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Full text of "Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung"

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ANNALEN DES VEREINS 



FÜR 



NASSAÜISCHE ALTERTUMSKUNDE 



UND 



GESCHICHTSFOESCHUNCt. 



//// ^//. 



ANNALEN DES VEREINS 



FÜR 



NASSAÜISCHE ALTERTÜMSKUNDE 



UND 



GESCHICHTSFORSCHUNG. 



O (? ^ Pf 



ACHTUNDZWANZIGSTER BAND. 
18 9 6. 



MIT ZWEI LITHOORAPHIERTEN TAFELN. 



WIESBADEN. 

VERLAG VON RÜD. BECHTOLD & COMP. 

1896. 



Inlialts-Verzeichnis 

des achtundz w^anzigsten Bandes. 



Seite 
I. Die Herren von Beilstein und Greifenstein. Von Dr. W. Sauer. Mit 

einer Stammtafel und einer Siejjeltafel (I) 1 

II. Kleine Beiträge zur Genealogie des Hauses Nassau. Von Dr. W. Sauer 53 

III. Regierungspräsident Karl von Ibell über die preussische Politik in 

den Jahren 1830 und 1831. Von Dr. C. Spielmann 61 

IV. Das Schloss zu Heftrich. Von Dr. W. Sauer 96 

V. Nassauische Studenten auf Universitäten des Mittelalters. Von Fr. Otto 97 

VI. Die "Wiesbadener Theaterfrage im Jeilire 1848. Von Dr. A. Schroeter 155 

VII. Römische Münzen aus Wiesbaden und Umgegend im Altertums-Museum 

zu Wiesbaden. Von Dr. E. Ritterling . . 181 

VIII. Zwei Gesamtfunde römischer Münzen aus Heddemheim im Museum 

zu Wiesbaden. Von Dr. F. Qu; Hing 245 

IX. Die Pyxis des Wiesbadener Altertums-Museums. Von Otto Donner- ' 
von Richter. Mit einer Tafel (II) 287 

X. Zwei Eberbacher Inschriften. Von Fr. Otto 296 

XI. Das Recht des Bannes Maxsain, saec. XIII. Von Dr. W. Sauer . . . 299 

XII. Zur Gefässkunde der vorrömischen, römischen und fränkischen Zeit in 

den Rheinlanden. Von Dr. Adalbert Schroeter 301 

XIII. Nachträge zu der Abhandlung: .,Die Herren von Beilstein und Greifenstein'', 

S. 1 ff. Von Dr. W. Sauer 303 

XIV. Vereins-Nachrichten. 

Jahresbericht des Sekretärs (vom 1. April 1895 bis zum 31. März 1896) . . 305. 

Darin Vorträge innerhalb des Gesamtvereins: 

1. Vortrag. Florschütz: Bericht über die Generalversammlung der 
deutschen Altertumsvereine in Konstanz, S. 309; Ritterling: Hügel- 
gräber von Langenhain, S. 310. — 2. Vortrag. Pallat: Die im 
Altertums-Museura befindlichen griechischen und italischen Thongefässe, 
S. 312. — 3. Vortrag. Ruppel: Vorgeschichte der "Indogermanen, 
S. 313. — 4. Vortrag. Schroeter: Die Wiesbadener Theaterfrage 
im Jahre 1848, S. 315. — S.Vortrag. Lohr: Römische Bewaffnung, 
S. 316. — 6. Vortrag. Tallat: Aufnahme der Reliefs der Marc-Aurcl- 
Säule, S. 317; Otto: Eberbacher Inschriften, S. 319. — 7. Vortrag. 
Fischbach: Lorelei- und Loren- Mythen und Sagen, S. 319. — 8. Vor- 
trag. Stern: Totenkultus der Egypter, S. 321. — 9. Vortrag, l'allat: 
Auffindung des homerischen Troja, S. 322. 



VI 



Seite 
Vorträge der Historischen Sektion: 

I.Vortrag. Meinardua: Die von Lehmann in Göttingen aufgestellte 
und begründete Auffassung vom Ursprung des Tjähr. Kriegs, S. 323. 
— 2. Vortrag. Panzer: Über den Schmalkaldischen Krieg im Jahre 
1546,8.324. — S.Vortrag. Grimm: Geschichte und Bedeutung des 
Benediktinerklosters Bleidenstatt, S. 325. — 4. Vortrag. Sauer: 
Adel in den Herrschaften Wiesbaden und Idstein, S. 326. — 5. Vor- 
trag. Kolb: Geschichte des Herzogl. Xassauischen Offizierkorps (18U3 
bis 1S66), S. 330. — 6. Vortrag. Otto: Besuch der Universität 
Bologna durch Scholaren aus dem Gebiete des vormaligen Herzogtums 
Nassau, S. 336. — 7. Vortrag. Grimm: Laien-Send, S. 337. — 
8. Vortrag. Otto: 1. Über verschiedene Persönlichkeiten aus Nassau 
am Ende des Mittelalters; 2. Bericht des Freiherrn L. v. Low über 
seinen Besuch bei Goethe, 8. 338. — 9, Vortrag. Kolb: Hundert 
Grabdenkmäler und Epitaphien nassauischer Grafen und Fürsten in 
Wort und Bild, S. 338. — 10. Vortrag. Otto: 1. Gelieimschreiber 
Karl V. Alexander v. Schweis's aus Herborn; 2. Das Buch des Wilh. 
Triphyllodacnus; 3. Erklärungen der Namen „Seeroben, Kohlkorb und 
Leberbcrg"', S. 340. — 11. Vortrag. Meinardus: Wallenstein als 
Landesfürst, S. 341. 
Jahresbericht des Konservators (vom 1. Januar 1895 bis 31. März 1896) . . 343 



Sendungen, die für den Verein bestimmt sind, beliebe man an den Verein, nicht an ein 
einzelnes Mitglied des Vorstandes zu adressieren. 



DRÜCK VON RUD. BKCHTOf-D 4 COMP.. WIKSBADEX. 

BLLHüRl CKERKI i UTHOGR. ANSTALT. 



Die Herren von Beilstein und Greifenstein. 



Von 



Dr. W. Sausr^ 

Küaig'l. Archivrat und Staauarchivar zu Wiesbaden. 

Nebst einer Stammtafel und einer Siegeltafel (Tafel I). 



Südwestlich vou Dillenburg und Herborn, am rechten Ufer der Dill, im 
Gebiete des in die Dill mündenden Rehbachs und der in die Lahn gehenden 
Ulm, dann herübergehend auf das linke Ufer der Dill liegen, ursprünglich ein 
o-pschlossenes Ganze bildend, die Herrschaften Beilstein und Greifenstein; 
in ihrem vollen ursprünglichen Bestände waren sie wohl nicht die unbedeutend- 
sten unseres Heimatlandes. Nicht vollständig ist die Herrschaft Greifenstein 
später dem Hause Nassau eigen geworden ; ein Teil derselben war dem Hause 
Solms frühzeitig zugefallen. So liegt von den Hauptorten der Herrschaft, den 
Burgen Beilstein und Greifenstein, nur erstere innerhalb der Grenzen des 
vormaligen Herzogtums Nassau, während der nahe benachbarte Greifensteia 
selbst frühzeitig in den Besitz eines anderen benachbarten Dynastengeschlechts, 
der Grafen von Solms, gelangte. 

Die Nachrichten über das Geschlecht, welches ursprünglich auf jenen 
Burgen sass und von diesen seine Geschlechtsnamen führte, sind dürftig; das- 
selbe ist in der Mitte des 13. Jahrhunderts ausgestorben. Durch Vererbung 
teils in weiblicher Linie gelangte die Herrschaft Greifenstein, von welcher das 
Haus Nassau damals schon Stücke an sich riss, an die edlen Geschlechter der 
Vögte von Hachenburg und der von Isenburg-Limburg. 

Es soll nicht der Zweck dieser kleinen Untersuchung sein, eine möglichst 
erschöpfende Geschichte des Hauses Greifenstein und seines Gebiets zu geben. 
Vielmehr sollen nur die verschiedenen unter sich in verwandtschaftlicher Be- 
ziehung stehenden Häuser, welche nacheinander durch Vererbung in den Be- 
sitz von Greifenstein gelangten, ermittelt und innerhalb derselben die einzelnen 
Glieder bis zum Erlöschen des Hauses, soweit dies nach dem vorhandenen 
urkundlichen Material noch möglich ist, festgestellt werden. Den Gegenstand 
der Untersuchung bildet demnach die Geschichte 
L der alten Herren von Beilstein, 

IL der Herren von Greifeustein, und zwar, 

1 



a) des alten Hauses Greifenstein, 

b) des Hauses Hachenburg-Greifenstein mit der Fortsetzung Sayn- 
Greifenstein, 

c) des Hauses Iseuburg-Limburg-Greifenstein. 

in. Die Beilagen behandeln einige aus dem Hause hervorgegangene 
Nebengeschlechter, die Vögte von Hachenburg und die aus dem 
Stamme der Walpoden von der Neuerburg hervorgegangenen Ge- 
schlechter. 

I. Die alten Herren von Beilstein. 

Wie bereits bemerkt, liegt die Burg Beilstein, der Sitz dieses Geschlechts, 
südwestlich von Dilleuburg, in geringer Entfernung westlich von der Burg 
Greifenstein.') Dass das Geschlecht, welches sich nach der Burg auf diesem 
Berge nannte, als dem Ministerialenstande angehörig betrachtet wurde, hat 
wohl Arnoldi verschuldet; ihm folgte Wenck in dieser ihn irreführenden 
Angabe. Indessen hat Vogel die dynastische Qualität des Geschlechts er- 
kannt.^) 

Wäre die Überlieferung, dass die Herren von Beilstein zu den edlen 
Geschlechtern zählten, nicht noch in viel späterer Zeit lebendig gewesen, so 
würde das Haus Nassau-Ddlenburg im 14. Jahrhundert schwerlich dazu ge- 
kommen sein, bei Einrichtung der Verwaltung der damals erworbenen, früher 
jenem Geschlechte gehörigen Ortschaften den Namen in der Herrschaft Beil- 
stein wieder aufleben zu lassen. 

In der Zeugenreihe der Stiftungsurkunde des Klosters Schiffeuberg 1129 
erscheint Kraft von Beilstein unter den Edlen als der letzte, hinter Hartrad 
von Merenberg, ebenso wie in der Zeugenreihe des Vertrags von 1226, Feb- 
ruar 24 Rudolf von Beilstein nach dem Rheiugrafen und vor dem dem Stande 
der Edlen angehörigen Petrus de Derne, wodurch er bestimmt als Nobilis er- 
wiesen wird.^) Diese Feststellung ist von Bedeutung für die Geschichte des 
Geschlechts. 

Über die ältere Geschichte der Herren von Beilstein wissen wir nichts. 
Namentlich in Bezug auf den Ursprung desselben müssen wir uns auf eine 
Vermutung beschränken, deren Begründung im folgenden versucht werden soll. 

Von dem Geschlecbte der Herren von Beilstein kennen wir 

1. Krafto I. 

als ältestes, von 1129 — 1141 nachweisbares Glied, den wir Krafto I. nennen 
wollen, aus zwei urkundlichen Erwähnungen. 



') Über die Burgen vergl. Lotz, Baudenkmäler, S. 22. — -') Miscell. S. 208, wo ein in 
den Jahren l.'iHO — 1460 auftretendes Ministeriulengeschleclit nachgewiesen; dieses Geschlecht 
führte einen Kranich im Wappen. Wenck, Hess. Landesgeschichte III, 2S8, 2S9; Vogel, 
Beschreibung S. 727, — Hingegen sieht wieder Conriidy, Annal. XXVI, S. 12:J Note 4; 127 
Note :{ das Uesclilecht als dem niederen Adel angehürig an. — •'; Schannat, Hist. Worniat. II, 
106; Oudenus III, 1U47. 



Als Zeuge erscheint derselbe in der Stiftungsurkuude des Klosters Scliiffen- 
berg 1129 und ebouso 1141 bei einer Schenkung für dasselbe Kloster.*) In 
ersterer l'rkiinde steht er unter den Edlen. Weiteres über ihn ist nicht bekannt. 

2. Krafto IL, 1195—1229 

ist Bürge des Grafen Walram von Nassau in dessen Vertrage mit dem Bistum 
Worms vom 6. Xoveniber llOö.^) Wir künneu ihn ebenso wie Krafto I. als 
zu dem Stande der Nobiles zugehörig betrachten; es liegt kein Grund vor 
ihn mit Conrady") für uiederadelig und als Burgmann zu Nassau anzusehen. 

Aus einer undatierten Aufzeichnung erfahren wir, dass dieser Krafto mit 
seiner Tochter Irmengard dem neugegründeten Kloster Beselich eine Kornrente 
aus seinem Gute in Wilre, Oberweier bei Iladamar, geschenkt hatte, die er 
später mit der gleichen Prästation aus einem Gute zu Yinstere, Finstern- 
Eschenau bei Runkel, welches ihm Yulpert von Amelberg verpfändet hatte, 
vertauschte.') 

Das Geschlecht war somit auch bei Hadamar und Runkel begütert. 

Krafto n. machte die Schenkung an das Kloster cum Jilia siia Innen- 
r/arfh", es lässt sich vermuten, dass diese Schenkung die Aussteuer der Irm- 
gard bei ihrem Eintritte in das Kloster war. Wann diese Schenkung bezw. 
der Umtausch derselben erfolgte, lässt sich nicht feststellen ; vermutlich gegen 
Ende des Lebens Krafto 11. Dieser wird urkundlich zuletzt 1229 erwähnt als 
Zeuge in dem Erbvergleiche der Grafen Hermann und Philipp von Virneburg; 
hier folgt er in der Reihenfolge der Zeugen auf die Grafen von Solms.*) 

Gegen 1230 mag Krafto U. gestorben sein, von ihm und seiner Tochter, 
sowie von Sühnen desselben ist weiter nichts bekannt; wir können annehmen, 
dass dieser Zweig des Geschlechts mit ihm erlosch, 

3. Krafto IIL, 1234. 

Fraglich bleibt es, ob wir einen ungenannten Ritter Krafto, der im Jahre 
1234 im Begriffe, terram sancfam visltare, dem Kloster Seligenstatt eine Mühle 
bei W^iliuowe, Altweilnau, schenkt'), als Krafto III. dem Geschlechte zuzählen 
können, wenn auch manches hierfür zu sprechen scheint. Beziehungen zum 
Kloster Seligenstatt unterhielten später noch die Herren von Greifenstein, welche 
wir als Stammesgenossen und Erben des alten Hauses Beilstein anzusehen 
haben. 

Gehörte dieser miles Krafto dem Geschlechte Beilstein an, so ist er doch 
nicht als ein und dieselbe Person mit Krafto II. zu betrachten. 



*) Oudenus III, 1047, 1051. — ^) Schannat, Ilist. Worraat. Urk. Xo. 9.-), S. 88; 
Kremer, Orig. Nass. 11, 209; Schliephake I, 468 mit falscher Datumsauflösung Novem- 
ber 13; Boo3, Urkundeiibuch von Worms I, No. 96; vergl. Conrady, Annal. XXVI, 123. 
— ") Oonrady, Annal. XXVI, 123 Note 4; 127 Note 3. — ') Ungedruckte Urkunde, vergl. 
Vogel, S. 753, 794. — *) Günther, Cod. dipl. II, Xo. 69; Mittelrh. Urk.-Buch II, No. 382; 
Mittclrh. Rogg. II, No. lOlO. — «) Ungodruckte Urkunde, vergl. Vogel S. S34. 

i* 



Krafto ni. nennt in der eben angezogenen Urkunde von 1234 den von 
Cranixperc seinen avunculus; dies kann rücksichtlich des Alters auf Krafto 11, 
nicht mehr bezogen werden. 

Weitere Nachrichten über diesen Krafto sind nicht bekannt; er wird jen- 
seits des Meeres das Geschick so manches seiner Standesgenossen geteilt haben. 

4. Rudolf, 1226, 

ist der letzte, der uns mit dem Xamen von Beilstein begegnet. 

Über seine Abstammung ist nichts bekannt. Ihn als Sohn Krafto IT. 
anzusehen, ist bedenklich, da wir urkundlich nur dessen Tochter Irmgard kennen. 
Es kann daher vermutet werden, dass er der Sohn eines unbekannten Bruders 
Krafto IL und vielleicht Bruder des eben besprochenen Krafto III. war. 

Urkundlich genannt wird er einmal, als Bürge in dem Vertrage des 
Bischofs Heinrich von Worms mit Ilartrad von Merenberg vom 24. Februar 
1226 wegen des pagus Nentherode, in welchem sein Stammsitz Beilstein lag; 
Hartrad von Merenberg wurde durch diesen Vertrag Lehnsmann des Bischofs 
wegen jenes Teiles der Burg zu Merenberg — quam a Budolfo de Bilstein 
olini conqxi rare rat J°) Rudolf von Beilstein war somit in früheren Jahren Mit- 
herr auf der Burg Merenberg gewesen, deren alleiniger Herr Ilartrad von 
Merenberg durch Ankauf des Besitzes jenes wurde. Vermutlich wird bei Ge- 
legenheit des vor 1226 erfolgten Verkaufes dieses Ganerbenteils alles, was 
Rudolf sonst an Gütern und Rechten in der Herrschaft Merenberg besass, an 
Ilartrad übergegangen sein. 

Mit dem Vorgesagten erschöpft sich, was wir an sicheren Nachrichten 
über das Geschlecht von Beilstein haben. Alle weiteren Fragen, namentlich 
aber die nich dem Ursprünge dos Geschlechts, können nur durch Vermutungen 
beantwortet werden. Bezüglich des Ursprungs des Geschlechts soll eine solche 
Vermutung im nachfolgenden aufgestellt werden, wenn auch im allgemeinen 
das Bedenkliche eines Versuchs, dunkle genealogische Fragen auf einem solchen 
Wege zu lösen, nicht verkannt werden soll, Jedeuftills aber soll dieser Ver- 
such nicht weiter gehen, wie die als unzweifelhaft sicher erkannten Verhältnisse 
es gestatten. Die älteren Genealogen, welche sich mit der Abstammung der 
edlen Geschlechter im Niederlahugau beschäftigten, sind samt und sonders durch 
die irreleitende Absicht, diese Geschlechter um jeden Preis in die Geschlechts- 
tafel des edlen salischen Grafenhauses einzufügen, weit über die Grenzen des 
Erlaubten geführt worden. Besser ist es, wir begnügen uns mit dem wenigen, 
was wir sicher wissen. 

Es ist zunächst zu beachten, dass das Geschlecht nicht, wie angenommen 

wurde, dem nieileren Adel angehört, sondern vielmehr dem Stande der Edlen. 

• Der Besitz desselben, für den wir auch den Namen Herrschaft Beilstein 

einführen wollen, lag in jenem östlichen Teile des Niederlahngaues, der 993 

bis 1008 unter einem Grafen Gerlach stand.") Der Hauptort dieses Teils des 



"') Sohannat, Hist. Worm.it. II, HO. - ") Krenier, Orig. Na.s3. II, 97 ff.; Stumpf, 
^0. 12.50, 124.J, 14yO. 



XieJerlahugaues war NanthorisroJe, Xeutercd; diese Abteilung des Gaues bil- 
dete später den Uutergau Nenterode, den Kaienborger Cent, den Nassau später 
als seine Herrschaft Beilstein organisierte. Durch königliche Schenkung kam 
Nenterod in den Besitz der Bischöfe von Wornis, welche mit der Vogtei über 
den Gau die Herren von Merenberg belehnten. Die Hörigen im Kalenberger 
Cent waren fast sämtlich Eigentum des Bischofs von Worms; was ausserdem 
an nennenswertem Grundbesitz und Eigentum vorhanden war, gehörte den 
Herren von Beilsteiu. Diesen Beilsteioer Besitz schied nur der Kalenberger 
Cent, jener schmale Streifen Wormser Gebiets, der unter der Vogtei der Moren- 
berger stand, von dem Boden der engeren Herrschaft dieses letzteren Geschlechts, 
die möglicherweise erst von jenem Wormser Gebiete abgezweigt war. 

Sollte die Annahme zu gewagt sein, dass die benachbarten Herren von 
Beilstein und von Merenberg Zweige eines und desselben Geschlechts waren? 

Mit einer solchen Vermutung gehen wir einen Schritt weiter wie der 
vorsichtige Vogel, der sich auf die Bemerkung beschränkt''), dass „die Herren 
von Beilstein, welche sich den Dynasten anreihten, mit den von Merenberg in 
Verbindung standen". Vogel hat mit diesen etwas unbestimmten Worten 
gewiss nur seine Ansicht, dass beide Geschlechter eines Stammes seien, an- 
deuten wollen; Gründe hierfür gab er nicht an. 

Über den Ursprung der Herren von Merenberg wissen wir nichts, über 
ihre ältere Geschichte wenig. Um den dunklen Ursprung aufzuklären, haben 
ältere Genealogen sieh in Hypothesen ergangen, denen jedoch jede urkundliche 
Grundlage fehlt. Manchen Anklang fand die von Kremer'^) und Wenck ver- 
tretene Ansicht, dass Hartrad, der Sohn des 1032 genannten Grafen Adelbert 
und Bruder des Erzbischofs Bardo von Mainz, der Ahnherr des Geschlechts 
sei, das Kremer seiner Neigung entsprechend auch an das salische Haus an- 
hängen wollte. Indessen haben Vogel und Stein längst mit Recht betont, 
dass eine Verbindung dieses Hartrad mit dem ältesten urkundhch feststehenden 
Merenberg nicht nachweisbar ist.'*) Die Hypothese ist hiermit beseitigt; be- 
züglich des Ursprungs des Hauses Merenberg kommen wir nicht über Hartrad I., 
der urkundlich 1129 zuerst bezeugt ist'^), hinaus. Das Jahr 1129 ist dasselbe, 
in welchem auch der älteste Herr auf dem Beilstein, Kraft, zuerst erwähnt wird. 

Grössere Macht und Bedeutung wie die von Beilstein, mit welchen sie 
gleichzeitig zuerst auftreten, haben die von Merenberg anfänglich nicht gehabt. 
Ihre kleine Herrschaft war zum grössten Teile Lehen von Diez oder Worms. 
xVuf die Lage der beiden benachbarten Herrschaften im östlichen Teile des 
Nicderlahngaues ist bereits hingewiesen. 

Ausser diesem können wir in zwei Fällen gemeinschaftlichen Besitz der 
Herren von Beilstein und Merenberg im Niederlahngau nachweisen. Gemein- 
schaftlicher Güterbesitz oder gemeinsame Erbfolge in Gütern kann für die hier 
in Betracht kommende Zeit gewiss nicht den unzweifelhaften Beweis für die 



'"') Begehr. S. 7'J7. — '') Kremor, Ori?. \ass. I, ls5; Wenck, Hess. Lamlcsgeschichte 
III, 278. — "i Vogel, Beschr. 247; Stein, König Konrad S. 320; vergl. Drau dt, Forsch- 
ungen zur deutschen Gesch. XXIII, 401. — '•) Gudenus III, 104.3, 



6 

gemeinsame Abstammung von Geschlechtern erbringen, giebt aber immerhin 
einen höchst beachtenswerten Fingerzeig. Die beiden Fälle, welche hier in 
Betracht kommen, erscheinen besonders als solche, welche die Vermutung der 
Stammesgleichheit der Beilsteiner und Merenberger hinlänglich wahrscheinlich 
machen können. 

Zunächst sassen die Beilstein auf dem Schlosse Mereuberg selbst in Gan- 
erbschaft mit den Merenberg. Rudolf von Beilstein verkaufte seinen Anteil 
an dem Schlosse Merenberg vor 1226 au Hartrad IV. von Merenberg.") Wie 
dieses semeinschaftliche Besitzvorhältnis sich bildete, vermögen wir mit Be- 
stimmtheit nicht aufzuklären; die Annahme der Stammesgemeinschaft dürfte 
die einfachste Lösung abgeben. 

Nachfolger des alten Hauses Beilstein, oder, wie sich im folgenden ergeben 
wird, richtiger des Hauses Beilstein-Greifenstein, die Herren von Hachenburg- 
Greifenstein, finden wir noch in späterer Zeit in überraschender Weise im Mit- 
besitz Merenbergischen Stammgutes. Durch Urkunde vom 29. Januar 1267 
verzichten Kraft IV. von Greifeustein und Hartrad V. von Merenberg zusammen 
auf das ihnen vermeintlich zustehende Recht an dem Besthaupt von den Hörigen 
des Stifts Wetzlar.") Auch in diesem Falle würde sich das Rechtsverhältnis 
durch Annahme der gemeinsamen Abstammung beider im Besitz befindlichen 
Geschlechter am einfachsten erklären. 

Eine Seiteulinie des Hauses Beilstein-Greifenstein sind die Dynasten von 
Lichtenstein.'-) Beide Geschlechter, die Merenberg und Lichtenstein, führten 
dieselben Namen ; bei beiden Häusern kommen die Namen Konrad und Witte- 
kind wiederholt vor. 

Eine weitere Stütze für die vermutete gemeinsame Abstammung der 
Häuser Beilstein und Merenberg würde die Gleichheit der Wappen beider geben 
können. Es ist schon vorhin die noch weiter zu erörternde Vermutung aus- 
gesprochen, dass das Haus Beilstein und das alte Haus Greifenstein dieselben 
sind; das Wappen des letzteren Geschlechts kennen wir, es ist dasselbe, wel- 
ches die von diesem Geschlechte abgezweigten Herren von Lichtenstein führten. 
EndUch ist dieses Wappen auf den seit 1255 auftretenden Kraft IV. von 
Greifenstein, aus dem Geschlechte der Herren von Hachenburg-Greifenstein, 
mit der Erbfolge in die Besitzungen des älteren Hauses übergegangen. Dieser 
Krafto IV. Vogt ;von Hacheuburg, welcher seit 1255 auf dem Greifenstein sass, 
hat das Hachenburger Stammwappen, die drei schiägrechts gestellten Rauten, 
aufgegeben und führt von da ab den alten Greifensteiner Schild wie die benach- 
barten Dvnasten von Lichtenstein. 

Hinsichtlich der Erklärung des von den Greifenstein und Lichtenstein im 
Siegel geführten Wappenbildes gehen die Meinungen auseinander. 

Das älteste uns erhaltene Siegel, ein Wappensiegel des Rudolf von 
Greifenstein, hängt an der im Original vorliegenden Urkunde des Genannten 



'«) Schannat, Ilist. Wormat. U, 116; Wenck IIF, 2SS. - >V. Gu-lcnua V, 46; 
Mictelrh. Regg. III, 2239. - '") Vergl. über dieselben Vo-el, Ö. 2Jl. 



vom Juli 1255.") Das Siegel ist abgebildet (anscheinend nach demselben IIolz- 
stock) bei Schaum, Gesch. von Solnis, Taf. IV, Xo. 23; Graf Solms, Geschichte 
des Hauses Soltns, Taf. I, Fig. 2; im „Herold" 1873, No. 3, wo Seyler das- 
selbe bespricht, ohne zu einer sicheren Deutung des Bildes zu gelangen, endlich 
auf dem Titelblatt von Himmelreichs Greifensteiner Chronik und hier Taf. I, 
No. 1. Hiernach ist auch wohl das bei v. Goeckingk, Taf 6 an zweiter 
Stelle gegebene Greifensteiuer Siegel gezeichnet. Auf den ersten Blick zeigt 
das Siegel vier von Kerblinien eingefas^te, mit den Spitzen so gegeneinander 
gestellte Blätter, dass der freie Raum des Schildes ein Kreuz bildet. Dies 
Bild hat verschiedene Deutungen gefunden.'") Ledebur erklärte die Blätter 
für ausgezahnte Windmühlenflügel. Seyler, der neben der berichtigten und 
ergänzten Abbildung des Siegels einen Abguss benutzen konnte, giebt zu, dass 
die Zeichnung die Meinung begründe, der Siegelstecher sei beauftragt gewesen, 
Blätter zu stechen. Hingegen zeige der Abguss mehrfache Fehler und Ab- 
weichungen des Zeichners. „Auf dem Original fehlt die gerippte Schattierung 
der Blätter, hier sind die Distanzen der Blätter regelmässig abgemessen, sie 
treten plastisch hervor und zeigen das Kreuz vertieft, dessen Arme ganz sym- 
metrisch gebildet sind. Ausserdem hat der Zeichner für den Holzstock die 
Beschädigungen des Originals am Rande und in der Umschrift ergänzt." Dass 
dieser Holzstock schon für das Buch von Schaum benutzt ist, sah Seyler 
nicht. Hiernach scheint Seyler, auch wenn er sich nicht bestimmt äussert, 
als das Wappenbild ein Kreuz mit gezackten Rändern anzusehen. Die Mit- 
teilungen über das Siegel bei v. Goeckingk (v. Grass), S. 6 sind nicht ganz genau; 
hier wird es unentschieden gelassen, ob der Schild „Beschläge" oder ein Kreuz 
aufweist. Endlich mag noch die Meinung von Gudenus angeführt werden, 
der ein Reitersiegel Krafts von Greifenstein an der Urkunde von 1283, sowie 
ein gleiches des Widekind von Lichtenstein-'), welches letztere auch mehrfach") 
abgebildet ist, beschreibt; in ersterem Falle ist das Wappenbild ^cnix composita 
ex 4 foliis denticulatis"- ^ im zweiten Falle „4 foUa denficulata posita ad modum 



crucis"" . 



Der Lösung der schwierigen Frage kommen wir wohl am nächsten, wenn 
wir der Ansicht von Seyler beitreten und das Wappenbild als ein etwas schräg 
gestelltes Kreuz mit gekerbten Rändern betrachten. Bei dem von v. Goeckingk 
Taf 10 abgebildeten Lichtensteiner Wappen glaubt man mit voller Deutlichkeit 
einen Schrägen als Wappenbild zu sehen. Wir können hierfür auch die 
Wappen der niederadeligen Geschlechter Mudersbach und Steinbach anführen, 
von denen ersteres vielleicht dem Hause Greifenstein entstammt. Beide führen 
einen an den Rändern gekerbten Schrägen.'') Haben wir vorhin auf Grund 
gemeinschaftlichen Besitzes die Herren von Merenberg und Beilstein-Greifenstein 
als eines Stammes angesehen, so können wir unter vorstehender Annahme be- 
züglich des Greifensteiner Wappens auch die Wappen beider Geschlechter als 

^''i Gudenus II, 122; Mittelrh. Urk.-Buch III, Xo. 1305; vergl. Reinhard, Kl. Aus- 
führun;,'en XIII, 328. — -' j Vgl. Seyler im , Herold- a. a. O. — ^') Gudenus IT, 230, 253. 
- ") Schaum, Taf. IV, Xo. 24; Graf Solms, Taf. I, Fig. 3; .,IIerold'' 1873, Xo. 3. — 
") Bei V. Goeckingk sind die Schilde beider Geschlechter als achtmal geständert bezeichnet 



8 

kongruent ansehen. Die Herren von Merenberg führten in grünem oder blauen 
Felde einen Schrägen, entweder allein — und dies wohl ursprünglich — oder 
später begleitet in jedem Winkel von je einem Kreuzchen oder von je drei 
Kreuzchen oder von je einer vierblätterigen Blüte oder in einem mit stehenden 
oder liegenden Kreuzchen bestreuten Felde. 

Die einfache Grundform dieses Wappens ist vermutlich ein schräg gestelltes 
Kreuz gewesen, von welchem wir in den Wappen der Merenberg und Greifen- 
stein zwei Ableitungen haben, deren von der ursprünglichen Form abweichende 
Gestaltungen die Linien scheiden sollen. Durch Annahme dieser Vermutung ge- 
winnen wir für den zwischen Lahn und Dill belegenen Teil des Niederlahngaues 
ein Dynastengeschlecht, welches sich zunächst in die Aste Beilstein und Meren- 
berg verzweigte. Vielleicht können wir in der Vermutung noch weiter gehen 
und diesem Stamm als weiteren Ast ein drittes, benachbartes Dynastengeschlecht 
angliedern, die etwa seit 1158 nachweisbaren Herren von Runkel. Dies Ge- 
schlecht führte gleichfalls ein Kreuz im Schilde, allerdings ein aufrechtstehendes, 
dies vielleicht zur Andeutung der Scheidung. Zur Unterstützung dieser Hypo- 
these soll nochmals betont werden, dass die Gebiete von Runkel, Merenberg 
und Beilstein aneinanderstossend das Land zwischen Lahn und Dill einnehmen 
und sich unstreitig als Teile eines Ganzen darstellen. Weiter könnte auch 
darauf Gewicht gelegt werden, dass wir die Herren von Runkel und von Greifen- 
stein im Besitz von Weingütern in ein und derselben Gemarkung von Leudes- 
dorf' (Kr. Neuwied) finden, Güter, die sich vermutungsweise als ursprünglicher 
Stammbesitz ansehen lassen. Sifrid H. von Runkel schenkte nach 1200 dem 
Kloster Seligenstatt Weinberge zu Leudesdorf ■*); auf den Besitz der Herren von 
Greifenstein daselbst kommen wir im folgenden zurück. 

Die Stammesgleichheit dieser Geschlechter mag hiernach als Vermutung 
ausgesprochen sein; der strikte Beweis ist freilich, wie nochmals betont werden 
soll, nicht zu erbringen. 

Wir kehren zu Rudolf von Beilstein zurück. 

Die vorhin angeführte urkundliche Erwähnung desselben im Jahre 1226 
ist die einzige, in welcher er unter dem Geschlechtsnamen von Beilstein auf- 
tritt. Da jedoch in jener Zeit ein völliges und spurloses Verschwinden eines 
solchen Geschlechts in der Geschichte nicht wohl denkbar ist, wird es erlaubt 
sein, diesen Rudolf mit dem gleichzeitig auf der Nachbarburg Greifensteiu 
auftretenden Rudolf zu identifizieren, und dies um so mehr, als mit diesem 
Rudolf von Greifenstein die sichere Geschlechtsfolge des Hauses Greifenstein 
beginnt. Vor diesem Rudolf wird in einer Wormser Urkunde von 1160") als 
Zeuge ein Meribodo von Greifenstein erwähnt, von welchem wir nichts mehr 
als den Namen wissen und daher zweifeln müssen, ob wir berechtigt sind, ihn dem 
Geschlecht beizuzählen. Erst mit Rudolf gelangen wir hier auf sicheren Boden. 

Stellen wir die Vermutung auf, dass Rudolf von Beilstein sich seit 1226 
von dem Schlosse Greifensteiu nannte, so haben wir zur Begründung derselben, 
soweit eine solche möglich ist, zunächst auf das in jene Zeit fallende Vordringen 

") Vogel, Archiv f, ÜO. — ") Schaiinat, Hist. Wormat. II, SU; Reinliard, Kl. Au9- 
fiihrunj,'en XIII, 329; Vo^^el S. 249. 



9 

des IIiuisos Xassau in den Erdehegau und den Kalenbergcr Cent zu verweisen. 
Graf Heinrich II. von Nassau war es namentlich, der dort die Besitzungen der 
kleineren Dynasten aufzusaugen suchte. Wenig zwar wissen wir von den 
Kämpfen, unter denen es dem Grafen Heinrich 11. gelang, hier im Lande 
zwischen Lahn und Dill festen Fuss zu fassen; es ist nur bekannt, dass diese 
sich gegen die Herren von Merenberg richteten, die hier der Übermacht der Grafen 
weichen mussten.'^®) Dass die Nachbarn der Herren von Merenberg, die von Beilstein, 
die wahrscheinlich zugleich auch deren Stammesgenoasen waren, nicht in diese 
Kämpfe verwickelt und auch durch die infolge derselben herbeigeführte Änderung 
der Verhältnisse nicht sollten betroffen worden sein, ist nicht denkbar. Bei dem 
durchaus zielbewussten und planmässigeu Vorgehen des Grafen Heinrich mussten 
dessen Stösse sich zuerst gegen die Dynasten von Beilstein richten, deren Land 
örtlich seine Besitzungen zunächst sperrte. Ebensowenig ist es zweifelhaft, dass 
diesem Vorgehen der Erfolg nicht fehlte; die an Macht schwächeren Beilsteiner 
werden ebenso unterlegen sein wie die Merenberg und ihre Niederlage sicher mit dem 
Verluste von Gebiet gebüsst haben. Schon damals wird es Nassau gelungen 
sein, festen Fuss im Beilsteiner Gebiet zu fassen und mit der Verdrängung der 
Herren desselben zu beginnen; schon damals werden die Dynasten von dem 
nunmehr gefährdeten Beilstein auf den abgelegeneren Greifenstein haben zurück- 
w'eichen müssen. Dass es den Grafen von Nassau, später der Linie Nassau- 
Dillenburg gelang, die gegen Beilstein, dann gegen Greifenstein, sowie auch 
deren Nebenlinien, die Herren von Lichtenstein gerichteten Pläne zur Ausführung 
zu bringen, wissen wir aus der Geschichte dieses Geschlechts; wir kommen 
hierauf zurück. Nassau-Dillenburg hat nicht geruht, bis es das Geschlecht auf 
dem Greifenstein vernichtet und dessen Gebiet an sich gerissen hatte, soweit 
nicht dem Nachbarhause Solms ein Anteil an der Beute überlassen werden 
musste. Auf Einzelnes soll hier nicht eingegangen und nur auf die bezeichnende 
Art der Erwerbung von Driedorf, welches die Greifenstein und Lichtenstein 
gemeinschaftlich besassen, hingewiesen werden.'^) Endlich können wir es als 
möglich betrachten, dass auch die kirchlichen Wirren, welche damals in jenem 
Landesteile zwischen Lahn und Dill durch Konrad von Marburg (f 1233) her- 
vorgerufen wurden, und in welche besonders der dortige Adel verwickelt war, 
ein Faktor gewesen sein können, der nachteilige Veränderungen für das bis 
dahin auf dem Beilstein sesshafte Geschlecht zur Folge hatte. Doch auch diese 
Annahme ist lediglich Vermutung. 



II. Die Herren von Greifenstein. 

a) Altes Haus Greifenstein. 

Da wir nach dem Gesagten das ältere Haus Greifenstein als dasselbe mit 
dem Hause Beilstein und als dessen Fortsetzung ansehen, fahren wir in der 
Zusammenstellung der Lebensnachrichten über den uns bereits bekaunt ge- 

^) Vergl. Vogel S. 309; Schliephake I, 443. — ■•) Vogel S. 720. 



10 

wordenen Rudolf von Beilstein, der fortab als Herr von Greifenstein auf- 
tritt, fort. Rudolf, der zuerst 1226 als Herr von Greifenstein genannt wurde, 
kommt urkundlich bis zum Ende des Jahres 1255 vor. Als Rudolfus de Grifen- 
stein erscheint er etwa 1227 in dem im 14. Jahrhundert geschriebenen Berichte 
über die Gründung des Klosters Marienstatt'^), die nicht richtige Namensform 
Ludolfus statt Rudolfus in diesem nicht gleichzeitigen Berichte kann keine 
Bedenken erregen. Rudolf soll 1237 zugleich mit dem Grafen Heinrich von 
Solms der Stadt Wetzlar in der Fehde, welche die Herren von Bicken auf Antrieb 
des Erzbischofs Sifrid H. von Mainz gegen dieselbe führten, beigestanden haben. 
Die Angabe ist den handschriftlichen Arbeiten des grätlich Solmsischen Rent- 
meisters Joh, Hayl zu Braunfels entnommen; dieselbe soll urkundlichen Quellen ent- 
stammen.-') Die Richtigkeit der Angabe muss dahingestellt bleiben. Im Juli 1255 
schenkte er sein Gut zu Niederhusen dem Kloster Altenburg,^") Nach der Urkunde 
erfolgte die Schenkung ^consensu nnirersorum heredum meornm'^ , woraus wir 
abnehmen können, dass Rudolf keine direkten Leibeserben hatte und dass, wenn 
er überhaupt vermählt war, seine Gattin damals nicht mehr am Leben war. 
Wir irren nicht, wenn wir Rudolfs Verwandte und Erben unter den Zeugen 
der Urkunde suchen, nämlich Krafto, des Ausstellers Neffen, Johann den älteren 
von Dernbach, Ludwig von Mudersbach und den miles Eibelo. Endlich wird 
Rudolf selbst hier nobilis und senior de Grifeustein genannt, letzteres wohl in 
Rücksicht auf seinen als Mitherren und Erben auftretenden Neffen Krafto. 

Über das an der Urkunde befindliche Siegel Rudolfs ist vorhin ausführ- 
lich gehandelt. 

In einer weiteren, des Tagesdatums entbehrenden Urkunde von 1255 
gestattete Rudolfus senior de Grifenstein seinem Lehnsmann, dem villicus Ludwig 
zu Wetzlar, seine Lehnsgüter zu Wertdorf an die Brüder von Wertdorf zu 
verkaufen.^') Zeugen des Aktes waren die edlen Herren Werner und Krafto 
von Lichtenstein, des Ausstellers Blutsverwandte, sowie der miles Eibelo. 

Noch einmal, im Dezember 1255, erscheint der nobilis vir Rudolfus de 
Grifßnstcin als Zeuge''^); weitere Nachrichten über ihn liegen nicht vor. Wir 
können annehmen, dass er zu Anfang des folgenden Jahres gestorben ist, und 
zwar, wie schon bemerkt, ohne Kinder oder direkte Leibeserbeu zu hinterlassen. 

Yon Brüdern Rudolfs, die ihn überlebten oder direkte Leibeserben hinter- 
liessen, wissen wir gleichfalls nichts, vielmehr ergeben die Urkunden, dass die 
Besitzunji-en Rudolfs in weiblicher Linie durch seine Schwester vererbten. Mit 



o 



ihm ist also das alte Haus Beilstein-Greifenstein erloschen. 



-") Mittelrh. Urk.-Buch III, No. 34. — -^) Hayl war seit 1567 Rentmeister in Braun- 
fels; 'lie in Frage stehende Arbeit ist abgedruckt von Kuoch in den .,Xacliricliten von den 
alten Grafen von Solms", Marburger Beiträge 1749, die ich nicht einsehen konnte. Hayls 
Angabe wiederholt bei ülmenstein, Gesch. von \Vetzlar I, 11><; Schaum S. 23; Abicht, 
Kreis Wetzlar I, 145 mit dorn Jahre 1327; Vogel S. 250; Himmelreich, Greifensteincr 
Chronik. — 3") Gu<lenu8 II, 122; Mittelrh. Crk.-Buch III, Xo. 1305; vergl. Reinhard, 
Kl. Ausfülirungen XIII, 32S. — ^i) Gudonus II, 121; Mittelrh. Regg. III, No. 1327; vergl 
Reinhard, Kl. Au^tführungon XIII, 331. — '-) Wyss, Hess. Urk.-Buch I, Xo. 134; Mittelrh. 
Regg. III, No. 1247. 



11 

Rudolfs Schwester, die jenen überlebte und an deren Kinder nach dem 
Tüde jener die Herrschaft Greifenstein fiel, war Guda, vermählt mit dem Edel- 
herrn Rorich Yogt von Ilachenburg. 

Das Geschlecht der Yögte von Ilachonburg soll am Schlüsse in einem 
Exkurse besonders behandelt werden. 

Rorich Vogt von Hachenburg war vermutlich der Sohn des Heinrich 
Vofffc von Westerburs:. Mit seiner Gemahlin Guda erheiratete er die Greifen- 
Steiner Güter in und bei Ilachenburg, nahm hiernach seinen Namen an und 
wurde Begründer des Geschlechts der Vögte von Hachenburg. 

Die älteste Nachricht über Guda giebt der Bericht über die Gründung 
des Klosters Marienstatt, nach welchem Guda antiqna advocata soror dominl 
LndoJphi de Grifenstein den Mönchen ein Oratorium an der grossen Nister an 
der Stelle baute, wo der Abt Hermann den blühenden Hagedorustrauch fand.") 
Da der Klosterbau au der grossen Nister im Jahre 1227 von den Mönchen 
bezogen wurde, mag auch der Bau des Oratoriums in diesem Jahre begonnen 
sein. Weshalb dieser im 14. Jahrhundert verfasste Bericht die Guda y^antiqua 
adiocata"- nennt, ist nicht recht ersichtlich; am nächsten liegt die Erklärung, 
dass sie in dem Jahre, in welchem sie den Cisterziensern diese Schenkung 
machte, Witwe war, vielleicht auch geworden war. Mit dieser letzteren An- 
gabe stimmt es sehr gut, wenn Roriciis advocatus de Hachenburg^ der Guda 
Gemahl, in einer nicht mit Tagesdatum versehenen Urkunde von 1227 zuletzt 
genannt wird.^*) Wir können dann seinen Todestag nach der Eintragung im Nekro- 
logiura des Klosters Marienstatt zum 24. Februar: ^ohiit Roricus minor advocatus 
et Gilda uxor siia. Dedeninf nohis duas ciirias'^ auf den 24. Februar 1228 
setzen. Diese Angabe des Nekrologiums ersetzt auch den fehlenden urkund- 
lichen Beleg für die Ehe zwischen Rorich von Hachenburg und Guda von 
Greifenstein. 

Über Rorich, auf welchen wir in dem Exkurse über die Vögte von 
Hachenburg zurückkommen, wissen wir ausserordentlich wenig. Er wird als 
Nobilis bezeichnet und mit dem Beinamen parvus, parvus advocatus in Marien- 
statter Urkunden von 1215, April 25, 1215, Juni 25 und 1222, Februar 27 
genannt."') Nicht genauer kennen wir den weiteren Lebenslauf seiner Gemahlin 
Guda. Nur eine urkundliche Erwähnung derselben liegt noch vor vom 
7. Februar 1270^®) (1260 Kölner Rechnung), von da ab fehlt jede weitere 
Kunde. Als ihren Todestag kennen wir den 8. September aus der Eintragung 
im Marienstatter Nekrolog zu diesem Tage: „O^üV Guda quondani advocata de 
Hachenhurrj que legavit nohis anmiatim amam vini in Ludesdorf ad agoiduni 
anniversarium eius^ Mit aller Wahrscheinlichkeit können wir also den 8. Sep- 
tember 1270 als den Todestag der damals gewiss hochbetagten Frau ansehen. 
Mit ihr erlosch das Geschlecht Beilstein-Greifenstein auch in der weiblichen 
Descendenz. 



33) Mittelrh. Urk.-Buch III, Xo. :34; vorgl. Lotz, Baudenkmäler S. 309. — '^') Unje- 
druckte Urkunde. — ^') Ungedruckte Urkunde; Mittclrli. Urk.-Burli III, Xo. '.V-\, 1^1. — 
3^) Ungedruckte Urkunde. 



12 

Nach dieser Eintragung verfügte Gada zu Gunsten des Klosters über 
Gefälle und Güter des Geschlechts zu Leudesdorf. Vermutlich sind mit diesen 
Gütern nicht Stammgüter der Vögte von Hachenburg, sondern solche des Ge- 
schlechts von Greifenstein gemein*-; dieselben werden uns im folgenden noch 
öfters begegnen. Schon vorhin ist versucht worden, die Annahme der Stammes- 
gemeinschaft der Groifenstein und Runkel auch darauf zu stützen, dass wir 
letztere um 1200 im Besitze von Gütern zu Leudesdcrf finden. 

Aus der eben angeführten, noch ungedruekten Urkunde von 1270, Februar 7 
lernen wir die an diesem Tage noch lebenden Söhne aus der Ehe Rorichs von 
Hachenburg und der Guda kennen. Es Urkunden nämlich daselbst domhia 
Gilda adrocatlssa in Hachenburg et ßUi ipsius Hcnricus advocatus et Crafto 
dominus de Grißnstein. Söhne beider waren somit: 

1. Heinrich Vogt von Hachenburg, 

der uns mit seiner Gemahlin Irms-ard urkundlich seit 1244 bekannt ist. Wir 
kommen auf ihn in dem Exkurse über die Vögte von Hachenburg zurück. 

2. Krafto IV. von Greifenstein, 

der bereits 1255 seinem kinderlosen Oheim Rudolf von Greifenstein in des- 
sen Besitzungen gefolgt und dessen Geschlechtsuamen und Wappen ange- 
nommen hatte. Mit ihm beginnt das jüngere Haus Greifenstein, das Haus Hachen- 
burg-Greifenstein. Da wir uns mit seinem Leben eingehender zu beschäftigen 
haben, sollen der Übersicht halber zunächst die weiteren Geschwister dieser 
Brüder, soweit dies aus den Urkunden möglich, aufgeführt werden. Dass die 
Brüder Heinrich und Kraft noch mehrere Brüder und Schwestern hatten, ersehen 
wir zunächst aus einer Eintragung in das Marienstatter Nekrologium, wo es 
zum 31. Oktober heisst: „Ifein in vigilia Omniuni Sanctorum erit )nenioria Hey- 
denrici annigeri et Guda coniugum, domini Crajf'tonis de Gnjfenstein eiiisqne 
fratrum et sororuni et Conradl de Hei/ger et eins fratruni et soformn, de 
quibua hahenius diniidiani carratam vini in Lndesdorf. Dominus ablas dabit 
ipso die sex solidos conventiii ad consolacionem.^ 

Da die für diese Memorie bestimmte Prästation auf Gütern zu Leudes- 
dorf ruht, können wir nicht zweifeln, dass wir in dieser Eintragung die 
Greifensteiner Verwandtschaft in der Zeit nach dem, wie sich ergeben wird, 
etwa 1283 erfolgten Tode Kraftos IV. von Greifenstein zum Teil vor uns haben. 

Es werden im Nekrologium genannt : 

a) der armiger Heydenrich, vermutlich ein Dernbach, und dessen Frau 
Guda, über deren verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Greifen- 
steiü eine Vermutung nicht zulässig ist ; 

b) Krafto von Greifenstein, als welchen wir nur den hier in Rede 
stehenden Krafto IV. ansehen können; 

c) Konrad von Haiger mit Geschwistern, Über die Art der Ver- 
wandtschaft Konrads von Ilaiger mit den Greifenstein, für die mehr- 
fache anderweitige urkundliche Andeutungen vorliegen, lässt sich 



13 

eine sichere Vermutaug nicht begründen. Dass er Schwager Krafts IV. 
durch eine nicht bekannte Schwester desselben war, scheint ausge- 
schlossen. 

Nach dieser Eintragung hatte Kraft also Brüder und Schwestern, von wel- 
chen wir bereits Heinrich kennen ; wie viele sonst vorhanden waren, ist nicht zu 
ermitteln. Urkundlich erscheint ein nicht mit Vornamen genannter frater ad- 
vocati de Hachenhur(/') 1248, Juni 27; diesen für identisch mit Kraft IV. zu 
halten, liegt ein zwingender Grund nicht vor. 

Aus der Ehe des Rorich und der Guda von Hachenburg müssen dann 
ausser den genannten Söhnen mehrere Töchter hervorgegangen sein, da die vorhin 
mitgeteilte Eintragung des Marienstatter Nekrologiums zum 31. Oktober aus- 
drücklich sorores nennt. Die Ermittelung dieser Schwestern und die Losung 
der sich hieran knüpfenden genealogischen Fragen bleibt, da nur wenige ur- 
kundliche Nachrichten vorliegen, immerhin unsicher. Zu diesen Schwestern 
dürfte zunächst zu rechnen sein Elisabeth de Grifiustein, welche urkundlich 
1276 als Kellerin im Kloster Seligenstatt erscheint.'*) Die Einordnung der 
Elisabeth an dieser Stelle der Stammtafel ist allerdings wegen des von ihr ge- 
führten Namens Greifenstein nicht unbedenklich, doch ist in der folgenden Ge- 
neration des Hauses kein Platz für sie, da sie als Kellerin des Klosters (1276) 
schon bejahrt gewesen sein muss. 

Nach dem, wie sich ergeben wird, um 1283 erfolgten Tode Kraftos IV. 
finden wir, beginnend wiederum mit einem Krafto, als Herren von Greifensteiu 
ein bis 1408 weiter zu verfolgendes Geschlecht, welches das Wappen der Herren 
von Isenburg-Limburg, die zwei Querbalken, aber mit einem Turnierkragen 
als Beizeichen, im Schilde führen. Diese bisher von den Genealogen 
nicht ermittelte Succession eines jüngeren Zweiges des Hauses 
Isenburg-Limburg erklären wir am leichtesten aus der Ehe der N., einer 
Tochter des Rorich und der Guda von Hachenburg, mit einem Gliede dieses 
Hauses. Weder diese Tochter, noch deren Gemahl ist uns namentlich bekannt; 
als letzterer darf wohl Ger lach von Isenburg, der einmal im Jahre 1267 
urkundlich erscheint, dessen Person aber sonst in Dunkel gehüllt ist, angesehen 
werden. Diese Annahme würde das Zurücktreten dieses Gerlach aus der Ge- 
schichte des Hauses Limburg genügend aufklären. 

Die nähere Untersuchung dieser Frage mag ihren Platz bei der folgen- 
den Darlegung der Geschichte der Linie Isenburg-Greifenstein finden. Wir 
kehren zur Linie Hachenburg -Greifenstein zurück, zunächst zu 

Krafto IV. von Hachenburg-Greifenstein (1255 — ?). Den Beweis 
dafür, dass Krafto Sohn des Rorich Vogt von Hachenburg und der Guda von 
Greifenstein sowie jüngerer Bruder des Heinrich Vogt von Hachenburg war, 
haben wir schon im vorstehenden, namentlich aus den Urkunden von 1261 
und 1270, Februar 7, auf welche wir auch im folgenden zurückkommen, er- 
bracht. Ebenso ist schon gesagt, dass er seinem kinderlosen Oheim Rudolf 



■j Mittelrli. Urk.-Kucli III, No. 9ü4. — ^'') Vogel, Arcliiv für Kirelicngeschichte I, 81, 



14 

von GreifeDsteia im Besitze der Herrschaft Greifenstein folgte ; es scheint, dass 
der alte Rudolf seinem Xetfen und Erben frühzeitig den Mitbesitz von Greifen- 
stein eingeräumt hat. Der Erbe führte dann statt seines Hachenburger Stamm- 
wappens das Wappen seines Oheims, das Greifensteiner Kreuz. 

Krafto IV, wird zuerst genannt im Juli 1253 in der Urkunde seines 
Oheims Rudolf senior de Gritinstein für Kloster Altenburg als Crafto nejws 
nieus; er bezeugt hier dessen Schenkung an das Kloster.") Xei^os ist hier 
nicht in Bedeutung von Enkel, sondern von Geschwisterkind, Schwestersohn zu 
nehmen. 

Es ist dies das letzte urkundlich bekannte Auftreten Rudolfs; derselbe 
wird, wie wir bereits ausführten, bald darauf ohne Hinterlassung von Erben 
gestorben und Kraft in der Herrschaft gefolgt sein. Im Oktober 12G0 war 
er Zeuge iu der Einuug der Stadt Wetzlar.*") Zusammen mit seinem Bruder 
Heinrich Vogt von Ilachenburg verkaufte er im Januar 1261 dem Kloster 
Marienstatt Güter.*') Bürge für Siegfried von Wcsterburg in dessen Yer- 
fleiche mit dem Grafen Heinrich von Diez war er 1263, Juni 17.*^) Am 27. 
Dezember 1263 besiegelte er eine Urkunde des Ritters Bernard von Dernbach ; 
das hier erhaltene Bruchstück seines Siegels lässt mit Bestimmtheit erkennen, 
dass er das Siegel seines Oheims, das Kreuz von Greifeustein führte.") Mit 
der ausdrücklichen Bezeichnung als dominus und nohilis war er 1266, Januar 30 
Zeuge in der Urkunde des Marquard von Lunysbach.**) Am 29. Januar 1267 
verzichten er und Hartrad von Merenberg auf ihr vermeintliches Recht auf 
das Besthaupt der Hörigen des Stifts zu Wetzlar; von der Urkunde ist vorhin 
bei Erörterung der Frage der Stammesgemeinschaft der Häuser Merenberg 
und Greifenstein bereits Anwendung gemacht.**) Wie ebenfalls bereits erwähnt, 
urkundete er 1270, Februar 7 zugleich mit seiner Mutter Guda und seinem 
Bruder Heinrich Vogt von Hachenburg.'^) Am 13. September 1270 findet er 
sich unter den Vermittlern der Erbteilung zwischen Siegfried V. von Wester- 
burg und Heinrich I. von Runkel.'') Als Zeuge in einer Urkunde des Stifts 
Keppel ist er 1274, Oktober 22 angeführt.*') Ebenso findet er sich in dem 
Vertrage des Deutschordenshauses zu Sachsenhausen mit Heinrich von Herlis- 
heim wegen Langgüns 1282, März 6.*') Und endlich erscheint er als Zeuge 
in der Verzichturkunde der Herren von Haiger auf Byhl im März 1283; auf 
seinem an die Urkunde gehängten Reitersiegel zeigt der Schild das Greifen- 
steiner Kreuz.") 

Diese Erwähnung Krafts IV. ist die letzte, bald darauf muss er ge- 
storben sein. Am 27. Oktober 1283 belehnt Graf Ludwig von Ziegenhain den 



=•») Gudenus IT, 122; Mittelrh. Urk.-Buch IH, No. l;^ÜÖ. — ^'0 Gudenus V, 46; 
Mittelrh. Regg. III, 1649; vergl. Hess. Archiv III, 2, S. 10. — ") Ungedruckte Urkunde. — 
*») Hammersteinsches Urkundenbuch No. 116. — ") Ungedruokte Urkunde. — '*) Wyas, 
Hess. Urk.-Buch I, No. 220. - '") Gudenus V, 46; Mittelrli. Regg. III, No. 2239; .Herold'- 
LH73, No. ;5. — *") Ungedruckte Urkunde. — '^) Lehmann, Westerburg 21; Schliephake 
II, 19.3. — *") Philippi, Siegener Urk.-Buch No. 4;{. — '") Baur, Hess. Urk.-Buch I, 2:i6. 
— *") Gudenus II, 2:50 (cnix compoüta ex 4 foUis denticulatis) ; vergl. „Herold'* ls7:{, 
No. ■',. Dieses Siegel wurde bereits vorbin besproelien. 



15 

Ritter Rupert von Buches mit Gütern zu Rodinbach , quae nlim hahchat 
Crnfto de Grißnstcbv''); als Gruud der Erledigung dieses Lehens können wir 
den Tod des bisherigen luhabers annehmen. Genauer können wir den Todes- 
tag nicht bestimmen; es kann derselbe mit Wahrscheinlichkeit in den Herbst 1283 
gesetzt werden, wenn auch der 31. Oktober, zu welchem die Eintragung Kraftos 
in das Marieustatter Nekrologium erfolgt ist, nicht gerade als solcher anzu- 
sehen ist, da ausserdem die Memorien seiner Geschwister und anderer Ver- 
wandten auf denselben Tag gesetzt sind. Wir haben in dieser Eintragung, 
die im Wortlaute vorhin mitgeteilt wurde, die KuUektivmemorie der ganzen 
Anverwandtschaft vor uns. 

Eine Gemahlin oder Kinder Kraftos werden in dieser Eintragung nicht 
erwähnt. Nehmen wir hierzu die weitere Thatsache, dass auch in keiner der 
von Krafto ausgestellten Urkunden dessen Gemahlin oder Kinder genannt werden, 
so können wir annehmen, dass er uuvermahlt geblieben und als solcher 
gestorben ist. 

Mithin erlosch mit seinem Tode die von ihm begründete ältere Linie 
Ilachenburg-Greifenstein. 

b) Das Haus Hachenburg-Greifenstein mit der Fortsetzung 

Sayn-Greifenstein. 

In dem von v. Grass herrührenden Artikel „Greifenstein" bei v. Goeckingk, 
Nass. Adel, S. 11, heisst es: „Später, zu Anfang des 14. Jahrhunderts, wes- 
halb ist mir unbekannt, nahmen die Herren von Greifenstein ein anderes 
Wappen an, nämlich in einem mit Lilien bestreuten Felde drei schrägrechts 
gestellte Rauten". Das Siegel ist daselbst Taf. 6, No. 9 abgebildet. 

Dass dies nicht zu Anfang des 14. Jahrhunderts geschehen ist, auch die 
Beschreibung des Schildes nicht ganz zutrifft, wird sich gleich zeigen. Hier 
handelt es sich zunächst um die Klarlegung des von v. Grass nicht ermittel- 
ten Grundes des von ihm angenommenen Wappenwechsels. Ein eigentlicher 
Wappenwechsel liegt jedoch in diesem Falle nicht vor; ein solcher erfolgte 
allerdings, wie wir sahen, als der kinderlose Rudolf von Greifensteiu seinen 
Neffen Krafto, den Sohn seines Schwagers Rorich von Hachenburg, als Mit- 
besitzer und Nachfolger auf den Greifenstein nahm. Krafto von Hachenburg 
, nahm damals mit dem Namen Greifenstein auch den Greifensteiner Schild mit 
dem gekerbten Kreuz an. 

Anders lag die Erbfolge bei dem Tode dieses gleichfalls kinderlosen 
Krafto IV. von Greifenstein ; hier folgten im Besitz der Herrschaft die nächsten 
lebenden erbfolgeberechtigten Verwandten und zwar, soweit ersichtlich, ein 
Vetter und eine Schwester des Verstorbenen. Beide, die letztere mit ihrem 
Manne, sassen seit dem Tode Krafts IV. in Ganerbschaft auf dem Greifen- 
steiu und bildeten hier das sich in zwei Stämme teilende Haus Hachenburg- 
Greifenstein — unter Beibehaltung ihrer beiderseitigen Stammwappen. 



^') (jrudenua II, 2:54. Die Belehnung wiederholte Graf öotfrid von Ziegenliain 1287, 
April IS; Uudeuus IV, 900. 



16 

Als die ältere dieser Linien betrachten wir die den Mannesstamm des 
Geschlechts von Hachenburg weiterführende, die der 

Herren von Hacheuburg-Greifenstein, 

welcher alle diejenigen Glieder des Geschlechts zuzuzählen sind, welche den 
Rautenschild führten. 

Als ältestes Glied dieses Stammes kennen wir : 

1. Kraft 0, aus einer urkundlichen Erwähnung*-) von 1281 mciise Norenibrij 
in welcher der gleich zu besprechende Gerhard I. als ^olim Craftoms ßlius"' 
bezeichnet wird. Ob bereits er oder erst nach seinem Tode sein Sohn und 
dieser gleichfalls noch zu Lebzeiten Kraftos IV. in den Mitbesitz von Greifen- 
stein gelangte, ist nicht zu ermitteln, doch dürfte die letztere Annahme die 
wahrscheinlichere sein. 

Es folgt dieser Sohn 

2. Gerhard L, 1281 — ?, tot 1325, der ebenfalls in dieser Urkunde zum 
erstenmale erwähnt wird ; er vergleicht sich hier zugleich mit den Brüdern 
Kraft V. und Rorich, deren consanytdtieus er genannt wird, mit dem Stifts- 
kapitel zu Bonn wegen der Güter im Kirchspiel Kroppach, welche das Stift 
von dem Hause Greifenstein erhalten hatte. 

In diese Zeit wird ein für die Geschichte des Hauses folgenschweres 
Ereignis, eine angeblich um 1280 erfolgte erste Zerstörung der Burg Greifen- 
stein gesetzt. Im nachfolgenden, bei der Geschichte Krafts V., soll dieser Vor- 
gang besprochen und deshalb hier nur bemerkt werden, dass gegen die Richtig- 
keit dieser Annahme begründete Zweifel bestehen. 

Wiederum mit den Vettern Kraft V. und Rorich gab Gerhard I. durch 
Urkunde von 1287, November 13 die lehnsherrliche Zustimmung zu dem Ver- 
kaufe eines Gutes zu Streithausen an das Kloster Marienstatt.") An der Ur- 
kunde hängt das dreieckige Siegel Gerhards, das älteste erhaltene dieser Linie; 
dasselbe zeigt in einem mit Lilien bestreuten Schilde die drei schrägrechts ge- 
stellten Rauten.**) Es ist dies dasselbe Wappen, welches sein Vetter Heinrich 
Vogt von Hachenburg und zweifellos auch sein Vater Kraft führten, obwohl 
letzteres in Ermangelung eines Abdruckes nicht zu erweisen ist. 

Gerhard I, führte somit das Stammwappen der Vögte von Hachenburg. 
Wenn sein Vetter Heinrich im oberen Teile des durch die Rautenreihe ge- 
teilten Schildes drei, im unteren zwei, im ganzen also fünf Lilien im Schilde 
führte, Gerhard I. jedoch im oberen Teile des Schildes vier, im unteren sieben, 
im ganzen also elf Lilien, so wird diese Vermehrung der Beizeichen wohl nur 
den Zweck gehabt haben, die Unterscheidung der Linien zu erleichtern. 

Gerhard verglich sich 1291 (1290), Januar 25 wiederum gemeinsciiaftlich 
mit den Vettern Kraft V. und Rorich von Greifenstein mit den Grafen von 



^'^) Ungedruckte Urkunde. — '''^) Ungedruckte Urkunde, bei Vogel S. 2.50, 693 und 
hiernach „Herold" 187:{, S. 48 irrig mit dem Jahre 1297. — ''*; Abbildung bei v. Goeckingk, 
Taf. t;, No. 9, sowie hier Tuf. I, No. :{. 



17 

Nassau-Dillenburg wegen Driedorf ; Kraft, mit Rorich, seinem Bruder, der Aus- 
steller des Vergleichs, bezeichnet hier Gerhard als ^utiser «gJe""); dieser er- 
scheint in der Reihenfolge als der letzte, da die Vettern Kraft und Rorich, 
wie wir sehen werden, durch Geburt höheren Rang wie er hatten. Im Jahre 
1291 besiegelte Gerhard I. den Revers seines Vetters Rorich, als dieser den 
Herren von Falkenstein seine Burg Greifenstein — - d. h. seinen Teil an der- 
selben — öffnete.^'') Aus einer Urkunde von 1294, Mai 3 lernen wir seine 
Gemahlin Agnes kennen; beide überlassen an diesem Tage dem edlen Manne 
Gerhard von Blaukenheim ihre Güter zu Bewingen (Kr. Dann) und begleichen 
alle Streitigkeiten mit demselben.") Etwa 1302 führte Agnes zugleich mit dem 
Edelherrn Johann von Dollendorf Klage gegen den Erzbischof von Köln wegen 
der Herrschaft Xeuerburg.^') Die Agnes betreffende Stelle der Klage lautet : 
„Ich Agnes Gerardis wif von Grifensteyn, eyu gerechte erve zu Nurberg, 
clagen, dat min herre der erchebischcf von Colne mich antweldich inde inervet 
des huses van Nurberg inde lant inde lüde inde man inde dinstman inde eich- 
gen inde erve inde alles des zu der herscafh van Nurberg gehört.** Agnes 
von Greifenstein bezeichnet sich hier als rechtmässige Erbin, was doch wohl 
als Miterbin zu verstehen ist, der Herrschaft Neuerburg "^), welche damals mit 
Lucie von Neuerburg, der Erbtochter Friedrichs von der Neuerburg und Covern, 
an den Edelherrn Johann von Dollendorf übergegangen war. Johann von 
Dollendorf ist in dem vorstehend bezeichneten Schriftstücke zugleich mit und 
neben Agnes Kläger gegen den Erzbischof wegen der Herrschaft Neuerburg. 
Sichere Anhaltspunkte zur Ermittelung der Abstammung der Agnes bieten 
auch diese Angaben nicht, doch können wir wohl die Vermutung aufstellen, 
dass sie einer nicht weiter bekannten Linie des Hauses Neuerburg angehörte 
und als solche neben ihrer Stammesverwandten Lucia, des Johann von Dollen- 
dorf Frau, als Miterbin der Herrschaft nach dem Tode des letzteren Besitzers, 
des Friedrich von der Neuerburg, auftrat. Eine weitere Aufklärung der Sache 
lassen die bisher bekannten Urkunden wohl nicht zu.*") 

Aus der Ehe beider ging, wie hier vorweg bemerkt werden soll, ein Sohn, 
Gerhard, hervor; über ihn folgt das Nähere. 

Mit den übrigen Gliedern seines Geschlechts suchte er, wohl gegen die. 
Dillenburger Grafen, wie wir sehen werden, Rückhalt bei dem Könige Adolf; 
1297, Dezember 5 verpflichtete er sich zu Niedeck mit seinem Vetter Krafto, 
die Burg Greifenstein aus dem kölnischen Lehnsverbande zu lösen und vom König 



^^) Reinhard, Kl, Ausführungen XIII, 327; Arnoldi I, 77; Vogel, Annalen I, 2, 
2U ff.; Philipp! Xo. 58; „Herold" 1873, No. 36. — "") Sauer, Xas8. Urk.-Buch I, Xo. 1132. 
— *^) Original in Koblenz, vergl. Mittelrh. Regg. IV, Xo. 2281. "Weitere mir freundlichst 
mitgeteilte Urkunden des Staatsarchivs zu Koblenz aus dem Jahre 1307 betreffen Streitigkeiten 
zwischen den von Dollendorf und Blankenheini, ein weiteres Anzeichen für die verwandtschaft- 
lichen Beziehungen zwischen Agnes von Greifenstein und Johann von Dollendorf. — =*) Klage- 
schrift Johanns von Dollendorf und der Agnes von Greifenstein, Staatsarchiv Düsseldorf. — 
^^) Herrschaft Neuerburg, Kr. Bidburg, Eifel; vergl. Eltester bei Simon, Gesch. von 
Isenburg II, 114. — '^"i Auch Fahne, Salm-Reifferseheid I, 2, S. 30, s. v. Dollemlorf, giebt 
keinen Aufschluss. 



18 

Adolf als (nassauisches) Lehen zu nehraen.*^') Der Lehnsvertrag wurde wegen 
des bald darauf erfolgten Todes des Königs Adolfs wohl nicht perfekt; wenigstens 
konnte er nicht verhindern, düss die Burg Greifenstein um 1298 von den Grafen 
vonNassau-Dilleuburg und Solms gebrochen wurde.") Hierdurch ging der Stamm- 
sitz des Geschlechts verloren; Gerhard und seine Angehörigen werden fortab 
ihren Wohnsitz auf einer kleineren, ihnen verbliebenen Burg gewählt haben. 

Gerhardus nobilis de Grifenstein, Agnes uxor und beider Sohn Gerhard 
verzichten 1300, November 11 auf alles Gut, welches der Aussteller Eltern 
dem Kloster Marienstatt verkauft hatten, mit Ausnahme des Hofes Yvelberg. 
An der Urkunde hängt wohlerhalten das schon beschriebene Siegel Gerhards L; 
Agnes und Gerhard der jüngere erklären, kein Siegel zu haben.*^^) 

In derselben Zeit, in den Jahren 1300 und 1302, wird Agnes, die Gattin 
Gerhards L, zugleich mit Kraft V. von Greifenstein in mehreren den Streit des 
Königs Albrecht und der Grafen von JüUch und von der Mark mit dem Erz- 
bischofe Wikbold von Köln betreffenden Urkunden genannt.^*) 

Gerhard I. begegnet uns erst wieder nach einem längeren Zeiträume. In 
der mit der Jahreszahl 1316 versehenen, nach Trierer Rechnung von 1317, 
Januar 22 zu datierenden Urkunde verkaufen Gerhard I. von Greifenstein, 
Agnes, seine Frau und beider Sohn Gerhard dem Grafen Emicho von Nassau- 
Dillenburg alles Gut, was sie und ihre Eltern von altersher in Stadt und 
Kirchspiel Driedorf besessen haben, nämlich ihren Teil an Stadt und Gericht 
Driedorf, am Kirchspiel, am Zoll und an der Mühle, an den Vogtleuten, dem 
Yo-J-thafer und den Fastnachtshühnern und alle Gefälle, mit Ausnahme ihrer 
Mannen und des Mannguts, was diese zu Lehen haben, ferner mit Ausnahme 
der ihnen ausschliesslich verbliebenen Leute, ihres Zehnten und ihres Sonder- 
guts, welches sie ausnehmen und behalten wollen, für 250 Mark. Unter den 
Zeugen finden wir Christian von Seibach und Ludwig von Mudersbach, unter 
den Mitsieglern Simon von Kempenich und Reynard von Westerburg — ohne 
Zweifel Verwandte der Greifenstein, wenn auch die Art der Verwandtschaft 
nicht zu ermitteln. — Das an der Urkunde hängende, vorhin beschriebene 
Siegel Gerhards I. ist besonders schön erhalten.'^') 

Arnoldi'^'') stützt auf den Umstand, dass Gerhard L nach dem Jahre 1317 
nicht mehr erwähnt wird, die Vermutung, dass er um diese Zeit gestorben sei. 
Sicher ist, dass er im Jahre 1325, als Graf Engelbert von Sayn die Greifen- 
steiner Lehen erhielt, nicht mehr am Leben war. Der Tag seines Todes ist 
nach der Eintragung im Nekrologium des Klosters Marienstatt zum 23. Mai: 
j,ohiit Geranhis de Gri/fenstein q/d henefecit nohls'^ auf diesen Tag zu setzen. 

Bezüglich seiner Gemahlin Agnes ist bereits die Vermutung ausgesprochen, 
dass sie dem Geschlechte der Herren von der Neuerburg angehörte. Das Wonige, 
welches die Urkunden über sie ergeben, ist im vorstehenden angegeben. 



«'; Ficker, Überreste des Reichsarrhivs, No. 24; Schliephake ITT, :{0:{; Mlttelrh. 
Regg. IV, liCSS. — '■■•^) V'ergl. Schliephake a. a. O. — '■^j Ungedruckte Urkun<le. — "') Diese 
Urkunden «lud von Lacomblet nicht aufgenoniinen. Gütige Mitteilung de^ Herrn Geheimen 
Archivrats Dr. lliirlcs«. — ''■'•) ArnoLli i, '.»:!; Ahidit, Kreis W.'t/.lar, S. KC; „Herold" 
lsT:i, S. IS; ohen S. !(!. — '•") Arnoidi 1, 2-'0. 



19 

Als Solm Gerhards I. und der Agnes kennen wir Gerhard 11., 1300 bis 
1317. Erwähnt wird derselbe zuerst in der vorhin angeführten Urkunde seiner 
Eltern für Kloster Marienstatt von 1300, November 11. Als Gerhard der 
jüngere bezeichnet genehmigt er 1317, Januar 22 den von seinen Eltern vor- 
genommenen Verkauf ihres Teiles von Driedorf an den Grafen Eniicho von 
Nassau, Wegen Mangels eines Siegels konnte er keine dieser beiden Urkunden 
besiegeln. Weitere Nachrichten über ihn haben wir nicht; auch er muss 1325, 
als Graf Engelbert in den Lehen des Geschlechts folgte, verstorben gewesen 
sein. Mit ihm erlosch diese Linie des Hauses, zugleich also auch das Geschlecht 
der Vögte von Ilachenburg, im Mannesstarame. Dass die äusseren Verhältnisse 
dieser Linie der Greifensteiner keine glänzende mehr waren, dürfen wir wohl 
aus dem auffallenden Umstände abnehmen, dass Urkunden von ihnen kaum 
vorliegen. Gerhard IL Gemahlin ist nicht bekannt; er hinterliess eine Tochter 
Agnes, die wir 1325 vermählt mit dem Grafen Engelbert von Sayn finden; 
der aus der Ehe entsprossene Sohn Johann von Sayn, auf den wir zurück- 
kommen, scheint das einzige Kind beider gewesen zu sein. Graf Engelbert 
von Sayn verglich sich am 3. Mai d. J. wegen der Worrasischen Afterlehen 
mit dem Grafen Johann von Nassau-Dillenburg; Graf Johann belehnte ihn mit 
Zustimmung seines Bruders Heinrich zu Mannlehen nach Wormser Lehnsrecht 
mit den Lehen in der Grafschaft Diez und Solms, die der verstorbene edle 
Mann Gerhard von Greifenstein zu Lehen getragen hatte, nämlich dem Kirchen- 
satz zu Schupbach, einem Drittel des Zehntens zu Schuwen, einem Viertel des 
Zehntens zu Holzhausen, der Hälfte des Zehntens und einem Hofe zu Buben- 
berge, wogegen Engelbert zu Gunsten des Grafen auf die Leute im Kalenberger 
Cent und in der Herborner Mark verzichtete und Burgmann zu Beilstein wurde; 
das Wittumsrecht an diesen Lehen wurde Engelberts Gattin, der „enkilu" des 
vorgenannten Gerhard (L) von Greifenstein, gesichert.") Graf Engelbert und 
seine Gattin Agnes belehnten 1332 den Romanus von Cramberg mit den Zehnten 
zu Schupbach und Holzhausen unter Genehmigung des Bischofs von Worms.**) 
Nachdem Graf Engelbert, der kein guter Wirtschafter gewesen zu sein scheint, 
im Jahre 1336 verstorben, schritt seine Witwe — wann, ist nicht zu ersehen 
— zur zweiten Ehe. Am 26. Juli 1354 erhob Agnes von Greifenstein, des 
Engelbrecht von Sayn Witwe, unter dem Siegel ihres Gemahls Ailf Protest 
gegen die Verpfändungen, welche ihr erster Mann ohne ihr Wissen und Willen 
mit ihrem väterlichen Erbe vorgenommen hatte'*); sie erklärte, nie zugegen 
gewesen zu sein, als ihr väterliches Erbe verkauft wurde, auch nicht um Rat 
gefragt zu sein oder ihr Siegel an eine Urkunde gehängt zu haben. Das an- 
gehängte Siegel dieses zweiten Gemahls Adolf liegt nur in einer Zeichnung 

vor; dasselbe zeigt einen Maueranker, Umschrift: S. Ad Oclerhusin; 

die Angabe Arnoldis'"), dass er Adolf von Oclerhausen geheissen, stützt sich 
hierauf. Agnes war 1363 noch am Leben"); weiteres wissen wir von ihr nicht. 

") Ungedruckte Urkunde; vergl. Arnoldi I, 223; Philippi Xo. 166. — ''') Reck, 
Isenburg S. 101. — "'•') Das Original der ungedruckten Urkunde wird sioh im Königl. Haus- 
arehiv im Haag befinden. — "") Arnoldi, MiscelL, s. v. (J reifenstein, — "^ Günther, Cod. 
dipl. III, Xo. 4;).3. 



20 

Des Grafen Engelbert Sohn, Johann von Sayn-Greifenstein, 1363 
bis 1395, der letzte des Geschlechts, ist vorhin schon erwähnt worden. Die 
Zeit seiner Geburt ist nicht bekannt, wir können dieselbe nur nach dem Todes- 
jahre seines Vaters Engelbert 1336 ungefähr ansetzen. Johann von Sayn- 
Greifenstein tritt urkundlich zuerst im Jahre 1363 auf; es werden in diesem 
Jahre genannt „frauvre Marie von Dollendoif, Stiefmutter des Grafen Salentin 
von Sayn-Wittgcnstein, frauwe Agnese von Grifensteiu, Johann von Grifensteins 
müder".'-) Der „Junker von Grifenstein", also Johann von Sayn, belehnte 
1383, März 30 Volpracht Liczilkolbe mit dem Zehnten zu Bergheim, wie seine 
Eltern ihn von des Junkers Vorfahren zu Lehen getragen."^) „Junker Johann 
von Sayn, den man nennt Grifenstein" verpfändete Heinrich von Grindauwe am 
8. Februar 1387 zu Wiesbaden seine Hörigen zu Sayn, Wied und Homburg.'*) 
Am 6. September 1395 verkaufte er dem Grafen Johann von Nassau-Dillenburg 
seine Anrechte an Burg und Herrschaft Greifenstein, wozu Bischof Eckhard 
von Worms am 8. September d. J. seine Genehmigung erteilte."') Mit diesem 
Akte, der die Rechte des Hauses Xassau-DiDenburg an einem Teile der Herr- 
schaft Greifenstein abschliessend sicherte, verschwindet dieser letzte Sprosse 
dieser Linie für uns aus der Geschichte. 

Hiermit haben wir die Linie Hachenburg- Greifenstein in der Descendenz 
Gerhards L bis zu ihrem Aufgehen in das Haus Sayn und ihrem Erlöschen mit 
dem Grafen Johann von Sayn-Greifenstein gegen das Jahr 1400 verfolgt. 

Zur Ergänzung dieser Zusammenstellung sei bemerkt, dass bereits 
Allmenröder die Aufstellung dieser „Hachenburger Linie", wie er sie nennt, 
versucht hat'^), doch kennt derselbe nur 

a) die Guda, des Rorich Vogt von Hachenburg Gemahlin, 

b) die den Verkauf des Guts zu Streithausen betreffende Urkunde, 
' welche er nach Vogel mit dem unrichtigen Jahre 1297 statt 1287 

anführt, 

c) einen Robert von Greifenstein, der jedoch, wie sich ergeben wird, 
dieser Linie nicht angehörte. 

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts treffen wir noch vier Glieder des Hauses, 
von denen eines sich durch sein Siegel als der Linie Hachenburg angehörig 
erweist. Bei den anderen ist die Zugehörigkeit zu dieser Linie nicht erweisbar, 
aber auch nicht bestreitbar. Bei der Lage der Sache und nach allen Um- 
ständen dürfte es aber das Richtige sein, auch diese Greifensteiner dem Hachen- 
burger Stamme anzuschliessen und überhaupt alle als Geschwister Gerhards I. 
anzusehen. 

Es sind dies 

3. Philipp von Greifenstein, 1297 — 1306, Domkanonikus zu Köln. 
Derselbe erscheint inl'rkunden des Kölner Domkapitels von 1297, 1299, 1302; 



•■2) Günther, Co.l. -lipl. III, No. 4;t.-). — ") Un^edruckte Urkunde. — "*) Ungedruckte 
rrki.nde. — ") Unf,'edruckte Urkunde; vergl. Arnoldi I, 2-'3; Ileldmann, Zeitschr. des 
Vorfii.s für Hossisdio (ieacliidite XX, :{To giebt den ö. Septeml.er an. — ''■} Im ..Herold" 
1S7:J, S. 18. 



21 

aa der Urkiiade von 1290 ist sola Siegel erhalten. Dasselbe zeigt den Ilachen- 
burger Rautenschild; oberhalb und unterhalb der llautenrcihe je drei Lilien; 
Umschrift: S. Philippi de Grifensteyn.") Durch dieses Wappen ist seine Zu- 
gehörigkeit zum Stamme Ilachenburg erwiesen. Am 29. April 1306 war er 
Zeuge bei der Stiftung des Kullcgiatstifts zu Düsseldorf.'^) Im Xekrolo^'iuni 
des Kölner Domstifts ist sein Todestag nicht eingetragen.'") 

4. Christian von Greifenstein, 1297 — 1305. Derselbe befand sich 
in den genannten Jahren im Streite mit dem Stifte S. Simeon zu Trier, dessen 
Weiuvorräte zu Höningen er raubte. Erzbischof Boemund von Trier schritt 
deshalb gegen ihn ein.'") Am 2. Dezember 1305 war er Zeuge in der Ehc- 
beredung zwischen Bruno IV. von Isenburg-Wied und der Gräfin Heilwig von 
Katzenelnbogen.") Weitere Nachrichten über ihn liegen nicht vor. Seinen Todes- 
tag verzeichnet das Nekrologium von Marienstatt zum 23. Januar mit der Ein- 
tragung: Ohiit CrisiiaiiNS nohilis de Gryßnstein qni mxlffnn farorabilis firif 
nohis. Yon einer Nachkommenschaft Christians ist nichts bekannt. 

5. Wigand von Greifenstein, 1299 — 1328, elfter Abt des Klosters 
Marienstatt — oriundus de Grifensteiu."^) Wann seine Amtsführung begann 
oder mit seinem Tode endete, ist nicht festzustellen. Als Abt nennen ihn die 
Urkunden des Klosters von 1299, Juni 28, 1309, 1312, 1317, 1321, 1327, 
August 2-2, 1328, August 5. Am 6. April 1337 erklären die Ritter Johann 
und Manegold von Mudersbach, Wigand von Mudersbach, Wigand Kornigel, 
dessen Bruder Eckart, Eberhard von Haiger und Heinrich, Conrads Sohn — 
die wir wohl als des Abts Geschlechtsgenossen, Verwandte und Erben anzu- 
sehen haben — dass die Güter zu Oberrod, Sunnenbach, Guntersdorf, Dapurch 
und Herborn Eigentum des Klosters Marienstatt aus der Erbschaft des Abtes 
Wigand seien.") 

Endlich wird 

6. Gertrudis de Gryffinstein , 1311, Juli 26 als Nonne zu Yilich 
genannt.^*) 

c) Haus Isenburg-Greifenstein. 

Yon diesem etwa um 1408 erloschenen Stamme des Hauses Greifonstein 
ist im vorstehenden schon kurz die Rede gewesen. Für die älteren Forscher 
war es in der That schwer, zu der Feststellung dieses Stammes zu gelangen; 
es ist dies keinem möglich gewesen. Die einzige bis vor kurzem bekannte Ur- 
kunde, welche sich auf diesen Stamm bezieht, genügte nicht, den Sachverhalt 
erkennen zu lassen. Es ist dies eine Urkunde von 1340, November 5, durch 
welche die Brüder Eberhard, Herr zu Liraburg und dessen Bruder Kraft auf 



") Vergl. die Abbildung Taf. I, Xo. 4. — '"; Lacomblet III, Xo. :{;»; Hammerstein- 
sches Urk.-Buch Xo. 219. — "^j Mitteilung des Herrn Geheimen Archivrats Dr. Harloss. — 
^") Goerz, Regg. der Trierer Erzbischöfe, S. 60; Mittelrh. Regg. IV, Xo. 2672, 2735; Hammer- 
steinsches Crk.-Buch Xo. 184. — ^M Fischer, Geschlechtsregister, ürk. Xo. 174, S. 206; 
Simon II, .S3. — '-') Marienstatter Relation, Mittelrli. L'rk.-Bu-h HI, Xo. ?A. - " Unge- 
druckte Urkunden. — ^') Lacomblet III, Xo. lO'.i. 



22 

alle Ansprüche, welche sie bisher an die Herrschaft Greifenstein hatten, zu 
Gunsten von Xassau-Dilleuburg verzichten und dem Grafen dieserhalb gegen 
ihren Xeffen von Greifenstein — dieser wird leider nicht mit Namen genannt 
— beistehen zu wollen erklären.*') Arnoldi. der die ihm des Inhaltes wegen 
auffallige Urkunde abdruckte, beschränkte sich ohne Erfolg darauf, die Per- 
sonalien beider Limburger und den Rechtsgrund der von ihnen auf 
das Greifensteiner Gut erhobenen Ansprüche zu ermitteln. Beides 
ist ihm nicht gelungen. Die Frage, wie die Brüder Eberhard und Kraft 
in den Stammbaum des Hauses Isenburg-Limburg einzuordnen sind, die Ar- 
noldi zunächst erörtert, kann bei der vorliegenden Untersuchung unberücksich- 
tigt bleiben. Bei Beantwortung der zweiten Frage, auf welchen Grund diese 
Limburger ihre Rechtsansprüche an Greifenstein gestützt haben können, hilft 
Arnoldi sich mit der Annahme, diese Ansprüche hätten sich auf das Erbgut 
ihrer Mutter bezogen; als solche sieht er dann eine Grätin von Diez an, weil 
die Grafen von Diez in der Herrschaft Greifenstein begütert gewesen seien. 
Dieser durchaus willkürlichen Hypothese Arnoldis steht kein Beweismittel 
zur Seite; es wird von Arnoldi auch nicht erläutert, weshalb die Limburger 
hier ein angebliches Erbgut ihrer Mutter als Eigentum ihres Neffen von Greifen- 
stein bezeichnen, x^rnoldi hat durch seine Hypothese die Frage nicht gelöst. 

Der neueste Forscher Hillebrand'*) ist hier über Arnoldis Ergebnisse 
nicht hinausgekommen und steht noch auf dessen Standpunkte, aber wie es 
scheint, widerwillig und nur gezwungen durch Mangel an urkundlichen Nach- 
richten. Es geniert ihn hier besonders, dass der „wichtigste Teil des Solms- 
ischen Archivs verbrannt ist." Der scharfsinnige Forscher wäre hier doch 
wohl auf die richtige Spur gekommen, wenn er die Bemerkung von Seyler 
über das Siegel Krafts von Greifenstein an einer Urkunde von 1301, Oktober 29 
gekannt hätte.*') Freilich hat auch Seyler selbst es unterlassen, hier aus 
seiner Angabe, dass dieser Kraft nicht mehr den Greifensteiner Schild, sondern 
zwei Querbalken, bedeckt mit dem Turnierkragen, im Wappen führe, die nahe- 
liegenden Folgerungen zu ziehen; er beschränkt sich auf die kurze Beschreibung 
dieses Siegels. 

Das von Kraft von Greifenstein geführte Siegel, von welchem eine 
grössere Zahl von Abdrücken erhalten ist, zeigt in der That das von Seyler 
angegebene Wappen, zwei Querbalken, von einem fünflatzigen Tur- 
nierkragen bedeckt; es ist das Wappen des Hauses Isenburg-Lim- 
burg und zwar, wie der Turnierkragen anzeigt, einer Nebenlinie des- 
selben. 

Hierdurch erhalten wir eine andere und völlig zufriedenstellende Erklärung 
dafür, dass die Herren von Limburg 1340 den von Greifenstein ihren Neffen 
nannten. 



") Arnoldi, Histor. Denkwürdigkeiten, S. 95; Philippi, Siegener Urk. -Buch Xo. 236, 
wo der Druck bei Arnoldi nicht verzeichnet ist. — **) Hillebrand, Zur Cieschichte der 
Herrschftft Limburg; Programm des Gymnasiums zu Iladamar ls'.)2 !>.'{, S. 12. — ") .jllerold" 
1S73, S. 36. Die von Allmenrüder aus dem Wetzlarer Sfadtarchive im Regest zuerst mit- 
geteilte Crkunde jetzt auch bei Reimer, Hess. Urk.-ßuch II, 2, Xo. 8. 



23 

Die Liuie des Hauses Groifenstoiu, welcher dieser Kraft und die weiteren, 
noch zu besprechenden Glieder angehörten, stellt sich somit als eine Linie 
des Hauses Ise uburg-Liraburg dar; die Liuie ist begründet durch 
•die Ehe eines Isenburg -Lim bürg mit einer dem Namen nach nicht 
bekannten Tochter des Rorich Vogt von Hachenburg und der Guda 
von Greifenstein. 

Dieser Annahme, dass diese Linie Greifenstein aus dem Hause Iseuburg- 
Limburg hervorgegangen, widerspricht anscheinend eine in Farben ausgeführte 
Zeichnung des Wappens der Greifenstein in dem sogenannten Yasallenbuche 
der Stadt Köln. Die Nachbildung ist nur mit der Bezeichnung „Gritfenstein" 
versehen, doch kann wohl nur das Wappen Krafts von Greifenstein gemeint 
sein. Der Schild des Wappens hat zwei rote Querbalken in Silber, als Helm- 
schmuck zwei silberne Greifenköpfe mit roten Ohren.^') Sind die Farben durch 
den Wappenmaler richtig angegeben, so müsste Kraft der jüngeren Liuie Isen- 
burg, der sogenannten Niederisenburger Linie angehören, da die ältere Linie, 
somit auch das Haus Limburg, zwei schwarze Querbalken führte. Indessen 
ist die Darstellung nicht als zuverlässig anzusehen, wenn auch für die Zeich- 
nung des Schildes ein Siegel Krafts im Stadtarchiv als Vorlage gedient haben 
wird. Das Vasallenbuch gehört frühestens dem 16. Jahrhunderfc an; der 
Wappenmaler wird damals, dreihundert Jahre nach Krafts Lebenszeit, schwer- 
lich gewusst haben, welcher Linie des Hauses Isenburg derselbe angehört hat; 
er wählte bei Kolorierung des Schildes die ihm zufällig bekannten Isenburger 
Farben und geriet hierbei auf die unrichtigen. Der Helmschmuck ist höchst 
verdächtig, eine Vorlage für denselben hat der Maler nicht gehabt, sondern 
ihn zweifellos frei erfunden und mit den durch die Heraldik geforderten Far- 
ben versehen. Hier ist die Abbildung ein Werk des 16. Jahrhunderts. Nach 
allem diesem kann die Abbildung uns in unserer Meinung nicht wankend 
machen. 

Kraft V, und Rorich von Isenburg-Greifenstein nennen Gerhard L, das 
Haupt der Linie Hachenburg-Greifenstein, ihren „cocsanguineus" und „neben"; 
wir folgern auch hieraus die nahe Stammesverwandtschaft. 

Dass ein Isenburg-Limburg als Vater Kraftos anzusehen, scheint nach 
Lage der Sache zweifellos. Über die Person desselben fehlt jede urkundliche 
Nachricht, aber nach unserer jetzigen Kenntnis dieses Hauses kaun überhaupt 
nur einer in Frage kommen, Ger lach, Sohn Gerlach I. und der Grätin Ima- 
gina von Blieskastel. 

Dieser Gerlach von Isenburg ist fast allen älteren Forschern völlig un- 
bekannt geblieben, erst Hillebrand hat einige wenige Nachrichten über den- 
selben zusammenstellen können.*') Urkundlich erwähnt wird er in den Jahren 
1267 und 1273; in diesen Jahren soll er Lehnsmann des Herzogs (Johann) 
von Brabant geworden sein.^") Hillebrand bezeichnet es als auffallend, dass 



^^) Xach Mitteilungen des Herrn EJ. Rosenkrantz, sowie des .Stadtarchivs Köln. — 
^') Programm des Gymnasiums zu Iladamar is;»2 93, S. 11, No. 5. — '">) Butkens, Tropheeg 
de Brabant; Urüäner S. 16; Hillebrand a. a. 0. 



24 

er in der Bestimmung seines Vaters Gerlach I. von 1279, Juli 4 über die 
Yerteiluug des Nachlasses und in dem Vertrage Gerlachs I. mit der Stadt 
Limburg von 1279, Oktober 17 neben seinen Brüdern Johann und Heinrich 
nicht genannt wird, sowie auch, dass bei Verleihung der weiblichen Erbfolge' 
in die Reichslehen durch König Rudolf 1285 dieses Recht nur Gerlach I., dessen 
Sohn Johann und dessen Descendenz erteilt wird. Für alles dieses sucht 
Hillebrand die Erklärung durch die Annahme, dass Gerlach vor dem Erlass 
der ErbordnuDg vom 4. Juli 1279 und zwar kinderlos verstorben war. Erstere 
Annahme mag richtig sein, der zweiten aber, dass Gerlach kinderlos gestorben 
sei, brauchen wir nicht beizutreten. Wir linden eine andere Lösung, wenn 
wir berücksichtigen, dass Gerlach durch seine Erbfolge in der Herrschaft 
Greifenstein und als Herr von Greifenstein von der unmittelbaren Verbindung 
mit seinem Stammhause losgelöst war und erbrechrliche Ansprüche an den 
Besitz desselben doch erst in letzter Linie geltend zu machen hatte. Erwägen 
wir dies, so sind wir auch wohl nicht gezwungen, seinen Tod vor den Erlass 
der Erbordnung vom 4. Juli 1279 anzusetzen; der vom Stamme abgeteilte 
Herr von Greifenstein kam hier nicht mehr in Betracht, 

Da wir über dieses Gerlach Gattin, deren Namen wir nicht einmal wissen, 
ebensowenig unterrichtet sind, bleibt nichts anderes übrig, als diese unter den 
Schwestern Krafts IV., über die das Marienstatter Nekrologium zum 31. Oktober 
berichtet"), zu suchen und sie als Tochter des Rorich Vogt von Hachenburg 
und der Guda von Greifenstein anzusehen. 

Da Kraft IV. von Greifenstein keine direkten Erben besass, werden diese 
beiden. Gerlach von Limburg und Gattin, zugleich mit Gerhard I. von Greifen- 
stein, dem Vetter Krafts IV. und der Gemahlin dieses Gerlach von Limburg, 
oder deren Descendenz, mit diesen zur Ganerbschaft und Erbfolge auf Greifen- 
stein gelangt sein. Als Kinder dieses Gerlach von Limburg und der N. von 
Hachenburg-Greifenstein kennen wir urkundlich die Brüder Krafto und Rorich 
von Greifenstein. 

1. Kraft V. von Isenburg-Limburg-Greifenstein, 1284 — 1326. 
Bevor wir uns der Darstellung des sehr bewegten Lebens dieses Kraft zuwenden, 
haben wir eines schon vorhin bei Gerhard I. berührten Ereignisses zu gedenken, 
einer angeblichen, um 1280 angesetzten ersten Zerstörung des Schlosses Greifen- 
stein, der im Jahre 1298 die zweite endgiltige folgte. 

Die um 1280 erfolgte Zerstörung wird von allen Forschern, welche die 
Geschichte der Greifensteiner behandelt haben, angenommen — oder richtiger 
von dem einen dem andern nachgeschrieben; die Belege hierfür zusammenzu- 
stellen, können wir uns füglich ersparen. Nur Arnoldi scheint von Zweifeln 
nicht ganz frei gewesen zu sein; er berichtet zwar das Ereignis, bemerkt jedoch 
vorsichtig, dass Quellenbelege für die Richtigkeit desselben fehlen.'-) Ich glaube, 
dass wir hier weiter wie Arnoldi gehen und die Zerstörung des Schlosses 1280 
mit ruhigem Gewissen aus der Geschichte der Greifensteincr streichen können. 
Quelle dieser Erzählung ist lediglich die von Knoch veröffentlichte Solmsische 



•") Ver-1. oben S. 12. - ■"') Arnoldi I, 82, 219. 



25 

Genealogie des Sulmsischcn Sekretärs M. Jijhann Ilayl aus Speyer'''); dessea 
Erzählung ist, wie bemerkt, bis jetzt von Fall zu Fall abgeschrieben worden.") 

Selbst Abicht, dessen Buch sonst im gauzen brauchbar ist, findet kein 
Bedenken darin, dem Johann Hayl nachzuerzählen'^), dass die Grafen Otto von 
Nassau und Heinrich von Solms 1280 Greifenstein angegriffen und zerstört 
hätten, weil die Greifensteiner in dem Kampfe der Könige Adolf und Albrecht 
auf des letzteren Seite getreten seien. Es bedarf hier keiner weiteren Unter- 
suchung, um zu erkennen, dass Hayl, wenn er aus Versehen das Jahr 12S0 wirk- 
lich angiebt'"), doch nur das spätere Ereignis meint. Und mit dieser einen, iin 
Jahre 1293 erfolgten Zerstörung des Schlosses können wir uns fortab begnügen. 
Zur Unterstützung dieser Ansicht können wir uns ausserdem auf die Limburger 
Chronik beziehen, die nur eine gegen das Ende des 13. Jahrhunderts erfolgte 
Zerstörung kennt, wenngleich diese Angabe nicht ausschliesslich beweisend ist.*') 

Wir dürfen also annehmen, dass Kraft V. von Greifensteia und seine 
Geschwister, namentlich sein Bruder Rorioh, nach ihres Vaters Tode in den 
ungeschmälerten Besitz von Schloss und Herrschaft Greifenstein, den sie mit 
ihren uns schon bekannten Ganerben teilten, eingetreten sind. Um welches 
Jahr dies geschah, wissen wir nicht. 

Kraft V., dessen Geburt wir vor das Jahr 1260 ansetzen können, begegnet 
uns zum erstenmale 1284, Februar 5 als Zeuge in einer Urkunde des Klosters 
Thron."') Am 30. Dezember 1286 ist er Zeuge für Wittekind von Lichtensteiu 
bei dem Verkaufe von Daubhausen."') Mit seinem Bruder Rorich bürgte er 
1287, Januar 28 für Eberhard und Johann von Haiger; er besiegelte die Ur- 
kunde auch für seinen Bruder."*") Am 13. November d. J. stellte er mit seinem 
Bruder Rorich und seinem Stamraesvetter die in vorstehendem schon mehrfach 
besprochene Urkunde'"') für das Kloster Marienstatt aus. Die Urkunde ist die 
älteste, an der ein Abdruck des Siegels Krafts, leider ein sehr beschädigter, 
erhalten ist. Das Bruchstück lässt jedoch erkennen, dass der gebrauchte Stempel 
dreieckig war; von dem Schilde ist soviel erhalten, dass zwei Querbalken deut- 
lich sichtbar hervortreten; von der Umschrift erhalten: . . . aft e Gr 

Dass Kraft von den für den Mittel- und Niederrhein so bedeutsamen Vor- 
gängen des Jahres 1288 nicht unberührt blieb und namentlich am 5. Juni des 
Jahres bei Worringen mitfocht, können wir, auch wenn kein Quellenbeleg hier- 
für vorliegt, unbedenklich annehmen. Ebenso können wir annehmen, dass er 
mit seinen Burgmännern bei Worringen auf der Seite der Gegner des Erz- 
bischofs stand; seine Beziehungen zum Grafen Walram von Jülich und später 
zur Stadt Köln machen dies zweifellos. Am 11. Dezember 1288 war er auf 



"') Knoch, Ungedruckte Nachrichten von den alten Grafen von Solms etc., in den 
Marburger Beiträgen 1749, I, S. 40. Über den Verfasser Joh. Hayl vergl. Ulmenstein, 
Gesch. von Wetzlar I, 118. — ^*) Auch Schliephake ist hier zu nennen. — "*~i Kreis Wetz- 
lar, S. 105. — '■'") Hayls Handschrift im Archive zu Braunfels habe ich nicht eingesehen. Eine 
andere, gleichfalls bedenkliche Angabe Hayls wird unten besprochen. — ^') Limburger Chron., 
edd. Wys8, S. 77. — «*) Xass. Urk.-Buch I, Xo. 1022. - '^) Gudenus II, 253. — ""') Wyssi 
Hess. Urk.-Buch I, 469. — "") Ungedruckte Urkunde; Vogel S. 693 und Allraenröder, 
, Herold- 1873, No. 3 fal>ch mit 1297. 



26 

der Burg Zülpich — in ca.<fro Tulpntrnsi — zugogon, wie Ritter Everhard 
von Haiger, sein Burgmann zu Greifenstein, den Hof zu Aumenau (bei Runkel) 
zu Lehen auftrug, er besiegelte die Urkunde."") Am 25. Januar 1290 schloss 
Kraft V., mit ihm sein Bruder Rorich und Gerhard y,unse (d. h. des Ausstellers 
Kraft) nehe'^ mit den Grafen Heinrich I. und Emich von Nassau-Dillenburg zu 
Wetzlar den für die Geschichte seines Hauses so bedeutsamen Vertrag wegen 
DrieJorf."'^) Der Vertrag kennzeichnet den nicht mehr aufzuhaltenden Zusammen- 
bruch der Machtstellung des kleinen Dynastengeschlechts; nur mit Mühe konnte 
es sich durch diesen Vertrag noch Rechte in seinem alten Besitztum sichern, 
dessen sein mächtigerer Nachbar zur Sicherung seiner Grenzen bedurfte. Aus- 
steller dieser schon vorhin kurz besprochenen l.'rkunde sind Kraft, sein Sohn 
Rorich und sein „nebe" Gerhard I. von Hachenburg-Greifenstein; hieraus haben 
wir schon vorhin entnommen, dass beide, Kraft und Gerhard Blutsverwandte, dass 
Gerhards Vater und Krafts Mutter eines Stammes waren. Aus dem Inhalte 
des durch Ludwig von Isenburg und die Städte Frankfurt, Friedberg, Wetzlar 
und Geluhausen zur Beilegung des bisher wegen Driedorfs geführten Krieges 
und der Streitigkeiten abgeschlossenen Vertrages heben wir zur Ergänzung des 
vorhin gegebenen Auszuges folgende Bestimmungen als die wichtigsten heraus: 

1. Die Stadt Driedorf, die Mühle und den See dabei sollen beide Teile, Nassau 
und Greifenstein, fortab gemeinsam besitzen und einen gemeinsamen Vogt setzen, 

2. die Grafen von Nassau sollen kein Recht an der Mühle zu Habichsdorf 
haben, sie sollen die beiden Burgen, welche sie zu Driedorf gebaut, abbrechen 
und keine von beiden Parteien soll dort furtab gegen die andere eine Burg 
bauen, 3. ausserhalb der Stadt Driedorf soll der bisherige Rechtszustand bleiben, 
4. die bis dahin dort sesshaften Bürger bleiben; Zuzug von Hörigen erfolgt 
fortab nur mit Zustimmung der Herren, 5. Burgmänner sollen dort nur mit 
gegenseitiger Zustiranmng gesetzt werden, 6. das Besthaupt in der Stadt er- 
halten wie bisher die Greifenstein. Burgmänner und Gesinde sollen Niemanden 
darum beklagen, als vor der beiderseitigen Herrschaft, wenn dies not, 7. die 
Bürger sollen weder Zoll noch Ungeld geben, 8. wenn der Graf von Nassau 
oder umgekehrt der von Greifenstein mehr Leute dort hat, wie der andere, so 
soll gegenseitig ausgewechselt werden, bis jeder zu seinem Halbteil gekommen 
ist; will ein ausgewechselter Mann zu seinem Herrn wieder abfahren, so mag 
er es thuen, der Wechsel ist hierdurch annulliert, 9. bei etwaiger Fehde 
zwischen beiden Häusern soll Driedorf und die Einwohner neutral sein, 10. hat 
der Graf von Nassau allein Fehde, so darf er sich aus Driedorf wehren und 
darf herein; wollen die Greifensteiner dem Cregner des Grafen hierbei helfen, 
so dürfen sie dies nicht aus Driedorf, sondern nur aus ihren anderen Häusern 
— und ebenso umgekehrt, 11. zur Beilegung etwaiger Streitigkeiten soll ein 
aus vier Rittern bestehendes Schiedsgericht bestellt werden, für welches jede 



»"*) Kremer, Akadem. Beiträge, giebt die Urkunde III, 69 irrig mit dem Jahre 1208, 
welches von Vogel ö. LTjO, 706 übernommen ist; besser Laoombiet 11, N.J2, woselbst das 
Datum richtig gestellt ist; Mittelrli. Regg. IV, No. 1599. - "^ Über den nocii ungedruoktea 
Vertrag vorgl. Reinhard, Kl. Ausführungen XIII, :527 ; Arnoldi 1,77; IMiilippi, Siegener 
Urk.-Buch No. J8. 



27 

Partei zwei wälilt. Den Vertrag besiegelten Graf Ileiniicli von Nassau, Kraft 
von Greifenstein, Graf Adolf von Nassau und die genannten Städte."') 

Dies ist in Kürze der Inhalt des Vertrages. Dass bei Abschluss des- 
selben auch die Staramesvettern von Lichtenstein von Nassau die Nieder- 
rcissung der beiden Burgen zu Driedorf gefordert haben, wie Allin enröder'"') 
sagt, finde ich in dem Vertrage nicht. Im Anschluss au diesen Vertrag be- 
kunden die Städte Frankfurt, Friedberg und Wetzlar am 20. April 1290 die 
Loslassungen der beiderseits bei den vorhergehenden Fehden gemachten Ge- 
fangenen und der Kompensierung der gegenseitigen Braudschatzungen.'"") 

Dieser Wetzlarer Vertrag, welcher dem Hause Nassau-Dillenburg unter 
Garantie mächtiger Herren und namentlich vier mächtiger Reichsstädte Rechte 
im Greifensteiuer Gebiet gesichert hatte, die alhnählich zur Unterdrückung 
der alten Herren führen mussten, wird unserem Kraft den Aufenthalt auf dem 
Greifenstein verleidet haben. Ausserdem mag sein abenteuerlicher, fehde- 
lustiger Charakter mit dahin gewirkt haben, dass er dem unsicher gewordenen 
Besitztume, an welches ihn keine Familientraditionen banden, bald den Rücken 
wandte und in die weite Welt zog, anderwärts sein Glück versuchend. Er 
wandte sich dem Niederrhein zu, die Verbindung mit dem Grafen von Jülich 
und der Stadt Köln, auf deren Seite er wohl schon bei Worringen gestanden, 
erneuernd. Am 29. März 1291 finden wir ihn in der Umgebung des Grafen 
Walram von Jülich als Zeuge in dem Vertrage desselben mit dem Erzbischofe 
Siegfrid von Köln.'"') Am 5. November 1292 besiegelte er als Herr des Niko- 
laus von Rockelingen der Stadt Köln des letzteren Quittung über eine Zahlung 
für geleistete Kriegsdienste; vielleicht rührt die Forderung noch aus dem Kriege 
von 1288 her, wo Nikolaus unter dem Kommando Krafts gestanden haben mair. 
Krafts dreieckiges Siegel ist hier wohl erhalten.'"^) Sein Dienstverhältnis zum 
Grafen Walram von Jülich wurde ein festes am 8. September 1295, als er 
dem Grafen gegen eine Summe von 100 Mark seinen Teil des alten Greifen- 
steiner FamiUenguts zu Leudesdorf — census uostros et rineas qni et que pro 
cero alloälo tcnemus et habemns npiAd L'idistorp iacentes ^iiper ricninn — zu 
Lehen auftrug.'*^') Sehen wir hier Kraft im Dienste des Grafen Walram von 
Jülich und in ein festes Lehnsverhältnis zu diesem treten, so ist es schwer 
aufzuklären, weshalb er zwei Jahre später ein Lehnsverhältnis zum Grafen 
Adolf von Nassau, dem damaligen Könige, dem er zusammen mit Walram von 
Jülich bei Worringen gegenüber gestanden hatte, einging. In dem zu Niedeck 
am 5. Dezember 1297 mit dem Könige Adolf abgeschlossenen Vertrage ver- 



'"*) Zur Ergänzung der von Philipp! gemachten Angaben fügen wir bei, dass an dem 
dem Fürsten Hatzfeld gehörigen Exemplare dieser Urkunde die Siegel des Grafen Adolf von 
Nassau, Ludwigs von Isenburg und dreier Städte hängen, wie das fürstliche Archiv zu Traohen- 
berg mir mitteilte. Wie dieses Exemplar der Urkunde in das dortige Archiv gelangte, konnte 
auch dort nicht festgestellt werden. — "'^i , Herold'- lb73, S. 36. — ""') , Herold" a. a. 0. — 
"") La com biet II, 907. — >'^^) Ennen, Quellen III, Xo. 381 mit dem unrichtigen Tage 
November 6; Mittelrh. Regg. IV, Xo. 2084; Mitteil, aus dem Kölner Stadtarchive II, 4, S. 30, 
No. .580. — "'■') Lacomblet II, Xo. 9.')-i, der im Regest Leudesdorf mit Leubsdorf bei Linz 
verwechselt; Mittelrh. Regg. IV, 2430, 



o 



28 

pflichteten sich die Vettern Kraft und Gerhard T. von Greifeusteiu, ihre Burg 
Greifenstein aus dem Lehnsverbandc, in welchem sie zum Erzstifte Köln ^aud, 
zu lösen und von ihm, d, h. dem Hause Nassau, zu Lehen zu nehmen 
und die Beurkundung hierüber biunen Jahresfrist beizubringen; unter den 
Bürgen war Heinrich von Isenburg."°) Schliephake meint, König Adolf 
habe hier die Absicht gehabt, einen Lehnsmann zur Stärkung seiner persön- 
lichen Macht zu gewinnen, jeloch sei der Vertrag wegen des bald darauf er- 
folgten Todes des Königs nicht perfekt geworden.'") Wir können nicht nur 
dieser Vermutung beitreten, sondern sogar auch annehmen, dass Kraft bei Aus- 
bruch des Kampfes zwischen König Adolf und x\lbrecht auf die Seite des 
letzteren gegen ersteren, seinen alten Gegner im Kampfe getreten ist und sicher 
nicht in dem Kriege, namentlich nicht in der Entscheidungsschlacht bei Göll- 
heira gefehlt hat, auch wenn wir dies nicht bestimmt erweisen können. Denn 
König Adolf Hess durch die Wetterauischen Reichsstädte die Burg Greifenstein 
zerstören. Wir erfahren dies aus dem 1301, Oktober 29 von Kraft den Städten 
gegebenen Reverse"'), keine Entschädigung für die von ihnen auf Veranlassung 
des Königs Adolf erfolgte Zerstörung seiner Burg zu fordern. An dieser Zer- 
störung mögen sich auch die übrigen Grafen von Nassau, sowie die von Solms 
beteiligt habej. Die Zerstörung selbst können wir hiernach etwa in den Juni 
1298 setzen. Auf den Revers von L301 kommen wir zurück. 

Diese Darstellung dürfte eher begründet sein, wie die Annahme von Vogel, 
dass Greifenstein damals wegen der von seinen Herren betriebenen W^egelagerei 
zerstört worden sei. Vogel glaubt dies daraus schliessen zu können, dass 
König Wenzel 1389 den Wiederaufbau der Burg deshalb verbot, weil durch 
sie die dort vorbeiführende Strasse nach Köln gefährdet sei. 

Kraft war ebenso wie seine Stammesvettern vom Hachenburger Stamme 
durch die Zerstörung der Burg Greifenstein seines Stammsitzes beraubt; er 
kehrte nunmehr und für immer seiner Heimat den Rücken. Im September 1299 
finden wir ihn in Köln ; am 5. und 6. September d. J. ist er Zeuge in Verträgen 
des Grafen Everhard von der Mark und des Grafen Gerhard von Jülich mit 
ilora Erzbischof Wikbold von Köln."^) Vermutlich hat er sich schon damals 
dauernd in Köln niedergelassen ; hier besass er, wie später genauer angegeben 
werden soll, das neugebaute Haus „Schoneweder" an der Glockengasse bei 
S. Columba; hier heiratete seine Tochter Irmgard den Kölner Patrizier Ritter 
Heinrich Hildeger Birklin, als dessen Witwe mit drei Söhnen wir sie im Jahre 
1309, als sie zur zweiten Ehe mit dem Grafen Dietrich von Limburg schritt, 
antreffen. Doch Hess Kraft es nicht an Versuchen fehlen, wieder in den Be- 
sitz des zerstörten Schlosses zu gelangen. Am 20. Januar 1300 belehnte König 
Albrecht ihn und seine Erben beiderlei Geschlechts mit dem ihm (von Kraft) 
aufgetragenen Berge Greifenstein — in quo qiiinuhtm casfnm/ situm fuerat — 
mit der Bestimmung, dass Kraft und seine Erben in der dort neu zu erbauenden 

"") Fioker, Überreste des Reichsaroliivs, No. 24: Mittelrh. Re;,'j,'. II, No. 2688. — 
'") Schliephake HI, :5o:5. — "'i ..Heruld" 1«73, S. :}ß; Reimer, Uess. Urk.-Buoh 11, 2, 
No. 8. — "^j Lft com biet 11, No. V)Xi, 10J6; Mittelrh. Ro--. IV, No. 2'.J.U, 2<}33, 



20 

Burg Reiclisburggrafen sein sollten; am 3. Juli 1304 wiederholte der Könio- zu 
Frankfurt, wohl auf Krafcs persönlich vorgetragene Bitte, diese Belehnuno-."*) 
Am 14. Oktober 1300 war er Vermittler und Mitsiegler des zu Mainz abge- 
schlosseneu Teilungsvertrages der Brüder Wilhelm und Diether von Katzen- 
elnbogen."') In demselben Jahre, am 11. November 1300, ordneten Crafto 
nohilis (Jominus de Grifensteijn et Tiobertxs ßlhis noster — dieser wird hier 
zum erstenmale genannt — ihre Beziehungen zum Kloster Marienstatt; sie 
leisten — ob, wie zu vermuten, gegen Abfindung in barem Gelde, wird nicht 
gesagt — Verzicht auf alles Gut, was sie uud ihre Eltern dem Kloster ver- 
kauft, mit Ausnahme bestimmter Gefälle aus dem dem Kloster benachbarten 
Hofe Yvelberg."") An der Urkunde hängt das im ganzen wohlerhaltene Siegel 
Krafts — sein Sohn Robert führte noch keins — ; dasselbe ist dreieckisr, 
53 mm hoch und zeigt, wie im vorstehenden schon mehrfach angegeben, im 
Schilde zwei Querbalken, darüber einen fünflatzigen Turnierkragen ; von der Um- 
schrift ist erhalten: f . . . . llum Craftonis de Grifensthein; wir geben die Ab- 
bildung dieses Siegels auf Tafel I, No. 5. Dieses mit dem Turnierkragen 
bedeckte Wappen führt Kraft und seine ganze Descendenz. In dem Vasallen- 
buche der Stadt Köln ist Krafts Wappen tingiert: Zwei rote Querbalken in 
silbernem Felde, auf dem Helme zwei zugewendete silberne Greifenköpfe mit 
roten Ohren. W^ir haben schon vorhin darauf hingewiesen, dass diese Tin- 
gierung des Wappens durch den, dem 16. Jahrhundert angehörigen Kölner 
Wappenmaler nicht richtig ist, nach derselben hätte Kraft nicht der Limburger, 
sondern der Niederisenburger Linie angehört. Jene Tingierung rauss falsch 
sein und kann uns dieselbe nicht von der Annahme abbringen, dass die Linie 
des Hauses Greifenstein, der Kraft V. angehörte, dem Hause Isenburg-Limburg 
entstammte. 

Es scheint, dass Kraft sich von dieser Zeit ab meistens in Köln aufge- 
halten hat. Er war daselbst am 1. Dezember 1300 thätig bei dem Schieds- 
sprüche in dem Streite zwischen dem Erzbischofe Wikbold und dem Grafen 
Everhard von der Mark, ebenso wurde er am 15. Dezember Treuhänder des 
Erzbischofs in derselben Sache.'^') In den folgenden, bis zum Jahre 1302 sich 
hinziehenden Verhandlungen war er weiter thätig, au mehreren der bezüglichen 
Urkunden ist sein Siegel erhalten."') In Limburg quittierte er am 4. März 1301 
der Stadt Wetzlar über die Zahlung von 150 Mark und 26 Mark und einem 
Ferto Silber."') Das an dieser Urkunde erhaltene Siegel Krafts beschrieb 
Seyler nach einem von Allmenröder mitgeteilten Abgüsse; er macht darauf 
aufmerksam, dass Kraft die zwei Querbalken mit dem Turnierkragen führt, 
ohne dass er oder ein späterer Forscher den naheliegenden Schluss auf die 
Abstammung Krafts gezogen hätten.'-") Am 20. März 1301 quittierte er mit 
dem Grafen Everhard von der Mark und andern über den Empfang einer für 

"*) Böhmer, Reg?., Alb. No. 2ö9; Schaum S. 276; .»Herold" 1873, S. 36; Mittelrh. 
Regg. IV, No. 2982. - "^^ Wenck I, 6, No. 104, S. 69. — "»j Ungedruckte Urkunde. — 
"^ Lacomblet II, 106."), 1067; Mittelrh. Regg. [V, No. :{093. — "*') Die betreffenden Ur- 
kunilen sind von Lacomblet nicht verütfentliulit; Mitteilung des Herrn Geh. Arehivrat.s 
Dr. Harless. — "") .,IIerold'' 1873, S. 36. — '"-") Ebendaselbst; vergl. oben S. 22. 



30 

den Erzbischof WikbolJ bestimmten Geklsumme.'") Am 27. August 1301 soll 
König Albreclit dem Grafen von Nassau 30 Mark jährlicher Einkünfte von 
Kraft von Greifensteiu versetzt haben.'") Sich an den Wetterauischen Reichs- 
städten Frankfurt, Friedberg, AVetzlar und Gelnhausen wegen der durch diese 
Städte auf Veranlassung des Königs Adolf erfolgten Zerstörung seiner Burg 
Greifenstein nicht rächen zu wollen und auf jeden Schadenersatz zu verzichten, 
gelobte Kraft durch Revers vom 29. Oktober 1301, au welchem des Ausstellers 
Siegel wohlerhalten ist.'-') Mit dieser Verzichtleistung mag die schon erwähnte 
nicht unbedeutende Geldzahlung der Stadt Wetzlar an Kraft vom 4. März 1301 
in Zusammenhang stehen; ebenso die grösseren Geldzahlungen, welche dieselbe 
Stadt ihm am 7. und 22. Mai 1302 wiederum zu Limburg machte.''^) Ver- 
mutlich hat König Albrecht doch bewirkt, dass die Städte ihre That durch 
eine angemessene Geldentschädigung seines Parteigenossen und Mitkämpfers 
sühnten. Andererseits aber wies der König unter dem 3. September 1302 den 
Grafen von Nassau 30 Mark jährlich auf den Edlen Kraft von Greifenstein an; 
wahrscheinlich hatte König Albrecht die Herrschaft Greifenstein in Besitz ge- 
nommen und den Betrag auf die Einkünfte aus derselben angewiesen. Den 
Zusammenhang dieser Verhandlungen können wir aus Mangel an Nachrichten 
nicht weiter aufklären.'-^) Auf die Entschädigungen, die er empfing, kommen 
wir zurück. Zu diesen Entschädigungen gehörten wahrscheinlich auch die Reichs- 
ieheu im Gerichte von Morien, die ihm anscheinend persönlich und auf Lebens- 
dauer verliehen waren, wie im folgenden erörtert werden soll. Die Beträge, 
welche Kraft von den Wetterauischeu Städten als Entschädigung für die 1298 
erlittenen Verluste in diesem Jahre erhalten hatte, ermöglichten ihm die pfand- 
weise Erwerbuno; eines Sitzes. Er streckte dem Erzbischofe von Trier einen 
otfeubar grösseren Geldbetrag vor, für welchen der Erzbischof ihm am 10. August 
1302 zu Koblenz die Burggrafschaft Hartenfels nebst gewissen Einkünften zur 
Bestreitung der laufenden Ausgaben und dem Schultheissenamte zu Leudesdorf 
— wo, wie wir wissen, Stammgüter der Greifenstein lagen — verpfändete.'"*) 
Aus diesem Jahre bleibt noch zu erwähnen, dass Kraft als Vermittler in dem 
vorhin besprocheneu Streite seiner Verwandten Agnes von Greifenstein mit dem 
Erzbischofe von Köln wegen der Herrschaft Neuerburg auftrat.'-') Am 7. Mai 
1305 wird er in einem Schiedssprüche des Grafen Gerhard von Jülich genannt.''*) 
Da;3 Kraft von Greifenstein in dieser Zeit darauf verzichtet hat, wieder in den 
Besitz seines Anteils an der Herrschaft Greifenstein zu gelangen, können wir 
nicht wohl annehmen. Seine etwaigen Bemühungen in dieser Beziehung müssen 
aber völlig erfolglos geblieben sein, so dass er, wie wir aus der gleich anzu- 
führenden Urkunde von 1314, Mai 11 erfahren, es vorzog, den Burgberg zu 



•-•'; Lacomblet II, 1047; Ennen, Quellen III, No. 502, Geschichte der Stadt Köln 
II, 26"). — '--) So Allmenröder im .jUerold" 1873, S. 36, angeblich aus dem Dillenburger 
Archive, welches jedoch diese Urkunde weder enthielt noch entliült. — '-^) Regest „Herold" 
isT.j, S. 36, von Rsimer, Hess. Urk.-Buch II, 2, No. >* übersehen. — '-'; ^Herold" lb73, S. 36. 
— '"; .irnoldi I, 82, Illb, 127; Bühmer, Regg. Alberti Xo. 399; Philippi, Siegener 
rrk.-Hii.h Xo. >^•_^ — '-■•) Mitteil, aus dem Kölner Stadtarcliiv II, 4, 46. — '-') Mitteil, des 
ll'.Miii (ioh. .Vrcliivrat Dr. Ilarless. — '-"; Ennen, Quellen 111, Nu. ■>-'.>. 



31 

Greifensteia an den König Albrecht — also vor 1308, Mai 1 — zu verkaufen. 
Näheres über den Verkauf wissen wir nicht. Da die Geschichte der Herrschaft 
Greifeustein hier nicht eingehender dargestellt werden soll, mögen folgende 
kurze Angaben über die Gestaltung der Besitzverhältnisse genügen. Die 
Herrschaft ging zunächst in den Besitz von Nassau-Dillenburg über; die Grafen 
Heinrich und Johann wurden 1308, November 7 vom Bischöfe Emmerich von 
"Worms mit derselben belehnt'-*); wie diese Belehnung mit dem nicht lange 
vorher durch Kraft von Greifenstein erfolgten Verkaufe des Burgberges in Ein- 
klano- zu bringen ist, ist nicht ersichtlich. Des Königs Albrecht Erben be- 
haupteten den Burgberg als ihr Eigentum, verzichteten aber später auf denselben 
zu Gunsten des Hauses Nassau-Dillenburg, um dessen Beistand zu gewinnen. 
So überliess Herzog Leopold für den Fall, dass er oder sein Bruder Friedrich 
zum Könige gewählt würde, 1314, Mai 11, den Dillenburger Grafen den Burg- 
berg, den König Albrecht von Kraft von Greifenstein gekauft hatte.'^") König 
Friedrich wiederholte die Verpfändung am 2. April 1315 und am 28. April 
1321.'^') So erteilte denn auch Erzbischof Heinrich von Köln den Nassauern 
am 23. August 1324, also noch zu Krafcs Lebzeiten, die Belehnung.'^-) Die 
weitere Geschichte der Burg mag hier unberücksichtigt bleiben, wir kehren zu 
Kraft zurück, um über eine eingreifende Veränderung in seinem bis zum Jahre 
1309 in Köln geführten Familienleben zu berichten. Dass Kraft seit einer 
Reihe von Jahren Beziehungen zu Köln hatte, ist aus dem bisher Gesagten 
erinnerlich. Er besass in der Stadt Köln ein neugebautes, mit einem Erbzins 
belastetes Haus, genannt Schoueweder, gelegen „/« termino pontis sire campa- 
narum, cum area ante et retro, suhtus et siiperius, apiid puteum ruxta äomum 
dictum Vcdkhihurg versus sanctam Columbam.''^ Das Haus lag demnach in der 
Glockengasse. "^) Leider war über die Geschichte dieses Hauses nichts weiterea 
zu ermitteln. Es kann wohl angenommen werden, dass das Haus Eigentum der 
Kölner Patrizierfamilie Schoneweder war und durch Heirat einer Tochter dieses 
Geschlechts mit Kraft als Heiratsgut in dessen Besitz kam. Es bleibt eine 
solche Annahme jedoch lediglich Vermutung, da über die Gattin Krafts, wie 
wir sehen werden, keine Nachricht vorliegt. 

Dieses Haus verkaufte er am 23. März 1309 an den dortigen Bürger 
"Werner, des Pantaleon von Mühlheira Sohn, und dessen Frau Drude.'"^) Viel- 
leicht können wir aus diesem Verkaufe entnehmen, dass Krafto damals Köln 
verlassen hat oder wenigstens verlassen wollte, zumal au dem Tage des Ver- 
kaufs, dem 23. März, wohl schon feststand, dass seine Tochter Irmgard'^') in- 
folge ihrer Verheiratung, die am 15. November jenes Jahres stattfand, ihrem 
Manne folgeu und Köln verlassen würde. Seinem Schwiegersohne und seiner 
Tochter ist er damals vielleicht auf deren Besitzungen in Westfalen gefolgt. 



»-^) Ungedruokte Urkunde. — *•''■') Philippi, Siegener Urk.-Buch No. 136. — "') Da- 
selbst No. 139, löl; .,Horold'^ 1873, S. 48. — '") Arnoldi I, 86; „Herold" 1873 a. a. 0. — 
'^^) Sohreinsbuch der Stadt Köln ; nach freundlicher Mitteilung des Stadtarchivs daselbst. Auf 
Grund dieses ]5esitzes führt Fahne, Kölnische Geschlechter F, s. v. Greifenstein, Kraft auf, 
ohne seine Herkunft aufzuklären. — "') Schreinsurkunde, Stadtarchiv Köln. — '^^) Fahne, 
Külnisohe Geschlechter I, s. v. Birklin, nennt dieselbe irrig Iladwig. 



:^2 

Im Jahre 1313 zog es ihn jedoch wieder an den Rhein; am 30. Juni d. J. 
erscheint er als Zeuge ia einer Urkunde des Erzbischofs Heinrich 11. von Köln.'^^) 

Den letzten Abschnitt des Lebens unseres Kraft füllt seine Thätigkeit im 
Dienste der Stadt Köln; dieselbe begann am 25. Februar 1314. An diesem 
Tage wurde Krafc erblicher Edelbürger der Stadt gegen ein Rentlehen von 
18 Mark jährlich mit der Yerptiichtung, der Stadt mit zwei Rittern und acht 
Knappen Kriegsdienste zu leisten."') Das an dieser Urkunde befindliche Siegel 
ist nicht mehr von dem vorhin beschriebenen dreieckigen Stempel, sondern von 
einem zweiten, kleineren, kreisrunden Stempel, dessen Abdruck alle weiterhin 
von ihm für die Stadt ausgestellten Urkunden aufweisen. Die Umschrift lautet: 
S. Craftouis de Grifenstein.'^') Auf diese Rente bezügliche Urkunden und 
Quittungen stellte Kraft dem Rate von Köln aus 1314, November 15; 1315, 
Oktober 20; 1316, November 13; 1317, Oktober 29; 1318, Januar 8; 1319, 
Dezember 21 (Anweisung derselben auf seinen Verwandten Konrad von Haiger); 
1320, Juli 15 und November 5; 1321, September 18; 1324, November 12; 
1325, November 29; wenigstens sind diese Urkunden erhalten.'^*) Die letztere 
Quittung ist von Interesse, da sie die letzte von Kraft vor seinem Tode aus- 
o-estellte ist. — Am 28. Juni 1317 verüflichtete er sich zu Köln zur Beob- 
achtung des Landfiiedens'""); am 29. Oktober d. J. linden wir ihn bei dem 
Erzbischofe."") Das folgende Jahr zwang ihn zum Kampfe gegen den fried- 
brüchigen Fürsten. Als Helfer der Stadt Köln zog er mit seinem Verwandten 
Konrad von Haiger und acht anderen vor des Erzbischofs Schloss Brühl, von 
wo aus der Landfriede durch den Erzbischof gebrochen war. Er gehörte hier 
zu den Geschworenen des Landfriedens, einer mit der Leitung der gegen den 
Erzbischof zu treffenden Massregeln beauftragten Kommission."') 

Am 15. August 1320 finden wir Kraft wieder bei dem Erzbischofe; am 
8. November d. J. besiegelte er einen Schiedsspruch, Streitigkeiten Kölner 
Bürger betreffend."'') 

Der Gehaltsquittungcn, welche er in dieser Zeit der Stadt Köln ausstellte, 
ist vorhin gedacht. Die letzte dieser Quittungen ist von 1325, November 29; 
die für das erste Halbjahr 1326 fällig gewesene fehlt. Kraft muss bald nach 
Ausstellung dieser Quittung gestorben sein. Da nämlich König Ludwig der 
Baier am 16. Juli 1326 das durch Kraft von Greifensteins Tod erledigte und 
dem Reiche angefallene Lehen „vom riche an dem gerichte und auch in den 
gerichten zu Morle" an Gotfrid von Eppenstein gab"'), können wir wohl an- 



"") Lacomblet III, 124. — *") Ennen, Quellen IV, Xo. 18 mit falschem Tage 
September 22 und ungenauer Angabe «ler Umschrift des Siegels; Mitteilungen a. d. Kölner 
Stadtarchiv 11, f), 18. - '•"'} Vorgl. die Abbildung Taf. I, No. 6. - '''') Mitteilungen aus 
dem Külner Stadtar.hiv II, 5, S. 19, 2:5, 26, 31, 36, 38, 41, 43, .^6, Ö9. - "") Ennen, 
Quellen llf, No. 43 mit falschem Tage; Mitteil. a. d. Stadtarchiv II, 5, 29, Siegel Krafts gut 
erhalten. - "'; Lacomblet III, 163. - '"j Ennen, Quellen IV, No. 60; Mitteil, aus dem 
Stadtarchiv II, :., 33; Ennen, Geschichte der Stadt Köln II, 291. - '") Lacomblet III, 
124; Ennen, Quellen IV, '.tO. — "*) Senckenber jr, Sei. Jur. I, llt.-); Reinhard. Kl. 
Au.s'führungcn \IIl, 327; Archiv für Hess. Geschichte I, r.i:., V, 121»; Bühmer, Regg. 
Ludov. Nu. ss7. 



33 

nehmen, dass Kraft zu Anfang des Jahres 1326 gestorben war. Als verstorben 
bezeichnet ihn auch im allgemeinen eine in stadtkülnischen Angelegenheiten 
ergangene Bulle des Papstes Johann XXII. von 1329, Juli 27,'") 

Dieses Lehens zu Morien haben wir schon vorhin gedacht und die Ver- 
mutung ausgesprochen, dass es ihm persönlich und auf Lebenszeit als Ent- 
schädigung für die im Jahre 1298 erlittenen Verluste gegeben sei. Von dem 
Zeitpunkte der Verleihung sowie von der Qualität dieses Lehens wissen wir 
freilich urkundlich nichts. Es liegt uns keine Angabe darüber vor, dass es ein 
erbliches Stammlehen des Hauses Greifenstein war''*^), was vermutlich doch der 
Fall gewesen sein würde, wenn es ein älteres Reichslehen des genannteu Hauses 
gewesen wäre. Dass es vielmehr ein Kraft nur persönlich und auf Lebens- 
zeit verliehenes Lehen war, wird dadurch wahrscheinlich, dass es nach seinem 
Tode für erledigt erklärt wurde, während noch direkte Nachkommen des Lehus- 
trägers, auf die es als Erblehen hätte übergehen müssen, am Leben waren. 
Hierauf stützt sich unsere Vermutung über die Qualität des Lehens. 

Ehe wir zur Zusammenstellung der Nachrichten über die Nachkommen 
Krafts übergehen, gedenken wir kurz seiner Geschwister. Mit Sicherheit 
ist nur ein Bruder, Rorich von Greifenstein, nachzuweisen, dessen Lebens- 
nachrichten, um den Gang der Darstellung hier nicht zu unterbrechen, am 
Schlüsse folgen werden. 

Von der Gemahlin Krafts V. wissen wir urkundlich nichts. Es wurde schon 
die Vermutung aufgestellt, dass sie dem Kölner Patriziergeschlechte Schoneweder 
angehörte. Durch sie würde dann Kraft Eigentümer des Hauses Schoneweder 
geworden sein, welches er 1309, März 23 verkaufte."') Ihr und ihrer Kinder 
Leben wird nach dem schweren Missgeschicke, von welchem das Haus Greifen- 
stein im Jahre 1298 betroffen wurde, kein freudiges mehr gewesen sein. 

Von Kindern Krafts sind zwei, ein Sohn und eine Tochter, bekannt. Ersterer 

2. Ropert L von Greifenstein 1300, 1303, wird urkundlich nur in 
diesen beiden Jahren genannt. Zunächst in der vorerwähnten, von seinem 
Vater 1300, November 11 für Kloster Marienstatt ausgestellten Urkunde, in 
welcher er ausdrücklich nobilis und Sohn Krafts genannt wird. Bald darauf 
war er Gefangener der Stadt Köln geworden, wie, ist nicht ersichtlich. Hier 
gelobte Roperfus miles filins nobilis viri domini Craßonis de Grifenstein der 
Stadt am 1. Februar 1303, am 24. Februar in die städtische Haft zurückzu- 
kehren und während seiner Beurlaubung den Frieden zu halten."') Da Rudolf 
von Reifferscheidt diesen Revers besiegelte, führte der wohl noch in jugend- 
lichem Alter befindliche Ropert keines. 

Über Ropert wissen wir weiter nichts; wir können annehmen, dass er 
frühzeitig, anscheinend vor seinem Vater, gestorben ist und zwar mit Hinter- 
lassung eines Sohnes. Freilich liegt ein urkundlicher Beweis, dass der gleich 
zu besprechende Johann von Greifenstein des Ropert Sohn war, nicht vor; 



"*) Ennen, Quellen IV, No. 154. — "^) Wie Landau, Wetterau S, 50 anzunehmen 
scheint. — '") Vergl. oben S. 31. — "*) Ennen, Quellen III, 515; Mitteil, aus dem Kölner 
Stadtarchiv II, 4, 47. 

3 



34 

aber durch diese Annahme erhält die Stammtafel des Geschlechts die wahr- 
scheinlichste Gestaltung. Ruperts Gemahlin kijnnte eine Kölner Patriziertochter 
gewesen sein. Auch über diesen 

3. Johann I. von Greifenstein, den wir also als Sohn Iloperts be- 
trachten, wissen wir äusserst wenig. Aus dem Umstände, dass wir überhaupt 
seit der Zeit Krafts Y. über die Glieder des Geschlechts nur noch äusserst 
dürftige Nachrichten haben, können wir wohl mit Recht auf dessen Zurück- 
gang und Verarmung schliessen. 

Am 13. November 1330 verpflichten sich Johann von Greifenstein und 
sein Vetter, der Kölner Patrizier Ruprecht Kraft Birkelin nebst 13 anderen 
Rittern und Knechten, dem Grafen Dietrich von Kleve insgemein 200 Mark zu 
zahlen. Johann führt hier im Siegel das Wappen seines Grossvaters, den mit 
dem fünflatzigen Turnierkragen bedeckten Iseuburger Schild, zwischen den 
beiden Querbalken des Wappens aber roch eine Gleve oder Lilie als Bei- 
zeichen. Ist die vorhin ausgesprochene Vermutung richtig, dass des Johann I. 
Vater, Ropert L, vor seinem Vater Kraft V. starb, so können wir wohl an- 
nehmen, dass Johann dieses Wappen mit dem Beizeichen zu Lebzeiten seines 
Grossvaters Kraft V. von Greifensteiu führte, um sein verwandtschaftliches 
Verhältnis zu demselben zu kennzeichnen. Die Umschrift des Siegels lautet: 
t S. Johannis de Grifinsteyn.'") Derselbe Johann verpfändete 1333, April 27 
an Godart von Jülich sein Gericht Verkenhoven; mit ihm siegelten sein Mage 
Syvard von Rennenberg, Domherr zu Köln, und sein Neffe Johann von Calmut. 
Das hier erhaltene Siegel Johanns ist dem vorhin beschriebenen gleich, nur 
fehlt das dort befindliche Beizeichen, zu dessen Beibehaltung nach dem Tode 
des Grossvaters Kraft keine Veranlassung mehr vorlag.''") Das ebengenannte 
Gericht Verkenhoven ist jetzt Frankeshofen im Kirchspiel Niederembt, Kreis 
Bergheim, Regierungsbezirk Köln ; es könnte das Heiratsgut der Frau Johanns 
gewesen sein. Aus der Verpfändung ist wohl abzunehmen, dass die Vermögens- 
lage Johanns keine glänzende war. 

Weitere Nachrichten über Johann liegen nicht vor; von der Person seiner 
Frau und von seinen Nachkommen wissen wir nichts, doch möchten wir zwei 
Greifenstein, die etwa 40 Jahre nach Johanns letztem urkundlichen Vorkommen 
genannt werden, als seine Söhne betrachten. Es sind dies 

4. Johann IL von Greifenstein, der 1370, März 20 mit Johann von 
Langenau des Heinrich Meynenvelder von Ehrenbreitstein Helfer gegen die 
Stadt Köln wurde.'") Die Urkunde ist durch Johann leider nicht besiegelt. 

Schwierig bleibt die Deutung des von diesem Johann geführten Beinamens 
„von Steinenbach". Vermutlich soll dessen Wohnsitz bezeichnet werden; ist 
Steinebach bei Altenkirchen gemeint, so können wir dasselbe vermutungsweise 
als einen den Greifenstein verbliebenen Besitz ansehen, auf dem Johann sass. 



"*) Vergl. die Abbildung Tat". I, Xo. 7. Die Urkunde in den Mitteilungen aus dem 
Külner Stadtarchiv II, :>, S. 7(;, No. 1311. Beziiglicb des Beizeichens verdanke ich Herrn 
Kd. Rosenkranz, xowic dem Külner .Stadtarchive Mitteilungen. — ""» Vergl. Lac oni biet 
lll, -jr.H. .\bbihlung des Siegels Taf. 1, No. s. _ '•■', Miitcil. aus dorn Külner .Snidtarchiv, 
Heft T2, y. rt4, No. ÜO. 



35 

Gleichfalls in der dortigen Gegend, in der Nähe von Marieustatt und Hachen- 
burg, scheint noch mit dem Überreste des Greifensteicer Guts angesessen ge- 
wesen zu sein der letzte des Geschlechts 

5. Ropracht II. von Greifenstein, 1374 — 1408, den wir gleichfalls 
als Sohn Johann I. und Bruder des ebengenannten Johann IL ansehen. Über 
diesen Ropracht liegen folgende urkundliche Nachrichten vor. Am 25. Juli 
1374 trat er in den Dienst der Stadt Küln.'^') Offenbar noch unverheiratet 
verpfändete er 1377, März 19 sein Haus Kleeberg bei Hachenburg für 150 
Gulden an Arnold von Wilmerode.'"') Einen Streit mit dem Domkapitel zu 
Köln über Güter zu Husen im Kirchspiel Erpel legte er im Jahre 1384 bei."^) 
Am 19. Januar 1408 verkaufte er mit seiner Frau Xesa und seiner Tochter 
Elisabeth dem Kloster Marionstatt 6 Malter Molterfrucht, welche ihnen jährlich 
aus der Klostermühle zu Heuzerod zustanden, 2 Malter Hafer und viertehalb 
Weisspfennige, die ihnen jährlich aus des Klosters Hofe zu Streithausen fielen, 
sowie die Fischerei zu AVyngenroide ; Mitsiegler war Heinrich von Wederbach. 
"Vom Siegel Roprachts ist nur der untere Teil erhalten, doch sind die Isen- 
burger Querbalken deutlich sichtbar.'^'') Und am 30. Juli 1408''«) verkauften 
derselbe Ropracht von Gryffensteiu, Nesa, seine Frau und beider Tochter Elysa- 
beth dem Kloster Marienstatt eine Rente zu Walgenrod (Waldenroide), Mitsiegler 
war Johann von Bicken. An dieser Urkunde ist wie an der vorhin genannten von 
1377, März 19 das Siegel Roprachts gut erhalten, es ist ein kleines, schlecht 
gearbeitetes Rundsiegel, wie solche bei dem niederen Adel geführt wurden. Ei 
zeigt dasselbe Wappen, wie Kraft und Johann es führten, den Isenburger 
Schild mit dem fünflatzigen Turnierkragen. Umschrift: S. Roprecht van Grifen- 
steyn.'"") AUmenröder irrt somit, wenn er diesen Ropracht der von ihm 
angenommenen Hachenburger Linie zuteilt.'"') 

Mit dieser Urkunde enden die Nachrichten; Ropracht, der keine Söhne 
besass, war der letzte des Geschlechts von Greifenstein. 

AUmenröder zwar kennt noch einen Kraft von Greifenstein, den er der 
von ihm als „Wetzlarer Linie" bezeichneten Linie zuzählt und ,1404 condomi- 
nu3 in Greifenstein" sein lässt."') Ersteres ist Yermutung Allmenröders, 
letzteres beruht auf Angabe des schon mehrfach genannten Sekretärs Hayl'""), 
nach welcher 1404 sich ein gewisser Kraft Mitherr von Greifenstein genannt 
haben soll. Spätere Bearbeiter'") der Geschichte Greifensteins nehmen an, dass 

'") EnneiK Quellen V, S. 54, Xote 1. — '^») ÜDgedruckte Urkunde. — '^*) Mitteil, 
des Herrn Geh. Archivrats Dr. Harless. — '^') Ungedruckte Urkunde; vergl. Vogel S. 693; 
„Herold" 1873, S. 48; Himmelreich, Grreifensteiner Chronik mit dem unrichtigen Jahre 
1418. Nach dem Lagerbuche der Abtei Marienstatt ist die Fischerei in der grossen ^'ister zu 
Ehrlich bei Kroppach gemeint; dieselbe begann zu Wingert an der'.,8tump Eich" und endete 
zu Ehrlich am Steinsei nach einem Weistum von 1558. Diese Fisclierei wird zu den allen 
Besitzungen des Hauses Greifenstein bei Hachenburg gehören. — ^^^) Himmelreich a. a. 0. 
mit 1418. — '5'j Vergl. die Abbildung Taf. I, Xo. 10. — '='') Heldmann, Gesch. des Gerichts 
Viermunden, Zeitschr. des Vereins für Hessische Geschichte 1895, XX, S. 360 setzt das Aus- 
sterben des Geschlechts irrig in das Jahr 1407. — *''^) „Herold" is73, S. 48. — """) Hayl 
a. a. 0. — >«') «chaum S. 59; Graf Solme S. 27; vergl. auch Ileldmann, Ge.sch. des 
Gerichts Viermunden, Zeitschr. für Hess. Geschichte, X. F. XX, S. 360. 

3* 



36 

demselben nur der Aufenthalt auf Greifenstein gestattet worden sei, da er nach 
Lage der Sache ein Besitzrecht dort nicht mehr habe ausüben können. 

Die vorstehende Angabe Hayls wird keinen grösseren Wert haben, als die 
andere, die Zerstörung der Burg Greifeustein um 1280 betreffende, die schon 
vorhin in Zweifel gezogen werden rausste. Für die Existenz dieses Kraft um 
1404 liegt nicht der geringste Beweis vor; jedenfalls ist er aus der Reihe der 
Greifensteiner zu streichen. An eine Verwechselung mit Kraft von Roden- 
hausen'") zu denken, scheint ausgeschlossen. 

Dann haben wir noch der 

6. Irmgard'") von Greifenstein, der Tochter Kraft V. und Schwester 
Ropracht I. zu gedenken. 

Irmgard verheiratete sich in Köln mit dem dortigen Patrizier Ritter 
Hildeger Heinrich Birklin, der 1294 als Schöffe genannt wird. Aus der Ehe 
waren drei Söhne hervorgegangen: Hildeger, Ruprecht (Kraft?) und Kraft'^*), zu 
deren Gunsten die Mutter am 15. November 1309, vermutlich an dem Tage, 
an welchem sie zur zweiten Ehe mit dem Grafen Dietrich HI. von Limburg 
aus dem westfälischen Dyoastengeschlechte schritt, auf das ihr zustehende 
Nutzungsrecht an dem Gute ihres ersten Mannes verzichtete. Graf Dietrich HI. 
von Limburg hatte an demselben Tage seine Zustimmung zu dieser Verzicht- 
leistung gegeben. '"") 

Die Söhne der Irmgard von Greifenstein aus ihrer ersten Ehe mit Heinrich 
Hildeger Birklin führten im Siegel einen gevierteten Schild, dessen erstes und 
viertes Feld das Wappen der Birklin, einen aufrechtstehenden Bären, dessen 
zweites und drittes Feld das Wappen Isenburg-Greifenstein, die mit dem Tur- 
uierkragen bedeckten Querbalken, hatten. So siegelte Ruprecht (Kraft?) an 
einer Urkunde von 1330, November 13.'"^) Diese Nachkommen Irmgards kom- 
men hier nicht weiter in Betracht. 

Über Irmgard von Greifenstein habe ich Nachrichten aus der Zeit ihrer 
zweiten Ehe nicht ermitteln können. Die Kinder aus dieser Ehe sind hier 
gleichfalls nicht mehr zu berücksichtigen. 

7. Rorich von Greifenstein. Nachdem wir somit die Nachkommen 
Krafts V. bis zum Erlöschen dieser von ihm gestifteten Linie verfolgt haben, 
bleibt noch dessen Bruder Rorich zu besprechen. Weitere Geschwister wie 
diese beiden sind nicht bekannt. 

Rorich erscheint neben Kraft V., als dessen Bruder er ausdrücklich 
bezeichnet wird, 1287, Januar 28 als Bürge für Eberhard und Johann von 
Haiger, welche vermutlich in verwandtschaftlichen — welchen, ist nicht zu er- 
mitteln — Beziehungen zu ihnen standen; für ihn siegelte, da er kein Siegel 
führte, sein Bruder.'") 



'**) Vogel S. 251. — '-^) Nicht Hadwig, wie Fahne, Köln. Geschlechter I, s. von 
Birklin. — '"^j Vergl. die Stammtafel des Geschlechts Birklin in den Mitteil, aus dem Kölner 
Stadtarchiv, Heft 25, S. :if55. — '",) Urkunden der Schreinsbücher; nach Mitteil, des Kölner 
Stadtarchirs. — "'"',/ Mitteilung aus dem Kölner Stadtarchive II, 5, S. 76; siehe Abbildung 
Tuf. I, No. 'J. - "'•) Wyss, Hess. Urk.-Buoh I, 469. 



37 

Mit seinem Bruder Kraft und seiuem Verwandten Gerhard 11. verkaufte 
er mit der schon früher besprochenen Urkunde von 1287, November 13 dem 
Kloster Marienstatt Güter; sein Siegel ist nicht erhalten,'^') Weiter schloss er 
mit beiden Genannten den ebenfalls schon erwähnten Vergleich mit Nassau- 
Dillenburg vom 25. Januar 1290."'^) Im Jahre 1291 wurde er Burgmann 
Philipps und "Werners von Falkenstein-Künigstein auf deren Burgen, ölfnete 
denselben seine Burg Greifenstein und wurde deren Helfer gegen den Erz- 
bischof von Köln und Sifrid II. von Westerburg, seinen Magen; über die hier 
angegebene verwandtschaftliche Beziehung ist nichts zu ermitteln.'"") Rorich 
besiegelte die Urkunde, da jedoch diese wie die vorhergehende bisher nur in 
Abschrift vorlieger, ist kein Abdruck seines Siegels bekannt. 

Von Rorich von Greifenstein haben wir überhaupt keine weiteren Nach- 
richten; wir wissen nicht einmal, ob er die bald darauf erfolgte Zerstörung der 
Stammburg, die er noch 1291 bewohnte, sowie den hiermit verbundenen Zu- 
sammenbruch seines Geschlechts erlebt hat. Mit ihm schliessen wir die Nach- 
richten über dia Greifenstein, 



III. Beilagen. 

a) Die aus dem Hause Beilstein-Greifenstein hervorg-egangenen 

Geschlechter. 

1. Die Herren von Lichtenstein. Dass die Herreu von Lichtenstein 
ein Zweig des Geschlechts von Greifenstein sind, hat zuerst Gudenus, und 
zwar auf Grund der Gleichheit des Wappens beider Geschlechter, ausgeführt.'"') 
Die Geschichte und Genealogie dieses Geschlechts, welches urkundlich zwischen 
den Jahren 1229 bis 1357 auftritt, ist von allen bisher genannten Forschern 
behandelt oder wenigstens berührt, welche sich mit der Geschichte des Haupt- 
stammes beschcäftigt haben, namentlich hat Vogel in trefflicher Weise eine 
Übersicht über die Geschichte des Geschlechts gegeben.''") Die Regesten 
weniger bis dahin unbekannter Urkunden gab Allmenröder''^) aus dem Archive 
des Marienstifts zu Wetzlar. Das Wappen des Geschlechts, welches dem des 
Hauptstammes gleich war, ist bei von Goeckingk''*) beschrieben. Hier wird 
bemerkt, dass die Lichtenstein seit dem Anfange des 14. Jahrhunderts einen 
achtfach geständerten Schild führen. Da dieses Wappen das des Geschlechts 
von Mudersbach ist, kann ein Glied dieses Geschlechts durch Erbfolge in den 
Besitz der Herrschaft Lichtenstein gelangt sein. 

Da zu diesen bisherigen Bearbeitungen bezw. Mitteilungen über die 
Geschichte des Geschlechts von Lichtenstein wesentlich Neues nicht beizubringen 
ist, kann von einer nochmaligen Darstellung um so mehr abgesehen werden, 



*"'*) Ungedruckte Urkunde; A'ogel S. 250, 693 irrig mit dem Jahre 1297. — ^•"'^) Ar- 
noldi I, 77; Philippi, Siegener ürk.-Bucli No. 58. — ''"> Sauer, Xass. Urk.-Buch I, 
No. 1132. — '"'j Gudenus II, 230. — ''-) Vogel, Annalen I, 2, 222; Beschreibung S. 251 ; 
vergl auch S. 725, 728. — '■^) , Herold- 1873, S. 48. — ''*) v. Goeckingk S. 11. 



38 

als nicht Dachzuweisen ist, wie und zu welchem Zeitpunkte die Lichtenstein 
sich von dem Stamme — • ob Beilstein oder Greifenstein — abzweigten. 

2. Die Herren von Mudersbach, von Greifenstein und von Stein- 
bach. Dass die von Mudersbach eines Stammes mit den Edelherren von 
Greifenstein seien, hat Gudenus'"') auf Grund der gleichen Wappen für mög- 
lich gehalten. Vogel war geneigt, dieser Meinung beizutreten. Aus dem Um- 
stände, dass das dem niedern Adel angehörige Geschlecht von Mudersbach im 
AVappen ein an den Rändern gekerbtes Kreuz führte, können wir eine Be- 
stätigung der ausgesprochenen Vermutung entnehmen, dass die Greifenstein 
selbst ein Kreuz im Wappen führten. 

In dem vorliegenden Falle auf Grund des gleichen Wappens beider 
Geschlechter auch die gemeinsame Abstammung beider anzunehmen, geht zu 
weit. Es liegt kein Beweis dafür vor, dass die Mudersbach jemals zu den 
Edelgeschlechtern gehörten; sie waren immer dem niederen Adel angehörig. 
Als solche werden sie Burgmänner auf der Burg Greifenstein''^) gewesen sein und 
gleichfalls, wie dies häufig der Fall war, das Wappen ihres Herrengeschlechts 
angenommen haben. Von ihnen wird sich das dem niederen Adel angehörende 
Geschlecht von Steinbach abgezweigt haben, die seit 1271 in Steinbach, Amt 
Selters vorkommen'") und gleiches Wappen mit den Mudersbach hatten. 

Mehrere Glieder des Geschlechts von Mudersbach, auf dessen Genealogie''*) 
wir hier nicht weiter eingehen können, führten den Namen Greifenstein, zweifel- 
los von ihrem Burgsitze daselbst. Von diesen sollen hier angeführt werden 

Eibelo miles de Greifenstein, Bruder des Ludwig von Mudersbach.'"*) 
Urkundlich wird derselbe 1255, 1259, 1264, 1281 genannt.''") Das Nekro- 
logium des Klosters Marienstatt hat zum 1. Juli die Eintragung „Ohiit Eyhelo 
miles de Grifemtein cum fillis qui henefecerunt nobis.^ Ob der Name des 
Hofes Yvelberg bei Marienstatt auf seinen Namen zurückzuführen ist? 

In welchem Zusammenhange mit ihm Manegoldus de Greifenstein 
steht, der 1274, Juni 2 Zeuge in der Urkunde Hartrads von Merenberg für 
das Deutschordeushaus zu Marburg ist'^'), kann nicht aufgeklärt werden. 

Konrad Wüste von Greifenstein bezeichnet sich 1281, September 18 
als Sohn des Ludwig von Mudersbach.'*') 

Ob und wie endlich Kuno von Greifenstein, dem 1317 das Domkapitel 
vou Köln ein Haus daselbst verpachtete"*^), zu dem Geschlechte gehörte, oder 
ob er Bürger daselbst war, muss dahingestellt bleiben. Die in Frankfurt im 
15. Jahrhundert vorkommende Familie Greifenstein war bürgerlichen Standes. 



"') ir, 121. — '^'"'j Die Zalil der Burgmänner auf Greifenstein wird klein gewesen 
sein. Urkundlich kennen wir als solchen noch den Ritter Everhard von Ilaiger 1288, La- 
corablet II, 852. — '") Nicht 1270, wie Vogel S. 685, der daselbst ungeaclitet dieser 
Angabe die von Steinebacli von 1273 ab vorkommen lässt. — '^*) Die früher von Vogel, 
Annalen I, 2 gesammelten Nachrichten über das Geschlecht können sehr erweitert werden. — 
''^) Wyss, Hess. Urk.-Buch I, No. 201. — ""') Ungedruckte Urkunden, dann Gudenus II, 
121,122; -Mittelrh. Urk.-Buch III, 1305; Wyss, Hess. Urk.-Buch I, 201; Mittelrh. Regg. III, 
1327, 1649. - "") Gudenus IV, 924; Wyas, Hess. Urk.-Buch I, 303. — '**) Ungedruckte 
Urkunde. — '"'j Staatsarchiv Düsseldorf. 



39 

Ebensowenig haben dem Ilorrengeschlechte angehört Kraft von Greifen - 
stein, des Erzbischofs Jacob von Trier Muudkoch, und dessen Sohn Simon, 
Dieses Mundkochs Namen Kraft autfallend zu finden, wie Allmeüröder'") will, 
liegt kein Grund vor. 

b) Die Advocati de Hachenburg-, die mit denselben stammverwandten 

Geschlechter und die Ausbreitung des Stammes der Walpoden von der 

Neuerburg zwischen Rhein, Lahn und Dill. 

Die Geschichte des edlen Geschlechts der Vögte von Hachenburg 
folgt hier im besonderen, weniger wegen der Bedeutung dieses Geschlechts und 
der einzelnen Glieder desselben, als weil hierbei Gelegenheit gegeben wird, 
einige Bemerkungen über eine grosse, vom Rhein über den Westerwald bis 
an die Sieg und die Dill ausgebreitete Blutsverwandtschaft adeliger Geschlechter 
zusammenzustellen. Es ist dies ein Stamm ursprünglich dem Stande der Edlen 
angehöriger, später zum niedern Adel gekommener Geschlechter, welche drei 
Schrägrechts gestellte Rauten im Wappen führten. Dieser Rauten- 
balken bildete die eigentliche Schildfigur; dass die einzelnen Zweige des grossen 
Stammes den Schild in den Farben und durch Beizeichen änderten, ist selbst- 
verständlich. Allen Geschlechtern, die zu dieser weitverzweigten Gruppe ge- 
hörten, ist der Yorname Roricus eigentümlich. Der Vorname Gerhardus 
findet sich häufig. 

Mit Eltester, Rhein. Antiquar. I, 4, S. 534 bezeichnen wir diesen Stamm, 
dem wir übrigens eine viel grössere Verbreitung geben können wie Eltester, 
als den der Walpoden von der Neuerburg; wir betrachten dieses Geschlecht 
als den Urstamm der Gruppe teils wegen seines Alters, teils weil es das Wappen 
in einfachster Gestaltung und ohne jedes Beizeichen führte. Zwar liegt nur 
für w^enige dieser Geschlechter — wie die Reichenstein, Virueburg und Hachen- 
burg — ein urkundlicher Beweis dafür vor, dass sie dem Stamme der Wal- 
poden angehörten, doch kann auch bezüglich der übrigen auf Grund der Wapp3n- 
gleichheit ein Zweifel darüber nicht bestehen. Die Annahme, dass diese Ge- 
schlechter als Ministerialen, besonders Burgmänner eines Edelgeschlechts dessen 
Wappen angenommen hätten, ist hier als ausgeschlossen anzusehen. 

Eine erschöpfende Geschichte der Walpoden von der Neuerburg und der 
stammverwandten Geschlechter soll die folgende Untersuchung nicht geben, so 
lockend auch eine solche Aufgabe ist; dies würde hier zu weit führen. Es 
soll hier nur in der Zusammenstellung der hier in Betracht kommenden Ge- 
schlechter deren Verbreitung nachgewiesen werden. Auf den Nachweis der 
Verbreitung von Stämmen adeliger Geschlechter in einer ähnlichen Weise in 
anderen Teilen unseres Landes ist bisher zu wenig Gewicht gelegt worden.'^') 
Von den Geschlechtern, die im nachfolgenden aufgeführt werden, sind diejenigen 



'■'*) „Herold" 1873, S. 48. — '"^j Einzelne Bemerkungen macht Bodmann bezüglich 
der im Rheingau ansässigen Geschlechter. Die Wappengruppen Glimmenthai, Katzenelnbogen, 
Scharfenstein und Waldeck bespricht Seyler, Geschichte der Heraldik, S. 13-t; diese Zu- 
sammenstellung liesse sich, wie die vorliegende Untersuchung zeigt, erheblich vermehren, 



40 

als die ältesten, d. h. am frühzeitigsten von dem gemeinsamen Stamme 
abgezweigten anzusehen, welche den Rautenbalken ohne jedes Bei- 
zeichen und den Schild einfach und ohne jeden Zierrat führen. 

An die Spitze der Geschlechter stellen wir 

1. die Walpoden von der Neuerburg, über welche namentlich Eltester 
im Rhein. Antiquar. I, 4, 534; Stramberg, daselbst in, 3, 730; Fahne, 
Kölnische Geschlechter und Salm-Reifferscheidt; Hermes, Die Neuerburg a. d. 

Wied gehandelt haben. 

Stramberg a. a. 0. betrachtet das Geschlecht als die Descendenz des 
urkundlich 1187 vorkommenden Lambertus de Nuereburch, eine Hypothese, die 
trotz der Bemerkungen von Hermes anspricht. Dass die Walpoden von der 
Neuerburg dem Herrenstande angehörten, bezweifelt v. Grass"*) ohne Grund. 
Das Geschlecht der \Yalpoden eröffnet urkundlich 1219 Eoricus miles de Nmver- 
hurg qui WaJpodo cognomiuafur.'^') Das Geschlecht siegelte mit den drei 
Rauten ohne Beizeichen.'^') Bei v. Goeckingk sind die Schildfarben nicht 
anf-egeben; vermutlich führten sie dieselben Farben wie die aus ihnen hervor- 
gegangenen Reichenstein, schwarze Rauten in Silber. Nach Angabe von Stram- 
ber'' ist das Wappen der Walpoden von der Neuerburg im Balduineum ab- 



gebildet 



2. Die Herren von Reichenstein, die, wie urkundlich festgestellt"'), 
aus dem vorgenannten Geschlechte hervorgegangen sind. Sie führten die Rauten 
schwarz in Silber, ursprünglich ohne Beizeichen, später begleitet von einem 
Stern oder in einem mit Schindeln bestreuten Felde. 

3. Die Nobiles deVirneburg. Über die einzelnen Glieder dieses seit 
dem Anfange des 13. Jahrhunderts, wenn nicht schon seit dem Ende des vor- 
hergehenden, vorkommenden Edelgeschlechts, auf die wir hier nicht eingehen 
können, giebt das Mittelrheinische Urkundenbuch zahlreiche Urkunden; dasselbe 
haben behandelt Eltester im Rhein. Antiquar. I, 4, 534; Fahne, Kölnische 
Geschlechter I, s. v. Virneburg, H, s. v. Reichenstein; Fürsten von Salm- 
Reifferscheidt und Hermes a. a. 0. Dass sie consanguinei der Walpoden, ist 

urkundlich bezeugt. 

Bezüglich der Abstammung dieses Geschlechts hat dessen Namen Ver- 
wirrung angerichtet; selbst besonnene Genealogen haben dasselbe, durch den 
Namen irre geleitet, als einen Zweig der Grafen von Yirneburg in der 
Eifel oder wenigstens als ein Burgmannsgeschlecht dieser Grafen 
auf der Burg Virneburg angesehen. Selbst Eltester a. a. 0. sucht den 
Ursprung dieses Geschlechts in der Eifel. 

Dieser irrigen Ansicht entgegen ist auf das Bestimmteste zu betonen, dass 
die Heimat dieser Edelherren von Virneburg nicht in der Eifel, sondern 



'■") V, Goeckingk, Abgestorbener Nass. Adel. Da die nachstehend verzeichneten 
Geschlechter dort meistens besprochen sind, kann von einer weiteren Bezugnahme auf dieses 
Buch in jedem Einzelfalle al)gcsehcn werden. - "^) Vergl. die bezüglichen Urkunden im 
Mittelrh. Urk.-Buch. - ^ Vergl. Taf. I, Xo. 12. - '^«) Über dieses Geschlecht sind d.e 
bei den Walpoden angeführten Werke zu vergleichen. 



41 

am rechten Rheinufer in der Xähe des Wiedbaches und von Wald- 
breitbach zu suchen ist. Irren wir nicht, so ist der Name des Stammsitzes 
dieses Geschlechts noch heute erhalten in dem Namen des Distrikts „an dem 
Firneberg" im Kirchspiel Rheinbreitbach, unterhalb Waldbreitbach 
und Linz.'**') 

Das Wappen bilden drei schrägrechts gestellte Rauten, deren jede durch 
zwei Diagonalen geteilt ist, jedes der entstandenen Dreiecke ist durch einen 
Punkt ausgefüllt; der Schild ist durch Gitterwerk, dessen Vierecke wiederum 
durch einen Punkt gefüllt sind, damasziert. So siegelte Ernst von Yirneburg 
an der Urkunde des Düsseldorfer Staatsarchivs von 1256, Februar 26'*'), La- 
comblet II, S. 229, sowie an einer Urkunde des Koblenzer Staatsarchivs von 
1275. Das letztere, von Straraberg im Rhein. Antiquar. I, 4, S. 535 be- 
schriebene Siegel ist abgebildet bei Seyler, Geschichte des Siegels, S. 281, 
Figur No. 256. 

An diese Geschlechter schliessen sich östlich 

4. Die Herren von Gevertzhagen, Gebhardshain'*'), so genannt 
von ihrem Stammsitze in der Gemarkung Görsbach bei dem Dorfe Gebhards- 
hain, Herrschaft Freusburg. Das Geschlecht kommt urkundlich seit etwa 1220 
vor; es erlosch in dem Hauptstamme 1733, in der auch nach Sachsen ver- 
zweigten Linie Lützerode erst in neuester Zeit. Der Hauptstamm führte drei 
silberne rechtsschräge (mitunter auch linksschräge) Rauten in rotem Felde, die 
Nebenlinie Gevertzhagen-Lützerode die Farben ebenso, hingegen der nach Sachsen 
gekommene Zweig die Rauten silbern in blauem Felde. 

Das älteste urkundlich bekannte Glied dieses Geschlechts ist der dominus 
Roricus de Gebeharteshain'"^); der Titel erweist die Zugehörigkeit zu dem Herren- 
stande. 

Auf die Verwandtschaft des Geschlechts mit den Vögten von Hachenburg 
kommen wir zurück. 

Wohl nicht richtig ist es, wenn Kröll'^*) ein in der Kirche des Klosters 
Marienstatt angebrachtes Wappen mit dem Rautenschilde diesem Geschlechte 
zuschreibt; es wird eher den Vögten von Hachenburg gehören. 

Gebhardshain liegt etwa 1^4 Meile nördlich von Hachenburg, wir schliessen 
deshalb an die Herren von Gevertzhagen die Geschlechter, welche sich in und 
um Hachenburg und das nahe gelegene Kirburg gruppieren, nämlich 

5. die Vögte von Hachenburg, welche zum Schluss eingehender be- 
sprochen werden sollen. 

6. Die Herren von Kirburg. Von diesem bei v. Goeckingk fehlen- 
den Geschlechte, auf das wir bei den folgenden Langenbach zurückkommen. 



^^) Doch ist es zweifelliaft, ob dieses Virneburg oder das linksrheinische in der eben- 
angeführten Urkunde von 1275 gemeint ist, durch welche Ernst von Virneburg, genannt von 
Blankenberg, an Wilhelm von Waldeck seinen Anteil an Gütern zu Virneburg verkauft, vergl. 
Mittelrh. Regg. IV, Xo. 244. — '«') Vergl. Taf. [, No. 13. — ''-) Vergl. Kroll, Die Pfarrei 
Gebhardshain; Fahne, Kölnische Geschlechter I, s. von Gevertzhagen. — '") Lehmann, 
Dynasten von Westerburg, S. 112; Kroll .*>. 7S. — '^*} S. 82. 



42 

ist nur Johann in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts bekannt, weshalb es 
unsicher bleibt, ob er ein besonderes Geschlecht repräsentiert, oder ob sich 
unter seinem Xamen ein anderer Zweig des grossen Stammes verbirgt. 

7, Die Herren von Langenbach, von dem Dorfe gleichen Xaraens nord- 
östlich von Kirburg. kommen vor 1261 — 1654 und führten 3 silberne Rauten 
in blauem, mit roten (?) Schindeln bestreuten Felde, also ein dem der von 
Gevertzhagen-Lützerode gleiches Wappen. 

Das später in mehrere Linien geteilte Geschlecht trug Lehen von Xassau- 
Weilburg; Graf Philipp H. von Nassau -Weilburg belehnte mit denselben, wie 
sie Johann von Kirburg gehabt"^), 1450 die Hube von Hohenstein, später 
Graf Philipp in. den Philipp von Nassau zu Camberg. Hiergegen führten 1527 
Gerhard von Langenbach und sein Sohn Johann Prozess, indem sie diese Be- 
lehnung als erschlichen bezeichneten und die Lehen als ihr Erbe forderten. 
Philipp von Nassau trat die Lehen ab und die von Langenbach erhielten 1527 
die Belehnung mit dem Zehnten zu dem Altenkloster bei Marienstatt, dem 
Zehnten zu Morien, zu Nangkhusen (jetzt Neunkhausen), zu Morinhusen, zu 
Mariingen, zu Kirburg, zu Maden, in den Biecken bei Kirburg, den Hof zu 
Kirburg, genannt lunffer Truden hoff, den Johann von Kirpurg inne- 
gehabt hatte, die Vogtleute zu Daaden, Sassenroth, Nisterberg, Ober- und 
Nieder-Dreisbach, Holtzluge, Reinsdorf und zu Gersdorf niederwendig der 
Boelsbach und den Hof zu Niederselters bei Kirberg. 

Dass unter diesen Lehen sich solche befanden, welche früher den Yögten 
von Hachenburg gehörten, ist nicht unwahrscheinlich. 

Dass die Langenbach auch weiter Erben der Vögte von Hachenburg 
waren, wird durch anderweitige Güter derselben wahrscheinlich gemacht.''^) 

Von dem Stamme Langenbach zweigten sich ab und waren im Besitz 
einzelner der vorgenannten Lehngüter 

a) die von Langenbach-Mauden,' von dem Dorfe Mauden im Amte 
Freusburg, nicht aber im Seibacher Grunde, Kreis Siegen, wie 
V. Grass'^') angiebt, der das Geschlecht als ein selbständiges be- 
handelt. Von ihnen teilte sich ein weiterer Zweig von Müden, ge- 
nannt Steinrück, ab. Das Geschlecht führte die Rauten in einem mit 
Schindeln bestreuten Felde, 

b) die von Langenbach-Sassenrode, vom Dorfe Sassenroth bei Alten- 
kirchen. 

Christian von Sassenrode, den v. Grass"") als zu dem Geschlechte ge- 
hörig anführt und dessen Wappen, ein Schrägen, daselbst abgebildet ist, kann 
nicht zu diesem Geschlechte gehört haben. 

8. Die Herren vonDers, die seit 1272—1508 vorkommen, führten die 
drei Rauten ohne Beizeichen; Farben sind nicht bekannt. Stammsitz ist das 
Dorf Dorschen bei Friedewaid, nahe bei dem vorgenannten Langenbach. 



•3*) Vojjel S. «97 ; Heyn, Westcrwald S. 11^, 179. — '^^) Aufgefülirt bei Heyn, 
Wester wald S. 179. — '■") v. Goeckingk, s. v. Müden. — '-"'; v. Uoeckingk, 8. v. 
Sassenrod. 



43 

9. Die Herren von Imhauson. Wilhelm von Imhausen, der die 
Rauten in einem mit Schindeln bestreuten Felde führte, verpfändete 1445, Juli 9 
seinen Hof zu Imhausen — jetzt Emerzhausen bei Freusburg? — an seine 
Brüder Heintze und Heinmann. Johann von Imhausen versetzte 1448, De- 
zember 7 denselben Hof mit Erlaubnis des Grafen von Sayn an Johann Kreye. 
Derselbe Johann und seine Frau Neesgin versetzen mit Erlaubnis des Grafen 
Gerhard von Sayn ihren Teil, d. i, die Hälfte, des Hofes zu Imhausen mit 
Odentorff ihren Magen, den Brüdern Heinrich und dessen Frau Katharine und 
Heynmann von Imhausen; Johann führt die Rauten in einem mit Lilien be- 
streuten Felde. 

1454, Januar 6 werden die Brüder Heyntze und Heynmann von Imhausen 
von Sayn mit dem halben Hofe zu Imhausen, mit dem Xodenberge und mit 
vier Mark Geld zu Selters belehnt, anscheinend als Erstbelehnung. Mit den- 
selben Gütern und dem Burgsitz zu Freusburg wird belehnt 1476, Januar 6 
Rorich von Imhausen und nach dessen Tode sein minderjähriger, unter Vor- 
mundschaft Jacobs von Müden stehender Sohn Johann. 

Die Angabe von v. Grass'^^), dass die Imhausen 1421 den Trudenhof zu 
Kirburg besessen hätten, beruht auf dem Missverständnis der Angaben bei 
Vogel, S. 697. 

10. Die Herren von Wilmerode, deren Sitz Willmenrod bei Wester- 
burg war. Sie führten die Rauten teils ohne Beizeichen, teils von einem Stern 
im linken Obereck begleitet. 

Am weitesten südlich haben sich verzweigt die Schenken von Lieben- 
stein, die seit etwa 1300 auf der Burg Liebenstein bei Braubach erscheinen. 

Sie führten drei schwarze Rauten in Silber, mit einem roten Turnierkragen 
bedeckt; nach den Wappenfarben stehen sie den Neuerburg oder Reichen- 
stein nahe. 

Der östlichste Punkt, den das Geschlecht eingenommen hat, ist Seibach, 
Altenselbach im Grunde Sei- und Burbach im Kreise Siegen. Hier, nicht 
weit östlich von den vorhin genannten Sitzen Sassenroth, Derschen und Mauden 
Sassen in Seibach die Herren von Seibach, deren Abzweigung vom Haupt- 
stamrae urkundlich nicht nachweisbar ist, die aber sicher spätestens um die 
Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgt ist. Ob die anzunehmende Niederlassung eines 
Zweiges der Walpoden oder eines aus diesen hervorgegangenen Geschlechts 
auf einer, mit selbständiger Gründung einer Burg verbundenen Eirwanderung 
in das Siegenerlaud beruhte, oder ob der erste in Seibach ansässige Walpode 
dort die Erbtochter eines bereits sesshaften Geschlechts beiratete, bleibt dunkel. 
Im Siegener Lande sind überhaupt alle Adel-^geschlechter als eingewandert 
anzusehen, für keines derselben ist der Ursprung im Lande nachzuweisen.^"") 
Dies trifft, wie das Wappen erweist, auch die von Seibach, welche drei schräg- 
rechts gestellte schwarze Rauten in goldenem Felde führten. 

Die Herren von Seibach nehmen von allen Geschlechtern, welche aus der 
grossen Gruppe der Walpoden von der Neuerburg hervorgegangen sind, durch 



199 



) V. Goeckingk, 3. v. Imhausen. — -^"'^) Philippi, Siegener Urkundenbuch, S. XXXV. 



44 

ihre eigenartige Entwicklung ein besonderes Interesse in Anspruch. Aus ihnen 
und auf der Burg zu Selbaeh hat sich frühzeitig eine sehr zahlreiche Ganerb- 
schafc gebildet, die uns als Korporation entgegentritt und welche bereits im 
Jahre 1288 ein eigenes Siegel mit der Umschrift: „f S. [unijversitatis . de . Selbac** 
führte: der durch Gitterwerk, dessen einzelne Felder durch eine Kugel gefüllt 
sind, damaszierte Schild zeigt die drei schrägrechts gestellten Rauten.-"') 

Ganerbschaften dieser Art sind in Mittel- und Süddeutschland häufig; 
weiter nordwärts, z. B. in Westfalen, kommt eine solche nicht mehr vor.'"*) 
Besonders häufig finden sich solche im Bereiche des späteren Herzogtums Nassau; 
gerade die Ganerben von Seibach hatten als Muster die Ganerbschaft auf der 
Xeuerburg und auf dem Reichenstein, aus der sie hervorgegangen waren, 
vor sich. Philippi hat sich'"^) bemüht, den Ursprung dieser Ganerbschaft auf- 
zuklären, aber ohne Erfolg. Er meint, das Wappen derselben sei frei gewählt, 
wenigstens lasse sich nicht erweisen, dass es dem W^appen einer der in der 
Xähe wohnenden Dvnastenfamilien, welche auf die Ganerbschaft Eiufluss aus- 
übten (zunächst Sayn und Molsberg) nachgebildet sei; auch sei der Ursprung 
nicht nachweisbar. Letzteres ist gewiss soweit richtig, als es sich um urkund- 
liche Belege der Abstammung handelt; diese fehlen uns. Im allgemeinen aber 
dürfte durch Vorstehendes die Frage dahin gelöst sein, dass wir die Ganerben 
von Seibach als hervorgegangen aus der Gruppe der Walpoden von der 
Neuerburg anzusehen haben. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts bauten die 
Walpoden die Ganerbenburg Reichenstein an der Wied bei Waldbreitbach, 
die 1256 fertig war — sollte diese Zeit auch die Zeit der Errichtung ihrer 
weiter östlich belegenen Burg zu Seibach im Siegener Laude sein? 

Die Zahl der Geschlechter, welche auf dieser Ganerbenburg sassen, belief 
sich auf zehn ; sie führten meistens den Stammnamen Selhach mit einem Bei- 
namen; im Schilde führten sie neben dem Rautenbalken ein nach den Zweigen 
verschiedenes Beizeichen. Der Name Rorich kommt bei ihnen, namentlich bei 
denen von Buvbach, öfter vor. Die einzelnen Geschlechter, auf die hier nicht weiter 
eingegangen werden kann, sind bei Arnoldi, v. Goeckingk — hier nebst 
Abbildungen der Wappen — und auch bei Philippi im Register zum Siegener 
Urkundenbuch verzeichnet. 

Endlich sind noch vier zu der Gruppe gehörige Geschlechter zu verzeich- 
nen, die ihren Sitz an der Dill hatten, von denen es aber ungewiss ist, ob sie 
zu der Seibacher Ganerbschaft gehörten, nämlich 

13. die Herren von Almesdorf, die ein Lehen im Amte Rennerod 
hatten; ihr Stammsitz könnte Amdorf bei Herborn gewesen sein. Sie führten 
1342 die Rauten ohne Beizeichen, 

14. ein zweites Geschlecht von Bicken, vermutlich mit dem älteren, 
nicht stammverwandten Geschlechte gleichen Namens zu Bicken, östlich von 
Herborn sesshaft und wohl durch Heirat dort zur Ganerbschaft gelangt. Sie 
führten rote Rauten in goldenem Felde, 



*'"> Philippi a. a 0. uml dio Abbild, daselbst auf der Siogoltüfol No. l), mit imzutretfender 
Eigänzun;^'; nowie hier Taf. 1, No. 11. ~ -'') Philippi a. a. O. — -"^) A. a. 0. S. XXXVI. 



45 

15. die schon genannten Herren von Burbach, seit etwa 1300 vor- 
kommend, bei denen wir den Gesclilechtsnamen Rorich öfter finden. Sie führten 
die Rauten ohne Beizeichen, vergl. die Abbildung Taf. I, No. 14, 

16, die Herren von Scheid, deren Sitz in dem zwischen Herborn und 
Dillenburg belegenen Niederscheid lag. Im Schilde führten sie neben den 
Rauten ein nicht weiter bekanntes Beizeichen. 

Nach dieser übersichtHchen Darstellung der Verbreitung der Gruppe der 
Walpodeu kehren wir zur Geschichte der 

Yögte von Hachenburg 

zurück. Urkundlich kommen dieselben seit 1222, vielleicht seit 1215 vor; wie 
und wann sie sich von den Walpoden abgezweigt haben, ist nicht erweislich; 
aus den Urkunden scheint nur hervorzugehen, dass die Geschlechter Walpod, 
Virneburg und Gevertzhagen diejenigen der Gruppe waren, denen sie verwandt- 
schaftlich und rücksichtlich der Abstammung am nächsten standen. 

Als ältestes Glied des Geschlechts kennen wir Roricus zu Anfang des 
13. Jahrhunderts; doch dürfte eine Vermutung zulässig sein, welche es ge- 
stattet, das Geschlecht noch um eine Generation zurückzuverfolgen und als 
ältestes bekanntes Glied des Geschlechts den dominus Henricus advocatus 
de Westerburg, mit welchem sich sein Lehnsherr Sifried von Runkel zu Wester- 
burg etwa zu Anfang des 13. Jahrhunderts wegen mehrerer Streitfälle verglich^"*}, 
hinzustellen. Aus der Bestimmung in der Urkunde : Pncri achocati non nnhent 
extra Jamiliam domtnornm fiuorum nisi de commnni pafris (S'ifrkli) et ßlionnn 
Ucencia etc. können wir wohl den von Lehmann nicht weiter bestimmten wich- 
tigsten Streitpunkt entnehmen. Söhne Heinrichs oder wenigstens einer derselben 
hatte ohne Genehmigung seines Lehnsherrn eine Frau aus einem Geschlechte, wel- 
ches nicht zur Lehnsmannschaft Sifrids von Westerburg gehörte, geheiratet und 
sich dann, durch diese Heirat anscheinend zu selbständigem Besitz gelangt, der 
Lehnshörigkeit und Lehnspflicht gegen seinen Lehnsherrn entzogen, worauf der 
Lehnsherr in der nach dem Lehnsrecht zulässigen Weise gegen Heinrich Vogt 
von Westerburg und seinen Sohn vorging. Durch den Vertrag wurde der 
Streit geschlichtet, Heinrich und seine Söhne traten wieder in den Besitz ihrer 
Westerburgischen Lehen — Borico et ßUis mis a padicipacione istorum non 
exclusls. Da nun der Wortlaut des Vertrages die Annahme zulässt, dass von 
den Söhnen des Heinrich Vogt von Westerburg der dort genannte Roricu8 
eben derjenige war, der durch seine ohne Genehmigung des Lehnsherrn ge- 
schlossene Heirat den Streit veranlasst hatte, so kann die Vermutung gewagt 
werden, dass dieser Roricus und der mindestens seit 1222 urkundlich genannte 
Roricus advocatus de Hachenburg ein und dieselbe Person sind. 
Beiläufig sei hier darauf hingewiesen, dass sowohl der Vogt Heinrich wie auch 
der als Zeuge unter den Burgmännern von Westerburg genannte Roricus de 



^"*) Lehmann, Dynasten von Westerburg, Urk. Xo. 2. Die undatierte Urkunde wird 
hier um 1220 gesetzt, was im allgemeinen richtig sein mag. 



46 

Gebeharteshain die Bezeichnung dominus in der Urkunde erhalten, also dem 
Herrenstande angehörten. 

Auf Grund dieser Vermutung betrachten wir also als ältestes Glied des 
Geschlechts 

I. Hen'ricus advocatus de Westerburg. Ausser dem vorhin Be- 
merkten ist über ihn nichts bekannt. Nach der eben besprochenen Urkunde 
hatte derselbe mehrere Sühne; wir nennen zuerst 

n. Roricus, der in der eben angeführten Urkunde unter den Söhnen 
des Vo"'tes Heinrich insofern eine Ausnahmestellung einnimmt, als ihm und 
seinen Söhnen ausdrücklich der Mitbesitz der Westerburgischen Lehen des 
Vaters gewahrt wird. Er ist zweifellos derjenige der Sühne, der durch er- 
heirateten Gutsbesitz eine besondere, mächtige Stellung errungen und in dieser 
sich dem Lehnsverbande gegen Westerburg entzogen hatte. Diesen Rorich 
können wir für ein und dieselbe Person mit dem um diese Zeit auftretenden 
Roricus advocatus de Hachenburg halten, dessen Gattin Guda von Greifenstein, 
des Rudolf von Beilstein-Greifenstein, letzten seines Stammes, Schwester war.-°^) 
Fülo-en wir bezüglich des Rorich hier den Andeutungen der angeführten Urkunde, 
so hatte derselbe mit seiner Gemahlin Guda den Besitz der Herren von Greifen- 
stein in und bei Hachenburg erheiratet. Alle urkundlichen Nachrichten über 
diesen nicht unerheblichen Besitz zusammenzustellen, würde hier zu weit führen; 
derselbe ging zum grossen Teile durch Schenkung an das Kloster Marienstatt 
über, zu welchem die Herren von Greifenstein enge Beziehungen unterhielten, 
wie ihre Eintragungen in das Nekrologium des Klosters neben zahlreichen Ur- 
kunden erweisen. Die Fischerei zu Ehrlich bei Kroppach, wohl das letzte 
Greifensteiner Gut bei Hachenburg, kaufte das Kloster 1408 von Ruprecht H. 
von Greifenstein.-"^) 

Rorich Vogt von Hachenburg kommt urkundlich zuerst 1215 vor; sein 
Tod ist anscheinend 1228 erfolgt. Seine Witwe Guda erreichte ein erheblich 
höheres Alter; sie ist vermutlich 1270, September 8 gestorben. Die über beide 
vorliegenden urkundlichen Nachrichten sind bereits zusammengestellt^**'), ebenso 
die Nachrichten über die Kinder beider, sodass die folgenden Angaben nur Er- 
gänzungen des bereits Mitgeteilten bringen. 

Eingehender ist noch zu besprechen 

Heinrich IL, Vogt von Hachenburg, etwa 1220—1276, der älteste 
Sohn Rorichs und der Guda. Dass Rorich Vogt von Hachenburg um 1220, 
bei Abschluss des Vergleichs zwischen seinem Vater Heinrich L und Sifrid von 
Runkel bereits Söhne hatte, die aber anscheinend noch in jungen Jahren sich 
befanden, ist bereits angegeben."") Als den ältesten dieser Söhne betrachten 
wir Heinricli H. Henricus advocatus de Haggioberg erscheint urkundlich zu- 
erst 1244-°'), dann 1247, August 29.''") In einer Urkunde von 1248, Juni 27 

*"*) Vergl. die Ausführungen oben S. 11 ff. - '"'") Vergl. oben S. 35. — ""'') Vergl. 
oben S. 11. — ^"') Oben S. 12. — '^'"') Mittelrh. Urk.-Buch HI, No. 805; Mittelrh. Regg. III, 
40:{; Ilammerateinäches Urkundenbucli No. s'.t. - -'") Günther, Cod. dipl. II, No. 119; 
.Mittelrh. Urk.-Buch lil, Xo. '.il2; Uegg. III, Xo, :,:}G. 



47 



verbüro-en sich für den Aussteller, den burgravius Gerhardus de Landescrona, 
dessen consangmnci cuhocatus de Haclenherg et frater eins Ernestus de Virne- 
biirg et Henricus ßUus qnondani Chrhtiani; da der Druck'") die Namenreihe, 
so wie vorsteht, giebt, ist Ernst von Virneburg öfter als der Bruder des Advocatus 
ano-esehen worden; dies ist irrig und kann die Schwierigkeit leicht durch Setzung 
einer Interpunktion hinter eius gehoben werden. Es ist vielmehr hier von 
einem nicht mit Namen genannten Bruder Heinrichs die Rede, über welchen 
das Erforderliche bereits gesagt ist/") Am 26. Februar 1256 belehnte der 
Erzbischof von Köln den Walpoden von der Neuerburg und dessen Stammver- 
wandte mit der von jenem erbauten Burg Reichenstein im Kirchspiel Puder- 
bach ; als consanguinei werden neben andern genannt Ernst von Virneburg und 
der Advocatus de Haggeuberg.-'^) Mit Urkunde vom Januar 1261 verkaufen 
Henricus advocatus de HacJcinherch una cum uxore (niea) Iriiigarde et de cou- 
sensu et libera voluntate cohercdum sein Gut zu Todenberg an das Kloster 
Marienstatt.-''^) Die Urkunde ergiebt den Namen seiner Gemahlin — Irmgard 
— sowie den Umstand, dass beide zur Zeit der Ausstellung kinderlos waren 
und dass deren Kinder, wenn solche vorhanden gewesen, vor diesem Zeitpunkte 
(gestorben waren. Mit dem Kloster Marienstatt befand er sich übrigens in dieser 
Zeit im Streite, da Papst Alexander IV. durch Bulle vom 2. Februar 1261 
mehrere Bonner Geistliche mit dem Schutze von Marienstatt gegen dessen Feinde, 
unter welchen der nobilis vir Hinricus advocatus de Hagenberg genannt wird, 
beauftragte.-''') Am 21. Juni desselben Jahres treffen wir ihn als Zeugen in 
einer Sayner Urkunde."*') Ebenfalls als Zeugen treffen wir ihn in dem Ver- 
gleiche Sifrids von Westerburg mit dem Grafen Heinrich von Diez.^") Als Dienst- 
mann der Gräfin Mechtild von Sayn erscheint er urkundlich 1264, Februar 27; als 
Bürge für den Grafen Johann von Sponheim-Sayn 1264, April 1 zu Bonn.-'") 
Als Zeugen finden wir ihn ferner 1267, September und 1268, Januar 25."') 
Am 7. Februar 1270 verkaufen domina Guda advocatissa in Haggenberg et 
filii ipsiiis Henricus advocatus et Crafto dominus de Grißnstein dem Kloster 

Marienstatt Ländereien zu Hailstrut, darunter particulam que particule 

Rorici et Hcrntanni de Gevcrzhan milituM equcdis existit et conpnrs."") Im Mai 
desselben Jahres war er Zeuge für den Grafen Gotfrid von Sayn, ebenso am 
15. August desselben Jahres, wo er die Urkunde des Grafen besiegelt."') An 
dieser Urkunde ist Heinrichs Siegel erhalten; der Wappenschild zeigt die drei 
Schrägrechts gestellten Rauten, oben von drei, unten von zwei Lilien begleitet; 



211\ 



) Mittelrh. Urk.-Buch III, No. 954. Zur Sache vergl, die weiter dort mitgeteilten, 
Ernst von Virneburg betreffenden Urkunden, das Register daselbst, sowie Mittelrh. B.egg. III, 
No. 1281. — •'') Vergl. oben S. 13. - -'^) Lacomblet II, 424; Mittelrh. Urk.-Buch III, 
No. 1335, sowie die vorstehend bei Besprechung des Geschlechts von Reichenstein genannten 
Schriften. — *'*) Vogel S. 704 mit dem Jahre 1260. — -'^) Mittelrh. Regg. III, 1680. — 
^■8) Hüfer, Auswahl No. 5; Hammersteinsches Urk.-Buch No. 111; Mittelrh. Regg. III, 
1703. — -1') Ilammersteins'.hes Urk.-Buch No. 116; An dem in Marburg l.efindlichen Ori- 
ginal scheint ein Bruchstück seines Siegels erhalten zu sein. — ^"') Günther, Cod. dipl. II, 
No. 203, 204. — 2'^) Lacomblet II, .■)72, 576; Hammersteinschos Urk.-Buch No. 122. — 
■•") Vergl. oben S. 11. — -''J Ungedruckte Urkunde, 



48 

von der Umschrift erhalten: f S. Henri ti de Hachinberg. Abbildung 

des Siegels ist auf Tafel I unter No. 2 beigegeben. Weiterhin wird Heinrich 
nur noch einmal genannt; er besiegelt eine ungedruekte Urkunde der Brüder 
von Steinenbaoh für das Kloster Marienst;itt vom 13. Deceraber 1271; hier ist 
sein Siegel stark beschädigt. Er dürfte bald darauf gestorben sein ; sicher aber 
hat er im Jahre 1276 nicht mehr gelebt, als — am 4. Februar — die Grafen von 
Sayn und die Herren von Molsberg ihre, langjährige Streitigkeiten beendenden 
Vergleiche mit dem Kloster Marienstatt abschlössen. Hätte er an diesem Tage 
noch gelebt, so wäre er mit Gewissheit unter den Zeugen zu erwarten gewesen. 
Sein Fehlen in der Zeugenreihe lässt seinen Tod voraussetzen. 

Mit ihm starb das letzte männliche Glied des älteren Zweiges des Hauses 
Hachenburg; über seine Anverwandten und deren Nachkommen, die in den 
Besitz der Herrschaft Greifenstein kamen, ist gehandelt.'") 

Über Heinrichs Gemahlin Irmgard ist die einzige vorhandene urkundliche 
Angabe vorhin angeführt. Aus jener Urkunde vom Januar 1266 ist dort ge- 
schlossen, dass Kinder aus dieser Ehe, falls solche gelebt haben, vor Ausstellung 
derselben gestorben waren. Als Kind beider dürfte eine Tochter Elisabeth an- 
zusehen sein, deren Todestag sich im Nekrologium des Klosters Marienstatt zum 
3. Juni mit der Eintragung hndet: Obiif EUjzabeth ßlia advocafi in Hachen- 
herf] ([ue legavit omnia bona sua. 

ni. Über Kraft, des Heinrich zweiten Sohn, den wir aus einer einzigen 
Erwähnunir im Jahre 1281 kennen, dessen Sohn Gerhard I. in den Mitbesitz 
von Greifenstein kam, vergl. oben S. 16. 



Über den Sitz der Vögte von Hachenburg in der Stadt Hachenburg liegt 
keine Angabe vor. Vogel"') sucht ihn auf der urkundlich zuerst 1247 vor- 
kommenden Saynischen Burg; der Geschlcchtsname Advocatus de Hachenburg 
bringt ihn zu der Annahme, dass das Geschlecht bei seiner ersten urkundlichen 
Erwähnung als V()gte auf der Burg gesessen hätte und diese also schon da- 
mals Landesburg gewesen sei. Diese Annahme ist wohl nicht haltbar, wenn, 
wie vorhin ausgeführt, Rorich Vogt von Hachenburg den Namen Advocatus nicht 
von seiner Dienststellung in Hachenburg führte, sondern von seinem Vater 
Henricus advocatus de Westerburg übernommen hatte und ihn mit der Änderung 
des Westerburg in Hachenburg beibehielt, nachdem er durch seine Ehe mit 
Guda von Greifenstein die Greifensteiner Güter in und bei Hachenburg er- 
heiratet hatte. Hiernach wäre eher anzunehmen, dass die Advocati de Hachen- 
burg in Hachenburg einen besonderen Sitz neben der Landesburg hatten, deren 
Aufdeckung durch Lokalforschung vielleicht gelingt. 

Kröll-'") giebt an, was Lotz entging, dass der Schlussstein des Gewölbes 
über der Orgel in der Klosterkirche zu Marienstatt das Wappen des Geschlechts 



"«) Oben S. 15. — -") S. r,90; Lotz ri. 202 folgt ihm. - -'-^ (Jebhardsliain S. 82; 



vergl. oben S. 41. 



Kleine Beiträge zur Genealogie des Hauses Nassau, 

(Vergl. Annal. XYIIl, 233 ff.) 

Von 

Dr. W, Sauer^ 

Königl. Archivrat und Staatsarohivar zu Wieäbaden. 



I. Linie idstein-Wiesbaden. 

a) Graf Heinrich von Nassau-Wiesbaden, saec. XV. 

Die Nachrichten, welche Yogel in der Beschreibung des Herzogtums 
Nassau, dann die neueren Genealogen wie Cohn, Behr u. a. über den Grafen 
Heinrich von Nassau -Wiesbaden, den Sohn des Grafen Walram (f 1393) und 
der Bertha von Westerburg, bringen, sind aus Hagelgans, Nassauische Ge- 
schlechtstafel S. 31 entlehnt. Menzel, Geschichte von Nassau, V, 106, Note 
äussert jedoch Zweifel bezüglich dieses Grafen Heinrich; er bemerkt: „Am lieb- 
sten hätte ich diesen Heinrich und seine Gemahlin Anna von Groningen (in 
Schwaben) ganz gestrichen, da ich nur bei Hagelgans S. 28, 31 und Joannis, 
Rer. Mog., I, 788 Nachrichten über beide gefunden habe. Hagelgans schöpfte 
aus Joannis und dieser aus einem alten Manuskript, das er zu charakterisieren 
unterlassen hatte. ** 

Diese Ausführung Menzels ist nicht zutreffend. 

Zunächst hat Hagelgans nicht aus Joannis geschöpft, sondern vielmehr 
beide aus ein und derselben ihnen leicht zugänglichen Quelle, nämlich aus des 
Johann Andreae Genealogienbuch der Linie Nassau-Wiesbaden, wie im Folgen- 
den gezeigt wird. 

Der weiter gegen Joannis erhobene Vorwurf, dass er es unterlassen 
habe, das benutzte Manuskript zu charakterisieren, ist gleichfalls hinfällig. 
Joannis macht aus der in Frage stehenden Handschrift an drei Stellen des 
ersten Bandes Mitteilungen, nämlich 

1. teilt er S. 777', Note d, die Grabschrift des 1393 verstorbenen 
Grafen Walram mit, ohne Zweifel aus dem vorhin angeführten, hand- 
schriftlich erhaltenen Werke des Johann Andreae S. 58, wo dem 
Texte eine Abzeichnung des Grabsteins des Grafen Walram, an- 

4 



54 

scheinend von der Hand des Idsteiner Hofwappenmalers Heinrich 
Dors, beigegeben ist, 

2. daselbst Note e; hier sind die Worte: „Grave Walram folget nach 
seines herrn Vaters todtfall in der Regierung und ward vermählt 
an Bertham Grävin von Westerburg anno 1374" aus Andreae S. 19 
entlehnt, wie sich gleich ergeben wird. 

3. S. TTS**, Note 1* mit den, den in Frage stehenden Grafen Heinrich 
betrelFenden Worten : „Nobis qnidein niisqiKun allhi occurrit quam 
in itianuscripfo se)ncl ifernmqne lam dicfo^ cidus prohide verha iu' 
rahit apponere : Grav Walram ward vermählt an Bertham, Grävin zu 
Westerburg. Bekamen zween Söhne, Adolfen und Heinrichen. Jezt- 
bemelter Heinrich nahm zum Ehegemahl Annen von Groningen; 
stürben beyde ohne Leibserben. " 

Die hier von Joannis leise angedeuteten Zweifel an der Existenz des 
Grafen Heinrich haben Menzel anscheinend zu jener kritischen Bemerkung, 
gegen deren Begründung erhebliche Bedenken vorliegen, veranlasst. 

Zunächst genügt die von Joannis gegebene Charakterisierung seiner 
Handschrift vollkommen, um dieselbe mit Leichtigkeit ausfindig zu machen 
und festzustellen. Joannis benutzte hier, wie schon bemerkt, das von Johann 
Andreae 1638 fertiggestellte „Nassaw -Wiesbad- und Idsteinisch Genealogien- 
buch" (handschriftlich im Königl. Staatsarchive). Dem Texte sind verschieden- 
artige Beilagen vorgebunden, namentlich Bruchstücke einer etwa gegen Ende 
des 16. Jahrhunderts geschriebenen Abschrift des „Rothen Idsteiner Genealogien- 
buches" und der von Konrad Lesch von Braunfels etwa um ebendieselbe Zeit 
verfassten Fortsetzung desselben.^) 

Die Aufzeichnungen des Konrad Lesch über den Grafen Heinrich haben 
sowohl Joannis wie auch Hagelgans für ihre Mitteilungen über denselben 
vorgelegen. 

Ausser der eben bezeichneten Abschrift der von Konrad Lesch verfassten 
Fortsetzung des Genealogienbuches liegt in Msc. A 43 des Kunigl. Staatsarchivs 
das von ihm eigenhändig geschriebene Konzept seines Werkes vor. Aus beiden, 
Konzept und Abschrift, folgt die in Betracht kommende Stelle hier: 

Abschrift im Genealogienbuch des 



Konzept des Konrad Lesch: 

GrafF Walram volgt nach seines 
herrn vattern dotfal in der regierung 
und wert vermehelt an Berta grevin 
zu Westerbergk anno 1374. Diese 
bekhamen zweu son, Adolf und Hein- 
rich. Itzbemelter Heinrich nam zum 
Ehegemahel Anna von Groningen, stur- 



Joh. Andreae: 
Grave Walram folget nach seines 
herrn vatters todtfall in der regierung 
und wardt vermehlet an Bertham 
Grevin zu Westerburg anno 1374, 
Bekamen zwei söhn, Adolfen und 
Heinrichen. Itzbemelter Heinrich nahm 
zum ehegemahl Annam von Groningen, 



') Über Koiirad Le.scli sowie das sogenannte „Rotlic Idsteiner Genealogienhuoh'' vera^l. 
NVidinann, Niia.>uuiache Chroni-^ten, S. 'J2, 2.'{ ; Aiiiialen XVIII, ;{."), i^. 



55 



ben beeJe ohne leibserben. Graf 
Walram starb anno 1393 und sein 
gemaliel Bertha anno 1418, ligen 
bede zu Itzstein in der pfarkirchen 
und verliessen iren Son Graf Adolfen 
im leben. 



stürben beide ohne leibeserben. Grave 
Walram starb Anno 1393 und sein 
gemahl Bertha anno 1418. Liegen 
beide zu Itzstein in der Pfarkirchen 
begraben und verliessen ihren söhn 
Grave Adolfen im leben. 



Da hierdurch Konrad Leseh, dessen ganz genaue und gründliche Kennt- 
nis der Geschichte des Hauses Nassau-Idstein nicht bestritten werden kann, 
als der Verfasser der Nachrichten über den Grafen Heinrich und die Quelle 
für Joannis und Hagelgans ermittelt ist, liegt keine Veranlassung vor, diesen 
Grafen aus der Stammtafel des Hauses zu streiclien. Ebenso ergiebt sich die 
weitere Annahme von Menzel, dass Hagelgans hier aus Joannis geschöpft 
habe, lüs hiufällig, da dem Idsteiner Archivar das Genealogienbuch jederzeit 
zur Hand war. Beide Forscher haben die Handschrift, aus welcher auch 
Hagelgans S. 28 einen Satz wörtlich abdruckt, direkt benutzt. 

Wenn Joannis sagt, dass der Graf Heinrieh ihm sonst nirgends vorge- 
kommen sei, so weiss Hageigana S. 31 zu berichten: „Im Jahre 1450 wurde 
er von seinem Vetter, Graf Philipp zu Nassau- Weilburg ersucht und aufgemahnt, 
einen Heereszug nebst anderen und dessen Bruder und Schwager mitzuthuen. 
Ob und wie solches erfolgt, findet sich weiter keine Nachricht, woraus abge- 
nommen wird (d. h. von dem Verfasser Hagelgans!), dass er nicht lange ge- 
lebet und ohne Leibeserben abgegangen". Auf Grund dieser Angabe führen 
alle Genealogen, z. B. Cohn und Behr, den Grafen Heinrich als noch um 
1450 lebend auf. Menzel a. a. 0. tritt aber auch hier Hagelgans entgegen 
und meint, dass „diese Mahnung nicht an diesen Grafen Heinrich gerichtet ge- 
wesen sein könne; Hagelgans habe den Fundort und sonstigen" Inhalt der 
Urkunde nicht angegeben." 

In diesem Punkte scheinen allerdings die von Menzel ausgesprochenen 
Zweifel nicht unbegründet. Es ist mir gelungen, die Quelle, die Hagelgans 
benutzte, aufzufinden, nämlich ein Schreiben Philipps von Weilburg an seinen 
Bruder Johann von Saarbrücken von 1450, März 27 (Freitag nach Judica). 
Der Inhalt des Briefes ist dunkel; er behandelt Verhandlungen des Grafen 
Johann mit dem Erzbischofe von Trier, welche von Peter von Rittenhofen ge- 
führt werden, welche aber für die Pläne des Grafen kein Hindernis bilden 
sollen, und ein nicht weiter bezeichnetes kriegerisches Unternehmen. Graf 
Philipp schreibt seinem Bruder, „sein vetter Heinrich" habe Wiesbaden kürzlich 
verlassen, um sofort „by myn swager von Rodenmachern" und den von Am- 
berg zu gehen, um eine Einigung mit diesen zu Stande zu bringen. Nach 
dieser Verhandlung wolle sein „vetter Heinrich" sofort zu dem Herzog Friedrich, 
um diesen und „die andern" zu einer Zusammenkunft wegen des Zuges zu 
veranlassen; er — Graf Philipp — wolle mit den Linksrheinischen an dem- 
selben Tage ziehen. 

Die in diesem Briefe zweimal auftretende Persönlichkeit wird vom Grafen 
Philipp einfach als sein Vetter Heinrich, der doch auch seines Bruders Johann 

4* 



56 

Vetter war, bezeiclinet, es fehlt jede genauere Angabe über denselben, sodass 
wir in Ermangelung sonstiger Nachrichten in der Tbat nicht berechtigt sind, 
diese Stellen mit Hagelgans ohne weiteres auf den in Frage stehenden Grafen 
Heinrich von Wiesbaden zu beziehen. Dass Hagelgans aber noch w-eitere 
Angaben über diese dunkle Person gehabt haben sollte, machen seine eigenen 
Worte unglaubwürdig. Ist mit diesem Vetter Heinrich in der That ein Graf 
von Nassau gemeint, was übrigens nicht erwiesen ist, so kann nur an Graf 
Heinrich II. von Nassau-Breda (f vor 1450, November 19), gedacht werden, 
der seit dem Jahre 1448 mit dem Erzbischofe wegen der von dem Erzstifte 
rührenden Lehen in Vianden und Nassau in Streit lag und am 11. März 1450 
mit dem Pfalzgrafen Friedrich und anderen Herren ein Bündnis mit einem Teile 
des Trierer Domkapitals eingegangen war, welches die Absetzung des Erzbischofs 
Jacob bezweckte.^) Der Inhalt des Briefes des Grafen Philipp von Weilburg 
vom 27. März 1450 passt vollkommen zu diesen Verhältnissen, sodass wir zu 
der Annahme berechtigt sind, dass mit dem dort genannten „Vetter Heinrich" 
dieser Graf Heinrich von der Linie Breda gemeint sei. 

Mit dieser Annahme verlieren wir jede weitere Kenntnis von dem Leben 
des Grafen Heinrich von Nassau-Wiesbaden, dasselbe bleibt für uns völlig in 
Dunkel gehüllt und müssen wir uns damit begnügen, seinen Namen für die 
Stammtafel des Hauses gerettet zu haben. 

Über des Grafen Heinrich Gemahlin Anna, aus dem Hause (Nebenlinie) 
der Grafen von Württemberg-Grüningen, war auch im Königlichen Haus- und 
Staatsarchiv zu Stuttgart nichts zu ermitteln. 

b) Aufzeichnung über die Geburt der Kinder des Grafen Adolf IIL von 
Nassau-Wiesbaden und den Tod der Gemahlin desselben, der Gräfin 

Marg-aretha von Hanau. — 1504/) 

1487, August 9. Anno millesimo quadringentesimo [octogesimo] septimo die Jovis 
nona Augusti sero post undecimam ex generosis et nobilibus 
Adolfo comite in Nassaw, domino in Wisbaden, generosissimi 
Augusti Maximiliani primi curtis magistro supremo et Marga- 
rete ex comitibus de Hanaw et Lichtenberg orta conthoralibus 
legitimis nata est Maria primogenita in arce Sonberg,^) 

1490, Juli 19. Anno millesimo quadringentesimo nonagesimo die lune decima 
nona Julii hora septima nata est Anne ex hisdem parentibus 
in civitate Leiden provincie Ilollandie.^) 



'') Ver^l. Arnoldi, Oranische Geschichte II, 169. — ^) "Wenigstens vor 1507, da der 
Tüd des Grafen selbst nicht eingetragen. Die Aufzeichnung wird am gräflichen Hofe ent- 
standen sein, — *) Der Geburtsort Sonnenberg bisher nicht bekannt. Ausserdem führt ilagel- 
gans noch eine zweite Tochter Anna auf, die frühzeitig gestorben sein soll. Den Beleg hier- 
für habe ich nicht gefunden. Behr setzt diese Anna in die erste Stelle in der Reilie der 
Kinder. — ') Durch diese Angabo wird der Geljurtstag der Gräfin Anna festgestellt. Nach 
Hagelgans S. 3S, dem hier die neueren Genculugeii, namoiitlioh Hehr, folgen, war die- 
selbe um das Jahr 14K8 geboren. 



57 

1492, April 26. Anno millesimo quadringontesimo nonagesimo secundo die Jovis 
viccsima sexta Aprilis hora i[uinta fere ex eisdem parentibus 
natus est Philippu3 primogenitus in Colonia Agrippina.®) 

1504, Mai 26. Anno millesimo quingentesimo quarto vicesima sexte ilaii die 
Penthecostes sero infra sextam et septimam horas clausit ex- 
tremiim felicem recordationis nobilis ac generosa domina 
Margereta Comitissa in Nassaw et domina in Wisbaden ex 
Hauaw et Lichtenberg conthoralibus legitimis orta, cuius 
anima cum electis apud deura requiescat in sempiterna secula. 



II. Alte Linie Saarbrücken. 

1. Als den Geburtstag der Gräfin Elisabeth, Tochter des Grafen 
Johann IL und späteren Gemahlin des Herzogs Wilhelm von Jülich, geben die 
am Saarbrücker Hofe entstandenen Aufzeichnungen, so die Heinrichs von Nassau 
bei Kremer, Origg. Nass. H, 427, ausdrücklich den 10. Februar 1463 an. Da 
jedoch Elisabeth, wie urkundlich feststeht, am 12. Juni 1463 ihrem späteren 
Gemahl verlobt wurde, ist ersteres Datum von den späteren Genealogen bean- 
standet worden. So setzte Hagelgans S. 51 die Geburt um das Jahr 1458; 
KöUner, Geschichte von Saarbrücken, auf den 19. Oktober 1459, aber ohne 
anzugeben, wie er diesen Tag ermittelt hat. Die neueren Genealogen folgen 
meist Hagelgans, aber, wie es scheint, ohne Grund; Cohn und Behr geben 
das Datum nach Köllner. 

Dass Elisabeth bereits in ihrem ersten Lebensjahre mit ihrem späteren 
Gemahle versprochen wurde, hat nichts Auffallendes; Fälle dieser Art stehen 
nicht vereinzelt da. 

Dann haben wir für das Geburtsjahr 1463 weitere Zeugnisse, namentlich 
den Hausgenealogen Johann Andreae. Freilich hat Andreae die Aufzeichnung 
des Heinrich von Nassau benutzt, doch beruft er sich noch ausdrücklich auf 
die geschichtlichen Kollektaneen des Saarbrückischen Rats Samson Herzog, 
wenn er (im Saarbrücker Genealogienbuch) bei den Nachrichten über den Grafen 
Johann II. sagt: Anno 1463 ist ihm eine tochter geboren, montags Yalentini') 
getauft. Ist gewesen die Elisabeth, welche gleich im ersten Jahre irer geburt 
an Gülch versprochen wurde. Hiernach wird bezüglich des Geburtstages der 
Gräfin Elisabeth der obigen Angabe des Heinrich von Nassau zu folgen sein. 

2. Nach dem Vorgang von Hagelgans findet sich fast in allen Stammtafeln 
als Geburtstag des Grafen Johann Ludwig der 19. Oktober 1472 angegeben. 
Alle vorliegenden handschriftlichen Quellen, wie Heinrich von Nassau, Johann 
Andreae u. a., geben übereinstimmend den 20. Oktober an; nur Köllner 
S. 222 hat diesen Tag aufgenommen. 



") Auch des Grafen Philipp, des sogenannten Altherm, Geburtstag stand bisher nicht 
fest; Hagelgans S. 38 setzt die Geburt um das Jahr 1490; ihm folgt Behr, während Cohn 
das Geburtsdatum überhaupt fortlässt. — ~) Februar 14. 



o 



58 

Die Angabe von Hagelgans beruht offenbar auf einem Versehen; dem- 
nach ist in den Stammtafeln das Tagesdatum zu ändern. 

Nebenbei soll hier die von Cohn in seiner Stammtafel wohl aus Versehen 
gemachte Angabe berichtigt werden, dass Töchter des Grafen Johann Ludwig 
Nonnen zu Ciarenthal bei Wiesbaden gewesen seien. Dieselben waren im 
Kloster Rosenthal bei GöUheim. 



III. Linie Weilburg. 

1. Nach Ilagelgans ist Graf Albrecht am 26. Dezember 1537 
geboren. Hingegen giebt Johann Andreae den 14. Dezember an. 
Die Quellen für die widersprechenden Angaben sind nicht zu er- 
mitteln. 

2. Graf Albrecht, des vorgenannten Grafen Albrecht Sohn, geboren 
den 19. März 1569, starb nach Angabe eines im Jahre 1627 auf- 
o-estellten Verzeichnisses der Kinder des Grafen Albrecht am 2. Januar 
1571. Das Todesjahr 1570 bei Hagelgans, dem alle Genealogen, 
namentlich Cohn und Behr folgen, ist wohl Druckfehler. 

3. Als den Hochzeitstag des Grafen Wilhelm und der Gräfin Erica 
von Isenburg giebt das ebengenannte Verzeichnis den 1. Februar 
1Ö96 an, offenbar richtiger als das von Cohn und Behr den Ehe- 
pakten entnommene Datum, Januar 29. Hagelgans hat durch 
Versehen sogar den 12. Januar. 

4. In demselben Verzeichnisse ist als Hochzeitstag des Grafen Johann 
Kasimir und der Landgräfin Elisabeth von Hessen angegeben der 
15. Dezember 1600, welchen Tag auch Hagelgans aufgenommen 
hat. Cohn hat jedoch das Datum 9. Mai 1601, Behr sogar 
den 10.;20. Mai. 

5. Der Hochzeitstag der Gräfin Anna Amalie und des Grafen Otto 
von Solms-Sonnenwalde ist 7. September 1581, nicht wie bei Hagel- 
gans, dem alle Genealogen folgen, wohl durch Druckfehler 9. Sep- 
tember. 

6. Die Gräfin Katharina ist am 10. Dezember 1583 geboren, nicht 
am 6., wie Hagelgans, vermutlich durch Druckfehler, und nach 
ihm Neuere. 

7. Gräfin Anna Sybilla ist am 28. Mai 1575 geboren; 25. Mai bei 
Hagelgans ist wohl Druckfehler. 

8. Gräfin Anna Eleonore ist nicht am 20. März, wie Cohn und 
Behr angeben, sondern am 9. September 1602 geboren. Der Irrtum 
ist durch die richtige Angabe bei Hagelgans S. 65, dass sie nach 
dem am 29. März 1602 erfolgten Tode ihres Vaters geboren sei, 
entstanden! Der Geburtstag selbst fehlt bei Ilagelgans. 



59 

0. Don ToJestag der Gräfin Anna Sabina, Tochter des Grafen 
Ludwig, Gründonnerstag des Jahres 1593, setzen Cohn und Behr 
nach dem Gregorianischen Kalender auf den 15. April. Dies ist 
irrig, da allen gleichzeitigen Aufzeichnungen über Geburts- und 
Sterbetage in der gräflichen Familie, welche Hagelgans für seine 
Stammtafel benutzt hat, der alte Styl zu Grunde liegt. In dem 
vorliegenden Falle ist das Datum Gründonnerstag nicht auf den 
15. April, sondern nach altem Styl, also auf den 12. April, zu 
reduzieren. 

Bei dem Gebrauch der Stammtafeln von Hagelgans ist 
überhaupt zu beachten, dass die Tagesdaten von ihm in der Regel 
nach dem alten Styl angegeben sind. 

10. Die Angabe der Genealogen, dass Graf Georg Adolf am 19. De- 
zember (A. St.) 1595 geboren sei, beruht auf einem Lesefehler von 
Hagelgans. Der Geburtstag ist der 19. Oktober. 

11. Bei Cohn ist als Geburtstag der Gräfin Dorothea der 12. Februar 
1605 angegeben, wohl infolge eines Versehens. Ilagelgans hat 
richtig den 21. Februar; ihm folgt Bohr. 



lY. Linie Idstein. 

a) Über die Gedenktage in der Familie des Grafen Johann haben 
wir dessen eigenhändige Aufzeichnungen, welche zu der von Ilagel- 
gans verbreiteten Stammtafel nachfolgende Berichtigungen und Er- 
gänzungen ergeben. 

1. Die erste Gemahlin des Grafen, Sybilla Magdalena von Baden, 
starb zu Strassburg in der Xacht vom 24. ,'25. Dezember 1644. 
Ilagelgans und nach ihm spätere Genealogen, wie Cohn und 
Behr, geben als Todestag den 22. Juli an. Dieser Irrtum ist durch 
Verwechselung des Todestages mit dem Gebuitstage — 22. Juli 
1605 — veranlasst. 

2. Gräfin Anna Ottilie ist zu Idstein geboren. 

3. Das Beilager des Grafen mit seiner zweiten Gemahlin Anna von 
Leiningen- Dachsburg, geboren den 15. Mai 1625, war nicht 
am 10., sondern am 6. Dezember 1646. Den 10. Dezember hat 
Hagelgans und nach ihm Cohn, dieser allerdings mit einem Frage- 
zeichen, und Behr. 

4. Gräfin Eleonore Luise starb im Alter von 23 Jahren 9 Monaten 
4 Tagen am 13. März 1673, nicht aber am 31., wie Hagelgans aus 
Versehen. Cohn und Behr wie Hagelgans. 

b) Fürst Georg August. 

Den Todestag der Prinzessin Charlotte Eberhard ine giebt Hagel- 
gans und nach ihm Behr richtig mit dem 6. Februar 1693 an, Cohn irrig 
5. Februar. 



60 



V. Linie Usingen. 

Graf, später Fürst Walrad, ist am 24. Februar 1635 geboren. Hagel- 
gans, dem fast alle späteren Genealogen, auch Vogel und Menzel, VI, 515') 
folgen, hat wohl aus Versehen den 25. Februar. Aus welcher Quelle jedoch 
Behr die Angabe des 7. Mai als Geburtstag hat, ist unerfindlich. 

») Hier iat ausserdem der Xame der ersten Gemahlin Walrads „Prinzessin Croix" in 
Croy zu bessern. 



49 

von Gevertzhagen zeige. Nach den vorstehenden Ausführungen kann wohl kein 
Zweifel darüber sein, da33 dieses Wappen nicht das dort angenommene, sondern 
vielmehr das der Advocati de Hachenburg ist, und zwar wohl das des vor- 
stehend behandelten Heinrich IL, zu dessen Lebzeiten — im Jahre 1243 

der Bau der 1324 eingeweihten Klosterkirche begonnen wurde. Wie schon 
Heinrichs Mutter Guda 1227 eine Kapelle an der Stelle bei dem Kloster, wo 
der blühende Weissdornstrauch gefunden, hatte bauen lassen, wird auch der 
kinderlose Heinrich 11. dem Kloster wohlgesinnt gewesen sein und es nament- 
lich nicht an einer thatkräftigen Förderung des unter seinen Augen begonnenen 
mächtigen Kirchenbaues haben fehlen lassen. 



Nachtrag. 

Zu Seite 25 ist nachzutragen, dass Kraft Y. zuerst in der Seite 16, Note 52 
angeführten Urkunde vom Xovember 1281 — Vergleich des Hauses 
Greifenstein mit dem Stifte zu Bonn wegen der Güter zu Kroppach — 
erwähnt wird; 

desgl. zu S. 36, dass Rorich von Greifenstein in derselben L^rkunde zum ersten- 
male genannt wird. 



50 



Staiti] 



Dynasten von Beilstein und von Greifenstein mit den Fori 



Beilstein - Greifenstein. 



[?Meribodo von Greifenstein, 
1160]. 





Kraft I. 1129. 1141. 






Kraft II. 


X. Sohn. 


N. Tochter, 




1195. 1229. 




Gemahl N. von Cransberg 








1227. 




Irmgard. 


9 


Rudolf von Guda 1227; 






Krafto III. 


Grreifenstein stirbt 1270, 






1234. 


1226. 1255. September 8? — 


Gemahl: 






7 kinderlos. 


^ 



Heinrich IL, 

Vogt von Hachen- 

burg 

1220—1276. 

Gemahlin 

Irmgard 1261. 



Kraft IV., 

1255 Herr zu 

Greifens rein, 

stirbt unverraählt 

1283 vor 

Oktober 27. 



N. Tochter, 

Gemahl Gerlach 

von Isenburg- 

Limburg 

1267. 1273. 



Elisabeth, 

1276 Kellerin 

zu Kloster 

Seligenstatt. 



Geschwister. 



Elisabeth, 
tot 1261-' 



Kraft V. 

von Greifenstein 1281, 

t anfangs 1326, 

Gemahl: X. Schoneweder 

zu Köln? 



Rorich von Greifenstein 
1281. 1287. 1290. 



Ropert I. 

von Greifenstein 

1300. 1303. 



Irmgard, Gemahl: 

1. um 1294 Hildeger Heinrich Birklin 
zu Köln, 

2. 1309 Graf Dietrich III. von Limburg. 



Johann I. 

von Greifenstein 

1330. 1333. 



Johann IL 
von Greifenstein 
zu Steinebach. 



Ropracht IL 
von Greifenstein 

1374—1408. 

Gemahlin 1408 

Nese. 



Elisabeth 
1408. 



aus 1. Ehe: 

Hildeger, Ropracht Kraft und Kraft 

Birklin zu Köln. 



afel 



51 



gen Hachenburg-rireifenstein und Tsenburg-Greifenstein. 

Advocati de Hachenbupgf. 



dominus Heinricua (I.) advocatus de- Westerburg 
c. 1200, 1220? 



inus Roricus parvus advocatus 
le Hachenburg 1215, 1222, 
t 1228, Februar 24? 



Gerhard I. 
on Greifen- 
stein 1281, 

tot 1325, 
remahlin 1294 
.gnes (yon der 
Neuerburg?). 



Philipp 

von Greifenstein, 

Domherr zu 

Köln 
1297. 1306. 



Christian 

von Greifenstein 

1297. 1305. 



lard II. von Greifenstein 1300. 1317, 
tot 1325. 



?nes 1325. 1332. 1363. Gemahl: 
raf Engelbert von Sayn, f 1336, 
dolf von Oclershausen. 



Kraft 



Wigand 

von Greifenstein, 

Abt 

zu Marienstatt 

1299—1328. 



Gertrud 
von Greifenstein, 

Nonne 
zu Vilich 1311. 



aus 1. Ehe: 
Johann von Sayn, der Junker von 
Greifenstein. 



52 



Erklärung der Siegeltafel. 



1. Rudolf von Greifenstein, 1255. — SiegelbilJ zweifelhaft — f Sigillum 

Rudolfi de Grifenstein (vergl. S. 7). 

2. Heinrich Vogt von Hachenburg, 1270. — In einem mit Lilien be- 

streuten Felde drei schriigrechts gestellte Rauten. — f S. Henric[i . 
advoca]ti . de . Hachinberg (vergl. S. 48). 

3. Gerhard von Greifenstein, 1287. — Wappenschild wie bei No. 2. — 

t S. Gerardi . de . Grifinsthen (vergl. S. 16). 

4. Philipp von Greifenstein, 1299. — Wappenschild wie bei No. 2. — 

t S. Phil[iplpi . de . Grifensteyn (vergl. S. 21). 

5. Kraft V. von Greifenstein, 1300. — Im Schilde zwei schraffierte Quer- 

balken, bedeckt mit einem fünflatzigen Turnierkragen. — [f SigilUum . 
Craftonis . de Grifens[thlein (vergl. S. 29). 

6. Derselbe, 1314. — Wappenschild wie bei No. 5. — f S. Craftonis . de . 

Grifenstein * (vergl. S. 32). 

7. Johann von Greifenstein, 1330. — Wappenschild wie bei No. 5, hierzu 

als weiteres Beizeichen eine Gleve zwischen beiden Querbalken. — 
t S. Johannis . de . Grifinsteyn (vergl. S. 34). 

8. Derselbe, 1333. — Wappenschild wie bei No. 5. — j S. Johannis . de . 

Gryfsteyn (vergl. S. 34). 

9. Roprecht Kraft Birkelin, 1330. — Gevierteter Schild; im 1. und 4. 

Felde das Wappen Greifenstoin wie oben No. 5, im 2. und 3., nicht 
aber im 1. und 4.. wie aus Versehen oben S. 36 angegeben, ein 
aufrechtstehender Bär, das Wappen des Geschlechts Birklin. — t S. Ro- 
perti . dci . Birkelin. 

10. Rupert von Greifenstein, 1371. — Wappenschild wie bei No. 5. — 

t S. Roprecht . van . Grifensteyn (vergl. S. 35). 

11. Ganerbschaft Seibach, 1300. — Im verzierten Siegelfelde drei schriigrechts 

gestellte Rauten. — f S. [unilversitatis . de . Selbac (vergl. S. 44). 

12. Ludwig Walpodo von der Neuerburg, 1256. — Im Wappenschilde 

drei schriigrechts gestellte Rauten. — f S. Lu[devlici . Walp[od]oni3 . 
de . Novo [Casltro (vergl. S. 40). 

13. Ernst von Virneburg, 1256. — Im verzierten Felde drei gleichfalls ver- 

zierte schrägrechts gestellte Rauten. — j Sigill. Ernesti . de . Verne- 
[burlch (vergl. S. 41). 

14. Rorich von Burbach, 1336. — Im Schilde drei schriigrechts gestellte 

Rauten. — S. Rorici de Burchbach militis (vergl. S. 45, sowie Phi- 
lipp i, Siegener Urk.-Buch No. 213). 



Regierungspräsident Karl von Ibell 

über die preussisehe Politik in den Jahren 1830 u. 1831.') 

Ein Beitrag zur diplomatischen Geschichte 

von 

Dr. C* Spielmann* 



Karl von Ibell, bis zum Jahre 1820 nassauischer Regierungspräsident, 
war nach längerem Verweilen im Privatstande im Jahre 1828 in einer seiner 
früheren entsprechenden Stellung in hessen-homburgischen Staatsdienst überge- 
gangen. Ein widriges Schicksal vergönnte es dem reichbegabten Manne nicht, 
seine Kräfte in der Verwaltung eines grösseren Staates zu verwerten ; so suchte 
er denn mit dem ganzen Eifer der gewohnten Thätigkeit sich der Reorganisation 
der gesamten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Ländchens, dessen 
Behörden er vorstand, zu widmen. 

Er trat in einer bewegten Zeit in diese Thätigkeit ein. Die preussisehe 
Regierung war eben im Begriffe, das grosse Einigungswerk Deutschlands auf 
wirtschaftlichem Boden ins Leben zu rufen, durch die Gründung eines allge- 
meinen Zollvereins die materiellen Interessen zu fördern, um so indirekt zur 
Hegemonie im deutschen Bunde zu gelangen. Schon im Jahre 1818 hatte 
Preussen für seine eigenen Landesteile ein einheitliches Grenzzollsystem ein- 
geführt, in den folgenden Jahren eine Anzahl enklavierter Kleinstaaten zum 
Anschlüsse gewonnen oder gezwungen und dann 1828 mit dem Grossherzog- 
tume Hessen den preussisch-hessischen Zollbund abgeschlossen. Das Vorgehen 
des norddeutschen Grossstaats erregte die mittel- und süddeutschen Staaten; 
einesteils erblickten sie darin eine Bedrohung ihrer ängstlich gehüteten Sou- 
veränetät, andernteils wieder sahen sie die praktische Bedeutung derartiger 
Zollverbindungen ein. So schlössen denn in demselben Jahre Bayern und 
Württemberg einen Sonder-ZoUverein untereinander ab, und es bildete sich 
(schon vorher) der mitteldeutsche Handelsverein, dem Sachsen, die thüringischen 
Staaten, Kurhessen, Nassau, Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Lippe, Bücke- 
burg und Waldeck beitraten. Es entstand unter den deutschen Staatsmännern 



^) Die im Folgenden angeführten Aktenstücke ruhen im Archive der Familie von Ibell. 
Für die gütige Überlassung schulde ich Herrn Oberbürgermeister Dr. von Ibell zu Wies- 
baden verbindlichen Dank. 



62 

eine Spaltung; die einen waren für, die analeren gegen Preiissen; die Weiter- 
blickenden konnten sich der Anschauung nicht verschliessen, dass im Anschhisse 
an die genannte Macht und ihre Bestrebungen das Heil der Zukunft beruhte 
und dass über kurz oder lang der wirtschaftlichen Frage alle anderen notwendig 
zum Opfer fallen müssten. Unter den Einsichtigen, deren Zahl nicht gross 
war, befand sich auch der Regierungspräsideut Ibell, der von vornherein ein 
überzeugter Anhänger der preussischeu Zollpolitik war und für diese lange 
Zeit hindurch, direkt und indirekt, nach Kräften gewirkt hat. 

Die Landgrafschaft Hessen-Homburg bestand aus zwei Teilen, einem 
grösseren, vor der Höhe (Taunus) liegend, und einem kleineren, dem Amte 
Meisenheim an der Xahe. Sobald Ibell in homburgische Dienste getreten war, 
betrieb er den Anschluss des Läudchens an den preussisch-hessischen Zollverein. 
Er sah aber wohl ein, dass bei der dem Hauptteile eigentümlichen Industrie 
(Strumpfweberei) und auch mannigfacher anderer Umstände halber, die Durch- 
führung der Absicht vorläufig ohne Schaden der Unterthanen nicht möglich 
wäre, wogegen es für Meisenheim nur von Nutzen sein konnte, wenn sein 
Beitritt erfolgte. Der Präsident befand sich in seiner privaten Eigenschaft als 
Sachwalter der Fürstin Amalie von Auhalt-Bemburg-Schaumburg wider den 
Fürsten Alexius von Anhalt-Bernburg im Schaumburg-Holzappeler Successions- 
Prozesse während des Winters von 1828 auf 1829 in Berlin. Hier trat er in 
Verbindung mit dem leitenden Staatsminister, dem Grafen Christian von Bern- 
storflF, wurde in Hofkreisen eingeführt und hatte Gelegenheit, auch mit dem 
Könige Friedrich Wilhelm III. direkt zu verkehren. Auch der Minister von 
Motz, der Vater des deutschen Zollvereins, wurde mit Ibell bekannt, und hier 
scheint zwischen beiden Staatsmännern die Vereinbarung getroffen worden zu 
sein, dass Meisenheim dem preussisch-hessischen Zollvereine beitreten solle. Es 
^'eschah dies denn auch am 29. XH. 1829. Der homburgische Präsident, 
dessen staatsmännische Begabung bald auffiel, hiuterliess in Berlin einen ausser- 
ordentlichen Eindruck. Für seine Bemühungen um die Förderung der preus- 
sischeu Zollpolitik erhielt er damals vom Könige den erblichen Adel. Wahr- 
scheinlich traf Ibell in Berlin auch mit dem preussischen Generalpostmeister 
und Bundestasrsgesandten von Nauler zusammen und es wurde hier der Grund 
gelegt zu einem freundschaftlichen Verkehre zwischen beiden Männern, wie sol- 
cher aus ihrem Briefwechsel hervorgeht. Soviel steht fest: in der nachfolgenden 
stürmischen Zeit hat Xagler in wichtigen politischen Fragen Ibell oft zu Rate ge- 
zogen, und des letzteren Ratschläge sind mitunter bestimmend für ihn gewesen. 

Bernstorff' und Xaglcr sind bis in die letzte Zeit oft Gegenstand der Ver- 
kennung vonseiten der liberalen Geschichtschreibung gewesen.') Aber nach 
den neuesten Forschungen steht es fest, dass sie keineswegs weder überzeugte 
Anhänger noch blinde Exekutoreu des Metternichianismus und seiner Deckel- 
drauftheorie waren. Vielmehr erscheint der leitende prcussische Staatsminister 
meistens in direktem Gegensatze zu seinen österreichischen Kollegen, und ebenso 
kam auch der Widerspruch zwischen den politischen Anschauungen der beiden 



^) Braun, Bilder aus der deutschen Kleinstaaterei, Neue Füljje, II. Bd., S. 247 ff. 



63 

Bundestagsgesandten der Grossmächte, von Nagler uud Graf von Miinch-Bolling- 
hausen, oft zur Geltung. Namentlich war dies der Fall in der Zeit, in die wir 
nunmehr eintreten.') 

Es war das Sturmjahr 1830.') Ein Blitz aus heiterem Himmel — nach- 
dem die Wogen der griechischen Erhebung im Südosten Europas sich gelegt 
hatten und der moskowitische Feldzug gegen das Osmanenreich siegreich be- 
endigt worden war — schreckte die zweite französische Revolution (27. VII. 1830), 
die den legitimistischen Thron in Trümmer schlug, die heilige Allianz aus 
ihrem Schlummer auf, in dem sie seit den Kongressjahren geruht hatte. Das 
monarchische Gottesgnadentum zitterte und sah mit Entsetzen den Roi-Bour- 
geois, „den Strassenkönig", auf den Thron der Bourbonen, „nicht weil, sondern 
obgleich ein solcher", steigen. Zugleich schien dem Absolutismus die Entladung 
der kriegerischen Revolution nach aussen, wie vor vier Jahrzehnten, nahe. 
Man war zuerst ratlos, was zu thun sei, und es zeigte sich jetzt so recht die 
innere Haltlosigkeit des gepriesenen heiligen Bundes. König Friedrich Wilhelm 
war der erste, sozusagen sofort Gefasste; er erklärte jedem Angriffe der Franzosen 
auf den deutschen Bund mit Waffengewalt entgegentreten zu wollen, in eine 
Einmischung in die französischen Verhältnisse jedoch nicht zu willigen. Kaiser 
Franz mochte nicht von einer solchen reden im Hinblicke auf den elenden Zu- 
stand seines Kriegsheeres; nur Zar Nikolai, den die Erfolge des türkischen 
Feldzuges aufgeblasen gemacht hatten, drang auf einen Offensivkrieg. Da nun 
aber der Bürgerkönig seine Friedensliebe beteuerte, kam Preussen auf den 
Gedanken, dessen Bestätigung durch d-e Mächte unter Vorschreibung der 
künftigen Politik zu beantragen. Allein da machte das Kabinett von Saint- 
James einen Strich durch die Rechnung der übrigen Mächte; es erkannte den 
neuen König der Franzosen ohne Vorbehalt an. Notgedrungen folgten nunmehr 
Preussen, dann Österreich und die kleinen Bundesstaaten; nur Russland grollte. 
Der heilige Bund aber war seitdem zersprengt. 

Kaum war so einigerraassen Beruhigung eingetreten, als die Revolution 
in Brüssel ausbrach (25. VIII. 1830), die das diplomatische Kunstwerk des 
Wiener Kongresstisches, das Königreich der vereinigten Niederlande, in zwei 
natürliche Teile riss. Und nun brauste der Sturm auch nach den deutschen 
Kleinbundesstaateu hinüber, die vielfach unter dem Absolutismus und seiner 
Missregierung schwer zu leiden hatten. Am 7. IX. 1830 verjagten die Braun- 
schweiger ihren sultanischen Herzog Karl; am 15. IX. 1830 erhoben sich die 
Kurhessen gegen die Maitressenwirtschaft des Kurfürsten Wilhelm, am 9. IX. 
1830 die Sachsen gegen das Jesuitenregiment unter König Anton, und auch 
im Grossherzogtume Hessen, in der Wetterau, entstanden (wenngleich nicht 
antidynastische) Krawalle, die aber rasch unterdrückt wurden. Die kurhessische 
und die sächsische Frao-e erledisrten sich in der Fols-e von i^elbst durch die 
Ernennung der Thronfolger zu Mitregenten und durch die Verkündigung einer 



') Später ma^ Xa^^Ier wieder mehr in österreichisches Fahrwasser gelenkt haben. — 
*) Das Folgende nach neueren zeitgeschiclitlichen Werken, insbesondere Treitschke, Deutsche 
Geschichte im neunzehnten Jahrhunderte, Bd. 4. 



64 

Verfassung; die braunseh weigische dagegen schwebte noch mehr als ein halbes 
Jahr. Denn trotz seiner notorischen Regierungsunfähigkeit galt der Herzog 
den konservativen Häusern als der einzige legitime Herrscher und der her- 
beigerufene Regent, sein Bruder Wilhelm, als unberechtigt. Die preussische 
Regierung allein setzte sieh in Anerkennung des natürlichen Sachverhalts über 
das Prinzip der Legitimität kurzer Hand hinweg, indem sie zum Erstaunen der 
übrigen die Absetzung Karls beim Bundestage beantragte und insgeheim den 
Herzog Wilhelm zur Selbsterklärung als Herrn des Herzogtums vermochte. 
Nach langem Schwanken trat am 20. lY. 1831 der Bundestag der Anerkennung 
des neuen Bundesfürsten bei. 

Und wie im Innern, so griff auch im Ausseren die preussische Politik 
kräftig durch. Die belgische Revolution hatte die Parteien am Köuigshofe 
schroff geschieden; es gab eine Kriegspartei, an deren Spitze der Herzog Karl 
von Mecklenburg, des Königs Schwager, stand, zu der Feldmarschall Gneisenau, 
General Clausewitz u. a. m. hielten, und die für einen neuen Kriegszug durch 
die Champagne schwärmte. Auch Prinz Wilhelm der Jüngere (der spätere 
deutsche Kaiser) war für einen vorbeugenden Krieg, ehe die Rache der Revo- 
lution erfolgen könnte. Der russische Zar sandte zur Schürung der Kriegs- 
leidenschaft den Osmanenbesieger Feldmarschall Diebitsch nach Berlin. Aber 
unerschütterlich hielt Graf Bernstorff, obwohl körperlich durch Krankheit ge- 
schwächt, an seiner Friedenspolitik fest und hatte dabei die festeste Stütze an 
dem alten Könige selbst, der nicht leichtfertig und grundlos einen allgemeinen 
Weltbrand heraufbeschwören wollte. x\.uf Bernstorffs Anraten lud England die 
Mächte zur Schlichtung der belgischen Frage zu einem Kongress nach London 
ein (Oktober 1830), den auch Preussen, Österreich und Frankreich alsbald be- 
schickten. An den Zaren aber, seinen Schwiegersohn, richtete König Friedrich 
Wilhelm einen mahnenden Brief, in welchem er ihm im Kriegsfalle die leicht 
mögliche Erhebung der Polen prophezeite. 

Nichtsdestoweniger dachte die preussische Regierung jeder etwaigen In- 
vasion von Westen her kräftig vorzubeugen. Bereits im September von 1830, 
als der König Wilhelm der Niederlande die preussische Hilfe anrief, wurde das 
vierte (sächsische) Armeekorps mobil gemacht und zu dem achten (rheinischen), 
das ebenfalls kriegsbereit war, hinübergeschafft; doch das geschah nur in defen- 
siver Absicht. Die französisch-belgische Revolutionspropaganda versuchte ins- 
geheim auch in den Rheinlanden sich Anhänger zu verschaffen, aber sie 
gewann keinen Boden; der Generalgouverneur Prinz Wilhelm der Altere konnte 
berichten, die Rheinländer verhielten sich durchaus ruhig, und sie thaten das 
auch, obsehon sie noch immer der versprochenen Verfassung harrten. Die 
preussische Regierung schonte übrigens weise die eigentümlichen Einrichtungen, 
indem sie die um wenige Zeit später ins Leben tretende revidierte Städte- 
ordnung nicht aufzwang, sondern die bisherige (französische) daneben be- 
stehen liess. 

Mittlerweile war aber doch ein deutsches Bundesland, das Gros&herzogtum 
Luxemburg, von der Revolution ergriffen worden. Binnen kurzem war das 
ganze Land in den Händen der belgischen Regierung, die sieh nach Vertreibung 



G5 

der Holländer zu Brüssel konstituiert hatte. Nur die Bundesfestung selbst, in der 
der Gouverneur, General Laudgraf Ludwig von Hessen-Homburg, die preussische 
Besatzung befehligte, und ihre nächste Umgebung blieb noch von den Unruhen 
verschont. Auch auf der Londoner Konferenz gab sich bald der demokratische 
Doktrinarismus, hier vertreten durch die Franzosen, in bedenklicher Weise kund. 
Noch bevor dies zu Tage treten konnte, am 18. IX. 1830, hatten Graf Münch 
und Nagler die Bundestagsgesandten zu einer Besprechung versammelt, als 
deren Resultat der Beschluss der Aufstellung eines Bundesarmeekorps bei 
Frankfurt und der Entsendung fliegender Kolonnen durch Mitteldeutschland 
gefasst wurde. Diese Massregeln erschienen dem Fürsten Metternich nicht aus- 
reichend; er verlangte schärfere. Graf Bernstorff dagegen wollte von solchen 
durchaus nichts wissen, und seiner Mässigung war es zu danken, dass unterm 
21. X. 1830 der Bundesbeschluss zustande kam, der sich darauf beschränkte: 
1. die Bundesstaaten sollten im Kriegsfalle oder bei innerer Bedrohung sich 
gegenseitig militärisch unterstützen, 2. die Bundestagsgesandten sollten um- 
fassende Vollmachten erhalten, 3. die Zensur sollte strenger gehandhabt werden. 
Der Bundestag sprach aber andererseits die Zuversicht aus, die Regierungen 
würden die Wünsche der Unterthanen hören und ihnen landesväterlich entgegen- 
kommen. Auf diesen Punkt wies der Vortrag Naglers ausdrücklich hin; an 
das braunschweigische Beispiel anknüpfend, führte der preussische Gesandte 
aus, dass auch andere Souveräne ihren Bundespflichten, namentlich was die 
Errichtung von Landständen beträfe, nicht nachgekommen wären. 

Auf die Kunde von den luxemburgischen Unruhen hin liess König Friedrich 
Wilhelm unterm 10. XL 1830 an den leitenden Staatsminister die Aufforderuns" er- 
gehen, ihm nach sorgfältiger Meditation alle Massnahmen, die unbedingt notwendig 
wären, ausführlich mitzuteilen.') Gleichzeitig sandte er zw^ei MilitärbevoU- 
mächtigte, den General von Röder nach Wien und den General Rühle von 
Lilienstern an die süddeutschen Höfe (Dezember 1830), um dort Vorschläge 
für den Fall eines auswärtigen Krieges zu unterbreiten. Demnach sollten, wenn 
jener Fall einträte, drei Heere aufgestellt werden: ein preussisches an der Mosel, 
ein süddeutsch-preussisches am Oberrhein und ein österreichisches in Schwaben; 
die Bundesfeldherrnschaft sollte Preussen übertragen werden. Die Verhand- 
lungen darüber w^urden endlos, und während der Zeit ereignete sich ein grosser 
Umschwung in den pohtischen Verhältnissen. Die asiatische Cholera brach 
über das Moskowiterreich herein und löste dort alle Bande der Ordnung. Der 
Aufstand in Warschau (29. XL 1830) und die folgende Erhebung Polens legte 
die zarische Politik lahm, nahm aber auch die Hälfte der preussischen Heeres- 
macht unter Feldmarschall Gneisenau an der Ostgrenze in Anspruch. Bald 
darauf verkündete (20. L 1831) der Londoner Kongress die Trennung Belgiens 
von Holland, und die Belgier wählten Herzog Ludwig von Nemours, den zweiten 
Sohn Ludwig Philipps, zu ihrem Könige. Frankreich erhob gleichzeitig An- 
sprüche auf Kompensationen und verlangte die Neutralisierung Luxemburgs; 



^) Angeregt hatte die Frage eine Denkschrift, die durch Herzog Ernst I. von Saehsen- 
Koburg und -Gotha dem Könige zugesandt worden war. 



66 

grosse Ileeresmassen wurden zur Unterstützung der Forderungen in Lothringen 
zusammengezogen. 

Darauf antwortete Preussen durch sofortige Mobilisierung des sächsischen, 
westfälischen und rheinischen Armeekorps. Die Franzosen, die Preussen als 
Hauprgegner erkannten, liessen geheime Anfragen an die süddeutschen drei 
grössten Höfe ergehen und auf eine Wiederherstellung des Rheinbundes hin- 
deuten. Allein die Souveräne von Baiern, Württemberg und Baden berichteten 
über diese Machinationen getreulich nach Berlin. Bald darauf verwarf auch der 
Kongress zu London die Wahl des orleanistischen Prinzen und forderte zur Neu- 
wahl auf, aus der dann der Prinz Leopold von Sachsen-Koburg hervorging, 
der sofortige Anerkennung durch die beteiligten Mächte fand. Auch Frankreich 
fügte sich. Als aber der König der Niederlande, unzufrieden, bei der Auf- 
stellung der Verfassung des neuen Staates nicht mitgehört worden zu sein, sein 
Heer ins belgische Gebiet einrücken Hess und die Belgier allenthalben besiegte, 
da erklärte Frankreich, militärisch intervenieren zu müssen. Nachdem seine 
Armee unter Marschall Gcrard die Holländer aus dem neuen Königreiche 
hinausgeworfen hatte, zog sie sich anstandslos wieder zurück. Am 14. X. 1831 
wurde dann die neue Verfassung in einer Holland genehmeren Weise verkündet. 
Unglücklicher als diese französische Expedition verlief die Bundesexekution, die 
der Bundestag unterm 18. IH. 1831 gegen die luxemburgischen Empörer be- 
schloss. Sie kam vielmehr gar nicht zustande, da niemand die Kosten für 
Ausrüstung und Verpflegung der Truppen übernehmen wollte. 

Unterdessen hatte Graf Berustorff seinen Vortrag ausarbeiten und dem 
Könige unterbreiten lassen. Das denkwürdige Aktenstück, das die Grund- 
züge von Preussens deutscher Politik, wie sie seitdem verfolgt wurde, ent- 
hält, lautet"): 

„Euer Königlichen Majestät allerhöchste Order vom 10. Nov. v. J. hat 
mir zur Pflicht gemacht, die Fragen: durch welche Mittel die Ruhe im Innern 
von Deutschland für den Fall eines unvermeidlichen auswärtigen Krieges über- 
haupt sicher zu stellen sey? insbesondere aber, auf welche Art und Weise 
Preussen seine Stellung und seinen Einfluss in Deutschland für die Erreichung 
dieses Zieles und zur Abwendung übler Folgen der stattfindenden Aufregung 
und Störung der Verhältnisse in den deutscheu Nachbarstaaten zu benutzen 
haben werde? einer näheren Erörterung zu unterziehen und Allerhöchstdenen- 
selben einen hiernach zu entwerfenden Plan vorzulegen, der für besorgliche 
Fälle als Richtschnur des eigenen Verhaltens dienen könne. 

Nach einer durch meinen anhaltenden Kraukheitszustand verursachten Ver- 
zögerung, welche ich allergnädigst entschuldigen zu wollen bitte, kann ich 
erst jetzt, unter Berücksichtigung der inzwischen eingetretenen, bei der Lösung 
dieser meiner Aufgabe in Betracht zu ziehenden Gestaltung der Verhältnisse, 
Euer Königlichen Majestät liuldreichem Befehle, soweit es in meinen Kräften 
steht, nach bester Ueberzcugung mittelst gegenwärtigen unterth. Vortrags Folge 
zu leisten suchen. 



") Das Fül'^cnde nach ilen Akton des von Ibcllisoljon Faniilienarohivs. 



67 

Eine Thatsache, von welcher ich dabei auszugehen habe, ist die sich 
durch vielfache Erscheinungen in mehreren deutschen Ländern unverkennbar 
ankündigende Fortdauer derjenigen Aufregung der Gemüther, welche, her- 
vorgerufen durch den Eindruck, den die, in Frankreich und Belgien ausge- 
brochenen Revolutionen nach allen Seiten hin verbreiteten, wie eine epidemische 
Krankheit ansteckend um sich griff und besonders im September und Oktober 
v. J. an mehreren Punkten Deutschlands Unruhen der ernstlichsten Art er- 
zeugte. Die auffallende Ähnlichkeit des Übels und seiner Wirkungen mit einer 
Epidemie zeigt sich nächst der Ansteckung, wodurch sich dasselbe fortpflanzte, 
auch in der fieberhaften Natur der damit verbundenen Bewegungen. Tiefere 
Ursachen der besonderen Empfänglichkeit für jene Ansteckung liegen mehr 
oder minder in dem, die gegenwärtige Zeit überhaupt karakterisirenden Mangel 
an Uebereinstimmung und Festigkeit der moralisch-religiösen Ueberzeugungen, 
die mit den politischen Gesinnungen so wenig zusammenhängen; in der nicht 
abzuleugnenden Verworrenheit, Unsicherheit und Verunstaltung der Begriffe von 
der obrigkeitlichen Gewalt und von der Heiligkeit des Eides; in einer dieselbe 
begleitenden falschen Richtung der, diesen Begriffen entsprechenden Gefühle. 
Ob die hier bezeichneten Ursachen gerade in den deutschen Staaten, wo die 
ansteckende Wirkung der französischen und belgischen Unruhen sich zunächst 
und am heftigsten geäussert hat, vorzugsweise und mehr als in anderen Theilen 
Deutschlands vorwalten, will ich dahingestellt seyn lassen; gewiss aber und no- 
torisch ist es, dass schon vor dem durch die fraglichen Unruhen gegebenen starken 
Impulse zur Aufregung der Gemüther und zwar längere Zeit vorher in den 
eben gedachten Staaten eine Unzufriedenheit herrschte, aus welcher sich die 
dortige grössere Empfänglichkeit für die Ansteckung zunächst und am Ein- 
leuchtendsten erklärt. 

Zu den auf einzelne deutsche Staaten beschränkten Ursachen der Un- 
zufriedenheit kommen ferner noch die mancherlei Missverhältnisse hinzu, die 
als eine natürliche Folge der Trennung Deutschlands in viele Staaten 
vorzüglich dadurch fühlbar werden, dass sie sich gemeinsamen Einrichtungen 
und Anordnungen für das Ganze, deren Bedürfniss hier mehr und dort minder 
lebhaft empfunden wird, entweder durchaus hemmend entgegenstellen oder die- 
selben doch dergestalt erschweren, dass sie nur unvollkommen ins Leben 
geführt werden können. Man will den Hoffnungen auf solche Beförderungs- 
mittel der allgemeinen Wohlfahrt nicht entsagen, man wird ungeduldig über 
die Entbehrungen oder Belästigungen, die ihr Mangel oder ihre Unvollkommen- 
heit, wirklich mit sich bringt, man übertreibt auch wohl in den Schilderungen, 
die davon gemacht werden, den Umfang und den Grad der wirklichen vor- 
handenen Bedrängniss; — und so entsteht unter dem Zusammenwirken aller 
(abgedachten Umstände ein unbestimmtes Verlangen nach einer Veränderung 
der jetzigen Gestalt der Dinge, welches sich bei willkürlicher Verfolgung dieses 
Ziels, so warnend auch die Lehren sind, welche die neue Geschichte hierüber 
giebt, doch nicht abhalten lassen will, mit Benutzung jedes dargebotenen An- 
lasses selbst in ungesetzliche Thaten und grobe Exzesse auszubrechen. Muss 
schon der gegenwärtige, eben in allgemeinen Zügen dargestellte Zustand 



68 

Deutschlands nicht geringe Besorgnisse für dessen innere Ruhe erwecken, so 
finden dieselbe noch reichlichere Nahrung in dem Gedanken an die Mög- 
lichkeit eines nahe bevorstehenden Krieges mit dem Auslande; da bei dessen 
Verwirklichung — während man Streitkräfte, die zur [Tnterdrückung innerer 
Aufstände dienen könnten, gegen den auswärtigen Feind zu verwenden hätte, 
— zugleich neue Lasten und Entbehrungen eine Steigerung der Unzufrieden- 
heit herbeiführen würden, wenn einerseits zur Ueberwindung des Feindes eine 
grössere Anstrengung mit Gut und Blut von Unterthanen gefordert werden 
müsste, die sich nach Erleichterung ihres jetzigen Druckes schon sehnen, 
andererseits aber die, in Begleitung jedes Krieges eintretende Hemmung des 
Verkehrs den Ertrag ihrer Erwerbszweige besonders zum Nachtheile der, vor- 
zugsweise in den Städten wohnenden industriellen Volksklasse empfindlich ver- 
mindern dürfte. 

Wie gegründet indessen auch jene Besorgnisse seyn mögen, so rechtfertigen 
sie doch keine Zweifel an dem Vorhandenseyn und der Wirksamkeit von 
Mitteln, dem drohenden Unheil vorzubeugen oder seine ferneren Ausbrüche mit 
Erfolg zu bekämpfen, selbst im Falle eines unvermeidlichen Krieges unter den 
Deutschen eine zustimmende Begeisterung zu entzünden, welche zur Erleichterung 
der ihnen anzusinnenden Mittel mitwirke. Diese Mittel werden, sowie das Uebel, 
gegen welches dusch deren Anwendung anzukämpfen ist, im Wesentlichen nur 
moralischer Natur seyn können, wenn man sich sowohl jetzt als im Falle 
eines Krieges sichern Erfolg davon versprechen will. Sie werden zunächst auf 
eine richtige Behandlung und Leitung des Geistes der Majorität aller Gebil- 
deten und Besitzenden berechnet und dahin gerichtet seyn müssen, dass 
diese Majorität nicht neutral bleibe, sondern sich den Maasregeln der Regierung 
mit Liebe anschliesse. Bedingt werden sie deshalb durch die Voraussetzung, 
dass die Majorität der Gebildeten und Besitzenden, vom Gefühle ihrer wahren 
Interessen bestimmt, allenthalben geneigt und bereitwillig sey, die guten Ab- 
sichten der Regierungen kräftig zu unterstützen, wo sie anerkennen muss, dass 
alle Regierungs-Maasregeln nach Rücksichten des Gemeinwohls bestimmt und 
abgemessen, dagegen aber Eingebungen und Rathschläge des Partheigeistes, — 
die Parthei sei welche sie wolle, — zurückgewiesen und Gefahren entfernt 
gehalten werden, welche der Einfluss eines solchen Geistes auf EntSchliessungen 
der Staatsgewalt, wie neuere Beispiele in mehreren Staaten nur allzustark be- 
weisen, der allgemeinen Wohlfahrt bereiten kann. 

Ich glaube nach der Ansicht, welche ich mir über den deutschen National- 
Charakter habe bilden können, die eben gedachte Voraussetzung zur Grundlage 
nachstehender Betrachtungen machen zu dürfen. 

I. Je leichter der natürliche Verstand einsieht, wie sehr das Gemeinwohl 
dabei interessirt ist, dass die Grenze dos Staats gegen Angriffe des auswärtigen 
Feindes vertheidigt und dass die gute Absicht der Regierung, diese Vertheidigung 
ernstlich zu betreiben, von allen Seiten kräftig unterstützt werde, — um so 
wichtiger für ganz Deutschland scheint mir zunächst die Annahme oder Be- 
hauptung einer Politik, welche für den Fall, wenn ein Krieg unvermeidlich seyn 
aullte, sicher dahin tüiirt, dass der L'ebergaug aus dem jetzigen Zu- 



69 

stände in den Kriegszustand unter Umständen geschehe, die eine 
unbedingte Nothwendigkeit des Letzteren als evidente Thatsaehe den 
Unterthanen aller deutschen Staaten unabweislich vor die Augen rücken; was 
nach dem herrschenden Geiste unserer Zeiten nicht etwa bei einem Kriege um 
Prinzipien, worüber im Innern von Deutschland selbst Partheien sich streiten, 
sondern nur alsdann stattfinden wird, und sicher erwartet werden darf, wenn 
ein Angriff des Feindes alle Zweifel über jene Nothwendigkeit des Krieges 
zerstreut und alle weitere desfallsige Rechtsdeductionen als überflüssig erscheinen 
lässt, deren Unentbehrlichkeit zur Ausführung der Motive des Kriegs überhaupt 
nichts Wünschenswertes wäre. 

II. Beginnt aber ein Krieg, welcher den Charakter unbedingter Noth- 
wendigkeit unverkennbar an sich trägt, so wird zur Abwendung jedes Erkaltens 
oder Erschlaffens des guten Willens, welcher den Regierungen bei ihrer Thätig- 
keit für das W^ohl und die Ehre des Vaterlandes alsdann sicherlich entgegen- 
kommen wird, auch darauf Bedacht zu nehmen seyn, dass aus den Hand- 
lungen und Maasregeln der deutschen Fürsten nichts hervorblicke, was auf ein 
Mistrauen derselben gegen ihre Völker schliessen lassen könnte. Das Gegen- 
theil dürfte leicht zu Störungen der, unter den obwaltenden Umständen doppelt 
wichtigen Einmüthigkeit in den Bestrebungen für das Wohl des Ganzen Ver- 
anlassung geben. 

III. Eine der sichersten Bürgschaften für die Festigkeit und Zunahme 
eines gegenseitigen Vertrauens gewährt die stete Anwendung gesetzlicher 
Mittel bei Verfolgung der allgemeinen und besonderen Zwecke der Regierungen. 
Wo hierbei von der Konsequenz eines gesetzmässigen Ganges abgewichen wird, 
in welcher gerade die Stärke einer legitimen Regierung beruht, fehlt der phy- 
sischen Gewalt das Haupt-Element, das ihr allein Würde, Achtung und nach- 
haltige Wirkung verleiht, nehmlich die, das Wesen der Gesetzmässigkeit bildende 
moralische Kraft. Dieses Zaubers entkleidet, der die Gemüther so mächtig 
zügelt und bindet, pflegt sie nur gar zu leicht wieder physische Kräfte zum 
Widerstände gegen sich aufzureizen und in Kämpfe gezogen zu werden, die 
den moralischen Zustand der darin verwickelten Bevölkerung — welchen Aus- 
gang sie auch haben mögen — jedenfalls aufs Tiefste zerrütten. In Deutsch- 
land, wo der altgewohnte Boden der Ordnung und des Rechts, — der fort- 
dauernden Aufregung ungeachtet — zwar hier und dort stark erschüttert, 
nirgends aber durch zerstörende Revolutionen aufgelösst ist, braucht nicht ein- 
mal ein Zweifel darüber aufzukommen, ob die Regierungen zur Erreichung ihrer 
Zwecke auch anderer als gesetzlicher Mittel wirklich bedürfen; denn hierzu 
reichen die letzteren aus dem Boden der Ordnung und des Rechtes immer hin, 
vorausgesetzt, dass sie mit Energie, Consequenz und Geschick gehandhabt 
werden. Diese Handhabung aber hängt von der Persönlichkeit der Beamten 
und dem sie beseelenden Geiste, zunächst also von ihrer Wahl ab. 

IV. Zur Aufrechthaltung, tieferen Begründung und Verbreitung des Sinnes 
für Recht und Ordnung kann ohne Zweifel auch die Presse sehr wesentlich 
beitragen. Es ist deshalb gewiss sehr zu bedauern, dass sich jetzt zu wenige 
tüchtige Stimmen erheben, um jene gute Sache des Rechts und der Ordnung 

ö 



70 

gegen die Angriffe, denen sie besonders in ausländischen Blättern ausgesetzt 
ist, mit Ernst und Einsicht zu vertreten. Damit die Herausgabe von Zeitungen 
oder periodischen Blättern, welche sich diesem Zwecke widmen, nach Möglich- 
keit gefördert werde, möchte es schon jetzt an der Zeit sein, hierzu Schrift- 
steller von Talent und guter Gesinnung zu gewinnen, bei denen die letztere 
sich in der Neigung offenbare, durch ihre Feder die Lösung der schwierigen, 
den Regierungen obHegenden Aufgabe zu erleichtern. Immerhin könnte man 
ihnen dabei — sofern ihre Persönlichkeit hinreichende Garantie gewährt — 
freieren Spielraum gestatten, ohne jedoch im Allgemeinen eine wesentliche Ver- 
änderung in den Bestimmungen über die Censur eintreten zu lassen; denn 
diese wird auch im Falle eines Krieges nicht entbehrt werden können, so 
wenig man übrigens der Begeisterung, welche mit Wort und Schrift, die Sache 
des Vaterlandes gegen den auswärtigen Feind vertheidigen will, Einhalt zu 
thun haben dürfte. 

V. Das3 ferner die Gründung gemeinsamer Institutionen für 
Deutschland, besonders aber eines ganz Deutschland umfassenden Systemes 
der Freiheit des Handels und Verkehrs, über dessen Mangel so viel 
geklagt wird, auch für die Sicherstellung und Befestigung der Ruhe in seinem 
Innern von grossem Werte seyn würde, isl keineswegs in Abrede zu stellen, 
und vielmehr demjenigen ganz beizupflichten, was der Verfasser einer. Euer 
Königlichen Majestät von dem Herzoge von Sachsen-Coburg-Gotha mitgetheilten 
und mir allergnädigst zugefertigten Denkschrift, die Mittel zur Erhaltung oder 
Wiederherstellung der Ordnung in den deutschen Staaten betreffend, hierüber 
bemerklich gemacht hat. Nur seiner Ansicht über den Weg, auf welchem die 
Begründung und Einführung einer solchen Institution zu bewirken wäre, kann 
ich nicht beitreten. Sein Rath geht dahin, diese Sache ohne Zeitverlust am 
deutschen Bundestage zur Erörterung zu bringen, baldigst auszusprechen, 
dass die bezeichnete Maasregel Statt finden solle, den Moment des Eintritts 
derselben schon jetzt zu bestimmen, vorläufig die Grundzüge eines allgemeinen 
Zoll- und Ilandels-Systemes, die näheren Versieherungen einer Commission zu 
übertragen, und einen Termin für die Beendigung ihrer Arbeiten anzuberaumen. 
Indem ich mich gegen eine Betreibung dieser hochwichtigen Angelegenheit 
durch den deutschen Bund und sein Organ, die Bundesversammlung, als gegen 
ein durchaus unpraktisches und zweckwidriges Unternehmen, zu erklären habe, 
glaube ich hier die weit verbreitete und oft wiederholte Beschwerde berühren 
zu müssen, dass der deutsche Bund überhaupt nicht leiste, was das gemein- 
same Interesse Deutschlands erheischt. Ungeachtet aller, durch die Geschichte 
der letzten 14 Jahre hierzu gelieferten Beläge, wäre es doch ungerecht, nicht 
dabei in Erwägung zu ziehen, wie wenig dieser Vorwurf zum Theil und nament- 
lich in so fern begründet werden kann, als mau von dem Bunde Institutionen 
und Anordnungen verlangt, wie nur die Einheit einer und derselben Re- 
gierung in ihrer, über ein ganzes Land gleichmässig ausgedehnten kräftigen 
Wirksamkeit sie zu schaffen vermag. Man übersieht zu leicht, dass der Bund, 
— anstatt die hierzu unentbehrliche Kraft innerer Einheit zu besitzen — eine 
Zusammensetzung aus acht und dreiüsig Staaten bildet, von denen jeder auf 



71 

Souverainitiit Anspruch macht, welche durch die Buudes-Akte garantirt sind. 
Allerdings kann auch ein solcher Verein in den Fall kummen, für diese oder 
jene Anordnung eine vorübergehende gemeinschaftliche Geneigtheit zu be- 
zeigen, die man immerhin, wo sie durch besondere Umstände hervorgerufen 
wird, mit Erfolg zu benutzen im Stande ist; — so zum Beispiel, jetzt seine 
Geneigtheit für Vollendung der Organisation des deutschen Bundesheeres bei 
der drohenden Gefahr eines Bundeskriegs. Die Schöpfung eines all^e- 
meinen deutschen Zoll- und Handelssystemes oder irgend einer andern 
allgemeinen und bleibenden Institution ähnlicher Natur ist dagegen eine Auf- 
gabe, deren Lösung dem Bunde so lange unmöglich bleiben wird, als derselbe 
nicht eine andere von der jetzigen ganz verschiedene und der Ausführung 
solcher Pläne günstige Organisation besitzt. 

Hätte irgend einer, der mächtigeren Bundesstaaten, namentlich Preussen, 
auch verfassungsmässig einen grösseren Einfluss in den Bundesversammlungen 
auszuüben als gegenwärtig, wo keinem Bundesstaate von den sie benzig 
Stimmen des Plenums mehr als vier, und von den siebenzehn Stimmen des 
engeren Rathes mehr als eine zukommen; so müsste man sich doch von 
jedem Versuche, die Begründung jener für Deutschlands Gesammt Interesse 
wünschenswerthen Institution durch den Bund zu betreiben und hierzu die 
Initiative zu ergreifen, schon aus den ebenbezeichneten allgemeinen und in 
der Natur des Bundes-Verhältnisses hegenden Gründen, und noch mehr durch 
die bereits gemachten Erfahrungen zurückgehalten finden. Schon im Jahre 
1816 scheiterte der, in Folge der damaligen Mis-Erndte angestellte, durch 
Preussens Zustimmung aufs Lebhafteste unterstützte und durch grosse Popu- 
larität begünstigte Versuch, die Freiheit des Verkehrs mit den unentbehrlichsten 
Lebensbedürfnissen im ganzen Umfange des Bundes mittels Bundesbeschlusses 
einzuführen. Und gewiss würden die mehrjährigen Berathungen über gemein- 
same Zoll-Einrichtungen, wozu süd- und mitteldeutsche Staaten sich im Jahre 
1820 gleichzeitig in Darmstadt vereinigten, anstatt ihrer damaligen gänzhclien 
Erfolglosigkeit keinen befriedigenden Ausgang gehabt haben, wenn sie am 
Bundestage, unter Theilnahme aller übrigen Bundesregierungen geführt worden 
wären. Wenn endlich die neuere Geschichte Deutschlands in dem sogenannten 
mitteldeutschen Handelsvereine das Beispiel einer, von fünfzehn deut- 
schen Staaten in Bezug auf Zoll- und Handelsverhältnisse wirklich geschlossenen 
Verbindung aufzuweisen hat; so können dtch meine obigen ehrfurchtsvollen 
Bemerkungen hinsichtlich der, unter den jetzigen Verhältnissen obwaltenden 
Unmöglichkeit, Deutschlands wahres Handels-Interesse durch gleichzeitiges Zu- 
sammenwirken vieler oder aller Bundesstaaten, — sei es am Bundestage 
oder anderweitig — zu fördern, wohl nicht besser und augenscheinlicher be- 
stätigt werden, als gerade durch die Entstehung, das innere Wesen und das 
Schicksal dieses, sich jetzt schon faktisch von selbst wieder auflösenden Vereins. 
Der eigentliche Zweck desselben bestand nur darin, den Wirkungen und einer 
weiteren Verbreitung der wohlthätigen Grundsätze Einhalt zu thun, durch deren 
Aufstellung und Auwendung Euer Königlichen Majestät allerhöchste Regierung 
seit der Einführung des Zell- und Steuersystems von 1818 zu Handels- und 

5* 



72 

Zoll- Vereinen mit einzelnen Staaten die Hand geboten hat und nicht ohne 
Erfolg dahin zu streben fortfährt, dass die Verwirklichung des Ideals allge- 
meiner Freiheit des Handels und Verkehrs für ganz Deutschland allmählich 
zu Stande kommen könne, so wenig auch gerade für Preussen wegen der, in 
finanzieller und zum Theil auch in staatswirthschaftlicher Hinsicht dabei von 
Ihm zu bringenden Opfer der gegenwärtige Zeitpunkt hierzu geeignet seyn 
mag. Es darf Preussen jedoch zur Genugthuung gereichen, dass dieses sein 
unablässiges Bestreben, bei aller Misdeutung, die es erfahren hat, und bei allen 
Hindernissen, die ihm in den Weg gelegt worden sind, je länger, je mehr An- 
erkennung, Würdigung und entgegenkommende Unterstützung in Deutschland 
findet. 

Was den sonstigen Inhalt der von dem Herzoge von Sachsen-Coburg- 
Gotha mitgeteilten Denkschrift betrifft, welche laut ihres Datums in der ersten 
Hälfte des Oktobers vorigen Jahres abgefasst worden; so haben mehrere darin 
ausgesprochene Wünsche und Vorschläge inzwischen durch den später zu- 
stande gekommenen Bundesbeschluss vom 21. Okt. v. J. eine mehr oder 
weniger vollständige Erfüllung erhalten. 

In den letzten Worten auf die moralische Natur des Übels und auf 
die, gegen dasselbe anzuwendenden Mittel moralischer Natur nur im allge- 
meinen hindeutend, hat der Bundesbeschluss vom 21. Okt. v. J. — der Haupt- 
sache nach — und besonders in den ad No. 1 u. 2 darin festgestellten Be- 
stimmungen dafür gesorgt, dass für die keineswegs ausser Acht zu lassenden 
Fälle, wo der fortwallende Geist der Unruhe in zügellose Handlungen ausbricht, 
kein Bundesstaat aus Unzulänglichkeit seiner eigenen Kräfte der, zur Unter- 
drückung solcher Aufstände nötigen physischen Mittel entbehre. Hiermit 
ist dem, in dieser Beziehung stattfindenden nächsten Bedürfnisse sowohl für 
die Gegenwart als für die Zukunft, wo dergleichen Aufstände während eines 
auswärtigen Krieges vorkommen könnten, einstweilen Genüge geleistet. Sollte 
sich die Zukunft indessen so traurig gestalten, dass neben der, einem Kriege 
zuzuwendenden Anstrengung und Aufmerksamkeit auch noch der Gebrauch 
physischer Mittel zur Dämpfung von Unruhen im Innern Deutschlands oder 
zu Verhinderung derselben nötig würde; so möchten die Grenzgegenden zwischen 
Kurheasen und Grossherzogtum Hessen, sowie in Thüringen nebst den um- 
liegenden Ländern wohl vorzugsweise im Sinne des Bundesbeschlusses vom 
21. Okt. V. .1. unter den Schutz und die Beobachtung grösserer oder geringerer 
Massen von Bundestruppen zu stellen sein, zu deren dortiger Zusammen- 
ziehung, — nächst der Lage der beiden Festungen Erfurt und Mainz — auch 
die Kriegsverfassung des deutschen Bundes einen, eventuell als Vorwand zu 
benutzenden ostensiblen Grund darbietet, indem dieselbe in ihren, am 9. 
April 1821 beschlussmässig angenommenen Grundzügen Art. XI vorschreibt: 
„dass für das Bundesheer eine besondere Reserve bestehen 
soll, damit solches vollzählig erhalten und im Falle der Noth- 
wendigkeit verstärkt werden könne." 

Aufgestellt in den bezeichneten Gegenden und nach Umständen zu 
mobilen Kolonnen orgauibiert, würde die Keserve dem deutschen Bunde, 



73 

während seine Heere dem auswärtigen Feinde gegenüberstehen, für die Erhal- 
tung der Ruhe in seinem Innern die wirksamsten Dienste zu leisten geeignet 
seyn, worüber zu seiner Zeit mit den betreffenden Staaten das Erforderliche 
zu verabreden sein würde. 

"Welche ausserordentlichen Maasregeln im Falle eines auswärtigen 
Krieges für die Erhaltung oder Wiederherstellung der Ruhe im Innern von 
Deutschland etwa noch nothwendig oder nützlich werden möchten, getraue ich 
mir für itzt nicht anzudeuten, da mir der fernere Lauf der Ereignisse 
und die Natur der, in jedem besonderen Momente obwaltenden 
individuellen Umstände hierüber Belehrung an die Hand geben kann. 
Unter die Fragen, deren Beantwortung von solchen, nicht im Voraus za be- 
rechnenden Umständen abhängt, zähle ich namentlich auch die: ob und wie 
weit die Anordnung und Ausführung ausserordentlicher Maasregeln zur Er- 
reichung des angegebenen Zweckes, wenn das Bedürfniss derselben eintritt, 
dem deutschen Bunde zu überlassen oder als Gegenstand der Verabredung 
und des gemeinschaftlichen Zusammenwirkens einzelner Bundesstaaten, die sich 
in grösserer oder geringerer Anzahl darüber vereinigen könnten, zu behandeln 
sein würde? 

Nachdem ich die, in Euer Königlichen Majestät allerhöchster Order vom 
10. November v. J. aufgestellte Frage bisher in allgemeinen Beziehungen 
für sämmtliche deutsche Staaten betrachtet und beleuchtet habe, wie der mir 
gnädigst ertheilte Befehl zunächst vorzuschreiben scheint, bleibt mir noch 
übrig, mich mit denselben in ihrer speziellen Beziehung auf Preussen zu 
beschäftigen und meine unterthänigste Äusserung besonders darüber ab- 
zugeben: 

auf welche Art und Weise Preussen seine Stellung und seinen 

Einfluss in Deutschland für die Erreichung des Zweckes und 
zur Abwendung übler Folgen der stattfindenden Aufregung und 
Störung der Verhältnisse in den deutschen Nachbarstaaten zu 
benutzen habe? 

Von Preussens obenerwähnter Stellung im deutschen Bunde, welche nach 
dessen jetziger Organisation verfassungsmässig und namentlich in Ansehung 
des auszuübenden Stimmrechts keine andere ist, als diejenige, in welcher sich 
ausser Oesterreich auch Bayern, Sachsen, Hannover und "Württemberg befinden, 
kann hier nach meinen unterth. Bemerkungen über das Bundes-Verhältniss 
im Allgemeinen nicht mehr die Rede seyn. Wie ich bei Gelegenheit jener 
Bemerkungen schon erinnerte, hat sich aber für Preussen, abgesehen von seinen 
Beziehungen zum Bunde, eine Stellung in Deutschland gebildet, die es ihm 
möglich macht, im Weege der Abschliessung von Partikular Vereinigungen 
mit einzelnen Staaten viel Gemeinnütziges, was beim Bunde kein Glück machen 
würde, vorzubereiten und ins Leben zu führen. Dieser Weeg, auf welchem 
namentlich zur Beförderung allgemeiner Freiheit des Handels und Verkehrs 
unter allmähligem Zutritte mehrerer Genossen schon wichtige und erfreuliche 
Resultate gewonnen sind, wird geöffnet und gebahnt durch das. Euer König- 
lichen Majestät allerhöchster Regierung je länger, je mehr entgegenkommende 



74 

Vertrauen der deutschen Regierungen und die sich derselben je länger 
je mehr zuwendende Neigung der deutschen Völker. 

Das Eine wie das Andere erhält die höchste Bedeutuntr vermöjre des 
mächtigen moralischen Einflusses,* welchen Preussen gerade deshalb in Deutsch- 
land überhaupt ausübt und auszuüben den Beruf hat. Dieser Einfliiss giebt 
ihm bei fortgesetzter richtiger Benutzung desselben auch das sicherste Mittel 
in die Hände, Deutschlands innere Ruhe auch im Falle eines auswärtigen 
Krieges zu beschirmen und zu befestigen. Es kommt also wesentlich darauf 
an, dass derselbe in ungeschwächter und zunehmender "Wirksamkeit auf den 
Grundlagen fortbestehe, auf denen er beruht und diese Grundlagen, das Ver- 
trauen der Regierungen und die gute Meinung der Völker, uner^chüttert zu 
erhalten, scheint demnach Preussens Willen und ein Hauptaugenmerk seiner 
Politik bleiben zu müssen. Erhalten werden aber kann beides nur in der- 
selben Weise und Ordnung, wie es erworben ist: durch beharrliche Liebe für 
Recht und Gesetzmässigkeit, durch Offenheit und Wahrheit in allen Verhält- 
nissen, durch Empfänglichkeit für alle Reformen, welche — nicht etwa das 
Geschrei der Neuerer — sondern ein richtig erkanntes Bedürfnis der Zeit 
fordert, überhaupt also durch Bewahrung der eigenen inneren Gesundheit, in 
deren Kraft — dank Euer Königlichen Majestät hoher Regierungs-Weisheit — 
Preussen stark und geehrt unter den Staaten Europas besteht. Mit den ange- 
gebenen Grundbedingungen der Entstehung und der Fortdauer des Einflusses, 
den Preussen in Deutschland besitzt, ist auch zugleich schon die rechte Art 
seiner Ausübung bezeichnet. Ich erblicke das Wesen der letzteren haupt- 
sächlich darin, dass Preussen mit seinem Beispiele den übrigen deutschen 
Staaten vorleuchte und sie dadurch zu einer Nachahmung bestimme, welche 
nicht ausbleiben und auch für die Erhaltung der inneren Ruhe Deutschlands 
selbst im Falle eines Krieges heilbringende Früchte tragen wird. Sowohl 
dieses Beispiels wegen, als im Interesse der eigenen Wohlfahrt und Sicherheit 
hat Preussen, meines allerunterthänigsten Erachtens die Richtschnur seines 
ferneren Handelns zunächst und insbesondere in den oben von No. I bis V 
ehrfurchtsvoll vorgetragenen Erwägungen zu suchen und von den daselbst in 
Vorschlag gebrachten, auf Sicherstellung der Ruhe im Innern von Deutschland 
überhaupt abzweckeuden Mittel moralischer Natur eigenen Gebrauch zu 
machen. Unter ehrfurchtsvoller Bezugnahme auf jene Vorschläge glaube ich 
namentlich in tiefster Unterwürfigkeit empfehlen zu müssen: 

1. Dass Euer Königlichen Majestät allerhöchste Regierung bei einer Politik 
beharre, welche den Frieden auf alle mit Preussens Ehre und anderen wesent- 
lichen Interessen vereinbare Weise zu erhalten sucht und zugleich — wenn 
ein Krieg dennoch unvermeidlich werden sollte — den auswärtigen Feind in 
den Fall setzt, ihn durch einen Angriff von seiner Seite zu eröffnen. Unter- 
nimmt alsdann der Feind einen Angriff", so wird Euer Königlichen Majestät 
landesväterliche Ansprache an das Volk, wie sie im Jahr 1818 statt fand, ge- 
wiss ähnliche Wirkungen hervorbringen und mächtig dazu beitragen, dass der 
treue Wille Allerhöchst Ihrer Unterfhanen, sich ihres Königs würdig zu bezeigen, 
allenthalben in That übergehe; auch wird dieselbe nicht vergebens in andern 



75 

Staaten Deutschlands erschallen, sondern unter Fürsten und Yülkern eine rühm- 
liche Nacheiferung, ein aufrichtiges Verlangen erwecken, gemeinschaftlich mit 
Preusaen den gemeinsamen deutschen Buden und seine heiligsten Interessen, 
unter Bewahrung innerer Ruhe und gesetzlicher Ordnung, mit ausdauernder 
Tapferkeit zu vertheidigen. Diese Erfolge darf Deutschland sich umsomehr 
versprechen jemehr und fester es darauf vertrauen kann, dass 

2. Preussen fortfahren werde, seinen Yülkern ein, über jeden Zweifel 
erhabenes Vertrauen in ebendemselben Maasse zu schenken als Es Sich durch 
ernstliches, von dem Einflüsse jedes Partheigeistes freies Handeln für das Gemein- 
wohl volle Ansprüche auf ihr Vertrauen erwirbt; — dass es ferner 

3. auch darin beharren werde, sich bei der Wahl und Ausführung seiner 
hierauf berechneten Maasregeln immer nur gesetzlicher Mittel zu bedienen, 
und zugleich darauf halten werde, dass ihm eine geschickte und energische 
Handhabung derselben durch ein wohlgesinntes Beamten-Personal nirgends 
fehle, dass es endlich unter Beihaltung und Beförderung einer verständigen 
Censur 

4. dafür sorgen werde, dass die heilige Sache des Rechts, der Ordnung 
und des Vaterlandes auch durch die Stimme einsichtsvoller Schriftsteller immer 
treuere und immer zahlreichere Anhänger gewinne. 

Zur Verstärkung der wohlthätigen Wirkung, welche Preussens Beispiel 
hierdurch bei andern deutschen Staaten je länger je mehr hervorbringen wird, 
kann Euer KonigUchen Majestät allerhöchste Regierung Vieles beitragen, 
wenn Sie 

5. freundschaftliche Rathschläge im Sinne ihrer eigenen Handlungs- 
weise mit Benutzung jeder passenden Gelegenheit zu ertheilen bereit ist, ohne 
sich irgendwie mit einer solchen direkten Einmischung aufzudringen, welche 
die Lage der politischen Verhältnisse in Deutschland und in Europa erlaubt; 
— wenn Sie 

6. sich nach wie vor angelegen seyn lässt, alle auf Deutschlands Wohlfahrt 
abzielenden gemeinnützigen Anordnungen und Institutionen nach Möglich- 
keit zu fördern wie sie es in consequenter woiterer Verfolgung des betretenen 
Weegs der Partikular-Vereinigungen mit einzelnen Staaten, wo nur 
dieser Weeg zum Ziele führen kann; oder sey es durch nachdrückliche Mit- 
wirkung bei den, solchen Gegenständen gewidmeten Berathungen und Be- 
schlüsse der deutschen Bundesversammlung, so weit das allgemeine Beste 
nach der Natur des besonderen Falles aus Maasregeln des Bundes wirklich 
hervorgehen kann; — namentlich also, wenn Sie 

7. bei fortgesetzter treuer Erfüllung Ihrer Bundespflichten — wie sich 
von selbst versteht — insbesondere den ernsten Willen bethätigt, dass der zur 
Abwendung und Unterdrückung neuer Volks-Aufstände gefasste Bundesbeschluss 
vom 21ten Oct. 1830 allenthalben wo es Noth thut, durch die zweckmässigste 
Anwendung physischer Mittel zur wirksamen Ausführung komme, wohin auch 
für den Fall eines auswärtigen Kriegs die oben angedeutete angemessene Ver- 
wendung der Reserve des Bundesheeres gehören würde. 



76 

Man kann sich bei Betrachtungen, wie die vorstehenden sind, nicht leicht 
des Wunsches erwehren, dass Deutschland durch ein festeres gemeinsames 
Band, als ihm die jetzige Bundesverfassung gewährt, zusammengehalten und 
Preussen dadurch in den Stand gesetzt sein möchte, seinen oben geschilderten 
wohlthätigen Einfluss noch stärker und umfassender auszuüben, als Es unter 
den ''etzigen Umständen vermag. Während dieses Ziel auf so verschiedenen 
Weegen, mehr in träumerischen und phantastischen Täuschungen, als mit wahr- 
haft praktischem Sinne gesucht wird, hat Euer Königlichen Majestät allerhöchste 
Regierung eine Annäherung zu demselben in der Beförderung einer freundlichen 
zutrauensvollen Coexistenz der bestehenden deutsehen Staaten erleichtern und 
bisher nur durch ein, dieser Ansicht entsprechendes Verhalten zur allmählichen 
Hervorbrino-uno- und Ausbildung eines Wünschenswertheren politischen Gesammt- 
Zustandes von Deutschland beitragen zu müssen geglaubt. Ohne die Hoffnung 
auf frühere oder spätere Erfüllung des fraglichen Wunsches aufzugeben, bin 
ich der Meinung, dass in dieser Beziehung die Wirkung der Zeit auf den Geist 
der deutschen Regierungen abzuwarten seyn wird. Wenn dieselben durch 
eigene Erfahrungen belehrt, einst aufgehört haben werden, in Anordnungen, 
die nichts als das gemeine Beste Deutschlands zu begründen oder zu erhöhen 
bestimmt und geeignet sind, nur Beschränkungen ihrer Souverainität zu 
sehen und zu scheuen, wenn sie in ihrem richtig verstandenen Interesse An- 
triebe finden, freiwillig dazu die Hände zu bieten: alsdann erst wird die Zeit 
zu einer, den Grundsätzen Preussens angemessenen Verwirklichung eines besseren 
Zustandes der deutschen Bundes-Verfassung die völlige Reife erlangt haben. 

Indem ich hiermit meinen allerunterthänigsten Vortrag schliesse, stelle ich 
die Prüfung des darin entwickelten Planes Euer Königlichen Majestät hohen 
Weisheit in tiefster Ehrfurcht anheim. An und für sich liegen demselben ganz 
einfache Prinzipien zu Grunde. Den Erfolg ihrer Anwendung kann jedoch nur 
die Art und Weise sichern, wie sie ins Leben gerufen werden. Consequenz 
in der Entwickelung derselben und richtige Auffassung der jedesmal dabei 
vorliegenden faktischen Umstände, dürften als empfehlenswerth hier besonders 
in Betrachtung kommen und die Gewährleistung dafür vornehmlich in den eut- 
sprechenden Gesinnungen, Charakter und Fähigkeit der ausführenden Beamten 
zu suchen sein. 

Die mir huldreichst zugefertigte Denkschrift des Herzogs von Sachsen- 
Coburg-Gotha verfehle ich nicht anbei in tiefster Unterwürfigkeit wieder vor- 
zulegen. 

Berlin, den 29ten Januar 1831. (gez.) BernstorfF. 

An des Königs Majestät." 

Der ganze Vortrag charakterisiert die politischen Anschauungen des 
preussischen Ministers des Äusseren vortrefflich. Diejenigen, die den Grafen 
Bernstorff als einen Anhänger oder gar als einen Schleppenträger Metternichs 
bezeichnet haben, ohne Kenntnis der geheimen diplomatischen Geschichte, 
dürften wohl durch dieses politische Glaubensbekenntnis aufs treffendste wider- 
legt werden. Und zwar hat Bernstorff sich nicht etwa allein deshalb als 



77 

Gegner der metternichischen Reaktionstheorie bekannt, weil er Preussena selbst- 
ständige Stellung erhalten wissen wollte, sondern aus innerster Überzeugung. 
So kann man ihn als einen für die damaligen Zeitverhältnisse liberalen Staats- 
mann bezeichnen, der etwa eine Mittelstellung zwischen den Vertretern des 
aufgeklärten Despotismus und denen des reinen Konstitutionalismus einnahm. 

Die Überzeugung, die aus dem Schriftstücke spricht, verfehlte auch ihre 
Wirkung auf den König nicht. Friedrich Wilhelm war allerdings mehr als 
sein Minister rein friedericianischen Grundsätzen hold, und wenn er eine Zeit 
lang liberaleren Ideen zugänglich gewesen sein mochte, so erschrak er doch 
stets vor dem „revolutionären Gespenst". Allein . er war weit entfernt davon, 
harte Massregeln ohne Not zu ergreifen, und die Vorschläge seines Ministers 
waren ihm aus der Seele gesprochen. Das zeigt sein Antwortschreiben an den 
letzteren, das nun folgt. 

„Aus Ihrem Berichte vom 29 ten Januar d. J, der die Frage beantwortet, 
die ich in meiner Order vom 10 ten November v. J. in Beziehung auf die Er- 
haltung der Ruhe im Innern von Deutschland für den Fall eines unvermeidlich 
gewordenen Krieges an Sie gerichtet hatte, habe Ich entnommen, dass Sie die 
Schwierigkeit einer praktischen Lösung dieser Aufgabe hauptsächlich in den 
staatsrechtlichen Verbältnissen der deutschen Bundesregierungen finden, und 
dass Sie, abgesehen von der Anwendung moralischer Mittel, über welche Ich 
mit Ihren Ansichten wesentlich einverstanden bin, die positive Einwirkung für 
jetzt auf die Vorsorge beschränken: dem Bundesbeschlusse vom 21teu Octuber 
V. J. in eintretenden Fällen die möglich vollständigste Ausführung zu ver- 
schaffen. Ich erwarte, dass Sie den diesseitigen Gesandten am Bundestage mit 
bestimmter Anweisung dieserhalb bereits versehen haben, damit er in solchem 
Sinne auf die übrigen Bundestags-Mitglieder mit umsichtiger Thätigkeit ein- 
wirke und das eigene Interesse der einzelnen Regierungen zur zeitigen Vor- 
bereitung und Einleitung der beschlossenen durch die Bundes-Verfaasung be- 
gründeten Maasregeln in Anspruch nehme. Was die anderweitigen, Ihrer 
Darstellung hinzugefügten Vorschläge betrifft, so ist es zwar rathsam, für die 
Sache des Rechts und der Ordnung einsichtsvolle Schriftsteller zu gewinnen, 
bei der anerkannten Schwierigkeit aber, solche Schriftsteller zu ermitteln, die 
mit den erforderlichen Talenten und Kenntnissen auch erprobte treue Gesinnungen 
und den erforderlichen Takt für das Angemessene verbinden, wird die Benutzung 
der Presse für den Fall des Krieges vorzubehalten seyn. Die Partikular- 
Vereinigungen mit den Bundesstaaten über Handels- und Zollverhältnisse zu 
befördern, werde Ich gern, wie bisher, die Hand bieten, und überlasse Ihnen 
gemeinschaftlich mit den andern betreffenden Ministem bei sich darbietenden 
Gelegenheiten hierauf hinzuwirken. 

Berlin den 22 ten März 1831. gez. Friedrich Wilhelm. 

An den Staats- und Kabinets-Minister Grafen von Bernstorff." 

Darauf erging an den preussischen Bundestagsgesandten von Nagler das 
folgende ministerielle Schreiben: 



78 

,Ta Erwägung der seit dem vorigen Sommer in mehreren deutschen 
Staaten ausgt.brochenen Unruhen und ihrer fortdauernden Folgen, sowie der 
Möglielikeit eines hinzutretenden Krieges mit dem Auslande, geruheten des 
Königs Majestät schon vor mehreren Monaten Vorschläge über die Mittel und 
Wege, wie im Falle eines unvermeidlichen auswärtigen Krieges die Ruhe im 
Innern von Deutschland, besonders durch Preussens Mitwirkung sicherzustellen 
und zu erhalten sey? mittelst allerhöchster Cabinetsorder vom 10, Nov. v. J. 
von mir zu erfordern. 

So sehr das dringende Bedürfniss einer ernstlichen Beschäftigung mit 
dieser Frage von mir bekannt wurde; so wenig verhehlte ich mir die allgemeine 
Schwierigkeit der Aufgabe. Schwierig erschien mir dabei nicht sowohl das 
Auffinden und Bezeichnen derjenigen Mittel, welche gegen das, die innere Ruhe 
Deutschlands bedrohende Uebel mit Erfolg angewandt zu werden geeignet sind 
und welche grösstentheils eben so wie das Uebel selbst, nur moralischer Natur 
seyn können als vielmehr die Nachweisung bestimmter und positiver Modalitäten 
ihrer praktischen An^Yeudung, deren richtige Beurtheilung von der Eigenthüm- 
lichkeit der, in concreten Fällen gegebenen Verhältnisse fast allein abhängt. 
Ich überzeugte mich bald, dass man nachdem der Buudesbeschluss vom 21. 
Okt. V. J. in dieser letzteren Hinsicht das Wünschenswerthe — wenn auch 
nicht vollständig genug — bereits geleistet hat ohne den ferneren Lauf der 
Ereignisse und die Gestaltung der, in jedem besonderen Momente der näheren 
oder entfernteren Zukunft stattfindenden individuellen Umstände im Voraus 
weitere positive Maasregeln zur praktischen Sicherstellung und Erhaltung der 
Innern Ruhe Deutschland für den Fall eines unvermeidlichen auswärtigen 
Krieges entweder gar nicht, oder doch nur hypothetisch anzugeben und vor- 
zuschlagen im Stande ist. Innerhalb der mir natürlich hierdurch gesetzten 
Schranken habe ich mich demnach auch halten müssen, als ich, dem mir unterm 
loten Nov. v. J. ertheilten allerhöchsten Befehle, sobald mein anhaltender 
Krankheitszustand es verstattete, durch Abfassung des Berichtes Folge leistete, 
welchen ich in beikommendem Auszuge jetzt zu Euer Excellenz gefälliger Kennt- 
nidsnahme zu bringen veranlasst bin. 

Diese Veranlassung liegt für mich in der, auf den gedachten Bericht au 
mich ergangenen und ebenfalls abschriftlich angeschlossenen allerhöchsten 
Cabinetsorder vom 22ten d. M., laut welcher seine Königliche Majestät die 
Erwartung aussprachen, dass Euer Excellenz Sich in Gemässheit früher em- 
pfangener Instrukzionen die Vorsorge, dem Bundes-Beschlusse vom 21ten Oct. 
v. J. in eintretenden Fällen die möglich vollständigste Ausführung zu ver- 
schaffen mittelst geeigneter Einwirkung auf die übrigen Bundestags-Mitglieder 
angelegen seyn lassen und namentlich das eigene Interesse der einzelnen 
Bundes-Regierungen zur zeitigen Vorbereitung und Einleitung der beschlossenen 
— durch die Bundesverfassung begründeten Maasregeln, in Anspruch zu nehmen, 
nicht ermangeln werden. 

Um Seiner Königlichen Majestät auf etwaniges Erfordern das Nähere 
hierüber vortragen zu k«innen, ersuche ich Euer Excellenz, mich zunächst 
gefälligst benachrichtigen zu wollen, ob Sie neuerlich die Erhaltung der Innern 



79 

Sicherheit Deutschlands auch im Falle eines unvermeidlichen auswärtigen Krieges 
zum Gegenstande vertraulicher Besprechungen mit andern Bundestags-Gesandten 
gemacht haben und welche Ansichten Ihnen von denselben dieserhalb geäussert 
worden sind? Die Sache muss, wie auch Seine Majestät in der allerhöchsten 
Order vom 22ten d. M. anzudeuten geruhet haben, mit besonderer Umsicht 
behandelt werden, damit sie nach keiner Richtung hin Misverständnisse ver- 
anlasse, die der Königlichen Regierung unangenehm seyn könnten. Euer 
Excellenz wollen sich deshalb ferner auch darüber gefälligst erklären, mit 
welchen Gesandten in Beziehung hierauf — bei weiterer Verfolgung des 
Zwecks im Sinne eines auszugsweise heiligenden Berichts an Seine Majestät 
den König — der Gegenstand von Ihnen zunächst wieder aufgenommen und 
woran die ferner vertrauliche Besprechung darüber angeknüpft werden könne? 
Fürs Erste kommt es uns auch mehr darauf an, Vorschläge und Ansichten 
der Gesandten anderer Höfe über den einzuschlagenden Weg zu vernehmen, 
als unserer Seits damit entgegen zu kommen, denn um mit bestimmten zweck- 
mässigen Erklärungen gegen diese Höfe hervortreten zu können, müssen wir 
niit ihren Ansichten über den jetzigen innern Zustand von Deutschland, mit 
ihren desfallsigen Hoffnungen oder Besorgnissen, ingleichen mit ihren darauf 
Bezug habenden Wünschen und etwanigen Vorschlägen erst näher bekannt 
geworden seyn. 

Berlin, den 28tea März 1831. gez. Ancillon."^) 

Es entzieht sich meinem Wissen, mit welchen Bundestagsgesandten Nagler 
über den Vortrag Bernstorffs sich besprochen hat. Dass er ihn ausserdem an 
Ibell eingesandt hat, zeugt davon, welches Vertrauen er in die staatsmännische 
Begabung des letzteren setzte. Überdies kam es ihm jedenfalls darauf an, 
auch von einer bedeutenden Persönlichkeit, die nicht durch ihre Mitgliedschaft 
am Bundesrate politisch befangen war, ein Urteil zu vernehmen. Entweder hat 
der preussische Bundestagsgesandte die Übersendung insgeheim und vertraulich 
erfolgen lassen, oder er hat die Erlaubnis des Berliner Kabinetts zu diesem 
Schritte eingeholt. Obschon die letztere wohl ohne Schwierigkeit würde erteilt 
worden sein, da Ibell, wie eingangs erwähnt, bei Bernstorff persona grutissima 
war, so lässt sich doch die Kürze der Zeit, die zwischen dem Schreiben Ancillous 
und der Antwort Ibells an Nagler — des letzteren Schreiben an Ibell ist nicht 
vorhanden — lag (dreizehn Tage), vermuten, dass Nagler den Vortrag so- 
fort nach Homburg abgehen Hess. Ausser dem Schriftstücke, das Ibells Referat 
enthält, findet sich in seinem Nachlasse noch ein von seiner Hand konzipiertes 
Aktenstück vor, betitelt „Andeutungen", das zunächst hier wörtlich folgt.*) 

,Um des Zwecks willen: Beruhigung zu verbreiten und das Vertrauen 
auf den konsequenten Entwickelungs Gang der Regierung zu befestigen; svird 
jede ausserordentliche Form der Gewährung umgangen werden müssen, wenn 



') Der Abschreiber hat .,Alten9teiri'* geschrieben, was von Ibells eigener Hand in .,An- 
cillon'* abgeändert worden ist. — "*) Die , Andeutungen** bczielien sich auf die damalige 
Lage in Rheinpreussen. 



80 

gleich einige Konzessionen zu bewilligen, und zwar nach dem bekannten bis 
dat qui cito dat. bald zu ertheilen seyn mochten. 

Der noch nicht publizirte Landtags Abschied, welcher mit Ungeduld 
erwartet wird, scheint ein sehr zeit- und sachgemässes Vehikel darzubieten. 
Nachstehende Punkte wären vorerst in diesen Beziehungen hervorzuheben. 
Mehrere andere werden sich nachfolgend zur Erwägung und Beseitigung auf 
anderem Wege darbieten. 

I. Der vorherrschende Wunsch für die bestehenden gerichtlichen Institu- 
zionen und andere damit in organischer Verbindung stehende Einrichtungen 
drängt sich mit überwiegender Bedeutsamkeit unter allen anderen Wünschen 
Hofnungen und Erwartungen hervor. Ob der Meinungs Eifer dafür auf klare 
Anschauungen und vernünftige Reflexionen darüber gegründet sey, oder ob 
derselbe in dunklen Vorstellungen und Vorurtheilen wurzele, das muss hier als 
ganz gleichgültig um so gewisser angesehen werden, als die Mehrzahl der 
Menschen grade diejenigen Vorurtheile, welche nicht durch raisonnements 
sondern nur durch aufgeregte Gefühle unterhalten werden, mit der meisten 
Anstrengung festzuhalten gewillt ist. 

Es steht wohl in keiner Hinsicht dem etwas entgegen, dass im überein- 
stimmenden Nachklang mit dem ersten Königlichen Wort, das so oft laut und 
frohlockend in diesen Landestheilen zurücktönte, — jedes Gute, wo es sich 
auch finde, beizubehalten — und in bioser Entwickelung der durch die vor- 
angehenden Landtags Abschiede schon verkündeten allerhöchsten Absichten, 
eine diesen wesentlichsten und wichtigsten Meinungs Gegenstand auf eine ge- 
nügende Weise absolvirende Zusicherung in dem neuen Landtags Abschied 
aufirenommen werde. In der Art etwa, dass den Ständen eröfnet werde, es 
solle ohne vorausgehende Berathung mit ihnen in diesen Instituzionen keine 
wesentliche Abänderung vorgenommen werden und dass allerhöchsten Orts nur 
das anerkannte Bessere an die Stelle des Gewohnten und vielleicht nur 
durch die Gewohnheit hebgewonnenen minder Guten zu setzen beabsichtigt 
werden könne. 

In der Beruhigung über diesen ganz allgemeinen Wunsch wird das Rhein- 
land ein Unterpfand und ich möchte annehmen, eine allgemein als genügend 
erachtete Bürgschaft empfangen, dass alle andern gerechten und billigen Wünsche 
sich einer huldreichen Aufname und Würdigung stets zu erfreuen haben, und 
für jede nachfolgende allerhöchste Verfügung ist ohne Weiteres schon hierdurch 
ein günstiges Vorurtheil bei der Mehrzahl begründet. 

n. Übereinstimmend damit wären wegen Nicht Einführung einer der Kom- 
munal Verwaltung in den Provinzen des alten Rechts uniformen Kommunal- 
und Städte Ordnung beruhigende Erklärungen nöthig, zugleich jedoch mit der 
Zusicherung, unverzüglich eine Revision der bestehenden Kommunal Verwalt- 
ungsordnung in der Provinz zu veranlassen und dadurch ebensowol be- 
stehende Misbräuche darin abzustellen, wie wünschenswerthe Verbcsserungen 
einzuführen.') 



*; S. S. 64, Abp. 3, Ende. 



81 

m. Kirchliche Antipathieen, welche fast in Vergessenheit versunken waren, 
sind in der letzten Zeit durch mancherlei Zufälle und Veranlassungen wieder 
angeregt worden. Es scheint also nüthig zu seyn, dass die Regierung über 
ihre vollkommenste Partheilosigkeit zwischen den Konfessionen, welche vom 
religiösen Indifferentismus wohl zu unterscheiden ist, sich auf eine beruhigende 
Art ausspreche. Gleichzeitige Masregeln wären damit zu verbinden. Darunter 
wird besonders die Einführung des konfessionellen Religions Unterrichts jeder 
Konfession bei den gelehrten Schulen und bei den Elementar- und Real Schulen 
in Gemeinden von gemischter Konfession empfolen. Auf ähnliche Weise ohn- 
gefiihr, wie diese Anordnung seit fünfzehn Jahren mit dem glücklichsten Erfolg 
im Herzogthum Xassau besteht. 

A. Mit der Aufrechthaltung der gerichtlichen Instituzionen steht die Mas- 
regel in nothwendiger Verbindung, dass in der obersten Instanz — bei dem 
Justiz Ministerium irgend eine gut gefundene Einrichtung getroffen werde, wo- 
durch die obere Inspekzion und Leitung dieser Partikular Justiz, einem beson- 
deren Ministerial Organe zugetheilt werde, welches dem Einfluss des Justiz 
Ministeriums für die Provinzen des Landrechts nicht untergeordnet ist und 
dessen Funkzionen Männern anvertraut werden, die sich nicht als Gegner der 
einstweilen beibehaltenen Partikular Justiz früher ausgesprochen haben. 

B. Übereinstimmend damit sind manche Versetzungen zu wünschen, wo- 
durch einige gekannte und geachtete Justizbeamten in die Provinz zurückkämen, 
während andere daselbst in Aktivität gekommene zur Justiz Verwaltung in 
andere, dem Landrecht angehörende Provinzen berufen würden. 

C. Auch in höheren Verwaltungsstellen wären wohl einige Personal Ver- 
änderungen, wodurch besonders einige Eingebohrene in die Reihen der Ad- 
ministrazion gestellt würden, zu empfelen. 

D. Zur Bekämpfung gewisser Vorurtheile, welche sich unter dem Fabri- 
kantenstand an der Gränze, insonderheit zu Aachen, Eupen und Düren ver- 
breitet haben, indem man dort die von dem aufgeklärteren Theil des Fabrik- 
standes an andern Orten und auf dem rechten Rhein Ufer nicht adoptirte 
Meinung zu unterstellen weis, dass eine Verbindung mit Frankreich durch den 
Schutz des französischen Douanensystems, dem rheinischen Fabrikstand grössere 
Vortheile gewähren möchte als die preussische Zoll Einrichtung darbieten könne, 
wird es gerathen seyn, von Oben herab sachgemäss mitzuwürken. Der Herr 
Geheime Rath Bentz in Berlin, welcher das allgemeine Vertrauen geniesst, 
wird Mittel und Wege für eine solche Einwürkung auf die Berichtigung ver- 
kehrter Ideen am besten anzugeben vermögen. Dahin gehört auch die Aus- 
sicht auf Erweiterungen der preussischen Zoll Gränze durch den Zutritt anderer 
Staaten in (zum) Zoll- und Handels Vereine. 

E. Das Militär System, welches wesentlich auf dem Prinzip der distri- 
butiven Gerechtigkeit ruht, wird mit allgemeiner Achtung und Zufriedenheit 
betrachtet. Es bildet sich daher eine jede die gesetzliche Rechts Gleichheit 
verletzende, persönliche Begünstigung zur tiefaufregenden Gemeinbeschwerde 
eines grösseren Kreises aus. Alle dem Gesetz Genüge Leistende, fühlen sich 
in ihrem Recht gekränkt, und die eventuell Berufenen werden im Voraus ver- 



82 

stimmt. Man klagt in dieser Beziehung sehr über die Bestechlichkeit der 
Medizinalbeamten; eine anmassende Protekzionssucht einzelner höheren Ange- 
stellten mag auch wohl mitunter sichtbar werden. 

Hierauf bezügliche repressive energische Erklärungen resp. Einschreitungeu 
würden zur Aufrichtung und Belebung des Gemeingeistes ohne Zweifel Vieles 
beitragen." 

Es scheint, dass diese „Andeutungen" von Ibell für ihn selbst nieder- 
geschrieben wurden, und für sein nachfolgendes längeres Referat eine Richt- 
schnur zu geben. Die meisten Gedanken sind in dem eigentlichen, Nagier 
übersandten Schriftstücke, zumteil in anderer, allgemeinerer Form oder Fassung 
verwertet worden. In den vorausgegangenen Zeilen thut Ibell seinen Gefühlen 
und seiner Überzeugung weniger Zwang bezüglich des Ausdrucks an, während er 
in den nachfolgenden mehr auf die diplomatischen Formen acht hat. Insofern ist 
das Nebeneinanderstellen beider inhaltlich verwandter Schriftstücke interessant. 
Doch ist der bestehende Unterschied, wie wir noch sehen werden, nicht etwa 
so zu verstehen, als ob der Präsident zweierlei Gesichter zeige. Zeitlebens hat 
Ibell aus seiner Innern Ü^berzeugung selbst kein Hehl gemacht und solche mit 
allem Anstände, aber rücksichtslos jedermann gegenüber ausgesprochen. Und 
das war es jedenfalls gerade, was den preussischen Bundestagsgesandten ver- 
anlasste, ihm diesen ministeriellen Vortrag zur Äusserung darüber zu unter- 
breiten. 

Das Begleitschreiben Ibells, mit dem er sein Referat übersandte, lautet 
wörtlich : 

„Euer pp. remittire ich die mir hochgeneigtest mitgetheilten Anlagen, in- 
dem ich zugleich, dem geäusserten Wunsche ergebenst folgend, einige rhap- 
sodische Bemerkungen beifüge, wie solche bei der Beschränktheit der Zeit und 
des Horizonts zur Auffassung zusammengestellt werden konnten. Ich bin dem 
Vortrag an des Königs Majestät darin nur bei dem ersten Abschnitt begleitend 
erefolfft, welcher die alloremeinen Verhältnisse des Bundes beleuchtet; den 
zweiten, der die Beziehungen Preussens zu dem Bunde berührt, hielt ich über 
meiner Sphäre. Es würde auch kaum möglich seyn, der lichtvollen, meister- 
haften Darstellung noch irgend ein Wesentliches hinzuzusetzen. 

Die allerhöchste Kabinetsordre erinnert an jene tret^ichen Worte des 

Dichters: alto 

ProspicienSj summa placidum caput extulit unäa 



Qiios cgo ! — Scd niotos praestat componere ßnctus.^^) 
Auf diesem und auf keinem andern Weg wird Preussen das hohe Ziel 
seiner Bestimmung erreichen. Und so wird die prophetische Ahnung einst erfüllt 
seyn, wovon die Helden Seele des grossen Königs bewegt wurde. Der prak- 
tischen Lehre Sallusts Gehör gebend: quibus armis imperium partum, eisdem 
et tuendum est") — hat die Regierung, unter der weisen und festen Leitung 



'") Verfall., Aen. I, 127, i:{:>. — ") Sali. Cat. 2. Das Citat lautet dort: Imperium 
facile iiü aclibus retinetur, quibus initio j^ürtum est. 



83 

Friedrich Wilhelm des Gerechten, jenes wohl bekannte allgeliebte Panier des 
grossen Ahnherrn aufs Neue erhoben und die Herzen der Nation haben sich 
wieder, wie vormals, aber in viel grösserer Übereinstimmung noch, darum in 
alter Liebe versammelt. Wenn die erhaltende Form hinzukommt, dann wird 
der Augenblick erschienen seyn, wo selbst der Stifter nicht mehr zu dem 
Wunsch sich versucht fühlen möchte, den Sitz des französischen Thrones ein- 
zunehmen, damit künftig in Europa kein Kanonenschuss mehr ohne seine Er- 
laubnis gelösst werde. 

Die Regierung des Königs hat die Elemente der Macht in unserer Zeit 
erkannt, und bewiesen, dass sie dieselben zur höchsten Kraftüusserung in ihrer 
organischen Zusammenwirkung zu verwenden weis. 

Waffen, Meinung und Geld! — dafür gibt das schönste und genügendste 
Zeugnis, was von den korrespondirenden Departements des Kriegs, des Kultus 
und Unterrichts und der Finanzen ausgegangen ist. Zugleich liegt darin die 
faktische Zusicherung und eine zureichende Bürgschaft der nachfolgenden 
weiteren konsequenten Entwickelung. Mit Stok und Zuversicht erblickt das 
übrige Teutschland Preussen an der Spitze seiner fortschreitenden Zivilisation. 
Der von diesem Staat ausgehende Impuls wird stets seiner erhabenen Bestimmung 
würdig seyn! — 

Ich nehme die nachsichtsvolle Güte Euer pp. vertrauensvoll in Anspruch, 
wenn ich Hochderselben eine Geduldsprobe in meinen rhapsodischen Bemerk- 
ungen bereitet habe, und wenn es bei mehreren Stellen llochdenenselben 
scheinen möchte, dass die Gränzlinie überschritten sey. 

Ich erneuere pp. 

Homburg, d. 11. April 1831. gez. Ibell." 

Diese Ausführungen hat Ibell gewissermassen als Inhaltsübersicht seinem 
nunmehr folgenden Referate vorausgeschickt. Bescheiden, wie er immer war, 
bezeichnet er dieses als „einige rhapsodische Bemerkungen", während es doch 
ein sorgfältig ausgearbeitetes, logisch disponiertes, von der Kraft der innersten 
Überzeugung getragenes Aktenstück ist. Allerdings war Ibell anderweitig ge- 
wohnt, noch längere, besonders historisch deduktive Auseinandersetzungen zu 
machen, von denen er hier abgesehen hat. Aber stets wird man im folgenden 
neben dem bewährten Kenner der Staats- und Volkswirtschaftslehre auch den 
vertrauten Historiker bemerken. 

Die Abhandlung lautet wörtlich: 

„Die ruhige Klarheit, welche diesen Vortrag karakterisirt, und die milde, 
kräftige, besonnene Sprache, worin derselbe abgefasst wurde, sind ganz dazu 
geeignet, jedes teutsche Herz mit Hochachtung für den Verfasser und mit 
Ehrfurcht und Anhänglichkeit für den König zu erfüllen. Die umsichtsvolle 
Darstellung der darin berührten Gegenstände ist eben so ausgezeichnet durch 
eine dem Zweck entsprechende Sparsamkeit im Ausdruck, wie durch die Fülle 
und den Reichtum der Ideen, welche zum Theil nur angedeutet, zum Theil 
aber mehr oder weniger ausführlich abgehamlelt sind. 



84 

Diesen Eindruck empfindet von vornen herein der Lesende, während noch 
sein Blick auf dem allgemeinen Umriss ursprünglicher und zufiilliger Ver- 
anlassungen weilt, welchen die Gefahren zum Grund liegen, die als der nächste 
Gegenstand zur nachfolgenden Erwägung sich darbieten. Neben der vorzugs- 
weisen Bezeichnung einer zunehmenden Verwirrung in den religiösen, moralischen 
und politischen Vorstellungen des Zeitalters und des wachsenden Verderbnisses 
der daraus sich entwickelnden Gefühle, der darin wurzelnden staatsrechtlichen 
und sittlichen Maximen könnte wohl auch auf eine andere Ansicht hingewiessen 
werden, welche das Vertrauen auf die Führungen der göttlichen Vorsehung 
rechtfertigt. 

Die Erscheinungen des Lebens an und für sich werden wir nur in ewig 
wechselnden Gegensätzen gewahr; und das Daseyn jeder Kraft ist nur aus 
ihren Äusserungen zu erkennen. Bei der progressiven Ungeheuern Vermehrung 
der materiellen sowie der intellektuellen Kräfte und Hülfsmittel in den zivili- 
sirten Staaten unserer neueren und neuesten Zeit darf daher die in wider- 
streitendäten Erscheinungen hervortretende Äusserung dieser Kräfte nicht all- 
zusehr befremden; noch soll uns der Lärm des, Intervallen Weise daraus sich 
bildenden verworrenen Getümmels entmuthigen. 

Das Leben des Staats, sagte schon Jobs. v. Müller, ist gleich einem 
befruchtenden Strom nur in seiner fortschreitenden Bewegung herrlich — sein 
Stillstehen aber erzeugt Sumpf und Moder! — 

Er schöpfte diese Überzeugung aus der Geschichte; aber keine ferne oder 
nahe Epoche, kein Volk und keine Zeit bieten einen Moment zur Vergleichung 
mit dem, was die Aufgabe unserer Zeit geworden ist, eben unter jener unab- 
weisbaren Bedingung einer schon existirenden und noch in steter Progression 
begriffenen Masse von Kräften und liülfsmitteln, welche den früheren Zeitaltern 
nicht bekannt gewesen sind. Daher wird die Lösung dieser Aufgabe auf dem 
rein historischen Wege stets nur ohne Erfolg und in den meisten Fällen nicht 
ohne entgegengesetzte Zurückwirkungen versucht werden können. 

Näheres darüber zu sagen würde weder der Raum gestatten, noch dürfte 
dazu die Veranlassung gegeben seyn. Soviel aber erschien erforderlich, um 
die Voraussetzung zu begründen, dass ein allgemein und tief empfundenes Be- 
dürfnis in der auf die. mannigfaltigste Weise mitunter in — ") extrem einander 
entgegengesetzten Äusserungen ausgesprochene Ansicht der Völker nach zeit- 
gemäsen starken Regierungen vorhanden ist. Ebenso gewiss wird überall 
in Europa von der weit überwiegenden und einflusshabenden Mehrheit die 
monarchische Gewalt, von angestammten legitimen Thronen ausgehend als der 
einzig haltbare Stützpunkt solcher zeitgemäsen starken Regierungen betrachtet. 
Diesen Thron zu erhalten, und jene Gewalt zu kräftigen, sind die verschiedensten 
Partikular Interessen oft einander entgegengesetzten, und in Meinungen von 
einander abweichenden Tendenzen willig. Um aber dieselben zu zügeln, dem- 
nächst zu lenken, ist es nöthig, anschaulich und fühlbar allen die Gewissheit 
zu geben, dass in der jedes divergirende oder exzentrische Streben zur Kon- 



'^J Unleserlichca Wort. 



85 

zentrizität zurückführenden Königlichen Gewalt ebenso das gerechte und beharr- 
liche Wollen wie das unwiderstehliche Können, jenes pouvoir moderateur (dem 
frommen Glauben göttlichen Ursprungs) vorhanden sey, ohne dessen erhaltende 
Kraft und stets wachsame Thätigkeit die gesellschaftliche Ordnung und mit 
derselben alle bis jetzt aufgesammelten Früchte der Kultur von einigen Jahr- 
tausenden und der bis zu einer unerreichten Höhe gestiegenen Zivilisazionsent- 
wickelung voraussichtlich in Trümmer zerfallen würden. 

Wenn hiernach das wirksamste Mittel zur Besänftigung der aufgeregten 
öffentlichen Stimmung ganz allein in der Befestigung und neuen Kräftigung 
der obersten Gewalt zu suchen ist, dann wird mit dem vollsten Recht vor 
allem andern die Verbindung moralischer Kraft mit der physischen Stärke von 
dem verehrungswürdigen Verfasser des Berichts als das wesentlichste Erforder- 
nis, als die unverkennbare Vorbedingung jedes dauernden Erfolges, bezeichnet. 
Diese Verbindung wird durch das vertrauensvolle Anschliessen der Mehrheit 
unter den Gebildeten und Besitzenden (der Mittelklassen) an die Masregeln der 
Regierung, durch ihre Hingebung für die verstandenen und mit Theilnahme 
ergriffenen Zwecke derselben, bewürkt werden. Solche mitwürkende Hingebung, 
jenes in Liebe und Anhänglichkeit wurzelnde Anschliessen der Majorität unter 
den Gebildeten und Besitzenden an die Regierung wäre durch stete Rücksicht 
auf das Gemeinwohl bei allen Regierungs Masregeln, durch festes Zurück- 
weisen aller Rathschläge und Eingebungen des Partheigeistes — die Parthei 
sei, welche sie wolle — zu begründen; so wird aus den vorangestellten Sätzen 
gefolgert. 

Als weitere Folgerung könnte man in der vollkommensten Anerkennung 
dieser einsichtsvollen Begründung hinzufügen, dass die Ausdrücke Gemeinwohl 
und Partheigeist in einer noch schärfer (zu) bezeichnenden Begränzung hier anzu- 
deuten wären. Im Allgemeinen ist die darunter verstandene Richtung ohne 
Zweifel von allen teutschen Regierungen mit mehr oder weniger Entschieden- 
heit und raschem Fortschreiten offenkundig bereits eingeschlagen ; die Reibungen 
des Standes Partikularismus in vielgliederigen, mannigfaltig verzweigten Kor- 
porazionen gehen, nach dem Zerfall oder nach der erfolgten Auflösung der 
eigentümlichen Instituzionen, von selbst allmählich in der individuellen Be- 
theiligung am Gesamtwohl auf; und die sonst so rege Eifersucht der Nicht 
Bevorzugten gegen bevorrechtete Klassen erlischt zusehends aus Mangel an 
Lebensstoff, seitdem die Privilegien theils zurückgenommen, theils in ihrer 
drückenden oder provozirenden Würkung gegen die Nicht Privilegirten gemildert 
sind. Was nun Gewohnheit und Sitte zur vollständigen Ausgleichung noch 
beizutragen haben, das kann nur von den Einflüssen der Zeit erwartet werden. 
Dahingegen nehmen die aus allen Reihen der früher scharf begränzten und 
geschiedenen Stände der Gesamratheit der Gebildeten und Besitzenden hervor- 
tretenden Mittelklassen eine rege, thätige Fürsorge für ihre Interessen, eine 
wohlwollende Aufmerksamkeit für ihre Erwartungen und W^ünsche von der 
Regierung in Anspruch. Das Verkennen oder Nichtachten derselben erweckt 
ihren Missmuth, und bald theilt sich dieser den untersten, überall von ihr ab- 
hängigen und influenzirten Volksklassen mit. Was dann weiter daraus natur- 

6 



SG 

gemäs und nothwendig sich entwickelt, das zeigt zur Genüge die jüngste Yer- 
gangenlieit in so belehrenden als warnenden Exempeln. 

Demnach ist es von der höchsten Wichtigkeit, die vorherrschenden Gesamt 
Wünsche und Erwartungen der Mittelklassen, welche das erhaltende Prinzip 
unserer Zeit umschliessen, zu kennen, uud die Anschauung derselben zur mög- 
lichsten Klarheit zu erheben, damit die Realisierung von der obersten Staats- 
gewalt ausgehend gelenkt und in beständiger Unterordnung unter die bedingen- 
den Staatszwecke und Maximen erhalten werden kann. Soviel sich aus öffent- 
lichen Berichten, aus besonnenem Hin- uud Herreden sachverständiger Beur- 
theiler, und mitunter aus dem wirren Durcheinanderschreien der von Leiden- 
schaften oder phantastischen Hirngespinsten aufgeregten Menge, entnehmen 
lüsst, möchte das Wesentlichste wohl in einigen hier nachfolgenden Andeutungen 
zusammengedrängt seyn. 

A. Alle Einzelbestrebungen und die dadurch entstehende allgemeine Be- 
wegung scheinen nach einem Ziel hin gerichtet — Erlangung der möglichsten, 
mit der Erhaltung der Staats- und der gesellschaftlichen Ordnung nur immer 
vereinbarlichen Freiheit für jede individuelle Entwickelung und Ausbildung. 

B. Hiernach zunächst — den möglichst freien Gebrauch erworbener 
Fähigkeiten und besitzender Hilfsmittel. In materieller und moralischer Be- 
ziehung. Freiheit des Erwerbs, — Sicherheit der Früchte des Fleisses, des 
Besitzes, — Gestattung eines möglichst freien Genusses dessen, was erworben 
würde oder in Besitz sich befindet. 

C. Als Mittel für diese Zwecke werden bezeichnet — Gesetzlichkeit, 
dass jede Beschränkung nur auf vorher bestimmten und bekannt gewordenen 
Normen beruhe — Öffentlichkeit der Vollziehung, damit den Betheiligten 
nicht vorenthalten bleibe, wie die Organe der Staatsgewalt verstanden wissen 
wollen und wie die Anwendung erfolge — für jegliche Beschwerde freies 
und offenes Gehör, damit auf gleiche Weise allen Betheiligten kund werde, 
was als Abweichung von der gesetzlichen Norm zu betrachten sey und was nicht. 

D. Durch einen nach diesen Richtungen hin zu lenkenden Entwickelungs 
Gang der Gesetzgebung und der Regierung glaubt und hofft man die Sicher- 
stellung gegen misbräuchliche Anwendung der obersten Staatsgewalt von unter- 
gebenen Organen, den Schutz und Gewähr gegen Beamten Willkühr zu erlangen. 
Man nimmt dabei aber einen, nach relativer Fähigkeit und proporzionellem 
Besitz abzugränzenden, Theil der Mitwürkung in Anspruch. Man findet eine 
genügende Gewährleistung nicht länger in der hierarchischen Kombinazion oder 
Gliederung des Beamten Organismus; auch will man die Kontrole von Beamten 
über andere Beamten wegen des verzweigten Zusammenhangs der Instituzion 
und der daraus erwachsenden wechselseitigen Abhängigkeit oder Befangenheit 
der Individuen für ein ausreichendes Ersatzmittel nicht gelten lassen. 

E. Das Verlangen nach Pressfreiheit, und repräsentativen Instituzionen, 
die geäusserte Vorliebe für die Öffentlichkeit der Rechtspflege, für Geschworenen 
Gerichte u. a. m. zeigen sich unter diesem Gesichtspunkte zwar nur als sekun- 
däre Erwartungen ; damit soll jedoch das Gewicht und die grosse Bedeutung 
dieser artikulirten Wüusche auf keine Weise in Abrede gestellt seyn. 



87 

Auf diese Art, und im Wesentlichen wohl kaum nach Örrlichkeiten oder 
besondern Beziehungen verschieden, möchte wohl überall in Teutschland (die 
O.sterreichischen Staaten ausgenommen) der positive Begriff von Gemeinwohl 
und der negative von Abwesenheit des Parthei Geistes unter den Mittelklassen 
aufgefasst, in praktischer Anschauung verstanden und jedwede damit über- 
einstimmende oder dahin zielende Regierungs Masregel von ihnen durch die 
moralische Kraft ihres Anschliessens unterstützt werden. 

Welche andere teutsche Regierung könnte von der Wahrheit dieser Vor- 
aussetzung mehr überzeugt seyn, als die Königlich Preussische? nachdem sie 
dieses moralischen Erfolges einer weisen, gerechten und entgegen kommenden 
Führung sich bereits in so hohem Maas zu erfreuen hatte; wenn gleich dem 
erleuchteten Blick der Führer es nicht verborgen bleiben, noch darüber hinweg 
gesehen werden mochte, dass die drängende Zeit wohl noch raschere Schritte 
des in manchen Zweigen zu beschleunigenden Entwickelungs Ganges nach sich 
ziehen werde. Und auf dieser unerschütterlichen Grundlage ruhen eben auch 
die Vorschläge, welche in dem Bericht an des Königs Majestät unter I— V 
enthalten sind. 

Im Besondern könnte darüber bemerkt werden: 

ad I. Es ist über jeden möglichen Zweifel hinaus klar und gewiss, dass 
nur bei einem Defensivkrieg, und zwar nur bei einem solchen, der für die 
Aufrechterhaltung teutscher Xazionalität und Eigenthümlichkeit geführt werden 
müsste, auf die moralische Unterstützung der Mehrzahl unter den Gebildeten 
und Besitzenden gerechnet werden dürfe. 

ad n. Um eintretenden Falls diese Hülfe in Wirksamkeit zu setzen, ist 
allerdings die Unterdrückung jeder Äusserung oder auch nur des Scheins von 
Mistrauen vor Allem geboten. Als das erträglichste Mittel, Vertrauen au den 
Tag zu legen, dürfte die allgemeine Durchführung der theilweise schon einge- 
richteten Bürgerbewaffnang Erwähnung verdienen. Unter sachgemäsen Vor- 
sichts Masregeln und mit beschränkender Auswahl, wie man voraussetzen muss. 
Die Erfahrung der Jahre 1813, 1814 und 1815 wird dabei Maas und Ziel 
geben. In allgemeinster Andeutung mag gesagt werden, dass diese Bewehrung 
füglich auf wohl organisierte Bürgerbataillone in den grösseren Städten, und 
auf Schützen- und Veteranen Kompagnien in den kleineren Gemeinden be- 
schränkt werden möchte. In dieser Aufstellung können die zuverlässigen Ein- 
wohner zu jeder beruhigenden Verwendung leicht und ohne andere Unzuträg- 
lichkeiten disziplinirt werden. 

ad m. Bei einer so organisirten imposanten Haltung der Mehrheit in den 
Mittelklassen, wird die Nothwendigkeit zum Gebrauch physischer Gewalt zu 
greifen, gewiss nur in den seltensten Fällen eintreten. Immer seltener, je 
mehr Energie (moralischer Muth), natürlicher oder erworbener Takt bei den 
Beamten zu finden seyn wird. Der Anstoss von oben wird auf die Unter- 
gebenen in dieser Beziehung von der einfiussreichsten Wirkung seyn, und wenn 
diese einmal die volle Überzeugung gewonnen haben, dass man von der aus- 
schliesslichen Anwendung physischer Mittel die Beseitigung moralischer Übel 
nicht mehr erwartet, dann wird auch unter ihnen der blinde Glaube an das 

6* 



88 

alte Sangrado's Rezept mehr und mehr abnehmen, um besseren Einsichten 
Platz zu machen. Im Übrigen ist der Wink wegen vorsichtiger Wahl der 
Beamten der höchsten Berücksichtigung würdig. Es ist bekannt, dass unter 
andern Aufregungs Mitteln auch die Meinung verbreitet wurde, der Staatsdienst 
werde in vielen Beziehungen wie eine Versorgungs Anstalt behandelt. Besol- 
dungen und Dienst Emolumente würden häufig als Sinekuren verliehen. Da- 
durch sey der habsüchtigen Begierde der Impuls zu einer Stellen Jagd gegeben, 
wobei die um den Preis Ringenden ganz allein den mit der Dienst Stelle ver- 
knüpften Gehalt ohne weitere Rücksicht auf die zu übernehmenden Leistungen 
vor Augen zu haben gewöhnt wären. Sehr zu wünschen wäre es darum, dass 
nur bei erwiesener Fähigkeit für die Amtsleistungen die Regenten Anstellungen 
im Staatsdienste verliehen, und nur bei dem Zusammentreffen mit solcher 
Fähigkeit sich zu Begünstigungen aus Wohlwollen oder aus Rücksichten und 
auf schon geleistete Dienste bewogen finden möchten. Es kann hier an die 
bekannte Bemerkung eines geistvollen Staatsmanns erinnert werden, dass durch 
jede Anstellung eines Unfähigen in Staats Amtern, abgesehen vom Nachtheil 
für die Verwaltung der Regent ohne anderes Resultat blos immer Undankbare 
und viele Unzufriedene macht. 

ad IV. Zur Vertreibung ungesunder moralischen Uebel, des Sinn- und 
Gemüth verwirrenden ausländischen Miasma's würden ohne Zweifel zersetzende 
Reagenzien, aus der Presse hervorgehend, mehr beitragen als Kanonenschüsse. 
Aber auch darin ist eine grosse Wahrheit ausgesprochen, dass es den Regier- 
ungen kaum möglich bleibt, die Produktivität der Schriftsteller bei bestehender 
Zensur, und ohne dass der schriftstellerischen Thätigkeit ein bestimmtes Ziel 
vorzustecken sey, zu lenken. 

Könnte man die Hoffnung fassen, überhaupt in irgend einer nazionalen 
Angelegenheit übereinstimmende Maasregeln von den Regierungen der Bundes- 
staaten adoptirt und mit Konsequenz, Beharrlichkeit und aufrichtiger Hingebung 
an den Bundeszweck durchgeführt zu sehen, dann müsste man unter den ersten 
Gegenständen zur Vereinbarung ein umfassendes Regulativ für Presse und 
Buchhandel mit voransteilen. Es dürfte bei den eigentümlichen Verhältnissen, 
in welchen der deutsche Buchhandel nach Herkommen und allseitiger Kon- 
venienz der Betheiligten sich befindet, und aus anderen Gründen, deren Er- 
örterung hier zu weit führen würde, nicht allzu schwierig seyn, Bestimmungen 
aufzufinden, wodurch mit Aufhebung des lästigen Zensur Zwanges gegen die 
Misbräuche der Presse und des Buchhandels Schranken errichtet werden, die 
auf eine genügendere Weise den Erfolg sichern als es mittels der bisher in 
Anwendung gekommenen Masregeln überall geschehen konnte. 

ad V. Das Bedürfnis gemeinsamer Instituzionen zur Befestigung und 
Verstärkung des Bundes, ist allgemein lebhaft und tief empfunden. Die wich- 
tigsten derselben wurden schon in der Bundes Akte bezeichnet. Aber mit 
schmerzlichen Gefühlen musste Deutschland aus der Schluss Akte vernehmen, 
dass die Realisirung der ersehntesten Einrichtungen, die Befriedigung der 
heissesteu Xazional Wünsche in eine ferne Zukunft verschoben sey. Es war 
nun offenbar, wie au( h in dem Bericht mit ergreifender Wahrheit dargelegt 



89 

wurde, dass von dem Bund selbsf, in seiner jetzt bestehenden organischen 
Bildung, die Abhülfe nicht erwartet werden dürfe. Diese Bildung ging unter 
dem Einfluss der europäischen Mächte vor sich, welche naturgemäs kein anderes, 
als ein negatives, Interesse dabei zu berücksichtigen hatten, von der Art, wie 
es unter den zivilisirten Xazionen im Allgemeinen aus ihren wechselseitigen 
Beziehungen gegeneinander entsteht, und welches dem positiven Interesse, der 
eigenen Individualität naturgemäs immer untergeordnet bleiben muss. Mehrere 
von diesen Mächten traten dem Bund als theilnehmende Mitglieder bei. Dieser 
Hinzutritt konnte aber die negative Natur jenes fortdauernden Interesse's nicht 
verändern, da wo der Kern- und eigentliche Stützpunkt ihrer Macht ausserhalb 
des Bundes blieb. Ihre fortgesetzte Mitwürkung bei der Führung seiner An- 
gelegenheiten musste daher immer von dem nemlichen Geist ausgehen, der auch 
schon ihren EinHuss auf die erste organische Bildung bestimmt hatte. Und 
wenn sogar die wesentlichsten Entwickelungsfortschritte von der erklärten Zu- 
stimmung jedes einzelnen Bundesgliedes abhängig blieben, wenn zugleich die 
erste mit der formalen Geschäftsleitung ausgestattete Stelle einem auf seiner 
auswärtigen eigenen Schwere ruhenden Föderativstaat eingeräumt ist, von dessen 
grösseren ganz allein durch das Band seiner legitimen Dynastie zur Einheit 
verbundenen Ganzen nur einzelne Theile dem teutschen Staatenbund beigezählt 
werden, und dessen Lebens Pulse nicht mehr, wie vormals, von den Quellen 
der Donau ausgehend längs dem Rhein bis an die Küsten des Ozeans fort- 
laufen, dann bedarf es gewiss nur der einfachen Hinweisung auf diese that- 
sächlichen Bewandnisse, um es Jedem einleuchtend erscheinen zu lassen, dass 
gemeinsame Instituzionen, welche die positiven Interessen derjenigen Bundes- 
staaten schützend und fördernd zu umschliessen geeignet wären, die nur im 
Bund und durch den Bund als Theil einer selbstäodigen von andern Nazionali- 
täten unabhäijgigen teutschen Xazionalkraft bestehen, nicht von der hervor- 
bringenden Thätigkeit der Bundes Verfassung und ihres Organs zu er- 
warten sind. 

Nur diejenigen Bundesstaaten, welche bei der Erhaltung teutscher Nazio- 
nalität und Selbständigkeit in ihren damit übereinstimmenden positiven Inte- 
ressen wesentlich betheiligt sind, von welchen die Frage über Bestehen und 
Wohlseyn im Bunde ganz eigentlich als eine Vitalfrage betrachtet werden muss, 
nur sie scheinen zur engeren Vereinigung mittels gemeinsamer Instituzionen, 
zum unautlöslichen Bündnis auf gemeinsames Bestehen oder Untergehen, be- 
rufen zu seyn. Iniziative, Impuls und Führung kann aber nur von den mäch- 
tigeren und einflussreichsten ausgehen. Haben sich diese vor Allem über die 
wesentlichen Bedingnisse verstanden, dann werden die übrigen bald von der 
moralischen Kraft dieser Vereinbarung auf eine unwiderstehliche Weise sich 
angezogen fühlen. Es wird an Mitteln und Wegen nicht fehlen, den Eifer der 
Willigen zu erhöhen, die Lässigen anzutreiben, die Widerstrebenden aber den- 
noch für den höchsten Nazional Zweck zu gewinnen, wenn nur immerdar die 
Ueberzeugung bei Allen lebendig erhalten wird, dass die partikulare Selbstän- 
digkeit eines Jeden samt den fortdauernden Partikular Interessen, soweit solche 
mit dem Gemeinwohl in Übereinstimmung gebracht werden können, nicht unter- 



90 

drückt werden sollen, dass kein Glied dieser innigeren Föderazion jemals als 
ein bloses Mittel für die Zwecke Anderer in Anspruch genommen werden möge. 
Dieses schliesst aber eine proportioneile Vertlieilung des Einflusses auf die Ver- 
waltung der gemeinsamen Angelegenheiten nach dem Maas der Betheiligung 
und der Fähigkeit oder Kraft zur Mitwürkung nicht aus. Vielmehr ist dieselbe 
eben dadurch bedingt, denn keiner wird erwarten oder fordern dürfen, dass 
der mehr Betheiligte und Stärkere, bei welchem folglich die lebhaftere Theil- 
nahme für das Gemeinwohl sowie auch die grossere Kraft und Fähigkeit zu 
dessen Realisirung vorauszusetzen ist, seine Partikular Interessen dem Einfluss 
der minder Betheiligten und Schwächeren unterzuordnen habe. Keiner wird 
durch ein solches verfassungsmäsiges Misverhältnis an das Unheil bringende 
Veto vormaliger Landboten auf polnischen Reichstagen erinnern wollen. Überall 
wird man anerkennen, dass die Idee der Rechtsgleichheit bei jeder zu ver- 
suchenden Realisirung durch die Gleichheit der Anlagen, der Kräfte und Hülfs 
Mittel bedingt bleibt. Die Überschätzung sowie die Überspannung des indivi- 
duellen Vermögens hat aber überall und immer nur zum eigenen Verderben 
gereicht; diese praktische Wahrheit wird ebenso sehr durch die Geschichte als 
durch die forschende Betrachtung zur Anschauung erhoben. Wer alles zu 
können glaubt, was ihm zu wollen gestattet ist, der fällt mit Recht schweren 
Büssungen anheim wegen dieses unverzeihlichen Irrthums ! — 

Unter den ersehnten gemeinsamen Instituzionen wird mit Recht die Auf- 
stellung eines gemeinschaftlichen Handels- und Zollsystems ganz oben an ge- 
stellt. Wie könnte, solange der unheilvolle Zollkrieg im Innern der Bundes- 
staaten fortdauert, das Volk, welches die Idee des Gemeinwohls nur in der 
realen Erscheinung mittels sinnlicher Wahrnehmungen aufzufassen im Stande 
ist, jemals dazu vermocht werden, Gut und Blut mit Hingebung für diese Idee 
zu opfern?! — Fürwahr, wenn man diese einander entgegengesetzten Zoll- 
statuten mit ihren tief einschneidenden Folgen vergleichend erwägt, und wenn 
man sich einen Aufruf der nazionalen Gesamtkraft hinzudenkt, eine Aufforde- 
rung der Eingeborenen, zu ihrer Verstärkung mit Leben und Vermögen herbei 
zu eilen, dann muss selbst die nüchternste Betrachtung dieser Beziehungen ein 
so labyrinthisches Gewirre von drängenden und wogenden Vorstellungen ent- 
hüllen, dass jedes vaterländische Gemüth sich nur mit Besorgnis und Wehmuth 
von diesem Überblick des gewiss seltsamsten Kausal Nexus unserer Zeit, wieder 
abwenden wird. 

Mobile Kolonnen werden von grosser Würkung seyn, da wo sie zur L^nter- 
stützung des Koros (Corps) einer zuverlässigen Bürgerbewaffnung dienen. Müsste 
ihnen aber die Bewachung und das Bezähmen einer ganzen aufgeregten Be- 
völkerung, sobald das Bundes Heer dem auswärtigen Feind gegenüber steht, 
zur Aufgabe gemacht werden, dann dürfte sich bald das Unzureichende einer 
solchen Masregel heraus stellen. Und doch ist die Gefahr gros und ganz in 
der Nähe drohend. Die Aufreger wenden sich jetzt, nachdem viele Elemente 
der Unruhe durch Zugeständnisse beschwichtigt worden, und da unter dem 
teutschen Volk durchaus keine Sympathie für irgendwelche von Franzosen zu 
gewährende Intervcnzion erweckt werden konnte, an die unteren Klassen. 



91 

DieacQ stellt man vor, der Krieg werde ihneu mit seinem bekannten Gefolge 
vun Einquartiruug, Lieferungen, Vorspann, Geldleidtungen, persönlicher Unsicher- 
heit und häutigen Mishandlungen nächstens erscheinen. In ihrer Mitte aber 
seyen die Männer noch am Leben und rüstig, welche selbst als Soldaten die 
letzten Kriege geführt ; diesen sey Gefahr und Lohn des Kriegerlebens bekannt 
genug, um jeden zu bewegen, dass er dem Mithandeln vor dem blos leidenden 
Vorstellen den Vorzug gebe. Ihnen allen habe man damals eine lange Ruhe 
und den dauernden Frieden mit seinen Genüssen versprochen ; die getheilten 
Interessen, das Mistrauen und die Eifersucht der bestehenden Regierungen 
Hessen es aber nicht dazu kommen. Wenn also diese durchaus Krieg haben 
wollten, dann müsse sich das ganxe Volk in bewaffneten Massen erheben, um 
zugleich den auswärtigen Feiud zurückzuschlagen und die innere nie versiegende 
Quelle der immer erneuten Kriege endlich zu verstopfen. Letzteres aber könne 
nur geschehen, wenn alle jetzt bestehenden Regierungen aufgelösst und die 
Völker unter wahrhaften uazionalen Regierungen vereinigt würden, die nur die 
würklichen Nazional Interessen vor Augen haben müssten und daher aus andern 
Motiven keine Kriege zu führen sich genöthigt sehen oder veranlasst werden 
könnten. Am wenigsten durch Familien Verhältnisse und wegen veralteter 
staatsrechtlicher Ansichten oder Lehrsätzen aus längst vergangenen Zeitaltern. 
Ein dauernder Friede und vortheilhafte nazionale Verbindungen mit Frankreich 
würden die unmittelbare Folge von dieser Umgestaltung des öffentlichen Zu- 
staudes in Deutschland seyn. Die Franzosen dächten nicht daran, sich Teutsch- 
land aufs Neue zu unterwerfen ; sie wollten blos Bürgschaften haben, dass von 
Teutschland aus nicht die bei ihnen eingeführte öffentliche Ordnung angegriffen, 
unterminirt und umsrestürzt werden könne. Das Bundesheer werde dem Auf- 
stand des Volkes keinen Widerstand leisten. Wenn auch die Offiziere aus 
leicht begreiflichen Motiven sich von der Sache des Volkes lossagen wollten, 
so könne dagegen auf die Theilnahme der L'nter Offiziere und Gemeinen zu- 
versichtlich gerechnet werden. Nebenbei wird vor Allem auf Fohlen, als ein 
Beispiel zur Nachahmung hingewiesen, und die für dieses Land unter allen 
Klassen erwachte Sympathie durch jedes Mittel der Aufregung gesteigert. Der 
industriellen Abtheilung der Mittelklassen und den kleinen Eigenthüraern wiid 
insinuirt, das Schicksal der Fohlen müsse ihnen mehr Aufschluss über die End- 
zwecke und letzten Absichten der Mächte geben, als aus allen offiziellen Be- 
kanntmachungen zu schöpfen sey. Dem politischen Interesse aller Mächte 
ausser Russlaud sey augenscheinlich die Wiederherstellung eines selbständigen 
mit Widerstandskraft ausgestatteten pohlnischen Staats entsprechend; wenn also 
demohngeachtet der dazu günstige Moment nicht genützt, vielmehr diese herrische 
Nazion dem hofnungslosen Untergänge überlassen werde, dann sei kein erdenk- 
barer Zweifel mehr übrig, dass es dabei mehr um die Erhaltung von Regierungs 
Prinzipien als um das wohlverstandene Interesse der Völker sich handle. Die 
Körperschaften, worin sonst der Einzelne den Schutz der Genossen gefunden 
und einer völligen Rechts Gleichheit wenigstens in der Genossenschaft sich zu 
erfreuen gehabt, seye mit der Auflöduug der alten Reichs Verfassung, samt ihrem 
Kaiser und Reichstag und Reichs Gerichten und allen übrigen darin wurzelnden 



92 

Instituzionen verschwunden. Jetzt stehe der Einzelne hilflos und schutzbedürftig 
einer übermüthigen Beamten Hierarchie gegenüber; in diese seyen, sich einzu- 
drängen, Viele bemüht, die sonst durch Privilegien und Monopole bevorzugt 
gewesen; zum Ersatz des erlittenen Verlustes suchten selbige die absolute 
Regierungs Gewalt unter sich zu vertheilen. Hinter dem Heiligthum des Throns 
wären sie beflissen, ihre Habsucht, ihren hoffärthigen Dünkel, und ihre Genuss- 
gier, verbunden mit Arbeitsscheu und schlapper Behaglichkeitsliebe zu verbergen. 
In diesen Gesinnungen wurzele der geheuchelte Royalismus Vieler vormals 
Privilegirten, und für die ausser der Beamten Hierarchie stehenden Eigenthümer 
und Industriellen sey kein anderes Ende der hieraus für sie erwachsenden 
Schmach und Drangsale abzusehen, als wenn sie jetzt die aufgeregte Stimmung 
der untersten Klasse gewähren lassen, oder vielmehr derselben nach erfolgter 
Explosion die angemessene Richtung geben wollten. Im Hintergrund zeigt man 
auch die wohlfeilere Einrichtung einer von der Volks Souveränität ausgehenden 
Verwaltung. Ohne Zweifel eine Präsidentschaft ä la Lafayette mit Zubehörung, 
statt des unfindbaren populären Thrones umgeben von republikanischen In- 
stituzionen? 

Der Eindruck, den solche und ähnliche Vorstellungen, je nach Gelegenheit 
und Umständen hervorbringen können, lässt sich im voraus nicht berechnen. 
Aber soviel lässt sich behaupten, dass auch diese Seite der Dinge eine sehr 
ernste Betrachtung verdient und dass die möglichen Würkungen von da aus 
auf die Volks Erregung angelegter Versuche weder durch Ignoriren noch durch 
ein leichtes darüber Hinwegsehen geschwächt werden können. Wer Teutsch- 
land auch nur aus dem Buch der Frau von Staöl kennen möchte, wird dieses 
kaum in Zweifel zu ziehen geneigt seyn." — — — 

Aus diesem hochwichtigen Schriftstücke geht hervor, wie Ibell ebensowohl 
die liberale Bewegung seiner Zeit in ihrem ganzen Umfange verstand, als auch 
die preussische Politik und ihre Ziele richtig zu würdigen wusste, im Hinblick 
auf die zukünftige, zu erstrebende deutsche Einheit. 

Graf Bernstorff hat vielleicht von dem intimen Verkehre Naglera mit 
Ibell nichts gewusst, ebensowenig Ancillon. Bedeutsam bleibt es, wie gesagt, 
jedenfalls, dass Nagler nicht allein Bundesgesandte zu Rate zog, sondern auch 
Ibell, der nicht zu letzteren gehörte, geradezu den Vortrag zur Begutachtung 
übersandte. Er mag eben durch die herrschende Stimmung dazu bewogen 
worden sein, auch einen ausserhalb jener Kreise stehenden Diplomaten zu hören. 
Die Darlegungen Ibells haben gewiss ihren Eindruck auf Nagler nicht verfehlt; 
aber ihre thatsächliche Wirkung vvar, wie aus dem Folgenden hervorgeht, nicht 
die vom Verfasser erhoffte. 

Die nächste Zeit brachte grosse Veränderungen im Ministerium zu Berlin. 
Im April von 1831 beantragte der fortwährend kranke Bernstorff" seine Ent- 
lassung; der König aber bewilligte sie ihm nicht, sondern gab ihm den gewandten 
und geschäftskundigen Werther zur Seite. Zum Vorsteher der zweiten Ab- 
teilung des Ministeriums wurde Eichhorn ernannt, Ancillon zum Staatssekretär, 
als welcher er die regelmässige Korrespotidenz mit dem Auslande zu führen 
hatte. Zum Generalstabschef wählte der König den General von Krauseneck; 



93 

auch dor Staatsrat wiirde durch einzelne Ernennungen, z. B. die Wiederberufung 
\V. V. Humboldts umgestaltet. Alle diese Änderungen kehrten sich gegen die 
Kriegspartei der „Mecklenburger" (Herzog Karl, v. Kamptz, v. MüfHing u. a.) 
und die österreichische Politik. 

Die letztere drängte auf eine Wiederholung der Karlsbader Konferenz. 
Die preussischen Gesandten Graf Maltzan in Hannover und Frhr. v. Maltzahn 
in Wien waren metternichischen Sinnes; der nassauische Staatsminister v. Mar- 
schall entwarf sogar einen Vortrag, der auf Aufhebung der landatändischen 
Rechte hinauslief. Aber all diesem Ansinnen widersetzte Bernstorff sich stand- 
haft; er war der Ansicht, dass man nichts ohne und nichts wider die Bundes- 
verfassung unternehmen solle. Er sprach sich entschieden gegen die seitherige 
Handhabung der Zensur aus und Hess einen Entwurf zu einem preussischen 
Pressgesetze ausarbeiten, der die Grundlage zu einem Bundespressgesetze ab- 
geben sollte und der für damalige Zeit verhältnismässig liberal war. Maltzahn 
verhandelte in Wien mit Metternich auf streng gesetzlichem Boden, und man 
einigte sich schliesslich dahin, dass sechs Artikel zur „Stärkung des monarchischen 
Prinzips" der Bundesakte hinzugefügt und deshalb dem Bundestage vorgelegt 
werden sollten. 

Die sechs Artikel bestimmten: 1. die Souveräne sind verpflichtet, Anträge 
der Stände, die der Vorschrift, dass alle Staatsgewalt im Oberhaupte des Staates 
vereinigt bleiben muss, widersprechen, zurückzuweisen; 2. die Stände dürfen 
dem Souverän die zur verfassungsmässigen Regierung nötigen Gelder nicht 
verweigern, noch die Verwilligung von der Durchführung anderweiter Wünsche 
abhängig machen; 3. die Erfüllung der Bundespflichten der Eiczelstaaten 
wird nicht beeinflusst durch die besonderen Gesetzgebungen; 4. die Landtage 
werden durch eine beim Bundestage einzusetzende Kommission überwacht; 
5. die Regierungen der Bundesstaaten verpflichten sich, etwaige Angriffe der 
Landtage auf den Bund zu verhüten; 6. die Bundesversammlung ist zur alleinigen 
Auslegung der Bundesgrundgesetze berechtigt. — Die preussische Regierung 
hatte einen Schritt nachgegeben, dafür aber eine totale Reaktion im öster- 
reichischen Sinne verhütet. 

Der Bundestag machte sich an die Arbeit, die Artikel zu beraten. Mittler- 
weile erfolgte im Mai von 1832 endlich der Abschluss des Militärtraktats 
zwischen Preussen, Österreich und den Süddeutschen im Sinne der preussischen 
Politik, ferner die endliche Anerkennung Belgiens durch sämtliche Mächte, 
aber auch die pfälzische Bewegung (Hambacher Fest, 27. V. 1832). Das liess 
den Bundestag sich schnell einigen; am 28. VI. 1832 wurden die sechs Artikel 
einstimmig angenommen. Das Pressgesetz BernstorfFs blieb aber ein frommer 
Wunsch, zumal sogar in Preussen der Entwurf nicht die Zustimmung des Ge- 
samtministeriums erhalten hatte. 

Graf Bernstorff, immer kränker, drang auf seine Entlassung; er hat sie 
im Mai von 1832 erhalten. Seine besonnene und umsichtige Leitung der Ge- 
schäfte behütete Deutschland, ja Europa vor grossen Gefahren, vor einem Welt- 
kriege, sie rottete die deutschen ständischen Verfassungen, trat den ÜbergriiFen 
des Absolutismus entgegen und liess das grosse Werk des deutschen Zollvereins 



94 

seiner Vollendung entgegenreifen. Ancillon wurde des bedeutenden Staats- 
mannes Nachfolger, und die pieussischo Politik steuerte wieder mehr ins öster- 
reichische Fahrwasser, ohne indes sich von Metteruich ins Schlepptau nehmen 
zu lassen. 

Sobald die sechs Artikel angenommen worden waren, erfolgte das Verbot 
von Versammlungen, \ ereinigungen und Zeitungen; das liberale Pressgesetz in 
Baden wurde aufgehoben, die namhaftesten Publizisten wurden mund- und federtot 
o-emacht, die Universitäten schärfer überwacht — mit einem Worte die Karls- 
bader Beschlüsse wieder schärfer beobachtet. Allein schon gab es eine Anzahl 
von Regierungen, die die Zusatzartikel nicht oder nur mit Vorbehalt zu publi- 
zieren wagten, so sehr hatten die Landtage ihr Ansehen befestigt. 

Und wenn man dadurch der liberalen Bewegung einen Hemmschuh an- 
gelegt zu haben glaubte, so befand man sich im Irrtume. Sie war nicht mehr 
zu hemmen, allerdings auch nicht durch das Benehmen der Exaltados (Frank- 
furter Wachensturm 3. IV. 1833) vorwärts zu treiben. Denn es folgten sofort 
die Gegenmassregeln. Zar Nikolai, nach der Niederwerfung Polens wieder als 
Schutzherr des Absolutismus auftretend, verabredete mit Kaiser Franz in der 
bekannten Entrevue zu Mün; hengrätz (September von 1833) ein bewaffnetes 
Einschreiten gegen die revolutionäre Propaganda. Allein der alte König Friedrich 
Wilhelm hatte sich in Teplitz dem österreichischen und in Schwedt dem rus- 
sischen Herrscher gegenüber dahin ausgesprochen, dass er für eine solche 
Aktion nicht zu haben wäre. Die Übereinkunft der drei Mächte zu Berlin am 
15. X. 1833 erhielt daher auch rein defensiven Charakter. Dagegen beabsichtigte 
Metternich dem Revolutionsdrange in Deutschland einen entsprechenden Dämpfer 
aufzusetzen. Preussen stimmte zu. 

So trat denn am 13. I. 1834 auf seine Einladung die Konferenz zu Wien 
zusammen. Sie war nur eine Abschattung des Karlsbader Kongresses, und 
sofort trat der Zeiten und Verhältnisse Wandlung deutlich hervor. Die an- 
wesenden Konferenzmitglieder schieden sich in zwei Gruppen, eine konservative 
(Osterreich, Preussen, Dänemark, Oldenburg, Mecklenburg, Bremen, Luxemburg, 
Hessen-Darmstadt) und eine konstitutionelle (Baiern, Württemberg, Baden, 
Sachsen, Hannover, Kurhesseu, die thüringischen, die übrigen Kleinstaaten und 
Nassau-Braunschweig — Minister v. Marschall war gestorben) — also acht 
gegen neun. Das berichtigte „Sechzig-Artikel-ProtokolP wurde endlich, am 
12. VL 1834 genehmigt, mit seinen Bestimmungen über das Bundesschieds- 
gericht, die landständischen Rechte, die Zensurverschärfung, die Regelung des 
Universitätslebens und dem Verbote der Akteuversenduug. Aber man wogte 
nur allmählich, den ersten, vierten und fünften Teil, ersteren als Bundesgesetz, 
zu veröffentlichen und auch dann nie, das Bundesschiedsgericht in Thätigkeit 
treten zu lassen. 

Unterdessen ging die Zollpolitik Preussens unveränderten Grundsatzes 
ihrem grossen Ziele entgegen. Es schlössen sich an: 1830 Fürstentum Birken- 
feld, 1831 Kurhessen, 1833 Baiern und Württemberg, Thüringische Staaten, 
Sachsen, 1834 Baden, 1835 Nassau und Hessen-Homburg, 1836 Frankfurt; 
die übri^on Staaten des mitteldeutschen Handelsvereins bildeten 1834 den söge- 



95 

nannten Stcucrverein, eine auf die Dauer unhaltbare Verbindung. Die deutsche 
Geschichte hat da3 gelehrt und uns auch die weitere Entwickelung der grossen 
Frage aufgezeichnet. 

Mit unermüdlichem Eifer ist Regierungspräsident von Ibell der preussischen 
Politik treu geblieben, in der er das Heil Deutschlands erblickte, obwohl er 
durch sie seine liberalen Grundsätze noch lange nicht in vollem Umfange ver- 
wirklicht fand. Bitter sprach er sich über die Wiener reaktionären Beschlüsse 
aus; er scheute sich nicht, seiner Ansicht in Wien selbst, wo er eine Zeitlang 
im Auftrage seines Landesherrn weilte, Ausdruck zu geben. Noch vor Ver- 
kündigung des Bundesgesetzes aber raffte ihn eine tückische Krankheit hinweg. 

So hat er nicht mehr erlebt, wie vierzehn Jahre später der Absolutismus 
aus allen Fugen krachte und wie die Souveräne nun notgedrungen alle jene 
Rechte gewähren mussten, die von liberalen Staatsmännern zur Einführung 
lange vorher empfohlen worden waren, damit die Throne und Regierungen 
vor Erschütterungen bewahrt blieben. 



Das Schloss zu Heftrich, 

Yon 

Dr. W* Sauer^ 

Künigl. Archivrat und Staatsarchivar zu Wiesbailen, 



Die Aufgabe, das Gebiet der kleinen Herrschaft Idstein gegen feindliehe 
Einfälle zu schützen, hatten neben der alten, inmitten der Herrschaft belegenen 
Stammburg Idstein drei kleinere Landesburgen, welche in späterer Zeit zu 
diesem Zwecke errichtet wurden. Clegen 1356 baute Graf Adolf I. an der 
Westgrenze Adolfseck; um 1390 Graf Walram an der Nordgrenze, gegen Kur- 
trier und Diez, das Schloss Walrabenstein. Sein 1393 zur Regierung gelangter 
Sohn Graf Adolf IL baute an der O^tgrenze gegen die Herren von Eppenstein, 
welche in dem Nachbarorte Schlossborn ein festes Haus hatten, das Schloss zu 
Heftrich, dessen Errichtung schon wohl sein Grossvater Graf Adolf I. geplant 
hatte, als er sich am 13. Januar 1367 von Kaiser Karl IV. Stadtrechte für 
den Ort erteilen Hess. Das Schloss zu Heftrich, zu dessen um das Jahr 1404 
vollendetem Bau die Trümmer des römischen Kastells Alteburg das Material 
geliefert haben dürften, war wohl die kleinste der genannten Burgen, weder 
hier noch zu Walrabeustein werden ausdrücklich Burgmänuer oder Burglehen 
genannt. Vielleicht können wir aber die Herrn von Reifenberg, welche 1496, 
1514, 1526 mit 20 Guldea Miungeld aus dem Schlosse Heftrich belehnt wurden, 
doch als solche ansehen. 

Die Existenz dieses Schlosses ist ziemlich unbekannt geblieben; nur 
Vogel erwähnt es S. 820; Schliephake-Menzel nennen es kaum; Lotz, 
Baudenkmäler, hat den Ort Heftrich überhaupt übergangen. 

Von urkundlichen Erwähnungen des Schlosses liegen ausser den eben 
genannten folgende vor: 

1. 1404, Januar 31. Freiheitsbrief des Grafen Adolf IL für „unsere 
burger zu Heftrich in dem slosse". 

2. 1446, Dezember 14 verpachtet Eberhard lU. von Eppenstein seinen 
Hof zu Esch, „der uns mit dem slosse zu Hefftrich worden ist". 

Wie und wann das Schloss in den Besitz des Genannten gelangte, 
war nicht zu ermitteln. 

3. 1465 nimmt Erzbischof Johann IL von Trier die Schlösser des Grafen 
Johann von Nassau, darunter Heftrich, in Schutz. Vergl. Goerz, 
Rcgg. der Trierer Erzbischöfe, S. 222; Menzel V, 350. 

4. 1468, Oktober 28, Johann von Kalk, Präzeptor des Antoniterhauses 
zu Höchst, verschreibt diesem eine Rente von jährlich 6 Gulden auf 
das Schloss zu Heftrich. 

Diu Lage und die baulichen Verhältnisse des Schlosses werden durch 
örtliche L'ntersucliungen vermutlich noch festgestellt worden können. 



Nassauische Studenten 

auf Universitäten des Mittelalters. 

Von 

Fr« Otto» 



Erste Abteilung. 

"Wie sehr und in wie vielfacher Hinsicht unsere Kenntnis durch die in 
neuerer Zeit in Angriff genommene Veröffentlichung von Universitätsmatrikeln 
der frühereu Jahrhunderte gewonnen hat, lehrt eine wenn auch nur oberfläch- 
liche Betrachtung. Wir finden uns auf einmal in die Mitj;e der Scholaren eines 
Semesters versetzt, sehen, wie neue ankommen, arme und wohlhabende, geist- 
liche und weltliche, Männer in Ämtern und Würden, Jünglinge und Knaben, 
die noch nicht zu einem Eide zugelassen werden. Besonders erweckt unsere 
Neugierde die Zahl und die Herkunft der Scholaren; jene kann jetzt ziemlich 
genau festgestellt und von ihrer traditionellen Übertreibung befreit werden; 
diese zeigt, wie stark sich die einzelnen Orte, Dörfer, Städte und Länder an 
dem auf einmal erwachten regen Streben nach akademischer Ausbildung im 
damaligen Sinne beteiligten. 

Hier soll eine Zusammenstellung der Scholaren aus Nassau gegeben 
werden. Unter Nassau verstehen wir dabei den Umfang des vormaligen Her- 
zogtums oder das Gebiet der Thätigkeit des Vereins für nassauische Altertums- 
kunde und Geschichtsforschung. Als Zeitgrenze haben wir das Jahr 1500 an- 
genommen, nach welchem sowohl die Gründung neuer Universitäten fällt, als 
sich eine neue Richtung der wissenschaftlichen Bestrebungen, wenn vorerst 
auch in den alten Bahnen des Betriebs, alsbald bemerkbar macht; nur einige- 
mal haben wir diese Grenze überschritten, wie bei Bologna und den Eber- 
bacher Mönchen zu Heidelberg. Dabei beschränkten wir uns auf diejenigen 
Hochschulen, von denen gedruckte Matrikeln vorliegen. Zunächst sind es die 
vor dem Jahre 1400 gegründeten (mit Ausnahme Wiens), Bologna, Prag und 
Heidelberg, deren Scholaren aus Nassau wir zusammenstellen ; nach ihnen sollen 
in einer zweiten Abteilung die von Köln und Erfurt folgen. 

Leider war es nicht möglich alle genannten Personen anderweitig nach- 
zuweisen, ja bei manchen blieb es zweifelhaft, ob sie überhaupt hierher gehören. 



1)8 

Wir hoffen, dass es späteren Ermittelungen oder andern Forschern gelino-en 
werde das hier Fehlende wenigstens zum Teil zu ergänzen oder Irrtümer zu 
berichtigen. Wir haben einstweilen das uns zugängliche Material zu verwerten 
gesucht; von manchen strebsamen Jüngern der Wissenschaft, die auf niehrereu 
Universitäten erscheinen, wie Eberhard Goldsmit (Aurifaber) von Montabaur, 
müchte man mehr erfahren als den trockenen Namen in einer Matrikel. Einst- 
weilen müssen wir uns vielfach damit begnügen die Zahl derer, die das Be- 
dürfnis nach höherer Bildung zu den Stätten der Wissenschaft trieb, nach Ort 
und Zeit zu wissen. 

I. Bologna.') 

Die Universität zu Bologna war ursprünglich und blieb vorzugsweise eine 
Rechtsschule, wenn auch schon im Laufe des 13. Jahrhunderts Lehrer in der 
Medizin und den freien Künsten (philosophi et medici oder physici oder mit 
dem gemeinsamen Namen artistae) und etwas später in der Theologie daneben 
auftraten. Jene zerfiel in zwei Korporationen, univeroitates, die der Citra- 
montaui und Ultramontani, deren jede einen besonderen Rektor hatte und wieder 
je nach der Herkunft der Scholaren in verschiedene Nationen zerfiel. Eine 
der Ultramontani war die deutsche, natio Teutonica oder Germanica, zuerst 
erwähnt 1267; sie umfasste alle, welche die deutsche Sprache redeten; doch 
zählte man zu ihr auch die Böhmen, Mähren, Lithauer und Dänen. 

Mitglied der Nation wurde man durch die Immatrikulation (intitulatio), 
mit der die Zahlung einer gewissen Geldsumme und ein Eid verbunden war. 
Dieser verpflichtete den Schwörenden den Satzungen der Nation gemäss zu 
leben, die Kirche wenigstens an bestimmten Tagen zu besuchen, an Leichen- 
begängnissen der Genossen teilzunehmen u. s. w. Der Betrag der Gebühren war 
anfangs nach den Einkünften eines jeden bemessen (von jeder Mark ein Bolog- 
neser grossus), doch fanden wohl oft Abweichungen davon statt, indem reiche 
und vornehme Herren mehr zahlten, als notwendig war. Die niedrigste Summe 
in unserm unten folgenden Verzeichnis beträgt 4 Solidi (1 Sei. nach Savigny 
im Jahre 1289 = 1 Sgr. 7 Pf.). 

An der Spitze der deutschen Nation standen zwei Prokuratoren, die jähr- 
lich wechselten und am Anfang des Januar (Epiphan.) in der Regel erwählt 
wurden; ihr Amt traten sie dann am Sonntag nachher an. Sie sollten scolas- 
tici idonei und über 20 Jahre alt sein ; die Wahl fand statt durch vier Wahl- 
männer (electores) und die zwei abgehenden Prokuratoren, Sie hatten die 
Matrikel zu führen und das Eigentum der Nation, die Gelder und Inventariata- 
stücke, zu verwalten; die Übergabe desselben erfolgte beim Amtsantritt, und 
über diesen Akt wurde ein ausführliches Protokoll aufgenommen. An bestimmten 
Tagen fanden Zusammenkünfte (conventus) statt, die bisweilen zu opulentae cenae 
ausarteten und daher seit 1313, wenn auch vergeblich, eingeschränkt wurden. 



') Über Bolo^a vgl. v. Savigny, Geschichte des römischen Rechts, III; Kaufmann, 
Geschitlite <ler deutschen Universitäten, I. und Denifle, Geschichte der Universitüten I., 
und über die deutsche Nation die unten angeführten Acta Nationis Gcrniaiiicae. 



99 

Die Zahl der eingeschriebenen Scholaren der deutschen Nation betrug in 
den Jahren 1289—1300:533, 1300—1350:1259, 1350—1400:415, 1400 bis 
1450: 308, 1450—1500: 715; man berechnet die Zahl aller in 408 Jahren 
verzeichneten Scholaren der nat, Germ, auf 10300. 

Unsere ZusammenstoUuDg beruht auf dem umfassenden Werke : Acta 
Nationis Germanicae universitatis Bononiensis ex archetypis tabularii Malvez- 
ziani ediderunt Ern. Friedländer et Carolus Malagola, Berlin 1887, Fol., unten 
abgekürzt in ANG.') Wir haben, wo es möglich war, die frühoie und spätere 
Stellung der einzelnen Scholaren zu bestimniou gesucht; bei einigen muss es 
zweifelhaft bleiben, ob sie hierher gehören, andere mögen vielleicht übersehen 
sein, doch wird an der Gesaratzahl von 38 nicht viel zu ändern sein. Nicht 
alle sind in der Matrikel selbst enthalten; manche erscheinen blos in den Pro- 
tokollen als Zeugen; wir glauben auch sie hier aufnehmen zu sollen. Es 
scheint ein gleichmässiges Verfahren der Prokuratoren nicht stattgefunden zu 
haben; denn w^ährend z. B. der Magister des Grafen Gerlach von Nassau und 
des Herrn Syfrid von Runkel im Jahre 1304 eingetragen ist, findet dies bei 
dem Magister des zweiten Gerlach im Jahre 1340 nicht statt. 

Die Mehrzahl der nassauischen Scholaren gehörte dem geistlichen Stande 
an; sie wollten offenbar das kanonische Recht studieren; andre waren Glieder 
des höheren oder niederen Adels. Manche hatten vorher deutsche Universi- 
täten besucht; siebenmal wurde aus ihnen der eine der Prokuratoren gewählt. 
Der rasche Niedergang des Besuchs in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts 
muss als eine Folge der Stiftung von deutschen Universitäten, Prag, Wien, 
Heidelberg, Köln und Erfurt angesehen werden. 

Die Münzen. 1 Solidus (= 12 Denarii, Bolognini) war, wie oben be- 
merkt, im 13. und 14. Jahrhundert nach Savigny = 1 Sgr. 7 Pf. ; 1 Libra 
= 20 Solidi, 1 Grossus = 24 Sol., 1 Floren. = 31—35 Sol., 1 Ducatus = 
37—38 Solidi. 

Wir lassen nunmehr das Verzeichnis aller Scholaren aus Nassau folgen 
und zwar zuerst nach der Heimat oder den Geschlechtsnamen, dann in chrono- 
logischer Ordnung. Hierbei gehen wir über die Grenze, das Jahr 1500, hinaus, 
da mit den drei letzten der Besuch Bolognas vonseiten Nassaus aufhört. 

A. Ordnung nach der Heimat oder den Geschlechtsnamen. 

I. Bicken: 2. 

1. Dominus Fredericus de Bicken. 23 sol. 1305. 

ANG. 57, 37. Der Name Friedrich kommt bei denen von Bicken mehr- 
fach vor; so 1272, 1289, 1352. Arnoldi, Mise. 213; Philippi, Siegener 
Urkundenbuch I, 28 u. 35. 

2. Dominus Guihelmus de Bick eiusdem (Maguntinensis) dioecesis dedit 
unum fiorenum aureum. 1526. 



^) Einigemal wurde die Lesart eines zweiten Codex (B.) zugefügt. 



100 

ANG. 293, 13. Seit dem Ende des 15, Jahrhunderts finden sich mehr- 
fach Herrn von Bicken als Domherrn zu Mainz, unter ihnen drei mit dem 
Namen Wilhelm, 1505—1510, 1519—1538 und 1546—1553. Von diesen 
kommen nur die beiden letzten hier in Betracht, und da der oben genannte 
nicht als Canonicus bezeichnet ist, so mag der letzte hier gemeint sein. Über 
ihn siehe Joannis, Rer. Mog. II, 342. Nach Humbracht ist er der Neffe 
des zweiten und zugleich Canonicus zu S. Alban gewesen. 

II. Camp: 1. 

Dominus Albertus de Campo ist mit andern Zeuge bei der Übergabe 
des Inventars an die neuen Prokuratoren. 13. Januar 1348. 

ANG. 3G8, 8. Campus steht neben Camp und Campe mehrfach im Arn- 
steiner Nekrologium, Ann. XVI, 69, 95, 103, 111. Die Familie v. Camp er- 
scheint nach Vogel, Beschreibung S. 653 bis 1309; vgl. Ann. IX, 21, 24. 
Ingleichen begegnet der Name Albert zu Camp; Ann. IX, 35. 

III. Cramberg: 1. 

Gerhardus canonicus Maguntinensis et Treverensis ecclesiarum, Proku- 
rator 1432. 

ANG. 180, 1. 20. Nach Vogel kommt das Geschlecht v. Cramberg im 
14. und 15. Jahrhundert vor; vgl. Arnoldi, Mise. 232 ; Sauer, Cod. Nass. I, 
3, 221. 

Nach den wenigen (2) Einträgen des Jahres 1430 finden sich folgende 
Bemerkungen : Nota, quod hie deficiunt percepta de duobus annis, reperitur 
tantum proxime insequenti anno de manu notarii quendam Gerardum canoui- 
cum Maguntinensem fuisse procuratorem ; nuUa fit mencio de eins electione vel 
aliis factis. Nota, quod dominus Gerardus Chromberg canonicus Magunti- 
nensis et Treverensis ecclesiarum hie suprascriptus in eodem folio impigneravit 
contra iura calicera et missale spectantes seu pertinentes ad nacionem Teuto- 
norum (am Rande ist gezeichnet ein Becher, ein Missale, Fuss- und Ilandeisen). 
Ferner: Nota, quod ultimum folium habet istum numerum 101, sequitur qua- 
ternus novus de anno Domini 30°. Es waren also die Blätter des quaternus 
102, 103 und 104 herausgenommen, wie der Abschreiber andeutet; er selbst 
mudste daher ihren Inhalt auslassen und schrieb seine Bemerkungen auf fol. 99' 
et 99' und lOP. Zu 1432 heisst es in B. : Ao. Domini 1432 reverendo Do- 
mino Gerhardo Chromperg canonico Magunt. et Trever. procuratore albo ascrip- 
tus est unus Dom. Matheus Slick de Passono. 

Die Prokuratoren von 1433 sagen (180, 20): omnes res assignate sunt 
per dominum Gherardum Krampberg canonicum ecclesiarum Maguntinensis 
et Treverensis ante nos procuratorem. Und in dem Protokoll der Übergabe 
des Inventars vom 27. März 1433 heisst es (ANG. 402, 28 ff.): Item prefatus 
dominus Gherardus canonicus Magunt. et Trever. ecclesiarum confessus est se 
impignorasse calicem (am Rande ist ein Becher gezeichnet und ein Mensch, 
der am Galgen hängt) egregio viro utriusque iuris doetori lohauni Andree . . 



101 

promittens et se obligans sub penis camere prefiita omnia redimere et restitiiere 
plenarie et integre sine aliquo ip.sius nacionis preiudicio et detrimento. 

Gerhard hatte also einen Becher und ein Missale, welche der Landsmann- 
schaft der deutschen Nation gehörten, während seiner Amtsdauer versetzt und 
zur rechten Zeit (6. Januar) nicht wieder eingelöst. Deshalb wohl hatte er 
die Wahl der neuen Prokuratoren, die erst am 2. Februar 1433 stattfand, zu 
verschieben gewusst und die Übergabe noch länger — bis zum 27. März — 
hinausgezogen, wohl in der Hoffnung bis dahin alles geordnet zu haben. Dies 
gelang nicht, ja er verschwieg nach dem Protokoll, dass auch ein Missale fehle, 
und auch nachher löste er die beiden Gegenstände nicht wieder ein. Zum 
Jahre 1440 ist bemerkt (ANG. 188, 23): Infra scripti domini scolares caritative 
contribuerunt pro solucione summe, pro qua quoudam Gerhardus de Chranperg, 
tunc nostre nacionis, procurator, canonicus Magunt. et Trever. ecclesiarum, in- 
juste impigneravit librum et calicem nacionis (calix in margine pictus est); es 
wurden damals 8OV2 sol. oder 4 libb. 6 den. zu diesem Zweck gesammelt. 
ANG. 180, 44. Der Unmut der Nation über die Gewissenlosigkeit des Pro- 
kurators ist in den Randzeichnungen verewigt. Ob sie es auch war, die, um 
das Andenken an den treulosen Mann zu tilgen, die Blätter aus der Matrikel 
herausgenommen hat, oder ob Gerhard selbst, um eine Prüfung' seiner Ein- 
nahmen und Ausgaben unmöglich zu machen, ist nicht festzustellen. 

Die Sache erlebte aber auch noch ein Nachspiel; denn so müssen wir 
das nennen und verstehen, was wir nun hören. Gerhard war Canonicus zu 
Mainz seit 1419. Joannis IE, 376. In Mainz rauss sein Benehmen als Pro- 
kurator der deutschen Nation zu Bologna ruchbar geworden sein; vielleicht hat 
man sich dahin gewandt, um Ersatz für die verpftindeten Dinge zu erhalten. 
So wurde ihm der Aufenthalt zu Mainz unangenehm, und als sich ihm die 
Gelegenheit bot seine Stellung zu verändern, griff er zu: im Jahre 1438 ver- 
tauschte er seine Stelle am Dome zu Mainz gegen eine gleiche zu Köln 
mit dem Grafen Adolf von Nassau, dem späteren Erzbischofe von Mainz. 
Joannis II, 898. 

Ehe Gerhard nach Bologna ging, um den Studien obzuliegen, hatte er in 
der Heimat die Universität zu Erfurt besucht; hier ist er im Sommer des Jahres 
1425 ebenfalls als Canonicus Maguntinensis et Treverensis in die Matrikel 
eingetragen. 

IV. Cronberg: 3. 

1. Dominus Henricus de Cronenberg. 12 sol. 1289. 

ANG. 36, 2. Der Name Heinrich ist bei den Herrn von Cronberg selten, 
doch nennt Humbracht einen Ritter Heinrich 1339. Als Geistliche begegnen 
sie öfter, wie gerade in jener Zeit, z. B. ein Eberwin Domherr zu Mainz und 
Worms, von 1299 — 1303 Bischof von Worms war. Joannis 11, 348. 

2. 3. Domini Ulricus et Baltherus de Cronenberch et Hermannus 
dietus de pomoerio Moguntinensis dyocesis, eorum magister, contribuerunt. 
10 libras minus 6 solidis. 1366. 

7 



102 

ANG. 128, 35. Ulrich wurde am 10. Januar 1367 mit Rudolf von Basel 
zum Prokurator der deutschen Nation erwählt, beide nahmen 53 Scholaren auf 
und übergaben das Amt am 9. Januar 1368 ihren Nachfolgern. ANG. 128, 
45 und 348. Nach Joannis 11, 349 war Ulrich im Jahre 1362 zum Domherrn 
in Mainz ernannt worden, wie er auch ANG. 129 heisst, und wurde im Jahre 
1365 Propst von S, Victor; er kommt bis 1402 vor, Joannis H, 620. Er 
war der Sohn des Mainzer Yizedoms im Rheingau (1352 — 1386) und wird 
wegen seiner wissenschaftlichen Bildung und Kenntnis des Rechts gerühmt. 
Joannis ü, 620. 

Baltherus = Walther, Bruder Ulrichs und Priester zu Lorsch nach 
Humbracht. 

V. Geisenheim: 3.^) 

1. Dominus Cono de Gesheim. 12 sol. 1296. 

ANG. 46, 10. Gesheim ist sicher = Geisenheim; B. hat Geisheim. Cuno 
dictus de Ghosheym (B. : Gosheim) wurde im Jahre 1299 proxima dominica 
post epiphaniam Domini (11. Januar) zum Prokurator erwählt und gab das 
Amt am 10. Januar 1300 weiter. Er hatte also bis dahin länger als 3 Jahre 
zu Bologna verweilt. 

2. Dominus Wernherus de Gysenheim. 10 sol. 1301. 

3. Dominus Antzo de Gysenheym. 12 sol. 1381. 

ANG. 51, 42; 143, 45. Die Namen Cono, Wernher und Antzo (Arnold) 
kommen bei den Herrn von Geisenheim vor; vgl. Bodmann, Rheingauische 
Altertümer 312; Sauer, Cod. Nass. I, No. 259, 1223 und 2096, auch ein 
Antzo plebanus im Jahre 1307 (Sauer No. 1397), doch ist es nicht mijglich 
ihre Persönlichkeiten genauer nachzuweisen. 

VI. Haiger: 1. 

Dominus Johannes Heger canonicus S. Georgii Coloniensis. 8 gros- 
setos. 1490. 

ANG. 238, 36. 

VIT. Hattatein: 1. 

Dominus Marquardus de Haczstein metropolis ecclesie Maguntine cano- 
nicus. 1 ducatum. 13. Juni 1516. 

ANG. 280, 31. Dieser Marquard von Hattstein hatte im Jahre 1502 die 
Universität Erfurt bezogen und war im Jahre 1509 Domherr zu Mainz geworden. 
Joannis II, 367. In Bologna blieb er ein Jahr; denn im Jahre 1517 wird 



3) Ehrenfels. Ob der «lominus Henricus de Erenfels, 1393 (ANG. 1,J2, 10. 34) hier- 
her gehört, ist zweifelhaft. Bei Joannis II, 491, 621, 679 kommt ein Henricus de Ehrnfels 
vor als Apostolicae sedis Protonotarius, ad S. Victorem Pra<'po8itii.s, ad H. M. V. ad gradum 
Scholasticus, quondam etiam Decanus Maxstudiensis et Joannis II a consiliis et secretis; im 
Jahre 1427 wurde er Praepositus ad S. Petrum extra moenia Moguntiiia. Vgl. Gudenus, 
.Syll. S. .')17. Er starb am 11. Aug. 1442. Aber fleiru von Ehrenfels gab es nicht im Rheiu- 
gau, und woher der genannte geistliche Herr stammte, ist nicht angegeben. 



103 

unter der Rubrik ,a doctoribus in discessu aecepta" verzeichnet: a Domino 
Marq. Hattsteiu duos ducatos. Über ihn vgl. noch Joaunis U, 367; Zaun, 
das Landkapitcl Rheingau, S. 284. Er starb den 13. Juni 1522. 

VIII. Idstein: 1. 

Dominus Bruno de Etsten. 20 sol. 1421. 

ANG. 172, 13. Der Ortsnamen Idstein, ursprünglich Eticheustein, findet 
sich in den Matrikeln von Heidelberg und Erfurt unter andern in folgenden 
Formen: Heidelberg 1391 Echsthen, 1400 Yczstein, 1403 Ytsteyn neben Edich- 
steyn, in Erfurt 1409 Itstein, 1416 Eytsteyn u. s. w. neben Edichensteyn 1395. 
Die zweite Silbe, —stein, lautet in den ANG. bei andern Namen mehrfach 
— sten, wie Hauwensten 1322 (53, 22), zu Erfurt 1416 Ytzsten, v. 1. Itzstein, 
sodass an der Gleichsetzung von Etsten und Idstein kein Anstoss zu nehmen 
ist. — Auch der Personenname Bruno ist zu Idstein nicht ungewöhnlich; so 
gab es von 1198 — 1849 Burgmänner von Etechenstein mit dem Zunamen Brun, 
ein Magister Joh. Bruno war 1426 Canonicus zu Aschaffenburg, ein andrer 
1453 als Studiosus zu Erfurt. Der obige Bruno kann derjenige sein, welcher 
in einem Nekrologium von B. Mar. ad gradus zu Mainz (von 1373 an) vorkommt; 
hier heisst es: HI Non. Decembr. Anniversarium Domini Brunonis de Itstein 
prepositi S. Mauritii et canonici huius ecclesie. 

IX. Katzenelnbogen: 1. 

Dominus Godfridus de Cazenhellebogen (B. Cazzenellenbogen). 
10 sol. 1295. 

ANG. 44, 16. Der Namen Gotfrid ist, wie es scheint, bei den Grafen 
von Katzenelnbogen nicht gewöhnlich; der oben genannte mag daher einem 
Ministerialengeschlecht von K. angehört haben. In dem hber animarum von 
Eberbach kommt unter XHI Kai. Jul. ein Fr. Gotfridus de Katzen Ellenbogen 
vor. Roth, Fontes I, 3, 37. An einen Schreibfehler Gotfridus für Gerhardus, 
darf man wohl nicht denken; in diesem Falle könnte der Propst von Utrecht 
1292 und Dompropst von Mainz 1297 gemeint sein. Wenck, hess. Geschichte I, 
358, 370; Joannis H, 347. 

X. Königstein: 2. 

1. Graf Adolf von Nassau (s. d.) zahlt pro se et Chamrado de Kuningen- 
stein 6 lib. 1366. 

ANG. 128, 27. Wenn Graf Adolf für diesen Chamradus (= Conradus) 
zahlte, so war er sicher in dessen Gefolge, vielleicht als dessen Magister. Ein Con- 
radus von Königstein, baccalaurius in decretis, wird 1372 zum Dekan zu S. Peter 
in Mainz, 1383 zum Propst erwählt; er starb nach 1392. Joannis H, 497, 490. 

2. A domino Nycolao de Kunigstein clerico Mogunt. dioc. 10 sol. 1382. 
A Nycolao de Conynghestein perceperunt antiqui procuratores 10 sol. 

pro introitu nacionis. 1383. 

ANG. 145, 25; 398, 12. Yielleicht derselbe als der zu Prag als Jurist 
immatrikulierte Nie. de Kunigstein de Frankfordia 1385, nat. Bavaror. S. Prag. 

7* 



104 

Xr. Limburg: 2. 

1. Dominus Richwinus de Lymburg, 18 sol. 1291. 

2. Dominus Johannes de Lirapurg, frater doraini Richwini. 7 sol. 1292. 
ANG. 38. 38; 39, 42. Die beiden Brüder wordeu dem Geschlechte derer 

von Limburg angehört haben, das von 1194 — 1364 vorkommt. Vogel, Be- 
schreibung 782. Ein Richwinus miles de Limpurg vermachte dem Kloster 
Arnstein 20 Mark, Der Canonicus (1308) und Decanus (1310) Richwinus in 
Limburg war ein Specht von ßubenheim. Rössel, Eberbacher Urkuuden- 
buch n, No. 637 und 661, S. 511 und 554. Die Gleichheit des Namens 
Richwinus kann auf Verwandtschaft beider Familien beruhen. 

XII. Montabaur: 1. 

A magistro Eberharde Goltsmit Trever. dyoces. 6 sol. 1444. 

ANG. 191, 1. Es ist der Heimatsort zwar nicht angegeben, aber un- 
zweifelhaft ist der Eberh. Goltsmit derselbe, welcher als Eberhardus Aurifaber 
de Montabur im Jahre 1439 in die Matrikel von Erfurt und als Eberhardus 
Aurifabri de Monteboir Trever. dioc. im Jahre 1441 in die Matrikel von Köln 
eingetragen ist; dort wird er seine Studien als Baccalaurius, hier als Magister 
in artibus abgeschlossen haben. 

XIII. Nassau: 5 (3). 

1. Dominus Gerlacus comes de Nassowe, Dominus Syfridus de Runkel, 

2. Dominus Henri cus magister eorum. 6 lib. 1304. 

ANG. 56, 8. 9. 11; 57, 40. 41. 42. Der Graf Gerlach war der Sohn 
des Königs Adolf und Nachfolger seines älteren, am 2. Dezember 1304 ge- 
storbenen Bruders Ruprecht, reg. 1304 — 1344, f 1361. Es ist zu vermuten, 
dass er alsbald, nachdem er die Nachricht von dem Tode seines Bruders gehört, 
Bologna verliess, vielleicht am Ende des Dezember oder am Anfang des Januar 
1305, jedenfalls vor der Wahl der neuen Prokuratoren; wäre er noch anwesend 
und ohne Mitteilung, dass ihm die Regierung seiner Grafschaft zugefallen ge- 
wesen, so würde er nach seiner Stellung sicherlich zu einem Prokurator erwählt 
worden sein. In der Heimat erscheint er erst am 17. Dezember 1305, 
wo er mit seiner Mutter Imagina eine Urkunde zu Weilburg ausstellt. Ann. 
Vn, 2, 86. 

Woher der zweite, Henricus magister eorum genannte, stammte, ist nicht 
angegeben. Ein Heinricus de Wiesbaden wird in einem Nekrologium des 
14. Jahrhunderts als Canonicus eccles. B. Marie Virg. ad gratus zu Mainz 
genannt; sein Todestag war HI Kai. Septembres. Andre des Namens nennt 
Roth, Geschichte der Stadt Wiesbaden, S. 580. 

3. Dominus Gerlacus de Nassawe. 5 lib. 1340. Am Rande gezeichnet 
ist eine Mitra cum baculo; in B. zugefügt: comes de Nassau. 

ANG. 102, 29. Dieser Gerlach wurde bald nach seiner Rückkehr Dom- 
dcchant zu Mainz, als welcher er 1345 erscheint, und 1346 durch päpsthche 
Ernennung Erzbiachof von Mainz. Am 7. Januar 1341 wurde er mit dem 



105 

Grafen Heinrich von Sponhcim zum Prokurat^r der deut.schcu Xatiou zu Bolü"-na 
erwählt, muss also nach don Satzungen derselben damals das 20. Lebensjahr 
erreicht oder überschritten haben/) Am 7. Februar übernahmen die zwei 
folgenden Prokuratoren das Amt. ANG. 361, 362. 

4. Dominus Xicolaus magisrer domini de Nassen. 1343. Ein Nicolaus 
magister dorn, de Nassau findet sich nicht in dem Verzeichnis der Scholaren, 
wohl aber der genannte unter den Wahlherrn, als der eine Prokurator aus 
triftigen Gründen sein Amt niederlegte und am 15. August 1343 ein neuer 
erw.ählt werden sollte. ANG. 364, 31. Und hier heisst er, wie oben angegeben, 
Ist Nassen = Nassau, wie wir mit Recht annehmen zu dürfen glauben, so kann 
Nicolaus, der von Wiesbaden stammte und später Bischof von Speyer wurde, 
der obengenannte Nicolaus sein. Erstreckte sich seine Anwesenheit zu 
Bologna bis zum August 1343, so würde dies zu der Annahme berechtigen, 
dass auch Graf Gerlach wenigstens ebenso lang oder bis zum Herbste des 
Jahres daselbst verblieben sei. 

5. Dominus Adolphus, filius domini Adolphi coraitis de Nassaw, 
canouicus coloniensis, pro se et Chamrado de Kuningenstein. 6 lib. 1366. 

ANG. 128, 27. Dieser Adolf ist der nachherige Erzbischof Adolf von 
Mainz 1373 — 1390. Über Chamradus s. unter Königstein. 

Obgleich wir die Geburtsjahre der drei Grafen von Nassau nicht kennen, 
so scheint doch nach ungefährer Berechnung wahrscheinlich, dass sie alle nach 
kaum vollendetem 20. Lebensjahr die Universität zu Bologna und zwar jeder 
mit einem Magister bezogen haben. 

XrV, Reiflfenberg: 1. 

Dominus Johannes de Reiffenberg, canonicus Maguntiuus et dominus 
Bernhardus, filius marchionis Badensis, 1 flor. de camera. 1422. 

ANG. 172, 42. Johannes von Reiffenberg ist bei Joannis II, 389 im 
Jahre 1415 als Domherr zu Mainz verzeichnet, wurde 1418 in die Matrikel zu 
Erfurt (Joh. de Riffenberg canon. eccles. Magunt.) und 1421 in die von Heidel- 
berg (Joh. Reiffinberg canon. Magunt.) eingetragen; er ging also vier Jahre 
später nach Bologna. Weil sich nun keine Notiz über seinen Tod fand, nahmen 
Joannis und Humbracht an, er habe den geistlichen Stand verlassen, ge- 
heiratet und sei 1459 gestorben, indem sie einen andern der zahlreichen Reiffen- 
berger mit dem Canonicus verwechselten. Denn ein weiterer Eintrag in den 
ANG. vom Jahre 1424, S. 174, 19 berichtet von seinen Exequieu zu Bologna, 
wo er demnach gestorben sein muss und zwar vor dem daselbst zu gleicher 
Zeit vermerkten Feste aller Heiligen. Es heisst nämlich unter den Ausgaben 
der Prokuratoren des Jahres 1424 — 1425: primo pro duabus torciis et duabus 
oandelis ad alrare, pro candelis in festo omnium sanctorum et exequiis domini 
et magistri Johaunis Riffeuberg canonici Maguntinensis et Johannis de Ascen- 



*) Es ist (leslialb kaum anzunehmen, dass er 1346 erst ungefähr 20 Jahre alt gewesen, 
wie Albertus Argent. bei Hagelgans, Nass. Geschler-htstafel S. .'52 angiebt und danach 
Schliephake andeutet IV, l'.jS. 



106 

dia nee non in festo piirificationis luminibus 25 lib. et 15 sol. Zugleich ersehen 
wir daraus, dass Reiffenberg den Magister-Grad — wohl noch in Deutsch- 
land, zu Erfurt, da er unter den Magistri artium der Universität zu Heidelberg 
bei Toepke II, 375 nicht vorkommt, — erworben hatte. 

XY. Rüdesheim: 3. 

1. Dominus Ileidenricus de Rudesheim. 18 sol. 1295. 

ANG. 43, 37. Im Jahre 1301 wurde ein Henricus de Rüdesheim Prae- 
positus B. Mariae Virg. zu Mainz; er heisst decretorum doctor et canonicus 
maioris ecclesiae. Joannis U, 392, 669. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass 
der Name Henricus in den ANG. in Heidenricus verderbt ist; wenn diese Ver- 
mutung begründet ist, so erklärt sich auch leicht, weshalb er doctor decretorum 
heisst; er hat diese Würde offenbar zu Bologna erworben. 

2. Dominus Johannes de Roedenshein (B. Roedeshem). 4 sol. 1312. 
ANG. 64, 37. 

3. Honorabilis vir dominus Diedericus de Rudessheima (B. Ridesheim), 
pastor parrochialis ecclesie in Berstad, iuravit et solvit 12 sol. 1458. 

ANG. 202, 31. Er war einer der zwei Prokuratoren des Jahres 1459. 
ANG. 203, 204. Im Jahre 1464 findet sich in der Einnahme verzeichnet: ex 
testamento Theodorici de Rudessham 10 Bologninos. ANG. 209, 24. Das 
kann den Schein erwecken, dass Theodoricus in Bologna gestorben sei. Ein 
Theodoricus de Rudesheim wurde im Jahre 1448 zu Heidelberg immatrikuliert 
und am 23. Juli zum Baccalaureus in artibus befördert. 

XVI. Runkel: 3. 

1. Dominus Syfridus de Runkel zahlte mit Graf Adolf von Nassau 
6 lib. 1304. ANG.' 56, 11; 57, 42. 

2. 3. Illustres viri domini Syfridus de Runkel et eins frater Theo- 
doricus barones. 2 ducatos Yenetos. 1408. 

ANG. 161, 34. 35. Die Verwandtschaft und näheren Nachweis über die 

drei Herrn von Runkel gibt folgender Auszug aus der Stammtafel des Hauses 

bei Reck, Geschichte von Isenburg, Runkel und Wied, ferner bei Wenck, 

hess. Geschichte I, 482 und Vogel, Beschreibung S. 255, bei dem nur der 

erste Siegfried fehlt: 

Siegfried I. 

1276. 1283. 



Siegfried. Dietrich H. 



'O 



1303. t 1327. 1308. 1335. 

Dietrich HI. 
t 1403. 



Friedrich HI. Siegfried IV. Dietrich IV. 

1377—1416. 1375. 1396. 1414. 1459 (1460). 



107 

Der erste von den zwei, Siegfried, Siegfrieds I. Sohn, erscheint später als 
Canonicus zu Würzburg, dann als Propst zu Gemünden. Reck S. 95. Er 
starb 1327. Reck S. 100. Die beiden andern, Siegfried und Theodoricus, 
waren seine Grossnetfen und wohl auch dem geistlichen Stande bestimmt als 
jüngere Brüder Friedrichs III. Von Siegfried (IV.) wird weiter nichts gemeldet; 
Dietrich wird, vermutlich nach Friedrichs kinderlosem Tode, aus dem geistlichen 
Stande getreten sein, übernahm die Verwaltung der Herrschaft Runkel und 
heiratete. Er wurde Stammhalter seines Geschlechts und starb um 1460. 
Reck S. 135. 

Gleichzeitig mit den Runkelischen Brüdern waren drei Grafen von Mürs 
zu Bologna eingetroffen, die drei Brüder Dietrich, Walram und Heinrich, die 
alle später zu hohen geistlichen Würden emporstiegen, indem Dietrich den 
erzbischüflichen Stuhl zu Köln bestieg, Walram und Heinrich die Bistümer 
Utrecht und Münster errangen. Zu ihrem Empfang in der deutschen Nation 
zu Bologna wurde ein fröhliches Gelage angestellt, welches die ANG. 162, 10 
unter den Ausgaben also erwähnen: propter iocundum introitum illustrium 
virorum domini Theodorici de Moyrs et suorum fratrum necnon domini Sifridi 
de Runkel in die annunciacionis exposuimus pro malvasia 56 solidos. 

Russingen lag in der Herrschaft Kirchheim '^KöUner, Geschichte der 
Herrschaft Kirchheim-Boland, S. 243), wir übergehen also hier den Dominus 
Schwarz de Ruissingen, Nassoviensis, 1554. ANG. 333, 1. 

XYII. Scharfenstein : 1. 

A doniino Bennone de Scharpinstein, preposito Wesalicnsi Treve- 
rensis diocesis 2 libras Bononieuses. 1381. 

ANG. 143, 27. Statt Benno heisst er weiter unten Bruno, ebenso in 
Hdschr. B. Er war Propst B. V. M. zu (Ober-)Wesel, dann Domherr zu 
Mainz und starb als Domcustos um 1415; er wird auch Canonicus B. V. Mariae 
ad gradus zu Mainz genannt. Joannis H, 312, 394. Ehe er nach Bologna 
ging, hatte er die Universität zu Prag besucht und war am 20. Mai 1377 
Baccalauriua in artibus geworden; dann als Jurist imm. 1378 (Br. de Sarfen- 
stein) in der uatio Bavar. S. Prag. Sein Name steht ferner in der Matrikel 
von Heidelberg im Frühjahr 1387 unter dem zweiten Rektorate als dominus 
Bruno Scharfenteyn prepositus ecclesie s. Martini ecclesie Wesalieusis ; er mag 
hier sich schliesslich der theologischen Fakultät angeschlossen haben, was wie 
gewöhnlich in der Matrikel nicht angegeben ist. 

Im Jahre 1382 war er als Prokurator an die Stelle eines abgegangenen, 
Nycolaus Ryhemen, der. Caminensis, getreten und wird nun wiederholt Bruno 
genannt. ANG. 145, 24; 146, 4; 398, 4. 

XVIII. Waldeck: 2 (?). 

1. Dominus Henricus Boz de Waldeg. 20 sol. 1300. 
ANG. 50, 25. Der Name Henrichs kommt bei den Boos von Waldcck 
um das Jahr 1300 öfter vor. 



108 

2. Dominus UlricusKorb de Waldek dyocesis Mogunt. 10 sol. 1367. 

ANG. 129, 4. Ulrich Korb von Waldock blieb bis zum Herbste des 
Jahres 1373 zu Bologna und brachte es zum Licentiatus in utroque iure; bei 
seinem Tode 1404 heisst er Udalricus Korp de Waldeck utriusque iuris licen- 
tiatus. Zaun, Das Landkapitel Rheingau S. 341. Noch im Jahre 1374 
sind 40 Solidi in Einnahme gesetzt, die er pro augmento reddituum domini 
Jacobi de Hexem, prepositi in Pallaciolo et canonici Wormaciensis, erlegt 
hatte. ANG. 137, 18. Im Anfang des Juni 1373 brach zu Bologna eine Epi- 
demie aus, in deren Folge fast keine Scholaren deutscher Nation in der Stadt 
blieben. Erst im November wurde die Schule wieder eröffnet; doch hatteu 
sich im Oktober so viele Scholaren eingefunden, dass man am 12. d. M. zur 
Wahl von neuen Prokuratoren schreiten und das Vermögen der Nation, das 
man bei den Dominikanern niedergelegt hatte, wieder übernehmen konnte. Der 
eine der Prokuratoren wurde Ulricus Corph, der hier canonicus ecclesie 
s. Petri Magunt. heisst. Indess kehrte er binnen Monatsfrist in die Heimat 
zurück (repatriavit!); ANG. 136, 16 ff. Hier begegnet er noch mehrmals in 
Urkunden; Würdtwein, dioc. Mag. II, 207. 231. 249. In seinem Testamente 
vermachte er der Präsenz zu Lorch 40 fl. zu einem Anniversarium. Er starb, 
wie oben bemerkt ist, im Jahre 1404 am 9. Oktober, ipso die s. Dyonisii. 
Vgl. Zaun a. a. 0. 

Andre Herrn von Waldeck übergehen wir, da es zweifelhaft ist, ob sie 
hierher gehören, wie einen Johannes de Waldecken 1305 und einen Dominus 
de Waldeck diocesis Frisingensis 1322. ANG. 58, 14; 80, 39. 

XIX. Westerburg: 3. 

1. 2. Domini de Westerburg. 7 lib. 1294. 

Ein Zusatz von andrer Hand lautet: comites imperii. ANG. 42, 40. 
Weder Namen noch Zahl der Ht^rrn von Westerburg sind zugefügt; wir 
nehmen an, dass es ihrer zwei waren, da, wie sich gleich zeigen wird, die in 
Frage kommenden Personen des Namens ihres Alters wegen auf eine geringe 
Anzahl beschränkt sind. Es können nämlich nur Söhne des Heinrich I. von 
Westerburg (f 1288) gemeint sein. Dieser kommt 1267 vor als Gemahl der 
Agnes, Tochter des Herrn Gerlach von Limburg und Schwester der Imagina, 
der Gemahlin des Königs Adolf^), und hinterliess ausser zwei Töchtern fünf 
Söhne"), von denen der älteste, Siegfried, grade in jenen Jahren sich an den 
Zügen und Kriegen König Adolfs eifrig beteiligte. Der zweite, Heinrich von 
Westerburg, dagegen war Geistlicher und wird zu den obengenannten domini 
gehört haben ; er erscheint als Canonicus zu S. Gereon zu Köln und wurde 
1307 Propst des Stifts zu Limburg a. d. Lahn. Der bei Lehmann an dritter 
Stelle angeführte Reinhard I. war hinwiederum kriegerischer Natur, wie er 
denn auch nachher regierender Herr wurde und bis an seinen im Jahre 1353 



^) Die Nacliweise a. bei Hi lieb ran d, Zur Geschichte der Stadt und Herrschaft Lim- 
burg a. Lahn, IV, Progr. des Gymnasiums zu Hadamar 1893, in der Stammtafel. — ") Über 
sie vgl. Lehmann, Geschichte und (icnt-alogie der Dynasten von Westerburg, S. 49 ff. 



109 

erfolgten Tod iu vielfache Fehden verwickelt war. Aus der letzteren That- 
sachc schliessen wir, dass er nicht bis zur äusserstcu Grenze eines mensch- 
lichen Lebensalters vorgerückt sei. Ist er nun etwa 70 oder höchstens 72 — 73 
Jahre alt gestorben, so war er geboren etwa im Jahre 1280, also 1294 noch 
zu jung, um in Bologna mit Erfolg den Studien obzuliegen. So blieben die 
Brüder Johann und Willicho von Westerburg übrig, von denen Johann im 
Jahre 1311 von seinem Oheim Johann von Limburg die Pfarrei Gambach er- 
hielt, Willicho Mönch und von 1309-1337 Abt des Klosters Spanheim war. 
Denjenigen von diesen beiden, welcher dem Canonicus Heinrich dem Alter 
nach am nächsten stand, mag der zweite der domini de Westerburg gewesen sein. 

3. Dominus Gerardus Westerburg. 1 fl. renens. 1515. 

ANG. 279, 13. 

XX. Wiesbaden: 1 (3). 

Ilcrmannus de Wisebaden de Alemauia ist uuter den Zeugen bei der 
Übergabe dos Inventars der deutschen Xation von Seiten der Prokuratoren des 
Jahres 1340 an die des Jahres 1341, Gerlach von Nassau und Heinrich von 
Spouheim, am 7. Januar 1341. ANG. 361, 40. Wie wir oben S. 99 be- 
merkt haben, ist er nicht als Scholar in die Matrikel eingetragen, gehörte aber 
ohne Zweifel zum Gefolge des Grafen Gerlach, der ihn auch zum Zeugen be- 
stellt haben mag. Er wird der Hermann von Wiesbaden sein, welcher im Jahre 
1357 decanus ecclesiae collegiatae B, V. ad gradus zu Mainz wurde und im 
Jahre 1387 starb. Gudenus, Cod. HI, 971; Joannis H, 674. 

Rechnen wir hinzu die oben als Wiesbadener vermuteten Henricus und 
Nicolaus, so besuchten drei Söhne der Stadt Wiesbaden Bologna, alle im Ge- 
folge der Grafen von Nassau 1304 und 1340; zwei von ihnen, Heinrich und 
Hermann, können dem Geschlechte der Herren von Wiesbaden angehört haben, 
während Nicolaus eines gemeinen Bürgers Sohn genannt wird. S. die Stellen 
bei Schenck, Memorab. I, 72 u. II, 71 ff.') 



B. Chronologische Abfolge. 



Xo. 


Jahr. 


Namen der Scholaren. 


Pro- 
kurator. 


Xo. 


1. 
2. 
3. 
4. 

5. 
6. 

7. 


1289 
1291 
1292 
1294 
1294 
1295 
1295 


Dom. Henricus de Cronenberg 

Dom. Richwinus de Lvmburg 

Dom. Johannes de Limpurg 

■ (zwei) Dom. de Westerburg 

Dom. Gotfridus de Cazenhellebogen . . . 
Dom. Heidenricus de Rudesheim .... 




IV, 1. 

XI, 1. 

XI, 2. 
NIX, 1. 
XIX, 2. 

IX. 
XV, 1. 



^j Xicht nehmen wir in unser Verzeichnis auf den Johannes Winckel, 14JS6 immatri- 
kuliert, l-tSS Prokurator, da er als clericus Trevercnsis diocesis bezeiclinet wird, wälirend das 
Winkel im Rheingau der Mainzer Diözese angeliört; er wird aus Winkel bei Daun stammen. 



110 



Lfd. 




8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 

17. 

18. 

19.! 

20.' 

21. 

22. 

23. 
24. 

25. 
26. 

27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 

33. 
34. 

35. 
36. 
37. 
38 



Namen der Scholaren. 



Pro- 
kurator. 



No. 



1296 

1300 
1301 
1304 
1304 
1304 
1305 
1312 
1340 

1341 
1343 
1348 
1366 
1366 
1366 

1366 
1367 ! 

1381 : 
1881 ' 

1382 : 
1408 I 
1408 ' 
1421 
1422 I 

(1430): 

1444 

1458 ! 

1490 ' 

1515 ; 

1516 ' 
1526 



Dom. Cono de Gesheim (Geisheim) . . . 

1. Cimo Prokurator 

Dom. Henricus Boz de Waldeg .... 
Dom. Wernherus de Gysenheim .... 
Dom. Gerlacus comes de Nassowe .... 

Dom. Syfridus de Runkel 

Dom. Henricus magister eorum 

Dom. Fredericus de Bicken 

Dom. Diedericus de Kudesshoima .... 
Dom. Gerlacus de Nassawe 

2. „ „ , Prokurator 

Hermannus de Wisebaden 

Dom. Nicolaus magister dorn, de Nassen . . 

Dom. Albertus de Campo 

Dom. Adolphus tilius Adolphi comitis deNassavv 

Chamradus de Kuningenstein 

Dom. Ulricus de Croneaberch 

li. „ V r, Prokurator 
Dom. Baltherus de Cronenberch . . . . 
Dom. Ulricus Korb de Wadek 

4. « « « « Prokurator 

Dom. Anzo de Gysenheym 

Dom. Beouo (Bruno) de Scharpinstein . . 

5. n n -^ y> Prokurator 

Dom. Nycolaus de Kunigsteiu 

Dom. Svfridus de Runkel 

Dom. Theodoricus de Runkel 

Dom. Bruno de Eisten 

Dom. Johannes de ReifFenberg 

Dom. Gerbardus de Chromberg (Krampberg) 
ß. „ „ „ Prokurator 

Mag. Eberhardus Goltsmid 

Dom. Diedericus de Rudessheima . . . . 
7. n r, n Prokurator 

Dom. Johannes Heger 

Dom. Gerbardus Westcrburg 

Dom. Marquardus de Hattstein 

Dom. Guilielmus de Bick 



1299 



1341 



V, 1. 

xvin, 1. 

Y, 2. 

xm, 1. 

XYI, 1. 

XVI, 2. 

T, 1. 

XV, 2. 

XVI, 3. 

XX. 

XVI, 4. 

n. 

XVI, 5. 
X, 1. 
IV, 2. 

IV, 3. 

xvni, 2. 

— ! V, 3. 

— j xvu. 

1382 — 
{ X, 2. 

— 1 XVI, 2. 

— I XVI, 3. 

— ! vni. 

— XIV. 

— in. 

1432 — 

— XII. 

— I XV, 3. 
1459 I — 

— I VI. 
XIX, 3. 

VII. 

T ^ 
1, -. 



1367 



1373 



Also vor 1300 . . 8 

Von 1300—1350 . 10 

„ 1350—1400 . 9 



Von 1400—1450 
„ 1450—1500 
„ 1500—1526 



6 
o 



^ Sa. 38. 



111 

Es erübrigt noch die einzige Bomerkung, die sich von selbst aufdrängt, 
dass mit Ausnahme von drei SchoUiren, Eberhard von Montabaur, Hermann 
von Wiesbaden und Kourad von Köuigstcin, alle mit Dominus bezeichnet sind 
und dem höhereu und niederen Adel oder dem geistlichen Stande angehörten. 



IL Prag, gestiftet 1348/) 

Für die Universität zu Prag sind wir auf die Mitteilungen in den Monu- 
menta universitatis Carolo-Ferdinandeae angewiesen, von denen der erste Teil 
den liber decauorum facultatis philosophicae von 1367 bis 1585 in zwei 
Bänden enthält (Prag 1830 und 1832), der zweite (II, 1, Prag 1834) das 
Album seu Matricula facultatis iuridicae von 1372 bis 1418. Jener bietet nur 
die Namen derjenigen, welche einen akademischen Grad in der philosophischen 
Fakultät erreicht hatten, dieser sowohl die Namen der Graduierten, als auch 
der Scholaren der juristischen Fakultät. Wir erfahren also nur die volle Zahl 
der in dieser Fakultät immatrikulierten Scholaren, nicht aber die der philo- 
sophischen, die sicherlich ein Vielfaches mehr beträgt als die der Graduierten, 
da nicht alle danach strebten einen Grad zu erreichen. 

Zum Yerständnis der in dem folgenden Verzeichnis vorkommenden Aus- 
drücke und der Promotionsordnung schicken wir einiges aus den Prager 
Statuten voraus. 

Es gab zu Prag und ebenso an den anderen später gegründeten Uni- 
versitäten eigentlich nur zwei akademische Grade, den des Magisters oder 
Doctors und den des Baccalarius (oder Baccalaurius). Zwischen Magister und 
Doctor war der Unterschied, dass dieser Titel fast ausschliesslich in der juristi- 
schen und medizinischen Fakultät üblich war, jener sich in der Regel auf die 
philosophische Fakultät oder die Artisten beschränkte. Wer sich irgend einem 
akademischen Studium widmen wollte, begann in der Regel damit, dass er sich 
in diese Fakultät einschreiben Hess; erst wenn er diese absolviert hatte, die die 
Grundlage aller höheren Bildung vermittelte, trat er in eine der drei anderen 
ein. Indessen nehmen die Juristen seit dem Jahre 1372 zu Prag eine Sonder- 
stellung ein infolge von Streitigkeiten um ein Haus. Während sie früher 
einen Teil der Universität gebildet hatten, nennen sie sich jetzt universitas 
iuristarum und wählen sich einen eigenen Rektor (universitatis iuristarum), so- 
dass Prag von da an zwei Universitäten besass, die nur den Kanzler gemein 
hatten.') Und so finden wir denn, dass man hier auch solche Scholaren auf- 
nahm, die nicht das Studium bei den Artristen, wenigstens nicht zu Prag, ab- 
solviert hatten, wie unten einige Beispiele zeigen. 

Wer den ersten Grad, den des Baccalarius in artibus oder artium, er- 
werben wollte (was freilich bei weitem nicht alle erstrebten, wie z. B. Heidel- 
berg beweist, über das wir genaue Angaben bei Toepke (s. u.) finden), musstc 



") Vgl. die Monumenta univ. Prag. T, 1, 35 ff.; Tomek, Geschichte der Prager Uni- 
versität, 1849, S. 17 ff. Wir bezeiclinen die Monumenta unten mit der Abkürzung MP. — 
') Tomek S. 25 f. 



112 

sich einem Examen durch vier Magistri, zu denen ala fünfter der Decau 
der Fakultät hinzutrat, unterziehen, üie Examina wurden viermal im Jahr, 
zur Zeit der Quatember (quator tempcra), abgehalten ; wir haben unten jedes- 
mal den betreffenden Tag nach unserer Bezeichnung mit dem Zusatz Q. an- 
gegeben; ihre Namen in den Mon. Prag, sind: 1. in Jeiunio oder examon 
quadragesimale oder quadragesimum, in die cinerum, der Mittwoch nach dem 
Sonntage Esto mihi ; 2. post pentecosten, der Mittwoch nach Pfingsten; 3. ante 
festum Michaelis; 4. ante nativitalem Christi oder Domini, der Mittwoch nach 
St. Lucientag (13. Dezember). Bedingung der Zulassung zu dem Examen 
war u. a., dass der Baccalariandus die vorgeschriebenen Vorlesungen gehört 
und die betreffenden Bücher gelesen hatte, was in der Kegel einen Zeitraum- 
von zwei Jahren erforderte; die Baccalariati sind also im allgemeinen zwei 
Jahre vor dem Examen immatrikuliert („intituliert"). Der Ausfall der Prüfung 
entschied über die Zulassung zu dem Grade, admissio ad gradum, unten 
abgekürzt durch adm. bezeichnet; die Gebühr für dieselben betrug 20 böhmische 
Groschen. Nach der Prüfung, wenn sie günstig ausgefallen war, konnte sich 
der Prüfling zur eigentlichen Promotion melden, durch welche die feierliche 
Ernennung zum Baccalarius in artibus erst stattfand, er assumsit gradum, pro- 
cessit ad gradum; dies musste binnen eines Vierteljahres nach der Prüfung 
geschehen. Bei diesem Akte musste der neue Baccalar eine vorgelegte Frage 
beantworten (determinare) und u. a. geloben, zwei Jahre an der Universität 
Vorlesungen unter Aufsicht eines Magisters zu halten; der Beginn seiner Vor- 
lesungen ist in den Monum. mit incepit (legere) notiert. So war der als 
Baccalar abgehende Scholar gewöhnlich vier Jahre an seine Universität ge- 
bunden, wenn nicht besondere Umstände eine Änderung herbeiführten. 

Wer einen höheren Grad erstrebte, musste nunmehr seine Studien eine 
Reihe von Jahren fortsetzen; fühlte er sich zu einem neuen Examen stark ge- 
nug, 30 hatte er sich unter ähnlichen Bedingungen zu melden. Bestand er die 
Prüfung, so erhielt er die Erlaubnis ohne Beschränkung Vorlesungen zu halten, 
die licentia docendi, er wurde Licentiatus. Die Gebühr betrug 38 Groschen 
(bei der juristischen Fakultät ein Schock Groschen). Wollte oder konnte der 
Licentiat Zeit und Geld daran wagen, so liess er sich bald nach der Erlangung 
des Licentiats zum Magister bestallen, was durch einen ähnlichen Akt wie 
bei dem Baccalar geschah. Die Licentiaten- und Magisterpromotion fand nur 
einmal im Jahre, gewöhnlich im Februar oder März, statt. 

Bekanntlich brach im Laufe der nächsten fünfzig Jahre nach der Stiftung 
der Universität zu Prag und in ganz Böhmen die politische Bewegung aus, 
welche gegen die Deutschen gerichtet war'"); sie gefährdete zwar nicht den 
Bestand der Universität, aber hatte schwere Folgen in Bezug auf ihren Besuch. 
Sämtliche Mitglieder der Schule waren nach ihrer Herkunft eingeteilt in vier 
Nationen, die böhmische, sächsische, bairische und polnische, nach denen in 
allen Angelegenheiten gestimmt wurde; in der Matrikel der Juristen ist bei 
Aufnahme eines Scholaren jedesmal bemerkt, welcher Nation er sich anschliesse. 

'") Vgl. Toniek. S. '.» ii. 47 ff.; Ilöflor, Ma:^. Joli. IIu3 inul der .Vbziig der deutschen 
Professoren und Ötudenteu aus Prag. 1»G4, S. 117 ff. 



113 

Der Umstand, dass die Deutschen im Besitze von zwei Stimmen waren und 
in der polnischen Nation, die auch die östlichen Gebiete Deutschlands umfasste, 
das Übergewicht besassen, empfanden die im Anfange an Zahl zurückstehenden 
Böhmen als Unrecht, da sie, die Landeskinder, sich den Beschlüssen von Aus- 
ländern unterwerfen mussten und namentlich mancherlei pekuniäre Vorteile, 
Teilnahme an den sog. KoUegiaturen, Pfründen u. s. w. in deutschen Händen 
sahen. Schon 1371 hatte sich diese Stimmung von ferne gezeigt; heftiger und 
erfolgreicher wurde der Angriff der Böhmen im Jahre 13S4, als es sich um 
den Genuss der für die Professoren gestifteten Kollegien handelte; der Streit 
zog sich durch mehrere Jahre hindurch und endete mit einem Siege der Böhmen. 
Dieser Umstand verleidete schon damals manchem deutschen Lehrer den weiteren 
Aufenthalt zu Prag, und auch nicht wenige deutsche Scholaren verliessen die 
ungastlich gewordene Stadt, wie es in viel höherem Grade im Jahre 1409 
geschah. Dazu trat, dass eben um diese Zeit rasch hintereinander in den Rhein- 
landen zwei, in Erfurt eine dritte Universität gegründet wurde, welche den 
Bewohnern des westlichen Deutschlands die weite Reise nach dem Osten über- 
flüssig machten. So verliessen viele Baccalare vor Ablauf ihrer zweijährigen 
Thätigkeit Prag, und bald hört der Besuch desselben fast ganz auf. Vgl. unsere 
chronologische Aufzählung. 

Die Entscheidung der Frage, ob ein Scholar, der in den MP. genannt ist, 
hierher gehöre, ist oft nicht leicht. Abgesehen von den Irrtümern in der 
Namensschreibung oder von Auslassungen (vgl. II, 4) ist vielfach das Heimats- 
land nicht durch Angabe der Diözese oder des Territoriums bestimmt und so bei 
der Gleichheit vieler verschiedenen Ortsnamen nicht zu erkennen, wohin jeder 
zu setzen ist. "Wir haben uns daher bei unserer Zusammenstellung auf die 
unbedenklich oder doch wahrscheinlich als sicher hierher zu rechnenden Namen 
beschränken zu müssen geglaubt, zweifelhafte mit einem * bezeichnet, andre 
haben wir ganz ausgeschlossen. Zu diesen gehört z. B. N. de Bielstein 
1376 (MP. I, 1, 172), Conr. de Bredescheyt 1368 (MP. I, 1, 136); Camp ist 
höchst verdächtig, da gleich nach der Nennung des Andr. de Camp 1399 eben- 
derselbe Andr. de Kam heisst (MP. I, 1, 354 und 355); dadurch wird ein 
zweites Camp 1369 verdächtig; es mag damit Cham in der Regensburger 
Diözese gemeint sein. Und ähnlich bei einigen anderen Namen. 

Auf der andern Seite kann uns wohl ein Name entgangen sein, der 
vielleicht mit Bestimmtheit hierher zu rechnen ist, andere wie Hermannus Scul- 
teti 1377 (MP. H, 1, 64) haben wir nicht mitgezählt; vgl. No. IX ara Ende. 

A. Ordnung nach der Heimat oder den Geschlechtsnamen. 

I. Camberg: 1. 
Joan. Camberch, adm. ante festum nativitatis Christi, Q. 14. XU. 1379; 
determ, in die praecedenti (Dorotheae), 5. IL 1380. MP. I, 190. 192. 

II. Caub: 4. 
1. Remigius dictus Bruose de Cuba rector parochialis ecclesie in Cuba, 
dt. 14 gr., 1381, durch den Rector uuiversitatis iuristarum intituliert, gehörte 
zur natio Bavarorum. MP. II, 1, 08. 



114 

2. Joan. de Cuba, adra. in 4 temporibus po3t pentecosten, Q. 13. Mai 
1383, determ. 11. Juni 1383. MP. I, 1, 213. 214. 

3. Antonius Plecz de Cuba, adm. in Quadragesima, Q. 2. März 1384, 
determ. 26. April 1384. MP. I, 1, 220. 240. Der Name Pletz erscheint 
während des 14. u. 15. Jahrh. mehrfach am Mittelrhein, namentlich zu Lorch. 

4. Petrus Hebestrit von Caub findet sich in den MP. weder unter den 
Baccalaren in artibus, noch deu Juristen ver/eichnet, er wurde aber im Jahre 
1389 zu Heidelberg als Baccalarius Pragensis in die Matrikel eingetragen; er 
muss also dort entweder unter einem andern Namen verborgen sein, oder man 
hat dort vergessen ihn zu verzeichnen. "Wir setzen seine Prüfung und Zulassung 
in das Jahr 1388. Der Name Hebestrit kommt mehrfach in Caub vor, wie 
ein Henricus im Jahre 1324 in einer Eberbacher Urkunde bei Rössel, Eb. Urk. 
II, No. 837, ein Petrus in der Heidelberger Matrikel im Jahre 1428. 

III. Cronberg: 1, 

Jo. de Krooenberk, adm. ante festum Michaelis, Q. 17. September 1382. 
MP. I, 1, 208. Domherr zu Mainz 1410 und Scholasticus zu Aschaifenburg;, 
t 20. April 1439. Joannis II, 349. 

*IV. Griesheim: 2. 
*1. Erhard US de Grysheim, determ. 11. HL 1375. MP. I, 1, 1G4. 
*2. Eghardus de Orisheym als Baccalarius in iure von dem Rector uni- 
versitatis iuristarum eingetragen 1386. MP. U, 1, 13. 

V. Hachenburg: 1. 

Conrad US Ilachinberg, adm. in 4 temporibus post pentecosten, Q. 20. Mai 
1377, determ. in die nativitatis Jo. Baptistae, 24. Juni 1377 [Hachemburg]. 
MP. I, 1, 176. 177. Licentiatus 1383, incepit 10. Februar 1383. MP. I, 1, 
212. 210. Es ist zu vermuten, dass dieser Conradus auch den Magistertitel 
zu Prag angenommen und wahrscheinlich einige Zeit daselbst gelehrt hat. Denn 
im Jahre 1405 wird ein Conradus dictus Smecke de Hachenberg Colon, dioc, 
Pastor in Reyd, magister artium Pragensis zu Köln immatrikuliert. Beide sind 
sicherlich dieselbe Person, in Köln ist noch der Familienname hinzugefügt. 

VI. Herborn: 1. 

Joan. Hernborn, adm. in Jeiunie, Q. 19. Februar 1388. MP. I, 1, 258. 
Heruboru statt Herboru auch in der Erfurter Matrikel 1457 und 1470. 

VII. Königstein: 1. 

N. de Frankenfordia, adm. in quatuor temporibus ante uativitatem Christi, 
Q. 14. Dezember 1384. MP. I, 1, 225. Nicolaus Künigstein de Frank- 
furdia vom Rectur univeraitatis iuristarum iiitituliort 1385, nat. Bavarorum. 
MP. H, 1, 73. 



115 

VIII. Lahnstein : 1. 
Araoldu3 de Lanstein vom Rector iuristarum intituliert 1372, nat. Ba- 
varorum. MP. II, l, 58. 

IX. Limburg: 7, 

Es entspricht ganz der hohen Blüte, die wir nach der Limburger Chronik 
für die Stadt Limburg im 14. Jahrhundert voraussetzen dürfen, wenn von hier 
aus eine grosse Anzahl junger Männer die Hochschulen aufsuchte, zunächst 
am Ende dieses Jahrhunderts Prag, dann Köln, Heidelberg und namentlich 
Erfurt. Wie der Reichtum der Bürger hinreichende Mittel bot, so versprach 
das S. Georgenstift den Geistlichen Aussicht auf eine angesehene Stellung in 
der Vaterstadt. Wenn auch nicht von allen mit Limburg oder de Limburg 
bezeichneten Scholaren die Herkunft aus der Lahnstadt sicher nachweisbar ist, 
so haben wir doch keinen ausschliessen wollen. 

1. Hartungus de Lirapurg, adm. in die cinerum, Q. 26. Februar 1382. 
MP. I, 1, 205. Vom Rector universitatis iuristarum im Jahre 1385 intitu- 
liert, nat. Bavarorum. MP. H, 1, 73. Im Jahre 1387 zu Heidelberg als Har- 
tugus (sie) de Limpurg baccalarius in artibus in die Matrikel eingeschrieben. 
Den Namen Härtung führte eine angesehene Familie zu Limburg; den Schult- 
heiss Härtung (um 1350) „acht man vur den aller wisesten leyen (Laien) in 
allen diesen landen*. Limburger Chronik, Wyss, S. 47, 16. 

2. Joannes Lympurch, adm. in Jeiunio, Q. 11. Februar 1383; determ. 
Joan. de Limpurg den 1. März 1383. MP. I, 1, 24. 210. Vielleicht derselbe, 
welcher 1387 in Heidelberg immatrikuliert und als vierter Baccalarius iuris 
dieser Universität eingetragen ist. S. Heidelberg. 

^ P ° [ adm. in quatuor temporibus ante festum nati- 

4. Hermannus Lyntpurg ) 

vitatia Christi, Q. 14. Dezember 1284. MP. I, 1, 225. Die ältere Schreibung 
Lintburg kommt in Limburger Urkunden und anderen Aufzeichnungen des 
14. Jahrhunderts nicht mehr vor, wohl aber unzweifelhaft z. B. in der Heidel- 
berger Matrikel 1412 und 1415: Lintburg Treverensis diocesis. 

5. Joan. Clen, adm. in examine quadragesimali, Q. 27. Februar 1387. 
MP. I, 1, 152. Von dem Rector univers. iuristarum intituliert als J. de Cleea 
im Jahre 1387; nat. Bavarorum. MP. H, 1, 75. Dieser Johannes Cleen wurde 
im Jahre 1389 zu Heidelberg als Joh. de Cleen vicarius ecclesie Limburbgensis 
(sie) baccalarius in artibus zugleich mit anderen Söhnen der Stadt immatri- 
kuliert. Ober (und Nieder-) cleen, woher er oder seine Eltern stammten, lag 
in der Herrschaft Cleeberg, die den Herren von Limburg gehörte; vgl. Vogel, 
Beschreibung des Herzogtums Nassau, S. 265. Joh. von Cl. kommt im Jahre 
1392 als Vicar des S. Georgenstifts und Notar zu Limburg vor. Wyss, Limb. 
Chron. S. 11. Ein Ilelfricus de Kleen oder Cleyn wird 1386 als Baccal. art. 
und 1387 ebenfalls als Studiosus iuris genannt. MP. I, 1, 237; H, 1, 75. 

6. Joan. Sculteti ) i t- . ^ r\ ^ • /-»in \f„-, 
^ ^ , o ,. . de Limporg, adm. m Quadragesima, Q. 10. März 

7. Gerlacus Sculteti i ^ ° 

1389. MP. I, 1, 262. Diese beiden gehören der angesehenen Familie Schul- 



116 

theiss zu Limburg an, von welcher einzelne Glieder in der Limburger Chronik 
erwähnt werden; vgl. Wyss S. 70 und 102. Beide verliessen Prag noch in 
demselben Jahre und setzten ihre Stadien zu Heidelberg fort. Gerlach heisst 
hier vicarius eccl. Limburgensis und wurde später Dekan des Stifts (1425—1435); 
Götze, Annalen XIII, 325. Johann wird in der Heidelberger Matrikel cano- 
nicus Novi monasterii Herbipolensis genannt, aber sein Name steht hier zwischen 
dem Joh. de Cleen und Gerlach, auf den ein vierter, unzweifelhaft Limburger 
Scholar folgt, sodass aus dieser Reihenfolge auf eine gleiche Herkunft ge- 
schlossen werden darf; Johann und Gerlach waren wohl nahe verwandt. Dass 
ersterer sich nach Würzburg gewandt hatte, mag darin seinen Grund gehabt 
haben, dass ein Bruder des Herrn Gerlach HI, Rudolf von Limburg, im Jahre 
1353 Domherr zu Würzburg geworden war und dort eine einflussreiche Stellung 
"ewann; er wurde bald Archidiakon und mag den jungen Johann Schultheiss 
nach sich gezogen haben, den er als Knaben kennen gelernt und als tüchtig 
gefunden hatte. Vgl. Wyss, Limb. Chron. S. 41. 

Derselben Familie kann angehört haben ein Hermannus Sculteti, der im 
Jahre 1377 unter die Juristen aufgenommen wurde. MP. H, 1, 64. Doch 
fehlt hier die Angabe der Herkunft. 

Schliesslich bemerken wir, dass es in Limburg auch eine Familie (de) 
xMontebur gab. Wyss S. 102, 4. Es wäre demnach möglich, dass von den 
unter Montabaur aufgezählten Baccalaren einer oder der andre nach Limburg 
verwiesen werden müsste. In den beiden Fällen würde sich die Zahl der 
Limburger, die zu Prag studiert haben, bis auf zehn steigern können. 

Über Henricus de Wolfhagen s. die Kölner Matrikel unter Limburg. 

X. Lindau: 2. 

1. Joan. Lindow, adm. in die cinerum, Q. 26. Februar 1382, determ. 
16. März 1382. MP. I, 1, 204. 205. Licentiatus am 3. März 1384. MP. I, 
1, 219. Bei Joannis, Scr. rer. Mog. II, 380, wird Joannes de Lindau als 
Canonicus eccl. maioris a. S. Victoris zu Mainz und als Cantor ad D. Joannem 
aufgeführt; er starb nach ihm im Jahre 1448. 

*2. Mathias Lindowe, adm. statim post festum pontecostes, Q. 5. Juni 
1.392. MP. I, 1, 276. 

XI. Montabaur: 5. 

Über die Scholaren von Montabaur s. die Bemerkung zu Limburg a. Ende. 
Doch weist diese Stadt namentlich im folgenden Jahrhundert eine stattliche 
Anzahl von Scholaren, besonders zu Erfurt, auf. 

1. Jo. de Montebur, adm. in 4 temporibus ante nativitatem Domini, Q. 
10. Dezember 1377. MP. I, 1, 179. 

2. Arnoldus de Montebur, adm. ante festum Michaelis, Q. 17. September 
1382. MP. I, 1, 208. 

3. Hermannus Montebur, adm. circa festum Michaelis, Q. 19. September 
1384. MP. r, 1, 222. Ob von Limburg':' 



117 

4. Joan. Montebur, adm. circa festum Michaelis, Q. 19, September 1386. 
MP. I, 1, 246. Ist wohl derselbe, welcher als Jobannes Lapicida de Monte- 
bur Treverensis dyoc. baccalarius in artibus im Winter 1387 — 1388 zu Heidel- 
berg immatrikuliert wurde. Ein Scholar gleichen Namens, ebenfalls Baccalar, 
wurde 1396 zu Köln immatrikuliert. 

5. Gerlacus de Montebur, adm. ante festum Michaelis, Q. 20. September 
1391. MP. I, 1, 273. Ob von Limburg? 

XII. Mudersbach: 1. 
,To. de Muderspach, adm. in capite Jeiunii, Q. 22. Februar 1385. MP. 
I, 1, 228. Einen Johann aus dem alten missauischen Geschlecht v. M. kennt 
Arnoldi, Mise. S. 315, in den Jahren 1381 — 1391. 

XIII. Nassau: 1. 
TIenricus Nassawer, deiorm. 28. Januar 1369. MP. I, 1, 139. 

XIV. Rüdesheim: 1. 
Ilenricus ^lartini de ^Yemdi^g, Joannes Thomae de Rudesheym, baccal. 
Viennenses, postquam respondissent ad quaestionem secundum consuetudinem 
facultatis artium docuissentque sufficiente teatimonio se esse baccalarios assumti 
sunt in consortium baccalariorum nostrorum feria sexta post Magdalenae 
(27. Juli) 1445. MP. I, 2, 26. 

XV. Scharfenstein : 1. 
Bruno Scharffenstein, adm. in 4 temporibus post pentecosten, Q. 20. Mai 

1377. MP. I, 1, 176. Von dem Rcctor unir. (iuristarum) intituliert im Jahre 

1378, nat. Bavarorum. ^IP. II, 1, 65 (de Sarfenstein). Er besuchte im Jahre 
1381 Bologna, 1387 Heidelberg. Vgl. Bologna. 

*XVI. Wanscheid: 1. 
Ilenricus "Whenscheid, adm. ante festum Michaelis, Q. 16. September 
1383. MP. I, 1, 216. Zweifelhaft ist es, ob er zu dem damals in Limburg 
ansässigen Geschlecht der Köth von "Wanscheid gehört; die Limburger Chronik, 
S. 101, Wyss, nennt einen Heinz, 

XVII. Weilburg: 1. 

Ilartungus Wylburg, adm. circa festum ^[ichaelis, Q. 20. September 1385. 
MP. I, 1, 232. Ein Ilartungus sei., Scholemeyster des Stifts zu Weilburg, 
wird 1397 bei Würdtwein, nov. subs. IV, 199, genannt. 

Ein Joannes Wilborg de Praga ist 1391 unter den Baccalaren iuris und 
1397 Dns. Joannes Weylburg unter den Licentiaten iuris verzeichnet, hier 
als prctonotarius maioris civitatis Pragensis. MP. H, 1, 16. 6. Unter den von 
dem Rektor der juristischen Fakultät eingetragenen Namen findet sich dieser 
Scholar nicht. Man darf wohl die Vermutung aufstellen, dass er eine Person 
mit obigem Härtung ist, der dann den Vornamen Johann geführt, in Prag 
seine Studien fortgesetzt und ein städtisches Amt übernommen hätte. 



118 



B. Chronologfische Abfolge. 




1. 



2 

♦3. 
4. 

5. 



7. 
8. 
9. 

10. 



1369 
1372 
1375 
1377 

1377 

1377 
fl377 
1379 
1381 
1382 

1382 



11. 


1382 


12. 


1382 


13. 


1383 


14. 


1383 


♦15. 


1383 


16. 


1384 


17. 


1384 


18. 


1384 


19. 


1384 


20. 


1384 


21. 


1385 


22. 


1385 


23. 


1386 


♦24. 


1386 


25. 


1387 


26. 


[1388] 


27. 


1388 


28. 


1389 


29. 


1389 


30. 


1391 


♦31. 


1392 


32. 


1445 



Henricus Nassawer, Bacc. art., determ. 28. I. . . . 

Arooldua de Lanstein, Stud. iuris 

Erhardus de Grysheim, Bacc. art., determ. 11. DI. . . 

Conradus Hachinberg, Bacc. art, adm. Q. 20. V., dt. 24. VI. 

„ „ Licent. art. 1383, incepit 10. 11. . 

Brune Scharffenstein, Bacc. art., adm. Q. 20. V. . . 

Bruno Sarffenstein, Stud. iuris 1378 

Joann. de Montebur, Bacc. art., adm. Q. 16. XII. . . 

Henricus Sculteti, Stud. iuris] 

Joann. Cambercb, Bacc, art., adm. Q. 14. XII., dt. 5. II. 1380 

Remigius Bruose de Cuba, Stud. iuris 

Hartungus de Limpurg, Bacc. art., adm. Q. 26. 11. . 

„ „ „ Stud. iuris 1385 

Joann. Lindow, Bacc. art., adm. Q. 26. 11., determ. 16. III. 

„ „ Licent. art. 3. III. 1384 

Joann. de Kronenberk, Bacc. art., adm. Q. 17. IX. . . 
Arnoldus de Montebur, Bacc. art., adm. Q. 17. IX. . . 
Joann. Limpurch, Bacc. art., adm. Q. 11. U., dt. 1. III. 
Joann. de Cuba, Bacc. art., adm. Q. 13. V., determ. 11. VI. 
Henricus Whenscheid, Bacc. art., adm. 16. IX. . . . 
Antonius Plecz de Cuba, Bacc. art., adm. Q. 2. III., dt. 26. IV. 
Hermannus Montebur, Bacc. art., adm. Q. 21. IX. . . 

N. Lyntburg, Bacc. art., adm. Q. 14. XII 

Hermannus Lyntburg, Bacc. art., adm. Q. 14. XH. . . 
N. de Frankenfordia, Bacc. art., adm. Q. 14. XH. . . 
Nie. de Künigstein de Frankenfordia, Stud. iuris 1385 . 
Joann. de Muderspach, Bacc. art., adm. Q. 22. H. . . 
Hartungus Wylburg, Bacc. art., adm. 20. IX. . . . 

♦Joannes Wilborg, Bacc. iuris 1391 

♦Joann. Weylburg, Licent. iuris 1397 

Joann. Montebur, Bacc. art., adm. Q. 19. IX 

Eghardus de Grisheim, Bacc. iuris 

Joann. Clen, Bacc. art., adm. Q. 27. II 

„ Cleen, Stud. iuris 1387 

Petrus Hebestrit de Cuba, Bacc. art., adm. Q. — . . 

Joann. Hernborn, Bacc. art., adm. Q. 19. U 

Joann. Sculteti de Limpurg, Bacc. art., adm Q. 10. UI. 
Gerlacus Sculteti de Limpurg, Bacc. art., adm. Q, 10. IH. 
Gerlacus de Montebur, Bacc. ar.\, adm. 20. IX. . . . 

Mathias Lindowe, Bacc. art., adm. 5. V 

Joann. Thomae de Rudesheim, Bacc. Vienn.. 27. VII. . 



XIH, 1. 

vm. 

IV, 1. 
V. 



•n 

XV. 



XI, 1. 

IX. Ende 

I. 

II, 1. 

IX, 1. 



X, 1. 

IH. 

XI, 2. 
IX, 2. 
II, 2. 
XVI. 
H, 3. 
XI, 3. 
IX, 3. 
IX, 4. 

VH. 

n 
XII. 

xvn. 



XI, 4. 
IV, 2. 
IX, 5. 

» 

n, 4. 

VL 
IX, 6. 

IX, 7. 
XI, 5. 

X, 2. 
XIV. 



119 



Als Bacc. art. sind verzeichnet . 

Dazu ein Wiener Bacc. aufgenommen 

Davon wurden Licent. art. 
„ „ Stud. iuris 

Als Stud. iur. aufgenommen . . 
„ Bacc. iur. „ . . 

„ » n weiter verzeichnet 

- Lic. iur. verzeichnet . . 



. 28 




1 






2 (No. 4. 10). 




4 (No. 5. 9. 20. 25) 


. 2 


(No. 2. 8). 


. 1 


(No. 24). 


— 


1 (No. 22). 




1 (No. 22). 



32 I 8 



Iir. Heidelberg, gestiftet 1386. 

Für die Universität Heidelberg bedarf es keiner längeren Vorerinnerung. 
Ein reichliches Material bietet die sorgfältig ausgearbeitete Matrikel der Univer- 
sität von G. Toepke, 3 Bände, Heidelberg 1884 — 1893, und über die Einrichtung 
und den Studiengang A. Thorbecke, Geschichte der Univ. Heidelberg, Abt. I, 
Heidelberg 1886. Was über die akademischen Grade bei Prag gesagt ist, 
gilt im ganzen auch hier, nur dass seit dem Jahre 1454 die Prüfung zum 
Baccalariat in der Artisten-Fakultät sich spaltete nach den zwei Hauptrich- 
tungen der scholastischen Philosophie, dem Nominalismus und Realismus, in 
denen je zweimal im Jahr examiniert wurde, in diesem, der via antiqua, 
gewöhnlich im Mai und November, in jenem, der via moderna, im Januar und 
Juli. Wir haben beide nach Toepke I, S. XI. XII. mit v. ant. und v. mod. 
bezeichnet. Ausserdem ist der Matrikel ein dt. zugefügt oder st. (solvit), wenn 
der neue Scholar die Gebühren für Immatrikulation (Intitulation) gezahlt hatte, 
anfangs 12 Pf. (= 1 Turnos), schon 1387 erhöht auf 24 Pf. und 4 Pf. für 
den Pedellen; mehr zu geben stand frei, arme Scholaren zahlten nichts (be- 
zeichnet mit p.); Toepke I, LI. Mit dem Buchstaben T. haben wir die ge- 
nannte Matrikel von Toepke bezeichnet. Ein * vor dem Namen deutet auch 
hier an, dass es zweifelhaft ist, ob derselbe hierher gehört. Andere Abkürzungen 
erklären sich von selbst. 

A. Ordnung: nach der Heimat oder den Geschlechtsnamen. 

Rektoren. 

1. Nycolaus de Cuba, in iure canonico licentiatus et in legibus bacca- 
larius, decanus s. Victoris extra muros Moguntinenses, erwählt am 22. Juni 
1398. Wegen einer Reise nach Rom, die er wohl als Kanzler des Erzbischofs 
von Mainz am 13. September unternahm, legte er sein Amt vor dem bestimmten 
Termine, 20. Dezember, nieder. T. I, 67. 68. Bei der Immatrikulation 1391 
(vgl. IX, 5) heisst er Nycl. Yerenkorn, bei der Promotion zum Licentiaten des 
kanonischen Rechts Firnkorn. Firnkorn (Firnekorn) = Getreide von vorigem 
Jahr, Grimm, Deutsches Wörterb. III, Sp. 1076. 

8* 



120 

2. Mag. Johannes (Rukerus de) Lansteyn [Obertahnstein], Licent. 
in decretia, erwählt am 22, Juni 1420, legte bald sein Amt nieder, weil er 
von dem Erzbischof Konrad von Mainz an seinen Hof und in seinen Rat be- 
rufen wurde; sein Nachfolger wurde am 17. Juli erwählt. T. I, 147 f. 
Immatr. 1414. Vgl. LIX. 

3. Mag. Heinricus de Lymburg, sacre theologie baccalarius, 19. De- 
zember 1433 bis 23. Juni 1434. T. I, 199. 201. Immatr. 1417. Vgl. L, 5. 

4. Adolffus comes in Nassauwa, Moguntinensis, Treverensis, Coloniensis 
ecclesiarum canonicus (am Rande: postea archiepiscopus Maguntinensis), 20. De- 
zember 1443 bis 23. Juni 1444. T. I, 240. Immatr. am 23. Dezember 1441. 
Vgl. LVI, 3. Ehrenrektor; vgl. Thorbecke S. 38, Anm. 12. 

5. Mag. Rudolffus Fabri de Rudesheym, in theologia licent., 19. De- 
zember 1450 bis 23. Juni 1451. T. I, 265. Immatr. 142G. Vgl. LXVI, 5. 

Scholaren. 

I. Asmannshausen, frtlher Hasemanshusen: 4 (1390—1471).") 

1. Johannes dictus Meyster de Hasemanshusen, dt., 16. XH. 1389 
bis 24. m. 1390. T. I, 41. 

2. Ludovicus de Haesmanshusen Magunt. dyoc, dt., nach dem 28. X. 
1422. T. I, 157. 

3. Johannes Hubenryszer de Haszmanszhusen und 

4. Herdonus Straszburger de Haszmanszhusen Maguntinensis dyoc., 
13. X. 1471. T. I, 334. Joh. „Hubenrisser" Bacc. art. v. ant. 4. VI. 1473; 
„Herdanus Straussburg" Bacc. art. v. ant. 28. VI. 1474. Henrich Haubreisser 
Unterschultheiss zu Assmaishausen 12. XII. 1589 bei Roth, fönt. Nass. I, 2, 319. 

II. Bachheim: 1 (1397). 

Tholmannus de Bacheim Trever. dioc, dt., 20. XII. 1396 bis 23. VI. 1397. 
T. I, 64. 

III. Bftrstadt: 1 (1498). 

Nicolaus Wilhelmi de Berstat Mogunt. dioc. 3. XH. 1498. T. I, 431. 
Ein Pfarrer Wilhelmus Wilhelmi von Bärstadt zu Rauenthal 1472, 1482, 1491. 
Zaun, Beiträge zur Geschichte des Landkapitels Rheingau S. 117. 108. 
Toepke UI, 567 hält den Ort für das hessische Berstadt oder pfälzische Börr- 
stadt. Vgl. das Register in Bd. III. 

*IV. Beilstein: 1 (1400). 
*Henricus Bijlsteyn, st, 23. VI. bis 20. XU. 1400. T. I, 76. Noch mehr 
sind zweifelhaft andre Beilstein. 



") Wenn der Rektor sein Amt im Dezember, gewöhnlich am 20. d. Mts., antrat, so 
haben wir die vor dem Antritt des Amtes bis zum folgenden Januar eingeschriebenen Scho- 
laren, deren immer nur wenige sein konnten, <la, wo ein bestimmter Tag «ler Immatrikulation 
nicht angegeben ist, in dieser kurzen Angabe, wie auch unten in dem ohronologisclien Ver- 



zeichnisse dem folgenden Jahre zugerechnet. 



121 

V. Bleidenstadt: 3 (1405-1473). 

1. Jacobus Blidenstat clericua Mogunt. dyoc, dt, 20. XII. 1404 bis 23. YI. 
1405. T. I, 96. 

2. Jobannes Blidensteder, dt, 23. VI. bis 20. XII. 1421. T. I, 156. 

3. Johannes Scoenborren de Blidenstaed dyoc. Magunt.; 12. XII. 1458. 
T. I, 295. Job. Schoneborn de Blydenstat immatr. zu Erfurt 1455 M., Abt 
zu Bleidenstadt Joh. v. Schünborn 1444 — 1473. 

VI. Braubach: 3 (1392-1437). 

1. Johannes de Brubach Trever. dioc, 10. X. bis 11. XII. 1392. T. I, 53. 

2. Petrus Kauwerczan de Brubach dioc. Trever. dt., 20. XII. 1412 
bis 23. VI. 1413; „Sigelinus" bacc. art VH. 1414. T. I, 119. Kauwerzin, 
Caorsinus, Cauercrinus ist der Xame für einen ausländischen,, gewöhnlich ita- 
lienischen Kaufmann oder Wechsler, benannt nach der Stadt Cahors, der Haupt- 
stadt der Landschaft Cahourcin, später Quercy. Lexer; Büsching IV, 236. 

3. Engelberchtus de Brubach, dt, 20. Xn. 1436 bis 22. VI. 1437. 
T. I, 214. 

VII. Breithart: 3 (1442-1472). 

1. Adolf US de Breithart, capellanus altaris b. Virginis ibidem, der. Mogunt. 
dioc, dt., 20. XU. 1441 bis 23. VL 1442. T. I, 233. Er ist wohl eben der- 
selbe, welcher nachher zu hohen Ehren emporstieg: Magister coquine (Küchen- 
meister), Provisor und Official des Mainzer Erzbischofs zu Erfurt (als Mag. 
coquine Hess er sich im Jahre 1456 zu Erfurt in die Matrikel eintragen), 1465 
Decan eccl. B. Mariae ad gradus zu Mainz, 1468 Scholasticus ad D. Petrum 
und 1469 ad gradus, zuletzt Rat und Kanzler des Erzbischofs Berthold; f 24. 
Vn. 1491. Joanuis, rer. Mog. 11, 504. 675. 680; Gudenus, Syll. 591. 

2. Johannes Schultheti de Breithartt der. Mag. dyoc. 28. LH. 1471. 
T. I, 333. Zu Erfurt immatr. ein gleichnamiger Scholar 1463. 

3. Adolffus de Bryttert der. Magunt. in die commemoracionis s. Pauli, 
30. VL 1472. T. I, 338. 

VIII. Bubenheim: 2 (1405. 1487). 
*1. Gerardus Rolemanni de Bohenheim Trever. dioc, dt, 23, VI. bis 
19. xn. 1405, T. I, 98. 

2. Johannes Specht de Bubenheim, canonicus s. Albani et Steffani 
Mogunt dvitatis et dyoc 10. VU. 1487. T. I, 387. — Bd Joanuis U, 400 
und 796 als canonicus maioris eccl. (1490) und custos S. Albani verzeichnet; 
t 16. V. 1524. 

Camberg s. Dalheim. 

IX. Caub: 32 (1388-1492). 
1. Heinricus Kerne de Cuba, st, 23, VI, bis 10. X. 1388. T. I, 33.' 
Vgl. No. 3. 21. 



122 

2. Petrus Hebestrit bachal. Pragensis de Cuba, 10. X. bis 16. XII. 

1389. T. I, 39. Vgl. Prag. 

3. Petrus de Cuba dictus Kern, p., 10. X. bis 16. XII. 1389. T. I, 
40. Ygl. Xo. 1. 

4. Fridericus deHubenhaere de Cuba, dt., 16. XII. 1389 bis 24. III. 

1390. T. I, 44. 

5. Dom. Nyeholaus Yerenkorn de Cuba, mag. in artibus et bachal. 
in utroque iure. Nichil fuit receptum ob reverentiam persone et quia facta 
aniversitatis apud dominum Maguntinum consuerit promovere. Postea licentiatua 
in iure canonico in studio isto (die vierte Promotion, die überhaupt stattfand; 
T. II, 524). 23. YI. bis 10. X. 1392. Decan zu S. Victor in Mainz, Canonicua 
zu S. Barthol. in Frankfurt und Kanzler des Erzbischofs zu Mainz. Joannis, 
rer. Mog. 11, 627; Gudenus, Syll. 514. Rektor 1398; 3. o. 

6. Anthonius de Cuba, dt., 23. VI. bis 20. XII. 1393. T. I, 55. 

7. Johannes filius cellerarii de Cuba Trever. dyoc, dt., 19. XII. 1394 
bis 23. VI. 1395. T. I, 58. 

8. Anthonius de Cuba Trever. dyoc, p., 20. XII. 1398 bis 23. VI. 

1399. T. I, 69. 

9. Gerlacus dictus Grans de Cuba, dt., 20. XII. 1399 bis 23. VI. 

1400. T. I, 71. Eine Notiz unter einem Verzeichnis im Jahre 1417 geschenkter 
Bücher, und zwar nach zwei juristischen, besagt: Gerlacus de Cuba tenetur 
solvere XX florenos. T. II, 693. Der Name Grans auch No. 16. Es gab 
auch eine Adelsfamilie Grans von Reinberg. Vogel, Beschr. 603. 

10. Nycolaus Henbuel de Cuba \ Trever. dyoc, dt., 20. XII. 1399 

11. Anthonius Alberti de Cuba | bis 23. VI. 1400. T. I, 72. 

12. Johannes Enolfi de Kuba, dt.; 20. XÜ. 1399 bis 23. VI. 1400. 
T. I, 72. 

13. Johannes Otto de Cuba, dt., 20. XII. 1399 bis 23. VL 1400. T. I, 73. 

14. Enolffus de Cuba, frater eins, « » n » n n 

15. Henricus Petri Sneplock Trever. dyoc, dt., 20. XII. 1404 bis 
23. VI. 1405. T. I, 96. Der Name des Heimatsortes ist nicht zugefügt; nach 
No. 19. 25. 26. scheint er ohne Zweifel Caub zu sein. 

16. Symon Grans de Cuba, dioc Trever., dt, 20. XH. 1408 bis 22. 
VI. 1409. T. I, 109. Er war wohl schon Bacc. art. Erfurtens, wo er 1407 
immatrikuliert wurde. Baccalarius in iure canonico in profesto Margarete vir- 
ginis (12. VII.) 1412, Licentiatus in iure canon. 6. Okt. 1418. T. 11, 503. 
525. Vgl. No. 9. 

17. Ilenrici de Cuba plebanus in Rinbullen [Rheinböllen] Mogunt. dioc. 
baccal. artium, dt., 19. XII. 1411 bis 23. VI. 1412. T. I, 117. 

18. Anthonius de Cuba Trever. dioc, dt., 23. VI. bis 20. XII. 1414. 
Bacc art. Januar 1416. T. I, 123. 

— Nie de Erbach ord. Cist. Cubensis 1416. 8. Eberbach No. 6. 



Seil. Schneblock, 22. VIH. bis 
2. Xn. 1443. T. I, 238. 



123 

10. Jühanes Sneplock de Cuba Trever, dyoc, dt., 20. XII. 1419 bis 
22. VI. 1420. T. I, 146. Vgl. No. 15. 

20. Herburdus de Cuba der. Trever. dyoc, p., 23. VI. bis 21. VIII. 
1424. T. I, 162. 

21. Petrus Kern de Cuba der. Trever. dyoc, p., 21. IX. bis 11. XI. 
1424. T. I, 163. Vgl. No. 1. 

22. Theodricus Scriptoris de Cuba, dt, 4. IV. bis 23. VI. 1428. 
T. I, 177. 

23. Petrus Hebstritt de Cuba der. dyoc. Trever., dt., 4. IV. bis 22. VI. 
1428. Bacc. art. 28. I. 1430. Vgl. No. 2. 

24. Nicolaus de Kuba, dt., 23. VI. bis 30. VHI. 1436. Bacc. art. 
8. VII. 1439. T. I, 212. 

25. Petrus de Cuba, dt., Bacc. art. 
(Petr. Schneblung) 15. VH. 1445. 

26. Johannes de Cuba, dt., 

27. Girlacus de Kuba, p., 21. VI. bis 20. XII. 1445. T. I, 246. Girlacus 
Sartoris zu Erfurt 1444? — 

28. Anthonius Rasoris (Scherer) de Cuba dyoc. Trever. 3. III. 1461. 
T. I, 303. Zu Erfurt 1458? — 

29. Heumannus de Cuba 13. VII. 1466. Bacc. art. v. mod. 13. VE. 
1468. T. I, 318. 

30. Arnoldus Well de Cuba Trever. dioc, 4. X. 1475. Bacc. art. v. 
ant. 22. V. 1477. T. I, 346. 

31. Paulus Lisheit de Cuba VI. Kai. Maij (27. IV.) 1476. T. I, 349. 
Ein Petrus Liszheit de Kuba zu Erfurt 1467. 

32. Johannes Germeszheim de Cuba Mogunt. dyoc. 7. VI. 1492. 
T. I, 402. Ein Petrus und Nicolaus de Germersshejm de Cuba zu Erfurt 1465. 
Wenn es aber an unserer Stelle heisst: Mogunt. dyoc, so beruht dies auf 
einem Irrtum des Schreibers, da weder Caub noch Germersheim der Mainzer 
Diözese angehörten, sondern der Trierer und Speierer. Die Germersheim waren 
ein aus der gleichnamigen Stadt der Pfalz nach Caub eingewandertes Geschlecht. 



X. Cronberg: 13 (1394-1490). 

Bei der Schwierigkeit, Cronberg am Taunus, früher im Amte Königstein 
(nicht Homburg, wie es im Index bei Toepke heisst), jetzt Obertaunuskreis, 
von andern oder ähnlich lautenden Ortsnamen zu unterscheiden, haben wir 
auf die Gefahr hin einen Irrtum zu begehen, alle Namen mit Cronberg und 
Cronenberg aufgenommen, dagegen Cronnberg und Cronnenberg ausgeschlossen. 

1. Johannes Cronberg de Schonaugia de domo s. Jacobi dt., 23. VI. 
bis 19. XII. 1394. T. I, 57. über die domus s. Jacobi s. unter Eberbach. — 
Johannes war Mönch des Cisterzieuser-Klosters Schönau. 



124 

2. Petrus Walter! de Cronenberch, st., 23. VI. bis 20. XII. 1400. 
T. I, 76. Der Name Walter kommt in Cronberg oft vor, ebenso Franko, 
weshalb der als Franco Franconis unter demselben Datum, aber ohne 
Ortsbezeichnung, eingetragene Scholar ebenfalls hierher gerechnet werden 
könnte. 

3. Hertmannus de Cronenberg Mogunt. dioc, dt., 19. Xll. 1416 bis 
23. VI. 1417. T. I, 132. Auch der Xame Hartmann erscheint neben Hart- 
mut zu Cronberg mehrfach. 

4. Waltherus Franconis de Kronberg, dt., 20. XU. 1434 bis 23. VI. 
1435. T. I, 207. In Köln immatr. im Jahre 1438 zugleich, wie hier, mit 
dem Domicellas Walter von Eppstein. Vgl. XIX, 5. 

5. Wickherus Textoris (Weber) de Cronberg Mogunt. dyoc , dt., 20. XII. 
1435 bis 23. VI. 1436. T. I, 211. In Erfurt ein Wicherus von Stege 
de Cr. 1469. 

6. Johannes Werderower (Wetterauer?) de Cronberg dyoc. Mogunt., 
dt., 20. XII. 1435 bis 23. VI. 1436. T. I, 211. 

7. Nicolaus Mushert de Croenberch der. Mogunt. dioc, dt., 14. VIII. 
1448; , Mushart« Bacc. art. 26. I. 1450. T. I, 256. Lieent. art. 18. III 1452. 
T. II, 391. Zu Erfurt ein N. Munszhart 1453. 

8. Johannes de Cronenberg 13. I. 1464. Bacc. art. v. mod. 18. I. 
1466. T. I, 309. Lieent. in artibus 5. HI. 1469. Joh. Amsteg de Cronnberg, 
deterra. 5. feria post Judica (23. HI.) 1469. T. II, 404. 

9. Petrus Strydel de Cronenberg Mogunt. dioc. 14. XI. 1475. T. I, 348. 
Zu Erfurt immatr. Petrus Tridell de Kronberg (P. Stridel) 1472. 

10. Johannes Koufleib de Kronberg 17. IV. 1477. T. I, 353. 

11. Johannes Körper de Kronbergk der. Mogunt. dioc. 8. X. 1486. 
T. I, 384. 

12. Johannes Willau (Wallau) de Cronberg Magunt. dyoc. 5. V. 1490. 
T. I, 396. 

13. Johannes Kronenberg fehlt in der Matrikel, ist aber als Bacc. v. art. 
16. XI. 1454 von T. II, 876 notiert, hat also etwa 1452 die Universität 
bezogen. 

XI. Dalheim (Thalheim): 1 (1498). 

Dom. doctor Joannes de Dalheym Trever. dioc. 23. VI. 1498. T. I, 
429. Joannes de Dahlheira, iur. utriusque doctor, praepositus Wctzlarieusis, 
metropolitanae Colon., CoUeg. B. Mariae Virginis Mogunt. et in monte Franco- 
furti, ibidem ad. S. Bartholom, necnon D. Petri in Saltza Canonicus, Mogunt. 
maioris Vicarius, Kanzler des Erzbischoffs zu Mainz 1500 — 1509 und 1514 bis 
1516; t im Dezember 1516. Gudenus, Syll. S. 536 ff. Daselbst auch 
die Grabschrift, in der es heisst : Joh. Dalheym ex Comberg [Camberg]. Nach 
Thorbecke, Anm. 282 zu S. 102 (S. 89*) hatte er seine Grade zu Siena in 
Italien (Diplom von 6. III. 1497j erworben. 



125 

XII. Dem: 1 (1402). 

Crafto (lo Dorn caDouicus Lymborgenis, dt, 23. VI. big 20. XI. 1402. 
T. I, 87. Aus dem Geschlecht der Freien von Dern, aus dem die Limburger 
Chronik einen Kölner Domherrn Graft im Jahre 1367 erwähnt. Wysa S. 56. 

XIII Dernbach: 1 (1402). 

Wigandus de Dernbach canonicus Mogunt., dt., 23. VI. bis 20. XII. 
l-i02. T. I, 87. Aus dem Geschlecht der von Dernbach; Arnoldi, Miscell. 
S. 239. Er ist bei Joannis II, 351 als Canonicus maioris eccles. Mog. 1399 
verzeichnet und starb 1427. Zu Erfurt immatr. 1400. 
Dietkirchen s. Miehlen. 

XIV. Diez: 5 (1415-1497). 

— Adum de Emprade s. Irmtraut. 

1. Wigandus Kesmenger de Diecz dyoc. Trever., dt., 20. XII. 1414 
bis 22. VI. 1415. T. I, 124. 

2. Wernherus deDiecsch der. Trever., dt., 23. VI. bis 20. XII. 
1427; Bacc. art. ,de Dyecze" 12. VII. 1430. T. I, 175. 

3. Theodericus de Dyecz, familiaris Eberhardi de Eppensteyn et Jo- 
hanuis fratris eiusdem, dt., 20. XII. 1428 bis 23. VI. 1429. T. I, 179. 

4. Petrus Laerbecher de Dyecz Trever. dyoc, dt., 20. XII. 1431 bis 
23. VI. 1432. T. I, 189. Peter Lorbecher Dechant zu Diez 6. V. 1457. 
Steubing, Topographie von Diez, S. 96. 

5. Antonius Dietz Trever. dyoc. 4. VII. 1497. T. I, 425. 

XV. Driedorf: 1 (1387). 
Ileylmannus de Dridorf 23. IE. bis 22. VL 1387. T. I, 17. 

XVI. Kloster Eberbach : 38 (1387-1499), bis 1522 im Ganzen 47. 

Es scheint zwar in der Matrikel eine scharfe Unterscheidung von Eberbach 
und Ebrach durchgeführt zu sein, doch wäre immerhin eine Verwechslung 
beider an einer Stelle möglich, wie sonst öfter geschah (Janauscheck, origo 
Cister I, 20). 

Die am Anfang mehrmals genannte domus S. Jacobi war das an der 
Stelle des Jakobsstiftes von Kurfürst Ruprecht im Jahre 1389 neu erbaute 
Haus, in welchem studierende Cisterzienser-Mönche wohnten und das coUegium 
Jacobiticum bildeten; es stand unter Aufsicht des Abtes von Sehönau und 
w^urde der Universität im Jahre 1394 einverleibt. Hautz, Geschichte der 
Univ. Heidelberg I, 184 tf.; Thorbecke, Gesch. der Univ. Heidelberg I, 20). 

Die Eberbacher Mönche lagen damals'^) den Studien eifrig ob; in dem 
Zeitraum von 1387 bis 1500 sind 38 Scholaren von dort zu Heidelberg imma- 

'-) Über das Aufkommen wissenschaftlioher Beschäftigung bei den Cisterziensern siehe 
Bär, Geschichte der Abtei Eberbach I, 6.36; II, 367 ff. 



126 



2. Fr. Johannes provisor domus 3. Jacobi de 
Eberbacco 

3. Fr. Nicolaus de Ebirbaco 



trikuliert worden, nachher — bis 1522, wo der Besuch der Universität auf- 
hörte — , noch neun, sodass sie im ganzen die Zahl 47 erreichten ; wir haben 
auch die letzten am Schlüsse noch zugefügt, obgleich sie über unsern Plan 
hinausgehen. Wie hoch man die litterarische Bildung anschlug, beweist der 
Umstand, dass schon vorher Jakob von Eltville (Abt von 1371 bis 1392) zu 
Paris (nicht zu Heidelberg, wie die Abtschronik bei Roth I, 3, 107 sagt) studiert 
hatte, ein andrer, Johann (No. 8) es bis zum Professor theologiae brachte und 
sieben Abte ihre Studien zu Heidelberg gemacht hatten. 

I. Thomas de Everbacho religiös, professus ordinis Cisterc. 17. XI. 1386 

bis 23. HI. 1387. T. I, 12. 

' dederunt ; studentes 

in S. Jacobo extra 

muros Heydelber- 

genses. 13. EH. bis 23. 

VI. 1391. T. I, 49. 

4. Nicolaus Steg de Ebirbaco de domo s. Jacobi, dt., 23. VI. bis 19. 
XII. 1394. T. I, 57. 

5. Johannes de Ebirbaco ord. Cisterc, dt., 20. XH. 1395 bis 23. VI. 
1396. T. I, 61. 

6. Fr. Nicolaus de Erbach Cisterc. ord., dt., 20. XH. 1415 bis 23. VI. 
1416. T. I, 128. Wohl der Abt Nicolaus Cubensis 1436 bis 1442. Roth, 
fontes I, 3, 87. 110. 20. (f 10. HL); Bär, dipl. Geschichte der Abtei Eber- 
bach, I, 143. 

7. Abel de Limburg professus monasterii Eberbacensis Magunt. dyoc, 
dt., 20. XU. 1418 bis 23. VI. 1419. T. I, 143. Er starb als Prior 1460. 
Roth I, 3, 59. 

8. Fr. Johannes de Erbach, dt., 20. XII. 1421 bis 23. VI. 1422; Bacc. 
art. 28. I. 1424. T. I, 155; Licent. art. im März 1425, in art. magister prae- 
sentatus ad cursum legendum 1428 mense Julii circa festum s. Petri et Pauli, 
principavit autem eodem post octavam nativitatis Mariae, aufgeführt in den 
Promotiones in facultate theologiae. T. II, 376, 592. Im liber aoimarum 
heisst es: VH. Kai. Jul. [25. Juni] obiit Joes dictus Bramhardt ss. theo). 
Professor eximius confrater noster. Roth I, 3, 39. 

9. Fr. Petrus professus in Everbaco, dt., 20. XII. 1425 bis 22. VI. 
1426. T. 169. 

10. Fr. Sifridus de Erbach Mag. dyoc, dt., 20. XH. 1430 bis 23. VI. 
1431. T. I, 185. 

II. Fr. Johannes de Franckfordia, f 14. HI. 1473. 
Roth I, 3, 4. 21. (Druckfehler 1413.) 

12. Fr. Rieh w in US de Lorch, wohl der Abt 1456 
bis 1461 (Roth I, 3, 54. 87. 111; Bär a. a. 0. giebt als 
Todesjahr 1471 an) oder fr. R. f 10. H. 1471. Roth 
I, 3, 15. 



professi in Eberbaco 

dioc. Magunt. dt., 23. 

VI. bis 20. XII. 1436. 

T. I, 213. 



127 

13. Fr. Stephanus de Sancto Goware professus in Eberbach, dt., 20. 
XII. 1436 bis 29. V. 1437. T. I, 215. Ein St. de S. Goare ira liber. anim. 
unter dem 26. X. 1479. Roth I, 3, 53. 

14. Petrus de Maguncia professus in Erbach, dt., 19. XII. 1439 bis 
23. YI. 1440. T. I, 226. 

15. Reinoldus de Rudensheim professus in Eberbach, dt., 23. VI. bis 
19. Xn. 1444. T. I, 243. 

16. Fr. Johannes de Biedekapp \ professi in Eberbaco 23. VI. bis 

17. Fr. Johannes de Linburg / 20. XU. 1451. T. I, 268. 

18. Fr. Thilmannus professus in Eberbaco Magunt. dyoc. 20. XII. 1451 
bis 23. VI. 1452. T. I, 270. 

19. Fr. Petrus Rithausen professus in Eberbach 20. XII. 1453 bis 
22. VI. 1454. T. I, 277. 

20. Fr. Johannes Aschaffenburch de Eberbacho 23. IV. 1457. T. I, 288. 

21. Jacobus Mathie professus ) in Eberbacho 23. VI. bis 27. XI. 

22. Conradus Selbstman professus j 1460. T. I, 303. 

23. Fr. Fridericus de Saulneni professus in Erbach 9. — 24. VII. 1464 
T. I, 310. Zu dem Todestage eines Fridericus de Sawelnheim (Sauweinheim) 
(28. IV.) bemerken die zwei libri anim. bei Roth I, 3, 7. u. 29: quondam prior 
et s. theologiae liccentiatus. 

24. Johannes Rudesheim, wohl Abt Joh. R. dictus 
Edelknecht 1482—1499. Roth I, 3, 51. (25. m.), 113. 
172. Nach Bär a. a. 0. Abt von 1485-1499. 

25. Johannes de Burbadia, wohl Abt 1475 bis 
1482. Roth I, 3, 58 (12. XH.), 87. 112. 

26. Johannes de Colonia. Ein Joh. de Col. f 25. 
III. 1491 oder 1497. Roth I, 3, 5. 24. 

27. Fr. Sifridus | 

„ „ professi in Erbach 15. V. 1477. T. I, 3o3. 

28. Fr. Heinricus) ^ 

29. Sebastianus ^ 

Ort T i, l omnes tres professi in Erbach ordin. Cistercicns. 

30. Johannes > ^ _ 

^, „ ,. f 8. VI. 1480. T. I, 364. 

31. Martinus J ' 

Martin ist wohl Martinus Riffling von Boppard, Abt von 1499 — 1506. 
Roth I, 3, 172. t 4. X. 1506. Ib. 51. Bär, a. a. 0. 

32. Johannes Ribysen ) 

J professi in Erbach 4. L 1485. T. I, 378. 

33. Hermannus Funck) 

34. Fr. Nicolaus de Altavilla, wohl der Abt 1506 1 Magunt, dioc, Er- 
bis 1527. Roth I, 3, 35. 116. [. bacenses 22. VII. 

35. Christmannus de Wiesbaden. J 1489. T. I, 394. 
Christmann ist mehrfach in der Visitationschronik bei Roth I, 3, 176 ff. 

genannt, wie 1512 S. 181 und 1515 S. 179 (falschlich Christianius gedruckt). 



professi in Erbach 

14. V. 1470. 

T. I, 329. 



Der Todestag war der 21. August. 



128 

36. Fr. Johannes Sutoris de Sancto Goare ^ Dioc. Mogunt. pro- 
t 28. n. 1510. Roth I, 3, 19. Er war oft bei Visi- [ fessi in Eberbach 
tationen thätig. f 10. IV. 1494. 

37. Fr. Johannes Sartoris de Heydelberga. J T. I, 410. 

38. Jacobus Gregorii de Eberbach professus eins monasterii IX. Kai. 
Nov. (24. X.) 1499. T. I, 434. 

Im 16. Jahrhundert besuchten ausserdem folgende Eberbacher Mönche 
die Universität Heidelberg: 

1. (39.) Caspar Bacharach 1 professi in Erbach 12. V. 1504. 

2. (40.) Johannes Wyszbaden ) T. I, 452 f. 

Joh. wurde Prior des Klosters, vielfach verwendet zu Visitationen und 
starb 17. IV. 1535. Roth I, 3, 27. 176. 179 u. s. w. 

3. (41.) Jacobus de Erbach ord. s. Bernhardi die solis 6. Kaleudas 
Maij (26. V.) 1506. T. I, 459. 

4. (42.) Fr. Petrus Erbach ord. Cist. 11. Apr. 1510. T. I, 475. 

5. (43.) Johannes ex Kiderich professus in Erbach Mog. dyoc. 28. IV. 
1510. T. I, 480. 

6. (44.) Fr. Nicolaus de Kuderich professus in Ebberbaco dioc. Magunt. 
26. IV. 1514. T. I, 495. 

7. (45.) Fr. Petrus Hattenheym ex monasterio 
Eberbaeensi ord. Cist. Mogunt. dioc. 

8. (46.) Fr. Laurentius Dornheini ord. et dioc. 
eorundem. Er wurde im Jahre 1527 Abt und starb 
1535. Roth I, 3, 120. 

9. (47.) Fr. Georgius Marck de Eyberbach ord. Cist. 10. VII. 1522. 
T. I, 532. 

XVII. Elkerhausen: 1 (1441). 

Henricus de Elkerszhusen, dt., 23. XII. 1441. T. I, 232. Er war im 
Gefolge des Grafen Adolf von Nassau. 

XVIII. Eltvüle: 16 (1382-1494). 

1. Marquiliuus de Elteville Mag. dioc. 22. VI. bis 10. X. 1387. T. I, 21. 
Eiu Priester Merkeliu von Eltvil zu Frankfurt 1402 bei Würdtwein, dioc. 
Mog. U, 559. 

2. Johannes Berthof de Altavilla, dt., 20. XL bis 16. XU. 1389. 
T. I, 39. 

3. Petrus de Altavilla Magunt. dioc, dt., 10. VI. bis 16. XII. 1391. 
T. I, 47. 

4. Johannes de Eltvel Magunt. dyoc, dt., 23. VI. bis 19. XÜ. 1394. 
T. I, 57. Ein Juh. de Eltvil Canonicus cccl. colleg. S. Petri zu Mainz 1405 
bis 1428. Mscr. 



22. VI. 1518. 
T. I, 514. 



129 

5. .Johannes Melpecheyr de Altavilla, at, 20. XII. 1400 bis 23. VI. 
1401. T. I, 78. Melbach in der Wetterau. 

6. Conradus Conrad! de Altavilla Magunt. dyoc, dt., 20. XII. 1406 
bis 23. VI. 1407. T. I, 102. Vgl. No. 7. 

7. Conradus de Eitfelt Magunt. dyoc, dt., 20. XII. 1415 bis 23. VI. 
1416. T. I, 127. Ein Conradus war 1439 Scholaster zu S. Mauritius in Mainz. 
Gudenus HI, 947. 

8. Petrus de Eltfel, p., 23. VI. bis 20. XII. 1446. T. I, 250. 

9. Adam de Eltvil ] 

,n A'- 1 A T.U •, 8- I- ^'^ 23. VI. 1450. T. I, 262. 

10. ^icolaus de Eltvil j 

11. Petrus Schurgenal de Eitfelt 9. X. 1467. T. I, 322. Canouicus 
eccl. coli. S. Petri zu Mainz. 1482 — 1513 Mscr. Auch 1508 ist ein Schurrge- 
nagel (Schergenagel, Schürgenagel) in der Matrikel verzeichnet. 

12. Johannes Mengasz de Altavilla Magunt. dyoc. 21. V. 1472. T. I, 337. 

13. Conradus Eldfelt Magunt. dioc. 18. IX. 1485. T. I, 380. 

14. Petrus Kleer de Eldtfelt Mog. dioc. 19. X. 1486. T. I, 384.; De- 
canus eccl. colleg. ad s. Victorem 1500 — 1520. Joannis II, 629. 

15. Johannes Hoingen de Elfelt Mog. dyoc. 30. V. 1487. T. I, .387. 
Bacc. art. v. ant. „Hongen« 27. V. 1490. T. I, 387. 

— • Fr. Nicolaus s. Eberbach No. 34. 

16. Nicolaus Lucie de Eidfeld dioc. Mogunt. 16. 11. 1494. T. I, 409. 
Ein Kaplan gleichen Namens von S. Nicolaus zu Eltville 1482, 1490, 1492 
und 1496, bei Roth I, 1, 265 ff. 

XIX. Eppstein: 7. (1415-1447). 

1. Johannes Eppstein der. Mogunt. dioc, dt., 20. XII. 1414 bis 22. VI. 
1415. T. I, 124. 

2. Eberhardus de Eppensteyn 1 

^ , ^ r . j l fratres dederunt 1 Flor. 20. XII. 1428 

3. Johannes frater eiusdem . ^.^ ^^ ^^ ^^^9. T. I, 179. 

4. Wernerus J 

Diese drei Herrn von Eppstein hatten vorher mit zwei Brüdern die Fni- 
versität Köln besucht, wo sie 1425 immatrikuliert wurden; Werner leistete 
damals wegen seines jugendlichen Alters keinen Schwur. Sie waren die Sühne 
von Godfrid VIH, 1389 — 1417. Eberhard muss frühe gestorben sein. Johann 
wurde Canonicus eccl. maioris zu Mainz und Propst zu S. Bartholom. in Frank- 
furt, starb vor 1480. Werner starb als Herr von Ziegenberg 1462. Joannis, 
rer. Mog. H, 355; Wenck, Geschichte der Dynasten von Eppstein II, 63. 

5. Domicellus Walter de Eppenstein, zugleich mit Waltherus Franconis 
de Kronberg, 20. XII. 1434 bis 23. VI. 1435. Im Jahre 1438 zu Köln, eben- 
falls mit Walther von Kronenberg, immatrikuliert. Dieser Umstand, sowie der 
Cronberger Name Walther lässt auf besondere Freundschaft der beiden Häuser 
sehliessen, welche durch die Vermählung der Anna von Crouberg mit dem 



130 

jüngeren Bruder Gottfrieds VIII. von Eppstein, Eberhard (f um 1443) herbei- 
geführt war. Vielleicht iat Walther der Sühn Eberhards gewesen, der von 
1434 und 1468 vorkommt. 

6. Johannes de Eppensteyn der. Mog., dt., 19. XII. 1439 bis 23. VI. 
1440. T. I, 226. 

7. Johannes de Eppensteyn, Mogunt., p., 20. XTT. 1446 bis 23. VI. 
1447. T. I, 252. 

*XX. Erbach: 1 (1433). 

Es ist wenig wahrscheinlich, dass das kleine Erbach im Rheingau eine 
so stattliche Anzahl von 20 Scholaren, als die Matrikel mit oder ohne den 
Zusatz Mogunt. dioc. aufführt, nach Heidelberg entsandt hat; die grössere Zahl 
werden wir dem Erbach im Odenwalde zuweisen müssen, doch ist die Ent- 
scheidung schwer oder unmöglich ; das Beispiel des nahegelegenen Eltville und 
des Klosters Eberbach konnte sehr wohl auf Erbach ansteckend wirken. Wir 
wollen deshalb wenigstens einen, der sicher hierher gehört, aufnehmen: 

♦Petrus Kemel de Erbach, dt., 23. VI. bis 19. XLL 1433. „Kijmel" Bacc. 
arl. 31. I. 1435. T. I, 199. 

XXI. Flörsheim: 3 (1424-1447). 

1. Eberhardus Fallschoszel de Vluerszheym der. Mogunt. dyoc, dt., 
23. VI. bis 20. XII. 1424. Bacc. art. 11. VE. 1426. T. I. 163. 

2. Nicolaus Guthen de Flershein Mag. dyoc, p., 20. XII. 1446 bis 
23. VI. 1447. Bacc. ar^ 28. VII. 1449. T. I, 251. 

*3. Petrus Sculteti de Flerszhem; dt., 23. VI. bis 20. XII. 1447. T. I, 254. 

XXII. Geisenheim: 14 (1387—1488). 

1. Johannes Brentsberg de Giesenheim 23. III. bis 22. VI. 1387. 
T. I. 17. 

2. Johannes Gysenheira Magunt. dyoc, dt., 23. VI. bis 20. XII. 1394. 
T. I, 57. Ein Joh. de G. war Canonicus eccl. S. Petri zu Mainz und f 1431. Mscr. 

3. Johannes Enghas de Gyesenhem Mag. dyoc, dt., 23. VI. bis 20. XII. 
1394. T. I, 57. Der Altarist S. Michael zu Geisenheim Joh. Engass 1413 
bei Zaun, Landkapitel Rheingau S. 260. 

4. Emericus de Geysenheim, dt., 20. XU. 1498 bis 23. VI. 1499. T. I, 69. 

5. Albertus de Gesenheym, st., 20. XII. 1400 bis 23. VI. 1401. T. I, 79. 

6. Johannes Waldecker de Gysenheim, dt., 23. VI. bis 15. IX. 1401. 
T. I, 81. Ein Sifrid Waldecker war 1421 Schultheiss zu Geisenheim. Würdt- 
wein U, 270. 

7. Petrus Gysenhemmer, dt., 26. IX. bis 20. XII. 1401. T. I, 83. 

8. Johannes Waldich de Ghysehem, dt., 23. VI. bis 20. XII. 1431. 
T. I, 187. 



23. VI. 

bis 20. 
Xn. 1418. 
T. I, 140. 



131 

9. Nicolaus de Gysenheim der. Mag. dyoc, st., 20. Xu. 1431 bis 23. VI. 
1432. T. I, 189. 

10. Petrus Lapicida der. Mog. dyoc. de Gysenheim, dt., 23. VI. bis 
20. xn. 1434. T. I, 264. Der Steinmetz Mdster Niclas 1518. Zaun, Land- 
kapitd S. 245. 

11. ConradusdeGyszenheim, p., 20. xn. 1440bis23.VI. 1441. T. 1,229. 

12. Reinhardus Eberh. de Gyshem, dt., 23. VI. bis 19. Xn. 1444. T. I, 243. 

13. Johannes Sartoris de Gisenheim der. Mogunt. 3. X. 1459. T. I, 299. 

14. Johannes Wel des Geisenheim dioc. Mog. 13. X. 1488. Bacc. art. 
V. mod. 13. I. 1490. T. I. 301. Ob = Joh. Wdler, Decan zu WallufT am 
Anfang des 16. Jahrhunderts? Zaun S. 80. 

XXIII. Vollraths zu Greiffenklau : 3 (1418-1444). 

1. Henricus Griffencia canonicus ecclesiarum Magunt. 
et Trever., dt. Im Jahre 1410—1444 Präfekt des Eichsfeldes 
und Provisor von Erfurt, 1450 Dekan des Domstifts zu Mainz. 
1439 auch Archidiaconus S. Petri Trever., legte 1455 seine Ämter 
nieder und widmete sich dem klösterlichen Leben; f 6. V. 1462. 
Joannis II, 303. 363; Brower, Metr. 156; Humbracht. 

2. Johannes Griffencia, frater praedicti, Canon, eccl. 
Trever. dt.. Er war 1429 — 1462 Archidiaconus zu Longwy. 
Brower, Metr. 167. 

3. Eberhardus Griffencia de Volrat, dt., 11. IL bis 21. in. 1444. 
Canonicus zu Mainz und Amtmann zu Bingen, 1457, nach Humbracht auch 
Canonicus zu Utrecht; f 16. X. 1489. Joannis II, 363. 

*XXIV. Griesheim: 1 (1431). 
♦Nicholaus de Grieseym, p., 23. VL bis 20. Xn. 1431. T. I, 188. 

XXV. Hachenburg: 7 (1387-1457). 

1. Johannes de Hachenberg, p., 10. X. bis 16. *XIL 1387. T. I, 23. 

2. Johannes j de Hachenbergh Colon, dyoc. 16. Xn. 1387 bis 19. m. 

3. Petrus j 1388. T. I, 27. 

4. Roricus de Hachenberg, dt., 20. X. bis 20. XH. 1401. T. I, 85. 

5. Johannes Hachenberg, dt., 20. Xn. 1428 bis 23. VL 1429. T. I, 180. 

6. Petrus Hachenberg, der. Colon. 11. XL 1455. T. I, 283. Bacc. 
art. V. ant. 9. XI. 1456. T. I, 283. Licent. in art. v. ant. Petrus de Hacken- 
burch, p., 16. VIH., determ. 22. VUI. 1458. T. II, 397. 

7. Johannes Guntteri de Hachenburch, 31. X. 1457. T. I, 290. 

XXVI. Hahnstätten: 1 (1420). 

Henricus de Hoensteten Trever. dioc, p., 20. XH. 1420 bis 23. VL 
1421. T. I, 150. 



132 

XXVII. Hallgarten: 1 (1440). 

Johannes de Haigart dyoc. Mogunt., dt., 23, VI. bis 20. Xu. 1440. 
T. I, 229. 

XXVIII. Hartenfels: 1 (1447). 

Johannes de Hartenfels der. Mag, (?) dioc, dt,, 1. IX. bis 20. XII. 1417. 
T. T, 135. Hartenfels lag in der Trierer Diözese. 

XXIX. Hasselbach: 1 (1415). 

Ilenricus Ilaselbach der. Trever. dyoc., dt., 22. VI. bis 20, XII, 1415. 
T. I, 12(3. 

XXX. Hattstein: 2 (1417, 1472). 

1. Ilenricus de Ilatzstein pastor in Erlebach; dt., 23. VI. bis 20. XII. 
1417. T. I, 135. 

2. Johannes de Ilatstein dioc. Mag, 30, VI. bis 4. VII. 1472, Bacc. 
art. V. aut. 28. V. 1474. T. I, 338. Ob der Canonicum zu Mainz 1478 bis 
1518? Joannis U, 3G7. 

*XXXI, Heftrich: 1 (1462). 

*Henricus Genzier de Ilert'tr(ich?) canon. et pa.stor promotus est ad 
gradum bacc. in iure canon. 5. X. 1462. T. II, 51G. 

*XXXII, Herborn: 1 (1391). 

Conradus de Ilerborn Trever. dioc, dt,, 10, X. bis IG. XII. 1391. 
T. I, 47. Vielleicht Conr. von IL, der 1409 zu Köln als Dr. med. immatri- 
kuliert wurde und aus dem luxemburgischen Horborn zu stammen scheint, 
oder aus Limburg a. d. Lahn, wo es einen Joh. v. Herborn am Ende des 
Jahrhunderts gab. Vgl. Limb. Chron, 102, 1, Wyss. 

XXXIII. Hessloch: 1 (1396). 

Bertholdus Sraol pastor in Ileslach Mag. dyoc, p., 20. XIL 1396 bis 
23. VIL 1397, T. I, 64, 

XXXIV, Hirzenhain: 1 (1477). 

Martinus Doleatoris de Hirzenhain Trever. dyoc 8. V. 1477. Bacc 
art. v. mod. G. VH. 1478. T. I, 356. 

XXXV. Hochheim: 1 (1494), 
Johannes Steynchin de Ilocheym G. IX. 1494. T. I, 412. 

•XXXVI. Höchst: 9 (1448—1487), 

*1. Adam de Ilue.st, dt., 20, H. bis 23. VI, 144G; Bacc art. „Tlo.st" 
19. [. 1448. T. 24.S. 



I3ä 

*2. Petrus i^rp de Höchst Mag. dioc. 25. YI. 1455. ^Erpff" Bacc. 
art. V. mod. 26. I. 1457. T. I, 282. 

*3. Johannes Herpf de Hoest, 13. V. 1466. Bacc. art. v. mod. 19. I. 
1468. T. I, 318. Licent. art. 16. III, 1472; Joh. Pistoris al. Erpff de Hoest, 
determ. 17. IH. T. H, 406. 

*4. Heinricus Pistoris de Hoest, 23. I. 1473, Bacc. art. v. mod. 
9. VH. 1474. T. I, 339. 

*5. Johannes Pistoris de Hoest, 11. I. 1477. T. I, 352. 

*6. Johannes Steczell de Hoest dyoc. Magunt. 26. VII. 1481. T. I, 367. 

*7. Anthonius Buch de Hoest dioc. Mag. 21. II. 1483. Bacc. v. mod. 
6. VH. 1486. T. I, 370. 

*8. Johannes Pistoris de Hoest dyoc. Mog. 20. X. 1487. Bacc. art. 
V. mod. Jul. 1491. T. I, 388. Satisfecit facultati 1492 secunda feria post 
circumcisionis [2. Jan.] de pecunia in promotionibus danda per quosdam libros 
legatos ad librariam facultatis . . . quodlibetana Herpf. T. II, 389, Anm. 2. 

*9. Bernliardus de Hoest fehlt in der Matrikel, ist aber als Bacc. 26. I. 
1450 nachträglich von Toepke H, 876 notiert, hat also die Universität etwa im 
Jahre 1448 bezogen. 

y *XXXVII. Hofheim: 3 (1414-1432). 

1. Stephanus Muoschbach de Hofeheim der. Mag., dt., 30. XII. 1413 
bis 23. VI. 1414. „Hofheira" Bacc. art. Januar 1422. T. I, 121. 

2. Johannes (de) Hoffheim, dt., 23. VI. bis 20. XII. 1427. Bacc. art, 
Januar 1429. T. I, 175. Licent. 22. IH. 1431. T. H, 380. 

3. Reinhardus de Hoffem der. Mog., dt, 20. XH. 1431 bis 23. VI. 1432. 
Jloffheim" Bacc. art. 28. I, 1434. T. I, 189. 

XXXVIII. Hohenstein: 1 (1382). 

Johannes de Ilohensteyn Mog. dyoc, 23 .HI. bis 23. VI. 1387. T. I, 15. 

XXXIX. Holzhausen: 1 (1486). 

Mathias Lang de Holtzhusen Trever. dyoc, 14. IV. 1486. Bacc. art. 
V. mod. 14. I. 1488. T. I, 382. 

XL. Idstein: 8 (1391-1441). 

1. Gerhardus de Echstheen al. dictus de Wirstorff [WörsdorfJ, p., 
10. X. bis 16. XI. 1391. T. I, 50. 

2. Johannes Yczstein, 20. XH. 1400 bis 23. VI. 1401. „Yxstein*. 
Bacc art. 14. I. 1403. T. I, 79. 

3. Johannes Marquardi de Ytsteyn der. Trever. dyoc, dt,, 20. XII. 
1403 bis 23. VI. 1404. T. I, 91. 

4. Petrus de Ydichsteyn, Trev. dyoc, dt., | 20. XH. 1403 bis 23. 

5. Johannes de Edichsteyu, Trev. dyoc, dt., j VI. 1404. T. I, 92. 



134 

Zu 2. 3. und 5. Im 15, Jahrhundert waren mehrere des Namens Johann 
von Idstein Geistliche in Mainz: 1. ein Canonicus ecel. colleg, S. Petri 1429 
bis 1446; 2. ein Joh. Georg ebenfalls Canon, ecel. S. Petri 1430 bis 1455; 
3. der Mag. Joh. Weissbeider, zugleich Doctor in medicina, Canonicus S. Stephaui, 
der im Jahre 1438 mehrere Stiftungen machte. Msc. 

6. Jacobus Uffingin de Idstein der. Mag. dyoc, dt., 20. XIE. 1417 
bis 23. VI. 1418. T. I. 139. üffinghin erwähnt Vogel, Archiv I, 51 in 
der Diözese Trier, weiss aber die Lage nicht anzugeben. 

7. Henricus Fabri de Ytzstein, der. Trever. dyoc, dt., 22. VI. bis 20. XII. 
1424. T. I, 162. 

8. Mag. Johannes Rulonis de Ytzstein, can. ecel. b. Bartholomei 
Franckfortensis, dt., 23. XII. 1441. T. I, 232. Er war Begleiter des Grafen 
Adolf von Nassau in Heidelberg und auch in Köln (Mag. Joh. Rullionis) im 
Jahre 1444. 

XLI. Igstadt: 2 (1431. 1432). 

1. Petrus Sartoris de Igstat Mag. dioc, p., 20. XU. 1430 bis 23. VI. 
1431. „Petr. Exstat de Maguntia" Bacc. art. 12. VII. 1432. T. I, 185. 

2. Hartmannus Sartoris de Igstat, p., 13. VII. bis 20. X. 1432. „H. de 
Egstat" Bacc. art. 31. I. 1435. T. I, 191. 

XLir. Irin traut: 1 (1403). 

Adam de Ermprade canonicus in Diez, Trever. dioc, dt., 20. XII. 1402 
bis 23. VI. 1403. T. I, 89. Der Name Irmtraut lautete Ermetrode; ein Adam 
aus dem Geschlechte der Herrn von Irmtraut 1416; in den Jahren 1449 und 
1456 ein Archidiaconus zu Dietkirchen. Arnoldi, Miscell. 310. 

XLIII, Katzenelnbogen: 2 (1394. 1411). 

1. Theodericus Knebel de Catzenellenbogen Trever. dioc, dt., 23. VI. 
bis 19. XH. 1394. T. I, 57. Nach Joannis H, 376 im Jahre 1399 Canonicus 
ecel. Maioris et S. Albani zu Mainz, Praepositus S. Martini Bingensis und B. 
M. V. Geismariae; f am 9. XI. 1457. 

2. Wynandus Pyner militaris der. Trever. dyoc, dt., 23. VI. bis 19. 
XII. 1411. T. I, 115. In Erfurt immatrikuliert 1409. Wygandus Pyner de 
Katzenelnbogen Bacc. in iure canonico 2. VI. 1416, Wyg. Piner de Katzen- 
[e]lnboghen Licent. in iure canon. 6. III. 1422. T. II, 504. 526. Wyg. 
Pynner de K. Lic. in decretis, Canonicus zu Aschaffenburg 1417, f 20. IV. 
1437. Archiv des histior. Ver. f. Unterfranken XXVI, 1. 2. 1882, S. 203. 

XLIV. Kernel: 4 (1389-1430). 

1. Johannes Kimper de Kernel, p., 16. XU. 1389 bis 24. IIL 1390. 
T. I, 43. 

2. Johannes Weydeman de Kemyl Mag. dyoc, dt., 20. XII. 1403 bis 
23. VI. 1404. T. I, 91. 



135 

3. Johannes Sculteti de Kemyn Mag. dyoc, dt., 20. Xu. 1403 bis 
23. VI. 1404. T. I, 92. 

4. Johannes de Kernel Magunt. dyoc, dt,, 23. \L his 20. XII. 1430. 
Baec. art. 28. I. 1433. T. I, 184. 

XLV. Kettenbach: 1 (1389). 
Nicolaus de Kethenbach, p., 20. XI. bis 20. XII. 1389. T. I, 39. 

XLVI. Kiedrich: 1 (1387). 
Johannes de Kiderich Mog. dyoc, 23. III. bis 22. VI. 1387. T. I, 17. 

XLVII. Kirberg: 2 (1424. 1458). 

Bei der grossen Masse von Orten, die Kirchberg, Kirberg heis3en, können 
hier nur die mit Treverensis diocesis bezeichneten in Betracht kommen; von 
den ohne allen Zusatz aufgeführten mag wohl ein oder das andere Dorf hier- 
her gehören, doch ist dies ganz unsicher. So bleiben nur zwei für uns zu 
verzeichnen. 

1. Ludovicus Rüpel de Kirpurg der. Trever. dyoc, p., 23. VI. bi8 
14. IX. 1424. T. I, 162. 

2. IlenricusKessellaerKirburgh dyoc. Trever. 22. XII. 1458. T. I, 295. 

XLVIII. Königstein: 3 (1401-1493). 

1. Nycolaus Konyngesteyn [Kunynsteyn] de Moguntia, Bacc. art. Erfurd., 
20. Xn. 1400 bis 23. VI. 1401, Bacc. art. I. V. 1401. T. I, 78. Nvc 
Koningestein die Lucie virginis [13. XII.] 1404 obtinuit licentiam recipere in- 
signia magistralia in artibus, quod et fecit tertia feria sequente [16. XII. 1404]. 
T. II, 367. Er kommt bald nachher als Canonicus von S. Barthol. zu Frank- 
furt vor: Grotefend, Quellen zur Frankfurter Geschichte I, 7 u. 14 (1407 und 
1411); luventare des Frankfurter Stadtarchivs I, 26 (1413). 

2. Conradus de Königsteym der, Mog. dyoc, dt., 14. IX. bis 21. IX. 
J424. T. I, 163. Conr. de Kungensten Licent. in art. 14. III. 1426, determ. 
12. VI. 1426. T. n, 377. In Erfurt als Magister Conr. de Kongenstein 1428 
immatrikuliert. 

3. Johannes Cyrurgici seu Cyrologi de Konigstein der. Mog., 16. VIII. 
1493. T. I, 407. 

Lahnstein s. Oberlahnstein. 

XLIX. Liederbach: 1 (1474). 
Conradus Michael de Lydderbacb, 1. V. 1474. T. I, 343. 

L. Limburg: 26 (1387—1455). 

1. Ilartugus [sie] de Limpurg, Bacc in art., 23. III. bis 22. VI. 1387. 
T. I, 16. Vgl. Prag IX, 1, wo er Bacc. in art. wurde, dann (1385) Stud. iuris. 

9* 



136 



Bacc. in art. 
[Pragenses] 



12. IX. bis 

20. IX. 

1389. 

T. I, 36. 



2. Nycülaus Super fossatum de Linborch Trever. dyoc. 22. VI. bis 10. 
X. 1387. T. I, 19. Es gab in Limburg eine Grabenpforte. Limb. Chronik 
von Wyss, S. 103. 

3. Johannes de Lympurg, 10. X. bis 16. XIL 1387. T. I, 23. Viel- 
leicht derselbe, welcher zu Prag 1383 Bacc. art. und zu Heidelberg der vierte 
Bacc. iuris wurde. T. II, 500. 

4. Petrus de Lymborgh Trever. dioc, 13. XII 1387 bis 10. III. 1388. 
T. I, 26. 

5. Johannes de Oleen vicarius ecci. Lim- 
purbgensis (sie). Vgl. Prag IX, 5. 1387. 

6. Johannes Sculteti de Limburgh canon. 
Novl monasterii Ilerbipolensis. Vgl. Prag IX, 6. 
1389. 

7. Gerlacus Sculteti de Limporgh vicar. 
eccl. Limpurgensis. Vgl. Prag IX, 7. 1389. 

8. Ilenricus dictus Wijs de Limpurgh, vicarius eccl. 
3. Castoris Confluentie. — Im Jahre 1395 zu Köln [1400 zu 
Erfurt?] immatrikuliert, Dr. decret. S. Köln. 

Die Wisse waren ein angesehenes Geschlecht zu Limburg; der Vater des 
genannten Scholaren Heinrich Wiss (s. Kölner Matrikel) kommt mehrfach in 
der Limb. Chronik und in den bei Wyss abgedruckten Urkunden vor und 
war Schöffe. Vgl. Wyss, Limb. Chron. S. 102, Anra. 2, und die Urkunden, 
z. B. No. 19 (1380), IS'o. 31, 36 (1386). 

Ob die drei Brüder Heinricus, Johannes und Ludiwicus Wyese, 
die im Frühjahr 1390 ebenfalls zu Heidelberg immatrikuliert wurden (T. I, 44), 
auch hierher zu rechnen seien, ist zweifelhaft, da die Angabe der Heimat fehlt. 

9. Johannes Lupi de Lympurg, Trever. dyoc, dt., 23. VI. bis 19. 
XH. 1394. T. I, 57. 

10. Jacobus Rasoris de Limpurg, p., 20. XH. 1395 bis 23. VL 1396. 
T. I, 61. Ein Jakob Scherer zu Limburg im Jahre 1384 genannt, wo seine 
Witwe ein Testament macht. Wyss, Limb. Chr. S. 135. 

11. Johannes Kannengeyser de Lympurg, dt., 23. VI. bis 15. IX. 1401. 
T. I, 81. Ein Joh. Contrivasoris (= Cantrifusoris) 1403 zu Erfurt immatrikuliert. 

— Craffto de Dern canon. Lymp. 1402 s. Dern. 

12. Philippus Rasbach de Linborg Trever. dyoc, dt., 20. XII. 1407 
bis 24. VL 1408; Bacc art. Ph. Raschbach de Lympurg 27. L 1410. T. I, 
106. Rasbach wohl = Roszbach No. 16. 

13. Eberhardus Koet de Lintburg Trever. dyoc, dt., 23. VI. bis 20. 
XII. 1412. T. I, 118. Die Köth von Wanscheid waren damals zu Limburg 
„wonhafcig". Limb. Chron. S. 101, Wyss. 

14. Wigandus Hilboldus de Lintburg Trever. dyoc, dt., 20. XII. 1414 
bis 22. VI. 1415. T. I, 124. In Erfurt immatrikuliert 1413. Ein Henne 
Hildebuld in einer Urkunde von 1382 bei Wyss, Limb. Chr. S. 132. 



137 

15. ITonricus de Lympurg clor. Trcver. dyoc, dt., 19. XII. 1416 bis 
23. YI. 1417. T. I, 133. (Bacc. art. Uli)?) Liccnt. art. 14. III. 1424. 
T. ir, 376. Dokau der Artisten als Magister 23. VI. 1432. T. 11, 381. Rektor 
der Universität als Baccalarins in sacra theologia und Magister, am 10. XII. 
1433 erwählt. T. 1, 199. Vorher, am 22. VI. 1433, war er presentatus ad 
cursum legendum [in theologia] et principavit in die s. Lamperti episcopi et 
martiris [17. IX.J, finivit cursum suum 19. XII. 1434; anno 1439 in profesto 
s. Augustini finivit sentencias totalitär legendo [24. VIII.]. T. II, 594. 596. 
Vgl. über die theologische Fakultät Thorb ecke, Geschichte der Univ. Heidel- 
berg I, S. 109 fF. Später (1443?) verliess er Heidelberg und wurde nachher 
Dekan zu Limburg. T. II, 611, Anm. 4. Götze in Annal. XIV, 314 nennt 
einen Dekan Heinrich von Elz 1447, der unser Heinrich von Limburg sein kann. 

— Abel de Limburg, prof. in Eberbach 1418. S. dieses No. 7. 

16. Nycolaus Roszbach de Limborch, dt. Ein Klaus 
Kossbecher bei Wyss, Limb. Chron., S. 141 im Jahre 
1389, ein Emericus Rospach S. 144 im Jahre 1392. Vgl. 
oben No. 12. 

17. Nycolaus Scholman de Limborch, dt. Ein 
Bürger Scholman zu Limburg bei Wyss S. 114 im Jahre 
1429, ein Job. Schulman de L. zu Erfurt 1416. 

18. Gerlacus Wynau de Limporch, dt. 
Wynau ist sicherlich verschrieben st. Wylnau = Weilnau. Auch zu Diez 

gab es eine Familie gleichen Namens; s. die Urkunde von 1391 bei Wyss, 
Limb. Chron. S. 144, wo ein Diezer Bürger Wernher von Wilnauwe und seine 
eheliche Hausfrau vorkommen. 

19. Hermannus de Limborch Trever. [dioc 1, p. 1 

23. VI. bis 20. 

20. Wigandus Wezimer de Limborch Trever. [ "" ^tt " i^oq*" 



clcrici diuc. 

Trever. 1. II. bis 

22. VI. 1426. 

T. I, 169. 



[dioc], p. Von Watzhan, 1394 Weshau? Vogel S. 563. , m t ion x- 

1, loO I, 



i3. f ^ 

21. Fridericus de Limborg Trever. [dioc], p. J 
Dass bei diesen dreien dioc. zu Treverensis zu ergänzen ist, ergiebt sich 

daraus, dass in diesem Semester fast nur die Diözesen angegeben sind, Orts- 
namen durch den Ablativ des Singular. 

22. Philippus de Lymburg der. Trever. dyoc, dt., 15. VII. bis 20. XII. 
1435. Bacc. 31. L 1437. T. I, 208. 

23. Johannes de Limpurg, dt., 10. V. bis 22. VL 1448. T. I, 256. 
— Fr. Johannes de Limpurg prof. in Eberbach 1451. S. dieses. No. 17. 

24. Petrus Kruler de Limpurg, 8. IV. bis 23. VL 1453. T. I, 273. 

25. CrafftoCleburg de Limporg, 8. IV. bis 23. VL 147.^. T. I, 294. 
C'leeberg gehörte den Herrn von Limburg. Graft von Cleberg war 1478 — 1481 
Dekan des S. Georgenstifts zu Limburg. Annal. XIV, 314. nach Brower, 
metr. Tr. 

26. Severinus de Lymburg accolitus, 20. IV. 1455. Bacc. art. v. ant. 
23. V. 1455. T. I, 281. 



138 

LI. Lorch: 28 (1387—1498). 

Zweifelhaft sind eigentlich alle, bei denen die Herkunft aus der Diözese 
Mainz nicht ausgesprochen ist; einige derselben dürfen jedoch aus anderen 
Gründen dem rheingauischeu Lorch zugewiesen werden; vgl. No. 3. 9. 18. 23. 24. 

1. Johannes Smancko de Lorch Mag. dyoc, 22. VI. bis 10. X. 1387. 
T. I, 21. 

*2. Nicolaus Muenster de Lorch, p., 10. X. bis 16. XIL 1387. T. I, 24. 

3. Heyraannus de Lorch, dt., 16. XIL 1389 bis 24. lU. 1390. T. I, 
42. Ein Heyman Knyppe Bürger zu Lorch 1485. Roth, fönt. I, 1, 390. Vgl. 
No. 11. 

4. Johannes de Lorch der. Mog. dyoc, dt., 23. VL bis 10. X. 1390. 
T. I, 46. 

5. Wer n her US (Fabri) de Lorch Mag. dioc, 10. X. bis 11. XIL 1392. 
Bacc. art. 24. VIL 1392. T. I, 53. 

*6. Petrus de Lorich, dt., 11. XIL 1392 bis 24. IlL 1393. T. I, 53. 

7. Hermannus de Lorch 1 Mag. dyoc, ded., 23. VI. bis 19. XII. 

8. Nicolaus Fabri de Lorch J 1394. T. I, 57. 

9. Johannes Plecz de Lorch, dt., 20. XII. 1396 bis 23. VL 1397. 
T. I, 64. Ein Dielhey nz Pletz 1393 Schöffe zu Lorch. Würdtwein, dioc. 
Mog. II, 192, ein Joh. Pletze 1428 Priester und Altarist daselbst. Roth, 
Font. I, 1, 379. 

*10. Johannes Ilebuff de Lorch., p., 26. IX. bis 20. XIL 1401. T. I, 83. 

11. Syfridus Knyp de Lorch der. Mog. dyoc, dt., 20. XIL 1401 bis 
23. VI. 1402. T. I, 86. Ein Henne Knyp von Bacharach 1395 und ein Hey- 
man Knyppe 1485 Bürger zu Lorch. Würdtwein, dioec Mog. II, 231. Roth, 
Font. I,' 1, 390. 

12. Syfridus de Lorch dioc. Mog., dt., 20. XIL 1408 bis 22. VL 1409. 
T. I, 110. 

13. Johannes de Lorch cauon. S. Anthoni] [zu Köln], dt., 20. XH. 1423 
bis 23. VI. 1424. T. I, 161. Ob der 1422 zu Köln immatrikulierte Joh. de Lorch? 

14. Cuonradus de Lorch Mag. dyoc, dt., 13. IL bis 23. VI. 1425. 
Bacc. art. 24. I. 1428. T. I, 165. 

15. Johannes de Lorich der. Mag. dioc, p., 21. VIII. bis 10. XII. 
1426. T. I, 171. 

*16. Petrus Lorich Maguntinensis, p., 20. XII. 1429 bis 23. VI. 1430. 
T. I, 182. 

17. Hermannus Hylchin de Lorche couventualis in Rabengesburg Mog. 
dyoc, dt., 23. VL bis 20. XH. 1434. T. I, 203. 

— Fr. Richwin, s. Eberbach No. 12. 

18. Johannes Heil Mag. dioc, p., 22. IV. bis 23. VL 1439. T. L 222. 
Ein Joh. Heyll de Lorch, in der Erfurter Matrikel 1454. 



139 

19. Johannes Behtolfi de Lorch dyuc. Mog., dt,, 23. VI. bis 10. XII. 
1439. T. I, 225. 

20. Johannes de Lorch dyoc. Mag., dt., 23. XII. 1441 bis 23. V. 1442. 
T. I, 233. 

Bei keinem der eben verzeichneten Johannes de Lorch ist angegeben, 
dass er als Baccalar Heidelberg bezogen oder es daselbst geworden ist, wohl 
aber von einem Johannes de Lorch, dass er am 7. März 1443 zum Licentiaten 
in artibus promoviert wurde und am 9. April determinierte; in den Jahren 
1444 und 1446 lehrte er noch zu Heidelberg als Magister. T. H, 386 ff. Er 
ist wohl der nachherige Decanus zu S. Peter und Canonicus zu Maria ad irra- 
dus in Mainz und Domherr zu Worms; er wird ferner genannt decretorum 
Doctor, s. Mog. sedis iudex et protonotarius generalis und starb 1476. 
Joannis H, 498; Bodmann, Rheiug. Altert. 333. 

21. Conradus Culman de Lorch der. Mag. dioc, p., 23. V. bis 23. VL 
1442. T. I, 234. 

22. Petrus Grell de Lorch dyoc. Mag., dt., 21. L bis 23. VL 1445. T. 1, 244. 

23. Reinoldus de Lorch, canon. Pingwiensis, 23. XU. 1448. T. I, 258. 

24. Nicolaus Bed de Lorch, 15. V. 1470. Bacc. art. v. mod. („Sed'') 

9. Xn. 1472. T. I, 329. Ein Johann Bethe, Altarist zu Lorch, verpfändet 
seine Weinberge für verkaufte 1 Va fi. Zins der Lorcher Kirchenfabrik im Jahre 
1471. Roth, Font. I, 389. 

*25. Johannes Henikap de Lorch 19. V. 1470. T. I, 330. 

26. Fridericus Eschbach de Lorch Mog. dioc. 17. VH. 1475. T. I, 346. 

27. Johannes Institoris de Lorich Mog. dioc. 28. H. 1491. T. I, 398. 

28. Johannes Folkwin de Lorch Mog. dioc. 26. VL 1498. Bacc. art. 
v. ant. 4. XI. 1499. T. I, 429. Ein Joh. Volquin v. Lorch Dekan des Stifts 
von S. Martin in Bingen im Jahre 1470. Weidenbach, Regesten S. 47. 

Lir. Marienstatt: 1 (1428). 
Fr. Conradus professus in loco s. Marie ord. Cisterciensis, dt., 23. VI. bis 
20. XIL 1428. T. I, 178. 

LIII. Miehlen: 4 (1387-1416). 
*1. Hermannus de Muolen, 23. HL bis 22. VI. 1387. T. I, 16. 

2. Henricus de Myelen can. s. Lubentij in Dyetkirchen Trever. dyoc. 

10. X. bis 16, XH. 1387. T. I, 22. Aus dem Gesohlecht der v. Milen (Mylou), 
von denen Arnoldi, Miscell. S. 341, einen Heinrich den Alten 1409 anführt; 
vier Äbte des Klosters Arnstein mit eben demselben Namen s. Annal. XVI, 126. 

3. Henricus Rychardi de Myla Trever. dyoc, dt., 20. XH. 1403 bis 
23. VL 1404. T. I, 92. 

4. Matthias de Moelen der. Trever. dyoc, dt, 20. XIL 1415 bis 23. 
VI. 1416. Bacc. art. Jan. 1418. T. I, 128. Statt Milen findet sich im Nekrolog, 
von Arnstein einigemal Meleu oder Meyln. 



140 



LIV. Mittelheim: 1 (1499). 
Philippua Furstenberg ex Mittelnheim Mog. dloc. 3. V. 1499. T. I, 433. 

LV. Montabaur: 16 (1387—1437). 

1. Anselmus Rode de Mantebur "l 

„ , , „ , 23. in. bis 22. VI. 1387. 

2. Henricus Kode de Montabur 



( T. I, 16. 17. 

M.J 



3. CunemannusfiliusConemannide. 

4. Conradus dictus Nuowendorph de Montabur, 23. VI. bis 10. X. 
1387. T. I, 19. 

5. Johannes Lapicida de Montebur Trever. dy. bacc. in art. [Pragensis], 
16. XII. 1387 bis 19. III. 1388. T. I, 26. Vgl. Prag 1386. Derselbe Name 
zu Köln 1396. 

6. Albertus de Monteboel, dt., 11. XII. 1392 bis 24. 111. 1393. T. I, 53. 

7. Gerhardus Heinrici dicti 8uoren de Montabur Trever. dioc, dt., 20. 
Xn. 1393 bis 23. VI. 1394. T. I, 56. 

8. Gotfridus Hulwek de Montabur Trever. dyoc, dt., 23. VI. bis 20. 
XII. 1397. T. I, 65. 

9. B er wie US de Montebuore dyoc. Trever., dt., 23. VI. bis 20. XII. 1399. 
T. I, 70. Ein dorn. Joh. Berwici zu Köln immatr. 1397. 

10. Mychahel de Montebur der. Trever. dyoc., dt., 23. VI. bis 19. XII. 
1411. T. I, 116. 

11. Johannes de Montebuor der. Trever. dioc, dt., 19. XII. 1411 bis 
23. VI. 1412. Bacc. art. Jul. 1413. T. I, 117. Licent. Joh. de Montabuoren. 
5. III. 1416. T. II, 372. 

12. Petrus de Montenbuor dyoc. Trever., dt., 23. VI. bis 20. XII. 1413. 
T. I, 120. 

13. Johannes Montebuor Trever. dyoc, p. '\ 20. XII. 1420 

14. Wipertus (de) Muntebur Trever. dyoc, p. Bacc. [ bis 23. VI. 1421. 
art. 28. I, 1423. J T. I, 150. 

15. Petrus de Monthabor, dt., 1. VIII. bis 20. XII. 1421. T. I, 152. 

16. Johannes de Montabor der. Trever. dyoc, dt., 22. VI. bis 20. Xu. 
1437. T. I, 217. 

LVI. Nassau: 4 (1387—1483), je zwei aus der Stadt Nassau, je zwei aus dem Ge- 
schlecht der Grafen. 

1. Arnoldus Nassau alias Confluentinus, p., 23. UI. bis 22. VI. 1387. 
T. I, 17. 

2. Dilmannus de Nassauwe der. Trever. dyoc, dt., 13. II. bis 23. VI. 
1425. T. I, 165. 

3. Adolf US comes in Nassau, Magunt. Trever. et Colon, ecclosiarum 
metropolitanarum cauonicus 23. XII. 1441. T. I, 232. Rektor 20. XH. 1442. 



141 

Zu Köln immafrikuliert 1444. Dor nachhe^i^'e Erzbischi^f von Mainz. Menzel, 
Gesch. V. Nassau, V, 254 fF. 

4. Johannes Ludovicus comes de Nassau et Sarbruck dioc. Metcnsis. 
27. VT. 1483. T. I, 372. Über Graf Joh. Ludov. (1472—1545) vgl. Menzel 
VI, 166. 

LVII. Nastätten: 1 (1442). 

Johannes Cocl de Nasteoden alias de Pigwia (sie) clor. Magunt. dioc. 
5. X. 1442. T. I, 235. 

*LVIir. iTaurod: 1 (1387). 

^Andreas Kern de Nürat, 23. II. bis 23. VI. 1387. T. I, 16. 

* LIX. Oberlahnstein: 1 (1414). 

Johannes de Lonestein, mag. in art. studii Libiccnsis, clor. dioc. Trever., 
dt.; receptus fuit 19. V. 1414 ad facultatem artium M. Joh. Rukeri de Lan- 
steyn, mag. studii Lypsk. T. I, 121 u. Anm. 7. M. Joh. de Laenstein Bacc. 
in iure 28. IX. 1416, Licent. iuris [canonici] 12. 1. 1420. T. ü, 504. 525. 
Rektor 22. VI. 1420. Am 23. Juni 1414 bezeugen die SchüfFen in Oberlahn- 
stein eine Rachtung und Sühne zwischen Roecker dem Alten, Meister [Magister'^] 
Johann Roecker und Katharine, des vorgenannten Ruckers Kindern und ande- 
ren benannten Personen v^'egen Erbstreitigkeiten, die Erzbischof Johann von 
Mainz gemacht hat. Annalen des nass. Ver. XV, 168. 

LX. OflFenbach: 1 (1416). 

Johannes Herbern de Offenbach prespiter dyoc. Trev., dt., der erste 
nach 23. VI. 1416. T. I, 129. 

LXI. Östrich: 7 (1394-1600). 

1. Helfe ricus de Osterich dyoc. Mag., dt., 23. VI. bis 19. XII. 1394. 
T. I, 57. 

2. Petrus Schelhauer de Osterich der. Mag., p., 23. VI. bis 20. XH. 
1395. T. I, 59. 

3. Johannes Ostrich canon. Nahusensis, dt., 20. VIH. bis 20. XII, 1396. 
T. I, 62. 

4. Henricus de Oisterich der. Mag. dyoc, p., 23. VHI. bis 20. XII. 
1417. T. I, 136. 

5. Heinricus Oestrich dioc. Mag., dt., 23. VI. bis 20. XH. 1436, T. I, 213. 
*6. Bernhardinus Oestrich de Maguntia 10. IV. 1476. T. I, 348. 

7. Wendelinus Ludwici de Oesterrych Mog. dioc. 3. H. 1500. T. I, 436. 

LXII. Bauen thal: 3 (1397-1472). 

1. Dom. Conradus dictus Jagher, rector ecclesie parochialis in Ruwen- 
dal Mag. dyoc, dt., 23, VI. bis 20. XU. 1397. T. I, 65. 



142 



2. Jodocus Carpentarij 

3. Johannes Doliatoris 



de Rwendail clor. dioc. Mag. 4. IX. bis 7. XII. 

1472. Beide Bacc. art. v. ant. 28. V. 1474. 

T. I, 338. 



*LXIII. Reichenberg: 3 (1397-1449). 
*1. Hermannus de Rychenberg, 10. X. bis 16. XII. 1387. T. I, 23. 
♦2. Dom. Johannes de Richenberg, dt., 23. YI. bis 20. XII. 1401. T. I, 80. 
*3. Johannes Couradi de Richenberg, 23. VI. bis 20. XII. 1449. T. I, 261. 

LXIV. Reiflfenberg: 2 (1421. 1471). 

1, Johannes RifFenberg canon. Magunt., dt, 23. VI. bis 1. VIU. 1421. 
T. I, 152. Er ist wohl derselbe, wie wir oben vermutet haben, der 1418 zu 
Erfurt und 1422 in Bologna immatrikuliert wurde. Nach Joannis II, 389 war 
er seit 1415 Domherr; er starb zu Bologna. S. dort. 

2. Petrus de Riffenberg, 22. Y. 1471. T. I, 333. 

LXV. Rheingau: 1 (1387). 

Jacobus de Maguncia Maguntinensis, 1386 bis 23. III. 1387. T. I, 11. 
Im Jahre 1391 am 22. März Licent. in art.; nachher heisst er Jac. Ryngaw 
de Maguncia. T. 11, 362 f. 

LXVI. Rüdesheim: 15 (1388-1480). 

1. Gyselbertus Rudesheim, st., 23. VI. bis 10. X. 1388. T. I, 33. Ein 
Schultheiss Giselbert kommt zu Rüdesheim im 14. Jahrhundert vor in den 
Güterverzeichnissen bei Roth, Font. I, 3, 369 u. 413, ein Geiselbrecht Winter 
von Rudesheim im Jahre 1328 in den Reg. Boi. VI, 261 und Giselbert (Fuchs) 
von Rüdesheim 1281 bei Küllner, Gesch. d. Herrschaft Kirchheim-Boland, 
S. 55. 51. 

2. Wigandus de Rudensheym Mog. dyoc, 20. XII. 1403 bis 23. VI. 
1404. T. I, 91. 

3. Rudolfus de Ruodenszheym der. Mog. dioc, 23. VI. bis 28. X. 1422. 
Bacc. art. 28. I. 1424. T. I, 156. Licent. art. 24. m. 1426. T. II, 377. 
Nachher studierte er das kanonische Recht, wahrscheinlich zu Rom, und wurde 
Doktor decret., als welcher er im Jahre 1431 in die Matrikel der Universität 
zu Köln eingetragen ist. Über ihn, seinen Lebenslauf, seine ausgebreitete Thätig- 
keit und geistliche Würden (er brachte es bis zum Fürstbischof von Lavaut 
und Breslau; j im Januar 1482); s. Zaun, Rud. von Rüdesheim, 1881. 

4. Dom. Johannes Rudesheim prior ecclesie Lauricensis ord. Premoustr. 
Mog. dyoc, dt, 23. VL bis 20. XII. 1423. T. I, 159. 

5. Rudolphus Ruodensheim der. dioc Mag., dt., 4. II. bis 22. VI. 1426. 
Bacc. art R. de Rodersheym 14. VII. 1428. T. I, 169. Licent art. Rodulfus 
de Ruodeszheym 22. III. 1431, detcrm. 15. V. T. II, 380. Mag. Ruodolfus 
(Fabrij de Ruodoschera incepit cursum suum (als Bacc. theolog.) 25. X. 1439 



143 

oder 1440. T. II, 598. Decanus der Artistenfakultät Mag. Kudolfud (Fabri) 
de Rudenscheym, s. theol. Bacc. 20. XII. 1443 bis 23. YI. 1444 und als Licent. 
s. theol. 20. XII. 1452 bis 23. VI. 1453. T. II, 386 u. 391. Rektor 19. XU. 
1450 bis 23. VI. 1451. S. o. Im Jahre 1459 verliess er Heidelberg und schied 
aus der Universität aus, der er zuerst als Schüler, dann als Lehrer seit 1426 
angehört hatte. Er wurde, wie es scheint, als Canonicus des Vikturstiftes zu 
Mainz ara 21. Mai 1460 ermordet. B od mann, Rheing. Alt. S. 343. Mit No. 3 
wurde er mehrfach verwechselt; s. Zaun a. a. 0. S. 3 ff. 

6. Emraericus Carniticis de Rudensheim der. Mag. dyoc, p., 20. XII. 
1431 bis 23. VI. 1432. T. I, 189. 

7. Johannes Rasoris de Redemszhein dyoc. Mog., dt, 20. XII. 1435 
bis 23. VI. 1436. T. I, 21. 

— Reinoldus de R. s. Eberbach No. 15. 

8. Jacobus de Rudershem dioc. Mag., st., 20. XII. 1446 bis 23. VI. 
1447. Bacc. art. J. de Rüdeshem 28. VII. 1449. T. I, 252. 

9. Ulricus de Rudesheia \ 10. V. 1448. 

10. Theodricus de Rudeshein, Bacc. art. 23. VH. 1450. j T. I, 256. 

11. Johannes Nusbaum de Rüdeshem der. Mog., in crastino XXIX (!) 
Conradi (st. 27) Nov. 1455. T. 284. Bei Joannis 11, 622 ist er der Nach- 
folger von dem älteren Rudolf von Rüdesheim (wahrscheinlich 1470, Zaun S. 14) 
als Praepositus eccl. coli, ad D. Victorera und zugleich Canonicus B. M. V. 
ad gradus sowie Decretorum Doctor genannt. Wo er diesen und die voraus- 
gehenden akademischen Grade erworben, wird nicht gesagt; in der Heidel- 
berger Matrikel ist er unter den Baccalaren u. s. w. nicht verzeichnet, muss 
also die betreffenden Grade anderswo erhalten haben. 

12. Johannes Kenn de Rudisheim ^loguntineusis, 17. IV. 1460. Bacc. 
art. V. mod. 4. VH. 1462. T. I, 301. 

13. Philippus Stolcz de Ruodeshem, 10. VI. 1468. T. I, 323. 

— Jüh. Rudesheim s. Eberbach No. 24. 

14. Johannes Kruel de Rudeszheym dioc. Mog., 4. IX. bis 7. XII. 1472. 
T. I, 339. Ein Cles Krul de R. bei Roth, Font. I, 2, 215. 

15. Johannes de Rudeszheini Mag. dioc, 18. IX. 1485. T. I, 380. 

*LXVir. Ruppertshofen: 3 (1390). 

*1. Christianus , 

filii Ilermanni de Rupershoven, 16. XII. 1389 bis 

24. III. 1390. T. I, 41. 



*2. Hermaunus 
*3. Johannes 



LXVIII. St. Goarshausen: 6 (1390-1475). 

1. Wernherus de Huosen canonicus et custos in Sancto Goare, dt., 
16. XU. 1389 bis 24. UI. 1390. T. I, 41. 

2. Johannes Duodin de Husin ex opposito Sanctigoaris Trevcrcnsis [dioc], 
p., 24. III. bis 23. VI. 1393. T. I, 54. 



144 

3. Nyculaus Nycolai Schultheti de Ilusen can. occi. S. Goaris, dt., 19. 
XIL 1394 bis 23. VI. 1395. T. I, 59. 

4. Authonius Krawz de Ilüsen Trov. dyoc, dt., | 22. VI. bis 20. XII. 

5. Petrus Grysnig des Ilusen eiusdem dyoc, p., ) 1415. T. I, 12B. 

6. Ileinricus Vogt de Husen Sancti Gowaris, sacerdos Trev. dioc, 3. XI. 
1475. T. I, 347. 

Bei den zahlreichen Ortsnamen Hausen, wie auch S. Goarshausen früher 
hiess, sind andre Namen nicht sicher zu bestimmen: so Petrus Rod de Husen 
1450 — 1451, Albanus Karpendarii de H. 14(34, Adam Fabri H. 1464. 

LXIX. Scharfenstein: 6 (1387-1421). 

1. Bruno de Soerpenstcyn Mag. dioc. 17. XL 1386 bis 23. HI. 1387. 
T. I, 12. Vielleicht der Bruno, den Humbracht als Gustos S. Albani (1400 
und 1407) bezeichnet; vorher war ein andrer Bruno von Seh. (f 1380j Abt 
daselbst gewesen. Joannis II, 770, 

2. Dom. Bruno Scharfensteyn prepositus ecclesie s. Martini ccclesic Wcsa- 
liensis. 23. HI. bis 23. VI. 1387. T. 1, 15. Vgl. Prag und Bologna. 

3. Druoshardus de Scharpfenstein, 16. XII. 1390 bis 17. III. 1391. 
T. I, 48. Truschardus de Seh. Domherr zu Mainz, f 17. Januar 1419. Jo- 
annis II, 394; Roth, Font. I, 2, 62. 

4. Silmannus de Scerpensteyn cauon. Mag., st., 8. XII. 1400. T. I, 176. 

5. Fr. Conrardus (sie) de Scharffensteyn monasterij s, Albani dyoc. Mag., 
dt., 23. VI. bis 19. XH. 1416. T. I, 129. 

6. Seldinus de Scharfensteyn canon. Mag., dt., 23. VI. bis 1. VIII. 1421. 
T. I, 152. Salentin v. Seh. s. Joannis H, 394: 1412 Canonicus Mog. und 
Praepositus Bingensis, Praefectus Finthensis. Er starb im Jahre 1473. 

LXX. Schwalbach: 4 (1391-1449). 

1. Johannes de Swalbach, dt, 10. X. bis 16. XII. 1391. T. I, 51. 

*2. Dom. Wolfframus de Swalbach canon. ecclesie Spirensis, dt., 20. XII. 
1403 bis 23. VI. 1404. T. I, 92. 

3. Wilhelmus de Schwalbach; ein Wilhelm von | ^^^ 

Schwalbach 1474 bei Arnoldi, Mise. 400. ^ " 



4. Hermannus Schwalbach canon. Friczlariensis. 



1449. T. I, 261 



LXXI. SiUzbach: 1 (1418). 

Johannes Bacharach de Solczbach der. Mag. dyoc, dt., 30. XII. 1417 
bis 23. VI. 1418. T. I, 139. 

l.XXII. Ursel: 2 (1453. 1458). 

1. Johannes Corrificis de Oersel, 8. IV. bis 23. VI. 1453. T. I, 273. 

2. Philippu.s Behem de Orcel dioc. Mog., 7. X. 1458. T. I, 391. 



145 

LXXIII. Usingen: 2 (1410. 1472). 

1. Johannes Scriptor comitisse de Na^dou, pastor in Uainghen Mag. dioc, 
dt, 20. XII. 1409 bis 23. VI, 1410. T. I, 112. Diese Gräfin von Xassau war 
wohl die Gemahlin Philipps I. von Nassau-Weilburg (1371 — 1429), Anna, Toch- 
ter des Grafen Graft von Hohenlohe, die am 11. Oktober 1410 zu Kirchheim 
starb. Usingen war im Besitze des Grafen Philipp. Menzel, Geschichte von 
Nassau VI, 96. 124. 125. 

2. Johanes de Usungen dioc. Mog., 30. VI. bis 4. X. 1472. T. I, 338. 

LXXIV. Waldeck: 6 (1390-1471). 

1. Johannes de Saneck cauon. Mog., dt., 16. XII. 1389 bis 24. III. 
1390. T. I, 42. Vgl. Joannis H, 406. 

2. Wilhelmus de Waldeck, dt., 20. X. bis 20. XII. 1401. T. I, 83. 

3. Johannes de üben, dt., 20. XII. 1421 bis 23. VI. 1422. Bacc. art. 
28. I. 1424. T. I, 155. 

4. Tielmannus Eberhard! de Waldeck der. Mog. 13. XL 1448. T. I, 258. 

5. Johannes Waldeck der. dyoc. Mag., 23. VI. bis 20. XII. 1452. 
T. I, 272. 

6. Karolus Bosz de Waldeck Trever. dyoc, 12. VE. 1471. T. I, 334. 

LXXV. Walluf: 1 (1390). 
Johannes Huoser de Waltatfen, dt., 23. VI. bis 10. X. 1390. T. I, 46. 

LXXVI. Weilburg: 5 (1390-1431). 

1. Nycolaus Knybe de Wyleburk, dt., 16. XII. 1389 bis 23. VI. 1390. 
T. I, 41. Der Name Knybe kommt zu Weilburg vor in einer Weilburger 
Ptechnung vom Jahre 1421 und bei Würdtwein, nov. subs. IV, 190, im 
Jahre 1344. 

2. Frederic US de Wyleborg der. Trev. dioc, dt., 23. VI. bis 19. XII. 
1422. T. I, 156. 

3. Conradus Wilborch, dt., 1. IV. bis 22. VI. 1428. T. I, 176. 

4. Johannes de Wilburg dioc Trev., dt., 23. VI. bis 20. XII. 1430. 
T. I, 184. 

5. Jacob US Wilburg der. Trev. dioc, dt., 20. XII. 1430 bis 23. VI. 
1431. T. I, 185. 

LXXVII. Weilnau: 2 (1428). 

1. Petrus Wilnauo der. dioc Trev., dt., 4. IV. bis 23. VI. 1428. 
T. 1, 176. 

2. Johannes Wihiau, p., 4. IV. bis 23. VI. 1428. T. I, 177. 



146 



LXXVIII. Weisskirchen- 2 (1441. 1500). 

1. Conradus Rinpurcken de Wyszkirchea, p,, 20. XII. 1440 bis 0. YI. 
1441. T. I, 230. 

2. Johannes Rymbrucken de Wyäzkyrehen der. Mog. dioc. 11. VII. 
1500. T. I, 438. 

LXXIX. Welmich: 1 (1426). 

Wernerus de Welmich der. dioc. Trev., dt., 4. 11. bis 22. VI. 1426. 
Bacc. art. 4. VII. 1428. T. I, 170. 



LXXX. Westerburg: 2 (1389). 

1. Godfridus Westerborgh Trev. dioc, 23. VI. bis 10. X. 1389. T. I, 3G. 

2. Conradus de Westerburg, dt, 10. X. bis 20. XII. 1389. T. I, 37. 

LXXXr. Wiesbaden: 4 (1407-1494). 

1. Franco Conradi de Wisebaden Mag. dyoc , dt., 23. VI. bis 20. XU. 
1407. T. I, 104. 

2. Jeorius de Wyszbaden, 11. VI. 1449. T. I, 260. 

3. Johannes (Truttenkoncz) de Wissbaden, 28. III, 1471. Bacc. art. 
V. mod. 20. I. 1474. T. I, 333. In Rechnungen und Urkunden des 15. und 
16. Jahrhunderts kommt der Name Druden oder Dreuden öfter vor; ein Druden 
Cuntz wird als Schöffe im Jahr 1444 genannt. Menzel, Gesch. von Nassau 
V, 261. 

— Fr. Christmannus s. Eberbach No. 35. 

4. Johannes Klingenberg de Wiszbaden Moguntinensis [dioc.]. 31. XII. 
1494. T. I, 413. 

LXXXII. Winkel: 6 (1421-1439). 

1. Petrus Hoveman de Winkel, dt., 20. XII. 1420 bis 23. VI. 1421. 
T. I, 150. Zu Köln als Mag. dioc. 1426 immatrikuliert. 

2. Petrus Klochwulff de Wynkd der. Mog. dyoc, 23. VI. bis 20. XII. 
1434. T. I, 203. 

3. Johannes de Winckd, dt., 23. VI. bis 20. XII. 1435. Bacc art. 
31. I. 1437. T. I, 209. 

4. Ilermannus de Winckd der. Mag. dyoc, 20. XII. 1436 bis 23. V. 
1437. Bacc art. 29. I. 1438. T. I, 214. 

5. Johannes Gerlachi de Winckel Mag. dyoc, p. ] 22. IV. bis 20. VI. 

6. Conradus Winckd Mag. dioc, p. j 1430. T. I, 222. 



14? 



B. Chronologische Abfolge. 

über die Einordnung der Scholaren unter die einzelnen Jahre siehe die Anmerkung S. 120. 

Die arabischen Zitfern beziehen sich auf die Nummern der Ortsnamen. Die fetten Ziffern der 

2. Kolumne weisen darauf hin, dass der betreffende Scholar in einer der anderen Kolumnen 

als Graduierter erscheint. Über die Dauer des Studiums s. S. 112. 



Jahr. 


I m ma t r ik 
Nicht-Graduierte 


u 1 i e r t: 

Gra- 
duierte 


Sa. 


Bacca- Licen- 
larii tiati 

!a artibus 


Bacca- 

larii 

in 


Licen- 
tiati 

ure 


Bacca- I.icen- 
larii tiati 

in theologia 


u 


1386/87 


15. 16, 1. 18, 1. 
22, 1. 25, 1. 38. 
46.50,2. 51, 1.2. 

53,*1.2. 55,1. 2.3.4. 

56, 1. *ÖS. *63, 1. 
65. 69,1. 


50,1.3. 
B. art. 

69,2. 
B. art. 


23 
















1388 


9, 1.25,2.3.50,4. 
66,1. 


55, 5. 
B. art. 


6 


. 


• 


(?)5Ö,3. 










1389 


9, 3. 18, 2. 45. 
50,8. 80,1.2. 


9,2. 

50, 5. 6. 7. 
B. art. 


10 














■ 


1390 


1,1. 9,4. 44,1. 

51,3.4. *67,1. 2.3. 

68, 1. 74, 1. 75. 
76, 1. 




12 












i 




1391 


16,2.3.18,3. *32. 
40,1. 69,3. 70,1. 








65. 












1392 


6, 1. 51,5. 


9,5. 

B. iur. 


3 












■ 




1393 


9, 6. 51, 6. 55, 6. 
68,2. 




4 
















1394 


10,1. 16,4. 18,4. 
22,2.3.43,1.50,9. 
51,7.8.55,7. 61,1. 


■ 


11 
















1395 


9,7. 61,2. 66,3. 




3 


51,5. 


• 


• 


(?)9,5. 








1396 


16,5.50,10. 61,3. 




3 
















1397 


2.33.51,9. 55,8. 
62,1. 




5 
















1398 


— 






• 


• 


• 


• 


• 


• 


9,5. 


1399 


9,8. 22,4. 55,9. 

1 




3 

1 

















148 



i Immatrikuliert: 




Bacca- 


P 

Licen- | Bacca- 


Licen- / (taci-a- 


l.ioen- 




Jahr. 

1 Nicht- Graduierte 


Gra- 
duierte 


Sa. 


larii tiati j 
in artibus 


larä tiati larü 
in iure | in theo 


tiati _^ 

1 »> 

-^ 

logia "^ 

il 


1400 


*4. 9,9. 10.11.12. 








11 

1 


\ 


i 


! 

1 






13.14. 10,2. 69,4. 




9 
















1401 


18, 5. 22,5.6.7. 

25,4.40,2.50,11. 
*51,io.*63,2.74,2. 


48,1. 

B. art. 


1 
11 i 


48,1. 


1 
1 




1 








1402 


12. 13. 51,11. 




o 

1 
















1403 


42. 




1 

1 


40,2. 










1 




1404 

,1 
■\ 

1 


40,3.4.5. 44,2.3. 

53,3.66,2.*70,2. 




8] 


. 


48,1. 


j 


1 




! 

! 

t 




1405 


5, 1. *8, 1. 9,15. 




3 


1 


1 
1 


! 


1 




1 

1 

1 




1406 


— 




— 








! 




i 




1407 


18,6. 81,1. 




2 








i 




1 




1408 ' 


50, 12. 




1 








1 

1 




1 




1409 


[9, 16.] 51, 12. 


9, 16. CO 
B. art. 


2 








t 

i 
1 




t 




1410 


73,1. 




1 


50,12. 






1 




1 


1411 


43,2. 55,10. 




2 












1 

1 


1412 


50, 13. 55, 11- 


9,17. 
B. art. 


3 


• 


• 


9,16. 










1413 


;<>,2. 5.5,12. 




2 


55,11. 














1414 


9,18. *:57,1. 


59. 

M. art. 


3 


6,2. 














1415 


14,1. 19,1. 29. 

50, 14. 68, 4. 5. 




6 
















1416 


16,6. 18,7.53,4. 
60. 69,5. 


i 


5 


9,18. 


55, 1 1 


43, 2. 
59. 










1417 


10,3. 28. 30,1. 
50,15. 61,4. 


1 













1 




1 
1 


1418 


23,1.2. 40,c. 71. 




4 


53,4. 


• 




9,16. 


1 
i 




i 
1 


1419 


16,7. 




1 


' • 


:[5ö,iü.? 










i 

1 


1420 


9,, 9. 

11 




1 


• 


• 


1 
1 • 


59. 

1 


i 
1 


• 


5 

1 
i 



149 



Jahr. 


Immatrikuliert: 

Grra- 
Nicht-Graduierte ^^.^^^^ 


Sa. 


Bacca- Licen- 
larii j tiaci 

in artibus 


Bacca- 

larii 

in 


Licen- 
tiati 

iure 


Bacca- Mcen- 
larii tiati 

in theologia 


Rektor. 


1421 


5, 2. 26. 55, 13. 

14.15.64,1.69,6. 

82,1. 




8 
















1422 


1,2. 16,8. 66,3 
74,3. 76,2. 




5 


37,1. 


• 


« 


43,2. 








1423 


66,4. 


— 


1 


55,14. 














1424 


9,20.21.21,1.40,7. 

47,1. 48,2. *51, 13. 


— 


7 


16,8. 

:66,3. 
74,3. 


50,15 












1425 


51,14. 56,2. 




2 


« 


16,8. 












1426 


16,9. 50,16.17.18. 

51,15.66,5. 79. 




7 


21,1. 


66,3. 

48,2. 












1427 


14,2 *37,2. 




2 
















1428 


9,22.23.52.76,3. 
77,1.2. 




6 


51,14. 

66,5. 
79. 


• 


. 


• 


16,8. 






1429 


14, 3. 19, 2.3.4. 
25, 5. 50,19.20.21. 




8 

1 


37, 2. 














1430 
1431 


44,4.51,16.76,4. 

16, 10. 22,8. *24. 
41,1. 76,5. 




3 
5 


9,23. 
14,2. 

• 


37,2. 
66,5. 












1432 


14,4. 22,9. *37,3. 
41,2. 66,0. 




5 


41,1. 














1433 


*20. 




1 


44,4. 


• 


. 


• 


50,15. 


• 


50,15 


1434 


22,10.51,17.82,2. 




3 


37,3. 














1435 

1 


10,4. 19,5. 50,22. 
82,3. 




4 


20. 

41,2. 














1436 


9,24.10,5.6.16,11. 

12. 61,5. 66, 7. 


— 


7 














• 


1437 1 


6,3. 16,13. 55,16. 
82,4. 




t 

4 


50, 22. 

82,3. 














1438 








82. 4. 

1 




1 











10 



150 



1 

Jahr. 1 


Imm a t r iku 

Nicht-Graduierte 


liert: 

Gra- g 
duierte 


Bacca- Licen- Bacca- Licen- B 
larü tiati larii tiati 

'*• in artibug in iure 


acca- Mcen- \ 
larii tiati 

in theologia | 


1U 

03 


1439 ' ; 


1 

')1,18. 19. ^<2,5. c. 


1 

1 


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1 

,0,15.)' 


1440 ] 


16,14. 19,6. 27. 


i 


3! 




i 
1 


1 








1441 ; 


17. 22,11. 40,8. 
56,3. 78,1. 




5 




1 
1 










1442 :, 


7,1. 51,20.21. 57. 




i 
4 


1 


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■ 


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1443 ' 

11 


9,25.26. 




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1444 ; 16,15.22.12.23,3. 




3 






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1445 j 


9, 27. 51, 22. 




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1 
1 










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IS, 8. *30,1. 


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1447 


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1 

4 
















1448 

t 
1 

1 


1(),7.(*3<>,9.) 50,23 

51,23.66,0.10.74,4. 




1 

II 
7 36,1. 

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1 


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1 


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*63, 3. *70, .3.4. 
81,2. 




4 


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;66,8. 


1 

1 

I 

i 










1450 ' 

1 


18,9.10. 




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'lO,7. 

1 36, 9. 




1 

i 

1 




1 

i 


i 










566,10. 






1 
1 

1 






1451 


16, IC. 17. 




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1452 


|(l(M:i.-0 16, 18. 
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10,7. 










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1453 


50,24 25. 72, 1. 




3 


i 

i 














1454 


16,19. 




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1455 


'>5,G.*:i(i,2 "i^^-iß 

()6, 11. 




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1 

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1456 


— 




!25,6 














1457 


16,20. 25,7. 


— 


2 36,2. 














1458 


5,3. 47,2. 72,2 




3 


25, 6 






1 
1 






1459 


1 22,13. 




i: 


il 

1! 




1 

j 




1 

1 


1 4(')0 


16,21.22. 66,12 




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f 


M 




1 








1 


1461 


;9, 28. 

li 




] 


i 


1 













151 



Jahr. 


I m ma t ri k 

Niclit- Graduierte 


u 1 i e r t : 

Gra- 
duierte 


Sa. 


1' 1 

Bacca- i Licen- 
larii tiati 

in artibus 


1 

Bacca- 

1 

larii 
in 


,. !l 1 ;l ." 

Li'-en- 1 Baooa- , Liren- i ^ 

tiati larii liati 1 1^ 

1 * 

iure . M in theologia ] ^ 


1462 


I 


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1 |66, 12 


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B. oan. 




1 


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1463 




1 


1 


i 


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1464 


10,8. 16,23. 


1 
1 


2 




1 


■i 1 


1465 






1 




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1466 


9,29. *:{«,3. 




2 


10,8. 


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1467 


18,11. 


1 


1 1 




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1 1 ' 


1468 


66, 1 ,3. 




1 


9,29. 


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1 




36,3. 


i 


i 


1469 




1 




• 


10,8. 


i 
1 , 


1470 


i 16, 24. 25. 2G. 51,24. 












1 *25. 




5 




1' 


1 

1 


1471 


1,3.4. 7,2. 64,2. 
!74,c. 81,3. 

1 




6 




[ 

i i 

1 




1472 


7,3. 18,12.30,2. 
















62,2.3 66,14.73,2. 




7 


51,24. 


36, 3. 1 


' 


1473 ! 

1 


*86,4. 


— 


1 
1 


1,3. 


1 

1 




1474 : 


49. 




1 


1,4 


■1 

1 












30,2. 


1 ! 

I 










36,4. 


i ■! 










62,2.3. 


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1 














81,3. 


i, 








1 


1475 

■ 


9,30. 10,9.51,26. 








1. 

i' 
1: 








i 
1 




61,6. 68,6. 




5 










' 


1476 


9,31. 61,6. 




2 




','■ 






!• 
1 


1477 


10,10. 16,27.28.' 

34. *36,5. 

1 




5 


9,30. 








■' 


1478 


1 


— 


1 
1 


34. 




1 




1479 






— 






■1 


li 


1480 


16, 29. 30.31. 


1 


3 




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1481 


36, C. 


• 


1 




1 

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1482 




1 
1 

1 






ll 


1 


1 




i 
i 





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152 



Jahr. 


1 

I m m a t r i k 
Nicht-Graduierte 


u 11 e r t: 

Gra- 
duierte 


Sa. 


Bacca- Licen- 
larii tiati 

in artibas 


Bacca- 
larii 

in 


Licen- 
tiati 

iure 


Bacca- I.icen- 
larü tiati 

in theologia 


Rektor 


148.0 


36, 7. 56, 4. 




2 












; 




1484 


— 




















1485 


16,32.33. 18,13. 
66, 15. 




4 
















1486 


10,11. 18,14.39. 




•1 


36,7. 














1487 


8,2. 18,15. *36,8. 




3 
















1488 


22, 14. 






39. 














1489 


16,34.3.'). 




















1490 


10,12. 






18,15. 

22,19. 














1491 


51,27. 






36,8. 












1492 ! 


9,32. 




















1493 


48,3. 








! 

i 
1 












1494 j 


16,36.37. 18,10. 

35. 81,4. 




5 




1 
1 




( 

1 








1495 


— 












1 

• 
1 




1 

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1 




1496 


— 












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i 




1 

1 
1 




1497 


14,... 




1 








1 
1 




1 




1498 
1499 : 


3. 51,28. 

16, 38. 54. 


11. 
Dr. iur. 


3 
2 


51,28. 










1 
1 




1.jOO 


61,7. 78,2. 


— 





















Sa. 366 


15 


381 


60 ! 

i 


1-1 i 


4 


4 


3 


2 


5 



Zu diesen Verzeichnissen machen wir einige Bemerkungen. Zunächst 
kann die Zahl von 381 Scholaren nur als eine annäherungsweise zutreffende 
gelten. Denn auf der einen Seite liaben wir selbst viele Xamen als zweifel- 
hafte bezeichnet, auf der andern sind vielleicht ebenso viele übergangen, wenn 
eine nähere Bestimmung der Heimat nicht angegeben oder sie aus anderen Grün- 
den nicht mögUch war; indessen mag unser Ergebnis im ganzen der Wahrheit 
nahekommen. Aber auch so wünle es, wenn man daraus auf die akade- 
mischen Studien unseres Gebietes einen Schluss ziehen wullte, ein falsches Bild 



153 



geben. Abgesehen davon, dass, wie es scheint, wenn auch nicht viele die 
Universitiiten«von Leipzig, Wien und anderen Orten aufsuchten, hat die weit- 
aus grössere Zahl wissbegieriger junger und älterer Männer, so weit wir bis 
jetzt sehen, der hohen Schule zu Erfurt sich zugewendet, die wohl die dop- 
pelte Anzahl Scholaren aus Nassau aufweist. Nach der Mitte des 15. Jahr- 
hunderts erleidet ferner Heidelberg eine gewaltige Einbusse durch die Grün- 
dung der Universitäten zu Mainz (1477) und Trier (1472). Die Abnahme der 
Scholaren aus Nassau ist in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auffallend 
wie folgende Zusammenstellung zeigt. Unser Verzeichnis weist auf 

in den Jahren von 1387 — 1400 99 NanK'n 

. „ „ „ 1401—1425 87 „ 

, , , „ 1426—1450 97 , 

n V n n 1451—1475 55 „ 

„ , , , 1476—1500 43 , 



381 Namen. 

Auch die Zahl derjenigen, welche auf einer anderen Schule einen akade- 
mischen Grad erworben hatten und dann nach Heidelberg gingen, nahm im 
Laufe der Zeit ab; sie betrug bis zum Jahre 1400 neun, von da bis 1425 vier, 
von 1426—1500 nur zwei, während die Zahl der zu Heidelberg Graduierten 
sich im Verhältnis zur Gesamtzahl im ganzen gleich blieb. 

Ordnen wir sodann noch die Heimatsgebiete, Heimatsorte oder Geschlechter 
nach der Zahl ihrer Scholaren, so lieferten die altnassauischen Orte 41, die 
Diözese Mainz 230, Trier 142, Köln 8, Metz 1 (einen Grafen von Nassau- 
Saarbrücken); im einzelnen ergiebt sich folgende Reihenfolge: 



Kl. Eberbach, Diöz. Mainz 
Caub, Diöz. Trier . . . 
Lorch, Diöz. Mainz . . . 
Limburg, Diöz. Trier . . 
Eltville, Diöz. Mainz . 
Montabaur, Diöz. Trier 
Rüdesheim, Diöz. Mainz . 
Geisenheim 



Cronberg 
Höchst 

Aus 



o 

10 
13 
35 



38 Idstein, Diöz. Trier . . . 

32 Eppstein, Diöz. Mainz . . 

28 Hachenburg, Diöz. Köln 

26 Ostrich, Diöz. Mainz . . 

16 S. Goarshausen, Diöz. Trier 

16 Scharfensteiu, Diöz. Mainz . 

15 Waldeck „ „ 

14 Winkel „ „ . 

13 Diez, Diöz. Trier .... 

9 I Weilburg, Diöz. Trier . . 

Orten je 4 Scholaren = 20 

•n «3 - = 30 



8 
7 
7 
7 
6 
6 
6 
6 
5 
5 



1 



= 26 
= 35 



Während die Geistlichkeit eine grosse Anzahl, namentlich Mitglieder der 
geistlichen Behörden u. s. w. aufweist, ist von den Klöstern aus dem späteren 
Gebiete Nassaus nur Eberbach stark vertreten. Seitdem die Handarbeit der 
Mönche aufgehört hatte einen Teil ihrer Thätigkeir, wie es die Regel vorschrieb, 
zu bilden, wandte man »ich alsbald mit Eifer den wissenschaftlichen Studien 



zu. 



Das Kloster Marieustatt sandte blos einen Scholar nach Heidelberg. 



154 

Der höhere Adel ist durch mehrere Glieder der Grafen von Nassau, der 
Herrn von Eppsteiu und Cronberg vertreten. • 

Um zuletzt noch einige Männer zu nennen, welche als Lehrer oder in 
amtlicher Stellung an der Universität nach ihrer Studienzeit hervortreten, so 
sind dahin zu rechnen: 

1. Nicolaus Yerenkorn von Caub, No, IX, 5; 

2. Johann Ruker von Oberlahnstein, No. LIX; 

3. Heinrich von Limburg, No. L, 15. 

4. Johann Bramhardt, Mönch des Klosters Eberbach, No. XV, 8. 

5. Rudolf Fabri von Rüdesheim, No. LXVI, 5. 

Im praktischen Leben stiegen zu bedeutenden Stellungen auf: 

1. Nicolaus Verenkorn von Caub, No. IX, 5. 

2. Johann Ruker von Oberlahnstein, No. LIX. 

3. Rudolf von Riidesheim, No. LXVI, 3. 

4. Adolf von Breithart, No. VII, 1. 

5. Johann von Dalheim aus Camberg, No. XI. 



Lies Seite i:iO, No. XXII, l: K^os. iS^'J. 
, ., 131, No. XXIII: Greiffcnklau zu Vollraths. 



Die Wiesbadener Theaterfrage im Jahre 1848. 

Eine kulturgcschichtliclic Kpisodc 



von 



Dr. Adalbsrt Schroster^ 

Bibliothekar an iler Küait'lichen Laudesbibliolhek zu Wiesbaden. 



Die Wiesbaileuer Thcaterfi-age des Jahres 1848 ist ein Schmerzenskind 
des sogenannten nassauische!! Domänenstreits, welcher jahrzehntelang Stände 
und Regierung des friedlichen Herzogtums in Erregung gehalten hatte, als 
seinen gordischen Knoten der Märzsturm des gewaltigen Jahres (wie so manche 
andere Lebensprobleme des Jahrhunderts) bis auf weiteres löste,') 

Es war am 2. März, als auf dem grossen Platze vor dem „Nassauer Hof* 
und den „Vier Jahreszeiten" der Abgeordnete Hergenhahn, ein nachmaliges 
Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung'^), unter ungeheurem Jubel des 
versammelten Volkes die 9 Forderungen verlas, deren herzogliche Bewilligung 
die Grundlage des neuen Verhältnisses zwischen dem nassauischen Volke und 
seinem Landesherrn bilden sollte. Diese Forderungen, mit denen sich eine 
Deputation zum Staatsminister begab, enthielten an siebenter Stelle die Be- 
dingung, dass die Domänen zum Staatseigentum erklärt würden und die Kon- 
trolle der Verwaltung die Stände übernehmen sollten. 

Der Herzog war in Berlin, und der Minister gelobte, alle Kraft aufzu- 
bieten, um die Forderungen durchzusetzen, und doch steigerten sich in den 
nächsten Stunden und Tagen Spannung und Erregung der Gemüter aufs Höchste 
und der Andrang zu den Waffen drohte zu einem Zeughaussturm sich zu ent- 
fesseln, wiewohl die verwitwete Herzogin Pauline und der jüngere Bruder des 
regierenden Herrn, Prinz Nicolaus, für die Bewilligung der ominösen 9 For- 
derungen sich verbürgt hatten, als endlich am 4., V-'^ ^hr des Nachmittags 
der Herzog in Wiesbaden eintraf. Er begab sich zu Fuss vom Bahnhof nach 
dem Schlosse, von dessen Balkon ihm die Herzogin, der Prinz und der Minister 
ängstlich harrend entgegen winkten. Nach einer kurzen Pause trat der Fürst 
auf den Balkon hinaus und redete zu der tausendköpfigen Menge folgende Worte: 
„Nassauer! Die Forderungen, die Ihr an mich gestellt habt, deren 
Gewährung Euch mein Minister versprochen und meine Mutter und 
mein Bruder mit ihrem Namen verbürgt haben, genehmige ich und 
werde ich halten I" 



156 

Den Enthusiasmus, welcher dieser am andern Tage auch durch den Druck 
verbreiteten Prüklaraatiou'^) naturgemäss folgte, sollte der Lauf der Ereignisse 
erheblich ernüchtero, als sich zufolge der seiner Schatulle entfallenen Domänen- 
gelder der Herzog veranlasst sah, die jährlichen Zuschüsse, die er dem Wies- 
badener Hoftheater gespendet hatte, zu entziehen und dem Theaterpersonal im 
Monat Mai bereits bis zum September zu kündigen/) 

So war dem nassauischen Domänenstreit die Wiesbadener Theaterfrage 
des Jahres 1848 entsprungen. Denn mit dieser herzoglichen Subventionseut- 
ziehung war das Fortbestehen der Wiesbadener Bühne illusorisch geworden. 
Der Aufregung, welche sich demzufolge aller Schichten der Stadt bemächtigte, 
gaben drei Petitionen Ausdruck, die der Stadtvorstand, die Bürgerschaft und 
das Theaterpersonal an die versammelten Stände richteten und welche in deren 
30. Verhandlung zu Wiesbaden am 18. August 1848 in Gegenwart der Regier- 
ungskonimissare : Präsident Vollpracht, Ministerialrat Bertram, Regierungsrat 
Werren und Baurat Boos, sowie der Mitglieder der Kammer unter dem Vor- 
sitz des Abgeordneten Wirth folgendermassen durch den Abgeordneten Creutz 
zum Vortrag kamen. ^) 

„Sämtliche Petitionen", begann er, „haben die Erhaltung der hiesigen, 
mit der Auflösung bedrohten Bühne zum Gegenstand und bitten demgemäss 
um einen von den Ständen zu gewährenden Zuschusa aus allgemeinen Mitteln." 
In der Kürze schloss er folgende Ausführungen an. 

Die erste Petition, die des Stadtvorstandes, fasse vorzugsweise die mate- 
riellen Verhältnisse der Stadt ins Auge, Gegen ihren Willen und unge- 
achtet ihrer bis zur höchsten Instanz fortgesetzten Protestationen sei die Stadt 
Wiesbaden im Jahre 1823 gezwungen worden, den Bau eines Theaters zu 
beginnen, dessen Vollendung eine Ausgabe von 218722 Gulden verursacht 
habe, ohne dass dadurch der Stadtkasse direkt eine Einnahme zugeflossen wäre. 
Im Gegenteile habe die Stadtkasse jedes Jahr neben der unentgeltlichen Über- 
lassung des Theatergebäudes und Entrichtung der Zinsen des verbauten Kapi- 
tals noch einen Zuschuss von 800 — 1000 Gulden für Unterhaltung und An- 
schaffung neuer Dekorationen leisten müssen. Im Jahre 1839 sei das Theater 
Hoftheater geworden und infolge dieser Bevorzugung sei die Verpflichtung zur 
Unterhaltung der Dekorationen in eine jährliche Aversionalsumme von 500 Gulden 
verwandelt worden. Die Ereignisse des März, infolge deren die Domänen als 
Staatseigentum erklärt worden seien, haben die Intendanz des Iloftheaters ver- 
anlasst, sämtlichem Bühnenpersonale zu kündigen und zwar derart, dass am 
1. September sämtliche Kontrakte erlöschen sollten. Da es nun der Stadt bei 
ihrer sich auf 336000 Gulden belaufenden Schuldenlast unmöglich sei, das 
Theater zu erhalten, wenn der vom Herzog geleistete Zuschuss von mindestens 
50 000 Gulden am 1. September entfalle, so wende sich der Stadtvorstand an 
die Kammer um eine Verwilligung von mindestens 45000 Gulden aus der 
Landessteuerkasse. „Die Bittsteller begründen dies Gesuch", setzte der Referent 
auseinander, „im Besonderen mit dem Hinweis, dass das Theater für Wiesbaden 
eine Lebensfrage sei, es sei eine Hauptursache des gesteigerten Kurbesuches, 
sei die Veranlassung, dass viele fremde Familien auch während des Winters 



157. 

hier und in der Umgegend verweilten. Durch das Eingehen des Theaters werde 
Wiesbaden zu einem Kurort zweiten Ranges herabgedrückt und die Stadt, 
welche das System der früheren Bevormundung zu treibhausmässiger Entwickc- 
lung und unnatürlicher Vergrösserung geführt habe, werde ihrem finanziellen 
Ruin überliefert. Überdies würden durch die Kündigung der Kontrakte des 
Theaterpersonals 70 — 80 Wohnungen frei. Ferner würden den Geschäftsleuten 
jährlich mindestens 100000 Gulden entzogen, und endlich würde eine beträcht- 
liche Anzahl von Bürgern, die ausschliesslich vom Theater gelebt hätten, als 
brotlos der Stadtkasse zur Last fallen. Schliesslich aber würde die aus der 
Erhaltung seines Theaters sich ergebende Hebung Wiesbadens als Kurort 
nicht allein der Stadt zu gute kommen, sondern auch ganz Nassau weittragen- 
den Nutzen bringen." 

So war denn seitens des Stadtvorstandos das Utilitätsprinzip höchst stim- 
mungsvoll in den Vordergrund gestellt; eine vortreffliche Ergänzung dieser 
ersten Eingabe bildete indessen die zweite Petition, die da erklärte, sie wolle 
das Theater nicht im mittelbaren Dienste und zum Schutze der städtischen 
Gewerbe, sondern im unmittelbaren Interesse der geistigen Bildung erhalten 
wissen. Der Staat sei nicht nur berechtigt, sondern vielmehr verpflichtet, 
das Theater zu erhalten als eine notwendig gebotene Anstalt für ästhetische, 
sittliche und nationale Bildung. Kein anderes Institut in der Reihe der staat- 
lichen Bildungsanstalten habe eine ähnliche Macht, so gemeinnützig auf alle 
Volksklassen und so vielseitig und ergreifend auf den Einzelnen einzuwirken. 
Schliesslich gipfelt die Petition in dem Hinweis, dass mit der Auflösung des 
Theaters Nassaus einzige Kunstanstalt zu Grabe getragen würde. So richten 
die Petenten den Wunsch an die Kammer, die Regierung zu veranlassen, dass 

1. das Wiesbadener Theater, entsprechend den Forderungen an eine 
geistige Bildungsaustalt, reorganisiert und verwaltet werde, 

2. dass jährHch bei der Kammer der Deckung des Kostenaufwandes 
entsprechende Anforderungen eingereicht werden, dass 

'S. aber inzwischen für die Zeit vom 3. Sept. 1848 bis zum 8. Sept. 
1849 von der Kammer 38000 Gulden bewilligt werden möchten. 

In mehreren Aulagen wurde der letzte der Anträge motiviert mit genauen 
Berechnungen der Budgets anderer Theater, die teils aus den Zuschüssen der 
Souveräne, wie aus öffentlichen Staatsmitteln ihre Existenzmöglichkeit gewännen. 
Im Besonderen wurden die Kostenüberschläge im Hinblick auf die Iloftheater 
in Darmstadt und in Kassel festgestellt. 

Damit sei der Hauptinhalt der vorliegenden Petitionen, fuhr der Abge- 
ordnete fort, vorgetragen, da die dritte ausschliesslich die Motive der ersten 
und zweiten wiederhole. Der Ausschuss der Kammer stimme mit den Aus- 
führungen der Petenten um so mehr überein, als die Bedeutung eines guten 
Theaters für sittliche, ästhetische und nationale Bildung ausser Frage stehe, 
und es ohne Beispiel sein würde, wenn ein Land wie Nassau und eine Stadt 
von der Grösse und dem weltbekannten Namen Wiesbadens völlig eines Theaters 
entbehren solle. „Gleichwohl'', schloss nun der Redner, ^sind wir nicht in der 



158 

Lage, der Versammlung vorerst die Bewilligung einer bestimmten Summe em- 
pfehlen zu können und beantragen daher, die drei Petitionen au die Regierung 
mit dem Ersuchen gelangen zu lassen, die Vorschläge zu prüfen und demnächst 
der Kanmier eine geeignete Vorlage zu machen." 

Mit diesem Antrag erklärte sich der Regierungskommissar einverstanden, 
wenn durch Vorlage eines Budgets der für den Bestand des Theaters erforder- 
liche Bedarf ermittelt sein würde. So wird die beschleunigte Wahl einer 
Kommission beschlossen, deren Berichte gleichfalls möglichst zu beschleunigen 
seien, da mit dem 1. September die Kontrakte der darstellenden Künstler zu 
Ende gingen. Dieser Bericht des Ausschusses wurde wiederum vom Abgeord- 
neten Creutz und zwar bereits am 24. August in der unter Vorsitz des Ab- 
geordneten Wirtli vereinigten Kammer im Beisein der Regierungskommissare 
Bertram und Werren vorgetragen. 

Die Notwendigkeit eines Theaters, hiess es in dem Bericht, habe der Aus- 
schuss ohne weiteres eingeräumt, indem den Ausführungen der Petenten voll 
beigepflichtet worden sei, nur würde sich zunächst fragen, ob nicht der Stadt 
selbst, der doch der unmittelbare Nutzen des Theaters zufliesse, auch dessen 
Erhaltung zuzuweisen sei. Das aber sei bei der tinanziellen Lage der Stadt 
unmöglich. 

So frage es sich weiter, ob nicht durch die Verbindung mit einer benach- 
barten Bühne Hilfe zu schaffen sei. Es kämen Mainz und Frankfurt in Frage. 
Eine Vereinigung mit dem Mainzer Theater habe früher bestanden und nicht 
zum Gedeihen gereicht; ein Anknüpfen mit der Frankfurter Bühne würde es 
ebenso wenig thun. So sei allerdings zu prüfen, aus welchen Gründen sich 
eine Theatersubvention aus öffentlichen Mitteln rechtfertigen lasse, und hier nun 
griff der Redner zu den gewichtigsten idealen Motiven, die in der Frage den 
letzten Ausschlag geben mussten : „Wir betrachten das Theater", sagte er, 
„als allgemeine Bilduugsanstalt. Wenn es wahr ist, dass eine gute Schau- 
bühne, indem sie zahllose Schwächen und Thorheiten geisselt und verspottet, 
tief und eingreifend auf die Veredelung des Volkslebens wirken kann, so scheint 
uns auch unzweifelhaft dem Staate die Unterstützung einer Anstalt, die sich 
seinen übrigen Bildungsanstalten anreiht, zuzumuten. Da nun der nassauische 
Staat nunmehriger Besitzer des Domanialvermögens sei, so erscheine es billig, 
dass eV helfend einträte. Die Stadtdirektion habe zwar die Bitte an die Kammer 
gerichtet, im Interesse des Theaters die Civilliste des Landesherrn um 45000 Gulden 
zu erhöhen. Die Kommission erwarte aber von einer vom Hofe unterstützten 
Bühne die erwünschten Resultate nicht. Endlich stellt der Abgeordnete, da die 
Kommission sich nicht habe verständigen können, im Verein mit dem Abgeord- 
neten Fresenius den persönlichen Antrag: „Die Kammer wolle besch Hessen, 
dass das hiesige Theater nach Massgabe der in der Vorstellung der 
Einwohner Wiesbadens enthalteneu Grundsätze reorgranisiert werde 
und eine Summe von .'32 880 Gulden einstweilen für das Jahr vom 
1. September 1848 bis 1. September 1840 als Zuschuss aus der 
Domäucukassc bewilligt werde." 



159 

Leider erfuhr dieser besonnene Antrag nicht alsbald, vielmehr überhaupt 
nicht allseitige Zustimmung. Im Gegenteil erregte er eine langatmige Debatte. 
Man müsse erst die wirklichen Erträge der Domänen beziffern, liiess es. Man 
solle zunächst eine Summe bis zu Ende des Jahres bewilligen, meinte man. Den 
schärfsten Ausdruck fand die Opposition in der Rede des Abgeordneten Lang. 
„Zunächst muss ich mich dagegen verwahren", begann er, „dass man dem Staat 
eine rechtliche Pflicht aufbürden will, das Theater zu erhalten. Wenn die Stadt 
Wiesbaden glaubt, Entschädigungsansprüche machen zu können, so mag sie sie 
gegen diejenigen geltend machen, welche sie gezwungen haben, das Theater zu 
bauen. Man kann auch nicht die Ausgabe für das Theater, die bisher geleistet 
worden ist, als eine Last, die auf den Domänen ruht, betrachten, sonst wäre 
jede Ausgabe des Hofes eine Domaniallast. Man hat, meines Wissens, für die 
Anforderung vorgebracht, sie soll gerechtfertigt sein im Interesse der Stadt 
Wiesbaden und im Interesse des Landes. Wenn zur Erhaltung: der Stadt Wies- 
baden eine Unterstützung nötig ist, so glaube ich, dass wir vollständig dazu 
berechtigt sind, obgleich uns neulich das Recht zu derartigen Dispositionen über 
das Staatsvermögen bestritten worden ist. Wir geben ja Unterstützungen zum 
Zwecke des Wegebaues, um eine Gemeinde in ihrem Wohlstande zu erhalten, 
ebenso können wir es bei der Stadt Wiesbaden thun. Wenn das Theater zur 
Erhaltung der Stadt Wiesbaden nötig ist, so sind wir berechtigt, eine Unter- 
stützung zu leisten, es handelt sich nur darum, ob für Wiesbaden ein selbst- 
ständiges Theater nötig ist, oder ob es mit Mainz verbunden werden könnte, 
und um die Grösse der Unterstützung. Der zweite und Hauptgrund für das 
Theater ist, dass es im Interesse der Kunst noch notwendig sei, ein solches 
Institut zu erhalten, und dass das Theater als wesentliches Bildungsraittel an- 
zusehen sei. Ich will das zugeben, aber dann wären wir doch jedenfalls in 
die Notwendigkeit versetzt, das Theater zu erhalten, wenn ohne das Wiesbadener 
Theater dieses Bildungsraittel dem Lande entginge. Wir haben kein deutsches 
Inland und kein Ausland mehr, das haben wir gesehen und gehört bei Gelegen- 
heit der Anwesenheit von Reichstruppen, die neulich nach Wiesbaden gezogen 
worden sind. Denken Sie sich die Grenze unseres Landes etwas weiter hinaus- 
gerückt, so haben Sie ganz in der Nähe vier Theater, in Mainz, Frank- 
furt, Koblenz und das im Entstehen begriffene Homburger Theater; 
es wäre also in dieser Beziehung für die Notwendigkeit hinlänglich 
gesorgt. Ich bin der Meinung, dass wir im Interesse des Landes eine solche 
Ausgabe nicht verantworten können, w^eil wir die Anstalt nicht notwendig haben. 
Denn der Kunstsinn kann sonst gepflegt werden. Es handelt sich aber 
ferner darum, ob die Stadt Wiesbaden nicht zu Grunde geht, wenn das Theater 
fällt. Ich glaube, das Theater kann auf der gegenwärtigen Stufe nicht er- 
halten werden, weil 30 — 40000 Gulden jährlich hierfür erforderlich wären, und 
W'ir eine solche Summe nicht werden geben können; ich glaube auch nicht, 
dass die Stadt Wiesbaden einen solchen Zuschuss von 40000 Gulden verlangen 
wird, ein solcher Zuschuss repräsentiert eine Million Kapital. Wir wollen im 
Interesse Wiesbadens das Theater erhalten bis zum letzten Dezember, und so 
lange ihm Unterstützung leisten, damit die Stadt Wiesbaden Gelegenheit bat, 



160 

andere Pläne zu bringen. Geschieht dies und zeigt sich sodann die Unmöglich- 
keit, das Theater zu erhalten, so kann es eben nicht erhalten werden, denn die 
Kammer wird, wie gesagt, 40000 Gulden nicht verwilligen. Ich glaube, dass 
im äussersten Falle der Staat allerdings billige Rücksicht in Beziehung auf das 
Gebäude eintreten lassen könnte; das könnte aber dadurch geschehen, dass 
das Gebäude vom Staate acquiriert und verwendet würde. Bei der Anforderung 
ist in Anschlag gebracht, dass der Spielpächter 5000 Gulden zum Theater zu- 
schiesst. Dieser Zuschuss wird wegfallen und wir werden den Ausfall decken 
müssen. Wenn wir einmal 40000 Gulden bewilligen und das Theater für eine 
Staatsanstalt ansehen, so wird sich die Summe bald auf 45000 Gulden erhöhen 
und später auf 60000 Gulden. Denn selche Summen erhöhen sich gar 
gerne. Ich glaube, dass wir das Mass der Billigkeit vollständig erschöpfen, 
wenn wir der Stadt Wiesbaden 6 oder 10000 Gulden zur Erhaltung des Theaters 
zuschlössen, und ihivdadurch Gelegenheit geben, mit Frankfurt oder Mainz in 
Unterhandlung zu treten und Pläne vorzulegen/ 

Hierauf erwiderte, nach kurzer Meinungsäusserung des Abgeordneten 
Schmidt, der Regierungskommissar Werren: 

„Die Gründe, die der Abgeordnete Lang angeführt hat, der die Bewohner 
von Nassau, welche die Befriedigung der Kunstbedürfnisse suchen, auf die 
Umgebung verweist, auf Mainz, Frankfurt, Koblenz und Homburg, beweisen zu 
viel, also so gut wie nichts. Aus denselben Gründen würde folgen, dass wir 
z. B. keines Gymnasiums bedürfen, weil Gymnasien an anderen Orten bestehen. 
Wenn diese Staaten, welche die Kosten für Gymnasien aufzuwenden haben, eben- 
so dächten, wenn sie in Berücksichtigung dessen, dass in Nassau drei Gymnasien 
sind, ihre eigenen aufheben, und so vice versa unser Staat, so blieb keines 
übrig, und genau ebenso würde es mit dem Theater gehen. Ich glaube, dass 
die Kammer namentlich von der Ansicht ausgehen wird, wenn sie überhaupt 
eine Yerwilligung gewähren will, dass das Theater eine Staatsbilduugsanstalt 
sei. Schliesslich muss ich mich sodann auch dagegen aussprechen, dass man die 
Yerwilligung nur bis zum Ende dieses Jahres geben will. Der Grund, weshalb 
die Sache als so dringlich, sowohl von der Regierung, wie von der Kammer 
anerkannt worden ist, liegt darin, dass das Theaterpersonal gerade jetzt bei 
Abschluss seiner Kontraktzeit Sicherheit haben wollte und musste über das 
Schicksal des Theaters, also eine Garantie für den Fortbestand, Diese Gewiss- 
heit wird aber nicht gegeben, wie mehrere Redner gesagt haben, durch eine 
Verwilligung blos bis zum 1. Januar kommenden Jahres, oder durch eine 
Verweisung auf eine Verbindung mit Mainz, indem daraufhin keine neuen Kon- 
trakte abgeschlossen werden können. (Allgemeines Bravo auf der Galeric.) 
Ich glaube, dass die Kammer diesem Antrage nicht zustimmen sollte, dass sie 
dagegen durch Verwilligung der angeforderten Summe eine Pflicht erfüllt, welche 
die fortgeschrittene Bildung unseres Zeitalters ihr auferlegt.'' 

So wird denn mit Emsigkeit und Begeisterung weiter debattiert, ob das 
Theater städtisch oder staatlich werden solle. Gegen das letztere erklärte sich 
im Besond«;ren der Abgeordnete Raht, ein Führer der Linken: ,Dio Ansicht 
de^ Abgeordneten Justi", behauptete er, „das Theater für eine Staatsanstalt 



161 

zu erklären, geht weit über die Petition hinaus; in dieser wird nur ura eine 
Unrerstützung gebeten, darum muss dieser Autrag iu anderer Furm behandelt 
werden. Es kann dem Abgeordneten Justi überlassen bleiben, in geschäfta- 
. ordnungsmässiger Form einen Antrag darauf zu stellen; dann muss er geprüft 
und diskutiert werden und alle Stadien der Geschäftsordnung durchlaufen, bei 
dieser Geldbewilligung aber kann er nicht zur Beratung kommen. — — Ich 
will kein Ideal von einem grossen Staatsgebiete nehmen; grosse Staaten 
haben die Theater; wenn aber dieser Grundsatz auf die Einführung solcher 
Institute auf kleine Staaten, wie der unsrige, angewendet werden soll, so wird 
der Druck in Beziehung auf die Kosten sehr gross werden. Ein Theater ist 
notwendig in grossen Städten, und es wird, wie z. B. in Paris, viel darauf 
verwendet, jedoch in anderer Absicht, es geschieht, um den Arbeitslosen Arbeit 
und Verdienst zu geben nach dem bekannten Satze: panem et circenses! als 
Zerstreuung und Befriedigung des empörungssüchtigen Yolkes. Das war der 
Grund. Es ist sodann von mehreren Rednern bemerkt worden, dass das hiesisre 
Theater ganz aufhören soll: das wird nach meinem Antrag nicht der Fall sein. 
Ich habe zugegeben, dass eine Subvention von selten des Staates stattfinden 
könne, dass man aber auf eine sparsame Einrichtung bedacht sein müsse, da- 
mit die Subvention aufzubringen ist. Man hat von Verbindungsversuchen mit 
Frankfurt und Mainz gesprochen und die früheren Beispiele als Abmahnung 
für eine jetzige Verbindung angeführt. Diese Beispiele sind aber nicht mehr 
am Platze. Der Glanz von Wiesbaden ist unter der vorigen Einrichtung des 
Theaters sehr gehoben worden, er hat seither bedeutend abgenommen, mithin 
wäre erwiesen, dass diese früher bestandene Einrichtung den Glanz der Kur 
und den Wohlstand der Stadt nicht herabdrücken wird. 

Wenn auf das Schicksal der beim Theater angestellten Personen hinge- 
deutet worden ist, so ist dies zwar geeignet, um Mitleid zu erwecken, aber 
nicht auf Staatshandlungeu Einfluss auszuüben; es ist nachgewiesen und kann 
als sicher angenommen werden, dass das Theater in Wiesbaden fortbestehen kann, 
wenn man andere Einrichtungen trifft und wenn etwas gj-össere Anstrengungen 
geschehen. Man hat nach dem Etat aus der Stadtkasse nur 500 Gulden dazu 
gegeben: ich glaube, dass die unmittelbaren Vorteile, die der Stadt Wiesbaden 
aus dem Theater zugehen, wohl eine grössere Anstrengung der Stadt fordern. 
Aus dem Umstände, dass der Stadt unter der alten Regierung aufgegeben 
worden ist, ein Theater zu errichten, wird man eine Verpflichtung für uns 
nicht ableiten wollen, das Theater zu dotieren. Ich glaube, wenn dies ge- 
schehen ist, so war es eine ausserordentliche Überschreitung der Befugnis der 
Staatsbehörde, und kann Grund zu einem Regress gegen diejenigen abgeben, 
die sich so etwas erlaubt haben. Ich glaube auch, dass eine solche Über- 
schreitung durch Anwendung verfassungsmässiger Mittel hätte beseitigt werden 
können, man hätte ja nötigenfalls bis zum Bundestag gehen können, 
um zu verhüten, dass man der Stadt eine Ausgabe von 230000 Gulden 
gegen den Willen der Stadt auferlege. Ich sehe aber aus diesem Um- 
stände keine Verpflichtung für das Land, etwas auszugeben für den vorliegen- 
den Zweck. Wäre der Begriff einer Staatsanstalt auf das Theater 



162 

für anwendbar erklärt, so würde man bald von der Würde des 
Staates sprechen, welcher dieses und jenes Grossartige in den Ein- 
richtungen fordere, und man würde sie vergleichen mit anderen 
grossen Anstalten, und die Ausgaben hätten gar keine Grenzen 
mehr. Jedenfalls bitte ich zu beachten, dass der Antrag, das Theater zu einer 
Staatsanstalt zu erklären, nicht in dieser Form geschehen kann."") 

Hierauf ergriff das "Wort der x^bgeordnete Fresenius. Ob die Stadt, führte 
er aus, wenn sie sich gegen den gezwungenen Theaterbau widersetzt und nach 
der Bemerkung des Abgeordneten Raht an den Bundestag gewendet haben 
würde, von dort Recht bekommen hätte, sei sehr zweifelhaft; höchst wahr- 
scheinlich würde der Prozess bis auf die heutige Stunde noch nicht erledigt 
sein. Ein zweiter Grund, der für das Gesuch der Stadt Wiesbaden spreche, 
sei der, dass die Domänen bis jetzt den nötigen Zusehuss zum Theater geleistet 
hätten. Die Domänen seien Staatseigentum geworden, und es Hessen 
sich, wenn auch keine Rechtsgründe, doch gewiss ebenfalls Billig- 
keitsgründe dafür anführen, dass derjenige, welcher die Domänen 
bekommen habe, daraus bestreiten müsse, was vorher daraus bestritten 
worden sei. Aber auch die Klugheit erfordere es, dass das Theater fortbestehe, 
denn wenn Wiesbadens Blüte sinke, so verlöre mit der Stadt das ganze Land. 
Das bedürfe keines weiteren Beweises. „Wenn ein Glied krank ist", fuhr der 
Redner fort, „so leidet der ganze Körper mit und wenn das Herz krank ist, 
so ist es der ganze Körper — eine Residenzstadt kann auf diese Weise ver- 
nichtet werden. — Und endlich — die Gerechtigkeit verlangt, dass die Theater 
bestehen. Es wäre wahrhaftig kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt, wenn 
man wegen der materiellen Interessen die geistigen ganz in den Hintergrund 
drücken würde; die Kunst verdient, wie der Ackerbau, die Gewerbe, sie ver- 
dient wie die Wissenschaft geschützt zu werden. Wir üben keine Willkür, 
sondern ein Recht aus, wenn wir Wiesbaden eine Kunstanstalt erhalten; dass 
sie eine andere Einrichtung erhalten muss, das versteht sich von selbst, und 
dass die Anstalt gerade hier erhalten wird, das ist darum nötig, weil Wiesbaden 
die Residenz und die grösste Stadt im Land ist. Ich würde ebenso warm 
dafür sprechen, wenn das Theater irgendwo anders angelegt wäre; also Klug- 
heit, Billigkeit und Gerechtigkeit müssen uns dafür bestimmen, dass 
wir das Theater erhalten. Es ist davon gesprochen worden, dass wir das 
Theater mit den Theatern anderer Städte vereinigen können, das ist aber nicht 
wohl ausführbar. Ein Theater, wie wir es als Bildungsanstalt bedürfen, 
muss von der Art sein, dass es die Nationalbildung steigert, dass 
es dem Volke die Geschichte und die Kunst vorführt. Wenn mau 
diesen Zweck nicht im Auge hat, so kann man sich eine wandernde 
Truppe kommen lassen, eine solche gäbe vielleicht noch etwas dazu, 
wenn man ihr das Gebäude unentgeltlich überliesse. — Wir müssen 
aber das Ideal einer Bühne im Auge haben, nicht ihr Zerrbild. Man 
hat gesagt, das Theater dürfe keine Staatsanstalt sein, allein das soll auch 
Jetzt nicht gesagt werden; wir haben jetzt noch keine definitive Entschliessung 
darüber zu fassen; der Antrag geht nur auf ein Jahr. Also die Frage, ob 



1G3 

das Theater eine Staatsanstalt sein soll, wird später zur Sprache kommen 
müssen, jetzt ist es nur eine provisorische Bewilligung auf ein Jahr und ich 
glaube, dies lässt sich leicht rechtfertigen, 

1. weil es nicht angehen wird, Mitglieder einer Bühne auf eine so 
kurze Dauer von wenigen Monaten zu engagieren; die tüchti^t^n 
Mitglieder werden sich nicht darauf einlassen, sondern anderwärts 
ein Engagement suchen, es kann somit kein tüchtiges Personal 
engagiert werden, 

2. der Grund derjenigen, welche die Sache von dem Stand der Do- 
mänen abhängig machen wollen, ist wieder nicht stichhaltig; wir 
werden wohl ein Jahr brauchen, um zu erfahren, wie viel das Do- 
manialvermögen dem Lande einträgt. Meine Herren! Erhalten wir 
das Theater unserem wichtigen Kurort". 

Diesen warmherzigen Worten folgte ein lebhaftes Bravo von der Galerie, 
das sich der Vorsitzende Wirth freilich „ernstlich verbat". Das Auditorium 
dürfe weder billigend noch missbilligend über die Redner laut werden. Darauf 
führte der Abg. Fresenius seine Rede zum Schlüsse: „Es fragt sich, wollen 
wir vor- oder zurückschreiten. Ein gutes Theater fördert die Kultur, das wird 
wohl Niemand leugnen, — dass Männer, welche den Fortschritt wollen, die 
Kultur befördern müssen, wird wohl ebenfalls Niemand bestreiten. Wer dem- 
nach gegen die Aufrechterhaltung des Theaters stimmt, sage nur nicht, dass 
er dem Fortschritt huldige!" 

So zieht sich die Debatte in die Länge. Die Linke verwahrt sich unter 
Gelächter gegen die Verdächtigung, sie sei aus Rückschrittsmännern gebildet. 
„Will man das Theater fortbestehen lassen", variierte dann der Abg. Grossmann 
das Thema, „so muss man auch die Mittel dazu bewilligen. Mit einer Bewil- 
ligung bis zum 1. Januar 1849 ist nichts gethan. Ich erlaube mir schliess- 
lich auf die Worte unseres liebenswürdigen Dichters über unser 
kleines nassauisches Vaterland aufmerksam zu machen. Sie lauten: 

„Seltsames Land! Hier haben die Flüsse Geschmack und 
die Quellen; 
Bei den Bewohnern allein hab' ich noch keinen verspürt."') 

Lassen Sie uns nicht die Gymnasien und das Theater abschaffen. 
Sonst würde jenes Wort des Dichters wieder zur Wahrheit werden, 
wie es dies früher war." 

In ähnlichem Sinne äusserte sich der Abgeordnete Bertram. Es könne 
sein, sagte er, dass die Kammer schon in 6 Wochen geschlossen werde. Was 
dann am 1. Januar geschehen solle? Der Wohlstand der Stadt hänge in 
hohem Grade von dem Fortbestande des Theaters ab. Man fördere das Staats- 
interesse weit eher, wenn man Kunstanstalten bestehen lasse, die fremdes Geld 
ins Land brächten, das die Leute veranlasse, allerlei L^nternehmungen zu machen, 
die dem Staate wiederum einträglich seien. Wenn man sage, bis L Januar 
1849 könne man sich mit Frankfurt oder Mainz vereinigen, dann bringe man 
eine Masse von Hausbesitzern an den Bettelstab und die Mitglieder der hiesigen 



164 

Bühnengesellschaft zur Yerzweiflung. Hierauf erklärt der Abgeordnete Raht, 
dass der Termin bis auf den 1. Januar 1849 in der Voraudsicht gestellt worden 
sei, dass bis dahin die Domänenfrage erledigt sein werde. „Ich glaube sodann 
bemerken zu müssen", wendet er sich gegen den citatentüchtigen Kollegen 
Grossmann, „dass der von dem vorletzten Redner erwähnte injuriüse Ausspruch 
gegen die Xassauer wenigstens in dieser Versammlung nicht hätte vorkommen 
sollen." Hierauf versetzt wiederum kurz und bündig der Abgeordnete Gross- 
mann: „Ich weise die Äusserung des Abgeordneten Raht entschieden zurück, 
ich weiss sehr gut, was ich zu sagen habe. Der Herr ^abgeordnete muss mich 
sar nicht verstanden haben!" 

Schliesslich nähert man sich aber doch auf solche unterhaltende Art der 
Abstimmung. Zunächst fasst der Vorsitzende AVirth die Ergebnisse der Aus- 
einandersetzungen dahin zusammen: 

I. Die Abgeordneten Fresenius und Creutz haben vorgeschlagen, 
die Kammer wolle beschliessen, dass 1, das hiesige Theater für eine 
Staatsanstalt zu erklären sei und 2. die Summe von 33000 Gulden 
als Zuschuss zu bewilligen sei. 
II. Der zweite Antrag ist der der Abgeordneten Justi und Wimpf 
und geht dahin, 10960 Gulden bis zum 1. Januar 1849 zu be- 
willigen. 
III. Der dritte Antrag ist der des Abgeordneten Raht: bis zu dem 

1. Januar 6000 Gulden zu bewilligen. 
Der Antrag des Vorsitzenden, in chronologischer Ordnung die Abstimmung 
folgen zu lassen, wird angenommen. So wird denn der Antrag Creutz - 
Fresenius — auch in erfolgter Gegenprobe — mit 20 gegen 19 Stimmen 
verworfen. Hierauf wird über den Antrag der Abgeordneten Justi-Wimpf 
auf Bewilligung von 10960 Gulden abgestimmt und solcher mit 29 Stimmen 
angenommen. „Hierdurch wird", erklärte der Vorsitzende, „die Abstimmung 
über den Antrag des Abgeordneten Raht überflüssig." — 

So hatte die Wiesbadener Theaterfrage des Jahres 1848 zunächst ihre 
Lösung gefunden. War auch in den Vordergrund der Erörterungen der mate- 
rielle Nutzen der Stadt gerückt worden, so hatte schliesslich doch der deutsche 
Idealismus in freilich kleinstaatlicher Benommenheit das entscheidende Wort 
gesprochen ; und hatte auch einer der Abgeordneten in bitterem Humor das 
Distichon Schillers in die Debatte hineingerufen : 

„Seltsames Land! Hier haben die Flüsse Geschmack und die Quellen; 
Bei den Bewohnern allein hab' ich noch keinen verspürt ! 
so war es doch eines der köstlichsten ästhetischen Evangelien des deutschen 
Volkes, Schillers Aufsatz: „Die Schaubühne als eine moralische Anstalt 
betrachtet", an dessen Hand man die schliessliche Lösung fand. „Es ist 
die Ansicht von Schelling", hatte einer der Redner gesprochen, „der Staat sei 
die Realisierung der Rechtsidee. Es giebt aber auch noch eine Ansicht vom 
Staate, wonach derselbe der Inhalt aller Anstalten ist, welche die Erreichung 
der liöchsteHi Ausbildung der menschlichen Gesellschaft bedingen. Wenn mau 



165 

das Theater als Bilduogsanstalt betrachtet, so gehört es zu denjenio-en. zu 
deren Errichtung und Forterhaltung die Staatsgewalt ganz besonders verpflichtet 
ist. Ich verweise auf die Abhandlung Schillers vom Theater als Bildungs- 
anstalt. Auch lehrt die Geschichte", fuhr der Abgeordnete (er hiess Leisler 
und war ein Hauptvertreter des schönen Antrags Creutz-Freseniua) frei 
nach Schiller fort: „Auch lehrt die Geschichte, dass man die Theater meistens 
so angesehen hat. Gehen wir zurück auf Griechenland und Rom, so finden 
wir in grossartigem Massstabe öffentliche Spiele auf eine Weise, wie wir sie 
in unserer Zeit nicht finden. Die Unterstützung solcher Anstalten kann in der 
neueren Zeit in monarchischen und in manchen anderen Staaten gefunden 
werden, auch in dem republikanischen Venedig."^) 

In ähnlichem Sinne hatte das Spezialvotum des Abg. Justi gelautet: 
„Auf verschiedenen Wegen zeigt sich der Mensch als geistiges Wesen 
und sucht die Kategorien des Geistes im Leben darzustellen. 

Die Religion, die Kunst, das Recht, die Wissenschaft und das soziale 
Leben sind die Formen, in denen sich der Mensch als geistiges Wesen zu er- 
kennen gibt, und welche zusammen das Leben in dem Staate, den Staat selbst 
ausmachen. Der Rechtsstaat als solcher umfasst nur eine fener Seiten und es 
ist bisher eine grosse Anmassung gewesen, diese Seite allein als den Staat zu 
betrachten, indem doch erst alle jene Erscheinungen zusammen den Staat aus- 
machen, weil erst durch diese alle Bedürfnisse des Menschen zur Befriedigung 
kommen. 

Hierdurch ist erwiesen, dass die Kunst ihre Notwendigkeit im Staate hat, 
und dass wir ein Institut, welches sie vertritt, welches das, was die Poesie und 
Musik Hohes schafft, lebendig vorführt, nicht untergehen lassen dürfen. Augen- 
blicklich scheinen die materiellen Interessen alles absorbieren zu wollen, sie 
haben jetzt gewiss eine grosse Bedeutung, aber wir dürfen doch die geistigen 
Interessen dabei nicht untergehen lassen, sondern müssen auch diesen ihre 
ewigen Rechte sichern. Um nun beiden Interessen in ihrem gebieterischen 
Rechte Rechnung zu tragen, ist es nötig, sich einerseits näher über den Stand 
des Fonds zu informieren, woraus früher die Kosten bestritten wurden, anderer- 
seits sich über die innere Organisation weitere Kenntnis zu verschaffen, um 
dann später eine sich darauf stützende bestimmte Bewilligung eintreten zu 
lassen". 

Wenn dieser Antrag siegte, so muss eingeräumt werden, dass der Wies- 
badener Presse das Zeugnis gebührt, ihrerseits mehrfach erklärt zu haben, dass 
die öffentliche Stimmung und Meinung des Landes sich in vollem Einklang 
sowohl mit den opportunistischen, wie den idealistischen Motivierungen der 
Kammerredner befinde. So schrieb in No. 158 die „Freie Zeitung" unter 
Wiesbaden, 13. August: „. . . Wenn man in billige Erwägung zieht, dass 
Wiesbaden es war, w^elches auf uneigennützige Weise für Realisierung der 
März-Errungenschaften, deren materielle Vorteile dem übrigen Lande 
zum grossen Teile zugefallen, in erster Reihe gekämpft hat; wenn ferner 
erwogen wird, dass die Stadt im Jahr 1826 vom Gouvernement gleichsam ge- 
zwungen wurde, nicht nur ein Theater (was 218000 Gulden gekostet) zu er- 

11 



IG6 

bauen, sondern überhaupt auch seine finanziellen Kräfte dem öffentlichen 
Interesse vielfach zum Opfer zu bringen, indem dieselbe treibhausartig 
aus ihrem natürlichen Entwickelungsgang herausgerissen und aller 
Einsprache ungeachtet in einem seinen Erwerbsquellen durchaus 
widersprechenden Verhältnisse vergrössert wurde und endlich, dass 
die Stadt bei einer Schuldenlast von 33G000 Gulden seit geraumer 
Zeit schon die höchsten direkten Steuern neben einer bedeutenden 
Accisabgabe erheben muss und somit nicht im stände ist, das Theater- 
institut aus eigenen Mitteln zu unterhalten, dürfte es nicht ungerecht- 
fertifft erscheinen, wenn man es mindestens für eine moralisahe Verbindlichkeit 
des Landes erklärt, dass es der Stadt Wiesbaden zur Eriialtung eines selbst- 
ständigen Theaters eine zwar entsprechende Unterstützung aus allgemeinen 
Mitteln verwilligt — eine Unterstützung, wie sie bis jetzt in keinem 
konstitutionellen Staat, ja selbst in der Republik Frankreich ver- 
weigert wurde! 

Sollte dies jedoch wider Verhoffen aus übelangeordneter Sparsamkeit 
nicht geschehen, so wird Wiesbaden — um nur den materiellen Punkt zu 
berühren — bis auf den innersten Kern erschüttert: ein 70000 Gulden um- 
schlagendes Personal ca. von 160 Köpfen (über die Hälfte hiesige Einwohner 
und Familienväter), wird brotlos, zahllose Wohnungen bleiben unbewohnt. 
Hunderte von Fremden werden den traurigen Kurort unbesucht lassen, während 
die Winterkur, die in den let/.ten Jahren so erfreuliche Resultate lieferte, auf 
Null reduziert wird. Mit einem Wort: das freundliche, mit so mannigfachen 
und empfindlichen Opfern vergrösserte, verschönerte und sich mithin eines an- 
ständigen Rufs erfreuende Wiesbaden (worauf unsere nassauischen Brüder 
weniger mit Neid, als mit Stolz blicken sollten) wird von seiner Höhe herab- 
gerissen, zu einem zweiten Wetzlar degradiert und — ruiniert". 

Mochte dies allzusehr vom Utilitätsstaudpunkt Wiesbadens pro domo und 
pro nrhe gesprochen sein, als dass jenseits der städtischen Gemarkung den 
Artikel des jungen und bereits von trefflich dirigierter Konkurrenz heimgesuchten 
lilattei') ein ungetrübtes Wohlwollen willkommen geheissen hätte, so wusste 
die Weisheit der jungen Schriftloitung im Brustton einer keineswegs städtischen 
Interessen einseitig verhaftet bleibenden, vielmehr das All des Landes fürsorglich 
umfassenden wahren Nationalität sich zu jenem politischen Idealismus empor- 
zuschwingen, welcher das Wiesbadener Kunstinstitut viel weniger um der Stadt, 
als um „der Heiligkeit der Kunst, um der Idee des Schönen, um der National- 
erziehung" — kurz, um einer Reihe von idealen Prinzipien und Kulturauf- 
gaben willen erhalten wissen wollte, die in jenem erstcitierten Artikel völlig 
ausser Gesichtsweite der „Freien Zeitung" verblieben waren. Diesmal — 
zehn Tage später, also am 23. August — erschien die Sachlage in den Augen 
des Blattes unter einer mehr transcendenten, über alles Stofflich - Materielle 
und alle niederen Nahr\ingsbedürfnisse platonisch erhabenen Auffassung. Der 
Artikel erschien diesmal arant Ja lettre^ als ein Publizistisch-Selbständiges, von 
einem besonderen Titel: .,I)ie Tlieaterfrage" gekrr.iit. Er lautete folgender- 
musseu: 



]r,7 

„Nachdem schon mehrmals diese Frage in diesem Blatte erwogen worden 
ist, halten wir es gleichwohl zum Zweck allseitiger [hinc illae lacrimae!] 
Verständigung nicht für überflüssig, nochmals in dieser Angelegenheit das Wort 
zu ergreifen. 

Bekanntlich steht es mit dem Tempel Thalias in Wiesbaden so, dass 
wenn von Seiten des Staats nicht eine namhafte Summe der Theaterkasse vor- 
gestreckt wird, die Pforten jenes Tempels sich schliessen müssen. Nun hat 
die Stadt Wiesbaden bei der Kammer dringend gebeten, letztere möge doch 
dem Theater der Stadt Wiesbaden zu Hilfe kommen, weil sonsten durch den 
Jiuin des Theaters nicht nur Brotlosigkeit des nicht unbedeutenden Theater- 
personals herbeigeführt würde, sondern auch die EinQahms([uellen der Stadt 
Wiesbaden selbst in bedeutendem Grade verstopfe würden. 

Wie sehr wir nun auch wünschen, dass die Künstler ein ihrem würdigen 
Berufe entsprechendes Auskommen finden möchten, und so sehr wir wünschen, 
dass der Wohlstand der Stadt Wiesbaden sich immer blühender entfalte, so 
müssen wir doch offen bekennen, dass wir deswegen bloss, weil im Falle 
der NichtUnterstützung Wiesbaden bedeutender Nachteil treffen 
würde, eine nicht unbeträchtliche Verausgabung [sie] aus der Staats- 
kasse zum Zwecke der Aufrechterhaltung des Theaters nicht für 
gerechtfertigt erachten können. 

Es gibt noch viele ungleich ärmere Gemeinden im Lande als Wiesbaden, 
für welche es ungleich schwerer ist, das notwendige Brot zu erwerben, und 
mit demselben Recht wie Wiesbaden eine so bedeutende Unterstützung ver- 
langt, ganz mit demselben Recht könnten es alle diese andern Ge- 
meinden. Dessenungeachtet wünschen wir, dem Theater in Wies- 
baden würde von Seiten des Staates unter die Arme gegriffen. 

Wir sprechen dieses aus mit Rücksicht auf die Interessen der 
heutigen Kunst, mit Rücksicht auf die Nationalerziehung. Dem Staat 
liegt nun einmal ob, alle Seiten des menschlichen Geistes zur grösst- 
möglichen Entfaltung zu bringen, ihm liegt auch die Aufgabe ob, 
der Idee des Schönen im Leben Eingang zu verschaffen. Und nun 
wäre es in der That unverantwortlich, wenn Nassau des einzigen ihm ange- 
hörigen Kunstinstituts verlustig würde, infolge einer allzu engherzig abwägen- 
den Knickerei, 

Freilich mag es auch in unserem Lande noch Menschen genug geben, 
welchen jede, auch die geringsten Ausgaben für die Kunst Luxus deucht; allein 
das Urteil solcher Menschen darf den Staat in seiner Rücksichtnahme auf die 
höchsten Interessen der Menschheit nicht hemmen. 

Die Bedeutung des Theaters für die Erziehung und Veredlung des Volkes, 
falls ersteres gehörig geleitet wird, ist von erkannt ungeheurer Wichtigkeit. 
Was kann veredelnder auf das Gemüt, was belebender auf den Geist 
wirken, als die unerreichten Meisterwerke unserer grossen Dichter? 

Und ist nicht die Musik eines der wesentlichsten Mittel zur Bilduns: eines 
richtigen Zartgefühls und Verfeinerung des Geschmacks? Nehmen wir uns, 
was die Pflege der Kunst anbelangt, die alten Athener zum Muster, deren Kunst- 

11* 



168 

liebe so weit ging, dass sie sogar unter Perikles eine besondere Kasse (das 
sog. Theorikon) haLcen, aus welcher den ärmeren Bürgern auf Staatskosten der 
Eintrittspreis in das Theater bezahlt wurde." 

Die herrschende Anschauung der Kammer konnte seitens der öffentlichen 
Meinung, soweit dieselbe in der Tagespresse zum Ausdruck gelangte, mithin 
kaum wirksamer unterstützt bezw. kaum anerkennender gebilligt und ermuntert 
werden. 

So erreichte denn das Regime der Hof-Intendanz auf der Wiesbadener 
Bühne mit dem 1. September seinen Abschluss und eine Kommission von siebeo- 
Yertrauensmännern der Stadt Wiesbaden trat an ihre Stelle. Und über diesem 
Wechsel waltete ein freundlicher Stern, denn innerhalb dieser sieben glänzte 
der Name des gefeiertsten zeitgenössischen Schriftstellers des schönen Herzog- 
tums, der Xame Wilhelm Heinrich Riehls. 1823 in Biebrich geboren, stand 
er damals als 25 jähriger junger Mann, wie er selber sagt: in seinen sonnen- 
hellsten Jahren. Er war Redakteur der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung", 
die unlängst — am 1. April — ans Licht getreten war, denn das Jahr 1848 
hatte dem Herzogtum Nassau unter anderen Wohlthaten auch die seiner ersten 
Zeitungen beschert. Riehl selbst, der ja längst vom Rhein an die Isar ver- 
pflanzt ist, hat nicht nur in dramatischer Lebendigkeit und Anschaulichkeit die 
nassauische Chronik des Jahres 1848 geschrieben, sondern auch jene bürgerliche 
Wiesbadener Theaterkommission in Aufzeichnungen verewigt, die zwar nicht 
das straffe Gewand pragmatisch-annalistischer Geschichtsschreibung tragen, aber, 
wenn sie auch im farbenhellen Gewand der Dichtung erscheinen, so dennoch den 
vollen Anspruch jener historischen Treue erheben, die sich auf persönliches 
Miterleben gründet. Er selbst nennt denn auch die Dichtung, welche beiläufig 
den Titel ^Das Theaterkind" trägt und deren Heldin die damalige (freilich 
fingierte) Naive des Wiesbadener Theaters ist, eine „Memoiren-Novelle 
aus der Gegenwart".'") Natürlich darf uns hier der rein dichterische Inhalt 
der Novelle nicht von der Wiesbadener Theaterfrage des Jahres 1848 abziehen, 
sondern allein ihre historische Grundlegung unsere Teilnahme fesseln. Der 
Erzähler beginnt: 

„Auf dem Direktionsbureau des Wiesbadener Hoftheaters stand ein Kanape, 
mit krebsrotem Wollenstofl* überzogen und so gross, dass eine ganze Familie 
darauf hätte Platz nehmen können. Augenfällig gehörte es gar nicht hierher; 
denn die übrigen Möbel des Zimmers waren ganz kanzleimässig, das krebsrote 
Kanape hingegen war bühnenmässig. Und in der That stammte es auch von 
der Bühne, war aber dort in Ungnade gefallen und ins Direktiouszimmer ver- 
bannt worden. 

Ich habe in meinem Leben kein so grosses Kanape gesehen, dafür sollte 
69 eben auch ein „mittelalterliches Kanape" sein (auf dem Theater gibts der- 
gleichen), und man hatte es für Spohrs Faust aus besonderen Gründen eigens 
80. ungeheuer lang machen lassen. 

Bei der Scene nämlich, wo Fausts Zaubermantel den Doktor mit seinen 
Genüssen durch die Decke des Saals in die Lüfte entführt, musste jenes Kanape 



169 

die Aufstellung dos Plugapparates maskieren. Dieser Aufflug machte sich nun 
allemal dadurch besonders schön, dass Einer der Freunde Fausts, ein kleiner 
Sänger, aber ein grosser Turner, beim Aufsteigen der Gruppe selbstvergessen 
einen Augenblick stehen blieb, dann aber, als der Mantel auf Manneshöhe vor 
ihm schwebte, plötzlich wie erwachend hinzusprang, den letzten Zipfel mit 
beiden Armen packte und solchergestalt frei schwebend mit emporstieg. '}2b^'\i 

Unlängst jedoch war es bei dieser malerischen Scene seltsam zugegangen. 

Der kleine Sänger fasste eben den massiven untersten Teil des Flugwerks, 
welches den Mantel darstellte und begann aufzuschweben, als er entsetzt ge- 
w^ahrtc, dass noch ein zweiter verspäteter J Fahrgast am gegenüberstehenden 
Zipfel des Mantels hängend hinten nachkam: das krebsrote Kanape begann 
gleichfalls ganz sachte mit aufzusteigen — ein Haken des Flugwerks hatte 
sich in dem Wollenzeuge verfangen, — die Maschine seufzte und stöhnte unter 
der übermässigen Last und drohte zu brechen, dem Doktor Faust war es sicht- 
lich selbst nicht mehr geheuer bei seiner Zauberei, das Publikum schwankte 
zwischen Angst und Lachen, der kleine Tenorist am untersten Mantelzipfel aber 
klammerte sich mit den Armen immer fester und wehrte mit den Beinen ver- 
zweiflungsmutig das grosse Kanape ab, welches wie ein Pendel schwindend 
ihn hinabzustürzen drohte; allein je kräftiger er dasselbe zurückstiess, um so 
gewaltiger fuhr es ihm in die Beine. So waren sie gegeneinander ringend 
schon fast bis zur Höhe der Suffitten gekommen, — da riss das Wollenzeuo" 
des Sophas, worin sich der Haken verfangen hatte, und mit lautem Gekrach 
stürzte das unselige Möbel aufs Podium und brach nebenbei zwei Füsse. Die 
plötzlich erleichterte Flugmaschine aber schnellte nun doppelt rasch in die Höhe 
und brachte den Doktor Faust samt seinen Genossen heil und sicher auf den 
Schnürboden, zum grossen Jubel des aufatmenden Parterres. 

So war das grosse Kanape in Ungnade gefallen und für alle Zeit von 
der Bühne ins Direktionszimmer verbannt worden. 

Wie oft habe ich nicht in den Jahren 1848 und 49 nachdenklich vor 
diesem heillosen Kanape gestanden und in melancholischem Ernste jener Faust- 
scene gedacht, welche das Möbel hierher gefördert hatte! Sie erinnerte mich 
gar zu lebhaft an unsere Bühnenleitung, sie war deren dramatisches Sinnbild. 

Doch muss ich zunächst erzählen, was das denn für eine Bühnenleifun? 
gewesen ist, und wie ich mit zu derselben gekommen bin. Das Wiesbadener 
Hoftheater hatte in der vormärzlichen Zeit bedeutende Zuschüsse aus den 
Privatmitteln des Herzogs erhalten. Mit der Revolution von 1848 hörten die- 
selben auf, und das Theater würde zu Grunde gegangen sein, wenn nicht der 
Landtag eine jährliche Subvention von 20000 Gulden aus Staatsgeldern bewilligt 
und die Gemeinde gleichfalls in den Säckel gegriffen hätte. Allein Beides nur 
unter dem Beding, dass die alte Kavaliers-Intendanz aufhöre, dass die Bühne ( 
reformiert, idealisiert, dass sie konstitutionell verwaltet, das heisst unter eine 
Oberleitung von Yertrauensmännern gestellt werde, welche dem Ministerium 
und durch dieses dem Landtage verantwortlich seien. „Vertrauensmänner" 
gab es damals überall, warum nicht auch im Theater? Diese Vertrauens- 
männer nannte man die Theaterkummissiou, 



170 

Sie war aber nicht bbs ein Beirat, öon<lorn sie dirigierte wirklich, mit 
Hilfe der Regisseure, sie ersetzte die gefallene Intendanz. Im ächten Geiste 
jener Tage war sie verantwortlich nach allen Seiton: nach oben dem Ministerium, 
nach unten dem Publikum, nach links dem Landtage und nach rechts dem 
Mao-istrat. Woraus man vielleicht folgern möchte, dass diese Kommission vor 
lauter Verantwortlichkeit kein Glied habe rühren können; allein wir schrieben 
1848, und damals hatte freie Hand, wer den Mut besass, Kopf und Hand zu 
"•ebrauchen. Und diesen Mut besassen wir. 

Die Mito-lieder unsers revolutionären Bühuendirektoriums waren Leute 
von allerlei Beruf und Zeichen: ein Chemiker, ein Jurist, ein Weinhändler, ein 
Schriftsteller, ein Philologe und ein Mann, der von seinem Geld lebte. Wenn 
so mancherlei Geister vereint dem Theater nicht helfen konnten, so war ihm 
augenfällig überhaupt nicht mehr zu helfen. 

Wir teilten uns derart in die Arbeit, dass der Chemiker, der Jurist, der 
Weinhändler und der Kapitalist die Ökonomie und die Finanzen überwachten, 
indes der Philolog und der Schriftsteller (letzteres meine Wenigkeit) die künst- 
lerischen Zügel zur Hand nahmen. Acht republikanisch walteten wir unseres 
Amtes ohne alles Entgelt und trieben die Strenge der Uneigennützigkeit so 
weit, dass wir nicht einmal unsern Frauen einen Freiplatz gönnten; wir wollten 
und sollten blos ehrenhalber Theater dirigieren. Äussere Ehre trugen wir aber 
demuDgeachtet blutwenig davon. Wir sind meines Wissens während drei Jahren 
niemals in einer Zeitung gelobt, desto öfter hingegen getadelt worden, und 
mussten uns also mit der inneren Ehre begnügen. 

Wahrlich, wir hatten einen harten Stand. Der Hof mied das Theater, 
ohne Zweifel, weil er in der neuen Leitung vorab einen groben Protest gegen 
die alte erblickte; die Demokraten murrten wider uns, weil ihnen das Repertoire 
zu zahm war, weil wir lieber die Iphigenie gaben als „Keine Jesuiten mehr," 
lieber den Wallenstein als den ewigen Juden, lieber den Don Juan als „das 
Weib aus dem Yolke" und überhaupt die Grille hegten, dass die Bühne ein 
Tempel der Kunst und nicht der Parteipolitik sei. Die Spielpächter mit ihrem 
mächtigen Anhang wurden uns gram, weil wir Iffland's , Spieler" zu geben 
wagten, während bis dahin jedes Stück, welches seine Spitze gegen die Spiel- 
wut kehrte, vom Wiesbadener Theater verbannt gewesen v.-ar. (!) Mancher alte 
Theaterfreund ward zum Theaterfeinde: denn warum hatte man ihn nicht vor 
Allen in die Kommission gewählt? (Thörichte Leute, die sichs so gar reizend 
vorstellen, das Scepter in dem kleinen Königreiche des Theaters zu führen, 
namentlich wegen der schönen Schauspielerinnen und Sängerinnen! Keinem 
Menschen erscheinen diese Schönheiten weniger schön als einem Theaterdirektor.) 
Die zahllosen ehemaligen Freibilleter räsonnierten über uns, weil sie in voller 
staatsbürgerlicher Gleichheit nun ebenfalls zahlen sollten. Das parteilose Kur- 
publikum endlich blieb im Sommer aus wegen der unruhigen Zeit und folglich 
kamen im ruhigen Winter auch die meisten Wiesbadener nicht ins Theater, 
weil ihnen der Sommer kein Geld gebracht hatte. An gar manchem schönen 
Tlicateral)en<l hätte man im Parterre Purzelbäume schlagen können, und der 
Kassierer trug die Tageseiniiahme in der Westentasche heim. 



171 



Trotzdem blieben wir immer hochgemut und hoffnungsfreudig. Die mit 
den Finanzen betraute Ilillfte unserer Kommission betrachtete sich als eine Art 
Rettungsmannsclia''t, der es auch durch strengen, knappen Haushalt gelang, 
das SchifHein durch die Klippen des Bankerotts zu steuern. Aber für sulch 
verdriessliche Knickerei darf man keinen Dank erwarten. Uns beiden künst- 
lerischen Führern dagegen, jungen Männern in den sonnenhellsten Jahren, stand 
der Sinn nach idealem Ziele, nach einer reinen Priestm-schaft des Schönen; 
man schwärmte damals im deutschen Parlament, in den Kabinetten und auf 
der Gasse für so vielerlei reine Prie.>terschaft, warum sollten wir im Wies- 
badener Theater nicht auch für dergleichen schwärmen? 

Auf Fausts Mantel flogen wir zum Äther empor, aber das krebsrote 
Kanape, der garstige Realismus jeder Bühnenleitung, dieses unbemerkt sich 
einhakende Gespenst, stieg mit uns in die Höhe, und im schönsten Aufschwung 
sahen wir's entsetzt zu uusern Füssen baumeln, die Flugmaschine ächzte und 
stöhnte unter dem uuberechneten Ballast, und je mutiger wir ihn zurück- 
schleuderten, um so gefahrvoller schlug er uns wider die Beine. 

Nun werden meine Leser begreifen, warum ich so manchmal seufzend vor 
dem grossen Kanape auf und nieder ging; und wenn sich die Kommission, um 
Rats zu pflegen, auf das rote Ungeheuer setzte, dann war es mir allemal, als 
reite St. Georg auf seinem eigenen Lindwurm, noch bevor er ihm den Rest 
gegeben." 

Soweit die Erinnerungen des Herrn von Riehl. 

Dass die „Bürgerkommission" mit hohem Ernst ihre Aufgabe antrat 
und einen idealen Eifer einsetzte, um das anvertraute Kunstinstitut in würdig- 
ster Weise zu leiten und zu verwalten, dies beweisen das Programm und die 
Chronik ihrer Amtsführung. 

Den Vorsitz führte der schon mehrfach genannte Regierungsrat Werren. 
Die sechs anderen Mitglieder waren die Stadtvorsteher Röhr, Zoll mann, 
Bertram, der KoUaborator Bogler, der Professor Fresenius und also der 
Redakteur der Nassauischen Allgemeinen Zeitung W. H. Riehl. 

Regisseure waren Jaskewitz, Stölzel und Dr. Meyer. 

Kapellmeister waren Foreit und Christian Rummel, letzterer gerühmt 
als ausgezeichneter Pianist und Violinist und als Herausgeber verschiedener 
Werke für Blasinstrumente; er aber starb schon 1S49; bereits 1848 mel- 
den die Theaterzettel vielfach seine Erkrankung.") Ihn vertrat demnächst der 
Kapellmeister Kreutzer. 

Die Koloratur-Sängerin war eine Tochter des genannten Hofkapellmeisters 
Rummel und die dramatische Sängerin ein Fräulein Kern. Fräulein Franziska 
Rummel bezog eine Monatsgage von 166 Gulden 40 Kreuzern und Fräulein 
Kern eine solche von 250 Gulden. Letztere gab in der Zeit vom 1. September 
bis zum Schlüsse des Jahres die Antonina im ,Belisar", die Marie in der 
„Regimentstochter", Leonore in „Stradella", Leonore in „Fidelio", Alice in 
„Robert der Teufel", Gabriele im „Nachtlager in Granada", Constanze in 
, Der Wasserträger", Blondehen in „Btdmoute und Constanze", Mathilde iu 



172 

^Tell", Agathe im „Freigchütz", Lucrezia Borgia, Valentine in den 
, Hugenotten", die Gräfin in „Figaro's Ilochzeit", Paniina in „Die Zaubor- 
tlöte", Norma, Jessonda und Desdemona; ihr erhöhtes Honorar erscheint 
also nur zu berechtigt; doch kaum mindere Kraft musste Fräulein Rummel 
einsetzen. Sie sang in dem gleichen Zeitabschnitt die Irene im „Belisar", 
die Elvira in „Die Stumme von Portici", Constanze in „Belmonte und Con- 
stanze", Margarethe v. Valois in den „Hugenotten", Susanna in „Figaro's 
Hochzeit", die Königin der Nacht in der „Zauberflöte", Adalgisa in „Norma", 
Camilla in ,Zampa", Madelaine im „Postillon", die Prinzessin von Na- 
varra in „Johann von Paris", Henriette in „Der Blitz" (Halevy), Amazili 
in „Jessonda", Lucia von Lammermoor und die Anna in „Die weisse 
Dame". Im Sonstigen umfasste die Gehaltsskala der Damen die Spannweite 
von monatlich 250 bis 20 Gulden abwärts. Mit dem letzteren Einkommen 
mussten sich die Choristinnen begnügen, die auf den damaligen Theaterzetteln 
noch unter der Gattung „Demoiselle" figurierten, während den glück- 
licher veranlagten oder sonst gehobenen Künstlerinnen bereits das Prädikat 
Fräulein vergönnt wurde. 

Der beste Schauspieler der Episode war Joseph Moys Adalbert Weilen- 
beck, derselbe, der nachmals im Ensemble der Meininger eine so dominierende, 
die Harmonie des Gesamtspiels überglänzende Rolle spielte. Den 20. Okt. 1820 
zu Fiume geboren, betrat Weilenbeck, mit akademischer Bildung versehen, 
anfangs der vierziger Jahre die Bühne, wirkte 1845 — 46 in Posen, 1846 — 47 
in Altona und 1848 — 49 als erster Charakterspieler in Wiesbaden (Mephisto, 
Perin u. s. w.). Nach einem mehrjährigen Engagement in Prag kehrte er 
auf ein Jahr 1858 — 59 nach Wiesbaden zurück; in den sechziger Jahren war 
er fast durchgehends in Breslau, und seit 1869 Mitglied des Herzoglichen Hof- 
theaters in Meiningen. In den letzten Jahren fast gänzlich erblindet, war er 
seit 1879 pensioniert und starb 1885 in Meiningen. Rollen aus seiner Meininger 
Periode waren: Papst Sixtus V., Shylock, Argan, Attinghausen, Polonius, Alba, 
Andreas Doria u. dgl. Weilenbecks Verdienste sind von Seiner Hoheit 
dem Herzog Georg s. Z. durch Verleihung des Ritterkreuzes des Herzoglich 
Ernestinischen Hausordens geehrt worden.'-) 

Weilenbeck gab im Jahre 1848 unter der Bürgerkommission auf der 
Wiesbadener Bühne unter anderen den Vanderstraaten in „Uriel Acosta", 
den Fischer Peter Pump in L. Schneiders „Der Ileiratsantrag auf Helgo- 
land", Wassilowitsch in dem „Lustspiel" der Birch - Pfeiffer: „Steffen 
Langer aus Glogau", Herzog v. Alba im „Egmont", den Marquis Dixieme 
in Benedix's „Das bemooste Haupt", den Ersten Arkebusier in „Wallensteins 
Lager", den Hauptmann von Silberkalb in „Die Karlsschüler", den Shy- 
lock im „Kaufmann von Venedig", Wurm in „Kabale und Liebe", Präsi- 
dent Lamoignon in „Das Urbild des TartüfFe", im „Tartüffe" selbst die Titel- 
rolle, den Kammerdiener Wolf iin „Verschwender", den Benjamin in „Die 
Valentine", den Mohren im „Fiesko", Rath Presser in „Er muss aufs Land", 
Ritter Hotham in „Zopf und Schwert", Marchese Appiani in „Dornen 



173 

und Lorbeer" (C. Lafont), Bruder Loronzo in „Romeo und Julia" und Gene- 
ral von rfrumbkow in „Prinz Friedrich" (Laube). 

lu welcher der engagierten Schauspielerinnen wir daa L^rbild der Sylvia 
Hut bland der Rie hl' sehen Novelle zu suchen haben, bleibt verborgen, und 
der Dichter selbst «rmiinteit nicht zum Forschen. „Für neugierige Kinder", 
sagt er, „ist diese Novelle nicht erzählt. Ich meine für Kinder, welche gar zu 
gerne wissen möchten, wer denn die handelnden Personen eigentlich gewesen 
sind, wer hinter der Maske steckt, wer dem Erzähler Modell gesessen. Darum 
hüte man sich, nach jenem „Ich" zu forschen, welches hier erzählt . . ., vor 
allem aber, wer denn jene schöne Sylvia Ruthland eigentlich gewesen, welche 
im November 1848 beim Wiesbadener Hoftheater fürs naive Fach engagiert 
wurde. Sylvia Ruthland hat im Leben viele gescheite Leute gefoppt, sie würde 
dann im Buche auch noch Thoreu foppen. In dieser Novelle ist alles erlebt; 
aber die Novelle ist nicht erlebt." 

L^nter den Damen, welche dem Wiesbadener Verbände selbst angehörton, 
gaben Frl. Fürst Rollen wie die Prinzessin Wilhelmine in „Zopf und 
Schwert", Fenella in „Die Stumme von Portici', Laura in „Die Karlsschüler", 
Freiin von Geldern in „Die Valentine", Lorle in „Dorf und Stadt" u. s. w., 
während Aufgaben wie Franziska von Hohenheim in „Die Karlsschüler", 
Porzia im „Kaufmann von Venedig", Lady Milford in „Kabale und Liebe", 
Julia in „Fiesko" u. s.w. in den Händen der Frau Flindt ruhten. Dieselbe 
bezog eine Jahresgage von 960 Gulden, w^ährend diejenige des Fräulein Fürst 
1100 Gulden betrug. 

Die Rolle des Egmont'schen Klärchen, in welcher die schöne Mainzer 
Naive Riehls die Bürgerkommission wie das Publikum so sehr entzückte, gab 
am 8. Oktober 1848 Fräulein Franziska Wagner vom Hoftheater zu Bern- 
burg als Gast. Möglich immerhin, dass in dieser Gastvorstellung gerade das 
Samenkorn der Riehl'schen Fabel Boden fand. Höchst sonderbarer Weise fehlt 
auf dem Personen- Verzeichnis der Egmont- Aufführung vom 8. Oktober Mar- 
garethe von Parma. (!) Unter sonstigen gastierenden Schauspielerinnen 
sind zu nennen: Frl. Dann vom Stadttheater in Frankfurt a. M. die am 
26. September die Judith in „Uriel Acosta" gab (und engagiert wurde) und 
am 2. Nov. die Louise Millerin, sowie Frl. Rosa Götz vom Theater zu 
Wesel, die am 9. November 1848 die Parthenia in Friedrich Halms „Der 
Sohn der Wildnis" und am 19. November die Leonore in „Fiesko" spielte. 
Übrigens blieben sie nicht die einzigen Künstlerinnen, welche gastierten; denn 
auch die Bürgerkommission scheint auf häutige Gastspiele jenes Gewicht gelegt 
zu haben, welches für jedes höhere gedeihliche schauspielerische Zusammen- 
wirken sich immer aufs Neue als höchst verhängnisvoll erweist, wie ich in meiner 
Besprechung von Dr. Otto Weddigen's rühmlicher Geschichte des Theaters 
in Wiesbaden (Wiesbaden, C. Schnegelberger & Co. 1894) in den Brock- 
hausischen „Blättern für litterarische Unterhaltung" des Näheren be- 
gründet habe und wie das letzte Gastspiel Friedrich Haase's auf der Wies- 
badener Hofbühne nur zu eklatant wiederum bewiesen hat, und dieses leider 
in Lessings „Emilia Galotti ■*.'') 



174 

Was nun die Passepartouts anbetrifft, welche nach den Rie hl' sehen 
Mitteilungen die Bürgerkommission auf ein Minimum bemass, da ihr jede Libe- 
ralität in dieser Hinsicht als Raub an der Würde ihres Kunstinstituts sreo-olten 
hätte, so wird auch hier die Sachlichkeit der RiehTschen Darstellung durch 
die Urkunden bestätigt, deren Einsichtnahme in der Bibliothek des Hoftheaters 
mir seitens des Intendanten der Königlichen Schauspiele, Herrn Kammerherrn 
Baron von Hülsen, auf das Freundlichste gestattet war.") 

Wenn wir von dem Theaterpersonal als zur engeren Hausgenossenschaft 
des Theaters gehörig absehen wollen, so hatten ständige Freibillets eigentlich 
nur der Kassenführer Low, der, wie wir wissen, zu oft nur den Reingewinn 
des Gesamtstrebens in der Westentasche nach Hause tragen konnte, der Poli- 
zeibeamte und der Theaterarzt. Im übrigen waren den Damen des Theaters 
ganz wie heute Prosceniumslogen eingeräumt, während den Schauspielern, ähn- 
lich wie heute, das Parterre überwiesen war. Nur den drei Regisseuren 
Jaskewitz, Stölzel und Dr. Meyer, wie den beiden Kapellmeistern Foreit 
und Rummel waren, wie dem Polizeihauptmann und dem Theaterarzt Sperr- 
sitze bewilligt, während den sieben Kommissionsmitgliedern und ihrem Rechnungs- 
führer alle Rangklassen des Logenhauses wenigstens für ihre eigenen opfer- 
freudigen Personen zur Verfügung standen. 

Und diese Vergünstigung allerdings hatten sie redlich verdient. Denn 
was die ideale Seite der Kommissionsverwaltung angeht, so kann die Geschichts- 
schreibung des Wiesbadener Theaters nicht umhin, ihr das beste Zeugnis und 
das höchste Lob auszufertigen. Sowohl auf dem Gebiete des Dramas wie dem 
der Oper leistete sie in den drei Monaten, die in die Grenzen dieses Themas 
fallen, ausserordentliches. Ihr Spielprogramm hielt sich auf der absoluten Höhe 
ihrer Zeit. In den paar Wochen vom September bis zum Jahresschlüsse führte 
sie auf dem Gebiete des klassischen Schauspiels , Romeo und Julia", „Kauf- 
mann von Venedig", ^Egmont", „Kabale und Liebe", „ Wallensteins Lager" und 
„Fiesko" auf, während sie doch zugleich den Dramatikern des jungen Deutsch- 
lands Gutzkow und Laube, sowie Raupach und Freytag, Carl Töpfer 
und Friedrich Halm liebevoll die Hand reichte, ohne freilich Stärke genug 
zu besitzen. Frau Birch aus dieser Gesellschaft fernzuhalten. Dafür fehlte 
gänzlich Heinrich von Kleist. Seine Stunde war noch nicht gekommen. 
So gingen Laubes „Prinz Friedrich'' und „Karlsschüler", Gustav Freytags 
„Die Valentine", vor allem Gutzkows „Uriel Acosta", „Urbild des Tartüife" 
und „Zopf und Schwert" in Scene, während doch für „König Rene's Tochter", 
Deinhardsteins „Hans Sachs", ein Stück, das immerhin minder kläglich ist als 
das sogenannte Festspiel G. Burckardts, und das Lorle der Birch-Pfeiffer 
Zeit erübrigt wurde. Die besten Lustspiele der Epoche stellte auch damals 
Frankreich: Molieres ,Tartüffe", Dumanoirs „Der handgreifliche Beweis", 
ßayards „Er muss auf's Land"; und Raimunds unverwüstlichem „Ver- 
schwender" fjlgteu am 9. Januar 1840 zum Entsetzen der Spielpächter Ifflands 
„Spieler". 

Mau muss gestehen, für den Zeitraum von einem Vierteljahr hatte die Kom- 
mission an Fülle des Gebotenen Erstaunliches geleistet und, der neuen Freiheit 



175 

froh, losgelöst; von den Fesseln polizeilicher Ccnsur und höfischer Etikette, ihr 
Wollen und Können ausschliesslich in den Dienst des Ideals gestellt. Die 
Leitung der Schauspiele ruhte in den Händen des um Wiesbaden vielfach 
verdient gewordenen Gymnasiallehrers Bogler. 

Auf dem Gebiete der Oper war Riehl selbst, bekanntlich einer der tiefsten 
Kenner deutscher und ausländischer Musik um! Musikgeschichte, der leitende 
Geist. So entfaltete sich das Repertoire in gleichem Reichtum, ohne dass eine 
klassicistische Einseitigkeit gegen das Publikum Bildungsexperimente von frag- 
würdigem Erfolge verübt hätte. So folgten sich Bellini und Cherubini, 
Rossini, Herold und Boieldieu, Lortzing, Donizetti, Weber und 
Halevy, Mozart und Beethoven, Kreutzer, Flotow und Meyerbeer, 
Auber und Spohr in rascher Folge und buntem Wechsel mit „Don Juan", 
„Jessonda", „Regimentstochter", „Entführung aus dem Serail", „Stradella", 
„Fidelio", „Robert der Teufel", „Hugenotten", „Stumme von Portici", „Zauber- 
flüte", „Postillon von Lonjumeau", „Nachtlager in Granada". ,Die Puritaner", 
„Der Wasserträger", „Pretiosa", „Teil", „Freischütz", „Figaros Hochzeit", 
„ZauberHöte", „Norma", „Zampa", „Johann von Paris", „Der Blitz", „Die 
beiden Schützen", „Lucia von Lammermoor", „Die weisse Dame", „Othello" 
— — und dies alles in dem einen engbemessenen Vierteljahr, während das 
neue Jahr Webers „Oberen" mit freundlicher Verheissung am 1. Januar 1849 
einleitete! 

So war denn der tragikomische Fall eingetreten, dass das Hoftheater des 
Herzogtums Nassau unter der Direktion eines städtischen Komitees einen un- 
leugbaren Aufschwung nahm, während finanzielle Bedrängnisse nicht aufhörtet), 
seine Existenzmösrlichkeit in Fragre zu stellen. Immerhin war der Wiesbadener 
Bühne aus dem Märzsturm des Jahres 1848 eine Epoche der Blüte erwachsen, 
in welcher der geistige Rang des leidgeprüften Instituts an ästhetischer Geltung 
gewann, was ihm für äussere Glanzentfaltung fürs Erste genommen blieb, da der 
Souverän die landesväterliche Hand der universellsten Kunstanstalt seines Volks 
entzogen hatte. 



Noten. 

^ Eine definitive Erieüigung fand die Angelegenheit erst 1861. Vgl. F. C. Medicus, 
Die t'iinfundzwanzigjährige Regierung Seiner Hoheit des Herzogs Adolph von 
Nassau. Wiesbaden, Feller & Gecks, 1864. S. 72: .,Herzog Adolph hat sich das hohe 
Verdienst erworben, dass er den lange bestandenen, bedauerlichen Domänenstreit zum Ab- 
schlüsse gebracht hat, indem nach eingeholter Zustimmung der Agnaten unterm '2'^. Januar 
1861 eine Vereinbarung mit den Landständen abgeschlossen worden ist, deren hauptsächlichste 
Bestimmung ist, dass von der reinen Einnahme der Domänen zehn Prozent zur Landessteuer- 
kasse fliessen und für Landesbedürfnisse verwendet werden," Karl Braun- Wiesbaden freif 
lieh ist wesentlich anderer Ansicht. Vgl. unten. 



176 

'^) August Ilorgcnhiihn war am 1*5. April iNtM zu Usingen geboren und starb am 
20. Dezember 1S74 zu "Wiesbaden. In der Mitte der 1840er Jahre in den nassauischen Land- 
tag gewählt, trat er bald an die Spitze der sich regenden Opposition und wurde Präsident 
der Deputiertenkamraer. Im März 1848 stand er an der Spitze der Bewegung in Nassau. 
Seiner Entschiedenheit war es wesentlich zu verdanken, dasa die sehr aufgeregten Massen, 
namentlich die ländliche Bevölkerung, von Ausschreitungen in "Wiesbaden zurückgehalten 
wurden. Während die Beliörden des Herzogtums alles Ansehen verloren hatten, gelang es 
Hergenhalin mit Hilfe der Sicherheits-Ausschüsse die Ruhe und Ordnung im ganzen auf- 
recht zu halten. Vgl. Allg. Deutsche Biographie. Leipzig 1880. Bd. 12. Er allein, der 
übrigens auch Präses des ^Sioherheits-Comites" war, hat Nassau im Fünfziger-Aus- 
schuss vertreten. In die Paul skir che waren neben ihm Max von Gagern, Schenok, 
Schepp, Friedr. Schulz und Hehner von Nassau deputiert. Vgl. W. H. Riehl, Nass. 
Chronik des Jahres 1848. Wiesbaden 1849. 

.,Auf einstimmigen Wunsch des Landes", berichtet die Allg. Deutsche Biographie 
a. a. O. weiter, ^wurde Hergenhahn am 16. April 1848 vom Herzog Adolph unter Ernen- 
nung zum Präsidenten mit der Leitung des Staatsministeriums unter ministerieller Verant- 
wortlichkeit beauftragt", und über diese seine Amtsführung fällt K. Braun (Bilder aus der 
deutschen Kleinstaaterei, Bd. II. S. 252) folgendes Urteil: ^Das Ministerium Hergenhahn 
regierte streng konstitutionell, nicht blos dem Lande, sondern auch dem Fürsten gegenüber. 
Als der letztere diese Bahn verliess, trat es ab. Diese kurze Periode einer Verfas- 
sung und Gesetz heilig achtenden Verwaltung betrachtete der Herzog als eine ebenso ord- 
nungswidrige, als für ewig überwundene Episode, auf welche er stets mit einem Gefühl der 
Demütigung, des Grimmes und der Bitterkeit zurückblickte. Noch 14 Jahre später Hess er 
dies den Minister H. fühlen, den er doch 1848 gar nicht genug mit Lobeserhebungen über- 
häufen konnte." 

^) Sie lautete (vgl. Extrabeilage zu No. 4 des Verordnungsblattes des Herzog- 
tums Nassau vom 3. März 1848): 

Den 5. März 1848. 
Landesherrliche Proclaraation. 

Getreue Nassauer ! 

Gestern Nachmittag von einer achttägigen Reise zurückgekehrt, liabe ich die ausser- 
ordentliche Lage des Landes erfahren. Ihr habt von mir gefordert: 

1. Allgemeine Volksbewaffnung mit freier Wahl seiner Anführer, namentlich sofortige 

Abgabe von 2000 Flinten und Munition au die Stadtbehörde von Wiesbaden, 

2. Unbedingte Pressfreiheit. 

:i. Sofortige Einberufung eines deutschen Parlaments. 

4. Sofortige Vereidigung des Militärs auf die Verfassung. 

5. Recht der freien Vereinigung. 

«. <)frentlichkeit. öffentliches mündliches Verfahren mit Schwurgcrichteii. 

7. Erklärung der Domänen zum Staatseigenthum, unter Controle der 

Verwaltung durch die Stände. 

8. Sofortige Einberufung der zweiten Kammer lediglich zur Entwerfung eines neuen 

Wahlgesetzes, welches auf dem Hauptgrundsatz beruht, dass die Wählbarkeit 
nicht an einen gewissen Vermögensbei-itz gebunden ist. 
'J. Beseitigung aller Beengungen der uns verfassungsmässig zustehenden Religions- 
freiheit. 

Diese Forderungen, deren Gewährung Euch mein ^linister versprochen und meine 
Mutter und mein Bruder mit Ihrem Namen verbürgt haben, genehmige ich uml werde ich 
halten. Habt Vertrauen auf mich, wie ich Vertrauen habe auf Eure Treue, und Muth, wenn 
das Vaterland bedroht ist und Eurer bedürfen sollte, 



177 

Die erste dieser Forderungen, die Volksbewaffnung, hat sich bereits gestern bewährt 
durcli die niuthige und treue Haltung der Bürgergarde von Wiesbaden und ich recline darauf 
dass sie auch überall im Lande mit Ordnung in Ausführung gebracht wird. 

Getreue Nassauer! Jetzt gilt es Ordnung und Ruhe aufrecht zu erhalten; diess ist um 
so nothwendiger in einer selbstständigen freien Gemeinde-Verfassung, die ich Euch gerne 
geben werde. 

Nassauerl wie ich mich auf Euch verlasse, so verlasst Euch fest auf Euren Herzog. 

Wiesbaden, den 5. März 184S. Adolph. 

Je länger, je weniger vermochte sich dennoch der Herzog mit der Sachlage, welche 
der siebente Paragraph seiner Proklamation geschaffen hatte, zu befreunden, und sihon im 
nächsten Jahre trat dieser hässliche Mein- und Dein-Prozess eines Souveräns mit seinem 
Volke in ein neues Stadium der Entwickelung : 

,Ende 1849'' (vgl. Karl Braun a. a. 0. S. 251), ^als es mit der „Revolution" schon vor- 
bei war, vereinbarte eine liberal-konservative, dem Herzog Adolph aufrichtig ergebene Kammer 
eine Verfassung mit ihm, welche auch den Domänenstreit erledigte. Der Friede war ge- 
schlossen. Das Land hielt ihn. Der Herzog nicht. 

Diese feierlich paktierte und publizierte Verfassung hob der Herzog 
Ende 18.51 einseitig auf, angeblich wegen der darin enthaltenen Grundrechte, in Wirk- 
lichkeit wohl, um die Staatsdomänen, deren publizistischer Charakter in jener Verfassung 
ausser Zweifel gestellt war, für fürstliches Privateigentum zu erklären." Soweit Karl Braun- 
Wiesbaden. Im weiteren deduziert er gerade aus dem Domänenstreit Konsequenzen, welche 
für die Dynastie tötlich wurden. 

Leider sind die Akten, welche sich auf die 1848er und sonstige Phasen 
des Domänenstreits beziehen, nach persönlichen Mitteilungen des städtischen 
Archivars Herrn Dr. Spielmann verschwunden. 

*) Dieser Kündigungsakte vermochte ich leider, trotz aller Bemühungen, nicht 
habhaft zu werden. 

'") Vgl. hier und im folgenden: Verhandlungen der Stände-Versammlung des 
Herzogthums Nassau von dem Jahre 1848. Bd. IL Wiesbaden, Druck der L. Schellen- 
berg'schen Hof-Buchdruckerei. S. 1 ff. 

*) Interessant ist die zeitgenössische Charakteristik des Redners, die W. IL Riehl 
entwirft in seiner immer seltener werdenden Broschüre: Nassauische Chronik des Jahres 
1848. Das ist: die Geschichte der Erhebung des Nassauischen Volkes. (Einzel- 
Abdruck aus der , Nassauischen Allgemeinen Zeitung"). Wiesbaden 1849, Druck und Verlag 
der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung. Er sendet Porträtskizzen der uns bereits 
bekannt gewordenen Redner Lang und Justi voraus: „Die hervorragendsten Physiognomien 
unserer Volkskammer zu skizzieren, ist nicht leicht, weil wir eben überhaupt gar wenig Ori- 
ginalität in derselben zu finden vermögen. Beginnen wir mit der äussersten Ecke der Linken, 
80 begegnet uns hier der Abg. Lang, der, ganz auf den Grundsätzen der ausgetretenen 
Minorität des Vorparlamentes fussend, seine demokratischen Schlagwörter voranstellt, und nun 
die Thatsachen denselben anpasst, mögen sie wollen oder nicht. Bei dieser Prokrustesarbeit 
verfährt Lang am konsequentesten von seinen Parteigenossen, wie er denn auch in der Sprache 
am derbsten und ungeniertesten Farbe bekennt. So lange es sich um allgemeine Erörterungen 
handelte, befand er sich in seinem Elemente, als es aber Spezialitäten der Gesetzgebung zu 
erledigen galt, nahm er selten mehr an der Debatte teil, weil hier freilich die paar geläufigen 
republikanischen und sozialistischen Kategorien nicht mehr ausreichten. Lang bildet die 
Spitze der kleinen Fraktion, welche im Prinzip und um des Prinzipes willen „ächte" Demo- 
kraten sein wollen, welche gegen die Regierung als solche Opposition machen. Justi hat 
sich viel mit philosophischen Studien befasst — was man den meisten anderen Mitgliedern aber 
nicht zum Vorwurf machen kann. — Er machte anfangs öfters den Versuch, die modernen 



178 

Demokraten hegelisch zurecht zu legen, fand jedoch, wie es scheint, bald, dass er hierfür in 
Nassau ein sehr undankbares Publikum habe und hielt sich nachgehends mehr an das Xächst- 
liegeude. Praktische. Jedenfalls ist es aber rühmend anzuerkennen, dass er jenem cynischen 
Radikalisrans entgegentrat, welcher Wissenschaft und Kunst als einen Luxusartikel über Bord 
geworfen wissen will, wie er sich ein paarmal mit empörender Roheit in unserer Kammer bereit 
machte. Grundverschieden von diesen Oppositionsmannern — so setzt dann Rahts Charakteristik 
ein — ist der Abg. Raht, der zwar erst später in die Kammer eintrat, docli aber sehr rasch 
der Führer seiner Partei wurde und sicherlich den Bund der Linken mit den Bauern am 
meisten vermittelt hat. Ein alter Jurist, von musterhafiem Fleisse, strenger Ordnungsliebe und 
zäher Ausdauer schlug er einen ganz anderen Weg ein, als jene Männer des puren demokra- 
tischen Prinzips, welche mit ein paar Worten, mit „ Volkssouveränitüt" und „revolutionärem 
Boden", in drei Tagen den ganzen Staat niederreissen und wieder aufbauen wollten. Er hielt 
sich an die Kritik der Einzelstaaten, spürte jeder, auch der unbedeutendsten Regierungsmass- 
regeln nach, um zu sehen, ob es da nichts zu verneinen und anzuklagen gäbe, und während 
die Oppositionsmänner des Prinzips mit ilirem schweren Geschütze immer in die Luft schössen, 
haben seine rastlosen Phinkeleien doch manchmal getroffen und verwundet. Übrigens war 
dies kein Wunder; denn wer im ganzen Lande mag die Schliche der alten Bureaukratie aus 
eigener Erfahrung genauer kennen, als der Abgeordnete Raht? Er taugte so gewiss zum 
Oppositionsmann, wie reuige Sünderinnen zu Betschwestern. Weil sie nämlich 
die Sünde von Grund aus studiert haben, verstehen sie sich auch um so gründlicher auf die 
üusse. In der trockenen Darstellungsart, dem unermüdlichen Aufpassen und Einspringen, der 
zähen Ausdauer hat Raht grosse Ähnlichkeit mit dem alten Itzstein. Jedenfalls hat die Rechte 
keinen auch nur halbwegs so eifrigen Verfechter ihm an die Seite zu stellen (a. a. 0. S. 4-t, 45). 

") Woher dem Redner diese litterarhistorische Offenbarung geworden, ist allerdings un- 
ergründlich. Am 18. Januar 1796 sandte Schiller das Epigramm an Goethe mit der Überschrift: 
„Die Gesundbrunnen zu N. X." Ebenso titulierte es Eduard Boas, der das Original- 
Xenien-Manuskript von Eekermann zur Herausgabe erhielt. So überkam die kostbare Hand- 
schrift und ihre von Boas bereits vollendete Bearbeitung Wendelin von Maltzahn, der sie 
1.H36, Schillers Tochter Emiüe Freifrau von Gleichen-Russwurm gewidmet, herausgab (Schillers 
und Goethes Xenien- Manuskript, Berlin 1856). 

Daselbst findet sich zu unserem Distichon die Glosse: „Eine Reminiscenz (??) aus dem 
Jahre 1791, wo Schiller in Karlsbad war, um dort den Brunnen zu trinken. Wir besitzen 
eine hübsche Zeichnung von ihm aus jener Zeit, die wir seinem Freunde, dem Maler Johann 
<'liristian Reinhard 'geboren 1761, gestorben in Rom 1847) zu danken haben. Der Dichter, 
mit leichtem Sommerrock und breitkrämpigem Hute angethan, sitzt quer auf einem Esel, behag- 
lich sein Pfeifchen rauchend. Übrigens schreibt Schiller den 12. Juni 1795 an Goethe: „Der 
Sprudel ist eine schlechte Hippokrene, mindestens so lange er getrunken wird" iS. 95). 

Es musste schon «lamals auffallen, dass Boas in seinem 1851 bei Cotta erschienenen 
Werke: Schiller und Goethe im Xenienkampf, Teil 1. 2. zwar dieselbe Erklärung be- 
reits gegeben hatte, aber die damalige Aufschrift: „Gesundbrunnen zu C***" (Teil 1, 
Seite 88) mit der ursprünglichen des Schiller -Goethe'schen Briefwechsels vertauscht hatte. 
Die Karlsbadhvpothese geht augenscheinlich auf K. Hoffmeisters , Nachlese zu Schillers 
Werken'- zurück, der sich seinerseits in fast durchgängiger Abhängigkeit von der im Jahre 
18:J3 erschienenen Ausgabe der Xenien durch G. Lösch in erweist (Danzig. 220 S.). Genug, dass 
Schillers Autorschaft als solche zweifelloser ist, als bezüglich manches anderen dieser Distichen, 
die bekanntlich seine Frau in einem Exemplar des Musenalmanachs aus späterer Erinnerung 
als Eigentum ihres Gatten oder Goethes mit einem „Seh" oder „G" zu kennzeiclinen suchte. 
Irgend welche Bezüglichkeit des hier in Frage stehenden Epigranimes auf Karlsbad ist abzu- 
lehnen, wie denn die kritische Ausgabe Karl Goedekes zu dem mystischen „Karlsbad" der 
Löschin, Hoffmeister und Boas bemerkt: „müsste doch wenigstens Bühmen heissen; 
ebenso gut können die schaumburgischen und waldeckischen Ländchen gemeint 
sein, mitPyrmont, Driburg, Elisen u.a. Mineralquellen." Schillers sämtl. Schriften. 
Historisch -kritische Ausgabe. Teil II. Gediclite. Stuttgart 1871. S. 111. — Mit welchem 



179 

Rechte seinerseits unser Redner die Scliiller'sohon Verse "Xassau vindiziert, l)Ieibt, wie "»esa^t 
fürs Erste näher zu ergründen; sowoiil im Briefwei^hsel, wie im Xenien-Miiniiskript werden 
übrigens ^Bilche'- an Stelle der ^Flüsse" genannt, die zum erstenmal im Musenalmanach für 
1797 in ihren nunmehr innerhalb der Lesarten dominierenden Rang eintreten. 

'^) Übrigens führte der Abgeordnete Dr. Leisler seine Sache nicht nur vom Standpunkt 
des Idealismus aus, sondern wusste seinem Votum auch rechnerisch als praktischer Mann 
gewichtigen Nachdruck zu geben. „Um diese meine Ansicht auf unseren Staat anzuwenden" 
führte er aus, ^erlaube ich mir zu untersuchen, ob unsere pekuniären Verhältnisse eine 
solche Ausgabe gestatten. Befänden wir uns in der Lage, nicht im Besitze der Mittel zu 
sein, so durften wir die Ausgabe nicht machen. Ich glaube aber, dass wir in der Lage sind, 
und dass der Staat dazu verpflichtet ist. Das Theater zu Wiesbaden ist, wie mehrere Redner 
bereits angeführt haben, und was ich als anerkannte Thatsache voraussetzen darf, mit einem 
Kostenaufwand von 220000 fl. gebaut worden und zwar auf Veranlassung der Regierung. Die 
Stadt Wiesbaden hätte das Theater nicht gebaut, wenn ihr nicht die Versicherung gegeben 
worden wäre (zwar nicht mit Worten, aber stillschweigend), dass künftig in dem Theater 
gespielt werde. Die Stadt würde gar niclit auf den Gedanken gekommen sein, zu bauen, wenn 
sie hätte annehmen können, dass nicht gespielt werde. Wenn nun das Spiel im Theater auf- 
liört, so ist das Geringste, was die Gerechtigkeit erfordert, dass man wenigstens von seiten 
des Staates der Stadt das Gebäude abnimmt. Wenn man von den Kosten eines Neubaus 
spricht, so muss das Kapital zu 6 Prozent angeschlagen werden, nämlich 4 Prozent Zinsen, 
1 Prozent Unterhaltung und 1 Prozent dafür, dass das Baukapital schwindet. Wenn Sie diese 
von dem aufgewendeten Kapital berechnen, so hat die Stadt einen Nachteil von 13000 fl., 
das Exigenzbedürfnis, welches wir auf alle Fälle zu tragen haben, beträgt 17000 0. Es wäre 
also eine Ausgabe von :jOOOO fl. notwendig. Die Rücksichten für Wiesbaden sind von 
mehreren Rednern schon angeführt worden, die Stadt hat direkte Ausgaben gehabt, man kann 
annehmen, dass für mindestens 200000 fl. Häuser in Wiesbaden wegen des Theaters gebaut 
wurden. Ich schliesse mich dem Antrage der Abgeordneten Creutz und Fresenius an". 

**) Die „Freie Zeitung" erschien zum erstenmal am 1. März 1848 (Verlag von H. Fischer 
und C. Ritter, verantwortlicher Redakteur: Heinrich Fischer); die „Nassauische Allgemeine 
Zeitung" (Verlag der Hofbuchdruckerei Schellenberg) am 1. April d. J. (verantwortlicher 
Redakteur: W. H. Riehl). 

1") W. H. Riehl, Neues Novellenbuch. Stuttgart 1867. 

^\) Über die Familie Rummel berichtet H. Reimann, Musiklexikon. Aufl. 4. Leip- 
zig 1894. Christian Rummel war geboren am 27. Nov. 1787 zu Brichsenstadt in Bayern und 
starb am 13. Febr. 1849 zu Wiesbaden, woselbst er von 1815 an Kapellmeister gewesen war. 

^^) Diese Notizen verdanke ich der gütigen Auskunft der Intendanz des Herzogl. Sachsen- 
Meiningen'schen Hoftheaters, im besonderen Herrn Hoftheater- Direktor Paul Richard. 

^^) So musste ich mein Urteil über die Mitthätigkeit Herrn H aase 's bei dieser Wies- 
badener Aufführung mit den Worten schliessen: „. . . Hr. Haase gab trotz der metallischen 
Leere seines Organs meisterhaft den Marinelli. Dass er in der Appiani-Scene mit vordräugen- 
der Grandezza rechtlos den Mittelpunkt usurpierte (auch dem Grafen gegenüber musste er 
der geschmeidige Höfling bleiben), wurde bemerkt, im sonstigen wäre es so geschmacklos wie 
nutzlos, Herrn Friedrich Haase am Schlüsse seiner Bahn noch mit jener und dieser kritischen 
Note ennuyieren zu wollen. Die Geschichte der deutschen Schauspielkunst, welcher sein Name 
schon heute unauslöschlich angehört, wird das vornehme Virtuosentum, mit welchem er seine 
Zeit begeisterte oder bestach— gleichviel! — einst mit objektiver Unbefiingenheit analysieren. 
Seine Laufbahn ist über den Höhenzug einer Rollenreihe von ausgesuchter Distinktion gegangen 
und ein eifektreiches U eher einander hat Herrn Haase immer höher gestanden, als ein 
harmonisches Nebeneinander, da er sich dessen zu gut bewusst war: auch in der Schauspiel- 



180 

kunst sind wenige auserwählt. So hat er, um sein Bild zu retten, zu oft nur das Bild 
geopfert, wie er gestern die Appiani-Rolle nahezu erdrückte.'' (Wiesbadener General- 
Anzeiger, 21. Februar 1896.) 

'*) Neben der Intendanz der Königlichen Schauspiele haben mich auch das Königliche 
Staatsarchiv zu "Wiesbaden, wie das Grossherzoglich Luxemburgische Oberhofmarschallarat 
bezw. die Grossherzoglich Luxemburgisehe Finanzkammer zu Biebrich durch positive oder 
neo-ative Auskünfte über z. T. zeitraubende Fragen auf das Freundlichste unterstützt, beson- 
ders aber die Königliche Regierung zu Wiesbaden durch ein ausführliches Verzeichnis ihrer 
3. Z. von Biebrich überkommenen und an das Königliche Theaterarchiv s. Z. abgegebenen 
Chronikalien und Urkunden zur Wiesbadener Theatergeschichte zu grossem Dank verbunden. 
Denselben spreche ich auch Herrn Bürgermeister Hess zu Wiesbaden und dem städtischen 
Archivar Herrn Dr. Carl Chr. Spielraann, sowie dem Bibliothekar des Königl. Hoftheaters 
Herrn Kammermusikus Stamm für die Bereitwilligkeit aus, mit welcher mir die Herren in 
die bezügl. Aktenbestände des Rathauses resp. Hoftheaters wiederholte Einsicht gewährten 



Römische Münzen aus Wiesbaden und Umgegend 
im Altertums-Museum zu Wiesbaden, 



Von 

Dr. E. Ritterling. 



Eine Zusammenstellung aller in Wiesbaden gefundenen römischen Münzen 
ist öfter geplant und versprochen worden, aber nie zur Ausführung gekommen. 
Völlig nachholen lässt sich diese Versäumnis jetzt nicht mehr; denn die bei 
den Bauten und Ausgrabungen unseres Jahrhunderts in der Stadt massenhaft zu 
Tage geförderten Münzen sind grossenteils ohne Rücksicht auf Fundort und 
Fundumstände zerstreut, bei anderen in das Museum gekommenen sind die 
Fundnotizen zu allgemein gehalten oder ganz wieder verloren gegangen. Es 
ist dies um so mehr zu bedauern, weil für die Verwertung gerade der Münzen 
als historischer Zeugnisse das Material nie zu umfangreich sein kann, um die 
Sicherheit der daraus auf statistischem Wege zu gewinnenden Ergebnisse zu 
erhöhen. Im Folgenden soll eine Beschreibung wenigstens der in den Besitz 
des Altertums-Museums gekommenen Wiesbadener römischen Münzen gegeben 
werden, wobei diejenigen Stücke, w^elche nach zuverlässigen handschriftlichen 
oder gedruckten Notizen in die Sammlung gelaugt sind, sich aber dort nicht 
mehr mit Sicherheit identifizieren lassen, mit einem Sternchen hinter der Nummer 
bezeichnet sind. 

Da die wissenschaftliche Verwertung einer Sammlung wie der hiesigen 
in erster Linie von dem Nachweis abhängig ist. wann, wie und woher die 
einzelnen wesentlicheren Bestandteile ihr einverleibt sind, empfiehlt es sich, 
einen kurzen Überblick über die Geschichte und Entwickelung des römischen 
Münzkablnets vorauszuschicken. 

Schon unter den ersten für das Vereinsmuseum eingelaufenen Geschenken 
befanden sich einige Münzen: in einem „Verzeichniss der zu dem zu errichtenden 
Museum des Vereins für Nassauische Alterthuraskunde und Geschichtsforschung 
bis dato eingekommenen Beiträge", datiert vom 28, Juni 1822 und angefertigt 
von dem Rechnungskammerdirektor Ebhardt (Akten und Protok. des Vereins 
für Nassauische Altertumskunde 1821 24, No. 35) heisst es unter anderem: . . . 
„von Herrn Pfarrer Raidt zu Kirdorf 6. eine silberne römische Münze, auf 

12 



182 

(1er einen Seite ein gehelmter Kopf mit der Beischrift ROMA, 7, eine Kupfer- 
münze von Constantius, 8. eine dito, auf der einen Seite ein Kopf, auf der 
andern ein Genius mit den Buchstaben TN, . . . von Herrn Medizinalrath Rull- 
mann 11. ein kupferner Vespasian, auf dem Neresberge gefunden, . . . von Herrn 
Geh. Domänenrath Rössler 13. ein kupferner Constantin, vor dem hiesigen Kur- 
saal gefunden, von Herrn Medizinalrath Mylius zu Caub 14. ein silberner Do- 
raitian, 15. ein silberner Trajan, 16. ein silberner Posthumus, alle drei sehr 
schön'), von Herrn Justizrat Conradi 17. ein kupferner Vespasian . . ." Aber 
wenn auch in der nächsten Zeit noch öfter solche Schenkungen einzelner Münzen 
erfolgt sind, die Begründung einer eigentlichen Münzsammlung des Museums 
geht zurück auf den Ankauf der Sammlung des Bibliotheksekretärs Zimmer- 
mann, der damals zugleich die Geschäfte eines Kassierers des Vereins führte. 
In einem an den Vorstand gerichteten Schreiben ohne Datum, aber versehen 
mit dem Vermerk „prä3.''(entiert, offenbar dem Direktor) „18. Februar 1824", 
bietet Z. seine Sammlung zum Ankaufe an (Akten 1821 24, No. 96); er ver- 
anschlagt darin „die Silbermünzen im Durchschnitt zu 2 Francs, wovon jedoch 
ausgenommen sind 1. ein Augustus, 2. ein Otho, 3. ein Pertinax, 4. ein Con- 
stantius'', (soll heissen Constantin) „von denen ein jeder auf 6 — 8 Francs mich 
zu stehen kommt, die Bronzemünzeu von mittlerer Form im Durchschnitt zu 
24 kr., jene der kleineren Form zu 10 kr., die Medaillen" (d. h. Grosserze) „zu 
3 H., zwei Goldmünzen 1. einen M. Aurel zu 18 fl., 2. einen Honorius zu 10 fl." 
In der Vorstandssitzung vom 19. Februar 1824 (Akten 1821/24, No. 97) wurde 
dieses Anerbieten im Prinzipe angenommen „und ist daher H. Zimmermann i)i 
couiinpjäi ersucht worden, ein vollständiges Verzeichnis der von ihm zu überlassen- 
den Münzen mit Angabe der Preise dem Direktorio zu übergeben, worauf dieses 
praevia collatione die Ermächtigung erteilen werde, den Betrag in Rechnungs- 
ausgabe zu bringen." Der endgültig festgesetzte Kaufpreis von 143 fl. 48 kr. 
wurde aber erst am 20. Mai 1824 zur Verausgabung angewiesen") und der 
zweiten Generalversammlung am 28. Mai d. J. von dem vollzogenen Ankaufe 
Mitteilung gemacht (Annal. I, 1. 149). Das vor dem Ankaufe^; angefertigte, 
ziemlich sorgfältige Verzeichnis ist, von Z.'s Hand geschrieben, noch vorhanden; 
nach demselben bestand die Sammlung aus den beiden oben erwähnten Gold- 
münzen von Marc Aurel und Honorius, 65 Silbermünzen, 15 Grosserzen, 59 
Mittelerzen und 75 Kleinerzen, „ausserdem noch 6 Münzen in Kleinerz, teils 
doppelt, teils unleserlich", insgesamt also aus 222 Stück. Fast genau dieselbe 



'3 Das Original des Begleitschreibens zur Übersendung dieser drei Münzen befindet sich 
ebenfalls bei den Akten (1S21/24, No. 25); sie sind danach in Oberwesel gefunden. 

'^) Nach einem Vermerk auf dem ersten Blatte des Verzeichnisses der Sammlung. Dass 
sich der Abschluss des Kaufes in die Länge zog, bestätigt auch ein vom 2. April 1824 datiertes 
Schreiben Z.'s (Akten l.s21 24, No. 101), in welchem er anfragt, wie es mit dem Ankaufe 
stände, da er im Augenblick Geld nötig habe, „und wenn auch die Kollationierung erst später 
erfolgen würde, so bliebe ich ja doch responsabel." Offenbar war diese in dem Vorstands- 
be.schluss geforderte Torherige Kollationierung ein Grund der Verzögerung. 

^) Bei den Goldmünzen hat eine andere Hand als die Z.'s begonnen, die zu zahlenden 
Preise in roter Tinte beizuschreiben und zu udilieren, was sich wohl weiterhin als zu uni- 
standiich herausstellte und deshalb unterblieb. 



183 

Zahl nennt ein gedrucktes Verzeichnis des Museumsbestaudes (Akten 1821 '24, 
ad No. 97), datiert vom 2G. Februar 1824, unterzeichnet von Ebhardt, aber 
wohl entworfen von Zimmermann, von dessen Hand ein Konzept beiliegt, 
und in welchem es heisst: „\. Münzen. Hiervon besitzt das Museum jetzt 
schon eine Sammlung von ungefähr 230 Stück, worunter 2 Goldmünzen, die 
eine von Marc Aurel, die andere von Honorius und 70 Silbermünzen, sämmtlich 
gut erhalten, zum Teil selten, das übrige in Bronce, teils in Grosserz, in Mittel- 
und Kleinerz, worunter sich auch noch manches von vorzüglicher Schönheit und 
Seltenheit befindet. Der Katalog hierüber ist bereits aufgestellt." Hieraus 
ergiebt sich, dass vor dem Ankaufe der Z.'schen Sammlung kaum ein Dutzend 
Münzen im Besitze des Museums gewesen sind. 

Über die Herkunft der einzelnen Stücke seiner Sammlung macht Z. in 
dem obengedachten Verzeichnisse mit einer einzigen Ausnahme keinerlei Mit- 
teilung. Da er aber während der Zeit, in welcher er die Sammlung zusammen- 
brachte (nach dem Briefe vom 18. Februar 1824 hat er dabei „über 10 Jahre 
zugebracht"), in Wiesbaden lebte — vor seiner Anstellung als Bibliothekssekretär 
war er bei dem Kriegskollegium beschäftigt — so ist es nicht unwahrscheinlich, 
dass der grössere Teil seiner Münzen eben aus Wiesbaden, wo in jenem Jahr- 
zehnte eine rege Bauthätigkeit herrschte, und der Umgegend stammt. Dies 
wird bestätigt durch eine Angabe Dorow's (Opferstätten und Grabhügel H, 
S. 3, Anmerkung): „die mehrsten hier" (d. h. bei Verlängerung der oberen 
Weberstraase, also im wesentlichen in der jetzigen Römerbergstrasse) „gefundenen 
Münzen sind in die Münzsammlung des .... Herrn Zimmermann gekommen 
.... Die hier gefundenen mir nicht zugekommenen Münzen sind hauptsäch- 
lich von Drusus Germanicus, Hadrian, Gallien, Diocletian, Constantinus, Julius 
Crispus, Maximianus, grösstenteils Kleinerz." Die in Z.'s Verzeichnisse verhält- 
nismässig meist zahlreich vertretenen Münzen der genannten Kaiser werden 
also höchst wahrscheinlich auf dem Römerberge gefunden sein.^) Dazu stimmt 



*) Da es doch bedenklich schien, diese Münzen ohne weiteres in unser unten folgendes Ver- 
zeichnis mit aufzunehmen, mögen sie an dieser Stelle kurz erwälint werden. Es sind nach der 
Beschreibung Z.'s von I. Hadrian: in Silber a) mit Rs. Fortuna aug. Steh. Fortuna mit Scepter, 
Füllhorn u. Ruder; b) Rs. Pontif. Max. tr. pot. cos. III, stehende Fortuna; in Grosserz cl Rs. 
weibl. Figur mit Ähren u. Füllhorn, neben sich zwei Kinder, TJmschr. verwischt; d) Rs. Aoquitas 
aug. S — C weibliche Figur mit Wage und Lanze; in Mittelerz c) Rs. Felicitas augusti S — C 
weibliche Figur mit Füllhorn und Merkurstab; f) Rs. S — C in einem Kranze; g) Rs. weibliche 
Figur mit Lanze und Wage. — II. Uallienus: in Silber a) Rs. Germanicus Maximus, Trophäe; 
Kleinerz b) Rs. Soli conservatori A, Pegasus; c) Apollini conservatori A Centaur; d) Soli 
invicto, weibliche Figur; e) Victoria augustorum, Victoria; f) Libero patri conservatori, unten B, 
vorschreitender Panther. (Diese Gallienusmünzen können übrigens zum Teil auch am alten 
Schloss auf dem Markt zu Wiesbaden gefunden sein, vgl. Zimmermann, Wiesbaden und 
seine Umgebungen 1826, S. 42.) — III. Diocletian: in Silber a) Rs. Victoria Sarmatica;in Mittel- 
erz b) Fortunae reduci Caesarum nostrorum Trevi A; c) Genio populi romani, im Felde 
B— r> unten Tr.; d) Moneta sacra augustorum et eaesarum nostror. A Tr.; in Kleinerz 
e) Jovi Conservatori. — IV. Maximian und Galerius, in Mittelerz: a) Salvis augg. et Caess.; 
b) Genio populi rom. PLC; c) Moneta sacra augustorum et eaesarum nostr.; in Kleinerz 
d) Virtuti augustorum; e) Pax augustorum; f) Genio populi romani, im Felde T F; g) Tem- 
porum felicitas PTK ; h) Conservatori augustorum. — V. Constautin: in Silber a) Victoria 

12» 



184 

die einzige Fundnotiz, welche Z. selbst giebt, bei einem Grosserze des Drusus 
(unten Xo. 32 j: „Diese Münze wurde im Anfange des Jahres 1819 auf dem 
sogenannten Rümerberge dahier in einer Tiefe von 15 Schuhen ausgegraben." 
In dem Z.'schen Verzeichnisse finden sich auf dem ursprünglich freige- 
lassenen Rande zahlreiche Münzen notiert, welche sich deutlich als später zu 
verschiedenen Zeiten, aber von einer Hand, nämlich Zimmermann's selbst, 
nachgetragen zu erkennen geben. Wie diese Nachträge aufzufassen sind, kann 
nicht zweifelhaft sein. Nach dem Protokoll der Vorstandssitzung vom 18. Sep- 
tember 1826 § 5 „übergab Herr Domänenkanzlist Hohle mit Begleitschreiben" 
(dasselbe befindet sich ebenfalls bei den Akten 1826, No. 39) „eilf antique 
Münzen teils in Silber, teils in Bronze, deren Fundörter aber nicht angegeben 
sind, dem Verein als Geschenk. Es wurde deren Aufnahme in die Münz- 
sammlung . . . beschlossen. Bibliotheksekretär Zimmermann wird dieselben 
in dem Münzkatalog notieren"; nach demselben Protokoll § 7 „übergiebt 
Herr Ha bei eine zu Heddernheim ... in der Nähe der beiden Mithrastempel 
jüngst aufgefundene Goldmünze von Nero mit dem Tempel der Vesta und der 
Umschrift VESTA... Dieselbe wird der Sammlung einverleibt und im Kata- 
loge notiert." Die letztere Münze ist nun unter den erwähnten Nachträgen 
zu Z.'s Katolog bei den Goldmünzen als No. 10 eingetragen, ebenso die meisten 
der von Hohle geschenkten") mit diesbezüglichem Vermerk an den entsprechen- 
den Stellen. Vor der Neromünze sind als No. 3 — 9 7 Goldmünzen, vier rö- 
mi-<che und drei Regenbogenschüsselchen nachgetragen*^); es sind zweifelsohne 
diejenigen, welche in einem „Verzeichniss der Alterthümer . . . welche laut der 
Rechnung de 1825 26 und der Protokolle seit der vorjährigen Generalver- 
sammlung in das Vereinsmuseum gekommen sind", aufgezählt werden als: „Drei 
Regenbogenschüsselchen um 54 fi. und vier römische Goldmünzen angekauft 
um llOfl." Daraus ergiebt sieh, dass das Z.'sche Verzeichnis nach dem An- 
kauf der Sammlung einfach als Katalog der Vereinssammlung diente — 



maxima; in Mittelerz b) Fortunae reduci Caesarum nostrorura; in Kleinerz c— f) 4 Stück. — 
VI. Crispu.s, 1 Kleinerz, Es. im Kranze Vot. X., Umschrift Caesarum nostrorum, unten PLC. 

') Es sind die folgenden: in Silber als No. Sa: Eine kleine Familienmiinze mit der 
Victoria auf der Rückseite; 22b. Iladrian, Rs. PM Tr. P. Cos. II, vorschreitender Mars mit 
Trophäe; 33b. Septimius Severus, lis. PM Tr. PV Cos IUI (sie! wird verlesen sein für II PP), 
.sitzemlo \veibli(;he Figtir; 44a. Mamaea, i?.s. Vesta; 5ja. Philippus II, Rs. Principi Juventut. Der 
Kaiser in der Toga; am Schluss: .,eine andere unleserliche Münze als Geschenk des Herrn 
Iluhle, wahrscheinlich von Clod. Albin. in Silber" ; endlich unter den auf einem eigenen Blatte 
verzeichneten , Münzen der späteren Zeit": 11. Silbermünze von Karl dem Grossen, Av. Caro- 
lu» rex Francorum, Kev. .Metallo mit dem Monogramm Karls. 12. und 13. ,,Zwey Bracteaten." 
Die Münzen 1 — 10, meist aus dem IG. Jahrliundert, sind ebenfalls erst nach dem Ankaufe der 
Z. 'sehen Sammlung erworben; sie waren ^silmmtlich am neuen Theater gefunden." 

*) Sie werden folgendermassen besclirieben: '.). Caesar dict. perp. pont. max. Kopf 
Cäsars, Rs. C. Caesar Cos. pont. Aug. Brustbild; 4. M. Agrippa. Pictorinus (sie!) III vir Kopf Agrip- 
pas, Rs. Caesar Augustus Kopf Caesars (ist falsch!); 5. Iladrianua aug. cos III PP Kopf des 
Kaisers, Rs. Plotioae augustae Brustbild der Kaiserin (ist falsch!); (>. Severus pius aug. Kopf 
des Knisers, Rs. P M Tr. P X Cos III PP vorschreitende Victoria mit einem Scliild, worauf 
die Worte Virt. Par. lesbar sind. Von den Kegenbogenscliüssclchon zeigt eines '> Kügelchen, 
die beiden anderen ein galoppierendes Pferd mit Potiin. bezw. TTINA. 



185 

was ja bei der Geringfügigkeit des früheren Bestandes überaus nahe lag — 
und dass die vom Verein gemachten neuen Erwerbungen demgemäss darin 
nachgetragen wurden.') Die meisten dieser nachgetragenen Münzen sind mit 
Fuudangaben versehen: so finden sich von Heddernheimer Münzen eingetragen 
22 Stück*), im wesentlichen wohl das numismatische Ergebnis der auf Yereins- 
kosten in Heddernheim in der Mitte der zwanziger Jahre ausgeführten Grabungen, 
andere aus Nied-Höchst und Hofheira, ebenso 8 Stück mit dem Fundort Wies- 
baden.') Eine vollständige Übersicht über alle in diesen Jahren in das Museum 
gelangten römischen Münzen gewähren diese Nachträge gleichwohl nicht; 
manche der nachweislich damals erworbenen Stücke fehlen darunter'"), bei den 
Kleiuerzen ist nur ein einziges Exemplar nachgetragen; offenbar wurden in erster 
Linie die wertvolleren Erwerbungen, namentlich Gold- und Silbermünzen dabei 
berücksichtigt. 

Wie lange die Nachträge in dieser Weise fortgesetzt wurden, lässt sich 
annähernd noch erkennen. Die nach dem Protokoll der Vorstandssitzung vom 
1. Oktober 1827 (Akten 1827, No. 64) § 13 damals erworbene, in Heddern- 
heim gefundene Silbermünze von Massalia findet sich noch am Schluss der 
Silbermünzen als No. 69 eingetragen; dagegen fehlen bereits sämtliche von Jos. 
Trombetta in Limburg dem Verein mit Begleitschreiben vom 29. März 1830 
(Akten 1830, No. 23) überwiesene Silbermünzen'') (vgl. Akten 1829, No. 42 



'') So erklärt sich, wie bereits am 26. Februar 1824, als die Erwerbung der Z.'schen 
Sammlung im Prinzipe eben beschlossen war, gesagt werden konnte „der Katalog ist bereits 
aufgestellf* (s. oben S. 183), sowie wenn Ebhardt am 18. Juni 1824 (Akten 1824, No. 3) sehreibt, 
„dass der Vorstand . . . über die Anfertigung eines von Luja angeregten Inventars des Mu- 
seums und die Fortsetzung und Vervollständigung des Münzkataloges beraten" solle. 

°) Dieselben werden in der von F. Quilling vorbereiteten Zusanimeiistellung der in 
Heddernheim gefundenen römischen ^liinzen beschrieben werden. Unter der Ausbeute in den 
Ruinen dos Mithrastempels nennt Habel in einem Schreiben vom 12. März 1826 (Akten 1826, 
Xo. 11) 11 Münzen, 9 von Bronce, 2 von Silber, vgl. Annal. I, 2. 181; durch v. Bonhorst 
kamen in die Sammlung ein Gordian, ein Alexander Severus nach Prot. d. Vorstandssitzung v. 
12. Jan. 1S26 (Akten 1826, No. 1); sie scheinen im Kataloge notiert als Xo. 48b u. 54b oder c. 

'■') Es sind unten die Nummern: 141^—144% 210*, 239*, 281, 292*. 

^'^) So z. B. 12 von dem Landdeehant Müller zu Osterspay eingesendete Münzen 
(Akten 1S21'24, No. 112 vom 31. Mai 1824); nach Vorstandssitzung vom 12. Januar 1826 
(Akten 1826, No. 1), § 6 „wurden von dem Herrn General-Domänendirektor von Roessler 
sechs in den Ausgrabungen von Wiesbaden aufgefundene römische Münzen, nämlich: 1. eine 
serrate Silbermünze mit einem weiblichen Kopf auf der Vorder- und einer Quadriga auf der 
Rückseite; 2. ein Nero von Bronze; 3. ein desgl. (Mittelerz); 4. eine Silbermünze von Antoninus 
Pius (Caracalla"*; 5. ein Caesar Augustus von Bronze; 6. ein Constantiuus aug. mit gloria exer- 
citus, dem Vereinsmuseum zum Geschenk gemacht"; davon sind sicher nicht eingetragen No. 1, 
2, 3, 6, vielleicht 5 und 6. 

") Dieselben sind aufgezählt in dem Protokoll der Vorstandssitzung vom lö. April 183Ü, 
§ 8, es sind „Familienmünzen: 1. von der Familie Aburia. 2. Antestia. 3. Crepusia. 4. Fla- 
miiiia. ö. Furia. 6. Julia. 7. Procilia. Kaisermünzen: 8. Tiberius, iv's". Pontif. max. 9. Galba, 
J?*'. SPQR ob cives servatos. 10. Otho, Es. securitas p. r. 11. Vitellius, Es. XV vir sac. 
fac. 12. Nerva, Es. Concordia exercituum. 13. Sept. Severus, EiS. Fundator pacis. 14. Lucilla, 
Es. Diana lucifera. 1,5. Caracalla (soll heissen Elagabal), Es. Summus sacerdos aug. IG. Maxi- 
minus. Es. PMTRPP. 17, Otacilia Sev., Es. Pietas au^usta. 18. Valentinian iun., Es. Vic 
toria auijij." 



186 

und 43; Annal. IT, 1. 205 1. Da auch spätere Eintragungen nicht begegnen 
(z. B. mehrerer ebenfalls 1S30 erworbenen Goldmünzen), so hat die Fortsetzung 
des Münzkatalogs bald nach d. J. 1827 aufgehört und stammen demnach sämt- 
liche in ihm vermerkte Münzen aus den Jahren 1824 — 1827. 

Den nächsten grösseren Zuwachs seit der Erwerbung des Z/schen Kabinets 
erhielt die Münzsammlung des Vereins infolge des Ankaufes der von Ger- 
ning' sehen Kunst- und Altertümersammlung seitens der Regierung Ende des 
Jahres 1824 (vgl. Akten 1825, No. 2 u. 3; Annal. I, 1. 154, Zimmermann, 
Wiesbaden, S. 139). Zunächst noch getrennt neben der Sammlung des Ver- 
eins aufgestellt und der Verwaltung der öffentlichen Bibliothek überwiesen, 
wurde wenig später der die Altertümer enthaltende Teil dem Museum völlig 
einverleibt. Ein Verzeichnis dieser v. G er ning' sehen Sammlung, im besonderen 
der in ihr enthaltenen Münzen, gelang mir nicht aufzufinden''); doch wird in 
einem Cirkular (Akten 1825, No. 3) neben anderen Bestandteilen der „sehr 
wertvollen Sammlung griechischer und römischer Münzen" gedacht. Dass der 
Wert derselben in der That damals hoch angeschlagen wurde, zeigt die That- 
sache, dass zur Zeit des Ankaufs der v. Gerning'schen Sammlung diese Münzen 
bei dem Bankhause von Rothschild gegen 2000 fl. verpfändet waren, um welche 
Summe die Regierung sie auslöste.'^) Doch lag der Hauptwert dieses offen- 
bar in Italien zusammengebrachten Münzkabinets in den griechischen Gold- 
und Silbermünzen, von welchen uns die Aufzählung bei Zimmermann, Wies- 
baden, S. 140 ff. eine Reihe kennen lehrt. Für die jetzige Zusammen- 
setzung der Sammlung römischer Münzen des Museums haben die von 
Ger ning stammenden Stücke wenig Bedeutung: die überwiegende Mehrzahl 
derselben, namentlich zahlreiche Grosserze, sind als offenbare Fälschungen aus- 
geschieden. Immerhin mögen manche, namentlich der republikanischen Denare, 
sowie der kaiserlichen Silberraünzen, deren anderweitige Herkunft nicht bekannt 
ist, auf die v. Gerning'sche Sammlung zurückgehen. Unter den bei Zimmer- 
mann a. a. 0. S. 143 aufgezählten römischen Münzen befinden sich nur 3 sil- 
berne, welche aller Wahrscheinlichkeit nach aus der G.'schen Sammlung'*) 

") Ein solches befindet sich weder bei den Vereinsakten, noch bei den Akten der 
Landesbibliothek, in welche Herr Oberbibliothekar Dr. Franke in entgegenkommenderweise 
mir Einsicht zu nehmen gestattete. In einem auf der Landesbibliothek befindlichen Faszikel: 
„die Verhandlungen mit dem Herrn vonGerningaus Frankfurt über dessen Museum, welches 
gegen eine Leibrente an die Bibliothek resp. die Sammlung von Alterthüraern übergegangen 
ist", enthaltend 38 Nummern, wird eines solchen Verzeichnisses wiederholt gedacht, z. B. 
in No. 7 Schreiben v. Gernings vom 31. Okt. 1824; ein Verzeichnis der Münzen erwähnt 
im besonderen Zimmermann in einem Schreiben vom 4. Juli 1S25 (ebenda No. 25) „die in 
4 Kapseln verwahrten Münzen nebst Verzeicliniss beehre ich mich gleichfalls hiermit zu 
übergeben". Vgl. auch No. 38. 

") Vgl. darüber in dem erwähnten Faszikel die No. 20—22, 2.5—27. 

'*) Z. a. a. 0. beschreibt sie folgendermassen: 1. Augustus, Av. dessen Bildnis mit 
Caesari Auguato Rev. ein Tempel mit SPQR. -- Tiberius, TJrustbild des Kaisers Tl CAE- 
SAR .... PM TR P XXX Rürkseite Brustbild des Drusus mit der Umschrift DRVSVS 
CAESAR Tl AVG F COS TRP. •^- Caligula, dessen Brustbild auf der Vorderseite mit 
der Umschrift C CAESAR AVG GERM PM TR POT Rückseite Brustbild des Germanicus 
™jt GERMANICVS CAESAR. L'nter diesen ist die letztere ebenfalls sicher falsch. 



187 

stammoD; mit einer Ausnalimc") waren alle übrigen in Zimmermann'd Miiuz- 
kabinet vortreten gewesen. 

Herr v. Gern in g machte übrigens öfter auch eine grössere Anzahl von 
Münzen dem Museum zum Geschenk; z. B. mit Begleitschreiben vom 4. Juni 
1820 (Akten 1829, No. 19) neben anderen Altertümern „eine Kapsel mit 
12 Stück antiker ächter Münzen, 4 silberne griechische, 2 bronzene und 6 bron- 
zene römische, 1 Päckchen mit vielen römischen Bronzemünzen, ca. 60 Stück" 
(„darunter 15 — 20 brauchbare" setzt eine andere Hand mit Bleistift hinzu). 
Die letzteren hat er sicher nicht aus Italien mitgebracht, sie werden ihm 
während seines Frankfurter Aufenthaltes wohl aus Ileddernheim oder Umgegend 
zugekommen sein. 

Zu der vom Vereine angekauften Altertümersammlung des Oberlicutenant 
V. Bonhorst (vgl. Yorstandssitzung v. 5. April 1830 § 7 = Akten 1830, Xo. 26, 
Annal. II, 1. 204), welche ausschliesslich aus Fundstücken von dem Gräber- 
felde an der Artilleriekaserne in Wiesbaden bestand, gehörte auch eine Anzahl 
Münzen: am Schluss eines von Habel angefertigten summarischen Verzeich- 
nisses der damals übernommenen Altertümer heisst es: „über die Münzen, 
und kleineren Gegenstände ist ein spezielles Verzeichnis angefertigt." Dasselbe 
hat sich leider nicht erhalten.'^) 



'5) Die Münze Geta's: „Brustbild mit der Umschrift p SEPT GETA CAESAR Rück- 
seite eine vorschreitende weibliche Figur mit einer Blume in der Rechten und der Umschrift 
SPEI PERPETVAE'*! welche in der Z. 'sehen Sammlung nicht vertreten war, ist nach den 
Nachträgen No, :59a in Heddernheim gefunden, also 1824 oder 1825. 

^^) Die von Bonhorst selbst auf einem schmalen Papierstreifen beschriebenen 8 Münzen 
werden bei den auf Kosten des Vereins im Jahre 1836 von ihm ausgeführten Ausgrabungen 
efundene sein. Der Zettel entliält Folgendes : „Gefundene Altertümer. A. Münzen: I. Im- 
perator Caesar Domitian Aug. Germ. Con. An der Artillerie-Kaserne zu Wiesbaden selbst 
gefunden" (die Notiz wiederholt sich bei allen folgenden Münzen, entweder voll ausgeschrieben 
oder in Abkürzung ausgedrückt, der Kürze halber bleibt diese Angabe hier weg). „II. Nerva 
Caes. Aug. D. M. E. M. P., Rückseite Aequitas Augusti. III. S. Nerva Trajan. Aug. Germ. 
P. M., Rückseite unleserlich. IV. Hadrianus Augustus, Rückseite Galua Augusti Cos III. 
V. ? Stina August., Rückseite st. M: F. J. L. VI. (Eine rohe Federzeichnung des Reverses 
der Augustusmünzen mit dem Lyoner Altar, darunter;: OMETA- 

Rückseite (in Wahrheit die Kopfseite) 



o 



ö 




VII. DIETAS AVG. S : C. Rückseite: Die Schrift unleserlich. VIII. N TO S S 

Rückseite : COS PP u- S : C. IX- l^i^e Federzeichnung der Germanicus-Münze, Cohen 7.) 

„Diese Münze wurde unter einem ganz morschen Mühlstein in der Schulgasse zu Wiesbaden 
nebst zwey Krüge von Thon 1831 im November gefunden. Sie kostet 24 kr. Sie ist gut ver- 
goldet." In der Mappe des Vereinsarcliivs, welclie die Notizen und Skizzen über das Gräberfeld 
an der Artillerie-Kaserne birgt, befindet sich weiter noch ein ^vielleicht auch von Bonliorst's 
Hand?) beschriebenes Folioblatt, welches folgende Münzer aufzählt: Nero Caes— ar Aug- 
ustus P— ontifex Max— imus Tr— ibunitia P— otestate Irap— erator P— ater P— atriae Es. Victoria 
Augusti. — M— arcus Agrippa L— ucü F— ilius Co — n — s— ul III Es. Stempel eingeprägt T. 
Iiyjp _ Diuus Augustus Es. SC. — I™P- Postumus P-ius F— elix Aug— ustus Es. Fides 
militum — Diva Faustina Es. Aeternitas — Julia 3Iamaea Aug— usta Es. Venus Victrix. Da 
hier aber die ausdrückliche Fundangabe vermisst wird, erschien es bedenklich, diese Münzen 
iu unser unten folgendes Verzeichnis ohne weiteres einzureihen, 



188 

In den nächsten Jahren scheinen Ankäufe grösserer Posten von Münzen 
oder ganzer Samyilungen nicht erfolgt zu sein — die Erwerbung einer Samm- 
lung griechischer und römischer Münzen (Yorstandssitzung v. 10. Januar 1833, 
§ 5) scheint nicht zu stände gekommen zu sein, vgl. auch Vorstandssitzung v. 
13. April 1833, § 4. Dagegen vermehrte sich die Sammlung durch gelegent- 
liche Erwerbung bezw. Geschenke einzelner, namentlich in und bei Wiesbaden 
und Heddernheim zu Tage geförderter Münzen. Es mögen hier erwähnt sein: 
ein aureus des Yespasian, gefunden an der Kupfermühle (Vorstandssitzung v. 
8. Juli 1830 § 3; Annal. II, 1. 207), ein sehr schönes Goldstück des Mag- 
nentius, gefunden bei Schierstein 1830, dem Museum von Habel geschenkt 
(Annal. II, 1. 206), verschiedene Münzen von Silber und Bronze aus der Gegend 
von Wiesbaden und Mainz (Annal. II, 3. 283), zwei Goldmünzen von Arcadius 
und Honorius, Tis. Victoria augustorum uostrorum, gefunden zwischen Usingen 
und Cransberg (Vorstandssitzung v. 24. Juli 1834, § 10), mehrere römische 
Münzen in Silber und Bronze, darunter einige seltene Familienmünzen, gef. 
am Römerberg in Wiesbaden (Annal. II, 3. 301, vgl. Annal. II, 2. 226), wohl 
aus Heddernheim stammende Münzen als Geschenk des Herrn v. Breidbach- 
Bürresheim (Annal. II, 3. 300)") u. a. m. 

Kunde von dem Ankauf eines Gesamtfundes giebt uns eine Notiz des 
Architekten Kihm (auf einem losen Blatte in Folio), nach welcher er am 
22. März 1837 „319 Stück Broncemünzen gefunden im Römer-Castell bey Kreuz- 
nach für 15 fl. 1 kr.** und nochmals „68 Broncemünzen, gefunden bey Kreuznach" 
am 12. April desselben Jahres für 3 fl. 24 kr. angekauft habe. Leider lässt 
sich über diesen Fund jetzt nichts weiter feststellen, als dass derselbe „zum 
grössten Teil aus der späteren Kaiserzeit" stammte, und ,nahe an der Ring- 
mauer des Römer- Castells bey Kreuznach gefunden" wurde (nach Habeis 
Jahresbericht in Annal. II, 3. S. 341).'^) 

Die umfangreichen, auf Vereinskosten ausgeführton Ausgrabungen der 
beiden römischen Kastelle bei Wiesbaden 1838 39 und bei Hofheim 1841 42 
brachten auch der Münzsammlung einen der Zahl nach nicht unbedeutenden 
Zuwachs, freilich meist schlecht erhaltener Münzen; es wird darauf noch zurück- 
zukommen sein. 

Aus dem Jahre 1841 ist ferner der Ankauf eines Teiles eines Schatz- 
fundes zu erwähnen; Habel berichtet darüber in der 18. Generalversammlung 
(Annal. III, 2. 218) „eine Anzahl von 160 Stück besonders wohl erhaltener 



'M Dieselben sind: 1. Severus Pius Aug., Ks. Fundator paois. 2. Lrap. Antoninus Pius Aug., 
lis. Liberias Aug. .'5. Imp. C. M. Aurel. Sev. Alexand. Aug., lis. Providentia Aug. 4. Imp. 
C. Sev. . . . Aug. Cos. II, Rs. unkenutlicli. 5. Julia Mamaea Aug., Rs. Juno Conservatrix. 
6. . . , Alexand. Aug., Rs. Cos. III. 

'*) In einem der von Kihm angefertigten, weiter unten naher zu besprechenden Ver- 
zeichnisse römischer Münzen, dem XL, werden neben 5 Mittelerzen <ler früheren Kaiserzeit 
125 Kleinerze, fast alle des 4. Jahrhunderts, aufgezählt; da nun zur Zeit der Anfertigung 
dieser Verzeichnisse im Jahre 1S.")2 und den folgenden die zusammen erworbenen Münzen 
grossenteils noch zusammenlagen, wie sich unten zeigen wird, ho könnten diese 12."} Klein- 
erze, nebst 4 ebenfalls durt aufgeführten Mittelerzen des Magnentius einen Teil des Kreuz- 
nacher Fundes bilden; aber mit dieser schwachen Möglichkeit ist uns wenig gedient. 



189 

römischer Kupfermüuzen von den Kaisern Yalerian (sie! soll heissen Aurelian), 
Probus, Dioeletian, Maximinian (sie!), Constautius Chlorus etc. mit mannigfalti'^en 
Rückseiten. Diese waren in der Moselgegend, angeblich nebst mehr als 2000 
anderen von demselben Metall in einem irdenen Gefäss, zum Teil rollenweise 
zusammengelegt, von einem Landmann gefunden worden" ... Zu diesen am 
25. Februar in Bingen erworbenen 160 Stück kamen noch 23 oder 24 am 
11. Juni desselben Jahres in Wiesbaden gekaufte hinzu.") Eine ausführliche 
Beschreibung dieses Fundes, dessen in das Museum gelangter Teil sich fast 
vollständig wieder zusammensetzen lässt, und von welchem ein anderer Teil in 
die Münzsammlung des Herrn Lugen buhl in Wiesbaden übergegano-en ist 
muss einer anderen Stelle vorbehalten bleiben. 

Mit der Sammlung des Staatsprokurators Rebmann in Frankenthal wurde 
auch eine Anzahl römischer Münzen in Gold, Silber und Bronce erworben. 
Ilabel sagt darüber in seinem Jahresberichte am 29. Dezember 1842 (Anual. III, 
3. 202 f.): „die Münzen enthalten ebenfalls viel Schönes und Schätzbares. Ja 
unter den Grosserzen und Medaillons finden sich mehrere von hoher Seltenheit 
und ausgezeichneter Konservation."'") Im weiteren Verlaufe der vierziger Jahre 
sind grössere Münzankäufe nicht nachweisbar; dagegen lieferten die zahlreichen 
Ausgrabungen in der Umgegend Wiesbadens, bei Marienfels, sowie die reichen 
Funde von Heddernheim eine bedeutende Anzahl Münzen.'') 

In Betreff der beiden in Heddernheim 1850 gemachten grossen Münz- 
funde, aus denen 326 Denare der römischen Kaiser des 1. und 2. Jahrhunderts"), 
bezw. gegen 1500"') Kleinerze des ausgehenden 3. Jahrhunderts für das Museum 



'^) Nach einem von Hab eis Hand beschriebenen Zettel in Oktay. 

^") Ein Verzeichnis scheint nicht vorhanden gewesen zu sein, jedenfalls hat sich ein 
solches nicht erhalten. Dennoch ist die Herkunft einer ganzen Anzahl von Münzen aus dieser 
Sammlung durch einen ihnen beigelegten Vermerk .,Frankentlial" gesichert. 

") Erwähnt seien hier in Kürze aus Wiesbaden: Annal. III, 8. 175 f. IV, 1. 176, ein 
handschriftliches Verzeichnis, welches .,4 Münzen, worunter eine silberne, gef. in der Stadt 
Wiesbaden und 1 Silbermünze von Hadrian, gef. in der Kirchgasse 1832" nennt; aus Heddern- 
heim: Annal. III, 3. 171 flF.; IV, 1. 199; aus Ems: Annal. III, 2. 217 und 221; aus Oestrich: 
Annal. IV, 1. 153 ff. Nach der Rechnung pro 1849 wurden Herrn Sekretär Zimmermann 
für .,Münzen 25 fl. und nochmals für dergl. 1 fl. 45 kr." ausgezahlt; in einem detaillierten, 
mit hinzugefügten Preisen versehenen, handschriftlichen Verzeichnisse, welches aus den vier- 
ziger Jahren stammen muss, werden etwa 156 Stück Münzen aufgezählt, deren Preis zusammen 
24 fl. 33 kr. betrug; es könnten die von Zimmermann angekauften sein. Die von Hauptmann 
vonTschudi geschenkten, auf der Insel Malta, bezw. Helena (nach Fried'länder ist das alte 
Leuke gemeint) gefundenen Münzen sind meist griechische, vergl. Vorstandssitzung v. 28. Aug. 
1847, § 12b und Annal. IV, 1. 203; den Fund von Leuke hat Friedländer: Annal. VI, 1. 
12 ff. eingehend beschrieben. AuchKihms auf Zettelchen und in Heftchen gemachte Notizen 
geben uns noch Kenntnis von zahlreichen durch ihn angekauften Münzen, doch kann hier 
nicht auf alles eingegangen werden. 

*2) Dieselben lassen sich an ihrer eigenartigen Erhaltung noch jetzt aus den übrigen Beständen 
leicht herauserkennen, und besteht die Absicht, diesen scliönen Fund wieder zusammenziiBctzen. 

'-■^j Ausser den von jeher zusammengebliebenen, von Quilling beschriebenen 1178 Stück 
beHnden sich no.'h eine grosse Anzalil in versclii-^denen Schubladen und Päckciien zerstreut, 
auch in die katalogisierte Sammlung sind viele eingeordnet worden; die Zugehörigkeit zu jenem 
Funde setzt ihr Aussehen ausser Zweifel, 



190 

erworben wurden, kann auf die unten folgende eingehende Behandlung durch 
Herrn F. Quilling verwiesen werden. 

In das Jahr 1851 fällt der Ankauf der schönen Münzsammlung dos Pro- 
rektor Sandberger in Weilburg. Ilabel veranschlagt in einem Schreiben 
vom 25. Februar 1851 deren Inhalt: 

15 Grusserzc ;i 12 kr 3 fl. 

64 Mittelerzo a 8 kr Ö fl. 32 kr. 

111 Kleinerze a 4 kr 7 H. 24 kr. 

107 Silber a 30 kr 5 3 fl. 30 kr . 

"297 72 fl. 2G kr. 

Der Ankauf für insgesamt 100 fl., für welchen Preis ausserdem noch das 
Münzvverk von Job. Christ. Rasche: Lexicon universae rei numariac veterum, 
Lipsiao 1785 fF. 12 voll, und ein schönes Medaillon des Caracalla in den Be- 
sitz des Museums kamen, wurde am 8. März 1851 genehmigt, und flndet sich 
dieser Ausgabeposten auch in der Rechnung dieses Jahres vermerkt. Der s. Z. 
vorhandene Catalog der Sammlung, dessen Ha bei in dem erwähnten Schreiben 
gedenkt, scheint verloren zu sein; doch lässt sich der in den siebziger Jahren 
in die übrige Sammlung eingeordnete Bestand noch völlig identifizieren auf 
Grund von den einzelnen Münzen beigelegten Herkunftsvermerken. Die Mehr- 
zahl der Münzen war mit Fundangaben versehen, vorwiegend stammten sie 
aus der Gegend von Ems, Mainz und auch Wiesbaden. 

Im Jahre 1851 wurden ausser anderen Altertümern und den beiden 
lleddernheimer Massenfunden noch 88 Stück Broncemünzen bei Oppenheimer 
in Frankfurt gekauft (s. unten Quilling über den zweiten lleddernheimer 
Münzfuud). Von Kihm (in dem XIV., XVI. — XVHI. Verzeichnisse, s. unten 
Anm. 37) sind mit dem Vermerk „gekauft in Frankfurt 1851" oder einfach 
^Frankfurt 1851" versehen 7 Grosserze, 51 Mittelerze, 163 Kleinerze; unter 
letzteren stammen 135 (26 Victorine, 104 Tetricus, I. u. II., 4 Claudius, 1 Quin- 
tillus) offenbar aus dem Kleinerzfunde von Heddernheim; ob die übrigen von 
Auirustus bis Gratian reichenden 86 Stück ebenfalls aus Heddernheim oder 



•ö' 



wo sonst her nach Frankfurt gelangt sind, muss dahingestellt bleiben. 

Am 5. Januar 1852 wurden 169 Stück römische Kupfermünzen bei Pfarrer 
Schenck von Gensingen bei Bingen um 21 fl. 30 kr. gekauft (vgl. die Rech- 
nung des Jahres 1852, Ausgabe, Kap. II); auch von ihnen lässt sich ein Teil, 
wenigstens der Zugehörigkeit nach, noch nachweisen.'-*) 

Durch diese zahlreichen Erwerbungen musste im Laufe von nahezu drei 
Jahrzehnten die Sammlung römischer Münzen stattlich angewachsen sein, doch 
hielt die Inventarisation und Ordnung des Erworbenen damit nicht gleichen 

'^'j In dem XIV. und XV'I. Verzeichnisse römisfher Münzen (s. unten 193 f.) nennt Kihra 
mit dem Vermerk .,von Bingen"* oder .,bey Bingen gef." folgende Münzen: Augustua 5 ME; 
Augustus und Agrippa 1 ME; Caligula 'J ME; Xero I ME; üalha 1 ME; Vespasiau 3 ME; 
Titus Veapa.Man 2 ME; Domitian 3 ME; Xorva I ME; Xerva Trajan 2 ME; Hadrian 3 ME; 
Antoninus Pius 3 OE, 1 ME; Alexander der Tyrann 1 KE; Valentinianus senior 1 KE; 
Valontinianus junior I ME. Üb ea sich dabei um einen Gesamtfund liandelt, erscheint danach 
recht zweifelhaft. 



191 

Schritt, In den zwanziger Jahren wurde wenigstens ein Teil der eingehenden 
Münzen, wie wir oben sahen, in dem Kataloge vermerkt, und dann auch wohl 
an der ihnen zukommenden Stelle der Sammlung eingelegt"), bei anderen mag 
dies auch ohne ihre vorherige Notierung im Kataloge erfolgt sein. Unter- 
gebracht war die Sammlung jedenfalls damals schon in einem Holzschrank 
mit Schubladen (wahrscheinlich in einem derjenigen, in welchen sie sich noch 
jetzt befindet), wie aus der Äusserung Luja's vom 21. Juli 1825 (Akten 1825 
No. 28) „Wann kann man unsere Münzsammlung zu sehen bekommen? Schon 
3 bis 4 mal bin ich abgewiesen worden, weil der Schlüssel zu Hause liegen 
sreblieben wäre" zu schliessen ist. 

Nachdem gegen Ende der zwanziger Jahre auch diese unvollkommene 
— übrigens in dieser Weise auf die Dauer auch undurchführbare — Inven- 
tarisation aufgehört hatte, scheint eine solche überhaupt nicht mehr erfolgt zu 
sein. Denn gelegentliche Ausseiungen, wie: „Es ist die Anordnung getroffen 
worden, dass alle Geschenke mit der ausführlichen Anzeige des Gebers, Fund- 
orts etc. in ein fortlaufendes Register eingetragen werden** (Annal. I, 3. 311 
vom 4. Juni 1829) oder „die Kataloge und Inventarien werden fortwährend 
mit Sachkenntnis bearbeitet; diese schwierige Aufgabe hat bereits grosse Fort- 
schritte gemacht** (Annal. H, 2. 206 vom 22. Juli 1831), berechtigen keineswegs 
zu der Annahme, dass ein regelrechtes Zugangsverzeichnis im besonderen auch 
für die Münzen geführt worden sei; jedenfalls weist keine Spur auf das Be- 
stehen eines solchen hin. Dagegen begann man in den dreissiger Jahren — 
wohl gleich nach dem Jahre 1830 — unter vorherrschender Beteiligung und 
wohl auch auf Veranlassung Habeis, die neu erworbenen Münzen in einem 
Papierumschlag aufzubewahren, auf dessen Aussenseite der Kaiser, die Münz- 
sorte, Fundort und Fundzeit vermerkt waren, während auf der Innenseite eine 
genaue Beschreibung der Münze sich befand; vgl. Annal. IH, 2. 177 (28. Mai 
1839): „die nähere Beschreibung der Legenden vorstehender Münzen ist in dem 
Umschlag einer Jeden enthalten". Einige dieser Umschläge haben sich er- 
halten^*} und ersetzen in gewisser Weise die in ihnen einst enthaltene, jetzt ver- 
kommene oder nicht mehr identifizierbare Münze. Doch hat sich dieses Ver- 
fahren offenbar nur auf einen Teil der eingehenden Münzen erstreckt. 

Bei den Generalversammlungen des Vereins hat auch — ob regelmässig, 
darf bezweifelt werden — ein Verzeichnis der seit der letzten Generalver- 
sammlung der Münzsammlung zugegangenen Stücke aufgelegen, nach Annal. IH, 
2. 181 f. (28. Mai 1839) „wir erkauften eine Anzahl wohlerhaltener römischer 



2*) Kilira hat bei seiner Neuordnung der Münzen im Jahre 1S52 offenbar bei keiner 
dieser ältesten Münzen eine Fundnotiz vorgefunden, die frülieste der mit einer solchen ver- 
sehenen Münzen scheint aus dem Jahre 18:50. Es erklärt sich dies wohl einfach daraus, dass 
in den zwanziger Jaliren die Münzen, mochten sie nun in dem Katalog notiert sein oder nicht, 
ohne Beigabe irgend eines Vermerkes, welciier ihre spätere Identifizierung bätte ermöglichen 
können, eingelegt wurden; nur bei einigen wenigen, welche überhaupt nur einmal in der 
Sammlung vertreten sind, dürfen wir annehmen, dass das jetzt noch vorhandene Exemplar 
eben das im alten Katalog vermerkte ist. 

'^''') Vgl. z. B, unten die Xo. si und 82. 



192 

Silber- und Bronzemünzon, die in dem liier vorliegenden speziellen Ver- 
zeichnis näher angegeben sind" und Aunal. IV, 1. 230 (20. Dezember 1849) 
„die von verschiedenen Personen angekauften römischen Silber- und Bronze- 
raiinzen . . . weist das hierüber aufgestellte Verzeichniss im Einzelnen 
nach". Erhalten hat sich von diesen Verzeichnissen anscheinend nichts. 

Eingelegt wurden die neu erworbenen Stücke in beliebige Fächer des 
Münzschrankes ohne irgend welche chronologische Ordnung. Wenn bei diesem 
eine Zeit lang fortgesetzten Verfahren die Sammlung schliesslich auch in völlige 
Verwirrung geraten musste und der Bestand sich nicht mehr übersehen liess, 
so war damit doch wenigstens der Vorteil verknüpft, dass die zusammenge- 
fundenen und sonstige gleichzeitig oder annähernd gleichzeitig der Sammlung 
einverleibte Münzen zusammenblieben; denn da sich Niemand ernstlich mit 
der Münzsammlung befasste, so blieb die Ordnung oder vielmehr Unordnung 
der einmal eingelegten ^[ünzen im wesentlichen unangetastet. So war der oben 
erwähnte im Jahre 1841 angekaufte Münzfund noch im Jahre 1852 völlig 
intakt"), der allerdings erst 1850 erworbene Heddernheimer Silbermünzenfund 
bei der Verzeichnung durch Kihm 1854 noch durchaus vollständig-^), ebenso 
müssen die bei den Ausgrabungen des Wiesbadener und Hofheimer Kastells, 
sowie bei anderen Ausgrabungen in der Umgegend gewonnenen Münzen bis 
1852 zum weitaus grössten Teile vereinigt geblieben sein; sogar der älteste 
Bestand der Sammlung, die Zimmermann'schen und die in den Nachträgen des 
ältesten Kataloges vermerkten Münzen, lässt sich noch in einem der unten zu 
besprechenden Kihm' sehen Verzeichnisse, dem VIII., mit völliger Sicherheit 
wiedererkennen.") Auch die einzeln gekauften, aus Wiesbaden und Umgebung 
stammenden Münzen scheinen in den vierziger Jahren, sei es jedesmal nach 
der Generalversammlung, sei es in kürzeren Zwischenräumen, in einem grösseren 
Papierumschlag mit dem Vermerk: „Aus Wiesbaden und Umgebung" oder doch 
in einem eigenen Schubfach mit dem gleichen Vermerk vereinigt worden zu 
sein. Daraus erklären sich die von Kihm bei der gleich zu besprechenden 
(Ordnung der Münzsammlung verhältnismässig zahlreichen Münzen beigelegten 
Fundnotizen : .,Umgebung Wiesbaden" oder „Wiesbaden und Umgebung", 
seltener „Umgebung v(on) Wiesbaden", von denen namentlich die zweite von 
einer einzelnen Münze verstanden, widersinnig wäre.^") 



-') Nach dem X. Ycrzeicluiisse rüm. Münzen von Kihms Hand, wuriibor unten das Näliore. 

-') Nach dem XXI. Verzeichnisse; vgl. darüber Quillin«^. 

'■**) Um nur ein Beispiel anzufüliren, kehren darin sämtliclic, diesem ältesten Bestände 
an;;chörifjcn 7 römischen Goldmünzen, aber auch nicht mehr als diese, wieder. 

^"j Es wäre verfehlt, diese Ans^aben so zu verstehen, als ob die mit ihnen liezeicbuetcn 
Münzen uusschlies8li(di oder auch nur vorzugsweise in der Umgegend, niclit in der Stadt 
selbst gefunden seien. Denn gerade von den Münzen, welche bei den Ausgrabungen der 
römischen Villen und Ansiedelungen in der Nähe Wiesbadens in den vierziger Jahren ge- 
wonnen wurden, sind die F'undangaben vergleichsweise vollständig erhalten und stets detailliert 
gemacht, wie sich unten zeigen wird. Vielmehr sind die meisten der nüt jener allgemeinen 
Angabo versclienen .Münzen bei den lläuscrbautcn und sonstigen G(.lcgcn]ioiten in der Stadt 
gefunden; wir werden dabei aus manchen Gründen vorzugsweise an die Gegend des Heiden- 
bergea denken dürfen. 



193 

Bei der durch dieses Verfahren mit der Zeit weit vorgeschrittenen Ver- 
wirruD"- in der Sammlung musste sich das Bedürfnis nach einer Ordnung und 
Inventarisierung sehr lebhaft fühlbar machen. Als nach der Neukonstiruierung 
des Vereins im Jahre 1851 die Anfertigung eines Inventariums des gesamten 
Vereinseio-entums in Angriff genommen^') und in verhältnismässig kurzer Zeit 
auso-eführt wurde, wurde auch die Münzsammlung nicht vergessen. In den 
Jahren 1852 und 1853 hat der Architekt Kihm, welcher bereits seit dem 
Jahre 1838 die Aufsicht über das Museum führte, zu einer Ordnung und Auf- 
nahme der römischen Münzen des Vereins den Versuch gemacht. Es haben 
sich eine Anzahl von Kihm's Hand geschriebener „Verzeichnisse der römischen 
Münzen", welche die Nummern I — XXI tragen, erhalten; jedes derselben um- 
fasst eine verschiedene Anzahl von Münzen von 40 bis zu 300 und mehr Stück. 
Diese Verzeichnisse geben die Aufstellung des gesamten damaligen Bestandes 
der Sammlung, soweit er Kihm aufzeichnungswürdig erschien, wieder.'') Kihm 
verfuhr dabei etwa in folgender Weise. Aus der ungeordneten Masse, welche 
er vorfand, suchte er sich eine beliebige Anzahl Münzen, vielleicht die, welche 
in einem oder mehreren aufeinander folgenden Schubfächern sich befanden, 
zusammen, ordnete sie einigermassen^') nach den Kaisern und verzeichnete sie 
unter fortlaufender Numerierung in der Weise, dass Kaisername, Münzgattung 
und Stückz;ihl angegeben wurden, wobei die Münzen eines und desselben Kaisers 
ohne Rücksicht auf die Münzgattung thunlichst unter einer Nummer vereinigt 
wurden; Fundangaben oder weitere Beschreibung der Münzen linden sich 
zunächst nirgends in diesen Verzeichnissen.'*) Die so verzeichneten Münzen 
wurden in Papierkapseln eingeschlossen, vrelche ausser den im Verzeichnisse 



^^) Vgl. im allgemeinen die Äusserung in der Rede Rosseis am 7. September 1851 
(Mitteil, an die Mitglieder No. 1, 1S51 S. 11); ferner Mitteil. No. 2, Dezember 1851 S. 41; 
No. H, April 1852 S. 57 f.; No. 5, Dezember 1852 S. 1.30 f. 

^*) Man könnte zunäclist versucht sein, in diesen Verzeiclmissen eine Art von Aufstel- 
lung über die jiihrliolien Zugänge, etwa die in den Generalversammlungen bisweilen aufgelegten 
Listen (>. oben S. 192) zu erbliclien, um so mehr, da in den No. XV und folgenden vielfach 
Münzen begegnen, welche nach beigefügten Angaben in den 50er Jahren, also in der letzten 
Zeit von Kihm's Thätigkeit am Museum, gefunden sind. Doch abgesehen davon, dass neben 
diesen auch Münzen aus den 30er und 40er Jaliren in denselben Verzeichnissen begegnen, 
lüsst sich sclion die Zahl der XXI Verzeichnisse nicht auf die Reihe der Generalversammlungen, 
die während Kihm's Amtsführung abgehalten wurden, verteilen, und wird jene Ansicht völlig 
hinfällig dadurch, dass z. B. das VIII. Verzeichnis den überhaupt ältesten Bestandteil der 
Sammlung, die in den Jahren 1824 ff. erworbenen Münzen im wesentlichen enthält, sowie dass 
das XIV. Verzeichnis, das einzige mit Datum versehene, am 18. Juli 1853 angefertige ist, also 
die folgenden XV- XXI in die Zeit von 1853 — 1856 fallen, in welchem Jahre die Thätigkeit 
Kihms ihr Ende erreichte (er starb im Juli 1857, war aber schon längere Zeit vorher durch 
Krankheit an der Ausübung seiner Amtstliätigkeit gehindert worden, vgl. Per. Blätter 1857, 
No. 3, S. 40 f., 1858, No. 5, S. 97). 

•■'•') Wie wenig Gewicht Kihm hierbei auf eine wirklich chronologische Ordnung legte 
— und hier mit vollem Recht — , zeigt unter anderem der Umstand, dass die Münzen der 
kaiserlichen Frauen in mehreren Verzeichnissen unmittelbar hintereinander folgen, ohne Rück- 
sicht darauf, ob sie aus dem 1. oder aus dem 4. Jalirh. sind i,z. B. im Verz. III, VIII, IX). 

'■>*) Nur am Kopfe des X. Verzeichnisses findet sich der Vermerk „von Bingen"; bei der 
Einordnung der betr. Münzen hat Kihm aber weiter keine Rücksicht darauf genommen. 



194 

gemachten Notizen noch die lateinische „Nummer'* des Verzeichnisses und die 
arabischen innerhalb jedes Verzeichnisses fortlaufenden Nummern trug; in einer 
Kapsel waren nicht selten eine grössere Anzahl Münzen, bis zu 50 und 60 Stück, 
namentlich an Kleinerzen, vereinigt. Verzeichnet aber wurden nur die besser 
erhaltenen Münzen, deren Zugehörigkeit sich leicht erkennen liess; die übrigen 
wurden in grosse Papierumschläge, weiche die Zahl der in ihnen enthaltenen 
Münzen trugen, verpackt, mit der Aufschrift „Ausschuss" oder „ausgeschossen" 
oder ^schlechtes Zeug" versehe« und in einem Kasten aufgestapelt. Die Zahl 
derselben ist offenbar keine geringe gewesen ; denn während z, B. von den bei 
Hof heim 1841/42 gefundenen Münzen sich nicht mehr als 4 Stück mit diesem 
Fund vermerk von Kihm's Hand in der von ihm geordneten Sammlung be- 
fanden, stiess ich in einem Kasten des ^[ünzschrankes auf ein Papiersäckchen 
mit der Aufschrift „gef, in Hofheim 1841 42", welches gegen 80 Stück aller- 
dings sämtlich sehr schlecht erhaltener, meist ungereinigter Münzen enthielt.^*) 

Nachdem Kihm in dieser Weise in dreizehn Verzeichnissen etwa 2352 
Münzen aufgenommen hatte, ging er daran, dieselben in eine nach Kaisern ge- 
ordnete Reihenfolge zu bringen. Die einzelneu Münzen wurden in den Schub- 
fächern auf Papptafeln untergebracht, welche mit Ausschnitten in drei ver- 
schiedenen Grössen für Grosserze, Mittelerze, Gold bezw. Silber oder Kleinerze 
versehen waren; verschiedene Münzgattungen eines und desselben Kaisers waren 
häufig in einer Schublade vereinigt. Bei dieser Einordnung wurden den Mün- 
zen, bei welchen Kihm Fundnotizen vorfand, kleine Zettel mit entsprechendem, 
bald mehr, bald weniger ausführlichem Vermerk beigelegt^^); sie sind ausnahms- 
los von Kihms Hand geschrieben; die Münzen, bei denen das Jahr der Auf- 
findung nicht hinzugesetzt ist, stammen alle aus den 30er und 40er Jahren, denn 
den im Anfang der 50er Jahre gefundenen pflegte Kihm die Jahreszahl fast 
regelmässig beizufügen. 

Da in dem XIV. Verzeichnisse, welches nach einer Bleistiftnotiz am Kopfe am 
18. Juli 1853 angefertigt ist, und ebenso in allen folgenden, vorn eine Kolumne 
ausgespart ist für die Nummer der „Schublad", in welche die in dem Verzeichnisse 
enthaltenen Münzen später endgiltig eingelegt werden sollten, so ist die erste 



^°) Da es in der Natur der Saohe Hegt, dass eine Menge schleclit erlialtener Münzen 
besonders durcli die grossen Ausgrabungen des Vereins am Wiesbadener Kastelle, in der Um- 
gegend, Heddernheim, Marieufels in das Kabinet gekommen sein müssen, werden diese wohl 
den weitaus grössten Teil dieser ausgeschossenen Münzen bilden; leider sind sie durcheinander- 
gemischt und nicht mit ähnlichen Vermerken versehen wie die Hof heimer; es ist uns dadurch 
die Verwertung eines wichtigen historischen Materials unmöglich gemacht. 

^"j Die Mehrzahl dieser Notizen wird zurückgehen auf die Angaben, welche sich auf 
den oben erwähnten Umschlägen der einzelnen Münzen fanden; andere, namentlich bei den 
von Ausgrabungen, welche Kihm geleitet hatte, stammenden Münzen, auf von ihm selbst ge- 
machte Aufzeichnungen. Dass Kihm wirklich alle Fundnotizen, welche er vorfand, verwertet 
hätte, soll damit nicht behauptet werden; denn von den aus dem Binger, sowie aus dem 
Ileddernheimer Denurfunde stammenden Münzen, welche er in die Sammlung zerstreute, hat 
er, obwohl ihm deren Herkunft nachweislich bekannt war, keiner einzigen eine entsprechende 
Notiz beigefügt; dasselbe ist noch bei vielen einzelnen Münzen nachweisbar, namentlich bei 
den ausgeschossenen Münzen hat er auf die Angabe der Herkunft offenbar nicht das geringste 
Oewioht gelegt. Immerhin ist nnzucrkennen, dass Kihm dunh Erhaltung eines grossen Teiles 
der alten Fnndnotizen uns ein wertvolles historisches Material überliefert hat. 



195 

clironologische Ordnung der Sammlung nach Kaisern vor diesem Datum er- 
folgt; die Kolumne ist bei den meisten Münzen mit einer nachträglichen Blei- 
stifteintragung ausgefüllt. In diesem und den folgenden Yerzeichnissen beginnt 
Kihm auch den Fundort, soweit er ihm bekannt war, den einzelneu Nummern 
beizuschreiben; doch war die hierauf verwendete Sorgfalt bei den verschiedeneu 
Verzeichnissen eine sehr verschiedene.'') Bei dieser Aufnahme aller Bestände 
an römischen Münzen wurden natürlich auch die gleichzeitig bezw. kurz vorher 
erworbenen Stücke eingetragen; daraus erklärt sich die in den Verzeichnissen 
XIV^, XVII, XVIII und XIX begegnende verhältnismässige Häufigkeit des 
Vermerkes, „gefunden 1851, 1852, 1853". Das XIX. Verzeichnis, welches zwei 
Münzen aus dem Jahre 1854 enthält, kann nicht vor diesem Jahre abgefasst 
sein; das letzte, XXI. Verzeichnis, welches die 1850 gekauften Heddernheimer 
Silbermünzen enthält, dürfte nicht später als in das Jahr 1855 fallen. 

In dem der Generalversammlung vom 8. September 1853 vorgetragenen 
Jahresberichte wird der Bestand der Münz- und Medaillensammlung angegeben 
auf: 209 griechische, 4078 römische, 37 keltische und 1891 mittelalterliche 
Münzen (Per. Bl. No. 3, 1853, S. 7). In den XXI Kihm'schen Verzeichnissen, 
von denen No. XVIII bis XXI mit 494 Stück sicher nach jenem Datum der 
Generalversammlung angefertigt wurden, sind insgesamt nur 3319 Münzen ent- 
halten.'^) Dazu wird man freilich noch die von Kihm nicht aufgenommene, 

^^) Im XIV. Verzeichnisse sind fast alle Münzen mit Herkunftsangaben versehen (die 
meisten stammen von dem Ankaufe in Bingen 1852 und Frankfurt bei Oppenheim er 1851, 
s. oben S. 190), im XV. fehlen sie wieder fast ganz, im XVI.— XIX. sind sie häufig vor- 
lianden, verschwinden aber völlig im XX., das XXI., welches den Heddernheimer Denarfund 
enthält, lässt diesen Vermerk ebenfalls vermissen. 

^*) Diese Summe setzt sich in folgender Weise zusammen: 



Verzeichnis 


enthält: 


GE 


ME 


KE 


Silber 


Gold 


Summa 


I. 


n 


73 


137 


67 


44 


— 


321 


IL 


n 


22 


68 


138 


— 


— 


228 


III. 


V 


21 


75 


64 


20 


— 


180 


IV. 


n 


3 


18 


13 


103 


— 


137 


V. 


n 


18 


25 


48 


— 


— 


91 


VI. 


n 


16 


23 


25 


5 


— 


69 


VII. 


n 


12 


62 


48 


32 


2 


156 


VIII. 


■n 


19 


85 


89 


90 


7 


290 


IX. 


n 


40 


104 


118 


60 


— 


322 


X. 


» 


— 


184 


— 


— 


— 


184 


\T. 


» 


— 


9 


125 


— 


— 


134 


XII. 


n 


— 


34 


• > 


48 


5 


90 


XIII. 


n 


23 


50 


41 


37 


— 


151 


XIV. 


n 


11 


66 


60 


— 


— 


137 


XV. 


» 


14 


23 


96 


22 


— 


155 


XVI. 


T» 


7 


23 


24 


1 


— 


55 


XVII. 


» 


10 


18 


91 


6 


— 


125 


XVIII. 


<i 


8 


22 


34 


12 


— 


76 


XIX. 


V 


S 


17 


10 


6 


— 


41 


XX. 


» 


3 


10 


24 


8 


— 


45 


XXI. 


7» 


— 


— 


— 


332 


— 


332 



308 1053 1118 826 14 3319 



196 

weil bereits mit Katalog versehene, für sich gesondert gebliebene Sand- 
berger'sche Sammlung mit 297 Stück zu rechnen haben. Aber auch dann 
bleibt diese Zahl hinter jenen 4678 so weit zurück, dass es wohl keinem 
Zweifel unterliegt, dass in diese hohe Gesamtzahl — welche noch jetzt der 
geordnete und verzeichnete Teil der Sammlung bei weitem nicht erreicht — 
auch die von Kihm ausgeschossenen Münzen, auf deren Umschlägen er ja 
stets die Stückzahl notiert hatte, eingerechnet seien. 

Die Anfertigung eines eigentlichen Katalogs, welche erst nach dieser 
vorläufigen (Ordnung hätte beginnen können, unterblieb auch jetzt, offenbar 
mehr aus dem Grunde, weil eine Persönlichkeit fehlte, welche diese Arbeit hätte 
ausführen können, als weil man einen solchen überhaupt für überflüssig hielt. 

Über die von der ersten Hälfte der 50er bis in die Mitte der 60er Jahre 
der Yereiussammluug einverleibten Münzen geben eine erwünschte Übersicht die 
Berichte in den „Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins für Nassauische 
Alterthumskunde und Geschichtsforschung" und in den „Periodischen Blättern 
der Geschichts- und Alterthumsvereine zu Kassel, Darmstadt, Frankfurt, Mainz 
und Wiesbaden." Diese Berichte sind, soweit sie die Vermehrung der Vereins- 
sammlungen betreffen, grossenteils fast wortgetreu aus den seit dem Jahre 1853 
regelmässig mit Sorgfalt fortgeführten Zugangsverzeichnissen, „Inventarien", ge- 
schöpft, denen sie freilich auch darin folgen, dass in ihnen unbedeutenderer 
Erwerbungen, darunter namentlich schlecht erhaltener Münzen, öfter gar nicht 
oder in nur summarischer Weise Erwähnung geschieht. Von den damals er- 
worbenen Münzen wurde nur ein sehr geringer Teil der von Kihm geordneten 
Sammlung eingereiht; die überwiegende Mehrzahl wurde vielmehr ganz in der 
Weise, wie dies vor dem Jahre 1851 geschehen war, in beliebigen Fächern 
dos Münzschrankes zerstreut; doch vergass mau dabei selten die einzelnen 
Stücke in einen Zettel zu wickeln, auf welchem Fundort und Fundzeit, manch- 
mal auch eine oberflächliche Bestimmung der Münze vermerkt war. Diesem 
Umstände verdanken wir es, dass wir noch jetzt in der Lage sind, fast alle in 
den „Mittheilungen" und .,Per. Blättern" erwähnten Münzen, und häufig noch 
manche andere in jener Zeit erworbene, deren sie nicht gedenken, zu identifi- 
zieren. Denn dass auch in der folgenden Zeit die so untergebrachten Münzen 
im wesentlichen unangetastet blieben, zeigt unter anderem der Umstand, dass 
sich unter ihnen manche Prachtstücke, wie z. B. die unten zu beschreibenden 
Vespasiaoe (No. 43 u. 45) und der Augustus (No. 15) befanden, welche ihrer 
Verborgenheit zu entreissen sich gelohnt hätte, sowie dass die bei den Ausgrab- 
ungen des Jahres 1858 auf dem Heidenberge gefundenen Münzen noch unbe- 
rührt so lagen, wie sie gleich nach jener Ausgrabung von Rössel untergebracht 
waren (s. unten). Es bildete sich so gewissermassen ein dritter Bestandteil der 
Sammlung, die seit dem Jahre 1855 hinzugekommenen Münzen, neben den 
beiden von Kihm geschiedenen: der in chronologische Ordnung gebrachten 
Sammlung und den ausgeschossenen Münzen. 

Aus den in diesen Jahren erworbenen Münzen mögen hier kurz erwähnt 
sein: ,30 in Ems gefundene Münzen von Domitian bis Valens", geschenkt am 
31. Oktober 1853 (Per. Blätter 1854, No. 4, S, 19); von einem bei Finthen 



205 

an einen Palmbaum gebunden, unten 2 Palmen, auf dem Avers Stempeleinschlag: 
. [ liyp} , auf dem Revers ein runder, nicht zu entziflFernder Stempel. Cohen p. 179 No. 7. 
„Caetell zu Wiesbaden 1838". (K.) 

23. Dieselbe Münze, sehr schlecht erhalten, ohne Stempel. „Römercastell 1838 (Ausschuss)". 

24. Dieselbe Münze, absichtlich halbiert: Cohen p. 179 No. 7 oder 10. »Castell 1858". 
Über die Halbierung vgl. Mommsen: RGm. Münzwesen 1860, S. 677. 

25. Dieselbe Münze, halbiert, glänzend blau patiniert. ^(Castell 1838) in dem Schacht". 

26. Dieselbe Münze, halbiert, aber mit zackiger Schnittfläche, noch sehr frisches Gepräge, 
gef. wie 23. 

Tiberius : 

27.* Mittelerz: nicht näher bestimmbar. „Castell vor 1853''. Vgl. Kihm's Verzeichnis 
oben S. 203. 

28. Mittelerz, schlecht: Kopf m. Lorb. n. r, Umschrift . . . AVGVST F IMPER . . . . 
Es. zerstört (jedenfalls mit Altar und ROM ET AVG)« nCastell 1858". 

Germanicus : 

29. Mittelerz, geprägt unter Caligula: GERM[ANICVS CAESAR Tl AVG] F DIVI 
AVG N Kopf n. r. Rs. Q CAESAR AVG GERMAN [PON] M TR POT Im 
Felde S-C Cohen 2. .,Castell, südöstliche Ringmauer, März 1860". Vgl. P. Bl. 1860 
No. 13 3. 367 == Inv. 1860 No. 84. 

Caligula : 

30. Mittelerz, ziemlich gut: Q CAESAR AVG GERMANICVS PON M TR POT 

Kopf n. 1. Es. Vesta n. 1. sitzend, hält Schale und Scepter, oben VESTA» zu beiden 
Seiten S— C Cohen 27. „Castell 1838". (K.J 

31. Dieselbe Münze, ziemlich gut. „Nord^yite des Castells 1875". Vgl. Annal. XIV, 430 
und Inv. 1875 No. 136. 

Drusus der ältere: 

32. Grosserz, geprägt unter Claudius i. J. 41, gut: NERO CLAVDIVS DRVSVS GER- 
MANICVS IMP Kopf n. 1. Es. Tl CLAVDIVS CAESAR AVG P M TR P IMP 

Claudius n. 1. sitzend, hält einen Zweig, unter seinem Sessel ein Panzer, Schild und 
Kugel, davor und dahinter weitere Waffen, Cohen 8, „im Anfange des Jahres 1819 
auf dem sogenannten Rumerberge dahior in einer Tiefe von 15 Schuhen ausgegraben". 
Zimmermann in seinem Münzkatalog, Grosserze No. 1. Vgl, oben S. 184. 

Claudius : 

33. Mittelerz, schlecht erhalten: Tl CLAV[DIVS CAESAR AVG] PM [TR P IMP PP] 
Kopf n. 1. Rs. Minerva n. r. stehend, hält einen Schild und schwingt eine Lanae, im 
Felde gross S— C Cohen 84. „(CastelJ) hinter dem kleinen Bad" (also wohl 1838). 

34. Mittelerz, ganz zerfressen: Kopf des Claudius n. 1. Es. völlig zerstört, „Römercastell 
1838 (Ausschuss)". 

Nero: 

35. Mittelerz, schlecht erhalten: NERO GtAVD CAESAR AVG GER PM TR P 

IMP PP Kopf n. 1., daiunter- KugeJ, i^ Yictori« n. l. tliegend, hält einen Sohild [auf 
dem SPQR], zu beiden Seiten §— Q Cohen 293» ,Römerca8tell 1838 (Ausschuss)". 

36. Mittelerz, ziemlioh gut: [|MP] NERO CAESAR AVG [P] MAX TR P PP Kopf 
n, 1., darunter Kugel. Es. ebenso wie bei 35. Cohen 303. „Castell 1858". 

37. Mittelerz, schlecht erhalten: Kopf mit Lorbeer n. r., Umschrift zerstört. Es. ebenso 
wie bei 35. „Castell 1858". 

Vespasian : 

38. Mittelerz, sohlecht erhalten: JMP ^mMR VESPASIA?^^ W^ '^S IUI Kopf 
mit Lorbeer n. r., darunter Kugel. Es. AEQVIT?Ü$ [AVGVSTI] oder [AVGVST] 

13* 



206 

stehende Aequitas n. 1. zwischen S— Ci ^^It Wage und Scepter. Wahrscheinlich 

Cohen 15 li. J. 72/73'). ^Rümercastell 1838 (Ausschuss)". 
39.* Mittelerz: . . . CAES VESPASIAN AVG [COS ] Kopf des Kaisers. Rs. FIDES 

PUBLICA, stehende Fides n. 1. mit Schale u. Füllhorn, zu beiden Seiten S— C ^ino 

der Nummern Cohen 165—168. «Heidenberg, März 1862'*"), nach Inv. 1862, 

1-t. März Xo. 15. 
40. Mittelerz, verschliffen: [|MP CAES] VESPASIAN AVG COS VÜ! PP Kopf mit 

Lorbeer n. r., darunter Kugel. Rs. FORTLVNAE RlEDVCI Fortuna n. 1. stehend, 

mit Füllhorn und Steuer, S — C Cohen ISl (i. J. 78/79). „Römercastell 1338 (^Ausschuss)". 
41.* Denar: Kopf, Umschrift IMP CAESAR VESPASIANVS AVG Rs. Merkurstab, 

PON MAX TR P COS V Cohen 362 (i. J. 74). , Heidenberg 1865''. Mitteil. No. 5 

und 6, 1867 März S. 26 = Inv. 1865 Oktober No. 45. 

42. Mittelerz, sehr schlecht erhalten: [|MP] CAES VESPASIA??!^^^ Kopf mit Lorbeer 

n. r. Rs. vor Beseitigung des Rostes war deutlich zu erkennen ein grosser Altar, im 
Abschn. ^OVIDE;;i>/, also eine der Münzen Cohen 39G— 100, mit PROVIDENT 
„Römercastell 1838 (Ausschuss)''. 

43. Grosserz, sehr schön erhalten: |MP CAES VESPASIAN AVG PM TR P PP 
COS ill Kopf mit Lorbeer n. r., darunter Kugel. Rs. ROMA, stehende Roma n. 1., 
hälc eine Victoria und eine Lanze, zu beiden Seiten S— C Cohen 419 (i. J. 71). 
„Caetell, März 1860^; vgL P. Bl. 1860 No. 13 S. 368 und Liv. 1860 Februar -März 
No. 86. 

44. Mittelerz, Revers zerstört: [jjMLP CjAES VESPASIAN AVG COS TU, Kopf mit 
Lorbeer n. r. Rs. Adler auf einer Kugel sitzend, im Felde S— C Cohen 480 (L J. 71j. 
, Römercastell 1838 (Außschnss)". 

45. Dieselbe Münze, sehr schön mit Edelrost: „Castell Frühjahr 1860"; vgL P. BL 1860 
No. 13 3. 368 and Inv. 1860 No. 85. 

46.* Denar: |MP CAES VESP AVG [PM Kopf mit Lorbeer n. r.] Rs. TRI POT II 

COS III [PP sitzende Fax n. 1., hält Ölzweig und Caducens]. Cohen 566 (i. J. 71). 

„Römerberg 1833"; nach Vorst.-Sitz. 16. Januar 1834 § 2. 
47. Mittelorz, sehr schlecht: VESPASIAN AVG Kopf n. r., darunter Kugel. 

Rs. stehende Figur n. 1. mit Schale undFülihom (?;. „RömercastelllSSB (AnsschuBs}". 

[Kann auch Titos sein.] 
48.* Mittelerz, nicht näher bestimmbar. „Castell Tor 1853"; vgl. Kihm's Verzeichnis oben 3. 203, 

49. Mittelerz, sehr zerstört: Kopf mit Lorbeer n. r., Umschrift verwischt. Rs. sitzende 
Figur n. 1. (vielleicht Vesta?). „Castell 1858". 

50. Mittelerz, sehr zerstört: Kopf n. r., von der Umschrift scheint noch erkennbar 
. . . ASIA ... Rs. ganz zerstört. „(Castell 1838/39) hinterm kleinen Bad". 

51.* 52.*^*) „Undeutliche Bronzemünzen, auf dem Heidenberg gefunden, 2 Vespasian" nach 
Mitten. 1865 No. 4 3. 17. 

Titus : 

53. Mittelerz, gut erhalten: J CAES IMP AVG F TR P COS VI CENSOR Kopf 
mit Lorbeer n. r., darunter Kugel. Rs. SECVRI[TA]S AVGVSTI Securitas n. r. 
sitzend, stützt den Kopf in die r. Hand und hält in der 1. Hand einen Zweig (?), vor 
ihr ein brennender Altar. Fehlt bei Cohen (i. J. 77). „Heidenberg 1878". Vgl. Liv. 1878, 189. 

54. Mittelerz, sehr schlecht: J CAES VESPASIAN IMP P %ßMM'^^^(^) Kopf mit 
Lorbeer n. r. Rs. '■■riC't^iHV^'/ H'P^^fi.lJi% Victoria n. r. stehend auf einem Schififo, 
zu beiden Seiten S-C Cohen 387 (i. J. 72/73). „Römercastell 1838 (Ausschuss)", 



^*) In Mitteil. No. 2 1863 Januar 3. 39 wird dieselbe Münze beschrieben, unter Weglassung 
der Fundangabe, im Avers ist das dort gelesene GERM .... offenbar verlesen für COS .... 

^') Es ist darauf hinzuweisen, daas dieselben mit keiner der sonst nachweisbaren, von 
uns aufgeführten Münzen Vespasian's identisch sein können. 



207 
Domitian : 

55. Mittelerz, schön rrhalteu, mit Edeh-ost: |MP D CAES DI VI VESP F AVG P M 
TR P PP COS VII Kopf mit Lorbeer n. r. Rs. CERES AVG VST Ceres n. 1. 
Btebend mic Fackel und Ähren, S-C Cohen 33 (i. J. SO). „HeJdenberg 1873''. 
Inv. 1S7S, No. 231. 

56. Denar, gut erhalten: CAESAR AVG F DGMiTIANVS Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. 
COS l!ll Pog.-iEUa n. r. Cohen 47 a. J. 75). ^Casteil 1849, Garten von Weck". (.K). 

57. Derselbe Deuar, «.ut: „Castell 1858". 

58. Mittelerz: JMP CAES DOMIT ; ."G GERM COSBv^'^S PER PP Kopf mit 
Lc-'^ern. r. Rs. [F!OR[TVN.AE] AVGVSTl ^tohonde i'^ortuna n. 1. mit Steuerruder 
und Füllhorn, im Felde $-0 Cohen 122 (i. J. 36). ,,Heideaberg 1879", vgl. Inv. 1879, 
No. 8 - Z. K. 425. 

59. Mittelerz, sehr schön: ebenso wie Xo. 52, nur auf dem Avers: COS XV und Kopf 
m. !?h-abiei:kroce. Cohen I:i2 (i. -J. 90\ „Heidenoerg 1879", vgl. Inv. 1S79 Xo. 6 = Z. K. 424. 

60. Dlefuibe Münze, zerfressen: „Heidenberg" (mit Zettel von Rosael's Hand, also vor August 
13Ö2 gef.). 

61. Groanerz, s-ut erhalten: ÜVIP CAES DOiVlIT AVG GERM COS XV CENS PER 
PP Kopf m. Lorbeor n, r. Rs. |OVI [VICJTORI atzender Jupiter n. 1., im Abschn. 
SC Cohen 314 ;i. J. 50\ „Castei' 1S:SS im Kreuzbad\ (K.) 

62. Mittelerz, gut: \W\P CAES DOMiT AVG GER^/I COS X Kopf m. Lorbeer n. r. 
lis. [SjALVTl [AVGJVST Im Abschn. SC. Grosser Altar. Cohen 413 (i. J. 84). 
„Castell 1838". (K.) 

63. Kleinerz: [IMP] DOM AVG Beholmter Kopf n. r. Rs. In einem Lorbeerkranze SO 
Fehlt bei Cohen 2. Aufl., ist = Cohen 1. Aufl. 501. „Caitell 1S5S". 

64.* Mittelerz; j.ViP CAES D!VI VESP F DOMITIAN AVG P M Kopf m. Lorbeer 
n. r. Rs. TR P COS VII DES Vül PP Steiiende Minerva n. r., mit Helm, Schild 
und Lanze, zu den Saiten S— C Cohen 562 (i. J. 81). „Gef. beim Hospitalbau (Römer- 
castell Wiesbaden) 1877". Inv. 1877, 3. März No. 43. 

65. Dieselbe Münze, etwas vorschüffen. , Heidenberg 1878".^) 

66. Mittelerz, etwas verschlifien: Avers ebenso -.vie 65. Rs. TR P COS VIII DES Villi 
PP Minerva, wie bei No. 65. Cohen 587 (i. J. 82). ,Castell zu Wiesbaden". (K.) 

67. Dieselbe Münze, verrostet: „Castell 1839". (K.) 

68. Dieselbe Münze, versohlifTen: „Römercastell 1838 (Ausschuss)". 

69. Dieselbe Münze: ^Castell 1858" [war von Rössel für Antocinus Plus angesehen]. 

70. Mittelorz: |MP CAES DOMITIAN AV[G GEIRM COS XI Hs. VIRTVTI AVG 
[VSTll Tirtus n. r. stehend hält Parazoniiun und Lanze S— C Fehlt bei Cohen (i. J. 
85). „Casteil 1858". 

71. Mittelerz, gut: IMP CAES DOMIT AVG GERM COS XII CENS PER PP Kopf 
mit Strahleukroue n. r. Rs. VI[R]TVTI AVGVSTl Virtus wie bei 70. Cohen 648 
(i. J. 86). .,,Heidenberg 1879". 

72. Mittelerz, schleclit: [JMP] CAES DOMiT AVG GEWM', CENS.... Kopf m. Lor- 
beer n. r. Rs. sehr zerstört, wahrscheinlich aber Virtus n. r. stehend mit Lanze und 
Parazonium wie 70 ß. „Castell 1858". 

73. Mittelerz, sehr verschliffen: Kopf mit Lorbeer n. r., von der Umschrift noch lesbar 
....VG GERM X.l lis. scheint stehende Yirtus n. r,, nicht näher be- 
stimmbar. .,Castell 1839". (K.) 

74. Grosserz, sehr versehüffen: IMP [DOMITIAN CAIES DIVI VESP [F] AV[G P M 
TR P PP COS VII oder VIII] Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. zerstört. ,Castell 1858". 



=*) Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass No. 65 eben die von mir nicht gesehene 
No. 64* ist, obwohl bei ersterer das Jahr 1878, bei letzterer 1877 als Fundjahr angegeben ist; 
dass No. 65 nicht in das Inventar eiogetragen gewesen zu sein scheint, vermehrt an sich 
nicht die Wahrscheinlichkeit der Identität. 



208 

75. STittelerz, nur halb erhalten, durch Brand abgesehmolzen: Kopf n. r. Alles andere 

unkenntlich. „Castell 1858". 
76.* ,Drei undeutliche BronzemQnzen, auf dem Heidenberge gefunden, 2 Veapasian und 

1 Domitian".«) Mitteü. 1365 No. 4 3. 17. 

Nerva: 

77. Mittelerz, schlecht: [|]MP NERVA CAE[S AVG PlIVI TR P CO[S 11 PP] Kopf m. 
Lorbeer n. r. Rs. [FORTVNA AVGV]S[T] Stehende Fortuna n. 1. hält Ruder und 
Füllhorn, zu den Seiten S— C Cohen 61. „Castell von Wiesbaden". (K.) 

78.* Denar: „eine Silbermünze Nerya gefunden auf dem Heidenberg". Inv. 1872 No. 90. 
Nicht näher bestimmbar. 

Trajan: 

79. Mittele.-z, ziemlich gut: IMP CAES NERVAE TRAIANO AVG GER DAG P M 
TR P COS V PP Kopf mit Strahlen n. r. Rs. SPQR OPTI[MO] PRINCIPI 
S— C Stehende Figur n. 1., in der L. ein Füllhorn, in der R. einen Caduceus (?) 
Nicht sicher bestimmbar (i. d. J. 104—111). „Castell 1858". 

80. Mittelerz, gut: Avers wie bei 79. Rs. SPQR [OIPTIMO PRINCIPI Stehende For- 
tuna n. 1. S— C Cohen 479. ,Castell 1839". (K.) 

81.* Mittelerz: |MP CAES NERVA TRAIAN AVG GERM P M Kopf mit Lorbeer. 

Rs. YR POT COS II P P Geflügelte Victoria n. 1. mit einem kleinen Schilde in der 

R., worauf SPQR Zur Seite S— C Cohen 617 (i. J. 98). „Auf dem Heidenberge 1838». 

Nach sorgfältiger Beschreibung Habel's auf einem Zettel, in welchen diese und die 

folgende Münze eingewickelt gewesen. 
82.* Dieselbe Münze, „gefunden im Bad des Castells" (also 1838). Nach demselben Zettel 

wie No. 81.* 

83. Dieselbe Münze. „Castell 1858". 

84. Grosserz, schön erhalten: |MP CAES NERVA TRAIAN AVG GERM P M Kopf 
m. Lorbeer u. Aegis n. r, Rs. TR POT COS II P P Sitzende Justitia n. 1. hält 
einen Zweig und ein Scepter, im Abschn. S C Fehlt bei Cohen (i. J. 98). „Caateil 
1838". (K.) 

85. Mittelerz, schön mit Edelrost: |MP CAES NERVA TRAIAN AVG GERM [P M] 
Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. TR PO[T CO]S III P P Victoria, wie bei 81 ff. Cohen 
628 (i. J. 100). „Castell auf dem Heidenberg, April 1862". Vgl. Mitteil. No. 2 1863 
8. 40 und Inr. 1862 17. April No. 31. 

86. Dieselbe Münze, gut erhalten: „Heidenberg 1879". Vgl. Tut. 1879 No. 7 = Z. K. 423. 

87. Mittelerz: |MP [CAES NERIVA TRAIAN AVG GERM P M Kopf mit Strahlen 
n. r. Rs. TR POT COS III P P Sitzende weibliche Figur n. 1. in der r. Hand ein 
Scepter, zu beiden Seiten S— C "Vielleicht Cohen 629. „Castell 1839". (K.) 

88. Mittelerz, ziemlich gut: Avers wie bei 87. Rs. TR POT COS IUI P P "Victoria n. 1., 
wie bei 81 ff., S — C Cohen 640 (i. J. 101 oder 102). „Castell auf dem Heidenberge, 
Februar 1862". Vgl. Mitteil. No. 2 1863 S. 44 und Inv. 1862 15. Februar No. 11. 

89.* Grosserz: „. . . . A TRAIANVS AVG G Brustbild des Kaisers, sehr zerfressen. Rs. 

TR POT COS I . . . Sitzende Pietas wenig kenntlich" nach Mitteil. No. 1 1861 S. 21 
= Inv. 1861 Juli 17. No. 170: „gef. Wiesb. in der Leimenkaut" (gemeint sein können 
wohl nur die Lehmgruben auf dem Heidenberge, an der Platter-Chauss^e). 

Hadrian: 

90. Orosserz, verschliffen: H<^RIANVS AV[G COS III P P] Büste «• Lorbeer n. r. 
Rf' ADVENTVI [AVG ] Hadrian n. r. stehend, ihm gegenüber eine weibliche 



*') Auf die allerdings schwache Möglichkeit soll wenigstens hingewiesen werden, dass 
wir in der unter No. 60 beschriebenen Münze die in den Mitteil. a. a. 0. erwähnte vor uns 
haben. 



197 

gemachten Münzfund kamen nur 6 Stück als Geschenk in das Museum (Per. 
Blätter, No. 4, 1855, S. 124).^*) Eine wertvolle Erwerbung bildete die Sammlung 
von 143 republikauidclien, sämtlich in Rom gefundenen Silbermünzen, welche 
Herr van Ro.ssum am S. Januar 1859 dem Museum zum Geschenk machte 
(Per. Blätter 1850, No. 8, S. 203). Das damals zugleich ü!)erreichte sorgfältige, 
noch vorhandene Verzeichnis zeigt, dass die aus dieser Sammlung stammenden 
Stücke noch jetzt den bei weitem grössten Teil aller im Münzkabinet vor- 
handenen republikanischen Denare ausmachen. Hält man dazu, dass auch mit 
der von Gerning'schen Sammlung eine Reihe republikanischer Münzen an das 
Museum gekommen sein muss, dass Trombetta eine Anzahl schenkte, sowie 
dass noch öfter von auswärts dergleichen Münzen als Geschenke eingingen"'), 
so bleibt von den im Münzkabinet enthaltenen Denaren der römischen Republik 
ein verhältnismässig sehr geringer Bruchteil über, welcher im Lande selbst 
gefunden ist oder doch gefunden sein kann. 

19 Münzen aus der Zeit Diocletiau's und Constantin's, gefunden auf dem 
Donnersberg, schenkte 1859 der Pfarrer Lehmann (Per. Blätter No. 8, 1859, 
S. 206), von auswärts kamen auch einige Stücke aus Lyon (Per. Blätter No. 11, 
1859, S. 299 f.), Strassburg (Per. Blätter No. 14, 1860, S. 398), Ägypten 
(Per. Blätter No. 15 u. 16, 1861, S. 461 f.) in die Sammlung. Die vom Verein 
erworbenen Sammlungen des Geometers Wagner in Kernel, von Lob und von 
Schäffer in Bingen enthielten auch einige meist am Ort gefundene Münzen 
(Mittheilungen an die Mitglieder No. 2, 1868, S. 35, 42 f., 44 f.). Von einem 
am 29. Dezember 1861 in Marienfels gemachten Denarfunde aus der ersten 
Hälfte des 3. Jahrhunderts, welcher gegen 1500 Stück enthielt, wurden 126 
angekauft (Mittheilungen No. 2, 1863, S. 56); dieselben lassen sich, wenn auch 
der Sammlung jetzt eingeordnet, an der eigentümlichen Art ihrer Erhaltung 
leicht erkennen; eine Beschreibung derselben wird an einer anderen Stelle 
gegeben werden. Zehn von Pleddernheim stammende Münzen werden aufge- 
zählt in den Mittheilungen an die Mitglieder No. 3, 1864, S. 10 f.; eine Gold- 
münze von Marcus Bs. Saluti augustor. tr. pot. XVH cos. HI, gefunden in Holz- 
hauseu, wurde 1864 erworben (Mittheilungen No. 4, 1865, S. 18); ebenso 
eine Goldmünze von Jiistinus F.^. Victoria Augg. (ebenda S. 17). Vier in oder 
bei Mainz gefundene römische Goldmünzen, 1 Vespasian, 1 Trajan, 1 Antoninus 
Pius, 1 Leo I. wurden 1867 angekauft (Invent. 1867, No. 55), — Die Er- 
werbung der E. Zais'schen Münzsammlung brachte dem Kabinet einen Zu- 
wachs von etwa 250 Stück. Das von dem früheren Besitzer verfasste Ver- 
zeichnis, welches sich erhalten hat, ermöglicht es, die meisten dieser der übrigen 



^*) Vier davon sind: a) A^rippa ME. b) Vespasian, Es. Äequitaa AugustiME. c) Hadrian 
Bs. Pietas Aug. GE. d) Volusian, Rs. Pax. Augg., Silber. Ob dieselben wirklich einem ein- 
heitlichen Scliatzlund entstammen? 

") Z. B. 5 republik. Silbermünzen, welche aus einem in der Niihe von Reussmarkt in 
Siebenbürgen gefundenen, etwa 300 Stück enthaltenden Schatzfund herrühren, vgl. Invent. d. 
Münzen seit 1880, No. 66 ff. Woher die 184^/44 angekaufte , Anzahl römischer Silber- und 
Bronzemünzen, unter welchen sich ziemlich viel Konsularmünzen befanden" (An- 
nal. IV, 1. 162) stammte, wissen wir nicht. 

13 



198 

Sammlung bereits 1869 einverleibten Münzen zu identifizieren. „Dem Fundorte 
nach verteilen sich die Münzen zum grössten Teile auf Mainz, dann folgen 
Heddernheim, Alzey und Wiesbaden"; leider beschränken sich die Fundnotizen 
auf diese allgemeine Angabe, eine Zuweisung der einzelnen Stücke an die 
verschiedenen genannten Fundorte ist nicht mehr möglich. 

In der Mitte der 70er Jahre erhielt die Sammlung der römischen Münzen 
endlich einen Katalog, dessen sich die der mittelalterlichen unu neueren Münzen 
bereits seit dem Jahre 1865 erfreute. Das „antiquarische Notizbuch" des 
Konservators sagt darüber unter dem Datum des 21. Oktober 1873, S. 64: 
„Im Laufe des Sommers hat Herr Isenbeck die römischen Münzen nach Cohen 
geordnet, so dass die Cohen'sche Nummer auf ein vorstehendes Papierblättchen 
notiert ist; eingeordnet wurde hierbei die Sandberger'sche Sammlung, aber 
den Münzen ein Blättchen beigelegt mit der Nummer des Katalogs und der 
Fundstelle auf der Kehrseite. Ausrangiert wurden die Dubletten und besonders 
verwahrt . . ." (vgl. dazu Annal. XIII, 370). Nach dieser Vorarbeit wurde 
der Katalog selbst aufgestellt; des Abschlusses dieser Arbeit thut der Jahres- 
bericht des Konservators über das Jahr 1876 Erwähnung (s. xinnal. XIV, 435). 
Dieser Katalog, welcher die Münzen nach Cohen, Description des medailles 
frappees sous l'empire romain 1. Auflage bestimmt, nach den Münzgattungen, 
Gold, Silber, Grosserz, Mittelerz und Kleinerz, getrennt aufführt und die Fund- 
angaben, soweit sie vorhanden waren, hinzufügt, umfasst in der Hauptsache den 
von Kihm geordneten Teil der Sammlung, wobei freilich die Ki hm' sehe Ord- 
nung als gänzlich ungenügend völlig verändert werden musste; eingeschlossen 
sind zwar ausser der schon erwähnten Sand berger 'sehen Sammlung noch 
manche vor der Katalogisierung, Vv'ie z. B. die Zais' sehen, oder während der- 
selben eingeordnete Münzen, aber die anderen Bestandteile, die von Kihm 
ausgeschosseneu sowie die Mehrzahl der seit 1856 erworbenen Stücke, blieben 
von der Katalogisierung ausgeschlossen. Die Zahl der in dem Kataloge ver- 
zeichneten Kaisermünzen beträgt etwa 3100, bleibt also hinter der Zahl der in 
den Kihm'schen XXI Verzeichnissen enthaltenen 3319 zurück; mit Hinzu- 
rechnung der etwa 260 republikanischen — dieselben sind erst im Jahre 1895 
in den Katalog aufgenommen — übertrifft sie jene Zahl nur um ein weniges: 
der in den zwischenliegenden 20 Jahren diesem Teil der Sammlung gewordene 
Zuwachs ist durch xA.usscheidung der zahlreichen Fälschungen, sowie einer Reihe 
von Dubletten*') annähernd ausgeglichen worden. 



*') Es darf hier nicht unterlassen werden, darauf hinzuweisen, dass diese Dubletten 
fast auascbliesslich aus Bronzemünzen des 1. Jahrhunderts der Kaiserzeit bestehen: dutzend- 
weise sind unter ihnen vertreten die bekannten Agrippamünzen, die des Augustus mit Provi- 
dentia und Rom. et Aug. (obwohl alle diese Sorten schon zahlreich in der katalogisierten 
Sammlung sich befinden,, viele Caligula mit Yesta, Nero mit S C und der Victoria, besonders 
dann Vespasian und Domitiau, auch Trajan; mit Hadiian beginnt die Zahl bereits abzunehmen 
und sind spätere Münzen, wenn wir von dem überall massenhaft auftretenden Kleinkupfer der 
constantinischen Zeit absehen, fast gar nicht mehr vertreten, auch die Denare des anfangenden 
3. Jahrhunderts fehlen fast völlig. Du uns keine Gesamtfunde bekannt sind, welche diese früh- 
zeitigen Münzen, wenigstens in irgend welcher beträchtlichen Anzahl enthalten hätten (be- 



199 

Die Vermehrung der Sammlung in den siebziger Jahren war keine sehr 
bedeutende*'), wie die Inventare dieser Zeit ausweisen, und beschränkte sich auf 
Zuwendung und gelegentlichen Ankauf einzelner Münzen; am meisten lieferten 
dazu Wiesbaden und Heddernheim, sowie Mainz. Seit dem Ende des Jahres 
1880 werden die neu eingehenden Münzen, welche bis dahin zwischen den 
übrigen für das Museum erworbeneu Gegenständen in den jährlichen Inventarcn 
verzeichnet worden waren, in ein eigenes Inventar mit fortlaufender Nummer 
eingetragen, welche jetzt die Zahl 600 wenig überschritten hat ; darunter sind nur 
etwa 150 Stück römische Münzen. Die so eingetragenen wurden in Papier- 
täschchen, welche mit der entsprechenden Nummer versehen sind, der Sammlung 
einverleibt, aber nicht an der ihnen zukommenden Stelle eingeordnet; auch in 
dem Isenbeck' sehen Katalog sind die nach seiner Fertigstellung erworbenen 
römischen Münzen — wenn man von den Konsularmünzen, deren Verzeichnis 
erst 1895 aufgestellt wurde, absieht — nicht nachgetragen. Aus den Er- 
werbungen dieser Zeit mögen hier erwähnt sein 21 aus Nackenheim stammende 
Münzen, September 1882 (Invent. d. M. No. 192 — 212); einige aus Ägypten 
(Invent. No. 223 — 332); sowie die aus dem Münzfund an der Hammermühle 
bei "Wiesbaden März 1884 herrührenden Denare (Invent. No. 281 — 304), auf die 
unten zurückzukommen sein wird. 



Trotz der nicht unbedeutenden Bestandteile, welche der Sammlung, wie 
aus diesem nur die Hauptpunkte berührenden Überblick zu ersehen ist, von 
aussen her, namentlich vom linken Rheinufer, aber auch aus weiterer Entfer- 
nung zugekommen sind, besteht doch der Kern des Münzkabinets aus im Lande 
selbst gefundenen Stücken, wenn sich auch nur ein vergleichsweise geringer 
Teil den einzelnen Fundstellen, welche vorzugsweise in näherer und weiterer 



kanntlich kommen Schätze von Kupfermünzen aus der Zeit vor Commodus fast gar nicht 
vor, vgl. Mommaen, Rom. Miinzwesen, S. 770 u. 775, Anm. 113), müssen diese Münzen ein- 
zeln, und natürlich meist im Laude, gefunden sein. — Auf eine vergleichende Zusammenstel- 
lung der in dem Isenbeck'schen Kataloge enthaltenen Stückzahl der Münzen der einzelnen 
Kaiser muss verzichtet werden, weil diese Zahlen dadurch, dass in ihnen die Münzen aus den in 
das Museum gelangten Gesamtfunden mitenthalteu sind, von dem mehr oder weniger häufigen 
Vorkommen der Münzen einer bestimmten Zeit kein richtiges Bild zu geben vermögen; so bei 
den Denaren von Nero bis Hadrian (aus Heddernheim), den Kleinerzen des Probus, Diocletian 
etc. (aus Bingen), den Kleinerzen des Tetricus und Victorinus (aus Heddernheim), den Denaren 
der severischen Zeit (aus Marienfels) etc. 

**) Eine im Jahre 1879 dem Museum als Geschenk übergebene sehr wertvolle Sammlung 
antiker Münzen kann hier nur kurz erwähnt werden, da sie entsprechend der Stiftungsurkunde 
keinen Bestandteil des Münzkabinets bildet, sondern in einem eigenen Schranke aufbewahrt wird. 
Sie ist von Oskar von Lade zusammengebracht und nach dessen früh erfolgtem Tode von 
seinem Vater gestiftet; sie umfasst gegen 2fJ00, der überwiegenden Mehrzahl nach römische 
Münzen, meist schön erhalten, darunter manche Seltenheiten; der ebenfalls übergebene aus- 
führlich besclireibende Katalog ist von Herrn J. Isenbeck angefertigt (vgl. Annal. XV, ."^41, 
Invent. 1879, 159). 



200 

Umgebung Wiesbadens, im Rheingau, Heddernheim, dem unteren Mainthal 
und der Lahngegend gelegen haben werden, noch zuteilen lässt. Der all- 
mähliche und langsame, aber stetige Zufliiss dieser Münzen tritt naturgomäsa in 
den Jahresberichten und Vorstandsprotokollen, welche in Ermangelung regel- 
mässiger Zugangsverzeichnisse in den ersten drei Jahrzehnten fast unsere einzige 
Quelle für Kenntnis dieser Verhältnisse bilden, abgesehen von den Ergebnissen 
einzelner grösserer Ausgrabungen, viel weniger hervor, als die durch Geschenk 
oder Kauf erworbenen grösseren Sammlungen und Gesamtfunde, die sich in 
allem wesentlichen noch jetzt als solche erkennen lassen, rait einziger Aus- 
nahme des Kreuznacher Fundes vom Jahre 1837. Die vergleichsweise zahlreich 
vertretenen Kupfermünzen des 1. Jahrhunderts, von deren Fundstellen am linken 
Rheinufer nur Mainz und Bingen für unsere Samnilung einigermassen in Be- 
tracht kommen, dürften einen grossen, wenn nicht den grössteu Teil dieser in 
unserer Gegend gefundeneu einzeln und gelegentlich angekauften bezw. ge- 
schenkten Münzen ausmachen (vergl. oben Anm. 41). 

Wenden wir uns nun zu der Zusammenstellung der in Wiesbaden ge- 
fundenen römischen Münzen des Museums. 

Es empfiehlt sich, dieselben in zwei Gruppen zu teilen: die im römischen 
Kastell und die übrigen in der Stadt und Umgegend gefundenen.") 



I. Die im römischen Kastell und dessen Nähe gefundenen Münzen. 

In dieser Gruppe sind rait den laut Fundnotiz aus dem Beringe des 
Kastells stammenden Münzen diejenigen vereinigt, welche schlechthin als „ge- 
funden auf dem Heidenberge", wie die ganze Höhe, auf welcher das Kastell 
lag, durch alle Zeiten hindurch bis vor wenigen Jahren hiess, bezeichnet sind. 
Dabei ist zu beachten, dass der Name des Heidenberges entsprechend den im 
Laufe dieses Jahrhunderts seinen Abhang hinauf schreitenden und ihn jetzt 
fast ganz bedeckenden Strassen- und Häuserbauten, weiter und weiter auf die 
Höhe des Berges zurückgedrängt wurde, so dass ungefähr seit den sechziger 
Jahren annähernd nur die ehemals vom Kastell eingenommene Fläche so be- 
zeichnet wurde; danach sind z. B. die von Dorow im zweiten Jahrzehnt 
unseres Jahrhunderts gemachten Fundangaben, welche für eine Reihe damals 
zu Tage geförderter Münzen") ebenfalls den „Heidenberg'* nennen — die Fund- 
stellen würde man jetzt etwa bezeichnen mit „obere Webergasse bezw. Römer- 
berg** und mit „mittlere Schwalbacherstrasse am Michelsberg", wo damals aus- 
gedehnte Grabstätten aufgedeckt wurden — ganz anders zu beurteilen, als 
dieselben Angaben aus den sechziger oder gar siebziger Jahren. Endlich sind 
auch einige wenige mit der Fundnotiz „Römerberg" versehene Stücke hier 



*ä) Des einfacheren Citierens wegen sind die Nummern durch beido Gruppen fort- 
laufende. 

") Vgl. Dorow: Opferst, u. Grabhügel II, S. 3 f. u. 12 f., sowie oben S. 183. Diese mit 
Dorow 's übriger Sammlung wolil meist in das Bonner Provinzialmuseum gelangten Münzen 
lashen sich dort nicht mehr identifizieren. 



201 

eingereiht, weil nicht in jedem Falle sicher ist, ob wir es mit einer missbräuch- 
liohen Bezeichnung des „Heidenberges", welche bisweilen begegnet"), oder mit 
dem Namen der noch jetzt „Römerberg" genannten Strasse, welche ja übrigens 
auch auf dem Gebiet des alten „ Heidenberges " liegt, zu thun haben. 

Yon Münzen, welche vor der Ausgrabung des Kastells in den Jahren 
1838/39 gefunden wurden, sind uns nur wenige noch bekannt 'unten No. 1*, 2, 
3, 32, 46*, 93). In der von Kihm inventarisierten und zeitlich geordneten 
Sammlung befinden sich nicht mehr als 16 Stück, welchen ein von seiner Hand 
geschriebener Vermerk „gefunden im Römercastell zu Wiesbaden 1838" bezw. 
„1839" beiliegt. Dass diese 16 Stück'^) nicht die ganze numismatische Ausbeute 
der zweijährigen sehr gründlichen Ausgrabung gewesen sein können, ist von 
vornherein selbstverständlich. Die Annahme, dass in gleicher Weise wie bei den 
Hof heiraer Münzen (s. obenS. 194) die schlechter erhaltenen Stücke von Kihm als 
„Ausschuss" behandelt seien, wurde bestätigt durch Auffindung eines grossen 
Papierumschlagos, welcher von Kihm's Hand den Bleistiftvermerk trug „ge- 
funden im Römercastell zu Wiesbaden 1838", darunter in Tinte „20 Mittel- 
erze, 9 Kleinerze, Ausscbuss"; der Umschlag enthielt von den ursprünglichen 
29 Stück noch 19 Stück. Einige andere fanden sich noch einzeln mit ent- 
sprechendem Vermerk unter dem Ausschuss ; die grosse Mehrzahl aber der ans 
dem Wiesbadener Kastell stammenden ausgeschossenen Münzen ist ohne Fund- 
notiz unter die übrigen gemischt und daher für historische Verwertung ver- 
loren. In den 40er Jahren sind sicher zahlreiche Münzen auf dem Heidenberge 
zu Tage gefördert : viele derselben werden unter den aus diesen Jahren stammen- 
den, von Kihm mit der Angabe „Umgebung Wiesbaden" bezw. „Wiesbaden und 
Umgebung" versehenen Münzen sich befinden (siehe oben S. 192 u. Anm. 30); 
denn es ist schwerlich Zufall, dass diese Bezeichnungen bei Münzen gerade 
der Kaiser am häufigsten begegnen, welche nach den übrigen Zeugnissen im 
Kastell und auf dem Heidenberge am zahlreichsten vertreten sind, der Flavier 
und Trajans.*^) Auf einer Seite eines Notizbuches von Kihm befinden sich 
unter 8 „Münzen von Bronce", für deron Ankauf er die Auslagen verrechnet, 



") In diesem Sinne gebraucht offenbar das Wort z.B. Zimmermann: Wiesbaden und 
seine Umgebungen 1826, S. 11: , indem auf dem Römerberge, welcher noch in späterer Zeit 
als Befestigungspunkt diente, auch Münzen von Constantin, Valens und den späteren Kaisern 
gefunden werden'', ebenso auch wohl ebenda S. 23: „auch finden sich auf dem Römerberge 
vorherrschend viele Bronze- und Siibermiinzen mit seinem (Hadrian's) Gepräg". Obwohl Z. 
hier, namentlich an der ersteren Stelle, allgemein den Heidenberg verstanden wissen wollte, 
fussen seine angeführten Bemerkungen nur auf den bis zum Jahre 1825 bei Häuser- und 
Strassenanlagen gemachten Funden an den unteren Abhängen des Heidenberges, wo sich, vor- 
züglich im Norden und Osten, von frühromischer bis in die Zeit der Völkerwanderung in Ge- 
brauch gewesene ausgedehnte Grabstätten befanden. 

*') Bei denselben ist, wie auch bei den in der zweiten Gruppe mit Kihm'schen Fund- 
notizen versehenen Münzen der Fundangabe ein K. in Klammern zugefügt. 

*') Diese Notiz findet sich im ganzen bei 28 — übrigens in der zweiten Gruppe be- 
schriebenen — Münzen; darunter 3 mal bei Nero, ö mal bei Vespasian, 12 mal bei Domitian, 
1 mal bei Nerva, 4 mal bei Trajan, 1 mal bei Hadrian, 2 mal bei Severus. 



202 

nicht weniger als 6 mit der Fundangabe „Heidenberg" (die Notiz stammt ent- 
weder aus dem Jahre 1841 oder einem der nächst folgenden). Als Ausbeute 
der vom Verein im Kastell im Frühling 1858 vorgenommenen Ausgrabung 
werden von Rössel an Münzen aufgezählt (Per. Blätter No. 6, 1858 S. 138) 
„Domitian (in Silber), Tiberius (2 mal), Nero, Yespasian, Domitian, Trajan und 
Antonin, in Mittelerz" (vergl. Inv. 1858, No, 152/55). In einem Schubfache 
des Münzschrankes fand ich am 11. Januar 1895 in Gegenwart des Herrn 
Isenbeck eine grössere Anzahl in Reihen gelegter, gar nicht oder wenig ge- 
reinigter Münzen, zwischen ihnen eben jene 8, mit entsprechenden Vermerken 
von Rossel's Hand versehenen Stücke; auch ein kleiner Bronzeklumpen, sowie 
ein kleines Stück vom Rande eines Bronzegefässes, welches wohl auch für eine 
Münze gehalten worden war, lagen dabei. Es war auf den ersten Blick klar, 
dass die sämtlichen Stücke von einer Ausgrabung herrührten, welche wegen 
der Rossel'scheu Notizen auf jenen 8 Stück nur die auf dem Heidenberg 
1858 ausgeführte sein konnte. Zur Zeit, als die Eintragung in das Inventar 
erfolgte, hatte Rössel nur jene 8 Münzen — übrigens wider seine Gewohnheit 
flüchtig, und zum Teil falsch : der angebliche Antonin ist in Wahrheit ein Do- 
mitian, ebenso einer der beiden angeblichen Tiberius — bestimmt und daher 
nur jene vermerkt; die auf später verschobene Bestimmung der anderen, übrigens 
durchweg sehr schlecht erhaltenen Münzen wurde weder von Rössel, noch 
von sonst Jemandem ausgeführt, so dass der ganze Fund noch in der Ver- 
fassung war, wie im Jahre 1858.**) 

Die Grundabraumungsarbeiten der sechziger Jahre auf dem Heidenberge 
haben noch weitere Münzen zu Tage gefördert, endlich auch die in der zweiten 
Hälfte der siebziger Jahre auf dem Terrain des Kastells vorgenommenen Grund- 
arbeiten für das neue städtische Krankenhaus. 

Ein in der Mitte geteiltes Folioblatt enthält, geschrieben von Kibm's Hand, 
auf der einen Hälfte ein „Verzeichnis der Münzen, welche innerhalb des Kastells 
gefunden sind", auf der anderen ein solches der „Münzen, welche ausserhalb dem 
Kastell gefunden worden sind". Da beide Verzeichnisse sehr flüchtig und auch 
für die Zeit, aus welcher sie stammen — aus dem Jahre 1853 oder einem der 
nächst folgenden — durchaus unvollständig sind*'), brauchten wir hier nicht 
weiter auf sie einzugehen, wenn sich nicht noch einige Münzen, deren Fund- 
notizen jetzt Verloren sind, daraus gewinnen Hessen. Dass Kihm dabei nur 
die von ihm chronologisch geordnete Sammlung im Auge hatte, zeigt die Hin- 
zufügung der der Zeitfolge entsprechend ansteigenden Nummern der Schub- 
laden, in welchen sich die betreff'enden Münzen befanden. 



*") Die verhältniamSssig grosse Anzahl der damals gefundenen Münzen erklärt sich 
daraus, dass jene Ausgrabungen in dem Teile des Lagers, in welchem einst die Soldaten ihre 
Baracken und Kochpliitze gehabt hatten, stattfanden, sowie dass an jenen Stellen das Terrain, 
auf welchem sich einst die Römer bewegten, völlig abgegraben wurde, wodurch gerade an 
Münzen mehr als bei gewöhnlichen Ausgrabungen zu Tage gefördert werden musste. 

*') So fehlen z. B. in beiden Verzeichnissen sonderbarerweise sämtliche Münzen Do- 
raitianfl, obwohl sie zahlreich den entsprechenden Fundvermerk von Kihm 's Hand zeigen, 
ebenso im Verzeichnis der Kastell-Münzen das Mittelerz Xerva's, das Orosserz des Verus u, a. m. 



203 



Das Yerzeichnis der im Kastell gefundenen Münzen enthält folgendes: 



es 
o 

OQ 



o 

C 



S 



.o 

'S 



1 

9 

10 
13 
14 

21 
27 

28 

30 
31 
42 



xyin^») 



Elephand (sie!) Münz v. J.Cäsar 
Augustus 

Augustus 

Tiberius 

Caligula 

Yespasian 

Trajan 

n 

Hadrian 

n 

Lucilla aiigusta .... 



Alexander Severus 



1 



unten No. 2. 

wohl unten No. 21 (Agrippa) 

und No. 22 (Nemausus). 
jetzt nicht mehr nachweisbar, 
jetzt nicht mehr nachweisbar, 
unten No. 30. 

jetzt nicht mehr nachweisbar, 
unten No. 80, 84, 87, wobei 
ein Mittelerz für ein Gross- 
erz angesehen ist. 
unten No. 90. 
unten No. 93 und 94. 
offenbar das Grosserz No. 100 

(Verwechselung von Mittel- 

u. Grosserz begegnet Kihm 

öfter). 
unten No. 104. 



Es folgt nun die Beschreibung der Münzen der ersten Gruppe^^): 
Gens Lucilia: 

1.* Denar, geprägt um 89 v. Chr.: Kopf mit Flügelhelm n. r. im Lorbeerkranz, dahinter 
PV Bs. Victoria in Biga n. r,, oben RVF, im Abschn, M LVCILI Babclon II. p. 150. 
„Römerberg 1833" nach Vorst.-Sitz. vom 16. Januar 1834 § 2. 

Julius Caesar: 

2. Denar, geprägt um 50 v. Chr. : Elefant n. r., im Abschn. CAESAR Rs. Mütze des Flamen, 
Simpulum, Weihwedel, Axt: Babelon U. p. 10 No. 9. „Castell Heidenberg ISST"*. (K.) 



^°) Damit ist verwiesen auf das „XVIII. Verzeichniss römischer Miinzen", in welchem 
sich diese Münze in der That unter No. 6 findet; sie war also damals noch nicht, wie später, 
in die chronologisch geordnete Sammlung eingelegt. 

^') Die Münzen sind, soweit angängig, nach Cohen: Description des m^dailles frapp^es 
S0U8 l'empire romain, 2. Auflage, die republikanischen nach Babelon: Description histor. et 
chronolog. des monnaies de la republ. romaine T. I, II, 1885, bestimmt, mit Hinzufügung des 
Jahres, in welchem die einzelnen Münzen geprägt worden sind. Die bei den Citaten am 
häufigsten angewendeten Abkürzungen, soweit sie sich nicht selbst erklären, sind: 1. Inv. 
= Inventar der einzelnen Jahre seit 1853. 2. Inv. d. M. = Inventar der Münzen, welches 
seit 1880 geführt wird, siehe oben S. 199. 3. (K.) = Kihm, bei den mit Fundnotizen von 
seiner Hand versehenen Münzen. 4. Mitteil. = Mittheilungen an die Mitglieder des N. A. V. 
5. P. Bl. = Periodische Blätter. 6. Vorst.-Sitz. mit folgendem Datum = Protokolle der 
Vorstandssitzung, welche sich bei den Vereinsakten befinden. 7. Z. K. = Zettelkatalog des 
Museums. Ein * ist den Nummern derjenigen Münzen beigesetzt, die sich jetzt nicht mehr 
identifizieren lassen, deren Beschreibung bezw. Anführung demnach nicht auf eigener Anschau- 
ung beruht. 



204 

Die Stadt Celsa in Spanien (colonia victrix Julia Lepida) : 

3. Grosserz, geprägt zwischen 45 und 41 v. Chr.: Kopf n. r., unten rechts die Umschrift 
COL- VIC • IVL ■ LEP i^*'- stehender Stier n. r, darüber RR U- VIR-, darunter 
|_ • NEP ■ L ■ SVR . fliehe A. Heiss: Description gen. des monnaies ant. de l'Espagne 
1870 p. 142 No. 15 Taf. XI. .,Heidenberi7 1830". (K.) — Bei dem beschränkten Um- 
laufsgebiet dieses spanischen städtischen Courants kann unser Exemplar wohl nur in 
dem Geldbeutel eines spanisclien Auxiliaren oder eines aus Spanien direkt an den Rhein 
versetzten Legionars an seinen Fundort gelangt sein. 

Augustus : 

4.* Denar: nicht näher bestimmbar. -Castell" vor 1853, vgl. Kihm's Verzeichnis oben S. 203. 

5. Denar, verschliflPen : CAESA[Rll AVG[VST01 Kopf m. Lorb. n. 1. Es. Tempel mit 
6 Säulen, Umschrift [MAR VLTJ verwischt. Cohen 192, geprägt 20 v. Chr. „Casteli 
Heidenberg 1878-, vgl. Inv. Is78 Xo. 231. 

6. 7. 8. Mittelerze, alle sehr schlecht : [DIVVS AVGVSTVS PATER] Kopf m. Strahlen 
u. 1. Es. Grosser Altar zwischen S — C. unten [PROVIDENTJ Cohen 228, geprägt 
unter Tiherius. ^Römercastell 1838 (Ausschuss)". 

9. Dieselbe Münze: schlecht. „Casteli 1858". 
10.* Dieselbe Münze: P. Bl 1S60 No. 14 S. 397 und Inv. 1860, April 30: „im Schuttland 

l'/i' tief gefunden am Bierstadter Weg, muthniasslich vom Heideuberg dahin gefahren". 
11. Mittelerz, schlecht: Kopf m. Lorb. n. r. [CAESAR PONT MAXI -Rs- Altar, an dessen 

Ecken zwei Victorien mit Kränzen, unten ROM ET AVG Cohen 240. „Casteli 1858". 
12.* Dieselbe Münze: „Casteli auf dem Heidenberg 1863", nach MitteiL 1864 No. 8 S. 11 

= Inv. 18G3 Mai No. 83. 

13. Dieselbe Münze, absichtlich halbiert: „Röraercastell 1838 (Ausschuss)". 

14. Dieselbe Münze, schlecht: .jRömercastell 1838 (Ausschuss)", scheint barbarischer Prägung, 
der Rand ist in Form eines menschlichen Gesichtes ausgezackt. 

15. Denar, sehr schön: LA[QVIL]LIVS FLORVS III VIR strahlengekrönter Kopf des 
Sol n. r. Es. CAESAR AVGVSTVS SIGN REGE knieender Parther n. r. über- 
reicht ein Feldzeichen. Cohen 358, geprägt 20 v. Chr. ^Casteli Heidenberg, März 1860", 
vgl. P. BI. 1860 No. 13 S. 368. 

16. Mittelerz, schlecht: [AVGVSTVS TRIBVNIC POTEST] Kopf n. r. E.^. CN 
PI[SO CNF] III VIR AAAFF i™ Felde gross S C. auf dem Avers eingeschnitten 

MAC , 

2 auf dem Revers Stempeleinschlag: l*^^; 

O Fehlt bei Cohen 2. Auflage, entspricht Cohen 1. Auflage 513. „CasteU 

Heidenberg 1858". 

17. Mittelcrz, schlecht: [CAESAlR AVGVST P[ONT MAX TR1]BVN[IC POT] Kopf 
n. r. Es. [p LIVRIVIS AGRIPIPA 111 VIR [AAAFF] im Felde SC, auf dem 
Revers Stenipeloinschlag W^: • Cohen 445. „Casteli 1838/39". 

18. Mitteler^, sehr schlecht: Kopf n. r., Umschrift ganz zerstört. Es. [C PLOTIVS] 
RVFVS III VIR[AAAFF] im Felde SC Cohen 504. Jlömercastell 1838 (Ausschuss)". 

19. Dieselbe Münze, stark verschliffen: auf dem Es. noch lesbar . . .]VFVS III VIR AA[. . . 
Im Felde SC „Casteli 1858". 

20. Mittelerz, sehr zerstört: Kopf des Augustus n. r. Es. im Felde gross S [C], die Um- 
schrift mit dem Namen des Münzmeisters nicht mehr erkennbar. ^.Casteli 1838/39". 

Agrippa: 

21. Mittelerz, gut erhalten: M AGRIPPA L F COS III Kopf mit corona rostrata n. l. 
Es. nackter Neptun, stehecd zwisciien S — C Coheu 3. „Casteli lb38". (,K.) 

Die Stadt Nemausus (Nimes) in Südfrankreich: 

22. Mittelerz, mit ^x.hüner Patina: JMP DIVI F, die Köpfe des Augustus und des Agrippa, 
letzterer mit coronu ro-^trata, von oiuander abgewendet. Es. COLNEMi Krokodil n. r. 



209 

Figur, welche eine ProTinz charakterisiert, zwischen ihnen ein brennender AJtar. 
Genauer nicht bestimmbar. ^Caatell zu "Wiesbaden 1839". (K.) 

91. Grosserz, gut erhalten: |MP CAESAR TRAIANVS HADRIANVS AVG Kopf mit 
Lorbeer n. r. Rs. PONT [MAX T]R ROT COS III S C P" oder Feücitas n. I. 
stehend. Cohen 1192. ^Heidenberg". 

92. Grosserz, sehr verschliffen: Kopf Hadrian's n. r. Umschrift verlöscht. Ra. Sitzende 
Figur n. r. hält eine Victoria (?) (vielleicht Roma, dann wäre es Cohen 1302). Nicht 
näher bestimmbar. „Castell 1858*. 

93. Mittelerz, sehr gut: HADRIANVS AVGVSTVS Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. SALVS 
AVGVSTI Stehende Salus n. 1. füttert eine um einen Altar geringelte Schlange, im 
Abschn. COS lll> im Felde S — C Cohen 1357. „Heidenberg 1834". (K.) 

94. Dieselbe Münze, gut: „Castell 1838". (K.) 

Antoninus Pias: 

95. Grosserz: [ANTOININVS AVG PIVS P [P IMP II] Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. [T]R 
POT XXII COS l[lll] Wölfin n. r., Romulus und Remus säugend, im Abschn. S C 
Fehlt bei Cohen (im J. 159). „CasteU 1858". 

Faustina die Aeltere: 

96. Grosserz, stark verschliffen: DIVA FAVSTINA Büste m. Diadem n. r. Rs. CON 
[SECRATIO] Stehende Vesta n. 1. hält eine Schale uud eine Fackel, zu beiden Seiten 
S — C Cohen 162. ,CasteU 1858". 

Faustina die Jüngfere: 

97. Mittelerz, sehr schlecht: Kopf der Faustina n. r. Umschrift verwischt. Rs. Sitzende 
weibliche Figur n. 1. Weiteres unkenntlich. „Castell 1858". 

98. Grosserz, stark verschliffen: Kopf n. r. Umschrift verwischt. Rs. Stehende weibliche 
Figur n. r. mit langem Scepter (?), Umschrift verwischt. „Castell 1858". 

L. Vepus: 

99. Grosserz, ziemlich gut: L VERVS AVG ARM PARTH MAX Kopf m. Lorbeer 
n. r. Rs. TR POT VI IMP III COS II Armenier oder Parther sitzt n. r. mit ge- 
fesselten Händen unter einem Tropaeum, zu beiden Seiten S — C Cohen 200 (im 
J. 166). „Castell 1838". (K.) 

Lucilla : 

100. Grosserz: LVCILLA AVGVSTA Büste n. r. [P|]ET[AS] Pietas n. 1. stehend neben 
einem brennenden Altar zwischen S — C Cohen 53. „Castell zu Wiesbaden". (K.) 

Julia Domna: 

101. Denar, gut: |VLIA AVGVSTA Büste n. r. Rs. MATER DEVM Cybele mit 
Mauerkrone sitzt n. 1. zwischen 2 Löwen, hält Zweig und Scepter. Cohen 123. „Heiden- 
berg in Wiesbaden". (K.) 

Caracalla: 

102. Mittelerz, gut: ANTONINVS PIVS AVG GERM Rs. VENVS [VICITRIX Stehende 
Venus n. 1., hält eine Victoria und ein Scepter, stützt sich auf einen Schild, der auf 
einem Helme ruht, im Felde S— C Cohen 611 „Römerberg". Vgl. F. Bl. 1858 No. 7 
8. 167 = Inv. 1858 17. August No. 229. 

Julia Maesa: 

103. Denar, gefüttert: |VLIA MAESA AVG Büste n. r. Rs. PVDICITIA Pudicitia n. L 
sitzend, fasst ihren Schleier und hält ein Scepter. Cohen 39. „Castell 1858". 



210 

Severus Alexander: 

104. Mittelerz, durchbohrt, sonst gut erhalten: |MP CAES M AVR SEV [ALlEXANDER 
AVG Büste mit Lorbeer und Mantel n. r. Rs. PONTIF M[AX TR P V] COS 11 PP 
Der Kaiser in einer Quadriija n. r. hält ein Scepter, im Abschn, S C Cohen 478 (i. 
J. 226). „CasteU 1838". (K.) 

Claudius n.: 

105. Kleinerz, schlecht: DIVO CLAVDIO Kopf m. Strahlen n. r. Bs. [CONSECR]ATIO 
Altar; wohl Cohen 50. „Castell 1858". 

Carinus : 

106. Kleinerz: |MP CARINVS PF AVG Büste m. Strahlenkrone und Panzer n. r. Rs. 
AETERNIT AVG Stehende Aeternitas n. 1. mit einer Kugel, auf welcher der Phönix, 
im Abschn. K^s^AF Cohen 10, „Heidenberg 1869 gef. neben einem grauen Teller", 
Tgl. Inv. 1869 No, 8, und Annal. X, S. 362, wo die Münze unrichtig bestimmt ist. 

Constantlnopolis : 

107. Kleinerz, geringster Grösse, sehr verschliffen : CONSTANTINOPOLIS Büste behelmt 
n. 1. Rs. Stehende Victoria ohne Umschrift, im Abschn. ////S Cohen 22. „Römer- 
castell 1838 (Ausschuss)". 

108. Kleinerz: dasselbe Gepräge. Cohen 21. „Castell 1858". 

Crispus : 

109. Kleinerz, yersilbert: CRISPVS NOB CAES Büste m. Diadem u, Panzer n. r. Rs. 
PROVIDENTIAE AVGG Thor m. 2 Türmen, zwischen denen ein Stern, im 
Abschn. PTR. Fehlt bei Cohen. „Heidenberg 1869". Vgl. Inv. 1869 No. 19. 

Constantin 11.: 

HO.* Kleinerz: „CONSTANTINVS IVN NOB C -B«- Zwei Trophäen, daneben zwei Gehar- 
nischte. Umschrift: GLORIA EXERCITVS" Cohen VIP, p. 378, nicht näher bestimm- 
bar. Inv. 1859 9. Febr. No. 248. „Römercastell". 



T)-" 



Constantius II : 

111. Kleinerz, sehr verschliffen: Büste mit Diadem und Mantel n. r. Umschrift verwischt 
Rs. wenig kenntlich, aber scheint die Darstellung auf den Münzen mit FELTEMP 
REPARATIO zu haben. Cohen YW, p. 445. „Heidenberg 1869". Vgl. Inv. 1869 No. 21. 

Gpatian: 

112. Kleinerz: D N GRATIANVS AVGG AVG Büste m. Diadem und Mantel n. r. Es. 
GLORIA NOVI SAECVLI Qratian in Kriegstracht hält daa Labarum, im Abschn. 
CON Cohen 13. „Heidenberg 1869". Vgl. Inv. 1869 No. 20. 

Ausserdem an unbestimmbaren Münzen: 

1 Mittelerz des 1. Jahrhunderts, 1 „Römercastell 1838, 
1 halbiertes Mittelerz, ( (Ausschuss)". 

4 Mittelerze, darunter eines vielleicht von Augustus, 1 - , 
1 halbiertes Mittelerz, I ° 

1 Kleinerz, wohl Kern eines gefütterten Denars des ( 

3. Jahrhunderts, I 

1 Silber*, gefunden im Castell bei Wiesbaden nach Invent. 

1854 vom 6. Mai. 
1 Bronze*, gefunden im Castell nach Invent. 1870, 21, 



211 



Übersichtlich verteilen sich diese 112 Münzen auf die verschiedenen Zeit- 
abschnitte folgcndermassen : geprägt sind in der Zeit 



vor Augustus .... 


3 


unter Augustus .... 


19 


(einschliesslich Agrippa, 




Nemausus, Tiberius) 




unter Tiberius .... 


6 


(einschl. divus Augustus) 




unter Caligula(Germanicu8) 


3 


„ Claudius (Drusus) . 


3 


„ Nero 


3 


„ Yespasian . . 


15 


„ Titus 


2 


„ Domitian .... 


22 


., Nerva 


2 


, Trajan 


11 


„ Hadrian .... 


5 


, Pius (Paustina I.) . 


2 


, Marcus (Paustina EL., 




Verus, Lucilla) . . 


4 


„ Com modus . . . 




„ Severus (Domna) . 


1 


„ Caracalla .... 


1 


„ Julia Maesa . . . 


1 


„ Alexander . . . 


1 


„ Maximin bis Gallienus 




, Claudius TT. . . . 


1 


, Carinus .... 


1 


„ ConstantinL(Crispu8, 




Constantin IE. Caesar) 


4 


„ Constantius 11. . 


1 


„ Gratian .... 


1 



37 Stück aus 81 Jahren (von Drusus' erstem 
Zug im Jahre 12 v. Chr. an gerechnet). 



1 



39 Stück aus 27 Jahren 



18 Stück aus 42 Jahren 



57 

Stück 

aus 69 

Jahren. 



10 Stück aus 130 Jahren 



8 Stück aus 110 Jahren 



18 

Stück 

aus 

240 

Jahren. 



Auch in der Lug enbühl' sehen Sammlung, der einzigen, w^elche noch 
Münzen als im Kastell gefunden bezeichnet, zeigen die mit dem Yermerk: 
„Heidenberg Castell", bezw. „Heidenberg" versehenen Münzen ein starkes Vor- 
wiegen der Kaiser des 1. Jahrhunderts: es sind bis Nero 12 Stück, Galba bis 
Domitian 10, Trajan und Hadrian 5, zusammen also 27, denen nur 14 aus der 
Zeit von Pius bis in das 4. Jahrhundert gegenüberstehen; wenn hier der Unter- 
schied der Zahlen nicht so bedeutend ist, wie bei den Museumsmünzen, so ist zu 
berücksichtigen, dass in einer Privatsammlung die Münzen der verschiedenen 
Kaiser durchschnittlich gleichmässiger vertreten sind als in einer öffentlichen. 

Die aus diesem interessanten Thatbestand zu ziehenden Schlüsse über die 
Geschichte des Wiesbadener Castells lassen sich nur in weiterer Ausführung, 
als hier möglich ist, und im Zusammenhang mit anderen Thatsachen darlegen. 



212 



II. Die übrigen in der Stadt Wiesbaden und Umgegend 

gefundenen Münzen. 

Dass schon in früheren Zeiten vielfach römische Münzen in und bei 
Wiesbaden gefunden wurden, müssten wir als selbstverständlich annehmen, wenn 
es uns auch nicht durch ausdrückliche Zeugnisse, wie z. B. Schenck'a: Ge- 
schichtliche Beschreibung der Stadt Wiesbaden 1758, S. 115 if. überliefert 
wäre.**) Doch wird ihre Zahl nie so bedeutend gewesen sein, wie diejenige, 
welche die von selten der Regierung lebhaft begünstigte rege Bauthätigkeit in 
Wiesbaden in der letzten Hälfte des ersten und dem zweiten Jahrzehnt unseres 
Jahrhunderts (vergl. z. B. Ebhardt: Geschichte und Beschreibung der Stadt 
Wiesbaden, Giessen 1817, S. 119 f., 234 f.) ans Tageslicht brachte. Es wurde 
bereits erwähnt, dass wahrscheinlich ein grosser, wenn nicht der grösste Teil der 
später in das Museum gekommenen Münzsammlung Zimmermanns aus diesen 
Funden herrührt; eine grosse Anzahl der an den verschiedenen Stellen der Stadt 
von ihm damals gesammelten Münzen beschreibt auch Dorow in seinen Opfer- 
stätten und Grabhügel, I. und II. Als erste dem Yereinsmuseum zugekommene 
in Wiesbaden gefundene Münzen kennen wir eine Bronzemünze Vespasians vom 
Neroberge und ein Kleinerz Constantin's vom Kursaale (s. oben S. 182). In den 
folgenden Jahrzehnten") sind abgesehen von den Ausgrabungen des Vereins, 
welche ausser einigen wenigen, so an der Artilleriekaserne, am Kranzplatz, auf 
dem Mauritiusplatz, meist Punkte ausserhalb der Stadt betrafen, die meisten 
Münzen bei Gelegenheit von Häuser- und Strassenbauten auf dem in der Tiefe 
bis dahin noch ganz unberührten Boden gefunden worden; später haben auch 
die Kanalisierungsarbeiten manche Ausbeute an Münzen geliefert. In den 
dreiasiger und vierziger Jahren, welche besonders ergiebig gewesen sein müssen, 
wurde auch der Hauptsache nach die Münzsammlung dea Kaufmanns Lugen- 
bühl zusammengebracht, in welcher sich namentlich aus Wiesbaden und Um- 
gegend stammende Fundstücke befinden. Auf das oben erwähnte Kihm'sche 
Verzeichnis der „Münzen, welche ausserhalb dem Castell gefunden worden 
sind", brauchen wir hier nicht näher einzugehen, da die in demselben erwähnten 



'') Zwei im Jahre 1732 in der Saalgaaae in "W. gefundene Münzen, einen Nero und 
einen Vespaaian, erwähnt ein Bericht des fürstlichen Oberamtes in Wiesbaden vom 1. November 
1732 (Ajinal. IV, 480); die erstere wird dort folgendermassen beschrieben: NERO CLAVDIVS 
CAESAR AVGVSTVS GERMAN IMP TRIVMPHATOR Rückseite: SECVRITAS 
AVGVSTI S Ct *l30 ein® ^^^ Münzen bei Cohen 231 S. 

") Zwölf Bronzemünzen wurden im Jahre 1838/39 der Vereinssammlung geschenkt, 
, deren Fundort wahrscheinlich Wiesbaden ist"; es schien wegen der nicht ganz gesicherten 
Herkunft nicht ratsam, dieselben in unser Hauptverzeichnis aufzunehmen; sie mögen daher 
hier nach der Beschreibung Annal. III, 2. 176 f. kurz erwähnt werden: 1. 2 St. Gallienus 
Rs. a) Laetitia, b) unkenntl. KE. 2. 2 St. Posthumus Rs. a) Genie P. R., b) Consecratio KE. 
3. 1 Tacitus Rs. Provid. deor. KE. 4. 2 Diocletian Rs. a) Genio populi romani, b) Jovi 
tutatori Augg. ME. 5. 3 Maximian a) Genio populi romani, b) M(oneta) sacra Augg. et Caess. 
nn., c) desgl. ME. 6. 1 Valentinian Rs. Securitas rei publicae KE. Übrigens ist keine dieser 
Münzen jetzt noch zu identifizieren. 



213 



}.[ünzen säintlicii an(lcr'A-3itig bekannt sinrl. Dagegen giebt uns ein gleichfalls 
von Kihm beschriebener Zettel Kenntnis von 28 sämtlich bei Ausgrabungen der 
riiniibchen xVnsiedeli.ngen in der Umgegend gewonnenen Münzen, dessen Inhalt 
wir hi.:r folgen lassen, weil er niancho uns sonst unbekannte Stücke enthält: 



1. 


1 Iladiian 






gef. auf deniMünzberg 


unten N"o. 306 


"y 


1 do. 






— bey Mosbach 


« , -00 


■i. 


1 Anroniuus Plus 






gef. Miinzberg 


ist wohl Marcus unten No. 333 


4. 


1 do. 






an der Spelzmübl 




5. 


1 do. 






bey Mosbach 


f. , -j 
•n V n ?) « o-±l 


6. 


1 do. 






im Höfgen 


unten No. 314 


7. 


1 do. 






do. 


. , 315 


S. 


1 Faustina Augus 


ta 




an Spel/c Mühl 


„ 342 oder 347 


9. 


1 Ao. 






bey Mosbach 1845 


. r, c>,4S 


10. 


1 AlexanderSever 


usS 


Ilie; 


bey Mosbach 


n , 381 


11. 


1 Antoniuus i'ius 


Silber 


in der Hasseid 


ist wohl Eiagabalus unten 












No. 37.5 


12. 


1 Alexander SeverusS 


übe 


r bey Mosbach 


nicht mehr nachweisbar 



13. 1 do. Brouce im Köfgen 

14. 1 do. QO. 

15. lAütoninus Pius Silber bev Mosbach 

16. 1 do. Bronce auf dem Nei 

do. 

Gros Erz Neroborg 
do. 



J7. 1 do. 

18. 1 do. 

19. IHadrian 

20. 1 do. 

21. 1 Trajan 

22. 1 Trajan 

23. INero 

24. l Domitian 

25. 1 do. 

2ß. 1 Germanicus IBronce 

27. lAugustus 

28. IConstantiuus Magnus 



Spelzmübl 

eeL bey Mosbacli 

bey Bierstadt 



i unten No. 383 
! nicht mehr nachweisbar 
j nicht mehr nachweisbar 
! nicht mehr nachweisbar 
I nicht mehr nachweisbar 
I unten No. 323 
i . .307 
i . .301 
I . .284 
I . . 285 
^ef.aufdemNeroberg t nicht mehr nachweisbar 

unten No. 266 
. . 267 
nicht mehr nach^veisbar 
gef. aufdem.Neroberg j ist wohl Agrippa No. 161 
get\ Spelzmühi J nicht mehr nachweisbar. 



do. 

do. 

Spelz Mühl 



"Wir lassen jetzt die Beschreibung der Münzen der zweiten Gruppe, wo- 
bei dieselben Abkürzungen, wie oben angegeben, zur Anwendung gekommen 
sind, folgen: 

Gens Aelia: 

11.3. Denar, geprägt um 209 vor Chr.: Pallaskopf n. r., dahinter X P^^- P PAETVS 
ROMA Die beiden DioHkuren zu Pferde n. r. ßaböloii I, 110 No. .'). „An der H.'.i.-inier- 
müiile 1884". Vgl. Inv. d. M. No. 293. 

Gens Annia: 

114. Denar, geprägt um S2 t. Chr. in Spanien: Q ANNl T F T N PRO COS EX S C 

Kopf der Juuo Moneta n. r. zwischen Caduceus und Wiuxo. Bi. Yiotori.'i in einer 

Qua.lri^'a n. r., liält eine Palme, im Abschn. L FABI L F HiSP "^ i' »^li« Q l''<i^'fh>n 
1, 140 No. 2. „An der llanußermilhle 1884" 



Vgl, InT. d. M. No. 207. 



14 



214 

Gens Antonia: 

115. Denar, serrat, geprägt im J. S3 t. Chr.: Bärtiger Kopf n. r., davor £ oder F, dahinter 
SC. mit Stempeleinschlag SAC?) ^- Quadriga n. r., im Abschn. Q ATON BA_B PR 
Babelon I, 158 No, 1. „An der Hammermühle 1884". Vgl. Inv. d. M. No, 303. 

Gens Aquillia: 

116. Denar, serrat, geprägt um 54 v. Chr.: VIRTVS — III VIR behelmter Kopf der Virtus- 
n, r. Es. ^ A QVIL M/ F M/ N ein Soldat mit Schild n. 1. hebt eine knieende 
Frau auf, im Abachn. SICIL Babelon I, 213 No. 2. „An der Hammermühle 18S4''. 
Vgl. InT. d. M. No. 294, 

Gens Calpurnia: 

117. Denar, geprägt um 106 y. Chr.: Patlaskopf mit Flügelhelm n. r., dahinter X» vorn ein 
undeutlicher Stempel eingeschlagen. Rs. Quadriga n. r. p CA LP iöi Abschn. If^^-^ 
Babelon I, 286 No. 2. „An der Hammermühle 18S4". Vgl. Inv. d. M. No. 298. 

Gen3 Claudia: 

118. 119. Denare, serrat, geprägt um 84 v. Chr.: Dianabüste n. r., dahinter Bogen und Köcher 
SC ^- Victoria in einer Biga n. r. mit Palme und Kranz Tl CLAV? Tl F AP N 
unter der Biga bei einem J.- XVII» bei dem anderen C VI Babelon I, 349 No. 5. „An 
der Hammermühle 1884.'^ Vgl Inv. d. M. No. 295. 296. 

120. Denar, geprägt um 99 v. Chr.: Pallaskopf m. Flügelhelm n. r. Rs. Victoria in einer 
Triga n. r., im Abschn. AP CL T MANL Q VR Babelon I, 347 No. 2. „An der 
Hammermühle 1884". Vgl. Inv. d. M. No. 301. 

121. Denar, geprägt um 43 v. Chr.: Apollokopf m. Lorbeer n. r., dahinter Lyra. F^. Diana 
von vorn, hält eine Fackel in jeder Hand, p CLODIVS M F Babelon I, 356 No, 15, 
.,Bey "Wiesbaden". (K.) 

Gens Lucilia: 

122. Denar, geprägt um 89 v. C'ir. : wie oben No. 1. Babelon I, 150. „An der Hammer- 
mühle 1884". Vgl. Inv. d. M. No. 302, 

Gens Maria: 

123. 124. Denare, geprägt um 84 v. Chr., sorrat: Älircnbekränzter Cereskopf CAPIT. Lf^ 
Rs. Colone mit Ochsengespann n. 1., darüber JL, im Abschn, C MARI LC F SC] 
bei dem einen vor dem Kopfe eine Palme. Babelon II, 203 No. 9, „An der Hammer- 
mühle 1884^ Vgl. Inv. d. M. No, 299, 300, 

Gens Naevia: 

125. Denar, geprägt um 74 v. Chr.: Yenuskopf mit Diadem und Perlenhalsband n. r., da- 
hinter S'C Rs. Victoria in Triga n. r., im Abschn. [CNIÄ.BALL] Babelon II, 
249 No. 6. „Wiesbaden im Oarten des Domiinenrat Lotichiua (Luisenstrasse)". 

Unbe.stimmbare republikanische Münzen: 

126. Denar: Kopf m. Helm n. r., dahinter ROM[A] -R«- Quadriga n. r., im Abschn. ? 
(vielleicht des Q. Fabius Labeo). „An der Hammermühle 1884". Inv. d. M, No. 304, 

127,* Denar, serrat: „Eine serrate Silbermünze mit ein m weiblichen Kopf auf der Vorder- 
und einer Quadriga auf der Rückseite, ohne Aufschrift, gef. b. Wiesbaden". Vorat.- 
Sitz, V. '2. Januar 1826 § 6, 8. oben Anm. 10. 

128.'*' „1 ^;. ■lilienmünzo in Kleinerz" (?) „In der Nähe von Wiesbaden gef." Vorst.-Sitz. 
V. 8. Juli It'M § 12. 

M. Antonius: 

129. Denar, gut erh.: ANT AVG III VIR R P C Galeere. Rs. Legionsadler zwischen 
zwei Feldzeichen, LEG VI Babelon I, 201 No. 111. „Gef. beim Planiren an der Ar- 
tillerie-Kaacrue 1633", siehe Annal. II, 3. 297. 



215 
Augustus: 

130. Kleinorz: Kopf n. r., Umschrift rerwischt. Rs. Stier n. 1. den Kopf zum Stoss mit den 
Hörnern ^osenkt, daniber . . . Q.V2TVS im Abselin. DIVI F ; offenbar eine barba- 
rische Nachprägun;:^ der Münze bei Cohen I'', p. fiS No. 36, der dazu bemerkt; ^11 en 
exiate au Cabinet des rat'ddilles de tres-barbares, frappees probablement dans lea 
03^68".=^') „Gef. Wiesbaden 1853''. (K.) 

131. Denar, geprägt um 2 v. Chr. : CAESAR AVGVSTVS DIVI F PATER PATRIAE 
Kopf m. Lorbeer n. r. l\s. Die Clisaren stehend, jeder eine Lani:e und einen Kund- 
sehild haltend, im Felde ein Kru;^ und Augurstab, im Abschn. [C L] CAESARES 
Umschrift AVGVSTI F COS DESIG PRINC IVVENT Cohen 43. ^Au der Ham- 
mermühlo 1884". Vgl. Invent. d. M. No. 281, 

132. 133. Mittelerze: DIVVS AVGVSTVS PATER Kopf n. 1. w-t Strahlenkranz. Hs. 
Grosser Altar, zu beiden Seiten S — C, im xVbschn. PRQVIDENT Cohen 228. „Wies- 
baden«. (K.) 

134. Dieselbe Münze, auf dem Rs. der Stempelfehler POVIDENT n^^^- Wiesbaden, Dotz- 

heimer Weg 1846". (K.) 
135.* Dieselbe Münze oline den Stempelfehler, Tgef. in der warmen Quelle des „Adler" 

12. Januar 1870", nach handschriftlichem Verzeichnis von Rössel Xo. VI. 

136. Dieselbe Münze, „gef. an der Spelzmühle'-. 

137. „ „ stark verschliffen, „gef. in der Aulenkaut 1865". 

138. „ „ sehr zerfressen: „"Wiesbaden, verlängerte Rheinstrasse März 1387", 
Inv. d. M, No, 386. 

139. Mittelerz, sehr schön erhalten: CAESAR AVGVSTVS DIVI F PATER PATRIAE 
Kopf m. Lorbeer n. r., im Halse der Stempeleinschlag /VC Rs. [RjQM ET [AVG] 
Altar, an dessen beiden Ecken auf Säulen stehende kranztragende Victorien, Collen 237, 
„Wiesbaden, Poulet'sches Haus (Ecke der Kirchgasse und Marktstrasse)", Inv. d, M. 
No. 458. 

140,* Dieselbe Münze, mit demselben Stempeleinschlag, „gof. in der warmen Quelle des 
„Adler" 12. Januar 1870", nach handschriftlichem Verzeichnis von Rössel No. VII. 

141.*-144.* Mittelerze: CAESAR PONT MAX [Kcpf m. Lorbeer n. r.] Rs. ebenso wie 
bei No. 139 und 140, „eine der Münzen mit dem Nachstempel Tib. Aug." (jedenfalls 
in der Form TIBA/)- Cohen 240. , Wiesbaden, in der Baustelle des Pfarrers Wil- 
helmi in der Luisenstrasse aufgefunden" um das Jahr 1825^^), nach handschriftlicher 
Eintragung in den ältesten Münzkatalog durch Zimmermann, s. oben S. 185. 

145.* Dieselbe Münze, auf der Kopfseite waren zwei Stempel eingeschlagen, wie es scheint 
^ „Wiesbaden, an der Artillerie-Kaserne" (wohl 1836), nach handschriftlicher 
C1IB 



B) Beschreibung von Bonhorst's No. VI, s. oben Anm. 16. 

146. Dieselbe Münze, auf dem Avers Stempeleinschlag "^j^ „"Wiesbaden". (K.) 

147. „ „ „ „ „ derselbe Stempeleinschlag. „Wiesbaden". (K.) 

148. , „ ohne Nacbstempel. „Wiesbadon". (K.) 

Mit einer der unter No. 146 bis 148 genannten Münzen kann die Annal. III, 3. 
175 beschriebene gleichen Gepräges identisch sein, welche gefunden wurde ,beim 
Planiren eines Weges in Wiesbaden" um 1842. 

149. Mittelerz, etwas kleiner: Kopf mit Lorbeer n. r., dahinter CAESAR Im Kopf Stem- 
peleinschlag Aj^^ Rs. ganz abgeblättert, ist jedenfalls auch Cohen 240. „Gef. an der 
Spelzmühle". <^ 



**) Für Auskunft über diese Münze bin ich Herrn Professor Pick in Gotha zu Dank 
verpflichtet, 

^*) Die Identität einer oder aller dieser 4 Münzen mit anderen gleichen Gepräges in 
unserem Verzeichnis ist völlig ausgeschlossen durch die oben Anm. 25 erwähnte Thatsache, dass 
Kihm bei seiner Ordnung der Münzsammlung i. J. 1852 ff. Fundangaben aus den zwanziger 
Jahren nirgends mehr vorgefunden hat. 



216 

150.* „Mittelerz. sehr verwisclit: .4i-. unkenntlicher Kopf, seitwärts MAX S^- ein aitar- 
ähnlieher Bau mit unleserlichen Buchstaben darunter, gefund. 3' tief in dem irir.terbaii 
des Sehreiner Meyer in der Xeroatraäse dahier'^, nach Inv. IH61, September 1,^ No. L")4; 
also offenbar Cohen 240 (da erst ISGl gefunden, kann sie mit keiner aar übrigen 
identisch sein). 

151.^" „An der Grundmauer dicht anliegend eine Bronze-Münze von August Rev. llcina et 
Au'TtStus^ (bei Ausgrabungen am HoIIcrborn bei Wiesbaden iS26), nacli Aunalen J, 
2 uud 3, S. 145; ottenbar tntxveJer Cohen 237 oder 240.^") 

152. Kleinerz, scheint durch Brand besnhüdijrt: [Dil WS AVGV[STVS PATEfi] Kopf 
mit Strahlen n. 1. 'ganz wie bei den Münzen mit PROViDENT.) P^^- [ROIM ET 
[AVG] Altar ganz wie bei Cohen 240 (oben Xo. 141 if.) Felilt bei Colien. .,(iöf. 
Wiesbaden in der Rheinstras-e 1863 in der Crne Xo o884", zusammen mit der Münze 
des Tiberius, unten Xo. 174a. 

153. Mittelerz. sehr schön erhalten: In drei Zeilen in eincPi Kranze AVGVSTVS TRiBVNIC 
POTEST R^. ^m Feld S C Umschriit Q AELIVS LAMIA !il [VIR] AAAFF 
.,Adamjihal bei Wiesbaden"^. Cohen 24r{. 

154. Miitelerz, sehr schlecht: Kopf n. 1. Umschrift verwischt; vor dem Kinn ein Stempel- 
einschlag. Es. Im Feld S C Umachrifc p LVRIVLS AGRIPPA] III VIR [AAlAFF 
Cohen 446. , Wiesbaden 1855". 

155. Mittelerz, gut erhalten: QAIESAR AVIGVST PONT MA[X TRIBVNIC POTl 
Kopf n. r., hinter dem K^pte Srempeloinsohlag i M P ' /V G ; Es. Im Feld S C 
Umschrift [M MlAECiLlVS TVLLVS III V[IR AAAFF] "Cdien 448. „Gef. Wies- 
baden, Gräber am Schiersteiner Weg 1867*. 

156. Mittelerz, verschliffen: [CAESAR A^GVST PIONT MA[X TRIBVNIC POT] 
Kopf n. 1., dahinter Steiupeleinschl.'ir \MPN Es. Im Feld SC Umschrift SEX NQ- 
NIVS QVINCTILIAN lil VIR AAA FF Cohen 474. „Gef. Wiesbaden am Schier- 
steiner Weg l^ö'i in einem Tüpfchen Xo. 4456". 

157,* Silber: „eine au der Caserne aufgefundene Silbermiiuze von August, sehr wohl er- 
halten" erwähnt ein Schreiben Zinimennann's an den Vorstand vom 10. Mai 1824. 

158.* „ein Caesar Augustus von Bronze bei Wiesbaden gef.", Yorst.-Sitz. vom 12. Januar 
1826 § 6"), 3. oben -Vnm. 10. 

159.* Grosserz von Augustus, „gef. Wiesb. in der Kirchgasse neben dem Storchnest" 1881, 
nach Inv. 1880 X'^o. 51. Xicht naher bestimmbar, war aber wohl ein vollwichtiges 
Mittelerz. 

Agrippa: 

160. Mittelerz: M AGRIPPA L'F COS lli Kopf m. corona rostrata n. 1. Es. Stehender 
nackter Xeptun mit Dreizack und Delphin, im Feld S — Ci ubG° a™ Kopfe des Xeptun 
Stempeleinsehlag TIA/ Cohen 3. ,Gef. Wiesbaden". (K.j 

161. Dieselbe Münze mit demselben St'.'iripo!einschlag, „X'eroberg 1848". (K.) 

Dies könnte die nach Kihm'a Verzeichnis Xo. 27 (s. oben S. 213) auf dem Xeroberge 
gefundene Augu.stusmünze (da die ■Münr-jattung nicht beigefügt ist, sicher Mittelerz) sein. 

162. Dieselbe Münze mit demselben ?^e;Ti|;;eleinsclilag. „Wiesbaden, Saalgasse bei Ausgra- 
bung römischer Mauern 1852", (K.) 

163. Dieselbe Münze ohne Xachstempel. „An der Spelzmühle". (K.) 

164. „ „ mit Stempeleinschlag wie 160—162, „An der Spelzmühle". 

1'j5. n n n n , TIB n n ri 

die beiden letzteren Münzen zeigen Brandspuren, und haben in Kohle uud Asche gelegen. 



''") Siehe die vorige .\nmerkung. 

«') In dem ältesten Katalog steht hinter den oben als Xo. 141 — 144 gezählten Münzen 
eingetragen als Mittelerz Xo. 8o: Caesar Augustus pater rev. Altar mit der Üntersch. Provi- 
dentia. Dies könnte unsere Münze sein; jedenfalls ist sie mit keiner der von Kihm mit Fund- 
angabeu versehenen identisch, s, oben Anm, 59 und vgl. Anm. 10. 



217 

166. Diesen. e Münze, mit Stempeleinschlag ''.t:\N (wohl ebenfalls TIA/) «Oef- in der 

wannen Quelle des Adler 12. Januar ISTU" (vgl, das liandscliriftliche Verzeichnis Rössels 

Xo. TU). 
Ih7.* Dieselbe Münz», mit eingoscldaiii^nem kleinem Stempel (wohl TIA/) ^Oef. Wiesb. 

in der Rheinstrasse, der Artillerie-Kaserne gegenüber'' 1864. Nach Inv. 1864 April 

No. 26 nnd Mitteil. 1S65 No. 4 S. 17. 

Die Stadt Nemausus (Niines) in Süilfrankreicti: 

168. Mittelerz: Köpfe des Augustus mit Lorbeer und des Agrippa mit Corona rostrata, einander 
abgewendet, oben zwischen beiden IMP» unten DIVI F ■'^■^- Krokodil an einem Palm- 
baum COL NEM Cohen ID. „Gef. Wiesbaden a\i( dem Rüder''. (K.) 

169. Mitteieiz: ebenso, nur ist der Kopf des Aiigustiia oinie Lorbeer, im Kopf des Agrippa 
ein Stempeleinschlag M, ei" zweiter unten XX (?) Colieri 7. , Wiesbaden". (K.)®^) 

170.* Dieselbe Münze. .,(jef. Wiesb. in der Xerostrasbö" 18.:.8, nach P. Bl. 1858 No. 6 

S. 137 und Inv. 1^."^, Xo. 7.3. 
171.* Dieselbe Münze. Cef. .Wiesbaden", nach P. Bl. IS50 Xo. 9 S. 226, hier fälschlich 

als Kleinerz bezeichnet '.die beiden letzteren unbedingt verschieden von den unter 

Xo. 168 und 169 genannten Exemplaren). 

Tiberius: 

172. Denar, geprägt i. J. 15 n.Chr.: J! CAESAR DIVI AVG F AVGVSTVS Kopf m. 
Lorbeer n. r. Bs. PONTIF MAXIM Sitzende weibl. Figur n. r. mit Blume und 
Scepter. Cohen 16. „An der liamraermühle 1884". Inv. d. M. Xo. 291. 

173. Mittelerz, schön erhalten: Tl CAESAR AVGVST F IMPERAT VII Kopf mit 
Lorbeer n. r. Rs. ROM ET AVG Altar, wie oben 139 ff. Cohen 37. Geprägt im 
Jahre 10 n. Ci^^ .,Gef. Wiesb. im Saai hinter der neuen Schule, März 1858". Vgl. 
F. Bl. 1858 Xo. 5 S. 108 und Inv. 1S58 No. 56. 

174. Kleines Mittelerz desselben Gepräges, sohlecht: Im Kopf des Averses der Stempelein- 
schlag (^y -Wiesbaden, Rheinstrasse gegenüber der Artillerie-Kaserne 1890'". 

174a. K'einsr.-c, durch Feuer etwas beschädigt: mit demselben Gepräge wie 173 f. Cohen 38. 
.,Gef. Wiesbaden, Rheinstrasse 1863 in der Urne 3884" zusammen mit der Münze des 
Augustus, oben Xo. 152. 

Germanicus: 

175. Mittelerz, gut: GERMANICVS CAESAR TI AVGVST F DIVI AVG N Kopf n.l. 
F^^- C CAESAR AVG GERMANICVS PON M TR POT Im Felde S C Cohen l. 
, Wiesb. gef. beim Kanalbau in der Kirchgasse", nach Autiq. Xotizb. 1S75 1. Novemb. 
S. 107; nach Anna!. XIV. 430 ;vgl. Inv. 1875 Xo. 131), „in der Friedrichstrasse". 

176. 177. Dieselben Münzen. „Gef. in der warmen Quelle des „Adler" 12. Januar 1870" 
(vgl. das handschriftl. Verzeichnis von Rössel Xo. Ij.*^^) 



^^) Auf einem Blatte eines Notizbuches von Kihm findet sich aus dem Jahre 1841 
folgende Eintragung, -für Ankäufe ausgelegt: .... 

3. 1 Münz von Bronce von Xim gefunden Steingass . . . 6 kr. 
1 do. Trajan gef. Steingass .... 4 „ 

1 do. Constantin do. .... 3 „ 

1 do. do. do. . . . . 1 ., 

Die an erster Stelle genannte Münze von Xemausus kann identisch sein mit der von 
Kihm schlechthin mit der Angabe „in Wiesbaden gefunden" versehenen No. 169. 

") In dem Couverte mit der Aufschrift „Münzen aus der Adler-Quelle 1870" fanden 
sich zwei Münzen des Germanicus, beide in gleicher Erhaltung, nämlich wie fast alle daher 
stammenden, stark zerfressen; wenn Rossel's handschriftliches Verzeichnis dieses Fundes nur 
1 Germanicusmünze kennt, erklärt sich dieser Widerspruch daraus, dass das Inventar 1870, 2 
überhaupt 13 Münzen als dort gefunden nennt, während Ro ssel's Verzeichnis nur 11 enthält; 
es wurden also nachträglich noch zwei Stück hinzugefunden, 



218 

178. Mittelerz, etwas verschliffen, goldglanzend: GERMANIC[VS CAIESAR i" zwei Zeilen 
im Felde, Oennanicua in einer Quadriga n. r. Rs. SIGNIS RECEPT DEVICTIS 
GERM in zwei Zeilen im Felde; Germanicus n. 1. stehend mit Ädlerscepter. Cohen 7. 
„Gef. Xeroberg 1839". (K.) 

179. Dieselbe Münze, auf dem Avers Stempeleinachlag /-■' iA/ | „Gef. Wiesb. 1831". (K.) 
— In dem handschr. Verzeichnisse von an der Artillerie-Kaserne gefundenen Münzen 
von der Hand von Bonhorst's (s. oben Anm. 16), findet sich als No. IX unter einer rohen 
Federzeichnung, welche aber deutlich genug das Gepräge dieser Germanicus-Münze 
wiedergiebt, die Bemerkung; ..Diese Münze wurde unter einem ganz morschen Mühlstein 
in der Schulgasse zu Wiesbaden nebst zwey Krüge (sie!) von Thon 1831 im November 
gefunden... sie ist guc vergoldet". Es kann kein Zweifel sein, dass diese identisch 
ist mit der im Mus. Wiesb. befindlichen, im Jahre 1831 gefundenen.**) 

180.* „1 Germanicus Bronce Spelz Mühl" nennt Kihm in dem Verzeichnisse No. 26 (s. oben 
S. 213); es ist zweifellos Mittelerz, jetzt aber nicht näher zu bestimmen. 

Caligula : 

181. Mittelerz, gut erhalten: Q CAESAR AVG GERMANICVS RON M TR ROT 
Kopf n. 1. Rs. Sitzende Vesta n. 1., oben VESTA. ini Felde S — C Cohen 27, 
,Gef. Wiesbaden 1851". (K.) 

182. Dieselbe Münze, „gef. am neuen Schulhause zu Wiesbaden" (1851). (K.) 

Claudius : 

183. Mittelerz: [Tl] C[LA]VDIVS CAESAR AVG P M TR P IMP Kopf n. 1. Es. 
CONS[TAN]TIAE AVGVSTI Pallas behelmt n. 1. stehend, hält eine Lanze und 
erhebt die rechte Hand, im Felde S~C Cohen 14 (i. J. 41), , Wiesbaden, beim 
Canalbau in der Friedrichstrasse", nach Inv. 1876 No. 37 (nicht „Micheisberg", wie 
Annal, XIV, 436 angegeben wird), 

184. Grosserz, goldglänzend: Tl CLAVDIVS CAESAR AVG [P M TR P niVIP 



Kopf m. Lorbeer n. r., im Hinterkopf der Stempel ,'TIA/ ^3. in einem Eichenkranze 



in vier Zeilen EX SC OB CIVES SERVATOS Cohen 39. „Gef. Wiesb. gegen- 
über dem Mauritiusplatz 1890". Vgl. Inv. d. M. No. 482 und Annal. XXHI, 170. 

185. Mittelerz: [Tl CLlAVDIVS CAESAR AVG P M TR P IMP Kopf ohne Lorbeer 
n. I. Rs. Stehende Pallas n. r. mit Schild und Lanze, im Felde gross S— C Cohen 84. 
„Gef. Wiesbaden" (nach der Erhaltung, welche derjenigen der in der Adlerquelle ge- 
fundenen Münzen sehr ähnlich ist, ist es wahrscheinlich, dass auch diese aus einer der 
warmen Quellen Wiesbadens stammt; aus welcher, lässt sich nicht bestimmen), 

Nero: 

186. Grosserz, sehr schön erhalten: NERO CLAVD CAESAR AVG GERM P M TR P 
IMP PP Kopf mit Lorbeer n, 1., darunter Kugel. Rs. ANNONA AVGVSTI 
CERES Ceres n. 1. sitzend, vor ihr steht Abundantia mit FüUhorn, zwischen ihnen 
ein Altar mit Guirlanden, im Abschnitt S C Cohen 15. «Gef, Wiesbaden, Dotzheimer- 
weg 1860". Vgl. P. BL 1860 No, 14 S. 401. 

187. Mittelerz: |MP NERO CAESAR AVG P MAX TR P PP Kopf n. r., darunter 
Kugel. Rs. Victoria n. 1. tiiegend, hält einen Schild, auf dem SPQR steht, zu beiden 
Seiten S— C Cohen 302. , Umgebung von Wiesbaden", (K.) 

188. Dieselbe Münze, sehr schlecht. „Wiesbaden am Kranzplatz 1841". (K,) 

189. Dieselbe Münze, schlecht erhalten, „Wiesbaden, Dotzheimerweg mit einer Fibula 
gefunden". Vgl. Z. K. 14520. 



**) Da V. Bon borst erwähnt, sie sei „gut vergoldet" gewesen, die Bronze aber nur 
bei No. 178, nicht bei 179 den goldigen Glanz hat, welchen sie meist annimmt, wenn sie im 
Moorboden gelegen bat. so ist es nicht unwahrscheinlich, dass durch Kihm oder später die 
Fundnotizen zwischen den beiden Münzen vertauscht sind. 



219 

190. Mittelerz, wie es scheint, barbarischer Prägung: Kopf Nero's n. 1. mit unlesbarer 
Umschrift. Es. wie No. 187 ff. .,Umgebuiig Wiesbaden". (K.) 

191. Mittelerz: IMP NERO CAESAR AVG P MAX TR P PP Kopf m. Lorbeer n. r. 
Rs. SECVR[ITAS AVGIVSTI Sitzende Securitas n. r. vor einem flammenden Altar 
hält eine Lanze und stützt den Kopf in die rechte Hand, im Abschn. S C Cohen 324. 
„Umgebung Wiesbaden". (K.) 

192. Mittelerz: [NEIRO CLAVD [CAESAR AVG GERM] P M TR P IMP PP Kopf 
mit Strahlenkranz n. r. Ks. SECVRITAS AVGVSTI DarsteUung wie bei 191, nur 
ist S — C i™ Felde und || im Abschn. Cohen 326 [es ist also ein Dupondius, vgl. Mommsen: 
Rom. Miinzwesen 1860, S. 762). „Wiesbaden, innerhalb des römischen Pflasterweges 
im Hofe der Pletzmühle 13. Oktober 1859"; es ist offenbar die „verwitterte RGmer- 
münze, anscheinend Antoninua Pius" P. Bl. 1859 No. 11 S. 285. 

193.* 194.* „Ein Nero von Bronze, ein desgl. von Mittelerz". Gef. „bei Wiesbaden" nach 

Vorst.-Sitz. vom 12. Jan aar 1826 § 6**), s. oben Anm. 10. 
195.* „1 Nero gef. auf dem Neroberg". Kihm in dem oben genannten Yerzeichnia No. 23"); 

es ist sicher ein Mittelerz gewesen. 

Ein angeblicher Nero Inv. d. M. No. 83. „Gef. in der Marktstrasse, 19. August 

1881" ist vielmehr Titus, siehe unten No. 226. 

Galba: 

196. Denar, frisch: IMP SER GALBA AVG Kopf n. r. Es. in einem Eichenkranze in 
drei Zeilen SPQR OB C 8 Cohen 287. „An der Hammermüble 1884". Vgl. Inv. 
d. M. No. 282. 

Vitellius: 

197. Denar: A VITELLIVS IMP GERMAN Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. VICTORIA 
AVGVSTI Victoria n. 1. schreitend, hält einen Schild, auf dem SPQR steht. Cohen 
99. „An der Hammermühle 1884". Vgl. Liv. d. M. No. 292. 

198. Denar, frisch: A VITELLIVS GERMAN HVIP TR P Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. 
XV VIR SAG FAC Dreifuss, darüber ein Delphin. Fehlt bei Cohen. ,An der 
Hammermühle 1884". Vgl. Inv. d. M. No. 283. 

Vespasian: 

199. Mittelerz, sehr gut erhalten (i. J. 77/78): IMP CAES VESPASIAN AVG COS ViTl 
PP Kopf m. Lorbeer n. r., darunter Kugel. Rs. AEQVITAS AVGVSTI Stehende 
Aequitas n. 1. hält Wage und Lanze, im Felde S— C Fehlt bei Cohen. „Wiesbaden". (K.) 

200. Dieselbe Münze, weniger gut. „Umgebung Wiesbaden". (K.) 

201. Mittelerz: |MP CAES VESPASIAN AVG COS II Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. 
wie 199. Cohen 12 (i. J. 70). „Adamsthal bei Wiesbaden". 

202. Mittelerz: |MP CAES VESPASIAN AVG Kopf m. Lorbeer n. r. Es. wie 

bei den vorhergehenden; wegen Fehlen des Konsulats nicht näher bestimmbar. „Um- 
gebung Wiesbaden". (K.) 

203. Mittelerz: |MP CAES VESPASIAN AVG cos . . . .__Kopf m. Lorbeer n. r. Rt. 
wie bei den vorhergehenden (ist vielleicht mit COS VIII PP)- nCmgebung Wies- 
baden". (K.) 



'*) Vgl. auch für diese Münzen daa in Anm. 59 Gesagte. 

'*) Schwerlich wird diese Münze mit ciüer der von Kihm als „Umgebung Wiesbaden" 
gefundenen No. 187, 190, 191 identisch sein, denn die bei den von ihm geleiteten Aus- 
grabungen, in der Umgegend W.'s gefundenen, p^»egt er stets mit ver^rleichsweise detaillierten 
Angaben zu versehen (vgl. auch oben Anm. 30). Die Fundnotiz zu unserer Münze kann ent- 
weder von Kihm überhaupt vergessen, odor die beigelegte spätor verloren sein, wie es in 
mehreren Fällen wahrscheinlich ist. 



220 

204. Mittelerz: IMP CAES VESPASIAN AVG CO Hs. wie bei den vorher- 
gehenden. .»Wiesbaden''. (K.) 

205. Denar: |MP CAES VESP AVG P M COS IUI K<^V'' '-i- Lorbeer n. r. Ä. CON- 
CORDIA AVGVSTI ^itz^-nd« Coucordia n. 1. Iiaic S- üale und Füllhorn. Cohen 74 
(geprägt i. J. 72 7o,t. ,Aq de;- Hamtiiermühle l-^-i-l'-. Y?l. Inv. d. M. No. 2Sß. 

206. Mittelerz: JMP CAES VESPASIAN AVG COS ViTl P P K"pf m. Lorbeer n. r., 
darunter Kugel. lis. [FIDES] PVBLICA Fides u. i. srohend mit Scliale und Füll- 
horn. Cohen 166 (i. J. 77,75j. -Gef. bey ßierstadt". As..) 

207. Gold, sehr schün erhalten: j|VIP CAESAR VESP AVG ^opf m- Lorbeer n. r. i?*. 
PORTVNA AVGVST Steinende Fortuna n. 1. auf einem Altar, mit Steuerruder und 
Füllhorn. Cohen 174. „An der Kupfermühle'* bei Wiesbaden 1S30. Vgl. Anv.al. IT, 
1. 207 und Vorat.-Sitz. v. S. Juli 1830 § 3. 

208. Denar, frisch: CAESAR VESPASIANVS AVG Kopf m. Lorbeer n. r. ü». jMP 
XiX Iro Felde eine Sau mit drei Ferkeln. Cohen 213 i^i. J. 73). „An der Hammer- 
w'ihle 1884". V;:!. Inv. d. M. Xo. 284. 

209. Miftelerz: |MP CAES VESIPASIAIN AVG COS lil Kopf m. Lorbeer n. r. 7^.^. 
IVOAEA CAIPTAl Trauernde Judaea n. r. sitzend am Fu.^sa einer Palme, ringsherum 
Wolfen, irj Abscliu. S C Cohen 244 (i. J. 71). ^Spelzmuhle**. ^K.) 

210.* Denar: „|MP CAES VESPAS AVG ^s. Geflügelter Merkurstab, die Umschrift ist 
ver-^'ischt"; so Zimmermann in dem ältesten Kataloge, i. oben S. ISö. Die Reversum- 
8'.hrii> kann danaeli entweder RON MAX TR P COS V bezw. COS VII oder 
PONTIF MAXIM gewesen sein. ., Wiesbaden'*. 

211. Denar, verschliffen: |MP CAESAR VESP AVG Kopf m. Lorbeer n. r. J?*. PON- 
TIF MAXIM Geflügelter Morkurstab. Cohen ÖOO. -An der Ha»nmcrmühle 1884'-. 
Vgl. Inv. d. M. Xo. 287. 

212. Mittelerz, selir schlecht erlialten: S V: SPASIAN AVG COS . = . Kopf n. r. 

üs. im Al)3chn. [PROjVIDEN[TI Entweder Cohen :i96 udt-r 4U0. .,Wie3badei!, 

Leiciieiifeld an der Artillerie-Caserue 10. .Lugust ISjO"*. Vgl. Inv. 1859 2. September 
Xo. liJM, wo es fälschlich als .,Gro3serz'" beztMchnet Avird. 

213. Denar: |MP CAES VESP AVG CEN Kopf m. Lorbeer n. r. Fs. SALVS AVG 

Sitzende Salus n. 1. hält eine Schale. Cohen 431. -An der Hanimermühle 1>34-. 
Vgl. luv. d. M. Xo. 2--.. 

214. Mittelerz: IMP CAES VESPASIAN AVG COS VTFl PP Kopf m. Lorbeer n. r. 
Hg. Fliegende Victoria n. 1. hiilt einen Schild, auf •leva SPQR st«'"i':, ijn Felde S — C 
Cohen 466 (i. J. 77/78). -Wiesbaden am neuoM rodceuhof-*. Vgl. Mitteil. Xo. 1 ISöl 
S. 21 und Inv. ISfil Xo. 41. 

215.-- Mitrelerz: |MP CAES VESPASIAN AVG COS lli Kopf m. Lorbeer n. r. lij. 
Adier mit erhotK»n'''n Flügchi ".^f einer 'v'igf; -'.eliend, zu bciilen Seirea S~C Cohen 
4H0 (i. J. 78). „Wie.sbadeu, beim Planireu eine- Weges gel'.'', nach Annal. III, 3. 175. 

216. Mittelerz, gut erhallen: |MP CAES VESPASIAN AVG COS VÜl PP Kopf m. 
Lorbeer n. r., da'-unter Kugel. Bt. wie bei Xo. 215*. Cohen 482 (i. J. 77/78). , Um- 
gebung Wic&baden'*. (K.) 

217. Mittelerz, gut: |MP CAESAR VESPASiAN AVG COS III Kopf m. Strahlen- 
krone n. r. -ft«. SECVRITAS A^/GVSTl Se^uritas n. r. sitzend vor einem brennen- 
den Ä.ltar, hält ein Scepter, im Absciin. S C Cohen 508 (i. J. 72/73). „Wiesbaden". (K.) 

218. Mittelerz: f|MP] CAES VESPASIAN AVG COS III Kopf m. Lorbeer n. r. Es. VIC- 
TORIA fAVGlVSTI Schreitende Vi.-to.-ia u. I. liält Palme und Kranz, im Felde S — C 
Cohen 607 (i. J. 71). - Wiesoaden". K.) 

219. Mittelerz: [||VIP C'AES VESPASIAN AVG COS III Kopf m. Lorbeer n. r. Ft. 
VICTORIA IN.^V'ALIJS Victoria •)i?.c Kranz und Palme u. r. stehend auf einem 
Schiffsvorderteil, unten im Felde S — C ''-"! on 632 (i. J. 71 . .^Umgebung Wiesbaden**. (K.) 

220.* „Grcsserz: Ve.spasi:in in der FriedrJ;;!i.;rra.s.se' gefunden, nach Annal. XIV, 437 und 
fnv. I^»7'> Xo. 2'.). Xiilier nicht bejtiaJinbar. 



221 

221.* „Ans einem Grab auf dem Michelsber^ Yor der nördlichen Schule ... 2 römische 

Bronzemünzen, 1 Vegpasian " Inv. 1872 No. 31. Vgl. Annal. XJI, 348, 24. Näher 

nicht bestimmbar. 
222.''- „Ein kupferner Vespasian auf dem Xercsberge gefunden", nach dem Verzeichnig der zu 

dem zu errichtendeu Museum .... eingegangenen Beiträge'* No. 11, siehe oben S. 182. 

Naher nicht bestimmbar. 

223. Denar, sehr verschliffen: Kopf m. Lorbeer n. r. Von der Umschrift nur noch . . . ES- 
PASIA . lesbar. Rs. Sitzende weibliche Figur (Roma?) n. 1.; näher nicht bestimm- 
bar. „Gef. an der Rambacher Capelle 1846". Vgl. Annal. V, 3 3. 41. 

224. Mittelerz: Kopf m. Lorbeer n. r. [IMP] CAES [VESPJASIAN AVG Um- 
schrift fast ganz zerstört. Hs. eine stehende Figur a. 1., weiteres zerstört. „Gef. in 
der warmen Quelle im Adler 12. Januar 1870". 

225.* „Grosserz: Kopf ASIAN AVG IMP ^s- stehende weibliche Figur, gefunden 

im Garten des Herrn von Gagern" (Schwalbacherstrasse), nach luv. 1863 4. März No. 29 
(die Umschrift des Averses ist wohl z. T. verlesen). 

Titus: 

226. Mittolerz: [IMP T CAlES VESP AVG P M TR P COS VIII Kopf m. Lorbeer 
n. r. Ra. AEQV1[TAS AVGJVST Stehende Aequit&s, im Felde S — Cohen 4 
(i. J. 8Ü"). Wiesbaden „Marktstrasse zwischen den Justizgebäuden 19. August 1881". 
Vgl. Inv. d. M. No. 83, wo das Stück fälschlich als „Nero" bezeichnet wird. 

227. Mittelerz, Avers ganz zerfressen: Kopf n. r. Rs. JVDAEA CAP[TA] Trauernde 
Judaea unter einer Palme n. r. sitzend, links der Palme sin Schild, Panzer und Feld- 
zeichen, im Abschn. S C Wohl Cohen 113. Wiesbaden, „verlängerte Rheinstrasse, 
März 1887". Vgl. Inv. d. M. No. 387. 

228. Mittelerz: T CAESAR VESPASIAN IMP TUT PON TR POT II [COS II] Kopf 
mit Strahlenkranz n. r. Rs. Auf Schild und Panzer sitzende Roma n. 1. hält Kranz 
und Parazonium, im Abschn. ROMA, iJ» Felde S-C Fehlt bei Cohen (i. J. 73}. 
„Wiesbaden". (K.) 

229.* Mittelerz: „...CAESAR VESPASIAN VS TR P COS VI Brustbild des Kaisers, 
i?». Fortuna stehend zwischen S— C" ^'^ach F. Bl. No. 15 u. 16 1861 S. 458 und Inv. 
1860 No. 655. „Gef. 1843 im Saal beim Neubau der Schule". Die Beschreibung passt 
etwa auf Cohen 215, die Figur des Reverses ^väre dann Spes mit Blume. 

230. Mittelerz: T CAES IMP AVG F TR P COS VI CEN30R Kopf m. Lorbeer 
n. r. Ra. Stehende Spea m. Blume a. 1., im Felde S — C Cohen 217 (i. J. 77/78), 
„Spelzmilhle". . 

231. Denar, verschliffen: [T CAIES IM? VESP PON TR POT Kopf mit Lorbeer n. r. 
Rs. Trauernde Judaea n. r., sitzt am Fusse einer Palme, dahinter Titus stehend, hält Lanze 
und Parazonium, ohne Umschinft. Cohen 392. „Wiesbaden". 

Domitian : 

232. Denar: CAESAR AVG F DOMITIANVS Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. CE[RES] 
AVGVST Ceres n. 1. stehend, hält zwei Ähre- und eine Fackel. Cohen 3(K „Wies- 
baden 1854". (K.) 

23.3. Mittelerz, gut erhalten: !.\^p [CAES D10MIT AVG GERM P M TR P VMl 
CENS PER [PP] Kopfm. Lorheern. r. R^. COS Xilll [LVD SAEJC FEC Der 
Kaiser opfert an einem Altar, links dahinter ein Flötenbläser und ein Lyraspieler, im 
Hintergrund ein sechäsäuliger Tempel, im Abschn. S C Cohen 85 (geprägt i. J. 88); 
siehe auch Dressel Eph. epigr. VIII. p. 312 No. 7. „Umgebung Wiesbaden". (K.) 

234. Mittelerz: |MP CAES DOMIT AVG GERM COS X!l CENS PER PP Kopf 
ro. Lorbeer n, r. Rs. FORTVN.AE AVGVSTI Forrana n. 1. stehend, mit Steuer- 
ruder und Füllhorn. Cohen 122 (i. J. 86). .,Umgebuug Wiesbaden". (K.) 

235.* Mitteierz: Ebenso wie No. 234, nur mit COS XV und Kopf mit Strahleukrone n. r. 
Cohen 132 (i. J. 90/91). „Wiesbaden, beim Planiren eines Weges«. Nach Annal. Ilf, 
3. 175. 

14* 



222 

236. Dieselbe Münze, sohlecht, blank; , Wiesbaden, beim Hausbau in der Mauritiusstrasse, im 
Schlammboden, etwa 3 m tief, März 1896". 

237. Mittelerz: das gleiche Gepräge, nur ist die Konsulawziffer undeutlich. Kopf m. Lorbeer 
n. r. .,Umgebung Wiesbaden". (K.) 

238. Denar, ziemlich gut: |MP CAES DOMIT AVG GERM P M TR P XII Kopf 
m. Lorbeer n. r. i?5. IMP XXII COS XVI GENS P PP Pallas n. 1. stehend mit 
Blitz und Laii^e, unten oin Schild. Cohen 279 (i. J. 92—94). „Bey Wiesbaden". (K.) 

239.* Grosserz: IMP CAES DOMIT AVG GERM COS XVI GENS PER PP Kopf 
mit Lorbeer n. r. Bs. jOVI VICTOR! Sitzender Jupiter mit der Victoria, S— C 
Cohen 315 (i. J. 92— 9i). Wiesbaden, „an der Caserne" nach Zimmermann in dem 
ältesten Kataloge, s. oben S. 165. 

240. >üt:elerz, gut erhalten: |^ CAES DOMIT AVG GERM COS XV GENS PER 
PP Kopf m. Lorbeer n. r. Es. MONETA AVGVSTI Stehende Moneta n. 1. hält Wage 
und Füllhorn, im Felde S— C Fehlt bei Cohen (geprägt i. J. 90/91). Wiesbaden, „am 
Barmherzigen-Brüderhaus, östlich der Hoidenmauer 18S7". Vgl. Inv. d. M. No. 390. 

241. 242. Mittelerze, desselben Gepräges, nur mit COS XVI 0- J- 92-94). „Umgebung 
Wiesbaden" (,K.), bezw. .,boy Wiesbaden". (K.) 

243. Mittelerz, desselben Gepräges, Konsulatsziffer unkenntlich. „Umgebung Wiesbaden". (K.) 

244. Mittelerz, desselben Gepräges, Konsulatsziffer unkenntlich. „Neroberg bey Wies- 
baden". (K.) 

245. Mittelerz: CAE[S DIVI] AVG VESP F DOMITIAN CO[S... Kopf m. Lorbeer 
n. r. Rs. stehende Pallas n. r. mit Schild und die Lanze schwingend, zwischen S— 
„Bey Wiesbaden". (K.) 

243.^ Mittelerz: CAES DIVI VESP F DOMITIANVS COS [VII] Bildnis. Es. Pallas 
stehend, zu Füssen den Schild, in der Linken die Lanze haltend, zwischen S~C 
Nach Mitteil. No. 2 1863 S. 44 und Inr. 1861 4. Dezember Xo. 270. „Gef. in der 
warmen Quelle des Adler" 1861; ist wohl Cohen 441. 

247. Mittelerz, schlecht: [CAESAR A]VG F DOMITIANVS COS... Kopf n. r. Es. 
Stehende Spes n. 1. hält eine Blume, zwischen S — C Wegen Fehlens der Konsulats- 
ziffer näher nicht bestimmbar. „Wiesbaden, Friedrichstrasse" (wohl nach 1877). 

24Ta.*^ Mittelerz: [MP [CA]ES DIVI VESP F DOMITIAN AVG P M Kopf m. Lorbeer 
E. r. Es. TR P COS VII DES VIII PP I'" i^'elde S-C Behelmte Pallas n. r. 
stehend mit Wurfspiess und Schild. Cohen 562 (i. J. 81). „Wiesbaden, beim Planiren 
eines Weges". Nach Annal. UI, 3. 175. 

248. Mittelerz: A7. ebenso wie bei No. 247a. E^. TR P COS VIII DES Villi PP dieselbe 
Darstellung wie No. 247a. Cohen 587 (i. J. 82). „Umgebung Wiesbaden". (K.) 

249. Dieselbe Münze: Wiesbaden, „Canalbau in der Saalgasse 1880". Vgl. Inv. d. M. No. 50.") 
2.50. 251. Mittelerze, gut erhalten: |MP CAES DOMIT AVG GERM COS XIII GENS 

PER PP Büste m. Aegis und Lorbeer n. r. Es. VIRTVTI AVGVSTI Stehende Virtus 
n. r., den 1. Fuss auf einem Helm, hält Lanze und Parazonium, im Felde S — C 
Cohen 650 (i. J. S7). „Uia^ixbung Wiesbaden". (K.) 

252. Dieselbe Münze, nur lioin rj. Lorbeer n. r., schön erhalten. Cohen 651. „Umgebung 
Wiesbaden". (K.) 

253. 254. Mittelerze desselben Oi-prages, nur mit COS XV und Kopf m. Strahlenkrone n. r. 
Cohen 657 (i. J. 90/91). „Umgebung Wiesbaden". (K). 



'') Bei folgender nach Kihm's Angabe „bey Wiesbaden" gefundenen Münze Domltian's 
fitimmcn die Umschriften des Averses und Reverses nicht zusammen: Mittelerz |MP CAES 
DOMIT AVG GERM COS XII [GENS PER PPl Kopf mit Strahlen n. r. Es. TR P 
COS VIII DES Villi IPPJ Stehende Minerva mit Schild und Lanze, zwischen S — C> ^e 
bei den >'o. 217a ff. Die Ausführung des Typus weicht allerdings von der der übrigen von 
mir gesehenen Münzen ab; doch macht das ganze Stück nicht den Eindruck einer modernen 
Fälschung, auch das Metall zeigt die den Messingdupondien dieser Zeit eigene gelbe Farbe. 
Konnte es eine im Altertum ausgeführte Nachprägung sein? 



228 

255. 256. Mittelerzo desselboo Gepräges, nur mit COS XVI und Kopf m. Lorbeer n. r. 
CoheFi 658 (i. J. 92 — 04). .»Umgebung "Wiesbaden" (K.) bezw. „Wiesbaden". (K.) 

257. Miuaierz: |MP CAES DOMIT AVG GERM PER PP Kopf m. Strahlen- 
krone n. r. Rs. ebenso wie No. 250 S. , Wiesbaden, verlängerte Rheinstraöse, März 
1887". Vgl. Inv. d. M. Xo. 388. 

258.* Mittolerz: „...PCAES DIVI VESPASIANI F DOM JRs. f&at unkenntlich. 

„Wiesbaden, an der Artillerie-Kaserne Grab 6, in einer Urne". Nach Inv. 1853 
20. August No. 465 und P. Bl, 1859 No. 11 S. 282. 

259.'*' ., Wenig kenntliche Münze von Mittelerz (Domitian?), in einer Urne gef. an der Ar- 
tillerie-Kaserne". P. Bl. 1861 No. 15 und 16 S. 459. 

260.* „Imp(erator) Cae8(ar) Doniit(ian) Aug Germ. Cos An der Artillerie-Kaserne zu 

Wiesbaden selbst gefunden." Nach handschriftlicher Notiz von Bonhorst's, 8. oben An- 
merkung 16, I. 

261.* „Bronzemünze |MP CAES DIVI VIS Kopf des Augustus )( Minerva; von der 

Walkmühle auf dem Feld". Inv. 1873 10 April No. 42. Danach kann die Münze nur 

Domitian sein und ist zu lesen: ||VIP CAES DIVI V[E]S[P F DOMITIAN 

Es. wohl TR P COS VII etc. mit Pallas, jedenfalls Mittelerz. 

262. Mittelerz: [|MP CAES] DOMI[T AVG GERM] COS XII CE[NS 1 Kopf 

mit Lorbeer n. r, Bs. Stehende Figur n. 1.; Umschrift vielleicht .... AVGVSTI Näher 
nicht bestimmbar. Wiesbaden, „Museumshof, November 1858". 

263. 264. Mittelerze, sehr zerfressen, doch Kopf Domitians m. Lorbeer n. r. auf beiden 
deutlich „Wiesbaden in der warmen Quelle des Adler, 12. Januar 1870"; beide müssen, 
als sie in das Wasser kamen, noch sehr frisches Gepräge gehabt haben. 

265. Mittelerz, sehr zerfressen: Kopf Domitians m. Lorbeer n. r. Bs. ganz zerstört, zu- 
sammen mit No. 263. 264. gefunden. 

266. Mittelerz, verschliffen: CAESAR AVG F DOMITI[AN ] Kopf m. Lorbeer 

n. 1. Ba. AVGVST Stehende weibliche Figur n. 1. hält ein Scepter und ? 

„Neroberg bey Wiesbaden". (K.) 

267. Mittelerz: [|MP] CAES DOMIT AVG GERM COS XV [CENS PER PP] 
Kopf m. Lorbeer n. r. Bs. Stehende Figur n. r., wahrscheinlich VIRTVTI AVGVSTI 
Dann wäre es Cohen 656. „Neroberg bey Wiesbaden". (K.) Vgl. Annal. V, 3, 11. 

268.* Eine Münze . . . von Domitian . . , „wurde bei dieser Gelegenheit gefunden'- (beim 
Schlossbau in Wiesb. 1837). Nach Annal. XVII, 142, Anm. l.*^«) 

In einem von Lugenbühl in den vierziger Jahren angefertigten Verzeichnisse über 
die von ihm dem Museum überlassenen Altertümer aus Wiesbaden heisst es von drei 
als No. 9, 10, 11 verzeichneten nicht näher zu bestimmenden Stücken „gefunden bey 
der Erbauung der Artillerie-Kaserne nebst beyliegender Münze von Domitian". 
Es ist wahrscheinlich, dass diese Münze mit einer der von Kihm mit Fundangabe 
„Wiesbaden" bezw. „Wiesbaden Umgebung" versehenen identisch ist. 

Nepva : 

269.* „Nerva Caes. Aug. D M EMP Rückseite: Aequitas August an der Artillerie-Kaserne 
zu Wiesbaden selbst gefunden". Handschr. Notiz von Bornhorst's No. II, s. oben Anm. 16; 
offenbar zu lesen: [|]MP NERVA CAES AVG [PJM [TR P COS II PP] Also 
eine der Münzen bei Cohen 2 — 11. 

270. Mittelerz, blank mit sehr frischem Gepräge, nur etwas zerfressen: IMP NERVA CAES 
AVG PM TR P COS lil PP Kopf m. Strahlenkrone n. r. B.^. CONCORDIA 
EXERCITVVM Zwei verschlungene Hände halten ein Feldzeichen, im Felde S — C 
Cohen 32 (i. J. 98). „Wiesbaden, verlängerte Rheinstr., März 1887'^. Vgl. Inv. d. M. No. 389. 



®^) Diese, ebenso wie die anderen damals gefundenen Münzen, befand sich zur Zeit von 
Kihm's Inventarisation der Münzsammlung noch nicht im Kabinet, kann also auch nicht mit 
einem der von ihm als aus Wiesbaden bezw. Wiesbaden und Umgebung stammend bezeich- 
neten Stücke identisch sein. 



224 

271. Mittelerz, sehr zerfressen: [|MP NERVA C]AE[S AVG P MJ TR P COS II [PP] 
Kopf m. Lorbeer n. r. üs. Stehende weibliche Figur n. 1., höchst wahrscheinlich For- 
tuna. Umschrift [FORTVNA AVGVST] zerfressen, im Felde S-C Wohl Cohen 61 
(i. J. 96). , Wiesbaden, warme Quelle des Adler 1870". 

272. Mittelerz: |MP NERVA CAES AVG [P]M TR P COS III P[P] Köpf m. Lorbeer 
D. r. Rs. FORTVNA ^AAi-C^sxcx Fortuna n. 1. stehend mit Steuerruder und Füllhorn, 
im Felde S— C Cohen 68 (i. J. 98). „Umgebung Wiesbaden". (K.) 

273.* ,Eine blanke Bronzemünze von Nerva gefunden in der Marktstrasse im Moorgrund". 
Nach Annal. XVII, 138, 6; nicht näher bestimmbar. 

Trajan: 

274. Grosserz: |MP CA[ES NERlVAE TRAIANO AVG GER DAC PM TR P COS 
VI PP Kopf m. Lorbeer und Aegis n. r. Rs. [FElLICITAS AVGVST Felicitas n, 1. 
stehend m. Caduceus u. Füllhorn, im Felde S — C Cohen 143. „Umgebung Wiesbaden". (K.) 

275. Mittelerz (schlecht erhalten), desselben Gepräges, cur Kopf mit Strahlenkrono n. r. 
Cohen 145. „Wiesbaden". 

276.* Denar: „At. Kopf |MP CAES NERVA TRAIAN AVG GERM Hs. Stehende 
weibliche Figur PM TR P COS IUI PP (nicht näher bestimmbar). „Wiesbaden" 
nach InT. 1866 No. 23 und Mitteil. 5 u. 6 1867 8. 27. 

277.* .,Ein Mittelerz mit demselben Gepräg", Inv. 1866 No. 23. „Wiesbaden". Da genau 
dasselbe Gepräge bei Kupfermünzen überhaupt nicht begegnet, so wird hier PM zuQi 
Avers zu ziehen, und eine der Münzen mit TR POT COS Uli PP und der Victoria 
Cohen II, p. 85 No. 640 oder 641 gemeint sein. 

278. Denar, ganz verschliffen, durchlocht: Kopf m. Lorbeer und Mantel n. r, Rs. Behelmte 
Figur n. r. stehend mit Lanze und Parazonium (?) Vielleicht Cohen 271 mit der 
Umschrift PM [TR P COS VI PP SPQR] „Wiesbaden". (K.) 

279. Mittelerz, verschliffen: [|MP CAES NERVlAE TRAIANO AVG GER DAC PM 
TR P COS V PP Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. SPQR OPTIMO PRINCIPI Schreitende 
Victoria n. 1. mit Zweig und Palme, im Felde S — C Cohen 436. „Umgebung Wies- 
baden". (K.) 

280. Dieselbe Münze, ziemlich gut: .^Wiesbaden Metzgergasse-Ecke". Vgl. Inv. d. M. No. 392. 

281. Grosserz, schön erhalten: ,iMP CAES NERVAE TRAIANO AVG GERM PM TR 
P COS V PP -R*- ^iu6 geflügelte Victoria mit der Linken ein Schild umfassend, 
auf dem die Worte Victoria Dacica lesbar sind, Umschrift SPQR optimo principi S— C 
Nach Zimmermann's Eintragung im ältesten Katalog s. oben S. 185. Da nur 1 Exem- 
plar dieser Münze in der Sammlung sich befindet, so ist dieses das von Z. beschriebene. 
Cohen 452. „Wiesbaden, Kaserne" um 1S26. 

282. Grosserz, sehr schlecht: Büste Trajan's m. Lorbeer und Panzer (?) n. r., von der Um- 
schrift noch lesbar . . . AVG GER .... Rs. SPQR OPTIMO PRINCIPI Stehende 
weibliche Figur n. 1. mit Füllhorn und Ruder (?) [Fortuna?], nicht näher bestimmbar. 
„Wiesbaden, beim Hausbau an der Ecke der Mauergasse und Marktstrasse dem Amts- 
gericht gegenüber, 1894". 

283. Mittelerz: [|MP CAES NERVAE] TRAIANO AVG GER DAC PM TR P COS 
V PP Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. SPQR OPTIMO PRINCIPI Drei Feldzeichen, 
zwischen S— C Cohen 579. „Spelzraühle 1857 im Grab V". Ist P. Bl. 1858 No. 4 
S. 66 nach Inv. 1857 vom 7. Oktober No. 52 fälschlich als Domitian bezeichnet. 

284. Mittelerz, gut erhalten: |MP CAES NERVA TRAIAN AVG GERM PM Kopf m. 
Lorbeer n. r. Rs. TR POT COS II PP Victoria n. 1. fliegend mit einem Schilde, 
auf dem SPQR steht, im Felde S-C Cohen 617 (i. J. 98). „Bey Mosbach". (K.) 

235. Dieselbe Münze: „Bey Bierstadt". (K.) 

286. Dieselbe Münze, schlecht erhalten: „Wiesbaden, in der warmen Quelle des „Adkr" 
12. Januar 1870". 

287. Mittelerz, gut erhalten: |MP CAES NERVA TRAIAN AVG GERM PM Kopf m. 
Stralilenkrone n. r. Rg. TR POT COS ill PP Sitzende weibliche Figur n. 1, hält 



225 

einen Zweig und ein Scepter, im Abschn. S C Cohen 625, nur dass in der Umschrift 
des Av. CAES vor NERVA steht (i. J. lOOJ. Wiesbaden „Luiaenstrasae, Neubau neben 
der Reiehsbank 1894"*. 
288. 289. Mitrelerze desselben Gepräges, wie No. 284 ff. nur auf dem Rs. TR POT COS III 
PP Cohen 62S (i. J. 100). .,Bey Wiesbaden" (K.) bezw. „Umgebung Wiesbaden". (K.) 

290. Mittelerz, verschliffen; des.iclben Gepräges wie No. 284 ff. nur auf dem Rs. TR POT 
COS IUI PP Cohen 640 (i. J. 101/102). „Umgebung Wie8baden\ (K.) 

291. Grosserz: |MP CAES NERVA TRAI[AN ] Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. TR 

POT [COS . . . .1 Sitzeade Justitia n. 1. hält Zweig und Scepter, nicht näher be- 
stimmbar. „Wiesbaden"*. (K.) 

291a. Mittelorz, yerschliffen : IMP [CAElS NERVA TRAIAN AVG [GERM P]M Kopf 
mit Strahlen n. r. Rs. Sitzende Abundantia (V) auf einem Sessel, dessen Füsse in Füll- 
hörner enden; Umschrift zerstört, war aber wohl TR POT COS II (bezw. ||| oder 
IUI) PP „Wiesbaden". 

292.* Mittelerz: „JMP CAES NERVA TRAIAN AVG GERM Rs. Eine Victoria mit 
S — C"> nach Zimmermann's Eintrag in den ältesten Katalog. Danach wird es eine 
der Münzen mit TR POT COS II (bezw. ||| oder ||||) PP sein. „Wiesbaden, Luisen- 
atrasse 1824 ff." 

293. Mittelerz, sehr verschliffen: Kopf n, r,, Umschrift ganz vorwischt. Rs. Sitzende weib- 
liche Figur n. 1., näher nicht bestimmbar. „Wiesb., Artillerie-Kaserne, 1. September 
1S59". Es ist offenbar dieselbe Münze, welche P. Bl. 1860 No. 12 S. 335 so beschrieben 
wird: „Münze in Mittelerz, beiderseitig ganz abgegriffenes Gepräge. Av. Kopf (Trajan?) 
Rs. Sitzende Pietas", Vgl. Inv. 18.59 30. Dezember No. 516. 

294. Grosserz, verschliffen: Kopf mit Lorbeer n. r. ....NO AVG G.... Qoch lesbar. 
Rs. Sitzende Figur n. 1. mit Füllhorn. „Bei der Spelzmühle". 

295. Groaserz, ganz verschliffen: Kopf m. Lorbeer n. r. . . . . TRAIANO AVG GER... 
Rs. zerstört. „Wiesbaden, Hinter Hoben 1859". 

296. Grosserz: Kopf Trajan's n. r., Alles weitere zerstört. „Wiesbaden, Saumarkt 1854, 
beim Kanalbau". 

297. Mittelerz, sehr verschliffen: Kopf Trajan's n. r. „Wiesbaden, Schützenhof". 

298.* „. . . S. Nerva Trajan Aug. Germ. PM Rs. unleserlich. An der Artillerie-Kaserne 
zu Wiesbaden selbst gefunden", nach handschriftlicher Notiz von Bonhorst's No. III, 
8. oben Anm. 16, wohl Mittelerz, mit TR POT COS II etc. PP, 
■ 299.* „. . . ein Trajanus, Mittelerz, gef. auf einem Acker an der Platter-Chaussee dahier", 
nach P. Bl. 1855 No. 5 S. 143. 

Eine der von Kihm schlechthin als in Wiesbaden, be?:w. Wiesbaden Umgebung ge- 
funden bezeichneten Münzen Trajan's kann mit der in der Steingasse gefundenen (8. 
oben Anm. 62) identisch sein. 

Hadrian: 

300. Mittelerz, sehr gut: HADRIANVS AVGVSTVS Kopf m. Strahlenkrone n. r. Rs. 
COS III Salus n. 1. sitzend, füttert eine Schlange, im Abschn. S C Cohen 368. „Bey 
Mosbach 1844". (K.) 

301. Dieselbe Münze: „Spelzmühle bey Wiesbaden 1844". (K.) 

302. Mittelerz, gut erhalten : HADRIANVS AVGVSTVS Büste m. Lorbeer u. Mantel n. r. 
Rs. COS III PP CLEMENTIA AVG dementia n. 1. stehend, hält Schale und Scepter, 
S— C Cohen 517. „Umgebung Wiesbaden". (K.) 

303.* Mittelerz: HADRIANVS AVGVSTVS mit dem Brustbild. Rs. Stehende weibliche 

Figur, links gewendet, die rechte Hand auf der Brust zwischen S C Umschr. COS . . . 

„Gef. hinter dem Schützenhofe dahier". Nach Inv. 1861 25. September No. 226. 
Näher nicht bestimmbar. 

304. Mittelerz: HADRIANVS AVGVSTVS Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. Umschrift 

[FELICITIATI AVG. im Abschn. COS III PP Schiff n. r. fahrend mit Ruderern, 
auf dem Hinterteil Feldzeichen, nicht genau bestimmbar. „Wiesbaden, beim Kanalbau 



226 

in der kleinen Schwalbacherstrasse 1859"; unvollkommen beschrieben P, Bl. No. 10 
1859 S. 262. Vgl. Inv. 1859 26. Juli No. 430. 

305. Denar, gut: |MP CAESAR TRAIAN HADRIANVS AVG Büste m. Lorbeer, Mantel 
und Panzer n. r. Es. R (VI TR P COS III Sitzende Salus n. 1. füttert eiae um einen 
Altar gerollte Schlange, im Abschn. SAL AVG Cohen 1327. „Wiesbaden, Kirch- 
gasae 1839". (K.)*^) 

306. Mittelerz, gut; HADRIANVS AVGVSTVS Büste mit Lorbeer n. r. Es. SALVS 
AVGVSTI Stehende Salus n. 1. füttert eine um einen Altar gerollte Schlange und 
hält ein Scepter, im Felde S— d im Abschn. COS lli Cohen 1357. „Auf dem Münz- 
berg bey Wiesbaden 1845". 'K.) 

306a. Dieselbe Münze: „Auf dem Neroberg 1848". (K.) Vgl. Annal. V. 3, S. 9. 

307. Mittelerz, schlecht: |MP CAESAR TRAI[AN HADRIAN AVG] Büste m. Lorbeer 
und Panzer n. r. Es. Stehende weibliche Figur n. 1. hält im 1. Arme ein Füllhorn, in 
der r. Hand eine Schale (Salus?), im Felde S— Umschrift verwischt. „Wiesbaden, 
Schützenhof". 

308.* „Hadrianus Auguätua. Es. G.ilua Augusti Cos III, an der Artillerie-Kaserne zu 
Wiesbaden selbst gefunden", nach handschriftlicher Notiz von Bonhorst's No, IV, s. oben 
Anm. 16. Jedenfalls war die Reversumschrift SALVS AVGVSTI wie bei No. 306 
und 306a. 

309.* „M.- Erz-Münze des Hadrian. Es. ganz verwischt, gef. am Landgraben bei Biebrich". 
Nach Mitteil. No. 1 1361 S. 21. 

BIO. Grosaerz: Büste n. r., Alles andere zerstört. „Gef. zwischen Dietenmühle und Bier- 
stadt 1860. Vji' tief." 

311. Grosserz: Kopf Hadrians m. Lorbeer n. r., ümschr. ganz verwischt. Es. Sitzende Figur 
n. 1. scheint ein Füllhorn zu halten, näher nicht bestimmbar, „Gef, Wiesbaden, 
Schützenhof". 

312.* Denar von Hadrian. „In der Nähe von Wiesbaden", nach Annal. III, 2. 218, siehe 
oben Anm. 69. 

Lucius Aelius: 

313.* Grosserz: L AELIVS CAESAR Kopf m. Lorbeer n, r. Es. PIETAS im Abschn., 
Umschrift TR POT COS II Pietas n. 1. stehend, legt die linke Hand auf die Brust, 
vor ihr ein brennender Altar, im Felde S— C Cohen 40. „Wiesbaden, Langgasse 
No. 21, am 22. August 1881". Nach Annal. XVU, 139. 8. 

Antoninus Pius: 

314. Mittelerz: ANTONIN VS AVG PIVS PP TR P XVIII Kopf m. Lorbeer n. r. Es. 
FELICITAS [COIS IUI Im Felde S-C Stehende Felicitas n. r., mit Caduoeus u. 
Füllhorn (?) Cohen 372 (i. J. 155). „Höfchen bey Wiesbaden". (K.) 

315. Mittelerz: ANTONIN VS AVG PIVS PP TR P COS III Kopf mit Lorbeer n. r. 
-K^- IMPERATOR II Stehende Libertas n. 1. hält Mütze und Scepter, im Felde S — O 
Cohen 446 (i. J. 140/43). „Im Höfchen bey Wiesbaden". (K.) 



**) In einem „Verzeichnis der dem Verein zugekommenen Münzen, Altertümer etc." heisst 
es: „8. von H. Justizrat Schweikart zu Wiesbaden 1 Silberraünze vom Kaiser Hadrian, der 
i. J. 120 n. Chr. den Thron bestiegen hatte, das Alter der Münze daher 1727 Jahre, gefunden 
beim Ausgraben der fortgesetzten Kirchgasse im Jahre 1832". Die Noriz über das Alter der 
Münze von 1727 Jahren führt darauf, dass das Verzeichnis im Jahre 1847 geschrieben ist. 
Da bei dieser Münze sowohl, wie bei No. 305, als Geschenkgeber Juatizrat Schweikart und 
als Fundstelle die Kircbgasse angegeben wird, liegt es nahe, in beiden dasselbe Exemplar zu 
erblicken und einen Irrtum nur in einem der Fundjahre 1832 bezw. 1S39 anzunehmen. Eine 
Annal. III, 2. 218 (28. Mai 1841) unter mehreren in der Nähe von Wiesbaden gefundenen 
Bronzemünzen erwähnte silberne von Hadrian dürfte dagegen von unserer Münze um so 
mehr verschieden sein, als sie unter den durch Ankauf erworbeneu Gegenständen aufgezählt 
wird, 8. unten No. 312*. 



227 

316. Grosserz: [!MP] CAES T AEL HADR ANTONiNVS [AVG PIVS PPl Kopf 
m. Lorbeer n. r. Rs. im Abschn. [ROMA] Umschrift JR ROT Xllll COS Uli, im 
Felde S — C Roma n. 1. sitzend, hält eine Lanze und stützt den linken Arm auf einen 
Schild, der auf einem Schiffe ruht. Cohen 690 (i. J. 151). , Wiesbaden beim Neubau 
des Saales im Garten des Adler 188ü". Vgl. Inr. d. M. No. 60. 

317. Denar: ANTONINVS AVG PIVS PP TMl^fMll Kopf m. Lorbeer n. r. Es. S^- 
LVTI AVG COS IUI Salus yor einem Altar stehend, füttert eine Schlange und hält 
ein Scepter. Cohen 74ü (i. J. 159). „An der Hammermühle 1884". Vgl. Iny. d. M. 
No. 288. 

318. Grosserz, sehr schön: ANTONiNVS AVG PIVS PP TR P COS lli Büste mit 
Lorbeer n. r. Es. Auf einem Tribunal sitzen Pius und Aurelius Caesar, unten zu beiden 
Seiten ein Soldat stehend, im Absobn. S C Cohen 764 (i. J. 140—43). „Gef. beim 
Kartoffelausmachen auf einem Acker bei Mosbach'-. Vgl. Inv. 1861 20. Okt. No. 227 • 
In den Mitteil, an die Mitgl. No. 2 1863 S. 41 wird die Münze ohne Angabe des Fund- 
ortes beschrieben. 

319.* .,Aufih eine Münze von Antoninus Pius... wurde bei dieser Gelegenheit gefunden" 
(beim Schlossbau in Wiesb. 1837). Annal. XVII, 142, Anm, 1.^*') 

320.* 321.* Von zwei Bronze-Münzen (d. h. Mittelerzen) und 1 Grosserz des Antoninus Pius, 
we]<>he nach dem Zcttol von Kihm's Hand (s. oben S. 213) auf dem Neroberge gefunden 
wurden, ist das letztere No. 323, die beiden anderen sind nicht näher bestimmbar. 
Vgl. Annal. V, 3. 3. 9. „In diesem Hauptgebäude (der Villa auf dem Neroberg) wurden 
3 Kupfermünzen von Antoninus Pius und 1 von Hadrian (oben No. 306a) gefunden.'' 

322.* „Ein Antoninus Pius von Silber" (also Denar), „gef, bey Mosbach" nach demselben 
Zettel Kihm's, ist nicht näher bestimmbar. Über andere in demselben Verzeichnis von 
Kihm dem Pius mit Unrecht zugeschriebene Münzen s. oben S. 213. 

Antoninus Pius und Aurelius Caesar: 

323. Grosserz, sehr schön: ANTONINVS AVG PIVS PP TR P COS 111 Kopf mit 
Lorbeer n. r. Es. AVRELIVS CAESAR AVG Pll F COS Jugendliche Büste 
mit -Mantel und Panzer n. 1., darunter S C Cohen 34. „Neroberg bey Wiesbaden 

1848\ (K.) 

Faustina die Ältere: 

324. Mittelerz: DIVA FAVSTiNA Büsten, r. Es. AV[GVS]TA Ceres mit Schleier und 
Ährenkranz n. 1. stehend, hält zwei Fackeln, im Felde S— C Cohen 92. „Bey Wies- 
baden". (K.) 

325. Mittelerz: [Di]VA FAVSTINA Büste m. Diadem n. r. Es. AVGVSTA Vesta mit 
Schieier n. 1. stehend, hält das Palladium und eine Fackel oder ein Scepter, im Felde 
S— C Cohen 111 oder 114. „Wiesbaden, gef. am Türmeben vor der Artillerie-Kaserne 
1. September 1859". 

326. Denar: DIVA FAVSTINA Kopf n. r. Es. AVGVSTA Vesta vor einem Altar 
stehend n. 1. hält Schale und Palladium. Cohen 116. „An der Hammermühle 1884". 
Vgl. Inv. d. M. No. 289. 

327. Mitfelerz: [DilVA FAVST[i]NA Büste n. r. Es. AVG[VSTA] Stehende weibliche 
Figur n. 1. hält eine Fackel und ein Scepter (?), nicht genau zu bestimmen. „Gef. bey 
Wiesbaden". (K.) 

328. MiHo-erz, ähnlich: Ebenfalls nicht genau bestimmbar. „Gef. auf dem Neroberg 1848". (K.) 

329. Gro-serz, stark verschliffen: DIVA FAV[STINA] Büste n. r. Es. [|]VNO Jqdo n. 1. 
stehead mit Schale und Scepter, im Felde S — C Cohen 210. Wiesbaden, „an der Ecke 
der Kirchhofs- und Langgasee beim Abbruch eines Teiles der Heidenmauer 1870". 
Vgl. Z. K. 11713. 

330. Grosserz: Büste mit Schleier n. r. Es. ganz zerfressen. „Wiesbaden, beim Graben der 
Wasserleitung in den Wiesen am Schwalbacherweg, August 1859". 



70 



') Vgl. auch für die.se Münze die Bemerkung in Anm. 68. 



228 

Marc Aurel: 

331. Grosserz, verschliffen: IMP CAES M AVREL ANTONIN[VS AVG P]M Kopf 
mit Lorbeer n. r. Rs. [C0NC0R1D AVGVSTOR TR P ;^M Die beiden Kaiser 
stehend reichen sich die Hände, im Abschn. [COlS lll< im Felde S— C Cohen 54 
(i. J. 162). „Gef. in der Rasselt bey Bierstadt 1845". ^K.) 

332. Mittelerz: [AVRELIVS GlAESAR AVG Pll F Jucendücher Kopf des Caesar n. r. 
Rs. im Felde HONOS IJmschrift TR POT... COS II Stehender Honos n. r. mit 
Zweig und Füllhorn (?) zu beiden Seiten S— "Wohl Cohen 239 (i. J. 148). „Gef. 
Gräber bei Rambach 1845". 

333. Orosscrz: M ANTONINVS AVG TR P XXV Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. |MP 

VI COS [III] "Victoria n. r. nohend, lehnt einen Schild, auf dem [VIC GERM1 steht, 
an einen Baum, im Felde S — C Cohen 269 {i. J. 171). „Gef. Münzberg im Wiesbader 
Wald«. (K.) 

334. Mittelerz: [M ANTOJNINVS AVG TR P XXVI Kopf m. Strahlen n. r. Rs. [|MP 

VII COS III Behelmte Roma n. !. sitzend, hält eine Lanze und eine Viotoria, unter 
ihr ein Schild, im Felde S — C Cohen 282 f\. J. 172). ^Gef. Spelzmühle". (£.) 

335. Grosserz, Avers sehr gut erhalten: M ANTONINVS AVG TR P XXVIII Büste m. 
Lorbeer n. r, Rs. [|]MfP ... 1 COS III Jupiter n. l. sitz,^nd hält Victoria und Scepter, 
im Felde S— C Cohen 252 oder 311 (i. J. 174). „Wiesbaden, Blücherstrasse, Februar 
1893". Vgl. Inv. d. M. No. 490. 

336. Mittelerz: M AVREL ANTONINVS AVG TR P XXX!! Kopf m. Strahlenkrone 
n. r. Rs. [IMP] Villi C[OS IUI PP Stehende Fax n. 1. mit Füllhorn und Ölzweig, 
im Felde S-C Cohen 371 (i. J. 178). , Wiesbaden, bei deu Frankengräbern vor dem 
nördlichen Ende der Heidenmauer". Vgl. Annal. XI7, 430. 

337. Grosserz: M ANTONINVS AVG TR P XXIIII Kopf m. Lorbeer n. r. Rs. [SA]- 
LVTI AVG COS III Stehende Salus n. 1. mit Scepter, füttert eine um einen Altar 
gerollte Schlange, im Felde S— C Cohen 547 (i. .T, 170). „Wiesbaden, beim I^'eubau 
des „Einhorn" März 1895". Vgl. Inv. d. M. No. 517. 

338. Grosserz, verschliffen: AVRELIVS CAES AVG PI! F Büste mit Mantel und Pa.azer 
n. r. Rs. TR POT XIII CO[S II] Beheinite Virtus n. r. hält Lanze und Parrzonium, 
den linken Fuss setzt sie auf einen Helm, »m Felde S— C ('• J- if>9)- Fehlt bei Cohen 
IIP, p. 74 (No. 748 hat im Averse CAESAR). rOef. !>*^y Wiesbaden 1S33». (K.) 

339. Grcsserz, gut: M AVREL ANTONINVS AVG AR[MENIACVS PMJ Kopf mit 
Lorbeer n. r. Rs. TR POT XIX IIMP II COS) lil Providentia n. 1. stehend mit 
Scepter und Stäbchen, zu den Füssen eine Kugel, im Felde S— C Cohen 803 (i. J. 165). 
„Wiesbaden, beim Kanalbau in der Gustav-Adolfstrasae, Anfang Juli 1895". 

340. Gros.^erz: M AVREL ANTONINVS AVG ARM PARTH MAX Kopf m. Lorbeer 
n. r. Rs. TR POT XX IMP IUI COS IM Victoria n. r. steheud. hält einen Palm- 
zweig und lehnt einen Schild, aut dem pjSi »tehti an einen Baum, im Felde S— 
Cohen 807 (i. J. 166). „Dotzheim, Sauerborn". Vgl. Inv. 1376 No. 29. 

341. Mittelerz: M ANTONINVS AVG [ARMENIACVSJ PM Kopf m. Lorbeer n. r. 
Rs. ITR] P XIX IMP II CO[S III] S-C Mars mit Hein nackt n. r. eilend, trägt 
eine Lanze in der R. und ein Tropaeum auf der 1. Schulter. Cohen 870 (i. J. 165). 
„Qof. bey Mosbach". (K.) 

Faustina die Jüngere: 

342. Mittelerz: FAVSTINA AVGVSTA Büsten, r. Rs. AVGVSTl Pll FIL Concordia 
n. 1. stehöud, mit Schale und Füllhorn, im Felde S-C Cohen 23. „Spelzmühle bey 
Wiesbaden". (K.) 

343. Dieselbe Münze. „Dotzheim, Dezember 1803". Vgl. Z. K. 14506. 

344.* ,? Stina August. Rs. st. M. F. J. L. An der ArtiUene-Ka.serne zu Wiesbaden selbst 
gefunden", nach handschriftlicher Notiz von Bornho?-8t'8 No, V (s. oben Anm. 16). Die 
Legende war offenbar fFAVlSTINA AVGVSTIA] Rs. lAVGVISTU Pill FIL Also 
eiric der Münzen bei ('(.hen 1.') — 32, vielleicht Silber, da S— C nicht erwähnt wiid. 



229 

345. Denar: FAVSTINA AVGVSTA Büste n. r. Bs. DIANA LVCIF Diana n. r. 

stehend, hält eine brennende Fackel mit beiden Händen. Cohen 85. nGef. in der 
Hasselt im Bierstädter Walde 1845". (K.) 

346. Grossorz, sehr schlecht: FAVSTINA AVGVSTA Büste n. r. Es. D[IANA LVCI- 
FERA] Diana n. r. stehend, hält eine Fackel mit beiden Händen, im Felde S — C 
Cohen 88. „Wiesbaden, beim Hausbau in der Langgasse 1850". (K.) 

347. Mittelerz: FAVSTINA AVGVSTA Büste n. r. Rs. {[VjNO Juno m. Schleier 
n. 1. stehend, hält Schale und Scepter, zu ihren Füssen ein Pfau, im Felde S — C 
Cohen 123. „Spelzmülile bey Wiesbaden". (K.) 

348. Mittelerz, gut erhalten: [FAVJSTINA AVG PI! AVG FIL Süßte n. r. Rs. VENVS 
Yenus n. 1. stehend, hält einen Apfel und stützt sich mit dem linken Arme auf eine 
Säule (?), im Felde S-C Cohen 271. .,Bey Mosbach 1845". (K.) 

349. Mittelerz, sehr zerstört: FAVSTINA AVGV[STA] Büste n. r. Es. Stehende weibliche 
Figur n. 1. hält eine Schale (?) ; näher nicht bestimmbar. „Bey Wiesbaden". (K.) 

350. G-rosserz, sehr zerstört: FAVSTINA A[VGVSTA] Büste n. r. Es. Stehende weibl. 
Figur n. I. ; nicht nilhar bestimmbar. „Wiesbaden, Luisenstrasse neben der Keichs- 
bank 1894". 

Lucius Verus: 

351. Mittelerz: IMP CAES [L AIVREL V[ERVS AVG1 Kopf m. Lorbeer n. r. Es. 
CONCORD [AVGVSTIOR TR P, im Abschn. COS II L- '^erus und M. Aurel 
reichen sich die Hände, im Felde S-Q Cohen 35 (i. J. 161). „Neroberg bey Wies- 
baden 18 48". (K.) 

352. Mittelerz: L VERVS AVG AfRMENIACVS] Kopf m. Lorbeer n. r. Es. [LIBE- 
RAL] AVG TR P V IMP il COS il Liberalitas n. I. stehend, hält eine Tessera 
und ein Füllhorn, zwischen S — Cohen 120 (i. J. 165). aSpelzmühle bey Wies- 
baden 1844". (E.) 

353. Groaserz, gut erhalten: L VERVS AVG ARM PARTH MAX Kopf m. Lorbeer n.r. 
Rs. TR-P0T-Vl IMP Ili COS II Armenier oder Parther n. r. sitzend unter einem 
Tropaeum, hinter ihm Schild, vor ihm Bogen und Köcher, im Felde S — C Cohen 199 ff. 
(i. J. 166). „Wiesbaden 1853". (K.) 

Lucilla : 

354. Mittelerz: LVCILLAE A[VG] ANTONILNIl AVG [F] Büste n. r. Es. VENVS 
Venus n. 1. stehend, hält Apfel und Scepter. Cohen 73. „Wiesbaden, Michelaberg 
28. August 1876". Vgl. Annal. XIV, 436. 

Commodus : 

355. Mittelerz, sehr TersoliliS"en: [M CjOMMODVS ANT[ ] Kopf m. Strahlen n. r. 

Es. Stehende weibliche Figur n. 1., hält Caduceua und Scepter, zwischen S~C Näher 
nicht bestimmbar. „Wiesbaden". (K.) 

356. Grosserz: [M CiOMMODVS ANT[ ] Büste mit Lorbeer n. r. Es. Stehende 

weibliche Figur n. 1., hält Füllhorn und Wage (?), Umschrift ganz verlöscht. „Wies- 
baden, Xeroberg 1867". Vgl. Inv. 1867 Juli No. 53. 

357. Grosserz, sehr verschliffen: [M CIOMMODVS A[NTONIN]VS AV[G . . . .] Kopf 
mit Lorbeer n. r. Es. Stehende Figur n. 1. mit Scepter und Schale, zu den Füssen 
ein Altar (Salus?), Näher nicht bestimmbar. „Über den Mergelgruben bei der Hammer- 
mühle 1883". Vgl. Inv. d. M. No. 275 und Annal. XVIII, 296. 

358.* Denar: Nicht näher bestimmbar. .,Gef. bei der Eisenbahn, unweit Mosbach". Nach P. Bl. 
No. G 1855 S. 193. 

Clodius Albinus: 

C59. Grosserz : ^ CL '' SEPT - ALBI#^ |*AES Kopf n. r. Es. Fortuna n. 1. sitzend, 
hält Steuerruder und FüiUiorn, untren om H.J., irn Felde S— C; <^ie Umschrift ist ver- 
wischt, war aber wohl: [FORT REDVCI TR POl 003 11] '^■ohm 35, „Villa 
am Neroberg 1341". (K.) 

15 



230 

Septimius Severus: 

360. Grosserz, verschliffen: L SEPT SEV PERT AVG IMP [III oder !||1] Büste mit 
Lorbeer und Panzer n. r. Es. Drei weibliche Figuren n. 1. stehend, jede mit Füllhorn 
und Wage, zwischen S — C I^ic ganz verwischte Umschrift war wohl sicher [MONET 
AVG COS II PP] Cohen 335 oder 338 (i. J. 194). ,Bey Mosbach'^. (K.) 

361. Denar: L SEP SEVERVS [PER AIVG P M IMP XI Kopf mit Lorbeer n. r. 
-Rä- PAR AR AD TR P VI COS 11 PP Viotoria n. 1. stehend, mit Kranz und 
Palme. Cohen 361 (i. J. 198). , Wiesbaden und Umgebung'-'. (K.) 

362. Denar, sohlecht: L SEP SEV PERT Kopf m. Lorbeer n. r. Eg. Sitzende weib- 
liche Figur n. I., hält eine Victoria (?) und eino Lanze, nicht sicher bestimmbar (viel- 
leicht mit ROMAE AETERNAE Cohen 614). „Wiesbaden und Umgebung". (K.) 

Julia Domna: 

363. Denar: |VLIA PIA [FELIX] AVG Büste n. r. E^. DIANA LVCIFERA Diana 
n, 1. stehend mit einer Fackel in beiden Händen. Cohen 32. „Bei den Ausgrabungen 
am Landgraben 1844". 

364. Donar, gefüttert: JVLIA AVGVSTA Büste n. r. Es. |[VNO] Stehende Juno n. 1. 
mit Schale und Scepter, zu ihren Füssen ein Pfau. Cohen 82. „Gref. an der Spelz- 
mühle Oktober 1857". 

365. Denar, sehr gut erhalten: JVLIA AVGVSTA Büste n. r. Es. PIETAS PVBLICA 
Pietas n. 1. vor einem brennenden Altar stehend, erhebt beide Hände. Cohen 156. 
„Wiesbaden". (K.) 

366.* „1 Julia Domna in Silber. In der Nähe von Wiesbaden gefunden", nach Vorst.-Sitz. 
vom 8. Juli 1830 § 12.'^) 

Caracalia : 

367. Denar: ANTONINVS PIVS AVG Jugendlicher Köpf mit Lorbeer n. r. Es. PONTIF 
TR P X COS II Nackter Mars mit fliegendem Mantel n. r. eilend, trügt ein Tropaeum 
auf der linken Schulter und hält eine Lanze. Cohen 431 (i. J. 207). „Gef. Wies- 
baden 1859". 

36S. „Eine Silbermünze von Antonius (sie!) Caracalia, ungefähr 50 Schritte von vorigem 
(einem Bronzering) entfernt gefunden" (in der Kirchgasse) nach P. Bl. No. 9 und 10 
1856 S. 292, 4. Dieselbe Mün2e beschreibt das handschriftliche Verzeichnis der von 
Lugenbühl angekauften Altertümer, nach welchem der Bericht in den P. Bl. gemacht 
ist, No. 4: ,Eiue Silbermünze von Antoninus Caracalia, die liückseite ein laufender 
Löwe mit der Umschrift....": danach kann es eine der Münzen mit [PM TR P XVIII 
oder XVIIII COS lill PP] sein. Cohen 320 ff. oder 367 ff. 

369.* „Eine Silbermünze von Antoninas Pias (Caracalia), gaf. bey Wiesbaden" nach Protok. 
der Vorst.-Sitz. vom 12. Januar 1826 § 6. Vgl. oben Anm. 10. 

Plautilla: 

370.* „Silbermünze der Plautilla, gef. am Landgraben bey Mosbach 1854" nach P. Bl. 1854 
No. 3 S. 86 und Kihm: XIX. Verzeichnis römischer Münzen No. 26. Vgl. Annal. V, 3. 66. 

Geta: 

371. Denar, sehr gut erhalten: L SEPTIIVIIVS GETA CAES Jugendliche Büste mit 
Mantel n. r. iLi. SPEI PERPETVAE Spea n. 1. halt eine Blume. Cohen 192. 
„Gef. am Landgraben bey Mosbach 1844". (K.) 

372. Grossorz: AVKAACGFI TGTACA Jugendlicher Kopf m. Lorbeer n. r. Es. ganz 
verrichliiren; erkennbar erscheint noch ein achtsäuliger Tempel mit Giebel (Münze einer 
griech. Stadt, wohl Kleinasiens). »Gef. bey Rambach, April 1858" (Rössel), 



^') Die Nummern 365 und 366* dürften koum identisch sein; vgl. Anm. 59; die Mög- 
lichkoit kann aber nicht abgeleugnet werden. 



231 

Macriniis: 

373. Mittelerz: IMP CAES M OPEL SEV MACRINVS AVG Büste mit Lorbeer, 
Panzer und Mantel n. r. lU. RONTIF MAX TR P II COS II PP Nackter Jupiter 
n. 1. stehend, halt Blitzstrahl uud Sceyter. Cohen 91 (i. J. 218). „Wiesbaden". (K.) 

Elagabalus: 

374. Denar, schlecht: IMP ANTONINVS AVG Büste m. Lorbeer, Mantel und Panzern, r. 
-S»- [LIBERTAS] AVGVSTI Liberias n.l. sitzend, hält Mütze und Scepter. Cohen 101. 
„Bey Wiesbaden*^. (K.) 

375. Denar, gut erhalten: |MP CAES ANTONINVS AVG Büste m. Lorbeer und 
Mantel n. r. Rs. MARS VICTOR Behelmter nackter Mars mit nachflatterndem 
Mantel eilt n. r. mit Lanze und Tropaeum. Coiion 109. „In der Hasselt bey Bier- 
stadt". (K.) 

376. Denar, gut erhalten: JMP ANTONINVS PIVS AVG Büste mit Lorbeer n. r. 
Bs. VICTORIA AVG Aufschwebende Victoria mit einem kleinem Schilde zu jeder 
Seite. Cohen 300. „An der Hammermühle 1884". Vgl. Inv. d. M. No. 290. 

Julia Maesa: 

377. Denar: IVLIA MAESA AVG Büste n. r. Es. PVDICITIA Pudieitia n. 1. sitzend, 
hält ein Scepter und erfaast mit der r. Hand ihren Schleier. Cohen 36. „Gef. Wies- 
baden in der warmen Quelle des „Schwanen" 1870". Vgl. Iut. 1870, No. 9. 

378. Denar, gut: Av. wie bei No. 377. Es. SAECVLI FELICITAS Felicitas n. 1. stehend, 
hält Schale und Caduceus, zu ihren Füssen ein flammender Altar, im Felde ein Stern. 
Cohen 45. „Wiesbaden im Kursaal-Weiher". Vgl. Mitteil. No. 5 u. 6 1867, S. 16 u. 27. 

Sevepus Alexander: 

379. Denar: JMP C M AVR SEV ALEXAND AVG Büste m. Lorbeer und Mantel n. r. 
■Rs- PAX AVG Laufende Fax n. 1., hält Ölzweig und Scepter. Cohen 187. „Wies- 
baden hinter dem Exerzierplatz 1855" (nicht ganz richtig beschrieben in P. Bl. No. 7 
1855, S. 230). 

380. Dieselbe Münze. „Gref. Wiesbaden am alten Kirchhof, Januar 1884". Vgl. Inv. d. M. 
No. 279, 

381. Denar, gefüttert: |MP C M AVR SEV ALEXAND AVG Büste m. Lorbeer und 
Mantel n. r. Es. PM TR P VI COS II PP P»^ wie No. 379 f. Cohen 319 (i. J. 
227). „üef. bey Mosbach". (K.) 

382. Denar, gut: |MP ALEXANDER PIVS AVG Büste m. Lorbeer und Mantel n. r. 
Es. PM TR P X COS III PP Sol m. Strahlen n. 1. stehend, hält eine Kugel. 
Cohen 411 (i. J. 232). „Bey Wiesbaden 1848". (K.) 

383. Mittelerz, ziemlich gut: IMP CAES M AVR SEV ALEXANDER AVG Büste m. 
Lorbeer und Mantel n. r. Es. [PONTIF MAX] TR P III COS PP Weibliche 
Figur n. 1. sitzend vor einem Altar, hält ein Scepter, im Abaohn. S C Cohen 475 
(i. J. 224). „Gef. im Höfchen unterhalb der Platte". (K.) 

384.* „Ein Alexander Severus Silber (gef.) bey Mosbach" Kihm in der Aufzählung von 28 
bei den Ausgrabungen in der Umgebung von Wiesbaden gefundenen Münzen s. oben 
8. 213. Nicht näher bestimmbar. 

385.* „1 Alexander Severus Bronze (d. h. Mittelerz) (gef.) im Höfgen" (sie). Kihm in dem- 
selben Verzeichnis nennt unter No. 13 und 14 je einen Alex, Severus von Bronze; die 
eine der Münzen ist jedenfalls oben No. 383, die andere nicht näher bestimmbar. Vgl. 
auch Annal. V, 3. 26. 

Julia Mamaea: 

386.* „Zuletzt wurde beim Planiren noch eine Erzmünze der Julia Mamaea gefimden". 
Annal. V, 3. 57 (bei Grabungen in der Nähe der Infanterie-Kaserne zu Wiesbaden), 
jedenfalls Grosserz, da nur solche in der Sammlung vertreten sind; näher aber nicht 
bestimmbar. 



232 
Gordian : 

387. Antoninian, gut erhalten: IMP CAES M ANT GORDIANVS AVG Büste mit 
Strahlenkrone n. r. Rs. VICTORIA AVG Victoria n. 1., hält Kranz und Palme. 
Cohen 357. „In der Hasselt bev Bierstadt". (K.) 

Philippus I. 

388. Antoninian, gut erhalten: JMP M IVL PHILIPP VS AVG Büste m. Strahlenkroae 
n, r. Es. ADVENTVS AVGG Der Kaiser zu Pferde n. 1. hält eine Lanze. Cohen 3 
(i. J. 244). „Wiesbadens (K.) 

389.* „Süber: |MP IVL PHILIPPVS AVG -R^- Stehende Ceres AEQVITAS AVGG" 
Nach P. Bl. No. 9, 1859, 8. 226 und Inv. 1859 vom 9. Februar, No. 249. „Wiesbaden, 
Neroberg". Die Umschrifter! scheinen nicht ganz richtig gelesen, daher nicht näher 
bestimmbar. 

390. Antoninian: |MP PHILIPPVS AVG Büste m. otrahlonkrone n. r. Es. ROMAE 
AETERNAE Sitzende Roma n. 1. vor einem Altar, mit Victoria und Scepter, dabei 
ein Schild. Cohen 171. „Wiesbaden, Schützenhof, Frühjahr 1367" (im Inv. 1867, 
No. 49 und Antiquar. Notizbuch Mai 1867 ist die Münze nicht ganz richtig bestimmt). 

Philippus n.: 

391. Antoninian, gut erhalten: IMP M IVL PHILIPPVS AVG Büste mit Strahlen und 
Mantel n. r. Es. AEQVITAS AVG Aequitas n. 1. stehend mit Wage und Füllhorn. 
Cohen 1. „Wiesbaden, Langgasse in der Lade'schen Hofapotheke 1883". 

Herennia Etruscilla: 

392. Antoninian: HER ETRVSGILLA AVG Büste ra. Diadem n. r. Es. PVDICITIA AVG 
Sitzende Pudicitia n. 1. hält ein Scepter und erfasst ihren Sohleier. Cohen 19. „Wies- 
baden, Frankengräber am Schiersteinerweg, befand sich am Ohrring Inv. No. 9311, da- 
her noch durchlöchert". Vgl, Inv. d. M. No. 391.^*) 

Trebonianus Gallus: 

393. Antoninian, etwas verachliffen: IMP C C VIB TREB GALLVS AVG Büste mit 
Strahlenkrone n. r. Es. |VNO IVIA[RTI]ALIS Juno n. 1. sitzend, hält 2 Ähren und 
ein Scepter. Cohen 46. „Wiesbaden". (K.) 

Gallienus : 

394.* . . eine Erzmünze des Gallienus (Rev. Liberalitas) gefunden „bei den Ausgrabungen 
rom. Gebäude am Hollerborn 1826". Nach Annal. I. 2 u. 3, S. 145; nicht näher be- 
stimmbar. 

395.* „Römiflche Münze (sie!) aus der Zeit Galliens wurden vorlängst in don benachbarten Gärten 
(bei der alten Burg auf dem jetzigen Markt) ausgegraben" nach Zimmermann, Wies- 
baden und seine Umgebungen 1826, S. 42; dieselben können sich unter den mit der 
Z.'schen Münzsammlung in das Museum gekommenen Gallienusmünzen befinden, s. oben 
Anm. 4, II. 

396.* KleLnerz: „Februar wurde auf der Stelle des fränkischen Todtenfeldea, verlängerte 
Schwalbacherstrasse der Artillerie- Kaserne gegenüber wieder ein Grab gefunden, dessen 
Inhalt . . . angekauft wurde: es waren . . . eine Münze von Licinius Oallienua (Klein- 
Bronze) und unkenntliches Mittelerz". Nach Antiq. Notizbuch 1868, S. 6. Näher nicht 
bestimmbar. 



'*) Die Fundangabe ist nicht ohne Bedenken ; denn nach Mitteil, an die Mitgl. No. 2 
1868, S. 32 soll „ein Ohrgehäng aus drei Gliedern, im letzten Ring eine Perle . . . und eine 
Münze ün Silber) Av. Etruscilla. Es. Sitzende Pietas. Umschrift DVDICITIA AVG" «"8 
der Sammlung des Herrn N. Lob in Bingen in das Museum gekommen sein; die Zu- 
verlässigkeit dieser Angabe ist wohl unantastbar; sollte aber der Zufall zweimal genau 
dieselbe Münze unter ganz gleichen Umständen in das Museum gebracht haben? 



^Ö6 

Claudius IT.: 

397. Kleinerz: DIVO CLAVDIO Kopf mit Strahlenkrone n. r. F$. CONSECRATIO 

Altar, im Abschn.? Cotiom 50 (?) „Gef. bei der Ausgrabung am Landgraben 1844", 

Tetricus: 

398. Kleinerz: jMP TETRICVS PF AVG ßüate mit Strahlenkrone und Panzer n. r. 
jR-''- Hl LA RITAS AVGG '^t3hende Hilaritaa n. 1. mit Füllhorn und Palme. Cohen 54. 
„Wiesbaden 1848". 

399. Kleinerz: JMP G T[ET1RICVS PF AVG Büate mit Strahlen n. r. Es. SALVS 
AVGG Stehende Salus n. 1., fütrert eine um einen Altar geringelte Schlange. 
Cohen 154 oder 155. , Wiesbaden" (Sandberger). 

400. Kleinerz, geringster Grösse (wohl barbarischer Prägung): Tetricus, nicht genauer zu 
bestimmen. „Wiesbaden" 1893. Vgl. Inv. d. M. No. 505. 

Diocletian: 

401. Mittelerz, ziemlich gut erhalten: |MP DIOCLETIANVS PF AVG Büste m. Lorbeer 
und Mantel n. r. Es. GENIO POPVLI ROMANI Genius m. Schale und Füllhorn 
n. 1. stehend, im Felde A "nd ein Stern, im Abschn. T . . . Nicht genau bestimmbar. 
, Wiesbaden, Schützenhof 1867". 

Maximian: 

402. Mittelerz: |MP MAXIMIANVS PF A[VG1 Kopf m. Lorbeer n. r. Es. SALVIS 
AVGG [ET CAESIS FEL KART Weibliche Gestalt n. l, stehend hält Früchte. 
Cohen 510. „Wiesbaden, Kapellenstrasse". Vgl. Inv. d. iL No. 364. 

403.* Bronze-Münze von Maximian Hercul. „Wiesbaden". Nach Inv. 1870, No. 29. Nicht 
naher bestimmbar. 

Constantius Chlorus: 

404. Mittelerz, etwas verschliffen: FL VAL GONSTANTIVS NOB CAES Kopf mit 
Lorbeer n. r. Es. HERCVLI VICTGRI Nackter Hercules n. 1. stehend, mit Keule 
und Löwenhaut, im Felde S — P (?J darüber A Cohen 150. „Wiesbaden". (K.) 

405. Mittelerz: GONSTANTIVS NOB GAES Kopf m. Lorbeer n. r. Es. SACRA 
MONETA AVGG ET CAESS [NOSTRJ Moneta n. I. stehend mit Wage und 
Füllhorn, im Abschu.? Cohen 264. ^Wiesbaden, im Waisenhausgarten 1854". (K.) 

Helena: 

406. Kleinerz, Quinar: FL |VL HELENAE AVG Büste mit Diadem und Mantel n. r. 
-R»- [PAX PVIBLICA i'ax n. 1. stehend, hält Zweig und Scepter, im Abschn. TRS- l?) 
Cohen 4. „Wiesbaden". {K.) 

Theodora: 

407. Kleinerz, Quinar: [FL MAX THE01D0[RA] AVG Büste m. Lorbeer n. r. Es. 
[PIETAS REI] PVBLICLAE]? Stehende Figur, ähnlich der bei Cohen VII», p. 98 
abgebildeten; obige Bestimmung scheint nicht ganz sicher. „Gef. Wiesbaden, Adelheid- 
strasse (bei Zimmermeister Garner) in einem fränkischen Grabe 1869". Vgl. Inv. 1869 
No. 28 = Z. K. 2780. 

Licinius I.: 

408. Kleinerz, recht gut erhalten: IMP LICINIVS PF AVG Büste mit Lorbeer, Panzer 
und Mantel n. r. Es. GENIO POP ROM Genius m. Mauerkrone n. L stehend, zu 
beiden Seiten T— F, im Abschn. PTR Cohen 53. „Gef. Wiesbaden, beim Bau des 
Schlossermeisters Schweizer, Saalgasse No. 5, 1880". Vgl. Inv. d. M. No. 59. 

409. Mittelerz, gut: |MP LIC LICINIVS PF AVG Büste mit Diadem und Panzer n. r. 
Ä- lOVI CONSERVATORI AVGG NN Stehender Jupiter n. 1., hält ein Scepter 
und eine Victoria auf einer Kugel, zu seinen Füssen ein Adler mit Kranz im Schnabel, 
im Abschn. TS • ^ Cohen 123. „Gef. am Landgraben 1853". (K.) 



234 
Licinius II.: 

410. Kleinerz, schlecht: LICINIVS !VN NOB C Püste m. Strahlenkrone u. Mantel n. r. 
-R«- [BEATA TRANQVILLITAS] Altar, auf dem eine Kugel und 3 Sterne, vorn 
VOTIS XX Im Abschn. sehr wenig erkennbar AQ (?) Fehlt bei Cohen VII*, p. 213. 
„Wiesbaden, Sohützenhof". 

Constantin der Grosse: 

411. Kleinerz: CONSTANTINVS AVG Büste m. Helm u. Panzer n. r. Rs. BEATA 

VO 
TRANQVILLITAS Altar, auf welchem eme Kugel, vorn die Inschrift TIS im Ab- 
schnitt STR- Cohen 20. ,Gef. Sauerborn in Dotzheim". Vgl. Inv. 1876, No. 29. 

412.* Kleinerz: |MP CONSTANTINVS PF AVG Hs^ GENIO POP ROM Nach 
P. Bl. No. 7 1855 S. 230. „Gef. "Wiesbaden an der Schwalbacher Chaussee". Näher 
nicht bestimmbar. 

413. Kleinerz: CONSTANTINVS MAX AVG Büste m. Diadem und Mantel n. r. Es. 
GLORIA EXERCITVS Zwei Soldaten mit Schild und Lanze, zwischen ihnen zwei 
Feldzeichen, im Abschn. ///RS" Cohen 254 oder 256/57 (?) »Gef. bei der Ausgrabung 
am Landgraben 1844". 

414. Kleinerz, gut erhalten: ebenso, im Abschn. TR • P Cohen 254, „Gef. Wiesbaden, 
Ki-auzplatz 1841/42 bei Schneider Seel im Hof". (K.) 

415. Dieselbe Münze, im Abschn. RTP (?) „Wiesbaden in der warmen Quelle des Schwanen 
1870". Vgl. Inv. 1870, No. 9. 

416.* Kleinerz, mit GLORIA EXERCITVS Näher nicht bestimmbar. Nach P. Bl. No. 11 

1859 S. 285. „Gef. Wiesbaden Römerstrasse nach Castell, 260' entfernt von der 

Artillerie-Kaserne".") 
417.* „Ein Constantinus aug. mit Gloria exercitus. Bei Wiesbaden". Nach Vorst.-Sitz. vom 

12. Janaar 1826 § 6. Vgl. oben Anm. 10 und 59. 
418.* Kleinerz: DN CONSTANTINVS AVG üs. wie vorher. Näher nicht bestimmbar. 

„Wiesbaden gegenüber dem Mauritiusplatz, auf Walthers Bauplatz im Schutt, April 1869". 

Vgl. Inv. 1869, No. 3. 
419. Kleinerz Constantins I.: Rs. GLORIA EXERCITVS Näher nicht bestimmbar. 

„Wiesbaden, Poulet'sches Haus (Ecke Marktstrasse und Kirchgasse) 29. Mai 1888. Vgl. 

Inv. d. M, No. 457. 
420.* Münze von Constantin d. Gr.: Rs. PROVIDENTIAE AVGG «Gef. Wiesbaden, 

Mauritiusplatz". Nach Rössel: Kirchliche Denkmäler von Wiesbaden S. 29. 
421.* „Ein Constantinus, Kleinerz: Rs. Providentia Augg, ein Thorban, PTR" Nach Inv. 

1859 2. März No. 221. Cohen VII*, p. 281. „Wiesbaden am Kursaal". 
422.* Kleinerz: „CONSTANTINVS AVG Kopf n. 1. Rs. SARMATIA DEVICTA 

Victoria n. 1. schreitend, im Abschn. STR"^ Cohen 487 (?) „Wiesbaden in der warmen 

Quelle des „Adler" 12. Januar 1870-. Nach Rossel's Verzeichnis des Fundes No. XI. 
423. Kleinerz: CONSTANTINVS AVG Kopf n. r. Rs. SARMATIA DEVICTA 

Victoria n. r., im Abschn. PLC Cohen 487/488 (?) „Wiesbaden am Todtenhof". Vgl. 

Inv. 1879, No. 19 = Z. K. 426. 
424.* „Kleinerz: Brustbild CONSTANTINVS PF AVG Rs. Der Sonnengott, die Rechte 

ausgestreckt, in der Linken eine Kugel, zwischen T— F Umschrift SOLI INVICTO 

COMITI Im Abschn. PTR" Nach Mitteil. No. 2 1863 S. 47. Vielleicht Cohen 525. 

„Wiesbaden bei der Artillerie-Kaserne". 



^^) Kleinerze mit „gioria exercitus"-Rever8, bei denen aber wegen der nicht mehr er- 
kennbaren Umschrift des Averses nicht mit Sicherheit zu entscheiden ist, ob sie dem Constantin 
oder einem seiner Söhne angehören, sind noch an folgenden Stellen gefunden: 1. „Wiesbaden 
1859" (ob = 416*?j, 2. Emserstrasse 11, 1880 (vgL Inv. d. M. No. 62), 3. „im Bering des 
Castells bei den Gräbern in Rambach 1845", 4. CON VS PF AVG -R«- wahrschein- 
lich gioria exercitus-Darstellung, „gef. im Steinbruch am Bierstädter Berg 1853". 



235 

424a. Mittelerz: ||VI[P CONISTANTINVS P AVG Büste m. Lorbeer, Mantel u. Panzer (?) 

n. r. Rs. SOLI INVICTO COIVIITI Sol n. 1. stehend, zwischen J- f Im Abschn. 

PLN (?) Cohen 535. „Wiesbaden im Dambachth-.il IHeS"*. 
425.* .Silber: D N CONSTANTiNVS PF AVG ^^V VICTORIA AVGG etc." ,Gef. 

"Wiesbaden in einem Skelettgrabe im Hof von Nerostrasse 20, August 1869 (neben dem 

rechten Handgelenk der Leiche)" nafih einer briefiich>jn Mitteilung Dr. Rosseis an den 

Vorstand vom 23. August 1869. Ygl. lav. 1869 Xo. ^l . Xüher nicht bestimmbar; war 

aber wohl versilbertes Klein^rz. 
426. Kleinerz, sehr schlecht: IMF CONSTANTINVS AVG Büste m. Strahlenkrone und 

Panzer n. 1. Es. VICTORI^^ lil^'Ä^ ^M^MW ^'^"O» Victorien setzen einen 

Schild, auf welchem VOT PR steht, auf einen Altar. Abscha. zerstört; nicht genau 

bestimmbar. ..Gof. auf dem Pflaster der Römerstrasse bei der Neumühle, Septemb. 1859**. 
427.* „Ein kupferner Constantin, vor dem hie.sigen Kursaal gefunden", nach Verzeichnis der 

, . . eingekommenen Beiträge vom 28. Juni 1822 No. 13, s. oben S. 182. Ist doch 

wohl Constantin der Grosse. 
428.* .Auch eine Münze . . . von Constantinus Magnus wurde bei dieser Gelegenheit {Schlosa- 

bau in Wiesbaden 1837) gefunden". Nach Annal. XVII, 142, Anm. 1. 
429.* Kleinbrorzo von Constantin nach Inv. 1876 No. 75 uud Annal. XIV, 436. „Wiesbaden 

Mainzer Landstrasse". 
430.* Ein Con^tantinua an der ,SpelzMühI". Nach Kihm's Verzeichnis oben S. 213, 18 (falls 

nicht identisch mit No. 457). 
431.* 432.* „Constantin gef. Steingass" (1841). S. oben Kihm'a Notiz Anm. 62; dieselben 

dürfteu mit keiner der von Kihm mit dem Fundvermerk „Wiesbaden" versehenen 

Münzen der Constantinischen Zeit identisch sein, 

Constantinopolis : 

433. Kleinerz, Quinar: CONSTANTINOPOLIS Büste m. Helm, Kaisennantel u. Scepter 
n. 1. Es. Ohne Umschrift, Victoria mit dem rechten Fuss auf einem Scbififsvorderteil 
stehend und auf einen Schild sich stützend, im Abschn. ? Cohen VIP, p. 326 No. 22. 
„Ausgrabung am Landgraben 1844." 

434. Dieselbe Münze. Cohen 21, im Abschn. TRP ., Wiesbaden". 

435. Dieselbe Münze, nur Umschrift CONSTANTlNOPOLI (sie!), im Abschn. ? „Aus- 
grabung am Landgraben 1844". 

Roma: 

436. Kleinerz: VRBS ROMA Büste mit Helm und Mantel n, 1. Es. Wölfin, Romulua u. 
Eemus säugend n. ]., darüber zwei Sterne. Im Abschn. P CONST Cohen VIV, 
p. 330 No. 17. „Ausgrabung am Landgraben 1844". 

Crispus : 

437. Kleinerz: CRISPVS NOBIL C Büste mit Helm und Panzer n. 1. Es. BEATA 

VO 
TRANQVILLITAS Altar, auf dem eine Kugel, vorn die Aufschr. TIS, im Felde 

E(?) — B Im Abschn. PLÖN Cohen 13. „Wiesbaden, Museumshof 1855". (K.) 

438. Kleinerz: CRISPVS NOBIL C Büste mit Helm und Panzer n. 1., hält Schild und 
Lanze. Es. Ebenso wie 437, im Abschn. ebenfalls PLÖN Cohen 14. „Wiesbaden". (K.) 

4.39. Klcinerz: |VL CRISPVS NOB CAES Büste m. Lorbeer, Mantel und Adlerscepter 
n. r. Es. Ebeuso wie 487, im Abschn. -PTR Cohen 19. „Wiesbaden". (K.) 

440. Kleino.z: CRISPVS NOB CAES Büste wie 439. Es. wie 437, im Felde C— R 
Im Abschn. PLC Fehlt bei Cohen. „Wiesbaden". (K.) 

441. Kleinerz, gut erhalten: |VL CRISPVS NOB C Kopf m. Lorbeer n. r. Es. ümschr, 
CAESARVM NOSTRORVM, im Felde in einem Kranze VOT im Abschn. > SIS A 
Cohen 44. „Wiesbaden". (K.) 

442. Kleinerz, gut erhalten: CRISPVS NOB CAES Büste m. Lorbeer und Panzer n. r. 
Es. DOMINOR NOSTROR CAESS, im Felde in einem Kranze ^g''' Im 
Abschn. RT Cohen 65. „Wiesbaden". 



236 

443. Kleinerz: FL IVL CRISPVS NOB CAES Büste m. Lorbeer und Panzer n. r. Es. 
PROVIDENTLIA . . . .] Thorbau mit zv'.v; Thürmen, zwischen denen ein Stern, Ab- 
schnitt PTiil! „Wiesbaden, Schützenbut', A.pril 1S66''. 

Constantin II.: 

444. Kleinerz, Tersch!i;Tr?ri: CONSTANTiNVS IVM NOB C Kopf mit Lorbeer n. r. 
Es. CAESARVM NCSTRORViVI, '-' f'slJe 'R einem Kranze VOT jj^ Abschn. 
STR Cohen 38. ^Wiesbaden im Mjvöthal, 12' t^l"'". 

445.* „Kleinerz: . . . CONSTANTINVS IVN NOB C Kopf mit dem Diadem Rs. GLORIA 

EXERC - Kric.-^r eine Standarte haltcn-i, Im Abschn. SMRT" Wohl Cohen 

114 oder llö f?), nach Armal. 111, 3. 176. .,"W'o^ba<l'?n. beim Planieren eines Weges". 

44Ö. Kleinerz: CONSTANTINVS !VN NOS O Bü- ■;.;•. mit Lorbeer und Panzer n. r. 
Es. GLORIA EXERCITVS Zwei Solu.!: «,n scehenJ, /.wisclien ihnen zwei Feldzeichen, 
im Abschn. JR • P Cohen 12-2. ^Wiepbaden", 

447. Kleinerz: CONSTANTiNVS IVN NOB C ßüste mit Lorbeer und Mantel n. r. 
Eg. PROVIDENTiAE CAESS Thor mit zwei Thürmen, zwischen ihnen ein Stern, 
im Abschn. PLÖN Cohen 164. , Wiesbaden, am Landgraben 1860". 

Constans: 

448. Kleinerz: CONSTANS Büste m. Diadem 'und Mantel n. r. Es. Typus der 

gloria oxercitus-Miinzen mit l Feldzeichen, Umschrift zerstört, im Abschn. SARL 
Cohen VII', p. 413 No. öS tf. „Wiesbaden, AJelheidstrayse, beim Hausbau des Zimmer- 
manns Gerner, in einem fränkischen Grabe", zusammen mit No. 107. 449. 450. 460. 
Vgl. Inv.1869 Xo. 29 = Z. K. 2780. 

449. Kleinerz: CONSTANS P F AVG Bfiste wie 4-18. Es. Wahrscheinlich ebenfalls 
gloria exercitus-Typu8. ^üof. mit Xo. 448". 

450. Kleinerz: [CONSTANS ''l P F AVG tiüste wie 448. Es. Scheint gloria exercitus 
Typus, aber nicht ganz sicher. „Gef. mit No. 448." 

451.* „1 Constans in Kleinerz'- nach Prot, lor Yorst.-Sitz. vom 8. Juli I8;i0 § 12. „Gef. in 
der Nähe 'on "Wiesbaden'. 

Constantius IL: 

452. Mittelerz: D N CONSTANTIVS P F AVG B'iste m. Lorbeer, Panzer u. Mantel 
n. r. Rs. FEL TEMP REPARATIO Constantius n. I. in einem ScbiiTe stehend, 
hält eine Victoria und ein Labarum, hinter ihm eine sif-ende Victoria, das Ruder 
haltend, im Abschn. -)♦(: Dd y?) Cohen .>2 ff. „Wiesbaden Schützenhof, April 1866''. 

4.'.3. Mittelcrz, verschliffen: Q N CONSTA AVG Büste m. Helm und Mantel n. r. 

Jis". Ähnlicl'.e Darstellung wie hei >o. 4.'i. Umschrift ganz verwischt. Wohl Cohen 
No. ü2 ff. „Wiesbaden, südlich der «nglischeu Kirche ISSO'-. Vgl. luv d. M. No. Gl. 

4J4. Klcinerz: D N CONSTANTIVS PF A[VG] B^iäte i.iit Diadom und Mantel n. r. 
Es. FEL TEMP REPARATIO 'O'^^^ teilweise leii)ar; Pr.öni:! n. r. auf eir.er Kugel, 
Abschn. zerstört. Cohen 57. „Wiesbaden, Gräberfeld an der Artillerie-Kaserne 1859, 
Grab No. 1". 

455. Kleiuerz: Ebenso, nur Phönix auf dem Scheiterhaufen. Cohen 58. „Gef. mit 454 zu- 
sammen'", beide schlecht erhalten. Vgl. noch P. B!. No. 11 1S59 S. 281 und Inv. 1859 
19. August No. 446/47. 

456. Kleinorz, Quinar: FL IVL C AVG Büste m. Diadem und Panzer n. r. E.<f. 

GLORIA EXERCITVS Zwischen den SoldatLa ein Feldzeichen, im Abschn. TRP 
dahinter Palme. „Wiesbaden, im Garten des Hauses F. icdrichstrasse 38, 1S75. Vgl. 
Annal. XIV, 430 und Tnv. 1875 No. 47 (,kann auch CoüstanB sein). 

457. Kleinerz: . . . CONSTANTJIVS NOB C Büste ait Lorboor und Mantel n. r. Es. 
Gloria exercitus mit zwei Feldzeichen, im Abschn. TRP * Cohou 104 (?) „An der 
Spelzmühle". (K.) 

4.=)S Kleinerz, durchlocht: [FL! IVL CONSTANTIVS NOB iC] Büste m. Lorbeer und 
Mantel n. r. Rs. wie 457, im Abschn. CONST Cohon 104. „Wiesbaden 1860". 



237 
459. Mittelerz: D N CONSTANTIVS PF AVG Büste mit Diadem und Mantel n. r. 



(ohne A hinter dem Kopf) Im Felde ^ 




U Umschrift SALVS AVG NOSTRI, i 



im 

Abachn. . . . |R| (?) Cohen 176. „Wiesbaden, Hintergel)äude der Gasbeleuchtungs- 
gesellschaft, Friedrichstrasse, in einem Grabe zusammen mit den S Münzen des Mag- 
nentius...'' Vgl. Mitteil. No. 4 1865 S. 7. 
4G0. Kleinerz, Quinar: CONSITANTIVS PFl AVG Büste m. Lorbeer, Panzer u. Mantel 
n. r. lis. LVICTORIAEl DD AVLGG Q NN] Zwei Vietorien sich gegenüberstehend, 
halten je einen Kranz und Palm;:weig, im Felde |-R, Abschn. unleserlich. Cohen 2!):^. 
„Wiesbaden Adelheidstrasse, zusammen mit 448—450". Vgl. Inv. 1869 No. 28 = Z. K.27S0. 
Das angebliche Kleinerz des Constantius, Inventar 1879 J^o. 19 = Z. K. 426, ist 
vielmehr Constantin I., siehe oben No. 423. 

Magnentius : 

461.— 468. Mittelerze bezw. Kleinerze verschiedener Grösse, 2 grösser, 6 kleiner: D N MAG- 

NENTIVS PF AVG Büste mit Paludament n. r. Es. Im Felde A)(^ Umschr. 

SALVS DD NN AVG ET CAES, im Abschn. bei 3 Stück sicher TRS, bei 
einem sicher TRPi hei zwei anderen dasselbe wahrscheinlich, bei zweien ganz un- 
leserlich.'^ Cohen VIII\"p. 13 No. 31 und 32. „Wiesbaden, Hintergebäude der Gas- 
beleuchtungsgesellschaft, Friedrichstrasse, in einem Grabe zusammen gef. mit No. 459". 

469. Kleinerz, sehr schlecht: Wahrscheinlich Magnentiua oder Decentius, näher nicht erkenn- 
bar. „Wiesbaden, Artillerie-Kaserne 1864". 

470.* Kleinerz: Näher] nicht bestimmbar; nach Kihm's Verzeichnis der in Wiesbaden gef. 
Münzen, siehe oben S. 202. 

Jovianus'*) : 

471. Kleinerz: D N lOVIANVS PF AVG Büste ra. Diadem, Panzer und Paludament 
n. r. Es. in einem Kranze VOTV MVLT X Abschn. zerstört, Cohen 35. „Wies- 
baden". (K.) 

Valentinian I.: 

472. Kleinerz: D N VALENTINIANVS PF AVG Büste m. Diadem und Paludament 
n. r. Es. GLORIA ROMANORVM Der Kaiser n. r. stehend, hält das Labarura 
und legt die Hand auf das Haupt eines knieenden Gefangenen. Cohen 12. „Wies- 
baden, Adlerquelle 1870". 

473. Kleinerz: Av. wie 472. Es. SECVRITAS REIPVBLICAE Victoria n. 1. schreitend, 
hält Kranz und Palme, im Felde R-Q Im Abschn. SISC (?) Cohen 37. „Aus- 
grabung am Landgraben 1844". 

Valens : 

474. Kleinerz, verschlifFen: D N VALENS PF AVG Büste m. Diadem und Paludament 
n. r. Es. SECVRITAS REIPVBLICAE Victoria n. 1. schreitend mit Kranz und 
Palmzweig. Cohen 47. „Wiesbaden". (K.) 

Gratian: 

475. Kleinerz: [D N GRIATIANVS AVGG [AVG1 Büste m. Diadem u. Paludament 
n. r. Es. [GLGRIIA NOVI ISAECVLIl Der Kaiser von vorn hält das Labarum 



^*) In P. Bl. No. 15 u. 16 1861, S. 462 wird nach Inv. 1860, 27. November No. 697 
eine in Wiesbaden im Garten des Herrn v. Gagern, Schwalbacherstrasse gefundene Münze 
in Kleinerz beschrieben: „Brustbild des Kaisers mit der Umschrift .... lANVS AVG •^^«■ 
ein Geharnischter stehend, in der Rechten das Labarura, von der Umschrift liest man nur 
noch . , . ANA VIR"- Die hier angenommene Zuweisung der Münze an Julian ist wohl .sicher 
verfehlt; nach der Beschreibung wird sie jetzt nicht mehr zu bestimmen sein; sie ist aber vielleicht 
identisch mit No. 475 und der Revers ANA VIR für | GLGRIIA NOVI SlAECVLIJ vericsen? 

16 



238 

und stützt sich auf einen Schild, der Abschn. schon bei der Präge vernichtet. Cohen 13. 

^Wiesbaden im Garten des Herrn von Gagern, Schwalbacherchaussc'e." Vgl. Anra. 74. 
47t1. Dieselbe Münze: Im Absclin. CON ., Wiesbaden, Michelsberg, 14. August 1870. Vgl. 

Annal. XIV 4:jr, und Inv. Ifs7(5 No, S9. 
477. Mittelerz: D N GRATIANVS PF AVG Büste m. Diadem u. Paludament n. r. Es. 

IREPARAITIO REIPVB Der Kaiser n. 1. stehend, mit einer Victoria in der linken 

Hand, hebt mit der R. eine knieende Gestalt auf, im Abschn. CON (?) oder LON 

(.'ohen .30. .,Wiesbaden ls48". (K.) 
47s. Ein zweites Exemplar derselben Münze: „Wiesbaden, Sonnenberger-Chaussee 18G1". 

Siehe Mitteil. No. 2 1863 S. 39 und Inv. 1861, 19. August Xo. 196. 

Valentinian II.: 

479.* „Av. D N VA VS PF AVG, ™it dem Bildnisse des Kaisers. Es. Eine 

lebhaft schreitende Figur reicht einem vor ihr sitzenden Mann die Rechte: REPARA .... 
Im Ausschn. LVCR" Nach Inv. 1861 3). November No. 248. Danach muss es 
Valentinian II. sein. Es. REPARA[TIO REIPJ, wohl Cohen VHP, p. 142 No. 28, 
Mittelerz. ,Gef. Wiesbaden, Kapellenstrasse". 

Theodosius L: 

480. Kleinerz: D N THEODOSIVS PF AVG Büste mit Diadem und Paludament n. r. 
Es. CONCORDIA AVGGG Behelmte Roma sitzend, hält eine Kugel und eine 
Lanze, im Abschn. LVCP Cohen 14 f. ., Wiesbaden". (K.) 

Jovinus: 

481. Silber: D N lOVINVS PF AVG Büste ra. Diadem u. Paludament n. r. Es. VIC- 
TORIA AVGG Behelmte Roma n. 1. sitzend mit Kugel, auf der eine Victoria steht, 
und Lanze, im Abschn. TRMA Cohen 4. .,Wiesbaden, Schützenhof 1884". Vgl. Inv. 
d. M. No. 331. 

Justinianus: 

482. Silber, 8 mm Durchmesser: D N IVSTINIAN AVG Büste m. Diadem und Kaiser- 
mantel n. r. Es. Monogramm des Ostgothenkönigs Theodahat in einem Kranze. Siehe 
Sabatier: Descr. g^ner. des monnaies byzant. I. 1862 p. 202, pl. XVIII, 7. Geprägt 
.J34/36. .,Gef. in fränkischen Gräbern am Schiersteinerwege'*. Vgl. Mitteil. No. ."> u. 6 
1867 S. 11 und S. 27. Ein zweites Exemplar dieser Münze, welches ebenfalls in das 
Museum gekommen ist, wurde Herbst 1889 in den Frankengräbern gegenüber dem Bahn- 
hofe von Schierstein gefunden. 

Ferner an unbestimmbaren^ Münzen: 

1 Denar, „gef. bei Rambach". 

2 Denare, wie es scheint des 3. Jahrhunderts, „gef. in der Lade'schen 
Hof- Apotheke" 1883. 

1 Gefütterter Denar (?), ,gef. Schiersteinerweg, in einem Grabe 1853". 
1 Grosserz, wie es scheint des 2. Jahrhunderts, „gef. beim Kanalbau 

auf dem Saumarkt 1854". (K.) 
1 Mittelerz, ^^et Neroberg 1860". 

1 Mittelerz | beide vom warmen Wasser ganz zerfressen. 

1 halbiertes sehr kleines Mittelerz f „Gef. Wiesbaden, S«iiwaiien-(Juelle im70''. 

2 Kleinerze, „gef. bei der Ausgrabung am Landgraben 1844". 
1 Kleinerz, „gef. Neroberg 1872". Vgl. Inv. 1872 No. 38. 

1 Kloinerz (vielleicht Valentinian I.), „gef. Poulet'sches Haus". Vgl. 

Inv. d. M. No. 457. 
1 Khiinerz, „gef. beim Neubau des Einhorn 1895". Vgl. Inv. d. .M.No. 510. 



239 



Die bestimmbaren 375 Münzen der zweiten Gruppe verteilen sich auf die 
verschiedenen Zeitabschnitte folgendermassen : es stammen aus der Zeit 

der Republik 17 

davon 12 aus dem Funde an der Ilaramermühle'') 

von Augustus bis Nero 67 

davon 2 aus dem J"'unde an der Hammermühle 
von Galba bis Domitian . . . 
davon 7 von der Hammermühle 
von Nerva bis Hadrian . . . 

von Pius bis Albinus .... 
(2 von der Hammermühle) 

von Severus bis Gallieuus 



74 aus 27 Jahren 

47 4^ 

46 aus 55 Jahren 



84 (bezw. 70) Stück 
aus 81 Jahren. 



121(bezw.ll4)Stück 
aus 69 Jahren. 



37 



<o 



(1 von der Hammermühle) 

von Claudius bis Diocletian und 

seine Mitherrscher .... 

der Constantinischen Dynastie . 

der späteren Zeit bis Justinian . 



83 Stück aus 
130 Jahren. 



1 1 aus 37 Jahren 
64 „ 55 „ 

12 „ca.l70 „ 



87 Stück aus 
262 Jahren. 



Es dürfte nicht überflüssig sein, die Fundorte der in diesem Verzeichnisse 
enthaltenen Münzen übersichtlich zusammenzustellen, unter jedesmaliger Hinzu- 
fügung der an dem betr. Orte gefundenen Münzen; für die Reihenfolge ist die 
alphabetische Anordnung gewählt, wobei aber die Unzuträglichkeit, dass nicht 
weit voneinander gefundene Stücke durch zufällig anders lautende Fundnotizen 
voneinander getrennt werden, durch entsprechende Hinweise möglichst be- 
seitigt ist. 

Adamsthal bei AYiesbaden: 

Augustus (153), Vespasian (201). 

Adelheidstrasse: 

Theodora (407), Constans (448, 449, 450), Constantius II. (460); dieselben gehören 
alle zu dem Inhalt eines fränkischen Grabes und sind noch mit den übrigen Fundstücken 
desselben vereinigt, siehe Z. K. 2780. 

Adler-Quelle: 

Augustus (135*, 140*), Agrippa (166), Germanicus (176, 177), (Claudius (185)?), 
Vespasian (224), Domitian (246* i. J. 1861; 263, 264, 265 i. J. 1870), Xerva (271), 
Trajan (286), Constantin I. (422*), Yalentiniaa I. (472^. Dieselben sind mit Ausnahme 
des einen Domitian sämtlich im Jahre 1870 beim Reinigen der Quelle zu Tage ge- 
fördert. Eine Beschreibung derselben giebt Rössel auf einem Folioblatt; er konnte 
aber nur 3 oder 4 davon bestimmen, und sind es eben diese besser erhaltenen (135*, 
140* und 142*), welche in dem die übrigen enthaltenden Couvert felilten, also offenbar 
der Sammlung eingeordnet wurden. Er kannte nur 11 Stück, ebenso viele ein Artikel 
im Rhein. Kurier 1870 No. 12 vom 14. Januar, während die nachweislich später ein- 
getragene Notiz des Inventars 1870 No. 2 13 Stück nennt, vgl. Anm. 63. Über sonstige 



'*) Die von dort stammenden Denare sind, weil höchst wahrscheinlich zu einem Gesamt- 
funde gehörig, bei der vergleichenden Zusammenstellung der Zahl der aus den verschiedenen 
Zeitabschnitten stammenden Münzen anders zu beurteilen als die übrigen Stücke. 

16* 



240 

Münzfunde iu Heilquellen vgl. die Zusammenstellung von Such i er bei G. Wolff, 
Gro-skrotzenburg: Münzen S. 5 und 6 (^Zeitschr. f. Hess. Gesch. und Landeskunde. Neue 
Folge, VIII. Supplement ls.'^2). Münzen aua der Schwefelquelle von Niedernau verzeichnet 
Nestle, Funde antiker Münzen im Königreich Württemberg 1893, S. 14 ff. und Xo. 111. 

Adler-Garten: 

Antoninus Pius (316). 

Artillerie-Caserne (vgl. auch Caserne), einschliesslich „Rheinstrasse": 

M. Antonius (129), Augustus (145*, 1.52), Agrippa (167*=), Tiberius (174, 174a), Ves- 
pasian (212), Domitian (258*, 259*, 260*), Xerva (269*), Trajan (29,3, 298*), Hadrian 
(308»), Faustina I. (.•^25), Faustina II. (344*), Gallienus (396*), Constantin (416*, 424*), 
Constantius 11. (454, 455), Magnentius (469), vgl. auch die Verzeichnisse oben An- 
merkung 16. Die hier gefundenen Münzen gehören ausschliesslich Gräberfunden an. 

Aulenkaut (auf dem Leberberg): 

Augustus (137). 

Bierstadt (Ausgrabung bei Bierstadt 1846): 

Vespasian (206), Trajan (285), Hadrian (310, zwischen Dietenmühle und Bierstadt), 
Kleinerz der Constantinfer (.\.nm. 73 Xo. 4) .,Steinbruch am Bierstädter Berg". 

Blücherstrasse: 

Marcus (335). 

Caserne (zweifelhaft, ob Artillerie- oder Infanterie-Caserne gemeint ist): 

Augustus (157*), Domitian (239*), Trajan (281), Mamacn (386*, Infanterie-(^asorne). 

Cursaal: 

Maesa (378, Cursaal -Weiher), Constantin I. (421*, 427*). 

Dambachthal: 

Constantin I. (424a). 

Dotzheim (.siehe auch Hollerborn): 

Marcus (340), Faustina II. (343), Constantin I. (411). 

Dotzheimerweg einschliesslich Schiersteinerweg: 

Augustus (134, 155, 156), Nero (186, 189), Etruscilla (392), Justinian (482), stammen 
sämtlich aus Gräbern. 

Einhorn, siehe bei Marktstrasse. 
Emserstrasse (früher Schwalbacherweg): 

Faustina I. (330), Constantin I. (412*), Kleinerz der Constnntiner (Anm. 73 No. 2). 

Englische Kirche, siehe auch bei Pletzmühle: 

Constantius II. (453). 

Exerzierplatz: 

Severus Alexander (379). 

Friedrichstrasse: 

Claudius (183), Vespasian (220*), Domitian (247), Constantius II. (456, 459), Mag- 
nentius (461—468), die letzteren gemeinsam mit Constantius No. 459 in einem christ- 
lichen Grabe. 

Gustav- Adolfstrasse : 

.Marcus (339j. 

Hammermühle: 

12 Denare der Republik (113-120, 122, 123, 124, 126), Augu.stus (131), Tiberius 
(172), Calba (196), VitoUius {197, I98j, YospaMan (205, 208, 211, 213), Pius (317), 



241 

Fausfina (326), Commodus (357), Elagabalus (376). — Diese Münzen, mit Ausnahme 
des Commodus sämtlich Denare, sind mit derselben Ausnahme alle im März 18^<4 "-o- 
funden; nach dem Fundbericht Annal. XVIII, 226 (vgl. 29S) lagen sie ^ auf einem :iO cm 
grossen Fleck im Boden zerstreut"; 4 republikanische und 1 des Vespasian (Cohen :\bß] 
1 des Titus (Cohen 309), 2 des Domitian (Cohen 49 und 378), die zugleich gefunden 
worden, sind nach Mainz in Besitz des Herrn Strei-ker gekommen. Gegen den Charakter 
als Gesamtfund, d. h. .,die gleichzeitige Yergrabung und Zusammengehörigkeif- ist, ab- 
gesehen von der starken Vertretung der republik. Münzen, das Fehlen der Münzen von 
Trajan, Hadrian, Severu.s und Caracalla von Hettner mit Recht geltend gemacht 
worden (VVestd. Zeit^chr. VII, 188S p. 162). Andererseits ist die Annahme, da8s alle 
diese Münzen einzeln verloren gegangen seien, oder verschiedenen Gräbern ent- 
stammten, abgesehen von den immerhin nicht ganz zuverlässigen Angaben der Finder 
gerade durch die grosse Zahl der republikanischen Denare (16 republ. und 16 Kaiser- 
denare), welche sonst in unserer Gegend vergleichsweise sehr selten gefunden werden 
(vgl. oben S. 197), sowie durch das Vorhandensein von Galba's und Vitellius' Denaren, die 
ebenfalls sonst hier nicht allzu häufig begegnen, nahezu völlig ausgeschlossen. Da nun 
die wenigen Stücke der späteren Zeit (Pius, b'austina, Elagabal) zum Teil stärkere oder 
wenigstens ebenso starke Spuren von Abnutzung zeigen wie die Denare des Galba 
Vitellius und der meisten Vespasians, was sich mit der Zugehörigkeit zu einem Funde 
in keiner Weise vereinen lässt, so ist es sehr wahrscheinlich, dass diese späteren zufällig 
in die Nähe der anderen gelangt sind, sei es, dass sie einem bei Anlage des Massen- 
grabes im Jahre 1793 zerstörten dort belegenen römischen Grabe angehörten, oder 
sonstwie an jener Stelle verloren gegangen waren. "^) Die älteren Denare, die republi- 
kanischen bis Domitian, dürften dagegen einem kleinen Gesamtfund angehören. Da die 
Denare des Domitian noch unter Vespasian in den Jahren 77 und 78 geprägt sind, so 
ist die jüngste Münze die des Titus vom J. 80.'') Bei der geringen Zahl der Münzen 
ist daraus freilich kein einigermassen sicherer Schluss auf die Zeit der Vergrabung zu 
ziehen; sonst könnte man an die dem Chattenkriege Domitians vorangehenden und ihn 
begleitenden Unruhen i. J. 82 als Ursache der Vergrabung denken. 

Hasselt im Bierstädter Wald (Ausgrabung im Jahre 1845): 

Marcus (331), Faustina II. (345), Elagabalus (^375), Gordian (387). 

Heidenmauer: 

Domitian (240), Faustina I. (329), Marcus (336j. 

Hinterhoben (Flurname): 
Trajan (295). 

Höfchen (Ausgrabung 1846): 

Pius (314, 315), Severus Alexander (383, 385^^), ausserdem noch 7, jetzt nicht mehr 
zu identifizierende verschliffene Kupfermünzen, siehe Annal. V, 3 S. 26. 

'^} Immer die Zuverlässigkeit der Fundaugaben vorausgesetzt. Dass übrigens auch sonst 
dort römische Münzen gefunden werden, zeigt das Grosserz des Commodus (357) und macht auch 
der Umstand, dass nicht allzu weit davon die römische Strasse vorbeiführte, und dass offenbar 
das ganze jetzige Mühlenthal schon zur Römerzeit mehr oder weniger stark bebaut war, 
wahrscheinlich. 

'') Wie schon bemerkt, zeigen die Denare des Galba, Vitellius und Vespasian, wenn sie 
auch die Spuren von Benutzung tragen, ein noch recht scharfes Gepräge (mit Ausnahme von 
No. 211): von den nach Mainz gekommenen vier Denaren der Flavier konnte ich durch 
freundliche Vermittelung des Herrn Stadtbibliothekars Dr. Velcke, sowie das Entgegenkommen 
der Besitzer drei vergleichen (Titus 309, Domitian 49 und 378); dieselben zeigen gleichfalls 
ein sehr Irisches Gepräge, namenrlich die beiden ersten, welche allerdings durch Zusammon- 
löten zu einem Schmuckstück etwas gelitten haben. 



242 

Hollerbopn bei Dotzheim (Ausgrabung 1826): 
Augustus (151*), Gallienus (394*;. 

Kapellenstrasse: 

Maximian (402), Valentinian II. (479*). 

Kirchgfasse (vgl. auch Marktstrasse)'"): 

Augustus (159*), Germanicua (175), Hadnau (305 und Aum. 69), Caracalla (^368). 

Kirchhof, alter (1884): 

Severus Alexander (380). 

Kranzplatz (Ausgrabung 1841 42): 
Nero (188), Constantin I. (414). 

Kupfermühle bei Wiesbaden: 

Vespasian (207). 

Landgraben bei Mosbach, siehe unter Mosbach. 
Langgasse: 

Aelius Caesar (313*), Faustina II. (346), Philippus II. (391, Lade'sche Apotheke), ebenda 
noch zwei Stück unbestimmte. 

Luisenstrasse: 

Naevia (125), Augustus (141*— 144*), Trajau (287, 292»), Faustina II. (350). 

Mainzer Landstrasse: 

Constantin I. (429*). 

Markt : 

Gallienus (395*). 

Marktstrasse, einschliesslich „Poulct'sches Haus" und „Einhorn": 

Augustus (139, Ecke der Marktatrassc und Kirchgasse), Titus (226), Ncrva (273*), 
Trajan (282), Marcus (337), Constantin I. (419, Ecke der Marktstrasse und Kirchgasse), 
1 unbestimmtes Kleinerz 1895 (Einhorn, Inv. d. M. No. 519), 1 desgl. (Inv. d. M. No. 457). 

Mauritiusplatz : 

Claudius (184), Constantin I. (418*, 420*). 

Mauritiusstrasse: s. bei Schwalbacherstrasse, kleine. 
Metzgergasse: 

Trajan (280). 

Michelsberg: 

Vespasian (221*), Lucilla (354J, Gratian (476). 

Mosbach (einschliesslich Landgraben bei Mosbach, Ausgrabungen 1844/45): 

Trajan (284), Hadrian (300, 309*), Pius (318, 322*), Marcus (341), Faustina II. (348), 
Commodus (358*), Severus (360), Domna (363), Plautilla (370*), Geta (371), Severus 
Alexander (381, 384*), Claudius II. (397), Licinius I. (409), Constantin I. (413, 433, 435, 
436), Constantin II. (447), Valentinian I. (473\ sowie 2 unbestimmbare Kleincrze. — 
Die meisten dieser Münzen, namentlich fast alle Kleinerze, befanden sich in einem 
Papierumschlag mit dem Vermerk: .,gefunden bei den Ausgrabungen am Landgraben 
1844" unter den von Kihm ausgeschossenen Münzen. 



^'') Die Beschreibung eines i. J. 1892 oder 1893 in der Kirchgasse gemachten Gesamt- 
fundes, welclier ausschliesslich Kleinerze des Constantin und seiner Söhne enthielt, muss, zumal 
nur ein ganz geringer Teil der Münzen in «lie Museumssammlung gelangte, einer anderen Stelle 
vorbehalten bleiben. 



243 

Münzberg" im Wiesbadener Wald (Ausgrabung 1847): 
Hadrian (30(j), Marcus (333). 

Museumshof, vgl. auch bei Pletzraühle: 

Domitian (26'2), C'rispus (437). 

Neroberg (Ausgrabung 1847 48): 

Agrippa (KU), Germanicus (178), Nero (195*), Vespa^iian (222*, sdiou vor 1S22). 
Domitian (244, 266, 267\ Hadrian (306at, Plus (320*, 321*, 323^ Faustina I. (32S), 
L. Verus (351), Commodus (356), Albinus (359), Philippus I. (389*, i. J. 1:^59), unbe- 
stimmbar: ein Mittelerz, gef. 1S6U, ein Kleinerz, gef. 1872 (Inv. Is72 No. 38). 

Nerostrasse : 

Augustus (150*), Xemausus (170*), Constantin I. (,425*). 

Nerothal: 

Constantin II. (444). 
Neumühle, Pflaster der Röraerstrasse: 

Constantin I. (426). 

Platter Chaussee: 

Trajan (299*). 

Pletzmühle, im Hof der (Ecke der jetzigen Frankfurter- und Wilhelnistrassej : 

Nero (192), .innerhalb des römischen Strassenkörpers"; an der Linie dieser nach 

CastelOIainz führenden Strasse durch das Mühlenthal liegen auch die Fundstellen 

., Museumshof", .,Englische Kirche^ .,Mainzer Landstrasse", ., Verlängerte Rheinstrasse-. 

Poulet'sches Haus, Ecke Marktstrasse und Kirchgasse, s. bei Markt Strasse. 

Rambach (Ausgrabungen 1846/47): 

Vespasian (223), Marcus (332, i. J. 1845), Geta (372, i. J. 1858), Kleinerz der Con- 
stautiner (Anm. 73, 3), ein unbestimmbarer Denar; Annal. V, 3 S. 45 wird auch erwälint: 
„ein Denar von Otto und eine vermutlich celtische Silbermünze-, eine Angabe, welche 
sich jetzt nicht mehr kontrollieren lässt. Römische Münzen wurden dort in der That 
früher öfter gefunden, eine Anzahl derselben, z. T. aus früher Kaiserzeit, befindet sich 
in der Lugenbühl'schen Sammlung zu Wiesbaden. 

Rheinstrasse, verlängerte (von den Bahnhöfen bis zur Mainzerstrasse), im 
übrigen „Rheinstrasse", siehe bei Artillerie-Caserne. 

Augustus (138), Titas (227), Domitian (^257), Nervs (270). Angeblich wurden diese 
vier Münzen aufeinanderliegend gefunden. 

Rödern (Ausgrabung 1844): 
Nemausus (168). 

Saal, neues Schulhaus, im, s. bei Steingasse. 
Saalgasse: 

Agrippa (162), Nero (Anm. 56», Vespasian (ebenda), Domitian (219), Licinius I. (108). 

Saumarkt, Mitte der jetzigen Hochstätte: 

Trajan (296) und ein unbestimmbares Grosserz. 

Schiersteinerweg", s. bei Dotzheiraerweg. 

Schlossbau, vgl. auch Marktstrasse: 

Domitian (268*), Pius (319*), Constantin (428*). 

Schulgasse: 

Germanicus (zu 179). 



244 

Schützenhof (meist die hinter den Gebäuden liegenden Terrassen): 

Trajan i297), Hadrian (303*, 307, 31 1\ Philippus l. (390), Diocietiaa (401), Lici- 
nius II. (410), Crispus '443), Constantius II. (4.^2), Joviiius (4öl). 

Schwalbacherstrasse : 

Vespasian ('2'J5), Gratian (475), vgl. auch Aura. 74. 

Schwalbacherstrasse, kleine: 

DomiHan (236\ Hadrian (304). 

Schwalbacherweg, siehe Emserstrasse. 

Schwanen-Quelle, am Kochbrunnen: 

Maesa (377), Constantin I. (415); ausserdem ein unbestirambareä MittoK-rz und ein 
desgleichen halbiertes Mittelerz (sehr klein), alle gefunden 1870. Vgl. Inv. 1870 Xo. 9. 

Sonnenbepg-erstrasse : 

Gratian (478). 

Spelzmühle (Ausgrabung 1845): 

Äugustus {V.iS, 149), Agrippa (163, 164, 165), Germanicus (180*), Vespasian (209), 
Titas (230), Trajan (283, 294\ Hadrian (301), Marcus (334), Faustina IL (342, 347), 
L. Veru3 (352), Domna (364), Constantin I. (430*), Constantius II. (457). 

Steingasse, einschliesslich im Saal an der neuen Schule: 

Xemausua (Anm. 62), Tiberius (173), Caligula (182;, Titus (229*), Trajan (Anm. 62), 
Constantin I.*(Anm. 62 und No. 431*, 432*=). 

Totenhof, neuer: 

Vespasian (214), Constantin I. (423). 

Waisenhausgarten (jetzt Accisehof in der Neugasse): 

Constantius Chlorua (405). 

Walkmühle: 

Domitian (261*). 

Die einfache Angabe Wiesbaden haben folgende: 

7 Äugustus (130, 132, 133, 146, 147, 148, 154), 1 Agrippa (160), 2 Xemausus (169, 
171*), 1 Caligula (181), 6 Vespasian (199, 204, 210*, 215*, 217, 218), 2 Titus (228,231), 
3 Domitian (232, 235*, 247a), 6 Trajan (275, 276*, 277*, 278, 291, 291a), 1 Verus 
(353\ 1 Commodus (355), 1 Domna (365), 1 Caracalla (367), 1 Macrinus (373), 1 Phi- 
lippus I. (388), 1 Gallus (393), 3 Tetricus (.398, 399, 400), 1 Maximian (403*), 1 Chlorus 
(404), 1 Helena (406), 1 Constautinopolis (434), 5 Crispus (43S, 439, 440, 441, 442), 
2 Constantin II. '445*, 446), 1 Constantius II. (458), 1 Magnentius (470*), 1 Jovian 
(471), 1 Valens (474), 1 Gratian (477j, 1 Theodoaius (480). 

Bei Wiesbaden: 

Claudia (121), 2 unbestimmte Konsularmünzen (127*, 12S*), Äugustus (158*), Nero 
(193*, 194*), Domitian (23S, 242, Anm. 67), Trajan (288), Hadrian (312*), Faustina I, 
(324, 327), Marcus (338i, Faustina II. (349), Domna (366*), Caracalla (369*), Elagabalus 
(374), .\lexander (382), Constantin I. (417), Constans (451*). 



Zu berichtigen ist der Satz S. 190, Zeile 16 f. dahin, dass der hand- 
schriftliche Katalog der Sammlung, sowohl der Münzen wie der übrigen Alter- 
tümer, in drei Qaartbänden sich noch jetzt im Vereins- Archiv betindet. 

Nachzutragen hinter No, 171*: 
171a. Dieselbe Münze, mit noch frischem Gepräge. ., Wiesbaden, in der Rheinstrasse 1876 



in der kleinen Urne Z. K. 3863". Vgl. Inv. 1876 No. 88. 



Zwei Gesamtfunde römischer Münzen aus Heddern- 
heim im Museum zu Wiesbaden. 



Von 

Dr. F. Quilling. 



Seit längerer Zeit mit einer Zuaammen.stelluDg') sämtlicher bis jetzt in 
Heddernheim und Umgebung zu Tage gekommenen römischen Münzen be- 
schäftigt, wurde ich vor kurzem auf zwei Gesamtfunde von solchen aufmerksam, 
welche — beide im Jahre 1850 gehoben — sich jetzt in dem Museum zu 
Wiesbaden befinden. Die Existenz des einen dieser Funde ergab sich aus den 
Akten^) des Vereins für Xassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, 
sowie aus Habeis Manuskript^) des Jahresberichtes 1850 über die Thätigkeit 
dieses Vereins, welches — leider niemals zum Druck gekommen — mir von 
Herrn Kreisrichter W. Conrady behufs Einsichtnahme freundlichst zur Ver- 
fügung gestellt wurde. Der zweite Fund wird noch in seinem ursprünglichem 
Zustande im Museum zu Wiesbaden aufbewahrt. 

Beide Gesamtfunde, die einzigen mir aus Heddernheim bekannt gewordenen, 
sind bisher noch nicht publiziert und sollen im Nachstehenden auf Grund akten- 
mässiger Belege und eigener Bearbeitung eingehend beschrieben und be- 
sprochen werden. 



') Dieselbe hat nunmehr mit einer Gesamtzahl von über 2000 Stück ihren vorläufigen 
Absehluas erreicht und wird in dem für 1897 in Aussicht genommenen zweiten Hefte der vom 
Frankfurter Verein für Geschiciite und Altertumskunde herausgegebenen .,Mitteilungen über 
römische Funde in Heddernheim" veröffentlicht werden. Dass von diesen 2000 Münzen nur 
bei etwa 30 der Fundort näher bekannt ist, dürfte der sprechendste Beweis für die Raub- 
grabungen sein, welche bedauerlicherweise immer noch in Heddernhe'm und Umgebung statt- 
finden. 

-) Den Nachweis beider Funde aus diesen Akten, alle daraus geschöpften Xotizen, sowie 
eine Reihe wertvoller Beobachtungen über den ersten Fund verdanke ich der Güte des Herrn 
Dr. E. Ritterling zu Wiesbaden. 

*) Das Manuskript ist nur für die Geschichte unseres Fundes von Wert; es bricht in- 
mitten der Darlegung und zwar gerade da ab, wo die Aufzählung der einzelnen Münzen 
hätte beginnen müssen. 



246 



I. Der erste Fund. 

Der erste der aogetuhrten Kollektivfunde ist — wie erwähnt — leider als 
solcher nicht mehr vorhanden, sondern in seinen Einzelteilen nur noch urkundlich 
zu konstatieren; über seine Geschichte liess sich aus den Akren und dem Habel- 
schen Manuskript folgendes feststellen: Im Herbste (wahrscheinlich November) des 
Jahres 1850 wurde „in römischen Ruinen auf dem Heidenfelde in Heddernheim'^') 
ein Gesamtfund von römischen Silbermünzen gehoben. „Bei dem Nachsuchen 
nach Bruchsteinen entdeckte man dieselben zusammenliegend in der Mauer- 
blende eines Kellers. Das römische Gebäude, zu welchem der Keller gehörte, 
bildete das Eck der Quintan- und oberen prätorischen Strasse, begrenzt vom 
Fornm quintannm. Es w^aren zusammen gegen 360 — 370 Silbermünzen gefunden 
worden, von denen eine Anzahl noch später im Schutte entdeckt ward,"^) 

Der damalige Bürgermeister von Heddernheim, Nohstadt, welcher sich zur 
Zeit in seiner Eigenschaft als Geschworener des öfteren in Wiesbaden aufhielt, 
machte Archivar Habel unter Vorzeigung von 16 der ausgegrabenen Münzen 
Mitteilung von dem gemachten Funde und Habel berichtete darüber in eicem 
vom 29. November 1850 datierten — leider nicht mehr aufzufindenden — 
Schreiben an den Vorstand seines Vereins. 

Wenige Tage später (am 2. Dezember) folgte bereits ein zweites Schreiben 
an dieselbe Adresse, in welchem Habel unter Bezugnahme auf seinen ersten 
Bericht dessen Mitteilungen ergänzt und weiter ausführt. 

Danach hatte ihm Nohstadt die Versicherung gegeben, er habe dafür 
Sorge getragen, dass kein Stück des Fundes veräussert werde und die Hoffnung 
ausgesprochen, ihm nächstens selbst die Münzen mitbringen zu können. „Als 
ich nun gestern (Sonntags) Abend", fährt Habel fort, „sogleich zu Herrn 
Nohstadt ging, um die Münzen nach dessen Zusage in Empfang zu nehmen", 
erklärte dieser, zu seinem grössten Bedauern seien dieselben inzwischen „bereits 
an einen Juden in Frankfurt um die Summe von 127 H." von der Eigentümerin 
verkauft worden. 

Habel stellt deshalb des weitereu in seinem Schreiben bei dem Vorstande 
des Vereines für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung den An- 
trag, er möge auf Grund einer Verordnung vom 17. Mai 1826, betr. ein Aus- 
fuhrverbot von Altertümern ins Ausland, hiergegen einschreiten und versuchen, 
die veräusserten Stücke wiederzugewinnen. 



') So nach den Akten; vgl. Anm. 6. 

*) So — genauer — nach Habeis ^fanuskript. Fni übrigen stimmt dasselbe inhaltlicli 
durchgängig mit den Wiesbadener Akten iiberein und wird deshalb nicht jedesmal besonders 
fitierl; wo sieh abweirhende oder, wie im vorliegenden Falle, genauere Angaben als in den 
Akten finden, ist dies stets angemerkt. 

In der Münzen- Fundkarte von Heddernheim und Umgebung, welche der für die 
, Mitteilungen über römische Funde in Heddernheim'" bestimmten .\bhaiullung beigegeben 
werden soll, wird auch die Fundstelle dieses Fundes verzeichnet sein. 



247 

Diesem Antrage gab der Vorstand auch statt; er schrieb noch am gleichen 
Tage*^), da er Habeis Mitteilung erhalten hatte, am 2. Dezember, an das 
Justizamt zu Höchst und ersuchte um Beschlagnahme der verkauften Münzen 
und Bestrafung der Verkäuferin.') 

Darauf antwortet das Justizamt in einem ebenfalls vom 2. Dezember 
datierten") Schreiben, es sei festgestellt, dass der Finder und Verkäufer der 
fraglichen römischen Münzen ein gewisser Heinrich Franz, Sohn der Witwe 
Franz in Heddernheim sei; die Käufer') seien angeblich „N. Oppenheimer'") zu 
Frankfurt auf der Zeil vis-ä-vis dem Römischen Kaiser und J. Schmidt") in 
der Fahrgasse daselbst wohnhaft"; ersterer solle 312—326, letzterer 26 Stück 
gekauft haben. Im übrigen lehnt das Justizamt jedes Einschreiten seinerseits 
ab, da die angezogene Ministerialverfügung vom 17. Mai 1826 im vorliegenden 
Falle nicht anwendbar sei. 

Daraufhin reiste Habel, wie er in einem Briefe vom 6. Dezember 1850 
dem Vorstande mitteilt, selbst nach Frankfurt und es gelang ihm auch, sämt- 
liche in den Besitz des Hofjuweliers Oppenheimer daselbst gelangten Silber- 
münzen (324 Stück)'-) aus dem Heddernheimer Gesamtfunde um 150 fl. zurück- 
zukaufen; über den von Schmidt erstandenen Bruchteil desselben schweigt er 
in seinem Schreiben") vollständig; wir müssen also wohl annehmen, dass eine 
Erwerbung dieser 26 Stück ihm nicht glückte, indem sie entweder bereits in dritte 
und vierte Hand weiterverkauft waren, oder von dem Käufer selbst (einem Silber- 
arbeiter) behufs Verarbeitung oder sonstiger Verwertung zurückbehalten wurden,'*) 

Bezüglich der wiedergewonnenen 324 Stück fragt Habel in seinem Schreiben 
an den Vorstand an, ob derselbe diesen Kauf genehmige, beziehungsweise bereit 
sei, ihm die dafür vorgelegte Summe zurückzuerstatten, sonst müsse er ander- 
weitig darüber verfügen. 



*") Das Konzept ist nicht datiert, muss aber, wie aus dem Datum der Antwort — wenn 
dieses nicht verschrieben ist — hervorgeht, noch am 2. Dezember verfasst sein. 

') In diesem Schreiben findet sich die oben mitgeteilte Fundnotiz: ^In rüniischen Ruinen 
auf dem Heidenfeld in Heddernheim". 

*) Vgl. Anm. 6. 

^) In den Akten heisst es irrtümlich die „Verkäufer". 

^"} Xach Ausweis des „Staats- und Adresshandbuches der Freien Stadt Frankfurt" l^öO 
Seite 220 kann nur der Juwelier Simon Daniel Oppenheim gemeint sein, dessen Geschäft 
sich Zeil 11 befand; die Angabe der Akten ist also hier unrichtig, während Habel denselben in 
seinen Aufzeichnungen (1. Seite . . . .) richtig Oppenheim, einmal sogar D. Oppenheim nennt. 

^^) In dieser Persönlichkeit ist — ebenfalls nach Ausweis des betr. Frankfurter Adress- 
buches — zweifellos der Silberarbeiter Job. Martin Schmidt, Fabrgasse llö (Laden 126) zu 
erkennen. Derselbe konnte die billig erstandenen Münzen gewiss leicht und einträglich durch 
Fassung zu Broschen, Manschettenknöpfen u. s. w. verwerten und dies mag mit ein Grund 
dafür sein, dass Habeis Bemühungen, dieselben wieder zu erlangen, erfolglos blieben. 

^^) In den älteren Akten ist stets die Zahl ;i25, in den späteren die Zahl 324 ange- 
geben; diese Verschiedenheit erklärt sich durch folgenden Passus in dem Habel'scben Manu- 
skript: „Es glückte mir, sämmtliche 324 Münzen (um eine hatte sich Herr Oppenheim ver- 
zählt), mit einem massigen Nutzen zurückzukaufen". 

'^) Auch in dem Manuskript des Jahresberichtes. 

1*) Vgl. Anm. 11. 



248 

Wie sich aus der Rechnungsablage des Vereins für Nass. Altcrtumskuudo 
und Geschichtsforschung von 1850 ergiebt, genehmigte der Vorstand llabels 
Kauf und ersetzte diesem auch den dafür gezahlten Betrag; es findet sich in 
dieser Rechnung nämlich der Posten: 

325") Silb. Münzen von Oppenheimer in Frankfurt . . 150 fl. 24 kr. 
7 „ „ 75 H- Franz in Heddernheim . . 3 tl. 30 kr; 

Xicht ganz stimmen damit die Notizen eines losen Foliobogens, welcher 
wörtlich folgendermassen — von Habel — beschrieben ist: 

ad Not. Heddernh. Silb. Münzen Erster Ankauf von 324 

zusammengefunden Silberm. 1850 . , . Decbr. 

324 Stück gek. bey D. Oppenheim von Hofjuwelier Oppen- 

7 „ — von Weck in Hedderh. heim in Frankfurt. 

331 Stück 

das zusammengefunden 

Die Silberraünzen fangen an mit 
und endigen — 

Es sind folgende Kaiser und Kaiserinnen: 

stück 

Nero 4 

Aus beiden Aufzeichnungen, nebeneinander und mit dem Manuskripte des 
Jahresberichtes zusammengehalten, ergiebt sich Folgendes: 

1. Der Gesamtfund bestand im ganzen — soweit sich nach den Akten 
feststellen lässt und abgesehen von den nachträglich noch im Schutte 
gefundenen Münzen (vgl. S. 246 oben) — aus 357 Stück und zwar: 

324 Stück, die Oppenheim kaufte, 
26 „ „ Schmidt kaufte, 
7 „ ,^ bei Franz in Heddernheim zurückblieben oder 

an einen gewissen Weck daselbst gelangten. 

357 Stück, 
welche der Verein für Nass. Altertumskunde und Geschichtsforschung 
bis auf die nicht mehr erreichbaren 26 Schmidt'schen Exemplare 
erwarb. 

2. Den Inhalt dieses Ankaufes beabsichtigte Habel gecau zu spezi- 
fizieren; es geht dies sowohl aus der Schlussnotiz des erwähnten losen 
Foliobogens hervor, wie aus dem Manuskript des Jahresberichtes; 
in letzterem nämlich sind hinter der Stelle, wo es mit der Behand- 
lung des Münzfundes abbricht, einige Seiten freigelassen, während 
die Paginierung durchläuft. Offenbar also wollte Habel später hier 
ein genaues Verzeichnis der einzelnen erworbenen Münzen einfügen. 
Leider nahm er — aus welchen Gründen, wissen wir nicht — da- 
von Abstand und so erfahren wir nur, dass die früheste in dem 
Gesamtfunde vertretene Silbermünze ein Nero war. 



249 

Es ist ein besonders glücklicher Zufall, dass wir trotzdem in der Lage 
sind, auch die weiteren Bestandteile des Fundes grösstenteils heute noch zu 
konstatieren. Herrn Dr. Ritterling ist es nämlich gelungen, in den Akten 
des Vereins für Xass. Altertumskunde und Geschichtsforschung folgende darauf 
bezügliche Blätter zu entdecken: 

1. Ein Blatt in Folio, beschrieben von der Hand des bis 1857 thätigen 
Konservators Kihm. Dasselbe führt unter der Überschrift „XXI'^* 
Verzeichnis"'^) eine grosse Anzahl Denare (332 Stück) von Nero 
bis Gordianus an. Dieselbe stimmt genau mit der Angabe in der 
Rechnung des Vereins für Nass. Altertumskunde und Geschichts- 
forschung vom Jahre 1850 und bis auf ein Stück (vgl. zur Erklärung 
der Differenz Aum. 12) auch mit der HabeTschen Notiz auf dem 



ächublad. 


Kapsel. 


XXI'es Verzeichnis. 


b 

00 
00 

O 

u 

o 


'S 

-** 


N 

b 

'S 




Gold. 


17 
17 


1 
2 
3 
4 

5 
6 

7 

8 

9 

10 

12 
13 
14 
lö 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
2G 
27 
27 
28 
29 
30 


Nero 

Derselbe 






i 







6 

3 

2 

1 

1 

1 

1 

1 

15 

13 

3 

7 

1 

.')ö 

31 

5 

r, 

1 

8 
42 

28 
18 
35 
34 
2 

6 
1 
2 

1 

1 

1 


— 


18 
18 


Galba 

Derselbe 




18 


Otho ' 




18 


Derselbe 




IS 


Vitellius 




18 


' Derselbe 




19 
19 


' Vespasian 

Derselbe 


— 


19 


Derselbe ' 




28 


Titus 






Derselbe • 




G3 


Vespasian [ 




24 


Domitian 




24 


Derselbe 




24 


Derselbe 1 




24 


Derselbe . . 




28 


Xerva ... ' 






Traian ■ 






Derselbe ' 


_ 




Derselbe 


_ 




Hadrian ' 


_ 




Derselbe ■ 


^^ 




Sabina dessen Gemahlin 

Antoninus Piua 

1 Gordianus ...... .... 


— 




1 Julia Soaemias exor Heleogabalus . . 
Caracalla 

Alexander Aug 

1 


— 



250 

öfters erwähnten losen Foliobogen. Mit dem letzteren hat dieses 

Blatt auch noch die Bezeichnung des ersten in dem Münzfunde 

vertretenen Kaisers als Nero gemeinsam. 
Es kann sonach wohl keinem Zweifel unterliegen, dass dieses „XXr* Ver- 
zeichnis" (seine Vorgänger enthalten ein Gesamtinventar der Münzsammlung 
des Vereins) eben die 332 Silbermünzen aus Heddernheim aufführt, aus welchen 
sich der Gesamtfund zusammensetzte. 

Dass Kihra von dem letzteren Kenntnis hatte, und dass er selbst 
ihn der Sammlung einverleibte, ergiebt sich, abgesehen von dem XXI. Ver- 
zeichnis, aus einigen wenigen Bleistiftnotizen, welche er eigenhändig auf einem 
Quartblatte verzeichnet hat. Es wird daselbst, in 13 Posten geteilt, der Be- 
stand der Sammlung nach den Kategorien „Grosserz, Mittelerz, Kleinerz, Silber, 
Gold** in Zahlen angegeben; unterhalb der einzelnen Schlusssummen und der 
Gesamtsumme daraus findet sich die Bemerkung: „1850 in Heddernheim gek. 
Davon erhalten Silbermünzen 332", Diese Zahl ist dann zu der Summe der 
Kategorie „Silber" und der Gesamtsumme addiert. 

Daraus geht Folgendes hervor: Als unser Silberfund dem Verein für Xass. 
Altertumskunde und Geschichtsforschung zuging, hatte Kihm bereits ein aus- 
führliches (XX Verzeichnisse) und ein summarisches (Bleistiftnotizen) Inventar 
der Münzsammlung angefertigt; an beide hängte er nun, je ihrer Art ent- 
sprechend, die nötigen Angaben über den neuen Zuwachs, unseren Münzfund, 
an. So entstand das „XXP® Verzeichnis"'^) und die Bemerkung^'): „1850 in 
Heddernheim gek. Davon erhalten Silbermünzen 332". 

2. Sieben Bogen, z. T. Briefpapier, z, T. graues Schreibpapier, mit 

einem detaillierten Verzeichnis'*) ausschliesslich römischer Denare. 

Ein Vergleich desselben mit der Kihm' sehen Aufstellung ergiebt'^): 

Kihm: Detaill. Verz.: 

Gens Cossutia — 1 

Xcro 9 9 

Galba 3 2 

Otho 2 1 

Vitellius 2 2 

zu übertragen . . 16 15 

"'j Dieses Verzeichnis legt übrigens die Vermutung nahe, dass Kihm selbst es war, 
welcher unseren Münzfund in verschiedene Kapseln und Schieblatlen yerteilte und somit in 
erster Linie Anlass zu seiner Auflösung gab. 

'") Der Wortlaut dieser Bemerkung scheint darauf hinzuweisen, dass 1850 noch mehr 
Altertümer — vielleicht ebenfalls Münzen — in Heddernheim angekauft wurden, von welchen 
Kihm im vorliegenden Falle nur Silbermünzen anführt. 

'*J Wer dasselbe angefertigt hat, war bis jetzt nicht festzustellen. 
'■') Dass beide Verzeichnisse Irrtümer enthalten, indem z. B. 

in beiden eine Münze des Vespasianus, Titus und Domitianus dem Vespasianus, 
in dem Kihm'schen einige Titus- und Caracalla-Münzen dem Vespasianus und 
Antoninus Plus zugeteilt .sind, 
ist hierbei nicht berürkai<ditigt. Der in dem det. Verzeichnis angegebene „Kaiserdenar von 
Domitian oder Trajan*^ ist durcligänj;ig für let/.teren in Anspruch genommen. 



251 

Kihm: Detail). Verz.: 

Übertrag . . 16 15 

Vespasianus SG 76 

Titus 8 10 

Domitianua 43 3B 

Nerva 8 7 

Traianus 88 Gl 

Iladrianus G9 CO 

Sablna 2 2 

Antoninus Pius .... 6 4 

Faustina 1 1 1 

Caracalla 1 2 

Julia Soaemias .... 1 1 

Alexander Severus ... 1 — 

Gordianus 2 — 

332 272 

Die Zahlen entsprechen sich wohl im allgemeinen, aber nicht immer genau; 
manchmal weichen sie erheblich voneinander ab. Allein das detaillierte Ver- 
zeichnis ist offenbar — schon der Handschrift nach — ziemlich viel später 
angefertigt als das Kihm'sche und da nun Kihm, wie wir oben gesehen haben, 
unseren Fund der Sammlung einverleibt und dabei vermutlich (s. Anm. 16) 
nicht 'als ein Ganzes erhalten hat, so ist es wahrscheinlich, dass nicht alle 
Münzen des Fundes mehr zusammenlagen, als das detaillierte Verzeichnis an- 
gefertigt wurde. Schon daraus erklären sich zum grossen Teile die Abweich- 



urgen in den Zahlen beider Verzeichnisse. Dazu kommt, dass Kihm, der mit 
römischer Numismatik wohl nicht sehr vertraut war, Münzen des Vespasianus 
dessen Sohn und umgekehrt, vielleicht auch solche des Caracalla dem Antoninus 
Pius vindizierte etc.; auch hierdurch mögen manche Differenzen entstanden sein. 
Dass indessen trotz der hervorgehobenen Verschiedenheiten beide Ver- 
zeichnisse die gleiche Sammlung beschreiben, beweisen die nachstehenden Be- 
obachtungen: 

a) Die in beiden angeführten Kaiser sind im wesentlichen dieselben. 

b) Für beide ist charakteristisch das Fehlen aller Denare von M. Au- 
relius an bis auf Caracalla. 

Dafür aber, dass diese Sammlung eben unser Heddernheimer Münzfund 
ist, sind folgende Thatsachen entscheidend: 

a) Das Kihm'sche Verzeichnis enthält 332 Stück, also genau die Zahl 
von Münzen, welche für den Münzfund anderweitig bekannt ist. 

b) Das von Habel geplante Verzeichnis des Münzfundes beginnt: 

Nero 4 Stück 

ebenso das detaillierte Verzeichnis 

Nero Bs. Jupiter Custos 4 Stück. 
Nach Masflgabe der vorstehenden Deduktionen haben wir also sowohl in 
dem Kihm'schon, wie in dem detaillierten Verzeichnis eine Zusammenstellung 






der Einzelbestandteile unseres Heddernheimer Fundes zu erkennen; beide nennen 
uns fast übereinstimmend die Namen der in ihm vertretenen Kaiser; ersteres 
bezeichnet annähernd richtig die Stückzahl der auf die einzelnen Kaiser ent- 
fallenden Münzen, letzteres enthält nicht den ganzen Fund, ist also für die 
Frage der Stückzahl wertlos, giebt aber dafür eine detaillierte Beschreibung 
der in ihm aufgenommenen Denare. 

Ehe ich diese Beschreibung anschliesse, ist es lehrreich, die Zusammen- 
setzung des Gesamtfundes auf Grund beider Verzeichnisse näher ins Auge zu 
fassen; sie wird am anschaulichsten durch ein einfaches Schema: 

Kihm: Detaill. Verz.: 

Gens Cossutia — 1 

Nero - Anton. Pius . . 326 267 

Faustina 1 1 1 

Caracalla 1 2 

Julia Soaemias .... 1 1 

Alexander Severus ... 1 — 

Gordianus 2 — 

Ein fortlaufendes Ganzes, wie man es bei einem Gesamtmünzfunde er- 
wartet, bildet diese Reihe nicht. Zunächst fällt der an erster Stelle genannte 
Familiendenar aus dem Ganzen vollständig heraus; er gehört in das Jahr 54 
V. Chr. und liegt somit über 100 Jahre hinter der ersten Kaisermünze zurück. 
Von Nero bis Antoninus Pius folgt sodann eine ununterbrochene Kette von 
Münzen, die letzte gehört dem Jahre 139 n. Chr. an. Darauf folgt ein Sprung 
von mindestens 2 Jahren, denn aus dem Kihm 'sehen Verzeichnis (das detail- 
lierte beschreibt den Faustinadenar nicht eingehend) erfahren wir, dass die 
Faustinamünze die Umschrift „Diva Faustina" trug, somit erst nach 141 n. Chr. 
geprägt sein kann. Während der Zwischenraum von 2 Jahren im grossen 
ganzen nicht viel besagen will, folgt nunmehr ein Sprung von ca. 70 Jahren, 
von Faustina I. bis auf Caracalla. 

Man wird danach zu dem Gedanken geneigt sein, dass der wirkliche 
Münzfund nur aus den Münzen des Nero bis Antoninus Pius oder bis Faustina I. 
bestanden habe, und dass die ausserdem aufgeführten Stücke s. Z. fälschlich 
als zu jenem Funde gehörig bezeichnet worden seien. 

Prüfen wir diese Frage näher. 

Die Stückzahl des Kihm 'sehen Verzeichnisses beträgt von Nero bis 
Antoninus Pius 326; in Wirklichkeit wird die Zahl etwas geringer gewesen 
sein und zwar aus folgendem Grunde: Da das detaillierte Verzeichnis später 
als das Kihra'sche und zu einer Zeit angefertigt worden ist, wo der Münzfund 
nicht mehr ganz intakt war, so ist es nur natürlich, dass es durchgehends, 
wenn nicht die gleichen, niedrigere Ziffern giebt als das Kihra'sche.'^") 

Nur in einem einzigen Falle ist es umgekehrt, nämlich bei Caracalla; 
hier zählt das detaillierte Verzeichnis 2, das Kihra'sche nur 1 Stück. Hier 
muss also ein Irrtum untergelaufen sein und zwar besteht derselbe vermutlich 
darin, dass Kihm einige Caracaliamünzen auf Grund ihrer Aversuraschrift dem 

'^"j Bezüglich der Stückzahl der Vospaaianu.s- und Titua-Münzon vgl. Anm. 19 und Seit« 2Ö1, 



253 

Antoninus Pius zuteilte, welche später der numismatisch geübtere Verfasser 
des detaillierten Verzeichnisses richtig bestimmte. Wir dürfen nach dem Ge- 
sagten annehmen, dass von den Piusmünzen des Kihm'schen Verzeichnisses 
mindestens 1, wahrscheinlich aber 2 oder mehr abzuziehen und dem Caracalla 
zuzusprechen sind. Ziehen wir zwei ab, so erhalten wir die Zahl 324; es ist 
wohl kein Zufall, dass diese Zahl genau übereinstimmt mit der Summe der 
Münzen, welche Habel von Oppenheim kaufte und dass die 8 übrigen, welche 
aus der Reihe herausfallen, in der Zahl den nachträglich von Franz in Heddern- 
heim erworbenen entsprechen. 

Somit ist die Vermutung sehr wahrscheinlich, dass der wirkliche Gesamt- 
fund, soweit er als solcher erhalten blieb, nur aus 324 Stücken bestand, eben 
jenen, welche Habel von 0. kaufte, und dass die wenigen nachträglich er- 
worbenen Münzen von Franz fälschlich als zu dem Funde gehörig ausgegeben 
und infolge dessen mit diesen zusammen von Kihm inventarisiert wurden. Ein 
nicht dazu gehöriges Stück muss ja auf alle Fälle zu dem Funde geraten sein, 
denn aus Hab eis Notiz'-) wissen wir, dass derselbe sich thatsächlich nur auf 
331 Stück belief, indem sich 0. um eines verzählt hatte; trotzdem aber führt 
das Kihm'sche Verzeichnis 332 Stück auf. 

Wir werden nach diesen Wahrscheinlichkeitsbeweisen nicht fehlgehen in 
der Annahme, dass der im Jahre 1850 in Heddernheim gehobene Silbermünzen- 
fund, soweit er in das Museum nach Wiesbaden gelangte, thatsächlich nur aus 
324 Stück bestanden habe, welche die Kaiser Nero bis Antoninus Pius incl. 
repräsentierten. Dazu wurden nachträglich auf Grund der falschen Angabe, 
sie gehörten zu diesem Funde, noch folgende Stücke angeschafft und demselben 
einverleibt: 

1 Faustina I., 

3 Caracalla, 

1 Julia Soaemias, 

1 Alexander Severus, 

2 Gordianus. 

8 Stück. * 

Wieso der einzige Familiendenar in das detaillierte Verzeichnis kommt, ist 
ein Rätsel. Kihm kennt ihn nicht; noch wichtiger aber ist der Umstand, dass 
ihn auch der numismatisch weit erfahrenere Habel nicht als Bestandteil des 
Fundes aufführt, sondern dessen Beschreibung ebenso wie Kihm mit Nero beginnt. 

Ich gebe nunmehr im Folgenden zunächst den Originaltext des detaillierten 
Verzeichnisses-') wieder, um danach auf Grund desselben und des Kihm 'sehen 
Inventars unter Berücksichtigung der in beiden untergelaufenen Irrtümer den 
Bestand unseres Münzfundes hinsichtlich der in ihm vertretenen Kaisermünzen 
und ihrer Stückzahl soweit möglich zu rekonstruieren. 



") Ich habe das Verzeichnis möglichst nach Cohen vervollständigt. Fehler in der Be- 
stimmung von Münzen habe ich thunlichst geändert und diese Änderung stets angemerkt. 
Die nachträglich und fälschlich zu dem wirklichen Bestände des Fundes hinzugekommenen 
Stücke sind durch Cursiv-Druck kenntlich gemacht. 



17 



254 



GentCoaautia 



Nero 



Gftlba 



Otho 
Vitellius 



Vespasianua 



BVLA Geflügelter Kopf der sterbenden 

Medusa mit Schlangen im Haar. 

]is. VII Bellerophon auf dein Pegasus, den 
Speer werfend. 
Nero Caesar Auguätus. 

Rs. Jupiter Custoa (sitzender Jupiter). 
Imp. Xero Caes. Aug. P. P. 

Es. Jupiter Custos (sitzender Jupiter). 
Nero Caesar Augustus. 

Es. Salus (sitzende Salutis). 
Imp. Nero Caesar Augustus. 

Rs. Salus (sitzende Salutis). 
Imp. S. Galba Caesar Aug. 

Rs. Victoria P. R. (stehende Victoria). 
Imp. Ser. Galba Aug. 

Es. S. P. Q. R. Ob. C. S. (in einem Lor- 
beerkranz). 
S. Otho Caesar Aug. 

Rs. Fax Orbis Torrar . . . (stehende Pax). 
A. Vitellius Germ . . . Imp. Tr. P. 

Rs. Conoordia . . . (sitzende Concordia). 



Caesar Vespasianus Aug. 

Rs. Annona Aug. (sitzende weibliche Figur). 
Imp. Caes. Vesp. Aug. P. M. 

Rs. Augur Tr. Pot. (Priester-Geräte). 
Imp. Caes. Vesp. Aug. P. M. Cos. IUI. 

Rs. Augur Tr. Pot. (Priester-Geräte). 
Imp. Caesar Vespasianus aug. 

Rs. Cos. iter. Fort. Red. (stehende Fortuna). 
Imp. Caesar Vespasianus aug. 

Rs. Cos. VII (Adler auf Ära). 
Imp. Caesar Vespasianus aug. (Kopf rechts). 

Rs. Cos. VIII (stehender Mars mit Trophee). 
Imp. Caesar Vespasianus Aug. 

Rs. . . . (stehender Mars mit Trophee). 
Imp. Caesar Vespasianus Aug. (Kopf links). 

Rs. Cos. VIII (stehender Mars mit Trophee; 
Ähre). 
Imp. Caesar Vespasianus aug. 

Rs. Cos. VIII (zwei gejochte Ochsen). 
Divus Augustus Vespasianus. 

Rs. Ex S. C. (stehende Victoria). 
Divus Augustus Vespasianus. 

Rs. Ex S. C. (quadriga). 
. . . Caes. Vesp. Aug. P. M. . . . 

Rs. Fides Publi. (zwei Hände mit Ähren, 
Mohn, Caduceus). 
Caesar Vespasianus aug. 

Rs. Imp. . . . (Kornmass mit .\hren). 
Imp. Caesar Vespasianus aug. 

Rs. Judacft (^itzpndc Figur vor Trophee). 



Bahelon I. 437. 1. 



Cohen'^ I. 2^^7. 119. 



C. I. 2S8. 12.3. 



C. I. .300. 313 oder 319. 



C. I. 300. 318. 



C. I. 340. 328. 



Nicht bei Cohen. 



C. I. 352. 3—5. 

Nicht näher bestimmbar, 
da nicht ersichtlich, ob 
Concordia Aug. oder 
Concordia P. R, etc. 

C. I. 370. 28 oder 30. 

C. I. 371. 43. 

C. I. 371. 45. 

C. I. 374. 84. 

C. I. 377. 120-122. 

C. I. .377. 125. 

C. I. 377. 125 oder 12ß. 

C. I. 377. 127. 



Wohl = C. I. 377. 135. 



C. I. 378. 144. 



C. I. 378. 146 oder 147. 



C. I. 380. 1G4. 



C. I. 383. 215 oder 21 G 

oder 3S4. 219. 
C. I. 384. 22r>. 



255 



3 
1 



2 
1 
3 
1 
2 

2 

12 
1 
9 



Vespasianus Irap. Caesar Vespasianus aug. 

Bs. Pon. -^[ax. Tr. P. Cos. V (Caduceus). 
Imp. Caesar Vespasianus aug. 

Es. Pon. Max. Tr. P. Cos. VI (Victoria 
Navalis). 
Caesar Imp. Vespasian. 

Bd. Pon. Max. Tr. P. Cos. VII (sitzende 
weibliche Figur). 

Imp. Caes. Vesp. aug. Cens. 

lis. Pontif. Maxim, (sitzende Figur). 



Imp. Caes. Vesp. aug. Cens. 

Es. Salus aug. (sitzende Salus). 
Imp. Caesar Vespasianus aug. 

Es. Tr. Pot. . . . Cos. VIIH (Caprioorn). 
Imp. Caes. Vesp. Aug. P. M. 

Es. Tri. Pot. (sitzende Figur). 
Imp. C. Vesp. Aug. P. M. Cos. Ulf. 

Es. Tri. Pot. (sitzende Figur). 
Imp. Caes. Vesp. Aug. P. M. 

Es. Tri Pot. II. Cos. III. P. P. (sitzende 
Figur). 
Imp. Caes. Vesp. Aug. P. M. Cos. IUI. 

Es. Vesta (stehende Vesta). 
Imp. Caes. Vespasianus Aug. 

Es. Cos. iter. Fort. Red. (stehende Fortuna). 
. . . Vespasianus aug. 

Es. Cos. VI. (stehender Stier). 
Imp. Caesar Vespasianus aug. 

Es. Poa. Max. Tr. P. Cos. VI. (sitzende 
weibliche Figur). 

Imp. Caesar Vespasianus aug. 

Es. Pon. Max. Tr. P. Cos («itzende Figur). 

Imp. Caes. Vesp. aug. P. M. Cos. IUI. 

Es. Victoria Augusta (Victoria vor Trophee). 

Divus^augustus Vespasianus. 

Es. Zwei Capricorne mit Schild und Kugel. 



Caesar Vespasianus aug. 

Es. . . . (stehende Figur). 
Imp. Caes. Vesp. 
! Es. Durchschlag. 
Vespasianus, Imp. Caesar Vespasianus aug. 
Titus und | 
Domitianus 1 



Titus 



Es. ... ar Aug. F. Cos. Caesar aug. F. 
... (Die Köpfe des Titus und Domitian). 

T. Caesar Vespasianus. 

Es. Annona Aug. (sitzende Figur). 



C. I. .30.'). .'562. 
C. I. 39.5. 368. 

Wohl = C. I. :}9ß. 373 od. 
374 und Aversumschrift 
falsch gelesen. 

C. I. 397. 387, doch in 
Silber, wie es vielfach 
vorkommt, z. B. zwei- 
mal in der stüdt. Samm- 
lung zu Frankfurt a. M. 

C. I. 401. 431. 

C. I. 411. .'>.J4 oder 5r>r,. 

C. I. 411. ÖGI. 

C. I. 411. 503. 

C. I. 412. .")66. 

C. I. 413. 574. 
Nicht bei Cohen. 
Nicht bei Cohen. 

Nicht näher bestimmbar, 
da die weibl. Fig. un- 
genügend charakterisiert 
ist. 

Nicht näher bestimmbar. 

Augusta? Nicht näher be- 
stimmbar. 

Es. mir für Vespasian nicht 
bekannt; nicht näher be- 
stimmbar. 

Nicht bestimmbar. 



C. I. 424. 5. 

(Die Zuteilung an A'es- 
pasianus im Original- 
verzeichnis ist unrichtig). 

C. I. 430. 17. 



256 



Titiis 



Doniitianus 



Caesar Imp. Vespasian. 

Rs. Jovis Custos (stehcniler Jupiter). 



T. Imp. Caesar Vespasian. 

Rs. Pontif. Tr. P. Co9. IUI. ^sitzende Figur). 
T. Caes. Imp. Vesp. Cens. 

Rs. Salus Aug. v^itzende Salus). 
Imp. Titus Caesar Vespasian us aug. 

Rs. Tr. P. Villi. Imp. XIIII. Cos. VII. P. 
P. (Quadriga). 
Imp. Titus Caesar Vespasian. aug. P. M. 

Rs. Tr. P. Villi, [mp. XV. Cos. VII. P. P. 
(Capricorn). 
Imp. Titus Caes. Vespasian. Aug. P. >I. 

Rs. Tr. P. IX. Imp. XV. Cos. VIII. P. P. 
( Deipbin mit Anker). 
Imp. Titus Caes. Vespasian aug. P. M. 

Rs. Tr. P. IX. Imp. XV. Cos. VIII. P. P. 
(Delphin auf Dreifuss). 

Imp. Titus Caes. Vespasian aug. P. M. 

Rs. Tr. P. IX. Imp. XV. Cos. VIII. P. P. 

Caesar Aug. F. Domitianus. 

Rs. Ceres August, (stehende Ceres). 
Caesar Aug. F. Domitianus. 

Rs. Cos. V, (Kaiser zu Pferde). 
Caesar Aug. F. Domitianus. 

Rs. Cos. V. (Lupa; unten Lampe). 

Imp. Caes. Domit. Aug. Germ. P. M. Tr. P. VI. 

Rs. Imp. XIII. Cos. XII. Cens. P. P. P. 
(stehende Minerva). 
Imp. Caes. Domit. Aug. Germ. P. M. Tr. P. VI. 

Rs (stehende Minerva anf Schifif). 

Imp. Caes. Domit. Aug. Germ. P. M. Tr. P. VII. 

Rs. Imp. XIIII. Cos. XIIII. Cens. P. P. P. 

Rs. Imp. XV. Cos. XIIII. Cens. P. P. P. 

(stehende Minerva). 
Dieselbe mit Imp. XVII. 
Dieselben mit Imp. XXI. 
Imp. Caes. Domit. aug. germ. P. M. Tr. P. 

Rs. Imp. XXI. Cos. XV. Cens. P. P. P. 
(stehende .Minerva mit fulmen). 

Imp. Caes. Domit. aug. germ. P. M. Tr. P. II. 

Ra. Ebenso mit Cos. XVI. 
Dieselbe mit stehender ^Minerva mit Schild und 

Wurfspiess. 
Dicselijcn mit stehender Minerva mit Ilasta. 



C. I. 437. 106. 

X'ach Aversumschrift Titus 
und nicht, wie im Ori- 
ginalverzeichnis, Vespa- 
sianus (etwa C. I. 384. 
222 oder 223). 

C. I. 443. 162. 

Kennt Cohen nur in M. B. 

C. I. 452. 278. 

C. I. 4.-» 3. 294. 

C. I. 4:)4. .309 oder 310. 

C. I. 455. 321 oder 323. 
In Cohen hier Druck- 
fehler: Cos. IUI anstatt 
Cos. VIII. 

Xicht näher bestimmbar, 
da Typenangabe des /("."J. 
fehlt. 

C. I. 472. 30. 
C. I. 474. 49. 
C. I. 474. .-)1. 



Nähere Bestimmung zum 
. Teil unmöglich und im 
allgemeinen zwecklos. 



257 



Domitiunus 



1 
2 



Nerva 



Traianus 



Imp. Caes. Doniir. au?, germ. P. M. Tr. I'. XF. 
lis. Imp. XXII. Cos. XVI. Cens. V. P. P. 
('stehende Minerva auf Scliitf). 
Imp. Caes. Domit. aujj. germ. P. M. Tr. P. XI. 
Bs. Imp. XXII. Cos. XVII. Cena. P. P. P. 
(stehende Minerva). 
Imp. Caes. Domit. aug. germ. P. M. Tr. P. XIIII. 
Bs. Imp. XXII. Cos. XVII. Cens. P. P. P. 
(Minerva auf Schiff'. 
Imp. Caes. Domit. aug. germ. P. M. Tr. P. XV. 
Bs. Imp. XXII. Cos. XVII. Cens. P. P. P. 
(stehende Minerva). 

Imp. Caes. Domit. aug. germ. P. M. Tr. P. XVI. 
Bs. Imp. XXII. Cos. XVII. Cens. P. P. P. 

(Ära). 
Caesar Divi F. Domitianua Cos. VII. 

Bs. Princeps Juventutis (in einem Lorbeer- 
kranze Zie,:;e). 
Caesar aug. F. Domitianus Cos. VI. 

Bs. Princeps Juventutis (zwei Hände mit 
Standarte). 
Caesar divi f. Domitianus Cos. VII. 
Bs. Princeps Juventutis. (Ära.) 

Imp. Caesar Domitianus au^. Pon. M. 

Bs. Tr. P. Cos. VII. ... P. P. (Göttertisch.) 



Imp. Nerva . . . P. M. Tr. P. Cos. III. P. P. 

Es. Aequitas August, (stehende Aequitas). 
Imp. Xerva Caes. Aug. P. M. Tr. Pot. 

Bs. Cos. III. Pater Patriae (Pontifical-In- 
strumente). 
. . . aes Aug. Imp. Tr. P. Cos. III. P. P. 

Bs. Fortuna august. (stehende Fortuna). 
Imp. Xerva Caes. Aug. Germ. P. M. Tr. P. II. 

Bs. Imp. II. Cos. IUI. F. P. (stehende Figur 
mit Waage). 
Imp. Xerva Caes. Aug. P. M. Tr. P. Cos. III. 

P. P. 

Bs. Liberias Publica (stehende Liberias). 

Imp. Traiano aug. Ger. Dac. P. M. Tr. P. Cos. 
VL P. P. 

Bs. Alim. ital. S. P. Q. R. Optimo Principi 
(Provinz Italien mit Füllhorn). 
Imp. Traiano aug. Ger. Dac. P. M. Tr. P. 
Bs. Cos. V. P. P. S. P. Q. R. optimo Princ. 
(sitzende Figur mit Füllhorn). 
Imp. Traiano aug. ger. Dac. P. M. Tr. P. 
Bs. Cos. V. P. P. S. P. Q. R. Optimo Princ. 
(stehende Victoria auf Rad). 



Nähere Bestimmung zum 

Teil unmüglich und im 

allgemeinen zwecklos. 



C. I. 4"J6. '.'06. 



C. I. .3U4. 390. 



C. I. 504. 3i)3. 



C. I. 504. 390 als Avers 
C. I. 504. 397 als Bs. 
Xicht bei Cohen. 

Nicht sicher zu identifi- 
zieren; vielleicht = C. I. 
518. 575; die Aversum- 
schrift stimmt in keinem 
Falle. 

C. II. 2. 6. 
C. II. 6. 48. 



C. IL 7. 66. 

C. IL 9. 91 (Aversum- 
schrift verlesen). 

C. IL 10. 113. 



C. IL 18. 9. 



C. IL 26. 73. 



\Volil = C. IL 26. 76. 



258 



TraiaiiU3 



Imp. Traiuno aug. Ger. Dac. P. 31. Tr. P. 
Hs. Cos. V. P. P. S. P .Q. R. Optimo Princ. 
(stehende Figur mit Caduceus). 
Imp. Traiano aug. ger. Dac. P. M. Tr. P. 
Es. Co3. y. P. P. S. P. Q. R. optimo Princ. 
(stehende Spes). 
Ebenso (stehende Figur mit Füllhorn und 

Waage). 
Ebenso (sitzende Figur mit Füllhorn und 

Waage). 
Ebenso (stehende Figur mit Kameel). 
Ebenso iTrophee). 

Imp. Traianus Aug. Ger. Dac. P. M. Tr. P. 
Cos. VI. P. P. 

Es. Divus Pater Traian. (sitzender Traian). 

Imp. Caes. Xer. Traian. Optira. Aug. Ger. Dac. 

Es. Parthico F. M. Tr. P. Cos. VI. P. P. 

S. P. Q. R. Fort. Red. isitzende Fortuna). 

Imp. Caes. Ner. Traiano optimo aug. ger. Dac. 

Es. Fort. Red. P. M. Tr. P. Cos. VI. P. P. 

S. P. Q. R. (sitzende Fortuna). 

Imp. Caes. Xer. Traiano Optimo Aug. Ger. Dac. 

Es. Fort. Red. P. M. Tr. P. Cos. II. P. P. 

S. P. Q. R. (sitzende Fortuna). 

Imp. Caes. Xer. Traian. Optim. Aug. Ger. Dac. 
Parthico. 

Et. Fort. Red. P. M. Tr. P. Cos. VI. P. P. 

S. P. Q. R. 'sitzende Fortuna). 

Imp. Caes. Xer. Traian. Optim. aug. germ. Dac. 

Es. Parthico P. M. Tr. P. Cos. V. P. P. S. 

P. Q. R. (stehende Figur mit Caduceus 

und Füllliorn). 

Traiano aug. ger. Dac. P. M. Tr. P. 

Es. Fax Cos. VI. Imp. Optimo Princ. 
(stehende Pax). 

Imp. Caes. Xerva Traian. aug. germ. 

Es. P. M. Tr. P. Cos. II. P. P. (sitzende 
Figur auf zwei Füllhörnern). 
Dieselbe Inschrift. 

Es. P. M. Tr. P. Cos. III. P. P. (sitzende 
Victoria). 
Imp. Xerva Traian aug. germ. 

Es. P. M. Tr. P. Cos. IUI. P. P. (Mars). 
Imp. Caes. Xerva Traian. Aug. Germ. 

Es. P. M. Tr. P. Cos. IUI. P. P. (stehender 
Hercules . 

Imp. Caes. Xerva Traian. Aug. Germ. 

Es. P. M. Tr. P. Cos. IUI. P. P. (Victoria). 
Imp. Caes. Xerva Traian. aug. germ. 

Es. P. M. Tr. P. Cos. IUI. P. P. (stehende 
Victoria). 



C. il. l'T. 81. 



C. II. 27. S4. 



C. II. 27. 85 in Silber. 

C. II. 27. 86. 

C. II. 27. 89. 

C. II. 28. 98— lUO. 

C. II. 33. 140. 



C. II. 34. 150. 



C. II. 34. 152 oder 154. 



C. II. 34. 152 oder 154 
(Cos. II wohl verlesen 
für Cos. VI). 

Bei Cohen nur ohne den 
Zusatz Parthico. 



C. II. 39. 101 oder 192 
(Cos. V wohl verlesen 
für Cos. VI). 

Sicher verlesen für C. II. 
39. 196. 

C. II. 40. 206. 



C. II. 42. 223 oder 224. 



C. II. 42. 228 (Avera- 
legende verlesen). 

C. II. 43. 234 oder 236. 



C. II. 43. 239 tf. Xäher 
nicht bestimmbar. 

C. II. 43. 240 tr. Genauer 
nicht bestimmbar. 



259 



Tiaiunus 



Hudrianus 



Imp. Caes. Ner. Traiano optimo aug. ger. Duo. 
R.,. P. M. Tr. P. Co8. VI. P. P. S. P. Q. R. 
(stellender Mars). 
Imp. Caes. Xer. Traiano optimo aug. ger. Dac. 
Rs. P. M. Tr. P. Cos. VI. P. P. S. P. Q, R. 
(stehender Bonus Eventus). 
Imp. Caes. Ner. Traiano optimo aug. Ger. Dac. 
Bs. P. M. Tr. P. Cos. VI. P. P. S. P. Q. 
R. (stehende Figur mit Füllhorn und 
Caduoeus). 
Ebenso. (Säule mit Traians Statue). 
Imp. Caes. Xerva Traian. aug. germ. 

Es. Pont. Max. Tr. Pot. Cos. II. (sitzendeVesta). 
Imp. Caes. Xerva Traian. aug. germ. 

Hs. Pont. Max. Tr. Pot. Cos. II. (sitzende 
Figur mit Füllhorn und Patera). 
Imp. Caes. Xer. Traian. Optim. aug, Ger. Dac. 
Parthico. 

Es. Provid. P. M. Tr. P. Cos. VI. P. P. S. 
P. Q. R. (stehende Providentia). 
Imp. Traiano Aug. Ger. Dac. P. M. Tr. P. 
Cos. V. P. P. 

Es. S. P. Q. R. Optimo Principi (stehende 
Figur mit Caduceus vor Altar). 
Imp. Traiano Aug. Ger. Dac. P. M. Tr. P. Cos. 

V. P. P. 

Es. ä. P. Q. R. Optimo Principi (stehende 

Moneta). 

Imp. Traiano aug. ger. Dac. P. M. Tr. P. Cos. V. 

Es. S. P. Q. R. optimo Principi (stehende 

Figur zwischen Prora und Modius). 

Imp. Traiano aug. ger. Dac. P. M. Tr. P. Cos. 

VI. P. P. 

Es. S. P. Q. R. Optimo Principi (Traian zu 
Pferde). 
Imp. Traiano aug. ger. Dac. P. M. Tr. P. 
Es. Cos. V. P. P. S. P. Q. R. Optimo Princ. 
(stehende Victoria). 
Imp. Traiano aug. . . . P. M. Tr. P. Cos. VI. P. P. 
Es. S. P. Q. R. Optimo Principi (stehende 
Figur mit Globus). 
Kaiserdenar von Domitian oder Traian. 
Hadrianus Aug. Cos. III. P. P. 

Es. Aegyptos (sitzende Provinz Aegypten). 

Imp. Caes. Traian. Had . . . 

Es. Concord. Parth. Divi X. Tr. Xep. P. M. 

Tr. P. ... (sitzende Figur). 

Imp. Caes. Traian. Hadrian. opt. aug. germ. 

Es. Concord. Parthic. Divi Traian Aug. f. 

P. M. Tr. P. Cos. P. P. ^sitzende Figur). 

. . . Traian. Hadrianus aug. 

Es. Concord. P. M. Tr. P. Cos. III. (sitzende 
Concordia\ 



C. II. At). 27J oder •_'74, 



C. II. 46. 276. 



C. II. 47. 278 oder 27"J. 



C. II. 47. 2^4. 
C. II. 48. 288. 

C. II. 4'J. :;ü2 i'f) 



C. II. 50. 315. 



C. II. 60. 412. 



C. II. 65. 462. 



C. II. 65. 467. 



C. II. 68. 498 in Silber? 
Nicht sicher zu identi- 
fizieren. 

Xicht näher bestimmbar. 



Xicht näher bestimmbar. 



C. II. 114. 'J^J II" 
Xäher nicht bestimmbar. 

C. II. 125. 248. 



C. II. 125. 250. 



C. II. 125. 255. 



260 



Hailrianuä 



1 
o 

5 
1 

1 

1 

1 

1 



Iladrianuä augustus P. P. 

R<!. Cos. III. (stehende Minerva). 
Hailrianus augustus. 

J?.N. Cos. III. (stehende Diana). 
Hadrianua Augustus. 

Rs. Cos. III. (stehender Bonus Eventus). 
Imp. Traiano aiig. ger. Dac. P. M. Tr. P. 

Rs. . . . optimo Principi (stehende Figur). 

Iladrianus Augustus- 

R!<. Cos. III. (sitzende Roma rechts). 
Hadrianus Augustus. 

Rs. Cos. III. (sitzende Roma) 
Ebenso (stehende Roma). 
Ebenso (stehende Victoria). 
Ebenso sitzende Figur vor Modius mit Ähren). 
Hadrianus August. 

lis. Cos. III. stehende Spes). 
Imp. Caesar Traian. Hadrianus aug. 

Rs. Fei. P. R. P. M. Tr.P. Ccs. III. (sitz. Figur) 
Hadrianus Aug. Cos. lU. P. P. ■ 

Rs. Fortunae Reduc. (zwei Figuren). 
Hadrianus aug. Cos III. P. P. 

Rs. Germania (stehende Germania). 
Hadrianus Augustus. 

Rs. Cos. III. ludulgentia aug. P. P. (sitzende 
Figur;. 
Imp. Caes. Traian. Hadriano aug. Divi Tra. 
Rs. Justicia Parth. F. Divi Ner. Nep. P. M. 
Tr. P. Cos. (sitzende Figur). 
Imp. Caesar Traian. Hadrianus aug. 

Ra. Justizia P. M. Tr. P. Cos. III. 
Imp. Caesar Traian. Hadriano aug. 

Rs. Lib. Pub. P. M. Tr. P. Cos. III. (sitzende 
Figur). 
Hadrianus aug. Cos. III. P. P. 
I Rs. Moneta aug. (stehende Moneta). 
i Imp. Caes. Traian. Hadriano aug . . . 

Rs. l'ietas Parth. F. Divi Xer. Xep. P. M. 
Tr. P. Cos. {stellende Pietas). 
Imp. Caesar Traian. Hadrianus aug. 
Rs. Pietas P. M. Tr. P. Cos. II. 
Iladrianus aug. Cos. III. P. P. 

Rs. Pietas aug. (stehende Pietas). 
Imp. Caesar Traian. Hadrianus aug. 

Rs. P. M. Tr. P. Cos. III. (stehender Bonus 
Eventus). 
Eliciiäo (stehende Figur mit Waagei. 
Ebenso (stehende Victoria). 

Ebenso (stehende Figur mit Caduceus). 
Imp. Ciies. Traian. Hadrianus aug. 

Rs. P. .M. Tr. P. Cos. III. 'stehende Fortuna}. 



C. n. 131. '295 tr. Näher 

nicht bestimmbar. 
C. II. 133. 315. 

C. II. 135. 335 oder 336. 

Nicht näher bestimmbar. 

Den LTmschriften nach 

sogar Traianus. 
C. II. 135. 337. 

C. II. 135. 337 ff. Näher 

nicht bestimmbar. 
C. II. 136. 349. 
C. II. 136. 358. 
C. II. 138. 379 (?) 
C. II. 139. 390. 

C. II. 158. 600. 

C. II. 172. 788 oder 789. 

C. II. 173. 802 ff. Näher 

nicht bestimmbar. 
C. II. 177. 853. 854 oder 

857. 858. 

C. II. 179. 874. 



WohI = C.lI.180.s77.(Cos. 
III verlesen für Cos. II). 
C. II. 181. 003-905. 



C. II. 186. 963 oder 965 

bis 967. 
C. II. 191. 1023. 



C. II. 191. 1027. 

C. II. 191. 1028 ff. Näher 

nicht bestimmbar. 
C. II. 197. 1093 (?). 



C. II. 199. 1118-1120. 
C. II. 200. 1129 ff. Näher 

nicht bestimmbar. 
C. II. 201. 1143 i?). 
C. II. 202. 1155 — 1157 (?). 



261 



Iladriimus | Iladriunus au-^. Cüs. U\. V. 1\ 

i Ed. Restitutori Ilispaniao (knioLMidc l'roviiu 
vor Hadrian). 
Hadrianus aug. Cos. HI. P. P. 

Es. Romulo Conditori (schreitender Roniulus 
mit Spolia Optima). 
Imp. Caesar Traian. Hadrianus aug. 

Es. Sal. aug. P. M. Tr. P. Cos. III. (sitzende 
Salus:. 
Hadrianus Aug. Cos. II. P. P. 

Es. Salus Aug. (stehende Salus). 
Dieselbe mit Cos. III. 
Hadrianus aug. Cos. . . . P. P. 

Es. Tellus Stabil, (stehende Figur). 
Hadrianus augustus. 

Es. Cos. III. Tranquillitas aug. (stehende 
Figur). 
Hadrianus augustus. 

Es. Cos. III. Tranquillitas aug. P. P. (stehende 
Figur). 
Hadrianus aug. Cos. III. P. P. 

Es. Victoria aug. (stehende Victoria). 
Hadrianus aug. Cos. III, P. P. 

Es. Spes aug. (stehende Spes). 
Hadrianus augustus. 

Es. Cos. III. (schreitende Minerva). 
Imp. Caes. Traian. Hadrianus aug. 

Es. P. M. Tr. P. Cos. III. (stehende Figur). 
Imp. Caesar Traian. Hadrianus aug. 

Es. P. 31. Tr. P. Cos. III. (stehende Minerva). 
Ebenso (sitzende Romaj. 

Ebenso (sitzende Figur mit Victoria). 

Sabina Sabina augusta. 

Es. Venere Genetrici (stehende Venus). 
Antoninus . . . el Caes. Hadr. Antoninus. 

Pius Es. aug. Plus P. M. Tr. P. Cos. (zwei Hände 

halten Caduceus und Ähren). 
Antoninus Aug. Pius P. P. 

Es. Tr. P. Cos. II. (stellende Figur mit 
Füllhorn und Zweig). 
Ebenso; doch Kopf nach links. 
Imp. T. Ael. Caes. Antoninus. 

Es. Trib. Pot. Cos. (stehende Minerva). 
Faustina I. Abgegriffener Denar. 
Caracalla Antoninus Pius Aug. 

Es. Pontif. Tr. P. Cos. III. (stehender Mars.) 
Antoninus . . . 

Es. ... (Pontißcal-lnstrwnente'. 
Julia Julia Soaemias aug. 

Soacmias Es. Venus Caclcstis [sitzende Venus mit 

Amor). 



C. II. 'JI'J. Vim. ll'til oder 
1270. 

C. II. 215. l:J1^5-l:il8. 



C. II. 216. 1324 oder 1326. 

i:i27. 

C. II. 216. 132M ff. Do(!h 
nicht sicher identifi- 
zierbar. 
C. II. 224. 142.)— 1427. 

C. II. 22,'). 1437 — 1430. 



C. II. 225. 144Ü oder 226. 
1443. 

C. II. 227. 1454-1456. 

Nicht bei Cohen . 



Mcht genauer bestimmbar. 



Desgl. 
Desgl. 

Nicht mehr sicher zu iden- 
tifizieren. 
Desgl. 
C. II. 253. 73. 

C. II. 27'J. 90 oder ül. 



C. II. 351. 831 (Aversum- 
schrift ungenau gelesen ). 

Nicht bei Cohen. 
C. II. 372. 1057. 



Nicht zu identifizieren; 
bei 1. Eeverslegende 
ungenau gelesen. 

C. IV. -JSO. 14. 



262 

Fassen wir nunmehr noch einmal kurz die Unrichtigkeiten zusammen, 
welche sich sowohl für das Kihm'sche wie für das detaillierte Verzeichnis 
ergeben haben. 

1. Beide teilen eine Münze dem Vespasianus zu, welche in Wirklichkeit 
Yespasianus, Titus und Domitianus gehört. 

2. Kihm spricht fälschlich 3, das detaillierte Verzeichnis 1 Titusmünze 
dem Vespasianus zu. 

3. Kihm nimmt zu Unrecht 2 Münzen für Antoninus Pius in Anspruch, 
welche in Wirklichkeit Caracalla zuzuweisen sind. 

Das heisst also : 

1. In dem Kihm'schen Verzeichnis sind von der angegebenen Stück- 
zahl abzuziehen bei 

Vespasianus . . 4 Stück, also 86 — 4 = 82 
Antoninus Pius .2 „ „ 6 — 2 = 4 

Dagegen sind zuzufügen bei 

Titus .... 3 Stück, also 8 + 3 = 11 
Caracalla ... 2 „ „1 + 2=3 

2. In dem detaillierten Verzeichnis ist von der angegebenen Stückzahl 
(die ja übrigens wegen der UnvoUständigkeit des Verzeichnisses kaum 
in Betracht kommt) abzuziehen bei 

Vespasianus . . 2 Stück, also 76 — 2 = 74 

Dagegen ist zuzufügen bei 

Titus ... 1 Stück, also 10+1 = 11 

3. In beiden Verzeichnissen ist einzufügen: 

Vespasianus, Titus und Domitianus 1 Stück. 

Führen wir diese Abänderungen aus, so erhalten wir ein wenigstens an- 
nähernd richtiges Bild von dem thatsächlichen Bestände unseres Münzfundes — 
und zwar gestaltet sich dasselbe folgendermassen: 

Nero .• 9 Stück 

Galba 3 

Otho 2 



V 



o 



n 



Vitellius 

Vespasianus 82 „ 

Vespasianus, Titus u. Domitianus . . 1 „ 

Titus 11 „ 

Domitianus 43 „ 

Nerva 8 „ 

Traianus 88 „ 

lladrianus 69 „ 

Sabina 2 , 

Antoninus Pius 4 „ 

324 Stück. 



in dd3 Jahr 138 
n. Chr., 



263 

Diese 324 Stück also sind diejenigeD, welche Habel von Oppenheim 
kaufte, sie stellen den ganzen Gesamtfund dar mit Ausnahme der 26 Münzen, 
welche bei dem Silberarbeiter Schmidt in Frankfurt verblieben. 

Zu diesen 324 Stück kamen nachträglich unter der falschen Behauptung 
der Zugehörigkeit noch die bereits oben (S. 253) besprochenen 8 Stück 
der späteren Zeit und — wohl nur durch irgend welches Versehen — der 
Farailiendenar. 

Was nun schliesslich die Zeit unseres Fundes betrifft, so gewähren uns 
die vier Münzen des Antoninus Pius durch ihre gute Datierbarkeit vorzügliche 
Anhaltspunkte. Es sind nämlich: 

Cohen II. 279. 90 oder 91 

Cohen II. 279. 90 oder 91, doch K. u. 1. 

Cohen IL 372. 1057 

Cohen II. 351. 831 in das Jahr 139 n. Chr. 

zu setzen. 

Somit gehören sämtliche Piusmünzen des Fundes in die beiden ersten 
Jahre der 23 jährigen Regierung des Kaisers. Es ist einleuchtend, dass dies 
wohl kein Zufall sein kann, und dass wir mit Recht die Vermutung aussprechen 
dürfen, der vor nunmehr 46 Jahren gehobene Schatzfund stamme aus der Zeit 
kurz nach dem Jahre 139 unserer Zeitrechnung. 



II. Der zweite Fund. 

Auf dem zweiten Blatte des mehrfach erwähnten losen Foliobogens, welcher 
den Anfang von dem Verzeichnis des besprochenen Silbermünzenfundes ent- 
hält, befindet sich — offenbar gleichzeitig niedergeschrieben und zwar am 
3. Januar ISöl, wie eine Bemerkung unten zeigt — eine weitere Notiz, deren 
Überschrift folgendermassen lautet: 

Ankauf von Alterthümern, Münzen etc. 
1850. 31. Dezember v. H. Hofjuwelier Oppenheim 
(ä 60 fl.) in Frft. 

"Wir haben es also hier zweifellos mit einem Ankaufe zu thun, welcher 
von dem früheren, dem des Silbermünzenfundes, zu unterscheiden ist; denn 
jener erfolgte Anfang Dezember und es wurden nicht 60, sondern 150 fl. 
dafür gezahlt. 

Als Inhalt dieses neuen Ankaufes zählt nun Habel weiterhin auf: 

Lnter A. eine ganze Anzahl uns hier nicht interessierender römischer 

Funde, Anticaglien etc., ferner aber unter 

^ B. 88. römische Bronze-Münzen Mittelerz, 123 desgl. kleinste 

(IV.) aus der Zeit des Tetricus und der XXX Tyr. (gef. 

zusammen in Heddernheim). 

Es handelt sich demnach in diesem Falle um einen zweiten Heddernheiraer 

Gesamtfund römischer Münzen und zwar solcher aus verhältnismässig später 

Zeit; er ist gekauft am 31. Dezember 1850, also wahrscheinlich kurz vorher 



264 

gehoben worden; da ihn nun Habel, als er den Silbermüazenfuud von Oppen- 
heim erwarb (Anfang Dezember 1850), noch nicht in dessen Besitze sah — 
andernfalls hätte er ihn sieher gleich mitgekauft — so dürfen wir wohl an- 
nehmen, dass dieser Heddernheimer Kollektivfund römischer Münzen aus der 
Zeit des Tetricus und der 30 Tyrannen im Laufe des Monats Dezember dem 
Erdreich — wo, wissen wir leider nicht — enthoben wurde. 

Er hatte ein glücklicheres Geschick als sein Vorgänger, der im November 
desselben Jahres gemachte Silbermünzenfund, denn er wurde nicht wie jener 
aufgelöst, sondern befindet sich noch in seinem ursprünglichen Bestände im 
Museum zu Wiesbaden. Aber auch hier stehen wir wieder vor einem Rätsel; 
denn dieser Bestand beläuft sich nicht auf die von Habel angegebene Zahl 
von 123 Kleinerzen, sondern die Summe seines Inhaltes beträgt fast das Zehn- 
fache dieser Ziffer. 

Wie diese ausserordentliche Differenz zu erklären ist, 'weiss ich nicht; 
man kann nur annehmen, dass sich, ähnlich wie bei dem Silbermünzenfund, 
nachträglich noch — nachdem Habel abgegangen war — zahlreiche zuge- 
hörige Stücke zu den 123 hinzugefunden haben, welche im Museum einfach 
zu letzteren gelegt wurden unter Beifügung der Provenienzangabe „Heddern- 
heim" für die Gesamtheit. 

Irgend welche Notiz hierüber ist uns indessen nicht erhalten. 
Der Fund besteht im ganzen aus 1178 Stücken, welche sich auf 9 
Kaiser von Traiauus Decius bis Quintillus folgendermassen verteilen: 

Traianus Decius 1 Stück 

Gallienus 7 „ 

Postumus 2 „ 

Laelianus 1 „ 

Yictorinus 108 „ 

Tetricus 1 707 „ 

Tetricus II 316 

Tetricus I. oder II. (unbestimmbar) . 11 „ 

Claudius II. Gothicus 23 „ 

Quintillus 2 „ 

1178 Stück. 

Von diesen 1178 Stück gehören also über 1000 den beiden Tetricus an. 
Einen Unterschied in der Erhaltung der einzelnen Münzen mit Rücksicht darauf, 
ob sie längere oder kurze Zeit im Kurse waren, konnte ich nicht wahrnehmen, 
im Gegenteil machten mir die Gepräge in dieser Hinsicht einen ziemlich gleich- 
artigen Eindruck; stempelfrische Exemplare sind nicht darunter. 

Ich lasse nunmehr zunächst eine eingehende Beschreibung"') sämtlicher 
Stücke, soweit möglich nach Cohen, Med. imp. 2. Aufl. folgen, deren syste- 
matische Anordnung keiner besondeien Erläuterung bedarf: 

*-) Von einer Veröffentlichung dieses ausfiihrliclien Verzeichnisses, welches ich selbst 
bearbeitet habe, glaubte ich um so weniger Abstand nehmen zu sollen, als ich gerade bei 
Benutzung der bisher über ähnliche Mün^sohatzfundo publizierten Litteratur vielfach mit Un- 
genauigkeit und Unvollstäiidigkcit der betr. Verzeichnisse zu kämpfen hatte. 



265 



Kaiser. 



Reversumschrift. 



Traianus 

Decius 
Gallienus 



Uberitas Aug. 



Apollini Cons. Aug. 



Postumus 

Laelianus 
Victorinusl. 



»» 



Fides militura 
Jovi propugnat. 

Provid. Aug. 
Seourit. Perpet. 

(Pax Aug.?) 



Pax Aug. 
Virtus equit. 
Victoria Aug. 



luvictus 



Pax Aug. 



Pietas Aug. 



M — 

;3 r! 



Beschreibung. 



U 
1 



13 
6 



Cohen V. 370. 246. 
Cohen V. 382. 382. 
Cohen V. 425. 8-39. 
Cohen V. 434. 961. 



Cohen V, 196. 10.'). S. (= Silber), plattiert. 

Coh. V. 3.')4. 73. K. B. (= Kleinbronze). Cberprägung .,und 
zwar sind beide Seiten mit demselben Stempel iiber- 
prägt oder vielmehr die Hälfte der Münze ist nach der 
ersten Prägung noch einmal zwischen die Stempel 
geraten und hat einen neuen Schlag erhalten; man 
sieht über dem Kopfe noch einmal die untere Hälfte 
des Kopfes und den Schluss der Schrift IGAL* 
LIENVS AlVG; auf der Rs. ist nichts Einzelnes 
zu erkennen".-') 

K. B. 
K. B. 
K. B. 
K. B. 

LGALLIEINVS AV[G1 K. in Strahlenkrone n. r. J?ä. 
AVG . Piix mit Zweig und Querscepter n. 1. 
K. B. 

Noch erkennbar: GALL[IENVS AVGl K. in Strahlen- 
krone n. r. B.s. . . . V . . . Nach 1. stehende Figur. 
K. B. 

Cohen VI. 38. 215. Billon. 

Cohen VI. 62. 441. K. B. 

Cohen VI. 66. 4. K. B. 

Einseitige Prägung: IMP. C. VICTORINVS P. F. 
AVG. K- io Strahlenkrone n. r. K. B. 

Einseitige Prägung: . . . VICTORILNVS] . . . [A VlG. 
Kopf in Strahlenkrone n. r. K. B. 

Cohen VI. 73. 49. K. B. 

Cohen VI. 73. 49; doch Aversumschrift endigt mit 
AV anstatt AVG. K. B. 

Wahrscheinlich Cohen VI. 73. 49; doch von Avers- 
umschrift nur ... [VIGITORINVS P. F. AVG. 
erhalten. K. B, 

[IMP.] 0. VICLTORIINVS . . . K- i« Strahlenkrone 
n. r. Bs. LINVICTIVS. Sol die R. erhebend 
mit Peitsche in d. L n. 1. eilend. Vor ihm Stern. 
Wohl Cohen VI. 73. 49. K. B. Barbarische 
Prägung. 

Cohen W. 77. 79. K. B. 

Höchstwahrscheinlich: Cohen VI. 77. 79; doch Anfang 
der Aversumschrift nicht, höchstens ... VIC- 
TORINVS P. F. AVG. erhalten. K. B. 

IMP. 0. VICTORINVS P. F. AVG. K. in Strahlen- 
krone n. r. B.S. P[AX; Spuren sichtbar] AVG. 
Pax mit Zweig und Scepter n. 1. K. B. Nielit 
bei Cohen. 

Cohen VI. 78. 90. K. B. 



-^) Die Bestimmung dieser Münze verdanke ich der Güte des Herrn Prof. B. Pick in Gotha. 



266 



Kaiser. 



Reversumschrift. =■§ 



Bcächreibunar. 



Victorinusl. 



»» 



Tetricus I. 



Provid. Sm%. 
Providentia Au?. 



Salus Aug. 



Salus Au?, oder 



Augg. 



Virtus Aug. 






Comes Aug. 



C'onies Aug. oder 



Aug. N. 



Felicitas publica 



12 



3 

13 

4 



23 

l 



1 

1 

1 

28 
1 

12 
1 
1 



Cohen VI. 79. 100. K. B. 

Cohen VI. 79. 101. K. B. 

Höchstwahrscheinlich Cohen VI. 79. 101; doch von 
Aversumschrift nur ... VICTORINVS P. F. 
AVG. oder noch weniger erhalten. K. B. 

Cohen VI. 81. 112. K. B. 

Cohen VI. 81. 118. K. B. 

Höchstwahrscheinlich Cohen VI. 81. US, doch von 
Aversumschrift nur ... [VICITORINVS P. F. 
AVG. o'iß'' noch weniger erhalten. K. B. 

[IMIP. C. VICTORINVS P. F [AVGl K. in 
Strahlenkrone n. r. Rs. SLALVSl AVLGl Salus 
n. 1., um Altar gewundene Schlange fütternd, 1. 
Anker (NB!) haltend. K. B. Nicht bei Cohen. 

IMP. C. VICTORllNVS.) Kopf in Strahlenkrone 
n. r. m. S[AL1VS IAV]G. Salus n. 1., Schlange 
(um Altar gewunden) fütternd, mit Scepter? K. B. 

I! VI[CT0R1NV1S II AVG. Kopf in Strahlenkrone 
n. r. Ui. ZALVS [AV od. AVGIG Salus n. 1., 
um Atlar gewundene Schlange fütternd, und mit 
Anker. K. B. Äusserst rohe, barbarische Prägung. 

Cohen VI. 83. 131. K. B. 

... VICTOfRINVSl ... K. in Strahlenkrone n. r. 
^<^- ... IPVBILICA. Weibl. Figur mit Palme 
und Füllhorn n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. 

[IMP. 0. PJIAV. VICTORINVS. K. in Strahlen- 
krone n. r. Us. ... u TR 'Aod. R?) S. Weibl. 
Figur mit ? (Schale ?) und Füllhorn vor Altar n. 1. 
K. B. Nicht bei Cohen. 

Einseitige Prägung: |MP TLETRICVS] ... AVG. 
K. in Strahlenkrone n. r. K. B. 

Einseitige Prägung: ... LTET1RICVS P. F. AVG. 
K. in Strahlenkrone n. r. K. B. 

Einseitige Prägung: ... ITEITRICVS P. F. AVG. 
K. in Strahlenkrone n. r. K. B. 

Cohen VI. 93. 17. K. B. 

Cohen VI. 93. 17., doch endigt die Aversumschrift 

mit AV anstatt mit AVG. K. B. 
Cohen VI. 93. 17. oder 18. K. B. 
Cohen W. 93. 18. K. B. 

IMLPl. TETIRICJVS P. F. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. Rs. COMIES] . . . Victoria m. Kranz und 
Palme n. 1. Durch einen Stempelfehler scheint es, 
als stünde sie auf einem querliegenden Gegenstand, 
etwa einem Schififshinterteil. K. B. 
[IMIP. C. TETRICVS P. F. . . K. in Strahlen- 
kronen. r. Ii^s. FELIICITAS PVBLICIA. (Um- 
schrift beginnt rechts oben, anstatt links unten"). 
Felicitas mit Caduccus und Füllhorn u. r. K. B. 
X i eil t bei Collen. 



267 



Kaiser. 




Beschreibung. 



TetPicus I. 



Fides railitum 



Hilaritas Aug. 



Hilaritas Augg. 



Hilaritas Aug. oder 
Augg. 



Hilaritas Aug. oder 



Augg. 



8 



1 



1 



1 



26 
9 



1 



8 



7 I Cohen VI. 06. :i7. K. B. 

1 ; Cohen VI. 96. 37. Umschr. des lis. nicht mehr erkennbar. 
K. B. 

Sohluss der Aversumschrift: . . , TETRICVS P. F. 
AVG. Also = Cohen VI. 96. :',7. od. 41. K. B. 

Sohluss der ATersumschrift: ... TETRICVS AVG. 
Also = Cohen VI. 96. 39. 40 oder 4:i K. B. 

Cohen VI. 96. 43. K. B. 

IMP TETRIC[VS1 ... K. in Strahlenkrone n. r. 
h'a. F[IDE1S MILITVM (Sehr undeutlich.; Fides 
mit 2 Feldzeichen. K. B. 

IM (= IVI) P [AVJG Kopf in Strahlenkrone 

n. r. ^5. F[IDES MILITVM] Fides mit 2 Feld- 
zeichen n. 1. stehend. K. B. 

IM TETIL (oder V) P oder DjICVS 0. A. P. A. 
(sie! II) K. in Strahlenkrone n. r. lis. Weibl. Figur 
mit zwei Feldzeichen im Typus der fides militum. 
Keine ümschr. K. B. Rohe, barbar. Xachprägung, 

Cohen VI. 97. 49. K. B. 

IMP. 0. TETRICVS P. A. ^sic!) K. in Strahlen- 
krönen, r. I>s. HILAR. AVG. Hilaritas mit Palme 
und Füllhorn n. 1. K. B. Sehr barbar. Prägung. 

Cohen VI. 97. 54. K. B. 

Typus Cohen VI. 97. 54. 55. Da Anfang der Avers- 
umschrift unvollständig, ist genauere Bestimmung 
nicht möglich. K. B. 

Cohen VI. 97. 55. K. B. 

Äv. Umschrift unkenntlich. K. in Strahlenkrone n. r. 
^«- [HI]L[ARITIA2 AVOO. Hilaritas mit (wie 
ein Scepter gebildeterj Palme und Füllhorn n. 1. 
K. B. Barbarische Prägung. 

. . . TETRICVS P. F. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. i?s. HCl ... AVGG. Hilaritas mit Palme 
und Füllhorn n. 1. K. B. Sehr barbar. Prägung. 

Typus Cohen VI. 97. 49. od. 54. flF. Da Sohluss der 



Reversum Schrift verstümmelt, Genaueres nicht fest- 
zustellen. K. B. 
Die Aversumschrift lautet bei : 

4 Stück = IMP. TETRICVS P. F. AVG. 

1 „ = ... LTJETRICVS (Sehr barbar. 
Prägung!) 

3 „ nicht mehr genügend erkennbar. 

8 Stück. 
K. in Strahlenkrone n. r. Rs. [HILlARITAS [AVG 
oder AVGG]- Hilaritas mit Palme und Füllhorn 
n. 1. stehend. Mehr nicht erkennbar. K. B. 
[IM]P. C. [TIETRICVS. P. 1. A. <>ic:) K. in 
Strahleukrone n. r. Jis. HIL . . . (-»mM. Hilaritas 
mit Kranz und Scepter n. 1. K. B. Sehr barba- 
rische Prägung. 



268 



Kaiser. 



Reversumschrift. 



Beschreibung:. 



Tetricus I. 



Hilaritas Aug. oder 



Invictus 



Laetih Aug. 



Laetitia Aug. 



Laetitia August oder 



Ausrast!. 





Laetitia Aug. X. 


28 




Laetitia Augg. 


47 




» 


28 




, 


•j 




ff 


1 



Laetitia Aug. oder 53 
Aug. X. oder Augg. 



K. ß. 



. . . TETRICVS K. in Strahlenkrone n. r. Es. 

...ARTAS :??)... Weibl. Fig. im Typus der 
Fides milirum (mit 2 Feldzeichen) oder wohl eher 
Hilaritas (mit 2 Palmen oder Palme und Füllhorn) 
n. 1. stehend. K. B. 

Cohen VI. 08. BO. K. B. 

...[TIETRICVS AVG. K. in Strahlenkrone n. r. 
lis. INLVICTVSJ Sol, die R. erhebend, ra. Peit- 
sche n. 1. K. B. 

IMP. C. TETRICVS P. F. AVG. K. in Strahlen- 
kröne n. r. h's. LAETIT. AVG. Laetitia mit 
Kranz und Anker n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. 

Cohen VL 99. 70. K. B. 

IMP. 0. TETRICVS P. F. A. K. in Strahlen- 
krone n. r. ii'5. LAETITIA AVG. Laetitia mit 
Kranz und Anker n. 1. K. B. 

IMP. C. TE[TRICVS1 . . . K. in Strahlenkrone n. r. 
^'>-- LAETITIA AVGVST oder AVGVSTI. 
(Lesung unsicher!; Laetitia mit Kranz und Anker 
n. I. K. B. 

Cohen VL 99. 75. 
Cohen VL 99. 71. 
Cohen VL 99. 7L oder 72. 
Cohen VL 99. 72. 
. . . TETRICVS ... K. in Strahlenkrone n. r. Fs. 
LAETITIA AVGG. Laetitia mit Kranz und 
Anker n. 1. K. B. 
[IlMP. TE[TRICVS1... K. in Strahlenkrone n. r. 
Rs. LAETITLIAl AGG. 'sie!) Laetitia m. Kranz 
und Anker n. 1. K. B. 
Cohen VL 99. 70—72 oder 75. K. B. und zwar: 

25 mit Aversschrift: |MP. TETRICVS P. 
F. AVG. 
3 mit Aversschrift: |MP. C. TETRICVS 

P. F. AVG. 
25 bei denen dieser Unterschied wegen 
schlechter Erhaltung nicht mehr zu kon- 
statieren ist. 

. . . [2VOmiT3T. O. *=1MI K. in Strahlenkrone n. 1. 

-?«'». LAETITIA AIVG oder VGGl Laetitia 

mit Kranz und Anker n. 1. K. B. Nicht bei 

Cohen. 
. . . TETRICVS P. F. AVG. Kopf in Strahlenkrone 

n. r. Es. LAETIITIAl . . . Laetitia mit Kranz (?) 

und Anker n. 1. K. B. 
IMP. TETRICVS P. AVG. Kopf in Strahlenkrone 

n. r. Rs. LAET...A CO CT. Laetitia mit 

Kranz und Anker n. 1. K. B. 



269 



Kaiser. 



Reversumgobrift. 



:3 tj 



Beschreibung. 



Tetrieus I. Laecitia Au?, oder 1 



Aujj. N. oder Augg. i 



Moneta Aui 



Pax Aug. 






llOl' 



I 1 



. . . TETR R sehr schlecht) |CVS P. F. AIVC. ^sic!) 

K. in Straliienkrone n. r. J;s. LAETICV Laetitia 

mit Kranz uml Anker n. 1. K. ß. 
. . . M. C. TETRICVS ... K. in Strahlenkrone n. r. 

-fi"*- LD . . . (Laetitia ...?). N. 1. stehende weihl. 

Figur. Mehr nicht erkennbar. K. B. Barbarische 

Prägung. 

IMP. TETRICV2 P. AVG. K. in Strahlenkrone n. r. 
J^s. [MONIETA AVG. Weibl. Figur n. 1., die 
L. (ohne Attribut) vorstreckend, r. mit Scepter 
K. B 
Cohen VI. 102. dö. K. B. 

Typus Cohen VI. 102. 95 ff. und zwar zumeist (fast 
sämtlich) = Cohen ibid. it."). oder 99, soweit sich 
erkennen lässt. K. B. 
Cohen VI. 102. 96. | 
Cohen VI. 102. 98. K. B. 
Cohen VI. 102. 99. ) 

...AVG. Kopf in Strahlenkrone n. r. Es. PAIX 
AVIG. Weibl, Figur mit Kranz und Anker n. 1. 
stehend. K. B. Nicht bei Cohen, 
IMP. TETRICVS P. F. AVG. K. in Strahlenkrone 
n- r- LPIAX AVIGl Pax mit Zweig und Quor- 
scepter n. 1. K. B. Barbar. Prägung. Nicht bei 
Cohen. 
IMP. 0. TETRICVS P, AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. Bs. PAX AVG. Pax mit Zweig u. Scepter 
n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. 
IMP (geprägt IIVIP) C. TETLRICVSl P. I. (sie!) 
AVG. K. in Straliienkrone n. r, Ba. PAX AVG. 
Pax mit Zweig und Scepter n. 1. K. B. Nicht 
bei Cohen. 
IMP. C. TETRICVS P. F. (damit Schluss der 
Legende, ungewöhnlich grosse Buchstaben). K. 
in Strahlenkrone n. r. lis. PAX AVG. Pax mit 
Zweig und Scepter n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. 
... [TEITRICVS (damit schliesat die vollständige 
Legende). K. in Strahlenkrone n. r. Jis. |P]AX 
[AIVG. Pax mit Zweig (?) und Scepter n. 1. K. B. 
Nicht bei Cohen. 
C LTEJTRCIVS(sic!)p. F. AVG. K. in Strahlen- 
krone n. r. Ks. PAX AVG. Pax mit Zweig und 
Scepter n. 1. K. B. Niclit bei Cohen. 
IMP. TETRICVS (Jamit Legende vollständig). K. 
in Straliienkrone n. r. Bs. PAX AVG. Pax mit 
Zweig und Scepter n. 1. K. B. Nicht b e i Cohe n. 
IMP. C. TETRICVS P. F. AVG. K- in straliien- 
krone n. r. J!.s. PAX W G (^ic!) Pax mit Kranz 
und Anker n. 1. K. B. Nicht bei Coiion. 



18 



270 



1 "? -• 

Kai sei. Reversumsclirift. [äi,^ 



Beschreibung. 



Tetrieus I. 



Pax Aug. 



Pftx Aiigg. 



riMIP. P. C. TETRICVS P. ^^ic!) K. in Strahlen- 
krone n. r. Es. PAX AVG. Laetitia mit Kranz 
und Anker n. 1. K. B. Nicht bei Collen. 

...[TETRIICVSP. F. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. Bs. [PAlX AVG. Pax mit Zweig und 
Scepter n. 1. stehend. K. B. 

....[TETRIC1V[S1 P. F. AVG. K. in Strahlen- 
krone n. r. lis. [PAIX AVG. Pax mit Zweig 
und Scepter n. 1. stehend. K. B. 
[TETJRICVS ... K. in Strahlenkrone n. r. Es. 
I PAX 1 AVG. Pax mit Zweig und Scepter n. l. K. B. 

[IMIP TETRICVS P. (sie!) K. in Strablenkrone 
n. r. Es. [PAIX AVG. Pax mit Zweig und 
Scepter n. l. K. B. 

IMP. TETRICVS AVG. K- in Strahlenkrone n. r. 
Es. PAVX (si^^O AVG. Pax mit Zweig und 
Scepter n. 1. K. B. 

IMP. TETRICVS A (sicI). K. in Strahlenkrone n. r. 
■ß»- ... AVG Pax mit [Zweig] und Querscepter 
n. 1. stehend. K. B. 

...[TIETRICVS AVG. K. in Strahlenkrone n. r. 
Es. OV[A] XAS backte, n. 1. weit ausschreitende 
Figur, 1. Anker mit der Spitze n. oben (oder Lanze 
desgl., in der ausgestreckten R. ? haltend. K. B. 



Nicht bei Cohen. 



Barbarische Prägung. 



[IMPl C. [TETRICVS P. F. A]VG. K. in Strahlen- 
krone n. r. Es. OVA [XAS] Nach 1. weit aus- 
schreitende nackte Figur, 1. Anker (oder Lanze?) 
mit Spitze nach oben, in der ausgestreckten R. 
Zweig (?) haltend. K. B. Nicht bei Cohen. Bar- 
barische Prägung. 

. . . [TIETRICVS P K. in Strablenkrone n. r. 

Hs. [PAX] AVGG. Pax mit Zweig und Scepter 
n. 1. K. B. 

...TETRICVS P. F. (damit Schluss der Legende). 
K. in Strahlenkrone n. r. Es. [PA]X AVGG. 
Pax mit Zweig und Scepter n. 1. K. B. Nicht 
bei Cohen. 

IMP. C. [TETRJICVS P. F. AVG. K. in Strablen- 
krone n. r. Es. PAX [AVIGG. Pax mit Zweig (?) 
und Anker n. 1. Neben letzterem r., aus der Mitte 
herauswachsend, kleiner Gegenstand, ähnlich einem 
SchifFsvorderteil mit Ruder. K. B. Nicht bei 
Cohen. 

1 IMP. C. TETRI II A. (sie!) K. in Strahlenkrone 

I n. r. Es. PAX A . . G Pax mit Zweig und Quer- 

' scepter n. l. K. B. 

l IMP. C. TETRICViSl ... K. in Straldenkrone n. r. 

■'''''• . . . AVGG. P"x m. Zweig u. Scepter n. 1. K. B. 



271 




Beschreibung. 



Pietas Aug. 



Prine. iuvent. 



Provi. Aug. 



Provid. Aug. 



IMP. C. TETRICVS P. F. AVG. ^sei es, dasa die 
Umschrift ganz oder in .>i(;hor ergänzbaren Teilen 
erhalten ist). K. in Strahlenkrone n. r. Rs. PAX 
AV[G o^ier GG.l (ebenso wie bei Avers). Pa.x mit 
Zweig und Scepter n. 1. K. B. 

IMP. TETRICVS P. F. AVG. (nach sicher er- 
gänzbaren Resten). K. in Strahlenkrone n. r. Rs. 
PAX AV[G oder GG.J desgl. Pax mit Zweig 
und Scepter n. 1. K. B. 

[IlMP. 0. TETRICVS ... K. in Strahlenkrone n. r. 
Rs- [PIAX.... ^^^ ^^^ Zweig und Scepter n. 1. 
K. B. 

...VTRICVCO (sie!).., K. in Strahlenkrone n. r. 
i?s. [p]XX . . . ^^^ '"'* Scepter und Zweig n. r. 
K. B. Sehr barbarische Prägung. 

IMP. C. TETRICVS P. F. AVG. K. in Strahlcn- 
krone n. r. Es. P[AX1 . . . Pax mit Zweig und 
Querscepter n. 1. K. B. 

Av. Sinnlose Umschrift, aus senkrechten Strichen be- 
stehend, Rs. LI IS Weibliche Figur mit Zweig 
und Scepter n. 1. stehend. K. B. Sehr barbarische 
Prägung. 

IMP. TETRICVS P. F. AG (sie! die letzten 4 
Buchstaben sehr undeutlich.) K. in Strahlenkrone 
n. r. Rs. ... V XAS (sie! das X sehr undeutlich). 
Pax mit Zweig, die L. in die Hüfte stützend, n. 1. 
K. B. Barbarische Prägung. 

IMP. C. TETRICVS P. AV. K. in Strahlenkrone 
n. r. Rs. PIETA [^ie geringen sichtbaren Fuss- 
spuren der Buchstaben scheinen so ergänzt werden 
zu müssen S] AVG. Weibliche Figur mit Kugel 
[Schachtel?] und Scepter n. 1. K. B. 

Cohen VI. 105. 131. Doch |MP. Q. TETRICVS etc. 
nicht IMP. TETRICVS u- s. w. K. B. 

Typus = Cohen VI. 105. 131, doch da Aversumschrift 
unvollständig, nicht zu entscheiden, ob nicht viel- 
leicht |MP. C. TETRICVS... K. B. 

IMP. TETRI[CVS1 ... K. in Strahlenkrone n. r. 
Rs. PROVI. AVG. Providentia mit Stab und Füll- 
horn n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. 

...[TET]RICVS P. F. A. (sie!) K. in Strahlen- 
krone n. r. Ri. IPRQVIID. AV[G.] Providentia 
mit Stab und Füllhorn n. 1. K. B. 
MP. C. TETRIlCVSi... K. in Strahlenkrone 
n. r. Rs. IPROVIID... Providentia mit Stab 
n. 1. stehend. Die Figur ist nur zur oberen Hälfte 
sichtbar, indem die Rückseite der (sehr dünnen, 
blechartigen) Münze durch Ausrutsehen des Revers- 
stempels verprägt ist. K. B. (guter Stil). 



1 I 



272 



Kaiser. 



Reversumschrift. 



Besclireibung. 



Tetricus I. Provid. Aug. 



Salus Aus. 






Salus Augg. 



1 ! 



11 
11 



, .. TETRICVS IIICI (sie!) K. in Strahlenkrone n. r. 
-R*'- N.DI/A. uPI[^] (siel nur die untere Hälfte 
des O '"^ Stempel). Providentia mit Stab und 
Füllhorn n. 1.; vor ihr Stern. K. B. Sehr bar- 
barische Prägung. 

IMP. C. TETRICVS P. F. AVG. K'. in Strahlen- 
krone n. r. Rs. SALVS AVG. Salus stehend 
n. 1., um Altar gewundene Schlange fütternd und 
Scepter haltend. K. B. Nicht bei Cohen. 
TETRICVS (oder nur Schluss des Wortes) P. F. 
AVG. K. in Strahlenkrone n. r. Es. SALVS 
AVG. Salus, um Altar gewundene Schlange füt- 
ternd, steht mit Scepter n. 1. K. B. Nicht bei 
Cohen. 

[IMIP. TETRICVS P. F. ALVG.I K. in Strahlen- 
krone n. r. Es. . , . AVG. Salus, Sehlange füt- 
ternd und mit S<!epter n. 1. K. B. 

IMP. C. TETRICVS AG (sie!) K. in Strahlen, 
kröne n. r. Es. SALAS (sie!) AVG. Salus n. 1., 
um Altar sich windende Schlange fütternd, links 
Anker (I) lialtend. K. B. Barbarische Prägung. 

IMP. C. TLETRICVSI... K- in Strahlenkrone 
n. r. Es. Umschrift unsicher: SALIVS AIVG. (''?) 
Weibl. Figur mit Scliale (Schlange fütternd':') und 
Scepter (oder Anker) n. 1. stehend. K. B. Bar- 
barische Prägung. 

INP. (^ic-!) C. TETCIICVS! («ic!) ... K. in Strahlen- 
kröne n. r. Ji's. SALLVS AIVIGJ. Sulus mit 
Schlange in beiden Händen, {'^'ij Barbarische, sehr 
undeutliche Prägung. K. B. 

Cohen VI. 108. ir)3. \ 

Cohen VI. lOs. l.-,4. i K. B. 

Cohen VI. 108. 155. ' 

. . . [TIETRICVS P. F. . . . K. in Strahlenkrone n. r. 
-'''*'• . . . [AIVGG. Salus n. 1., um Altar gewundene 
Schlange futternd und mit Scepter. K. B. 



1 IMP. PETRICIVSI <sic!i 



K. in Strahlenkronc 



I "• '•■ ^•^•- LSAILIVS AVGGI Salus n. 1. stehend, 
um Altar gewundene Schlange fütternd und Anker 
iialtond. K. B. Barbarische Prilgung. Nicht bei 

I Cohen. 
1 P. I. C. TETRICVS P. F. AG. (sie!) K. in 
Strahlenkrone n. r. Es. [SALVIS AVGG. Salus 
n. 1., um Altar gewundene Sclilange fütternd, die 
L. auf Anker stützend. K. 13. 
IMP. TETRICVS P. F. AVG. K'. in Strahlenkrone 
n. r. Es. SALVS AVGG siel) Salus n. 1. 
stehend, um Altar gewundene Schlange fütternd 
und Socpter haltend. K. 15. Nirht bei Cohen. 



273 



Kaiser, 



Reversumschrift. 



1 




c; 


-7 




rrt 


^Si 


N 



Beschreibung. 



Tetricus I. 



» 






»» 



Salus Au;i,^g. 



Salus Aus-, oder 



Augjj. 



Spcs Au^ 



Spes Augg, 



Spcs Aug. ud. Augg. 



Spes publica 



1 IMP. C. TETaiC[VS P. F. AVIG. K. in Stmhlen- 
krone n. r. lU. SALVS AVGG. -^alus n. I., 
um Altar gewundene S<hlani,'e fütternd und mit 
Anker. K. B. Sehr barbarische Prägung. 

1 IJ...AVG. I. K. in Strahlenkrone n. r. IIa. |SAI- 
LVS AVGG. >*'ach 1. stehende weibl. Fii,'ur, die 
R. (Ohne Attribut) vorstreckend, 1. mirScepter. K. B, 
Sehr barbarische Prägung. 
Salus, um Altar gewundene Schlange fütternd, mit 
Anker n. 1. Aversumschrift bei: 

1 St. =|MP. C. TETRICVS... | 

2 n = IMP. TETRICVS P. F. AVG. K. B. 
-* . =...[TET1RICVS P. F. AVG. ' 

K. in Strahlenkrone n. r. 

IMP. TIETRICIVS P. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. iv\. LSIAILVSI... Salus mit Schale und 
Scepter n. 1. stehend; vor ihr Altar, um den Schlange 
gew^unden? K. B. 

IMP. C. TETRICVS P. . . . K- in Strahlenkrone 
n. r. -Rs. 0[OVAI [aiVLAlSl Salus mit Anker 
n. r. stehend. Schale über Altar (ohne Schlange) 
haltend. K. B Sehr rohe, barbarische Prägung. 

IIMJP. TETPIOVS (sie!)... K. in Strahlenkrone 
n. r. iLs. 8V[J]AS im Rund der Umschrift ver- 
teilt, also AVG oder AVGG. vergessen. Salus 
n. 1., um Altar gewundene Schlange fütternd und 
mit Scepter. K. B. 

Cohen VI. 108. 1,J8. (1 barbarisch.) K. V-. 

Cohen VI. 108. 160., doch nicht ,P. B. Q.^ sondern 
K. B. 

3 Cohen \^. 108. 162. K. B. 

1 Spestypus, doch in Umschrift SPES vergessen und 
nur (ganz umlaufend) AVGG. Cremeint Cohen VI. 
100. 163. nach Umschrift des Avers. Barbarische 
Prägung. K. B. 

Cohen VI. 108. 158. oder 109. 163. K. B. 

P. C. TETRICVS P. F. A (sie!) K. in Strahlcn- 
krone n. 1. Rs. SPIESI . . . Spes mit Blume, 
Gewand hebend, n. 1. K. B. 

. . . P. F. AVG. K. in Strahlenkrone n. r. lis. 
[SIPIEIS... Spes mit Blume, Gewand hebend, 
n. 1. K. B. 
20 j Cohen VI. 109. 170. . 

7| Cohen VI. 109. 170 oder 173. K. B. 

Cohen VI. 109. 172. ' 

IMP. C. TETRLIOVS... K. in Strahlenkrone 
n. r. B.S. [PVBLIICA, ganz am Rand verteilt, 
also SPES vollständig vergessen. Spes mit Blume, 



Gewand liebend, n. 1. K. B. 



Barbarische Prägun?. 



274 



Kaiser. 



Reversumsclirift. 



Beschreibung. 



Tetricus I. 



Spes publica 



Victoria Aug. 



Victoria Aug. oder 
Augg. 



Virtus Aug. 



Viftus Augg. 



»» 



»I 



Virtus Augus. 



2 

10 
6 



4 
9 



K. B. 



1 



...ITETJRICLVS]... AVG. K. in Strublenkrone 
n. r. Bs. ;|2E*^[8] Spes mit Blume, Gewaud 
hebend, n. 1. K. B. Sehr barbarisch. 

Cohen VI. 111. 184. ) 

Cohen VI. 111. 185. 1 

Da Reversumschrift unvollständig, nicht sicher. Avcrs- 
umschriit: IMP. C. TETRICVS. P. F. AVG. 
Wohl = Cohen VI. 111. 185. K. B. 

Cohen VI. 112. 199. \ 

Cohen VI. 112. 199 oder 200. I 

Cohen VI. 112. 200, doch Aversumschrift endigt iu 
A anstatt in AVG. 

IMP. TETRICVS ... K. in Strahlenkrone n. r. 
' j Es. LVIRTIVS AVG. ^lars mit Schild und Lanze 

I n. 1. = Cohen VI. 112. 200. K. B. 
17 I Cohen VI. 113. 207. K. ß. 
1 ; Cohen VI. 113. 207. Doch Aversumschrit't hat AV. 
statt AVG. K. B. 

Cohen VI. 113. 207., doch schlieast die Umschrift des 
Avers mit R. AVG. anstatt R. R. AVG. K- B- 

IMP. TETRICLVSI... K. in Strahlenkrone n. r. 
Es. Umschrift nicht erkennbar, Typus Cohen VI. 
113. 207. K. B. 

... [TIETRICIVS]... K- in Strahlenkrone n. r. 
Es. Umschrift nicht sichtbar. Typus Cohen VI. 
113. 207. K. B. 

Cohen VI. 113. 207, doch Büste n. r. K. ß. ]S^icht 
bei Cohen. 

IMP. TETRICVS P. F. AVG. K- in Strahlen- 
kröne n. r. Es. = Cohen VI. 113. 207. K. ß. 
Nicht bei Cohen. 

IMP. C. TETRICVS. P. F. AV ^^ic!) K. in Strahlen- 
krone n. r. Es. VIRTIVSI AVGG. Virtus, 1. 
auf Schild gestützt, mit Lanze n. I. K. B. 

. . . [TETIRICVS P. AVVG. (sie!) K. in Strahlen- 
kröne n. r. Es. [VlIRTVS . . . Mars, auf Schild 
gestützt und mit Lanze, n. r. stehend. K. B. 

IMP. TETRICVS P. F. A. K- in Strahlenkrone 
n. r. Es. VIRITVSI AVGG. Virtus oder Krieger 
mit 2 Lanzen (in jeder Hand eine) n. 1. schreitend. 
K. B. Barbarische Prägung. 

Sehr barbarische Xaohprägung von Cohen VI. 113. 
207. IMP. [TETIRICVS. K. in Strahlonkrone 
n. r. Es. [VIRITVS AUGG. Virtus mit Schild 
und Lanze n. 1. K. B. 

. . . TETRICVS I . . . K. in Strahlenkrone n. r. Es. 
LVIIRTVS lAIVGVS su-'.) Krieger, auf Schild 
gestützt und mit Lanze, n. 1. stellend. K. B. Bar- 
barische Prägung. 



1 



1 



1 



1 



275 



Kaiser. 



Reversumschrift. 



;3 es 
5 " 



Beschreibung. 



Tetricus I. Hilaritas Aug.? 



Laetitia Aug.V 



PflX .\ug'.? 



Salus Aug. oder 
Augg.V 



Spps publica? 



. . . [TETRIICVS DI. AVGV (sie!). K. in Strahlen- 
krone n. r. Et. Sinnlo«(e Umschrift: FIIPO 
"Weibl. b'igur im Hilaritastypus (mit Palme und 
Füllhorn) n. 1. K. B. Barbarische Prägung. 

. . . TETRICVS. P. I. F. AVG. fsic!) K. in Strahlen- 
krone n. r. Jis. ...AVG. Laetitia mit | Kranz] 
und Anker n. 1. K. B, 

. . . [TETRIIOVS. K. in Strahlenkrone n. r. Bs. 
. , . XI Laetitia mit? und .\nker n. 1. stehend. 
K. B. Barbarische Prägung. 

M. G. TETRIC[VS1 ... K- in Strahlenkrone n. r. 
/.'». PAV sie!) (soll wohl heissen Pax?) /\Q fsio! 
= Aug?) Weibl. Figur mit Schale und Scepter in 
Vorderansicht. K. B. Nicht bei Cohen. Bar- 
barische Prägung. 

MP. (8icO TIETRICVIS P. F. AVG. K. in Strahlen- 
krone n. r. Bs. Von Umschrift nur unsichere 
Spuren: , . . ^' . . . Keinesfalls scheint sie dem Ty- 
pus (^Pax mit Zweig und Scepter n. 1.) entsprochen 
zu haben. K. B. 

. . . [TEITRICVS AVG. K. in Strahlenkrone n. r. 
^«- ... AVG. Pax (?) mit Zweig (?) und Quer- 
scepter (?) n. 1. stehend. K. B. 

. . . ITETlRICVS . . . noch in schwaclien Spuren 
sichtbar. K. in Strahlenkrone n. r. Es. JMO . . . 
VGG. Salus n. 1., um Altar gewundene SclUange 
fütternd, die L. auf umgekehrten Anker (Spitze 
nach oben) stützend. K. B. Sehr barbarische 
Prägung. 

. . . [TETRICIVS. P. I. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. Bs. Sinnlose Buchstaben, von denen sicher: 
. . . TIAIC . . . Spes mit Blume, Gewand hebend, 
n. 1. K. B. Barbarische Prägung. 

IMP. 0. TETRICVS P. F. AVG. K. in Strahlen- 
krone n. r. Bs. [PVBL?]ICA Jni Rund verteilt. 
"Weibl. Figur mit? und Zweig n. 1. stehend. K. B. 

. . . AVG. K. in Strahlenkrone n. r. Es. ... AVG. 
Nach links stehende weibl. Figur, deren Attribute 
nicht erkennbar. K. B. 

...[TETIRICVS P. F. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. Es. . , . AVGG. Infolge Verprägung durch 
Ausrutschen des Stempels nur halb erkennbare, 
stehende weibl. Figur. K, B. 

...LTETIRICVS P. F. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. Es. Umschrift unkenntlich. Weibl. Figur n. r. 
(vor Altar?) stehend. K. B. 

IMP. TLETRIGVSI . . . K- in Strahlenkrone n. r. 
Bs. Umschrift unkenntlich; n. 1. stehende weibl. 
Figur, deren Attribute nicht erkennbar. K. ß. 



276 




Beschreibung. 



Tetpicus I. 



. . . [TEITIRICVS (sie!) P. . . . K. in Strahlenkrone n. r. 
^^- . . . IE . . . Krieger, r. auf Scliild gestützt, 1. 
mit Lanze (aufgestützt), schreitet, sich umwendend, 
nach rechts. \or ihm X. K- B- 

[IIMP. [TETRICiVS P. F. AG ^ic!) K. in Strahlen- 
krone n. r. Es. ... VAIS (oder C) . . . -Mit 
Getass n. 1. schreitende, das Gewand 1. liebende 
Figur. K. ß. Sehr barbarische Prägung. 

...VTRICS... K. in Strahlenkrone n. r. Es. Um- 
schrift unkenntlich. In Yorderansicht stehende 
woibl. Figur mit Anker und Scepter. K. B. Sehr 
barbarische Prägung. 

IMP. C. TETRICVS P . . . K. in Strahlenkrone 
n. r. J?.N\ . , . V . . AVGG. Nach 1. stehende weibl. 
Figur mit Stab (? gesenkt; und Scepter. K. B. 
Barbarische Prägung. 

...LTETRIICU d. VIG. K. in Strahlenkrone n. r. 
Rs. Sinnlose Zeichen als Umschrift; mit Scepter und 
? n. r. stellende weibl. Figur. K. B. Sehr bar- 
barische Prägung. 

IMdVI) P... LTETRICJVa AV. K. in Strahlen- 
krone n. r. Es. ...C (Unterteil eines 2^) ...I 
AVGG. Weibl. Figur mit Scepter und Kugel n. r. 
K. B. Barbarische Prägung. 

[IIM. C. TETI (8ic!j ^'VG -»ic!) K. in Strahlenkrone 
n. r. Rs. . . . 2A. Weibl. Figur mit Scepter und 
? (I. Arm Torgestreckt) n. r. K. B. Barbarische 
Prägung. 

K. in Strahlenkrone n. r. Rs. Nach r. sehreitende nackte 
Figur, 1. Lanze (? Spitze oben), die Rechte nach 
der Hüfte zu haltend; dahinter Schnörkel; von Um- 
schrift nichts sichtbar. Äusserst rohe, barbarische 
Darstellung. K. B. 

IMP. C. TETLRICIVS P. F. (?) I. K. in Strahlen- 
krone n. r. Es. TOV V... Stehende (^nackter) 
männl. Figur. K. n. r. wendend, Motiv unkennt- 
lich. K. B. Sehr barbarische Prägung. 

0. TETRICVS (sehr undeutlich) ... K. in Strahlen- 
krone n. r. Es. ... /\/\ ^/[Gl Weibl. Figur mit ? 
und Anker (':') n. 1. K. B. Sehr barbarische 
Prägung. 

IMP. C. TETRICVS P. I. K. in Strahlenkrone 
n. r. Es. SC . . . (Umschrift). In Vorderansicht 
stehende, n. 1. schauende Figur mit Schale und 
Scepter. K. B. Barbarische Prägung. 

C. A. P. TET[RICVS1 aV) E. C... K. in 
Strahlenkrone n. r. Es. . . . AVG. Weibl. Figur 
mit ? und Scepter n. 1. K. B. Sehr barbarische 
Prägung. 



277 




Tetricus I. 



Tetricus IL 



Cornea Aug. 



Comes Aug. oder 
Augg. 



Felicit. temp. 



Hilaritas Augg. 



8| C 



[IlMP. C. TETRICVS P. [= DlF [A1V[G1. K. 
in Strahlenkrone n. r. Bs. ...CVS (sie!) Opfer- 
instrumente, Mittelkanne n. 1. K. B. Sehr bar- 
barische Prägung. 

...TETRICVS P. I. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. Bs. Umschrift und Attribute der n. 1. stehen- 
den weibl. Figur unkenntlich. K. B. SeJir bar- 
barische Prägung. 

...TETRICV (sie!) p. F. AVG. K. in Strahlen- 
krone n. r. B^. ... AS AVGG. Weibl. Figur 
mit ? und Anker n. 1. (Salus?) K. B. Barbarische 
Prägung. 

IMP. TELTRI . . .ICVS P. A[VG]. K. in Strahlen- 
krone n. r. Bs. Umschrift und Motiv der n. 1. 
stehenden weibl. Figur (sie streckt die Arme n. 1. 
und r.) ist unkenntlich. K. B. Sehr rohe, bar- 
barische Prägung. 

. . . [TETRJICVS P. F. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. Bs. Umschrift unkenntlich. Stehende Figur 
mit Palme und ? K. B. Rohe, barbar. Prägung. 

IMP. C. TETRICVS P. F. A. K. in Strahlenkrone 
n. r. Bs. CA . . . /\/\ Weibl. Figur in Vorderan- 
sicht, R. vorstreckend, L. erhebend. Attribute un- 
kenntlich. K. B. Sehr barbarische Prägung. 

. . . [TETRIJCVS P. F. AVG. K. in Strahlenkrone 
n. r. i?«. . . . j/IIG. Weibl. Figur mit ? und Scepter 
n. 1., R. vorgestreckt. K. B. Barbarisehe Prägung. 

Einseitige Prägung: C. PIV. ESV. TETRICVS 
CAES. K. in Strahlenkrone n. r. K. B. 

Einseitige Prägung: C. PIV. ESV. TET[RICjVS . . . 
K. in Strahlenkrone n. r. K. B. 

Cohen VI. 120. 5. K. B. 

C. PIV [ESV. TETRIICVS CAES. K. in Strahlen- 
krone n. r. Bs. COMLES . . .] Victoria mit Kranz 
und Palme n. 1. K. B. Barbarisch. 
PIV. ESV. TETRICVS CAES. K. in Strahlen- 
krone n. r. Bs. COMES AV... (also AVG 
oder AVGG) Victoria mit Kranz und Palme n. 1. 
K. B. Sehr wahrscheinlich = Cohen VI. 120. 5. 

IMP. C. TETRICVS P. F. AVG. K. in Strahlen- 
kröne n. r. Bt. [FELICIT (in schwachen, aber 
sicheren Spuren noch erkennbar)] TEMP. Feli- 
citas mit Caduceus und Scepter n. 1. K. B. Xicht 
bei Cohen. 

C. PIV. ESV. TETRIC[VS1 ... K. in Strahlen- 
krone n. r. Bs. FELL VE . . . Felicitas mit Ca- 
duceus und Füllhorn n. 1. K. B. 

. . . ESV. TETRIC . . VS K. in Strahlenkrone n. r. 
J^»- IHlLjARITAS... Hilaritas mit Zweig und 



19 



278 



Kaiser. Reversumschrift. Ll-g 



Besohreibun». 



Tetrieus II. 



Inviotus 



Lnetitia Augg. 



Pax Aug. 



Pftx Aug. 



o.i. Augg. 



S 
17 



1 C 



Füllhorn n. I. stehend. K. B. Sehr barbarische 
Prägung. 
Umschrift unkenntlich; K. in Strnhienkrone n. r. Bit. 
[IN1VI[CTVS]. Sol, die R. erhebend, mit Peitsche 
n. 1, K. B. Barbarische Prägung. 
PIV ELSV.TETRICVIS ClAES.l K. in Strablen- 
krone n. r. Rs. LAE[TITIA1 AVGG. Laetitia 
mit Palme und Füllhorn n. 1. stehend. K. B. Schön. 
Nicht bei Cohen. 
Cohen \^. 122. M. K. B. 

Wahrscheinlich sämtlich ebenfalls = Cohen VI. 122. 
34. Doch nicht sicher, da Aversuraschrift nicht 
vollständig. K. B. 
. . . TETRICVS CA (sie!) K. in Strahlenkrone n. r. 
Ji»- PAX AVG. ^^^ ™>t Zweig und Scepter n. 1. 
K. B. Sehr barbar. Prägung. Nicht bei Cohen. 
C. P. E. TETRICVS (sie!) CAES. K. in Strahlen- 
kröne n. r. Rs. [P|AX AVG. Pax mit Zweig 
und Scepter n. 1. K. B. Barbarische Prägung. Nicht 
bei Cohen. 
C. PIV. ESV. TETRICVS C. K. in Strahlenkrone 
n. r. Rs. [PIAX [AIVG. Pax mit Zweig und 
Scepter n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. 
C. PIV E[SV. TETRIICVS CAS (sie!) K. in 
Strahlenkrone n. r. Rs. LPIA[XI V/\G. Pax mit 
Zweig und Soepter n. 1. K. B. 
Da Reversumschrift nicht vollständig, Unterschied nicht 
zu konstatieren; wahrscheinlich stets Pax Aug. und 
dann sämtlich ebenfalls = Cohen VI. 122. 34. 
...TETLRIICLVSI... K. in Strahlenkrone n. r. 
^«- ...XAS. Weibliche Figur mit (Zweig)? in 
Vorderansicht stehend (K. n. r.). Die Münze ist 
eine Überprägung; rechts neben Pax wird das 
Kopfprofil (n. rechts) mit Strahlenkrone des ur- 
sprünglichen Typus sichtbar. K. B. Barbarische 
Prägung. 
C. P. E. TE[TRICVS] . . . ICAIES. K- in Strahlen- 
krone n. r. Rs. PAX . . . Pax mit Zweig und 
Scepter n. 1. Vor ihr Stern. K. B. 
[Cl PIV. E[SV. TETIRICVS ClAESl K. in 
Stralilenkrone n. r Rs. P[A1X . . . Pax mit Zweig 
und Scepter n. 1. stehend. K. B. 
C. PIIV. ESV. TETRICIVS CAES. K. in Strahlen- 
krone n. r. Rs. PAX . . . Pax mic Zweig und 
Scepter n. 1. K. B. Avers gute, Rs. barbarische 
Prägung. 
C. PIV. E. TETLETIRICVS C. ^«ic!) K. in Strahlen- 
krone n. r. Rs. IPAIX AV . . . Pax mit Zweig 
und Scepter n. 1. K. B. Barbarische Prägung. 



279 




Tetricus II. ' Pax Aug. od. kugg. I 1 



Pietas Augg. 



it 



»t 



n 



» 



>t 



Pietas Augiiator. 



Pietas Augg. oder 
Auguator. 



♦» 






Pietas Augustorura. 



Pietati Aug. 



Princ. iuvent. 
Provid. Xuzs 



1 



l 



1 



IC 



.TEfTRiCVS]... K. in Strahlenkrone n. r. li». 
IPAIX . . . Pax mit Scepter und Zweig n. rechts 
stehend. K. B. Barbarische Prägung. Nicht bei 
Cohen. 

TETRICVS AVG. K. in Strahlenkrone n r 
Ä*- IPIAX A[VG oder VGGI Pax mit Zweig 
und Querscepter n. 1. K. B. 
Cohen VI. 124. 48. | 
Cohen VI. 124. 53. 1 ^- ^• 

Typus Cohen VI. 124. 48-53. K. B. Da von Averaum- 
schnft ,m besten Falle nur . . . TETRICVS CAES 
erhalten, genauere Bestimmung unmöglich 
C. P. TETRICVS CAES. u. s. w., sonst = Cohen 

VI. 124. 53. K. B. Xicht bei Cohen 
C. PI. ESV. TETRICVIS CAEJS. K. in Strahlen- 
krone n. r. lU. PIETAS AVGG. Opferinatru- 
raente, Mittelkanne n. I. K. B. 
C. P. ES. TET[RICVSI CAES. K. in Strahlen- 
krone n. r. Ä,. PIETAS . . . (für AVGG kaum 
mehr Platz vorhanden), Opferinstrumente, die Mittel- 
kanne n. 1. gewendet. K. B. Ausserordentlich 
barbarische Prägung. Nicht bei Cohen 
C. PIV. ESV. TLETRICVSJ ... K. in Strahlen- 
krone n. r. Jii. Opferinstrumente, Mittelkanne n. 1 
Umschrift nicht erkennbar. K. B. Barbarische 
Prägung. 
Cohen VI. 125. 59. K. B. 

Cohen VI. 125. 59 oder 60. (Aversumschrift unvoll- 
ständig.) K. B. 
Cohen VI. 125. 60. K. B. 

Da Reveraumschrift unvollständig, genauere Bestimmung 

unmöglich. Avers: Q. p. £. TETRICVS. CAES. 

A. in Strahlenkrone n. r. K. B. 
0. P. E. TETRICVS C. K. in Strahlenkrone n. r. 

^»- PIET[AS] . . . Opferinstrumente. K. B. Nicht 

bei Cohen. 

IC PIIV. ESV. TETRIC[VS]... K. in Strahlen- 

:;!"" °- '■• ^'- (Pi^*««J tAVG]V[S]TORVM 
(Für „Pietas" kein Platz.) Opferinstrumente, Mittel- 
kanne n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. Barba- 
rische Prägung. 

PIV. ESV. TETRICVS. K. in Strahlenkrone 
"• r. IPIETJATI AVG. Opferinstrumente, Mittel- 
kanne n. 1. K. ß. Nicht bei Cohen. 

Cohen Vi. 155. 62. K. B. 

IVI TET[RICVSI K. in Strahlenkrone n r Bs 
anstatt PROVID AVGG: OVir GG Provi- 
dentia mit Stab und Füllhorn n. 1. K. B. Bar- 
barische Prätfun» 



19' 



280 



Kaiser. 


Reversumsclirift. \.S-% 


B e s c li r e i b u n g. 


1 
TetriCUS IL Salus Aug. 


1 


...TET[RICVS1 P. F. AVG. K. in Strahlenkronc 




._-- 




n. r. Bg. SAL[VS] AVG. Pax mit Zweig und 








Querscepter n. 1. stehend. K. B. Nicht bei Cohen, 


•* 


Salus Aug]?. 


.3 


Cohen VI. 126. 77. K. B. Dojh Salus hält 1. Anker, 
nicht auf Ruder gestützt. Salusbeschreibung ibid. 
überhaupt mangelliaft. 


ff 


» 


1 


IMP. TETRICVS P. F. AVG. Drapierte Büste in 
Strahlenkrone n. r. Ha. a)[AL]VS AVGG. Salus, 
um Altar gewundene Schlange fütternd und Anker 
haltend. K. B. Nicht bei Cohen. 


tt 


1» 


1 


C. TETRICVS c NVC K. in Strahlenkrone n. r. 
Hs. SA[LVSJ NV[GG] Figur im Hilaritastypus 
(mit Palme und Anker) n. 1. Aus der rechten 
Seite der Palme wächst mitten n. r. ein seltsamer 
Gegenstand, ähnlich einem im Knie gebogenen 
rechten Bein. K. B. Nicht bei Cohen. 


ff 


Salus Aug. oder 


1 


C. PIV. ESV. TETRICVS AVG. K. in Strahlen- 




Augg. 




krone n. r. Rs. LSIALVS lAV >» schwachen 
Spuren sichtbar] . . . Pax mit Zweig und Scepter 
n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. 


ff 


» 


1 


... II AVG. K. in Strahlenkrone n. r. Rg. 2AL[V]S 
AVLG oder GG.l Salus mit Scepter n. 1. Das 
Attribut der ausgestreckten L. unkenntlich. K. B. 
Barbar. Prägung. 


>f 


it 


1 


C. PIV. ESV. TET[RICVS1 ... K. in Strahlen- 
krone n. r. Rg. SAJVS (sie!)... Salus n. I., 
um Altar gewundene Schlange fütternd und mit 
Anker. K. B. Barbarische Prägung. 


tt 


n 


1 


. . . [TETIRICVS CAES. K. in Strahlenkrone n. r. 
Ä«. SALIVSI AVIG oder GGl. Salus n. 1., um 
Altar gewundene Schlange fütternd und mit Anker. 
K. B. Burbarische Prägung. 


ff 


Spes Aug. 


1 


C. PIV. ESV. TETRICVS CAES. K. in Strahlen- 
krone n. r. Rg. SPES AVG. Spes mit Blume, 
Gewand haltend, n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. 


ff 


n 


1 


C. PIV. ESV. TEITRICVSI CAES. K. in Strahlen- 
krone n. r. Rg. [S]P[EJS AVG. Spes mit Blume, 
Gewand liebend, n. 1, K. B. Überprägung einer 
anderen Münze, von deren Gepräge noch zu er- 
kennen: Unter dem Rg. der Neuprägung ... S. C. 
AVG. 1^- n- f- Unter dem Avers der Neuprägung 
Spuren einer Figur im Spestypus n. 1. 


tf 


Spes Augg. 


36 


Cohen V[. 127. 88. K. B. 


tt 


1» 


1 


Cohen VI. 127. 88. K. B. Doch Aversumschrift schliesst 
...CAS. anstatt CAES. 


tt 

■ 


1 


1 

1 


Barbarische Prägung mit meist sinnlosen Buchstaben; 
Auf li.i. . . . AVGG zu entziffern und Typus der 
Darstellung: Spes mit Blume, (Jewand hebend, n. 1. 
Av. K. in Strahlenkrono n. r. K. B. 



281 



K a i H e r. 



Tetricus II. 



Koversunischrift. 



Spcs Augg. 



Beschreib 



»» 



' Spcs Aug. od. Augg. 3 



>• 



Spcs publica 



78 
27 



i! c 



» 



III TlETRICVSl CaZ S^ K. in Strahlenkrone n. r. 
h's. . . . T . . . [AVIGG. Spea mit Blume, Gewand 
hebend, n. 1. K. B. Barbarische Prägung. 

C. PIIIV. EISV.l TETRICVS . . . Drapierte Büste 
n. r. Rs. OOVA 213*^21 Sp<?8 mit Blume, Gewand 
hebend, n. r. K. B. Sehr barbarisch. 

Reversumschrift unvollständig. Avera C. PIV. BSV. 
TETRICVS. CAES. Drapierte Büste in Strahlen- 
krone n. r. K. B. 

LTETIRIGVS CAES. K. in Strahlenkrone n. r. 
^«- SPES A . . . Spes mit Blume, Gewand 
hebend, n. 1. K. B. Sehr — besonders die Buch- 
staben des Ba. — barbarisch. 

[C. PnV. ESV. TETRIICVSI ... K. in Strahlen- 
krone n. r. Ba. PSl-[S] (Wohl Pses anstatt Spes.J 
Spes mit Blume, Gewand hebend, n. I. K. B. 
Sehr barbarische Prägung. 

Noch erkennbar: . . . [TETRIC1VS (womit die Le- 
gende schliesst). K. in Strahlenkrone n. r. Es. 
SE'^S Spes mit Blume, Gewand hebend, n. 1. 
K. B. Sehr barbarisch. 

. . . [TETRIICVS CVES. K. in Strahlenkrone n. r. 
B«- . . . 8131*^121 Spes mit Blume, Gewand hebend, 
n. r., hinter ihr am Boden rätselhafter länglicher 
Gegenstand quer liegend, vielleicht nur Stempel- 
fehler. K. B. Sehr barbarisch. 

Cohen VI. 128. 97. K. B. 

Wahrscheinlich sämtlich ebenfalls — Cohen VI. 128. 
97., doch nicht sicher, da Aversumschrift (. , . TE- 
TRICVS CAES.) unvollständig. 

[C. PlIV. ESV. TRIGVS 'sie!) CIAES.I K. in 
Strahlenkronen, r. Ba. SIPES PVBLIICA. Spes 
mit Blume, Gewand hebend, n. 1. K. B. 

C. R. 'si'O... [TETIRICVS C. K. in Strahlen- 
krone n. r. Ba. SPES PVBLICA. Spes mit 
Blume, Gewand hebend, n. 1. K. B. 
PIV. ESV. TETRICVS CAES. K. in Strahlen- 
krone n. r. Ba. [SPEIS LPVBLIlCA. Spes mit 
Blume, Gewand hebend, n. 1. K. B. 
ESV. TETRICVS CAES. K. in Strahlenkrone 
n. r. Ra. [SPES] PVB[LICA1 Spes mit Blume, 
Gewand hebend, n. 1. K. B. Durch Kutschen des 
Schrötlings leicht verprägt, indem einerseits über 
das Gesicht des Av. hinweg ein Rand läuft, anderer- 
seits ebenfalls ein Rand (Perlenkreis) auf dem 
Revers sichtbar wird zugleich mit der Blume 
haltenden rechten Hand; durch diese Überprägung 
wird die oigcntlicho Darstellung rechts oben ver- 
dockt. K. n. 



282 




Beschreibung, 



Tetricus II. Spes publica 



Spes Aug oder 
Augg. oder publica 



Virtus Aug. 



Yirtus Augg. 



Laotitia Aug.? 



» 



Pax Aug.? 



Salus Aug. ? 



Spes Aug.? 



15 



. . . [TETRICIVS CAES. (Barbarische Prägung.) K. 
in Strahlenkrone n. r. Rs. [SPES PVBLIICA. 
Spes mit Blume, Gewand hebend, n. 1. K. B. Sehr 
barbarische Prägung. 

Noch erkennbar: K. in Strahlenkrone n. r. R». Spes 
mit Blume, Gewand hebend, n. 1. K. B. 

Revergumschrift unvollständig. Av. C. PIV. ESV. 
TETRICVS CAES. Drapierte Büste in Strahlen- 
krone n. r. Rs. SPES . . . Spes mit Blume, Ge- 
wand hebend, n. 1. K. B. 

. . . [TETR]ICVS CAES. K. in Strahlenkrone n. r. 
-ß«- SPES . . . Spes mit Blume, Gewand hebend, 
n. 1. K. B. 

C. PIV. ESV. TELTRICVS]... K. in Strahlen- 
krone n. r. Ra. [SJPES . . . Spes mit Blume, 
Gewand hebend, n. 1. K. B. 

IMP. C. TET[RICVS]... K. in Strahlenkrone 
n. r. Ra. VIRTVS AVG. Virtus in Helm n. r., 
Linke auf Schild stützend, r. Lanze haltend. K. B. 
Nicht bei Cohen. 

. . . [T]ETRICVS CAES. K. in Strahlenkrone n. r. 
i^». [VIRTVSl AVGG. Virtus, r. auf Schild ge- 
stützt, 1. mit Lanze, n. 1. stehend. K. B. Nicht 
bei C oh en. 

. . . [TETIRICVS CAES. K. in Strahlenkrone n. r. 
Ra. 00V[A1 S>/Tf1l> Krieger mit Lanze, auf 
Schild gestützt, n. r. K. B. Sehr barbarische 
Prägung. 

...TETRICVS... K. in Strahlenkrone n. r. Rt. 
. . . AVG. Laetitia mit [Kranz] und Anker n. 1. K. B. 

C. PIV. ES. TETRICVS... K. in Strahlenkrone 
n. r. Ra , , , AVG. Weibl. Figur mit ? und Anker 
n. 1. (Laetitia Aug.?) K. B. Avers durch doppelten 
Schlag leicht verprägt. 

...LTETIRICVS PICVI (sie!) K. in Strahlenkrone 
n. r. Ra. SVTIS . . . <8ic! ganz deutlich) Pax mit 
Zweig und Soepter n. 1. K. B. Barbarische Prägung. 

O. IIILf1IPC>2 C... K. in Strahlenkrone n. r. 
-ff"- ... VACC. Salus n. 1., Schlange (um Altar 
gewunden) fütternd. K. B. Sehr barbar. Prägung, 

Barbarische Prägung von unkenntlichem Typus. 

TETJ1ICVS. K. in Strahlenkrone n. r. Ra. /\ (?) 
ICIV . . . Spes, Gewand hebend, mit Blume n. r. K. B. 

C. PIV. ESV. TETRICVS (sie!; CI (sie!) K. in 
Strahlenkrone n. r. Rs. . . .AVG. "Weibl. Figur 
im Spestypus (?) n. 1. Umschrift beginnt anstatt 
links unten rei-hts oben. Barbarische Prägung. K. B. 

C. PIV. ESV. TETRICVS CAES. K. in Strahlen- 
krone n. r. 7^s'. Umschrift unkenntlich. Nach 1. 



283 



Kaiser. 



Reversumschrift. 



Beschreibung. 



Tetricus II. 



Virtus Aug.? 



Tetricus I. 
oder II. 



Comos Aug. 



liihu'itas Aug. 



Pax Aug. 



Pdx Augg. 



Virtus Aug. 



schreitende Figur mit Blume (oder Zweig?) in der 
Rechten. Spes? K. B. 
1 Barbarische Prägung von unkenntlichem Typus. 

TETRICVS CAES. K. in Strahlenkrone n. r. 
-?^«- V...S 'Virtus?) Nacli 1. stehende Figur 
mit? und Lanze. K. B. 
1 Barbarische Prägung von unkenntlichem Typus. 

[TEITRICVS AVlG.l K. in Strahlenkrone n. r. 
-??«• O . . . I" Vorderansicht stehende weibl. Figur, 
in den ausgebreiteten Händen ? und Seepter oder 
Anker haltend. K. B. 
Barbarische Prägung von unkenntlichem Typus. . . . 
j [TETRIlCVS ... K. in Strahlenkrone. Rs. Nach 
links stehende Figur, beide .\rme senkend. K. B. 
1 '■ Barbarische Prägung von unkenntlichem Typus. C. 
! [P1IV2 ... K. in Strahlenkrone n. r. Es. ... V 
Nach r. stehende weibl. Figur, die Arme vor- 
streckend. Motiv undeutlich. K. B. 
C. PIV. ESV. TELTRICVSl ... K. in Strahlen- 
krone n. r. Es. . AV . . . Weibl. Figur mit Zweig 
und ? n. 1. stehend. K. B. Barbarische Prägung. 

1 C. PI. ES. TETIRICVS] ... F. AVG. Kopf in 
Strahlenkrone n. r. Es. Umschrift und Darstellung 
unkenntlich, da zerquetscht. Nach 1. stehende 
weibl. Figur. K. B. Barbarische Prägung. 
1 ... ITETJRICVS CAES. K. in Strahlenkrone n. r. 
Es. Die äusserst rohe barbarische Darstellung lässt 
weder aus den sinnlosen Buchstabenimitationen 
noch dem Typus Si(,'here8 erkennen. Nach links 
stehende bekleidete Figur, in der erhobenen R. 
Zweig (?), 1. Seepter haltend. K. B. 
C. PIV ... K. in Strahlenkrone n. r. Es. . . . V . . . 
Nach 1. stehende Figur mit Seepter und ? K. B. 
Rohe, barbarische Prägung. 
C. PIV. ...[TETRIlCVe. K. in Strahlenkronc 
n. r. Es. CVS T . . . VGI Weibl. Figur mit Seepter 
und Füllhorn (y) n. 1. K. B. Barbarische Prägung. 
1 ; Einseitig geprägte K. B. COM EIS 1 . . . Victoria mit 

I Kranz und Palme n. 1. stehend. 
1 I Einseitige Prägung: HILARITAS . . 
Palme und Füllhorn n. 1. stehend. 
1 i Einseitige Prägung: LPJAX AV[G oder GG.) Pax 
I mit Zweig und Querseepter n. 1. zwischen V — ^fr K. B. 
Barbarische Prägung. Av. Q TE[TRIC]VS III... 
K. in Strahlenkrone n. r. E$. 7\TCAj AVGG. fi^^ 
mit Zweig und Seepter n. 1. K. B. 
OOTAITI/IwI . . . IVC K. in Strahlenkrone n. r. 
Eh. IVIRT1V2 CVN i= Aug. rückläufig) Mars 
mit Lanze, auf S'Iiild gestützt, n. r. K. B. Sehr 
barbarische Prägung. 



Hilaritas mit 
K. B. 



284 



Kaiser. ' Reversumschrift. .5-§ 

:5 "^ 



Beschreibung. 



Tetricus II. 



1 i 



Claudius II. 
Gothicus 

n 
>* 


OonsecTatio 


5 

1 
1 
5 

1 


•• 

<t 
•> 

>• 

M 
»» 


Fclicit. temporum. 

Felicitas Aug. 

Fortunae reduci 

Genius Aug. 

Mars Victor od. Uitor 

Pax Aug. 


1 
1 
1 
1 
1 
1 


» 


Provid. Aug. 
Securitas Aug. 


2 

1 


QuIntillus 


Virtus Aug. 
Conc. exerc. 


1 
1 


— 


— 


1 



. . . III C. K. in Strahlenkrone n. r. Es. zerquetscht 
und unkenntlich. K. B. Sehr barbarische Prägung. 

IMP. C. TLETRICVS]... K. (nur Hinterkopf er- 
kennbar) in Strahlenkrone n. r. Es. , . . fUTICA 
(siel) Stehende weibl. Figur mit unkenntlichen 
Attributen; nur obere Hälfte infolge Zerquetschung 
sichtbar. K. B. Barbarische Prägung. 

Barbarische Prägung von unkenntlichem Typus. CVS 
II . . . All Kopf in Strahlenkrone n. r. Hs. Um- 
schrift unlesbar. In Vorderansicht n. 1. stehende 
weibl. Figur, in den ausgebreiteten Händen 1. Anker 
haltend. Vor ihr Altar. K. B. 

K. B. aus der Zeit von Tetricus I. oder II. Bar- 
barische Prägung von unkenntlichem Typus. Av. 
K. in Strahlenkrone n. r. (Umschrift nicht mehr 
erkennbar.) i?s. Stehende weibl. Figur mit Scepter 
und ? Vor und hinter ihr Stern. 

Äusserst roh geprägte barbarische K. B. Av. . , . |||| 
K. in Strahlenkrone n. r. Es. Mit Kugel in der 
rückwärts gesenkten R. und Scepter (?) in der 
vorgestreckten L. n. r. schreitende Figur. 

K. B. Barbarisches Gepräge von unkenntlichem Typus. 
-4r. Cl . . . CRIC. K. in Strahlenkrone n. r. Es. 
lOOJ . . . Rohe, nicht deutbare Prägung. 

Cohen VI. 134. 43. 



46. 



K. B. 



B. >'icht bei 



K. B. 



Cohen VI. 134. 

Cohen VI. 135. o: 

Cohen VI. 135. 54. 

Cohen VI. 134. 47, jedoch in K. 

Cohen. 
Cohen VI. 138. 75. 
Cohen VI. 138. 79. oder 80. 
Cohen ^^. 140. 108. 
Cohen VI. 140. 109. 
Cohen VI. 145. 154. oder 159/160. 
IMP. C. CLALVDIVS] ... K. in Strahlenkroue n. r. 

-Rs. [P]AX AVG. Pax mit Zweig und Scepter 

n. 1. K. B. Nicht bei Cohen. 
Cohen VI. 152. 223. K. B. 
DIVO (unter Patina deutlich erkennbar) CL[AVDI01. 

K. in Strahlenkrone n. r. Es. ISECVRIIT. A[VG1. 

Securitas Scepter haltend, mit gekreuzten Beinen 

und auf Säule gestützt nach rechtsstehend. K. B. 

Nicht bei Cohen. 
Cohen VI. 160. 313. oder 161. 314. K. B. 
Cohen VI. 164. 
Unbestimmbar. 



K. B. 



285 

Wesentlich neues bietet nach Ausweis der vorstehenden Tabelle unser 
Münzfund nicht; neue Typen enthält sein Bestand nicht, nur — allerdings 
sehr zahlreiche — Varianten schon bekannter Darstellungen und Legenden. 
Ich habe in der Beschreibung stets nur auf Cohen Bezug genommen, nicht 
auch auf andere zusammenfassende Werke, wie das de Witte'sche: Recherches 
sur les erapereurs qui ont regne dans les Gaules au lir siocle de Tere 
chretienne (Lyon 1868) oder auf Einzelpublikationen in Zeitschriften. Die 
Varianten sind meist durch ein beigesetztes „Nicht bei Cohen'' kenntlich 
gemacht. 

Das Hauptinteresse von sämtlichen Stücken nehmen natürlich schon wegen 
ihrer weitaus überwiegenden Anzahl die der beiden Tetricus für sich in An- 
spruch. Besonders autfallend ist hierbei die quantitative Ungleichheit des Vor- 
kommens der Reverstypen; so findet sich z. B. der Pax-Typus unter den 707 
Münzen des Tetricus L allein 216 mal, der Laetitia-Typus 174 mal, dagegen 
beispielsweise der Pietas-Typus u. a. nur einmal. Des weiteren kehrt unter 
den 316 Münzen des Tetricus IL allein der Spes-Typus 177 mal, der Pax- 
Typus 42 mal, der Pietas-Typus 38 mal wieder, während z. B. Laetitia u. a. 
nur einmal nachzuweisen sind. 

Es wäre unrichtig, aus diesem ungleichen Verhältnis schliessen zu wollen, 
dass diejenigen Typen, welche am zahlreichsten in unserm Schatzfunde ver- 
treten sind, die am spätesten geprägten, diejenigen, welche nur in wenigen 
Exemplaren vorkommen, die frühesten seien. Schon de Witte bemerkt a. a. 0. 
S. 145, 151 und 190, dass die beiden Tetricus gewisse Typen offenbar be- 
vorzugt haben, welche uns infolgedessen gegenüber den anderen in unverhält- 
nismässig grosser Zahl erhalten sind; de Witte bezeichnet als solche mit Recht 
für Tetricus I. den Pax-Typus, für seinen Sohn den gleichen und den Salus- 
Typus. 

Ein Vergleich unseres Schatzfundes mit anderen ähnlicher Zusammen- 
setzung, wie z. B. denen von Cattenes, La Blanchardiere u. s. w.") zeigt die 
Richtigkeit der de Witte'schen Behauptung. Die kleine Tabelle auf S. 286, 
welche aus dem Heddernheimer und den beiden eben genannten Schatz- 
funden die Reverstypen der Münzen des Tetricus I. nach Massgabe der 
Häufigkeit ihres Vorkommens umgeordnet vorführt, wird dies am besten veran- 
schaulichen. 

Es ist unschwer ersichtlich, dass alle drei Rubriken in den Zahlenpropor- 
tionen ziemlich übereinstimmen; nur bei dem Virtus-Typus übersteigt der Fund 
von Cattenes die anzunehmende Ziffer von c. 400 um ein Beträchtliches. Im 
ganzen ergeben sich die Typen Hilaritas, Laetitia, Pax und danach Salus, Spes, 
Virtus für Tetricus I. als die am häufigsten vorkommenden. Eine ähnliche 
Zusammenstellung der Münzen von Tetricus II. zeigt, dass er besonders die 
Typen Spes, Pietas, Pax und danach Comes Aug. bevorzugt hat. 



^'i Vgl. Hettner, Römische Münzachatzfunde in den Rheinlanden. Westdeutsche 
Zeitschr. V'II. 



286 



'Heddern 
I heim 



Blanch. 



Aequitas . . , 
Cornea . . . , 
Concord. equit. 
Felicitas publica 
Fides militum 
Fortuna redux 
Hilaritas . . 
Invictus 

Jovi Statori . , 
Laetitia . . 
Mars Victor . , 
Moneta . . . 
Nobilitas . . 

Pax 

Fietaa ... 
Princ. iuvent. 
Providentia 
Salus ... 
Spes .... 
Victoria . . . 
Virtus . . . 



43 

1 
26 

57 

3 

174 

1 

216 

1 

5 

4 

45 

42 

18 
36 



672 



6293 



3 

244 

1 

104 

1 

479 

1 

1 

678 

2 

1 

1 

715 

2 

26 

10 

345 

287 

126 

340 



3367 



Zum Schlüsse erübrigt, soweit möglich, eine Angabe der Zeit, um welche 
unser Schatzfund vergraben worden ist. Die letzten 3Iünzen, welche er ent- 
hält, sind solche des Tetricus I. und IL; sie können zeitlich bis 273 n. Chr. 
reichen und geben uns einen terminus ad quem. Den terminus post quem 
erhalten wir durch die Konsekrationsmünzen des Claudius Gothicus. Der Fund 
wird etwa in der Zeit zwischen 270 — 273 n. Chr. in die Erde versenkt worden 
sein, eine Zeit, welche gerade für Heddernheim von um so grösserem Interesse 
ist, als die dortige Römeransiedelung, wie Inschriften, Gefässformen u. s. w. be- 
weisen, bald nach der Mitte des 3. Jahrhunderts definitiv aufgegeben worden ist.-*) 



**) Nachdem die vorstehende Arbeit bereits gedruckt Avar, Hess mir Herr Dr. Ritterling 
freundlichst die Mitteilung zukommen, dass es ihm gelungen ist, die Einzelteile des ersten 
Münzfundes im Bestände des Wiesbadener Münzkabinets nachzuweisen. „Von der 
Ansicht ausgehend, dass, wenn der Schatzfund wirklich bald nach 139 vergraben ist, die Münzen 
des IMus und Hadrian noch ein frisches Gepräge gehabt haben müssen, sah ich zunächst die letz- 
teren durch. Da fielen mir bei Plus sogleich 4 Stück, mit Stempelglanz prächtig erhalten, auf, 
ebenso 2 bei Sabina und eine grössere Anzahl bei Hadrian. Ein Vergleich mit dem .,detail- 
lierten Verzeichnis'* ergab, dass sie sich damit vollständig decken. Die früheren Münzen sind 
natürlich alle abgeschliffener, aber durch ihre weissliche Farbe deutlich von den übrigen 
Denaren zu unterscheiden.** tVergl. oben S. 189 unten und Anm. 221 Dem zweiten Münz- 
fundc glaubt Dr. R. auf (jrund ihres Aussehens noch eine grüssere Anzahl in der Sammlung 
zerstreuter Stücke zuweisen zu müssen (vergl. S. 189 unten und Anm. 23). Mir ist es indessen 
zweifelhaft, ob man bei diesen Kleinerzen, die sich in der Regel ähnlich sind wie ein Ei dem 
andern, bei «lern Mangel Jeglicher Trovenienzangubc 'etwa auf lioigoiegtcm Zettelchcn oder 
ähnlich; allein iiadi 'lern .\usselien urteilen darf. 



Die Pyxis des Wiesbadener Altertums-Museums. 



Von 

Otto Donner^Yon Richtsr» 

Hierzu Tafel II. 



Das genannte Museum besitzt unter seinen grossen Schätzen an römischen 
Altertümern eine Elfenbein-Pyxis, d. h. eine runde, niedrige Büchse, welche 
in dem dem Fenster zunächst stehenden Schaufenster des Raumes IV unter 
No. 110 aufgestellt ist (siehe Abbildung auf Tafel 11). Sie ist gebildet aus 
einem Abschnitt eines gewaltigen Elephantenzahnes von seinem unteren Ende 
und daher nicht mathematisch genau kreisrund; in ihrem grössten äusseren 
Durchmesser misst sie 0,125 mm, ihre Höhe beträgt 0,075 mm. Aus dem 
Körper des Elfenbeins herausgearbeitete Reliefdarstellungen schmücken ihre 
äussere Fläche rundum und machen sie zu einem ungemein interessanten Skulptur- 
gegenstand aus spätrömischer Zeit, d. h. aus dem 4, Jahrhundert nach Christus, 
wofür verschiedene Anzeichen sprechen, auf welche ich noch zurückkommen 
werde. 

Über ihre Provenienz scheint leider gar nichts bekannt zu sein, denn 
auch Herr Oberst von Cohausen wusste in seinem Führer durch das Altertums- 
museum nichts anderes anzugeben, als „dass sie wahrscheinlich aus einem 
Kirchenschatze stamme." Diese Annahme hat eine gewisse Begründung in 
der bekannten Thatsache, dass solche kostbare Pyxiden, welche ursprünglich 
meist den römischen Damen als Schmuckbehälter dienten, in den christlichen 
Jahrhunderten als Geschenke an Kirchen kamen und daselbst als Hostieube- 
hälter verwendet wurden.') Ja, wir besitzen solche Pyxiden, welche schon 
in früher Zeit für diesen Zweck besonders gearbeitet wurden, wie z. B. die in 
Karthago ausgegrabene, jetzt in dem städtischen Museum zu Livorno befind- 



') Ausführlicher wird Herr Professor Ernst aus'm Wocrth diesen Gegenstand in 
seinem begonnenen Werke: ^Fundgruben der Kunst in den Elfenbeinarbeiten des Alterthums 
und Mittelalters" behandeln. Er hatte die Güte, mir Einblick in die Einleitung zu diesem 
Werke zu gestatten, wofür ich ihm auch noch an dieser Stelle meinen Dank wiederhole. 



288 

liehe Pyxis aus dem 4. Jahrhundert, auf welcher Christus dargestellt ist, „wie 
er sitzend die ihm dargereichten Fische und Brode segnet, um sie zu ver- 
mehren."*) 

An unserer Pyxis fehlt leider jetzt der Deckel, mit welchem sie offenbar 
einmal ausgestattet war, aus welcher Zeit herrührend, bleibt ungewiss. Ob dieser 
Deckel aus Elfenbein bestand, wie der erhaltene Boden der Pyxis, ist jetzt 
nicht wohl zu entscheiden. Er könnte auch aus Metall, d. h. Bronze, Silber 
oder Gold oder aus versilberter oder vergoldeter Bronze gewesen sein, denn 
offenbar war auch die Büchse innen mit einer Metallfütterung versehen, was 
wir aus den zahlreichen Bronzenieten schliessen können, deren Köpfe an der 
Aussenseite allenthalben sichtbar sind, hier und da auch das Elfenbein grün 
gefärbt haben. Der grosse ausgebrochene Teil in dem oberen Rande und der 
Wandung der Pyxis bezeichnet die Stelle, an welcher das Schloss angebracht 
war, die kleinere Lücke am Rand die Stelle für das Scharnier, welches sich 
indessen nicht dem Schlosse diametral gegenüber, sondern seitlich befand, was 
in dem Umstand seine Erklärung finden mag, dass für Schloss und Scharnier 
Stellen gewählt worden sind, an welchen die figürlichen Darstellungen nicht 
verletzt zu werden brauchten. Diese geübte Rücksicht legt den Gedanken 
nahe, dass die Pyxis ursprünglich nicht für einen verschliessbaren Scharnier- 
deckel berechnet war, sondern dass ein solcher erst als spätere Zuthat hinzu- 
kam, ebenso die Metallfütterung, denn das Durchtreiben der Nieten durch die 
Reliefs und zum Teil durch die Figuren hindurch ist doch immerhin ein etwas 
barbarisches Verfahren. 

An dem auf Tafel II abgebildeten Elfenbeinboden der Pyxis sind die in 
demselben ein Kreuz bildenden dunkeln Stäbchen Einlagen aus schwarzbraunem 
Holze. Die den äusseren Rand umgebenden kleinen Kreise sind scharf gebohrte 
Vertiefungen, welche mit einer dunkelroten Farbenmasae ausgefüllt w^aren, 
während die Vertiefungen der laufenden Bänder an den Halbmessern der Viertels- 
kreise und längs der Kreuzarme mit grüner Farbmasse ausgefüllt gewesen sind. 
Von beiden Ausfüllungen sind noch einzelne Teile erhalten. Kleine Silber- 
bleche, welche an den Enden der Kreuzarme am Rande des Bodens nach der 
Wandung der Pyxis hinaufgebogen sind, scheinen spätere Zuthat zu sein. 

Ohne Zweifel ist dieses seltene und kostbare Gefäss sehr lange Zeit hin- 
durch in Gebrauch gewesen, denn die teilweise Abschleifuog der am stärksten 
hervorragenden Reliefteile weist darauf hin. Diese Reliefs sind es nun, mit 
welchen wir uns eingehender zu beschäftigen haben. 

Die in denselben dargestellte Ilaupthandlung führt uns in ein römisches 
Gastmahl ein, dessen Teilnehmer, fünf an der Zahl, sich nach antiker Sitte 
bequem auf die üblichen Speisesophas (accubitum, triclinium) niedergelassen 
haben, welche zu grösserer Annehmlichkeit, namentlich zum Auflehnen des 
linken Armes, noch mit einem wulstartigen Polster versehen sind. Bekanntlich 



2) Vgl. .,Fraotio panis" von Josoph Wilpert, Froihini,'' i. H., Henlersche Vorlags- 
harullun;,' IhfC», 8. i:'.. Diose l'yxis ist publiziert durch De Kossi, BuUottino 18;U, Tut". IV 
bis V, p. 47 sqq. 



289 

war die Aaordnung do3 Speisezimmers, welches nach den in der Kegel nur für 
drei Personen berechneten Speisesophas, den Triclinien, gleichfalls Triclinium 
genannt wurde, der Art, dass drei solcher Sophas die drei Seiten eines Vier- 
ecks bildeten, dessen vordere Seite als Eingang offen blieb, sodass die Be- 
dienenden bequem die Speisen auf den vor dem mittleren der drei Sophas 
stehenden Tisch hinstellen und wieder wegnehmen konnten. Eine solche An- 
ordnung in Relief ohne Perspektive und bei knapp bemessenem Raum deutlich 
darzustellen hat seine Schwierigkeiten und man kann nicht sagen, dass der 
Künstler seine Aufgabe hier mit befriedigender Deutlichkeit gelöst habe. Aber 
er half sich so gut er konnte, indem er zwei der Sophas ihrer ganzen Breite 
nach mit ihrer üblichen Neigung von der Seite gesehen, das mittlere aber 
3 darstellte, dass man es zwischen den beiden ersteren von der Stirnseite 
sehen muss ; das gelang ihm aber insoferne nicht ganz, als man diesen Teil 
ebenso gut für einen kleinen Tisch halten kann, auf welchem eine Schüssel 
mit einem nicht ganz deutlichen Gegenstand steht, welch' letzterer aber ein ge- 
bratenes Huhn oder sonst ein Geflügel zu sein scheint. Hierbei kam aber der 
Künstler wiederum in die weitere Verlegenheit, wie er es dem Beschauer klar 
machen sollte, dass die dieses Mittelsopha einnehmende Figur auf dem Sopha 
wie die anderen sitze oder halb liege, da er den unteren Teil derselben nicht 
mehr zeigen konnte. Er hätte die gewünschte Wirkung erreichen können, 
wenn er das Wulstpolster zum Aufstützen der Arme — es ist in dem Relief 
durch die netzartige Schraffierung als solches bezeichnet — vor der Taille der 
Figur und unter ihren Ellnbogen durchgeführt hätte, statt hinter ihr, wie er es 
gethan hat. Er schien dies Mittel aber zu scheuen, da er diese Mittelfigur 
als die Hauptfigur seiner Darstellung betrachtet wünschte und sich daher bemühte, 
von ihr so viel wie möglich zu zeigen. Hierdurch entsteht aber für den Be- 
schauer die gänzliche Unklarheit über die Pose dieser Figur, denn sie scheint 
auf einem Stuhle zu sitzen, was nach römischer Sitte bei einem solchen Mahle 
ausgeschlossen sein muss. Iq der von mir als zweckmässiger für die Klar- 
stellung der künstlerischen Absicht geschilderten Weise hat der allerdings weit 
vorzüglichere Künstler, welcher die Illustrationen in dem Virgil-Codex No. 3225 
des Vatikans ausführte, diese Schwierigkeit in der Darstellung des Gastmahles 
der Dido mit Aeneas und einem seiner Gefährten („Didonis cum Aenea con- 
vivium, alio etiam accubante") gelöst, wobei auch das halbmondförmige Wulst- 
polster (sigma, stibadiura) zu deutlicher Anschauung kommt.^) Ebenso deutlich 
ist das Tischchen vor dem Triclinium dargestellt, auf welchem ein Teller mit 
einem Fisch steht. 



^) Beim Speisen im Freien wurd« dieses Wulstpolster halbmondförmig auf die Erde 
gelegt; hinter ihm, mit den Armen auf das Polster aufgestützt, lagen die Speisenden und in 
dem offenen Raum des Halbmondes standen die Speisen auf der Erde, wie wir dies auf das 
Deutlichste dargestellt sehen in den Lagerscenen auf den Illustrationen des Mailänder Iliaa- 
Codex, in einem Relief der Galleria delle iscrizioni im Vatikan, und in dem Freskogemälde 
der .,Fractio panis" in der Cappella graeca der Katakomben der lieiligen Priacilla in Rom. 
Vgl. Joseph Wiipert. ,Fractio panis", Taf. XIII— XIV. 



290 



Mit dem hier zum Yergleiche herangezogenen Bilde aus dem Virgil-Codex 
hat aber unsere Darstellung noch die weitere Ähnlichkeit, daas auch in letzterer 
die Haupt- und Mittelfigur des Mahles eine mit reichem Halsschmuck gezierte 
Dame ist, welche in ihrer linken Hand die Weinschale hält, während der zu 
ihrer Linken auf dem Triclinium gelagerte Jüngling seine offenbar geleerte 
Schale dem dienenden Knaben entgegenstreckt, welcher, eine frischgefüllte 
Amphore im linken Arme haltend, herantritt und mit erhobener Hand dem un- 
geduldig Verlangenden zuzurufen scheint: „Da bin ich ja schon!" Zur Rechten 
der Dame sitzt ein zweiter Jüngling, welcher mit ihr in lebhafter Konversation 
begriffen zu sein scheint, denn mit der rechten Hand macht er die Geste des 
Redenden, während auch er in der linken die Schale mit Wein hält, dessen 
Güte vielleicht das Thema der Unterhaltung bietet. Hinter der rechten Schulter 
der Dame sieht noch ein weiblicher Kopf hervor, hinter ihrer linken ein männ- 
licher, welche beide Personen angehören müssen, die noch als Teilnehmer an 
dem Gastmahl zu betrachten sind und die hinteren Plätze auf den in der Seiten- 
ansicht dargestellten Sophas einnehmen. Entsprechend dem bereits erwähnten, 
die Amphore herbeibringenden Knaben, sehen wir auf der entgegengesetzten 
Seite einen Knaben sich nähern, welcher auf dem Kopfe einen flachen Korb 
trägt, den er mit beiden erhobenen Händen stützt und welcher mutmasslich 
weitere Gerichte oder Brode für das Mahl enthält. Es ist zur Illustrierung der 
herrschenden römischen Sitte von Interesse, auch hier wieder das schon erwähnte 
Bild aus dem Virgil-Codex vergleichend heranzuziehen, denn auch auf ihm sind 
zwei bedienende Knaben, beide als Mundschenke mit Weinkanne und Becher 
versehen, abgebildet, und beide tragen die kurze, langärmelige Tunica und 
Hosen mit Verzierungen^ wie wir dies in ganz gleicher Weise bei dem Knaben 
mit der Amphore sehen. 

Über den Ort, an welchem das Gastmahl stattfindet, geben uns die^ Re- 
liefs selbst Aufschluss. Zunächst an den korbtragenden Knaben schliesst sich 
die liegende Figur des Nilgottes an, welcher in der Rechten ein verziertes 
Ruder hält und umspielt wird von Kinderfiguren, wie wir sie von der berühmten 
vatikanischen Nilstatue her kennen, an welche Darstellung unser Künstler an- 
zuknüpfen scheint, seinem Vorbilde dabei aber wenig gerecht wird. Durch 
wellenförmig eingeritzte Linien rund um diese Gruppe herum sind die Fluten 
des Nils dargestellt, in welchen sich ein Krokodil zwischen Lotospflanzen be- 
wegt, die zum Teil nur als Knospen und Kelche auf langen Stengeln behandelt 
sind, teils aber auch Kelche zeigen, aus welchen sich die inneren Blumenteile 
schon entwickelt haben. Am Ufer des Flusses sitzt, mit dem rechten Arm auf 
eine liegende Sphinx gestützt, eine mächtige weibliche Figur, in der linken 
erhobenen Hand eine Rebe haltend, deren Traube in ihrem Schoosse aufliegt. 
Ihr Gewand scheint den linken Arm und die linke Brust unbedeckt zu lassen, 
während der rechte Oberarm verhüllt ist. Zwei geflochtene Bänder, welche 
von beiden Schultern nach der Mitte des Gürtels geführt sind und sich daselbst 
mit ihr vereinigen, halten das Gewand; das reiche Haar fällt nach egyptischer 
Sitte bis auf die Schultern herab, das breite, volle Gesicht umrahmend und in 
dieser Totalauordnung macht auch diese Figur trotz der ungeschickt und un- 



291 

schön gestellten Beine immer noch einen so bedeutenden Eindruck, dass man 
auch hier geneigt ist, ein vorzügliches Vorbild vorauszusetzen, welches aber 
die geringere Gestaltungskraft des Elfenbeinschnitzers bei der Umwandlung der 
Statue in ein Relief nicht zu erreichen vermochte. 

Nach Analogie vieler antiker Darstellungen dürfen wir in dieser Figur 
mit aller Sicherheit die Lokalgottheit erkennen, und wenn es auch am nächsten 
läge, sich Alexandria als die zu jener Zeit bedeutendste Stadt in Egypten in 
jener weiblichen Figur personifiziert zu denken, so scheint mir doch die Sphinx 
ganz besonders auf Memphis hinzuweisen, welches im ganzen Altertum durch 
seinen Sphinxkoloss und seine Sphinxalleen berühmt war; auch passt zu dieser 
Binnenstadt die Traube besser als zu der Seestadt Alexandria. 

Bei so genauer Charakterisierung der Lokalität ist die Annahme berech- 
tigt, dass unsere Pyxis in besonderem Auftrage der Dame angefertigt wurde, 
welche in dem Centrum der Handlung als fröhliche Gastgeberin dargestellt ist, 
an welcher Rolle sie besonderes Wohlgefallen finden mochte. Der auf den 
ersten Blick nahe zu liegen scheinende Gedanke, dass hier etwa Kleopatra 
und Antonius dargestellt sein könnten, düifte wohl kaum ernstlich in Betracht 
kommen, da die Arbeit nach den charakteristischen Merkmalen der Kostümie- 
rung wie nach ihrem künstlerischen Charakter kaum früher als in das 4. Jahr- 
hundert nach Christus gesetzt werden kann. Die Reminiscenzen an die grosse 
antike Kunst sind in ihr jedoch noch lebendig erhalten; aber die Ausführung 
der Reliefs ist mittelmässig und scheint mehr auf den allgemeinen Verfall der 
Kunst, wie auf eine nicht besonders begabte Künstler-Individualität in einer noch 
guten Kunstperiode hinzudeuten. 

Die nachfolgenden Zusätze verdanke ich der Gefiilligkeit des Herrn Pro- 
fessors E. aus'm Weerth. 



Vor länger als 25 Jahren habe ich mich schon bemüht, die in Kirchen- 
schätzen und in Museen befindlichen runden Elfenbeingefässe, die man gemein- 
hin Pyxiden nennt, durch Abbildungen und Beschreibungen für eine Gesamt- 
Veröffentlichung der Elfenbeinarbeiten des Altertums und Mittelalters') zu- 



*) Auf die Bedeutung meines seit Jahrzehnten und wegen der Unkosten noch immer 
nicht veröffentlichten Werkes: ^Fundgruben der Kunst in den Elfenbeinarbeiten des Alterthums 
und Mittelalters", verweise ich auf die Bemerkungen von Schnaase, Kunstgeschichte, 2. Aufl., 
in, 221 A. I und 581 A. 2; Hahn, Fünf Elfenbeingefässe des frühesten Mittelalters, S. (5 u. ff.; 
Otte, Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie, 5. Aufl. IL, S. 531, oben. 

Über die wissenschaftliche Stellung der alten Elfenbein-Skulpturen und ihre Gruppierung 
mag es angängig sein, aus der Einleitung meines Werkes Folgendes anzuführen: 

„Die Periode vom Ende des Römischen Reiches bis zum Jahre 1000 ist für die Kunst- 
geschichte aus zwei Gründen eine durchaus öde und dunkle. Einerseits, weil in dieser, mit 
Ausnahme der ebenso plötzlich erscheinenden als plötzlich verschwindenden karolingischen 
Kultur-Insel, armen und wüsten Zeitperiode grosse Kunstwerke nicht entstanden und nicht 
entstehen konnten, andererseits, weil die Zerstörungslust und die Raubgier der Hunnen und 
Normannen alles aus der Welt schafl'te, was ersterer nicht widerstand und letztere reizen 



202 

sammen zu brlagen. Einzelne derselben sind von mir veröffentlicht''), ihre 
Gruppierung nach bestimmten Gesichtspunkten in der archäol. Gesellschaft 
zu Berlin, im Verein von Altertumsfreunden in Bonn besprochen und in Kraus' 
Real-Encyklopädie der christlichen Altertümer I, 399 ff. aufgeführt worden. 

Zu einer besonderen Gattung dieser Gefäase gehört dasjenige im Museum 
zu Wiesbaden, welches vorstehend Herr Otto Donner-von Richter be- 
sprochen hat. Ich gestatte mir, daran einige kurze allgemeine Bemerkungen 
zu fü"-en und einen Hinweis auf die bisher unbekannt gebliebene, aber wahr- 
scheinliche Herkunft zu geben. 

Dass zu den gottesdienstlichen Bedürfnissen des ersten Christentums ent- 
fernt keine neuen Formen und Gerätschaften erdacht und geschaffen, sondern 



konnte. Nur die Erzeugnisse zweier der Kleinkünste, nämlich die Miniaturmalerei der in den 
Klöstern geschriebenen und illuminierten Handschriften und die Elfenbeinarbeiten ihrer Deckel 
und sonstio-er kirchlichen Gefässe, sind, als dem steten speziellen kirchlichen Bedürfnisse unmittel- 
bar entspringend, in ununterbrochener Weise in jenen trüben Zeiten entstanden und deshalb vor 
dem Untergang gerettet worden, weil sie die Habsucht der Barbaren ihrer materiellen "Wert- 
losigkeit wegen nicht anlockten. Aus diesen beiden Kunstgattungen sind wir deshalb auch allein 
im Stande, ein ziemlich vollständiges Bild der Kunstentwickelung jener Zeit und der ihr zu Grunde 
liegenden Ideen und Lebensanschauungen zu konstruieren. Die in dieser Wichtigkeit längst 
erkannte Bedeutung einer Herausgabe der frühmittelalterlichen Miniaturen ist bereits vor 
60 Jahren in Paris versucht worden, aber teils an der Ungeeignetheit des damit betrauten 
Grafen August Bastard, teils an der Kostbarkeit des Farbendruckes gescheitert, nachdem 2 — 3 
Millionen Francs von der französischen Regierung Louis Philipps dafür verausgabt sein sollen. 
Das von mir vorbereitete Elfenbeinwerk wird sich nach Massgabe des angedeuteten 
Gesichtspunktes vor allem bestrebt halten, aus dem durch die ganze Welt zerstreuten und zum 
Teil versteckten Material solche Denkmäler (und zwar diese sämtlich) auszuwählen, welche 
geeignet sind, den Gang der Entwickelung sowohl nach der Form, als nach dem Gedanken- 
Inhalt klar zu stellen. 

Wenn die vorstehend bezeichnete Periode, in welcher die römische Civilisation zu- 
sammenbrach und aus den erst sich setzenden und entwickelnden germanischen Anschauungen 
eine neue Kultur sich vorbereitete, wie erwähnt, keine grossen Kunstwerke hervorbringen 
konnte, so ist doch alles, was sie in dieser Hinsicht hervorbrachte, deshalb von so grosser 
Bedeutung, weil es ein Bild der inneren geistigen Arbeit jener Zeit darbietet. In dieser 
Periode leben sich die religiösen Anschauungen des Heidentums aus und werden abgelöst und 
verdrängt von den in die Volksphantasie einziehenden Bildern des Christentums. 

Charakteristisch und teilweise grossartig gestaltet sich dieser Hergang ganz beaonders in 
der Abteilung der Elfenbein-Pyxiden. Die mit mythologischen Figuren geschmückten römischen 
Gefässe, ursprünglich zur Aufbewahrung von Kostbarkeiten dienend, werden plötzlich in der 
altchristlichen Kirche, wahrscheinlich infolge der Donation vornehmer Damen, zur Aufnahme 
der hl. Hostien verwendet. Damit ist in der Weiterbildung die Umänderung der schmücken- 
den Darstellungen geboten. Aber die daraufhin veranschaulichten christlichen Vorgänge be- 
halten doch immerhin noch lange Zeit entweder in der Form das klassische Gewand, wie es 
die Gestalten Jesu und der Apostel der berühmten Pyxide von Berlin zeigen oder sie be- 
kunden heidnische Reminiscenzen im Inhalte, wie Orpheus als guter Hirt (Bobbio), Maria und 
Josef im Charakter von Zeus und Hera mit einer Personifikation des Lichts als Lichtgottheit 
(Werden); wie ferner die Personifikation des Nil nach der berühmten vatikanischen Gruppe 
(Wiesbaden), bis sie endlich den christlichen Charakter des Mittelalters vollständig in biblischen 
Darstellungen annehmen und fortführen." 

"') Aus meinen Materialien wurden zwei arabische Pyxiden späterer Zeit veröffentlicht, 
8. 11 j tf. im 4!). Jahrbuch des Vereins von Altertiimsfreuntlon. 



293 

das Yorhandene übernommen wurde, bedarf keines erneuten Beweises. So 
sind auch die zu Hostienbehältern, zu Ciborien verwendeten Elfenbein-Pyxiden, 
welche ursprünglich als Erzeugnisse des orientalischen Kunsthandwerkes für die 
Aufbewahrung kostbarer Wohlgerüche und Pretiosen aus dem Heimatlande des 
Elfenbeinhandels, aus Arabien^) nach Rom gelangten und dort zu Schmuckbüchsen 
vornehmer Damen umgebildet, lange in Mode blieben, dem kirchlichen Gebrauch 
durch fromme Donation übergeben worden. 

Die reliefierte Ausschmückung der Mantelfläche dieser Gefösse bringt des- 
halb auch in der ältesten Gattung keineswegs biblische Vorgänge zur 
Darstellung, sondern lediglich solche aus dem Gebiete der griechischen Mytho- 
logie und Sage. Dahin gehören die Pyxiden in den Museen zu Bologna, 
Wien, Zürich und Wiesbaden, in den Domkirchen zu Bobbio, lePuy 
und Xanten und zwei weitere in der früheren Sammlung Possenti zu Fabriano. 
In einer daraus sich entwickelnden zweiten Gattung treten zwar die heid- 
nischen Vorgänge in der Darstellung gegen biblische zurück, aber sie sind ein- 
gekleidet in vollständig antike Formgebung, sodass man z. B. in der sitzenden 
Gruppe von Josef und Maria an der Krippe des Jesuskindes auf der Pyxide 
von Werden^) unwillkürlich an die Typen des olympischen Gütterpaares 
Jupiter und Juno erinnert wird; und in der Figurenreihe des jugendlichen bart- 
losen Heilandes inmitten der Apostel, an dem schönen Gefäss im Berliner 
Museum, in Ermangelung der Nimben, wie irgend einer anderweitigen sakralen 
Kennzeichnung weit eher au eine Konsularversammlung, als wie an den lehrenden 
Gottessohn denken würde, führte uns nicht auf diesen die Paralleldarstellung der 
Opferung Isaaks am äussersten Eode des Bildes. — Erinnert das Götterpaar der 
Werdener Pyxis an das Zurückgreifen auf ein antikes Relief, so die klassische 
Form des Berliner Bildwerkes an den römischen Sarkophagstiides 3. Jahrhunderts.') 
Unmittelbar auf das Vorbild eines römischen Sarkophags deutet auch eine grosse, 
zuerst von mir im Jalire 1871 aufgefundene Pyxis im Dom zu Bobbio mit Orpheus 
unter den Tieren, und die Wiederholung dieses Motivs auf der Pyxis von le Puy. 
Die dritte, die grösste Mehrzahl, mindestens 20 Pyxen, umfassende Gruppe, 
welche dem Zeiträume etwa vom 5. — 9. Jahrhundert angehört, veranschaulicht 
lediglich biblische Gegenstände und neben dreimal der Geburt, zweimal der Auf- 
erstehung hauptsächlich die Wunder Jesu, besonders die Auferweckung des 
Lazarus, die Heilung des Gichtbrüchigen und des Blindgeborenen, sowie die 
Vermehrung der Fische und Brode. So auf den Büchsen zu Darmstadt, Pesaro^), 
Reichenau, Bologna, Livorno, Petersburg, Rom u. s. w. 



') Letztere abgebildet und besprochen in Aus'm Weerth, Rhein. Kunstdenkmäler, 
Taf. XVII, I. 

*) Ebendaselbst Taf. XXIX, ß. 

°) Vergleiche meine Auslassung in der 2. Aufl., S. 246, Nr. 978 des Katalogs der Aus- 
stellung kunstgewerblicher Altertümer 1880 zu Düsseldorf. 

*) Als Reliquienbehälter ohne figürlichen Schmuck finden sich in fränkischen Gräbern 
mitunter kleinere, aber sonst ähnliche Büchsen, so z. B. von Gold in Hornburg, jetzt im Museum 
zu Kolmar. Westdeutsche Zeitschrift VIII, Taf. XV. 

20 



294 

Wie in der Wahl der Gegenstände und in der Zeitstellung sind die in 
3 Gruppen von mir auseinaudergehaltenen Pyxiden — es sind ihrer bis jetzt 36 — 
auch in Bezug der besseren und geringeren technischen Ausführung und in Bezug 
der darin erkennbaren Unterschiede des Stils zu unterscheiden. 

So glaube ich mit Bestimmtheit eine Schule von Metz und Trier, 
von Mailand, Ravenna und St. Gallen nachweisen zu können. Wenn 
Schnaase die Pyxis von Werden byzantinischer Werkstatt und einer 
römischen die von Wiesbaden zuschreibt'), so kann ich dem nicht beipflichten. 
Der scharfe, aber sichere und charakteristische Schnitt der Werdener Figuren 
und die plumpen Formen des Wiesbadener Nilgottes lassen diese Folgerung 
meines Erachtens nicht zu und möchte ich beide nicht früher als in das 5. Jahr- 
hundert setzen. 

In Bezug der Erklärung des kleinen Wiesbadener Denkmals will ich 
an dieser Stelle der so gelehrten, wie sachgemässen Erklärung meines verehrten 
Kollegen nichts beifügen, indem ich auf dasselbe in meinem Sammelwerke 
zurückkomme. Da dem Wiesbadener Gefäss der Deckel fehlt, so lässt sich 
nicht mehr feststellen, ob auf diesem, wie auf den Deckeln einiger anderer 
Pyxiden, einst Ösen sich befanden, welche die Folgerung zulassen, dass auch 
unser Exemplar, an Metallkettchen über dem Altar herabhängend, zur Auf- 
bewahrung der Eucharistie gedient hat, wie späterhin die reich emaillierten 
Tauben von Metall. Dafür kennzeichnen sie ausser den zum Hängen bestimmten 
Ösen, wie sie noch die Pyxiden zu Sitten, Xanten und Pesaro bewahren*), 
das an denen von Berlin (Hahn No. H), Pesaro, Reichenau, Petersburg 
(Hahn No. I) und Sitten unter dem Schlosse angebrachte Signaculum, nämlich 
jenes von einem Lorbeerkranz umschlossene Kreuz, in dessen Winkel die vier 
Nägel des Kreuzes Christi gestellt sind. 

Über die Herkunft der Wiesbadener Elfenbeinbüchse geben „Lotz, 
Kunsttopographie Deutschlands", „Lotz und Schneider, Denkmälerstatistik des 
Reg. -Bez. Wiesbaden" und „von Cohausen, Führer durch das dortige Museum" 
keine Auskunft. In den erstgenannten Werken wird das kleine Denkmal über- 
haupt gar nicht erwähnt. Wir müssen uns also nach Spuren in der Vergangen- 
heit umschauen. In einem Schatzverzeichnisse des Trierer Domes vom Jahre 
1238 wird eine Elfenbein-Pyxis aufgeführt, die aber daselbst nicht mehr vor- 
handen ist.®) Bekanntlich wurde der Trierer Domschatz beim Herannahen der 
Franzosen im Jahre 1794 auf 24 Wagen vom letzten Kurfürsten Clemens 



') Schnaase, Kunstgeacli. II. Aufl., III, 582 A. 2. 

*) Zum Authängen der Pyxiden fand ich im Jahre 1864 in der Sammlung Bouvier zu 
Amiens und im Dom zu Ma8tri(;lit kleine Hiingevorrichtungen. Die letztere besteht aus 
zwei durch :i run'^e Messingstäbchen auseiuandergehaUencn, mit .Metall-Rosetten verzierten 
Elfenbeinplatten. Über die Metallstäbe glitten die Ketten zum Auf- und Herunterziehen. 
Im Museum zu Namur befindet sich eine der häufig vorkommenden kleinen, runden emaillierten 
Ilostiendosen mit Turmdach, an welclien 4 in Knaufe auslaufende Stäbchen zum Anlieften 
<ler Hängeketten hervorragen. 

'■') Mitteilungen aus dem Gebiet der kir(;lil. Aroliäulogie und Goschichte der Diözese 
Trier. 185(i-i;ü, il, IJG. 



295 

"Wenzeslaus zur vermeintlichen Sicherheit auf die damals churtriersche Festung 
Ehrenbreitdtein geflüchtet, aber durch die widersinnige Ausdehnung des Ar- 
tikel 37 des Reichsdeputations-Hauptschlusses von 1804, wunach den neuen 
Landesherren rechtsrheinischer Gebiete auch die dahin geflüchteten Mobilien 
zufielen, nicht nach Trier zurückgegeben, sondern dem Herzog von Nassau zu- 
gebracht, dem somit der gesamte Trierer Domschatz rechtlich verblieben ist. 
In meiner Yerüffentlichung von dessen wissenschaftlich kostbarsten Stücken, denen 
des 10. Jahrhunderts, nämlich: dem Tragaltar des hl. Andreas"), dem Sieges- 
kreuz Konstantin Yll. und Romanus IL, dem Hirtenstab Petri"), erwähnte 
ich bereits, dass Se. Hoheit der Herzog von Nassau 1827 bei Errichtung des Bis- 
tums Limburg die dortige Domkirche mit den unvergleichlichen Kostbarkeiten 
des Trierer Domschatzes ausstattete. Der Tragaltar des hl. Andreas, ein er- 
betenes herzogliches Geschenk an den Fürsten Metternich, gelangte nach 
dessen Tod an den Trierer Dom zurück. Ein mit Edelsteinen und Emaillen 
reich geschmücktes Prozessionstabernakel, eine Barockarbeit des 18. Jahrb., 
vergab der freigebige Fürst an die Pfarrkirche zu Wiesbaden.'*) Die grössten in 
der Herzoglichen Schatzkammer noch verbliebenen Kostbarkeiten sind jene 6 gol- 
denen Gewisse, in deren Mantel die 431 römischen Goldmünzen aus dem 1691 
in Perscheid bei Oberwesel im damaligen Landesgebiet des Kurfürstentums 
Trier gemachten Funde eingelassen und mit dem von Diamanten umkränzten 
Email-Bild des Erzbischofs Johann Hugo geschmückt sind.'^) 

Infolge einer im Jahre 1865 durch den Oberkammerherrn von Bock 
mir erteilten Höchsten Erlaubnis zur archäol. Durchmusterung der Herzogl. 
Schatzkammer in Biebrich und den mündlichen Mitteilungen des damaligen Ver- 
walters der Schatzkammer Schalk habe ich die Überzeugung gewonnen, dass 
die Pyxis des Trierer Dom-Inventars und die des Wiesbadener Museums iden- 
tisch sind. Wahrscheinlich ist dieselbe schon bei Gründung des Museums mit 
anderen Gegenständen summarisch abgegeben worden. 

E. aus'm Weerth. 



") Aus'ra Weerth, Rhein. Kungtdenkmäler, Taf. LV. 

^') Aus'm Weerth, Das Siegeskreuz Konstantin \7I. und Romanus II. und der Hirten- 
stab des Apostels Petrus, Bonn 1866. Vgl. meine späteren Auslassungen in den Verhandlungen 
des internationalen archäol. Kongresses 1868 zu Bonn, S. S9 ff. und im angeführten Düssel- 
dorfer Ausstellungskatalog, S. 223 ff. 

^'^) Siegeskreuz, S. .5. 

") Jahrb. 37, 241 u. 72, i:)3. 



20* 



Zwei Eberbacher Inschriften. 



Von 

Fr* Otto* 



Die zwei Eberbacher Inschriften, die hier mitgeteilt werden sollen, ver- 
danken wir der Aufmerksamkeit der Herren Dr. iur. Albert Wilhelmj und 
Domänenrat Czeh dahier. Als im Winter 1896 die Blitzableiter zu Reicharts- 
hausen im Rheingau nachgesehen und ausgebessert wurden, bemerkte man 
auf dem Dache des Südflügels des Schlosses einen ziemlich grossen Schiefer- 
stein, der, wie sich bei näherer Betrachtung ergab, auf der Innen- und Aussen- 
seite Inschriften zeigte. Herr Dr. Wilhelmj, der Besitzer des Schlosses, hatte 
die Freundlichkeit, ihn dem Yerf. dieser Zeilen zur wissenschaftlichen Verwertung 
zu übersenden mit dem Beifügen, dass er den Stein dem hiesigen Museum zum 
Geschenke mache. Die zweite Inschrift befindet sich auf der unteren Seite der 
Umfassungsmauer des Steinbergs, wo die Wiese des Weinbergs ist und 
durch die mit einem Eisengitter geschlossene Öffnung der Mauer ein Bach 
strömt; sie ist nach innen gerichtet und etwas über den Zug der Mauer erhöht. 
Herr Czeh nahm eine Abschrift und überliess sie uns freundlicher Weise zur 
Veröffentlichung.') 

I. Die Inschrift von Reichartshausen. 

Der Hof Reichartshausen war eine der ältesten Besitzungen des Klosters 
Eberbach; schon der erste Abt Ruthard erwarb auf dem Gebiete des längst 
verschwundenen Dorfes gleichen Namens ein Gruudstück, den Grundstock der 
allmählich vergrösserten Besitzung, und erbaute ein Ilofhaus, von wo aus ein 
Mönch des Klosters, Curialis, Rector curiae oder Oeconomus genannt, das Gut 
verwaltete. Ein Bild des Hauses und seiner Umgebung in früherer Zeit giebt 
die Karte des Rheingaues von 1575 in Bd. XVII der Aunalen. Unter dem 
Abte Adolf I. (1727—1737) erschien es ,alt und ruinös*, und man beschloss 
einen Neubau. Mit dem Abbruch des alten Gebäudes wurde alsbald begonnen, 
doch erst dem Nachfolger Adolfs, Hermann Hungrighausen von Mengers- 
kirchen (1737 — 1750), war es beschieden das Werk auszuführen. Er selbst war 



') Die folgenden Notizen beruhen auf II. Bars OeacVu-hte der Abtei Eberbacli, RoS' 
äcis Urkunden des Kloiterd Eberbach und Aut'zeic-lmuu^'en i(n hiesigen Staatsarchive. 



297 

Curialis zu Roichartshausen gewesen und wollte ein prächHgeres und ge- 
räumigeres Bauwerk an die Stelle des alten setzen. Sofort legte er die Hand 
an die Ausführung und errichtete zunächst den Mittelbau (^nach Westen ge- 
richtet), an den sich im Jahre 1738 der NordHügel mit dem Keller, im Jahre 1740 
der Südflügel mit dem Viehstall anschloss. Auf diesem lag der Schieferstein, 
dessen Chronogramm die Zahl 1741 aufweist; das Dach muss also erst in 
diesem Jahre gedeckt worden sein. 

Die Inschrift auf der Aussenseite des Steines lautet mit Auflösung der 
Abkürzungen also: 

Sub reverendissimo et perquam gratioso Domino 

D: Abbate Eberbacensi 

D: Hermanne Hungrighausen. 

Sunt ad majorem quia Numinis omnia laud[em], 

Sic structura isthac aedificata fui[t]. 
In DeM lahr aLs aLLenthaLben 
Wie In hiesigen Vnseren orthen 
theVrVng War. 

Das lateinische Distichon, Z. 4 und 5, übersetzen wir also: 

Alles auf Erden gereicht zum grösseren Ruhme der Gottheit; 
So auch ist dies Haus, das du erblickest, erbaut. 

Die Zahlbuchstaben der letzten Zeilen sind: 

MDLLLLVVVVVVVIIIIII = 1741. 

Auf der Innenseite steht diese Inschrift: 

» 

T 
J V R 

In diesen drei Buchstaben ist eine Devotionsformel versteckt; man kann 
sie etwa so auflösen: Jesus verus (oder unicus oder unus) Redemptor = Jesus 
der wahre (einzige) Erlöser. 

ir. Die Inschrift vom Steinberg. 

Auch der Steinberg, der mit Recht so gefeierte Spender des edelsten 
Weines der Rheinlande, gehörte zu den ältesten Erwerbungen des Klosters 
Eberbach; die etwa 14 Morgen, welche Abt Ruthard hier kaufte, wurden all- 
mählich noch im ersten Jahrhundert des Klosters durch Kauf, Tausch oder 
Schenkung zu dem jetzigen Umfang erweitert, die Wildnis des Platzes angerodet 
und mit Reben bepflanzt; ein Zaun, bestehend in einer lebendigen Hecke, 
schützte das Ganze, aber nicht genügend, vor Diebstahl; man stellte zur Zeit 
der Reife wohl Wachen aus, jedoch hören die Klagen über Entwendung der 
Trauben nicht auf. Da beschloss der Abt Adolf Werner von Salmünster im 
Hochstift Fulda, woher er auch Fuldensis genannt ward (1750—1795), dem 
Unfug ein Ende zu machen. Er Hess in den Jahren 1761—1763 eine 12 Fuss 
hohe Mauer um den ganzen Weinberg ziehen und brachte an der oben be- 
zeichneten Stelle eine lateinische Inschrift in zwei Distichen an; die Zahlbuch- 



298 

Stäben des ersten Distichons ergeben die Zahl 1766 als das Jahr, in dem die 
Tafel anf^ebracht wurde. Zum Verständnis des zweiten Yersepaars schicken 
wir voraus, dass der Delphin das Wappen des Abtes war-) und sein Bild an 
verschiedenen Orten der Mauer in Relief angebracht ist. Die Inschrift lautet: 
MYrVs hlC eXstrVItVr, VItes Vt tVtet AdoLpho. 

PartYrIt eXspIrans otia grata Labor. 
Suavi Delphinus requie relevatur, amoenas 
Yitibus arbor ubi chara tuetur aquas. 

In deutschen Distichen: 

Dieses Gemäuer erbaute zum Schutze der Reben Adolphus. 

Lässet die Arbeit nach, folget erquickende Ruh. 
Süsser Erholung geniesst der Delphin, wo dichtes Gezweige, 
Teuer dem Rebengeländ', schützet den freundlichen Quell. 

Die Zahlbuchstaben des ersten Distichons sind: 

MDCLLXXYYYYYYVYIIIin = 1766. 



-I Nach der freundlichen Mitteilung des Herrn Archivrat Dr. Sauer. Über die Wappen 
von Eberbach s. Rössel, Die Abtei Eberbach im llheingau II, 17, Anm. 



Das Recht des Bannes Maxsain, saee. XIII. 



Von 



Dr. W. Sauer^ 

Königl. Arohivrat und Staatsarohivar zu Wiesbaden. 



Den Bann Maxsain trugen zu Lehen vom Erzbischofe von Trier die 
Grafen von Spanheira, welche gegen 1194 die Herren von Bolanden hier und 
in dem benachbarten Selters mit Höfen belehnt hatten (Mittelrh. Urkundenb. HI 
Nr. 650, Sauer, Lehensbücher der Grafschaft Bolanden, S. 23). 

Das in Folgendem mitgeteilte Weistum bewahrt das Archiv der Grafen 
von Sayn, an welche Maxsain aus dem Spanheimischen Besitz gelangt war. 
Dasselbe ist von einer Hand aus dem Ende des 13. Jahrhunderts auf ein ein- 
zelnes Blatt Pergament niedergeschrieben; es ist möglich, dass die Spanheimer 
Erbteilung vom 1. Juli 1277, durch welche Selters und Maxsain an den Grafen 
Heinrich von Spanheim kamen (Mittelrh. Regg. IV, 446), die Yeranlassung zu 
dieser Aufzeichnung gegeben hat. 

Da dieses bisher nicht bekannt gewordene Weistum zu den ältesten 
Sprachdenkmälern des Westerwaldes — im weiteren Sinne — gehört, dürfte 
dasselbe nicht allein des auch für die Rechtsgeschichte wichtigen Inhaltes 
wegen eine weitergehende Beachtung in Anspruch nehmen. 

Dit sint alle di reht van Maxeyne. 

Mit me ersten solen da sin virzin scheffinnen. Unde man müz da ine sien, 

we da si zu me gedinge, of we da nit in si, de müz wethen eine 

missedait, dat sint zin penninge sware münzen. 
Yort so wrügent di scheppenen allit dat schedillig is in deme banne') 

und des herrin. 
Vort alle, di da wannent tussen heyde und heinburg, di sülen wessen zu 

drin stunden bin me iare zu gedinze. 
A^ort ein ewilich, de da want in deme banne, de is schuldich szwene 

penninge unt efer szwene, di nimt ■ der scolteise zu geldene di 

rindere und di schaf. 



') Somit koDimt die Bezeichnung ,bann" niclit erst im Jahre i:J3i> zum ersten Male 
vor, wie Vogel S. tib7 annimmt. 



300 



Yort ein ewilich ein virdel evinnen'O und einen hellinch. 

Vort up sente Walpurge dag zin march penninge. 

Yort gilt man da se^zich schaf, di mag man vuden') in derae banne, so 

wa man wilt. 
Yort up sente Bartholomeus missen und up sente Mychahelis missen 

szwinzich march penninge. 
Yort tüssen sente Mychahelis missen und sente Martins missen ses kuig'), 

di kuig van vunf Schillingen und dri penninge. 
Yort umbe sente Martins missen so gent si zins, de wirt den manne, di 

da af verlenit sint. 
Yort umbe sente Martins missen so geint si hundirt malder evenen und 

virzine kleinre mazin und up den selven dag virzint pünt wasses. 
Yort so geldint si drizzich swin, dat sal man prüven, dat it sweier 

Schillingen wert si, und ein malder salzs. 
Yort in der vastcn eine meyse herrinchs unde drizzich hechte und ein 

malder crwieze. 
Yort der scolteize de is sculdich deme porteuere seszin penninge of vir 

heiin duchis und deme koeke') ses pennewert*^) scüchelin und szwene 

buchün deme wechere und den schiffluden van Cofelenze ein uz 

den vorsprochenen swinen unde szwei schaf. 
Yort der hof van Yillebag") de git eine hälfe march penninge. 
Yort den ginen, di du evene dragent, eine ewelichen sache eine weche 

van eine virlinge. 



*) evinne, im folgenden evone = avena, Hafer. — ^) Füttern. — *) Kühe. — 
*) Wessen Pförtner, Koch und "Wächter? Ob des Lehensherren? — *) Pfennig wert. — ') Hof 
Vilbach bei Xordhofen; Vogel, S. 686. 



Zur Gefässkunde der vorrömischen, römischen 
und fränkischen Zeit in den Rheinlanden. 



Unter diesem Titel verüflFentlicht Konstantin Koenen (Bonn, P. Hansteins 
Yerlag 1895) „einen ersten Versuch" — wie er in kurz gefasstem Vorwort sich 
ausdrückt — „die verschiedenartigsten, zu Hunderten in den Museen aufgestellten 
rheinischen Gefässe der vorrömischen, römischen und fränkischen Zeit zu sichten 
und ihren Fundumständen nach so durch Bild und Wort vorzuführen, dass 
Jedermann, der ein Gefäss oder eine Scherbe findet, nicht bloss beurteilen kann, 
ob sein Fund vorrömisch, ob er römisch oder fränkisch ist, sondern auch in 
welche speziellere Epoche der genannten Zeiträume derselbe gehört." Die Arbeit 
soll ferner zugleich Gelegenheit geben, bei der Veröffentlichung eines solchen 
Fundes die für die betreifende Epoche charakteristische Gefässform zu eitleren. 
Die Hauptfäden des systematischen Netzwerks umgrenzen eine vorrömische, 
römische und fränkische Epoche, während für die Beurteilung der nachfränkischen 
mittelalterlichen Gefässe ein allgemeiner Hinweis schliesst. Originalzeichnungen 
des Verfassers geben auf 21 Tafeln der Vorstellung des Lesers feste Formen 
an die Hand. — Die Gefässe der vorrömischen Zeit teilt der Verfasser sodann 

in solche: 

A. des Steinzeitalters (1. Äolithischea, 2. Paläolithisches, 3. Xeo- 

lithisches Zeitalter); 

B. des Bronzezeitalters (Periode älterer und jüngerer Bronzezeit) und 

C. des Eisenzeitalters (Thongefässe der Hallstatt-Perioden und solche 
der La Tene-Perioden). 

Jede der Unterabteilungen wird wiederum in sich differenziert; so das 
paläolithische Zeitalter in die Typen von St. Acheul, Moustiers, Solutre und 
La Madeleine und das neolithische Zeitalter in die Epoche der Bandkeramik, 
der Megalithgräber u. s. f. 

Dann verbreitet sich der Verfasser eingehender über Art und Wesen 
rheinischer Gefiisse aus der Kaiserzeit, indem er unter Abgrenzungen einer ersten, 
mittleren und späteren Kaiserzeit gesonderte Betrachtungen römischer und ger- 
manischer Gefässe durchführt und der Zeitfolge der römischen Lampen einen 
so instruktiven wie interessanten technologischen Exkurs widmet. Endlich 
münden die Untersuchungen in die fränkische Zeit; innerhalb dieser trennt der 
Forscher die merovingische von der karlinffischen Periode, in deren Kunst- 



302 

Übung er wiederum früh- und spätkarlingische Typen unterscheidet. Die nach- 
karlingischen Gefasse behandelt er sodann als ledigliche Ausläufer der Karlinger- 
zeit: ,Es sind zumeist nur verroherte Arten der Karlingertöpfe, Die Neue- 
rungen sind kaum zu nennen. Auch erhielten sich mabche ältere Stücke als 
Familienstücke und wir finden auch als Handelsware manche, in früherer Zeit 
entstandene Form noch Jahrhunderte beibehalten. Aber in den meisten Fällen 
begegnen wir in den Kulturschichten der nachkarlingischen Zeit doch dem 
einen oder anderen Gefäss, welches eine Unterscheidung älterer und späterer 
Herkunft gestattet." 

Kurz vor Vollendung des Koenen' sehen Werkes erschien in der Fest- 
schrift für Overbeck eine 13 Seiten gr. F. umfassende Abhandlung von dem 
Direktor des Trierer Prov.-Museums, Prof. Dr. F. Hettner, die sich zur Auf- 
gabe stellt, einen kurzen Überblick über die römische Keramik auf gallisch- 
germanischem Gebiete zu geben, also den Hauptimpuls mit der Arbeit Koenens 
teilt. Xur sollte die letztere von Haus aus weiteren Zwecken dienen, d. h. 
zum Nachschlagen und Citieren hilfreiche Hand leisten und die Chronologie 
nach der vorhandenen brauchbaren rheinischen Materie im Einzelnen und Ganzen 
möglichst erschöpfend behandeln. So fehlt denn auch bei Hettner das reiche 
bildliche Beiwerk, welches Koenens Buch dem heimischen Forscher schwer 
entbehrlich machen dürfte. In dieser Hoffnung ist das fleissige Werk begonnen 
und beendet worden und wenn gerade in der citierten Schrift des Trierer Ge- 
lehrten dem Wunsche Nachdruck gegeben wird, dass eine geschichtliche Dar- 
stellung der römischen Keramik unter Beigabe genügender Abbildungen einem 
der dringendsten Bedürfnisse der römischen Archäologie begegnen möge, so wird 
die Wissenschaft das Koenen 'sehe Werk als einen willkommenen Schlüssel 
begrüssen, welcher auch entlegene Pforten des verschlungenen Weges zu 
öffnen im stände ist, wenn nicht anders dieser selbst als in seinen Haupt- 
verzweigungen durch Koenen freigelegt und geebnet scheint. 

Wiesbaden, 7. Februar. Adalbert Schroeter. 



Nachträge 

zu der Abhandlung: „Die Herren von Beilstein und Greifenstein'\ S. 1 ff. 



Zu S. 7, 8. Xachdem der Druck der vorbezeichnetea Arbeit bereits abgeschlossen, 
fand ich bei Durchsicht der ungedruckt gebliebenen, mir in einem 
vom Archivrat von Preuschen angefertigten Auszug vorliegenden 
Arbeit des Gräflich Leiningen -Westerburgischen Archivars Knoch, 
„Entwurf einer verbesserten Genealogie des Hauses Wester- 
burg und Runkel" 1762, dass dieser, wenngleich ohne weitere Be- 
gründung, bereits im ganzen dieselbe Vermutung über die Stammes- 
gemeinschaft der Häuser Merenberg, Runkel und Greifenstein aus- 
gesprochen hat, welche ich jetzt aufgestellt habe. Ich unterlasse 
deshalb nicht, die betreff'ende Stelle jenes Buches wörtlich mitzu- 
teilen: 

Kapitel H. Von dem vermutlichen Ursprung der alten 
Runkelischen Herrn. 

§ 5. Wenn aber die Ähnlichkeit der Wappen zum Erweis 

einer gemeinen Abstammung etwas beitragen könnte, so sollte wohl 

präsumieren, dass die Herrn von Merenberg, Greifenstein und Wester- 

burg einerlei Ursprungs gewesen sein müssten. Wenn eine Familie 

sich von der anderen trennte, so wurde das Wappen in einigen 

Stücken verändert, wie das Isenburgische und Limburgische nicht 

nur ausweiset, sondern auch von vielen anderen bekannt ist. 

[Folgen die Zeichnungen der Wappen von Merenberg, Westerburg und 
Greifenstein; letztere Zeichnung zeigt in beachtenswerter Weise ein aufrecht 
stehendes Kreuz mit ausgezackten Rändern.] 

Dieser Herren Lande und Herrschaften grenzen gleichsam in 
einem Komitate zusammen, mithin ist dieses der Grund, warum wir 
eine gemeinsame Abstammung setzen, obgleich das Runkelische 
Wappen damit gar nicht quadrieren will. Wovon aber anderwärts 
ein mehreres wird gehandelt werden. 

Weilen aber in alten Zeiten alle Geschichte und Genealogie 
in unserer Gegend in der Finsternis vergraben, so wird man ausser 
diesen Mutmassungen nicht weiter gehen können! 



304 

Zu Seite 22, sowie S. 1, 13, 23, 24, 20 und der Stammtafel bemerke ich, 
um einer irrigen Deutung der hier angewandten Bezeichnung Isenburg- 
Limburg vorzubeugen, dass hier die Bezeichnung der Spezialliuie 
Limburg dem Stammnamen Isenburg, dessen alleinige Angabe genügt 
hätte, aus dem Grunde beigefügt wurde, um die Speziallinie des 
Hauses, an welche sich der Greifensteiner Zweig desselben in ver- 
wandtschaftlicher Beziehung angliedert, besonders hervorzuheben. An 
anderen Stellen, wo dies nicht erforderlich schien, S. 21, 23, 34, 35, 
36, ist die Bezeichnung Isenburg oder Isenburg-Greifenstein gewählt. 
Dass die mit Gerlach I. (IV.) von Isenburg beginnende Unter- 
linie Limburg für sich eine wesentliche Umgestaltung des Isenburger 
Stammwappens aus einer bisher nicht ermittelten Veranlassung vor- 
nahm, während der jüngere, zum Besitz von Greifenstein gelangte 
Zweig das alte "Wappen des Hauses, die zwei Querbalken, beibehielt, 
ändert an der Sache nichts. Auch weitere jüngere Zweige, welche 
sich um dieselbe Zeit oder bald darauf von dem Grensauer Stamm 
des Hauses abteilten, haben das Stammwappen des Hauses unver- 
ändert beibehalten. Ein ähnlicher Vorgang findet sich ja auch bei 
den Häusern Ruukel und Westerburg. Übrigens beansprucht die 
möglichst kurz gehaltene Untersuchung S. 22 ff. auch nicht, das 
Hervorgehen des Zweiges Isenburg-Greifenstein aus dem Hause 
Isenburg endgiltig zu ermitteln. Diese Frage gehört ebenso sehr 
der Geschichte des Hauses Isenburg an und braucht deshalb hier 
nicht weiter in die Untersuchung gezogen zu werden. Auch dürfte 
es bei dem Mangel urkundlicher Nachrichten schwer fallen, den 
Anschluss des Zweiges Greifenstein an das Stamrageschlecht in einer 
jeden Zweifel ausschliessenden Weise zu erweisen. 
Seite 46 ist zu den dort mitgeteilten Nachrichten über den Heinricus Advo- 
catus de Westerburg hinzuzufügen, dass er und der urkundlich 
1215 (Kremer, Origg. Nass. II, S. 259) in einer Urkunde des 
Klosters Seligenstatt auftretende Heinricus advocatus de Irmtroth 
vermutlich ein und dieselbe Person sind. Aus Irmtroth, jetzt Irm- 
traud, östlich von Westerburg, haben Lehmann, Dynasten von 
Westerburg, S. 12 und nach ihm Brinckmeier, Geschichte des 
Hauses Leiningen -Westerburg II, S. 16 das unverständliche „Irm- 
stadt" gemacht. 

Dass das später auftretende, dem niederen Adel angehörige 
Geschlecht von Irmtraud, welches einen nach rechts aufsteigenden 
schwarzen Bock in silbernem Felde im Wappen führte, seine Ab- 
stammung von dem Genannten nicht herleitet, braucht kaum bemerkt 

zu werden. 

Dr. Sauer. 



Vereins-Nachrichten. 



Jahresbericht des Sekretärs. 

(Vom 1. April 1895 bis zum 31. März 1896.) 

Allgemeines. Wiederum war das wissenschaftliche wie gesellschaftliche 
Leben des Vereins Sommer und Winter hindurch ein angenehm bewegtes. 

Vorstandssitzungen fanden statt am 18. Juni, 29. Juli, 11. Sep- 
tember und 18, Dezember IS 95, sowie im Februar 189 6. Ferner war 
für den 26. Oktober 1895 eine ausserordentliche Generalversamm- 
lung in der Turnhalle der höheren Töchterschule anberaumt worden, die indes 
wegen zu geringer Beteiligung ergebnislos blieb. In der ausserordentlichen 
Generalversammlung vom 26. März 1895 war ein neuer Statutenentwurf 
beraten worden, dessen schliessliche Fassung von der Königl. Regierung ab- 
gelehnt wurde. Da die Versammlung vom 26. Oktober für bedenklich hielt, 
ihrerseits die neue Form zu bestimmen, wurde eine neue ausserordentliche 
Generalversammlung angeordnet, die am 6. November wiederum in der genannten 
Turnhalle stattfand und den Beschluss fasste, den am 26. März angenom- 
menen Entwurf unter eingehender Begründung der Königl. Regierung 
aufs neue einzureichen, mit dem Ersuchen, Entwurf und Begrün- 
dung dem vorgesetzten Herrn Minister zu unterbreiten. 

Es handelt sich bei dieser Eingabe lediglich um die Rechtsfrage, ob das 
Wiesbadener Museum, das aus Staatsmitteln seine Existenzmöglichkeit gewinnt, 
wie denn auch seine Verwaltung staatlich organisiert ist, Staatseigentum sei oder 
nicht. Erstere, im Jahre 1871 statutarisch fixierte und seitens des vorgesetzten 
Ministeriums als zu Fug und Recht bestehend gebilligte Anschauung war in 
der ausserordentlichen Generalversammlung vom 26. März 1895 als hinfällig 
erachtet worden. Diese ausschlaggebend gewordene Meinungsdivergenz des 
Ehemals und Heute hat inzwischen den Instanzenweg angetreten. 

Die alljährliche ordentliche Generalversammlung fand Samstag 
den 21, Dezember 189 5 abends 6 Uhr im Museumssaale statt. Sie verlief 
programmgemäss in den Berichten des Konservators und Sekretärs und einem 
Vortrag des letzteren über eine Episode der Wiesbadener Theatergeschichte. 
Der Rechnungsablage folgte die Neuwahl einer Rechnungs-Prüfungs- 
kommission, deren Funktionen die Tierren Rechtsanwalt Guttmann, Ingenieur 
Ileuzel und Dr. Ritterling ühernahmpn. Sodann wurde zur Ergän/ungs- 



306 

wähl des Vorstandes geschritten, als deren Resultat sich die Wiederwahl 
der im Turnus ausscheidenden Herreu: Sanitätsrat Dr. Florschütz, Land- 
gerichtsrat Keutner und Rentner Gaab erwies. Bei der nunmehr vorgenom- 
menen Neuwahl eines Yereinsdirektors wurde Herr Sanitätsrat Dr. Flor- 
schütz wiedergewühlt. Zum Schlüsse ergriff auf die Interpellation des Herrn 
Archivar Dr. Meinardus, wie weit die Frage der Museumszugehürigkeit eine 
Lösung gefunden habe, das Wort Herr Amtsgerichtsrat Düsseil und erklärte, 
dass er, seinerzeit durch Krankheit verhindert, der Frage eingehende Studien 
gewidmet und gefunden habe, dass das Museum von Hause aus als Staats- 
eigentum gedacht und aufgefasst worden sei. Der ausführliche Nach- 
weis dieser Thatsache (den er der Versammlung in der Kürze mitteilte), 
sei von ihm schriftlich aufgezeichnet worden, und werde auf dem 
Vereinsbureau zur Einsichtnahme ausgelegt werden. Der Abend wurde 
mit einer geselligen Zusammenkunft im „Roten Haus" beschlossen. 

Am 26. Oktober 1895 wurde durch den Königl. Regierungspräsidenten 
Herrn von Tepper-Laski der neuernannte Konservator der Altertümer des 
Museums, Herr Dr. Ludwig Pallat aus Wiesbaden, in den Bibliotheksräumen 
des Vereins vereidigt und in sein Amt eingeführt. 

So setzt sich der Vorstand des Vereins zusammen aus folgenden Mit- 
gliedern: 

Direktor: Herr Sanitätsrat Dr. Florschütz. 

Konservator: „ Dr. Ludwig Pallat. 

Sekretär: „ Bibliothekar Dr. Adalbert Schroeter. 

Ferner den Herren: 

Dr. med. Ahrens. 

Amtsgerichtsrat Düsseil. 

Rentner Gaab. 

Landgerichtsrat Keutner. 

Professor Dr. Lohr. 

Major a. D. Schlieben. 

Oberlehrer Dr. Wedewer. 

Schuldirektor Weldert. 
Die Gesamtheit des Vereins bestand bei Abschluss des 27. Bandes der 
Annalen aus 355 Personen. Seitdem hat der Verein folgende Mitglieder 
gewonnen: 

1. Herrn Stabsarzt Dr. med. Stern, Bad Weilbach. 

2. „ Amtsgerichtsrat Giershausen, Höchst a. M. 

3. „ Dr. phil. J. Upmann, Wiesbaden. 

4. „ Dr. phil. Wilh. Schmitthenner, Gymnasiallehrer, Wiesbaden. 

5. „ Dr. phil. B. Heil, Gyranasial-Oberlehrer, Wiesbaden. 
G. „ von Bodecker, Oberst a. D., Wiesbaden. 

7. „ Dr. phil. Otto Weddigen, Gymnasiallehrer a. D., Schriftsteller, 

Wiesbaden. 

8. „ Friedrich Hanne mann, Chefredakteur des Wiesbadener 

Generalanzeigers. 



307 

9. Herrn Dr. phil. Ileinr. Meyer, Gymnasial-Oberlehrer a. D., Wiesbaden. 

10. „ Dr. med. Henke, Oberstabsarzt, Wiesbaden. 

11. „ Dr. phil. Ludwig Pallat, Königl. Konservator der Altertümer 

am Landesmuseura zu Wiesbaden. 

12. „ Kaufmann Wilh. Erkel, Wiesbaden. 

13. „ Kaufmann Gust. Erkel, Wiesbaden. 

14. „ Dr. juris Loeb, Rechtsanwalt, Wiesbaden. 

15. „ Langrod, Architekt, Wiesbaden, 

16. „ Jonas Hertz, Rechtsanwalt, Wiesbaden. 

17. „ Dr. juris Arthur Fleischer, Rechtsanwalt, Wiesbaden, 

18. j, Emil Erkel, Direktor der Wechselstube der Darmstädter Bank 

in Berlin. 

19. „ Rentier M. Magnus, Wiesbaden, 

20. „ Louis Neuendorff, Hotelier, Wiesbaden. 

21. „ Adolf von Eck, Rechtsanwalt, Wiesbaden. 

22. „ Anton Jäger, Lehrer, Wiesbaden. 

23. Fräul, Elsbeth Schütze auf Rittergut Zichtow bei Glüven. 

Diesen bis zum Redaktionsschlüsse des Jahresberichts neu eingetretenen 
23 Mitgliedern steht leider ein Verlust von 22 Mitgliedern gegenüber, welche 
der Verein durch Abmeldung oder Tod verlor. 

Ihren Austritt erklärten: 

1. Herr Dr. Wilh. Velcke, Stadtbibliothekar, Mainz. 

2. „ R. Faber, Chemiker, Wiesbaden. 

3. „ Hofrat Schmitt, Wiesbaden. 

4. Se. Excellenz Graf zu Eulenburg, Ministerpräsident, Berlin. 

5. Frau von Boch, Mettlach, 

6. „ Gräfin von Matuschka auf Schlosa Vollrads. 

7. Herr Malmros, Amtsrichter, Limburg. 

8. „ Floeck, Architekt, Wiesbaden. 

9. „ Dr. M eurer sen., Wiesbaden. 

10. „ Schwedersky, Lieutenant a. D. und Redakteur. 

11. Frau Todd, Freiburg i. B. 

12. Herr Lucas, Lehrer, Salzuflen. 

13. „ Fonck, Landrat a. D., Rüdesheim. 

14. „ Dr. Braun, Professor, Hadamar. 

15. „ Trosiener, Ingenieur, Niederlahnstein. 

16. „ Stinnes, Geolog, Wiesbaden. 

17. „ Feldner, Lehrer, Kassel. 

18. „ Dr. med. Henke, Oberstabsarzt, Wiesbaden. 

19. „ Schütte, Major a. D., Wiesbaden. 

Durch den Tod verlor der Verein: 
1. Herrn Hugo von Donop, Major z. D. und Oberhofmeister (starb im 
September 1895 zu Wiesbaden). 



308 

2. Herrn Dr. Overbeck, Geh. Hofrat und Professor, korrespondierendes 

Mitglied des Yereins (starb am 8. November 1895 zu Leipzig). 

3. „ Freiherrn Lüw von Steinfurth, Oberlieutenant a. D. (starb 

am 29. Januar 1896 zu Wiesbaden). 

So ist der Gesamtverein um ein Mitglied gewachsen und besteht somit 
zur Zeit aus 356 Personen. 

Bibliothek. Die Bibliothek des Yereins war im vergangenen Yereinsjahr 
Dienstag und Freitag geöffnet von 3 — 5 Uhr des Nachmittags. Ihre Bestände 
erfuhren wiederum durch systematischen Austausch gegen die Yereins-Annalen 
vielseitige, sogar gesteigerte Bereicherungen, während wesentliche Ankäufe ver- 
sagt bleiben mussten. Dahingegen ging der Bibliothek eine Reihe stattlicher 
Geschenke zu. So unter anderen aus dem Nachlass Sr. Excellenz des General- 
lieutenants von Seydlitz zu "Wiesbaden: Droysen, Yorks Leben. Bd. 1 — 3. 
Berlin 1851. — Overbeck, Pompeji. Leipzig 1856. — Kunsthistorische Bilder- 
bogen. Leipzig 1877. — Lübke, Grundriss der Kunstgeschichte. A. 8. Stutt- 
irart 1879. — Buch er, B., Geschichte der technischen Künste. 3 Bde. Stutt- 
gart 1875. — Baron, La Belgique monumentale. T. L IL Bruxelles 1844. 
— Jahn, 0., Aus der Altertumswissenschaft. Bonn 1868. 

Ferner wurde der Bibliothek seitens des Herrn Yerfassers das Prachtwerk 
zum Geschenk gemacht: 

Das Gräberfeld von Reichenhall in Obcrbayern. Geöffnet, unter- 
sucht und beschrieben von Max von Chlingensperg-Berg. 
Mit 1 Karte und 40 Fundtafeln in unveränderlichem Lichtkupfer- 
druck auf Crayonpapier. Reichenhall. Yerlag der H. Bühler'schen 
Buchhandlung. 1890. 
Wiederholte Schenkungen erfuhr die Bibliothek auch in diesem Jahre durch 
Herrn Sanität^irat Dr. Florschütz und Herrn Professor Dr. Otto, uod seitens 
des P. Hanstein'schen Yerlags zu Bonn das oben besprochene Werk: 

Koenen, Konstantin, Gefässkunde der vorrömischen, römischen und 
fränkischen Zeit in den Rheinlanden. 
Allen gütigen Gebern, in erster Linie aber den Erben Sr. Excellenz 
des Generallieutenants von Seydlitz, sowie Herrn Max von Chlingen- 
sperg-Berg zu Reichenhall spricht der Yerein auch an dieser Stelle seinen 
herzlichsten Dank aus. 

Wissenschaftliche Exkursionen haben auch im vergangenen Sommer 
unter mehr oder minder lebhafter Beteiligung sowohl seitens des Gesamt- 
vereins, als seiner Historischen Sektion stattgefunden. Der erste Aus- 
fiu" hatte die Kirche zu Kiedrich, sowie die Ruine Scharffenstein zum 
Ziele. Die Führung hatte in liebenswürdigster Weise der Herr Ortspfarrer 
übernommen. Es wurde die Geschichte der Baulichkeiten erörtert, und die 
Schätze der Kirche, wie ihre prachtvollen Kunststickereien, Glasfnnster, 
Decken- und Wandmalereien eingehend in Augenschein genommen. Dann folgte 
die Wanderung nach der Ruine Scharffenstein und am Abend zwischen 8 und 



309 

9 Uhr ein erneuter Besuch der Kiedricher Kirclie, in welcher eine Messe 
celebriert wurde, deren besonderer Ritus kulturell wie musikalisch ungewöhn- 
liches Interesse bot. 

Die zweite Exkursion hatte das Museum zu Mainz, sowie den römischen 
Aquädukt daselbst zum Ziele. Die Führung hatte Herr Dr. Ritterling für 
den verhinderten Vereinsdirektor freundlichst übernommen. Ein drittes Mal 
wurden die alten Keltenäcker und Keltengräber am Taunusblick 
(Station Chausseehaus bei Wiesbaden) besucht, und weitere AusHüge nach 
Braubach und der Marxburg, sowie nach den prähistorischen Hügel- 
gräbern bei Langenhain im Taunus folgten. 

Über die Exkursion der Historischen Sektion nach Bleidenstadt berichtet 
das weiter unten erfolgende gütige Referat des Herrn Professor Dr. Grimm; 
die ebenfalls weiter unten folgenden Mitteilungen über den Vortrag des Herrn 
Dr. Ritterling (über den Gräberfund bei Langenhaiu) geben zugleich den 
wissenschaftlichen Inhalt der erwähnten Vereinsexkursion wieder. 

Vorträge. So war der Herbst gekommen, und die Vorträge wurden 
seitens des Gesamtvereins im „Roten Hause" und von der Historischen 
Sektion im „Tivoli-Saale" wieder aufgenommen. 

Die Vorträge im „Roten Hause" fanden von Anfang an eine derartig 
rege Beteiligung, dass die bezügliche Lokalität sich je Ifinger je mehr als kaum 
ausreichend erwies. Die Vorträge selbst, die sich an jedem zweiten Mittwoch 
folgten, nahmen folgenden Gang: 

Erster Vortrag. 

Die Vortragsabende im „Roten Hause" eröffnete am 13. November 
der Vereinsdirektor Herr Sanitätsrat Dr. Florschütz mit seinem Bericht 
über die diesjährige Generalversammlung der deutschen Altertumsvereine, 
die vom 15. bis 20. September in Konstanz tagte. 

Nachdem der Herr Redner, der durch die Wahl des Vorstands 
als Vertreter des Vereins delegiert war, den Verlauf der Verhandlungen 
allgemeiner charakterisiert hatte, in deren Vordergrund aus der sub- 
jektiven Anschauung der Referenten wiederholt in wechselnder Beleuch- 
tung Johann Huss getreten sei, verbreitete er sich insbesondere über 
seine persönliche Beteiligung an dem Gange der Arbeiten als nassau- 
ischer Deputierter. 
Hauptsächlich zwei Fragen sind es gewesen, die von seiten dos nassauisrhen 
Delogierten ihre Fiirderung gewannen. Zunächst handelte es sich um die wissen- 
schaftliche Feststellung, an welchen Orten mit Sicherheit prähistorische Kultus- 
stätten anzunehmen seien. Zu diesem Zwecke waren Fragebogen entworfen und 
versendet worden. Es ergaben sich als Resultate der bisherigen Forschungen nur 
fünf Stellen, an denen mit Sicherheit i)rähistorische Kulte anzunehmen seien. Die 
zweite Anregung, die von dem Nassauisehen Verein ausging, betraf die Frage 

21 



310 

tler „Mardellen". als welche man bisher ohne Kritik irgend welche vermeintlich vor- 
geschichtliche Dungstätten, Hohlräume und unterirdische Wohnstätten bezeichnet hatte. 
So sei eine grundlegende Fixierung des Begriti'es notwendig geworden. Als ^Mardelle 
sollen nunmehr in Zukunft nach dem Vorschlag des Delegierten vorgeschichtliche 
Abfallstätten bezeichnet werden, wie solche beispielsweise in Schierstein auf dem 
Besitztume des Herrn Dr. Peters entdeckt und systematisch untersucht worden sind. 
Dieselben besitzen bei trichter- oder wannenförmiger Form — der Vortragende ver- 
anschaulichte seine Ausführungen sowohl durch Wandtafel-Skizzen, als eine seltene 
Ausstellung von Schiersteiner Fundstücken — eine Tiefe bis zu zwei Metern und 
einen geringeren oder grösseren Umfang je nach ihrer ehemaligen Bestimmung als 
Abfallsgrube eines einzelnen Hauses oder einer ganzen Ansiedelung. Die Funde, die 
in diesen Gruben gemacht worden sind, deren durchaus trümmerhafter Inhalt durch 
die konservierende Kraft der Asche sich gleichwohl durch die Jahrtausende erhalten 
hat, gehören der prähistorischen Zeit der Pfahlbauten an und sind gleichartig mit den 
am Bodensee gemachten Funden aus der ältesten Pfahlbautenzeit, sodass man zu der 
Annahme gelangen muss, welche auch durch eine gleiche, auf Sumatra, Borneo u. s. w. 
bestehende Gepflogenheit dortiger Stämme sehr wahrscheinlich wird, dass man es bei 
dem Schiersteiner Fund mit Abfallräumen zu thun hat, welche von Menschen, die 
in Landpfahlbauten wohnten, angelegt und benutzt wurden. Im Lehmboden des 
Peters'sclien Gebäudes haben sich freilich die Grundpfosten dieser Baulichkeiten völlig 
verzehrt, während die Asche der Abfallgruben diese selbst, ihren Schutt und ihr 
Trümmerwerk vor der Auflösung bewahrt hatten. Im Gegensatz zu diesen Mardellen 
wären dann die Trichterwohnungen prähistorischer Befestigungen resp. Ringwälle zu 

setzen. 

Dem Vortrag des Herrn Sanitätsrat Dr. Florschütz folgte der ein- 
gehende Bericht des Herrn Dr. Ritterling über die Hügelgräber von 
Langenhaln und die mehrtägigen Arbeiten, durch welche unter seiner 
Leitung eines dieser prähistorischen Kelteugräber freigelegt wurde. 
Langonhain im Taunus — begann er — zum Unterschiede von Langenhain in 
der Wetterau, wo bekanntlich ein n>mischcs Kastell aufgedeckt ist, liegt ziemlich 
auf der Höhe, etwa 150 m über dem Lorsbacher Thal; doch ist es gegen Norden 
und Osten durch noch höher aufsteigende Lehnen geschützt, im Norden heisst diese 
Höhe ,.Katzenlück-'. Gegen SüdtMi fällt das Gelände sanft gegen die Mainebene hin 
ab. auf welche man einen schönen, wenn auch begrenzten Ausblick hat (Massenheim. 
Wicker, Flörsheim). Westlich vom Dorfe fliesst im Grunde, der nur etwa 10—12 
Meter tiefer liegt als die Kirche, der Kassernbach dem Maine zu. Jenseits dieses 
firundes steigt das Terrain wieder ziemlich steil an und erreicht eine grössere Höhe, 
als die ist, auf welcher das Dorf liegt; auf dieser Seite befinden sich die Hügelgräber. 
Die erste Veranlassung zu der Untersuchung gab eine Mitteilung des Herrn 
A. Zorn in Hof heim — eines um den Verein mehrfach verdienten Vereinsmit- 
glicdcs — dass auf einem Stück Land, welches, bisher Wald gewesen, jetzt zum 
Acker umgerodet werde, die Zerstörung eines grossen Hügelgrabes zu befürchten sei. 
Eine sofort angestellte Besichtigung ergab das Zutreffende dieser Mitteilung; zugleich 
stellte sich heraus, dass nicht nur auf den benachbarten Landstücken, die zu abseh- 
barer Zeit gleichfalls gerodet werden dürften, «ondorn auch links von dem hier die 



311 

Grenze zwischen den Gemarkungen Langenhain und Wallau bildenden Wege im 
Wallauer und \veiter im Breckenheimcr Gemeindewald, ersterer hier aus Tannen- und 
letzterer aus Buchenbestand bestehend, noch eine ganze Reihe grösserer und kleinerer 
Grabhügel sich befanden, ein ausgedehnter Friedhof von gegen 30 Gräbern. 

Bei dieser ersten Besichtigung ergab sich auch noch eine andere höchst eigen- 
tümliche Beobachtung. Wenn mau an der Langenhainer Kirche vorüber auf kleinem 
Pfade nach dem Kassernbach hinabsteigt, zeigt sich die ganze jenseits des Baches 
ansteigende Höhe mit langen Ackerstreifen bedeckt, von denen jeder gegen 10 — 15 
Schritt Breite hat. Es stellte sich heraus, dass die ganze Gemarkung in solche 
Streifen eingeteilt sei. Dieselben setzen sich nicht nur jenseits des Dorfes nach Osten 
zu fort, sondern laufen auch unter den Häusern des Dorfes selbst weiter. — Dass 
eine solche Einrichtung nicht in neuerer Zeit getrotfen sein kann, was ja an sich 
einleuchtet, wurde noch durch verschiedene Gründe bewiesen, auf die hier nicht näher 
einzugehen ist, und darauf hingewiesen, wie sich etwas Analoges nur in den soge- 
nannten Hochäckern, welche in ganz Südwestdeutschland, namentlich in Bayern und 
Württemberg, aber auch in der nächsten Nähe von Wiesbaden auftreten, findet. — 
Ziemlich allgemein werden diese grossen landwirtschaftlichen Anlagen jetzt den kel- 
tischen Ackerbauern zugeschrieben. Da die Wohnungen dieser Ackerbauern gewöhn- 
lich an dem einen Ende der bebauten Fläche liegen, müssen wir annehmen, dass 
dieselben auch hier oberhalb des jetzigen Dorfes, da wo die Einteilung der Acker 
aufhört, etwa in dem jetzt ,, Pfarrwälder" genannten Distrikt, gelegen haben. Am 
entgegengesetzten Ende pflegen dann die Gräber zu liegen und so ist es auch in 
Langenhain, 

Die Ausgrabung eines dieser Gräber wurde in den Tagen vom 30, und 31, 
August und vom 9. — 12. September ausgeführt. Es wurde bald ein grosser Stein- 
ring biosgelegt, der zum Teil aus kolossalen Blöcken bestand, deren unterste direkt 
auf den gewachsenen Boden aufgesetzt waren, darüber lagen geschichtet andere, die 
Zwischenräume waren mit kleineren bis zu faustgrossen Steinen ausgefüllt. Es war 
keine Spur von einer Bindung zwischen den einzelnen Steinen zu sehen. 

Die Höhe dieser Steinschichtung betrug bis zu 1,50 m, die Dicke war sehr 
verschieden, je nach der Breite der verwendeten Steine von 15 cm bis zu 1 m, 
letztere Breite war wohl nur durch Verschieben ursprünglich übereinander gelagerter 
Steine entstanden. Das Material waren Eisensteine, wie sie etwa eine halbe Stunde 
entfernt anstehen, sowie Wacken, meist Feldsteine, wie sie zerstreut aufgelesen sein 
mochten ; nur verhältnismässig wenige Steine verrieten durch die schärferen Kanten, 
dass sie zu ihrer Verwendung etwa gebrochen waren. Der Durchmesser des Stein- 
ringes betrug nahezu 14 m, der Umfang, ein ziemlich regelmässiger Kreis, etwa 43 m; 
die Höhe des Hügels in der Mitte war beinahe 3 m. Diese gewaltige Erdmasse 
war nun bis auf den gewachsenen Grund herab vollständig abgetragen, wobei durch 
die vielen tief in die Erde hinabreichenden Wurzelstümpfe, namentlich von Eichen- 
unterholz, die Schwierigkeiten bedeutend vermehrt wurden. 

Die Hoftnung, in der Mitte eine weitere Steinsetzung, die eigentliche Grab- 
kammer, wie sie in anderen Gräbern beobachtet wurde, zu finden, erwies sich leider 
als trügerisch. Die Erde fand sich überall, schon in geringer Tiefe unter der Ober- 
fläche, mit Holzkohle mehr oder weniger durchsetzt. Die übrigen Funde bestanden 

21* 



312 

in einer kleinen, aber sauber gearbeiteten Pfeilspitze aus Feuerstein, einem kleinen 
Dolch aus Bronze, einer Nadel aus Bronze und zahlreichen Splitterchen von Feuer- 
stein. Scherben von Gefässen sehr roher Technik fanden sich ebenfalls mehrfach 
zerstreut ; ausserdem dicht an der Innenseite des Steinringes der grössere Teil einer 
Urne, die vielleicht zu einer nach der SchUttung des Hügels hier erfolgten Beisetzung 
gehört. Diese verhältnismässig geringe Ausbeutung des Kleinfundes lässt keineswegs 
auf eine frühere Beraubung des Hügels schliessen ; denn erstens fanden sich von einer 
früheren Durchwühlung nicht die geringsten Spuren und zweitens ist es schon oft 
beobachtet worden, dass ganz intakte Hügel ausser Asche und Kohlen wenig oder 
gar keine Kleinaltertümer bargen. Immerhin ist das Resultat der Ausgrabung ein zu- 
friedenstellendes. Denn der Bronzedolch — welcher der ältesten Hallstadtperiode mit 
seiner Form und Verzierung angehört — giebt einen chronologischen Anhalt für die 
Datierung des Gräberfeldes. Ausserdem ist der aufgedeckte Steinring ein ganz 
eigenartiges Bauwerk : denn wenn auch bereits früher ähnliche Steinsetzungen bei 
Hügelgräbern, im Nassauischen beobachtet wurden, sind dieselben doch nicht erhalten 
und zeigten auch nicht die Wichtigkeit und gute Erhaltung des unsrigen. Eine Kon- 
servierung desselben wäre daher sehr zu wünschen. Auf Beobachtung und Unter- 
suchung von Resten aus römischer Zeit, Häuserfundamenten mit charakteristisch römischen 
Funden einer Strasse, eines Brunnens u. u. ra., welche alle in der nächsten Umgegend 
von Langenhain liegen, konnte nicht näher eingegangen werden. 

Schliesslich betonte im Anschluss an die Berichterstattung des 
Herrn Sanitätsrat Florschütz Herr Archivrat Dr. Sauer die Erspriess- 
lichkeit, welche sich für die Wissenschaft ergeben würde, wenn bei 
den künftigen Generalversammlungen auch die Geschichte selbst neben 
der Altertumskunde seitens des Vereins ihre Vertretung fiinde, worauf 
der Vorsitzende Direktor die Erwiderung gab, dass dahingehende An- 
träge stets willkommen sein würden. 

Zweiter Vortrag^. 

Den zweiten Vortrag hielt am 27. November Herr Dr. Ludwig 
Pallat über die im Altertums-Museum befindlichen griechischen und 
italischen Thongefiisse. 
Einleitend erläuterte derselbe den Wert und die Bedeutung, die eine Sammlung 
von Vasen, welche die geschichtliche Entwickelung der griechischen und italischen vor- 
römischen Keramik in ihren Hauptstadien repräsentiere, für die prähistorische 
Forschung in deutschen Landen habe. Ausläufer der griechischen Kultur seien nicht 
nur bis weit in ilen Norden Europas vorgedrungen, sondern es habe auch die griechische 
Kunst z. B. auf die mitteleuropäische Keramik gewirkt. Die im Museum bereits 
vorhandene, zum nicht geringsten Teil aus Geschenken bestehende Kollektion genüge 
einigermassen, um die Geschichte der graeco-italischen Keramik zu illustrieren, aus- 
genommen die früheste Periode, die der sogenannten mykenischen Vasen und der auf 
diese folgenden Gefässe geometrischen Stils. Mit den letzteren beginnend, gab sodann 
der Vortragende in den Hauptumrissen ein Bild der Entwickelung der griechischen 
und der von ihr stark beeintlussten italischen Keramik, indem er an den betretl'enden 



313 

Stellen die hiesigen Gefässe, Jenen es bisher an sicherer Bestimmung und Datierung 

gefehlt hatte, einreihte. Zum Schlüsse wurde die Hoffnung ausgesprochen, dass es mit 

Hilfe gütiger Geber gelingen werde, die Sammlung, so wie sie geworden, auch zu 
vervollständigen. 

Der Vorsitzende dankte im Namen der sehr besuchten Versamm- 
lung dem Vortragenden für seine lehrreichen, viele interessante Einzel- 
heiten bietenden Mitteilungen und gab dem Wunsche Ausdruck, dass 
derselbe noch öfter ihrem Werte nach wenig bekannte Stücke des 
hiesigen Altertums-Museums in ein so günstiges Licht setzen möge, 
wie die soeben besprochenen. Herr Gewerbeschuldirektor a. D. Fisch- 
bach überreichte der Versammlung ein in seinem Besitze befindliches 
altgriechischos Gefäss und knüpfte an den voraufgegangenen Vortrag 
einige technologische Betrachtungen. Schliesslich machte der Vorsitzende 
Mitteilung von prähistorischen Funden an der Mainzerstrasse und von 
römischen Funden bei Winkel a. Rh. 

Dritter Vortrag". 

In der 3. Sitzung des Altertums-Vereins am 11. Dezember redete 
Herr Professor Dr. Ruppel über die „Vorgeschichte der Indogermanen". 

Die Geschichtsforschung, führte er aus, könne nur dann ihre Aufgaben lösen, wenn 
ihr für die zu erforschende Zeit das nötige historische Material zur Verfügung stehe. 
Die gewöhnlichen Quellen aber, seien es mündliche, schriftliche oder monumentale, lassen 
den Forscher, wenn er in die Vergangenheit immer weiter zurückgeht, schliesslich 
im Stich. Die Folge war, dass man lange über die Vorgeschichte der wichtigsten 
Kulturvölker keinerlei Aufschluss erhielt. Unserem Jahrhundert blieb es vorbehalten, 
mit Hilfe einer bisher unbenutzten historischen Quelle, der Sprachvergleichung, über 
die Kindheit der Völker Licht zu verbreiten. 

Der erste, der auf die Sprachvergleichung als vorzügliches Mittel, die Urzeit 
zu erschliessen, hinwies, war der geniale Leibnitz. Dann wurde auch schon im 
vorigen Jahrhundert Sprachvergleichung geübt. Aber erst Franz Bopp erbrachte 
den wissenschaftlichen Beweis für die Einheit der indogermanischen Sprachen, wozu 
bekanntlich neben einigen asiatischen die meisten europäischen gehören. Unter denen, 
die an dem Ausbaue der durch Bopp begründeten Wissenschaft hervorragend be- 
teiligt waren, hob Redner besonders den im Jahre 1890 verstorbenen Viktor Hehn 
hervor, welcher der Sprachvergleichung die bedeutendsten Impulse gab. 

Der Redner behandelte sodann die Kultur der Indogermanen. An der Hand 
derjenigen Wörter und Begriffe, die man für uralt hielt, konstruierten Bopps Nach- 
folger Bilder dieser Kultur. Anfangs fielen sie meist sehr schmeichelhaft aus. Wir 
sehen ein jugendlich kräftiges Volk, das Viehzucht und Ackerbau treibt und ein ein- 
faches glückliches Dasein führt. Es erfreut sich eines überaus freundlichen und glück- 
lichen Familienlebens und der Anfänge staatlicher Ordnung. Krankheiten gab es 
nicht; Wunden und Altersschwäche waren die einzigen Ursachen des Todes. Zu 
einem ganz anderen Urteile kam Hehn, weil er das Sprachmaterial aufs strengste 
sichtete und die älteste historische Überlieferung sorgfältiger zu Rate zo^'. Acker- 



314 

bau bestreitet er für die Urzeit durchaus. Auch aus dem Familienleben blicken uns 
düstere Züge entgegen, rinsterer Aberglaube beherrschte die Gemüter. 

Das zutreffendste Bild jener Zeit entwarf nach dem Urteil des Redners Sehr ad er. 
Er wies u. a. nach, dass die Indogermanen mehr Viehzucht als Jagd und höchstens 
unbedeutenden Ackerbau trieben. Als Nomaden bedienten sie sich im Umherziehen 
mit Familie und Habe eines Wagen^ dessen Räder wahrscheinlich speichenlos waren 
und nur aus runden Holzscheiben bestanden, durch welche die Achse gesteckt wurde. 
Von Metallen kannten sie nur das Kupfer. Als Wohnungen dienten in die Erde 
gegrabene Höhlungen oder Hütten aus Holz, Flechtwerk und Lehm. Die Schifffahrt 
war noch wenig entwickelt. Als Fahrzeuge dienten wohl die sogenannten Einbäume, 
wie man sie vom Boden der Schweizer Seen in der Nähe alter Pfahlbauten empor- 
gehoben hat. Sie trieben gewiss einen primitiven Tauschhandel, bei dem das Vieh 
der Wertmesser war. — Der Fremde war rechtlos und galt als Feind. Waren Vater 
und Mutter alt und gebrechlich, so sah man sie wohl als ziemlich lästige Teilnehmer 
des Haushaltes an ; doch ist es zweifelhaft, ob man ihnen auch schon in der Urzeit 
ein gewaltsames Ende bereitete, wie es bei unseren speziellen Vorfahren in der äl- 
testen historischen Zeit vorkam. Die Ehe beruhte auf dem Kaufe oder dem Raube 
des Weibes, wovon sich jetzt noch Spuren finden, die Religion auf der Verehrung der 
Naturkräfte. Ob die Indogermanen an ein Fortleben der Seele nach dem Tode ge- 
glaubt, ist noch unentschieden. 

Sodann besprach Redner die Heimatfrage der Indogermanen. Bis vor etwa 
30 Jahren bezeichnete man als Ort, wo sie zuletzt zusammen wohnten und sich dann 
trennten, eine Gegend Asiens, Indien, das Hochland von Iran, besonders das Quell- 
gcbiet des Oxus und Jaxartes, oder auch Mesopotamien. Dabei berief man sich auf 
das besonders hohe Alter der in diesen Landen gesprochenen Sprachen oder darauf, 
dass die geschichtlichen Wanderungen stets in westlicher Richtung verlaufen seien. 
Europa sei nur eine Halbinsel Asiens, die Stätte, wo Indogermanen und Semiten zu- 
sammengewohnt, sei in Asien zu suchen u. s. w. 

Dann wurden gegen diese Meinung Zweifel und Widerspruch laut und mit immer 
grösserer Entschiedenheit sprachen sich viele, darunter der hervorragende Anthro- 
pologe und Prähistoriker Lindenschmitt, für Europa aus; andere für Russland, 
andere für Deutschland, Skandinavien u. s. w. Manche auch nahmen an, die Euro- 
päer wären nach ihrer Trennung von den Asiaten noch länger zusammengeblieben 
und hätten in dieser Gemeinschaft besonders im Ackerbau bedeutende Fortschritte 
gemacht. Dies erscheint allerdings als durchaus wahrscheinlich. Als Schauplatz 
dieser Kulturgemeinschaft (der übrigens die Kultur der Schweizer Pfahlbauten im 
wesentlichen entspricht) und als der Punkt, wo denn auch die Europäer auseinander 
gingen, dürfte aus manchen Gründen vor allem der Westen der südrussischen Steppe 
in Betracht kommen. Auch die asiatischen Indogermanen bildeten, nach ihrer Trennung 
von den Europäern, noch einige Zeit eine Kulturgemeinschaft und zwar am oberen 
Oxus und Jaxartes. Von diesen zwei festen Punkten aus sucht Sehr ad er die Stelle, 
wo die Indogermanen vermutlich auseinander gegangen waren und da scheint ihm 
alles für den Südosten Russlands, die Gegend am Mittellauf der Wolga zu sprechen. 
Einige gegen Schrader erhobene Einwände wurden vom Redner zurückgewiesen, nur 
anerkannt, dass der Vorschlag, den frühesten Trennungspunkt mehr nach der Mitte 
Russlands zu rücken, etwas für sich hat. 



315 

Redner schloss damit, dass die übrigen Ansiclitcn weniger begründet erscheinen 
als die Schraders, dass allerdings noch viel fehle, um dessen Ansicht mmmstüsslich 
zu machen und dass vielleiciit auch liier allezeit das Wort Fausts gelten werde : 

Mein Freund, die Zeiten der \'ergangenheit 

Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln. 

Hieran schloss Herr Dr. Pallat Mitteilungen über die Er^-eb- 
nisse der am 30. November und 4. Dezember von ihm auf Vereins- 
kosten vorgenommenen Untersuchungen von vorgeschichtlichen Wohn- 
ötellen, sogenannten Mardellen, an der Maiuzerstrasse (s. Fundberichte). 

Vierter Vortrag-. 
Den vierten Vortrag hielt in der ordentlichen Geueralversammlung 
des Vereins am 21. Dezember im Museurassaale der unterzeichnete Ver- 
einssekretär über „die Wiesbadener Theaterfrage des Jahres 1848." 
Der Vortragende gab im allgemeinen den Inhalt seiner im vorliegenden 
Band der Annalen verötfentlichten theatergeschichtlichen Studie und 
schloss mit den Worten: „So wollen wir für heute, meine Damen und 
Herren, von diesem bewegten Kapitel Wiesbadener Theatergeschichte 
Abschied nehmen. Die kritische Episode wurde wohl oder übel über- 
wunden — davon vielleicht ein ander Mal — und nach einer kleinen 
Reihe von Jahren hatten Bühne und Hof wieder intime Fühlung o-ewonnen. 
Heute freilich erscheint das ehemalige Hoftheater am Theaterplatz 
wie ein erloschener Traum, und in seinen erblindeten Fensteraugen ist 
schwer zu lesen, dass es nahezu ein halbes Jahrhundert lang die vor- 
nehmste Kunstanstalt des vergangenen Herzogtums war. Und doch war 
es viel weniger sein eigener Unwert, der es so schneller Verffäno-lich- 
keit weihte, als die unaufhaltsame Entwickelung der blühenden Stadt 
die da nach immer glänzenderen architektonischen Formen drän-^te 

Und so wollen wir dem neuen Theater, das unter dem erhabenen 
Zeichen der preussischen Krone mit königlichen Mitteln das künst- 
lerische Erbe des verwaisten Hauses am Theaterplatze angetreten 
hat, eine fortgesetzte, seiner stolzen Folie würdige Entwickelung 
wünschen — im Sinn und Geiste jener wackeren Patrioten, die im 
Jahie des Heils 1848 über Tod und Leben der alten Bühne zu ent- 
scheiden hatten und ihr Fortbestehen an keine geringeren Forderuno-en 
knüpften, als diejenigen, die Schillers hoher Idealismus an eine nationale 
Schaubühne stellte, indem er ihrer allmächtigen Bedeutung für das 
sittliche Leben der Völker die flammenden Worte lieh: „Die Gerichts- 
barkeit der Bühne fängt an, wo das weltliche Gericht sich 
endigt. Das ganze Reich der Phantasie und Geschichte, Vergangen- 
heit und Zukunft stehen ihrem Wink zu Gebote. Wenn keine Moral 
mehr gelehrt wird, keine Religion mehr Glauben findet, wenn kein 
Gesetz mehr vorhanden ist — die Bühne wirkt tiefer und dauernder 
als Moral und Gesetze, so gewiss sichtbare Darstellung mächtiger wirkt, 
als toter Buchstabe und kalte Erzählung."" 



316 



Fünfter Vortrag. 

Mittwoch den 15. Januar sprach Herr ProtcHsor Dr. Lohr über 
^Römische Bewaffnung". Eine Anzahl von Modellen römischer Waffen- 
stücke, sowie Fragmente alter Originale dienten seinen Darlegungen 
zur Veranschaulichung. 

Der Weg sei weit gewesen, führte der Herr Vortragende aus, che die römische 
Waffentechnik die Vollkommenheit der Cäsarenzeit erreicht hahe und nicht minder 
mühevoll sei der Pfad der Forschung gewesen, ehe sie die Entwickelungsgeschichte der 
römischen Rüstungsstücke, ihrer Konstruktion und des Gebrauchs klargelegt habe. 
Ihre Haupttiuelle seien die Funde (hauptsächlich auch die der Limesausgrabungen), 
die erhaltenen nationalen Monumente und deren Tleliefs und vor allem die alten 
Grabsteine, da bei den Denksüulen die selbstschöpferische Thätigkeit der Künstler 
hier und da zu eigenmächtig nuanciert habe, die mehr handwerksmässige Herstellung 
der Grabsteine aber sich eng an den Alltagsbrauch angeschlossen habe. Redner 
warnte von vornherein vor der Vorstellung, dass man es innerhalb der römischen 
Ilceresausrüstung mit einer durchgeführten Uniformierung zu thun habe. Er gab 
sodann eine geschichtliche Skizze der römischen Taktik und Armeeverfassung seit 
den Königen bis zu den Kaisern und hierauf an der Hand der genannten Modelle 
eine eingehende Darstellung der Bekleidung und Bewaffnung des römischen Soldaten. 

Eine wollene Tunika, ein Lederkoller und Schenkelbinden, statt deren später 
Iloscn getragen wurden, sowie Halstuch und Sandalen bildeten den einfachen Anzug 
des Legionars, Das Lederwams hatte kurze, geschlitzte Ärmel. Ein Panzer aus 
Metallringen oder kleinen Kettenschuppen oder viereckigen Brustplatten, sowie be- 
wegliche Schienen (wohl etrurischer Herkunft) schützten Arm und Brust. Sehr kom- 
pliziert war die Gürtung. Das eigentliche Cingulum mit plattcnartigen Beschlägen 
diente unter dem Panzer zum Schutze des Unterleibes, Ausserdem wurden Gürtel 
für das Schwert und den Dolch getragen, also sind drei Gürtel zu unterscheiden. 
Der Schwertgürtel (balteus) ging (juer über die Brust. 

Die hervorragendste Schutzwaffe war der Schild ; ursprünglich ein Rundschild. 
Camillus reduzierte ihn. Er war gewölbt, sein Material lederüberzogenes Holz. Er 
ward an einer im Inneren befindlichen Handhabe aus Riemenwerk getragen. Später 
gestaltete sich die Form oval. Den Mittelpunkt deckte ein Metallbuckel, die Aussen- 
seite war ornamentiert. Der grosse Schild wurde links, das Schwert gewöhnlich rechts 
getragen. Der Helm bestand ous Metall ; den Scheitel deckten gekreuzte Beschläge, 
aus deren Mitte sich der Ilelmbusch erhob, den die Centurionen ([uer trugen. Den 
beliebtesten Schmuck bildeten Gänse-Federn aus Deutschland. Übrigens schützte der 
Helm zugleich Nacken und Wangen. Visierhelme sind nicht nachgewiesen. Bein- 
schienen finden sich seit Cäsar nicht mehr. 

Der Redner wamlte sich nunmehr zu den Angrittswatt'en. 

Eine Nachbildung des sogenannten Schwertes des Tiberius hatte die Direktion 
des Mainzer Museums neben anderen Nachbildungen dankenswert zur Verfiigung ge- 
stellt, und so demonstrierte der Herr Vortragende die Details des römischen Schwertes, 
seine starke Widerlage, den komi'akten Knauf, die gestählte Spitze der Klinge, wie 
die an Ösen und Ringen befestigte Scheide an dem vorgeführten Objekt. Er fügte 



317 

hinzu, dciss die Reiterei später ein längeres Schwert erhalten habe. Es folgte nun- 
mehr Vorliihrung und Erläuterung eines römischen Militärdolches. Er ward eben- 
falls an Ringen getragen. Die Hauptwaffe aber des römischen Kriegers war das 
Pilum ; es gab ein leichtes und ein schweres. Diesem Ausrüstungsstücke widmete 
der Vortragende als der Ilauptwaffe der römischen Armee ganz besonders ein- 
gehende Erörterungen über seine Geschichte, seine noch nicht durchaus aufgeklärte 
Konstruktion, seine Handhabung und seine Erfolge. Die Hauptschwierigkeit ihrer 
Erklärung bietet die Befestigung des Eisens an oder in dem Holz. Die Spitze war 
gestählt. Sie sollte in dem feindlichen Schild haften. Dann bog sich der weichere 
Teil des Pilums und zog den Schild mit herab. Der Wurf war auf ca. 25 Schritt 
berechnet. Die Auxiliartruppen trugen eine leichte Wurfwaffe, welcher unter Um- 
ständen durch einen in ihrer Mitte angebrachten ledernen Wurfgriff eine rotierende 
Bewegung verliehen wurde. Versuche, welche Napoleon HI. mit dieser Lanze an- 
stellen Hess, ergaben die Möglichkeit, ihre Trettweite auf 60 m zu erhöhen. 

Der Vortragende gab nunmehr eine Schilderung der Ausrüstung der römischen 
Reiter ; als Hauptstücke ihrer Bewaffnung nannte er Helm, Schild und Stosslanze. 
Ein Lederpanzer schützte Brust und Rücken. — Ein runder Mantel, ähnlich demjenigen 
der modernen italienischen Infanterie, diente dem Legionär zum Schirme gegen die 
Witterung; auch wurde ein anschliessender Kapuzenmantel getragen. Der Redner schloss 
mit dem Wunsche, dass unseren Altertums-Museen immer neues Verglcichungsmaterial 
zutliessen möge, damit sich aus vereintem Studium der Denkmäler und Schriftquellen 
immer vollkommenere Klarheit gewinnen lasse. 

In der nunmehr sich anschliessenden Debatte regte Herr 
Dr. Ritterling die Fragen an, ob das Pilum der Kaiserzeit Widerhaken 
besessen habe oder nicht? Ob alle Legionen mit dem Pilum bewaffnet 
gewesen seien? Später seien nur die vier ersten Glieder damit aus- 
gerüstet gewesen, während die hinteren vier die Hasta getragen hätten. 
Herr Professor Lohr sprach hierauf die Hoffnung aus, dass abzuwar- 
tendes weiteres Yerglcichungsmatcrial auch hier neue Aufschlüsse bringen 
möge. 

Sechstep Vortrag". 

In der Sitzung am 29. Januar sprach Herr Dr. Pallat über die 
„Aufnahme der Reliefs der Marc-Aurelsäule" und führte die Probedrucke 
für die Tafeln des demnächst erscheinenden, die Säule behandelnden 
Werkes vor. 

So gut wie unbekannt — begann er seinen Vortrag — waren bis vor kurzem 
die Darstellungen eines der bekanntesten antiken Monumente. Es steht dies auf dem 
verkehrreichsten Platze des modernen Rom, der Piazza Colonna, und ist die von dem 
Kaiser Marcus Aurelius zum Andenken an die Unterwerfung germanischer Völker- 
stämme in den 70 er Jahren des 2. nachchristlichen Jahrhunderts errichtete Sieges- 
säule. Die Reliefs, welche den Schaft derselben in spiralischen Windungen umziehen, 
hatten in der Nähe und im Zusammenhang nur diejenigen gesehen, welche bei den 
beiden Restaurationen, denen die Säule in den Jahren 1589 und 1775 unterzogen 



318 

wurde, beschäftigt waren. Gelegentlich der ersten derselben dürften die Zeichnungen 
angefertigt sein, welche - dem im Jahre 1704 von Dartoli herausgegebenen Kupfer- 
werke zu Grunde liegen. Dieses, eine nichts weniger als zuverlässige Quelle für die- 
jenigen, welche sich für die Geschichte eines der bedeutendsten Feldzüge der Römer 
gegen die Germanen interessieren, hätte schon längst durch getreue Nachbildungen 
ersetzt werden müssen, um so mehr, als der Znstand der Säule für die Zukunft 
weitere Zerstörung der Reliefs fürchten Hess. Die Anregung zur Aufnahme derselben 
ging von deutscher Seite aus, von Herrn Professor Dr. Petersen in Rom und einem 
aus Heidelberger Professoren gebildeten Komite. Ermöglicht wurde das Unternehmen 
einmal durch die Beisteuer im Betrage von 20.000 Mark, welche Se. Majestät der 
Kaiser für dasselbe bewilligte, und weiter durch die Fürsorge und Unterstützung, 
welche die Königl. italienische Regierung demselben angedeihen Hess. Die Säule 
wurde, nachdem die schwierigen Vorbereitungen getroffen, zweimal eingehend von den 
Herren Prof. Petersen, Prof. v. Domaszewski und Dr. Pallat besichtigt, von dem 
Photographen Andersen aufgenommen und. soweit ihre Darstellungen durch besondere 
Vorgänge oder uns Deutsche vorzüglich angehende germanische Altertümer interessierten, 
abgegossen. Die Zeit von Mitte April bis Anfang September vorigen Jahres war 
dazu erforderlich. Zur Betrachtung der Säule selbst bezw. der ausgestellten, vor- 
züglich gelungenen Probedrucke übergehend, berichtete der Vortragende kurz über 
den Verlauf des Krieges, dessen in die Jahre 171—175 fallende Ereignisse auf der 
Säule abgebildet sind, nach den Forschungen des Herrn Prof. v. Domaszewski. In 
der Wiedergabe der Kriegsereiguisse lassen die Reliefs in den Hauptzügen Treue 
nicht vermissen. In den Einzelheiten ist der Wirkung in der Ferne zu Liebe manches 
unterdrückt, so namentlich in der Bewaffnung der Soldaten, deren Detailwiedergabe 
bei der Menge von Personen, welche sich auf dem etwa 250 m langen Reliefstrcifen 
befinden, wohl auch zu mühsam und zeitraubend gewesen wäre. Vorzüglich sind die 
Porträts des Kaisers und seiner Begleiter, sowie die verschiedenen Typen der Germanen, 
Slaven etc. charakterisiert. Die Kleidung der letzteren besteht in bis auf die Ferse 
reichenden, anschliessenden Hosen, einem Unterkleid mit Ärmeln, einem darüber ge- 
zogenen, ärmellosen gegürteten Wams und häutig noch aus einem um die Schulter 
geworfenen Mantel. Im Kampfe erscheinen sie mit nacktem Oberkörper, bewaffnet 
mit rundem Schild und Lanze. Bei feierlichen Gelegenheiten treten die Vornehmeren 
mit einem mit Franzen besetzten Wams und Mantel auf. Unter den Wohnhäusern 
bezw. Hütten lassen sich mehrere Formen unterscheiden. Der künstlerische Wert der 
Darstellung ist, wenn man in Betracht zieht, dass vor allem Fernwirkung beabsichtigt 
war, an vielen Stellen ein bedeutender. Unter den Soldaten, wie namentlich unter 
den Germanen, sind prächtige, lebensvolle Figuren. Zum Schlüsse erläuterte der 
Redner die ausgestellten Bilder: besonders ausführlich dasjenige, welches darstellt, wie 
die Römer vor dem Verdursten und ihren Feinden durch einen die letzteren ver- 
nichtenden Wolkenbruch errettet werden. An diese Episode habe sich eine in der 
letzten Zeit viel erörterte Legende angeknüpft. 

Der Herr Vorsitzende sprach dem Redner seinen besonderen Dank 
aus, als demselben vergönnt gewesen sei, aus persönlicher Anschauung 
seinen Vortrag zu beleben, da er an den Erforschungen der schwierigen 
Reliefs von Anfang bis Ende mit eigener Thätigkeit beteiligt gewesen sei. 



319 

Herr Professor Dr. Otto besprach hierauf eingehend zwei latei- 
nische zum Teil metrische Inschriften mit sogenannten Chronogrammen, 
von denen die eine sieh auf einem Schiefersteine vom Dache des 
Schlosses Reichartshausen befindet, die andere im Steinberge. 

Jene erwähnt den damalif^en Abt, unter dem jenes einst zum Kloster Eberbach 
gehörige Gebäude aufgeführt und 1741 vollendet worden ist, Hermann Hungrighausen 
(1737 — 1750) un<l besagt, dass, wie alles zu Gottes Ehre geschehe, so auch dieser 
Bau errichtet sei. Darunter ist in deutscher Sprache faber lateinischer Schrift), so, 
dass einzelne besonders hervorgehobene Buchstaben die Jahreszahl 1741 ergeben, be- 
merkt, es sei dies das Jahr gewesen, in welchem, ,.wie allenthalben, so auch iu 
hiesigen unsern Orten Teuerung war.'" Auf der Rückseite stehen unter einem Kreuze 
die noch ungcdcuteten Buchstaben J. V. R. Herr Dr. Albert Wilhelmj hat den 
interessanten Stein dem hiesigen Museum zum Geschenk gütigst übergeben. 

Die zweite Inschrift steht auf der 1761 — 1763 aufgeführten Mauer des eben- 
falls einst dem Kloster Eberbach gehörigen Steinbergs und zwar auf der Innenseite über 
einem vergitterten Durchlass, durch den ein Bach tiiesst. Es finden sich hier zwei la- 
teinische Distichen, von welchen das eine ebenfalls ein Chronogramm (Jahreszahl 1766) 
enthält und den Zweck der Mauer, die Reben zu schützen, angiebt, das andere auf 
das an verschiedenen Stellen derselben angebrachte Wappen des damaligen Abtes 
Adolf Werner von Salmünster (1750 — 1795) Bezug nimmt: einen Delphin. Dass 
dieser im Wappen gestanden habe, konnte Herr Professor Otto, gestützt auf die 
späteren Wappen des Klosters, nur vermuten. Herr Archivrat Dr. Sauer bestätigte 
diese Vermutung unter Vorzeigung von Siegeln des Klosters Eberbach. Im übrigen sind 
die Inschriften selbst inzwischen im vorliegenden Annalenbande wiedergegeben worden. 
Nach Schluss der Sitzung waren die ausgestellten Bilder der 
Säule noch lange Gegenstand der Betrachtung und Erörterung der 
zahlreich erschienenen Mitglieder und Freunde des Vereins. 

Siebenter Vortrag^. 
Mittwoch, den 12. Februar redete Herr Gewerbeschuldirektur a. D. 

Friedrich Fischbach über „Lorelei- und Loren-Mytheu und Sagen". 

Der wesentliche Inhalt des Vortrags war folgender: 
Das Studium der Feuer- und Lichtsymbole in der Ornamentik, führte der Vor- 
tragende aus, habe ihn in den letzten Jahren zu tieferer Erforschung der wenig be- 
kannten ältesten Mythen der Licht- und Finsternismächte veranlasst. Diese seien 
hervorzuheben, um die prosaische jüngste Auslegung, die Lorelei oder Lurlei sei nur 
lurer, d. h. lauter Lei (Schiefer), zu widerlegen. Ferner sei. behauptete er, die in 
Büchern vielfach verbreitete Ansicht unrichtig, die Lorleisagen seien erst im letzten 
Jahrhundert entstanden. Das ..Quellenmaterial"', welches Brentano und Heine benutzt 
haben sollen, wurde ebenfalls vom Redner berührt. Aus diesem ergebe sich, dedu- 
cierte er, ,,dass uralte Sagen vorhanden waren, in denen Naturmythen in Sagen ver- 
wandelt seien". Die Notiz aus dem 13. Jahrhundert, dass der Nibelungenhort 
im Lurlenberge liege, begründe die Annahme, dass die Echo-Nymphe und Schatz- 
hüterin Lorlei dem ältesten, aber vielfach vermischten Mythen- und Sagenkreise an- 
gehöre. Aus der Eigenart des sehr starken, fünffachen Echos habe sich die Sage 



320 

entwickelt. Das versuchte der Herr Retiner im besonderen glaubhaft und anschaulich 
zu machen. ..Luren", sagte er. „hoissen die alten Bronzetrompeten. Wo das Echo 
so stark ist, dass es in alten Chroniken hcisst, man glaube, der Berggipfel stürze 
herab, ist die Bezeichnung Lurlcnberg oder die Lurende Lei, Lurlei naheliegend." 
Als Schat^hüterin gehörte unsere Lorelei in die Elfenfamilie Luarins oder Lorens. 
Hior sei auch Lohengrin zu nennen. Die Lorinz. Loren, Euren, Lauren hätten ihren 
Ursprung in unserer Traumwelt und besonders im Alpdrücken. Der Herr Vortragende 
erörterte eingehend, wie solche Sagen und Märchen nach seiner Meinung in natürlichster 
Weise entstanden und praktisch gemodelt worden seien. Die grosse Fülle der zahlreichen 
Parallel-Sagen der Lauren und Loren habe er der gemessenen Vortragszeit entsprechend 
gesichtet, da noch die Beziehungen zur Edda zu erörtern wären. Herr Fischbach hob 
hervor, „dass ein endgiltiger Abschluss solcher Studien nicht so bald zu erwarten sei, da die 
verschütteten Quellen nur da und dort hervorsickern'-. Nach vielen Wandlungen habe 
das christliche Mittelalter nur das Dämonische und Spukhafte der Hexe Lorelei fest- 
gehalten, ähnlich wie Hulda Frau Venus geworden. Auch die heilige Jungfrau von 
Lourdes sei zu erwähnen. .,Aus Heines Lied", meinte er ferner, „fühlen wir heraus, 
dass wirklich ein Märchen aus alten Zeiten uns in der Lorelei verkörpert ist''. Sie 
sei die schönste Vertreterin der Naturpoesie des Rheines. Unsere Aufgabe sei, ihren 
Fels vor industrieller Verunstaltung zu behüten. Nachdem der Herr Vortragende 
sich nunmehr auch über die Quellnymphe Sirona und deren geheimnisvolles Walten 
noch des weiteren ergangen hatte und mit ihr sodann zum Schlüsse gelangt war, 
ergritf das Wort Herr Bürgermeister Hess. Er beleuchtete in humorvoller Weise noch- 
mals die etymologische Seite der Frage als die einzige, welche uns Klarheit geben 
könne. Die Deutung lure-lei = lauter Fels lehnte auch er mit dem Hinweis ab, 
dass sich ein t wie das in Kit er nie am Rhein zu verlieren pflege. Auch die nächst- 
liegende etymologische Erklärung, die da glaubt, von der Definition lüren = lauern 
ausgehen oder vielmehr sich mit ihr begnügen zu sollen, lehnte er ab. ]\Ian müsse 
etwas Signitikanteres. für den Loreleifelsen Cbarakteristischeres zu supponieren suchen. 
Er seinerseits glaube in der Definition lür = gurgeln, rauschen diese zureichende 
Deutung gefunden zu haben. Am Loreleifelsen mache der Rhein eine starke Biegung. 
So entstände eine Stromschnelle, die früher wohl — der Fluss sei an der bezüglichen 
Stelle 70 Fuss tief — von einem noch viel stärkeren Branden begleitet gewesen sei. 
Das Rauschen des Stromes sei noch heute zwischen den Felsen mächtig genug. Dies 
scheine dem Redner die natürlichste Erklärung, da der Rhein an Stromschnellen, die 
eine ähnlich laute Brandung kennzeichne, im sonstigen arm sei. Es käme höchstens 
das Binger Loch in Frage. Hier aber sei kein Fels in der Nähe. Herr Direktor 
Fischbach glaubte trotzdem, indem er sich nochmals auf luren resp. die vorher von 
ihm citierten Bronzetrompeten berief, auf seiner Meinung, dass das starke Echo und 
nicht das Rauschen der Brandung dem Felsen seinen Namen Lore-lei gegeben habe, 
beharren zu sollen. Vielmehr meinte er in Abrede stellen zu müssen, dass am 
Loreleifelsen der Stromlauf von jenem starken Rauschen begleitet sei, welches am 
Binger Loch vernehmbar sei. 

Hierauf schloss der stellvertretende Vorsitzende, Herr Landgerichta- 

rat Keutner, die Sitzung, nachdem er an den Redner Worte des 

Dankes gerichtet hatte. 



321 



Achter Vortrag". 

, In der Sitzung am 25. Febr. hielt Herr Stabsarzt a. D. Dr. Stern - 

Weilbach einen Vortrag über den „Totenkultus der Egypter*. 
Indem der Vortragende, welclier selbst geraume Zeit in dem Land der Pharaonen 
verweilte, davon ausging, dass gewisse cgyptische Gegenstünde, besonders die Amulette, 
sich gelegentlich auch bei uns rinden, wovon er einen Beweis in Gestalt einer Götterrigur 
aus Fayence, gefunden bei Weisenau, vorwies, führte derselbe etwa folgendes aus: Fast 
alle egyptischen Gegenstände stammen aus Gräbern, da nur diese durch ihre Lage 
in der trocknen Wüste der Zerstörung durch den Zahn der Zeit entgehen konnten. 
Das Grab bestand aus 2 Teilen, der Grabkapelle und der Sargkammer mit dem 
Sarkophag, welche letztere stets das Ende eines Felsonschachtes bildet. Die erstere 
enthielt den bekannten malerischen Schmuck der Wände, die Statue und die Gegen- 
stände zum Opferdienst. Wenn das Grab bei liebzeiten des Besitzers so weit vor- 
bereitet war, schloss derselbe noch einen Vertrag mit der Priesterschaft, um sich 
gegen Überlassung der Einkünfte irgend einer Besitzung die nötigen Totenopfer zu 
sichern. Nach dem Tode galt es dann, aus dem Körper einen Osiris, d. h. eine 
Mumie zu machen. Ursprünglich war die Seele, der Ka, mit dem sich autlösenden 
Leibe, dem er in jedem Augenblicke genau glich, zu Grunde gegangen. Erst seitdem 
Isis, Horus und Anubis den Körper des Osiris unzerstörbar gemacht hatten, kannte 
man die Kunst, aus jedem Gestorbenen einen ,, Osiris" zu machen und damit der 
Seele das Fortleben zu sichern und sie durch Amulette gegen die Mächte der Toten- 
welt zu schützen. Die Statue dient wie die Mumie dem Ka als Körper. Im neuen 
Reiche wird die Porträtstatue durch die zahlreichen kleinen Totenstatuetten in Mumien- 
form (die Uschebti) verdrängt. Nach der herrschend gewordenen thebanischen Lehre 
wird nämlich mehr Gewicht gelegt auf die Schicksale der Seele im Totenreiche, wo 
dieselbe ein Stück Land selbst bebauen muss. Diese Arbeit aber sollen die stets 
mit Werkzeugen für den Landbau versehenen Uschebti der Seele abnehmen. Die 
Provisionskrüge, Totenkegel (Brot), Ochsenviertel, Gänse, Kuchen u. s. w. dienen, 
obwohl aus Stein gebildet, dem Ka zur Nahrung, der sich nicht von den Dingen 
selbst, sondern von deren Ka nährt. Alle Dinge galten also als beseelt. Alles, was 
den Lebenden umgeben hatte, gab man auch dem Toten mit, um dem Komfort des 
Ka im Grabe zu dienen, z. B. Toilettegegenstände, Brettspiele, Hausgerät. Im Gegen- 
satze dazu sollen die Amulette und Zauberformeln, das Totenbuch, das Hyposephal, 
die Götterstatuetten, die Amulette, welche , .Leben" bedeuten, wie der bekannte 
Skarabäus, die Herzfigur u. s. w. die Seele auf ihren Wegen im Totenreiche schützen 
und ihr Anleitung geben, wie sie vor Osiris ihre Reinheit zu versichern habe. 

Zum Schluss schilderte der Vortragende das wirkliche Schicksal einer wohl- 
ausgerüsteten Mumie, das Aufhören <ler Opfer durch Übertragung der betretl'endeu 
Stiftung auf ein jüngeres Grab, die Beraubung des Grabes (etwa infolge innerer 
Wirren), welche den Ka auf das beschränkt, was die Götter ihm infolge der Gebete 
Vorübergehender schenken, endlich die Zuschüttung des vergessenen Grabes durch 
den alles bedeckenden Wüstensand, denn ohne diese Schutzmittel oder ihrer beraubt 
ist die Seele im Jenseits verloren; sie vergeht wie jeder nicht gegen Audösung ge- 
sicherte Körper. 



322 

Ausführliche Erläuterungen der dem Vereinsmuseum angehörigen, 
für den Abend im „Roten Hause" ausgestellten egyptischen Altertümer 
hatte der Redner an geeigneten Stellen seinem fesselnden Vortrage 
eingefügt, für welchen dem Gast im Namen der Versammlung der Vor- 
sitzende, Herr Sanitätsrat Dr. Florschütz, wärmsten Dank aussprach. 
Zugleich richtete er an die Anwesenden auf Anregung des Herrn 
Dr. Stern die Bitte, die Bibliothek der deutschen Schule in Kairo, 
der anerkannt besten am dortigen Platze, dadurch fördern zu wollen, 
dass man ihr Bücher und Zeitschriften, vor allem Jugendschriften, für 
die man keine Verwendung mehr habe, zukommen lasse. Angenommen 
zum Zwecke der Weiterbeförderung würden solche gern im Bureau 
des Vereins Friedrichstrasse 1, I. 

Hieran schloss sich eine längere Debatte über die Entstehung 
der Pyramiden. 

Neunter Vortrag". 

Den neunten und letzten Vortrag innerhalb des Gesamtvereins 
hielt im Vereinslokal am 12. März Herr Dr. Pallat über die „Auf- 
findung des homerischen Troja". Eine Reihe von Plänen und Photo- 
graphien, welche Herr Dr. F. Noack, Privatdozent an der tech- 
nischen Hochschule in Darmstadt, dem Vortragenden freundlichst zur 
Verfügung gestellt hatte, diente zur Veranschaulichung der ver- 
schiedenen Bauperioden, welche sich an den Trümmern, die den Hügel 
Hissarlik, die Stelle des homerischen Troja, einnehmen, unterscheiden 
lassen. 
Es bedecken ihn die Überreste von neun Niederlassungen, die sich übereinander- 
schicbtend im Laufe mehrerer Jahrtausende den ursprünglich 17 m hohen Hügel um 
13 m erhöht haben. Von diesen haben Schliemann und Dörpfeld die zweit- 
unterste, eine dreimal umgebaute Burg mit stattlichen, unterwärts aus Steinen, ober- 
wärts aus Luftziegeln bestehenden Umfassungsmauern und in gleicher Technik er- 
richteten, im Grundrisse denen von Tiryns und Mykenä ähnlichen Palästen, lange 
Zeit für die Burg, die Pergamos von Ilios, gehalten. Erst 1890, in jenem Jahre, 
an dessen Schlüsse Schliemann der Wissenschaft leider zu früh entrissen wurde, 
erkannten sie aus Funden, die sie in der sechsten Schicht, welche ausserhalb des 
Mauerringes der zweiten noch unangetastet war, machten, dass letztere aus einer 
vor der homerischen liegenden Zeit herrühren müsse. Auf Grund dieser Beobachtung 
legte Dörpfeld im Jahre 1893 mit den ihm von Frau Schliemann zur Verfügung 
gestellten Mitteln eine Reihe von Gebäuden der sechsten Schicht, die sich durch 
den Fund mykenischer Topfware als die homerische zu erkennen gab, Teile der sie 
umschliessenden Burgmauer und einen gewaltigen Turm der letzteren frei. Mit 
weiteren noch in demselben Jahre von Sr. Majestät dem Kaiser bewilligten Geldmitteln 
konnte Dörpfeld schon 1894 die Arbeit wieder aufnehmen und die in ihrer Stärke 
wie in ihrer Technik staunenerregende Burgmauer mit drei Türmen und Thoren, so- 
wie mehrere Gebäude biossiegen. Der erhaltene Teil der Mauer beträgt rund 300 m; 



323 

der zerstörte wird auf 200 m, der gesamte ehemals umschlossene Raum auf 20000 qm 
geschätzt. Zerstört ist die Burgmauer anscheinend gänzlich auf der Nordseite, von 
wo man ihre Steine zum Baue des nahe gelegenen Sigeion weggenommen hat. Die 
Gebäude im Innern, zumeist einzeln stehende, ganz aus Steinen erbaute Herrenhäuser, 
deren Grundriss einen grossen Saal mit Vorhalle aufweist, sind nur in der Nähe der 
Umfassungsmauer erhalten, nicht in der Mitte des Hügels, weil dort die Römer bei 
der Anlage des neuen Ilion die Spitze des Hügels horizontal abgeschnitten und dabei 
die Gebäudereste der drei obersten Schichten vollständig beseitigt haben. 

Der Vortrag fand vor zahlreicher Yersammlung statt. Der Yur- 
sitzende des "Vereins, Herr Sanitätsrat Dr. Florschütz, dankte dem 
Redner in deren Namen und betonte mit Genugthuung, dass es Deutsche 
waren, die der Wissenschaft den grossen Dienst der Erforschung Trojas 
leisteten. Darauf schJoss er die Sitzung und mit ihr die auso-edehnte 
Reihe der Vortragsabende des ablaufenden Vereinsjahres. Seit Jahr- 
zehnten hätten sich dieselben nicht eines nur annähernd gleichen Zu- 
spruchs erfreut, der beste Beweis dafür, dass die Vorträge selbst 
eine Richtung innegehalten haben, welche in immer weiteren Kreisen 
sichtlich für die Vereinsbestrebungen Interesse wecke. Er sprach den 
Wunsch aus, dass sich auf der gleichen Basis der Verein immer kräftiger 
entwickeln möge — und lebhafte Zustimmung aus der Versammluno- 
gab dieser Hoffnung freundlich Gewähr. 



Diesen Exkursionen und Vorträgen innerhalb des Gesamtvereins gingen 
die im Folgenden aufgeführten innerhalb der Historischen Sektion parallel. 

Erster Vortrag*. 

In der ordentl. Sitzung der , Historischen Sektion" vom 24, April 
besprach Herr Archivar Dr. Meinardus die neue, von Max Lehmann 
in Göttingen aufgestellte und begründete Auffassung vom Ursprung 
des 7jährigen Krieges (Friedrich der Grosse und der Ursprung des 
7jährigen Krieges. Leipzig, Hirzel 1894). 

Nach sorgfältiger Prüfung des ganzen Materials und Heranziehung der gesamten, 
bisher gegen Lehmanns Autfassung erschienenen Besprechungen der Anhänger der 
bisherigen Ansicht, wonach Friedrich der Grosse den 7jährigen Krieg begonnen hat, 
um einer auf die Zerstückelung der preussischen Monarchie gerichteten ,, Verschwörung" 
der drei Grossmächte (")sterreich, Russland und Frankreich zuvorzukommen, ist der 
Vortragende, wie er erklärte, zu der Überzeugung gelangt, dass Lehmanns neue 
Auffassung die richtige sei. Dieser sucht nämlich zu erweisen, dass Friedrich der 
Grosse, als er im Juni 1756 zu rüsten begann, ehe dies von seiten (")sterreichs ge- 
schehen war, auch selbst, gleich jenen Mächten, offensiv vorgehen wollte, dass er 
Westpreussen und Sachsen dem preussischen Staate einzuverleiben gedachte, dass er 
endlich den sächsischen Kurfürsten, der, nach Meinung des Vortragenden, als pol- 



324 

nischer König ohnehin mehr Wert auf sein fremdländisches Königtum, als auf sein 
deutsches Kurfürstentum legte, mit Böhmen oder einem Teile von Böhmen entschädigen 
wollte, nachdem Osterreich, wie er sicher erwartete, von ihm „total geschlagen" sei. 
Nach Lehmanns Ansicht standen sich also im Beginne des 7 jährigen Krieges zwei 
Offensiven gegenüber, die eine der Maria Theresia auf die Vernichtung Preussens, 
die andere des preussischen Königs auf die Eroberung Sachsens und Westpreussens 
gerichtet. Der Vortragende entwickelte das ganze Lehmann 'sehe Beweismaterial 
aus dessen Broschüre und erörterte dann eingeliender noch folgende drei Punkte, 
welche die gegnerische Autt'assung nicht kannte oder nicht genügend erklären konnte, 
welche Lehmanns Ansicht aber besonders unterstützen: 1. die Rüstungen Friedrichs, 
welche er England gegenüber als durch gewaltige Rüstungen Österreichs veranlasst 
hinstellte, während er sie vor der Kaiserin Maria Theresia zu beschönigen suchte ; 
2. die feste Überzeugung des Kcinigs, dass Frankreich sich nicht so weit gegen ihn 
einlassen werde und könne, wie es dann doch geschah, und 3. die allen militärischen 
Regeln widersprechende und von allen militärischen Autoritäten von Napoleon bis zu 
unseren heutigen ersten Kriegshistorikern hin scharf getadelte Behandlungsweise der 
sächsischen Armee. Der Vortragende gab seine Übereinstimmung mit der von Del- 
brück im Februarhefte der preussischen Jahrbücher entwickelten Auffassung kund, 
wonach jetzt erst der Charakter Friedrichs in seiner wahren und wahrhaft dämo- 
nischen Grösse erkannt wird. Mit Recht heisst es dort: Um das grosse Ziel, Sachsen 
schon vor 1815 mit Preussen zu vereinigen, hat Friedrich ,,mit der ganzen Kraft 
seiner gewaltigen Persönlichkeit gerungen und endlich doch ermattet davon ablassen 
müssen, weil der ausgemergelte, aus tausend Wunden blutende Körper seines Volkes 
gänzlich zusammenzubrechen drohte.'' 

An den Vortrag schloss sich eine Debatte. 

Zweiter Vortrag". 

Am 8. Mai sprach Herr Archivar Dr. Panzer „über den Schmal- 
kaldiachen Krieg im Jahre 1546, mit besonderer Berücksichtigung des 
Rheinübergauges der unter dem Oberbefehl des Grafen Maximilian 
von Büren stehenden kaiserlichen Truppen." 

Der Redner knüpfte seine Ausführungen zunächst wesentlich an die Person des 
Landgrafen Philipp von Hessen an, der von neueren Forschern nicht immer richtig 
beurteilt werde, und der seiner Ansicht nach ein so hervorragender Politiker und 
Feldherr war, dass die Schmalkaldischen Verbündeten die besten Aussichten auf einen 
glücklichen Ausgang des Krieges gehabt hätten, wenn die politische und militärische 
Leitung des Bundes ihm allein zugestanden hätte. Die Niederlage des Schmalkaldischen 
Bundes war zum grossen Teile die Folge davon, dass die wohlüberlegten Ratschläge 
des Landgrafen nicht befolgt wurden. Aus den gleichzeitigen Korrespondenzen wies 
Redner nach, dass die Behauptung, der Landgraf sei kurz vor Ausbruch des Krieges 
kleinmütig gewesen, und seine Räte hätten ihm diesen Kleinmut vorgehalten, auf 
einem Irrtum beruhe. Auch während des Krieges hat der Landgraf sein militärisches 
Verständnis mehrfach bewiesen; er war es, der vor allen andern zu sofortigem Angriff 
riet, als die Schmalkaldischen gegen das vor Ingolstadt lagernde und zunächst noch 



325 

nicht verschanzte Heer Karls V, vorrückten. Näher ging Redner sodann auf die Kriegs- 
begebenheiten am Rhein ein. Tm Rheingau stand die einlieimische Mannscliaft unter Waffen 
unter dem Befehl des kurmainzischen Vitzthums. der den Übergang zu verteidigen 
versprach. Die hier stehenden Truppen des Schmalkaldischen Rundes waren nicht 
stark genug, den Eintritt in den durch Bollwerke gesicherten Rheingau zu erzwingen 
und gleichzeitig die Übergänge oberhalb Mainz besetzt zu halten. Das Kriegsvolk, 
welches der Graf von Oldenburg für den Bund aus Niederdeutschland herbeiführte, 
war noch weitab vom Rhein und Statthalter und Räte in Cassel, welche befürchteten, 
dass das niederländische Heer des Kaisers sich gegen Hessen wenden werde, glaubten 
nicht, zu besonderer Eile mahnen zu sollen. Man war in Cassel nicht frühzeitig 
genug davon unterrichtet, dass die von den Kaiserlichen in Xiederdeutschland ange- 
worbene Reiterei in der Gegend von Mainz sich gesammelt, und welchen Weg das 
niederländische Corps genommen habe. Büren hatte, nachdem er die Nahe passiert, 
sich den Anschein gegeben, als ob er auf Alzei und Worms ziehen wolle; in der 
Nacht vom 20. /21. August wandte er sich plötzlich gegen Bingen und Hess von hier 
aus mit Nachen die Schiffe vom rechten Rheinufer herüberholen. Ein Mainzer Dom- 
herr fuhr dabei von Bingen mit hinüber und verbot dem die Schiffe bewachenden 
Landvolk das Schiessen. Noch in derselben Nacht bemächtigte sich Büren der festen 
Plätze im Rheingau. Die Schmalkaldischen waren ausser stände, am folgenden Tage 
den Rheingau zu stürmen, sie vermochten nicht einmal ihre Streitkräfte zusammen- 
zuziehen, da die niederdeutsche Reiterei des Kaisers Anstalten zu machen schien, bei 
Oppenheim die Überfahrt ins Werk zu setzen. So kam es nur zu Scharmützeln an 
der Landwehr des Rheingaus, und ungehindert konnte Büren seinen Übergang vollenden. 
Die Truppen der Schmalkaldischen Verbündeten waren, nachdem sie einmal den Rhein 
als Verteidigungslinie hatten aufgeben müssen, auch nach ihrer Vereinigung mit dem 
Grafen von Oldenburg Büren, der über sehr bedeutende Kavalleriemassen gebot, keines- 
wegs gewachsen und nicht im stände, dessen Zug nach der Donau ein Hindernis in 
den Weg zu legen. 

Dritter Vortrag*. 

Am 6. Juni unternahm die „Tlistorische Sektion", der sich eine 
Anzahl von Gästen angeschlossen hatte, einen Ausflug nach Bleiden- 
statt, um die Reste des ältesten Klosters auf uassauischem Gebiete in 
Augenschein zu nehmen. Herr Professor Dr. Grimm berichtete dort zu- 
nächst über die Geschichte und Bedeutung des im 8. Jahrhundert 
gegründeten Benediktinerklosters und die 1495 erfolgte Umwandlung 
desselben in ein Ritterstift. Man besuchte dann die 1670 erbaute 
Stiftskirche und nahm die dort erhaltenen alten Grabdenkmäler, sowie 
die interessanten Architekturreste der früheren, im dreissigjährigen 
Kriege zerstörten Klosterkirche, welche bei dem Neubau Verwendung 
gefunden, in Augenschein. Schliesslich wurde Auskunft erteilt über die 
Lage der alten Klostergebäude, von welchen allerdings nur dürftige 
Reste vorhanden sind. Ausgrabungen würden hier weiteren Aufschluss 

gewähren. 

22 



326 

Vierter Vortrag. 

In der Sitzung der „Historischen Sektion" am 20. November hielt 
Herr Archivrat Dr. Sauer einen fast zweistündigen Vortrag über den 
„Adel in den Herrschaften Wiesbaden und Idstein", in steter Anlehnung 
an die Geschichte des Adels in allen Landesteilen, welche seit dem 
Anfange dieses Jahrhunderts das Herzogtum Nassau bildeten. 

Nur kurz berührt wurde die allgemeine Geschichte des deutschen Adels, dessen 
Ursprung und allmähliche Entwickelung zu einem privilegierten Stande und dessen 
Verfall, Fragen, welche der allgemeinen deutschen Geschichte, sowie der Rechtsge- 
schichte angehören. Zur Sache selbst legte der Vortragende dar, was bisher im 
Lande selbst für die Erforschung der Geschichte des Adels geschehen ist, die teils 
handschriftlich, teils im Druck vorliegenden Arbeiten und Sammlungen des Idsteiners 
Konrad Lesch von Braun fels, des Mainzer Domvikars Helwig, der Johann Andrä, 
Humbracht, Hagelgans, die Forschungen der Dillenburger Archivare, von Vogel, Grass, 
Goeckingk wurden besprochen und gezeigt, inwieweit die älteren sowohl wie auch 
die neueren Arbeiten den zu stellenden Forderungen entsprechen, wie weit durch sie 
die Kenntnis der einzelnen Adelsgeschlechter des Landes, der Geschlechtsfolge inner- 
halb derselben, die Kenntnis der Burgen, Besitzungen und Güter, namentlich aber 
der Wappen des Adels gefördert ist, und wie weit diese Arbeiten den Aufgaben, 
welche vom Standpunkte der Genealogie und Heraldik 'jetzt zu stellen sind, gerecht 
werden. 

An quellenmässigem Material zur Geschichte des hiesigen Adels fehlt es nicht. 
Reiche Nachrichten bieten die Urkundenschätze der Archive; neben den eigentlichen 
Urkunden, namentlich den Lehnsurkunden, die Lehnsbücher, deren ältestes am Mittd- 
rhein vorkommende, das der Herrschaft Bolanden, aufgestellt etwa 1190, mit Fort- 
setzungen aus der Mitte des 13. und 14. Jahrhunderts, ist. An das Bolandische 
Lehnsbuch, welches zahlreiche nassauische Geschlechter und deren im hiesigen Lande 
belogenen Lehen vom Rhein und Main an über die Lahn bis auf die Höhe des 
Westerwaldes nennt, schliessen sich die Lehnsbücher der Rheingrafen, etwa 1206, 
von denen sogar Parzellen in Wiesbaden selbst lehnsrührig waren, das etwa 1290 
aufgestellte Lehnsbuch der Herrschaft Eppstein, das etwas jüngere der Grafschaft 
Diez. Etwa um diese Zeit, im Laufe des 14. Jahrhunderts, fing man auch hier, 
in der gräflichen Kanzlei zu Idstein, an, die Belehnungen und die darüber erteilten 
Lehnsurkunden in Lehnsbüchern aufzuzeichnen. Diese Lehnsbücher sind wichtige 
Quellen für die Landesgeschichte, um so wichtiger, je weniger Lehnsurkunden selbst 
uns erhalten sind. Die Lehnsbücher erleichtern die Übersicht, sie bieten dem Forscher 
den ganzen Bestand des Adels eines Landes für einen bestimmten Zeitabschnitt ge- 
schlossen dar. Von den Lehnsbüchern der Herrschaft Wiesbaden-Idstein gelangten 
ilrei zu eingehender Besprechung; das dritte, umfassendere, gab dem Vortragenden 
das Material zn einer übersichtlichen Besprechung derjenigen Geschlechter, welche 
um (He Mitte des 15. Jahrhunderts die Ritterschaft hierselbst ausmachten. Heran- 
gezogen waren hierfür weitere Quellen, namentlicli monumentale Grabdenkmäler in 
den Kirchen und Klöstern des Landes, die jedoch nur in geringer Zahl auf uns ge- 
kommen sind. 



327 

Die Zahl der adeligen Geschlechter, welche sich im Bereiche des ganzen vor- 
maligen Herzogtums, also auf 82 Quadratmeilen, findet, lüsst sich auf höchstens 500 
berechnen; ein fast gleiches Verhältnis zeigt die Nachbarprovinz Westfalen, wo auf 
367 Quadratmeilen etwa 1500 Geschlechter kommen. Für Nassau ist eine sichere 
Ermittelung schwierig, da bekanntlich das Land, soweit es nicht den geistlichen 
Nachbarstaaten oder den einzelnen Linien des Hauses Nassau unterthan war, nicht 
weniger als 22 dem hohen Adel angehürige Dynastengeschlechter aufwies, deren jedes 
seine eigene Lehensmannschaft, seinen besonderen Lehenshof hatte. Die Geringfügig- 
keit dieser Territorien im einzelnen hatte zur Folge, dass ein und dasselbe Geschlecht 
Lehen in verschiedenen Herrschaften trug, wodurch die schon an sich mühsame 
Forschung auf diesem Gebiete nicht erleichtert wird. 

So finden wir in der Herrschaft Wiesbaden-Idstein in der Mitte des 15. Jahr- 
hunderts der Zahl nach mehr auswärtige Geschlechter begütert und belehnt, als ein- 
heimische, dem hiesigen Uradel angehürige. Von den Häuptern von etwa 30 adeligen 
Geschlechtern, welche den Landesherrn bei festlichen Anlässen in Wiesbaden oder 
Idstein umgaben, gehörten nur 3 oder 4 dem hiesigen Uradel an. 

Als die wichtigsten dieser Geschlechter sind zu nennen die Allendorf, Bellers- 
heim. Berge, Bermbach, Bücher, Dem, Diez, Döring, Klüppel von Elkerhausen, Erlen, 
Flemming, Frauenstein, Glimmenthai, Hattstein, Heppenheft, Hohenstein, Hud von 
Sonnenberg, Lindau, Miehlen, Nassau, Praunheim, Reitfenberg, Schönborn, Si)echt, 
Sulzbach, Walderdortf. Die ebengenaunte Zahl ist die höchste, welche der hier an- 
gesessene Adel erreicht hat, die Mitte des 15. Jahrhunderts ist hier die Blütezeit 
desselben. Durch hervorragenden Geld- und Grundbesitz hat derselbe sich nicht aus- 
gezeichnet. Anscheinend lebte der hiesige Adel, vielleicht einzelne Geschlechter ab- 
gerechnet, in sehr bescheidenen Verhältnissen ; der Allodialbesitz war gering. 

Korporative Rechte besass die Ritterschaft des hiesigen Landes niemals, sie ist 
niemals als geschlossene Korporation aufgetreten, die sich im Besitze ständischer Rechte 
vereinigte, Landtage, auf denen Ritterschaft und Städte zusammentraten, wie in 
den benachbarten geistlichen Staaten Mainz und Trier, hat die nassauische Ritter- 
schaft weder diesseits, noch jenseits der Lahn jemals besessen. Grosse stattliche 
Burgen und Schlösser, wie alle Teile Deutschlands solche in Hülle und Fülle auf- 
weisen, wie sie uns, in prächtige f]delsitze umgewandelt, überall in Deutschland be- 
gegnen, gab es hier nicht. Zu nennen wäre nur das in Trümmern liegende Burg- 
schwalbach. Noch einigermassen haben ihren burglichen Charakter bewahrt der alte 
Stockheimer, jetzt Kairoer Hof in Idstein, sowie der bei Wörsdorf belegene Hof 
Fackenhofen, jetzt Henriettenthal. 

Die meisten Geschlechter fanden ihre Unterkunft auf den Landesburgen ihres 
Lehnsherrn, deren Verteidigung sie gegen den Bezug bestimmter Lehnsgefälle zu 
führen hatten. 

Über die hiesigen Landesburgen Wiesbaden, Idstein, Sonnenberg, Adolfseck und 
Wallrabenstein verbreitete sich der Vortrag sodann eingehender ; ebenso über die von 
den einzelnen Lehnsleuten vom Lande bezogenen Gefälle, die gewissermassen den da- 
maligen Etat der Landesverwaltung bilden. Auch Kuriosa gab es hier zu verzeichnen. 
So bezog der oberste Forstmeister der Höhenwaldung jährlich 8 Malter Käse, ob 
= 1600 Pfund? Dies wären etwa 4 Pfund einheimischer Kuhkäse täglich, ein 

22* 



328 

Gehalt, von dem wir kaum annehmen können, dass er den heutigen Nachfolgern 
jener Beamten in diesem Amte behagen dürfte. Aufgeregte, stürmische Zeiten waren 
vernichtend für den Bestand des Adels. Die Kreuzzüge, die Reformationszeit, die 
Zeiten des dreissigjährigen Krieges haben furchtbar aufgeräumt unter den Ge- 
schlechtern des deutschen Adels, nicht minder unter den des nassauischen. Von den 
500 Adelsgeschlechtern sind nur drei auf unsere Zeit gekommen, die Schönborn, 
Schütz von Holzhausen und Walderdorif, die ganze Masse des übrigen Adels ist aus- 
gestorben ! Mit dem am 15. April 1702 erfolgten Tode des Friedrich Wilhelm 
von Stockheim, der als letzter seines Geschlechts auf dem alten Hofe in Idstein - sass, 
war das letzte der einheimischen Adelsgeschlechter erloschen, nachdem sich schon 
zu Anfang des vorhergehenden Jahrhunderts ein empfindlicher Abgang an solchen 
bemerklich gemacht hatte. 

Der Hof, der Landesherr, hatte den Adel notwendig. Ohne Adel keine Hof- 
haltung, keine Verwaltung. Der Hof war somit gezwungen, für den abgängigen 
Landesadel Ersatz zu suchen im Auslande, durch Hereinziehung fremder Geschlechter. 
Indessen hinderte das dynastische Interesse, dass man bei dieser Remontierung des 
Adels den Weg wählte, den benachbarte Staaten, besonders die geistlichen, wie 
Mainz und Trier, unter den gleichen Verhältnissen einschlugen. In geistlichen Staaten 
fehlte dem Landesherrn das dynastische Interesse des weltlichen Souveräns, für ihn 
bestand kein Hindernis, ein durch Aussterben eines Geschlechts erledigtes Lehen 
einem anderen Geschlechte zu übertragen und hierdurch ein neues Reis zu pflanzen. 
In Nassau wie in vielen kleinen Staaten stand das dynastische Interesse dem Adel 
feindlich entgegen. Bei Erlöschen eines Geschlechts zog die Landesherrschaft die 
Güter als erledigtes Lehen, wozu sie zweifellos berechtigt war, ein, verlieh sie aber 
nicht wieder, sondern schlug sie zu ihrem Domanialvermögen. Adel wollte man, 
musste man haben, aber man wollte keinen durch Gutsbesitz unabhängigen, sondern 
einen armen und von der Gnade des Landesherrn abhängigen, gefügigen Adel — in 
jener Zeit, wo jeder kleine deutsche Fürst seinen Abgott in Paris kopierte. Die 
veränderten Formen der Staatsverwaltung ermiiglichten dies ; der Ilofdienst war nicht 
mehr abhängig von Lehensbezügen, die Beamten waren auf feste Gehälter an Geld 
und Naturalbezügen gestellt. In Idstein war der letzte einheimische Amtmann 1602 
Johann von Stockheim, vor ihm finden wir schon auswärtige, wie einen Horneck von 
Weinheim, später einen von Leyen, von Langein. In der Herrschaft Wiesbaden 
finden sich seit 1533 die Walbronn, Watzdorf, Bresen, Langein; der letzte adelige 
Amtmann war hier 1731 ein von Bode. 

Am Idsteiner Hofe treten unter den Fürsten Johann und Georg August im 
Ilofdienste nur auswärtige Familien auf, die Jossa, Kalm, Röder, Hayn u. a. Das 
Verfahren wurde durch den kleinen, in Wiesbailen-Idstein succedierenden Hof von 
Usingen fortgesetzt, es kam hinzu, dass die vielfach in fremdem Militärdienst be- 
tiiidlichen nassauischen Prinzen gern auswärtige Offiziere an sich und ihren Hof zogen. 
In dieser Zeit sind namentlich die später zu Bedeutung gelangten Familien Kruse, 
Dungern und Marschall in das Land gekommen. 

Dass die Entwickelung dieser Verhältnisse in Nassau-Weilburg, sowie in den 
oranischen Fürstentümern Dillenburg. Diez und Iladamar die gleiche war, braucht 
kaum bemerkt zu werden. 



329 

Zu dem nahcliegcndcu Ersatzmittel, hervorragende Persönlichkeiten im Lande 
durch den Kaiser in den Adelstand erheben zu lassen, schritt man nicht. Standes- 
erhöhungen dieser Art waren damals noch reserviert für die morganatischen Frauen 
der fürstlichen Personen und deren Kinder, sodann auch für die Kinder von Mai- 
tressen. Für letzteres sind Belege im oranischen Hause, sowie im Hause Nassau- 
Saarbrücken zu finden. Im Hause Xassau-Usingen-Wiesbaden erhob Fürst Karl 
seine morganatische Gemahlin Margarethe Gross aus Wiesbaden zur Frau von Dieburg, 
die Kinder zu von Bieburg, den Sohn später zum Grafen von Weilnau. Man führte 
hier ein, was auch anderwärts geschah ! 

Unter demselben Fürsten Karl, dann unter seinem Bruder, dem Fürsten, 
späteren Herzog Friedrich August, bildete sich der Ansatz zu dem späteren statt- 
lichen Hof- und Beamtenadel des Herzogtums; wir tinden die Familien Kruse, Dungern, 
Marschall, Bismark, Ungern-Sternberg, Rettberg u. a. 

Grosse Vermehrung des Adels brachte der Länderzuwachs, den Nassau zu 
Anfang dieses Jahrhunderts durch die damaligen politischen Umwälzungen erhielt. 
Namentlich führte der Erwerb kurmainzischer und kurtrierischer Landesteile eine 
stattliche Zahl adeliger zum Teil illustrer Geschlechter an den eines solchen Verkehrs 
noch ungewohnten, bis dahin still in philosophischer Ruhe dahinlebenden Hof des 
alten Herzogs Friedrich August zu Biebrich. Es sind hier zu nennen die Namen 
Schönborn, Ingelheim, Waldbott-Bassenheim, Boo^^aldeck, Coudenhoven, Breidbach- 
Bürresheim, Sickingen, Greifenclau, Wald^rdorff, Stein, Ritter, Zwierlein, Schütz von 
Holzhausen, Preuschen; nach dem Anfalle von Wiesbaden an Weilburg kamen von 
dort hinzu die Lesch von Mühlheim, Low zu Steinfurt, aus Hachenburg die Nauen- 
dorf; später die Syberg, Preen, Böse und Hadeln. 

So konnte nach Erlass der Verfassung für das Herzogtum im Jahre 1814 für 
die Versammlung der Landstände eine ansehnliche, aus illustren Geschlechtern und 
Standesherrn zusammengesetzte erste Kammer oder Herrenbank gebildet werden. 

Gleichzeitig machte aber Herzog Friedrich August von der fürstlichen Macht- 
vollkommenheit, die er nach Auflösung des Reichsverbandes besass, Gebrauch. Er 
sowohl wie seine Nachfolger, die Herzöge Wilhelm und Adolf, haben zahlreichen 
Familien, die sich im Herzogtum niederliessen, die landesherrliche Anerkennung des 
Adels ausgesprochen, ausserdem aber auch eine Anzahl von Familien in den Adels- 
stand erhoben. Es entfallen: 1. auf den Herzog Friedrich August 1807 — 1811 
dreizehn Fälle von Anerkennung des Adels, drei Erhebungen in den Adelstand 
(Goedecke, Fabricius, Runkel); 2. auf den Herzog Wilhelm neben mehreren Aner- 
kennungen zwei Erhebungen (Goedecke, Morenhotten) ; 3. auf den Herzog .idolf 
9 Anerkennungen und 3 Erhebungen. 

Ist somit die Zahl der jetzt im Lande ansässigen adeligen Geschlechter eine 
erhebliche, so sind doch nur drei derselben, die Schönborn. Schütz von Holzhausen 
und Walderdorif als ursprünglich uassauische Geschlechter zu bezeichnen. Von den 
übrigen hat auch wohl nur eine kleinere Zahl durch langjährigen Besitz das Recht, 
sich als wirklich einheimischer und nassauischer Adel zu bezeichnen. !Man staunt 
deshalb, in dem 1869 herausgegebenen, den „jetzt blühenden nassauischen Adel" 
behandelnden Bande des grossen Si e b mache r' sehen Wappenbucbes nicht weniger als 



330 

124 Geschlechter vereint zu finden, nämlich 2 4 Grafen. 64 Freiherrn. 36 Edelleute. 
Würde man nach dem vom damaligen Herausgober befolgten Verfahren heute eine 
Aufstellung versuchen, so würde allein Wiesbaden ein reicheres Resultat ergeben. 

Fünfter Vortrag". 

Am 4. Dezember 1895 hielt Herr Major u. D. Kolb einen Vor- 
trag über die „Geschichte des Herzoglich Nassauischen üffizierkorps 
(1803—1866)". 

Die Aufstellung eines grösseren stehenden nassauischeu Truppenkontingents und 
damit die Errichtung eines Oftizier-Korps fällt zeitlich zusammen mit den territorialen 
Veränderungen infolge des Reichsdcputationshauptschlusses 1803. Die beiden damals 
noch blühenden Fürstenhäuser Nassau-Usingen und -Weilburg formierten aus ihren 
vier Kompagnien drei Bataillone ; das Scheiter'sche Jäger-Korps aus kurmainzischen 
Diensten war bereits im December 1802 mit 15 Offizieren und einigen hundert 
Mannschaften übernommen worden. Zu diesen 4 Bataillonen trat 1804 eine neu 
errichtete Eskadron reitender Jäger, welche im Jahre 1807 verdoppelt wurde. Durch 
Staatsvertrag vom 30. August 1806 wurden diese sämtlichen Truppenteile in einer 
gemeinschaftlichen Brigade vereinigt, tleren Kommando Herzog Friedrich August von 
Nassau-Usingen persönlich führte. Natürlich reichte der Bestand und Nachwuchs 
der altnassauischen Stammkompagnien niclit aus, um die Offiziere für die Brigade 
zu stellen. Die auf dem rechten Rheinufer gemachten Erwerbungen an Land führten 
aus den säkularisierten Kulturstaaten, später aus den mediatisierten Territorien eine 
grössere .Vnzahl von Offizieren dem nassauischen Dienste zu ; aus holländischen und 
oranischcu Diensten kamen deren viele herüber, die Auflösung der kurhessischen, 
wie eines Teiles der preussischen Armee hatte den weiteren Übertritt von Offizieren 
zur Folge. Ausser 16 kurmainzischen Offizieren wurden 1803 aus kurtrierischen 
Diensten 15, aus kurkqlnischen 6. von 1803 bis 1806 aus Nassau-oranischen, hollän- 
dischen und Oranienfuldaischem Dienste 19 Offiziere übernommen, 1806 traten aus 
ehemals Nassau-saarbrückischen, Solms'schen, Wied'schen und Sayn'schen Diensten 9, 
1806 7 aus kurhessischem, österreichischem und preussischem Dienste je 5 Offiziere 
über ; im ganzen gingen in den vier Jahren etwa 80 Offiziere und eine entsprechende 
Anzahl von Exspektauten aus fremdherrlichen Diensten zu. 

Nur wenige ältere Offiziere von den ehemaligen Stamm-Kompagnien verblieben 
im Dienst, 1804 waren es nur noch sechs, die Kriegsrangliste von 1806 weist deren 
nur noch zwei nach ; dagegen wuchs ein Stamm von jungen Kräften heran, so dass 
bereits 1806 seine Anzahl von Lieutenantsstellen durch Landeskinder besetzt war, im 
F'rühjahr 1807 bildeten dieselben die Mehrheit der jüngeren Offiziere.*) 



'*) Die Offizieratammrolle von 1804 nennt noch folgende alt-nassauiachen Offiziere: 
1. Oberstlieutenant Wolf V. Todenwart, trat 1804 als Hofmarsthall in Ilofdicnst. 2. Major Carl 
V. Gagern (NVeilburg), ging 1^05 in Tension. :}. Major Friedrich v. Wintzingerodc, wurde 
1806 Oberhofstallmeister. 4. Hauptmann Carl v. Xormaiin, 1m06 7 Feldzug gegen Preussen, 
1809 im 1. Regiment. "). Hauptmann .\Ibert von Bo\ neburg, Feldzug 180ß/7, 1810 ausge- 
schieden. 6. Hauptmann Georg v. Massenbach, trat 1><06 in Civil-(Forst-)Dien8t. 



331 

Wie gezeigt, waren in diesem ersten Nassauischen Offizierkorps sämtliche 
deutsche Stämme vertreten. Gemeinsames Streben, gemeinsame Gefahren beseitigten 
bald jeden Unterschied, zehn Kriegsjahre gaben den einheitlichen Kitt und die Xach- 
komnien der damals zu uns Gekommenen sind seitdem die treuen Söhne ihres Adop- 
tiv-Vaterlandes. Aber auch ein vorzüglicher Nachwuchs verdankte den langen Kriegs- 
jahren sein Dasein ; in dem besten, vielfach schon im jugendlichen Alter in höhere 
und verantwortliche Stollungen vorgerückt, garantierten diese Offiziere die höchste 
Leistungsfähigkeit auf allen Gebieten, und die grossen Erfolge, die unter den 
schwierigsten Verhältnissen errungen wurden, sind lediglich der vorzüglichen Qualität 
dieses ersten Offizierkorps zu verdanken. Dass während des Krieges auch verdiente 
Unteroffiziere die Epauletten erlangen konnten, spornte den Ehrgeiz an. Waren die 
so Offizier Gewordenen auch an Jahren vielfach älter, als ihre Kameraden gleicher 
Charge, so brachten sie dafür einen Schatz von Erfahrungen mit, die sie bei wich- 
tigen Kommaudos und in schwierigen Lagen sehr verwendbar machte. Interessant 
sind die Vergleiche bezüglich des Lebensalters und der Avancements-Verhältnisse von 
damals und heute: General v. Schaeffer erreichte diese Charge mit 36 Jahren, 
General v. Kruse war mit 32 Jahren Brigade-Kommandeur, die Obersten von 
PöUnitz, Meder und v. Steuben waren 33 bis 35 Jahre alt, als sie Regimentskomman- 
deure wurden ; die Majors Sattler und Ph. v. Xormann brauchten zwölf Jahre von 
ihrer Ernennung zum Offizier bis zur Majorscharge. Die Lieutenants von 1806/7 
erreichten die Hauptmannscharge durchschnittlich binnen 3 bis 4 Jahren, die von 
1808 gebrauchten hierzu höchstens 6, die von 1809 5 Jahre; für den Ersatz von 
1810 stellte sich die Durchschnittsdauer wieder auf vier Jahre. Die späteren Jahr- 
gänge hatten bereits unter den langen Friedensjahren etc. zu leiden. Mit 20 bis 
21 Lebensjahren erreichten die Hauptraannscharge die Lieutenants Ludwig v. Müller, 
C. v. Waldschmidt, E. v. Mülmann und G. Alefeld, mit 22 bis 23 Jahren G. Gerau, 
Aug. Stamm. Fr. Weiz, C. v. Jossa. Fr. Ph. v. Goedecke, Fr, Rücker, C. Keim und 
J. v. Trapp, mit 24 bis 25 Jahren C. v. Weitershausen, Chr. Medicus, Fr. J. Müller, 
J. Rohm, H. V. Xormann. C. Sterzing, C. v. Rettberg und Fr. E. v. Reichenau. 

Seine erste Feuerprobe bestand das Xassauische Offizierkorps in der Kampagne 
1806/7; das 3. Bataillon (Meder) nahm allein an der Schlacht von Jena teil, während 
8 Kompagnien (2 per Bataillon) unter General v. Schaeffer (1807) bei Pasewalk, 
Ferdinandshof und Uckermünde fochten, und im Juni desselben Jahres das 2., 3. 
und 4. Bataillon, sowie die erste Eskadron vor Colberg vereinigt waren. Im Sep- 
tember an den Gefechten vor Stralsund und auf Rügen gegen die Schweden beteiligt, 
trat die Brigade im Xovember den Heimmarsch an, auf dem sie am 1. Januar 
1808 eintraf. 

Während der Kampagne waren 9 Aspiranten zu Offizieren ernannt. 4 Offiziere 
aus fremdherrlichen Diensten übernommen worden, der Oberlieutenant v. Lesch war 
am 19. Juli vor Stralsund geblieben und ein Offizier in Berlin verstorben; (Jberst 
V. Schaeffer und Hauptmann von Goedecke hatten das Kreuz der Ehrenlegion erhalten. 
Der Kadett F. Schlosser aus Weilburg und der Sergeant Peter Bickel aus Wiesbaden, 
beide spätere Offiziere, hatten die silberne Tapferkeitsmedaille erworben. 

Bereits im Juli 1808 waren für die französische Armee in Spanien zu gesteilen: 
ein Brigadestab (General v. Schaeffer, Hauptmann Pfnorr), ein Regiment Infanterie 



332 

(Oberst v. Kruse) und eine PIskadron Jäger (Major v. Rcincck). Das Oftizierkorps 
für das Regiment (So. 2) wurde in erster Linie dem 2. und 3. Bataillon entnommen. 
Oberst von Kruse hatte darauf Bedacht, dass alle Stellen mit erprobten, durchaus 
leistungsfähigen Oftizieren besetzt wurden, eine Massregel, die bei den äusserst 
schwierigen Verhältnissen, denen man auf dem weit entfernten Kriegsschauplatz ent- 
gegenging, später gute Früchte trug. Um diesen Offizieren auch das bessere Avance- 
ment zu sichern, setzte der Oberst es durch, dass während des 5jährigen Feldzuges 
nur drei Stabs-Oftiziere für Gestorbene, Schwerverwundete und Versetzte vom Deiwt 
eingestellt wurden, während die Vakanzen von 25 gefallenen und 12 sonst abge- 
gangenen Offizieren aus dem Regiment und seinem jungen Nachwuchs ergänzt wurden. 
Sämtliche Oberlieutenants und drei Unterlieutenants am Tage des Ausmarsches 
(20. August 1808) befanden sich bei der Landung in Holland (Februar 1814) in 
der Ilauptmanns-Charge, sämtliche Unterlieutenants und mehrere Kadetten waren 
Ober-Lieutenants geworden, 23 Kadetten und Unteroffiziere kehrten als Lieutenants 
zurück. Acht (Offiziere (Oberst v. Kruse, Oberstlieutenant Meder, Major Felix, 
die Hauptleute v. Weyhers und Ph. v. Normann, die Lieutenants Schmidt, Trittler 
und Wirsberg) waren Mitglieder der Ehrenlegion geworden, ein Lieutenant, G. Holzgen, 
hatte als Unteroffizier die goldene und die silberne Tapferkeitsmedaille erhalten, der 
Ober-Lieutenant J. von Trapp hatte als Kadett, die Lieutenants Hief, Humbel und 
Harth als Unteroffiziere die silberne Tapferkeits-Medaille errungen. 

Die 2. Jäger-Eskadron, am 15. September 1808 ausgerückt, hatte ihren tapfereu 
Chef, den Oberstlieutenant v. Reineck, sowie den Oberlieutenant v. Eschwege vor 
dem Feinde verloren, ein Rittmeister (v. Hagen) war zum Major, der Oberlieutenant 
H. V. Normann, wie der Unterlicutenant v. Rettberg waren zu Rittmeistern ernannt 
worden, drei Offiziere vom Depot gekommen, fünf Offiziere hatten das Kreuz der 
Ehrenlegion erhalten (v. Reineck, v. Hagen, H. v. Normann, v. Eschwege und v. Rett- 
berg), dem Wachtmeister, späteren Oberlieutenant Geibel, .war die silberne Tapfer- 
keitsmedaille zu Teil geworden. 

Kaum ein halbes Jahr, nachdem das 2. Regiment nach Spanien abgegangen war, 
verlangte Napoleon eine weitere Truppengestellung in Form eines Infanterie-Regiments 
in dem Kriege gegen Osterreich. Da Nassau, infolge von Separatverträgen, dieses 
Regiment mit für die Fürstentümer von Hohenzollern und Isenburg stellte, wurden 
mit deren Kontingenten auch zwei Hohenzollern'sche und vier Iseuburgische Offiziere 
übernommen. Als 1. Infanterie-Regiment aus dem 1. und 4. Bataillon errichtet, 
verliess dasselbe unter Kommando des Obersten v. Pöllnitz bereits am 8. April 1809 
die Garnison und traf ohne nennenswerte Ereignisse am 22. Juli in Wien ein, wo 
es bis zum 21. Oktober verblieb. Zunächst nach Passau verlegt, trat das Regiment 
am 21. Dezember den Marsch nach dem catalonischen Kriegsschauplatz an und traf 
am It). März 1810 in Barcelona ein. Mit kurzen Unterbrechungen verblieb es bis 
zur Desarmierung am 2. Dezember 1813 in dieser wichtigen Festung, trotzdem weist 
sein Gefechtskalender nicht weniger als 36 Gefechte in dieser Zeit nach. Vor dem 
Feind geblieben sind ausser seinem Kommandeur, Oberst v. Pöllnitz, 4 Offiziere, 
gestorben 3, sonst abgegangen 15 Offiziere, im Regiment wurden zu Lieutenants 
ernannt 15 Kadetten und Unteroffiziere, vom Depot gingen zu 14 (Jffiziere, in Kriegs- 
gefangenschaft befanden •^ich am Schlüsse des Jahres 1813 noch 4 Offiziere. Oberst 



333 

V. Pölluitz, ]\Iajor v. Steuben, sowie der Lieutenant W. v. Hadeln waren Mitglieder 
der F^lircnlegion, die ^Majors v. IMolz und Th. Thielcniann, die Hauptleute v. Wald- 
schmidt, Ph, Goedecke und die Lieutenants Weiz, Alefeld etc. waren wiederholt zu 
dieser Auszeichnung vorgeschlagen worden, drei spätere Ol'tiziere, Müller. Kroll und 
Wolliuerscheid hatten erstere die goldene, letzterer die silberne Tapferkeitsniedaille 
erworben. Auch die 1. Jäger-Eskadron (Oberstlieutenant Fr. v. Overcainp) war 
am 13. März 1813 nach dem si)anischen Kriegsschauplatze abgerückt, hatte sich An- 
fangs Juli mit der 2. vereinigt und mit dieser noch die Schlacht von Vittoria, sowie 
einige kleinere Gefechte mitgemacht. Zu der catalonischen Armee kommandiert, 
wurden beide Schwadronen am 22. Dezember in Gerona von den Franzosen desar- 
miert. Dasselbe Schicksal hatte an dem nämlichen Tage das 1. Regiment in Barce- 
lona betroffen, doch gelang es dreizehn Offizieren desselben, wie 3 Offizieren der 
beiden Eskadrons, sich zu ranzionieren. Mit einigen 60 Mann und 3 aus spanischer 
Kriegsgefangenschaft entlassenen Offizieren gelangte dieses Detachement, von englischen 
Schilfen nach Italien gebracht, von dort aus in die Heimat. Am 12. Mai 1814 
meldeten sich die Hauptleute v. Jossa, Alefeld, Coustol, Ph. Goedecke, v. Waldschmidt 
und Schüler, die Rittmeister v. Rettberg und v. Böse, die Lieutenants Weiz, Wittich, 
Fries, Eyring, v. Steprodt, Rückert, Harz und v. Reichenau, welche sich selbst be- 
freit hatten, der Hauptmann Hopfensberger, sowie die Lieutenants Cathreiner und 
V. Mülmann, welche aus spanischer Gefangenschaft entlassen worden waren, in Usingen 
bei dem Herzoge. 

Die Veränderungen, welche das 1. Regiment während der vierjährigen Kam- 
pagne in seinem Offizierkorps erfahren, waren recht erhebliche; acht Offiziere waren 
tot, sämtliche Oberlieutenants und ein Unterlieutenant hatten die Hauptmannscharge 
erreicht, sämtliche Unterlieutenants und zwei Kadetten waren Oberlieutenants geworden, 
15 Lieutenants waren im Regiment ernannt, ebenso viele Offiziere verschiedener 
Charge in dasselbe versetzt worden. 

Nach Beitritt der beiden Nassauischen Souveräne zum Bunde gegen Frankreich 
musste zur Reorganisation der Brigade geschritten werden, da die Verbündeten neue 
Truppengestellungen verlangten. Das 1. Regiment und die beiden Eskadrons waren 
in französischer Gefangenschaft, das zweite Regiment in Holland ; es erging daher 
schon im Dezember 1813 der Befehl zur Aufstellung eines 3. Linien- und eines 
Landwehr-Regiments mit einem freiwilligen Jägerkorps als Feldtruppen, wozu noch 
der Landsturm in Stärke von 29 Bataillonen trat. 

Das Offizierkorps des 3. Regiments (2 Bataillone zu 4 Kompagnien) wurde aus 
den im Inlande zur Zeit befindlichen Offizieren aller Waffen und den aus Kriegs- 
gefangenschaft zurückgekehrten gebildet, viele freiwillige traten ein, gut gediente 
Unteroffiziere wurden befördert. Das Offizierkorps des Landwehr-Bataillons zählte nur 
einzelne Berufsoffiziere in seinen Reihen, Staatsbeamten bildeten hier, Forstbeamten 
bei den freiwilligen Jägern die Mehrzahl desselben. Unter dem Befehle des Obersten 
L. V. Bismarck machte diese Brigade die Blockade von Mainz vom 17. Februar bis 
4. Mai 1814 mit. Am 20. Aug. 1814 wurden das 3. Regiment und die beiden 
Jägereskadrons aufgelöst und die Offiziere und Mannschaften zur Komplettierung des 
aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten 1. Regiments verwendet, das vertrags- 
mässig in drei Bataillonen formierte 2. Regiment wurde auf den vollen Etat gebracht 



334 

und verblieb in Holland. Das Jahr 1^15 rief die Brigade von neuem ins Feld: 
das erste Regiment, durch ein 3. (Landwehr-) Bataillon verstärkt, begab sich zur 
Vereinigung der Brigade nach den Niederlanden und traf am 7. Juni in Brüssel ein. 
Infolge des Angriffs der Franzosen am 16. Juni unterblieb die Vereinigung und am 
18. in der entscheidenden Schlacht von Waterloo focht das Regiment an der ent- 
scheidenden Stelle vor Mont St. Jean mit der grüssten Auszeichnung und unter schweren 
Verlusten. Das 2. Regiment, mit dem Regiment Oranien-Nassau im Brigadeverband, 
hatte bereits am 16. Juni an dem Treffen bei Quatrebras Teil genommen, verteidigte 
und hielt am 18. Papelotte und Ilougoumont, General von Kruse und Erbprinz 
Wilhelm von Nassau befanden sich im Stabe Wellingtons. 22 Offiziere des 1. Regi- 
ments, 24 des 2. Regiments, Erbprinz Wilhelm und zwei Offiziere seines Stabes 
hatten mit ihrem Blute das Schlachtfeld getränkt, und wohlverdient war die An- 
erkennung, welche den beiden Regimentern zu Teil wurde. Am 29. Dezember kehrten 
das 1. Regiment und das Regiment Oranien in die Heimat zurück, das 2. ging ver- 
tragsmässig nach Holland, wo es im kompletten Stande bis 1820 verblieb. Die 
Auriüsung des Landwehrbataillons des 1. Regiments und des Regiments Oranien, so- 
wie der Reduktion des Etats infolge der Demobilisierung gestaltete die Avancements- 
verhältnisse im Offizierkorps aufs ungünstigste, um so mehr, als einige 40 oranische 
Offiziere, welche nassauische Unterthanen geworden waren, übernommen werden mussten. 
Allerdings fand insofern ein Ausgleich statt, als diejenigen Offiziere, welche aus 
ehemals kurtrierischen, bergischen, westfälischen und oranischen Gebieten stammten, 
die an Preussen gekommen waren, von dort übernommen werden konnten, es machten 
aber nur einige zwanzig Gebrauch hiervon, in holländische Dienste wurden nur sehr 
wenige (vier) übernommen. Wenn schon die zahlreichen, als Kriegsfreiwillige ein- 
getretenen Offiziere wieder ausschieden, vielfache Versetzungen in Civildienst und 
Pensionierungen stattfanden, so blieb doch immer noch eine Anzahl von Offizieren 
disponibel, wenigstens konnte ein junger Ersatz nur in sehr beschränkter Zahl, mit 
den schlechtesten Aussichten für die Zukunft stattfinden. Noch schlimmer gestaltete 
sich die Sache, als das zweite Regiment im Jahre 1820 zurückkehrte, das 3. Bataillon 
desselben entlassen und die beiden anderen auf Friedensfuss gebracht wurden. Es 
musste zu ganz energischen Massregeln gegriffen werden, um das Avancement im 
Fluss zu halten. In dem Zeiträume von 1816 bis 1820 wurden pensioniert 24 Offiziere, 
in Civildienst traten 13, gestorben oder mit einmaliger Abfindung ausgeschieden sind 5. 
Während im Jahre 1813 der Zugang an jungen Offizieren 24, 1814: 39 und 1815 
noch 20 betragen hatte, wurden in den 5 Jahren von 1816 bis 1820 nur 19 Kadetten 
und F^xspektanten zu Offizieren befördert; in dem Zeiträume von 1820 bis 1830 be- 
trug diese Zahl insgesamt nur 21 Offiziere. Das Avancement bis zum Hauptmann, 
das von 1806 bis 1815 drei bis höchstens sechs Jahre beansprucht hatte, bedurfte 
v(m 1816 bis 1820 durchschnittlich 22, von 1822 bis 1825: 16 bis 18, von 1825 
bis 1830: 14 bis 15 Jahre. 

Im Jahre 1822 wurde durch den späteren General H. v. Iladeln eine Artillerie- 
Kompagnie mit Zeughauswerkstätte etc. errichtet, welche zunächst eine Vermehrung 
des Offizierskorps um 7 Köi)fe erbrachte, 1831 wurde dieselbe verdoppelt, 1854 ver- 
dreifacht, das Offizierkorps erhöhte sich auf 15 bis 16 Köpfe; 1833 war ein Pionier- 
detachement, das später auf eine Kompagnie gebracht wurde, errichtet worden. Die 



335 

Infanterie bestand nach wie vor aus zwei Regimentern, welche seit 1. Januar 1831 
in je zwei Linien- und ein leichtes Bataillon zu 4 Kompagnien formiert waren. 

Die politische Bewegung des Jahres 1848 in Nassau machte sich naturgemäss 
auch auf militärischem Gebiete bemerklich. Die bis dahin bestandene Militärschule 
und Lehr-Kompagnie hatten die Aufnahme ihrer Zöglinge von gewissen sozialen Ver- 
hältnissen derselben abhängig gemacht, welche Schranke natürlich vor der Gleichheit 
Aller fallen musste. Eine der ersten ,,Thaten" des Ministeriums Ilcrgenhahn war 
daher die Aufhebung dieser Anstalten am 28. April. Bereits im März und wieder 
im Juli wurden eine Anzahl von Unteroffizieren zu Offizieren ernannt und den aus- 
gemusterten Kadetten, welche ihr Oftiziers-Examen gemacht hatten, in der Anciennität 
vorangesetzt. Die Mobilmachungen von 1848 führten weiter eine Anzahl von Frei- 
willigen dem Dienste zu, so dass 17 Unteroffiziere. 8 Kadetten und 8 Freiwillige 
zu Offizieren befördert wurden. Auf Wunsch der badischen Regierung wurden von 
der Centralgewalt am 20, April das 1. nassauische Regiment (Oberst Keim), eine 
Batterie etc. nach Mannheim dirigiert, wo ausser einem Zusammenstosse mit den 
Volkswehren am 26. und Desarmierung derselben am 29. sich nichts von Bedeutung 
ereignete. Vom 2. Regiment (Oberstlieutenant Gerau), das nach Süd-Baden dirigiert 
worden war, nahm das 1. Bataillon am 24. bei der Erstürmung von Freiburg das 
Predigerthor, wobei der Lieutenant Eyring fiel, Lieutenant Fr. Alefeld verwundet 
wurde. Im Juni kehrten beide Regimenter in die Heimat zurück. Bereits am 
30. Juli beschloss die Centralgewalt die Entsendung eines nassauischen Regiments 
von 3 Bataillonen und einer Batterie (Heymann) nach Schleswig-Holstein, sowie die 
Stellung eines Brigade-Stabs bei den kombinierten Reichstruppen. Aus beiden Regi- 
mentern wurde ein Feld-Regiment (Oberst A. v. Reichenau) formiert, General Alefcld 
übernahm ein Brigadekommando. Der Watfenstillstand von Malmö am 26. August 
machte dem Feldzuge ein Ende, die Brigade Alefeld stiess zu dem unter dem General 
Dunker zwischen Heidelberg und Mannheim zusammengezogenen Beobachtungskorps, 
das Feld-Regiment und die Batterie kehrten am 8. Dezember in die Heimat zurück. 

Im folgenden Jahre mussten wiederum ein Regiment fdas zweite) und eine 
Batterie (Müller) nach Schleswig-Holstein gestellt werden; am 27. März 1849 war 
die Batterie eingetroffen und der Brigade des Herzogs Ernst von Coburg-Gotha zu- 
geteilt worden, am 5. April nahm dieselbe entscheidenden und ruhmvollen Anteil an 
dem Gefecht gegen die dänische Flotte bei Eckernförde. Das 2. Regiment, der 
Brigade des Herzogs Adolf zugeteilt, kämpfte am 6. Juni bei den Düppeler Höhen. 
Am 20. Juli kehrten beide Truppenteile zurück. Vom 1. Regiment waren Ende Mai 
1849 zwei selbständige Bataillone (Dümler u. v. Morenhotfen) zu den Reichstruppen 
in Baden abgegeben worden, fochten bei Hemsbach, Grosssachsen, Gernsbach und Oos 
und kehrten im Herbst zurück. Von den Offizieren wurden besonders belobt: Major 
Dümler, Hauptmann Blum IL, Lieutenant Geis, sämtlich vom 1. Bataillon; für Eckern- 
förde hatte Hauptmann Müller den Ehrensäbel der Tapferkeit erhalten ; die Lieute- 
nants Werren und v. Hadeln waren durch Tagesbefehl belobt worden. 

Durch Bundesbeschluss vom 5. Januar 1855 war Nassau die Gestellung der 
gesamten Infanterie. Artillerie und Pioniere der 4. Brigade IX. Bundesarmeekorps 
auferlegt worden; der Etat der Bataillone war auf 1020 Köpfe festgestellt, die Zahl 
der Kompagnien per Bataillon von 4 auf 5 erhöht worden. Die leichten Bataillone 



336 

fielen weg, ein Jägerbataillon wurde errichtet. Der üsterrei<'hisch-französische Krieg 
1859 brachte eine Mobilmachung und hatte wiederum den Eintritt zahlreicher Frei- 
williger und Reaktivierung von Ol'fizicren auf Kriegsdauer zur Folge. 27 Freiwillige, 
welche im April eingetreten waren, wurden irn Juni zu Unterlieutenants befördert, 
von diesen (meist jüngere Staatsdiener) traten am 1. November 17 in ihre frühere 
Civilstellung zurück, die übrigen verblieben im Dienst. Der unglückliche Feldzug 
Österreichs und seiner Verbündeten im Jahre 1866 hatte mit dem Aufhören der 
Selbständigkeit des Herzogtums Nassau auch dem herzoglichen Oftizierkorps sein Ende 
bereitet. Während 60 Jahren, die es bestanden, hat dasselbe in guten wie in bösen 
Tagen treu zu seiner Fahne, standhaft zu seinem Kriegsherrn haltend, seine PÜicht 
gethan, mit Stolz und Genugthuung darf es auf seine Vergangenheit, die heute der 
Geschichte angehört, zurückblicken. 

Schicksale der nassauischen Offiziere von 1866 bis 1895. 

1866 in das Feld mit der mobilen Brigade ausgerückt sind inclusive der 
Adjutantur Sr. Hoheit des Herzogs und der bei der Division und dem Armeekorps 
kommandierten Offiziere: 130 aktive, darunter 6 reaktivierte Offiziere, beim Ersatz- 
bataillon und Ersatzdetachement der Artillerie 15 aktive, darunter 5 reaktivierte 
Offiziere, beim Kriegsdepartement, Verwaltungs-Kommission etc. 7 aktive Offiziere, 
macht total 152 aktive, darunter 11 reaktivierte (Jfriziere. Mithin aktive Offiziere; 
141 Köpfe. Von diesen leben heute noch 73. 1866 sind in preussischen Dienst 
getreten 90 Offiziere, in österreichischen 2. Bis 1870 waren von ersteren gestorben 
resp. ausgeschieden 16 Offiziere. 

Den Feldzug 1870 '71 mitgemacht haben 67 Offiziere. Von diesen sind ge- 
fallen 9, das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielten 3. das Eiserne Kreuz 2. Klasse 
erhielten 55 Offiziere. Beim Depot oder immobilen und Besatzungs-Truppenteilen 
standen 7 Offiziere. 

Von den 1866 abgegangenen nassauischen Offizieren traten 1870/71 auf Kriegs- 
ilaucr ein: 18 Offiziere. Ende 1895 befanden sich noch im aktiven Dienst 6 Offiziere, 
im inaktiven Dienst 6 Offiziere. 

Von den beiden 1866 in österreichischen Dienst getretenen nassauischen Offizieren 
befindet sich heute noch einer im aktiven Dienst. 



Sechster Vortrag*. 

In der Sitzung der „Historischen Sekfion" vom 18. Dezember 
sprach Herr Professor Otto über den „Besuch der Universität Bologna 
durch Scholaren aus dem Gebiete des vormaligen Herzogtums Nassau." 

F.r schickte einige allgemeine Bemerkungen, die zum Verständnisse notwendig 
erschienen, voraus, vornehmlich über die deutsche Landsmannschaft der Scholaren, natio 
Teutonica oder öfter Germanica genannt (zuerst erwähnt 1267), über deren Einrich- 
tungen und die Organisation, von welcher hier nur das erwähnt werden mag, dass 
an ihrer Spitze zwei Prokuratoren standen, die von den Scholaren aus ihrer Mitte 
erwählt wurden und in der Kegel am .Vnfange des Jahres wechselten. Aus Deutsch- 



337 

land überhaupt besuchten in 40« Jahren 10000 wissbegierige Jünglinge oder Männer 
die berühmte Rechtsschule, aus Nassau (in dem angeführten Umfange) von 1289 bis 
152(5 etwa 36 bis 38; von einigen bleibt es zweifelhaft, ob sie hierher gehören. 
Die meisten gehörten dem höheren oder niederen Adel an, doch fehlte es auch nicht 
an anderen Elementen. Von den erstcren nennen wir nur mehrere Grafen von Nassau 
und Herren von Runkei und Westerburg; die Scholaren des niederen Adels beklei- 
deten in der Regel schon ht'ihere geistliche Stellen. Bemerkenswert ist die Erschei- 
nung, dass einige vorher deutsche Universitäten besucht hatten, ein Zeichen rühm- 
lichen Strebens nach wissenschaftlicher Ausbildung. — Siebenmal wurde aus ihrer 
Mitte ein Prokurator der deutschen Nation erwählt. Nach der Gründung der deutschen 
Universitäten sank die Zahl der Deutschen zu Bologna überhaupt sehr rasch und 
bald überwiegt die Zahl der bürgerlichen Scholaren die des Adels und der Geist- 
lichkeit. 

Siebenter Vortrag:. 

In der Sitzung der „Historischen Sektion" sprach am 23. Januar 
Herr Professor Dr. Grimm in anderthalbstündigem freiem Vortrage 
über den „Laien-Send", synodus laicaiis, eine interessante kirchliche 
Einrichtung des Mittelalters. 

Man versteht darunter die jährlichen Versammlungen der Geistlichen und Laien 
in den Pfarrkirchen auf dem Lande, bei welchen die Archidiakone, die Pröpste be- 
stimmter Stiftskirchen, jeder in seinem Bezirke als Vertreter des Bischofes das kirch- 
liche Rüge- und Strafgericht abhielten und die Visitation der Kirchen und kirchlichen 
Einrichtungen vornahmen. Die allmähliche Entstehung dieser Sende aus den den 
Bischöfen obliegenden regelmässigen Visitationen ihrer Diözese wurde dargelegt und 
insbesondere hervorgehoben, wie die den Bischöfen befohlene Zuziehung unbescholtener 
Männer als Synodalzeugen, behufs Anzeige aller zu ihrer Kenntnis gekommenen Rechts- 
widrigkeiten, später zur Bestellung ständiger, aus den Laien gewählter Synodalschöffen 
führte, denen die Verpflichtung oblag, alle kirchlichen Vergehen zu rügen, d. h. zur 
Anzeige zu bringen, und welche zugleich als I^rteiler über die Angeschuldigten zu 
entscheiden hatten. Hierdurch, wie durch die von Karl d. Gr. eingeführten gleichen 
Einrichtungen bei den weltlichen Gerichten, wurde das Prinzip der privaten Anklage 
im altdeutschen Strafverfahren umgestossen und das Eingreifen von Amts wegen, der 
Inquisitionsprozess, ins Leben gerufen. Ausführlich und unter Anführung zahlreicher 
und interessanter Details verbreitete sich dann der Redner über die uns erhaltenen 
Berichte der Kommissarien über die gleichzeitig vorgenommenen Kirchenvisitationen, 
die insbesondere von Wert sind für die Kenntnis der Zustände auf dem Lande zu 
Ende des Mittelalters, also unmittelbar vor der Reformation. An die Darstellung des 
Herganges bei einem solchen Send knüpfte sich dann die Erörterung über die Gründe 
des allmählichen Verfalles des ganzen Instituts. Als solche wurden vorzugzweise be- 
zeichnet: die allmähliche Zersplitterung des Rechtes der Abhaltung, indem dasselbe 
in die Hände von einzelnen Klöstern und Stiftern, von Dechanten (Erzpriestern) und 
einfachen Pfarrgeistlichen kam, das Widerstreben von Fürsten und Städten, Miss- 
bräuche bei der Abhaltung und endlich das Umsichgreifen der Reformation. Einzelne 
Reste haben sich bis in dieses Jahrhundert erhalten. 



338 

Achter Vortrag". 

Am 5. Februar 1896 redete Herr Professor Dr. Otto statt des 
erkrankten Herrn Archivrats Dr. Sauer: 

1. über verschiedene Persönlichkeiten (Dichter u. s, w., die ersten 
Buchdrucker) aus Nassau am Ende des Mittelalters; 

2. Bericht des Freiherrn L. v. Low über seinen Besuch bei 
Goethe am 3. Oktober 1829. S. das Goethe-Jahrbuch 1896. 

Neunter Vortrag. 

Am 19. Februar 1896 sprach Herr Major Kolb über das Thema: 
^Hundert Grabdenkmäler und Epitaphien nassauischer Grafen und Fürsten 
in Wort und Bild." 

Nur wenig zahlreich sind die im Bereich des Herzogtums Nassau noch vorhan- 
denen Grabdenkmäler und Epitaphien der nassauiscben Dynastie ; in der Idsteiner 
Stadtkirche betinden sich deren noch acht, in der Weilburger evangelischen Stadt- 
kirche und dem hiesigen Museum je eins, letzteres aus der St. Mauritiuskirche her- 
stammend und nach dem Brand 1850 allein erhalten geblieben, in der Kirche zu 
Kloster Eberbach sind noch 2 Epitaphien vorhanden. Um so schätzenswerter ist es 
gewesen, dass Graf Ludwig II. (1595 — 1627), welcher seit 1G05 den gesaraten Wal- 
ramischen Besitz vereinigte, den Maler Hrch. Dors aus Alt-Weilnau beauftragte, sämt- 
liche, damals noch recht zahlreich vorhandenen Grabdenkmäler abzuzeichnen, wie er 
auch durch den Registrator .loh. Andreae von 1596 ab die Genealogienbücher an- 
legen Hess und damit die Grundlage zu einer auf Urkunden begründeten wirklichen 
Geschichte des Nassauischen Hauses schuf. Im Staatsarchiv zu Wiesbaden betindet sich 
das neunbändige handschriftliche Werk Andreaes im Original und wird dasselbe durch 
das ,, Epitaphienbuch", welches 77 Zeichnungen des genannten H. Dors enthält, ange- 
nehm ergänzt. Es lag nahe, diesen Grundstock von Abbildungen durch Zeichnungen 
der an anderen Orten vorhandenen Denkmäler zu ergänzen und ist so die Sammlung 
des Vortragenden von Epitaphien nassauischer Grafen und Fürsten auf 107 Dar- 
stellungen gewachsen. H. Dors hat sein Werk 1632 abgeschlossen, zu einer Zeit, 
ehe der dreissigjährige Krieg die nassauischen Gaue heimsuchte, er giebt die Dar- 
stellung von 11 Epitaphien, zwei Wandgemälden und 5 gemalten Kirchenfenstern 
aus Kloster Clarenthal, von denen sämtlich nichts mehr vorhanden ist. Aus der 
St. Mauritiuskirche in Wiesbaden stammen die Zeichnungen von 6 Epitaphien und 
Grabsteinen, von welchen nur das im Erdgeschoss des Museums aufgestellte, stark 
beschädigte Epitaph des Graphen Philipp des Jungherrn f 1566 in Sonnenberg, er- 
halten geblieben ist. Die Abbildungen von 2 grossen gemalten Kirchenfenstern im 
hohen Chor, wie sie 1630 noch vorhanden waren, geben Zeugnis von dem grossartigen 
inneren Schmuck des Gotteshauses. Die alte Schlosskirche (jetzt Stadtkirche) zu 
Idstein ist in dem Epitaphienbuch mit 17 Zeichnungen vertreten, von den darge- 
stellten Epitaphien sind noch 6 vorhanden; im 18. .Jahrhundert sind die im Chor 
betindlichen Denkmale des Fürsten Carl Ludwig von Nassau-Saarbrücken f 1623 und 
des Fürsten Georg August Samuel von Nassau-Idstein hinzugekommen. Von den 
im Walpurgisstift, der St. Andreas- und Martiiiskirche zu Weilburg beigesetzten An- 



339 

gehörigen der Nassauischen Dynastie giebt das Epitaphienbuch 17 Darstellungen, 
von welchen nur ein metallenes Epitaph sich noch in der evangelischen Stadtkirche 
/u Weilburg befindet. Graf Johann Ernst, der Vergrösserer und Verschünerer der 
alten Residenz seines Hauses, Hess, als er 1707 mit dem Bau der jetzigen Kirche 
begann, sämtliche noch vorhandene Grabsteine, Särge etc. seines Geschlechts in das 
Fundament einmauern. Man wird kaum fehlgehen mit der Annahme, dass Fürst 
Johann Ernst, welcher die Zerstörung der Kaisergräber in Speier und so vieler anderer 
Baudenkmäler durch die Horden Ludwig XIV. erlebt hatte, die Gräber und Andenken 
seiner Ahnen vor Verwüstung und Entweihung schützen wollte. Die alte Stiftskirche 
zu St. Arnual bei Saarbrücken war von Beginn des 15. bis zur Hälfte des 17, Jahr- 
hunderts die Erbbegräbnisstätte der Nassau-Saarbrücker Linie ; sechszehn künstlerisch 
bedeutende Epitaphien, sämtlich wohlerhalten und dank der Munificenz des Gross- 
herzogs Adolph von Luxemburg wie die ganze Kirche wiederhergestellt und ausgemalt, 
machen letztere für den Geschichtsfreund zu einer Sehenswürdigkeit. Die Tochter- 
kirche zu Saarbrücken enthält die lebensgrossen Marmorstandbilder von sechs Gliedern 
der Saarbrücker Linie aus dem 18. Jahrhundert, die Stadtkirche zu Ottweiler ein 
derselben Zeit angehöriges Standbild eines Mitglieds der Ottweiler Linie. Der Vor- 
tragende gab eine kurze Geschichte der vorgenannten Begräbnisstätten und brachte 
dann die betreffenden Zeichnungen zur Anschauung der Zuhörer; die Kürze der Zeit 
erlaubte es nicht, auch noch auf die nassauischen Epitaphien aus Kloster Rosenthal. 
Kirchheim (beide in der Pfalz), Mainz, Aschaffenburg, Eberbach, Speier, Göllheim, 
Neumünster, sowie in Wiesbaden (Friedhof am Schützenhof, Griechische Kapelle, alter 
Friedhof an der Platterstrasse) und in Hohenburg einzugehen; in Siramern und Kadolz- 
burg befinden sich noch nassauische Epitaphien, welche noch abzuzeichnen und 
der Sammlung des Vortragenden einzuverleiben bleiben. Neben dem historischen 
Wert der Sammlung ist dieselbe in kulturhistorischer Beziehung hochinteressant ; 
dieselbe giebt, trotz ihrer Lückenhaftigkeit, eine Darstellung der ritterlichen Tracht 
für Mann und Frau vom Ende des 13. bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 
Von dem Kettenhemd und Topfhelm, zum Platten- und Schuppenpanzer, von der fein 
ciselierten und eingelegten Renaissancerüstung zur spanischen Tracht, mit der Allonge- 
perüclvC und der französischen Kleidung des 18. Jahrhunderts abschliessend, ist die 
Entwickelung der männlichen Tracht in allen Perioden dieser Epoche gegeben. 
Während die ältesten Epitaphien die Frauen in einer der klösterlichen ähnlichen 
Gewandung zeigen, begegnen wir bald eng anschliessenden Gewändern mit mancherlei 
Dekor, später erscheint der spanische Reifrock und die Halskrause, gefolgt von der 
französischen Mode des 18. Jahrhunderts. Besonders interessant ist auch die im 
Laufe der Jahrhunderte wechselnde weibliche Haartracht, welche oft an moderne 
Coiffüren erinnert. Die Epitaphien des 13., 14. und 15. Jahrhunderts sind sämtlich 
gute Steinmetz-Arbeiten, man erkennt den Wunsch zu individualisieren und die Ab- 
sicht, charakteristische Eigenschaften der Darzustellenden wiederzugeben. Mit Be- 
ginn des 10. Jahrhunderts wird Marmor das verwendete Material, anfangs nur zu 
Dekor, Wappen und ähnlichem, später zu ganzen Figuren, Sarkophagen etc. benutzt. 
In dieser Periode begegnen wir auch schon dem Künstler in den Arbeiten, nament- 
lich sind die Arnualer Epitaphien von hohem künstlerischem Wert. Die Denkmale der 
Schlosskirche zu Saarbrücken sind in Material und Ausführung recht wertvoll, aber 



340 

dem Geschmacke des 1^. Jahrhunderts entsprechend etwas snsslich und stellenweise 
überladen. Zum Schluss bemerkte der Vortragende noch, dass von den 107 in seiner 
Sammlung dargestellten Grabdenkmälern heutigen Tages noch 42 vorhanden sind. 

Der Vursitzende Herr Professor Otto sprach dem Herrn Vor- 
tragenden den Dank der Versammlung aus. 



Zehnter Vortrag*. 

In der Sitzung der „Historischen Sektion" am 4. März 1896 sprach 
wiederum Herr Professor Otto (statt des noch kranken Herrn Archivrats 
Dr. Sauer) über den „Geheimschreiber Karls V. Alexander v. Schweiss 
aus Herborn. " 

Derselbe stand anfangs als Sekretär im Dienste des Grafen Heinrich von Nassau, 
dem bei <ier Teilung des väterlichen Erbes die niederländischen Besitzungen des Hauses 
und damit die einflussreiche Stellung seiner Vorfahren am burgundischen, nunmehr 
königlichen Hofe Karls V. zugefallen waren, während seinem Bruder Wilhelm das alt- 
nassauische Dillenburg u. s. w. zu Teil wurde. Im Jahre 1523 geadelt, trat Alexander 
v. Schweiss als Geheimschreiber in die Dienste Karls und gewann hier wegen seiner Ver- 
trautheit mit den deutschen Verhältnissen eine über sein Amt hinausgehende Stellung. 
Nachdem Redner einige Mitteilungen aus Briefen an und von Alexander v. Schweiss 
während seines Aufenthaltes in Spanien (1522 bis 1529) gemacht, insbesondere den 
des Erasmus von Rotterdam in seiner Bedeutung als entschiedene Absage von Luther, 
die zu Karls Ohren kommen sollte, näher beleuchtet hatte, begleitete er den Geheim- 
schreiber auf seinen Reisen nach Icalien und Deutschland, wo derselbe, namentlich 
zu Bologna und auf dem Augsburger Reichstage, mehrmals hervortritt. Im Jahre 1533 
schied er aus dem kaiserlichen Dienste und muss bald nachher gestorben sein. 

Sodann besprach Herr Professor Dr. Otto „das Buch des Wilh. 
Triphyllodacnus" (Giftlager 1567), das in mehrfacher Hinsicht interessant 
ist; es ist dem Grafen Balthasar von Nassau-Idstein gewidmet und 
stellt in der Vorrede u. a. eine Vergleichung von Island mit Nassau 
an! Der Name des Verfassers ist die griechische Übersetzung von 
Kleebeiss, das übertragen so viel als Leckermaul bedeutet. — Schliess- 
lich teilte der Redner einige Versuche von Erklärungen der Namen 
„Seeroben, Kohlkorb und Leberberg" mit. 
Das erste Wort, erwähnt zuerst 1367 als Serhoben, wird mit ahd. Sahar-Schilf 
in Verbindung gebracht, als Schilfhofen gedeutet und als der einzige Überrest einer 
frühe aufgegebenen Niederlassung gefasst. Kohlkorb ist von der früher sumptigen 
oder kotigen Beschaffenheit der Ürtlichkeit entlehnt, und Leberberg in seinen höchst 
mannigfaltigen Namensformen (Leuber-, Leiber-, Lauber- und Leberberg) verbunden 
mit den gleichfalls manni^'faltigen Formen für Loher auf das ahd. und mhd. Lö, des 
Lowes, Loh zurückgeführt. 

An diese Ausführungen schloss sich ein belebter Austausch teils 
zustimmender oder erläuternder, teils abweichender Meinungen der 
Anwesenden an. 



341 



Elfter Vortrag^. 

Am Abend des 18. März hielt Herr Archivar Dr. Meinardus 
eiuen Vortrag über „W^aileosteia als Landesfürst". 

Redner ging in seiner Einleitung auf die bezügliche Litteratur ein und ent- 
warf ein Bild von der Ausgedehntheit derselben. Darauf erörterte er die Frage des 
Ursprungs der Familie Wallenstein und die I-]inHiisse der verschiedenen religiösen 
Parteien, welche auf Wallensteins Jugend gewirkt haben. Wallenstein war friUi Waise. 
Es gelaug den Jesuiten, ihn von seinem mütterlichen Oheime Albrecht Slavata 
V. Koschumberg zu entfernen. Er kam nach Olmütz ins Jesuitenkloster. Die Zucht 
dort sagte dem Knaben nicht zu. Nach kurzer Zeit kam er im August 1509 
auf die lutherische Universität Altdorf. Auch dort war er nicht lange. Bald trat 
er in kaiserliche Dienste und kämpfte gegen die Türken. Er sollte dann am Hofe 
Mathias' untergebracht werden. Von dieser Riclitung wurde er 1609 durch die 
Jesuiten abgebracht. Der eigentliche Grund zu Wallensteins späterer Grösse war 
seine Heirat mit der betagten Witwe Lukretia Nikessowa v. Landeck. Er sagte 
sich damit zugleich von der protestantischen Partei los. Nach dem Tode seiner Frau 
wurde er Erbe des ganzen grossen Länderbesitzes, welchen er in einigen Jahren ver- 
kaufte. Dadurch bekam er bares Geld in die Hände. Nun ging er nach Wien und 
sammelte einen Kreis junger Leute um sich. Er trat als Reiteroberst eines Regiments 
auf, wurde später in den Grafenstand erhoben, nachdem er sich mit Isabella Katha- 
rina, der Tochter des Grafen Harrach. vermählt hatte. An den verschieilenen Kämpfen 
nahm er rühmlichen Anteil. Bilek gibt in seinen Beiträgen eine Geschichte der 
böhmischen Konhskationen. Man macht Wallenstein den Vorwurf, er habe für einen 
grossen Teil seiner Güter in Böhmen Geld mit falscher Münze gezahlt. Ein Resultat 
allgemeiner Art besagt aber, dass die Münzverschlechterung damals offiziell war. Im 
wesentlichen handelte es sich um einen politischen Akt dabei und der Massstab einer 
kleinbürgerlichen Moral kommt hier nicht in Betracht. 642 Herrschaften von pro- 
testantischen Grundbesitzern wurden konfisziert. Wallenstein durfte sich bei seinen 
Gegnern, die ihm beim böhmischen Aufstande selbst grossen Schaden zugefügt hatten,