
sal sovil gelts under der hant davon man das sloss huss und gesynde daselbs nach 
notturfit weselich mit koste und lone gehalten und versorgen und herrn Diethern 
sinen erben ader wem er das bescheydt die drytusent gülden jerlichs inn abeslagk 
und betzalunge der zwolff tusent gülden userichten und gegeben möge sunder alles 
geverde, und heruff so bewilligen wir Adolff erweiter nnd bestetigter obgenant für 
uns und unnser nachkomenn stifft und capittel zu Mentz inn und mit krafft diess 
brieflfe das Lanstein das sloss stat und zolle mit den luten burgern innwonern renten 
nutzen gefellen zu- und inngehorungen inn hannden des vermelten herrn Diethers 
und siner erben in allermass und wie die dann ein ertzbischoff und stifft zu Mentz 
biesshere besessen inngehapt gebrucht und gnossen hat furbasser doch biess zu 
volendunge der obgemelten vier artickel uff mass und underscheydt oben erlut stet 
plyben sal ane inntrag und verhinnderniss unnser und aller meniglichs von unsern 
wegen heisHen damit und befellien auch ernstlich gebietende mit diesem brieve allen 
nnd iglichen amptluten und dienern zolschrybern besehern und zolknechten auch 
bürgern und innwonern portenem wechtern und thornhutern zu Lanstein sament und 
Bunderlich dem benanten herrn Diethern von nuvem biess uff volendunge und uss- 



31 

riclituiigc der obgcrurten vier artickel zu huldeu zu globen und zu swcren ime und 
sineii erben dwil mit aller nutzunge wie das einem ertzbischoff zu Mentz daselbs 
zu Lanste\Ti biesshere zugestanden hat und noch zusteet zugcwarten gehorHam zu sin 
zu reychen und zu andalagen biess zu volendunge der vorgerurten artickele inn der 
massen und fugen obgeschrieben steet und underscheyden ist und diess verschrybunge 
und die gütlich und fruntlicli beredunge obgemelt begrifft und wyst an geverde, auch 
damit ernstlich bevelhende und gepietende den itzigen zolschriber bescher und zol- 
knechten und were jetzuziten zolschryber bescher und zolknecht zu Lanstein sin 
wurdet dem vermelten herrn Diethern zu globen und zu den heiligen zu swcren nach 
betzalunge der funfftusent und drj^ertusend gülden obgerurt furbasser ime sincn erben 
ader wem er das bescheyden wurde jerlichs inn abeslagk der uberichen zwolff 
tusent gülden an den funffzehcn tusent gülden egerurt drytuscnt gülden von des 
Zolles zu Lanstein renten und gcfellen alle jare jerlichs uff Michaelis zu reychen und 
zugeben biess also lange die zwolfftusent gülden dem benanten herrn Diethern sinen 
erben ader wem er die bescheyden wurdet furfolle und gantz auch betzalt sint ge- 
verde und argelist herinn gentzlich ussgeslossen. Und des zu warer Urkunde und 
vester stetickeit so haben wir des unnser ingesiegel wissentlich an diesen brieff thun 
hencken und wir Rychart vom Oberstein dechant und das capittel gemeinlich des 
dumstiffts zu Mentz bekennen uns auch offmtlich an diessein brieffe für uns und alle 
unnser nachkomen das alle und igliche obgeschrieben dinge und sachen stucke puncte 
und artickel dieser verschrybunge mit unnserm kuntlichen wissen und willen zugangen 
und besehen sint und wir bewilligen die also gereden und globen damidte by rechten 
guten waren truwen an eydstat für uns und unnser nachkomen inn krafft diess brieffs 
die also sament und besunder sovil und ferre uns die berurnde sint dem benanten 
herrn Diethern sinen erben wem er das bescheydt und wen das sust antreffende ist 
uffrichtiglich zu halten den nach zu kommen und zu volntziehen getruwelich und 
unverbrochelich und darwidder nit zu sin zu suchen noch zu thunde inn eynchen 
wegk, heissen und gepieten damidte auch allen und iglichen amptluten dienern 
burgern inwonern zolschryber bescher und zolknechten daselbs zu Lansteyn samet 
und besunder sovil inn uns ist ernstlich mit diesem brieve daruff dem gemelten herren 
Diethern zu hulden zu globen und zu sweren ime und sinen erben innhalt dieser 
verschrybunge wie obsteet zu gewarten sunder argelist und ane alles geverde. und 
des zu urkuntlicher erkenntniss aller und iglicher obgeschriebener dinge uns und 
unser nachkomen zu besagen so haben wir unnsers capittels ingesiegel by des obge- 
nannten unnsers gnedigen herrn ingesiegel wissentlich an diessen brieff auch ge- 
hangen der geben ist zu Franckfurtam montag nach sant Severstag annodomini 1463. 
tom. XXIX. fol. 275b_278b. 

11. Frankfurt 1463 Okt. 24. 

Diether von Isenburg bekennt , dass er von dem Sjtifte zu Mainz und dem 
Besitze aller Schlösser und Städte mit Ausnahme von Höchst, Steinheim und Dieburg 
zurücktrete und dasselbe dem Grafen Adolf von Nassau übergebe. 

dat. Franckfurt, montag nach sant Severstag. 

tom. XXIX. fol. 295*' — 298». 

12. Frankfurt 1463 Okt. 25. 

Erzbischof Adolf von Mainz spricht allen Anhängern Diethers von Isenburg, 
Grafen, Herrn, Rittern, Knechten, Städten, Stadtleuten. Geistlichen und Weltlichen 
seine Verzeihung aus und gelobt, sich bei Papst und Kaiser für sie verwenden 
zu wollen. 

dat. Franckfort, dinstag nach s. Severstag. 

tom. XXIX. fol. 272. 



32 

1:1 Frankfurt 1403 Okt. 25. 

I'iether von Isenburg bekennt: niuhdeni Pfalzgrat Friedvicli datiir, «lass er 
ihm ilie .Schätzung der am :?<». Juni 1402 bei Seckenheim gefangenen Fürsten, Grafen, 
Ht-rrn. Ritter und Knechte allein überlassen, sich laut eines besiegelten Briefes 
(d. d. Oppenheim, sontag nach Simonis et Jude 1462) gegen ihn verpflichtet und 
ihm versprochen habe, ihm von dem einkomnienden Lösegeld oder sonstigen Gewinn 
an Schlössern, Landen und Leuten einen Tlieil nach Verhältniss seiner Betheiligung 
an dem erwähnten Tage von Seckenheim zukommen lassen zu wollen, und nachdem 
^r (Diether) nach dem Vertrage vom ö. Oktober 1403 diese Verschreibung des Pfalz- 
grafen dem Grafen Adolf von Nassau überantwortet und auf sein Piecht daran ver- 
zichtet habe: dass er dem genannten Pfalzgrafen Fiiedricli „keinerlei fiuitantzien 
vertzigk oder abslagk an solicher schatzunge und verschribunge geben oder gethan 
auch kein betzalunge doran entpfangen habe, solle und wolle auch hinfur noch 
nymant von unsern wegen keinerley quitantzien vertzig oder abeslagk daran thun, 
auch kein betzalunge wenig oder vil dovon uffnemen." 

dat. Franckfurt, dinstag nach s, Severstag. 

tom. XXIX. fol 298'= — 299^^. 

14. Frankfurt 1463 Okt. 25. 

Diether von Isenburg spricht, nachdem Landgraf Heinrich von Hessen zwischen 
ihm und dem Grafen Adolf von Nassau einen Vertrag vermittelt habe, die Grafen 
Adolf von Nassau, den Markgrafen Karl von Baden, den Dechanten und das Capitel 
zu Mainz, den Grafen Johann von Nassau und den Herrn Eberhard von Königsstein 
von den am 1. Juni 14G3 von ihnen verschriebenen Versprechungen und Verbind- 
lichkeiten frei. 

dat. Franckfurt, dinstag nach s. Severstag. 

Guden, Cod. dipl. tom. IV. S. 365—366. 

Abschriftlich im tom. XXIX. fol. 299b_80ua. 

15. Frankfurt 1463 Okt. 26. 

Erzbischof Adolf von Mainz bekennt, dass er den Herrn Diether von Isenburg 
von aller erzbischöflichen Jurisdiction auf Lebenszeit exinüre. 
dat. Franckfurt, mitwoch nach S. Severi 1463. 
Guden, Cod. dipl. tom. IV. S. 368. f. Abschriftlich im tom. XXIX. fol. 288" —289». 

16. Frankfurt 1463 Okt. 26. 

Frzbischof Adolf von Mainz gebietet den Amtleuten, Schultheissen, Schotten etc. 
sowie den Zollschreibern, Aufsehern und allen Einwohnern der Stadt, des Schlosses 
und Zolles zu Lahnstein, dem Herrn Diether von Isenburg nach den Bestimmungen 
des Vertrages von Zeilsheim zu gewarten. 

dat. Franckfurt, montag nach s. Seveni. 

tom. XXIX. fol. 289»— 290". 

17. Frankfurt 1463 Okt. 26. 

Erzbischof Adolf von Mainz verschreibt sich gegen Herrn Diether von Isenburg 
alle Puncte des zeilsheimer Vertrages zu halten, vereinigt sich mit ihm iiber einige 
Obmänner und stellt zur Sicherheit mehrere Bürgen. 

Wir Adolff von gotts gnaden etc. bekennen etc. Als nach innhalt einer ver- 
siegelten aberede der datum steet und heldet „geben und gescheen im velde neben 
Zylssheim zusehen Hoest und Hoffheim gelegen am mitwochen nach Francisci anno 
domini 1463" durch den hochgobornen fursten herrn Heinrichen lantgraven zu Hessen 
graven zu Ziegenhayn und zu Nydde zwuschen dem wirdigen herrn Diethem von 
Isemburg etc. eyns und uns des atiffts zu Mentz halber des andern teyls mit unser 
beydersits wissen willen und versiegelunge furgenomen etwevil puntte und artickele 



33 

«lie dein venneltei) liorni Uietherii den siiicu und die siner iiaithy und anlum^'s jrcwest 
iider n(.ch sint von vins innhalt devwelben egeniclton gütlichen und tVuntlichen versiegelten 
beredunge gehalten und vulntzogen werden sollen beredt und heteydingt worden sin, also 
gereden globen und versprechen wir Adoltf erweiter und bestetigtcr obgenantby unnsern 
jurstlichen eren und wirden für uns unnser nachkonien und stifl't zu Montz egenielt inn 
kratl't dieses brietts alle und igliohe soliche stucke puncte und artickele der vernielten güt- 
lichen und fruntlichen beredunge dem benanten herrn Diethern den sinen und den 
liienen die solichs antreffende ist uft'richtiglich zu halten dein nachtzukonien und ine 
ixi volntziehen getruwelich ane inntrag und Widerrede sunder alles gev.-rde, und ufl' 
<\as der benant herr Diether die sinen und die das berurende ist des alles von uns 
ansern nachkonien und stirtt deste versorgter gesin mögen, so haben wir uns mit 
.leniselben herrn Diethern vereyniget zweyer obman nemlich grave Philipsen von 
Hanauw und grave Otten zu Solms der eyner utt" unser beydersits lossunge die wir 
von stunt darumb thun sollen erst an sin lej.tag gantz uss und nach desselben tode 
der ander under den zweyen auch sin leptag uss so dicke sich das gopurt und noit 
sin wurde zusehen uns ol)inan sin , die wir auch bede zu solicher obmanschatt't sich 
der zu beladen und ob sie bede ader ir ejnier obmanschatft verlobt hett ander an der 
AÜer lies stat uns vereynen und umb den furganngk zusehen ine loissen und den 
pitten und vermögen sollen inn der gestalt und mit dem undersclieyde ob es were 
das dem benannten herrn Diethern den sinen ader den ihenen solichs berurn ist 
über kurtz ader langk von uns Adolffen erweiten und bestetigten unseni nachkonien 
und stitt't von Mentz an den vermelten stucken puncten und artickeln der obgerurten 
gütlichen und fruntlichen versiegelten beredunge ir eyncm ader mer eyncher iiintragk 
bruche ader verhiuderunge gescheen, so mag der benant herr Diether uns ader unnser 
nachkonien darumb scliritt'tlich ader muntlich ersuchen und soferre herrn Diethern 
den sinen ader den ihenen die das antreffende ist alssbalde von uns des nit wanndel 
geschee alsdann dem obmann welicher dann uft' die zyt unnser beyder sits obman 
sin wurde darumb schryben, derselbe obman dann bynnen dryen wochen nach be- 
schrybunge herrn Diethers uns beyden teyln einen tag für sich benennen, dartzu 
auch wir bede parthy komen ader schicken und unnser clage und antwort desshalbe 
von dem obman verhört werden sollen, und wurde dann von dem obman nach ver- 
horunge herrn Diethers clage und unnser antwort erkant das die klage ein bruche 
oder inntrag und Verhinderung were, solte von uns und unnsern nachkomen abege- 
stalt und herrn Diethern gewandelt und bekaret werden nach erkentniss des obmans 
furderlichen sunder geverde und ob wir und unnser nachkomen alssdann an bekerunge 
des benanten brochs ader auch an besuchunge des tags von dem obman benant sumig 
wurden so mag der benant herr Diether desshalbe alssdann die edeln unnser lieben 
bruder vetter und swager nachgeschrieben die wir demselben Diethern darfur zu 
rechten guten unverscheydelichen bürgen gesetzt han und setzen inn und mit kratft 
<liess brietts inn leistunge zu komen manen inn des vennelten obmans slois ader 
stete eyne ader ob der obman der yetzu tzyten zusehen uns sin wurde der leistunge 
mn sinen slossen ader steten zuthun und zu vohifuren nit lyden noch gestaten wolte 
inn der dryer sloiss und stete Hoest Steinheim und Diepurg eyne inn e}iis offin 
wirths huss weliche herrn Dietheren allergefelligst sin und von inie den nachge- 
schrieben bürgen benant wurdet, darinn alssdann die selben nachgeschrieben bürgen 
ir yeder mit sin selbs lybe nun leistbaren personen und zehen reisigen pherden von 
Ktunt und unvertzoglich ufl' die erste herrn Diethers manunge so und wann er ine die 
Kchrifftlich zu huss irer wonunge ubersant ader sust montlich under äugen getnan hat ane 
ferrer ersuchen komen recht leistunge darinn thun und volntziehen sal ane abeloiss al« 
lange biess das dem benanten herrn Diethern umb alles da.s darumb er inn leistunge ge- 
manet mit allem ungeverlichem mngelicliem kosten und schaden er damtt' gewant und 

3 



34 

pelitttii liottf von iiiiN iiml uihimtii iiatlikniiaii volukomen u>.>ratlitiiiitri' nxi tie^nugungc 
voliitliaii und besclieeu were Minder geverde, und wer e^ das der nachgeschrieben bürgen 
ir e_\Tiiiheni siner knecht ader ]>f'ert eynsader nier inn der leistunge todts abegeen sich 
vertztren ader verleist^n ader sust zu leisten unnutzbar wurde so solte der bürge den 
das berurte furderliili bynnen acht tagen ane alle eniianunge und vertziehen noch 
eviieni ader mehr anderen leistbaren knechten ader pherden an des ader der abege- 
gangen \erleisten vertzerten ader un)iutzbaren stat inn leistunge zu konien schicken 
und bestellen und mit denselben die leistunge volntziehen sunder abeloisss uff niass 
übgertirt ane geverde. Gienge auch der bürgen nachgeschrieben eyner ader iner inn 
ader usswendig der leistung tcnits abe ader das der ader die sust inn eygener per- 
sonen zu leisten unverjnoglich wurden so sollen wir ader unnser nachkomen utt er- 
suchen und gesynnen des benanten herm Diethers bynnen eynie monat nach soliclur 
herrn l>iethers ersuchen und ernianunge demselben herm Diethern eynen ader mer 
ander graven ader herm diess lanndes an des ader der abegangen ader unvermog- 
hchen leistbaren stat zu bixrgen setzen der ader die sich dann alles das gegen dem 
benanten herrn i)ietheni den sinen und den ihenen die solichs beruren und antreffende 
were zutl)un zu leisten und zu volnfuren verschryben sollen als der ader die an des 
ader der stat die gesatzt werden gethan selten hau und zu thun innhalt dieser ver- 
schrybunge verptlicht gewest weren ane geverde, Aver es aber das wir und unnser 
nachkomen an ci-setzuuge der bürgen nach ermanung herrn Diethers bynnen z\'t ob- 
gerurt sumig wurden so sollen dannoch die iiberichen blybenden bürgen ob sie alb- 
gereydc inn leistunge weren darinn blyben und ob sie nit inn leistunge weren utl 
ersuchen und ^rmanunge herrn Diethers wie obgerurt steet inn leistunge [kommen recht 
leistunge thun und volntziehen und davon nit abelassen dem benanten herrn Diethern 
sy dann die ersetzunge der bürgen gescheen uff mass ohgerurt und dartzu umb alles 
das danimb in vorgeschriebener mass manunge der leistunge furgenomen were mit 
allem kosteni dainiff gewant sundern herrn Diethers schaden volnkommen ussrach- 
tunge gethan und bescheen gehalten und volntzogen uff mass obgerurt und sal da> 
alles mit manung leistunge und ersetzunge der bürgen wie obgerurt steet und under- 
scheyden ist gescheen als dicke und viel sich das gepuren und noit sin wurdet sunder 
inntragk und ane alles geverde. Wer es aber das der obman sin den anderen über- 
leben ader der letzte obman sin und dann auch todts vor abegangk herrn Diethers 
abegeen wurde so sollen wir unnser nachkomen ader stifft und herr Diether obge- 
melt 80 ferre uns des darnach noit sin wurde eyns ader mer anderer obman mit 
loissunge ader sust mit zimlickeyt vertragen inn aller mass als vor ane geverde. 
(Folgt die Formel, in der Adolf verspricht, alle vorstehenden Punkte getreulich halten 
zu wollen. J — — Wir gereden dartzu auch mit guten waren truwen für uns und 
unser nachkomen inn krafft diess brieffs die nachgeschrieben unnser bürgen dieser 
burgschafft obgerurt gutlichen zu entheben zu ledigen und zu loesen ane eyde noit- 
rede und sunder allen »reu und irer erben schaden geverde und argelist inn allen 
und yeden vorgeschriebenen jiuncten und artickeln gentzlich ussgelossen. (Folgt die 
Formel, worin Richard Dechant und das Domkapitel bekennen, dass diese Verschreibung 
mit ihrem Willen und Wissen geschehen sei und versprechen , die sie betreffenden 
Punkte halten zu wollen. Die Bürgen Johann Graf zu Saarbrücken, Herr zu Heins- 
berg. Johann (iraf zu Na.ssau, Adolf Junggrafe zu Nassau und Eberhard von Eppen- 
sU'in Herr zu. Königstein bekennen ihren Verpflichtungen als Bürgen .^^tets nachkommen 
zu wollen.) 

Geben zu Franckfurt am mitwochen nach sant Severitag. a. 14ü:'>. 

Item hernach volget ein artickel mit myns gnedigen herrn von Mentz und 
sinem cajiittels ingesiegeln mit durchge.stochenen jiresseln mit sampt dem obgesch rieben 
hpu|>tbrieff von worte zu worten hemochgeschriebon also ludende: 



35 

Item sal auch der obmann der nach lute und inhalt dieser verschrybunge zu 
igliclier zyt zwuschen uns obman sin wurdet wann er als obsteet unnser beyder sits 
clage und antwort verhört hat bynnen dryen wochen schirst nach solicher verhorunge 
volgende zu iglicher zyt sin erkentniss und ussspruch thun, es were dann das äich 
nach gelegenheit der sachen umb kuntechafft zu verhören ader erfarunge der dinge zu 
haben lenger schuh noit sin wurde ungeverlich und sich des also und bynnen zyt ob- 
geschrieben zu thunde sunderlich versprechen und verscliryben . des zu bekentniss haben wir 
diesen artickel durch unnseren und unnseres capittels guten wissen und willen mit den 
pressein damit unser und unnsers capittels ingesiegel an diesen brieiT gehengkt sint 
durchstochen und auch an diesen brieff thun hencgken. Geben und gcscheen an 
der stat inn dem jare und tage inn der verschrybunge obgemelt. 
tom. XXIX. fol. 282^—285». 

18. Frankfurt 1463 Okt. 2(3. 

Diether von Isenburg spricht die Bürgermeister, Käthe und Gemeinden der 
Städte Aschaftenburg, Seligenstadt, Miltenberg, Bischofsheim, Buchen, Düren, Amor 
bach, Obevnburg, Werde, Gernsheüu und Pfeddersheim , Heiligenstadt und Duder- 
stadt der Gelübde und Eide, mit denen sie ihm seither verpflichtet waren, ledig und 
los und weist sie an den Grafen Adolf von Nassau. 

dat. Franckfurt, mitwoch nach s. Severi. 

(Juden, Cod. dipl. tom. IV. S. 366—308. 

AbschriftUch tom. XXIX. fol. 298. 

19. Frankfurt 1463 Okt. 28. 

Erzbischof Adolf von Mainz verschreibt dem Herrn Diether von Isenburg die 
Schlösser und Städte zu Höchst, Steinheim und Dieburg auf Lebenszeit. 

Wir Adoltf von gotts gnaden des heiligen stuls zu Mentz erweiter und be- 
stetigter des heiligen romischen rychs durch Germanien ertzkantzler und kurfurst 
bekennen und thun kunt offintlichen mit diesem brieff für uns und unnser nach- 
komen und stifft zu Menntz: als nach inhalt eyner versiegelten aberede der datum 
steet und heldet „Geben und gescheen im felde neben Zylssheim zusehen Hoest und 
Hoff heim gelegen am mitwochen nach Francisci a. 1463" durch den hochgebornen 
fursten herrn Heynrichen lantgraven zu Hessen graven zu Ziegenhayn und zu Nydde 
wuschen dem wirdigen herrn Diethern von Isemburg etc. eyns und uns des stiffts zu 
Mentz halber des andern teils mit unnsers beydersits wissen und willen under andenn 
beteydingt sint diese hernach geschrieben artickele nemlich : das wir alle und igliche 
gulte zynsse und rente, die uff den dryen sloissen steten zollen und iren zugehorungen 
die dem genanten herren Diethern noch lute und innhalt der gemelten versiegelten 
aberede sin leptag gantz uss innblyben sollen, verschrieben weren und ein ertzbischoff 
ader stifft biesshere ussgericht hett, den ihenen den man das ptiichtig ist andersswo 
verwysen sie des vergnügen und vergwissen und dieselben pension und ussrachtunge von 
den vermelten dryen slossen steten zollen und iren zugehorungen ledigen sollen, sohcher- 
mass das herr Diether und sin erben des alles unbekrudt auch ane schaden und unerfordert 
von meniglichem den das berurt ader antreffende mocht verlyben, und ob herr Diether von 
yemant wer der were nyemant ussgescheiden der vorberurten dryer slois und stete 
ader auch der zolle lantzoUe ader aber irer gerechtickeyt und zugehorde eyns ader mehr 
halber erfordert ader davon ader daran beinntregt zu werden understanden wurde 
anders dann der stifft die biesshere gnossen und gebracht hat, sollen wir und ein 
ertzbischoff zu cziten auch das capittel und der stifft zu Menntz ine daby hanthaben 
schüren schirmen und verteydingen als ob ess uns selbs anginge sunder geverde, und 
sunderlich sollen und wollen wir darfur und darob sin, das dem genanten herrn 
Diethern des gleyts halben zusehen Hoost und Mentz an dem zolle zu Wysscnauw 



;i6 

and andern zollen und landzollen zu den vorgenanten drven slossen und steten ge- 
horiih kein abobruche inntrag ader verhinderunge geschee und damit gehalten werde 
als von alther herkonien ist. item das wir ein yeder ertzbischoff auch das capittel 
and stifft zu Mentz in den vorgenanten dryen slossen und steten Hoest Steinheim und 
Diepurp und der lanttk-hafft ader gepieten dartzu und inngehorig auch zu allen und 
iglioheu inn- und bywoneren derselben slois stete und lantschafft des benanten herm 
Diethers leptag gancz uss kein gepott ader verpott geistlieh ader wemtlich haben 
thun furnemmen noch den iren das zu thun gestaten ader thun lassen dann allevn 
oss gescheyden was die heiligen sacranient testament und sentrecht antriffet. und 
wer es das yniant schult ader furderunge zu den innwoneren der genanten slois stete 
und der lantschattt dartzu und inngehorig hett ader gewönne, das dem cleger als- 
dann gegen denselben rechts und ussrechtunge gedyhe und ergee bynnen eynem 
monde nach dem er das ersucht hett, es were dann das sich durch rechtlich schub 
lengere frist geburen wurde, auch das den klegerem und wes sie dartzu bedorffen 
werden uffrichtig geleyte uif ir gesynnen gegeben werde, geschee des nit, so mochte 
der cleger dieselben darumb geistlich ader wemtlich furfordem wo die clage hinge- 
hört sunder alles geverde. item das wir auch ein yeder ertzbischoff und das capittel 
zu Mentz den benanten herrn Diethern noch die vor genanten dry slois und stet«- 
Hoest Steinheim und Diepurg auch die lantschafft dartzu gehorge und die innwoner 
derselben slois stete und lantschafft uss ader inn de-s stiffts von Mentz sloissen steten 
lantschaftten und gebieten die wir zu zyten innhaben nit befehden bekriegen besche- 
digen noch den unsem ader andern der wir ungevcrlich mechtig sint zu thun ge- 
staten sollen inn keynen wegk. item ob auch eynche fürst grave herr ritter ader 
knechte ader sust wer der were nyemant ussgenomen herrn Diethern understeen wurde 
zu bekriegen zu befehden ader zu beschedigen und herr Diether gegen dem ader 
denselben uff uns ader eynen ertzbischoff zu ziten recht bott und wir ader ein ercz- 
bischoff zu tziten herrn Diethers gegen dem ader denselben zurecht mechtig wereii 
und der ader dieselben das recht nit uffnemen ader ingeen wolten , so sollen wir 
ader ein ertzbischoff zu tziten das capittel und stifft zu Menntz alssbalde wir des 
Ton herrn Diethern schrifftlich ader montlich ersucht ader ermant wurden uff stunt 
sunder aller vertzug getruwelichen nach allem unnserm vermögen demselben herrn 
Diethern hilffe und bystant thmi, des ader derselben ader wer sich darin mengen 
wurde darumb auch f^-nt werden und ine fyntlichen thun als ob ess unnser eygen 
Sache wer und hinder herrn Diether mit eyncheni keynerley verstentniss sune ader 
rachtunge thun uffnemen ader inngeen, herr Diether sin lannde und lute werde dann 
darinn auch getzogen und nach notturfft versorgt ane geverde. item wann und 
weliche zit auch wie dicke wir ader ein ertzbischof zu Menntz zu tziten ein lant- 
sture ader subsidium im stift't zu Menntz uffheben werden so mag herr Diether ob 
er wil inn den vorbenanten dryen slossen und steten Hoest Steinheim und Diepurg 
und der lantschafft dartzu und inn gehörig lanstur auch von den geistlichen die 
darinn wonen von iren geistlichen lehen darinn gelegen subsidium auch uffheben und 
die für sich behalten inn mossen ein ertzbischoff thun mochte, ob er dieselben drij 
aloia stete und lantschafft innhett ane geverde. item sal herr Diether alle und 
iglichc geLstlifhe und wemtlich leiien zu den benanten dryen .sloissen und steten und 
der lantachafft dartzu und inngehorig und die geistlichen lehen darinn gelegen was 
der eynem ertzbischoff zu Menntz zu lyhen gepurt sin leptag gantz uss lyhen und 
zu lyhen macht haben so dicke und wie die ledig werden unverhindert und unge- 
irret von uns Adolffen auch einem yedem ertzbischoff zu tziten dem capittel zu Menntz 
und meniglichen von iren wegen, item sollen eynem yeden geistlichen und wernt- 
lirhen innwonern iler benanten dryer sloss stete und lantschafft und den ihenen die 
zu tziten des benanten lierrn Diethers dienere ungevcrlich sint volgen und gefallen 



87 

alle gerechtickeyt zinse {^efelle und schult die sie bisshere inn des stiffts landtschaftt 
sloisHcn und steten gehapt und eyn yeder daran ungehindert blyben ussgescheiden ob 
yemaiid zinse gevelle ader schult zu Mentz gehabt hett sal herinn unvergriffen sin. 
item es sollen auch alle und igliche geistliche und werntliche die herrn Diethers 
partv anhang ader imc zulegig ader bystendig gewest ader noch sint zu allen iren 
digneteten jitrunden geistlichen gaben am])ten leben husern und hoeffen zu denselben 
iren amitten pfrunden ader leben gehörig inn und usswendig Mentz gelegen auch 
dispensacien gracien und reservat wie sie die vor zit der irrunge inn gehapt haben 
Widder gelassen und restituert werden, dessglichen sal der pfaffheit uff unser parthy 
auch gescheen und den geistlichen uff herrn Diethers ])arthy zu Menntz gepfnindent 
ader belehent gegonnet werden ire pfrunde und leben daselbs zu verwechseln ob und 
wann sie des begeren ane ufflialt doch das sie soliche ire leben und pfrunde mit 
tugelichen personen pennutiren als sich gepurt sunder inntrag und geverde. item 
sollen wir erlangen das den dumherrn zu Mentz herrn Dietliers parthy und dartzu 
dessglichen funffzehen personen sust uss der pfaft'heit daselbs zu Mentz belehent die 
durch herrn Diethern sunderlich benant werden sollen dru jare von allen iren 
pfrunden und leben sie zu Menntz hant absentz gegeben werde aller nutzunge ussge- 
scheyden die tegcliche presentz, doch sollen dieselben personlich bynnen derselben 
zijt zu Mentz mit huss nit sitzen noch wonen. wolde aber ir eyner daselbs zu Mentz 
sin der solde die zit zu chore geen und thun als andere geistlichen und die zijt kein 
absentz haben, item was geistlicher leben von dem genanten herrn Diethern und 
siner parthy alssferre lybunge derselben leben ane ine gewest sy ader ine zugestanden 
habe coUacione ordinaria in turno ordinario die von toidfellen libera resiynacione 
ader pertnutacmie ledig wurden verluhen sint sollen die ihenen die der inn besesse 
sint daby verlyben unverhindert eynncher process ader mandat halber inn dieser 
irrung ergangen und ob etliche der vcrtrungen weren sollen irer })Ossesse derselben 
lehen widder restituert dartzu zu komen gelassen werden ane inntrag und geverde 
ader desshalben zu erkentniss unnser beyder partbien komen und wie wir sie inn 
der gutlicbkeyt darumb entscheyden daby solde ess blyben und von beiden teylen 
gegen einander gehalten und volnczogen werden sunder geverde etc. item sal von 
uns ader ejniem ertzbischoff zu tziten zu Menntz inn yedem der slois Hoest Stein- 
heim und Diepurg eynem den herr Diether benennen wurdet uff herrn Diethers 
gesynnen auctoritas episcopalis so dicke des noit geschieht gegeben und herrn 
Diethern sechs personen die inn den benanten dryen sloissen sessehafftig ader sust 
andersswo sin dienere sin und er benennen wurdet eximirt werden ab omni juris- 
diccione arcMepiscopali ussgenomen was denselben personen irer gotsleben halber 
im stifft gelegen uns ader einem ertzbischoff' zu tziten zu geben ader zutbun ge- 
puren werdet ane geverde, doch das dieselben bynnen zit der exemption nit zu Mentz 
wonen auch keynerley das die capittel ader pfaffbeit zu Mentz hanndel-n tun schatten 
ader besliessen irren hindern ader widdersiirechen sollen, item ob auch eynicher des 
benanten herrn Diethers amptman diener ader innwoner der benanten dryer slois 
stete und lantschaftt von yemants were der were an da« kayserlich kamergericht ader 
an westvelische bove-lant- ader ander usslendische gerichte geheischen ader geladen 
wurde darüber ein ertzbischoff' und der stifft zu Mentz von romischen keyssem und 
konigen gnade und frybeit haben die iren abe zuheischen, sollen wir ein ertzbischoff 
zu tziten und das capittel zu Mentz desselben beiTU Dietbei-s amptlute dienere ader 
innwoner der gerurten dryer slois stete und lantschafft als des stiffts undertban inn 
craff't des stiffts frybeit von den usslendigen gerichten abeheischen und herni Diethern 
an unser eyns ertzbischoffs zu tziten und ca])ittels zu Mentz stat den clagern gcg^ü 
den beclagten herrn Diethers amtluten dienern ader innwoneren der gemelten dryer 
slois stete und lantschafft rechts helffen und gestaten lassen nach lute und innlialt 



38 

der abewjrfuuge derselben usj^lendigeii gerichte. item ob yeiiiant wer der were 
(geistlich ader werntlich edel iuier unedel des sinen inn zit der irrunge an steten 
sloJKsen huseren hoeffen ader andern lygenden gutern entwehret entweldiget ader 
irae genomen erclagt ader angewonnen were von uns beyden obgemelten partliien 
unnseren anbengern ader zugewanten sal ime wieder inngegeben und er dartzu ge- 
lassen werden daby zu blyben das hinfur mit aller gerechtickeyt wie vor zugenyessen 
und zugepruchen sunder geverde, ussgescheyden die stat Mentz mit den ligenden gu- 
tem darinn gelegen und dartzu gehörig und doch das doctor Humeren dem schul- 
t^ssen zu Mentz, I>ietherich Hillinge, Hannsen Barbirer, Conrat Bender, Peter Metzler 
und Johann Vssneckern, die herrn Diethers amptlute und dienere sint. ire husere und 
ligende gutere zu Mentz widder gevolget und gelassen werden ane inntragk. item 
als der pfaftlieit im stifft zu Mentz von herrn Diethern den sinen und siner parthij 
etlicher schade zugefugt das ire uff herrn Diethers bevelhe genommen und herrn 
L>iethern zugewant sin mag sollen wir mit derselben pfaffheit bestellen daruff zu- 
vortzyhen, ob wir aber das nit gethuu konten so sollen wir abetragen und verfahen 
das herr Diether die sinen und die jhenen die solichs utf herrn Diethers bevehle ge- 
tan hetten darunib unangelangt uiierfordert und schadeloiss verüben und gehalten 
werden, item sollen alle gefangen geistlich und werntlich von uns beyden teilen 
irer gefengniss uff ein alt urfehde ledig gesagt werden, ussgescheiden wevntliche inn- 
woner und bürgere zu Mentz in eroberuuge der stat Mentz gegriffen die anders nit 
des «ibgenanten herrn Diethers rete dienere ader amptlute sint, das sint doctor Hu- 
mery der schultes zu Mentz, Dietherich Billung, Gosswin, Ruckacker Snyder, Hanns 
Harbirer, Conrat Bender, Peter Metzler und Yssnecker benant als rete dienere und 
amptlute des benanten lierru Diethei-s. es sollen auch alle schatzunge atzung und 
uugegeben gelt von herrn Diethers siten nit gegeben noch betzalt werden sunder 
furter ungegeben verlyben, und ob die wirte uff unnser Adolffs syten eynchen ge- 
fangen herrn Diethern zu steenden umb die atzunge ader ire bürgen darfur uss haff- 
tunge nit lassen wolten, sollen wir Adolff solichs gegen den wirteu abetragen und 
die gefangen und ire bürgen des erledigen one iren schaden sunder inntragk. item 
sal auch alle Ungnaden und Unwillen von uns beyden obgerurten parthien gegen allen 
fursten graven herrn rittern und knechten und inn sunderheyt des stiffts steten und 
stetluten genieynlich und sunderlich auch allen und iglichen die sich inn dieser irunge 
zu uns beyden gethan und gehalten haben und die darunder verdacht ader gewant 
gewest ader noch sint sie sin geistlich ader werntlich geordent ader ungeordent per- 
sonen abesiu und hinfur das vom babst keyser auch uns beyden parthien und unsern 
zugewanten gegen den nit gerochen geeffert noch geandet werden inn keyn wysse, 
sie sollen auch des gegen uns beyden parthien nit entgelten und des stiffts steten 
des von uns brieve gegeben darinn sie des versorgt sin und werden nach notturtft. 
deüsglicheu sollen auch alle und igliche neben fehde und vyntschafft der verraelten 
irrunge und sachen halber entstanden abesin und abegethan werden onvertzogelich 
auch durch unser yeden mit den sinen und die siner parthy gewest ader noch sint 
abezuthun geschafft werden, item alle lehen die uns beyden parthien unnsern graven 
herrn ader andern als grave Johann von Nassauw grave Wilhelm und grave Hansen 
von Wertheiin grave Ludwigen von Isemburg Eberharten von Eppinstein herrn zu 
Konigstein und anderen dieser irrunge und vehde auch aller by und neben vehde 
verwant von yemants uffgesagt ader uffgeschrieben weren sollen widder geluhen und 
durch unnser yeden mit den sinen siner parthy die also wider tzu lyhen geschafft 
werden inn eynem halben jare dem nehsten nach datum dieses brieffs wann des 
ilatzuKchen an die lehenherren gesonnen wurdet on weygerunge sumeniss inntrag und 
geverde inmossen dann da.s alles inn der versiegelten aberede obgemelt inn artickels 
wysHc klerlicher iinrl wyter begriffen und gemelt .steet. also geredcn und versprochen 



39 

wir Adolff erweiter und besteti^er obgenant by unseren fumtlicheii eren und wirden 
und puten waren truwen für uns unnser nachkomen und stifft inn und mit krafft 
diess brieffs alle und igliche soliche obgerurte artickele mit ireni innhalt und begriffe 
dem benanten herrn Diethem und auch allen den ihenen die das beruren und an- 
treffende ist und sin mag sie sien geistlich ader wemtlich geordent ader ungeordent 
uffrichtlicli nach lute und innhalt der vermelten gutlichen aberede zu volntziehen 
den nachzugeen zu volenden und inn keynen wegk zu widderkomen noch schaffen 
ader gestaten zu thun ader getan werden durch uns selbs ader yemants anders inn 
eynichc wysse sunder geverde, und ob dem benanten herrn Diethem den sinen ader 
den ihenen die solichs herum und antreffende ist ader sin mochte von yemants were 
der were darinn zu tragen ader dorwidder zu thunde ader ir eyner ader mehr dor- 
widder furtzuwenden ader antzulangen understanden wurde mit welicherley sachen 
ader mit welicherley hande wyse solichs dann furgnomen were und beschee sollen 
und wollen wir darob sin das das alles wes das dann yetzutzit wer und sin wurde 
von den tetern gegen dem ader den die solichs beruren und antreffende ist uff des 
benanten herrn Diethers ader derselben gesynnen sie dess halber an uns thun werden 
furderlich und onvertzoglich volntzogen und gehalten werde ir yedes nach dem und 
sich dann solichs innhalt der vomielten aberede zuthun geheischt und gepnit und 
ob ir eyndiem solichs inn eynem ader me punckten ubertaren wurde dargegen sal 
der ader die die solichs beruren und antreffende were von uns unseren nachkomen 
und stifft gehanthapt geschuret urd geschirmet werden getruwelich und vestiglich 
unverhindert daby zu verlyben sunder alles geverde , ob sich auch über kurtz ader 
langk ichts mer begebe und erfunde ilas sich dem benanten herrn Diethem den sinen 
und den ihenen die solichs beruren und antreffende were nach innhalt der vermelten 
aberede von uns zu versorgen notturfftig were darüber sollen und wollen wir ine 
yetzutzijt notturfftige versorgniss und verschrybunge thun und übergeben und das 
alles wie obgeschrieben stat bescheen so dicke und vil sich das gepuren und noit 
sin wurdet, dessglichen solde uns von herrn Diethem auch gescheen ussgescheyden 
alle argelist und geverde. 

Folgt .die Formel der Besiegelung durch den Erzbischof Adolph, den Dechanten 
Richard vom Oberstein und das Capitel des Domstifts zu Mainz. 

Geben zu Franckfurt am hyiag sant Symon und Juden der heiligen aposteln 
tag anno domini 146o. 

Item hernach volget ein artickel uff ein bermentte zettel geschrieben und 
mit dem bressel daran myns herrn von Mentz ingesiegel hanget dardurch gestochen 
also ludende ut sequitur: 

Es sal auch von uns beyden parthien und unsern zugewanten gentzlich und 
gruntlich vertziehen sin uff alle name raub brant doitslege und was sich desslialben 
von beyden pailhien bynnen zit dieser irrunge begeben hat ess sy kleyn ader groiss 
nichts ussgenommen und von keynem teyle ader sinen zugewanten gein dem aiiden» 
gevordert ader inn rachssal geandet noch furgnomen werden inn keyn wyse. 

tom. XXIX. fol. 278b — 282«. 

20. 14G3 Okt. 28. 

Die zum Rheingaue gehörigen Aemter Eltville, Oestrich, Algesiieini, ') Geisen- 
heim und Lorch versprechen dem Herrn Diether von Isenburg ihn bei seinen Leb- 

>) lieber das Verhältniss von Algesheim zum Rheingau s. Bodmann S. 512 und 5ir>. 
Mir liegt darüber folgende Urkunde des Erzbiscliofs Diether vor: er bestätigt 
dem Rheingaue (oben und unden von Waldaff an bis gein Eoriciierhusen) seine 
herkömmlichen Rechte und Freiheiten und verfügt, dass die von Bingen und 
Algeshein\ fortan zum Rheingaue gehören sollen, d. d. Kltvil. samstog nach 
sant Margaroton 14^9. tom. XXIX. M. ■>'. 



40 

Zeiten im B<?siti^ iler Schlössor und Städte Höchst, ijteinheiin nn.l I>ieburg erlialten 
und schüt2en zu wollen. 

dat. S. Simonis et Jude tag. 

Bodmann, Kheingauisclie Alterthiimer S. 514 f. (wo Algesheini fehlt). 

Abschriftlich tom. XXIX. fol. 291b _292'». 

21. Frankfurt 1463 Okt. 29. 

Erzbischof Adolf von Mainz vei-spricht dem Herrn Diether von Isenburg: ,ob 
der egenant herr l>ietlier oder die siner parthie und anhangs gewest oder noch sint 
geistlich oder werntlich geordent oder ungeordent von yemant wer der were von 
der obgemelten sachen wegen bynnen zijt dieser irrunge, sich im stifft von Mentz 
begeben hait, kleyne oder groiss angelangt oder furgenonien wurden, das wir ine 
dorinne gegen den beraden sin hilffe und bystant thun und sie schüren und schirmert 
wollen getruwelich als ob es uns selbs anginge." 

dat. Franckfurt, samstag nach Symonis et Jude. 

tom. XXIX. fol. 286*»— 287». 

22. Frankfurt 1463 Okt. 29, 

Erzbischof Adolf , Richard vom Oberstein Dechant und das Capitel zu Mainz 
versprechen dem Herrn Diether von Isenburg, die Verschreibuiigen, die sie ihm mit 
ihren anhangenden Siegeln besiegelt gegeben haben," sobald Adolf zur erzbischöflichen 
Würde geweiht, und das grosse Siegel fertig sei, nochmals in denselben Formen um- 
zuschreiben und mit dem grossen Siegel zu besiegeln, wogegen Diether diese älteren 
Verschreibungen wieder herausgeben solle. 

«lat. Franckfurt, samstag nach Syraonls et Jude. 

tom. XXIX. fol. 292»". 

23. Frankfurt 1463 Okt. 30. 

H)rzbischof Adolf von Mainz spricht die Zöllner zu Flerssheym, Hocheim, t'ost- 
heim, Castel, Erbinheim. Nurot und Weyssenaw ') der Gelübde und Eide, die sie ihm 
wegen ihres Amtes gethan haben, quitt ledig und los, und gebietet ihnen, da die 
Zölle an den genannten Orten zu dem Schlosse Höch-st gehörten, dem Herrn Diether 
von Isenburg seine Lebtage zu gewarten. 

dat. Franckfurt, sonntag nach Symonis et Jude. 

tom. XXIX. fol. 291. 

24. Frankfurt 1463 Okt. 31. 

Erzbischof Adolf von Mainz gestattet allen geistlichen Personen des Mainzer 
Enstiftes, die Anhänger Diethers von Isenbui^ gewesen, sich in andern Bisthümern 
weihen zu lassen. 

dat. Franckfurt, montag nach Symonis et Jude. 

tom. XXIX. fol. 287*> — 288» 

25. Frankfurt 1463 Okt. 31. 

Erzbischof Adolf von Mainz verspricht, alle Domherren und übrigen geistlichen 
Personen, die Anhänger Diethers von Isenburg gewesen, zu ihren Prälaturen, Gottcs- 
lehen. Würden, Aemtern und Höfen, wieder kommen zu lassen und alle Ungnade 
und Ungunst wider .sie abzustellen. 

dat. Franckfurt. montag nach Jude et Simonis. 

tom. XXIX. fol. 288. 



>) Flörsheim, Hochheim. Kostheini, Kastei, Erbenheim, Naurod, Weissenau, von 
denen Kostheim. Kastei und Weissenau im Grossherzogthum Hessen, und Flörs- 
heim , Erbenheim , Naurod (Amt Wiesbaden) nnd Hochheim im vormaligen 
Herzogthura Nassau liegen. 



41 

26. Mainz 1469 August 7. 

Erzbischof Adolf von Mainz, Richard vom Oberstein und das Cajiitel des Dom- 
stiftes zu Mainz bekennen, dass sie alle Verscbreibungen, die sie dem Herrn Diether 
von Isenburg vormals gegeben, durch Anhängen ihrer grossen Siegel bekräftigen. ') 

dat. Mentze am Montag nach St. Stephanstag inventionis. 

tom. XXIX. fol. 30üb- 



') Warum diese Urkunde so spät ausgestellt wurde, vermag ich nicht zu sagen, 
wohl schwerlich desshalb, weil die grossen Siegel erst in diesem Jahre fertig 
geworden. 



:i* 



üie Biir^rn und die Burg^frieden des deutschen 

Mittelalters 

nebst 

eiiieui Anhange von Urkunden. 



Von 

Gymnasial-Oberlehrer Colombel. 



Einleitung. 

So bedeutend auch die Denkmäler der Baukunst für die Cultur 
überhaupt und insbesondere für die specielle Landesgeschichte sind, da 
sie dort, wo sie stehen, Zeugniss geben von dem, was man zur Zeit 
ihrer Erbauung gewollt und gekonnt hat , so ruht doch in bemerkens- 
werthem Gegensatze zu den kirchlichen Bauten, die meist mit grossem 
Fleisse und gutem Erfolge erforscht und beschrieben sind, auf dem 
grössten Theile der Burgen, mit denen einst Deutschland und vorzüg- 
lich die Rheinlande wie übersäet waren, dichtes Dunkel. Zwar sind sie 
längst theils durch den Zahn der Zeit, theils in den Verwüstungen des 
Bauernkriegs, des dreissigj ährigen Kriegs und durch die Verheerungs- 
züge französischer Kaubhorden zerstört, und die wenigen, welche die 
Stürme der Jahrhunderte überdauert , haben eine solche Veränderung 
erlitten, dass meist nur geringe Theile aus dem Mittelalter übrig sind, 
und wo sonst Pracht und reges Leben herrschte, wo Schwerter und 
Lanzen klirrten, wo bei festlichen Gelagen zarter Minnegesang und 
liebliches Saitenspiel erklangen, da umkriecht jetzt die Eidechse und 
Blindschleiche das Gestein, da nistet das lichtscheue Käuzchen, da 
schwirren zur nächtlichen Zeit die Fledermäuse, da umfängt uns Grabes- 
stille, wenn wir in die vereinsamten Mauern eintreten. Allein auch in 
ihren Trümmern müssen sie uns ehrwürdig sein als Zeugen einer grossen 
Vergangenheit; waren sie doch, bevor die Städte sich in Freiheit er- 
hoben, neben den Fronhofen, wie v. Maurer richtig sagt, die eigent- 
lichen Träger deutschen Wesens, der feinen ritterlichen Sitten, wie 
überhaupt der acht nationalen Bildung, Ausserdem machten sie die 



43 

wichtigste Schiitzwehre des Landes aus und gaben vielfach die Veran- 
lassung zur Entstehung von Städten und Dörfern , deren Bewohner am 
Fusse der Burgen Nahrung und Schutz fanden. 

Wie bekannt, beginnt die deutsche Culturgeschichte mit den 
römisch - gallischen und römisch - germanischen Kriegen, und daher sind 
die ältesten baulichen Denkmale von den Kömern auf deutschem Boden 
zum Zweck des Krieges angelegte Werke. Die Erziehung der zur Zeit 
der Völkerwanderung sesshaft gewordenen deutschen Stämme übernahm 
die christliche Kirche, welche im allgemeinen Umsturz der alten Welt 
allein aufrecht geblieben war. Daher erklärt sich das Vorwalten des 
kirchlichen und des wehrhaften Elementes im Mittelalter und die Un- 
terscheidung der baulichen Denkmäler dieser Zeit in kircli liehe und 
wehrhafte oder profane. Erst am Ende des Mittelalters scheiden sich 
die Werke der bürgerlichen und jene der Kriegsbaukunst oder 
Befestigungskunst, welche letztere sich zuerst in Italien und von da 
nach Deutschland und Frankreich weiter entwickelt hat 

Da aber seither die Lehrbücher der Befestigungskunst, sowie die 
Geschichte der Baukunst als schöner Kimst in dieser Hinsicht über das 
Mittelalter, wie über eine thatenlose Nacht, schweigend hinweggegangen 
ist, auch das Interesse für die Ueberreste unserer Burgen sich erst in 
der neuesten Zeit zu regen beginnt, so hat man seltener von den 
alten Burgen eine rechte Vorstellung, und wann von solchen die Kede 
ist, trägt man meist das Bild von den hohen mit Doppelwänden und 
Wendeltreppen, mit trichterengen Höfen und vier Stockwerk hohen Ge- 
bäuden reichlich versehenen Bauten des 15. und 16. Jahrhunderts auf 
das deutsche Alterthum über und kann sich in den Kuinen der Vorzeit, 
die freilich meist nur in einem Theile der Umfassungsmauern und einem 
oder zwei Thürmen bestehen, nicht zurecht finden, i) 

1) Bei dem Folgenden haben mir hauptsächlich folgende Werke gedient: Krieg 
von Hochfelden, die Geschichte der Militärar ch itektur in Deutsch- 
land von der Römerzeit bis zu den Kreuzzügeu : ein Werk, durrh welches für 
derartige Forschungen ein fester Grund gelegt ist. — J. v. Hefner und 
J. W. Wolf, die Burg Tannenberg an der Bergstrasse. — G. L. v. Maurer, 
Geschichte der Fronhöfe, der Bauernhöfe und Hofverfassung, Bd. II. — 
H. Leo, über Burgenbau und Burgeneinrichtung in Deutschland vom 11 — 14. 
Jahrb. in Fr. v. Raumers histor. Taschenbuch 1837. — Mone, Zeitschrift 
für die Gesch. des Oberrheins Bd. VI, XVI, XVII. — Bodmann, Rhoing. 
Alterthümer II, 794 ff. — v. Arnoldi in Ersch und Gruber, Allg. Encyklo- 
pädie, Thl. XIV S. 62 ff. — Besondere Rücksicht ist, wie natürlich, auf die 
nassauischen Lande genommen, wie auch für den letzten Theil fast nur 
nassauische Urkunden benutzt sind. 



44 

li Entstfhuni; und EinrlchliiDR der Burgen. 

Wollen wir uns t-in»' finiiitMiiiassen klare Vnrstcllunir von der 
Entstehung un<l der baulichen Kinridi t u ng (h-r niitt.'lalterigen 
Burgen machen, so müssen wir an die Ueberlieferung der Homer an- 
knüpfen, die, wie in allen anderen Zweigen unsers Culturlebens, wenig- 
stens bis zu den Zeiten der Kreuzzüge. unsern Voreltern Muster und 
Vorbild waren, hie Befestigungswerke nun, womit die Körner die Welt 
eroberten, waren weniger die grossen Waffenplätze, wie Mainz, Cöln, 
Xanten, als vielmehr ihre Ca stel le. Mit diesem W^u'te verbindet 
man den Hegriff einer kleineren permanenten Befestigungsanlage, wie 
sie, natürlicii mehrere in einer Kette, lür grössere Heere zur X'ertheidi- 
gung praktischer und daher mehr im (gebrauch waren, als die Marsch-, 
Stand-, Sommer- und Winterlager, die bei kleineren Heeren und gün- 
stigem Terrain genügten. bh erinnere an das Castell bei Homburg, 
die sogenannte Siuilburg, und die vi(deu anderen auf dei' Linie des 
Pfahlgral)ens. Diese Castelle, mochten sie nun mit Mauerwerk umgeben 
sein oder nicht, hatten von der Zeit der Republik lier einen an den 
locken abgerundeten rechteckigen (Jrundriss, Wall und Brustwehr von 
nur sehr massiger Höhe (nicht über 12') und einen davorliegenden 
Uraben. auf jeder der 4 Seiten ein Thor. Die Anwendung der Casttdle 
setzte aber die Nähe eines starken Heeres voiaus. Terrain und An- 
ordnung des (,'astells bei Homburg zeigen, dass die Veitheidigung auf 
Ausfälle und die Unterstützung frei manövrirender aus dem nahen Mainz 
herbeieilender Truppen beruhte, daher mir improvisirten Sturn)angriffen, 
aber keinen langen Blokaden zu widerstehen bestimmt war. Als daher 
die Kriegführung der Kömer sich dahin änderte, dass nicht immer ein 
starkes und schlagfertiges Heer in der Nähe stand, und somit die be- 
festigten Punkte sich selbst überlassen blieben, mussten die A\'iderstands- 
mittel erhöht werden, was hauptsächlich durch Thürme und feste Ue- 
bäulichkeiten geschah. So zeigen die grossen Castelle am Taunus nebst 
den von Stein gebauten Prätorien bereits 8 Thürme: auch legte man 
die Castelle au solchen Stellen an, wo die Terrainbildung den feindlichen 
Angriff' erschwerte, die Befestigung erleichterte und den passiven Wider- 
stand förderte, mithin auf dominirenden, wo möglich felsigen Anhöhen, 
auf Inseln, an Flussufern u. s. w. Damit schwand aber auch natürlich 
die alte rechteckige Castralform, und den früheren, mit Mauerwerk ver- 
kleideten Krdwall von nur geringer Höhe ersetzte eine mäclitige ge- 
zinnte, mit breitem Mauergang versehene und die inneren widerstands- 
fähigen Wohngebäude stützende King mauer, vor welche, je nach dem 
Terrain, ein Graben zu liegen kam. Im Innern erhoben sich nach 
Massgabe des Kaumes einer oder mehrere Thürme. Bereits gegen 
das Ende des 3. Jahrhunderts verordnete Kaiser Diocletian, dass 
hier, wie in den grösseren Waffenplätzen die Vertheidiger ihre bleibenden 



45 

Wohnsit/o liahoii sollten. Diese neue Befestigungsforrn wurde von den 
Uünicni iiiii den Naiiicu Bui-,n'en be/ciclinet. Castdluni parvulmn, 
(/iiod hmyaiii nxdiit sagt Vogctius (iV, lU); die sesshaften Vertheidiger 
hiesen burgarii Zu den Hingen sind aueh die W arttli ürrne zu rech- 
nen, die besonders seit ErölTnung der Alpenpässe ihre Anwendung fan- 
den ; aiieh dienten sie zur Ueberwachung der Strassen, sowie überall, 
wo es um eine l<\'i'nsieht /u thun war. 

Diese römischen iiurgen oder befestigten Castelle wurden in den 
Grenzkriegen von den Deuisclien meist zerstört, soweit scdches in der 
hJile möglich war. Da im ruhigen Besitz des Landes die Nothwendig- 
keit für die Fortsetzung der Zei'stöinng wegfiel, so blieb manche römische 
Cirundmaiier, mancher Untersatz mächtigei' llingmauern und Thürme 
übrig, ja hin und wieder steht sogar noch ein solcher Thurm bis zu 
seinen Zinnen aufrecht, wie zu ('hur und Cyburg in der Schweiz, Alt- 
Lberstein bei Baden-Baden u. s. w. 

Die Frank(Mi uiul die anderen deutschen Völkerschaften brachten in 
ihre bleibenden Nie(h^i-lassungen nichts mit als ihre Bechtsgewohnheiten 
und ilir (ielblgwesen, ihre Frfalirungen in Viehzucht und Ackerbau und 
die nothdürftigste Technik liir die Anfertigung des gemeinen Lebens- 
l)edarfs, ihrer hölzernen Häuser, \\ afl'en und ihres Schmuckes. Nun 
nahm sofort die Kirche die deutschen Völker in Schule und Zucht, und 
nur (hireh die K liehe wurde das fränkische Keich und überhaupt der 
IJoden fü]- (Jesittung und Bildung erweitert, indem man zu diesem 
Zwecke stets neue Bistiiümer und Klöster gegen das innere Deutschland 
vorschob, wie frülier die liömei- ihre Castelle. Sind nun die Denkmäler 
kirchlicher .Vrchiteetiir aus der alten fränkischen Zeit äusserst selten, 
so noeli viel seltene!' die der militärischen, da diese in der Folge meist 
wieder verschwanden. Gregor \on Tours, der Geschichtschreiber der 
Franken, erzählt, dass diese gleich im Anfange römische Stadtundassun- 
gen und Burgen wiederhergestellt und solcher Burgen auch neue ge- 
legentlich errichtet hätten. Grade um den Besitz der Burgen und 
Städte drehte sich in (Jallien, wie in Italien, der Krieg in damaliger 
Zeit. Natürlich wurden diese Plätze nach den überall vorhandenen 
römischen Vorbildern und den einfachen römischen Grundsätzen wieder- 
hergestellt oder neu errichtet. Di(> Baumeister im ganzen Abendlande 
waren Geistliche. Die Viuschriften des Vegetius waren bereits den Bi- 
schöfen Gregor von Tours und Venantius Fortunatus von 
PoiLoii bekannt, wenngleich das eigentliche Studium des Vegetius und 
Vitruvius erst unter Carl dem (Jr. begann. ') 



1) Pas erste Lehrbuoli der Befestigungskunst, sowie des Angriffs und der Ver- 
theidigunir wurde im XIII. .lahrh. geschrieben, und zwar von Aegidius Colonna. Ge- 
neral des ,^ugustiiier-Ordens, Schüler des h. Thoma^s von Atiuin und Lehrer des K. 
Fhiliiii) des Schönen von Frankreich. 



46 

Dio Burgen fCapitole) in tlfii Städten dienten den Königen, 
Herzogen oder Grafen als Pfalzen oder welirhafte Wohnungen, auf dem 
Lande waren die wiederhergestellten oder neu erbauten Burgen meist 
kleinere Ortschaften, bisweilen auch ganz kleine isolirte tactisch wich- 
tige Posten , die nur in Kriegszeiten besetzt wurden : die fränkische 
Bevölkerung, die Könige und (i rossen niclit ausgenommen, wohnten am 
liebsten auf ihren Meierhöfen, die mit Zäunen oder Mauern umgeben waren. 

\\'ährend nun die Franken im südlichen und westlichen Gallien 
mit den gallo -römischen Einwohnern verschmolzen und von ihnen neue 
Anschauungen und Fertigkeiten erlangten, bewahrte der l^lieil der Franken, 
der im östlichen Gallien und diesseits des Kheins blieb, seine germanische 
Eigenthümlichkeit , und, wie bekannt, fühlte die Verschiedenheit des 
Charakters endlich zur Gründung des deutschen Reichs. Carl der Gr. 
hatte das altrömische System bewaifneter Grenzen nach römischen Grund- 
sätzen wieder in Anwendung gebracht, grade wie er auch stets neue 
Bisthümer gegen die slavischen Völker vorrückte. Dass er bei seinen 
Kriegen viele Orte befestigt und Burgen erbaut oder zerfallene wieder 
hergestellt, liegt in der Natur jeder Kriegsführung: wohl alle aus Erde 
und Hulz. Im I n n e r n zeigen nur einzelne königliche Pfalzen, wie Aachen, 
Ingelheim. Frankfurt und einige Bischöfssitze am Rhein und an der 
Donau, deren römische Ringmauern schon früher wieder erstanden oder 
erweitert worden waren, Ueberreste ven Befestigungswerken. Mit Carls 
des Gr. Tode zerfielen seine Anstalten des Grenzschutzes; Kunst und 
Wissenschaft flüchteten sich wieder hinter die Klostermauern, wo sie 
ruhig und stetig gepflegt wurden, bis sie unter den sächsischen Königen 
wieder hervortraten, und sich unter der friedlichen und zugleich kräftigen 
Regierung der zwei ersten fränkischen Könige die Blüthe des romani- 
schen Baustils entfaltete , indem man die römische Technik im Stein- 
verbande, wie in der Führung des Meiseis erfolgreich nachahmte. 

Mit dem Verfall der königlichen Macht unter den späteren Caro- 
lingern begann das Lehnswesen, das sich in Frankreich und Deutsch- 
land in verschiedener Weise entwickelte: eine Verschiedenheit, die sich 
auch in ihren burglichen Bauten darstellt. 

In Frankreich nemlich traten die rein militärischen Motive des 
Reichs schnell in den Hintergrund, dafür erhoben sich befestigte Wohn- 
sitze der grossen wie der geringen Lehnsträger in allen Theilen des 
Landes, und zugleich zeigte sich die Ausartung des Adels in dem Grade, 
dass Carl der Kahle 847 gegen die aus den Burgen verübten Räubereien 
und Plünderungen einschreiten musste und 864 und 877 den Befehl 
gab, ohne seine Erlaubniss erbaute Burgen und andere Befestigungen 
{castella firmitates et hajas) ^) sofort niederzureissen. 

•) Hage oder Verzäunungen, Verpallisadirungeii. Vergl. Eltester in der Ein- 
leitung zürn Urkundenbuch des mittelrhein. Territ. 11, CVN. 



47 

Dagegen gab es in Deutschland im IX. Jahrhundert nur wenige 
Burgen und zwar für rein militärische Zwecke des Kelches, die sich ent- 
weder als Wiederherstellungen oder als treue Nachbildungen der nahe ge- 
legenen römischen Grenzburgen nachweisen lassen. Als befestigte Sitze 
mächtiger Herrengeschlechter begannen sie erst eigentlich mit dem 
X. und XI. Jalirhundert. Denn je stürmischer die Zeiten wurden , desto 
sorgfältiger suchte man die Fronhöfe zu befestigen. Von dieser Zeit 
traten die Fronhöfe als wahre Burgen hervor und wurden diese der 
grösseren Sicherheit wegen auf Berge verlegt. Die kleineren Lehens- 
träger und Dienstmanuen bauten solche erst noch später. 

Der Mangel an befestigten Punkten wurde bei den Verheerungs- 
zügen der Normannen und besonders bei den Einfällen der Ungarn ge- 
fühlt und K. Heinrich I. war es, der wieder Sorge für die Grenz ver- 
theidigimg trug. Feste Plätze zu erbauen und zu besitzen war aber 
ursprünglich wie heute ein Vorrecht der Krone. Die zum Schutz der 
Grenzen und der Strassen errichteten Burgen gehörten daher dem Könige 
oder dem grösseren Landherrn; ihre Hut wurde der Dienstmannschaft 
als Lehen übertragen. Seit den Saliern war auch den Freien der Burg- 
bau gestattet, die nach ihren Burgen sich benannten. Eine Beschränkung 
hierbei fand nur in der Hinsicht statt, dass der Bau auf fremdem Bo- 
den verboten war ') Daher entsprang der in der nassauischen Geschichte 
bekannte Process wegen des Baues der Burg Nassau zwischen dem 
Bischof von Worms und den Grafen von Laurenburg, wie dasselbe Stift 
später (1195) den Grafen von Nassauden Bau einer Burg zu Weil bürg, 
das einer alten Keichsburg seine Entstehung verdankte, vertragsmässig 
verbot. 2) Solche Burgen hingen nun freilich nicht mit den Fron- oder 
Herrenhöfen zusammen ; sie waren gleich von Anfang an nichts als feste 
Aufenthalts- und Bewahrungsorte, enthielten zwar auch eine herrschaft- 
liche Wohnung, besassen aber ausser ihrem Burgbann oder Burgfrieden 
keinen weiteren Bezirk. Alle diejenigen Burgen dagegen, welche ihr 
eigenes Gebiet mit der dazu gehörigen Gerichtsbarkeit hätten, und sie 
bilden die Regel — hingen offenbar mit den alten Herrenhöfen zusammen 
und waren aus denselben hervorgegangen : somit waren diese Burgen 
nichts als befestigte Herrschaftswohnungen, und die zu einem früheren 
Fronhof gehörigen Ländereien und herrschaftlichen Rechte waren jetzt 
blosse Pertinenzstücke der Burg. Diese Identität der Burgen und Fron- 
höfe gilt nur von den von der Herrschaft selbst bewohnten Pfalzen 
und Fronhöfen, aber nicht von den blos für die Verwaltung und Landwirth- 
schaft bestimmten herrschaftlichen Höfen und desshalb werden auf die 
Burgen in derselben Weise von den zur herrschaftlichen Verwaltung ein- 



1) Der Schwabenspiegel sagt (c. 253): man soll khain bürg bawen niit Vestung 
on des Landrichters Urlaub. - 2) Schannat Hist. Worni. p. 89. 



48 

gerichteten Höfen (curiae. curtes) unterschieden. So z. B. die Burg 
Nassau von dem an dessen Fusse liegenden Fronhof gleichen Namens. 

Waren die Einüille d.T Ungarn hauptsächlich die Veranlassung 
zum Bau von Keichsburgen im Innern, die Kämpfe mit Frankreich von 
solchen auf der lotharingischen Grenze zum Schutz der Grenzen und der 
Vogesenpässe, wie denn überhaupt nebst Graubündten die Vogesenstrecke 
von Bitsch bis zum Donnersberge das burgenreichste Land Deutsclilands 
ist, so erwuchsen in den inneren Kämpfen unter Heinrich IV. und V. 
in merkwürdiger Schnelle durch den höheren und niederen Adel der- 
gleichen Burgen zur Erhöhung des Ansehens, zum Festhalten des er- 
worbenen Besitzes und zur Unterstützung des Angriifes auf feindliche 
Nachbarn. ') Nach der Zahl und Stärke der Burgen nebst der Anzahl 
der Lehensmannen bemass man die Macht. Dienten die Burgen zu- 
gleich zu Wohnungen, so traten zu den Anforderungen der Militär- 
architectur auch die der bürgerlichen Baukunst. Erblich waren die 
Burgen schon seit dem Anfang des X. Jahrhunderts, wie z. B. die Burg 
Huhentwiel in Schwaben, der gemeinsame Wohnsitz der Kammerboten. 
Das erste Beispiel eines aus Burgen verübten Strassenraubs wird in der 
Geschichte K. Heinrich IIU erwähnt : im Jahre 1054 Hess er auf einem 
Zuge durch Deutschland mehrere Kaubschlösser brechen. Als das Ritter- 
wesen gegen Ende des XI. Jahrhunderts sich ausbildete, mehrte sich 
die Zahl der burglichen Bauten; viele von den kleineren Freien oder 
Kittern rühmten sich wohl auch schon einer Burg, wenn sie ein steinernes 
thurmartiges Wohnhaus mit hochgelegem Eingang oder in der Mitte 
ihres Hofes einen steinernen oder hölzernen Thurm besassen. Schlimmer 
war es, dass Karls des Gr. Satzungen gegen Waffentragen im Frieden 
und gegen Selbsthilfe, Faustrecht, welche man unter den beiden ersten 
Saliern durch Landfriedensgebote zu befestigen gesucht hatte, besonders 
seit Heinrich IV. unseliger Regierung in Vergessenheit gerathen waren. 
Der Gottesfriede, welchen die Kirche unter geistlichen Strafen anbe- 
fohlen und die Könige zu Gunsten des Landbauers und des Kaufmanns 
erweitert, hatte das Unwesen des Faustrechts auf die nicht geschlossenen 
Jahreszeiten und Tage für den Kriegsadel, wenn gewiss ungern, zuge- 
geben. Da rechtfertigte endlich der alte Ritterkaiser Barbarossa 1187 
durch feierliche Gesetzgebung die Selbsthilfe des Adels, und that damit 
der angeerbten wilden Gewöhnung der Deutschen zur Selbsthülfe Thür 
und Angel auf und machte die Gewalt gesetzlich. Wie viel Ungerech- 
tigkeit ist seitdem von den Burgen vieler adeligen Herrn bis weit über 
Ma.\imilians ewigen Landfrieden hinaus verübt worden! So hatte auch 
dieses Stück unseres Culturlebens seine Schattenseite! 

') ?2ine der merkwürdigsten Bargen aus der Zeit der fränkischen Kaiser ist die 
Niederburg bei Küdesheim, welche Krieg v. Hochfelden in dem gen. Werk 
b. ol2 ff. ausführlich beschrieben liat. 



49 

Die Einrichtung der Burj^en war nach den Zeiten und den 
Localitäten verschieden. Dennoch findet sich vieles üebereinstimm^'nde, 
vi^enis^stons bis zum 14. Jahrhundert, mag nun das Hauptwohng(,'bäude, 
der Mittelpunct der ganzen Hurg, in Süddeutschland Palas oder in Alt- 
preussen Remter, oder in Norddeutschland Diele genannt werden, und 
mögen es auch nur selten architectonisch so bedeutende Bauwerke wie 
die Wartburg, Gelnhausen oder Trifels gewesen sein. Auch 
brachte es keinen Unterschied in der Anlage hervor, ob es eine Wasser- 
burg oder eine Höhenburg war, jene lag nur in flachem Räume, wie 
die Niederburg bei Uüdesheim, und erhielt ihren Hauptschutz durch das 
iierumttiessende Wasser oder durch wassergefüllte Gräben; diese lag in 
der Regel, wie wir es am Rheine und der Lahn sehen, auf dem Vor- 
sprunge eines Bergzuges und hatte dann blos den Vorsprung quer durch- 
schneidende, nicht aber die Burg rings umgebende Gräben, die natürlich 
trocken waren. Häufig vertrat der Fels, der sich schroff zum Abgrund 
oder in einen vorbeifliessenden Fluss neigte, die Stelle des Grabens oder 
auch die Ringmauer selbst, indem die Burgmauer gleichsam die Fort- 
setzung der steilen Felsenmassen bildete. 

Schärfer tritt dagegen der Unterschied zwischen den Hofburgen, 
also solchen von umfassenderen Anlagen , und den enger zusammenge- 
drängten kleineren Burgen hervor, die man gewöhnlich auch Burgställe 
hiess. 

Die grösseren Burgen hatten zunächst eine aus Mauer- oder 
Pfahlwerk bestehende Umfassung, welche man die Zingeln nannte. 
Sehr häufig waren an dieser Mauer thurmähnliche Gebäude, sogenannte 
Basteien, oder zur Vertheidigung des Eingangs zu beiden Seiten des 
Thores niedere Thürme angebracht. Zwischen dieser äusseren und der 
inneren Mauer, welche höher und von der ersteren 40 — 50 Schritte ent- 
fernt war, befand sich, insofern es die Beschaffenheit des Bodens er- 
laubte, der Zwinger, ein freier Raum, welcher öfters mit Stallungen 
und anderen hölzernen Wirthschaftsgebäuden umgeben, also den Vieh- 
hof bildete, von der eigentlichen Burg aber durch einen Graben und 
die Burgmauer getrennt war. Der Zwinger ist eine der fortificatorischen 
Errungenschaften, welche die Kreuzfahrer aus dem Oriente heimgebracht 
haben, während man sich früher mit einer einzigen, aber sehr dicken 
Ringmauer begnügt hatte. Er ward in Deutschland bald so allgemein, 
dass man höchst selten eine Burg ohne ihn antraf. 

Dieses Umfassungswerk und den Zwinger nannte man die Vorburg, 
zu deren Vertheidigung Thürme und sogenannte Wighuser angebracht 
waren. Zugbrücken oder sogenannte Slagebrücken führten über die 
Graben durch die Thore in die verschiedenen Vorwerke und den Zwinger. 
War die Burg, was vielfach vorkam, mit mehreren Ringmauern um- 
geben, so befanden sich die Thore derselben nie in grader Richtung 

4 



50 

hiutt^r einander. Auf einer solchen Ziicrbrücke gelangte man auch zum 
Thore der eigentlichen Burg. 

Den Eini,fang zur Burg bildete ein vorspringendes gewölbtes Thor- 
haus, an dessen Seiten dii- Winden für die Zugbrücke angebracht waren 
Ueber dem Burgthore erhüben sich hohe Zinnen, welche ein schmales 
Dach trugen, welches einen hinter den Zinnen hinlaufenden gegen die 
Burg zu ottenen Gang deckte, von dem aus durch die in den Zinnen 
angebrachten Lucken auf den nahenden Feind mit Armbrusten geschos- 
sen oder mit Steinen geworfen werden konnte. Dieser Gang über dem 
Burgthore hiess die Wer, Brust wer oder die Letzen. Hatte man 
das Burgthor i>assirt, so befand man sich bei vielen Burgen in dem 
Burghofe selbst; bei manchen gelangte man erst in einen inneren 

Zwinger. 

Unter den den Burghof umgebenden Gebäuden treten vor allen 
der Palas, der Bergfried und die Cape He hervor. 

Der Palas, das Hauptgebäude, nahm gewöhnlich die eine Seite 
des Hofrauras ein. meist auf die Kingmauer gestützt. Er war allein 
von allen Gebäuden der Burg ausser den Thürmen höher als ein Stock- 
werk und durch eine von aussen in die Höhe führende Treppe zugäng- 
lich. Den Hauptraum darin nahm der Rittersaal ein, der sein Licht 
durch enge rundbogige Fenster erhielt. Daran reihten sich zur Seite 
Kemenaten, die ursprünglich mit dem Palas sogar nicht unter einem 
Dache waren und als Wohnungen und Schlafgemache der Familie dien- 
ten, während der Rittersaal als Versammlungs-, Speise- und Audienzsaal. 
Da das Mauerwerk des Palas sehr dick war, so entstanden an den 
Fenstern Nischen mit Sitzen, den Ehrenplätzen der Frauen. Wegen der 
bedeutenden Breite, die oft der Kittersaal hatte, gingen eine oder auch wohl 
zwei Säulenreihen, wie zuTrifels, durch denselben. Beispiele solcher Palas fin- 
den sich noch wulil erhalten, z. B. aus dem XI. Jahrhundert auf der Wartburg 
ausdemXll. Jahrhundert zuGelnhausen, Seligenstadt undGutenfels 
über Caub ; auch auf der Burg Nassau sind die Fensternischen noch vorhanden. 

Der Bergfried war der Hauptthurm der mittelalterigen Burgen. 
In einiger Entfernung von dem Hauptgebäude, gewöhnlich ganz frei 
stehend, seltener an die Ringmauer angelehnt, auf dem kühnsten Vor- 
sprung des Burgraums erhebt sich dieser meist viereckig, bisweilen auch 
runde und selbst fünfeckige, in dicken aus Bruclisteinen oder erhabenen 
Quadern aufgeführte War tthurm. Der Eingang zu demselben war nicht 
gleicher Erde, sondern im ersten Stock. Zu dieser Thüre führte wohl in Frie- 
denszeiten eine hölzerne Stiege ; in bedrohten Zeiten konnte diese wegge- 
nommen und die Verbindung auf das Einsteigen und Aufziehen mittelst 
Strickleitern und Seilen beschränkt werden. Man stellte diese Wart- 
thürrae so allein, um nicht , werm die Burg genommen und der Berg- 
friede allein noch gehalten wurde , durch Anzündung benachbarter 



51 

Gebäude herausgeräuchert und 7a\v üebergabe gezwungen zu werden; 
der Bergfried war aber der letzte Rückzug der Besatzung. Ini Innern 
dieses Thurnies stieg num durcli Treppen in die Höhe. Der untere, 
nicht von aussen zugängliche Kaum enthielt zuweilen einen Sodbrunnen, 
während der Hauptbrunnen im Hofe, in der Kegel nicht weit von der 
Küche stand. Sonst diente der untere Kaum des Thurmes als Uefäng- 
niss, Bu rgverliess. Die oberen Geschosse des Bergfrieds enthielten 
Kemenaten ; ganz oben unter dem Dache hatte der Wächter , Thurm- 
wart, seinen Platz. Oefters kommen auch zwei Tliürme vor, wie auf 
Nassau; auf der Burg Holenfels im Amte Nastätten standen noch zwei 
Thürme, welche in der Höhe durch eine hölzerne Brücke Verbindung 
hatten, sodass die Besatzung, wenn sie den einen zu verlassen genöthigt 
war, sich in den anderen zurückziehen und die Brücke schnell abwerfen 
konnte ^). 

Ebenso fehlte keiner einigermassen bedeutenden Burg die Ca pelle, 
die, wie alle Kirclien, von Westen her iliren Eingang hatte. Bemer- 
kenswerth ist es, dass die Capelle sehr oft mit dem Thorthurme in 
Verbindung stand, wie zu Gelnhausen, Münzenberg und Nassau, wo ihre 
Ueberreste noch erkennbar sind. Spuren von dieser Sitte, die Capelle 
mit dem Hauptthore zu verbinden, linden sieh schon frühe: ein Beweis, 
wie sehr man sich an die Eintheilung der alten Kömercastelle hielt und 
uns an das Bild eines Castells auf der Trajanssäule erinnert, auf wel- 
chem der Consul im Priestergewande am Thore das Opfer verrichtet. 
Der Platz vor dem Thore war bedeutsam als (Jerichtplatz. So heisst 
es in dem Burgfrieden von Orten bürg in der Wetterau von 1366: 
wenn ein Burgmann diesen Frieden bricht, der soll vor der inneren 
Burgbrücke zu Kecht stehen vor den drei (iekorenen -). 

Ausser diesen Hauptgebäuden sind noch innerlialb des Burgraums 
zu erwähnen, das Musshaus (Zeughaus), die Küche und die Vor- 
rathsgademe. Die Küche war ein besonderes Haus, worin zugleich 
die dazu gehörige Dienerschaft schlief. Köchinnen hatte man keine. 
Unter die Vorrathshäuser gehörte auch das Sclini tzh aus , worin 
Pfeile, Armbruste, Lanzenschafte u. dergl. aufbewahrt und verfertigt 
wurden; dagegen mag die Schmiede wegen der Pferde in der Kegel 
in der Vorburg bei den Pferdeställen angebracht gewesen sein. Viel- 
leicht nahmen Schnitzhaus und Schmiede aucli dvn unteren Kaum der 



1) Nicht zu verwechseln mit diesem Bergfried sind die hi.l/ernen Sturnithünnc. 
welche denselben Namen trupcn. Diese wurden auf 4 Kadern gegen die zu 
erstürmende Mauer hingeschoben. In ihrer Mitte stan.leii Bogenschützen, oben 
darauf andere. Bewaffnete, die im entscheidenden Augenblicke auf die Mauer 
sprangen und von ihren Gefährten gefolgt den Kampf ins Innere der Burg 
trugen. — ^) Nach dem ungedruckten Burgfrieden im Idsteiner Arcliiv. 



52 

sogenannten Wighüser ein . welches Gebäude waren , die gleich den 
Thürnien in und an die L'nifassiingsmaiier gestellt iind wesentlich zur 
Vertheidigung eingerichtet . aber zu breit und von zu bedeutendem Um- 
fange waren . um Thürme genannt werden zu können. Ebenso waren 
von dem Palas getrennt die Frauenkemenaten, Frauenzimmer, worin die 
weibliche Dienerschaft wohnte. Der Burghof hatte in der Kegel nur 
einen Ausgang, dagegen hatten die Zingeln und, wenn ein doppelter 
Zwinger da war. auch dieser innere Zwinger oft mehrere Ausgänge durch 
besondere Porten , die theils mit Schloss und Riegel verwahrt , theils 
selbst in grosser Gefahr zugemauert wurden. 

Von diesen grösseren Burgen wesentlich verschieden waren die 
kleineren , sogenannte Burgställe Die meisten derselben bestanden aus 
einer blossen Kingmauer mit einem Thurm in der Mitte , der als Woh- 
nung des Burgherrn und seiner Familie diente. Er bestand gewöhnlich 
aus 4 Geschossen . indem nach den Kechtsbüchern nur 3 (iaden über 
einander gebaut werden durften. Das erste Stockwerk enthielt die 
Küche und zugleich Wohn- und Arbeitszimmer der weiblichen Diener- 
schaft. Durch eine Wendeltreppe kam man in die Wohn-, Arbeits- 
und Schlafzimmer des Burgherrn und seiner Familie. Im obersten 
Stock war der Kittersaal , von wo eine hölzerne Stiege in den obersten 
Raum führte , wo noch für Knappen und Wächter Kaum war. Solche 
Burgen kommen in Lorch, Küdesheim, Geisenheim u. a. Orten vor. Im 
späteren Mittelalter, als die Anlage einer Burg erschwert wurde, nahmen 
jene kleineren Burgen nach und nach die Gestalt von blossen Stein- 
häusern oder burglichen Bauen an, wie man die späteren Kittersitze, 
welche keine Thürme und keine Kingmauern mehr hatten, zu nennen 
pflegt. Mit solchen war das alte Lorch fast ganz ausgefüllt. 

In fortificatorischer Beziehung kommen bei dem Bau der l'urgen 
noch in Betracht: der Erker, der Umgang, der Mantel und der 
V orhof (Barbacan), die alle zur Zeit der Kreuzzüge dem Oriente 
entlehnt wurden. 

Was den Krker bertrifft, so liatte bereits unter Diocletian das 
Vortreten <ler (Jonsolen über die VVaiidfläehe zum Tragen kleiner Säul- 
chen begonnen. Die Byzantiner erweiterten diesen Gebrauch und hingen 
zum Behüte der besseren Bestreichung der Kingmauer einen kleinen 
viereckigen Vorbau wie einen Kasten in beliebiger Höhe an die King- 
mauer; ilaher (h'r Name ' rker (von arca), den ihm die Kreuzfahrer 
gaben. Sic erscheinen besonders an den Neubauten des Xlll. und XIV. 
Jahrhunderts , und zwar aiil^inglich aus Holz , später aus Stein. Klei- 
nere f>ker über Burgthoren hiessen Pechnasen. Die Bestreichung 
der Mauer wai- entweder eine Seitenbestreichung aus den Scharten in 
den beiden Flanken des Erkers oder eine verticale durcli eine Oeftnung 
in de.s en Fussboden zwi.schen den Tragsteinen zum Herabgiessen sieden- 



53 

den Wassers, brennenrlen Pechs ii. dergl. Später verlängerte man die 
früher hoch in der liUft schwebenden, flankirenden Erkerthürmchen in 
vertikaler Riehtiing bis auf den natürlichen Boden, so dass sie als flan- 
kirende — meist runde 'I'hürme - mehr oder weniger über die Um- 
fassung hervorragten. 

Eine einfache Anwendung dieses Erkers war der Umgang, wenn 
man denselben hinauf in die Höhe des oberen Mauerganges oder der 
Plattform rückte, und zwar nicht nur auf kürzeren Strecken, sondern 
auf den ganzen Umzug ausdehnte, auf diese Weise die gezinnte Brust- 
mauer t^inige Fuss über die unterhalb gelegene äussere Mauerflucht vor- 
treten liess und durch Oeffnungen im Fussboden die verticale Bestrei- 
chung ermöglichte. So entstanden jene unmittelbar auf einem über die 
Tragsteine gelegten horizontalen Sturz oder auf den darüber gesprengten 
Bogen vortretenden gezinnten Brustwehre und die mit einem Dache be- 
deckten ..Umgänge" mit ihren (liesslöchern im Fussboden, wie sie wohl- 
erhalten am Palazo delle Torri zu Turin zu sehen sind. Dann veran- 
lassten die in den Kreuzzügen verbesserten Wurfmaschinen , sowie die 
von den Griechen erfolgreich getriebene Pyrotechnik eine sorgfältigere 
Deckung der inneren Burgräume durch hohe und dicke Deckungsmauern 
unter dem Namen des Mantels. Meist tritt dieser als nachträgliche 
Erhöhung älterer, niedrigerer Mauern auf. Er findet sich, wie auf der 
Burg Ehreufels, so überhaupt bei allen Burgen, welche nicht auf einer 
völlig isolirten Kuppe liegen, also nicht von den benachbarten Anhöhen 
beherrscht werden. 

Seltener kommt der Barbae an oder Vorhof vor, ein selbststän- 
diges Werk zum Schutz der Thore bei grösseren Burgen. Das Thor in 
der äusseren Umfassung wurde nemlich mit einem hohen und breiten 
viereckigen Thurme überbaut, an dessen vorderer Front und zwar an 
den Endpunkten sich zwei starke Mauern anlehnten , die den Zwinger 
rechts und links abschlössen. 



2) Die Vertlieidiguiig der Hiirgeii. 

Solange das Auftreten der Deutschen ein aggressives blieb, bedurfte 
das Land keines Schutzes und keiner Vertheidigung. Als aber die Ein- 
fälle fremder Völker und der Beginn der inneren Kämpfe das Bedürf- 
niss eines defensiven Schutzes hervorriefen, musste man auf Mittel zur 
Abwehr und Vertheidigung bedacht sein. Hierin folgte man, vorab an 
der (^.renze, dem Beispiele der Römer. Die Mauern und Gräben der 
Städte wurden wieder hergestellt oder neue aufgeführt, Citadellen damit 
verbunden, Dörfer befestigt, indem man sie entweder zu wirklichen festen 
Städten oder gesicherten Marktplätzen machte, und wo ein anderer Zu- 
fluchtsort fehlte, wurden Kirchen und Kirchhöfe in oflenon Dörfern we- 
nigstens für den kleinen Krieg, als eine Art Burg benutzt und förmlich 



54 

in Vertheidigungszustand gesetzt. Ebenso suchten die Klöster durch 
feste Mauern sich zu schützen. Selbst das offene Feld wurde auf längere 
oder kürzere Zeit ständig oder vorübergehend befestigt. Zu jener Art 
gehörte die Grenzbefestigung solcher Gegenden eines Landes, die weder 
durch Gebirge noch durch "Wasser einen natürlichen Schutz hatten. Man 
hiess solche befestigte Linien an der Landesgrenze und ihre Vertheidi- 
gung in Nord- und Mitteldeutschland Landwehr, in der Schweiz 
Letzinen. Sie bestanden nach dem Vorbilde des römischen Grenzwalles 
in einem Graben und AVall. der auf seinem Kamme mit Hecken und 
Pfahlwerk besetzt war und an den Durchgängen starke hölzerne Gitter- 
thore mit vorgeschobenen Balken oder Schlagbäumeu hatte. Bekannt 
ist die Landwehr an der östlichen Grenze des Kheingaus, die vom Rhein 
bis an das Gebirg bei Neudorf zog, während der nördliche Theil des 
Gaues durch das Gebück geschützt war. Dazu kamen Warten 9 oder 
AN'arttliürme. Bollwerke (einzelne Forts), Schläge, Gräben und andere 
Befestigungen, die vorzüglich seit dem XIV. Jahrhundert vorkommen 
und bis in's XVII. Jahrhundert reichen. Die vorübergehende Feldver- 
schanzung bestand in Lagern mit oder ohne "Wagenburgen, in Befesti- 
gung des Eingangs der Pässe und in Steinrisen oder Felsenstürzen, wenn 
ein Feind den p]ingang der Pässe erobert hatte : Massregeln, die zu- 
nächst gegen schnellen Augi-ift' der Reiterei gerichtet waren. 

Doch die wichtigste Vertheidigung des Landes, wenigstens bis zum 
ausgedehnten Gebrauch des Schiesspulvers , früher zum Schutz der 
Grenzen und Strassen de.s Reiches, später aucli zur Sicherheit und Wah- 
rung des Besitzes der Dörfer, Waldungen und Felder bei inneren Fehden, 
bestand in den zahlreichen Burgen, die theils dem Reiche, theils den 
Landesherrn, theils dem eingesessenen Landadel gehörten. Der F e s t u n gs- 
krieg war nemlich weit mehr im Gebrauch als der Feldkrieg, weil 
ohne grosse und stehende Heere sich der Krieg auf feste Orte zer- 
splittern und beschränken musste , und ausserdem die vielen kleinen 
Herren ihr oben erwähntes Fehderecht hatten, wodurch der Bürgerkrieg 
und sein fJlend nach der Vernichtung der kaiserlichen Gewalt fast per- 
manent wurde. Das Elend ward dadurch um so grösser, weil man sich 
bei der Schwierigkeit der Eroberung fester Plätze meist nur auf , Name" 
und , Braut" beschränkte, d. h. auf Plündern und Zerstören des offen 
liegenden Eigenthnms der Feinde. Der eigentlichen Landesburgen 
gab es in jedem Lande nur sehr wenige, wie in dem nassauischen Ge- 
biete Arnstein (bevor es ein Kloster wurde), Laurenburg, Nassau, Weil- 
burg, Mehrenberg, Idstein, -) unter den Rheingauischen Rheinberg, wie 

') Vergl. Anhang Nr. H. — 2) Das (iebiet der jetzigen Kegierungsbezirke Kob- 
lenz und Trier hatte am Anfang des Xlll. .lahrhunderts 6 Reichsburgen, 
30 Lande.-<burgen der Fürsten und sonstigen Landesherrn, 30 Grafensitze, 
5 Djrnastensitze und 12 Kitterburgen. S. Eltester a. a. 0. CIX. 



55 



in der Wetterau Friedberg. Um so ansehnlicher im Bau , Vertheidi- 
gungsmitteln und Vorrechten waren sie aber auch , weil sie eben des 
Landes wahre Kraft und Stärke bildeten. Sic zeichneten sich von den 
gewöhnlichen Burgen oder Schlössern und Kittersitzen durch besondere 
Zubehürden, ein eignes Gebiet ausser ihrem Burgbanne, einen eigenen 
Lehn- und Dienstmannshof, eigene zur Burg gehörige Unterthanschaft 
und Besitz von besonderen Kechten, darunter eigene Gerichtsbarkeit aus. 
Da die Landes- oder Grundherrn ihre Leute wie nach Innen, so nach 
Aussen zu beschützen hatten, wenn nöthig selbst mit Gewalt der \^'afl■en, 
so dienten die Burgen und Schlösser als sichere Anhaltspuncte zur 
Geltendmachung dieser Schutz- und Schirmgewalt. In den alten Kechts- 
büchern Weisthümern, und anderen Urkunden wird das so ausgedrückt, 
dass, wenn der Grundvogt oder Landesherr seine Zugbrücke in der Burg 
aufzieht oder dieselbe mit Thür und Thor oder mit Thür und Nagel 
beschliesst, seine ganze Grund- oder Schutzherrschaft mit Land und Leu- 
ten beschlossen , d. h. geschützt sein solle. Daher erklärt sich die 
Ueberreichung der Schlüssel der Burgen, festen Schlösser und Städte 
bei Gelegenheit der feierlichen Besitznahme einer Herrschaft oder eines 
Landes, z. B. die Ueberreichung der Schlüssel zu allen Pforten . wenn 
der neu gewählte Abt von St. Matheis in Trier zum ersten Mal nach 
Vilmar kam, ebenso die Ueberreichung der Schlüssel der Burg zu 
Eltville und der Martinsburg zu Mainz bei Gelegenheit des Eintritts 
des neu gewählten Erzbischofs. Darin lag eine symbolische Besitzer- 
greifung von der Herrschaft und dem Lande. Denn es geschah, wie ein 
altes Weisthum sagt, „zu Erkhentnis aller menniglich, dass ein Apt 
von St. Mathys von seines Gotteshauses wegen ein Erbherr ist". 

Die Befestigung der Burgen wurde meist durch Frohnden der dazu 
gehörenden Bauern hergestellt. In einer Trierer Urkunde von 1037 
werden die Burgfrolinden der Hörigen so bestimmt, dass jedes Haus von 
4 Dörfern, die zu der Feste Sarburg gehörten, jährlich einen Fiohntag 
auf der Burg zu leisten hatte, der aber jedesmal mit einem Heller ab- 
gekauft werden konnte. ') Die Burgen schützten sich nun selbst durch 
ihre Lage, durch hohe und dicke Mauern und tiefe wo möglich mit 
Wasser angefüllten Graben, durch überwölbte Treppen und Gänge in der 
Dicke der Mauern, in denen Scharten oder Schlitze angebracht waren 
zum Gebrauch der kleineren Schiesswaften, sowie die vorangeschrittene 
Technik schon im XI. Jahrhundert zur Aushöhlung grösserer Felsen- 
massen und deren Herrichtung in wehrhafte Iväunie führte, wie z. B. 
auf der Feste D r a c h e n f e Is in der Pfalz. Besonderen Bedacht nahm man 
auf den Schutz der Thore, da sie an vielen Burgen die einzigen Zu- 
gänge waren, also der Hauptsturm der Angreifer sich auf den Thor- 



1) Beyer, mittelrh. L'rk. 1, ;W2. 



56 

thurm richten musste. Schon frühe, al3 Nachahmung römischer Vor- 
bilder, richtete mau die Burgen hin und wieder zu inneren Abschnitten 
ein , und nach erfolgten Erweiterungen theilten sich viele Burgen in 
Vorburg. Mittelburg und Haupt- oder Kitterburg. Ja man 
baute selbst vor der Umfassungsmauer noch kleinere Burgen oder feste 
Häuser und Thürme , welche den feindlichen Berennungskreis ungemein 
ausdehnten und die vereinzelten Abtheilungeu des Feindes ganz isolir- 
ten. Es ist das die altrömische, in unseren Tagen wieder aufgenommene 
Idee selbstständiger detachirter Forts in Anwendung auf die kleineren 
Verhältnisse der Fehde. Beispiele dei artiger Burgengruppen, die im 
XI. Jahrhundert beginnen, sind die Keichsburg Trifels, ursprünglich 
drei durch einen Felsenkamm mit einander verbundenen, gleichzeitig und 
zu einem Zwecke angelegte Burgen, eigentlich also die Dreifelsenburg, i) 
die Burgen Alttan. Neutan, und Tanstein bei dem Flecken Tan 
in der Pfalz, Kaiserslautern mit den vier Burgen Bilenstein. Hoheneck, 
Wilenstein und Nannensteiu. Auch kann die Burg Nassau mit der in 
der Mitte des Berges gelegenen Burg Stein und der hart daran lie- 
genden Burg Krumen au als Beispiel dienen, obgleich damit nicht ge- 
sagt sein soll, dass die Burg Stein nur als Vorwerk von Nassau ent- 
standen sei. Wir wissen nemlich, um dieses hier zu erwähnen, dass 
das Geschlecht derer von Stein schon vorkommt zur Zeit, als die Grafen 
von Laureuburg die Nassau anlegten, also es auch möglich ist, dass 
dieses edle Geschlecht schon damals im Besitz des Vorsprungs des Berges 
bis über die mittlere Höhe desselben, wie später, war. Auch kommt es 
öfters vor, dass Punkte zur Anlegimg von Burgen gewählt wurden, die 
von höher benachbarten oder grade anliegenden Hügeln gleichsam be- 
herrscht wurden, wie wir es an Sonnenberg bei Wiesbaden, an der Katz 
bei St. Goarshausen und anderen Burgen bestätigt finden.''') 

Zu den natürlichsten und durch Kunst angelegten Vertheidigungs- 
werken kamen nun Vertheidigungsw^rkzeuge. Dazu gehörten vor Ein- 
führung der Feuerwaflen grosse Schleudermaschinen mit Steinen und 
kleinere oder Armbruste mit Pfeilen. In jenen Wurfmaschinen , welche 
Bilden Messen, finden wir die römische haiist a wieder, nur mit dem 
wesentlichen Unterschiede, dass bei dieser die Federkraft, bei den Bilden 
die Drehkraft der Seile und der Hebel wirkte. Die Projectile waren 
roh behauene Kugeln, die von Steinmetzen verfertigt wurden. Ausser 
diesen gehörten zur Bedienung der Bilden der Blidenmeister , der sie 
aufstellte und richtete. Kleinere Schleudermaschinen waren im früheren 
Mittelalter Handbogen und Pfeile, später die wirksamere Arm- 

») Lehmann, Gesch. der Burgen der bayr. Pfalz II, 40. — ■<) Ueber die Ent- 
stehung der Burg Stein handelt ausführlich ein Aufsatz, Manuscript, im Gräfl. 
Steinischen Archiv zu Nassau unter dem Titel: Nachrichten und Urkunden 
von dem Geschlecht der Edlen von dem Stein genannt. 



57 

brüst (arculista). Diese war ^Geschichtlich zuerst die Waffe der 
Sarganten (Sorgeanton), d. h. dor Söldner zu Fuss, die von K. Hein- 
rich VI, früher noch von den französischen Königen bei Belagerung 
und Verthoidigung fester Orte gebraucht wurden. Die Kreuzfahrer 
hatten die Armbrust im Orient kennen gelernt, und bald wurde dieseWaffe 
besonders von den Bürgern dor Städte angenommen, womit Bolzen in weite 
Ferne durch Schild und drahtgestrickte Eisenwämser geschleudert wur- 
den. Das , tückische, unritterlicho Ding" fand aber solchen Widerwillen, 
dass auf dem Lateranensischen Concil 1139 unter P. Innocenz II. der 
Gebrauch unter Christon verboten wurde. Trotzdem nahmen auch die 
Ritter diese Waffe an. Richard Löwenherz führte sie in den adeligen 
Reiterkrieg ein. Man verfertigte sie vom sprödesten Stahl und ersann 
Handwinden und Spanner. Besondere Anwendung fand die Armbrust 
auf dem Zuge der Lateiner gegen Constantinopol, bei Damiette und gleich- 
zeitig am Rhein, obgleich P. Innocenz ITL noch auf dem Concil im La- 
teran 1215 jedem Geistlichen verbot ,mit räuberischen Söldnerbanden, 
mit Armbrustschützen und dergleichen Blutmenschen'' kirchlich zu ver- 
kehren. Da die Kanonen und ihre Munition theuer waren, so blieben 
die Blidon und Armbruste noch bis ins 16. Jahrhundert im Gebrauch. 

Nach Einführung des Pulvers gehörten endlich zur Bewaffnung 
einer Burg Büchse n oder Kanonen und H a n d b ü ch s e n zum Schiessen, 
deren Anwendung von dem Beginn des XTV. Jahrhunderts sich immer 
mehr ausdehnte. Als im September 1324 Erzbischof Baldewin von 
Triei-, König Johann von Böhmen und andere Fürsten die Stadt Metz 
belagerten, trieben die Bürger ihre i'ittei-lichen Gegner durch ihre Bom- 
bardon (Kanonen) von ihren Mauern weg. Zu Florenz ward 1326 von 
der Gemeinde der Guss metallener Kanonen und eiserner Kugeln ver- 
fügt. In Regensburg wurden 1343 „zwei Pölor und eine Kotze" er- 
wähnt, welche die Bürger auf einem Kriegszuge mitführten, und 1347 
besetzte dieselbe Stadt den Weg nach Straubing mit „Kotzen und Ant- 
werch", also mit grobem und kleinem Geschütz. 1344 beschied der 
Erzbischof Heinrich von Mainz seinen Feuerschützen, d. h. den Vor- 
steher der Feuergeschütze von Ehronfols nach Asciiaffenburg. In offener 
Feldschlacht krachten die Donnerbüchsen wohl zuerst in der Schlacht 
bei Cressy 1346, wo die Engländer bereits 6 Kanonen hatten. 1356 
erscheint Schiesspulver in Nttrnberg's Rechnungen, wie 1344 in Spandau 
eine Pulvermühle erwähnt wird. Lübeck Hess 1360 Pulver anfertigen, 
und Augsburg hatte in derselben Zeit schon eine Stückgiesserei. Der 
Bischot von Wüi-zburg brauchte 1374 bereits Büchsen, um seine 
Bürger zur Ruhe zu bringen. Als 1375 die sogenannten Engelländer an 
den Rhein kamen, legte mau zu Strassburg Geschütz und Büchsen auf 
alle Thore. Als Karl IV. 1377 von Tangormünde aus ein Haubschloss 
belagern wollte, schickten ihm die Magdeburger dor Stadt Büchsen und 

4* 



58 

zwanzig Schützen, und die Lübecker bei einem andein Falle zwei grosse 
Feldstücke. Zur Vertlu'idigung von Burgen gebrauchte man sie sicher- 
lich gegen das Ende des Jahrhunderts. Denn das lieichsheer, welches 
1393 die Burg Hattstein 8 Tage lang belagerte, konnte sie nicht neh- 
men, ffuia orujiuem hahnernnt »uujnac homhardae. 

Wie für die Blideu, so hatte man auch für die Lafteten der Ge- 
schütze und zur Verfertigung der steinernen Kugeln eigene Zimmerleute 
und Steinmetzen. Stückgiessereien fan<len sich in den kleinen Gebieten 
am Mittelrh.'in nicht; leichter konnten die grösseren Städte die Kosten 
erschwingen. 

Man Hess durch andere ^Metallarbeiter die Kanonen giessen, wenn 
mau sie nicht durch den Handel, hauptsäciilich von Juden, bezog. Da 
es sehr schwierig wai-. das nöthige Metall zu erhalten, so ist es nicht 
zu verwundern, dass man sich die (leschütze gegenseitig lieh. Auf der 
Kuine Taunenberg an der Bergstrasse wurden Steinkugeln gefunden von 
2 Fuss 7Vj Z(dl bis 1 Fuss 3 Zoll Durchmesser; aber es fanden sich 
auch solche, die 20 Centner betragen, die wahrscheinlich von der grossen 
Büchse <ler Stadt Frankfmt abgeschossen wuiden , die von 2U Pferden 
auf den Berg geschaftt wurde. Die Büchsen der Städte v<ii- Hattstein 
1393 schössen Kugeln sieben bis acht Gentner schwer. Die gewöhn- 
lichsten waren \t»n der Grösse eines Mannskopfs. Die Bedienung der 
Büchsen bestaml aus dem Büchsenmeister, dei' die Verpflichtung hatte, 
die Geschütze stets in brauchbaiem Stand zu halten und die Pulver- 
bereitung überwachte, und den Zimmerleuten. Jener wurde meist auf 
Lebensdauer in Sold genommen. 

Handbüchsen von Messing kommen ebenfalls seit der Mitte des 
XIV. Jahihunderts vor. Sie wurden in dei- Kegel frei auf der Hand, 
ohne sie auf eine Gabel oder andere Stütze aufzulegen , abgeschossen. 
Wenn es die Umstände erlaubten, nahm dei- Schütze die Büchse in beide 
Hände, um besser zielen und treffen zu können, hielt sie frei vor sich 
hin und Hess sie durch einen Geliülleu al)feuern. Hrst gegen Ende des 
15. Jahrhunderts, als man antiug. der Handröhre von mehr als drei- 
löthigem Caliber auch im Feldkrieg sich zu bedienen, kamen für die 
grösseren derselben, die von 3 Mann gehaudliabt \\iii'd(Mi, tragbare 
Schrägen in Gebrauch, und für die kleineren mir einen Mann erfordern- 
den, erst im dritten Jahrzehend des Ifi. Jahrhunderts dii' Gabelstützen, ') 
die, so \iel man weiss, zuerst 1521 von den Spaniern in ItaHen bei 
ihren langen Musketen geführt wurden. 1364 soll in Perugia eine 
solche gefertigt worden sein, womit umn (ünen starken Harnisch durch- 
schiessen konnte. In Augsburg wurden 1381 Schützen mit Handbüchsen 



i) Anzeiger liir Kunde d. d. Vorzeiten IHtiH. S. 174. 



50 

bewaffnet, und im Hiissitenkric^^ kommen (1423) bereits Musketiere vor. 
Doch war bis zum Ende des XVI. .Jalirhuiidcrts das Feiiergewidir nicht 
so praktiscli geworden, dass man Bogen und Armbrust hätte V(dlstän- 
dig ablegen können. > 

Dieses ergibt sicli ganz, deutlich aus den Burgfrieden. Während 
der Burgfriede von Nassau von 1344 noch nichts von Geschützen be- 
bemerkt, und die Limburger Chronik bei Besprechung dei- Fehde Kup- 
rechts des Streitbaren mit Johann von Nassau-Dillenburg I;')7l! nur von 
Bilden spricht, mit denen Kupreclit von der Burg auf die Kirche und 
Thal /AI Nassau werfen licss, wie gleichfalls in den übrigen Burgfrieden 
Nassaus aus dem genannten dahrhundert keine Geschütze genannt 
werden, kommen in dem Nassauer Burgfrieden von 1414 nebst Arm- 
brusten und Gezeug auch Büchsen voi-, für deren Besorgung der Bau- 
meister zu sorgen tiabe. So werden auch im Burgfrieden von 1525 
noch „Harnisch, Armbrost und (iezeug'^ neben Büchsen aufgeführt. 
Ebenso werden im Burgfrieden von Diez und Camberg von 1420 
und 1456 Büchsen. Armbrost und Gezeug erwähnt. Genauer nennt dei- 
Burgfriede von Butzbach von 1438 die verschiedenen Büchsen und 
Pulver, indem er sagt, dass die beiden Gemeiner der Buig (Epp- 
stein-Königstein und Eppstein-Müntzeidjerg) auf der Buig haben sollen 
„zwantzig Hantbossen (Handbüchsen), zwei kamerpossen (Kanouen) zehn 
Armbrosten, ein Donne poluers, vier Tausend pile, ein Zentner pleis." 
Der Burgfriede von Reifenberg von 1405 erhält bereits die Bestimmung, 
dass der Baumeister mit einem Büchsenmeister einen Vertrag schliessen 
kann. In dem Burgfrieden der Festen Limburg, Brechen und Mols- 
berg von 1436 zwischen Trier und Hessen ist auf den Fall eines Besess, 
d. h. einer Belagerung, von der Bestellung der Burgen mit Reisigen 
und Geschütz die Rede. 

Von den Vertheidigungswerkzeugen gehen wir zu der Mann- 
schaft über, welcher der Schutz der Burg anvertraut war. 
Wohnte die Familie, der dieselbe gehörte, auf der Burg, so kam 
es ihr natürlich zunächst zu, die Vertheidigung zu führen; war diese 
aber eine mächtige, die Burg Landesfeste oder von grossem Umfange, 
so hatte sie in der älteren Zeit eine ständige Besatzung, die freilicli 
nur aus geringer Mannschaft bestand. Die 7 Landesburgen des Erzstifts 
Trier hatten um 1200 nicht 50 Mann zusammen; Ehrenbreitstein, wel- 
ches dazu gehörte, hatte 4 Thurmknechte, 4 Wächter (wozu noch 2 
nicht daselbst wohnende kamen), 1 Pförtner, 1 Eseltreiber mit 4 Eseln •)• 
Später finden sich unter dem Befehl eiues in Lehnspflicht des Herrn 
stehenden Burggrafen-) oder Amtmann eine grössere oder kleinere 



1) Eltester, I. c. ]). XL. VII.- -^l l'-urggraf hiess dor Vasall, wenn zu der 
Burg, die er als Lehen emi>fing, eine Üesitzung mit hoher Geriolitsbark.nt ge- 
hörte, wobei dann derselbe für den Unterhalt der Besatzung. Wä. htcr. Thurm- 



60 

Anzahl von Biircfniannen (cafifrcnses), d. h. Personen, meist vom nie- 
deren Adel, welch.' gegen ein vom Herrn der Burg ihnen eingeräumtes 
Burgleiien U'duluin castreiisc), das gewöhnlieh in einem kleinen Hause 
(Quartier, niatisiü in der Mittel- oder Vorburg) mit einigen Grundstücken 
oder in einer auf einen Hof oder Gefälle angewiesenen Rente, oder auch 
in einer runden etwa bis zur Abtragung zu verzinsenden Summe be- 
stand, häutig so, dass der Dienstmann sich für diese Summe eine ewige 
Rente verschallen und diese dann dem Herrn als Burglehen auftragen 
musste, — dauernd oder zeitlich die Verptiichtung übernahmen, bei der 
Vertheidigung mitzuwirken, so oft sie dazu von dem Herrn aufgefordert 
wurden, wobei sie sich allen Anordnungen zu unterwerfen hatten, so 
lange ihr Aufenthalt in der Burg dauerte. Als die Burglehen aufkamen. 
war zwar die Kegel, dass die Burgmannen in der Burg „sitzen" muss- 
ten, während später viele nur in der Zeit chn- Gefahr auf (ielieiss „ein- 
zufahren" schuldig waren. 

Zuweilen waren Ministerialen für ilir Lehen vier Wochen der 
Reihe nach auf eigene Kosten, Vasallen nur in Kriegszeiten sechs Wociien 
auf der Burg zu dienen verpflichtet. So war es früher sogar gewölin- 
lich; denn als das Lehnswesen aufkam, welches ganz auf den von den 
Vasallen und ihrem Gefolge zu leistenden Kriegsdienste berechnet war, 
fand noch kein Unterschied zwischen Feld- und Burgdienst statt, wess- 
halb die longobardischen Lehnreclite auch von besonderen Burglehen 
nichts wissen. Jeder Vasall war und blieb auch später ebenso verpflich- 
tet, seinem Herrn zu Heereszügen, zum Angriff fester Orte zu folgen, 
als seine Festen zu vertheidigen. 

Bei Errichtung eines Burglehens findet sich noch die Verschieden- 
heit, dass ein Burgraann sich entw^eder im Allgemeinen zum Burgdienste 
ohne alle Ausnahme verpflichtete, also in jeder Burg seines Henn auf 
Erfordern sich stellen und solche, auch gegen jeden Feind, vertheidigen 
helfen musste, oder dass seine Verpflichtung nur auf eine oder einige 
in den Lehensbriefen namentlich bestimmte Burgen seines Herrn einge- 
schränkt war, und er in andere nicht gefordert werden konnte; aber 
auch in jene nicht, wenn sie von einem Feinde bedroht waren, gegen 
den er nicht dienen zu müssen sich ausdrücklich vorbehalten hatte. 
Umgekehrt machte sich wohl auch ein Burgmann zum Dienst genannter 
Feinde verbindlich, so dass also die Bestallung zum Burgmann zugleicli 



und Thonvärter zu sorgen hatten, natürlich ;iber dem Landesherrn ilie Burg 
zu jeder Zeit zu öffnen und wie ein feuänm ligium gegen Jedermann zu 
vertheidigen hatte. Der Amtmann wurde entweder auf Widerruf oder erb- 
lich zur Burghut gesetzt, welcher mit den Burgeinkünften und einer Besol- 
dung oder aus einem ihm dazu angewiesenen Lehngut die Wächter, Thürmer 
und Pförtner zu unterhalten hatte. Vergl. Anhang No. 4. 



61 

ein Anfjriffsbund war. Ausser dem Bnrfrlelien genossen die Bur^rmannen 
noch besondere Rechte. ^) Neben den Burj>]naiiiien kommt zur Zeit der 
Fehde oft noch eine kleine (Jaiiiison \oy iiniei- dem Namen der hospiies, 
weil sie eiiKpiartiert waren und so von der ständig<'n Burjjhut, der Burg- 
manuschaft iiuterscliieden wird. Kndlicli finden sich als stehende, fest 
besoldete Hurghüter allenthalben vor: Thurmknechte und Wächter, Pfört- 
ner, Kellner u. s. vv. Da die Besatzung gewöhnlich klein war, so musste 
sie um so besser mit Schiessbedarf und anderem Zeug versehen sein, 
um einer Belagerung widerstehen zu können. 

Die Kostspieligkeit des Burgbaues, die häufige Zerstörung der 
Burgen, der Mangel an hinlänglicher Vertheidigung, oft schon die lehens- 
weise Uebertragung der Burghut an mehrere Dienstmannen, endlich die 
Verhinderung durch den mächtigcn'en Landeslierrn, voi-ab, wenn die Burg, 
welche aufgeschlagen werden sollte, ihnen und ihrem Lande gefährlich 
werden konnte. I'üh)t(> zu dem Institute der gemeinschaftlichen Burgen 
oder der anerbschaften. Die Ganerben oder Gemeinen waren 
eine Gesellschaft von Eigentiiümern, die eine Burg gemeinschaftlich un- 
terhielten und zu ihrem Schutze gebrauchten. Die Ganerbschaft grün- 
dete sich eutweik'r auf gemeinschaftliche Abstammung, auch wohl Mit- 
belehnung, und mit ihr waren gewisse, mehr oder weniger ausgedehnte 
Rigenthumsrechte an dei- Hurg und ihrem Zugehör , also auch durch 
Verträge oder Herkommen bestimmte Nutzungsrechte und ein näheres 
oder entfernteres Erbfolgei-echt verknüpft. Oder sie beruhte auf Gesell- 
schafts- oder Societätsverträg(ni , wie sie besonders in den Zeiten der 
Fehden und des Faustrechts aufkamen. Dann hatten sie, wie die Kitter- 
gesellschaften , die Verbindung der Kräfte Einzelner gegen gemeinsame 
Feinde zum Zweck, also Vertheidigung der ganerbschaftlichen Burg, die 
zugleich Stützpunct für jeden beim Angriff und liückzug war. Nebenbei 
sollte diese Verbindung den Fiieden erhalten , Feindseligkeiten zwischen 
den Verbündeten selbst verhüten. Entstand Streit, so musste solcher 
vor den Ganerben oder einem Ausschuss derselben ausgetragen werden. -) 
Nöthigenfalls trat Zwang gegen den ein, der sich dem Ausspruch der 
Schiedsrichter nicht unterwerfen wollte. Von Miteigenthum an der 
Burg war nur dann die Bede, wenn es Ganerben der ersten Art waren. 
Die Kechte der Uebrigen beschränkten sich auf die Benutzung der Burg, 
wofür sie zu den Kosten der Unterhaltung und Bewachung beitragen 
raussten. 

Besonders war man bei Landestheilungen darauf bedacht, sich 
durch Beibeheltung des Miteigenthums der Burgen, vor allem der Stamm- 
burg ein desto gewisseres Benutzungsrecht zu erhalten. Zugänge, Mau- 



i) Siehe Anhang Nr. 5. — 2) Wie genau man es mit dem Einhalten der einge- 
gangenen Veriiflichtungen nahm, zeigt Anhang Nr. G. 



62 

Mauern, Thore, Thüren, Brunnen blieben in Gemeinschaft , wurden in Ge- 
raeinschaft unterhalten, und ebenso Pforten und Thürme gemeinschaft- 
lich besetzt. Andere Einrichtungen konnte jeder nach Belieben auf dem 
ihm zugefallenen Theil des Burgraums vornehmen, solchen auch be- 
bauen, ohne jedoch dem Thurm zu nahe zu kommen, die Zugänge dazu 
zu versperren, oder die anderen Theilhaber zu überbauen, d. h. höher 
als diese zubauen So bestimmten 1343 der Erzbischof Walram von Cöln 
und die Grafen Heinrich und Otto von Nassau in einem Vertrag über 
die Burg zu Siegen, dass dieselbe in zwei Theile getheilt werde, dass 
aber der Thurm , der Pütz (Ziehbrunnen) , die Porten und der Platz 
mitten in der Burg nebst dem Hain um dieselbe beiden geraeinsam 
sein sollen; keiner soll aber den andern überbauen, und wenn einem 
ein Theil seines Mauerwerkes einfiele, so solle es in derselben Höhe 
wieder hergestellt werden. In gleicher Weise bestiramte der Einthei- 
lungsbrief der Burg Nassau zwischen den beiden Linien von 1349 : Alle 
Wege zu der Burg sollen gemeinsam sein, und Keiner darf ohne der 
andern Willen einen neuen Weg machen; dasselbe gilt von der Porte; 
die zwei Thürme, von denen der eine später gebaut war, sollen sämrat- 
lich besetzt werden ; Keiner soll dem Thurm bei 8 Schuhen nahe bauen 
und was etwa gebaut ist, soll abgebrochen werden. Die Wege in der 
Burg von einem Thurm zura andern sollen geraeinsara sein; keiner soll 
sie verbauen, oder einen „Ueberhang" machen. Die Kapelle, ,dy uff der 
Pforten stet" , und der Platz und der Brunnen sollen beiden geraein 
sein ; auch soll keiner den andern überbauen höher als das Muss- 
haus ist. 1) 

Bevor wir auf den Burgfrieden übergehen, raöge noch des Oeff- 
nungsrechtes und des Enth altes Erwähnung geschehen. Unter 
jenen versteht man die Befugniss, von dem Eigenthüraer oder Besitzer 
zu fordern, dass er dem Berechtigten den Einzug in seine Burg mit 
bewaffneter Mannschaflft, es sei zum Angriff oder sicheren Rückzug, oder 
zur Vertheidigung gegen einen Feind, gestatte. Dieses Recht beruhte 
auf besonderen Verträgen, daher es verschieden bestimmt war. Als die 
Grafen von Laurenburg 1158, um sich wegen ihrer neuerbauten Burg 
Nassau ganz sicher zu stellen, solche dem Erzstifte Trier zum Lehen 
auftrugen, ward von dem Erzbischof Hillius ausbedungen: y,ut omni 
tempore, otnnibus necessitatibus nostris, contra omnes honiines, nohis 
et successoribus nostris — idem castrum libere — ita tarnen, quod de 
feodo suo nihil amitterent, pateret — castri custodes nobis fidelitatem 
facerent, et — locum in Castro ad edificandum nobis domum et capellam 
retinuimiis^ Hier ist das Oeffnungsrecht dauernd; es kann in allen 
Kriegsnöthen, gegen jeden Feind, doch ohne Nachtheil der Besitzer, gefordert 



>) Nach den Urkunden im Idstciner Archiv 



63 

wevdon , und die Burgwächter mussten dem Erzbischof sich verpflich- 
ten. Besonders suclitcn die L:ind(!sherrn das Oettnungsreclit in den Bur- 
gen des niederen Adels zu gewinnen. So z. B. verschafften sich die 
Grafen von IMez (his Oeftnungsrecht auf der Burg Holenteis von denen 
von Langenau. In der Urkunde vom 12. Dez. 13G3 verpflichten sich 
letztere dem Grafen von Diez mit ihrem Schlosse Holenfels zu „warten", 
also daz iz yr utfin Bus sin sal, sich dar vz vnd daryn zcu behelifen, 
zue allen yren noden widm- allirrn(Milichen'', nahmen aber dabei die Gra- 
fen von Nassau und den I^zbisciiof von Mainz aus. So öflneten 1373 
(Se|)t. 22) die von Stockheim und Heinrich von Seibach dem Grafen 
Joiiann von Nassau ihr Haus zu Stockheim zu gleichem Zwecke. Noch 
ausgedehnter war das lleclit, welclies 1452 Gr. Johann IV. von Nassau 
dem Franko von Cronenberg in seinen Theilen zu Camberg, Altenweilnau 
und VV(;hrheini und in allen Dörfern und Gerichten gewährt und zwar 
so, dass sie darin „Herberge, leger vnd Kuwefuder vnd Folge haben, 
heyssen vnd gebieten zo allen yei'en noeden vnd gescheftcm, von allen 
den die darynne gesesseji sin vnd dair ynne gehoiren, vnd sich darynne 
vnd uyss behelfen geen alre menlichen uyssgescheiden vns selbs vnd die 
anderen heren die teyle vnd gemeinde an slossen hauen, vnd auch die 
heren, den wir mit manschaften verbonden sin. Es sal auch — 
Franke sich allen' weide, wasser, vveyde vnd wiltbenne zo den slossen 
gehoiendo gebruclien mit gegagitz (jagen) weydewerg vnd fysclieryen so 
dicke vnd vile yne des Euen (gelegen) ist — Wers auch .sache, daz 
Franke ■ sich der slosse gebruchen wurde, so sali man ine feylen Kauft" 
geben als vns". Gewiss eine weite Ausdehnung des Oeftnungsrechts, 
wie es wohl selten vorkam ! 

Mntlialt, von enthalten, zur Beschützung aufnehmen, jemand 
eine sichere Zuflucht gewäliren, ist eine Art vonOefthung einer Burg, die mehr 
auf einen einzehn'n 1^'all geht, also kein fortwährendes Kecht verlieh, wie es 
meist bei einer vertragsmässigen Oetthung der Fall war. Er beruhte eigent- 
lich auf einem Miethscontract, durch welchen der Besitzer einer Burg den Ge- 
brauch (lei'selben, gewöluilich gegen eine Miethe. Enthaltsgeld, demjenigen ge- 
stattete, der in Zeiten der Gefahr seine eigene nicht erreichen konnte 
und in der Fremde eine Zuflucht suchte, oder auch, weil ihm die Burg 
seines Freundes gelegener war, um daraus einem Feind, mit dem er in 
Fehde stand, zu schaden. In dem zwischen den zwei Hauptstämmen des 
nassauischen Hauses 1414 errichteten BurglVieden wird wegen des Ent- 
haltes festgesetzt : , wers sache, daz wir die Gemeynere yemant in unsren 
gemeynen Slosse und Burgfrieden inthalden wuld<Mi , welcher dat erste 
enthalten geld gibt, der enthalt sal macht und Vurganck haben. — Oh 
ein furste also enthalden wurde, der sal geben anderthalb hundert gülden 
und ses gude armbrost, vnd sal ses gude gewapnete mit hämisch vflF 
syne Kost in das gemeyne schloss legen, dat schloss vnd den burgfrie- 



64 

den helffen schirmen vnd behuden, als lange daran noit were. Ein Graff 

sal geben hundert gülden vnd drey armbrost, ein herre virtzig giilden 

vnd zwei gude armbrost, ein Kitter oder Knecht ses gülden vnd ein 

gut armbrost vnd eine Stad sal geben vnd thun als vill als ein Fürst, 

vnd die armbrost alle sale igliclier vier gülden wert svn, vnd wer 

enthalten werdet, der sal geben den portenern vnd tornknechten ein 

gülden /,(> gezeugniss des Enthalts. — Der bawmeister, der das Entlmlde 

gelt empfangen hatt, sal dat dem andern gemeyner verkündigen, vff 

dat anders yniaud dawidder enthalden wurde dan dat erste betrecht- 

nusse sal vorgöne. Vnd das geld das also empfangen wurde dat sal 

kommen vnd angelegt werden zu dem gemeynen baw oder noitturff' 

vnssers slosses; wer enthalden werde, sal den burgfriedeu schweren. 

Wer also inthalden werde, griffe der den glienen wieder dener inthalden 

were nicht an, odir beschedigte yu oder das syne nicht bynnen des Jairs 

Frist uss dem Slosse mit Brande odir mit Name, so sulde sin Enthalt 

uss sin." Dieselben Bestimmungen enthält auch der Burgfriede von Diez 

und Camberg von 1420. Auf der Burg zu Butzbach 1438 sollte 

ein Fürst 200 fl., vier Armbruste und ebenso viele gewappnete Knechte 

auf die Dauer des Enthaltes geben; ein Grat oder ein Herr 100 fl., zwei 

Armbruste und zwei gewappnete Knechte; ein Edelmann 50 fl., eine 

Armbrust und einen gewappneten Knecht. Die Knechte sollen aber alle 

^glaubhaftig" sein Die Städte wurden den Fürsten gleichgelialten ; der 

Werth der Armbrust auch 4 fl. , den Pörtnern und Thornknechten sollen 

3 fl. gegeben werden. Die übrigen Bestimmungen sind denen der Burg 

Nassau gleich. Auf Reifenberg 1405 sollte der Fürst 150 fl. und 

20 fl. für 6 Armbruste zuvor geben und 4 glaubhaftige, wohlgerüstete 

Mannen auf seine Kosten schicken, während auf Hatstein 1468 ein 

Kurfürst nur 50 fl., 4 Armbrust und 4 Gewappnete, ein Graf und Herr 

25 fl., 2 Armbrust und 2 gewappnete Knechte, ein Kitter 8 fl., eine 

Armbrust und einen Knecht geben sollte; ebenso ein Edelmann; der 

Fürst zahlte den Pörtnern und Thorenknechten 4 fl. 



3) Der Burgfriede. 
Das Wort Burgfriede wurde in doppelter Bedeutung gebraucht. 
Einmal waren es Verträge zwischen gemeinschaftlichen Besitzern einer 
Burg zn dem Zwecke: 1) denselben in Kriegszeiten darin persönliche 
Aufnahme und Schutz zu gewähren; 2) zur Unterhaltung undArrairung 
der Burg beizutragen; 3) zu deren Vertheidung mitzuwirken. Sodann 
hatte das Wort auch eine örtliche Bedeutung, wornach es den Bezirk 
bezeichnet, innerhalb welchem die Verträge der Bundesgenossen mass- 
gebend waren. Die Burgfrieden, nachweisbar bis zum Anfang des XIII. 



65 

Jahihiindeitrf. l)e/,w('ckten also die Erlialtung des Friedens in der Burg 
und in deren Umfang. 

In allen Burgfriodensurkunden wird zuvörderst der um die Burg 
herumliegende grössere oder kleinere Bezirk bestimmt, der als Zugehör 
gelten und wie die Burg in CJemeinschaft bleiben soll. Wie wichtig 
diese Bestim)nung(Mi zugleich für die specielle Topographie des Landes 
sind, möge man aus einigen Beispielen ersehen! Der Burgfriede von 
Nassau (14l4j soll angehen, „an dem gehawen stein bei hoUderucke *) 
vnd also vber layn ''^) den berg vss, alss nassawer vnd Arnsteiner marck 
zu häuft" ■') stossend, vnd so rieht ^) vber das fehl, an den born zu 
Bubenborn ■'), den siegen ") in biss in die meilen, vnd die meilen vjff 
biss in die (Jrauen marck, da sie wendet die marck all innen biss in 
das bechelchen dat vor dem Wissinfelts hien flisset, dat bechelein vss 
biss ahn Sultzbachei- kirchweg vnd vmb das Dorft" zu Sultzbach 
bis an den weg der zu die Forste '') geht, vnd vor den heslen '^) hin 
biss an den Born zu Much '•'), da den berg hien biss zu Eynode i") vber 
lahn, vnd da den berg vss biss an den Weingarten alss Nassawer vnd 
Dassnawer Marcke zu häuft" stosset, vnd zu Humberg ^^) vmmen das 
dorft", vnd binden dem dorft" hin biss an den weg der da geht zu 
Ködingen i-) biss an die Marcke zu Nassawe, die Marcke umb biss an 
den Bielstein, von dem Bielstein her widder in biss an den gehawen 
stein." Der Burgfriede von Kirberg zwischen Nassau und Diez 1368 
abgeschlossen, soll soweit gehen „als vnser gemeyne geiichte geent die zu 
Kirchperg gehorent bit namen Bubinhein, Aren (Ohren), Sindersbach, 
Heringen vnd auch Heringen, Nuhem vnde Nestebach vnd als wyt als 
derselben Slosse vnd Dorfer Gerichte vnd Marken geent." Der von 
Hadamar, 1405 zwischen Nassau und Catzenelnbogen, soll angehen 
„von Hadamar zu Schneppenhussen, zu als der Padt oben die Hornbach '^) 
gehet vnd die Hornbach vort jn biss jn die Elbe vnd durch die Elbe 
biss zum Kode '^), von dem Kode den grundt aus biss vft' den weg der 
von Obernzeutzheimb gehn Fuelbach gehet, den weg vort auss biss gehn 
Nider Albach ^■') da man vber den Farth reydet, den grundt volln abe 
biss vft' die Elbe biss ahn das Limburger Pedtgin zwueschen der Muelen 
vnd Niedernhadamar , hinder demselben Dorft" den Weg aus biss wider 



1) Hof Hollerich bei dem Dorfe Seibach. — 2) d. Lahn. — ») zusammen; — 
4) grade. — ■>) ein Hof in der Gemarkung Singhofen. — ß) der ältere Burg- 
frieden von 1344 hat: „den suegyn in, byz in dieMelin" — ?. — ') In dem gen. 
Burgfrieden: „weg der von S. zu der Hoirst get." — «) Hessein. — ») Hof in 
der Gemarkung von Daussenau. — 1«) früher „Eynnerde". — n) Hoynberg, jetzt 
Hömberg. — i^) Ködingen, ein schon vor 1561 ausgegangenes Dorf. — 's) jetzt 
das Forellen-Bächelchen. — ») das Röderfeld hinter dem (früheren) Eisen- 
hammer. — 1") der Ahlbacher Hof. 

5 



C6 

zu Snei)penhauseu; vnd soll das dorff Niederhadamar bliben jn der 
lincken handt." Der von Diez, abgeschlossen 1420 zwischen Nassau 
und Eppstein, soll angehen ,in der Heystenbach, vnder Jorges wiher. 
dy slenck vss , obin an saute Katherinen wyngarten hin, siechte vbir 
daz feit, vss mit zu deme Katzinsteyn tzu, vnde vort von demKatzen- 
steyn, mit off die Lane , vnd vort die rechte lane vss , mit vnder Dir- 
steynre steyne, vnd vorter von deme Steyne hin vnder des Feren huys 
vnd vnder Dirsteynre hain den rechten weg vss off Schiltwyns wiese 
hin, den rechten weg, mit zu deme Slage zu Friendietz zu, hinder sente 
Jacobs Kirchen, vnd da hin obir Heinrichs stucke von Nassauwe siecht 
zu zaylbach fürt zu vnd vorter von deme Fürte den rechten weg zu 
deme Sleeffir zu, vnde also vmb dy wyngarte dy an deme Sleffir ligent, 
bit ubir daz groisse stucke, daz den Greben von Dietze ist, vnd vort, 
ubir den weg der von Dietz gein Birlebach geit, mit off der Hern 
hultzgiu an deme Forste, vnd vorter von deme hultzgin mit off die 
leye da der Hern hultze windet, vnd von der leye mit oft" die Lane vnd 
also die Lane, ynnen mit an den wassersteyn, vnd also von deme wasser- 
steyn, die Lane ynnen myt in dye Heynbach vnd vort die Heynbach vss 
mit oft" daz hoeste, vnd vorter die Slichte vss vber den weg, der von 
Dietze gein Aldendietze geit, vnd da vorter siechte vber daz feit wieder 
zu Jorges wiher zu mit yn dy Hestenbach. " Doch nicht immer war 
der Bezirk so ausgedehnt und so genau angegeben. In Driedorff" (1398) 
sollte der Burgfrieden sein und wenden, „als wit als Dredorf Burg vnd 
Stat vnd das Kirspil ist." In dem Burgfrieden von Bydenkop, zwi- 
schen Hessen und den Kittern von Breidenbach von 1428 heisst es, 
dass derselbe , gehen, weren vnd wenden sal vft' alle syten von der Burg 
vnd Stadmuren dry morgen lang ^). In dem von Winstein in der 
Pfalz von L399, derselbe solle angehen an der Burg und von derselben 
zu allen Orten, „vmb vnd vmb als wiet vnd als verre als man von 
derselben bürg an geschiessen mag mit zweyn schiessen mit eyme guden 
stereift" armbrost* ; in dem von \V ollste in von 1379, der Burgfriede 
soll gehen „als wit vnd als verre als ein gut gurtel Armbrust von der 
Kingmuren der Festin von vnd vm geschiessen vnd gereichen mag" : 
in dem von 1432 derselben Burg, „als wydt, als man mit eyme arm- 
bruste, das man vngeuerlich an dem beyne gespannen kann, geschiessen 
mag*. Ebenso lautet die Bestimmung in dem Burgfrieden von Drachen- 
fels in der Pfalz. 

Sodann enthalten die meisten Verträge über Burgfrieden die 
Aufstellung eines oder zweier Baumeister. Bei Ganerbschaften 



1) Baur Hess. Urk. IV. 103, 113 Die übrigen nach den Originalen im Idsteiner 
Archiv. Interessant ist der Burgfriede der Burg Stein bei Nassau, der inner- 
halb des Bezirks des Burgfriedens von Nassau lag, vergl. Anhang No. 7. 



67 

wechselte dieses Amt jährlich. In Nassau ging es an und aus 
auf St. Gallustag; der abgehende musste an diesem Tage „redlich" 
Rechnung ablegen, „ob er anders zu Notturfft des Schlosses icht (etwas) 
angelegt, verbawet oder vssgegeben hatte". Dazu sollten die Ganerben 
kommen oder einen Bevollmächtigten schicken; der Baumeister wählt 
sich seinen Nachfolger, der es nicht ablehnen soll. Jeder Ganerbe zahlt 
jährlich dem Baumeister 15 fl. „zu gemeinem baw an schloss und burgh 
zu verbauen". Ist es nothwendig, dass mehr verbaut werde, so soll das 
von einem besondern Uebereinkommen abhängen. Im Falle dass man 
ein „Beiesten" (Belagerung) zu besorgen hätte, so soll der Baumeister 
auffordern zur Vertheidigung und zwar soll jeder drei gute gewappnete 
mit Harnisch, Armbrust und Gezeug auf seine Kosten schicken, die 
dort bleiben, solange es Noth ist. Wenn einer dem nicht nachkäme 
so hatte der Baumeister auf dessen Kosten für die verlangte Anzahl 
Gewappneter zu sorgen. Ebenso hatte der Baumeister für Büchsen, 
Armbruste und Gezeug durch Kauf zu sorgen und die Kosten zu ver- 
theilen. Bezahlte einer seinen Theil nicht, so soll der Baumeister es 
lehnen von Juden oder Christen auf dessen Schaden. Bezahlte er auch 
dann nicht, so soll man ihn nicht in die Burg lassen, biss er gezahlt 
hat. Geschieht einem von dem andern Schaden an Heu, Stroh oder 
andern Sachen, so soll der andere das wiederabsetzen nach Erkenntniss 
des Baumeisters. Hat ein Baumeister seine Rechnung gethan und einen 
neuen unter den Ganerben gewählt, so hat dieser für die Erledigung 
der rückständigen Bauschulden zu sorgen. 

Ebenso wechselte das Baumeisteramt in Diez und Camberg zwischen 
Nassau und Eppstein ; es begann mit Martini, jeder Tlieil bezahlte 
demselben 20 fl. zum Bau: das Uebrige dem von Nassau gleich. Der 
Baumeister auf der Burg zu Butzbach hatte noch das Recht sich einen 
Unterbaumeister zu bestellen, im Gegensatz zu welchen er der oberste 
hiess. Auf Reifenberg, deren Ganerbschaft eine der mächtigsten und 
zahlreichsten war, bestand zunächst ein Ausschuss von fünf, die für 
alles sorgen sollten, was nothwendig wäre. Diese fünf wählten alle 
Jahre zwei Baumeister, denen jeder der Ganerben das Baugeld, jährlich 
nicht über 10 11. schicken sollten. Später (1456) kamen zu den fünf 
noch drei Gekorene, ohne deren Zustimmung die Baumeister keinen Bau 
unternelimen durften. Auf Befehl der Baumeister mussten hier die 
Untersassen im Thal Frohndienste thun imd Wache halten. Jeder, 
der dorthin zog, musste ihnen schwören von den Ganerben wegen treu 
und hold zu sein. Ohne ihr Geheiss durfte Niemand auf das Thor, 
Bollwerk, Graben oder in den Hain gehen ausser den Ganerben. Das8 
sie mit dem Büchsenmeister Vertrag scliessen können, ist schon erwähnt. 
Auch auf Hattstein waren zwei Baumeister aus den Ganerben jähr- 
lich gewählt, welche hier, wie anderwärts, die Streitigkeiten zu schlich- 



68 

ten hatt^^n. Zugleich wurden aber aus und von den Ganerben noch 
vier gekoren, die mit ihnen des Schlosses Nothdurft besorgen sollten. 
Die Baumeister setzten auch hier wieder Unterbaumeister, die beständig 
auf der Burg blieben, ebenso nahmen sie einen als Ganerben auf im 
Namen der Uebrigen. In den Hattsteiuer Burgfrieden kommt noch eine 
neue Bestimmung hinzu: Baumeister und Ganerben setzten einen zum 
Burggrafen ein. So wurde 1473 an Stelle des verstorbenen Henne 
von Hattstein Phil, von Larspach als Burggraf aufgenommen und er- 
hielt jährlich SO Achtel Korn und 15 Achtel Hafer. Wollen die Gan- 
erben einen andern setzen, so sollen sie es ihm 1/4 Jahr vorher melden : 
ebenso umgekehrt, wenn er nicht mehr will. Auf dt-r Burg Falkenstein 
in der Pfalz ward auch für einen gewissen Proviant gesorgt, über den 
der Baumeister die Aufsicht hatte. 

Drittens enthalten die Burgfrieden Bestimmungen über Sclüich- 
tung von Streitigkeiten zw'ischen den Ganerben und ihren Leuten. In 
dem von Nassau heisst es: Wenn zwischen den Gemeinern, ihren Amt- 
leuten oder , gebroder dienern (famuli domestici v. Halt. s. v.) eynicht 
missel oder zweyung binnen disem Burgfrieden entstehe, wäre es mit 
Worten , dauou soll vnser iglicher den andern richten vnd Körung 
thun nach erkenntnuss des Bawmeisters oder seiner Stellvertreter. Slüge 
Einer den andern woint (wund), dat nit ein Misselwunde (gefährliche 
Wunde v. Halt.) were, der soll dem bawmeister der gemeyn wegen fünf 
gülden dauor zur Besserung geben, ob anders der gemeyn dem oder der 
knecht oder gesinde dat geschehen were, yn dat nit erlassen wolt. Slüge 
aber einer dem andern eine misselwonde, so sol der dat gethan halt, 
demj ebnen, dem dat geschehen were, 25 ti. zu Besserung geben vnd daz 
fürbass bessern nach Erkenntniss bes bawmeisters. Wenn der, der also 
Misselwonde gethan hatt, die Besserung nit thäte, so soll er in allen 
vnsern Slossen landen vnd gebieden kein geleide haben, vnd sollen wir 
alle vnd vnser iglicher vnser Erben, vnser Amptlude nach deme oder 
die, die also die Misselwonde gethan hatten, vnd nit bessern wol- 
ten, ernstlich vnd heftelich stän. vnd yn gen Nassaw in gefängniss 
legen alss lang biss er die besserung gethan hat. Slüge aber einer den 
andern doit, von dem sol man richten als sich dat geheischet ist , es were 
dan, dat dei-, der den doitschlag gethan hatt, mit erbaren redlicher Kunt- 
schafft zubrechte vnd bewisse, dat er zu leibs werung gedrongen were, 
so stunde es dan an des bawmeisters vnd der gemeyn gnade. Verbrech 
aber ein Bawmeister selber, oder die seyne, dat sol dan stehen an dem 
bawmeister der vor yme war." Der Burgfriede von Butzbach bestimmte 
in dieser Hinsicht: bei Streitigkeiten solle Keiner, der darzu käme, 
dem andern helfen, sondern die Streitenden zu scheiden und den Schul- 
digen in den Tliurni zu bringen suchen, bis dieser Genugthuung ge- 
geben, und wenn Kläger und Verklagter sich nicht verständigten, so 



69 

solle der von den Ganerben als Obermann gesetzte Hene Brendel von 
Hoemberg ein „freuntlicli Recht" darüber sprechen. Schlüge einer den 
andern todt, so solle jener in das Gefängniss gesetzt werden, bis er 
ihnen und den Verwandten des Erschlagenen nach Recht genuggethan, 
falls er Gnade gefunden. Wer des Andern Leute mit einem Messer 
oder andern Waffen angreife, der solle ein Vierteljahr die Burg meiden. 
Der Todtschläger solle sein Theil an Butzbach verlieren , bis er zu 
„Rechtunge vnd busse" gekommen ist. In dem Burgfrieden von Hada- 
mar und Driedorf von 1405 ist bestimmt, dass keiner den andern in- 
nerhalb des Bezirks schädigen oder drängen soll an Leib und Gut oder 
Gesinde. Bei Streitigkeiten zwischen den Amtleuten, Dienern oder den 
Ihrigen — „das doch mit syn sali" — , geschieht es mit Worten, so 
soll der Beleidigte es den Amtleuten klagen, die die Sache zum Verhör 
und Entscheidung zweien der ältesten Burgmannen übergeben. In glei- 
cher \\'eise sollen zwei Burgmänner entscheiden - bei Verwundungen, 
die keine Meisselwunden sind. Ist es eine Meisselwunde , so soll man 
dem Thäter die Hand abhauen, womit er es gethan. Schlüge aber 
einer den andern todt innerhalb des Burgfriedens , , von dem soll man 
richten, als sich das von Recht heyschet". Entkommt der Todtschläger, 
so soll er weder Frieden noch Geleit im Lande haben, und soll man 
nach dem bestem Vermögen nach ihm stehen, ihm sein Recht zu thun. 
War aber der Thäter zu dem Morde genöthigt, also ,Leibwehrung", so 
soll man von ihm eine „besserung" nehmen nach Gnaden nach Urtheil 
der zwei Burgmänner. Etwas anders lauten die Bestimmungen in dem 
Driedorfer Burgfrieden von 1398: Käme es zu „vtleufte, missehildunge 
ader zweiunge" zwischen den Besitzern, ihren Mannen, Burgmannen, 
Dienern. Knechten oder Gesinde, es seien „Paffen ader leyen" mit Wor- 
ten oder Werken inwendig des Burgfriedens, so sollen die zwei Ampt- 
leute und ein Burgmann binnen 14 Tagen die Sache beilegen; wer 
verurt heilt wird, soll binnen Monatsfrist es „kehren" oder unverzüglich 
in Wetzlar ein reiten und dort bleiben bis zur Erledigung der Sache. 
Wer das nicht hielte, sollte „truwelos vnd meyneidig" sein. 

Sodann ist in vielen Burgfrieden darauf Rücksicht genonmien, 
wie es im Falle des Verlustes der Burg gehalten w^erden soll. Der ge- 
nannte von Nassau von 1414 sagt darüber: wenn sie, die Ganerben, 
mehrere oder einer das „Schloss verlören oder „des entweldiget" würden, 
so sollen alle, einer dem andern, nach aUem Vermögen mit Leib und Gut 
getreulicli und ernstlich beholfen sein, das Schloss wiederzugewinnen, 
und keiner soll sich in sein Theil wieder einsetzen lassen , ohne dass 
auch die anderen ihre Theile wieder erhalten hätten. Wollte einer von 
ihnen den andern aus seinem Theile Verstössen, „dat Got verhüte", der 
sollte meineidig und treulos sein, und sollten die anderen jenem beistehen 
zu seinem Theile zu irelaneen. 



70 

In Bezug auf den Enthalt, von dem oben die Rede, wurde beson- 
ders ausgemacht, dass keiner ohne den andern Ganerben jemand auf- 
nehmen dürfe, ebenso nicht deren Feind. Bei Streitigkeiten untereinan- 
der sollte sich keiner von der Burg oder aus dessen Bezirk gegen den 
andern behelfen. Dann sollte, wie es in dem Burgfrieden von Driedorf 
(13yb) heisst, das Schloss und das dazu gehört „stille sitzen vnd mit 
den kryegern nit zuschaffen haben". 

Mannen und Burgmaunen, die in den Burgfrieden sitzen und wohn- 
haft waren und zu den Burgen gehörten, mussten den Burgfrieden be- 
schwören und ihn beschirmen helfen. Dafür sollten aber die Gemeiner 
sie bei ihren Freiheiten und allen ihren Rechten lassen und sie schirmen. 
Auch über die anderen eingesessenen Leute sprechen die Urkunden. So 
sagt der Burgfriede von Nassau: ,were auch eyneche Wirte, Schmidte 
Kremem oder Handwerksluthe oder die feile Kauff betten in den vor- 
genannten Delen gesessen, die vnss, vnsser Araptlude, den vnsern oder 
vmandts der von vnsertwegen in dissen burgfreden kerne, vfftrugen 
vnd borgeten vnd die nit bezalt wurde, die möchten vnsser iglicher oder 
die synen, die yme dan schuldig weren, dat kuntlich ist, an yre pande 
giiffen, vnd die pandt vor schultess vnd scheffen vff bieden vnd sie vor 
yre schuldt an geuerde versetzen oder verkaufen vnd sullen damidde 
gen vnser kein verbrochen han , dazu yme auch der bawmeister oder 
seine Amptlude sonderlich behülfflich syn sollen." In dem Burgfrieden 
von Hadamar und Driedorf (1405) heisst es in dieser Hinsicht: wenn 
die Herren, einer oder beide, oder ihre Amptleute in dem Bmgfrieden „zu 
Wirten , beckern , smiden, hantwerksluden oder andern, dy feilen kouff 
hetten, borgeten oder offtrügen, wilch zyt dan dy selben dy vns oder 
den vnsern also vffgetragen oder geborget hetten, ir gelt haben wolden, 
so sollen wir oder dy vnser sy dauone gütlich richten vnd betzalen an 
virtzog. Deten wir das nit, so mögen sy an vnser Pande griffen vnd 
dy da vor virsetzen, vnd sollen wir oder dy vnser das nit wehren." 
Ebenso lautet es in dem Burgfrieden von Ellar v. 1408. 

Wie wichtig diese Verträge gehalten wurden, geht aus den nähe- 
ren Bezeichnungen hervor, mit denen das Wort Burgfrieden versehen 
wurde. Bald heisst er ein „rechter" bald ein „guder, fester, steder, 
alter", bald ein „guder, alter", bald ein „ganzer, stracker, ewiger", 
bald ein „ganzer, stracker", bald ein guder steter und ewiger Burgfriede. 

Das Gesagte wird schliesslich aus folgenden Urkunden klar, die 
meist den Originalen im Idsteiner Archiv entnommen sind. 



71 

Anhang. 

1) Burgfriede vou Wiesbnden von 1337. 

Wir Yrmegard von Hoinloh, Grefinne zue Nassaw, Ruprecht, der 
vorgenanten Frawen Yrmegard Son, Gräfe zue Nassaw vndt Anne, sine 
eliche Frawe; Wir Adolff, Grefe zu Nassaw, Margrethe, sine eliche 
Frawe, Greuinnen daselbis , vnd Gerlach ihr eldeste Son , erkennen vns 
offenbar an diesem genwertigen Briefe vur Vnss vndt vnsserer Erben, vndt 
thun Kunt allen Luden, die ihn ansehendt, lesent oder horent lesen, 
das Wir nach getun rathe vnser Freunde einen Burgfrieden gemacht 
han zue Wiespaden, vndt han den in guten Truwen gelobt vnd zu den 
Heiligen geschworen vur vns vnd alle vnser Erben stete vnd veste zu 
halten. Der soll angehn an den fünft" Krutzen by dem Kalgburne, vndt 
hinder den Zunen vff hin über Hoben mit an den Burn, der da heiset 
Serhoben, vnd von dannen vber rydt, vndt von dannen mit ahn rode 
Burn, vnd von dannen vber den Lenberberg ahn Nuschelburn vndt von 
dannen da vmbehin mit an Buchburn, vndt von dannen ahn Godemars 
Wyse, vndt von dannen wider ahn die vorgenannten fünft' Krutze an 
deme Kalgbrunne, mit solichem Vndterscheidte , wers sache, das vfflauft" 
Mishel vnd Zweiunge zwischen vns mit Worten oder mit Wercken, 
vnsern Mannen, Burgmannen, Dienern, Knechten oder Gesinde, es syen 
Pfaffen oder Leyen, die itzundt sin oder hernach werden mögen, ge- 
schegen, von was sachen das were, ahne vmb erbehaftig Gut, inwendig 
des Burg friedens , da soll vnser Khein nicht zu thun, wir haben is 
dann erklaget vor den Fünff gemeinen Mannen die wir darvber samment- 
lich gekoren han, mit Namen hern Georgen von Lindaw, Rittern, Sicharden 
von Crampurg, Otten von Graenrode, Haussen von Ossinfurdt, Gerlach 
Godemar von Dudinhusen, Edilknechte, die sollen vns darvmbe richten 
vndt ende geben binnen viertzehn tagen darna allernehst, als sie das 
von vns oder besunder von deme, deme das noit ist, irmandt werden, 
vndt als die sache an sie bracht werdt, als dicke das nit geschieht, ane 
Geuerde. Wurden die gemeine Leuthe zweien, wan dan die meinste 
meinige vnder den fünften gefeilet vnd bestet, das soll macht han ohne 
Geuerde, vndt soUent ende geben darna binnen viertzehen tagen, aller- 
nehst bit ihren vffin Briefen, darane sollen wir sie fliesseliche manen, 
vndt sollen die Bruche keren vndt wandeln, wer das besaget wurdt von 
den fünften, oder von deme mehren theile binnen einem Mande darna 
allernehest, als sie ende gegeben haut. Vnd welcher das niten dedte 
vndt kehrte biimen einem Mande, als he besaget were, der solle zur 
stundt vnuerzogelichen affer deme Mande iureiden zue Mentze vndt 
darinnen bleiben vndt nit raus zue kommen , als lange bit he das ge- 
kerte vndt dedte, das he von den fünffen oder von deme mehren theil 
besaget werde, als dicke das noit geschiet an Geuerdte. Welcher vnser 



r^ 



als vbelthetig weie vndt das nit hielte undt dedte, als vorgescbrielien stet, 
der were truwelos vnd meineydig, vnd sinen magen veikorn. Auch ist 
me geret , obe eiu gemeine Mann oder zwene binnen den viertzehen Tagen 
darzu nit mögten kommen, von welchen sachen das were ahne Geuerde, 
so sollent die anderen dry darnach allernehst in den andern viertzehen 
tagen ende geben vnuerzogelichen , deme Kleger wiewol is vff die ander 
Syt^ oder Parthye nit geheyschen oder gefordert wurdte ahne Geuerde. 
Wers auch sache, das der vorgenannten gemeinen Mannen einer abe- 
ginge von dodes wegen, vf welchen vnser -syten das were, der soll einen 
andern darna allernehst binnen einem Mandte , ahn des abgegangenen 
Stadt setzen ahne Geuerde; dedte he das nit, so sollte he zur stundt 
ohnuerzogelichen affer deme Manden ahne Geuerdte zu Mentze inrieden 
vndt nit dannen zu kommen, er habe einen andern an des abegangen 
Stadt gesetzt, als dicke des noit geschiet, ahne Geuerdte, vndt were 
also gesetzt wirdt, der soll globen vndt schweren vndt sinen vffin brief 
geben, zu dune in aller der massen, als der abegegangen, ahn dess Stadt 
he gesast were, als dicke des noit geschiet, ahne Geuerdte. Were auch 
Sache, das die vorgeschrieben Sache Bruch wurde ahn den funff gemeinen 
Mannen, so sollent sie sammentlichen mit eynander, oder die viere, obe 
einer darzu nit kommen mochte, ane Geuerde, wan sie das gemant wer- 
dent, von vns oder besonder von deme, deme das noit were, mit ihr 
selbis Liebe zu Wiespaden in das Schlos rieden vndt wanne sie acht 
tage gelegen betten, vndt nit ende gegeben betten, so soldent sie dar affer 
Wasser vnd lirodt essen darinne vndt nimmer dauskonmien, sie haben 
mit ihren vffin Briefe ende geben, darvmb sin darkommen weren, als dicke 
des noit geschiet, ane Geuerde. Auch ist geret, obe ein vnsser Burg- 
manne den Burgfrieden brechen mit worten oder mit Wercken, der sal 
vor dem Kaufhuse zue Wiespaden zue rechten stein vor den Funffen ge- 
koin, was in die besagent oder das meretheil von den Fünften, das sali 
he richten nach irem Geheisse ; dedte he das nit, so sollen wir vft" alle 
siten sine viende sin, vnd sali sin Burglehen verloren lian als lange, 
bit lie die Bruclie gerichtet hat vndt gekert, als he besaget were. 

Auch sali ein yglich vnsser Burgman des vorgen. Schlosses, der 
ytzundt ist oder hernach werden mag, siner Kinder vndt sines Gesindts 
als geweitig sin vndt verantworten mit aller Pene undt busse, als sich 
selber an Geuerde, Wehr es auch, das eins burgmanns Knecht den 
Burgfrieden breche , den sali der Burgmann darzu halten , das he den 
Bruch richten, als he besaget wirdt, na sage vndt Geheisse der 
egenanten gemeinen Manne. Ginge des, das der Knecht ist vns, so 
sali in der Burgmann begeben, vndt sali sin viendt sin mit vns, vndt 
nimmer zu Knecht mitphaen, er habe in dan gebessert. Wers auch, 
das vnser einer, welcher das were, einen sinen Herren oder sinen Fiamdt 
inthalten woldte in dem vorgen. Schlosse, dain sali vnser keiner kei- 



73 

nen Herrern inthalten, sie en sin dan vor mit vffin Kriegen zusammen- 
kommen, welcher dan der erste ist mit deme inthalden, des sollent ime 
die andern folgen, vndt sollent ime helfen Burghude dun als gute Gan- 
Erben, vnd soll auch der Inhalt geschien ahne Schaden vnsser Gan- 
Erben, vnsser Burgmanne vnd Burger daselbis zue Wiespaden. Wer 
auch da Inhalten wirdt, der soll den Burgfrieden globen vndt schweren 
bit vns zu halden, als lange, als sin Krieg wert, es sie Herre oder arm 
Man. Were aber sache, das he oder die sinen dar Inhalten were , we- 
nig oder viel, das sali der richten, der den Inhalt gegeben oder getan 
hette, als die Funffe oder das mere theil gekorn vorgen. besagent , hei- 
sent oder wiesent. Wers auch sache, das wir mit ein zweiende wurden, 
vndt das vnser ein des andern viant sin wolden, das soll vnser ein deme 
andern kuntlichen verboten in das Schloss , da he Hus haltet, acht tage 
vur, vndt ensolte auch vnser Kheiner dem andern Schaden dun oder 
fugen, irren oder drengen in Keine Wys, die yman erdencken kan oder 
mag, ahne alle Geuerdte vss dem egen. Schlosse vnd Burgfrieden, oder 
wieder darin. 

Me ist geret, das alle vnsser Amptlude, die itzundt da sindt, oder 
von zyden zu zyden gesast werdent, dies vorgeschrieben Burgfrieden in 
Truwen globen sollent vndt zu den heiligen schweren, zue halden glicher 
Wys, als wir selber oder vnsser Erben. Were aber das der Burgfriede 
gebrochen wurdte von vnsern Amptluden , den sollte der Herrn, der ge- 
brochen hette, darzu halten, das he den Broch richten, als die funffe 
gekorn oder die meinste menyge von den funffen besagent vndt heisent, 
als dicke des noit geschiet ane Geuerde. Were aber sache, das des nit 
geschege, so sal es der Herre richten, des der Amptman gewest ist, vndt 
sali auch des Amptmanns viandt sin bit vns als lange , bis er den Bruch 
gerichtet hat ane Geuerde. Alle dies vorgeschrieben rede, Stucke vnd 
artickull vnd ihr yglichen besunder han wir frauwe Yrmegardt von Hoin- 
loch, Grefinne zu Nassaw, Ruprecht der vorgen. frawe Yrmegard Sone, 
Grefe Daselbis vndt Anne sine eheliche frawe, vnd wir Adolff Gr. zu 
Nassawe, frawe Margrethe, Grefinne daselbis vnd Gerlach der vorgen. 
Grefe Adolffs vndt frawe Margrethen Elteste Sohn globet in guten 
Truwen vndt zu den heyligen geschworn, vndt globen vndt schweren die 
an diesem Briefe stete vndt veste, vuuerbrochentlichen vur vns vndt vnsser 
Erben zu halten, als lange, als wir das vorgen. Schloss in Gemeinschafft 
hain bit einander, abgescheiden alle Argelist vnd Geuerdte, vnd alle 
böse funde, die yman erdencken kan oder mag. Des zur Vrkunde han 
wir vnsser Ingesiegelle, vnser ygliches das sine an diesen Brief lassen 
hencken. Wir die vorgen. funff gemeinen Manne gekorn, George von 
Lindawe, Ritter, Sichart von krampurg, Otto von Graenrode, Hanss von 
Ossinfurdt vndt Gerlach Gedomar von Dudinhusen, Edilknechte, bekennen, 
das wir in guten Truwen globt han vndt zue den Heyligen geschworn 

5* 



74 

vndt globen viul schweren an diesem Briefe, gliche gemeine Manne 
zu sin vnd zu halden vndt zu dun, in aller der Masse als vur 
von vns geschrieben ist, vndt vns zugehuret oder ahnedrifft. Des zur 
Vrkundt, han wir vnser Ingess. by der vorgen. vnser Herren, Frawen, 
Junkherren vnd Junkfrawen Ingess. an diessen Brief gehangen. Datum 
Anno Dni Mill°. CCC° Lx° septimo in Crastino Nicolai Episcopi. i) 

2) Burgfriede vou Klieiuberg auf der Wisper von 1399. 

Wir Ruprecht, von gotes gnaden Pfaltzgraue by Ryne, 
des heiligen Komischen Kiches Obirster Truchsesse vnd Hertzoge in 
Beyern vor vns, vnssen Erben Pfaltzgrau by Ryne, vnd wir diesse nach- 
geschrieben Johan von Rieffenberg, Otte Knebil v. Katzen- 
elnbogen, Ritter, Liebmud Dieterichs seligen von Lyben- 
stein Witwe, Henne Grans vnd Symon Grans von Rynberg 
gebruder, Heinrich vom Riede, Arnolt von Wunnenberg, 
Eberhart Brennervom Laynstein, Friederich Hilchin von 
Lorch vnd Philipps von Rinberg: alle gemeyner des Slosses 
Rinberg vff der Bache genand die Wuschebur gelegen, vur vns vnd 
vnsse Erben, Sone vnd Dochter, die darzu geborn sint, oder werdent. 
Bekennen vnd dun kunt vffenbair mit diessem brieffe, das wir sament- 
lich vnd eyndrechteclich eins guten, festen, steten Burgfriden mit vnd 
zu dem obgen. vnssem Sloss Rinberg vberkummen sin vnd gemacht hain, den 
Wir hertzoge Ruprecht vnd vnssir vurgeschrieben Erben vnd wir alle 
obgen. gemeyner vnd alle vnssir Erben vurgeschrieben in guten truwen 
ewiclich feste vnd stete halden sullen vnd wollen in aller der raass, als 
hernach geschrieben stet. 

Zum ersten sal derselbe Burgfriede sin vnd gehalden werden in 
der obgen. festen Rynberg uberalle vnd vsswendig bynnen diessen nach- 
geschrieben tei-minyhen vnd begriffen an zu gen von dem Sloss an die 
Drencke, da man bie Ranssel her inne kummet, vnd die bach uss, die 
genant ist Hemsbach glich dem graben, der von Blidennecke kummet 
vnd sal gen andersyte inne glich dem graben in die Dollenscheit, vnd 
von der Dollenscheid her inne mit in die wicke her inne mit zu Myttel- 
lit uff den hals, von den halse die richte inne biss in die Wuschebur 
vnd die bach die Wuschebur her inne biss in die Hornsbach, die Horns- 
bach her wiedder uss, biss wiedder in die Drencke. 

Darzu ist geredt, das wir Hertzog Ruprecht vnd vnss vorgeschrie- 
ben Erben vnd wir die andern obgen. gemeiner vnd vnss vurgeschrieben 
Erbe, gemeiner des obgen. Slosses Rynberg vnss keiner an den andern 
sine wip, sine kinde, sin gebroid gesinde ir lip oder gut bynnen dem 
vorgen. Burgfriede griffen sal, noch mit vnerlichen vnd schedelichen 

Nach der beglaubigten Abschrift. 



75 

worteil odir wcrckeii nucli (Uiciiicrhaiide viifricdcii odir ar^e eyiier dem 
andern zu dun, dann eyn ijj^liclici' f^^eineyner sal den andern ^emeynern 
daseibist sin wip, kinder vnd ii" ^'ebroid gesindc ir lip vnd ji^ut in dem 
vorj^en. Miiriffriedeii, so sii' da inne sint vnd denselben Burgfrieden schir- 
men vnd schüren f^etruwelich, so er beste maf( ane alle geuerde, als 
dicke des noyt geschiet. Werz aber, daz got verbiede, dass einicher ge- 
meyner den andern gemeiner odir sin wip, kinder odir gebroide gesinde 
ir lip vnd gut in <lem obgen. Burgfrieden mit Worten odir mit wercken 
mit doitslegen odir anders uberfure ader vnfrieden vnd arge deden, wer 
das dede, der sal das keren vnd bessern nach erkentenisse der andern 
gemeyner, das selbe erkentenisse auch die andern gemeyuer oder das 
merteyl vndir yn, so sie des von dem, der also uberfaren were, ermanet 
wordent, bynnen eynem Maynde neliste nacli der geschichte dun vnd 
usssprcchen sollen ane alle generde. Vnd welcher gemeiner solich besse- 
rung vnd kerung nit dede bynnen nehsten virtzehen tagen nach dem 
ussspruche, der vnd sin erben vorgeschr. sollent ir teile an dem obgen. 
Sloss vnd an seinen rechten vnd zugehornngen gentzlich verlorn hain, 
vnd der sal auch widder sin Ph-e vnd Eyde getliain hain. 

Auch ist geredt , daz wir obgen. gemeyuer vnd vnss Erbe vor- 
geschr., so sie auch gemeyner zu dem obgen. Sloss sint, da enthalden 
mögen in der mass, als hernach geschrieben stet. Und wer da enthalden 
wurdet , die soUeut ihr enthaltgelt geben als hernach geschrieben steet. 
Mit namen eyn fürste odir eyne frihe Stat Ein vnd Sechsstzig gülden. 
Ein graue oder eyn herre ein vnd drissig gülden. Ein edel Mann 
dritzeheu gülden vnd sullent die gülden alle gut genge vnd gebe sint, 
als die werung zu der zeyt zu Mentz ist, vnd sal ein furste, ein Oraue, 
ein Here, ein frihe Stat igliche der odir die, so der odir die zu dem 
obgen. Sloss enthalden wirden, zwen knecht dar schicken vnd den gantzen 
enthalt da haben off" sin odir yr ione vnd kosten zu wachen vnd zu 
huden, vnd sollent die knechte dar zu den heiligen sweren getruwelich zu 
dun glich der gemeyner knechten vnd wechtern daselbst vnd den Burg- 
frieden zu halten in aller mass als disser brieif besaget, als lange der 
enthalt wert ane geuerde, vnd sal ein Edelmann einen knecht in derselben 
massen da haben vnd halden. 

Auch ist geredt, welcher Furste, Graue, Herre. frihe stat odir 
Edelmann zum ersten da enthailden wurde vnd sin gelt zum ersten ge- 
ben hätte, des entheltniss sail vorgen. Auch ist geredt, welche vorgen. 
Furste, Graue, Here oder frihe Stat also zu dem obgen. Sloss Kynberg 
enthailden wurde, die sollent ir offen besiegelte briette beuor dar schicken 
vnd antwerten da inne sie in guten , rechten truwen diessin burgfrieden 
globt haben vnd globen feste vnd stete zu hailden in aller massen, als 
der hie begriffen vnd disser brieff usswiset, als lange als der enthalt 
wert an alle geuerde. Vnd ein Edelmann, der da enhalden wirdet, sal 



76 

selber gein Kynberg obgen. ryten vnd da kuntlicben zu den heiligen 
sweren den Burgfriden als vorgeschr. stet, auch in denselben massen 
feste vnd stete zu halden ane alle geuerde vnd argelist. Auch ist ge- 
redt vnd sal sin, das nymand, wer der sy, an dem obgen. Sloss Rinberg 
ewiclich enthalden sal werden, er verspreche vnd verbinde sich dan 
beuor , das er des rechten in der sache , darvmb er da enthailden sal 
werden , verüben vnd gehorsam sin wolle an vns hertzog Kuprecht adir 
vnssen Erben vorgeschrieben vnd vnssem rade adir an vnssem Ampt- 
manne, an den wir vnssir sachen zu Rinberg an vnss stat beuolen hain, 
vnd an andern vnssen gemeinern daseibist ane alle geuerde, vnd dan 
mag derselbe da enthalden werde vnd die Buwemeister daselbest soUcnt 
der widderpartihen dain verkünde, das der, der also enthalden wer, 
des rechten gern verlibeu wolte als vorgeschrieben stet. Auch ist ge- 
redt, werz sache, das vnssir gemeyner eincher sine deyl lones den gemeinen 
Burgrauen, Torneknechten, Portenern ader den Wechtern daselbis zu 
yeder zyt als das sie solde, nit gebe, so er des verboten wurde zu huse 
oder zu' höbe, da er wanhafftig wer, von den Buwemeistern zu Rinberg 
obgen., eyme oder me , die dan zu der zyt ßuwemeistere zu Rinberg 
sint, daz gelt vnd den schaden der von Botten lones wegen dar off geet, 
raogent die Buwemeister zuschaden nemen off des schaden, der sin teil 
geldes nit gebe, als vorgeschrieben stet. Dede er dan daz gelt vnd den 
schaden, der dar off gen mochte, nit abe bynnen eynem jare nehste nach 
dem als yme das verkündet vnd zu schaden genommen wer, so solde 
derselbe vnd sin erben sine teil huses zu Rinberg verloren hain vnd 
kein gemeyner me da sin, es wer dan mit willen aller gemeiner zu Rin- 
berg obgen. Vnd wurden die gemeyne alle eyndrechtig, demselben ader 
sinen Erben vorgeschriben denselben sinen teile huss nit widder zu geben, 
so mogent sine nehst erben, die darzu geborn wern, bynnen eynem 
mande nehste nach dem jare soliche houbtgelt vnd schaden dargeben 
vnd den selben sinen teile huses jene nemen, des die andern gemeynen yn 
auch dan gunnen soUent. Wolde aber keyner sine solicher Erbe soliche 
vorgen. houbtgelt vnd schaden geben vnd betzalen, so sulten alle ander 
gemeyner das gelt vnd schaden richten vnd betzalen vnd sine teile 
huses vorgen. an sich nemen vnd haben. Auch ist geredt, wer enthail- 
den Wirt zu den obgen. Sloss Rynberg als vorgeschriben stet, wer der 
Jare vnd tag nach dem angange des entheltenisse ane geuerde von der 
Sachen wegen, darvmb er da enthalten were, so sulde dasselbe sin ent- 
heltniss abesin vnd nit en da enthalten sin, es wer dan, das er von 
nuwen da enthalten wurde vnd sin enthaltgelt gebe vnd dede, als vor- 
geschrieben stet an alle geuerde. Wers aber, das der selbe ader die- 
selben, die also da enthalten weren, zu frieden vnd Vorworten von der 
fientschaffte wegen qwemen vnd die frieden vnd Vorworte jare vnd tag 



77 

werten vnd stunden, so sulde aber derselbe enthalt abe vnd nit me 
sin, als vorgeschrieben stet. 

Auch hain wir gemacht vnd geredt, das nimmer einche gemeyner 
zu deme obgen. Sloss zu gemeyner genommen vnd entphangen werden 
sail, er habe dan vur zu den heiligen gesworen vnd sine brieff mit 
sinem anhangenden Ingesiegel geben , diesen Burgfrieden zu halden 
als diesser brieff vur vnd nach besaget vnd vsswiset, vnd habe auch 
vns Hertzog Ruprecht vnd vnssen vorgeschr. Erben beuor verbrieftet vnd 
gethan nach lüde der briefte, die die ander vnss obgen. gemeyner vns 
von des obgen. Slosses ßinberg wegen versigelt geben hain. Vnd so 
ein igiicher, der zu eyme gemeyner zu dem obgen. Sloss dan geborn 
ist vnd recht dar zu halt zu gemeynd da entphangen werden sail, ver- 
brieff'et vnd gethan hait in aller massen, als hie vorgeschrieben stet, 
so sullent die Buwemeister des obgen. Slosses yn dan zu gemeyner 
da entphaen vnd junsetzen ane hinderniss vnd geuerde. 

Auch wers sachc,dass einche gemeyner zu dem obgen. Sloss Rin- 
herg mit denen andern zu schaffen gewunne, von des huses wegen Rinberg 
vnd siner zugehorunge adir die knecht daselbst vnder ein ander einche 
tzweyunge raechten odir gewunnen, des sollent die buwemeister, die zu 
der tzyt sint, vndersten gütlich zu richten, ob sie mögen. Kunent sie 
iz aber nit giitliche gerichten, so sullent sie daz entscheiden mit dem 
rechten, vnd sullent auch beide parthien ein genügen dar an haben ane 
geuerde. 

Auch wers sache, das einche gemeyner zu dem obgen. Sloss Rin- 
berg des anderen flyant werde, der sal an des andern lip noch gut nit 
griffen, er habe ez yme dann Achte gantz tage vorgesaget , ussgenommen 
alle argelist vnd geuerde. 

Auch sollent alle tzyt drie Buwemeistere zu dem obgen. Sloss von 
den gemeyneru daseibist sin, vnd welche Buwemeistere sint ein Jare, 
die sollent rechenung dun, so ir jar ussgeet den andern drin Buwe- 
meistern, die sie kiesent, die nach yn sin sullent. Vnd die drye Buwe- 
meister, die dieselbe Buwemeistere vnder den andern gemeynern kiesent 
dieselben also gekoren, sollent Buwemeister das jar auch sin vnd dar- 
widder nit sprechen, vnd sal auch das kiesen vnd die rechenunge alle 
Jare gescheen vff deme nehisten Sondag nach deme Osterdage vnd des 
nehisten dages darnach ane geuerde. Auch haint die drie Buwemeister 
möge vnd macht die andern gemeyner zu manen mit yrem oflenbrieff 
von des obgen. Huses noide wegen zu yn gein Rinberg obgen. zukummen. 
Vnd sal ein ygliche gemeyner, als dicke das noit geschieht, das auch 
dun, ez neme eine dan Eehaffte noit odir libes noit odir ffyantschafft, 
vnd sal das wissen mit sinem offen besigelten brieffe, ussgenommen das 
vnsser Herre der Hertzog dan sinen Amptman ader dem er das beuolen 
hait, der den Burgfrieden auch globet vnd gesworn hait, dar schicke sail 



78 

an sine stat. Vnd wer nit also dar enqiienie, so sollent die drycBuwe- 
meistere vnd die andern gemeyner, als vile sie ir haben mogent, doch 
möge vnd macht hain zu dun vnd zu lassen, was den genieynern von 
des obgen. Blosses wegen dann noit ist ane alle geuerde vnd argelist. 

Auch hain wir geredt vnd globet, wer eynen gefangen Slusset, 
der sal den knechten einen halben gülden zu Slossgelt geben, ee er 
vor die porte komme. Auch sal keiner gemeyner zu Rinberg einche 
enthalt gelt odir phant daruor oftheben odir innemen, dann man sal daz 
selbe gelt den Buwemeistern daseibist antwerten adir deme gemeynen 
Burg Grauen daselbs odir weme die Buwemeistern iz betblen haint vnd 
nymandt anders ane alle geuerde vnd argelist. 

Auch sollent soliche Brieffe als wir Hertzog Ruprecht vnssen ge- 
meynern geben hain. vnd die sie vns widder geben haint von des obgen. 
Slosses Rynberg vnd siner zugehorunge wegen ewyclich in iren kreft'ten 
vnd machte in allen stucken, puncten vnd artickelen verliben vnd mit 
diessem Burgfrieden in keinem weg geswecht sin oder werden ane alle 
geuerde vnd argeliste. 

Auch sal vnss Burggraue zu Cube odir wem wir odir vnss vor- 
geschr. Erbe des beuolen mit vnssem often besigelten brieft' alle Sachen 
von vnssen wegen, die vns mit den gemeynern zu Rynberg gekorent zu 
dun vnd zu handelen von vnssen wegen da dun vnd handelen, als dicke 
des noit geschieht, vnd der sal auch den Burgfrieden zu Rynberg, als 
wir vnd die gemeyner den begriÖ'eu vnd verbrieftet hain, globen vnd 
sweren zu halten, als lange yn die sache von vns vnd vnssir vorgeschr. 
erben beuolen sint ane geuerde. 

Auch sollen wir obgen. gemeyner zu Rynberg vnd vnssir vorgeschr. 
Erben den Burgfrieden getu demselben, dem vnss obgen. genedige Herre 
der Hertzog die sache also befolen hait vnd stete zu hailten glicher 
wise, als unssir gemeyner einer gein dem anderen ane alle geuerde vnd 
argelist. Vnd alle vnd igliche stucke, puncte vnd artickule sullep vnd 
wullen wir Hertzog Ruprecht obgen. vnd vnss vorgeschr. Erben vnd wir 
die obgen. ander gemeyner Johan von Rieftenberg , Ott knebil, Ritter, 
Liepmudt, Witwie Henne vnd Symon grans, Heinrich von riede, Arnolt 
von Wunneberg, Ebirhart Brenner von Laynstein, Friederich Hilchin vnd 
Philipps von Rinberg vnd vnss igliches vorgeschr. erben ewiclich vnd zu 
aller tzyt feste vnd stete dun halten vnd follen füren vnd nit uberfaren 
noch dar widder dun nach schaffen uberfaren nach dar widder gethain 
werden mit worten adir wercken heimelich adir oft'inbair in dheiner 
bände wise, wie das gesin oder gescheen mochte, ussgescheide allerley 
argelist, widder rede, hinderniss vnd geuerde, vnd das alles hain wir 
Hertzog Ruprecht obgen. vor vns vnd vnss vorgeschr. Erben in guden 
truwen globt, vnd wir die obgen. gemeyner samet vnd besundir vor vns 
vnd vnsses iglichs vorgeschr. erben mit guten Truwen an Eydes stait vnd mit 



79 

rechter Sicherheit, als wir mit offgereckten fingern off die heiligen vnd 
gelerten Worten üblich zu den heiligen gesworen ewiclich wäre, stete 
vnd feste zu hailden ane alle geuerde vnd argelist, vnd des alles zu 
merer Sicherheit vnd zu ey^iem stedigen ewigen vrckunde hain wir 
Hertzog Ruprecht obgen. vnd alle obgen. gemeyner vnssir igücher sin 
eygen Ingesiegel an diessen briefle gehangen. Geben zu Bacherach 
off den Mandag nach sancti Thomas des heiligen Apostelen dag nach 
Cristi geburt drutzehen hundert vnd zu deme Nun vnd Nuntzigisten Jare. ') 



'i) Burgfriede der Vesteii Limburg, Brecheu und Molsberg v. 1436. 

Wir Rabann von gots gnaden Ertzbischoff zo Triere, des heiligen 
Romschen Rychs durch Welschelant vnd das kunigrych von Arelatt 
Erczcanceller , vnd wir Ludowigh von denselben gnaden lantgraffe zo 
Hessen Bekennen vnd dun kunt uffentlich in diesem breffe, das wir 
vur vns vnd vnsere nakomen vnd styfft von Triere vnd vnsse erben vnd 
nakomen , herren des landes zo Hessen, mit gudera wolbedachtem müde 
vnd nach Rate vnsser Rette vnd frunde eynen gantzen steden vnd vesten 
Burgfrieden zo Lymburg, Brechen vnd Molsspergh in Burgen, Steden vnd 
deellen globt vnd gesworen han, als vns , Ertzbischof Rabann , vnsern 
nakomen vnd styffte zo Triere, zo vnss Erbeschaff vnd losunge, vnd 
vns, lantgrafen Ludowigh vnsen erben vnd nakomen, herren des lands 
zo Hessen, zo vnsser pantschaf vnd uffenunge nach Innhalde der ver- 
siegelten briefen da uon begryffen, welich Burgfrede daselbs zo Lym- 
purg, Brecheu vnd Molsspergh ane gaen vnd so ferre vnd wyt die vurg. 
stede, Slosss vnd Daell mit yren zunen, graben vnd siegen begryffen 
hain, gaben sali ane geuerde. Also daz unser Herren keyner vnsere 
Amptlude, Dienere noch die vnssen inn dem Burgfreden ane dez andern 
lyff" vnd nach rechte freuelich gryffen vnd nach tasten sali in keyne 
wyss. Dann wir vnd sie sollen den vurg. Burgfrieden getruwelich helffen 
schüren vnd schyrmen ane geuerde. Dann weres sache, daz eyncher von 
vns Herren sich der egen. Slossse gebruchen vnd dar uss kriegen wulde, 
das nach vnser iglicher dun zo syme gebure vnd sich doch vurter, abe 
er eyniche samenuge vnd gewerbe von Reysigeu hette, in des andern 
schüren vnd stellen behelffen sunder schaden des andern, vnuerbruchlich 
des Burgfreden ane geuerde, vnd abe vmb solichs kriegs willen in den 
vurg. Steden, Slossen vnd taellen eynicher huden vurter dann tegelich 
gewonlich ist noit were, soliche Hude sali der ihene von vns, den den 



1) Von dem Original. r)ie Siegel unverletzt daran. 



80 

kriech ane tryfft, besorgen vnd dun . so das die vurg. Slosss, stede vnd 
daeU wol besorgt vnd verwart sin ane geuerde. Geschege is auch, das 
eynche Reysigen, die von vnssen wegen in die bürg, Stede, slosss vnd 
daell Lympurg, Brechen vnd Molssperg ligen quemen, vnd in die wyrte 
uftrugen vnd die nycht bezaelden, die mag der wyrt mit yrer habe dun 
halden byss yme bezalonge geschiet vnd da mydde solde der Burgfriede 
vnd verschribonge nyt uberfaren sin. Were auch sache, das eynche 
besesss ane denselben egen. Slossen, steden vnd taelen oder der eyns 
besunder, von weme das auch were, geschege, so soUen wir das vor mit 
Revsigen, geschutze vnd allem Rade bestellen, als dez noit were, vnd 
mochte wir solichen besess entsetzen, das solden wir dun mit vnssen 
magen vnd frundeu vnd mit alle dem, das wir vermuchten, vnd wurden 
\Tis die oder der eynche besunder abe gestiegen abegewonnen, vnd wie das 
auch sust zoqueme, da got vur sy, sollen wir beyde Herren, vnsere 
Styfftnakomen vnd erben getruwelich darnach steen, die wieder innzogen 
ynnen als uns, Ertzbischof Rabann, vnssen nakomen vnd styffte von 
Triere, zo vnser erbschaf vnd loesunge vnd vns, lantgraven Ludowig, 
vnssen erben vnd nakomen, zo vnser pantschaf und utfenunge. Ouch so 
ist beredt, daz keyner von vns herren unsse Amptlude noch dienere 
des anderen vyande in diesen Burgfreden nyt füren sali, vnd abe daz 
sunder wissen geschege, so sali der ihene, der eynen darinn gefurt bette 
zo gesynne der andern parthien, denselben uss dem Burgfrieden dun, 
ryden vnd eyne Bannemyle geleiden , vnd sal für synen vianden also uss 
zo ryden versichert sin, vnd bynnen der versicheronge keynen schaden in 
dun. Were auch sache, dass vnsere diener, gesinde, frunde oder yman 
anderss bynnen dem Burgfreden sich zweychten oder vnfug teden, das 
sollent die Amptlude von vnss beider Herren wegen , die in der vurg. 
slossen weren, saissen vnd rychten nach dem der gebrech gelegen were, 
vnd abe sy dez also nyt getuu koenden, so sollen wir Herren, vnsere 
nakomen, styfft vnd erben bynnen vierzehen tagen nachdem vnser eyner 
dez ane den andern gesonne, iglicher zwene syner frunde zu Lympurg, 
Brechen oder Molssperg, da der gebrech gescheen were, schiken, die 
auch da by bliben vnd nyt von dannen scheiden sollent, der gebrechen 
sie dann geslichtet vnd gerychtet ane alle geuerde. 

Were auch sache, dass eyncher von vns Herren dodes halben 
abginge, das got der Almechtige genedenclich lange gefrysten wille, 
so sollen vnsere nakomen vnd erben zo furentz, ee sy zo den vurg. 
Slossen gelaissen werden , diesen Burgfreden globen vnd sweren, in 
massen der abegegangen von vns, in dez stadt er qweme, getan hette, 
sunder alle geuerde. 

Were auch sache, das vnser eyner syne nakomen oder erben syne 
teyle an den obengen. Slossen, Steten vnd taele versetzen oder verpenden 
wulde, so sali der ihene, dem das verpandt oder verschrieben wurde, 



81 

diesen Burgfreden mit allen sinen stuken vnd artikeln ouch globen vnd 
sweren vnd versiegeln als wir beyde Herren itzunt getan hain, daz 
mann auch als dann von yme nemen vnd in dann vnd nyt ee zo den 
vurg. Slossen vnd yren zogehorongen lassen komen vnd uf nemen sali, 
ussgescheiden alle argelist vnd geuerde. 

Alle punte vnd Artikelle in diesem Burgfreden brefe begryften vnd 
iglichen besunder hain wir Ertzbischoff Rabann vur vns, vnsere nakomen 
vnd styfft zo Triere, vnd wir lantgraue Ludowich vur vns, vnsere erben 
vnd nakomen globt vnd gesworn, globen vnd sweren is in Crafft diss 
breffs in guten truwen stede veste vnd vnuerbruchlich zo halden, 
so lange wir lantgraue Ludowich vnser gelt uf den vurg. slossen vnd 
steden han nach Innhalde der versiegelten breffe dar über gegeben vnd 
nyt langher ussgescheiden alle Argelist vnd geuerde. Des zo Urkunde, 
so han wir bede vurg. harren vnser iglicher sin eigen Ingesegell vur 
vns, vnsere nakomen, StyÖ't vnd erben ane diesen breff dun henken. Der 
gegeben ist, do man schreif nach Cristi geburte vierzehen hundert drissich 
vnd Seesss Jar uf Sente katherinen dagh der heiligen Jungfrawen. ') 



4) Wilhelms von Staffel Diensteid als Amtmann von Limpurg, Breclien 

und Molsberg 1452. 

Ich Wilhelm von Staffel, Amptman zu Lymburg , Tun kunt vnd 
bekennen uffentlich an diesem brieue: So, als mich der Erwirdigst in 
gott vatter vnd Herren Her Jacob, Ertzbischoff zu Trier etc., myn gne- 
diger lieber Herre siner gnaden vnd sines Stiffts Amptmann gesetzt vnd 
gemacht halt über siner gnaden Stede vnd Sloss Lymburg, Brechen vnd 
Molsperg mit den dorffern, Houen, landen und luden dartzu gehörende, 
da hain ich vnder anderm demselben myme gnedigen Herren mit truwen 
globt vnd mit uffgereckten Fingern liplich zu den heiligen gesworen, 
globen vnd sweren auch in craftt diss brieffs demselben myme Herren 
vnd dem Stifl'te zu Trier getruwe vnd holt zu sin, sie vur yrem scha- 
den zuwarnen, yr bestes zuwerben, auch dem itzuntg. myme gnedigen 
Herren gehorsam vnd gewertig zu sin als eyn Amptman vnd das vurg. 
Amt vnd alle vndertanen, geistliche vnd werntliche dar Inn gehörende, 
so lang ich daselbst Amptman byn getruwelich zu behudende, zubewaren 
vnd zuuerantwurtende nach myme besten synne vnd vermögen. Vnd 
were sache, da got vur sy, das myn gnediger Herre vurg. gefangen und 
gefenglich behalten wurde, so sali vnd wil ich die vur benan. Slosse 
vnd Ampt myt yren zubehorungen, brieuen vnd anders, wilcherley das 
ist, Innhalteu vnd uerwaren vur die kirche und Stifft zu Trier, vnd 

») Von dem Originale; die Siegel daran. 



&2 

were is, das demselben myme guedigen Herren ziel gegeben werde, so 
sali vud will ich vne laissen zu das vurg. Ampt, Sloss vnd Stede darjnn 
zuwouen, als dick er wil, vnd kost darjnn zu haben von den Kentben dar 
Inn dienende, als yme gezemt vnd zu syme vnd zu syme andeyle zuge- 
burt vngeuerlich. Doch also, das er die vurg. Slossse, Stede vnd Ampte 
mit syner zugehorunge vnd renthen, samentlich oder in sunderheit nj^t 
möge versetzen, verussern oder in ymands anders hende oder gewalt 
geben oder komen laissen ane erleubunge vnd verhengniss des capittels 
des Doems zu Trier, vnd wanne er gentzlich ledig wirdt von solchem 
gefengniss, so sali vnd wil ich dan dem vurg. myme guedigen Herren 
gewarten vnd gehoirsam sin mit dem egenanten Ampte, Steden vnd 
Slossen als vur dem gefengniss. Ich geredde, globen und swere auch 
in vorgen. maissen, were, das der obgen. myn gnediger Herre todis 
halben abgeen werde, die wyl ich eyn Amptman daselbst were, das der 
almechtige got lange zyt verhalden wulte, alsdann sali ich von stunt 
den wirdigen Herre Doemdechen vnd Capittel des Doems zu Trier ge- 
wertig vnd gehoirsam sin, mit Steden vnd Slossen des egenanten myns 
Ampte mit aller zubehoruuge biss an eynen erweiten zukunftigen Ertz- 
bischoff zu Trier, der dan von dem Capittel oder von dem mereteile des 
Capittels obg. erweit vnd vffgenommen vnd mir von denselben myne 
Herren vom Capittel bracht vnd geboten wirdt zu entphahen, dem sali 
ich alsdann gehoirsam sin vnd gewarten mit dem vurg. Ampte vnd aller 
siner zubehoruuge als myme gnedigen Herren, vssgescheiden alle arge- 
list vnd geuerde. Des zu vrkunde hain ich myn Ingesiegel an diesen 
brieff gehangen. Geben vff sant Dyonisius tag nach Cristi vnsers Hen-en 
geburte Tusent vierhundert vnd zwey vnd funfftzig Jair. ') 



5) Freiheil und Altherkommcn der Burgmaonen zu DietZ; nach 1420, 29. Sept. 

Disz ist soliche fryheyt vnd altherkomen als die burgmann zu 
Dyetze haben soUent. Zum ersten so suUent vnse gnedigen heren vnd 
Jonckern keyme burgmanne an synen lyp, gud ader gesynde gryffen vner- 
sucht, als sich daz gehurt. 

Auch so suUent vnsse gnedige herren vnd Jonckern nyt gryffen 
an eynche paffeschaft vnersucht, als sich daz geburt. 

Auch sollent vnsse gnedige heren vnd Jonckern keyme bürgere 
hye zu Dyetze gryffen an synen lyp ader gut, unverwyset ader her wonnen, 
als sich daz geburt. 

') Das Siegel in schwarzem Wachs hängt fast unverletzt daran. 



83 

Auch sal man keynen biirgman köramern, ene ader sin gut in 

der graffschafft zu Dietze vnersucht oft" dem waseme zu Dietze als von 
alders herkomen ist. 

Auch wer den burgmann ader paffeschafft zu Dietze tzinse ader 
gulde schuldig ist, vnd brengket, der sal tzu der tzyt kommers frye sin. 

Auch mogent die burgman phenden vor alle yre tzinse vnd gulde, 
so wyhet die graffschafft von Dietze ist, vnd wanne sy die tzinse vnd 
gulde gefordert haut zu huse vnd zu höbe, wo man ene schuldig ist, 
vnd ene nyt enwyrdet, so mogent sy phenden vnd davon yre pande- 
schillinge nemen, als von alders herkomen ist. Vnd in dem Slosszen, 
so sullent sy den scholtheissen eynen richtschilling geben, vnd die soUent 
ene phande geben vor tzinse, gulde vnd richtschillinge , vnd sullent die 
scholtheissen des nyt weygern. 

Item der paffeschafft sollent die Amptlude phande geben, ader dun 
geben ober alle yre tzinse vnd gulde in der grafschafft. 

Auch mogent die hurgmann andere heren phenden vor yre burg- 
lehen vnd yre pliande zu Dietze ynue foren, als von alters herkomen 
ist. Und weres, daz ene eynich herre vnrecht thede vnd schuldig were, 
vnd eyn burgman synes burgsesses sich gebruchen wulde, der sal vnse 
heren hie zu Dietze aenroeffen vnd bidden vor ene zuschriben vnd sin 
mechtig zu sin tzu höbe vnd tzu dage, zu eren vnd zu rechte, vnd 
mochte den burgman daz nyt helffen, so sal he synes burgsesszes sich 
gebruchen sunder wiederrede vnser heren, als daz von alders herkomen ist. 

Auch sullent vnsere herren keynen banwyne hie zu Dietze schen- 
ken sunder yren eygeu gewaes, als von alders herkomen ist. 

Auch sal nymand wyne hie schenken, dan eyn burgman, paffe 
ader gesessen burger, vss gescheiden vnse heren in obgeschrieben masze, 
als von alders herkomen ist. 

Auch weres, daz eynich ])urgmann ader paffe nyt wulde malen in 
vnser heren molen, der mochte sine fruchte anders war foren vnd hollen ; 
dan keyn ander molner in vnser heren Sloss faren sal on yren willen, 
als auch von alders herkomen ist. 

Auch sullent aUe burgsesse frye sin komers, vnd abe yraand 
darinne lieffe, der sich vergessen hette, der burgman, des der burgsessz 
were, der sal mechtig, ene zu leyden eyne myle weges von dannen, als 
von alders herkomen ist, vss gescheyden die gefangen, als der burg- 
frede vszwyset. 

Auch sullent die burgman, paft'eschafi't vnd die bürgere die brücken 
haenthaben als von alders herkomen ist. 

Auch weres daz eyns burgmans knecht eyne siechte wette breche 
vngeuerlichen , der sol auch vngephant blibeu so lange he by deme 
burgmanne ist, auch an alle geuerde. 



84 



Auch sullent alle burgmanne vnd paffen hie zu Dietze gehörig 
das Sloss Dyetze gelruwelichen helffen huden vnd warnen mit allen 
Sachen, als von alders herkomen ist. 



6) Abscheit, als (ir. Johann von Aassao - Sarbriickeü 1458 zu 

Drarbenfels war. 

Als iglichs jars vff sondag nach sant gallen dag, der gemalt dag 
zu Drachenfels ist, des abends da zu sin , des mandags des sloss not- 
durfft vorzunemen etc., da sin wir Johann graue zu Nassauwe vnd zu 
sarbrucken etc. selbs persönlich zu demselben gemalten dage, nemlich 
off mandag nach sant gallen dag des Jahrs 1458 gein Drachenfels ge- 
rieden vnd als wir darby komen sin, han wir Johan rubesam vnd Conrad 
keetzer vorgeschicket vnd lassen sagen, wir komen vnd fordern da inne 
als ein gemeyner. 

Daruff hant yne die knecht geantwort, sij wollen das den buwe- 
meister vnd den burggrauen lassen wissen. 

Daruff sin wir selbes an die porte komen vnd haben ingefordert. 
Da hant die knechte gefraget, wer der sij. 

Daruff han wir geantwort, das sien wir, der graue von Nassauwe 
vnd forder inne als ein gemejuer, vnd haben sie ermanet vns in zu 
lassen. 

Darzu han >ie gesagt, sie sien knecht vnd mussten dun, was sie 
der burggraue bescheide, sie wollen hin vff enbieden, wir sie da vnd 
begern in. 

Daruff han wir gesagt, sie sien auch vnser knecht vnd vns eyt- 
hafft; wir ei-manten sie der eide, die sie dem slosse vnd den gemeyn- 
herrn, der wir eyner sien, getan haben vnd begern, das sie vns in lassen. 

Darzu hant sie gesaget, sie eudorent des nit dun, stunde is an 
yne, wir werd yne als mere dynne als diesze. 

Daruff haben wir sie aber ermant, hant sie geantwort, sie haben 
botschafft hin vff getan, die wurde balde komen. 

Darnach über ein wile ist der burggraue komen an ein finster 
über die port vnd hat gesagt, buwemeister vnd gemeyner haben yn dar 
zu vns geschicket, zu hören, was vnser begcronge sie. 

Daruff han wir geantw. , wir sien da zu dem gemalten dage vnd 
fordern inne als ein gemeyner. 

Hat der burggraue gesagt, er wolle is den gemeynen sagen. 



•) Nach alter Al»«ichritt. 



85 

Daruff han wir yme gesaget: Burggraue, wir sin hie vnd fordern 
in als ein gemeyner vnd ermanen dich vnd alle gemeyn knecht, uwer 
eide, die ir den gemeynherren, der wir eyn sin, getan hant, vnd fordern 
vnd begern das ir vns in lasset da. 

Hat der burggraue gesagt, er wolle is den gemeyner sagen. 

Darnach ist der burggraue wider in die finster komen vnd hat 
gesagt: Buwemeister vnd gemeyner haben vns dun sagen, sie sien vnser 
vff die zyt nit wartende gewest vnd das wir ergent in zielm ; sie wollen 
sich bedencken vnd vns ein antwort geben. 

üaruff han wir geantw.: wir werden vnbillich also vsz verspart 
vor dem sloss, da wir gemeyner sin, vnd sien da vnd forten in, vnd 
ennanten die gemeyner vnd yn als ein burggraue vns in zu lassen, 
vnd wir meynen das yn des burgfridens vnd eides halb gebure, vnd er- 
mane sie auch des aber. 

Daruff hat er gesagt, er wolle das den buweraeistern vnd gemeynen 
sagen, vnd ist darnach wider komen vnd gesagt: wollen wir hin in vff 
den platze mit zweien oder drien, dar wollen etlicli gemeyner zu vns 
komen vnd mit vns reden. 

Daruff han wir geantw., wir sien da als ein gemeyner vnd fordern 
in vnd meynen, ine gebure burgfriedens vnd eids halb vns in zu lassen 
vnd obe sie des yne nit wolten, da wir doch meynen, vns vnrecht an 
geschee, das er yn dan sage, das sie an die porte zu vns komen selbs 
mit vns zu reden, als han wir da gehaldeu bij den drien vren lang. 

Do ist Contz phile mit den gemeyner an die finster über der porte 
komen vnd hat gesagt : gnediger Junhger, die alt vud nuwe buwemeister. 
her martin von Helmostat vnd philips snydeloch, alt buwemeister, vnd 
Bernliart kreisze vnd heinrich wollensleger als nuwe buwemeister vnd 
die gemeyner, die vff diese zijt hie zu Drachenfels siut, heischen mich uch 
sagen: als here martin von Helmostat vnd philips snydeloch furnent 
buwemeister wurden, vernamen sie an der rechenonge vnd an zedelu, das 
Jr uwer wechtergelt vor Jar vnd Jar noch schuldig "vverent, vnd Jr 
gesagt betten, das Jr das nit geben wolten, vnd mit geuerden, daruor 
ers hat dar wider strebeten. Darumb iss here martino meynunge, Jr 
solten uwer deil verlorn han, es were dan, das Jr darwider reden wol- 
ten vnd w^olte uch anders duncken, so sij er vrbudig zu recht vff buwe- 
meister vnd gemeyner zu Drachenfels nacli jnhalt des Burgfrieden, als 
die buwemeister uch das geschr. hant. Daruff Jr ine geantwort, Jr 
wissent nit, das Jr uwer deil verlorn betten, vnd erboten das vff die 
gemeyner als das die schrifft auch vszwiset, als hant uch die gemeyner 
des dag gesatzt gein Landauwe , als hant die uwer daruff geantw., Jr 
weret nit inheymisch, vnd darnach den dag wider beden. Indes haben 
die gemeyner doch bedacht, das uch der dag kurtz vor verkunt wart 
vnd das Jr des nit verstunden vor ein geuerde, haben sie uch wiewol 



86 

Jr yn den dag wider boden haben, auch wider boden. Als haben ir 
sij sijther nit wider gebeden, dag zu setzen, er wer uch anders gesatzt 
worden. Nu sint sie uwer }tze nit da warten gewest vnd haben sich 
die gemeyner des vnderret vnd sij die rede lang gefallen vnd bidden 
uch, das nit zu Vndancke zu nemen; solliche Jrrong sie auch ein deil 
der genievner nit liep, so sij is auch ein deilen liep. Als haben naich 
die alt vnd nuwe buwemeister, die auch da geinwertig vnd die gemeyner 
die ytzt da sin, geheischen sagen, das herren martins meynonge sij, die 
wile Jr uwer wechtergelt ierlich vor jar vnd jar nit geben hant, das 
Jr kein gemeyner hie sijt, vnd wolle uch vor keinen gemeyner halten; 
wolten Jr aber yn nit dauon stan, wan Jr den buwemeister vnd ge- 
meyner darvmb ersuchet, als Jr wol wissen, wie Jr dann dun sollet nach 
lüde des burgfrieden, so wollen sij uch dag setzen, vnd da lassen ge- 
scheen, was sich mit recht nach lüde des burgfriedens geburt, vnd geben 
uch die antwort vor der alt vnd nuwe buwemeister vnd der gemeyner 
wegen gemeynlich, die ytzt hie zu Drachenfels sint, die auch hie bij 
mir Stent. 

Daruff han wir geantw. wir haben den gemeyner vorgesagt rede- 
lich orsache, als wir meynen, warvmb wir so vil wechtergeldes nit schul- 
dig weren vnd vns damit erboden, das zu Intern lassen, nach lüde 
vnsers burgfr., das sij von vns mit vfigenomen, darnach haben wir yne 
geschr. vnd vns gein herrn martin erboden zu vsdrag in der selben 
massen. Nu sin wir ytzt da vnd erbieden vns des aber vnd meynen 
das sij vns darüber vnbillichen vss vnserm gemeynen slosse lassen, vnd 
ermanen buwemeister vnd gemeyner, die da sien, burggraue vnd ander 
knecht das sij vns in lassen, als wir weynen uch allen burgfriedens 
glubeden vnd eide halb geburt vns solle benugen mit recht nast lüde 
vnszers burgfrieden. 

Daruff' antwort Contz phile wider als vor : sie halten vns vor keinen 
gemeyner, es werde dan mit recht erkant nast lüde des burgfr.; wollen 
Jr aber yn nit dauon stan, wan wir dan die buwemeister darvmb er- 
suchet, als sich geburt, sollen sij dag darvmb bescheiden vnd lassen ge- 
scheen nach lüde des burgfr., was recht ist. 

Daruff" han wir geantw. aber als vor, das wir meynen, das wir 
über vnser erbieten vnbillich von den gemeynern vss den slossen ge- 
lassen wurden vnd vns geschee vnrecht vnd nemen des zu gezugen alle 
die da bij sin. ') 



) Alte Papierhandschrift. Dieses Actenstück ist ein nicht uninteressanter Nach- 
trag zu Lehmann'« Geschichte der Burg Drachenfels in dessen „Burgen 
und Bergschlösser der ba^^er. Pfalz" I, 109, wo der gelehrte Verfasser be- 



87 

7) Bnrgfrieden des Hauses Stein bei Kassau von 1369. 

Wir Johan uudt Kuprecht grave zu Nassau verjehen vndt bekennen 
vermits diess briefts, dass mit unserem Zuthun Johan undt Friedrich 
vom Stein, Kitter, den Burgfrieden ihres Stammhauses den Stein auss- 
gangen undt beschrieben han, als hernach folgt: und Erstlich Soll der- 
selbig angehn obig gen. Stammhauss dem Stein in der Stein -kut gehn 
dem Bullwerck über, forders längs dem Schloss und burgberg obig dem 
Wahenweg, der ob den Stein geht, So weith hinob, alss man bit Ein 
stein obig Wahnweg zum Schloss zu werfen kan, undt also längs den 
Schlossberg übig dem Wahnweg hin biss in die Lahn. Die Lahn als 
herab biss an den Weickert, den Weickert hinab biss in die bach 
die Myle genant, die myle hinaus biss wieder die Langenau, dan 
weiters die myle hinob biss wider den schlossberg, den Schlossberg 
hinus biss mitten wider die Leihe an dem Wingartsberg vndt dan von 
derselben Leihe biss wider in obgen. Stein-kut, in welchem Bezirck ader 
Cirkel Sie Sich wie der Burgfrieden gehalten werden Soll, ferneres zu 
vereinbahren han, und sollen wir Gräve und unssern Erben ihnen und 
ihren Erben in diesem begrib und Circkel kein Eintracht thun in wasser- 
lei et wäre. So geschehen uff St. Jacobe dess Apostels tag alss man 
Schreift Ein tausend dreihondert Sesszig neun Jahr, i) 



8) Das Neue-Kloster bei Wiesbaden (Ciarenthal) kauft sich für 50 Gold- 
gulden los von der Verwahrung und Enthaltung der von dem Mainzer 
Erzbischof Berthold in der Casteler und Hochheimer Markt angelegten 

Warten und Landwebre 1499. 

Wir Bertholt etc. Bekennen und thun Kunt öffentlich mit diesem 
Brief. Als bey unsern Vorfahren seeligen uns und unserm Stift Man- 
cherley Beschädigung und Räuberey in Casteler und Hoheimev Markten 
beschehen, desshalben viel Güter in solchen Marken ungebawet blieben 
und wüste worden , darumb wir unsern Insessern und zugewandten ver- 
melder Dorf zu Vei-wahruug uf merklichen unsern Kosten ein Landwehre 



merkt, dass Gr. Phil, von Nassau, der 1409 im Besitze eines Viertheils am 
Drachenfels erscheint, später aber trotz einer Verschreihung des Erzb. Conrad 
von Mainz v. 1422, des Vormünders der Kinder des Hauptbesitzers der Burg, 
des Gr. Hanmann von Zweybrücken-Bitsch, nicht mehr unter den Drachenfelser 
Ganerben erscheint, sein Antheil entweder einem andern Gemeinherrn ver- 
kauft oder seine Ansprüche ganz aufgegeben habe, wovon uns hier also das 
Gegentheil gezeigt wird, 
i) Nach der Copie im Gräfl. v. Kielmanseggischen Archiv in Nassau, die mir durch 
die Güte des Herrn Rentmeisters Meyer zur Benutzung anvertraut wurde. 



88 

und etlich Warten umb solche und andere Dorf ufrichten und zu Ver- 
wahrung und Enthaltung solcher Warten und Landwehre etlich Geld 
uf die Güter in solchen Märken gelegen setzen lassen haben und aber 
die geistlichen unser lieben Andächtigen Ebbtissin und Convent zum 
Newen-Kloster bey Wiesbaden etweviel Güter in unser Mark zu Castel 
han liegen, dass wir auf heut Dato mit ihne so viel gehandelt, also 
dass sie zu Enthaltung solcher Warten und Landwehre uns zu Gefallen 
Fünfzig Gulden an golde gegeben und entricht haben, darumb Jährlich 
Gült zu kaufen, damit sie die Landwehre und Warten dester bass ent- 
halten mögen, so nu vermelt Abbtissin und Convent sich in dem gut- 
willig erzugt hau, ist wohl billig, dass wir ihne desshalb unsern Schein 
geben, damit sie hinfur ihrer Güter halber in solchen Marken gelegen 
von uns , unsern Nachkomen und Stift noch den unsern zu Castell zu 
Bestellung und Enthaltung der Landwehre und Warten nit mehr ange- 
zogen noch mit Aufsatzung beschwert werden, darum so gereden und 
versprechen wir für uns, unser Nachkommen und Stift sie und ihre Güter 
des Orts gelegen, verliehen oder unverliehen hinfur ewiglich desshalber 
nit weiter zu beschweren, noch durch die unsern von Castell beschweren 
zu lassen, Gefehrde und Arglist herin ausgeschlossen. Und dess zu 
Urkund, so haben wir unser Secret an diesen Brief thun henken, der 
geben ist zu Sanct Martins Burgk in unser Stadt Mainz am Dienstag 
nach S. Martins unsers Patronen tag Anno Domini 1499. ') 



i) Aus dem handschriftlichen Codex dipl. von Bodmann auf dem Darmstädter 
Archiv (t. IV. 411), der dabei bemerkt, dass den letzten Wartthurm zwischen 
Castel und Wiesbaden, an dem sich das Bertholdische Wappen befand, die 
Franzosen 1798 hätten niederreissen lassen. — Auch das Spital zum h. Geist 
zu Mainz hatte sich an demselben Tag um 40 Goldgulden von derselben Ver- 
pflichtung losgekauft, worüber die Urkunde ebendaselbst steht. 



Taiifuam<^D als GaUim^snamen in sprichvvörtlicbeD 

RedeDsarten Kassaus. 



Von 

Dr. P. J. Münz 

zu Oberhöchsladt.. 



Die Christen der ersten Jahrhunderte behielten nach ihrem Ueber- 
tritte vom Heidenthiime zum Christenthume meistens die Namen bei, 
welclie sie von ihren lieidnischen Eltern erhalten und vor ihrer Be- 
kehrung getragen hatten. Demgemäss finden wir, sowohl auf den christ- 
lichen Monumenten, als auch in den Sclirifton der ersten christlichen 
Jahrhunderte so viele Namen von Christen, die offenbar heidnischen 
Ursprungs sind. 

Theilen wir dieselben der Uebersichtlichkeit halber in Klassen, 
so haben wir Namen abgeleitet : 

1) Von heidnischen Gottheiten : Apollo {l. Cor. 16, 12) — ApoUi- 
naris (Marangoni Act. 5. Vict. pag. 122) — Apollinnria (Murat. Thes. 
1830, 6) — Fhöhes (Köm. 16, 1) — Pi/thius (Act. Sanct. V, 83) 
Bacchus (Perret Catac. V. pl. 78, 5) — Dionysia (Act. S. V, 113) — 
Herculanus (Perret V. pl. 68) — Janus (Murat. 387, 1) — Laeda 
(Boldetti 379) — Mercnrms (Act. S. V, 82) — Mercuriis (Fabrett 
551) — Mercurina (Le Blaut 1, 74) — Mincrvia (Boldetti 491) — 
Saturmnus (Marchi 85) — Venus (Boldetti 477) — Vener ixs (Perret 

V. 32). 

6* 



90 

2) Namen, abgeleitet von Zahlen sind im christlichen Alterthume 
ebenso zahlreich wie im heidnischen: Priwus, Frima, Primenia (Fa- 
bretti 579) — Prinmiius (Rossi, Inscr. I, 206) — Serundnf: (Martyr. 
Rom. TX. Jan.) — SecimdivKS (Perret XLI) — Quartus (Mart. Rom. 
II! Nov.) — Quartina (Boldetti p. 479) — Quintus (Mart. Rom. X 
Mai) — Sextus (Perret LXII) — Septimus (Perret LXIX) — Septimius 
(Perret XVII) — Octaliann (Marangoni p. 454) — Octavia (Fabretti 
375) _ Octananus (Boissieu, Inscr. de Lyon Suppl. 14) — Decia 
Aringhi II, 262) — Chylianus (Mart. Rom. VIII Jul.) 

3) Von Thieren abgeleitete Namen sind folgende: Aper (Acta 
Sanct. V, 93y; — Aequilius (Oderico 33); — Af/nes (Mart. Rom. XXI 
Jan.) und Af/nelhis (Mart. R. XVIII Dec.) ; — Aqidln (Mart. R. XXII 
Jim.); A'i>i/Ji))ns (Mart. R. XVI Mai) und Aquilius (Le Blant I, 157); 
Asella (Act. Sanet. V, 120), Asellus {Muffel Mus. Veron. 281); Asellicus 
(Marini422), A>icllianus (Boldetti 487), Asini a (Luin, Sev. Epit. 102); 

— Cai'va (Bold. 361), Capriola (Perret V pl. V); — Castora (Maffei, 
Mus. Veron. 264), Castorius (Gruter 1050, 10) ; — Cerviola (Mai, Coli. 
Vat. V. 424), Ce/TmKS (Lupi, Sev. Ep. 173), Cervonia (Marangoni 460); 

— Dracontius (Buouarr. Vetri 169); Felicula (Fabretti 549) und 
FaeZ/c/rf c'^Iartigny p. 447); — Leo (Passionei 125), Leonilla, Leontia 
(Maiini Iscr. Alb. 188), Leontius (Boissieu Suppl. 4); — Lupus (Mart. 
Rom. XIV Oct.), Liipercus (Perret V), Liqncums (Marini Arv. 296), 
LupicHs (Boldetti 396), Liipula (Le Blant I, 396); — Po/-can« (Boissieu 
561), Forcella (Bold. 376), Forcus, Forcia (Boldetti 449); Tigris 
(Fabretti II, 287), Tkjridina (Boldetti 346), Tkjridius (Le Blant I, 26), 
Tigrlnianus (Boldetti 416); Tigrinus (Reines. XX, 398). Man sieht 
hieraus, dass Thiernamen bei den Christen ebenso häufig, vielleicht 
noch häufiger waren als bei den Heiden. 

4) Eine weitere Klasse von Namen ist abgeleitet von Gegenständen 
der Agiicultur. Agcllus (Gazzera 24), Agricia (Boiss. 552) von ager 
Acker; — Fructuosus {MdLi-t. R.XXI Jan.), Fructulus{\. c. XVIII Febr.) ; 

— Laurina, Luurentius; - Faator (Marini, Arv. 255). Besonders 
häufig sind nachstehende: Faisticus, Fuistica; Silvaniis, ISilvana, Silvia, 
Silbina; — Stcrcorius, Stercoria, Sfcrcorus. Da uns die letztgenannten 
als heidnische Namen wohl nie begegnen, so darf man wohl annehmen, 
dass die Christen sich dieselben aus Demuth beigelegt haben, höchst 
wahrscheinlich in Erinnerung an den Ausspruch des Apostels: „Wir 
sind wie ein Auswurf der Welt erachtet wurdfui, wie eiu Abschaum von 
Allem." ') 



') I Cor. 4. 13. 



Ol 

T)) Namen . V(»n nioralisclifii lMi^r,.|,s(li;incii lici-nciiommcii . sind : 
An/avfi/is (l'ciici LIV), AniaiKla (llcckci- in Niissiiii. AiinMloi \ II S. 7). 
Anuin'lins ( Jidjs.sicn 1;)) der l.iciHiisw iii(liL;r; Aijul hau ('W-Avi. L'. Wll 
Doc): Aristo (Uossi, \\\>(\\ I, KJC.j; - JUnia (Hdid. ;{,sl) JU.itusns 

(Ciainpini, Vot. mon. I, 275). .liotinsd (JN-rict LW) — hiiioaiitia 
ll)(dd('iti 71)), hiitocnitihü (rerret XXXVll); ittuocciit'nis (Arinj^iii J. 
378 und sonst selir liiiufig). 

<)) Kndlicli truf^oii vick' (.'lii-istcMi Namen liistoriscl) denkwürdiger 
Personen des heidnisclien Alieiilmms. Knvälmen wollen wir mir einige: 
>4(/y /}'^j'/7/(^ jVlartvrin (Mart. l\nm. >;XIV ]\Iai) Alciauda- (sehr liäulig) 
- Ai)iphi()n{^\üxi. Hom.XÜ dun.)— Auiioflins (\. c.W M\\.) Aut<»iuis 
(selii' liäntlo-) — ApcUcs (ad Koni, lü) — Atigitstus Marivrei" (Mart. 
Rom. Vi! Mai) - Fahim (Mart. \\m\. XXXI Jul.) — Uadriiwus 
(Mart. Korn. V Mai) — 7W/•(W/^s■ (1. c. XXI Jan.) — Plafo, Märtyrer /n 
Ancyra (1. c. XXII Jul. — Thrinisforlcs^ Martvicr zu Lyeien (1. c. XXI 
Dec.) — Tihciins, Älartyrer unter Diocletian (1. c. X Nov.) 

Wenn nun auch die Christen der ersten Jahrhunderte meistens 
ihre heidnischeji Namen beibehielten , so haben wir ,i;lei('hwohl 
Beweise, dass auch Namenäiidernngen bei der Taute vorkamen. Dei- 
Märtyrer Petrus IJalsamus antwortet auf die von dem Ifiehter 
Severus an ihn gestellte Frage, wie er heisse: Xoniiiif, patcnioJialt^anins 
dicor, sjnritnali vcro nojiuiie, qaod in hajitiynio ncvc-pi. J'cfr/us dicor. 
Mit meinem Geburtsnamen heiss ich JJalsanius, mit meinem Tautiiameii 
aber Petrus. ') Von den Märtyrern in l'alästina l)eriehtet llusebius -'): 
Ipsi indita sUA <i ixurntibus noinina idfo fotiassc. '/tod issciit idolornui 
vocahulu, abjeceraitt. Papst Stephanus (f 2^u) legte der Tochter dos 
Nemesius, welche er taufte, den Namen Lucilla bei. liaptizatanifdiam 
nominavit Lticülam. ■^) 

Wenn nun Binterim "), auf diese wenigen Beispiele sich stützend, 
mit Ausserachtlassung der vielen ol)on angeführten gegentheiligen er- 
klärt: ,Der früher geführte heidnische Name wurde hei der Taufe durch 
den Namen eines Heiligen ersetzt, so ist das in dieser Allgemeinheit 
unrichtig. 

Namen von Personen aus der hl. Geschichte begegnen uns in den 
Monumenten der ersten Jahrhunderte sehr selten, .luch hier scheint 
die Macht der Arcandisciplin entscheidend eingewirkt zu haben. 

Dagegen finden wir viele Namen, hergenommen 1) von cliri- fliehen 



n Ruinart, Acta iiiartynim III ii. !. — -) Hi.st. .m-cI s. lil.. \lil 'i'- "• — 
3) Baronius ad anii. 259. — ') l>io vorzügliclisteii Denkwürdigkeiten der 
katholischen Kirche Bd. 1 Th. 1 S. JU. 



92 

Do^miHii. 2) \"ii Feston. A) von TiiKenden . die natüilicli boi den Heiden 
nicht vorkunniuMi. 

Abgeleitet \<>n (.liiislliciien Kestcn sind: Ei>ipluiiiin)< (Kossi. Inscr. 
I. 287); Ki>i2)hutni (Mart. Koni. XII .Inl.) \on Ki.ipliania. [Msdioinung 
des Herrn - Xatalis, yatalin (Alart. Koin. XXVI 1 -lul ) von du\s iia- 
falis Ihninii, Weihnachten Pascasia (Hoissieu 550) ; I'ascnsiu.s ((iiorgi, 
De jnonogram. Chr. 33); rascastts (Act. Sanct. V 108) von Pascha, 
Ostern — Sahbatius (Passionei 135); Sabhutia, Sabbat ns (Bohietti 490) 

von Sabbat. 

Hero-enominen sind von christlichen Dogmen: Anast(ma {Vi'wvi LXl); 
Aiinstasius (Boldetti 303) \on äva^xaT.c Auferstehnng Atlmvasius, 

Af/ianaala (sehr hiuitig) von äi)-ävaroc unsterblich —7iV/^/t>//j>/a (Liipi Sev. 
Epit. 185): Ilrclcmptins (Vermiglioli, Iscr. Perug. 589): Rcilcm pt/is {Ln\n 
1. c. 110) voll rndrmptns erlöst — Renatas (wiedergeboren) (Act. 

Sanet. V, 84.) 

Von christlichen Tugenden derivirt sind Aifape und Intnc Liebe 
und Friede, zwei Namen, die ausserordentlich häutig vorkommen. (Hottari 
CXXVII, Boldetti 55). Abgeleitet davon sind Agapns (Boissieu 593); 
Ai/a/ietas (Perret LXII): Agapcnis (Kossi, Inser, 99): Acjapetilla (Bol- 
detti 400). Man liebte in ehristliclien Familien /.ii vereinigen die Na- 
men der drei theologischen Tugenden Pistis. FJpis. Agape Olaube, Hofl- 
nung, Liebe (Rossi TXWY(' \). 19; Mart. Kom. l Aug.) 

Mit dem Aufliören der Verfolgungen, seit dem 4. Jahrhunderte be- 
gegnen uns dann die Namen heiliger Personen <ler Otlenbaning. vor allen 
der Name Maria: Licta Maria iu jiacc (Kossi Inscr. 1. 325) Maria 
in pace (Perret C) Maria fccit ßliac Cirice (Perret LXIII n. 23); 
Maria Vcnerabelis (Boissieu 585) ; sodann die Namen der Apostel : 
Johamiia (Marini 251: Kossi, Inscr. 1, 278 u. 280 sq.): I'anlns (Act. 
S. V. 105; Rossi 1. c. I, 191) Panla (Act. Sanct. V. 100); hlaciaa 
Fanlns (Act. Sanct. V, 7 ); — Petras (Marchi 27) IIKTPOC (Münz, 
Symbole S. 85); Fetronia (Monttaucon, iter ital. 118). 

Seitdem die Arcandisciplin ausser Kraft, fordern die kirchliehen 
Vorsteher (z. B. Theodoret Sermo VIII und l^usebius Hist. eccl. lib. Vll 
ep. 25) die Christen geradezu auf. sie möchten ihren Kindern liinfür 
nieht mehr heidnische, sondern niii' christliche Namen l)eilegen. Noch 
einen Schritt weiter geht der hl. Chrysostomus. V.\ will es den Christen 
geradezu zur PHicht machen, den Kindern nur christliche Namen zu 
geben. Nos sanc neqne avorum , abacoram, et coram, qui genere 
clari fulgerint, noiiiina tribuamus, sed sanctvrmn riroram, qui virtuti- 
b(ts faertmt, plnriinamqae extra De um habnerunt fidaciuin. ') Derselbe 



') Hom. XVJ 111 Gl'11. 



93 

Hoili^e liebt in seiner Hornilie über den hl. Meletiiis rühmend hervor, 
dass in Antiochien viele Eltern ilncn Kindern den Namen dieaes be- 
riihinten Heilij^en beilegten. ') 

So bildete sich in dem grieehisch-römischen Zeitalter der Kirche 
allnialii;" der Brauch, dass Kinder in der Taute nur Namen christlicher 
Heiligen und vorzugsweise Namen von Aposteln oder berühmten Märtyrern 
oder Kirchenvätern erhielten. 

Die bekehrten deutschen Völkerstämme, die Franken, Burgunder, 
Westgothen, Alemannen u. s. w. b(diieltt!n, wie die ersten Christen, ihre 
heidnisch-dentschen Namen bei. Daiier begegnen uns in den Monu- 
menten der riuM-ovingisclien und karolingischen Zeit fast nur acht deutsche 
Namen , ih'iiei! jedoch mitunter eine lateinische Endung angehängt ist. 
Nur einige Beispiele: ÄbarkUd von ahars atark und Mit Heft des 
Schwertes (Pertz VI], 20) ^f/a^er^ (Pertz IX, lü2): i^^i^^r^ra (P]kkeburg) 
(Goldast i^'r. alamann. Script. IT, a. 180); Agilfrid (Pertz II, 195); 
Ainaldheitja {amal Arbeit) Nichte Tlieodorichs des Gr.; Audo (goth 
(iiidags lleichthum), davon Otto-- Andolcndis {]i(ick%v in Nass. Annalen 
Vll, 22 — Odoracar (aus ando und ivachar wachsam) — Gmidobald 
Burgunderkönig im 5. Jahrhundert (aus (jant Krieg und bald tapfer, 
schnell); Ikrahta (Bertha) Tochter Karls der Grossen; ChunihUd von 
knoni, kühnimd hilt (schwertkühn j (Pertz VIT. 122); HididJ und llidulph 
< Pertz I, 9; Pardessus a. 691); llagddplo^) (Münz, Monogramm 
(.'hristi S. 52); 7/o/fZi?// (Urkunde von St. Mihiel ad a. 1002); Truch 
<^?t//' (Zeuss, Traditiones VVizenb. n. (37); Hildiyard (Pertz 1, 165); 
Irminyard (Pertz I, 205 — V, 511); OdaUi (Karajan Verbrüderungs- 
huch von St. Peter stammverwandt Of^^Yw (Pertz II, 570 — X, 370); 
F,ihhard (J{icliard) (Pertz II, 608) ; Siyihald von sign Sieg (Pertz II, 269). 

Bei dieser Gelegenheit können wir es uns nicht versagen, auf den 
bedeutenden Unterschied zwischen den griechisch -römiehen und den 
deutschen Namen hiirzuweisen. Während die römischen Namen ihren 
Ursprung ableiten \oii Thieren Forciiis, Asinius, oder von körperlichen 
Zuständen Cnissiis, Balbas oder Zahlen Primus, Quintiis u. s. w., ist 
der Sinn der Namen bei den Germanen edel und hoch. Namentlich 
muss den letzteren Alles, was glänzt und stark und herrlich ist, was 



1) HoiTiil. de sancto Meletio. — -') Der Name Hugdulph, gebildet aus dem Ahd. 
/mgu(\e\i^t und dem (jotli. «///s oder Alid. trolf, bedeutet der Wolfsmuthige. 
Auttallend zahh'oich ^ind die mit /■«//' zusaiiimengesetzten Eigennamen. Förtse- 
mann T, lo-^d zäiilt ihrer oSl. Die MiXi;t!e dieser Namen erklärt sich nicht 
bloss dadurcl) , dass Wolf und Bär die Hauptraubthiere der deutschen Wälder 
waren, sondern vielmehr dadurch, dass der Wolf dem Wuotan heilig und der 
Kiesenwolf fenrir den Wuotan selbst am Ende verschlingt. 



94 

lieblich ist und treu um] tapfer und Anmutli ausdrückt, den Namen 
leihen. So hejsst Herchta (Hertha) die (Uäu/ende, Adelheit die Kdel- 
strahlende, Sigbald <ler Siegesniuthige, Mechtilt ilic Ivuiuidinächtige. 
Der Kampfeslust und Tapferkeit der (iermanen entsprechend, sind die 
Namen, welche auf Waffen, Kampf, Tapferkeit und Sieg Bezug haben 
die zahlreichsten. 

Die echt deutschen NanuMi blieben noch lange, naclidem alle ger- 
manischen Völkerstämme cliristlich geworden waren, fast in alleiniger 
Anwendung. Die Namen unserer Kaiser Heinrich, (v. /laims und rieh 
daheim reich), Konrad (von Jcuovi und rät = kühn im Kath) . Otto 
(v. nndo = Reichthum), Friedrich (von fridn und nch = an PVieden 
reich), die Namen unserer Fürsten. Herzoge und Grafen Berthold, Hugo 
Eberhard, Siegfried , Hermann, Leopold. Bernhard sind echt deutschen 
Ursprungs. Ja noch mehr, alle Cataloge der deutschen Bischofssitze 
weisen uns, seitdem die deutschen Stämme eigene Reiche gegründet, 
lange Zeit nur deutsche Namen auf. Die Namen der Mainzer Erzbischöfe 
Kiculph, Haistulph, Hrabanus (v. //n<6a» = Rabe) Liutbert, Friedrich, 
Willielm {vilja = Wille und hchn = Helm), Heriger, Siegfi'ied -- 
sowie diejenigen der Trierer und Köhier Erzbischöfe Richbod, Bertulph, 
Poppo, Cunibert, Hildebald, Bruno (v. hrnn =^ braun oder hrunja =- 
brünne), Hanno oder Anno (v. hano = Hahn oder ano Ahne) sind nur 
deutsche Namen. 

Die deutschen Namen büeben die gebräuchliclisten bis ungefähr 
zur Refonnation. Diese jedoch unterbrach gewaltsam die Verbindung 
mit dem deutschen Mittelalter, weil es katholisch war. Die Kenntniss 
der meisten deutschen Heiligen verschwand nach und nach aus dem 
Volke. Dadurch schon , noch mehr aber durch das grosse Gewicht, 
welches die Reformatoren mit Ausserachtlassung der Tradition auf die 
heilige Schrift legten, wurden die biblischen Namen auch in Deutschland 
vorherrschend. 

Der Katechismus ex decreto ConcUii Tridentini befiehlt, dem Täuf- 
ling den Namen eines Heiligen zu geben, damit der Getaufte dadurch 
zu gleicher Tugend und Heiligkeit aufgennmtert werde. Das Concüium 
üsnabrugense {1028), sowie das Concil. Paderhornense {1088) bestimmt 
dem entsprechend auch für Deutschland Baptisatis nulla alia nomina 
imponi debcnt quam sanctorum, (pwrum denominatio ac memoria aduUis 
ad virtutis imifationisque Studium desiderimi acccndere possint. 

Durch Alles dies wurden die schönen deutschen Namen, die nicht 
einen der bekannteren Heiligen als Träger aufweisen konnten, verdrängt. 
Dagegen blieben diejenigen in Uebung, welche durch einen der berühm- 
ten deutschen Heiligen vertreten waren. 

Daher finden wir heute noch neben den biblischen die Namen 
unserer deutschen Heiligen Leopold, (Luitpold), Heinrich, Wolfgang, Otto, 



95 

Bprnlianl, Heribert, Ulrich, Williolm, Ludwig, Benno, Konrad, Friedrich 
u. s. w. 

Die Vorsclirift des römischen Rituals , sowie die ganz älinlich 
lautenden Aussprüche mancher Provinzialsynoden : ^Curet sacerdos , ne 
ohscocna, fdbnlosa, ridicula, vel inamum deorum vel iinpiorum ethni- 
corum hominmn noniina imponantur, scd potius quatenus fieri potest, 
Sancforum, quornm cxemplis fideles ad pie vivendum excitentur et 
IHitrochnis profegantur'^ werden so ziemlich allgemein beachtet. Nur in 
Italien begegnet man mitunter heute noch Namen des classischen Alter- 
thums wie Hercules, Scipio u. A. 

(In(!i-wilhnt möchten wir nicht lassen , dass die verschiedenen 
europäischen Si)rachen die Heiligennamen nach dem Genius ihrer 
Sprache ummodebi und unsere vornehme Welt die Namen oft so ver- 
kaudei-wälscht. dass man einige Mühe hat, die ursprüngliclie Bedeutung 
/u finden. Denn wer vermöchte in einem Lili den Namen Elisabeth, 
in einem Nini den Namen Eugenie, in einem Lulu den Namen Luise 
oder Ludovica, auf den ersten Blick zu erkennen? 

In gewissen Familien, Ständen, Orten und Landschaften sind ge- 
wisse Taufnamen besonders häufig, zuweilen sogar ausschlieslich an- 
gewendet. 

So hiessen die Erstgeborenen des adeligen Geschlechtes von Laber 
in Bayern höchst wahrscheinlich immer Hadamär , ^) die Manessen in 
Zürich meistens Rüdiger, die Grafen von Leiningen Emicho, ^) die Gra- 
fen von Walderdorft" (in Nassau) Wilderich, die von Zollern Friederich, 
die Schauenburger in Holstein Adolf, die Grafen und Fürsten von Fürsten- 
berg Egon, die Herzoge von Zähringen Berthold und die Grafen und 
Fürsten von Reuss nun schon Jahrhunderte lang Heinrich. Ebenso 
haben von jenem Balduin dem Eisernen, der 864 Graf von Flandern 
wurde, bis zum söhnelosen Kaiser von Konstantinopel, der 1261 starb, 
alle Erstgeborenen des gräflichen Hauses Flandern den Namen Balduin 
geführt. ■^) 

Auch die Stände und Handwerker hatten ihre eigenthümlichen, 
vor andern vorherrschenden Namen, die meistens hergenommen waren 
von den Schutzheiligen der verschiedenen Gewerke. So ist der hl. Joseph 
Patron der Zimmerleute; der hl. Johannes der Täufer, der mit Wasser 
seinen Durst löschte und mit Thierfellen sich bekleidete, Patron der 
Büttner und Kürschner; der gesteinigte Stephanus Patron der Maurer; 
der hl. Petrus (mit dem Schlüssel), Patron der Schlosser, mit dem Hahn, 



•) Veigl. Schmellor, Hadamär von l.abers .lagd 8 IX. - Pfeiffers Germania 
Bd. 5, S. 317. — 8) Vergl. Lambert von Hersfeld, Annalen ed. Hess 1843, 
p. 85. 



96 

der die Zeit verkündigt, der Uhrmacher ; der hl. Johannes der Evangelist, 
in dessen Händen der giftige Becher zersprang, Patron der Glaser; 
der hl. Lukas Patron der Maler und wegen des ihm beigegebenen Sym- 
bols des Stieres auch der Metzger ; der hl. Erasmus , dem die Gedärme 
aus dem Leibe gehaspelt wurden, Patron der Drechsler u. s. w. Be- 
sonders gilt dies für die Zeit, wo das Genossenschafts- und Innungs- 
wesen noch in Blüthe war. 

Namen, welche örtlich und landschaftlich vor andern gebräuchlich 
waren, und damit sogleich die Heimath ihres Inhabers verriethen, lernen 
wir für das 16. Jahrhundert aus Fischarts Gargautua kennen. „Schöne 
Namen reizen auch zu schönen Thaten: darumb muss es Gargantubisch 
auff den glücksfall ausserlesen sein, nicht dass alle Schlesier Furmanns- 
claus, Lübecker Tül, Nürnberger Sebald, Augspurger Urli, die Schotten 
Andres, Spanier Ferrnant, Portugaler Jakob, Behmen Wenzel, Ungern 
Stephan, Pommern Otto, Preussen Albrecht, Flemming Balduin, Fran- 
ken Kilian, Märker Jochen (Joachim) heissen." 

Wenn wir heute noch von Bruder Jonathan, von John Bull, vom 
armen Paddy reden, so wissen wir, dass damit der Nordamerikaner, der 
Engländer, der Irländer gemeint ist. 

Bei der Mehrzahl dieser Namen liegt es klar, wesshalb gerade sie 
in den angegehenen Städten und Ländern so gehräuchlich geworden 
sind. Es sind die Namen von Männern, die sich — als verdiente 
Fürsten wie Stephan, Ferdinand, Wenzel, oder als ruhmreiche Missio- 
näre wie Kilian, Otto und Patritius, oder als segensreich wirkende 
Bischöfe wie Ulrich und Stanislaus, oder als freigewählte Stadt- und 
Landespatrone wie Till (Aegidius), Benno, Jakob und Andreas — ein 
gesegnetes Andenken bewahrt haben. 

Eine gewisse Vorliebe für besondere Namen tindet man im 
Nassauischen mehr in der vom grösseren Verkehre abgeschlossenem nörd- 
lichen Hälfte, die ihre Eigenthümlichkeiten noch besser bewahrt hat 
als die südliche. So gibt es im Amte Montabaur einen Ort, wo fast 
ein Fünftel der männlichen Bevölkerung Adam heisst. Im Amte Lim- 
burg findet man ein Dorf, wo in jedem Hause sich ein, zwei, drei Jo- 
hannes (Sohn, Vater, Grossvater) finden. Im Amte Hadamar ist ein 
Ort, in welchem wohl ein Viertel Johann Wilhelm (Hann Wilelm), 
und ein anderer Ort, wo ein gutes Sechstel der männlichen Einwolmer- 
schaft Paul benannt ist. 

Wir glauben, dass es den Lesern der Nassauischen Annalen nicht 
uninteressant sein dürfte, wenn wir auf die sonderbaren Sprichwörter 
und Redensarten Nassaus (besonders der Lahngegend) , in welchen 
Taufnamen in ganz eigenthümlichen Bedeutungen und mit ganz merk- 
würdigen Zusammensetzungen als Gattungsnamen vorkommen, etwas 
näher eingehen. 



97 

Der Taiifnaino behält in allen diesen Sprichwörtern das Aus- 
sehen eines individuellen Pligennamens, in Wirklichkeit aber hat er den 
Sinn eines nomen appeUativum, eines Gattungsnamens. 

Seit Jahrhunderten ist der Name Johannes einer der gebräuch- 
lichsten deutschen Tauthamen. Ihn trugen nicht allein Bauern und 
Handwerker, sondern auch Fürsten und Grafen. Hinweisen möchte ich 
auf die Hans Hilchen von Lorch, die Hans Brömser von Küdesheim 
und die sechs Grafen Johannes von Nassau. *) Die Beliebtheit des 
Namens Johannes erkläre ich mir als eine Folge der Verehrung des 
Täufers, den der Heiland als den grössten der vom Weibe Gebore- 
nen pries. -) Und heute noch ist bei dem Landvolke in Nassau der 
Name Johannes einer der beliebtesten. Fast immer hört man indessen 
die s. g. Kose- oder abgekürzten Formen Johann, Hannes, Hans, Hanne 
(in Limburg). Schambetist aus Jean Baptiste ist aus Mainz nach dem 
Rheingaue eingewandert. 

Eine Wirkung der Vorliebe für diesen Namen ist, dass die Lieder, 
Mährchen, Sprichwörter des Volkes denselben am liebsten gebrauchen, 
wo ein Vorname nöthig ist. •^) Die vielen Knaben der Gräfin von 
Henneberg nennt der Dichter alle Johannes.*) „Das hätten wir gehabt, 
sagte Hans , als man seinen Vater begrub " , ist ein bekannter Volks- 
spruch. ^) 

Aus dem Landvolke geht der grösste Theil der Dienenden hervor. 
Da nun ein sehr grosser Theil der jungen Burschen den Namen Johann 
und der Mädchen den Namen Gretchen führt, so wurden Johann und 
Gretchen die gebräuchlichsten Gesindenamen und Johann und Gretel 
nach und nach identisch mit Bedienter und Magd. Allbekannt ist, wie 
der Herr seinem Diener in unserer Gegend „Johann* ruft, mag letzterer 
diesen Namen tragen oder nicht. Daher in der Lahngegend die oft 
vorkommende ironische Frage: „Soll ich dir einen Johann bestellen* 
— „einen Johann nachschicken?" Dieselbe Ausdrucksweise finden wir 
in den Volksliedern •") und Volksmährchen. Ein Volksmährchen schil- 
dert den „Johann" als treuen Diener seines Herrn und die kluge „Gretel" 
als tüchtige Köchin.''') Schuppius sagt in einer seiner Predigten: „Odu 
ehrlicher Hans, du liebe Gretel, du musst Tag und Nacht grausam 
arbeiten und dein Herr ist ein rechter Nabal, ein rechter Pharao.^) 



') Nassaus Sagen. Mainz, Scholz (ohne Jahreszahl), S. 159. —2) Matth. 11. 11 
Vergl. Luc. 1, 66 ff. — •'') Vergl. Uhland, Volkslieder S. 670; Brüder Grimm, 
Mährchen Nr. 15, U, 84, 106, 108, 136 ff.; Simrock, Räthsel 8. 199. — 
") Simrock, Rheinsagen. Bonn 1837, S. 7. — ») Eine ganze Reihe solcher 
Redensarten in Höfer, Wie das Volk spricht. 3. Aufl. S. 31u.32. — ß) Uhland. 
a. a. 0. S. 447, 450, 955. — ') Grimm a. a. 0. Nr. 6 u. 77. - ^) Schuppins 
Schriften. Hamburg 1659. Bd. 1 S. 202. 

7 



98 

Knedito sind oft faul, lüderlich, beschränkt, dumm : desgleichen die 
Mägde. Daher werden Hans und Gretel Gattungsausdrücke zur Bezeich- 
nung solcher Dienstboten. So spricht man in der Lahngegend von 
einem , faulen Johann % einem „dummen Johann", der die Streichhölz- 
chen alle probirt, ob sie auch gut sind, von einem „lüderlichen Johann% 
von einem Hannebambel (einem faulen, in allen Beziehungen nachlässi- 
gen Knechte.) Die leichtfertigen, unüberlegten Liebesverhältnisse, welche 
dienende Personen oft anfangen, persifliert folgender Volksspruch: 
„Hansel und Gretel, zwei allerliebste Leut; 
Hansel war narrig, die Gretel nit gescheit." 

Selbst in den Mährchen, wo vom „gescheiten Hans", vom „klugen 
Hans*, vom „Hans im Glücke" die Rede ist, handelt der Hans doch 
immer dumm, i) Daher datirt der Ausdruck „zum Hänschen haben", 
d. i. zum Besten haben. Deswegen bedeutet bansen oder hänseln so 
viel als aufziehen, verspotten, besonders aber Jemand mit allerlei lächer- 
lichen Umständlichkeiten, mit allerlei Fopperei in eine Gesellschaft auf- 
nehmen. Besonders verbreitet ist dieser Ausdruck im Rheingaue, wahr- 
scheinlich durch den Eintluss des „Hänseins" in St. Goar. Bis zum 
Aufkommen der Dampfschifffahrt auf dem Rheine bestand nämlich zu 
St. Goar der eigenthümliche Brauch, dass jeder Reisende, der zum ersten 
Male dorthin kam, von seinen Gefährten an einen neben dem Zollhause 
befestigten messingenen Halsring angeschlossen wurde. Lösen konnte 
er sich nun durch die Wasser- oder Weintaufe. Wählte er die erstere, 
so wurde ihm ein Eimer Wasser über den Kopf gegossen, wählte er 
die letztere, so musste er einen mit Wein gefüllten Humpen auf das 
Wohl Karls des Grossen und der Gesellschaft leeren. Dann wurden 
ihm die Gesetze „des lustigen Ordens" vorgelesen, eine Krone wurde 
ihm aufgesetzt und ihm „die Fisclierei auf der Lurlei und die Jagd 
auf der Bank" als Lehen übertragen. Zuletzt musste er einen Arraen- 
beitrag geben und sich in das „Hänselbuch" eintragen.'^) 

Mit naiver Beschränktheit ist bei dem niederen Volke oft ver- 
bunden die naivste Ehrlichkeit und Treue. Darum nennt man im Hada- 
marischen (dem Gebiete des ehemaligen Fürstenthums Nassau-Hadamar) 
einen ehrlichen, offenen, treuen Landbewohner einen „guten", „ehrlichen", 
„offenen", „treuen Hannes" in absichtlich bewusstem Gegensatze zu 
dem zwar geschliffenen, aber oft perfiden und unehrlichen Wesen vieler 
Bewohner der Städte. ^) 

Zuletzt wird der Begriff" des Eigennamens Hans ein so allgemeiner 
Gattungsbegriff, dass er jedes männliche Wesen aller, nicht blos 



•) Vergl. (irinim a. a. 0. Nr. 32, 83, 162. — «) Simrock, Rheinsagen S. 96. — 
3j Vergl. den Hans von Hasselbach in Nassaus !^agen S. 53. 



99 

der niederen Stände bezeichnet. Zuweilen liegt zwar noch ein unbe- 
stimmter Schimmer von Tadel und Spott in den Ausdrücken, jedoch 
weniger in dem Worte Hans, als in den beigesetzten näheren Bestim- 
mungen. Sehr gebräuchlich ist das Sprichwort: ,AVas Hänschen nicht 
lernt, lernt Hans nimmermehr." Von sprichwörtlichen Redensarten sind 
gang und gäbe folgende: Hänschen im Keller, d. i. ein noch 
ungeborener Sohn, — ein gewaltiger Hans, ein reicher Hans, Junker 
Hans , ein grosser Hanns, ') ein Grosshanns, -) grosshansig , Gross- 
hanserei, — Fackelhanns (ein leichtfertiger, unbeständiger Mensch), 
Faselhans (s. v. a. Phantast), Plapperhans, Prahlhans, Schmalhans als 
Küchenmeister, grober Hans, -^ — Hans Äff, Hans Dampf (ein unwich- 
tiger Mensch), Hans Spring in's Feld, ^) Hans Tapp in's Kraut, Hans 
Tappes, Hans oben im Dorf^) (d. h. Dorfmagnat), Hans ohne Sorgen, «) 
Hanswurst, eigentlich vermummter Narr. 

Anmerkung. Manche wollen eine üebereinstimmung der Narren- 
Namen mit den Lieblingsgerichten der verschiedenen Nationen finden. 
Die Deutschen nennen ihren Narren Hanswurst, die Franzosen Jean Potage 
(Suppe), die Engländer Jack Pudding, die Holländer Pickelhäring , die 
Italiener Maccaroni, die Russen Kaputsnik. 

Zur Bezeichnung einer etwas niedrigeren Stufe bedient man sirli in 
Nassau, wie in ganz Mittel- und einem Theile von Süddeutschland statt 
des hochdeutschen Hannes oder Johann, lieber des platt- oder nieder- 
deutschen Jan. Dazu kommt noch die auffallende Erscheinung, 
dass (meines Wissens) ausser dem Worte Janhagel, (Gassenpöbel) das 
Wort Jan nirgend selbstständig, sondern immer nur in Verbindung 
mit einem vorangehenden Worte vorkommt, und sich dermassen ab- 
schleift, dass aus dem Namen Jan die lateinisch scheinende Endung 
ian wird. Mit diesem abgeschliffenen ian sind gebildet: Schlendnuii. •) 
(fauler, immer zu spät kommender), Grobian**) (grober), Stolprian (steifer), 
Dummerjan 9) (dummer Mensch), ürian bezeichnet in der Eahngegend 
sowohl einen durchtriebenen, gottlosen Menschen, als auch den Tfufcl. 
in letzterer Bedeutung setzt das Volk gewöhnlich noch Hans liiii/u. 
Hans Urian ist der Gottseibeiuns. 

Ins dämonische Gebiet greift das hochdeutsche Hans hinüber in 
dem Worte Hanselmann, welches einen Hauskubold oder einen Berg- 



•) Vergl. Liither.s Briefe IV, 8S. - '^) Vergl. Arbraliain a. St. Clara, .ludas der 
Erzschelm IX, 2:W. — ^) Na.-<saus SaKon. S. 197. — *) Vergl. Altdeutsche 
Wälder I, 104. — ^) Vergl. Jer. (iottlielfs Schulmeister 1., -ib. — «) Simrock, 
Sprichwörter S. lO'.t. — '') Vergl. Sebastian Hrant, Narrenschifi' 110, 163. — 
«) Nassaus Sagen 182 und 183; vergl. Thomas Mumer, Schelmenzuiift Kap. 22. 
Bei Munier mit lateinischer Kndung Crohiamis. — '•'.) Vergl. den Kefrain 
des Vollvsliedes „0 sieh mal an den Dummerjan" u. s. w. 



100 

geist bezeichnet , jedoch nur einen guten , dem Menschen freundlichen 
und wohlwollenden. Dieses letzlere Moment liegt so sehr in dem Worte 
Hanselmann, dass in der Lahngegend Mütter ihren Kindern ,mein 
Hanselmännchen ' zurufen. 

Fast eben so häufig wie der Name Johannes bei dem männlichen 
ist der Name Margaretha bei dem weiblichen Geschlechte. 

Margaretha, Margarita (deutsch Perle) war die Tochter eines heid- 
nischen Götzenpriesters in Lydien. Sie starb nach Erduldung schreck- 
licher Qualen als standhafte Märtyrerin um 250. Als eine der ge- 
feiertesten Heiligen des Mittelalters wird ihre Legende von der deut- 
schen und altfranzösischen Dichtung des Mittelalters auftauend oft 
erzählt. ^) 

Die gebräuchlichsten s. g. Koseformen im Nassauischen sind : Grete, 
Gretchen , Gretel. Gritt . G rittchen , Kitha, Als nomcn aj>pellafirum 
kommt dieser Name vor in folgenden Redensarten: eine , wunderliche 
Gret", eine , schlampige Gretel". eine „leichte Gritt", eine , wüste 
Gretel", d. i. ein wunderliches, schlampiges, leichtfertiges, wüstes Mäd- 
chen (iretcheu in der Küche ist eine noch ungeborene Tochter. Ins- 
besondere aber ist ,(}retchen" der Ausdruck für Geliebte, So heisst's 
in einem Volksliede : "'') 

Ein Hahnenfeder niuss er han, 
Ein Hemd mit seiden Näten, 
Damit er möge wohl bestan 
Und gefallen seiner (ireten. 

Jedes verliebte Paar wird sodann Hans und Gretchen (Hansel und 
Gretel) genannt.^) Da Gretel identisch mit Jungfrau und Mädchen, 
so heisst die zierlich blühende, zartblaue yigella damasccna (Linn.) bald 
Jungfer im Grünen, bald Gretchen im Busch. 

Der Name Heiurk'h ist ein echt deutscher und hiess ursprünglich 
Haimrich aus dem (ioth. haims = Haus und rieh = daheim reich. Der- 
selbe begegnete uns schon lange zuvor, ehe er durch Kaiser Heinrich II. 
(t 1024) in die Zahl der christlichen Heiligennamen eingereiht wurde. 

Schon im Mittelalter war Heinrich, weil ein deutscher, ein belieb- 
ter Name. Der arme Heinrich Hartmanns von der Au ist sattsam be- 
kannt. In einem Minnelied des 13. Jahrhunderts wird ein Heinzlin um 



>) Vergl. Dieiiier. Heiträge 1.222: Hau i.t. Zeitschrift 141 ; JMeitlers Gcnnania 4,440; 
Lindemann. Literaturgei<ch. r.7. — ^) Thland a. a. <>. S. <^'M. - ><) Vergl. 
'■riniin a. a. O. Nr. :)2: riiland a. a. O. .S. iJTl. 



101 

den Botendipiist zur Gplinbten angesprochen. ') Tn einer Predigt Meister 
Eckards ^) heissts: Swcnne daz ich tiir ieniaii biie, für Heinrich oder 
für Kuonrat, so bitte ich alh'r minnest. In (Jailer von Kaisersperg 
Predigten über das Narrenschifi', sü<!;i dieser : Sie liaben kein unterscheid, 
wem sie dienen, und <r\\t ihnen gleich, es sei Heinz oder Kunz. Im 
IH. Jahrhun(h'rt war Heini oder Heiri in allen Volksliedern und volks- 
thütnlichen Schriften der Name für Schweizer P]idgenossen , welche da- 
durch (eine Folge der Abneigung der deutschen Landsknechte gegen die 
Schweizer Miethstruppen im französischen Heere) als Schweizer Bauern 
\ erspottet werden sollten.-^) Denn im 16. Jahrhundert schon hatte der 
Name Heinz die Bedeutung von Bauer und Knecht angenommen und 
im 17. dahrhundert lieissen Knechte und Bauern in ganz Deutschland 
öfter Heinz oder Heintz oder Haintz. '') Daher der Ausdruck .Grober 
Heinz^ „Merk, Bauer! du bist ein grober Heinz." ■^) 

Heiniicli geht mit seinen verschiedenen provinziellen Koseformen 
(Henrich, Heini, Heine, Heinel, Heinz, Hein) in seiner appellativen Be- 
deutung in sj»richwörtlichen Redensarten vielfach neben Konrad und Jo- 
hannes her und wechselt mit denselben ab. 

In der Lahngegend sind verbreitet die Bedensarten: , Grober 
Heinz", .fauler Heinz", .narriger Heinz", „hölzerner Heinz". Besonders 
häutig hört man .geckiger, schoutiger Heinz", oder „so schuotig wie 
<ler luirrige Heinz". Dieser letzte Ausdruck ist sehr alt. Aus den 
Keimen des Baseler Todentanzes geht hervor, dass schon im 15. Jahr- 
hundeit Heine oder Heinz (seltener auch Hienz) der gangbare Namen 
eines Narren von Profession war. In diesem Sinne w-ahrscheinlich redet 
aucli Luther in seinem bekannten Schreiben an König Heinrich VIII. 
von Kngland diesen kurzweg mit Heinz an. 

V\ ie der Name Hans (Hans Urian), aber noch häutiger als dieser 
geht der Begrit^' Heinz ins Dämonische über. Allbekannt ist wie die 
Hausgeister (Zwerge, Kobolde) Heinzelmännchen genannt werden. '') Im 
Hadamarischen heisst man die bekannte Alraunwurzel (Atropa Man- 
drayord Linn.) wegen der ilir zugeschriebenen magischen Wirkungen 
Heinzelmännclien. Diese AN'urzel, welche bisweilen einem Menschen ganz 
ähnlich sieht, soll allerlei wuiulerbare Erfolge hervorbringen. Sie soll 
Gesundheit und Wohlstand befördern, das Geld vermehren, verborgene 
Schätze zeigen, gegen Hieb und Stich fest machen u. s. w. ") 



') \'on der Hagen, ^rinnesänger II.. 147. — -) Franz Pfeitter. Dpat,*iclie Mystiker 
1, 'o.\. — •') Vei-f?!. ;uicli Rochhol/,, Eidgenössische Liedt^rchronik. S. :5tjH. — 
'•) Vergl. Thiinias Aluinc^-r in Sohelmenznnft Kap. 9: .Ich liaiss Knecht Haintz." 
- 5) Uhland, Volksliodor S. tiPS. -- '* ) Vergl. dio Fleinzelniännchen von 
Kopiscli n. a. — ') Vergl. ■,\\\q\\ <u;isso. Beiträge zur Literatur und Sage des 
Mittelalters .S. 45 tf. 



102 

Meiner Meinunpr nach haben die bekannten, gewöhnlich Hansel- 
manns- zuweilen auch Heinzelmannshöhlen genannten, östlich von Badems 
auf dem Wege zur Bäderlei befindlichen, äusserlich kleinen Casematten 
mit Schiessscharten nicht unähnlichen, bis jetzt nicht enträthselten, fast 
horizontalen Vertiefungen ihren Namen von den im Volksglauben exi- 
stirenden Berggeistern oder Bergkobolden. 

Den Kindern macht man heute noch in der Lahngegend bange 
mit dem Heinzelmanne, einem in Waldungen, Bergschluchten hausenden, 
den F]rwachsenen gewogenen Kobolde, der jedoch die Kinder holt, wenn 
sie Abends spät noch draussen herum laufen. 

Bei Weilburg kommt eine ähnliche einzelne Höhle vor, welche 
ihren Namen Wölwenhöhle ^) ähnlichem Volksaberglauben verdankt. 
Der Name Wölwenhöhle dürfte wohl abzuleiten sein von Wala, d. i. 
eine weise Frau, eine Norne. Die Nomen (ähnlich den Moiren der 
Griechen und den Parzen der Römer) waren schützende Gottheiten des 
deutschen Heidenthums. ^) 

Schliesslich wollen wir noch erwähnen, dass Grimm •^) in dem im 
Nassauischen sehr verbreiteten, in ganz Deutschland bekannten Aus- 
drucke Freund Hein für Tod nur eine Abkürzung von Heinrich fin- 
den will. Ganz mit Eecht. Der Tod, ,den Gott nicht gemacht,"*) 
und ursprünglich nicht gewollt, ist darum etwas der menschlichen Natur 
Widerstrebendes, er hat etwas Grauenhaftes und Gefürchtetes, besonders 
für den Gottlosen, den er dem Teufel, resp. der Hölle zuführt, und 
wird darum oft mit dem Teufel zusammengestellt. Desswegen der Aus- 
druck Hein. Daher die alliterirende Verbindung im Volksausruf ,Tod 
und Teufel". 5) 

Warum der Tod Freund Hein genannt wird, ergibt sich aus der 
altdeutsch - heidnischen Auffassung des Todes. Sterben war dem alten 
Deutschen Heimkehr zur Gottheit. Heute noch heisst in der Lahn- 
gegend das Todtengeläute, welches gleich nach dem Tode Jemandes er- 
schallt, mit einem an die deutsche Urzeit anklingenden schönen Namen 
Heimläuten. Die Heimkehr dem Menschen zu verkünden, sendet nach 
altheidnischer Auffassung die Gottheit ihren Boten aus, welcher die 
Seele abholt und ihr zuführt. Dieser Bote ist der Tod. Nach altheid- 
nischer (und christlicher Auffassung für den Guten) ist der Tod darum 
kein schreckendes, schauerliches Wesen, sondern ein milder, aber strenge 
seines Amtes waltender Bote der Götter. Wie alle Boten im Alterthum, 
so trägt auch er seinen Stab. Gleich den Walküren hat er sein Eoss, 
auf welchem er im Lande umreitet. Dann schaaren sich die Seelen zu 



') Nassaus Sagen S. 97. — '^j Vergl. Wolf, Deutsche Götterlehre S. 46. — 
3) Grimm, Mythologie S. 811. — 4) Weisheit 1. 13. — s) Vergl. auch die 
herrliche Zeichnung von Dürer, „Ritter, Tod und Teufel". 



103 

ihm und bilden sein Gefolge, doch kein düsteres, trauriges, vielmehr 
ein heiteres, fröhliches. Wie denn überhaupt alle Geister fröhlich er- 
scheinen in ihrer Fessellossigkeit. Daher die Vorstellung des Mittel- 
alters vom T d e n t a n z , den der nun zum scheusslichen Gerippe gewor- 
dene Tod anführt und den alle ohne Unterschied mitmachen müssen. 
Jenes milde, freundliche Wesen des Todes nach altheidnischer Auffassung 
tritt noch in vielen Zügen hervor, die uns im Volksleben begegnen. Er 
heisst Freund Hein, er wird in den Mährchen gar zum Gevatter ge- 
beten und ist seinem Pathen ein schützender, glückbringender Freund, 
den er begabt , wie die Nornen die Kinder , an deren Wiege sie 
treten. ^ 

Der Name Koiirad (mitteldeutscher Kuonrät , kühn im Rath), 
scheint ursprünglich unter den höhern Ständen sehr verbreitet gewesen 
zu sein. Wir möchten nur erinnern an die Kaiser Konrad, den Pfalz- 
grafen Konrad, '^) den Ritter Konrad von Boppard, ^) den Grafen Kon- 
rad Kurzbold (Vogt des Niederlahngaues) u. A. ^) 

Jedoch seit dem 12. Jahrhunderte war er, weil ursprünglich ein 
deutscher Name, auch bei dem gewöhnlichen Volke so verbreitet, dass 
ein Formular aus dem 12. Jahrhundert (in einem Wasserurtheil) den 
einen anredet „Cuonrad oder svi so du heizzest" den Gegenpart aber 
Ruodolf nennt. ^) 

Im 16. Jahrhunderte wird der Name Konrad (abgekürzt Konz 
oder Kunz) ein so verbreiteter Bauernname, dass um 1520 ,der arme 
Konrad " die appellative Gesammtbenennung der empörten Bauern in 
Württemberg war. '^) Wenn man daher in manchen Büchern liesst, 
der zu Untertürkheim 1514 gestiftete Bund der schwäbischen Bauern, 
der arme Konrad genannt, sei aus „kein Rath" corrumpirt, weil die durch 
Krieg und andere Plagen heimgesuchten Bauern keinen anderen Rath 
als Empörung mehr wussten, so ist das falsch. — Auch heute noch 
ist der Name Konrad ein unter dem Landvolke ziemlich verbreiteter. 

An der Lahn heisst ein Mensch ohne alle Sitten „ein grober 
Konz". Und von einem Menschen, der blind drein tappt, unüberlegt 
herausplatzt, sagt man: „Er fährt blind zu, wie Kuuz in die Nuss" 
(er beisst ohne Ueber legung in die bittere Schale.) 

Auch zur Bezeichnung eines Mannes, dessen Namen man aber 
nicht weiss oder nicht sagen will, dient der Name Kunz. Daher der 



>) Vergl. Wolf, (leutsclie Götterlehre S. 118 und 119. — 2) Simrock, Rheinsagen 
S. 208. — S) Simrock a. a. ü. S. 191. — *) Nassaus Sagen S. t)2. - 5) Mone, 
Zeitschrift für Geschichte des Uberrheins 1, 42. - ->) Pfeiffers Germania Bd. 
5, S. 335. 



104 

Ausdruck: ,Er mag Hans oder Kuiiz heissen" ; ,wir wollen ihn einmal 
Kunz nennen; er sucht ,den Kunz hinter dem Ofen^ — Einein den 
Künzel streichen, ihm künzen oder kunzein bedeutet Jemand den Bart 
streicheln, ihm schmeicheln, liebkosen. 

Endlich bezeichnet nran im Nassauischen mit dem Worte Kunz 
den gehassten und gefürchteten Jemand, dessen Namen man nicht gerne 
ausspricht, den Gottseibeiuns. Darauf basirt wohl die Verschwörungs- 
imd Bekräftigungsformel, die man in manchen Orten der Lahngegend 
öfter hört. Jch will zum Kunz fahren." — ,Der Kunz soll mich 
holen." — „Ich will der Kunz sein." — ,Icli will Kunz heissen" 
(sc. wenn das nicht wahr ist.) 

Flin weiterer in Nassau sehr verbreiteter Name ist Peter; er ist 
unter dem katholischen Landvolke an der Lahn nicht viel minder 
häufig als Johannes. Wahrscheinlich trägt zu dieser grossen Verbrei- 
tung des Namens die Verehrung bei, welche der Apostel Petrus als das 
von Christus aufgestellte Oberhaupt der Kirche^) geniesst. 

Die Bilder des hl. Petrus gehören zu den ältesten Bildnissen dor 
Kirche, sie gehen herauf bis ins zweite christliche Jahrhundert. -) 

Wegen seiner grossen Verbreitung kommt der Name Peter als 
Gattungsname in verschiedenen Sprüchen und Redensarten vor. Peter 
ist in der Lahngegend oft synoyni mit Knecht. Daher singen die Kin- 
der der genannten Gegend: 

Peter, wo steht er? im Stall, 

Was thut erV gibt dem Gaul Futter. 

Weil Knecht und ungebildet, ist der Peter oft beschränkt. Daher der 
Ausdruck : „ Du dummer Peter ! " — Dudelpeter ist ein Mensch , der 
Alles langsam und zögernd thut. Der Umstaudspeter (auch Umstands- 
krämer) macht Alles gar zu umständlich und kann in seinen Reden vor 
lauter Einzelheiten nie an's Ende kommen. — Das unüberlegte leicht- 
fertige Wesen, welches Leute der untersten Stände, besonders Dienende, 
bei Anknüpfung von Liebesverhältnissen und Abschliessung von Ehen 
kund geben, persifliert folgender Reim: 



1) Vergl. Matth. 16, 18. 19; Joh. 21, 15—18 — «) Garrucci Vetri ornati Ui 
ftyure in oro. Bo?na 1856 tav. IX n. 4 u. 7, tav. X n. 2—6; tav. XI n. 
1— 3;tav. XII n. 1—7; tav. Xllln. 1— 4. tav. XIV n. \—^; Rossi,Bttlleti7io 
1864 N. 11 p. 81—88; Polidori, Delle imaymi det ss. Pietro e Paolo. 
Milano 1834 ; Grimoard de St. Laurent, Aperfu iconograp/nque sur s. 
Pierre et Paul im XXII. Bd. Der Annales archeolog. v. Didron. Oben 
haben wir schon venionunen, dass der Märtyrer Balsamu-s in der Taufe Petrus 
genannt wurde; in «leu longobardischen Formeln des Marculph steht statt 
ille-ille Petrus und Martinus; — ein Beweis, dass der Name Petms schon 
sehr frühe häufig vorkonnnt. 



105 

„Jungfer Ilse (Elisabeth) 
Niemand will se; 
Da kam der Koch, Peter Bloch 
Und nahm se doch". 

Petermännche ist eine weitere Bezeichnung für Hausgeist, Elfe,i) 
aber zugleicli auch (wie Hanselniännchen) ein Zärtlichkeitsausdi-uck für 
einen kleinen Knaben. Ein ganz eigenthünilicher Ausdruck ist Holle- 
peter. Holle ist entstanden aus Holda. Diese freundliche, milde, 
gnädige Göttin steht dem Hauswesen vor und verbreitet, auf einem 
Wagen durch das Land fahrend, überall Fruchtbarkeit und Segen. 2) 
Der Ausdruck ,.niet de Holle fahrn" bedeutet, sowohl aufgeregt träumen 
als auch ganz besonders nachtwandeln. PJin Hollepeter ist demgemäss 
ein Mensch, der mit offenen Augen träumt und in seiner Zerstreuung 
allerlei phantastisches Zeug macht. 

Barbara, die Patronin der Sterbenden, wird abgebildet bald mit 
Speisekelch und Thurm, bald (jedoch seltener) mit Ciborium, Evangelien- 
buch und Schwert. Sie war die Tochter eines heidnischen Götzen- 
priesters, der sein Kind, um es vom Christenthume abzubringen, in einen 
Thurm sperren Hess, und dann, als dies nichts fruchtete, selbst dem 
Henker überliefei-te. Geissein, brennende Fackeln und Abschneiden der 
Brüste beugten ihren Muth nicht, wesshalb der eigene Vater ihr das 
Haupt abschlug. 

Barbara , die zu den vierzehn Nothhelfern zählt , ist unter dem 
Landvolke sehr verehrt. In der Lahngegend cursirt heute noch jenes 
alte Gebetchen um eine glückliche Sterbestunde nach Empfang der hl. 
Sakramente : 

Barbara du edle Braut ! 

Mein Leib und Seel i.'?t dir anvertraut. 

Sowohl im Leben als im Tod: 

Denk doch an mich an meinem End, 

Dass ich empfange das« hl. Sakrament. Amen ! 

Die Koseformen von Barbara sind : Babette , Babettchen , Bärbel, 
Biett, Ditti. Letzteren Ausdruck braucht man auch von kleinen, netten Kin- 
dern, besonders aber von den Puppen und sonstigen Bildern der Kinder. 
Sprichwörtlich ist nur der Ausdruck: eine schwätzige Bärbel oder ein 
Schwätzbärbelchen für schwätziges Mädchen. 

Aegidiiis, Einsiedler in der Gegend von Arstes, Schüler des 
hl. Cäsarius, ist berühmt durch seine grosse ascetische Strenge. Seine 



Vergl. auch Grimm. Mythologie S. 473. — *) Wolf, deutsche Götterlehre S :^5. 

7* 



106 

Nabnino- waren Kräuter und Wurzeln des Waldes und die Milch einer 
Hirschkuh. De.sshalb wird er auch abgebidet als Einsiedler im 
Eremitenkleide, neben ihm eine Hirschkuh, die von einem Pfeile ange- 
schossen ist. 

Die Verehrung des hl. Aegidius war während des Mittelalters eine 
sehr ausgebreitete , zumal er auch zu den vierzehn Nothhelfern zählt. Dess- 
halb findet sich sein Name während des Mittelalters viel häufiger als jetzt. 

Aegidius hat zwei Koseformen, die eine, welche sich mehr an die 
lateinische Form des Namens anschliesst Gidi, die andere welche sich 
von dem französischen St. Gilles ableitet Gilg. Die abgekürzte Form Gidi 
hört man zuweilen im Rheingaue. Aus Gilg wurde mit Hinweg- 
lassunj^ des G Sant Ilp^. Der Schlussconsonant T von Sant verband 
sich mit dem eigentlichen Namen und daraus wurde Till oder Dill. Ganz 
ähnlich ist, wie ich bei meiner neulichen Anwesenheit in Basel hörte, aus 
der Sanct Alban- und Sanct Elisabethenkirche eine Dalben- und Dels- 
bethenkirche geworden. Aeltere Urkunden schreiben bei diesen und an- 
dern Eigennamen zuweilen noch den doppelten Zungenlaut, z. B. Sanct 
Turban statt Urban und Saud Iligentag, d. i. Sanct Aegidientag. ^) Be- 
sonders häufig ist der Name Till in Lübeck, wahrscheinlich deswegen, 
weil dort eine der Hauptkirchen dem hl. Aegidius geweiht ist. — Eine 
dritte Form Didel ist Erweiterung von Dil. Mit Dil oder Till zusammen- 
gesetzt sind die im Lahngau verbreiteten Till Tapp, DiU Dapp und Dille 
Dapp ähnlich wie Hans Dappes, ein dummer, tölpelhafter Mensch. So 
schon bei Abraham a St. Clara:-) „Ein läppisch Kind oder kindischer 
Läpp, Tidltapp. Till als Name des Eulenspiegels bezeichnet endlich 
einen Narren. 

Bartholomäus, einer der zwölf Apostel, wurde bei lebendigem 
Leibe geschunden. Er ist Patron der Gerber. 

Die Koseform Barthel kommt im Lahngaue sehr oft vor. Schuss- 
barthel ist ein lebhafter Mensch, dessen Benehmen ans Verrückte streift. 
Schmutzbarthel ist ein schmieriger, schmutziger Mensch. Die Redensart 
,Er weiss, wo Barthel den Most zapft" erklärt uns Schuppius T, 12, 
indem er sagt: „Wo man Holtz umb Wey nachten, Korn umb Pfingsten 
und Wein umb Bartholomäi (24. Aug.) kauft, da wird Schmalhans endlich 
Küchenmeister." Der Sinn vorstehender Redensart dürfte also sein: 
Wer weiss wo Barthel den Most holt, d. h. um den 24. August schon 
weiss, wo Most zu kaufen, der wird sich unter allen Umständen zu 
helfen wissen. 

Christophorus d. h. Christusträger soll in Lykien geboren worden 
sein und unter Decius gelitten haben. Die dichterische Sage erzählt 



>) Schmeller. Bayerisclies Wörterbucli :', 274. — 2) Judas der Erzschelm 4, 188. 



107 

von ihm, dass er »Miist ('hristimi in (n^stall einos Kindes durch einen 
Fhiss j^etrageii ; das Kind sei aber immer schwerer und scliwcrer {j[e- 
vvorden, so dass der riesenniässige Mann zusammen/uhrechen fürchtete, 
und, auf seinen liaumstanim gestützt, nur mit Mühe das Ufer erreichte. 
Darum wird der Heilige dargestellt als Riese, in der Hand als Stab 
einen liaumstamm, auf der Schulter das (Jhristuskind mit der Weltkugel 
in der Hand. In der Legende des hl. Christo phorus liaben sich um 
den geschichtlichen Kern so viele unguscliichtliche Elemente angesetzt, 
dass keine Kritik sich der Trennung und Scheidung mit Aussicht auf 
Erfolg zu unterziehen vermag. — Spätmittelalterliche Dichter wandten die 
Legende vom hl. Christoph auf das deutsche Volk an, dessen starke 
Schultern sich beugten, um die süsse Last des Christenthums auf sich 
zu nehmen, und wie ein Kiese den Heiland der A\'elt durch die Wogen 
und Stürme der Völkerwanderung zu tragen. Zugleich war es eine 
Riesenarbeit, dieses Volk zu christianisiren. Stets bestrebt, nur dem 
Grössten und Mächtigsten zu dienen, ergab es sich am Ende tief und treu 
dem neuen Herrn des Lebens. 

In Deutschland erfreute sich der hl. Christoph einer allseitigen 
Verehrung, ganz besonders im Süden. Das zeigen die vielerorts auf 
seinen Namen geweihten romanischen und gothischen Kirchen und Ka- 
pellen und Klöster, die bis heute erhaltenen Bildwerke an und in den 
Kirchen und Wohnhäusein auf Brücken , Medaillen , Münzen u. s. w. : 
lauter redende Merkmale einer ausgedehnten Christophsverehrung. — 
Auch St. Christoph wurde zu den 14 Nothhelfern ') gezählt und gegen 
jähen Tod, Pest und Wasserschäden angerufen. 

Die Koseformen des Namens sind Christoft'el, Stoftel, Stöttel, TöflI'el. 
Stoifel hat im Lahngaue gewöhnlich die Bedeutung von einem gi-ossen 
groben, ungeschlachten, dummen Menschen; sehr oft bleibt jedoch der 
Nebenbegriff gross und ungeschlacht weg und es bleibt nur die Bedeu- 
tung von dumm. Daher die Redensart „Du bist ein rechter Stoffel, ein 
dummer, ein grober Stoftel ^ Diese Bedeutung hat das Wort auch in 
dem bekannten Vers: 

Was nützt es Stötfel, 
Regnet es Brei, 
Fehlt iiuii der Löffel. 

In Süddeutschland bedeutet das Zeitwort stoffein einen ztnn Bessten 
haben; im Amte Königstein heisst „einen zurechtstoffeln" einen zurecht- 
setzen, zurechtweisen. 



>) Die Namen der 14 Nothhelfer sind: St. Vitiis, St. Blasius, St. Tyriaeus, St. 
Pantaleon, St. Georg, St. Eustach, St. Katharina, St. Margaretha, St. Barbara. 
St. Achatius, St. Aegidius, St. Dionysius, St. Erasmus, St. Chn.stoph. 



108 

Feinen ganz älmlichon Sinn wie Stoftel liat das im Volksmnnd an 
der Laiin viel^^ebiaiiclitc Star lies, abgeleitet von St. Kiistachius, (einem 
Martvrer unter Kaiser Hadiian), wie die Synonymen Flappes und Schonte. 

Den Namen .lakolms trugen 2 Apostel: .lakohus der iiltcre, der 
Zebedäide und Jakobus der jüngere, der Alpliilide. Den erstereii liess 
Herodes Agrippa enthaupten, der letztere wurde von den Zinnen des 
Tempels herabgestürzt und von einem Walker mit einer Keule erschla- 
gen. Jakobus der ältere soll nach Spanien gekommen sein und dort 
das Christenthum gepredigt haben. Er wird abgebildet als Pilger mit 
Pilgerstab, Pilgerliut und Muschel, oft trägt er auch ein langes Schwert, 
das aber in der Scheide steckt. Patron ist er den Wallfahrern und 
Pilgern. Das kennzeichnende Symbol des jüngeren Jakobus ist die 
Walkei'stange. 

Weil Apostelnanie, kommt der Name Jakob sehr häutig vor und 
wird desshalb mannigfach appellativ gebraucht. In dieser Bedeutung 
erscheint der Name schon in der Redensart ,der wahre Jak(»b" und in 
dem Spiele „Jakob lacht\ .Melir nocli den GattungsbegritT haben die 
Koseformen Jack, Jäck, Jackel , Jäckel, Jäcklin. Kigenthümlich der 
Lahngegend sind Jokeb und (das durch A'ersetziing der l»eiden letzteren 
(.'onsonanten gebildete. Jobek) Kowes oder Kuwes und Haiijobek. 

Die oben angeführten Koseformen kommen schon gegen Ende des 
15., noch mehr im lü. Jahrluindert vor. Thomas Murner ') sagt be- 
reits: Wie Hainzen Eis und Cnnzeu (Jret Den Jäcklin nit bezahlet het. 
Aehnlich Moscherosch : -) Da sehen wir allererst, W(t Jäckel in den Bohnen 
gesessen, wann sie nun sind ausgeloschen. 

Jockei hat vielfach im Nassauischen die Pedeutung eines faulen 
Knechtes. Bekannt ist das Lied, wie der Herr den Jockei schickt, damit 
er die Birnen schüttele; der Jockei aber schüttelt die Birnen nicht. •^) 
Endlich bezeichnet das Wort wiederum den Narren. Wackernagel*) ver- 
muthet mit Kecht, dass unser Geck früher auch Gäck geschrieben, 
eigentlich nichts .Anderes sei als eben die Koseform Jäck. Die Ver- 
tauschung von J und G ist nichts Seltenes. Von Geck abgeleitet ist 
das Adjectiv geckig und das Verb gecken zum Narren haben. 

Mehr die Bedeutung eines gutherzigen, einfältig beschränkten 
als eines geckigen Menschen hat das Wort Mattes abgekürzt von 
.Matthäus. ,Du bist ein rechter Mattes" , „auf Mattese Hochzeit 
kommen " , hergehen „wie auf Mattese Hochzeit" hört man sehr oft 
im Lahngaue. Das Adjectiv heisst matthesig. Die Kheingauer betonen 
die letzte Silbe Mathäs. | 

») !<cheliiienziintt Kaji. 1. — ^) Öittowald 2, Vi. — s) Vgl. auch .Snurocks Kin- 
buch y. 267 und 269, — «) Germania V, 344. 



109 

Die /weite von Matthäus abgeleitete Koseform Matz (Maths) ist 
oft glciclisam das Masculiiuim von Met/e (entstanden aus Mechtild). 
So in dem bei Fiscliart ') angeführten Si)iele ,Matz werfs der 
Metzeii zu", sowie in der Vernialinung „Merks Maths". — In dem 
Ausdruck „Mattliäi am letzten" ist wahrscheinlich Bezug genommen 
auf das Adjectivum matt. Dtuin man sagt im Lahngaue so von einem 
Menschen, der bald stirbt oder bald in pecuniärer oder moralischer Be- 
ziehung Bankerott macht. Aehnliche Bedeutung hat das Wort in dem 
Ausspruch des alten Dessauers : ^) „Ein Soldat ohne Gottesfurcht ist nur 
ein Maths." In ganz Deutschland nennt man einen Mann, der unter 
dem Pantoffel steht, einen Mattes. Daher wird wohl auch die sprich- 
wörtliche Redensart von dem rath- und hilflosen Matz von Dresden 
kommen. Durch den Ausdruck Plauderraatz wurde der Name Matz 
auf den geschwätzigen Staar übertragen — Staarmatz. 

Am abscheulichsten carricirt nach Form und Bedeutung ist im 
V'olksmund der schöne echt deutsche Name Mechtild. Derselbe lautete 
ursprünglich Malithildis, gebildet aus dem Ahd. mahf, niahti Macht und 
hilf Heft des Schwertes, also die Schwert-, die Kampfesmächtige. Schon 
lange zuvor, ehe durch die heilige Mechtild, die streng ascetische Aeb- 
tissin von Kisleben (f 18U2), dieser Name unter die Heiligennamen einge- 
reiht wurde, trugen ihn viele bekannte historische Persönlichkeiten: so 
die Gemahlin Heinrich I, die Schwester Otto II, die Gemahlin des 
Königs Konrad von Burgund, die Schwester des Herzogs Hermann III von 
Alemannien u. a. 

Als echt deutscher und durch hohe Träger geehrter Name Avar 
Machthild und Mechtild, ein während des ganzen Mittelalters bei allen 
Ständen sehr gebrauchter Frauenname. 

Die Koseformen sind Matze und Metze. In appellativer Bedeu- 
tung geht Metze seit dem Ende des 18. Jahrhunderts lange Zeit neben 
Grete her und wechselt mit demselben. Die volksmässige Hofdichtung 
des 18. Jahrhunderts setzte es gern, wo ein Mädchen überhaupt, wo be- 
sonders ein Bauernmädchen, eine Magd, eine Geliebte niederen Standes 
mit einem Namen zu bezeichnen war. Matze und Metze wechseln ab. ^) 
Metz und Contz ein Liebespaar, ^) desgleichen Metz und Heinz. =) Dann 
aber ist Metze so viel als ein Mädchen niedern Standes mit dem Neben- 
begritf der ans Unsittliche anstreifenden Leichtfertigkeit. ländlich be- 
kommt Metze die Bedeutung einer gemeinen lüderlichen Person. Zu- 
letzt heisst so mit vollster Verächtlichkeit sogar eine Hündin. 



') (lai^'iintua Kap. 25. — ») Vamhagen, Biograph. Denkmale 2, 410. — ") Von 
der Hagen, Minnesinger 2, 82"— 87« — I, 25^ u. s. w. — ♦) Uhland, 
Volkslieder S. 340. — ») A. a. 0. S. 64U. 



HO 

Aehnlich verunstaltet ist der Name liUcia. Daraus wird Lutz 
und Lutscli. Letzteres Wurt braucht mau v«m cituT Weibsperson, die 
gerne trinkt, eine Hranntweinlutsdi, eine KatVeelutscii. Davon abt^eleitet 
ist das Zeitwort lutschen, das trinken bedeutet mit dem Nelieubecrrift" 
von Lüsternheit und Naschluiftigkeit. Kinder, die gern an den Fingern 
saugen, nennt man an der Lahn Fingerlutscher. 

LaurtMitius, einer der berühmtesten Märtyrer, starb im Jahre 
258, auf glühendem Koste lebendig gebraten. Palme, Rost und Dia- 
konenkleidung kennzeichnen ihn. — Wegen seiner bewundernswerthen 
Standhaftigkeit wird er von den Kirchenvätern in Lobreden und Schriften 
gepriesen. Im Spätnnttelalter ist der Name Lorenz unter dem deutschen 
Volke ziemlich Imufig. 

Lorenz abgekürzt, gibt Lenz. Dieses appellativ gebraucht gibt 
einen faulen Lenz oder Faullenz. Ein Gedicht von Hans Sachs (v. 1554) 
führt den Titel: „Ein Gespräch mit dem faulen Lentzen, welcher ein 
Hauptmann des grossen faulen Hautfen ist." Sebastian Brants Narren- 
schiff hat die Mahnung: ,0 du fauler Lenz, gehe zur Omeiss und lehre 
von ihr". Ein altes Sprüchwort sagt: „Der Faullenz und das Lüderli 
sind zwei Zwillingsbrüderli". ') Von Faullenz abgeleitet ist das Zeitwort 
faullenzen. Der Lenzteufel, den Abraham a St. Clara 2) unter andern 
Teufeln der W^eiber aufzählt, ist nichts anderes als der F'aulheits- oder 
Müssiggangsteufel. 

NikoLius, Bischof von Myra, war von reichen Eltern geboren, 
theilte aber sein Gut unter die Armen. Den Töchtern eines Mannes, 
die in Gefahr waren, sich unehrlichem Erwerbe zu ergeben, warf er 
Nachts heimlich Geld ins Zimmer und sorgte so für deren eheliche Aus- 
stattung. Dadurch ist er Patron der Kinder geworden. Auf einer 
Reise nach Palästina war das Schiff nahe am Untergehen. Der Heilige 
rettete es durch sein Gebet. Deshalb ist er auch Patron der Schifter. 
Abgebildet wird er als Bischof mit drei Kindern in einer Bütte, auch 
als Schifterpatron mit dem Anker oder Schifte. 

Seit der zweiten Hälfte des Mittelalters ist die Verehrung des hl. 
Nicolaus auch in Deutschland sehr verbreitet. 

Die zwei Koseformen sind Claus und Nickel. Ersteres kommt 
in appellativem Gebrauche in sprichwörtlichen Redensarten und Zusammen- 
setzungen im Nassauischen kaum vor, desto häufiger dagegen letzteres. 
Zusammensetzungen sind folgende: Filznickel d. i. Geizhals, Giftnickel 
(auch Giftmichel) ein jähzorniger, gallsüchtiger Mensch, Saunickel, ein 
in Kleidung und Lebensweise schmutziger Mensch , Schweinnickel (auch 



') Simrock, Sprichwörter S. 1U6. — ») Judas der Erzschehn 4, 310. 



111 

Scliwoinioel) ein unfläthiger, lüdorliclipr Mensch. Pumpernickel ') lieisst 
Jemand, der klein und dick ist, maj? <'r nun K'ind oder P^rwachsener 
sein; meistens aber heisst so ein steifer, dicker Bauer. VAn Lied der 
Landsknechte fieng an: „rnmi>ernickel ist wieder kommen und hat die 
Schuh mit Bast gebunden." 2) in übertragener Bedeutung bezeiclinet 
dann Pumpernickel das grobe, kleiichte , schwere , dicke Brod in West- 
phalen. Die Ableitung des Wortes aus hon pour Nickel ist Unsinn. — 
In Süddeutschland nennt man eine Kalteschale aus Bier und Brod 
Biernickel. 

Nickel allein ohne Zusatz wird, obwohl der Name eigentlich männ- 
lich ist, von liederlichen Dirnen gebraucht. Im Lalmgau ist das Wort 
dann (wie das Mensch) sächliclien Geschlechtes, vielleicht noch in Va- 
innerung an das ältere deutsche Recht, gemäss welchem derartige Per- 
sonen nur als Sachen betrachtet und vor Gericht nicht einmal als Zeu- 
gen zugelassen wurden. — Auf Sachen angewendet ist Nickel ein klei- 
nes, abgearbeites Pferd — auch, besonders auf dem Westerwalde, ein 
altes, geringes, immer wackelndes, (nickelndes) Zulegmesser. 

Wenzel, der berühmte Nationalheilige der Böhmen, starb, von 
der Lanze seines heidnischen Bruders Boleslaw durchbohrt. 

Auch in Deutschland kommt der Name vor, jedoch seltener. Im 
Hadamarischen verbindet man mit dem Ausdruck „ein armer Wenzel" 
immer den Nebenbegrift" eines armen Schuften. Aus dem deutschen 
Worte scharren wurde in Verbindung mit dem Namen Wenzel der 
Ausdruck Scliarwenzel oder Scherrwenzel, die Benennung eines Menschen, 
der aus P^igennutz gegen alle Welt übertrieben höflich und dienstfertig 
ist. Das Zeitwort scherrwenzeln drückt dasselbe aus. 

Den Schluss unserer Abhandlung möge die Erklärung des allbe- 
kannten Ausdruckes deutscher Michel bilden. 

Dei' Erzengel Michael (nii ha cl = Wer ist wie Gott) war der 
schützende Engel Israels, der Anführer der treu gebliebenen Engel gegen 
den aufrührerischen Drachen und seinen Anhang. — Seit den ersten 
Zeiten wurde er in der Kirche verehrt. Schon Constantin erbaute 
zu Constantinopel ein Michaelion. — Eine Eigenthümlichkeit aller 
Michaelskirchen und Kapellen ist, dass sie immer auf einem Berge 
liegen, entweder auf einem natürlichen oder einem künstlichen. Michael 
ist der Patron der Gestoi'benen, deren Seelen er zu Gott geleitet, insbe- 
sondere der armen Seelen des Reinigungsortes : daher die vielen Michaels- 
Kapellen auf Kirchhöfen ; daher wird er in der Todtenmesse als Fahnen- 
träger (signifer) besonders angerufen. — Vorzügliche Freude au dem ritter- 
lichen Engel hatten die kampfesmuthigen Deutschen. Nicht bloss einzelne 

>) Puinpf heisst uiinhnilich dick und breit, pumpet untersetzt. — «) Die Schuhe 
mit Bast binden, ist das Merkmal eines rüheii, bettelhaften Aulzugs. 



112 

wählten sich ihn zum Patrone, sondern er war auch der Schutzheilige des 
deutschen Reiches. So lange Deutschland an der Spitze der Völker 
stand, war der deutsche Michel ein Held und Gebieter; — leider ist's 
jetzt anders. Der deutsche Michel, früher ein Ehrenausdruck ist jetzt 
die Bezeichnung eines beschränkt gutiuüthigen, jeder Energie haaren 
deutschen Philisters, der die Schlafhaube bis über die Ohren gezogen 
hat. Unter dem Landvolke der Lahngegend liat der Ausdruck noch 
Manches von seiner frühern Bedeutung behalten. Denn dort nennt man 
einen Menschen, der frei, offen und uhue Scheu seine Meinung sagt, der 
entschieden, und ohne auf andere zu schauen, ehrlich den geraden Weg 
geht .einen rechten deutschen Michel". 



Zur ^assauischen Schriftsteller^eschichte. 



Von 

Dr. A. Nebe, Professor. 



Jakob Fidelis Ackermann 

wurde 1765, den 23. April zu Eüdesheim geboren, wo sein Vater 
Gastwirth und Gutsbesitzer war. Durch die Exjesuiten zu Köln vorge- 
bildet, studirte er zu Würzburg und Mainz 1784—87 Medizin. Nach- 
dem er 1787, 8. Mai, den Doktorgrad erlangt hatte, trat er eine grosse 
gelehrte Reise an. In Göttingen blieb er ein halbes Jahr, wie auch in 
Wien ; in Padua, wo er sich eng an den berühmten Job. Peter Frank an- 
schloss, der ihm in sein Stammbuch hineinschrieb, er hoffe, dass er 
einst seinem Vaterland Ehre machen werde, hielt er sich wieder längere 
Zeit auf, dann reiste er nach Süditalien, über die Schweiz kehrte er 
endlich nach Mainz zurück. Er fing 1789 dort als Privatdozent seine 
akademische Wirksamkeit an; 1796 wurde er Professor der Anatomie, 
nach Aufhebung der Mainzer Universität wurde er Präsident der Schul- 
kommission. A. schloss sich in Mainz der freisinnigen Partei an und 
musste in den 90er Jahren auf längere Zeit von Mainz verschwinden; 
er hielt sich anfangs in Köln in einem KeUer versteckt. 1804 nahm 
er einen Ruf nach Jena für den Lehrstuhl der Anatomie und Chirurgie 
an, 1805 ging er aber schon als Professor der Physiologie und Anatomie 
nach Heidelberg, 1812 übernahm er auch noch die Botanik. Er starb 
1815, den 8. Oktober auf seinem schönen Weingut in Rüdesheim, wo 
er die Ferien zubrachte, an einer Nierenentzündung. 

Schriften : 

1) De discrimine sexuum praeter genitalia. Mogunt. 1788. 8. 

2) Comm. de nervorum opticorum inter se nexu. ib. 1788. 4. 

3) Gustus organi novissime detecti prodromus. ib. 1790. 4. 

8 



114 

4) Die Kretinen, eine Menschenart in den Alpen mit Kupfern. Gotha 1790. 8. 

5) Pe Kachitide (in Holland gedruckt). 

6) Versuch einer phys. Darstellung der Lebenskräfte organischer Körper. 
2 Bd. Frkft. 1790 und 1800. Nachträge und Zusätze Jena 1805. 8. 

7) Nähere Aufschlüsse über die Natur der Rindviehseuche, die Ursache 
ilirer Unheilbarkeit und die nothwendigen Polizei- Anstalten gegen dieselbe. 
Frankft. 1797. 8. 

8) Der Scheintod und das Rettungs verfahren , ein chimiatrischer Versuch. 
Jena 1803. 8. 

9) De combustionLs lentae phaenomenis, quae vitam organicam constituunt. 
ib. 1805. 4. 

10) Infantis androgyni historia et ichographia. accedunt de sexu et generatione 
disquisitiones. Jen. 1805. fol. 

11) Ueber die Erleichterung schwerer Geburten. Ein Sendschreiben. Heidel- 
berg 18Ü5. 8. 

12) Nachrichten von der Organisation und den Gesetzen der kurfürstlichen 
poliklinischen Anstalt zu Heidelberg. Heidelberg 1805. 8. 

13) Die GaU'sche Hirn-, Schädel- und Organen-Lehre vom Gesichtspunkt der 
Erfahrung aus beurtheilt und widerlegt. Heidelberg 1805. 8. 

14) Prog. quo organismi humani leges cosmicae exponuntur. ib. 1807. 4. 

15) Prog. de processuum peritonei differentiis eorumque inetamoi-phosi. ib. 
1808. 4. 

16) De construendis, cognoscendis et curandis febribus epitome Vol. I. ib. 
1811. 4. Ins Deutsche übersetzt von Hoffmann. ib. 1813. 8. 

17) De corporis thyreoidei vera functione. Heidelb. 1811. 4. 

18) De naturae humanae dignitate litterarum et bonarum artiura studiis exco- 
lenda. ib. 1811. 4. 

19) De nervei systematis primordiis. ib. 1811. 4. 

20) Ueber die Natur des Gewächses, ib. 1812. 4. 

21) Von der Natur des ansteckenden Typhus. Eine Pathogonie aller an- 
steckenden Heer- und Volkskrankheiten, ib. 1814. 8. 

Er gab ausserdem heraus mit Dr. Fischer : Klinische Annaleu 
der Herzogl. medizinisch-chirurgischen Krankenanstalt in Jena. 1 Stück. 
Jena 1805. 8. und lieferte Aufsätze in die Akten der Departements- 
Gesellschaft für Wissenschaften und Künste zu Mainz — über die Lycogala 
initiata. Bd. 1. — , in recueil de memoires et artes de la socieie des 
Sciences et arts du Departement du Mont-Tonnere , seante ä Mayence. 
ib. 1805 — über Erzeugungen durch das Zusammenrinnen einer orga- 
nischen Materie auch ausser einem mütterlichen Körper — , in den 
Heidelberger Jahrbüchern — Ansichten der Natur von verschiedenen 
Standpunkten der menschlichen Erkenntnisssphäre. 1808. 5. Heft und 
in Nau's neue Entdeckungen und Beobachtungen. 

Vgl. Scriba, biographisch - literarisches Lexicon der Schriftsteller des Gross- 
herzogthums Hessen. 2. Abtheilung, S. 4 ff. und die dort angegebenen Schriften über 
Ackermann. 

Ackermann war ein höchst merkwürdiger Mann nach den ver- 
schiedensten Seiten seines Wesens. Er wog 300 Pfund und hatte solche 
dicke Waden, dass er seine Strümpfe als Schlafmützen gebrauchen 



115 

konnte — dabei aber besass er eine solche Gewandtheit, dass er öfters 
mit seinen Freunden auf dem Niederwald in dem verfallenen Schlösschen 
von einem Flügel zum andern hickelte. Seine geistige Begabung war 
ganz eminent. Er sprach neben seiner Muttersprache französisch, ita- 
lienisch , griechisch und lateinisch , letztere Sprache so fertig, dass der 
berühmte Philologe F. A. Wolf sagte, Ackermann und noch zwei an- 
dere Männer seien die einzigen, mit welchen er in klassischem Latein 
sich unterhalten könne. Sein Gedächtniss war grossartig, kam er aus 
einer Oper, so konnte er sogleich alle Arien singen; ebenso bedeutend 
war seine Kedegabe. Er war ein eifriger Anhänger der Schelling' sehen 
Naturphilosophie, ein abgesagter Feind des Dr. Gall. Seine Schrift 
gegen diesen trug das Motto: was neu darin ist, ist nicht wahr, und 
was wahr ist, ist nicht neu : die öffentliche Disputation, die er mit ihm 
hatte, blieb ohne Resultat, da sie in Persönlichkeiten ausartete. 



Melchior Acontius 



stammte aus Ursel und studirte zu Wittenberg, wo er mit dem bekann- 
ten Dichter Georg Sabinus innige Freundschaft schloss. Als dieser 
Melanchthons älteste Tochter Anna heirathete, so verfasste er, wie es 
damals unter Freunden Sitte war, ein Epithalamion, ja seiner begeister- 
ten Freundschaft genügte nicht ein einfaches , in zwei Epithalamien pries 
er seinen Freund und dessen Braut, indem er ihnen zugleich herzlich Glück 
wünschte. Das erste Gedicht, in fliessenden Distichen, und das zweite, 
in blossen Hexametern abgefasst, ward wie anderer Dichter, wie des 
Matthias Illyricus griechisches und des Johannes Stigelius lateinisches 
Weihgedicht von Sabinus so werth geachtet, dass er es seinen eignen Ge- 
dichten in dem Über carminum adoptivus einverleibte. Cf. poemata 
Georgii Sahini Bramlehurgcnsis. Lipsiae 1578. p. 349 — 363. 

Acontius pflegte auch in seinem Geschäftsleben die Gabe der 
Dichtkunst und war mit Jakob Micyllus, einem glücklichen Dichter des 
Reformationszeitalters, enge befreundet. Er überlebte ihn, der 1558 den 
28. Januar starb, und schickte dessen sylvarum libri quinque folgendes 
Epigramm, das auf dem Titel der Ausgabe ex ofßcina Fetri Brubachij 
zu Frankfurt 1564 abgedruckt ist, voraus. 

Ad Typographum Melchior Acontius Ursellanus. 
Ut noua commendera facundi scripta Micylll. 

Desine me precibus soUicitare tuis. 
nie quidem uatum praeconia summa raeretur, 

Inter quos ueluti lucida Stella micat. 



116 

S€d nihil asscitis aliunde coloribus huius 

Fania, nee externa crescere laude potest. 
Lampade sie aliqua non indiget auricomus Sol, 
Ipsaque per sese dulcia uina placent. 
Wo Melchior Acontius lebte und wann er starb, ist mir nicht 

bekannt. *) 

Möglicher Weise war Balthasar Acanthius ein jüngerer Bruder 
dieses Melchior Acontius. Da beide ihren ehrlichen deutschen Namen 
nach damaligem Gelehrtengebrauch in fremde, alte Sprachen übersetzten, 
konnte Acontius leicht in Acanthius übergehen, denn die Uebersetzung 
war eine sehr freie. Ich halte den im Wittenberger Album, welches 
Förstemann 1841 herausgegeben hat, p. 191 den 5. October 1541 ein- 
geschriebenen Balthasar Acontius Ursellanus mit Balthasar Acanthius 
für ein und dieselbe Person. Balthasar war auch ein guter Freund des 
eben erw^ähnten Micyllus, ward aber von ihm überlebt und erhielt von 
ihm folgendes Epitaph, welches uns den deutschen Namen dieser ge- 
lehrten Oberurseier Familie verrathen kann. 

Hoc tumulata iacent Balthasaris ossa sepulchro, 

Dorica cui i)atrium nomen Acantha dedit. 
Qui male dum rerum sequitur monumenta suarum. 

Interiit teils fixus Apollo tuis. 
Ereptum mater fieuit, flauere sorores, 

Et teuera in uiduo nupta relieta thoro. 
At tu qui tumulos passim circumspicis istos, 
Huic opta, üt cinis et molliter ossa cubent. 'i) 



Erasmus Alberus. 

Er war der Sohu des Tilemann Alber, der Pfarrer zu Engelroth 
bei den Herren von Küdesel war, und soll zu Sprendlingen bei Frank- 
furt geboren sein. In seinem neunten Lebensjahr kam er nach Nidda. 
um dort die Sprachen zu lernen: dann studirte er anfangs zu Mainz, 

Da hab ich allererst vernommen, 
Das auff erdten kein Ketzerey 
So bös ist als poeterei, 

hernach zu Wittenberg, wo er 1520 den 19. Juni inscribirt wurde. In 
Wittenberg that er sich schon als treuer und eifriger Freund Luthers 
hervor, er verfasste noch als Student, wie er selbst sagt, ein bissiges 
Spottgedicht auf den Bock Emser. Später trat er offen gegen Eras- 



») Nach Jöcher (1, 67) kamen von ihm, den er zu Urseren im Canton Uri 
geboren werden lässt, 1612 /^oe«?//«/« zu Frankfurt in 12 heraus. — '•') ^y/fflrM;» 
Höh (fUiiKiue. p. S-'il. 



117 

mus von Rotterdam auf, als dieser auf Huttens feurige expostulatio cum 
Erasmo seine maliciöse Spongia adversus Huttenicas aspergines heraus- 
gegeben hatte. Da diese Streitschrift wider Erasmus — Judicium de 
Spongia Erasmi — 1523 im Druck erschienen ist, so wird Alberus 
Anfangs 1523 schon nach Ober-Ursel als lateinischer Schulmeister ge- 
kommen sein. Da nämlich dieses scharfe Urtheil folgende Widmung hat: 
Suo Theodorico, concionatori Francofurdlano, Erasmus Alberus frater, 
non Lufheranus, sed eins, quem docet Lutherus, discipidus ex animo S. D., 
und gleich anlängt: Rcmitto ad te Spongiam: so müssen wir den da- 
maligen Aufenthalt Albers in der Nähe von Frankfurt suchen. Er 
verherrlicht mit der edlen Gabe , welche ihm gegeben war und mit 
welcher er sich unter den deutschen Fabeldichtern für alle Zeiten einen 
Namen gemacht hat, Oberursel und singt: 

Der Graf von Königstein ein Stadt 
Nicht fern von Frankfurt liegen hat. 
Wenn man will gehn in's Hessenland, 
So liegt die Stadt zur linken Hand, 
Heisst Ursel und das Völklein ist 
Keins Trugs gewolmt, noch Hinterlist, 
Keins Aufhetzes, Wuchers, Hurerey; 
Man hört von keiner Buberey, 
Sondern seind züchtig, fromm und schlecht. 
Gottes Wort wird ihm gepredigt recht 
Nach Doktor Martin Luthers Weis, 
Das hört man da mit ganzem Fleiss. 
Beid Männer und die Weiber sein 
Am Leib geschickt, gerad und fein, 
Dazu han sie ein' guten Herrn, 
Was wollten sie noch mehr begehrn? 

Soden, Neuenhain und andere Orte werden von ihm gelegentlich 
noch gepriesen. Der Feldberg aber ist sein Liebling, häufig hat er ihn 
besucht zu seiner Ei-quickung. 

Ich acht der Berg in unsrem Land 

Sei iiin (den Poeten) gewesen gar unbekannt, 

Sie hätten sonst sein auch gedacht 

Und gute Vers' von ihm gemacht. 

Da hört man der Vögel Gesang, 

Da wird cim die Zeit nicht lang. 

In solchen kleinen Vögelein 

Hat uns der gütig Vater fein 

Die liebe Musika bcscheert, 

Auf dass dem Unlust werd gewehrt. 

Noch eine Lust hat man daneben, 

Dass uns die Vögel Braten geben; 

Den Nutzen hat man auch dabei. 

Auf dass die Freud zwiefältig sei. 



118 

1527 ging Alber nach Heldenbergen zum Ritter Konrad von Hatt- 
stein. Er starb, berühmt als trefflicher Dichter und eifriger Lutheraner, 
nach einem wechselvollen Leben 1553, den 5. Mai zu Neubrandenburg 

als Pfarrer. 

\g\. Strieder. Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller- 
geschichte 1, 24 ff. — Stromberger, theolog. Literaturblatt. 1856, No. 105 ff. — 
Herzog, Real-Encyklopädie. XIX, 32 f. 



Johan Henrich Aisted. 

Dieser berühmteste Polyhistor, welchen Nassau hervorbrachte, 
erblickte 1588 zu Bailersbach bei Herborn das Licht der Welt. Sein 
Vater Jakob Aisted, aus Westphalen stammend, war dort Pfarrer ; seine 
Mutter war eine Tochter des Pfarrers Johannes Pincier zu Wetter, eines 
eifrigen Anhängers der reformirten Lehre. Johann Pincier, Professor 
der Medicin und Philosophie zu Herborn , ein gewandter lateinischer 
Dichter, brachte seinen Verwandten zur Taufe. Nachdem Aisted von 
seinem Vater in den Anfangsgründen hinlänglich unterwiesen worden 
war, wurde er nach dem nur eine Stunde weit entfernten Herborn, wo 
sein Vater vorher als Caplan gestanden hatte, zu seiner weiteren Aus- 
bildung geschickt. Er trat dort zunächst in das Pädagog ein, welches 
unter Johann Bisterfeld, Matthias Martinius und Henrich Dauber damals 
im schönsten Flore stand. 1602, den 2. Oktober wurde er von Johann 
Althusius in das Album der hohen Schule eingetragen. Johannes 
Piscator stand damals noch in seiner vollen Kraft, Matthias Martinius 
begann seine staunenswerthe Gelehrsamkeit zu entfalten, Wilhelm Zepper 
schloss sich diesen beiden als ein tüchtiger Praktiker würdig an — 
unter ihnen widmete sich Aisted der Theologie: Johannes Pincier und 
Heinrich Dauber waren seine Lehrer in der Philosophie und Philologie, 
welche er mit gleichem Eifer trieb. Bald machte sich der junge Stu- 
dent durch seinen Fieiss und seine vorzüglichen Leistungen unter seinen 
Commilitonen bemerklich, unter welchen sich junge Männer befanden, 
welche sich später wie Christoph Moller und Ludwig Crocius auf dem 
Katheder wie auf der Kanzel einen grossen Namen erwarben. 1605 
zu Neujahr recitirte er bei einem academischen Akte ein lateinisches 
Gedicht, welches er später dem Druck übergeben woUte. Die meisten 
Professoren, — denn der academische Senat war mit dem Amte eines 
Censors betraut und nichts, auch nicht ein Mal ein unschuldiges Hoch- 
zeitsgedicht durfte gedruckt werden, wenn es nicht zuvor durch die 
Hände dieser Gestrengen, welche selbst die grammatischen und prosodischen 
Schnitzer vorfolgten, gegangen Avar — waren damit zufrieden: Pisca- 



119 

tor aber hielt es noch für ein unreifes Produkt und erklärte, dass der 
Jüngling später besseres würde leisten können. Da Piscator von allen 
als das eigentliche Haupt der Schule angesehen wurde, so musste Aisted 
noch eine Zeit lang warten, bis er die ersten Autorenfreuden kennen 
lernte. Nachdem Aisted in Herborn seine Studien vollendet hatte, be- 
gab er sich nach damaliger Sitte auf gelehrte Keisen. Wenn die Eltern 
hierzu nicht die nöthigen Mittel aufbringen konnten , so hielt es dem 
akademischen Senate nicht schwer, von den Landesherren und anderen 
mit Glücksgütern reichgesegneten Vornehmen die nöthigen Gelder für 
ihre vorzüglichsten Schüler auszuwirken. Man erkannte damals eben 
ganz allgemein, was jetzt nur noch hie und da erkannt wird, dass solche 
Keisen in jüngeren Jahren, nachdem das eigentliche Fachstudium durch- 
gemacht war, einen ausserordentlich bildenden Einfluss ausübten. Ueber 
Frankfurt ging Aisted nach Heidelberg, Strassburg ward besucht, in 
Basel aber ein längerer Aufenthalt gemacht, denn der berühmte Theo- 
loge Polanus von Polandsdorf zog ihn dorthin und hielt ihn auch lange 
fest. In Basel eröffnete er seine literarische Wirksamkeit mit Heraus- 
gabe der flores theologici. Nachdem er in der Schweiz sich noch weiter 
im Innern umgesehen hatte, kehrte er in sein Vaterland zurück, um 
sofort am Pädagog zu Herborn eine Anstellung zu finden. Im Jahre 1608 
war er schon Lehrer der obersten Klasse und Aufseher der Stipendiaten. 
Bald ward es dem strebsamen und vielversprechenden jungen Mann gestattet, 
philologische und philosophische Vorlesungen an der hohen Schule zu 
halten. Er erfreute sich der Hochachtung seiner älteren Collegen und 
des Beifalls der studirenden Jugend in solchem Grade, dass er 1610 
schon ausserordentlicher Professor in der philosophischen Facultät wurde ; 
1615 ward er zum Dank dafür, dass er einen Ruf nach Wesel und einen 
nach Hanau abgelehnt hatte, zum ordentlichen Professor der Philosophie 
ernannt. Sein Name war in Deutschland schon so bekannt, dass der 
Churfürst .lohann Sigismund von Brandenburg sehr angelegentlich mit 
dem Grafen Georg zu Dillenburg seinetwegen verhandelte: der Graf 
aber mochte ihn um keinen Preis ziehen lassen, denn die Zierden der 
hohen Schule waren theils wie Zepper und Textor schon lange gestorben, 
theils wie Martinius und Bisterfeld an andern Orten in gesegneter Thätig- 
keit, theils wie der unermüdliche Johannes Piscator in ein hohes Alter 
vorgerückt. Als die Streitigkeiten mit den Arminianern in Holland für 
die reformirte Kirche eine Synode wünschenswerth machten und aus den 
Niederlanden eine Einladung an den Wetterauischen Grafenverband er- 
ging, diese wichtige Synode doch auch zu beschicken, so wurde neben 
dem alten, ehrwürdigen Johann Bisterfeld, dem Inspector von Siegen, 
Johann Henrich Aisted nach Dordrecht abgeordnet. Sein CoUege , der 
berühmte Georg Pasor, zu Ellar bei Hadamar geboren, schrieb ihm am 
24. Dezember 1618 aus Herborn dorthin: Fac ergo nos certiores de 



120 

statu renon vestranon. Planefae jam estis, per quos aether Theologicus 
et orbis noster regitiir. Dens suam vobis largiatur gratiam , qnod ipsi 
oratnus. ut omnia ad felicein deducantur exitum. Mit seinem Schul- 
und Universitätsfreund Crocius traf er in Dordrecht wieder zusammen, 
eine grosse Zahl der bedeutendsten reformirten Theologen lernte er dort 
kennen , zugleich suchte er in Holland die berühmtesten Professoren 
und Staatsmänner auf. Als die Synode nach langen, höchst anstren- 
genden Verhandlungen im Mai 1619 endlich auseinanderging, widmete 
ihm der poäa laiircatus Henrich Stromberg folgendes propempticum : 

Ergo meus Batavos Alstedius ire relictum 

Nunc parat? ad Cattos nunc parat ire suos? 
Quam fuit optatus, fuit acoeptusque benigne, 

Aegre dimissus tarn fuit ille mihi. 
Prosequar officio possum quocunque poeta, 

Quo decet et possum prosequar officio. 
Dicam: dum Batavos Alstedius ire relictum 

Nunc p.'irat ad Cattos et parat ire suos, 
Verna viatori gratos i Chloris adores 

Fundere quo gressus tramite cunque feret. 
Avia huic avibus resonent nemorosa canoris: 

Huic cane prae reliquis tu Philomele mele, 
Aemula quae volucris sit gutture nulla sequaci, 

Arboreis latitet sed stupefacta comis. 
Cum Musis Charites comites huic ite: Choreis 

Ludite huic Dryades, ludite cum Sat}Tis, 
Muscosi fontes salientes murmure leni, 

Murmure lenite huic taedia longa viae. 
Rideat huic Aether, sine nube huic rideat Aer, 

Imbribus ut nuUis impediatur iter. 
Parcite praedones, latrones parcite eunti, 

Parcetis magnis hac ratione Deis, 
Palladi cum Phoebo, cum ter tria numina Musas 

Nempe tribus Charisin, quas colit, ornat, amat. 
Prosequar ALstcdi te tali carmine euntem. 

Quo decet et possum prosequar officio. 
I, ductore Deo, stipet latus Angelus ille, 

Qui Tobiae ductor quique reductor erat. 
I, sed Strombergi non obliviscere vatis, 

Immemor Alstedi non erit ille: vale! 

Am 20. Mai 1619 endlich wurde Aisted zum Professor der 
Theologie ernannt, um den hochbejahrten Piscator zu unterstützen und 
zu ersetzen : man nahm ihm aber die Vorlesungen über Philosophie nicht 
ab, jeden Tag sollte er nur eine Stunde weniger über diese Wissenschaft 
lesen. Nach dem Ableben Piscators erhielt er endlich die erste theo- 
logische Professur. Der dreissigjährige Krieg brachte auch über die 
Länder des wetterauischen Grafenverbandes schwere Drangsale. Grosse 
Heere zogen durch und saugten das Land aus : die hohen Schulen boten 



121 

der Jugend keine Sicherheit mehr, die Hörsäle verödeten und die weni- 
gen, welche noch bei dem Toben der Waffen den Musen sich weihten, 
suchten im Ausland eine Zuflucht. Aisteds Name konnte nach Herborn 
nicht mehr die Studenten ziehen, ihm selbst wurden seine Studien oft 
unterbrochen und erschwert. f]r sehnte sich nach einem Orte, wo er, 
herausgerissen aus der Angst und dem Jammer dieses Krieges, sich 
ganz seinen ernsten Arbeiten und der strebenden Jugend hingeben könnte. 
Die hohe Schule Herborn erfreute sich in dem ersten halben Jahrhundert 
ihres Bestehens eines weitverbreiteten Kufes. Aus allen Ländern Euro- 
pa's, wo die reformirte Confession Eingang gefunden hatte, oder wo 
sich in der Stille dieser oder jener zu dieser Lehre bekannte , strömte 
die Jugend nach diesem kleinen Orte. Friesland stellte ein starkes 
Contingent, die reformirte Kirche des Niederrheins betrachtete Herborn 
als die alma mater, Niederländer kamen hierher, war doch von hier der 
Held ausgegangen, der ihnen gegen Spaniens Heere ihren Glauben rettete : 
Schottland sandte seine Jünglinge her, selbst aus Dänemark, dem starr- 
lutherischen Lande, fanden sich einzelne ein: ja selbst bis Liefland 
reichte die Anziehungskraft dieser hohen Schule. Vor allen Dingen 
aber bestand eine sehr lebhafte Verbindung zwischen Herborn und den 
Reformirten, welche in Böhmen und Mähren, in Polen und Siebenbürgen, 
in Ungarn und andern nach Morgen gelegenen Ländern wohnten. Aisteds 
Name stand dort in hohen Ehren. Der Fürst Gabriel von Siebenbürgen, 
welcher in Stuhl-Weissenburg eine Akademie gegründet hatte, glaubte 
dieser jungen Anstalt nicht besser aufhelfen zu können , als wenn er 
sich um den berühmten Johann Henrich Aisted bewerbe. Aisted hing 
an seinem Vaterlande und dessen Fürstenhause, welches ihn fort und 
fort ausgezeichnet hatte, Herborn war ihm ans Herz gewachsen, es war 
ja seine Bildungsstätte, die Wiege seines Ruhmes und die Heimath seiner 
Gattin: er hatte nämlich eine Tochter des bekannten ersten Herborner 
Buchdruckers Christoph Corvinus, Anne Katharine. geheirathet. Aber 
in Herborn, ja überhaupt in Deutschland gab es keine Ruhe, die zu 
Studien so nöthig ist, und es wollten sich auch noch nicht die geringsten 
Aussichten zeigen, dass dieser furchtbare Krieg zu Ende gehen werde. 
Ludwig Henrich von Dillenburg gewährte, da er selbst mit Schmerzen 
einsah, dass Herborn sich nicht länger werde halten können in diesem 
allgemeinen Elende, dem Aisted 1629, 12. August den gewünschten 
Abschied, doch behielt er sich vor, dass Aisted, sobald als der Krieg 
vorüber sei, wieder in seine bisherige Stelle eintrete. Sehr gern gab 
dieser sein Wort: die Noth trieb ihn aus seinem Vaterland, aber sein 
Herz blieb hier zurück. Gabriel hatte durch Kaspar Boiti mit Aisted 
unterhandeln lassen: Aisted zog mit einem Sohne Johann Piscators, 
dem Professor Johann Ludwig Piscator, der in der Theologie und Philo- 
sophie unterrichtete, nach Siebenbürgen. In einem Bande, welcher allerlei 

8* 



122 

Briefe an Aisted enthält und sich in unserer Semiuarbibliothek befindet, 
steht das Berufungsschreiben des Fürsten den Dodissimis et Eruditis 
D. Johann i Hcinrico Alsiedio, Sacro Sanctae Theologiae, Coniitum 
Nassoricorum: et M. Philippo Liidovico, in llluatri Herbornensi Schola 
Profesfioribus etc. nohis si/ncere dilectis zugefertigt. Es lautet: 

Gabriel Dei Gratia Sancti Roraani Imperij. et Transsylvaniae Princeps, partium 
Eiegni Hungariae Dominus, Siculorum comes, ac Oppuliae Ratiboriaeque Dax etc. 

Doctissimi et eruiiiti nobis syncere dilecti — Reuersus ad nos fidelis noster 
Caspar Boiti , quem causa Ipsarura accersendarum supenoribus mensibus dimissum 
uolueramus , promptam uoluntatem praedarumque nobis operara suam nauandi Studium 
abunde retulit; literasque ad nos datas reddidit; ex quibus et etiara ex relatione eius- 
dem fidelis nostri cum omnia in rem necessaria cumulate intellexerimus , gratissiraus 
nobis insignis Earum erga nos affectus fuit; benigneque eo contenti reddimur, cum 
praesertim speremus uoluntate diuina huc appulsos non inanem laborum suorum fruc- 
tum posituros. Nihil itaque iain superest quam ut iuxta promissa nobis facta iter 
suscipiendum uelint , ita ut in tempore, mora ulteriori posthabita, appellere possint. 
Nos benigne operam daturi erimus, ut certum hominem nostrum circa finem Mali 
Posonium usque eisdem obuiam mittamus, cui cura conducendorum curruum deducen- 
darumque Earum commissa, usque ad duodecimum Junii eas ibidem ut opperiatur 
in luandatis dabimus. 

Aequum igitur est, ut hac benigna uoluntate nostra intellecta eo pacto iter 
instituant, quo circa tempus illud Posonium appellere ualeant, ne frustra ibidem eas 
expectando homo noster moram inanem faciat. 

Interea tarnen hoc rerum ubique in partibus illis statu , commodum arbitramur 
ut itineris personarumque suarum diligentem curam habeant, ne quid incommodi 
uspiam pati eisdem contingat, quod pro sua prudentia facturas sibique haud defuturas 
cum nihil dubitemus, erit ut Deo fauente incolumes huc appulsos alacres conspiciamus, 
omnemque favorem et benignitatem nostram erga eas eo pacto demonstremus , quo 
expectationi earum de nobis abunde satisfieri possit. Quibus de cactero omnem in- 
columitatera comprecamnr. Datum in arce nostra Fogagarasiensi die 22 Februarii. 
Anno Domini 1629. Gabriel. 

Der Ueberzug ging nicht so schnell von Statten. Aisted langte 
in der zweiten Hälfte des Jahres erst mit Piscator in seiner neuen Hei- 
math an. Er widmete sich in Stuhl-Weissenburg mit voller Kraft sei- 
nem akademischen Berufe und fand auch noch Zeit eine Anzahl neuer 
Bücher zu schreiben. In sein Vaterland kehrte er nicht wieder zurück: 
ehe der Krieg sein Ende erreichte, starb Aisted den 9. November 1638. 
Seine Wittwe kam 1647 wieder nach Herborn, starb aber schon im fol- 
genden Jahre. 

Die schriftstellerische Fruchtbarkeit Aisteds ist ganz ausserordent- 
lich. Ich bin im Stande folgende Werke von ihm anzugeben, muss 
aber gestehen, dass wie ich Vogels Verzeichniss wesentlich vermehren 
konnte, ein Anderer auch dieses Verzeichniss vielleicht noch mit dieser 

und jener kleinen Schrift bereichern kann. 
1) Hores theologici. Basileae. 

Diess Buch Lst mir nur aus dem Briefe Aisteds an Christian Beckmann vom 
19. Februar 1611 bekannt, der sich in Christiani Becmani, nee non ad ipsum aliorum 
ex-stantiores epistolae. Hanoviae IfilO. ]>. 'M findet. 



123 

2) Clavis artis Lullianae, et verae logices duos in libellos tributa. iil est 
solida dilucidatio artis mapnae, generalis, et ultimae, quam Kayinundus 
Lulliufi invenit, ut esset quarunicunique artimn et scientiaruin clavigera et 
serperastra: edita in usum et gratiam eorum qui impendio delectantur 
compendiis, et confusionem sciolorum, qui inuentutcm fatigant dispentiis. 
accessit novuni speculuni logices minime vulgaris. Argentorati MDCIX. 
S. 182. in 8. (In meinem Besitze). 

Der Verfasser charakterisirt seine Stellung und seine literarische Tiiätigkeit 
treffend in diesen Worten der Vorrede: quid igitur sibi volunt nasutuli isti, qui 
treis illas nobiliores philosophorum sectas (quae hodie \ägent) puta Peripateticorum, 
LuUistarum, et Eameorum, ita committunt ut tantum de lana caprina disputent? 
Nostrura est more apicularum omnibus assultare flosculis, et in alvearia melligenem, 
supersessis aconitis, coraportare. Nostrum est libere philosophari , ne simus (ut ait 
Satyricus) servum pecus, et mancipia alienae libidinis, ut ait Scaliger. 

3) Systema mnemonicura duplex. Francofurti 1610. 

4) Consiliarius academicus et scholasticus sive de methodo studiorum. Argen- 
torat. 1610, 4; und 1627, 4. Herborn 1620, 4. 

5) Theatrum scholasticum, in quo consiliarius philosophicus proponit et exponit. 
1. Systema et Gymnasium Mnemonicum , de perfectione Memoriae et 

ßeminiscentiae. 

II) Definiendi solide, 
2) Dividend! recte, 
3) Disputandi Academice, 
de ratione [ 4) Consultandi circumspecte, 

1 5) Eesolvendi accurate. 

III. Systema et Gymnasium Oratorium, de perfectione linguae, et Methodo 
Eloquentiae. 
Herbom. 1610. 8. u. 1620. 8. 
Gewidmet dem Baron Johann v. Schöneich, Herrn zu Beuthen etc. (in Schlesien). 

6) Panacea philosophica i. e. facilis, nova, et accurata methodus docendi et 
discendi universam encyclopaediam. Accessit criticus de infinito harmonico 
philosophiae Aristutelicae, Lullianae et Rameae. His accedit cousilium 
Clenardi de discenda lingua latiua. Herborn. 1610. 8. 

Dem Baron Karl von Zerotin (in Mähren) zugeschrieben. 

7) Compendium grammaticae latinae Mauritio — Philippe — Rameae, Har- 
monice confonnatae et succincta methodo comprohensae. Herborn. 1610 
und 1613. 12. 

Dem Landgrafen Moritz von Hessen, der selbst eine lateinische Grammatik 
verfasst hatte (hierauf bezieht sich das Mauritio im Titel), am 1. Januar 1610 ge- 
widmet. 

8) Sex illustrium quaestionum miscell. Kespondente Petro Celesio Salingiaco. 
Herb. 1610, 4. 

9) Delineatio locorum communium specialis politicae Gennaniae. Herb. 1611. 8. 
Befindet sich auch in Keckermanni systema systematum. 2, 1687 sq. 

10) Elementale mathematicum. Francof. 1611. 4. 

11) Compendium systematis et gymnasii logici. Herb. 1611. 12. 

12) Brevis et methodica adumbratio disciplinae oeconomicae examini publico 
subiecta. Resp. Matthaeo Tomemanno, Francofurt. Herb. 1611, 4. 

13) Oratoria succincte et methodice proposita et disputata. Resp. Nicol. Gedeone 
Hermanno Caesareo-Lutrensi. Herb. 1611. 12. 



124 

14) Hexiliigia id est illustris et utilis doctrina de habitibus intellectualibus. 
Kesp. Jo. Pithano, Sigenens. Herb. lOlU. 12. 

15) MethodusSS. Theologiae in sex libros tributa. Offenbach, 1611. 12. Hanov. 
1623 und 1634 in 12. 

Da sich ein unternehmender Buchhändler eine Nachschrift dieses CoUegs 
Aisteds verschafft hatte und es drucken wollte, musste Aisted nothgedrungen mit 
dieser editio ininiatura, wie er selbst sein Buch nennt, hervortreten. 

Es ist dem reformirten Consistorium in Prag dedicirt. 

Iti) Metaphysicae methodus exquisitissima, aliquot disputationibus examinata. 
Resp. Joh. Bilefelt, Bremensi. Herb. 1611. 12. 

17) Disputatio philosophica de causis. Resp. Christian. Stubaeo, Dane. Herb. 

1611. 4. 

18) Metaphysicae brevissima delineatio. Resp. .loh. Litomilo, Bohemo. Herb. 

1612. 12. 

19) Lexicon theologicuni, in quo sacrosanctae theologiae termini dilucide ex- 
])licantur iuxta seriem locorum communium. accedit necessaria monitio de 
lectioue Novi Testamenti. Hanov. 1612, 20, 20 und 34 in 8. 

2U) Systema physicae harmonicae, quatuor libellis methodice projiositum. Herb. 
1612. 12. 

Seinem Onkel Ludwig Pincier, Dekan der Kathedralkirche zu Lübeck ge- 
widmet. 

21) Trigae canonicae, quarum prima artis mnemologicae e.xplicatio, secunda 
artis Lullianae architectura et usus, tertia artis oratoriae magisteriura est. 
Francof. 1612. 8. 

22) Philosophia digne restituta, complectens archelogiam, hexilogiam , techno- 
logiara et canonica. Herb. 1612. 8. Consiliuna de locis communibus recte 
adornandis. Herb. 1612. 8, 

23) Orator sex libris informatus. Herb. 1612, 14, 16 in 12. 

Wieder einem mährischen Baron gewidmet. 

24) Disputatio philosophica practica. Resp. Helvico Henckelio, Felsburgensi. 
Herb. 1612. 4. 

25) Decuria quaestionum politicarum illustr. Resp. .linold Hundt, Neuhof. 
Herb. 1612. 4. 

26) Disputatio physica de ineteoris. Resp. Francisco Eberhardi. Creftelbacensi. 
Herb. 1612. 4. 

27) Methodus admirandorum Mathematicorum. Herb. 1613. 23, 41 und 57 
in 12. 

28) Disputatio philosophica, complectens quinque sectiones quaestionum illus- 
trium. Resp. Frid. üchöfferus ex Elysiis Bcuthaniensis. ib. 1613. 8. 

29) Disputatio ethica de amicitia. Resp. Johannes Fortmaimus, Ratinga-Mon- 
tanus. ib. 1613. 8. 

30) Sylloge quaestionum controversarum, Philosophiae viridiario depromptarum. 
Resp. Joh. Amose, Marcomannis Niesnicenus. ib. 1613. 8. 

31) Disputatio philosophica, complectens quatuor sectiones quaestionum illu- 
strium. Resp. Bonifacius Grebenius, Witzenhusanus. ib. 1613. 8. 

32) Atuoexä;; illustrium quaestionum philosophicarum. Resp. Severinus Brinck- 
mannus, Clivo-Mülheimensis. ib. 1613. 8. 

33) Sequentes quaestiones philosophicas. Resp. Petrus Hermanni, Cüvo-Duys- 
bergensis. ib. 1613. 8. 



125 

34) Probleinata haec logica. Kesi». Jacobus Klinck, NasB.-Sigenensis. Herb. 
1013. 8. 

35) Disp. politica, coniplectens quaestiones miscell. Kesp. Gerhard a Wees. 
Batavo-Geldr. ib. 1613. 4. 

36) Disp. politica, continens decuriani quaestionum illustrium. Resp. Bemh. 
Hasius, Clivo-Vesaliensis. ib. 1G13. \. 

37) Decuria miscell. illustr. quaest. grammatico-ethico-politicarum. Resp. Job. 
Conrad. Keller, Hanoicus. ib. 1613. 4. 

38) Positiones jibysicae de coelo sydereo et Stella in genere. Kesp. Martinua 
Catzinus, Khaetus Curiensis. ib. 1613. 4. 

39) Metaphysica, tribus libris tractata. Herb. 1613, 16, 18, 22 in 12. 

40) Compendium logicae harmonicae Herb. 1613 und 23 in 12. 

41) Logicae systenia harmonicum-, in quo universus bene disserendi modus ex 
Authoribus Peripateticis juxta et Rameis traditur. Herb. 1614. 1628 in 8. 

Dem Josua von der Tanne gewidmet. 

42) Disputatio philosophica, continens quaestiones quasdam illustres logicas et 
rhetoricas. ßesp. Henricus Hamer, Francofurt. Herb. 1614. 8. 

43) Palaestra logica, quaestionibus aliquot ex P. Rami logicis excerptis illu- 
strata. Resj). Pliilippus Geisweid, Nass. Sigenensis. ib. 1614. 8. 

44) Disputatio logica politica. Resp. Job. Frider. a Jossa, Fuldensis. ib. 1614. 8. 

45) Exercitium metaphysicum. Resp. Job. Birbergius, Herborn. ib. 1614. 8. 

46) Theologia naturalis, exhibens augustissimam naturae scholam. Francof. 

1615 und Hanoviae 1623 in 4. 
Dem Nürnberger Rathe gewidmet. 

47) Praecognita theologica. Francof. 1615 und Han. 1623. 4. 

48) Disputatio physica, de corporis naturalis generalibus principiis et atfectio- 
nibus. Resp. Job. Sibertus Küffler ex Ubiis. Herb. 1615. 8. 

49) Decas quaestionum pbysicarum. Resp. Reinhard. JSchönbubius, Solitariensis 
Hanovico-Fraucus. Herb. 1615. 8. 

50) Theologia catechetica, exhibens sacratissimam novitiolorum Christianorum 
scholam. Hanov. 1616 und 1622 in 4. 

Dem Baron Heinrich von Zahradek gewidmet. 

51) Rhetorica, quatuor libris proponens Universum ornate dicendi modum. Herb. 

1616 und 1626 in 8. 
Dem Danziger Rathe dedicirt. 

52) Decas quaestionum illustrium in schola logica controversarum. Resp, Jacob 
Petrozelinus, Budvicensis, Herb. 1616. 4. 

53) Disp. polit., insignes aliquot et nobiles quaestiones continens. Resp. 
David Müller, Bernens. ib. 1616. 4. 

54) Disp. polit., aliquot nobiles quaestiones continens. Resp. Samuel Domaradski, 
Polonus. ib. 1617. 4. 

55) Dodecas illustrium aliquot quaestionum miscell. philosoph. Kesp. Job. 
Bron, Hadamarensis, ib. 1617. 4. 

56) Heptas quaestionum aliquot miscell. Resp. Job. Henri. Tackius, Wetz- 
flar. ib. 1617. 4. 

57) Disp. I, de animae intellectivae facultatibus. Resp. Jo. Bletsch, Berleburg. 
1617. 4. 

58) Disp. II, de animae intellectivae facultatibus. Kesp. Elias Mercator, Ber- 
leburg, ib. 1617. 4. 

59) Disp. III, de an. int. fac. Resp. Godfr. Pampo, Loenobcrg. 1617. 4. 

60) Disp. IV, de an. int. fac. Resp. Phil. Cyriacus Nicolai, Steinoviensi«. ib. 
1618. 4. 



12G 

Cl) Theologia schola:jtica didactica. Hanoviae, 1618 und 1627 in 4. (In der 
'2. Autlage blieb das Wort scholastica fort, Vogel macht aus der 2. Auf- 
lage ein neues Werk). 

Dem Prinzen Moritz von Uranien dedicirt. 

02) Enneas quaestionum miscell. Eesp. Nicolaus Schlaffius, Eppenrodano. Herb. 

1618. 4. 

63) Disp. politica. Resp. Christoph, a Grorodt. Herb. 1618. 4. 

64) Decas quaestionum logicarum de praedicamentis. Resp. Georg. Pliil. Stockius, 
Kesselstadio-Hanov. ib. 1618. 4. 

65) Praecepta et theoremata de universo mixtarum rerum publiearum genere. 
Resp. Abr. Goluchowski, Polonus. ib. 1618. 4. 

66) Decas quaestionum miscellanearum. Resp. Henricus Schildius, Moeno- 
Francof. ib. 1618. 4. 

67) Decas quaestionum philosoph. miscell. Resp. Joh. Petr. Goldbronn, Herborn, 
ib. 1618. 4. 

68) Decas quaestionum logicarum misc. Resp. Joh. Adam Musculus, Moeno- 
Francof. ib. 1618. 4. 

69) Decas quaestionum philosoph. miscell. Resp. Justus Huttenus, Herbomensis. 
ib. 1618. 4. 

70) Disputatio philos. complectens quaestionum physico-metaphysico-politicar. 
Resp. Joh. Zythopaeus, Hachenburgensis. ib. 1618. 4. 

71) Decas quaestionum physicarum de sensibus exterioribus. Resp. Joh. Chilian 
Crusius, Cassella-Bipoutinus. ib. 1618. 4. 

72) Disput, philos. de sonsibus internis. Resp. idem Crusius. Herb. 1618. 4. 

73) Pneumatica. Herbom 1619. 

74) Disp. theologica, de justificatione hominis. Resp. Joh. Hommerus. ibid 
1619. 4. 

75) Disp. de prudentia et justitia. Resp. Stanislaus Drokogew, Polonus. ibid. 

1619. 4. 

76) Disp. politica. Resp. Joh. a Brünighausen, Hammonensis. ib. 1619. 4. 

77) Disp. philos., de essentia et existentia. Resp. Just. Gotthard. Wetzflarius. 
Marienbergensis. ib. 1619. 4. 

78) Disp. theol., de angelis. Resp. Eberhard. Curtius, Düfenbachens. Widanus 
ib. 1619. 4. 

79) Cursus philosophici encyclopaedicus. Herb. 1620. 8. 

80) Theologia polemica. exhibens praecipuas huius aevi in religionis negotio 
controversias. Hanov, 1620 und 27 in 4. 

Dem Rathe zu Nymwegen gewidmet. 

Gegen diese Polemik schrieb der bekannte Professor Johann Himmel 
■L\i Jena ein besonderes Werk unter dem Titel: Anti - Älstedius , sive 
examen theologiae poleniicae Alatedianae Lutherunis sophistice ac frau- 
dulenter o2>positae, succincte ac modeste institutum et decadi Dispu- 
tationum Theologicarum inclusum. Jenae 1829 in 4. 

81) Logistica, sive Arithmeticae practicae compendium. Hanov. 1620. 8. 

82) Philomela theologico-philosophica, recitans memoriale biblicum, oeconomium 
bibliorum et trivium philosophiae. Herb. 1620 und 21 in 12. 

83) Problemata logica et physica. Resp. Anton. Lenig, Nass. Sigen. Herb. 

1620. 4. 

84) Disp. theol., de via salutis. Resp. Lucas Cosmicenus. ib, 1620. 4. 

85) Disp. philos., de intelligentiis. Resp. Joh. Cornelius, ib. Io20. 4. 



127 

8H) Theologia casuum, exhibens anatomen conscientiae et scholam tentationum. 
Hanov. 1621 und 30. 4. Francof. 1674. 4. 
Dem Kronprinzen Friedrich von Norwegen, Herzog zu Schleswig gewidmet. 

87) Disputatio theol. , de essentia Dei ejusque attributis. Ite^p. Jacobus 
Dilphius, Netphaeo. Nasaov. Herb. 1621. 4. 

88) Disputatio theol., de justificatione hominis coram Deo. Resp. Jacobus 
Apiarius, Ambergensis. ib. 1621. 4. 

89) Theologia prophetica, exhibens Rhetoricam Ecclesiasticam , in qua pro- 
ponitur ars concionandi, et illustratur promptuario concionum locuple- 
tissimo, n politiam Ecclesiasticam. accedit theologia acroamatica. Hanov. 
1622. 4. 

90) Quaestiones physicae. Resp. Philipp. Altgelt, 8igenensis. Herb. 1622. 4. 

91) Disp. theol., de sacramentis Novi Testamenti. Resp. Petr. Heuserus, 
Freienrachdorfiensis. ibid. 1622. 4. 

92) Disp. theol., de persona Christi. Resp. Job. Moschetus. 

93) Disp. theol., de angelis. Resp. Henricus Sartorius, Hornensis WestphaluB. 
ib. 1622. 4. 

94) Pentas theologica, exhibens quinque locos salutis nostrae praecipuos. 
Resp. Henricus Wirzaeus, Juliaco-Radanus. ib. 1622. 4. 

95) Disp. theologica, de verbo Dei. Resp. Samuel Bochuvitius, Polonus ib. 

1622. 4. 

96) Disp. politica. de norma administrationis reipublicae. Resp. Job. Rozyczky 
a Rozycze, Polonus. ibid. 1622. 4. 

97) Miscellanea oeconomica et politica. Resp. Stephanus de Chelm, Chelmsky 
Polonus. ib. 1622. 4. 

98) Nucleus logicus, complectens praxin artis nobilissimae. Herborn. 1623. 12. 

99) Disp. theologica, de praedestinatione. Resp. Hermann. Pastorius, Lunensis 
Westphalus ib. 1623. 4. 

100) Disp. theologica, de ecclesia Dei. Resp. Frid. Kampius , Solingensis. ib. 

1623. 4. 

101) Thesaurus chronologiae, in quo universa temporum et historiarum series 
in omni vitae genere ita ponitur ob oculos, ut fuudamenta Chronologiae ex 
S. literis et calculo astronomico eruantur, et deinceps tituli bomogenei 
in certas classes memoriae causa digerantur. Herb. 1624. 28. 37, 50 in 4. 

102) Compendium theologicum, exhibens methodum S. S. Theologiae. Hanov. 

1624. 8. 

Aus der dem lectori Christiano gewidmeten Vorrede hebe ich fol- 
gende Worte hervor: Superiori anno, Christiane lector, abjeci calamum 
meum, nihil deinceps in publicum scriptiirus , sed totuni vitae meae 
tenipus meditationi Scripturae sacrae impensurus, et hoc modo af actum 
meum super contritione Josephi dcclaraturus, animam denique meam 
in silentio et spe possessurus. Id dum facio pro gratia divinitus con- 
cessa, non solum universae vitae meae, sed etiam doctrinae a me tra- 
ditae rationem ad Lydium Scripturae lapidem exigendam esse intelUgo, 
et re ipsa hoc examen quotidie cum Deo instituo. Vitam meam quod 
attinet, singidis momentis per Dei gratiam inenarrahilihus geniitibus 
et severa ultione niei ipsius hoc ago, ut veterem Adamiwi, qui nobis 
in hac peregrinatione et militia nostra nimis quam molestus est, cruci- 
ßgam et novum hmninem exuscitem, atque adeo fiam {^eö^iXo?. 



128 

103) T>isp. theologica. de mediis salutis nostrae. Resp. Joh. Panthaleon Can- 
diduü Bipontinus. Herb. 1(324. 8. 

104) Triumphus bibliorum sacrorum, seu encyclopaedia biblica, exhibens 
triuinphura philosophiae, juris prudentiae, et medicinae sacrae, itemqae 
sacrosanctae theologiae, quatenus illarum fundamenta ex scriptura V. et 
N. T. colliguntur. Francof. 1625. 1642. 8. 

105) Logica theologica. Francof. 1625, 29 in 8 und 52 in 12. 

106) Definitiones theologicae secundum ordinem locorum communium traditae. 
Francof. 1626. 12. 

107) Compendium Philosophicum , exhibens Methoduni, Definitiones, Canones, 
Distinctiones et Quaestiones per universam philoso])hiam. Inserti sunt 
hinc inde Tractatus quidam rari et longa utilissinii. toni. I — 1776. tom. 
II, — 3394. Herb. 1626. 8. Argent. 1627. 8. 

Der zweite Theil dieses Werkes erscheint auch unter dem Titel: Compendium 
lexici philosophici : ist also nicht, wie Vogel angibt, eine besondere Schrift. 

108) Paratitla theologica, in quibus vera antiquitas, et phraseologia sacrarum 
literarum et Patrum, sive priscorum Ecclesiae Doctorum, ita illustratur, ut 
Universum sacrosanctae theologiae sj-ntagma hac veluti clave reseretur. 
Francof. 1626. 40 in 4. 

109) Synopsis theologiae. Hanov. 1627. 8. Francof. 1653. 8. 

110) Quaestiones theologicae. Francof. 1627. 8. Hanov. 1634. 12. 

111) Diatribe de mille annis apocalj'pticis , non illis Chiliastarum et Phantas- 
tarum, sed B. B. Danielis etJohannis. Herb. 1627 und 30 in 12. Deutsch 
1630 in 12. 

112) Distinctiones per universam Theologiam; sumtae ex canone sacrarum 
literarum et classicis theologis. Francof. 1626 und 30. 12. 

113) Summa casuum conscientiae , nova methodo elaborata. accedunt opuscula 
duo ejusdem argumenti : videlicet I. explicatio terminorum, quibus utuntur 
Casistae II. Arithmologia sacra et quotidiana conscientiae luctantis. Francof. 
1628. 12. Hanov. 1643. 12. 

114) Loci communes theologici, similitudinibus illustrati. Francof. 1630, 53* 
und 58. 8. 

115) Encyclopaedia Septem tomis distincta. I. praecognita disciplinarum, II. 
philologia, 111. philosophia theoretica. IV. philosophia })ractica. V. tres 
superiores facultates. VI. artes mechanicae. VII. farragines disciplinarum. 
Herhorn 1630. Lugd. Batav. 1640, 4. tom. fol. 

116) Pentat euchus Mosaica et Pleias Apostolica, id est quinque libri Mosis, et 
Septem epistolae Catholicae, breviculis notationibus illustratae. Herb. 
1631. 8. 

117) Turris David, de qua pendent mille clypei, hoc est, sylloge demonstratio- 
num, quibus invictum robur religionis asseritur. Hanov. 1634. 12. 

118) Prodromus religionis triumphantis contra Jac. Crellium et Joh. Volke- 
lium. Albae Juliae 1635. fol. 

119) Turris Babel destructa, hoc est, refutatio argumentorum, quibus utuntur 
omnis generis gigantes ad stabiliendam confusionem in negotio religionis. 
Herb. 1639. 12. 

120) Trifolium prophcticum, id est, canticum canticorum Salomonis, Prophetia 
Danielis, Apocalypsis Johannis, sie explicata. ut series textus, et series 



129 

temporis prophetici e regione positae lucem nienti, et consolationem cordi 
ingerant. ad Cyrillum, Patriarcham uiiiverai Orientis Constantinopoli. 
Herborn lüJO. I. 

Aisted fand noch Muse folgende Werke Anderer in Druck zu geben. 

1) Keckermann, s^-stenia systematum. Hanov. KilB. 8. 

2) Artificiuni jierorandi traditum a Jordano Bruno, Nolano-Italo, coininunicatum 

a. J. H. A. Francof. Itil2. 8. 

3) Bernliardi de Lavinheta opera omnia. Colon. 1012. 8. 

4) Pastor conformatus ab Henr. BuUingero. Francof. 1613. 12. 

5) Daniel Chanüer panstratia catholica sive controver.oiarum de religione ad- 

versus jiontificios corpus, tom. IV und V. Genev. 1G3U. fol. 

Einige schreiben ihm das Buch : cynosura omnium facultatwni 
Studiorum. Argentor. 1664. 4. noch zu. lieber den Rakauer Katechis- 
mus scheint er eine besondere Schrift verfasst zu haben, es kam wenig- 
stens zu Franecker 1651 heraus: Ahtcd 't liakows catechismus met syn 
ondersoek vertaelt door J. Greyde. 

Die aufgeführte Reihe von Titeln Alsted'scher Schriften beweist 
seine riesige Arbeitskraft wie sein umfassendes Wissen. War er auch 
nicht in allen Gebieten des menschlichen Wissens in gleicher Weise zu 
Haus, so gab es schwerlich eine Kunst oder Wissenschaft zu seiner 
Zeit, an welcher er nicht lebhaftes Interesse genommen hätte. Es ver- 
steht sich hierbei von selbst, dass er nicht überall auf eigenen Füssen 
stand und mit eignen Augen sah, er verstand es andre Gelehrte zu 
Mitarbeitern zu werben und die vorhandenen wissenschaftlichen Leistun- 
gen zu benützen. Wenn man ihm dieses Letztere als Plagiat, als gelehrten 
Diebstahl hat vorgeworfen, so hat man bei dieser Anklage ganz ausser 
Acht gelassen, dass Aisted mit der liebenswürdigsten Aufrichtigkeit ent- 
weder in der Vorrede oder in dem Index dankbar die Namen angibt, 
welche ihm Beiträge haben liefern müssen: er bekennt zu wiederholten 
Malen, dass es nicht seine Absicht sei, selbst lauter Neues aufzustellen 
aus seinem eignen Vermögen, er sei eine Biene, welche den süssen Honig 
von allen Blumen einsammle und zusammentrage. Ein blosser Compi- 
lator aber ist Aisted wieder nicht: er weiss sehr wohl die Spreu von 
dem Weizen zu scheiden und die gesammelten Schätze meist vortrefflich 
zu ordnen und für seinen Zweck zu verarbeiten. Seine Werke zeichnen 
sich durch Klarheit und Uebersichtlichkeit rühmlich aus: er ist hierin 
ein treuer Schüler seines alten Meisters Piscator. Uebrigens hat Aisted 
sowohl in der Philosophie als auch in der Theologie nicht bloss Altes 
in neue Formen gearbeitet, er hat auch aus dem eignen Wissen redlich 
hinzugethan. Neue Bahnen hat er freilich nicht gebrochen: das aber 
hat er mit allen Gelehrten jenes Jahrhunderts gemeinsam. PJs war ja 
eben das XVII, nachreformatorische scholastische Jahrhundert, welches 
nicht gross ist in neuen Anschauungen und Ideen, sondern nur gross ist 

9 



130 

in dem ge^^^ssenhaften nach logischen Categorien vollzogenen ZAisammen- 
fügen der vorhandenen Materialien. Leibnitz hat Alsted's philosophische 
Encyklopädie seiner Beachtnng werth gefunden: und die evangelische 
Theologie unserer Zeit hat Alsted's Namen und Verdienst noch nicht 
vergessen. Vgl. Gass, Geschichte der Protestantischen Dogmatik. 1,202, 
223, 225, 383, 385 ff". Heppe, Dogmatik des deutschen Protestantismus 
im 16. Jahrhundert I, 187, 300 u. a. 

Seine Zeitgenossen machten auf seinen Namen allerlei witzige 
Sinngedichte : sie fanden in Ahtedins-sedulifas und so heisst eins : 



Sedulus in libris scribendis atque legeiidis 
Alstedius nomen sedulitatis habens. 



ein anderes: 



Diceris Alstedius, quare? responsio prompta est. 
Exposcunt operas oppida cuncta tuas. 
Bekman sang auf ihn (po'emata miscellanea. Hanoi-. 1619. p. 76.) 

Kn scripta Alstedii! Sophie ede; quid esse putas huncV 

Ingenium an totus. totus an ille laborV 
Quod docta, ingenii; quod scribit multa, laborum est : 

Utruraque Alstedius diuite laude facit. 
Sic ego: sie Sophie, dubitantem toUito elenchum : 

Alstedius totus Ingenium et labor est. 

Vgl. Jöcher, I, 302f Bayle, sub hac voce. Adelung I, 646. 

Vogel, Archiv der Nassauischen Kirchen- und Gelehrten-Geschichte. S. 147 fl'. 



Dietrich Eberhard Alstein 

ward von Worms, wo er als reformirter Pfarrer stand, 1703 den 25. 
September als Pfarrer und Inspektor nach Diez berufen. Er hielt hier 
den 25. Dezember seine Antrittspredigt, aber schon 1710, den 5. Oktober 
hielt er seine Abschiedspredigt, da er nach Frankfurt als Pfarrer an 
die deutsch-reformirte Gemeinde berufen worden war. Er starb dort 1720. 
Schriften : 

Der einfältige Wegweiser oder kurze und deutliche Unterweisung zur Seelig- 

keit. Dietz 1704. 12. 
Vgl. Feier des fünfzigsten Jahrestags der Einweihung der deutsch -reforrairten 
Kirche in Frankfurt. 1843. S. 28. 

Steubing, Topographie der Stadt und Grafschaft Dietz. S. 110 f. 



131 

Johannes Althusius 

war nicht wie Adeliin^^ I. 656 angibt, in Emden in Friesland 1556 ge- 
geboren, sondern 1557 zu Diedenshausen , einem Dorfe der Grafschaft 
Wittgenstein-Berleburg. In Basel, welches auch noch im Anfange des 
17. Jahrhunderts eine Universität war, auf welcher die jungen Leute 
aus hiesigen Gegenden gerne ihre juristischen Studien vollendeten, scheint 
er studirt zu haben, wie er dort auch Doctor juris wurde. Als die 
Herborner hohe Schule 1586 auch mit einer juristischen Facultät aus- 
gestattet wurde, trat Althus ein. Er hatte aber nicht bloss über Juris- 
prudenz zu lesen, auch Philosophie musste er treiben, nebenher auch im 
Pädagoge thätig sein: es galt eben mit wenigen Kräften das grösst- 
mögliche zu leisten. Sein Gehalt war gering — 80 Kädergulden, als 
er 1589 Mitglied der Kanzlei zu Dillenburg wurde, erhielt er eine Zu- 
lage von 20 Kädergulden. Im Januar 1594 zog er nach Steinfurt ab, 
aber schon im Juni kehrte er nach Herborn zurück und wanderte noch, 
um der Pest aus dem Wege zu gehen , in demselben Jalire mit der 
hohen Schule nach Siegen über. In Siegen scheint es ihm besser ge- 
fallen zu haben als zu Herborn : als wenigstens der grössere Theil der 
hohen Schule 1599 von Siegen wieder nach Herborn zurückkehrte , blieb 
er in Siegen zurück, wo er nebenbei auch Pädagogearch war. Da aber 
der Graf Johannes diese Zweitheilung der hohen Schule auf die Länge 
nicht bestehen lassen konnte, wenn seine Stiftung nicht zu Grunde gehen 
sollte, und Piscator, das Haupt der hohen Schule, nach Herborn zurück- 
gegangen war, so erhielt Althus Befehl, auch nach Herborn zu gehen, 
wo Anton Matthäus unmöglich alle junstischen Collegien allein halten 
konnte. Die zu Siegen zurückbleibenden Professoren, der Katli und die 
Gemeinde kamen bei dem Grafen um Zurücknahme dieses Befehles ein : 
es hatte aber dabei sein liewenden. Das Kectorat verwaltete er zwei 
Mal in den Jahren 1599 zu Siegen, und 1602 zu Herborn, er inscribirte 
im letzteren Jahre 84 in's Album. 1604 erhielt er einen Kuf als Syn- 
dikus nach Emden, er folgte ihm im Sommer. Leiden und Franecker 
beriefen ihn später zu akademisclien Lehrstühlen; die erste Berufung 
schlug er sofort aus, die zweite, ein Gehalt von 1000 Gulden war ihm 
angeboten worden, kam trotz jahrelanger Verhandlungen nicht zum Ziel. 
Er starb dort 1638, den 12. August, 81 Jahre alt. 

Althus gehörte zu den gelehrtesten Juristen seiner Zeit: er hatte 
aber eine unglückliche Neigung zu allerlei Hader. In Herborn konnte 
er sich nicht gut mit seinen Collegen, namentlich nicht mit Matthäus 
vertragen. In Friesland hetzte er die Stadt Emden gegen den Landes- 
herrn auf. Ph. Althus war sein Neffe. 

Von Althus Schriften sind folgende bekannt: 

Oynoöura Iteidaniana. Basil. 1589. 8. 



132 

Jarisprudentiae Romanae libri II. ad leges methodi Rameae coiifonnati et 

tabellis illustrati. Basil. ir.sc, und 89. Herb. 15S8, 112, '.»9 m 8, 1ÜU7 

und 40 in 12. 1673. 8. 
Ceuturia conclusionum de i)ij^'noribus et hypothecis. Herb. 1591. 4. 
Civilis conversationis libri II. exemplis sacris et profanis passiiii illustrati, editi 

a Philippo Althusio. Hanov. 1(J(>1 und 11 in >!. 
Politica methodice digesta atque exemplis sacris et profanis illustrata, cui in 

fine adjuiK-ta est oratio panegynca, de neces.sitate, utilit:ite et antiquitate 

scholarum. Herb. Itj03, — , 14, 25, 54 in 8. Auch in Holland naebgedruckt. 
Althus legt hier dein Volke der Obrigkeit gegenüber sehr weitgehende Piechte 
bei : gegen ihn schrieben Henning Arnisäus und Huber. 

l'heses miscellaneae ex variis et diversis juris titulis deproniittae. Itesp. Daniel 

Kraft, Sigenensi. Herb. 1004. 4. 
Asvsertiones juridicae de jure dotiuin. Hesp. Jacob. Scbickhardus, Sigen. 

Herb. 1004. 4. 
Tractatuslll de poenis, de rebus fungibilibus, ac de jure retentionis. Cassell. 

Kill, 4. 
Aus nachgeschriebeuen CoUegienhefteu herausgegeben von Christian 

Grau. 

Ostfriesisches Kecess- und Accordbuch. Emden l(il2. I. 

Dicacologiae libri lll, totum et Universum jus, quo utiniur, methodice com- 
j.lectentes cum jüirallelis hujus et .ludaici juris, tabulis(|ue insertis atque 
indice triplici. Herb. I(il7. 4. Francof. Uils und 19 in 4. 

Ai)horismi de juris civilis studio. Aschatfeiib. l()'>'t. 12. 

(Auch aus dem CoUeg entlehnt.) 

In (londelmanns Tmctut de magis, vencficis et lamiis (Nürnberg 
157Ö) steht eine adnionUio ad jndicem von ilim. 

Vgl. Jöcher 1, 3ii9, Adelung I, C.Mi f. 

lugler, Jurist. Hiograph. 2, 270 tl'. 

\ogel, .\n-hiv 8. Id.') tt'. und Nassauiscbes 'riisiiioiibucli 8. IT). 

Krscli und Oruber, Encyklopädie sub hac voce. 



Samuel Andrea. 

War ein Urenkel des alten, hoclibenilmitcii l'rufessors »Irr 'l'heu- 
lugie, .Iiihannes Pi.scator /,ii lIcrlMuii, dciiii i'iiic Tochter iles.selben war 
mit dem Pfarrer und Inspcctor M. Tobias Andrea /,ii IJniunfels ver- 
hciratht't, und ein Sdlin dieses gtdelirien Mannes, welcher zu dem An- 
hange des Herbornischen Hibcdwerkes zwei Abschnitte lieferte, den näm- 
lich über die Münzen und den von den Hauptstücken, der damalige 
Pfarrer zu Danzig, und lö52, den 2. April zu VVeinheim als Inspector 



133 

verstorbene Ernst Andrea ^) war sein Vater. Samuel erblickte den 29. 
April 1640 zu Danzig das Licht der Welt, dort empfing er auch seine 
Schulbildung, 1656 bezog er die Universität Heidelberg , auf welcher 
er sicii unter Hottinger, Spanheim, Leunenschloss, ßackendorf und Flocken 
eine tüchtige philosoi)hische und theologische Bildung verschaö"te. 1658 
ging er nach Groningen, wo er Alting, Maresius und Martinius hörte: 
1662 begab er sich nach Bremen ; 1663 besuchte er p]ngland und 
studirte in Oxford hauptsächlich unter Pococke. 1664 kehrte er nach 
Heidelberg zurück. Gantesweiler war damals von Herborn an die neu- 
gegründete Schule nach Hanau übergesiedelt, man suchte einen Päda- 
gogearchen und Professor der Geschiclite und griechischen Sprache an 
seine Stelle. Fabricius in Heidelberg, an den man sich gewandt hatte, 
schlug den eben angekommenen Andrea vor. Der Vorschlag ward an- 
genommen und Andrea trat sein Amt mittelst einer feierlichen Rede 
1665, den 5. Januar an. 1667 den 25. April erwarb er sich unter 
Lucas Gernler zu Basel die theologische Doktorwürde und stieg nach 
Bertlings Abzug nach Groningen 1668, 12. Februar zum ersten Professor 
in der Philosophie auf. 1669 ward er Prorektor der hohen Schule, 
lange aber schmückte er diese Anstalt mit seinen Gaben nicht, schon 
1673, den 18. November legte er seinen Dienst nieder und zog nach 
Marburg als Professor der Geschichte und Eloquenz und als Bibliothekar 
ab, dort starb er auch den 6. Januar 1699. 
Schriften : 

Dis})utatio ijhiloso))hica de po.ssibili aeternitate vel existentia niundi ab 
aeterno. Hesjiondens Job. Coiiradu.s Bröter, Holzheiraensis Wetteravus 
Herb. 1068. 4. (Sem. Bibl.) 
De alpbabeti vere naturalis Ebraici iiuj)era delineatio Helmontiana. Herb. 

1G69. 8. 
Fxanien generale Cabbalae ])hilosoi»hicae Henr. Mori, qua historiam creatioiiiö 

iKiva metbodo frnstra illustrare conatus est. Herb. 1669 1. 
Ueber die^ien gelehrten Zwi.st vgl. F. L. Haase, verniisclite Beiträge zur Ge- 
schiclite lind Literatur. S. 191 f. 

Knnea.s I tlie.sium. philosophicaruni. \les\). Arnold Schnabeliurf, Honiburgcnsis. 

Herb. 1670. 4. 
Disputatio philosophica 1 de croationis historia per philosophiani illustranda. 

Herb. 1670. 4. 
Disp. |)hil II. Herb. 1670. 4. 
Disp. phil. III. lie.sp. .lo. Georg. Musculus, Freiendiecensis Nassov. Herb. 

1670. 4. 
Disp. pliilo-sophica de formis substantialibus ex Philosophia Christiana eliman- 
dis. pars prior. Ucsp. Job. Michael. Breusingius , Oberwetzensis Solmaeus. 
Herb. 167o. 4. (Sem. Bibl.j 
— pars posterior, ib. 1671. 4. 

Disput, physica de elenientis. Resp. .loh. Philippus Cnopius, alias Blancken- 
poth, Herbornensis Nassovicus. Herb. 1671. 4. (Sem. Bibl.) 

») Dieser disputirte 1626 in Herbom, wo er studirte, de syllogismo. 



134 



Disp. metaphysica de privatione. Kesp. Andreas Hoenonius. Herbornä Nasso- 

vicus. Herb. 1671. 4. (Sem. Bibl.) 
Disp. physica de anima rational!. Anthor et Kesp. Job. Ludovici. Sigenensis. 

Herb. 1H71. 4. (Sem. Bibl.) 
Disp. metaphysica de mensura et mensurato. Ket^p. Job. Eberwinus Dilthey, 

W'ittgensteinensis. Herb. 1671. 4. (Sem. Bibl.) 
Disp. logica de definitione. Resp. Job. Erasmus Rumpbius, Schönbacensis 

Nassovicus. Herb. 1671. 4. (Sem, Bibl.) 
Disp. politica de monarchia. Resp. Job. Jakobus Scriba, Herbornä-Nassovicus. 

Herb. 1671. 4. (Sem. Bibl.) 
Disp. metaphysica de signo et signato. Resp. Job. Philipp. Hofius. Herb. 

1671. 4. 
Disp. politica, discutiens fundamenta politicae Hobbesianae. Resp. Jacobus 

Malapert, Moeno-Francofurtensis. Herb. 1672. 4. (Sem. Bibl.) 
Disp. metaphysica de ordine. Resp. Job. GerlacusPistor, Herbornä-Nasso\'icus. 

Herb. 1672. 4. (Sem. Bibl.) 
Disp. logica de divisione. Resp. Joh. Jacob. Pasor, Herbornä-Nassovicus. 

Herb. 1673. 4. (Sem. Bibl.) 
Disp. physica de tonitru. Resp. Henn. Henrici, Sigenä Nassovius. Herb. 1473. 

4. (Sem. Bibl.) 
Disp. philosophica de immortalitate animarum. Resp. Joh. Henricus Springenus, 

Laufenfeldiä Hassus Herb. 1673. 4. (Sem. Bibl.) 
Vgl. Strieder, I, 44 ff. 
Adelung I, 816 ff. 



Johann Ernst Andrea, 

ein Sohn des vurgen. Samuel Andrea, erblickte zu Uerborn das Licht der 
Welt, aber nicht wie Strieder und Adelung ihm nach, behaupten 1674, 
sondern 1671; er ward in diesem Jahre den ersten November getauft, 
wie das älteste Taufprotocoll dahier berichtet. Er empfing seine Schul- 
und Universitätsbildung zu Marburg, wohin sein Vater wenige Jahre 
nach seiner Geburt übergesiedelt war. Dort wurde er auch 1694 Ma- 
gister der freien Künste und 1699 ausserordentlicher Professor in der 
philosophischen Fakultät. Schon im folgenden Jahre ward er zum 
ordentlichen Professor und zugleich zum Professor der Kirchengeschichte 
befördert, 1702 erhielt er die Würde eines Doktors der Theologie. Seine 
Begabung ging aber mehr auf den praktischen Beruf, er nahm desshalb 
A. einen Ruf als reformirter Pfarrer nach Hamburg 1704 an, wurde aber 
den 18. Dezember 1709 nach Berlin als Hofprediger berufen. Hier 

starb er den 29. Juli 1731. 
Schriften : 

Elegia in obitum Catharinae «Jhristinae, lo. Goeddaei, Prof. jur. Canon, tiliae, 
Marburg 1698. 



135 

Diss. inauguralis theol. de praejudiciis ecclesiae Romanae. Marburg 1702. 4. 

CoUegii privato-jmbl. diss. I exhibens theses iniscell. ex bist. eccl. See. 1. post 
Christum natura desuniptsus. Kcsp. Wilh. Scbadeus, Rotenburg. Hass. 
Marburg 1704. 4. 

Warnung für falschen Propheten und falschen Christen, in einer Predigt am 
8. Sonntag nach Trinitatis auf Königl. Befehl in Druck gegeben. Berlin, 
1721. 4. 

Glaubens-Bekänntniss, welches die Prinzessin Friederike Sophie Wilhelmine 
von Preussen den 30. Juni 1724 auf dem Königl. Schlosse zu Colin an der 
Spree abgelegt, nebst einer dabey gehaltenen Rede und dem actu confir- 
mationis, auf gnädigsten Befehl dem Druck übergeben. Berlin 1724. 4. 

Nichtigkeit des Menschen und aller menschlichen Herrlichkeit und die ewig- 
währende Beständigkeit des Worts Gottes aus 1 Petr. 1, 14 ff. zum Ge- 
dächtniss des Absterbens der Prinzessin Louise Wilhelmine von Preussen. 
BerUn 1726. 4, 

Vgl. Strieder I, 63. 
, Adelung I, 809 f. 

„ Müller und Küster, altes und neues Berlin. S. 188, 
„ Steubing, Topographie der Stadt Herborn. S. 242. 



Andreas Arcularius 

ward 1579 zu Dillenburg geboren und erzogen, er studirte sodann von 
1596 an in Herborn Theologie. 1600 ward er in Nassau als Schul- 
meister und Diakon angestellt. Hier waren damals die verwickeltesten 
kirchlichen Verhältnisse: Nassau war lutherisch, die Nassau-Katzen- 
elnbogische Herrschaft aber, welche dort mit der Nassau - Saarbrücken- 
schen Linie in Gemeinschaft sass, hatte dort die Einführung des refonnir- 
ten Lehrbegriffs begünstigt. Der Pfarrer Keinhard Susenbetli hatte sich 
offen als einen Keformirten bekannt: Arcularius gebrauchte ebenfalls in 
der Schule nicht mehr den lutherischen Katechismus. Die Nassau- 
Saarbrückischen Grafen wollten diese Neuerungen nicht leiden. Nassau- 
Katzenelnbogen aber wollte die rechtmässig in Nassau eingeführten 
Lehrer nicht abberufen oder gar absetzen. Es kam zu den ärgerlich- 
sten Auftritten: der Nassau-Saarbrückische Keller verbot den reformir- 
ten Geistlichen die Kanzel, der Nassau-Katzenelnbogische öffnete sie ihnen 
aber mit Gewalt. An einem Sonntag 1605 brachten 60 Mann in Wehr 
und Waffen unsern Arcular auf die Kanzel und aus der Kirche wieder 
sicher auf die Katzenelnbogische Kellerei zurück. Dieser Kirchenstreit 
ward endlich 1606 den 17. Januar durch einen Vergleich beigelegt: 
Susenbeth zog nach der Altstadt bei Hachenburg über, Arcular aber ward 



136 

als reformirter Pfarrer neben einem lutherischen in Nassau angestellt. 
Er blieb, mehrere Berufungen auf Wunsch seiner Herrschaft abschla- 
geud, bis 1628 in Nassau: er zog dann nach Diez als Pfarrer und In- 
spektor und ward dort den 3. Juli eingesetzt. Hier blieb Arcular aber 
nicht so lange : er konnte sich mit der dortigen Fürstin Sophie Hedwig 
nicht recht vertragen. 1637 kehrte er als Pfarrer und Inspektor nach 
Nassau zurück, wo er 1664 verstarb. 

Schriften : 

Christliche Leich: Lehr: vnd Lobpredigt Vber den Tödtlichen abgang Wey- 
land des Hoch. Wolgebornen Giaven vnd Herrn -Herrn Ernst Ca-simirs. 
Herborn 1633. 8. (Sem. Bibl.) 

Encomium sanctum sanguinis Jesu Christi, Leichenpredigt auf M. Johann 
Hedderich Sprenger, gräfl. Nassauischen Kanzley-Secretär in Dietz vnd neu- 
angenommenen Amtmann in Nassau. Herborn 1636. A. 

cf. Archivalische und andere handschriftliche Notizen 

Steubing, Topographie der Stadt und Grafschaft Dietz. S. 100 f. 

Vogel, Naasauisches Taschenbuch S. 40. 



Johann Henrich Arcularius, 

auf deutsch Schreiner, war zu Herborn geboren und ward dort 1663 in 
das akademische Album eingetragen: er studirte Theologie. 1669 kam 
er nach Hanau, 1674 stand er als Pfarrer zu Enderich und 1685 als 
solcher in Oberengelheim. V eiteres weiss ich von ihm nicht anzugeben. 
Er liess drucken: 

Das hochnothwendige, aber sehr verächtliche Predigtampt d. i. eine geistliche 
in Gottes Wort gegründete Rede über Luc. 10, 42. Herborn 1674. 39 

S. in 4. 
cf. Steubing, Topographie der Stadt Herborn. S. 242 und 27.S 
Handschriftliche Notizen. 



Johann Henrich Arndorff 

war zu Siegen geboren und studiite zu Herborn. Die längste Zeit 
seines Lebens war er in Dillenburg angestellt, als Pfarrer zuerst, 
dann seit 1719 als Hofprediger und Consistorialrath : er starb dort in 
den 30er Jahren des verlaufenen Jahrhunderts. 



137 

Wir besitzen von ihm eine Anzahl Predigten. 

1) Sichere Friedens-Wohmiiigen der Kinder Gottes, (auf den Tod des Prinzen 
Ludwig Henrich) llerborn 1710. fol. 

2) Wohl gegründete Glaubens- Versicherung, gewisse Lebenahoffuung aller 
Bundesgenossen Gottes. 

3) Standhaffter Christen-Kampf und gerechtes Sieges Krone. (Beisetzungs- 
predigt und (Jedächtnisspredigt bei dem Tod des Erbprinzen Henridi 
August Wilhelm). 2 und :?. Herborn 1718. fol. 

4) Unfehlbare Gewissheit der Kinder Gottes. (Gedächtnisspredigt auf die 
Prinzess Albertina), ib. 1719. fol. 

5) Die standhatfte Beharrlichkeit und das zuversichtliche Vertrauen der 
Kinder (iottes. (Zum Gedächtniss der Prinzess Elisabethe Cliarlotte) ib. 
1720. fol. 

6) Sehnlicher Hertzens-W unsch wegen Zions Wohlfahrt. (Bei Einweihung der 
Hofkapelle zu Ludwigsbrunn), ib. 1722. 4. 

7) Zuversichtliche Seelen-Empfehlung und getreue Erlösung. (Gedächtniss- 
predigt auf den Fürsten Wilhelm) ib. 1724. fol. 

8) Himmlische Gesundheit und Hoffnung aller Nachfolger Je.su. (Zum Ge- 
dächtniss der Prinzess Amalie Friederike) ib. 1724. fol. 

9) Veränderlichkeit des Weltwesens. (Auf das Ableben der Fürstin Amalia) 
ib. 1726. fol. 



Valentin Arnold 

ward den 26. Januar 1712 zu Dillenburg geboren, sein Vater war ein 
ehrlicher Bürger. Unter Daniel Otterbein empfing er seine gelehrte 
Vorbildung und machte so bedeutende Fortschritte, dass er schon im 
15. Jahre auf die hohe Schule nach Herborn entlassen werden konnte. 
Hier widmete er sich ganz besonders unter des trefflichen J. E. Kau 
Leitung den morgenländischen Sprachen. Nachdem er 1734 sein theo- 
logisches p]xamen rühmlich bestanden hatte, erlernte er noch das rabbi- 
nische Hebräisch zu Herborn und war dann zwei Jahre bei dem Kammer- 
gerichtsbeisitzer Freiherrn von Danckelmann zu Wetzlar Hofmeister. 
Als er jetzt bei den jungen Grafen von Solms-Braunfels in gleicher 
Eigenschaft eintreten sollte, wollte es sein Landesherr, der Fürst 
Christian von Dilleuburg nicht leiden: er kehrte auf dessen Wunsch 
nach Dillenburg zurück, wo er sich ganz seinen gelehrten Studien wid- 
mete, gelegentlich auch bei Hofe predigte. Der Hofprediger J. L. 
Winckel, sein hoher Gönner, erwirkte ihm von dem Fürsten ein Reise- 
stipendium im Anfang des Jahres 1739 und A. begab sich nun nach 
den Niederlanden, wo er in Utrecht und Leydeu Ach längere Zeit aut- 

9* 



138 

hielt und deu Umgang der Gelehrten genoss. In Leyden ward er mit 
dem berühmten Orientalisten Albert Schultens bald sehr intim bekannt, 
er gewann sich desselben ganze Neigung und führte später dessen Tochter 
Adelgiinde als seine P^hefrau heim. Eine Zeit lang hielt er sich hierauf 
im Haag auf, wo er den ältesten Sohn des Grafen von Wassenar zur 
Universität vorbereitete. Zu Ende des Jahres 1739 ging er nach Utrecht 
zurück, hier besuchte er theilweise noch Vorlesungen, doch gab er auch 
schon selbst Privatunterricht in der lateinischen, griechischen, syrischen 
und arabischen Literatur. Der Graf Wassenar rief ihn 1740 im Herbst 
wieder zu sich in den Haag und A. blieb nun vier volle Jahre als In- 
formator der drei jungen Söhne mit einem bedeutenden Gehalt in dessen 
Haus. Die holländische Sprache hatte er indessen so gelernt, dass er 
sich mehrfach im Predigen in holländischer Sprache versuchte, und da 
seine hohen Freunde ihm zusetzten, Hess ei- sich 1742 unter die Kandi- 
daten des Predigtamtes in der Haager Klasse aufnehmen. Mehrere 
Schul- und Predigerstellen wurden ihm nun angeboten, ja eine Professur 
an einem Lyceum ward ihm in Aussicht gestellt — es sollten aber 
seine Dienste nicht dem Lande, welches er so lieb gewonnen hatte, son- 
dern seinem Vaterlande, welches ihn nicht aus dem Auge verloren hatte, 
zu Gute kommen. Ganz unerwartet erhielt er 1745 den Ruf als Pro- 
fessor der Philosophie und als erster Pfarrer nach Herborn: er folgte 
diesem Kufe, der ihm einen entsprechenden Wirkungskreis eröffnete. 
Den 25. Juli 1745 hielt er seine Antrittspredigt. Seine V'orlesungen 
verbreiteten sich mit Ausschluss der Kirchengeschichte über alle Zweige 
der theologischen AMssenschaften. Anfänglich las er noch Orientalia, 
später las er über Hermeneutik, neutestamentlicbe Exegese, Dogmatik, 
Etliik und praktische Theologie. 1755 stieg er zur zweiten theologi- 
schen Professur auf, 1756 ward er Mitglied des Consistoriums in Dillen- 
l3urg, 1757 legte er das Pfarramt nieder und übernahm die academische 
Bibliothek, welcher er bis 1774 vorstand, 1764 ward ihm die Inspection 
über alle Kirchen des Fürstenthums Dillenburg übertragen, 1770 erhielt 
er endlich nach Rau's Tod die ej-ste Professur in der theologischen Fa- 
kultät. Mit seltenem Fleisse stand A. seinen verschiedenen Aemtern 
bis an sein Lebensende vor : rührend ist die Anzeige seiner Vorlesungen 
in dem Lectionskatolog für das Wintersemester 1791 auf 92, Valentiniis 
j4rnoldHS, Tlieol. Frof. prim. Consil. Eccles. atque Insjyector , dam, 
(jHod sperat futurum, sibi Scni vitam viresque lurgiturus est JJeus T. 
0. M. instanti semcstri hyherno officii sui partes implere studehit 
non modo nuncupandis pro salutc Academiae votis fundendisque piis 
precibns, sed et habendis quotidie kor. X et II in c mmodmii Audi- 
torum^ qui divinis Student Literis, 2}rcielectionibns pub/icis, quibus per 
Dei gratiam benedidionemque efficiat, id et dextri evadant oraculorum 
divinorum interpretes, traditis eum in fineni Herineneuticae sanae 



139 

cauonihiis. d rm;fa fdtione probaiif/is ; et streunt in printi.s Vcritatis 
e,cüll(/eliv(((' /'f//'C'/(is/t/sfai\ (i<l i nidn ((udiitti in laco iic tiii/j)ni<: /id iijioiiis 
('histid'iiac (Urin /im tlccus, nt(ini: advo aiasdcni Jidcni (u: jna.im olini 
apnd (inwn. plnriiuos fcliüiter /»ontDrrndcuii. (^hiod Ifcus faxit. 17!>o, 
den ](). April entsclilief dieser (!ereclite in einem Alter von 81 Jahren 
.'{ Monaten 7A\ Herhorn. 

Arnold besass ein umfassendes Wisseii, wie aucii eine selir wcitli- 
volle Hiicliersammlun^', er kam aber leider /u keiner rechten schrift- 
stellerischen Thätigkeit. Er Hess mir drucken: 

1) Oratio inaugiiralis <!(' iiiiico su|irciiii doctoris. (,'liristi, in ecclesia vicario, 
eoijiie vero doceiitiuni aoijuo ac discentiuin doctorc; dicta ]iublice in aca- 
deiiiia Herbornensis, A.D. XVIII Octolnis CI.lDCCLVllT. (imiin Profes- 
sionis suae tlieolof^ioae soleiimia iai)es.-<eret. J.ugdiuü Bat. (.'DDCCMX. \. 
(Sem. Bibl.) 

2i Denckmahl der Ehre und Liebe, gestiftet /um wohlverdienten Andencken 
eines theuren Mannes Gottes, des Weyland Hochwiirdigen und Hocbgelehrten 
Herrn. Herrn Johann Henrich Scliramni. Herborn \1W.\. A. 

cf. ,1. A. Hofniann ]))'ogr. inv. ad aud. orat. inaug. V Arnoldi l'rof. 'i'hi.ol. 
Herb. 1758. Ibl. und ,1 . K. Wisseier progr. funebre in V. Ar. obitum. Herb. 179;>. fol. 
Steubing, Herborn S. 181. 



Albert Jakob Arnoldi. 

Den ersten Oktober Morgens um 10 Uhr IT')!» hat der gütige 
Gott mir Valentin Arnold, Prof. Philos. und ersten l'rediger in Herboin 
nnd meiner lieben Hausfrauen Adelgunda gebohrenen Schultens einen 
jungen Sohn bescheret: Gevattern HE. Johann Jakob Schultens, The(d. 
Dr. und Professor zu Leiden in Holland und Jungfer Elisabeth l']sthei' 
HEn. Albert Schultens seel., weyland Theol. D. et Prof. LL. 00. da- 
selbsten ehel. Tochter. Des Kindes Nähme Albert Jakob: Der HErr 
seye sein Gott immer und ewiglich! So stehet wörtlich in dem Hcrborner 
Taufbuch. Erst durch Hauslehrer, liernach durch Hanu4 in der öttent- 
lichen Schule tüchtig vorgebildet, ward er 1766 akademische)- Bürger. 
Von frühe auf empfand er entschieden einen Zug /u den morgenländi- 
schen Sprachen: es lag das in seinem Blut: sein Vater war selbst ein 
tüchtiger Hebräer, sein Grossvater war ein weltberühmter Orientalist, 
auch sein Onkel und Pathe hatte einen bedeutenden Huf. Hegmann 
und Dresler führten ihn in Herborn in das Morgenland ein: 176ii l)e- 
gab er sich nach Groningen, um unter Schröder sich weiter auszubilden, 
endlich zog er nach Leyden zu seinem Oheim. Es gefiel ihm in Holland 



140 

so ^iit, dasser .siciniort 1775 unter die Kandidaten der Theologie aiifneh- 
iiien liess: ohne sein Ziitlum aber ward er 1778 als ordentlicher Pro- 
fessor der geistlichen l'liilolo«,ne und Kirchenhistorie iiiid ausserordent- 
licher Professor der Theolojj^ie nach Hainiu beriden. 1782 wurde er 
dort ordentlicher Professor in der theoloi,nschen Fakultät und in gleicher 
Eigenschaft 1789 nach Marburg berufen. 17!>2 wurde er Professor 
f)riinarius der Theologie. Dieses Amt führte er bis in sein achtzigstes 
Jahr so, dass sein Gedächtniss bei allen, welche in Marburg während 
dieses langen Zeitraumes studirten. in höchsten Khren stand ; lange Zeit 
war ei' auch Pädagogearch und Leiter des philologischen Seminars, das 
Kectorat verwaltete er 17ii5, 1804 und 1814. Seine Verdienste fanden 
die gebührende Anerkennung: die Heidelberger Universität ernannte 
ihn 1792 zum Doktor der Theologie : die philosophische Fakultät schmückte 
ihn 1822 mit ihren höchsten Würden. Der Churfürst verlieli ihm 1818 
das Ritterkreuz, 18 7 das Corathurkreuz des goldenen Löwenordens. 
1827 feierte er sein SOjähriges Docentenjubiläum, den 4. September 
1885 endlich starb er an Altersschwache zu Marburg. Apud e.rfero.s 
(juoqite nomen ejus darum ftiif. so sagt die akademische Schrift , die 
seinen Tod anzeigt , licet 2)aucos fanfum libros scrlpscrit , inccrtum 
utriini modestia , an quia ncgotiis aeadeniicis uinüs distringcreUir ; 
quornm qaidq/iid indagare potai, indices sulijeci : 

1) Zur l'ACgetik und Kritik des alten Testaments. Erster Heitrajf. An- 
merkungen über einzelne Stellen der Sprüche Salomons. Krankfurt 1781. 

2) Prograniina ad inaiigurationem novi magistratus academici. Insunt ob- 
servationes ad quaedam Jesaiae loca. Marburgi ITv^ti. 1. 

3) Progr. ad inaug. nov. mag. acad. Inost t'hronici Syriaei .Aijulpharagiani 
e serii)toribi\s graecis emendaii, illustrati specimen. Marb. 18n.">. 1. 

4) Museum für biblische und orientalische Literatur, gemeinschaftlich ange- 
legt von Alb. .)ak. Arnoidi. Ge. Wilh. Lorsbach und .luli. Melchior Hart- 
mann. Marbg. IBüT. Bd. 1. St. ].: mehr ist nicht erschienen. 

.')) Heiträge zu Justi, 1-tlumen altliebräischer Dichtkunst. Giessen 1801». s. 
Kidla tarnen major laus cogitari potest^ so schliesst die erwähnte 
Schrift, quam qua discij ulorum frequentia doctoris metnoriam cekhrat\ 
quae qnidem Arnoldlo nostro ut cui maxintc eoutigit: qni ctsi liberos 
ex se tiullos rcliquerit, neminem facile futurum arhitror inter ornnes, 
quicunque per totam nostrant llassiani cerbum divinum 2)rofitetdur, quin 
mortis ejus nuntio accepto taniquam altcruni patreni ßetibus cum pro- 
sequatur rt nobiscuin una acciamet: liave sancta anima! 

ei. Strieder, Grundlage zu einer hes.'^ischen Gelehrten- und Schriftateller- 
Geschichte. I. ITft ff. 

Meusel, das gelehrte Teutschland, Lemgo 179t). 1, tf. 

Steubing. Toitographie der Stadt Herborn. S. 212. 

Behm ad prorectoris academiae inaiigurationem die Xlil. M. vSeptembris A. 
MDCCCXXXV celebrandam. Marburgi. 1. S. 4:! ff. 

Handschriftlidie Hemer'.^ungen. 



141 

Johannes von Arnoldi. 

Solin das Ovanisili -Nassuiiischeii Obcrkonsistorialratlis, Inspektors 
der Kirclu'ii des iMirstentliinns Dilleiihinx, Prof. der Tlieolo^nc und 
Biblioiliekars der Akademie zu Herborn, Valentin Arnold, durch seine 
.Vlufci<'i' Adelgunde Schiiltens Enkel des berühmten Orientalisten Albertus 
Schiiltens /u Leiden, ist «geboren zu Herborn den ;30. December 1751. 
Seine Mutter, eine sehr <^el)ildete, kenntnissvolle I^'rau verlor er nach 
kaum zui-ückoelegtem dritten Jahre. Die weibliche Aufsicht über ihn 
und seine (lesdivvister führte eine Tochter des alten Mundkochs der 
letzten Dillenbur^^'r Fürsten, Vogt zu Dillenburo-. Durch die Aclitung, 
in welcher ilirc^ braven Eltein bei Höheren und Niederen standen, hatte 
sie eine gewisse Bildung und durch ilire M'iUer, eine Predigerstochter 
aus dem Hessischen, Liebhabei'oi an nützlichen Geschichts- und andern 
Hüchern erlangt. Duicli ihre Anleitung erhielt der sonst etwas wilde 
und Hüclitige Knabe schnell und frühe Fertigkeit im Lesen, so dass er 
bald mit seinen älteren Geschwistern den Unterricht des Hauslehrers 
benützen konnte. Belesenheit, eigene Erfahrungen, Ueberlieferungen von 
ihren Eltern, hatten die Vogt mit der vaterländischen Geschichte und 
den iSchioksalen der nun bis auf die Diezische ausgestorbenen Linien 
des Nassauischen Fürsteuhause ziemlich bekannt gemacht. Sie war 
eine lebendige (Jhronik. Ihre Erzählungen flössten dem Knaben die 
erste Liebhaberei an Geschichte ein. (ileich seiner Aufseheiin ward er 
frühe schon ein eifriger Zeitungsleser. Die Thaten Friedrichs, Ferdinands 
und der englischen Seehelden begeisterten ihn während des siebenjährigen 
Krieges. 

Sein erster Hauslehrer, doch nur auf kurze Zeit, war der jung 
als Professor an der Academie zu Herborn verstorbene Schneider, wel- 
chem der als Pfarrer zu Netphen im Siegnischen verstorbene Leipold 
folgte. Besass dieser gleich mancherlei Kenntnisse, so fehlte ihm doch 
die Gabe des Unterrichtens. Seine Schüler auswendig lernen, mit Hülfe 
eines Wörterbuches Uebersetzungen machen zu lassen , ohne ihnen die 
Sachen zu erklären, war nach der damals auch in öftentlichen Schulen 
üblichen Methode das Hauptsächlichste. Sehr angenehm war es daher 
den Kindern, wenn der Vater wohl zuweilen bei Abwesenheit oder Ver- 
hinderung des sonst braven und sittlich guten Leipolds die Lehrstunden 
übernahm: da er eine vorzügliche Gabe hatte, sich Kindern fasslich und 
lehrreich zu maclien und sie an Aufmerksamkeit und Nachdenken zu 
gewöhnen. 

Vom Herbst 1765—66 genoss A. dann auch noch neben dem fort- 
währenden häuslichen den öffentlichen Unterricht des damaligen Rektors 
Hamel in der obersten Klasse des Herborner (iymnasiums, eines mit den 
alten Klassikern sehr vertrauten Mannes. Dieser ward zwar durch eine 
vierteljährige Reise mit seinem Vater nach Holland unterbrochen, doch 



142 

ward das Versäumte in Privatlecti<^nen nachifeholt und diese angenehme 
Keise veranlasste /um Theil mit, dass A. seine frühere Neis^unor zum 
Kriegsdienst nun ganz aufgab und sich ganz den Wissenschaften wid- 
mete. Kurz nach seiner Zurückkunft ward er durcli den damaligen 
Prorector Hofmann unter die Herborner Akademiker aufgenommen. 

Für ein besonderes Fach konnte er sich immer noch nicht 
bestimmen. Einstweilen übte er orientalische Sprachen bei Rau , latei- 
nische und griechische bei Winckel, Fuchs und Dresler. Erdbeschreibung, 
Geschichte, Mathematik bei eben diesen Lehrern. Die Humanität, wo- 
mit ihm dieselben zugleich den Gebrauch ihrer Büchersaramlungen ver- 
gönnten, erweiterte dabei die Bücherkenntniss, welche er sich bereits in 
der akademischen Bibliothek und der zahlreichen seines Vaters, auch 
durch Lesen mehrerer gelehrten Zeitungen und Journale, vielleicht zu 
frühe, verschafft hatte. Denn ein oft naclit heiliger Hang zur Viel- 
wisserei ward dadurch genährt. — Xach einigem Schwanken zwischen 
Arzneiwissenschaft und Rechtswissenschaft widmete er sich der letzteren. 
Burchardi ward sein Lehrer, hauptsächlich im Natur- und römischen 
Recht. Der zweite Rechtslehrer Wasmuth ward ihm doch auch be- 
sonders durch eine schätzbare Büchersammlung nützlich. — Xach vier 
Jahren vertauschte er endlich die vaterländische Lehranstalt mit der 
Universität Göttingeu. Während seines dortigen Aufenthaltes vom 
Herbst 1770 bis Ostern 1773 waren für das gewählte Hauptfach seine Lehrer: 
Böhmer für das römische, canonische und Lehnrecht , Meister im pein- 
lichen Recht, Selchow für Rechtsgeschichte imd römisches, hauptsächlich 
füi* deutsches Privatrecht und nebst Pütter für deutsches Staats- und 
Fürstenrecht, auch Reichsgeschichte. Process und juristische Praxis 
trieb er bei Claproth und Pütter. Ausserdem benützte er noch die Vor- 
lesungen von Feder über einige Theile der Philosophie, von Heyne über 
römische Alterthümer, von Achenwall über Naturrecht, Staatengeschichte 
und Politik, von Hollmann und Erxleben über Physik , von Beckmann 
über Naturgeschichte, von Gatterer über Diplomatik, von Schlötzer über 
Geschichte, von Michaelis über das mosaische Recht. In der englischen 
Sprache war Dietz sein Lehrer . was ihm daneben in Ansehung der Be- 
nützung der üniversitäts-Bibliothek mehr Vortheile und Bequemlichkeiten 
verschaffte. Die Ferien wurden hauptsächlich auf den Gebrauch der 
Bibliothek verwendet , wovon freilich in reiferen Jahren mehr wesent- 
licher Nutzen hätte gezogen werden können. An Fleiss und Eifer fehlte 
es A. nie, wohl aber an zweckmässiger Anleitung in Ansehung dieses 
Punktes sowohl, als überhaupt in Ansehung seiner Studien. — Hätte er ohne 
Rücksicht auf künftige Versorgung ganz seiner Neigung folgen können, so 
würde diese seinen Studien eine andere und bestimmtere Richtung, auf Ge- 
schichte nämlich und deren säramtliche Hülfswissenschaften gegeben haben. 

Um so schwerer ward es ihm, Göttingen , wo diese Neigung so 



143 

viel Nahrung fand, im Frühjahr 1773 verlassen zu müssen. In das 
väterliche Haus /.nrüekgekchrt, musste or sicli wohl luin /,ii Juristischen 
Arbeiten, denen er doch nie eigentlich (jieschniack abgewinnen konnte, 
bequemen. Während dem er sich auf das Examen bei der Justizcanzlei 
in Dillenburg- vorbei-eitete, arbeitete er aus Akten, welche von benach- 
barten auswärtigen Gerichten häufig zum Spruch an die Juristenfaciiltät 
zu Herl)orn eingeschickt wurden, Urtheile aus. Im nämlichen .lalire 
ward er dann auch noch, nach gefertigter Proberelation durch seinen 
nachherigen Collegen, den für den Oranischen Dienst zu frühe als Ge- 
heimerath verstorbenen von Neufville geprüft und als Advokat ange- 
nommen. Bis ins vierte Jahr betrieb er die Advokatur, doch ohne sich eben 
sehr um dienten zu bewerben. Die Nebenstunden waren sämmtlich den 
diplomatischen und historischen Wissenschaften gewidmet. Ein aber- 
maliger vierteljähriger Aufenthalt in den Niederlanden im Sommer 1775 
verschaffte ihm eine angenehme Erholung. 

Im Frühjahre 1777 erhielt er endlich eine seinen Wünschen ganz 
entsprechende Anstellung als Secretär bei dem Landesarchiv zu Dillen- 
burg. Sie war ihm um so angenehmer, als Geheimer Regierungsrath 
von Rauschard, sein besonderer Gönner und Freund, das Archivdirek- 
torium damals führte. Unter dessen Oberaufsicht stand auch die Re- 
gierungsbibliothek, welche sowie die eigene zahlreiche Bibliothek seines 
Direktors und dessen ausgebreitete literarische Kenntnisse ihm sehr zu 
Statten kamen. Doch dauerte die Freude, nun ganz und unter solchen 
Begünstigungen für sein Lieblingsfach leben zu können, nicht lange. Denn 
noch im nämlichen Jahre musste er die einstweilige Versehung eines 
erledigten Sekretariats bei der Rentkammer übernehmen, was ihm 
zwar eine Gehaltsverbesserung verscliaffte , dagegen von seinem eigent- 
lichen Dienstgeschäfte ihn fast ganz abzog. Nur wenige freie Stunden 
blieben ihm zur Fortsetzung seiner Forschungen in den Quellen der Landes- 
geschichte und des vaterländischen Staatsrechts übrig. Dieses war ihm 
um so empfindlicher, als er sich schon damals mit dem Gedanken trug, 
einstens wohl einem Mangel abzuhelfen, worüber er von seiner Kind- 
heit an den Vater oft hatte klagen hören, dem Mangel einer zuver- 
lässigen , treuen vaterländischen Geschichte. Viel war dazu durch von 
Erath und von Rauschard vorgearbeitet : für das Publicum blieben aber 
ihre Arbeiten ein todter Schatz. — Dagegen erlangte A. durch die auf- 
gedrungene Dienstversehung neben einer grossen Fertigkeit im Geschäfts- 
styl und in Ausarbeitungen mancherlei Art, eine genaue Kenntniss von 
seinem Vaterlande und dessen Bewohnern, ihren Nahrungsquellen, von 
den landesherrlichen P]inkünften, deren Verwaltung u. s. w., welche iiini 
später sehr zu Statten kam. Da das Collegium mit seinen Arbeiten 
zufrieden war, so blieb die Stelle unbesetzt, bis er im Jahre 1781 als 
zweiter Secretair bei der Landesregierung angestellt ward. Hierdurch 



144 

kam er zwar in anijenebmere Vorhültnisse. Die Berufsarbeiten liessen 
ihm aber auch wieder selten Müsse, sich mit rrkunden und Tieschicbts- 
forschung zu beschäftiiren. Doch fuhr er, sowie späterhin, als er 1784, 
doch mit Belassung des freien Gebrauchs des Landesarchivs, als Rath 
in die Rentkammer versetzt ward, mit Sammlen und Excerpiren der Ur- 
kunden und anderer alten Nachrichten in den wenigen ihm übrig blei- 
benden Nebenstunden fort. Er fing dabei an, aus Archivalien und der 
ihm auch zu Gebote stehenden Kammerregistratur eine geschichtliche 
Beschreibung sämmtlicher im Lande bestehenden Abgaben und Einkünfte 
der öftentlichen Cassen mit Rechnungsauszügen über den Ertrag, und 
eine gleichmässige der Domaiue zu bearbeiten. Es ist aber davon nichts 
im Druck erschienen und durch weitere Dienstveränderungeu nmsste 
diese Arbeit unvollendet bleiben. 

Als Schriftsteller trat er zuerst mit einer topographisch-statisti- 
schen Beschreibung der Oranien -Nassauischen Länder, welcher eine 
historische Nachricht von dem Mineralbrunnen zu Fachingen im Fürsten- 
thum Dietz und ein Beitrag zur Geschichte der Westphälischen oder 
Fehmgerichte folgten. Sie stehen in den Jahrgängen 1790, 91 und 92 
des Bibra'schen Journals von und für Deutschland. Später schrieb er 
eine historische Nachricht von dem durch Wilhelm V. aus den Ex- 
jesuitengütern gestifteten katholischen Gymnasium zu Hadamar für ein 
Journal, welches in der Zeit über Unterrichtsaustalten erschien und eine 
Beantwortung der Frage: ob es rathsamer sei, den Staats-, besonders 
den Justizbeamten eine fixe Besoldung zu bestimmen , oder ihnen den 
Sportelgenuss zu lassen, durch eine Aufforderung des Preussischen Ge- 
heimeraths Ganz veranlasst, welcher darüber eine besondere, auf Er- 
fahrungen in mehreren deutschen Ländern gegründete Schrift herausgeben 
wollte. Ob diese beiden Abhandlungen wirklich im Druck erschienen 
sind, ist dem Verfasser unbekannt geblieben. 

Der im Jahre 1792 ausgebrochene erste Krieg mit der französi- 
schen Nation ward Anfangs für A. ein grosses Hinderniss in Fortsetzung 
seiner literarischen Arbeiten. Mit Beibehaltung seiner Stelle in der 
Kammer erhielt er als Assessor Sitz und Stimme in der Landesregierung 
zu Dillenburg, welche zugleich Ministerium des Statthalters für seine 
deutschen Erbländer war. Daneben ward ihm das Landeskriegscommis- 
sariat übertragen. Dieses weitläuftige und höchst mühsame, oft mit 
Störung der nächtlichen Ruhe verknüpfte Geschäft nöthigte ihn zu 
öfteren Reisen. Weil er indessen bei den Armeen und in den Haupt- 
quartieren oft lange aufgehalten ward, so führte er gewöhnlich seine 
Sammlungen von Materialien zum Theil mit sich und fand dann oft 
müssige Stunden zu deren Bearbeitung. 

Nachdem er bald nachher zum wirklichen Regierungsrath ernannt, 
auch seiner Arbeiten bei der Kammer nach und nach entledigt worden 



145 

war, fiel ihm im Jahre 1796 durch den Tod seines Freundes von 
Rauschard auch noch das Archivdirectorium /u. Die fortwährenden 
Kriegs^eschäfte und die damit vericnüpften öfteren Abwesenheiten er- 
laubten ihm aber nicht, in dieser Stelle, s(t wie er es wünschte , wirk- 
sam XU sein. Als er aber im folgenden Jahre sich des Kriegscommis- 
sariats grösstentheils entledigt hatte, auch wegen der fortwährenden Be- 
setzung des Landes durcli französische Truppen andere Regierungsge- 
schäfte oft stockten, benutzte A. diesen Stillstand, seinen Lieblingsbe- 
schäftigungen sich mit verdoppeltem pjifer liinzugebeu und, was er Jahre 
lang gesammelt hatte, m benützen. 

So erschienen denn im J. 1798 seine Miscellaneen zur Diplomatik 
und Geschichte und seine Beiträge zu deutschen Glossarien aus Urkun- 
den des üillenburger Archivs, in den Jahren 1799, 1800 und 1801 aber 
von seiner Geschichte der Oranien-Nassauischen Länder und ihrer Re- 
genten der 1. und 2. Band mit der ersten Abtheilung des 3. Bands, 
im Jahre 1802 auch noch seine Aufklärungen in der Geschichte des 
deutschen Reichsgrafenstandes mit mehreren Urkunden. Ueberdem lieferte 
er mehrere Recensionen im Fach der Urkundenwissenschaft, Urkunden- 
sprache, Geschichte und Statistik etc. für Nikolais Allgemeine deutsche 
Bibliothek und Meusels Erlanger Literaturzeitung nebst mancherlei 
kleinen Beiträgen zum Allgemeinen literarischen Anzeiger und zum 1. 
Theil der hessischen Denkwürdigkeiten von Justi und Hartmann. 

Die Aufmunterung, welche A. durch den Beifall und die gross- 
müthige Belohnung seines Fürsten Wilhelm V. schon bei Erscheinung 
des 1 . Theils der Geschichte erhielt, sowie die gute Aufnahme, die seinen 
Schriften bei dem Publicum zu Theil ward, hatten seinen Eifer, die an- 
gefangene Landesgeschichte zu beendigen und mit anderen literarischen 
Arbeiten fortzufahren, verdoppelt, wenn nicht unerwartet eine gänzliche 
Veränderung in seinen seitherigen Verhältnissen eingetreten wäre. Als- 
bald nach Abschluss des Lüneviller Friedens (Februar 1801) ward er 
von dem damaligen Erbprinzen von Uranien nach Berlin berufen, um 
dorten in den Entschädigungsangelegenheiten des Hauses Oranien zu 
arbeiten. Sein dasiger Aufenthalt verlängerte sich bis in den Februar 
1802. Ausser dem Genüsse mancherlei Annehmlichkeiten, welche ihm 
dadurch gewährt wurden , und zu denen auch die gute Aufnahme ge- 
hörte, welche er bei mehreren der ersten Preussischen Staatsbeamten 
fand, verschaffte ihm auch Nikolais Freundschaft und Hospitalität die 
interessante und zum Theil lehrreiche Bekanntschaft der vorzüglichsten 
Berliner und mancher reisender Gelehrten. In freien Stunden sah er 
die Merkwürdigkeiten der schönen Königsstadt und der Umgegend, be- 
nützte fleissig durch Biester' s freundschaftliche Gefölligkcit die reiche 
königliche Bibliothek, oder schrieb Recensionen für die Allg. deutsche 

Bibliothek. 

10 



146 

Nach seiner Zurückkunft ins Vaterland konnte A. wee^en mehr 
malij^en Aulenthalt> am erbstattlialterlichen Hofe zu Oranienstein, wo- 
hin er zu ("onferenzen berufen ward, und mehrerer Keisen, besonders 
auch mit Aufträo^en des zum Besitzer der Entschädic^un^sländer bereits 
bestimmten Erbprinzen nach Fuld. Hildesheim. Corvey und Dortmund. 
zu .seiner tjewohnten Lebensweise und so auch zu seinen litererarischen 
Arbeiten und Geschichtsforschungen, doch nicht Avieder zurückkehren. 
Vollends musste er diesen entsagen und von den reichen Quellen, welche 
das Dillenburger Archiv zur Vollendung der Landesgeschichte enthält, 
sich wie es schien , auf immer trennen, als er im September 1802 als 
Bevollmächtigter des Oranischen Hauses bei der ausserordentlichen 
Reichsdeputation mit Ernennung zum Geheimen Legationsrath nach 
Regensburg abgehen und dorten die Entschädigungsangelegenheiten ins 
Reine bringen, nach Vollendung dieses Geschäfts aber mit Anfang des 
folgenden Jahres in die Dienste des Erbprinzen, als nunmehrigen Fürsten 
zu Fulda und Corvey übergehen und seine Wohnung in Fulda, als Resi- 
denz des neuen Fürsten, nehmen musste. Da ihm hier die Ministerial- 
geschäfte im Cabinet für sämmtliche Besitzimgen des Prinzen in Deutsch- 
land nebst allen auswärtigen Angelegenheiten allein oblagen und er zu- 
gleich ein starkes Referat in dem Fulder Geheimrathscolleg übernehmen 
musste: da er von dem so thätigen Fürsten täglich noch, und wohl 
mehrmals am nämlichen Tage, zu besonderen Conferenzen und Berathungen 
unter vier Augen berufen ward, in dessen Abwesenheit aber eine un- 
unterbrochene Geschäftscorrespondenz mit ihm führen, auch bei der Be- 
reisung seiner im nördlichen und südlichen Deutschland zerstreuten Be- 
sitzungen ihn begleiten musste, und öfters zu Versendungen an andere 
Höfe gebraucht wurde ; da seine Stelle ihn in eine weitläuftige Correspon- 
denz verwickelte, dabei der häufige Anlauf manche Störungen veranlasste, 
da endlich durch das Leben an einem Hofe ohnehin oft Tage und 
Stunden verloren gehen, so musste A. nun freilich allen literarischen 
Beschäftigungen ganz entsagen. Kaum konnte er zuweilen ein freies 
Stündchen, zur Unterhaltung einer dürftigen Bekanntschaft mit den Vor- 
gängen und neuen Erscheinungen in der gelehrten Welt finden. 

Der unglückliche Preussische Krieg mit Napoleon im Jahre 1806 
und die nächste Folge davon die Besitznahme Fulds durch Mortier, 
nöthigte A. der dem Tyrannen oder auch einem seiner Anhänger zu 
dienen sich nie entschliessen konnte, zur Emigration, welche freilich von 
manchen als thöricht gescholten ward, weil dadurch seine und seiner 
zahlreichen Familie Versorgung von einem Fürsten abhängig blieb, der 
nun Fürst ohne Land war, dessen Schicksal und nunmehriger Aufent- 
halt nach der Schlacht bei Auerstädt ihm selbst lange noch durch die 
unterbrochene Communication Geheimniss blieb. — Dillenburg war früher 
schon in Murats räuberische Hände gefallen. Dorthin mochte er also 



147 

nicht znniokkohren, obwohl ihm d(3r «instwpilige Chef der Landesver- 
waltung, (irafBork, eine sichere Zuflucht und seihst den freien Gebrauch 
des Archivs zur Vollendung seiner Geschichte anbot. Nach einigem 
Aufenthalt in Frankfurt wählte er Marburg /u seinem Wohnorte. Hier 
hatte er ausser seinem l^ruder bereits viele Freunde und Bekannte. Hier 
konnte er ruhiger imd unabhängiger, als unter fremdem Joch im Vater- 
land, wieder den Wissenschaften leben, selbst wegen der Nähe zuweilen 
durch einen vertrauten Freund in Dillenburg Archivalien mitgetheilt er- 
halten. Doch waren die ersten Jahre durch mancherlei Reisen und Zer- 
streuungen der Fortsetzung seiner literarischen Arbeiten eben nicht 
günstig. Nach einer längeren gefahrvollen Land- und Seereise gelangte 
er endlich im März 1807 zu Pillau und Memel wieder zu dem Prinzen 
und kam erst im Mai über Dänemark nach Marburg zurück, von wo 
aus er gleich wieder mehrere Geschäftsreisen in die Nachbarschaft 
machen musste. Im Juli ward er schon wieder nach Berlin berufen, 
ging von da dem Prinzen nach Frankfurt und Wiesbaden voran und 
auch den librigen Theil des Jahres 1807 nahmen mehrere Sendungen, 
besonders an den Wttrtemberger und Badenschen Hof weg. — l-'.benso 
veranlassten in den beiden folgenden Jahren mehrere Eeisen mancherlei 
zum Theil angenehme Störungen, und im Frühjahr 1810 musste er auch 
wieder für den Prinzen eine weitere Reise nach Augsburg und in das 
südliche Schwaben übernehmen. — Einen grossen Theil des Sommers 
1810 und 11 verlebte A. sehr angenehm in Oranienstein , wo er das 
früher dorthin geflüchtete Niederländisch-Oranische, eine Menge merk- 
würdiger Urkunden enthaltende Archiv zu revidiren hatte, und davon 
auch zu literarischen Arbeiten Gebrauch machen konnte. 

In den Zwischenzeiten imd bis er Marburg verliess, bearbeitete er dann 
noch, soweit es seine Lage erlaubte, die 2. Abth. des 8. Bds. der Or.-Nass. 
Geschichte , auch mancherlei einzelne historische Gegenstände. We- 
gen der Zeitumstände konnte aber ausser einigen kleinen Aufsätzen in 
Wiekopps Journal des Rheinbundes, in der Minerva von Archenh(dz und 
dem durch Köthe und Dippold unternommenen, docli mit dem 2. Stück 
schon wieder eingegangenen historischen Archive nichts im Druck er- 
scheinen. Durch die Gefälligkeit seines Freundes Wachler hatte aber 
A. den grossen Vortheil von seinem siebenjährigen Aufentlialt in Mar- 
burg vieles was ihm durch ein anhaltendes (leschäftslet)en aus der 
neueren, besonders historischen Literatur fremd geblieben war, sich nun 
noch bekannt zu machen, wie ihm denn überhaupt der Umgang mit 
seinen Freunden unter den dortigen Gelehrten manche angenelmie Unter- 
haltung und Belehrung gewährte. Immer wird ihm dieses in dankbarer 
Erinnerung bleiben. 

Von dem , den Vortrab des über Marburg nach dem Khein mar- 
schirenden Russischen Cori^s unter St. Priest commandirenden (ieneral 



148 

Yusefowicli aufgefordert und von seinen Landsleiiten eingeladen . kehrte 
A. mit demselben endlich am 5. Nov. 1813 in sein Vaterland und 
nach Dillenburg zurück . ward mit frohem Jubel empfangen und genoss 
des Triumphs, die fremden Gewaltherrscher unter dem Schutz der nor- 
dischen Krieger zu verdrängen. Unter mancherlei Gräueln, während der 
usurpatorischen Regierung verübt, war ihm auch der besonders empfind- 
lich, dass er das sehr zweckmässig und durchaus teuerfest vor 50 Jahren 
aufgeführte Archivgebäude durch dessen Verwandlung in ein Justiz- 
gebäude ini Innern ganz verbaut, das daraus verwiesene Archiv und 
die Bibliothek im Marstall und dem Reithause dem Raube und der 
Verrauderung überlassen fand. Archivalien waren als Makulatur ver- 
kauft, manche schätzbare Werke ganz abhanden gekommen oder defect 
geworden. Für die Bibliothek ward zwar schon im Jahre 1814 ein 
schönes Local wieder eingerichtet, doch ist sie immer noch nicht völlig 
geordnet, von ilom abhanden gekommenen hat vieles noch nicht beige- 
bracht werden können. Auch der Gebrauch des Archivs blieb durch die 
zu spät entdeckten rebereilungen und Fehler des Archivregistrators bei 
dessen Herstellung sehr erschwert. L'eberdem ward aber auch A. nach 
der Wiederkehr der Oranischen Regierung mit Dienstgeschäften so über- 
häuft, dass er an literarische Arbeiten nicht denken durfte. 

Das Jahr 1815 führte hierin eine ihm günstige Veränderung her- 
bei. Die Berufsgeschäfte, welche ihm auch nach dem Länderhandel bei 
dem Wiener Congress blieben, waren /war meistens unangenehmer Art, 
doch behielt er Müsse genug, um mit ncnem Fiter zur (ieschichts- 
forschung und Schriftstellerei zurückkehren zu können. — Bereits im 
Jahre 181(5 ward die ältere bis zum Jahr 1550 reichende Oranien- 
Nassauische Geschichte vollendet und ausgegeben, womit denn, wenn der 
Verleger noch das von Herrn Pfai-rer Vogel ausgearbeitete vortreffliche 
Register über sämmtiche Theile nachliefert, das Werk als geschlossen 
angesehen werden kann. 

Auch fing A. nun wieder au, zur Hallisclien Literaturzeitung und 
andern Zeitsrliriften {Beiträge zu liefern. In den Zeitgenossen sind von 
ihm die Biographien Königs Wilhelm 1, welche auch besonders abge- 
druckt ist, und des Staatsministers Grafen Görtz zu Regensburg er- 
schienen. Von den Hcrausgebeiii der allgemeinen Fncyklopädie, Ersch 
und Gruber zu Halle, ist er zum Mitarbeiter eingeladen worden 
und hat zu dem aul Ostern 1818 versprochenen ersten Theil bereits 
mehrere Artikel geliefert. Bei Brotkhau> in Leipzig hal er 1817 einen 
Band historischer Denkwür.ligkeiten herausgegeben, wovon mehreres be- 
reits in Marburg ausgearbeitet war. Sie werden vielleicht, besonders 
die dann i'nthaltene, mit erläuternden Noten begleitete Sammlung merk- 
würdiger Briefe aus dem 1(5. Jaiirhundert, fortgesetzt werden. Auch 
sind von A. noch weitere Beiträge zu den Zeitgenossen zu erwarten. 



149 

Doch fangen Gebrechen des Alters und körperliche Beschwerden an, 
ihm Hindernisse und Störungen in den Weg zu legen. lieber eine 
andre Hemmung, welche ein feindseliges (beschick seinem ^Vunsche 
auch die neuere Oranien-Nassauische Geschichte wenigstens noch zu be- 
ginnen, unerwartet und beleidigend entgegenstellt, hat A. selbst in 
öffentlidien Blättern sich bereits erklärt. Für die eigentliche Landesge- 
schichte kann er nun freilich nichts mehr thun, und wir hoffen, dass zu 
deren Vollendung ein anderer weniger angefeindeter Bearbeiter sich finden 
werde Dagegen geht er selbst noch mit dem Gedanken um, aus dem 
Haus- und Familienarchiv, von welchem er für die Dauer nicht ver- 
drängt werden kann, Geschlechtstafeln der mit neuem (ilanze wieder 
aufgeblühten Oranischen Linien des Hauses Nassau in den Niederlanden 
zu bearbeiten, wenn ihm Leben und Kräfte noch länger verliehen werden 
sollten. — 

Noch ist von A. persönlichen Verhältnissen einiges beizufügen. Als 
er im Jahre 1808 mit dem Titel eines Geheimeconferenzrathes zu Fuld 
in Dienste trat, fand der damalige Erbprinz von Oranien für gut, ihn 
ohne sein Zuthun durch Kaiser Franz IT. in den Reichsadelsstand erheben 
zu lassen. Der Fürst wollte ihm damit einen öfi"entlichen Beweis der 
Zufriedenheit mit den in Berlin und Regensbiirg geleisteten Diensten 
geben und glaubte dabei, dass in seiner nunmehrigen Bestimmung, be- 
sonders am eignen und fremden Höfen der Adel ihm von wesentlichem 
Nutzen sein könne. Im Jahre 1805 ernannte ihn Wilhelm Friedrich 
zum wirklichen Geheimerath mit Beilegung des Prädikates Excellenz und 
verlieh ihm als König der Niederlande 1816 den neugestifteten Ritter- 
orden des Belgischen Löwen. Bei der Regierungsveränderung im Juli 
1815 blieb A. im Dienste des Königs als wirklicher Geheimerath und 
Bevollmächtigter bei Preussen und Nassau zur Bewirkung der völligen 
Auseinandersetzung wegen der abgetretenen Erblande. Am Reformations- 
fest 1817 ertheilte ihm die philosophische Facultät zu Marburg die 
Würde eines Doctors der Philosophie oh fruduosissinium, wie sie im 
Diplome sagt — quod in perscndanda historia atqm antiquHate patriae 
maxime collocavit stiidiiun, svnptis compiarihus comprohatnm. 

Bis hierher reichen Johannes von Aruoldi eigne Aufzeichnungen 
über seinen Lebensgang und seine schriftstellerische Thätigkeiten. Ich 
habe nur weniges nachzutragen. 

Arnoldi war ein ausserordentlich treuer und seinem oranischen 
Fürsten mit Leib und Seele ergebener Diener: es ist wahrhaft rührend, 
wenn man in den Zeitgenossen liest, wie er sich von Fulda aufmacht, 
um seinen Gebieter aufzusuchen, welchen die blutige Welle des Krieges 
bis an den Niemen warf. Dafüi- erfreute sich aber A. auch eines An- 
sehens und Zutrauens bei seinem Fürsten, dessen sich nur wenige Staats- 
diener in gleicher Weise damals rühmen dürften. Der alte Erbstatt- 



150 

halter Willielni schrieli ilini. als er aus .seinen speciellen Diensten schei- 
den wollte, um seinem Sohn Wilhelm Friedrich, dem der Vater die 
ihm in Deutsehland /u^etallenen Entschädigungen abgetreten hatte , zu 
dienen: ce nesi jms saus nyn-t , (juc je Votis ai cede ä nion Fils. 
Mai comme Vous poiicez l/ti rfrc utile (laus s(( nonvelle carriere , je 
n'ai pa^ conlu ni't/ refuser. Je iic vcux paa Vous laisser (jiiiffer mon 
Service saus Vons dvitncr une niarr/iu; de mon eoiitentenieid de Vos 
Services und legte diesem anerkennenden Handschreiben eine bedeutende 
Summe ein. Wilhelm Friedrich schrieb ihm den 27. December 1802 
in einem Handljillete : ich weiss die Acquisition zu schätzen, die ich für 
meinen Dienst mache, aber auch das Opl"er, welches es Sie kostet. Mein 
Betragen wird Ihnen — hofte ich — keine Ursache zu Heue geben. Ich 
verlange nur ein Versprechen, nämlich , dass mir immer die Wahrheit 
gesagt wird , wenn sie auch unangenehm zu luM-en wäre. und eben 
wenn sie weniger angenehm ist, habe ich sie zu hören desto mehr 
nöthig, um mich bei Zeiten vor grösseren Fehlern zu bewahren. — Es 
konnte da nicht anders sein, als dass Arnoldi auf das schmerzlichste 
berührt wurde, da die oranische Linie ihre angestammten Lande an die 
Walramische Linie in Folge des Wiener Friedens abgeben musste. 
Arnoldi hatte seinem Fürsten gegenüber stets mit dem grössteii Frei- 
muth sich aussprechen müssen: er sprach sich mit eben so grossem 
Freimuth über diesen Vülkertausch aus. In der Vorrede zu der 2. Ab- 
theilung des 3. Bandes seines grossen Geschichtswerkes macht er seinem 
tiefverwundeten Herzen mehrfach Luft. ,Eine Begebenheit, die ich bei 
der frohen Rückkehr ins Vaterland und zu den Jugendfreunden nicht 
ahnen konnte, hat mich früher, als ich erwarten durfte, des grössten 
Theiles jener PHichtcn erledigt. Von Menschen, von rastlosen Amts- 
geschäften hat sie mich unabhängiger gemacht. Aber - kaum erlau- 
ben mir die noch nicht abgestumpften schmerzlichen Gefühle den Ge- 
danken auszusprechen — aber mein Vaterland ist durch jenes Freigniss 
auch seiner alten Gestalt beraubt; es ist zerrissen, zerstückelt, in Be- 
standtheile anderer Staaten verwandelt. Seine Stelle unter den beson- 
deren deutschen Fürstenthümern hat es eingebüsst. Als solches war es 
Jahrhunderte hindurch geehrt, seiner geringen Ausdehnung ungeachtet; 
vorzüglich seit Oraniens berühmter Name seinen Fürsten neuen Glanz, 
neue Vorrechte gab. — Ein treues Volk ist von einem Kegentenstamme 
getrennt worden , dem es , so weit die Geschichte reicht , und selbst 
während ihm fremdes Joch aufgelegt war, mit achtem deutschem Sinne 
anhing, von Fürsten, die es schätzte und liebte, unter deren Zepter es 
sich vor anderen deutschen Völkern glücklich pries, deren Andenken 
noch hei späten Fukeln gesegnet sein wird. Es ist einem Fürsten ent- 
rissen, der ihm, nach Vertreibung der Tyrannen, durch den Frieden auf 
Lebenszeit wieder gegeben zu sein schien; \on dessen ausgezeichneten 



151 

Herrschero^abpn sich erwarten Hess, dass die Spuren der Gewaltthaten. 
die Folgen siebenjähriger Drangsale, bald ausgetilgt sein, die früheren 
glücklichen Zeiten wiederkehren würden, einem Fürsten, der unter 
schweren Mühen und Sorgen für die Hildnng eines neuen Staats, für 
das Glück der zu einem mächtigen Königreiche vereinten Nationen, doch 
des kleinen theuren Völkchens im entfernten Erblande nicht vergass, 
mit gleicher Liebe auch für dessen Wohlfahrt väterlich sorgte." 

Mit der Zeit fand sich Arnoldi auch mehr in die neuen Verhält- 
nisse und sein bitterer Schmerz machte bald einer stillen Wehmuth 
Eaum. Es war ihm noch ein langer Feierabend gestattet, er starb erst 
den 2. Dezember 1827. 

Arnoldis Schriften sind für die Geschichte der Nassau-Ottonischen 
Lande von hohem, bleibendem Werthe. Die Darstellung hat manche 
Mängel, auch fehlen im Ganzen die Durchblicke auf die allgemeinen 
deutschen Verhältnisse, wie die Hinweisungen auf die in der Geschichte 
sich verkörpernden und entwickelnden allgemeinen Ideen: seine Werke 
sind des Stoffes noch nicht genug Herr geworden und mehr eine reiche 
Materialien Sammlung. In dieser Hinsicht nehmen sie aber eine hervor- 
ragende Stelle ein und übertreffen bei Weitem Alles, was andere, die 
nach gleichen Zielen rangen, vor ihm geleistet haben. Seine Nachrichten 
sind zuverlässig, da er sie aus den letzten Quellen selbst geschöpft hat, 
und sind reichhaltig, da er keine Mühe und Arbeit gescheut hat, das zu 
sammeln und zu sichten, von dem sich nur irgend ein Gewinn erwarten 
liess. Da Arnoldi in seinen eigenen Aufzeichnungen die Titel seiner 
Hauptschriften verzeichnet hat, bleibt es mir nur noch übrig, auf ver- 
einzelte Arbeiten hinzuweisen, welche er in Zeitschriften veröffentlicht 
hat und welche ich nicht gern übergehen mag, da sie allesammt dankens- 
werthe Beiträge zur Geschichte des Landes und seiner Fürsten liefern. 

In dem Journal von und für Deutschland, in welches A. eine 
'i'opographie der Oranien-Nassauischen Lande 1790 1 St. 445—481, 2 
St. 95 — 124 und 255 ff. und eine Mittheilung über den Fachinger Brunnen 
(1791, 913 — 919) schrieb, befindet sich noch von ihm: 

Waltlier Zeisse und die Stadt Weissenburg, ein Beitrag zur Ge.<!chichte der 
Westphälischen Gerichte. 1792, 279—289. 

Die Miscellaneen erschienen in Marburg 1798. 8, ebenso die Beiträge 
zu den deutschen Glossarien 1798 in 8. 

In den hessischen Denkwürdigkeiten von Justi und Hartmann stehen 
im 1. Jahrgang folgende Sachen von Arnoldi: 

1) Zur Ge.schichte der Gefangenschaft Landgraf Philipj) des Grossmiitliigen 
zu Hessen. S. 92—111. 

2) Besorgnisse dieses Landgrafen wegen der Kriegsrüstungen des Prinzen Wil- 
helm von Uranien. S. 112— l.i4. 

'S) Nachrichten von dem (ieschleclit der Landgrafen von Hessen, besondei-s von 
der Landgriilin Elisabeth, Gemahlin Gr. .Inliann V zu Nassau. 8.159 lt>8. 



152 

In Justi's Vorzeit liess Arnoldi einrücken: 

Philipps des letzten Grafen von Katzenelnbogen Pilgerreise nach Aegypteii 
und Palästina im Jahre 14;^:> und 14:'.4. 1821. 4:1-74. 

In den Zeitgenossen lieferte er: 

1) Wilhelm Friedrich von Uranien 2. Bd. 2. Abth. :i— G4. Auch besonders. 

2) Joh. Eustach Graf von Schlitz, genannt von Görtz. 2. Bd. 4. Abtheilung 
123—158. 

.i) Seine Autobiographie. :l Bd.. 11. Heft 77—140. 

In Dippold's und Köthe's Allg. bist. Archiv erschien von A.: 
Ueber die Unterhandlungen Karl.s V. mit den evangelischen Reichsständen in 

Deutschland 1.J30— löl^.'i. S. 285— :^:38. 
cf. Die Autobiographie in den Zeitgenossen , die Vorrede zur Or.-Nass. Ge- 
schichte. 3. Bd. 2. Abth. und 

Insbesondere Arnoldi's noch ungedruckte Lebensbeschreibung von ihm selbst. 
Neuer Nekrolog der Deutschen, li. Jahrg. Ilmenau 183u 1, 8 ff. 



Der Arnsteiner Mönch. 

Wenn Vogel in den Annalen (2, 2, 121) sagt: „Immer bleibt es 
für den gebildeten Nassauer eine werthvoUe Frage, wer ist wohl der 
älteste bekannte Schriftsteller, der im Umfange des jetzigen Herzogthums 
gelebt hat? Denn die richtige Beantwortung derselben muss unsre 
specielle Literaturgeschichte eröffnen. So weit nun unsere Forschungen 
bis jetzt in die dunkelen Räume der Vergangenheit eingedrungen sind, 
gebühret diese Stelle dem Lebensbeschreiber des Grafen Ludwig von 
Arnstein. Er lebte und schrieb zu der Zeit, wie er selbst sagt, als die 
Brüder Heinrich der Reiche und Rupreclit TV. in Nassau regierten, also 
von 1198 bis 1225% und Friedemann später in den Annalen (4, 413) 
diese Behauptung ganz ohne Bedenken wiederiiolt : so ergibt sich zur 
Genüge, wie wenig die vorhandenen Quellen und Nachrichten fleissig 
durchsucht worden sind zum Behufe einer Nassauischen Schriftsteller- 
geschichte. Der Arnsteiner Mönch nimmt durchaus nicht die erste 
Stelle unter den nachweisbaren Nassauischen Schriftstellern ein: eine 
ganze Reihe ist ihm schon vorausgegangen, Geschichtsschreiber, Dichter 
und theologische Schriftsteller. Ich erinnere bloss an die Namen, welche 
ich in dem vorletzten und dem gegenwärtigen Hefte der Annalen, an's 



153 

Licht hervorgezogen habe, an Dodechin, Emicho und Egbert, um von 
andern zu schweigen. 

Wie dieser Arnsteiner Mönch, der das Leben des letzten Grafen 
Ludwig von Arnstein, der den Stammsitz seines erlauchten Hauses in 
ein Prämonstratenser Kloster verwandelte, beschrieben hat, eigentlich 
geheissen hat, ist und wird verborgen bleiben. Der Kegierungsrath 
Eberhard zu Dillenburg, welcher sich mit dem Gedanken trug, diese 
Lebensbeschreibung seiner Zeit dem Druck zu übergeben und in den 
Marburger Anzeigen 1766 Nr. 4— <"> einen darauf vorbereitenden Aufsatz 
von Graf Ludwig dem letzten zu Arnstein, und dem Einrieb verüftent- 
lichte, sprach die Vermuthung aus, dass er Lunandus geheissen habe, 
da die Handschrift dieser Biographie „Aehnlichkeit" habe mit der Hand- 
schrift, welche die Einrichtung zu einem Jahrbuche gemacht hat und 
darin sich als Zusatz von fremder Hand die Worte finden: hoc amw 
ICLCXXII scriptus est iste liher u quodam fratre nosiro nomine 
Lnuando. Dieser Anfang zu einem Arnsteiner Jahrbuche ist nun aber in 
dem Archiv nicht mehr aufzufinden — ein Vergleich ist also nicht mög- 
lich: anderer Seits würde auch eine Aehnlichkeit beider Handschriften 
noch nicht beweisen, dass Luuandus auch Verfasser jener Lebensbe- 
schreibung sei — es wäre ja ebenso gut möglich, dass er nur Abschreiber 
gewesen und dass die Originalhandschrift verkommen ist. Ausserdem 
wird auch von Friedemann (1. c. S. 415) über den Namen Lunandus, 
aus dem Wenck und Vogel gleich Luwand gemacht haben, nicht ohne 
Grund die Vermuthung aufgestellt, dass Luuandus Druckfehler sei und 
eigentlich Lunandus zu lesen ist, welcher Name in dem Altdeutschen 
als Personenname nicht so selten vorkommt. 

Das Werk des unbekannten Arnsteiner Mönches, denn er bezeichnet 
sich selbst in der Schrift als Bruder dieses Klosters, ist in zwei Sprachen 
vorhanden, lateinisch und deutsch in einer Anzahl verschiedener Hand- 
schriften. Die werthvollste lateinische Handschrift befindet sich in dem 
Archive zu Idstein und gehört zu dessen grössten Schätzen. Sie besteht 
aus 3 grossen Pergamentblättern, welche an die 3 inneren Seiten eines 
mit 2 Flügelthüren versehenen hölzernen Schreines sorgfältig aufgeklebt 
sind : auf den äusseren Seiten der Flügelthüren befinden sich die Bild- 
nisse des Grafen Ludwig und seiner Gemahlin Guda aufgemalt : das Bild 
des Grafen ist bis fast auf die Füsse verwischt und abgerieben, das 
Bild seiner Gemahlin ist noch wohlerhalten. Der Schrein scheint in 
der Arnsteiner Kirche die Stelle eines Altarbildes vertreten zu haben. 
Diese Handschrift der vita Ludovici, comitis et fandatoris in Arinstein, 
ist aber nach Friedemanns (1. c. S. 414) wie nach Schliephakes Urtheil 
(Geschichte von Nassau, 1, 156) nicht gleichzeitig, sondern merklich später. 
Ausser dieser Handschrift besitzt das Archiv noch eine zweite lateinische 

10* 



154 

Handschrift der gesta Ludovici. In dem Auslande befinden sich auch 
Handschriften der lateinischen Lebensbeschreibung, Pertz fand 1827 in 
dem britischen Museum unter den Harleian Manuscripts ein opusculum 
gestorum Ludovici comitis Arinstein Jundatoris nostri mit der Inschrift 
Liber S. Marie Virg. et S. Nicolai in Arinsteyn a. 1464 und eine 
andere Handschrift an demselben Orte 1844. Auch in dem Archive 
zu Brüssel unter den Akten der Bollandisten befindet sich eine lateinische 
lita. In dem Archive zu Idstein liegt weiter noch eine deutsche Hand- 
schrift der Lebensbeschreibung, welche nach Schliephake aus dem 14. 
Jahrhunderte stammen mag, nach Vogel das Gepräge des 13. Jahr- 
hunderts trägt. 

Diese letztere Handschrift hat Vogel in den Annalen 2, 2, 123 ff. 
abdrucken lassen. Die lateinische Lebensbeschreibung ist nach der 
ersten aufgeführten Handschrift mehrfach herausgegeben, so in 

1) Pagii bibliotheca ordinis Praemonstratensis. Par. 1640. 
Diese Ausgabe ist aber unvollständig und fehlerhaft. 

2) Chr. Broweri Sidera illustrium et sanctorum virorum, qui Germaniam orna- 
runt. Mogunt. 1660. 4. 

3) C. L. Hugonis sacrae antiquitatis monumenta historica, diplomatica, notis 
illustrata. in oppido Set. Deodati 1731. Im 2. Theile. 

4) Honthemii Prodromus historiae Trevirensis. tom. 1. fol. 
Nicht vollständig. 

5) I. M. Krenier Origenes Nassoicae. tom. 2. 4. 

Friedemann hat in dem angeführten Annalenband S. 420 ff". Proben 
gegeben, wie die verschiedenen Drucke zu der lateinischen Originalhand- 
schrift sich verhalten : 

Welcher von beiden Texten, der lateinische oder deutsche, verdient 
nun den Vorzug? Vogel (Ann. 2, 2, 123) spricht sich nicht entschieden 
über diese Frage aus. Er behauptet, das Deutsche sei nicht Ueber- 
setzung des Lateinischen, das letztere sei hie und da erweitert und 
interpolirt. Dass das Deutsche die Urschrift sei, dagegen streite wenig- 
stens nicht die Sprache, das einzig anwendbare Criterium. In der Be- 
schreibung des Herzogthuras Nassau S. 203 erklärt er ohne weiteres 
das deutsche Leben , weil es einfacher sei als das lateinische, für das 
ursprüngliche. Vogel hat aber mit seiner Bestimmung des Verhältnisses 
beider Biographien kein Glück gemacht: Friedemann und Schliephake 
halten die lateinische Redaction für das Original- Wir stimmen diesen 
letzten zu : die deutsche Kedaction verräth sich selbst als eine üeber- 
setzung und volksthümliche Bearbeitung des lateinischen Textes. Vogel 
sah sich schon genöthigt zuzugeben, dass mehrere offenbare historische 
Verstösse in ihr vorkommen, er bemerkt dieselben unter dem Text und 
verbessert sie nach der lateinischen vita: er will aber diese Verstösse 
nicht dem Verfasser, sondern dem späteren Abschreiber zur Last legen. 



155 

Wenn sich am Ende auch das deutsche saye als ein Versehen aus dem 
lat. sala erklären lässt, so hat es docli grosse Schwierigkeiten die Ver- 
wechslung des Herzogs Friedrich von Schwaben mit seinem Vater, dem 
Kaiser und des Metensis mit Mentze auf Rechnung eines flüchtigen Ab- 
schreibers zu setzen. Das sieht doch so aus, als ob es indem deutschen 
Originale schon gestanden habe: hiezu kommen nun aber noch offenbare 
Uebersetzungsfehler. Im deutschen Text (Ann. 2, 2, 141) steht: vnd 
verscheydt des nuwen maendes in dem achten dage: was ist der neue 
Monat ? Der lateinische Text gibt hier allein Licht ; da heisst es : VIIJ 
Kai. Novembr. — der deutsche Uebersetzer hat sicli das Lateinische 
nicht genau angesehen, Novemhr. las er = novi mensis und aus dem 
VIJI Kai. machte er VIII die. Eine ähnliche Leichtfertigkeit findet 
sich weiter vorne: vnd eyn olenbaumgen was eyn eyrber gotforchtyg 
geystlych man der was geweyst eyn scolaster: (2, 2, 131), im lateini- 
schen steht: erat inter eos recotendae menioriae vir! Weiteres siehe 
bei Schliephake am angeführten Orte, bei Vogel und Friederaann in den 
angezogenen Annalenheften. 



Eberhard Artopaeus. 

In Herborn geboren, erhielt er dort 1573 auch seine erste An- 
stellung als Diakonus ; nachdem er sich hinlänglich bewährt hatte, 
wurde er im Januar des folgenden Jahres zu Siegen geprüft und ordinirt. 
1576 kam er in das Hadamarische nach Lahr als Prediger: er that 
sich so sehr hervor, dass er er in der Grafschaft zum Inspector schon vor 
1593 ernannt wurde. In seinem Alter wurden ihm die Inspectionsge- 
schäfte abgenommen und ihm in seinem Schwiegersohne Philipp Salbach 
ein Adjunkt im Pfarramt beigegeben. Auch er erhielt bei der durch 
den Grafen Johann Ludwig im Hadamarischen 1630 eingeführten katho- 
lischen Contrereformation seinen Abschied, obschon er 88 Jahre alt und 
ganz blind war: und soll dem ins Pfarrhaus einziehendon Jesuiten ge- 
sagt haben, wenn du ein Diener Jesu Christi bist, so sollst du mein 
Lehrer sein, ich weigere mich nicht, in diesem abgängigen Alter dein 
Schüler zu sein. 

Ich habe den Titel von einer Schrift dieses Mannes gefunden, habe 



156 

sie selbst aber noch nicht 7,11 np.sicht bekommen , weiss auch nicht, ob 
dieselbe sein einziges Werk ist. 

Cura valetmlinis 1617. 

cf. Sleubing, Topograi>hie der Stadt Herborn. S. 185. 

Wapner, Regentenfamilie von Nassau und Hadamar 1, 27H und 2, 15«. 

Notizen. 



(Wir liaben hier den Anfancr <Mner (Jescliichte der nassauisrhon Sdiriftsteller 
bi.'; in die 20''f Jahre unscress .Talirliunderts inilgctheilt und werden , wenn diese 
Probe Beifall tindet, in der Folge iDehr [lubliciren. 1'. Eed.) 



Annalen des Vereins für Nassauische Alt 






r>. 




Zu J. B 



Die Rhein ü bergänqe 



'I1 



rat. 1/ 



umskunde u. Geschichtsforschung X 






Römer bei Mainz 



üic Khciuübcrgänge dvr liöuier bei Maiuz. 



Von 

Prof. Dr. J. Becker 

in Frankfurt a. M. 



Iliei thatsächlicht^ Veianlassiingen , in welche sich Alterthum, 
Mittelalter und Neuzeit gleichniäsHig theilen, haben in der jüngsten 
Zeit wiederum eine erneute Durchforschung der im Ganzen spärlichen 
und zumeist unbestimmten Notizen angeregt, die uns von Uebergängen 
und TIeberbrückungen des Kheinstroms bei Mainz in Kömischer Zeit 
überkommen sind. Diese Veranlassungen waren folgende: zuvörderst 
die Auffindung einer Bleimedaille in der Saone bei Lyon, auf welcher 
die mit Namen bezeichneten (.■astelle Mogontiacum (Mainz) und Castellum 
(Castel) durch eine Brücke über den als FL RENVS bezeichneten Strom 
mit einander verbunden dargestellt sind, zugleich mit den Bildern zweier 
Imperatoren, in denen man Diocletian und Maximian mit gutem Grunde 
erkannt liat;^) sodann die erneute Untersuchung der in dem Rheinbette 
bei Mainz annoch vorhandenen Reste von Pfeilern einer von Karl dem 
Grossen daselbst erbauten Brücke, welche man lange Zeit irrthümlich 
für ein Römerwerk hielt; 2) endlich die Erbauung der neuen Eisenbahn- 
brücke oberhalb Mainz, bei deren Vollendung ein Rückblick auf die 
Hheinüberbrückungen der Römischen Zeit und des Mittelalters bei Mainz 
nahe gelegt wurde. •') Zu bedauern bleibt aber, dass die bei vorstehenden 
Anlässen erneute Prüfung der zumeist vereinzelten und in entlegenen 
Quellen zerstreuten Nachrichten von Rheinübergängen der Römer bei 

') Vgl. Revue numis7natUiue publ. pur J. de Wette et Adrien de Longperier, 
nimvelle serie, lome septieme , Paris 1862, p. 426—431 u. Annal. IX S. 148 
ff. Taf. I n. 1. 

i) Vgl. Schaab Die Bundesfcstiuig Mainz 8. 64; Abbildungen von Mainzer Al- 
tertliümeni VI S. 1—16; Zeitschrift für christliche Archäologie von Quast 
und Otte I S. 42 f., II, 3 S. 134; Zeitschrif«» des Mainzer Alterthums- 
vereins II S. 75 ff. 

a) Vgl. K. K. iu) Feuilleton der Neuen Frankfurter Zeitung 1862 N. 295—298. 



158 

Mainz über die bisher ermittelten, zum Theile ganz unrichtigen Re- 
sultate, welche in der Kegel einer dem andern naohrschrieb, nicht hinaus- 
gekommen ist, weil sie weder auf eine möglichst vollständige Zusammen- 
stellung, noch auch auf eine kritische Sichtung und Bearbeitung des 
Materiales begründet war. Da nun aber die llebergänge und Ueber- 
brückungen des Rheins bei Mainz einerseits nur einen Tlu'il der üeber- 
schreitungen dieses Stromes in Römischer Zeit überhaupt bilden, anderer- 
seits auch mit den kriegerischen Ereignissen jener Periode und den da- 
bei stattgehabten ohne Zweifel zahlreichen Flussübergängen im genauesten 
Zusammenhange stehen, so muss es der römisch-germanischen Kriegs- 
geschichte der Rheinlande überlassen Meiben , diese Seite der kriegeri- 
schen Thätigkeit im Grossen und Ganzen zu behandeln, für unseren 
Zweck aber wird es genügen, auf jene übrigen Flussübergänge und 
üeberbrückungen nur in so weit Bezug zu nehmen , als es zur Ge- 
winnung einer gemeinsamen Grundlage der Betrachtung, wie auch zur 
Vergleichung analoger Momente nothwendig und ersprieslich ist. 

Die Verschiedenheit der Culturzustände der beiden Feinde, welche 
sich Jahrhunderte lang am Rheine einander gegenüberstanden, war zu 
gross und durchgreifend , als dass sie nicht auch in der Kriegführung 
und Waftenkunde hervorgetreten und zur Geltung gekommen wäre. Wie 
in der Kampfesweise, Schlachtstellung und gesammten Kriegsleitung, so 
macht sich dieser Unterschied besonders auch in der Art des Fluss- 
über ganges bemerklich, bei welchem die Germanen die primitive, 
einfach-natürliche Weise von Barbaren bis in die spätesten Zeiten fest- 
hielten. Gleichwie sie in der Belagerungskunst ohne Erfahrung waren 
und daher meistens keine namhaften Erfolge erzielten, so behielten sie 
auch bei ihren unzähligen, oft für sie selbst so verderblichen Einfällen 
nach Gallien die alte Weise, den Strom zu überschreiten, bei, durch 
welche freilich insbesondere eine Sicherstellung des Rückzuges fast un- 
möglich wurde. Diese alte Weise des Stromübergangs bestand eines- 
theils in der Verwendung von Fahrzeugen verschiedener Art, andern- 
theils im Schwimmen*) oder zur Winterszeit in der Benutzung des 

*} Ohne Zweifel sind schon in uralter Zeit die Beigen (Caes. b. g. II, 4), 
später die Sueben Ariovists (I, 31), mit Weibern, Kindern und ihrer ge- 
«amniten Habe mittels Fahrzeugen über den Rhein geführt worden (traducti): 
die heimathlosen Tenkterer und Usipeter bedienten .sich zu gleichem 
Zwecke (IV, 5) der schlau erlisteten Fahrzeuge der Menapier; gleicher Weise 
wagen es die Sug amb rer auf Schiffen und Flössen (navibus ratibusque) 
unterhalb Caesar's Bockbrücke über den Rhein zu setzen (VI, 35), und auf 
ihren Fahizeugen wird auch die Reiterei der Tenkterer und Usipeter in's 
Sugambrerland entkommen sein , welches sich bis an den Rhein erstreckte 
(proximi Hfieno sunt: VI, 35). Weniger glücklich als diese germanischen 
Reiter war Ariovists geschlagenes Heer, welches in jäher Flucht an den Rhein 
getrieben theils durchschwimmen, theils mittels zufällig aufgefundener Kähne, 



159 



wie Ariovist selbst, sich hinüber zu retten suchte, dabei abf.T in Ermangelung 
aller und jeder jenseitigen Beihülfe namhafte Verluste erlitt, welche die vor- 
sichtigen Sueben am Mittelrlieine, den Ausgang der Dinge auf dem rechten 
Flussufer abwartend, sich ferne zu halten wussten (vgl. I, :57 u. r)4). Beider 
Arten den Strom zu überschreiten bedienten sich die Helvetier einestheils 
wohl bei ihren /.ahlr.;iohen Einfällen in das benachbarte germanische Land, 
andernthcils bei ihrem Auszuge. Den Gennanen gegenüber, welche sich auch 
ihrerseits derselben Mittel bei ihren Einfällen in das Helvetierland bedient 
haben werden, war diese Art der Kampfführung immerhin schwierig und ge- 
fahrvoll "-enug, um das streitlustige Volk mit Uiimuth zu erfüllen {minus 
fiicile f'mUiiiiis bellum inferre: ebend. 1, 2). Bei dem Versuche (ebcnd. 1.8) 
eines Kheinüberganges unweit Genf verlegen sie sich theils auf's Durchwaten 
und Schwimmen, theils aufs Uebersetzen mittels Kähnen. In gleicher Weise 
verbinden sie Kähne (Untres) und Flösse (rates) zu grösseren Trans- 
portfähren zum Uebergange über die Saone, brauchen aber dazu 2U volle 
Tage, während Caesar zu ihrer grossen Ucberraschung seine Schiffbrücke in 
einem Tage schlagen lässt: ein glänzendes Beispiel barbarischer Unbeholfen- 
heit gegenüber der Ueberlegenheit römischer Technik. Dieselbe allgemeine 
barbarische Weise Ströme auch bei kriegerischen Unternehmungen mittels 
Fahrzeugen zu überschreiten, erhellt besonders deutlich auch aus dem Aner- 
bieten der römerfreundlichen Ubier (ebend. IV, 4, 16), welche den Caesar gegen 
die Bedrängung der umwohnenden Stammesgenossen auf das rechte Rheinufer 
hinüberriefen und zahlreiche Schiffe zur Ueberführung seines Heeres zu stellen 
sicherbieten. Aber auch hier zeigt Caesar die ganze stolze und selbstbewusste 
Ueberlegenheit römischer (Jravität und Strategie im Gegensatz zu barbarischer 
Unbildung. Da inm nämlich diese Art des Flussüberganges weder hinläng- 
liche Sicherheit für sein Heer bot, noch mit seiner und des römischen Volkes 
Würde vereinbarlich erschien, so wollte er den breiten, tiefen und reissenden 
Strom lieber zu überbrücken versuchen oder überhaupt nicht über den- 
selben gehen (ebend. IV, 16 u. 17). — Neben der Art mittels Fahrzeugen 
einen Strom zu überschreiten, hat nun aber, wie schon angedeutet, weiter die 
barbarische Abhärtung der Leiber auch in dem Durchschwimmen und in 
dem Durchwaten des Wassers an seichten Stellen (Furten, vada) Mittel 
besessen, den gleichen Zweck zu erreichen. Einen glänzenden Beleg dazn 
überliefert Cassius Dio 60, 20, indem er eine Episode aus dem britannischen 
Kriege des Jahres 43 n. Chr. also erzählt: „als aber das Heer an einen Fluss 
gekommen war, von dem die Barbaren glaubten, die Römer würden ihn ohne 
Brücke nicht überschreiten können und desshalb am jenseitigen Ufer ohne 
alle Vorsicht lagerten, so schickte der Legat Aulus Plautius Germanen aus, 
deren Sitte es war, mit Leichtigkeit auch durch die reissendsten 
Ströme sammt ihren Waffen zu schwimmen. Diese griffen den Feind 
wider Erwarten an!" Für die Rhein Übergänge der Germanen bestätigt diese 
barbarische Sitte zuvörderst Tacitus (Hist. IV, 12) indem er von den Ba- 
tavern berichtet: erat etdomi delecltis CQues praecipuo nandi studio arma 
equüsque retinens inlegris tnrwis B/ienum per rumper e, sodann auch 
Plinius (panegyr. Traian. c. 82) bei Vergleichung der Zeiten des Domitian, 
in welchen Donau und Rhein Roms Schande getragen hätten unter den Augen 
der Germanen, welche jene beiden Ströme, die bald vom Froste starreten oder 
über die Felder sich ergössen, nun aber wieder vom Eise befreit seien , mit 
ihren Kähnen beführen oder mit ihren Armeen durchschwömmen. - 



160 

Eises der Grenzströrae. 5) Auf solche Weise bewerkstelligen ohne 
Zweifel schon in alten Zeiten die Beigen, zur ZeitCäsars sodann die Sueben, 



Dass man überdiess zum Durchsch winimen seichtere Stellen aufsuchte, 
insbesondere aber auch die Furten zum Durchwaten zu ermitteln und 
zu benützen strebte, ist begreiflich und durch vorliegende Fälle bestätigt: die 
Helvetier spürten bei der versuchten Erzwingung des Khoneüberganges die 
rada auf; ein Alamanne zeigte den unter Kaiser Constantius am Obcrrheine 
stehenden Römern eine Furt zum Uebergange. Dalier war der hohe oder 
niedrige Wasserstand für die Anwohner stets eine ebenso wichtige An- 
gelegenheit im Sommer, wie der Eisgang im Winter. Diese Anschauung spricht 
der Fanegyriker Mamertinus (panegyr. Maximian, c. 7) also aus: Die Natur (sagt 
er) scheine diesen btrom (Rhein) absichtlich so geleitet zu haben, damit er 
als Schutzlinie diene, um die wilden Völkerschaften abzuhalten. Jeder habe 
sich früher zu dieser Schutzgrenzlinie (ialliens Glück gewünscht Den grössten 
Schrecken errege immer eine trockene Jahreszeit wegen Abnahme des \\ assers 
im Strombette, dagegen hätten starke Regengüsse immer die grösste Freude 
verbreitet, weil mit der Wassermasse auch die Sicherheit des Landes gewachsen 
sei. — Dass die Germanen viele Fahrzeuge (Flösse und ausgehöhlte Baum- 
stämme als Kähne) auf dem Rheine gehabt, bezeugt Caesar weiter a. a. 0. 
III, II; VJ, 35, wie auch Vell. Pal. II, 107 und Plin. N. H. XVI, 36. 76. 
Ihre Gewandtheit als Schwimmer hebt Tacitus auch bist. III, 17; V. 14 
und Ann. II, 21 hervor und ganz besonders auch für die späteren Zeiten. 
Herodian Hist. VII, 2, 12: slol 8e xal upöc tt> vfjxea'&ai zyizio\\.^^a.z\\.iw, o.xt 
fjL&vu) ouxpü) Toi? TtoTafxrjI^ ypwjjLEvoi : vgl. Huschberg Gesch. der Allemannen und 
und' Franken, (Sulzbach 1640, s) S. 167. 
6) In gleicher wildbarbarischer Weise, wie das Schwimmen benutzten die Ger- 
manen zu ihren Einfällen auf das linke Rheinuler auch die natürliche Brücke, 
welche das Eis sicherlich nicht selten über den Rhein bildete. Herodian 
(hist. VI, 7) hebt als besondere Eigenheit der Donau und des Rheines hervor, 
dass sie im Sommer wegen ihrer Breite und Tiefe schiffbar seien, im Winter, 
vom Frost gebunden, wie Felder von den Hufen der Rosse und den Füssen 
der Menschen betreten und übei-sch ritten würden. Als unter der Regierung 
des Domitian (81-96 n. Chr.) L. Antonius, der Präses von Obergermanien, 
die Fahne des Aufruhrs, wahrscheinlich zu Mogontiacum, erhob, wurden die 
von ihm zu Hülfe gerufenen überrheinischen Germanen nur durch den plötz- 
lichen Aufgang des Rheineises zurückgehalten, wie Sueton Domit. c. 6. be- 
richtet. Wohlbekannt sind aus der späteren Kaiserzeit die öfteren Ueber- 
gange der Alamanne n über das Eis des Rheines, wie im Winter des Jahres 
298, als Constantius Chlorus über Gallien gesetzt war (Rospatt die Vertheidi- 
gungskriegc der Römer am Rhein S. 10) ; aus derselben Zeit erwähnt Eumenius 
panegyr. Contant. VI, 6, 3 die Gefangennehmung einer ungeheuren Menge 
von Germanen aus verschiedenen Völkern, welche sich einer Insel auf dem 
zugefrornen Rheine bemächtigt hatten, durch dessen plötzlichen Aufbruch aber 
abgeschnitten und durch die Rheinflotille umzingelt zu Gefangenen gemacht 
wurden: vgl. v. Wietersheim Gesch. d. Völkerw. III S. 64. Ebenso hinderte Julian 
im Jahre 357 eingebrochene Franken mit Erfolg am Rückzuge über die 
Maas, indem er Schiffe durch Soldaten hin- und herfahren und die Eiskruste 
zerstören liess. Ammian Marcellin XVII. 2, 3 berichtet darüber: hmc soler- 
tissiiims Caesar ue oöservrata nocte illuni, barburi gelu vincluni aiunem 



161 

die Sugambrer, Tenkterer und Usipeter, sowie die Helvetier, später die 
Alamannen und Franken ihre Kheinübergänge. Nicht anders hat end- 
lich ohne Zweifel auch das aus Chatten, Usipetern und Mattiaken ge- 
mischte Heer den Khein überschritten , welches aus Anlass des Batavi- 
schen Autstandes im Jahre 70 n. Chr. Mogontiacum (Mainz) belagerte, 
die Umgegend plünderte und nicht ohne namhaften Verlust, wie es 
scheint, auf demselben Wege und auf dieselbe Art seinen Rückzug nahm. 
Es war dieses, so viel bekannt, der erste Rheinübergang barbarischer 
Anwohner bei Mainz, von dem die Geschichte berichtet. ^) 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die Römer mit Rück- 
sicht auf diese zahlreichen Rheinübergänge und Einfälle der Germanen 
bei der Besitzergreifung des linken Rheinufers vor allem darauf bedacht 
sein mussten, durch eine möglichst starke Sicherstellung und möglichst 
scharfe Ueberwachung der ganzen Rheinuferlinie der uralten und darum 
sicherlich ausgebildeten Praxis jener meistens plötzlichen Einfälle über 
den Grenzstrom nach Gallien herein mit Erfolg entgegenzutreten, wenn 
sie anders eine dauernde Unterwerfung der linksrheinischen Germanen 
und des übrigen Galliens, sowie eine friedliche Entwicklung Römischer 
Cultur in diesen Ländern erzielen wollten. Diese allseitige Sicher- 
stellung der ganzen Rheinlinie entwickelte sich nach und nach in natür- 
lichem Fortschritte zu einem ausgebildeten Grenzvertheidigungs- 
systeme, bei welchem die Mittel und Anstalten der Defensive am Land 
mit denen auf dem Flusse selbst zusammenzuwirken bestimmt waren. 



(Mosam) pervaderent, quotidie a sole]in vespera?n flexo adusque lucisprin- 
cipium, lusorüs navibiis discurrere flumen ultro citroque milites ordinaret, 
ut, crustis pruinarmn diffractis , nullus ad erumpendum quopiafn facile 
perveniret. Im Januar 366 ging die Alamannische Hauptmacht in drei 
grossen Abtheilungen über den zugefrornen Rhein nach Ammian Marcellin XVII, 
1, 2; im Februar 378 ebenso die alamannischen Lentienser nach Ammian 
Marcellin XXXI, 10, 4: Lenlienses — Rhenutn gelu pervium pruinis Februario 
mense tendentes: vgl. Richter das weströmische Reich besonders unter den 
Kaisern Gratian, Valentinian II und Äjaximus (Berlin 1865) S. 259 und 478. 
6) Vgl. Tacit. Hist. IV. 36. Da es den überrheinischen Feinden bei ihrem 
Raubzuge sicherlich nur allein auf den raschen Ueberfall und die Ausplünder- 
ung von Mogontiacum selbst ankam, nicht aber angenommen werden kann, 
dass sie auch die Vorwerke dieser Festung, die Standlager der Legionen bei 
Wiesbaden und Castel, gleichfalls zuvor überrumpelt haben, wenn sie auch 
in Folge des Batavischen Aufstandes und der allgemeinen damaligen Ver- 
wirrung schutzloser als sonst waren ; so muss der Rheinübergang etwas unter- 
halb Mogontiacum im heutigen Rheingaue stattgefunden haben, obgleich die 
Eindringlinge an der Ueberfahrtsstelle bei Castellum Mattiacorum (Castel) 
jedenfalls mehr Fahrzeuge zum Uebersetzen vorgefunden hätten. In ähnlicher 
Weise ist sicherlich auch der Ueberfall von Mogontiacum durch den Alamanni- 
schen Fürsten Rando i. J. 368 ausgeführt worden: vgl. Ammian Marcellin 
XXVII, 10, 1. 

11 



162 

Dieses ohne Zweifel schon von dem älteren Drusus bei seiner Berufung 
an den Rhein in seinen Grundzügen festgestellte Vertheidigiingssystem 
begriff zuvörderst die Anlage einer Reihe fester Standlager der an 
den Rhein beorderten Legionen, castra legiommi, ^) welche für immer 
den Kern der ganzen Vertheidigung bilden und sowohl die Stützpunkte 
weiterer Defensiv- oder, wenn nöthig, Oöensivmassregelu als auch die 
Anhalts- und Mittelpuncte zur Entwicklung bürgerlichen Gemeinwesens 
werden sollten. Die auf Augustus Wunsch von Drusus und seinen 
Nachfolgern be\\ärkte Ausdehnung der Römischen Herrschaft über Ger- 
manien und die Vorschiebuug der Reichsgrenze bis zur Elbe ^) hin, 
Hess die anfängliche Bedeutung dieser castra legionum zeitweise etwas 
zurücktreten, bis die Varianische Niederlage (9 n. Chr.) und der völlige 
und dauernde Verlust Germaniens am rechten Ufer dts Niederrheins 
ihnen die von Drusus beabsichtigte Aufgabe wiederum stellte. Augustus, 
nunmehr an der Bezwingung Germaniens verzweifelnd, sah sich auf die 
Defensive zu beschränken gezwungen, wie man auch aus Tacitus ^J ersieht, 
laut welchem der Kaiser gemeint habe, Germanien könne durch das 
feste Standlager bei Vetera i«) allein, als einer Art von Zwingburg, im 
Zaume gehalten werden. Die von Augustus nach der Varianischen 
Niederlage zum Theil mit gewaltsamen Mitteln ausgehobenen und unter 
seinem Stiefsohne Tiberius an den Rhein entsendeten Truppen hatten 
vor allem die Aufgabe, die durch den blutigen Untergang dreier Legionen 
entblösste Rheingrenze gegen den befürchteten Einbruch der Germanen 
sicher zu stellen. Da letztere bekanntlich dazu keine Anstalten machten, 
sich vielmehr nur auf die Zerstörung aller Römischen Standlager und 
Castelle in dem rechtsrheinischen Germanien beschränkten, so begnügte 
sich auch Tiberius alsbald mit der Beobachtung der Germanen und der 
Ueberwachung der Rheinufer, um jedem etwaigen Einfallsversuche 
entgegentreten zu können. Dieser Sachlage entspricht vollkommen die 



') Vgl. Bonner Jahrb. XLII S. 50 und 54; Freudenberg ürkundenbuch des Rom. 
Bonn. S. 82. Plin. Nat. Hist. IV, 37, 122. 

8) Brambach im Rhein. Mus. N. F. XX p. 603 sq. 

») Hist. IV, 23. 

10) Dass der Namen Vetera nichts mit dem lat. velus (alt) gemein habe, sondern 
mit dem holländischen bat, bet zusammenhänge, hat C. Ch. C. Völcker der 
Freiheitskampf der Bataver I S. 41 f. hervorgehoben undA. Dederich (Bonner 
Jahrb. XXXIV S. 280) hat ihm beigestimmt : Vetera castra ist das ,bataviscbe 
Lager" d. h. das der Grenze der Bataver nahe gelegene Lager des Augustus. 
Schon die Art wieTacit. Ann. I, 45, (vgl. Hist. IV, 35, 57, 58, 61): sich aus- 
drückt: loco Vetera nomen est, deutet darauf hin, dass er nicht im Entfern- 
testen an eine Ableitung des Namens aus dem Lateinischen dachte: vielmehr 
zeigt die Bezeichnung als Vetera castra (Hist. IV, 21 und V, 14), dass Ta- 
citus es in derselben Weise gebraucht, wie Bonnensia castra (Hist. IV, 62 
vgl. 20). 



163 

Nachricht des Sueton, ^0 ^^ass Aug^istus sich der aus den Freigelassenen 
ausgehobenen Soldaten unter anderen auch zum Schutze desRhein- 
ufers bedient habe. Bleibt es auch sehr zweifelhaft, ob mit dieser 
Verwendung der nur aus Noth zum Soldatendienste ausgehobenen Frei- 
gelassenen die Errichtung und Aufstellung einer förmlichen Khein- 
uf er wach 6, wie Mone ^2) meint, von Augustus angeordnet worden sei, 
so ist doch kaum zu zweifeln, dass eine solche Ueberwachung des 
Rheinufers bald schon, sei es noch unter Augustus, sei es unter 
seinem Nachfolger aufgestellt worden ist. Offenbar war dieselbe in der 
Weise eingerichtet, dass eine Reihe kleinerer Uferwachtstationen eine 
fortlaufende Kette zwischen den vorerwähnten grösseren Standlagern der 
Legionen bildete, um von jedem Puncte aus einen etwaigen Einbruch 
des überrheinischen Feindes sofort auf der ganzen Linie durch Allarm- 
zeichen signalisieren zu können. Nicht zu verkennende Spuren dieser 
Einrichtung scheinen uns aus der Zeit des Batavischen Aufstandes vor- 
zuliegen. Zuvörderst bezeichnet Tacitus ^^) den abtrünnigen Julius Tutor 
als „ripae JRhcni a VitelUo praefectus'', welche Function auf die Exi- 
stenz eines obersten Beamten für eine Rheinuferwache hinweiset 
und nicht so ohne Weiteres von Fr. Ritter ^^) als gleichbedeutend mit 
„classi Germanicae praefectus" genommen werden durfte. Gleichzeitig 
berichtet Tacitus i"-) aber auch weiter, dass man aus Anlass des Batavi- 
schen Aufstandes römischerseits bei eingetretenem niederem Wasserstande 
des Rheins dem ganzen Ufer entlang Wachtposten aufgestellt habe, um 
einen Uebergang der Germanen durch die Furten des Stromes zu ver- 
hindern: es war diese Vorsichtsmassregel ohne Zweifel nur eine ausser- 
ordentliche, durch den augenblicklichen Stromwasserstand veranlasste 
Verstärkung der gewöhnlichen Uferbewachung. Eine weitere Spur 
von letzterer ist unseres Erachtens auch in jenen bemerkenswerthen Un- 
terhandlungen erhalten, in welchen die Tenkterer bei Gelegenheit desselben 
vorerwähnten Aufstandes die mit Römischen Colonisten zu einer Bürger- 
schaft in der Colonia Agrippinensiimi verschmolzenen vormaligen Ubier 
auf die Seite des Julius Civilis und der Germanen hinüber zu ziehen 
versuchten, i*') Die Tenkterer klagen bei dieser Veranlassung die Römer 



11) Octav. c. 25 : libertino milite bis usus est: semel ad praesidium co- 

loniarum, Illyricum conlmyeniium, iterum ad lulelam ripae Bheni 
fluminis. 

12) Urgeschichte des Badischen Landes I S. 249, daher Mona auch eine Erneue- 
rung dieser Uferwachc um 367 durch Valentinian 1 annimmt: vgl. I. 9 cod. 
theod. 7, 1 : quibus Rheni est mandata custodia. 

13) Hist. IV, 55. 

") Bonner Jahrb. XXXVII S. 7. 

1 ') Hist. IV, 26 : dispusitae per omnem ripam R/ieni statioiies quae Germanos 

arcerent. 
16) Hist. IV, 63 u. 64. 



164 

an, dass sie Flüsse und Länder und gewissermassen den Himmel 
selbst unter Verschluss halten, so dass sie gegenseitigen Verkehr 
und Zusammenkünfte hemmten, und man nur unbewaffnet und 
fast nackt unter Bewachung (suh cnstode) und gegen Bezahlung zu- 
sammentreten könne. Desshalb rathen sie den Agrippinensern weiterhin, 
diesen Verschluss von Erde und Himmel, die festen Mauern der Colonial- 
stadt, niederzureissen als Bollwerk der Knechtschaft und verlangen, dass 
es jenen und ihnen freistehe, wiederum beide Ufer zu bewohnen, wie 
ihre Vorfahren. Man ersieht hieraus leicht, dass die Germanen nur 
unbewaffnet und nur unter Begleitung von Römischen Soldaten die 
Colonialstadt betreten durften. Dass es die Ueberwachung des Fluss- 
überganges ist, auf welche die Tenkterer anspielen, erhellt klar aus der 
Rückäusserung der Agrippinienser, welche die Niederreissung der Mauern 
zwar ablehnen, die Aufhebung der Zölle und Handelsabgaben aber zu- 
zugestehen sich bereit erklären und ebenso bezüglich des Verkehrs 
zwischen den beiden Ufern sich dahin aussprechen, dass der U eber- 
gang über denFluss unbewacht bleiben solle; doch müsse er 
bei Tage und ohne Waffen stattfinden, bis das neue junge Recht durch 
Gewohnheit zum Brauche der Vorzeit werde. ^^) Mit den Besatzungen 
der festen Standlager und der auf sie sich stützenden Uferstationen 
cooperirte weiter aber als drittes Moment der Defensive die unter dem 
Namen der classis Germanica durch Inschriften wohl beglaubigte 
Rheinflotte, deren Aufstellung wohl schon in die erste Kaiserzeit 
zurückgeht. Sie diente offenbar einestheils zum Schutze des friedlichen 
Verkehres wie der Schifffalirt und zur Verbindung der am Ufer angelegten 
Legionsstandlager, anderntheils war sie zur Mitüberwachung des Stromes 
und zur Deckung der Rheinübergänge Römischer Heere bestimmt, zu 
welchen sie ohne Zweifel den zu Schiffbrücken erforderlichen Bedarf au 
kleineren Fahrzeugen und Holzmaterial lieferte. ^^) 



1') Hist. IV, 64: sint transitus incustoditis , seä diurni et itiermes, donec 
nova et recentia iura in vetustatem coiisuetudine vertantur. Im Uebrigen 
ersieht man aus dem Inhalte dieser Verhandlungen und aus den Worten des 
Tacitus im Anfange von c. 63: Tencteri Rheno discreta gens, dass diese über- 
rheinischc Völkerschaft sich damals mit ihrem Gebiete bis Colonia Agrippi- 
nensium gegenüber erstreckte. 

!»•) Ueber diese Rheinflotte vgl. Fr. Ritter in Bonner Jahrb. XXXVU S. 1 flf. 
und Bonn in den ersten zwei Jahrhunderten seines Bestehens S. 6 ff. Haupt- 
zeug-nisse für die Existenz einer Rheinflotte sind die Inschriften: vgl. Becker- 
Marquardt Hdbch. Rom. Alterth. III, 2 S. 406 f. Die übrigen Aufstellungen 
Ritters bezüglich der Zeit der ersten Errichtung dieser Flotte und ihres an- 
geblichen Hafens unterhalb Bonn am rechten d, h. feindlichen Ufer unterliegen 
ebenso grossen Bedenken , wie die Annahme der einen der beiden Cäsarischen 
Brücken bei Bonn, welches niemals, geschweige denn in einer so frühen Zeit 
wie die des altern und jungem Drusus, die Bedeutung hatte, welche Ritter 
ihm vindiciert. Schon allein von diesem Standpunkte der bis zu Traians 



165 

Die Anschauung, welche diesem ganzen Systeme einer Sicher- 
stellung und insbesondere einer Ueberwachung des Stromes und seiner 
Ufer zu Grunde lag, dass nämlich ersterer wie ein Bollwerk zur Grenz- 
scheide zwischen Römerreich und Barbarenthum dienen solle, hatte weiter 
auch die selbstverständliche Folge, dass von einer ständigen, festen 
Ueb erb rückung des Grenzstromes in keiner Weise die Rede (sein 
konnte. Daher die wohlerklärliche Thatsache, dass am ganzen Rheine 
keinerlei Spur einer einst vollendeten und längerem Verkehre diensamen 
stehenden Brücke aus Römischer Zeit vorhanden ist: es hätte eine 
solche Brücke dem damaligen Gebrauche nach i^) nur aus Stein erbaut 
gewesen sein können. Es ist demnach einleuchtend, dass, soferne die 
römisch-rheinische Kriegsgeschichte von Ueberbrückungen des 
Rheines zu berichten weiss, diese nur zu Flussübergängen der 
Heere dienliche Holzbrücken gewesen sein können, welche kürzere oder 
längere Zeit stehen blieben und alsbald wieder abgebrochen wurden. 
Während sonach der im Grunde nie unterbrochene Kriegszustand in den 
rheinischen Grenzlanden, vorab am Niederrheine, eine beständige Hut 
des Grenzstromes erforderte und selbst in friedlichen Zeiten den 
Grenzverkehr , wie man aus den obenerwähnten Verhandlungen der 
Tenkterer mit den Agrippinensern ersieht, nur unter grossen Vor- 
sicht smassregeln durch Fahrzeuge zwischen den beiden Ufern 
vermittelt wurde, so erforderten dagegen die so häufigen Kriegszüge 
nach Germanien Ueberschreitungen des Stromes, welche ohne Zweifel 
in den meisten Fällen und in der Regel nach Römischer Sitte und Art 
mittels Schiffbrücken, zuweilen und daneben auch mittels Fahr- 
zeugen ausgeführt wurden. 



n. 

Was nun aber die Punkte und Oertlichkeiten betrifft, an 
welchen die Römer ihre Rheinübergänge bewerkstelligten, so ist dabei 
vor allem die Geschichte und der Verlauf ihrer vielhundertjährigen Kämpfe 
mit den Germanen im Auge zu behalten. Dem ersten missglückten 
Versuche der suebischen (süddeutschen) Germanen unter Ariovist sich 
vom Oberrheine aus in Gallien festzusetzen, waren weitere Versuche nicht 
gefolgt. Die von Ariovist übergeführten Triboker, Nemeter und Van- 
gionen blieben zuvörderst am linken Ober- und Mittelrheine sitzen und 
wurden entweder schon von Caesar noch oder aber wahrscheinlicher von 



Zeiten durchaus primitiven Zustände am Eheine verbietet sich jede Be- 
ziehung der viel besprochenen Florusstelle auf Bonna. 
19) Vgl. E. Hübner in Bonner Jahrb. XLII S. 54: über die einzige Ueberlieferung 
von einer steinernen Römerbrücke über den Rhein, nämlich der Constantins 
des Grossen, wird unten gesprochen werden: vgl. Excurs I. 



166 

dem älteren Drusus ^o) bei Besetzung des grossen Waldgürtels zwischen 
Vogesen, Hund^rück und Ardennen einerseits und dem Kheine andrer- 
seits römischer Botraässigkeit unterworfen. Dazu kam noch die Vor- 
schiebung der römischen Grenze bis zur Donau nach endlicher Ueber- 
wältigiincr der Räter und Vindeliker durch Drusus und Tiberius im Jahre 
16 V. Chr. So von zwei Seiten her bedroht, zogen sich die suebischen 
Germanen mehr und mehr von Oberrhein und Oberdonau zurück, und ihr 
Hauptstamm insbesondere, die Marcomannen, zogen es vor, nach dem 
entlegenen Böhmen auszuwandern. Dadurch ward das Land zwischen 
Donau, Main und Rhein seiner Bevölkerung beraubt und die Römer da- 
durch veranlasst, lange Zeit das rechte Ufer des Oberrheines ganz ausser 
Acht zu lassen, weil die Besetzung entvölkerter Landstriche, die von 
keinem Feinde zunächst bedroht wurden , einen Theil des Heeres den 
gefährlichen Kriegen gegen Norddeutschland entzogen hätte. 2 ') Erst 
viel später , vornehmlich unter Traian , wurde das zunächst liegende 
überrheinische, noch immer entvölkerte Land von einzelnen Waghälsen, 
sodann förmlich von Staatswegen in Besitz genommen und zum römi- 
schen Reiche unter dem Namen der Zehntlande geschlagen. 22) Alle Kämpfe 
zwischen Römern und Germanen concentrierten sich nunmehr vorwiegend 
am Niederrheine, theilweise schon auch am Mittelrheine. Dort schlössen 
sich diese Kämpfe an die Austreibung der Tenkterer und Usipeter an, 
wie die Feldzüge des Drusus, Tiberius und ihrer Nachfolger erweisen, 
deren Resultat die Unterjochung Germaniens bis zur Elbe war. Aber 
selbst nach dem Verluste dieser Eroberungen in Folge der Teutoburger 
Schlacht (9 n. Chr.) gingen die erneuten Eroberungs- und Rachezüge 
des Germanicus, wie spätere Züge ins übrige Germanenland zumeist 
vom Niederrheine, schon aber auch mehr als früher vom Mittelrheine 
aus. Die ersten Stellen zum Uebergange über den Rhein müssen demnach 
in diesen Kämpfen der Römer und Germanen zunächst am Nieder- 
rheine gesucht werden und sich offenbar sowohl nach den Haupt- 
punkten der linksrheinischen Operationsbasis d. h. den ersten und 
wichtigsten Standlagern der Legionen, als auch nach der Lage 
der Wohnsitze derjenigen germanischen Hauptvölker gerichtet haben, 
mit welchen der Kampf vorzugsweise zu führen war. Hieraus folgt, dass die 
Stellen des Uebergangs der Römischen Heere über den Grenzstrom 
sich einerseits an bestimmte stetige Oertlichkeiten knüpfen mussten, 
welche die Praxis der ersten Kämpfe aus beiden vorerwähnten Rück- 
sichten, zugleich aber auch aus strategsichen Gründen ausgewählt 
und vorgezeichnet und welche die nachfolgenden Heerführer sodann bei- 

«0) Vpl. Liv. Epit. CXXXVII: civitates Germaniae eis Rhe7ium et Irans 
Bftenum üppugnantur a Drusu ; Brambach Khein. Mus. N. F. XX p. 602, sq. 
21) Also Brambach Baden unter römischer Herrschaft S. 4. 
"2) Tacit. Germ. 28. 



167 

behalten und weiter benützt hatten. Demnach mochte sich für die mili- 
tärische Ueberschreitung des Rheins in diesen niederrheinischen Kämpfen 
eine Praxis der Art feststellen, dass, mit Rücksicht auf die linksrheini- 
schen Hauptpunkte der Uferbewachung und die Wohnsitze der nächsten 
germanischen Hauptvölker auf der rechten Rheinseite, wie endlich auf 
günstige strategische Verhältnisse in der Regel dieselben Stellen und 
Oertlichkeiten des Rheinufers zu den üebergängen der Römischen Heere 
benutzt wurden. Unter diesen Stellen lassen sich nun aber ganz beson- 
ders zwei nachweisen, welche, wenn nicht alles trügt, als die Haupt- 
übergangsstellen und zwar, wie es scheint, nach wohlberechtigter Tradition 
angesehen werden müssen: es war dieses einestheils die Gegend bei 
Vetera castra, andererseits im Lande der Treverer, deren Ge- 
biet bekanntlich bis au den Rhein stiess und dort zu Cäsars Zeiten das 
Land der Ubier gegenüber hatte. Es bedarf keiner weiteren Aus- 
führung, um die Wichtigkeit des festen Lagers bei Vetera, wie der Ort 
hiess, nachzuweisen; es war das ohne Zweifel erste und älteste Stand- 
lager der Römer am Niederrheiue ; die Zwingburg, durch welche Augustus 
das verlorene Germanien wenigstens im Zaume zu halten gedachte: die 
strategische Bedeutung des Ortes ist ohne Zweifel schon von Cäsar bei 
seinem Kampfe mit den Usipetern und Tenktern, wie bei seinen Rhein- 
übergängen erkannt und damit seinen Nachfolgern empfohlen worden. ^3) 
Alle diese nicht zu unterschätzenden Momente der strategisch - militäri- 
schen Wichtigkeit von Vetera castra machen nun aber auch die dort- 
selbst erfolgte älteste Ueberbrückung des Rheines durch ein Römisches 
Heer vollkommen erklärlich, von der uns unter Angabe eines be- 
stimmten Ortes die Kunde überkommen ist. Als nämlich der be- 
kannte Aufstand der Römischen Legionen am Rheine nach dem Tode 
des Augustus (14 n . Chr.) in dem Hauptquartiere zu Ära Ubiorum 
(Cöln), woselbst der Oberfeldherr Germanicus mit seiner Gemahlin und 
seinem kleinen Sohne anwesend war, 2^) ausbrach und sich weiter nach 
Vetera castra, dessen Besatzung unter dem Legaten Caecina stand, verbrei- 
tete, so begab sich Germanicus nach Beschwichtigung der Legionen in seiner 
unmittelbaren Nähe nach dem Staudlager Vdera, in der Absicht durch 
einen überrheinischen Kriegszug die Gemüther der Soldaten auf Anderes 



^a) Vgl. oben A. 10. Von dem kleinen Gemeinwesen (in modum mwiicipii), 
welches ohne Zweifel aus der Barakenstadt der canabenses und der dürftigen 
Ansiedlung der einheimischen Bevölkerung bis zu den Zeiten des Batavischen 
Aufstandes erwachsen war, spricht Tacit. Hist. I, G7; diese Ansiedlung der 
einheimischen Bevölkerung hiess wohl (romanisiert) Vetera und gab den castra 
den Namen. Nur dort (im heutigen Xanten) konnte das älteste inschrift- 
liche Denkmal der Rheinlande, das Cenotaph des in der Varianischen Schlacht 
gefallenen Centurionen M. Caelius, aufgestellt und gefunden werden, welches 
jetzt im Bonner Museum bewahrt v/ird. 

"J Vgl. Tacit. Ann. I, 39 und 40. 



168 

abzulenken. Dort angekommen, lässt er eine Brücke schlagen und 
führt das Heer über den Rhein. 25) Dieselbe oder eine sicherlich bei 
demselben Standlager geschlagene Schift"brücke stand aber auch wäh- 
rend seines im Jahre 15 n. Chr. nach Germanien unternommenen Kriegs- 
zuges: an ihm empfing die heldenmüthige Agrippina das mit genauer 
Noth dem Untergange entronnene Heer des rückkehrenden Legaten Caecina, 
indem sie Dank und Anerkennung, wie Verband und Pflege spendete. 2'») 

Die zweite Hauptstelle, an welcher die Kömischen Heere in 
den Germanischen Kriegen am Unterrheine übergeführt wurden, befand 
sich, wie oben angedeutet wurde, im Lande der Treverer. Es bezeugt 
dieses ausdrücklich Strabo, ^^J dessen Geographie bekanntlich durchaus in 
der Augustischen Zeit wurzelt, mit den Worten: „nach den Medio- 
matrikern und Tribokern wohnen am Rheine die Treverer, bei welchen 
die Brücke gemacht ist von denjenigen Römern, welche jetzt indem 
Germanischen Kriege den Oberbefehl führen." Man ersieht aus dieser 
Mittheilung, dass diese üferstelle im Lande der Treverer von 
den am Rheine in der ersten Kaiserzeit befehligenden Römischen Feld- 
herren gewissermassen traditionell festgehalten worden ist. Auf wen 
ging aber diese Tradition zurück? Ohne Zweifel auf den grossen Be- 
zwinger Galliens selbst, auf Julius Cäsar, der an zwei vielbestrittenen 
Punkten den Rheinstrom zuerst unter allen Römern überschritten hatte. 

Niemand wird verkennen, dass die von Strabo signalisierte Ueber- 
gangs stelle der Feldherrn der ersten Kaiserzeit in dem Lande der 
Treverer identisch ist mit der Stelle des zweiten Rheinübergangs des 
Cäsar zwischen den Ufern der Treverer und der Ubier: 2») dieselben 



«5) Vgl. Tacit. Ann. I, 49: mox ingressus castra Germanicus — iuticto- 
que ponte tramittit duodechn rnilia. 

»«) Vgl. Tacit. Ann. I, 69 pervaserat interim circumvenä exercitus fama et 
infesto Germanorum agmine Gollias peti ac ni Agrippina impositum 
R/ie7io ponte 711 solvi proMbuisset, erant qui id flagilium formidine 
auderent. Sed femina ingens animi munia ducis per eos dies inducit, 
militibusque, ut quisquis inops mit saucius veslem et formenta dilargita 
est. Tradit G. Plirtius, Germanicorum bellorum scriptor, stetisse apud 
principium pontis laudis et gratis reversis legionibus habentem. 

*') Geogr. IV p. 194 : [istä toÖi; M£3:o}j.atptxou(: xat Tpißöxyou<; rtapoixoöi;i töv Ttjvov 
TpTjoütpot xaO-' o'ü? TtETtoiYjTat xö Csüf |Jia ujtö Tdiv 'Pcufiatcuv vuvl Tötv aTpaxTjYouvccuv 
TÖv r£pfj.av'.xöv itoXefiov. Es ist unbegreiflich, wie Orelli diese Stelle auf die 
im Bata vischen Aufstande des Jahres 70 n. Chr. erwähnte pons Mosellae bei 
Tacit. Hist. IV, 97 beziehen konnte; Strabo erwähnt die Treverer hier in Be- 
zug auf den Rhein, an den ihr Gebiet bekanntlich stiess, und kann also nur 
eine Brücke über diesen von ihm eben genannten Strom meinen: die Mosel, 
an welcher zwar die Hauptstadt, aber nicht das ganze Gebiet der Treverer 
lag, hat überdiess mit den Germanischen Kriegen gar nichts zu schaffen. 

*") Caes. bell. gall. VI, 9; Strab, IV. p. 194: itEpav hl wxoov xatä xoüxov xöv 
TÖjrov (xoü? tpfjoütpou?) Oußioc. 



169 

strategischen Gründe, welche für den grossen Vorgänger massgebend 
waren, blieben es ohne Zweifel anch für seine Nachfolger und wenn die 
Kriegsgeschichte bis auf die neuere Zeit herab i^'-») in der Thalweitung 
zwischen Andernach und Coblenz aus diesen Gründen Brückenübergänge 
wiederholt und gerechtfertigt hat, so darf wohl mit hoher Wahrschein- 
lichkeit die Ufergegend bei Neuwied oder Engers als diejenige Oertlich- 
keit festgehalten werden, welche bei Cäsar wie bei Strabo als Fluss- 
übergangsstelle Römischer Heere erwähnt wird. Hier wurde demnach 
auch ohne Zweifel im Jahre 37 v. Chr. die Ueberführung der Ubier 
durch Agrippa, ■^") wie 30 Jahre später die der Sugambrer durch Tiberius^i) 
vom rechten auf das linke Flussufer bewerkstelligt. Aus gleichen und 
gleicher Weise auch bis in die neueste Kriegsgeschichte am Rheine fort- 
wirkenden strategischen Gründen darf man nun aber auch für die zuerst 
erwähnte Uferstelle bei Vetera castra (Xanten) dieselbe traditionelle 
Uebung in Anspruch nehmen: auch hier weisen die oben besprochenen 
Rheinübergänge der Jahre 14 und 15 n. Chr. im Zusammenhange mit 
der ganzen strategisch -militärischen Bedeutung des Ortes auf einen 
älteren Vorgänger hin, welcher nur wieder Cäsar selbst gewesen 
sein kann. Daher wird es auch hier gerechtfertigt sein, der wohlbe- 
gründeten Ansicht derjenigen mit vollster Ueberzeugung beizutreten, 
welche, wie Herr von Cohausen, ^2) Cäsars ersten Rheinübergangin 
die Gegend von Xanten verlegen. Diesem allem nach lässt sich 
mit grosser Wahrscheinlichkeit die Vermuthung aufstellen, dass also 
nach Beispiel und Vorgang des grossen Cäsar auch die Rheinübergänge 
des Drusus =»3) und seines Bruders Tiberius, ^i) wie seines Sohnes Germanicus 
und ihrer Nachfolger je nach Bedürfniss entweder bei Vetera castra 
(Xanten) oder im Lande der Treverer (bei Neuwied oder Engers) auf 
Schiffbrücken stattgefunden haben, wie ja auch der ausdrückliche Bericht 
des Tacitus für Germanicus bezeugt. 



III. 

Diesen beiden strategisch bedeutsamen Punkten am Niederrheine 
stellt sich nun aber in gleicher Beziehung am Mittelrheine die Gegend 

*») V. Cohausen Cäsars Rheinbrücken S. 8 f. 

80) Vgl. Tacit. Ann. XII, 27; Cass. Dio 48, 49: Strab. IV, 3, 4. Auch Wilhelm 
Germanien u. s. Bewohner S. 115 meint, dass die Ubier bei ihrer Auswan- 
derung von dieser Brücke Agrippas Gebrauch gemacht hätten. 

si) Vgl. Sueton. Tib. 9; Oct. 21. 

3-/) Vgl. a. a. ü. S. 6-8. 

33) Vgl. E. von Wietersheim Geschichte der Völkerwanderung I S. 412. ff. 

34) Vell. Pat. II, 120 und 121; Cass. Dio 24, 25; Sueton. Tib. c. 18—20 berichten 
von Rheinübergängen des Tiberius in den Jahren 10 und 11 n. Chr., wobei 

11* 



170 

von Mainz, insbesondere zwischen Mainz (Mogontiacum) und dem gegen- 
überliegenden Castel (Castellum Mattiacorum) an die Seite, welches 
letztere ohnehin nur als ein gleichzeitig mit dem Legionsstandlager bei 
Mogontiacum errichtetes Vorwerk anzusehen ist, wesshalb denn auch 
die Anlage und erste Besatzung beider auf Drusus und die 14. Legion 
mit Kecht zurückgeführt wird. Von hier gingen, wenn nicht alles trügt, 
die meisten Expeditionen der Römer gegen die Chatten im heutigen 
Taunus und Hessenlande aus, wie noch später gegen die Alamaunen, 
in deren Gesaimntheit wohl auch Volk und Namen der Chatten über- 
und unterging. Von Mainz aus unternahm Drusus im Jahre 9. v. Chr. 
seinen letzten Feldzug gegen die Chatten und von diesen gegen die 
Cherusker zur Elbe. ^'>} Die Bemerkung des Cassius Dio, ^e) dass Drusus 
auf diesem Zuge gestorben sei, ehe er den Rhein wieder erreichte, be- 
stätigt diese Annahme evident, da die anderweitige Angabe, es sei sein 
Tod zwischen Elbe und sächsischer Saale erfolgt , nur an eine Rück- 
kehr zum Mittelrheine denken lässt, woselbst Mogontiacum der Haupt- 
waffenplatz war. ■''') Wie Aliso am Niederrheine, so diente ihm bei die- 
sem Feldzuge, wie auch seinen Nachfolgern das nach Cassius Dio im 
Chattenlande, d. h. auf dem Taunus ^^) errichtete feste Standlager zum 
Stützpunkte seiner Operationen. Man ersieht dieses zuerst klar aus dem 
im Jahre 15 n. Chr. von Germanicus so zu sagen auf den Fusstapfen 
seines Vaters unternommenen Zuge gegen die Chatten, welcher gleich- 
falls nur von Mainz ausgegangen sein kann. ^'■') Auf diesem Zuge wurde 
das Taunus-Castell des Drusus wieder hergestellt, welches ohne Zweifel 



der erstere die hiberna d. h. Vetera castra als Ausgangspunct nennt: vgl. 
Dederich Gescliichte der Eömer und Deutschen am Niederrheine S. 81 und 83. 
Wenn Sueton dabei erzählt, Tiberius habe bei dieser Gelegenheit seine Vor- 
sicht und Strenge auch darin bestätigt, dass er selbst die Schiffe untersucht 
habe, welche das Gepäck des Heeres über den Strom brachten, um nur das 
unerlässlichste mitnehmen zu lassen, so schliesst diese Ueberschiffung des 
Gepäckes durch Fahrzeuge der Rheinflotte eine Ueberbrückung für den Ueber- 
gang des Heeres selbst in keiner Weise aus, kann also nicht etwa dafür 
geltend gemacht werden, dass doch wohl zuweilen das Heer mittelst SchiflFen 
übergesetzt worden sei. 

35) "Vgl. über diesen letzten Feldzug des Drusus v. Wietersheim a. a. 0. S. 415 
ff. Dederich a. a. 0. S. 60 ff. Eeinking Die Kriege der Römer in Germanien 
S. 79 ff. 

36) Cass. Dio LV, I. 

3') Vgl. die Geschichtschreiber der deutschen Urzeit von Dr. Horkel I S. 298; 
Dederich a. a. 0. S. 62 f.; Reinking a. a. 0. S. 83 f. 

38) Vgl. über das Taunus-Castell (Saalburg) Ann. VII S. 129 ff; u. Reinking S. 78 u. 81. 
Dass auch Tiberius zu seinem sterbenden Bruder Drusus von Mainz aus durch 
das eroberte ßarbarenland geeilt, nehmen Horkel und Reinking a. a. 0. mit 
Recht an. 

39) Vgl. Reinking a. a. 0. S. 209. 



171 

von den Germanen nach der Teutoburger Schlacht gleich allen übrigen 
Legionsstandlagern zwischen Weser und Rhein (mit Ausnahme von 
Aliso) zerstört worden war. *o) Der von Germanicus zur Sicherstellung 
der Wege und Flussübergänge im Rücken des vorrückenden Hauptheeres 
zurückgelassene L. Apronius kann nur in dem wiederhergestellten Castell 
sein Hauptquartier aufgeschlagen haben. *i) Auch in dem folgenden 
Jahre 16 n. Chr. beorderte Germanicus, während er selbst vom Nieder- 
rheine aus gegen die Marser an der Weser operierte, den Legaten C. Silius 
zu einem neuen Angriffe auf die Chatten, welcher gleichfalls von Mainz 
aus über den Taunus hin unternommen worden zu sein scheint, wenn 
auch kein rechtes Resultat dieses Kampfes ersichtlich ist. ^2) Wiewohl 
uns von diesen drei Feldzügen gegen die Chatten keine ausdrückliche 
Ueberlieferung weder darüber geworden ist, dass Drusus, Germanicus 
und Silius von Mogontiacum aus zu diesen Zügen abgegangen sind, noch 
auch, dass sie dabei Brücken über den Strom geschlagen haben, so 
lässt sich doch beides theils im Allgemeinen aus der ganzen damaligen 
Lage der Verhältnisse, theils, wie gezeigt worden ist, aus einzelnen 
Notizen mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit folgern und anneh- 
men. Derselbe Mangel an Bestimmtheit der Ueberlieferung bezüglich 
jener beiden vorerwähnten Punkte waltet auch bei allen folgenden Expe- 
ditionen gegen die Chatten ob, über welche uns nur meist höchst dürf- 
tige Angaben überkommen sind. Zunächst gehört hierher der im Jahre 
41 n. Chr. an den Rhein unternommene Kriegszug des wahnwitzigen 
Caligula, welcher nicht bloss den Niederrhein, sondern auch den Mittel- 
rhein und hier insbesondere die unruhigen Chatten zum Ziele gehabt 
zu haben scheint, die sich erneute Uebergrifife und Feindseligkeiten er- 
laubt haben mochten. '^^) Da Cassius Dio *^) berichtet, dass Galba Sul- 
picius in dem vorgenannten Jahre die Chatten besiegt habe, so hat man 
diese Angabe mit gutem Fuge combinieren zu dürfen geglaubt mit einer 
Notiz im Leben des Galba bei Sueton, ^^) laut welcher dieser die schon 
in Gallien eingedrungenen Barbaren noch zu rechter Zeit aufgehalten 
und dadurch sich und sein Heer dem Caligula, der selbst zugegen 
war, so sehr empfohlen habe, dass beide besondere Belobung und reichen 
Lohn erhielten. Offenbar beziehen sich hierauf zwei weitere Nachrichten 
über Caligulas germanischen Feldzug, Einestheils nämlich berichtet 



*o) Vgl. Tacit. Ann. I, 56 und 57 undDederich a. a. 0. S. 80; Zonaras 10, 87. 

«1) Vgl. Reinking a. a. 0. S. 207. 

♦2) Vgl. Tacit. Ann. II, 7 und 25; Dederich a. a. 0. S. 90; Reinking a. a. 0. 

S. 261. 
«) Vgl. V. Wietersheim a. a. 0. I S. 307; II S. 190 f. 
**) IX, 8. 
*6) Galb. 6. 



172 

Eutrop'*") über ihn: „er unternahm einen Krieg gegen die Germanen, 
rückte in das Suevenland ein, that aber nichts ordentliches"; an- 
dererseits erzählt Sueton^') im Leben desCaligula: „Gegen die Barbaren 
Hess er es an Drohungen nicht fehlen. Als er aber jenseits des 
Rheines an einer engen Stelle des Weges mitten im dichtgedrängten 
Zuge auf seinem Reisewagen fuhr und einer sagte: es würde keine ge- 
ringe Bestürzung geben, wenn sich jetzt der Feind zeigte, bestieg er 
hastig ein Pferd, und eilte nach der Brücke. Als er diese ganz 
uiit Gepäck und Tross besetzt fand, liess er sich, um jeden Verzug zu 
meiden, von den Leuten in die Höhe heben und kam so über ihre 
Köpfe fort hinüber." Mit dieser Erzählung muss aber weiter Cassius 
Die *^) verglichen werden, welcher den Faden an die Hand gibt, an welchem 
sich diese Begebenheiten so ziemlich sicher ordnen lassen; er sagt: ,So 
brach er (Caligula) nach Gallien auf: zum Vorwande nahm er zwar 
die Germanen, als regte sich etwas bei ihnen, seine Absicht aber war, 
Gallien, ein Land in voller Blüthe des Reichthums, und Hispanien aus- 
zusaugen Als er dorthin gelangt war, that er keinem der Feinde 

etwas zu Leide, denn sobald er nur ein wenig j enseits des Rheines 
vorgerückt war, kehrte er sofort um, und als er darnach einen neuen 
Anlauf nahm, als wollte er auch noch Britannien bekriegen, machte er 
am Strande des Oceans Kehrt: ärgerte er sich doch sogar über seine 
Unterfeld herrn, sobald sie irgend etwas ausrichteten." Alle diese ver- 
einzelten und spärlichen Berichte lassen sich wohl dahin vereinigen, dass 
allerdings ein Einfall der suebischen Chatten über den Rhein- 
strom nach Gallien stattgefunden und zum Theil Caligulas germanischen 
Feldzug mitveranlasst habe ; Caligula erschien selbst in Gallien ; in seinem 
Beisein trieb Galba die Eindringlinge über den Rhein zurück und erntete 
dafür gegen Caligulas sonstige Gewohnheit Anerkennung und Lohn, 
vielleicht zumeist darum, weil er den feigen Cäsar von der ernstlichen 
Kriegsgefahr glücklich befreit hatte. Von Galba veranlasst, rückte er 
sodann auf einer Brücke (pontes nennt Sueton dies Brückenwerk) über den 
Rhein, kehrte aber, ohne weit ins Chattenland vorzudringen, auf die 



♦6) Brev. VII, 12, 7 : öellu?n contra Germanos succepit et ingressus sueviam 
nihil strenue fecit : unter Suevia ist hier in weiterem Sinne das Chattenland 
und dessen Nachbargaue verstanden; Batavia daraus zu machen, wie auch 
Horkel (Geschichte d. d. Urzeit I S.498 A. 1) will, ist ebenso unnöthig, wie un- 
gerchtfertigt. In gleichem Sinne hat schon Zeuss die Deutschen und die 
Nachbarstämme S. 95 und 308 den Begrifi von Suevia nach der Tab. Peuting. 
festgestellt: vgl. jedoch auch v. Wietersheim a. a. 0. II S. 371 f. 

*7) Calig. 51 . dicente quodam non mediocrem fore consternationem sicunde 
hostis appareat. equum ilico conscendit et propere reversus ad pontesl; 
ut eos calonibus et impedimentia stipatos repperit, impatiens morae per 
manus ac super capita tiominum translatus est. 

♦«) LIX, 21. 



173 

oben erwähnte Bemerkung eines aus seiner Begleitung, feige um , eilte 
zur und über die Rheinbrücke zurück, um sein armseliges Leben zu 
salvieren. Dieser Kampf mit den Chatten kann nur am Mittelrheine, der 
Uebergang über den Strom nur dort geschehen, die Brücke nur bei 
Mainz geschlagen worden sein, von wo die Strasse nach dem Taunus- 
Castell ausging, welches der Stützpunkt aller Angriffe auf die Chatten 
war. Caligula scheint aber kaum bis zum Fusse des Taunus gekommen 
zu sein. Auf das linke Ufer des Rheines zurückgekehrt, begab er sich 
sodann nach dem Bataverlande am Strande der Nordsee , um anstatt 
der vorgeblichen Expedition nach Britannien jene allbekannte lächer- 
liche Muschelaufsammlung durch die Soldaten vornehmen zu lassen. '^^) 
Grade zehn Jahre nach diesem Kriegszuge des Caligula fand unter 
der Regierung des Kaisers Claudius nach Tacitus ^^) ein neuer Raubzug 
und Einfall der Chatten, wie es scheint, nur in das Gebiet zwischen 
Taunus und Main statt. Der Legat L. Pomponius, ohne Zweifel Comman- 
dant des oberen Heeres zu Mogontiacum, bot die Hülfstruppen der 
Vangionen und Nemeter auf, welche sicherlich bei vorgenannter 
Stadt in gewohnter Weise über den Rhein gingen, und Hess 
sie in Vereinigung mit der Römischen Reiterei in zwei Streifcolonnen 
ins Chattenland eindringen , von wo sie reich an Beute und Ehre zu 
dem Taunusgebirge zurückkehrten, woselbst sie L. Pomponius mit den 
Legionen als Reserve ohne Zweifel in dem Taunus -Castell erwartete, 
welches schon , wie bereits oben bemerkt , dem Drusus , wie dem Ger- 
manicus und L. Apronius zur Operationsbasis gegen die Chatten gedient 
hatte. Wiederum etwa neunzehn Jahre später um das Jahr 70 fällt 
der von einem Haufen Usipeter, Mattiakeu und Chatten versuchte Ueber- 
fall von Mogontiacum (Mainz) zur Zeit der tiefen Erschütterung der 
Römischen Herrschaft am Rheine : ^^) auch bei diesem UeberfaDe scheinen 
die Chatten die Seele des tollkühnen Unternehmens gewesen zu sein, 
und die Bestürmung von Mogontiacum selbst, wie die Ausplünderung 
seiner Umgegend weisen unverkennbar auf eine Wiederholung des unter 
Caligula stattgehabten Einfalles in Gallien selbst hin : ^2) im Uebrigen 
ist bereits oben von dem damaligen Rheinübergange dieser überrheini- 
schen Feinde bei Mainz die Rede gewesen. Weniger um diesen Ein- 
fall der Chatten und ihrer Verbündeten zu rächen, als vielmehr ein neuer, 
begonnener oder beabsichtigter, Beutezug derselben bot im Frühjahre 
des Jahres 84 auch dem Kaiser Domitian einen erwünschten Anlass 



*») Sueton. Calig. c. 46. 

50) Ann. XII c. 27 und 28; v. Wietersheim a. a. 0. I S. 308; II S. 191; 

Haschberg a. a. O. S. 48. 
*i) Vgl. Tacit. Hi.ft. IV, 36. 
5») Vgl. V. Wietersheim a. a. 0. I S. 318; H S. 191. 



174 

zu dem gerne ^^) unternommenen Kriege. Er ging nach Gallien und 
rückte dann plötzlich ohne Zweifel von Mainz aus in das Gebiet der 
Chatten ein und kämpfte, wie es scheint, nicht ohne Erfolg. ■^') Anderen 
späteren Einföllen der Chatten unter der Regierung des M. Aurelius 
scheint mehr am Maine und an der Donau begegnet worden zu sein. -''•') 
An die Stelle der Chatten treten vielleicht schon seit Commodus 
(180 — 192),''^') sicher seit Caracalla (211 — 217), die Alamannen. 
Zwar hatte auch er noch mit den Chatten zu thun, wenn man eine 
über diese Kämpfe berichtende Stelle des Cassius Dio ^^) auf sie beziehen 
darf, doch galt sein Kriegszug mehr den ersteren als den letzteren, wie- 
wohl es ihm viel mehr um kriegerischen Schein, als um Entfaltung wirk- 
licher Thatkraft zu thun war. •'^) Er besiegte zwar die Alamannen am 
Maine, legte sich die Beinamen Alamannicus und Germanicus, wie es 
scheint, bei, •''") musste aber doch, wie Cassius Dio berichtet, "") die Rück- 
kehr aus dem inneren Lande nach dem Rheine mit Geld erkaufen. Dass 
dieser Kriegszug Caracallas, wie überhaupt die ersten Unternehmungen 

•"*) Vgl, Suetoii. Domit. c. VI. 

^) Ueber den Chatten -Feldzug Doinitians lässt sich aus den spärlichen Nach- 
richten Lei Cassius Dio (XiphiUnus) 67, 4—5; Frontin. Strat. I, 1, 8; 3, 10: 
II, 3, 23; n, 7; Sueton. Domit. c. VI; Plin. Panegyr. Trai. c. 82; Eutrop. 
VII, 23 nur weniges mit Sicherheit feststellen; vgl. Horkel Geschichtsch. der 
deutschen Urzeit S. 283, 617-623; v. Wietersheim a. a. 0, I S. 331; 
II S. 191, 5; A. Imhof Domitianus , ein Beitrag zur römischen Kaiserzeit 
(1857. 8) S. 47 ff nimmt ebenfalls den Uebergang bei Mainz an (S. 48). 

") Vgl. V. Wietersheim a. a. 0. II S. 192, 6 und 7; Capitolin. M. Antonin. philos. 
c. 8 : Catti in Germaniam ac Rhaetiam irruperant. Huschberg a. a.O. S. 63 f. 

56) Vgl. Brambach Baden unter römischer Herrschaft S. 6. A. 3. 

") Ueber die Stelle des Dio vgl. Zeuss a. a. 0. S. 327 f., woselbst letzterer in 
den Kevvot eine durch die Abschreiber verschuldete Verderbniss von Xä-cxot 
annimmt, wie in 'AXßavot eine solche von 'AXafj.avoi: vgl. Huschberg S. 83 
A. 10 u. S. 85 A. 14. 

*8) Vgl. Mone Urgeschichte des Badischen Landes II S. 276. 

59) Vgl. Aurel. Vict. d. Caess. XXI: Alamannos gentern populosa?n ex equo 
mirifice pugnantem prope Moenum amnem devicit: vgl. Zeuss a. a. 0. S. 305; 
Steiner Gesch. und Topogr. d. Maingebiet. S. 36 und 40. A. 2. Infolge dieses 
Hauptsieges (victoria germanica nennen ihn eine Inschrift aus dem Zehnt- 
lande bei Brambach Corp. Insc. Rhen. 1573 und Münzen bei Eckhel D. N. 
p. 210) scheint sich Caracalla den Beinamen: Alemannicus beigelegt zu 
haben: Spart. Anton. Carac. 10, statt dessen die Münzen des Jahres 213 je- 
doch den Namen Germanicus aufweisen: vgl. v. Wietersheim Gesch. der 
Völkerw. II S. 180 f. Dass Caracalla damals auf den Taunus bis wenig- 
stens zum limes vordrang, beweisen die dort gefundenen Inschriften: vgl. 
Annal. IV S. 446. Huschberg S. 82. Auf dieselbe victoria germania bezieht 
sich ohne Zweifel auch die Nachricht einer jüngst in Rom aufgefundenen 
Arvaltafel des Antoninus Pius mit einem Appendix aus dem Jahre 213, der von 
einem von Caracalla über die Germanen errungenen Siege erzählt: vgl. 
Archäol. Zeitg. N. F. XXVI S. 116. 

«") Vgl. A. 57. 



175 

der Römer gegen die Alamannen, von Mainz ausging, hat Zeuss ^i) 
mit dem Bemerken hervorgehoben, dass ebendort auch zu diesen Inva- 
sionen der Römer in das feindliche Gebiet die Rheinbrücke geschla- 
gen worden sei , "2) eine Annahme, zu deren Beleg freilich mehr die 
Nachrichten über die Kriegszüge der Nachfolger Caracallas, als über 
dessen eigene Unternehmungen gegen die Alamannen dienen müssen, wie- 
wohl auch die freilich nur spärlichen Angaben über letztere gleichfalls 
einigen Anhalt dazu geben. Herodian *^'^) nämlich gedenkt unter den 
Mitteln, durch welche sich Caracalla die Liebe der Soldaten auf diesem 
seinem germanischen Feldzuge zu erwerben suchte, auch der Theilnahme 
desselben an ihren Kriegsübungen und Arbeiten, wobei unter letzteren 
auch Sclianzgraben und Brückenschlagen erwähnt wird, zn welcher 
letztgenannten Arbeit nicht bloss der Uebergang über den Rhein, son- 
dern auch, wie es scheint, über den Main Gelegenheit bot, da Caracalla 
nach Aurelius Victor ^^^ die Alamannen „prope Moenum mnnem" be- 
siegte. Eine mehr als zwanzigjährige Waffenruhe scheint Caracallas 
Kriegszug am Mittelrheine und Main im Alamannenlande zur Folge ge- 
habt zu haben; wenigstens wird erst wieder gegen Ende der Regierung 
des Severus Alexander (223 — 235) von neuen Einfällen der Ala- 
mannen in Gallien berichtet. Dieser vortreffliche Kaiser war um 234 
mit dem Partherkriege beschäftigt, als er in Antiochien die Nachricht 
erhielt, dass die Germanen Donau und Rhein überschritten hätten, das 
römische Gebiet verheerten , die Besatzungen, Städte und kleineren Orte 
beunruhigten und schon Illyrien und Italien bedrohten ; es bedürfe, meldete 
man ihm, zur Abwehr seiner persönlichen Anwesenheit und seines ganzen 
Heeres. *^'^) Einen Theil des letzteren zum Schutze der durch Standlager 
und Castelle verstärkten Ostgrenze zurücklassend , brach Alexander un- 
gern nach dem Westen auf, ging zuvörderst nach Rom und eilte von 
da nach Germanien d. h. er trieb ohne Zweifel zuerst die in Gallien 
eingedrungenen*^*^) Alamannen zurück, rückte an das Rheinufer, ''^) bereitete 

«1) Vgl. a. a. 0. S. 306; auch Steiner a. a. 0. S. 35 nimmt ebenfalls Mainz 
als Ausgangspunkt der alamannischen Expedition Caracallas an. 

62) Vgl. Zeuss a. a. 0. S. 308. 

63) Vgl. Hist. IV, 7. 
6*) Vgl. Ä. 59. 

65) Hauptquelle für Severus Alexanders letzte Unternehmungen ist Herodian Hist. 
VI, 7, wiewohl er von des Kaisers Rückkehr nach Eom (Lamprid. Alex. Sev. 
c. 56), woselbst er einen Triumph feierte, nichts berichtet. 

66) Vgl. Lampried. Alex. Sev. c. 59): ad Gennanicum bellum profectus est... 
erat aatem gravissimurn reipublicae atque ipsi, quod Germanonim vastatio- 
nibus diripiebatur ; Aurel. Vict. 24, 4: in Galliam inaturrime conteiidit, 
qtiae Gerrnanorum direptionibus tentäbatur: vgl. Zeuss a. a. 0. S. 306; 
v. Wietersheim a. a. 0. H S. 231 A. 176. 

67) Vgl. Herodian a. a. 0.: eneoTY] xait; toü T-f]vou oj^ö'at; xal xi npi? töv Fepfia- 
vixöv itoXefiov TtapEoxeuaCeTo : vgl. V. Wietersheim a. a. 0. II S. 224 A. 170. 



176 

dort Alles für den Krieg vor, ging aber nicht über den Rhein, «^) sondern 
versuchte durch Gesandte mit den Alamannen über den Frieden, selbst 
um Geld, wie es scheint, zu unterhandeln. *'■') Diese verhängnissvolle 
Zögerung brachte die Verschwörung, welche schon im Oriente gegen 
ihn bestanden hatte, in seinem Heere zum Ausbruche , in Folge dessen er 
mit seiner Mutter und seinen Getreuen bei Mainz ermordet und der unge- 
schlachte Thraker Maximinus zum Kaiser ausgerufen wurde. '") Die Er- 
mordung des edeln Kaisers bei Mainz gibt aber auch, abgesehen von der stra- 
tegischen Bedeutung dieser Stadt in Römerzeiten überhaupt, einen festen 
Anhaltspunkt dafür , dass Severus Alexander dort sein Hauptquartier 
hatte und von dort aus alle Vorbereitungen zum eventuellen Feldzuge 
gegen die Alamannen traf, wie auch Bernhardt (vgl. A. 68), Schaab, 
Steiner, K. Klein und v. Wietersheim annehmen, wobei die drei zu- 
letzt genannten zugleich irrthümlich einen wirklichen Uebergang 
über den Rhein bei oder unterhalb Mainz unterstellen, welchen Steiner 



Wiewohl man hier „oyß'o.i T-fivou" auffassen kann wie „ripae EAenV bei Caes. 
bell. gall. I, 54 von der Besetzung eines Ufers, so kann doch nicht bezweifelt wer- 
den, dass auch das Mogontiacum (Mainz) gegenüber liegende Castellum Mattia- 
corum (Caiätel) auf dem rechten Ufer des Stroms damals und noch lange nachher 
ebenso sicher in den Händen der Römer und besetzt war , wie das Castell auf 
der Mainspitze, vorausgesetzt, dass Severus Alexander bei Mainz stand, wie 
kaum zu bezweifeln ist. Vgl. A. 70. 

«8) Dass Severus Alexander damals weder mit dem Hauptheere über den Rhein 
ging, noch mit den Alamannen wirklich kämpfte, sondern noch vor Eröffiiung 
des Feldzuges ermordet wurde, darin stimmen die competenten Forscher 
jetzt nach den Angaben des Herodian a. a. 0. c. 8; Jul. Capitol. Maxim, c. 7; 
Jordanes de reb. get. c. 15 übereiu: vgl. Zeuss a. a. 0. S. 306; Mone a. a. 
0. II S. 277; Brambach a. a. 0. S. 7; v. Wintersheim a. a. 0. II S. 224 f.; 
Th. Bernhardt Gesch. Roms von Valerian bis Diocletians Tod I S. 21. Dar- 
nach ist die etwas abweichende Angabe des späten Zonaras XU, 15 zu be- 
messen: vgl. Huschberg S. 90 ff. 

's-) Vgl. Zonara» a. a. 0.; Mone a. a. 0. A. 40; v. Wietersheim a. a. 0. S. 233 
nach Herodian a. a. 0. c. 7. 

'") Da Severus Alexander bei seiner Ermordung zweifellos am Mittelrheine stand, 
hier aber der Hauptort Mogontiacum (Mainz) war, so kann sein Tod nur bei 
dieser Stadt erfolgt sein, was denn auch Orosius bist. VII, 18 (Severus Ale- 
xander militari tumultu apud Mogontiacum interfectus est) und Jor- 
danes a. a. 0. c, 15 {eoque Moyontiuco militari tumultu occiso) ausdrück- 
lich bezeugen. Daher kann die bis jetzt nicht näher nachgewiesene Stätte 
der Ermordung, der vicus Sicüia (so wird jetzt nach guten Handschriften ge- 
lesen), welchen Lampridius Alex. Sev. 59 (Script, bist. Aug. ed. Jordan et 
Eyssenhardt II p. 259) nach Gallien, Aurelius Victor 24. 4 nach Britannien 
verlegt, nur auf einer Verwechselung beruhen oder muss in der Nähe des Rheines 
gesucht werden: vgl. Pauly Realencyclop. der klass. Alterthumsw. VI S. 1138. 
Die Deutung desselben auf Kreuznach oder wie Lehne im Rhein. Archive I 
S. 247 will, auf Bretzenheim, Dorf bei Mainz, ist blosse Vermuthung: vgl. v. 
Wietersheim a. a. 0. II S. 224 f. 



177 

u. Klein mittelst einer Schiff bräcke bewerkstelligen lassen, 'i) Auch Mone''*) 
lässt den Severus wenigstens eine Brücke über den Strom schlagen und 
findet^-') es desshalb unerklärlich, warum des Kaisers Nachfolger Maximinus 
ebenfalls, wie unten näher gezeigt wird , eine Brücke über den Rhein habe 
schlagen lassen, da sein Vorfahr schon eine solche aufgestellt gehabt 
habe. Eine genaue und allseitige Prüfung der Quellstellen und der 
ganzen damaligen Lage der Umstände aber zeigt zur Genüge, dass Se- 
verus Alexander keine Schiffbrücke über den Rhein bei Mainz schlagen 
Hess, wenn er auch dazu alle Vorbereitungen traf. Der Kaiser war 
zwar nur ungerne, offenbar aber dabei mit dem festen Entschlüsse aus 
der Ferne herbeigeeilt, den Krieg gegen die aus Gallien herausgetriebenen 
Alamannen mit aller Energie zu eröffnen, falls der Friede durch Unter- 
handlungen nicht hergestellt werden könnte. Desshalb hatte er die den 
meist nackten Leibern der Germanen so gefährlichen, wahrscheinlich be- 
panzerten Bogenschützen und Speerwerfer aus dem Oriente mitgebracht, 
sein Heer sicherlich in Gallien verstärkt und geübt und zu einer Brücke 
über den Strom alle Vorbereitung getroffen. Herodian '^^) berichtet dieses 
— aber auch nichts mehr, mit folgenden Worten : „er bereitete das zum 
Germanischen Kriege noth wendige vor: besetzte den Fluss mit Fahr- 
zeugen, durch deren Verbindung untereinander er ihn zu überbrücken 
und den Soldaten einen leichten Uebergang verschaffen zu können glaubte." 
Der ganze sachliche und sprachliche Zusammenhang^^) dieser Stelle 
lässt sie nur von einer eventuellen Brückenschlagung verstehen. Damit 
stimmt die sonstige Lage der Dinge selbst überein. Bei der bekannten 
Fertigkeit der Römer im Brückenschlagen , von welcher unten noch 
näher zu sprechen ist, sowie bei der ebenso offenkundigen Vorsicht der 
römischen Feldherren keinerlei Verbindung , insbesondere durch eine 
Brücke, mit dem feindlichen Ufer herzustellen, bevor der Augenblick 
des Ueberganges gekommen war, ist es in jeder Hinsicht völlig erklär- 
lich und gerechtfertigt , dass wohl das Material zu einer Schiffbrücke 
herbeigeschafft und alle übliche Vorbereitung zu deren sofortigen Er- 
richtung getroffen, letztere selbst aber niemals bewerkstelligt wurde, da 
der Kaiser noch vor Erledigung der schwebenden Friedensverhandlungen 



71) Vgl. Schaab Geschichte der Bundesfestung Mainz S. 57; Steiner a a. 0. 
S. 38; K. K(leinj a. a. 0. (vgl. A. 3) S. 1179; v. Wietersheim a. a. 0. U. 
S. 235. 

72) Vgl. a. a. 0. S. 277. 

") Vgl. a. a. 0. S. 278 A. 41 : „auch Maxirain schlug eine Brücke über den 
Rhein (Herodian Hist. VII, 1, 2), man weiss nicht warum , da sein Vorfahr 
schon eine machen liess." 

7*) Vgl. Hist. VI, 7, 13: töv te itOTa|i.öv vaual StaXajißavtuv, wq itpöi; aXX-fiXa? auvSe- 
ö-eiodiv YE'fuptuO-evTa eü|j.ap"?] T*r]v B'.aßaotv ■zoli; oTpaTtcutat; nope^etv uitto. 

'*) Insbesondere ist das Futurum uape^eiv nicht zu übersehen. 

12 



178 

einen gewaltsamen Tod fand. Sonach ist als ausgemacht festzustellen, 
dass Severus Alexander weder bei Mainz noch sonst wo 
über den Rhein gegangen ist. Als daher sein Mörder und Nach- 
folger, der wilde Thraker Maximinus (235 — 238), in richtiger Wür- 
digung der durch Alexanders verhängnissvolle Friedensunterhandlungen 
zum Ausbruche getriebenen Empörung der Soldaten, sich, wie Herodian '^^) 
bezeugt, gezwungen sah, vor AUem den Alamannen gegenüber kräftig 
aufzutreten, so verstärkte er das Heer noch weiter und schickte sich 
an den Feldzug alsbald zu eröffnen, welcher, wenn nicht Alles trügt, 
lange andauerte und namhafte Erfolge erzielte.'') v. Wietersheim 
(11 S. 235) macht mit Recht aufmerksam, dass die Münzen darauf 
hinweisen , der unten erwähnte Marsch nach Pannonien , mit welchem 
der Feldzug geschlossen worden sei, (vgl. v. Wietersheim a. a. 0. S. 227) 
müsse im Jahre 237 erfolgt sein, demnach also der Krieg gegen zwei 
Jahre gedauert haben. Die Ausdehnung, welche Herodian a. a. 0. VII, 
2, Spartian Maxim, c. 12 und 13 und Capitol. Max. 12 diesem Kriege 
geben, scheint diese Annahme zu rechtfertigen, wiewohl v. Wietersheim 
darin zu weit gehen dürfte, (vgl. a. a. 0. S. 236) dass er den Feldzug 
des zweiten Jahres über die Völker im heutigen Franken , Oberpfalz, 
Nordschwaben und Niederbaiern ausgedehnt annimmt. Als ausgemacht 
darf gelten, dass Maximinus innerhalb und ausserhalb des limes 
transrhenanus am Zehntlande operierte und sicherlich im ersten Feldzuge, 



76) Vgl. Hist. VII, 2. 

") Da die Erzählung des Herodian VI, 8 iind 9 deutlich zeigt, dass Maximinus bei 
seiner Erhebung nicht weit von dem Heere des Severus Alexander gewesen 
sei , schnell herbeieilen und die Ermordung seines Gegners selbst ins Werk 
setzen konnte, auch anmöglich den Kampf gegen die Germanen aufgeben und die 
Rheingrenze ungesichert lassen durfte, im Gegentheile vielmehr, um die Un- 
geduld der Soldaten zu beschwichtigen und seine eigene Erhebung durch 
glänzende Kriegserfolge zu sichern, die Gelegenheit mit beiden Händen er- 
greifen musste; so ist es unzweifelhaft, dass er den Feldzug gegen die Ger- 
manen, d. h. die Alamannen gleichfalls vom Rheine her eröffnete. Dieses 
nehmen Mone a. a. 0. II S. 277 f. und v. Wietersheim a. a. 0. II S. 235 f. 
an, am Rheine kann aber wieder nur Mainz der Ausgangspunkt gewesen sein, 
wie die Aufstellung des Heeres unter Severus Alexander und dessen Ermordung 
im Lager bei Mainz bezeugen; daher nehmen Sattler historische Beschrei- 
bung des Herzogthums Wirtemberg S. 285 ; Hanselmann Beweis, wie weit der 
Römer Macht in Teutschen Landen vorgedrungen (Schwäbisch Hall 1768) 
S. 12; (vgl. S. 1—31); Lehne im Rhein. Archiv. I. S. 247; Steiner a. a. 0. 
S. 39 f. 41. A. 7. den Rheinübergang Maximins bei Mainz an. Im 
Widerspruche mit dieser ganzen wohl begründeten Combination schliesst Schmidt 
Gesch. des Grossherzogthums Hessen I. §. 12 (vgl. Steiner a. a. 0. S. 41 A. 7.) 
aus dem Abzüge des Maiiminus mit seinem Heere nach Pannonien bei Been- 
digung des Feldzuges, dass letzterer auch von Pannonien aus unternommen 
und begonnen worden sei: vgl. Herodian Hist. VU, 2, 18; lul. Capitol. Maxim, 
duo c. 13. Huschberg S. 94 ff. 



179 

im Sommer 235, zunächst die westlich wohnenden Alamannen zurückwarf 
und jedenfalls eine Erneuerung des limes bewirkte, die wohl darum 
bei ihm nicht in derselben Weise ausdrücklich bezeugt wird, wie später 
bei Probus, weil das Zehntland ohne Zweifel damals noch nicht so fast 
ganz verloren war, wie in den Zeiten des Gallienus. '^^) Die Inschrift 
eines auf Kosten des Kaisers Maximinus am Pfahlgraben zu Oehringen 
in Würtemberg errichteten Bauwerkes bezeugt zur Genüge , dass einer- 
seits damals der Grenzwall noch sicher in den Händen der Römer war, 
wie andererseits auch für die Verbindungsstrassen zwischen dem Walle 
und den Hauptquartieren am Rheine gesorgt wurde, da gleichfalls unter 
Maximinus eine Strasse von Mainz nach den Maincastellen mit neuen 
Meilenzeigern versehen worden ist. ^^) Zu diesem ersten Feldzuge gegen 
Germanien zog das unermessliche ^o) Heer unter Maximinus persönlicher 
Anführung kriegsmuthig nach seinem Uebergange über den Rhein bei 
Mainz zunächst auf dem nördlichen Mainufer, auf der alten Römer- 
strasse nach der Nida, sodann weiter oberhalb dem heutigen Frankfurt 
wohl links gegen den Taunus, von da rechts gegen den Main, über- 
schritt diesen und drang an demselben aufwärts vor, die Alamannen 
allwärts hinter den limes zurückwerfend, um das ganze diesseitige Li- 
mitanzehntland wieder zu gewinnen und wiederherzustellen. **J) Der zweite 
Feldzug scheint sonach mehr von der Ostgrenze des Zehntlandes gegen 
die obere Donau und das Land zwischen ihr und Main gerichtet gewe- 
sen zu sein. Den vorerwähnten Uebergang über den Rhein bei Mainz 
bewerkstelligte Maximinus nun aber auf einer Schiffbrücke, zu 
der Severus Alexander, wie schon oben nachgewiesen wurde, das benö- 
thigte Material vorbereitet hatte. Herodian und Julius Capitolinus ge- 
denken dieser Schiffbrücke ausdrücklich und ersterer sogar mehrfach. 
Beide berichten nämlich von dem Plane eines gewissen Magnus in dem 
Heere des Maximinus, letzteren dadurch zu beseitigen, dass man die 
Rheinbrücke abbräche und ihn den Germanen preis gäbe: Herodian 
erzählt dieses mit den Worten : Maximinus gedachte , nachdem er eine 
Brücke über den Strom geschlagen hatte, gegen die Germanen 
hinüber zu ziehen , ^^) erwähnt sodann seine übrigen auf den Krieg ab- 
zielenden Vorbereitungen und berichtet dann, Maximinus habe nun 

78) Damit beseitigt sich die Annahine v. Wietersheiins a. a. 0. II S. 236 ,dass 
eine vollständige Erneuerung des limes damals ohnstreitig nicht stattgefunden 
habe", da in diesem Falle der zweijährige Feldzug Maximins gar keinen ent- 
sprechenden Erfolg aufgezeigt, sondern nur als blosser Rachezug gedient hätte. 

79) Vgl. Brambach a. a. 0. S. 7. und Corp. Jur. Rhen. 1552 und 1963; Steiner 
a. a. 0. S. 39; Stalin Wirtemberg. Gesch. I S. 69; Mone a. a. 0. U S. 278. 

80) Vgl. Herodian Hist. VII, 2, 2. Jul. Capitol. Maxim, duo c. 11. 

81) Vgl. Steiner a. a. 0. S. 39. 

82) Vgl. Herodian Hist. VII, 1. 13: '(efopüiaa<i -zbv notafiöv b Ma^tp-tvo?, e|aeXXjv 
inl FEpfiavou? 8taß*fjaEa'9'at. 



180 

wirklich damals eine Brücke geschlagen, um sein Heer gegen die 
Germanen zu führen. ^^) Hieran reiht er unmittelbar die nähere Mitthei- 
lung des Planes des Magnus die tüchtigsten und hauptsächlich dieje- 
nigen Soldaten, welchen die Bewachung der Brücke anvertraut 
würde, für sich zu gewinnen, um hinter Maxirainus die Brücke abzu- 
brechen, ihm den Kückzug abzuschneiden und den Barbaren zur Ver- 
nichtung zu überlassen, da ihm alsdann auf dem feindlichen Ufer keine 
Schiffe zu Gebote ständen und die Brücke abgebrochen sei. **^) Magnus 
hatte dabei offenbar die Hoffnung, dass die Alamannen auf die Kunde 
vom Abbruche der Brücke und der verzweifelten Lage des Maximinus 
um so siegesgewisser zu wiederholten Anstrengungen gegen diesen er- 
muthigt würden : nur in dieser Hoffnung und in diesem Sinne konnte 
Magnus das damals ohne Zweifel, wie schon der Brückenschlag beur- 
kundet, weit ins Land hinein noch unbestritten besessene rechte Rhein- 
ufer als ein , feindliches Ufer" bezeichnen wollen. Aus derselben Ver- 
anlassung gedenkt auch Julius Capitolinus ^^) der Brücke. Nachdem 
Maximinus diese vielleicht von ihm selbst den Verschworenen unter- 
schobene Absicht '^*') zu deren raschen Vernichtung benutzt und alle 
seine Vorbereitungen vollendet hatte, zog er unerschrocken und sieges- 
gewiss mit seinem Heere über die Schiffbrücke und eröffnete den Krieg 
gegen die Germanen, '*^) dessen Verlauf oben skizziert wurde. 

Der erneuten Wiedervereinigung und Sicherstellung des überrhei- 
nischen Landes bis zum limes transrhenanus durch Kaiser Maximinus 
Thrax folgten aber schon bald nach dem Jahre 250 bei der steigenden 
Verwirrung im römischen Reiche und dem raschen Wechsel der Herr- 
schaft unter den Soldatenkaisern empfindliche Verluste an den Grenzen 
und wiederholte immer kühnere Angriffe der mehr und mehr zu Völker- 
bündnissen geeinigten Germanen ; neben den furchtbaren Alamannen 

83) Vgl. a. a. 0. VU, 1. 16: tote toIvuv t-tjv '(kfopa.v ^sü^a?, EfieXXev enl Fepfiavou? 
ScaßYjaEsO'ac. 

8^) Vgl. Hist. VII, 1, 16 und 17: '0 5e Mct^voi; skt-^sro xcLv axpatKutüiv oüx h\i'(ooq 
akXa Tou? e^oyuixdxou? xal fiäXiata, roo? fJjv (ppo'jpav xy]? -^e-föpaz xal xy]v etcc- 
jiiXEoav TtejtoiYjjjLEVou? ötvajtEi3(xt, |J.Exa xö Siaß-rjvai xov Ma|'.}ilvov, Xüaavxa(; x-rjv 
YE'füpav, npoSoövat [xoiq ßapßapo'.«;, oby^ 6rtav-/oüs-r](; aüxu) EnavöSo'j; uXaxEt •fäp 
xal ßaO'Et ftEYi'xo? 6 7toxafj.cii; ^eiuv, aßaxoi; aoxö) iy.vsro, ouxs vEtüv oüauiv ev xat? 
Tio'Kt\i.lai(; ö/t)-ati;, zr^q xe Y^'füpa? XuO-Eb-rj?. 

85) Vgl. Maxim, duo c. 10: Et genus factionis (Magni) fuit tale : cum ponte 
iuncto in Germanos Iransire Maximinus teilet, ut contrarii cum eo 
transirent, pons postea solveretur, ille in barbarico circumventus occi- 
deretur, imperium Magnus arriperet. 

8«) Vgl. Herodian a. a. 0. VU, 1, 18. 

a') Vgl. Herodian a. a. 0. VII, 2, 1 : Aioix-rjaa? 8e xot npoEtpf)|AEva itivxa xxe xöv 
axpaxöv ävaXaßüJV xal Siaßd? i(p6ßu)? x-rjv fifopav, ec^^exo xyj? Jtpöc xoui; FEpfia- 
voü? ii-ä/y]q- Maxirainus rühmte sich durch seine Feldzüge in Germanien mehr 
gethan zu haben, als irgend einer der Alten und hatte die Absicht, die Grenzen 
des Reiches bis an das Eismeer auszudehnen ; vgl. Pfahler Gesch. d. Deutschen S. 195. 



181 

am Ober- und Mittelrheine machten sich nun auch schon die Franken 
am Mittel- und Uuterrheine nicht minder furchtbar. Grade am Mittel- 
rheine aber, namentlich am Maine selbst, über welchen die Angriffs- 
linie der Franken, wenigstens nach Massgabe ihrer damaligen Wohn- 
sitze ^^) nicht hinaus ging, scheint der gleichgefährliche Hauptangriff der 
beiden mächtigen Völkerbündnisse stattgefunden zu haben , bis die 
Franken sich nach und nach mehr am Unterrheine concentrierten und 
den Alamannen auch den rechtsrheinischen Mittelrhein überliessen, um 
diese erst viel später wieder und unter ganz andern Verhältnissen rhein- 
aufwärts zurückzudrängen. Der Rheinübergang in der Gegend von Mo- 
gontiacum (Mainz), dem Centrum der ganzen Angriffslinie,*^^) eröffnete 
damals den Alamannen wie den Franken in gleicher W^eise den Weg 
ins Herz von Gallien , und es musste daher auch grade vor allem 
Mogontiacum den Römern als Hauptstützpunkt gegen die den Rhein 
überschreitenden Germanen dienen. ^'^) Die obwohl dürftigen Nachrichten 
und Andeutungen der Alten für diese Zeit lassen darüber kaum einen 
Zweifel übrig. 

Der im Jahre 253 erfolgte Abzug des Valerian mit den Rhei- 
nischen Legionen nach Rom zur Besitzergreifung des Kaiserthrones 
ermuthigte und veranlasste, wie es scheint, Alamannen wie Franken zu 
sofortigen Einbrüchen in Gallien, ^i) wesshalb Valerian seinen Sohn Gal- 
1 i e n u s schon im Jahre 254 zur Abwehr an den Rhein zurückschickte, 
woselbst letzterer, von tüchtigen Feldherren unterstützt, sich während 
der Jahre 254 — 257 als durchaus fähig erwies. ^^) Zosimus insbeson- 
dere an der unten angeführten Stelle bemerkt ausdrücklich folgendes 
darüber: ,Gallienus selbst die Rheiugrenze vertheidigend , wehrte 
theils den Uebergang ab, theils stellte er sich denUeber- 



88) Vgl. Bernhardt a. a. 0. S. 19. 

89) Vgl. Steiner a. a. 0. S. 42, welcher mit Recht Mogontiacum als damaliges 
Centrum des Angriffs für Alamannen, wie für Franken bezeichnet, die ohne 
Zweifel, falls ihnen die Ueberrumpelung beim ersten Anlaufe nicht gelang, an 
der Festung vorbeistürmten, ohne sich nach acht barbarischer Art weder um 
deren noch um die rechtsrheinischen Castell-Besatzungen weiter zu kümmern, 
obgleich sie dieselben im Rücken zurücklassen mussten; freilich kehrten sie 
wohl öfter gar nicht mehr in ihr überrheinisches Vaterland zurück , da sie 
ihre Raubzüge grade damals nicht selten, wie es scheint, bis nach Italien und 
Spanien ausdehnten: vgl. A. 91. 

80) Vgl. Bernhardt a. a. 0. S. 19. 

81) Hierher gehören ohne Zweifel die ohne bestimmte Zeitangabe von Eutrop. IX, 
7 und 8, Aurel. Vict. .33, Oros, VII, 22. Zonaras XII, 24 berichteten Ein- 
brüche, bei denen nach Verheerung Galliens die Alamannen bis nach Italien, 
die Franken selbst bis nach Spanien vorgedrungen sein sollen : vgl. v. Wieters- 
heim a. a. II S. 294 ; Albert Becker Imp. L. Domit. Aurelianus p. 12 n. 4. 

82) Vgl. Aurel. Vict. 33; Eutrop. IX, 8; Zosim. I, 30; v. Wietersheim a. a. 0. 
II S. 293. 



182 

gesetzten in geo rdneter Schlacht entgegen. Da er aber mit 
geringeren Streitkräften gegen eine sehr grosse Uebermacht kriegte, 
gerieth er doch in Verlegenheit, in welcher es ihm mindere Gefahr er- 
schien, mit einem der germanischen Volksführer Frieden zu schliessen, 
worauf es ihm gelang, die übrigen Barbaren abzuwehren oder die dennoch 
Uebergesetzten zu bekämpfen/ Dem bereits oben bemerkten entsprechend, 
kann der von Zosimus berichtete Rheinübergang der Germanen, wie 
auch der Versuch einer Verhinderung desselben zumeist und hauptsäch- 
lich nur am Mittelrheine bei oder unweit Mogontiacum angenommen 
werden. Hier muss demnach der Schauplatz der erfolgreichen Kämpfe 
gesucht werden, welche auf Siegesmünzen der beiden Kaiser, insbesondere 
aber des Gallienus, für die Jahre 255—259 nicht blos durch die Bilder 
von Trophäen mit Gefangenen, sondern auch die der beiden Flüsse 
Khein und Main, die Aufschrift Victoria Germanica, sowie end- 
lich den Ehrentitel der Kaiser „Germanicus maximus'' verewigt sind, 
dessen Zusatz „quititum" auf wiederholte glückliche Unternehmungen 
gegen die Germanen hinweiset. ^'-^ 1 Sicherlich gehörte zu diesen glück- 
lichen Kämpfen auch die glorreiche Waffenthat des damaligen Legions- 
tribunen und späteren Kaisers A u r e 1 i a n b e i M a i n z , von der Vopiscus ^ *) 
erzählt. Der specielle Bericht des letzteren, zusammengehalten mit den 
vorerwähnten Angaben des Zosimus, stellt diese Waffenthat Aurelians 
dahin fest , dass derselbe zur Ueberwachung der Rheinübergänge mitbe- 
auftragt, eine ohne Zweifel nicht kleine Schaar einbrechender Franken 
(Francos irrnentes), welche offenbar ihren bereits früher über den Rhein 
eingebrochenen und schon weit und breit in Gallien hausenden Brüdern 
(cum vagarentur per totam Galliam) nachfolgen wollte, bei Mainz, 
d. h. auf dem linken Ufer des Rheins völlig aufgerieben habe. Offenbar 
hatte Aurelian die Feinde nicht gehindert über den Rhein zu setzen, 

93) Vgl. Eckhel Doct. Num, VII p. 385, 390, 391, 400—402. 

S4) Vgl. Vop. Aurel. 7: /dem (Aureiianus) apud Moguntiacum tribtinus legio- 
nis sextae Gallicanae Francos irruentes, cum vagarentur per totam Galliam 
Sic adßixit, ut trecentos ex Ms captos, septingentis interemptis, sub Corona 
vendiderit. Aus dieser Verlustangabe, welche gerade 1000 Mann ausmacht, 
mit Mone a. a. 0. S. 279 schliessen zu wollen, dass das erste Auftreten der 
Franken nur in einer Gefolgschaft von 1000 Mann geschehen sei, scheint uns 
neben der allgemeinen Angabe Francos irruentes, cum vagaretitur per totam 
Galliam ganz unstatthaft und an sich ganz unwahrscheinlich, ganz abgesehen 
davon, dass das erste Auftreten der Franken wohl viel früher fällt; vgl. v. 
Wietersheim a. a. 0. II S. 335 und Bernhardt a. a. 0. S. 20. A. 1. — 
Tillemont bist. III, 2, 722 setzt diesen Sieg Aurelians ins Jahr 242 ; v. Wieters- 
heim a. a. 0. II. S. 335 in die Jahre 244—246; seine Bedenken wegen des 
Tribunats von Aurelian (a. a. 0. II S. 293 A. 208) sucht A. Becker a. a. 0. 
p. 12 sq. n. 4 zu beseitigen, indem er selbst das Jahr 254 annimmt; Bern- 
hardt a. a. 0. S. 19 entscheidet sich für das Jahr 255, Clinton endlich fast. 
Rom. ad ann. 256 für letzteres als Siegesjahr Aurelians. 



183 

die Uebergesetzten aber sodann, ehe sie weiter ins Innere Galliens vor- 
dringen konnten, wahrscheinlich durch einen Hinterhalt umstellt, vom 
Rheine und dem Kückzuge abgeschnitten und alsdann fast völlig ver- 
nichtet, d. h. grösstentheils getödtet oder zu Gefangenen gemacht und 
als Sklaven verkauft. ^^) 

So viel versprechend der Beginn dieser Kämpfe mit den Germanen 
im Anfange der Regierung des Valerian und Gallien waren, so kläglich 
war ihr Ende, als unter des letzteren Alleinregierung sich in allen Thei- 
len des Reiches Nebenkaiser und Usurpatoren erhoben. Die Rheinlande 
hatten zwar in den Zeiten dieser heillosen Verwirrung einen zehnjähri- 
gen beneidenswerthen Zustand gesicherten Friedens unter der trefflichen 
Regierung des ebenso kräftig-gewaltigen wie milden Postumus (258 —267), 
nach seinem bei Mainz erfolgten gewaltsamen Tode aber gingen die 
meisten rechtsrheinischen Besitzungen der Römer verloren , welchen 
Postumus eine Ausdehnung gegeben hatte, wie kein anderer römischer 
Feldherr weder vor noch nach ihm. ^'^) Bei diesem aussergewöhnlichen 
Stande der Dinge wird uns daher weder aus seiner noch -aus Aure- 
lians Regierungszeit (270 — 275) von besonderen Kämpfen mit den 
Germanen am Mittelrheine berichtet, da auch letzterer in Folge 
der freiwilligen Unterwerfung des Tetricus (273—274) Gallien und den 
Occident wiedergewann und in Wahrheit der restitutor imperii Romani 



95) Hiernach erlediget sich Mone's a. a. 0. S. 279 Bedenken, welcher sagt; „Sie 
(die Franken) erschienen zuerst am Mittelrhein bei Mainz, aber man weiss 
nicht, ob sie dort von der teutschen Seite hinübergingen oder vom Nieder- 
rhein heraufkamen." Dass die Franken damals nicht zuerst erschienen, ist 
bereits oben (A. 94) bemerkt worden; dass sie auch nicht vom Niederrheine 
heraufkamen, ist ebenso einleuchtend, wie die Annahme, dass sie nur von der 
rechten Rheinseite herübergekommen sein können. Wozu sollte ein nutzloses 
Heraufziehen vom Niederrheine längs des Rheines, wo sie am ersten mit der 
römischen Uferbesatzung in Kampf gerathen raussten: über den Strom zu 
setzen, die Uferbewachung zu durchbrechen und rasch ins Innere von Gallien 
zu gelangen , konnte allein nur der Zweck ihrer Raubzüge aufs linke Ufer 
sein und ist es wirklich gewesen, wie die Nachrichten der Alten überein- 
stimmend erkennen lassen. Dass übrigens Mogontiacum und sein festes Castell 
gradedamals in den Zeiten des G a 11 ienus der Hauptort der ganzen Rhein* 
vertheidigungslinie war, ersieht man aus dem Anhange des Veroneser libellu» 
provmciarum, woselbst die mittel- und niederrheinischen Restitutionen des 
Postumus ihrer Ausdehnung nach von Mogontiacum aus bemessen werden : 
denn unter dem castellum montiacesium kann nur das castellwn mogontia- 
censium verstanden werden, von welchem es heisst: tram castellum ino- 
gontiacensium LXXX leugas Irans Rhenum Romani possederunt. vgl. Th- 
Mommsen Abhandlungen der k. Academic zu Berlin 1862 S. 489 ff. — Bonner 
Jahrb. XXXIX— XL S. 19 ff. Brambach a. a. 0. S. 7 A. 3. 
86) Vgl. Bernhardt ja. a. 0. S. 58—70 und 91 f., S. 283 ff.; und A. 95: istae 
civitates (heisst es in dem libellus provincianim) sub Gallieno imperatore 
a barbaris occupatae sunt, vgl Brambach a. a. 0. 



184 

wurde. ^^) Nachdem aber Aurelian ermordet worden und damit die Haupt- 
stütze der ruhigen und geregelten Existenz Galliens, die Furcht der 
Nachbarvölker vor dem mächtigen römischen Namen, verloren war, 
brachen Alamannen und Franken abermals verheerend in Gallien ein 
und suchten das kaum aufathmende Land wiederum mit allen Drang- 
salen eines barbarischen Krieges heim. »») Lange aber währte die Sie- 
gesfreude der Germanen nicht: bald nämlich erschien auch in Gallien 
und am Eheine jener gewaltige und geniale Probus (276—282), von 
dem Vopiscus99) gagt, dass unter seiner Regierung, der Orient wie der 
Occident, der Süden wie der Norden und alle Theile des Erdkreises zu 
völliger Sicherheit und Ruhe gebracht worden seien. Rasch säuberte er Gal- 
lien von den eingebrochenen Franken und Alamannen, rückte an den Rhein, 
überschrittdenStrom, warf die Alamannen bis über den Neckar und 
die Alb hinaus zurück, stellte den limes vollständig her und ging als der 
letzte unter den Römern ernstlich mit dem Gedanken um, ganz Ger- 
manien zur römischen Provinz zu machen, ^oo) — Dass die Hauptkämpfe 



9T) Vgl. Alb. Becker a. a. 0. p. 39-42; Bernhardt a. a. 0. S. 144—213. 

88) Vgl. Vopisc. Prob. c. 1 : suo imperio Oriens, Occiäem, Meridies, Septentrio 
omjiesque orbis partes in totam securitatem redactae sunt: Hermann Atorf 
de Marco Aurelio Probo Romanorum imperatore, .Vonastern /86ö\ 8 p. 75. 

99) Die beiden Hauptstellen über des Probus kriegerische Thätigkeit gegen die 
Germanen am Rheine sind Zosimus I, 67—68 und der etwas tumultuarische 
Bericht des Vopiscus im Leben des Probus c. 13—15, deren Besprechung bei 
C. A. Menzel Gesch. d. Deutschen I S. 214. und in neuerer Zeit bei Mone 
a. a. 0. S. 282, Bernhardt a. a. Ü. S. 228 f., v. Wietersheim a. a. 0. III 
S. 20 f. und 41 f., Brambach a. a. 0. S. 7 f. und Atorf a. a. 0. §. 2. p. 
19_33 zu vergleichen ist. Besondere Schwierigkeit hat dabei die Deutung 
des Namens „Alba" bei Vopiscus gemacht, welcher berichtet, dass die r^/i^Miae 
der germanischen Truppen von Probus ,.ultra Mcrum fluvium et Album" 
zurückgeworfen worden seien. Atorf a. a. 0. p. 25—27 Not. 99 stellt alle 
Erklärungen dieses geographischen Namens zusammen und meint (p. 27) man 
könne aus des Vopiscus Worten nicht mit Bestimmtheit abnehmen, ob darunter 
ein Fluss oder ein Gebirge zu verstehen sei: vielleicht habe der Geschichts- 
schreiber selber nicht gewusst, was „Alba" bedeute: unzweifelhaft jedoch sei 
es, dass darunter die von Ptolemaeus II, 10 mit „"AXnia" bezeichnete rauhe 
Alp, ein Theil des deutschen Jura, zu verstehen sei. Uns scheint der Zusatz 
yflutium" hinter Nicrum vielmehr recht absichtlich von Vopiscus zur Unter- 
scheidung des Flusses Nicer von Alba, worunter man alsdann nur ein offen- 
bar auch nicht unbekanntes Gebirge zu verstehen hatte, beigefügt worden zu 
sein. Im Uebrigen hat längst schon der von Atorf nicht erwähnte Zeuss die 
Deutschen und die Nachbarstämme S. 3 Anm. ** und S. 7 die sprachliche Iden- 
tität von "AXrteic, "AXiteia opYj, "AXitia, "AXßi«, Alba, Alpen und Alba nebst 
deren Nebenformen und deren Bedeutung „ Bergeshöhen " aus dem Keltischen 
nach Isidor Hispal. Origg. XIV, 8 : nam Gallorum lingua Alpes montes alti 
vocantur nachgewiesen, zumal den Galen noch jetzt ihr steiles Gebirgsland 
Alba, Albain heisst: vgl. Huschberg S. 147 f. 

109) Vgl. Atorf a. a. 0. p. 24 not. 98. 



185 

mit den Germanen damals zuvörderst auf beiden Ufern des Rheins 
stattfanden, sagt Zosimus a. u. a. 0. ausdrücklich, ^^i) mit dem Bemerken, 
Probus habe sich, da er nur eine geringe Macht bei sich gehabt, an- 
fangs auf dem linken Ufer gehalten , die Truppen der Feinde desshalb 
zu trennen und einzeln zu schlagen versucht, dadurch ihre Tollkühnheit 
ermuthigt und sie zum Ueberschreiten des Stromes verlockt. Hierbei 
überrascht seien die Germanen mit leichter Mühe besiegt und zur Aus- 
lieferung von Beute und Gefangenen vertragsmässig verpflichtet worden. 
Da sie aber den Vertrag nicht eingehalten, so sei Probus erzürnt ihnen 
über den Strom gefolgt und habe eine grosse Niederlage unter ihnen 
angerichtet. Der Ort , wo Probus bei dieser Gelegenheit den Ehein 
überschritt, wird nicht näher angegeben, wiewohl ihn Atorfio'-^) aus der 
Zurückwerfung der Germanen hinter Neckar und rauhe Alp an derjeni- 
gen Uferstrecke annehmen zu dürfen glaubt, welcher das eigentliche 
Zehntland gegenüber lag : es würde dieses demnach etwa das linke 
Rheinufer oberhalb Mainz bis gegen Speier hin sein: man darf dabei 
nicht vergessen, dass der untere Neckar damals noch parallel mit 
dem Rheine der heutigen Bergstrasse entlang mit dem Maine zusam- 
men floss , da bekanntlich erst Valentinian I. io3) ihm seinen jetzigen 
Auslauf in den Rhein durch Abgrabung anwies. 

Diese Zurückwerfung der Germanen über den Neckar und die 
rauhe Alp hinaus , hindert aber in keiner Weise den damaligen Rhein- 
übergang des Probus, der vorerwähnten Ansicht Atorfs entgegen, wiederum 
bei Mainz anzunehmen, von wo aus zunächst wohl auf dem rechten 
Mainufer vorgegangen, sodann aber auf das linke übergetreten wurde, 
um die Alamannen im Rücken zu bedrohen, aus der Ebene zwischen 
Rhein und Neckar zu verdrängen, über den limes zurückzutreiben und 
zuvörderst das Zehntland wiederzugewinnen. Ist diese muthmassliche 
Richtung des Zuges von Probus aber einerseits durch den Feldzug eines 
seiner Vorgänger Maxi minus gewissermassen vorgezeichnet, so 
wird sie andererseits weiter noch durch die analoge Expedition eines 
seiner Nachfolger, des Maximianus Herculius, evident bestätigt. 
Nachdem letzterer am 1. April 286 zum Mitaugustus des Diocletian 
erhoben worden war, und bereits kurz vorher (285 — 286) die schreck- 
lichen Bauernaufstände der Bagauden in Gallien blutig niederge- 
schlagen hatte , überschritt er den Rhein, warf im Jahre 287 in gleicher 
Weise auch die oberrheinischen Germanen zwischen Oberrhein und Ober- 
donau mit zerschmetternden Schlägen nieder ^f'-«) und bewachte sodann, 



101) Vgl. Atorf a. a. 0. p. 24 not. 93. 

102) Vgl. Atorf a a. 0. p. 25 not. 96. 

108 



) Vgl. Steiner a. a. 0. S. 128 f; Mone a. a. 0. I S. 243. 
104) Vgl. die von Böcking zur Notit. dignit. II p. 754* gesammelten bezüglichen 

12* 



186 

während sein Caesar Constantius Chlorus der Usurpation des Allectus 
in Britannien (296 — 298) ein Ende machte, selbst die Rhein grenze 
gegen erneute An- und Einfälle der Germanen mit gewohnter Kraft 
und einem Erfolge, welcher sich in der dauernden Wiedergewinnung 
und Sicherstellung der beiden Ufer des Rheins ebenso nachhaltig aus- 
sprach, wie in dem Schrecken der Barbaren und der lauten Freude der 
vorhin so hart heimgesuchten Bewohner des linken Flussufers. Charak- 
teristisch tritt auch der gewaltige Eindruck der Persönlichkeit Maximians 
auf die Barbaren bei Gelegenheit jener Bewachung der Rheingrenze in 
den Worten des Panegyrikers Eumenius hervor, i^>5) welcher den Augustus 
also anredet: Tu enim ipse, tu dorn ine Maximiane, imperator aeterne, 
novo itineris compendio adventum divinitatis tuae accelerari dignatus, 
repente Eheno institisti omnemque illum liniitem non equestribus 
nee pedestrihus copiis, sed praesentiae tuae ternre tutatus es. 
Quantoslihet valehat exercitus Maximianus in ripa! Dieses ohne 
Zweifel längere Verweilen Maximians in ripa Rheni, fern von der 
gewöhnlichen Residenz Trier, führt aber ganz natürlich auf die An- 
nahme eines Aufenthaltes desselben zu Mogontiacum (Mainz) 
als dem Schwer- und Knotenpuncte der ganzen Vertheidigungslinie am 
Rheine, woselbst ohne Zweifel schon allein zu den Zwecken der leichteren 
Communication mit dem gegenüberliegenden Vorwerke Castellum Mattia- 
corum (Castel) und der militärischen Operationen sicherlich während 
Maximians nicht kurzer Anwesenheit eine Holzbrücke errichtet wor- 
den war. Ueberraschend wird dieser Rheinbrückenbau des Maximianus 
bei Mainz durch zwei gewichtige Zeugnisse, wenn nicht Alles trügt, 
überliefert und bestätigt. Zuvörderst bemerkt nämlich derselbe vorer- 
wähnte Eumenius, i'^") dass durch die damaligen wiederholten i"') Züge des 
Kaisers über den Rhein und weiter über den Pfahlgraben hinaus ganz 
Alamannien gründlich verwüstet worden sei und bedient sich dabei zur 
Bezeichnung der Richtung und Ausdehnung dieser verheerenden Kriegs- 
züge der Worte: .... a ponte Rheni usque ad JDanubii tran- 
situm Guntiensem devastata atque exhausta penitus AUemannia. 
Ueber den Standort dieser Rheinbrücke sind die Ansichten der Aus- 



Stellen der Panegyriker und Mone Urgeschichte des Badischen Landes II 
S. 283 if.; v. Wietersheim a. a. 0. III. S. 52 ff". 

105) Panegyr. Const. Caes. c. XIII. 

>08) Vgl. a. a. 0. c. 2. 

1»') Die Wiederholung dieser Kriegszüge erhellt deutlich aus Incert. panegyr. 
Maximin. 8: Maximiaiius Romana trans Rhenum Signa öarbaris gentibus in- 
iulxt : huxus cum fratre rursus ac saepius expeditmiibus domila Germania 
uut boni consulU, ut quiescat uul laetatur quasi amica, si pareat; ebenso 
die Anlage von Castellen aus Julian, orat. I p. 12 ed. Paris ; vgl. Mone a. a. 
0. II S. 285 ff. A. 62. 



187 

leger des Eumenius getheilt. Während Pontanus und Zeuss ^^^) sie nach 
Mogontiacum (Mainz) verlegen, versetzen Andere, i'^'-') insbesondere Husch- 
berg und Mone, 'i**) sie an den Oberrhein, ersterer nach Strassburg, 
letzterer nach Speie.r. Mone begründet seine Ansicht dadurch, dass 
die Richtung des fraglichen Feldzuges von der Rheinbrücke bis nach 
Günzburg in der Diagonale zwischen Rhein und Oberdonau zu suchen 
sei, in welcher grade die Hauptstrasse durch das Grenzland sich er- 
streckt habe. Dazu sei die Ebene der jetzigen Provinz Starkenburg,, 
damals durch den alten Neckar- und Mainlauf noch sumpfig und nicht 
für eine derartige Heerstrasse geeignet, sondern der Uebergangspunct bei 
Spei er gewesen, welchem gegenüber am rechten Rheinufer fünf Römische 
Heerstrassen zusammengelaufen seien. Diesen Aufstellungen lässt sich 
einestheils entgegenhalten, dass eine so bestimmt durch ihre Endpunkte 
bezeichnete Ausdehnung der Kriegszüge Maximians mit eben diesen 
Endpunkten nur allgemein bekannte gewissermassen traditionelle 
Localitäten im Auge haben kann , wie eben die Uebergangsstellen des 
Rheines bei Mogontiacum und der Donau bei Guntia (Günzburg) ge- 
wesen sein müssen, m) Erstere ist oben als eine solche von den Zeiten 
des Drusus an bis Caracalla, Maximinus und Probus namentlich und 
ganz besonders in den Kämpfen mit den Alamannen erwiesen worden 
und wird sich als eben solche auch noch nach den Zeiten Maximians 
in den Feldzügen des Julian und Valentinian I weiterhin beurkunden 
lassen. Dazu kommt , dass auch die sumpfigen Niederungen zwischen 
Main , Neckar und Rhein von Maximian nicht nur nicht ausser Acht 
gelassen werden durften, sondern vielmehr zuerst von der Alamannen, die 
sich hier festsetzten, gesäubert werden mussten, ehe er an weiteres Vor- 
rücken denken konnte. Dazu war aber grade unumgänglich, dass er 
auf dem traditionellen, auch von seinen Nachfolgern, wie Julian, einge- 
haltenen Wege vorgehen musste: von Mainz-Castel aus zuerst auf dem 
rechten, sodann auf dem linken Main- und rechten Rhein- und Neckar- 



108) Pontan. Origg. Franc. II, 2; Zeuss die Deutschen und die Nachbarstämme 
S. 308, 309, 310. 

109) Vgl. Panegyr. ed. Arntzen I p. 245: auch Cellarius verlegt diese Rheinbrücke 
ins Gebiet der Triboker. 

"0) Vgl. Huschberg S. 184, Mone a. a. 0. S. 286; v. Wietersheim a. a. 0. III 
S. 53 und Brambach a. a. 0. S. 9. A. 1 sprechen sich über den Standort der 
Rheinbrücke bei Eumenius nicht näher aus. 

1") Der transitus Guntiensis, jedenfalls eine (uns sonsther nicht bekannte) traditio- 
nelle Donauübergangsstelle wird, von v. Wietersheim a. a. 0. III S. 53 mit Recht 
als Uebergang nicht in altgermanisches, sondern in altrömisches Gebiet dies- 
seits des Pfahlgrabens bezeichnet. Ueber den pons Rheni bei Mainz zog 
Maximian ins Zehntland und sodann weiter ins Alamannische Gebiet aus und 
kehrte sodann über den transitus Guntiensis wiederum auf da^ Römische Ge- 
biet zurück. 



188 

ufer gegen die obere Donau vordringend. — Ein zweites Zengniss für 
den Bau einer Brücke bei Mainz durch Maximian liegt in einer merk- 
würdigen Bleimedaille ^i-) vor, welche in dem Bette der Saone bei Lyon 
gefunden, durch zwei Reliefdarstellungen ausgezeichnet ist, deren untere 
zwei durch die Namen MOGONTIACVM (Mainz) und CASTEL (lum, Castel) 
kenntlich gemachte Castelle zeigt, welche durch eine Brücke über 
einen wogenden Strom miteinander verbunden sind, der als FL RENVS 
bezeichnet ist. Nachdem die Beziehung dieser Reliefdarstellungen auf 
die beiden Kaiser Diocletianus und Maximianus hinlänglich festgestellt, 
insbesondere aber die untere Darstellung auf den vorerwähnten Aufent- 
halt des Maximian am Rheine im Hauptquartiere zu Mainz und seine 
von dort aus unternommenen überrheinischen Züge mit gutem Grunde 
gedeutet worden ist, bleibt kaum noch ein Zweifel übrig, in der die 
beiden Castelle verbindenden Rheinbrücke der Medaille den pons 
Rheni des Eumenius, d. h. die während der längeren Anwesenheit 
des Maximianus am Rheine, insbesondere zu Mainz, aus Anlass seiner 
kriegerischen Operationen geschlagene Brücke wiederzufinden. Betrachtet 
man nun aber das Bild dieser Brücke auf der Medaille näher, so trägt 
sie einestheils in ihrer dreifachen Bogenstellung und ganzen Anlage 
ebenso unzweifelhaft das Gepräge eines Unterbaues von Stein, wie 
andererseits in der Construction der oberen Einfassung (Geländer) das eines 
Oberbaues von Holz. Es entspricht diese Einrichtung im Ganzen 
der Anlage der Donaubrücke Traians , welche gleichfalls in dem 
Hauptkörper von Stein aufgeführt war, ohne aber des Holzwerkes 
ganz zu entbehren. ^^^) Die eigentliche (hölzerne) Einfassung dieser 
Brücke insbesondere ist ganz und gar in Gestalt und Construction mit 
der Einfassung der Maximiansbrücke auf der Lyoner Medaille identisch. 
Da nun aber einerseits, wie oben bemerkt, durch das ganze System der 



112) Vgl. Annalen IX S. 148-163 nebst Tafel II, sowie unsere Tafel I, n. 1. 

113) Abbildungen der Donaubrücke Traians nach den Reliefs der Traianssäule bei 
P. S. Bartoli tab. 74. segm. 260, Fabretti Col. Trai. p. 301. Mannert res 
Traian. fig. 8. bei Aschbach a. a. 0. S. 18; neuerdings hat auch Fröhner 
la col. Trajane p. 132 n. 77. 88. die betreffenden Stücke der Trajanssäule 
nach den Gyi)sabgüssen im Louvre wiederholt. Während Aschbach S. 17 A. 3 
es dahin gestellt lässt, ob die eigenthümlichen Pfeilerverbindungen der Brücke 
von Holz oder von Stein gewesen, S. 18 auch es für mehr als wahrscheinlich 
hält, dass die Brücke mit steinernen Bogen versehen war und einen steinernen 
Uebergangsweg hatte, ohne damit behaupten zu wollen, dass nicht die Gallerien 
und manches Beiwerk an der obersten Brückenbedeckung von Holz gewesen 
sein könnten: hält es Fröhner p. 183 (vgl. Aschbach S. 17. A. 4.), im Hin- 
blicke auf die Darstellung der Säule und der Münzen Traians, für evident, 
dass die ganzen Bogengerüste und die Brückenbedeckung aus Holz waren. 
Im Uebrigen ist die Construction des Brückengeländers der Maximiansbrücke 
auf der Lyoner Medaille identisch mit der auf den Stein- und Schiffbrücken 
Traians auf der Donau: s. Fröhner p. 68 ft. vgl. Taf. 1. n. 1— 5 u. Excurs IV. 



189 

Rheinuferüberwachung der Bau stehender (steinerner) Brücken ausge- 
schlossen war, andererseits auch weder irgend historische Berichte noch 
monumentale Spuren und Reste einer ehemaligen steinernen Rheinbrücke 
bei Mainz aus Römerzeiten überliefert und vorhanden sind : so kann die 
Abbildung einer Steinbrücke zwischen Mogontiacum und Castellum 
auf der mehrerwähnten Medaille nur eine ideale sein. In Wirklich- 
keit wird diese Brücke Maximians aber auch keine Schiffbrücke 
der Art gewesen sein , wie solche bei den Stromübergängen der Römi- 
schen Heere, insbesondere auf dem Rheine und der Donau, geschlagen 
zu werden pflegten. Die damalige längere Anwesenheit Maximians am 
Rheine im Hauptquartier zu Mogontiacum , die Andauer des Krieges 
mit den überrheinischen Alamannen, deren Land nur durch wieder- 
holte Verheerungszüge erschöpft werden konnte, wie der Panegyriker 
schildert, rechtfertigen vielmehr die Annahme einer hölzernen Bock- 
brücke, wie sie dereinst der grosse Bezwinger Galliens zuerst über den 
Rheinstrom geschlagen hatte. Man begreift leicht , dass eine solche 
stehende Holzbrücke leichter als eine gewöhnliche Schiffbrücke von dem 
Künstler zu Lyon zu einer Steinbrücke idealisirt werden konnnte, 
wie es auf der vorher erwähnten Medaille geschehen ist. 

Kaum zehn Jahre nach den verheerenden Kriegszügen Maxünians 
im Jahre 297 brachen die Alamannen gegen den Rheinwinkel bei Basel 
durch und drangen zwischen Vogesen und Jura, der uralten Pforte der 
Völker- und Heereszüge aus Germanien nach Gallien, i^*) bis nach Lan- 
gres vor, bei welcher Stadt , wie weiter rückwärts bei Windisch, sie in 
blutigen Schlachten von Constantius, des grossen Constantin Sohn, ge- 
schlagen und zurückgetrieben wurden. ^^^) Letzterer (306 — 337 nach 
Chr.) im Innern des Reiches selbst durch die Kämpfe mit seinem 
Schwiegervater Maximian und seinen übrigen Gegnern vollauf beschäf- 
tigt, wollte von deutscher Seite her Ruhe haben, um einerseits nicht 
in grössere Gefahr zu kommen , andererseits aber auch die Rheingrenze 
sicher zu stellen, von deren Behauptung die Erhaltung des weströmi- 
schen Reiches abhing, wie man zu seiner Zeit wohl überzeugt war. Zur 
Erreichung dieses Zweckes schlug Constantin zwei Wege ein: die 
Durchführung eines mit schonungsloser Grausamkeit gepaarten Schre- 
ckenssystems, welches er bekanntermassen am meisten gegen die Fran- 
ken am Mederrhein ausübte ^'^) , sodann aber eine durchgreifende Sicher- 



1") Vgl. V. Cohausen a. a. 0. S. 6. 

"B) Eumen. panegyr. Constant. IV, 6 ; Zonaras XII 31 ; Mone a. a. 0. II S. 287. 

"6) Eumen. panegyr. Constantin. 11 : inde est pax isla, qua fruimur, neque enim 
Rheni iam gurgitibus sed nominis tui terrore mwiimur ; quamlibet ille 
aut arescat aestu, aul resistat gelu, neutro hostis midebit uti vado : weiter- 
hin bemerkt er, dass sich die Franken vom rechten Flussufer in Folge dessen 
zurückgezogen hätten. Ausflüsse desselben Schreckenssystems waren, dass er 



190 

Stellung der ganzen Grenze namentlich am Mittel- und Unterrheine 
durch Aufstellung einer wohlgerüsteten Flotte, durch Vertheilung starker 
Besatzungen auf den ufern des Stromes , welche zu ungehindertem Ver: 
kehre durch stehende Brücken , wie es scheint , verbunden wurden. 
Auf diese Art war Constantin im Stande , den Krieg auf den Haupt- 
punkten der Rheingrenze mit Schnelligkeit und Nachdruck zu führen: 
in gleicher Weise scheint der Kaiser auch die Donaugrenze verstärkt 
und sicher gestellt zu haben. Diese Mittel und Massregeln zur Grenz- 
vertheidigung , wie auch die Raschheit und Energie , mit welcher er 
einem bei seiner absichtlichen Abwesenheit vom Rheine versuchten Ein- 
faUe der Franken und Alamannen in Gallien entgegentrat, machen es 
glaublich, dass die Germanen sich zum Frieden erboten, Geissein stell- 
ten und die Rheingrenze bis zum Tode des Kaisers nicht mehr beun- 
ruhigten 11'). 

Wenn nun unter den von Constantin am Rheine und an der 
Donau ins W^erk gesetzten Vertheidigungsmassregeln auch Brücken 
genannt werden, so gründet sich diese bezügliche Ueberlieferung zumeist 
auf Mittheilungen des mehrerwähnten Lobredners Eumenius (a. a. 0. 
C\ 13j , welcher selbst am Rheine gewesen war. Da man aus dieser 
Hauptstelle die Aufstellung von Brücken zu Speier, Mainz und Cöln 
hat entnehmen wollen, diese Annahme aber soweit sie Mainz angeht, 
sicherlich ungerechtfertigt ist, zugleich aber die Erbauung einer neuen 
steinernen Rheinbrücke bei Cöln durch Constantin mit Bezug auf das 
oben (vgl. A. 19) bemerkte, besonderer Erörterung bedarf, so ist eine 
solche in dem Excurs I. versucht worden. 

Wie Constantin der Grosse seine besondere Thätigkeit gegen die 
Germanen am Niederrheine entfaltete, so sein Sohn Constantius am 
Oberrheine. In zwei Feldzügen bekämpfte er die Alamannen, welche zu- 
erst 354 die helvetischen und gallischen Grenzstriche verwüsteten. Von 
Arles aufbrechend, zog der Kaiser über Valence an den Rhein bis Ba- 
sel- Äugst , woselbst die Alamannen den üebergang des Heeres über den 
Strom mittels einer Schiffbrücke durch ihre Pfeilschützen verhinderten. 
Als jedoch ein verrätherischer Landeseingeborner um reichen Lohn 
während der Nacht eine Furt bezeichnete, wo der Rhein durchwatet 



zwei fränkische Fürsten und viele Gefangene im Circus zu Trier den wilden 
Thieren vorwerfen liess, (vgl. Richter a. a. 0. S. 61; Eutrop. X.3; Eumen. a. 
a. 0. IG) wie auch die Behandlung, die er nach Eusebius Vita Const. I, 25 
den Germanen in den Provinzen zu Theil werden liess: diejenigen nämlich, 
welche sich civilisieren Hessen, durften bleiben; die keine Bildung annahmen, 
trieb er aus dem Lande: vgl. Mone a. a. 0. S. 287. A. 68. 
117) Incert. panegyr. Constantino II, 3: Rhenum toto limite dispositis exer- 
citibus totum reliqueras — quid opus erat ipsi Rheno instructis et militibus 
et classibus quem iam pridem barbaris nationibus virtutis tuae terror 
obslruxerat: vgl. Nazar. panegyr. Constant. 18; Mone a. a. 0. S. 228 f. 



191 

werden konnte, und man die Feinde unversehens zu überfallen hoffte, 
wurden diese von einigen ihrer Landsleute im kaiserlichen Heere ge- 
warnt. Gleichwohl fand der Uebergang des letzteren mittels einer 
Schiffbrücke statt, worauf die bedrohten alaraannischen Fürsten 
Gesandte schickten und Constantius mit Zustimmung des Heeres einen 
Frieden bewilligte , welcher alles Land von Äugst bis zu den Donau- 
quellen in den Händen der Alamannen Hess. Im zweiten Feldzuge (355) 
gegen die Lentienser in der Umgegend des Bodensees drang des 
Kaisers Feldherr Arbetio, wie es scheint, wieder über den Oberrhein, 
den Ufern des Sees folgend, siegreich ins Alamannenland ein, 
ohne dass auch dieser Krieg weitere Folgen gehabt hätte, da der Kaiser 
weder seinen Sieg weiter verfolgte noch auch Frieden schloss. ^^^) Nur 
allzu bald schon zwang ihn jedoch die Noth des Reiches aus dieser 
Unentschiedenheit herauszutreten und sich nach einer kräftigen Unter- 
stützung und Beihilfe umzusehen. Wider Willen zwar und mit bösen 
Hintergedanken, aber durch die steigende Bedrängniss Galliens gezwun- 
gen, berief Constantius seinen Vetter Claudius Julianus zu sich nach 
Mailand, ernannte ihn zum Caesar und betraute ihn mit dem Oberbe- 
fehle in Gallien und am Rheine. Die ganze Lage der Dinge war 
schwierig und gefahrvoll, als Julian seinen Posten antrat und mit nur 
geringer Truppenzahl in sein Hauptquartier Vienne abging. 

Die Germanen hatten die Reichsgrenze von der Quelle bis zur 
Mündung des Rheines überschritten, bewohnten bereits das linke Ufer 
desselben in einer Ausdehnung von 15 Wegstunden und westwärts in 
diesem besetzten Landstriche waren 40—45 Städte völlig verödet und 
ausgeraubt. Julian war entschlossen die deutsche Macht in Gallien 
zu brechen oder unterzugehen; es gelang ihm jenes über alle Erwar- 
tung: eine ganze Reihe glänzender und erfolgreicher Waffenthaten ver- 
schaffte dem so schwer heimgesuchten Gallien dauernde Erleichterung 
und bedeckte ihn mit unvergänglichem Ruhme. ^^^) 

Dass sich diese Waffenthaten Julians als Caesar und Augustus 
über einen Zeitraum von 4 — 5 Jahren (356 — 361) erstreckten, ist er- 
klärlich , wenn man weiss , dass ihr Schauplatz das ganze östliche Gal- 



118) Ueber den ersten Feldzug und Rheinübergang des Constantius s. Julian, orat. 
III p. 129 ed. Sponheim, wo es heisst: f^aaiktbc, Ctü-^iiaoi xal vauol xöv T-?]vov 
Siaßa?; über den zweiten Aramian Marcellin XV, 4, 13: imperator egressus 
in Raetias camposque venu Caninos et digestis diu consilüs, id visum ett 
honestum et utile, ut eo cum militis parte Arbetio magisler equitum cum 
validiore exercitus manu relegens margines lacus Brigantiae 

pergeret, protinus barbaris congressurus: vgl. Huschberg S. 228—233; 
J. J. Rospatt die Vertheidigungskriege der Römer am Rhein (Cöln 1847, 4) 
S. 10 f. ; Mone S. 289 ff. ; v. Wietersheim a. a. 0. III S. 273 f. ; J. F. A. 
Mücke Flavius Claudius Julianus (Gotha 1867, 4) S. 6—12. 

119) Mone S. 292 f. 



192 

lien, insbesondere das gesammte Rheinland, gewesen ist. Nicht minder 
erklärlich ist es daher auch , dass an allen Theilen des gewaltigen 
Grenzstroms Uebergänge Julians stattfanden und dass sich deren im 
Ganzen nicht weniger als fünf aus diesen seinen germanischen Feld- 
zügen mit Sicherheit feststeDen lassen, i^") 

Zuvörderst wissen wir von Julian ^^O selbst, dass er als Caesar 
dreimal über den Ehein gegangen ist. Der erste dieser Rheinüber- 
gänge fand im zweiten Feldzuge gegen die Alamannen 357 n. Chr. 
statt, welche Julian in der blutigen Schlacht bei Strassburg völlig ge- 
schlagen hatte und nunmehr in ihrem eigenen Lande aufsuchen und 
von weiteren Einfällen abschrecken wollte. Obwohl seine Soldaten sich 
anfangs gegen einen üebergang über den Rhein sträubten, so gaben sie 
zuletzt doch den überredenden Worten ihres Feldherrn nach , welcher 
rasch vom Oberrheine nach Mogontiacum hinabzog und dort eine 
Schiffbrücke , über den Fluss schlagen liess , alsbald das Heer hinüber 
führte auf der mehrerwähnten rechtsmainischen Heerstrasse ver- 
wüstend ins Alamannische eindrang, ein dereinst von Kaiser Traian 
angelegtes Castell wieder herstellte und sich sodann nach Gewährung 
eines zehnmonatlichen Waffenstillstandes wieder (im December 357) auf 
das linke Eheinufer zurückzog. ^^-') 



120) üeber die germanischen Feldzüge Julians vgl. Mone S. 292 — 310; Huschberg 
S 239—313; Rospatt S. 11—16; v. Wietersheim S. 299—323; WolflFJulianus 
gegen die Alemannen (Langensalza 1865, 4) 24 S. S. ; Mücke S. 9 — 50 ; 
Brambach a. a. 0. S. 9 f. Die Schrift von J. E, Auer, Kaiser Julian der 
Abtrünnige. Wien 1855, XXIV und 452 S. S., war uns nicht zugänglich. 

121) Epist. ad Athenienses p. 280 ed. Sponheim: xpitov enepatcuO-r^v Kaiaap etc xöv 
T-fjvov. 

W2) Ammlan Marcellin. XVII, 1, 1 : Caesar Tres Tabenias revertit unde cum 
captivis Omnibus praedam Mediomalricos servandam ad reditum usque 
suum duci praecepit et Petitums ipse Mogontiacum, ut ponte com- 
pac to traiisgressusinsuis requireret bar bar os, cum nullum reliquisset in 
nostris, refragante vetabatur exercitu: verum facundia incunditateque 

sermonum adlectum in voluntatem Iraduxerat suam moxque 

ad locum praedictum est ventum, flumine pontibus constratis 
transmisso, occupavere terras Uostiles: Mone S. 302; Rospatt S. 13; 
V. Wietersheim S. 310 f.; Wolff S. 15; Mücke S. 25; Huschberg S. 265. — 
Wenn Mücke den Ort Mogontiacum von Julian zum Uebergangsorte glück- 
lich gewählt glaubt und zwar aus dem Grunde, weil er im Besitze der Stadt 
Mainz das Stromgebiet des Rheines und Maines zugleich beherrschte, so ist 
diess zwar an sich schon durch die Lage von Mainz als richtig anzuerkennen ; 
andererseits aber nicht zu vergessen, dass Mogontiacum überhaupt, wie oben 
mehrfach gezeigt ist, die traditionelle Hauptübergangsstelle am Mittelrheine 
und namentlich der Ausgangspunkt aller Kriegszüge ins Alamannische war. — 
Da Ammian Marcellin zuerst nur von einem pons, weiterhin aber bei dem 
Uebergänge selbst von pontes constrati spricht, so hat Mücke mit 
Unrecht bei Mainz geschlagene ,B rücken" d. h. also wenigstens zwei 



193 

Der zweite Rheinübergang Julians erfolgte im dritten Feldzuge 
gegen die Alamannen im Jahre 358, wahrscheinlich Ende August, nachdem 
der Caesar einen Militäraufstand beschwichtigt hatte, welcher, wie es 
scheint, sowohl durch die absichtliche Vernachlässigung seines Heeres 
von Seiten des argwöhnischen Constantius und seiner Beauftragten als 
auch durch die Ungunst der Witterung und das unthätige Verweilen in einem 
durch den Krieg bereits hart mitgenommenen Lande hervorgerufen war. 
Wie dereinst Germanicus unter ähnlichen Verhältnissen , so glaubte 
auch Julian den aufgeregten Gemüthern der Soldaten durch einen über- 
rheinischen Kriegszug eine ablenkende Beschäftigimg geben zu müssen. 
Er rückte demnach an den Rhein, liess eine Schiffbrücke schlagen, 
drang wiederum in das Alamannische ein , demüthigte die zunächst 
wohnenden Könige Suomar und Hortar und kehrte sodann wieder ins 
Winterlager nach Gallien zurück. Da auf diesem Zuge alles Land an 
den Mündungen des Mains und Neckars, woselbst das Gebiet jener 
Könige lag, unterworfen wurde, so scheint auch dieser Rheinübergang 
wiederum bei Mogontiacum stattgefunden zu haben, woselbst an der 
gewöhnlichen Uebergangsstelle ohne Zweifel noch die beiden Uferseiten 
zwischen Mogontiacum und Castellum im unbestrittenen Besitze der 
Römer waren, demnach also die grösste Sicherheit und Leichtigkeit des 
üebergangs geboten war. '^a^ 

Zum drittenmale ging Julian in seinem vierten Feldzuge gegen 
die Alamannen im Jahre 359 über den Rhein, um noch einige Stämme 
dieses kriegerischen Volkes zu unterwerfen, deren Sitze zumeist auf dem 
rechten Ufer des Neckar im Gebiet des Kocher und der Jaxt zu suchen 
sind. Nachdem er alle Vorbereitungen getroffen, schon in Bingen mit 
seinen Unterbefehlshabern Florentius und Lupicinus zusammengetroffen 
war, rückte er nach Mogontiacum ond sammelte hier seine Streit- 
kräfte. Die Unterbefehlshaber wollten sofort hier schon eine Brücke ge- 
schlagen haben, um ins Alamannische auf dem gewöhnlichen Wege vor- 
zudringen; Julian jedoch, um des befreundeten Königs Suomar Land 



nebeneinander aufgestellte Schiffbrücken für diesen üebergang angenommen, 

welcher jedenfalls, zumal bei der schwierigen Stimmung der Soldaten so rasch 

als möglich ausgeführt werden und zugleich die möglichste Sicherheit des 

Rückzuges bieten musste; vgl. jedoch über pons und puntes Excurs III 

A. 2. 

123) Ammian Marcellin XVII, 10, 1 : Lenito tandem tumuUu nott sine blanditiarum 

genere vario contextoque navali ponle Rheno transito, terris 

Aiamamiorufn calcatis Severus magister equitum bellicoms ante haec et 

inüustrius repentc commarcuit. Mone S. 303 und Mücke S. 32 bezeichnen 

den Ort nicht näher, wo sie den üebergang annehmen; Huschberg S. 283, 

Rospatt S. 15 und Wolff S. 17 halten ihn für wahrscheinlich bei Mainz 

ausgeführt; v. Wietersheim S. 818 meint oberhalb der vorjährigen Stelle, jenseits 

Darmstadt, nach Heidelberg zu. 

13 



194 

vor Gewaltthätigkoiten zu schonen, lehnte den Uebergang hier ab. ^^*) Als 
nun aber gar erst die benachbarten alamannischen Könige auf die Kunde 
von dem beabsichtigten Einfalle der Römer die Auflbrderung an Suomar 
richteten, die Römer am Uebergange zu hindern, und auf dessen Erwie- 
derung, er allein sei ausser Stand dazu, mit grossen Streitmassen Mo- 
gontiacura gegenüber zur Verhinderung des Ueberganges erschienen: 
so konnte Julian vollends an Brückenschlag bei vorgenannter Stadt 
nicht denken , ohne sein Heer den grössten Gefahren auszusetzen und 
beschloss daher, einen hierzu geeigneteren Ort aufzusuchen. ^-^) Da aber 
die Alamannen den nunmehr auf dem linken Ufer rheinaufwärts ziehenden 
Julian nicht aus den Augen Hessen, so verbarg er eine Abtheilujig Soldaten 
in einem Thale, zog weiter und Hess sodann von seinem nächsten Lager 
aus an dem Abende desselben Tages den versteckten Soldaten den Be- 
fehl zugehen, auf 40 Kähnen ohne Ruderschlag nächtlicherweile strom- 
abwärts zu fahren, jenseits zu landen und die Alamannen zu überfallen. 
Diess geschah, und die in eben jener Nacht bei König Hortar zum 
Schmause versammelten Fürsten entrannen mit genauer Noth dem 
Untergange. Nunmehr ging JuHan mit dem Hauptheere zurück, schlug 
dem Landungsplatze jener gegenüber eine Schiffbrücke über den 
Strom, setzte das Heer über und drang weiter als jemals in das Herz 
des feindHchen Landes, etwa 15 Meilen weit bis in die Gegend des 
heutigen Hall an dem Kocher in Würtemberg. ^^e) Der Ort, an welchem 



12*) Ammian Marcellin XVIII, 2, 7: — incitatis viribus omnes venire Mogon- 
tiacujn, ubi Florentio et Lupicino destinate certantibus per pontem 
illic constitutum transiri debere, renitebalur finnissime Caesar, ad- 
serens pacatorum lerras non debere calcari, ne — abrupte foedera fran- 
gerentur. 

125) Ammian Marcellin XVIII, 2, 8: klamanni tarnen omnes quos petebat exer- 
citus. confine periculum cogitantes , Suomariu?n regem atnicum nobis ex 
pactione praetenta monuerunt minaciter, ut a trau situ Romanos 
arceret. Eius enitn pagi Rheni ripis ulterioribus adhaerebant, quo tes- 
tante resistere solum Jion posse , in unum coacta barbarica multitudo venit 
prope aiog ontiacum prohibila viribus magnis exercitum, ne trans- 
mitteret ßumen. Gemina itaque ratiom Visum est habite ; quod Caesar 
suaserat, ne pacatorum terrae corrwnpereJitur, neve renitente pugnacissima 
plebe paus cum multorum discrimine iungeretur, iri in locum 
ad compaginandam pontem aptissimum. — Der vorstehende Bericht 
wird wesentlich ergänzt durch Libanius orat. funeb. I. p. 551 ed. Reiske, 
welcher den ganzen Vorgang weit klarer und genauer erzählt: insbesondere 
sind die Worte : ol fi ivaoTpe'^avxe? eCeuyvuov , ujpfxa)|xevoi te e^ olxeituv xal te- 
XeoTöivTE? el^ TÖv xaTe'J,Yi|Xfj.Evov in doppelter Hinsicht bemerkenswerth, wie sich 
weiterhin zeigen wird : vgl. Ammian Marcellin ed. Wagner — Erfurdt vol. II 
p. 301. 

"«) Ammian Marcellin XVIII, 2. 14: cognito deinde Romanorum transitu — 
perculsi reges eorumque populi (Alamannorum) qui pontem ne strueretur, 
studio servabant intento , metu exhorrescentes diffuso vertuntur in pedes 



195 

jene Schiffbrücke aufgeführt wurde, ist nicht näher zu bestimmen und 
kann nur vermuthet werden. Die Lage des von König Hortar be- 
herrschten Gebietes am linken Ufer des Neckar, welches Julian zuerst 
nach seinem Kheinübergange durchzog, um in die weiter ostwärts ge- 
legenen Gaue der andern alamannischen Fürsten einzudringen, macht 
es glaublich, dass der Uebergang unweit Speier stattgefunden hat. 
Dabei ist jedoch mit Mone und Wolf nur an eine Stelle unterhalb 
dieser Stadt zu denken, da einestheils Julian offenbar sich nicht allzu 
lange und allzu weit aus der Gegend von Mainz entfernte, als er mittels 
jener List sich den Uebergang über den Strom erzwang, anderntheils 
aber die von Libanius (vgl. A. 125) überlieferte Versteckung jener 
obenerwähnten Soldatenabtheilung in einem Thale eher auf die Gegend 
zwischen Mainz und Worms hinweisen dürfte, i^'^) 

Diesen drei Rheinübergängen Julians als Caesar reihen sich nun, 
wie oben bemerkt, noch zwei weitere an, welche er nach seiner Er- 
hebung zum August US am Schlüsse seiner ruhmvollen und erfolg- 
reichen Kämpfe zur Befreiung Galliens und zur Sicherstellung der Rhein- 
grenze zu unternehmen veranlasst war. Die Veranlassung zu dem 
vierten Rheinübergange Julians war aber folgende. Als der neue gegen 
seinen Willen von dem Heere zur höchsten Reichswürde erhobene 
Augustus sah, dass der Kampf mit Constantius unvermeidlich sein werde, 
glaubte er zuvor noch, wie er mit den Alamannen gethan, auch die 
Franken durch einen nochmaligen Kriegszug einschüchtern und die 
Grenze am Niederrhein sichern zu müssen. Besondere Gelegenheit boten 
ihm hierbei die Attuarier (im jetzigen Geldern), welchen die Zwie- 
tracht zwischen den beiden Kaisern sicherlich nicht unbekannt geblieben 
war und zu verwüstenden Streifzügen nach Gallien Anlass gegeben 
haben mochte. Sie waren nicht wenig erstaunt, als Julian plötzlich 
im Jahre 360 vor Tricesima (Xanten) erschien, i^**) den Rhein (zum 



statitnqne (lilpiaälafe omni dcpulsa, po iite con Strato . sollicitnnim 

yenthim opinione piaermta, risus in barbarico iniles, per llortarii regna 
trunsihat intactu ; üIkü- das auf diesem Feldzuge erreiclite Ziel, die Grenze 
der Alamannen und lUirgimder, s. Ammian Marcellin XVIII, 2, l.'). 

y») Mone S. 305; Wolil' S. 19; Rospatt S. 15; v. ^W ieterslieim S. 321 und Mücke 
S, 38 äussern sich nicht näher übei den muthmasslichen Standort dieser 
Rheinbrücke Julians. Huschberg S. 2110 nimmt ihn Jn ziemlicher Ferne 
südlich von Mainz" an. 

IS") Ammian Marcellin XX, K», 1 und 2: Mlianns tarnen iam celsiore fortuna 
mUitisque fiducia laelior. ne intepcsceret nere nt reniissns argueretur et 
deses, legatis ad Conslantiuin missis, in limitem üermaniae secundae est 
egresstts omnique adpaialu, (jueni ßagilabat instans negotiw/i, communitus, 
Tricensimae oppido propiniiuabat. Rlieno exinde transmisso 
regionem subito pervasil Frit/nonnn, quos Attuniios rocunt, in(]nietunnn 
hominum, licentius etiam tum percursantium extima Galliarum. Libanius 



196 

viertenmale) überschritt und trotz der rauhen und schroffen Wege, auf 
welche sie vertraut hatten, unter ihnen war. In einem dreimonat- 
lichen Feldzuge fügte er ihnen ungeheure Verluste an Todten und Ge- 
tangenen zu und diktierte den Uebrigen sodann den Frieden. Hierauf 
bereiste er die ganze Kheinlinie bis Basel , untersuchte überall die Ver- 
theidigungsmittel und kehrte sodann in die VVinter(iuartiere nach Vienne 
zurück. Am bedeutsamsten ist bei diesem vierten Kheiuübergange Julians 
ohne Zweifel der Ort, bei welchem er bewerkstelligt wurde: es war die 
Stadt Tricesima, welche bekanntlich diesen ihren Namen erhielt von 
der nach Ulpius Traianus benannten und dort stationierten leyio tricesima 
Ulpia victrix: der Ort kommt daher auch vor unter dem Namen castra 
Ulpia oder colonia Traiana, da Trajan dort eine Soldatencolonie angelegt 
hatte : alle diese Namen bezeichnen nur einen und denselben Ort, welcher 
vor und bis Traian Veter a castra genannt worden und als traditio- 
neller Uebergangspunkt. wie oben gezeigt ist, bekannt und benutzt 
war. Daraus erklärt sich zur Genüge, warum Julian gerade auf 
diesen Ort los- und bei demselben über den Khein ging. '^'') 

Der fünfte und letzte liheinübergang Julians endlich fand im 
Frühjahre 361 statt, als er bereits Alles wohlgeordnet glaubte, um in 
den Orient gegen den Constantius aufzubrechen. Auf des letzteren An- 
regung hin war der alamannische König Vadomar in Kaetien einge- 
fallen und raubte weit und breit das Land aus. Sofort entsendete Julian 
von Vienne aus den comes Libino mit bewährten Truppen ab, welcher 
durch das Juragebirge nach dem Rheine hin vordrang, über den Strom 



orat. funebr. 1. p. hhl ed. Keisk. sagt über diese Expedition Julians; iXa-ujv 
o'EJtl TÖv Tyjvov, xoil oei^a? toIc; ßotpß'xpo'.^ tyjv xetpaX-i^v xctl oeotepot? n^v-oic, xät; 
öjioXofiac Evo-f]aac Ix^z^zy Itz: töv äxoüoiov aYtüva. Den Feldzug nennt Julian 
selbst einen dreimonatliclion in seinem Briefe an den Philosophen Maximinus 
Kpist. XXXVIIl. p. 4M, ed. Spanheim; vgl. Rospatt S. Iti, v. Wietersheim S. 
322, Mücke S. 47. Hone gedenkt S. 308 dieses Feldzuges gegen die Attuarier 
nur vorübergehend; Wolff hat ihn ganz übergangen; Kichter a. a. 0. 141; 
Huschberg S. 302. 
'■■'5') Auf diese Bereisung der ganzen Kheinlinie bis Basel-Augst bezieht sich 
ohne Zweifel folgende Stelle des Eunapios excerpta e legatt. p. 17 ed. Labbe 
1 p. 467 ed. Boissonade: (Julianus) t-tjv irpsoßetav eote^Xe (zum Vadomar) xal 
aÖTOC eiJTETo TTJ 7ipEi;^ciot anb NsfiEiojv a[>fj.c, ejtI töv Ttjvov TjOY] te y|v Tipöc Toic 
Taoprixrjtc, o EGTi cf.pr>6ptov. Stiilin Wirteniberg. (Jesch. I 128 n. 1 bezog diese 
Notiz auf Julians dritten Kheiniibergang, den er darnach bei Speier annahm 
und Wolff S. 19 A. 5 stimmt ihm bei, da dieselbe bloss auf den vorge- 
nannten Uebergang passe. Monc S. 305 A. 102 dagegen bestreitet die Be- 
ziehung dieser Worte auf einen Rheinübergang, welcher zudem bei den Ver- 
handlungen mit Vadomar unnüthig und gefährlich zugleich gewesen wäre. 
Er findet darin nur die Angabe, Julian sei von Speier nach dem Rheine zu, 
sodann aber auf dem linken Ufer bis Äugst (zu den Eaurikern) gezogen und 
erinnert (S. 308 A. 107) an die von Zosimus (III, 4) berichteten Verhandlungen 



197 

setzte, bei dem Orte Sanctio aber als das Opfer eigener Tollkühnheit 
fiel, worauf seine Trujjpen mit einigen Verlusten das Feld räumen mussten. '-^o) 
Julian durch aufgefangene Briefe von der Treulosigkeit Vadomars über- 
zeugt, Hess denselben, der sich bei den römischen Feldwachen einzu- 
finden pflegte, scheinbar um seine freundlichen Gesinnungen zu bezeugen, 
in der That aber um zu spionieren, durch seinen Geheimschreiber Phila- 
grius verhaften und nach dem fernen Spanien abführen. Diese Gefangen- 
nahme Vadomars genügte Julian aber noch nicht : auch sein Volk musste 
noch für die Niederlage von Sanctio gezüchtigt werden, wenn Julian 
seine Rüstungen ruhig vollenden und ohne Aufstände in seinem Rücken 
befürchten zu müssen, dem Coustantius entgegenziehen wollte. 

In grösster Raschheit brach er daher von Vienne auf, ging i n d e r t ie- 
fen Stille der Nacht über den Rhein und überwältigte schnell 
den kurzen Widerstand der überraschten Feinde, welche sich mit ihrer 
ganzen Habe ergeben und dauernden Frieden versprechen mussten. ^^i) 
Da Julian die Absicht hatte, mit seinem Heere längs der Donau hin 
nach Pannonien und Constantinopel zu ziehen, so kann nach dem ganzen 
Stande der Dinge, insbesondere mit Rücksicht auf die geographische 
Lage des Vadomar' sehen Gebietes , dieser letzte Rheinübergang Julians 
nur bei Basel- Äugst im Gebiete der alten Rauriker stattgefunden 
haben. Mit dieser Expedition gegen das Volk Vadomars beendigte Julian 
seine Kriegszüge gegen die Alamannen und Franken: es können deren 
sechs aufgezählt werden, während welcher er den Rhein fünfmal über- 
schritten hatte. Die drei ersten dieser Rheinübergänge fanden am 



mit Vadomar iUter die .An.sweciislutig der in dessen Gewalt befindlichen römi- 
schen (iefani^enen. Es ist klar, dass diese Stelle des Eunapios besser hierher 
bezogen wird und in den Zusannnenhang dieser 'l'hatsachen besser passt, als 
in die Erzählung der Vorgänge, welche den dritten Rheinübergang Julians be- 
gleiten, bei welchem letzterer nach \inserer Annahme nicht einmal bis Speier 
kam, geschweige denn bis Hasel-Angst, wohin er damals weder vor noch nach 
.seinem Rheinübergange gekommen sein kann. 

'•^") Vgl. Ammian Marcellin XXI. 3, 3; Mone S. 808, Rospatt S. 1(3, v. Wieters- 
heim S. 29:5, Wollt" S. 21, Mücke S. 48. 

•:") Ammian Marcellin XXI, 4, 8: Hoc casu elatior Julianus, regis opinione 
citius intercepti, quem profecturus ad lonyiiKiua fortnUlaöat, uikil remitlen- 
tihns curis harbaros adoriri disposnif. 'juos peremisse Libinonem comilem 
hl cout/ressu cum inilitibus ducuiinus paucis. Et ne rumor adventus sui 
cos ad remotiora traduceiet, super ato Elieno noctis silentio, cum 
audiliorwn expeditissimis (ilobis, nihil metuentes huius tnodi circumvenit 
ctt — Auch Libiinius a. a O. p. 286 erzählt diese letzte Expedition des Julian 
gegen die .\laiiuinnen und gibt dabei besonders über das Verhältniss der ala- 
mannischen Könige zu Konstantins Aufklärung. Im Uebrigen besprechen denselben 
Kriegszug und Julians letzten Rheinübergang Mone S. 310, Rospatt S. 10^ 
V Wietersheim S. 293, Wolff S. 22, der diesen Uebergang jedoch irrthümlich 
als den vierten bezeichnet, Mücke S. 49, Huschberg S. 306 f. 



198 

Mittelrheine statt, zwei davon bei Mogontiacum, der dritte wohl zwischen 
Mogontiacum und Borbitomagus (Worms) ; die beiden letzten vertheilen 
sich auf den Niederrhein bei Tricesima und den Oberrhein bei Augusta 
Kauricorum. Mit vollem Kechte konnte Julian daher in der an sein 
Heer gerichteten Ansprache bei einem Rückblicke auf seine germanischen 
Kriegszüge es rühmen, dass er den Rhein gang- und überschreit- 
bar gemacht habe. "2) 

Wie vordem der Tod des tapfern Probus, so Avurde auch der des 
Julian das Signal eines allgemeinen Einbruches der Feinde des römischen 
Reiches über dessen Grenzen, ^^^) und insbesondere waren es wiederum 
die Alamannen, welche das ihnen von Julian auferlegte Joch abzu- 
schütteln bemüht waren. Die verächtliche Behandlung, welche ihnen 
durch Julians ebenbürtigen Nachfolger Valentinian I (an den nach dem 
rasch erfolgten Tode des Jovia n die Herrschaft gekommen war) zu Theil 
wurde, veranlasste sofort den Wiederbeginn ihrer Raubzüge zu Ende d. J. 
365 und Anfangs 366, währe nd im folgenden Jahre Franken und Sachsen 
plündernd die Gegenden des Niederrheins überfielen, i''-^) Valentinian traf 
alsbald , ganz und gar im Geiste Julians handelnd , umfassende Vor- 
kehrungen zu einem grossen und nachhaltigen Kriege gegen die Ala- 
mannen, ernannte seinen neunjährigen Sohn Gratian znm Mitregenten 
(367), bestimmte ihn ganz eigentlich für den deutschen Krieg ^^s) und 
concentrierte seine Streitkräfte zuerst, wie es scheint, am Mittelrheine, 
woselbst Vithicab, Vadomars Sohn, der gefährlichste Gegner war. i-''*"') 

Nach der Ermordung Vithicabs versuchte der Kaiser einen Hauptschlag 
gegen die Alamannen auszuführen. Die Eröffnung des Feldzuges mochte 
dabei der Ueberfall des von Besatzungstruppen entblössten Mogontiacum 
durch einen alamannischen Heeresfürsten Rando veranlasst haben, welcher 
vielleicht ein Angehöriger der Familie des Vithicab war. i'^') Bald nach 



132) Ammian Marcellin XXI, 5, 3: aröitrio dei coelestis vobis inter ipsos iu- 
ventue rudimenta pennistus, irruptiones Alamannorum adsiduus et Fran- 
corum popiilandiQue iugem licentiam fregi: et vigore communi Romanis 
agminibus, quoties libet, Rhenum p ervium feci. 

133) Vgl V. Wietersheim a. a. 0. III 392. 
184) Richter a. a. 0. S. 358—359. 

'38) Bei Ammian Marcellin XXVII, 6, 12 sagt daher Valentinian zu seinem kleinen 
Sohne: adsuesce impavidus penetrare cum agminibus peditutn gelu per- 
vi OS Histrum et Rliemun. Vgl. Huüchberg S. 326. 

136) Richter a. a. 0. S. 360-361. 

13') Ammian Marcellin XXVII, 10, 1 : Sub idem fere tempus Valetitiniano ad 
expeditionem, caute ut rebatur. profecto, Alama?mus regalis. Rando no- 
mine., diu praestruens, qmd cogitabat, Mogontiacum praesidiis vacuum, 
cum expeditis ad latrocinandum latenter irrepsit. Et quomam casu Chris- 
tiani ritus invenit celebrari solleinnitalem. impraepedite cuiusque tnodi 
fortunae virile et muliebre secus cum supellectili non parva indefensum 



199 

diesem während einer christlichen Festfeier (wahrscheinlich des Oster- 
festes) erfolgten Ueberfalle begann Valentinian den Kriegszug im Vor- 
sommer des Jahres 368 durch einen Kh ein Übergang, drang in das 
Land der Alamannen ein, lieferte ihnen zuerst ein Gefecht unweit der 
Donau quelle, warf sie dann über Neckar und Lopodunum (Laden- 
burg am unteren Neckar) zurück, drang bis nach Solicinium (wahrschein- 
lich am oberen Flusse) vor und kehrte sodann wieder in seine Kesidenz 
nach Trier zurück, i^*^) Die ganze im verkennbare Richtung dieser Ex- 
pedition zeigt zur Genüge, dass dieser erste Rheinübergang Valentinians 
nicht am Mittel-, sondern am Ob er rh eine stattgefunden und höchst 
wahrscheinlich von der heutigen Schweiz aus, vielleicht unweit der 
Aarmündung, bewerkstelligt worden ist. Es kann aber weiter wohl 
ebenso wenig einem Zweifel unterliegen , dass Symmachus in seiner im 
Jahre 369 gehaltenen Lobrede auf den Valentinian nur diesen Rhein- 
übergang gemeint haben kann, welchen er mit so grosser Anschaulich- 
keit schildert. i39) 

abduxit. Dass Rando vielleicht dem Hause Vithicabs angehört habe, bemerkt 
V. Wietershcim a. a. 0. S. 401. 

i38j Amniian Marcellin XXVII, 10, 6: contractu vjitur undique mole maxima 
catervarum, armis et subsiüiis rei cibariue äiligenter instructu, accitoque 
Sebnstiano comite cum Illyriis et Italicis numeris, quos regebat, 
anni tempore iam tepente Vale?itmia7ius eum Gratiuno Bhenum 
tra?isffressus resistente neniine divisis agjninibus quadratis ipse medius 
incedebat, Jovino et Severo inagistris rei castrensis altrinsecus ordinum 
lalera servantibus, ne repentino invaderentur adsultu: Zosim. IV, 9; Auson. 
Mosell. 1, 424 und 423 (ho^tibus exactis Nicrum super et Lopodunum). 

139) Vgl. Symmach. laud. in Valent. sen. aug. II p. 22—23 ed. B. G. Niebuhr. 
und Excurs III.; leider sind die Mittheilungen des Symmachus a. a. 0. II, 
3 und 19 zu bruchstücklich und unbestimmt, als dass daraus etwas mit Sicher- 
heit entnommen werden könnte. Daher ist auch keinerlei Entscheidung darüber 
möglich, wo und wann Valentinian den Rhein überschritten habe, als er, nach 
Symmachus, einmal einen alamannischen Gau überfallen und ohne Blutver- 
giessen unterworfen haben soll. Ueber den Ort des ersten Rhein Überganges 
des Valentinian kann nach den Andeutungen des Ausonius kaum ein Zweifel 
sein: daher haben auch Huschberg S. 330 unter Beistimraung von v. Wieters- 
heim a.a.O. S. 398 und Richter S. 2G1 den Uebergangspunkt in die heutige 
Schweiz verlegt, indem ihn Huschberg bei Äugst oder Seckingen, letzterer 
bei der Aarmündung annimmt Offenbar war Valentinian mit dem Gros 
der aus Gallien zusammengezogenen Truppenmacht vom Mittel- an den Ober- 
rhein gezogen, um sich vor allem mit den von Süden heranziehenden Illyrischen 
und Italischen Corps zu vereinigen. Es bedurfte daher keines Seitenangriffs 
der Besatzungen in Äugst und Windisch, wie Mone S. 329 A. 143 anzuneh- 
men genöthigt ist. Steiner a. a. 0. S. 98 setzt die Uebergangsstelle zwischen 
Worms und Speier, Schaab Gesch. der Bundesfestung Mainz S. 59 bei 
Worms, ebenso Mone a. a. 0., verleitet durch zwei durchaus nicht fest- 
stehende Datierungen Valentinianischer Rescripte aus Alteium (was Mone auf 
Altiaium, Alzei in Rheinhessen, bezieht) vom 4. April nnd aus Vaugionse 



200 

Wiewohl nun Kaiser Valentinian, mit den grossartigsten Anstalten 
zur Verstärkung der Kheingrenze beschäftigt, den grössten Theil des 
Jahres 369 *") und wohl auch 370 am Rheine verweilte, so kam es doch 
erst wieder im Jahre 371 zu einem neuen Rheinübergange. Wie 
fmher Vithicab, so war jetzt der gefährlichste Gegner unter den Alamannen 
der König Macrian , Fürst der Bucinobanten , welche in dem Mogontiacum 
gegenüberliegenden Landstriche sich niedergelassen hatten. Hatte sich 
Valentinian des Vithicab durch Mord entledigt, so sollte nunmehr 
Macrian durch Ueberfall und Gefangennahme unschädlich gemacht wer- 
den. Eine günstige Gelegenheit schien sich dazu darzubieten, als Va- 
lentinian durch Ueberläufer erfahren hatte, dass Macrian sich (es war 
im Sommer 371) in den Bädern von Wiesbaden aufhalte. In aller Stille 
liess der Kaiser eine Schiffbrücke über den Rhein aufführen, die nur 
bei Mogontiacum gestanden haben kann, und den General des Fuss- 
volks nach Wiesbaden vorausziehen, während er selbst mit den übrigen 
Truppen folgte. Macrian, überfallen, fand noch Zeit sich auf einem 
schnellen Fuhrwerke in den nahen Taunus zu flüchten, während Valen- 
tinian, ergrimmt über das Misslingen des Handstreiches, im weiten Um- 
kreise das Land verwüsten liess und dann nach Trier zurückkehrte. i*\) 



(Worms) vom 31. Juli 368. Aber das erste Datum bezeichnet die Consulen 
des Jahres 365 (vgl. Cod. Theod. X, 4, 3 p. 986* ed. Boecking), das letztere 
wird ins Jahr 365 gesetzt, geliört aber wahrscheinlich ins Jahr 368 (vgl. C. 
T. XIII, 6, 3 p. 1347*). Ist letzteres begründet, so beweiset es immer nocii 
nichts für einen damaligen Rheinübergang bei Worms, da Valentinian ent- 
weder auf dem Hinzuge nach dem Oberrheine oder wahrscheinlicher noch auf 
der Rückkehr nach Trier jenes Rescript in Worms erlassen haben kann. 
Die Notiz des Ammian , dass der Feldziig anni tempore iam tepente 
(wie doch wohl zu lesen ist) eröffnet worden sei, also wohl Ende April oder 
Anfangs Mai, lässt die Rückkehr des Kaisers recht wohl für Ende Juli 
denkbar erscheinen. Rospatt a. a. 0. S. 17 spricht sich gar nicht über 
die Uebergangsstelle aus, Dilthey in Künzels Gesch. v. Hessen S. 87 nimmt 
Mogontiacum an. 

1*0) Den längeren Aufenthalt Valentinians am Rheine während des Jahres 369 
bezeugen die Datierungen einer Reihe von Rescripten aus einem unbekannten 
Orte Complatum, der ebenfalls nicht weit vom Rheine gelegen haben mag, 
vom 16. Mai, aus Mattiacum (denn so ist wohl zu lesen und Wiesbaden zu 
verstehen) vom 4. Juni; aus Alta ripa (Altrip) vom 19. Juni, aus Brisiacum 
(Breisach) vom 30. August 369: vgl. Cod. Theod. VIII, 7, lU p. 759*; X, 
19, 6 p. 1024*; XI, 31, 4 p. 1159*; VI, 35, 8 p. 604* ed. Boeking. Die An- 
wesenheit Valentinians zu Mattiacum (Wiesbaden) am 4. Juni 369 hat nichts 
auffallendes, da er jedenfalls bei seiner durchgängigen Verstärkung der Rhein- 
castelle auf beiden Stromufern auch die Castelle zu Castel und Wiesbaden 
auf dem rechten Ufer um so weniger wird ausser Acht gelassen haben, als 
hier gerade der Uebergangspunct nach Mitteldeutschland und ins Herz des 
Alamannenlandes war. 

'*') Ammian MaretUin XXIX, 4, 2: AyUubatar aiilem inter nmltiplices curas 



201 

In den nächsten vier Jahren führte Valentinian keinen Krieg gegen 
die Alamannen, sondern setzte die Befestigung der Rheingrenze rührig 
fort auf beiden Ufern des Flusses. Der Einfall der Quaden aber nöthigte 
ihn denQ Osten zu Hilfe zu kommen ; da er aber Gallien nicht verlassen 
konnte, ohne mit dem mächtigen und gefährlichen Macrian Frieden zu 
haben, so musste sich der sonst so stolze Kaiser zu einem persönlichen 
Friedensschlüsse mit Macrian herbeilassen, welcher letztern beruhigte 
und zu dauerndem Frieden mit dem ganzen Alamannenvolke vom Maine 
bis zum Bodensee führte. Zu dieser Zusammenkunft im Frühjahre 374 
wurde Macrian Mogontiacum gegenüber eingeladen, so dass also 
wohl die Unterredung in oder bei Castellum Mattiacorum (Castel) statt- 
fand. Mit stolzen Geberden und dem Gefühle, der eigentliche Schiedsrichter 
über den Frieden und dessen Bedingungen zu sein , erschien Macrian 
am rechten Rheinufer zur Unterredung. Valentinian , umgeben von dem 
vollen Pompe des reichen augustischen Kriegsgefolges , auf dessen gol- 



id omnium primum et potissimum. nt Mucriamun regem auctum inter 
nmtutiones crebras sententiarum, iainque in nostros adultis viribus ex- 
suryentem, vi superstitem raperet vel insiUiis, ut multo ante Sudomarium 
Julianus: et provisis unae negotium poscebat et tempus, cognituque trans- 
fugarum indiciis, ubi comprehendi nihil opperiens poterit antedictus, 
tacite, quantum concessit facultas, ne qui conserendo officeretponti, 
iunxit navibus H heuum. El antegressus contra Mattiacas 
aquas primus Severus. qui pedestrem curabat exercitum, perpensa militum 
paucitate territos stellt, tiwens, ne resistere nequiens, irruentium oppri- 
merelur hostilium agminum mole. Da säiniutiiche liesciipte Valentiuians 
aus dem Jahre 371 aus Trier oder dem nahen Contionacum (Conz) datiert sind, 
mitAusnalime eines einzigen, welches unter dem G. September zu Mogontiacum 
ausgestellt ist, so darf man hieraus mit ziemlicher Sicherheit schliessen, dass 
der Kheinübergang zum Ueberfalle Macrians im Spätsommer dieses Jahres, 
vielleicht gegen Ende August stattgefunden hat: vgl. Cod. Theod. XV, 7, 2 
p. 1455* ed. Boecking. Mone S. 333 und Dilthey S. 87 nehmen den dama- 
ligen Flussübergang ausdrücklich bei Mainz an, stillschweigend wohl auch 
Rospatt S. 18 f., Steiner S. 79; Schaab S. 60 bei Budenheim am s. g. Heiden- 
fahrt, eine Stunde unterhalb Mainz ; ohne nähere Bezeichnung lassen den Ort 
des Ueberganges Richter S. 264 und v. Wietersheim S. 403 f., welcher den 
kranken Macrian an die Quellen von Soden zu versetzen geneigt ist, während 
doch der Bericht des Ammian unverkennbar nicht blos auf einen Aufenthalt 
des alamannischen Königs in der Nähe des Rheine, wie v. Wietersheim 
seihst zugibt, sondern auf die aquae Mattiacae d. h. Wiesbaden hinführt. Diese 
unzweideutige Erwähnung der Matliakischen Heilquellen, das ganz singulär 
dastehende Ortsdatum Mogontiacum des vorerwähnten Valentinianischen Re- 
scripts, die Wohnsitze der Bucinobanten, deren König Macrian war, letzterer 
Stadt gegenüber (quae contra Mogontiacum gern est Alamanna sagt 
Ammian Marcellin XXIX, 4, 7), die ebenso klar bezeichnete Stelle des dritten 
Rheinübergangs Valentinians und seiner Zusammenkunft mit Macrian lassen 
keinen Zweifel übrig bezüglich der Stelle des Stromüberganges von 371; 
vgl. Huschberg S. 346. 

13* 



202 

denen Panzern, Feldzeichen. Ketten und Helmen die Sonne blitzte, be- 
stieg mit seinen Begleitern die bereitgehaltenen Flusskähne und fuhr 
dem rechten Kheinufer zu, dortselbst empfangen von dem lauten trotzi- 
gen Murren und den unehrerbietigen Geberden der am Ufer versammelten 
Alaniannen. Nachdem sich das Getöse gelegt hatte, begannen die Friedens- 
verhandlungen, deren Resultat oben angedeutet ist und nach deren Ab- 
schluss der Kaiser nach Trier zurückging, '•*"') um alsbald nach Pannonien 
gegen die Quaden aufzubrechen und dort von jähem Tode (375) ereilt 
zu werden. 

Schon drei Jahre nach Valentinians Tod sah sich sein Sohn und 
Nachfolger im Westen, der junge Gratian (375 — 383), zu neuen 
Kämpfen gegen die Alamannen gezwungen. Wie schon oben (A. 5) be- 
merkt, gingen die alamannischen Lentienser im Monate Februar 378 
über den zugefrornen Rhein und brachen in die heutige Nordschweiz 
plündernd ein. Alsbald sammelte Gratian seine Schaaren und drang 
im Mai desselben Jahres in ihr Land ein, dessen Lage die Richtung 
dieser Expedition vermuthen lässt. Wie vordem zu Zeiten des Constantius L 
werden auch diesesmal die Alamannen über Vindonissa (Windisch) und 
den Rhein in ihr Gebiet zurückgeschlagen worden sein. (A. 114). Gratian 

i«) Animian Marcellin XXX, 8, 9: Quin iyitnr ubeunte uuctumno inulta 
impediebat et aspera, udintebantur per reylam optimales^ ut adusque 
pr incipium veris ornutum eum pertinerent et exuratum: primum 
durata pruinis itinera, ubi nee adultae in pastnm tierbae reperirentur, 
nee caetera usni congrnu. penefrari non passe firmantes: dein neinurum 
Galliis regum immanitatem , maximeqne omnium Maeriani nl formidati 
tune praetendentes. quem eonstabat impaeatum reliclum, elium ipso \irbinm 
moenia Haec memorantes addentesque utilia, reduxere eum { Valentinianmn) 
in meliorem sententium: statimque, ut eonducebat rei eommuni, prope 
Mogontiacum blandius rex antedietus uecitur proelivis ipse quuque 
ad exeipiendum foedus, ut adparebat. Et venit immune quo quantoque 
flatii distentus, ut futurus arbiter super ior paeis: dieque prae diclo 
colloquii ad ipsam marg inem liheni caput altius erigens stetit, 
Mnc inde sofiitu scu/orum intonanfe gentilium. Contra Augustus ad- 
seensis amnieis lern bis saepius ipse quoque multitudine castrensimn 
ordinum, tutius prope ripas accessit, signorum fulgentium nitore 
conspicuus : et immodestis gestibus murmureqtie burburico tandem sedato, 
post dicta et audita ultro citroque versus, amicitia media saeramenti fidc 
firmatur. Eine anziehende Beschreibung dieser Zusammenkunft gibt nach 
Amniian Richter iS. 266 f. vgl. Rospatt S. 19, Mone S. 334, Dilthey S. 87, 
Steiner S. 79; v. Wietersheim a. a. 0. S. 404 bemerkt über diese Fahrt Va- 
lentinians nach dem rechten Ufer: ,,ob derselbe jenseits landete, oder vom 
Schifte aus verhandelte, erhellt aus Ammian nicht. Doch ist ersteres ungleich 
wahrscheinlicher." Uns scheint die Unterredung kaum anders als am Ufer 
selbst gehalten worden zu sein, zumal der erste Schritt von Valentinians 
Seite geschah und der König Macrian ans Ufer, Mainz gegenüber, eingeladen 
worden war (accitur sagt Ammian). Huschberg S. 351 lässt Macrian am 
rechten Ufer des Rheines, unweit von dem gegenüberliegenden Mainz erscheinen. 



203 

ging daher ohne Zweifel am b e r vh e i n e in dei- heutigen Schweiz 
und vielleicht wiederum unweit der Aarmündung über den Strom, 
wo der erste Rheinübergang Valentiuians den Weg zeigen mochte , wenn 
nicht noch weiter östlich, etwa im heutigen Thurgau ein kürzerer 
Weg in den Linzgau sich darbot. Docli blieb diese Expedition Gratians 
ohne naclihaltigen Erfolg."') 

Die letzten Kheinübergänge Römischer Heere erfolgten gegen 
Ende des 4. Jahrlninderts , als das westliche Reich mehr und mehr 
seinem Untergange zuwankte. Im Jahre 388 fand ein neuer und ge- 
waltiger Einfall der Frauken unter drei Anführern in Gallien statt. Es 
berichtet Gregor von Tours, dass sie Alles mit Feuer und Schwert ver- 
heert und selbst Cöln in Schrecken gesetzt hätten. Die von Kaiser 
Maximus über Gallien gesetzten Befehlshaber Nanninus und Quinctinus 
sammelten ein Heer , rückten nach Cöln und schlugen die zurück- 
gebliebenen Reste der Plünderer auf dem linken Ufer der Maas. Während 
nun Nanninus eine weitere Verfolgung der Feinde über den Rhein nicht 
für ratlisam hielt und nach Mogontiacum zurückkehrte, setzte Quinctinus 
zu Neuss über den Rhein, erlitt aber auf dem Rückzuge eine 
schwere Niederlage. Im folgenden Jahre 389 rüstete Arbogastes, 
ein Franke, der nach der Ermordung des Victor, Sohns des Maximus, 

»■»3) Animian Marcellin XXXI, 1<», 11: hac 'acti succesmü fulucia Gratianus 
erectxis. iaiiKjue od iKiiles lendena Eons, la evorsus flexo itiuere 
tat enter Une no transito, spe incitatior bona, miirersam (si iil tentanli 
fürs acijvisset) tielere staltdt //lulefidaiii et turbarum twidain yentein. Für 
den Uebergaiig am Oberrheinc im heutigen Thurgau entscheidet sich mit 
Recht Richter S. 481, ebenso Huschberg S. 258, der ihn oberhalb Basel 
setzt: vgl. auch Kospatt S. 19. tianz anders deutet Mone S. ii37 die Worte, 
Ammians, indem er den Gratian von Horburg (Argcntaria) an der 111 bei 
Colmar, woselbst die Alamaiinen eine blutige Niederlage durch des Kaisers 
Präfecten Mellobaudes erlitten hatten, links über den Rhein ins feindliche Land, 
d h. den heutigen Breisgau einrücken lässt und daher den Uebergang bei 
Breis ach annimmt. Von Breisa.h aus soll alsdann der Kaiser über den süd- 
westlichen Schwarzwald nach Äugst oder Windisch gerückt sein und einen Ge- 
birgskrieg geführt haben. Animian nenne dabei die Lentienser in dem Theile 
des Schwarzwaldes, wo sie nie gewohnt. Man sieht, dass Mone sich bei dieser 
Annahme in Schwierigkeiten und Widersprüche verwickelt. Das Richtige hat 
Mone selbst A. 158 angedeutet, geht aber davon ab. Von Horburg aus hätte 
Gratian auf dem gewöhnlichen Wege in den Orient (in partes Eoas) nach 
Basel oder Äugst gehen müssen; er wandte sich aber i^meint Mone) links und 
ging über den Rhein ins Breisgau. Mone setzt das laerorsvs flexo itinere zu 
früh an: Gratian stellte sich, als ob er nach dem Osten ziehen wolle, d. h. 
um den Oberrhein und die heutige Schweiz nach der Donaustrasse, dem ge- 
wöhnlichen Wege nach Osten, wandte sich dann aber plötzlich links nach 
dem (schweizerischen) Oberrh eine und ging, um die Lentienser zu über- 
raschen, ganz heimlich (latenter) über denselben: in dieser Richtung konnte 
er zunächst nur auf die Lentienser unter den Alamannen stossen und in ihr 
Gebiet drang er sofort ein. 



204 

in Gallien herrschte, zu einem neuen Zu^'e, um zur Rückgabe der Beute und 
zum Frieden zu zwiniiren. Kr v.o)' desshalb im Winter nach Co In und 
setzte dort über den Rhein, weil er <,daubte, dass die ihres Laubes 
beraubten Biiume den Feind jetzt nicht verbergen könnten : er verheerte 
das Gebiet der ßructerer und Chamaver, scheint aber bedeutende Erfolge 
nicht erzielt zu haben. Nachdem Arbogastes den von ihm beherrschten 
Valentinian II im Jahre 392 ermordet und den Eugenius als Kaiser auf- 
gestellt hatte, unternahm dieser in demselben Jahre einen neuen Zug 
an oder über den Rhein, um mit den Alamannen und Franken Frie- 
den und Bündniss zu schliessen und sich ihrer jungen Mannschaft gegen 
Theodosius zu bedienen, welcher aber seine Feinde niederwarf und die 
Alleinherrschaft übernahm.'") Bei seinem Tode (395) war die Rhein- 
grenze noch in römischer Gewalt. Stilicho, der Minister des Honorius, 
suchte sie von neuem sicher zu stellen, weil sein Hauptaugenmerk auch 
auf den Orient und besonders auf die Westgothen und Alarich ge- 
richtet war. Als diese sich ums Jahr 400 gegen Italien wendeten, zog 
Stilicho alle Besatzungstruppen vom Rhein und aus Britannien zum Schutze 
Italiens zurück, worauf in Folge dieser Entblösung der Rheingrenze jene 
Uebertiuthung der Nordprovinzen des Reiches begann, welche der Einbruch 
der Vandalen, Alanen, Sueven, Burgunder am 31. December 406 über 
den Rhein nach Gallien eröfluete ; nur einzelnen Usurpatoren, wie dem in 
Britannien im Jahre 407 zum Imperator ausgerufenen Coustantinus, ge- 
lang es zeitweise noch die festen Platze und die Rheingrenze zu be- 
setzen. !■*'') 



Excurs I 

Eiiiiieiiius über die steinerne Kheinbrüclie Confstantins des Grossen. 

Der Panegyriker P]umenius berichtet in seinem panegyricus Con- 
stantino aug. c. 13 T. I p. 386 ff. ed. Arutzen über die von Constantin 

>M) Die Hauptstelle über alle diese Begebenheiten hat Gregor von Tours dem 11 
und IIJ Buche der historiae des Sulpicius Alexander entnommen, hist. Franc. 
II, 9, wo es hei.sst: Qniiiliiius cum cseicitu circa Mr ist tun cns(eUuiii 
l{hi'nuin t r itusfi ) cssns — - sodann weiterhin: Arhoynafi's — col/ecfo 
esercitn t r ansfjr c ssus Rlienuni Hcucfeiim ripae jirojiinos — — de- 
populati/H est und endlich vom Eugenius; Drhinc Enyenius lyraitiius sitscepto 
expedittounli procinctn Rheni /iiniteiii petif — —: vgl. Boecking ad Notit. 
dignit. II p. 592* 594* und Rospatt S. 20. Dcderich Gesch. der Römer und 
Deutschen am Niederrhein (Kmmerioh 1H54) 8. 1(58—171. 

y*") Vgl. Rospatt S. 21 f. ; Huschberg S. 373, 382 f. 392 f. 412 f. Den Eugenius 
lässt Huschberg S. 384 im engsten Anschlüsse an die Worte des Sulpiciuß 
Alexander bei Gregor nur bis an den Rhein ziehen. 



205 

dem (irossen in An^M'ift' genommenen Hau einer steinernen Kheinbrücke 
bei Cöln also : Iiisupar etiam A(/rij)pinensi ponti Jaciundo reUquüs (id- 
ßictac (jütitis hitndtas, na iinquam nietiis ponat, senqwr horreut, s(miper 
sappHccs maniis tendai, cum tarnen hoc tu magis ad gloriam iniperii 
tüi ei unudutn IhnUis facias^ quam ad facultatem^ quoties velis, in 
hostimn transcundi: quippe cum totus armatis navibtis Rhenus in- 
structus est et ripis omnibus nsque ad oceanum dispositus miles 
immineat. Scd 2)nlchrum tibi videtur et revera pulcherrimum est , tit 
Hhenits ille non solum superiorihus locis, ubi aut latitudine vadosus 
aut vicinia fontis exignns, sed etiam ibi novo ponte calcetur, idn 
totiis est, ubi iam plnrimos hansit anines, qnos hie noster ingens 
fluvius et barbanis Nicer et Moenus invexit, ubi iam immani meatus 
ferox et alvei unius imputiens in sua cornua g es tit excedere. 
Servit profccto, Constantine maxime, ipsa rerum natura Numini Tiio an 
in illa gn rgitum altitndine taut ar um moliumjundamenta 
iaciuntur ^ fidam et stabilem firmitatem habitura. Jiinxerit quon- 
dani licet Helles ponti angustias classe connexa JPersarum rex poten- 
fissimns ; tcmporarius ille transitus fuit. Simili navium continuatione 
ßaianum sin um straverit ab Äugusto tertius Caesar: delicata fuit 
illa rectatio Trincipis otiosi. Hoc ojnis et difficile factu et usu fu- 
turum est sempitermim. Certc quidem iam tibi in exordio sui hostium 
niovii obseqnia, qiii paccm supplices jjctierunt, tiobilissimos obsides ob- 
tidcrunt. Ex quo nemo dubitat, quid per fecto ponte facturi sint, 
qui iam serviunt in choato. — Hierzu ist weiter c. XI (T. I p. 
380 f. ed. Arntzen) zu vergleichen: Inde est igitur, imperator , pax 
ista, qua fruimur. Neque enim iam Rheni gurgitibus, sed nominis 
tili terrore munimur. Qnamlibet Uli aut arescat aestu, aut resistat 
gelu, neutro hostis audebit uti vado. Nihil enim tarn insuperabili 
vallo natura praecludit, quod non penetrat audacia, cui aliqua conandi 
spes relinquatur. Ille est inexpugnabilis murus, quem exstruit fama 
cirfutis. Sciunt posse Franci transire Rhenum, quos ad neceni suam 
libenter udmittas; sed nee victoriam possunt sperare nee veniam. Quid 
ipsos maneat, ex regum suorum cruciatibus inetiuntur, ideoque tantum 
abest. ut amnis illius transitum moliantur , magis ut coepto ponte 
desperent. Ubi nunc est illa ferocia? ubi semper infida mobilitas? 
Jam ne procul quidem in Rhenum oculos audetis attollere et vix securi 
fluniina interiora potatis. Contra hinc per intervalla disposita magis 
onnuit limifcm castelhi quam profegunt. 

Da ausser den vorstehenden Mittheilungen des Eumenius ander- 
weitige Nachrichten über den von Constantin dem Grossen unternommenen 
Bau einer stehenden (steinernen) Kheinbrücke bei Cöln nicht vorliegen ; so 
beschrimkt sich unsere Kenntniss desselben bezüglich des Orts, der Aus- 
führung und des Zweckes dieser Brücke nur auf dasjenige, was wir ent- 



206 

weder aus den positiven Ansfaben des Panesfvrikevs ersehen oder aus der 
Hülle seiner rhetorischen Schwülstigkeit herausschälen und als nnith- 
masslichen Kern der Sache festhalten können. Zuvörderst steht im All- 
gemeinen fest, dass die in Kede stehende Brücke Constantins bei Cöln, 
der Hauptstadt von Untergermanien, in Angriff genommen, aber im 
Jahre 310, in welchem Eumenius seinen Panegyricus hielt, noch un- 
vollendet gewesen ist. Was 7Ain;ichst den Standort der Brücke angeht, 
so weiset die Angabe ,Agrippinensis pons" ebenso unzweideutig auf 
Cöln hin, wie eine richtige Auslegung der in rhetorische Phrasen ge- 
kleideten Stelle über den gesammten Rheinlauf. Wie schon Mone ') 
bemerkt hat, ist in dieser Stelle mit den Worten : superioribus locis, 
uhi latitudine vadosus der Oberrhein ebenso unverkennbar be- 
zeichnet, wie mit in sua cornua gestit excedere der Niederrhein 
und das Mündungsland des Stromes. Ebenso unzweifelhaft ist es, däss 
mit Omnibus ripis beide Flussufer gemeint sein müssen, zunächst 
freilich wohl nur am NiedeiTheine selbst, wo die Brücke erbaut werden 
sollte; denn einestheils kann das immi)} et des miles dispositui i\m ein- 
seitig von der Deckung des linken Ufers verstanden werden, andern- 
theils beurkundet der barbaruf; Nicer et Moenas zur Genüge, dass da- 
mals das mittel- und oberrheinische Grenzland als fast ganz verloren 
angeselen wurde. Es wird daher diese Erwähnung der Neckar- und Main- 
mündung nicht auf die Gegend von Mainz zu beziehen sein, sondern 
der B h e n u s tot u s , welcher schon plur i m o s amnes in sich aufge- 
nommen hat, kann nur die Gegend vom Ausgange des Mittel- bis zum 
Beginne des Niederrheines bezeichnen sollen: hierher gehört also auch 
der ,,pons novus'-. Scheint daher aus den Worten des Eumenius 
die Aufrichtung einer Brücke am Oberrheine (etwa zu Speier, wie 
Mone annimmt) zwar entnommen werden zu können, so liegt doch keiner- 
lei Andeutung einer Brücke bei Mainz in der Stelle: auch ist weder 
hier noch bei Speier noch sonst am Rheine (ausser Cöln) etwas von 
einer Steinbrücke aus Römerzeiten bekannt und beglaubigt und auch bei 
Speier könnte es nur eine solche Brücke gewesen sein. Diesem Allem 
nach bleibt also ein novus pons und zwar nur für Cöln anzunehmen 
übrig, 2) wohin nun auch, wie bemerkt, das ausdrückliclie Zeugniss des 
Eumenius ihn verlegt. Leider sind die urkundlichen und monu- 
mentalen Spuren dieses Brückenbaus in keiner Weise kritisch und praktisch 
untersucht und festgestellt, um einen sichern Anhaltspunkt gewinnen zu 
können. Ohne Zweifel deuten die „molium fundamenta in gurgitum 
altiiudine" des Eumenius darauf hin, dass zur Zeit der Abfassung der 
Lobrede bereits die Wasserbauten zur Grundlegung der Steinpfeiler 



>) Vgl. a. a. 0. S. 28' A. 69. 
2) Vgl. Huschberg S. 193. 



207 

ziemlich vorgeschritten, man aber noch weit von der Vollendung ent- 
fernt war: die Ausdrücke ponte inchoato und coepto weisen unverkennbar 
darauf hin. Ob die Brücke vollendet wurde, oder, was wahrscheinlicher 
ist, unvollendet blieb, muss vorerst dahingestellt bleiben: sicherlich war 
aber im letzten Falle mehr die ganze Zeitlage und die anderweitige 
politische Thätigkeit Constantins des Grossen schuld, als, wie Husch- 
berg ^) meint , das vergebliche Bemühen, den Strom zu bändigen und 
die Schwierigkeiten des Baues zu bewältigen: davon sagt Eumenius 
nichts, wenn man nicht etwa eine Andeutung darin in den Worten: 
hoc opus dificilc facht est finden will, denen er aber zuversichtlich 
beifügt: et usu futurum est sempiternum. 

Was nun den Zweck und die Absicht angeht, von welchen Con- 
stantin bei Erbauung seiner Rheinbrücke geleitet werden mochte, so ist 
der Bau einer steinernen Brücke über den Rhein im Hinblicke auf die 
bereits oben (S. 161 ff.) festgestellten Grundsätze des Ufervertheidigungs- 
systems an diesem Strom, zumal in den Zeiten des sinkenden Reiches 
beim ersten Anblicke unerklärlich und kann nur im Zusammenhange mit 
dem gesaramten Grenzvertheidigungssysteme Constantins überhaupt ge- 
deutet werden. Glücklich in seinen Kriegszügen gegen die Germanen, 
namentlich die Franken am Unterrheine, glaubte und hoffte Constantin 
diesen gefährlichen Feinden des Reiches einestheils durch ein schonungs- 
loses Schreckenssystem, anderentheils durch die Entfaltung einer Macht 
und Kraft imponieren zu können, welche, weit entfernt durch die inneren 
Zwiste und die innere Schwäche des Reiches beeinträchtigt zu werden, 
den Germanen gegenüber vielmehr aus der Defensive, welche schon zur 
Regel geworden war, zur Offensive überging und sich den Anschein gab, 
als ob sie an Eroberung und Ausdehnung der Reichsgrenzen dächte. 
Zum Schrecken sollte das beginnende Werk den Feinden gereichen, die 
auch wirklich um Frieden nachsuchten und die edelsten Männer des 
Landes als Geiseln stellten, dem Kriegsheere zur Ehre, seiner eignen Re- 
gierung zum Ruhme, der Grenze zum Schmucke. ■*) Mit derselben Con- 
sequenz liess Constantin auch die Donaubrücke Traians, ^) die schon 



3) A. a. 0. S. 194; sagt Huschberg: ,,Um eine feste Grundlage für die Pfeiler 
zu gewinnen, wurden ungeheure Felsenmassen (V) in die wirbelnden Fluthen 
versenkt, aber alle Mühe war vergebens: der Strom liess sich nicht bändigen 
und die Brücke ward zum blossen Wunsche". — Ueber diese Cölner Brücke 
Constantins des Grossen vgl. Teschenmaker Annal. Clivens. I p. 80; Freher 
zuAuson. Mosell. 11; Brower Annal. Trev. III p. 205; Paneg\r. ed. Amtzen I. 
p. 886. Bonner Jhrb. VII S. 162-164; XV S. 11 f.; Huschberg S. 193 f. 

«) Vgl. Huschberg a. a. 0. 

f") Auch Traian erbaute seine Donaubrücke nur erst zu der Zeit, als beide 
Donauufer in Folge des Friedens nach dem ersten Dacischen Feldzuge sich im 
Besitze der Eömer befanden, um selbst während des Winters und Eisganges 
eine sichere und ununterbrochene Verbindung mit den in Dacien zurückge- 



208 

Hadrian als bequeme Uebergangsstelle der Barbaren theilweise hatte 
abtragen lassen, wieder herstellen *•) und eine Rheinbrücke ganz neu 
beginnen. Der Bau einer stehenden Brücke setzte den nicht mehr auf- 
zugebenden Besitz der beiden Flussufer voraus und war nicht blos ein 
Mittel zur leichteren Kriegführung und zum blossen Ueberfalle des feind- 
lichen Landes, sondern eine stete drohende Andeutung für die Barbaren, 
dass man ihr eigenes Land und sie selbst dem römischen Reiche dauernd 
einzuverleiben gedenke. 

Wiewohl Constantin durch das von ihm ins Werk gesetzte System 
der Grenzvertheidigung seinen Zweck erreichte und wenigstens für seine 
Regierungs - und Lebenszeit die anwohnenden Germanen , insbesondere 
Franken und Alamanuen, ferne und die Ruhe an der Grenze aufrecht er- 
hielt : so erkannte er doch andererseits die zunehmende Schwäche des 
Reiches zu wohl , wusste auch , wie sein Uebertritt zum Christenthume 
bezeugt, zu wohl die Bedeutung und das Schwergewicht neuer mächtigen 
politischen Factoren zu schätzen, um nicht überzeugt zu sein, dass seine 
Rheinvertheidigungsmassregeln weder in der inneren Stärke des Reiches 
irgend eine Stütze hatten, noch darum auch auf die Dauer vorhalten 
konnten. In das Reich, dessen drohende Ueberfluthung durch die Barbaren 
er ohne Zweifel als unausweichlich voraussah, auch noch eine Brücke 
bauen (zumal er recht wohl deren alsbaldigen Verfall nach seinem Tode 
als gewiss annehmen musste) konnte ihm selbst unter solchen Um- 
ständen nur fast lächerlich erscheinen zusammt den übrigen Schreckens- 
mitteln und dem Aufgebote militärischer Streitkräfte, deren er so sehr 
zur Bekämpfung seiner Nebenkaiser bedurfte. Vielleicht ist darin der 
Grund zu suchen, dass dem Kaiser selbst seine eigene Taktik und Politik 
den Germanen gegenüber lächerlich erschienen ist: Julian '') wenigstens 
in seiner Spottschrift auf die römischen Kaiser lässt sie ihm also vor- 
kommen. 



lassenen Truppen unterhalten zu können und die völlige Eroberung des ganzen 
Landes anzubahnen: vgl. Aschbach a. a. 0. S. 5. A. 4 und oben A. 113 nebst 
Taf. I. n. 2 und 3. 

«) Vgl. Aschbach S. 21 und 23. Verewigt wurde diese Wiederherstellung der 
Donaubrücke Traians durch Constantin den Grossen auf dessen Münzen, wie 
Taf. I. n. 4 zeigt, welche einen von der Victoria geführten Römischen Krieger 
im Angrifie und Uebergange über die Donaubrücke zeigt, an deren Ende ein 
Barbar (Gothe) in kniefälliger Stellung um Schonung und Friede zu bitten 
scheint, während an der linken Seite der Flussgott Danuvius gelagert ist und 
■wie es scheint, gradeso verwundert aufschaut, wie bei dem Taf. I. n. 5 dar- 
gestellten Donauübergange Traians. 

') Vgl. de Caesar, ib. p. 329a: rü fe 8^ H-""!^ ^^? '^°"'? ßapßäpoo? y]v ahxi^ y^ Xola: 
Brambach a. a. 0. S. 9. und A. 2. Julian nennt also nicht selbst, wie Mone 
S. 289 A. 69 meint, diese germanischen Kriege Constantins lächerlich, sondern 
läset sie dem Constantin so vorkommen: inwieweit freilich hierbei Julians 
eigenes Urtheil an dieser Auffassung Theil hat, muss dahin gestellt bleiben. 



209 

Excurs n. 
Arrianos über Schilfbrüekeubau bei den Röinerii. ') 

Auf welche Weise aber Alexander den Indusstroni überbrückte, 
berichten weder Aristobulos noch Ptolemaeos, welchen ich zumeist folge. 
Ich kann auch nicht mit Sicherheit vermuthen, ob die üebergangsstelle 
mittels Fahrzeugen überbrückt wurde, wie der Hellespontos von Xerxes 
und der Bosporos und der Tstros (Donau) von Dareios oder ob eine von 
einem Ufer zum andern fortlaufende Brücke hergestellt wurde. Es ist 
mir aber für meinen Theil wahrscheinlicher, dass die Verbindung mit 
Schiffen hergestellt wurde. Denn eine Brücke zu schlagen, würde wohl 
die Tiefe des Stromes nicht zugelassen haben, noch hätte ein so gewal- 
tiges Werk in einem so kurzen Zeiträume vollführt werden können. Ob 
aber, wenn wirklich der Uebergang mittels Fahrzeugen hergestellt war, 
die Schifte (bloss) mit Tauen verbunden und der Reihe nach vor Anker 
gelegt, zur Ueberbrückung ausreichten, wie nach Aussage des Halikar- 
nassiers Herodotos der Hellespontos überbrückt wurde, oder auf die Weise, 
wie die Römer den Tstros oder den Keltischen Rh enos zu überbrücken 
pflegen und wie sie, so oft sie dazu genöthigt waren, den Euphrates 
und Tigris überbrückt haben, auch das kann ich nicht bestimmen. Am 
schnellsten jedoch von allen, die ich kenne, findet bei den Römern die 
Ueberbrückung mittelst Schiffen statt, und diese will ich bei dieser Ge- 
legenheit, weil sie erwähnenswerth ist, auseinandersetzen. Die Schiffe 
werden von ihnen auf ein gegebenes Zeichen stromabwärts losgelassen 
und zwar nicht das Vordertheil voran, sondern wie beim Rückwärts- 
rudern, das Hintertheil. Wie natürlich führt sie die Strömung mit fort ; 
aber ein Ruderschiff hält sie an, bis es sie an die bestimmte Stelle 
hat kommen lassen. Hier werden jetzt pyramidenförmige Weidenge- 
flechte , gefüllt mit ausgewählten Steinen, 2) vom Vordertheile jedes 
Schiffes aus hinabgelassen, um dasselbe gegen die Strömung festzuhalten. 
Sobald aber einmal eines der Schifte feststeht, so wird in einem Ab- 
stände, wie er der Wucht dessen, was darauf gelegt wird, angemessen 
ist, noch ein anderes Schiff, mit dem Vordertheile gegen den Strom 
gekehrt, aufgestellt und von beiden aus werden dann sogleich Balken 
der Länge nach darüber gelegt und Bohlen zur Verbindung in der 
Quere; so wird fortgefahren mit allen Schiffen, so viele ihrer zur Ueber- 
brückung der Uebergangsstelle erforderlich sind. An beiden Seiten 
der Brücke wird ein wohlbefestigtes Geländer zum Schutze angebracht, 
um für Pferde und Zugvieh (Fuhrwerk) das Beschreiten (der Brücke) 
sicherer zu machen und zugleich für die Brücke selbst ein Verbindungs- 



1) Arr. de exped. Alexand. lib. V. c. 7. 

2) D. h. grossen Feldsteinen : vgl. Thucyd. IV, 31 und VI, 66 und daselbst die 
IScholien. 

14 



210 

mittel abzugeben. Und so wird in kurzer Zeit das Ganze fertig und 
unter grossem Lärme; trotzdem fehlt es doch nicht an Ordnung bei 
der Arbeit. Die etwa vorkommenden Aufmunterungen auf den einzelnen 
Scliirten und die Scheltreden gegen die Saumseligkeit hindern nicht 
das Verstehen der Befehle oder die Schnelligkeit des Werkes. 



Excurs m. 

Q. Aurelius Sjnimachiis über eine Rheinüberbriickuiig des 

Kaisers Yaleutiuiau 1. 

In seiner zweiten an Kaiser Valentiniaii 1 gerichteten Lobrede 
skizziert Q. Aurelius Symmachus ') einen Rheinübergang des vorer- 
wähnten Kaisers in folgenden Worten: , Eines von vielen will ich mit 
schlichten Worten berühren, dass nämlich der Rhein, welcher nie zu- 
vor mit Leichtigkeit beschilft wurde, auf seinen schäumenden Wogen 
sichere Pfade getragen hat. Sie haben Schiffe in üblicher Weise an 
einander gefügt mit darübergelegter ßohlendecke in die Ränder der 
Ufer eingehakt. Eines einzigen Tages Arbeit war hinreichend, um des 
schwebenden Kunstbaues lange Reihe zu befestigen. Unter Spiel und 
Scherz ward gewetteifert, von welcher Seite am schnellsten der Zu- 
sammenbau der Brücke in die Mitte des Flusses gelangen möchte." 

Die Vergleichung der ausführlichen Beschreibung des römischen 
Schiff brückenbaus bei Arrianos, insbesondere am Schlüsse des Capitels 
mit den wenigen, aber charakteristischen Andeutungen des Symmachus 
lässt die Uebereinstimmung beider in den wesentlichsten Punkten nicht 
verkennen. Zuvörderst wird einerseits die übliche Feststellung und 
Verbindung der Schiffe bei Symmachus {in morem nexa navigia) 
durch die detaillierte Schilderung des Arrianos klar gemacht, ebenso 
wie die Legung des Bohlendeckes (constrato ^) desuper solo), 



Q Aurel. Synimuch. laudes in Xalentinianvm seniorem augustum II in 
M. Contel. Front, reliqniue ab Aiigelo Maio priviwii editae iternm ed. B. 
G. Mebuhr. Berol. tHl6. 8. p. 23: ['»um e plnribus triUi iusitmatione 
contingam: R heu um minquam untehuc temer e mwigatum, tumentibus 
aquis itinera ttita portasse. Ha in morem (alii: in molem.) nexa navigia 
construlo desuper solo riparwn exlima momorderunt. Unius diei negotio 
pendentis mac fiiiiae ordo convaluit Ltido iocoque certatum est ex 
qua parte velocius in amnem medium cotitextio pervenirel. Vgl. Künzel 
Gesch. d. Grossherzogthums Hes.sen S. 87. 

») Die allgemeinsten Ausdrücke zum Schlagen einer Schiffbrücke (natalis 
pons bei Ammian Marcellin XVII, 10, 1) sind pontem constituere (Amniian 
Marcellin XVIII, 2, 7), pontem imponere flumini (Tacit. Ann. I, 69^, der 
technische Ausdruck aber ist pontem lungere mit Rücksicht auf die Haupt- 
sache des ganzen Brückenwerks: die Aufstellung undVerbindung der einzelnen 



211 

aiidtTcrscits lieli'ii der (in voiTicociKltMii F;ilk' bei Svinmarlius orrnöf^- 
liclite) <^lei(lizeiti<^e He«^iiiii des ISriickenbiiiies von beiden Ufern aus 
und die \'^ollenduny" des ganzen Scliwebewerkes in einem Taj^e einen 
anschaulichen Commentar zu der von Arrianos gerühmten Schnellig- 
keit der Herstellung, welche wiederum einen ordnungs- und taktniiissigen 
Fortgang des ^\'erkes voraussetzt, obgleich derselbe sowohl durch die 
scheltenden Zurufe an die Säumigen und die gegenseitigen Aufinun- 
tei'ungen und Scherzreden (ludus iocusrpcc) , als auch durch die Arbeit 
selbst ohne Zweifel mit vielem Gelänne, wie Anianos bemerkt, verbunden 
war Dieses Celilrme ist in einzelnen Fällen, wie bei ^'alelltinians 
nächtlichem Eheiniibergang im Jahre 371, wohl auch l)ei Julians Ueber- 
gang zwisdien Mainz und Worms, durcli besondern Befehl verhindert 
und unterdrückt worden. 

Was nun das technische Verfahren bei der Aufstellung der ein- 
zelnen Brückenschilfe und ihrer Verbindung zu einem ganzen Brücken- 
werke betrillt; so scheint diese Aufstellung in der Kegel nur von dem 
einen Ufer ausgegangen zu sein, welches man auch nur allein in der 
(jlewalt iiatte: deutlich liebt dit!ses auch Libanius (A. 125) für den 
oben erwähnten Uheinübergang des Julian hervor, im Ue])rigen spricht 
sich ein competenter Kenner dieser IJrückentechnik, Hr. Oberst von 
(Johausi'U, über das ganze von Arrianos berichtete Verfahren beim 
Brückenschlage der Kömer also aus: „Arrianos (bemerkt er) lässt die 
einzelnen Sciiilfe von oberstrom in die Brückenlinie treiben - - nicht 
alle auf einmal, sondern nach und nach, eines nach dem andern, ge- 
leitet durch ein liuderschill, das sie an der bestimmten Stelle — nicht 
in der Brückenlinie — sondern in der Ankerlinie aufhält. Hier ange- 
kommen vera.id<ert es sich, nicht iniL einem eisernen Anker, sundern 



Schiffe: vgl. llittov in l'.oniicr .Ihrh. Xl-ll Xi.lll S. W A. 1 uinllacit. Ami. 
1, 19; Ifl, 7; liist. TU, i\: Vimuian Miucoiliii Will, '2, ■> ; XXIX. I, 2; 
Capitol. Maxim, duo c. in. Auf dcrselixMi Ansrliauuiiir wie imigciv l.oiuhen 
Jessen SyiioiiNina c oiiscrere: Ainmiau !\I;if(cllin \\1\, f. 2: ((iiii p innere: 
Aininian Maiiolliii X\JI. I. 1, ((.iii p:i -m " :' 'o: Aiinniaii Marcelliu XVIll, 2. 
S: coiitexevc: Aiiuniaii Jlarcciliii Wll. 1o. 1; onaii.li mu-li iiül l'-czug auf 
die Ia-.',^i)i^' dcslJolik'ii.lccKcs zur ciii-ontlicli.-n l'.riuUoiil-ahu auch con st enier e, 
wie bei Aminiau Mavccllin XVil, \, 7 und XVUl, 2, II. Kntsj.ixvliende Au.s- 
dri:icke inHiricrhischcn siehe oben A. 27, 74. 82, H.-i und 11^, wobei do.li w.dil 
in letzterer Stelle C^'J-fl'-o'.Gt xal vauai (iiontihus et navil)Us) eine Art von Hen- 
dyadys ist. l)en\ iungerc vonteni durch Verbindung der Sdiille stellt gegen- 
iiber das solvere vontem, Ihza: ^rfopav (vgl. u. a. oben A. HA). — Dass sich 
in diesen techniscbf^n Ausdrüci,en neben iiontem auch pontes findet, wie bei 
Sueton Calig. 51 vgl. A. 47) und Amminn Manellin XVII, 1, 1 O'?'- •^- •-")• 
erklärt sich durd» den von uns in den Bonner .lahrb. XXXllI — XXX1\ 
y. 31 ff. näher dargelegten :• i.rachge brauch in der Anwendung von pons und 
poutes. 



212 

mit einem Nothbehelf, den auch wir noch anwenden: mit einem pyra- 
raidentormigen, mit Steinen gefüllten Weidengeflechte, und zwar wenden 
wir es in zweierlei Form an, entweder als Beschwerstein, in den 
das Ankertau befestigt ist, oder die Ankerform nachahmend. — Hat 
das Schiff sei neu Anker geworfen, so lässt es sich an seinem Anker- 
tau langsam abwärts treiben, bis es in der Brückenlinie angekommen 
ist und ihm von einem schon eingereihten Schiff die Balken hinüber 
gereicht werden, die dann befestigt und mit Brettern bedeckt werden, 
so dass daim von hieraus dem nächsten herabtreibenden Schiffe wieder 
die Balken zugestreckt werden können u s. w. Wir pflegen die Schiffe 
von Unterstrom einzufahren; nur wenn wir mit »Maschinen« bauen, 
d. h. 2 bis 4 schon mit einander brückenmässig verbundene Schifte 
au einander stossen und verbinden, so lassen wir die Maschinen von 
obersti'ora herabtreiben. Auch Caesar'') nennt, wie wir, eine Zusammen- 
stellung von ein Paar Schifl'en -Maschine« und Sie thun wohl den Aus- 
druck verho tenus zu gebrauchen, er ist der heutigen technischen Sprache 
ganz zu eigeji. — Wir pflegen nicht von zwei Ufern zu bauen , weil 
wir eben mit unserem Train auf der einen Seite ankommen. Doch 
sind Fälle denkbar, wo Pontontraiiis von Wiesbaden und von Coblenz 
kommend, der eine iu St. Goar, der andere in St. Goarshausen abladet 
und sich entgegenbauen, was natürlich mehr als doppelt so rasch geht 
und gar keine Schwierigkeit hätte.« 

Schliesslich mag nicht unbemerkt bleiben, dass die Ueberein- 
stimmung der Berichte des Arrianos und des Symmachus schliessen und 
erkennen lässt, dass die Art und Weise Römischen Schiffbrückenschlags 
im Ganzen durch die Kaiserzeit, insbesondere bei den Rhein Über- 
gängen der Römischen Heere, wesentlich dieselbe geblieben ist. 



Excurs IV. 

Erläuteruiifi:eu zu Tai*. I. 

Wiewohl bereits oben die verschiedenen Darstellungen von Brücken 
und lirückenübergängen über Rhein und Donau, welche unsere Tafel I 
vereinigt, nach Bedarf betreffenden Ortes angeführt und verwerthet wor- 



3) Oae^. bell, f^all. I\' c. 17 bedient sich ilal)i'i des Ausdruckes /uncAinu/io, 
Symiiiaohus a. a. O. dagegen de.s Wortes /uac/iinn, wenn auch, wie es 
scheint, mehr zur Bezeichnung des ganzen Brückenwerkes. B. 



213 

den sind : so erscheint es doch nicht uuzweckmässig, die Einzelbilder in 
Kürze entweder durch näheren Nachweis ihrer Ausdeutung oder aber 
durch den Versuch einer besonderen Besprechung eingehender zu er- 
läutern. 

Zuvörderst hat die unter Nr. 1 mitgetheilte Medaille von Lyon 
bereits oben S. 188 f., wie auch in diesen Annalen IX S. US ff. eine 
so ausieichende und allseitige 1 Betrachtung im Ganzen und Einzelnen 
gefunden, dass es in Ermangelung weiterer Erklärungsmomente vorerst 
genügt, auf diese Betrachtung zu verweisen. 

In gleicher Weise bedarf es auch bezüglich der unter Nr. 2 dar- 
gestellten Brücke Traians über die Donau und deren unter Nr. 3 nach 
einer Münze desselben Kaisers in idealisirter Verkleinerung wiederholten 
Abbildung ebenderselben Brücke ausser dem oben S. 188 A. 113 be- 
sprochenen Momenten nur nach der Verweisung auf die oben mehrer- 
wälmte Monographie Aschbachs und die Erläuterungen Fröhners a. a. 
0. 8. 131 — 135. Es sind diese Erläuterungen aber um so schätzbarer, 
als sie eine gedrängte Uebersicht über die Schicksale dieser berühmten 
Brücke geben, deren Baugeschichte und Construction mehrfache Momente 
bietet, welche interessaute Vergleichungspuucte zu der in Excurs I be- 
sprochenen Ivheiubrücke Constantins, wie zu der Maximians (Nr. 1) ab- 
geben. — Die Ueberreste dieses staunenswertheu Brückenwerkes finden 
sich jetzt unweit des eisernen Thores bei Orsova zwischen den Dörfern 
Turn Severin iu der Wallachei und Feti-lslam in Serbien. Während 
nun aber das Brückenrelief der Traianssäule fünf Pfeiler und fünf Bo- 
gen aufzeigt nebst dem Eingangsthore von der mösischen Seite her, 
auch das doppelte Geländer, wie endlich zwei runde steinerne Brücken- 
thürnie oder Forts erkennen lässt: wissen wir aus den zuverlässigsten 
Berichten der Alten und den Untersuchungen der neuesten Zeit, dass 
die Brückenbahn von 20 Pfeilern, ohne die beiden Widerlager am Ufer, 
getragen wurde, jeder 150 Fuss hoch, so dass die Fahrbahn eine reich- 
liche Höhe über den grössten üeberschwemmungen erreichte; die Weite der 
Wölbungen betrug 120 Fuss, die Länge der Pfeiler etwa 50, bei einer Breite 
von (0. Die ersten Pfeiler wurden noch auf dem Boden Daciens 
erbaut, wobei man eine kleine Landzunge zum Ausgangspuncte nahm. 
Zwischen den also am Lande erbauten Pfeilern wurde ein Canal ge- 
graben , wobei die ausgeliobene Erde zur Eindämmung diente ; in diesen 
Canal wurde der ilauptstrom abgeleitet. In dem wogenleeren Bette 
wurde die Stelle jedes Pfeilers durch Holzwände in quadratischer Form, 
wie es scheint, eingedämmt, das Wasser ausgeschöpft, sodann eichene 
Pfähle als Kost für das Mauerwerk in den Thonboden eingetrieben ; das 
Mauerwerk selbst war sogenanntes opus incertiau, nach aussen mit vier- 
eckigen Quadern umkleidet. Dass in ähnlicher Weise auch bei dem 
Pfeilerbaue der Kheinbrücke Constantins des Grossen verfahren wurde, 



214 

dürften die Worte des Eiimeniiis: in illa gurfptnm altifiidine tantanim 
moUum fundamenta iacinntur, fidam et stuhiJeni firmifateu) hohifura 
andeuten. Pas Relief der Traianssäule und die unter Nr. 3 abgebildete 
Münze der Kaiserlichen Bibliothek zu Paris bezeugen zur ?]videnz, dass 
die Bogengerüste und das Brückenverdeck aus Holz construirt waren; 
eine Treppe führte zum Verdecke liinauf, dessen Zugang durch ein mo- 
numentales Thor unterbrochen wurde, das sich mittels eines Fallgatters 
schloss. Dieses Thor war, wie man auf jener ]\Iünze angedeutet findet, 
von einer Bildsäule und zwei TrophJien bekrönt. — Auf jeder Seite 
der Brücke befand sich ein Fort zur Vertheidigung von Ab- und Zu- 
gang. Wie bekannt, wurde dieses Brückenwerk in den Jahreu 104 und 
105 von Apollodoros von Damascus erbaut, unter die Obhut eines be- 
sonderen Curators gestellt, unter Hadrian jedoch bereits aus Furcht vor 
neuen Einfällen der Barbaren abgedeckt, bis Constantiu der Grosse bei 
seinen Feldzügen gegen die (Jothen im -Jahre 828 Bogen und Bahn 
wiederherstellte, und selbst einen neuen Vertheidigungsthurm aufführte: 
auf diese Wiederherstellung in den < 'Othenkriegen des Kaisers bezieht 
sich die unter Nr. 4 abgebildete Münze, deren Darstellung bereits oben 
Excurs I S. 208 A. 6 näher erörtert wurde. Die auf einander folgen- 
den Einfälle der Gothen imd Hunnen, welche sich auf die Donaupro- 
vinzen des Oströmischen Reiches stürzten, nöthigten ohne Zwweifel das 
grossartige Werk Traians endschliesslich und V()llig zu zerstören. 

Was nun endlich das unter Nr. 5 abgebildete Relief der Traians- 
säule betrifft , so gibt es einzig und allein, so viel uns bekannt, das 
lebendige und anschauliche Bild von dem Flussübergange eines Römischen 
Heeres aus der Kaiserzeit und ist in mehifacher Hinsicht füi" die Kennt- 
niss des Römischen Kriegswesens von der grössten Bedeutung. Es stellt 
dieses Relief nämlich den Uebergang des Römischen Heeres über die 
Donau dar, mit welchem Trajan den ersten dacischen Feldzug (101 — 
103 n. Chr.) eröffnete. Der Ausgangspunkt war die Stadt Viminacium 
in Obermösien (jetzt Kostolatz und Breniukolatz) , woselbst die LEGIO 
VII CLAVDIA in Garnison stand. Diese feste Stadt lag, wae bekannt, un- 
weit der Mündung der Mlava in die Donau und lässt selbst in der Ver- 
kleinerung unseres (nicht ganz vollständigen) Reliefs Grösse und Schön- 
heit nicht verkennen. 

Links schliesst sich ein stattliches Gebäude, von einem hohen 
Baume überragt, mit vier Arcaden im Erdgeschosse, an die starke 
Festungsmauer an, welche, in Quadern aufgeführt und mit Zinnen be- 
krönt, zugleich von drei grossen Bogenthoren durchbrochen ist, welche 
von Thürmen überbaut und gedeckt sind. Tu ganz gleicher Weise sind 
auch die Castelle Mogontiacum und Castellum auf der Lyoner Medaüle 
(vgl. Nr. 1) mit bezinnten Quadermauern und Thorthürmen umgeben. 
Von den Thoren von Viminacium führen, wie man sieht, mehi-ere Fuss- 



215 

wege nach dem Flusse. Ueber der Stadt selbst erblickt man in einer 
Grotte den Gott Daniivius (oder Ister) selbst, das Haupt mit Schilf- oder 
anderen Wasserpflanzen bekränzt, indem er erstaunt seinen Blick auf 
die Kömer richtet, welche den Fluss überschreiten, und ihre Kühnheit 
zu bewundern scheint. Wie auf der Lyoner Medaille geht auch hier 
nur allein') vom Hauptthore der Festung Viminacium die Schiffbrücke 
aus, welche über die Donau in zwei Abtheilungen geschlageu ist, indem 
sie in der Mitte des Flusses die jetzige Insel Ostrova zum Stützpunct 
hatte. Diese Unterbrechung des ganzen Werkes durch die Insel lässt 
auf dem Reliefe scheinbar zwei Brücken nebeneinander dargestellt 
sein. -') Diese Brücke ist eine Schiffbrücke (pons navalis), ruhend auf 
flachen mit einem Steuerruder, wie es scheint, versehenen und in ge- 
ringer Distanz aufgestellten Pontons, auf welchen theils aufrecht stehende 
Stützen, theils eine mehrfache Bohlenlage als eigentliches Verdeck und 
Brückenbahn deutlich zu unterscheiden ist. An den Seiten ist diese 
Brückenbahn mit einem niedrigen aus gekreuzten Sparren gebildeten 
Geländer {pluteiis) eingefasst, welches hier wie an der steinernen Donau- 
brücke (vgl. Nr. 2) in einer Doppelreihe erscheint, während es auf der 
Lyoner Medaille nur in einer Reihe sichtbar ist, obwohl überall die 
Grundform (Gliederung aneinandergereihter durchbrochener Felder) die- 
selbe ist. Auf dieser Schiffbrücke rückt nun das Heer in das Feindes- 
land ein. Man bemerkt zunächst eine grosse Anzahl gemeiner Legions- 
soldaten mit entblösstem Haupte, (dessen Haar bei allen hier darge- 
stellten Personen in derselben bekannten römischen Weise über der 
Stirne geschnitten ist; wie mit entblössten Armen. Sie sind mit einer 
kurzärmlichen Tunika bekleidet, welche auch das Knie blos lässt. Ihr 
Brustharnisch (lorica) ist aus zwei Rückenschilden aus Bronze gebildet, 
welche auf dem Rücken durch Scharniere, auf der Brust durch eine Art 
von Schnallen verbunden sind. ^) Die Seiten und die Schultern sind von 
dicht aneinander geschlossenen Ledevriemen (lora) umwunden. Schwert 
und Helm, (welchen man nur vor dem Angriöe auf den Feind aufsetzte) 
hängen unter und vorn an der rechten Schulter. Die Hand trägt den 
länglichen Schild mit dem Abzeichen eines Sternes in einem Kranze und 
eine gabelförmige Stange {fiirca, furcilla) , an deren Ende der Soldat 
die Lebensmittel und Kocligeräthe mitführt, d. h. den Wasserschlauch, 
den gleichförmig mittels Riemen verschnürten Tornister, das Fleischnetz, 
endlich den Fleischtopf und die Schöpfkelle. ') Das pilum, der römische 



>) So war es auch bei derHalysbrüclve in Kleinasien unter Persischer Herrsoliaft 

nach Herodot V, .52: vgl. Fröhner a. a. 0. S. 69 A. 2. 
8) Vgl. Frühner a. a. 0. S. (i9. A. 1. 
^) Vgl. Fröhner a. a. 0. S. ^=2. 
4) Vgl. Fröhner a. a. 0. S. 70, der A. 1 daran erinnert, dass diese Art, die 

Lebensmittel (für .siebzehn Tage, bisweilen auch für einen Monat) und Koch- 



216 

Wurfspiess, welchen der Soldat in der Rechten trug, ist auf dem Reliefe 
nicht ersichtlich. ^) Nächst den gemeinen Legionssoldaten , von denen 
die hintere Reihe sich mehr nach der linken Seite hin abzuwenden 
scheint und die zumeist das Schild am linken Arme, einzelne auch auf 
dem Rücken, tragen, dazu auch, wenn gleich geordnet und im Schritt, 
doch im Ganzen leicht und ungezwungen einher zu marschieren scheinen, 
treten weiter aber die Fahnenträger der verschiedenen Heeresabthei- 
lungen hervor. 

Zur Zeit Traians bestand die einzelne Legion aus etwa fünftausend 
Mann ohne die Officiere und zerfiel in zehn Cohorten von je vierhundert 
und achtzig Mann, welche aus je drei Manipeln, jeder zu zwei Centurien, 
gebildet waren. ^) Die neun Fahnenträger unseres Reliefs, welche zu 
Je fünf, beziehungsweise vier, jedesmal an der Spitze der beiden Abthei- 
lungen marschieren, die sich auf jedem Theile der Schiffbrücke befinden, 
sind im Ganzen mit Ausnahme des Kopfes gleichmässig uniformiert: 
Soldatenstiefel (caligae), wie es scheint, bedecken Fuss und Bein bis zur 
Hälfte der Wade, während Oberbein und Knie von der kurzen Tunika 
nicht bedeckt werden, über welche ein ziemlich langer Waflfenrock ge- 
zogen ist, der am Saume der kurzen Aermel und des unteren Randes 
ausgezahnt erscheint ; über den Rücken fällt der vorneu am Halse, oder auf 
der Schulter geknöpfte Kriegsmantel (sagum) , das Schwert hängt unter 
der rechten Achsel, während die Linke einen ovalen Schild trägt. 

Was nun aber die Kopfbedeckung dieser Fahnenträger be- 
trifft , so sind sowohl die beiden Adlerträger (aquiliferi) , als auch die 
beiden Vexillarier (vexillarii) ebenso unbedeckten Hauptes, wie die 
meisten übrigen Krieger ; die fünf anderen Fahnenträger dagegen haben 
den Kopf mit einem Bärenfelle bedeckt, welches von einem die 
Stirne umgebenden Metallreife (?) ausgeht und dessen Vordertatzen 
unter dem Halse des Fahnenträgers verknüpft scheinen. Dieser eigen- 
thümliche Kopfschmuck, welcher nach Vegetius ') dazu dienen sollte. 



geräthe an einer gabelförmigen Stange zu tragen, von <'. Marias eingefülirt 
worden sei und den Soldaten den Spottnamen nmli Mariaui (Maulesel des 
Marius) eingetragen habe. 

6) Vgl. Fröhner a. a. 0. S. 71 A. 1. der auf die Säule des Antoninus vcr\v«'i.set. 
auf welcher das pilum deutlich nachgebildet erscheine. 

«) Vgl. B'röhner a. a. 0. S. 71 A. 2. 

') Vgl. Veget. d. R. M. II, c. XVI: unines nufe/n signarii vel signiferi, quam- 
vis pedites lanceas minores accipiebant, et yaleas ad terrorem hostium 
ursinis pellibus tectas. — Das anschaulichste Bild eines solchen mit 
dem Bärenfelle bekleideten Fahnenträgers gibt der Grabstein des Asturers 
Pintaius, signifer der V. cohorte der Asturer, im Museum zu Bonn, abgebildet 
bei Lersch Centralmuseum rheinländischer Inschriften 11 zu S. 49 Nr. 42 und 
L. Lindenschmit die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit Heft XI Taf 
6, l. Ueber der schurzförmig gefalteten Tunika trägt er das Panzerhemd 
und über diesem, wie die Fahnenträger unseres Reliefs, einen enganschliessen- 



217 

den Feinden Schrecken einznjagen, zeichnet ancli zwei Hornbläser 
(hucinatores) aus, welche noch vor den Fahnenträp^ern herzugehen schei- 
nen, wohl aber zu der vordersten Gruppe gehören , die sie schliessen. 
Ihr Instrument, die bucina, ist ein grosses rundes Hörn, dessen Krüm- 
mung durch eine lange Querstange geschlossen ist, welche oben in 
einen Halbmond ausläuft. Diese Querstange scheint in der Regel beim 
Marsche auf der Schulter geruht zu haben, und in dieser Weise das 
Instrument getragen worden zu sein. Mittels dieses Hornes gaben sie 
das Zeichen zur Ablösung der Wachen. Besonders bemerkenswerth sind 
weiter aber die verschiedenen Arten der Fahnen (aigna) für die Mani- 
peln, C oh orten und Legionen, wozu endlich nocli die beiden 
Querfähnchen (vexilla) kommen. Die Fahnen der Manipeln, 
deren man zwei unterscheiden kann, bestehen aus einer Stange mit 
einer Hand in einem Kranze (Gras oder Eichenlaub), welche sich über 
einer mit herabflatternden Bändern geschmückten Querstange erhebt, 
weiter aus sechs kleinen runden Silberplatten (fercida) nach Art der 
beim Opfer gebrauchten Tellerchen (patera) und einem Halbmonde. 
Von weit reicherer Ausstattung sind die drei Fahnen von Cohorten: 
man unterscheidet hier am Schafte zwei Medaillons mit den Brustbildern 
der Kaiser Nerva und Traian, sodann den Adler in einem Kranze und 
befestigt auf einer mit Bändern geschmückten Querstange. Die.se Zier- 
rathen sind durch Aufschrifttälelchen mit den Nummern der Cohorte 
und durch Kränze von Blättern getrennt: ganz oben erblickt man auf 
einer viereckigen Platte das Bild des Genius der Cohorte. '^) — Hinter 



den Waffenrock von Wolle oJer Leder, der an den .\ermeln und am unteren 
yaume zwar nicht ausgezahnt erscheint, wie bei jenen, aber mit Franzen be- 
setzt ist. In umgekehrter Ordnung hält ein metallbeschlagener Gürtel das 
Schwert an der Linken, den Dolch an der Kechten. Den Unterleib deckt 
eine Anzahl nebeneinander herabhängender Kiemen, an den Enden mit halb- 
mondförmigen Beschlagen verziert. Der Helm, dessen Wangenbänder sicht- 
bar sind, ist mit einem Thierfelle bedeckt, das über die Schultern herabfällt 
und mit seinen übereinander gelegten Vordertatzen auf der Brust befestigt 
ist. Dieser Ausrüstung nach, die mit der Angabe des Vegetius a. a. 0. über- 
einstimmt, darf wohl auch der angebliche Metallreif um die Stirne der Tra- 
janischen Fahnenträger vielleicht besser als eine Andeutung des Helms unter 
dem Bärenfelle angesehen werden . wenn auch nichts von Wangenbändern 
bei ihnen sichtbar ist. Ueber sein signum s. zu A. S. 
s) Aehnliche Feldzeichen von Manipeln und Cohorten und in iliren einzelnen 
Emblemen deutlicher erkennbar als es hier wiederzugeben bei der Kleinheit 
der Abbildung möglich ist, zeigen die Grabsteine Kömischer Falinenträger 
auf. Dahin gehört das (Jrabdenkmal eines als einfaclier mi/es (Soldat) be- 
zeichneten Fahnenträgers der 14. Legion, abgebildet bei Lehne Ges. Schriften 
L Taf, VIL n. 29 und Liiiden.schniit a. a. 0. (vgl. A. 7) n. 2. Auch hier 
zeigt die Fahnenstange zuoberst eine Spitze mit Kranz, darunter die sechs 
fercula, darunter den Kopf eines Capricorns, unter diesem den Halbmond und 
sodann zwei durcli einen Knopf geschiedene grosse Quasten mit gefiochtenen 

14* 



218 

den beiden Fahnenträgern der Manipelu marschiert ein Vexillarier 
(vexillarius) d. h. Träger eines vexillum, einer kleinen Querfahne mit 
Franzen; ein anderer Vexillarier der zweiten Abtheilung trägt über der 
Querstange des vexillum noch das Bild einer Victoria mit Kranz und 
Palmzweig, eine Andeutung, dass das betreffende Corps den Beinamen 
victrix führte. Vor dem erst erwähnten Vexillarier und zwischen den 
beiden Fahnenträgern der Manipeln marschiert ein Legionsadlerträger 
(aquilifer), welcher auf einem Untersatze an der Spitze seiner Fahnen- 
stange das Feldzeichen der ganzen Legion, den Adler, trägt, dessen zu- 
sammengefaltete Flügel ein Kranz umwindet. In der andern Abthei- 
lung trägt ein Soldat eine blosse Fahnenstange mit Untersatz ohne 
Adler, eine Hinweisung auf den unter Domitian durch die Niederlage 
des Präfecten Cornelius Fuscus in Dacien verlorenen Legionsadler, wel- 
chen Traian in einer der Festungen des Dacierkönigs Decebalus wieder- 
fand. «) 

An der S])itze der beiden Colonnen. welche hier auf jeder Abthei- 
lung der Donaubrücke im Uebergange dargestellt werden, marschiert ein 
Legat als Oberbefehlshaber einer Legion: beide Generale sind in einen 
die Form der Brust nachahmenden Harnisch (pectorale) gehüllt, welcher 
mit einer doppelten lieihe beweglicher Riemen aus Leder zum Schutze 
der Schultern und Beine besetzt ist : eine Heftnadel hält den Kriegs- 
mantel auf der rechten Schulter fest ; in der Linken führen beide Offi- 
ziere einen kleinen Stab von Elfenbein (scipio ehunieus) als Zeichen 
ihrer "Würde. Die Spitze des ganzen im Flussübergange begriffenen 
Heeres endlich ist bereits jenseits der Donau auf feindlichem Boden an- 
gelangt. Sie besteht zunächst aus einer Schaar von dreizehn meist 



Troddeln. Obwohl dieses Feldzeichen Aehnlichkeit mit denen hat. welche 
oben nach Fröhner als Zeichen von Manipeln gedeutet wurden, so weiset doch 
der sonsther als Cohortenabzeichen bekannte Kopf iles Capricorn eher auf ein 
Cohortenzeich en hin. Weiter lässt sich hierzu das Signum vergleichen, 
welches der oben (A. 7) beschriebene Asturer auf seinem Grabsteine in der 
Hand hält. Hier folgt auf die speerförmige Spitze ein Lorbeerkranz, unter 
welchem an einer Querstange zwei eicheiförmige Ornamente hängen; weiter 
herab sieht man eine mit concentrisohen Ivreisen verzierte Scheibe und unter 
dieser ein Adler mit dem Blitze. Unterhalb der Hand, welche die Stange 
hält, folgt ein Halbmond, an welchen sich, nächst einer zerstörten Stelle, ein 
ovaler Knopf und zuletzt eine grosse Quaste anschliesst, deren geflochtene 
Troddeln nicht zu verkennen sind. Ein starker Haken, an einem Beschläge 
der Stange hervorragend, ist nicht an derselben Stelle angebracht, wie an der 
Fahnenstange des Adlerträgcrs der 14. Legion Cn. Musius bei Lehne a. a. 0. 
Taf. XV n. 58 und Lindenschmit a. a. 0. IV Heft. Taf VI. Dieser Haken 
war einerseits die Handhabe zum Einstossen und Herausheben des Zeichens, 
andererseits diente er zum Schutze der Hand. Alle diese vorerwähnten Feld- 
zeichen haben unten eine starke Beschlagspitze. 
9) Vgl. Cass. Dio LXVIII, 9. 



219 

jungen Heitern, welche, wie die gi-össere Anzahl der übrigen Soldaten, 
/war barhaupt, sonst aber gleichmässig nnitorniicit und mit den Pfer- 
den des Kaisers und seines Generalstabes beschäftigt sind ; fünf dieser 
Reiter tragen Lanzen und alle gehören ohne Zweifel zu jenem Kliten- 
corps der 450 equites singidares Augnsti , welches Traian aus den 
besten Soldaten der Hilfstruppen zu seinem persönlichen Dienste gebil- 
det hatte. Die Pferde tragen reichgestickte Schabracken; das Pferd 
des Kaisers trägt unter anderem dessen mit radförmigen Emblemen ge- 
zierten Schild : mau weiss, dass Traian fast immer zu Fuss ging, wäh- 
rend mit den übrigen sein Pferd nachfolgte, dessen er sich eigentlich 
nur zur Kühe bediente. Auch auf unserem Reliefe erscheint Traian ganz 
zuvorderst, vor den Adlern und übrigen Feldzeichen, an der Spitze des 
Heereszuges, indem er Soldat, Legat und Anfülirer in dem vollsten 
Sinne des Wortes zugleich, im feldherrlichen Kriegsmantel (paluda- 
mentum) mit der stolz ausgestreckten Rechten dem Heere den Weg 
zeigt, den es einzuschlagen habe: ein anschaulicher Commentar zu den 
unten angeführten Stellen in des Plinius Paneg3'rikus auf seinen kaiser- 
lichen Freund, i' ) 



Excurs V. 

Nachtrag zu S. 192 Auiuerkuiia: 122. 

Auf den a. a. 0. erwähnten zweiten Feldzug gegen die Ala- 
mannen und ersten Rheinübergang des Julian als Cäsar bezieht sich 
ohne Zweifel ein Vorgang, welchen Sulpicius Severus, der Biograph des 
h. Martinus, aus dem Leben desselben berichtet. ^) Martinus nämlich, 
in dem Heere des Constantius und Julianus als tapferer Soldat mit 
Ehren dienend, schon längst aber von der Sehnsucht erfüllt, sich in der 
Abgeschiedenheit eines beschaulichen Lebens ganz und gar Gott zu 
widmen, ergriif die Gelegenheit der Ausspen düng eines Donativs 
an die Tapfersten des Heeres, um seinen Abschied zu fordern, zumal 



1") C. I'lin. See. Panegyr. Trai. c. XIV: cum orhcm lerrarvm von pedihus 
magis quiim Imuiibus peragrares. Per hoc oiinie sixilUiiii cum Icgianes 
ävceres, seu potius (taiitavelocitas erat) raperes: nonreliiculnin uiKiuain, 
71011 equum respexisti. Levis hie, ?ion subsidiuin itiiieiis. sed decua 
et cum caeteris subsequebatur: nt cuius nullus tibi usus, uisi cum 
die statirorum proxiiuum campum alacritale. discursu. pulvere atlolleres. 
C. X: Imperator lu titulis et imagiuilms et signis : caetcrum modestia, 
Labore, vigilantia, dux et legatus et indes, cum imn tun rexilla^ 
tuas aqtiilas magno gradu anteires — tongam gloriam precarere. 
') Sulp. Sev. vita S. .Martini c. IV 1. y. 114 ed. C. Halm. 



220 

die AiHialinio des Geschenks eine neue Veiptiichtung aufzuerlegen schien. 
Julian, durch dieses Gesuch des Martinus oflenbar eben so sehr über- 
rascht wie erzürnt, versuchte den frommen Jüngling bei der militärischen 
Ehre zu fassen uud schrieb dasselbe nicht sowohl seiner Gottesfurcht, 
als vielmehr seiner Feigheit d. h. der Furcht vor dem bevorstehenden 
Kampfe mit einem so furchtbaren Feinde zu. 

Durch diese Insinuation empfindlich berührt , trat Martinus noch 
kühner vor den Cäsar hin und erbot sich, da er für feige statt für 
glaubenstreu angesehen würde , am folgenden Tage waffenlos vor die 
Fronte der feindlichen Schlachtreihe zu treten und im Namen Jesu, nur 
mit dem Zeichen des Kreuzes, nicht mit dem Schilde bedeckt, furcht- 
los mitten in die Feinde einzudringen. Julian, damals schon innerlich 
dem Christenthum entfremdet und von dem Komantischen und Geheim- 
nissvollen angezogen, vielleicht aber auch bei seinem Hasse gegen das 
Christliche und die Christen von dem Hintergedanken geleitet, den 
christlichen Heldenniuili in die Versuchung führen, zu Schanden machen 
und verhöhnen zu können, nahm rasch das Anerbieten an, Hess aber 
misstraui.'ch den frommen Jüngling bis zum andern Tag in strenger 
Haft halten. Als nun bei Anbruch des folgenden Morgens die Ala- 
mannen gegen alle Erwartung Friedensboten ins römische Lager schick- 
ten und völlige Unterwerfung erklären Hessen, so entliess Julianus nun- 
mehr den frommen Krieger ohne weitere Anforderung und entband ihn 
seines Eides. Dieses ge.;chah bei Worms. 2) 

Ganz abgesehen von der persönlichen Stellung Julians als Christen- 
feind zu Martinus, dem frommen Christen im Römischen Heere, trägt 
nicht allein dieser ganze Vorgang das Gepräge wahrheitsgetreuer Ueber- 
lieferung, sondern auch alle Einzelheiten lassen sich ohne Zwang mit 
der ganzen damaligen Lage Julians und seines Heeres nach der grossen 
Alamannenschlacht bei Strassburg und vor dem Rheinübergange bei 
Mainz in Uebereinstiramung bringen. Wenn Sulpicius Severus zuvör- 
derst sagt : Interca inruent'ibus intra Gallias barhuris Julianus Caesar 
coacto in iinum exercitu apud Vangionum civitafcm donativum coepit 
erogare militibus et, ut est consuetudinis, singuli citabantur. donec ad 
Martinum ventmn est, so weiset einerseits der Zusatz Cäsar bei Julianus 
auf seine Feldzüge und die drei Rheinübergänge des Julian vor seiner 
Erhebung zum Augustus ebenso unzweideutig hin, als andererseits hin- 
wieder die in rnentcs intra Gallias barbari nur auf die ersten 
Ereignisse seines Coramandos, d. h. die Schlacht bei Strassburg und 
den Hinabzug am Rhein bis Mogontiacum zum Einfalle ins Alamannische 
bezogen werden können, da alle späteren Feldzüge Julians und seine 



•-') Vgl. Prof. Dr. C. Glaser Der heilige Martinus. (Programm des Gjniinasiums 
zu Giessen 1809, 4) S. 6—7. 



221 

Uheinübergänge nicht mehr die Au.^treibung der eingedrungenen Alamaimen, 
sondern den Angrift" in deren eigenem Lande zum Zwecke und Ziele hatten. 

Nicht minder als dieae allgemeine Lage der Dinge stimmt aber 
auch der Ort des Vorganges, die civitas Vavgionuni, Worms, und 
die nur von Severus erwähnte Ausspendung eines Donativs mit dem 
Berichte des Ammian Marcellin überein, welcher diese Ausspendung 
oftenbar übergeht, um den persönlichen Einfluss seines Helden Julian 
auf das Heer um so glänzender hervortreten zu lassen. 

Letzterer berichtet nämlich ausdrücklich (vgl. A. 122), dass Julian 
nach der Schlacht bei Strassburg nach Tres Tahernae (Zabern) zurück- 
gekehrt sei, alle Gefangenen und die Beute zur Aufbewahrung bis zu 
seiner Rückkehr nach Metz geschickt habe und nunmehr selbst aufge- 
brochen sei mit des Absicht gegen Mogontiacum (Mainz) zu ziehen 
(petitHTus ipse Mogontiacum), um dort den Rhein zu überschreiten und 
die Alamannen im eigenen Lande aufzusuchen, nachdem er sie vom 
linken üfei- gänzlich vertrieben hatte. Auf diesem Marsche nun, welcher 
nur auf der dicht am Rheine hinziehenden grossen Heerstrasse über 
Speier (civitas Nemetum), Worms (civitas Vanyionuni) und Oppenheim 
(JBaucoirica) geschehen konnte und bevor noch Mainz erreicht war, 
lehnte sich das Heer auf, welches ohne Zweifel von der eigentlichen 
Absicht Julians nach und nach Kenntniss erhalten hatte. Julian war 
genöthigt Halt zu machen, und wir lernen den Ort, wo es geschah, 
aus Sulpicius Severus kennen: es war Worms; hier bot der Feldherr 
und zwar, wie Ammian berichtet, mit Erfolg seine ganze Beredtsamkeit 
und Liebenswürdigkeit auf, um das Heer seinem Willen geneigt zu 
machen: aber er wäre damit allein schwerlich durchgedrungen, wenn er 
sich nicht zugleich auch durch die Ausspendung eines Donativs 
an die tapfersten Krieger vor Allem des Vorantritts und Beispieles, wie 
auch der Mitwirkung dieser leitenden Kräfte zu versichern bemüht ge- 
wiesen wäre. Es musste ihn daher das Abschiedsgesuch des Martinus 
um so unangenehmer berühren, je widerwärtiger ihm überhaupt die 
Motive desselben waren. Für Julian lag es darnach sehr nahe, die all- 
gemeine Stimmung, welche doch ohne Zweifel ihren Grund nicht mit 
Unrecht in der Gefährlichkeit des Unternehmens und in der Scheu vor 
der barbarischen Wildheit des Feindes hatte, auch einem so tapferen 
Streiter, wie Martinus war, als Grund seines Abschiedsgesuches unter- 
zuschieben. Wenn nun aber weiter Julian bei diesem Vorgange in 
AVorms, von wo er sofort nach Beschwichtigung seines Heeres nach 
Mainz hin aufbrach, wie Ammian Marcellin unzweideutig aussiiricht, 3) 
den Kampf mit den Alamannen, vor welchem Martinus sich gefürchtet 
haben sollte, schon für den folgenden Tag ankündigte, indem Sul- 



3) A. a. 0.: moxQue ad locunt praedictum est venlum. 



ooo 

picius Severus weiterhin berichtet: tum vero adversus haue vocem 
tyrannuf- (Ju\ia.nu^) mfrentuit dicens, cum metu pugnae, qiiac posier o 
die eratfutura, nan religionis gratia detractare milifiam, so ist 
dagegen zu bemerken, dass Julian diesen Kampf wohl nur im Allge- 
meinen als nahe bevorstehend bezeichnete, da voraussichtlich kaum 
zwei Tage bis zum Uebergange über den Rhein und zum Einfalle in 
das feindliche Land verfliessen konnten : ein Kampf am folgenden Tage 
hätte nur dann stattfinden können, wenn Julian bei W o r m s selbst über 
den Rhein gegangen wäre : eine Annahme , welcher die ganze Lage der Um- 
stände und das ausdrückliche Zeugniss des Ammian Marcellin entgegensteht. 
Dass und warum aber Sulpicius Severus selbst, dessen Glaubwür- 
digkeit als Zeitgenosse und Freund des Martinus bewährt ist, in diesem 
Punete irrt, lässt sich leicht erklären. Severus nämlich kann sich trotz 
seiner Wahrheitsliebe und sonstigen Treue der Ueberlieferuug nicht von 
jenem unbedingten, überaus willigen Wunderglauben seiner Zeit 
losmachen, der auch bei dem Wormser Vorgange hervortritt. Die un- 
erwartete Unterwerfung der Alamannen, welche Severus mit den Wor- 
ten : postero die hostes legatos de pace niiserunt, sua omnia seque 
dedentes, trifft so überraschend mit dem zum Kampfe bestimmten fol- 
genden Tag zusammen, dass Severus den Glauben ausspricht, es könne 
Niemand daran zweifeln, dass hier eine wunderbare Gottesthat 
geschehen sei. ^) Und in der That ist auch aus den vorliegenden 
Quellen über diesen ersten Rheinübergang Julians und sein Vordringen 
im Alamannenlande ersichtlich, '') dass allerdings ein Theil der über- 
raschten Alamannen alsbald Frieden und Unterwerfung angeboten habe, 
dieses Anerbieten kann aber keinesfalls in Worms selbst und am Tage 
nach dem Vorgange zwischen Julian und Martin gemacht worden sein; 
es konnte nur nach dem Rheinübergange bei Mainz und bei oder vor 
dem Einfalle in das Alamannenland vorgebracht werden. Die Entlassung 
des frommen Streiters Martinus wird also weniger wohl durch diese un- 
envarteten Friedensanerbietungen der Alamannen, durch welche eine be- 
drohliche Lebensgefährdung des Martinus abgewendet erschien, als 
vielleicht durch ein gewisses unbehagliches Gefühl Julians veranlasst 
worden sein, welcher lieber die Dienste eines tapferen Kriegers missen, 
als weiter den kühnen Freimuth und die anderen ungewöhnlichen Tu- 
genden des Christen rühmen hören mochte, durch welche er sich die 
Liebe und Zuneigung seiner Kriegskameraden in so hohem Grade er- 
worben hatte. '■■) 



*) Vgl. Glaser a. a. 0. S. 2—3 und 7. 

i) Vgl. A. 122. 

«) Vgl. Glaser a. a. 0. S. 5. 



Das Dillenbur^er Schloss. 



Von 

August Spiess, 

Professor. 



tis sind jetzt gerade dreihundert Jalire geworden, dass Wilhelm, 
Prinz von Oranien, in der Geschichte der Verschwiegene genannt, sich 
aus den Niederlanden entfernte, um deren Befreiung vom spanischen 
Joch auf Schloss Dillenburg, dem Stammsitze seiner Väter, vorzubereiten. 
Hier war er 1567 und in den folgenden Jahren unermüdlich durch 
Wort und Schrift, durch Anknüpfung mannichfacher Verbindungen und 
durch wiederholte, unter den bedeutendsten Opfern vollbrachte Rüstun- 
gen für das grosse Werk thätig, welches nicht nur die ferneren Ge- 
schicke der Niederlande aufs glücklichste bestimmte, sondern auch für 
die freiheitliche Entwickelung von ganz Westeuropa auf politischem und 
religiösem Gebiete neue Bahnen eröffnete. Es mag daher gerade jetzt 
nicht ohne Interesse sein, die Geburtsstätte dieses grössten Mannes seiner 
Zeit und die Stammburg des ganzen Heldengeschlechtes der Oranier in 
dem stillen Thale zwischen den Bergen der Sieg und der Lahn aufzu- 
suchen, und das wichtigste aus ihrer Geschichte uns zu vergegenwärtigen. 

Bei der alten freien Reichsstadt Wetzlar ergiesst sich, von Nord- 
westen aus einer ziemlich weiten und fruchtbaren Thalfläche kommend, 
das Flüsschen Dill in die Lahn. Durch dieses Thal führt die Deutz- 
Giessener Bahn an freundlich gelegenen Ortschaften vorüber aufwärts. 
Bald erscheint auf der Höhe zu unserer Linken, breit auf den Berg- 
rücken gelagert, die imposante Ruine des Schlosses Greifenstein, 
früher der Sitz der Grafen von Greifenstein, später einer Linie des gräf- 
lich Solmsischeu Hauses ; weiterhin eilt der Zug an einem bedeutenden 
Hüttenwerke vorüber nach dem verkehrsreichen Städtchen Herborn, 
welches, uns zur Linken am Thalrande gelegen, von seinem alten Schlosse 



224 

und der ansehnlichen Kirche überragt wird. Hier sind wir schon in 
den altoranischen Theilen des nassauischen Landes angelangt, und zwar 
an einem früher bedeutenderen Orte; denn Herborn war einst der Sitz 
einer hohen Schule, welche im Jahre 1584 von Johann dem Aelteren 
von Nassau-Dillenburg gegründet worden, zur Zeit ihres ersten Auf- 
blühens sehr stark besucht war, und bis zum Jahre 181G bestanden hat- 
Weiter aufwärts werden die das Thal begrenzenden Berge höher und 
nicken naher zusammen ; der zwischen ihnen liegende, wohlbebaute Wieseu- 
grund prangt im frischesten Grün. An mehreren Dörfern und Hütten- 
werken vorüber, welche den Keichthum der Gegend, den vortrefflichen, 
weit gesuchten Eisenstein schmelzen und verarbeiten, eilt der Zug dem 
sechs Wegstunden von Wetzlar entfernten Städtchen Dillenburg zu, 
welches, im Schoosse waldgrüner Berge gelegen , sich schon von ferne 
durch die Rauchsäulen seiner neuentstandenen industriellen Etablisse- 
ments ankündigt. Auf dem massig hohen, steilen Bergvorsprung zur 
Linken, um welciien der Ort herumgebaut ist, und der auf seiner nörd- 
lichen Seite in einer 80 Fuss hohen Mauer abfällt, bemerkt das Auge 
über dieser einige, sich nur wenig über den Boden erhebende Trümmer- 
reste. Es sind die des , Hauses Dillenbergk" oder „Dillenburgk", wie 
es in den Urkunden lautet, des Stammschlosses der Dillenburgischen, 
Siegen' sehen , Hadamarer und Dietzer, sowie der oranischen Linie des 
Hauses Nassau. 

Nur wenige Fürstensitze der Rheinlande haben durch die Ungunst 
der Verhältnisse so sehr gelitten, als das Dillenburger Schloss, welches 
noch im vorigen Jahrhunderte mit seinen zahlreichen Bauten früheren 
und späteren Ursprungs, mit seinen Thürmen und Erkern in weiter Aus- 
dehnung sich auf dem Rücken des Berges erhob. Das Trümmerwerk, 
welches jetzt noch zu Tage steht, stammt von dem eigentlichen Kern, 
der alten Burg her, um welche sich die Bauten späterer Zeit in nied- 
rigerer Lage hinzogen. Doch sind diese bis auf die obenerwähnte grosse 
Mauer fast alle spurlos verschwunden, und nur der Wallgraben und 
kleine Ueberreste lassen den Besucher den bedeutenden Umfang des 
ganzen Complexes, welcher das Dillenburger Schloss ausmachte, erken- 
nen. Dagegen ist die Anhöhe durch gewaltige Gewölbe, welche zu 
Thorfahrten, Kasematten, Kellerräumen und Gefängnissen dienten, und 
an einzelnen Stellen drei Stockwerke übereinanderliegen, wahrhaft unter- 
minirt. In neuerer Zeit hat man einige derselben vom Schutte gerei- 
nigt, während der grössere Theil — nach den alten Plänen des Schlosses 
beläuft sich ihre Gesammtzahl auf 120 — 130 — zur Zeit noch ver- 
schüttet sind. 

Das „Haus Dillenburgk", welchem die im Thale liegende Stadt 
ihren Ursprung verdankt, wurde zu der Zeit gegründet, als sich das 
Grafenhaus Nassau noch nicht in die walramisciie und ottonische Linie 



225 

gef<palten liatte. Graf Heinrich IL, mit dem Beinamen der Reiche, 
legte dasselbe in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, nach 
Kauschard 1240, gleichzeitig mit der Ginsburg, deren Trümmer im 
Siegen' sehen in der Nähe der Ederquelle noch zu sehen sind, zum 
Schutze des nördlichen Theiles seiner Lande an. Sein Sohn Otto, der 
Stammvater der nassau-ottonischen Linie, und dessen Nachfolger nahmen 
öfters ihren Aufentlialt auf demselben. Uebrigens gibt es aus diesen 
Zeiten wenig über die Burg zu berichten. Unter Otto's Sohne Heinrich 
soll dieselbe in einer Fehde mit den Dernbachern zerstört worden sein. 
Gewiss aber ist es, dass sie in den folgenden Kämpfen mit den Wester- 
burgern, Wittgensteinern und mit Hessen wieder vollständig widerstands- 
fähig war. Im Jahre 1390 sass der wilde Graf Johann von Wittgenstein, der 
durch seine Raubzüge die Nachbarschaft belästigt hatte, und vom Grafen 
Johann 1. von Dillenburg gefangen genommen worden war, ein Zeitlang 
in ihr in Haft. Erst seit Wilhelm dem Reichen, dem Vater Wilhelms 
des Verschwiegenen, (f 1559) war Schloss Dillenburg die beständige 
Residenz der Grafen und nachmaligen Fürsten von Nassau-Dillenburg 
und der Sitz ihrer Regierung. Bereits in den Jahren 1468 — 86 war es 
durch bedeutende Bauten beträchtlich erweitert worden. Nun errichtete 
um's Jahr 1536 Wilhelm der Reiche, welcher wegen des noch schwe- 
benden langwierigen catzenellenbogischen Erbfolgestreits vor dem Land- 
grafen Philipp von Hessen auf der Hut sein musste, die grosse Mauer 
auf der Nordseite des Schlosses, ein Meisterwerk alter Befestigungs- 
kunst, und legte auf der entgegengesetzten Seite tiefe Wallgräben an. 

Schon früher, im Jahre 1526, beherbergte das Schloss einen Gast, 
dessen Anwesenheit für das Nassau-Dillenburgische Land von grosser 
Bedeutung gewesen ist. Es war Johann Friedrich, Herzog und nach- 
mals Kurfürst von Sachsen, welcher den seinem Vater und ihm selbst 
befreundeten Grafen Wilhelm besuchte, und damals auf die Einführung 
der Reformation in diesen Gegenden wesentlichen Einfluss geübt hat. 
Davon zeugt ein Brief, welchen derselbe kurz nach seinem Besuche von 
Torgau aus an diesen schrieb, und in welchem es heisst: , Nachdem 
ich euch auch zu Tillenburg zugesaget, etliche Lutherische Bücher zu 
schicken, so thue ich euch der so fyl ich ir hab in dieser Eile bekom- 
men mögen, oberschicken, vnd hoff ich wil damit eynen gutten Christen 
aus euch machen mit göttlicher Hülff." 

Höchst bedeutungsvoll aber für die Geschichte von ganz West- 
europa wurde ein Ereigniss des Dillenburger Schlosslebens aus dem 
Jahre 1533 ; denn am 14. April dieses Jahres wurde dem Grafen Wil- 
helm von seiner zweiten Gemahlin Juliane, des Grafen Botho von Stolberg 
Tochter und Wittwe des Grafen Philipp IL von Hanau, sein erster 
Sohn Wilhelm, in der Geschichte der Verschwiegene genannt , geboren. 
Von seiner Jugendzeit, welche er bis zu seinem elften Jahre auf dem 

15 



226 

Schlosse seiner Väter verlebte, um dann auf den Wunsch Kaiser Karl V. 
in Brüssel unter dessen Pagen zu treten , berichten die Urkunden aus 
damaliger Zeit nur wenig; soviel ist indessen gewiss, dass er bis dahin 
im Lutherisclien Glauben erzogen wurde. Lange Jahre sah er, von 
der immer wachsenden Gunst des Kaisers festgehalten, seine Heimath 
nicht. Ob er sie im Jahre 1558, als er am 24. Februar als Bevoll- 
mächtigter desselben die deutsche Krone Ferdinand zu Frankfurt über- 
reichte, besucht hat, ist ungewiss , doch spricht dafür , dass sie nur 18 
Stunden von dieser Stadt entfernt ist. Im folgenden Jahre starb auf 
Schloss Dillenburg Wilhelm der Reiche hochbetagt, und Johann VI., 
später Johann der Aeltere genannt, Wilhelms des Verschwiegenen vor- 
trefflicher Bruder, succedirte ihm in den Dillenburger Landen. 

Unter seiner Regierung war es denn auch, dass dieser, seine Statt- 
halterschaft verlassend, und den ihn in den Niederlanden bedrohenden 
Gefahren aus dem Wege gehend, eine Zufluchtsstätte in der Heimath 
fand. Am 7. Mai 1567 langte er mit seiner Familie und mit einem 
Gefolge von 150 Personen auf dem Schlosse Dillenburg an. Da auch 
Johann dasselbe durch verschiedene ansehnliche Bauten erweitert hatte, 
vermochte es die vermehrte Zahl seiner Bewohner bequem zu fassen. 
Wilhelm selbst, als Haupt des Hauses, erhielt nach errichtetem Burg- 
frieden und gemeinsamer Hausordnung die schönsten und elegantesten 
Räume zur Wohnung, welche auch später noch den Namen des Prinzen- 
gemachs fortführten. 

Bald bildete Schloss Dillenburg den Mittelpunkt eines sehr regen 
Verkehrs. Flüchtlinge aus den Niederlanden kamen schaarenweise an; 
Obersten und Hauptleute geworbener Truppen gingen ab und zu; die 
benachbarten Grafen und Fürsten statteten ihre Besuche ab, unter denen 
sich jedoch der tiefe Ernst politischer Berathungen verbarg. Von hier 
aus trat aber Wilhelm auch offen hervor; er erliess seinen berühmten 
Protest gegen Alba's Anklageschrift und Vorladung vor den Rath der 
Unruhen, in welchem er seinen Rücktritt zum Protestantismus bekannte 
und in Bezug auf die Niederlande den denkwürdigen Ausspruch that : 
„Mein Rang als Fürst und einer der niederländischen Grossen legt mir 
die Verpflichtung auf, die Niederlande von der Sclaverei zu befreien, in 
welche man sie niederdrücken will. Ich hoffe, dass König Philipp, 
dessen gute Absichten durch die treulosen Ränken einiger Spanischen 
vereitelt worden, die Treue der Landschaften und seinen öffentlichen 
Eid, die Freiheiten derselben aufrecht zu erhalten, einst besser in Er- 
wägung ziehen wird." 

Am 11. December 1567 trat ein für Wilhelm höchst erfreuliches 
Familienereigniss ein; seine Gemahlin, Anna von Sachsen, gebar ihm 
einen Sohn, welcher am Dreikönigsfeste 1568 in der Stadtkirche zu 
Dillenburg getauft wurde. Dieser Sohn war der nachmals als einer der 



227 

ersten Kriegshelden seines Jiilirhunderts liochgepriesene Moritz von 
Uranien, welcher das unvollendet gelassene Werk seines Vaters ruhm- 
voll weitergeführt hat. Die Kindtaufe wurde mit grossem Pompe ge- 
feiert; alle benachbarten Fürstenhöfe betheiligten sich bei derselben, 
selbst von Kassel und Dresden waren Abgeordnete erschienen. Wie 
gross die Zahl der vornehmen Gäste und ihres Gefolges gewesen sein 
musste, beweist die urkundliche Nachricht, dass während des achttägigen 
Festes 700 Pferde auf dem Schlosse und in der Stadt Dillenburg unter- 
gebracht waren. 

Am 6. April erliess Wilhelm von Dilleuburg aus die Commission 
an seinen Bruder Ludwig, der, wie er selbst Haupt und Herz der Er- 
hebung, so die rechte Hand derselben genannt worden ist. In dieser 
Commission heisst es: „Um unsere Liebe zu dem Monarchen und seinen 
angestammten Landen an den Tag zu legen, um der Verheerung, welche 
die Provinzen durch die Grausamkeit der Spanier erdulden müssen, ein 
Ende zu machen, um die von Sr. Majestät und ilireu Vorgängern be- 
schworenen Privilegien aufrecht zu erhalten, um die Ausrottung, mit 
welcher alle Keligion durch die Edicte bedroht ist, abzuwenden, und 
die Söhne und Töchter des Landes aus unwürdiger Sclaverei zu erretten, 
haben wir unsern sehr geliebten Bruder Ludwig von Nassau beauftragt, 
so viel Truppen anzuwerben, als er für nöthig halten wird." Nun galt 
es aber auch, sich Bundesgenossen zu verschaffen und Geld zu den 
Kriegsrüstungen aufzubringen. In einer Versammlung, welcher die 
Fürsten von der Pfalz, von Würtemberg, Baden, Hessen und sämmt- 
liche Grafen von Nassau beiwohnten, electrisirte ,der hochgeborne De- 
mosthenes" die Anwesenden durch seine stürmischen Angriffe auf den 
spanischen König. Er selbst ging mit rühmlicher Opferbereitwilligkeit 
voran; sein Silbergeschirr, seine Kleinodien, Tapisserien etc. versetzte 
er für 70,000 Gulden; andere Kostbarkeiten und Mobilien liess er in 
Frankfurt verkaufen, wälirend sein Bruder Johann die Grafschaft Dietz 
verpfändete, um möglichst zahlreiche Truppen werben zu können. 

Mittlerweile hatte sich die Zahl der Flüclitlinge , welche Alba's 
Blutherrschaft entronnen waren und bei AVillielm Schutz und Hülfe 
suchten, von Woche zu AVoche gemehrt. Niclit nur Männer, sondern 
auch Frauen in Trauergewändern waren erschienen. Am 14. April 
1568 langte auch eine Gesandtschaft unter Führung des Banquiers 
Marcus Perez aus Antwerpen und der KauÜeute Jean Karlien und Charles 
Bomberg, welche Wilhelm zur Befreiung der Niederlande an die Spitze 
der Nation berufen sollte, in Dillenburg an. Noch heutzutage zeigt 
man die damals den Weg zum Hauptthore des Schlosses beschattende 
alte Linde, unter welcher Wilhelm diese bedeutungsvolle Gesandtschaft 
bewillkommnete, und sieht in ihr nicht mit ünreclit ein ehrwürdiges 
historisches Denkmal; denn mit der offiziellen Kundgebung des Wim- 



228 

sches der Niederländer, welche unter ihr erfolgte, erhielt der Bund zwi- 
schen dem Fürsten und Volke zur Befreiung des Vaterlandes erst Be- 
deutung und seine eigentliche Weihe. 

Den eifrigen Werbungen Wilhelms und seiner Brüder entsprach 
auch der p]rfolg; aus Nassau allein strömten Soldaten so zahlreich zu 
den Fahnen, dass aus ihnen mehrere Regimenter gebildet werden konnten. 
Geistliche aus den Grafschaften meldeten sich zum Feldpredigerdienste. 
Nun brach zuerst Ludwig von der Ginsburg aus nach Ostfriesland auf. 
Die siegreiche Schlacht bei Heiligerlee forderte das erste Opfer aus dem 
Hause Nassau-Dillenburg; der junge Graf Adolph, Wilhelms Bruder, 
fand in derselben den Heldentod. Wilhelm selbst mit vier Kanonen, 
zwei Falkonetten und fünf Feldstücken aus dem Zeughause und mit 
hundert Pferden aus dem Marstalle des Dillenburger Schlosses versehen, 
erschien in Begleitung Johanns des Aelteren mit seinem Heere, welchem 
Fahnen mit der Devise: „pro lege, rege et grege" oder dem Bilde des 
die Jungen mit seinem Blute tränkenden Pelikans voranwehten, am 
5. September an der Maas. Gegen Herbst 1569 kehrte er aus diesem 
ruhmvollen , aber wegen des geringen Succurses , den er in den Nieder- 
landen fand, erfolglosen Kriegszuge als Bauer verkleidet mit nur sechs 
Gefährten nach Dillenburg zurück. Jedoch verweilte er, durch Schuld- 
forderungen häufig bedrängt, nicht lange daselbst; erst später, als diese 
Angelegenheiten einigermassen geordnet waren, finden wir ihn wieder 
auf dem Schlosse seiner Ahnen. Indessen war durch den unglücklichen 
Ausgang des Feldzugs und durch die drückenden Geldverlegenheiten der 
Muth der fürstlichen Brüder keineswegs gebrochen. In den Jahren 
1570— 72 rüstete man wieder unausgesetzt. Die Nassau-Dillenburgischen 
Landschaften steuerten bereitwillig Kriegsabgaben bei ; Graf Johann ver- 
pfändete abermals einen Theil seiner Besitzungen ; auf dem Schlosse 
entkleidete man sich aller fürstlichen Pracht und beschränkte sich auf 
das allernothwendigste ; man speiste fortan aus Zinn, während aus dem 
Silberservice in Köln 8000 Kronen geprägt wurden; Kleinodien und 
goldene Becher, Teppiche und Tapisserien wurden verwerthet und die 
gräflichen Frauen Juliane und Elisabeth, die Gemahlin Johanns, sowie 
auch die Kinder opferten ihre Hinge und ihr Geschmeide der von 
neuem versuchten Befreiung der Niederlande. 

Bereits am 28. Juni 1572 rechtfertigte Willielm seinen aberma- 
ligen Feldzug bei dem Kaiser Maximilian II. in einem von Dillenburg 
aus datirten Schreiben, in welchem er versichert, dass all' sein Suchen 
und Begehren lediglich dahin gerichtet sei, die Niederlande zu Leistung 
des dem Könige, seinem gnädigsten Herrn, schuldigen Gehorsams anzu- 
weisen, und nur das zu erwirken, dass die unerhörte Albaische Inqui- 
sition, die zur Beschwerung der Gewissen mit Gewalt eingeführt und 
durch vielfältiges Würgen und Hängen der armen Christen nun vier 



229 

Jahre continuirt worden sei, wieder abgeschafft und die Freiheit des 
Vaterlandes gebührlich gehaudhabt werde. Tags darauf brach er mit 
dem allmählig bis zu 11,000 Mann sich verstärkenden Heere nach den 
Niederlanden auf, unter günstigeren Auspicien, als beim ersten Feld- 
zuge, da er durch die „Meergueusen" auch der Seemacht der Spanier 
begegnen konnte, und auf Frankreichs Hülfe rechnen zu dürfen glaubte. 
Es war das letztemal, dass er bei seinem Abzüge, von den Bergen sich 
zurückwendend, die Thürme und Zinnen seiner Geburtsstätte sah; fortan 
hielt ihn unausgesetzt seine Pflicht in den hartbedrängten Niederlanden 
fest. Doch liegt es nicht in unserem Zwecke , seine und seiner Brüder 
schwere, reichliche Opfer fordernde Kämpfe, seine stets gefahrumdrohte 
Lage, von der nächtlichen Erstürmung seines Lagers bei Mecheln an, 
wo er nur durch das Bellen seines auf dem Bette ruhenden Hündchens 
vom Tod oder von Gefangenschaft errettet wurde, bis zu den Tagen, 
wo er unter dem begeisterten Zuruf , Vater Wilhelm" von den Bürgern 
der befreiten Städte empfangen wurde, sowie seine nunmehr beginnenden 
grossen patriotischen Schöpfungen weiter zu berühren, als sie zu den 
Bewohnern des Schlosses Dillenburg eine nähere Beziehung erhielten. 

Die Nachricht von der Schlacht auf der Mooker Haide am 14. April 
1574, in welcher die Grafen Ludwig und Heinrich von Nassau-Dillen- 
burg fielen, versetzte dieselben in die tiefste Trauer. Anfangs schenkte 
man den Gerüchten von ihrer gelungenen Kettung, welche flüchtige 
Soldaten nach Dillenburg brachten, Glauben, doch bald bestätigte sich 
nur zu sehr die doppelte Trauerkunde. Wilhelm selbst schrieb einen 
Trostbrief an seine tiefbekümmerte Mutter, auf welchen diese antwortete ^ 
„Ich kann von meiner Betrübniss nicht erledigt werden, bis mich der 
liebe Gott mit Gnaden von diesem Jammerthale zu sich nimmt, welches 
ich von Herzen begehre und bitte, dass dies bald geschehen möge." 
Dagegen wurde durch diese herben Schläge der Muth der Jugend nicht 
gebeugt. Die Söhne Johanns und seines Schwagers, des Grafen von 
Berg, welche seit Alba's Auftreten in den Niederlanden auf Schloss 
Dilleuburg lebten , beklagten zwar in einem gemeinsamen Briefe 
an Wilhelm auf's tiefste den durch den Tod ihrer Oheime sie betref- 
fenden Verlust, gaben sich aber der zuversichtlichen Hoffnung hin, dass 
der gute Gott, der auch der Herr der W^affen sei, der gerechten Sache, 
zu der sie muthvoll ihre Hülfe anboten, den Sieg verleihen werde. 
Die Namen dieser jugendlichen Patrioten (sie zählten von 16 — 12 Jahre 
herab) sind: Hermann, Friedrich und Oswald, Grafen von Berg, Wil- 
helm Ludwig, Johann und Georg von Nassau. 

In den siebenziger Jahren, in welchen die fürstlichen Bewohner 
des Schlosses Dillenburg so schwere Opfer für die Befreiung der Nieder- 
lande brachten und durch die dortigen Kämpfe wiederholt in tiefe Trauer 
versetzt wurden, beherbergte dasselbe in einem seiner Gefängnisse auch 



230 

einen unfreiwilligen Gast, welcher sich, während Wilhelm seine hoch- 
herzigen Pläne unter tausend Mühen und Gefahren verfolgte, an dessen 
Hausehre schwer versündigt hatte. Es war der aus Antwerpen ausge- 
wanderte Stadtrath Jean van Ruhens, Dr. beider Rechte, der Vater des 
berühmten Malers Rubens. 

Des Prinzen Gemahlin Anna war während des Feldzugs im Jahre 
1568 auf Schloss Dillenburg geblieben. Genusssüchtig in hohem Grade, 
— sie liebte den Wein bis zum Berauschtwerden, und pflegte schon 
Morgens eine damalige Maas zu trinken, welcher am Nachmittage ein 
noch grösseres Quantum folgte ^) — fand sie an dem einfachen Leben 
auf dem Schlosse, zumal die harte Zeit noch grössere Entbehrungen 
auferlegte, wenig Gefallen. Sie begab sich daher nach Köln und führte 
dort eine Zeitlang einen verschwenderischen Haushalt. Als Wilhelm 
nach seiner Rückkehr sie wieder zu sich nach Dillenburg einlud, und 
ihr an's Herz legte, dass sie einst vor Gott und seiner heiligen Kirche 
gelobt habe, alles in der Welt zu verlassen und ihrem Manne zu fol- 
gen, und dass in Elend und Gefahr nirgends ein grösserer Trost ge- 
funden werden könne, als wenn der Mann erfahre, dass seine Hausfrau 
mit Geduld ihres Herrn Kreuz tragen helfe, besonders wenn er gemeint 
habe, Gottes Ehre zu befördern und die Freiheit seines Vaterlandes zu 
suchen, so Hess sie ihn acht Monate vergeblich warten, und hatte dann 
keine andere Autwort, als dass diese Zusammenkunft mehr Unheil als 
Heil bringen werde. Von Subsistenzmitteln entblösst, begab sie sich 
darauf, Dillenburg im Kreise umgehend, über Frankfurt, Giessen und 
Marburg nach Siegen, wo sie während des Jahres 1570 verweilte. Dort- 
hin war ihr auch unter dem Titel eines Rechtsbeistandes Jean van Ru- 
bens gefolgt, welchen sie in Köln hatte kennen lernen, und mit dem 
sie sich in ein compromittii-endes Verhältniss eingelassen hatte. Hier, 
im Gebiete der Grafen von Dillenburg, liess diesen die Strafe nicht 
lange auf sich warten; er wurde zuerst in Siegen eingekerkert und dann 



i) Die damalige Maas ist jedoch jedenfalls bedeutend kleiner gewesen, als die 
jetzige. — Uebrigens sind wir durch die zum Theil noch vorhandenen Rech- 
nungsbücher des Schlosses Dillenburg aus dem Jahre 1567 in den Stand ge- 
setzt, das, was täglich an die einzelnen Schlossbewohner verabreicht worden 
ist, genau zu ermitteln. In einem derselben heist es: Sonntag den 8. Juni 
ist an Wein verspeist worden, zu Nacht: vor meinen gnädigen Herrn Prinzen 
2 Maas, vor meine gnädige Frau, die Prinzessin (Anna) 3 Maas, vor meine 
gnädigen Herren vff die lang TafFel 10 Maas , vff der Jongfem und zween 
Junkern Tisch 25 Maas. Sieben Knechtetisch 18 Maas; vff dem Sommerhaus 
ein Tisch 5 Maas, vor die Junkern, so vfigewartet 16 Maas; drei Dienertisch 
8 Maas; drei Prinzessin Kammermägde 3 Maas etc. Schlaftrunk: Frauenzim- 
mer 2, junge Herrn 5, vor meine gnädige Frau, die Prinzessin 2, vor meinen 
gnädigen Herrn Prinzen 2. vor der Prinzessin Jungfern 2 Maas. 



231 

nach Schloss Dilleuburg in Gewahrsam gebracht. Während der Prin- 
zessin zuerst Dietz, dann Beilstein, ein Schloss auf dem Westerwalde 
als Aufenthalt zugewiesen wurde, und sie in diesem von Basaltkuppen 
umgebenen abgelegenen Asyle hinlänglich Müsse hatte, ihr Vergehen zu 
bereuen, schmachtete Rubens im Gefängnisse, bis durch die Selbstver- 
leugnung und Aufopferung seiner edlen Gattin Marie, geb. Pypelingk, 
welche 6000 Reichsthaler als Bürgschaft hinterlegte, derselbe aus seiner 
Haft entlassen wurde und Siegen als Wohnort unter der Bedingung an- 
gewiesen erhielt, nicht ohne die Erlaubniss der Grafen von Nassau- 
Dillenburg die Stadt zu verlassen 2). Am 10. Mai, gerade am Pfingst- 
feste des Jahres 1573, langte er daselbst bei seiner Familie an. In 
Siegen wurde denn auch den 27., 28. oder 29. Juni des Jahres 1577 



2) In dem hierauf bezüglichen von Jehan Ruebens und Maria Pypelingk unter- 
zeichneten zweiten Actenstücke vom 24. Juni 1574, heisst es in heutiger 
Schreibweise: „Ich Maria Pypelingk, Johann Rubens Hausfrau, bekenne 
hiermit öffentlich für mich, meine Erben und Erbschaftsnehraer, dass auf vor- 
gehende Unterhandlung und geschehene Abrede ich bei dem wohlgeborenen 
Herrn Herrn Johann, Grafen zu Nassau Catzenellnbogen, Vianden und Dietz, 
Herrn zu Beilstein, meinem gnädigsten Herrn, sechstausend Thaler angelegt, 
und dreihundert Thaler jährlicher, doch ablöslicher Renten erkauft habe, ver- 
möge einer derwegen aufgerichteten und mir zugestellten Verschreibung , so 
von Worten zu Worten lautet, wie folgt: Zu wissen, nachdem sich zugetragen, 
dass Johann Rubens von dieser Zeit seiner ihm wohlbewussten, auch von ihm 
selbstbekannten und ohnehin beweisslichen Misshandlung halber (einen Eüe- 
bruch belangend) in Unsere, Johanns, Grafen zu Nassau etc. und Unserer Ge- 
brüder Haft gekommen. Wir auch befugte Ursache gehabt haben, ihn seiner 
Verwirkung nach nicht allein in Haft und gefänglicher Verwahrung zu be- 
halten , sondern auch nach rechtlicher Ordnung am Leben zu strafen ; und 
aber auf seiner Hausfrau Maria Pypelingk, auch anderer Leute vielfältiges 
unterthäniges Ansuchen, Bitten und Flehen erfolgt ist, dass Wir sämmtlichen 
Gebrüder auf vorgehende Versprechung, dass er nichts desto weniger Unser 
Gefangener sein und bleiben, sich auch jederzeit und so oft Wir solches begehren 
würden, an die Orte, die Wir ihm benennen würden, einstellen, auch inson- 
derheit seine häusliche Wohnung der Zeit seines Lebens ohne Unser und Un- 
serer Brüder Wissen und ausdrückliche Erlaubniss aus Unserem Gebiet und 
dem von Uns bestimmten Ort nicht verrücken, sondern allermassen, als ob er 
noch im Gefängniss eingeschlossen wäre, in Unserer Gewalt wolle sein und 
bleiben; endlich ihm zugelassen und bewilligt haben, seine Haushaltung in 
der Stadt Siegen anzustellen, auch seine Hausfrau und Kinder zu sich zu neh- 
men, dass dem allem nach obgenannten Johann Rubens Hausfrau, Maria Pype- 
lingk zur Versicherung solcher von ihrem Hauswirth gethaner Zusage und 
Versprechung sechstausend Thaler, jeden zu siebenzehn Batzen und einem 
Kreuzer gerechnet , bei Uns angelegt , und Wir für solche Hauptäumme ihr 
und ihren Erben oder wissentlichen Inhabern dieser Verschreibung dreihun- 
dert Thaler, jeder zu siebenzehn Batzen und einem Kreuzer gerechnet, jähr- 
licher, doch ablöslicher Renten und Nutzungen von und aus dem Gerichte zu 
Netphe und dazu gehöriger Dorfschaften und Gefällen erkauft haben etc. 



232 

der grosse Maler Peter Paul Rubens geboren. — Uebrigens war Rubens, 
der Vater, nachdem er 1578 mit Weib und Kind nach Köln überge- 
siedelt, noch keineswegs seiner Verpflichtungen gegen die Grafen von 
Dillenburg enthoben. Noch war ein Theil der 6000 Reichsthaler, von 
welchen der Gattin die Zinsen als Unterhalt zugewiesen waren, in den 
Händen derselben, und in Briefen vom October 1782, welche an die 
Dillenburgischen Räthe Dr. Schwartz und Erasmus Stuer gerichtet sind, 
bittet er diese aufs dringendste, sich dafür zu verwenden, dass er nicht 
in's Gefängniss zurückkehren müsse. „Wenn ich", schreibt er in la- 
teinischer Sprache, „zum Tode oder zum Kerker zurückkehren soll, so 
erwirket wenigstens, dass meiner Gattin das Geld wieder erstattet werde, 
damit nicht die Unschuldige mit den Kindern zugleich mit mir zu 
Grunde gehe." Ueberhaupt lebte die Familie damals in der allergrössten 
Dürftigkeit. „WMr sind," schreibt er in demselben Monat, „so arm, 
dass wir nicht einmal 100 Thaler aus unserer ganzen Habe zusammen- 
scharren können, und wenn uns nicht der allmächtige und gütige Gott 
mit seiner ganz besonderen Gnade zu Hülfe kommt, so müssen wir in 
kurzem Hungers sterben." 

Im Jahre 1577 wurde Schloss Dillenburg noch einmal die Zu- 
fluchtsstätte einer Anzahl in ihrem Glauben Bedrängter, nämlich der 
aus Wittenberg vertriebenen, des Kryptocalvinismus beschuldigten Pro- 
fessoren Pezel, Wledebrau, Moller, Crell und Cruziger, welche Graf Jo- 
hann sammt ihren Familien auf eigene Kosten aus Sachsen abholen 
liess. Nachdem sie den Winter 15"/78 bei Hofe zugebracht, und ein 
erhöhtes geistiges Leben an demselben hervorgerufen hatten, wurden sie 
grösstentheils in den Städten des Nassau-Dillenburgischen Landes als 
Geistliche und Inspectoren angestellt. 

Indessen war Graf Johann nicht den ganzen Winter hindurch in 
Dillenburg anwesend. Im Jahre 1577 zum Statthalter von Geldern 
erwählt, begab er sich im Januar dorthin, und verblieb daselbst bis 
1580, wo er seine Stelle freiwillig niederlegte, jedoch nicht ohne sehr 
erfolgreich bei der Constituirung des jungen niederländischen Nordstaates 
mitgewirkt zu haben. Er hat nämlich den hauptsächlichsten Antheil 
an der Stiftung der Utrechter Union im Jahre 1579 ; auch steht sein 
Name an der Spitze aller Unterschriften der Bundesurkunde. 

Die Nachricht von dem an Wilhelm verübten schmählichen Meu- 
chelmord am 10. Juni des Jahres 1584 versetzte Schloss Dillenburg 
abermals in tiefes Leid. Der Gräfin Juliane war indessen dieser herbe 
Schmerz erspart worden; sie hatte 1580 im 75. Lebensjahre das Zeit- 
liche gesegnet, nachdem sie noch einmal von ihrer zahlreichen Nach- 
kommenschaft 120 Kinder, Enkel und Urenkel aus ihren beiden Ehen 
auf Schloss Dillenburg um sich versammelt hatte. Aber auch durch 
dieses erschütternde Ereigniss , durch welches die ganze Freiheitsbewe- 



233 

gung in den Niederlanden Haupt und Seele verlor, wurde der stahlfeste 
Muth, welcher die Oranier charakterisirt, nicht gebeugt. Graf Johann 
forderte sogleich seinen jugendlichen Neffen Moritz, welcher auch bald 
darauf, noch vor seinem zwanzigsten Jahre, die in seinem Geschlechte 
lebende Energie glänzend zu entfalten Gelegenheit hatte, zur Treue an 
der Sache der Freiheit auf, und versicherte, dass er seinerseits keinen 
Fleiss und keine Mühe bei allem dem sparen werde, was seine Ehre 
und die Wohlfahrt des Ganzen befördern könnte. Auch nahm er sich 
fortan, soweit es die bedeutende Entfernung gestattete, der Familie sei- 
nes Bruders, deren Zuflucht, wie Wilhelms Tochter, die Gräfin Maria, 
an ihn schrieb, nächst Gott allein auf ihm stand, aufs väterlichste an. 
Noch einmal im Jahre 1693 sehen wir den Grafen Johann auf 
kurze Zeit in den Niederlanden, während der Belagerung von Gertrui- 
denburg, welcher er persönlich beiwohnte. Im Uebrigen widmete er 
sich ganz der Kegierung seiner Erblande. Und wenn seine an Opfern 
30 reiche Mithülfe bei den Kämpfen für die politische und religiöse 
Freiheit der Niederlande ihm neben seinem grossen Bruder eine ehren- 
volle Stellung und einen dauernden Namen in der Geschichte sichert, 
so werden wii* ihn nicht minder verehren lernen, wenn wir einen Blick 
auf die vielverzweigte Thätigkeit werfen, welche er als Fürst in seinem 
abgelegenen Gebirgsland während seiner sieben und vierzigjährigen Regie- 
rung entfaltet hat =*). Er stand nicht blos dem Namen nach, sondern in der 
That an der Spitze des ganzen Staatswesens. Wie er persönlich den 
regelmässigen Sitzungen der von ihm in's Leben gerufenen drei Collegien, 
des Kirchenrathes , des Hofgerichts und der Kammer, deren Geschäfts- 
kreis und -Ordnung auf das genaueste bestimmt war , präsidirte , so 
überzeugte er sich auch auswärts von den Zuständen des Landes durch 
eigene Anschauung. Wie vielbeschäftigt mit dem Wohle desselben sein 
rastloser Geist stets gewesen ist, das beweisen uns aufs deutlichste die 
Acten aus damaliger Zeit, welche ganze Hefte von eigenhändigen Con- 
cepten aufweisen, in denen er alles und jedes, meist in Form von Fra- 
gen, sich selber klar zu machen suchte, oder seinen Käthen zur Beant- 
wortung überwies. Da finden wir: .Wasserley diejenigen zu bedenken, 
so willens und fürhabend sind zu bauen** neben der Frage: ,was für 
Grade zu einer Kegierung zu observiren", und „wasserley offizier und 
handwerker im Haus zu erhalten ^ Daran schliessen sich wieder Ent- 
würfe von Verordnungen über Beschränkung des Luxus bei Gastereien, 
Hochzeiten und Kindtaufen, über die zu treffenden Massregeln bei Feuers- 
gefahr und bei ansteckenden Krankheiten etc., und zwischen diesen und 
anderen findet wieder der beherzigenswerthe Spruch eine Stelle: fortis 
est ilic princeps, qui disceniere potest inter amiciim et adulatorern. Der 

3) Vergl. Vogel' 3 Nassauisches Taschenbuch 1?32. S. 103 etc. 

15* 



2 34 

Inhalt aller dieser buntscheckigen Concepte aber klärte sich zu einer 
Sammlung der mannigfachsten, für das Wohl des Landes höchst be- 
deutsamen Gesetze und Verordnungen ab, welche während der Zeit seiner 
Kegierung allmählich erschienen sind. Durch sie wurde damals schon 
eine Art Consolidirung der Güter angebahnt, sowie für die richtige Be- 
wirthschaftung der Wälder, für Berg-, Weg- und Brückenbau, für poli- 
zeiliche Ordnung und Sicherheit gesorgt und damit der Wohlstand des 
Landes sichtlich gehoben, so dass er in seinen späteren Jahren die Ge- 
nugthuung hatte, trotz der vorausgegangenen Kriegszeiten seine Dorf- 
schafton aufgeblüht und die Bevölkerung seines Landes bedeutend ge- 
wachsen zu sehen. Auch hat er noch das besondere Verdienst, den 
Braunkohlenbergbau auf dem Westerwalde begründet und die Lahn von 
Dietz aus durch den Holländer Wetzel schiffbar gemacht zu haben. 
Am bedeutendsten ist indessen seine Regeutenthätigkeit für die politische 
und religiöse Freiheit seines Volkes geworden, indem er schon im Jahre 
1567 die Leibeigenschaft, während sie in den Nachbarländern noch 
Jahrhunderte lang fortbestand, aufhob, die Reformation durch eine wohl- 
gegliederte Kirchenordnung befestigte und überhaupt Geistesbildung 
durch Errichtung von Stadt- und Dorfschulen und durch die Gründung 
der Universität zu Herborn förderte. 

^lit der Charakterfestigkeit, dieser Staramtugend der Oranier, 
welche Graf Johann während der niederländischen Kämpfe entfaltete, 
mit dem Wohlwollen und der Güte, welche ihn in seiner rastlosen Thä- 
tigkeit für das AVohl des Landes leitete, verband sich in ihm ein un- 
beugsamer Gerechtigkeitssinn. Wie alle seine Beschlüsse und Hand- 
lungen nur die Früchte einer ernsten und reiflichen Ueberlegung, und 
nur sein Gewissen und des Landes Wohlfahrt die Leitsterne seines Re- 
gentenlebens waren, so hasste er auch bei Anderen alle Willkür in 
Regieruugsgescliäften und verlangte von seinen Räthen und Beamten 
die Erledigung aller Angelegenheiten nach strenger Prüfung und festen 
Rechtsgrundsätzen. Wegen dieser Regententugeuden , welche Graf Jo- 
hann in so reichem Masse in sich vereinigte, wurde er schon von seinen 
Zeitgenossen nicht mit Unrecht „Vater des Vaterlands" genannt und 
als solcher von seinen Unterthanen geliebt und geehrt. Ihren gemein- 
samen festen Grund aber hatten diese Tugenden in der aufrichtigen 
Gottesfurcht, welche ihn als Menschen erfüllte. In dem von seiner 
Hand herrührenden Concepte einer Feuerordnnng ist charakteristisch 
als erstes Schutzmittel gegen einen mögliclien zerstörenden Ausbruch 
des Elementes das Gebet aufgeführt. Und Gottesfurcht und wahre Fröm- 
migkeit waren auch die Fundamente seines trotz so mancher über ihn 
verhängten Schicksale glücklichen Familienlebens. Nirgends aber tritt 
uns der (irundzug des Charakters dieses edlen und hochherzigen Fürsten, 
eines Musterbildes für Regenten aller Zeiten, deutlicher entgegen, als 



235 

in dem Selbistevkenntniss , welches er in seinen letzten Lebensjahren 
niedergeschrieben hat. ,lch habe mich", sagt er in demselben, „be- 
müht in wohltliiltigen Gesinnungen dem Ewigen, den noch weit grössere 
Geister im Himmel, als alle Könige und Fürsten auf Erden sind, in 
tiefster Demuth anbeten, nachzuahmen ; icli habe durch nützliche Kennt- 
nisse meinen und meines Volkes Geist aufzuklären und durch Liebe zur 
Tugend mein und meines Volkes Herz zu veredlen gesucht; ich habe 
durch meine Selbstbeherrschung die Fähigkeit, andere zu beherrschen, 
versucht und erprobt. Die Menschenherde, der ich vorstehe, hat ge- 
meinschaftlichen Ursprung, Natur und Empfindungen mit mir; der 
Herr und Knecht ist ein beseelter Thon, wir kommen aus dem Erd- 
reiche her und kehren in dasselbe zurück ; vor dem Allvergelter müssen 
wir dereinst alle erscheinen." 

Johann vollendete seine thatenreiche Laufbahn am 8. October 1606 
auf dem Schlosse zu Dillenburg, beinahe 70 Jahre alt. Sein Ende war 
ruhig und gottergeben; hatte er doch allezeit dem Wahlspruch treulich 
nachgelebt, welchen er oft im Munde führte: 

„Wer da stirbt, eh' er stirbt, 
Der stirbt nit, wann er stirbt." 

Seine Leiche wurde am 28. October unter den gerechten Klagen 
seines Volkes in der Stadtkirche zu Dillenburg beigesetzt. 

Graf Johann der Aeltere hatte, wie erwähnt, Schloss Dillenburg 
durch bedeutende Bauten erweitert, wie denn überhaupt dessen Regie- 
rungszeit als der Glanzpunkt der Geschichte desselben zu betrachten ist. 
Es wird daher nicht ungeeignet sein, hier eine kurze Beschreibung sei- 
ner Käumlichkeiten einzuschalten, und an diese eine Darstellung der 
wichtigsten Einrichtungen des inneren Schlosslebens anzuknüpfen. Er- 
stere auf Grund der noch vorhandenen Ueberreste zu versuchen, wäre 
nach dem systematischen Zerstörungswerk und den weitgreifenden Pla- 
nirungen, welche zu Ende des vorigen Jahrhunderts erfolgt sind, eine 
Sache der Unmöglichkeit; doch hat man noch mehrere Abbildungen des 
Schlosses aus dem sechszehnten und achtzehnten Jahrhundert, sowie 
einen Grundriss desselben vom Jahre 1763, welche eine Orientirung er- 
leichtern; näheren Aufschluss über die Räumlichkeiten geben uns in- 
dessen erst die noch vorhandenen Actenstücke über Schloss Dillenburg, 
welche fast nur aus der letzten Hälfte des sechszehnten und dem An- 
fang des siebzehnten Jahrhunderts stammen. Auch eröffnen uns diese 
manchen interessanten Blick in die Art und Weise, wie man damals 
auf Schloss Dillenburg eingerichtet war und lebte. — Auf der höchsten 
Höhe des Berges umgaben die Gebäude des alten Schlosses, meist noch 
im mittelalterlichen Style den sogenannten obersten Schlosshof, welcher 
ein unregelmässiges Viereck bildete. Hier haben wir die früheren Woh- 
nungen der Herrschaft mit ihren mannigfachen Gängen und Treppen, 



236 

mit ihren ungleichen Gemächern und verschiedenen Kellerräumen zu 
suchen, so^ne sich auch die Canzlei und der ansehnliche Bau der Schloss- 
küche hier befand. Ausserdem aber schloss sich nach Norden zu an 
diese Bauten die in neuerem Style aufgeführte Schlosskirche an. In 
dem nördlichen Winkel des Vierecks stand, nur zur Hälfte mit seiner 
Rundung aus den Gebäuden hervortretend, der alte, nicht sehr hohe 
Schlossthurm. Dieser Schlosshof war indessen mit Fuhrwerk nicht zu 
erreichen; es führten nur durch die ihn umgebenden Gebäude Zugänge 
zu ihm, ehe Graf Johann die vom untern Schlosshofe aufwärts gehende 
grosse Freitreppe angelegt hatte. 

In Folge der Anlage dieser Treppe wurden die zwei mit Sand 
gefüllten hölzernen Reservoirs, in welche das Regenwasser von den Dä- 
chern durch bleierne Kändel am Thurm herab und unter dem Pflaster 
des Hofes durch eiserne Röhren geleitet wurde, beseitigt, dagegen das 
Dachwerk nach innen hin verlängert, sodass man im Hofraum einen 
trockenen Umgang längs der Gebäude hatte. Der nach Süden zu ge- 
legene unteie Schlosshof war westlich von dem vom Grafen Johann er- 
bauten stattlichen, mit einem Thurme versehenen Zeughaus und von 
dem sog. Wächter- oder Theisgensthurm , südlich und südöstlich von 
dem Marstall, der Schmiede, Schlosserei und anderen Gebäuden, sowie 
an der Seite des alten Schlosses hin von dem wahrscheinlich auch schon 
von Johann erbauten neuen Bau ') umgeben, w^elcher mit den älteren 
Schlossgebäuden in Verbindung gesetzt war. Vier Bollwerke bildeten 
die Hauptvertheidigungspunkte in der äusseren Umfassung des Schlosses, 
das sog. Rondel nach Süden, das Junkerngemach nach Osten, die 
scharfe Ecke nach Norden und das Jag er gemach nach Westen. 
Die nördliche , nach der Stadt zu gelegene Seite vom Junkerngemach 
bis zur scharfen Ecke war durch die von V^ilhelm dem Reichen er- 

*) Vogel im Nassauischen Taschenbuch für das Jahr 1832, S. 115, erwähnt als 
von Johann dem Aelteren aufgeführte Neubauten nur zwei Thürrae und das 
Zeughaus. Indessen verdankt dieser neue Bau, später einer der ansehnlichsten 
Schlosstheile, ihm wahrscheinlich gleichfalls seine Entstehung. Denn der unter 
ihm liegenden Cisteme wird in den Acten vom Jahre IGl 3 schon p]rwähnung ge- 
than. Ausserdem findet sich in denselben die Notiz aus dem Jahre 1588, dass 
ein neuer Bau zu errichten sei, und aus dem Jahre 1596: „Montag nach Tri- 
nitatis ist Ambrosius Bausch der stad frankfurth bawenmeister vff erfordern 
des wolgeporenen vnseres gn. H. Grafen vffm Schloss erschienen, den newen 
Bau der Hofstuben und schreiberei besichtigt." Er hat einiges für mangelhaft 
befunden und will einen neuen Bfeiler in der Hofstube angebracht wissen, 
ausserdem eine eiserne oder gehauene Säule in der Schreiberei zur Stütze des 
dortigen Gewölbes, dazu noch Fenster „des Lichtes wegen". In der Merian'- 
schen Abbildung findet sich übrigens der neue Bau noch nicht. — Ausserdem 
scheint Graf Johann auch das neue Back- und Brauhaus, sowie die Rossmühle 
erbaut zu haben, denn schon 1578 wird das Bedürfniss dieser Bauten ausge- 
sprochen. 



237 

baute hohe Mauer, die westliche von letzterem Bollwerk über das Jäger- 
gemach liinaus durch den steilen Abhang nach der sog. Marbach hin 
unaHgreifbar. Die südöstliche, offenbar zugänglichste Seite war dagegen 
durch mehrere Mauern, durch den im Jahre 1619 von Falkenburg an- 
gelegten, in Fels gehauenen Graben und ein vor demselben gelegenes 
Hörn werk, die südliche Seite endlich durch einen tiefen Wallgraben, 
welcher von Kasematten flankirt war, geschützt. Uebrigens war auch 
die vom Grafen Johann V. erbaute Stadtkirche in den Bereich der 
Sclilossbefestigungen hereingezogen, sowie die von Johann VI. angelegte 
Stadtmauer die äusserste Vertheidigungslinie im Thale bildete. 

Drei Eingänge führten zu dem Schlosse, von denen der nach Sü- 
den gelegene, das Fei dt hör, als der Haupteingang zu betrachten ist. 
Ein kleiner Vorhof, auf welchem die berühmt gewordene Linde stand, 
nahm zuerst den Besucher desselben auf. Dann ging es über eine Zug- 
brücke in den unter dem Rondel herführenden langen gewölbten Thor- 
gang; aus diesem trat man wieder in's Freie und bog entweder rechts 
ab in den unteren Schlosshof, oder ging gerade aus zwischen Mauer- 
werk auf beiden Seiten, in welchem links die dreifach übereinanderliegen- 
den Pulverkamm'ern sich befanden. Dieser Hauptweg ging dann dem 
Jägergemache zu, unter welchem abermals eine gewaltige Thorfahrt von 
81 Fuss Länge, 20 Fuss Breite und 25 Fuss Höhe hinführte, welche 
derzeit aufgeräumt, die Bewunderung jedes Besuchers erweckt. Mit 
dieser Thorfahrt standen zahlreiche, theils mit Schiessscharten versehene 
Gewölbe und Treppen in Verbindung, welche aufwärts in die oberen 
Schlossräume führten. Darauf abermals ein freier Weg zwischen Mauern 
her, der sog. Unterwall, bis unter der scharfen Ecke eine dritte gewölbte 
Thorfahrt zu dem unteren Schlosshof hinaufleitete. Dort angelangt 
hatte mau beinahe zwei Dritttheile der Schlossgebäude in einem Bogen 
umgangen. Ein zweiter Eingang, das sog. Kirchen thor, von grös- 
serer Steigung, für Fuhrwerke schwerlich zu passiren, mündete bei der 
scharfen Ecke in die Haupteinfahrt. Der dritte war das sog. Graben- 
thor, welches unter dem Junkerngemach direkt nach dem unteren 
Schlosshof führte. Heutzutage ist dasselbe gleichfalls zum grossen Theile 
aufgeräumt und dient zu einem Bierkeller. Auch an diese gewölbte 
Thorfahrt reihten sich seitwärts verschiedene andere Gewölbe an, nach 
der linken Seite die nach dem Feldthor sich hinziehenden , den Schloss- 
graben beherrschenden Kasematten, nach rechts in niedrigerer Lage die 
kleinen lichtlosen Gewölbe ^), welche als Gefängnisse dienten. Hier 

5) Diese waren indessen nicht die einzigen Gefängnisse auf Schloss Dillenburg; 
es befanden .sich auch solche an der scharfen Ecke unter dem jetzigen Stock- 
hause, welche heutzutage zugemauert sind. — Uebrigens empfand man zu An- 
fang des siebenzehnten Jahrhunderts schon einigermassen die grausame Härte, 
Menschen in wichen dunkeln und dumpfen Räumen schmachten zu lassen. 



238 

befand sich auch die Folterkammer, gewöhnlich die Jungfrau genannt, 
ein Kaum, dessen Ende fast brunnenartig hinabgeht, und heutigen Tags 
auf der Sohle mit Wasser angefüllt ist. Alle diese Eingänge hatten 
mehrere, in Zwischenräumen hintereinander folgende Thore, so derjenige 
durch's Feldthor allein unter dem Rondel sieben; der durch's Kirchen- 
thor mehr als fünf, und der durch's Grabenthor sechs , welche sämmt- 
lich bei Nachtzeit geschlossen wurden. Und zwar wurde dabei mit der 
allergrössten Vorsicht verfahren. In einem Berichte „wie die Wacht 
dahier zu Dillenburg den 20. November 1606 angestellet und verbessert 
worden"', heisst es: ,Die Schlüssel zu den i'eldthoren, Kirchenthoren 
vndt Grabenthoren und Pfortten sollen in zwei Theile getheilt werden, 
vudt jeder Wachtmeister die helfte solcher Schlüssel gebrauchen vndt 
Grawe Johan (der Mittlere) vndt Grawe Georg des nachts jeder die helfft 
der Schlüssel haben, damit also kein Wachtmeister ohn den andern die 
thor allein öffnen könne." 

Mit Wasser war das Schloss aufs Beste versorgt. Die Haupt- 
leitung, welche ihm dasselbe zuführte, hatte ihre Quelle am Rande des 
jetzigen W^alddistrikts „Gaulskopf", „vff dem Bergk bei den Linden", 
wie es in den Acten heisst, und war in einem hölzernen Kasten ge- 
fasst. In einem Memorial, welches Wilhelm Ludwig, damals Statthalter 
von Ostfriesland, im Jahre 1613 für „seine Frau Mutter" entworfen 
hatte, erfährt man indessen, dass man für nöthig befunden, die Quelle 
besser zu verwahren. „„Es muss auch die Quell des Brunnen besser 
versehen werden, vmb der Gefahr halber, dass man sie leichtlich ver- 
geben vndt vergifften kann, dazu der Brunnenmeister zu Greifenstein 
kann gebraucht werden." Eine weitere Vorschrift gibt Zeugniss von 
den eigenthümlichen Anschauungen über die Gesetze der Physik in da- 
maliger Zeit; es soll nämlich „ein klein Loch" in eine der hölzernen 
Röhren, „da das Wasser aus dem Kasten ausfeilet", gebohrt werden, 
„dass der Wind das Wasser ziehen kann". Innerhalb des Schlosses 
verzweigte sich diese W^asserleitung nach verschiedenen Seiten hin. 
Ausserdem aber besass dieses noch vier Brunnen. Der tiefste derselben 
lag im sog. Krautkeller, jetzt „die Löwengrube" genannt, einem mäch- 
tigen Gewölbe von 200 Fuss Länge, 20 Fuss Breite und 14 Fuss Höhe, 
welches sich mitten durch den Felskegel, welcher das alte Schloss trug, 
seiner ganzen Länge nach hinzieht, und in dem man, nachdem es vor 

In einem Memorial aus dem Jahre 1613 werden diese Gefängnisse ohne Fenster 
erwähnt, in welche auf einer Leiter die „patienten'' einsteigen, und es wird 
nöthig befunden, „in dem Söller über dem Gcfängniss" bequeme Kammern 
anzulegen „darinnen von starkem dickem Eichenholz Kasten gesetzt werden", 
welche mit Eisengitter ringsum versehen sein sollen. Diese Gefängnisse sollen 
allein „zur straf" gebraucht und die Gefangenen anderwärts, „wo es luftig", 
untergebracht werden. 



239 

kurzem aufgeräumt worden ist. die Einfassung dieses Brunnens auch 
gefunden hat. Derselbe liatte eine Tiefe von 186 Fuss und liielt im 
Grunde 8 Fuss Wasser; hier war er 8 Fuss breit, weitete sich aber in 
der Mitte bis zu 24 Fuss aus, während er sich nach obenhin wieder 
bis zu 6 Fuss verjüngte. In den Acten heisst es von ihm: „Botz (der 
alte Brunnenmeister) hat es vff Herrn Vatters Sehligen (Johann des Ael- 
teren) Befehl vor langen Jahren selbst gemessen ; es sollen in den Felsen 
viele Klüft'ten sein, dass ers mit erschrecken ansah. Drei Quellen wa- 
ren über dem Boden, die vom Ileydenwäldchen herkommen. Doch halte 
ich dafür, weil dei- Zindelbrunnen, der vff der Schütten springt, dass es 
nitt frembd, dass von da einige ädern herniterwärts sich erstrecken." 
Gerade über diesen Brunnen war vom obersten Schlosshofe aus der noch 
vorhandene Schacht geschlagen, von dem es in den Acten heisst: „Es 
liegt auch hieoben in dem hoff' fast in der Mitte ein alter Stein, der 
recht correspondirt vff' den untersten und tiefsten Brunnen in dem Kraut- 
keller, \velches Locli zu dem Ende soll gemacht sein, dass man in 
Brand- oder Nothzeiteu, was man werth hat, in den Krautkeller eilends 
werfen können." — Ein zweiter Brunnen in dem Backhaus war 70 Fuss 
tief und 8 Fuss breit und enthielt 10 Fuss Wasser. Der dritte „bei 
der schmitte im Magdhaus jetzo Brauhaus genannt", war gleichfalls 70 
Fuss tief und enthielt 36 Fuss Wasser. Der vierte, noch jetzt wohl- 
erhaltene hinter dem Stockhause, vierkantig, 39 Fuss tief, war, wie aus 
der Aussage des Brunnenmeisters Botz hervorgeht, ursprünglich zu 
einem anderen Zweck bestimmt: „vndt dass Herr Vatter Seligen den- 
selbigen zu einem gefängniss hat wollen machen, denn er hat es nach- 
lassen müssen, von wegen des Wassers." Ausserdem waren auf dem 
Schlosse noch zwei Cisternen, die eine merkwürdiger Weise unter dem 
neuen Bau, 149 Fuss lang und 22 Fuss breit, „helt itzo 5 Fuss Wassers, 
weil sie rinnt, hat vorher 9 gehalten." Diese Cisterne, zwar zur Zeit 
noch verschüttet, ist das Einzige, was vom neuen Baue noch vorhanden 
ist. Die andere Cisterne befand sich unter der sog. Heuscheuer, war 
52 Fuss lang, 23 breit und hatte 5 Fuss Wasser. Und doch hielt 
man diese AVasserfülle nicht für alle Fälle ausreichend; denn in dem 
erwähnten Memorial wird in Bezug auf die vom Grafen Johann dem 
Aelteren entfernten Reservoirs die Bemerkung gemacht: .Darumb noch 
bedenklich, ob das Kegenwasser nit wiederumb durch dergleichen 
Kasten in die Cisterne geleitet werden solle , dieweil in zeit von Bela- 
gerung mit regeuwasser gross secours diesem hausse geschehen könne." 
Später wurde auch noch mitten im untern Schlosshof ein Keservoir, 
„dieWehde" genannt, angelegt. Von ihr, wie von den Cisternen gingen 
noch vorhandene gewölbte Abzugskauäle in die Marbach, sowie in die 
mittlere und vordere Stadt. 

Das auf diese Weise durch Natur und Kunst wohlbefestigte, in 



240 

Belagerungszeiten wohl auch vor Wassermangel geschützte Schloss war 
denn auch entsprechend armirt. Ein im April des Jahres 1607 aufge- 
stelltes Inventarium „über das Zeughaus vfif dem Schloss Dillenbergk" 
gibt folgende Waffenvorräthe an: 5 halbe Karthaunen „so eine an 28 
Pfund schiesst% 16, die 18 Pfund schiessen, 4 Feldstücke {V 2 Pfd.), 
15 eiserne Steinbüchsen, 9 Böller, 10 Petarden, 29 Kanonen, ein Karren 
mit 24 Röhren, „so ein orgelgescheiss genant wird", 6 Falcaunen, 340 
Doppelhaken. Ferner Pferdegeschirr zu Geschützen 39. Grosse eiserne 
Sprengkugeln 30, kleinere 78. Im oberen Stockwerk des Zeughauses 
in der Rüstkammer: weisse „ Doppelsoldnerrüstungen " sammt Sturm- 
hauben 111, gestreifte weisse „ Doppelsoldnerrüstungen *" mit „ Beintarschen " 
und Sturmhauben 168, id. ohne Beintarscheu 68, noch 51 Sturmhauben; 
schwarze Doppelsoldnerrüstungen 307, ohne Beintarscheu 50 etc. Ganze 
„Kürass" vor Reiter, mit Beintarschen 42, Kürass ohne Beintarschen 
103. Alte Turnierkürass 3, alte „Trabhamisch" mit Sturmhauben und 
ihrem Armzeug „bis vff den Ellenbogen" 86; „vor die jungen Herrn 
Kürass" 7. Musketen 469 (sieben Schuh lang, grösstentheils mit „Lon- 
denschlössern"); „geraeine leichte röhr" 1265; Pulverflaschen 361 „Pfar". 
Bantelier 524 ; Sturmhauben (darunter mit Lilien und spanische) 485 ; 
„Bartesane" 21, Hellebarden 120, „ Federspiess " 24, Schlachtschwerter 
23, „lange Spiess" 476, „halbe Spiess" 27. Trommeln 10, Reiter- 
fahnen 2 , Soldatenfähnlein 3 , „Londen" 70 Centner; Kugeln vorm Zeug- 
haus: grosse eiserne Karthaunenkugeln 2008, Schlangenkugeln 840, 
grosse steinerne Kugeln 757, eiserne Kugeln zu Feldstücken von 8 Pfd. 
161, von 6 Pfd. 76, von 5 Pfd. 436, von 2 Pfd. 981, noch kleinere 
620. Ausserdem noch 1987 Kugeln. An Pulver war „vffm hauss hin 
und wieder" und auf der Kirche vertheilt: 92 Centner Karthaunen- und 
29 Centner Soldatenpulver. 

49 Kanonen, Karthaunen, Feldschlangen von verschiedenem Caliber 
waren auf den Bollwerken und den sie verbindenden Kasematten ver- 
theilt. 

Als Besatzung bei drohenden Einfällen fremden Kriegsvolks in das 
Land hielt man damals neben der gewöhnlichen Schlossbevölkerung 200 
Mann für ausreichend, welche „damit Haiger, Herborn und Dringenstein 
mit ihrem eigenen Auszug könnten besetzt bleiben," aus den Aemtern 
Dillenburg und Ebersbach sich einzustellen hatten. Für diesen Fall 
waren zwei Kanonen vor dem Zeughaus aufgepflanzt , durch welche die 
umliegenden Ortschaften alarmirt wurden. Der Sammelplatz des Zuzugs 
war vor der Stadtkirche. Vermehrte sich die Gefahr, so sollte die Be- 
satzung verstärkt werden, „da man in den fünf Aemtern in die 1000 
Mann zum Auszug hat." Charakteristisch ist der Schluss dieses „Be- 
richtes" vom Jahre 1606: Weil aber in Gottes Wort geschrieben stehet, 
wan gott der Herr das Haus nicht bewahret, so wacht der Wächter 



241 

vmbsonst, alls ist gott vmb Hülf vndt Beystandt deswegen allen abent 
vndt morgen, welches die Wachtmeister neben ihren Soldaten in ihrem 
morgen vndt abentgebett thun sollen, mit Vleiss ahnzurufen vndt zu 
bietten". 

In Friedenszeiten versah die gewöhnliche Mannschaft des Schlosses, 
unter der nur wenige Soldaten sich befanden, dessen Bewachung, und 
zwar war der Höcliste wie der Niedrigste zu diesem Dienste verpflichtet. 
In einer Instruction für den Burggrafen vom 7. December 1593 heisst 
es: „Die Herrschaft vnd hoögesinde soll er wie von alters herkommen 
beneben den verordneten Soldaten vnd bestellten Hauswächtern die 
nachtwachen ordentlich thun vnd versehen lassen vnd dissfalls niemand 
verschonen." Doch hielt man in den sieben Kotten, die gebildet waren 
und unter zwei Wachtmeistern standen, die Stände möglichst getrennt. 
So führte die erste Wilhelm der Schenk; unter ihm standen die Herr- 
schaften sammt den höheren Dienern, wie sie in der Instruction vom 
Jahre 1606 aufgezeichnet sind: 1) Wilhelm Schenken, 2) mein gn- 
Grawe Johan, 3) mein gn. Grawe Georg, 4) Hofmeister Seibach, 
5) Ambtmann Langenbach, 6) Kolbe, 7) Waldmannshausen, 8) Dr. 
Schorey, 9) Erasmus Stuer, 10) Phielips Kamraerschreiber, 11) Secreta- 
rius Heckmann, 12) Rentmeister Mangl, 13) Oberförster. Die folgende 
Kotte war aus dem Keller-, Botenmeister, Küchenschreiber, den Köchen etc. 
gebildet, während in die weiteren die Handwerker vertheilt waren, unter 
ihnen Hans Hofschneider, mit seinen drei , Schneiderknechten " Johann, 
Hans und Jean. In der letzten Rotte figurirt der Eierkäufer, eine Per- 
sönlichkeit, die mit mancherlei wirthschaftlichen Missionen betraut war, 
der Hopfenjost, der Wiesenpeter, der Kesselhans und andere solche des 
Zunamens bare Knechte. 

Die Artikelsbriefe für die Garnison enthielten der damaligen Zeit 
gemäss noch sehr strenge Bestimmungen. Nach einem solchen vom 
1^25. November 1568 sollen nach §. 2 „insonderheit alle vndt jede der 
Abgotterey, Zauberey, Waffenbeschwörungen vndt dergleichen bei \ti- 
aussbleiblicher Leib- vndt Lebensstraff vermeyden." §. 3. „Wer Gott 
vndt sein heiliges wort trimcken oder nüchtern verachtet , dess Gottes- 
dienst vndt der heill. Sacramenten spottet, Gotteslästerungen führet, 
soll an Leib vndt Leben gestrafft werden." §. 8. „Wer seine Tage 
vndt nachtwachten versäumt, soll nach gestalten Sachen mit dem holtzern 
Pferd auch gassen lauffen oder gestalten Sachen nach gar wohl am 
Leben gestraft werden. " §.9. „Wer ganz truncken oder schlaffendt auf 
der schildwacht gefunden wirdt, soll ohne einige gnade am Leben ge- 
straft werden." §. 17. „ahm thor vndt in der Corps de garde sollen 
Keine wein oder Biergläser gehalten, vndt grobe zotten gottlosse schand- 
bahre vndt ärgerliche reden, auch allerhand flegeleyen vermieden vndt 
ganzlich vnterlassen werden, vndt zwar bey straff des holtzern pferds, 

16 



242 

oder aber, da es die sache erfordern wird, bei vermeydung einer schweh- 
rern straff." In einem Artikelsbrief aus dem Jahre 1592 sind diese 
strengen Strafen jedoch schon vielfach gemildert, und der Bericht „wie 
die wacht 1606 dahier 7.u Dillenberg den 20. Novembris angestellet 
vndt verbessert worden" (allerdings für Friedenszeit) enthält unter an- 
dern die Bestimmung: ,Vndt welche schildwacht mit schlauen oder 
sonsten falsch gefunden wirdt, soll des folgenden tags in die eissen ge- 
schlagen vnd andern zum spott des tags vber ahm thor verpleiben." 
Eine andere Strafe, welche aus dieser, mit einer Dosis Humor durch- 
würzten Abschreckungstheorie hervorgegangen, betraf diejenigen, welche 
sich Verunreinigung des Schlosses zu Schulden kommen Hessen: Jtem 
welcher Soldat den Wall verunreinigen würde, derselbe soll andern zum 
absehen gezwungen werden, denselbigen vnflat, weil heimlich gemach 
genug vorhanden, vndt damit keine Krankheit ins haus kommen möchte, 
in die band zu nehmen vndt for das thor zu tragen, vndt soll der 
Trommelschläger die Trommel rührendt vor im hergehen, damit es also 
ruclitbar werde.'' 

Noch bleibt uns übrig, einen Blick in die innere Einrichtung des 
Schlosses zu werfen, und sodann zu sehen, wie es mit Küche und Keller 
auf demselben bestellt war. Das ganze Schloss enthielt zu Anfang des 
siebenzehnten Jahrliunderts 77 grössere und kleinere möblirte und be- 
wohnte Zimmerräume, unter denen die Namen: „Prinzengemach", „des 
Frohsten", „des Fräuleins von Uranien", „das Hanauische Gemach" etc. 
auf frühere Bewohner derselben hindeuten. Unter den geringeren Zim- 
mern wird wiederholt „die Katzenstube" erwähnt. Ein noch vor- 
handenes vollständiges Verzeichniss der Tapisserien, des Bettwerks und 
der Mobilien des Schlosses aus dem Jahre 1613 setzt uns in den Stand, 
einen Blick in die damalige Ausstattung desselben zu werfen. Diese 
war, wenn auch einzelne Zimmer mit Tapisserien versehen waren, welche 
u. A. die „Historia vom Ulysses", „Historia von Abraham", „Piscaria", 
„Historia von Adam und Noye". „von Nassaw", die „Historia vom ver- 
lornen Sohn", „vom Engel Gabriel, als er den Hirten erschienen", „vom 
Leiden Christi" etc. darstellten und deren Gesammtwerth auf 7100 
Kronen veranschlagt war, durchweg höchst einfach. Drei Stücke wollene 
ßugentücher, zwei grüne Tischteppiche, ein langer Eichentisch mit 
Schubladen, ein zweiter Tisch und acht mit Leder überzogene Sessel 
bildeten z. B. das Möblement des Zimmers des Grafen Wilhelm Ludwig. 
Nur im Prinzengemach, welches Wilhelm der Verschwiegene bewohnt 
hatte, treffen wir noch die der Wohnung des Familienhauptes entspre- 
chende reichere Ausstattung. Dasselbe war mit acht Stück „gelben und 
weissen, goldenen und silbernen Tuchtapisserien" bekleidet; auch der 
viereckte „Himmel" über dem Tisch und der Teppich, welcher diesen 
bedeckte, waren „von silbernem und goldenen Tuche mit goldenen 



243 

Schnuren und Fransen"; mit gleichem Stoffe waren die vier Lehnstühle 
überzogen. Auf einem zweiten Tische lag ein Teppich von rothem 
Sammt und „Silbertuch " und in den vier Fensternischen reichten Stücke 
carmoisinrothen Tuches zur Erde herab. Auch das Schlafgeraach war 
mit Tapisserien und Teppichen, und weiter mit einem Lehnstuhle und 
einem Betthimmel, sämmtlich von grüner Farbe mit Goldverzierungen 
ausgestattet. — Betten befanden sich bereits im Jahre 1583 im Ganzen 
156 auf dem Schlosse, darunter 7 Herrenbetten, „belegte" 96. „Darauf 
liegen", heisst es im Verzeichniss, „an Personen jung und alt 146- 
Also mangeln 46 Personen, dass nicht vff jedem Beth zwo Personen 
liegen; dieser Personen seind etliche, als Gr. Georg, Amptmann vnd 
Hoffmeister, Buggrawe vnd Zeugwart , so nit zu zweien geordnet wer- 
den können." — Das Verzeichniss der Leinwand aus dem Jahre 1613 
führt u. a. an: 27 Dutzend „gebildete" und 5 Dutzend zwilchene Ser- 
vietten, 7 Dutzend gebildete Tischtücher, 20 Dutzend gebildete und 18 
Dutzend gröbere gebildete Handzwehlen, 48 Paar feine und 16 Paar 
gemeine flächsene Leylachen, dazu 37 Paar grobe Schlaf tücher, 26 Tisch- 
tücher und 50 Handzwehlen „vors Gesind". Doch fühlte man das Be- 
dürfniss, den Leinwandvorrath zu vermehren. An Zinnwerk wird auf- 
geführt : 5 Dutzend grössere und kleinere Herrenschüsseln , 2 Dutzend 
zweite Tischschüsseln, 5 grosse englische Zinnschüsseln, 13 Deckschüs- 
seln etc. ; dazu wurden angekauft : 6 Dutzend Anrichtschüsseln , 2 Dutzend 
Schüsseln für Käse und Obst, \2 Dutzend grosse Schüsseln zu Braten 
und Pasteten, 6 Dutzend Teller etc. Die vom Grafen Johann geleerte 
Silberkammer war indessen noch sehr kärglich bestellt; ein vergoldeter 
„Willkomm", zwei Becher mit Deckeln, zwanzig hohe Becher, wozu im 
Jahre 1613 noch zwölf Löffel hinzugekauft wurden, sind alles, was 
dieselbe damals aufzuweisen hatte. 

Die Gesellschaftslocale, in denen man auch speiste, waren der sog. 
Sommer- und Wintersaal, in deren jedem drei „doppelte ausgezogene" 
und zwei kleinere Tische standen. Doch war der erstere Kaum bei 
aUer Einfachheit eleganter möbMrt, da hier die Tische mit grünwollenen 
Tüchern überdeckt waren, und 40 grüne Lehnstühle sich in ihm befan- 
den, während der Wintersaal statt dieser nur 7 tannene Bänke, 3 Lehn- 
bänke und 9 einfache Lehnstühle aufzuweisen hatte. Die Hofordnung, 
der Burgfriede und die Jungfrauenordnung waren in beiden aufgehängt. 
Bei den Mahlzeiten nahmen die Herrschaften mit einigen höheren Die- 
nern den ersten grösseren, die übrigen Diener den zweiten, und der 
Mundschenk mit dem nöthigen Aufvvärterpersonal den dritten dieser 
Doppeltische ein. Ausserdem aber war noch in andern Gemächern be- 
sonders gedeckt, im „ Frawenzimmer" für weibliche Dienerschaft, in der 
„Kinderstube" für die jungen Herrschaften nebst Bedienung, in der 
„Katzenstube" für Dienstmägde, und in der Küche für das Kücheuper- 



244 

sonal. Was die Stunde der Mahlzeiten anlangt, so heisst es im Ent- 
wurf der Hausordnung von 1563: „Sobald die klock zehen schlecht, 
wollen vnsere gnedige Herrschaft samt dem Frawenzimmer sich vff die 
Hofstuben (der Sommerbau existirte damals noch nicht) machen, vnd 
bis Ihre Gn. beten lassen, sollen die essen aus der Kuchen also warm 
vffgesetzt werden. Ursach : dieweil alles arbeitsvolk zu zehen vhren vff 
der Hofstuben sich finden lest, vnd so man dann umb halb Eilff oder 
sonst dafür oder danach anrichtet, verseumt ein jeder seine arbeit da- 
durch. Item abends zu fünf vhren desgleichen anzurichten. Den Un- 
derdrunk nachmittag vmb zwei Uhren zu haltten bis vmb halb dreien, 
was danach kompt, soll nichts empfangen. Den schlaffdrunk nach 
dem abentessen vmb halb acht vhren zu halten. Dan zu achten, soll 
ausgeklopft vnd die thor wie vor alters zugeschlossen werden." 

Aus einem Ueberschlage, „was zur Haushaltung etc. von Nöthen 
zu bestellen ist", vom Jahre 1563 ersehen wir, was ungefähr alljährlich 
in die Küche des Schlosses kam. In demselben werden 90 Ochsen, 70 
Landkühe, 160 Kälber, 100 Schweine, 300 Hammel, 24 Tonnen Häringe, 
2000 Hühner, 150 Gänse, 15 Centner Käse (von Deventer oder Gro- 
ningen) für nöthig befunden. Dazu kommt noch die entsprechende An- 
zahl von Spanferkeln, Lämmern, Zielen, Kapaunen, Hirschen, Wild- 
schweinen, Rehen, Hasen, Feldhühnern, Wachteln, Krammetsvögeln, die 
aus der Grafschaft Dietz bezogen wurden, und eine Menge von Fisch- 
arten, 1730 Karpfen, 100 Hechte, ausserdem Sahnen, Lampreden, 
Störe etc. Ausser dem holländischen Käse wird auch noch Parmesan- 
käse, Schaf- und Geisskäse, Limpurger und Westerwälder zur Anschaf- 
fung notirt. — Und doch betrug die „Summa aller Küchennothdurft" 
auf das Jahr nur 3082 gl. 12 alb. — Auch wieviel in einer Woche 
consumirt wurde, ist aus den Acten ersichtlich; so war vom 21 — 29. 
Juni 1576 „vffgangen" an Rindvieh 9 Stück, Kälber 15, Hammel 11, 
Lämmer 5, Speck 295 Pfund, Dürrfleisch 10 Riemen, Bredaisch Fleisch 
166 Pfund, Hühner 74, junge Hühner 50, Gänse 9, Spanferkel 5, Stock- 
fisch 115 Pfd., für 2 Rth. Platteisen, Grünfisch 09 Pfund, Karpfen 10 
Pfund, 3 Stück Salmen, Butter 192 Pfund und Käse die unerhörte 
Masse von 344 Pfund. Dazu 1 Fuder 4 Ohm Wein und 3 Fuder Bier. 
Selbst Küchenzettel finden sich noch eine Anzahl in den Acten vor; 
so lautet derjenige vom 3. Juni 1576: „Mittag: Weinsuppe mit Eiern, 
gebratene junge Hühner, Rindfleisch, Kalbskopf, Kalbsgebratenes, Reis, 
dürres Rindfleisch; zu Nacht, wo Gäste anwesend waren: Hühnersuppe, 
alte Hühner, Salat mit Eiern, Schinken, Barben, Kalbsgebratenes, Aepfel- 
muss , Gebackenes mit Eiern , Weingemüss , Salbeikuchen mit Eiern, 
Griesbrei mit Eiern, Krebs mit Eiern." Man sieht, der „Eierkäufer" 
hatte, bei diesen sich wiederholenden Eierspeisen, sattsam zu thun. 

In's Backhaus werden im obigen Ueberschlag 468 Malter Korn 



245 

und 30 Malter Weizen verlangt. Dazu kommen noch 52 Malter Korn 
für die Hunde; übrigens wird hier die Bemerkung gemacht: „Und ist 
unsere Meinung, dass vnser gn. Herr hinfürder im Haus nicht mehr 
dann 24 Steuben-, 12 Winde und 4 Hetzhunde halten wolle." Gerste 
werden 150, Hafer 1000 und Hopfen 150 Malter angefordert. 

In Bezug auf den Keller heisst es in dem Ueberschlag : „Es müssen 
jährlichs 60 Fuder Weins gekauft werden und 80 Fuder Bier." Vor- 
rath an Wein hatte man im Jahre 1566 auf dem Schlosse 105 Fuder; 
doch bringt das Verzeichniss derselben wenige berühmte Namen : „feiner 
Rheinwein", „Küdickheimer", „Förster". Die Mehrzahl bestand aus 
den meist selbst gezogenen Lahnweinen: Löhnberger, Laurenburger, 
Obernhofer, Nassauer Rother, Dausenauer, sodann Horchheimer, ferner 
aus zum Theil ominösen Etiketten, die heutzutage gänzlich verschollen 
sind, wie Rückauer, Wasserlocher, Rodenbächer, Michelbacher, Rolshauser, 
Schaflieinier etc. 

Die „Summa Summarum für Kuch, Potteley vnd Backhaus an 
gelt angeschlagen" beträgt 7854 gl. 12 alb. 

Dem Grafen Johann succedirte in Dillenburg sein Sohn Wilhelm 
Ludwig, während die Herrschaften Siegen, Beilstein, Dietz und Hadamar 
an dessen Brüder fielen. Schon früher zum Gouverneur von Ostfries- 
land gewählt , gab dieser die einträgliche Stelle nicht auf, und Hess 
seine Erblande, welche er nur selten besuchte, durch zuverlässige Räthe, 
an deren Spitze ein Dr. Schorey stand, verwalten. Auf Schloss Dillen- 
burg, welches seine Stiefmutter, Johannette von Sayn-Wittgenstein, 
Johanns des Aelteren dritte Gemahlin, als Wittwensitz bewohnte, wurde 
ein äusserst sparsamer Haushalt eingeführt. Die Verhältnisse nöth igten 
dazu, denn die „kleinen und treuherzigen Mittel", welche Graf Johann 
für die Befreiungskämpfe in den Niederlanden aufgewendet, betrugen 
denn doch ausser dem, was das Land beigesteuert hatte und was aus 
dem Verkauf der Kostbarkeiten erlöst worden war, die für die damalige 
Zeit sehr beträchtliche Summe von 700,000 Gulden, welche er seinen 
Kindern als Schulden hinterlassen musste. Verhandlungen mit den 
Niederländischen Ständen wegen Wiedererstattung derselben hatten zu 
keinem Resultat geführt. Noch im Jahre 1613 erhielt ein Abgeord- 
neter an diese die Instruction, zu erklären, „was uns vor eine grosse 
und nunmehr unerträgliche Bürde von Schulden obliegen thut, und dass 
wir (menschlicher Weise davon zu urtheilen) unseres uralten löblichen 
Hauses Nassau gründlichen Verderb und Untergang länger nit verhüten 
können, wofern J. H. M. uns nit leidliche schleunige Hülif zu leisten 
ausstellen würden." Unter solchen Umständen gab denn Wilhelm Lud- 
wig neben vielen anderen beschränkenden Anordnungen auch die Wei- 
sung, dass fortan nur zwei Pferde für eine Kutsche und ein Reitpferd 
auf dem Schlosse gehalten, dass kein Fremder „vff das Haus gelogirt". 



246 

vnd viel weniger „auf seine Kosten tractirt" werden solle. Die Käthe 
sollen sich „excusiren, als derwegen expressen Verbott zu haben". Wenn 
jedoch die gräflichen Brüder kommen und Nachtlager nehmen wollten, 
so solle ihren Pferden Hafer und rauhes Futter verabfolgt und ,der 
Frau Mutter" für jede Person zur Mahlzeit zugelegt werden. Uebrigens 
Hess sich der Graf nicht blos über die Verwaltung des Landes, sondern 
auch über den Haushalt aufs genaueste Bericht erstatten, und gab über 
alles bis in's einzelnste gehende Instructionen. Selbst auf Reparaturen 
der Fenster und Dächer, auf Anschaffung von Victualien und Hausge- 
räth — die feinere Leinwand schickte er selbst von Holland aus — 
erstreckte sich seine Fürsorge, und obwohl er „der Frau Mutter" zu- 
traut, ,dass Ihre Liebden keines Memorials vonnöthen", so lässt er ihr 
doch, „insonderheit was die Haushaltung insgemein" betrifft, befohlen 
sein, und bittet sie speciell, die Aufsicht über Zinnwerk, Küchengeschirr, 
Betten, Umhänge und Tapisserien zu führen. „Also auch das Aug des 
Herrn der beste Haushalter ist, will viel zur Sache thun , ob bisweilen 
Frau Mutter spazierweis sich auf beide Höfe zu Sinn und Feldbach finden 
Hesse, um das Vieh zu besehen, und ob sonsten alles richtig zugehe." 
Die sich mehrenden Aussichten auf den Krieg, dessen Schrecken 
Deutschland dreissig Jahre lang heimsuchen sollten, waren auch nicht 
geeignet, den beschränkten pecuniären Verhältnissen auf Schloss Dillen- 
burg aufzuhelfen. Obwohl indessen Graf Wilhelm Ludwig , wie er 
schreibt, „schier aus Schulden kaum bleiben könne," gab er doch Be- 
fehl, dasselbe mit Proviant und Munition zu versehen, und war sogar 
bereit, „weil die Luft droben verzehrt und die Leute stärkere Magen 
haben", der Besatzung zu der in den Niederlanden üblichen Eation von 
1 Pfund Brot täglich ein halbes Pfund per Kopf zuzusetzen. Auch 
sendete er im Jahre 1619 den Ingenieur Falkenburg, um das Schloss 
durch neue fortificatorische Anlagen in einen besseren Vertheidigungs- 
zustand zu setzen, da man nicht mit Unrecht grosse Neigung zu einer 
Occupation desselben von Seiten der spanisch-niederländischen Truppen 
befürchten musste. Wilhelm Ludwig erlebte indessen den Ausbruch 
des Kriegs am Rheine nicht; er starb schon im Jahre 1620, und auch 
sein Bruder Georg, welcher ihm succedirte, regierte über die Dillenbur- 
gischen Lande nur drei Jahre. Dessen Sohn Ludwig Heinrich aber 
hatte mit diesen alle Drangsale des dreissigj ährigen Krieges, in welchem 
er von 1631 an als schwedischer Oberst und seit 1636 als General- 
wachtmeister im kaiserlichen Heere verschiedene Feldzüge selbst mit- 
machte, zu erfahren. Schloss und Stadt Dillenburg blieben übrigens 
von einer feindlichen Occupation verschont. Zwar beabsichtigte Tilly 
im Jahre 1622 von der Wetterau, 1632 Pappenheim von Westphalen 
aus den nicht unwichtigen Punkt zu besetzen, doch lenkte der Gang der 
Kriegsereignisse die Pläne dieser Feldherrn auf andere Ziele. Nur ein- 



247 

mal, im Jahre 1635, drang ein Corps ligistischer Truppen unter dem 
Grafen Philipp von Mansfeld bis vor die Stadt und bewarf das Schloss 
mit glühenden Kugeln. Ludwig Heinrich, der ihm hier entgegenstand, 
zog sich, der Uebermacht weichend, nach einem kurzen, nicht unrühm- 
lichen Gefechte auf dasselbe zurück; die in die Stadt eindringenden 
feindliclien Truppen wurden zwar wieder herausgeschlagen, doch ent- 
fernte sich Mansfeld erst aus der Gegend, nachdem er eine Contribution 
erhoben hatte. 

Bedeutungsvoll jedoch ist Schloss Dillenburg während des dreissig- 
j ährigen Krieges durch die Gefangenschaft des tapferen Schotten, schwe- 
dischen Generalmajors Ramsay geworden. Als dieser nämlich die Grafen 
Philipp Moritz von Hanau und Wilhelm Otto von Solms in der Resi- 
denz des ersteren in Gefangenschaft hielt, verband sich Ludwig Heinrich 
von Nassau-Dillenburg, welcher ein naher Anverwandter Beider war 
mit dem Kurfürsten von Mainz , um dieselben zu befreien. Mit 200 
Mann aus seiner Schlossgarnison, zu denen noch 400 Kurmainzer stiessen, 
überrumpelte derselbe den 23. Februar 1638 frühmorgens die Stadt. 
Ramsay, welcher die Neustadt noch vertheidigen wollte , wurde durch 
eine Kugel schwer verwundet und gefangen. Sobald er transportfähig 
war, wurde er unter einer Bedeckung von 50 Mann in einer Sänfte nach 
Schloss Dillenburg gebracht. Hier genoss er anfänglich die seinem 
Range und seinen kriegerischen Verdiensten gebührende Achtung in 
vollem Maasse; es wurde ihm ein freundliches Zimmer eingeräumt, er 
speiste Mittags und Abends an der gräflichen Tafel und konnte zu jeder 
Zeit unter Begleitung ausreiten. Ein nach der Schlacht bei Rheinfelden 
gemachter Versuch, ihn auszuwechseln, scheiterte jedoch an dem Willen 
des Kaisers, und als später Ludwig Heinrich, mit welchem Ramsay 
übereingekommen, für den Fall seiner Befreiung die für seine Vorlagen 
während der Occupation von Hanau ihm früher zugesagten, aber noch 
nicht ausgezahlten 50000 Reichsthaler als Lösegeld ihm zu überlassen, 
bei jenem wegen Losgebung des Getangenen anfragte, hatte dies nur 
die Weisung zur Folge, denselben strenger zu bewachen. Ein Besuch 
des Grafen Wilhelm Otto von Solms, bei welchem sich Ramsay über 
harte Behandlung beklagte, führte eine heftige Scene herbei, in welcher 
sehr bittere Worte zwischen ihm und dem Grafen Ludwig gewechselt 
wurden. Der Gefangene liess nun diesem durch seinen Diener die Tafel 
aufkündigen und vermied jede Zusammenkunft mit ihm. Die Heftigkeit 
der Entzweiten, von denen der eine sein Hausrecht und der andere seine 
Stellung als schwedischer Offizier geltend machte, verschlimmerte noch 
die Lage Ramsay's. Der Graf liess ihn sogar in Folge einer Weigerung, 
vor Abseudung seiner Briefe diese erst zur Durchsicht vorzulegen, in 
Ketten schliessen. Doch bereuete er nach vier Tagen seine Härte und 
bat ihn schriftlich um Verzeihung. Indessen konnte nach solchen Vor- 



248 

gangen das frühere gute Einvernehmen nicht wieder hergestellt werden. 
Ramsay liess sich fortan seine Speissen von seinem Koche bereiten, 
zu denen ihm übrigens Ludwig Heinrich von seinem besten AVeine auf- 
tragen liess, soTvie auch von Wittgenstein und Solms-Laubach Fässchen 
Moseler als Geschenke an ihn anlangten. Ein Leibesschaden, welcher 
durch die in Hanau empfangene Wunde verursacht war, und sich täg- 
lich verschlimmerte, und die mehr und mehr sinkende Hoffnung auf 
Befreiung machten jedoch den Zustand des Gefangenen immer bedenk- 
licher. Die furchtbaren Schmerzausbrüche, welche ihm sein Uebel aus- 
presste, und die Enthaltsamkeit, die er sich wegen desselben auferlegen 
musste, — seine tägliche Nahrung bestand nur noch aus einigen Sem- 
meln, ein paar Eiern und etwas Wein — haben zu den Behauptungen 
Anlass gegeben, er sei im Wahnsinn oder eines freiwilligen Hungertodes 
gestorben. Am 29. Juni 1639 erlag er seinen Leiden im fünfzigsten 
Lebensjahre. Er starb in den Armen seines treuen Dieners Georg Na- 
camus, als er gerade ein wenig Wein gekostet hatte, und ein Ei zu 
sich nehmen wollte. Sein Leichnam wurde einbalsamirt und seine Ge- 
mahlin in Schottland von dem erfolgten Tode benachrichtigt. Es wurde 
ihr freigestellt, die Leiche nach Erstattung der Ausgaben abholen oder 
in Dillenburg begraben zu lassen. Da sich die Entschliessung von Jahr 
zu Jahr verzögerte, wurde sie endlich im August 1650 in dem Chor 
der Stadtkirche zu Dillenburg beerdigt. Ein Grabstein mit der ein- 
fachen Verzierung eines Ritterhelmes bezeichnet die Ruhestätte des be- 
rühmten Kriegshelden, der bei seinen Zeitgenossen noch in dem beson- 
deren Rufe stand, der schönste Mann des schwedischen Heeres ge- 
wesen zu sein. 

Graf Ludwig Heinrich wurde im Jahre 1652 in den Reichsfürsten- 
stand erhoben. Von da an regierte er noch zehn Jahre ^). Ihm folgte 
sein Enkel Heinrich, welcher neununddreissig Jahre mit Milde und in 
Segen geherrscht hat. Mit dem zweiten seiner Söhne, die ihm nach- 
einander succedirten, Christian — der erste hiess Wilhelm — starb im 
Jahre 1739 die Nassau-Dillenburgische Linie aus. Nun fiel das Fürsten- 
thurm an Nassau-Dietz, welches 1702, nach dem Tode Wilhelms von 
England, auch Erbe der niederländischen Besitzungen geworden war 
und den Namen Fürstenthum Oranien-Nassau angenommen hatte. Als 
auch die übrigen Fürstenthümer der Erblande an dasselbe gefallen 
waren, wurde die gemeinsame Regierung sämmtlicher wieder vereinigten 
Landschaften auf Schloss Dillenburg verlegt (1742). 

Aus dieser ganzen Zeit ist nichts besonders Bemerkenswerthes, 



e) Ludwig Heinrich ist auch der Erbauer von Lud wigsb ronn, dem sog. nun 
wieder abgebrochenen „alten Haus" und von Katharinenbronn. zu Ehren 
seiner Gemahlin so genannt, dem jetzigen „neuen Haus" bei Dillenburg. 



249 

was sich auf demselben zugetragen hätte , anzuführen. Nur seine 
Belagerung durch die Franzosen ira Jahre 1760 und die während 
derselben erfolgte Zerstörung bildet einen charakteristischen Beleg für 
die Trostlosigkeit der deutschen Zustände in damaliger Zeit. Es 
hatten sich nämlich, obgleich das Land für neutral erklärt war, 
zwei Compagnien haunover'scher Jäger in dasselbe geworfen und sich 
in ihm festgesetzt. Von hier aus überfielen sie französische Transporte, 
die des Weges kamen, hoben Stafetten auf, und was dergleichen Ve- 
xationen mehr waren. Da zeigte sich am 28. Juni 1760 ganz unver- 
muthet ein Corps Franzosen unter dem Marquis de Cameras in nächster 
Nähe. Dieser liess den Commandanten , Hauptmann von Düring, so- 
gleich auffordern, das Schloss zu übergeben, doch wurde ihm sein Be- 
gehren rundweg abgeschlagen. Nun wurde dasselbe von den nahen 
Anhöhen aus während 13 Tagen mit 3150 Kanonenkugeln, 250 Haubitz- 
Granaten und 286 Bomben beschossen. Die Belagerer hatten zwar 
einen am 9. Juli in der Nacht versuchten Sturm tapfer abgeschlagen, 
auch erwiederten sie eine Zeitlang kräftig, doch ohne Erfolg, das Bom- 
bardement. Am 13. Juli zur Mittagszeit gerieth das Schloss in Brand; 
eine in die sog. Heuscheuer gefallene Bombe hatte gezündet, und das 
Feuer verbreitete sich schnell von da über die Kirche und die ihr be- 
nachbarten Schlossflügel. Da während des Brandes unaufhörlich Bomben 
in die Gebäude und auf die Höfe fielen, war an Löschen nicht zu 
denken. Die Mannschaft hielt sich in den Kasematten, bis auf die 
wenigen oranischen Soldaten der früheren Schlosswache, welche mit 
Lebensgefahr retteten, was noch zu retten war. Endlich capitulirte der 
Conmiandant auf die Bedingung freien Abzugs, und die Franzosen be- 
setzten das Schloss, welches, da der Brand hauptsächlich die nördlich 
gelegenen Gebäude eingeäschert hatte, auf der entgegengesetzten Seite 
noch Räume zur Kasernirung der Truppen in sich schloss, und mit 
seinen intacten Umfassungsmauern, in welche nur eine unbedeutende 
Bresche geschossen war, einen Stützpunkt für ihre Operationen bot, den 
sie durch Anlage neuer Werke noch mehr befestigten. 

Wenn schon die Lage des Schlosses zwischen ganz nahen, es 
vollständig beherrschenden Bergen einen durchaus ungünstigen Erfolg 
seiner Vertheidigung durch eine Handvoll, mit geringer Munition ver- 
sehener Soldaten erwarten liess, so dass selbst ein für kriegerische Ehre 
sehr empfindlicher Commandant bedenklich geworden wäre, so war der 
Leichtsinn, mit welchem man ein grossartiges Bauwesen, das unter dem 
Schutze der Neutralität stand, und das zu vertheidigen man gar keinen 
Beruf hatte, der Zerstörung eines Bombardements preisgab, unverzeih- 
lich. Und wenn noch eine ihres Zieles bewusste kriegerische Tapfer- 
keit die Triebfeder dieser scheinbar heldenniüthigen Vertheidigung ge- 
wesen wäre. Es ist jedoch ein starker Actenfascikel vorbanden, wel- 

16* 



250 

eher die Protocolle der ,zur legalen Aufnehmimg aller Umstände, die 
sich vor, während und nach der Belagerung und Einäscherung des 
fürstlichen Schlosses zu Dillenbnrg zugetragen"' niedergesetzton Special- 
commission enthält, und aus dem wir eines ganz anderen belehrt wer- 
den. Dort übte nämlich während des Bombardements eine junge Dame, 
welche die Rolle einer Heroine spielte, einen unheilvollen Einfluss aus. 
Ein oraiiischer Beamter, Bergdirector B., war von den Mitgliedern der 
Regierung mit Frau und Töchtern auf dem Schlosse zurückgeblieben. 
Letztere standen in sehr freiem Verkehr mit den hannover'schen Offi- 
zieren, und namentlich die älteste hatte ein keineswegs platonisch ge- 
bliebenes Liebesverbältuiss mit dem Commandanten von Düring ange- 
knüpft. Schon ehe das Beschiessen des Schlosses mit Bomben begann, 
erregte diese Einmischung der Frauen in die kriegerische Affaire den 
Aerger der Franzosen, so dass Major Grand dem Amtmann von Haiger, 
als derselbe in's Hauptquartier derselben kam, den Vorhalt machte, 
man scheine als Neutrale die königlichen AUiirteii vor den französischen 
Kriegsvölkern sehr zu begünstigen. Auf dessen Versicherung, dass die 
Bevölkerung durchaus freundlich auch gegen die Franzosen gesinnt 
sei, erwiederte derselbe, er habe Facta in Händen, welche seine Reden 
mehr, als ihm selbst lieb sei, rechtfertigten, und zwar solche, von denen 
man schwerlich anderwärts im Laufe dieses Kriegs gehört habe. Denn 
nicht allein sei einer von den Herrn der Regierung mit den Hanno- 
veranern aufs Schloss gegangen und trüge alle Fürsorge für dieselben, 
man habe auch durch die Ferngläser deutlich gesehen, dass Damen 
mit den alliirten Offizieren auf dem Walle spazieren gegangen seien, 
und eine von ihnen sogar den Muth gehabt habe, auf die Belagerer 
eine Kanone loszubrennen. Dies Verhalten sei derart, dass, wenn noch 
im allergeringsten Aehnliches vorkäme, man nicht umhin könne, Stadt 
und Schloss mit Feuer zu ängstigen. Als das Feuer auf dem Schlosse 
um sich griff, riethen die Schlossbewohner dringend zur üebergabe. 
Der eine der Lieutenants, Namens Albrecht, ein Heisssporn , drohte 
zwar, den, welcher noch einmal davon spreche, wie einen Hund nieder- 
zustechen, der andere dagegen, Lesthen mit Namen, rief, als er die 
beginnende Zerstörung gewahrte, die Hände ringend, es sei unerlaubt, 
dass man so viel unnützer Weise aufs Spiel gesetzt habe. Selbst der 
Commandant sah ein und sprach es aus, dass man die Sache nicht so 
weit hätte sollen kommen lassen; man hätte eher die Üebergabe des 
Schlosses, als diesen Brand verantworten können. Auch war er schon 
im Begriffe, Chamade schlagen zu lassen, was wenigstens die Einstel- 
lung des feindlichen Bombardements zur Folge gehabt und die Möglich- 
keit gegeben hätte, dem weiteren Umsichgreifen des Feuers Einhalt zu 
thun. Da aber erschien seine Geliebte, und vermochte es über ihn, 
dass er davon abstand. Sie hoffte, während doch weit und breit keine 



251 

alliirteii Triiiti>en zu finden waren, auf Succurs, welche Wahrsagerinnen 
aus der Stadt, deren (Jesichto, wie sie beliaiiptete , nie gelogen hätten, 
ihr prophezeit hatten. Ohneliin schien die Capitulation , die ihr den 
(Jeliebten entführen musste, sie stark zu beunruhigen. So wui'de die 
immer noch rechtzeitige Uebergabe des Schlosses vereitelt, und der für 
die Kettung desselben entscheidende Moment verstrich unl)enutzt. Das 
Element dehnte seine zerstörende Wuth immer weiter aus; während 
aber oben Dächer und Balkenwerk in hellen Flammen standen, Thurm 
und Kirche zusammenstürzten, war eine Anzahl hannoverischer Soldaten 
unten beschäftigt, durch drei mit Gewalt gebrochene Maueröfthungen 
in die Gewölbe einzudringen, wo man die Kasse und werthvolle Gegen- 
stände geborgen hatte. Hier plünderten und raubten sie ungestört, 
was ihnen vorkam, und verliessen beutebeladen den Ort, welcher ihnen 
längere Zeit gastlichen Schutz gewährt hatte , und der trotz der Neu- 
tralität seines Besitzers so muthwillig dem Verderben preisgegeben 
worden war. Als vor ihrem A])zug auf die Anzeige mehrerer Schloss- 
bewohner, dass die Besatzung unrechtmässiges Gut mit sich fortschleppe, 
der Commaudant von Düring ihr Gepäck untersuchen lassen wollte, 
brachen sie in oftene Meuterei aus : das gestohlene Geld fühi-ten sie in 
ausgehöhlten Broten nebst anderem Raube mit sich fort. In Giessen 
wurde ersteres seiner Hülse entkleidet, und Tabatieren, Tuch, Lein- 
wand etc. bei den Juden versilbert. — Als die Franzosen in das Schloss 
eingezogen waren, fand sich auch die Heldin der traurigen Katastrophe 
auf dem Platze ein. Ein Offizier. Namens de Chaliers, knüpfte ein Ge- 
spräch mit ihr an. Der galante Franzose versicherte sie lächelnd, er 
selbst habe gesehen , wie sie die Kanone losgeschossen , die Kugel sei 
fast vor den Füssen seines Pferdes niedergefallen. Es habe ihn seit- 
dem nicht mehr gewundert, dass der hannover'sche Commaudant , wel- 
cher so schöne Feuerwerker gehabt habe, das Schloss bis zu dessen 
Untergang nicht habe verlassen wollen. 

Der Schaden, welchen der Prinz von Orauien durch die Einäsche- 
rung seines Schlosses erlitt, war enorm. 1,357,910 Gulden wurden für 
zerstörte Gebäude liquidirt, wozu noch 45,711 für Mobilien etc. kamen. 
Auch die Dienerschaft hatte 23,644 Gulden eingebüsst. Dass etwas 
wieder erstattet worden sei, hat nirgends verlautet. 

So ging das Stammschloss der grossen Oranier zu Grunde, wel- 
ches, wenn nicht frivoler Leichtsinn ihm den Untergang bereitet hätte, 
noch heute mit seinen geschiclitlich bedeutsamen Räumen zur Zierde 
der Gegend auf der Höhe des Berges stehen könnte. Der in Bezug 
auf historische Denkmale aller Idealität bare, nüchtern-öconomische 
Sinn des vorigen Jahrhunderts setzte das Werk der Zerstörung scho- 
nungslos fort. Die noch hoch emporragenden Mauern und Thürme 
mussten das Material für die Wohnungen der adeligen Regierungsbe- 



252 

amten abgeben, welche sich nun in «1er Stadt in einer neuen Sirasse 
anbauten. Einige derselben kamen auch um die Eilaubniss zur An- 
legung von Gärten in dem Schlossreviere ein; im Frolnuliensle wurden 
nun die unteren Partien desselben bis zur Unkenntlichkeit planirt, so 
dass heutigen Tages eine der früheren Thorfahrten, ein gewaltiges Ge- 
wölbe, mehr als zwei Stockwerke tief in der Erde vergraben liegt. 
Jetzt hat die Ruine nur noch der Einwirkung der Elemente Trotz zu 
bieten. Aber fast jedes Jahr lösen sich Stücke von den ohnehin kargen 
Ueberresten des Mauerwerks ab , sodass, wenn nicht dem steten Verfall 
ernstlich gesteuert wird, voraussichtlich in nicht allzulanger Zeit auch 
diese letzten Reste in sich zerfallen und einen wüsten Schutthaufen 
bilden werden. Um diesem gänzlichen Ruin zu begegnen , hat sich in 
Dillenburg ein Comite gebildet, welches sich die Aufgabe gestellt hat, 
die baufälligen Partien stützen, das verunzierende Geröllc beseitigen und 
wenigstens einen Theil der grossen Gewölbe aufräumen zu lassen. Um 
aber insbesondere das Gedächtniss Wilhelms des Verschwiegenen zu 
ehren, der gerade vor dreihundert Jahren sein grosses Werk hier vor- 
bereitete, sollte während dieser Säcularjahre als monumentales Denkmal 
ein Thurm auf der Stelle eines früheren erbaut werden, welcher schon 
von Ferne den Touristen die Stätte, wo dieser grosse Mann geboren 
ist und eine so wichtige Lebensepoche zugebracht hat, bezeichnen, und 
in seinem Inneren mit allerlei noch vorhandenen Alterthümern und mit 
Bildern, welche wichtige Momente aus seinem Leben darstellen , ausge- 
schmückt werden sollte. Der Krieg des vorvorigen Jahres hat das 
Unternehmen in's Stocken gebracht; auch die bedrohlichen Aussichten 
im vorigen Winter und Frühlings waren nicht geeignet, dasselbe zu för- 
dern, jedoch ist der Plan nicht aufgegeben. Sehr dankenswerthe Gaben, 
zum Theil aus fürstlicher Hand , sind bereits eingegangen ; indessen 
bleibt noch viel zu steuern übrig, wenn das Werk dankbarer Pietät 
gegen den Mann, der für politische und religiöse Freiheit wie kein An- 
derer gestritten und gelitten hat, und dessen Charaktertestigkeit und 
staatsmännischer Einsicht die neuere Zeit so vieles schuldet, zur Aus 
führung gelangen soll. 



Verein f Nass A u.G. Bd. X 



Taf ni 




PLäi 



von dem Schlofse \ 



y.u 



J.H.v'onPfau 1763. 












^^^ DerVtehÄof ^m 




i i/i AnsL i H.'ss U'ac/oer Wusiadei. 



Nassauische Territorien 

vom Besitzstände iiuiiii ttelbar vor der französischen 

Rovolntion bis 1 866. 

hh\ eiuer Karte deü HerzoglliUDiii }imn\i u<icb Beinern TrrriluriallK^Uuile. 



Von 

Hofratli A. J. l¥eltlenbaeli. 



(Quellen uud HüirnniiUel: 

Büsching, Erdbeschreibung. Westphalischer und Churrheinischer Kreis. I79ü. 

Berghans, Deutschland seit hundert Jahren. 

Lancizolle, Uebersicht der deutschen Reichstandschat't- und Territorialverhältni.sse. 

Keic hs- Ueputationshauptschluss von 1803. 

von der Nahnier, Entwickelung der Territorial- Verhältnisse auf beiden Ufern 
des Rheines. 

A r n 1 d i , Geschichte der Oranien-Nassauischen Länder. 

Oranien-Nassauischer Hol-, Staats und Bergwerkskalender. 

Vogel, historische Topographie des Herzogthunis Nassau. 

Simon, Annalen des linken Kheinufers. 

Köllner, Geschichte des Nassau-Saar brück'schen Landes. 

Köllner, Geschichte der Herrschaft Kirchheim-Boland und Stauf. 

V. Gärtner, statistische Darstellung des Kreises Saarbrücken. Amtlicher Verwal- 
tungsbericht vom Jahre 1862. 

V. Schlechten dal, statistische Beschreibung des Kreises Ottweiler. Amtlicher 
Verwaltungsbericht vom Jahre 1863. 

Fischer, Geschlechtsregister der Wiedischen Häuser. 

Widder, historisch-topographische Beschreibung der Kurpfak. 

Eichhof, historisch-geographische Beschreibung des Erzstifts Köln. 

Beyer, niittelrheinisches Urkundenbuch. 

Hont heim, historia Trevirensis diplomatica. 

Wyttenbach, gesta Trevirorum. 

Kur-Mainzischer Hof- und Staatskalender. 

Archiv für hessische Geschichte. 

Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Territorialverhältnissp. 



254 

StHata- und Adrcsskalender d&; Hcrzoctlimns Nassau für düs Jahr 1813. 

Verordunnirsblatt des Hei-zo<itli. Nassau von ISn«) — 1813. 

f'ontribntions-und (Üiterstock der Nieder-Grafscliaft atzen cl n böge ii. (iManuscript.l 

Wenck. Hessische Landesgeschiohte. 

Historisch-statistische Uebersicht des Kegierungsbczirks Coblenz. Herausgegeben 
von der K. Kegierung 184o. 

Abiclit, der Kreis Wetzlar, historiscii, statistiscli und t<)}iograpliiscli. 

V. Viebalm, Statistik des zollvereinten und nördlichen Deutschlands. 

Kolb, Handbuch der vergleichenden Statistik. 

Huna. exactissima Vederoviae tabula cum adja<'eiitibus regionibus. 

Möller. Herzoglicli Nassauischer Kegierungsrath zu Khrenbreitstein (spater Re- 
gierungspräsident zu Wiesbaden), Karte von den unter der Preussischen 
Kegierung stehenden vorm. Nassauischen Landestheilen. Höclist sorgfältig 
gearbeitetes Original im Staatsarchiv zu Cobienz. 



Historischer üeberblick. 

§. 1 Oral' Heinrich 11. von Nassau, mit dem Beinamen ,dev 
Reiche*, welcher urkundlich zum letztenmal im Jahre 1247 vorkommt, 
hatte Kinder, von denen 4 Söhne und o Töchter in den geistlichen 
Stand traten, 2 Söhne aher, Walram und Otto, am 17. December 1255 
eine Theilung ihrer Erblande vornahmen und dadurch die Gründer der 
zwei noch existirenden Nassauischen Hauptlinien wurden, der Walram- 
ischen und Ottonischen. Bei der Theilung nahm man die Lahn als 
Scheid ungsliuie an; Otto, dem als jüngerem Bruder das Kecht der 
Wahl zustand, wählte den Theil auf der rechten Seite des Flusses, 
worauf Siegen, Herborn und Dillenburg lagen; Walram erhielt zum 
Antheil die Besitzungen links der Lahn, Idstein, Wiesbaden und Weil- 
burg. In Gemeinschaft blieben Nassau mit den dazu gehörigen Orten 
(das spätere Dreiherrische), die Grafschaft auf dem Einrieb (das spätere 
Vierheriische und Zweiherrische), und das Schloss Laurenburg mit der 
Esterau (die spätere Grafschaft Holzappel). 

1. Walraiuische Liuie. 

§. 2. Auf den Grafen Walram (f 1280) folgte sein Sohn, der 
deutsche König Adolph, der, bei seinem 1298 im Treften bei Göll- 
heim erfolgten Tode, die Erblande seinem Sohne Gerlach (f 1361) 
hinterliess. Dessen Söhne Adolph und Johann nahmen eine Theilung 
des väterlichen Nachlasses vor, so zwar, dass Adolph mit Idstein und 
Wiesbaden die Linie zu Wiesbaden, und Johann mit Weilburg die Linie 
7-u Weilburg gründete. 

§. 3, Nachdem ein Zweig der Weilburger Linie 1574 mit dem 
Grafen Johann IV. von Saarbrücken ausgestorben und dessen Antheil 



255 

wieder an die Weilbiir^er Linie zurückgefallen war, erlosch 1605 anch 
die Linie /ii Wiesbaden und Idstein mit dem Grafen Johann Lndwig [[., 
mid Hämmtliche Lande des Walramischen Stammes wurden nunmehr 
wieder in der Hand des Grafen Ludwig IL von Weilhurg vereinigt. 
Dieselben hatten sich in/wischen durch Heirathen und andere Erwer- 
bungen bedeutend vergrössert, indem, wie das bei den einzelnen Landes- 
theilen näher nachgewiesen wird, Merenberg, Gleiberg, Hüttenberg, 
Saarbrücken, Saarwerden, Herbitzheim, Ottweiler, Lahr, Usingen, Kirch- 
heim, Holanden, Stauf, Homburg bei Zweibrücken, Jugenheim, Keichels- 
heim und das halbe Amt Kirberg dazu gekommen waren. 

§. 4. Ludwig II. Söhne nahmen dem Herkommen gemäss im 
<Iahre 1629 ebenfalls eine Theihmg vor und gründeten dadurch drei 
neue Linien, nämlich: 

1) die Linie zu Saarbrücken unter dem Grafen Wilhelm Ludwig, 
welcher Saarbrücken, die Vogtei Herbitzheim, Ottweiler, einen 
Theil von Homburg, Jugenheim nnd Usingen erhielt; 

2) die Linie zn Idstein nnter dem Grafen Johann, dem Wiesbaden, 
Idstein, das halbe Amt Kirberg und Lahr zu Theil fiel; und 

8) die Linie zu Weilburg nnter dem Grafen Ernst Casimir, des.^en 
Antheil in Weilburg, Merenberg, Gleiberg, Hüttenberg, Rei- 
ch elsheim, Kirch heim, Stanf, Bolanden und dem anderen Theile 
von Homburg bestand. 
Die Grafschaft Saarwerden, über welche ein Rechtsstreit bestand, 
blieb imgetheilt, jedoch wurde jedem der Brüder ein Antheil an der- 
selben zugesichert, der auch bis in die späteren Zeiten bei ihrem Stamme 
verblieb. 

§. 5. In dem Saarbrückischen Antheil erfolgte abermals eine 
Theilung, nachdem Graf Wilhelm Ludwig 1640 gestorben war, und 
zuerst seine Wittwe und darauf sein ältester Sohn Johann Ludwig wäh- 
rend der Minderjährigkeit der anderen Brüder bis zum Jahre 1659 die 
Regierung geführt hatte. Es entstanden dadurch drei neue Linien : 

1) die Linie Nassau-Saarbrücken-Ottweiler, 

2) die Linie Nassau-Saarbiiicken-Saarbrücken, 

3) die Linie Nassau-Saarbrücken-Usingen. 

Im Jahre 1721 erlosch mit dem Fürsten Georg August die Linie 
zu Idstein, worauf seine Laude an die Linien zu Ottweiler und Saar- 
brücken fielen, die solche unter gemeinschaftliche Verwaltung stellten. 

Bald darauf starben auch die Linien zu Saarbrücken und Ott- 
weiler aus, jene 1723 mit dem Grafen Karl Ludwig, dem Sohne des 
Gründers Gustav Adolph, diese 1728 mit Friedrich August, dem Sohne 
des Gründers Johann Ludwig. 

Sämmtliche Besitzungen der Idsteiner und Saarbrücker Linie fielen 
dadurch an die Linie zu Usingen. 



256 

§. 6, Der Stifter der Linie Nassau-Saarbnicken-Usingen war 
Fürst Walrad, der jüngste Sohn des Grafen Wilhelm Ludwig gewesen. 
Ihm folgte in der Regierung sein Sohn Wilhelm Heinrich, der jedoch 
frühzeitig (1718) starb, und dessen Wittwe Charlotte Amalie, eine ge- 
borene Prinzessin von Nassau-Dillenburg, dann für ihre zwei minder- 
jährigen Söhne Carl und Wilhelm Heinrich bis zum Jahre 1735 die 
vormundschaftliche Regierung führte. Während dieser Zeit fielen der 
Usingen'schen Linie die Besitzungen von Saarbrücken und Ottweiler zu, 
und solche Beerbung gestattete dann nach Herkoramen und Familien- 
gebrauch, wie der Lage des Landes entsprechend, unter Wilhelm Hein- 
richs Söhnen im Jahre 1735 eine Theilung, in welcher Fürst Carl die 
Länder auf dem rechten, und Fürst Wilhelm Heinrich diejenigen auf 
dem linken Ufer des Rheines zum Antheil erhielt. Die von dem Fürsten 
Carl gegründete neue Linie nannte sich die Nassau-Saarbrücken-Usin- 
gen'sche, die von Wilhelm Heinrich gegründete die Nassau-Saarbrücken- 
Saarbrückische. Jener erhielt also: Usingen, Idstein, Wiesbaden, das 
halbe Amt Kirberg und Lahr; dieser: Saarbrücken, Saarwerden, Ott- 
weiler, Homburg, Jugenheim, WöUstein und die Kellerei Rosenthal, je- 
docli mit Ausschluss desjenigen Theiles von Saarwerden und Homburg, 
den Nassau- Weilburg besass, welcher Linie auch 1629 Kirchheim und 
Stauf zugefallen waren. 

§. 7. Die Linie Nassau-Saarbrücken-Saarbrücken dauerte jedoch 
nur etwas länger, als ein halbes Jahrhundert; sie erlosch bereits 1797 
mit Wilhelm Heinrich's Enkel, dem Fürsten Heinrich Ludwig, und die 
Ansprüche auf seine, inzwischen von der französischen Republik wegge- 
nommenen Lande erbte nunmehr der Fürst Carl Wilhelm zu Nassau- 
Usingen, der Sohn des im Jahre 1775 verstorbenen Fürsten Carl. Es 
blieb jedoch bloss bei den Ansprüchen, denn in Folge des Reichsfrie- 
denscongresses zu Rastatt (1798) und des Friedens von Luneville (1801 
kamen die Lande definitiv an Frankreich. Nassau-Usingen erhielt je- 
doch durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 dafür die unten 
näher bezeichneten Entschädigungen auf dem rechten Rheinufer. 

§. 8. Auf den Fürsten Carl Wilhelm zu Nassau-Usingen, der 
am 17. Mai 1803 ohne Hinterlassung männlicher Descendenz starb, 
folgte sein Bruder, der Fürst Friedrich August, der im Jahre 1806 
seine Länder mit denen des Fürsten Friedrich Wilhelm zu Nassau- 
Weilburg zu einem gemeinschaftlich regierten ,Herzogthum Nassau" 
vereinigte und den Titel „souveräner Herzog zu Nassau" annahm. Er 
starb, ebenfalls ohne männliche Descendenz zu hinterlassen, am 24. März 
1816, und das Herzogthum ging damit in den alleinigen Besitz der 
Linie zu Weilburg über. 

§. 9. Der Gründer der Linie Nassau- Weilburg war, wie in 
§. 4 bemerkt, der Graf Ernst Casimir (f 1655). Ihm folgten in der 



257 

Regierung Graf Friedrich (f 1675), Graf Johann Ernst, welcher 1688 
in den Fürrftenstand erhoben wurde und 1719 starb, Fürst Carl August 
(11753), Fürst Carl Christian (f 1788) und Fürst Friedrich Wilhelm, 
geboren am 25. October 1768. Dieser erbte durch seine Gemahlin 
Louise Isabella, Tochter Wilhelm Georgs, Burggrafen 7a\ Kirchberg und 
Grafen zu Sayn-Hachoiiburg, nach dem 1799 erfolgten kinderlosen Hin- 
gange ihres Grossoheims Johann August, des letzten Burggrafen von 
Kirchberg, die Grafschaft Sayn-Hachenburg (mit Ausschluss des Bannes 
Maxsayn, welcher an Wied-Neuwied fiel), sowie den Sayn'schen Antheil 
an Grund Seelbach und Burbach. Durch den Reichsdeputationshaupt- 
schluss von 1803 erhielt er für die auf dem linken Rheinufer verloreneu 
Besitzungen ansehnliche Entschädigungen auf der rechten Rheinseite, 
und vereinigte, wie in §. 8 gesagt wurde, als „souveräner Fürst zu 
Nassau" seine sämnitlichen Lande mit denen des Herzogs Friedrich 
August zu einem gemeinschaftlich regierten „Herzogthum Nassau". 
Er starb am 9. Januar 181C und hinterliess, da auch Herzog Friedrich 
August einige Monate später, am 24. März, starb, als alleinigen Re- 
genten des Herzogthums seinen Sohn, den Herzog Wilhelm, geboren 
am 14. Juni 1792 und gestorben am 20. August 1839. Diesem folgte 
sein Sohn, Herzog Adolph, geboren den 24. Juli 1817. 

II. Ottonische Linie. 

§. 10. Graf Otto, Heinrich's des Reichen jüngerer Sohn, welcher 
sich die Nassauischen Lande auf dem rechten Lahnufer zu seinem An- 
theil gewählt hatte (§. 1), hinterliess drei Söhne, Heinrich, Emich und 
Johann, welche nach seinem, im Jahre 1289 oder Anfangs 1290 er- 
folgten Tode noch beinahe 13 Jahre lang unter Theilnahme ihrer Mutter 
Agnes gemeinschaftlich regierten, dann aber im Jahre 1303 eine Thei- 
lung vornahmen, in welcher 

1) Heinrich den Nassauischen Antheil an Siegen, Haiger und die 
HeiTSchaft zu Westerwalde (die Centen Marienberg, Neunkirchen und 
Emmerichenhain), 

2) Emich die Hadamarer Mark (Oberhadamar und Faulbach 
nebst drei Höfen), Ellar, Driedorf, die Vogtei Dietkirchen, die Esterau, 
sowie die Vogteien Isbelbach und Ems, und 

3) Johann Schloss Dillenburg mit den dazu gehörigen Orten, Her- 
born und die Centen Calenberg und Löhnberg erhielt. 

Graf Johann von Dillenburg, welcher auch der wahrscheinliche 
Erbauer des Schlosses Beilstein ist, starb jedoch schon 1328 und ver- 
erbte seineu Antheil auf den ältesten Bruder, den Grafen Heinrich von 
Siegen. 

Auch die Linie zu Hadamar erlosch noch in demselben Jahrhundert 

17 



258 

mit Emich's Enkel. Emich III. im Jahre 13P4, so dass also die Otto- 
nischen Lande sich wieder bei der Linie von Siegen vereinigten. 

§. 11. Die Linie von Siegen nnd Dillenburg hatte sich indessen 
durch eine zwischen den Söhnen des Grafen Heiniich, Otto II. nnd 
Heinrich, vorgenommene Theilung in zwei neue Linien gesondert, die 
zn Dillenburg und Siegen unter Otto IL, und die zu Beilstein unter 
Heinrich, welche letztere jedoch , nachdem sie ebenfalls wieder in zwei 
besondere Linien, die zu Beilstein und die zu Liebenscheid getheilt ge- 
wesen wai-, im Jahre 15G1 mit Johann III. erlosch. 

§. 12. Unter des Grafen Otto IL von Siegen und Dillenburg 
Nachfulgern hatten sich die Besitzungen dieser Linien durch glückliche 
Heirathen bedeutend vergrössert, denn es waren dazu gekommen: die 
Grafschaft Vianden (im heutigen Grossherzogthum Luxemburg und Khein- 
preussen), die Herrschaften St. Vith und Buttgenbach (im Kreise Mal- 
medy, Regierungsbezirk Aachen), Dasburg (im Kreise Prüm, Regierungs- 
bezirk Trier), Grimbej-gen (in Brabant), die halbe Grafschaft Diez, so- 
wie in den Niederlanden die Herrschaften: Polanen, Leck, Breda, Oster- 
hont, Rosendael, Nispen, Dongen, Terheyden, Stecubergen, Gertruydeu- 
berg, Niervaart u. s. w. Diese reichen niederländischen Herrschaften 
nebst den deutschen Erblanden waren vereinigt in der Hand des Grafen 
Johann IV. (f 1475), dessen Söhne Engelbert IL und Johann V. jedoch 
so theilten, dass jener die niederländischen Besitzungen, dieser die deut- 
scheu Erblande erhielt. 

§. 13. Graf Engelbert IL hatte zum Nachfol^^er den ältesten Sohn 
seines Bruders Johann, den Grafen Heinrich, der sich zu Breda nannte, 
und welcher durch seine zweite Gemahlin Claudia von Chalons und 
Oranien (oder Orange) dieses in der Dauphine liegende Fürstenthum an 
sein Haus brachte. Sein Sohn Renatus war der erste Nassauische Fürst, 
der von diesem Fürstenthum den Titel , Prinz von Oranien" annahm. 

§. 14. Heinrichs zu Breda Bruder, Graf Wilhelm der Reiche zu 
Dillenburg (f 1559) hatte 13 Kinder, von denen aber nur zwei Söhne, 
Wilhelm und Johann seinen Stamm fortpflanzten. Der erstere erbte 
nach dem Tode seines Vetters Renatus im Jahre 1544 durch testamen- 
tarische Verfügung desselben die niederländischen Besitzungen und Oranien, 
und wurde der Stifter der Niederländischen Republik. Seine Linie aber 
erlosch schon mit seinem Urenkel, dem Könige "\\'ilhelm von England, 
im Jahre 1702. 

§. 15. Dem Grafen Wilhelm dem Reichen war in den deutschen 
Erblanden sein eben genannter Sohn Johann VI. gefolgt, der 5 Söhne 
hinterliess, welche 1606 durch Theilung der väterlichen Hinterlassen- 
schaft 5 Linien stifteten, nämlich: 

1) die Linie zu Dillenburg unter Wilhelm Ludwig, 

2) die Linie zu Siegen unter Johann VII., 



259 

8) die Linie zu Beilstein unter Georg, 

4) die Linie 7a\ Diez unter Ernst Casimir, und 

5) die Linie /u Hadamar unter Johann Ludwig. 

Zuerst erlosch die Linie v.n Dillenburg, und zwar im Jahre 1620 
mit ihrem Stifter Wilhelm Ludwig; ihn beerbte die Linie Beilstein, die 
sich nun die Linie zu Dillenburg und Beilstcin nannte. 

Im Jahre 1711 starb die Linie zu Hadamar mit Johann Ludwig's 
Enkel, dem Fürsten Franz Alexander, aus. 

Im Jahre 17;i9 erlosch die Linie zu Dillenburg und Beilstein mit 
dem Fürsten Christian. 

Die Linie zu Siegen hatte sich in eine katholische und roformirte 
getheilt. Diese erlosch 1734 mit dem Fürsten Friedrich Wilhelm, jene 
1743 mit dem Fürsten Wilhelm Hyacinth. 

Es blieb also nur noch die Linie Nassau-Diez übiig, welche in 
Folge dieses Erlöschens der anderen Linien nicht allein die sämmtlichen 
deutschen Erblande wiedei' vereinigte, sondern auch nach dem Aussterben 
der Oranischen Linie 1720 deren Besitzungen geerbt hatte. In dem 
Königshause der Niederlande blüht noch heute ihr Geschlecht fort. Wie 
diese ihre deutschen Besitzungen verlor, wird weiter unten angegeben 
werden. 

§. 10. 

BeNJlziiii^eii der Linie iVassaii-lsingeu. 

I. Die Grafschaft otler das Amt Usingen. 

a. Die Herrschaft Neu -W ei In au, ursprünglich eine Besitzung 
der Grafen von Diez, von denen sich eine Seitenlinie Grafen von \Veilnau 
nannte. Graf Heinrich 111. verkaufte sie 1405 um 12000 Goldgiilden 
an den Grafen Philipp I. von Nassau-Saarbrücken zu Weilburg. 

Kirchspiel N e u - W e i 1 na u : 0) Hundstadt. 

1) Neu-Weilnau mit der Mappes-, Pa- '^) Mönstadt. 
pier-, Walkmühle und dem Kupier- «) Naunstadt. 

hammer, wurde 1818 Alt-Weilnau 9) Has«elborn, mn 17uo er.t gegründet. 

als Filiale zugetheilt. Kirchspiel E s c h b ao h : 

2) Hiedelbach. 

,,. , . , ,, . IUI Eschbacli mit der Hessenmühlc. 

Kirchspiel Usingen: i,^tv,,i „ , 

11) Michclbacli. 
:i) Usingen mit 6 Mühlen 

,,.,.,,,.. • 1 u Kirchspiel Kod an der Wiil: 

Kirchspiel bravenwicsbach. ' 

4) Grävenwiesbacli mit drei Mühlen. 12) Kod an der Weil mit 1 Eisenham- 

r>) Heinzenberg mit der Elends- und nicr und 5 Mühlen. 

Runkelsteinniühle. 13) Cratzcnbach mit dem Hof Eichelbach- 

b. Die Herrschaft Alt-Weilnaii, wie Neu-Weilnau ursprünglich 
zur Grafschaft Diez gehörig. Im Jahre 1557 besass eine Hältle der- 



260 

selben Nassau-Dillenbiirg , die andere Eppstein. Den letzteren Theil 
kaufte 1565 Graf Albrecht von Weilburg ; den Dillenburgischen tauschten 
die Grafen Wilhelm Ludwig zu Saarbrücken und Johann /u Idstein im 
Jahre 1631 von Johann Ludwig zu Hadamar gegen den Saarbrückischen 
Antheil an der Esterau und eine baare Summe von 6640 Keichsthaler ein. 

Kirchspiel Alt- Weil nau: 16) Winden mit 2 Mühlen. 

14) Al!-Weilnau mit 2 Eisenhämmern, Kirchspiel Steinfischbach: 
der Landstein- und Erbesmühle. j^^ SteinHschbach. 

Zum Kirchspiel RodanderWeil 1^) Maulof. 

gehörig : 

15) Emniershausen mit 1 Eisenschmelzc, 
1 Hammer und 1 Mühle. 

c. Das Gericht Stockheim, eine ehemals den Herren von Stock- 
heim zugehörige Herrschaft, deren eine Hälfte 1579 Graf Albrecht von 
Weilburg, und deren andere Hälfte 1669 Graf Walram von Usingen 
kaufte. Es zerfiel in das Obergericht und das Niedergericht. 

Obergericht Stockheim. Kirchspiel Merzhausen: 

Kirchspiel Rod am Berg: 2H) Merzhausen. 

27) Wilhelmsdorf, zwischen 1707 und 

, ,^ , , ,, ^ , ,r..u, l'^ll entstanden. 

20) Hundstall mit 4 Mühlen. 

21) Brombach mit 1 Mühle. Kirchspiel Niederlauken: 

22) Dorfweil mit 1 Mühle. 38) Niederlauken. 
Niedergericht Stock heim: 20) Oberlauken, eliedem zum Kirchspiel 

23) Westerfeld mit 1 Mühle, Kectorats- Alt-Weilnau gehörig, 
tilial von Usingen. 

24) Arnsbach, Kirchspiel Keifenberg. 

25) Hausen, Rectoratstilial von Usingen. 

Zur Hälfte in das Gericht Neu-Weilnau , zur Hälfte in das Ge- 
richt Stockhausen gehörten die Orte: 
30a.) Gemünden mit der Etzauermühlc. 3Ub.) Jiaubach. 

Beide Orte pfarrtcn Stockhcimer Seits ins Kirelispiel Merzhausen; 
Gemündeu, Weilnauer Seits, nach Rod an der Weil, und Laubacli, Weil- 
nauer Seits, nach Grävenwiesbach. 

d. Das Gericht Landstein, den Dynasten von Eppstein gehörig, 
welche es auf die zu Stolberg vcierbten, von denen es 1565 als Pfand- 
schaft und 1596 durch Erbverkauf an den Grafen Ludwig von Nassau- 
Weilburg kam. 
M) Finsternthal mit 1 Mühle. 32) 'IVeisburg. 

Beide Orte gehörten zu dem Kirchspiel Altwcilnau. 

IT. Die Herrschaft oder das Oberamt l dstein, eine altuassauisehe 
Besitzung und der Mittelpunkt der Herrschaft, welche in der Bruder- 
theilung von 1255 der Walramischen Linie zufiel. 



261 



Kirchspiel Idstein: 
.S3 ) Idstein mit der Damm- , Üel- 
Veitenmühle. 



und 



Kirchspiel Niederseelbach: 

34) Niederseelbach mitder Langenmühle. 

35) Oberseelbach mit der Bechter- und 
Lochniühle. 

3H) Engenhahn. 

37 ) l.enzhahn. 

38) Niedernhausen mit der (Julden-, Her- 
ren- , Neupfaffen- , Pulver- , Raben- 
nnd Stockmühle. 

39) üasbach. 

40) Königshoten mit der Quecken- und 
Pfaffenmühle. 

Kirchspiel Heftrich: 

41) Heftrich mit der Dattenbacher Mühle. 

42) Bermbach. 

Kirchspiel Ü b e r r o t h : 

43) Oberroth. 

44 ) Niederroth. 

45) Cröftel mit der Hubertsmühle. 

46 ) Oberems mit der Brücken- und Unter- 
mühle. 

Zum Kirchspiel Steinfischbach 
gehörig: 

47) Wüstems. 

48) Reichenbach. 

Kirchspiel Esch. 

49) Esch mit der Hirteser-. Mangolds- 
und Kiesenniühle. 

50 ) Reinborn mit der Ober-, Oborndorfer- 
und Untermühle. 

51) Niederems. 

Kirchspiel Walsdorf: 

52 ) Walsdorf mit der Morcher-Mühle. 

Kirchspiel Würsdorf: 
53 ) Wörsdorf mit der kleinen u. Schlapp- 
mülile, sowie den Höfen: Facken- 
hofen , Gassenbacii , Georgenthal. 
Nancnhausen, Rohnstadt, derMichcl- 
bacher Hütte und der Idstciiier Ziegel- 
hütte. 

Zum Oberamt Idstein kam 



54) Wallrabenstein mit derF'ackonhöfer-, 
Wallrabensteiner- und Petersmühle. 
Kirchspiel Strinz-'l' rinitatis. 

55) Strinz-Trinitatis. 

56) Henncthal mit der Bahner-, Ober- 
und Untermühle, wurde vor 1813 
der Pfarrei Panrod zugetheilt. 

57) Limbach. 

58) Wallbach. 

Kirchspiel Strinz-Margare thä: 

59 ) Strinz-Margarethä. 

60) Niederlibbach. 

61) Oberlibbach. 

62) Hambach. 

Kirchspiel Breithardt. 

63 ) Breithardt mit der Stückel- und 
Weinmühle. 

64) Steckenroth. 

Kirchspiel Michelbach: 

65 ) Michelbach mit 2 Mühlen. 

Kirchspiel Bechtheim; 

66) Bechtheim. 

67a.) Beuerbach mit der Neu- und 

Schoorniühle. 
67 b.) Ketternscliwalbach mit 1 Mühle. 

Kirchspiel Auroff: 
68) Oberauroff. 
60) Niederauroff mit 1 Mühle. 

70) Ehrmbach. 

71) Eschenhahn. 

72) Görsroth. 

73) Kesselbach. 

Kirchspiel Adolphseck: 

74) Adolphscck mit der Dammühle, ge- 
gründet 1356 von dem Grafen Adolph T. 
zu Nassau-Idstein. 

75) Watzhahn, angelegt um 1700 von 
dem Fürsten Georg August Samuel 
zu Nassau-Idstein. 

Zum Kirchspiel Wehen gcliörig: 
76 a.) Neuhof. 

im Jahr 1700 durch Tausch mit 



Oranien-Nassau , an welches Nassau-Usingen seinen Antheil an Men^- 

felden abtrat, das Dorf 

76 b.) Schicsheim, eingepfarrt in das Oranische Dorf Kalt<'nholzhausen, 



262 



TII. Das Amt Wehen, wahrscheinlich schon bei der Bruder- 
theilung von 1255 eine Nassauische Besitzung. 



Kirchspiel Wehen: 

77) Wehen mit 10 Mühlen, dem Jagd- 
schlösse Platte und dem Schanzenhof. 

78) Orlen. 

Kirchspiel Bleid enstadt : 

79) Bleidenstadt mit 1 Mühle, gehorte 



zur Hälfte dem St. Ferrutinsstifte 
unter Mainzer Landeshoheit. 
SO ) Born , frülier eingepfarrt nach 
Adolphseck. 

81) Hahn mit 1 Mühle. 

82) Seitzenhahn mit 1 Eisenhammer. 

83) Wingsbach. 



IV. Das Amt Burgschwalbach, ursprünglich zur Grafschaft 
Catzenelnbngen gehörig, von der es 1479 an Hessen kam, welches das- 
selbe 1536 an Philipp 111. zu Nassau-Weilburg gegen dessen Rechte 
an Wetzlar vertauschte. 



Kirchspiel Burgschwalb ach: 

84) Burgschwalbach mit 1 Eisenhammer, 
2 Mühlen und dem Hof Oberhausen. 

Kirchspiel Dörsdorf: 

85 ) Dörsdorf 

86 ) Berghausen. 



87) Eisighofen. 

88 ) Mudershausen mit dem Hof llohlenfels. 

Kirchspiel Panrod: 

89) Panrod. 



V. Das Kirchspiel Kettenbach, eine ehemalige üesitzung der 
Freiherren von Galen, welche die eine Hälfte 1721 und die andere 1777 
an Nassau abtraten. 



90 ) Kettenbach. 
91 ) Hausen. 



92 ) Daisbacli. 
93) Kückersliausen. 



VI. Das Oberamt Wiesbaden, ein uralt Nassauisclics Besitzthum. 



Kirchspiel Wiesbaden: 
fi4 ) Wiesbaden mit den Höfen Adams- 
thal, der Fasanerie, Geisberg und 
Lindenthal , sowie den Mühlen : Ar- 
iiicnruh-, Auringer-, Bletz- , Chur- 
fürsten-, Dorf-, Grorother , Grund-, 
Hammer-, Kappus-, Kloster-, Krcck- 
manns-, Kupfer-, Mosbacher-, Loh-, 
Wiesbadener Loh-, Neu-, Salz- , Sei- 
pelisclicn-, Spelz-, Spetcn-, Stein-, 
Steiners-, Stuckel- , Stutzel- , Wahl-, 
Walk- und Wellritz-Mühle. 
'.'5 ) Glarenthal, Kloster. 

Kirchspiel Sonne nberg: 
9*3 ) Sonnen berg. 

97) Rambach. 

Kirchspiel Bierstadt: 

98) Bierstadt. 



Kirchspiel Erbciihcini: 

99) Erbenlieini. 

Kirelispicl Klo p penheiui. 

100) Kloppcnhcim, 

101) Ikssloch. 

Kirchspiel Nauroth: 

102) Nauroth. 

103) Auringen. 

Kirchspiel Mosbach. 
lO'l) Biebrich mit dem Uesiden/schloo.>o. 
lOfj) Mosbach. 

Kirchspiel Sc ii i c r s t o i n : 
100) Schiorstcin. 

Kirchspiel Dotzheim: 
107 a.) Dot/heim. 
107b.) (ieorgenborn. 



263 



VTl. Das Fürstenthum Saarbrücken, welches durch die Ver- 
heiratliung des Grafen Johann I. von Nassau-Weilburg mit der Saar- 
brückischen Erbtochter Johanna 1380 an Nassau kam. Es wurde in 



Jeni Frieden von Li 


ineville an Frankreich abgetreten, und kam 1815 


bis auf wenige Orte 


an Preussen. 




108) Saarbrücken. 






147) Louisentlial. *♦* 


109) St. Arnual. 






148) Obersalbach. **♦ 


llü) Güdingen. 






149) Reisweiler. *** 


111) Büdingen. 






150) Fahlscheid. **^ 


112) Bisclunisiieini. 






151) Saarwelling. 


118) Fecliingen. 






152) Cöln. 


114) Ensheim. * 






153) Sellerbacli. 


115) Esdrringen. " 






154) Engelfangen. 


116) Blies-Ran.sbach. 






155) Rittenhoten. 


117) ScheiJt. 






156) Guichenbach. 


118) Scheiderberg. 






157) Etzenhofen. 


119) Rentriscli. 






158) Ueberhofen. 


120) Hallberg. 






159) Hilschbach. 


121) Brebacb. 






160) Walpershofen. 


122) Üudweiler. 






161) Niedersalbach. 


123) Sukbach. 






162) Herchenbach. 


124) Fischbach. 






163) Heusweiler. 


125) Gersweiler. 






164) Bersch Weiler. 


120) üttenhausen. 






165) Bietschied. 


127) Krughütte. 






166) Gurhof. 


128) Ludweiler. 






167) Dilsburg. 


129) Lauterbach. 






168) Eiweiler. 


130) Carlsborn. 






169) Hirtel. 


131) St. Nicolas. 






170) Holz. 


132) Nassweiler. 






171) Hellenliausen **** 


133) Emniersweiler. 






172) Kirsch dorf. 


134) Grossrossein. 






173) Kutzhof. 


135) Zettingen. ** 






174) Lammerschied. 


136) Diedingen. ** 






175) Numborn. 


137) St. Jüliann. 






176) Quirschied. 


138) Malstatt. 






177) Rittershof. 


139) BurbacJi. 






178) Wahlscliied. 


140) Kusshütte. 






179) Eidenborn. 


141) Völklingen. 






180) Schwalbach. 


142) Fürstenhauscn. 






181) Springen. 


143) Wehrden. 






182) Elm, 


144) Geislautern. 






183) Derlin. 


145) Knausholz. 






184) Knorrschied. 


146) Püttlingen. *** 








* Ensheim und 


Eschringen 


kamen 


1815 an Bayern. 


** Zettnigen und 


Diedingen 


blieben 


1815 bei Frankreich. 


*** Uie Herrsciiaft 


Püttlingen mit den 4 Dürfern Louisentlial, Obersalbach 


Keisweiler und Faiilscheid kam 1 


76G dui 


•ch Vertrag mit Frankreidi unter Nassau- 


Saarbrückische Holieit, 


wurde ab 


L-r 1788 


durch Kauf von dem Grafen von Wied- 


Kunkel Nas,i\uisihos K 


genthum. 






**** Hellenhauseu 


gehörte zur 


Hälfte dem Herrn von Hagen. 



264 



VITI. Die Herrschaft Ottw eiler, ursprünglich zur Grafschaft 
Saarbrücken gehörig, von der sie zu einem Theil durch Agnes, Tochter 
des Grafen Simon IV. von Nassau-Saarbrücken, an deren Gemahl Eber- 
hard von Zweibrücken gekommen war. Diesen Theil tauschte Graf 
Philipp I. von Nassau-Saarbrücken zu Weilburg 1393 gegen Altdorf 
wieder ein. 



185) 

186) 
187) 
188) 

189) 
190) 
191) 
192) 

193) 
194) 
195) 
196) 
197) 
198) 
199) 
200) 
201) 
202) 

203) 
204) 
205) 

4208 



Stadt Ottweiler. 

Meyerei Wi ebelskirchen 

Wiebeiskirchen. 

Hangard. 

Steinbach. 

Meyerei Neunkirchen: 
Neunkirchen. 
Wellerweiler. 
Spiesen. 
Neunkirchener Eisenwerk. 

Meyerei Welschbach: 

Welschbach. 

Hirzweiler. 

Mainzweiler. 

Schift'weiler. 

Stennweiler. 

Landsweiler. 

Bildstock. 

Hinterfeld. 

Friedrichsthal. 

Leopoldsthal. 

Meyerei Berscli weiler: 

Berschweiler. 

Dirmingen. 

Urexweiler. 



206) Hirscheid. 

207) Uchtelfangen. 

208) Höchst. 

209) Wustweilerhef. 

210 ) Wustweiler. 

Meyerei Niederl inx weiler; 

211) Niederlinxweiler. 

212) Oberlinxweiler. 

213) lienimersweiler. 

Meyerei Werschweiler ; 

214) Werschweiler. 

215) Dorrenbach. 

216) Fürth. 

217) Lautenbach. 

218) Münchwies. 

Meyerei Bexbach, 1755 von Pfalz- 
Zweibrücken erworben : 

219) Oberbexbach. * 

220) Mittelbexbach. * 

221) Niederbexbach. * 

Meyerei Wiesbach, 176G durch Aus- 
tausch von Frankreich erworben: 

222) Wiesbach. 

223) Humes. 



224) Kaisen. 

Im Jahre 1764 zählte die Herrschaft Ottweiler 8170 Einwohner, darunter 
Lutheraner, 458 Keformirte und 3504 Katholiken in 1379 Haushaltungen. 
* Die Meyerei Bexbach kam 1815 an Bayern. 



IX. Die Präraonstratenser- Abtei Wadgassen. Um beständige 
Irrungen wegen der von Nassau geübten und behaupteten Landeshoheit 
zu beenden, wurde die Abtei nebst den links der Saar gelegenen Ort- 
schaften Hostenbach, Schafhauseu, Werbein und dem Hofe Spurk an 
Frankreich abgetreten; dagegen verblieben Nassau-Saarbrücken die rechts 
der Saar gelegenen Orte: 

225) Buss. 227) Sengst. 

226) Ensheim. 228) Reichenborn. 

X. Zwei Drittel an der Grafschaft Saarwerden. Graf Heinrich 
von Saarwerden, der letzte seines Stammes, vererbte seine Besitzungen 
auf seineu Schwiegersohn, den Grafen Friedrich I. von Mors, dessen 



265 

Sohn Johann 1418 eine neue Linie zu Mors und Saarwerden gründete, 
welche im männlichen Stamme 1527 erlosch. Catharina, des Grafen 
Johann, eines Enkels Johanns des Gründers, einzige Tochter brachte 
die Grafschaft an ihren Gemahl, den Grafen Johann Ludwig zu Nassau- 
Saarbrücken. Dagegen erhob sich aber der Bischof von Metz, welcher 
die Lehensherrlichkeit über die Grafschaft behauptete, und es kam dess- 
halb zu einem Rechtsstreit am Reichskammergericht , während dessen die 
Grafschaft ungetheilt blieb (§. 4.), der aber mit Ausnahme zweier dem 
Bisthum Metz zugesprochener Orte, Altsaarwerden und Bockenheim, zu 
Gunsten Nassau's entschieden wurde. Die Linie Nassau-Saarbücken er- 
hielt in Folge dessen 2/3 und Nassau-Weilburg Va an der Grafschaft, 
welche erst 1745 förmlich abgetheilt wurde, und wobei dann an Saar- 
brücken folgende, das Amt Harskirchen bildenden Orte fielen. 

229) Erasweiler mit Roder Bann. 243) Geringen. 

230) Altweiler mit Huntzer Bann. 244) Dhonfessel. 

231) Hinsingen. 245) Lorentzen mit Wachterer Bann. 

232) Biesert. 246) Bütten mit Mackweiler und Schind- 

233) Harskirchen. wald. 

234) Willer. 247) Eexigen. 

235) Diedendorf. 248) Weyer mit Ischer Bann, Weyerer 

236) Wolfskirchen. Seits. 

237) Pistorf. 249) Thrulingen. 

238) Eschweiler. 250) Ottweiler. 

239) Hirschland mit Ischer Bann, Hirsch- 251) iSinweiler mit Ellenbacher Bann, 
länder Seits. 252) Berg und Thal. 

240) Kirberg mit Ohlingcr Bann. 253) Büst. 

241 ) Görlingen. 254) Ernezweiler. 

242) Kanweiler. 255) Bärendorf. 

Die Grafschaft blieb 1815 bei Frankreich. 

XI. Das Oberamt Lahr. Johann, Graf von Mors und Saarwerden, 
der Gründer der neuen Linie zu Saarwerden, brachte diese Besitzung 
durch seine Gemahlin Adelheid, die Erbtochter Heinrichs von Gerolseck, 
Herrn zu Lahr, 142G an sein Haus, und so kam sie mit Saarwerden 
an Nassau-Saarbrücken. Von 1G59 bis 172G war sie durch Verpfän- 
dung bei Badeii-Durlach , wurde dann wieder eingelöst und kam im 
Jahre 1735 an Nassau-Saarbrücken-Usingen (§. 6). Im Jahre 1803 
wurde sie an Preussen und von diesem an Baden abgetreten, wogegen 
Preussen an Nassau die Grafschaft Sayn- Altenkirchen cedirte. 

256) Lahr. 260) Hugsweyer. 

257) Altdorf. 201) Miedcrsheira. 

258) Burgheim. 262) Kehl, mit Baden gemeinschaftlich 

259) Dinglingen. 

XII. Das Amt Ju gen heim, eine Besitzung des Grafen Heinrich 
von Spouheim, die mit Kirchheim, Bolaud, Stauf, Dauueufels und Frauken- 

17* 



266 

stein im Jahre 1394 an den Grafen Philipp zu Nassau-Saarbrücken fiel, 
welcher des Grafen Heinrich von Sponheim Enkelin, Anna von Hohen- 
lohe, zur Gemahlin hatte. Das Amt kam 1815 an Hessen-Darmstadt. 
263) Jugenheim. 264) Tiefenthal. 

XIII. Die Kellerei Rosenthal, in der Herrschaft Kirchheim ge- 
legen, ein ehemaliges Cistercienser-Frauenkloster, dessen letzte Aebtissin, 
Elisabeth von Geispizheim, es 1572 ihrem Schirmvogte, dem Grafen 
Philipp III. von Nassau-Saarbrücken, übergab. 
265) Rosenthal, kam 1815 an Bayern. 



§■ 17. 

BesitZDDgen der Lioien Nassau-Weilbiirg. 

I. Das Amt Weilburg, eine uralt Nassauische Besitzung, die 
in der Brudertheilung von 1255 der Walramischen Linie zufiel. 



Kirchspiel Weil bürg: 

266) Weilburg mit den Höfen Windhof 
und Wehrholz , 2 Mahl- und 1 Pa- 
piermühle. 

267) Ahausen mit 1 Oehlmühle. 

268) Kirschhofen mit dem Scheueniberger 
Hof. 

Kirchspiel Cubach: 

269) Cubach. 

270) Freienfels mit 1 Mühle. 

271 ) Hirschhausen mit einem Hof im 
Thiergarten. 

Kirchspiel Selters: 

272) Selters. 

273) Drommershausen mit dem Hof 
Stenzel. 

II. Das Amt Weilmünster, altnassauisch wie Weilburg. 



Kirchspiel Elkerhausen: 

274) Elkerhausen mit 1 Mühle und deu 
Fürfurter Höfen. 

Kirchspiel Weinbach: 

275) Weinbach. 
270) Gräveneck mit dem Alt- und Neu- 

Sch warten berger Hofe. 

Kirchspi''! Essershausen: 

277) Essershausen. 

278) Bermbach. 

279) Edelsberg. 

280) Laimbach mit 1 Mühle. 



Kirchspiel Weilmünster: 

281 ) Weilmünster mit 3 Mühlen. 

282) Audenschmiede mit 1 Eisenhütten- 
werk. 

283) Emsthausen mit 1 Mühle. 

284) Rohn Stadt mit 1 Mühle. 

285) Aulenhausen. 

286) Lützendorf mit 1 Mühle. 

287) Dietenhausen. 

288) Möttau. 

III. Das Amt Merenberg:. 



Kirclispicl Altenkirchen: 

289) Altenkirchen. 

290 ) Pliilippstein mit 1 Papier- und 
Mahlmühlc und dem Hof Einhaus. 

Kirchspiel Langenbach: 

291) Langenbach mit 1 Mühle. 



Graf Johann I. zu Nassau-Weilburg 



der Sohn Gerlachs, heirathete 1333 Gertrud von Merenberg, die Erb- 



267 



tochter Hartiads, und ererbte mit ihr die Herrschaften Merenberg und 
Gleiberg. 



Kirchspiel Merenberg: 

292) Merenberg mit 1 Mühle. 

293) Barig. 

294) Seibenhausen mit 3 Mühlen. 



Kirchspiel Allendorf: 

295) Allendorf. 

296) Hassclbach. 

297) Reichenborn mit 2 Mühlen. 



Bis zum Jahre 1773 gehörten zu dem Amte Merenberg noch die 
Ortschaften Rückcrshausen, Neunkirchen und Hüblingen, welche dann 
an Nassau-Oranien gegen dessen Mitbesitz am Amte Löhnberg abge- 
treten wurden. 

IV. Das Amt Löhnberg. Es fiel bei der Brudertheilung von 
1255, als rechts der Lahn gelegen, an die Ottonische Linie. Ein Viertel 
kam durch Tausch 1536 an Nassau- W^eilburg, welches die übrigen drei 
Viertel im Jahre 1773 ebenfalls eintauschte. (Vgl. III. bei Merenberg.) 



298) Löhnberg. 

299) Odersberg. 



300) Waldhausen. Odersberg und Wald- 
hausen pfarren nach Weilburg. 



V. Das Amt Reicheisheim. Graf Philipp I. zu Nassau-Weil- 
bin-g tauschte dasselbe 1416 gegen seinen Antheil am Gerichte Gam- 
bach von den Herren von Falkenstein ein. 

301) Reicheisheim mit 1 Mühle, 

VI. Das Zw ei herrische, ein uralt Nassauisches Besitzthum, 
das bis zum Jahre 1303 beiden Hauptlinien, der Walramischen und 
Ottonischen, gemeinsam zugehörte. Bald darauf erscheint jedoch die 
Walramische Linie im alleinigen Besitz, der auch bei derselben als 
Gemeinschaft blieb, bis Nassau-Saarbrücken-Üsingen 1778 seinen Antheil 
an Nassau- Weilburg gegen dessen Mitbesitz am Vierherrischen und Drei- 
herrischen abtrat, so dass von dieser Zeit ab das Zweiherrische Nassau- 
Weilburg allein zugehörte. 



Amt Miehlen. 

302) Miehlen, Pfarrort, mit 9 Mahl- und 
Oelmühlen und dem Hofe Aftholder- 
bach. 

303) Endlichhofen, eingepfarrt nach Rup- 
pertshofen, Niedere Grafschaft 
Catzenelnbogen. 

304) Rettert, Pfarrort. 



Vogtei Schönau, 

Kirchspiel Welterod: 

305) Schönau. 
306 ) Lipporn. 
;^.07) Strüth. 

308) Welterod mit den Höfen Angscheid 
und Rüdel. 



VII. Das Amt Gleiberg, erworben 1333 durch Johann's I. von 
Nassau- Weilburg Gemahlin Gertrud von Merenberg. (Vgl. III. bei 
Merenberg). Hartrad III. von Merenberg hatte die Hälfte erheirathet 
mit Irmgard, der Tochter des letzten Grafen von Gleiberg, während 



268 

die andere Hälfte durch Irmgards Schwester Salome an Hugo von Eber- 
stein, und von diesem durcli seine Tochter Mechtild an den Pfalzgrafen 
Rudolph gekommen war, der sie 1265 an den Landgrafen Heinrich 1. 
von Hessen verkaufte. Seitdem besassen Nassau und Hessen Gleiberg 
gemeinschaftlich, bis es 1585 zur Theilung kam, in der folgende Orte 
au Nassau fielen. — Das Amt wurde 1816 an Preussen abgetreten. 

309) Atzbach. 316) Aich. 

310) Crofdorf. 317) Salzböden. 

311) Dorlar. 318) Odenhausen. 

312) Gleiberger Forst. 319) Vczbeig. 

313) Garbenheim. 320) WLssmar. 

314) Kinzenbach. 321) Volpertshausen. 

315) Launsbach. 382) Weidenhausen. 

VIII. Das Amt Hütteuberg wurde auf dieselbe Weise, wie 
Gleiberg, erworben und mit Hessen-Darmstadt in Gemeinschaft besessen, 
aber erst 1703 zwischen beiden getheilt. Nassau- Weilburg erhielt dabei 
zu seinem Antheil, der 1816 an Preussen abgetreten wurde, folgende 
Ortschaften : 

323) LützelUnden. 327) Uornholzhausen. 

324) Hörnsheim. 328) Grossrechtenbach. 

325) Hochelheim. 329) Dutenhofen. 

326) Niedercleen. 

sowie die nicht zum eigentlichen Amte Hütteuberg gehörigen Orte: 
330) Volnkirchen. 331) Kleinrechtenbach. 

IX. Ein Drittel der Grafschaft Saar wer den und die Vogtei 
Herbitzheim, letztere ein in der Grafschaft gelegenes Fiuuenstift, 
welches 1544 von der letzten Aebtissin an Nassau-Saarbrücken cedirt 
worden war. (Ueber die Erwerbung von Saarwerden vgl. §. 16, X.) 
Der Weilburgische Antheil ist gleich dem Usingischen 1815 bei Frank- 
reich verblieben. Sämmtliche Gemeinden bildeten das Amt Neu saar- 
werden. 

332) Sulzen. 338) Rinsdorf und Buscher Bann. 

333) Herbitzheim und St. Michel. 339) Völlerdingen und Hemmeldingcr 

334) Keesskastel und Luderbacher Bann. Bann. 

335) Schopperten. 340) Burbach. 

336) Neusaarwerden. 341) Eyweiler. 

337) Zollingen, Ristorf und Hegnisser 
Bann. 

X. Die Herrschaften Kirch heim und Stauf, erworben 1394 
durch die Heirath des Grafen Philipp I. zu Nassau-Saarbrücken mit 
Anna von Hohenlohe, der Enkelin des Grafen Heinrich II. von Spon- 
heim, genannt Bolanden. (Vgl."§. 16. XII.) Die Herrschaften kamen 
1815 an Bayern. 



269 

a. Herrschaft Kirchheim. 

342) Kirchheim. 349) Morsheim. 

343) Bischheim, 350) Orbis. 

344) Rolanden. 351) Oberwiesen. 
345 ) Marnheim. 352 ) Dannenfels. 

346) Dreis. 353) Bennhauüen. 

347) Albisheim. 354) Russingen. 

348) Küdersheim. 

Zur Herrschaft Kirchheim gehörte ferner der bei Stromberg im 
Kreise Kreuznach liegende Ort 

355 ) Waldlaiibersheim, 

der von dem Grafen Ludwig II. von Weilburg und Saarbrücken an 
die Brüder Theoderich und Otto von Schönberg (Schonenburg) bei 
Oberwesel wiederlöslich verkauft und nach dem Aussterben dieses Ge- 
schlechtes in männlicher Linie durch Urtheil des Reichskammergerichts 
vom 25. Mai 1787 Nassau- Weilburg restituirt worden war. 

b. Herrschaft St au f. 

356) Göllheim. 360) Kerzenheim. 

357) Stauf. 361 ) Sippersfeld. 

358) Ramsen. 362) Breunchweiler. 

359) Eisenberg. 

c. Gemeinschaftlich mit Frankenstein. 
263) Börstadt. 

d. Gemeinschaftlich mit Lein in gen. 

364) Steinbach. 

XI. Das Amt Alsenz, früher den Wild- und Kheingrafen ge- 
hörig, wurde 1755 von Pfalz-Zweibrücken eingetauscht und dann so- 
gleich an Nassau- Weilburg gegen dessen ^/a an Homburg bei Zwei- 
brücken (Vgl. §. 3.) abgetreten. Die übrigen ^'o an Homburg, die 
Nassau-Saarbrücken besass, tauschte Pfalz-Zweibrücken gegen Ober-, 
Mittel- und Nieder-Bexbach ein (§. 16, VIII). Das Amt kam 1815 
an Bayern. 

365) Alsenz. 367) Niederhausen. 

366) Winterborn. 

XII. Die Grafschaft Sayn-Hachenburg. Louise Isabelle, Tochter 
Wilhelm Georg's, Burggrafen zu Kirchberg und Grafen von Sayn- 
Hachenburg ererbte 1799 die Grafschaft (mit Ausnahme des Bannes 
Maxsayn, der an Wied-Neuwied fiel) von ihrem Grossoheim, Johann 
August, dem letzten Burggrafen zu Kirchberg, und brachte sie ihrem 
Gemahl, dem Fürsten Friedrich Wilhelm zu Nassau-Weilburg zu. Ein 
Theil derselben kam 1815 an Preussen. 



270 



Kirchspiel Hachenburg: 

368) Haohenburg mit 1 Mtihle und den 
Höfen Kleeberg und Brennershof. 

Kirchspiel Alpcnrod: 

369) Alpcnrod. 

370) Dehlingcn. 

371) Hirtscheid mit 1 Mühle. 

372) Lochum. (Die östliche Hälfte war 
Oranisch.) 

Kirchspiel Altstadt: 

373) Altstadt mit dem Hole Bell. 

374) üehlert mit 1 Mühle. 

375) Merkelbach. 

376) Mittclhattert. 

377) Hütte. 

378) Niederhattert. 

379) Laad. 

380) Oberhattert, links des Baches. 

381) Nistec mit 1 Hammer und dem 
Nanborger Drahtzug. 

382 ) Wied. 

383) Müschenbach. 

Kirchspiel Höchstenba ch: 

384) Höchstenbach mit 2 Mahlmühlen 
und 1 Papiermühle. 

385) Berod. 

386) Borod. 

387) Mündersbach mit 1 Mühle. 

388) Wahlrod. 

389) Welken bach. 

390) Winkelhach. 

Kirchspiel Kroppach: 

391) Kroppach. 

392) Astert. 

393) Atzelgift. 

394) Giessenhausen. 

395) Heimbom. 

396) Ehrlich. 

Folgende Kirchspiele kamen 

Kirchspiel Bim bach: 

424) Birnbach. 

425) Hasselbach. 

426) Hemmelzen. 
427a.) Hilkhausen. 
427b.) Jrrlcn. 

427 c.) Wiesplacken. 

428) Leingen. 

429) Werk hausen. 

430) a. Hof Acker. 



397) Hcuzert mit 1 Mühle. 

398) Kundert mit 1 Mühle und den 
Höfen Lauterbach und Lützelau. 

399) Limbach mit 1 Drahtzug. 

400) Luckenbach. 
401 ) Marzhausen. 

402) Mudenbach mit 1 Pulvermühle. 

403) Hanwerth mit 1 Eisenhammer. 
101 ) Niedermörsbach. 

405) Wintershof. 

406) Burbach. 

407) Oberhattert, rechts des Baches. 

408) Obermörsbach. 

409) Streithausen. 

410) Wingert. 

411) Stein mit 1 Mühle. 

412) Altburg. 

413) Ahlhausen. 

Zu dem Kirchspiel gehörten ferner: 

413'/-') Die herrschaftl. Höfe: Eicharts- 
hof, Kellershof, der Streithäuserhof, 
Eigenthumshof und Sophienthal. 

Kirchspiel Kirburg: 

414) Kirburg. 

415) Bretthausen. 

416) Korb mit 1 Reckhammer. (War 
zur Hälfte Oranisch.) 

417) Langcnbach mit 1 Mühle. 

418) Lautzenbrücken mit 1 Mühle und 
dem Hohensayner Hof. 

419) Morien mit 1 Mühle. 

420) Norken mit 1 Oelmühle. 

421 ) Neunkhausen mit 1 Mühle und den 
Allenkloster Höfen. 

Kirchspiel Rossbach: 

422) Oberrossbach mit 1 Mühle. 

423) Niederrossbach. 

1815 an Preussen: 

430b.) Hof Ochsenbruch. 

431) Marenbach. 

432) Neidersen. 

433) Fladersbach. 

434) Niederölfen. 

435) Oberölfen. 

436) Oberirsen. 

437) Rimbach. 

438) Weyerbusch. 

439) WöUmersen. 



271 



Kirchspiel Flam mersfeld: 


479) Hergetsau. 




440) Flamn\ersfeld. 


480) Heckenhof. 




441 ) Hüben. 


481) Hof Kohlerich. 




442) Eichen. 


482) Forst. 




443) Gellorshofen. 


483) Holge. 




444) Roth. 


484) Kaitau. 




445) Kafferoth. 


485) Hof Neuhi.fchen. 




446) Hof Diisternau. 


486) Dellingen. 




447) Dasbach. 


487) Oberseifen. 




448) Hückenhahn. 


488) Hof Wäldchen. 




449) Hof Kid. 


489 ) Lechenbach. 




450) Keescheid. 


490) Pürthen. 




451 a.) Püscheid. 


491) Opsen. 




451b.) Hardt. 


492) Hof Kappenstein. 




452) Ahlbach. 


493) Hof Mümmelbach. 




453) Berg. 


494 ) Oppertsau. 




454) Krampen. 


495) Scheidt. 




455) Hahn. 


496) Pracht. 




456) Orfgen. 


497) Wickhausen. 




457) Ziegenhan. 


498) Niederseifen. 




458) Schürdt. 


499) Hof Bitzbruch. 




459) Reiferscheidt. 


500) Hassel. 




460) Strickhausen 


501) Roth. 




461) Seelbach. 


502) Hämraerholz. 




462) Waltersen. 


503) Oettershagen. 




Kirchspiel Hamm. 

463) Hamm. 

464) Breitscheid. 

465) Unterschützen. 

466) Hof Thalhausen. 

467) Heide. 

468) Birkenbeul. 


504) Thal. 

505) Hohensayn. 

506) Oberselbach. 

507) Niederaelbach. 

508) Marienthal. 

509) Ueckertseifen. 

510) Niederirsen. 




469) Weisenbrüchen. 


Kirchspiel Schöne 


berg 


470) Kratzhahn. 


511) Schöneberg. 




471) Pfaffenseifen. 


512) Berzhausen. 




472) Bruchertseifen. 


513) Bettgenhausen. 




473) Langenbach. 


514) Wahlhard. 




474) Hadersen. 


515) Neitersen. 




475) Bitzen. 


516) Niederähren. 




476) Dünebusch. 


517) Obernau. 




477) Pirzenthal. 


518) Seifen. 




478) Etzbach. 







§. 18. 
BesilzuDgeu der Ottooischeu Linie Nassau-OranieD. *) 

I. Das Fürstenthum Dillenburg, ein uralt Nassauisches Besitz- 
thum, das 180G an das neu gegründete Grossherzogthum Berg, im 

*) „Nassau-Oranien" wurde diese Linie des Nassauischen Hauses von Kaiser und 
Reich, wie von den beiden höchsten Reichsgerichten genannt ; der Prinz von Oranien 
und seine Behörden bedienten sich dagegen stets der Bezeichnung »Oranien-Nassau". 



272 



December 1813 wieder an Oranien , 1815 aber an das Herzogthum 
Nassau kam. 



a. Amt Dillenburg. 

Kirchspiel Dillenburg: 

519) Dillenburg mit 1 Kupferhütte, 1 
Eisenhammer, 3 Mahlmühlen, I 
Schneidmühle und 1 Walkmülile. 

52U) Niederscheid mit 2 Mühlen. 

521) Oberscheid mit 1 Mühle. 

522) Eibach mit 1 Mahlmühle. 

523) Nanzenbach mit 2 Mühlen. 

524) Donsbach mit 1 Mühle. 

525) Der herrschaftliche Hof Feldbach. 

b. Amt Haiger. 

530) Haiger mit 1 Eisenschmelzhütte, 1 
Eisenhammer und 3 Mühlen. 

531) Langenaubach mit 1 Mühle. 

532) Flammersbach. 

533 ) Allendorf mit 1 Mühle. 

534) Haigerseelbach mit 1 Mühle. 

535) Steinbach mit 1 Kupferschmelzhütte. 

c. Amt Herborn. 
Kirchspiel Herborn: 

543) Herborn mit 1 Papiermühle, 2 Mahl- 
mühlen, 1 Kalk- und Ziegelhütte. 

544) Burg mit 1 Mühle. 

545) ückersdorf mit 1 Papier- u. Mahl- 
mühle. 

546) Amdorf. 

547) Hörbach mit 1 Mühle. 

548) Hirschberg mit dem herrschafl. 
Hofe. 

549) Sinn mit dem herrschaftlichen Hofe, 
1 Papier- und Mahlmühle. 

Kirchspiel Schönbach: 

550) Schönbach mit dem herrschaftlichen 
Hof und 2 Mühlen. 

551) Roth. 

d. Amt Ebersbach. 

Kirchspiel Ebersbach: 

562) Strassebersbach mit 2 Mühlen. 

563) Bergebersbach. 

564) Mandeln mit 1 Mühle. 

565 ) Steinbrückea mit 1 herrschaftlichen 
Eisenhammer und 1 Mühle. 



520) Das herrschaftliche Haus Ludwigs- 
brunn oder das alte Haus (jetzt 
Ruine). 

527 ) Das herrschaftliche HausKatharinen- 
brunn oder das neue Haus, 

Kirchspiel Frohnhausen: 

528) Frohnhausen mit 2 Mühlen. 

529) Wissenbach mit 2 Mühlen. 



536) Rodenbach mit 2 Mühlen. 

537) Fellerdilln mit 1 Mühle. 

538) Dillbrecht mit 1 Mühle. 

539) Niederrossbach. 

540) Manderbach. 

541 ) Haigerhütte. 

542) Sechshelden mit 2 Mühlen. 



552) Gondersdorf mit 2 Mahl- und 1 
Schneidmühle. 

553) Erdbach mit 2 Mühlen. 

Kirchspiel Breit scheid: 

554) Breitscheid. 

555) Medenbach mit 2 Mühlen. 

Kirchspiel Fl eis b ach: 

556) Fleisbach. 

557) Merkenbach. 

Kirchspiel Ballersbach: 

558) Ballersbach mit 1 Mühle. 

559) Herbornseelbach mit 1 Mühle. 

Kirchspiel Bicken: 

560) Bicken mit 2 Mühlen. 

561) Oflenbach mit 1 Mühle. 



566) Eibeishausen mit 1 herrschaftlichen 
Eisenhütte, 1 Eisenhammer und 3 
Mühlen. 

567) Weidelbach mit 1 Mühle. 

568 ) Oberrossbach mit 2 Mühlen (gehörte 
zur Hälfte in das Kirchspiel Haiger.) 



273 



569) Omiilln mit 1 Mühle. 

570) Kittershausen mit 1 Mühle. 

e. Amt Triü genstein. 

Kirchspiel H i r z e n li a i n : 

572) Hirzenhain mit 1 Mühle. 

573) Eyershausea mit 2 Mühlen. 

Kirchspiel Eisemroth: 

574) Eisemroth mit 2 Mühlen. 



571) Neuhütte mit 
Eisenhütte. 



1 herrschaftlichen 



575) Tringenstein. 

576) Wallenfels. 

577) Oberndorf mit 3 Mühlen. 

578) Uebernthal mit 1 Mühle. 



f. Amt Burbach, kam 1816 an Preussen. 

582) Holzhausen. 



Kirchspiel Niederdresselndorf, 
oder der Hickengrund: 

579 ) Niederdresselndorf. 

580) überdresselndorf. 

581 ) Lützeln. 

g. Amt Driedorf. 

Kirchspiel Driedorf: 

583) Driedorf mit 1 herrschaftlichen Hofe 
und 3 Mühlen. 

584) Rodenberg. 

585) Seilhofen mit 1 Mühle. 
.586) Münchhausen. 

587) Mademühlen mit 1 Mühle. 

588) Hohenroth. 

589) Heisterberg. 

590) Waldaubach. 

591) Rabenscheid mit 1 Mühle. 

Das mit Trier gemeinschaftliche Amt Wehrheim, welches in 
dem Nassau-Oranischen Hof- und Staatskalender zum Fürstenthum 
Dillenburg gezählt wiixl, folgt bei den gemeinschaftlichen Besitzungen 
§. 20, F. II. 

II. Das Fürstenthum Siegen, eine uralt Nassauische Besitzung, 
die bei der Brudertheilung von 1255 der Ottonischen Linie zufiel. Das 
Fürstenthum kam 1806 zum Grossherzogthum Berg und 1815 an 
Preussen. 



Der übrige Theil des Amtes, näm- 
lich der Grund Seel- und Burbach, folgt 
bei den gemeinschaftlichen Besitzungen 
§. 20, D. 



592) Gusternhain. 

593) Heiligenborn. 

Aus der Herrschaft Beilstein 
das Kirchspiel B e i 1 s t e i n : 

594) Beilstein mit 2 Walkmühlen. 

595) Wallendorf mit 1 Oelmühle. 

596) Rodenroth. 

597) Haiern mit der Pfalzmühle. 



a. Amt Siegen. 

Kirchspiel Si egen ; 

598) Siegen. 

599) Marienbom. 

600) Caan. 

601) VoUnsberg. 

602) Bürbach. 

603) Fickenhütten. 

604) Münckerahütten. 



605) Vor der Haard. 

606) Schneppenkauten. 

607) Meinhard. 

608) Müssnershütten. 

609) Weidenaa. 

610) Buschgotthardshütten. 

611 ) Klafeld. 

612) Geisweid. 

18 



274 



613) Dillnhütten. 

614) Birlenbach. 

615) Hof Sohlbach. 

616) Truppach. 

617) Seelbach. 

618) Gosenbach. 

619) Acheiibach. 

620) Niederscheiden. 

Kirchspiel Rüdgeu: 



622) Niederdilfen. 

623) Oberdilfen. 

624) Übersdorf. 

625) Kinsdorf. 

626) Eisern. 

627) Willesdorf. 

628 ) Das herrschaftliche Haus Winchen- 
bach. 

629) Das herrschaftl. Haus Hengstbach. 

630) Wilgersdorf. 



621) Rüdgeu. 

Im Amte Siegen befanden sich 12 Eisenhämmer, 9 Eisenhütten 
3 Keckhämmer, 2 Kupferhütten, 1 Hammerhütte und 4 Mahlmühlen. 

b. Amt Netphen. 



Kirchspiel Netphen: 


650) Niedersetzen. 


631) Obernetpheu. 


651) Unglinghausen. 


632) Niedernetphen. 


652) Eckmannsliausen. 


633) Dreisbach. 


653) Fronhausen. 


034) Tiefenbach. 


654) Oelgershausen. 


635) Beyenbach. 


655) Aflfholderbach. 


636) Brauersdorf. 


656) Sohlbach. 


637) Deutz. 


657) Eschenbach. 


638) Crissenbach. 


658) Obernau. 


639) Nenkersdorf. 


659) Nauholz. 


640) Walpersdorf. 


Kirchspiel Irmgarteichen: 


641) Feuersbach. 


660) Hainchen. 


642) Anzhausen. 

643) Breitenbach. 


J 

661) Der Lahnhof unfern der Lahnquelle 

662) Werternbach. 


644) Flammersbach. 


645) Herzhauseu. 


663) Helgersdorf. 


640) Hof Mausthal. 


664) Salchendorf. 


647) Hof Buchen. 


665) Gernsdorf. 




660) Rüdersdorf. 


648) Hillenhütten. 


649) Obersetzen. 





Im Amte Netphen befanden sich 1 Silberhütte, 1 Eisenhütte, 
3 Reckhämmer, 3 Eisenhämmer und 10 Mahlmühlen. 



c. Amt Hilchenbach. 

Kirchspiel Hilchenbach: 

667) Hilchenbach. 

668) Lützel. 

669) überndorf. 

670) Hadern. 

671) Grund. 

672) Helberhausen. 

673) Vorm Wald. 

674) Altebruch. 

675) Siebeinhof. 



676) Dietebruch. 

677) Schreiberg. 

678) Sterzenbach. 

679) Watzenseifen. 

680) Haarhausen. 

681 ) Stöcken. 

682) AUenbach. 

683) üechelhausen. 

684) Ruckersfeld. 

685) Das herrschaftl. 



Haus Ginsberg. 



275 



Kirchspiel Musen: 

686) Musen. 

687) Dahlbruch. 

688) Schweisfiirt. 

689) Winterbach. 

Kirchspiel C r o m b a c h : 

690) Crombach. 

691 ) Stift Keppel. 

692) Litfeld. 

693) Hof Burgholdinghausen. 

694) Eichen. 

695) Stendebach. 

Kirchspiel Ferndorf: 

696) Ferndorf. 

Im Amte Hilchenbach befanden sich 2 Silberhütten, 5 Stahlhütten, 
1 Stahlraffiuirhammer, 1 Stahlhammer, 1 Eisenhammer, 1 Reckhammer, 
1 Pulvermühle, 2 Schniipftabaksmühlen, 8 Mahlmühlen, 3 Walkmühlen, 
1 Oelmühle, 2 Schneidmühleu, 4 Lohmühlen. 



697) Ernsdorf. 

698) Boschhütten. 

699) Bottenbach. 

7U0) Dillnhütten vor der Brücke. 

701) Credenbach. 

702) Haus Lohe. 

703) Bockenbach. 

704) Fellinghausen, Weiden und Dorn- 

sei t'en. 

705) Die Junkernhees. 

706) Osthelden. 

707) Hof Buchen. 

708) Das herrschaftl. Haus Langenau. 



d. Amt Freudeuberg. 

Kirchspiel Freudenberg: 

709) Freudenberg. 

710) Böschen. 

711) Anstoss. 

712) Eichen. 

713) Bockseifen. 

714) Mausbach. 

715) Hohenhain. 

716) Stöcken. 

717) Asdorf. 

718) Plittershagen. 

Kirchspiel Oherholzklau: 

719) Oberholzklau. 

720) Obern hees. 
721 ) Mittelhecs. 

722) Hof Wurmbach. 

723) Meiswinkel. 



724) Langenholdingshausen. 

725) Niederholzklau. 

726) Alchen. 

727) Lindenberg. 

728) Bühl. 

Kirchspiel Oberfischbach; 

729) Oherfischbach. 

730) Oberscheiden. 

731) Niederndorf. 

732) Dirlenbach. 

733) Niederheuslingen. 

734) Oberheuslingen. 

735) Zeidebach. 

736) Bottenberg. 

737) Heisberg. 



Im Amte Freudenberg befanden sich 7 Stahlhämmer und 3 Mahl- 



Linie Nassau-Siegen 



mühlen. 

Zur Zeit der reformirten und katholischen 
gehörten : 

a. 7Ai dem reformirten Antheile: 1) das Amt Siegen mit Aus- 
nahme der von 603—609 aufgezählten Ortschaften, sowie des Kirch- 
spiels Rüdgen, welche das Amt vor dem Hayn bildeten; 2) das Amt 
Hilchenbach; 3) das Amt Freudenberg; 

b. zu dem katholischen Antheile: 1) das Amt Netphen, wel- 



276 

ches in das Niedergericht und Obergericht getheilt war; 2) das eben 
genannte Amt vor dem Hayn. 

in. Das Fürstenthum Diez, ursprünglich eine eigene Grafschaft, 
dessen Grafengeschlecht 1388 mit Gerhard VII. ausstarb. Durch seine 
an den Grafen Adolph von Nassau, Ottonischer Linie, (f 1420) ver- 
heirathete Tochter Jutta, welche ebenfalls nur eine an Gottfried von 
Eppstein verheirathete Tochter Jutta hinterliess, kam die Grafschaft zur 
Hälfte an Nassau, zur Hälfte an Eppstein. Letzteres verkaufte V 4 davon 
im Jahre 1453 an den Grafen Philipp von Catzenelnbogen, so dass nun 
die Grafschaft dreiherrisch wurde, Nassauisch, Eppsteinisch und Catzen- 
elnbogisch. Solches dauerte über 100 Jahre, bis nach Beilegung des 
grossen Streites , den Nassau mit Catzenelnbogen führte , durch den 
Frankfurter Vertrag von 1557 Hessen als Erbe und Inhaber von Catzen- 
elnbogen sein Viertel au der Grafschaft Diez mit den Aemtern Camberg, 
Weilnau (§. 16, I, b), Wehrheim, Ellar, Driedorf, so viel Hessen daran 
iune gehabt hatte, und der Hälfte von Hadamar an Nassau abtrat. 
Ein neuer Streit zwischen Nassau und Trier, welches das Eppsteinische 
Viertel der Grafschaft an sich gebracht hatte, wurde 1564 dahin ver- 
glichen, dass Trier zu seinem Antheile die Eärchspiele Salz, Meudt, 
Hundsangeu, Nentershausen und Lindeuholzhausen, nebst den Dörfern 
Dietkirchen (§. 10) und Creuch (zwischen der Vorstadt Limburg und 
der Eibbrücke gelegen, 1790 noch aus einem Hause bestehend) erhielt, 
während bei Nassau die Kirchspiele Diez, Flacht, Hahnstätten, Dauborn, 
Dehrn. Rennerod und Rotzenhahn blieben. 



a. Amt Diez. 

Kirchspiel Diez: 

738) Diez. 

739) Das herrschaftl. Sclüoss Oranien- 
stein. 

740) Der Oraniensteiner Viehhof nebst 
der Mühle und dem Fahrhaus. 

Kirchsjjiel Alten diez: 

741a.) Altendiez. 
741b.) AuU. 

742) Heiijtenbach mit einer Kalk- und 
Ziegelbrennerei. 

743) Gückingen. 

744) Hambach. 

Kirchspiel F r e i e n d i e z : 

745) Freiendiez mit 1 herrschaftlichen 
Papiermühle. 

746) Birlenbach. 



747) Fachingen mit 1 herrschaftlichen 
Sauerbrunnen. 

748) Hof Jacobs-Gelände. 

Kirchspiel Staffel: 

749) Staffel. 

Kirchspiel Hirsch her g: 

750) Hirschberg. 

Kirchspiel Flacht: 

751) Flacht. 

752) Niederneisen. 

753) Holzheim mit der Ruine Ardeck, 
1 Mühle und 1 lleckhammer. 

Kirchspiel Hahnstätten: 

754) Hahnstätten mit dem herrschaftl. 
Burggute. 

755 ) Kaltenholzhausen. 



277 



Kirchspiel überneisen: 

756) Oberneisen. 

757) Netzbach. 

7§8) Lohrheim mit der Hörbacher und 
Wirthmühle. 

Kirchspiel Obernhof: 
ein altes Besitzthum der Ottonischen 
Linie und nicht zur alten Grafschaft 



Diez gehörig, aber diesem Fürsten- 
thum administrativ zugetheilt. 

759) Obernhof mit der Neuborner und 
Leopoldiner Kupferhütte. 

Zum Kirchspiel Mensfelden gehörig: 

760) Linter. 



b. Amt Dauborn: 

Kirchspiel Dauborn: 

761) Dauborn. 

762) Eufingen. 

763) Neue Herberge. 



764) Hof Gnadenthal und Mühle. 

765) Adeliger Hof Hausen. 

766) Eisberger Mühle. 



Aus der Herrschaft Beilstein, die 1341 einer besonderen Linie 
den Namen gab, wurde 1782 hierher gezogen: 

c. Amt Marienberg: 



Kirchspiel Marienberg: 

767) Marienberg mit der Filgerischen 
Mühle. 

768) Langenbach mit 1 Mühle. 

769) Hardt. 

770) Erbach mit 1 Mühle. 

771) Unnau. 

772) Korb, Nassauischer Seits,m. 1 Mühle, 
der andere Theil gehörte zu Sayn- 
Hachenburg. 

773) Bölsberg. 

774) Stangenroth. 



775) Zinnhain. 

776) Eichenstruth. 

777) Grossseifen. 

778) Illfurth. 

779) Bach mit 2 Mühlen. 

780) Pfuhl. 

781) Stockhausen mit einem Holzkohlen- 
bergwerk. 

782) Ritzhausen. 

783) Fehl mit 1 Mühle. 
781) Hof. 



Von dem Amte Rennerod waren dem Amte Marienberg 1782 zu- 
getheilt worden: 



Kirchspiel Höhn: 

785) Höhn mit einem Holzkohlenbergwerk. 

786) Oellingen. 

787) Ailertchen mit 1 Mühle. 

788) Hinterkircheu. 

789) Hölseuhausen. 

790) Püschen. 

791) Draisbach mit 1 Mülile. 

792) Kackenberg. 

793) Schönberg. 

794) Urdoif mit 1 Mühle. 

795) Hahn. 

796) Die Hilpisch Mahl- und Oelmühle. 

797) Die Eisenberger Mahl- u. Oelmühle. 



798) Die Bruchmühle. 

799) Die Hartermühle. 

Kirchspiel Kotzen ha hu: 

800) Rotzenhahn. 

801) Bellingen. 

802) Langenhahn. 

803) Hintermühlen mit 1 Mühle. 

804) Lochum, Nassauischer Seits, die an- 
dere Hälfte war Sa^ni-Hacheubur- 
gisch. 

805) Todtenbcrg mit 1 Mühle. 

806) Enspel. 

807) Büdingen mit 1 Mülile. 

808) Stockura mit 1 Mühle, 



278 



TV. Das Fürstenthum Hadaraar. Wie in §. 10 bemerkt wurde, 
war die Hadamarer Mark ein alt Nassauisches Besitzthum, jedoch ohne 
Landeshoheit, welche erst durch den Grafen Emich zu Nassau 1333 von 
den Grafen von Diez erworben wurde. Sein Sohn Johann kaufte von 
den Grafen von Diez 1337 dazu: Burg und Thal Ellar mit den Centen 
Lahr, Eisoff, Frickhofen und Zeuzheim. Das Gericht Niederhadamar 
mit den dazu gehörigen Kirchspielen Offheim, Oberw^eyer und dem Dorfe 
Dehrn kam durch den Frankfurter Vertrag (vgl. oben III bei Diez) an 
Nassau. 

a. Amt Hadamar. 
Kirchspiel Hadamar: 

809) Hadamar mit dem Schlosshof, der 
Stadtraühle und Ostermannsmühle. 

810) Faulbach. 



Kiixhspiel Niederhadamar: 

811) Niederhadamar mit 3 Mühlen, der 
Blech-, Neu- und Prötzenmühle. 

812) Malmeneich, Nassauischen Theiles, 
der andere Theil war Trierisch. 
Vergl. Nr. 1832. 



Zur Pfarrei Dietkirchea gehörig: 

814) Dehrn mit 2 Mühlen. 

Kirchspiel Oberweyer: 

815) Oberweyer. 

816) Niederweyer. 

817) Ahlbach. 

818) Niedertiefenbach. 

819) Steinbach. 

Kirchspiel Zeuzheim: 

820) Niederzeuzheim mit 3 Mülilen. 

821) Thalheim mit 1 Mahl- n. Oelmühle. 

822) Oberzeuzheim. 

823) Hangenmeilingen. 

824) Heuchelheim mit 6 Mühlen. 



Kirchspiel Off heim: 
813) Offheim. 

b. Amt Kenner od. 

Kirchspiel Rennerod: 

825) Rennerod mit 2 Mühlen. 

826) Waldmühlen mit 3 Mühlen. 

827) Hellcnhahn. 

828) Schellenberg. 

829) Neustadt mit 2 Mühlen. 

830) Pottum, 

Aus der Herrschaft Beilstein wurden 1782 dem Amte Rennerod 
zugetheilt die Kirclispiele Emmerichenhain, Neukirch und Liebenscheid. 

Kirchspiel Emmerichenhain: Kirchspiel Neukirch: 

834) Eramerichenhain mit dem herr- 843) Neukirch. 



Kirchspiel Irmtraut: 

831) Irmtraut. 

Kirchspiel Seck: 

832) Seck. 

833) Dappericher Hof. 



schaftlichen Hofe und der Mühle, 

835) Relie mit 1 Mühle. 

836) Homberg. 

837) Waigandshain mit 1 Mühle. 

838) Möhrendorf mit 1 Mühle. 

839) Nister mit 1 Mühle. 

840) Salzburg. 

841) Oberrossbach. 

842a.) Niederrossbach mit 1 Mühle. 
842 b.) Zehnhausen. 



844) Stein. 

845) Bretthausen. 
840) Willingen. 

847) Löhnfeld. 

Kirchspiel Liebenscheid: 

848) Liebenscheid mit 2 Mühlen. 

849) Weisenberg. 



279 



c. Amt Mengerskirclien, kam 1621 an Nassau-Hadamar. 



Kirchspiel Mengerskirchen: 
850) Mengerskirchen mit 4 Mühlen. 
851 ) Hof Mayenberg. 

852) Dillhausen mit 1 Sauerbrunnen und 
4 Mühlen. 

853) Probbach mit 1 Sauerbrunnen. 

854) Winkels mit 1 Oelmühle. 

Kirchspiel Neunkirchen: 
bis 1772 zum Weilburgischen AmtMeren- 
berg gehörig, dann an Nassau- 
Oranien abgetreten (§. 17, III). 



855) Neunkirchen. 

85G) Hüblingen mit 2 Mühlen. 

857) Rückershau.sen. 

Kirchspiel Eisoff: 

858) Eisoff. 

859) Hof Krempel mit 1 Mühle. 

860) Oberroth. 

861) Westernohe. 

8G2) Mittelhofen mit 2 Mühlen. 



Aus der Herrschaft Beilstein wurden dem Amte Mengerskirchen 
1782 zugetheilt die Kirchspiele Nenderoth und Niedershausen. 

Kirchspiel N ende roth: Kirchspiel Niedershausen: 

863) Nenderoth mit 1 Mühle. 867) Niedershausen mit dem herrschaftl. 

864) Arborn. Hofe und 1 Mühle. 

865) Odersberg. 8G8) Löhnberger Hütte. 

866) Der herrschaftl. Hof Johannisburg 869) Obershausen mit 1 Mühle, 
mit dem Sauerbrunnen. 



877) Dorndorf. 

878) Wilsenroth mit 1 Mühle. 

879) Langendernbach mit 3 Mühlen. 

880) Waldmannshausen mit 2 adeligen 
Höfen, 1 Papier-, Oel- und 2 Mahl- 
mühlen. 

881 ) Mühlbach. 

882) Dorchhcim mit 2 Mühlen. 



d. Amt Ellar. 

Kirchspiel Lahr: 

870) Lahr mit 2 Mühlen. 

871) Ellar mit 2 Mühlen. 

872) Hintcrmeilingen mit 1 Schlagmühle. 

873) Waldembach. 

874) Fussingen mit 2 Mühlen. 

875) Hausen mit 2 Mühlen. 

Kirchspiel Frickhofen: 

876) Frickhofen. 

V. Die Herrschaft Beiist ein, deren Ortschaften im Jahre 1782 
unter die Aemter Driedorf, Kennerod, Mengerskirclien und das Fürsten- 
thum Diez vertheilt wurden. Die Herrschaft bestand aus den Kirch- 
spielen: Beilstein (594—597), Marienberg (767—784), Emmerichen- 
hain (834—842), Neukirchen (843—847), Liebenscheid (848—849) 
Nenderoth (863—866) und Niedershausen (867—869). 

Zu Nassau-Diez und später Oranien gehörte auch noch seit 1614 
die im Braunschweigischen unter der Oberhoheit des Herzogs von Brauu- 
schweig liegende Herrschaft Spiegelberg, bestehend aus den Orten: 
Coppenbrügge, Brünnigliausen, Brüllesen, Neustadt, Hohnsen, Herkeusen 
und dem adeligen Gute Oehrsen. 

Die zum Burgundischen Kreise gehörigen, sowie die niederländischen 
Besitzungen der Oranischen Linie sind oben in §. 12 angegeben. 



280 

§. 19. 
OrgaDisatioo der OraDisch-Deotschen Laode. 

In Dillenburg, wo der Sitz der hohen Dicasterien war, befanden 
sich: die Landesregieiiing, die Justizkanzlei, die Rentkammer, das Con- 
sistorium (zugleich geistliches und Ehegericht) und die Berg- und 
Hüttencommission. 

In Siegen war ein Füi-stliches Unterdirectorium. 

Das Militär bestand aus einem Kreis-Bataillon (7 Compagnien, 
jede zu 70 Mann, mit 1 Oberst, 1 Oberstlieutenant, 2 Majors, 4 Capi- 
tains, 3 Capitain-Commandanten, 9 Lieutenants, 7 Fähnrichen) und einer 
Compagnie Husaren von 50 Pferden, befehligt von 1 Major und 1 
Lieutenant. 

In Herborn war eine Hochschule mit 4 Facultäten. Im Jahre 
1794 docirten an der theologischen Facultät 2 Professoren, an der ju- 
ristischen 1, an der medizinischen 1, an der philosophischen 2. Ausser- 
dem fungirten 1 französischer und italienischer Sprachmeister, 1 Tanz-, 
Fecht- und Musikmeister und 1 Zeichenmeister. 

Von andern höhern Schulen gab es: ein lateinisches Gymnasium 
in Hadamar mit 5 Lehrern, ein Pädagogium in Herbom mit 5 Lehrern, 
und lateinische Schulen: zu Siegen mit 4 Lehrern, zu Diez mit 3 
Lehrern, zu Dillenburg mit 2 Lehrern. 

Die Geistlichkeit bestand: 

1) im Fürstenthum Dillenburg aus 24 protestantischen Pfarrern; 

2) im Fürstenthum Siegen aus 13 protestantischen und 7 katho- 
lischen Pfarrern; 

3) im Fürstenthum Diez aus 11 protestantischen Pfarrern; 

4) im Fürstenthum Hadamar aus 15 katholischen und 9 protestan- 
tischen Pfarrern. 

Die landesfürstlichen Einkünfte wurden auf 350,000 Gulden geschätzt. 



§. 20. 
Die gemeioschaftiichen Besitzungen. 

A. Gemeinschaftliche Besitzungen zwischen Nassau- 
üsingen und Nassau-Oranien. 

I. Das Amt Nassau, bestehend aus dem Dreihemschen und 
einem Theile des Vierherrischen. 

a. Das Dreiherrische, eine uralt Nassauische Besitzung, die 
bei der Brudertheilung von 1255 beiden Hauptlinien gemeinsam ge- 
blieben war (§. 1). Die Walramische Linie besass sie also in zwei 



281 



Stämmen zu einer, die Ottonische zur anderen Hälfte. Im Jahre 1778 
vertauschte Nassau- Weilburg sein '/4, nebst seinem Antheil am Vier- 
herrischen, an Nassau-Usingen gegen dessen Mitbesitz am Zweiherrischen 
(§. 17. VI), so dass von dieser Zeit an Usingen '/a, und Oranien 1/2 
des Dreiherrischen besass. 



Kirchspiel Nassau: 

883) Nassau. 

884) Hömberg. 

885) Scheuern mit 2 Mülilen. 
88G) Bergnassau. 

887) Burg Stein. 
Oberwies. 

Der untere Hof Guteiiau ; der obere 
gehörte dem Herrn von Stein 
und lag im Vierherrischen. 

Kirchspiel Dausen au: 
Dausenau mit 4 Oelmühlen u. dem 
Hofe Mauch. 



888) 
889) 



89U) 



891) Bad Ems, Dausenauer Seita. 

892) Kemmenau, Dausenauer Seits. 

893) Zimmerschied. 

Kirchspiel Dienethal: 

894) Dienethal mit 2 Mühlen. 
895); Misselberg. 

896) Sulzbach mit 2 Mühlen. 

Kirchspiel Becheln: 

897) Becheln. 



b) Das Vierherrische oder die Grafschaft Einrich. Keinbold 
von Isenburg, dessen Mutter eine Schwester und die Erbin des Grafen 
Ludwig in. von Arnstein, des Besitzers der Grafschaft, gewesen war, 
verkaufte dieselbe 1158 an die Grafen von Catzenelnbogen und Nassau, 
deren Nachkommen sie bis 1775 ungetheilt besassen, so zwar, dass 
Hessen als Erbe von Catzenelnbogen die Hälfte, und die Nassauischen 
Linien die andere Hälfte hatten. Gemäss der Nassauischen Hauptthei- 
lung war also Oranien im Besitz von V-«, und zuletzt Usingen und 
Weilburg im gemeinsamen Besitze des übrigen ^4. Das ganze Gebiet 
war dem gemäss in 3 Quartiere getheilt, das Hessische, Diezische oder 
Oranische, und Saarbrückische (Usingen und Weilburg). Jeder Quartier- 
herr hob die Contribiition in seinem Quartier, dagegen war Gerichts- 
barkeit und Gesetzgebung gemeinschaftlich. Im Jahre 1774 theilten 
Hessen und Nassau vollständig ab, wobei dann an Nassau folgende 
Ortschaften fielen, auf deren Mitbesitz jedoch 1778 Weilburg an Usingen 
gegen dessen Antheil am Zweiherrischen verzichtete (vgl. a. bei dem 
Dreiherrischen und §. 17. VI), und worauf dann Oranien und Usingen 
dieselben dem gemeinschaftlichen Amte i^assau zutheilten. 



Kirchspiel Singhofen 
(Hessisches Quartier): 

898) Singhofen mit 7 Mühlen. 

899) Hof Bubenliorn. (Nach Vogel, To- 
pographie von Nassau, soll derselbe 
Nassau-Idstein eig> iithümlich ge- 
wesen sein). 



900) Der obere Hof Gutenau, gehört 
dem Herrn von Stein. 

Kirchspiel Dornh olz hausen 
(Saarbrücker Quartier) : 

901) Dornholzhausen. 

902) Dessighofen mit 1 Mühle. 

903) Geisig mit 5 Mühlen. 

18* 



282 



Kirchspiel Marie nfels (Diezisches 
(Quartier) : 

9LI4J Marient'els mit 4 Mühlen. 

905) Ehr. 

906) Berg. 

907) Hunzel. 



Zum Kirchspiel Kördorf (Diezisches 

(Quartier), welcher Ort Hessen zu Theil 

fiel, gehörig: 

908) Attenhausen mit 3 Mühlen. 

909) Bremberg mit 2 Mühlen und dem 
Hofe Neidhofen. 



Diejenigen Kirchspiele, welche Hessen zu seinem Antheil erhielt, 
werden bei der Nieder-Grafschaft Catzenelnbogen verzeichnet. 

II. Das Amt Kirberg, ursprünglich den Grafen von Diez ge- 
hörig, welche 1355 die Hälfte an Nassau-Merenberg abtraten, von 
dem sie an Nassau-Saarbrücken und endlich an Usingen gelangte. 
Die andere Hälfte kam durch die Diezische Erbtochter Jutta an Adolph 
zu Nassau-Dillenburg und Siegen, und so an Oranien. 



Kirchspiel Heringen: 
914) Heringen. 



Kirchspiel Kirberg: 

910) Kirberg. 

911) Ohren mit 1 Mühle. 

Kirchspiel Nauheim: 

912) Nauheim. 

913) Neesbach. 

B. Gemeinschaftlich mitTrier besass Nassau-Usingen 
das Dorf 
914 a) Hasselbach mit 1 Mühle, 

davon es V* im Jahre 1427 von Trier gekauft hatte, das es später 
verpfändete und 1706 wieder einlöste. 

C. Gemeinschaft zwischen Nassau-Usingen undMainz. 

Das Amt W öl Istein, an dem Mainz ■^4 und Nassau-Saarbrücken 
V4 besass. Wie Nassau, das schon 1393 als mitberechtigt erscheint, 
in den Besitz kam, liegt nicht mehr vor; Mainz erlangte seine 3/4 im 
Jahre 1714 durch einen Vergleich mit Pfalz. Der Nassauische Ai^heil 
der Gemeinschaft stand unter dem Amte Jugenlioim (§. 16. XII). Er 
wurde 1801 an Frankreich abgetreten und kam 1815 an Hessen- 
Darmstadt. 



915) WöUstein. 
91G) Gumbsheim. 



917) Pleitersheim. 



D. Gemeinschaft zwischen Nassau-Weilburg und Oranien. 

Nassau- Weilburg trat in den Besitz der Gemeinschaft 1799 als 
Erbe von Sayn-Hachenburg. Der Antheil wuidc 1816 an Preusseu 
abgetreten. 



283 



Grund Seel- und Burbach 



Kirchsjiiel 

918) Burbach. 

919) Wirgeiuloil. 
92ü) Gilsbach. 

921) Ober wilden. 

922) Mittelwilden. 

923) Unterwilden, 

924) Zeppenfeld. 

925) Wiederstein. 

926) Wahlbach. 



B u r b a c h : 



027) Lippe. 

928) Da.s adelig'»' Hau.> Kulicii. 

929) Das adelige Haus Heistern. 

Kirchspiel N e n n k i r c li e n : 

93(») Neunl^irclicn. 
9ol) Altenseelbach. 

932) Strutii litte. 

933) Salchendorf. 



E. Gemein schalt zwischen Nassau-Weilburg und 
Hessen-Darmstadt. 

Das Amt Cleeberg, das nach dem Aussterben der Graten von 
Cleeberg an die Herrn von Iscnbui'g und durch diese an verschiedene 
Ganerben kam. Im Jahre H(>2 erscheinen als solche: Graf Philipp 
von Nassau-Saarbrücken, Ludwig von Isenburg, Gottfried von Eppstein, 
die Herren von Westerburg uiui GrafCuno von Solms. Nachdem Hessen- 
Darmstadt in den Besitz des Isenburgischen, Eppsteinischen und Solms- 
ischen Antheils gekommen war und Nassau 1716 den Westerbui-gischen 
gekauft hatte, besass Darmstadt '^a und Nassau \i. Im Jahre 1803 
fiel das ganze Amt an Nassau, welches 1815 0bercleen und Eber s- 
göns an Preussen abtrat. 

934) Cleeberg mit dem Cleehof. 93(5) Übercleen. 

935) Brandoberndorf mit 5 Mühlen. 937) Ebersgöns. 

F. Gemeinschaft zwischen Nassau-Oranien und Trier. 

I. Das Amt Camberg, ein ehemaliger Bestandtheil der Graf- 
schaft Diez. Durch Jutta, die Erbtochter von Diez, vermählt mit dem 
Grafen Adolph von Nassau-Dillenbuig und Siegen, kain es zu Vi an 
Eppstein und zu ' i an Kassau-Dillenburg. Im Jahre 1453 verkaufte 
Eppstein '/i au Catzenclnbogen, von dem solches 1587 Dillenburg zu- 
fiel, so dass nunmehr das Amt zur Hälfte Eppsteinisch und zur Hälfte 
Dillenburgisch war. Nach dem Aussterben der Eppsteiner und der sie 
beerbenden Königsteiner zog Trier diesen Antheil als heimgefallenes 
Lehen ein, und so wurde dann das Amt eine Gemeinschaft zwischen 
Trier imd Nassau-Diez oder Oraiiien. 



Kirchspiel Camberg: 

938) ('amberg mit 1 Mühle. 

939) Erbach mit 3 Mühlen. 

940) Oberselters mit 1 I\iahle. 

941) Schwickershausen mit 1 Mühle. 



942) Dombach mit 1 Mühle. 

943) Würges mit 1 Mühle. 

Kirchspiel Haintchen; 

944) Haintchen mit 1 Mühle. 



284 

II. Das Amt Wehrheim, wie Camberpr ein ehemaliger Bestand- 
theil der Grafscluift Die/., und auf sleiche Weise an Trier und Oranien 
gekommen. 

Kirchspiel Wehrheim: Kirchyj.iel Aiisparh: 

, . 948") Anspach mit 1 Mühlen. 

945") Wehrheim. ^ 

946) Kloster Thnm mit 6 Mühlen. 

947) Obernhain. 

III. Das Dorf 

949) Mensfelden, 

welclies im 16. Jahrhundert zu '.. den Herreii von Westerburg, zu i .; 
Trier und zu V'« Nassau-Saarbrücken gehörte. Den Westerburgischen 
Antheil kauften 1650 die Waldecker von Kaimpt, von denen er 1728 
ebenfalls an Trier kam, welches somit ^' .; besass. Nassau-Usingen ver- 
tauschte 1790 sein ''g an Oranien gegen Schiesheim. (Vrgl. 76, b.) 

I"V. Gemeinschaftlich mit Trier und den Freiherren vonHohen- 
feld besass Oranien das Dorf 
949a) Eiscubaeh mit 1 Mühle. 

G. Gemeinschaft zwischen Nassau-Oranien und Hessen- 
Darmstadt. 

Die Vogtei Ems, eine altnassauische Besitzung, die in der Bruder- 
theilung von 1255 der Ottonischen Linie zutiel. In der Theilung, welche 
Otto's Söhne 1303 vornahmen, kam sie an Emich 1. von Hadamar, 
und als dessen Mannesstamm 1391 mit Emich 111. erlosch, durch des 
letzteren Schwester Anna auf dem Wege des Verkaufes an ihren Stief- 
sohn Johann III. von Catzenelnbogen. Diesem Verkaufe widersetzte 
sich Johann I. von Dillenburg; es kam jedoch zum Vergleiche, wobei 
Nassau-Dillenburg 'f 3 und Catzenelnbogen Vs von der Vogtei erhielt. 
In Folge der Heirath zwischen Philipp dem Jüngern von Catzenelnbogen 
mit Ottilia, der Tochter Heinrich's II. von Dillenburg, im Jahre 1449, 
wurde die Vogtei in zwei gleiche Hälften zwischen Nassau und Catzen- 
elnbogen getheilt, dessen letzterer Antheil durch Erbschaft an Hessen- 
Darmstadt überging. 

Kirchspiel Ems: 951) Dorf Ems. 

«. ^ , ^ -^ ^ . ., ^ 1 9''i2) Kemmenau, Emser Seits. 

950) Bad Ems, Emser Seits, mit 2 herr- -^ 

schaftlichen Badhäusern. 



285 

§. 21. 

r.pbletsvcraiideningeii in Fol^ft des Frifdciis von Lnueville (9. Febrnar 

1801) nnd des KelclKsdeputalionslianpfscIihisscs vom 25. Fehrnar 1803. 

In Folge dos Luneviller Friedens, in welchem der Rhein als Grenze 
zwischen der französischen Republik und dem deutschen Reiche erklärt 
wurde, verloren die Fürsten von Nassau ihre sämmtlichen Besitzungen 
auf dem linken Rhcinufci- und zwar: 

A. Nassau-Üsingen: 

1) Das Fürstenthum Saarbrücken §. 16, VII. 

2) Die Herrschaft Ottweiler §. 16, Vlll. 

3) Die Abtei Wadgassen §. 16, IX. 

4) ''';3 an der Grafschaft Saarwerden §. 16, X. 

5) Das Amt Jugenheim §. 16, XII. 

6) Die Kellerei Rosenthal §. 16, XIII. 

7) Den Antheil an Wöllstein §. 20, C. 

Im Ganzen 19 Quadratmeilen mit 53286 Einwohnern und 407000 
Gulden Einkünften. 

Ferner trat es durch den Deputationsrecess von 1803 an den 
Markgrafen von Baden ab: 

8) Das Oberamt Lahr §. 16, XI. 

2 Quadratmeilen mit 7000 Einwohnern und 40000 Gulden Ein- 
künften, so dass also der Gesammtverlust sich auf 21 Quadratmeilen 
mit 60286 Einwohnern und 447000 Gulden Einkünften belief. Kolb, 
Handbuch der vergleichenden Statistik, 4. Aufl. S. 286 gibt den Ver- 
lust auf 20 Quadratmeilen mit derselben Einwohneizahl an. 

B. Nassau-W^eilburg: 

1) 1/3 der Grafschaft Saarwerden nebst der Vogtei Herbitzheim 

§. 17, IX. 

2) Die Herrschaften Kirchheim und Stauf §. 17, X. 

3) Das Amt Alsenz §. 17, XI. 

6 Quadratmeilen mit 15500 Einwohnern und 178000 Gulden Ein- 
künften. (Berghaus glaubt, es sei dieses Einkommen um 50000 Gulden 
zu hoch geschätzt.) 

Dafür erhielten beide Fürsten durch den Reichsdeputationshaupt- 
schluss vom 25. Februar 1803 §. 12 folgende Entschädigungen. 

§. 22. 

Entschädignogm au Nassaii-lslogen. 

Nassau-Usingen erhielt als Entschädigung für die verlorenen links- 
rheinischen Besitzungen : 



286 



I. Vom ehemaligen Chuiiürstenthum Mainz: 

a. Das Obeiamt Höchst und Königstein. 

Ferner geliörte zur Anitsvogtei 



aa. Ämtsvogtei Höchst: 
950) Höchst. 



ciug'epl'airfc n;uh 
Sossenheim. 



954) Nied, 

9o5) Grieisheini, 

05t)) Schwanheiiii 

957) ."Findlingen. 

958) Sossenheim. 

959) Weilbadi. 

960) Wicker. 



bb. Ämtsvogtei Hof heim: 

9til) Hoflieim. 

962) Hattersheim. 

963) Kriftel. 

964) Marxheim. 
96o) Münster. 

966) Zeilsheim, eingepfarrt nach Hothtt. 

cc. Ämtsvogtei K ü u i g 1 e 1 u : 
i.»67) Konigstein. 

Kirchspiel N e u e n h a i u : 

968) Neuenhain. 

969) Altenhain. 

970) Schneidhain. 

Kirchspiel Oberhöchstadt: 

971) Oberhöchstadt. 

972) Schönberg. 

Kirchspiel Schwalbach; 

973) Schwalbach. 

974) Mammolshain. 

Zum Kirchspiel Schlossborn, Ämts- 
vogtei Eppstein, gehörig: 

975) Glashütten. 

b. Das Amt Cronberg: 

095) Cronberg. 
996) Eschborn. 



Königste in : 
076) Kördorf, wcUhes jedoch norli mi 
Jahre 1^03 an Hessen-Homburg ge- 
gen Espa abgetreten wurde. Vcrgl. 
1267. 

dd. Ämtsvogtei Eppstein: 

977) Eppstein. (Gemeinschaft zwischen 
Mainz und Hessen-Darmstadt ) 

Kirclispiel Oberjosbach: 
97s) Oberjosbach. 

979) Niederjosbai h. 

980) Vockenhauseu. 

981) Bremthal. 

Kirchspiel Schlossborn: 

982) Schlossborn. 

983) Ehlhalten. 

Kirchspiel Fischbach; 

984) Fischbach. 

985) Eppenhain. 

986) Riippertshain. 

Zmn Kirchspiel Münster, Ämtsvogtei 
Hof heim , gehörig; 

987) Hornau. 

988) Kelkheim. 

ee. Ämtsvogtei Oberursel: 
Kirch spiel b e r u r s e 1 : 

989) Obei-ursel. 

990) Stierstadt. 

Kirclispiel B m m e r s h e i m : 

991) Bommersheim. 

Kirchspiel VVeisskirch en : 

092) Weisskircheu. 

093) Kahlbach. 
001) Haihehn. 



997) Niederhöchstadt , Pfanei Schwal- 
bach. 



c. Die domcapitel'schen Orte: 

998) Hochheim. 999) Flörsheim mit 5 Mühlen. 

d. Die dompro pateilichen Orte: 

1000) Eddersheim. lUOl) Heddernheim. 



287 



e. Vom „Vicedomamt Mainz ausser der Stadt", dit 
Frankreich abgetretenen, jetzt Grossh. Hessischen Orte: 

1002) Castel. lÜOiJj Kostheim. 



180G an 



f. Das Vicedoniamt Rheingrau 



aa. A 111 tsk ellerei Eltvillc: 

1004) Kltville mit 2 Mülilen. 

1005) Hof Steinheim 
lOOG) Hof Drais. 

1007) Urcifenclauischer Hof. 

1008) Oberwalluf mit 5 Mühlen. 

1009) Niederwalluf mit o Miiiilen. 

1010) Erbach. 

1011) Wachholder Hof untl Buscnhainer 
Schützenhaus. 

1012) Neu.lorf mit 1 Mühle. 

lOi;}) Rauenthal mit 4 Mühlen und dem 
Klinger Schützenhaus. 

1014) Tiefenthal, Kloster. 

1015) Kiedrich mit 10 Mühlen , dem 
Schützenhaus am Bollwerk und 
dem Solms-Ködelheimer Haus. 

1016) Hattenheim mit 3 Mühlen. 



1017) Eberbach, Kloster. 

1018) Hof Neuhof. 

1019) Hof Gaisgarten. 

1020) Mittel heim mit 1 Mühle. 

1021) Oestrich mit 4 Mühlen und dem 
Kloster Gottesthal. 

1022a) Schloss Reiciiartshansen. 
1022b) Hallgarten mit dem Mapper 
Schützenhaus. 

1023) Niedergladbach mit 2 Mühlen nml 
dem B'ilial : 

1024) Obergladbach mit den Höfen von 
Mappen. 

102.5") Bchlangenbad. 

102G) Gerolstein. 

Beide letzteren waren zur Hälfte Hessiscli ; 
Schlangenbad pfarrte nach Rauenthal, 
Gerolstein nach Niedergladbach. 



Nicht zum Rheingau gehörig: 

1027) Frauenstein mit den Höfen Groroth, Somm 

bb. Amtskellerei Rüdesheim: 10.37) 

1028) Rüdesheim mit dem Hofhaus auf 
dem Niederwald und dem Filial: 

1029} Aulhausen mit 3 Mühlen und dem 

Kloster Marienhausen. 1038) 

1030) Geisenheim mit G Mühlen. 1039) 

1031) Kloster Nothgottes und Hof Marien- lO'^O) 
thal. 

1032) Assmannshausen mit 1 Mühle. 1041) 

1033) Winkel mit t^chloss Vollraths und 

6 Mühlen. 1042) 

1034) Eibingen. 

1035) Lorch mit 3 Mühlen. 

103G) Lorchhausen mit dem Hof auf dem 1041 
kleinen Hahnen. 



ersberg und Armada. 

Pre.ssberg mit der Kammerberger 
Mühle, den beiden Kammerforst- 
häusern und dem Wei.ssenthurmer 
Forst- und Schützenhaus. 
Ransel mit dem Werker Hof. 
Johaimisberg, das Dorf. 
Stephanshausen mit dem Mittel- 
amts-Schützenhaus. 
Wollmerschied mit der Werker 
Mühle. 

Espenschied mit 2 Mühlen , dem 
Patfester Hof und dem Werker 
Gesundbrunnen, 
u. 1042 waren Filiale von Ransel. 



g. Den dem St. Ferrutiussti fte zustehenden Theil an 
1043) Bleidenstadt. (Vgl. 79.) 

h. Das Amt Lahnstein: 



1044) Oberlahnstein mit 5 Mühlen. 
1U45) Hof Biebrich. 

1046) Hof Buchenberg. 

1047) Hof Buchholz. 



1048) Hof Dörstheck. 

1049) Hof Grenzloch. 

1050) Hof Kirschheimersborn. 

1051) Der Heinrichshof. 



288 



1055) Der Zollgrund. 

1Ü56) Die Kirche auf dem Spiess. 



1052) Das Mainzer Haus. 

1053) Die Deutschherrenhütte. 

1054) Hof Wintersberg. 

Femer: 1 Blei-, Silber- und Kupfererzhütte, 1 Hütten- und Ham- 
merwerk, 3 Mühlen, die h. Geistkirche, die Marienkapelle, 2 Sauer- 
brunnen und die Ruine Lahueck. 



II. Von Chur-Pfalz: 
Das Unteramt Caub: 

1057) Caub mit 3 Mühlen. 

1058) Dörscheid mit 2 Mühlen. 



1059) Weisel mit dem Hof E.sserod, dem 
Jägerhaus und 3 Mühlen. 



III. Von Hessen-Darmstadt 
a. Das Amt Catzenelnbogen 

Kirchspiel Klingelbach: 

1060) Klingelhach mit dem Hof öchel- 
busch. 

1061) Catzenelnbogen mit 3 Mühlen. 

1062) Allendorf. 

1063) Ebertshausen. 

1064) Niederfischbach mit 1 Mühle, 
(jetzt eingegangen). 

1065) Hof Bleidenbach. 

1066) Mitteltischbach. 



Kirchspiel Schön bor n: 

1067) Schönbom. 

1068) Hof Bärbach. 

1069) Hof Schauferts. 

In die Niedergrafschaft Catzenelnbogen 
pfarrten und zwar nach Ackerbach: 

1070) Oberfischbach; 
nach Kirdorf: 

1071) üutenacker mit 1 Mühle. 



b. Das Amt Braubach: 

1072) Braubach mit 9 Mahl- und 2 
Lohmühlen, 1 Silber- und Kupfer- 
schmelze. 

1073) Dachsenhausen mit 1 Mühle. 

1074) Gemmerich. 



1075) Hof Hinterwald mit der Mühle im 

Zippenhain. 
1070) Hof Ober-Falkenborn. 

1077) Hof Unter-Falkenborn. 

1078) Dinkholder Mineralbrunnen. 



c. Den Hessen-Dannstädtischen Autheil an der mit Nassau-Oranieu 
gemeinschaftlichen Vogtei Ems (§. 20, ü.). 

d. Die Herrschaft Eppstein: 



1079) Eppstein (mit Mainz gemeinschaft- 
lich; vgl. 977). 

1080) Wallau mit 2 Mühlen. 

1081) Breckenheim mit 2 Mühlen. 

1082) Delkenheim mit 2 Mühlen. 

1083) Diedenbergen. 

1084) Igstadt mit 2 Mühlen. 

1085) Lorsbach mit 2 Mühlen und dem 
Filial : 

1086) Langenhain. 

e. Den Hessen-Darm städtischen Antheil des mit Nassau- Weilburg 
gemeinschaftlichen Amtes Cleeberg §. 20, E. 



1087) Massenheim mit 1 Mühle. 

1088) Medcnbach, Kirchspiel Brecken- 
heim. 

1089) Nordenstadt. 

1090) Oberliederbach. 

1091) Unterliederbach. 

1092) Wildsachsen, Kirchspiel Brecken- 
heim. 

1093) Mechtildenhäuser Hof. 



289 

f. Das Dorf: 

1094) Weiperfelden. 

IV. Die dem Scliutze von Mainz und Frankfurt unterworfenen 
Reichsdörfer: 

1095) Soden. 1096) Sulzbach mit 1 Mühle. 

V. Von dem Fürstenthum Isenburg: 

1097) Okiiftel. 

VI. Von dem Churfürstenthum Co In. 

a. Das Amt Linz, 1815 an Preussen abgetreten. 

Kirchspiel Linz: 1109) Casbach, Linzer Seits. 

1098) Linz mit den Helen Stern und ^0) Ockenfels. 
Linzer-Ronig. t^. ■ . , r. 

1 099) Linzhausen. K.rchsp.el B r u c h h a u 3 e n : 

1100) Hargarten. Uli) Bruchhausen mit dem Hofe Seve- 

1101) Noll. rinsberg. 

1102) Ginstemhahn und Hof Grendel. Kirckspiel Erpel: 

1 103) Notscheid mit Rennenberg und . , ^. „ 

Qf IT *u ■ 11^2) Erpel. 

öt. Kathannen. , , , r.^ />, , i t-, 

1104) Hilkerscheid. ^^^^^ ^^^^'^' E'l)elcr Seit«. 

1114) Heister. 
Kirchspiel Dattenborg; ^^j^-j Orsberg. 

1105) Dattenberg mit den Höfen Datten- 

berger-Ronig , Häg, Waller und Kirchspiel Unkel: 

der ALsauer Hütte, 1116) Unkel. 

1106) Leubsdorf mit den Höfen Hessein 1117) Scheuten, 
und Krumscheid. 

1107) Ariendorf, Linzer Seits, die andere Kirchspiel Rheinbreitbach: 
Hälfte war Trierisch. Vgl 1469. 1118) Rheinbreitbach mit 1 Kupfer- 
Kirchspiel Ohlenberg: schmelze. 

1108) Ohlenberg mit dem Hofe Erl. 

b. Das Amt Schönstein, Patrimonialamt des Fürsten von 
Hatzfeld unter Cölni eher Hoheit, 1815 an Preussen abgetreten. 

1119) Schönstein. 1121) Wissen, nebst 48 Höfen. 

1120) Seibach, ein Theil gehörte zu Sayn- 
Hachenburgund Sayn-Altenkirchen. 

c. Die Unterherrschaft Lahr, 1815 an Preussen abgetreten. 

1122) Oberlahr. 1124) Heckerfeld nebst dem Lusthof. 

1123) Burglahr. 

d. Aus der unter cölnischer Hoheit stehenden Burggrafschaft 
Drachenfels, 1806 an das Grossherzogthum Berg abgetreten: 

Das Amt Wolkenburg oder Königswinter: 

1125) Königswinter. 1129) Hof Wintermühlen. 

1126) Kucksteiner Hof. 1130) Utenbach. 

1127) Burghof. 1131) Stöcker Hof. 

1128) Wolfsdorfcr Hof. 1132) Rutscheid. 

19 



290 

e) Die Herrlichkeit Vi lieh, 1806 an das Grossherzogthiim 
Berg abgetreten. 

1133) Vilich. 1136) Müldorf. 

1134) Combar. 1137) Vilich-Rheindorf. 

1135) Geislar. 1138) Schwarz-Rheindorf. 

f. Das Amt Deuz, 1806 an das Grossherzogthum Berg abge- 
treten. 

1139) Deuz. 1142) Poll. 

1140) Grimberg. 1148) Vingst. 

1141) Kalk. 

VII. Die Abteien: 

1144 a) Limburg. 1145 a) Rommersdorf. 

1144 b) Bleidenstadt. 1145 b) Sayn. 

Beide letzteren kamen 1815 an Preussen. 

VIII. Die Grafschaft Sayn-Altenkirchen, 1815 an Preussen 
abgetreten. 

a. Das Amt Bendorf: 

1146) Bendorf. 

b. Das Amt Altenkirchen: 

Kirclispiel Altenkirchen: 1163) Idelberg. 

1147) Altenkirchen. ^164) Kettenhausen. 

1148) Bachenberg. ll^^) Leuzbach. 

1149) Busenhausen. ll^Ö) Mammelzen. 

1150) Beul. 1167) Michelbach. 

1151) Dieperzen. 1168) Niedererbach. 

1152) Eichelhardt. 1169) Niederingelbach. 

1153) Flögert. H'^O) Obererbach. 

1154) Hacksen. H'^l) Oberingelbach. 

1155) Helmenzen. 11'72) Oelsen. 

1156) Helraeroth. 1173) Racksen. 

1157) Langenbach. 11V4) Hofacker. 
11.08) Heupelzen. 1175) Nassen. 

1159) Hilgenroth. 1176) Reuffelbach. 

1160) Honneroth. 1177) Sörth. 

1161) Hüttenhofen. 1178) Volkerzen. 

1162) Isert. 1179) Widderstein. 

c. Das Amt Allmersbach: 

Kirchspiel Allmersbach: 1186) Stürzelbach. 

1180) Allmersbach. 1187) Breibach. 

1181) Amteroth. 1188) Fürstenberg. 

1182) Fluterschen. 1189) Mahlert. 

1183) Gieleroth. 1190) Trinhausen. 

1184) Herbteroth. Kirchspiel Mehren: 

1185) Oberwambach. ngj) Mehren. 



291 



1192) Craam. 


1204) Erkebach. 


1193) Heiberg. 


1205) Grünewald. 


1194) Ersfeld. 


1206) Adorf. 


1195) Fiersbach. 


1207) Seifen. 


1196) Hof Dickten. 


1208) Hof Acker. 


1197) Forstmehren. 


1209) Maulsbach. 


1198) Giershausen. 


1210) Neuenhof 


1199) Hirzbach. 


1211) Hof Tente. 


1200) Hähnen. 


1212) Kettersen. 


1201) Kircheib. 


1213) Hahn. 


1202) Reisbitzen. 


1214) Wiedhecke. 


1203) Bleckhausen. 


1215) Ziegenhain. 


d. Das Amt Fieusbiug: 




Kirchspiel Fischbach: 


1236) Mudersbach. 


1216) Fischbach. 


1237) Offhausen. 


1217) Freusburg. 


1238) Sasacnroth. 


1218) Backhaus. 


1239) Scheuerfeld. 


1219) Hüttseifen. 


1240) Wallmeroth. 


1220) Harbach. 


1241) Wehbach. 


1221) Wingendorf. 


Kirchsi)iel Gebliardshain 


1222) Aepfelbach. 


1242) Gebhardshain. 


1223) Deusterseifen. 


1243) Dirkendorf. 


1224) Unterwinnersbach. 


1244) Eiben. 


Kirchspiel Kirchen: 


1245) Elkenroth. 


1225) Kirchen. 


1246) Fensdorf. 


1226) Alsdorf. 


1247) Hommelsberg, '/a gehörte zu 


1227) Betzdori. 


Hachenburg. 


1228) Bruche. 


1248) Kausen. 


1229) Brachbach. 


1249) Kotzenroth. 


1280) Dauersberg. 


1250) Molzhain. 


1231) Dermbach. 


1251) Nauroth. 


1232) Grünebach. 


1252) Steinebach. 


1233) Herkersdorf. 


1253) Steinroth. 


1234) Herdorf. 


1254) Steineberg. 


1235) Katzenbach. 





e. Das Amt Friedewald 

Kirchspiel D a a d e n : 

1255) Friedewald. 

1256) Biersdorf, 

1257) Daaden. 

1258) Derschen. 

1259) Mauden. 

1260) Emmertshausen. 



1261) Herdorf, ein eigenes katholisches 
Kirchspiel. 

1262) Niederdreisbach. 

1263) Nisterberg. 

1264) Oberdreisbach. 

1265) Schutzbacli. 

1266) Weite feld. 

IX. Durch Vertrag mit Hessen-Homburg vom 2H. April 1808 

wurde das unter 976 aufgeführte Mainzische Dorf Kirdorf ausgetauscht 

gegen 

1267) Espii, eine frühere reichsritter- Jahre 1783 an Hessen - Homburg 

schaftliche Besitzung der Herren verkauft hatten. 

von Frankenstein, welche es im 



Jl 



5) 



n 



n 



292 

Diese Entschädigungen wurden zur Zeit des Recesses in folgender 
Weise veranschlagt: 

Q.-M. Einwohner Einkünfte 

a. Die Mainzischen Aemter 
nebst den domkapitelschen und dom- 

propsteilichen Orten 8V2 — 24,000 — 200,000 Gulden. 

b. das pfälzische Unteramt 

Caub 1/2 — 2000 — 10,000 „ 

c. die Theile von Chur-Cöln P/2 — 5000 — 30,000 

d. die Hessen - Darmstädti- 
schen Aemter mit Weiperfelden . 5 — 15,000 — 90,000 

e. Soden, Sulzbach, Schwan- 
heim und Okriftel ^U — 2000 — 20,000 

f. die Grafschaft Sayn-Alten- 
kirchen 5 — 12,000 — 80,000 

g. die Abteien . ... — — 150,000 , 

im Ganzen 21 1/4 ~ 60,000 — 580,000 ] 

Zwölf Jahre später machte jedoch Hasselt in Bezug auf Flächen- 
inhalt und Einwohnerzahl folgende Ziffern bekannt: 

Q.-M. Einwohner. 

a. Die Mainzischen Aemter mit Schwanheim 24 — 60,000 

b. das Amt Caub 1/2 — 1800 

c. die Theile von Chur-Cöln*) VI2 — 4000 

d. die Hessen-Darmstädtischen Aemter . . 4^/2 — 10,500 

e. Sayn-Altenkirchen 5 — 15,000 

f. Soden, Sulzbach, Okriftel und Weiperfelden 11/4— 2000 

g. die Stifter „ -- y, 

im Ganzen 363/4 — 93,000 

Kolb giebt in seiner vergleichenden Statistik 4. Aufl. S. 286 die 
Entschädigung fast übereinstinmiend, auf 36 Q.-M. mit 92,000 Ein- 
wohnern an. 

Der Verlust betrug, wie oben angegeben wurde, 21 Q.-M. mit 
60286 Einw. und 447000 Gulden Einkünften. Bei Vi eb ahn, Statistik des 
zollvereinten und nördlichen Deutschlands 1., 44 wird dagegen der Ver- 
lust auf nur 18 Q.-M. und die Entschädigung auf 30 Q.-M. angegeben. 



*) Es sclieiiit, ilass in beiden Aufstellungen die 1806 an Berg abgetretenen 
Stücke Königswintcr, Vilicli und l)euz nicht mit enthalten waren , weil sonst Flächen- 
inhalt und Einwohnerzahl viel grösser sein müssten. 



293 

§• 23. 

Nassau-Weilburg erhielt zur Entschädigung für die verlorenen 
linksrheinischen Besitzungen : 

I. Von dem ehemaligen Churfürstenthum Trier: 

a. Das Amt Well mich: 

Kirchspiel W e 1 1 m i c h : Zum Kirchspiel N i e d e r k e 8 1 e r t gehörig : 

12«8) Wellmich mit 6 Mühlen. 1270) Prath. 

1269) Ehrenthal. 1271) Dahlheim. 

b. Von dem Amte Boppard: 

Kirchspiel Camp: 1277) Hof Steiningen. 

1272) Camp. 1278) Pilsen. 

1273) Kloster Bornhofen. Kirchspiel Nieder keatert: 

1274) Lykershausen. ,,. , , i . 

1275) Hof Camperhausen. 1'^^^) N.ederkest.rt. 

1276) Hof Hasenhof. ^280) Oberkestert. 

c. Das Amt Ehrenbreitstein, von welchem die Ortschaften 
1289—1298 im Jahre 1815 an Preussen abgetreten wurden. 

1281) Niederlahnstcin mit dem Hütten- 1289) Ehrenbreitstein. 
werk Hohenrhein. 1290) Arzheim. 

1282) Hof Allerheiligenbcrg. 1291) Horchheim. 

1283) Arnsteiner Hof und Hof Mau.sloch. 1292) Niederwerlh. 

1284) Arzbach. 1293) Niederberg, 

1285) Eitelborn mit dem Hof Dinsterhaid 1294) Pfaffen dor f. 
(Denzerhaid.) 1295) Immendorf. 

1286) Cadenbach. 1296) Neudorf. 

1287) Neuhäusel. 1297) Aremberg 

1288) öimmern, pfarrte nach Niederberg. 129^) Urbar. 

d. Die Herrschaft Vallendar, von welcher die Orte 1301 bis 
1303 im Jahre 1815 an Preussen abgetreten wurden. 

1299) Höhr mit einer Mühle und dem 1301) Vallendar. 
Landshuber Hof. 1302) Mallcndar. 

1300) Hillscheid mit dem Vallerauer Hof. 1303) Weitersburg. 

e. Das Amt Sayn, von welchem 1815 die Orte 1305 und 1306 
an Preussen abgetreten wurden. 

1304) Stromberg, eingepfarrt nach Sayn. 1306) Mühlhofen. 

1305) yayn. 

f. Das Amt Herschbach, von welchem 1815 die Orte 1315 bis 
1327 an Preussen abgetreten wurden. 

Kirchspiel Herschbach: Kirchspiel Marienrachdor f: 

1307) Herschbach. 1309) Marienrachdorf. 

1308) Schenkelberg. 1310) Krümmel. 



294 



1311) Maroth. 

1312) Trierisch-Hausen. 

1313) Sessenhausen. 

1314) Marien hausen. 

Kirchspiel Horhausen: 

1315) Horhausen. 

1316) Bürdenbach. 

1317) Pleckhausen. 

1318) Gülesheim. 

1319) Huf. 

g. Das Amt Grenzau: 

Kirchspiel Kansbach: 

1328) Ransbach mit 1 Mühle und dem 
Erlerhof. 

1329) Baumbach. 

Kii-chspiel Nauort: 

1330) Nauort mit dem Hof Walfeld. 

1331) Kammer ferst. 

1332) Sessenbach. 

1333) Wirscheid. 

1334) Caan. 

h. Das Amt Montabaur: 
Kirchspiel Montabaur: 

1342) Montabaur mit den Vorstädten 
Allmannshausen und Sauerthal, dem 
Hof Rossberg, 2 üel- und 2 Walk- 
mühlen. 

1343) Boden mit einer Mühle. 

1344) Eigendorf. 

1345) Eschelbach mit 2 Mühlen. 

1346) Horressen. 

1347) Würzenborn. 

1348) Recken thal. 

1349) Bladernheim. 

135U) Holler mit 2 Mühlen. 

1351) Daubach mit 1 Mühle. 

1352) Niederelbert. 

1353) Stahlhofen. 

1354) Untershausen. 

Kirchspiel Ü b e r e 1 b e r t : 

1355) Oberelbert. 

1356) Welschneudorf. 

Kirchspiel Kirchähr: 

1357) Kirchähr. 

1358) Gackenbach. 



1320) Knmkel. 

1321) Luchert. 

1322) Niedersteinebach. 

1323) Wilroth. 

Kirchspiel Peterslahr; 

1324) Peterslahr. 

1325) Eulenberg. 

1326) Epgert. 

1327) Obersteinebach. 



1335) Grenzau. 

Kirchspiel Breiten au: 

1336) Breitcnau mit den Höfen Adenroth 
und Merkelbach. 

1337) Hirzen. 

1338) Ellenhausen. 

1339) Wittgert. 

1340) Deesen. 

1341) Oberhaid mit den Höfen Nieder- 
haid und Winterroth. 



1359) Dies, zur Hälfte privativ Trierisch, 


zur andern unter Trierischer Hoheit 


zur niedern Gerichtsbarkeit 


der 


Abtei Arnstein gehörig. 




1360) Horbach. 




1361) Hübingen. 




1362) Ettersdorf. 




Kirchspiel Wirges: 




1363) Wirges. 




1364) Ebemhahn. 




1365) Siershahn. 




1366) Oetzingen. 




1367) Leuterod. 




1368) Hosten. 




1369) Staudt. 




1370) Moschheim. 




1371) Bannberscheid. 




1372) Dernbach mit 1 Mühle und 


dem 


Hof Burg-Dernbach. 




Kirchspiel Heiligenroth: 




1373) Heiligenroth mit 1 Mühle. 




Kirchspiel Berod: 




1374) Berod mit 2 Mühlen. 




1375) Wallmerod. 





295 



Kirchspiel Hundsangen: 

1376) Hundsangen. 

1377) Obererbach. 

1378) Oberhausen. 

1379) Pütschbach. 

1380) Steinefrenz mit 2 Mühlen. 

1381) Weroth. 

1382) Malmeneich, war zur Hälfte Ora- 
nisch. Vergl. 812. 

Kirchspiel Nentershausen: 

1383) Nentershausen. 

1384) Heilberscheid. 

1385) Nomborn mit 2 Mühlen. 
1385 a) Sespenroth, eingegangen. 

Kirchspiel Niedererbach: 

1386) Niedererbach. 

1387) Görgeshausen mit einer Mühle. 

Kirchspiel Grossholbach: 

1388) Grossholbach. 

1389) Kleinholbach mit 1 Mühle. 

1390) Girod mit 1 Mühle. 

Kirchspiel Meudt: 

1391) Meudt. 

1392) Dahlen. 

1393) Langwiesen mit 2 Mühlen. 

1394) Zehnhausen. 

1395) Goldhausen mit 1 Mühle. 

1396) Oberahr. 

1397) Mittelahr. 

1398) Niederahr. 

1399) Ehringhausen. 

1400) Ettinghausen. 

1401) Eisen. 

1402) Ruppach. 

1403) Saynerholz. 

1404) Niedersayn. 

1405) Karnhöfen. 

1406) Blaumhöfen. 

Kirchspiel Weidenhahn: 

1407) Weidenhahn. 

1408) Ewighausen. 

1409) Düringen. 

Kirchspiel Salz: 

1410) Salz mit der Leonhardskapelle. 

1411) Roth. 

1412) Bilkheim mit dem Neuröther Hof. 

1413) Girkenrod. 

1414) Uerschbach. 



1415) Wahnscheid mit dem Wahnscheider 

Hof- 
HI 6) Lochheim. 

1417) Sainscheid, nach dem Staatskalen- 
der von 1813 zu Schönberg gehörig. 

1418) Wörsdorf. 

1419) Guckheim. 

1420) Mähren. 

1421) Weitersburg, im Staatskalender von 

1813 als zum Grossherzogthum 
Berg gehörig, aufgeführt. 

Kirchspiel Hahn: 

1422) Hahn. 

1423) Etzelbach. 

1424) Eibingen. 

1425) Haindorf. 

1426) Obersayn. 

1427) Arnshöfen mit dem Hof Meisenburg. 

1428) Kuhnhöfen. 

1429) Niederhahn. Nro 1427—1429 im 
Staatskalender von 1813 als zu 
Weidenhahn gehörig bezeichnet. 

Kirchspiel Schönberg: 

1430) Schönberg. 

1431) Härtungen mit 2 Mühlen, und 
den Höfen Westert und Witzelbach. 

1432) Eiben. 

1433) Möllingen. 

1434) Rothenbach. 

1435) Pfeifensterz. 

1436) Himburg. 

1437) Brandscheid. 

1438) Kölbingen mit dem Schönberger 
Hof. 

1439) Caden. 

Kirchspiel Heimbach, 1815 an Preussen 
iibgetreten : 

1440) Heimbach. 

1441) Weiss. 

1442) Gladbach. 

Kirchspiel H arte nf eis: 

1443) Hartenfels. 

Kirchspiel Helferskirchen: 

1444) Helferskirchen mit 2 Mühlen. 

1445) Niederdorf. 

Die Herrschaft Molsberg: 

1446) Molsberg mit 1 Mühle, eingopfarrt 
nach Salz. 



296 

Im Staats- und Adresskalender von 1813 ist die Eintheilung eini- 
ger Kirchspiele anders angegeben, so : Hundsangen mit Berod, Meudt 
mit Weidenhahn, Nentershausen mit Grossholbach und Niederer- 
bach, Salz mit Hahn und Schönberg. 

i. Das Amt Limburg: 

Kirchspiel Limburg: 1454) Eschhofen. 

1447) Limburg mit 2 Müblen. 1*55) Mühlen mit 1 Mühle. 
Kirchspiel Oberbrechen: Kirchspiel Villmar: 

1448) Oberbrechen mit 2 Mühlen. 1456) Villmar mit l Mühle und den 

Höfen: Blumenroth, Obergladbach, 
Kirchspiel N i e d e r b r e c h e n : Niedergladbach und Treisfurt. 

1449) Niederbrechen mit 1 Mühle. j^j-^^ Arfurt. 

Kirchspiel Werachau: Kirchspiel Niederselters: 

1450) Werschau mit 1 Mühle. j^^g-^ Niederselterk mit 1 Mühle und 1 

1451) Langhecke, war zur Hälfte Wied- Mineralbrunnen. 
Runkelisch. Vergl. 1502. 

Kirchspiel Balduinstein: 
Kirchspiel Lindenholzhausen: ^^^^^ ßalduinstein mit 1 Mühle. 

1452) Lindenholzhausen mit 1 Mühle. ^^g^^ Hausen. 

Kirchspiel Dietkirchen: Kirchspiel Elz: 

1453) Dietkirchen. 1461) Elz mit 2 Mühlen. 

k. Den Trierischen Antheil an dem mit Oranien gemeinschaft- 
lichen Amte Camberg §. 20, F. I. 

1. Den Trierischen Antheil an dem mit Oranien gemeinschaftlichen 
Amte Wehrheim §. 20, F. IL 

m. Den Trierischen Antheil an den mit Oranien gemeinschaft- 
lichen Orten Mensfelden und Eisenbach. §. 20, F. IIL und IV. 

n. Vom Amte Bergpflege: 

1462) Engers mit dem Schlosse, 1815 an Preussen abgetreten. 

0. Das Amt Hammerstein; 1815 an Preussen abgetreten. 

1463) Irlich. 1467) Rheinbrohl. 

1464) Leudesdorf. 1468) Hönningen mit Ahrenfels. 

1465) Oberhammerstein. M69) Ariondorf, Hönningcr Seits. 

1466) Niederhammerstein. Vgl. 1107. 

IL Die Abtei Arnstein, ein reichsunmittelbares, keinem Reichs- 
kreise zugetheiltes Gebiet, rücksichtlich der Orte: 

1470) Seelbach mit der Abtei selbst, den 1471) Kalkofen links der Lahn (Kalk- 
Höfen Hollrich, Kehr, Saalschied ofen rechts der Lahn gehörte zur 
und der Klosteruiühle. Herrschaft Schaumburg. Vgl. 1484.) 

während unter Trierischer Hoheit standen: 



297 

1472) Winden. 1473) Weinähr mit dem Hof Eschenau. 

Wegen der Hälfte von Dies vergl. 1359. 

III. Die Abteien: 

1474) Schönau rücksichtlich der Domanial- 1475) Marienstatt, 
besitzungen; die Vogtei Schönau 
gehörte zum Zweiherrischen. Vgl. 
S- 17. VI. 

Diese Entschädigungen wurden veranschlagt zu 16 Q.-M mit 
37000 Einw. und einer Revenue von 325,000 Gulden, worunter 75,000 
Gulden als Ertrag der Abteien Arnstein, Schönau und Marienstatt be- 
rechnet wurden. 

Der Verlust hatte, wie in §. 21 bemerkt, 6 Q.-M. mit 15,500 
Einw. und 178000 Gulden Einkünften betragen. 

Viehbahn, Statistik des zollvereinten und nördlichen Deutsch- 
lands I, 44 gibt den Verlust auf 7 Q.-M. und die Entschädigung auf 
22 Q.-M. an , letzteres jedenfalls ein Irrthum und wohl nur eine 
Verwechselung mit dem Flächeninhalte des gesammten Weilburgischen 
Gebietes, welcher zu 21 Q.-M. angenommen wurde. 

§. 24. 

Nassau-Oranien, oder wie es im §. 12 des Reichsdeputations- 
Hauptschlusses heisst, „der Fürst von Nassau-Dillenburg" 
erhielt zur Entschädigung für den Verlust der Statthalterschaft in den 
Niederlanden, sowie seiner dortigen und belgischen Domänen (§. 12) das 
Fürstenthum Fulda, welches für den Bischof 490,000 Gulden, für das 
Kapitel 90,000 Gulden und durch die im Rheingau unter kurmainzischer 
Oberhoheit gelegene Domäne Johann isberg 12,000 Gulden eintrug: 
dann das erst vor Kurzem zu der Würde eines Hochstiftes erhobene 
Corvey mit der Stadt Höxter; die Reichsstadt Dortmund in West- 
phalen; die schwäbische Abtei Weingarten mit Hagnau und 
Blumeneck in Vorarlberg und der daselbst gelegenen Abtei St. 
Gerold: die Benediktiner-Abtei Höfen am Bodensee unweit Buchhorn; 
die Propstei B andern am Rhein im Fürstenthum Lichtenstein, und 
die Abtei Dietkirchen an der Lahn; im Ganzen 46 Q.-M. mit 120,000 
Einwohnern. 

1476) Johannisberg, Schlosa. 1477) Dietkirchen, Abtei, 

kamen später an das Herzogthum Nassau; Blumeneck, St. Gerold 
und B andern überliess der Fürst schon 1804 an Oesterreich. Wein- 
garten und Höfen (jetzt Schloss Friedrichshafen) kamen 1806 au 
Würtemberg. Fulda erhielt der Fürst Primas, Dortmund der Gross- 
herzög von Berg, und Corvey der König von Westphalen , als der F ü r s t 
von Nassau-Orauieu-Fulda, wie er diesen Titel seit 1803 an- 

19* 



298 

genommen hatte, wegen seiner Theilnahme an dem preussischen Kriege 
von 1806 und 1807, gleich dem Kurfürsten von Hessen und dem Her- 
zoge von Brannschweig, aus schien Ländern vertrieben wurde. 

Die neu erworbenen Landestheilc wurden in Rechtssachen dem im 
Jahr 1804 für sämmtliche Nassauischen Linien erricliteten Ober-Appel- 
lationsgericht m Hadamar unterstellt, dieses aber 1806 nach Diez 
verlegt. 

I. Das Fürstenthum Fulda (1815 unter Kurhessen, Grossherzog- 
thum Hessen, Bayern und Sachseii-Weimar-Eisenach vertheilt), bestehend 
aus den Aemtern 

a. Bie berstein mit den Ortschaften und Höfen (in Kurhessen 
und Bayern): 

Alrau.s, Armenhof, Batten, SchToss Bieberstein, Boxberg, Brand, Ditge.s, Egel- 
mos, Elters, Findlos, Gotthards, Gruben, Hausiinncn . Hofbieber, Kermes, Kühlos, 
Langenbieber, Liebhards, Mahlerts, Margretlienliaun , Melters, Niederbieber, Ober- 
benihards, Obernüst, Ködergrund, Seiferts, Steinbacli, Scliwarzbach , Thaiden , Thier- 
garton, Treisbacli, Unterbernhards, Wallings. Wie.sen, Wittges und Wolfcrts. 

Dahin gehörten ferner die reichsrittersdiaftlichen Orte der Rosen- 
bach'schen Vogtei (in Bayern): 

Dilge.s Rosenbacher Antheils, Dörnbach, Eckweissbach , Harbach, Kleinsassen, 
Langenbacli, Ober-, Mittel- und Unter-Rebsrod, Scliackau und Tanzwiesen. 

b. Blanken au mit den Ortschaften und Höfen (in Kurhessen): 
Blankenau, Brandlos, Gersrod, Hainzeil, Hauswurz, Hmenfeld, Jossa, Kirschrod, 

Pfaffenrod, Poppenrod, Schletzenhausen. 

c. Brücken au mit den Ortschaften und Höfen (in Bayern): 
Breitonau, Brikkenau, Geroda, Kurbrunnen, Mitgenfeld, Münchau, Modlos, 

Nieder- und Oberleichtersbach, Obergeiersnest, Rindenberg, Römershag, Schönderling, 
Schondra, Singenroin, Speioherts, Volters, Worncrz, Zünderabach. 

d. Burghau n mit den Ortschaften und Höfen (in Kurhessen): 
Burghaun, Gro^senmollr, Gruben, Hechelniannskirchen. Herberts, Klausniarbach, 

Kleiumohr, Langcnschwar/, Mahlerts, Michelsrunibach, Oberfeld, Oberrombach, Roten- 
kirchen, Rudoliiiishan, Schlot/au, Steinbacli. Von diesen waren reidisritterschaftlich : 
Hechelniannskirchen, Langenscliwarz und Schlotzau. 

e. Eiterfeld mit den Ortschaften und Höfen (in Kurhessen): 
Arzell, Betzenrod, Dittlofrod, Eiterfeld, Schloss Fürsteneck, Kürnbach, Leibolz, 

Leimbach, Malges, Mangei-s, Oberufhausen, Oberweisenborn, Reckrod, Unterulliausen, 
Wolf. 

(iericht JJ e n k i r c h e n : Hermannspiegel , M'auers , Miisenbach , Meisenbach, 
Neukirchen, Odensach.sen. 

Die reiclisrittersch af 1 1 i ch en Orte und Höfe: a. zur Cent Eiterfeld 
gehörig: Bodes, Branders, Buchenau, Erdmannrode, Fisch bach, (»iesenhain, Soislinden, 
Schwarzengrund; b. zur t'ent Neukirciien gehörig: Hliina, Schletzenrod , Wehrda, 
Waltershof. 



299 

f. Fisch ber^ mit dcii Oilscliaftcii iiiul Hüfeii (in Siichspri-Weimai- 

KiseiiHcli): 

AiulcnliiUiscii, UriiiihartsliiiUM'ii, 1 »cviiihiicli, I )ic(l(iit', Kiii|i|.ii.shaiisen , Follritz* 
(iladliiU'li. Kliii,t,'s. l.fiuU'i-s, Liii(l-iMi;ui, .Mrlnitz, NcidliaitsliaustMi, »Mn-ralha, .Steinberg, 
Untcialba, Zell. 

g. Fulda, Oberanit, mit lU-u ( )itscliatten und Höfen (in Kurhossen): 
Alrnemlorf, Henilianls, Hocki'ls, Hiauliaiis, Hruiizoll, Hiiikanlshöt'o, IMetersliahn, 

Dietershauseii. I)i]i|iei/, Pirlos, Dörinbai li, l'.del/.fll, KiciioiizeH , Kny-lbeliiis, Sclilo.s8 
Fasanerie, Florenbevg, Fiicsenbausoii . (ilas.Mizi'll, Hoias, Käiimi.M/.ell , Keiilds, Kobl- 
grund, Koblliaus, Kiiii/ell, LolmerzliiiR', liii(lcnni'iiul, Mclzrlurf, Hdl' .Mittflberg, Hot 
Moiilgiabon. Niedn- iiinl Olicriiorwicdcn. Nii'sig, ril.i;or/,ell, I'clorsbr'ig, Kinisiiauseii. 
Hex. Steiiiau, Steiiiliaiis, Stöckcls, Welkors, Hof Wortbsborg, Wisscls, Wisselsrod. 

h. Fulda, StadtsfluiUlicisiMiaint, mit den zur Bürgerschaft gehörigen 
drei Vorstädten : 

Wilbcinis-, FiieUricbb.- luul t>t. Niladaibuspilal; liio divi (jloiiiciiiden: Altenhof. 
rtas obere und untere Fischliaus, das Schiesshaus und die Ziegelhütte. 

i. Geisa mit den Ortschaften und Höfen (in Sachsen-Weimar- 
Eisenach) : 

Apfelbach, Bernbach. Borscli, Borbcis, Brehmen, Buttlar, Gcisa, Geisinar, 
(ierstengi"und, Hochrain, Ketten, Kolilbach, Kranlücken, Melleudorf, Miswarz. Motzlar, 
Oborroth, Unterroth, Otzbach, Reinharts. Schleida, Spahl. Walkes, Wenigentaft, 
Wiesenfeld, Zitters. 

Das reichsritterschaftliche von Geyra'sche und von Mansbach'sche 
Gericht mit den Dörfern : 

Mansbach, Breitzbach, (jilüni, Wenigentaft adeligen AntlieiLs und den Höfen . 
Grasgrüben, Grisselborn, Schwarzengrund, Buchenniühle. 

k. Grossenlüder mit den Ortschaften und Höfen (in Kurhessen): 
Eichenau, Grossenlüder, Kleinlüder, Lütterz, Malkes, Müs, Oberbinibach , Salz- 
schlirf, Ufthausen, Unterbinibach. 

1. Hammelburg mit den Ortschaften und Höfen (in Bayern): 

Dippach (Diebach), Feuerthal, Frankenbronn, Hammelsburg, Hundsfeld, Ober- 
eschenbach, Obererthal, Pfaffenhauseu, Keilh, Schloss Saleck, Öeeshof, Schwerzelbach. 
Thulba, Untereschenbach, Untererthal, Untergeiersnest, Wartmannsroth, Weslheiin. 
Die reichsrittersch aftlichen Orte: Hetzlos, Weihersfeld. 

m. Ha sei stein mit den Ortschaften (in Kurhessen): 

Grossentaft, Grüsselbach, Haselstein, Kirschhasel, Rasdorf, Setzelbach, Soisdnrf, 
Stendorf, Treischfeld. 

n. Herbstein, die Stadt (im Grossherzogthum Hessen). 

0. Hünfeld mit den Ortschaften (in Kurhessen): 

Dammersbach , Grossenbach , Hofascheubach , Hünfeld, Hünlian , Mackenzell, 
Marbach, Mittelaschenbach, Molzbach. Morles, Nüst, Oberaschenbach, Himmels, Rückers, 
Rosbach, Sargenzell, Silges. 

p. Johannesberg mit den Ortschaften (in Kurhessen): 



300 

Besges, Giesel, Haimbach, Harnierz, Johanuesberg, Istergiesel, Kerzell, Löschen- 
rod, Maberzell, Mittelrode, Neuenberg, Niederroda, Oberroda, Reinhards, Rodges, Rothe- 
mann, Sickels, Tiefengruben, Zell, Ziegel, Zirkeubach. 

q. Motten mit den Ortschaften (in Bayern): 

Altglashütten, Dalherda, Kothen, Motten, Neuglashütten, Stellberg, Werberg. 

r. Neu ho f mit den Ortschaften (in Kurhessen): 

Büchenberg, Büchenrod, DöUbach, Dorfborn, Eichenried, Elters, Flieden, 
Hattenhof, Hof und Haid, Kcuzelbuch, Kauppen, Magdlos, Mittelkalbach, Neuhof 
Schloss, Neustadt, Niederkalbach, Oppei-z, Romnierz, Rückers, Schweben, Storck, 
Veitsteinbach, Zillbach. 

s. Salmüuster mit den Ortschaften und Höfen (in Kurhessen): 

Ahl, Salmünster, Soden, Hof Salz und den reichsritterschaft liehen 
Orten des von Hütten 'sehen Grundes: Eckardroth, Kerbersdorf, Marborn, Romsthal, 
Wahlert, Teufclsmühle zu Sterbersdorf (in Bayern.) 

t. Sannerz mit den Ortschaften (in Kurhessen): 
Herolz, Sannerz, Weiperz. 

u. Uerzell mit den Ortschaften (in Kurhessen): 

Kiesberg, Marborn, Neustadt, Rabenstein, Rebsdorf, Sarrod, Ulmbach, Uerzell, 
Weidenau. 

V. Weihers mit den Ortschaften und Höfen (in Bayern): 

Abtsroda, Altenhof, Frauenholz, Gackenhof, Gichenbach, Hettenhausen, Hühner- 
kropf, Lütter vor der Hard, Menilos, Melters (Kurhessen) mit Neuwarth, Oberlütter, Ober- 
rod, Poppenhausen, Ried, Rothenholz, Schmalnau, Sieblos, Thalau, IVänkhof, Weihers. 

II. Die Grafschaft Dortmund (in Westphalen) mit der Stadt 
Dortmund und den Ortschaften: 

Altmengede, Brarabauerschaft (Hünnighausen und Tockhausen), ßrechten, 
Densen, Ellinghausen , Groppenbruch , Holthausen, Kemminghausen, Körne, Linden- 
horst, Ober- und Niedervinke, Schwieringhausen, Wambeln. 

III. Das Fürstenthum Corvey (in Westphalen), bestehend aus: 

a. Dem Stadtgericht Höxter. 

b. Dem fürstlichen Amt mit den Ortschaften: 

Altbaxen, Blankenau, Bödexen, Bosseborn, Brenkhausen, Fürstenau, Godelheim, 
Lüchtringen, Ottbergen, Ovenhausen, Stahle; den Bauerhöfen Magadessen und 
Falkenflucht. 

c. Dem Fürstlichen und Freiherrlich von Metternich' sehen Sammt- 

gericht: 

Amelunxen, Drenke, Wehrden. 

d. Dem adeligen Gericht Bruchhausen. 

e. Dem adeligen Gericht Lütmarsen. 

f. Den herrschaftlichen Domänengütern: 
Blankenau, Brenkhausen, Corvey, Fürstenau, Tonenburg. 

g. Den adeligen Gütern zu Amelunxen , Bruchhausen, Lütmarsen, 
Magadessen, Wehrden. 



301 

IV. Die Herrschaft Weingarten (in Würtemberg), bestehend 
aus dem Oberamte Weingarten und den Unterabtheilungen: 

a. Bergatreute mit Engenreute und Reichartshaus. 

b. Blitzenreute mit Buchsen, Eyb, Göringen, Hansel, Häge, Kögel, Krum- 
mensbach, Messhausen, Miggenhaus, Mochenwangen, Oberspringen, Staudenhof, Steig. 
Unterspringen, Vorsee. 

c. Blönried mit Amberg, Bärenweiler, Buschhorn, Hülen, Lohren, Multer, 
Münchenreute, Kankwirth, Kolhhäusle, Steinenbacli, Stuben. 

d. Bodnegg mit Thcuringen, Knglisreute, Hannober, Schafmeyer, Vollmarshofen 

e. Brochenzell mit Hungersberg, Laufenen, Sammletshofen, Weiler. 

f. Eich ach mit Beimbach, Dietenhofen, Horb, Kellenried, Matzenhofen, Mehlis- 
hofen, Oberstaig, Schnetzen, Weiler. 

g. E 8 en hausen mit Blümelsweiler, Frimmenweiler, Langen weiler, Nassach, 
Ringgenburg, Rimmersbcrg, Eothach, Wolfsbühl. 

h. Fronhofen mit Belzenhofen, Bubenbühl, Einöde, Ergetsweiler, Feldmoos. 
Fronreute, Furthäusle, Geratsreute, Grünlingen, Gunartsreiite, Hartmann, Korb, Mal- 
mishauss, Möllenbronn, Obelhofcn, Oberaichen, Reute-Fronhofen , Ruprechtsbruck, 
Schlupfen, Schreckensee, Steinishaus, Wielatsried, Wiesenhofen, Wolfsbühl, Wurzen- 
raayer. 

i. Hasen Weiler mit Buggenhausen, Bachmühle, Einhalden, Esbach, Gatten- 
hof, Gatten mühle, Haslachmühle, Ibach. 

k. Karrsen mit Albishaus, Beschliesshaus , Blinzer oder Eggerts, Bussmann, 
Dietrichs, Edenhaus, Edensbach, Eggenreute, Ettenlehen, Felbers, Feld, (ieiselharz, 
Goppertshäusern, Haag, Halden, Haslachmühle, Heselboschen, Hochberg, Hochburg, 
Ibenthal, Kehlings, Lohren, Lugnianns, Muschen, Ringgenweiler, Siggenhaus, Sommers, 
Stadel, Steissen, Steppach, Unteregg, Wüstenberg. 

1. Schlier mit Appenberg, Albisreute, Arneck, Bannried, Dietenberg, Dietenbach, 
Eratsrein, Frankenberg, Forstenhausen, Fechtberg, Füssingen, Gessenried, Kesenweiler, 
Kohlhaus, Katzheim, l^anzenreute, Mayerhäuser, Mayerhof, Mühlcnreute, Röschen, Rössler, 
Richlisreute, Ried, Schattbuch, Siebrathshaus, Stöcklisberg, Wetzisreute, Zundelbach. 

m. Waldhausen. 

n. Zehn tarnt diesseits der Schusse: Albertshofen, Baienfurt, Binningen, Baum- 
garten, Briehen, Busenberg, Haselhaus, Kehrenberg, Kiechle, Kocher, Lupratsberg, 
Niederbiegen, Oppelshofen, Spinnenhim, Unterankenreute. 

0. Zeh nt am t jenseits der Schusse: Benzenhofen, Berg, Diepoldshofen , Ettis- 
hofen, Hof bei Berg, Inntobel, Kanzach, Kreuzer oder Mohn, Steeg oder Strasser, Tobel. 

p. Vogteiamt Hagnau (in Baden) mit Frankenbach und Kippenhausen. 



^ 2 



K 



Gebietsvt'iäiidpningen in Folge des Hheinhundps, 12. Juli 18ü6. 

Im Jahre 1806 traten die Fürsten Friedrich August zu Nassau- 
Usingen und Friedrich Wilhelm zu Nassau-Weilburg dem Rheinbunde 
bei: der Prinz von Oranien versagte jedoch seinen Beitritt und verlor 
desshalb seine sämmtlichen deutschen Besitzungen. 

Zufolge der §. 6 der Rheinbundsacte, in welchem es heisst: ,Le 
chef de la raaison de Nassau prendra le titre Duc", nahm Fürst Fried- 



302 

rieh August den Titel „Herzog" au, und da er ohue männliche Nach- 
kommenschaft war, mit seinem Tode also nach dem Rechte der F'a-b- 
folge seine Länder an die Weilburgische Linie fielen, so fanden sicli 
beide Fürsten veranlasst, ihre beiderseitigen Besitzungen jetzt schon als 
ein Ganzes erscheinen zu lassen und zu Einem von ihnen gemeinschaft- 
lich regierten Herzogthum Nassau zu vereinigen. 

Sie traten an Frankreich ab: Kastei und Kostheim (J^. 22 I 
e.), und an das neugeschaft'ene Glrossherzogthum Berg: Köuigsvv inter, 
Vilich und De uz (§. 22 VL d. e. und f.) 

Dagegen machten sie laut §. 24 der Acte folgende Erwerbungen 
durch die Mediatisirung der Fürsten von Wied-Kunkol und Wied-Neu- 
wied, der Fürsten von Solms, des Grafen von Bassenheim, der Graf- 
schaft Holzappel und der Herrschaft Schaumburg, wie der reichsritter- 
schaftlichen Besitzungen, über deren Territorien sie die Souveränetät 
erhielten; sowie ferner durch die Zutheilung eines Theiles der Oranisch- 
deutschen Erblande. 

T. Die Grafschaft Holzappel und die Herrschaft Schaumburg. 

a. Grafschaft Holzappel: 
Kirchspiel Holzappel: Kirchspiel Langenscheid: 

1478) Holzappel mit 1 Mühle, 1 Blei- 1485) Langenscheid, 
und Silberhütte und dem Berger 1486) Geilnau. 

"^*- Kirchspiel Eppenrod: 

1479) Horhausen, ^ ,on^ -n a 
i^Q,n o j -A 1487) Eppenrod. 

1480) Scheid, . .' .,. , 

, .„,; T , 1488) Gnershausen. 

1481) Laurenburg. ^^^^^ Ruppenrode. 

Kirchspiel D ö r n b e r g : ^490) Isselbach. 

1482) Dörnberg. 

1483) Charlottenberg. 

1484) Kalkofen rechts der Lahn (Vgl.1471.) 

b. Herrschaft Schaum bürg: 

Kirchspiel Habenscheid: 1494) Steinsberg. 

1491) Cramberg. 1495) Hof Habenscheid mit der Mutter- 

1492) f^'chaumburg. kirche. 

1493) Biebrich. 

Der Hof Habenscheid ist auf der Buna' sehen Karte bei dem Amte 
Catzenelnbogen verzeichnet und auch der Staats- und Adress-Kalender 
von 1813 zählt ihn zu diesem Amte. Vogel führt ihn jedoch bei der 
Herrschaft Schaumburg auf, die aus dem Kirchengebiete von Haben- 
scheid bestehe. Aber auch das reichsritterschaftliche Wasenbach pfarrte 
hierher. 

IL Die auf dem linken Lahnufer liegenden Ortschaften der Graf- 
schaft Wied-Runkel. 

Kirchspiel Runkel: 1497-) Ennerich mit 1 Mahl- und Papier- 

1496) Runkel. mühle. 



303 



Kirchspiel Blessenbach: 

149S) Blessenbach mit. dem Weinbach- 

und Hürder-Hofe. 
1199) Laubiisoschbach mit 1 Silber-, 

Kuiil'ei- und Bleibergwerk und 

Eisenstoingruben. 



1501) Weyer. 

)r.02) Langbecke.warznr Hiilfte Trierisch. 

Vcrgl. iir.i. 

Kirchsiiiel W olfen hausen: 
ir,ii;{) Wolf.-nhauson mit 1 Mühle und 
dem Nicülaus Dernbachs Hofe bei 
der Langhecke. 



Kirchspiel Münster: 

1500) Münster mit ,'] Mühlen und Eiaen- 
steingruben, 

III. Die Oranische Grafschaft Die/,. 
Ortschaften §. 18, III. 738—706. 

IV. Den Orauischen Antheil an den Aemtern Camberg und 
Wehrheim, sowie an Mensfelden und Eisenbach. 

§. 20, F. I. II. III. IV. 

V. Den Oranischen Antheil an Grund Seel- und Burbach, 
sowie das Oranische Amt Burbach. 

Ortschaften: §. 18, I. f. und §. 20 D. 

VI. Die Bassenheimischen Herrschaften Reifenberg und Crans- 
berg, letztere zur Reichsritterschaft gehörig. 

a. Herrschaft Reifen berg: 



1504) Oberreifenberg mit 2 Mühlen. 

1505) Niederreifenberg. 
1500) Seelenberg. 

b. Herrschaft C ran s berg: 
1509) (,'ransberg mit 3 Mühlen. 



1507) Schmitten. 
1508; Arnoldshain. 



1511) Wernborn mit 1 Mühle. 

1512) Pfatfenwiesbach. 



1510) Friedrichsthal. 

VIT. Die Grafschaft Wied-Neuw ied, von welcher Neuwied 
nebst 8 Kirchspielen (1538 — 1569) im Jahre 1815 an Preussen abge- 
treten wurden. 



a. Amt Grenzhausen: 

Kirchspiel Maxsayn, welches 1799 aus 

der Grafschaft Sayn-Hachenburg an 

Wied-Neuwied gefallen war: 

1513) Maxsayn mit 1 Mühle und Eisen- 
hütte. 

1514) Zürbach. 

1515) Wölferlingen. 

1516) Freilingen. 

Kirchspiel Aisbach. 

1517) Aisbach mit dem Hofe Kembs. 

1518) Hundsdorf. 

1519) Hilgert. 

1520) Faulbach. 



Kirchspiel 1) reifeld en : 
1.521) Dreifelden. 
l.''»22) Langenbaum. 

1523) Linden. 

1524) Schmidthahn. 

1525) Seeburg. 

1520) Steinebach mit 2 Mühlen. 

Kirchspiel Grenz hausen: 
1527) Grenzhausen mit 1 Mühle. 
Kirchspiel Nordhofen: 

1.528) Nordhofen. 

1529) Mogendorf. 

1530) Vielbach mit 1 Mühle. 



304 



1531) Quirnbach mit 1 Mühle. 

1532) Selters mit 1 Papiermühle. 

Kirchspiel Kückeroth: 

1533) Rückeroth. 

1534) Goddert. 

1535) Stahlholen mit 5 Mühlen und den 

An Preussen wurden 1815 abgetreten: 

b. Stadtamt Neuwied: 
1538) Neuwied. 

c. Amt Heddesdorf: 



Höfen: Adelsheim, Beller, Boosi- 
scher Hof, Herschbacher Kellerei- 
hof, Niesnerischer Hof, Seeburg, 
Schönerlen und Dehriss. 

1536) Steinen. 

1537) Strasse. 



Kirchspiel Anhausen: 

1539) Anhausen. 

1540) Meinborn. 

1541) Thalhausen. 

1542) Rüscheid. 

Kirchsjiiel A 1 1 w i e d : 

1543) Altwied. 

1544) Datzenrod. 

1545) Meisbach. 

Kirchspiel Feldkirchen: 

1546) Feldkirchen, Kirche. 

1547) Fahr. 

1548) Wollendorf. 

1549) Gönnersdorf. 

1550) Hüllenberg. 

1551) Rodenbach. 

1552) Rockenfeld. 

Kirchspiel Heddesdorf: 

1553) Heddesdorf. 

1554) Rasselstein. 



Kirchspiel Oberhonn efeld: 

1555) Niederhonnefeld. 

1556) Oberhonnefeld. 

1557) Oberhümmerich. 

1558) Niederhümmerich. 

1559) Ellingen. 

1560) Oberraden. 

1561) Niederraden. 

1562) Jahrsfeld. 

Kirchspiel Niederbieber. 

1563) Niederbieber. 

1564) Segendorf. 

Kirchspiel Oberbieber: 

1565) Oberbieber. 

Kirchspiel Rengsdorf: 

1566) Rengsdorf. 

1567) Ehlscheid. 

1568) Hardert. 

1569) Bonefeld. 



VIII. Das Wied-Runkelsche Amt Dierdorf, mit Ausnahme des 
Dorfes Freirachdorf 1815 an Preussen abgetreten. 



Kirchspiel Freirachdorf: 

1570) Freirachdorf. 

1571) Hilgert. 
1573) Elgert. 

1573) Wiedisch-Hausen. 

Kirchspiel Dierdorf: 

1574) Dierdorf. 

1575) Brückrachdorf. 

1576) Giershofen. 

1577) Wienau. 



Kirchspiel Maischeid:* 

1578) Grossmaischeid. 

1579) Kleinmaischeid. 

1580) Kausen. 

1581) Stebach. 

Kirchspiel Isenburg:* 

1582) Isenburg. 



*) Die Kirchspiele Maischeid und Isenburg waren Gemeinschaft des Fürsten 
von Wied-Runkel und des Grafen von WalderdorflF. Sie bildeten das Amt Maischeid, 
welches 1811 aufgehoben und mit dem Amte Dierdorf verbunden wurde, indem der 
Graf von Walderdorfl' auf seine Juridictions-Gerechtsame verzichtete. 



305 



Kirchspiel Niederwambach: 

1583) Niederwambach. 

1584) Ascheid. 

1585) Alberthofen. 

1586) Breibach. 

1587) Brubbacb. 

1588) Lahrbach. 

1589) Neitzert. 

1590) Katzert. 

1591) Podenbach. 

1592) Sensenbach. 

1593) Steimel. 

1594) Seyen. 

1595) Udert. 

Kirchspiel Ob erdreis: 

1596) Oberdreis. 

1597) Dendert. 

1598) Lauzert. 

Kirchspiel Puderbach: 

1599) Puderbach. 

1600) Bauscheid. 

1601) Breitscheid. 



1602) Daufenbach. 
1608) Döttesfeld. 

1604) Haberscheid. 

1605) Muscheid. 

1606) Niederdreis. 

1607) Oberähren. 

1608) Reichenatein . 

1609) Reichert. 

1610) Strunkeich. 

1611) Wehroth. 

1612) Werlenbach. 

1613) Woltert. 

Kirchspiel R a u b a c h : 

1614) Raubach. 

1615) Brechhofen. 

1616) Hanroth. 

Kirchspiel Urbach: 

1617) Urbach-Kirchdorf. 

1618) Urbach-Ueberdorf. 

1619) Dernbach. 

1620) Harschbach. 

1621) Linkenbach. 

1622) Niederhofen. 



IX. Die Chur-Cölnischen, erst im Jahre 1803 Wied-Runkelisch 
gewordenen Aemter Altenwied und Neuerburg, 1815 an Preussen 
abgetreten. 

a. Amt Altenwied: 

aa. Kirchspiel Asbach: 
Hunschaft Elsaff: 
1623 a.) Asbach. 
1623 b.) Elsaff. 

1624) Drinhausen. 

1625) Bennau. 

1626) Köttingen. 

1627) Meyersseifen. 

1628) Germscheid. 

1629) Rauenhahn. 

1630) Muss. 

1631) UntereUes. 

1632) Sauerwiese. 

1633) Hof Diepenseifen. 

1634) Krumraenast. 

1635) ObereUes. 

1636) Wahl. 

1637) Heck. 

1638) Liraberg. 

1639) Busch. 

1640) Schluden. 

1641) Rindhauaen. 



1642) 


Press. 




1643) 


Hoven. 




1644) Walgenbach. 






Hunschaft L 


imbacb: 


1645) 


Hussen. 




1646) 


Lohe. 




1647) 


Hurtenbach. 




1648) 


Limbach. 




1649) 


Graben. 




1650) 


Dittscheid. 




1651) 


Sessenhausen. 




1652) Krumbach. 




1658) 


Wester. 




1654) 


Zur Heide. 




1655) 


Parscheid. 






Hunschaft Krautscheid 


1656) 


Buchholz. 




1657) 


Solscheid. 




1658) 


Hammelshahn. 




1659) 


Seifen. 




1660) 


Krautscheid. 


20 



806 



1661) Neichen. 

1662) Dammig. 

1663) Wartenbrucli. 

1664) Priestersberg. 

1665) BüUesbacb. 

1666) Jungeroth. 

1667) Walroth. 

Hunschaft Griessenbach: 

1668) Wallau. 

1669) Oberscheid. 

1670) Mend. 

1671) Scheiberg. 

1672) Irmroth. 

1673) Griessenbach. 

1674) Uebersehes. 

1675) Elles. 

Hunschaft Schöneberg: 

1676) Kallscheid. 

1677) Hof Reeghof. 

1678) Kloster Ehrensteiu, 

1679) Altenburg. 

1680) Schöneberg. 

1681) Krumscheid. 

1682) Altenhofen. 

1683) Niedermühlen. 

1684) Hof Tiefen au. 

1685) Heide. 

1686) Dinspel. 

1687) Kronkel. 

1688) Oberplag. 

1689) Strassen. 

1690) Hinter plag. 

1691) Thelenberg. 

1692) Wilsberg. 

bb. Kirchspiel Windhagen: 
Hunschaft Kederscheid: 

1693) Schweifeid. 

1694) Rederscheid. 

1695) Frohnen. 

1696) Hallerbach. 

1697) Köhlershohn. 

1698) Hohn. 

1699) Günderscheid, 

Hunschaft Windhagen: 

1700) Windhagen. 

1701) Johannsberg. 

1702) Hüngsberg. 
1703J Birkenseifen. 
1704) Hecken. 



1705) Oberwindhagen. 

1706) Niederwindhagen. 

1707) Stockliausen. 

cc. Kirchspiel Neustadt: 
Hunschaft Bertenau: 

1708) Neustadt. 

1709) Eilen berg. 

1710) Manroth. 

1711) Alte Hütte. 

1712) Hombach. 

1713) Dasbach. 

1714) Funkenhausen. 

1715) Fernthal. 

1716) Borscheiil. 

1717) Bertenau. 

1718) Jungfernhof. 

1719) Neschen. 

Hunschaft Bühlingen: 

1720) Bühlingen. 

1721) Brüchen. 

1722) Ehrenberg. 

1723) Kruaimenau. 

1724) Rüddel. 

1725) Nieder-Etscheid. 

1726) Wasemsfeld. 

1727) Prangenberg. 
0728) Vogtslag. 

1729) Ober-Etscheid. 

1730) Etscheid, Capelle. 

Hunschaft Elsa ff im Thale Wied 

1731) Rott. 

1732) Oberelsaff. 

1733) Mittel elsaff. 

1734) Wahrenberg. 

1735) Dinkelbach. 

1736) Wülsreeg. 

1737) Heide. 

1738) Altenwied. 

1739) Wied. 

1740) Wiedmühle. 

1741) Steeg. 

1742) Kodden. 

1743) Unterelsaff. 

Hunschaft Lorsch eid: 

1744) Lorscheid, 

1745) Strödt. 

1746) Stoinshardt. 

1747) Homscheid. 

1748) Vettelschoss. 



307 



1749) Willscheid. 

1750) Kaienborn. 

1751) Kau. 

1752) Noscheid. 

Hunschaft Rahms: 

1753) Rahms. 

1754) Paff hausen. 

b. Amt Neuerbu rg: 

Kirchspiel Waldbreitbach: 
Hunschaft Oberbreitbach: 

1762) Ober- oder Waldbreitbach. 

1763) Wüscheid. 

1764) Glockscheid, 

1765) Over. 

1766) Mertesacker. 

1767) Gassbitz. 

Hunschaft Niederbreitbach; 

1768) Niederbreitbach mit der Clemens- 
hütte. 

1769) Wolfenacker. 

1770) Heeg. 

1771) Bürden. 

1772) Schloss Neuerburg. 

1773) Hagertshof. 

1774) Kelterhof. 

1775) Ackerhof. 

1776) Hausener Hof. 

1777) Kürtenacker. 

Hunschaft Bremse heid: 

1778) Brcmscheid. 

1779) Sohl. 

1780) Muscheid. 

1781) Stopperich. 

1782) Weissfeld. 

1783) Seidenhahn. 

1784) Bitze. 



1755) 
1756) 
1757) 
1758) 
1759) 
1760) 
1761) 



Ammerich. 

Scharenberg. 

Gerhardshahn. 

Weissenfeis. 

Strauscheid. 

Oberhoppen. 

Niederhoppen. 



1785) Reuschenbach. 


1786) 


Hausen. 


1787) 


Frorath. 


1788) Mahlberg. 


1789) 


Hähnen. 


1790) 


fjangscheid. 


1791) 


Sollscheid. 




Hunschaft Rossbach 


1792) 


Rossbach. 


1793) 


Lach . 


1794) Spreitchen. 


1795) 


Scheuerchen. 


1796) 


Schimmelshahn. 


1797) 


Reifert. 




Hunschaft Breitsc hei 


1798) 


Breitscheid. 


1799) 


Nassen. 


1800) 


Dasbach . 


18(11) 


Siebei\niorgen. 


1802) Hollig. 


1803) 


Goldscheid. 


1804) 


Ferscheid. 


1805) 


Hochscheid. 


1806) 


Gersthahn. 


1807) 


Eisbach. 


1808) 


Bleischeid. 


1809) 


Kurt scheid. 


1810) 


Escherwiese. 



X. Die Solmsischen Aeniter Rraunfels, Greifenstein und 
Hohensolms, 1815 an Preussen abgetreten. 

a. Das Amt Braun fei s, dem Fürsten von Solms-Braunfels ge- 



hörig. 

1811) Braunfels. 

1812) Albshausen. 

1813) Altenberg. 

1814) Bonbaden. 

1815) Burgsolras. 



1816) Homburger Hol. 

1817) Kraftsolms. 

1818) Krnffelbach. 

1819) Griedrlbach. 

1820) Laufdorf. 



308 

1821) Leun. 1829) Obernbiel. 

1822) Magdalenenhausen. 1830) Oberndorf. 

1823) Münchholzhausen. 1831) Oberquembach. 

1824) Nauborn. 1832) Oberwetz. 

1825) Neukirchen. 1833) Schwalbach. 

1826) Niedernbiel. 1834) Steindorf. 

1827) Niederquembach. 1835) Tiefenbach. 

1828) Nieder wetz. 

b. Das Amt Greifenstein, dem Fürsten von Solms-Braunfels 
gehörig. 

1836) Greifenstein. 1847) Greifenthal. 

1837) Allendorf. 1848) Dillheim. 

1838) Asslar. 1849) Dreisbach. 

1839) Bechlingen. 1850) Edingen. 

1840) Berghaosen. 1851) Ehringshausen. 

1841) Biskirchen. 1852) Holzhausen. 

1842) Bissenberg. 1853) Niedergirmes. 

1843) Breitenbach. 1854) Niederlemp. 

1844) Catzenfurth. 1855) Stockhausen. 

1845) Cökchhausen. 1856) Ulm. 

1846) Daubhaasen. 1857) Werdorf. 

c. Das Amt Hohensolms, dem Fürsten von Solms-Lich gehörig. 

1858) Hohensolms. 1863) Bermel. 

1859) Ahrdt. 1864) Blasbach. 

1860) Altenkirchen. 1865) Erda. 

1861) Altenstädten. 1866) Mudersbach, 

1862) Beilersdorf. 1867) Oberlemp. 

XI. Folgende reichsritterschaftlichen Orte: 

a. Des Fürsten von der Leyen: 

1868) Fachbach. 1872) Hühnenberger Hof. 

1869) Nievern mit 5 Mühlen. 1873) Hof Buchenbom im reichsritter- 

1870) Miellen. schaftlichen Gebiete Osterspai des 

1871) Hohenrheiner Eisenhütte. Freiherrn von Preuschen gelegen. 

b. Des Freiherrn vom Stein: 

1874) Frucht. 1875) Schweighausen mit 1 Mühle. 

c. Des Grafen von Boos-Waldeck: 

1876) Wasenbach. 

d. Des Freiherrn von Preuschen von und zu Liebenstein. 

1877) Osterspai mit 2 Mühlen und dem Hofe auf der Pottasche. 



309 

e. Des Grafen von Schönborn und des Freiherrn von Franken- 
stein: 

1878) Dornassenheim. 

f. Des Grafen von S i c k i n g e n , dessen reichsritterschaftliche 
Qualität jedoch bestritten war, wesshalb Widder, historisch-geogra- 
phische Beschreibung der Kurpfalz, den Ort zum Unteramt Canb zählt. 

1879) Sauerthal. 1881) ütteser Hof. 

1880) Fronborner Hof. 

g. Des Herrn von Marioth: 

1882) Langenau (Amt Nassau.) 

h. Der Familie von Bettendorf, zuletzt Gräfin Coudenhoven: 

1883) Niederhof heim mit dem Hof Hausen 1884) Falkenetein mit dem Hofe Röders. 
vor der Sonne. 

Beide waren Nassauische Lehen. 

i. Des Grafen von Bassenheim: 

Die unter VI. b. aufgezählte Herrschaft Cransberg. 

§. 26. 

Veräodfrungen in RUrksicht der Oranischeii Gebiete. 

Da durch den Kheinbund der Prinz von Oranien der Souverainetät 
über seine deutschen Besitzungen verlustig erklärt wurde, so schlug 
man die in §. 18 genannten, mit Ausnahme der an Nassau gekom- 
menen Grafschaft Diez und des Antheils an Caraberg, Wehrheim , Mens- 
felden und Eisenbach, so wie an Grund Seel- und Burbach (§. 25. III. 
IV. V.) zu dem neu gegründeten Grossherzogthum Berg, dessen Gross- 
herzog, Joachim Murat, solche sogar im Jahre 1808 für Eigenthum 
erklärte, weil der Fürst von Nassau-Oranien-Fulda (wie der Prinz seit 
1803 wegen des ihm damals zugetheilten Fürstenthums Fulda hiess) im 
preussischen Kriege von 1806 und 1807 die Waffen gegen seinen 
Landesherrn getragen habe. Den Johannisberg erhielt der franzö- 
sische Marschall Kellermann, Herzog vonValmy. Der Kaiser von 
Oesterreich schenkte ihn 1816 dem Fürsten von Metternich. 

Das Grossherzogthum Berg, welches durch französisches Decret 
vom 15. Juli 1808 dem bisherigen Grossherzoge genommen und dem 
französischen Reiche einverleibt wurde, zerfiel in 4 Departements: Rhein, 
Sieg, Ruhr und Ems. Die oben genannten Oranischen Länder, so weit 
sie also nicht an Nassau gekommen waren , wurden dem Departement 
Sieg zugetheilt und bildeten das Arondissement Dillenburg mit 
58044 Einwohnern. P^s wurde letzteres in 7 Cantone getheilt; 



310 

1) Canton Dillen bürg, der Sitz des Präfecten des Siegdeparte- 
ments, (11524 Einw.) mit den Mairien: Dillenburg, Eibach, Haiger und 
Ebersbach. 

2) Canton Herborn (8039 Einw.) mit den Mairien: Herborn, 
Hörbach, Bicken und Eisemro th. 

3) Canton Driedorf (7621 Einw.) mit den Mairien: Driedorf, 
Mengerskirchen und Eisoff". 

4) Canton Rennerod (10959 Einw.) mit den Mairien: Kennerod, 
Marienberg, Höhn und Emmerichenhain. 

5) Canton Hadamar (11311 Einw.) mit den Mairien: Hadamar, 
Off'heim, Zeuzheim, Lahr und Frickhofen. 

Auch die Grafschaft Westerburg und der rechts der Lahn liegende 
Theil von Wied-Kunkel kamen unter die Souverainetät von Berg und 
bildeten 2 Cantone des Bezirks Dillenburg, nämlich: 

6) Canton Westerburg (4723 Einw.) mit den Mairien: Wester- 
burg und Gemünden. 

7) Canton Runkel (3867 Einw.) mit den Mairien : Schupbach und 
Schadeck. 

§• 27. 
Organisation des neu gebildeten Herzogtbums iVassau. 

Das Herzogthum enthielt nunmehr 103 Quadratmeilen mit 273,000 
Einwohner, nach einer anderen Angabe jedoch nur 100 Quadratmeilen, 
nämlich an eigenthümlichen Besitzungen 75 , und an standesherrlichen 
25 Quadratmeileu. Davon machte der bis 1806 getrennte Weilburgische 
Antheil 21 Quadratmeilen aus. Nach derselben Angabe betrug die 
Zahl der landesherrlichen Unterthanen 190,000, die der standesherrlichen 
80,000, so dass sich also die Gesammtzahl auf 270,000 belaufen 
hätte. Der französische Almanach von 1812 gibt die Einwohnerzahl 
des Herzogtbums wohl übertrieben zu 300,000 an. 

Mit der Besitznahme der in Folge des Reichsdeputationshaupt- 
schlusses von 1803 neu erworbenen Landestheile waren die an Nassau- 
Usingen gek<»mmenen (lebiete der Regierung zu Wiesbaden unterstellt 
worden ; Nassau -Weilburg hatte für die alt-weilburgischen Theile die 
Regierung zu Weilburg, für Sayn-Hachenburg die Regierung zu Hachen- 
burg beibehalten, für die neuerworbenen Trierischen Landestheile aber 
eine eigene Regierung zu J^hrenbreitstein errichtet. Als nun dem am 30. 
.\ugust 1806 gebildeten, gemeinschaftlich regierten Herzogthum neue 
Gebiete der mediatisirten Fürsten einverleibt wurden, unterstellte man 
deren Verwaltung einer eigens errichteten Administrations-Com- 
mission zu Wiesbaden, deren Wirkungskreis sich also über die 



311 

Aemter: Altenwied, Dierdoif, Heddesdorf, Maischeid, Neuerburg, Neu- 
wied, Selters, Kunkel (Wied-Neuwiedisches und Wied-Kunkelisches Standes- 
gebiet), Braunfels, Greifenstein, Hohensolms (Solmsisches Standesgebiet), 
Schaumburg (Schaumburgisches Standesgebiet), Reifenberg (Bassenheim- 
isches Standesgebiet), Diez, Dauborn (Oranisches Gebiet), sowie über die 
früher reichsritterschaftlicheu Gebiete: Nieveru , Sauerthal, Wasenbach, 
Frucht, Schweighausen, Dornassenheim, Langenau, Cransberg und Nieder- 
hofheim erstreckte^ Der Regierung zu Hachenburg wurden die Aemter 
Biirbach und Neunkirchen, der Regierung zu Ehrenbreitstein das reicha- 
ritterschaftliche Osterspai überwiesen. 

Die auf die ehemaligen staatlichen Verhältnisse sich gründenden 
unteren Verwaltungsämter blieben unter Zutheilung der meisten reichs- 
ritterschaftlichen Orte bestehen, so dass das Herzogthum deren 62 
zählte: 1) Altenkirchen, 2) Altenwied, 3) Atzbach, 4) Braubach, 5) Braun- 
fels, 6) Burbach, 7) Camberg. 8) Catzenelnbogen, 9) Caub, 10) Cleeberg, 
11) Cransberg, 12) Cronberg, 13) Dierdorf, 14) Diez, 15) Ehrenbreitstein, 
16) Eltville, 17) Eppstein, 18) Freusburg, 19) Friedewald, 20) Greifen- 
stein, 21) Hachenburg, 22) Hammerstein, 23) Heddernheini, 24) Heddes- 
dorf, 25) Herschbach, 26) Hochheim, 27) Höchst, 28) Hofheim, 29) Hohen- 
solms, 30) Idstein, 31) Kirberg, 32) Königstein, 33) Oberlahnstein, 
34) Limburg, 35) Linz, 36) Maischeid, 37) Meudt, 38) Miehlen, 39) Mon- 
tabaur, 40) Nassau, 41) Neuerburg, 42) Neunkirchen, 43) Nieveru, 
44) Neuwied, 45) Oberursel, 46) Reichelsheini, 47) Reifenberg, 48) Rüdes- 
heim, 49) Runkel, 50) Schaumburg, 51) Schöneberg, 52) Schönstein, 
53) Selters, 54) Sulzbach, 55) Usingen, 56) Vallendar, 57) Wallau, 
58) Wehen, 59) Wehrheim, 60) Weilburg, 61) Wellmich, 62) Wiesbaden. 

Durch Edicte vom 25. Juli und 1. August 1809 wurden die 
Admiuistrations-Commission zu Wiesbaden und die Regierung zu Hachen- 
burg aufgehoben und die dahin gehörigen Aemter den Regierungen zu 
Wiesbaden und Ehrenbreitstein überwiesen. 

Auch in den Aemtern erfolgten bis zum Jahre 1813 mannigfache 
Veränderungen, namentlich wurden aufgehoben: 

1) Das Amt Miehlen, durch Edict vom 7./8. August 1809. 

Die Ortschaften : Miehlen, Endlichhofen, Arnstein, Kalkofen , Seelbach wurden 
dem Amte Nassau zugetheilt; Strütli, Welterod und Lipporn dem Amte Caub; 
Rettert dem Amte Catzenelnbogen; Weinähr, Winden und Dies dem Amte 
Montabaur. 

2) Die Aemter Höchst, Hofheim, Oberursel, Eppstein, 
Königstein, Cronberg, Sulzbach, Heddernheim, Usingen, 
Wehrheim, Cransberg, Cleeberg und Reifenberg, am 16. Juli 
1810, und aus deren Ortschaften 5 neue Aemter: Höchst, Ober- 
ursel, Königstein, Usingen uudCleeberg gebildet. Als Amtssitz 
von Cleeberg wurde Usingen bestimmt. 



312 

In Folge dieser Verordnung wurden ferner zugetheilt: 

Finstemthal, Amts Idstein, dem Amte Usingen; Steinfiachbach, Amts Usingen, 
dem Amte Idstein; Weilbach und Wicker, Amts Höchst, dem Amte Wallau: 
Ebersgöns und Obercleen , Amts Cleeberg, dem Amte Atzbach ; Edderaheim 
und Flörsheim, Amts Hochheim, dem Amte Höchst. 

3) Das Amt Maischeid, am 6. Nov. 1811, nachdem der Graf 
von Walderdorfl", welcher dieses Amt mit dem Fürsten von Wied-Runkel 
gemeinschaftlich besass, seine Jurisdictions-Gerechtsame dem Herzoglichen 
Hause abgetreten hatte. Es wurde mit dem Amte Dierdorf verbunden. 

4) Unterm 31. Mai 1812 wurden die Aemter Friedewald, Bu r- 
bach und Neunkirchen zwar zu einem Amte vereinigt, jedoch auch 
in der Folge noch immer besonders aufgeführt. 

5) Für die Aemter Wellmich, Braubach, Oberlahnstein 
und Nievern war ein Beamter in Braubach, der jedoch bis zur Ver- 
einigung zu einem Amte Braubach (der Zeitpunkt ist nicht zu er- 
sehen) für jedes Amt seinen betreffenden Functionstitel führte. 

6) Die Aemter Camberg und Kirberg wurden zu einem 
Amte Kirberg mit dem Sitze in Camberg vereinigt. 

7) Das Amt Selters wurde seit 1813 das Amt Grenzhausen 
genannt, der Sitz blieb jedoch in Selters. 

Im Jahre 1813 bestand demnach in Folge dieser Veränderungen 
das Herzogthum aus 48 Aemtern mit folgenden Kirchspielen, deren 
einzelne Ortschaften bei den betreffenden Kirchspielsorten oben zu er- 
sehen sind. 

I. Regierungsbezirk Wiesbaden, oder das obere Her- 
zogthum. 

1) Amt Braubach, aus 2 getrennten Stücken bestehend. 

Kirchspiele: Braubach, Gemmerich, Dachsenhausen, Oberlahnsteiu , Camp, 
Pilsen, Niederkestert, Osterspai, Wellnüch und Nievern. 

2) Amt Braun f eis, aus 2 getrennten Stücken bestehend. 
Kirchspiele: Braunfels, Burgsolms, Kröftelbach, Leun, Münchholzhausen, Obem- 

biel, Oberquembach, Oberwetz. Ferner gehörten hierher: Nauborn, Kirchspiel Wis- 
mar, (Amt Atzbach) und Niederwetz, Kirchspiel Reiskirchen, (Amt Atzbach). 

3) Amt C atze nein bogen. 

Kirchspiele : Burgschwalbach, Dörsdorf, Kettenbach, Klingelbach, Panroth, (mit 
Ausnahme von Hennethal, siehe 12) Schönborn und Eettert. Ferner gehörten hier- 
her: Wasenbach, Schiesheim, Gutenacker und Ober fisch bach. 

4) Amt Cau b. 

Kirchspiele: Caub, Dörscheid, Weisel und Welterod. Femer gehörte hierher: 
Sauerthal, eingepfarrt nach Kansel. 

5) Amt Cleeberg, aus 2 getrennten Stücken bestehend. 

Kirchspiele: Anspach, Brandoberndorf, Cleeberg, Eschbach, Wehrheim, Crans- 
berg und Pfaffenwiesbach. Femer gehörten hierher: Elspa und Weiperfelden, welches 
letztere nach Hochweisel, Gross herzogthum Hessen, pfarrte. 



313 

6) Amt Diez. 

Kirchspiele: Diez, Flacht, Freiendiez, Hahnstätten (mit Ausnahme von Schies- 
heim, siehe 3), Hirschberg, Oberneisen, Staffel und Balduinstein. Femer gehörte 
hierher Linter. 

7) Amt Eltville. 

Kirchspiele: Eltville, Erbach, Frauenstein, Hallgarten, Hattenheim, Kiedrich, 
Mittelheim, Neudorf, Niedergladbach, Niederwalluf, Oberwalluf, üestrich und llauen- 
thal mit dem Nassauischen Theile von Schlangenbad. 

8) Amt Greifenstein. 

Kirchspiele: Aslar, Biskirchen, Cölschhausen, Daubhausen, Dillheim, Greifen- 
stein. Ulm und Werdorf. 

9) Amt Hoch heim, bloss aus Hochheim bestehend. 

10) Amt Höchst. 

Kirchsjüele: Höchst, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Hattersheim, Hof- 
heim, Kriftel, Marxheim, Münster (mit Ausnahme von Hornau und Kelkheim, siehe 
14), Oberliederbach, Okriftel, Eddersheim und Flörsheim. 

11) Amt Hohensolms. 

Kirchspiele: Altenkirchen, Blasbach, Erda und Hohensolms. 

12) Amt Idstein. 

Kirchspiele : Bechtheim, Breithardt, Esch, Heftrich, Idstein, Michelbach, Nieder- 
seelbach, Oberauroff, Oben-oth, Steinfischbach. Strinz-Margarethä, Strinz-Trinitatis, Wals- 
dorf und Wörsdorf. Ferner gehörte hierher: Hennethal. 

13) Amt Kirberg. 

Kirchspiele : Kirberg, Nauheim, Mensfeldcn (mit Ausnahme von Linter, siehe 6), 
Dauboru, Camberg, Eisenbach, Haiptchen und Hasselbach. 

14) Amt Königstein. 

Kirchspiele: Königstein, Neuenhain, Fischbach, Oberjosbach und Schlossbom. 
Femer gehörten hierher : Hornau und Kelkheim. 

15) Amt Limburg. 

Kirchspiele: Dictkirchen, Elz, Limburg, Lindenholzhausen , Niederbrechen, 
Oberbrechen, Villmar und Werschau mit Langhecke rechts des Baches. 

16) Amt Nassau. 

Kirchspiele: Dornholzhausen, Marienfels, Nassau, Dausenau, Dienethal, Ems, 
Frucht, Scliweighausen, Miehlen, Singhofen, Bechelu, Seelbach mit Kalkofen auf der 
linken Lahnseite, und Obernhof Ferner: Bremberg, Attenhausen und Endlichhofen. 

17j Amt Oberursel. 

Kirchspiele: Bommersheim, Eschborn, Heddernheim, Cronberg, Oberhöchstadt, 
Obenirsel, Schwalbach, Sulzbach und Weisskirchen. Ferner: Harheim , eingepfarrt 
nach Vilbel. 

18) Amt Küdesheim. 

Kirchspiele: Assraannshausen , Eibingen, Geisenheim, Johannisberg, Lorch, 
Lorchhausen, Presberg, Itansel, Küdesheim, Stephanshausen und Winkel. 

19) Amt Kunkel, aus zwei getrennten Stücken bestehend. 
Kirchspiele: Blessenbach, Münster mit Langhecke links des Baches, Kunkel 

und Wolfenhaußen. 

20* 



314 

20) Amt Schauraburg. 

Kirchspiele: Eppenrode, Langenscheid. Dörnberg mit Kalkofen auf der rechten 
Lahnseite und Holzappel. Ferner : Biebrich, Steinsberg und Cramberg. 

21) Amt Usingen. 

Kirchspiele : Altweilnau , Grävenwiesbach , Amoldshain , Merzhausen , Nieder- 
lanken, Neuweilnau, Rod am Berg, Itod an der Weil, Usingen und Reifenberg. 

22) Amt Wallau. 

Kirchspiele : Breckenheim, Delkenheim, Diedenbergen, Igstadt, Lorsbach, Massen- 
heim, Nordenstadt, Wallau, Weilbach und Wicker. 

23) Amt Wehen. 

Kirchspiele : Adolphseck, Bleidenstadt und Wehen mit dem Jagdschlosse Platte. 

24) Amt Wiesbaden. 

Kirchspiele: Bierstadt, Dotzheim, Erbenheim, Kloppenheim, Mosbach mit Bieb- 
rich, Nauroth, Schierstein, Sonnenberg und Wiesbaden. 

II. Regierungsbezirk Ehrenbreitstein oder das untere 
Herzogthum. 

25) Amt Altenkirchen, aus 2 getrennten Stücken bestehend. 

Kirchspiele: Altenkirchen, Hilgenroth, Almersbach und Mähren. 

26) Amt Altenwied. 

Kirchspiele: Asbach, Neustadt und Windhagen. 

27) Amt Burbach, 

unter dessen privativer Jurisdiction bloss die den Hickegrund und das Kirchspiel 
Niederdresselndorf bildenden Ortestanden : Niederdresselndorf, Holzhausen, Oberdresseln- 
dorf und Lützeln. 

28) Amt Dierdorf. 

Kirchspiele: Dierdorf, Freirachdorf, Maischeid, Niederwambach , Oberdrees, 
Puderbach, Raubach, Urbach und Isenburg. 

29) Amt Ehrenbreitstein. 

Kirchspiele: Arenberg, Arzbach, Arzheini, Ehrenbreitstein, Horchheim, Nieder- 
berg, Niederlahnstein und Pfaifendorf. 

30) Amt Freu s bürg. 

Kirchspiele: Kirchen, Gobhardshain und Fischbach. 

31) Amt Friedewald, 

bloss aus dem Kirchspiel Daaden bestehend. 

32) Amt Grenzhausen mit dem Amtssitze in Selters. 
Kirchspiele: Aisbach, Dreifelden, Grenzhausen, Maxsayn, Nordhofen u. Rückeroth. 

33) Amt Hachenburg, aus 2 getrennten Stücken bestehend. 
Kirchspiele: Hachenburg, Altstadt, Alpenrod, Hamm, Höchstenbach, Kirburg 

und Kroppach. 

34) Amt Hammerstein, aus 3 getrennten Stücken bestehend, 
mit dem Amtssitze in Engers. 

Kirchspiele: Engers, Oberhammerstein, Hönningen, Irlich, Leudesdorf und 
Rheinbrohl. 



315 

35) Amt Heddesdorf. 

Kirchspiele: Anhausen, Altenwied, Heddesdorf, Niederhonnefeld , Niederbieber 
und Rengsdorf. 

36) Amt Herschbach, aus 2 getrennten Stücken bestehend. 
Kirchspiele: Hartenfels, Herschbach, Uorhausen, Marieniachdorf und l^eterslahr. 

37) Amt Linz, ans 2 getrennten Stücken bestehend. 
Kirchspiele: Battenberg, Linz, Ohlenberg, Bruchhausen, Erpel, Oberlahr, Unkel 

und Rheinbreitbach. 

38) Amt Meudt, mit dem Amtssitze in Montabaur. 
Kirchspiele: Hundsangen, Berod, Meudt, Weidenhahn, Nenten^hausen, Gross- 
holbach, Niedererbach, Salz und Roth, Hahn und Schönberg. 

39) Amt Montabaur. 

Kirchspiele: Montabaur, Heiligenroth, Helferskirchen mit Niederdorf, Wirges, 
Kirchähr mit Dies diesseits des Gellbaches, Oberelbert und Winden mit Dies jen- 
seits des Gellbaches. 

40) Amt Neuerburg, 

bloss aus dem Kirchspiel Waldbreitbach bestehend. 

41) Amt Neunkirchen. 

Kirchspiele: Burbach und Neunkirchen. 

42) Amt Neuwied, 

bloss aus der Stadt Neuwied bestehend. 

43) Amt Schöneberg. 

Kirchspiele : Birnbach, Schöneberg, Flammersfeld und Hamm. 

44) Amt Schönstein, 

bloss aus dem Kirchspiel Wissen bestehend. 

45) Amt Valien dar. 

Kirchspiele: Vallendar, Bendorf, Sayn, Heimbach, Nauort, Breitenau, Ransbach, 
Röhr und Hillscheid. 

III. Regierungsbezirk Weilburg. 

46) Amt Atzbach. 

Kirchspiele: Dorlar, Dutenhofen, Garbenheim, Ebersgöns, Hochelheim, Klein- 
rechtenbach, Crofdorf, Lützellinden, Niedercleen, Obercleen, Reiskirchen, Volperts- 
hausen und Wismar. 

47) Amt Reicheisheim. 
Kirchspiele : Reicheisheim und Dornassenheim. 

48) Amt Weilburg. 

Kirchspiele : Allendorf, Altenkirchen, Cabacii, Elkerhausen, Essershausen, Langen- 
bach, Löhnberg. Merenberg, Selters, Weilmünster, Weinbach und Weilburg. 

Von diesen 48 Aemtern gehörten 12 zu den sogenannten „Souve- 
ränitätsland en", d. li. zu den standesherrlichen, welche zur Erhe- 
bung der Hoheitsgefälle in 6 Hoheitsrecepturen getheilt waren: 

Dierdorf, Braunfels, Neuwied, Hohensolms, Runkel und Schaumburg. 

Die Gesammteinkünfte wurden auf 1,760,000 Gulden tre^chätzt, 
wozu die Souveränitätslande 350,000 fl. beitrugen. 



316 

Zum Rheinbunde musste das Herzogthum 1680 Mann stellen. 
Die bewaffnete Macht betrug jedoch 2 Regimenter Infanterie Feldtruppen, 
2 Regimenter Landjäger und 2 Schwadronen Jäger zu Pferd. Das 
Obercommando führte der Herzog Friedrich August. 

Das Herzogthum zählte 152 katholische, 120 lutherische und 97 
reformirte Pfarreien. 

Die katholischen , ehemals Mainzischen Pfarreien standen 
unter dem Erzbischöflich Regensburgischen General-Vicariate zu 
Aschaffenburg; die vormals Trierischen unter dem Gene- 
ral-Vicariate zu L i m b u r g ; die vormals Cölnischen unter dem 
General-Vicariate zu D e u z. 

Es gehörten demnach: 

I. Zu dem General-Vicariate zu Aschaffenburg: 

1) Das Landcapitel K ö n i g s t e i u, bestehend aus den Pfarreien : 

Königstein, Neuenhain, Oberhöchstadt, Schwalbach, Fischbach, Oberjosbach, 
Schlossborn, Cronberg, Bommersheim, Oberursel, Weisskirchen, Heddernheim, Reifen- 
berg, Cransberg, Pfaifenwiesbach und Dornassenheim. 

2) Das Landcapitel Höchst, bestehend aus den Pfarreien: 

Höchst, Schwanheini, Bindungen, Sossenheim, Hattersheim, Hofheim, Kriftel, 
Hochheim, Marxheim, Münster, Weilbach, Wickert, Eddersheim und Flörsheim. 

3) Das Landcapitel Rheingau, bestehend aus den Pfarreien: 

Eltville, Erbach, Frauenstein, Hallgarten, Hattenheim, Kiedrich, Mittelheim, 
Neudorf, Niedergladbach, Niederwalluf, Oberwalluf, Oestrich, Rauenthal, Assmanns- 
hausen, Eibingen, Geisenheim, Johannisberg, Lorch, Lorchhausen , Presberg, Hansel, 
Rüdesheim, Stephanshausen, Winkel, Bleidenstadt, Daisbach und Wiesbaden. 

II. Zu dem General-Vicariat zu Limburg. 

4) Das Landcapitel Cunostein-Engers, bestehend aus folgen- 
den Pfarreien, wovon die mit gesperrter Schrift gedruckten 1815 bei 
Nassau verblieben: 

Engerp, Oberhammerstein, Hönningen, Irlich, Leudesdorf, Rheinbrohl, Arenberg, 
Arzbach, Arzheim, Ehrenbreitstein, Horchheim, Niederberg, Niederlahnstein, 
Pfaifendorf, Heiligenroth, Helferskirchen, Kirchähr, Montabaur, 
Oberelbert, Wirges, Bendorf, Breitenau, Heimbach, Hillscheid, Höhr, 
Naoort, Ransbach, Sayn, Vallendar, Neustadt, Grossmaischeid, Isenburg, Wald- 
breitbach, Nievern, Hartenfels, Herschbach, Horhausen, Marienrachdorf, 
Peterslahr, Oberlahnstein, auf dem Spiess, Winden, Dattenberg, Linz, 
Ohlenberg, Fischbach, Gebhardshain , Kirchen, Neuwied, Dierdorf, Hachenburg, 
Marienstatt, Marienthal. 

5) Das Landcapitel Dietkirchen, bestehend aus den Pfarreien: 

Balduinstein , Dietkirchen, Elz, Limburg, Lindenholzhausen , Niederbrechen, 
Niederselters, Oberbrechen, Villmar, Werschau, Camberg, Eisenbach, Haintchcn, Hassel- 
bach, Berod, Grossholbach, Hahn, Hundsangen, Meudt, Nentershausen , Niedererbach, 
Salz, Schönberg, Weidenhahn, Idstein, Wehrheim, Weilburg. 

6) Das Landcapitel Camp, bestehend aus den Pfarreien: 
Camp, Filsen, Kest«rt, Osterspai, Wellmich, Caub, Arnstein und Schönau. 



317 

III. Zu dem General- Vicariate zu De uz die einen Theil des Land- 
capitels Siegburg bildenden, 1815 an Preussen abgetretenen Pfarreien: 
Aabach, Windhagen, Bruchhauaen, Erpel, Lahr, Unkel, Rheinbreitbach, Wissen 
und Herdorf. 

Für die lutherischen und reformirten Pfarreien bestanden 2 Con- 
sistorien, eines in Wiesbaden, das andere in Weilburg, deren 
ersterem Consistorial-Convente untergeben waren, als Aufsichts- 
behörden über Kirchen und Schulen, sowie als erste Instanz für Civil- 
klagsachen gegen Geistliche, wie in Ehe- und Schwängerungssachen, für 
welche das Consistorium die Appellationsbehörde bildete. 

I. Consistorium zu Wiesbaden. 

1) Consistorial-Convent Altenkirchen. 

a. Lutherische Pfarreien: Altenkirchen, Almersbach, Hilgenroth, Daaden, Fisch- 
bach, üebhardshain und Kirchen. 

b. Reformirte Pfarreien: Altenkirchen, Almersbach, Mähren und Daaden. Sämmt- 
liche Pfarreien wurden 815 an Preussen abgetreten. 

2) Consistorial-Convent Braunfels. 

Reformirte Pfarreien, sämmtlich 1815 an Preussen abgetreten: Braunfels, Bon- 
baden, Burgsolms, Cröftelbach , Leun, Münchholzhausen, Nauborn, Obernbiel, 
Oberquembach, Ober wetz, Aslar, Biskirchen, Cölschhausen, Daubhausen, Dillheim, 
Greifenstein, Ulm und Werdorf. 

3) Consistorial-Convent Dierdorf. 

Reformirte Pfarreien: Dierdorf, Freirachdorf, Niederwambach , Oberdreis, 
Puderbach, Raubach und Urbach, sämmtlich, mit Ausnahme von Freirachdorf, 
1815 an Preussen abgetreten. 

4) Consistorial-Convent Grenzhausen zu Selters. 

Reformirte Pfarreien : Aisbach, Dreifelden , Grenzhausen , Maxsayn , Nordhofen 
und Riickeroth. 

5) Consistorial-Convent Hachenburg. (Die 1815 bei Nassau ge- 
bliebenen Pfarreien sind gesperrt gedruckt.) 

a. Lutherische Pfarreien: Hachenburg, Hamm, Höchstenbach, Schöneberg. 

b. Reformirte Pfarreien: Hachenburg, Alpenrod, Altstadt, Hamm, 
Höchstenbach, Kroppach, Kirburg, Rossbach, Burbach, Niederdresseln- 
dorf, Neunkirchen, Birnbach, Flammersfeld und Schöneberg. 

6) Consistorial-Convent Hohensolms. 

a. Lutherische Pfarrei Blasbach. 

b. Reformirte Pfarreien: Altenkirchen, Erda und Hohensolms, sämmtlich 1815 
an Preussen abgetreten. 

7) Consistorial-Convent Heddesdorf. 

Reformirte Pfarreien: Anhausen, Altenwied, Feldkirchen, Heddesdorf, Honnefeld, 
Niederbieber und Rengsdorf, sämmtlich 1815 an Preussen abgetreten. 

8) Consistorial-Convent Idstein. 

a. Lutherische Pfarreien: Bechtheim, Breithard , p]sch, Heftrich, Idstein, Kir- 
berg, Mensfelden, Michelbach, Nauheim, Niederseelbach, Oberauroff, Oberroth, 
Steinfischbach, Stnnz-Margarethä, Strinz-Trinitatis, Walsdorf und Wörsdorf. 

b. Reformirte Pfarrei Dauborn. 



318 

9) Consistorial-Convent Neuwied. 

a. Reformirte Pfarrei Neuwied. 

b. Lutherische Pfarrei Neuwied. 

c. Evangelische Brüdergemeinde Neuwied, 1815 an Preussen abgetreten. 

10) Consistohal-Conveut Runkel. 

Reformirte Pfarreien: Blessenbach, Münster, Runkel und Wolfenhausen. 

11) Consistorial-Convent Schaumburg. 

a. Lutherische Pfarrei Habenscheid. 

b. Reformirte Pfarreien: Dörnberg, Eppenrod, Holzappel und Langenscheid. 

12) Consistorial-Convent Usingen. 

a. Lutherische Pfarreien: Altweilnau, Arnoldshain, Grävenwiesbach, Merzhausen, 
Niederlauken, Neuweilnau, Rod am Berg, Rod an der Weil, Usingen, Brand- 
oberndorf, Cleeberg, Eschbach, Anspach und Wehrheim. 

b. Reformirte Pfarrei Usingen. 

13) Consistorial-Convent Wal lau. 

a. Lutherische Pfarreien: Breckenheim, Delkenheim, Diedenbergen, Igstadt, 
Lorsbach, Massenheim, Nordenstadt, Oberliederbach, Wallau, Eppstein, Eschborn, 
Crouberg und Sulzbach. 

b. Reformirte Pfarreien: Okriftel und Neuenhain. 

14) Consistorial-Convent Wiesbaden. 

Lutherische Pfarreien: Bierstadt, Clarenthal, Dotzheim, Kloppenheim, Mosbach, 
Nauroth, Schiei-stein, Sonnenberg und Wiesbaden. 

Unter dem Consistorium in Wiesbaden standen ferner die prote- 
stantischen Geistlichen in folgenden Aemtern, in welchen Consistorial- 
Convente nicht organisirt waren, von den Justiz- Aemtern desshalb die 
Rechtssachen und von den dazu committirten Inspectoren die Religions- 
sachen besorgt wurden. 

1) Amt Braubach. 

Lutherische Pfarreien: Braubach, Dachsenhausen und Gemmerich. 

2) Amt Catzenelnbogen. 

Lutherische Pfarreien: Burgschwalbach, Dörsdorf, Kettenbach, Klingelbach, 
Panroth, Schönborn und Rettert. 

3) Amt Caub. 

a. Lutherische Pfarrei: Welterod. 

b. Reformirte Pfarreien: Caub, Dörscheid und Weisel. 

4) Amt Diez. 

a. Lutherische Pfarrei: Diez. 

b. Reformirte Pfarreien: Diez, Flacht, Freiendiez, Hahnstätten, Hirschberg, 
Oberneisen, Obernhof und Staffel. 

5) Amt Nassau. 

a. Lutherische Pfarreien: Dausenau, Dornholzhausen, Ems, Frucht, Marienfels, 
Miehlen, Nassau, Singhofen, Schweighauseu und das 1815 an Preussen abgetretene 
Bendorf. 

b. Reformirte Pfarrei Nassau. 



319 
6) Amt Wehen. 

Lutherische Pfarreien: Adolphscck, lileidenstadt und Wehen. 

IL Consistorium zu Weilburg. 

Consistorial-Convente waren hier nicht organisirt, desshalb besorg- 
ten ebenfalls die Justizämter die Rechtssachen und die Inspectoren die 
Keligionssachen. 

1) Amt Atzbach. 

Lutherische Pfarreien, sämmtlich IRL") an Preussen abgetreten: Dorlar, Duten- 
hofen, (iarbenheim, Hochelheim, Kleinrechtenbach, Crofdorf , Lützellinden , Nie- 
dercleen , Odenhausen , Reiskirchen , Volpertshausen , Wismar , P^bersgöns und 
Obercleeii. 

2) Amt Reich elsheim. 

Lutherische Pfarrei lleichelsheim. 

3) Amt Weil bürg. 

a. Lutherisch e Pfarreien: Elkerhausen, Essershausen, Langenbach, Löhnberg, 
Merenberg, Selters, Weilburg, Wcilmünster und Weinbach. 

b. Reformirte Pfarrei Weilburg. 

Von höheren Schulen bestanden im Herzogthum: 1) Gym- 
nasien zu Idstein, Weilburg und Montabaur. 2) Ein Schullehrer- 
seminar zu Idstein. 3) Eine Normalschule zu Montabaur. 4) Die 
Friedrichsschule zu Wiesbaden. 5) Das Tyrocinium zu Ehren- 
brei tstein. 6) Lateinische Schulen zu Diez, Hachenburg, Linz, 
Neuwied und Usingen. 

Justizbehörden waren : 

1) Das Oberappellationsgericht zu Diez, welches 1804 in 
Hadamar für Nassau-Usingen, Nassau-Weilburg und Nassau-Oranien-Fulda 
errichtet und 1806 nach Diez verlegt worden war, dritte und letzte In- 
stanz für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten bei einer Appellationssumme 
von 300 Gulden. 

2) Das Hofgericht zn Wiesbaden, zweite Instanz für bür- 
gerliche Rechtsstreitigkeiten, Criminalhof des oberen Herzogthums und 
obervormuudschaftliche Behörde für Minorennen und Abwesende im Re- 
gierungsbezirk Wiesbaden. Es ertheilte Moratoria, Die Appellations- 
sumrae war nach den verschiedenen Landestheilen verschieden. Das 
Hofgericht war in 2 einander coordinirte Senate getheilt, 

3) Der Justizsenat zu Ehr enbrei tstein, unterste Instanz 
in Civilklagsachen für diejenigen, welche einem privilegirten Gerichts- 
stande angehörten (mit Ausnahme der CoUegial-Dienerschaft zu Wies- 
baden, welche ausnahmsweise ihr Forum erster Instanz bei dem Hofge- 
richte in Wiesbaden hatte), sowie Criminalhof für das untere Her- 
zogthum. 



320 

4) Die zugleich mit der Verwaltung betrauten 48 Justizämter, 
unterste Instanz in Civilklagsaclien für diejenigen, welche keinen privi- 
legirten Gerichtsstand hatten. 

5) Das Criminalgericht zu Wiesbaden für das obere und 
das Criminalgericht zu Ehrenbreitstein für das untere Herzog- 
thum. Die von ihnen instruirten Criminalprozesse gingen unter Gestat- 
tung der schriftlichen Vertheidigung des peinlichen Inquisiten an das 
Hofgericht zu Wiesbaden oder an den Justizsenat zu Ehrenbreitstein 
zum Urtheilsspruch, gegen welchen eine Appellation nicht statt hatte. 
In bestimmten Fällen unterlag das Urtheil der landesherrlichen Be- 
stätigung. 

6) Die Bergämter zu Linz, Kirchen und Waldbreitbach, untere 
Instanz für Bergwerks -Streitigkeiten. Die Berufung geschah an das 
Hofgericht zu Wiesbaden. 

§• 28. 

GebietsveräDderoDgfii in den Jahreu 1814 und 1815. 

Am 23. November 1813 sagte Nassau durch einen an diesem 
Tage mit Oesterreich in Frankfurt abgeschlossenen Vertrag sich vom 
Rheinbunde los und ging drei Tage später, am 26. Nov., mit dem 
Prinzen von Oranien, der durch den Sieg der deutschen "Waften wieder 
in den Besitz seiner Erblande gelangte, einen Vertrag ein, welcher am 
14. Juü 1814 im Haag ratifizirt wurde und folgende Bestimmungen 
enthielt : 

1) Der Nassauische Erbverein wird aufrecht erhalten. 

2) Das Amt Diez, sowie die Orte Dauborn, Eufingen und das 
ehemals Trierische Balduinstein werden au Oranien abgetreten. 

3) Der ehemals Oranische Privativort Obernhof bleibt bei dem 
Amte Nassau. 

4) Das Herzogthum Nassau erhält als privatives Eigenthum: 

a. Das früher gemeinschaftliche Amt Wehrheim. 

b. Von dem alten Amte Camberg die Orte: 
Dombach, Haintchen, Oberselters und Schwickershausen. 

c. Das alte Amt Nassau: 

Naseau, Attenhausen, Becheln, Berg, Bergnassau, Scheuern, Bremberg, Dausenau, 
Dessighofen, Dienethal, Dornholzhansen, Ehr, Geisig, Homberg, Hunzel, Kemmenau 
(Dausenauer Seite), Marienfels, Misselberg, Oberwies, Singhofen, Sulzbach, Zinimer- 
schied und Hof Gieshübel bei Oberwies. 

d. Die ehemalige Vogtei Ems: 

Bad Ems, Dorf Ems und Kemmenau (Emser Seits.) 



321 

5) Oranien erhält: 

a. Vom Amte Camberg die Orte: 
Camberg, Erbach, Eisenbach und den Haaser Hof. 

b. Mensfelden. 

c. Das alte Amt Kirberg: 

Kirberg, Heringen, Nauheim, Neesbach und Ohren 

6) Das Schloss Nassau bleibt gemeinschaftlich. 

Am 31. Mai 1815 schloss jedoch Oranien in Wien einen Vertrag 
mit Preussen ab, worin es alle seine deutschen Besitzungen an 
Preussen abtrat, welches durch Vertrag von demselben Tage davon 
folgende Besitzungen an das Herzogthum Nassau cedirte: 

I. Die Fürstenthümer Diez, Hadamar und Dillen bürg mit 
Beil st ein, mit Ausnahme der Aemter Burbach und Neunkirchen. 

II. Die Herrschaften Westerburg und Seh ad eck, dem Grafen 

von Leiningen-Westerburg als Mediatgebiet gehörig, welche 1806 an 

das Grossherzogthura Berg und 1813 an Oranien gekommen waren. 

Kirchspiel Westerburg: 1890) Berzhahn mit 5 Mühlen. 

1885J Westerburg mit 6 Mühlen. 1891) Wengenroth mit 1 Mühle. 

1886) Halbs. 1892) Winnen. 

1887) Hergenroth. Kirchspiel Wilmenroth: 

1888) Stahlhofen. 1893) Wilmenroth mit 4 Mühlen. 

Kirchspiel Gemünden: 1894) Gershasen. 

1889) Gemünden mit 4 Mühlen, 1 Eisen- Kirchspiel Schadeck: 
hammer und 2 Drahtzügen. 1895) Schadeck. 

III. Den bis dahin Bergisch gewesenen Theil der Grafschaft Wi ed- 
Runkel rechts der Lahn. 

Kirchspiel Heckholzhausen: 1903) Aumenau. 

1896) Heckholzhausen. 1904) Falkenbach. 

1897) Hof Wippach. Kirchspiel Obertiefenbach: 

Kirchspiel Schapbach: jgf,^^ Obertiefenbach.*) 

1898) Schupbach mit 1 Mühle. 

1899) Eschenau mit 1 Mühle. 

1900) Gaudernbach mit 1 Mühle. 

1901) Wirbelau mit 1 Mühle. 

Kirchspiel Seelbach: 

1902) Seelbach mit dem Ludwigsburger 
Hof. 



Nach Runkel eingepfarrt: 

1906) Runkel vor der Brücke. 

1907) Höfen mit 2 Mühlen. 

1908) Steeten mit 1 Mühle. 



*) Obertiefenbach war am 18. Mai 1649 von dem Grafen von Runkel um 
12000 Thaler an den Fürsten Johann Ludwig von Nassau-Hadamar verkauft worden. 
Ais dessen Linie 1711 im Mannesstamme ausstarb (vergl. §. 15), nahm die weibliche 
Descendenz das Dorf als Allodium in Anspruch und Besitz, musste aber desshalb einen 
langjährigen Prozess mit Nassau-Oranien führen, welches mit dem Fürstenthum Ha- 
damar das Dorf Obertiefenbach als ihm heimgefallen erklärte. In den Oranischen 
Staats-Kalendern von 1772 und 1773 ist es deshalb bei dem Amte Hadamar aufge- 
zählt. Am 6. Juli 1775 wurde es wieder an Runkel abgetreten. 

21 



322 

IV. Die in dem Vertrage vom 14. Juli 1814 von Nassau an Ora- 
nien wieder abgetretenen, oben aufgezählten Besitzungen. 

V. Von dem Fürstenthum Siegen und von den Aemtern Burbach 
und Neunkirchen einen an Dillenburg gränzenden Distriet von 12000 
Einwohnern. Vergl. >;. 29. 

Dagegen trat Nassau au Preussen ab: 

Die Aemter: 

Linz, Schönstein, Altenwied, Neuerburg, Schöneberg, Altenkirchen, Freusburg, 
Friedewald, Dicrdorf. Hainnicrstein mit Engers, Neuwied, Heddesdorf, Braunfels, 
Greifenstein und Hohensolnis, so wie vom Amte Herschbach die Kirchs])iele Peters- 
lahr und Horhausen, vom Amte Vallendar die Gemeinden: Gladbach, Heimbach, 
Weiss, Sayn, Mühlhofen, ßendorf, Weitersburg, Vallendar undMallendar und vom Amte 
Ehrenbreitstein die §. 23 I. c. angegebenen Orte. 

§. 29. 

Erwerbung der Niedergrafsrliafl Calzenelobogen uod Abtretung des 

Amtes Atzbach. 

In dem oben erwähnten am 31. Mai 1815 zu Wien zwischen 
Nassau und Preussen abgeschlossenen Vertrage hatte Preussen in einem 
Separatartikel versprochen, im Falle es von Hessen-Cassel die Abtretung 
der Nieder-Grafschaft Catzenelnbogen erlangen würde, welche vom 20. 
November 1806 bis zum 1. November 1813 unter französischer Ver- 
waltung gestanden hatte, diese gegen den reservirten Theil von 12,000 
Einwohnern aus dem Fürstenthum Siegen und den Aemtern Burbach 
und Neunkirchen (§. 28., V.), sowie gegen das Amt Atzbach (die alt- 
Nassau-Weilburgischen Aemter Hüttenberg und Gleiberg), und die Orte 
Obercleen und Ebersgöns vom Amte Cleeberg an Nassau zu cediren. 
Preussen erlangte diese Abtretung von Hessen-Cassel und übergab dann 
die Grafschaft an Nassau, welches am 17. November 1816 davon Be- 
sitz nahm. 

Die Nieder-Grafschaft Catzenelnbogen, welche im Jahre 1805 einen 
Umfang von 6 Q.-M. mit 19,187 Einw. und 95,600 Gulden Einkünften 
hatte, enthielt folgende Aemter und Orte: 

I. Amt Rheinfels (der linksrheinische Theil war von Frank- 
reich an Preussen gekommen.) 

Kirchspiel St. Goarshausen: Kirchspiel Patersberg: 

1909) St. Goarshausen. 1911) Patersberg mit dem Hofe Offenthal. 

Kirchspiel Born ig. 

1910) Bornig 

II. Amt Reich enberg. 

Kirchspiel Nochern: Kirchspiel Lierschied: 

1912) Nochern mit dem Molsberger Hof. 1913) Lierschied. 



323 



1914) Auel. 

1915") Thal Reichenberg. 

Kirchspiel Nieder walmenach: 

1916) Niederwalmenach. 

1917) Reitzenhain mit dem Heppenhof. 

Kirchspiel Ruppertshofen: 

1918) Ruppertshofen. 

1919) Bogel. 

1920) Oasdorf. 

1921) Pissighofen. 

1922) Oelsberg. 

1923) Himmighofen. 



Kirchspiel Pohl: 

1924) Niedertiefenbach. 

1925) Lüllschied. 

1926) Pohl. 

1927) Roth. 

Aus dem ehemals Vierherrischen das 

Kirchspiel Weyer: 

(Hessisches Quartier.) 

1928) Weyer. 

1929) Eschbach. 



In den mit * bezeichneten Orten hatte 



III. Amt Hohenstein 
früher Mainz den Blutbann. 

Kirchspiel Bärstadt: 

1930) Bärstadt* und Schlangenbad* (letz^ 
teres zur Hälfte Mainzisch.) 

1931) Hausen vor der Höhe.* 

1932) Ramschied.* 

1933) Wambach.* 

1934) Langenseifen.* 

1935) Fischbach.* 

1936) Hettenhain.* 

Kirchspiel Kernel: 

1937) Kernel mit dem Erlen- und Hinter 
forster Hof. 

1938) Huppert. 

1939) Watzelhain. 

1940) Wisper. 

1941) Springen. 

1942) Dornbacher Hof. 

Kirchspiel Schwalbach: 

1943) Langenschwalbach.* 

1944) Heimbach.* 

1945) Lindschied.* 

Kirchspiel Laufenseiden: 

1946) Laufenseiden. 

1947) Steeger Hof. 

1948) Ackerbacher Hof. 

1949) Reckenroth. 

1950) Berndroth. 

IV. Amt Nastätten, wohin, mit Ausnahme vom Kirchspiel 

Weyer, die in der Theilung von 1778 an Hessen gefallenen Theile des 

Vierherrischen gehörten. (§. 20 I. b.) 

Kirchspiel Nastätten: Kirchspiel Obertiefenbach: 

1967) Nastätten mit dem Schwallerhof. 1968) Obertiefenbach (Saarbrücker Quar- 
tier.) 



1951) Rother Hof. 

1952) Hassenberger Hof. 

Kirchspiel Meilingen: 

1953) Niedermeilingen. 

1954) Obermeilingen. 

1955) Münchenroth. 

Kirchspiel Zorn: 

1956) Zorn. 

1957) Algenroth. 

1958) Dickscliied. 
19r)9) Nauroth. 

1960) Hilgenroth. 

1961) Schönberger Hof. 

Kirchspiel Diethardt: 

1962) Diethardt. 

1963) Weidenbach. 

Kirchspiel Hohenstein: 

1964) Hohenstein mit den Höfen Gies- 
hübcl und Liebenberg. 

Kirchspiel Holzhausen über Aar: 

1965) Holzhausen über Aar. 

Kirchspiel Holzhausen auf der Haider 

1966) Holzhausen auf der Haide. 



324 

1969) Hof Spriestersbach. Kirchspiel Grebenroth: 

1970) Bettendorf (Hessisches Quartier.^ (Hessisches Quartier.) 

Kirchspiel Buch: 1980) Martenroth. 

1971) Buch. 1981) Grebenroth. 

Kirchspiel Bach he im: 1^82) Schwallschieder Hof und Harnter 

(Hessisches Quartier.) Mühle. 

1972) Winterwerb. 1983) Egenroth. 

1973) Oberbachheim. 1984) Langschied. 

1974) Niederbachheim. 1985) Mappershain. 

1975) Kehlbach. 1986) Hospital Gronau. 

Kirchspiel Kördorf: Kirchspiel Oberwalmenach: 

(Hessisches Quartier.) (Hessisches Quartier.) 

1976) Kördorf mit dem Köbeler Hof. 1987) Läutert. 

1977) Hof Schebest. 1988) Oberwalmenach. 

1978) Herold. 1989) Rettershain. 

1979) Ergeshausen. 

Diese ehemalige Kirchspielseintheilung in der Niedergrafschaft ist in der Folge 
vielfach abgeändert worden. 

§. 30. 

Destandtlieile des Herzogtbuins Nassau nach dem Jahre 1816. 

Das Herzogthum umfasste: 

I. Von Nassau-Usingen: 1) Das Amt Usingen (§. 16 I.) 
2) Das Oberamt Idstein (§. 16 II.) 3) Das Amt Wehen {§. 16 III.) 
4) Das Amt Burgschwalbach (§. 16 IV.) 5) Das Kirchspiel Ketten- 
bach (§. 16 V.) 6) Das Oberamt Wiesbaden (§. 16 VI.) 

II. Von Nassau-Weilburg: 1) Das Amt Weilburg (§. 17 I.) 
2) Das Amt Weilmünster (§. 17 IL) 3) Das Amt Merenberg (§. 17 III.) 
4) Das Amt Löhnberg (§. 17 IV.) 5) Das Amt Reicheisheim (§. 17 
V.) 6) Das Zweiherrische (§. 17 VI.) 7) Den grössten Theil der Graf- 
schaft Sayn-Hachenburg (§. 17 XII.) 

III. Von Nassau -Oranien: 1) Das Fürsteuthum Dillenburg 
(§. 18 I.j 2) Das Fürstenthum Diez (§. 18 III.) 3) Das Fürstenthum 
Hadamar (§. 18 IV.) 4) Die Herrschaft Beilstein (§. 18 V.) 

IV. Von Gemeinschaften: 1) Das Dreiherrische (§. 20 A. I. a.) 
2) Das Vierherrische (§. 20 A. I. b. und §. 29 IL und IV.) 3) Das 
Amt Kirberg (§. 20 A. IL) 4) Das Dorf Hasselbach (§. 20 B.) 5) Vom 
Amte Cleeberg die Orte Cleeberg und Brandoberndorf (§. 20 E.) 6) Das 
Amt Camberg (§. 20 F. 1.) 7) Das Amt Wehrheim (§. 20 F. IL) 
8) Das Dorf Mensfelden (§. 20 F. III.) 9) Das Dorf Eisenbach (§. 20 
F. IV.) 10) Die Vogtei Ems (§. 20 G.) 

V. Vom Churfürstenthum Mainz: 1) Die Aemter Höchst und 
Königstein (§. 22 I. a.) 2) Das Amt Cronberg (§. 22 I. b.) 3) Die 
domkapitelschen Orte Hochheim und Flörsheim (§. 22 I. c.) 4) Die 
dompropsteilichen Orte Eddersheim und Heddernheim (§. 22 I. d.) 



325 

5) Das Vicedoraamt Rheingau (§. 22 I, f.) 6) Den dem St. Ferrutius- 
stifte zustehenden Theil an Bleidenstadt (§. 22 1. g.) 7) Das Amt 
Lahnstein (§. 22 I. h.) 

VI. Von Churpfalz: Das Unteramt Caub (§. 22 II.) 

VII. Von Hessen-Darm Stadt: 1) Das Amt Catzenelnbogen 
(§. 22 III. a.) 2) Das Amt Braubach (§. 22 III. b.) 3) Die Herr- 
schaft Eppstein (§. 22 III. d.) 4) Das Dorf Weiperfelden (§.22 III. f.) 

VIII. Von Hessen- Gas sei: Die Niedergrafschaft Catzenelnbogen 
(§• 29.) 

IX. Von Hessen -Homburg: Das Dorf Espa (§. 22 IX.) 

X. Vom Churfürstenthum Trier: 1) Das Amt Wellmich 
(§. 23 I. a.) 2) Theile des Amtes Boppard (§. 23 I. b.) 3) Theile 
des Amtes Ehrenbreitstein (§. 23 I. c.) 4) Theile der Herrschaft 
Vallendar (§. 23 I. d.) 5) Das Dorf Stromberg vom Amte Sayn 
(§. 23 I. e.) 6) Theile des Amtes Herschbach (§. 23 I. f.) 7) Das 
Amt Grenzau (§. 23 I. g.) 8) Das Amt Montabaur mit Ausnahme 
des Kirchspiels Heimbach (§. 23 I. h.) 9) Das Amt Limburg (§. 23 I. i.) 

XI. Die Abteien Arn st ein (§. 23 II.) Marien statt und 
Schönau (§. 23 III.) 

XII. Von der Grafschaft Wied-Neuwied: Den Bann Maxsayn 
(§. 25 VII. a.) 

XIII. Den an der Lahn gelegenen Theil der Grafschaft W^'ied- 
Runkel (§. 25 H. und §. 28 III.) 

XIV. Die Grafschaft Holzappel und Herrschaft Schaumburg 
(§. 25 1.) 

XV. Die Bassenhei mischen Herrschaften ßeifenberg und 
Cransberg (§. 25 VI.) 

XVI. Die Leiningeuschen Herrschaften Westerburg und 
Schadeck. (§. 28 II.) 

XVII. Vom Fürstenthum Isenburg: Das Dorf Okriftel (§. 22 V.) 

XVIII. Die reichsunmittelbaren, dem Schutze von Mainz und 
Frankfurt untergebenen Dörfer Soden und Sulzbach (§. 22 IV.) 

XIX. Die in §. 25X1. aufgezählten reichsritterschaftlichen 
Besitzungen. 

§. 31. 

Bestandtheile der Aemter. 

Das seit 1816 neu gebildete Herzogthum hatte nach der gewöhn- 
lichen Angabe in den officiellen Staats- und Adresshandbüchem einen 
Umfang von 85,5 Q.-M., dagegen nach der von dem Nassauischen Ver- 



320 

messungs-Bureau aufgenommenen Triangulirungs-Karte 86,6 Q.-M. und 
nach der preussischen Generalstabs-Karte 86,5 Q.-M. 

Nach der von Nassau vorgenommenen Zählung am Ende des 
Jahres 1864 betrug die Zahl der Einwohner 462,384, nämlich: 241,334 
Evangelische, 213,335 Katholiken, 104 Mennoniten, 309 Deutsch- 
Katholiken, und 7,252 Juden. 

Das Herzogthum war eingetheilt in folgende 28 Aemter: 

I. Amt Brau b ach. Bestandtheile : 

1) Die Hessen-Darmstädtischen Orte: Braubach, üachsenhausen, Gem- 
merich, Hinterwald. 2) Die Trier ischen Orte: Camp, Bornhofen, Pilsen, Lykers- 
hausen, Niederlahnstein. 3) Die Main zische Stadt: Oberlahnstein. 4) Aus der 
Niedergrafschaft Catzenelnbogen die bis 1774 Vierherrischen Orte: Kehlbach, 
Niederbachheim, Oberbachheim, Winterwerb. 5) Die reichsritterschaftlichen 
Orte: Fachbach, Nievern, Miellen, Frucht und Osterspai. 

Es enthält 7 katholische Pfarreien, welche das Decanat Braubach bilden: 
Camp, Filsen, Niederlahnstein, Nievetn, Oberlahnstein, Osterspai und Spies bei Ems, dann 
5 evangelische Pfarreien, wovon Braubach und Frucht zum Decanat Nassau 
Dachsenhausen, Gemmerich und Niederbachheim zum Decanat Nastätten gehören. 

Im Jahre 1864 zählte das Amt 13,624 Einw. (9748 Katholiken 
3546 Evangelische, 1 Mennonit und 279 Juden), nach der neuesten 
Zählung vom 3. Dec. 1867: 14,339 Einw. (10066 Katholiken, 4,033 
Evangelische, 1 Mennonit, 4 Deutschkatholiken und 235 Juden.) 

II. Amt Diez. Bestandtheile: 

1) Die Oranischen Orte des Fürstenthums Nassau-Diez: Diez, Altendiez, 
Aull, Birlenbach, Fachingen, Flacht, Freiendiez, Gückingen, Hahnstätten, Hambach, 
Heistenbach, Hirschberg, Holzheim, Kaltenholzhausen , Lohrheim, Netzbach, Nieder- 
neisen, Oberneisen. 2) Die Nassau-Usingen'schen Orte: Burgschwalbach und Spies- 
heim, letzteres bis 1790 Oranisch. 3) Der Hessen-Darmstädtische Ort Schönbom. 
4) Die Tri er ischen Orte: Balduinstein und Hausen. 5) Aus der Grafschaft Holz- 
appel und der Herrschaft Schauraburg die Orte: Biebrich, Charlottenberg, Cram- 
berg, Dörnberg, Eppenrod, Geilnau, Giershausen, Holzappel, Horhausen, Isselbach, 
Kalkofen rechts der Lahn, Langenscheid, Laurenburg, Ruppenrode, Schaumburg, 
Scheid, Steinsberg. 6) Der reichsritterschaftliche Ort Wasenbach. 

Das Amt zählt 14 evangelische Pfarreien, welche zum Decanat Diez ge- 
hören: Burgschwalbach, Cramberg, Diez, St. Peter zu Diez, Dörnberg, Eppenrod, 
Flacht. Freiendiez, Hahnstätten, Hirschberg, Holzappel, Langenscheid, Oberneisen, 
Schönborn, und 2 katholische Pfarreien: Diez und Balduinstein, welche zum Decanat 
Limburg gehören. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 18,160 (16,470 Evangelische, 
1248 Katholiken, 8 Mennoniten und 434 Juden); im Jahre 1867: 
19,721 (17,283 Evangelische, 2051 Katholiken, 7 Mennoniten, 1 Deutsch- 
katholik, 379 Juden). 

III. Amt Dillenburg. Bestandtheile: 

Die Oranischen Orte des Fürstenthums Dillenburg: Dillenburg, Allendorf, 
Bergebersbach, Dillbrecht, Donsbach, Eibach, Eibeishausen, Eyershausen, Fellerdilln, 
Flamraersbach , Frohnhausen, Haiger, Haigerseelbach , Hirzenhain, Langenaubach 



327 

Mandeln, Manderbach, Nanzenbach, Neuhütte, Niederrossbach, Niedcrscheld , Ober- 
rossbach, Oberscheid, Offdilln, Rittershausen, Rodenbach, Sechshelden, Steinbach, 
Steinbrücken, Strassebersbach, Weidelbach, Wiasenbach. 

Das Amt zählt 8 evangelische Pfarreien, welche das Decanat Dillenburg 
bilden: Dillenburg, erste und zweite Pfarrei, Bergebersbach, Frohnhausen, Haiger 
erste und zweite Pfarrei, Hirzenhain, Oberrossbach, und 1 katholische Pfarrei: 
Dillenburg, zum Decanat Rennerod gehörig. 

p]inwohnerzahl im Jahre 1864: 17,867 (17,386 Evan^^elische, incl. 
Baptisten und Freigemeindler, 473 Katholiken, 7 Mennoniten, 1 Jude); 
im Jahre 1867: 18,242 (17,468 Evangelische, 530 Katholiken, 7 Men- 
noniten, 114 Baptisten, 3 Deutschkatholiken, 120 Freigemeindler.) 

IV. Amt Eltville. Bestandtheile : 

Die Mainzischen Orto: Eltville, Erbach; Hallgarten, Hattenheim, Kiedrich, 
Mittelheira, Neudorf, Niederwalluf, Oberwalluf, Oestrich, Raucnthal. 

Das Amt zählt 11 ka tholi sehe Pfarreien, welche das Decanat Eltville bilden : 
Eltville, Erbach, Hallgarten, Hattenheim, Kiedrich, Mittelheim, Neudorf, Niederwalluf, 
Oberwalluf, Oestrich, Rauenthal, und 1 evangelische Pfarrei Erbach, zum Decanat 
Wiesbaden gehörig. 

{Einwohnerzahl im Jahre 1864: 12,924 (12,112 Katholiken, 705 
Evangelische, 12 Mennoniten, 95 Juden); im Jahre 1867: 13,131 
(12,189 Katholiken, 803 Evangelische, 1 Grieche, 20 Mennoniten, 13 
Deutschkatholiken, 105 Juden). 

V. Amt Hachenburg. Bestandtheile: 

1) Die Nassau- Weilburgischen, bis 1799 Sayn-Hachenburgischen 
Orte: Hachenburg, Ahlhausen, Alpenrod, Altburg, Altstadt, Astert, Atzelgift, Berod, 
Borod, Bretthausen, Burbach, Dehlingen, Ehrlich, Gehlert, Giesenhausen , Hanwerth, 
Heimborn, Heuzert, Hirtscheid, Höchstenbach, Hütte, Kirburg, Kroppach, Kundert, 
Laad, Langenbach, Lautzenbrücken, Limbach, Luckenbach, Marzhausen, Merkelbach, 
Mittelhattert, Morien, Mudenbach, Mündersbach, Müschenbach, Neunkhausen, Nieder- 
hattert, Niedermörsbach, Nister, Norken, Oberhattert, Oberraorsbach , Rossbach, 
Stein, Streithausen. Wahlrod, Welkenbach, Wied, Wingert, Winkelbach, Winterhof. 
2) Die zur Hälfte Sayn-Hachenburgischen, zuletzt Weilburgischen, zur 
Hälfte Oranischen Orte: Korb und Lochum. 3) Die Abtei Marienstatt. 

Das Amt zählt 7 evangelische Pfarreien, welche das Decanat Hachenburg 
bilden : Alpenrod, Altstadt, Hachenburg, Höchstenbach, Kirburg. Kroppach, Rossbach, 
und 2 zum Decanat Selters gehörende katholische Pfarreien: Hachenburg und 
Marienstatt. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 12,499 (9165 Evangelische, 3186 
Katholiken, 148 Juden); im Jahre 1867: 12,395 (9066 Evangelische, 
3185 Katholiken, 10 Deutschkatholiken, 213 Juden). 

VI. Amt Hadamar. Bestandtheile: 

1) Die Oranischen Orte des Fürstenthums Nassau- Hadamar: Hadamar, 
Ahlbach. Dorchheim, Dorndorf, Ellar, Faulbach, Frickhofen . F'u.ssingen, Hangenmei- 
lingen, Hausen, Heuchelheim, Hintermeilingen , Lahr, Langendembach, Muhlbach. 
Niederhadamar, Niedertiefenbach, Niederweyer, Niedcrzeuzheim , Oberweyer, Ober- 



328 

zeuzheim, Off heim, Steinbach, Thalheim, Waldernbach, Waldmannshausen, Wilsenroth. 
2) Der zur Hälfte Oranische, zur Hälfte Trierische Ort Malmeneich. 3) Der 
Trierische Ort Elz. 

Das Amt zählt 10 katholische Pfarreien, welche zum Decanat Hadamar 
gehören: EUar, Elz, Frickhofen, Hadamar, Lahr, Niederhadaraar , Niedertiefenbach, 
Niederzeuzheim , Oberweyer, Offheim, und 1 zum Decanat Kirberg gehörige evan- 
gelische Pfarrei Hadamar. 

Einwohnerzahl im Jahr 1864: 20,375 (19,607 Katholiken, 497 
Evangelische, 271 Juden); im Jahre 1867; 20,158 (19,457 Katholiken, 
437 Evangelische, 264 Juden). 

VII. Amt Her bor n. Bestandtheile: 

Die Oranischen Orte a. aus dem Fürstenthum Dillenburg: Herborn, Am- 
dorf, Ballersbach, Bicken, Breitscheid, Burg, Driedorf, Eisemroth, Erdbach, Fleisbach, 
Gondersdorf, Gusternhain, Heiligenborn, Heisterberg, Herbornseelbach. Hirschberg, 
Hörbach, Hohenroth, Mademühlen, Medenbach, Merkenbach, Münchhausen, Oberndorf, 
Offenbach, Rabenscheid, Rodenberg, Roth, Schönbach, Seilhofen, Sinn, Tringenstein, 
Uckersdorf, Uebernthal, Waldaubach, Wallenfels. b. aus der Herrschaft Beilstein: 
Arborn, Beilstein, Haiern, Nenderoth, Oderberg, Rodenroth und Wallendorf. 

Das Amt zählt 10 evangelische Pfarreien, welche das Decanat Herborn 
bilden : Ballersbach, Beilstein, Bicken, Breitscheid , Driedorf, Eisemroth , Fleisbach, 
Herborn, Nenderoth, Schönbach. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 16,127 (15,969 Evangelische, incl. 
Baptisten und Freigemeindler , 125 Katholiken, 33 Juden); im Jahre 
1867: 16,806 (16,489 Evangelische, 147 Katholiken, 96 Baptisten, 6 
Deutschkatholiken, 25 Freigemeindler, 53 Juden). 

VIII. Amt Hochheim. Bestandtheile: 

1) Die Main zischen Orte: a. des Churfürstenthums : Marxheim, Weilbach 
und Wicker. b. des Domcapitels: Hochheim und Flörsheim, c. der Dompropstei: 
Eddersheim. 2) Die Hessen-D arm städtischen Orte: Breckenheim, Delkenheim, 
Diedenbergen, Igstadt, Langenhain, Lorsbach, Massenheini, Medenbach, Nordenstadt, 
Wallau und Wildsachsen. 

Das Amt zählt 9 evangelische Pfarreien, welche das Decanat Wallau bil- 
den: Breckenheim, Delkenheim, Diedenbergen, Hochheim, Igstadt, Lorsbach, Massenheim, 
Nordenstadt, Wallau; und 6 katholische Pfarreien, welche zum Decanat Wies- 
baden gehören: Hochheim, Eddersheim, Flörsheim, Marxheim, Weilbach und Wicker. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 14,763 (7993 Katholiken, 6354 
Evangelische und 416 Juden); im Jahre 1867: 14,603 (7769 Katholiken, 
6531 Evangelische, 1 Deutschkatholik und 302 Juden). 

IX. Amt Höchst. Bestandtheile: 

1) Die Mainzischen Orte: a. des Churfürstenthums: Höchst, Eschborn, 
Griesheim, Harheim, Hattersheim, Hofheim, Kriftel, Münster, Nied, Schwanheim, 
Sindlingen, Sossenheim, b. der Dompropstei: Heddernheim. 2) Die Hessen-Darm- 
städtischen Orte: Oberlied erhach und Unterliederbach. 3) Der Isenburg-Bü- 
dingensche Ort: Okriftel. 4) Die Reichsdörfer: Soden und Sulzbach. 5) Der 
reichsritterschaftliche Ort: Niederhofheim. 



329 

Das Amt zählt 10 katholische Pfarreien, welche das Decanat Höchst bilden: 
Harheim (1866 von Prenssen an Hessen-Darmstadt abgetreten) Hattersheim, Heddern- 
heim, Höchst, Hofheim, Kriftel, Münster, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, und 
8 evangelische Pfarreien, welche zum Decanat Cronberg gehören: Eschborn, 
Griesheim, Heddernheim, Nied, Oberliederbach, Oberursel, Okriftel, Soden und 
Sulzbach. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 20,649 (13,084 Katholiken, 6979 
Evangelische, 1 Mennonit, 2 Deutschkatholiken und 583 Juden); im 
Jahre 1867 excl. Harheim mit 821 Einwohnern 20,427 (12,635 Katho- 
liken, 7344 Evangelische, 4 Baptisten, 5 Griechen, 17 Deutschkatholiken» 
422 Juden). 

X. Amt Idstein. Bestandtheile : 

1) Die Nassau-Usingenschen Orte: Idstein, Bermbaoh, Cröftel, Dasbach, 
Engenhahn, Esch, Heftrich, Königshofen, Lenzhahn, Niederems, Niedernhauaen , Nie- 
derroth, Niederseelbach, Oberems, Oberroth, Oberseelbach, Reichenbach, Reinbom, 
Steinfischbach, Wallrabenstein, Walsdorf, Wörsdorf, Wüstems. 2) Die Mainzischen 
Orte: Bremthal, Niederjossbach , Oberjossbach, Vockenhausen. 3) Die gemein- 
schaftlich Nassau-Oranischen und Trierischen Orte: Camberg, Dombach, 
Erbach, Oberselters, Schwickershausen und Würges. 4) Der gemeinschaftlich 
Oranische, Trierische und Freiherrlich Hohenfeldische Ort Eisenbach. 
5) Der Trierische Ort Niederselters. 

Das Amt zählt 8 evangelische Pfarreien, welche das Decanat Idstein bil- 
den: Esch, Heftrich, Idstein, Niederseelbach, Oberroth, Steinfischbach, Walsdorf, Wörs- 
dorf; und 7 katholische Pfarreien: Idstein, Camberg, Eisenbach, Niederselters, 
Oberjosbach, Schwickershausen mit Dorabach, Würges. 

Einwohnerzahl im Jahr 1864: 19,234 (10,915 Katholiken, 8046 
Evangelische, 28 Mennoniten, 8 Deutschkatholiken und 237 Juden) ; im 
Jahre 1867: 18,902 (10,478 Katholiken, 8137 Evangelische, 17 Men- 
noniten, 13 Deutschkatholiken und 257 Juden). 

XI. Amt Königstein. Bestandtheile: 

1) Die Mainzischen Orte: Königstein, Altenhain, Bommersheim, Cronberg, 
Ehlhalten, Eppenhain, Fischbach, Glashütten, Hornau, Kahlbach, Kelkheim, Mam- 
molshain, Neuenhain, Niederhöchstadt, Oberhöchstadt, Obcrursel, Kuppertshain, Schloss- 
born, Schneidhain, Schönberg, Schwalbach, Stiei-stadt, Weisskirchen. 2) Der gemein- 
schaftlich Main zische und Hessen - Darmstädtische Ort Eppstein. 3} Der 
reichsritterschaftliche Ort Falkenstein. 

Das Amt zählt 12 katholische Pfarreien, welche das Decanat Königstein 
bilden: Bommersheim, Cronberg, Eppstein, Fischbach, Kahlbach. Schwalbach. König- 
stein, Neueuhain, Oberhöchstadt, Obeiursei, Schlossborn, Weisskirchen; und 4 evan- 
gelische Pfarreien, die zum Decanat Cronberg gehören: Cronberg, Eppstein, Neuen- 
hain und Oberursel. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 18,570 (15,746 Kathoüken, 2585 
Evangelische und 239 Juden); im Jahre 1867: 17,709 (14,806 Katho- 
liken, 2718 Evangelische, 3 Mennoniten, 3 Deutschkatholiken, 179 Juden). 

XII. Amt Langen schwalb ach. Bestandtheile: 

1) Aus der Niedergrafschaft Catzen einbogen: a. die derselben stets ange- 

21* 



330 

hörigen Orte: Langenschwalbach, Algenroth, Bärstadt, Dickschied, Hausen vor der 
Höhe. Heimbach, Hettenhain, Hilgenroth, Hohenstein, Huppert, Kernel, Langenseifen, 
Laufenseiden, Lindschied, Nauroth, Niedermeilingen, Obermeilingen, Ramschied, 
Springen, Wambach, Watzelhain, Wisper, Zorn. b. die bis zum Jahre 1778 Vier- 
herrischen Orte: Egenroth, Grebenroth, Langschied, Mappershain, Märten roth. 
2) Die zur Hälfte in die Niedergrafschaft Catzen einbogen imd zur Hälfte nach 
Mainz gehörenden Orte : Gerolstein und Schlangenbad. 3) Der Nassau-Usingensche 
Ort Adolphseck. 4) Die Main zischen Orte: Niedergladbach und Obergladbach. 

Das Amt zählt 8 evangelische Pfarreien, welche das Decanat Langen- 
schwalbach bilden: Bärstadt, Dickschied, Egenroth, Hohenstein, Kernel, Laufenseiden, 
Langenschwalbach , Niedermeilingen; und o katholische Pfarreien, welche zum 
Decanat Langenschwalbach gehören: Langenschwalbach , Laufenseiden und Nieder- 
gladbach. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 11,403 (8140 Evangelische, 2885 
Katholiken, 4 Mennoniten, 6 Deutschkatholiken und 368 Juden); im 
Jahre 1867: 11,477 (8007 Evangelische, 3092 Katholiken. 4 Menno- 
niten, 6 Deutsch katholiken, 368 Juden). 

XIII. Amt Limburg. Bestandtheile : 

1) Die Trierischen Orte: Limburg, Dietkirchen, Eschhofen, Lindenholz- 
hausen, Mühlen, Niederbrechen, Oberbrechen, Werschau. 2) Die Oranischen Orte: 
a. aus dem Furstentbum Diez: Dauborn, Eufingen, Linter, Staffel, b. aus dem Fürsten- 
thum Hadamar: Dehrn. 3) Die gemeinschaftlich Usingenschen und Oranischen 
Orte: Kirberg, Heringen, Nauheim, Neesbach, Obren. 4) Der gemeinschaftlich Ora- 
nische (früher Usingenschej und Trierische Ort Mensfelden. 

Das Amt zählt 7 katholische Pfarreien, welche zum Decanat Limburg ge- 
hören: Dietkirchen, Eschhofen, Limburg, Lindenholzhausen , Niederbrechen, Ober- 
brechen, Werschau; und G evangelische Pfarreien, welche zum Decanat Kirberg 
gehören: Dauborn, Heringen, Kirberg, Mensfelden, Nauheim und Staffel. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 17,580 (10015 Katlioliken, 7250 
Evangelische, 11 Mennoniten, 259 Juden); im Jahre 1867: 18,076 
(10,480 Katholiken, 7341 Evangelische, 11 Mennoniten, 14 Deutsch- 
katholiken, 23U Juden). 

XIV. Amt Marienberg. Bestandtheile: 

Die Oranischen Orte: a. aus der Herrschaft Beilstein: Marienberg, Bach, 
Bölsberg, Bretthausen, Eichenstruth, Fehl, Grossseifen, Hardt, Hof, Hlfurth, Langen- 
hahn. Liebenscheid, Löhnfeld, Neukirch, Pfuhl, Kitzhausen, Stangenroth, Stein, Stock- 
hausen. Unnau. Weisenberg, Willingen, Zinnhain. b. Aus dem Fürstenthum Diez: 
Ailertchen, Bellingeu. Büdingen, Dreisbach, Enspel. Erbach. Hahn, Hinterkirchen, 
Hintermühlen, Höhn, Hölsenhausen , Kackenberg, Langenbach, Oellingen, Büschen, 
llotzenhahn, Schönberg, Stockum, Todtenberg, Urdorf, 

Das Amt zählt 4 evangelische Pfarreien, die zum Decanat Rennerod und 
Marienberg gehiaen: Marienberg erste und zweite Pfarrei, Liebenscheid, Neukirch. 
und 2 katholische Pfarreien, die zum Decanat Rennerod gehören: Höhn und 
Rotzenhahn. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 9617 (5923 Evangelische, 3693 
Katholiken, 1 Mennonit); im Jahre 1867: 9187 (5690 Evangelische, 
3496 Katholiken, 1 Mennonit). 



331 

XV. Amt Montabaur. Bestandtheile : 

1) Die Tricrischen Orte: Montabaur, Arzbach, Bannbersoheid, Hladcmheim, 
Boden, Cadenbach, Daubach, Dernbach, Gackenbach, Kbernhahn, Eitelborn, Klj^en- 
dorf, Esclielbach, EttersJorf, Gackenbacli , Heiligenroth, Hillscheid, Hölir, Holler, 
Horbacli, Horrcsson, Hosten, Hübingen, Kirehähr, Leuterod , Moschlieiin, Neuhäusel, 
Niederelbert, Oberelbert, Oetzingen, Ueekenthal, Siershahn, Simmern, Stahlhofen, 
Staudt, Untershausen, Welschneudorf, Wirges, Würzenborn. 2) Der zur Hälfte pri- 
vativ T Tierische, zur Hälfte Arnstein'sche Ort Dies. 

Das Amt zählt 9 katholis(-he l'farreien, welche zum Decanat Montabaur 
gehören: Arzbach, Heiligenroth, Hillscheid, Höhr, Holler, Kirehähr, Montabaur, 
Oberelbert, Wirges; und 1 evangelische Pfarrei Montabaur, welche zum Decanat 
Diez gehört. 

Einwohnerzahl im Jahr 1864: 19,641 (19,363 Katholiken, 196 
Evangelische, 2 Mennoniten, 8U Juden); im Jahre 1867: 19,721 (19,430 
Katholiken, 213 Evangelische, 78 Juden). 

XVI. Amt Nassau. Bestandtheile: 

1) Die gemeinschaftlich N assau-Usingen'schen und ran isch en Orte, 
a., welche früher Dreiherrisch waren: Nassau, Becheln, Bergnassau, Dausenau, 
Dienethal, Hömberg, Misselberg, Oberwies, Scheuern, Sulzbach, Zimmerschied, so wie 
Ems und Kenimenau zur Hälfte, b., welche früher Vierherrisch waren: Atten- 
hausen, Breniberg, Dessighofen, Dornholzhausen, Geisig, Singhofen. 2) Aus der Nie- 
dergrafschaft C atze nein bogen: a. die derselben stets angehörigen Orte : LoUschied, 
Niedertiefenbach, Pohl und Koth. b. das früher Vierherrische Kördorf. 3) Der 
Oranische Ort Obernhof. 4) Der Hessen-Darmstädtische Ort Gutenacker. 
5) Die gemeinschaftlich Oranischen und Hessen-Darmstädtischen Orte: 
Bad Ems, sowie Dorf Ems und Kemmenau zur Hälfte. 6) Die Arnsteinischen 
Orte: a. die reichsunmittelbaren Dörfer Seelbach und Kalkofen links der 
Lahn. 6) Die unter Trierischer Hoheit stehenden Dörfer Winden und Weinähr. 

Das Amt zählt 10 evangelische Pfarreien, welche zum Decanat Nassau 
gehören: Dausenau, Dienethal, Dornholzhausen, Ems, Kördorf, Nassau, Niedertiefen- 
bach, Obernhof, Schweighausen, Singhofen, und 2 katholische Pfarreien, welche 
zum Decanat Montabaur gehören: Arnstein und Winden. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 14,765 (10,435 Evangelische, 
3958 Katholiken, 372 Juden); im Jahre 1867: 15,686 (10,946 Evan- 
gelische, 4402 Katholiken, 338 Juden). 

XVII. Amt Nastätten. Bestandtheile: 

1) Aus der Niedergrafschaft Catze neinbogen: a. die stets dahin gehörigen 
Orte: Nastätten, Berndroth, Bogel, Buch, Casdorf, Diethardt. Himmighofen, Holz- 
hausen auf der Haide, Münchenroth, Oelsberg. Pissighofen, Reckenroth, Kuppertshofen, 
Weidenbach. b. die früher Vierherrischen Orte: Bettendorf, Ergeshausen, 
Herold und Obertiefenbach. 2) Die gemeinschaftlich Usingen 'sehen und Orani- 
schen, früher V i er he rrischen Orte: Berg, Ehr, Hunzel, Marienfels. 3) Die 
Usingen'schen Orte: Berghausen, Dörsdorf, Eisighofen, Mudershausen. A) Die 
Weilburgischen, bis zum Jahre 1778 Zweiherrischen Orte: Endli.hhofen, 
Miehlen, Rettert. 5) Die H csscn-Darmstäd tischen Orte: Allendorf, Calzeneln- 
bogen, Ebertshausen, Klingelbach, Mitteltischbach, Obertischbach. 

Das Amt zählt 10 evangelische Pfarreien, welche zum Decanat Nastätten 
gehören: Ackerbach, Diethardt, Dörsdorf, Holzhausen a. d. H.. Klingelbach, Marien- 



332 

fels, Miehlen, Nastätten, Rettert, Rupiiertshofen , und 1 katholische Pfarrei: Na- 
stätten, welche zum Decanat liangenschwalbach gehört. 

Einwohnerzahl im Jahre 18G4: 12,498 (11,096 Evangelische, 1058 
Katholiken, 1 Mennonit und 343 Juden); im Jahre 1867: 12,549 
(11,149 Evangelische, 1052 Katholiken, 28 Deutschkatholiken, 320 Juden). 

XVIII. Amt Reicheisheim (1866 von Preussen an Hessen- 
Darmstadt abgetreten). Bestandtheile : 

1) Per Nassau-Weilb urgische Ort Reicheisheim. 2) Der reichsritter- 
8ch ältliche Ort: Doruassenheira. 

Das Amt zählte 1 evangelische zum Decanat Usingen gehörige Pfarrei 
Reicheisheim, und l katholische zum Decanat Usingen gehörige Pfarrei Dom- 
assenheim. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 1506 (851 Evangelische, 655 
Katholiken.) 

XTX. Amt Kennerod. Bestandtheile: 

1) Die Nassau-Oranischen Orte a. aus dem Fürstenthum Hadamar: 
Rennerod, ElsofF, Hellenhahn, Irmtraut, Mittelhofen, Neustadt, Oberroth. Pottiim, 
Schellenberg, Seck, AValdmühlen, Westemohe. b. aus der Herrschaft Beilstein: 
Emmerichenhain, Homberg, Möhrendorf, Niederros.sbach, Nister, Oberrossbach, Rehe, 
Salzburg, Waigandshain, Zehnhausen, c. bis zum Jahre 1773 W eil burgisch: Hüb- 
lingen, Neunkirchen, Rückershausen. 2) Die Leiningen-Westerburgischen 
Orte: Berzhahn, Gemünden, (lershasen, Halbs , Hergenroth, Stahlhofen, Wengen- 
roth, Westerburg. Wilmenroth, Winnen. 

Das Amt zählt 5 evangelische Pfarreien, welche zum Decanat Rennerod 
und Marienberg gehören : Emmerichenhain , Gemünden , Neunkirchen , Westerburg, 
Wilmenroth, und 3 katholische, zum Decanat Rennerod gehörende Pftirreien: 
Eisoff, Rennerod und Seck. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 15,038 (8281 Evangelische, 6540 
Katholiken, 7 Mennoniten und 210 Juden); im Jahre 1867: 14,324 
(7962 Evangelische, 6138 Katholiken, 5 Mennoniten, 6 Deutschkatho- 
liken, 213 Juden). 

XX. Amt Eüdesheim. Bestandtheile: 

1) Die Mainzischen Orte: Rüdesheim, Assmannshausen, Aulhausen, Eibiu- 
gen, Espenschied, Geisenheim, Johannisberg, Lorch, Lorchhausen, Presberg, Ransel, 
Stephanshausen, Winkel, Wollmerschied. 2) Die Fuldaische Abtei Johannisberg. 

Das Amt zählt 11 katholische Pfarreien, welche das Decanat Rüdesheim 
Mlden: Assmannshausen, Eibingen, Geisenheim, Johannisberg, Lorch, Lorchhausen, 
I*resberg, Ransel, Rüdesheim, Stephanshausen, Winkel, und 1 evangelische, zum 
Decanat Wiesbaden gehörige Pfarrei: Rüdesheim. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 13,756 (13,189 Katholiken, 460 
Evangelische und 107 Juden); im Jahre 1867: 14,088 (13,317 Katho- 
liken, 624 Evangelische, 32 Deutschkatholiken, 115 Juden). 

XXI. Amt Runkel. Bestandtheile: 

1) Die Wied-Runkelischen Orte: Runkel, Aumenau, Blessenbach, En- 
nerich, Eschenau, Falkenbach, Gaudernbach, Heckholzhausen, Höfen, Laubuseschbach, 



333 

Münster, Schupbacli, Seelbach, Steeten, Weyer, Wirbelau, Wolfenhausen. 2) Der 
Wied-Runkelische, bis 1775 Nassau-Hadamar'sche Ort Obertiefenbach. 
3) Die Trierischen Orte: Arfurt und Villmar. 4) Der Lei ningen-Wester- 
burgische Ort Schadeck. 

Das Amt zählt 8 evangelische Pfarreien, welche das Decanat Runkel bil- 
den: Blessenbach, Heckholzhuusen, Münster, Runkel, Schadeck, Schupbach, Seelbach, 
■W'olfenbausen, und 3 katholische, zum Decanat Limburg gehörige Pfarreien : Arfurt, 
Obertiefenbach und Villmar. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 15,977 (10,793 Evangelische, 
4653 Katholiken, 14 Mennoniten, 517 Juden); im Jahre 1867: 16,302 
(10,983 Evangelische, 4847 Katholiken, 19 Mennoniten, 453 Juden). 

XXII. Amt St. Goarshausen. Bestandtheile : 

1) Aus der Niedergrafschaft Catzenelnbogen: a. Die stets dahin gehörigen 
Orte: St. Goarshausen, Auel, Bornig, Eschbach, Lierschied, Niederwallmenach, Nochem, 
Patersberg, Reichenberg, Reitzenhain. b. Die früher Vierherrischen Orte: Läu- 
tert, Obcrwallmenach, Rettershain und Weyer. 2) Die Nassau- Weilburgischen 
bis 1778 Zweiherrischen Orte: Lipporn, Strüth und Welterod. 3) Die Pfäl- 
zischen Orte: Caub, Dörscheid, Weisel. 4) Die Trierischen Orte: Dahlheim, 
Ehrenthal, Niederkestert, Oberkestert, Prath, Wellmich. 5) Der reichsritter- 
schaftliche, von Pfalz jedoch als solcher bestrittene Ort Sauerthal. 

Das Amt zählt 11 evangelische Pfarreien, welche das Decanat St. Goars- 
hausen bilden : Bornig, Caub, Dörscheid, Niederwallmenach, Nochern, Oberwallmenach» 
Patersberg, St. Goarshausen, Weisel, Welterod, Weyer, und 5 katholische, zum 
Decanat Langenschwalbach gehörige Pfarreien : Caub, Kestert, St. Goarshausen, Schönau 
und Wellmich. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 12,797 (8744 Evangelische, 3932 
Katholiken, 4 Mennoniten, 117 Juden); im Jahre 1867: 12,876 (8820 
Evangelische, 3938 Katholiken, 10 Mennoniten, 108 Juden). 

XXIII. Amt Selters. Bestandtheile: 

1) Aus der Grafschaft Wied-Neuwied: a. Die derselben stets angehörigen 
Orte: Selters, Aisbach, Dreifelden, Faulbach, Goddert, Grenzhausen, Hilgert, Hunds- 
dorf, Langenbaum, Linden, Mogendorf, Nordhofen, Quirnbach, Rückeroth, Schmidt- 
hahn, Seeburg, Stahlhofen, Steinebach, Steinen, Strasse, Vielbach. b. Die bis zum 
Jahre 1799 Sayn-Hachenburgischen Orte: Freilingen, Maxsayn, Wölferlingen, 
Zürbach. 2) Der Wied-Runkelische Ort Freirachdorf. 3) Die Trierischen 
Orte: Baumbach, Breitenau, Caan, Deesen, Ellenhausen, Grenzau, Hartcnfels, Helters- 
kirchen, Herschbach, Hirzcn, Kammerforst, Krümmel, Marienhausen, Maricnrachdorf, 
Maroth, Nauort, Niederdorf, Oberhaid, Oberherschbach , Ransbach, Schenkelberg, 
Sessenbach, Sessenhausen, Stromberg, Trierisch-Hausen, Wirscheid, Wittgert. 

Das Amt zählt 8 evangelische Pfarreien, welche das Decauat Selters 
bilden: Aisbach, Dreifelden, Freirachdorf, Grenzhausen, Maxsayn, Nordhofen, Riicke- 
roth, Selters; und 7 katholische Pfarreien, die zum .Decanat Selters gehören: 
Breitenau, Hartenfels, Helferskirchen, Herschbach, Marienrachdorf , Nauort und 
Ransbach. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 17,509 (10,279 Katholiken, 6771 
Evangelische, 1 Mennonit, 458 Juden); im Jahre 1867: 16,192 (8903 
Katholiken, 6858 Evangelische, 431 Juden). 



334 

XXIV. Amt Usingen. Bestandtheile : 

1) Die Nassau-Üsingenschen Orte: Usingen, Altweilnau, Arnsbach, Brom- 
bach, Crataenbach, Dorfweil, Emmershausen , Eschbach, Finsternthal , Gemünden, 
Grävenwiesbach, Hasselborn, Hausen, Heinzenberg, Hundstadt, Hundstall, Laubach, 
MauloflF, Merzhausen, Michelbach , Mönstadt , Naunstadt, Neuweilnau, Niederlauken, 
Oberlauken, Riedelbach, Eod am Berg, Rod an der Weil, Treisberg, Westerfeld, 
Wilhelmsdorf, Winden. 2) Die gemeinschaftlich Oranischen und Trier ischen 
Orte: Anspach, Haintchen, Obernhain, Kloster Thron, Wehrheim. 3) Die gemein- 
schaftlich Nassau- Weilburgischen und Hessen-Darmstädtischen Orte: 
Brandoberndorf und Cleeberg. 4) Der gemeinschaftlich Nassau -Usingen sehe und 
Oranische Ort Hasselbach. 5) Der Hessen -Darm städtische Ort Weiperfelden. 

6) Der Hessen-Homburgische, früher reichsritterschaftliche Ort Espa. 

7) Die Bassenheimischen Orte: Arnoldshain, Cransberg, Friedrichsthal, Nieder- 
reifenberg, Oberreifenberg, Pfaöenwiesbach, Schmitten, Seelenberg, Wernborn. 

Das Amt zählt 15 evangelische Pfarreien des Decanats Usingen: Alt- 
weilnau, Anspach, Arnoldshain, Brandoberndorf, Cleeberg, Eschbach, Espa und 
Weiperfelden, Grävenwiesbach, Merzhausen, Neuweilnau, Niederlauken, Rod am Berg, 
Rod an der Weil, Usingen, Wehrheim ; und 6 katholische Pfarreien des Decanats 
Usingen: Cransberg, Haintchen, Hasselborn, Reifenberg, Pfalfenwiesbach und Wehrheim. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 21,897 (15,153 Evangelische, 6483 
Katholiken, 265 Juden); im Jahre 1867: 20,602 (14,388 Evangelische, 
5920 Katholiken, 25 Baptisten, 3 Deutschkatholiken, 266 Juden). 

XXV. Amt Wallmerod. Bestandtheile: 

Die Trierischen Orte: Wallmerod, Arnshöfen, Berod, Bilkheim, Blaumhöfen, 
Brandscheid, Caden, Dahlen, Düringen, Ehringhausen, Eisen, Eiben, Eibingen, Etting- 
hausen, Etzelbach, Ewighausen, Girkenrod, Girod, Görgeshausen, Goldhausen, Gross- 
holbach, Guckheim. Härtungen, Hahn, Haindorf, Heilberscheid, Herschbach, Himburg, 
Hundsangen, Karnhöfen, Kleinholbach, Kölbingen, Kuhnhöfen, Langwiesen, Lochheim, 
Mähreu, Meudt, Mittelahr, Möllingen, Molsberg, Nentershausen, Niederahr, Niederer- 
bach, Niederhahn, Niedersa}Ti, Nomborn, Oberahr, Oberevbach, Oberhausen, Obersayn, 
Pfeifensterz, Pütschbach, Roth, Rothenbach, Rupjiach, Sainevholz, Sainschcid, Salz, 
Schönberg, Steinefrenz, Wahnscheid, Weideniiahn, Weitersburg, Weroth, Wördorf und 
Zehnhausen. 

Das Amt zählt 10 katholische Pfarreien: Berod, Hahn, Hundsangen, Meudt, 
Nentershausen, Niedererbach, Salz, Schönberg und Weidenhahn. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 16,132 (15,933 Katholiken, 115 
Evangelische, 84 Juden); im Jahre 1867: 15,765 (15,594 Katholiken, 
85 Evangelische, 86 Juden). 

XXVI. Amt Wehen. Bestandtheile: 

1) Die Nassau-Usingenschen Orte: Wehen, Bechtheim, Beuerbach, Born, 
Breithardt, Daisbach, Ehrmbach , Eschenhahn, Görsroth, Hahn, Hambach, Hausen, 
Hennethal, Kesselbach, Kettenbach, Ketternschwalbach, Limbach, Michelbach, Neuhof, 
Niederauroff, Niederlibbach, Oberauroß, Oberlibbach, Orlen, Panrod, Rückershausen, 
Seitzenhahn, Steckenrod, Strinz-Margarethä, Strinz-Trinitatis, Wallbach, Watzhahn, 
Wingsbach. 2) Der zur Hälfte Nassau-Usingensche, zur Hälfte Mainzische 
Ort Bleidenstadt. 3) Aus der Niedergrafschaft Catzenelnbogen der Ort 
Holzhausen über Aar. 



335 

Das Amt zählt 10, das Decanat Wehen bildende evangelische Pfarreien: 
Bechtheim, Bleidenstadt , Breithardt, Kettenbach, Michelbach, überauroff, Panrod, 
Strinz-Margarethä , Strinz-Trinitatis, Wehen; und 2 katholische Pfarreien, welche 
Decanat Idstein gehören : Bleidenstadt und Daisbach. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 11947 (10,729 Evancrelische, 1020 

Katholiken, 198 Juden); im Jahre 18G7: 11916 (10,731 Evangelische, 

992 Katholiken, 193 Juden). 

XXVII. Amt Weil bürg. Bestandtheile : 

1) Aus dem Pürstenthum Nassau- Wei Iburg: a. Die demselben stets ange- 
hörigenOrte: Weilburg, Ahausen, Allendorf, Altenkirchen, Audenschmiede, Aulenhausen, 
Barig, Bermbach, Cubach, Dietenh.ausen,Drommershausen,Edelsber?,Elkerhausen, Ernst- 
hausen, Esiiershausen, Freienfels, Gräveneck, Hasselbacli, Hirschhausen, Kirschhofen, 
Laimbach, Langcnbach, Lützendorf, Merenberg, Müttau, Philippstein, Reichenborn, 
Rohnstadt, Seibenhausen, Selters, Waldhausen, Weilmiinster , Weinbach. b. Die bis 
zum Jahre 1773 gemein.schaftlich Weilburgischen und Oranischen Orte: 
Löhnberg. Odersbach und Waldhausen. 2) Die Oranischen Orte: a. aus dem Pürsten- 
thum Nassau-Hadamar: Mengerskirchen, Dillhausen, Probbach, Winkels, b. aus 
der Hen-schaft Beil st ein: Niedershausen und Oberhausen. 

Das Amt zählt 13 evangelische Pfarreien, welche das Decanat Weilburg 
bilden: Allendorf, Altenkirchen, Cubach, Elkerhausen, Essershausen, Langenbach, 
Löhnberg, Merenberg. Niedershausen, Selters, Weilmünster, Weilburg, Weinbach; 
und 2 katholische Pfarreien, welche zum Decanat Hadamar gehören: Mengers- 
kirchen und Weilburg. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 20,232 (16,839 Evangelische, 3211 
Katholiken, 182 Juden); im Jahre 1867: 21,101 (17,531 Evangelische, 
3342 Katholiken, 1 Deutschkatholik, 227 Juden). 

XXVIII. Amt Wiesbaden. Bestandtheile: 

1) Die Nassau-Usingenschen Orte: Wiesbaden, Auringen, Biebrich, Bier- 
stadt. Ciarenthal, Dotzheim, Erbenheim, üeorgenborn. Hessloch, Kloppenheim, Mos- 
bach, Nauroth, Rambach, Schierstein, Sonnenberg. 2) Der Main zische Ort 
Frauenstein. 

Das Amt zählt 9 evangelische Pfarreien, die zum Decanat Wiesbaden ge- 
hören: Wiesbaden, Bierstadt, Dotzheim, Erbenheim, Kloppenheim, Mosbach -Biebrich. 
Nauroth. Schierstein, Sonnenberg, und 2 katholische Pfarreien: Wiesbaden und 
Frauenstein. 

Einwohnerzahl im Jahre 1864: 38,155 (28,154 Evangelische, 8778 
Katholiken, 1 Mennonit, 299 Deutschkatholiken und 923 Juden); im 
Jahre 1867: Das Landarat 16,705 (13,177 P^vangelische, 3130 Katholiken, 
3 Mennoniten, 1 Grieche, 66 Deutschkatholiken, 328 Juden); die Stadt 
Wiesbaden: 30,085 (19,930 Evangelische, 8869 Katholiken, 9 Menno- 
niten, 157 Griechen, 340 Deutschkatholiken, 87 Bekenner anderer 
chiüstlicher Confessionen, 693 Juden). 

Durch Gesetz vom 4. April 1849 war die Justiz von der Verwal- 
tung getrennt worden; die obigen Aemter blieben Justizamtsbezirke, 
während für die Verwaltung 10 Kreisämter errichtet wurden: Herborn, 
Hachenburg, Hadamar, Limburg, Nassau, Langenschwalbach, Idstein. 
Rüdesheim, Höchst und Wiesbaden. Diese Einrichtung wurde jedoch 



336 

unterm 24. Juli 1854 mit Zustimmung der Stände wieder aufgehoben, 
und die frühere Verbindung der Justiz mit der Verwaltung in den 
Aemtern, mit Ausnahme von Wiesbaden, wieder hergestellt. 

§• 32. 
OrgaoisatioD des Uerzogthums. 

Durch Edict vom 1. und 2. September 1814 hatten der Herzog 
Friedrich August und der Fürst Friedrich Wilhelm dem Herzogthum 
eine landständische Verfassung gegeben, aber erst in der Sitzung des 
Bundestages vom 23. Februar 1818 konnte der Herzogliche Gesandte 
die Mittheilung machen, dass die durch die Verhältnisse verzögerte Er- 
öffnung der Nassauischen Ständeversammlung in wenigen Tagen bevor- 
stehe. Auf Grund dieses Edictes, sowie zweier weiteren vom 3. 
und 4. November 1815, die Wahl der Landstände und die Bildung 
der Herrenbank der Landstände betreffend, bestand die Ständeversamm- 
lung aus 2 Kammern, der Herrenbank und der Kammer der Landes- 
deputirten. 

Zur Herrenbank gehörten als geborene Mitglieder die Prinzen des 
Herzoglichen Hauses nach zurückgelegtem 21. Lebensjahre, als erbliche 
Mitglieder die jeweiligen Besitzer der Grafschaft Holzappel und Herr- 
schaft Schaumburg, der Grafschaft Westerburg, der Herrschaften Keifen- 
berg und Cransberg, der Grundherrlichkeiten zu Fachbach und Nievem, 
die Gräfliche Familie von Walderdorff und die Freiherrliche Familie 
vom Stein, sowie 6 erwählte Deputirten derjenigen adeligen Grundeigen- 
thümer, welche wenigstens 21 Gulden in jedem Grundsteuer-Simplum 
entrichteten. 

Die zweite Kammer oder die Versammlung der Landesdeputirten 
bestand aus 22 Mitgliedern, welche durch absolute Stimmenmehrheit 
auf die Dauer von 7 Jahren gewählt wurden, und zwar aus: zwei 
von den Inspectoren der vereinigten evangelischen Geistlichkeit, einem 
von den Landdechanten der katholischen Geistlichkeit, einem von den 
Vorstehern der höhern Lehranstalten, drei von den im Simplo wenig- 
stens 10 fl. 25 kr. entrichtenden Gewerbebesitzern aus ihrer Mitte ge- 
wählten Abgeordneten und 15 von den Grundeigenthümern, welche zu jedem 
Grundsteuer-Simplum wenigstens 7 Gulden beitrugen, gewählten, wobei 
aber nur solche Grundeigenthümer aus ihrer Mitte gewählt werden 
durften, welche wenigstens 21 Gulden Grundsteuer in Simplo entrichteten. 

Durch landesherrliches Edict vom 5. April 1848 wurde diese Zu- 
sammensetzung der landständischen Versammlung abgeändert und die 
Repräsentation des Landes in Einer Kammer beschlossen, wozu jeder 
volljährige Gemeindebürger wahlberechtigt und die Wählbarkeit zum 
Abgeordneten von einem bestimmten Vermögensbesitz nicht abhängig 
war. Das Herzogthum wurde in 14 Wahlkreise getheilt, welche 41 
Abgeordnete zu wählen hatten. 



337 

Eine neue Zusammensetzung der Ständeversammlung erfolgte unter 
Aufhebung jenes „provisorischen" Gesetzes am 25. November 1851. 

Eingeführt wurden wiederum zwei Kammern. Mitglieder der ersten 
Kammer waren: Die Prinzen des herzoglichen Hauses nach zurückgeleg- 
tem 21. Lebensjahre, der Erzherzog Stephan von Oesterreich, (als Be- 
sitzer der Standesherrschaft Holzappel und Schaumburg), das Fürstliche 
Haus Wied, die Gräfliche Familie von Leiningen- Westerburg, die Gräf- 
liche Familie von Waldbott-Bassenheim, die Gräfliche Familie von Wal- 
derdorff, die Freiherrliche Familie vom Stein, die Gräfliche Familie von 
Schönborn-Wiesentheid , der katholische Bischof und der evangelische 
Landesbischof, so wie 6 von den höchstbesteuerten Grundbesitzern und 
3 von den höchstbesteuerten Gewerbtreibenden zu wählende Abgeordnete. 
Dabei behielt sich der Herzog vor, weitere Mitglieder zu dieser Kammer 
mit dem Rechte der Vererbung zu ernennen, unter der Einschränkung 
jedoch, dass dieselben wenigstens 200 Gulden zu jedem Steuersimplum 
beitragen mussten. Solche Ernennungen erfolgten für die Freiherren: 
von Schütz zu Holzhausen, von Zwierlein und von Dungern. Die je- 
weiligen Häupter dieser Standes- und grundherrlichen, so wie der erblich 
berechtigten Familien hatten das Recht, den Versammlungen der Land- 
stände vom Eintritt in das 25. Lebensjahr an persönlich beizuwohnen, 
konnten sich auch durch besonders dazu abgeordnete Bevollmächtigte 
darin vertreten lassen. Die zweite Kammer bestand aus 24 Abgeord- 
neten, welche in 24 Wahlkreisen gewählt wurden. 

Nachdem durch Gesetz vom 17. October 1849 eine Umbildung 
der seither bestandenen Centralbehörden dahin stattgefunden hatte, 
dass die obere Vei-waltung durch das Staatsrainisterium geführt werde, 
welches in vier Miuisterialabtheilungen für Justiz, Inneres, Kriegswesen 
und Finanzen zerfiel, wurde unterm 24. Juli 1854 diese neue Organi- 
sation als nicht mehr den Verhältnissen entsprechend erkannt und die 
früher bestandene Einrichtung mit nur wenigen Modificationen wieder 
eingeführt. 

Auf Grund derselben bildete das Staatsministerium die oberste 
Verwaltungsbehörde. Ihm stand ein Staatsminister vor, dem ein Mini- 
sterialdirector und drei Ministerialräthe untergeben waren. Beigeordnet 
war ihm ein aus unbesoldeten Mitgliedern bestehender Staatsrath. Dem 
Staatsministerium waren direct untergeordnet: die Landesbank, das 
Centralarchiv zu Idstein und die Landesbibliothek zu Wiesbaden. 

Die obere Verwaltungsbehörde für die inneren Angelegenheiten 
war die Landesregierung, bestehend aus einem Präsidenten, sieben 
Räthen oder Assessoren und technischen Referenten für das Schulfach, 
Medicinalwesen , Forstwesen, Bauwesen und Bergwesen. 

22 



338 

Der Landesregiening waren untergeordnet : 

1) Die in §. 31 genannten 28 Justiz- und Verwaltungs- 
Aemter, welchen, wie dort bemerkt, von 1849 — 1854 durch Ein- 
führung besonderer Verwaltungsärater die Verwaltung entzogen wor- 
den war. 

2) Die 28 mit den Aemtern zusammenfallenden Medicinalbe- 
zirke mit je 1 Medicinalrathe, 1 Medicinalassistenten und 1 oder 
mehreren Medicinalaccessisten, so wie den Apothekern, nebst der Heil- 
und Pflegeanstalt Eichberg, den Hospitälern zu Wiesbaden und Ems 
und der Hebammenlehranstalt zu Hadamar. 

3) Die Forstverwaltung, eingetheilt in folgende 6 Inspec- 
tionsbezirke : Dillenburg (mit den Oberförstereien: Dillenburg, Drie- 
dorf, Ebersbach, Haiger, Herborn, Johannisburg und Oberscheid); 
Hachenburg (Hachenburg, Herschbach, Hillscheid, Kroppach, Marien- 
berg, Montabaur, Nauort, Selters, Wallmerod, Welschneudorf und 
Westerburg); Idstein (Breithardt, Burgschwalbach, Eichelbach, Idstein, 
Kirberg, Neuweilnau, Oberems, Wallrabenstein und Wehrheim); Na- 
stätten (Braubach, Catzenelnbogen, Caub, Diez, Holzhausen a. d. H., 
Kemel, Langenschwalbach, Nassau, Nastätten, Keichenberg, und Schaum- 
burg); Wei 1 bu rg (Brandoberndorf, Hadamar, Haintchen, Merenberg, Ren- 
nerod, Runkel, Weilburg und Weilmünster); Wiesbaden (Kammerforst, 
Chausseehaus, Cronberg, Eltville, Hofheim, Königstein, Langenhain, 
Naurod, Oestrich, Platte und Weissenthurm). 

4) Die Berg- und Hütten- Verwaltung, eingetheilt in die 
4 Inspectionsbezirke : Dillenburg, Diez, Weilburg und Wiesbaden; so 
wie in die 4 gleichnamigen Markscheiderbezirke. 

5) Die Bauverwaltung, eingetheilt in 7 Inspectionen für den 
Hochbau (Wiesbaden, Höchst, Eltville, Nassau, Limburg, Herborn und 
Selters), 4 Inspectionen für den Strassen-, Wege- und Brückenbau 
(Wiesbaden, Königstein, Hadamar und Weilburg), 2 Inspectionen für 
den Wasserbau am Rhein und Main, und an der Lahn. 

6) Das Zuchthaus zu Diez und das Correctionshaus zu Eberbach. 
7. Die öffentlichen Unterrichtsanstalten: Die Gymnasien zu 

Wiesbaden, (1 Gelehrten- und 1 Real-Gymnasium), Weilburg und Ha- 
damar; das Pädagogium und die Bergschule zu Dillenburg; das Land- 
wirthschaftliche Institut auf dem Hofe Geisberg bei Wiesbaden; das 
evangelische Schullehrerseminar zu Usingen und das katholische zu Mon- 
tabaur; die Taubstummenanstalt zu Camberg; die höhere Bürgerschule 
zu Wiesbaden und die höhere Töchterschule daselbst; die Realschulen 
zu Diez, Ems, Erbach im Rheingau, Idstein, Limburg, Montabaur, 
Oberursel; die Real- und höheren Töchterschulen zu Biebrich-Mosbach, 
Geisenheim, Hachenburg, Herbom, Höchst, Langenschwalbach und Usin- 
gen, so wie die in 67 Inspectionen getheilten Elementarschulen. 



339 

Die Verwaltung der Finanzen wurde von dem Finanz-Collegium 
besorgt, welches aus einem Präsidenten, 6 Rätlien oder Assessoren , 1 
Referenten für das Forstwesen und 1 Referenten für das Bauwesen be- 
stand und dem die Staatsicassendirection und die Zolldirection , wie die 
mit den Amtsbezirken zusammenfallenden 28 Recepturen unterstellt 
waren. Nicht in den Amtssitzen befanden sich folgende Recepturen: 
Bleidenstadt für den Amtsbezirk Wehen, Caub für St. Goarshausen, Catzen- 
elnbogen für Nastätten, Cronberg für Königstein, Herschbach für Selters 
und Wallau für Hochheim. Ausser den verschiedenen Domanialverwal- 
tungen ressortirten ferner von dem Finanz-Collegium: das Rheinzollamt 
zu Caub, das Mainzollamt zu Höchst, das Münzamt zu Wiesbaden, 18 
Salzmagazinsverwaltungen, das Hauptsteueramt zu Biebrich mit den 
Steuerämtern: Caub, Höchst, Rüdesheim, Wiesbaden, Bleidenstadt, 
Catzenelnbogen, Cronberg, Idstein, Langenschwalbach und Usingen, so 
wie das Hauptsteueramt zu Oberlahnstein mit den Steuerämtern: Diez, 
Dillenburg, Herborn, Hachenburg, Hadamar, Herschbach, Limburg, 
Marienberg, Montabaur, Nassau, Rennerod, Runkel, Wallmerod, Weilburg 
und Ems. 

Die Rechnungskammer, bestehend aus einem Präsidenten 
oder Director und 6 Räthen oder Assessoren, fülirte die Aufsicht über 
die vorschriftsmässige Erhebung, Verwendung und Verrechnung sämmt- 
licher Staatseinnahmen, wie der unter Aufsicht der Landesregierung 
stehenden Fonds von Corporationen, namentlich der Gemeinden, Kirchen, 
Schulen u. s. w., besorgte die Bearbeitung der Zusammenstellung des 
jährlichen Staatsexigenzetats und führte die beständige Controle über 
sämmtliche Gassen- und Rechnungsbeamten. 

Die evangelische, (seit 1817 vereinigte lutherische und reformirte) 
Kirche unter dem Landesbischof und dem evangelischen Kirchensenat (bis 
Ende 1827 unter 2 General-Superintendenten zu Wiesbaden und Weilburg) 
war in 19 Decanate mit 195 Pfarreien getheilt: Cronberg (12 Pfarreien), 
Diez (15), Dillenburg (8), Hachenburg (7), Herborn (10), Idstein (8), 
Kirberg (7), Langenschwalbach (8), Nassau 12), Nastätten (13), Renne- 
rod und Marienberg (9), Runkel (8), St. Goarshausen (11), Selters (8), 
Usingen (IG), Wallau (9), Wehen (10), Weilburg (13), Wiesbaden (11). 

Auf Grund der päpstlichen Bulle „Provida solersque" vom 16. Aug. 
1821 wurde 1827 für die katholische Kirche das Bisthum Limburg er- 
richtet mit einem Bischöfe und einem aus dem Decan und 5 Capitularen 
bestehenden Domcapitel, worin die Pfarrer von Limburg, Dietkirchen, 
Frankfurt und Eltville von den 5 Domherrenstellen 4 einnahmen. Das 
Bisthum, dem auch das Gebiet der freien Stadt Frankfurt zugetheilt 
war, zerfiel, so weit es das Herzogthum betraf, in 15 Decanate mit 145 
Pfarreien: Braubach (7 Pfarreien), Eltville (U), Hadamar (12). Höchst 



340 

(10), Idstein (9), Königstein (12), Langenschwalbach (9), Limburg (12), 
Meudt (10), Montabanr (11), Reunerod (6), Rüdesheim (11), Selters (9), 
Usingen (7), Wiesbaden (8). 

Die einreinen Pfarreien beider Kirchen und ihre Zutheilung zu 
den Decanaten erhellen aus §. 31. 

Die oberste Justizbehörde war das Oberappellationsgcricht 
zu Wiesbaden, höchste Instanz in allen Civil- und Strafrechtssachen. 
Es entschied zugleich als Cassationshof über Nichtigkeitsbeschwerden 
gegen Erkenntnisse eines Anklagesenats, oder eines Assisenhofes , und 
als Revisionsbehörde. 

Die zwei Hof- und Appellationsgerichte zu Dillenburg und 
Wiesbaden bildeten die zweite Instanz in allen Civilprozessen bei einer 
Appellationssumme von 50 Gulden , so wie gegen alle Erkenntnisse der 
Justizämter in Strafsachen. Sie erkannten ferner als correctionelle Straf- 
gerichte auf Grund der von den Justizämtern geführten Untersuchungen 
über alle Vergehen, welche nicht durch das Gesetz den 1849 angeord- 
neten Assisen überwiesen waren. Die Untersuchungsbehörden für sämmt- 
liche Assisen fälle, so wie für gewisse, durch Gesetz vom 23. December 
1851 der Zuständigkeit der Assisen wieder entzogenen Sachen (z. B. 
Hoch- und Landesverrath, Majestätsbeleidigung, Verbrechen des Aufruhrs. 
der Verletzung der Amts- und Dienstehre und einiger andern) bildeten 
die Cri min algerichte zu Dillenburg und Wiesbaden. Die Assisen 
wurden an den Sitzen der beiden Hofgerichte gehalten. 

Das Hof- und Appellationsgericht zu Dillenburg umfasste die Amts- 
bezirke: Dillenburg, Herborn, Rennerod, Marienberg, Hadamar, Diez, 
Weilburg, Reicheisheim, Hachcnburg, Limburg, Wallmerod, Montabaur, 
Runkel und Selters, im Jahre 1864 mit 218,260 Einwohnern. 

Das Hof- und Appellationsgericht zu Wiesbaden (von 1832—1849 
nach Usingen verlegt) umfasste die Amtsbezirke: Wiesbaden, Wehen, 
Idstein, Usingen, Eltville, Rüdesheim, Hochheim, Höchst, Königstein, 
St. Goarshausen, Nastätteu, Langenschwalbach, Braubach und Nassau, 
im Jahre 1864 mit 236,982 Einwohnern. 

Die 28 Justizämter bildeten die erste Instanz in allen Civil- 
sachen und in allen Strafsachen, bei welchen die Strafe nicht 4 Wochen 
Amtsgefängniss oder 30 Gulden Geldbusse überstieg. 

Hinsichtlich der Feld-, Forst-, Jagd- und Fischercivcigehen, sowie 
hinsichtlich der sämmtlichen auf die Ortspolizei Bezug habenden Contra- 
ventionen stand, wenn das Vergehen eingestanden war, den Bürger- 
meistern eine Strafcompetenz von 3 Gulden an Geld oder sechstägiger 
Arbeitsstrafe zu. 

Die freiwillige Gerichtsbarkeit war den Landoberschult- 
heissereien übertragen, deren sich eine an jedem Amtssitze befand 



341 

Das Militär, Haiii>t- und Reservecontingent, betrug 5498 Mann 
und zwar: Infanterie 4941 in 2 Rcgimentorn (jedes von 2 Bataillonen 
mit je 4 Linien- und 1 Schützencompagnie) und einem Jägerbataillon; 
Artillerie 480 Mann mit 16 Geschützen; Pionniere 64 Mann und 
13 (Armee) Gendarmen. Ausserdem als Ersatzmannschaft ein 
Infanterie-Bataillon von 549 Mann, ein Ersatz-Detachement Artillerie 
(55 Mann) und eines dergleichen Pionniere (7 Mann), deren Mannschaft 
aus gedienten Leuten genommen wurde. 

Vom 1. Infanterie-Regiment garnisonirte ein Bataillon in Weil- 
burg und eines in Diez; das 2. Infanterie-Regiment und die Artillerie 
garnisonirten in Wiesbaden, das' Jägerbataillou und die Pionniere in 
Biebrich. 

Statt der früher zum inneren Polizeidienst bestimmten Reserve 
2. Classe, welche aus den wegen geringer Gebrechen zum Liniendienst 
untauglichen, oder wegen häuslicher Verhältnisse befreiten, aber zum Reserve- 
dienst tauglichen, oder verpflichteten jungen Männern vom zurückgelegten 
18. bis zum 25. Lebensjahre gebildet und in 1 Bataillon zu 8 Com- 
pagnien formirt war, wurde durch Gesetz vom 15. Sept. 1849 ein Land- 
jägercorps errichtet, welches aus einem Officier als Corpscommandanten, 
80 berittenen und 57 Fuss-Landjägern incl. Wachtmeistern bestand, 



342 



I. Register. 

ürtsihafH'u des Uerzoglhums in seinem BesUudf vom Jahre 1816—1866. 

(Die gewöhnlichen Ziffern weisen auf die jedem Orte vorgesetzte Nummer hin; 
die fetten Ziffern bezeichnen in §. 31 den Amtsbezirk , zu welchem die Ortschaft 

gehört.) 



Ackerbach, Hof. 1948. 11. 
Adamsthal. 04. «S. 
Adelshcim, Hof. 1535.«». 
Adenrotli, Hof. 1336. «3. 
Adolphseck. 74. 1«. 
Aftholderbach, Hof. 302. 1 9 . 
Ahausen. 267. « l. 
Ahlbach. 817. ft. 
Ahlhausen. 413. 5. 
Ailei-tchen. 787. 14. 
Algenroth. 1957. 1«. 
Allendorf, A.l)illenbg.533.3. 
AUcndorf, Amt Nastätten. 

1062. 1«. 
Alleudorf, Amt Weilburg. 

295. «'S. 
Allerheiligenberg, Hof. 

1282. 1. 
.\llmannshausen. 1342. 15. 
Alpenrod. 369, 5. 
Aisbach. 1517. «3. 
Altbmg. 412. 5. 
Altendiez. 741. a. «. 
Altenhain. 969. 11. 
Altenkirchen. 289. «9. 
Altenkloster Höfe. 421. 5. 
Altstadt. 373. 5. 
Altweilnau. 14. «4. 
Amdorf. 546. 9. 
Angscheid, Hof. 308. ««. 
Anspach. 948. «4. 
Arborn. 864. 9. 
Arfurt. 1457. «1. 
Armada, Hof. 1027. «8. 
Arnoldshain. 1508. «4. 
Arnsbach. 24. «4. 
Arnstemer Hof. 1283. 1. 
Arn.stein, Abtei. §. 22. «. 

u. 1470. 16. 
Arnshöfen. 1427. «5. 
Arzbarh. 12^4. 15. 



Audenschmiede. 282. «9. 
Auel. 1914. ««. 
Aulenhausen. 285. V3 . 
Aulhausen. 1029. «O. 
Aull. 741. b. «. 
Aumenau. 1903. « I . 
Auringen. 103. SS. 

Bach. 779. 14. 

Balduinstein. 1459. «. 
Ballersbach. 55S. ■». 
Bannberscheid. 1371. 15. 
Barig. 293. «9. 
Bärbach, Hof. 1068. «. 
ßärstadt. 1930 1«. 
Baumbach. 1329. «3. 
Becheln. 897. 16. 
Bechtheim. 66. «6. 
Beilstein. 594. 9. 
Bell, Hof. 373. 5. 
Beller Hof. 1535. «3. 
Bellingen. 801. 14. 
Berg. 906. 19. 
Bergebersbach. 563. 3. 
Berger Hof. 1478. «. 
Berghausen. 86. 1 'S. 
Bergnassau. 886. 16. 



Bilkheim. 1412. «5. 

Birlenbach. 746. «. 
Bladernheim. 1349. 15. 
Blaumhöfen. 1406. «5. 
Bleidenbach, Hof. 1065. 11. 
Bleidenstadt. 79. 1043. «6. 
Bleidenstadt, Abtei 1144. 

b. «6. 
Blessenbach. 1498. «1. 
Blumenroth, Hof. 1456. «1. 
Boden. 1343. 15. 
Bölsberg. 773. 14. 
Bogel. 1919. 1». 
Bomraersheim. 991. 11. 
Boosischer Hof. 1535. «3. 
Born. 80. «6. 
Bornhofen. 1273. 1. 
Bornig. 1910. ««. 
Borod. 3«6. 5. 
Brandoberndorf. 935. «4. 
Brandscheid. 1437. «5. 
Braubach. 1072. 1. 
Breckenhcim. 1081. 8. 
Breitenau. 1336. «3. 
Breithardt. 63. «6. 
Breitscheid. 554. "J. 
Bremberg. 909. 16. 



Bermbach, Amt Idstein. 42. Bremthal. 981. lO. 



lO. 

Bermbach, Amt Weilburg. 

278. «1. 
Berndroth. 1950. 11. 
Berod, Amt Hachenburg. 

385. 5. 



Brcnner.shof. 368. 5. 

Bretthausen, Amt Hachen- 
burg. 415. 5. 

Bretthausen , Amt Marien- 
berg. 845. 14. 

Brombach. 21. «4. 



Berod, Amt Wallmerod. 1374. Bubenborn, Hof. 899. 16. 



95. 

Berzhahn. 1890. 19. 
Bettendorf. 1970. 11. 
Beuerbach. 67. a. «6. 

Bicken. 560. 1. 

Biebrich, Hof. 1045. 1. 
Assmannshausen. 1032. ÄO. Biebrich, Amt Diez. 1-493. «. Burg. 544. 1. 
Astert. 392. 5. Biebrich, Amt Wiesbaden. Burgschwalbach. 84. 9. 

Attenhausen. 908. 16. 104. «J*. Busenhainer Schützenhaua 

Atzelgift. 393. 5. Bierstadt. 98. «8. 1011. 4. 



Buch. 1971. 11. 
Buchenberg, Hof, 1046. 
Buchelborn, Hof. 1873. 
Buchholz, Hof. 1047. 1. 
Büdingen. 807. 14. 
Burbacli. 406. 5. 



343 



Caan. 1334. «3. 
Caden. 1439. «5. 

Cadenbach, 1286. 15. 
Camberg. 938. lO. 
Camp. 1272. 1. 
Camperhausen , Hof. 1275. 

c. t. 
Casdorf. 1920. 19. 
Catzenelnbogen. 1U61. 1 1. 
Caub. 1057. ««. 
Charlottenberg. 1483. «. 
Ciarenthal. 95. «8. 
Cleeberg. 934. «-1. 
Cleehof, Hof. 934. «4. 
Cramberg. 1491. 3. 
Cransberg. 1509. «4. 
Cratzenbach. 13. «4. 
Cröftel. 45. lO. 
Cronberg. 995. 1 1 . 
Cubach. 269. «1. 

Dachsenhiiusen. 1073. 1. 
Dahlen. 1392. «5. 
Dahlheim. 1271. ««. 
Daisbach. 92. «6. 
Dappcrich, Hof. 833. 1». 
Dasbach. 39. lO. 
Daubach. 1351. 15. 
Dauborn. 761. 13. 
Dausenau. 890. IB. 
Deesen. 1340. «3. 
Dehlingen. 370. 5. 
Dehrn. 814. 13. 
Dehriss, Hof. 1535. «3. 
Delkenheim. 1082. 8. 
Denzerhaid, Hof. 1285. 15. 
Dernbach. 1372. 15. 
Dernbachs Hof. 1503. «1. 
Dessighofen. 902. 1«. 
Deutschherrenhütte.1053.1 . 
Dickschied. 1958. 1«. 
Diedenbergen. 1083. m. 
Dienethal. 894. 1«. 
Dies. 1359. 15. 
Dietenhausen. 287. «9. 
Diethardt. 1962. 1». 
Dietkirchcn. 1453. 13. 
Dietkirchen, Abtei. 1477. 
Diez. 738. «. 
Dillbrecht. 538. 3. 
Dillenburg. 519. 3. 



Dillhausen. 852. «9. 
Dinkholder Mineralbrunnen. 

1078. 1. 
Dörnbcrg. 1482. «. 
Dörscheid. 1058. S«. 
Dörsdorf 85. 19. 
Dörstheck, Hof. 1048. 1. 
Donibach. 942. lO. 
Donsbach. 524. 3. 
Dorchheim. 8«2. «. 
Dorfweil. 22. «4. 
Dornassenheim. 1878. 18. 
Dornbacher Hof. 1942. 1«. 
Dorndorf 877. «. 
Dornholzhaasen. 901. IB. 
Dotzheim. 107. a. «». 
Drais, Hof. 1006 4. 
Draisbach. 791. 14. 
Dreifelden. 1521. «3. 
Driedorf. 583. 9. 
Drommershausen. 273. !8 9. 
Düringen. 1409. Ä5. 

Eberbach, Kloster. 1017. 4. 
Ebernhahn. 1364. 15. 
Ebertshausen. 106;>. 19. 
Eddersheim. 1000. S. 
Edelsberg. 279. «9. 
Egenroth. 1983. 1«. 
Ehlhalton. 983. 1 1. 
Ehr. 905. 19. 
Ehrmbaeh. 70. ««. 
Ehrenthal. 1269. ««. 
Ehringhausen. 1399. Ä5. 
Ehrlich. 396. 5. 
Eicharts-Hof. 413'/2 5. 
Eibach. 522. 3. 
Eibclshau.sen. 566. 3. 
Eibingen. 1034. ««. 
Eichelbach, Hof. 13. «4. 
Eichenstruth. 776. 2 4. 
Eigcnthurashof. 413</2 4. 
Einhaus, Hof. 290. «9. 
Eisemroth. 574. 9. 
Eisen. 1401. «5. 
Eisenbach 949 '/i lO. 
Eisighofen. 87. 19. 
Eitelborn. 1285. 15. 
Eiben. 1432. «5. 
Eibingen. 1424. «5. 
Eigendorf. 1344. 15. 



Elkerhausen. 274. «9. 
Ellar. 871, «. 
Ellenhausen. 1338. «8. 
Elsoff. 858. 19. 
Eltville. 1004. 4. 
Elz. 1461. «. 

Enimerichenhain. 834. f ». 
Emmershausen. 15. <4. 
Ems. 891. 950 951. 1«. 
Endlichhofen. 303. 19. 
Engenhahn. 36. lO. 
Ennerich. 1497. «1. 
Enspel. 806. 14. 
Eppenhain. 985. 1 1. 
Eppenrod. 1487. «. 
Ejipstein 977. 1079. 1 1. 
Erbach.A. Eltville. lOlO. 4. 
Erbach, A.Idstein. 939. lO. 
Erbach, A. Marienberg. 770 

14. 
Erbenheim. 99. «8. 
Erdbach. 553. 9. 
Ergeshausen. 1979. 19. 
Erlen-Hof. 1937. 1«. 

Erlor-Hof. 1328. «3. 
Ernsthausen. 283. «9. 
Esch. 49. lO. 
Eschbach, Amt St. Goars- 

hausen. 1929. ««. 
Eschbach, Amt Usingen. 10. 

«4. 
Eschborn. 996. ». 
Escbelbach. 1.345. 15. 
Eschenau. 1899. «I. 
Eschenau, Hof. 1437. 16. 
Eschenhahn. 71. ««. 
Eschhofen. 1454. 13. 
Espa. 12(57. «4. 
Espenschied. 1042. «O. 
Esscrod, Hof. 1059. ««. 
E.ssershausen. 277. 159. 
Ettinghausen. 1400. «5. 
Ettcrsdorf. 1362. 15. 
Etzelbach. 1423. «5. 
Eufingen. 762. 13. 
Ewighausen 140"^. ?5 
Eyershausen. 573. S. 

Fachbach. 1868. 1. 
Eac hingen. 747. *. 
Falkenbarh. 1904. «1. 



344 



Fackenhofen, Hof 53. lO. 
Falkenstein. 1884. 11. 
Fasanerie. 94. ÄS. 
Faulbach,A.Hadaraar.810.«. 
Faulbach, Amt Selters. 1520. 

«3. 
Fehl. 783. 14. 
Feldbach, Hof. 525. 8. 
Fellerdilln. 537. S. 
Filsen. 1278. 1. 
Finsternthal. 31. «4. 
Fischbach, Amt Königstein, 

984. 11. 
Fischbach, Amt Langen- 

schwalbach. 1935. 1«. 
Flacht. 751. «. 
Flammersbach. 532. 3. 
Fleisbach. 556. «. 
Flörsheim. 999. ft. 
Frauenstein. 1027. «S. 
Freiendiez. 745. 9. 
Freienfels. 270. «■». 
Freilingen. 1516. «3. 
Freirachdorf. 1570. «3. 
Frickhofen. 876. O. 
Friedrichsthal. 1510. «4. 
Frohnhausen. 528. 3. 
Fronborn er Hof. 1880. ««. 
Frucht. 1874. 1. 
Fürfurter Höfe. 274. «7. 
Fussingen. 874. «. 

Üackenbach. 1358. 15. 
Gaisgarten, Hof. 1019. 4. 
Gassenbach, Hof. 53, lO. 
Gaudernbach. 1900. «1. 
Gebiert. 374. 5. 
Geilnau. 1486. «. 
Geisenheim. 1030. «O. 
Geisig 903. 1«. 
Gemmerich. 1074. 1. 
Gemünden, Amt Rennerod. 
1889. 1». 

Gemünden, Amt Usingen, 
30. a. «4. 

Georgenborn. 107. b. Ä8. 

Georgenthal, Hof. 53. lO 

Gerolstein. 1026. 1942. 1 « 

Gershasen. 1894. 1». 

Giershausen. 1488. It. 

Giessenhausen. 394. &. 



Gieshübel, Hof. 1964. 1« 

und § 28. 4. c. 
Girkenrod. 1413. «4. 
Girod. 1390. «5. 
Glashütten 975. 11. 
Gnaden thal, Hof. 764. 13. 
Goddert. 1534. «3. 
Goldhausen. 1395. «5. 
Gondersdorf. 552. 1. 
Görgeshausen 1387. <5. 
Görsroth. 72. ««. 
Gottesthal, Kloster. 1021. 4. 
Gräveneck. 276. «t. 
Grävenwiesbach. 4. A4. 
Grebenroth. 1981. 1«. 
Greiffenklau'scher Hof. 1007. 

4. 
Grenzau. 1335. «3. 
Grenzhausen. 1527. %3. 
Grenzloch, Hof 1049. 1. 
Griesheim. 955. 9. 
Gronau, Hospital. 1986. lÄ. 
Groroth, Hof. 1027. «8. 
Grossholbach, 1388. «ä. 

Grossseifen 777. 14. 

Guckheim. 1419. «5. 

Gückingen. 743. Ä. 

Gusternhain. 592. 1. 

Gutenacker. 1071. 1«. 

Gutenau, der obere Hof. 
900. le. 

Gutenau, der untere Hof. 
889. IS. 

Habenscheid, Hof. 1495. « 

Hachenburg. 368. 5. 

Hadamar. 809. «. 

Härtungen. 1431. «5. 

Hahn, Amt Marienberg. 
795. 14. 

Hahn, Amt Wallmerod. 
1422. «5. 

Hahn, Amt Wehen. 81. «O 

Hahnen-Hof. 1036. «O. 

Hahnstätten. 754. 16. 

Haiern. 597. 1. 
. Haiger. 530. 3.; 
. Haiger-Hütte. 541. 3. 

Haigerseelbach. 534. 3. 

Haindorf. 1425. «5. 

Haintchen. 944. «4. 



Halbs. 1886. 19. 

Hallgarten. 1022. b. 4. 
Hambach, Amt Diez. 744, lt. 
Hambach, Amt Wehen. 62. 

Hangenmeilingen. 823. ft. 
Hanwerth. 403. ä. 
Hardt. 769. 14. 

Harheim. 994. 9. 
Hartenfels. 1443. «3. 
Hasenhof. 1276. 1. 
Hasselbach, Amt Usingen. 

914>/2. «4. 
Hasselbach, Amt Weilburg. 

296. «9. 
Hasselborn. 9. «4. 
Hassenberger Hof. 1952. 1«. 
Hattenheim. 1016. 4. 
Hattersheim. 962. 9. 
Haus, das alte. 526. 3. 
Haus, das neue. 527. 3. 
Hausen, Amt Diez. 1460.*. 
Hausen, A. Hadamar. 875. 6. 
Hausen, A. Selters, s. Trie- 
risch Hausen. 

Hausen, Amt Usingen. 25. 
«4. 

Hausen, Amt Wehen. 91.««. 

Hausen vor der Höhe. 1931. 
19. 

Hausen vor der Sonne, Hof. 
1883. 9 

Heckholzhausen. 1896. «1. 

Heddernheim. 1001. 9. 
. Heftrich. 41. lO. 

Heilberscheid. 1384. «5. 

Heiligenborn. 593. 1. 

Heiligenroth. 1373. 1&. 

Heimbach. 1944. 1«. 

Heimborn. 395. 5. 

Heinrichshof. 1051. 1. 

Heinzenberg. 5. «4. 
.' Heistenbach. 742. «. 

Heisterberg. 589. 1. 

Helferskirchen. 1444. «3 

Hellenhahn. 827. 1». 

HennethaL 56. ««. 

Heppenhof. 1917. ««. 

Herborn. 543. ■?. 

Herbornseelbach. 559. 1. 

Hergenroth. 1887. 1». 



345 



Heringen. 914. 18. 
Herold. 1978. 1». 
Herachbach, Amt Selters. 

1307. «8. 
Herschbach, AmtWallmerod. 

1414. «». 
Herschbacher Kellereihof. 

1535. «8. 
Hessloch. 101. «». 
Hettenhain. 1936. t«. 
Heuchelheim. 824. «. 
Heuzeit. 897. 5. 
Hilgenroth. 1963. t«. 
Hilgert. 1519. «8. 
Hillscheid. 1300. 1&. 
Himburg. 1436. «5. 
Himmighofen. 1923. 1». 
Hinterforst, Hof. 1937. 1«. 
Hinterkirchen. 788. 14. 
Hintermeilingen. 872. O. 
Hintermühlen. 803. 14. 
Hinterwald. 1075. t. 
Hirschberg, Amt Diez. 750. 

«. 
Hirschberg, Amt Her bor n. 

548. "J. 
Hirsch hausen. 271. «9. 
Hirtscheid. 371. 5. 
Hirzen. 1337. «8. 
Hirzenhain. 572. 3. 
Hochheim. 998. S». 
Höchst. 953. 9. 
Höchstenbach. 384. ». 
Höhn. 785. 14. 
Höhr. 1299. 15. 
Hölsenhausen. 789. 14. 
Hömberg. 884. 16. 
Hörbach. 547. ». 
Hörder-Hof. 1498. «1. 
Hof. 784. 14. 
Höfen. 1907. «1. 
Hofheim. 961. ». 
Hohenrheiner Eisenhütte. 

1871. 1. 
Hohenroth. 588. 7. 
Hohensayner Hof. 418. A. 
Hohlenfels, Hof. 88. 19. 
Hohenstein. 1964. 1«. 
Holler. 1350. 1&. 
Hollrich, Hof. 1470. 1«. 
Holzappel. 1478. «. 



Holzhausen auf der Haide. 

1966. H. 
Holzhausen über Aar. 1965. 

«e. 

Holzheim. 7r)3. «. 
Homberg. 836. 1». 
Horbach. 1360. 1&. 
Horhausen. 147*t. «. 
Hornau 987. 11. 
Horressen. 1346. 1*. 
Hosten. 1368. 1&. 
Hübingen 1361. lA. 
Hüblingen. 856. 1». 
Hühnerberger-Hof. 1872. 1. 
Hütte. 377. 5. 
Hundsangen, 1376. «». 
Hundsdorf. 1518. «8. 
Hundstadt. 6. «4. 
Hundatall. 20. «4. 
Hunzel. 907. fS. 
Huppert. 1938, 1«. 

Idstein. 33. lO. 
Igstadt. 1084. S. 
ülfurth. 778. 14. 
Johannisberg. Dorf. 1039. 

Johannisberg, Schloss. 1476. 
Johannisburg, Hof. 866. Ä 9. 
Irmtraud. 831. 1». 
Isselbach. 1490. ». 

Kackenberg. 792. 14. 
Kahlbach. 993. 9. 
Kalkofen. Amt Piez. 1484. 

«. 
Kalkofen, Amt Nassau. 1471. 

1«. 
Kaltenholzhausen. 755. Ä. 
Kammerforst. 1331. «3. 
Kammerforst-Häuser. 1037. 

«O. 
Karnhöfeii. i4u5. Ä5. 
Katharinenbninn. 527. 8. 
Kehlbach. 1975. 1. 
Kehr, Hof. 1470. 16. 
Kellershof. 413>;2. Ä. 
Kelkheim. 988. 11. 
Kernel. 1937. 1«. 
Kemmenau. 892. 9.02. 1«. 
Kesselbach. 73. «S. 



Kestert, s. Ober- und Nieder- 

kestert. 
Kettenbach 90. «4t. 
Ketternsehwalbach. 67. b. 

««. 

Kiedrich. 101.''». 4. 
Kirberg. 910. 18. 
Kirburg. 414 &. 
Kirchähr. 1357. 1». 
Kirschhofen. 268. «9. 
Kirschheimersborn, Hof. 

1050. 1. 
Kleeberg, Hof. 368. *. 
Kleinholbach. 1389. «*. 
Klingelbach. 1060. l». 
Klinger Schützenhaus. 1013 

4. 
Kloppenheim. 100. «8. 
Köbeler Hof. 1976. 1«. 
Kölbingen. 1438. «5. 
Königshofen. 40. lO. 
Königstein. 967. 1 1 . 
Kördorf, 1976 1«. 
Korb 416. 772. 5. 
Krempeler Hof 8.59. 11». 
Kriftel. 963. 9. 
Kroppach.- 391. 5. 
Krüramel. 1310. «3. 
Kuhnhöfen. 1428. «*. 
Kundert. 398. ». 

Laad. 379. &. 

Lahr. 870. 6. 

Laimbach. 280. «9. 

Langenau. 1882. lO. 

Langen aubach. 531. 8. 

Langenbach, Amt Hachen- 
burg. 417. 5. 

Langenbach, Amt Marien- 
berg. 768. 14. 

Langenbach, Amt Weilburg. 
291. «9. 

Langenbaum. 1522. «8. 

Langendernbach. 879. 6. 

Langenhahn. 802. 14. 

Langenhain. 1086. 8. 

Langenscheid, 1485. 9. 

Langenschwalbach. 1943. 
K. 

Langenseifen. 1934. 1«. 

Langhecke. 1451.15U2.«1 

22* 



346 



Langschied. 1984. •«. 

Langwiesen. 139". *5. 
Laubach. 30. b. «4. 
Laubuseschbach. 1499. «I. 
Laufenseiden. 1943. t«. 
Laurecburg. 1481. <• 
Lauterbach, Hof. 39'*. 5. 
Läutert. 1987. ««. 
Lautzenbrücken. 41><. 5. 
Lenzhahn 37. lO. 
Leuterod. 13G7. 15. 
Liebenberg, Hof. 1964. 1«. 
Liebenscheid. 848. 14. 
Lierschied. 1913. ««. 
Limbach. Amt Hachenburg. 

399. 5. 
Lirabach. .\mt Wehen. 57. 

«6. 
Limburg. 1447. 13. 
Liraburg, Abtei. 1144. a. 
Linden. 1523. «». 
Lindenholzhausen. 1452. 13. 

Lindenthal 94. «». 
Lindschied. 194Ö. 1«. 

Linter. 760. 13. 

Lipporn. 306. ää. 

Lochheim, 1416. «5. 

Lochum. 372. 804. 5. 

Löhnberg. 298. «?. 

Löhnberger Hütte. 868.« 9. 

Lühnfeld. 847. 14. 

Lohrheim. 758. «. 

LoUschied. 1925. 16. 

Lorch. 1U35 «O. 

Lorchhausen. 1036. «O. 

Lorsbach. 1085. 8, 

Ludwigsbrunn. 526. 3. 

Ludwigsburg, Hof. 1902.« 1 . 

Lützelau, Hof. 398. 5. 

Luckenbach. 400. 5. 

Lützendorf. 286. «1. 

Li'kershausen. 1274. 1. 

Mademühlen. 587. 'S. 
Mainzer Haus. 1052. 1. 
Mähren. 1420. «5. 
Malmeneich. 812. 1382. «. 
Mammolshain. 974. 1 1 . 
Mandeln. 564 3. 
Manderbach. 540. 3. 
Mappen, Höfe. 1024. 4. 



Mapper Schützenhans. 1022. 

b. 4. 
Mappershain. 1985. 1«. 
Marienberg. 767. 14. 
MarienfeLs. 904. 11. 
Marienhausen. 1314. «3. 
Marienhausen. Kloster. 1029. 

«O. 
Marienrachdorf. 1309. «3. 
Marienstatt. 1475. 5. 
MarienthaL Hof. 1031. «O. 
Maroth. 1311. «3. 
Martenroth. 1980. 1«. 
Marxheim. 964. 8. 
Marzhausen. 401. S. 
Massenheim. 1086. 8. 
Mauch, Hof. 890. 1«. 
Maulof. 18. «4. 
Mausloch, Hof. 1283. 1. 
Ma)'enberger Hof. 851. «9. 
Maxsain. 1513. «3. 
Mechtildenhäuser-Hof. 1093. 

8. 
Medenbach, .\mt Herbom. 

555. "J. 
Medenbach, Amt Hochheim. 

1088. 8. 
Meisenburg. Hof. 1427. «5. 
Mengerskirchen. 850. «1. 
Mensfelden. 949. 13. 
Merenberg. 292. «7. 
Merkelbach. 375. a. 
Merkelbach, Hof. 1336. «3. 
Merkenbach. 557. 9. 
Merzhausen 26. «4. 
Meudt, 1391. «5. 
Michelbach, Amt Usingen. 

11. «4. 
Michelbach, Amt Wehen. 

65. «6. 
Michelbacher Hütte. 53. ««. 
Miehlen. 302. 11. 
Miellen. 1870. 1. 
Misselberg. 895. 1«. 
Mittelahr. 1397. «5. 
Mittelhattert. 376. A. 
Mittelheim. 1020. 4. 
Mittclhofen. 862. I». 
Mittelfischbach. 1066. 11 
Möhrendorf. 838. 1». 
Möllingen. 1438 «». 



Mönstadt. 7. «4. 
Morien. 28«. «1. 
Mogendorf. 1529. «3. 
Molsberg. 1446. «». 
Molsberger Hof. 1912. ««. 
Montabaur. 1342. 15. 
Mosbach. 105. «8. 
Moschheim. 1370. 15. 
Mudenbarh. 402. 5. 
Mudershausen. 88. 11. 
Mühlbach. 881. «. 
Mühlen. 1455 13. 
Münchenroth. 1955. 11. 
Münchhauscn. 586. 1. 
Mündersbach. .387. 5. 
Münster. Amt Höchst. 965. 

9. 
Mün.ster. Amt Runkel. 1500. 

«1. 
Müschenbach. 383 5. 

Nanzenbach. 523. 3. 
Nassau. 883. I«. 
Nastätten. 1967. 11. 
Nauenhausen, Hof. 53. lO. 
Nauheim. 912. 13. 
Naunstadt. 8. «4. 
Nauort, l.'^30. «3. 
Nauroth, Amt Langenschwal- 

bach. 1959. 1«. 
Nauroth, Amt Wiesbaden. 

102. «8. 
Neesbach. 913. 13. 
Neidhofen, Hof. 909. 1«. 
Nenderoth. 863. 1. 
Nentershausen. 1383. «5 
Netzbach. 757. «. 
Nendorf. 1012. 4. 
Neuenhain. 968.11. 
Neuhäusel. 1287. 15. 
Neuhof. 76. a. ««. 
Neuhof, Hof. 1018. 4. 
Neuhütte, 571. 3. 
Neukirch. 843. 14. 
Neunkhausen. 421. 5. 
Neunkirchen. 855. IW. 
Neuröther Hof. 1412. «5. 
Neustadt. 829. 1». 
. Neuweilnau. 1. «4. 
Nied. 954. 11. 
Niederahr. 1398. «5. 



347 



Niederauroft. 69. «O. 

Niederbachheim. 1^74. 1. 

Niederhrechen. 1449. 13. 

Niederdorf. 1445. «3. 

Niederelbert. lo.")2. 15. 

Niedererns. 51. lO. 

Niedererbach. lobö. 'SA. 

Niedertischbacli (ausgegim- 
gcu). lUt)4. 

Niedergladbach. lU2o. I«. 

Niedergladbach, Hof. 1456. 
«1. 

Niederhadaiuar. 811. O. 

Niederhahn 1429. «&. 

Niederhattert. 378. 5. 

Niederhaid, Hof. 1341. «3. 

Niederhüchstadt. 997. 11. 

Niederhoftieiin. 1883. 9. 

Niederjosbach. 979. lO. 

Niederkestert. 1279. ««. 

Nicderlahnstein. 1281. 1. 

Niederlauken. 28. 184. 

Niederlibbach. (JO. ««. 

Niedermeilingen. 1953. 19. 

Niedermörsbach. 404. 5. 

Niederneisen 752. Ä. 

Niedernhausen. 38. lO. 

Niederreifenberg. 1505. A4. 

Niederrossbach, Amt Dillen- 
burg. 539. 3. 

NiederroBsbach, Amt Hacheu- 
burg, 423. 5. 

Niederrossbacb, Amt Renne- 
rod. 842. 1». 

Niederroth. 44. lO. 

Niedersayu. 1404. «5. 

Niederscheid. 520. 3. 

Niederseelbach, 34. lO. 

Niederselters. 1458. lO. 

Niedershausen. 867. 58 9. 

Niedertief enbach, Amt Ha- 
damar. 818. «. 

Niedertiefenbach, Amt Nas- 
sau. 1924. le. 

Niederwalluf. 1009. 4. 

Niederwalmenach. 1916. 
««. 

Niederweyer. 816. B. 

Niederzeuzheim. 820. G. 

Niesnerischer Hof. 1535. 
«8. 



Nievern. 1869. 1. 
Nister, Amt Hachenburg. 

381. 5. 
Nister, Amt Ucnnerod. 839. 

1». 
Nochern. 1912. ««. 
Nomborn. 1385. «ä. 
Nordenstadt. 1089. ». 
Nordhofen. 1528. tS3. 
Norken. 420, 5. 
Nothgottes, Kloster. 1031. 



Oberahr. 1396. «Ä. 

Oberauroff. 68. «G. 

Oberbachheim. 1973. 1 . 

Oberbrechen. 1448. 13. 

Oberelbert. 1355. 15. 

Obereras. 46. lO. 

Obererbach. 1377. «ä. 

Oberfalkenborn, Hof. 1076. 
1. 

Oberttschbach, 1070. 19. 

Obergladbach. 1024. 1«. 

Obergladbach, Hof. 1456. 
«1. 

Oberhaid. 1341. «3. 

Oberhattert. 380. 407. 5. 

Oberhausen. 1378. «S5. 

Oberhausen, Hof. 84. Ä. 

Oberhöchstadt. 971. 11. 

Oberjosbach. 978. lO. 

Oberkestert. 1280. ««. 

Oberlahnstein. 1044. 1. 

Öberlauken. 29. «4. 

Oberlibbach. 61. Ä6. 

Oberliederbach. 1090. ». 

Obermeilingen. 1954. lÄ. 

Obermörsbach. 408. 5. 

Oberndorf. 577. 9. 

Oberneisen. 756. Ä. 

Obernhain. 047. «4. 

Obernhof. 759. 1«. 

Oberreifenberg. 1504. «4. 

Oberrossbach, Amt Üillen- 
burg. 568. 3. 

Oberrossbach, Amt Hachen- 
burg. 422. &. 

Oberrossbach, Amt Renne- 
rod. 841. 1». 



Oberroth, Amt Idstein. 43. 
lO. 

Oberroth, Amt Kennerod. 

«60. 1». 
Ubersayii. 1126. «5. 
Obcrscheld. 521. 3. 
Obcrseelbach. 35. lO. 
Obcrselters. 910. lO. 
Obershausen. 869. «9. 
Obertiefenbach, Amt Na- 

stätten. 1968. tH. 
Obertiefenbach, Amt Runkel. 

1905. «1. 
Oberursel. 989. 11. 
Oberwalluf. 1008. 4. 
Oberwalmenach. 1988. «Ä. 
Oberwcyer. 815. G. 
Oberwies. 888. IG. 
Oberzeuzheirn. 822. G. 
Odersbach. 299. «». 
Odersberg. 865. -7. 
Oellingen. 786. 14. 
Oelsberg. 1922. 17. 
Oestrich. 1021. 4. 
Octzingen. 1366. 15. 
Offdilln. 569. 3. 
Offenbach. 561. 9. 
Offenthal, Hof. 1911. ««. 
Offlieim 813. G. 
Ohren. 911. 13. 
Okriftel. 1097.». 
Oranienstein. 739. Ä. 
Orlen. 78. «G. 
Osterspai. 1877. 1. 
Otteser.Hof 1881. ««. 

Panrod. 89. «G. 

Patersberg. 1911. ««. 
Patfester Hof. 1U42. «O. 
Pfatfenwiesbach. 1512. «4. 
Pfeifensterz. 1435. 95. 
Pfuhl. 780. 14. 
Philijipstein. 29o. «9. 
Pissighofen. 1921. 19. 
Platte, Jagdschloss. 77. * S 
Pohl. 1926. IG. 
Pottasche. Hof. 1876. 1. 
Pottum. 830. 19. 
Prath. 1270. ««. 
Pressberg 1037. «O. 
Probbach. 853. «1. 



348 



Püschen. 790. 14. 
Piit.sclibaoh. J379. «*. 



Qnimbach. 1531. <3. 

Rabenscheid. 591. 9. 
Kambach. 97. «*. 
Ramschied. 1932 1«. 
Ransbach. 1328. «3. 
Ranscl. 1038. «O. 
Rauenthal. 1013. 4. 
Reckenroth. 1949. 17. 
Reckenthal. 1348. 15. 
Rehe. 835. 1». 
Reichartshausen, ISchloss. 

1022. a. 4. 
Keichelsheiin. 301, 18. 
Keichenbach. 48. lO. 
Reichenberg. 1915. 99- 
Reichcnbom. 297. «7. 
Reinborn. 50. lO. 
Reitzenhain. 1917. ««. 
Rembs, Hof. 1517. «3. 
Rennerod. 825. 1». 
Rettershain. 1989. ««. 
Kettert. 304. 19. 
Riedelbach. 2. «4. 
Rittershausen. 570. 3. 
Ritzhausen. 782. 14. 
Rod am Berg. 19. «4. 
Rod an der Weil. 12. 

«4. 
Rodenbach. 536. 3. 
Rodenberg. 584. 7. 
Rodenroth. 590. 7. 
Röders, Hof 1884. 11. 
Rohnstadt. 284. «7. 
Rohnstadt, Hof. 53. lO. 
Rossbach. 422. 423. 5. 
Rossberg. Hof. 1342. lA. 
Roth, Amt Herborn. 551. 

Roth, Amt Nassau. 1927. 

le. 

Roth, Amt Wallmerod. 1411 

«5. 
Rother Hof. 1951. 1«. 
Rothenbach. 1434. «5. 
Rotzenhahn. 800. 14. 
Rückeroth. 1533. «8. 



Rückershansen, Amt Renne- 
rod. 857. 1». 

Rückershansen. Amt Wehen. 
93. ««. 

Rudel, Hof. 308. ««. 

Küdesheim. 1028. «O. 

Runkel. 1490. «1. 

Rimkel vor der Brücke 1900. 
«1. 

Rupjmch. i4u2. «5. 

Ruppenrode. 1489. H. 

Ruppertshain. 98ö, 11. 

Ruppertöhofen. 1918. 17. 

fc>aalschied 1470. 16. 
Sayuerholz. 14' »3. 85. 
Sainscheid 1417. 95. 
Salz. 1410. «5. 
Salzburg. 840. 1». 

Sauerthal. 1879. ««. 

Sauerthal, Vorstadt von Mon- 
tabaur. 1342. 15. 

Schadeck. 1895. «1. 

Schauzeuhof. 77. <C0. 

Schauferts Hof. 1069. «. 

Schaumburg. 1492. «. 

Schebest, Hof. 1977. 16. 

Scheid. 1480. «. 

Schelbusch, Hof. 1060. 17. 

Schellenberg. 828. 1». 

Schenkelberg. 13u8. «3. 

Scheuern. 885. 16. 

Scheuernberger Hof. 268. 
«7. 

Schierstein. 106. *». 

Schiesheim. 76. b. Ä. 

Schlangenbad. 1025. 1930. 
1«. 

Schlossborn. 982. 1 1. 

Schmidthahn. 1524. «3. 

Schmitten. 1007. 94. 

Schneidhain. 970. 11. 

Schönau. 305. 1474. ««. 

Schönbach. 550. 7. 

Schönberg. Amt Königstein 
972. 11. 

Schönberg, Amt Marienberg. 
793. 14. 

Schönberg, Amt Wallmerod 
1430. «5. 

Schön berg, Hof. 1438. «5 



Schönberger Hof. 1961. 1«. 
Schönborn. 1067. «. 
Schönerlen, Hof. 1535. «3. 
Schupbach. 1898. «1. 
Schützenhaus am Bollwerk. 

1015. 4. 
Schwalbach. 973. 1 1 . 
Schwaller Hof. 1967. 17. 
SchwalWhieder Hof 1982. 

1«. 
Schwanheim. 956. 9. 
Schwartenberger Höfe. 276. 

«7. 
Schweigliausen. 1875. 16. 
Schwickershausen. 941. lO. 
Sechshelden. 542. 3. 
Seck. 832. 1». 
Seeburg. 1525. «3. 
Seeburg, Hof. 1535. S3. 
Seelba<.-h, Amt Nassau, 1470. 

16. 
Seelbach, Amt Runkel. 1902. 

«1. 
Seelenberg. 15u6. 94. 
Seilhofen. 585. 7. 
Seitzenhahn. 82. S6. 
Seibenhausen. 294. Ä7. 
Selters, Amt Selters. 1532. 

«3. 
Selters, Amt Weilburg. 272. 

«7. 
Sespenroth (eingegangen). 

1385. a. 
Sessenbach. 1332. 93. 
Sessenhausen. 1313. 93. 
Siershahn. 1305. 15. 
Simmern. 1288. 15. 
Sindlingen. 957. 9. 
Singhofen. 898. 16. 
Sinn. 549. 7. 
Soden. 1095. ». 
Solms-Rödelheiiner Haus. 

1015. 4. 
Somraersberg, Hof.l027.«8. 
Sonnenberg. 96. 98. 
Sophienthal. 4l3i/2. 5. 
Sossenheim. 958. 9. 
Spiess, Kirche. 1056. 1. 
Springen. 1941. 19. 
Spriesterbach,Hof.l969. 1 7. 
, Staffel. 749. 18. 



349 



StaliUiofcn, Amt Montabaur 

1353. 1». 
Stahlliofeii, Amt Rennerod. 

18W. 19. 
Stahlhofen, Amt Selters. 

1535. «3. 
Stimpenroth. 774. 14. 
Stau.U. 1360. 15. 
Steckenroth. 04. «6. 
Steeg, Hof. 1947. IS. 
Steeten. 1908. «f. 
Stein, Amt Hachenburg. 

411. 5. 
Stein, A. Marienberg. 844. 

14. 
Stein, Burg. 887. 16. 
Steinbach, Amt I'illenbnrg. 

535. ». 
Steinbach, Amt Hadamar. 

819. «. 
Steinbrücken. 565. 3. 
Steinebach. 1526. «3. 
Steinefrenz. 1380. «5. 
Steinen. 1536. «3. 
Steinfischbach. 17. iO. 
Steinheim, Hof, 1005. 4. 
Steininger Hof. 1277. i. 
Steinsberg. 1494. «. 
Stenzel, Hof. 273. «9. 
Stephanshau.sen. 1040. 90. 
St. Goarshausen. 1909.»». 
Stierstadt, 990. 11. 
Stockhausen. 781. 14. 
Storkum 808. 14. 
Strasse. 1537. «3. 
Strassebersbach. 562. 3. 
Streithausen. 409. 5. 
Streithäuser Hof. 413» -2. A. 
Strinz-Margarethä. 59. »tt. 
Strinz-Trinitatis. 55. »ft. 
Stromberg. 1304. «3. 
Strüth. 307. »«. 
Sulzbach, AmtHöchst, 1096. 

9. 
Sulzbach, Amt Nassau. 896. 

i«. 

Thalhcim. 821. «. 
Thron. 946. «4. 
Tiefenthal, Kloster. 1014. 
4. 



Todtenberg. S05. 14. 
Trei.sberg. 32. »4. 

Treisfurt, Hof. 1456. »1. 
Trierisch-Hausen. 1312. »3. 
Tringenstein. 575. 7. 

Uckersdorf. .'"»45. 9. 
Uebernthal. 578. 9. 
Unnau. 771. 14. 
Unterfalkenboni, Hof. 1077. 

1. 
Unterliederbach. 1091. 9. 
Untershausen. 1354. 15. 
Urdorf 794. 14. 
Usingen. 3. 14. 

Vielbach. 1530. «3. 
Villmar. 1456. «1. 
Vockenhausen. 980. lO. 
Vollraths, Schloss. 1033. 

Wachholder Hof. 101 1. 4. 
Wahlrod. 388. 5. 
Wahnscheid. 1415. »5. 
Waigandshain. 837. 1». 
Waldaubach. 590. 9. 
Waldernbach. 873. 6. 
Waldhausen. 300. «7. 
Waldmannshauscn. 880. B. 
Waldmühlen. 826. 1». 
Walfeld, Hof. 1330. «3. 
Wallau, 1080. 8. 
Wallbach. 58. »6. 
Wallendorf. 595. 1. 
WaUenfels. 576. t. 
Wallrabenstein. 54. lO. 
Wallraerod. 1375. «5. 
Walsdorf. 52. lO. 
Wambach. 1933. 1». 
Waaenbach. 1876. «. 
Watzelhaiii. 1939. 1». 
Watzhahn. 75. «6. 
Wehen. 77. ««. 
Wehrheim. 945. «4. 
Wehrholz, Hof. 266. «l. 
Weidelbach. 567. 3. 
Weidenbach. 1963. H. 
Weidenhahn. 1407. «Ä. 
Weilbach. 959. 8. 



Weilburg. 266. «1. 
Weihnünster. 281. »1. 
Weinähr. 1473. 1«. 
Weinbach. 275. «1. 
Weinbach, Hof. 1498. »I. 
Weiperfeldon. 1094. »4. 
Weisel. 1059. ««. 
Weisenberg. 849. 14. 
Weissenthurm, Forsthaus. 

1037. «O. 
Weisskirchen. 992. 1 1. 
Welkenbach. 389. 5. 
Wellmich. 1268. ««. 
Welschneudorf. 1356. 15. 
Welterod. 308. ««. 
Weitersburg. 1421. »5. 
Wengenroth. 1891. 1». 
Werker Hof. 1038. «O. 
Weroth. 1381. «5. 
Wemborn. 1511. «4. 
Werschau. 1450. 13. 
Westerburg. 1885. 1». 
Westerfeld. 23. «4. 
Westernohe. 861. 1». 
Westert, Hof. 1431. «». 
Weyer, Amt Kunkel. 1501. 

»1. 
Weyer, Amt St. (ioarshausen. 

1928. »«. 
Wicker. 960. S. 
Wied. 382. 5. 
Wiesbaden. 94. »». 
Wildsachsen. 1092. S. 
Wilhelmsdorf. 27. «4. 
Willingen. 846. 14. 
Wilmenroth. 1893. 19. 
Wilsenroth. 878. «. 
Winden, .\mt Nassau, 1472. 

le. 

Winden, Amt Usingen, 16. 

»4. 
Windhof, Hof. 266. «9. 
Wingert. 410. 5. 
Wingsbach. 83. »«. 
Winkel. 1033, «O. 
Winkclbach. 390. ». 
Winkels. 854. «». 
Winnen. 1892. 1». 
Winterroth, Hof. 1341. «3. 
Wintersberg, Hof. 1051. 1. 
Wintershof. 405. 5. 



350 



Wint^rwerb. 1972. t. 
Wippach, Hot 1897. «i. 
Wirbelau. 1901. «i. 
Wüges. 1363. 15. 
Wirscheid. 1333. «3. 
Wisper. 1940. i«. 
Wissenbach. 529. 3. 
Wittgert. 1339. «3. 
Witzelbach. Hof. 1431. «5. 
Wölferliugen. 151ö. «3. 



Wörsdorf, Amt Idstein. 53. 

lO. 
Wörsdorf, Amt Wallmerod. 

1418. «&. 
Wolfenhausen. 1503. «t. 
Wulliiierschied. 1041. «O. 
Würges. 943. lO. 
Würzenboru 1347. 1&. 
Wüsteius. 47. lO. 



Zehnhaiisen, Amt Rennerod. 
842. b. 1». 

Zehnhausen, Amt Wallme- 
rod. 1394 «5. 

Zeilsheim. 9(56. 9. 

Zinimerschied. 80;'.. IG. 

Ziniihain. 775. 14. 

Zollgrund, Hof. 1044. 1. 

Zorn. 1956. I«. 

Zürbach. 1514. «3. 



11. Register 

der frttber .^assauischeo Orte. 



(Die fetten Ziflern weisen stets auf die römischen Ziffern in §. 24 hin.) 



Abtsroda. 1. v. 
Achenbach. 619. 
Acker. 430. a. 1208. 
Adorf. 1206. 
Affholderbach. 655. 
Ahl. 1. s. 
Ahlbach. 452. 
Ahrd. 1859. 
Ahrenfels. 1468. 
Aich. 316. 
Alberthofen. 1585. 
Albertshofen. 4. n. 
Albishaus. 4 k. 
Albisheim. 347. 
Albisreute 4. 1. 
Albshausen. 1812. 
Alchen. 726 
AUenbach. 682. 
AUendorf. 1837. 
AUmersbach. 1180. 
Almendorf. 1 . g. 
Almus 1. a. 
AlBau 1105. 
Alsdorf. 1226. 
Alsenz. 365. 
Altbaxen. 8. b. 
Altdorf. 257. 
Altebruch. 674. 
Alte Hütte. 1711. 
Altenberg. 1813. 



Altenbiirg. 1679. 
Altenhof. 1. h. v. 
1776. Altenhofeu. 1682. 

Altenkirchen. 1147. 1860. 
Altenseelbach. 931. 
Altenstädten. 1861. 
Altenwied. 1738. 
Altglashütten. 1. (j. 
Altraengede. 16. 
Altwied. 1543. 
Altweiler. 230. 
Amberg. 4. c. 
Amelunxen 3. c 
Ammerich. 1755. 
Amteroth. 1181. 
Anhausen. 1539. 
Anstoss. 711. 
Anzhausen. 642. 
Apfelbach. 1. c. 
Aepfelbach. 1222. 
Appenberg. 4. 1. 
Arenberg. 1297. 
Ai-iendorf. 1107. 1469. 
Annenhof. 1. a. 
Arneck. 4. 1. 
Arzell. 1. e. 
Arzheim. 1290. 
Ascheid. 1584. 
AsbacL 1623. a. 
Aßdorf. 717. 



Asslar. 1838. 
Atzbach. 309. 
Audenhausen. 1. f. 

Bachenberg. 1148. 
Backhaus. 1218. 
Baienfnrt. 4. n. 
Bandern. §. 24. Einl. 
Bannried. 4. 1. 
Bärendorf. 255. 
Bärenweiler. 4. c. 
Butten 1. a. 
Baumgarten. 4. n. 
Bauscheid. 1600. 
Beimbach. 4. f. 
BechUngen. 1839. 
BeUersdorf. 1862. 
Belzenhofen. 4. h. 
Bendorf. 1146. 
Bennau. 1625. 
Bennhausen. 353. 
Berg. 453. 252. 4. o. 
Bergatreute. 4. a. 
Berghausen. 1840. 
Bermol. 1863. 
Bembach. 1. c. 
Bernhards 1. g. 
Berschweiler. 164. 203. 
Beschliesshaus. 4. k. 
Bertenau. 1717. 



351 



Berzhausen. 512. 
Besges f. p. 
Best. 25:^ 

Bettgenbiiusen. CtVS. 
Betzdorf. 1227. 
Betzenrod. i. o. 
Beul. lir.O. 
Beycnbach 635. 
Bieberstein. I. a 
Biersdorf. 1256. 
Bicsert. 232. 
Bietschied. 165. 
Bildstock. 199. 
Binniiigen. 4. u. 
Birkenbeul. 468. 
Birkenseifeu 1703. 
Birlenbach. 614. 
Birnbach. 424. 
Bischheim. 343. 
Bischmisheim. 112. 
Biskirchen. 1841. 
Bissenberg 1842. 
Bitzbruch. 499. 
Bitze. 1784. 
Bitzen. 475. 
Blankenau I. b. S. b. 
Blasbach. 1864. 
Bleckhausen. 1203. 
Bleischeid. 1808. 
Blies-Ransbach. 116. 
Blinzer 4. k. 
Blitzenreute. 4. b. 
Blönried. 4. c. 
Blümels Weiler. 4. g. 
Blumeneck. §. 24.Einl. 
Bockenbach. 703. 
Bockseifen. 713. 
Böckeis. 1. g. 
Bodes 1. e. 
Bödexen. S. b. 
Bodnegg. 4. d. 
Bolanden. 344. 
Bonbaden. 1814. 
Bonefeld. 1569. 
Borbels t. i. 
Borscheid. 1716. 
Bürstadt. 363. 
Bosch, f.. i. 
Böschen. 710. 
Boschhütten. 698. 
Bosseboru. 8. b. 



Bottenbarh. 699. 
Bottonberg. 736. 
Hoxberg 1. a. 
Brachbach. 1229. 
Brambauerschaft. It. 
Brand 1. a. 
Branders 1 . o. 
Brandlos. f. b. 
Brauersdorf. 636. 
Brauhaus f. b. 
Braunfels. 1811. 
Brebach. 121. 
Brechhofen. 1615, 
Brechten. IC. 
Brehmen. f. i. 
Breibaoh. 1187. l'>«6. 
Breitbach. s. Rhein- und 

Waldbreitbach. 
Breitenau. 1. c. 
Breitenbach. 643. 1843. 
Breitscheid. 464. 1798. 

1601. 
Breitzbach 1. i. 
Bremscheid. 1778. 
Brenkhausen. !t. b. 
Brenzenhofen. 4. o. 
Breunchweiler. 362. 
Briehen. 4. n. 
Bronzell. 1. g. 
Brochenzell. 4. e. 
Brubbach 1587. 
Bruche. 1228. 
Brüchen. 1721. 
Bruchertseifen. 472. 
Bruchhausen. 1111. S.d. g. 
Briickenau. 1. c. 
Brückrachdorf. 1575. 
Brunnhartshausen. 1. f. 
Bubenbühl. 4. h. 
Buchen. 647. 707. 
Buchenau. 1. e. 
Buchenberg. 1. r. 
Buchholz. 1658. 
Buchsen. 4. b. 
Büdingen. 111. 
Büchenrod 1. r. 
Bühl. 728. 
Bühlingen. 1720. 
BüUesbach, 1665. 
Buppenhausen. 4. i, 
Burbach. 139. 340. 918. 



Bürbach. 602. 
Bürden. 1771. 
Rünlonbach. 1316. 
HurglxMin. 258. 
Burghof. 1127. 
Burgholdinghau.sen. 693. 
Burgiah r 112.3. 
Burgsolms. 1815. 
Burkardsböft'. 1. g 
Buss. 225. 
Busenberg. 4. n. 
Bu.senhaasen. 1149. 
Bussmann. 4. k. 
Busch. 1639. 
Buschhom. 4. c. 
Buschgotthardshütten. 610. 
Büst. 253. 
Büttgcnbach. §. 12. 
Bütten. 246. 
Buttlar I. i. 

Caan. 600. 
Carlsborn. 130. 
Ca.sbach. 1109. 1113. 
Castel. 1002. 
Catzenfurth. 1814. 
Cöln. 152. 
Cölschhausen. 1845. 
Combar. 11-34. 
Corvey. 8. f. 
Craam. 1192. 
Credenbach. 701. 
Crissenbach, 638. 
Crofdorf. 310. 
Crombach. 690. 
Curhof. 166. 

Daaden. 1257. 
Dahlbruch. 687. 
Dahlherda. I. q. 
Dammersbach. 1. o, 
Dammig. 1062. 
Dannenfels. 352. 
Dasbach. 447. 1713. 1800. 
Dasburg. §. 12. 
Dattenberg. 1105. 
Daubhausen. 1846. 
Dauersberg. 1230. 
Daufenbach. 1602. 
Datzenroth. l'>44. 
Dellingen. 486. 



352 



Dendert. 1597. 
Derlin. 183. 
Dermbach. 1231. 1. f. 
Dembach. 1019, 
Derschen. 1258. 
Deusen. •. 
Deusterseifen. 1223. 
Deuz. 1139. 
Deutz. 637. 
Dhonfessel. 244. 
Dickten. 1196. 
Diedendorf. 235. 
Diedingen. 136. 
Diedorf. 1. f. 
Diepenseifen. 1633. 
Dieperzen. 1151. 
Diepoldshofen. 4.o. 
Dierdorf. 1574. 
Dietebruch. 676. 
Dietenbach. 4. 1. 
Dietenburg. 4. 1. 
Dietenhofen. 4. f. 
Dietershan. 1. g. 
Dietershausen. 1. g. 
Dietrichs. 4. k. 
Dillnhütten. 613 
Dillnhütten vor der Brücke. 

700. 
DiUheim. 1848. 
Dilsburg. 167, 
Dinglingen. 259. 
Dinkelbach. 1735. 
Dinspel. 1686. 
Dippach. f. 1, 
Dipperz 1, g. 
Dirkendorf. 1243. 
Dirlenbach. 732. 
Dirlos. 1. g. 
Dinningen. 204. 
Ditges. 1. a. 
Dittlofrod. I.e. 
Dittscheid. 1650. 
DöUbach. 1. r. 
Dorfbom. 1. r. 
Dorlar. 311. 
Dönnbach. f. g. 
Domholzhausen. 327. 
Domseifen. 704. 
Dömbach. 1. a. 
Dörrenbach. 215. 
Dortmund. 9. 



Döttesfeld. 1603. 
Dreis. 346. 
Dreisbach. 633. 1849. 
Drenke. 3. c. 
Drinhau.><en. 1624. 
Dud Weiler. 122. 
Dünebusch. 476. 
Düstemau. 446. 
Dutenhofen. 329. 

Ebersgöus. 936. 
Eckebach. 1204. 
Eckmannshausen. 652 
Eckweissbach. 1. a. 
Edeleell. 1. g. 
Edenhaus. 4. k. 
Edensbach. 4. k. 
Edingcn. 1850. 
Egelmos. 1. a. 
Eggenreute. 4. k. 
Eggerts. 4 k. 
Ehlscheid. 1567. 
Ehrenberg. 1722. 
Ehrenbreitstein. 1 280. 
Ehrenstein. 1678. 
Ehringshausen. 18.01. 
Eichach. 4. f. 
Eichelhardt. 1152. 
Eichen.442. 694. 712. 

928. 
Eichenau. i. k. 
Eichenried. 1. r. 
Eichenzell. t. g. 
Eidenbom. 179. 
Eilenberg. 1709. 
Einhalden. 4. i. 
Einöde. 4. h. 
Eisenberg. 359. 
Eisern. 626. 
Eiterfeld. 1. e. 
Eiweiler. 168. 
Eiben. 1244. 
Elgert. 1572. 
Elkenroth. 1245. 
Elles. 1675. 
Ellingen. 1559. 
EUinghausen. •. 
Elm. 182. 
Elsaff. 1623. b. 
Eisbach. 1807. 
Elters. t. a. r. 



Emmersweiler. 133. 
Emmertshausen. 126(K 
Empfertshausen. 1. f. 
Emsweiler. 229. 
Engelfangen. 154. 
Engelhelms. ■ . g. 
Engers. 1462. 
Englisreute. 4. d. 
Ensheim. 114. 226. 
Epgert 1326. 
Era tsrein. 4. 1. 
Erda. 1865. 
Erdmannrode. I. e. 
Ergetsweiler. 4. h. 
Erkebach. 1204. 
Erl. 1108. 
Ernezweiler. 254. 
Ernsdorf. 697. 
Erpel. 1112. 
Ersfeld. 1194. 
E.sbach. 4. i. 
Eschenbach. 657. 
Escherwiese. 1810. 
Eschringen. 115. 
Eschweiler. 238. 
Esen hausen. 4. g. 
Etscheid. 1730. 
Ettenlehen. 4. k. 
Ettishofen. 4. o. 
Etzbach. 478. 
Etzenhofen. 157. 
Eulenburg. 1325. 
Exweiler. 205. 
Ejb. 4. b. 
Eyweiler. 341. 

Fahlsclieid. l.'^iO. 
Fahr. 1.547. 
Falkenflucht. 3. b. 
Fasanerie. 1. g. 
Fechingen. 113. 
Fechtberg. 4. 1. 
Felbers 4. k. 
Feld. 4. k. 
Feldkirchen. 1.546. 
Feldmoos. 4. h. 
Fellinghausen. 704. 
Fensdorf. 1246. 
Ferndorf. 696. 
Fernthal. 1715. 
Ferscheid. 1804. 



358 



Feuersbach. 641. 
Feuerthal. 1. i. 
Fickenhütten. 603. 
Fiersbach. 1195. 
Findlos. 1. a. 
Fischbach. 4.e. 124.1216. 
Fisch berg. I . f. 
Fladersbach. 433. 
Flammersbach. 644. 
Flammersfeld. 440. 
Flieder». 1. r. 
Flögert 1153. 
Florenberg. t. g. 
Fluterschen. 1182. 
Föllritz. i. f. 
Forst. 482. 
Forstenhausen. 4. 1. 
Forstmehren. 1197. 
Frankenberg. 4. 1. 
Frankenbronn. 1. 1. 
Frankenbach. 4. p. 
Frauenholz. 1. v. 
Freudenberg. 709. 
Freusburg. 1217. 
Friedewald. 1255. 
Friedrichsthal. 201. 
Friesenhauseu. l.g. 
Frimmenweiler. 4. g. 
Frohnen. 1695. 
Fronhausen. 653. 
Fronhof en. 4. h. 
Fronreute. 4. h. 
Frorath. 1787. 
Fulda. 1. h. 
Funkenhausen. 1714. 
Fürstenau. 3. b. 
Fürstenberg. 1188. 
Fürsteneck. 1. e. 
Fürstenhausen. 142. 
Fürth. 216. 
Fürthen. 490. 
Furthäusle. 4. h. 
Füssingen. 4. 1. 

Gackenhof. 1. v. 
Garbenheim. 313. 
Gassbitz. 1767. 
Gattenmühle. 4. i. 
Gattenhof. 4. i. 
Qebhardshain. 1242. 
Greisa. 1. i. 



Geiselharz. 4. k. 
Geislar. 1135. 
Geislautern. 144. 
Geismar. 1. i. 
Geisweid. 612. 
Gellershofen. 443. 
Geratsreutc. 4 h. 
Gerardshahn. 17.Ö7. 
Germscheid. 1628. 
Gernsdorf. 665. 
Geroda. t. c. 
Gersrod. 1 . b. 
Gersweiler. 125. 
Gerstengrund. 1. i. 
Gersthahn. 1806. 
Gessenried. 4. 1. 
Gichenbach. 1. v. 
Gieleroth. 1183. 
Giershausen. 1198. 
Giershofen. 1576. 
Giesel. 1. p. 
Giesenhain. 1. e. 
Gilsbach. 920. 
Ginsberg. 685. 
Ginsternhahn. 1102. 
Gladbach. 1442. t. f. 
Gläsenzell. 1. g. 
Gleiberger Forst. 312. 
Glockscheid. 1764. 
Glüm. 1. i. 
Godelheim. 3. b. 
GöUheim 356. 
Göunersdorf. 1549. 
Göringen. 4. b. 
Görlingen. 241. 
Goldscheid. 1803. 
Goppertshäusern. 4. k. 
Gosenbach. 618. 
Gotthards. 1. a. 
Graben. 1649. 
Greifenthal. 1847. 
Greifenstein. 1830. 
Grendel 1102. 
Griedelbach, 1819. 
Griessenbach. 1678. 
Grimberg. 1140. 
Groppentruch. 9. 
Grossenbach. 1. o. 
Grossenlüder. 1. k. 
Grossenmohr. t. d. 
Grossentaft. i. m. 



Grossmaischeid. 1578. 
Groasrechtenbach. .328. 
Grossrosseln. 134. 
Gruben. 1 a. d. 
Grund. 671. 
Grünebach. 1232. 
Grünewald. 1205. 
Grünlingen. 4. h. 
Grüsselbach- t- ™- 
Güdingen. 110. 
Guichenbach. 156. 
Gülesheim. 1318. 
Gumbsheim. 916. 
(iunartsreute. 4. h. 
Günderscheid. 1699. 

Haag. 4. k. 
Haarhausen. 680. 
Haberscheid. 1604. 
Hacksen. 1154. 
Hadern. 670. 
Hadersen. 474. 
Häg. 1105. 
Häge. 4. b. 
Hagertshof. 1773. 
Hagnau. 4. p. 
Hähnen. 1105. 120Ü. 

1789. 
Hahn. 455. 1213. 
Hairabach. 1. p. 
Hainchen. 660. 
Hainzeil. t. b. 
Halden. 4. k. 
Hallberg. 120. 
Hallerbach. 1696. 
Hamm. 463. 
Hammelsburg. 1. 1. 
Hammelshahn. 1658. 
Hämmerholz. 502. 
Hansel. 4. b. 
Hangard. 187. 
Hannober. 4. d. 
Hanroth. 1616. 
Harbach. 1. a.l220. 
Hardert. 1568. 
Hardt. 451. b. 
Hargarten. 1100. 
Harmerz. t. p. 
Harschbach. 1620. 
Harskirchen. 233. 
Hartmann. 4. h. 
23 



354 



Haselstein. 1. m. 
Hasenweiler. 4. i. 
Hassel. 500. 
Hasselbach. 425. 
Hattenhausen. i. v. 
Hausarmen 1. a. 
Hausen. 1776. 1780. 
Hauswurz. 1. b. 
Hechelmannskirchen. I.d. 
Heck. 1637. 
Hecken. 1704. 
Heckenhof. 480. 
Heckerfeld. 1124. 
Heddesdorf. 15.53. 
Heeg. 1770. 
Heiberg. 1193. 
Heide.467.1685.1737. 
Heimbach. 1440. 
Heisberg. 737. 
HeLstern. 929. 
Heister. 1114. 
Helberhausen. 672. 
Hellenhausen. 171. 
Helgersdorf. 663. 
Helmenzen. 115=^. 
Helmeroth. 1156. 
Hemmelzen. 426. 
Hengstbach. 629. 
Herberts, i. d. 
Herbitzheim. 333. 
Herbstein. 1. n. 
Herbteroth. 1184. 
Herchenbach. 162. 
Herdorf. 1234. 1261. 
Hergetsau. 479. 
Herkersdorf. 1233. 
Hermannspiegel, t . e. 
Herolz. 1. t. 
Herzhausen. 645. 
Heselboschen. 4. k. 
Hessein. 1106. 
Hettenhausen. t. v. 
Hetzlos. t. 1. 
Heupelzen. 1158. 
Heusweiler. 163. 
Hickengrund. 1. f. 
Hilchenbach. 667. 
Hilgert. 1571. 
Hilgenroth. 1159. 
Hilkerscheid. 1104. 
Hilkhausen. 427. a. 



Hillenhütten. 648. 
Hilschbach. 159. 
Hinsingen. 231. 
Hinterfeld. 200. 
Hinterplag. 1690. 
Hirscheid. 206. 
Hirschland. 239. 
ffirtel. 169. 
Hirzbach. 1199. 
Hirzweiler. 194. 
Hochberg. 4. k. 
Hochburg. 4. k. 
Hochelheim. 325. 
Hochrain, I. i. 
Hochscheid. 1805, 
Höchst. 208. 
Hof bei Berg. 4. o. 
Höf und Haid. i. r. 
Hofacker. 1174. 
Hofbieber. I. a. 
Höfen. §. 24. EinJ. 
Hohenhain. 715. 
Hohensayn. 505. 
Hohensolms. 1858. 
Hohn. 1698. 
Hockenhahii. 448. 
Holge. 483. 
Hollig. 1802. 
Holthausen. Ä. 
Holz. 170. 
Holzhausen. 581. 

1852. 
Hombach. 1712. 
Homburger Hof 1816. 
Hommelsberg. 1247. 
Homscheid. 1747. 
Honneroth. 1160. 
Henningen. 1468. 
Horas. 1. g. 
Horb 4. f. 
Horchheim. 1291. 
Horhausen. 1315. 
Hörnsheim. 324. 
Hosenfeld. 1. b. 
Hoven. 1643. 
Höxter. 3. a. 
Hüben. 441. 
Hühnerkropf. 1. v. 
Hülen. 4. c. 
Hünfeld. 1. o. 
Hüngsberg. 1702. 



Hünhan. 1. o. 
Hüttseifen. 1219. 
Huf. 1319. 
Hngsweyer. 269. 
Hüllenberg. 1550. 
Humes. 223. 
Hundsfeld. 1. 1. 
Hungersberg. 4. e 
Hurtenbach. 1647. 
Hussen. 1645. 
Hüttenhofen. 1161, 

Jahrsfeld. 1562. 
Ibach. 4. i. 
Ibenthal. 4. k. 
Idelberg. 1163. 
Immendorf. 1295. 
Inntobel. 4. o. 
Johannesberg. 4. p. 
Johannsberg. 1701. 
Jossa. 1. b. 
Irmroth. 1672. 
Jrlen. 427. b. 
Jrlich. 1463. 
Isenburg. 1582. 
Isert. 1162. 
Istergiesel. 1. p. 
Ittenbach. 1130. 
Jugenheim. 263. 
Jungeroth. 1666. 
Jungfemhof. 1718. 
Junkernhees. 705. 

Kaflferoth 445. 
Kaisen. 224. 
Kaleuborn. 1750. 
Kalk. 1141. 
Kalischeid. 1676. 
Kaitau. 484. 
Kämmerzell. 1 . g. 
Kanzach. 4. o. 
Kappenstein. 492. 
Karrsen 4. k. 
Katzenbach. 1235. 
Katzheim. 4. 1. 
Kau. 1751. 
Kauppen. 1. r. 
Kausen. 1248. 1580. 
Keesskastel. 344. 
Keescheid. 450. 
Kehl. 262. 



355 



Kehlings. <i. k. 
Kehrenberg. 4. n. 
Kellenried. 4. f. 
Kemniinghausen *. 
Keppel. 691. 
Kerbersdorf. 1. s. 
Kermes. 1. a. 
Kerzell. 1. p. 
Kerzenheim. 360. 
Kesenweiler. 4. 1. 
Ketten. 1, i. 
Ketten hausen. 1164. 
Keulos. 1. g. 
Keuzelbuch. 1. r. 
Kiechle. 4. n. 
Kiel. 449. 
Kinzenbach. 314. 
Kippenhausen. 4. p. 
Kirberg, 240. 
Kircheib. 1201. 
Kirchen. 1225. 
Kirchheim. 342. 
Kirdorf. 976. 
Kirschdorf. 172. 
Kirschhasel. 1. m. 
Kirsch rod. t. b. 
Klafeld. 611. 
Klausmarbach. 1. d. 
Kleinlüder. I. k. 
Kleinmaischeid.1579. 
Kleinmohr. 1. d. 
Kleinrech tenbach. 331. 
Kleinsassen. 1. a. 
Kiesberg. 1. u. 
Klings. 1 . f. 
Knausholz. 145. 
Knorrschied. 184. 
Kocher. 4. n. 
Kodden. 1742. 
Kögel. 4. b. 
Königswinter 112.5. 
Kohlbach. f. i. 
Kohlerich. 481. 
Kohlgrund 1. g. 
Kohlhaas. f. g. 
Köhlershohn. 1697. 
Korb. 4. h. 
Körnbach. 1. e. 
Körne, t. 
Kostheim. 1003. 
Kothen. f. q. 



Köttingen. 1626. 
Kotzenroth. 1249. 
Kraftsolms. 1817. 
Krämgen. 4.54. 
Kranlücken. 1. i. 
Krautscheid. 1660. 
Kratzhahn. 470. 
Kreuzer 4. o. 
Kröffelbach. 1818. 
Kronkel. 1687. 
Krughütte. 127. 
Krumbach. 1652. 
Krummenau. 1723. 
Krummenast. 1634. 
Krummensbach. 4. b. 
Krumscheid. 1106. 1681. 
Krunkel. 1320. 
Kühlos. i. a. 
Künzell. 1. g. 
Kurbrunnen. 1. c. 
Kürtenacker. 1777. 
Kurtscheid. 1809. 
Kutzhof. 173. 

Lach. 1793. 
Lahnhof. 661. 
Lahr. 256. 
Lahrbach. 1588. 
Lammerschied. 1 74 . 
Landsweiler. 198. 
Langenau. 708. 
Langenbach. 1. a. 

473. 1157. 
Langenbieber. I. a. 
Langenholdings- 

hausen. 724. 
Langenschwarz. I . d. 
Langscheid. 1790, 
Lanzenreute. 4. 1. 
Laufdorf. 1820. 
Laufenen. 4. e. 
Launsbach. 314. 
Lautenbach. 217. 
Lauterbach. 129. 
Lauzert. 1598. 
Lechenbach; 489. 
Leibolz. i. e. 
Leimbach. 1. e. 
Leingen. 428. 
Lenders. 1. f. 
Lengenweiler. 4. g. 



Leopoldsthal. 202. 
Leub.sdorf. 1106. 
Leudesdorf. 1464. 
Leun. 1821. 
Leuzbach. 1165. 
Liebhards. 1. a. 
Limbach. 1648. 
T>imberg. 1638. 
Liiidenau. 1. f. 
Lindenberg. 727. 
Lindenhorst. 9. 
Linkenbach. 1621 . 
Linz. 1098 
Linzhausen. 1099. 
Lippe. 927. 
Litfeld. 692. 
Lohe. 702. 
Lohe. 1646. 
Lohren. 4. c. k. 
Lorscheid. 1744. 
Lorentzen. 245. 
Löschenrod. f . p. 
Louidcnthal. 147. 
Luchert. 1321. 
Lüchtringen. 3. b. 
Lud Weiler. 128. 
Lüdermünd. I . g. 
Lugmanns. 4. k. 
Lupratsberg. 4. n. 
Lütmarsen. 3. e. g. 
Lütter. v.d.Hard. i.v. 
Lütterz. 1. k. 
Lützel. 668. 
Lützellinden. 323. 
Lützeln. 581. 
Lasthof. 1124. 

Maberzell. 1 . o. 
Magadessen. 3. b. g. 
Magdalenenhausen. 

1822. 
Mahlberg. 1788. 
Mahlert. 1189. 
Mahlerts. 1 . a. d. 
Mainzweiler. 195. 
Mackenzell. I. o. 
Mackweiler. 246. 
Malges. 1 . e. 
Malkes. I. k. 
Mallendar. 1302. 
Malstatt. 138. 



356 



Mammelzen. 1166. 
Mangers. 1. e. 
Manroth. 1710. 
Mansbach. 1. i. 
Marbach. 1. o. 
Marboin. 1. s. u, 
Marenbach .431. 
Margretheiihaun. 1 . a. 
Marienborn. 599. 
Marienthal. 508. 
Marnheim. 345. 
Matzenhofen. 4. f. 
Mauden. 1259. 
Mauers i. e. 
Mausbach. 714. 
Maulsbach. 1209. 
Mausthal. 646. 
Mebritz. i. f. 
Mehlishofen. 4. f. 
Mehren. 1191. 
Meinborn. 1540. 
Meinhard. 607. 
Meisenbach. 1. e. 
Meiswinkel. 723. 
Mellendorf. 1. i. 
Meisbach. 1545. 
Melzdorf. 1. g. 
Melters. 1. a. v. 
Memlos. i. v. 
Mend. 1670. 
Mengers. 1. e. 
Mertesacker. 1766. 
Messbausen. 4. b. 
Meyei-sseifen. 1627. 
Michelbach. 1167. 
Michelsrombach. 1 . d. 
Miederüheim. 261. 
Miswarz. 1. i. 
Mitgenfeld. 1. c. 
Mittelaschenbach. I. (, 
Mittel bexbach. 220. 
Mittelelsafi". 1733. 
Mittelhees. 721. 
MittelJialbach. 1. r. 
Mittelrebsrod. 1. a. 
Mittelrode. 1. o. 
Mittelwilden. 922. 
Mochenwangen. 4. h. 
Modlüs. 1. c. 
Möllenbronn. 4. h. 
Molzbach. t. o. 



Molzhain. 1250. 
Mordgraben. 1. g. 
Morles. 1. o. 
Morsheim. 349. 
Motten, t. q. 
Motzlar. t. e. 
Mudersbach. 1236. 

1866. 
Mühlhofen. 1306. 
Mühlenreute. 4. 1. 
Müldorf. 1136. 
Multer. 4. c. 
Mümraelbach. 493. 
Münchau. t. c. 
Münchholzhausen. 

1823. 
Münchenreute. 4. c. 
Münchwies. 218. 
Münckershütten. 604. 
Muschen. 4, k. 
Muscheid. 1605. 1780. 
Müsenbach. 1. e. 
Muss. 1630. 
Müs. 1. k. 
Musen. 686. 
Müssnershütten. 604. 



Nassaeh. 4. g. 
Nassen. 1175. 1799. 
Nassweiler. 132. 
Nauborn. 1824. 
Nauholz. 659, 
Nauroth. 1251. 
Neichen. 1661. 
Neidersen. 432. 
Neidhardshausen. 

i. f. 
Neitersen. 515. 
Neitzert. 1589. 
Nenkersdorf. 639. 
Neschen. 1719. 
Neudorf. 1296. 
Neuenberg. 1. p. 
Neuenhof. 1210. 
Neuerburg. 1772. 
Neuglashütten. 1 . q. 
Neuhof. 1 . q. 
Neuhöfchen. 485. 
Neukirchen. 1 . e. 
1825. 



Neunkirchen. 189. 930. 
Neunkirchener Eisen- 
werk. 192. 
Neusaarwerden. 336. 
Neustadt. 1708. 1 . r. u. 
Neuwarth. 1. v. 
Neuwied. 1538. 
Niederähren. 516. 
Niederberg. 1293. 
Niederbexbach. 221. 
Niederbieber. 1563. 1. a. 
Niederbiegen. 4. n. 
Niederbreitbach. 1768. 
Niedercleen. 326. 
Niederdilfen. 622. 
Niederdreis. 1606. 
Niederdreisbach. 1262. 
Niederdrestelndorf. 579. 
Niedererbach. 1168. 
Niederetscheid. 1725. 
Niederginnes. 1853. 
Niederhammerstein. 1466. 
Niederhausen. 367. 
Niederheuslingen. 733. 
Niederholzklau. 725. 
Niederhonnefeld. 1555. 
Niederhofen. 1622. 
Niederhoppen. 1761. 
Niederhorwieden. 1. g. 
Niederhümmerich. 1558. 
Niederingelbach. 1169. 
Niederirsen. 510. 
Niederkalbach. 1. q. 
Niederleichtersbach. 

1. c. 
Niederlemp. 1854. 
Niederlinxweiler.211 . 
Niedennühlen. 1683. 
Niedernbiel. 1826. 
Niedemdorf. 731. 
Niedernetphen. 632. 
Nicderölfen. 434. 
Niederquembach. 1827. 
Niederroda. 1. p. 
Niederraden. 1561. 
Niedersalbach. 161. 
Niederscheiden. 620. 
Niederselbach. 507. 
Niederseifen. 498. 
Niedersetzen. 650. 
Niedersteinebach. 1322. 



357 



Niedervinke. *. 
Neederwarabach. 1583. 
Niederwetz. 1828. 
Niederwindhagen. 1706. 
Niederwerth. 1292. 
Niesig. I. g. 
Nisterberg. 1263. 
Noli. 1101. 
Noscheid. 1752. 
Notscheid. 1103. 
Numborn. 175. 
Nüst. 1 . 0. 

Obelhofen. 4. h. 
Oberaichen. 4. h. 
Oberalba. 1. L 
Oberähren. 1607. 
Oberaschenbach. 1. o. 
Oberbernhards 1. a. 
Oberbexbach. 219. 
Oberbieber. 1565. 
Oberbimbach. 1. k. 
Obercleen. 936. 
Oberdilfen. 623. 
Oberdreis. 1596. 
Oberdreisbach. 1264. 
Oberdresselndorf. 580. 
Oberelles. 1635. 
Oberelsaff. 1732. 
Obererthal. 1. 1. 
Obererbach. 1170. 
Obereschenbach. 1. 1. 
Oberetscheid. 1729. 
Oberfeld. 1. d. 
Oberäschbach. 729. 
Obergeiersnest. 1. c. 
Oberharamerstem. 1465. 
Oberheuslingen. 734. 
Oberholzklau. 719. 
Oberhonnefeld. 1556. 
Oberhoppen. 1760. 
Oberhorwieden. 1. g. 
Oberhümmerich. 1557. 
Oberingelbach. 1171. 
Oberirsen. 436. 
Oberlahr. 1122. 
Oberlemp. 1867. 
Obcrleichtersbach. 1. c. 
Oberlinxweiler. 212. 
Oberlütter 1. v. 
Obern au. 517. 658. 



Obernbiel. 1829. 
Oberndorf. 669. 1830. 
Obernetphen. 631. 
Obernhees. 720. 
Obernüst. I. a. 
Oberölfen 435. 
Oberplag. 16S8. 
Oberquembach. 1831. 
Oberraden. 1560. 
Oberrebsrod. 1. a. 
Oberrod. I . v. 
Oberroda. I. p. 
Oberrombach. 1. d. 
Oberroth. i. i. 
Obersalbach. 148. 
Oberscheid. 1669. 
Oberscheiden. 730. 
Oberselbach. 506. 
Obersdorf. 624. 
Oberseifen. 487. 
Obersetzeu. 649. 
Oberspringen. 4. b. 
Oberstaig. 4. f. 
Obersteinebach. 1327. 
Obervinke. HB. 
Oberwambach. 1185. 
Oberweisenborn. 1. e. 
Oberwetz. 1832. 
Oberwiesen. 351. 
überwilden, 921. 
Oberwindhagen. 1705. 
Oechelhausen. 683. 
Ockenfels. 1110. 
Ochsenbruch. 430. b. 
Odeuhausen. 318. 
Odensachsen. 1. e. 
Offhausen. 1237. 
Ohlenberg. 1108. 
Oelgershausen. 654. 
Oelsen. 1172. 
Oppelshüfen. 4. n. 
Oppertsau. 494. 
Opucrz. 1. r. 
Opsen. 491. 
Orbis. 350. 
Orfgen. 456. 
Geringen. 243. 
Orsberg. 1115. 
Osthelden. 706. 
Ottbergen. 8. b. 
OttenhauBcn. 126. 



Oettershagen. 503. 
Ottweiler. 185. 250. 
Otzbach. t. L 
Ovenhausen 8. b. 
Over. 1765. 

Pafthausen. 1754. 
Parscheid. 1655. 
Petersberg. 1. g. 
Peterslahr. 1324. 
Pfaffendorf. 1294. 
Pfaffenhausen. 1. 1. 
Pfaffenrod. 1. b. 
Pfaffenseifen. 471. 
Pilgerzeil. 1. g. 
Pirzenthal. 477. 
Pistorf. 237. 
Pleckhausen. 1317. 
Pleitersheim. 917. 
Plittershagen. 718. 
Poll. 1142. 
Poppenhausen. 1. v. 
Poppenrod. 1. b. 
Pracht. 496. 
Prangenberg. 1727. 
Prees. 1642. 
Priestersberg. 1664. 
Puderbach. 1599. 
Piischeid. 451. a. 
Püttlingen. 146. 

Quirschied. 176. 

Rabenstein. 1. u. 
Racksen. 1173. 
Rahms. 1753. 
Ramsen. 358. 
Ranweiler. 242. 
Rasselstein. 1554. 
Rasdorf. 1. ni. 
Ratzert. 159 D. 
Raubach. 1614. 
Rauenhahu. 1629. 
Rebsdorf. 1. u. 
Reckrod. 1. e. 
Rederscheid. 1693. 
Reichenborn. 228. 
Reichenstein. 1608. 
Reichert. 1609. 
Reiferscheidt. 459. 
Reifert. 1797. 
Reinhards. 1 . p. 



358 



Reinharts. i. i. 
R€isbitzen. 1202. 
Reisweiler. 149. 
R«ith. i. 1. 
Remmesweiler. 213. 
Rengsdorf. 1566. 
Rennenberg. 1103. 
Rentrisch. 119. 
R«ttersen. 1212. 
Reufeibach. 1176. 
Reuschenbach. 1785. 
Reute-Frohnhofen. 4. h. 
Rex. 1. g. 
Rexigen. 247. 
Rheinbreitbach. 1118. 
Rheinbrohl. 1467. 
Rhina. 1. e. 
Richlisreute. 4. 1. 
Ried. I. V. 4. 1. 
Rimbach. 437. 
Rimmels. 1. o. 
Riramersberg. 4. g. 
Rindhausen. 1641. 
Rindenberg. 1. c. 
Ringgenburg. 4. g. 
Ringgen weiler. 4. k. 
Rinsdorf. 338. 625. 
Rittenhofen. 155. 
Rittershof. 177. 
Rockenfeld. 1552. 
Rodenbach. 1551.1591. 
Rödergrund. i. a. 
Rodges. 1. p. 
Römershag. 1 . c. 
Rommersdorf, 1145. a. 
Rommerz. 1. r. 
Romsthal. 1. s. 
Ronig. 1098. 1105. 
Rönshausen. 1 . g. 
Röschen. 4. 1. 
Rossbach. 1792. 
Rosbach. 1, o. 
Rosenbach. 1. a. 
Rosenthal. 265. 
Rössler. 4. 1. 
Rotenkirchen 1 . d. 
Roth. 444. 501. 
Rothemann. 1. p. 
Rothenholz. 1 . v. 
Rothhäusle. 4. c. 
Rott. 1731. 



Rückers. 1. o. r. 
Ruckersfeld. 684. 
Rüddel. 1724. 
Rüdersdorf. 666. 
Rüdersheim. 348. 
Rüdgen. 621. 
Rudolphshan. 1. d. 
Ruprechtsbruck. 4. h. 
Rüscheid. 1542. 
Russhütte. 140. 
Russingen. 354. 
Rutscheid. 1132. 

Saarbrücken. 108. 
Saarwelling. 151. 
•Salchendorf. 664. 933. 
Saleck. t. 1. 
Salmünster. 1. s. 
Salzböden. 317. 
Salzschlirf. f. k. 
Sammletshofen. 4. e. 
Sannerz. 1. t. 
Sargenzell. I. o. 
Sarrod. f. u. 
Sassenroth. 1238. 
Sauerwiese. 1632. 
Saj-n, 1305. 1145. b. 
Schafmeyer. 4. d. 
Schackau. 1 . a. 
Scharenberg. 1756. 
Schattbuch. 4. 1. 
Scheiderberg. 118. 
Scheidt. 117. 495. 
Scheiberg. 1671, 
Scheuerchen. 1795. 
Scheuerfeld. 1239. 
Scheuren. 1117. 
Schitfweiler. 196. 
Schimmelshahn. 1796. 
Schindwald. 246. 
Schleida. 1 i. 
Schletzenhausen. I. b. 
Schletzenrod. 1. e. 
Schlier. 4. 1. 
Schlotzau. f. d. 
Schluden. 1640. 
Schlupfen. 4. h. 
Schmalnau. 1. v. 
Schnetzen. 4. f. 
Schneppenkauten. 606. 
Schönderling. I. c. 



Schöneberg. 511. 1680. 
Schondra. i. c. 
Schön.stein. 1119. 
Schopperten. 335, 
Schreckensee. 4. h. 
Schreiberg. 677. 
Schürdt 458. 
Schutzbach. 1265. 
Schwalbach. 180. 1833. 
Schwarzbach. 1. a. 
Schwarzrheindorf. 1138- 
Schweben. 1. r. 
Schweifeid. 1693. 
Schweisfurth. 688. 
Schwerzelbach. 1. 1. 
Schwieringhausen. 9. 
Seelbach. 461. 617. 
Seeshof. 1. 1. 
Segendorf. 1564. 
Seidenhahn. 1783. 
Seifen. 518. 1207. 1659. 
Seiferts. 1 . a. 
Seibach. 1120. 
Sellerbach. 153. 
Sengst. 227. 
Sensenbach. 1592, 
Sessenhausen. 1651. 
Setzelbach. 1. m. 
Sevcrinsberg IUI. 
Seyen. 1594. 
Sickels. 1. p. 
Siebeinhof. 675. 
Siebenmorgen. 1801. 
Sieblos. 1. V. 
Siebrathshaus. 4. 1. 
Siegen. 598. 
Siggenhaus. 4. k. 
Silges. 1. 0. 
Singenrein. 1. c. 
Sinweiler. 251. 
Sippersfeld. 361. 
Soden. 1. s. 
Sohl. 1779. 
Sohlbach. 615. 656. 
Soisdorf. I. m. 
Soislinden. 1. e. 
Solscheid. 1657. 
Sollscheid. 1791. 
Sommers. 4. k. 
Sörth. 1177. 
Spahl. t. i. 



359 



Speicherts. i. c. 

Spiesen. 191. 

Spinnenhirn. 4. n. 

Spreitchen. 1794. 

Springen. 181. 

St. Arnual. 109. 

St Gerold. §. 24. Einl. 

St. Johann. 137. 

St. Katharinen. 1103. 

St. Michel. 333. 

St. Nicolas. 131. 

Stadel. 4. k. 

Stahle. 3. b. 

Staudenhof. 4. b. 

Stauf. 357. 

Stebach. 1581. 

Steeg. 4. 0. 1741. 
Steig. 4. b. 
Steimel. 1593. 
Steinau. 1. g. 
Steinbach. i. a. d. 188. 

364. 
Steinberg. 1. f. 
Steindorf. 1834. 
Steinebach. 1252, 
Steinenbach. 4. c. 
Steineberg. 1254. 
Steinhaus. 1. g. 
Steinishaus. 4. h. 
Steinroth. 1253. 
Stein.shardt. 1746. 
Steissen. 4. k. 
Stellberg. 1. q. 
Stendebach. 695. 
Stendorf. 1. ra. 
Stennweiler. 197. 
Steppach. 4. k. 
Sterbersdorf. t. s. 
Stern. 1098. 
Sterzenbach. 678. 
Stöckeis. t. g. 
Stöcken. 681. 716. 
Stöcker Hof. 1131. 
Stöcklisberg. 4. 1. 
Stockhausen. 1707. 1855. 
Stopp erich. 1781. 
Stork. 1. r. 
Strassen. 1689. 
Strasser. 4. o. 
Strauscheid. 1759. 
Strickhausen. 460. 



Strödt. 1745. 
Strunkeich. 1610. 
Struthütte. 932. 
Stuben. 4. c. 
Stürzelbach. 1180. 
Sulzbach. 123. 
Sülzen. 332. 

Tanzwiesen. I. a. 
Tente. 1211. 
Thaiden. 1 . a. 
Thal. 504. 
Thalau. t. v. 
Thalhausen. 4ü6. 1541. 
Thelenberg. 1691. 
Theuringen 4. d. 
Thiergarten. 1. a. 
Thrulingen. 249. 
Thulba. t. 1. 
Tiefenau. 1684. 
Tiefenbach. 634. 1835. 
Tiefengruben. 1. p. 
Tiefenthal. 264. 
Tobel. 4. 0. 
Tonenburg. 3. f. 
Treisbach. 1. a. 
Treischfeld. 1. m. 
Trinhausen. 1190. 
Truppach. 616. 

Uchtelfangen. 207. 
Udert. 1595, 
Ueberhofen. 158. 
üebersehes. 1674. 
Ueckertseifen. 509. 
Uffhausen. I. k. 
Ulm. 1856. 
Ulmbach. 1. u. 
Unglinghausen. 651. 
Unkel. 1116. 
Unteralba, i. f. 
Unterankenreute. 4. n. 
Unterbernhards. I. a. 
Unterbimbach. I. k. 
Unteregg. 4. k. 
Unterelles. 1631. 
ünterelsaff. 1743. 
Untererthal. 1. 1. 
Untereschenbach. 1 . 1. 
Untergeiersnest. 1. 1. 
Unterroth. 1. i. 



Unterschützen. 465. 
Unterspringen. 4. b. 
Unterufliausen. t . e. 
Unterwilden. 923. 
Unterwinnersbach. 1224. 
Urbach-Kirchdorf. 1617. 
Urbach-Ueberdorf. 1618. 
Urbar. 1298. 
Uerzeli. 1. u. 
Urexweiier. 205. 

Vallendar. 1301. 
Veitsteinbach. 1. r. 
Vettelschoss. 1748. 
Vezberg. 319. 
ViUch. 1133. 
Vilich-Rheindorf. 1137. 
Vingst. 1143. 
Vogtslag. 1728. 
Volkerzen. 1178. 
Völklingen. 141. 
Völlerdingen. 339. 
VoUniarshofen. 4. d. 
VoUnkirchen. 330. 
Vollnsberg. 601. 
Volpertshausen. 321. 
Volters. 1. c. 
Vor der Hardt. 605. 
Vorm Wald. 673. 
Vorsee. 4. b. 

Wäldchen. 488. 
Wahl. 1636. 
Wahlbach. 926. 
Wahlert. 1. s. 
Wahlhard. 514. 
Wahlschied. 178. 
Wahr enb erg. 1734. 
Waldbreitbach. 1762. 
Waldhausen. 4. m. 
Waldlaubersheim. 355. 
Walgenbach. 1644. 
Walkes 1. i. 
Wallau. 1668. 
Waller. 1105. 
Wallings. 1. a. 
Wallmeroth. 1240. 
Walroth. 1667. 
Walpersdorf. 640. 
Walpershofen. 160. 
Waltersen. 462. 



360 



Waltershof. 1. e. 
Wambeln. <. 
WartenbrucL 1663. 
Wartmannsroth. t. 1. 
Wasemsfeld. 1726. 
Watzenseifen. 679. 
Wehbach. 1241. 
Wehrda. 1. e. 
Wehrden. 143. 3. c. g. 
Wehroth. 1611, 
Weiden. 704. 
Weidenau. 609. 1. u. 
Weidenhausen. 322. 
Weihers, t. v. 
Weihersfeld. t. L 
Weiler. 4. e. f. 
Weingarten. 4L. 
Weiperz. 1. t. 
Weisenbrüchen. 469. 
Weissenfeis. 1758. 
Weiss. 1441. 
Weissfeld. 1782. 
Weitefeld. 1266. 
Weitersburg. 1303. 
Welkers. 1. g. 
Wellersweiler. 190. 
Welschbach. 193. 
Wenigentaft. 1. i. 
Werberg. 1. q. 
Werdorf. 1857.. 
Werkhausen. 429. 
Wernerz. 1. c. 
Worlenbach. 1612. 
Werschweiler. 214. 
Werternbach. 662. 



Werthsberg. 1. g. 
Wester. 1653. 
Westheitn. 1. 1. 
Wetzisreute. 4. 1. 
Weyer. 248. 
Weyerbusch. 438. 
Wickhausen. 497. 
Widderstein. 1179. 
Wiebeiskirchen. 186. 
Wied. 1739. 
Wiederstein. 925. 
Wicdhecke. 1214. 
Wiedischhausen. 1573. 
Wielatsried. 4. h. 
Wienau. 1577. 
Wiesbach. 222. 
Wiesen. 1. a. 
Wiesenfeld. 1. i. 
Wiesenhofen. 4. h. 
Wiesplacken. 427. o. 
Wilgersdorf. 630. 
Willer. 234. 
Willesdorf. 627. 
Wilroth. 1323. 
Willscheid. 1749. 
Wilsberg. 1692. 
Winchenbach. 628. 
Windhagen. 1700. 
Wingendorf. 1221. 
Winterbach. 689. 
Winterborn. 366. 
Wintermühlen. 1129. 
Wirgendorf. 919. 
Wisseis. I. g. 
Wisselsrod. 1. g. 



Wissen. 1121. 
Wissmar. 320. 
Wittges. f. a. 
Wöllmersen. 439. 
Wöllstein. 915. 
Wolf. 1. e. 
Wolfenacker. 1769. 
Wolferts. i. a. 
Wolfsbühl. 4. g. h. 
Wolfsdorfer Hof. 1128 
Wolfskirchen. 236. 
W^oUendorf. 1548. 
Wölsreeg. 1736. 
Woltert. 1613. 
Wurmbach. 722. 
Würzen may er. 4. h. 
Wüscheid. 1763. 
Wüstenberg. 4. k. 
Wustweiler. 210. 
Wustweiler Hof. 209, 

Zeidebach. 735. 
Zell. 1. f. p. 
Zettingen. 135. 
Zeppenfeld. 924. 
Ziegel, t. p. 
Ziegenhain. 1215. 
Ziegenhati. 457. 
Zillbach.. 1. r. 
Zirkenbach. 1. p. 
Zitters. 1 . i. 
Zollingen. 387. 
Zündersbach. 1 . c. 
Zundelbach. 4. 1. 
Zur Heide. 1654. 



Berichtigungeu. 



S. 266 Z. 14 V. u. ist zu lesen Stock heim statt Stockhausen. 
Nr. 32 lies Treisberg statt Treisburg. 
Nr. 299 und 300 lies Odersbach statt Odersberg. 
Nr. 421 lies Altenkloster statt Alienkloster. 
Nr. 606 lies Schneppenkauten statt 8chneppenkauten. 
Nr. 1873 lies Buchelborn statt Buchenbom. 

Bei §. 23 fehlt die Ueberschrift : Entschädigungen an Nassau- Weil- 
burg; bei §. 24: Entschädigungen an Nassau-Oranien. 
Im Register I. lies Morien 419. ft. 
und darauf Möttau 288. «1. 



Römische Funde in Wiesbaden 



von 



B. Keknl^. 



Unter den römischen Funden aus dem Jahr 1869, welche zu 
meiner Kenntniss gekommen sind, dürften die folgenden eine Veröffent- 
lichung an dieser Stelle verdienen. Sie entstammen alle den drei reich- 
sten römischen Fundstätten Wiesbadens, und befinden sich im Museum 
der Alterthümer. 

Auf dem Heidenberg kamen bei den Lehmarbeiten, welche die 
Spuren des Römercastells bald fast völlig vernichtet haben werden, 
kurz nach einander an derselben Fundstelle, im nordwestlichen Theil, 
zu Tag: 

1) Ein Gefass, sog. Kumpf, von rothem Thon mit gestempelten 
Reliefs, welches sich nicht vollständig zusammensetzen liess. Der Durch- 
messer beträgt 0,24 M., die Höhe 0,12. Die Reliefs wiederholen die 
Figuren des Mercur und Vulcan, jeden in einer Nische. Zwischen den 
Nischen je ein Baum, über welchem ein Vogel angebracht ist. Unten 
auf dem Boden des Gefasses ist eingeritzt: 




welches nichts anderes sein wird als Cattis ifjec[it. Vgl. Fröhner 
Inscriptiones terrae coctae vasorum. no. 598 ff. 

2) Fragment einer Schale aus rothem Thon, mit dem Stempel 
ATTICI-M Vgl. Fröhner no. 202. 

3) Fragm