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Full text of "Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung"

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III- J. PAUL GEITY MUSEUM LIBRy\RY 



ANNALEN DES VEREL\8 



FÜR 



NASSAÜI8CHE ALTERTÜMSKUNDE 



UND 



GESCHICHTSFORSCHUNrx. 



DEEISSIGSTEE BAND. 



1899. 



Mit einem Bildnis und einer Karte. 



WIESBADEN. 

VERLAG VON Rüü. BECHTOLU & COMP. 
1899. 



DIlt'CK VON RÜD. DKCHTOLD 4 COMP.. WIESBADEN. 

BrCIlUttCCKERKI * I.ITIIOUK. ASSTAI.T. 



IHE. J. P/- ■' CENTEk 



Inlialts-Verzeichnis. 



Annalen. 

Seite 

I. Ciaren thaler Studien (Fortsetzung). Von F. Otto 1—54 

IL Das politische Testament des Grafen Johannes von Idstein-Wies- 

baden. Ton 0. Meinardus 55—108 

ITT. Die Wiesbadener Landstrassen im XVIII. und XIX. Jahrhundert 

(mit oiiior Kurte). Von C. Spicimaiin . . 109 — 130 

IV. Die Wellritz, ihr Name und ihre Benutzung durch Bürger und Adel 

im XVI. Jahrhundert. Von F. Otto 131—142 

V. Der nassauische Publizist Johannes Weitzel. Von G. Zedier . . 143—192 
VI. Ein Gesamtfund römischer Kleinerze aus der Zeit Diocletians. Von 

E. Ritterling 193—201 

VII. Graf Ludwig von Arnstein und die Neubegründung des Klosters 

Münsterdreisen. Von E. Seh aus 202—205 

VIII. Die Auflösung dfv nassauischen Klosterbibliotheken. Von G. Zedier 206—220 



Mitteilungen 18991900. 

Spalte 

Amtsgerichtsrat a. D. DüsseU f. (Mit einem Bildnis*). Nekrolog von G. Zedier 1 — «> 

Vereinsnachrichten von G. Zedier 7—8, 33-85, 65—66, 97—98 

Vorträge 1898/99: 

Der Verfall der antil<en Kultur von 1}. Heil 8 — 14 

Ueber Johann Georg Hagelgans von P. Richter 35 — 49 

Die Kultur des hohen Westerwaldos von Heyn-Marionberg 66 — 71 

lieber den Ursprung des Hauses Nassau von P. Wagner . 71 — 74 

Gefecht bei Eckernförde von R. Kolb 74-76 

1899/1900: 

Einleitende Bemerkungen von P. Wagner 100 -104 

Die Fahnen des nassauischen Landsturms von 1814 von I*. Wagner .... 104 -107 

Ueber Stadtrechtsurkundon für nassauische Orte von E. Sc haus 107 — 109 

Ein Volksspiel aus 1814: Die Schifler von Caub von V. Richter 10^^—110 

Graf Ludwig von Nassau-Dillenburg von F. Heymach . 110—112 

Verwaltungsbericht des Altertunis-Museums von H. I.ohnor und E. Ritterling 

15—17, 49—56, 76—79, 113-117 



*) Aus praktischen Gründeti ist dasselbe dem Aiwalothande beigeheftet tcorden. 



IV 

Spalte 
Funde (siehe auch den Verwaltungsbericht des Altertums-Museums); 

zu Xiederlahnstein von R. Bodewig 17 

auf dem Römerberg bei Höchst von E. Suchier 17 — 20 

OoldmQnzenfuiul bei Riidesheim von P. Joseph . 20 — 22 

Müiizfunde in Höchst uiul Xied von H Suchier . . 56—57 

Müuzfund bei Eppstein von E. Suchier .. 92 

zu Braubach von R. Bodewig 92—93 

Miseellen : 

Limesforschung auf der Strecke Holzhausen a. d. H. bis Adolfseck von H. Lehner 22—23 

Mitteilungen aus dem Stamnibuche des J. A. Kitzhaub von F. Otto .... 24 — 30 

Johann Tobias \V eller von E. Seh aus 30 

Aus dem häuslichen Leben der nassauischen Grafenfaniilie im 16. Jahrhundert 

von P. Wagner .... 57—62 

Da« Kugelgeld in Herborn 62—63 

Mittelalterlifhe Befestigung auf dem Blasiusberge beiFrickhofen vonE. Ritterling 80 — 86 
Fliedners Aufsatz „Beiträge zur Kulturgeschichte des Herzogtums Xassau" von 

O Meinardus 86—92 

Friedrich von Reiffenberg auf der Universität Wittenberg von F. Otto . . . 117 — 118 
Chronik: 

AltiTtumsverein zu Horborn, Bericht von J. H. Hoff mann 63—64, 122 

.Mtortumsverein zu Höchst a. M., Bericht von E Suchier 118 — 122 

Bücheranzeigen: C ramer, Geschichte der Alamannen (von F. Otto) 93 — 96, 

Erwiderung Cramers 122 — 126; Schädel, Xamen und Rad der Stadt Mainz 

(von ti. Zedier) 96 

Neueste historische Litteratur über Nassau von F. Otto und G. Zedier 30—32, 126-128 



Ciarenthaler Studien. 



Von 

Fr* Otto, 



III. Die letzten Zeiten des Klosters. 

Über die letzten Zeiten des Klosters Clarentlial haben zwar S c h e n c k 
und nach ihm Schliephake, dann Nebe und Roth^) einige Nachrichten 
zusammengestellt, andere jedoch, die ausführlicher sind und genauere Mitteilungen 
enthalten, entweder nicht gekannt oder nicht benutzt. Eine nochmalige Prüfung 
der Frage ist daher gerechtfertigt und das um so mehr, als sich auch über die 
frühere Geschichte der Anstalt durch, sie einiges Licht verbreiten lässt. Wir 
werden zuerst über die Klosterjungfrauen von 1550 — 1559 reden, dann einiges 
über den Haushalt des Klosters folgen lassen und zuletzt über die Auflösung 
desselben berichten. 

a) Die Klostepjung'frauen von 1550 — 1559. 

Über die Zahl der zu gleicher Zeit in Ciarenthal anwesenden Kloster- 
jungfrauen geben uns zwei Verzeichnisse von den Jahren 1550 und 1554, sowie 
die Entlassung der letzten Schwestern in den Jahren 1558 und 1559 eine er- 
wünschte Belehrung, die um so wertvoller ist, als uns für die frühere Zeit fast 
alle Kunde darüber abgeht. Wir wissen zwar durch die Eintragungen der Todes- 
fälle in das Necrologium, wie viele der Jungfrauen in einzelnen, grösseren oder 
kleineren Zeiträumen gestorben sind, aber diese Angaben sind nicht einmal ganz 
genau, da namentlich im 14. Jahrhundert manche Namen nachweislich fehlen, und 
aus ihnen ergibt sich nur, was wir schon vorher annehmen konnten, dass die Zahl 
der Nonnen im Laufe der Zeit allmählich abgenommen hat; in den ersten 130 
Jahren von der Gründung des Klosters an zählen wir etwa 121 Sterbefälle inkl. 
der nachweislich nicht eingetragenen, in den folgenden 20 Jahren 11, in den 
90 Jahren von 1453 — 1543 etwa 54, statt dass die beiden letzteren nach dem 
Verhältnis zum ersten Zeiträume 18 und 83 hätten betragen müssen. Auf die 
Zahl der zu derselben Zeit eingeschlossenen Schwestern können wir daraus 
keinen Schluss ziehen. Nur für das Jahr 1371 gewährt eine Urkunde der 
Äbtissin Jutta einen xiuhaltspunkt ; am 10. Februar d. J. beschloss nämlich 



^) Schenck, Schliepliake und Roth an den bekannten Stellen (vergl. Nu. I dieser 
Studien), Nebe in der Denkschrift des theologischen Seminars zu Herborn vom Jahre 1866, S. 1". 

1 



der Conveut in Betreff der Jalirgezeits für den verstorbenen Oaplan der Gräfin 
Margarerlie Kunrad: ..uff denselben Dag sullen wir geben den frauwen über 
disfh um speise evnen gülden, den sullen \\ ir nemen von unsern guderu zu 
Xurdensrar. daz der gülden mit eyn ander eylt'e werden." Daraus ergiebt sich, 
dass damals elf Nonnen zu Tlarentlial weilten, und wohl auch, dass man di(>se 
Zahl als eine voraussichtlich bleil)ende ansah. 

Für die Jahre lö50 und \^h)4 erhalten wir durcli die zwei genannten 
Verzeichnisse genauere Kunde. Das erste ist in dem Auszuge aus einem 
Visitationsprotokoll des Jahres 1050 erhalten.*) Bekanntlich sollte das im 
Jahre l.')4S erlassene Interim auch in Nassau eingeführt werden, und um über 
die Ausführung dieses Gebots in den zu seinem Sprengel gehörenden Bezirken 
der nassauischeu Lande zu berichten, ernannte der Erzbischof von Mainz 
Visitatoreu. an deren Spitze der AVeihbisihof Michael Heiding, gen. Sidonius, 
stand. Am 1'4. Februar des Jahres 1550 wurden die Pfarrer der Herrschaft 
Wiesbaden^i examiniert, am 25., einem Dienstage, sollte das Stift Bleidenstadt 
an die Keihe kommen ; aber da die Meldung einlief, dass niemand von dem 
Kapitel anwesend sei, wurde der Besuch verschoben (er fand nachher, am 
23. Mai statt) und dafür das Kloster Clarenthal vorgenommen. Das Haushaltuugs- 
buch des Klosters verlegt die Anwesenheit des Weihbiscliofs irrtümlich auf 
den '24.. indem es schreibt: „vor stockfiss und bückiug zu "Wiesbaden kauft, 
als der "NVeyebisehof liif was S. Matyes, 9 Alb.", denn S. Matthias ist der 
iM. Februar, an dem die Visitatoren zu Wiesbaden beschäftigt waren. Es 
mochte am 1^4. von der bevorstehenden Ankunft dos Weihbischofs Mitteilung 
gemacht worden sein, wie dies auch bei dem Stifte Bleidenstadt geschehen war, 
und so wird man noch an demselben Tage zur Bewirtung desselben für Fasten- 
speise gesorgt haben. 

Das l'rotokoll berichtet über das Kloster also: „Dienstag, den 25. Februar 
wird tlas sogenannte Neue Kloster visitirt und examinirt.*) 

1. Anna Brenlin von Homburg, Äbtissin, 

1^ Margarethe Reinbergerin*), Pi-iorin, 

3. Agnes von Hattstein, 

4. Guetli von Hattstein, 

5. Christine von Diez, 
Ct. Maria Echter, 

7. Maria von Nassau, 

halten sich an ihre licgel, sowie in geistlichen und weltlichen Sachen gut 
und wohl." 

Zu ijicscm Hericht halicn wii- einige Bemerkungen zu machen. 



*) Allgedruckt in dor Zoitsclir. f. Kircligosoli. XV, 435. 

') No}if ft. a. (). nininit, gostützt auf tirioHiclic Äusspningon Molanohtlions, eine drei- 
fache ViHitati(»ii iler Herrhcliaft 'NVichliaden an, kennt alior die obigo vom 24. Februar nicht; 
CB war diese über die ein/ige, die stattfand. 

*) Die Zahlen vor den einzelnen Namen halien wir zugefügt. 

*) In der Zeitsclir. f. Kinliengescii. i.st irrtünilidi Cainbergorin gedruckt. 



1. Das Exainon orstrockte sich bei den Xounen wohl hauptsäclilich nur 
darüber, ob die Regel dos Ordens g;e\vissenliaft bef()l2;t und der Crottesdienst 
ordnungsniässig abgehalten werde. 

2. Die Namen dei- hicu- genannten Schwestern warcm dtuu Kloster nieht 
fremd; sie kommen im Jjauf'e des letzten Jalirhunderts alle vor. Anna 
lirtMidel von llomlturg (so müsste statt BreÜLdo]lin von llomhurg geselirieben 
sein) war seit 1^)21') Aebtissin und starb am 2;>. Oktober 1553.") Vor ihr 
W'erden noch fünf andere der Familie im Necrologium genannt, alle mit Zu- 
füii'una' ihres Todesiahres: soror Dorothea Brendeln am 7. November a. 1472, 
soror Kungundis Brendeln am 21. März 1480, soror Dorothea Brendel am 
"22. Januar 1495, soror ri(!belgin Brendeln am 6. Januar 1507, soror Kungundis 
Brendeln am 17. Sept. (15)24. Ein Messgewand war mit dem Brendelschen Wappen 
geschmückt; der Ilebelgin (ihren zwei Schwestern und ihren Eltern) war eine 
Jahrzeit in der Fastenzeit gestiftet, weil sie dem Kloster 92 Fl. und einen 
ewigen Gulden zu Wiesbaden gegeben hatte,') Deren Feier gedenkt das 
Ilaushaltungsbucli des Klosters im Jahre 1550 („2 Fl. vor 2 U Salmen zu 
der brendeln sei. jarzyt"). — Die Margarethe Reinbergerin entstammte 
dem Geschlecht der Herren von Rheinberg, die sich nach ihrer Burg an der 
Wisper nannten und von 1226—1615 vorkommen'); das Necrologium ver- 
zeichnet vor ihr eine soror Liepmuudis de Reinberg am 14. September 1503 
und eine soror Anna Rinberg am 4. September 1514. Die Priorin MargaTethe 
starb am 28. August 1554. — Die beiden llatt stein gehörten ohne Zweifel 
der Familie derer von Igstatt, genannt Hattstein, an'), die im 15. und 
16. Jahrhundert zu Bierstadt ^vohnten und auch zu Wiesbaden einen Hof und 
Güter besassen. Graf Ludwig kaufte den Hof im Jahre 1607 und schenkte 
am 25. August 1608 den „ledigen platz und hofraido inn der Statt forncn uff 
dem Marckt gelegen. Der Hattsteinische unndt Enderss Büctelsplatz genant, 
sambt dem Keller darunter . . . binden wider die Stattmauer streickendt" der 
Stadt AViesbaden, „dergestalt und also, das sie uff solchenn Ort . . . eine 
Behaussung setzen"'") ; dies geschah denn auch sofort, indem die Stadt das 
jetzt noch stehende alte Rathaus au dieser Stelle erbaute;. — l'ber die 
persönlichen Verhältnisse der beiden Jungfrauen sind wir nicht näher unter- 
richtet; sie können Töchter oder Schwestern des Ludwig oder Michael v<ui 
Igstatt, gen. Hattstein, die 1524 und 1532 zu Wiesbaden vorkommen"), gewesen 
sein; Michael soll eine Schwester des Joachim von Geispitzheim, der damals 
den Hof der Herrn von Wiesbaden besass und 1557 starb'^, zur Frau gehabt 
haben. In dem Necrologium ward am 29. Juli eine soror Katharina de Igstat 



") Vergl. No. I dieser Studien, Annalen XXIX, 2, 191. 
^) Nekr. 6 Januar. 
*) Vogel, Besclireibung S. 603. 
P) Vogel S. 538. 

10) Urkunden im Staatsarchive zu Wiesbaden. Rössel, Stadtwappen S. 44, 67 f. 
") Bürgermeisterreclmung von 1524 im städtischen und altes Hospitalregister von 1532 
im Stuatsarcliive. 

'-) Altes üerichtsbiich im städtischen Archive. 

1* 



in der Schrift des ausgehenden 15. oder beijinnenden IG. Jahrhunderts genannt ; 
sie gehörte ohne Zweifel derselben Familie an. Auch Christine von Diez 
hatte Vurgän^erinneu aus ihrer Familie in dem Kloster: das isecrologium nennt 
am 14. April eine uublissima virgo Chira de Dvtz (15)29 (sie ist die letzte der 
dort eingetragenen Tersouen) und am (i. -Mai soror Merg von Ditz a. (15)43 
(die Schrift und Sprache gehurt dem IG. Jahrhundert an); einer Margarethe 
(Gred) von Dietz begegnen wir in den Jahren 1553—1559. Die Familie starb 
im Jahre 1727 aus.") — Mehrere Echter von Mespelbrunn waren im 
15. Jahrhundert zu Mainz Canonici eccles. maioris, wie Marcus, f 1483, 
l'eirus. Piiilippus'*); daher mag es gekommen sein, dass wir zu Ciarenthal im 
Xecrologium eine Anna Echtem am 25. Mai 1455, und eine soror Gerdrut 
Echtem am 30. Oktober 145G finden; ausser der Marie erscheint im Jahre 1554 
eine Curduhi. — Über die Marie von Nassau siehe unten bei dem zweiten Ver- 
zeichnis von 1554. S. 9. 

3. Es waren also sieben Jungfrauen anwesend, wurden examiniert und 
sind namentlich verzeichnet; ihre Zahl war aber grösser, wenn wir auch nicht 
wissen, warum nicht alle hier genannt sind; es fehlen drei Xamen, zwei 
Grätinnen von Erbach und die Margarethe Cambergerin.'^) Von den beiden 
Erb ac herinnen war die ältere, Elisabeth, geb. im Jahre 1514, anfangs 
dem Kloster Marienborn übergeben worden, hatte aber dieses nachher mit 
Clarenthal vertauscht; die jüngere, im Jahre 1516 geborene Katherine hatte 
der Vater, Graf Eberhard Schenk von Erbach, sofort im Jahre 1523 nach 
Clarenthal gebracht. Grund dafür mag der Umstand gewesen sein, dass damals 
seine Schwester Magdalena Priorin des Klosters war (sie starb nach dem 
Xecrologium am 8. Januar 1532 und ein Jahrgezeit sollte ihr am Tage Mariae 
Magdalenae, d. h. 22, Juli, gefeiert werden) ; auch vorher bereits waren zwei 
andere Erbacherinnen Nonnen zii Clarenthal gewesen, die soror Margaretha 
Schenkin von Erbach, gestorben am 25. Mai 1504 und eine zweite Magdalena, 
die als Abti.ssin am 28. Oktober 1512 gestorben war. 

Über die Aufnahme der Katiiarina gibt eine Urkunde vom 14. Mai 1523'") 
Bericiit. in welcher die Äbtissin Marie, geborene Gräfin von Hanau-Lichten- 
berg, und der ganze Convent in Clarenthal bekennen, dass der wohlgeborene 
Schenk Eberhard von Erbach seine Tochter Katrina in ihr Kloster gegeben, 
den Orden anzunehmen, und in ihrem Kloster wie andere Schwestern, Grafen 
und Herrn Kinder, gehalten werden solle und dass er ihnen alsbald hundert 
Gulden überantwortet und geben lassen, davon ihr lebenlang zehen Gulden 
Leib.sgedings folgen und worden, endlich dass darauf Katrina auf alle und 
jegliche Anfälh; und Erbschaften verzichten solle, wie andrerseits Äbtissin und 
Convent auf alle Erbschaftsfalle der Katrina verzichten. 



".) Vo^el, 8. 764. 

") loannis II, 354. 

'*) Die nachfolgenden Mitteilungen über diese stützen sich auf Simon, Geschichte der 
Dynasten und (irafon von Krbach S. 'MH und auf Urkunden und andere archivalische Auf- 
Zf.'ichnuiigen dc;s •Staat.'iarühives zu ^VieH^Jaden. 

") Abgedruckt bei Schenck, Meniurab. urb. Wisb. S. 60. 



Auffallend ist, dass diese Katharina in dem /arten Alter von sieben 
Jahren eingekleidet wurde, da die Ciarissen nach der damals bestehenden 
Ordnung nicht vor dein 14. .Jahre den Schleier nehmen durftcin. Aber weder 
kann die erwähnte Urkunde angezweifelt werden, noch das Geburtsjahr der 
Katherina in eine frühere Zeit hinauf gerückt werden, da dies die Reihenfolge 
der grätlichen Kinder nicht zulässt. Es erklärt sich die frühe Aufnahme leicht 
daraus, dass die laxe Ikfolgung der Klosterordnung in jener Zeit, namentlich 
den Töchtern hochstehender Familien gegenüber, nicht ungewöhnlich war, be- 
sonders wenn sie eine ansehnliche Summe Geldes mitbrachten, dem Grafen 
aber bei der grossen Zahl seiner Kinder (es waren sieben Söhne und neun 
Töchter) viel darum zu thun sein musste, die Töchter frühzeitig versorgt zu 
sehen und in ein Kloster unterzubringen. Und in der That nahmen vier von 
ihnen den Schleier, zwei zu Marien born, von denen die eine später nach Claren- 
thal überging, eine zu Ciarenthal und eine in einem anderen unbekannten 
Kloster. Vielleicht ist die Marienborner Elisabeth nach dem Tode der anderen 
Marienborner Schwester, der im Jahre 1540 erfolgte, zu ihrer Ciarenthaler 
Schwester übergesiedelt, weil sie sich dort nicht mehr wohl fühlte. 

Die Zeit, wann die Erbacherinnen aus dem Kloster austraten, wird nicht 
überliefert, nur von Katharina hören wir, dass sie im Jahre 1566 ausgeschieden 
sei; aber da damals bereits mehrere Jahre lang eine klösterliche Anstalt zu 
Ciarenthal nicht mehr bestand, so kann sie damals höchstens eine formelle Er- 
klärung ihres Austritts gegeben und damit einen Verzicht auf alle Ansprüche, 
die sie als Ordensperson erheben könnte, ausgestellt haben. Soviel aber ist 
gewiss, dass die drei überlebenden Erbacher ehemaligen Nonnen den Rest ihrer 
Tage zu Michelstadt verlebten und dort starben, zwei von ihnen im Jahre 1574. 
Das Fehlen der Elisabeth und Katharina bei dem Examen des Jahres 1550 — und 
darum handelt es sich, nicht von ihrer Abwesenheit aus dem Kloster — kann 
mancherlei Gründe gehabt haben, die wir nicht alle aufsuchen mögen ; es könnte 
sehr wohl möglich gewesen sein, dass sie, nachdem ihr Vater (f 1539) sich 
bereits der Reformation geneigt gezeigt, und nach ihm ihr Bruder Georg, der 
Nachfolger Eberhards, sich ihr entschieden zugew^andt hatte, deren Beispiel 
folgend gleichfalls die neue Lehre angenommen hätten und vielleicht schon vor 
dem Jahre 1550 in die Heimat zurückgekehrt wären. Ihre Namen nämlich 
erscheinen auch nach diesem Jahre nicht mehr zu Ciarenthal, formell aber ge- 
hörten sie ihm noch an, bis sie ihren Austritt erklärt hatten. 

Besser sind wir über die Margarethe Camberg er in oder Margarethe 
von Camberg unterrichtet. Dieselbe war die Tochter des Herrn Johann Hain 
von Camberg, Pfarrers und Vikarius zu Bleidenstadt"), der,, ehe er in den geist- 
lichen Stand trat, vermählt gewesen und Vater mehrerer Kinder geworden sein 
muss ; sie selbst wird jedoch nie mit dem väterlichen Namen benannt, sondern 
hat höchstens den Zusatz „von Bleidenstadt" neben obigem Namen, Avie sie 



'^) Das Stift hatte acht Canonici uml zehn Vicarien, welche die Hören und sonstigen 
Gottesdienst hielten; im Jahre 1550 waren nur drei A'icarien bei der Visitation anwesend. 
Yisitationsprotokoil a. a. ü. 



6 

muh selbst iu ilor rrkumlo vom 30. Juni 1558 schreibt. Sie \var im Jahre 1521 
in das KU>ster eingetreteD, ^vi.• die rrkinide vom 13. August (Dienstag nach 
Laurentiustag) dieses Jalires besagt. Durch sie bekennen die Äbtissin Marie 
von Hanau und von Lichtenberg und der ganze Conveut zu Clarenthal, dass 
sie, naelidem der würdige Herr Johann Hain von Camberg, Pfarrer und Yicarius 
zu lih-idenstadt. um Crottes Willen gebeten hat seine Tochter Gretchen in das 
Kloster aufzunehmen, und Gretchen selbst in eigener Person um Gottes Willen 
darum gebeten, dieselbe in den Orden und das Kloster angenommen haben, 
dass ferner Herr Johann Hain, damit die Tochter desto besser mit Leibesnahrung 
und Notdurft versehen werde, dem Convent und Gotteshaus 150 Fl. gegeben 
iiat, wogegen die Äbtissin und der Conveut auf weitere Ansprüche an Herrn 
Joliann und seine anderen Kinder verzichten, ausgenommen sowohl das, was 
HeiT Job. Hain seiner Tochter Gretchen in seinem letzten Willen und Testament 
verordnen und legieren werde, als auch dasjenige, was nach etwa kinder- 
losem Tode ihrer Geschwister an sie falle; dass endlich Herr Job. Hain ver- 
sprochen habe, bis zum Ende seines Lebens seine Tochter Gretchen mit ziem- 
licher Bekleidung ihres geistlichen Ordens nach Notdurft zu versehen; es 
siegeln die Äbtissin und der Convent mit ihrem Conventssiegel und für Johann 
Hain, da ihm ein eigen Ingesiegel dieser Zeit mangelt, auf seine Bitte der 
ehrsame Herr Christian Becker von Weilburg, Yicarius zu Bleidenstadt. Die 
beiden Siegel sind erhalten. Offenbar Hessen die dringenden Bitten von Vater 
und Tochter, die Höhe des Eintrittsgeldes und der nunmehrige Stand des 
Vaters über die bürgerliche Herkunft der neuen Schwester hinw^eg sehen, aber 
trotz ihres langen Aufenthaltes im Kloster brachte sie es nicht zu einer höheren 
Stellung, sie blieb 37 Jahre lang einfache Nonne. ]k'i ihrem Austritt aus dem 
Kloster erklärte sie, einzelne Gegenstände, die sich ,,in ihrer Zelle oder ihrem 
Gemach, auch in Kisten und Schränken" befanden, nicht bloss von Schwestern, 
die uns bekannt sind, der Agnes von Hattstein und der Äbtissin (Anna), 
sondern auch „von der von Hanau", d. h. von der längst vor 1525 verstorbenen 
Äbtissin Marie von Hanau-Lichtenberg erhalten zu haben. Einen weiteren Beweis 
für die lange Zeit ihres Aufenthaltes zu Clarenthal gibt ihre Urkunde vom Jahre 
1558, die wir im 3. Teil dieser Abhandlung (S. 26) ausführlicher bringen werden; 
in derselben sagt sie, sie sei in Zeiten ihres unverständigen, minderjährigen 
Alters vor etlichen Jahren in das Kloster zu Clarenthal beredet worden, 
habe Profess gethan und sich dann eine gute Zeit darin gehalten. So un- 
bestimmt auch die Worte „vor etlichen Jahren" lauten, so kann der Ausdruck 
„eine gute Zeit" nur auf eine längere Zeit — hier sind es, wie gesagt, 
37 Jahre — hindeuten. So ist es unzweifelhaft, dass sie im Jahre 1550 noch 
Lisassin von Clarenthal war. wenn uns auch verborgen bleibt, warum sie bei 
der Visitation nicht zugegen war, d. li. warum ihr Name fehlt und sie nicht 
examiniert wurdt;. 

Ziehen wir das Resultat unserer Darlegungen, so betrug die Zahl der 
Nonnen zu Clarenthal im Jahre 1550 nicht sieben, sonderen mindestens acht, 
oder wenn wir die p]rba<l)erinnen. die noch formell dahin gehörten, mitrechnen, 
zehn Jungfrauen, 



Es folgten schwere Zeiten für Cliircntlial. Im Soninior dos Jahres 1552 
brauste der verheerende Sturm des wilden ^Markgrafen von Brandenburg-Culm- 
baeh über die Landschaftern des Mittelrheins. Er hatte im Dienste des Kur- 
fürsten Moriz von Saclisen an der Belag(u-ung der Stadt Frankfurt teilgenommen 
und war erst (ünige Zeit nach deren Aufhebung abgezogen, nachdem (ir erkannt 
hatte, dass er eine l' hergäbe der Stadt oder Zahlung einer Geldsumme nicht 
erzwingen konnte. Berüchtigt ist sein nunmehr (im August 1552) unter- 
nommener Kaub- und l'lünderungszug nach dem Rhein, durch den namentlich 
die Stadt Mainz hart mitgenommen wurde. Aber auch die Umgegend blieb 
nicht verschont und überall herrschte Furcht vor einem Tberfall seiner beute- 
gierigen Landsknechte. Damals war es, dass die Nonnen zu Ciarenthal ilir 
friedliches Thälchen verliessen und hinter den ]\Lauern der Stadt Wiesbaden 
Schutz suchten. Zweimal meldet das Haushaltungsbuch vdu dieser St-hreckens- 
zeit: „als die Jungfrauen gen Wiesbaden zogen, des Markgrafenkriegs halber" 
und „als wir ausser dem Kloster waren und zu Wiesbaden im Schlosse hauseten". 
Jene Worte („als die Jungfrauen gen Wiesbaden zogen") stehen bei Ausgaben, 
die für Schlösser an Thüren und Schränken gemacht worden waren, aber erst 
im Jahre 1554 bezahlt wurden; es scheint also, dass man bei dem Gerücht von 
dem Herannahen Albrechts und seiner Horden alles gehörig verwahren und 
sichern wollte, als ob das einen Schutz gegen die gewaltthätigen Hände jener 
Scharen hätte gewähren können. Ob übrigens das Kloster damals Schaden 
gelitten und welchen, wissen wir nicht, aber die Erinnerung an die ausgestandene 
Angst veranlasste später die Klosterjungfrauen dazu, auf die gefährliche Lage 
solcher „Feldklöster", wie Clarenthal eins war. und auf dessen Unsicherheit in 
den geschwinden Lauften der Zeit hinzuweisen, da es am grossen Gewälde der 
Höhe und fast eine Stunde von den Dörfern umher gelegen sei. 

Kaum war Ruhe und Friede zurückgekehrt, als ein neues Ungemach 
hereinbrach, das Graf Philipp Sterbensläufto nennt, ein anderer „ein Sterbendt", 
ein dritter „eine Infection", schlimmer noch für das Kloster als die Kriegs- 
läufte, da der Graf dadurch veranlasst wurde die Verwaltung des Klosters in 
seine Hand zu nehmen und schliesslich es selbst seiner Auflösung entgegen- 
zuführen. Der Seuche erlag am 25. Oktober 1553 die Äbtissin'*), am 
28. August 1554 die Priorin Margarethe Reinberger, welche bis dahin das Amt 
der Äbtissin verwaltet hatte; von den fünf übrigen Schwestern des Ver- 
zeichnisses und den inzwischen neu eingetretenen'*) starben einige, andere 
„wichen aus", wie ein Bericht sich ausdrückt, so dass zuletzt nur noch eine, 
die Marie von Nassau, übrig war; unter den ausgewichenen befand sich die 
Cambergerin, die nachher wieder erscheint; eine andere, im Jahre 1550 nicht 
genannte, die Margarethe von Diez, war, wie wir sehen werden, bereits vor 
dem Tode der Äbtissin, also vor oder während der Sterbensläufto, eingetreten. 



'*) Den Todestag giebt ihre (.irabscluit't bei Hol wich an. Die aiuleni hier folgenden 
Angaben beruhen meist auf Aufzeichnungen des Staatsarchivs; über Marie von Nassau 
8. weiter unten. 

*®) Schliephake (IV, 55) irrt, wie sich weiter unten bei uns ergiebt, wenn er sagt, 
erst nach der Seuche hätten ?ich vier .Schwestern wioJer eingefun<lcn. 



kommt aber ebenfalls später wieder vor und harte also auih zu den aus- 
gewichenen gehört. 

Auf die Xachriiht von dem Tode der Äbtissin und mehrerer Jungfrauen 
erliess der Graf Thilipp der Ältere'*) ein Schreiben au den Amtmann zu 
Wiesbaden"), das vom V2. Dezember datiert ist.'*) Er habe erfahren, so sagt 
er, dass die Äbtissin und mehrere Jungfrauen verstorben seien, so dass die 
klüsterlichen Personen und Laienschwestern in geringer Anzahl vorhanden und 
zum Teil schwach seien und dadurch das Kloster- und llofregiment geringest 
oder «'•ar kein ordentlich Haushalten und Versehung beschehe. Desshalb 
und weil jetzt ganz geschwinde nicht allein Sterbens-, sondern auch Kriegsläufte 
seien und des Ab- und Zulaufens vielfältig geschehen möge, so habe er, wie 
ihm solches gebühre, nicht umgehen mögen in solchen zugestandenen Unrat 
ein "-nädio-es mitleidiges Einsehen zu thun und befehle also — ausser, dass der 
Klosterhofmanu zu der Armen Ruhe die Sachen mit dem Kloster wohl machen 
solle — , der Amtmann wolle im Kloster alle Briefe und Register in eine be- 
schlossene verwahrte Kiste bringen und solche in dem Gewölb zu Wiesbaden 
bei der Gemein einstellen und verwahren lassen, den Schlüssel behalten und 
ein fleissiges Aufsehen thun über die Vorräte und das Dienstgesinde, damit 
nichts entwendet und alles, soviel als möglich, in guter pünktlicher Ordnung 
gehalten werde. 

Dieses Vorgehen des Grafen bedarf einer genaueren Beleuchtung. In 
dem Staatsarchiv befindet sich ein „Bericht über das Kloster, nunmehr Landes- 
hospital Clarenthal", der kurz nach dem Erlasse des Restitutionsediktes von 
1629 abgefasst ist, da er am Schlüsse erwähnt, dass nach jenem Edikte kaiser- 
liche Subdelegierte wegen Abtretung des Klosters, damals Landeshospitals, in 
Clarenthal erschienen seien; denn es hatte ja noch nach dem Passauer Vertrag 
bestanden, welcher nach dem Restitutionsedikt die Grenze der Säkularisierungen 
sein sollte. Und wirklich nahm es der Erzbischof von Mainz am 6. Juli 1630 
in Besitz (später setzten sich die Jesuiten daselbst fest).-'^) Wir dürfen also 
unbedenklich jenen Bericht in diese Zeit setzen und seine Bestimmung darin 
erblicken, dass er den Absichten der katholischen Partei entgegenwirken sollte. 
Denn er geht offenbar darauf aus, das Verfahren des Grafen Philipp als durchaus 
rechtmässig zu erweisen, indem er ausführlich darthut, dass auch früher die 
Verwaltung des Klosters unter einer weitgehenden Aufsicht und Kontrolc des 
Grafen und seiner Beamten gestanden habe. . Wenn auch diese Sätze eine 
Einschränkung zu bedürfen scheinen, so galt doch der Graf, wie die Cambcrgerin 
in ihrer Urkunde vom Jahre 1558 sagt, als „fundator, Oberer und Schutzherr" 
des Klosters und es konnten, wie es der Convent am 15. März und 14. Sept. 1555 
ausspricht (s. u.), ohne seine Einwilligung keine Novizen aufgenommen werden. 
Danach kann man ihm sicherlich nicht das Recht absprechen auf Beseitigung 
bestehender Missbräuche zu dringen oder. w(>nn dies nicht gelang, sie selbst 



*^ So heisst er in gleichzeitigen Urkunden, nicht Altherr, wie er gewöhnlich genannt wird. 
*') Amtmann zu "Wiesbaden war seit dem l.'i. Juni 1540 Moriz von Bresen. 
") Nicht vom 4. Dezemlior, wie Nehe a. a. (). berichtet. 
*') Vergl. das Evang. (Jeineindcbiatt 18'Jl, XI, Xo. 5 u. ü. 



in die Iltind zu nelnncn. Yoraiisgosotzt, dass ein Eingreifen des Sclmtzlicrrn 
nach dem 8terbondt nötig war, was hätte zunächst geschehen müssen? Ofleubar 
w^ir es zu aUererst erfurderlich die Ordnung des Kk)sters wiederherzustelicni, 
d. h. für die Neuwahl einer Äbtissin zu sorgen. Indem der Graf das unter- 
liess und si'lbst die Verwaltung des Klosters in die Hand nahm, w^orauf doch 
die i'bernahme der Briefe und Register hinauslief, ging er über seine Be- 
rechtigung hinaus. Vielleicht war er froh eine Veranlassung gefunden zu 
haben, sich ernstlicher mit dem Kloster zu beschäftigen. Er hatte der Refor- 
mation im Jahre 1543 den Zugang zu seiner Herrschaft gestattet; zu durch- 
greifenderen Neuerungen, wie Aufhebung der Klöster, waren die unsicheren 
politischen Zustände nicht angethan gewesen und das Interim hatte alles wieder 
in Frage gestellt. Jetzt, nachdem der Passauer Vertrag eine grössere Stetig- 
keit der Verhältnisse und mehr Ruhe und Frieden zu verbürgen schien, konnte 
er daran denken, weiter voranzuschreiten und die Anstalt zu Clarenthal ihrem 
Ende entgegenzuführen, ein Ziel, das er von nun an nicht aus den Augen verlor. 

Die Ausführung des gräflichen Gebots verzögerte sich. War die Gefahr 
einer Ansteckung noch nicht geschwunden? Fast sollte man vernmten, dass die 
Furcht vor ihr noch geherrscht habe; hatte doch der Amtmann Moriz v. Bresen 
nach dem Ilaushaltungsbuch im Bichterhaus zu Clarenthal im Sterben gelegen, 
der am 30. April 1554, wie sein Grabstein meldet'-"), wirklich starb, ob infolge 
der „Infection"? Jedenfalls verzögerte sein Tod die Ausführung des gräflichen 
Gebots. Seine Stelle blieb dann geraume Zeit unbesetzt und der Bereiter Hans 
Zeun von Büdingen versah das Amt. So kam es, dass erst am 6. Sept. 1554, 
wenige Tage nach dem Tode der Priorin, der Befehl des Grafen vollzogen wurde. 

„Mittwoch, den 6. September 1554, so lautet eine Aufzeichnung des 
Staatsarchives, hat auf Befehl des Grafen Philipp der Amtsverwalter Hans 
Zeun von Büdingen und der Rentmoister Levin von Havelberg zu Wiesbaden 
alle Siegel und Briefe des Klosters besichtigt und den Inhalt verzeichnet") in 
Gegenwart der Klosterjungfrauen 

1. Marie von Rüdesheim, 

2. Margarethe von Diez, 

3. Margarethe von Camberg, 

4. Else von Würges, 

5. Cordula Echtem, 

6. Margarethe von Eufingen, 

sowie der Hofleute Ilen von Erbenheim und Teysen." 

Betrachten wir zuerst die Namen der Nonnen. Von den Namen des 
Verzeichnisses von 1550 erscheint hier nur einer wieder, der der ^larie, nun- 
mehr als Marie von Rüdesheim. Dass beide, :^[arie von Nassau und Marie 
von Rüdesheim, dieselbe Jungfrau bezeichnen, geht daraus hervor, dass von der 
Nassauerin gesagt wird, sie sei bei dem Tode der Reinbergerin die einzige 



") Ilel wichs Abschrift iioiint ihn Max von Prostoln, doch j,^il. es damals koin^ii .>i11<mi 
und ehrenfesten Mann dieses Namens zu Wiesbaden. 

") Das Staatsarchiv bewahrt dieses Verzeichnis noch heute auf. 



10 

noih zu Chireiirlial verbliebene Sclnvester gewesen.'*) Nach Verlauf von kaum 
acht Tagen — am 6. September — bi'gegnet uns der Name „von Rüdosheim", 
nach noch niciit 14 TuirtMi. am 17.. und bald darauf am 24. September wird 
im Haushaltungsburh wieder Marie Nassauerin genannt; sie steht an diesen 
Tagen, wo sie Stattlmlterin oder Verwalterin lieisst. gerade wie am 6. September 
an der Spitze der Klosterschwestern und ebenso noch bei ihrem Sclieiden aus 
C'larenthal im Jidire löMK wo sie wieder Merg von Küdesheim genannt wird 
und die „akc Aiitoi". d. li. die Zelle der Äbtissin, bewohnt.") 

ich denke, daraus erhi'Ut genugsam, dass die beiden Namen nur eine 
Person bezeiehnen. Sie war schon im Jahre 1550 im Kloster und zwar, da 
sie in dem Verzeichnis zuletzt aufgeführt ist, als jüngste Nonne; da sie allein 
ausgehalten hatte während der Sterbensläuftc, trat sie v(m selbst in die Stelle 
dor Vorsteiieriu ein und behielt dieselbe, auch als die andern Schwestern sich 
wieder einfanden. 

Aber warum der "Wechsel des Namens? Es ist wohl nicht zu bezweifeln, 
dass der eine ihre Herkunft von Ilüdesheim, der andere ihre Abstammung von 
den Nassauern angeben sollte. Bei diesen kann man zunächst an die Grafen- 
familie denken und wird darin bestärkt durch folgenden Umstand. In der 
Kirche des Klosters befanden sich nach dem „luventarium der Ornata und 
Kirchen Cleinott zum Neuen Closter" vom 10. Dezember 1558 u. a. „zwen 
Nassauer Leb", d. h. zwei nassauische Wappen. Diese beiden erbat sich und 
erhielt die Jungfrau Merg bei ihrer Übersiedelung nach Walsdorf im Jahre 1559 
mir anderen Gegenständen von Graf Philipp; sie sind hier als „zwei Nassawer 
Wappen an albeu" verzeichnet. Sie kann das grosse Interesse an ihnen, das 
durch ihre Birre bekundet Avird, doch nur desswegen gehabt haben, weil sie 
sich mit dem Hause Nassau verwandt glaubte. Wenn wir nun von einer 
Marie von Nassau als Mitglied des Grafenhauses in jener Zeit nichts wissen, 
die Genealogen wenigstens davon nichts berichten, so muss entweder ihr Name 
sonst nicht genannt oder bekannt geworden sein, oder wir haben in ihr eine 
Spuria des Hauses zu erblicken, deren Mutter zu Rüdesheim lebte und die 
unter dem Schutze und der Fürsprache ihres Vaters die Aufnahn.e in das 
Kloster erlangte, wie das ja auch sonst vorkam. — Man könnte aber auch die 
Maiie dem Geschlechte der Herrn von Nassau-Spurkenburg zuweisen, das damals 
zu Sonnenberg im Besitze einer Burgmannschaft war und auch zu Wiesbaden 
einen Hof besass; zwei der Faiiiili(! kommen als Amtmänner daselbst vor, 
Jtdiann im Jahre 1532 und Georg im Jahre 1558.-*) Doch hier geraten wir 
wieder in Verlegenheit durch die Bezeichnung „von Rüdeslieim". Es bleibt 
daher vorerst nur ein non liquet für uns übrig. 

A on den Fräulein von Diez, der Cambergerin und den Echtem haben 
wir oben bereits gesprochen; bei der Else von Würges und Margarethe von 

"j Roth, fontes I, 1, 483. 

*') Siehe unten in der Inventarisatioii vom .'>. Fcbninr 1559. 

") Vogel, Annal. II, 3, 31. Junker Johann von Knssau besass nach einem alten Zins- 
rogister des Hos-pitnls u. a. vier Morgen, die dem Junker Winter von Küdesheim (im Hofe der 
Herrn von Wiesbaden, zuletzt der Mahrische Hof in der Kirclignsse geimnnt) gehört hnttoii. 



11 

Eufingon können wir nicht entscheiden, ob sie adeligen Familien, die zu Wiiiges 
und Eiifiiigen angesessen und begütert waren, oder ob bürgerlichem Stande 
angehörten. Über die lieiden Hofleute s. unten in dein Abschnitt 3, S. 20. 
You den sechs Jungfrauen der Liste von 1554 waren also vier, Nu. 2, 
4, ") und 6, nach dem Jahre 1550 in das Kloster eingetreten, eine Thatsache, 
die auch Fichardt in seinem Gutachten au den Grafen bestätigt fs. u.). Von 
der Diezeriu berichtet die Priorin in ihrer Rechnung (s. u. ), dass sie iiir das 
von der Äbtissin bei ihrem Tode (155,')) hinterlassene Geld ausgehändigt habe: 
sie befand sich also zur Zeit der Sterbensläufto schon im Kloster, von den 
drei andern aber dürfen wir getrost annehmen, dass auch sie um diese Zeit 
bereits zu Ciarenthal geweilt haben, ja noch mehr, dass sie v o r dem traurigen 
Ereignisse eingetroffen waren, etwa 1550 — 1552. In jenen Jahren wird also 
die Zahl der Nonnen bis auf zwölf gestiegen sein, von denen eben fünf zur 
Zeit des Sterbendts auswichen und im September 1554 sich wieder einfanden, 
No. 2 — 6 des Verzeichnisses, eine (Marie) Stand hielt, di(! übrigen sechs entweder 
starben oder gleichfalls auswichen, aber ohne wiederzukehren, No. 1 — 6 des 
Yerzeichnisses von 1550. Die Zahl derer, welche der Seuche erlagen, betrug 
also höchstens sechs, allerdings hinreichend gross, um denen, die noch verschont 
waren, die Furcht einzuflössen, dass sie das gleiche Geschick wie die Ver- 
storbenen ereilen möge. 

Die Rückkehr der ausgewichenen Schwestern muss alsbald nach dem Tode 
der Priorin stattgefunden haben. Die Berichte stimmen darin überein, dass 
nur eine Nonne im Kloster verblieben sei; das war am 28. August; die oben 
angeführte Notiz, die Roth, fönt. I, 1, 483 mitteilt (sie ist dem Würzburger 
Archive entnommen), sagt: „1554, 28. August moriente eciam priorissa Margareta 
de Rinberg et unica suporstite moniali Maria de Nassaw cum quatuor sororibus 
servientibus Philippus comes de Nassau per suos officiales omnia documenta. 
census, sigilla etc., claves cciam ad mauus suas recepit." In diesen Worten 
ist nur das nicht zutreffend, dass nicht erwähnt wird, dass bei dem Eingreifen 
Philipps, welches eben die „Besichtigung" der Briefe u. s. w. des Klosters 
am 6. September ist, wieder sechs Jungfrauen anwesend waren. Zwischen 
beiden Tagen, dem 28. August und dem 6. September, muss die Rückkehr 
(U'folgt sein. Der Tod der Priorin nicht weniger als das drohende Vorgehen 
der Grafen, das siclierlicli keiner unter ihnen unbekannt sein konnte, da es 
schon lange beschlossen war, vielleicht auch ein Befehl desselben, dem ihre 
Anwesenheit bei diesem Avichtigen Akte erwünscht sein mochte, alles dies rief 
sie schnell von ihren Zufluchtsstätten zurück. 

Ob die Marie von Nassau die Leitung des Klosters als Statthalterin still- 
schweigend in die Hand genommen als die, welche allein im Kloster geblieben 
war, oder ob sie von dem Convent ernannt wurde, bis die vorgesetzte Behörde 
eine Neubesetzung des Amtes der Äbtissin herbeigeführt hätte, oder ob auch 
hier der Graf eingriff, wird nicht gemeldet. Zur Seite stand ihr die ^largarethc 
von Diez, in deren Beisein sie z. H. am 21. und 24. September 1554 n>ir 
Meister Christmann und Sattler Melchior von Mainz abrechnete. 



12 

Doch die Zalil (Ut JSehwostern sollte noch iiu'hr zusammenschrumpfen: 
am 25. Januar \')'ü schreibt der Graf, es seien ilirer noch fünf anwesend und 
diese fünf wurden endlich im Jahre 15r)8 und 1559 „abgefertigt" oder nach 
Walsdorf verpHanzt; unter ihnen befand sich nicht die Cordula Echter, die ent- 
weder ohne Abfertigung, wie die Fräulein von Erbach ausgetreten oder ge- 
storben war. 

Eine L'bersicht über diese Verhältnisse gibt die folgende Zusammenstelluns:: 





Die Klosterjungfrauen. 




1550, 25. Februar. 


1554, 6. September. 


1. Anna Brendeln, Äb- 


t 1553, 13. Okt 


— 


— 


tissin 








2. Margarethe Reinber- 


t 1554, 28. Aug. 


— 


— 


gerin, Priorin 








3. Agnes von Hattstein 

4. Gueth von Hattstein 

5. Christine von Diez 

6. Marie Kclitor 


vor 1554, 28 Aug. 

gestorben oder 

„ausgewichen", 


— 


— 


7. Marie von Nassau 




1. Marie von Rüdesheim 


bis Januar 1559 






2. Margnrethe von Diez 


bis Januar 1559 


[8. Margareihe Cam- 


nicht examiniert] 


3. Margarethe Cam- 


bis 1558, 30. Juni 


bepgerin 




bergerin 








4. i-^lse von Würges 


bis 1559, 27. Januar 






5. Cordula Echter 


vor 1557, 25. Januar 
ausgeschieden 






6. Margarethe vonEufingcn. 


bis 1559, 27. Januar. 


~ 9. Katharina Schenk von 


— 


— 


— 


Krbach 


vor 1550 aus- 






10. Klisabeth Schenk von 


getreten (?). 








_ Erbach 


^ 







b) Aus dem Haushalt des Klosters von 1550—1554. 

Während wir über die Führung des Haushaltes des Klosters für die frühere 
Zeit nur geringe Kunde haben, da die dürftigen Mitteilungen der Necrologiums 
über Schenkungen und über die Jahrgezeiten unsere einzigen Quellen sind, das 
Ilauslialtungsbuch von 1525—1550 nur trockene Zahlen gibt und die „aller- 
han<lt Register", die das Inventar vom 5. Februar 1559 kennt, sämtlich ver- 
schwunden zu sein scheinen, sind uns für die Jahre 1550 — 1554 mehrere Auf- 
zeichnungen erhalten, die einen Einblick in die Einnahmen und Ausgaben des 
Klosters erlauben, das Hau.shaltungsbuch von 1550 — 1554 und das Rechnungs- 
buch der Priorin während ihrer Amtsverwaltung. 

Jenes ist bis zu ihrem Tode von der Äbtissin selbst geführt worden; 
denn das Jahr 1550 hat die l'berschrift: „in anno L in dem 25 jare meynes 
ampts" und entsprechend in den folgenden Jahren (1551 = 26. Jahr, 1552 = 
27. Jalu-j, ferner spricht sie bisweilen mit „ich", Avie (1,551) am 27. Juli: 
„alöz unsser zwen hern gestorben warn und ich einen boden zu dem provinzial 



13 

schicken iiiost" und das öfter vorkommende „uli rceluieie ab mit. . .". Nach 
ihrem Tode ward es von der Priorin weitergeführt bis in den J [erbst 1554. Jenes 
lässt in Bezug auf Genauigkeit und Vollständigkeit manches zu wünschen übrif, 
indem z. B. die Einnahmen nicht regelmässig, sondern nur vereinzelt aufgeführt, 
die Ausgaben nach Materien (Küchenspeise, Geschenke, Weiubergarbeit u. s. w. ) 
geordnet, dabei aber die Jahre nicht inmier gesondert werden, wodurch ein 
Jahresabschluss, der regelmässig fehlt, unmöglich gemacht oder sehr erschwert 
wird. Trotzdem bietet es eine Fülle von Einzelheiten, aus der wir eine Aus- 
lese geben werden. 

Das Rechnungsbuch der Priorin, welches etwa zehn Monate umfasst, ist 
sorgfältigc^r geführt; es sondert Einnahmen und Ausgaben, zieht die Summen 
von jenen zu einem Gesamtresultat, von diesen wenigstens für die einzelnen 
Seiten bis zum Anfang des Juli 1554 zusammen und ordnet die Ausgaben meist 
genau nach der Zeitfolge. Wir legen es daher für die Einnahmen zu Grunde 
und ergänzen die fehlenden zwei Monate, um die Gesamteinnahme eines Jahres 
zu gewinnen, durch den verhältnismässigen Betrag derselben. Die Über- 
schrift des Eechuungsbuchs lautet : „Innom und ussgabe d u r c h m i c h 
Margarethe ßeinbergerin zu Ciareuthal nach Absterben der Alten Frau Äbtissin 
sei. gescheen. " Daraus erkennen wir, dass auch sie selbst hier die Feder 
geführt hat. 



1. Die Einnahmen der Priorin vom 25. Oktober 1553 

bis Ende Auffust 1554. 



Die Gesamteinnahmen der zehn Monate der Priorin ergeben die Summe 
von c. 360 Fl. 12 Alb. Wir können sie nur annäherungsweise angeben, sie 
mag eher etwas höher anzusetzen sein, da der Wert des Thalers, der bei 
einigen Posten vorkommt, nicht bestimmt werden kann ; nach einer Stelle 
werden 4 Thaler = 5 Fl. 4 Alb., also einer = 1 Fl. 7 Alb. gesetzt, an einer 
andern kosten 2 Malter einen Thaler, die nach dem gewöhnlichen Preise mit 
2 X -^'^ Alb. = 2 Fl. 2 Alb. bezahlt werden. Von den genannten 360 Fl. 
12 Alb. müssen wir aber abrechnen die 48 Fl., welche die Äbtissin hinter- 
lassen hatte, es bleiben also 312 Fl. 12 Alb. als Gesamteinnahme übrig, und 
rechnen wir den verhältnismässigen Betrag für die zwei fehlenden Monate 
= c. 62 Fl. hinzu, so ergibt sich eine Jahreseinnahme von c. 374 Fl. Das 
ist in unsern Augen eine sehr geringe Summe, erscheint aber in einem andern 
Lichte, wenn man bedenkt, dass der Geldwert damals ein ganz andrer war, 
als man ein Malter Korn für 25 Alb. und ein Pfund Fleisch für 5 — 7 Pfennige 
kaufen konnte, das Kloster aber vieles, was zum Leben nötig war, z. B. Fleisch, 
Brod, Butter und Wein, von seinen zwei Höfen beziehen konnte und aucli 
Schenkungen von Korn und Geld zu Zeiten ihm zuflössen. 

Da die Art der Einnahmen nicht ohne Interesse ist, so lassen wir dieselben 
hier folgen, wobei wir die lateinischen Zahlangaben des Originals mit unseren 
Ziffern wiedergeben. 



14 

1. «Vun inyntT Erw. Frau inutor eptissin sei. verlassen gellt empfangen 
48 Fl. C'onv. gelt, empfangen von Margareten von Dietz, hat min erw. Frau 
muter eptissin sei. verlassen.'* 

2. „Awgelt (Ertrag tler Au des Klosters bei JJiebrieh). 43 Fl. 18 Alb. 
awgelt von Cleiss wirt zu Biberig empfangen uf Oster Montag, mit Im ge- 
rechnet von wegen unser Awen, uml ist v^n dem Jar fiinfft/ig drie unsz nichts 

mehr schuldig." 

8. Uss woll o-eleist. G8 Fl. vcm Arnolt Ingenommen .... so diss 53 Jor 
ine und zur Armen liue gefallen." im .lahre 1552 erlöste man aus AV(dle 83 Fl. 

4. „Leibfall. C Fl. leibfall von wegen das Apts zu Erbach . . . uf 

Soutag omnis terra." 

Hieizu fügen wir folgende Erläuterungen: 1. Leibfall ist eigentlich der 
I Unfall der persönlichen, namentlich der Besitzrechto eines Leibeigenen bei 
seinem Ai)leben und die Abgabe, die seine Angehörigen für i'bertragung 
solcher Hechte auf sich andern Herrn zu entrichten hatten. Deutsches AVörter- 
bueh Yl, 598. Hier bezieht sich der Leibfall auf das Verhältnis des Klosters 
Eberbach zu Clarenthal. Eberbach musste nämlich früher bei dem Tode eines 
Abtes wegen seiner Besitzungen zu Mosbach zwei Besthäupter an Clarenthal 
abgeben. Im Jahre 1433 aber trafen beide Klöster das Abkommen, dass Eberbach 
dafür bei dem Tode eines Abtes künftig sechs Goldgulden entrichten solle. 
B odman n S. 12. Ein Copiar im St. -Archive sagt: „Item so eyn apt gestorben 
zu Erpach, 8al er dem Convendt geben 6 Goltgulden vor ein besthaupt, Sal 
im die eptissen quetiren." Das Formular einer solchen (Quittung ist dabei 
erhalten. — 2. Am 14. September 1553 war der Eberbacher Abt Andreas von 
Küblenz gestorben; das Kloster kam also an dem Sonntag omnis terra seiner 
Verpflichtung nach. — • 3. Dieser Sonntag omnis terra hatte seinen Namen von 
dem Anfange der Messe des Tages : er war der zweite Sonntag nach Epi[)hania, 
der im Jahre 1554 auf den 14. Januar tiel. 

5. ^1272 Fl. von Hennen dem meister emjjfangen uf gemelten tag." 
fber den Meister Hennen s. unten in Abschnitt 3, S. 20. Wofür diese Summe 
gezahlt wurde, wird nicht gesagt. 

Als Summe dieser fünf Posten ist angegeben der Betrag von 188 Fl. 
6 Alb., sie beläuft sich aber nur auf 178 Fl. 6 Alb. ; es muss also irgend ein 
Irrtum untergelaufen sein, indem entweder ein Fehler in der Addition gemacht 
wurde oder ein oder mehrere Posten unrichtig angesetzt sind. So leicht der 
erste Fall bei Anwendung der lateinischen Zahlzeichen vorkommen konnte und 
auch vorgekommen ist, wie einzelne Nachprüfungen bewiesen haben, so scheint 
doch hier der zweite Fall vorzuliegen. In Xo. 1 nämlich ist allem Anschein 
nach dem LVIII .später, wie die Schrift zu schliessen erlaubt, ein X vorgesetzt 
und dadurch die Zahl um zehn veriniudert worden; das muss erst nach ge- 
Hcheln-ner Addition stattgefunden haben; die Priorin vergass dab(>i das Ergebnis 
ihrer früheren Addition zu ändern. AVir haben für unsere Berechnung den 
Ff'hlcr berichtigt. 

G. Aus Vieh wurden erlöst. 1. „15 Fl. (>mpfangeii \<tn Hennen von wegen 
Jeckel metzger zu AVisbaden, dem wir den Ochsen verkauft, und ist noch ganz 



schuldig- 7 Fl. myncr 2 Alb. (= G Fl. 22 All).), empfangen auf Ostor Mittwoch«; 
2. „3V2 Fl. 2 Alb. (= 3 Fl. 14 Alb.) für 1 Saw von Kaps Hansen em- 
pfangen"; '.). „4 Fl. für 1 Saw, hat Jlans Krvv uf seines Vettern hochzeit 
kaufit", zusamiucii „22'/2 Fl. 2 Alb." (22 Fl. 14 Alb.) 

7. Aus AVolle wurden weiter erlöst am S. Annentag den 27. Juli ir)r)4 
f) Fl., 9 Alb.; „des hat Arnolt (von Sonnenberg) 2 Fl. iubohulten alt schuldt 
lutt der ussgab." 

8. Als Pachtgelder sind vier Posten aufgefühi-t, aus denen wir folgendes 
auslieben: 1. .')'/2 Fl. von Meckels Hansen /u Mossbach empfangen wegen 
seiner Pacht und Wiesen ; ist noch schuldig 6 Fl. ; auf Ostern-Mittwoch ; 
2. 11 Fl. 1 Ort (= 74 Gulden) von Pacht /u Dotzheim auf Lichtmess; 3. 4 Fl. 
13 '/2 Alb. Dotzheimer Pacht Donnerstag nach Oculi (1. März); das andere, 
7 Fl., ist „mir" Margrcdt noch schuldig; 4. 4 Fl. Pacht von Michels Peter zu 
Mosbach Freitag nach Quasimodo (6. April); zusamnu^n .,22 Fl. 23 Alb." 

9. Für verkauftes Korn und Weizen wurde eingenommen im Ganzen der 
Betrag von ca. 34 Fl. 7 Alb. ; er verteilt sich auf acht Posten, von denen 
der erste auf Mittwoch vor corp. Christi (31. Mai), der letzte auf Margarethen- 
tag (13. Juli) einging; ein Malter Korn ist mit 24, 25 und 20 Alb. bezahlt 
worden, einmal 2 Malter mit einem Thaler, 12 Malter Weizen mit 15 Fl. 

7 Alb, ; 12^/2 Fl. sind von der Armen Kühe eingegangen, ebenso wohl auch 
das Geld für Weizen; denn der Hofmann derselben kaufte dafür verschiedene 
Fische, Käse, Oliven u. a. 

10. Die Einnahme von „Zinsgcld" betrug im Ganzen 97 Fl., 1 Alb. 
Davon zahlte Hans Krug auf Thomae erst (21. Dezember) 1553 22 Fl. auf 
Sonntag nach Thomae (23. Dezember) 5 FL, 4 Alb. und auf Yincula Petri 
(1. August) 1554 22 Fl. ; nähere Angabe fehlt; von Wentzen Hansen zu 
Mossbach gingen auf S. Marxtag (S. Marcus, 25. April) 4 Fl. für eine Wiese 
ein. Die drei folgenden Posten bedürfen einer längeren Begründung. Zunächst 
erhielt die Priorin „20 Fl. Zinsz vom 5.'). Jor von Herr Johann Pastor zu 
Reinbellen uf unserr Herrn Offartstag (Ascensio dom. = 3. Mai)"; in den Aus- 
gaben heisst es: „Item hab ich Peter von Dotzheim uf h. Himelfartstag geben 

8 Alb., als er mir das gelt bei dem Pastor Reinbelleu holt." ^lit diesen 
20 Fl. hat es folgen Bewandtnis. Im Jahre 1355 am 17. Dezember schenkte 
der Pfalzgraf ßuprecht, seine Mutter Mechtild, Tochter des Königs Adolf, und 
die damalige Äbtissin von Clarenthal Agnes von Nassau ehrend und zum ewigen 
Gedächtnis seiner Mutter und seiner Vorfahren das Patronat von Rheinböllen 
bei Bacharach dem Kloster Clarenthal und sowohl der Erzbischof Gerlach von 
Mainz als Ruprecht der Jüngere bestätigten diese Schenkung, 1356 und 1360. 
Als später die entfernte Pfarrei dem Kloster lästig wurde, veräusserte es sie 
an den Pfalzgrafen Friedrich, worüber eine Urkunde vom 28. Februar 1455 
vorliegt, behielt indessen gewisse Rechte. Über dieselben erhob sich etwa 
zwanzig Jahre nachher ein Streit zwischen dem Kloster und dem Pfarrer des 
Ortes Peter Schluch, den als Schiedsrichter Adolf von Breithart, Schulmeister, 
und Wolfgang von Nellenburg, Sänger uns. 1. Fr. zu den Greden in Mainz, 
dahin cutschieden, dass der Zehnte dem Kloster gehihv. Derselbe muss zu 



IG 

20 Fl. verauschlagt wurden sein oder soviel ergeben haben. Mit dem Pfarrer 
Scbluch stellte sieh, wie es scheint, das gute Verhältnis wieder her, denn nach 
dem Neerologiuni, 18. September, wurde ihm, dem venerabilis dominus Petrus 
Scbluch, plebauus zu Reiubulde, ein Anniversarium angeordnet; er hatte dem 
Convente ein silbernes vergoldetes Kreuz verehrt, das noch im Jahre 1558 
vorhanden war und zu den Kleinodien des Klosters gehörte. 

Die zwei letzten Pusten betreffen die Stadt Wiesbaden, welche am 
1. Augu>t 1438 ein Kapital von 250 Fl., am 28. October 1486 ein solches von 
200 Fl. von dem Kloster gekauft hatte, jenes für jährliche 13 Fl., dieses für 
jährliche 10 Fl. Die JUirgermeisterrechnung vom Jahre 1524 verzeichnet dem 
entsprechend als Ausgabe zum Neuen Kloster 12 Goldgulden zu 26 Alb. = 
13 Fl. und in gleicher Weise 10 Goldgulden zu 26 Alb. = 10 Fl. 20 Alb. 
Die Priorin gibt als Einnahme von Wiesbaden an am Dienstag nach dem neuen 
Jahre 10 Fl. zu 26 Alb. „zu der Brendeln Jarzeit"-'*) und 13 Fl. an Kiliani 
den i). Juli-.*") 

2. Die Ausgaben des Klosters. 

In Bezug auf die Ausgaben sind wir weniger gut gestellt als bei den Ein- 
nahmen. Die Priorin hat zwar ziemlich genaue Rechnung geführt; nur manchmal 
ist eine vergessene Au.sgabe an unrichtiger Stelle nachgeholt, auch die Tage, 
wenn sie neben dem Kalenderlieiligen unsere Datierung durch Abzählen angibt, 
sind nicht immer richtig bezeichnet, wie wir schon zu bemerken Gelegenheit 
hatten ; einmal schreibt sie bei dem Einkauf von Karpfen in naiver Weise : 
„was sie kosten, weiss ich nit". Aber, was die Hauptsache ist, der Abschluss 
fehlt, da sie mitten aus ihrer Thätigkcit herausgerissen wurde. Die Gesamt- 
ausgabe ihrer zehn Monate beträgt ca. 293 Fl., so dass sie bei ihrem Tode 
noch ca. 07 FI. in der Kasse hinterliess. Blieben die Ausgaben während der 
folgenden zwei Monate in gleichem Verhältnis, so würden sie ca. 350 Fl. be- 
tragen, also ein Überschuss von ca. 70 Fl. sich ergeben haben. 

So günstii; scheint es in den letzten der vorhergehenden Jahre niemals 
gestanden zu haben. So wenig wir auch die Gesamtausgaben eines derselben 
übersehen können, so erkennen wir doch so viel, dass bisweilen grosse Ebbe 
in der Kasse herrschte. Das erhellt daraus, dass die Äbtissin Anna bisweilen 
ein Anlehen bei einer Schwester machte oder Forderungen für geleistete Dienste 
und Arbeit durch Teilzahlungen oder Naturalien, Korn, ]\[ehl u. a., l>efriedigt. 
Zwei Beispiele mögen zum Beweis des Gesagten genügen. Am Andreastage 
(30. Novemer) 1550 entlieh sie von der Agnes Hattstein 4 Tlialer, erstattete 
sie ihr alier erst in <ler AN'oche von (Juasimodogeniti (5. — 11. April) 1551 
wi<!der zurück. Dienstag nach Pfingsten 1550 (27. Mai) rechnete sie mit dem 
Schmiede Adam zu Wiesbaden ab; die Forderune: desselben betrug: — ohne 



**) "NVnruiii zu der Breiidolii Jahrgezeiti' Gemeint ist das Jahrgezeit der Hebelgin 
Urondeln, da« in der Fastenzeit gehalten werden sollte. S. Necrolog, 6. Januar. Mit der Stadt 
«tand das Kloster durch Ilcbolgin nur dadurcli in Heziehung, daßs diese dem Convent zehn 
ewigo Gulden zu Wiesbaden gegeben hatte. 

*") Kilimist.'iL,' ist al)cr <ior M. .Juli. 



r 



den Jahreslohn von 7 Fl., 1 Malter Korn und einem Wao-cn Uolz — 22 Fl. 
16 Alb. ; dafür erhielt er zunächst 5 Fl. 19 Alb. in Korn und Mehl, dann 
6 Fl. und erst auf S. Andreas den Rest. 

Es kann natürli(Oi n'u'lit unsere Aljsirlit sein dii; Aus^ulxn des Klosters 
bis ins Einzclnt- hinein zu verfolgen; es niuss genügen nur soviel heraus zu 
heben und zusauunenzustelleu, als nötig ist, um die Zustände und das Leben zu 
Clarenthal, soweit es aus den dürren Angaben einer Rechnung möglich ist, zu 
erkennen. 

Eine hervorragende Rolle sjuelten die Geistlichen, der Richter oder 
Bichti"'er und der Kaplan, welcher die Messe hielt. Jenem wurdt; im Jahre 1550 
und 1551 zum neuen Jahr jedesmal ein Thaler, diesem ein halber Thaler ge- 
geben. Als die „zwen Herrn" im Jahre 1551 gestorben waren, der Richter 
Johann Clee an S. Medardustag (8. Juni), der andere wenig nachher, befanden 
sich die Nonnen längere Zeit in grosser Verlegenheit. Sie wandten sich zwar 
alsbald — am Sonntag nach S. Annatag, dem 2. August - - an den Ordens- 
provinzial mit der Bitte, dass er für Nachfolger der beiden Herren sorgen möge 
und, als dies erfolglos blieb, abermals am 2. März des folgenden Jahres ; beide 
Sendungen kosteten die erste 4 Fl., die zweite 8 Thaler Botenlohn („zu zerung"). 
Wann neue „Herrn" ankamen, wissen wir nicht, aber die Angaben des Haus- 
haltungsbuches belehren uns, wie sehr man sich behelfen musste, da die Regel 
eine bestimmte Anzahl geistlicher Übungen vorschrieb; so sollten die Nonnen 
nach der ältesten Anordnung vom Jahre 1220 in jedem Jahre zwölf mal beichten 
und sechsmal kommunizieren. Man musste sich einstweilen mit fremden Geist- 
lichen aus Mainz behelfen. „Zum guten Jahre" 1552 erhielt der Richter einen 
Thaler, der Kaplan zu Mainz, der „uns hie mess gethan, als wir keinen Kaplan 
haben", einen halben Thaler, der Bichter, als er hinwegzog, nachdem er 
15 AVochen da gewesen war, Montag nach Estomihi (28. Februar) einen Thaler, 
ein andrer von Mainz für einen Besuch auf Pauli Bekehrung {2':). Januar) 
einen halben Thaler, Herr Heinrich von Mainz, der auf Weihnachten und an 
vier Tagen Messe gethan hatte, einen Thaler, ein Bichter von Mainz am 
3. April (Judica) einen halben Thaler, weil er die Nonnen, Herr Jost. nach 
dem er das Gesinde berichtet (sie mit dem Sakramente versehen), am Oster- 
dienstag ebensoviel, und nochmals im Laufe des Jahres den gleichen Betrag, 
Aveil er „den Nonnen gedient hatte"; am Anfang des Jahres 1553 verzeichnet 
die Äbtissin vier Thaler dem Bichter, am 3. März 1554 die Priorin 9 Fl. 
als dessen Lohn für das Jahr 1553, am 13. März 1554 für den Herrn Kaplan 
Johann 4 Fl. als „sines lones" und endlich am 29. März dem Bichtiger 2'/2 Fl. 
„zur Zehrung in seine Heinuit". 

Der Hofmeister ging gleichfalls am Neujahrstage nicht leer aus ; er bekam 
„zum guten Jahr" einen halben, seine Frau einen Drittelthaler, eine dritte 
Person, deren Verhältnis nicht näher angegeben ist, fünf Albus. Desgleichen 
wurde dem Hofmeister Theis auf der Armen Ruhe von Convents wegen eiu 
Neujahrsgeschenk genuicht. Im Jahre 1550 kaufte die Äbtissin u. a. 15\'2 Ellen 
„wirken" Tuch für das Gesinde und auf des Meisters Tisch zu Brodtücheru 

2 



18 

für 32 Alb. iiml gub lr):>2 doni Meister und seiner Frau G Fl., dass sie sich 
sollen kleiden. 

Gehen ^vir /.u aiuK-rn Personen über, die mit dem Kloster in naher Be- 
ziehung standen, so gab die Äbtissin im Jahre 1550 den vier Förstern zu 
Wiesbaden 4 Thaler ^vor unser schaf, dass mir (sie) sie /u waldo dryben 
möchten, darumb habe ich Sie in geschenkt, dan mir liaben iss nit macht, 
dan habe iih mich mir in verdragen, sonst werden mir von den Wehern furstern 
auch irepandei. ich schrib diss zu eym gedechtnuss.'* 

Denselben lierrag gab die Priorin im Sommer 1554 („tut 5 Fl. 4 Alb."), 
dazu Maigeld den Förstern von Wiesbaden und Wehen U und 18 Alb., dem 
Schuhheiss auf PHngstabend als Pfingstrecht einen Thaler, den Schützen, „wie 
man ihnen alle Jahr geben nniss", ebensoviel. — Der Zehentknecht Peter 
erhielt 1551 einen Tlialer für die Knechte in der Ernte und wenn man ihnen 
Wein geben nuiss, etwa täglich eine Mass, „dass sie keinen Wein borgen bei 
den Wirtheu. wie sie denn gethan haben, dass die Äbtissin dick 4 Fl. den 
Wirthen zu Erbenheim bezahlen musste." Etwas später, am Freitag nach 
u. 1. Fr. Geburt (11. September) erhielt der Zehentknecht Philips, der 18 Tage 
des Zehntens gewartet hatte, bei der Abrechnung 2 Fl. 15 Alb. 

Als Schätzung zahlte das Kloster im Jahre 1551 am 8. August 12 Fl., für 
155-'> verlangte nuin 17 FL. doch wurde diese Summe durch den Einfluss des 
(Jrafen auf <l Fl. ermässigt. In einem Rechtsstreit, den das Kloster wegen 
einer Wiese mit dem Herrn von Geispitzheim") hatte, zog es Doktoren (im-is, 
wohl aus Mainz) zu Rat; welches Honorar diese forderten, ist nicht deutlich, 
da es mit andern Ausgaben zusammengefasst ist; auch die andern Kosten in 
dieser Sache, gemeinsame Verhandlungen, Botenlohn u. s. w. scheinen nicht 
alle verzeichnet. 

Auch einen Arzt, aber nicht einen Dr. med. erwähnt die Priorin im 
März 1554; Meister Andres oder Endres Scherer zu Wiesbaden heilte damals 
des Klosterbäckers Buben und erhielt als Honorar 8 Albus. Die Scherer, 
eiffentlich Bartscherer. tonsores, waren vielfach zugleich ^^'uudärzte und in 
Bädern beschäftigt, da man gern im Bade zur Ader Hess; daher sehen wir sie 
nicht selten im Besitze von Badhäusern. Das scheint bei unserm Scherer nun 
nicht der Fall gewesen zu sein; denn des Scherers Endres Erben wohnten im 
Jahre 1555 (er selbst war also mittlerweile gestorben) nach einer Bürgerliste 
in der hiesigen Grabenstrasse, er übte also sein Gewerbe in fremden Häusern 
und war daneben auch anderwärts Heilkünstler. 

Sti-afen wegen Vergehens gegen die Feldpolizei musste das Kloster zahlen, 
weil die Schäfer Nüsse aufgehoben hatten; sie; wurden von den Schützen 
„geruwct", d. h. in einer der drei oder vier Rügen der Schützen angezeigt und 
zur Strafe gezogen. 

Der Dechant u. 1. Fi. zu l-'rankfurt erhielt jährlich 16 Fl. Zinsen für 
«■ine Schuld von 400 Fl., die Äbtissin von S. Clara zu Mainz mehrmals 



") Damals HcMitzcr dos Hofes <ltr lltMiii \oii Wiesbaden. 



10 



4 Thaler; jene SchiiUl tilgte der (<raf sofort, nachdem er in d(!n vollen Besitz 



des Klosters gelangt ^var. 



Gehen wir nunmehr zu dem Gesinde des Klosters über, so müssen wir 
bedauern eine genaue Übersicht über die Personen und Ti(ilinv(!rliältnisse nicht 
zu gewinnen Unter den PiM-sdiicii wii-d nicht unterschieden, welchem der beiden 
Höfe des Klosters sie angehörtiui, und die Lühne werden meist in Teilzahlungen. 
Ilestlieträgen oder auf l\,e(;hnung (ungeschrieben. Es werdim g(^nannt ein Olier- 
knecht, JJuben und Viohbuben, Mägde und Viehmägde, Schäfer und ihre Buben, 
Bäcker und Bäckerbuben, Küchenbuben, der Sauhans. 

Klarer sehen wir in die Verhältnisse der im Dienst des Klosters stehenden 
Arbeiter: die zwei Strohschneider zu Bierstadt waren im Jahre 1550 gedingt zu 
6 Fl. und 2 Malter K(n-n; die Kornschneider zu 18 Fl. und soll man ihnen Bier 
geben und keinen Wein, wenn aber das Korn abg(!schnitten ist, sollen sie 
74 Wein erhalten; die Gras- und Hafermähder bekommen lö^i Fl., die Jleu- 
mähdor 7 Fl., die Drescher 5 Fl. 8 Alb,, die Schafscherer 12 Batzen und die 
Fraucni, welche die Schafe zu wasclien helfen, 3 Alb. Dazu treten Leute, welche 
Mist tragen und streuen, und mancherlei Taglöhner; dem Gelzenleuchter gab 
man 1550 einen Gulden. 

Höchst bedeutsam sind die Mitteilungen über die Thätigkeit der Wingertleute, 
zumal da wir aus einer derselben die Lage eines AVeinberges erfahren. Wir 
folgen hier wieder der Rechnung der Priorin und ihrer Fortsetzung. Nachdem 
im Frühjahr 7 Fl. und dann 5 Fl. 7 Alb. auf die Arbeiten in den Wein- 
bergen verwendet worden waren, erhielten im Mai Frauen, welche die Heben 
gebogen hatten, 3V2 Alb., im Juni vier Frauen für das Heften (Binden) der 
Wingerte einen Gulden und endlich am 14. Oktober die Leser in dem Wein- 
berg, genannt die Geisheck, 2 Fl. 2 ^. Wir erkennen hieraus, dass die 
Zeit der Lese im Jahre 1554 der Anfang des Oktober war, und fiudcui die 
Nachricht, die Schenck S. 406 mitteilt, dass das Kloster in dem Distrikte 
Geisheck einen Weinberg angelegt habe, vollauf bestätigt. Hier war ehemals 
ein Gebüsch gewesen, ein „husche" = Gesträuch oder Gehölz im Gegensatz 
zu dem eigentlichen Walde, welches die Grafen Gerlach und seine Söhne 
Adolf und Johann dem Kloster im Jahre 1347 geschenkt hatten; Graf Adolf 
erlaubte dann im Jahre 1349 seiner Schwester'-) und dem Convent das Rod 
zu roden. Diese oder ihre Nachfolgerinnen benutzten die ihnen gegebene 
Freiheit, indem sie das Land urbar machten. Der Weinberg bestand noch zur 
Zeit des 30jährigen Krieges''), zu Schencks Zeit waren nur noch Si)uren 
von ihm zu sehen. 

Natürlich waren auf den Klosterhöfen manclietlei Handwerker, meist aus 
Wiesbaden, doch auch von Mainz, Leieudecker (Dach- oder Schieferdecker), 
Schlosser, Schmiede, Sattler, Wagner u. s. w. beschäftigt; Waren und Lebens- 
mittel kaufte man an den genannten beiden Orten. 



»•-) Es war dies offenbar die Äbtissin Katharina, die im .lalue 134S nielirnials in 

Urkunden vorkommt. 

»ä) „Extract aus den Clarentlialer Hospitalrechnungen a. 1631." Vori,'!. 

Ende des Inventars. 



o* 



20 

Zuletzt werfeil wir einen Blick auf die Mahlzeiten. Ohne Zweifel lieferten 
die Kofi' des Klosters vieles, wie Jirod und Geniüt'e, aber z. B. Butter und 
Wein wurde nirht in genügender Menge gewonnen. Käse kaufte man zentner- 
weise, wie einmal zwei Zentner zu S Fl. 5 Alb. Am iiäuügsten erscheinen 
Ausgaben für Fische, da die Fastengebute sich über einen langen Zeitraum 
erstreckten, von dem nur einzelne Tage ausgenomnu>n waren. Hier begegnen 
uns vielerlei Arten von Fischen, Stockfische, Bückinge, Karpfen, Blattisen 
(Phitteiseu), selten Salme, desto häutiger Pläringe, die man tonnenweise bezog. 

— i'ber tlen Verbrauch von Fleisch gibt die Rechnung des Metzgers am 
Mittwoch nach Peter und Paul l').")! eine Vorstellung: or hatte von Ostern bis 
zum Johannistage für IT Fl. lU '/■.• Alb. Fleisch gt'liefert und für die Kirch- 
weih l.')r>4 wurden lM Pfund Rindfleisch für nötig befunden — und dabei 
mochte auch manches von dem eigenen Besitz verzehrt werden. — An zwei 
Festen, zu (Astern und auf der Kirch weih, wurden Kuchen in grosser Auzalil 

— ,.s werden mehrmals 19 Fladen genannt — gekauft, dabei fehlte es nicht 
an (rewürzen. Rosinen, Muskatblume, Oliven, Feigen u. a. Wie gross der 
Vorrat an Wein im Keller war, zeigt die Inventarisation vom Jahre 1559; sie 
nennt S Fuder = 48 Ohm. 

Über die Ausstattung der Zimmer und das Bottwerk vgl. die unten mit- 
geteilten Berichte. 

Aus allem geht hervor, dass sich die Klosterjungfraucn durchaus nicht 
streng an die harten Regeln der älteren Zeit hielten, die bereits mancherlei 
Milderungen im Laufe der Zeit erfahren hatten. Jedenfalls ernteten die 
Scliwestern von dem Weilibischof das Lob, dass sie sich gut und wolil liiolton ; 
oder hatte die frugale Fastennuihlzeit sein Urteil bestochen? 

."). i'ber den Viehbestand des Klosters im Jahre L554 

belehren uns zwei Verzeichnisse, die alsbald, nachdem der Graf die Verwaltung 
des Klosters in die Hand genommen hatte, am 13. September und 18. Oktober 
aufgenommen wurden. In eigener Bewirtschaftung hatte damals das Kloster 
zwei Jlöfe. den zu Clarenthal und den zu der Armen Ruhe bei Biebrich. Auf 
jedem derselben hatte es einen Hofmeister oder Meister, Hen von Erbenheim 
zu Clarenthal. Theiss (Deis, Teis) auf der Armen Ruhe; sie vermittcdten aber 
auch oft den V(;rkejir der Äbtissin mit der Aussenwelt, nahmen eingehende 
(ielder in Kmjifang und besorgten Einkäufe und Zahlungen, waren überhau])t 
wichtige Personen für das Kloster, weshalb sie auch wie die Goistliclien mit 
Neujahrsg(!S(d>enk(!n bedacht wurden. So finden wir sie aucli zu der Besiclitigung 
(b-r Briefe und Dokumente des Klosters zugezogen und sie sind bei der Vieh- 
zählung als gi'genwärtig zu denken, wie die zweite andeutet. Bei der (U'sten 
fehlt der Nanu- des Jlofes, bei der zwcuten wird in der Fberschrift das neue 
Kloster genannt, daher wir für die erste die Arme Ruhe voraussetzen. 

1. Viehstand des Klosters, 13. September 1554. 
Item iin sawe vige gezelt gross iiihI klein sechtzigk und eyn saw, darunter 

23 ijrrjlier s;iwe. 



21 

item ;iii riiidtvi^^c XXII stuck iiml vioi st. kclInT, 

Item Schott' f^ezclt junge und alt(! vierhundert secht/.igk eyn stuek. dur- 
unter dei- Kneclit. Xotii: der Itzige Schaff'er Kneelit hatt X stuck 
line zustendig-. 

Item viel' \v;ig'en pterde. 

Item zwey moln pf'erde. 

Item eyn tiln von tzweien joren. 

2. Dem XVIII. October ir)54. 

New Closter das vihc gezalt. 
Item IX st. gelle vihe (gelte = sterilis). 
Item XVII Melke kuhe. 
Item VII jerlinge Kelber. 
Item VII st. von zweyen Jahren Jlindtfylie. 
Item VI st. mastvehe und VIII Kelber. 

Item II£: weyuiger 1 stuck an Schaff' vihe, darunter der Knecht. 
Item I^ XV st. an Saw vihe gross und klein, wie sie der Maister selbst 

zaitt hatt. 
Item AVagen und Pferde. 

Danach besass das Kloster an Schafen, wenn wir auch bei denn zweiten 
Verzeichnis für den Knecht zehn Stück rechnen, etwa 640 Stück, an Schweinen 1 76. 
an Rindvieh im Ganzen 80 Stück, dazu Wagen und Pferde auf beiden Höfen. 

c) Die Auflösung des Klosters 1554—1559. 

Von dem Zeitpunkte au, wo die von dem Grafen am 12. Dezember 1553 
angeordneten Massregelu ruchbar geworden sein mochten und droheten. beginnen 
die Versuche der Hüter der alten Ordnung geregelte Zustände zu Chireuthal 
wieder herzustellen und dadurch den Fortbestand des Klosters zu sichern: sic^ 
gingen von drei Seiten aus, dem Ordensproviuzial, dem Convent zu Olarenthal 
selbst und dem Erzbischofe von Mainz, und betrafen die Wahl einer Äbtissin, 
die Aufnahme neuer Mitglieder und das ganze Verhältnis des Klosters zu dem 
(frafen, waren aber von gleicher Erfolglosigkeit. 

1. Die Wahl einer Äbtissin herbeizuführen und zu leiten war Sache des 
Provinzials. Bruder Heinrich Stollcisen, damals (seit 1545 bis 1556)'") Bar- 
füsser-Ordensprovinzial in oberen deutschen Landen, richtete, noch ehe er den 
Tod der Priorin erfahren haben konnte, an demselben 6. September, als die 
gräflichen Beamten die Briefe des Klosters besichtigten, an den Amtmann zu 
„Weisbaden" ein Schreiben des Inhalts, er habe eine Statthalterin aus dem 
Convent zu Speier für Ciarenthal konfirmiert, die bis zur Wahl einer Äbtissin 
dem Kloster vorstehen solle. Eine Antwort auf dieses Schreiben ist nicht 
erhalten, aber die konfirmierte Statthalterin fand keine Aufnahme. — Nach 
länger als Jahresfrist, am 5. Januar 1556, meldet Friedrich Hund von Saul- 



ä») P^ubel, Geschichte der oberdeutschen Minoritcn-Proviiiz 8. 167. 



hi'im (U-r Ältere dem Grafen, die geistliehe Obrigkeit wolle seine Tochter 
Clara. Jungfrau im Kloster zu dem alten Münster in Mainz, zu einer Äbtissin 
von Ciareuthal verordnen; dieweil dazu seine Yerwilligung erforderlich sei und 
er ohne Yurwisseu des Grafen keine Lust habe sie zu geben, fragt er um seine 
Meinung. Audi hier vermissen wir die Autwort, die nicht aufmunternd ge- 
wesen sein wird, da Clara nicht als Äbtissin erscheint. Der IS'achfolger Stoll- 
eisens. Ki.nrad Ludescher, scheint die Saclie nicht weiter verfolgt zu haben. 
1'. \)a< Kluster selbst fühlte sich von der geringen Zahl der Schwestern 
am meisten unbefriedigt. Es wandte sich zweimal im Laufe des Jahres 1555 
deswegen an den Grafen; wir geben den Inhalt der ersten Bittschrift (vom 
L"). März) kurz wieder. Der Graf wisse, wie das Kloster mit so wenig Personen 
begabt sei. dass sie, wie von Alters beschehen, ihre Bräuche mit Singen und 
anderem im Ciior nicht vollenden könnten, dazu sei keine unter ihnen, die 
etwas schreiben möge; sie wüssten aber, dass eine Jungfrau zu Mainz im 
Kloster zu St. Clara sei, die ihrem Orden angehöre und die solches mit Singen 
und Schreiben versehen kcinne; sie seien aber nicht gemeint oline Vorwissen 
und gnädige Verwilliguug des Grafen, jemand aufzunehmen, bäten also um 
Erlaubnis diese Person aufzunehmen, damit sie das Kloster in "Würden und 
Ehren, wie es vormals gewesen ist, haben mögen. Die zweite Bittschrift ist 
vom 14. September: hier findet sich ihr Gesuch also begründet: „Da das 
Kloster niemand ohne das Yorwissen des Grafen aufnehmen dürfe und 
wolle"". Philipp blieb für die Bitten der Jungfrauen taub. 

i). Endlich ergriff der Erzbischof von Mainz am 29. März 1556 das AYort, 
Auf den Erzbischof Sebastian von Heusenstamm, der, wie es scheint, der Sache 
ihren Lauf gelassen hatte, war am 18. April 1555 Daniel Brendel von Hom- 
burg gefolgt. Er brachte als Glied der Familie, welcher die letzte Äbtissin 
Ciarenthals und fünf Klosterjungfrauen angehört hatten (s. oben), der Anstalt 
ein grösseres Interesse entgegen und beschloss hier einzuschreiten. In einem 
Schreiben von dem genannten Tage beklagt er sich darüber, dass schon geraume 
Zeit das Kloster einer Äbtissin entbehre und die Conventualen, die Willens 
.seien eine neue zu wählen, daran verhindert würden, ferner dass eine weltliche 
Mannsperson das llegiment führe und Briefe und Siegel besitze; er verlangt 
Abstellung dieses Zustandes. 

Dieses Schreiben drängte den Grafen zu einer endlichen Entscheidung. 
Zunächst suchte derselbe eine bestimmte Antwort hinauszuschieben, indem er den 
Erzbisehof auf den Tag. an dem er seine Mainzer Lehen empfangen werde, 
vertröst(,'te ; er werde dann zugleich über die Klosterfrage berichten. Aber auch 
di«!sen Tag wusste er wegen seiner Gesuudheitsverhältnisse weiter hinauszudrücken. 
Mittlerwcil(( wandte er sich an den Frankfurter Rechtsgelehrteu und Syndicus, 
Dr. Johann Fichard. der sich in seiner Heimat eines hohen Ansehens erfreute, 
und bat um dessen Hat. 

Johann Fichard'*}, Sohn des Kekturs einer Stiftsschule, dann Gerichts- 
schreibers Ficliard zu Frankfurt, war im Jahre 1512 geboren und erhielt nach 

'*) Kitien Abriss seines Lebens von Dr. Juiifj s. in dem Korresp.-ßl. der Westdeutschen 
Zoitsclir. 1886, .Sp. 207 fl". 



Ja 



Vüllontlung- seiner Univorsitätsstuduin iin<l kurzer Thätij^keit am Rcichskanniu'r- 
gcricht zu Spcier im Jahre 10:5;] die Stelle als Stadtsyudieus in seiuer Vater- 
stadt, die er mit einer kurzen Unterbrechung- vom Jahre löBT an bis zu seinem 
Tode (1Ö81) bekleidete. In sti-eng katholischen Anschauungen erzogen wandte 
er sich mii' allinählich mehr der reformatorisclKMi Richtung, die in Frankfurt 
herrschte, zu und gewann in seiner Stellung durch seine; Befähigung als Staats- 
mann einen massgebenden EinHuss auf die Frankfurter Angelegenheiten, ent- 
wi(dvelte eine fruchtban; Thätigkeit als Reclitsgelelirter sowohl auf theoretiscluMU 
als praktischem Gebiete und hat sich auch durch geschichtliche Arbeiten vorteil- 
haft bekannt gemacht. Ihm also legte Philipp am 24. April 1556 seine Sache 
vor und bat um seinen Rat. Wir übergehen einige Briefe; der beiden, da das 
gründliche Gutachten Fichards vom Februar 1557 alles hierher Gehörige zu- 
sammenfasst. 

Der Graf hatte nämlich am 25. Januar 1557 Fichard gemeldet, dass die 
Jungfrauen von Clarenthal ein Gesuch an ihn hätten gelangen lassen, über das 
er abermals seinen Rat erbitte. 

Wir müssen die Schrift der Nonnen weitläufiger vorführen, da sie den 
Weg angiebt, auf dem schliesslich die ganze Klosterfrage erledigt wurde, 
Philipp schreibt, „die noch anwesenden fünf"^) Jungfrauen hätten an ihn 
gelangen und ansuchen lassen, er möge ihnen ihre eingebrachte Barschaft und 
dazu einer jeden ihr gebührliches jährliches Gefäll auf ihr lebenlang oder 
einmal für allemal, wie er das mit ihnen zufrieden werden könne, verwidemen") 
und geben lassen ; so wären sie gemeint, eine jede nach ihrer Gelegenheit sich 
in andere Klöster oder sonst zu ilirer Freundschaft zu begeben und aus dem 
Kloster zu thun, auch ihme und seinen Erben gegen solche Begabung für sich 
und ihre Erben auf weitere Forderungen und Ansprüche zu verzichten und 
vollkommen zu quittieren; sie bäten, er möge ihnen beraten sein, wie sie am 
sichersten nach empfangener Abfertigung sein könnten ; Ursache, dass sie nicht 
mehr begehrten im Kloster zu sein, sei, sie hätten keine gute Unterhaltung, 
da sie nicht mehr Personen ihres Ordens aufnehmen sollten und ihrer von Tag 
zu Tag weniger würden ; sie seien ferner nicht, ihrer Religion gemäss, mit einem 
Mönch versehen, Messe zu thun, zu beichten, und könnten ihre hergebrachten 
Ge^'cmonien nicht üben." Daran schliesst der Graf in seinem Briefe die 
Bitte um Antwort in ungefährlich acht Tagen und im Falle der Notdurft um 
weiteren Rat und verspricht gebührliche Belohnung. 

Das umfangreiche Gutachten Fichards ist am 13. Februar 1557 aus- 
2-efertiii't und ffiuu' mit i>inem Beo'leitschreiben vom 14. Februar an den Grafen 
ab. Es hat die Überschrift: „Deo optimo maximo opitulante'- und dii; Unter- 
schrift: „et ut supra de iure responsum est, ita videtur mihi lohanni Fichardo, 
u. i. Dri et reipublicae Francofurtensis Advocato etc., salvo tamen omnium 
rectius sentientium iudicio. In cuius fidem haec rcspousa mea manu subscripsi 



^'^) Es war also nach dem 6. September 1554 oiiio Schwester ausgeschieden, die 
Cordula Echter, wie sich später ergiebt. 

^') Yerwidcmcn = zu Nutzuiess stiften. Lex er. 



24 

data ur supra.- Wir geben hier nur einige entscheidende Stellen, zuerst aus 
der Einleitung, die die Veranlassung zu der ganzen Frage gegeben hat. „Nach- 
dem aus Erneuerung der Religion und gemeinem Abgang des Klosterlebens sich 
zugetragen, dass aueli im Kloster Clarenthal die Jungfrauen je länger jt; mehr 
abgenommen, dazu auch zuletzt ungefähr vor zwei Jahren'') ein heftig Stcrbendt 
in das Kloster ki>mmen. also dass damals Abbatissin und alle geweihten Jung- 
frauen bis auf eine Tods'*") verfahren und auch seithero nie mehr als vier'") ins 
Kl«>ster gekommen seien, nunmehr aber sie sämtlich befänden, dass ihnen in 
selbigem Kloster, welches von Leuten abgesondert in einem Walde liege, länger 
zu bleiben und dem Gottesdienst und gewöhnlichen Ccremonien mit Singen u. a. 
ihrer Regel nach ob zu sein, sonderlicli nachdem sie auch nicht mit einem 
Beichtvater versehen seien, nicht allein hochbeschwerlich, sondern auch ihnen 
als schlechten Jungfrauen unmi'jglieh sei, so hätten sie einmütiglieh bedacht. 
sich aus solchem Kloster zu thun . . . und hätten dem Grafen als dem rechten 
Stifter und Schutzherrn das Kloster, zum beständigsten solches beschehen sollte, 
zu cedieren und zu übergeben sich entschlossen, doch so, dass der Graf ihnen 
ihre eingebrachte Barschaft und ein gebührliches jährliches Gefäll verordne . . .") 
Nachdem nun der Graf den gewissen Abgang des Klosterlebens zu Clarenthal 
vt>r Augen sehe und das nicht nachgeben könne, dass das Kloster samt seinen 
Gütern nicht allein wegen der Fuudations-Gerechtigkeit, sondern auch weil es 
samt seinen Höfen und Gütern nassauischer Grund und Boden sei und dess- 
wegen die angebotene Cession anzunehmen gemeint sei, doch in Ansehung, 
dass solche geistliches Gut anlange, allerlei Bedenken hierin habe, so frage der 
(fraf. 1. ob solche angebotene Cession zu Recht bestehe und nicht abgetrieben 
werden könne. :?. wenn sie nach gemeinem beschriebenem Rechte nicht be- 
ständiglich beschehen möge, wie dann durch welche Mittel zu helfen sei, dass sie 
kräftig sei." Die erste Frage wird verneint, auf die zweite erfolgt die xVntwort, 
„dass in alle Wege des Papstes Consens und Confirmation erlangt werden müsse ; 
es sei also eine Sujjplikatidn an den Papst zu richten, in welcher man die 
traurige Lage des Klosters vorstellen und namentlich die Absicht der Grafen 
geltend machen müsse, die Gefälle desselben nicht zum eigenen Nutzen, sondern 
zu andern Gottesdiensten und milden Sachen zu verwenden ; eine solche Suppli- 
kation um Genehmigung der Cession erbiet(> er sich zu machen." 

In (Ii'iii Begleitschreiben sagt Fichard, „er habe seinen Ratschlag so ge- 
stellt, dass der Graf wisse, was er in diesem ganzen Werk zu thun befugt sei, 
damit er künftighin in Rechten nichts zu befahren und alles einen Bestand 
habe; wenn ihm der Ratschlag beider zweiten Frage gefalle, so möge er einen 
seiner Secretairen zu ihm abfertigen, damit er dcunselben noch allerlei mündlich 
berichte, was sich nicht alles habe schreiben lassen wollen," In einer Nach- 



") Sollte hoisßen ..vor vior Jahren", d. h. 1553. 

") Sie waren nicht alle gestorben, sondern hatten sich z. T. im luulcre Orte geflüchtet, 
vrie die Camhergerin ii. Mnrgarethc von Diez. 

**) Nach dem Jahre 1550 waren von den sechs der Listi? von 1554 allerdings nur vior 
eingetreten (s.o. S. 11). 

") l'j» folgt die Stolle über die Absichten der Xonnon; s. den vorigen Brief. 



J-*^ 



25 

Schrift, um dieses niclit zu üborgelKui. fügt er hinzu, dass der Graf dem l'ber- 
bringer seinen gewöhnlichen Botenh)]m entrichten, ilim selbst aber für seine 
gehabte Mülic 12 Thaler, „doch verpitschirt", überschicken möge. 

Sehen wir recht, so lief Fichards Gutachten auf vier Hauptsätze hinaus: 

1. Er fasst das Anerbieten der Nonncm, das Kloster mit den verlangten 
Abfcn-tigungen zu verlassen, unter den juristischen Begriff der Cession ; 

2. er hält den Grafen für berechtigt das Kloster und dessen Güter in 
Besitz zu nehmen, weil er Fundator und Hchutzherr sei und sie in 
seinen Landen liegen; 

3. Die Cession bedarf zu ihrer Giltigkeit der Bestätigung des Papstes ; 

4. die Einkünfte d(^s Klosters werden zu anderen Gottesdiensten und 
milden Sachen, nicht in dem Nutzen des Grafen verwendet. 

So sehr auch der Graf mit dem zweiten und vierten Punkte einverstanden 
sein mochte, so war er schwerlich von dem ersten, gar nicht aber von d(!m 
dritten befriedigt. Er gedachte nicht durch Cession das Kloster zu erhalten, 
sondern als durch den Abzug der Nonnen erledigten Besitz, der nunmehr an 
den Fundator zurückfalle ; die ausscheidenden Jungfrauen sollten nicht, wie aus 
ihren späteren Erklärungen erhellt, das Kloster und seine Güter cedieren, was 
r:i sie ja eigentlich auch nicht konnten, sondern nur auf ihre etwaigen Ansprüche 
• an das Kloster oder dessen nunmehrigen Rechtsnachfolger verzichten und diese 
cedieren. Ob der Graf die von Fichard angebotenen Verhandlungen angeknüpft 
hat, davon verlautet nichts, eine Bittschrift an den Papst ist aber nicht ab- 
gegangen, da von einer solchen keine Spur oder Andeutung sich erhalten hat, 
sie wäre sicherlich auch ohne allen Erfolg geblieben zu einer Zeit, wo die 
Thätigkeit der Jesuiten in Deutschland eben kräftig eingesetzt hatte, und da 
sie von einem Fürsten kam, der sich der neuen Lehre angeschlossen hatte. 
Welche andere Gottesdienste hätte er auch eingeführt als die der verhassten 
Lehre, die man eben zu Tridcnt verdammte und überall mit allen Mitteln 
bekämpfte? 

Noch ehe Graf Philipp einen entscheidenden Schritt gethan hatte, lief 
ein zweites Gesuch um Entlassung ans dem Kloster ein, diesmal nicht von allen 
Schwestern, sondern von den Verwandten einer einzigen, der Cam b erger in^'' ) : 
die Erledigung dieser Sache jedoch, die reichlich überlegt und vorbereitet werden 
musste, namentlich was die Höhe der Abfertigung betraf, entfiel seinen Händen ; 
durch Alter und Krankheit geschwächt starb er am 6. Juni 1558. Bei seinem 
Sohn nnd Nachfolger Philipp dem Jüngeren wiederholten die Verwandten ihr 
Anliegen und noch vor Ablauf des Monats erfolgte die vielleicht schon von 
dem Vater Philipp beschlossene Genehmigung und vereinbarte Abfertigung. 
Daraufliin stellte am 30. Juni 1558 die Margarethe eine Erklärung aus, die 
wir oben schon erwähnt haben; in ihr bescheinigt sie den Empfang ihrer Ab- 
fertigung und spricht ihren Verzicht auf weitere Ansprüche aus. Wir halten 
es für angezeigt den Inhalt dieser Erklärung ausführlicher hier mitzuteilen. 



*■■') Von diesem Gesuch erfahren wir etwas nur aus der fjlcich folgenden Erklärung der 
Carabergerin vom 30. Juni 1558. AVann es eingereicht wurde, wissen wir nicht. 



26 

Sie beginnt in feierlicher Weise mit ihrem vollen Klosternamen: „Ich, 
Margarethe Canibergerin von Bleydeustatt" und fährt dann fort, sie sei vor 
etlichen Jahren in Zeiten ihres unverständigen, minderjährigen Alters in das 
Jungfrauoukloster Olarenthal beredet Nvorden und habe sich darin als eine Ordens- 
und Prtifessperson eine gute Zeit gehalten; nun aber hätten sich seithcro die 
Zeit und Laufte derniassen verändert, dass das Klosterlebeu fast allenthalben 
und auch zu Clareuthal in merklichen Abgang geraten sei und sonderlich zu 
jetziger Zeit Hessen sich die Laufte derniassen geschwind und sorglich an. dass 
in dergleichen Feldklöstern zu Avohiien fast gefährlich und unsicher sein wolle; 
derwegen habe ihre Freundschaft mir ihrem Yorwissen und guten Willen weiland 
den (irafen Philipj) den Alteren und mm Philii)p den Jüngeren als dessen 
JSulm und Landeserben bittlich ersucht, ihr aus dem Kloster wieder zu ihrer 
Freundschaft zu erlauben") und sie mit einer ziemlichen Bereitschaft^') ab- 
zufertigen, damit sie sich hinfih'o bei derselben desto ehrlicher erhalten möge; 
nadideni der Graf auf ihre und ihrer Freundschaft vielfältige Bitte solches 
zuletzt also verfolget"), bekenne sie für sich und ihre Erben, dass der Graf auf 
erlangte Erlaubnis ihr zu ihrer Al)fertigung einmal für allemal habe folgen 
lassen 60 F 1. a n barem Geld, zwei Säue, eine Kuh, ein Bett 
und alles, was zu ihrem Leibe gehöre; dafür bedanke sie sich zum 
unterthänigsten und fleissigsten und sage den Grafen der Itewiil igten und ge- 
reichten 60 Fl. u. s. w. quitt, ledig und los, sie verzichte auch auf alle An- 
sprüche und Forderungen, die sie als gewesene Ordenspersou des Klosters an 
dieses oder an den Grafen als dessen Fundatoren, Oberen und Schutzherrn von 
Rechtsgewohnheit oder Billigkeit wegen gehabt oder haben möge in bester und 
beständigester Form gänzlich und gründlich und codiere sie an den Grafen, und 
solle diese Cession von nicnnand aus irgend einem Grunde angefochten werden 
können; sie habe einen leiblichen, gelehrten Eid zu Gott und seine heiligen 
Evangelien für sich und ihre Erben geschworen alles fest und unwiderruflich 
zu halten und habe den edlen und ehrenfesten Christoffel von Lindau gebeten, 
dass er sein angeboren Insiegel an diesen Brief hängen möge". Dieses bekennt 
derselbe gethan zu haben; das Siegel ist erhalten. Die Urkunde ist ausgestellt 
am Donnerstag rfach Petri und Pauli apost. = 80. Juni 1558. 

A\'ir sehen hieraus, wie mangelhaft Scheue k unterrichtet war. wenn er 
sagt (S. 411), der Graf habe „von den letzten zwei Nonnen, einer Fräulein 
von Camberg und einer Fräulein von Eff'ingen, nach geschehener schriftlicher 
Übergabe von denselben um das Jahr 1560 das Kloster wirklich über- 
nommen"; S c h 1 i e p h a k e wiederholt (IV, 55) diese Angabe, weiss aber 
mittlerweile über den Zeitpunkt genauer berichten zu können, indem er sagt, 
nicht um das Jahi- 1560, sondern im Jahr ]5()0 sei diese l'bergabe erfolgt. 
Tud (luiji haric Marg. schon vor dem oO. Juni 1558 die Erlauljiiis. d. ]i, die 
Entlassung «jrhalten und nennt sich an diesem Tage eine ge^yesene Ordensperson. 



*^) Kinem ciluul)en = Erlaubnis geben zu gehen. Lexcr 

*') Bereitschuft, hier = bares Geld. Ijexor. 

") Verfolgen = Folge leisten, zugeben. Lex er. 



27 

Die Entlassung der Fräuloin von Effingon (Eufingon) erfolgte erst später, aber 
ebenfalls vor dem Jahre 1560 und auch sie übergab nicht das Kloster, ebenso- 
wenig als die Canibergerin. Wir wollen hiergegen S ebene k keinen Vorwurf 
erheben, da er von den Mitteilungen aus dem Archive abhängig war; ab(!r 
S (', h 1 i e p h a k e als Vorstand desselben konnte bei genauer Durchforschung der 
ihm anvertrauten Schätze der Walirheit auf die Spur kommen. 

l'ber das, Avas d(n' Camberg(M-in ausser dem baren (leide, den Schweinen 
und der Kidi mitgegeben wurde, li(!gt eine Aufzeichnung vor, welche die Über- 
schrift trägt: „Nota. Was Margaretho Canibergerin aus Bleidenstadt in Irer 
Zelle oder Gemach, Au(di Kisten und Schrenk, So durch den Amptnumn und 
bereider^'^) besichtiget, befunden hat"; die Aufschrift auf der Ausscnseite des 
Bogens lautet: „Zettel oder Verzeichnung, was Margarethe Cambergerin aus dem 
Closter Clarenthal gevolgt worden. . . 1558." Wir lassen den Inhalt des 
Verzeichnisses folgen; es zeigt uns, wie die Ausstattung einer Ciarenthaler 
Nonne beschaffen war. Die Gegenstände befanden sich teils im Dormenter''), 
teils in der Zelle, teils in der Kammer der Margarethe; sie besass also zwei 
Gemächer, was wir uns für die unten folgende Inventarvisitation vom 5. Febr. 1559 
merken müssen. Von einigen Dingen erklärt sie, sie habe sie „dahin bracht", 
d. h. mitgebracht bei ihrem Eintritt in das Kloster, von andern, sie seien ihr 
(geschenkt) „worden" oder sie habe sie „bekommen" von der Äbtissin (Anna 
Brendel), der (Agnes) von Hattstein oder der von Hanau") andre haben kaufen 
lassen oder selbst „gezeugen".") 

1. Im Dormenter befanden sich in einer grossen Kiste ihr Eock und 
ihre Kleider, die sie „dahin bracht" hatte; in einem Schrank etliche kleine 
Gläser, die sie gleichfalls „dahin bracht" hatte; ein klein Kistlein, das sie 
„von der von Ilatstein bekomen", zwei kleine, leere Kistlein, die ihr „von der 
Äbtissin worden" ; eine grosso Kiste, die sie selbst „gezeugen" und darin 
drei Eeder-Hauptkisten, die „sie auch selbst gezeugen hat", und zwei Deck- 
betten, deren eins sie „von der von Platstein bekomen, das ander selbst gezeugen" 
hat, sowie „zwei gebilter Decktücher'*"), hat sie zu Frankfurt kaufen lassen." 

2. In ihrer Kammer war ein gutes Bett mit einer „Kölschen Zieh"'"') 
ein „Pulffkisseu"^'), die sie „dahin bracht" hat; vor ihrer Kammer eine Kiste 



*®) Amtmann war laut der Urkunde vom 22. Februar 1558 Uoorg von Nassau-Spurken- 
burg, Sohn des Johann von N.-Sp. ; er starb am 31. August desselben Jahres. Vogel in den 
Annalen II, 3, 31. Helwichs Epitaphien. Bereiter war noch Hans Zeuu. 

*') Dormenter ;= Dormitorium. Deutsches Wörterb. 

*^) Diese Schvj^ester kann nur die Marie von Hanau-Liclitenberg sein, die sie als Äbtissin 
aufgenommen hatte; sie war die Vorgängerin der letzten Äbtissin und starb vor oder in dem 
Anfange des Jahres 1525. 

*^) Zeugen bedeutet nach Lex er sowohl verfertigen als auch machen lassen; hier ist es in 
dem zweiten Sinne zu verstehen, weiter unten kann es auch in dem ersten gefasst werden. 

^'') Gebilde, rheinisch = Bildwerk in leinenem Uewebe, Leinwand mit eingewebten 
Würfeln u. a. zu Tischtüchern; ebenso das Parlicipium. D. Wort. IV, 1, I. Sp. 1771. 

^*) Kelsch (Kölsch) = külniscli, auch von der Farbe blau und blau gestreift. Hilde n- 
brand im D. "VVört. V, 2, 1622. Zieh, rheinisch = Zieche, Überzug über Kissen und Bett- 
decke. Kehr ein, Volkssprache in Nassau, S. 453. 

") Pulff = Pfühl, mhd. Phulwe. 



28 

mit neun Paar Lointüclier. zwei llauJzwehlou"). zwei Tisclitüolunu und etlichen 
Femeln** . der ^sie selbst gezeuj,'en hat: ihr Vater hat ihr die Kiste gegeben^'. 

.). In ihrer Zelle: drei „gewirgte" Stuhlkissen"), von Jungfrau (. . . ) 
bekommt-n. zwei lederne ^.Bankpulft. von Jungfrau Angnes eins bekommen, das 
ander dahin bracht " ; noch ein klein Tischlein, ein klein Kistlein, „hat sie von 
der von Hanau bekommen." 

in einem Schrank war .,Zinnwerk": eine Mass- und eine Halbmasskandc*®), 
vier kleine Kanden. eine Flasche vt>n einer halben 3Iass, zwölf Schüsseln, 
klein und gross, fünf Kessel, klein und gross, und noch drei Kanden. Den 
Bi'schluss machen zwei Badebütten, „die sie akh) maclien lassen.'" 

Die Cambergerin wurde also nicht, wie die Jungfrauen Anfangs verlangt 
hatten, mit ihrer ganzen eingebrachten liarsehaft := 150 Fl. entlassen, sondern 
erhielt nicht einmal die llälfte: dagegen gab man ihr zu den bewilligten 
60 Fl. eine Kuh und zwei Schweine, deren Preis, billig berechnet, etwa 
1.') Fl. ausmachte, sodass dadurch die Hälfte der Summe ihres eingebrachten 
Geldes erreicht wurde. Die übrigen ihr mitgegebenen Gegenstände, unter denen 
besonders das Bettwerk reich vertreten ist. waren ihr Eigentum, was sie von 
allen mit Ausnainne des Zinnwerks ausdrücklich aussagt, von diesem vielleicht 
vorausgesetzt werden darf. Auffallend kann erscheinen, dass nicht einmal ein 
Gebetbuch, gesdiweige ein andres genannt wird, ebensowenig als ein Heiligen- 
bild. J).is lässt tief blicken, wie der Abgeordnete Sa bor in der Reichstags- 
sitzung vom 17. Dezember 1884 sagte: geistige Interessen lagen den Xonneu 
zu Clarenthal fern ; ihr Gesichtskreis war ein eng begrenzter. 

Di-m Vorgänge der Cambergerin schlössen sich die vier noch übrigen 
Jungfrauen an; wann dies geschehen ist, darüber hören wir nichts, doch dürfen 
wir vermut«'n. dass es nicht lange nachher stattfand, da ihre Entlassung im 
Januar l.')r)9 gemeldet wird und sicher schon einige Zeit vorher l)eschlossen 
war. die Festsetzung ihrer Abfertigung und Abfassung ihrer Erklärungen aber 
noch einige Zeit erforderten. Denn bereits am 10. Dezember 1558 wurden 
die in der Kirche behndliclien Gegenstände inventarisiert und zum Teil nach 
Wiesbaden gebracht, was doch nur geschehen konnte, wenn man damit im 
Jii'inen war. dass hier kein Gottesdienst mehr abgehalten werde. Die Über- 
schrift di's aufgenommenen Inventars lautet: „Inventarium der Ornata und 
Kirchen-Cleinott zum neuen Closter den 10. tag Decembris ao. 1558'"', und eine 
Jiandbemerkung (die nachher zugefügt wurde) besagt: „Nota. Diese Ornata 
seindt mehrtheils ghen Wisbaden in einer kisten in das Gewelb gofurt worden, 
wie sy dan daselbst zu finden seindt." 

Dieses Inventar zählt 1)5 Xunimern. docji sind uu'hrfacli zwei oder mehr 
Gegenstände iiiitir einer Nummer vereinigt, s(tdass die Anzahl derselben sich 
auf eine viel grössere erhöht. Werfen wir einen Blick auf das Ver- 
zeichnis. 



'•'^} Ilandzwelile = Handtuch. 

") Femel oder Fimmel = kurzer Hanf. I). Wort. III, 1638. 

") (rewirk = Tuch aus Flachs, Hanf odor Woroh zusammen. Kohrein S. 103. 

**) Kande = Kanne. 



29 

Den grösston Raum nohiiion dio Messgewündor oin, deren neunzehn 
genannt werden, versohiedcn an Stoff", Farbe und Verzierungen ; die Beschreibung 
ist insofern mangelhaft, als bisweilen d'io Angabe des Stoffes oder der Farbe 
oder der Verzierung fclilt. Sechsmal wird als Stoff genannt Saramet, dreimal 
Seide, einmal Damast. Als Farben (>rschein(m fünfmal rot (drei Messgewänder 
von Seide, eins von Seidenatlas ; ein Lundisches), dreimal grün (eins von 
Sammet, zwei Lundische), zwcümal schwarz (eins von Seide, eins v(m Damast), 
zweimal braun (von Suiuniet), je einmal weiss (di(!s und die folgenden ohne 
Angab(^ des Stoffes), blau, halbrot, halbgrün, verblümt und gemalt. Die Wahl 
der Farben für dvn jedesmaligen Gebrauch i-ichtete sich nach den betreffenden 
Festtagen und Festzeiten:") dw weisse Farbe als Bild der Eeinhcüt und 
Freude bestimmte man für die Gedächtnisfeier Christi, der heil. Jungfrau, der 
Bekeuner und Jungfrauen, die nicht den Märtyrertod erlitten; die rote als 
Bild der brennenden Liebe für die Feste zum Andenken an die Apostel und 
Märtyrer, sowie für die Octav des heil. Geistes ; die schwarze als Bild der 
Trauer für Totenfeier; violett für die Advents- und Fastenzeit ; blau früher 
nur für das Fest der unscliuldigen Kindlein und den Sonntag Laetare, später 
mit der schwarzen Farbe wechselnd von Septuagesima bis Ostern, für die 
Quatemberzeiten, Vigilien und Bettago ; g r ü n für den Rest. Als Ver- 
zierung diente vornehmlich das Kreuz und zwar zunächst ein goldnes auf 
schwarzer oder roter Seide, schwarzem Damast uud rotem Sammet, auf einem 
gemalten oder halbroten und halbgrüneu Gewand; es wird im Ganzen sechsmal 
genannt; ein Ferienkreuz wird zweimal angeführt, auf grünem Sammet und 
verblümtem Gewand; Perlonbuchstaben auf braunem Sammet; Perlen auf 
rotem Sammet; einmal wird ein rotes Kreuz auf blauem Messgewand genannt. 
Wappen auf Messgewändern kommen dreimal vor : eins mit Nassauer- und 
Ifauauer-Wappen, ein rotes (Lundisches) mit Brendels und ein seidenes mit 
dem Lindauer-Wappen. 

Als L u n d i s c h werden drei Messgewänder bezeichnet : das eben genannte 
mit Brendels Wappen, ein grünes mit goldenem Kreuz uud ein grünes ohne 
Verzierung. Luudisch = aus London stammend; seit der 2. Hälfte des 15. Jahr- 
hunderts vorkommend zur Bezeichnung eines englischen Tuchs, das seiner Güte 
wegen gesucht war.^'^) 

Im Necrologium werden erwähnt eine rote Casula (Cassel), auf der das 
grosse Perlenkreuz steht, als Geschenk der Margarethe und Anna Grorod, am 
T). Februar (1492); eine Kasel als Geschenk der Gräfin Margarethe von Hanau- 
Lichtenberg, Gemahlin des Grafen Adolf III. (y 1004) am 20. Mai: das grosse 
Perlenkreuz auf der roten Casel, das aus den Perlen des kostbaren Rockes der 
Jungfrau Eisgen, Witwe des Hartmann Hielgen, gemacht wurde, am IG. Xovbr. 

Das Nassauer- und Hanauer-\Va})pen kann aus der Zeit der Adelheid von 
Nassau, Gemahlin Ulrichs III. von Hanau (f 1370). die vor dem Dezember 134") 



^^) Kraus, Geschichte der christlichen Kunst 11, l. 401 Weiss, Kostüinkumle vom 
4.— 14. Jahrh., S. 688. 

^^) Heyne im Deutschen Würterb. VI, 1302. 



30 

starb"), oder der Margarethe von Ilanau-Lichtonberg, Gemahlin Adolfs HL von 
Nassau' (8. oben) stanunen: das Brondelsche Wappen gehört der Zeit an, avo 
die vielen Jungfrauen der Familie im Kloster waren; die Lindauer waren eifrige 
Förderer des Klosters und eine von ilnu-n lange Zeit Äbtissin, die Paze von 

Lindau. 

Von anderen Stücken der Priesterkleider erscheinen acht Albae, teils 
ohne Schmuck, teils mit ^Stossen" und farbigen (roten) Sammetstreifen ; zwei 
Albae hatte naeh dem Xecrologium (U>. April) im 15. Jahrhundert die Priorin 
Elisabeth von Yringen dem Kloster gesclienkt, eine im 14. Jahrhundert Sifrid, 
Sohn des Sibodo xon Wiesbaden (5 Oktober). Sieben bis acht Stolae, 
rot, grün. gelb, von Seide oder Sammet. — U mb 1 eg er"»), humeralia, fanden 
sich etwa sechs, ein^-r genannt der engelische Gruss""), andere anders verziert, 
einer mit den heil, drei Königen ; einen hatte der Confessor pater frater Johannes 
(t i:m> geschenkt, nach dem Necroh)gium 7. März. - Das einigemal genannte 
Bändciren soll wohl das Cingulum bedeuten. Endlich folgen 14 Leviten - 
rocke (Levit = Diaconus) von Sammet oder Damast, zwei rote, fünf grüne, 
ein schwarzer, zwei weisse, ZAvei braune, zwei gemalte, zum Teil verziert. 

Heilige Gefässe: Vier silberne Messkandeu, vier silberne Messkelche, 
mit ihren Patenen, zwei ohne Patenen: eine Hostienbüchse, drei Hostien- 
häuschen; ferner die dazu gehörigen Pallae, Corporalia und Corporaltäschchen, 
eins ein Geschenk des eben genannten Confessors Johann; eine Monstranz. 

Teppiche und Tücher (Altartücher, Grabtücher) waren gleichfalls in 
DTÖsserer Zahl vorhanden; unter ihnen sind aufgezählt „zwen Nassauer Leb", 
die sieli auf zwei Alben (oder andern Tüchern?) gestickt befanden, ein „altes 
Leichtuch mit alt Nassauer- Wappen", drei lange Teppiche mit vielerlei Wappen, 
mit etlichen Figuren und mit etlichen liildern, zwei seidene Tücher mit „Draseln" 
u. s. w. Von den Kissen trug ein seidnes das Bild eines Adlers; der Stoff 
derselben war Sammet oder Seide, eins wird streifig, ein anderes musirt genannt. 

Kleinodien: Zwei silberne vergoldete Kreuze und zwei seidene Kreuze, 
eine Perlen- und eine silberne Krone, u. 1. Fr. Pujck mit goldnen Buchstaben, 
S. Marj,'reten Haupt. König Adolfs Ermel. — Kleinodien hatten nach dem 
Necrologium geschenkt: der Erzbischof Gerlach (eingetragen am 14. Februar, 
starb am 12. Februar 1371), der Graf Ruprecht, Sohn des Grafen Gerlach 
(t 4. Septeiiil.er KiltOj und die Gräfin Agnes, Gemahlin des Grafen Gerlach 
(t am i:'.. Januar VVd'2, im Necrologium am 11. Januar eingetragen); ein 
silbernes vergoldetes Kreuz von dem Pfarrer Petrus Sclduch von Rhcinhölln 
ca. 14M0 (Necrologium 18. September). Die beiden Kronen und der Rock 
mögen einem (oder zweij Standbiltlern der heil. Jungfrau angehört haben; 
wenigstens di<; silberne schreibt eine andere Aufzeichnung (s. u.) diesem zu. — 

*») U »Min er, lliinaucr Urkundenbuch II, 672, No. 683. 

"") Hunieriile (= Schult<'rtucli) wiinl im Deutscheu zunäclist zu unibrat, uinbeler, uiiib- 
l.r. tiijs <ii<-s<Mii «lurrh eine Art VolksetynH)lo},'ie unibleger, indem man es vun umle<;en ableitete. 

•^V Man unttTMchied genau angelieus und anglicus, en','elisch von englisch (= engel- 
ländisch), jene» von ungelus, dieses von anglus abgeleitet. Der engelische Gruss bei Luc. I, 
28: Ave Maria u. s. w. 



m 



31 

Das Haupt dor lioil. Margarethe kann nicht eine Reliquie sein, da bereits an 
zwei Orten ein ITaupt, an zwei andern Teile desselben <;(!/eigt wurden'''^); -wir 
werden an eine iniago argentea, wie sie die Königin Maria von Medici, Ge- 
nialdiu Heinrichs IV.. dem Kh)ster S. Gerinani zu Paris geschenkt liatte"^), 
oder an etwas älinliclies zu denken haben. "^) 

Den ]}(!schhiss niadien wir mit (hm „zwo Kirbf'anen". Über den Tag 
der Clarenthah'r Kircliweilie sind wir Jiicht genau unterrichtet; in den Kechnungen 
heisst es kurz: „Zu uns(n'er Kirb" ; doch erluillt soviel, dass sie im Mai ge- 
feiert wurde. HelwicJi sagt, es sei ihm zu Ciareuthal mitgeteilt worden, dass 
di(! dedicatio annua ijjso die sacro Pentecostes per acta fuit. Es soll Ijekanntlich 
eine Weihe der Kirche zweimal stattgefunden haben, im Jahre lo04 und im 
Jahre 1321 „uff unser frauwen abent annuntiationis. "''^) 

Zu einigen der genannten Gegenstände ist bemerkt, dass sie „geblieben" 
oder dass die Merg (von I\üdesheim) sie behalten habe. Wir werden darauf 
unten zurückkommen. 

Wir sind zum letzten Akt der Geschichte des Klosters gelangt, zu der 
Entlassung der letzten Schwestern im Januar des Jahres 1559. Nur von zweien 
ist der Tag der Abfertigung genannt, von einer liegt eine Erklärung ähnlich 
der der Cambergerin vor. Beginnen wir mit dieser. Sie ist von der M a r - 
garethe von Euf fingen angestellt am 27. Januar 1559, und da sie der 
genannten fast gleich lautet, begnügen wir uns damit, die Abweichungen anzu- 
führen. Sie gibt an, nachdem sie zum Kloster beredet worden sei, habe sie 
sich darin eine Zeit (nicht eine gute Zeit) gehalten; (sie war eben in oder 
bald nach dem Jahre 1550 eingetreten und etwa acht Jahre Nonne gewesen); 
nachdem sie ihren Wunsch mit denselben Gründen wie die Cambergerin vor- 
gebracht, sagt sie, sie habe sich an den Grafen Philipp — den Jüngeren, nicht 
auch bereits an den Alteren, also nach dem 6. Juni 1558, und sie (nicht 
ihre Freundschaft) — bittlich gewandt ihr zu ihrer Freundschaft zu erlauben*^®) ; 
der Graf habe ihr 40 Fl. au barem Geld und alles was zu ihrem Leibe gehöre, 
folgen lassen; dafür dankt und verzichtet sie auf alle weiteren Ansprüche wie 
die Cambergerin; für sie siegelt ebenfalls ChristofF von Lindau; dessen Siegel 
ist zwar nicht erhalten, wohl aber ist der Schnitt im Pergament sichtbar, durch 
welchen die Pressel desselben gezogen war. 

An dciuselbuu Tage ist die Abfertigung nicht nur der Margarethe von 
Eulf iugen, sondern auch der Else von W ü r g e s ausgestellt ; sie hat die 



«'-) Acta SS. im 5. JJand des Juli, S. 28. 

03) Ebenda S. 28. 

^*) Die h. Margarethe scheint zu Clarenthal eine besondere Verehrunfi^ genossen zu haben, 
vielleicht im Hinblick auf eine ^[argarethe des Hauses Nassau, die sich um das Kloster be- 
sonders verdient gemacht hatte; in dieser Beziehung möchte man an die Gemahlin des Graten 
Adolf denken, für die ein besonders feierliches Jahrgezeit im Jahre 1371 noch bei ihrem Leben 
bestimmt wurde. Ob damit die Prozession des Schultheissen und der Schöffen von Wiesbaden 
am Margarethentag (Ann. XV, 395) in Verbindung steht, müssen wir dahingestellt sein lassen. 

^'"j AVidmann, Programm des Gymnasiums zu AViosbaden 1882, S. 24 f. 

««) S. Anm. 43. 



32 

f berdchrift: „1559 den 27. Januar haben wir Jungfrau Margarethe von 
Eutfingen und Else von Würges abgefertigt . . der veste Johann von Ehren- 
traut, Conrad Lesch im Beisein des Hans Messerschniidt. dermalen Kellers, 
Hans Loers und Adam BnrnheinuTs''.") Margarethe erhielt au Zinnwerk ver- 
schiedene Schüsseln und Kanden. eine Flasche und zwei messinge Becher, so- 
dann eine Kulte einen Mantel, sechs schwarze Unterkleider; an Bettwerk zwei 
wullcne Decktücher, davon eins ein Geschenk der Cambergerin, und zwei ge- 
wirkte, ein (rescheuk der von Reinberg, zwei Kissen, ein Unterbett u. s. w. ; 
acht Paar Leintücher und anderes „gemein geredt vor ihren Hb", ein Lodlein 
mit ihrem Schleier und eins mit ihrem Ärmel und Koller (Kragen oder Brust- 
kleidj, ein kleines Sitzbettledlein, eine Badbütte und ihr Wäschzeug. 

Vttn der Else von Würges liegt eine Urkunde nicht vor, sondern bloss 
ihre Abfertigung. Wir dürfen uns deren Aufzählung überhebeu. da sie nicht 
sehr von der vorhergehenden verschieden ist; wir erwähnen nur, dass Else 
einen ledernen Bankpfühl von der v. Hattstein bekommen hatte, und dass ihr 
20 Fl. bar ausgehändigt wurden. 

Vergleichen wir die drei angeführten Abfertigungen, so stehen die beiden 
letzten weit hinter der ersten zurück, vornehmlich in Bezug auf das bare Geld ; 
es betrug 40 und 20 Fl. gegenüber den 60 Fl. der Cambergerin, und wenn 
wir die Zugabe der ersten an Vieh mitrechnen, durch die die Hälfte der ein- 
gebrachten Summe erreicht wurde, so muss die Margarethe von Effingen etwa 
^0 Fl., die Else um 40 Fl. mitgebracht haben. Wenn diese beiden auch sonst 
weniger reich ausgestattet wurden, so mag dies seinen Grund darin haben, dass 
sie in der kürzeren Zeit ihres Klosterlebens weniger beschenkt wurden oder 
erwerben konnten. Und da die Else mit der von Euffingeu zusammengefasst 
ist. so schliessen wir daraus, dass sie wie diese nicht in ein andres Kloster 
überging, sondern zu ihren Verwandten, ihrer Freundschaft, zurückkehrte. 

Anders steht es mit der Marie (Merg) von Rüdesheim und Mar- 
garethe von Diez. Zunächst steht ihre Entlassung nach Tag und Datum 
nicht fest, und nur soviel dürfen wir sagen, dass sie im Januar des Jahres 1559 
stattfand. Dies geht aus verschiedenen Aufzeichnungen hervor: das Inventar 
der „Ornata und Kirchen Cleinott" vom 10. Dezember 1558 enthält einen An- 
hang, der dasjenige namhaft macht, was „Jungfrau Merg mit sich genommen" 
hat (s. unten), und hat die Jahreszahl 1559; dieselbe Zahl trägt das „Inven- 
tarium was Jungfrau Morgen von Rüdesheim und Greden von Dicstz zu Claren- 
thal . . gev(»lgt worden, desgleichen auch Abfertigung Jungfrau Margaret von 
Eyffingeu und Else von Würges, gewesener Closterpersonen zu Ciareuthal. 
Anno 1559." Aus der Reihenfolge der vier genannten Jungfrauen könnte man 
höchstens schliessen, dass die beiden ersten vor den beiden letzten ausgeschieden 
seien, doch ist dieser Schluss nicht einmal notwendig, die vier können ebenso 



*') Die Stelle eines Amtmanns zu Wiesbaden war seit Georg von Nassaus Tode noch nicht 
liesetzt, daher zwei Hcumte von Idstein zu dieser Abfertigung beor<lert waren; Messerschniidt 
war der Keller ('larentliais, II. Loiir und Ad. liornheiiuer waren Keiler zu Wiesbaden gewesen 
und kommen jener im Jahre 1544, dieser 1548 als solche in den Rechnungen vor. 



gut an oinom Tag abgoreist soiii. Ihre Tronnung in zwei Gruppen hat einen 
anderen Grund. 

Denn die Merg von liüdoslicini und Gred von Diez kcihrteu nicht in den 
Kreis ihrer Verwandten /.iiriick, sondern siedelten, wie mehrmals von ihnen aus- 
gesprochen wird, so in dem oben augef'ülirt(!n Invcntarium, von der Merg 
insbesondere in dem „Verzeichniss was Jungfrau Merg mitgenommen hat nach 
Walsdorf", nach dem hier befindliclum Kloster über. Dies war auch der Grund, 
(hxss sie keine Abfertigung an Geld erhielten, sondern ihnen bloss verschiedene 
Gegenstände aus Ciarenthal verabfolgt wurden. Eine Urkunde über ihre L'ber- 
siedelung oder einen Verzicht auf Ansprüche an Clarenthal liegt ebensowenig 
von ihnen wie von der Else vor. 

Wir müssen also die vier zuletzt genannten Jungfrauen — entgegen der 
2:0 wohnlichen Ansicht — als die letzten Schwestern Ciarenthals und das Jahr 1559, 
genauer den Januar dieses Jahres, als den Termin der Schliessung des Klosters 
ansehen. 

Zu Walsdorf '^) war kurz vor dem Jahre 1156 von einem frommen Priester 
Gottfried ein Mönchskloster Benediktiner-Ordens gegründet worden, das auf 
Bitte des Gottfried im Einverständnis mit den Klosterbrüdern und der Dorf- 
«remoinde der Erzbischof Arnold von Mainz in jenem Jahre der St, Martins- 
kirche zu Mainz unterordnete. Etwa hundert Jahre später wurde es in ein 
adeliges Frauenkloster umgewandelt. Äbtissin war im Jahre 1559 die Gräfin 
Margarethe von Nassau, Tochter des Grafen Philipp des Älteren, geb. im 
Januar 1517, gestorben im Jahre 1596, nachdem sie 40 Jahre lang Äbtissin 
gewesen war und 79 Jahre gelebt hatte, ^*) Im Jahre 1556 verzichtet sie mit 
ihrer Schwester Anna, die gleichfalls Nonne zu Walsdorf war, vor den geist- 
lichen Richtern des heil, Stuhles zu Mainz im Schlosse zu Wiesbaden auf alle 
Ansprüche an die Herrschaften Wiesbaden und Idstein und die ihnen ge- 
bührenden Anteile an dem väterlichen und mütterlichen Vermögen, Durch die 
darüber ausgestellte Urkunde'") lernen wir einen Teil des Kreises der Jung- 
frauen, in den unsere Clarenthalerinnen eintraten, kennen. Als anwesend 
werden nämlich genannt neun Jungfrauen von Walsdorf, sechs Gräfinnen, davon 
vier von Nassau (die Äbtissin und ihre Schwester von Nassau-Wiesbaden und 
Idstein, Elisabeth von Nassau-Saarbrücken und Eva von Nassau-Beilstein) und 
zwei von Solms-Braunfels (]Merge und Agatha), die Priorin Martha von Stock- 
heim, Margarethe Wolfskelin und Kuuigundt IIoltzapfHin. Unsere beiden Jung- 
frauen waren nicht zugegen, man glaubte offenbar mit den neun aus Walsdorf 
genug gethau zu haben; denn die dortigen Schwestern, die kurz vorher (1555) 



^^) Vogel, Beselircil)ung S. 824. 8cli 1 iephake I, '292 f. Deissniaiin, Geschichte des 
Benediktiner-Klosters Walsdorf 1863. Seh liephake -Menzel VI, 2 f. 

"«) Ihr Grabstein sagt, sie sei 70 Jahre alt geworden; bereits Hagelgans S. 39 hat 
darauf hingewiesen, dafs diese Zahl nicht zu ihrem Geburtsjahr stimme. 

"') Die Urkunde selbst ist nicht erhalten, das Konzept derselben trägt das Datum ,am 

18, August", eine Beilage mit den Namen der Klosterjungfrauen ist niedergeschrieben am 

19, Dezember. Daher ist die Versdiiodenheit der Tagesangaben bei Schliephake-Menzel 
VI, 3 und Deissmann, S. 0" zu erklären. 



;;4 

sieh auf 06 PtTsuiK'n lielaufon hüben solh'ii'M. konnten und brauchten dueli nicht 
vollzählig /u Wiesbaden zu erscheinen. 

Was die beiden Clarenthaleriuuen luitnahnien — das Wort Abfertigung- 
ist hier vermieden — . ist in z\vei Verzeichnissen aufgeführt; es ist nicht viel 
verschieden von den Abfertigungen der drei andern. Wir linden genannt ihre 
Kleider. IJettwerk. Leinwandgerät. Zinnwerk. Kanden. Schränke und Tische. 
Zu benu'rken sind bei der Merg drei kleine Kistchen, „darin allerhand Boppen- 
werk und Heilige sind", bei der Diezerin ein „Beltz" und zwei „Arresz".") 

Merg von liüdesheini hatte den Grafen gebeten, dass sie einige Gegen- 
stände der Kirchen-Ornate mitnehmen dürfe; dies w uidc ihr bewilligt. Bei 
einigen Stücken ist schon im Inventar, wie wir oben anmerkten, eine darauf 
hinweisende Bemerkung gemacht: schliesslich wurde alles in einem besonderen 
Verzeichnis zusanuuengestellt. Dasselbe umfasst 17 Nummern, deren einige 
zwei oder mehr Stücke namhaft machen. Dahin gehörten drei Corpora, die 
Munstranz. zwei silberne Kreuze, die grosse silberne Krone u. 1. Fr. und die 
Perlenkrone, u. 1. Fr. Röcke, drei an der Zahl, deren einer bös s(!i. u. 1. Fr. 
Zopf, der Fmbleger mit einem grossen engelischen Gruss, die zwei seidenen 
Fähnlein u. a. Die beiden Verzeichnisse der Ornata vom 10. Dezember und 
das der Jungfrau Mergen von 1559 stimmen mehrfach nicht in der Beschreibung; 
z. B. dort wird der engelische Gruss der kleine, hier der grosse genannt; hier 
erscheint ein Altartucli und eine Borde mit den zwölf Aposteln und ein kleines 
silbernes Kreuz, die heil, drei Könige, die Paternoster und Kleinodien zu 
u. 1. Fr. Kindchen, sowie ein Perlen-Paternoster, die wir vorgeblich dort 
suchen; ob der „silbern Korb, darin ein Heiltumb" = der „sanct Margarethen 
Haupt"? Denn es hat den Zusatz „ist Blieben", d. h. ist der 3Ierg von Küdes- 
heim nicht mitgegeben worden, wie die silberne Krone. 

Den Abschluss der Übernahme des Klosters durch den Grafen bildet die 
Inventarisation des Bestandes an 3Iöbeln u. s. w., der sich in den Kloster- 
räundichkeiten fand. Darüber liegen zwei Aufzeichnungen vor, deren erstes 
unmittelbar nach der Entlassung der vier letzten Schwestern aufgenommen zu 
sein scheint, also im Januar 1559. Denn es findet sich unmittelbar nach der 
Aufzählung dessen, was diese mitgenommen haben. Es umfasst nicht alle 
liäundichkeiten des Klosters und am Schlüsse ist bemerkt, dass es, „soviel 
ausserhalb bemelter Jungfrauen anlangt, geendert" worden sei. Und in der 
That führt es bloss vier Zellen, darunter die der Merg und Gred Dietzen auf, 
daneben die Kirche, das Dctrmitorium. den Kebenthal (Keventer, Revent, das 
Speisezimmer;, die ConvimtstubcN das Wiudhäuslein, Siechhaus, der Nonnen 
(refängnis. aber auch, was in der zweiten Aufzeichnung fehlt, den Keller mit 
seinen Weinen auf: doch stimmt mehrfach die Aufzählung nicht mit der des 
zweiten Verzeichnisses üb(a*ein. Wii' be/.eiciinen es mit VA. 

Das zweite Inventarium (VBj ist am 5. F(;bruar 1559 aufgenommen und 
zwar, wie die Überschrift besagt, von den uns bekannten Johann von Ehron- 



^') So berichtest Dfis.siiiunn S. 111. 

'■') Lcifhtes Wolloiigewebe, benannt nach der Stadt Arras. Lexer, unter auaz. 



35 

traut mid Kunrad Lcsch von Idsti'iii im Boisoin Ad. Boinhnimers und J(di. 
Mcsserschuiids, jetzigen Kellers zum Neuen Klosters; die äussere Aufschrift 
laut(!t: „luvontarium zu Clarenthal, Joli. Messerschnütttm giditfert, naclideui die 
Jungfrauen alle heraus koininen inwendig dem Kloster anno 1559." Dasselbe 
"•eilt alle Iviiumlichkeiten ein/ein durch und verzeichnet alles, was sich in ihnen 
vorfand. \\"iv legen daher das Invcmtarium VP> unserer Betrachtung zu Grunde 
uiul ziehen VA luu- aushilfsweise zu. 

VB zählt zunächst 28 ZelUm auf, die mit den ]3uchstaben A, B, D— FF 
bezeichnet sind; eingestreut ist C, eine Kammer, und nach CC der Thormeltil, 
welcher dem Dormcter, dormitorium, in VA entspricht; in btndim Verzeichnissen 
werden viele Kisten (VA 45, VB 44) gezählt, in deren einer sich nach VA 
ein Kirchenteppich, nach VB etliche Kirchenteppiche befanden. Die Zellen 
waren nicht alle als solche benutzt; mehrere dienten offcmbar dazu, überflüssig 
gewordene, alte oder unbrauchbare Dinge aus dem Wege zu schaffen, wie 
No. A und B, die „vielerlei bilwerk und taffeln'-' enthielten, No. E „etzlich 
alt mannen und alt gerümpell", No. H „3 kleine; Ledlcin, 5 Henckkorb und 
ein gemaltes Duch", No. N „3 Dücher, 4 henckig Korb gross und klein, 
4 kleinen Defi'elgen, ein Sitzbedlein'-' u. a. m. ; die Kammer No. C enthielt vieler- 
lei Bettwerk, No. J einen Schneiderstuhl, 2 Sitzstühle, 4 Tücher, 1 Schenklein. 

Es ist nicht immer leicht zu entscheiden, ob eine Zelle von Nonnen be- 
wohnt wurde oder ob sie nur zur Aufbewahrung solcher ausser Gebrauch 
stehender Dinge gedient habe; doch kann man getrost annehmen, dass letzteres 
der Fall war, wenn kein Bett oder Stuhl in derselben sich befand. Solcher 
Zellen zählen wir (mit der Kammer No. C) neun; c. zwanzig also waren für die 
Nonnen bestimmt: drei von ihnen hatten „Bedtledlein", acht „Sitzbedtledlein" 
oder „Sitzbedtledchen", sieben „Sitzledlein" (in einer deren zwei), fünf „Led- 
lein" oder „Ledgen"; die letzten meist in Zellen, die schon mit den zuerst 
genannten versehen waren. Die nicht mit einer No. versehene, nach der letzten 
Zelle aufgeführte Schlafkammer der Merg enthielt sogar drei alte Bettladen, 
wovon vielleicht zwei bei Aufnahme neuer Schwestern Verwendung finden sollt(!n. 
Dürfen wir aus diesen Angaben einen Schluss ziehen, so würde sich als höchste 
Zahl der Bewohnerinnen des Klosters, auf die man rechnen konnte (ob auch 
erreichte, bleibt zweifelhaft), zwanzig ergeben. 

Die Ausstattung der einzelnen Zellen war höchst einfach und einförmig. 
Tücher, ein Schenklein, ein Bänklein, ein Schemel, Täfelchen, Kistchen u. ä. 
kehren ausser den Bett- und Sitzladen oft wieder. 

Nur drei Zellen verdienen besondere Erwähnung : No. Y war mit vielen 
wertvolleren Dingen, namentlich an Bettwerk versehen; sie wurde deshalb 
„verpetschirt". Aus gleichem Grunde wurde No. Z „versecretirt" ; denn hier 
waren „zwei schöne geschnittene schiink," ein „genullter schank", „zwei feine 
Kistgen", vier „Bilt Daffel" und einiges Bettwerk. Endli<h dürfen wir nichr 
die letzte; Zelle, No. FF., übergehen; sie hiess die „alte A[.tei" und war von 
der Junofrau M(>r"' bewohnt, ein Beweis, dass diese noch immer die Stelle der 
Äbtissin als Statthalterin bekleidete; daher waren hier auch nach VA auf- 
bewahrt eine weisse Briefkiste, eine Kiste mit allerhand Registern, d. h. liecli- 



3 



* 



36 

nungsbücheru iiml ilirl. Nach Yli waren ilieso nacli Wiesbaden zur Bcsichtigiiug 
abgeschiokr worden. Endliih wird von der Merg allein gesagt, dass sie eine 
besondere Sehlalkanniu'r an dnu „Xeiien Gang" gehabt habe; in ihr befand sicli 
kein weiteres Bettwerk, wohl aber in ihrer Zelle; jenes muss sie nach Walsdorf 

niitgenoninien haben. 

Von andern Räumlichkeiten werden genannt eine Stube und eine Kammer, 
„do man riulür/.r by der Stuben", jene mit einem Tische, zwei Kistchen, zwei 
Sesseln und einem kleinen Bänklein, diese mit mancherlei Hausrat. Es folgt 
das untere Siechhaus (YA unterscheidet „oben im Siechhaus ein Stübchen, im 
untersten S. und im untern Siechhausstübchen") ; schon in der ältesten Zeit des 
Klosters wird dessen gedacht: am 17. Januar sind im Necrologium Cuno von 
Dütscheim und dessen Mutter Katherina als Wohlthäter desselben augeführt, 
indem jener ein Pfund Heller, diese eine kleine Geldsumme an Solidi (die 
Ziffer ist nicht eingeschrieben) und drei Hühner „in infirmarium" spendete. 
Hie Familie derer von Hotzheim starb um das Jahr HioO aus, die Schenkungen 
waren also vorher erfolgt. Ha der Vater Cunos Sybode hiess, wie das Necro- 
loirium anmerkt, so ist wahrscheinlich, dass er diesen der Familie der Herrn 
von Wiesbaden geläufigen Namen durch Abstamnumg von einer Tochter der- 
selben erhielt; und in der That ist auch der Name Katharina bei ihr gebräuchlich 
o-ewesen Ferner schenkte Jutta von Frauenstein dem Kloster ein Malter Korn 
„in infirmarium", Necrologium 17. Februar. 

Haran schliessen sich in VB der Revendal (auch „thormeltil" genannt) und 
die Conventstube mit einem Vorplatz : dort standen drei Brodkörbe, zwei Schränke, 
ein Küchen- und ein langer Tisch, fünf Webstühle oder Rahmen, eine Haspel 
und ein Schemelchen, hier ausser mehreren Tischen, Sesseln u. s. w. nach VB, 
eine Kiste mit zwei eingebundenen Zinsregistern und zwei Zinsbücheru, deren 
eins zu Graf Adolfs Zeit (f 1511), eins zu Graf Philipps Zeit erneut war, 
ausserdem etliche Zettel und Register und ein Evangelienbuch, vor der Convent- 
stube mehrere grosse und kleine Schränke, eine Kiste und eine Plandfassdrisur, 
d. h. ein Gefäss zum Handwaschen. Von den Registern, die in VB fehlen, 
ist nichts erhalten ausser zwei Haushaltungsbüchern der letzten Äbtissin, deren 
älteres gar keine Ausbeute gibt, da es bloss die jedesmaligen Summen, niclit 
aber einzelne Posten der Einnahme und Ausgabe enthält. 

Im Kerker, der nun in VB folgt (in VA heisst es „bei der Nonnen 
Gefengknis") waren acht Küchenschränke, in der Badstube mehrere Badbütten. 
Eine wichtige Rolle spielt in Nonnenklöstern die Winde und das Windhäuslcin; 
durch sie wurde der Verkehr der Schwestern mit der Aussenwelt vermittelt. 
Die Winde war (sine wagerecht drehbare Vorriclitung zum Ein- und Auslassen 
von Dingen. In VB sind „by der Winen" einige Kistchen und Schränke 
aufgeführt, im „Windttlieuslein" merkwürdigerweise neun grössere und kleinere 
Kannen. Endlich waren in dem Klostergebäude zur Aufbewahrung von, wie 
es scheint, alten oder abgängigen Möbeln einige „Gänge" benutzt, wie der 
Gang bei Jungfrau Mergen Schlafkammer und der neue Gaug vor demselben. 

VA führt uns auch, wie gesagt, in den Keller und zählt den daselbst 
aufbewahrten Weinvorrat auf: es waren an firnem Wein 4 Fuder. 1 Ohm und 



37 

2 Vicrtol, an neuem Wein 4 FiiJur, 4^2 Oluii. zustunmen 8 Fuder, 5'/2 Ohm, 
2 Viertül. Nach einer Aufzeichnung^- des Jahres 1631 betrug der Ertrag der 
Weinberge des ehemaligen KU)sters im üurclischnitt jährlich 10 Fudcn-, von 
denen je die Hälfte „Mospacher Gewechs" war oder von der Goisheck geerntet 
wurde"); dazu trat eine Ohm, die zu Biebrich ständig fiel. Dem standen an 
Ausgaben gegenüber: Dienstwein des Kellers ein Fuder, für dessen Frau täglich 
eine jMass (= 4 Ohm, 11 Viertel, 1 Mass), für den Schreiber täglich eine 
halbe Mass Tischwein (= 2 Ohm, 5 Viertel, 3 Mass) und an WeissAvein 2 Ohm. 
Den Beschluss der VB macht die Kirche, die in VA in die Mitte gestellt 
ist und wie sonst kürzer abgemacht wird. Zunächst werden die Messbücher 
aufgezählt: „ein messbucli, ein gross missale, da Introitus in steh(>n, ein Metten- 
buch, ein vesperbuch, alt pergament, 21 sunsten allerlei klein metten büchlein, 
noch ein Vesperbuch, noch ein buch, so evangelia und epistel gesungen werden, 
ein klein Vesperbuch, alt pergament", zusammen 2S Bücher. In der grossen 
Altartafel (VA) befanden sich fünf kleine Kistlein, „helffen beiner (von Elfen- 
bein) und sunsten''', ein Sacramentshäuslein, ein Crucifix mit Tafel, sechs Tafeln, 
klein, stehen auf dem Altar, 44 kleine gemalte Tafel-Tücher und Briefe auf 
der Stube, vier Pfühle, sechs Kircheuleuchter von Zinn für den Altar, ein 
Leuchter von Zinn und zwei Fussbecken „in der Orgalarei" und ein kleines 
rundes Tischlein in der Kirche. Daran schliosst sich ein Schrank l)ei der 
Kirche, „do man aus dem Kloster hineingeht" mit verschiednen Tüchern und 
Messkendlein. 

Anhang. 
Die Kirche und andere Gebäulichkeiten des Klosters. 

Über den Bau, die innere Gliederung, die Denkmäler und Ausschmückung 
der Kirche gibt uns die Inventarisation keinen näheren Aufschluss ebensowenig 
als Reste derselben, da diese vollständig verschwunden sind. Das Wenige, was 
wir aus andern Quellen erfahren, soll hier zusammengestellt werden. 

1. 1296 am 2. Februar hub der König Adolf mit seiner Gemahlin 
an das Neue Kloster zu bauen. Werner von Saulheim bei S c h 1 i e p h a k c 
11, 227. IV, 41. 

2. 1296, am 29. September wird von dem Statthalter des Königs Ludwig 
von Sonnenberg der erste Stein gelegt. Ebenda; Necrologium 10. Juni. 

3. 1298, 6. Januar. Stiftungsbrief des Klosters durch den König Adolf. 
Koth, im Korresp.-Bl. des Gesamtvereins 1882, S. 78. 

4. 1298, 27. Januar. Die Königin Imagina gibt ihre Zustimmung zur 
Stiftung. Ebenda. 

5. Um 1304. Weihe des Klosters, t'ber diese s. AV i d in a ii n . Fro- 
gramm der Gymnasiums zu Wiesbaden 1882, S. 2^) und unten Xo. 8. 

6. 1298 fl'. Baumeister und Förderer des Baues waren frater Petrus 
pictor de ordiiu; minorum, qui fuit magister operis in principio structure istius 
claustri; Necrologium 27. Oktober; Gotfridus frater de ordine minorum, qui 



'■"') Vergl. übeji S. 19. 



38 

tiilelitor hiljoravit pro elausrrü consrnioiulo : Nocrologiuni 2^». A])ril; Wigandus 
plebanus de Moschbach. qui tidelitor laboravit pro elaustro constriiendo ; Nccro- 
Kigiimi !?4. NoYOinber, 

7. i:ill wird die erste Äbris.sin Jfidiardis (f -"• ''iili) i>'> Kreuzgang der 
Kirehe beigeser/.t. Xecrelitgiuin 22. Juli. II el wich. D (• r s ' Epitaidiienbueli. 

8. KI21. 24. März. Die Kirclie und dt>r Chor der Jungfrauen wird aber- 
mals (zum erstenuuile?) geweiht von dem Mainzer AVeihbischof Tiethniar. 
"Widmann a. a. 0. In dem .[ungi'rauenchor hielten und begingen die 
Schwestern die sieben Zeiten ; seine Lage war in der Verlängerung des Mittel- 
schiffes'*) ; es war etwas höher als die übrige Kirelic und liiess desshalb auch 
der höhere Chor im Gegensatz zu dem niederen Chor. Kirche und Chor der 
Schwestern wurde geweiht ,,in die Ere Marien der wirdigeu Jungfrawen'', der 
Fronaltar in der Kirehe ..in die Ere der heyligen Dreyfaltigkeit, des heiligen 
Crutzes und aller Apostelen und Evangelisten". Widmann a. a. 0. 

\K l'm 1440 stall I Jiulman, der länger als 20 Jahre llof'meister des 
Klosters gewesen war und demselben 140 Goldgulden „zu stuher zu dem crutz- 
gang an dem buhe" gegeben hatte. Necrologium 12. April. 

10. 1500. 24. November starb der ehrwürdige Vater und Bruder Johann 
Müller von Gelnhausen. Custos am Rhein und Guardian zu Frankfurt, von dem 
das Kloster 60 Fl. empfangen hatte, verwandt „in Nutz des Gotzhauses". 
Xecrologium 24. November. 

11. 15(0)7 starb Sifridt Stum von Bleidenstat, Laienbruder des Klosters, 
der ihm 40 Fl. für eine ewige Messe und Vigilie gab ; seine Schwester hat 
nach seinem Tod „an das closter gelacht in bu und besserung 35 Fl. 1518". 
Necrolügium 13. Januar. 

12. 1530 starb Merg de Konstein, „die da gegeben hat 23 Fl. zu den 
Daffcln zum Fronaltar in der Kirchen." Necrologium 9. Dezember. 

13. Der Laienbruder Eygelberg und seine Frau Kathcriua schenkten dem 
Kloster 100 Fl. für ein Anniversarium „et pro lumine candcle perpetue". 
Necrologium 30. November; der Eintrag stammt der Schrift nach aus dem 
14. Jahrhundert. 

14. Dctniicellus Dederich ILut (von Sonnenberg) und seine Frau Margreta 
stiften jälnlicli 12 ^Malter Korn und 35 Pfund zu einem ewigen Lichte. Necro- 
logium 4. Oktober. Der Schrift nach aus dem 15. Jahrhundert, Ein Jungher 
Dietherich lludt kommt in einer Urkunde vom 7. Dezember 14(17 vor; ein 
Dietrich und dessen Gemahlin Nese werden erwähnt mir der dahreszahl 1467 
und 1475. Vogel. Ann. Fl, :>, 30. 

15. Gertrudis, die ^lutter der Schwester Mechtildis, schenkte dem Kloster 
drei Pfund ilelhjr zu eineiu Messbuch. Necrologium 12. März, der Schrift 
nach aus dem 14. .lahrhundert. Welche Mechtildis gemeint sei, ist nicht fest- 
zustellen. 



") Ver;,'l. S <• li n c i il f r in W u|,'n ors f,M'istliclieii Stiften des Orosslier/.ugtunis Hessen II, 
Ü2ü u. 224 über das Xoniioiitliur im Keicli- und Arine-Clarcnkloster zu ]Mainz. 



39 

16. Im Septombor 1484 stavli dci- .,r('V(Mon(lus purer et ddininus Joliaimo.s 
Isonburg, cpiscopus Thonnopolcnsis et SuffViigancus doinini Spirousis, qui 
contulit nobis XX Floi'. et uiiuiu brcvitiriuiii in dualjus partibus pro se ot suis 
bonis fautoribus. Aiiik» doiuini iM('CCCLXXXIlll". Das Nocrologiuin vor- 
z(nclin(!t diese Notiz am 4. .Septombur, andere neiuien den 1. oder 2. September 
1484 seinen Todestag. Ei- >var vor dem Jalire 14(56 C'ustos generalis der Kliein- 
kustodie dov oberdeutsclien Minoritenprovinz und Siiffraganeus Thernio})ylensis 
gewesen. Sielie E u bei, Gescliiclit(! der oberdeutsclien (Strassburger) Minoriten- 
provinz. Würzburg 1886, S. 181, 186. 

17. Am 1. Dezember J431 starb die Gräfin Elisabeth von ILanau, (u;- 
mahlin Ulrichs V. von Hanau (f 1419); sie war die Mutter der Äbtissin Agnes 
(1422 — 1446) und deren Schwester, der Nonne Adelheid (f 1440), die beide 
im Jahre 1412 in das Kloster Clarenthal eingetreten waren. You ilii' Ijerichtet 
das Necrologium, wie wii- in (h'in ersten T(m1 dieser Studien bereits erwähnt 
haben, dass si(^ zwanzig -lahre zu Clarenthal in einem Hause, das sie sich bei 
der Kirche erbaut liatte, als Mutter und Freundin der Schwestern gewohnt und 
dem Convent iiundert Gulden hinterlassen habe. 

Wollen wii' uns ein einigermassen zutreffendes jjild der Kirche machen, 
so müssen wir vor allem das im Auge behalten, dass der Stifter des Ordens 
für dessen Bauwerke die grösste Einfachheit em])fahl und Bonaventura im 
Jahre 1260 bestimmte Regeln aufstellte. So sollte die Wölbung der Kirchen 
nur ausnahmsweise gestattet sein und diese weder durch grosse Dimensionen 
noch durch Säulen, Fenster und Bilder ins Auge fallen.'^) Wir dih-fen danach 
als wahrscheinlich voraussetzen, dass die bald nachher (um 1300) erbaute 
Ciarenthaler Kirche im wesentlichen diesen Vorschriften entsprocheii habe. 
Erst im Fortgange der Zeit fing man an auf künstlerische Ausstattung und 
Ausschmückung mehr Gewicht zu legen. Damit würde stimmen, dass die 
Clarenthaler Bildwerke an den Wänden und Fenstern erst dem lö. Jahrhundert, 
wie wir angenommen haben, angehörten."') Wir können aber auch noch einen 
Schritt weiter gehen und sei es ein Vorbild unserer Kirche oder ein aus dem- 
selben Geist entsprungenes Bauwerk in der Kirche des ßeichclarissen-Klosters 
zu Mainz erblicken, das als Mutter Ciarenthals betrachtet werden kann. Trotz 
ihrer Verstümmelung, sagt S c h n e i d e r"), ist dieselbe noch heute ein mächtiger 
gotischer Bau von guten Verliältnissen, abei- herber E i n f a c h li e i t ; an den 
grossen Mittelbau lehnt sich nur ein Seitenschiff an: ein Querschiff fehlt: 
sämtliche Teile der Kirche waren überwölbt; charaktei-istisclie Gliederungen und 
Ausschmückungen sind nur an einigen Stellen angebracht. Inwieweit Claren- 
thal damit übereinstimmte, lässt sich nicht entscheiden, z. B. die Frage, ob 
nur ein Seitenschiff oder gar keins angebaut war, ob WiUbungen sich vor- 
fanden; nur das dürfen wir festhalten, dass die gleiche Einfachheit lierrschte. 



'''") Kraus, Gesclnchto der cliristliclien Kunst, II. 1, 1H5. 
^«) Aiinalen XXIX, 18, 5. 



^') In dorn "NVorko von "Wap^nor. Die vorninligon goistliclion 8tiftc im fJrossherzogtuui 
Hessen II. 2'JÜ u. Tafel VIII. 



40 



Die Grabdenkmäler und Gemälde der Kirche zu Clarenthal. 

Ton der Kirche zu Clrtrentiiul ist nichts erhalten ; sie erfuhr nach der 
Aufhebung des Klosters mehrfache Veränderungen und zuletzt, als die Räumlich- 
keiten des Klosters zu ganz andern Zwecken benutzt wurden, eine gänzliche 
Zerstörung. Die jetzige Kapelle ist für den protestantischen Gottesdienst neu 
erbaut und nur i'in Grabstein hat an der Wand an recht ungünstiger Stelle, 
hinter einer Treppe, seine Aufstellung gefunden. Andere Inschriftsteine sind 
zu Neubauten benutzt und zerschlagen, vier von Persönlichkeiten des nassauischen 
Hauses nach Wiesbaden in die dortige Kirche verbracht, aber teils dem Zahne 
der Zeit, teils dem Brande der Kirche im Jahre 1850 zum Opfer gefallen. 
"Was wir noch von der Clareuthalcr Kirche wissen, verdanken wir den Auf- 
zeichnungen II e 1 w i e h s (lül4) und den Abbildungen des Malers D o r s (1632). 
Jener schrieb die Inschriften aller Grabsteine, soweit sie erhalten waren und 
gelesen werden konnten, ab und verzeichnete die Namen der Personen, die auf 
den zwei grossen Wandgemälden dargestellt sind, dieser machte Abbildungen 
derjenigen Grabdenkmäler und Gemälde, welche Mitglieder des Hauses Nassau 
betrafen, beide mit kürzerer (H e 1 w i c h) oder genauerer (D o r s) Angabe der 
Stellen, wo sich diese ehrwürdigen Zeugen der Vergangenheit befanden. So 
ergänzen sich beide Aufzeichnungen bis zu einem gewissen Grade einander. 

Die Kirche lag wie natürlich bei dem Klostergebäude; w^nn das Inventar 
vom ."). Februar lö.öQ sagt, dass ein Schrank bei der Kirche stand, wo man 
aus dem Kloster hineingeht, so muss wohl ein bedeckter Gang aus diesem in 
jene geführt haben. Durch ihn trat Hei wich in die Kirche, da er zuerst 
dif hier befindlichen Gemälde und Inschriften aufzeichnet, dies war aber die 
südliehe Seite des Gebäudes ; es lag also im Norden des Klosters : siehe unten. 

Von den liäumlichkeiten, in denen sich Denkmäler befanden, nennt 
Dors 1. den niederen Chor, bei Hei wich Chor schlechthin oder mit ante 
aram maiorem (altare malus) bezeichnet; 2. den höheren oder Jungfrauenchor, 
bei H e 1 w i c h chorus virginum ; ihn fanden wir schon in der chronikalischen 
Notiz des Jahres 1321 erwähnt; 3. den Kreuzgang oder ambitus. Da Hei wich 
ihn zuletzt verzeichnet, so ist er an der seinem Eingang zur Kirche entgegen- 
gesetzten Seite, also an der Nordseite des Schiffes, angebaut gewesen. 

Hei wich befolgt nämli(;h in seiner Aufzählung der Denkmäler genau 
dir Reihenfolge derselben, die er selbst einhielt, indem er von dem einen zum 
nächstliegenden vorschritt, anders als Dors, der mehrmals hin- und her- 
springend verfuhr; durch genauere Beschreibung der betr. Örtlichkeit machte 
er jedoch das Irreführende seines Vorgehens wieder gut. Nur einmal (No. 6) 
lässt sieh seine Angabe mit der Hei wichs nicht vereinigen ; s. No. 6 unserer 
Zählung. Hl' I wich beginnt mit dem Chor, dem niederen Chor bei Dors, 
N<.. 1-19, steigt dann zum Jungfrauen- oder höheren Chor, No. 24, geht darauf 
zum Kreuzgang. No. 20—30, und schliesst mit dem daran stossenden circuitus, 
No. 31. Dors oder das Epitaphienbuch beginnt mit dem Kreuzgang, (No. 25) 
Kichardis, zu dem er ncch zweimul zurückkehrt, No. 6 und 28, Imagina und 
Margarethe von Ei)penstein. wendet sich dann zu dem Gemälde des Grafen 



41 

Adolf und seiner Familie, No. 4, von da wieder zum Krouzgaug, No. (') Imagina, 
dann zum Jungfrauenchor, No. 24 Adelheid, darauf aborjnals zum niederen 
Chor, iS'o. 7 Mechtildis, um sofort wieder zu jenem zurückzukehren (Xo. 20 bis 
23), die bei II e 1 w i c h fehlen, und nachdem er das noch fehlende vor dem 
Hauptaltar aufgeführt hat, No, 8 und 9 Graf Gerlach und seine Gemahlin, 
2 und 3 Graf Adolf und seine Gemahlin, 4, ö, 10, das Gemälde Graf Adolfs 
und seiner Familie, Graf IMülipp und Friedrich von Hohenlohc, schliesst er 
mit dem Kreuzgange, mit dem er begonnen hatte, No. 28 Margarethe von 
Eppcnstein. Offenbar waren die einzelnen Abbildungen oder deren Copien auf 
je einem 13ogen ausgeführt und wurden in dem sogenannten Epitaphienbuch 
zusammen mit den anderen nassauischen Grabdenkmälern in einen Band ver- 
einigt, ohne dass man auf die Stellung in der Kirche Rücksicht nahm und 
auch die zeitliche Abfolge nicht genau beachtete. 

Aus H c 1 w i c h s Ortsangaben geht hervor, dass weltliche Personen nur 
im niederen Chor bestattet waren, Klosterschwestern im Jungfrauenchor und im 
Kreuzgang ihre letzte Kuhestätte gefunden hatten; vier Gemälde, die Hei wich 
nicht erwähnt, befanden sich im höheren Chor, zwei andere im niederen Chor. 

Für die Orientierung der Kirche gibt D o r s einen sicheren Anhaltspunkt, 
Nach ihm befanden sich im Jungfrauenchor vier Bilder, das erste auf der 
linken Seite der Wand, die drei andern im Giebel, welcher dem Altar gegenüber 
war, Yon diesen war No. 2 und 4 auf der linken und rechten Seite in Fenstern 
des Giebels, No. 3, das mittlere, auf die Mauer gemalt gegen Niedergang der 
Sonne, also gegen Westen gerichtet; der Altar und der ganze Chor lag also 
genau im Osten der Kirche, 

In der nachfolgenden Aufzählung der Denkmäler legen wir die Reihen- 
folge von H e 1 w i c h zu Grunde und schliessen an die einzelnen eine kurze 
Angabe der Örtlichkeit von D o r s an, Yorher aber müssen wir eine Be- 
merkung über den Gebrauch von rechts und links bei beiden machen. Was 
nämlich H e 1 w i c h rechts nennt, ist bei D o r s links und umgekehrt. Dieses 
beruht auf der verschiedenen Stellung, die sie für die Beschreibung der Lage 
einnahmen oder von ihnen eingenommen denken. H e 1 w i c h steht oder denkt 
sich vor dem Altar, mit dem Gesicht gerichtet nach dem Altar, wie es der 
katholische Geistliche bei der Messe thut, D o i- s steht ebenfalls vor dem Altar, 
aber zu ihm mit dem Rücken gewendet, zu der Gemeinde im Schiffe der Kirche 
mit dem Antlitz, So erklärt sich der entgegengesetzte Gebrauch beider Wörter. 

A. Weltliche Personen, 

I. Im niederen Chor: 
a) Auf der Südseite der Kirche. 
1. König Adolf und seine Gemahlin Imagina, eine Kirche in die 
Höhe haltend, zu beiden Seiten ihre Kinder, ein Gemälde an der Wand, 
Hei wich: pictura ad latus dextrum chori depicta, in qua Rex Adolffus cum 
Imagina regina cernuntur, ab utraque parte templum sustinentes, adiuncfis filiis 
et filiabus eorundem. Dors: Dieses Gemälde hndet sich , . . im niederen Chor 
auf der linken Seite in der Höhe auf die flauer gemalt. Abgebildet bei 



42 

Ilagolgans zu S. 12 umi KrcmiM-, Orig. TI Taf. 1. Yorgl. Sehen ck 
S. 399/ Scbliophako 11. 147. IV. 46. 

•J. uml 3. Cr V a f A il o 1 f uuil sei nc ( Joinalilin M a r g a r v. r li 0. J I e 1 - 
wich: ante luaius altaro a doxrris in numumentü elevato. f Anno doniini 
M°CCC°LXX° in die sauoti Antunii abbatis ob. illustris d.)niiniis Adolffus eomes 
de Nassaw, tilius (Jorlaei coniitis. ([ui fuit tilius Doniini Adolf'fi rogis ronianorum. 
Ad latus di'xrruni dt'i.icta insignia 0. in Xassaw. Burggr. Norinbergcnsis. Hiebe 
Hagelgans S. 1!>. Neerologiuni unt.r dem IT. Jan. Dors: Begräbnis im 
niederen Chor auf d.T linken Seite des Altars in einem Bogen, erhoben und 
ist gewesen A.b.ltt' Graf zu Nassau. <mii Snhn (iraf CJerlaehs und Frau Agnes. 
Seine Geniahlin liegt nrben ihm. welehe eine Tochter Friedrichs lY.. Burg- 
grafen von Nürnberg, war. — Die lusihvil'r des zweiten (rrabd(!nkmals fehlt, 
nicht aber das Bildnis der Gräfin: audi in das Necrologium ist ihr Name nicht 
eingetragen, obgleich sie in dem Kloster hohes Ansehen genossen hatte: noch 
zu ihren Lebzeiten — am 10. Februar loTl —bestimmte der Convent für sie 
ein reiches Jahrgezi'it. das sofmt jnliilich gefeiert werden sollte. Dass ihr 
Name im Necrologium fehlt, ist um so autfallender, als sie mit ihrem (Jemahl 
in ihrem beiderseitigen Testamente vom 'M. März 1360") das Kloster glänzend 
bedacht hatten, und als Margarethe wahrscheinlich starl). währcMid ihre gleich- 
namige Tochter Äbtissin war. Sie kommt nämlich, was man bisher übersah, 
noch im Jahre 1382 vor, wo sie am 13. Oktober eine testamentarische Ver- 
schreibung für ihre Tochter Katherina. Gemahlin Reinhai ds IL von Westerburg, 
machte.'") Der Grabstein wurde später in die Kirche zu Wiesbaden verbracht, 
Wfi er. weil er abgängig war, im Jahre 1818 vollständig zerschlagen wurde; 
nur ein liest desselben, zwei gepanzerte Füsse auf einem Löwen stehend, mit 
der Jahreszahl 1370, befindet sich jetzt im Museum zu Wiesbaden."") 

4. Graf Adolf und seine Gemahlin Margarethe mir ihren Kindern, 
Gemälde wie No. 1. 11 el wich: ab uniujue parte ipse cum uxore et omnibus 
liberis depictus. Dors: Gemalt in einem Bogen in der Mauer über ihrem 
Begräbnis, llagelgans S. 19, 24. Abgebildet bei Kr einer IL Taf. 2. 
Das Gemälde ist angefertigt nach dem Jahre 1396, vielleicht als Face von 
Lindau (v 1422) Äbtissin war, da ihr Sohn Johann in diesem Jahre die crz- 
Ijischöflichen Insignien (von Mainz), mir (hmen er abgebildet ist, erhielt. 

.'). (rraf Philipp von Nassau-Saarbrücken. Hei wich: In epitaphio 
iliidem ad murum erecto. Anno 1429 ipso die Yisitationis b. Mariae virg. 
gloriosae obiit Nobilis Dominus Phili])])us Conies in Nassaw et in Saraponte. 
Das Necrologium setzt seinen Tod iiiclir auf den Tag AHsitationis (2. Juli), 
sondern auf den 4. Juli. Dors: Dieser Stein steht aufrecht im niederen Chor 
auf der linken Hand. • — Kr wurde später in die Kirche zu Wiesbaden ver- 
braeht. we er l)ei dem Brande derselben im Jahre 1800 zu Grunde ging. Ab- 
;;el>ildet bei U<»ssel, Kirchliche Altertümer von Wiesbaden, Taf. 3. 



'") Uikiindf im Stuatsurcliivf; zu Wicsbadon. 

"*) l'rkund« im Stautsarcliivp und aligediuckt nach einer alten Kopie bei fjelunann, 
Oescbiclitc der Horrfn von AVestorlimi,', S. 19t). S, Aljsehnitt IV. 

""l |{(issel. Die kirclilichun Altertümer von AVioshadon, H. 3S. 



4:j 

h) Vor dem Altar. 

6. Königin I m a g i n a. 11 <; 1 w ich: in medio clidii ante aram maiorem in 
nionumentü elevato, in (|in> Uoginac species. Als T(xlestag gibt das Necr. den 
29. 8e])tcnib(Ji- an, das Tüdosjahr ist unbekannt; vgl. S c, h 1 i (; p li ak e IV, ;")<). 
Doi-s setzt diesen Grabstein in den Kreuzgang; er steht nach ihm dorr auf- 
recht und ist wie bei 1 1 c 1 w i eh dlmc Inscdirift. Gegenüber d(mi ausdrücklichen 
Ztnignis Ilclwii-hs und dem Ihustaud, dass im Kreuzgang sonst keine welt- 
lichen Personen begraben sind, darf mau ausDors' entschiedenen* Angabe ver- 
muten, dass zwis(dien den Jahnni 1614 und 1632 der Stein in den Kreuzgang 
vers(^tzt wurde und seine aufrecht(! Stellung (erhielt, die, so lange er sich vor 
dem Altar b(>fan(l, unmöglich war. Später wurde er abermals und zwar in die 
Kirche zu Wi(>sbaden versetzt, wo er bei den) Brande von IHöO zu Grunde 
ging. Eine Abbildung von ihm gibt Rössel a. a. O., Taf. ;>. 

7. Mechtildis, Tochter des Königs Adolf, Gemahlin des Pfalzgrafen 
Kudolf. ILelwich lässt sie unmittelbar auf Imagina folgen: Anno Domini 
1328 in die Sanctorum Gervasii et Protasii (19. Junij ob. lllustrissima Do- 
inina Mezza ducissa, Domini Adolfi Regis Romanorum (filia), mater Dominorum 
Ducum Bavariae. — Das Necrologium setzt ihren Tod auf den 13. Juni. 
Dors: Stein im niederen Chor vor dem Altar, erhoben. Mechtildis starb im 
Jahre 1328. Über sie vgl. Schliephake 11, 60. 

c) Auf der Nordseite der Kirche. 

8. 9. Graf Ger lach und seine Gemahlin Agnes von Hessen. Hel- 
wich: in sinistris ante altare malus in monumento elevato. Anno Domini 1361 
in crastino Epiphaniae (7. Januar) ob. Illustrissinms Dominus Gerlacus comes 
de Nassaw, filius serenissimi Domini Adolfi Regis Romanorum. Anno Domini 
1332 in crastino Epiphaniae (13. Januar) ob. Sereniss. Domina Agnes, coniux 
nobilissimi Domini Gerlaci, comitis de Nassaw. Im Necrologium steht Gerlach 
unter dem 10., Agnes unter dem 11. Januar. — Dors: Im niederen Chor auf 
der rechten Seite des Altars, erhoben, in einem Bogen; ist gewesen Graf 
Gerlach zu Nassau, Sohn Kaiser Adolfs, und Agnes, Landgräfin, seine Gemahlin. 

— Der Stein wurde später nach Wicisbaden verbracht und ging bei dem Brande 
der Kirche zu Grunde. 

10. F r i e d r i (• h von II o h e n 1 o h e. II e 1 w i c h : inscriptio tumuli solo 
adaequati. Anno Domini 1304 in die St. Martini (11. November) ob. Domicellus 
Fredericus de liohenloch. Im Necrologium steht der Name am 6. November. 

— Dors: Im niederen Chor auf der rechten Seite des Altars. Die Abbildung 
zeigt eine jugendliche Gestalt. Da der Stein neben dem Grabstein Gerlachs 
und der Agnes lag, so wird Friedrich von Uohenlohe diesen beiden verwandt- 
schaftlich nahe g(;standen haben; es liegt daher die Vermutung nahe, dass er 
der Sohn ihrer Tochter Anna, die mit Graft von Uohenlohe bereits im Jahre 
1337 vermählt war, also der Enkel Gerlachs und seiner Gemahlin Agnes ge- 
wesen sei. Gerlachs zweite Gemahlin Irmengard war ebenfalls eine geb. von 
Hühenlohe. Friedrich mag auf einem Besuche des Grossvaters gestorben sein. 



44 

dj In der Mute des Chores. 

11. (iriifiu Elisabeth von Hanau. Hei wich: in medio chori 
in numumonto olevato. Anno Doinini UiU iu crastino Audreae apostoli 
(1. Dfzi-mber) üb. venerabilis Doinina Elizabeth de Hanamve. — Neorologium 
1. Dc/ember. Vgl. eben S. 39 über ilir Verhältnis zu den Kloster Jungfrauen. 

12. 8 i f r i d II u t (von Sonuenberg). Hei w i e li : A dextris inseriptio 
tumuli. Anno l)..niini 1413 die Cathedra Petri (22. Februar) ob. Domiccllus 
Sifridus dictus lludr. — Neerologiuiii 21. Febr.: domicellus Sifridus dictus 
Hut post obituni suun» contulit nobis 36 libb. in anniversario suo. 

13. Greda Und in de .Sonnenberg. Hei wich: inscripti«) tumuli. 
Anno Doniini 1407 pridie Kalendas Novenibris in vigilia Omniuni Sanctoruni 
ob. (freda Hudin de Sonnenberg. 

14. FI a n n (' ni a n n u s H c r o It , Bürger von Oppenheim. H e 1 w i c h : 
inseriptio tunmli. Anno Domiui 1340 in die sanctae Catherinae virg. (25. Novbr.) 
ob. HannemannusdietusHerolt, Civis in Oppenheim. — Necrologium, 23. Nov.: 
contulit nobis annuatim 8 maldr. silig.. V/2 virnzal, (> libb. et 8 capones pro 
remedio anime sue et uxoris sue Elizabeth et liberorum [et] omnium parentum. 

1 r>. . 1 »'). . 17. E 1 i s a b e t li Heroldi. H e l w i c h : inseriptio tumuli. 
Anno Domini 133ö XHII Kai. Maii (18. April) ob. Elizabeth Herokli. quibus 
[anuis scilieet] X depositis YI [Kai] Martii (24. Februar) ob. Wcrutrudis 
ipsisque [annis] X repositis Y Idus Maii (11. Mai) ob. Lieba tiliae eius. — 
Xerrologium: 20. April ob. Domina Elizabeth de Oppenheim; 2."). Februar ob. 
Wcrndrudis de Oppenheim, cognata fratris Gerhardi, quo contulit nobis annuatim 
1 lib. hall. : 7. Mai ob. Liba de Oppenheim cognata fratris Gerhardi. Wie 
man sieht, stimmen die Angaben über die Todestage nicht überein; richtig 
werden die der Inschrift sein. Dieser Stein findet sich jetzt als der einzige 
noch erhaltene in der Wand der neuen Kapelle, leider an einer ungünstigen 
Stelle (hinter einer Treppe) eingemauert. 

18. H e i n r i c h von Lindau. H e 1 w i c h : inseriptio tumuli a sinistris. 
Ann(j Domini 1334 ob. lleinricus miles de Lindamve XIHI. Kai. Octobris 
(18. September). — Necrologium 24. September: ob. Hominis Hcinricus miles 
de Lindau (jui contulit nobis ad anniversarium 1 marck et 12 solid, zu eime 
ewigen lii'hr. 

[19. Katharina von Stockheim, geb. Knebel von Katzcnelnbogcn, ge- 
storben d(,'n 16. Dezember 1606, also nach Aufhebung des Klosters.] 

H. Im Jungfrauenchor 
vier Gemälde; sie fehlen bei H cl w i c h. 

20. Gi-iif Gerlach und seine Gemahlin Agnes von Hessen; zwei betende 
Personen mit nassauischen und hessischen Wappen; Dors: Fenster im Jung- 
frauenchor auf der linken Seite der Wand. 

21. Walrabe und Adolfus, betend; Dors: im Fenster i]n .kingfrauenchor 
auf d(,'r linken Seite im Giebel. Es sind zwei jüngere Söhne des Königs Adolf. 
Hagelgans S. 17 berichtet irrtündich, das Gemälde habe sich in der Kirche 
zu Wiesbaden befunden. 



45 

22. Dors: Allliio (je) /woi ^[anns- und Weibspersonen gemalt, aber gar 
verbliclien; (rechts oben das nassauisclie Wappen, links das hessische) ; auf die 
Mauer gemalt im Juugf'rauenchor an dem Giebel gegen Niedergang der Sonne. 

211. Kuieende Person, eine Kirche emporhaltend. mit einer Krone auf dem 
Haupte, wie in No. (5. Im Fenster im Jungfrauen- oder höheren Chor im 
Giebel auf der rechten Ifand. Dors sagt, die gekrönte Person sei Imagina, 
des Königs zweite Tochter gewesen; aber die Krone deut<it offenbar auf die 
Königin liin. di(» ^litstifterin des Klosters. 

B. Klosterjungfrauen. 
a) Im Jungfrauenchor. 

24. Die Äbtissin Adelheid von Nassau. 11 el wich: in choro 
Virginum. Anno Domini 1338 VII. Kai. Junii (26. Mai) ob. Alheydes 
Abbatissa de Nassowe Kogis filia. — Necrologium 12. Mai. — Dors: Im 
Jungfrauenchor vor dem Altar. Adelheid war Äbtissin von 1311 — 1338. 

b) Im Kreusgang, amhitus. 

25. R i c li a r d i s : 11 e 1 w i c h : scquuntur inscriptiones in Ambitu. Anno 
Domini 1311 V. Kai. Augusti (28. Juli) ob. Soror Richardis de Nassauwia, 
germana Domini Adolffi regis. — Necrologium 27. Juli. Dors: Im Kreuz- 
gang. Sie war die erste Äbtissin, ohne diesen Namen zu führen. 

26. Anna von Höh enl che. Hei wich: Anno Domini 1440 ipso 
die nativitatis Virginis Mariae (8. September) ob. Illustris Domina soror Anna 
de Hohenloch. Necrologium 8. Sept. : Illustris soror Anna de Hoenloch sub 
a. 1440, de qua habemus 160 Flor. 

27. Agnes von Hanau. Hei wich: Anno domini 1446 die s. 
Ceciliae virginis {22. November) ob. Illustris Domina Abbatissa soror Agnes 
de Hanaw. — Necrologium 22. November: fuit abbatissa huius conventus 24 
annos (1422—1426.) Sie war die Tochter der Elisabeth No. 11. 

28. Mar gar et he von Ep penstein, Äbtissin 1446 — 1450. Hel- 
wich: Anno Domini 1450 in die 8. Laurentii (10. August) ob. Illustris 
Domina soror Margaretha de Eppstein Abbatissa huius conventus. — Necro- 
logium 17. August. — Dors: Im Kreuzgang. Sie war die Tochter der Agnes, 
der ältesten Tochter des Grafen Adolf I. und der Margaretha, zum erstenmale 
vermählt mit einem Grafen von Witgcnstein, dann — um 1360 • — mir Eber- 
hard von Eppenstein, Hagelgans S. 25. 

29. Magdalena S c h e n k i u von E r b a c h , Äbtissin. Hol w ich: 
Anno Domini 1512 ipso die Simonis et ludae (28. Oktober) ob. Illustris 
Domina Magdalena Schenkin de Erpach Abbatissa huius Conventus. — Necro- 
logium 28. Oktober. Sie war die Tochter des Georg Schenk vcm Erbach. 

30. Anna Brendel von 1 [ o m b u r g , Äbtissin. H e 1 w i c h : Anno 
1553 die Kai. ... 25. Oct. ob. veneranda et nobilis Domina Soror Anna Brende- 
lin de Homburg Abbatissa huius Conventus. Sic war die letzte Äbtissin: s. oben. 

Ausserdem nennt Dors als im Kreuzsanii; Ijotindlich den Grabstein der 
Königin Imagina. s. No. 6. 



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Tun tlon Grabsteinen der 2.") Äbtissinnen waren also im Jahre 1614 nur 
noch sechs erhalten, einer von einer Soror (So. 26). Man darf vermuten, dass 
die lange Iteihe der Äbtissinnen von der Adelheid an [So. 24) bis auf die 
Agnes von Hanau (^No. 27) gleichfalls eutweder im Jungfrauenchor oder dem 
Kreuzgang bestattet wurden, ja man mag diesen um das Jahr 1440 deshalb 
erweitert haben, um Platz für Grabsteine zu gewinnen: aber auch aus der 
folgenden Zeit entbehren mehrere Äbtissinnen eines Denkmals, die durch die 
späteren Umbauten vernichtet sein mögen. 

Vun dem auf der Nordseite der Kirclie augebauten Kreuzgang wendet 
sich Hei wich zu dem benachbarten Friedhof des Klosters und schreibt: 

cj Extra temphim, 
ubi qiiomlam aiüiqtius fuit circintus, sunt quidom lajiides sepulcrales 
terra ohrafi, inter quos est unus tali Epigrapho : 

',)\. Anno Domini 1359 in die Parasceves ob. dominus Sifridus miles 
de Lindauwe. Die Parascevc fiel im Jahre 1359 auf den 19. April. Necro- 
logium '2'2. April: dnus Syfridus miles de Lindaw, qui contulit uobis pro se et 
(iiimi parentela sua 22V2 libb. hall, in XL super mensam conventus distri- 
bueudum (!). Die Urkunde über diese Stiftung ist ausgestellt am 27. März 1358. 

Versuchen wir schliesslich den Denkmälern und Bildwerken auf dem 
Plane der Kirche des Klosters nach der Angabe unserer beiden Gewährsmänner 
einen Platz anzuweisen, so mag die folgende Anordnung etwa das Richtige 
treffen. 



Giebel im Westen. 



Kreuzgang 2ö — 30. Extra tcmplam 31. 









Kloster. 



I 



I 



Über die zu dem Klosterhof sfehörendon Gebäulichkeiten der früheren 
Zeit wissen wir nur wenig. Einige werden iu dem llaushaltungsbuch genannt. 
Als nämlich der Sturm des Markgrafenkrieges im August 1552 die Nonnen aus 
dem Kloster trieb, um hinter den Mauern von Wiesbaden Schutz zu suchen, 
Hessen sie an mehreren Gebäulichkeiten, um sie vor den Landsknechten zu 
sichern, Schlösser und Schlüssel in Stand setzen, und bei Gelegenheit der Be- 
zahlung der Kosten dafür im Jalire 1554 werden genannt: 



49 

1. Das Kornhaus; 

2. das JJackluius; 

3. das Koltcrhaus ; 

4. zwei Scheunen; 

f). das Bichterhaus und in ihm 
G. eine Kannner; 
7. eine Cfesindestube. 
Das Kelterhaus -^'ird schon in der Urkunde vom 2'.]. August 1307 er- 
wähnt, aber so, dass die Lage desselben nicht genau /u bestimmen ist. 

Als Pforten des Klosterhofes, /u denen ebenfalls Schlösser und Schlüssel 
neu augefertigt wurden, kommen vor: 

1. Die obere kleine Pforte, da man zum Walde fährt; 

2. di(^ obere Pfort(!; 

o. die unterste l'forte ; 
4. eine Pforte ohne nähere Angabe. 
Von seinem Rechte als Eigentümer des Klosters und seiner Güter macht 
(Iraf Philip]) alsbald mich dem Abzug der Nonnen Gebrauch, indem er am 2ß. Juli 
desselben Jahres loöl) die Güter zu Niedererlenbach verkaufte. 



IV. Die Jahrgezeiten der Gräfin Margarethe von Nassau und ihres 

Kaplans Cunradus vom Jahre 1371. 

Die beiden unten mitgeteilten Urkunden über die Jahrgezeiten'') der 
Gräfin Margarethe von Nassau und ihres Caplans Cunradus vom 10. Februar 
(Scolasticae virginis) 1371 sind für uns sehr belehrend; denn sie geben uns 
genaue Mitteilung darüber, wie ein feierliches Jahrgezeit in dem Kloster Claren- 
thal verlief, namentlich erfahren wir etwas genaueres über die Mahlzeit, die 
mit demselben verbunden war. Wir ersehen daraus, dass das stille Leben der 
Klosterschwestern zu Ciaronthal, das wir uns g(u-ne als eintönig und in Bezug 
auf Speise und Trank als höchst beschränkt denken, nicht selten bei Gelegen- 
heit der Jahrgezeiten, deren Zahl nach dem Necrologium nicht gering war und 
im Laufes der Zeit immer grösser werden musste, durch flotte Mahlzeiten unter- 
brochen wurde. Das Necrologium**^) gibt uns zwar über die kirchliche Feier 



*') Unser Necrologium sagt gewölmlich Jargeziit oder auch schon Jargezeit, aber seltner 
Jarzit oder Jarzeitung. Mit dem Worte wurde die kirchliche Jahresfeier zum Andenken Ge- 
storbener bezeichnet; gewöhnlicher war sonst die Form Jarzit. Deutscli. AVörterbuch (Heyne) 
IV. 2. Sp. 2249. Lex er, Mlid. Wörterbuch unter iärzit. 

*-) Ein Necrologium, liber animarum, Totenbuch oder Seelbuch enthielt eigentlicli nur 
die Namen der eingetragenen Toten; weitere Zusätze über Stiftungen und Totenfeiern gehör- 
ten in ein Seelgerätbuch. Unser Necrologium vereinigt beides. Daher nennt es der gräfliche 
Kanzleirat Konrad Lesch, als es zur Kanzlei nach Idstein gel)ra('ht wurde, mit dem gleichen 
Rechte, als wir Necr., mit dem zweiten Namen, indem er auf die vordere Seite des Deckels 
den Titel des Buches also niederschrieb: „Sei geredtl)uch des Newen Closter zur Cantzley 
bracht Anno 1564. Con. Lesch.** Vgl. auch Baumann im Neuen Archiv VII, 23. "NVetzer 
und Weite unter Anniversarium und Necrologium. 

4 



50 

o-enug Aufklärunjr, Nvonu es au.li inoistens bloss alli-omeino Ausdrüeko ohne 
weiteren Zusatz, coinmenioratii». memoria. (ledächtnis, officium, aniiiversariuiu, 
eonferre in remedium animae, anwendet: wir erfahren an anderen Stellen, dass 
wie bei Mar^aretlie eine Yigilie des Abends und tüne Messe mit vier Kerzen. 
.,als (Jewohnheit unsers Ordens ist"* (auniversarium cum debita consuetudine 
uostri ordinis euni vigiliis de sero, de mane vero cum missa pro defunctis 
cum f|uatu..r candelis aecensis) stattl'aiul. V^l. /-. B. das Jalirgezeit des Erz- 
bischofs Adolf (loi)O; unter dem G. Februar und der Margarethe von lieim- 
bach unter dem 9. Februar. Eine Erwähnung aber der Mahlzeit, geschweige 
denn über die Art und den Umfang derselben finden wir nirgends; nur drei- 
mal ist von einem consolari in auniversario, d. h. von einer reichlicheren 
Mahlzeit (extra ordiuem et solito suavior et delicatior; Du Gange), 
einmal von der distributio super mensam. d. li. von der Verteilung einer ge- 
wissen Summe (unter die Priester und andere) die Kede: am 17. Mai. 
]."). .luni und 18. Oktober (consolari), sowie am 2'2. April (distributio)'') ; die 
Schrift der Einträge weist auf das 14. und den Anfang des 1.'). Jahrhunderts liin. 
Die Namen der Grätin ^fargarethe von Nassau, der Gemahlin Adolfs 1.. 
und des Caplans Cunradus fehlen in unserm Necrologium ebenso wie die Er- 
wähnung ihrer Jahrgezeiten. Dieser Umstand lässt sich erklären aus der Art 
der Entstehung des Necrologiums. obgleich dabei auffallend bleibt, dass beide 
dasselbe Schicksal betroffen hat. Unser Necrologium war nämlich nicht das 
erste des Klosters, sondern man hatte anfangs ein zu kleines angelegt oder 
dieses war im Eaufe der Zeit schadhaft geworden, so dass man später ein 
«rrösseres und haltbareres anzulejiren sich veranlasst sah; in dieses wurden die 
Namen des älteren mit aufgenommen.**^) Dabei mochte es vorkommen, dass 
man einzelne Namen nicht mehr lesen konnte oder aus Unachtsamkeit übersah, 
wie wir im ersten Teil dieser Studien mehrfach bemerken mussten. oder unter 
einem falschen Tag verzeichnete, wie dies nachweislich in Ciarenthal geschah ; 
es sind hier von 36 Personen, deren Todestage wir aus anderen Quellen, 
namentlich Grabschriften, kennen, nur 10 richtig eingetragen, 16 vordatiert, 
10 nachdatiert. Die älteren Einträge sind am Anfang des 15. Jahrhunderts 
von einer Hand in dem neuen Buche niedergeschrieben; der letzte Name des 
älteren Buches war, wie es scheint, Agnes von Katzenelnbogen, die unter dem 
10. .1 Ulli verzeichnet ist. Nach W e n c k starb diese im Jahre 1399''°), der erste 
der jüngeren Schrift, dessen Todesjahr wir kennen, war Sifrid Hut von Sonnen- 

"') Hier Iioisst es: .,<ib. dominus Syfridus niiles de Lindau (f lit. April l'.i'>9 naoli 
seiner Grabschrift, die Stiftung hatte er am 27. März 13ö8 gemacht), (pii coiitulit nobis . . . 
WIM UM», liall. . . super mensam conventus distribuenduiii." Kreiucr II, 414 schrieb XXIII 

lib. llal., und weil sein gramnuitisches (iefühl sich mm i;('i;eii distribuendum sträubte, Hess er 
ilio Kndung -um weg. — Über die distributio s. auch IIa ii um im a a. O. 

"'j Vergl. Hauiiiauii a. a. 0. 

**) Hess. Landesgeschiidite II, 50"). Woher Woiick diese .Jahreszahl liat, giebt er 
nicht an, er beruft sich auf unser Xecr., das eine solche nicht enthält. Rössel, Ann, VII, 
Hll, macht aus wenig stichhaltigen <iriinden Agnes zur Tochter Diethor III. (f 1276), setzt 
sie also etwa hundert Jahre früher an. Jedenfalls war Agnes am Ende des 14. Jahrhunderts 
Nonne zu Clarentlial und wird um die ant,''eirelieno Zeit gestorben sein. 



51 

berg, der nach der Orabsehrift bei lielwidi am 22. Februar 1413 starb. 
Vor dieses Julir, also in den Anfang des 15. Jahrbunderts, dürfen wir daber die 
Anlegung des jetzigen Necrob)giunis setzen; das nho \vurd(! niebt aufbewalirt 
und ist verloren. Die Namen Margarctbe und Cunradus können nun unleserlieb 
gewesen oder von dem Scbreil)er überseben worden s(Mn, zumal wenn der Zu- 
satz des Jahrgez(!its feblte. Denn viele, bei denen wii- die Abbaltung eines 
solc'ben voraussetzen dürfen, z. V*. des Stift(!rs der Anstalt und seiner Gemablin, 
der (h-afen (lerlacb und Adolf u. a., entbehren jeder dabin abzielenden Be- 
merkung; es verstand siiib wobl von selbst, dass so grosse Woblthäter des 
Klosters feierlich „begangen" wurden. Es können freiliob die Namen Marguretbe 
und Cunradus aucli schon in älteren Nekrologen gefehlt haben, grade so wie 
man auch auf dem Grabmal der Margarethe die Inschrift „vergessen hat bei- 
zufügen" (Hagelgans S. 19). 

Die Gräfin Margarethe war die Tochter des Burggrafen Friedricli IV. von 
Nürnberg, seit dem Jahre lo32 mit dem Grafen Adolf L von Nassau ver- 
mählt und die Mutter einer zahlreichen Kinderschar geworden; sie starb, wie 
wir in diesen Studien I., 181, Anmerkung nachgewiesen haben, nach dem 
14. November 1382. Dass sie auch nach ihrem Tode eine grosse Verehrung 
in dem Kloster genoss, beweist das Wandgemälde in dessen Kirche, das sie 
mit ihrem Gemahl und ihren Kindern darstellte und bei K r e m e r II abgebildet 
ist. Warum für sie die Äbtissin und der Convent das Jahrgezeit und grade 
in dem Jahre 1371 anordneten, sagt teils die Urkunde selbst, teils können wir 
es aus zwei Wohlthaten, die kurz vorher dem Kloster bekannt geworden und 
erwiesen worden waren, schlicssen. Die Urkunde rühmt nänüich die Andacht 
(Frömmigkeit) und Gutthat der Gräfin; mit dem zweiten Worte weist sie 
sicherlich auf die zwei angedeuteten Wohlthaten derselben hin, die wir in 
Kürze hier anführen. 

Margarethe hatte nämlich mit ihrem Gemahl am 31. März (feria tertia 
proxima post diem palmarum) 1360 ein „selegerede und Testament" gemacht, 
nach dem beide 350 Pfund Heller für verschiedene Klöster und Kirchen 
aussetzten, die der überlebende Teil nach des andern Tode gänzlich aus- 
zahlen solle. Da Graf Adolf am 17. Januar 1370 starb, so fiel dies der 
Gräfin zu. Zur Vollstreckung des Testaments sollten drei Truwenhendor mir- 
wirken, „denen der Brief geantwortet war", und auch für den Fall des vor- 
zeitigen Todes derselben war Fürsorge getroffen. In dem Testamente war 
Ciarenthal, wo die beiden, Graf und Gräfin, auch begraben sein wcdlten. be- 
sonders reichlich bedacht: es sollte 100 Pfund Heller erhalten; mit dem Gelde 
sollte man beiden ein Jahrgezeit kaufen und machen, also dass man es den 
Klosterfrauen und den Herren daselbst (den Priestern) geben soll, dass sie 
ihrer jährlich gedenken zu den vier Fronfasten mit Vigilien und ]\Iesseu, als 
in ihrem Kloster gewöhnlich ist. Auch setzte der Graf dar. wann Gott über 
ihn gebiete, das beste Koss''), das er habe und das beste Pferd und zwei 



80\ 



«) Audi Wernber de Merkesheini schenkte ausser nii<lcrn Dingen ein grosses, starkes 
Ross, einen equus dextrarius, das die Nonnen alsbald für 84 i'fmi.l Heller verkauften; s. d. 
15. Juni. 



4 



* 



52 

seiner besron Haruischo. einen zum Ernst und einen zum Schimpfe, und seinen 
besten Waffenroek: liabe er zu der Zeit kein Rüss, so sollen es zwei Hengste 
sein, die besten, die er luibc. Die Grätin setzte dar das beste Gewand"), das 
sie habe, nämlii-h t'incn Mantel, einen Warkos (ein Oberkleid) und ihren besten 
Roc-k mit Futter. 

Diese Stiftung uuiss also im Laufe des Jahres 1370 vollzogen worden 
sein. Dazu fügt Margarethe im J.aufe eben dieses Jahres eine weitere Ver- 
günstigung, wie die Urkunde vom 2."). .luli i^die Jacobi apostoli) meldet. Sie 
verspricht darin mit Graf Johann von Nassau-Weilburg, iJirem Schwager, und 
mit ihrem Sohn Adolf*'; mir Rat und Wissen des Erzbischofs Gerlach von 
Mainz, dass sie alle keine Pferde, Rosse oder Hengste, in das Kloster stellen 
wollen, noch Jäger oder Hunde dahin legen werden. Damit war die Atzungs- 
geret-htigkeit der Schirmhorrn des Klosters*') aufgeliobeu, eine demselben lästige 
und kostspielige Auflage. 

Diese zwei in dasselbe Jahr fallenden Wohlthaten mögen die Äbtissin 
und den Convent veranlasst haben, wie die Urkunde berichtet, mit Wissen und 
Zustimnuing ihres Yisitators und Gustos des Minderbrüder-Ordeus auf dem 
Rhein, der bei der Abfassung der Urkunde zugegen war und sie besiegelte, 
der Grätin noch bei ihren Lebzeiten ein besonderes Jahrgezeit anzuordnen und 
zu feiern und zwar nach ihrem Tode auf ihren Sterbetag und vor ihrem Tode 
auf den Freitag in den Fronfasten nach des heiligen Kreuzes Tag, da es erh()ht 
ward (14. September), oder an dem nächsten Tag. Wie die Feier verlaufen 
sollte, sagt die Urkunde, die wir nun folgen lassen. 

Urkunde über das Jahrgezeit der Gräfin Margarethe 
vom 10. Februar 1371. 

In Godis namen Amen. Wir swester Jutte Eptissen und der gantze 
Convent gemeynlich Sanct Ciareu ordens zu dem nuwen Closter by Wisebaden 
gelegen in mentzer bisthdum han an gesehen und bekant di Andacht, begird 
und di gutdat der Edelen hochgebornen frauwen. unser frauwen Margareten, 
(rreljynnen zu Nassauwe, und han eynmuteclichen für uns und alle unser nach- 
kumen globt und verbunden mit diser gegenwortigeu schrifft. daz wir alle iar 
eweclichen uf den dag, als sie verscheidit von diser wernt, sullen bogen ir 
iargezit und da mite irs seligen herren, des edcln herren grafe Adolfs, grafe 
zu Xassauwe, gedenken, des abendes mit selvesper und mit vigilie und des 
morgens mit sidmesse und mit eyme duche und mit brennenden kerzen, als 
unser gewonheid ist. Aurh sullen wir zu der zir. so man das iargezit begeet, 
zweier prister me haben, den gewonlich hie ist. Audi sal man den frauwen. 

") Klspeii Hiflyen schenkte einen gesteppten Hock mit Perlon und silbernen Bockclin 
im ^Verte von 70 H.; s. 17. November. Geschenke von Kleinodion u. s. w. kommen öfter vor. 

*") Dio zwei älteren Söhne waren damals schon tot, die jüngeren noch minderjährig. 
Menzel V, 28. 

•"*) Nach der Vereinbarung der Grafen Adolf von Nassau-Idstoin und Johnnn von Nassau- 
W.;ilburg vom 11. Januar 13.'j8 sollte dio Vogtoi übor Clareuthal don beiden lirüdorn gemoin- 
ham zustehen. .Menzel V, 1.5. 



53 



iitr <l(^n selben da,«;-, uls iiinii ir iargezit bcgeot. geb(Mi cineu dinst'") vou eleu 
zclion guUlyn, di utt' daz iargezit benant syn, yoclichor frauwou ein schonbrijt, 
evn vcnnaz") \Yynes. Ist aber, daz man fleisch sat ezsen, so sal man gesotten 
und gebraten geben, ist aber, daz man tische sal ezsen, zwei gericht, eyu 
kleyncs und eyn grozses. Die vorgenannten zehen guld(!U di sal man gebeu 
und nemen von den sechs und zwenzig nuildcü' k()rng(ddis und von eynen (sie) 
fäder wynes uff unseren gutern gelegen zu Nordenstat. Welches iares daz iargezit 
begangen nicht invvurde und mit v()rda(lit(Mii nuite und uffsatze oder gevcrde 
uubegangen blibe nach der wise, als vor benant ist, daz is nicht begangen 
^vurde uff (h-n dag, als is gevellet oder uff den ucliesten dag dar nach, so man 
is wol Ijcgaii n)()cht(> au geverde, so sullen des selben iares zu eyner pcno di 
vorgenanten zehen gülden vervalleu syn an di pfarre zu Wisebaden. Auch 
sullen wir an vahen und began itzt by irm lebtage ir iargezit alle iar uff den 
frietag in der fronfasten, di da gefellet nach des heyligen Crucisdag, als is 
erhaben wart oder uff den nehisten dag dar nach, So is wol gesyn mag an 
gevcrde, mit selniesso, mit diuste, mit pene und mit aller wise. als vor be- 
schriben ist. Und zu eym steten vesten Urkunde So han wir di vorgenanten 
frauAven unsers Convents gemeyn yngesigel an diesen brieff' gehangen. Auch 
han wir uebetten den ersamen vater Bruder Johans von Dippurg, Custos des 
Mynro bruder Ordens uff dem Ryn, unser visitator, der vor und nach by diesen 
dingen ist gewcst, daz er daz yngesigel synes Amptes zu eynem merern Urkunde 
an disen brieff hat gehenkit, Der gegeben wart zu dem Nuwen kloster gelegen 
bi Wisebaden, da man zalte von gods geburte Dusend iar druhundert iar in 
dem eyn und sibenzigsten iar an dem dage der heyligen Jungfrauwen Scolastice 



virgmis. 



:\lit dieser Urkunde ist eine zweite durch einen Pergamentstreifen ver- 
bunden, die wir ebendeshalb auch abdrucken lassen; wir bemerken nur vorher, 
dass wir von dem Caplan Cunradus sonst nichts wissen. 

Urkunde über das Jahrg-ezeit des Caplans Cunradus 
vom 10. Februar 1371. 

Wir swester Jutte Eptisseu und der gautze Convent sanct Ciaren ordens 
des Nuwen Closters bi Wisebaden gelegen bekennen mit diser gegenwurtigcn 
schlifft, daz wir alle iar uff den achten dag Sanct Mathies des zwelffpoten'*) 
sullen gedenken getruwelichen in der messe und in unserm gebcte hern Cunradis 
seligen, ewan Caplan waz der erwirdigen hochgebornen frauwen, unser frauwen 
Margareten, grebinnen zu Nassaw. Und uff den selben dag sullen wir geben 
den frauwen über disch um spise eynen gülden, den sullen wir nemen von den 



°") Ein leckeres Mahl. 

»') Schwerlich eine Manss im heutigen Sinne, sundern eine ubgonicssone Portion A\eni; 
das Wort kommt her von vermessen = abmessen. 

92) Ob hier der Tag des Apostels Matthäus (21. September) oder des Matthias (24. Febr.) 
gemeint sei, ist bei dem Mnngvl fines Zusatzes nicht zu sagen. 



54 

YorgeDiiDten uuseru gutlern zu Nordeustat. da/, der guldon mit oyn ander eylfe 
werden. Und dis zu evneni waren vesten urkuud so han wir unsers Convents 
vngesigel an dise bede mit eynre j)resseln") gehenkit und geslozsen. Der 
•»e^eben wart, da man zalte von *:odis geburte dusent iar druhundert iar in 
dem evu und Sibenzigsten iare an ^]ov lieyligen Jimgfrauwen dag Scolasticc 



virginis. 



Die Siegel an den beiden Urkunden sind erhalten. 



■ ,1 Kiiif l'ressel von dum inlat. pri's.suhi war uiii Purgameiitstreit'en. Deutsches Wörter- 
buch VII, 2104. 



Das politische Testament des Grafen Johannes 

von Idstein- Wiesbaden. 



Von 

0* Meinardus» 



Die Erforschung und Beschreibung- grosser weltgeschiclitlicher Ereignisse 
ist nicht die einzige Aufgabe des Historikers, sie ist auch nicht einmal die 
dankbarste. Weit anziehender ist die Verfolgung der tiefsten Beweggründe 
menschlicher Handlungen ; und gleich dem frohen Jägersmann, der die glücklich 
entdeckte Spur eines Edelwildes entzückt betrachtet, empfindet der Forscher 
freudige Genugthuung, wenn ihm auf vergilbten Blättern der Vergangenheit 
eindringliche Worte eines warm empfindenden Menschenherzens und edle 
Charakterzüge entgegentreten. 

Mitlebende unserer Tage, die in kleineren oder grösseren Kreisen drv 
Gemeinde oder des Staates eine Kolle spielen, Volksmänn(!r, Krieger, Staats- 
männer, Fürsten oder überhaupt Leute beiderlei Geschlechts, die aus der grossen 
Menge der Einzelerscheinungen auf ein allgemeineres Niveau der Betrachtung 
emporgehoben erscheinen, alle diese Zeitgenossen können heutzutage nur dann 
ihre Aufgabe erfüllen, wenn sie das Licht der Oeffentlichkeit nicht scheuen. 
Wie eine grelle Fackel beleuchtet ihr Thun und Treiben, man kann sagen auf 
allen Teilen des Erdballs der elektrische Funke, wenn uns durch ihn, sei es 
mit, sei es ohne Draht die neuesten Ereignisse übermittelt werden. Das öffent- 
liche Leben unserer Tage ist in Wahrheit erst ein öffentliches zu nennen. 
Was in diesem öffentlichen Leben steht und in ihm arbeitet, dessen Art uiul 
Wesen wird auf die Dauer nicht unbekannt bleiben, er kann sie nicht ver- 
hehlen. Für den Historiker der Zukunft wird es aber eine Riesenaufgabe sein, 
diesen ganzen Niederschlag zu sichten, die mündlichen Äusserungen mit den 
schriftlichen zu vergleichen, der Parteien Hass und Gunst zu entwirren und dii; 
wahren Charakterzüge im Bilde festzuhalten und an die richtige Stelle zu setzen. 

Wie ganz anders stehen wir der geschichtlichen Vergangenheit gegenüber! 
In welches tiefe Dunkel müssen wir uns oft versenken, um doch so liäufig nur 
zweifelhafte Ergebnisse an das Tageslicht zu fördern, wogegen die Arbeit des 
Tauchers wie eine Arbeit an der Helle des Tageslichtes erscheint! Freilich ist 
der noch glücklich zu nennen, welcher die Geschichte unserer jüngsten Ver- 



Ob 

»ano-enheit Ijearboitet. Welch ein roiflior 8tt»ti' an (lesfhichtstiiu'lK'n aller Art 
steht ihm da zu Gebote! Briefe, Tagebücher, Memoiren, Denkschriften, kurz 
Aufzeichnungen aller Art. Gedrucktes und Geschriebenes gestatten uns Einblicke 
in das innerste Leben dtr grossen .Männi-r aus unserer jüngsten grossen Zeit! 
Wer dagegen fünfzig, hundert, ja zweihundert Jahre zurückgeht, wie oft kommt 
es da vor. dass wir vor einem Rätsel stehen, wenn uns die Quellen im Stiche 
lassen ! Und doch hat die eigentliche Arbeit des Historikers zu allen Zeiten uiul 
seffenüber dem reichsten Material mit der «j-leichen Arbeitsmethode einzusetzen. 
Wer jetzt zum Beispiel in der Zeitschriften-Litteratur die Beurteilung verfulgt 
hat. welche das grosse Memoirenwerk des Fürsten Bismarck, seine „Gedanken 
und Erinnerungen'' von einigen unserer ersten Historiker') erfährt, der kann 
sich einen Begriff von den Schwierigkeiten machen, mit denen eine Er- 
forschung der weiteren Yergangenheit zu kämpfen hat. Das politische Testa- 
ment, um es so zu nennen, welches unser grösster Staatsmann hinterlassen, 
wird immer ein klassisches Werk bleiben, aus dem gegenwärtige und zu- 
künftige Geschlechter vieles lernen können, und unsere Fachgeuosseu bekennen 
im Anfang ihrer Kritik, dass sie es stets in diesem Sinne betrachtet und ge- 
lesen wissen wollen, aber der höchsten Pflicht des Historikers, der Erforschung 
der Wahrheit, haben auch sie sich beugen müssen. 

Die „Gedanken und Erinnerungen'* sind eben für den Historiker eine 
(reschichtsquelle, die er methodisch zu bearbeiten hat. Und eine Geschichts- 
»juelle ist auch das „Politische Testament des Grafen Johannes von Idstein- 
Wiesbaden, " mit dem wir uns jetzt beschäftigen wollen. 

,,l*olitische Testamente" gehören zur Memoiren-Litteratur im weitesten 
Sinne des Wortes. Es sind hinterlassene Ausarbeitungen von Fürsten oder 
Staatsmännern, in denen sie gewissermassen Kechenschaft ablegen über die von 
ihnen verfolgte Politik und ihren Nachfolgern aus dem Schatze ihrer Er- 
fahrungen heraus Winke und Wünsche für die politische Zukunft ihres Staates 
unterbreiten. So sprechen wir von politischen Testamenten des Grossen Kur- 
fürsten und Friedrichs des Grossen. Es ist gar nicht nötig, derartige Nieder- 
schriften erst am Ende des Lebens entstanden zu denken, sondern wie Privat- 
testamentc, Tagebücher und Memoiren pflegen sie bei passender Gelegenheit 
angefertigt zu sein. 

f !raf Johannes, dessen Leben bekanntlicli in die trüben Zeiten des dreissig- 
jäiu'igeu Krieges und der folgenden Jahrzehnte fällt — er ist 160)5 geboren 
und 1(377 gestorben — , hat die uns noch vorliegenden Aufzeichnungen offenbar 
in seinen letzten Lebensjahren verfasst. Ein reiches Leben voll von Erfahrungen, 
von Mühe und Arbeit lag damals hinter ihm. Als einer der jüngeren Söhne 
des Grafen Ludwig II. von Xassau-Saarbrückeu, dem es gelang, in der Zeit von 
100.) — \&J1 all(! Landi! des Walramischen Stammes des Hauses Nassau in 
Einer Hand zu vereinigen, erhielt er nach des Vaters Tode bei der Erb- 
auseinandersetzung mit den Brüdern, welche der sogenannte Gothaische Vergleich 
von \V)7)] bestätigte, die Herrschaftcm Idstein und Wiesbaden nebst einigen 



'i Maroks und I>cnz in den letzten Heften dor Deutschen Rundschau. 



57 

boigolcgencn Ämtern und die TleiTseluift Tiulii'. So wird in dieseui Gescidochte 
immer vun neuem dns überlieferte Ilerkomiiicn bestätigt, die Lande zu teilen 
und die ]\lrtclit /u zer.splitti'ru. Wenn wii' iiicrin einerseits eine privatrecht- 
liche Auffassung der fürstlichen Stellung erkennen, welche in kleinen und 
grossen deutschen Herrschaften und Fürstentümern die Versuche, zu festen 
Primogeniturordnungen /u gedangen, immer wieder zurückdrängt, so kann man 
es andererseits vom Standpunkte eines gräflichen Familienvaters jener Tage; 
wohl verstehen, dass er darauf bedacht war, seine Kind(!r in lierrschendcr 
Stellung und wohlversorgt zu wissen, Nur dass es bei der in dieser Epoche 
meist recht zahlreichen Nachkommenschaft unseres gräflichen JLauses oft schwer 
war, für jeden Sjjrössling einen Souveränitätsteil an Landen zu bescliaffen. 
Wie dem auch sei, wir werden seilen, dass die Zuteilung der Herrschaften 
Wiesbaden-Idstein an den Grafen Joluuuies den J^andeu nur zum wahren Segen 
gereicht hat, als es darauf ankam, die tiefen Wunden zu heilen, welche der 
dreissigjährige Krieg ihnen geschlagen. 

In diesen Krit^g sind grade die nassauischen Grafen stark verwickelt 
worden, was man unter andern daraus sieht, dass sie mit zu den letzten 
deutschen Fürsten gehörten, welche in die allgemeine Amnestie eingeschlossen 
wurden, erst 1645. In den ersten Jahren des Krieges wählten sie zu ihrem 
Unglück die Neutralität und nmssten es nun erleben, dass ihre fast unbewehrten 
Lande von Feind und Freund ausgesogen wurden. Der alte Wetterauische 
Grafenbund, welcher in der Reformationszeit stark gewesen war und sich noch 
im Anfang des Jahrhunderts gegen Spinola und die Spanier bewährt hatte, war 
zerfallen. Yergeblich waren in den zwanziger Jahren die Versuche des Grafen 
Johannes, an den Höfen zu AschafFeuburg, München und Darmstadt, später in 
Prag am Kaiserhofe die Befreiung des Landes von dem furchtbaren Druck der 
eingelagerten Heere zu erwirken. Ihm ging es so, wie gleichzeitig dem Ge- 
heimen Rat des Kurfürsten von Brandenburg, dem Grafen Adam von Schwarzeu- 
berg, der auch die Abführung der Wallensteinischen Scharen aus der Mark 
Brandenburg erbitten sollte, beide erhielten vom Kaiser weitgehende Zusagen, 
aber diese wurden nicht erfüllt, obwohl Schwarzenberg Katholik und beim 
Kaiser eine sehr angesehene Persönlichkeit war. Denn damals, es war 1628, 
gewannen am Wiener Hofe radikale politische und religiöse Elemente, welche 
das Restitutionsedikt von 16:^9 durchzusetzen wussten, die Oberhand. Auch 
katholische Geschichtschreiber, z. B. Koch, der Biograph Ferdinand HL. haben 
dies Edikt verdammt, und Graf .lohannes sagt selbst darüber: „Der Jesuiten 
Geiz und des Herzogs von Friedland hohe Anschläge warfen solche gute Ent- 
schlüsse (des Kaisers) über den Haufen."- Im Fortgange des Krieges schlössen 
sich die nassauischen Grafen aus voller Überzeugung dem Schwedenkönig an. 
Graf Johannes hatte schon 1621) durch seine Heirat mit einer Tochter des 
bekannten Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach, der sich nach dem 
Niedergang der Union als erster der Liga entgegengestellt hatte, aber von Tilly 
geschlagen war, gezeigt, dass seine innere Cberzeugung ihn den lutherischen 
Glaubensgenossen zutrieb. So musste er auch die weiteren Konsecjuenzen tragen. 
Im Einzelneu ganz aufgeklärt ist seine Beteiligung an »len folgenden Ereignissen 



58 

noch nifhr. Jodonfalls gehörte er nacli (Irin Tode Gustav Adolfs dem Heil- 
Jirunner Bunde und dem Kriegsrat, dem (Vmsilium formatum. au, welclu's zunächst 
die Kriei'sbeweguugen leitete. Kr scheint das Ijündnis mit Frankreich im 
Jahre iGao mit unterschrieben und die Bestallung des IFerzogs Bernhard von 
.Sachsen-Weimar im ^lärz HyX) mit uuterzeidinet zu haben. Durch dieses 
mutige Ynrijeht'n im Interesse ihres (rlaubens und ihrer Selbständigkeit luden 
die AValramischen Brüder den ganzen Zorn des Kaisers auf sich: sie wurden 
ausdrücklich neben verschiedenen anderen südd(!utschen Fürsten vom Prager 
Frieden ausgeschlossen und ihrer Länder entsetzt; die Herrschaft Idstein übergab 
der Kaiser im Jahn» lüot) dem oben genannten Grafen Schwarzenberg, der 
allerdings zwei .lahrc sjjäter auf sie verzichtete. Fast 13 Jahre lang musste 
(fraf Johannes mit seinen Brüdern das bittere Brod der Verbannung kosten. 
Er lebte mit seiner Familie und seinem Schwiegervater meist in Strassburg 
und Metz. Damals ging es ihm so schlecht, dass er in Paris die Unterstützung 
des französischen Königs anging: und seit 1G39 hat er eine jährliche Pension 
vdu 0000 Frcs. von dort bezogen.") Während dieser ganzen Zeit unterliielt er 
zuirleich Beziehungen zum schwedischen Reichskanzler Oxenstierna, der ihn von 
seiner im Jahre 164") erfolgten Amnestie in Kenntnis setzte, worauf Graf 
Johannes, nachdem er im Mai 1646 durch den Amtmann Schmittburg von 
Wiesbaden und Idstein hatte Besitz ergreifen lassen, im l)ezeml)er dieses Jahres 
hier seinen Einzug liielt. 

Damit schliesst die erste Lebenshälfte des Grafen. Die zweite ist erfüllt 
von Werken des Friedens. Zwar fanden bis in die fünfziger Jahre hinein noch 
allerlei Beunruhigungen durch den Herzog von Lothringen statt ; auch der grosse 
Krieg gegen Frankreich von 1672 — 1679 brachte wieder viele Kriegsunruhen und 
Zerrüttungen über das kleine Land. Ebensowenig gelang es der Saarbrückischen 
Ijinie des Hauses Xassau, offiziell zum Reichsfürstenstande zugelassen zu werden. 
Bei den Bemühungen um diese Würde musste Graf Johannes den grossen 
Schmerz erleben, dass sein ältester Sohn Gustav Adolf, den er nach Regens- 
burg gesandt, im Jahre 1653 zum katholischen Glauben übertrat. Obwohl ihn 
dieses Ereignis tief erschütterte, möchte man doch beinahe glauben, dass der 
bekannte, im Druck vervielfältigte Brief, in dem er den Sohn mit furchtbaren 
Worten verflucht, ein apokryphes Machwerk") ist, da Vater und Sohn später 
wieder miteinander verkehrten. Auch sonst gab es noch die eine und die 
andere äussere politische Angelegenheit zu erledigen. Aber wesentlich be- 



^) Keller, Die Drangsale des nassauischen Volkes in den Zeiten des drcissigjiihrigen 
Krieges, S. 370. 

^) Gedruckt zuerst in Moscr's Iseueni ])atriutis('hen Archiv II, .S. 522. — Angeführt 
bei Firnliaber, Die Xassauische SimuUanvolk.sscliuie I, S. 24 und «grösstenteils mitgeteilt von 
F. Otto in seinem Aufsatz: Graf Johann von Nassau, Herr von Idstein und ^Viesbaden. Evaug. 
Gemcindoblatt 1891, 'So. 33, S. 261 f. — Es ist auffällig-, dass dieser Brief, nebst einigen 
anderen auf die Sache bezüglichen, im .lahre 1654 als gedrucktes Flugblatt im Reiche ver- 
trieben worden ist. Es wäre gewiss eine nicht uninteressante rntorsuchung, festzustellen, was 
ilabei Thatsächliches zu (Jrundo liegt. Der erwähnte Abdruck befindet sich im Staatsarchiv 
zu Wiesbaden. 11. A. Wairam St. II. D. 2, No. 28. 



59 

kümmorte sich Graf Johannes darum. <li<' \viitscluiftliche Lage der Bevölkerung 
zu verbessern. Er suchte ihren Zuwadis durch Heranziehung Benachbarter zu 
befih-dern, Handwerk uiul Gewerbe verlieh er neuen Aufschwung. Die Land- 
wirtschaft war er bemüht zu lieben, indem er die Verwertung der Boden- 
(u-zeugnissc besser ermöglichte und Viehzucht und Ackerbau verbesserte, Wies- 
baden und Idstein haben ihm vi(!l zu verdanken, und während seiner Regierungs- 
zoit stieg die Zahl der Bevölkerung nicht unwesentlich. Dem Badeweseu in 
Wiesbaden und den Taunusbädern vei'lieh m- neue Grundhigen, fih'derte über- 
haupt die Landeskultur. Dabei war er auf den Wiederaufbau und sogar die 
Verschönerung der (■■)ffentlichen Gebäude und Gärten bedacht, und dieser beim 
Antritt seiner Regierung so verarmte Graf erübrigte durch verständige Ökonomie 
soviel Mittel, dass er sich eine bedeutende Gemäldegallerio anlegen und die 
Kirche zu Idstein neu wieder erbauen und ausschmücken konnte.*) Nicht ver- 
gessen werden dürfen seine Bemühungen um die Hebung der allgemeinen 
Sittlichkeit und um die elementare und wissenschaftliche Unterweisung der 
Jugend. Auf seine Stellung zur Kirche und Konfession v, und seine Anschauungen 
über Hexenprozesse werden wir noch zu sprechen kommen. 

Graf Johannes erfreute sich einer zahlreichen Familie. Seine erste Ge- 
mahlin gebar ihm 9 Kinder, die meist schon früh gestorben sind; von den 
16 Kindern seiner zweiten Gemahlin, einer Gräfin von Leiningen-Dachsburg, 
waren bei seinem Hinscheiden noch drei am Leben. 

Dieser kurze Überblick über den Lebensgang des Grafen muss uns ge- 
nügen ; denn es gehört nicht zu unserer Aufgabe, seine Biographie zu schreiben, 
sondern nur dahin geht unsere Absicht, durch eine Veröffentlichung wertvoller 
Aufzeichnungen dieses eigenartigen Fürsten-Charakters zu weiteren Forschungen 
über seine Lebensschicksale anzuregen; Material dafür ist genug vorhanden. 

Aufzeichnungen aller Art hat Graf Johannes schon während der Zeit 
seiner Verbannung gemacht, von denen aber nur Weniges erhalten zu sein 
scheint. Dazu gehört eine ausführliche Instruktion für die Erziehung seiner 
Kinder. Auch über Aufteilungen der Lande des Saarbrückischen Stammes ist 
eine Niederschrift von ihm vorhanden. 

Das uns hier vorliegende politische Testament hat er in seinen letzten 
Lebensjahren abgefasst. Er spricht an mehreren Stellen von dem gleichzeitig 
wütenden Kriege zwischen Frankreich und Holland (1672— 1()79) und erwähnt 
einmaP) die Bemühungen um Erlangung der Reichsfürstenwürdc für sein Haus, 
von denen er angibt, dass sie vor fünf Jahren in Regensburg augestellt seien. 
Da wir nun wissen, dass dies 1672 geschah, so muss dieser Teil des Testa- 
mentes 1677 niedergeschrieben sein. Es ist der letzte; denn am Ende bricht 
das Manuskript plötzlich ab, offenbar mit den letzten Schriftzügen des Grafen, 
der am 23. Mai 1677 im Idsteiner Schlosse das Zeitliche segnete. 



^) Hierüber ist zu Yt»rgleichen : Cuntz, Die Kirnho zu Idstein. Idstein 1868, und neuer- 
dings die Aufsätze von Suuer im Beiblatt „Alt-Nassau'* des Wiesbadener Tagblntts von li-QS, 
No. 1—3: „Die Bildergallerie und Kuustkanimer des Grafen Johann von Nassau-Idstein im 
Idsteiner Schloss." 

*) S. 98. 



00 

Das Testaiiionr hat ursprüiiglii-h aus drei Teilen bestanden. Per erste ist 
bis auf einen kleinen, unten wiedergegebenen Zusatz verloren gegangen. In 
ihm fand sich Graf Johannes wahrseheinlidi mit den religiösen Fragen und 
Anschauungen seiner Zeit und mit seinem Yerhältnis zur Kirchenlehre und 
Kircheuverfassung ab. Der erwälmte Zusatz handelt nämlich von den Pflichten 
derer, die geistliche Stellen zu besetzen haben, von der Instandhaltung der 
Kirchen und Kirchengebäude und von der Pflege der Musik, die er für eine 
erhabene Kunst erklärt, deren PHcge Gott uns in der heiligen Schrift auferlegt, 
indem er befiehlt, dass wir vt.r allen Dingen ihn selbst mit der Musik loben und 
preisen sollen. Es ist sehr zu bedauern, dass gerade dieser Teil verloren ist. AVir 
hätten gewiss interessante Einblicke in des Grafen religiöses Empfinden gethan 
und uns davon überzeugen können, ob der überwiegend praktische Zug seines 
rhristentums. wir er uns im Testament entgegentritt, ihm schon von früh an 
iunegewohnt hat oder ob derselbe sich mit der allgemeinen Abwandlung der 
religiösen Anschauungen des 17. Jahrhunderts') von dogmatischer Reflexion zu 
praktischer Frömmigkeit, von orthodoxer Ivechtgläul)igkeit zur Aufklärung, vom 
Streit um dit- Lehre zur Heiligung des Lebens auch bei ihm erst allmählich 
entwickelt hat. Auch über 'sein Verhältnis zum Katholizismus wird er sich ge- 
äussert haben, da doch sein eigener Sohn abtrünnig wurde und andererseits 
der bekannte l'bertritt des Grafen Johann Ludwig von Xassau-Hadamar im 
Jahre 161^9 den Vettern Walramischer Linie offenbar in den dreissiger und vier- 
ziger Jahren zu Statten kam, als sie vom Kaiser geächtet waren: denn Johann 
Ludwig galt viel am Kaiserhofe und bei den damals mächtigen Jesuiten und ver- 
wandte sich für Uestitution seiner Verwandten. Vielleicht ist dieser erste Teil 
der Aufzeichnungen nur verlegt und findet sich noch einmal an irgend einer 
Stelle des Archivs unter anderen Akten, wo man ihn nicht vermuten sollte. 

Die zwei andern Teile sind erhalten. Der zweite ist überschrieben: 
«Vom weltlichen Regiment. "* Darin ist von Regierungs- und Lebens-Grund- 
sätzen aller Art die Rede. Dem dritten Teil hat der Verfasser keine Lber- 
schrift gegeben, aber er sagt im Anfang: „Was in vorigen beiden Teilen 
ausgearbeitet worden, kann schwerlich ins Werk gesetzt werden, wenn nicht 
eine solche Haushaltung angestellt wirf, das man das, so zu deren Effectuiiung 
gehört, auch ausrichten könne. " Dieser Teil behandelt also die Staatswirtschaft, 
die Finanzen, die Nutzbarmachung der Domänen und Regalien und volks- 
wirtsehaftliehe Fragen aller Art. 

Alles ist eigenhändig vom Grafen niedergeschrieben mit einer sehr zier- 
lichen, deutlichen Handschrift, in der an vielen Stellen korrigiert ist: auch am 
Iiiindir finden sich häutig Zusätze, sf) dass die Aufzeichnungen mehrfach durch- 
gearbeitet und gefeilt erscheinen. 

Der grösste Teil des Dokuimmtes ist liereits im vorigen Jahrhundert ge- 
druckt worden, jt^loch unvollständig, iidiorrekt und an einer jetzt sehr ent- 
legenen Stelle: von Friedrich ^arl l-'reiherrn v o n M o s e r im Neuen patriotischen 
Archiv für Deutschland';; ((inzelne Stellen haben auch neuere Forscher ver- 

•) V^l. Tholufk, I»ii8 kirchliche Leben des 17. Jiihihuiulerts, 2. S. 13 ü'. 
') Kreter UuuA. .MHrmhciiii uml Loipzi;,' 17'.)'J. S. 147 if. 



61 

wertet, so P' i r n li ab or in seiner Simultanvolkssohulo®) und Professor F. Otto 
im Evangolisclicu Gonieinclohlatt.'"') Eingehender und mit \vurmer Anerkennung 
hat Tholudk in dem schon angeführten Buciie über das kirchliche Leben 
des 17. JahrJiundorts II, S. 29.") ff. mit IJezug auf das Testament vom Grafen 
Johannes gesproclu^n. 

Man kann den ganzen Inhalt des Manuskriptes in zwei Teile zerglied(n-n: 
in dem einen Ixn-ichtet der Graf von politischen Handlungen und Erlebnissen, 
au denen er beteiligt war, sowohl äusseren als inneren, überhaupt von Er- 
eignissen seines Lebens und seiner Regierung, welche ihn betroffen oder die 
er zur Ausführung gebracht hat, im anderen reflektiert er, fällt Kritiken und 
Urteile über .Menschen und Dinge, spricht Lebensgrundsätze aus und sucht die 
reichen Erfahrungen seines (Mgenen Lebens zu formuli(!ren, um sie durch kluge 
Erwägung aller Schädim und Nachtcule und des Nutzens, der daraus entspringcm 
könne, für seine Söhne und Nachfolger möglichst annehmbar zu macheu. Er 
verfahrt dabei wie ein kluger Hausvater und demütiger Priedensfürst, dem am 
Gedeihen seines I^andos und am Fortblühen des Segens, den er gestiftet, Alles 
gelegen ist, ganz im Gegensatz zu so manchen andern Fürsten seiner Zeit, 
welche nur das „apres moi le deluge'' kannten und deren autokratischer Eigen- 
dünkel den krassesten Ausdruck im dänischen Königsgesotz von 1660 gefunden 
hat, wo es heisst: „Der erbliche König von Dänemark soll von nun an von 
seinen Unterthanen als das liöchste, über alle menschliche Gesetze erhabene 
Oberhaupt auf Erden angesehen werden, das weder in geistlichen noch in welt- 
lichen Dingen einen anderen Herrn über sich kennt, als Gott allein." 

Wie ganz anders dachte Graf Johannes. Seine Anschauungen von den 
Aufgaben des Regenten wurzeln in den tiefsten Tiefen seiner religiösen Über- 
zeugung. Er kennt nicht die Herrschaft jenes zum Götzenbilde gewordenen, 
aller menschlichen Gesetze überhobenen absoluten Monarchen, sondern eine 
Theokratie des allmächtigen Gottes, dem der Regent ebenso verantwortlich ist, 
wie die Regierten ; Gott hat den Herrscher und seine Unterthanen zu richtiger 
Bestellung seines Dienstes geschaffen ; er hat jene zu seines Reichs Amtleuten 
vorordnet; wer ein Amt hat, soll sich nicht einbilden, dass er Herr sei, sondern 
ein Knecht Gottes; Gott hat die Land und Leute geschaffen und selbiger 
Regierung Kaisern, Königen, Fürsten, Grafen, Herren und Obrigkeiten nach 
seinem Befehl zu regieren auf eine Zeitlang anvertrauet, welches sie auch Gott 
als dem rechten Herrn verantworten müssen und sich nicht einbilden, dass Gott 
die Lande ihnen zu ihrer Kurzweil, Pracht und Hoheit gegeben, sondern dass 
sie die Unterthanen richten sollen mit gerechtem Gericht und nicht ihre, sondern 
Gottes Ehre zu befördern suchen sollen. Kommt ein Herr zur Regierung, muss 
er nicht denken, dass er ein gewaltiger Herr sei, sondern ein Diener Gottes; 
je höher er ist, je mehr soll er sich demütigen. Indem der Graf mit aller 
Bestimmtheit erklärt, so wenig als ein Beamter sagen könne, dass seines Herren 
Unterthanen sein seien, so wenig könne es ein Herr sagen, erhebt er sidi zu 



Ol, «. 82 f. 

^) In doni olion citiorton Aufsatz. 



62 

einor Anscliauiiug von den Aufgaben seiner J'ürsrliclien Stellung, die weit über 
seine Zeit hinausgeht. Mit dieser milden, patriarehalisohon Autfassung seines 
Berufes ist er sehen unter die Fürsten des herannahenden aufgeklärten Zeit- 
alters zu rechnen, die sieh für die ersten Diener des Staats ansahen und dies 
unisomehr. als er, wie wir weiter sehen werden, auch in der Praxis in diesem 
Sinne gehandelt hat. 

Es ist. als wenn der Patriarch des Alten Testaments uns liier entgegen- 
tritt. Der abgeklärten und durchgereiften L'berzeugung des Grafen liegt die Er- 
zit'hung und der Unterricht zu Grunde, welche im Anfang des 17. Jahrhunderts 
den Fürstensühnen und den Ilöchstgebildeten der Zeit überhaupt zu Teil wurden. 
Diese Bildung beruhte auf der Bibel und der Antike, es sind im wesentlichen 
die Früchte, welche vom Baum des Humanisnms und der Reformation gepflückt 
wurden; sie sind allerdings verschlechtert und verdorben duich die Ver- 
knöcherung des kirchlichen Lebens; und musste nicht der dogmatische Zank 
der Konfessionen, die wiederauflebende Nichtigkeit scholastischer Wortklaube- 
reien eine Erstarrung der Anschauungen herbeiführen, der in gewisser Be- 
ziehung auch erleuchtete Köpfe verfielen? 

l'nd doch war die Erziehung des Grafen Johannes immer noch, was den 
Charakter und das Herz betrifft, als die ]u)here, edlere anzusehen gegenüber 
den Einflüssen, welchen man in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts'") junge 
Fürsteusöhne aussetzte. Diese, die französisch-weltliche Erziehung, verdirbt nach 
seiner Ansicht den Charakter. Zwar ist er nicht so kurzsichtig, dass er den 
feinen Schliff weltmännischer Bildung, wie er auf Reisen von den Prinzen 
und Edelleuten jener Tage an fremden Fürstenhöfen erworben zu werden pflegte, 
nicht auch seinen Söhnen beigebracht zu wissen wünschte; auch lebende 
Sprachen der damaligen Kulturvölker sollen sie sich aneignen. Französisch, 
Italienisch und Spanisch und das Studium der Staatswissenschaften eifrig pflegen ; 
es macht endlich seinem Urteil über Kunst und Kunstausübung alle Ehre, wenn 
er sagt: „Musica und Pictura schaden einem Herrn nicht, recreiren und schärfen 
dir ingenia. '• Wogegen er mit scharfem Tadel und mit beissender Ironie 
eifert, das sind Reisen in zu frühem .lünglingsalter und die Versuchungen, 
denen junge Prinzen dabei ausgesetzt waren, die Verführungen, denen sie er- 
lagen. ..Es haben die alte Teutschen sich des Reisen in frembte Landen ent- 
halten und iiiilirii >i(li Redlichkeit und Erbarkcsit beflissen, vor den frembten 
I^astern und Unredlichkeit ein Abscheu getragen." Was taugen jungen Herren 
solche Reisen, sagt er an anderer Stelle, uum schickt eine Gans übers Meer 
und kommt eine Gans wieder her. Wenn junge Herren von dreizehn, vierzehn 
.Jahren reiscsn, was lernen sic^-^ Ein kruiiini Füsschen machen, ein wenig 
baiser les mains und bringen einen Wagen voll Laster und ein leichtfertig 
paar Hosen wiedei' heim und lassen so viel Geld darinnen um so böse Waren, 
dass die nachfolgenden Gescidechter daran zu zahlen haben. Er hat diese 
Erfahrungen an seinen älteren Brüdern gemacht, für deren Auslandsreisen 
Tonnen (roldes verausgabt sind, und er schätzt sich glücklich, dass es ihm 



'") Vgl. im allgemeinen 'Jliuluok a. u. O. II. S. 192 ü\ 



mcht molir vorgönnt gewesen ist, claraii Teil zu nehmen, ^[an muss die Stelle 
selbst lesen, an der er sich noch \veit<M- über diesen heiklen Punkt verbreitet. 
Auch das lUsiscn wirft seiner Ansicht nach Nutzen ab, aber nicht für Kinder, 
sondern für junge Männer reiferen Alters, dw fähig sind, das, was sie sehen, 
zu verstehen und davon zu lernen. „Es taugt kein Bau, der nicht gutes 
Fundament hat, so taugt auch kein Reisen, da nicht zuvor d(!r Eckstein Pietas 
und das Eundamcnr Prudcntia ist; man suche sie bcü (unemKind; ist aber das 
Fundament niclit gut, so lallt der Ibiu durch die Winde und WasserHuti^n dor 
Verführung zu GottlosigkeittMi und Jjastern, und wii'd man von Ausländern ver- 
lacht, wenn man ihnen vicd Geld bringt und Narrheit und ihre; Laster heim bringt.'' 

Man sollte denken, ein Mann, wie Graf Johannes. Avelcher der Musik, 
Malerei und Baukunst soviel Interesse und Verständnis entgegenbrachte, hätte 
dieselbe Vorliebe für das Theater und für Kunstaltertümer empfunden. JJas 
ist jedoch nicht der Fall; dabei tritt vielmehr die Rücksicht auf den Nutzen 
bei ihm in d<m Vordergrund, der Zug auf das Praktische, wohin die bösen 
Zeitumstände damals Jeden drängen nmssten. Auch lag die Schauspielkunst 
im 17. .Jahrhundert in Deutschland noch sehr darnieder. Er will nicht, dass 
junge Herren um Fastnachtspiel, Komödien und dergleichen viel Geld verzehren, 
„Was liat man davon? Man kann ja in Lesung der Historien, so solclie 
Komödianten repräsentieren, mehr Nutzen mit weniger Kosten haben." Auch 
die Sucht, auf Reisen Stunden lang zu laufen, um ein Gebäude oder eine 
Rarität zu sehen, verdammt er. Das ist nichts für junge Herren; können si(» 
damit Land und Leute regieren? Auch haben sie dergleichen im eigenen 
Vaterlande viel besser. Vielleicht dachte er dabei an die Kirche zu Idstein, 
von der es an anderer Stelle heisst, seitdem er sie mit Bildern ausschmückte, 
kämen die Leute von weit her, um sie zu sehen und Idstein sei ein bekannter 
Ort geworden, während es früher ganz im Dunkeln gelegen. 

Lernen sollen die jungen Herren auf ihren Reisen, was sie später für die 
Regierung ihres Landes gebrauchen können, um gerecht und fromm, um ver- 
ständig und vorbildlich regieren zu können, von Gelehrten und Staatsmännein 
und anderen kundigen Leuten. „Zu lernen ist keiner zu hoch oder zu alt: 
hast Du etwa Dich verführen lassen in der Jugend, dass Du nicht hast wollen 
lernen, so bessere Dich im Alter und denke: pudor est nil discere velle; und 
dass Du musst Rechenschaft geben alles, was Du durtdi Unwissenheit ver- 
absäumt oder Unrecht gethan hast. Es ist keiner zu alt /u lernen, es sei 
denn, dass er vor Alter kindiseli worden." 

Wie herrlich alle diese Grundsätze ! Wie warm schlug in dieser Brust 
das Herz für alles Edl(% Schöne und Gute, das den Menschen zum Göttlichen 
emporhebt! Und wie treu klingt die Stimme des warnenden Vaters, des deutschen 
Patrioten in dieser Zeit, wo fremde Einflüsse Deutschland nur zu sehr durch- 
seuchten. Wenn man von einer guten, alten Zeit sprechen darf, so konnten 
die Nachkommen aus dem Ende des 17. Jahrhunderts ihn als einen Mann aus 
solcher Zeit bezeichnen. 

Und doch entdecken wir auch bei diesem von so modernen Anschauungen 
erfüllten Manne eine tiefe sittliche Befangenheit I Mit Schaudern und Grauen 



64 

nur liest man in soinoni Testament jene Aiisfülirungcn über Hexenprozesse"), 
für deren strenge Durchführung; er mit Schärfe eintritt. Da 'zeigt sich bei ihm 
kein Gefühl für diese einem furchtbaren Wahn entsprungenen Unmenschlich- 
keiten, für dit' Tortur, für den Ted auf dem Scheiterhaufen. Er zergliedert 
nur mit dem Sccirmesser juristischer Gesetzes- und Buchstabenweisheit die 
materielle Grundlage der Strai'e. welche man über diese l'belthäter verhängen 
soll. Nicht rnglückliche sieht er in ihnen, sondern die schlimmsten Verbrecher, 
welche er kennt, und eiiu- Milderung des Feuertodes befürwortet er nur in der 
Weise, dass er es zugeben will, wenn mau das Opfer vorher erdrosselt oder 
enthauptet. 

Wenden wir uns nun /u den grossen Ereignissen seines Lebens, um zu 
sehen, wie er sich über diese in seinem Testament äussert, so müssen wir be- 
kennen, dass es hierbei angebracht ist, die Sonde der Kritik anzulegen, wenn 
wir auch noch keineswegs im Stande sind, nach dem lioutigen Befunde der 
gedruckten rberlieferung alle Einzelheiton aufzuklären und zu entliüllen. Wir 
wollen daher auch nur im allgemeinen die Auffassung beleuchten, welche er 
von seinen Erlebnissen im dreissigjährigen Kriege kundgiebt. 

l bei' die diplomatische Geschichte des Krieges bringt er einen kurzen 
Auszug, der in mancher Beziehung unser Interesse erregt. Graf Johannes 
erklärt, er habe mit seinen Brüdern und Verwandten unschuldig leiden müssen. 
Kr habe treu zu Kaiser und Reich gehalten, sei zwar in der ersten Zeit neutral 
geblieben, später aber, nachdem er auf die schwedische Seite getreten, und 
nach dem Tode Gustav Adolfs habe er befürwortet, dass man sich nur noch 
defensiv verhalten und den Kaiser mit allen möglichen Vorstellungen zu einem 
billigen Frieden bewegen solle, der den evangelischen Ständen Religionsfreiheit 
gewähre. Er sei aber mit seiner Ansicht nicht durchgedrungen und habe 
darauf, als die Schweden bei iS^ördlingen geschlagen, mit den Wölfen heulen 
müssen. Aber auch den französischen Diplomaten und dem K(>nige von Frank- 
reicii sei er bei den Verhandlungen entgegengetreten, was der letztere ihm 
liersr.nlii-h vorgeworfen, als der Graf zu iJim kam. Er schilt auf die Donationen 
der Schweden und die Pensionen der Franzosen und behauptet, er hätte auch 
»o etwas haben können, sei aber fest geblieben und habe als deutscher Patriot 
für sein Vaterland geredet, jedoch nichts erreicht. 

.Man muss sagen, die Ereignisse haben sicli in dem Gedächtnisse des 
(Jrafen etwas verschoben, und auch liei ihm zeigt sich, was noch bisher von 
allen V(^rfassern von Memoiren und Denkwürdigkeiten festgestellt worden ist, 
sie schreiben am Ende ihres Lcsbens anders, als wenn sie kurz hinter der Zeit, 
in der sie handelnd auftraten, ihre Erlebnisse fixiert hätten. Auch Graf Johannes 
sclireibt unter den Eindrücken des grossen Rcücliskrieges gegen Frankreich, und 
da er ausserdem seinen Söhnen für die Zukunft mit seinem Rate dienen will, 
so bi-trachtet er unwillkürlich auch die längst vergangenen Jugend- und ersten 
Maunesjalire untt-r diesem Gesichtswinkel. 



") Di« .Stellen über Ilexenprozesse, welche Moser fortlässt, sind sohon mehrfach ver- 
w.Tlet. Schliephiike-Menzel, Geschichte von Nassau, VI. S. 564 hat die frühere Litte- 
ratur aufgeführt. 



65 

Die schlunme Zeit im drcissigjälirigon Kriogn, wo ihre ganze Existenz 
gefälirdot: wurde, trat für die iiassauischen Grafen erst dann ein, als die 
schwedische Macht nach der Schlacht bei Nürdlingen (1634) zurückging. 
Während sie also bis zur xVnkunft Gustav Adolfs neutral geblieben waren, hatten 
sie sich dem Heldcmkönig mit der Freudigkeit ihres protestantischen Herzens und 
mit ganzer Hingabe angeschlossen, was ilinen nicht verdacht werden kann. 
Aber in der Zeitlage, die auf Gustav Adolfs Tod folgte, traten doch allerlei 
Umstände ein, welche sie zu grösserer politischer Vorsicht hätten bewegim 
sollen. Sie waren Herren eines kleinen Territoriums und ohne den Kückhalt einer 
starken bewaffneten Macht; war es denn durchaus nötig, dass Graf Johannes 
dem Kriegsrate des Heilbronner Bundes beitrat, dass er eine prononcirt feind- 
liche Stellung gegen den Kaiser einnahm? Niemand wird es ihm vorwerfen 
wollen, dass er seinem Bekenntnisse treu zugethan blieb, aber es wäre besser 
gewesen, wenn er sich jetzt wiederum wie in den zwanziger -Jahren zur X(!U- 
tralität zurückgewandt, wenigstens einer gewissen Zurückhaltung beflissen hätte! 
Wenn er mit seinem Eintreten für Kaiser und Reich, mit dem Antrage auf 
defensive Kriegführung nicht durchdringen konnte, warum trat er dann nicht 
lieber aus dem Kriegsrate heraus und überliess denen die Weiterführung des 
Kampfes, welche dazu die erforderlichen militärischen und finanziellen Kräfte 
besassen? Da er dies nicht zu tliim für gut fand, da er das Bündnis mit 
Frankreich, dem Hauptgegner Österreichs, wohl selbst mit unterzeichnete und 
Bernhard von Sachsen-Weimar als Heerführer verpflichtete, so musste er auch 
die bösen Folgen tragen, als die kaiserlichen Waffen siegreicli waren. 

Unschuldig gelitten hat also in diesem Teile des 30 jährigen Krieges 
Graf Johannes nicht. 

Wenn er nun weiter beteuert, er habe schwedische Donationen und 
französische Pensionen nicht genommen, obwohl er sie hätte erhalten können, 
so hat er auch mit dieser Behauptung nur in gewissem Sinne recht: angenommen 
hat er schwedische und französische Geschenke nicht in jener Zeit, die dem 
Abschlüsse des französisch-schwedischen Bündnisses voraufging, also nach 
Gustav Adolfs Tod; und es war durchaus ehrenhaft von ihm, dass er sich da- 
mals nicht bereichert hat, wie so viele kleine Pferren, wovon er im politischen 
Testamente Beispiele anführt. Erst als er mit den Seinigen aus dem Yater- 
lande vertrieben in Frankreich Schutz suchen musste, entschloss er sich dazu 
die Hilfe des französischen Königs anzugehen, wahrscheinlich mir Bezug auf 
das Bündnis, infolge dessen er ja sein Unglück auf sich hatte nehmen müssen. 

Gefühlt hat er es beim Niederschreiben auch wohl, dass sein Verhalten 
in diesem Jahrzehnt nicht ganz einwandsfrei gewesen ist und seine Stimmung 
äussert sich mehr in einer gewissen Resignation über die traurige Stellung der 
kleineu Fürsten im Reich, über ihre verlassene Lage gegenüber den grösseren 
Fürsten und nun erst recht gegenüber den Grossmächten im Auslande. „Dero- 
lialben hat man sich bei innerlichen Kriegen wohl furzusehen, dass man den 
]{espekt des Oberhauptes, soviel Gewissens hall)er sein kann, in acht nehme, 
sich nicht durch Mutmassungen, Privat-Considerationen oder Begierde etwas au 
sich zu bringen betrügen lasse, wider selben sich aufzulehnen. Da aber eine 

5 



66 

solche Sach vorticlo. da man die Religiün zu tilgen, des Reicliö Freiheit zu 
unterdrücken understündc kann mau sich GeNvissens halber nicht vom evange- 
lischen Corpore oder dem iieich separieren, sich aber erinnern, dass man sich 
nicht under die Aufriihrischen mengen solle, weniger under dem Yorwand der 
licligion und des Reichs AVohltart, Privatpassiones oder Begierde zu anderer 
Leut Güter etwas wider den Kaiser oder seine Mitstände zu machiniren gelüsten 
lasse: denn Gott lasset es nicht ungestraft, sondern man muss leiden, bis causa 
communis wider die ( )hnbilligkeit eclatirt und Gottes Ehr und die Reichspflichten 
dazu uecessitiren-. Und an anderer Stelle: man müsse sich gegen seine Reichs- 
stände so verhalten, dass man jeden gebührend respectire, hiihere ehre, mit 
gleichen .^icii wohl betrage und gegen geringere sich freundlich erzeige; übe 
ein mächtiger Xachbar jedoch Gewalt, so weiss er nichts Anderes dagegen 
anzuführen, als Güte und das Recht und zwar eine kaiserliche Kommission 
oder einen Prozess vor dem höchsten Gericht des Reichs; da er aber wohl weiss, 
wie wenig das alles helfen kann, fügt er hinzu : „Es ist leider bei unser jetzigen 
Reichsjustiz das Hand für den Augen hinweg oder doch von Flor oder Kammer- 
tuch gemacht, dass ;uan dadurch leicht sehen kann, und muss man sein Recht 
teuer kaufen : man muss sich aber in die Zeit schicken, denn es ist böse Zeit, 
und die jetziger Zeit gebräuchliche Mittel zu gebrauchen nicht vergessen und 
nmss hier heissen: cede majori!" 

So klingen die Stossseufzer eines deutschen Patrioten über den üblen 
Zustand des Vaterlandes in beweglichen Klagen aus ! Hat Graf Johannes nun 
auch als Politiker im dreissigjährigen Kriege wenig Glück gehabt, so treten 
doch auch in dieser Zeit aus seiner Handlungsweise einige persönliche Charakter- 
züge hervor, die wir rühmend erwähnen müssen, das ist der grosse Freimut, 
die fitt'ene Ehrlichkeit, mit der er ungescheut und manchmal auch derbe seine 
Meinung den fremden Machthabern gegenüber betont. Es hat eine Gelegenheit 
sich dargeboten, wo er sogar für das Beste seiner Unterthanen sein Leben 
daran setzte. Ein Wallensteinscher Oberst hauste 1626/1^7 mit seinen furcht- 
baren Horden in so barbarischer Weise in Idstein und Wiesbaden, dass der 
Graf seine Entrüstung darüber an der Tafel des Erzbischofs von Mainz laut zu 
vernehmen gab'"), worauf ihm der kaiserliche Oberst durch einen Stellvertreter 
eine Forderung überbringen Hess. Diese nahm Graf Johannes an : er war auch 
zur verabredeten Stunde an Ort und Stelle; allein der Gegner blieb aus, da 
der Erzbischof sich auf Bitten der Idsteiner Räte ins Mittel legte. 

Das Wohl und Wehe seines Landes hat Graf Johannes auch in dieser 
traurigem Zeit im Auge gehabt, so gut er konnte. 

Wir wollen nocji rincu Blick auf seine Thätigkeit als Landesvater werfen, 
auf dir l'iirsorge, welche er seinen Unterthanen angedeihen Hess, und wollen es 
verfcdgeu, wie er die (Grundsätze, deren Ausübung er vom Regenten verlangt, 
wie wii- oben sahen, selbst zur Geltung brachte. 

Er verlangt vom Regenten genaue Rechtskenntnis, damit er die Urteils- 
sprüche seiner Didier revidieren kann: denn nicht jeder ]5eainte sei redlich. 



'-) Kf'IliM- M II. (). S. 75 f. 



67 

Auch soll (31- sich nicht scheueD, die Klaf;(m dev Ilnterthanon selbst anzuhören 
und ihnen (relegenheit verschaffen, sie bei ihm vorzubriufi-en. Er erklärt, 
während seiner langem Reoierung Manchem geholfen zu liaben, dem sonst Un- 
recht geschehen wäre. Mit seinen ]huimten muss er cifter hüs(i Erf'ahrung(!n 
gemacht haben; denn er s]»i'i(;ht viel davon, dass ihnen auf di(! Finger gesidutn 
werden muss. So sieht man, dass er in dieser traurigen Zeit, wo Kcjrruption 
überall nur zu sehr eingerissen war, durch sein scharfes Regiment für die 
Integrität des Beamten Standes und für die Jteform der Reclitsprcclmng un- 
ermüdlicli gesorgt hat. Auch auf die Vorwaltung selbst richtete er sein Augen- 
merk: er ordnete öfter Landvisitationen an, um zu untersuchen, wie die Be- 
amten haushielten und sah streng darauf, dass die Rechnungen stimmten. Bei 
dieser Oelegenheit wurde aber zugleich Leben und Wandel der Unterthanen in 
sittlicher und materielUu- Beziehung einer genauen Einsicht unterzogen. Wie 
CS seit dem 10. Jahrhundert bei kirchlichen Visitationen'^) üblicli war, wurden 
die dabei gebräuchlichen Grundsätze auch auf weltliche Dinge angewandr. 
Indem man einerseits die Führung der Pfarrer und Beamten einer scharfen 
Prüfung unterzog, beschränkte man sich bezüglich der Unterthanen jedoch nicht 
bloss auf ihr sittliches Verhalten, sondern nmsterte ihre ganze wirtschaftliche 
Lage in eingehendster Prüfung. Es soll z. B. untersucht werden, wie die 
Unterthanen ihre Haushaltungen anstellen, ob sie mit den Ihrigen ehrlich und 
friedlich leben, ob sie sich mit den Nachbarn wohl vertragen oder gern haddern, 
ob sie die Wirthshäuser fleissig besuchen oder ihren Häusern wohl fürstehen, 
wie sie ihre Häuser und Gebäu in acht nehmen, ob sie mit Fuhren oder mit 
der Hand frohnen, wie sie bespannt, ob sie ihre Frohnen fleissig und willig 
verrichten ; — wieviel Güter der Einzelne habe, ob er sie von seinen Eltern 
oder andern ererbt, ob er Güter erkauft, was für freie Güter bei ihnen, wem sie 
zustehen und woher sie frei sindt ; ob auch Fremde oder Einheimische sich 
des Weidwerks heinüich oder öffentlich gebrauchen u. a. Die Antworten auf 
diese und ähnliche Fragen der Beamten müssen eidlich abgegeben werden und 
auch über die Führung der Beamten selbst sollen die Leute von den herrschaft- 
lichen Räten in dieser Form befragt werden. Dabei Hess es der Graf nicht 
einmal bewenden; er mischte sich bei Jagden oder bei anderer Gelegenheit 
selbst unter das Volk uutl fragte und erkundigte sich nach allem, was er wissen 
wollte. Die erhaltenen Akten, Protokolle und Rechnungen weisen aus, dass 
das politische Testament in diesen Behauptungen nicht zu weit geht, Xach 
diesen Weisungen ist verfahren und in diesem Sinne ist der Wille des Landes- 
herrn vollzogen worden. 

Man muss, rein theoretisch gedacht, anerkennen, dass dieses System der 
Regierung in jenen bösen Zeiten nach den furchtbaren Kriegsjahren angebracht 
gewesen ist, (heutzutage würden die Bauern es sich kaum noch gefallen lassen, 
wenn man Angaben über die Herkunft des Huhnes von ihnen verlangte, das 
sie im Topfe brieten) und die praktischen Erfolge, von denen wir wissen, be- 



^^) Vgl. ausser aiuleni uuch F. Utto, Die Visitationen der nassuuischon Kirchen des 
Mainzer Sprongelä in den Janren 1548— 13 JO (Evang. Cienieindeljlatt 1892, Xo. 47 — r»0). 

5* 



p 



68 

künden, dass ps segensreich gewirkr luir. Man darf dabei jedoch nicht ver- 
"ossen. dass in erster Linie die finanziellen Erträge in die Tasche des Grafen 
flössen. Im Kriege waren Herkommen und Recht verwischt; viele liechts- 
verhältnisse waren offenbar überhaupt verschoben und unkenntlich geworden, 
nur Eins stand fest, dass eine Herrschaft da war und viele Unterthanen, die 
Lasten trugen und frohuden mussteu. Die Herrschaft besass die grösseren 
Mittel, die grössere Macht und die grössere Fähigkeit zu reformieren, ihre 
Hechte festzustellen und zu gebrauchen. So zeigt sich auch hier, wie vielfach 
anderswti in deutschen Landen, dass das Fürstentum mit verstärkter Macht 
aus diesen Zeiten hervorgeht. Das souveräne Fürstentum erhebt sich über der 
»■rossen Masse des Adels und der bürgerlich-bäuerlichen Volksschichten, die 
ihm dienen und frohnden müssen und nur da sich zu einer gewissen Unabhängig- 
keit aufzuraffen und sie zu erhalten wissen, wo günstige politische Verhältnisse 
das Heranwachsen eines mit dreinredenden Ständetums gestattet haben. Nicht 
alle deutschen Fürsten haben in dieser Zeitepoche zugleich ein warmes Herz 
für der Unterthanen Wohl und Wehe gehabt. Graf Johannes hatte es; er ist 
während seiner Regierung dazu gelangt, nicht allein viele Schulden seines 
Vaters und seiner A'orfahren abzubezahlen, er hat nicht nur eine Gemälde- 
sammlung erworben und Kirche und Schloss in Idstein reich geschmückt, er 
ist auch den Armen und Notleidenden zu Hilfe gekommen und hat ihre Kräfte 
geschont. „Es weiset der leidige Augenschein, dass viel mal durch Krieg, 
Brand, Misswachs die arme üuderthauen ganz um das Ihrige kommen, dass sie 
müssen Schulden machen, um wieder auf zu kommen ; hat es der Landherr im 
Vermögen, tluit er wohl, das er ihnen selbsten vorsetzet, dass nicht Frembte 
einnisten ; auf das wenigste soll er bei Renten und Aulagen so viel möglich 
schonen, dass sie sich erliolen mögen ; hat ein Armer liegende Güter und keine 
Mittel, selbe zu bauen, soll die Gemeinde angehalten werden, die Güter zu 
bauen : ddch dass das dritte Theil des Einkommens der Gemein bleibe, vom 
übrigen aber der Arme wieder zu Kräften kommen könne." 

Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, dass Graf Johannes' Regierung 
ein Segen für Land und Volk gewesen ist. Dass es ihm nniglich geworden 
ist, in den dem grossen Kriege folgenden dreissig Jahren soviel zu erreichen, 
wie er erreicht hat, liegt endlich wohl mit daran, dass der Graf ein wirtschaft- 
lich begabter Kopf gewesen ist. Und Jeder, der namentlich den dritten 
Teil seines politischen Testaments aufmerksam liest, wird zugeben müssen, 
dass nur ein wirtschaftliches Tahmt von grosser praktischer Begabung sich so 
bewandert in allen Fragen der Landesökonomie zeigen konnte, wie es bei ihm 
der Fall gewesen ist. 

Mit dem Hinweis hierauf möchte ich schliesscn und die Lesung des 
Testamentes selbst anheimgeben. Ich glaube, der Eindruck davon wird bei 
Allen vorhalten, dass hier ein bedeutender, origineller, wenn auch in man- 
clien Schwächen seiner Zeit befangener Geist zu uns spricht, ein starker, 
offener Charakter, der getreu seinem Wahlspruch: nee temere nee timide 
festen männlichen Schrittes sein Ziel verfolgte, ein treuer Anhänger des 



69 

luthorisohen rflaubons, kein grosser Pulitikcr, über ein wuriucr deutscher l\uriüC 
und ein wahrer Vater seines engereu Jlcuinatlandes, gescluiffen für den stillen 
Wirkungskreis eines deutschen KlcMn-Fürstcui des siebzehnten -lahrlnindcrts. 



Additamentum ad primam partem.") 

[F/l'ichtcn derer, die fjeistliche Stellen zu besetzen hahen^ 
Demnach auch verschiedene Stifter coUaturen inn dem unserigen hei- 
bracht, kann mann denselben nichts benommen, ist al)i'r iim acht zu nemmen. 
das s(dbige nicht zu weit extendirt werden, sundern bey dem herkommen ge- 
lassen werde, sonderlich das sie sich nicht arrogiren einig(^ zu ubtrudiren, die 
entweder in doctrina oder vita oder gar inn der Jleligion nicht richtig seyen; 
ist ihnen auch die examiuatio deren, so sie präsentiren, keineswegs zu ge- 
statten, sondern dahin zu sehen, das tüchtige personen ihnen recon)mendirt. 
die, so erst zu den collatorn lauffen, nicht acceptirt, sondern als untüchtig 
verworfen undt das herkommen wohl inn acht g(!nommen werde. Wo die 
collatores als decimatores oder nach dem herkommen der kirchen, pfarr, schul 
oder andere häuser zu bawen schuldig, scindt dieselbe zeitlieh darzu zu erinnern 
undt auf saumnus oder verwegeruugs fall ihre zehenden oder gefäll so laug 
zurück zu halten, biss die bäw gefülnt undt inn gehörigen standt ge- 
setzet worden, darbey aber sich zu hütten, das kein übermaass oder betrug 
vorgehe. 

[Instandhaltung der Kirchen und Kirchengebäude.] 
Inns gemein sollen Obrigkeitten, Superattendenten undt beampten obsicht 
haben, das alle kirchen undt darzu gehörige gebäw in guttem esse erhalten, 
mit dach undt fach wohl verwahrt bleiben, welche abgangen wiederumb gebauet 
und Gott zu ehren, so viel sein kann, verbessert werden; wo die gefäll nicht 
zu langen, hatt die Oberkeit nach vermögen darzu zu helfen, auch die under- 
thanen zur beystewer zu erinneren undt anzuhalten. 

[Fßege der Musilx.'] 
Es ist auch die hcylige schrift voll befehl Gottes undt exempel. das 
mann Gott mitt der musica loben undt preysen solle, welchem auch billig zu 
gehorsamen, wo sichs thun lasset, music anzustellen; zieret auch sonderlich 
fürnemme residentzen undt örter, da viel leut hinkommen; derohalbeu htblich. 
wo mann selbe anrichtet, welches geschehen kann, wann ein herr wohlbestelte 
schulen anrichtet und gutte nmsicos zu präceptorn haben kann : darneben under 
den cantzelisten, Cammerdieneru undt anderen bedienten musicos zu haben sich 
befleissiget; hatt mann die mittel undt gelegenheit ein mehreres zu thun. ist 
es ein werck, das zu Gottes ehr nicht aus der acht zu lassen, ist weit besser 
angewendt, als an spielen, sauffeu, jagen, comödien, kleider praclit undt andere 
Üppigkeiten. 

'*) Das Manuskript ist, da es ganz eigonhändig ist, wörtlich wiudergcgcJicu. 



70 

Ander theil. vom weltlichen Regiment. 

[Towj Gottes-Gnadeniiim und der Yerantirortung des Regenten und der Regierten 

gegen Gott.'] 

Es harr der Allinäclitigo Schöpfer uiidr HeiTsoher Himmels uiidt der erden 
uinb desto richriger bestellung seines dienst undt mehrerer Ordnung Avillen under 
den menschen etzliche zu Regenten, etzliche zu dieijern undt underthanen 
verorduer. undr jedwederem sein taleutum geben, seinen dienst zu versehen, 
allesambr aber niclu zu herrn, sondern alle zu seines Reichs amj)tleuten über 
die geringere verordnet, AVer nun ein ampt hatt, der warte des ampts trewlich 
undt bilde sich nichr ein. das er Herr seye, sondern ein Knecht Gottes, der 
ilime ein irewisses stück landes zu verwalten anvertrawet hatt: Davon "will der 
erbherr aller heyden rechenschaft von iedwederm, wie er haus gehalten, fordern, 
undr ist keiner so gross undt inn hohen eheren, das er sich des befehls : Redde 
rationem villicationis tuae, entschütten könne, sondern welchem viel befohlen 
ist. von dem wirdt mann viel fordern, et potentes potenter punientur. Dann 
bey Gott ist kein ansehen der person, undt müssen wissen, das Gott mitt ist 
imm gericht. undt das gericht ampt ist Gottes, undt so wenig als ein beampter 
sagen kann, das seines herren underthanen sein seyen, so wenig kann es 
ein herr sagen; dann Gott hatt die landt undt loute geschaffen undt selbiger 
regierung Kaysern, Königen, Fürsten, Graffen, Herrn undt Obrigkeiten nach 
seinem befehl zu regieren auf ein Zeitlang anvertrawet, welches sie auch fleissig 
undr rrewlich zu verrichten schuldig scindt undt für Gott als dem rechten herrn 
verantworten müssen, undt (wie es leider nur zuviel gcschichet) sich nicht ein- 
bilden, das Gott die landen ihnen zu ihrer kurtzweil, pracht undt hoheit gegeben, 
sondern das sie die underthanen richten sollen mitt rechtem gericht, undt nicht 
ihre, sondern Gottes ehre zu befürdern suchen sollen, undt sich nicht einbilden, 
wann sie diener halten undt die ämpter bestellen, das sie gnug gethan haben 
undr ihres lustes abwarten mögen, sondern wissen, das, wann sie nicht fleissige 
aufsieht haben, die diener zwar ihre straf werden empfahen, die herren aber 
die grösste Verantwortung undt straf zu gewarten haben werden. Die herren 
seindt zwar nicht hertzenkündiger (dann das hatt Gott seiner allwissenheit vor- 
behalten), aber sie sollen es machen wie Hiob undt, was sie nicht wissen, 
erforschen. 

[Vom guten Beispiel des Herrschers^ 
Das erste, so sie inn acht zu nemmcn haben, ist das sie ihren 
underthanen mitt guttem exempel vorgehen undt nicht ärgern, nam Regis ad 
exemiihuri rcttus componitur orbis. undt bedenken was jener sagt, omne aninii 
Vitium tain cons])ectius in se crimen habet, quanto major (jui peccat habetur, 
undt s(dches uiiib so viel mehr, das der Jlerr Christus das wehe über die 
schreyet, so die geringen ärgeren, undt ein Regent nicht mitt guttem gewissen 
dasjenige an anderen straffen kann, darinn'") er selbstcn'®) sündiget. Ist er 



'^) Durchstriclieii : das 

""') Durchstrichen : selbigr-r. 



71 

ungorocht, w'w, kann er die unyerecJitigkcit sriaffeii. nimbt er geschenck undt 
beuget das recht, wie kann er einen beunipten richten, der dergleichen thut- 
ist er blutdürstig, wie kann er über niordt urtheilen. dergleichen mit ehbruch, 
hurerey, sauff'en, fluchen undt allen lästern; höret er gerne verleunibter, so sindt 
alle seine diener gottloss'') ; ist er stoltz, so wolhms diener undt underthanen 
nach thun. 

[Erster Unterricht eines junr/en Prinzen. Vermeidimg der Schul fuchser ei. \ 
Das aber ein lierr sich für bösem liiitte undt zum gutten desto geschickter 
seye, erfordert die notthurft. das er wohl erzogen werde, daran die älteren 
ihren grössten fleiss wendi'U sollen: undt zwar ei-stlich ist vounöhten, das, so 
baldt sie reden kimnen, sie fleissig zum gebet undt furcht Gottes angehalten 
werden, damit gleichsamb mitt der nuittermilch sie die Gottesfurcht einsaugen. 
Wann sie gegen sechs oder höchstens sieben Jahr kommen, müssen ihnen 
praeccptores gegeben werden, undt zwar anfangs Tlieologi, darmitt sie für 
allen dingen neben litoris humanioribus Tlieologiam also fassen, das sie wissen, 
wie sie Gott dienen undt dem AVidersprechern das maul stopfen sollcm, sonder- 
lich") die Bibel aufs fleissigst lesen undt ihr gantzes leben darnach richten. 
Der Apostel Paulus weiset deren nutzen, undt findet sich derselbe täglich, dann 
es ist das einige perfectes buch, daraus iodermanu inn seinem gantzen leben 
sein thun und lassen gegen Gott undt seinen nechsten richten soll undt kann. 
Tun literis humanioribus muss mann nicht mitt einen jungen herrn, wie mitt 
gemeinen Kindern verfahren, dann die schulfuchserey ihnen nichts nutz, sondern 
es ist aller fleiss anzuwenden, wie sie die Grammaticam, Ilhctoricam, J)ia- 
lecticam undt latein mehr durch usum hey lesung der historien undt Übung der 
theologischen information erlernen, als lang vergeblich aufgehalten werden; 
dann sie künftig keine Schulmeister, die kinder lehren, sondern Kcgenteu werden 
sollen ; was wirdt ihnen alsdann logica, Metaphisica, Poesis, Astrologia, Physica 
undt dergleichen nutzen; das sie inn Rhetorica, Oratoria und Logica eine 
Cognition haben, ist gut, seindt aber darmitt nicht aufzuhalten undt allso, das 
sie nicht besseres versäumen. 

[Ein Edelmann als Hofmeister.] 

Wann sie umb die zwölf jähr kommen, hatt mann sich umb einen edel- 
numn umb zu sehen, der gottesfürchtig, gelehrt, nicht stoltz noch morosus 
seye, undt albereits inn reisen undt sonston etwas erfahren habe, welcher als 
hofmeister einen jungen herrn in acht nemmen, seine studia undt cxercitia 
anordnen, auf Praeccptores undt gesindt acht haben könne, das ein icder sein 
ampt fleissig undt trewlich verrichte, das den jungen herren''') die Lieb zu den 
studiis vermcliret undt durch praeceptores oder gesindt nicht geärgert werden. 
Deswegen der hofmeister fleissige aufsieht zu haben, das keine lasterhafte leut 
einem jungen Herrn gegeben, auch sonsten von verführerischen ärgerlichen 



"J üurchstrichen: undt allso von allen Untugenden. 
'") Durchstrichen: inn ihrem gantzen Leben. 
*^) Durclistricbcn: ihnen. 



12 



Ic'urten abgehalten werde: uudr seiiulr studia undt exercitia allso anzuordnen, das 
keines das andere liindern. s^imderu beides befördert werde; superflua undt 
pedautereyen seindt zu meiden, die"") nicht gar nötige scientiae seindt allso zu 
tractiren, das gnug seye, wann man etwas darvon reden könne. ^') 

[ Wissenschaftliche Unterrichtsfächer.'] 
Inn sprachen sollen neben der lateinischen erst die Frantzösisehe, hernach 
die Italienisch undt. wo es sein kann, die hispanische erlernet werden, als 
welche der Situation unserer Landen halben die gebräuchlichste. Das Studium 
historicum ist sehr nöttig undt weiln es annehmblich, kann es desto leichter 
beygebracht werden. AVaun der Verstandt so weit gewachsen, das das Judicium 
sich mehret, hatt man politicam undt jurisprudentiam allso fürzuncmmen, das 
obsoleta die uohtwendige nicht aufhalten. Die arithmeticam, Georaetriam undt 
Architecturam, darzu Mechanica gehört, seindt einem herrn nöttig undt sehr 
nützlich, wie ich in praxi erfahren undt grosse summen geldes mitt ersparet. 
Der die Wissenschaft nicht hatt, wirdt betrogen, gibt viel geldts für böse 
arbeit. Musiea und Pictura schaden einem herrn nicht, recreircn undt schärfen 
die ingenia. 

[Pflege körperlicher Erholungen. Einwirkung auf den CharaJder. Beachtung 

der Individualität.'] 

Ehrliche recreationes soll manu jungen herrn nicht weren, als jagen, 
ballenspielen undt dergleichen; reiten, fechten undt tantzen seindt nötig. Das 
letzte zwar am meisten die gebärden zu formiren. Sauffen, hoch spielen undt 
alle ü}tpigkeitten undt die occasionen zu selbigen undt böse anreitzende gesel- 
schaften seindt aufs fleissigst zu verhütten undt meiden. Undt da andere junge 
herren sich prostituiren, selbiger exempel zur abschew vorzustellen; undt da sich 
solche Verführer finden, ihre junge herrn ohne respect undt forcht für Ungunst 
von selbigen abhalten, hingegen alle gelegenheit suchen selbige zu Gottes- 
fürchtigen, erfahrenen, gelahrten leutteu in conversation zu bringen. Wann 
ein junger herr bissweiln curios ist, undt auch wohl impertinente fragen thut, 
muss er nicht darumb gestraft, sondern vielmehr seine curiosität gelobet undt, 
was gefehlet, durch bessere Information cultivirt werden; dann Avir seindt keine 
meister gebohren. Was nicht schadet, kann mann mitt sitsamkeit verbessern, 
böses aber mitt gütte undt, da es nicht helfen will, mitt moderirter') straf 
corrigiren. Doch soll einem jungen praeceptori nicht gestatt werden, solche 
]>ropria authoritate vorzunemmen, sondern auf befehl des herrn oder Käht ; dann 
ich hab gefunden, das es under den praeceptoribus flegel gibt, die da meinen, 
sie haben sich ein sonders lob acquirirt, wann sie bestialisch mitt jungen herrn 
umbgangen, ich schreibe aus eigner erfahrung. Die Gemühter seindt undcr- 
schiedtlich. darumb müssen auch hofmeister undt praeceptores sich nach selbiger 

*") Durchstrichen: metaphysia, astrologia, poesis undt dergleichen können allso super- 
fifialiter vorgenommen worden. 

*' I Durchstrichen: keineswegs aber sich darinn aufhalte. 
*''j Correction. 



73 

richten undt, wh jedes ingeuiuiu beschaffen, darnach niitt ihme verfahren ; 
nicht wie inn trivial schulen, da wegen Vielheit der schüler mann keinem ein 
eigene wurst zu braten pflegt. Ein junger herr ist ein einiges objectum, nach 
welchem mann sich richten undt nach undt zugeben kann; wie bauren 
kinder lassen sie sich nicht tractiren; dann entweder werden sie halsstarrig 
oder verzagt; deren keines einem herrn wolil anstehet; von ehrlichen gesei- 
schaften müssen sie nicht abgehalten werden, cordat aber nicht muhtwillig sein. 

[Warmnig vor Beisen ins Ausland in ni früher Jugend.] 
Es haben die alt(^ Teutschen sich des reisen inn frembte landen enthalten 
undt haben sich rcdligkeit und erbarkeit beflissen, vor den frembten lästern 
undt unrcdligkeit ein abschew getragen. Als der könig inn Frankreich Carolus 
Nonus kaysers Maximiliani secundi Tochter") heurahtet, ist ein Churfürst von 
Mayntz undt Marggraf zu Baden mitgeben worden, die königliche braut zu 
überlieff'ern. Dazumahlu ist die Frantzösische sprach inn Teutschlandt nicht 
so gemein gewesen, das der Tollmetsch den nebel, so beym einzug gewesen, 
nicht auf Frautzösisch nennen können, sondern den könig ans Fenster geführt 
undt gewiesen, das es der nebel, so dazumahln auch war, verhindert, das mann 
die pomposität nicht recht sehen können; wolte Gott, es were noch allso: ich 
hab inn meiner jugeudt mich nicht wenig bekümmert, das ich nicht auch, gleich 
meinen altern Brüdern undt anderen jungen heim, inn Franckreich reisen 
dürfen, dancke aber Gott, das die zeitten es nicht zugelassen. Was tügen 
jungen herrn solche reisen? mann schickt ein gans über meer, undt kombt ein 
gans wieder her. Junge herrn von dreyzehen, vierzehen jähren müssen reisen, 
auch wohl jüngere, was lernen sie? ein krumb füsgen machen, ein wenig base 
les manes (sagt Dr. Johann Schmidt'*), praeses im consistorio zu Strassburg, 
in einer predigt) undt bringen heraus ein wagen voll laster undt ein leicht- 
fertig pahr hosen; undt lasset so viel geldt darinn umb so bösser wahren, das 
die nachkommende daran zu zahlen haben. Ist inn Wahrheit nicht anders. 
Darbey gibt mann ihnen manchmahln esel zu, die hofmeister heissen, welche 
den lästern nachhängen, auch die herren darzu verführen ; wann es hoch kombt, 
so lernen sie ein wenig tantzen, ein pferdt, das die schule besser verstehet, als 
der reuter, reuten, einen wunderlich gebogenen leib zum fechten machen, 
papier mit grundrissen zu festungen verderben undt dergleichen. Am wenigsten 
kommen sie in conversation mit gelahrten oder Staatsleuten, das gutte, so sie 
lernen selten, bleibt zurück, das schlimste undt die laster lernen sie: mann 
führet sie viel meilen ein gebäw oder rarität zu sehen, dergleichen sie inn 
ihrem vatterlandt besser sehen könten ; was hilft es sie, wann sie drey brücken 
über einander sehen, wann sie einen brunnen sehen, der kalt ist und brent und 
anzündet? Können sie darmitt landt undt leut regieren? oder wann sie ein 
hübsches Gebäw, schöne gärten undt dergleichen sehen, wiewohln, wann es mitt 

") Elisabeth. Die Hochzeit fand am 26. ^'ovembcr 1570 zu Mczieres statt. 

"') Hervorragender Theolog aus der alten Wittenberger Schule in Strassburg. Ver?l. 
Tholuck, Das kirchliche Leben des 17. Jahrhunderts, S. 42, 216 u. a. a. Stellen. Tholuck, 
Lebenszeugen der lutherischen Kirche, S. 217 S. 



verstandt gt-seht-n winlr. i-> uocli soinon nurzi'u halieu kauii. luelir als obiges: 
kann aber ein kindt von vierzehen uudr weniger jähren den nutzen finden? 
Kummen sie zurück, was Laben sie mehr, als das sie sich mehr einbilden, bey 
verständigen aber verlacht werden. 

[Xtitzen der Heisen für das reifere JüntjUnysalter. Ohachf vor religiösen Be- 
lehnmgsrersuehcn, Gottlosigkeit und Lasterti.] 

Wann herren reisen, so verachte ich es nicht, aber kiuderreisen sindt 
schädlich: herren können reisen, das ist wann sie die kindersehueh vertretten, 
undt die tohrheit der .Jugendt vorüber ist. wann sie die Theologie verstehen, 
ihr gewissen inn acht zu nemmen wissen, wann sie eapable seindt mitt staats- 
leuten umbzugeheu. wann sie den verstandt haben ein luudt /u considerirn, 
wie es beschaffen, wie es regieret würdt, was für maximes d'estat sie haben, 
obs vost oder nicht, was für vestungen undt päss darin seindt. ob sie unns 
schaden oder nutzen können, wie sie unnserer nation holdt oder nicht, was sie ver- 
mögen, wie sich ihrer aufn nohtfall zu erwehren oder ihnen beyzukommen oder wie 
sie deren aufn nohtfall zu gebrauchen, darzu die jähr undter etzlich undt zwantzig 
undüchtig seindt ; wie oben gedacht hab ich keine solche reisen gethan, sondern binn 
allein inn wichtigen geschaffen oder kriegs-expeditionen gereiset. Es haben meine 
brüder Tonnen'') golds auf ihrer reisen geeostet, ich hab nicht einen heller ange- 
wendet, hab doch alle exercitia zu Saarbrücken besser gelernt, als sie inn Franck- 
reieh, binn auch (ohn unzimblichen rhum zu melden) in toga et saga höher kommen 
als sie undt viel andere : Gott hatt mich geleitet, das ich nicht allein die mauren undt 
eusserliche gebaw gesehen, sondern den staht erforschet, undt mitt den vor- 
nembsten miuistris umbgangen binn. Es taug kein baw, der nitt guttes funda- 
ment hatt, so taug kein reisen, da nicht zuvor der eckstein Pietas undt das 
fundament Prudentia ist; mann suche sie bey einem kindt; ist aber das 
fundament nicht gutt, so fält der baw durch die windt undt wassorflutten der 
Verführung zu gottlosigkeir undr lästern, undt wirdt mann von ausländem ver- 
laclit, wann mann ihnen viel geldt bringt undt narrheit undt ihre laster heim 
bringet. Derohalbcn ist am besten, Gott undt ehrlichen verständigen leutten 
gefälliger, das mann erst das zu haus lernet, was gutt ist. undt hernach, wann 
das gewissen undt verstandt starck seindt. frembte lande durchwandert, undt 
was gutt oder böse darinnen siehet, sich der töhrichten undt gottlosen sachen 
entschlägt, undt das gutte sich zu nutz machet. Es ist nicht zu verneinen, 
das es under den jtalian(!rn undt Frantzosen, auch anderen natiouen kluge Icutt 
gibt, wann mann den atheisnuim undt laster darvon scheidet, welches einer, 
der mitt verstandt reiset, tliun kann : kombt mann inns reisen, soll mann sich 
hütten. das mann nicht an solclie ort komme, da mann die knie für Baal 
beugen müsse;, das ist heuchelcn, umb eines beinleins willen, so mann mehren- 
theils nicht weiss, von wem es ist; wann ihme zu ehren etwa eine hübsche 
kircli g(!bawet oder mit goldr. silber undt cdelgcsteinen geziehret ist, reiset 
mann viel meilen, muss heuchlen, darmitt Gott erzörnen undt sein gewissen 



"j Durchstriclieti vor Tonnen: viel. 



75 

bcschwohren; dafür hatt jiiicli Gott boliüt, icli l)iim b(^y Kaysoru undt Königen 
gewesen, hab nie geheuchelt, lieber mich der örter eutschlagen, da mann ohu- 
geheuchelt ohne gefahr nicht sein kann ; an den orten, dahin mann reiset, die 
t'römbter rcligion seindt, muss mann an den Apostel Paulum denckeu, der sagt: 
warumb richtestu einen f'rembten knc^cht, er stehet oder fält seinem Herrn, 
undt weiln junge hcrrn keine vocation habcm andern zu informiren und ihnen 
nicht gesagt ist: gehet hin inn alle weit undt lehret alle Völker, so warten sie 
ihres thuns, sehen was zu sehen ist, halten politische freuudtschaft mitt recht- 
schaffenen leutten, undt lusscni das lehren undt dis[)Utir(!n denctn, deren ampt 
uiult beruf es mitt sich bringet. Es sollen sich die jiingi; herren imin reisen 
nicht lang aufhalten, weniger umb Fastnachtspiel, Comoedien undt derghäclicn 
viel geldt verzehren, was hatt mann darvon? selten mit Socrato sagen: Tanti 
poeuitere non emo. Mann kann ja inn lesung der historien, so solche Comoedianten 
repräsentircn, mehr nutzen mitt weniger costen haben, was ist es, wann es 
ausgemacht ist? ein gauckelspiel, wer es ein pahr mahl gesehen, wundert sich 
der torheit; wann er witzig ist, das mann so grossen costen anwendet umb 
eine sach, die wie ein gespenst verschwindet, ohne einigen künftigenn nutzen. 
Ja mann muss noch umb solcher torheit willen das leben wagen, undt bey 
nacht mit höchster gefahr darzu undt darvon kommen, der anreitzungen zu 
lästern zu geschweigen. 

[Richtiger TaJct eines regierenden Herrn.'] 

Kombt ein herr inn die regierung, jnuss er nicht denckeu, das er ein 
gewaltiger herr seye, sondern, wie oben gedacht, ein diener Gottes ; desw'egen 
sich als ein diener undt knecht halten, gegen seine mittknecht nicht stoltz 
sein, sondern je höher er ist, je mehr er sich soll demütig(!n, nicht, wie wohl 
ctzliche thun, mitt liederlichen leutten sauffen, spielen, undt dergleichen; dann 
dardurch macht mann sich veracht undt lernet nichts als böses, sondern also, 
(his er mitt ehrlichen leutten freundlich umbgehe, geringere nicht verachte, 
iedwederen nach seinem standt ehre, die ehr, so ihm Gott geben, inn acht 
nemme, sich nicht underdrücken lasse, seinen stand, als welcher ihme von Gott 
geben, nicht verachten lasse, seinen rang so ihme gebührt, sonderlich bey lleichs- 
oder Creystagen oder hohen orten, nicht nemmen lasse, sich aber auch nicht 
über standt undt gebür erhebe, mitt geringeren mitt moderation familiär, aber 
nicht gemein seye, höhere allso ehre, das er nicht dardurch veracht werde. 

[ Warnung vor übermässigem Luxus, Künstlerische Ausschmücl'ung von Schloss 

und Kirche.] 

¥a' nuiss auch die einbildung nicht haben, das grosse übermässige hofstatt. 
pracht in kleidcrn undt livreen undt was dergleichen, eines Fürsten, Gräften 
oder herrn gröste ehr seye, der gemeine unverständige pöfel möclite darnach 
sehen, wie eine kuh nach einem neuen scheunethor, verständige würden dar- 
gegen sagen, der herr trägt herrschaften undt ämpter an den hosen. Ehrliche 
kleidung an herrn undt gesindt seindt keine frembte kleider. sondern Gott hatt 
nicht verbotten sich standt gemäss /u kleiden, aber daniitr prangen, were so 



76 

rühmlich, als wann eiu dii'b") eiu sträng am hals tragen müssto undt wolte 
daruiitt prangen: die kleider seindt nichts als eine decke der schaudt undt 
straf der sünden; allso Nverden sie abusive für pracht gebrauchet, da mann 
sich billig der sünde unserer ersten altern erinnern solte; will mann prangen, 
so prange ein herr mitt fugenden''") undt*') goldt. silber undt dergleichen ; dann 
dieselbe ki>nnen inn der noht den herrn retten, undt werden die motten nicht 
dieselbe fressen. Es wirdt hieriiiift nicht geohnbilliget schöne mobilia zu 
haben, können bissweilen sowohl als goldt undt silber ihren herrn retten ; meine 
geniählde kosten mich nicht 4500 Rth. : da sie feil weren, würden sie inn 
wenig stücken ihr geldt tragen, ist aber ein schätz, der considerable ist undt 
tihne eusserste not nicht anzugreiffen. Vermehren ist erlaubt, aber nicht ver- 
äussern ; was ist ausser der grosse für ein uuderschiedt under herrn oder privat- 
häusern : wann des herrt-n liaus von zierlichen Sachen lelier. das privathaus aber 
gezieret ist. warbey kennet mann des herrn verstandt, wann nichts da ist, das 
es weiset? Seithcro ich erst den garten, hernach die kirch, neben anderen 
raritäten gebawet undt zu wegen gebracht, kommen grosse anzahl leut deswegen 
anhero. da zuvor Itzstein in obscuro gelegen. Solches aber nmss allso angestelt 
werden, das es die mittel nicht allso consummire, das mann schulden darumb 
machen müsse, sondern nach den mittein angefangen undt nicht übereilet werden. 
Ich hab solcher sachen halber keine schulden gemacht, sondern darbey viele 
geerbte getilget, aber hiervon im dritten theil ein nicheres. Wollen nun an die 
regierung selbsten kommen undt. was ein Regent thun solle, erwehnen. 

[Kenntnis des g'uttlichcn und iveltUchcn Rechts.'] 

Für allen dingen nmss ein Obrigkeit ihr Aiiipt verstehen, welches fliesset 
aus den göttlichen undt weltlichen rechten, derer beider Wissenschaft ihme so 
nöttig, das er ohne dieselbe nicht recht regieren kann. Was Gott durch Mosen 
darinn befohlen, weiset sonderlich das fünfte buch; wie hoch Gott Josua dessen 
beständige betrachtung anbefohlen, lieset mann inn dem ersten capititeP*) des 
buchs Josuae; er habe billig meine obige meinung, das mann wisse, das die 
herren Gottes knecht undt amptleut seindt, undt Gott wegen ihres Regiments 
Verantwortung thun müssen. Inn weltlichen sachen nmss nmn sich bey unns 
der gemeinen undt Reichssatzungen gemäss verhalten : wenn ein herr deren keine 
Wissenschaft hatt, vrirdt er seiner diencr knecht; sindt sie redlich, weiss er es 
nicht; seindt sie falsch, muss er wie oben gedacht ihre sünde verantworten, 
und weiss selbsten nicht, ob sie recht oder unrecht gethan haben. Seindt herren 
durch fahrlässigkeit der eitern oder Vormünder verwahrloset worden, warumb 
bestreben sie sich noch bey wehrender regierung nicht zu lernen, was sie ver- 
säumbt haben? Zu lernen ist keiner zu hoch oder alt; hastu etwa dich verführen 
lassf-n inn der jugendt, das du nicht hast wollen lernen, so bessere Dich imm 
alter undt denckc: pudor est nil discere volle; undt das du must rechenschaft 

**) Es hat ursprünglich da f,^estaii(len : als wann einer einen Strang am Hals tragen müste. 

") Mitt tugpnden: am Rande. 

'•**) ,l'ndt" ist verVjesBert aus „mitt", 

»»} So! 



77 

geben alles, was du durch Unwissenheit dessen, so du wissen sollest, verabsäumet 
oder ohnrocht getluin hast. Es hatt Gott nicht allein Sündt- sondern au(;h 
Schulopf'er angeordnet für die Unwissenheit. Es ist keiner zu alt zu lernen, 
es seye dann, das er für alter kindisch worden ; hette ich keine gnugsanie 
([ualitätcMi zur Regirung gehabt, ich würde unib des gewissens willen keine 
regierung angetretteu haben, dann ich wüste, das das gcriclitampt Gottes ist. 

[Persönliches Anhören von Klagen der Untcrthanen.'] 
Das zweitte, so ein regent inn acht zu nemnien. ist, das er die clagttm 
der underthanen höre, nieniandt, er seye so gering als er wolle, verachte, 
sondern so ers begert selbsten höre; kann er seine sach nicht förmblich genug 
forbringen, denselben helfe durch floissige nachforschung, oder iemandt un- 
partheisches selbiges erkundigen undt verfassen lasse; es hatt nianchniahl einer 
recht, wirdt durch einen verschlagenen, weil er sich nicht helfen kann, \oa'^ 
fortheilet. Da soll die Obrigkeit ex officio Icut zu ordnen, die diesen niangel 
ersetzen, auch selbsten inquiriren, damit dem einfältigen nicht zu kurtz g(!- 
schehe. Ich hab inn meiner langwürigen regierung manchem allso geholfen, 
dem sonsten unrecht geschehen were, undt haben iun solchem fall die subtili- 
tates juris, undt sibi imputet, quod jus suum non melius dixerit, für Gott 
keinen platz, sondern mann muss der justitiae undt nicht fraudi helfen. 

[Handhabung strenger Gerechtigkeit.] 

Es hatt sich eine Obrigkeit wohl zu hütten, das sie nicht umb gunst, 
Ungunst, geschenck oder nutzens willen den gerechten verdamme oder dem 
ungerechten helfe; es ist Gott ein grewel; er ist gerecht, will auch gerechte 
diener haben; er soll sich hütten unrecht gutt under dem schein rechtens an 
sich zu bringen undt dencken, wie es Ahab gieng, als seine Isebell den ^'aboht 
umb des Weinbergs willen steinigen Hesse, auch deswegen, wie obgedacht, 
iedermann hören; dann auch viel exempel vorhanden, das die diener umb ihres 
nutzens willen leut falsch angeben, darmitt sie zu den güttern kommen können, 
ihnen auch den weg zum horrn versperren, das sie sich der falschen anclag 
nicht purgiren können, oder die herren, so gegen sie irritircn, das sie sie nicl.t 
mehr hören wollen; darumb ist nöttig, das die herrn nicht allein die diener, 
sondern auch die Underthanen gern hören; hatt allso jene alte Frau König 
Demetrio, so sagte, er hette nicht weil, sie zu hören, recht geantwortet : wenn 
er nicht hören wolte, solte er auch nicht König sein. Wann underthanen wider 
beampten klagen, sollen sie gehört, aber die Beampten darumb nicht allsobaldr 
verdächtig gehalten werden, biss die Sach erst recht erkundigt undt die warheit 
an tag gebracht wirdt, da dann ein ]l(!gent sich nicht entziehen soll, die sache 
selbsten zu erforschen; dann leichtglaube ist ein anzeigung eines leichten oder 
unverständigen gemühts; undt wann mann nicht höret, kann mann auch nichts 
erfahren noch wissen, ob die diener gutt oder böse seyen ; darzu seindt Landt- 
visitationen gutt, da mann auf diener undt underthanen leben undt thun iu- 
quiriret, wie ich vor etzlichen jähren gethan undt augefangen ; wie es an- 
zustellen, folget hernach. 



78 

[nichtige Abmessung der Strafen.'] 

Ein Regent muss ernsthaft sein, das böse straffen, das gutte befördern; 
wu keine straffen seindt. wirdt das vulk ruchloss: wo mann des gutt<>n nicht 
geneust, verlischt die begierde zum gutten; manu muss aber bey dem straffen 
keine passiones haben, das mann gerne ursacli an einein haben mögte, sein 
niüthleiu /u kühlen: nicht zu tyranuiseh. wo es mit guttem gewissen sein kann; 
güttig. lieber perdunireu als straffen, doch allso, das sich der böse nicht auf 
seines herru güttigkeit zu viel verlasse: uiidt liatt sicli ein ßegent eben so 
wohl zu hütten, das er nicht so güttig seye, das er abschewliche sündeu, oder 
die zu gemein werden, perdouire als den unschuldigen straffe; dann wir haben 
dessen kein erlaubnuss von Gott, sondern es ladet die Obrigkeit auf sich undt 
deren landen die sündeu, so solche perdouirte ubelthäter hernach begehen, wie 
Claus Xarr weisslich zu seinem herrn sagte, als er für einen edelmann, so 
zween andere ermordet, hatte. Der Churfürst aber sagte, er müste ihn straffen ; 
denn er hette nun zween umbracht; sagte Claus, den ersten hatt er umbracht, 
aber du den anderen; dann wann du ihn das erste mahl gestrafft bettest, hätte 
er die andere that nicht gethau. Ist warlich keine narren rede. Ich wolte 
nicht aller weit gutt nemmen, einen frcvelichen mordt zu verzeihen oder einen 
Zauberer lauffen zu lassen, welche alle mörder seindt; dann Gott hatt befohlen, 
das mann den bösen solle von sich thun; undt das landt kann nicht versöhnet 
werden über dem blut als durch das blut dessen, so es vergossen hatt ; undt 
ist dieses das erste gesetz gleich nach der sündfiuht. Allso ist es auch mitt 
anderen lästern, wann sie zu gemein werden, als stehlen kann ohne den sträng 
bestraffet werden, wann es nicht zu gemein wirdt; wanu aber es zu viel wirdt 
oder ein habitus bey den delinqucnten gefunden wirdt, muss mann den galgen 
brauchen, damitt andere es sehen undt sich förchten : oder die Verantwortung 
fället auf den herrn, der nicht gebührlich straffet; dann er trägt das schwcrdt 
nicht umsonst, sondern die Obrigkeit ist eine rächerin zur straf über den, so 
böses' thut, undt hatt derselben Gott das schwort undt nicht einen fuchs- 
schwantz angehencket. Doch muss mann die umbstände recht betrachten, wie 
in criminalibus die peinliche halsgerichtsorduung Kayser Carbi Y. darinn 
stattliche anleitung, ziel undt mass gibt. 

iroiiur.] 
Es hütte sich ein Regent, das er sich nicht zu streng. zu vorfahren ver- 
führen lasse, sonderlich um erkennung und gebraucli der tortur: dann selbe 
manchmahlen unschuldig blut auf das landt bringen kann, wie ich deren 
exempel mehr als eines erlebet, so ich umb der Richter elir willen nicht 
nennen will, doch ein pahr gedenken. Es trug sich einmahl zu, das zwo hexen 
zum fewer g(!führet worden; eine ehrliche Fraw, die sie siebet ausführen, daucket 
Gott, das mann solche böse leut, so gemacht, das mann weder kinder noch 
vieh erhalten können, einmahl abschaffe ; dieses nemmen die böse leut inn acht, 
undt durcli hülf des Teuffels borahten sie sich, di(;ses mensch umb das leben 
zu bring(.-ii. Als die execution geschehen soll, geben sie vor. betten noch etwas 
auf dem gewissen, mann solte sie imch einmahl hören, geben die unschuldige 



79 

Fraw au, als die ärgste; die unvorsichtige Obrigkeit gibt ihneu gehör; zieliet 
sie ein, torquirt sie ohngewöhnlich ; durcli die grosse niarter bekennet sie, dessen 
sie unschuhlig war; als sie hinausgefülu-t wardt, begeren die hexen, das sie 
als die ärgste am ersten m()gte verbrant \v(!rden ; als es geschehen, bekennen 
sie, das sie unschuldig angeben worden, weiln sie ihnen ihr billiges urtheil so 
wohl gegönuet hette. Ist der Oberk«nt nicht wohl bekonnueu, uudt würde 
ärger worden sein, wenn nicht hiUierc intercession es verhütet hätte. Es wurde 
ein Cavallier schelniisch ermordet; seiu verwanter, iiiii dessfui liaus sein degen, 
escharpe undt sporen gefunden, wurde torquirt, das er die nicht begangene that 
bekennete ; were auch gerichtet worden, wann nicht eben der thäter d(ui mordt 
bekant, und diesen post acceptam ignominiam dardurch liberiret hette; ich 
habe diese Umt gekaut; derohalben grosse Vorsichtigkeit darinn vonnölitcn, 
welche obgedachte P. 11. G. O. vorstelt. 

{Hexenprosesse. 1. Untersuchung.^ 

Sonderlich in zauberey processen hatt mann sich vorzusehen, dann allda 
der l\mtfel doppelt geschäftig, die schuldige darvon zu bringen uudt unschuldige 
inn Unglück zu setzen^ sonderlich aber den von Gott befoldenen })rocess zu 
stecken. Es gibt die P. H. 0. an die handt, wie darinnen zu verfahren, 
weiset aber vielfaltig auf die obere Obrigkeit, weiln es mehrentheils auf die 
Untergericht gerichtet, als schöpfenstühl ; dahero sie augewiesen werden bey der 
Regierung sich anzumelden, wo sie sicli uicht selbst gnugsam linden können. 
Ist derowegen nöttig, das die Obrigkeit selbsten, wann sie solche maleficanten 
einziehen will, zuforderst sehe, ob auch guugsame iudicia ad capturam vor- 
handen, da dann der leumuht, art und leben wohl zu examiniren, ob verdacht 
mitt bestaudt auf die person könne fallen ; die indicia seindt zweyerlei, als 
denuuciationes redlicher oder böser leut; die erste seindt wohl zu examiniren, 
ob sie relevant in circumstantiis, ponderos oder nicht, ob etwa neidt, eigennutz oder 
dergleichen underlauffe; woher der verdacht rühre und wie er zu verificiren, Ist 
es von bösen leutten, sonderli(di wann zauberinneu sagen, ich hab diese oder jene 
persohn auf täntzen gesehen, undt die persohu ist sonsten nicht verdächtig, kann 
mann zwar es aufzeichnen, aber verschwiegen halten ; dann obschon viele auch darauf 
sterben, undt doch keine fama darbey, weniger facta, seindt sie nicht zur captur, 
weniger tortur qualiticirt; wann aber facta concurrirn, hatt die Obrigkeit auf 
dieselbe fleissig und genaw zu inquiriren ; finden sich selbige proben der fama 
undt anderen inn der P. H. 0. specificirteu umbständen, hatt mann nach der captur 
erstlich confrontation mitt den anzeigern, sie seyen ehrliche oder hexen leut, 
vorzunemmeu; undt gilt alsdann die aussage der bösen gegen den inquisituiii 
nicht für sich selbst, sondern weiln sie mitt fama, bonorum testimoniis uudt 
factis concordiren. Ist alsdaun inquisitus halsstarrig, hatt mann das gesetz der 
P. II. 0. wegen der tortur inn acht zu nemmen und sich etzlicher Juristen 
meinungen nicht irren zu lassen undt mitt derselben zu verfahren, nicht nm* 
dreymahl, sondern so oft es die sach erfordert, aber gradatim vort zu gehen, 
nicht mitt nowen martern, oder den stachelichten stuhlen, so die Jesuiten ei- 
fundcMi. Wann leut gefunden werden, so überzeugt seindt. undt doch die 



80 

turtur ausstellen, hatt manu dvr P. H. 0. zu folgen undt der Universitäten, die 
darwiderspreohen, nicht zu achton. undt eher noch ein pahr anderer oder besser 
anderer vornehmer ßeichsstände Rhät rhat zu pflegen. 

[j2. Exekution.'] 
Die execution ist das feyrr; es kann aber nach den umbstäuden allso 
mitigirr werden, das erst der köpf mitt dem schwerth abgeschlagen oder 
strangulirt uder nach der spürenden buss, da Gott die sünde vergibt, undt die 
ewige straf erlast, nach der enthaubtung begrauen werden. Es seindt zwar 
Juristen, die auf cuntiscation*") der gütter gehen, ich halte es aber, wo unn- 
schuldige kinder oder erben seindt, nicht recht; wann aber die begräbnuss ge- 
stattet wirdt, seindt selbige zur kirchen zu stewren anzuhalten. Spüret mann 
aber keine buss oder bekehrung, seindt sie der schärpfo nach lebendig zu ver- 
brennen: die ahncosten, wo mittel fürhanden, scintlt aus ilireu mittein zu 
nemmen, inn deren entstehung von der herrschaft oder dem landt zu nommcn, 
undr kann sich das landt deren nicht entschütten, weiln sie undt die ihre auch 
ihr hat) und gutt dardui'ch nicht allein gerettet, sondern auch der gerechte zorn 
Gottes durch solchen process vom landt gewandt wirdt. 

[Schwere des Hexenprosesses.'] 

Es lassen sich viel Regenten durch die schwere dieses processes von 
administrirung der justitz abschrecken ; ich hab weder inn Gottlichen noch welt- 
lichen rechten gefunden, das mann inn Verwaltung seines ampts, allein was 
leicht zu thun, fürzunemmen habe, sondern vielmehr, was mann nicht weis, 
soll mann erforschen, undt das wohl undt fleissig. Mann gehe der peinlichen 
JI. 0. Gar. Y. nach, wirdt man schwerlich irren, so kann mann in dubiis 
vornehmer Juristen nicht gebrauchen, mitt obgedachter bescheidenheit ; das ampt 
ist einmahl der Obrigkeit befohlen, undt lasset sich das pfundt nicht vergraben. 
Gott befihlt. mann solle keine Zauberer leben lassen ; thustu dem befehl kein 
gnügen, so siehe, wie du es am jüngsten gericht verantworten könnest, das 
arme kinder undt einfältige durch deine fahrlässigkeit verführet, viele ehrliche 
leut beschädigt, das viehe undt anders verderbt, Gott gelästert undt des Teuffels 
Reich, wo nicht befördert, doch aufs wenigst nicht gestöret werde; gibt eine 
schwere Verantwortung ; heisset es innsgcmein, du solt den bösen von dir thun, 
so ist es gewiss inn diesem laster, inn welchem alle andere laster im höchsten 
grundt sich finden, am nohtwendigston : undt liatt ein Regent si(^h zu hütten, 
das er nicht durch solche forcht den fluch auf sich lade, w^anu er sein schwehrt 
aufhält, das [es] nicht blut vergiesse undt des herrn werck nachlässig thut. Es 
betrübt sich billig ein gewissenliafter Regent, wann ihm maleflcanten in seine 
justitz fallen; dann er besorgen muss, das Gottes zorn über die sünden über 
ein gantzes landt gehen; will er aber denselben versöhnen, so thue er den bösen 
von sich, durch die verordnete straffen, damit er sich derselben nicht theilhaftig 
mache durch ülxn-sehung. Er soll auch keine persohn ansehen, dann ein 



*") Verachriebeii: coiification. 



81 

malcficant ist kein vornohmnr, \veni<?ov olirlichor mann niohr: mann kann koincn 
Edelmann oder geistlichen straften: dann wann sie edel oder gcistlicli selndt, 
thun sie, was edel undt geistlieh ist: thun sie böses, verlihren sie iiireu 
characterem nndt wirdt alsdann nicht ein edclmann noch geistlicher, sondern 
ein böser bub, so sich deren praerogativen verlustigt gemacht dui-cli böse thaten, 
gestraft; thue recht, schewe uiemandt. ^Vic alle andere laster zu straffen, gil)t 
oft gedachter. H. 0., die landt- undt kirchcn-ordmmgcn an die liaiidt. I)i(!ses 
dienet zur general information, wie inn criminalibus zu verfahren, das es für 
Gott undt ehrlichen leutten verantwortlich seye. 



[Civil-Prozesse des fürstlichen Hauses.'] 
Die civilsachen seindt zweyerley, die erste activ uiidr passiv Jiecht- 
fertiffunaen, die andern, recht den uuderthanen zu schaffen. 

[«) Ixichtige Auswald des Gerichtshofes.'] 
Die Rechtfertigungen seindt zweyerley, activae et passivae. J)i(! activas 
betreffendt suche mann zuvor alle thunliche mittel, sonderlich gegen höhereu, 
ob die sach güttlich könne beygelegt werden; kann es nicht sein, muss mann 
anderer ungestüm mitt recht zu wiederstehen trachten, darbey zu sehen, welches 
dicasterium zu wehlen ob adversarius zu viel authorität inn einem oder dem 
anderen habe, ob Commissiones auszuwürcken, was vor Commissarii zu suchen, 
ob sie dem gegentheil zugethan oder zu viel respect wegen religion oder sonsten 
auf selbigen tragen oder selben zu gebrauchen haben oder förchten ; ob sie sich 
auch den dativum lassen zu lieb sein, undt was dergleichen mehr. Es ist 
leider nunmehr dahin kommen, das keiner sein bestes Recht ohne denselben 
gewinnen kann ; derowegen muss ein herr denselben nicht vergessen, darbei 
aber sich hütten, das er nicht unurecht dardurch zu gewinnen trachte; dann 
solches für Gott nicht verantwortlich undt in rechtmässigen sachen schadet. 
Da auch die gegenparthey vergleichung suchet, ist sie nicht auszuschlagen, da 
der schade nicht zu gross; dann wann mann die gefahr, auch inn den ge- 
rechtesten Sachen zu succumbiren neben den uncosten, so auf Rechtfertigungen 
ffehen. ansiehet, ist es allezeit am besten, wann mann mitt ehren aus der sach 
kommen kann. 

\b) Richtige AiisivaM der Rechtsgelehrten.] 
Wirdt er angefochten undt allso reus, tliut er wohl, wann er schon recht 
hatt, das er sich inn der gütte drauss wickelt; wo das nicht sein kann, sehe 
er sich aufs beste vor, als er kann, sonderlicli das gegentheil ihn nicht durch 
dativum Überwege. Suche bey bciderley actioiicn solche advocatos, so gewissen- 
haft, redlich, nicht Schmeichler, gelahrt, geübt, nicht zänkisch, die sich 
calumniiren oder schmähen enthalten; dann dieses gar gemein undt zu Ver- 
wirrung der Sachen dienet. Hatt der herr nicht inn seinem raht gnugsam 
qualificirte Rhät oder der sachen zu viel oder in der Regierung so viel zu thun 
ist, das sie nicht totis viribus auf diese sachen arbeiten können, so nemme er 
Rhat von ehrlichen leutten inn der nachbarschaft, bezahle sie allso, das sie 

6 



82 

können zufrieden sein, erkundige aber zuvor wolil. was es für leutt seindt 
undt wie viel iliuen zu trawen. undt lasse keine schmäluingeu inn den Schriften ; 
wirdt ihnie von denn Advocaten oder Rhäteu gewiesen, das er unrecht habe, 
gebe der herr nach undt suche aus der sach zu kommen, das er kein unreclit 
thue: dann es ziehet straffen nach sich: dann Gott hasset das arge undt liebet 
die gerechtigkeit : undt lasse sich die hofnung inn böser sach nicht betriegen; 
dann unrecht gutt faselt nicht, sondern frist das gerechte mitt. 

[r) Saanrerdischc Rechtssache gegen Lothringen.'] 
Es seindt bev unseruj Xassaw-Sarbrückischen luius die gemeine Recht- 

fertigungen diese: 

Erstlich die Sarwerdische sach gegen Lothringen:'') vors ander die 
Lahrische sach gegen Badcn-Durlach : zum dritten die Bentheimische sach. 

Die erste hab ich durch Gottes gnadt dahin gebraclit. das die Grafschaft, 
so der Hertzog vi armata wieder das urthel de 7. Julii 1629 eingenommen undt 
biss inn annum lüTO besessen, wiederumb inn unsers hauses banden ist biss 
auf die Metzische lelien. derowegen die revision noch offen undt causa Mandati 
wegen der grafschaft undt die action der von Lotthringen aufgehabenen 
nutzuug<»n noch vorstehet. Bey ietzigen leuften ist nicht thunlich die sach starck 
zu treiben, dann der herr Hertzog entweder sich nicht einlassen oder doch kein 
ausgang der sacken, weniger execution würde zu hoffen sein: kombt es aber 
inn andern standt. iiarr mann besser auf die actionen Mandati et damnorum als 
auf Revision zu treiben: dann dieses trägt viel höher als diese statt wehrt 
seindt, wie die protocoUa dessen, so in anno 1669 gehandelt worden, ausweisen. 
Es ist Gott lob so weit gebracht, das Lotthringen nichts an unns, wir aber 
eine grosse praetension an Lotthringen haben, darbey inn acht zu nommen, das 
Lotthringen under dem practext, als ob die sach in revisorio stehe, spe praepo- 
tentiae et favoris die gantze sach dahin zu ziehen gedencke; es ist aber aus 
dem Mandato poenali undt paritorien dar, das das Cammergericht die Dorf- 
schaften Lotthringen gantz nicht adjudicirt, Lotthringen auch keine revision 
gesucht, sondern Nassaw: undt, wie oben gedacht, kann mann revisionem 
praeteriren undt Mandatum prosequiren. 

\d) Lah)-ischc Sache gegen Badeii- Durlach.] 
Die J^ahrische^^) sach ist soweit gebracht, das es auf der liquidation 
stehet, das der Marggraf überzahlt : dann am Kayserlichen hof das moratorium 
stabilirt undt <lem Marggrafen, wie im Cammergericht, 25 000 i\. pension zu- 
gesjiroclien worden ; dahero ich eine grosse summ voji ihme fordere, so er zu 
viel einirenommen : darbev in acht zu nemmen, das Sarbrückische lini an diesen 
25 0CK) nichts bezahlt. Wcilburgisch(^ aber nocli ein merckliches rostirt, das 
capital aber inn der schuhhüi theilung mir an meiner quota abzuziehen, weihi 
es aus meinen mittein allein bezahlet worden. 



'V V-,'1. S.lili.'p hake- Menzel VI, S. 530 f., 543, 54H ff., 553 ff. 

'■') Die Jlerrscliuft l^ulir \Nur iiocli iii den Iliunlen des Markj^rufen num JJuden-Duilach. 
Vgl. Seh liep hake a. o. U. S. 555. 



83 

[e) Benthehnsche Sache.'] 
Die Jiuntlicimischo"^) sacli stehet iiuf dein sprach 5 uudt huffe ich dariun 
so viel gethan zu haben, das sie ohuo gofalir sein wirdt, ist allso bey dem 
Spruch zu vigiliren. 

[/) Sfreitigkeiteti der Lhiien.'] 
Particulir proccss seindt mehrenthiMls durch (his nioratorium undt schulden 
bezahhing abgetlian, undt keiner von iinportantz; undt wann die liquiihition mit 
dem Marggrafen undt di(^ scluddeu tlieiluug vorgangen, wird mein antlieil der 
schuhU'n hncht zu bezahUm sein. 

[//) Fremde Klagesachen.'] 

J)er Churfürst Johann Philips zu Mayntz hatte viel strittigkeiten erregt; 
er undt seine beide nachfarn haben oft güttliche handlung angenommen; ist 
auch einsmahls anno [ f*) zu S(diwalbacli fürgenommen, aber durch 

friedthässige ohne effect gemacht worden; werde es nachmahln versuchen; inn 
deren (jntstehung ist Kayserliche Commission zu suchen. 

Das Stift Limburg hatt eine leichtfertige, auf eitel lügen bestehende 
actiou wegen 25 nuiltcr körn Limpurger maass angefangen ; ist submittirt undt 
hatt es Ottweiler vom Obersten Hattstein zu lösen; dann es gehöret nach Kir- 
berg undt gehet mich nicht an, als das sie mich super arresto actionirt, da 
doch keiner war, auch noch nicht ist. 

Von mehreren passiv actionen weiss ich Gott lob nicht, undt haben sich 
meine nachkommen zu hütten, das sie durch ohnnötigen streit schulden machen 
undt dergleichen keine Ursache darzu geben. 

[Eingehende Untersuchung und gerechte Entscheidung von Bechtssachen der 

Unterthanen.] 
Wann die underthanen sachen mitt frembten oder under sich selbsten 
haben, soll der Eegent alle beide partheyen gerne hören, nach befindung die 
Sachen für sich selbsten ziehen oder an die Cantzley weisen; ist sie bey dem 
herrn erst angebracht, soll er, ehe die urthel verfast oder publicirt wirdt, sich 
aus den actis referiren lassen, die acta darbey haben, das er sehe, ob den 
actis gemäss referirt worden, welches auch bey appellationen, so an ihn ge- 
langen, inn acht zu nemmen, undt fleissig darvor sein, das die appellationen 
von Beampten oder Cantzleyen nicht gehindert oder die gravirte nicht ab- 
geschreckt werden zu appelliren ; uiult kann dasselbe nicht f üglicher geschehen, 
als wann ein herr iedermann gern höret undt die landtvisitationes oft fürnimbt, 
davon hernach mehreres folgen wirdt. Da sich finden solte, das von Rhäten 
oder Beampten die leut vom herrn, selbigem selbsten zu clagen, weiten ab- 
gehalten werden, ist es ein anzeig, das sie inn ihrem gewissen überzeugt sein, 
das sie unrecht gethan haben; derowegen das urthel zu reformiren ist. undt 
hatt ein Jlerr mitt moderatem ernst dasselbe zu anden; da aber starcker dolus 



•'^) Es luiudelt sieb um eine Fürderunjj. 
^*) Vom Grafen niclit ausgefüllte Lücke. 



84 

tlarbov gospüret \\\Y(\t. ornstlu-h zu straftVn undt des iliousts zu entsotzon. daniitt 
nicht t\vr annvn seufzen auf ihn selbsten fallen, undt er frombte schulde tragen 
müssen. Wenn auch sclum secunduni acta et probata judicirt worden, undt 
sich findet, das der coudeniuirte aus einfalt seine sach nicht recht forbracht 
oder sein advocat der saehen nicht gewachsen oder falsch gewesen, können 
undt sollen die Khät oder nach erheischender notthurft der Herr selbsten die 
acta revidiren. auch ex officio des laedirten einfalt suppliren, undt dem armen 
geholfen wi'rden: undt soll sich inn diesem fall die Obrigkeit nicht verdriesen 
lassen, tleissig zu intjuiiiren. Ich hab leutcn, die aus melancholi über das 
xinnrecht. so ihnen von den beampten geschehen, närrisch worden, durch fleissigc 
nachforschung geholfen: undt ist es eine Obrigkeit schuldig; undt da es nicht 
«'eschiehet, hart sie es für Gott zu verantworten. Darum rhümet sich Iliob 
löblich, wann er eine sach nicht gewust, hab er sie erforschet; ist eben was 
oben stehet, undt hatt selbige das ansehen oder affection seiner dioner nicht so 
hocl) zu achten, als die Verantwortung für Gott. 

[Laml-V'n^itationen zur Untersuchung der VerualUmg und von Lehre und Lehen 

der Unterthanen .] 
Zu rechter erkundiguug, wie alles im lande stehe, wie die beampten 
haushalten, wie die underthanen inn lehr uudt leben sich verhalten, wie die 
verrechnete diener mitt einnehmung der renthen verfahren, ob selbige rcvJlich 
oder nicht mit umbgehen, ist kein bequemer mittel, als das die herrschaft 
hindtvisitationen anstellen uudt durch unpartheische diener erkundigen. 

[]. In Icirchllchen Sachen.'] 
1. Erstlich wie iedes orts Pfarhcn bastelt, ob die Pfarlierrn from, 
Gottesfürchtig, lehrhaft, fleissig, geschickt, ob sie sich mitt ihren Pfarkindern 
wohl betragen, ob sie fleissig studiren, wohl undt lehrhaft predigen, das böse 
straffen, vor sünden warnen, selbsten erbar undt exemplarisch leben, die gemein 
erbauen undt nicht ärgern; ob sie zancksüchtig, privatas passiones auf die 
Cantzel bringen, den biudtschlüssel missbrauchen, umb gelt oder guust willen 
die vor die Obrigkeit gehörige delicta verschweigen, under dem scheine der 
sündt ruhen, was ihnen zu lioch, straffen undt vertuschen ; ob sie dem wein er- 
geben, faul im sru<liren undt predigen, ob die superattendenten umb geschenck, 
freundtschaft oder anderes nutzen willen ohngelärte undt untüchtige zum predig- 
anipt Ijefördern : ob die kirchengütter, gebäw, renthen, allmosen wohl inn acht 
genommen undt ausgetheilet werden, uudt was mehrercs sein kann. Zu dieser 
in(iuisition stillen nicht allein geistliche, sondern iedes orts bcampte undt iemandt 
von «h'M weltlichen Jihäten geordnet werden, wie auch wann o'm Syuodus ge- 
halten wirdr. iiiidr --'nh uiider keinem praetext abweisen lassen, uudt nicht 
allein die schulteisen undt gerichten, sondern auch inn Sonderheit die geringenn 
gehört werden, als über die es am lufüsten zu gehen pflogt; undt darmitt manu 
auf l)esseren grundt ko)iimen möge, kann mann olingewarut öfters eine oder 
andere pfarr besuchen undt v<'rnemmen, ob die leut bey vorigen aussagen ver- 
plciben od(M- ob sie praeoccuj/irt gewesen; solches kann durch Superattendeuten, 
ln^^]lectores mitt zu/ichung des Amptmauns vorgenommeu werden. 



r> 



85 

[3. In iveltlichen Sacheii.] 
2. Inii well liehen siiclien sollen die Ix^iiinptcn ieib's orts iinf'un^s niclit 
iiiitt zugezog'on wcrdcui, soiidcü'Ji luunn soll (ü'stlicli (M'kuiidi;^eii. oli sclbigu ilir 
ampt recht verwalten, ol» sie di(^ lierscluif'tliche Jura uiidt grcntzen gegen die 
benachbarte wohl inn acht nenmien, ob sie die verliüren Heissig lialtcm, ob sie 
geschenck nenmien undt das strafbare versclnveigen, ob sie den kleinen wie 
den grossen, den arnum wie den reichen hören undt reclit schaffen, ob sie 
gewalt braiiclioiu ob sie iemaiiden imib neidt oder gewinn unreclit gethan. ob 
sie von benacliliarten gesclienck niunnieii. (itwas zu schaden oder nachtheil der 
herrschaf't oder des landes liingeheu zu lassen, ob sie die, so dnrcli ilii'<' urthel 
gravirt, abschrecken, das sie nicht appelliren dörfen od(!r, da sie >onsten 
ieniandt g(^walt gethan, verweln-en, das sie es ilirer Obrigkeit iiidii klagen 
dürfen, ob sie ärgerlich leben, ob sie die landrordnungen H(!issig inn acht 
nemmen, ob sie den underthanen gegen ausländische die handt gebührlich 
bieten, was sie für aniptgebülir fordern. Ob sie inn kriegszeitcn fleissig für 
die underthanen reiten undt reden, undt was etwa niehreres die inquisition an 
handt geben wirdt. 

[o. Führung der Beamten?^ 

Bey verrechneten dienern, ob sie der Cainnierordnung gemäss die renrhen 
einnehmen, ob sie mehr als ihnen gehört, erheben, sonderlich bey extraordinari 
anlagen, ob sie die ansätz ersteigern, ob sie geschenck nemmen, die renthen 
anstehen zu lassen, da icli dann befunden, das die underthanen wohl drey 
auch viermahl so viel umb den anstandt geben, als sie der herrschaft geben 
sollen, undt nicht gemerckt, das sie inn vielmahlen dasjeuig, so sie der herr- 
schaft auf einmahl geben sollen, den dienern so vielfaltig geben haben, auch 
ob sie von den underthanen die renthen inn groben sorten vermög der Canimer- 
ordnung erheben, hernach aber inn schlechtem gelt der herrschaft verrechnen, 
dadurch den kaufleutten aufwechseP^) oder different (discorent?) geben, sie 
aber den aufwechsel zu ihrem nutzen gebrauchen : ob sie die fruchten ge- 
häuft einnehmen, hernach aber gestrichen verrechnen. AVo dei' überschus 
hin kommen? Ob sie ihre fruchten under die herrschaftliche fruchten mengiMi, 
darmitt sie ihre schlechte fruchten mitt den gutten herrschaftlichen durch- 
bringen können oder gar die fruchten allso ronten, das sie die beste, die 
herrschaft aber die schlechteste habe. Ob sie bey verlähnung der gütter, ver- 
pfächtung der zehenden oder dergleichen vortheil zu schaden der herrschaft 
brauchen, undt was hiervon im dritten thoil mehrer(>s folgen wirdt. 

liey den beampten und dienern, ob sie die underthanen initt frohnen 
beschweren, ob die landtbereiter gleicheit inn bestelluiig der fronen iialten. ob 
sie umb gelt oder gunst willen einen füi- dem anderen vi'rschonen. ob die 
schulteissen ihr ampt trewlich verrichten otler einen o(h'r andern beschweliren. 
ob sie bey besthäuptern, zehendtpfennig undt zollen, weggelt oder dergleiclien 
underschleif oder untrew suchen, ob sie auf die wirtli. anschneider undt der- 
gleichen aufsieht haben oder durch die linger sehen; ob sie atteutata der be- 

^*) = agio. 



86 

naehbiirrou vorsehweigen. ol) Ix'v doiii aussclms einer für dein andern be- 
8ohwehrr werde, ob sie ihnen nicht zugt'hörige gütter, die der herrschaft heinib- 
gefaliene an sich ziehen oder gebrauchen, ob sie witwen uudt Avaisen inu 
acht nemnien undt selbige schützen oder drücken, ob sie die gemeine gebäw, 
marck- undt grentzstein inn aclit nennnen, ob sie undt die Gerichte den ge- 
meinen ohnnöttige uncosten machen, ob sie die rügen anzeigen oder verschweigen, 
ob sie gemeine weg, steig, wasser, weide den Ordnungen gemäss inn acht 
nemmen undt was dessen int'lir sein mag. 

[4. Sittliches Verhalten und wirtschaftliche Lage der Unferthanen.'] 
]iev den underthanen innsgemein, ob sie Gott undt der Obrigkeit getrew 
oder nicht, was religion sie seyen, ob sie die kirchen iun oder ausser hmdt 
«»■ebührlich besuchen, ob sie wohl oder übel haushalten, ob sie vermöglich oder nicht, 
ob sie from »idcr böss, verträglich oder zänekisch, ob sie sich redlich uehren 
oder auf dieberey, strassenrauben, wiltpretschiessen oder unehrliche handthierung 
sich geben, wie sie ihre haushaltungen anstellen, ob sie mitt den ihrigen ehrlich 
und friedtlich leben, ob sie sich mitt den nachbaren wohl vertragen oder gern 
haddern, ob sie die wirthshäuser fleissig besuchen oder ihren häusern wohl 
fürstelu'n. wie sie ilire häuser undt gebäw inn acht nemmen, ob sie mitt fuhren 
oder handt frohnen, wie sie bespant, ob sie ihre frohnen fleissig undt willig 
verrichten, ob sie beim ausschus seyen, wie sie bewehrt, ob undt was für 
herren gütter inn ihrer gemarckung, was für ausgestorbene undt der herrschaft 
heimbgefallene gütter allda seyen, wer sie brauche, wer die zehenden allda 
habe, ob sie verlehnt oder gehoben werden, wie viel gütter er habe, ob er sie 
von seinen eitern oder andern ererbt, ob er gütter erkauft, von wem? was für 
freye gütter bey ihnen, wem sie zustehen undt woher sie frey seindt; ob auch 
frombte oder einheimische sich des weidtwercks heimblich oder oft'entlich ge- 
brauchen undt woher sie es berechtigt, ob es schulteissen oder andere gewust 
undt zugelassen undt verschwiegen, ob sie den beamptou undt Khäten mit ge- 
schencken boKoguen müssen. 



"O^O" 



[Verfahren bei den Latidvisitationen.'\ 
Zu solcher Inquisition sollen neben den beampten iedes ampts (welche, 
wie oben gedacht, wann auf ihr thuu inquirirt wirdt, anfangs nicht darbey sein 
sollen) herrschaftliche Rhäte undt diener, auch nach befindung der qualitäten 
undt redligkeit andere ohnpartheischc zugezogen undt zu dieser sach beeydigt 
werden, alles fleissig protocoUiren undt niemandt durch die finger sehen, auch 
die underthanen, so befragt werden, für dem fragen undt eydt für meineidt 
fleissig zu warnen mitt der betrohuug, das, wann sie bey künftigen Visitationen 
oder sonsten falsch gefunden werden, sie schwerer straf gewärtig sein sollen, 
auch Versicherung, wann sie redlich heraus gehen, das sie für niemandt sich 
sollen zu fürchten haben, wie dann auch ohne ansehen der person, diejenige, 
so falsch gefunden werden, hart zu straffen seindt, undt können die landtvisi- 
tatores zwar xmi iedf^r gemein (jder schulteiss undt gerichten die designation 
der gütter undt, was weiter hieoben gedacht, erfordern, hernach ahvY die ge- 
meinen ieden absonderlich darüber hören, auch selbsten den augenschein ein- 



87 

noinnien, wo sie einiges duhium imi der sachon liabon. Von ilivcr vrrrichtuno- 
haben sie der Herrschaft schriftliche, wohl sjuMuficii-to relation zu thun, imdt 
selbe bey dem archiv wohl zu verwahren, undt scindt soIcIk; inciuisitionen oft 
zu wiederholen, wo nicht allentJuilben, doch hin undt her, dainitt die leut nicht 
sicher werden, sonderlich wann (!twa verdacht, das es nicht i-eclit iiergangen 
seye oder ein oder anders wieder Verordnung eingeschlichen, sich ereignet. Ich 
hal) auch diese weise gehalten, das ich beyni weidewcrck oder sonsten mit 
den uiulerthanen gespräch gehalten undt viel erfahren, das mir wohl bekommen 
undt sonsten vertuscht worden were, dessen sich kein herr zu schewen hatt. 

[ZiicJit der Beamten.] 

Wann bey solcher landvisitation befunden wirdt, das beampte, Jihiite, 
scliulteisen oder gerichtcn ihres ampts missbraucht, kann nach der grosse des 
Verbrechens die remediruug undt bostraffung vorgenommen werden, undt hatt 
die Obrigkeit, die armen gegen unbilligen gewalt zu schützen, von Gott scharpf(> 
befehl, betrohungen undt straffem iiin Gottes wort vielfältig, undt da sie zu 
viel nachlasset, nimbt sie die Verantwortung für Gott auf sich. 

Den Rhätcn, ober- undt underbeampten muss zwar ihr respect erhalten 
werden, darumb auch nicht leichtlich iedermann gegen sie zu glauben, ddch 
muss verhütet werden, das sie nicht zu streng gegen die underthanen ver- 
fahren, derowegen ein herr solche leut zu ßhäten und beamptcii zu suchen, die 
nicht zu jung, Gotsförchtig, redlich, nicht geitzig, gelahrt oder wenigsten so 
viel studirt, das sie die landtordnungen inn aclit zu nemmen wissen; kann 
mann leut zu Amptleuten haben, die Soldaten gewesen, können sie inn kriegs- 
zeitten wohl dienen undt haben bessern zutritt bey hohen officirern, Rhäte ab(M' 
müssen gelahrt sein, wann sie rechtsprechen oder dem lierrn Rhateu undt inn 
Processen dienen sollen. Ich hab zwar auch leut gesehen, die aus langer 
experientz grosses gethan, da sie doch nicht studirt gehabt, wirdt aber schwer, 
undt können inn processen keine feder ansetzen. 

\_VerhaUms des Herrn zu seinen Beamten.'] 

Es soll ein herr, der seiner Rhät undt Beampten trew undt fleiss spüret, 
selbige inn ehren haltcm. ihres rahts pflegen, demselben inn billigen dingen 
folgen, ihre trew undt fleiss recompensiren, aber sie nicht lassen seine herrn 
werden ; dero trew undt fleiss kann er nicht besser erfahren, als wann er sclbsten 
im studiren sich so befleissigt, das er selbsten judiciren könne, ob sie wdhl 
od(;r übel hausen, undt dann durch Visitationen, appellationen undt dergleichen, 
auch durch discurs mitt den underthanen ihr thun erfahren. Es soll auch ein 
herr keinen von den Khäten dem andern underwerfFen, sondern ieglichem inn 
seinem thun schützen undt handthaben, auch so viel möglich selbsten inn der 
Cantzley sich finden lassen, selbsten die partheyen hören undt mitt Rhat der 
Rhät die sachen decidiren, gibt ursacli, das die Rhäte desto behutsamer undt 
fleissigcr werden; wann bissweilen die vota ditt'erent fallen oder der Herr ver- 
meint, das er es besser trofl'en habe, thut er nicht wohl, wann er auf eigener 
opinion bestehet, sondern besser, wann er anderer erfahrener leut Judicium 



88 

darüber eiuholot, dasselbe mitr seineu Rhäten überlegr undt dann das beste 
wehlet. 

Sonderlich suU er sich liütten, das er nicht alles allein an die diener hencke 
undt seiner kurtzweil abwarte oder massig gehe oder sich so gar au einen 
dii'ner hencke. das er ihnc undt er selbsteu sich für necessariuni halte. Wie 
schädlich es herrn undt dienern scye, weisen die alte undt uewe exenipla. das 
herrn inu höchste Verachtung darüber kommen, die diener insolent worden, den 
herrn vrracht, gourmandiret. höhere selbe bestochen, das sie untrew worden, 
auch selbige trewe diener undertrückt, fälschlich angeben, undt auch so weit 
trebracht. das selbe endtlich mehr absehens auf den dienern als den herrn 
gehabt, redlichen herren undt underthanen undertrückt, verrahten undt unn- 
schuldige diener undt underthanen umb das ihre gebracht, auch wohl gar umbs 
leben: was schwere Verantwortung das für Gott gibt, wie veracht ein herr 
darüber wirdt. ist theils zuvor gedacht, undt weiset die erfahr ung, das wann 
mann zu spat liatt remediren wollen, das sie gar die herrn aus dem weg zu 
räumen gesucht. Ich bin dessen ein lebendiger zeuge, weiln ich nicht mich 
allso submittiren wollen, ist Uneinigkeit imm haus gestift, mir nach dem leben'*) 
gestanden worden ; die semina discordiae blühen noch, so solche leut inns haus 
gesäet, die sich bey theils herren haben necessarios gemacht, undt mich, der 
ich mich ihnen nicht undergeben wollen, aufs eusserst verfolgt, es ist aber an 
ihren nachkommen zu sehen, wie es Gott gefallen. Es thut ein herr wohl, wann 
er gegen seine diener affable ist, er muss aber niclit zu gemein mitt ihnen 
werden, sondern seinen respect darbey erhalten. 

[Verhältnis zu Kaiser und Iieich.'\ 
Gegen iedermann soll ein herr wissen, wie er sich verhalten solle, gegen 
höhere, gleiche, geringere; zuvorderst hatt er seinen schuldigen respect gegen 
seinen Keyser zu erweisen : inn allen dingen, so nicht w-ieder Gott undt die 
Reichsplichten^') lauffen. soll er allen gehorsamb, trew uudr lieb erweisen, sich 
nicht under die aufrürischen mengen, gern zu assistentz gegen des Keisers 
undt Reichs feindt das seinige anwenden, nicht zugeben, das die seinige un- 
gebührlich gegen J. K. M. reden, weniger sich zu Reichsfeinden diensten wenden 
undt in allen dingen sich als ein gehorsamen Reichsstandt erweisen. Da auch 
wieder das Rcicli undt dessen freyheit*^) etwas vorgenommen würde, es nicht 
mitt ungestüm auf nmhtmassungen allso balde eifern, weniger sich an frembte 
potentaten liencken, sondern so viel möglich sich gedulden. Da aber eine ge- 
meine Reichssach oder der Religion darauss würde, sich seiner Reichspflichten 
erinneren undt sein Yatterlandt retten helfen, inn Religionssachen sich zu dem 
pAangelischen corpore halt(!n. 

[Verhältnis zu den Reichsständen ^ 
Gegen die Reichsstände soll er sich allso verhalten, das er einem ieden 
seinen gebürenden respect gebe, höhere ehre, mitt gleichen sich wohl betrage, 

'*) Das Nähere ist noch nicht bokaiin^t. 

") So! 

^"j Vom KaiHer also doch wohl I 



89 

gegen geringere sich freundtlicli erzeige, Ijey allen fricidtlich undt nachbarlich 
sich verhalte, keinem, soviel an ihm ist. /u unwilloii ursach gebe, sondern 
allezeit, wo es sein kann, den glinipf zu erhalten suche, doch allso, das er 
mitt guttem sein recht undt respect erhalte undt si<-li nicht eben undcirtrückeu 
lasse; thut ihm ein mächtiger nachbar gewalt, suche er erstlich die glitte, inn 
deren Verweigerung das recht, nach denn die sach ist, durch kayserliche com- 
mission oder processen sein recht zu salviren. Es ist leider bey unnser ietzigen 
Reiclisjustitz das bandt für den äugen hinweg, oder doch von flor oder Cammer- 
duch gemacht, das mann dardurch leicht sehen kann, undt muss mann sein 
recht thewer kauften; nuinn muss sich aber inn die Zeit schicken, dan es ist 
böse Zeit, undt die ietziger Zeit gebräuchliche mittel zu gebrauchen nicht ver- 
gessen undt nniss hier heissen: cede majori. 

Gegen gleiche kann mann sich aller civilität gebrauchen; wollen sie sich 
aber nicht zu ruhe geben, hatt mann die von Gott verliehene mittel zu l)rauchen 
undt gewalt gewalt entgegen zu setzen, undt rechtliche mittel zu gebrauchen, 
dann es kann nicht allezeit gegen einen aggressorem das recht erwartet werden 
et vim vi rcpellere licet. 

Gegen geringere kann mann freundtligkeit gebrauchen, aber keinen ver- 
achten oder zu drücken suchen, sondern gedencken, das unns Gott alle ge- 
schaffen undt nicht erlaubt, seiner macht zu missbrauchen, sondern es heist 
minori parce, auch muss mann nicht all zu geschwindt umb liederlicher ursach 
willen gleich zu harten mittein greiffen, sondern selbige erst von ihrem unfug 
abmahnen; will es nicht helfen, kann mann seiner mittel gebrauchen. 

[Verhältnis su fremden Potentaten.] 

Gegen frembte potentaten muss mann sich allso verhalten, das sie keinen 
praetext haben zu einigem unnwillen ; will es nicht helfen, muss mann kayser- 
liche undt Reichsmanutenentz suchen und gebrauchen. Es ist aber leider dahin 
kommen, das es heist: wer reit, der reit, wer leit, der leit'') ; doch muss mann 
thun, was mann kann, undt Gott vertrawen, der der könig hertzen inn seiner 
handt hatt undt leitet sie, wie er will. Inn gemein muss mann sie recht sal- 
viren undt nicht begeben, auch nach vielen Jahren kann es Gott endern; was 
aber begeben, ist weg. 

Inn krieffszeitten hatt man sich woiil fürzuselicn, das mann dardurch 
nicht aufgerieben werde. 



\_Kriegc mit dem Ausland.'] 
Die krieg seindt zweyerley : eusserlicho undt innerliche. Bekombt das 
Reich mitt ausländem zu thun. kann kein Reichsstandt sich mitt guttem ge- 
wissen undt ehren vom Reich separiren, sondern ist schuldig das seine nach 
vermögen anzuwenden, das dem Reich kein schaden entstehe, docli mitt di'r 
bescheidenheit, das, wer auf den grentzen ist, so lang gutte wort gebe, biss 
er succurrirt oder erledigt werden kann. 



^) Wer reitet, der reitet, wer liegt, der liegt. 



90 

Hart Krtvsorliohe Maysr. krieg, so seiudt sio entweder wegen der crb- 
hinden oder des Reichs. Ist es das erste, liatt mann zu sehen, wie weit das 
Reich sich einniisrliet. undt vun selbigem sich nicht zu separiren; doch tluit 
manu nicht uhcl, wer es vermag undt dem feindt nicht zu nahe ist, das mann 
auch extraordinari dienst thue. Ist es wegen des Reichs, ist mann schuklig 
sein eusserstes darbey zu rlum. doch mitt obgedachter beschcidenheit: dann 
wann mann allein über vermögen thun will, ist es eine tohrheit, sonderlich 
wann mann nicht kann geschützt werden. Ist es gegen den erbfeindt, thut 
ein ieder withU der seinem Kayscr dienet undt seine mitt Christen rettet ; undt 
kann ich gar nicht approbiren, das mann aus einer Jalousie gegen den Kayser 
die Türeken solle solche progress thun lassen, das er das Reich desto leichter 
überschwemmen könne. 

[Kriege im Innern des Reiches. Kurzer Überblick über den Verlauf des 

30jährigen Krieges.'] 

Gibt es innerliche krieg, hat mann sich am meisten vorzusehen: dann 
diese die gefährligste seindt. 

Selbige entstehen entweder wegen der Religion oder aus anderen prae- 
tensionen. Es haben bey dem dreyssigjährigcn krieg sich die Reichsstände inn 
drey theil getheilet, etzliche als inns gemein die Romisch-Catholische haben 
under dem praetext den Kayser gegen die Böhmische unruhe zu assistiren, eine 
Ligam gemacht undt verhoft, das Evangelium auszutilgen, denen sich etliche 
Evangelische umb anderer respect willen zugesellet. 

Etzliche Evangelische haben sich mitt den genanten Reformirten inn eine 
Vnion begeben, das zwar vermuthete Reformationswesen undt politische gra- 
vamina zu verhütten, aber zu frühe; undt ist das bandt gar baldt zurissen, 
weiln mann Gott mehr im nmndt, die stiftor aber im hertzen gehabt, dero- 
wegen mein inn Gott ruhender horr vatter nichts hart wollen darmift zu thun 
haben*") ; darüber er zwar von beiden theilen hart mitt genommen worden, 
aber von seiner beständigen trew nicht weichen wollen. 

Etliche seiudt neutral blieben. Anfangs haben die Römisch-Catholische 
grosse sincerationes gcthan, das sie nichts zu nachtheil der Evangelischen zu 
thun gedächten; als sie aber die uuion zutrennet, Pfaltz aus Böhmen ge- 
jagt, die noch assistirende geschlagen, haben sie den mantel aufgedeckt undt 
die Religion angegriffen undt seindt so verbleut gewesen, das sie nicht ge- 
merckt, das manu durch den hertzog von Friedlandt das Reich inn einen andern 
model zu giessen Vorhabens gewesen, wie dann nicht allein der obgedachte 
General selbsten solches öffentlich gesagt, sondern auch der Kayser selbst, 
welches zween Mayntzische Capitulare gehört undt gehöriger orten avisirt, 
welches die Catholische Jjigam alarmirt, die des Tilli armee versterckt, auch 
mich Selbsten etlich tausendt mann auf zu bringen*') ersucht haben, dessen ich 



*") Vgl. Schliopliake, VI, 418 ff. 

*') Vgl. Keller, Drangsale, S. 143, ohne jedoch genügende Aufklärung über diesen 
Punkt zu geben. 



91 

hedcnckens g(!lial)t, ^voilll es keim' ^ciiicinc Koiclissadi gewesen. Es ist ihnen 
aber auch dazumahln wieder solche starke hofnung zu der Reformation undt der 
Evangelischfm güttern gemacht worden, das sie wiederumb geholfen iiir eigen 
verderben zu befördern, undt d(m Churfürsteii zu Sachsen attacjuirt, als den 
einigen Evangelischen, so noch nicht ruinirt gew(!sen; haben zwar es dahin 
bracht, das der Friedtländer abgescluift undt die Kayserlichc^ arniee wold umb 
die helft abgedanckt unilt in Pohlen, Italien undt Niederlanden verschickt 
worden, da sie dann starck hin niarchirt, aber wenig wiederkommen. Als 
mann den Evangelischen so deutlich dies vorhaben entdeckt, haben sie sich 
anno 1()81 zu Leipzig zusammen gethan undt einen schlus g(!macht, der zwar 
nicht gar wohl gefast gewesen — dann es w'aren scopae dissolutae — ieden- 
noch zu etwas armatur ursach gegeben, darzu dann der König inn Schweden 
kommen ; undt obschon beide Churfürsten von Sachsen undt Brandenburg anfangs 
demselben König keinen pass Magdeburg zu entsetzen geben wollen, hatt sie 
aber Tilly gezwungen, mitt dem König zu coujuugiren, dann Leipzig ein- 
gcnonmien undt weiter inns landt gehen wollen: als aber die Leipziger erste 
Schlacht, Avic bekant, abgangen, hatt der König den Mayn undt Rheinstrom 
fast ohne resistentz occupirt, auf die Donaw gangen undt München ein- 
genommen, darüber die Catholischc Liga gar zu grundt gangen were, ^vann der 
Privatus nicht den vorzug für dem Publice gehabt hette. Nach des Königs 
todt hatt mann den Heilbronnischen bundt gemacht, da dann die? privat 
respecten undt das Französische geldt viel böse consilia suppeditirt, deren ich 
etliche verhüttet, etzliche aber aufgehalten ; undt ist die Ketzerey der Donatisten 
Politisch worden, undt hatt ein iedweder donationen undt pensionen haben 
wollen, hingegen nichts bey dem gemeinen wesen gethan. Ich hette das ding 
auch haben können, aber ob es mir auch obtrudirt werden wollen, hab ich 
nichts angenommen, sondern allein meiner religion undt vatterlandts bestes 
gesucht: undt ist der übermuht, bossheit undt untrew so gross worden, das 
Gott durch die Nördlinger schlacht anno 1634 hatt straffen müssen, dardurch 
viele landt undt leut mitt dem rücken ansehen müssen, welches mich unschuldig 
betroffen. Da ist es erst bundt hergangen, der Churfürst von Sachsen hatt 
durch den schändtlichen Prager Frieden die vornembste Chur undt Fürsten irr 
gemacht, das sie baldt diese, baldt jene partie angenommen. Die Schweden 
haben inn den Sächsischen Greisen sich verstärckt undt biss naher Wien durch- 
gtrungen. Ilcrtzog Beruhart zu Sachsen AVcinimai' hatt am Rhein agirt, die 
Frantzoseu an sich gezogen; undt nach seinem todt liulx'ii die Frantzosen selbe 
Kutte Völcker anoenommeu und durch das Reich inn allen Greisen neben den 
Schweden, Lünenburgischen undt Hessen so weit victorisirt, das endlich die 
Friedenstractaten inn Westpfahleu haben müssen an handt genommen werden. 

\yerte\d\(jung seiner Stvllioii/ i» diesem Kriege.] 

Diesen kurtzen extract eines laugwürigen kriegs, so gantz Europam inn 
einander verwickelt, hab ich zu dem ende hierinn gesetzt, das mann sich für 
begangenen fehlem hütten undt künftig klüger handlcn möge. Es ist bey dem 



92 

in anno 1548") und ht-rnach geführten Roligii>nskriog nicht aniU'rsr zu gangen 
undr ilardurch goschelR-n. das cino gutte sach übel abgelauffen; mann hatt 
dazunuililn darfui gohalton. das manu sich nicht wieder ahubilligeu gewalt gegen 
den Kayser schützen könne, darunib den Kayser einseitig des Reichs entsetzen 
undt uicht mehr deu kayserlicheu titul geben wollen, sondern Carln von Gent ge- 
nennet, undt ahnerwartt geNvalts offensive gangen: war nicht wohl angefangen 
umlt ahnglücklich geendet. Anno IG^;') waren die gemüther nicht besser gestelt 
undt wulte mann auch dem Kayser absagen, ich hab aber mich darwieder 
gesetzt uudt verwehret, das es nicht geschehen; hab zwar bey den Schweden, 
Frantzosen undt bösen teutschen wenig danck verdient, aber justitiam causae 
gerett. Meine consilia") sindt dahin gaugt'n, das mann sich inn gutte defensions 
postur stellen. Kays. Mayst. mitt allen möglichen remoustrationen das hertz zu 
einem billigmässigen frieden erweichen, der Catholischen Liga aber mitt solcher 
resolution under äugen gehen möge, das sie von ihrem ihren mittständen zugefügter 
gewalt abstehen undt die Evangelische mitt sieh inn gleichem gradt der imme- 
dietät undt religinns freiheit bleiben lassen mögten, undt alle; occasionen zu 
einem reputirlicheu frieden annehmen undt selben aufs möglichts befördern 
mögte. Im 9.bri 1633 jähre hatt der König inn Dennenuirck sich zu einem 
interptinenten offerirt. ist auch pro forma angenommen worden, aber mitt 
solchen conditionen. das mann sie einem inn fessel undt banden liegenden nicht 
wohl ärger machen könte; als ich es anhörete, sprach ich, das were nur schertz, 
moinete nicht, das verständige leut dergleichen würden auskommen lassen; 
wurde mir zur antwort. andern theils hette mann es anno IGol auch so ge- 
macht: als ich replicirte. ob sie recht daran gethan undt nutzen darvon ge- 
habt, wurde von einem geantwortet, manu müste es ihnen zwiefaltig machen 
nach ihrer bossheit; ein anderer fragte alle donatarios, ob sie gedächten etwas 
von den donationen zurück zu geben, er wolte leib undt gutt aufsetzen, ehe er 
etwas zurück lassen wolte, das der redtliche König inn Schweden undt die 
Cron ihme geben hetten; krigte von alUni politischen Douatisten den zufall. 
Ich fragte, ob er das auch über ein Jahr noch einmahl sagen wolte. Er: ja, 
ich aber: wolten einander gemahnen, ehe das Jahr umb wäre, undt bäte es ad 
protocollum zu nemnien: nach dreyen viertel jähren, als die Nördlinger schlacht 
geschehen. Ii;ili iili ihn inn gegenwart Fürsten, Graffen undt lierrn, auch vieler 
abgesandten erinnert, ob er noch so hertzhaft were als vt)riges jähr: da seine 
antwort gewesen: wann er das seine erhalten könte, wolte er die hosen ab- 
ziehen undr dio Olöster besudeln undt sagen: nemmct ewcre beschissene Clöster 
wieder, worauf ich ihme sein ahnbesoimenheit vorgeworfen, dardurch er mich 
undt das gantze Keich inn clcndr gesetzt. Solche böse consilia haben mich 
bewogen, das ich nicht mehr darboy sein wollen; darauf mann mir das 
commando an niedern RIkmu aufgel)ürdet. Es ist aber durch der Frantzosen 
pensions das werck allso verwirrest worden, das keiner ein wort im Rhat reden 
ktinnen. das nicht ihnen allsobaldt zu gebracht worden, aucii durch grosse, zu 



**) Mufis heissen 1546. 

") Vgl. Keller ii. u. ( >. S. 11)0 f. 



93 

doron vorunf^rmipfiing so rodlicho consilia f^^ofülirot, so o;av. das mir der König 
inn Pranckrcicli solbstcu vorgüworft'en, das nicinandt seiuon intontionen so hurt 
sieh wicdcrsotzot, als ich, woh'hes ich so wcuig gch'ugncit als zuvor dem 
Oclisonstirn, Schwodischen Itcichs Cant/lor, inn gloichoni casu, undt regorirt, 
das ich als ein toutscher patriot für mein vatterlandt gcredt, wie andere für 
ihr Interesse; undt hcttc der König meinem ralit gefolgt, were es beiderseits 
besser abgangen, welches er auch erkant undt übel mitt seinen gesandten zu- 
frieden gewes(>n, das sie nicht besser berichtet. 

[Schiricri(/e Lage der kleinen Fürsten : bewaffnete Neutralität ist das Beste. 
Sein Wahlspruch: nee temere, nee ti)nide.~\ 

Dcrolialbon liatt mann sich bey innerlichen kriegc^i Wdlil für zu sehen, 
das manu den respect des Oberhaupts, so viel gewissens halben sein kann, inn 
acht nemme, sich nicht durch muhtmassungen, privat considerationen oder be- 
gierde etwas an sich zu bringen betriegen lasse, wieder selben sich aufzulehnen, 
sich leiden, so lang es sein kann. Da aber eine solche sach vorfiele, da mann 
die religion zu tilgen, die Reichs freyheit zu undertrücken understünde, kann 
mann sich gewissens halben nicht vom Evangelischen corpore oder dem Reich 
separiren, sich aber erinnern, das mann sich nicht under die aufrührischen 
mengen solle, weniger under dem vorwandt der religion undt des Reichs wohl- 
fart, privat passionos oder begierde zu anderer leut gütter etwas wieder den 
Kayser oder seine mittstände zu machinireu gelüsten lasse; dann Gott lasset 
es nicht ungestraft, sondern manu muss leiden, biss causa comnumis wneder die 
ohnbilligkeit esclattirt undt Gottes ehr undt die Reichspflichten darzu neccssi- 
tircn, doch allezeit den respect des Oberhau})ts so viel möglich inn acht nemmen, 
allezeit zu sicheren reconciliationsmittcln rahten undt mittel zu einem sicheren 
frieden suchen. Biss selbiger erlangt werdim kann, nmss mann sich so gutt 
möglich inn Verfassung stellen, dauu inermis ab armato sich leges muss für- 
schreiben lassen, aber nicht zuviel auf die waffen trawen, das mann deswegen 
ehrliche undt billige conditionen zum frieden zu gelangen ausschlagen wolte; 
dann der oberst frieden fürst hatt kein gefallen am blut stürtzen, sondern hatt 
einen grewel daran, undt kann sich das blat baldt wenden: anno 1628 redete 
mann am kayserlichen hof, als ich anfangs hinkam"), von nichts als frieden, 
war auch eine erwüntschte gelegenheit darzu, da der Kayser das Reich auch 
mitt harten conditionen hotte obligiren undt danck gewinnen können, aber der 
Jesuiten geitz undt des hertzogcn von Friedtlandt hohe anschlage warfen solche 
gutte consilia über einen hauffen, undt kam der Schwedische Krieg, darein 
sich auch Franckreich mengete mitt unwiederbringlichen schaden des Kaysers 
undt Reichs darzu, welches auch zu ietzigcm krieg") anlas geben, inn deme 
sich die beide Cronen eingebildet gleichen success bey diesen zeitten zu haben, 
ja Franckreich den Domiuat der gautzen weit inn seinen godancken albereits 



**) Graf Johann wurde 1628 an den Kaiserlichen Hof geschickt, um Befreiung oder Er- 
leichterung des von "Wallenstein besetzten Landes zu erwirken. Keller, S. 9:j. 
*'") Er schreilit während des Krieges von ir>72-167y. 



94 

"ehabt: als aber keine wiewohl avanteuge couditiones von den Holländern an- 
geborten acceptirt wurden, ist Hollundr gleichsam ohne Schwertstreich zu dem 
seinigen kommen undr Frankreich su viel feinde erregt, das mann noch nicht 
absehen kann, wie es ablaufen wirdr. 

Derowegen mann sich bey solcher unruhe wohl für zu sehen hatt, dulce 
bellum inexpertis. welches macht, das mancher zum krieg rüst, der es wohl 
bleiben Hess, wann er wüste, was krieg were undt was gofahr daraus entstehen 
kann: werden auch bissweilen übel belohnet, wann es übel ablauft. Es über- 
schlägt auch mancher den krieg, wie ein unerfahrener einen baw: als die 
Mavntzische fortiticatiun solte angefangen werden, wurde der Überschlag auf 
L^OOOOO Rth. gemacht undt solte inn fünf jähren gewiss fertig sein, darüber 
ich lachete. Als ein jähr oder neun für über waren, fragte ich den Cammer 
Kaht inn gegenwart des Churfürsteu. ob die fortification fertig, undt ob die 
200 000 Rth. zu gelaugt hetten; es war aber wohl vier mahl so viel spesen 
drauf gangen, die fortification ist aber noch nicht fertig; allso macht mann 
auch bissweilen den Überschlag im krieg, wie König Pyrrhus inn Epiro, were 
aber besser, mann bedächte zuvor, was für liinderungeu fürfallen können, undt 
sonderlich «ib die sach gutt, das Gott auch segen darzu geben könne, inn 
welchem aucii nicht allein grosse potentaten, sondern auch geringere fehlen 
können. P]s fragten mich einsmahls etliche, so sich mitt Chur Mayntz undt 
Lothringen gegen Churpfaltz inn bünduuss cinliesscn, unil) raht : ich wicderriehte 
es, sie aber meineten. es were ein kirschenkrieg ; ich antwortete, sie selten die 
kirschen, hernach die äpfel undt birne, die trauben undt castanien essen, undt 
darnach sehen, ob die kirschen Avieder reif würden eher als ein jähr; kratzeten 
sie sich hinter den obren, aber zu spat, wie bekandt. Dergleichen könte ich 
aus eigener erfahrung viel darthun, wo es nicht von alters her bekandt, das 
solche bündtnussen selten wohl ausschlagen. Es geschiehet auch wohl, das 
grössere geringere angreiffen undt dardurch zu kurtz kommen ; dann neben dem, 
das Gott dem rechten beystehet undt dem hochmuht steuret, bewirbt sich auch ein 
geringer umb liülf undt er meistert den mächtigem zu seinem grossen schaden ; 
derohalben am besten, wann mann frieden hält, undt wann der nicht halten 
will, der sich auf seine praepotentz verlässt, muss manu Gott undt das recht 
aurutfen undt gutter freundt underhandlung, und auf den nohtfall assistentz 
suchen, sich aber allezeit hütten, das mann keine ursach gebe undt inn terminis 
justae defensionis bleiben. Aus obigem kann manu gnugsam abnehmen, wie 
mann sich bey innerlich(;n undt eusserlichen krigeu zu verhalten hatt, ncmblich: 
das Reich gegen auswärtigen defendiren helfen, bey innerlichen der Kayser- 
lichen respect nicht verliehren, seine mittständt nicht ofiendiren, gegen gewalt 
sich 80 gutt mann kann schützen, sich vom Reich nicht separiren, ausländisches 
gcldt jiK'idcn, für donationen. welche des vatterlandts trewe undt respect brechen 
undt keinen bestandt hahen. sich hütten undt ohne eusserste noht sich nicht 
in krieg einmischen; ieder zeit, wo nicht Gottes ehr undt die Reichspflichten 
es änderst erfordern, zum frieden rahten, keine ehrliche friedens verschlag aus 
liandeu lassen undt mein Symbolum inn acht nemmen: Nee temere, nee timide, 
undt nicht gleich verzagen, wann es übel gehet, sondern Gott vertrawen, der 



95 

alles wohl maclion undt, wann die sachon am aro:sten stehen, liolffen kann; ich 
hab unschuldig- droyzehen jaiu- oxulivtm niiisson, iiab Gott boy meinem gutten 
gewissen irotrawet, der hat mich erhalten undt mitt ehren wieder zu dem 
meinigen gebracht, umb Gottes ehr undt woi-t undt des Vatterlandts woldfart 
ist mann schuldig, alles dran zu wagen. 

[Bettimysmiftel gegen stärkere Gewalt: Waffen und Äu/gehot, Aushalten 

heim Bcich.^ 

Es were eine temerität, wann iemandt von unsers hauses mittein gi-ossc 
armoen richten, si(di gegen grossen gewalt schützen oder andere mitt krieg an- 
greiften wolte, aber doch nöttig rettungsmittel zu suchen, wie mann sich gegen 
o-rossen ffewalt defendiren möge. Da seindt nun die anfechter entweder aus- 
oder innländische, aucli freundt, undt feindt; hatt mann mitt ausländischen zu 
thun, so nuiss mann den Kayser undt Reich mitt interessiren undt deren hülf 
suchen undt erwarten, undt wie schwerlich umb so ein geringes, als sie bey 
unnsers gleichen suchen können, grosse potentaten krieg anfangen werden, da 
das Reich mitt eingeflochten werden kann, als ist es mehr umb die nachbarn 
undt strüppereyen, so von freundts undt feinndts Völkern vorgehen mögfm, zu 
thun; da dann, wann mann von benachbarten angegriff'eu, durch rechtliche 
mittel, Zusammensetzung unnscres hauses undt hülf gutter freundt gegenwchr 
zu thun ; so es strüppereyen antrift, da wäre zu wünschen, das durch einmütige 
Zusammensetzung dem werck geholfen würde ; ist aber, wie die erfahrung gibt, 
also beschaff'en, das die mächtigere den last von sich undt auf die Schwächesten 
ziehen undt schieben; wann schon die geringern sich zur assistentz verbinden, 
ist keine rechte Verfassung oder aufrichtige vertrawligkeit mehr, wie bey den 
alten, würde sonsten der sach leicht zu holff'en sein. Als anno 1601 der 
Hispanische Admirant von Arragonien") mitt seiner armee inn wetteraw undt 
Westerwalt quartier machen wolte, setzten die grafen sich zusammen, machten 
ein retranchement under Alten Kirchen undt logirten sich allda mit 20 000 mann : 
alle Gräften, so Soldaten waren, seindt persöhnlich darbey gewessen undt haben 
den Spanier allso abgehalten, das er abziehen müssen, undt haben die Fürsten 
von Hessen undt andere assistentz versprochen; wolte Gott, es were noch 
solche Zusammensetzung, aber! Anno 16:52 hab ich den Nassaw-Sarbrückischen 
ausschus auf dicsseit Rheins auf ()000 wohl exercirter mannschaft gesteh, dar- 
mitt alle, so unns zwacken wollen, abgehalten, auch andere gerettet; es ist 
aber ietzo mangel an mannschaft undt Zusammensetzung, Gott gebe besserung. 
so könte es noch einmahl allso gesteh werden ; ietzo muss mann sich mitt gutten 
Worten retten, wolte die alte Teutsche redlichkeit wieder aufkommen, were 
gutt solche Zusammensetzung zu restabliren. Für allem ist sich wohl für zu 
sehen, das mann sich mitt ausländischen nicht zu weit einlasse oder verbindt. 
wirdt gemeiniglich Leonina societas, wie bey den westpfählischen Friedeus- 
tractaten die Frantzoseu erwiesen, da sie zur recompens unnserer diensten 

*8) Franz Mendoza. Vgl. Keller, Geschichte Nassaus von der Retornmtion bis zum 
Anfang des 30 jährigen Krieges. S. 464 f. 



96 

iinns vom Reich ab umlt inn ihre subjoction ziehen wollen; undt da ich mich 
darlegen gesetzt, haben sie mich feindtlich zu tractiren betrohet, hab aber nicht 
nachgeben. Mann bleibe inn solchen fallen bey dem corpore des Reichs undt 
rahte iederzeir, das mann sich mitt ausländischen wohl für sehe undt nicht zu 
weit einlasse: dann es heissen wirdt: Turpius ejicitur quam non admittitur 
hospes. 

[Streitigkeifen des Hauses.] 

Inn unserem haus hatt Erys semen discordiae gesehet, welches auszurotten 
ich viel mühe angewandt, auch viel ül)er mich gehen lassen, aber biss noch 
nicht den gewünschten zweck erreichen können ; Ich hab darüber den inn unsers 
hauses Erbeinigung vorgeschriebenen weg des Arbitrii ergriffen, anderseits ist 
es 80 hart zu wieder gewesen, das mann mich auch ehrurürig angreiffen dörfen, 
hab es aber so lang verschmertzot, das es zu der wiedrigen eigenen schimpf 
ausgeschlagen undt doch endtlich einen anfang genommen. Es ist aber erst- 
Uch der Oberst Lcutenant Leyen, so der eine arbiter gewesen, hernach mein 
Vetter von Weilburg, ietzo aber der von Dahlberg auch arbiter verstorben, 
dahero mitt der Sachen nicht fort zu kommen gewesen. Ich binn darüber alt 
undt baufellig worden, weiss auch nicht, ob ich den ausgang erleben werde, 
hotFe aber, die von mir verordnete Vormünder werden es zu endt treiben. Es 
ist inn unserm haus keine eiuigkeit zu hoffen, wann dieses verpleibt; es ist 
so viel darinn angefangen, das der sachen leicht zu liolffen, undt binn ich 
gefast. das meine zu erweisen undt anderer seits unfug dar zu thun, undt will 
lieber nachgeben, was thunlich, als die Uneinigkeit zu erhalten: Ich hab seither 
dem Gottischen recess") mit grosser gedult gesucht, was zu diesem zweck 
dienet, mann hatt aber meiner nur gespott, welches mich gezwungen die 
Arl)itros inn Camera confirmiren undt authorisirn zu lassen, ohneracht ich durch 
meines Bruders Söhne darüber hart angegriffen worden ; sie haben aber propriam 
turpitudinem allegirt undt nichts erhalten, werden aber des von Dahlberg todt 
sieh zu nutz machen undt die ernennung undt confirmation des successoris, so 
lang sie können, aufschieben, welches aber durch ein Mandatum kann verhindert 
werden. Das meiste, so zu thun wirdt sein, ist die Direction inn gemeinen 
Sachen, die Administrationsrechnungen undt schulden theilung. Das erste ist 
wohl inn acht zu nemmen, dann nach meinem todt Vetter Johann Ludtwig sich 
wirdt understehen dasjenige zu thun, das er mir ahn grundt beymist, nemblich 
nach seinem Latein, nach einem absoluto Directorium'*) trachten oder weil 
lauter ])Uj)illen hier undt zu Weilburg sein werden, suchen sich zum herrn zu 
machen, die vertrag übern hauffen zu werfen undt die Primogenitur einzuführen, 
wirdt aber leicht durch die herrn vornmndcr können übern hauffen geworfen 
werden, weil herkommen undt vertrag dar seindt. 

Die Administrations Rechnungen seindt zwar l)oy mir etwas schwer, weil 
ich ujiib viele Rechnungen kommen, ich will aber lieber schaden leiden, als das 



") Der Gothaische Yergloich übor die Erbteilung der Lande vom 6. März 1651. Tgl. 
Schliephake, S. .088 f. 



97 

werck darninb nnfhaltcn ; nicinc v(ir;j,-<fs(ili()ss('n(' ,ii,rl(lcr weiden ein nielircn-s 
austragen. 

Die schulden rlieiiun.i;-en seindi anno IDTl zu Wiessbaden so weitt braclit, 
das die arbitri die strittig gemachte ])uncten gar leiclir werden ausmachen 
kruinen ; undt ist bev diesem Aveick dahin zu seilen, wie einigkeit im haus 
i'estabilirt weiden köniu': undt seile niaiiii aiicli \cilust über sicli gelu'n lassen 
müssen. J)er (lotliisehe A'ergleicli muss wohl inii acht gehalten werden, welchen 
obgedachter mein vetter durch alle w(^g ubern hauffen zu werften suchet, olin- 
eracht ihme undr seinen Brüdern grossei' vertlieil darboy geschehen, undt w(dre 
selber gerne die vorige theilung(m von anm» \(')'Ji) undr deren ergäntzung ile 
anno 1651 vernichten iindi eine newe theilung nach ietzigeiii zustandt der landen 
gemacht haben oder, wie er nicht verschweigen krmnen, alles allein haben undt 
übrige zu abgetheilten herrn machen: die bey den .Vrbitris eingebene ])uncten 
seindt allso beschaffen, das theils gantz falsch, die andere, wann sie sich allso 
befinden, ihnen mehr schädlich als nützlich wercüi, wi(^ meine notamina ausweisen; 
darzu er keinen buchstaben inn unnsers hauses vertragen vor si(di hatt. undt 
hatt mann sich keines wegs von <lems(dben undt dem Arbitrie abbi-ingen zu 
lassen. 

\_Fvuansielh; Massregcln zur Wiederauf hcsserunf/ des Landes.'] 
Es weiset der leidige augenschein, das viel mahl durch krieg, brandt, 
misswachs die arme underthanen gantz umb das ihrige kommen, das sie müssen 
schulden machen, umb wieder auf zu kommen; hatt es (h^r landtherr inn 
vermögen, thut er wohl, das (^r ihnen selbsten v(n-setzet, das nicht frembtc 
einnisten: auf das wenigst soll er b(!y renthen undt anlagen so viel möglich 
schonen, das sie sich erholen mögen : hatt ein armer liegende gütter undt keine 
mittel selbe zu bawen. soll die gemeindt angehalten werden, die gütter zu 
bawen, doch das das dritte theil des einkommens der gemein bleibe, vom 
übrigen aber der arme wieder zu kräften k(unmen könn(\ 

Bey kriegszeitten ist sonderlich nöttig. das zu Verschickungen. Ver- 
ehrungen undt dergleichen alle zeit geldt vorhanden seye: deswegen wann 
ruhe im landt ist, ein cassa aufzurichten, etwa von ein oder zwey dausent 
Kth. : dardurch kann manche beschwerung abgewandt werden : undt kann, wann 
mann ruhe hatt, monatlich etwas zusammen getragen, inn der Cantzley ver- 
wahrt undt zu nichts anders angewandt werden. 

[Befestigwtg der einzelnen Orte.] 
Beschlossene ort sollen mitt mauren, graben, thürmen undr thoren wohl 
verwahrt werden; hette ich nicht die Wissbader angehalten bey frieden, die 
graben wieder zu machen, weren sie bey diesem krieg, wie bey vorigem 
])reiss gewesen. Es wollen aber die underthanen mirr ernst darzu angehaUen 
sein, dann sie ungern dran kommen, biss sie mirt schaden gewahr werden, 
wie gutt mann es mitt ihnen gemeint, da man sie darzu erinnert. Umb hiesigen 
flecken'^j hatt es stattliche grältep imdr mauren gehabt, es ist aber meistes 

*") Idstein. 



98 

al.j;aij-«'ii. isr abiT lu.tri-. .so haUlr os sich rhiin lässor, alles zu lopurireu: /.u 
AN-issbaden seindt zwar die -räl.cii ziniblicli gesteh,, aber es ist mirr inauren 
undt thürnien sdilecht besteh : iindf /.ioheu doch die büiger verschiedeue renthen 
/ii diesiMU endt. welche, wann sie iiidit l)awen. wiederuinb einzuziehen seindt. 
Es ist keine V.'stung iun allen Xassaw Sarbrückischen landen diesseit Rheins, 
wcre wohl eint' zu wünschen, weiss aber keine gelegenheit darzu: Walsdorf 
were zwar wcdd gelegen, mangelt aber an wasser; wann dieser fehler zu ver- 
bessern, wüste irh keinen ort. der leichter fest könte gemacht werden. 

[JieichsfürsfeusliDnl r/r.< Handies Nassau.'] 
Es iiart Kayser ('arolus (|uartns weilandt Graf Johannen zu Nassaw 
herrn zu Mehrenbeig inn ann«» KUiC) iiin Fürstenstandt erhoben: dasselb ist von 
den nachkc.nunen etwas negligirt. ab.-r für fünf'") Jahren die restitution gesucht 
worden, stehet noch am Kayserlicheu huf ahnerortert, wiewohl der Reichs- 
hofraht für uns gesprochen. Dieses ist zu treiben uiidt nidir now zu suchen; 
dann es ein anzeigen were, das es unns adimivr worden, welches absque 
ignominia nicht geschehen kann: es ist in zweyen responsis. das es uns mitt 
recht gebühre undt nicht genommen werden könne. weitläufFig ausgeführt, undt 
weisen die acta, was darinn gethan worden. Die päpstische Catholici fürchten 
pluralitatem votorum: ich wolte nicht raliten. das mann auf vielen bestünde: 
undt wann wir gleich Xassaw Catzenelnbogen nur zwey") erhalten könten. 
würde es besser sein als keines. D(n- rang iun Reichs undt Creisstägen ge- 
bührte uns vor vielen, so weit oben sitzen, ist aber besser darinn nach zu 
"•eben undr ila mann bev Mümpelgart kommen könte. were nicht viel zu 
ilisputiren. 



Dritte Theil.'O 

[Wert einer r/uten Hauslialiimg^ 
Was iun vorigen beiden theilen ausgearbeitet worden, kann schwerlich 
inns werck gesetzet werden, wann nicht eine solche haushaltung angestelt wirdt, 
das mann das, so zu deren eft'ectuirung gehört, auch ausrichten könne. Es 
gibt Claus Narrn nachfolgen- viel, die theils aus ignorantz. theils aus bossheir 
undt eigenem v(»rtheil den herrn rahtiui : verkauf dein Dorf, so krigestu gelt; 
ist ein böser ralir. Zu eingang meiner regierung hatt Pissport^*) eben diesen 
raht gegeben, uiul wer.- dci' llürtenberg neben beiden Rossbach weg gangen, 
wann der Landtgraf redliche leutt gehabt bette: weiln aber dieselbe das darzu 
erhaben gelt dem Landtgraffen veruntrewet, ist es Gott lol» verblieben, da icli 



•■'") Wühl 1672. nftinals liorichtete dor nassauifiche (iesandte in Regensburg davon. Vgl. 
Snh lie|»hake a. a. O. S. .'i56. l'ber frühere Versuche in Wien S. 545. 

*') (iraf .Johann Ludwig von Hadiiniar war 1650 und rirnf Ludwig Heinrieh von Dilleu- 
hurg 1652 in den Reichsfürstenstand erhoben. 

") So: 

") Philipp (it'org VDii Piessport, ( »lioranitnitmii in Suitrhiiickpn 1609— 16.")0. \'gl. Külliior, 
(iosrliiphte von SanrliriicktMi, S- '516. 



'.I'.t 

unno KioO dus wiirck \v«^;^on iiicln (Mtnli^iri' /aliluni;- wieder icrnicrirr. Für 
solchen iiiittcdii iiiiin- sicli ein licir hätten und (huickcn, wunn er c^twas landt 
wog^-iht, das dardurch die oinl<uniinen g-winj'ert undt d(T hist nicht geniindort 
wirdr, nndr allso ein dnrf nach (h'in andern hiiiwei;- lachet, iiiidt dai-aiif die 
ämptef folgen, liiss mann endtli<li nichts Ix-liäh. Dieses kann alh's (hii'rh 
wohi hanshalten verminen lileilieii. Ich lial) v<ni nieinem lierni Vattern viel 
schnlden ererbet, nicht das sie /u des hauses notthurft oder un\/Am {gemacht 
worden, sondern durch \ortlunIsüchti<;'k(!it der dieiier: dann erstlich ludjen si(! 
die recliJinn^^iui un(Un'schri(d»en nndr inu eincMn latei'c^ bissweihni <^tli(di ta\is(!ndt 
hini^-cduai lass(ui : voi's ander von den, so ihr .i;('ldt .i^crn wohl aidifinn'cn wolhni, 
verehrung'on geneniinen undt dit^ vorhanchuie iniitid vertuscht undt schidden aul'- 
i^ebürdot, /n ilircnn profit undt der herrschat't schinn>f undt .schaden: Jiatt mann 
die pensiones zahlen sollen, haben hu) müssen geschmiret werden undt /wey per 
cento Cammer recht darzu zurück lassen müssen : liatt mann dicnier, handtwerckslout 
undt derg-leichen bezahlen sollen, haben sie die «|uittungen anf das totum sich 
geben lassen, hingegen die helfte, auch wohl zwey dritte theil für sich be- 
halten. Meiner älteren Brüder reisen haben über ein tojjncn goldts gecostet, 
der baw zu Sarbrücken ist so redlich verrechnet worden, das der Cammer- 
schreiber meinen herrn Vattern l)eredt, das w die r(H'lmungen verbrant, darndtt 
nicht iemandt den betrug einmahl find(!n möge; luitt dahero ein herr ursach 
die rechnungen fleissig undt jährlich abzuhören, die beylagen zu examiniieu, 
ob sie richtig oder nicht, die qnittungen fleissig zu erforschen, ob sie richtig 
oder nicht, zu dem (mdt die, so sie geben, zu redt zu setzen, o1) es ihre 
liandt, ob sie nicht mehr (piittirt als sie empfangen, undt wie sie darzu \ er- 
anlasset worden. Die nudmungen s(nndt nach uhüiku- (Jammer ordming, so 
hernach beschrieben stehet, abzuhören undt selbe ordnuug, als welche ich aus 
diM- erfahrung zusammen getragen, wold in atdit zu nemmeu. 

[HofhaUiDhj.] 
Fürs ander nmss ein herr seinen staat allso anstellen, das er nicht höher 
fliegt als seine federn zulassen. Erstlich seinen hofstaat allso richten, das er 
seinem standt gemäss seye. Mein inn Gott ruhender herr Yatter hatt einen 
über Fürstlichen staat geführt ans lauter güttigkeit, weibi er niemandt gerne 
eine fehlbitt thuu lassen; hatt vicd unordtnung undt ohnnöttige costen ver- 
m-sachet; undt da mein herr Yatter, als er allein Ottweiler undt Hondiurg 
gehabt undt einen staat geführt, dessen sich ein fürst nicht schämen dörfen. 
geldt genug gehabt, allso das sich nach seinem todt inn seiner (Jammer zu 
bttweiler etlich tausendt gülden inn einem kästen gefunden, darvon er nichts 
mehr gewust; dann dazumahl sähe er auf (bis seinige; hernach da er dw lande 
alle zusammen geerbt undt Friedrich Scheffern'O zum Cammerschreibern be- 
kommen, da ist alles dahin gespielet worden, wie man schulden macheu möchte: 
undt hatt mann, wann gast in haus gewesen, vorgeben, das bey so vielen 
lauten ahnm()glich küchen, speiclier undt keller rechnungen zu thun: mann hatt 



■•*) Frioilricli Scliät'er. 



100 

jährlich übiT daust-nt stück wilKirin-et gofaui^en. hutr so viel getluiii als ^ve^e]^ 
es meiseu gewesen : alle höf seiiult voll viehe gewesen undt noch jährlich grosse 
anzahl darzii gekauft worden, hatt wenig vortheil gebracht. Es seindt etzlich 
hundert stück Schweitzer viehe da gewesen, mann hatt viel Centner butter 
kautf'en müssen: etzlich hundert fuder wein eigen gewächs undt zehenden 
haben müssen nichts sein, sondern es si'indt wein mitt grosser anzahl gekauft 
worden; manu wirdt von vielen dausenten schaffen wenig nutzen inn rechnuugeu 
finden; ja die stattlich«' h«">ff dies undt jenseits Rheins haben der herrschaft 
müssen schädlich sein undt selbige noili zu bussen müssen. 

Verrechnete diener seindt angenommen worden ohne instruction, bestallung 
undt pHichten; <lann hatt mann dm-cli das w<trt: zur kellcrey. Rentmeisterey 
undr dergleichen gehi»rig. sechtzig oder meher mahl mehr zugeeigent als 
sonsten die bestalliins sein scdlen. Auf solche weiss kann ein reicher herr arm 
werden; imdt gehen «buh die diener. so solche untrew brauchen, selbstcn oder 
doch die Kinder zu grundt. wie der augenschein weiset. Diesem vorzukommen, 
muss mann sidi strecken nach der decken undt seinen staat allso regaliren, 
das er nicht über das Vermögen geht; bei jetzigem Grafenstandt hatt jnaun 
gnug neben einem Ober Amptmann mitt einem Raht undt einem Secretario, 
auch einem Registratore undt einem oder zwey Schreiber. Icli liab zwar wegen 
Direction inn gemeinen sachen uiidr vieler rechtfertigungen mehr halten müssen; 
wann aber stdbige cessiren. kaiin es reducirt werden. Bey der hofhaltung*") 
neben einem hofmeister undt Stallmeister (unen Cammerdiener, etwa einen 
)»a<!:en undt zween lacqueien. So lang der herr ahnverheurathet, darf er neben 
nüttigen reitpferden aufs hTtchst nur eine Kutsch 'j [halten]. Einen tüchtigen 
Cammcrschreibcr muss er haben, kann er auch wohl die kellcrey durch selbigen 
versehen, einen landtbereiter wegen disr frohn ; auf den ämptern ist ietzo 
uiemandt überflüssig(!s. Würde der Fürstenstandt «»rnewert. were aufs höchst 
ein Cammerjuncker, ein Truckses vom adel. ein Pagi^ undt noch ein oder zwey 
lac«|ueyen zuzusetzen: dann der Fürstenstandt bestehet nicht inn unnötigen 
dienern undt kann mann bev ankunft "frembter herrschaft allezeit von den 
leben leutten haben. 

[Vrrbesseri/ug der Benten. Domänenverpachtung. Holz- Verkauf.'] 
Man hüttet sich billig für schulden machen: dann nichts verdi'iesslicheres 
als das nachlautfen. process undt d(>rgleichen, die daraus entspringen: solchem 
vorzukommen muss mann «'rstlidi. wie obgedacht. die Cammerordnung inn 
fleissigor obadir haben undt die renthen fieissig inn acht nemmen. vors ander 
auf Verbesserung d<!r renthen dencken, vors dritte gutte Ordnung bey hof halten, 
das nichts unnützlich verschwendet werde. Die Verbesserung der renthen kann 
geschehen. Erstlich wann mann die heimbgefallene gütter umb gewissen pfacht 
erliliili vr-rleihef. da niaiiii nicht daran gebunden, das sie, wie vorige verstorbene 
sie ijesessen. verbsyhe, sondern sehen, wie viel mann sie höher bringen könne. 



*^) Cnilcutlicli. 

'"*) llintor „Kutsch'' ist «iiif Liickf 



101 

Es thun dio Diener l)is>.\vcilrji, ;ils dl» sie niclit liölier zu hiin^cn. sct/.cii 
hofleut darauf, die ihnen violi halten, dar^e^en wenif? I)awcn: und liatt allso 
der diener nielu* davon als dei- licir darauf /u sehen: /um anderen wann mann 
das g-ehültz recht hrauehet: es ist in dei' h()lu' viel holtz. das vcn-dirht, undt kann 
durch tiössen naher Maynt/. nder liinck^aw »•ebracht werden, darbey iiin aclir 
zu nemnieu, das mann die s])esen nicht anwende, mann habe dann erst einen 
gewissen accord wegen des preisen gemacht ; dann die Mayntzische das holtz 
gerne vergebens hätten, wie ich ttrfahren: darn(d)en kann n)ann auf schneidt- 
mühlen büclien brettcn- schneiden, wc^lciu; wohl an mann zu bi-ingen seindt, ist 
sonsten die liöhe Ordnung wohl in gang zu erhalten undt zu handthaben: dann 
die förster fahrlässig undt vortlieilsüclitig. 

[Michelhaclier EifienhiUte.^^ 

Zum dritten hab ich bev Michelbach eini; eisehürte an;;ericlu ; diescdbo 
ist wohl inn acht zu nemmen, sie kann ein merckliches eintragen, wann sie 
recht getrieben wirdt, kann auch mercklich verbessert werden, wann mann drat 
ziehen, allerhandt waffenschmidt darauf hält: kann auch oberhalb Michelbachcr 
niühl einen kleinern liainmer erbawet, darauf auch hufeisen. platten undt pfannen 
gemacht werden; undt muss wohl bey den hütten rechnuugcn inn acht genommen 
werden, das die Güss gewogen undt was eine geben könne an geschmittem 
eisen erforschet wirdt; der eisenstein ist sehr reich undt gutt, gehet wenig ab; 
es mangelt zwar bissweilen an wasser, kann aber durch schleussen inn der alir 
verbessert werden, wie auch da mann die bach, so durch Michelbacli fieusst, 
niitt einem Damm versiehet, da man viel wasser gewinnen kann; holtz wirdt 
inann nunmeher aus der höhe nemmen müssen, selbiges zu kohlen brennen undt 
durch den Weher grundt biss Sterckenraht führen lassen, da dann selbige 
durch die hütten- oder gemietete fuhren, fort undt die ledige wagen zurück 
gebracht werden können. 

[Bergwerke. Mudershäuser Marmorhruch.^ 

Bergwerck, wann sie gerahten, können au('ii nutzen bringen, ist aber ge- 
fährlich, undt muss mann sich für sehen, das mann nicht mehr inn die berge 
werfe, als mann wieder heraus bringen kann: es hatt einsmahls ein Fürst 
viertzig Dausent Rth. inn ein borg geworfen undt viertausendt herausbracht, 
hatt allso den zehnden seiner auslag wiedei' bekommen. AVann mann mitt- 
gewercke haben kann, die den hazard mitt lauffen, ist es desto leichter undt 
hatt mann den zehend(Mi vor aus; was numn nicht sucliet, findet mann selten, 
darumb kann ein luu'r wohl besser ein paJir hundert lith., an wagen, als es 
gar unversucht liegen lassen, aber sich die hofnung nicht zu weit verleitten lassen. 

Der Mudersliauser marmelbruch ist bekandt. derselbe hart mir noch nichts 
eingetragen, weiln ich ihne zum kircheubaw*') angewendet undt für mich ge- 
braucht. Es können aber auf den schneidtmühlen künftig platten, thürgestell. 
camin undt dergleichen mitt vortheil geschnitten undt den Kluün hinunder ge- 
führt, auch wohl mitt Unniburgern. Tjn1)eckern. j'i-emeiii undt dergleiciien kauf- 



'') Vgl. Cuntz. Dil! Kirche zu Idstein, .S. 4, 



1 l'»l^ 

leutreu iuu die Ost :!>ei' gobraclir worilm. «las mauu kiintrig- uutzeii daraus 

hüben kann. 

[Viehzucht.'] 

Viehe zutht kanu iiiauu auch mitr uut/.eu austeilen; bey dorn Wissbader 
uudt GasenbacJUT huf kanu uuiuu Nvt.hl au die lumdert undt zelu^u stück uielck 
viehe halten: zu Weh.-n hal» i<li bishen» die mutterkälber gehalten, zu Buvii- 
selnvalbaeli die juuire Oehsen: es kann aber der "svieswachs, wie hernach 
t"(dgef. vernu'hrr undt allsu uudir viehe geluilteu werden. Schaf vielie kann 
uiaun aueii au allen denen orten halten, dir wolle jährlieli zu luitzen bringen. 
die lämuier uudt häiuuiel. die überHüssig seindt. zu geldt uiadicn. 

Schweinen viehe undt Federviehe kann mann allororteu zui' hofhaltung 
undt den uberHus zu verkaufen ziehen. Ich luib hiebevor verschieden mahl 
im Frühling, Sommer umlt Herbst Ochsen gekauft, inn die weidt gethan undt 
stdchen nutzen darvon gehabt, das ich nicht allein das Kindtfleisch bey der 
hofhaltung frey. sondern noch einen gutten überschus an gcldt geliabt, ist ein 
starcker Wucher, ohne süude; ist wold inn acht zu ncnumen, wann die erste, da 
das stück etwa zwölf biss aufs höchste fünfzehen Kth. gecostet, von anfang der 
weidt biss auf Joliauniss inn doY weidt gegangen, seindt sie auf fünf undt 
zwantzig gebracht worden: alsdann andere eingescldagen biss auf Jiartholonun. 
wieder verkauft: die dritte biss Galli undt wann kraut undt rübeu gerahten. 
die vierte im Stall gemästet; trägt wie obgedacht das fleisch iun die küchen, 
das unnschlicht zu liechteren uudt geldt iun den beuttel 

[Wieshader Hof.] 

Die liöf seiudt wohl inn aclit zu ncnuncn. dci' Wissbader liof ist durch 
das Schützische gutt mercklich verbessert"'*), ist ein stattlich stück, wann es 
trewlicli vriwultcr wird: es können allda neben obgedachtem Rindtviehe wohl 
dausent stück schafviehe gehalten werden; ich hab sie auch selbst gehabt; es 
kamen eiusmahls die Wissbader Bürger undr beschwehrtcn sich, das icli soviel 
schaf hielte: als idi ilmcn antwortete, es betten ja die Rentmeister auch so 
viel gehalten, antworteten sie, das hätten sie ihnen zu gefallen gethan: ant- 
wortete ich, sie selten es mir ja billig als ihrem herren eher zu gefallen thun : 
Hessen sie es geschehen undt folgeten untrewen dienern undt dem damahligt'u 
Su]K;rattendenten. so sie angestiftet, nicht mehr. 

Federvieiie zu ziehen ludt es die beste gelegenhoit, wann jnanu nur trewe 
leut (hirbey hatt: er*'') luitt viel wisswachs, seindt aber die Röder''") wieder inn 
gang zu bringen, undt hatt kraut undt rüben zehenden zu vortheil. 

[Gassenbacher Hof.'] 

\hu (rasenbacher hof habe ich iU(W ei'bauet undr viel güttei' darzu ge- 
kauft umlt getauscht: es ist aber der klöppeis hof undt der Zischeubacher hof 



•'*') (rber den liciitf iiucli so ;^ciunnitoii Schützeiiliuf vül. Otto, CJeschiohto der Stadt 
NN iesliadeii, S. SH. 
*''l l).!r Hof. 
"") Die KödeiwicsjtMi, 



io;i 

Itisslicfo ;iii> iiiiin;;«'! ^n^iiidt Ih'\ di'ii l'ulirt'n lic^rii blicibcn. wrldu- küufri;;- iiiii 
,i;;iijg- undt biiw geliraclir werden kriniKn: ist aueli i'iii stattlicher hof, auf 
welchcüii t'ünf'ziy stück iiielckvielie midi li'oO stiudv scJiafvielie w(dil können 
,1,'elialten werdeji. riidt dieweil es elien iiidii (d)erHüssi_ü;e)i wisswaclis liatt. 
kann die (Ji-äfeii wiess wi(Hl(M' gesaiibtut iiiidt l)esser Innuiiter fort^efülirt werden: 
es liaben sicli, wie ich Acvnelniie. (it/liche. iiachdeiii ich die ych'^-enheit he- 
sielitiget. i>'elüst(!n hissen ei<;(>nes gefaUens wiesen f'iii' sich zu machen, weh'he 
ahei' hilli«;- /u strafen, undr (h'r (h'r herrscliaf't «■ehüi-ii^c i^riiiidt ein/.u/.ieheii. Im 
Meissel i;il)r es auch ^^idegenheit. mehreren wisswachs zu machen. Ist hisides 
nalier Wissbaden. anJieru undt Wellen becjuem. uiidt da dieses an<>'(M'iehtot wero, 
künte mann zu Wehen auch neben dem jung(!n viehe zwantzig oder mehr 
stück mek'kviehe halten. Ist dai'bey inn acht zu nemineji. das fleissigc^ uinh 
rr(>we leutt boy dem vitdu' seyen; es hatt jnir daran gemanf^elt undt liab daher 
weJiig' luitzen darvon g(diabr. dariimb ich Schweitzer augenoiiiiiieii. die ein ge- 
w^isses, aber zu wenig geben, kann künftig ersteigert werden. 

[ W('inhcm.'\ 
Es liegen noch viel läudereyen an Weingärten, ackern undt wiesen noch 
wüst, seindt künftig nach undt nach wieder inn baw zu bringen. Am Sommer- 
berg liegen noch sechs Jiiorg(!n wüst, ist sonderlich darauf zu s(dien. das sie 
wieder groht''') werden, undt das ein stück wegs der waldt darvon gehawen 
werde. Zu Souneuberg seindt vierzehen morgen wüst, seindt auch wiederum!) 
inn baw zu bringen: diese letztere seindt zwar gutt, tiber den Wissbadern 
undt denen auf den liöfen nicht gleich, geben aber gutte speiswein, undt ist 
darauf zu sehen, wann gutte Jahr kommen, das mann mitt den stattlichen weinen 
zurück halte undt die geringere als die Nassawisch(> (alhvo auch mehr wüste 
weingerten wiederumb zu rothen seindt): uudr wann die herrschaft Lahr 
wiederumb inn i'ochten bänden, dieselbe wein, welche leicht auf dem iihein 
herab gebracht wei'den können. Wir speisswein zu l)rauchen: undt da miss- 
wachsende jähr kommen, kommen die stattliche wein inn lioheii preiss, da") 
dann, wann mann o.'m stück verkauft, drey andere darfür (üngekauft werih-n 
können, welches ein grossen vortheil bringen undt die köstliche wein sparen 
kann. Mann nuiss sich nicht bereden lassen, die vornehme wein zu ver- 
schleudern; es ist ein gewisser schätz im liaus. der seinen herrn lösen kann: 
auf dem gaw"") undt an der bergstras, zu Lorch undt zu Frankfurth am Mayn 
kann mann wolfeile W(>in kaufen zur hofhaltung. undt zu iui;-enhcim gutte wein 
inns Einhorn zu Wissbaden undr auf dii- .fahi'niärkr. 

[Ga^tnff.'] 
(iestüJit kann iiiaiin nützlich halten, wann mann auf den höfen schone 
stutten zum ackerbaw hält, als a.uf dem gasenbacher hof dreyssig. zu AN issl)aden 
zwölf, auf dem Nornbern'er hof zwev. zu WeluMi Aier. zu Ihu-g Schwalbach 



«') Gerodet. 

"'•') Hier ist i>lii .,iimiiii'' nccil.ut. 

'''^) Klioinorau. 



104 

vioi, das jehrlicli dlv lu-Uf trächtig seyeii. bov fnedouszeitton : kann niaun iiin 
der höhe s:ele":enheitt machen für die tohleiu unib die Gräfenwiess. >Yaim sie. 
wie oben, verbessert undt erweittert wirdt : da dann ein herr. Avann er taugliche 
bescheler hält, seine Ställe zieren, auch aus jungen pferden, wann sie zugeritten 
seindt. nutzen undt geldf haben kann. I^s kann auch allso angestelt Averden, 
das die underthanen hübsche Stutten inn ihren fuhren halten, der lierr aber 
schöne undt gutte bescheler. da dann, waiui einer fine stutte springen lasset, 
ein ducat pflegt geben zu werden: wann dif fohlen abgestossen werden, gibt 
der herr zehen Rfii. darvur: wann sie ihnie gefallen, kann manch guttes pferdt 
gezogen werden. 

Innsgenu'iu seindt gi-usse liüf der herrscliaft nützlich, wenn sie inn acht 
genommen werden. Die kleine werden besser erblich verliehen oder verkauft, 
dann sie mehr zu bawen costen. als sie wehrt seindt oder nutzen können. 

[Mulden.'] 

Es seindt sehr viel mülden abgangen, daher die fruchtrenthen sehr ge- 
ringert wurden, ist darauf zu sehen, wie sie wuederumb angerichtet werden 
kiinnen. welches an den herrschaftlichen eigenen niühlcn zu thuu. undt jährlich 
etwas wieder angebawet werden kann: wo andere }>facht baar abgangen, ist 
inn acht zu nenimen. ob sie der leut eigen oder erblich oder sonsten auf ge- 
wisse jähr verliehen: seindt sie der leut eigen oder erblich verliehen, seindt 
dieselbe zu erinnern, das sie selbe bawen : inn verpleibung seindt die pfächt von 
ihnen zu fordern oder wann sie sie nicht bawen können oder wollen, dahin 
anzuhalten, das sie sie anderen überlassen, die den pfacht entrichten, undt 
kaim denen, die sie erbawen wollen, der jifacht auf etzliche zeitt erlassen, 
herntich etwas geringert werden, biss es wiederumb auf den rechten pfacht 
gebracht werden kann. Ich kam einsmahls naher Laher, da wardt von den 
beampten undt geistlichen grosse clag gefülirt gegen den kircheu schafner. Ich 
Hess seine rechnungen abliih-en undt auf die clagtcn inquiriren, befandt, das 
der kirchen schafncn- die gantz verwachsene gütter, wie oben bey den mühlen 
gedacht, auf etzliclie jähr den kfutten für ihre schwere arbeit vergebens ver- 
liehen. liernacJi di(^ pfaeht jährlich gesteigert, das er höher kommen, als er 
iemahln gewesen ; strafte ihn derowegen mitt einem hübschen platz zum garten, 
welchen ihm der Marggraf ohnbillig genommen, ist aber seinen erben, wann 
die herrscliaft inn unsern banden ist, zu restituiren. 

[Brennhoh.] 

Die gütter l)ey (iasenl)ach seindt eitel bäume undt hecken gewesen, Avar 
bey den dienern ohnmöglicli sie. zu recht zu briugeji; ich aber Hesse die, so 
mir Iteruhoitz machtcm, dieselbe ausstocken, hatte das andere Jahr fruchten 
alldar undt brauchte das holt/, zur hofhaltung; ist aHes unmöglich, das mann 
nicht angrcjift. welches auch an an<lren ortteji zu rliun. 

Es gehet aMhicr ein gross brenuholtz auf. so wojil bey hof als den bc- 
<li<!nten: auf das es abei- desto Icicbrei' bev zu bringen s(>ve. wann die under- 
tlianeii <lieiistgeldt gc-beii. kann mann an den Jungen undr biss an den Trompeter 



105 



uiidr (rräfVmwioHs lidlt/. uiitcJicji. »iurrii (!i;^cii<' führen l»fy »lif L'iU'clu^iiliaiK.'r 
h-M-h hriiigen, liernucli durch dcu gnibon, so ich von (h-r llncchcnlmncr buch 
anhoro luiichon lasse, biss bey das hiius «^cHüsst werden: den dieneren nuiss 
ied(!ni ein »-cwisses an holtz "eniaolit werden, das die und«!rthanen nicht be- 
schwehrt uudt das holt/, niclit zu viel verüst werdt. 



[WaidicerJc.'] 
Ik'v ihn- hof'lialtung niuss mann ehrlich tractameut haben, sond(!rUcli wann 
frembte herrschaft aukü)nmcn; dann zu viel iiaushälterisch leben, gibt endtlicli 
einen geitz; uudt Verachtung: nuiun niuss sich aber für unnützem verschwc^nden 
hütten, welclios schulden verursachet. Dieses landt ist allse von Gott gesegnet, 
das, wann mann recht haushält, mann alles gnug zur hofhaltung haben kann, was 
mann wünschen mag ! Es ist oben von fruchten, wein, viehezucht und dergleichen 
geredt worden, ist das gröste stück boy der hofhaltung : es kann aber an Heisch 
viel erspart werden, sonderlich bey dem gesindt, wann mann boy rechter zeit 
fastenspeisen einkauft undt das weidtwerck undt fischereyen wohl anstcdlet. icli 
liab nach meinem exilio nicht einen mann bis dato haben können, der bey dem 
kleineu weidtwerck flcnssig undt trew gewesen were: da ich zuvor fünf'zehen 
hundert biss zwei tauscnt feldthüuer auf der Cammer gehabt, hab ich nicht zwey 
hundert. Kann mann junge lout haben, die das kleine weidtwerck lernen, 
thut es einen grossen vortheil undt zierdt bey der tafl'el uudt ist der costen 
wohl daran zu wenden, das mann sie an orten lernen lasse, da es rechtschaffene 
weidtleut gibt: liier zu landt gibt es keine als zu hüner undt aufs höchste 
schneppen fangen; sie müssen aber auch lerchen, hncke, krametsvögel undt 
dergleichen, auch vögel mitt den globen"*) fangen können, sonsten seindt sie 
keine rechte Vogelfänger ; mann kann nicht allein feldthüuer, sondern Aur- undt 
birckhanen. haselhüner. schnepfen, wachtein, krametsvögel, lerchen undt mitt 
dem globen allerhandt vögel haben, auf dem Jlhein wilde endten mit schiessen 
undt endten fängeru. Hochwiltpret kann manu zur notthurft, Rehe undt hasen 
inn menge, wann es recht gehegt wirdt. haben, da dann auf die hirten. auch 
hauern fleissig acht zu geben, da sie mitt ihren hunden nicht das junge wildt- 
pn^t undt hasen wegfangen. Mann kann auch nacli undt nach wildt tücher 
undt garn zu wegen bringen, darvon numn nicht allein nutzen, sondern auch 
histen haben kann; federleinen undt läppen seindt nützlich undt auch zum 
kisten dienlich, mann muss aber die Jäger aufwecken, das sie sich nicht auf 
die faule seitteu legen, sondern die leithundt bey zeitten abrichten undt fleissig 
üben; mann nrass auch auf Adeler undt ander(> raubvögel fieiss sie zu tilgen 
anwenden, dann sie thun grossen schaden. 

[Fischereien.'} 
Frisches hschwerk muss mann auch haben: (hirumb reich unch behälter 
erhalten undt die abgangene zu repariren; es hatt diss landt an Forellen undt 
krebsen den uberfluss, so wohl inn bächen als inu wevern zu Walrabenstein 



'^*) Klobe = gespaltener Stock zum Vugeltnnjjeu. Siehe Kehre in, Vülk,ssi»rHchu. 



100 

und ( f a^tMiliach ; umlr kauji t-iii M-hr.ncr wi'u-r auf dvv Unt'fhonliiiner badi ge- 
macht wfrdeu. so sich selbsteu speiset. ^Van «lie reich inn acht genommen 
wenlen. kann luaiin an hecliten und carijeu iiodi verkauften: die weyer zu 
Adtdfseck. weht-n. Wissbadeu undr der graben allhier seindt gnug zu diesem 
allem. E> kann zwischen der Sjiiral undr armen rulier mühl mitt leichten 
ciisten fin <ch(»uer weyer gemacht werden, dieser ietzige krieg liarr luicli daran 
verhindert: wann dii' reich rechr inn aciit genommen werden, kann juann alle jähr 
zween fischen. Ich hal» au hiesigem küchengarten denn graben undt behälter 
machen lassen, kiinucn darein liecht undt carpen zu täglichem gebrauch auf- 
gehalten wenlen : können iu»ch mehr inn schlossgrabeu undt für dem lustgarten 
iremacht werden, da^ mann allerlev fisch darein halten kann, ich hab die 
stoltze wiesh vollendt gebrauchen wtdlen. einen grossen garten von achthundert 
schurh lang undt breit daraus zu machen, da dann ein grosses bassin inn die 
mitte undt an statt erden zu lusststücken wasser kann gebracht werden, hab 
aber wegen anderer gebäw undt uucosteu auf reisen undt Verschickungen nicht 
darzu irelanjren können ; es y;ebe einen nützlichen lusten mitt eascaden undr 
anderem wasserwerck. undt könte mann den nutzen von tischen undt gewachsen 
darbey haben. Undt dieweil die Kesslerin undt andere wiesen undr kleine 
ländereyen haben. s(i darinn kommen müsten. weren selbe durch kauf oder 
tausch daraus zu bringen, müste durch machung eines w'assergrabens gleich 
gemacht werden, welcher etlicli mahl durchschnitten, desto mehr gefach zu 
tischen geben würde; wann die weiher recht inn acht genommen werden, kann 
man alle niess durch die tisch die messwahren bezahlen. Fischereveu im Rhein 
undt der Schiersteiner loch können also angestelt werden, das mann wöchentlich 
cinmahl darein fische. Avas iiichr zur Hofhaltung zu bringen, verkauft werde. 
p]issbrüch seindt auch nützlich, uiidt können die Biebricher undt Schiersteiner 
umb das dritte theil oder die helft mir Schaffung der garne selbiges verrichten : 
wann mann eissbrüch hatt, kann die bach inn meiner Kinder garten geschwelt 
undt die fisch darinn aufgehalten werden. 



[T hier fj arten.'] 
'Filier gärten seindt auch nützlich, müssen aber ohne der underthanen 
schallen gemacht werden, der Frawen waldt, mittel undt sangerberg, wie aucii 
Meissel könnten darzu gebrau(dit werden, wann die uuechenhaner undt Eschen- 
haner an andere orth. als den Lirbacher undt Seibacher grundt köuten trans- 
ferirt wcsrden : ist ein grosser bezirck, undr könte etwas von der höhe darzu 
gezogen undt die Vdhlen. wie (»bgedacht. darbey gethau werden, doch das 
selbe sonderlich inn der Hirschbrunst abgescheiden weren: können auch sprüng 
gemacht werden, das frembr wildpret darein, aber nicht daraus kommen können: 
darmit aber IjUX undr widf hinein kommen, aber nicht hinauskommen können, 
scha(h'n zu rhun. seindt an die sj)rung. darein sie fallen, zu beiden seiften 
uiaureji oder hohe paiissaden zu machen, die sich zu spitzen, das sie endtlich 
iii<;ht juelii' /iirüek kommen können. \v(ül maim einen iiattfU' liinder ihnen zu 
rJuin kann: kann alsdann da> wihltjirer. wann mann will, hinein gelassen, JjUX, 



107 

wölf iimlr (lerg'loiclicii hIuh' imilic gctil;;<'t worden; wolfsf^ürten srindi muli 
ilarzu luitzlicli iindr kann das S(di\vart/wildpret gciköret undr allso gefang-en 
Avcrden. 



[Älcssirarcii.'] 

Wiini) Mcsswaron oinzukauttViii, isr dahin /.n sehen, (his mann tüelitige 
waren einkauffe, entweder bey den f'renibteu oder doch nielit vuii denen kräniern. 
SU OS von selbigen erkauften, undr heriiaeli unib d(i[)j)olt geldt verkauft'en; ist 
es an specoreyen, kann mann es, was centner widss verkauft wirdt (dann den 
f'renibton ist es nicht anders erlaubt), am besten bey den ^'iederländern; ist es 
t'asts])ois, dergleiclien; tiiclior zu livreen bey den Hamburgern, da maim gutto 
wahren bokt)mbt; kann aber nur jnitt gantzon stücken bekommen W(irden, daiaii 
ni(dits gelogen; dann ob man etwas über die notthurft kauft, hatt mann es ein 
ander mahl zum bessern, undt liatt manu dahin zu sehen, <his gutte wahr 
gekauft werde; dann wann mann schlechte wahr kauft, hatt mann den vortheil. 
das mann zwoy livreen des Jahres geben muss ; es thun zwar die diener 
hissweilen, auf das sie sie thewer inn liochuung bringen können, wann sie sie 
wohlfeil eingekauft haben. Für grossen Kleider pracht ist schon oben gedacht 
worden, das mann sich zu hütten hatt, dergleichen ist auch mitt livreen, undr 
können dieselbe ehrlich undt zierlich gemacht werden, wann sie schon nicht 
übrig köstlich seindt. 

\_Sc/iii/(lc/itil(j/(iiy.^ 

Mann liatt dahin zu sehen, das die diener jährlich bezahlt werden ; dann 
es sonsten baldt aufschwillot, undt dieweil der wein nicht alle jähr geräht, luitr 
mann sich zu boHeissen, wie oben gedacht, das mann die köstliche wein spar»^ 
undt lieber andere kaufte oder den dienern goldt darfür gebe. Wann ein herr 
schulden ererbt oder durch unglückselige zeitten deren zu machen gezwungen 
wirdt, hatt er nicht zu ruhen, biss sie getilget seindt, das dann geschehen kann, 
wann manu allso haushält, das mann geldt, frücht undt wein im vorraht hat: 
wie solches zu wegen zu bringen, ist schon oben geflacht; fürs ander eine 
Zeitlang den hofstatt ringert, Avelches nicht so schim})ftich als wann ihme 
Mandata immissorialia eingehändigt werden; zum dritten etwann mitr wein, 
fruchten od(!r vi ehe undt anderen eine solche ])artirung treibet, das er geldt 
inn liänd(!n bokombt, den numgel der R(Mithen zu ersetzen: zum vierten, das 
er auf doA\ nolitfall di<^ undertlianen zu liili' nimbt: dann so lang es verpleiben 
kann, soll mann andere mittel gebrauchen undt dahin sehen, das die under- 
thancn bev cräften bleiben. 



[Buh und haH-Unterhaltuntj.'] 

u' zu conservirung oder veib( 
zu newen iu»tti""en ddci' iiützlielirn bawcii luiei' zu zieraht ixlei" lustcn «xlcr zu 



Bawen ist entweder zu conservirung oder veibesserung der gebäw oder 



108 

sicherlifir. Die biiw. xi uiirrig iindr nürzlicli albereits gebawet seindr. muss 
mann i'rlialten: dann \vann sie nicht iun tacli und fach gehalten werden, hatt 
mann den vortheil. this. was mann manches mahl niitt einem litli. hette erhalten 
können, hernacli wann es verwarhiset ist, mitt hunderten muss wieder gebawet 
werden: undr muss mann die Diener, so sie verwahrloset, anhalten, das sie sie 
auf ihnen costen repariren. Es können auili die nöttige gebäw verbessert 
wenU'n. wann mann anstatt des gehöltzes selbige mitt mauren underziehet. 



Die Wiesbadener Landstrassen im 
18. und 19. Jahrhundert. 



Ydii 

C. Spielmann. 

Mit 1 Karte. 



Nicht nur in der Umgegend von Wiesbaden, nicht nur in Nassau aUein. 
sondern wold allenthalben im Reiche wird man die Erfahrung viclfacii gemacht 
haben, dass früher die alten Ileerstrassen zum Tcül, die übrigen Landstrassen 
ebenfalls mehr oder minder andere Richtungen eingeschlagen haben. Und zwar 
sind die Änderungen der Richtung allermeist in dc^r jüngsten Zeil, im Tjaufe 
dieses Jahrhunderts vorgenommen worden, dabei oft so gründlich, dass mau 
den Lauf früherer Strassen kaum wiedererkennt. Der Grund weshalb diese 
Änderungen erfolgten, ist in zweierlei zu suchen. Erstlich fand durch den 
Regensburger Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 eine Vereinfachung 
der deutschen J.andkarte statt: eine Menge kleiner Territorien verschwand und 
half anderem vergrüssern; letztere wurd(m dadurch zugleich kompakter. Infolge- 
dessen wurde auch der Verkehr innerhalb der Grenzen der also erweiterten 
Ijandgebiete freier, der Anschluss der einzelnen Strassen besser, die Durch- 
führung in einer Strecke leichter; es Hess sich ferner zwischen mehreren grösseren 
Staaten leichter ein Abkommen treffen, (une Heerstrasse auf weite Entfernung 
hin anzulegen. Hieraus ergal) sich dann zum anderen schon von selbst diese 
oder jene Änderung der Richtung alter Strassenzüge: ausserdem alier nahm 
man jetzt bereits etwas darauf Bedacht, die neuen A^erkehrsstrassen nicht wie 
früher geradeaus, ohne Rücksicht auf ßodensteigung, durdi dick und dünn 
bergauf und bergab zu führen. Man kam überhaui)t von der Praxis ab. die 
Wege über die Höhen zu leiten und benutzte Rasse und Thäler. um namentlich 
den Lastfuhrwerken die Reise zu erleichtern. 

Übrigens war schon in den Zeiten des aufgeklärten Despotismus nianche.s 
zur Verbesserung der bestehenden Strassen und zur Erleichterung des Verkehrs 
geschehen. Aber der Grundsatz der ]{öhenführung der Heerstrassen blieb be- 
stehen; man haftete daran mit einer Zähigkeit, die erstaunlich ist. wenn luau 



110 

l.eiibachr.T. wir amloiM-it- mit s.. vielem «lureli die rberliefcruiii-- Uelieiligteii 
kurzer Prozess gemachr wurde. 

Die YeränderuuiC nauieurlicli tler ülier das Höhei,'ebirge zur Stadt Wies- 
liaden tulireuden Strassen wird l)es(tnders deutlieh erkoindjar. wenn wir die im 
Stadtarehiv zu Wiesbaden l)eündlielie alte (Temarkungskarte vou 1701 mir 
neueren Karren vergleielten. .b'iie Karte stammt aus einer Zeit, da der Fürst 
Georg August von Nassau- Idstein, einer der Vorläufer des aufgeklärten Despo- 
tismus, noch nicht begonnen hatte. «hMii Strassenbau in seinem (rebiete be- 
sondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ks sind also lüer noch die ältesten 
Strassenzüge eingezeichnet: selbstverstäudlieJi sind die Ziele der Ileer- und 
Landstrassen dieselben wiv in der Folgezeit, t'bei' die Veränderungen geben 
uns die ChaussecOiauakteu des Archivs entsj)rccliendeu Aufschluss. Betrachten 
wir imn di»' alten nach AVit'sbaden zi(^henden Strassen und die Veränderungen, 
die Nie seit etwa zweihundert Jahren eifuhren. näher. 

1. Die Xenhufer Strasse oder Platter Chaussee. Sie ist eine 
uralte lleerstrasse gewesen, von den Römern angelegt und vielleicht von diesen, 
wenn uidit. dann gewiss zur Frankenzeit vom Zugmantel, wo dei' Limes sie 
«[lun-te. iÜM'r die Uünerkirche und ülier Kirberg nacji Limburg weitergeführt 
worden. 

Nach K. 1701') lief sie aus dem Jleidenthore an der Kircldu)fgasse, die 
heutitre Kirclihofffasse und Adlerstrasse aufwärts, dann in der Richtung der Kastell- 
Strasse weiter, bis sie oberhalb des Städtischen Krankenhauses die Linie der 
heufiiren Platter Strasse aufnahm und beibehielt. 

Anno 1714 fand hier eine Veränderung statt. Fürst Georg August, der 
einsehen mochte, dass die Einmündung der Landstrassc in das enge Heidenthor 
(auch die Weh(en)er Pforte genannt) zu jäh und daher zu unbequem Avar, dass 
aucli nicht die rechte Verkehrsader der Stadt damit getroffen wurde, verlegte 
die Richtung der Strasse nach dem Stumpfen Thore hin. Er nötigte die "Wies- 
badener Rürger. dieses Thor zu einem Fahrthore umzubauen, was die Stadt noch 
dazu auf ihre Kosreii tlum inusste. Ferner wurde es notwendig, den vor dem 
Thore sich eriiebenden Hügel, der damals noch bis zur lieutigen Eniser Strasse 
in derselben H("ihe, wie wir sie am Krankenhause bemerken, vorgerückt war. 
zu durchschneiden. Das Stumpfe Thor stand am Hause Michelsberg Nr. 15: 
es entstand also ein gerades Stück Strasse (heute verlängerter Michelsberg bis 
zur Schwalljaclier Strasse) und dann ein gewundener IFohhveg (Schwalbacher 
Strasse und Platttu" Strasse bis zum freien Platze vor der Kastellschule). Auf 
<ler Spitze des Grundstücks Emser Sti-asse Nr. 1 (Stallforth, früher Stamm) 
und g(!genüber, auf der heutigen Schwalbacher Strasse in Verbindung mit dem 
Schulbergc^ (;rhoben sich zwei hohe ,,Bü('kel" (Hügel), zwischen denen die Strasse 
sich hindurchwand. Sie war bis auf die Hö]u> liinter dem Krankenhause ge- 
jtflastert, doch niclit chausseemässig angelegt. 

Diese Anlage fand erst 177() statt. Der Fürst Karl Wilhelm von Nassau- 
L'singen, ein grosser Jagdliebhaber, erbaute in diesem Jahre auf der Platte ein 



') Dio Alikiirzuiiir bcdoiitct i. f.: Iviirtr von iToi im Wicslmdeiier Ötddliiifliiv. 



111 



„Jägorliaiis". an dc^sscii Stelle lS2;V/iU dincli ILcr/u^' W ilhcliii ilas heiui.nj 
.ragflschloss trat. Fürst Karl AVillielm eiiitinetc» clor IJürjioi-seliaft zu Wioshadffii, 
(lasH er vorhaben die alte I Iccrstrasse über XcMiliof und die I liiii(M'kircli(^ in ihrei- 
f<anz(Mi Ausdehnung- ebausscemässi^ lierri(diten zu lassen. Mr wolle in Anbetrarht 
dei- nalimn<>'sl()sen Zeiten und einn'ei'isseiien ( i<ddnniJifi-<ds die Stadt nüt lie- 
sondcrcMii Ueitrafje vcirscilnmen. auch die i)eue (']uiuss(u? l)is auf die Haui»t- 
roparaturcn „oline ri-acjudiz'' nntorhalton. Doch seicMi di(! Hiirf|;er gelulltem, 
ihren Anttdl liis zur (Irenzo des Stadtbanns inunentlich inb(.'zu<i; auf das PHastor 
zu (M'neueiii. Ms wuide ihnen anlieinig(!st(dlr. uli sie den Ausbau selbst ver- 
nehmen oder ihn gegen /ahlung ven ."iOO Gulden der llerrsiduift ülxirti'agcui 
wollton. Si(^ (intschlossen sicli zu erstoreni. nahmen alsn (Um IJau selbst in di«^ 
lland und zogcm dazu auch dic^ IJef'roiten, d. h. di«- Aihiligeu und steuerfreien 
.Ilofb(!ständer. zur Arbeitsleistung (l><'ifuhri heran, was fr(nli<di anfänglirh einen 
kleimm Jvam]»f kostete. 

Die Firncuierung der Strasse bestand darin, dass „die; J bilde aj»]»laniert, 
die zwei vorragenden Hüek(d abg(Mvnrfen, der (Irund und Boden in den Graben 
links g(d)raclir. dii^ser ausgefidlt, das alte Pflaster liegen gelassen und das ne:ue 
daraufgesotzt wurde.''' Der fürstliche Wegebauführe)' gab dabei genau acdit, 
dass alles richtig ausgeführt wurde, und als die Wiesbadener nicht sachgeniäss 
genug verfuhren, erschien ein D(dvret des Fürsten, „dass in der Hohle bei der 
Bestückung die Steine Imch zu stellen und einen halben Schuh hoch mit zer- 
schlagenen kleinen Steinen zu überschütten, die Ufer nicht zu steil anzulegen, 
vielmehr schief zu beschürf(ui, oder besser noch mit einer flauer zu unter- 
fangen! seien." Auf Vorstellung der Biirger sah Juan von einer 3[auerauft'tihrung 
als zu kostspi(dig ab; es dauerte drei Jahre, bis die Strasse bis oberhalb des 
..Wulkenbruch'" (vor dem neuen Friedhof i;) fertig war. Doch wurden bald darauf 
und auch in der Folgezeit anhaltend über den schlechten Zustand der Strasse, 
luimentlich beim Wolkenbruch, geklagt. Der weitere Strassenzug ist bis zur 
Platte bis heute derselbe geblieben. Kurz vor dei' Platte zweigte ein Weg- 
direkt nördlich ühvr die Rentmauer, den Herzogsweg (s. w. u. ) kreuzend. 
nach Wehen ab. dei' bis in die neueste Zeit noch viel lienutzt ward. 

2. Die S c h w a 1 b a c h e r Strasse. Auf K. 1 701 zwengt diese Strasse 
von der Neuhofer Strasse ab und zwar auf der Höhe gegenüber dem heutigen 
älteren Friedhofe an der Platter Strasse. Sie lief über den Atzelberg und kajn 
vor der Walkmühlen begrünter, durchschnittt das Thal des Deudelbachs (Kessel- 
bachs), zog quer durch den Wald, am Pulverhause vorbei, über den (rlasberg 
zwischen diesem und der 1 700 erbauien Klostermühle hinunter nach Clarenthal 
und an dieser Niederlassung vorüber, bis sie die heutige Lahnstrassc erreicht(\ 
Dann behielt sie deren Lauf bei. steil aufwärts bis zum riiausseehaus und 
weiter um die Hohe Wurzel herum über den Klapperstock und die Sehauze 
nach Langenschwalbach. 

Die'^Richtung der Strasse über den Atzelberg ist auf einer andern Karte* 
aus dem Jahre li<20 noch durch einen Feldweg angedeutet; sie lässt sich heute- 
nicht mehr verfolgen, ebonse^wenig wie den- Zug über den Glaskojd" und Claren- 
thal nach der Lahnstrasse. 



112 

Dil' Vorloguug der Münilunj; der Neuhofor Strasse in das Stumpfe Thor 
im Jahre 1714 hatte auch eine Änderung der SchAvalbaehcr Strasse zur Folge. 
Man zog einen geraden AVeg vom Stumpfen Thore aus ,,durch das Baumstück, 
dem Sturmenliof gehörig, am Leimen (Lehmgrube;", die lieutige Emserstrasse. 
Hierbei ist zu beac-htt-n. «liss die Stadtmauer au der Rückseite der Ilochstätte 
herlief und aUes Terrain wesrlicli davon aus Cfärten und Ackerland bestand. 
Ferner war der neue AVcg. der weiter die Lahnstrasse liinaus zur Klostermühh> 
führte, keine Chaussee, sondern nur der besseren, direkten Verbindung halber 
angelegt: die ahe von der ILdie der Phxtter Strasse hinter der Holde luieh dem 
Atzelberir führende Strasse bliel» einstweilen noch bestehen. 

Um ITöH wurde geplant, die S(;liwalbacher Hauptstrasso ehausseemässig 
von der Hohen Wurzel übei Mosbach. Kastei nach Frankfurt zu leiten, während 
sie bisher über Ciarenthal. Wiesbaden und Erbenheim nach Frankfurt gegangen 
war. Als Grund dafür wurden die schlechten Wegverhältnisse auf letzterer 
Richtung angegeben. Und in der Thal scheint sowohl die Strecke über Claren- 
thal. wie die über Erbenheini (s. w. u.) in einem bedauernswerten Zustande 
gewesen zu sein. Dazu kam der Umstand, dass der Weg beschwerlicher war 
als der andere zum Ausbau vorgeschlagene. Aber die Wiesbad(^ner setzten 
sich mit allen Kräften zur Wehr, damit der Verkehr nicht von ihrer Stadt 
abgelenkt würde. Sie beschrieben, wie si(> grossen Mangel an Nahrung erleiden 
müssten, wenn namentlich die Lastwagenführcr und Hauderer nicht mehr im 
Gasthause zum Einhorn einkehren würden. Die J\[osbacher dagegen hätten die 
Hinüberlenkung des Verkehrs über die alte Holzstrasse nicht so ungern ge- 
sehen. Der Fürst Karl vdu iSassau-Usingen holte Gutachten der drei Ge- 
meinden (ün. Der Stadtschultheiss Hoffmann zu Wiesbaden, unterstützt von 
dem gesamten Stadtvorstande, legte darauf einen Flau vor. wonach der Schwal- 
bacher Weg zum Stumpfen Thore hinaus bis ;in die Klostermühle, ehaussee- 
mässig erbreitert. neu angelegt werden sollte. Von da sollte er nach dem 
Kloster zugeführt werd(^n und von dort. ..wie er gegenwärtig ist. inu' dass unten 
an dem Wald derselbe etliche Schuh weiter in die Wiesen und an das Kloster, 
wn die Hohl ist. über der Hohl her durch das Feld getrieben müsstc; werden, 
dann gerade durch den Wald an den Wiesen her fort bis in die Höhe in die 
Schwalbacher Strasse an dem Stock" (vor dem Chausseehaus V). Der Schultheiss 
von Mosl)iicli und seine Gemeinde, sprachen für die andere Strassenführung und 
<lie Dotzh(^imcr schlössen sich an; doch gelang es den Wiesbadenern zu be- 
weisen, dass die Holzstrasse des schlechten Bodens wegen nicht geeignet sei, 
eine Hauptvcrkehrsstrasse zu werden. Man wies dann weiter darauf hin, dass 
(dn Weg v<.n der Wald- oder Holzstrasse nach der Sclnvalbach-Wiesbadener 
Strasse, der sogenaimte Klosterweg, als Verliindungsweg bestehe und dass von 
Dotzheim zwei Wege durchs I Inllribornfeld und durchs Wiesbadener Feld nach 
letzterer Stadt liefen. 

Dil; Wiesbadener behielten den Sieg. Aber erst zehn Jahre später kam 
der n(!ue Chaussecibau in der von dem Stadtvorstande vorgeschlagenen Weise 
zur Ausführung. Anno ITO:) ixigann man mit der Erbreiterung des Weges 
zunächst auf der Stieeke v«.ni Stumpfen Thore bis zur -lunkersmüJde (Ecke der 



11.". 

Drudcnstrasae), und dann folgte unter tcihvciser Aljünderung der ultcn Linie 
der allmähliche Ausbau der heutigen Lalmstrasso übers Chausseehaus zur Hohen 
Wurzel weiter. Nassau-Usiugen setzte sich damals mit Hessen-Kheinfels, zu 
dessen Gebiet Langenschwalbach gehi'.rte, auseinander, und dieses baute dann 
die Strecke von dort aus bis zur Schanze. Erst 1785 war die ganze Chaussee 
Langeuschwalbach-Wiesbadeu vollend(!t. 

Die Schanze, am jenseitigen Hange der Hohen Wurzel gelegen, bildete 
die Grenze des nassauischen und hessischen Gebietes. Es waren eigentlich 
zwei solcher Schanzen vorhanden, eine westlich gelegene hessische und eine 
östlich "-elegeno nassauische. Sie bestanden beide aus einem von einer Mauer 
und einem Erdwallo mit Graben umgebenen Gebäude, das nachher als Zoil- 
station diente und stammen wohl aus dem grossen Kriege her. Das heutige 
Gasthaus zur Schanze steht auf dem Terrain der hessischen Schanze; die 
nassauischc, an der Abzweigung des Seitzenhahner Weges von der Chaussee 
gelegen, ist abgetragen worden. Die Maut wurde hier streng geübt. Die 
nassau - usingische Regierung fand es 1767 für notwendig, einzuschärfen, 
dass der Privatweg unter der (uassauischeu) Schanze nach dem (hessischen) 
Dorfe Wambach nicht befahren, noch von den Sauerwasserträgern benutzt 
werden dürfe. Die Sauerwasserträger waren nämlich, um die Gebühren zu 
umgehen, gern geneigt, den Weg, der vor der nassauischen Schanze vom 
sogenannten Klapperstock nach Wambach abwärts führte, einzuschlagen, um 
sich von dort nach Schwalbach zu begeben, ihre Krüge und Gefässe zu 
füllen und denselben Weg, stets auf hessischem Gebiete, wieder zurück- 
zuwandern. 

Zu Anfang unseres Jahrhunderts wird über den schlechten Zustand der 
Lahnstrasse berichtet. Auch klagte man über die gering'e Breite der Strasse; 
doch wurde die beabsichtigte Erbreiterung (1830) unterlassen. Die Chaussee 
war unvorteilhaft angelegt; Lastfulirwerk musste mitunter zwölf bis fünfzehn 
Paar Pferde zum Vorspann nehmen. Dennoch blieb die Lahnstrasse bis vor 
vierzig Jahren der einzige Hochweg nach Laugenschwalbach. 

3. Der B leiden stadter Weg und die Eisenstrasse. Nach 
K. 1701 führte aus dem Mainzer Thore an der Kirchgasse (Nonnenhof) westlich 
am Druderbache entlang (durch die heutige Paulbrunuen- und vordere Bleich- 
strasse) ein Weg, der weiterhin nordwestlich durch die Distrikte Überhoben 
und Seeroben lief, auf der Hi)he der heutigen Lahnstrasse herauskam und d(.rr 
die vom Atzelberg durchs Walkmühlthal heraufkommende alte Schwalbach. -r 
Strasse kreuzte. Er führte dann weiter westlich um den Glasberg (heutige 
Strasse zur Fasanerie), dann an der Kreuzung des von Clarenthal über den 
Glasberg zum Adamsthale führenden Weges geradeaus durch den Wald zum Holz- 
hackerhäuschen, auf welcher Strecke er als Promenadeweg noch zum Teil besteht. 
Hier stiess er auf die Eisenstrasse. 

Die Eisenstrasse ist eine sehr alte Hochstrasse, die über den Pass der 
Eisernen Hand, die tiefste der drei Senken — Eiserne Hand (434 m) in der 
Mitte, Klapperstock (569 m) links und Platte (501 m) rechts - des Kammes 



114 

der Hiilu' tührti'. Ihren Xaiiu-n liat die Strasse davon, das« auf ihr die Eiseii- 
industrieprudukte der Miehelbaoher Hütte im Aartliale. besonders die eisernen 
liaueruüfeu. die damals aber fast ausnahmslos auch noch in den Städten ge- 
braucht wurden, auf Lastwagen ins Gebier südlich der Höhe verfrachtet 
wurden. Die Eisenstrasse verfolgte vom llolzhackerbäuschen den Lauf der 
heutigen Aarstras>^e links (westlich) um den Bleidenstadter Kopf herum, 
führte dann aljer in Biegungen bald links, bald rechts von der letzteren 
zur Eisernen Hand, einem uralten Strassenknotenpunkte. auf der Passhühe 

sreleiren. 

Hie Eiserne Hand findet mau am leichtesten, wenn man sicji von der 
Aarchaussee, da. wo an der Einfriedigung vor dem Stationsgebäude eine Schneise 
die Chaussee kreuzt, nach (von Wiesbaden aus gedacht) links über diese Schneise 
wendet. Nach zwei Minuten befindet man sich hier auf einer kleinen Wald- 
lichtung, wo eine Anzahl (fünf) Wege radienartig einmünden, bezw. wie 
die Finger einer Hand auseinandergehen, die Rheingauer Strasse (s. im folg.) 
als Arm gedacht. Von Wiesbaden her kommt die alte Bleidenstadter Strasse, 
heute nur mehr eine Schneise, die sich in gerader Riclitung ebenso nordwestlich 
fortsetzt. Aus dem Bheingau führte hinterm Schläferskopf her die Ehein- 
o-auer Strasse, von der wir noch hören werden, herauf und ebenfalls in gerader 
Richtung noidöstlich weiter; sie gabelte sich bald darauf in die Strasse nach 
Hahn und nach Wehen, erstere war zugleich Fortsetzung der Eisenstrasse. 
Ausserdem führten links zwei Wege zur Hohen Wurzel und zur Schanze, nach 
rechts einer über die zuerst erwähnte Schneise zum sogenannten Herzogsweg 
und auf diesem zur Platte weiter. Der Name Eiserne Hand kommt wahr- 
scheinlich von einem Stock, wie die Wegweiser im Nassauischen heissen, mit 
einer eisernen Hand. d. h. mir fünf Armen, entsprechend zugleich den fünf 
Fingern der Hand und den fünf einmündenden Wegen. Die Michelbacher 
inögen ihn aufgestellt haben. 

Das Holzhackerhäuschen ist der alte, bereits um 1750 bestehende AVohn- 
sitz eines fiskalischen Holzhauermeisters, der auf dem Platze, wo die Holz- 
auktionen stattfanden, auch Wirtschaft betrieb. Beim Holzhackerhäuscheu rechts 
von der Eisenstrasse abzweigend, <»stlich um den Bleidenstadter Kopf herum, 
im Thale des Dendelbachs (hier Kesselbachs) weiter lief der Wehe(ne)r Weg. 
Da. wo er den Bach überschritt, teilte er sich. Der nachher wieder links 
über den Bach führende Weg lief nordwestlieh über die Höhe nach Wehen 
(in ihn iiiiinder dei vim der Eisernen ]land kommende Waldweg) und kreuzte 
östlich vom Altenstein den Herzogsweg, den uralten Rennweg, der über den 
Kamm des Gebirgs von der Rheingauer Strasse nördlich der Eisernen Hand 
zur Platte und Neuhofer Strasse li(^f. J)or im Kesselthaie rechts aufwärts 
fühlende andere Arm des Wehencn- Wegs erstieg die Rentniauei und lief auf 
deren Kamm ebenfalls als Rennweg zur Platte weiter. 

Der Zug der Eisenstrasse, vom Holzhackerhäuschen südwestlich, ging über 
den heutigen Waldweg, von diesem zur Fasanerie, an letzterer vorüber gerade- 
aus zur Lahnstrasse. di(!se kreuzend über eine heute noch bestehende Schneise 
im Distrikt Kohlheck zur alten Schwalbach-Mosbacher Strasse, die heute Wald- 



117) 

oder Uolzstrasse heisst.^) Als dci- Fiirsr Km! 1744 d'w Fusiinerie anlogt-o, 
f'ühvto er einen Weg vom alten ßleidonstadter Wege (s. o.) am Glasberge 
vorbei dorthin, der heute mit einem Teile von jenem, naclidem die Strecke quer durch 
den Widd zum Holzhafkci'häuschon oingeganj'en ist. (Muen geraden Zug bildet. 

4. iJ i e J) o t /. h. I' i 111 (' r Strasse. jSach i\. 1701 ging vom Mainzer 
Thore an der Kirchgas.se noch ein zweiter Weg aus, der sich unmittelbar süd- 
westlich wandt(!. An der Stelle, wo die heutige Kircligasse und Friedrich- 
strasse zusamnu'ntreff'en, gabelten sich die Strasse. Hier stand ein Stock mit 
drei Armen, der eine Avies südlich nach Mosbach, dei- andere südwestlich nach 
Schierstein, der dritte westlich nach Dotzheim. Der Dotzlieimei' W(!g gabelte 
sich etwa an der Mündung der heutigen Karlstrasse wiederum; (!s bestanden hier 
um 1701 der alte und der neue Dotzheimer Weg nebeneinander. Der alte 
lief erst auf, dann links von der heutigen Chaussee und ist als Feldweg noch 
erhalten. Der neue, gleichfalls heute als Feldweg noch bestehend, ging rechts 
von der Chaussee durch den Distrikt Dreiweiden, w-estlich am Bahnhofe vorbei. 
Beide Wege Avurden gekreuzt von der Scliwalbach-Mosbacher Strasse (Wald- 
strasse), der alte auf der Höhe beim früheren Ciarenthaler Stock, wenig südlich 
der Chaussee, wo ein lleiligenhaus stand, der neue an der Stelle, wo der 
heutige Feldweg auf die Waldstrasse rechts von der Chaussee stösst. Dort 
erhob sich ein riesiger Nussbaum. Kurz vorm Heiligenhaus, nach Wiesbaden 
zu, stand der Grenzstein, der die Gemarkungen Wiesbaden, Mosbacli und 
Dotzheim schied. Rechts von dem neuen Wege, im Distrikt Uuterhollerborn, 
vor der Waldstrasse, lag der Hollerborn, itn Quadrat von Bäumen umgeben. 
Am Hollerboru östlich vorbei, parallel mit dem neuen Dotzheimer Weg bis zur 
Waldstrasse, zog der Landgraben v.'ma alte Landwehr. Ihn kreuzte, ehe er auf 
die Waldstrasse stiess, der Klosterfeldweg oder Klosterweg nach Clarenthal. 
der von jener abzweigte und auch heute noch besteht. 

Der alte Dotzheimer Weg mündete bald nach der Kreuzung der Wald- 
strasse in die heutige Chaussee ein und zog, wie diese, durch die Hohle, die 
damals noch enger war und keine Häuser besass, nach dem Dorfe hinab. Der 
n(!ue Dotzheimer Weg lief nach Kreuzung der Waldstrasse noch eine Strecke 
westlich (durch das Philippische und Bahuhofterrain), bog aber dann nacli 
Süden um und kam in einer geschweiften Seitenhohle auf den alten Weg heraus. 

Die Dotzheimer Strasse lief durch J)otzheiiii über Fichtenkopf und 
Hämmereisen nach Georgenborn weiter, von da ging ein Weg nach Schlangen- 
bad hinab. 

5. Die Schier Steiner Strasse, die zweite Abzweigung der aus 
dem Mainzer Thore führenden Strasse, hatte im allgemeinen die Kichtuni,'' der 
heutigen Chaussee nach genanntem Orte, nur trat sie vor der Kahlemühle links 
aus, lief dann durchs Mühlthal bis auf die Höhe ziendich in der Kichtung 
von heute, bog darauf aber rechts aus. bis sie vor Schierstein wieder die 
heutige Richtung einschlug. Am Schnittpunkte der Waldstrasse links stand ein 



■') Man beaclite den Gegensatz in iIimi Xaini-ii: Uolzstrasse = Strasse für Jlolzluliren, 
Eiseiistrasse = Strasse t'ür EisenfulinMi 



grosser Baum. Der Mühhveg von Dotzlieim nacli Mosbaoli bestand schon 
damals. 177:J wurde der Schiersteiner ^Veg als „fast ganz verloren" be- 
zeichnet. Die Besitzer der (Jrundsrücke an ihm hatten den Weg überptlügr 
und zum Teil zu ilireu Ackern geschlagen. Es bedurfte des energischen Ein- 
schreitens der Kegicrung. ilin wieder ganz frei zu legen. Er scheint aber 
damals nicht mehr als ein schlechter, holperiger, grasbewachsener Feldwog ge- 
wesen zu sein. 

Tl. Die ]^I (1 s l>a (• li er (Biebricher) Strasse, war die dritte Ab- 
zweigung der Strasse vom Mainzer Thore aus. Sie lief nach K. 1701 von 
der Kirchgassen- und Friedrichstrassen-Ecke in der Linie der Kirchgasse und 
Moritzstrasse bis zum Rondell (heutige Strassenrichtung) fort. Etwas südlich 
vom Rondell zweigte links (östlich) der Mainzer Weg ab, der am Hange des 
Melonenbergs beinahe parallel mit der Mosbacher Strasse, heute Chaussee, bis 
zum Biebricher Kirchhof, und von da zur Armenruhmülile lief, wo er in die 
Schwalbach-^btsbach-Kasteler Strasse mündete. Er ist als Feldweg heute noch 
erhalten. 

Die Mosbacher Strasse selbst zog in der Richtung der heutigen Chaussee 
über den Mosbacher Berg nach dem Dorfe hinab. An der (rabelung der 
Strasse und des Mainzer Weges stand ein zweiarmiger Stock, dabei ein Heiligen- 
bild, weshalb der Distrikt dort heute noch Heiligenstock lieisst. Etwas weiter, 
östlich von der Sti'asse, lag am Berghange der Hoiligenborn, eine Quelle, die 
von irgcmd einem Heiligen, wie der Hollerborn von der alten Gcittin Holda den 
Xamen erhalten haben mag. Kurz vor Mosbach lief die Strasse durch dichte Wein- 
gärten, die den ganzen Hang des Hügels, welch letzterer — wir müssen den 
heutigen A'iadukt hinwegdenken — sich ziemlich steil nach J^Eosbach senkte 
und Ilasenberg liiess, bedeckten. 

Mosbach und Biobrich, die beiden Schwesterorte, haben erst eine höhere 
Bedeutung bekommen, seitdem dort Fürst Georg August von Nassau-Idstein 
Yttn 1701 bis 170fj sich ein Residenzschloss am Rheine erbaut hatte. Mit dem 
Tode dieses sohnlosen Fürsten hörte indes die Herrlichkeit schon wieder auf. 
Erst sein dritter Nachfolger in der Herrschaft, Fürst Karl von Nassau-Usingen, 
verlegte seine Residenz 1744 aus dem hinterwälderischen Usingen nach Biebrich 
und den Regierungssitz nach Wiesbaden, und beides ist seit der Zeit also ver- 
blieben. Da nun ab(!r Regierung und Hof in steter Verbindung bleiben mussten. 
Staatskarossen und Kuriere oft genug den Weg von Biebrich nach Wiesbaden 
zurückzulegen hatten, so war man genötigt, für eine gute Landstrassc zwischen 
beiden (Jrt(!n zu sorgen. Um rasch aus dem alten Schlosse auf dem heutigen 
Markte auf den Weg nach Biebrich zu gelangen, wurde der Ausgang der 
Mosbacher Strasse ans untere Stadtthor (Mündung der Mauergasse in die Markt- 
Htrasse) verlegt. Von da legte man die Strasse in schnurgerader südwest- 
licher Richtung bis zum heutigen Rondell an und Hess sie dann in der alten 
Richtung weiter gehen. Das geschali in den Jahren 1750 bis 1752 und dabei 
sei als eigentümlich bemerkt, dass diese neue Chaussee zuerst mit Obstbäumen 
ix'iderseits besetzt wurde. Bei Anlage der Strasse wurde der alte Herrngarten vorm 
unteren Sfadtthore. 1G88 vom Fürsten Georg August auf dem Terrain der Friedrich- 



und liiihnhofstnisso uiul riii^a-biiu^- iiii^ctlcyt, (Uircliscliiiittcu und dadurch sciiunii 
Untergange eutgogongof'ührt, uhwulil scino letzten Jlosto erst um I80O ein- 
"•ino-en. lYw ^Viesl)adeIler nuisston bei dem Bau mäelitig fronen; sie tliaten 
es nur widerwillig und arbeiteten nachlässig, l)i(! Folge davon war, dass sich 
die Strasse schon drei Jalir(} später in miserablem Zustande befand. Die Klagen 
sind überhaupt unaufhörlich, ebenso unaufhörlich die Flickereieii. Der Sache 
wurde dadurch ein Ende gemacht, dass 1791 die Strasse ganz neu angelegt 
wurde. Die alte Strasse ward damals als mit dem ] 'Haster ganz versunkeji 
bezeichnet; von eimu- Wölbung, liicss es, wäre nichts mehr zu sehen. 

7. Di ('. M a i n z er S t r a s s e. Aus dem Unteren Stadtthore hinaus führte 
bereits vor Anlage der neuen liiebricher (IVlosbacher) Chaussee ein Weg, der, 
etwa dem Laufe der heutigen Friedrichstrasse folgend, durch ein grosses Wiescn- 
ferrain lief, das sich bis zum Salzbache auf dem Warmen Damme erstreckte, 
weit südwärts zog und die ,, Wiesen auf der Salz'' hicss. Da. wo heute die 
anglikanische Kirche steht, verzweigte sich der Weg nach drei Richtungen 
hin; dort stand ein Wogweiser mit drei Armen. Der südliche bezeichnete die 
Mainzer Strasse, die im Thale des Salzbachs weiterlief. 

Die Richtung dieser Strasse, I)is in die sechsziger Jahre unseres Jahr- 
hunderts noch Mühlweg genannt, erscluunt nach K. 1701 etwas verändert gegen 
die heutige der Mainzer Strasse und Mainzer Landstrasse. Zum Teil wurde 
bei der Anlage wohl die altrömische Thalstrasse benutzt, die ehedem denselben 
Lauf von Aquae Mattiacorum nach jMogontiacum genommen hatte. Die Mainzer 
Strasse führte östlich vom Salzbache an dieseju entlang, bis sie vor der Station 
Kurve in die Schwalbach-Kasteler Strasse mündete. Der Salzbach selbst floss 
von oberhalb der Neumühle ab in zwei getrennten Armen südlich, die sich 
kurz vor der Mündung wieder vereinigten. Die Mühlen im Salzbachthale 
standen durch Wege mit der Mainzer Strasse in Verbindung; von der Ncu- 
mühle führte auch ein Weg durch die Wiesen auf der Salz (Richtung der 
heutigen Lessing- und Goethestrasse) zur Mosbacher Chaussee. 

Von der Mainzer Strasse zweigte östlich ein Weg ab, unterhalb iler 
Spitalsmühle (Spelzmühle) im Waschbachthale. Im Zahlbachfelde gabelte er 
sich; ein Arm wandte sich direkt nördlich, die Erbenheimcr Strasse (s. u.) 
kreuzend, nach Bierstadt; der andere lief in östlicher Richtung fort, bis er 
kurz darauf die Erbcnheinier Strasse erreichte. Der erstcre hiess der Bicr- 
stadter Mühlweg, der andere der Erbenheimer Mühlweg, und beide bestehen 
als Feldwege heute noch. Kurz hinter der Gabelung, im Zahlbachfelde, 
stiessen die Gemarkungen Wiesbaden, Mosbach und Erbenheim zusammen. 

8. Die Erbenheimer Strasse. Sic führte von dem dreiarmigen 
Wegweiser (s. 0. No. 7) südöstlich durch den sogenannten Kleinen J lainer. 
Links von der Strasse, auf halbem Wege zwischen ihr und der Bierstadter 
Warte, steht ein Feldbrunnen, Erckelsborn benannt, auf K. 1701 eingezeichnet. 
1768/09 ging die alte Strasse auf der ]Iöhe mehr links durch di(> Hohle. 
dann wieder rechts auf Erbenheim zu und zwar nicht in so direkter Richtung 
wie heute. Sie sollte damals etwas nach Südwesten, nach dem Abhänge des 



118 

Berge> /.n verlegt und dabei gosfreokr werden. Man klngre uänilicli über den 
schlechten Zustand auch des gepflasterten (gestückten) Teiles: demnach war 
die Strasse weiter hinaus nur als blosser AVeg gehalten. Und doch wurde sie, 
besonders während der Frankfurter Messezeit, viel befahren. ])er zum Berichte 
aufgeforderte AVegemeister Rücker war für Beibehaltung der alten Jlichtung: 
er erklärte, der Hang des Berges sei lettig. Pflaster würde dort schwer zu 
unterhalten sein, ausserdem gingen durch den neu projektierten Zug mehr als 
hundert Morgen fruchtbaren Ackerlandes verloren. Auch bestehe die Strasse 
als I\tststrasse (nach Frankfurt) bereits über zweihundertfünfzig Jahre (also 
seit ca. 1.")1G) und müsse nur angemessen unterhalten, bez. erneuert werden. 
Die Sache ruhte bis 1789, wo die Xeuanlage der Strasse in Angriff genommen 
wurde. — 

Die Erbeuheimer Strasse besass ein Bankett, was wir auch von der 
Mosbacher Strasse erfahren; ob die Schwalbacher Strasse über die Hohe Wurzel 
damit versehen war. konnte ich nicht feststellen. 

p]rwähnt wurde, dass die Erbenheimer Strasse durch den Kleinen Hainer 
führte. Nur ein geringer Teil des letzteren lag südlich, der grössere nördlich 
von der Chaussee nach dem Bierstadter Wege zu. Er begann unmittelbar auf den 
Anhöhen hinter dem Warmen Damme und zog sich bis zur Bierstadter Höhe 
hinauf. Der Name Hainer kommt von Hain = Wald; 1221 wird er Hagenehe 
genannt, später in Ottos „Merkerbuch der Stadt Wiesbaden" Heney und 
Henauwe = Hainaue. Der Name Hainer deutet also an, dass die Höhe ur- 
sjirünglich mit Wald bestanden war, der Name Hainaue. dass aus dem Walde 
Feldfläche geworden ist. Die Bebauung fand frühzeitig, vielleicht schon im 
dreizehnten Jahrhunderte statt und dauerte bis zum grossen Kriege. Durch 
die Verwüstungen, die dieser mit sich brachte und durch die Entvölkerung der 
Stadt kam es, dass der Distrikt gänzlich verwilderte. Die Besitzer der dort 
gelegenen Grundstücke waren gestorben und verdorben; deshalb zog die Herr- 
schaft den ganzen Komplex ein und benutzte das von Gras, Hecken, ver- 
wilderten Obstbäumen und Gartengewächsen besetzte Gebiet als herrschaftliche 
Viehweide. Dasselbe geschah mit dem Grossen Hainer, der südlich der Erben- 
lieimer Strasse bis zum Bierstadter Mühlweg sich erstreckte. Als aber die 
Bevölkerung der Stadt sich wieder mehrte, beanspruchte sie mit Recht auch 
wieder die beiden Hainer als Stadtbesitz und die Rjürger begannen seit ca. 1680 
die Distrikte anzureden. Fürst Georg August untersagte ihnen das anfangs, 
aber die Wiesbadener liessen sich nicht beirren. Auf K. 1701 scheint ein 
ganz bedeutendes Stück beider Hainer in Acker- und Gartenland verwandelt; 
im_]_Grossen Hainer liegt der Weidenborn als Feldbrunncn angegeben. Der 
Fürst gab schliesslich nach und übcrliess weitere Stücke zur Urbarmachung, den 
Morgen zu drei oder vier Gulden Kaufgeld und eine Jahresabgabe von zwei 
Kumpf Korn, das als Saatkorn an arme Feldbauern verteilt wurde. Die letzten 
ca. neunzig Morgen ^wurden 1722 verkauft. An den alten Distrikt Hainer 
erinnern noch die heutigen" gleichen Distriktnamen und der Hainerweg, die 
Strasse, welche von der unteren Bierstadter zur Blumenstrasse führt. Durch den 
Hainer lief auch der östliche Landgraben, der als Grenzwehr der Stadt diente. 



IV.t 

9. l)i(( 15 i c r > I a th (• !• S r r a s s c. Sic fol^r auf K. 17<tl /iruilich ilcr 
JiidituD^- «Ilt lieiirig'on Cliaussue, docli ist ihr Jiaul' nicht so sclimirgorade ; sio 
ist die dritte Strasse, die bei dem S. 117 yeiuiuiiten Wej^weiser abzweigte. Auf 
der halben Höhe; des Bierstadtcr Berges teilte sich links der sogenannte Kluppen- 
heimer Weg al). dri' am hallicn Hange; des lierges mit der Bierstadter Strasst^ 
parallel au liierstadt links vorüber nach Kloi)peidieijn lief. Die heutige llilda- 
strasse deutet seine liichtung ai\ ; von dei- Weberschen Gärtnerei ah fidirr ei- 
als Feldweg weiter. 

Die Bierstadtcr Warte, auf K. 1701 rechts von chu' Bierstadter Strasse 
eingezeichnet, zeigt drei Stockwerke und eine Ku])pelbedachung. Sic; war. 
was iJir Name besagt, ein Warttuiiu. dei- weit in die Umgegend Umschau 
gewährte. Erbaut wurde sie jedenfalls schon viel früher, vermutlich in der Zeit, 
da Nassau und Eppenstein miteinander fehdeten, also im dreizehnten Jahr- 
hundert. Denn jenseits Bicu'stadts begann das „Ländchen", als dessen nächster 
Ort Iji-stadt dicht hinter Bierstadt lag. Das Ländchen aber war erst e])pen- 



^o 



steinisch, dann hessisch. 

10. Die Idstei Her Strasse „üb(!r die Dörfer". Noch bevor 
der Kloppenheimer Weg von der Bierstadter Strasse abbog, zweigte, kurz liinter 
dem dreiarmigen Stock, links ein anderer Weg ab, der durch das grüne A'iertel 
hinter den Warmen Damm-Anlagen führte und dann in die heutige Parkstrasse 
einbog. Er folgte dann deren Richtung und weiter, seitwärts der Dietenmühle 
derjenigen des heute noch bestehenden, neu hergerichteten J^ingertswegs. Der 
Bingert, eine aus Bienengarten entstandene Distriktsbezeichnung, weist auf 
K. 1701 an seinem nach Sonneuberg zu gedegenen Hange im unteren Teile 
AVaUl. im oberen Weinberge auf, die sich niu-dlicli, seitwärts der alten Sonnen- 
berger Kirche bis zur Höhe ziehen. Diese alte Kirche, bekanntlich 1429 von 
dem Edeln Werner Hud von Sonnenberg erbaut, erscheint auf K. 1701 noch 
bedacht. Das Dach ist einfach, schräg nach Norden und Süden abfallend; 
ein Turm fehlt, dageg(Hi erhebt sich auf der Spitze des Ostgiebels ein grosses, 
vielleicht (der Form nach zu urteilen) eisernes Kreuz. Die Kirche war in 
Benutzung bis 17o0, in welchem Jahre sie abgebrochen wurde. Von dem 
Bingert aus lief die Strasse wie heute weiter über Naurod und Niedernhausen 
nach Idstein. Sie hiess Weg über die Dörfer deshalb, weil der andere Listeiner 
^Yeg über die Höhe (s. u. ) ausser über Engenhahn über kein Dorf führte. 

11. Die So nnejih erger Strasse. Aus dem Sonuenberger Thore, 
das am Ende der heutigen Pension zum Ritter, an der unteren Webergasse, 
stand, ging ein breiter Weg aus, der sich in der Gegend des heutigen Kaiser 
Friedrich-Platzes in scharfer Krümmung nordwärts und südwärts gabelte. Der 
letztere Zweig wandte sich hinüber nach dem Warmen Damme und lief über 
diesen zwischen den dort befindlichen Äckern und Gärten her. bis er hinter 
der PletzmühU- auf den .Vusgangspunkt der unter Nr. 7. S und 9 benannten 
Strassen stiess. Der nördliche ^^'eg überschritt Schwarzbach und Rambach und 
schlug die Richtung der heutigen Sonuenberger Strasse ein, den Rambach stets 
reelir^ l,rli;iltend. Zu beiden S.'iren des letzteren ist auf K. I7nl ein breiter 



120 

Stroifen Wieseulauik's augegebeu. Da. \v<» huiire der Kurliausplatz liegt, befindet 
sich auf K. 1701 der ^Süsse Brunn^. d. h. der Wiesenbrunneii, eingezeichnet, 
der bekanntlieh später mehrfach verlegt wurde und bei dem Theaterneuhau 
eingegangen ist. Er hat erst nach 1701 seine Blütezeit gefeiert und ist sogar 
als einzio-er Süsswasserbruunen Wiesbadens poetisch verherrlicht ^Yorden. Auf 
K. 1701 ist auch das aus dem Aukain kommende, oberhalb der Blumemviese 
in den Rambach mündende Zuwässerchen angegeben. Auch die Dietenmühle 
ist eino-ezeichnet. die von einem Seitenarme des Baches, der oberhalb der Mühle 
abzweigt und unterhalb sich wieder mit jenem vereinigt, getrieben wird. Diese alte 
Mühle kommt schon ca. l-'J.")«) vor; ihren Xamen will iium von diet = Volk 
ableiten. Nach dem grossen Kriege lag sie verlassen da, bis sie 1685 vom 
Grafen Georg August von Nassau-Idstein an den Amtmann (rraf von Idstein 
seschenkt wurde, der sie neu aufbaute. 

Die Sonnenberger Strasse wurde anno 1776 etwas mehr östlich vom Thor 
verleo-t. Denn in diesem Jahre legte Fürst Karl Wilhelm von Xassau-Usingen 
vor dem Thore den neuen Herrengarten (Kurgarten) auf dem Terrain der 
nördlichen Hälfte des Kaiser Friedrich-Platzes, des Nassauer Hofes und Blockischen 
Hauses an. Er Hess auch eine Allee zum Wiesenbrunnen pflanzen. Die An- 
lao-en wurden in 1808 u. ff. durch den Kurhausbau und die Errichtung des 
Nassauer Hofs, der Vier Jahreszeiten und des Blockischen Hauses sehr be- 
schränkt, und in 1825 u. ff. durch den Theaterbau ganz beseitigt. 

12. Die Idsteiner Strasse über den Trompeter. Auf K. 1 701 
biegt von dem Sonnenberger Weg ein anderer direkt nördlich ab und führt 
über den Fufsberg (Adolfs- und Cansteiusberg — der heutige Cansteinsbergwcg) 
aufwärts. Der Name Fufsberg, eigentlich Fusberg, ist der älteste, der Name 
Adolfsberg rührt von Herzog Adolf, Cansteinsberg von dem Oberstleutnant von 
Canstein her, der dort zuerst eine Villa erbaute. Auf dem Fusberg teilte 
sich, wie heute noch, der Weg in zwei Zweige. Der eine, westliche, führte 
ziemlich gerade aus durch die Hohle (Kuhhohle) über den Geisberg zur Trauer- 
eiche und dann über den Bahnholzkopf zur Höhe des Trompeters, von da über 
Engenhahn nach Idstein hinunter.^) Der andere, östliche, zweigte rechts über die 
heutige Schöne Aussicht ab, bog hinter der Höhe, wo sich das Reservoir befindet, 
nördlich um und lief parallel dem Hauptwege über den Leberberg, am heutigen 
Rettungshause vorbei, bis er sich bei der Trauereiche wieder mit dem Haupt- 
wege vereinigte. Er besteht heute noch zum Teil als Feldweg. 

Der Distrikt zwischen diesen beiden Wegen auf dem Fusbcrge, d. h. 
auf dessen Höhe, hiess der Königstuhl, wie heute noch. Der Name bedeutet 
eine alte Gerichtsstätte des Gaus ; anderswo in Nassau kommt die Bezeichnung 
ebenfalls vor. Der Königstuhl befand sich für den Königssondergau, in dem 
Wiesbaden lag, von ca. 800 bis 1100 auf der Ebene zwischen Erbenheim und 
Kastei. Da nun nach dieser Zeit von einem königlichen Gerichte des Gaus 



') Vom Trompeter ah hiess diese Strasse Trompoterstrasse; diese selbst lenkte in früherer 
Zeit in die Platter Strasse bei der Platte ein. Der Name Trompeter und Trompeterstrasse ist 
von den auf ilir vtikflucnlfii Postreitern herzuleiten. 



]2\ 

keine Kode mehr ist, die Gerichtsbarkeit viehiieiir teils an ilie Grafen von 
Nassau, teils an die von Eppstein überging und die Dingstätte des nassauischen 
Teils sieh nachweisbar auf dem .Alauritiuskirchhof in Wiesbaden befand, so muss 
die Dingstätte auf dem Fusberge älter als 800 sein. Auf K. 1701 ist dort 
der Galgen eingezeichnet; man hatte also den Ilichtplat/ auf der alten Ge- 
richtsstätto beibehalten. Diese befand sich rechts von der idsteiner Strasse, 
etwa in einer Höhe mit d(!m Hofe Geisberg. 

Der Hof Geisberg ist eine verhältnismässig neue Gründung. Er wurde 
1788 durch den Regierungspräsident von Kruse angelegt. Kruse war einer 
jener Minister der Aufklärungspcu-iode, die das Heil des Staates in der Hebung 
der Bodenkultur und des Bauernstandes suchten, den Bau neuer Nähr- und 
Nutzpflanz(in (Klee, Kartoffeln) einfüln-ten und verbesserte Methoden des Acker- 
baus anstatt der alten Dreifelderwirtschaft anwandten. Die Landwirtschaft auf 
Hof Geisberg sollte vorbildlich auf die Bewohner von Wiesbaden und Umgebung 
wirken. Es war jedenfalls auch Berechnung, dass mit dem Landbau auf dem 
Hofe Gastwirtschaft verbunden wurde; es sollten die Leute dadurch mehr zur 
Besichtigung der Anlagen veranlasst werden. 

An der Trauereiche schnitt damals die Gemarkung Wiesbaden gegen die 
herrschaftlichen Waldungen ab. Die alte Eiche war ein Grenzbaum; merk- 



^ö 



würdigerweise aber ist sie auf K. 1701 gar nicht gekennzeichnet wie andere, 
schon genannte, heute nicht mehr stehende Grenzbäume, trotzdem sie wohl älter 
als zweihundert Jahre sein mag. 

Auf K. 1701 ist dann noch von der Sonnenberger Strasse nach links, 
also der Richtung jener entgegengesetzt führend und dem Laufe der heutigen 
Taunusstrasso entsprechend, ein Weg angegeben. Er läuft dann die vordere 
Geisberg- und die Kapellenstrasse über den Thorberg weiter zum Neroberge, 
wo er auf dessen Höhe an der Gemarkungsgrenze im Walde aufhört. Er wird 
als Feld- und Holzweg bezeichnet. 

Auf K. 1701 ist auf dem Neroberge eine quadratische Umrahnmng ein- 
gezeichnet, an der Stelle der Domänenweinberge von heute, die auch mit Wein 
bepflanzt erscheint. Aber auch ausserhalb dieser finden sich die Südhänge des 
Nerobergs, ferner der ganze Thorberg, jenseits des Dambachthals — der Dambach 
ist als kleiner Bach, der in eine Art Reservoir am Fusse des Geisbergs mündet, 
angegeben — der Neuberg, der ganze Geisberg und Leberberg, mit einem 
Worte die gesamte Höhe vom Schwarzbach(Nero-)thal bis zum Sonnenberger 
(Rambach-)thale bis hoch liinauf mit Weingärten bedeckt. Dasselbe ist der 
Fall mit dem Atzelberge, auf dessen ganzer Länge und Breite. Auch seit- 
wärts der Dietenmühle am unteren Bingertsweg und zwischen Idsteiner Weg 
(Parkstrasse) und Bierstadter Weg (Distrikt Weinreb) sind WeinpHanzungcn 
eingezeichnet. Demnach sind, wie auch anderweitige Aufzeichnungen bezeugen, 
Weinbau und Weinkonsum in und bei Wiesbaden zu Anfang des vorigen Jahr- 
hunderts sehr bedeutend gewesen. Bemerkt soll noch werden, dass 1744 



_ ,->\voami lioniprkf: soll nocli 

Fürst Karl von Nassau-Usingen zu seinem Weingarten auf dem Neroberge ein 

/nmeo« Sfii(>U- nrivni.nr Anlf 



grosses Stück privater Anlagen hinzu erwarb, worauf er die heute noch be- 
stehende Mauer um das Ganze aufführen Hess. 



122 

Doi Neroberg wird auf K. 1 T( H Neliresberg gesehrieben. Xoeh früher, 
im sechzehnten Jahrhundert, heisst er Ersberg oder Örsberg, letzteres ohne 
Zweifel eine ^Verböserung" des ersteren. weil man dialektisch e statt ö zu sagen 
jrewohnt ist. Bald naddier kommt auch die Benennung Nersberg vor. Ersberg 
deutet auf Er = Ziu hin. d. h. auf den altgermauischen Kriegsgott, der zu- 
gleich allemannischer llauptgt.tt war. Eine Eresburg gab es bekanntlieh in 
Westfalen au derDiemel; Karl der Grosse zerstörte sie. Es ist wohl möglich, 
dass auf der Höhe des Nerobergs ein Heiligtum des Er, d. h. eine Opferstätte 
sieh befunden habe: denn Er ist ein Berggott gewesen. Als die Allemanncn 
von den damals noch heidnischen Franken, chattischen Stämmen, verdrängt 
wurden, trat an die Stelle des Er der Obergott der Chatten, Donar, dessen 
Name in Thorberg, früher richtiger Dorberg geschrieben, anklingt. Auf welche 
Weise das N vor den Namen Ersberg gekommen ist, vermag iiithr nach- 
gewiesen zu werden. Möglich ist, dass es, wie sonst manchmal der besseren 
Aussprache halber, vorgesetzt wurde. Ein Beweis dieser Behauptung liegt in 
folgendem. Ein alter Wiesbadener Herr, der meist im Dialekt sprach, sagte 
nicht anders als „uf em^Ierschberg" (Frage woV) und „uf enNerschberg" (Frage 
wohin?). Beim blossen Sprechen merkte man nicht, dass er eigentlich wohl 
„uf em Erschberg", bezw. ,,uf en Erschberg" hatte sagen wollen. Das M, 
bezw. N ist einfach Jiiuübergezogeu worden, und gerade die Anwendung des 
M in der Dativform und des N in der Akkusativform beweist wohl die Ur- 
sprünglichkeit der Form Ersberg (Dialekt Erschberg). Übrigens kommt nach 
den Akten des Stadtarchivs diese Form Ersberg 1472, 1524, 15G(5, 1594, 1692 
und zuletzt 1716 vor (Dorberg zuletzt 1806). Gesprochen wurde Nersberg 
und Mersberg schon vor Jahrhunderten ; aber erst das vorige hat die Schreib- 
weise mit N dauernd eingeführt. Das Nersberg wurde später (s. K. 1701 
u. a. a. 0.) zu Neresberg, dann, indem aus dem zweiten e ein o w^urde (wie?) 
zu Nerosberg (auf Karten zu Anfang dieses Jahrhunderts Nerosstrasse, Neros- 
thal) und schliesslich durch Ausstossung des s zu Neroberg, w^elcher ganz will- 
küi'liche und irreführende Name sich erhalten hat. 

Eigentümlicherweise befindet sich auf K. 1701 kein Weg, der in das 
Nerothal führt, angegeben. Zu beiden Seiten des Schwarzbachs erscheinen 
Wiesen bis an den Fuss des Thorbergs und Nerobergs und durch sie hindurch 
können höchstens Pfade zum Walde, der am Fusse des Nerobergs vor der 
heutigen Beausite begann, geführt habeii. Auch eine Verbindung des Nero- 
thals mit der Höhe der Neuhofer Strasse besteht nicht; der Wolkeubruchw^eg, 
der um 1 750 bereits erwähnt wird, war damals also noch niclit durch das 
elementare Ereignis geschaff(;n worden. Die Stadtgemarkung hörte im Walde 
hinter der Beausite auf. Diese letztere wurde erst 1737 als Walkmühle er- 
richtet und damals wahrscliciiilich dann der Weg dorthinaus angelegt. — — 

Ausser diesen Chausseen und Tjaiulwegen, die von W^iesbaden hinaus- 
führten, müss(m wir. dci- V(dlständigkeit halber, unsere Aufmerksamkeit noch 
auf einige grosse Verkehrsstrassen richten, die nahe au Wiesbaden vorbei zogen. 

Durch Wiesbaden selbst führte, wie erwähnt, nur eine der grossen Heer- 
strassen, die alte fränkische (Wiinische) sogenannte ^[ainzer Strasse von Limburg 



12 



JO 



ül)or Kirberg, die Jlünorkirclio, den Zui^iiiantel und die Platif. und südlicli von 
\Viesl)udcn im Salzbiiclitlmle weiter. Sic; traf westlich von der Kurve auf die 
alte Sehwalbacher Strasse. Eine andere, die ebenfalls schon i)(!sohriobene 
Eisenstrasse, lief von Michelbaeh über ]Iahn und die Eiserne Hand, aber nicht 
durch Wiesbaden unmittelbar, sondern lenkte am llolzhackerhäusciien südwestlich 
at), an der Fasaneric vorüber ebenfalls in die alte Schwalbacher Strasse ein. 

Diese alte Schwalb a c h er S t r a s s e nahm ihren Ursprung bei Langen- 
schwalbach; sie schlug dann die liichtung der heutigen Lahnstrasse über die 
Schanze ein, durch hessen-rheinfelsisclies Gebiet, das, wie erwähnt, an der 
Schanze aufhörte. AM)n da über den Ivlapperstock ging es im Nassauischen 
weiter bis zum Chausseehaus und dann l)is zur Stelle, wo der Distrikt Ruhehag 
bi^giunt. Bis hierher hielt die Strasse die Richtung der heutigen Lahnstrasse 
ein; dann aber wandte sie sich ostsüdlich durch den Wald über den heute 
noch bestehenden Fahrweg, der die Distrikte Ruhehag und llasenspitz von der 
an die heutige Lahnstrasse grenzenden Kohlheck trennt; auf dieser Strecke 
nahm sie die Eisenstrasse auf. An dem alten trigonometrischen Punkte Trift, 
l»('i der Schönen Aussicht, in der Mitte zwischen Dotzheim und Clarenthal. 
tritt sie heute aufs freie Feld, das Wellritzfeld, das freilich damals noch ganz 
bewaldet war. Sie läuft dann weiter durchs Wellritzfeld, kreuzt die Dotz- 
heimer Strasse, zieht am Exerzierplatz und der Kaserne südwestlich vorüber 
durcli die neue Kolonie des Wiesbadener Spar- und Bauvereins über den Hügel- 
rücken parallel der Dotzheim-Mosbacher Strasse im Ochsenbachthale und mündet, 
nach Süden umbiegend, durch eine Hohle nach Mosbach hinein. Sie heisst 
heute von der Trift bis zur Mosbacher Hidde die Wald- oder Holzstrasse. Die 
weitere Strecke von Mosbach über die Kurve nach Kastei ist jetzt in eine breite 
und schöne Chaussee umgewandelt. Diese Strecke aber gehörte früher schon 
auch einer anderen grossen, aus dem Rheiugau kommenden Landstrasse an (s. u. ). 

Als weitere vielbonutzte Landstrasse ist die sogenannte RluMiigauer 
Strasse zu verzeichnen. Sie zog von der Eisernen Hand südlich in der 
Senke zwischen Winterbuche und Schläferskopf lier direkt auf das Chaussee- 
haus zu, stets durch dichten Wald. Ihr Lauf ist heute noch als prächtige 
Waldschneise erhalten. Das Chausseehaus, wo die Rheingauer Strasse die 
Schwalbacher Strasse kreuzte, ist ein altnassauisches Zollhaus gewesen und 1774 
erbaut worden, um die Chausseegelderhebungsstelle von der Schanze, die der 
hessischen Grenze zu nahe lag (vgl. S. IL)) weiter zurück zu verlegen. Das 
alte Haus diente bis 1818 als Wohnung des Zöllners; dann wurde es etwas 
erweitert und Sitz eines Oberförsters. Es ist 1898 niedergelegt worden, nach- 
dem ein neues Gebäude unweit seiner aufgeführt worden war. 'i Vom ("haussec- 
liaus lief die Strasse in schnurgerader Richtung südwestlich bis in das Hoch- 
thal vor Georgenborn, das der sogenannte Weilburger Bach durchtliesst. dann 
im JJogeu um den Grauen Stein, wo sie wieder die Höhe erstieg und in gi-- 
brochener Linie auf dem Hügelrücken zwischen der Frauensteiner Senke und 
dem Waldafferhal siidösrlich zog. Dann senkte sie sich durch einen Hohlweg 



') (iiitigc Mitteilung- des llfiin l'orstnioistcis Kiiliioi 



124 

ins Rhoiiirhal naih Niodorwalluf. Auf der ganzen Strecke vom Chausseehaus 
bis dahin, wo die Höhe nach Xiederwalhif abfallt, war mit Ausnahme des 
"NVeilburger Thaies der dichteste Hochwald, und auf eben dieser ganzen Strecke 
ist die alte Strasse lieute noch als Fahrweg vorhanden. Von der Eisernen 
Hand bis zur Scheide der Gemarkungen Frauenstein und Georgenborn führte 
die Strasse durch altnassauisches Gebiet: dann trat sie in den kurmainzischen 
Kheingau ein. Bei >'iederwalluf traf sie auf die von Küdesheim über Ellfeld 
führende Landstrasse durch den Kheingau, die nach Schierstein weiter lief, an 
der Gemarkungsgrenze von Niederwalluf und Schierstein aus dem Mainzischen 
wieder ins Nassauische übertretend. Im ersten Drittel der heutigen Strassen- 
strecke Schierstein-Biebrich bog die Strasse links aus und führte schnur- 
gerade (heute Feldweg) nach Mosbach. A'on dort lief sie, wie erwähnt, an 
der Arnu'nruhmühle vorbei, über die Kurve nach Kastei, von du über Kost- 
heim. Hochheim. Wicker, Weilbach, Hattersheim, Siudlingen, Höchst, Nied, 
Griesheim — immer durch kurmainzisches Gebiet — nach Frankfurt. 

Mit dem Aufauge unseres Jahrhunderts trat ein gewaltiger Umschwung 
im Landstrassenbauwesen ein. Grund liiorfür waren die weltbewegenden Er- 
eignisse, die sich auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete vollzogen hatten. 

Auf politischem Gebiete geschahen durch die beiden Revolutionskriego 
von 1792 bis 1797 und von 1798 bis 1801 und die nachfolgenden Friedens- 
bestimmuugen die grossartigsten Umwälzungen, die man vorher kaum geahnt 
hatte. Die beständigen Kriegszüge der Kaiserlichen, Preussen, Reichstruppen 
und der feindlichen Franzosen rüttelten alle Yerhältuisse durcheinander. Auf 
den Landstrassen war ein beständiges Ziehen und "Wandern von Bataillonen, 
Schwadronen, Artillerie-, Tross- und Bagagezügen. Die* Wege litten dadurch 
ausserordentlich, die in der Umgegend von Wiesbaden nicht ausgenommen. 
Einige von ihnen, wie die Wiesbaden-Mosbacher und Wiesbaden-Erbenheimer 
Strasse, waren, wie wir weissen, erst kurz vor deni Ausbruche des Krieges neu 
hergestellt worden. Nun wurden au(!h sie wieder verfahren, ruiniert, die Obst- 
bäume geplündert, beschädigt, abgehauen. Mit der Verwüstung der Wege 
ging diejenige der Äcker und Waldungen Hand in Haud; es sah nach Be- 
richten, die aus jener Zeit stammen, schauerlich in der Wiesbadener Gemarkung 
und in der Umgebung aus. Dazu kam, dass der ganze private Verkehr ins 
Stocken geriet, teils wegen der schlechten W^ego, teils aus 3Iangel au rollenden 
Verkehrsmitteln; denn Pferde und Ochsen, Wagen und Karren waren von 
Fr(!und und Feind fast stets requiriert und kamen oft nicht mehr in die Hände 
der Besitzer zurück. Endlich, was sollte denn auch verfrachtet werden, da die 
unruhigen Zeiten Gewerbe und Industrie lahm legten und dazu Banden von 
Marodeuren und lUischkleppern die Gegend allenthalben unsicher machten und 
somit den geringen, etwa noch bestehenden Verkehr bedrohten! 

Dann kamen die Friedensschlüsse von Campo Formio und Luneville, die 
das Land aufatmen liessen: es kam der Reichsdeputationshauptschluss zu 
Regensburg, der die deutsche Landkarte, besser gesagt, Länderkarte, so ge- 
waltig veränderte. Es ist bekannt, in wie ausgedehntem Masse diese Ver- 
änderung auch im Nassauischen um sich griff. Damals, 1803, verschwanden 



125 

die geistlichen Staaten und eine Reihe von Exklaven und Enklaven weltlicher 
Fürsten, die dafür anderweitige Entschädigung faiuhüi. So wurd<m in unserer 
Umgegend die rechtsrheinischen und rechtsmainischen kurniainzischen Besitzungen 
von Lorch bis nach Höchst (Kastei kam 180(> an Frankreich) und das Ländchen, 
bisher hessen-darmstädtisch, mit Nassau vereinigt, mit and(;ren Werten, das ganze 
({('biet südlich der Höhe kam unter eine Herrschaft. Ahnlich geschah dies über der 
Höhe; nur die Niedergrafschaft Katzenelnbogen blieb, seit 180G als französisches 
pays reserve, bestehen. Die liheiubundsakte von 1806 fügte weitere reichs- 
fürstlicho und reichsritterschaftliche Gebiete: hinzu; der nassauische Staat 
konsolidierte sich unter dem Namen Herzogtum als ("inig und unteilbar. 

Mit der politischen l^mwälzung ging die wirtschaftliche Hand in Hand. 
Wh- haben schon gehört, dass vor der französischen Revolution di(! Bestrebungen 
der aufgeklärtem ]\[inister auch der Kleinstaaten (Regierungspräsident von Kruse, 
s. 0. ) dahin gingen, die Lage des Bauernstandes zu heben durch andere 
Methoden des Landbaues, Einführung von neuen Nähr- und Nutzpflanzen u. s. w. 
Dazu kam eine gleich grosse Sorge für die Hebung von Industrie und Gewerbe. 
Die Kriegszeiten hatten hierin eine Unterbrechung herbeigeführt; aber nach der 
Beendigung jener strebten Bürger und Bauer schon im eigenen Interesse mir 
verdoppelter Anstrengung empor und lenkten in die früheren Bahnen ciji. Die 
neuen politischen Verhältnisse waren dem Aufschwünge auf materiellem Gebiete 
günstig. Denn früher hatten Austausch und Verkehr nur innerhalb eines jeden 
kleinen Territoriums sich frei und ungehindert bewegen können, das rings von 
Zollschranken umgeben war. Nunmehr waren all diese kleinen Läppchen und 
Häppchen mit dem nassauischen Grundstocke und Stammlandc vereinigt; die 
Schranken waren weggefallen, und der Verkehr konnte sicli ungehindert vom 
Rheine und Maine über die Höhe bis zur Lahn und hinauf auf den Wester- 
wald ausdehnen. Allerdings anfangs nur in der Theorie. Damit es praktisch 
der Fall sein konnte, musste erst die Verbindung, zugleich die innere, d. h. 
die durch den Krieg ruinierten Vizinalstrassen und die äussere, d. h. die die 
ehemaligen Gebiete aneinander knüpfenden Landstrassen hergestellt werden. 

Die nassauische Regierung hat hier schon gleich nach 1803, die Not- 
wendigkeit umfassenden Strassenbaues erkennend, tliatkräftig eingegriffen. Die 
Verfügungen betreffen anfangs bloss Ausbesserungen und Erneuerungen. Solche 
fanden statt an der Platter Strasse, Mosbacher Strasse, die neu mit Obstbäumen 
l)eprianzt wurde, und am Sonnenbergcr Weg im Jahre 1804, an der Erben- 
heimer Strasse im Jahre 1805; aber damit war nur halbe .Vrbeit gethan. Auch 
dauerte es nicht lange, so wurde schon wieder über den schlechten Zustand der 
Sti-assen geklagt. Um all dem ein Ende zu machen, beschloss die herzogliche 
Regierung den gründlichen Neubau aller Laudstrasseu und grösseren Landwege. 
Bereits 1807 wurde damit begonnen und 1808 eine besondere Wegebaukommission 
eingesetzt, deren Vorsitz die Regierungsräte Ibell und von Mülmann führten. 

Die Bauten wurden nun in den Jahren 1807 bis 1813 fast sämtlich 
vollendet, allerdings unter starker Zuhilfenahme der Gemeinden.') Man kann 



') Der muileni cljiiusseeinässige Ausbau füllt ovst in diV Jaliro IS-js u. rt". 



wühl sagen, wenn die Akten schwiegen, würden die Steine (der nassanisclion 
Chausseen) schreien, um die ungeheuren Lasten der Spann- und Handfronen 
kuudzuthun. die damals die Bauern besonders drückten. Alte Leute Jiaben 
ihre Eltern noch davon erzählen hüren. Man hat vielfach der nassauischen 
Regierung den Vorwurf gemacht, dass sie bei Aufhebung der Leibeigenschaft 
gleichwohl die Wegefronen habe bestehen lassen; aber man muss bedenken, 
dass in damaliger Zeit zugleich die grosse Reform des Steuersystems stattfand, 
durch welche an Stelle des bunten Abgabewesens mit seinen hunderterlei ver- 
schiedenen Benennungen. Bestimmungen und A'crpHichtungen eine einheitliche 
Ordnung trar. Die Regierung konnte deshalb nicht daneben wagen, so un- 
geheure Kosten, wie sie der Strassenneubau erforderte, allein der Staatskasse 
aufzulegen. Und dann rechnete sie. dass dieser Neubau doch in erster Linie 
den Gemeinden selbst zu gute kommen würde, aus welchem Grunde letztere 
denn auch, ihren entsprechenden Teil beizutragen, angehalten werden müssten. 

Für die Art und Weise des Chauseebaues blieben die alten Regeln, Avenig 
zum bessern modifiziert, in Geltung. Mau wölbte die Strasse etwas mehr und 
stach die Gräben tiefer aus, Hess die Böschungen auch weniger steil abfallen. 
Durchgängig aber wurden die Landstrassen breiter angelegt: auch die früher 
sogenannten Wege wurden nunmehr zu Strassen. Die Chausseen bekamen zu 
beiden Seiten, die Strassen auf einer Seite wenigstens Bankette und wurden 
mit Obstbäumen eingefasst. Ferner fand überall eine möglichste Streckung der 
Linien statt, daher die vielen schnurgeraden Landstrassen im Xassauischon, 
Mit der Ilöhenführung hatte man noch nicht gebrochen, doch mied man die 
steilen Aufgänge und den unnötigen AVechsel von Steigen und Fallen, auf den 
man früher nicht geachtet hatte. Auch die Art und Weise der Wegebefestigung 
war noch die alte; das nach dem Erfinder John M'Adam (f 1836) benannte 
Macadamisieren kam erst viel später (in den zwanziger Jahren) auf, veranlasste 
aber damit einen abermaligen Umbau der Strassen. 

Die sechs Jahre der rheiubündlerischen Zeit, eine Friedenszeit für das Herzog- 
tum auf eigenem Boden, sahen also auch um Wiesbaden das Neuentstehen aller 
Strassen. Die Platter Strasse besonders Avurde als grosse Heerstrasse ausgebaut, 
sie lief in der Stadt über den Michelsberg, die Markt- und neue Friedrich- 
strasse und setzte sicli sodann in der ErbenheiuKn- oder Frankfurter Strasse 
fort, sodass eine direkte grossartige Verbindung von Limburg über die Regie- 
rungshauptstadt Wiesbaden nach Frankfurt entstand. Während die Platter 
Strasse im allgemeinen ihre Richtung beibehielt, wurde die Frankfurter Strasse 
nach Erbenheini und von dort schnurgerade durchs Ländchen gestreckt, bis sie 
vor Hattersheim auf die alte Mainstrasse stiess und mit dieser vereinigt über 
Höchst nach Frankfurt lief. Auf diese Chaussee war die Regierung besonders 
stolz; unweit des Wirtshauses zum Wandersmann. berichtet ein Sandstein- 
obelisk init einem Brunnen: „Friedericus Dux Nassoviae hanc viam construi 
iussit. MDCCCJXIIP'. mit welcher Zahl das Vollondungsjahr angegeben werden soll. 

Die Schwalbacher Strasse, die alte Lahnstrasse, erfuhr gleichfalls eine 
Erbreiterung und ihre Fortsetzung nach Wiesbaden hinein (die Emser Strasse) 
ward nun aus einem Weg ein" ebenfalls breitere Strasse. An der Emserstrasse 



127 

liig noch eine Reihe v<in Mühleu, die Evkelsmühle (Emser Strasse 2), 1720. 
die Steinersinühie (Wah-iunstrasse 32), 1719 erbaut, und die Junkersniühl(> 
(Drudenstra-sse 2), sehen 1490 bestehend. Dazu kam 17.'>G 37 die Walkniüiile 
vom Kireheuins])ektov llelinuind für di<' Waiscnhaus/Aveck(^ erbaut, wobei 
/ug-leich der AVey dort; hinaus angelegt wuide. Eine grössere Bedeutung er- 
hielt die Lahnstrasse noch dadurch, dass der französische Administrator des 
|)ays reserve (Niedergrafschaft Katzenelnbogen), der Präfekturrat Pietscli /u 
Lanueuschwalbacli von 1808 bis 1810 die Cliaussee von letzterem bis Kernel 
weiter baute. Sie wurde 1829 bis Jlolzhauseu, bis zur Lahn dagegen erst, in 
den fünfziger Jahri'H fortgeführt. 

Die a-leiche Sorufalt wurde auf die von Wiesbaden iiacJi den Nachbarorten 
Kastei, Bi(>bricli-Mosbac]i, Schierstein, Dotzheim, Sonnenberg und Bierstadt 
führenden Verkehrswege verwandt. Sie alle wurden gestreckt. Die Dotzheinier 
Strasse lief jetzt zwischen den beiden früheren Wegen schnurgerade über die 
llölie des Hügels in der heutigen Iiichtung; die alten Wege gingen ein. Die 
Schiersteiner Strassen wurde gestreckt und etwas erbreitert. Die Mosbacher 
Chaussee behielt die ihr unter Fürst Karl gegebene Richtung bei ; dagegen ging 
der links von ilu- abzweigende W(>g nach Kastei als solcher ein. Der Haupt- 
verkehr nach Kastei und Mainz vollzog sich entweder über Biebrich oder auf 
d(T Mainzer Strasse im Salzbachthale, die aber nicht so gut imstande gehalten 
wurde wie die übrigen Strassen, die zum RluMue führten. Geradeaus lief nun 
auch die Bierstadter Strasse; der Kloppcjnheimer Weg ging als solcher ein, 
indem sich der Verkehr dorthin über Bierstadt wendete. Denn wenn die 
Strasse auch einen kleinen Umweg machte, so kam die Zeitversäumuis doch 
dadurch, dass jene stets gut imstande war und das Fortkommen sehr erleichterte, 
wieder ein. Die Sonnenbcrger Strasse wurde erbreitert, gegen den Berg, wie 
nach den Wiesen hin; sie wurde ferner über Sonnenberg nach Rambach weiter- 
geführt, oberhalb dessen sie auf die alte Idsteiner Strasse (Bingertstrasse) nach 
Naurod stiess, die von da ab gleichfalls verbessert wurde. Bei Wiesbaden 
wurde die Sonnonberger Strasse weiter westlich verlängert bis zum Nerothale: 
als sie bald darauf angebaut wurde, empfing sie den Namen Taunusstrasse, 
di'i' ihr bis heute geblieben ist. 

Die alten Strassen nach Idstein, sowohl diejenige über den Bingert, wie 
die über den Trompeter gingen für den Fuhrverkehr fast ganz ein. Wie 
schon gesagt, lenkte sich dieser in erstgenannter Richtung über Sonnenberg 
1111(1 Rambach nach Naurod und von da auf der alten Strasse weiter. Man 
hatte dabei den Vorteil, dass die Strasse durchs Rambachthal in Hinsicht auf 
Steigung und Beschattung b(^qu(Mner und angenehmer war. Der Weg über den 
Trompeter ging völlig ein, seitdem später von Idstein nach Neuhof eine gute 
Strasse über Eschenhahn angelegt war, wodurch die steile Steigung über di«; 
Trompeterhöhe vermieden und der Fuhrverkehr über die Platte gelenkt wurde. 

Auch die alte Eisenstrasse bekam eine andere Richtung. Die Strecke 
von Hahn und Bleidenstadt bis zum Holzhackerhäuschen blieb die alte. ])ie- 
jenige von dort nach Wiesbaden, bezw. nach der alten Schwalbacher Strasse 
wurde schon im Jahre 1809 als „ruinös'-' bezeichnet. Das Michelbacher Fuhr- 



\'26 

werk, liiess es, nehme aus iliesem Grimdo seineu Weg lieber über Neuhof 
oder durch das Hessedand. d. li. die Niedergrafschaft Katzenelubogen, über 
Laugenschwalbach und von dorr ius Schlangeubader Thal hinab. Der Jäger 
Genth auf der Platte schlug deshalb vor. den Weg. der vom Holzhackerhäuschen 
bis zur Geisheck durch Wiesbadener Waldgemarkung zog, eine Strecke weit in 
den vom Adamsthal nach dem Kloster führenden und von da in den von der 
Fasanerie nach der Stadt ziehenden zu verlegen. Die Stadt dagegen besamte 
den alten Zug der Eisenstrasse vom Holzhackerhäuschen bis zur Fasanerie und 
le»te einen We"- von ersterem quer durch den Wald und direkt auf die Höhe 
der Lahnstrasse bis zum alten Exerzierplatze an. Dies ist der Weg, auf dem 
jetzt die Militärschiessstände errichtet sind. Auf solche Weise wurde die Eisen- 
strasse von der alten Schwalbacher Strasse ab und nach Wiesbaden hin gelenkt. 
Bemerkt soll noch werden, dass der Adamsthaler Hof 1804 von Adam Hass- 
loch, einem Wiesbadener, der bei Fellenberg zu Hofwyl in der Schweiz 
Bodenkultur studiert hatte, angelegt wurde; damals wurde auch der Ver- 
bindungsweg von Ciarenthal nach Adamsthal ausgebaut. 

Die alte Schwalbacher Strasse ging um dieselbe Zeit ein; der Verkehr 
ins Aarthal ül)er Langenschwalbach vollzog sich fortan über die Hochstrasse, 
die über die Hohe Wurzel führte und dann über Wiesbaden und Mosbach. 
Die ahe Strasse wurde fortab nur zu Holzfuhren aus dem Walde benutzt von 
unterhalb des Chausseehauses ab, woher sie denn erst recht den Namen Wald- 
oder Holzstrasse bekam. Ilirer schlechten Beschaffenheit halber war der Ver- 
kehr schon seit etwa dreissig Jahren, nach dem Neubau der neuen Schwalbacher 
Chaussee, meist auf diese verlegt worden. 

Endlich ging auch die alte Rheingauer Strasse ihrem Verfall entgegen. 
Der Verkehr auch über sie hörte auf, seitdem Wiesbaden zum Schnitt- 
punkt der verschiedenen Strassen über die Höhe gewählt wurde. Er vollzog 
sich, wie mehrfach erwähnt, über die neue Lahnstrasse und die Platter Strasse 
nach Wiesbaden. Den Aufschwung, den die Regierungshauptstadt Nassaus 
dadurch nahm, sehen wir an der steigenden Zahl ihrer Bevölkerung : 18L5: 4303, 
1820: 5516, 1830: 8059, 1840: 11975, 1850: 13992 u. s. w. 

Aber der Verkehr über die Lahnstrasse w^ar äusserst beschwerlich. Vom 
Chausseehaus über den Klapperstock mussten bei schweren Lastwagen bergauf 
immer ein bis zwei Dutzend Vorspannpferde zu Hilfe genommen werden. Endlich 
trat auch hier Besserung ein, und eigentümlicherweise war daran wieder eine 
dolitische Umwälzung schuld. AVir denken hier gleich an das Jahr 1848, das 
80 mancherlei Folgen auch auf wirtschaftlichem Gebiete hatte. Die Regierung 
hatte, durch den Volkswillen gedrängt, die Wegefronen aufheben und die Unter- 
haltungsarbeiten an den Chausseen bezahlen müssen. Sie und der Landtag fanden 
aber auch in der Beschäftigung der Arbeiter beim erweiterten Wegebau ein 
vorzügliches Mittel, den vielen Brotlosen Unterhalt zu verschaffen. So nahm 
der Chausseebau in Nassau einen neuen Aufschwung. Man trachtete einerseits 
dahin, die vorhandenen Chausseen durch Macadamisieren zu v(n-bessern, ander- 
seits dahin, neue, bequemere Verkehrsstrassen herzurichten. Merkwürdiger- 
weise ''eschah das zu einer Zeit, da das neue Verkehrsmittel, die Eisenbahn, 



129 

durch den [)mi der Tuunusbahu Wiosbiidon-Fraiikfiirt (1839/40) und der Sodrncr 
Zweigbaliu (1847) bereits Einführung gefunden hatte. Allentluilben sehen wir 
also in den fünfziger Jahren im Herzogtum neue Cliausseen und verbesserte 
Vizinalwege erstehen. Au(;li bei Wiesbaden.") Der Land(>sherr liess die schöne 
Biebricher Strasse mit Fussgänger- und Keitallee anlegen; die Kastanien- 
anpHanzung erregte damals (1854/56) als etwas ganz Neues überall Be- 
wunderung. Gleichzcntig wurde die neue Strasse ins Aarthal erbaut, die Aar- 
strasse genannt. Es ist die heute vim der Lalinstrasse rechts abzweigende, 
unterhalb des Exerzierplatzes geradeaus zum llelzhackerhäuschen fülu'cndc 
Strasse. Oberhalb des letzteren wurde sie, mit Kurrektui' drv Richtung d(^s 
alten Bhndenstadter Weges, in sanfter Steigung über die Senke dei- Eisernen 
ILind, rechts an dem alten Kreuzungspunkte vorbei, geradeaus nach Hahn 
hinab und von da im Aarthale über Bleideustadt nach Langensclnvalbach ge- 
führt. Von hier aus erfolgte 1857—1863 der Weiterbau aarabwärts bis nach 
Diez an der Lahn. So war ein bequemerer AVeg übers Gebirge nach Langen- 
schw^ilbach für die Lastfuhrwerke gefunden, und auch die Postkutsche brauchte 
nicht melir über den Klapperstock zu schleichen. Absichtlich hatte man auch 
bei Anlage der neuen Chaussee die uralte Kreuzungsstelle der Eisernen Hand 
gemied(>n; es sollte mit dem früheren Strassensystem, ja mit der Erinnerung 
daran völlig gebrochen werden. 

Seitdem verödete die alte Strasse nach Schwalbach ; Graswuchs bedeckte, 
Gestrüpp umwucherte die Waldstrasse und die ehrwürdige Kheingauer Strasse, 
während die neuen Chausseen über Platte und Eiserne Hand sich mit desto 
lebhafterem Verkehr erfüllten. Ein Menschcnalter lang, da veränderte sich 
abermals das Bild: 1879 wurde die Eisenbahn von Wiesbaden ins Daisthal über 
Niedernhausen und 1889, bezw. 1893 von ebenda ins Aarthal über Langen- 
schwalbach eröffnet; die beiden Schienenw^ege nahmen den beiden Landstrassen 
den Frachtverkehr zum grössten Teile ab, und auch das Posthorn schwieg jetzt 
auf jenen Strecken durch die Wälder. 

Der Spaziergänger in Wiesbadens Umgebung hat, wenn er die Reste der 
alten Verkehrswege bei den Schiessständen, am Glasberge, bei der Fasanerie, 
beim Holzhackerhäuschen und die ehrw^ürdige Waldblösse auf der Eisernen 
Hand, die nun so verlassen daliegt, sinnend betrachtet — vorausgesetzt, dass 
er weiss, was und wieviel diese Stellen einst im Verkehrsleben unserer Vor- 
fahren bedeuteten — Ursache genug, über den Wechsel aller menschlichen 
Dinge nachzudenken. Und der Historiker entnimmt daraus noch für sicli be- 
sonders die Mahnung, bei seinen Darstellungen auch mit den Faktoren der 
wirtschaftlichen Entwickeluug entsprechend zu rechnen. 

Anhang. 

Actum Wiesbaden, d. 11. May 1789. Wurde heute bei versamletem 
Stadtrath und im J3eyseyu der gemeinen Vorsteher wegen Bauung des Erbeuh. 

^) Vgl. die Fussnote auf S. 125. 



Woeo-s mit dorn Werkmeistor Bairer und Maurermeister Jacob Weber nach- 
stellender Accord abg:eselilos.seii. 

1. Verbinden sich auf der einen Seite j^edachte beide Contrahenten das- 
jeni^a- Stück des Erbeuli. Weegs. so zm- Chaussee abgemessen ist und uugefehr 
120 Ruth enthält, gemeinschaftlich und zwar jeder die lliilfte füi- sich allein, 
so wie einem ji'den sein Stück zugemessen werden ^Yird. auf eine dauerhafte 
und Chausseemäsii'e Art mit Steinen zu setzen, dass die Verbindungen der 
Steine wohl in acht genommen. 

'2. Müssen die Steine in der Mitte der Chaussee wenigstens 2 Schuh hoch 
und neben nach dem Panciuet aber über einen Schuh hoch gesetzt werden, 
dergestalt, dass die Wölbung ungefehr 10 Zoll hoch wird und die Steine auf 
den Kopf und nicht auf das Lager gesetzt werden. 

o. Auf beiden Seiten mus ein Band von grosen und tüchtigen Steinen 
nach der Schnur G Zoll in die Chaussee Wölbungen eingegraben und wechsel- 
weis wie Binden und (^uater in das Chaussee Pflaster eingreiffend und ver- 
bindend gemacht werden, welches Band von 20 zu 20 Schuh ebenfalls von grosen 
Steinen und Zoll in den Grund eingegraben, zwerg durch die Chaussee 
nms gezogen werden, und 

4. Soll überhaupt die Einrichtung der Chaussee so geschehen, wie sie in 
dem unterm 21. May 1772 zwistihen dem Maurermeister Jacob ]5eltz und dem 
ir. Rittmeister von Waldner abgeschlossenen Accord bestimmt ist. 

.'). Werden auf beiden Seiten der Chaussee sogenannte Abweisen vt)n 
grusen Waldsteinen gesetzt und hier vor nichts besonderes bezahlt, dagegen ist 

l). Die Pflasterung des Grabens und die weiteren Kosten, wenn allenfalls 
hin und wieder eine Antauche erforderlich wäre, nicht mit in dem Accord 
begriffen. 

7. Da nun beide Contrahenten alle erforderliche Steine auser den Ab- 
weisern zur Chaussee liefern und solche nur von der Stadt herbei gefahren, so 
wird denselben von jeder Chaussee Ruth, welche 10 Schuh lang und 20 Schuh 
breit gerechnet wird, inclusive des Werths der Steine und des Arbeitslohn bei 
dem Setzen Drey Gulden Zwanzig albus verwilliget. 

8. Verbinden sich beide Contrahenten die ganze Chaussee bis längstens 
künftigen Martini in fertigen Stand zu bringen. Man hat daher diesen Accord 
von den Contrahierenden Theilen, nach dem er noch einmal vorgelesen und 
genehmigt worden war, unterschreiben lassen. — Joh. J. Bager, Joh. J. Weber, 
(>. Kulhiiann. Stadt-Amtmann. J. Fr. Schlidt, Bg. Meister, J. (f. Sommer 
Burg. Meist., Johaunes Göttel als Vorste(he)r. Johann Balthasar Jung als 
Voiste? he)r. 



Die Wellritz, 

ihr Name und Ihre Benutzung durch Bürger und Adel im 16. Jahrhundert. 



Von 

Fr« Otto* 



In der Freibcilage zum Wiesbadener Tageblatt „Alt-Nassau", 1898, Nr. 8, 
S. 29 f. hat Herr Dr. Spiclmann einen lesenswerten Aufsatz über das 
Wellritzthal veröffentlicht, in welchem er zunächst den Umfang des alten Gc- 
meindewaldes, die Wellritz genannt, beschreibt, die Deutung des Nanu;ns aber 
ablehnt und sich nur gegen die Meinung, als besage derselbe wikh; Rodung, 

erklärt. 

Über den ersten Punkt wölben wir nicht mit ihm rechten und nur soviel 
bemerken, dass die Ausdehnung der AVellritz uns als zu gross angenommen 
erscheint. Denn z. B. die Geissheck oder der Distrikt zwischen der Bleiden- 
städter Strasse und dem Bruderbach (Urkunde vom 13. Januar i;U7) gehörte 
nicht zur Wellritz, d. h. zum llollerbornfelde, sondern zu dem durch die 
Distrikte Überhoben und Ködern erweiterten Hengertfelde, wie mehrfache Ein- 
träge in Lagerbüchern und Güterverzeichnissen beweisen. Die Grenze der 
AVellritz gibt Hellmund, welcher der Umwandlung derselben in Ackerland 
noch ziendich nahe stand, so an, dass er sagt, so heisse die Gegend, 
welclie über der Stadt nach ])otzheim zu neben dem Wiesengrund liege; 
hier führte bereits in früher Zeit ein Weg von Wiesbaden nach dem 
Kloster Ciarenthal, wahrscheinlich längs und zwischen der Wellritz und dem 
Bruderbach, wie die Urkunde vom 7. April 1326 zu erkennen gibr: „die 
Bruderbach oder die Forstbach, die do tluzet zu der rechten hende, so man 
get von Wvsebaden zu unserm clostere." Gehörte das Thal des Bruderbachs 
mit seinen Wiesen und den links angrenzenden Äckern nicht zur Wellritz, so 
bedeutete der heutige Name Wellritzthal anfangs nicht das Thal in der Well- 
ritz, sondern das Thal a n der Wellritz und hat erst dadurch, dass die Erinnerung 
an deren frülierc Ausdehnung schwand, in dem unrichtigen Sinne, als ob der 
Wald auch das Thal eingenonnnen habe, Bestand gewonnen. 

Doch wir wollen diese Frage nicht näher erörtern, sondern einen Versuch 
machen, den Namen des Bezirkes zu deuten, sodann einige Thatsachen aus der 
Geschichte der Wellritz erwähnen, di.' auih für die Geschichte der Stadt von 
Interesse sind. Zunächst stellen wir die Namensformeu zusammen, wie sie seit 



9 



* 



13i^ 

dem Antauge de^ 14. Jahrhuuderts. wo die Wellritz zum ersteumale geuaunt 
wird, bis zu unserer /»ir lauten. 

1. ca. loOO: .,uuum iugerum . . 1) i m e Wilderaif 

2. ca. loOO: „unum iugerum se extendit in den Wilderot." 

Beide Stellen in einem Eberbacher Güterverzeielmis, dessen Namen 
auf den Anfang des 14. Jahrhundeits liinweiscn. 
;>. 1;j49: Graf Adolf erlaubt dem Kloster Clarenthal zu roden ..iin inuc 
gmzen rode, daz da stozet uf d i Wilde r a t. " 

4. 15. Jahrhundert. Die Aufschrift auf der Rückseite der unter Xr. :\ 
genannten l'rkunde hat : 

„und an deji eckern gegen dem Wilrotli". 
."). i;)."):'.. Weishim bei Schliephake II, 221: 

.,d i e W e 1 d r a d i s ist ein recht almendt". 
i;. Vor 1/jT0. Weistum im Merkerbuch: 

..dar nach d i e W i 1 d c r a t s". 
7. ca. 1370—1380. In einem Tiefentluiler Güterverzeichnis findet sicli 
zweimal der Name W i 1 d e r a t z : 

..1 morgen of dem Felde gen Dotslieym an der AVi Ideratz". 

5. „ 1 mortjen . . wendet in""!! \ W i l d e r a t z". 

9. ca. 1430. In dem zweiten Teile des Karthäuser-Güterverzeichnisses, 
das nach den darin erwälmten Namen um das Jahr 1430 fällt, finden 
sich folgende Namensformen: 

„1 morgen stozet gein der Wilderytze". 

10. „2 morgen darnach uf dem stugkc, das I^otz Koche geroyt Itat 

i n n e der W i 1 d r ü t z e". 

11. 141)0. Güterverzeichnis des S. Petersstifts (schlechte Abschrift): 

„drei Morgen bei der Wilritz bei dem Landtgrabcn". 

12. ca. 1532. In einem alten Zinsregister des Wiesbadener Hospitals: 

„Wiese vor der Willritz". 

13. nach 1560, in dem Behaltnusbuch und dem Jlerdschilliugsbuch findet 
sich häufig : 

„die W i 1 1- i t z (Willritz) und W e 1 r i t z (Wälritz), aucli einigemal 
Wylretz". 

14. 1572: „im Walde die Wildritz genannt". 

15. Seit dem 17. Jahrhundert: die Wellritz (Welritz). 

Do.v erste Bestandteil unseres Wortes ist unstreitig das Eigenschaftswort 
wild; so erscheint es in fast" allen Formen des 14. und 15. Jahrhunderts. 
Nur zweimal, in Nr. 4 und 11. ist der schliessende Dental d ausgefallen, ijii 
Jahre 14*.»'.» und einem unl)estim]nten Jahre desselben Jahrhunderts. Der Aus- 
fall d(;s d ei-klärt sich so: d wurde zunäclist dem vorhergehenden 1 assimiliert 
zu 11. dann aber, da es in der Aussprache nicht mehr bemerkbar war, in der 
Schrift weggelassen. Vom 10. Jahrhundert an wurde dann diese Schreibung 
herrschend, doch tritt die Erinnerung an die ursprüngliche Form noch in Nr. 14 
(1572) zu Tage. 



1 . )i} 

]Jor ui'sprünglu'lic Vnkal i ist gleichfalls im 14. und 1"). JahrhuiKkTr mit 
einer Ausnaliinc gewahrt: nur in Nr. 5 (I^'kj) erscliuint ein e, das \vi(>d('i- 
etwa nacli der Mitte des lO. .lahrhunch'rts eintritt und den Sieg davuntriigt; 
ä ist von (^ !)h)ss grapliiseli verschieden. 

Wild ist = unangel)aut, wild wachsend, wüst, einc^ passende Bezciichnung 
eines Distriktes, der in frülun'en Zeiten vielhucht wüst dalag, später mit JJäumen. 
"Wald und Gebüsch bewachsim war und nicht zum Ackerbau benutzt wurde. 

S(;hwiei'iger ist es eine alles erklärende llerleitung des zweiten Bestandteils 
zu tinden. 

a") Das 14. Jahrlmndert ztügt die Jjaute ai, a und (üniual o (^^i'r. 2j, der 
auch im lö. Jalu'hundert noch (üumal wiederkehrt (Nr. 4). 

b) Nur beim ersten Vorkommen (Nr. 1 und 2) hat das Wort männliches, 
sonst stets wcübliches Geschlecht. 

c) Das schliessende -is, s, tz tritt erst in der Mitte des 14. Jahr- 
hunderts ein (Nr. 5—8). 

d) An der Stelle des Yokals a ers(;lieiut im 15. Jahrlmndert (1430, 
Nr. 9 u. s. w.) der Vokal i, anfangs, wie die Schreibung ti oder y 
(Nr. 9 und 10) zu erkennen gibt, als Länge, dann 'Nr. 11 ff'.) als 
Kürze ausgesprochen. 

Zimächst weisen Avii", wozu die Sclueibung Wilderot und Wilroth in 
Nr. 2 und 4 verleiten könnte, den Zusammenhang des Wortes mit rode zurück; 
ist hier nichts als dumpferer Laut des a in Nr. ;5, wie er in der volks- 
fTimlichen Aussprache noch jetzt vielfach vorkommt. Wie könnte ein nicht 
angerodeter Wald als Rod oder gar als wilde Rod bezeichnet worden sein? 
Allerdings ist einmal, im Jahre 1430 ein Stück Land als gerodet „inne der 
Wildrütze" (Nr, 10) angegeben, und diese Rodung muss kurz vorlier statt- 
gefunden haben, da der Name dessen, der sie vornahm, noch bekannt war; 
wir dürfen hier daran denken, dass im Merkerbuch Lotze Koch (ca. 1370) 
genannt wird oder dass ein Nachkomme des Schöffen lleintze Koch (1363 ff. ) 
die Rodung vorgenommen habe. Doch wissen wir nichts Näheres über sie und 
sie kann, da die AVelliitz damals schon Gemeiudewald war, nur höchstens ein 
einzelner Fall gewesen sein, der, wenn er wirklich stattfand, eine Ausnahme 
von der Regel bildete. Erst im 17. Jahrhundert begann die allmählicli voran- 
schrcitende Benutzung der Wellritz zu Ackerland. 

Es bleiben uns somit nur die Formen rait, rat und rit(z) zu betrachten 
übrig. Von diesen scheint die zuerst vorkommende rait auch der ursprünglichen am 
nächsten zu liegen; sie ist wohl ohne Zweifel gleich dem noch in Hofreite er- 
haltenen reite, reide, raide; Ilofreite ist der freie Hof platz in einem Landgute 
(Heyne im D. W. VHI, 766 und IV, 2, 1{)97). , Wurde dem Worte die Vorsilbe 
gc, got. ga, vorgesetzt, so ergaben sich die Formen gereite, gercit. geraid. die auf 
got. garaidjan. anordnen, garaids. angeordnet, zurückgeführt und als festgesetzter, 
angeordneter Raum gedeutet werden (Hildebrand im D. W. W. 1. 2. 3626). 
Beliebt war die Verbindung Heimgereite, der dem Gemeinwesen zugehörige 
Bezirk im Gegensatz zum eignen, namentlich die nudueren Gemeinden gemeinsame 
Waldung. Wilderait wäre demnach ein nicht angebauter oder wüster Bezirk. 



134 

>'un aber erheben sieh Schwierigkeiten: wie kam es. dass Wildorait als 
männlichen Geschlechts in >'r. 1 und '2 erscheint, während Reite weiblich ist? 
dass der Tukal a an die Stelle von ai (ei) eintrat, dann i sich festsetzt? 

Auf die erste Frage antworten wir mit dem Hinweis auf die Vermischung 
von rait und rät, copia (vgl. II a u s r a t), von gereite und gerät, die sehr nahe lag 
und von H i 1 d e b r a n d in D. W. a. a. O. 3567 und 3625 herangezogen ist. Rät 
ist männlichen Geschlechts und so konnte sehr wohl ein Schwanken im Gebrauch 
desselben leicht stattfinden und Wilderait männlich gebraucht werden. Auf 
dieselbe Vermischung mir Rät sind die Formen mit a, weldradis u. s. w. 
zurückzuführen. Mit dem Vokal i kehrt der Name wieder zu dem anfänglichen, 
in dem Volksbewusstsein festgehaltenen Reite zurück, behält aber von dem 
inzwischen angefügten -is, s den Schluss mit tz bei. Diese Bildungen be- 
rulien nänüich offenbar auf der im Jahre 1353 bezeugten Form Weldradis, das 
durch den Ausfall des i zu Wilderats und Wilderatz wurde. Die Erklärung 
jener Endung -is ist schwierig; wir haben es ohne Zweifel hier mit einer 
blossen lateinischen Nominativ -Endung zu thun. Sollte sie einem des Lateinischen 
kundigen Schreiber zu verdanken sein? Bei allen diesen Wandlungen haben wir 
nicht zu vergessen, dass die Schreiber oft fremde Mönche waren, welchen die 
ursprüngliche Form des Worts unbekannt war und den gesprochenen Laut durch 
die Schrift festzulegen genug war. 

Wir kommen nunmehr zum zweiten Teile unserer Mitteilungen, der einige 
Thatsachen aus der Geschichte der Wellritz betreffen soll. Deren gibt es aus 
der älteren Zeit freilich sehr wenige, da wir die meisten Aufzeichnungen, die 
den Namen des Gemeindewaldes Weliritz bieten, Güterverzeichnisse sind und keine 
geschichtlichen Vorgänge enthalten. Aus dem 14. und 15. Jahrhundert kennen 
wir nur. was das Weistum von etwa der Mitte des 14. Jahrhunderts bei 
Schliephake II, 219 ff. und i)n Merkerbuch S. 5 ff., sowie die oben er- 
wähnte Stelle im Verzeichnisse der Karthäusergüter von ca. 1430 besagen. 

In dem Weistum des Merkerbuchs heisst es, S. 8, nachdem die vier 
Almenden, wozu die Wellritz gehörte, aufgezählt sind: „daz sint die fyer 
rechten alemente, als sie die von Wysebadin von aldir hant gehabt, da y d e r - 
m a n von der gemeyn mak ynne hawen und ir g n y s s e n , dar umme 
sie n y m a n s a 1 pendln." Und so blieb es, solange als die Almenden 
bestanden und nicht veräussert wurden: die Bürger — aber auch nur diese, 
wenn nicht andre Einwohner der Stadt sich die Erlaubnis dazu erwirkt hatten 
— durften und konnten hier ihren Bedarf an Holz holen. Über den Umfang 
freilich, in dem dies stattfand, erfahren wir nichts bis zum Jahre 1561. Es 
hatten zwar einige Jahre vorher, am 13. Februar und 25. April 1547') zwei 
grosse Feuersbrünste stattgefunden, die an jenem Tage zehn Herd- und Feuer- 
stätten nel)st Ställen und Scheunen, an diesem fast die ganze Stadt in Asche 
legten, aber Nachrichten über Neubauten und wie viel Holz die Wellritz zu 
ihnen geliefert habe, sind nicht erhalten. 



*j Vgl. Ann. XIX, 102. Rössel, Kinliliche Altertümer, S. 22. 



13;") 

Zwei weitere älinliche ünglückställt! hatte die Stadt im Jahre löGl und 
1563 zu erleiden, über welche das Belialtnusbiich also berichtet: „Wissbaden 
gebrant Anno 1501 uff" Donnerstagk nach Medardi, welcher der 12. war des 
Monats Junii und sein verbrauth 53 f'euer oder hertstcsth ohne Schcuci- und 
Stell, gott behutt vor weiderem schaden" und „Anno 1503, den 22. Februarii des 
Abentz brant der Diff'entaller hoff' sanipt scheuern und stel b(;y neben 4 heuser 
und stel und 2 scheuern, got behutt vor weittereni Schaden, Amen." Infolge 
davon gab man sich rüstig daran, an Stelle der eingeäscherten Gebäude neue 
zu errichten, und dabei nuisste die Wellritz das JJauholz liefc^'n. In den fünf 
Jahren 1501, 1503 — 1507 (erhielten aus ilir 00 Personen mindestens 188 „I[ölzer", 
je nacli der Grösse ihres Verlustes und Bedürfnisses, viele (30) je vier, andere 
(32) je zwei Hölzer, eine drei und eine ein Holz; von zweien ist die Zahl nicht 
augegeben. Aus der beifolgenden Tafel ist die Verteilung der Personen und 
Hölzer auf die einzelnen Jahre ersichtlich. Wir bemerken dazu, dass Jiicht 
alle zu den „verbrannten" Personen gehörten; die Namen der Empfängen- hab(!n 
wir für uusern Zweck nicht nötig erachtet beizufügen. — Unter dem Worte 
Hölzer sind Baumstämme zu verstehen, wie denn einigemale beide Bezeichnungen 
(„Höltzer oder Stem") verbunden werden oder bloss von „Stem" die Kode ist. 





s 

§ 

0^ 


S 
o 


Personen 


Hölzer 


Personen 


Kl 


c 

a 
o 

1 


s 


o 

s 


Hölzer 


Summa 




— 


4 


— 


3 i 


— 


2 


— 


1 


— 


iinl)e- j 
stimmti 


Personen j Hölzer 


1561 


23 


92 


— 


— 


1 


2 


— 




1 


•p 


25 


94 + X 


1563 


3 


12 


— 




8 


16 


— 


_ 





_ 


11 


28 


1564 


1 


4 


— 




7 


14 


1 


1 




1 
_ 


9 


19 


1565 


2 


8 


— 




5 


10 


— 




1 


? 


8 


18 + x 


1566 


1 


4 


1 


3 


10 


20 









_ 


12 


27 


1567 


— 




— 




1 




— 




— 




1 








— 




— 




2 









~ 


1 


2 


Summa 


30 


120 


1 


3 


32 


64 


1 


1 


2 


? 


66 


188 + X 


1575 


— 




— 




3 




— 




— 


\ 
\ 


3 i 






— 




— 


1 


6 










f 6 

1 


Summa 


\ 30 




1 




35 




1 




2 




' 69 






120 




3 




70 




1 




V 




194 + X 



Nach dem Jahri^ 1507 wird entweder der Verbrauch der Wellritzhidzer 
geringer, da der Wald so stark gelichtet worden war. oder die Aufzeichnung 
im Behaltnusbuch weniger gewisseidiaft fortgeführt. Nur noch einmal, während 



i;50 

des 16. .Jahrhuuderts, im Jaliii" IT^T."), wird gemeldet, diiss drei Personen je 
zwei Hölzer erhalten hätten, aber eifrig darüber gewacht, dass keine un- 
berechti'^ten Persuueu (es kam zweimal im Jahre 159.") von Auswärtigen vor) 

sich Holz aneigneten. 

Anders stand es mit dem in der Stadt Wiesbaden ansässigen oder be- 
«»üterten Adel, und dieser Umstand veranlasst uns die Verhältnisse desselben 
näher zu beleuchten. 

Einen altheimisclu-u Adel besass die Stadt nicht mehr, seit das Geschlecht 
der Ht'rrn von Wiesbaden, heruntergekommen wie es dem Anscheine nach da- 
mals war. um das Jahr 1400 ausgestorben und seine Besitzungen in andere 
Hände über"-e"-angen waren. Neben demselben hatten sich schon frühe andere 
Familien aus der Nähe und Ferne festgesetzt; einzelne Glieder derselben 
mochten als Burgmaunen Eingang gefunden und Grundbesitz erworben haben, 
andere hatten durch Heirat mehr oder minder bedeutende Güter erworben oder 
waren als Beamte oder Käte in den Dienst des Grafen berufen worden. Die 
Bewirtschaftung ihrer Besitzungen besorgten sie vielfach nicht selbst, sondern 
o-aben sie au Päi-hter aus oder setzten Verwalter ein. Eine Eingabe der Stadt 
an den Grafen aus dem Anfange des 17. Jahrhunderts sagt, dass damals sechs 
adelige Personen mit 30—40000 Gulden zu Wiesl)adcn begütert waren, aber 
„mehrer Theils" ausserhalb Wiesbadens wohnten. 

Zwischen sie und der Stadtgemeinde kam es nun sehr oft zu Zwistig- 
keiten. indem sie sich den landesüblichen und von der Herrschaft bestätigten 
Ordnungen hinsichtlich der Abgaben und Leistungen nicht fügen wollten, auch 
sonst sich Eigenmächtigkeiten erlaubten, die sich die Stadt nicht gefallen lassen 
wollte.*) Das angezogene Schriftstück des angehenden 17. Jahrhunderts klagt, 
sie massteu sich alle Freiheit über die von den Grafen gegebenen genannten 
Befehle an und wollten Beschwerden nicht tragen helfen. Und doch waren 
diese nicht gross und nicht unbillig. Man verlangte, dass die angesessenen 
Adelspersouen und Herrendiener AVeg und Steg gleich den Bürgern erhalten 
helfen sollten, da sie. wie im Jahre 1617 geltend gemacht wird, dieselben mit 
einander zerreissen und zerbrechen, sich aber dieser Last soviel als möglich zu 
entziehen suchten; ferner sollten sie wie andere das sogenannte Backungeid 
(2 Alb. 2 Pfg. von jedem Malter) entrichten, soweit sie nicht schriftliche Be- 
freiung aufzulegen hätten, und von bürgerlichen Gütern, d. h. solchen, die sie 

*) Ein interessantes Beispiel erzählt das Beh.-Buch fol. 197 vom 4. Juni 1607. WalthtM- 
von Grodian, Sohn des Reinhard von Grodian, der durch seine Mutter Anna Maria von Goi- 
spitzheim in den Mitbesitz eines llofcs in der Kirchgasse gekommen war, hatte den Zaun 
seines Gartens vor der Mainzer Pforte herausziehen und auf ein Grundstück der Gemeinde 
setzen lassen. Als er nun vergeblich verschiedene Male durch Schultheiss, Schöffen und Ge- 
meindeitersonen aufgefordert worden war, den Zaun auf seine alte Stelle zu setzen, verfügten 
sich, als dor Gottesdienst beendet war, Schultheiss, Schöffen, Geschworne und soviel von den 
Bürgern in dor Kirche gewesen, auf vorgehabten Hat nach dem genannten Garten, zogen den 
gesteckten Zaun aus, so weit er übersetzt gewesen, und setzten ihn an seine richtige Stelle 
zurück; die geschworncn Feldmesser waren sofort bei der Hand vier Marksteine zu setzen. 
Grodian scheint dies Vorgehen so wenig gefallen zu haben, dass er zwei Jahre nachher seinen 
Anteil an der Besitzung verkaufte. 



137 

von Bürgern erkauft, die liede (Ausbude gomuint, wi'un sie auswärts wohnten), 
zahlen. Den Grafen mochten bisweilen die Klagen der Bürger über die Hinter- 
ziehung und Schniälerung der Abgaben lästig Nverden und sie Hessen sie wohl 
einmal unbeantwortet, in» allgenu'incn aber standen sie auf Seiten der Bürger 
uiul suchten ihnen wiederholt zu ihrem Rechte zu verhelfen. 

Zu der Zeit, von der wir handeln, waren (is besonders zwei Junker, die sich 
durcdi [JnbotmässigkiMt und (rewaltthätigkeit hervorthaten, Jlaus Machon- 
h i m e r v o n Z w e i b i ü <; k e u und W a 1 1 h c r von N i t z s c h w i t z.') Haus 
Machenheimer war der Sohn des Hans Machcmheimer, der die Tochter des Wies- 
badener Amtmanns .lud von Eltvillo geheiratet und durch sie nicht unbeträchtliche 
c;üt(>r in der Gemarkung der Stadt ererbt hatte, auch vom Jahre 1524 an einige Zeit 
Amtmann daselbst gewesen war. Der Sohn erbte die väterlichen Güter uu-l 
darunter das Haus, das der Vater erbaut hatte gegenüber der Mauritius-Kirche, 
iu dem er wohnte; den Bauplatz hatte er aus bürgerlichen Händen erworben. 
Walther von Nitzschwitz war früher Amtmann von Greifensteiu gewesen, hatte 
dann die Witwe des 1554 verstorbenen Amtmanns Moriz von Bresen geheiratet und 
mit ihr dessen hinterlassene Güter erhalten. Er mag sich infolge dessen öftci- 
zu Wiesbaden aufgehalten haben, wie wir das von den Jahren 1558 und lo59 
wissen, und dadurch den Grafen bekannt geworden sein: im Jahre 1567 machte 
ihn Graf Balthasar zu seinem Rat und Diener von Haus aus; von da an scheint 
(>r beständig zu Wiesbaden gewohnt zu haben. Beide Junker hatten neb(m 
ihren gefreiten Gütern auch bürgerliche in Besitz, Nitschwitz etwa 40 Morgen 
Ackerland, Weinberge und Wiesen, Machenheimer einige Weinberge und eine 
Hofreite. Sie mochten bereits oftmals Veranlassung zu Beschwerden gegeben 
haben, welche die Gemeinde übersah oder nicht verfolgte, als endlich das Mass 
voll war, und man nicht mehr ruhig zusehen wollte, wie Recht und Ordnung 
missachtet w^urde. Eine passende Gelegenheit schien zu sein, als Graf Balthasar, 
der das Vertrauen der Bürger nicht besass*), gestorben war (11. Januar 1568) 
und eine Vormundschaft, bestehend aus dem Grafen Johann von Saarbrücken und 
der Witwe Balthasars, Margarethe von Isenburg-Büdingen, die Regierung des 
Landes übernommen hatte. Namentlicli scheint der Graf Johann den Bürgern 
die Hoffnung erweckt zu haben, dass ihre Klagen nunmehr Abhilfe finden 
würden, während die verwitwete Gräfin in den Verdacht geriet, als ob sie ein 
Versprechen ihres Gemahls nicht halten und der Gemeinde ihren Pfarrer 
Nicolaus Gorapo nehmen wolle.') 

"') Die Schreibung des Xamens ist verschieden: die Grabsohrift seiner Cicninhlin Aunii 
(ir)6-J) lautet bei llel wich Nitzschwitz, daneben findet sich Nichtschwitz und Nichsohwitz, ein- 
mal Nitzwitz. Wir folgen der Grabschrift. 

') Balthasar hatte eine öfter wiederholte Klage der Stadt gegen Nitzschwitz „anderer 
vorfallender Geschäfte halber" zu verfolgen eingestellt. Supplikation vom 10 Juli 1569. Auch 
hatte der (iraf ein Versprechen nicht eingelöst, das er der Stadt gegeben, als diese ihm ihr 
altes Kathaus, die Hütte, überliess; damals versprach er ein neues Haus dafür wieder her- 
zurichten. Ehe er das gethan hatte, starb er, aber die (leraeindo vorgass die Sache nicht, die 
erst im Jahre 1608 durch Graf Ludwig ihre Erledigung fand. 

■') Diesen Verdacht sprach ein Schreiben des Schultheissen und der Schöft'en vom 
21. .Vpril 1508 aus, das die (Jräfin am 22. desselben Monats in ziemlidi gereizter Stimmung 



138 

Wir wollen luimiu'lir die hii>rbei gehörigeu Schriftstücke, soweit sie 
in dein Behaltnusbucli der Stadt abschriftlich erhalten sind, in Kürze be- 
sprechen und zwtu- zuerst die den Adel im allgemeinen angehenden, dann die 
Hans Macheuheimer, schliesslich Waltlier von ]Sitzschwitz betreffeud(>n und 
bemerken dazu, dass die Angaben des Damms nicht überall stimmen, wie das 
in den einzelnen Fällen angegeben werden wird. 

I. (fegen den Adel und die gefreiten Personen überhaupt, ohne dass 
bestimmte genannt, aber vor allen die beiden namhaft gemachten Junker ge- 
meint sind, wie aus weiter unten folgenden Schriftstücken hervorgeht, sind die 
Klagen gerichtet, die in dem „Yerzeichnus derer xVrtickell, darin die Burger- 
schaft und gantz (femein zu Wispaden hochbeschwerdt, uf den Jluldungstag 
den i'l. Juli 1568*) unser gn. Yornuindschaft autragen lassen", zusammen- 
"•efasst sind. In Nr. 1 wird geltend gemacht, dass in gemeiner Acht, wo die 
vom Adel und gefreite Personen meistenteils begütert seien und Wege und 
Stege brauchen, allewege die Wagen des Grafen, des Adels und der Gefreiten 
gefahren seien samt andern Bürgern geachtet; dieser Zeit aber thäten sie nach 
ihrem Gefallen, was grossen Unwillen i]i der Gemeinde errege („emperet") 
und dadurch nichts Ratsames angerichtet werde. Ferner habe (Nr. 2) Graf 
IMiilipi» drr Ältere mit gehäuteten Glocken vor dieser Zeit verbieten lassen, 
dass keiner von Adel und der gefreiter Personen Bauerngüter kaufen dürfe, 
08 wäre denn, dass er Zins und Bede davon entrichte. Darauf erfolgte am 
4. August der Abschied, dass dem Amtmann auferk^gt sei, wenn ihm hinfüro 
Klage vorkomme, dass einer oder der andere seine Gebühr nicht geleistet oder 
vor der Zeit abgestanden sei, solle er den oder dieselbigen pfänden und die 
gebührliche Strafe abnehmen. 

In dem Abschied auf den zweiten Punkt wird vorausgeschickt, dass be- 
richtet worden sei, es massten sich nicht Adelspersonen und Herrendiener 
allerhand Freiheiten in Bezahlung des Backungelt(is und der Ausbede an und 
hätten das Landgebück hier und da ausgerodet und sich angeeignet: daraufhin 
wird verordnet, dass die Burgermeister beide Abgaben einfordern und im Falle 
sich einer dessen verweigern würde, ihn jifänden sollen, wobei der Amtmann 
ihn jeder Zeit handhaben solle. In Betreff des Adels heisst es: da die Vor- 
mundschaft in währender Handlung befunden habe, dass die Klage begründet 
sei, so befehle sie allen Büi'gern und Inwohnern der Stadt, dass „ihrer keiner 
keinem Freien einig liegend Gut ohne Vorwisson der Obrigkeit verkaufe bei 

beantworteto, indem sie die .Vuschuliliftungcn zurückwies oder richtig stellte; sie kehrte schliess- 
lich den Spioss um: sie ermahnt die liiiryer, dass sie die Predigt tieissig und ordentlich be- 
suchen und den Pfarrer und die Kirchendiener mit zeitlicher notwendiger Unterhaltung wohl ver- 
»ehen, insbesondere darauf achten sollten, dass nichts, wie doch geschehen sein soll, von den 
Pfarrgütern abgezogen werde; es solle deshalb das Pfarrgut von neuem abgemessen und das 
Kntwendete wieder zugemessen werden, i^as Schreiben der Gräfin findet sich im städtischen 
Archive. 

°) So in der Lberschrift; in der Unterschrift heisst es: „Actum ... in der Huldung 
unserer gn. Vormundschaft vorgchaltin den 21. Junii Anno 1568." Die Huldung aber fand 
statt am 21. Juli; sie steht im Beh.-B. zwischen einem Eintrag von Johannis Bapt. und von 
Mariao Himmelfahrt; dabei ist das Datum der Überschrift das richtige. 



i:u> 

Ycrlust flossolbcn Gutes, da« er verkauft habe, und im Falle, dass es erlaubt 
werde, der Käufer der Stadt eine Rccognition der J3ed(! halber, das« er dieselbe 
jährlich auszuriehten sclaüilig- sei, zu Händen stelle." 

Es erhcdltit, dass bereits l'hilipp der Altere (!s für nöti«;- erachtete, die 
Verpflichtung des Adels, voji bürgerlichen Gütern Bede zu /ahkm, einschärfen 
niusste'); aber trotz der Wiederauffrischung des Gebots hören später Beschwerden 
wegen Nichtachtung desselben wie auch wegen Erhaltung von Weg und Steg 
nicht auf, und jedesnuil, wo der Graf sich darüber äussert, sehen wir ihn auf 
der Seite der Bürger stehen, wie wir z. B. von Graf Ludwig hüren, der grade 
das Gebot vom Jahre lööS in Beantwortung einer Su])plikation der Stadt im 
Jahre 1609 wiederholt. Wenn dies auch ebenso sehr in dem Interessen des 
Grafen wie der Stadtgemeinde lag, so niusste doch auch das Gebahren einzelner 
Junker ihn nicht wenigen- als diesen aufbringen und zum Einschreiten reizen, 
wien es bei den beiden oben genannten Hans Machenheimer und Walther von 
Nitzsclnvitz nötig wurde. 

II. H a n s M a c li e n h e i m e r v o n Z w c i b r ü c k (^ n. Mit diesem keliren 
wir wieder zu unserem Ausgangspunkte, der Wellritz, zurück. Er hatte nändich 
in der Woche nach Andreastag des Jahres 1567 vier eichene Stämme „eignes 
Gewalts und freventlicher AVeise" in der Wellritz abgehauen und entführt. 
Schultheis« und Schöffen hatten zwar sofort die Sache dem Amtmann Hans 
Bernhard von Langein vorgebracht, aber dann nachbarlicher Weise fallen lassen 
in der Hoffnung, es werde nicht wieder geschehen. Aber Hans ^lachenheimer 
fuhr — wir folgen hier fast wörtlich der eindringlichen Klagschrift der Ge- 
meinde vom 1. Juli 1568 — dessen unangesehen zum andern Male in eigener 
Person zu Ross, mit Wehre und Büchse, Zimmcrlcuten, Wagen, Pferden und 
Knechten eignes freventlichen Gemüts und Gewalts in der Gemeinde Wald, 
fällte sechs eichene Hölzer und zeichnet noch andre an, die er, wenn etliche 
Bürger, die ihn auf frischer That erfanden, nicht wehren konnten, auch gefällt 
hätte. „Als wir, heisst es weiter, in der Stadt diesen Frevel erfuhren, schickten 
wir etliche aus den Rotten mit wehrhaftiger Hand ihm nacli und erhielten von 
dem Amtmann die Erlaubnis ihn zu pfänden, wie wir denn von Alters her 
dazu befugt sind. Aber als jene den Frevler mit freundlichen Worten anredeten, 
hat er sie nicht allein mit gotteslästerlichen Worten Schelme und Hiebe ge- 
heissen, sondern seine Büchse gezogen, ihnen zu schiessen gedroht, ist aber 
doch alsbald mit Gewalt, mit Ross und Wagen davon gefahren. Docli wir 
ihm die Pforten zugethan, den Wagen, daraus der Knecht die Pferde gespannt 
und gen Mainz zu reiten Willens, genommen und liinter den Schultheissen 
gestellt. Über das so hat er, Machenheimer, eine stattliche Nahrung, braucht 
Wasser und Weide, die Gemeinde beschützt, bewacht und behütet ihm sein 
Haus, Hof, Vieh und Güter, da er doch mit dem wenigsten Buchstaben einige 
Burgmannsfreiheit nicht darthun kann, also dass wir wcdil verursacht, auch v<>r- 



^) Sprachlich ist vielleicht nicht ohne Interesse, dass es in dem Verzeichnis vom 21. .luli 
lioisst: „mit gelautter Klockcn", in der Wiederholung des Satzes im Abschied vom 4. August: 
„mit leudcnden Glocken'', also nicht allein der Numerus des Substantivs, sondern auch das 
Cienus Yerbi wechselt. 



140 

möge unserer gerhanon EidspHidit. ihn diihin zu lialten. dass er zu Wege und 
Stege zu dienen nicht gefreiet, sein Baekungeld. Ausbedo und dergleichen Be- 
schwerden, wie andere, die unget'reite Güter besitzen, ausrichten sollte. Und 
dieweil wir dann ihn in allem, wie itzt genielt. aus gutherziger nachbarlicher 
Mt'inung bis anheru geleben lassen und er das undankbar achtet, so gelangt 
an E. Ct. unser ganz unterthänig und Heissiges Bitton, E. (i. wollen uns bei 
langwieriger hergebrachter Gereclitigkeit schützen und schirmen, auch ihn dahin 
halten, dass er seines Frevels halber uns eine Erstattung thue und von seiner 
Drohung abstehe." Zum Schlüsse versteigen sich die Bittsteller zu der Drohung. 
dass sie, im Falle sie in ruhiger Posscssion nicht geschützt werden möchten 
oder könnten (wie sie dann nicht zweifeln), verursacht würden andere Mittel 
und Wege zum Guteu der ganzen Gemeinde vorzunehmen, und versichern i. Gn. 
ihres schuldigen Gehorsams. 

Die Antwort, um welche sie gebeten hatten, erfolgte am 4. August 1568^), 
die in einer Abschrift von der Hand und mit der Unterschrift des Gerichts- 
schreibers Nicolaus Albrandt (er bekleidete dieses Amt vom 29. Juli 1570 bis 
zum 23. Juli 1074) vorliegt. Sie erfolgte nach einem Verhör der beiden be- 
teiligten Seiten und weiteren gewissen Erkundigung und lautet: „Wofern sich 
^[achenheimer innerhalb vierzehn Tage mir den Bürgcaii seiner betretenen Miss- 
handlung halber in der Güte nicht vorgleichen werde, dass alsdann den Bürgern 
der abgepfändete AVagen zu ihrem besten Nutzen zu verkaufen erlaubt sein 
solle, und dem Amtmann befohlen worden, ihnen in dem Handhabung zu er- 
zeigen, und dabei auch Machenheimer mit Ernst untersagt, dass er sich aller 
Drohworte, auch dergleichen Frevel und Mutwillens enthalte und sich in dem 
gebührlichen Rechtens bevaheu (?) lasse." 

Die letzten Worte des Bescheides sind wohl so zu verstehen, dass Machen- 
heimer die Ausbede und Zins u. s. w. von den unadeligen Gütern, die er 
und sein Vater erkauft, geben solle. 

Welchen Ausgang die Sache nahm, ist nicht überliefert: Machenheimer 
wird sich gefügt haben. Von Übertretungen der Ordnung und Gewaltthätig- 
keiten hören wir bis zu seinem im Jahre 1574 erfolgten Tode nichts mehr. 

HI. W a 1 1 h e r v o n N i t z s c h w i t z liatte wie Machenheimer gleichfalls 
Il<dz aus der Wellritz sich angeeignet und ZAvar etwa in derselben Zeit als 
dieser. Darüber berichtet die „Supplication contra J. Waltheru von Nitzschwitz, 
den 19. Juli 15G8*) übergeben", die erst wie andere Aktenstücke von dem 



") Nach einem Bericlit des Beh.-B. erfolgte die Antwort am 24. Juli durch den Lirafeii 
Hans und seine Räte. Ist diese Angabc richtig, woran wir zu zweifeln nicdit Ursache haben, 
da sie unmittelbar nachher niedergeschrieben wurde, so ist diese Verschiedenheit des Datums 
80 zu erklären, dass der Graf bei (ielegenhcit der Huldigung, die am 21. Juli stattfand und 
ihn Wühl noch einige Tage zu Wiesbaden zurückl.ielt, eine mündliche Antwort, die ganz mit 
der schriftlichen übereinstimmte, gab, die sr-hriftliche aber später folgen Hess. 

") Auch hier weicht das Datum der Überschrift von dem am Schlüsse angegebenen al>, 
da jenes di-ii 10. Juli l.')G!« bietet. Da der Abschied auf die Bittschrift am 4. Oktober 1568 
erfolgte, so müssen wir diese in das Jahr 1568 setzen, das auch im Kontext genannt wird. 
Ks wäre auch auttallcnd, wenn man ein ganzes Jahr mit der Beschwerde gewartet hätte. 



141 

Gerichtsscliroibor der Jahro ir)70— 1574, Nicohius Albrundt, in das Belialtnus- 
buch ('iDg(!rra}j;iai ist. In di(!ser Bittscbrift wird zuerst Klag«; erhobou. dass 
Waltlitsr von Nitzschwitz „eignes Gcwalts der Gomeido Landgra])on zum Teil 
oingenomnien, Sträucho. Dornen und J lecken ausgerodet .... auch die Pfähle 
ausgehauen haln;'' u. s. w. Die Bittsteller liätten dies bei chiiu Grafen riiilipi) 
und IJairliasar niehnuals klagend vorgebraclit, aber „wolerniolter unser gn. Herr'' 
(soll wohl der letztgenannte sein) habe jeder Zeit dei- vorfallenden Geschäfte 
halber auf den Augenschein zu gehen und zu besichtigen uns Zcdt zu ernenmm 
eingestellt. Mittlerweile sei er mit Tod abgegangen und ^S'itzschwitz habe nun 
noch einen sumpflichen Platz der Gemeinde eingenommen, was dieser und au<h 
dem Grafen beschwerlich sei und Schaden l)ringe, Sie ])itt(!n um liesichtigung 
durch Unparteiische, die das Landgebück und Gebrüdi abstcnnen und wieder 
zu ihren Händen stellen. Ferner habe Nitzschwitz, nachdem sie in nächst 
verschienener AVinterszeit auf sein bittliches Begehren sechs eichene Stämme 
Bauholz aus ihrem Walde Welritz zu liauen erlaubt, deren undankbarliclu^r 
AVeise nicht geachtet, sondern zu den sechsen noch acht eignes Gewalts ge- 
hauen, was sie dem Amtmann zu Wiesbaden klagend vorgebracht, aber er- 
sitzen lassen, in Hoffnung, er (AValther) werd(> der Gemeinde ferner kein Un- 
recht zufügen. Dessen alles uuangesehen, sei er zugefahren Samstag nach 
Jubilate (15. Mai) dieses itzt laufenden G8. Jahres und cignc^s Gewalts ohne einiges 
Begehren ihnen in ihrem Wald zum anderen Male abgeliaucn 22 junge eichene 
Stämme. Sie bitten um Schutz, dass sie nicht von dem Ad(d belästigt werden; 
wo nicht, WHirden sie andre Mittel vornehmen, ihre Gerechtigkeit zu behalten. 
Auch möge man von wegen der Obrigkeit darauf hinwirken!, dass er sich seines 
Frevels mit ihnen vergleiche. Er habe ebensowenig Burgmannsfreiheit bei- 
zulegen als Machenhsimer, und sei deshalb, wie billig, Backungcld, Bede und 
dergleichen Beschwerungen von den ungeadelten und ungefreiten Gütern zu 
geben schuldig. 

Es folgt ein „A'erzeichnus derer ungeadelten (und geistlichen) Güter, so 
der Edel und Ehrnvest Waltlier von Nichschwitz inhat''. 

Die Klage vom 19. Juli wurde verabsclüedet am 4. Oktober. In Betreff" 
des Landgrabens und Gebückes erging der Befehl an die Idsteinischen Räte, 
dass sie mit dem Amtmann, Schultheissen, Schöffen und der ganzen Gemeinde 
zu Wiesbaden beide besichtigen und in den alten Stand lichten sollen. Von 
Pjackungeld soll Nitzsclnvitz wie andre vom Adel frei und unbeschwert sein, 
von der Ausbede sei er, so lauge er Diener sei, auch gefreit und dem Rent- 
meister befohlen worden, dieselbe jährlicli der Gemeinde zu entrichten und zu 
verrechnen. Was das Übrige betreffe, so seien beide Teile verhört, und es sei 
auch, wo nötig, der Augcnscliein eingenommen worden, aber zwischen ihnen 
nicht Fruchtbarlisches ausgerichtet und daher die Verhandlung eingestellt worden. 
So fand die Gemeinde keinen Ersatz für die weggenommenen Wellritzstämme, 
aber das hatte sie erreicht, dass kein weiterer Eingriff in ihre Rechte von 
Walrher gewagt wurde. Er gab z^Yar später noch mehrmals Anlass zu Klagen, 
wie er denn im Jahre 1069 sich der Verordnung wegen des Landgrabens nichr 
fügen wollte, eine Ölmühle ,,eignes Gefallens" zu einer Mahlmühle gemachr. 



142 

Netz- und Garnstellon vorgenommen und Drolnvorte gegen einige Bürger hat 
vernehmen hissen, sogar sieh uiclit scheute, den Zaun seines Gartens au einigen 
Orten zwei 'und drei Sc-huh ausserhalb der gesetzten Steine aufzustellen. Aber 
als er im Jahre 1574 sechs Hölzer oder Stämme zu seinem laugen Bau be- 
durfte, si'heinr er die Gemeinde um die P^rlaubnis angesprochen zu haben, sie 
;ius der WcUritz zu holen, und sie ^Yurdeu ihm verwilligt. 

Die beiden Junker hatten also im Ganzen 52 Stämme aus der Wellritz 
entnommen. 40 ohne und V2 mit Erlaubnis der Stadt. Rechnen wir dazu das 
an die Bürger ausgegebene Hauholz = li»4 -f x Stämme, so ergiebt sich für 
die kurze Zeit von 1061—1574 die Zahl von 246 + x oder etwa 250 Stämmen. 
Noch grösser mag der Verbrauch von Holz aus der AVellritz nach dem grossen 
Brande von 1547 gewesen sein. 

Es frao-t sich, ob man sofort dafür sorgte, diesen Verlust zu ersetzen und 
wie das geschah. Auf die erste Frage gibt eine Bittschrift der Gemeinde vom 
16. Dezember 1592 Antwort, durch welche der Graf ersucht wurde, den Wald 
vor dem unbefugten Fällen von Bauholz durch einen Neuhof er Zimmermann zu 
schützen. Derselbe wollte eine ganze Anzahl von Stämmen sich zueignen; 
dagegen machte die Gemeinde geltend, dass der Wald von ihren Vorfahren 
und ihnen «-eheo-et und gepflegt worden sei und noch werde, um ihnen im 
Notfall, bei Feuersbrünsten u. s. w. Vorrat an Bauholz zu bieten; jetzt sei er ein 
junger W a 1 d uiul untauglich zu diesem Zweck u. s. w. ; der Graf traf 
sofort dem Gesuch entsprechend die nötigen Anordnungen. Wir entnehmen 
aus der Bittschrift, dass Anpflanzungen von jungen J5äumeu im Laufe des 
Jahrhunderts stattgefunden hatten, um etwaigem Bedürfnis zu genügen, und 
dass der Wald in seinem bisherigen Umfange erhalten werden sollte. 

Tn Betreff der zweiten von uns aufgeworfenen Frage giebt eine kurze 
Notiz vom Jahre 167;-^» Aufschluss. In diesem Jahre reichten die Geschworenen 
als Vertreter der Gemeinde bei Schultheiss und Schöffen mehrere Gravamina 
ein, von denen der vierte Funkt lautete: „dass jeder Bürger wie vor Alters 
seine gewisse Zahl eichener Stämme zu setzen angehalten werde." Wir ersehen 
daraus, dass in früherer Zeit jeder Bürger eine gewisse Zahl von Eichbäumen 
zu pHanzen verpflichtet war, dass aber dieser Brauch im Laufe der Zeit ausser 
i'bun^ eekommen war. Für das 16. Jahrhundert dürfen wir ihn ohne Bedenken 
voraussetzen : es war eine schöne Sitte, die jedem den Wald lieb nuichte, wenn 
er (las Wachstum der von ihm oder seinen Vorfahren gepflanzten Bäume ver- 
folgt!; und er sich sagen konnte: diesen oder jenen Baum habe ich oder mein 
Vater u. s. w. gesetzt. 

Doch, wie bemerkt, war dieser Brauch nicht mehr lebendig. Das 17. Jahr- 
hundert huldigte andern Anschauungen: es Hess die Wellritz eingehen. Nach- 
dem bereits im Jahre 1619 ein Teil derselben verkauft worden war (man trug 
mir dem Erlöse eine Schuld von 1000 H. ab), schritt man seit dem Jahre 1650 
zur systematischen Vernichtung derselben, indem man sie in einzelne Lose teilte 
und diese gegen Entgelt an die Bürger ausgab. Dadurch geschah es, dass am 
Ende des Jahrhunderts das ganze Gebiet des ehemaligen Waldes dem Ackerbau 
srewonnen war. Vfjl. den oben erwähnten Aufsatz. 



Der nassauische Publizist Johannes Weitzel. 



Von 

G. Zedier. 



Wiederholt ist in tlicser Zeitschrift') eine Darstellung von Wcitzels Leben 
und schriftstellerischem Wirken gefordert worden. Wenn ich mich auf den 
folgenden Blättern dieser Aufgabe unterziehe, so wurde ich durch meine Be- 
schäftigung mit der Geschichte der Presse in Nassau von selbst dazu geführt, 
Wcitzels publizistischer Thütigkeit, der auch das erste politische Blatt Nassaus 
seine Entstehung verdankt, näher zu treten. 

Wir besitzen über Weitzel ausser seiner allerdings nur die Jugendzeit 
beliandelnden Selbstbiographie ziemlich ausführliche Nachrichten in dem Nach- 
ruf, den ihm die Allgemeine Zeitung kurz nach seinem Tode widmete.^) Ferner 
bietet das 1843 erschienene Buch D o r ^> w s „Erlebtes aus den Jahren 18i:>— 1820" 
gerade für die Zeit, in der Weitzel auf der Höhe seines Lebens stand, wert- 
volles Material, das aus hinterlassenen Papieren Weitzels in dem Aufsatze 
Mathien Schwanns „Aus der Zeit der Karlsbader Beschlüsse" neuerdings') eine 
willkommene Ergänzung erfahren hat. Die den Lebensnachrichteu über den 
Ptegierungs-Präsidenteu K. von Ibell von K. Seh war t z') eingefügte Lebensskizze 
Weitzels ist wesentlich eine Jvorapilation der in dem Nachruf der Allgemeinen 
Zeitung und bei D o r o w enthalteneu Angaben und atmet bei dem engen An- 
schluss an diese Quellen auch den panegyrischen Geist derselben. Für die 
Beurteilung von Weitzels Thätigkeit als Redakteur der Rheinischen Blätter 
kommt das Buch Sauers, „Das Herzogtum Nassau in den Jahren 18i:>— 1820" 
in Betracht, für das jene Zeitung eine llauptciuelle bildet. Der ebenfalls von 
Sauer bearbeitete Artikel über Weitzel in der Allgemeinen deutschen Bio- 
graphie gibt eine auf Grund dieser Quellen und Akten des Staatsarchivs zu 
Wiesbaden gemachte Zusammenstellung der wichtigsten Daten von Weitzels 
Leben. Die angeführte Litteratur gewährt uns keinen Einblick in den Inhalr 

1) Bd. XI, S. 203 und Bd. XIV, S. 42. 

-) Aiisserovdentliclie Beilage 1837, Xo. 67—73. Auf diesem Xnclinif l.orulit aurh der 
Artikel im Neuen Nekroh.g der Deutschen .lalirg. 15 (1837), I., S. r,7— 83. 
*) Vüssische Zeitung 1897, Sonntugsbeil. No. 34 und 3."). 
*) Aunalen Bd. XIV, S. 1 — 109. 



144 

und Geist von Weitzels Sohrit'ton, und erniöglitlir os uns deshalb auch nielit 
ein lebendiges Bild dieses Mannes zu erhalten und uns ein Urteil über ihn zu 
)>ilden. Im Hinblick auf den Umfang seiner Schriften und auf die Stellung, 
die Weitzel seinerzeit als Publizist eingenommen hat, scheint eine eingehendere, 
diese Forderungen befriedigende Darstellung aber durchaus gerechtfertigt.') Ich 
habe abgesehen von gedrucktem Material einige bisher nicht verwertete Akten 
des Staatsarchivs zu Wiesbaden und Familienpapiere benutzt, die mir ein Ur- 
enkePj AVeitzels freundlichst zur Verfügung stellte ich bemerke indessen vor- 
weg, dass ich mich in der Angabe der äusseren Lebensumstände auf das AVesent- 
lichste und Charakteristische beschränke. Mit dem Folgenden beanspruche icli 
auch keineswegs eine eigentliche Biographie AVeitzels zu geben, meine Aufgabe 
findet vielmehr in der Darstellung dessen, was AVeitzel als Publizist erstrebt 
und geleistet hat, der Hauptsache nach ihre Begrenzung. 

1. Jugfendjahre. 

Johannes "SVeitzel ist zu Johannisberg im Rheingau am 24. Oktober 1771 
geboren.') Er war kaum vier Jahre alt, als sein Täter, ein Winzer, starb. 
Seine nüt vier noch unerzogenen Kindern zurückbleibende Mutter verlor durcli 
betrügerische Verwandte und durch die Habsucht gewissenloser Beamter das nicht 
unbeträchtliche Besitztum fast ganz und hatte Mühe sich durchzuschlagen. Da 
der zart gebaute Knabe zu der harten Arbeit des Weinbaues nicht tauglich 
erschien, riet man der ^lutter ihn das Schneiderhandwerk erlernen zu lassen. 
Dageg-en erhob sich aber in dem Knaben, dessen lebhafte Phantasie durch die 
Lektüre der kleinen, von seinem Vater hiuterlassenen Bibliothek schon früh 
wachgerufen war, der entschiedenste Widersprucli. Er wollte höher hinaus, 
und ein zufälliger Besuch in Mainz, wo ihm gelegentlich eines feierlichen Hoch- 
amtes in der Kirche des dortigen Karmeliterklosters die ganze städtische Pracht- 
entfaltung entgegentrat, wirkte nach dieser Richtung entscheidend. Fortan 
ruhte er nicht, bis er mit Hilfe des Dorfschulmeisters seiner Mutter die Ein- 
willigung zum Besuch einer Gelehrtenschule abgerungen hatte. Mit dem 
zwcUften Jahr kam AVeitzel nach Kreuznach auf die dortige, von Karmelitern 
geleitete Schule. Sie stand in dem Rufe strenger Rechtgläubigkeit, was sie 
in den Augen der Mutter als besonders empfehlenswert erscheinen liess. Der 
Unterricht wurde hier aber so mechanisch gehandhabt, dass Weitzel trotz 
glänzender Zeugnisse nach Verlauf eines Jahres die Schule aus eigenem Ent- 
schluss schon wieder verlicss, um sie mit dem 3Iainzer Gymnasium zu ver- 
tauschen. Hier in Mainz musste er, abgesehen von einem ganz unbedeutenden 
Stipendium, sich seinen Lebensunterhalt durch Privatunterricht selbst verdienen. 



*) In einem im "NVinter 1897/98 gehaltenen Vortrage, der im Rhein. Kurier 1897, 
?fo. 353 und 354 mit<jeteilt worden ist, habe ich hcreits die pu'nlizistischen Schriften Weitzels 
aus der früliori-ii Periode bis zu don Karlsbader Beschlühseii kurz skizziert. 

^) Herr Dr. Aicfcld in JJarmstadt. 

^) Merkwürdigerweise giebt sioli AVeitzel auf zwei seiner späteren Schriften den Vor- 
namen Josef; nach dem Johannisberger Kirchenbuch erhielt er in der Taufe die IS'amen 
.Ifdtanne8 Ignatz. 



145 

Er mietete sicli «'in Itoi einer armen Witwe, wo er das enge l)a(li.stüh(;lien 
abgesehen von dem rngc/ieler mit vier anderen Stubengenossen, von denen 
zwei sogar mit ihm in eiiunn Bette schliefen, zu teih>n hatte. Der in grösster 
Dürftigkeit aufgcwaolisene Dorf junge fand sich ab(U- mit diirscn Verhältnissen 
/urecht. Aus der Schilderung, di<^ er in seiner Selbstbiographie von seinem 
damaligen Mainzer JiidxMi gibt, geht hervor, dass er sich trotz aller sonstigen 
Entbehrungen doch die Kunstgenüsse, wie sie ^lainz in seinem Theater bot, 
keineswegs versagte. Namentlich die Oper besuchtem er Heissig. Vom Vater 
her war Weitzel, wie er selbst sagt, musikalisch beanlagt, und wenn auch die 
Ungunst der Verhältnisse verhinderte, diese Anlage zu pHegcm und aktiv zu ver- 
werten, so beweisen doch die vielen aus der Musik genommenen Vergleiche in 
seineu Schriften und die namentlich in seinen Romanen wiederkehrenden Be- 
trachtungen über die Wirkung der Musik eine besondere Vorliebe für diese 
das Gemüt am unmittelbarsten ergreifende! Kunst. Den Ansprüchen der Schule 
mit Leichtigkeit genügend vergrub er sich zu Hause in die Lektüre, die ihm 
die Leihbibliothek eines Mainzer Juden bot und verschaffte sich auf diese Weise 
eine für seine Jahre ungewöhnliche, wenn auch nicht sehr systematische Litte- 
raturkenntnis. War der Lehrkörper der Schule, wie es scheint, von dem Geist 
der Aufklärung wenig berührt, so fanden, wie man denn auch in den oberen 
Regionen des damaligen Mainz dem Zeitgeiste huldigte, in der ebenso auf- 
geweckten, wie leichtlebigen Bevölkerung die revolutionären Ideen, die im be- 
nachbarten Frankreich bald den Zusammenbruch der bestehenden Verhältnisse 
herbeiführen sollten, den günstigsten Boden. Der junge Weitzel, der schon 
früh die Gegensätze des Menscheulebens in ihrer ganzen Schroffheit kennen 
gelernt und in schweren inneren Kämpfen den Glauben seiner Kindheit, den 
die strenge, dem katholischen Bekenntnis treu anhängende Mutter in ihm zu 
pflegen beflissen gewesen war, bereits in jungen Jahren verloren hatte, sog 
die Lehren Rousseaus begierig in sich ein. Nach einem Zeitraum von fünf 
Jahren verliess Weitzel das Gymnasium, um zur Universität überzugehen. 
Trotzdem er auf Grund eines in die Hände der Lehrer gefallenen Manuskriptes, 
in welchem er seine dem strenggläubigen Lehrkörper höchst austössigen Grund- 
sätze niedergelegt hatte, kurz zuvor noch mit dem Kirchenbann und der Ver- 
weisung aus der Schule bedroht worden war, wurde ihm unter den Abiturienten 
die Ehre zu teil, die Abschiedsrede zu haiton. 

Weitzel begann seine Universitätsstudien ebenfalls in Mainz, wo besonders 
Heinrich und Niklas Vogt seine Lehrer waren. Neben dem Studium der Ge- 
schichte pflegte er seine litterarischen Interessen emsig weiter. ^lit den deutschen 
und ausländischen Klassikern machte er sich durchaus vertraut. Seine Lieblings- 
autoren aber waren Rousseau und der von den 'deutschen Klassikern politische 
Fragen in wissenschaftlicher Form einzig behandelnde Herder. Zugleich 
ersinff er sich in allerlei schriftstellerischen Versui-hen. Er verfasste Schau- 
s])iele. Sing- und Trauerspiele, schrieb R.)mane und war zugleich bestrebt, die 
ihn im bunten Wechsel beschäftigenden Gedanken in zusammenhängenden 
prosaischen Abhandlungen zu Pai)ier zu bringen, um das Niedergeschriebene 
mit gleichgesinnten Freunden zu besprechen. Er sagt selbst, dass er ver- 

10 



14ß 

ständig: ffonug seweson. niclits von diesen Yersuehen durch den Druck zu ver- 
öffentlichen, und die späterhin in seiner Selbstbiographie mitgeteilte Probe be- 
stätigt nur die Dichtigkeit dieser Selbstschätzung. Sie zeigt uns aber, wie ihn 
politische Fragen, wenn auch rein tlieoretischer Xatur, schon damals lebhaft 
interessierten. Es ist deshalb nicht zu verwundern, dass das empfängliche 
Gemüt des Jünglings, dem die Schriften Rousseaus ein Evangelium waren, 
vom Ausbrucli der französischen Revolution aufs tiefste ergriffen wurde. Zumal 
als dieselbe in ihren unmittelbaren Folgen nicht mehr auf Frankreich beschränkt 
blieb, sondern die Revolutionsheere sich seit 1792 gegen den Rhein wandten, 
war für Weitzel „an keine Kunst, an keine Wissenschaft mehr zu denken, 
wenn sie nicht mit dem grossen Gegenstand, der allein ihn unwiderstehlich 
anzog, mit der französischen Revolution in Verbindung stand." Den Enthusias- 
nms der Mainzer Klubisten teilte Weitzel durchaus, er wohnte anfangs auch 
ihren Sitzungen bei, allein die rauhe Wirklichkeit entsprach dem seinerseits 
geträumten Ideal so wenig, dass er sich bald verstimmt nach dem Rheingau 
zurückzog, wo er zunächst in Rüdesheim ein Unterkommen als Hauslehrer fand. 
Hier brachte er sicJi aber bald durch unvorsichtige Äusserungen in den Ver- 
dacht der Zugehörigkeit zu den Klubisten. Von den Preussen verfolgt, ent- 
ging er der Verhaftung nur durch eilige Flucht auf das linke Rheinufci'. 

Die französische Revolution gab Weitzel Veranlassung zu seiner ersten 
publizistischen Arbeit. Im Sommer 1795, noch ehe er seine Universitätsstudicu 
in Jena wieder aufnahm, veröffentlichte er die anonym erschienene Schrift 
„Geist der fränkischen Revolution"'. In seiner Selbstbiographie teilt er umfang- 
reiche Auszüge aus diesem damals bereits vergessenen Erstlingswerke mit, die 
zur Genüge zeigen, wie die Phrase darin vorherrscht. Der Satz aus Rousseaus 
politischer Ökonomie, dass das Vaterland nicht ohne Freiheit, die Freiheit 
nicht ohne Tugend bestehen könne, bildet das Grundthema, welches mit grossem 
Pathos in ermüdenden Variationen ausgeführt wird, um darzuthun, dass die 
französische Republik Gefahr laufe, an sich selbst Schiffbruch zu erleiden, und 
ihr eigentliches Ziel nur erreicht werden könne, wenn die Freiheit in der Tugend 
und Bildung der Bürger die einzig sichere Stütze finde. 

Kurz nach Veröffentlichung dieser Schrift ging Weitzel auf die Universität 
Jena, wohin ihn ausser Fichte, durch den er in das Studium der kritischen 
Philosophie eingeführt zu werden hoffte, der Wunsch, die gefeierten Dichter- 
heroen Weimars und Jenas in der Nähe sehen zu können, lebhaft hinzog. 
Allein mit so grossem Eifer er sich auch an das Studium Kants imd seiner 
Kommentatoren machte, seiner gefühlsseligen Natur ward die nüchterne Be- 
schäftigung mit der Wissenschaft des abstrakten Denkens bald überdrüssig und 
bei Anbruch des Frühlings trieb es ihn in die Weite. Mit zwei Freunden 
wanderte er nach Dresden, wo er sich an den Kunstgenüssen und landschaft- 
lichen Reizen dieser Stadt und ihrer Umgebung erfreute. Nach kurzem Aufent- 
halt in der Heimat suchte Weitzel 1796 die Göttinger Universität auf, wo er 
unter Schlözer und Spittler Geschichte und Staatswissenschaften studierte und 
ausserdem Lichtenberg und Bouterwek näh(>r trat. Aber auch hier duldete es 
ihn nicht lange. Mitten im Semester brach (!r, des übermässigen Studierens 



147 

müde, zu scjincr Erholung' in den ]Iiir/ iiuf, um nach Schluss des Schuljahres 
seine Universitätsstudion abzubrechen und im Frühjahr 1797 mit dem Gefühl, 
„dass er nicht zum Gelehrten geboren sei", nacl: Juhannisberg zurückzukehren. 
Die tiefe Geiehrsamk(Mt Schlözers hatte; auf die Dauer ebenso wenig An- 
ziehungskraft auf ihn ausüben können, wie die kritische Philosophie Kants. 
Vielmehr fesselte, wie die heimliche Jjektüre Rousseaus den 8chulknaben in 
Banden geschlagen hatte, der naive Glaube; an die; natürliche Unschuld des 
Menschen und die Lehre von der allgemeinen Gleichheit und der Souveränität 
des Volkes auch den zum Manne heranwachsenden Jüngling. In ebenso engen 
häuslichen, wie staatlichen Verhältnissen aufgewachsen, hielt er in seiner Ge- 
fühlsseligkoit diese Lehren für die Grundlage, auf der fortan alles politische 
und soziale Leben neu aufgebaut werden müsse. In diesem Sinne zu wirken 
erschien ihm als die höchste Lebensaufgabe. Zu Ilauso ohne bestimmte Be- 
schäftigung, verfiel der in Idealen schwelgende Schwärmer jetzt, wo es für 
ihn galt ins Leben hinauszutreten und zur Verwirklichung dieser Ideale werk- 
thätig seine Kräfte einzusetzen, zunächst in tiefe Schwermut. In dieser Zeit 
kam er auf den Gedanken, auf dem Theater in Scherz und Spiel zu finden, 
was seine von der rauhen Wirklichkeit des Lebens sich abgestossen fühlende 
Natur in der Welt im Ernste nicht erwarten durfte. **) Erst eine Keise in 
die Schweiz stellte das Gleichgewicht bei ihm wieder her und gab ihm die 
Ruhe seiner Seele zurück. 

2. Unter der französischen Herrschaft. 

Bald nach seiner Rückkehr erhielt Weitzel durch Empfehlung seines 
früheren Lehrers, des ehemaligen Professors Ilofmann, der damals den Posten 
eines General-Einnehmers in dem von den Franzosen neu geschaffenen Departe- 
ment Donnersberg bekleidete, eine Anstellung als Verwaltungsbeamter im Kanton 
Otterberg bei Kaiserslautern. Bei seiner Begeisterung für die hier praktisch 
gewordenen republikanischen Ideen trug er, der Angehörige eines dem Unter- 
gänge bereits geweihten deutschen Kleinstaates, kein Bedenken in französische 
Dienste zu treten, vielmehr war hier allein der Boden, wo für ihn eine öffent- 
liche Wirksamkeit im Dienste des Staates in Frage kommen konnte. Zu Beginn 
des Jahres 1799 wurde ihm die vakante Stelle eines Kreiskommissars in 
Germersheim übertragen. Als solcher hatte er einen mit ziendicher Macht- 
befugnis ausgestatteten, verantwortungsvollen Posten. Wir können es Weitzel 
glauben, dass er seines Amtes mit peinlicher Rechtlichkeit und Unparteilichkeit 
waltete, und dass diese Eigenschaften das damalige republikanische Beamtentum 
nicht eben auszeichneten. Andrerseits war der noch gänzlich unerfahrene junge 
Mann, der in jugendlicher Unbefangenheit die Menschen au den ihm mit 
gleicher Vorliebe wie Rousseau vorschwebenden Plutarch'schen Idealgestalten 
eines Epaminondas oder Cato mass, wohl kaum dazu berufen in einer dem 
Generalkommissar eingereichten Denkschrift die Zustände der Verwaltung einer 
scharfen Kritik zu unterziehen und als Anwalt des Volkes aufzutreten. Jedenfalls 



*) Das Merkwürdigste aus meinem Leben I, S. 201. 

10* 



14b 

eiTciclir er nie-hrs weiter, als ilass er sieh an eutscheidender Stelle lästig machte 
und bei der nach dem Staatsstreiche Napoleons im Jahre 1800 statttindeuden 
Reorganisation der A'erwaltung übergangen wurde. AVeitzel kommt in seinen 
Schriften') häutig und nicht ohne eine gewisse Selbstgefälligkeit auf diese 
Episode seines Lebens zu sprechen. In seiner Selbstbiographie'^) sagt er: „In 
dem thätigen handelnden Leben konnte ich nur einen mir angemessenen 
Wirkungskreis finden. Hatte mir die mütterliche Natur einige Talente gegeben, 
dann konnte ich sie nur in iliiii l»ilden und anwenden und sie bestimmten mich zu 
einer ganz anderen Laufbahn, als die ist, welche mir mein Verhängnis anwies. Dieser 
Selbstbeurteilung gegenüber muss jedoch betont werden, dass AVeitzel sich 
weder seiner Naturanlage noch seiner ganzen Entwickelung nach zum Staats- 
mann und zu einer öftentlichen Wirksamkeit eignete. Es ist bereits hervor- 
gehoben, dass gerade seine Gefühlsschwärmerei ihn in diese Laufbahn hinein- 
gedi'ängt hatte. Die allzugrosse Erregbarkeit des Gemüts brachte ihn unter 
dem Einfluss ungünstiger äusserer Verhältnisse von früher Jugend an gar zu 
leicht in einen Zwiespalt mit der ihn umgebenden Welt. Wie sich seiner 
schon als Knabe die Überzeugung bemächtigt, „dass es kein Recht gäbe," und 
dieser Gedanke „wie ein wildes Tier seine Krallen und Zähne in sein Herz 
schlägf^, wie den Jüngling „überall die Gemeinheit und Erbärndichkeit anekelt, 
welche die Welt regiert'', so sieht auch der gereifte Mann immer wieder den 
Stein des Anstosses im Wege liegen. Die Widersprüche, die das Leben bietet, 
rauben ihm allzu schnell den ruhigen Genuss der Gegenwart und lassen ihn 
aus der rauhen Wirklichkeit gern in das i)hantastische Reich seiner eignen 
Gedanken flüchten. Eine solche Tassonatur passt nicht für eine öffentliche 
Thätigkeit, und so w^erden, wenn Weitzel vielleicht auch persönlich Grund haben 
mochte, über seine Dienstentlassung ungehalten zu sein, doch auch andere als 
rachsüchtige Motive massgebend gewesen sein, die sich seinem Verbleiben im 
Amte entgegenstellten. 

AVeitzel, der sich in Germersheim mit Margarethe Dietrich, der Tochter 
eines begüterten Ilolzhäudlers, verheiratet hatte"), gedachte sich jetzt mit 
seiner jungen Frau nach Johannisberg zurückzuziehen. Doch wies ihn die ehe- 
malige Mainzer Regierung, die ihren Sitz zu Aschaffenburg hatte, wegen seiner 
die revolutionären Ideen nährenden Schriften aus. Er hatte soeben in Mainz 
ein Buch „Über die Bestimmung des Menschen und des Bürgers"' erscheinen 
lassen, das ebenfalls Gedanken des Gesellschaftsvertrags und der politischen 
Ökonomie Rousseaus verallgemeinert. Einzelne Stellen sind direkte Über- 
tragungen aus jenen Werken, und wenn es darin mit Emphase heisst, „Rousseaus 
Donner stürmen erzitternd gegen die Thronen der Völkerwürger durch alle 
Zonen", so erscheint das Verfahren der kurfürstlichen Regierung gegen ihn 



*) Siehe besonders Briefe vom Rhein, S. 498—011. 
'") Teil I, S. 189. 



") Die Ehe war eine sehr glückliche, wie es Briefe aus Weitzels Xachlass bezeuge«, 
und er es auch iu seiner Selbstbiographie (I, S. 189) bekennt. Das einzige Kind aus dieser 
Ehe, AVeitzels Tochter Auguste, war mit dem nassauischen General Alefeld verheiratet. 



149 

nicht so grundlos, wio es Weitzol liinzustoUon boliobt.'-) Frciilicli ist die Scliriit 
im übrigen harmloser Natur. Der Stuat ist Weitzel ganz so, wie im Contrat 
social, auf den Vertrag der Individuen begründet. Der blindem Konflikt von 
physischen Kräften hat ihn geschaffen und die blosse physische Kraft blieb 
seine Beherrscherin. Darum erfasste die Willkür das JUidor, weiches der Ver- 
nunft gehiirt hätte. 80 hat sich der Kevolutionsstoff gebildet, der gären<l in 
den Völkern liegt. Die Erscheinung einer solchen Staatsumwälzuug wie (hir 
französischen Revolution ist in dieser Totalität einzig. Die Vernunft hat hier 
d'w unverwerfliche Urkunde der mit der Menschheit unzertrennlich verbundenc-n 
Vorzüge der Freiheit und Gleichheit unter dem Schutt von tausendjährigen 
Vorurteilen hervorgesucht. Dass aber diese Güter der Menschheit erhalten 
bleiben und zum völligen Besitz werden, dazu bedarf es nicht so sehr einer 
äusseren, wie einer inneren Gesetzgebung: dazu ist die Herrschaft des Moral- 
gesetzes notwendig. 

Weitzel beabsichtigte in Mainz ein politisches Dckadenblatt herauszugeben. 
Da ihm hierzu aber die Genehmigung versagt wurde, so änderte er den Plan 
des Blattes um, das in der Folge unter dem Titel „Egeria, eine Monatsschrift 
für Freunde der Geschichte, Gesetzgebung und Politik'' und zwar zuerst im 
Germinal des Jahres 9 der Republik (April 1801) erschien. Diese Zeitschrift 
hatte nicht den gewünschten Erfolg. AVeitzel fand weder genügende Mitarbeiter 
noch die erforderliche Unterstützung des Publikums, so dass das Unternehmen 
am Ende des Sommers bereits wieder einging. Er veröffentlichte in ihr vor 
allem den umfangreichen, über vier Hefte sich erstreckenden Aufsatz: „Be- 
trachtungen über die Ursachen grosser Staatsrevolutionen mit besonderer Hin- 
sicht auf die fränkische." Auf ihn legt er auch später noch besonderes Ge- 
wicht und bezeichnet ihn als den Keim, aus dem fast alles, was von ihm im 
Fache der Staatswissenschaft geschrieben worden sei, sich entwickelt und 
gestaltet habe; er bilde das erste Kapital, das nur durch glückliches 
Anlegen und Umschlagen gewachsen sei.^^) Weitzel nimmt hier das Thema 
seiner früheren Schriften wieder auf und sucht für die in der Politischen Öko- 
nomie Rousseaus enthaltenen Maximen Mittel und Wege zu ihrer praktischen 
Durchführung darzulegen. Alle Menschen, führt er aus, haben gleiche xVnsprücho 
auf die Güter dieses Lebens und folglicli als Bürger eines Staates gleiche An- 
sprüche auf die Güter dieses Staates. Die Gesetze, sow^eit sie Überfluss und 
Mangel in gewissen Familien verewigen, sind ungerecht und sollten aus jedem 
gerechten Staate verbannt sein. Denn die Ungleichheit der Güter ist die Quelle 
der Verbrechen und des Elends, welche das gesellige Leben geissein. Si(> hat 
nicht nur die französische, sondern alle Revolutionen von jeher ins Dasein ge- 
rufen. Ein vollkonmiener Staat ist ein Ideal. Die Wirklichkeit muss aber 
diesem Ideal möglichst nahe gebracht werden, und da eine gleiche Verteilung 
der Güter wahrscheinlich von einer gefährlichen Revolution begleitet sein 
würde, so könnte uns eine weisere Bestimmung der Erbfolge, ein gerechteres 



'■) Briefe vuiii Kliciu, H. öll. 

**) Dfts Morkwürdigste aus lUGiiiem Leben I, S. 323. 



150 

Steuersystem und zweckmässige Anordnungen bezüglich der Mitgift bei Heiraten 
der Gleichheit der Güter ohne Gefahr nähern. Die Hauptsache aber ist — 
und hier knüpft er an seine vorige Schrift an — dass die äussere Gesetzgebung 
durch die innere, die moralische, ersetzt werde. Der Mensch soll aus Über- 
zeug-unfr und aus Freiheit thun. was er thut. Das Streben des Staates muss 
demnach darauf gerichtet sein, die positive Gesetzgebung durch die ethische 
abzulösen, die Strafgesetze unnötig zu machen und ihren Zwang durch einen 
rechtmässigen Willen zu ersetzen, der des Zwanges nicht bedarf. Dies ist nur 
erreichbar durch eine entsprechende Erziehung. Daneben muss eine weisere 
bürgerliche Gesetzgebung Platz greifen. Yor allem müssen öffentliche Sitten- 
gerichte eingeführt werden. Die Bestimmung derselben soll sein. Handlungen, 
über welche das positive Gesetz nicht abzusprechen hat, der öffentlichen 
Meinung zu denunzieren. Undankbare Söhne, schlechte Väter und Gatten, 
Ycrläumder, Verschwender, Betrüger, Undankbare, Verräter, Treulose, Lügner, 
Verführer, Trunkenbolde, Ehebrecher und Feige, kurz Menschen, welche die 
Würde der menschlichen Natur schänden, sollen durch Urteile der Sitten- 
gerichte der öffentlichen Verachtung und dem allgemeinen Hasse hingegeben 
werden. Handlungen einer edelmütigen Aufopferung, der Dankbarkeit, Treue, 
einer edlen Einfalt und eines ausgezeichneten Mutes soll dies Gericht verbunden 
sein, der öffentlichen Achtung zu empfehlen. Ihre Organisation denkt er sich 
ähnlich der der peinlichen Gerichte. Km- Männer, bekannt durch reine Sitten 
und ein tadelloses Leben, dürften als Mitglieder dieses Tribunals aufgenommen 
werden. Seine Sitzungen sollen öffentlich sein, ebenso sollen die Protokolle zu 
bestimmten Zeitpunkten dem Drucke übergeben werden, und obgleich ein jeder 
Bürger von tadellosem Hufe vor ihm als Ankläger auftreten kann, so soll es 
doch seinen öffentlichen Ankläger haben, welcher, vermöge seines Amtes den 
hohen Beruf hat, die oben bezeichneten Vergehungen zu verfolgen. Mit offen- 
barem Wohlgefallen ergeht sich AVeitzcl in diesen letzten Ausführungen, bei 
denen ihm wohl zunächst antike Einrichtungen vorgeschwebt haben.'*) Auch 
nach dem Eingehen der Egeria setzte er diese Untersuchungen weiter fort. 
Aus den Protokollen'^) der Departenientalgesellschaft der Wissenschaft und 
Künste ersehen wir, dass er in der Sitzung vom Ib. Ventose des Jahres 11 
der Kepublik über die Folgen der Ungleichheit der Güter und die Mittel, den- 
selben zu begegnen, las. Er schlägt vor: Man lege in allen Teilen eines 
Reiches einen Fonds an, aus dem jeder junge Bürger ohne Vermögen, der sich 
cntschliesst, Familienvater zu werden, ein Kapital erhält, welches nach einer 
angestellten Berechnung hinreicht, um am Orte seiner Niederlassung ein Ge- 
schäft anzufangen ; man bestimme gesetzlich das Maxinmm des Landeigentums, 
welches ein Bürger besitzen kann; man verwandle allmählich alle National- und 
Gemeindegüter in Privateigentum; man wende alle Mittel an, den Ackerbau 
zu ernmntern, durch Erleichterung des Absatzes der Produkte, durch Urbar- 

'*) Äliiilich, wenn aucli historisch vollständig unrichtig, fasst Weitzel die Stellung der 
jüdischen Propheten als staatlich eingesetzter Vertreter der öffentlichen Meinung auf. Vergl. 
seine Geschichte der Staatswissenschaft iJd. I, S. 32. 

'■^) Siehe Mainzer Zeitung Xo. 88 dieses Jahres. 



löl 

iiiuchung öder Liiiulcvcicn vini Staiitswegen, durcli Bowirkuug einer leichten, 
wohlfeilen und sc^lnudlen Konuminikution zwischen Verkäufern und Abnehmern; 
man gleiche das Gehalt der unteren Staatsbeamten möglichst mit dem der oberen 
aus; schliesslich lasse sich jeder durch seine Stelle ausgezeichnete Mcinsch an- 
gelegen sein, das Beispicd von Frugalität und Einfachheit zu geben. Mit 
diesen Ideen, Erzeugnissen einer allzu phantastischen Spekulation, juochte er 
wohl kaum viel Jieifall finden. Das grosse Publikum las diese in die Form 
wisscnsdiaftlicher Abhandlungen gekleideten Expektorationen überhaupt nicht. 
Um nun seinen politischen Gedanken Eingang bei diesem zu verschaffen, 
zog es Weitzel demnächst vor, sie in einen Komau zu v(!rarbeiten. Schon in 
der Egeria wirft er die Frage auf, warum man, während so viele Rojnane über 
das häusliclie und eheliche Glück der Menschen geschrieben würden, keine 
über das der V()lker schreibe. Er veröffentlichte hier aucli bereits Teile aus 
dem politischen Roman, der unter dem Titel „Lindau oder der unsichtbare liund. 
Eine Geschichte aus dem Kevolutions-Kriege" 1805 selbständig in Frankfurt 
a. M. erschien. Die Zeit der Freiheit und Gleichheit war dahin; aus der 
Republik war Napoleon zunächst als erster, dann als lebenslänglicher Konsul 
und 1804 als erblicher Kaiser hervorgegangen. Seine Stellungnahme zu diesen 
Ereignissen hat Weitzel in diesem Roman gekennzeichnet. Lindau, ein junger 
Deutscher, hat wie der in der ersten Person sich einführende Verfasser, mit 
dem jener von Jugend auf durch innige Freundschaft verbunden ist, voll Enthusias- 
mus für die Revolution seine Heimat verlassen, um unter der Republik seine 
Ideale verwirklichen zu helfen. Seine jugendlichen {[offnungen und Wünsche 
haben sich aber nicht erfüllt, vielmehr haben ihn die Jahre, in denen er von 
Weitzel getrennt im Dienste der Republik thätig war, bittere Enttäusclmngen 
gebracht. Die Mitteilung der letzteren und die Aussprache der Freunden über 
ihre gegenseitigen Erfahrungen bilden den Inhalt des ersten Teiles des Romanes. 
Die jetzt wieder vereinigten Freunde machen die Rckanntschaft Wilsons, mit 
dem sie ihre Ansichten über Staat und Politik austauschen. In ihm zeichnet 
Weitzel Napoleon, den er in Mainz auch persönlich kennen zu lernen Gelegen- 
heit liatte."^) Wilson weist mit überlegener Einsicht auf das Überschwengliche 
ihrer Ploffnungen und Erwartungen von einer republikanischen Staatsverfassung 
hin. Er belehrt sie, dass diejenigen, welche die Lage des menschlichen Ge- 
schlechtes durch Staatsverfassungen bessern wollen, das Geschäft der Danaiden 
besorgen, denn einer jeden Verfassung werden die Gebrechen der ]\[enscheu 
anhaften. Es giebt nur ein Mittel allen diesen Übelständen zu begegnen: Es 



"') Die C'haraktoristik, die Weitzel hier (S. 90 f.) von Xapoleoii giebt, ist nielit ohne 
Interesse schon hinsichtlich der Beurteilung von Wcitzels Stellung zu letzterem, auf die wir 
\veiter unten einzugehen Veranlagsung haben. Deshalb seien die "Worte hier mitgeteilt: .,Es 
war ein Mann im Sommer seiner Jahre, nicht gross, aber von starkem Körperbauc. Auf seiner 
hohen Stirne thronte Kraft und Muth. Aus seinem tiefliegenden glühenden Auge sprach eine 
wilde Keckheit. Seine Jlaltung war mehr stolz als edel. Sein ganzes AVosen, Ausdruck und 
Geberde verrieten eine absj)rechende, verachtende Kälte. Der erste Eindruck, den dieser 
Mensch auf mich machte, war unvertdgbar, und ungern begegnete ich seinem düstern Blicke, 
tlor tief in das Mark dessen zu dringen schien, den er ins Auge fosste. Das Französische 
sprach er fertig, tibor mit ciniMii fremden, rauhrii Akzent." 



152 

ist ein Bund der weisesten uiul muriirston Mensehen jeder Generation, welcher 
den grossen Zweck erfüllt, die Menschen über ihre Pflichten und Rechte auf- 
zuklären und durch seine unsichtbare Gewalt die Entschlüsse und Handlungen 
der Reg:ierunu:en leitet. Auf diese Weise wird der Beste und Würdigste den 



-r*^*""o 



Staat lenken. "Wilson führt beide Freunde in diesen Bund, dem er selbst 
angehört, ein und nuuht sie mit der Organisation desselben bekannt. Der 
Bund führt durch seine Mitglieder genau Buch über alle politischen, wirtschaft- 
lichen und sittlichen Verhältnisse jedes Landes, seines Volkes und seiner 
Regierung. Unter den erläuternden Denkschriften, die der Bund verwahrt, 
betindet sieh auch eine über die beste Staatsverfassung für Frankreich, Sie 
führt aus. dass der Bürger die Fähigkeit und ]^eigung, sich mit den Angelegen- 
heiten des Staates zu beschäftigen, in demselben Masse verliere, als sich die 
letzteren von seinem persönlichen Interesse entfernen, und aus diesem Grunde 
der ausgebreitete Umfang eines Staates keine demokratische Verfassung vertrage. 
Die grossen Verhältnisse eines Staates, wie es der fränkische ist, übersieht nur 
der grosse Geist eines ausserordentlichen Menschen. Da dieser aber nicht zu- 
gleich in die enge Sphäre des Bürgers dringen kann, so muss die konzentrierte 
Gewalt der Regierung mit einem föderalistischen System der Lokaladministration 
verbunden werden. 

Die Idee des heiligen Bundes lag damals, in der Zeit der Geheimbunde, in 
der Luft. Ebenso phantastisch wie diese Idee durchgeführt ist, ebenso über- 
schwenglich ist die in den politischen Kern des Romans verwobene Liebes- 
geschichte, welche das Ganze nur sehr locker zusammenhält. Auch der Stil ist 
stellenweise schwülstig. Aber bei aller Überspanntheit zeigt der Roman doch, 
dass "Weitzels politische Anschauungen in mancher Hinsicht gereiftere geworden 
sind. Was zur Verteidigung des bureaukratischen Verwaltungssystems Napoleons 
ausgeführt wird, beruht weit mehr auf wirklicher Beurteilung der realen Ver- 
hältnisse als die frühere phrasenhafte Verherrlichung der französischen Revolution 
und die allzu phantasievollen theoretischen Untersuchungen über ihre Ursachen, 
die den Gegenstand seiner früheren Schriften bilden. Wie wenig im übrigen 
seine Hoffnungen und Wünsche bezüglich Napoleons mit der Wirklichkeit zu 
thun hatten, darüber war Weitzel nach der Vorrede des Buches zur Zeit, wo 
er diesen Roman selbständig erscheinen liess, nicht mehr im Unklaren. Wir 
haben aber guten Grund zu glauben, dass er damals, als er ihn niederschrieb 
— Teile desselben waren, abgesehen von der Egeria, bereits 1802 und 1803 
unter dem Titel „Politische Fragmente" in der Mainzer Zeitung veröffentlicht — 
wirklich diese schwärmerischen Hoffnungen auf Napoleon gesetzt hatte. 

Weitzel hatte bald nach dem Eingehen der Egeria die Redaktion der Mainzer 
Zeitung erhalten. Ein solch(!s öffentliches Organ herauszugeben und durch das- 
selbe der Herold der öffentlichen Meinung zu sein hatte für ihn grossen Reiz, wie 
(;r andrerseits bei seiner leichten und gefälligen Art der Darstellung, seinen 
vielseitigen, wenn auch nirgends in die Tiefe gehenden Kenntnissen und seiner 
grossen Belesenheit vftrzüglich dazu geeignet war. Die Zeitung erlangte deshalb 
auch im Gegensatz zu dem aus Mangel an Beteiligung eingegangeneu „Be- 
obachter vom Donnersberg'" im ganzen Departement schnell Ansehen und Be- 



153 

liobthoit. Woit/X'l, (l<iii der rräfckt dos I)(!partcments Jeanbon-St. Andre 
porsönlich wohl wollte, hatte zunächst unter der Zensur nicht gross zu leidem. 
Ein IMick in seine Zeitung belehrt uns auch, dass seine mehr aus der Theorie 
als aus der Praxis geschöpften politischen Erörterungen selbst einer rigorosen 
Zensur nicht bedenklich zu erscheinen brauchten. Man könnte freilich, wenn 
Treitschke, wo er von der Auflösung des deutschen Reiches spricht, in seinem- 
Deutschen Geschichte") sagt: „Im Lager des Bonapartismus lärmte die freche 
Schadenfreude. Die Mainzer Zeitung schrieb: „„Es ist kein Deutschland mehr. 
Was man für Anstrengungen einer gegen ihre Auflösung kämpfenden Naticm 
zu lialten versucht werden könnte, sind nur Klagen weniger Menschen au dem 
Grabe eines Volkes, das sie überlebt haben. Deutschland ist nicht heute erst 
untcro-eo-angen. Was der Geschichte der Völker Inhalt und Leben giebt, ist 
der Geist einiger grösseren hervorragenden Menschen"" — worauf dann die 
übliche Kniebeugung vor dem Helden des Jahrhunderts folgte — " man könnte, 
wenn man diese Worte liest, zu dem Glauben kommen, dass Weitzel in seiner 
Zeitung für Napoleons Eroberungspläne Propaganda gemacht und sich in serviler 
Liebedienerei gegen den Imperator gefallen habe. Beides lag Weitzel gänzlich 
fern. Weitzel ist zwar kein starker, willenskräftiger Geist, aber überall tritt er 
uns als ein von idealen Gedanken erfüllter, über niedrige Eigtmschaften durchaus 
erhabener Charakter entgegen. Bei der Schwere des Vorwurfs sei es gestattet, 
jene Stelle der Mainzer Zeitung nach ihrem vollen Wortlaut mitzuteilen: 
„Es ist kein Deutschland mehr. Was man für Anstrengungen einer gegen ihre 
Auflösung kämpfenden Nation zu halten versucht werden könnte, sind nur 
Klao-en weniger Menschen an dem Grabe eines Volkes, das sie überlebt haben. 
Sie glaubten an eine Nation, weil eine gemeinschaftliche Sprache und gemein- 
schaftliche Sitte ihnen ein Volk zusammen zu halten schienen. Deutschland 
ist nicht heute erst untergegangen. Es selbst hat seine Auflösung beschleunigt 
und seinem Dasein ein Ende gemacht. Es selbst konnte sich nur retten. Aber 
was der Geschichte der Völker und den Völkern Inhalt und Leben giebt, ist 
der Geist einiger grösseren, hervorragenden Menschen, die durch sie wirken. 
Deutschland hatte einen solchen Menschen nicht und konnte ihn nicht wohl 
haben, weil der Zufall ihm denselben hätte schenken müssen. Jedes Volk und 
jedes Zeitalter findet die kräftigen Seelen, deren es bedarf, aber selten giebt 
ihnen die Laune des Schicksals im Augenblick der Not den umfassenden 
Wirkungskreis von einem Throne herab. Was die breite Bahn des Herkommens 
verfola-t, wo das Herkommen keine Norm und kein Gesetz mehr ist, findet das 
Ziel, vor welchem der Geist der Zeit es vergebens warnt, und er hat es ver- 
gebens gewarnt." Weitzel ist ganz unverkennbar selbst der Schreiber dieser 
Zeilen. Aber ich meine, es klingt aus ihnen nicht freche Schadenfreude und 
niedrige Schmeichelei, sondern diese Worte sind vielmehr der Ausdruck kühler 
Reflexion eines Politikers, der in dem Regiment des aus dem Volke kraft eigner 
Tüchtigkeit hervorgegangenen Usurpators, ebenso einen Beweis für die durcli 
die Revolution angebahnte gesunde politische Entwickeluug Frankreichs sieht. 



") Bd. I, S. 235. 



154 

wie er überzeugt ist. dass der Zusammenbruch "Deutschlands mit Notwendigkeit 
habe erfolgen müssen, weil es dem durch die Revolution angebahnten Zoitgciste 
nicht gefolgt sei.'*) Gewiss ist es zu bekhigen, dass das deutsche National- 
irefühl und Selbstbewusstsein so ersterben konnte, aber warf nielit auch Fichte"*), 
der zwei Jahre darauf seine, die nationale Begeisterung weckenden Reden an 
die deutsche Nation hielt, damals noch die Frage auf: „Welches ist denn das 
Vaterland des wahrhaft ausgebildeten christlichen Europäers?" und antwortete 
darauf: ,Jni allgemeinen ist es Europa, insbesondere ist es in jedem Zeitalter 
derjenige Staat iu Europa, der auf der Höhe der Kultur steht. Jener Staat, 
der gefährlich fehlgreift, wird mit der Zeit freilich untergehen, demnach auf- 
hören auf der Höhe der Kultur zu stehen. Aber eben darum, weil er unter- 
geht und untergehiMi nuiss, kommen andere und unter diesen Einer vorzüglich 
herauf, "* Andrerseits ist auch der Beweis zu erbringen, dass Weitzcl, mochte 
er auch in seiner kosmopolitischen Befangenheit und in seiner Begeisterung für 
die ihm vorschwebenden Ziele der französischen Revolution das Heil der Welt 
damals von Frankreich erwarten, doch nicht vergass, dass er Deutscher war. 
Durch den Präfekten wurde die französische Regierung auf ihn aufmerksam. 
Dem General Savary. dem Chef der Napoleonischen Geheimpolizei, schien er 
die geeignete Persönlichkeit, kurz bevor Napoleon, der sich damals in ]\Iainz 
aufhielt, den Feldzug von 1806 eröffnete, in geheimer Mission nach Deutsch- 
land zu gehen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass man Weitzel zur Beobachtung 
und Erforschung der Stimmung in Deutschland benutzen wollte, wozu man 
vorzüglich Männer heranzog, die mit den litterarischen Kreisen Deutschlands 
Fühlung hatten. ^*') Weitzel sollte, wie nach seinem Roman „August und 
Wilhelmine" zu vermuten ist''), dem französischen Hauptquartier zu diesem 
Zweck attachiert werden. Trotz der glänzendsten Aussichten und der dringendsten 
Vorstellungen Hess sich Weitzel hierzu aber nicht bestimmen. Er erklärte 
vielmehr, dass er, Deutscher von Geburt, dem Lande mit allen seinen Er- 
innerungen der Kindheit und der Jugend angehöre. Auch erkennt man aus 
seinem Roman, „Eugen oder die Feindschaft aus Liebe", Avelcher 1809 in Mainz 
erschien, dass Weitzel den Wünschen echter deutscher Patrioten in seinem 
Herzen damals nicht mehr fern stand. Er beschreibt ein Maskenfest, Unter 
den auf demselben gebotenen Überraschungen ist auch ein hundertköpfiges 
Ungeheuer, das sich vergeblich zu erheben bemüht, da die hundert Köpfe in 
verschiedener Richtung auseinunderstreben. Ein Zauberer berührt es mit seinem 
Stabe, und die hundert Köpfe verwandeln sich in Glieder eines zehnarmigen 
Riesen. Die zehn Arme reichen sich brüderlich die Hände. Der Riese steht 
stolz und mächtig da. Auf dem Gürtel, von dem sein Schwert herabhängt, liest 

'*) Es schweben Weitzel augensclieinlicli die Worte aus Rousscaus GesoUschaftsvertrag 
^Bucli 3, Knp. 6) vor: Le peuple se troinpe bien raoins sur ce (des leitenden Stfiatsmunnes) 
choix que ie Prinee, et un homme d'un vrai nunite est presque aussi rare <lans le ministere, 
qu'un 8ot ä la tele d'un gouvernement republicain. 

'*) In den (irundzügen des gegenwärtigen Zeitalters; s. Sämtliche Werke I5d. 7, .S. 212. 

'"'") Wie z. B. in Kassel den Gesandten Reinhard, den Freund (Joethes, s. Treitschke, 
Deutsche Geschichte Ud. 1, 8. 302. 

") Bd. 2, 8. 102. 



1 55 

man: Germanien. Der Held des Romans begleitet diese Erscheinung mit dem 
Seufzer „Gott gebe es!" und meint, dass sie vielleicht ein hoffnungsvoller 
Blick in die dunkle Zukunft sei. 

Der Koman behandelt sonst keineswegs wie Lindau politische Probleme. 
Von zwei Freunden liebt der eine die Braut des anderen. Seine Liebe findet 
auch Erwiderung, da die Verlobung seiner Zeit nur durch die Machenschaften 
einer alten, eitlen und geizigen Tante zu Stande gekommen ist und nicht auf 
wirklicher Neigung und innerer Seelenverwandtschaft beruht. Di(; Lösung 
dieses unwahren Verhältnisses und die Vereinigung der von der Natur für 
einander ]5estimmten bildet den Korn des Romans. Die Charaktere der drei 
Hauptpersonen sind mit sichtlichem Fleiss gezeichnet, aber alle übertrieben, 
wie denn der Verfasser auch hier seiner Gefühlsseligkeit die Zügel schiessen 
lässt. Bei alledem entliält der Roman, in d<!n zugleich in ungezwungener 
Weise eine Rheinreise eingeflochten ist, die Weitzel Gelegenheit gibt, die 
Schönheiten seines Heimatlandes in beredter Weise zu schildern, viele treffende 
Bemerkungen. In der Erörterung der eingestreuten ästlietisch-litterarischen 
Fragen zeigt der Verfasser ein richtigeres und gesunderes Urteil, als wo er sich 
in seinem eigentlichen Fahrwasser bewegt. In ziemlich ausführlicher Weise 
spricht sich Weitzel hier auch über Erziehung und Unterricht aus. Die Grund- 
sätze, die er entwickelt, sind folgende : Alles Wissen ist nur Mittel und nicht 
Zweck. Der Unterricht soll doshalb nicht so sehr mit Kenntnissen bereichern, 
als die Kräfte üben. Die tote Vielwisserei und leere Buchstabenweisheit soll 
nicht die selbstthätige Kraft des Denkens erdrücken und den Menschen zur 
Maschine machen. Grossen Wert legt er darauf, dass das Streben des Menschen, 
sich ein Ideal zu bilden, geschont und geachtet werde. Denn für den besseren 
Menschen müsse es etwas Grösseres geben als das, was sich seinem Blicke 
bestimmt und mit genauen Grenzen darstelle. Die grösste Kunst der Erziehung 
bestehe indessen mehr im Unterlassen als im Thun, denn im Grunde bilde der 
Mensch, auch sogar das Kind, sich selbst. 

Die napoleonische Fürstenfabrik und namentlich der Krieg mit Spanien, 
in dem der in Rousseau'schen Ideen gross gewordene Politiker seine Sympathie 
für die Gegner Napoleons nicht verleugnen konnte, hatten ihm den Geschmack 
an der Politik verdorben. Es erbitterte ihn, dem eine lautere Gesinnung und 
Wahrheitsliebe eigen waren, dass die französische Regierung in der Presse 
sich so oft der niedrigen Mittel der Falschheit und Lüge bediente. Nach 
mannigfachen Konflikten mit der Polizei ward ihm endlich im Jahre 1811 die 
Redaktion der Mainzer Zeitung gänzlich entzogen. 

Neben der Herausgabe dieser Zeitung hatte Weitzel seit 1805 einen 
weiteren Wirkungskreis als Professor an dem 1803 neu gegründeten Mainzer 
Lyceum gefunden. Man hatte ' ihm in der Faculte des Lettres, die man in 
Mainz zu errichten plante, eine hervorragende Stellung zugedacht, allein der 
Krieg mit Russland verhinderte die Ausführung des Planes. 

Ohne Zweifel war es aber weniger seine Lehrthätigkeit als seine litterarische 
Wirksamkeit, der er die öffentliche Anerkennung zu verdanken hatte. In 'Iciii 
damaligen Mainz und seiner Umgebung herrschte noch unter der Nachwirkung 



156 

der kurz zuvor aufgehubenen Universität ein reger Sinn für Litteratur und 
Kunst.--) Bodmann. Lehne, Müller, Neeb, Schunk. Vogt sind 
alles Männer, die sieh als Forscher einen gewissen Namen gemacht haben. 
Neben ihnen gab es noch eine ganze Reihe kleinerer Geister. Sie alle und 
ausserdem auswärtige benachbarte Gelehrte von Ruf wie H un d e sh a'g en , 
Gerning und andere verstand AVeitzel, der zwar nicht durch Gelehrsamkeit 
und Gründlichkeit, wohl aber durch schriftstellerische Begabung und vielseitige 
Bildung alle überragte, jetzt heranzuziehen, um mit ihrer Unterstützung die 
von N. Vogt herausgegebenen Europäischen Staatsrelationen, deren eifriger 
Mitarbeiter er bisher gewesen war. zu einer auf weitere Kreise der Gebildeten 
berechneten, belletristischen Monatsschrift umzugestalten. Das von ihm und 
Vogt, an dessen Stelle später N e e b tritt, seit 1810 herausgegebene „Rheinische 
Archiv^', ist eine Zeitschrift, die bei der Mannigfaltigkeit ihres Inhalts, der 
freien vorurteilslosen Stellung ihrer Mitarbeiter, sowie bei der sachlichen Ge- 
diegenheit mancher Aufsätze den Vergleich mit keinem anderen gleichzeitigen 
deutschen Journal gleicher Art zu scheuen braucht. Es ist hier nicht der Ort 
auf den reichen Inhalt der in den Jahren 1810 bis 1814 erschienenen fünfzehn 
Bände dieser Zeitschrift im allgemeinen einzugehen. Weitzel war, abgesehen 
von seiner redaktionellen Thätigkeit, auch ihr thätigster Mitarbeiter. Ausser 
den regelmässig, wie in den Staatsrelationen, von ihm erscheinenden Aufsätzen 
über die Geschichte der Zeit veröffentlichte er in ihr auch Teile von sjjäter 
selbständig erschienenen und weiter ausgearbeiteten AVerken, so von seinem 
Roman „August und Wilhelmine", seiner Selbstbiographie, der „Rhciureise" und 
„Ernst und Scherz'-, auf die wir unteu zurückkommen. Auch die später im 
zweiten und dritten Band seiner Vermischten Schriften vereinigten kleineren 
Aufsätze sind hier zuerst veröffentlicht. Im „Reiz der Neuheit" geisselt er 
mit Ironie und Laune die politischen Tagesschriftsteller, die mit dem Strome 
der Zeit schwimmend sich jeder veränderten politischen Situation anzupassen 
wissen. „Der Tod des Pythagoras" und „Panthea" sind schon von den xVlten 
mit reicher Phantasie ausgeschmückte Stoffe. Weitzel, der wie Rousseau die 
Vorbilder von Lebensweisheit und Sittenreinheit in der antiken AVeit sucht, 
benutzt sie, um das Bild eines über alle Wechselfälle des Lebens erhabenen 
Weisen und einer hingebenden liebevollen Treue zu zeichnen. So recht nach 
seinem Geschmack ist die an Rolandseck, den Drachcnfels und das Kloster 
Nonnenwerth sich anlehnende, durch ihre Tragik ausgezeichnete Sage von 
„Roland und Hildegard'\ In den „Briefen aus der Stadt'' und ihrem Gegen- 
stück den „Briefen vom Lande" — der Titel ist off'enbar nach Analogie von 
Rousseaus Genfer Bergbriefen und der diese angreifenden „Briefe vom Lande" 
des Generalprokurators Tronchin gewählt — charakterisiert er die Schwächen 
und Albernheiten der Alltagsmenschen. Daneben machte Weitzel das Publikum 
durch Übersetzungen und längere Auszüge aus hervorragenden Werken, denen 
er zugleich eine Kritik und ästhetische Würdigung zu Teil werden lässt, mit 
der neu erscheincmden Litteratur Frankreichs bekannt. Ein genauer Kenner 



') \er^\. ^Veitzels llheinreise, S. 87. 



157 

und ontsdiunloner Freund der Franzosen und ilirer geistreich gefälligen Art der 
Darstellung, die er selbst von ihnen gelernt hatte, zeigt er sich doch nicht als 
einseitiger Bewunderer dersellicii. Die Imiih! l'berhebung und geringscliätzige 
]3eurteilung tonangeb«>nder französischer Journale, wie des Mercure de France 
und des Journal <!<■ TEnipire, über die neueren Erscheinungen der d(!utsehen 
Litteratur weist er mit scharftuii Spotte zurück. Das besonders am Mittelrhein 
sehr verbreitete Rheinische Archiv dienten dazu, Weitzels Namen in litterarischen 
Kreisen in vorteilhafter AVeise bekannt zu machen. Die philosophische Fakultät 
der Universität Marburg ernannte ihn im Jahre 1811, „den Wert seiner Be- 
strebungen in Verbreitung humaner Gesinnungen und in Beförderung einer 
echten Lebensweisheit aiun-kennend'"', zu ihrem Ehrendoktor und die Pariser 
Universität im Jahre darauf zum Bachclier es Lettres. 

Die Kriegsjahre 1813 und 1814 entrissen Weitzel seiner gewohnten Thätig- 
keit am Mainzer Lyceum. In der unfreiwilligen Müsse schrieb er „unter dem 
Geräusche der Waffen, um sich von dem Boden der rohen Wirklichkeit in 
das Gebiet schöner Ideahi zu retten", seinen Roman „August und Wilhclmine 
oder das Missverständnis'"', der freilich erst 1815 und 1816 bei Schellenberg in 
Wiesbaden, welcher seit 1813 auch den Verlag des Rheinischen Archivs über- 
nommen hatte, in zwei Bänden erschien. Der Hauptinhalt des Romans ist kurz 
folgender. Ein Bürgerlicher verliebt sich in eine adlige Dame. Trotz aller Vorurteile 
der Gesellschaft finden sich die Herzen beider zu einander und halten fest zusammen, 
wenn sich auch alles vereinigt, um sie zu trennen. Es kommt indessen nicht 
zu einer glücklichen dauernden Vereinigung der Liebenden, der heimliche Ver- 
lobte wird vielmehr verwundet und stirbt, die von allen Seiten umworbene 
Braut aber lebt fortan luir noch ihrem Schmerz. Abgesehen von diesem un- 
befriedigenden Schluss, den der Verfasser augenscheinlich gewählt hat, um die 
Macht wahrer Liebe gegenüber der Engherzigkeit und Beschränktheit der 
menschlichen Gesellschaftsordnung ins hellste Licht zu setzen, zeigt der Roman 
manche Mängel. Die auftretenden Personen haben etwas Schemenhaftes; be- 
sonders die beiden Hauptpersonen vereinigen alle Vorzüge ihres Geschlechtes in 
einer Weise, dass man sich nicht mehr Menschen von Fleisch und Blut gegen- 
über fühlt. Dazu wird der Gang der Erzählung allzu oft dadurch unterbrochen, 
dass die handelnden Personen die Anschauungen des Verfassers über das Leben 
und den Menschen, besonders über die inenschliche Willensfreiheit, über die 
Stellung des Weibes zum Manne, über Erziehung und Unterriclit und andere 
Fragen, bei deren Erörterung immer die neuesten litterarisch vertretenen An- 
sichten berücksichtigt werden, in allzu deklamatorischer Form vortragen. Bei 
alledem bietet der Ronuiu doch sehr viel Gediegenes, besonders ist die am 
Endo des vorigen Jahrhunderts — der Roman spielt zur Zeit der ersten fran- 
zösischen Republik — im süddeutschen Adel noch herrschende Vorliebe für 
französische Sitten uud französischen Geschmack gut illustriert, auch die Eigen- 
tümlichkeiten des deutschen, französischen und englischen Volkscharakters sind 
in den auftretenden Personen lebendig und treffend zur Darstellung gebracht. 
Viele Reminiscenzen aus Weitzels eignem Leben, besonders der Göttinger 
Studentenjahre uud der Zeit, wo er als Augenzeuge die Zustände der Ver- 



158 

waltung unter der ersten französischen Republik kennen zu lernen Gelegenheit 
gehabt hatte, hat Weitzel geschickt verwertet, sodass er in einzelnen Kapiteln 
auch den heutigen Leser noch durch die Anschaulichkeit seiner Erzählung fesselt. 

3. Die Jahre 1814 und 1815. 

Den grossen Zeitereiffuisseu folgte Weitzel mit warmem Interesse und ge- 
spannter Aufmerksamkeit. Die elementare Kraft des Volksgeistes, die der 
Allmacht des Imperators in Spanien so energischen Widerstand geleistet hatte 
und Weitzels Verehrung für Napoleon in oben dem Masse erschütterte, als 
dieser sie niederzuwerfen bestrebt gewesen war, diese Kraft erkannte und 
würdigte Weitzcl auch in der deutschou Bewegung. Nachdem in der Neujahrs- 
nacht 1814 die Verbündeten unter Blücher den Rhein überschritten hatten, 
übertrug im Mai dieses Jahres die in Mainz eingesetzte provisorische Regierung 
Weitzel wieder die R(>daktiou der Mainzer Zeitung. Er musste die Druck- 
kosten selbst tragen, erhielt dafür aber auch den ganzen Ertrag der Zeitung. 
Zwei kurz hintereinander erschienene Aufsätze, die er zunächst in dieser 
Zeitung und sodann zusammenhängend im Rheinischen Archiv veröffentlichte, 
beschäftigen sich mit den im Vordergrund des Interesses stehenden politischen 
Fragen. 

In den „Betrachtungen über einige der wichtigsten Begebenheiten 
unserer Tage'' führt Weitzel aus, wie mit der französischen Revolution ein neuer 
wichtiger politischer Faktor in der öffentlichen Meinung, einer ebenso wert- 
vollen Verbündeten wi(^ furchtbaren Feindin der Regierungen, sich gebildet 
habe. Die ziemlich gleiche Kulturstufe, auf der die Gebildeten beinahe aller 
Völker Europas ständen, verbünde die aufgeklärtesten Menschen aller Nationen 
als Bürger eines unendlichen Freistaats. Früher in den ersten Zeiten der 
Revolution, wo Frankreich für seine Freiheit und die Menschenrechte kämpfte, 
habe es seine Freunde bei allen Völkern der Erde gehabt, die sich für seine 
gute und gerechte Sache erklärten. Die durch die Verletzung der heiligsten 
Menschem-echte beleidigte öffentliche Meinung aber habe in den unterdrückten 
Staaten den Nationalgeist geweckt. Die Bewegung, die ganz Deutschland in 
einem freudigen Gefühl durchwandert, ist ein heiliges Gefühl, das mehr von 
dem Volke als von den Regierungen ausgeht. Ein unter solchen Vorbedeutungen 
angefangener Kampf muss glücklich enden. „Aber", fährt er fort, „uns, den 
Siegern, sei heilig, was es dem Feinde nicht gewesen, Sprache, Sitten, Ge- 
bräuche, Freiheit des Gewissens und der Meinung. Weisen wir Frankreich in 
die Grenzen zurück, die ihm die Natur angewiesen hat, und die vor allem 
durch die Sprache der Bewohner bestimmt werden." Bezüglich Napoleons 
bckemit er, „in ihm habe ich den Mann der Vorsehung verehrt. Mein Herz 
hing an ilim mit Achtung, Liel)e und Bewunderung. Er hat diese Gefühle, 
wie seinen wahren Ruhm, seine Grösse, die Wünsche und Hoffnungen der 
Menschh(^it v(U"uichtet. Die Geschichte wird Napoleon würdigen, wenn er nicht 
mehr ist, und seine Schmeichler wie seine Feinde verstummt sind. Eine seltene 
Kraft und ein fester Wille zeichneten ihn aus. Zu seinem Kopfe fehlte nur 



159 

das Her/, und mir Ucclit wüi-de er ein grosser Mann luMsson, wäre er ein 
grosser Mensch gewesen". Dem deutsclien Volke wünscht er (ilück zu der 
Befreiung von dem drückenden, ihm von Napoleon aufgelegten Joche, mehr 
aber nocli /u der Befreiung \on der nocli schmählicheren und gefährlicheren 
Sklaverei, in der es fremden Sitten und Gebräuchen, sowie einer fremden 
Sprache untertliänig gewesen sei. „Ich bin/' heisst es am Schlüsse, „soweit 
davon entfernt, den Franzosen Böses zu wollen, dass ich sie vielmehr als ein 
ffeistreiches, artio-es und braves Volk liebe. Ich wünsche nur, der Deutsche 
möge seinen eignen Wert fühlen und aus übertriebener Gefälligkeit gegen 
fremdes Vordienst das seinigc; ni(^ht mehr ganz verkennen." 

In dem Aufsätze „Deutschlands Hoffnungen", ebenfalls 1814 geschrieben, 
entwickelt Weitzel seine Ansichten über die Zukunft Deutschlands. Würde 
die alte deutsche Reichsverfassung mit ihren Mängeln und Missbräuchen wieder 
hergestellt, so meint er, hätten die Nationen, deren Anstrengungen und Opfer 
der herrliche Sieg vordankt wird, nur für eine Ordnung der Dinge gekämpft, 
durch die sie geschwächt und herabgewürdigt waren, dann wäre der erbärmliche 
Zweck der grossen Mittel nicht wert. Seine Wünsche an die Mitglieder des 



o 



Wiener Kongresses fasst er dahin zusammen: man gebe der deutschen Nation 
bei aller Beachtung der Individualität der einzelnen Staaten einen Zentralpunkt, 
von dem die oberste Leitung ausgehe, jedem Staate eine konstitutionelle Ver- 
fassung, sowie dem Gesamtstaat eine Nationalrepräsentation; ferner fordert er 
gleichmässige Verteilung aller Lasten im Verhältnisse des Vermögens eines 
jeden Staatsbürgers, desgleichen unter Aufhebung aller Privilegien, soweit sie 
nicht aus einem anerkannten Bedürfnis des Staates im Einverständnis mit dem 
strengsten Recht hervorgehen, gleiches Recht für alle, schliesslich — und hierauf 
legt er das meiste Gewicht — eine Nationalerziehung. Eine Nation könne der 
begeisternden Vaterlandsliebe nicht ermangeln, denn nur auf der Grundlage 
eines Nationalcharakters vermöge ein Volk, wie ein stämmiger Stamm auf 
seinen tiefen Wurzeln befestigt, im Sturm und Wetter ruhen. Deshalb komme 
es darauf an, den deutscheu Nationalgeist zu wecken und zu erhalten durch 
Belobung alles dessen, was uns zu Deutschen macht. 

Diese warm geschriebenen Aufsätze sind ein ebenso unmittelbarer Erguss von 
Weitzels Fühlen und Denken in dieser Zeit, als sie seine politische Grundidee von 
der Volkssouvcränität zum Ausdruck bringen. Neben dem Kosmopolitismus, mit dem 
er das politische Leben bisher ausschliesslich betrachtet hatte, kommt bei ihm jetzt 
die nationale Gesinnung zum Durchbruch. Klingt der erste Aufsatz an Fichtes Reden 
an die deutsche Nation au, so sind seine Gedanken über die deutsche Verfassung 
mit der Forderung einer Zentralgewalt offenbar durch die 1814 erschienene 
Schrift „Esquisse de Constitution" des von Weitzel öfter in seinen Schriften er- 
wähnten und geschätzten französischen Publizisten Benjamin Constant beinflusst. 

Das meiste Aufsehen erregte Weitzels ebenfalls in dieser Zeit verfasste, 
anonym erschienene „Denkschrift von Napoleon Buonaparte", von der in kurzer 
Zeit zwei Auflagen vergriffen waren. In ihr lässt er Napoleon sich in Bericliten 
von Bord des Northumberland über sich und die damalige Weltlage aussprechen. 
Der Imperator rechtfertigt sich vor der Welt, indem er die Anklage derer, die 



160 

ilin villi Hass und Gemeinheit jetzt in den Staub zögen, ^väll^eud sie ihm 
vorher geschmeichelt hätten, zurückweist und sich auf die Nachwelt beruft, die 
erst das wahre Verdienst erkenne. Wenn man jetzt auf dem Wiener Kuugress 
auf das Alte zurückkomme, das schon einmal hätte untergehen müssen, und 
ein aus Gräbern beschworenes Gespenst für den rettenden Geist gehalten werde, 
so sehe er voraus, dass die Natur sich zu helfen suchen werde. Das Gewitter 
der Revolution, das über Frankreich aufgestiegen sei, werde sich über ganz 
Europa lagern, und erst wenn die Natur sich au brennbarem Stoffe erschöpft 
habe, werde der Donner aufhören und ein heiterer Tag erscheinen. 

Als Ergänzung zu dieser Denkschrift erschien ein Jahr später „Napoleon 
Buonai)arte's Ansicht der gegenwärtigen Weltlage aus Berichten von Northumber- 
land". Hier lässt Weitzel den gestürzten Machthaber den Nachweis führen, 
wie der beständige Krieg für- ihn unter den Verhältnissen, die er vorgefunden 
liabe, eine Notwendigkeit gewesen sei. Das Verhältnis der Staaten zu einander 
gründe sich nicht so sehr auf das Recht als auf die Macht. Es gebe kein 



o 



Völkerrecht als das Gewissen der Fürsten oder ihrer Kabinette, und das er- 
sehnte Ziel, wo Nationen als gleiche Glieder eines Staatenbundes unter einem 
gemeinschaftlichen Gesetz und Richter leben würden, wie die Bürger eines und 
desselben Staates, wo die Entscheidung des Rechtes die streitenden Interessen 
ausgleichen werde, liege noch in weiter Ferne. Volk stehe gegen Volk be- 
waffnet, Staat gegen Staat gerüstet. Stärke sei darum der erste Vorzug, und 
PHicht des Herrschers sei es, seinem Volke einen kriegerischen Geist zu geben, 
denn Frieden habe nur. wer den Krieg zu führen wisse. Spöttelnd weist er 
auf die Versuche seiner Feinde auf dem Wiener Kongresse, die Ordnung her- 
zustellen, zumal auf die deutsche Bundesakte, welche, um ein Fass zu machen, 
die Dauben künstlich ohne Reif zusammenfügen wolle. Der Gärungsstoff, der 
in den Völkern und gerade in denen liege, die in der Kultur am weitesten 
vorgeschritten seien, sei eine Wirkung der Unverträglichkeit des Alten mit 
d(.'m Neuen. Die Verschmelzung dieser beiden Elemente, von der allein Rettung 
zu erwarten sei, sei ein wunderbar grosses Kunststück, das, wie es ihm selbst 
nicht gelungen, seine Überwinder umsonst zu vollbringen bemülit wären. 

Man merkt, dass es nicht Napoleon, sondern Weitzel selbst ist, der hier 
das Wort führt, um in diesen Aufsätzen mit der Verteidigung Napoleons auch 
wohl seine eigne politische Vergangenheit zu rechtfertigen, vor allem aber, um 
seinem Unmut darüber Luft zu machen, dass die Neugestaltung Deutschlands 
sich in ganz anderer Weise vollzog, als er es gehofft und erwartet hatte. 

Weitzel wurde von der provisorischen Regierung auch zum Mitglied der 
Kniiijiiission für die Aufsicht der Schulen der Stadt Mainz ernannt und erhielt 
Ende August 1814 wieder die Stelle eines Lehrers der Geschichte und Geographie 
an dem neu errichteten .Mainzer Gymnasium mit einem jährlichen G(!halt von 
l.")00 Franken. So wirkte er wie früher, aber in wesentlich kleineren Ver- 
hältnissen, da die Stadt Mainz fortan nicht mehr die Hauptstadt eines grösseren 
Gebietes bildete. 



C.l 



4. Die Rheinischen Blätter. 



Inzwisclicn war im l[orzof^tiiin Nassau, das (liiicli die Zutcilun^j^ des Rlioiii- 
^i>-auos Weitzcls llcimailaml i^cwdiMlcii war. die I'rossfrL'iliiMr cin-'-cfülirr. und di(! 
Einrii'lituii^' cincf auf kniisiiniiinncllfii (h'uiulsäi/.cn Ihm iilicndcn ^\u■f'assuur'• vcr- 
küiidi<;'t wdidcii. W'cii/.cl In achte dci' Heimat und di-m Jjandcsf'ürstcn. di'm 
ILm'zog Fi'icdi'icli .Vug'ust, sowie seiner lie^ieiam^' l(d)luif't(? Syinpatliieri ontfi^c^-iMi. 
denen er in der Eiidcdtun^i;- /u dem im -hdi ISI,') im Uheinisclieii Aicdiiv er- 
seliionenen Aufsätze über den Xatienaleluirakter der J)outscl]en Ausdruck f^'iljt. 
»Seilen damals scheint er intimere J)e/ieliii!i<4('n zu Wiesbaden, wo seit diesem 
.Fahre auch das Ivheinisclie Archiv erschien, ani^(!knüi)f't zu liahen. Das freinid- 
schaftlicho Verhältnis, welches, wie uns 1) o r o w erzählt, zwischeu ihm und dem 
Kegierungspräsidenten Ibell bestand, wurde vielleicht schon in jener Zeit be- 
gründet. 

Die nassauische Itegierung harte, nacluhuu bctreits 1H(.K5 dvv Anti(|iiar 
und Advokat Jean (jiijorg Pöckelsheim zu Offenbach um dit; Konzession zu 
einer politischen Zeitung für Nassau nachgesucht hatte"), in den folgenden 
Jahren mit dem Pfarrer Handel und Buchhändler Schellenberg über die Heraus- 
gabc einer allgemeinen Landeszeitung verhandelt. Weim man bei Begründung 
des Verordnungs- und Intelligenzblattes im Jahre 1800 den Plan einstweilen 
wieder fallen gelassen hatte, so war dies geschehen, weil es an einer geeigneten 
Persönlichkeit zur Herausgabe einer solchen Zeitung fehlte. Der Mangel eines 
einheimischen Blattes nmsste sich jetzt, v:o man daran ging, die Verfassung 
einzuführen, mehr als früher geltend machen. G(dang es einen Publizisten von 
der Vergangenheit und dem Ansehen Weitzels für ein solches Unternehmen zu 
gewinnen, so konnte die nassauische Regierung sich nur dazu beglückwünsciien. 
Andrerseits musste bei den bekannten liberalen Tendenzen der Regierung Weitzel 
die Begründung einer Zeitung in (unem Lande, das die ilim so verhassten 
Zensurmassregeln aufgtdioben hatte, verlockend genug erscheinen. Die Unter- 
drückung von Görres' Rheinischem Merkur zu Anfang des Jahres 1816 durch die 
preussische Regierung eröffnete ausserdem einer neuen Zeitung bezüglich ihrer 
Verbreitung am ^Mittelrludn günstige Aussichten. 

Unter diesen Umständen entschloss sich Weitzel seine ihm überdies nicht 
mehr in der früheren Weise zusagende Stellung in ^lainz aufzugeben'^) und 
mit dem Charakter eines Revisionsrates und dem Titel Hofrat. sowie (Mnem 
Jahresgehalt von 1200 dulden in nassauische Dienste zu treten. Er siedelte 
nach "Wiesbaden über, um hier mit dem 2. Juli 1810 eine viermal wöchentlieh 
erscheinende Zeitung, die Rheinischen Blätter, herauszugeben. Nassau, das 
bisher nur khrine unpolitische Amtsblätter erzeugt hatte''^), kam dadurch mir 
einem Schlage in den 13ositz einer dank iler gcnvandten Feder ihres Rcnlakteurs 
bald EinHuss und Ausehen gewinnenden politiseheu Zeitung. Die Jiegioruug 



-') A''erji;l. Sauer, Diis Herzogtum Nassau, S. lü.s, Anin. 1. 
") yer{,d. darübor Hric'fc vom Rhein, S. 180 f. 

^*) Siehe lueiuen Aufsat/: .,I)ie Iiitelligonzlilätter lier nassaui^cheii FürsteiitiiiinT." Ann. 
IJ.l. XXIX, 8. 9;5-114. 

11 



162 

leistete dem üljrigeus auf AVeitzels eigene Reoliiumg und Gefahr begründeten 
Unternelinien möglichst Vcrsi-hub: alle IJehürden, weklie bisher auf Kosteu des 
Staats oder der Kirche die Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung zu halten be- 
rechtigt gewesen waren, wurden angewiesen von jetzt ab die Rheinischen Blätter 
zu halten, sowie alle Ediktalladungen und sonstigen öffentlichen Bekannt- 
machungen, welche abgesehen von dem Jlerzoglichen Intelligenzblatt bisher 
noch in die Frankfurter Ober-l*ostamts-Zeitung eingerückt worden waren, in 
der inländischen Zeitung bekannt zu machen. Dem Herzoglichen Stadtdirektt>r 
zu Wiesbaden wurde aufgegeben, jedenfalls für sich selbst aus dem ihm dafür 
ausgesetzten Betrag diese Zeitung gleich dejn Verordnungs- und Intelligenzblatt 
anzuschaffen und für seine Amtsnachfolger gleich anderen öffentlichen Urkunden 
aufzubewahren, zugleich aber auch darauf hinzuwirken, dass in den Städten 
von den Stadtschuhheissen und in den grösseren Gemeinden ven dem Ober- 
schultheissen ein Exemplar der ]{heinischcn Blätter für Rechnung der Gemeindc- 
kasse angeschafft werde. 

Selbsts'crstäudlich erfolgte diese wirksame Unterstützung des Unternehmens 
nicht umsonst. Es liegt kein Vertrag vor, der zwischen der Regierung und 
dem Herausgeber der Rheinischen Blätter abgeschlossen wäre, und es ist auch 
niclit wahrscheinlich, dass ein solcher überhaupt abgeschlossen ist, vielmehr 
verstand es sich bei der Stellung Weitzels zur nassauischen Regierung von 
selbst, dass das Blatt den Intentionen der Regierung in der öffentlichen Meinung 
die Wege bahnte. Überall, sei es, dass es sich um die Vertretung des Stand- 
punktes der Regierung dem eignen Lande gegenüber handelt, sei es, dass es 
gilt Augriffe in der auswärtigen Presse zurückzuweisen, sehen wir Wcitzel als 
Anwalt der nassauischeu Regierung auf dem Plan. Es ist gewiss richtig, wenn 
Sauer meint, AVeitzel habe sich der bedeutenderen Persönlichkeit Ibells unter- 
geordnet, und ebenso mag der geistige Urheber mancher aus Weitzels Feder 
geflossenen Aufsätze der nassauische Regierungspräsident sein. Bei alledem steht 
es aber auch ebenso fest, dass Weitzel keinen Satz gegen seine Überzeugung 
geschrieben hat. Das freundschaftliche Verhältnis Ibells und Weitzels zu 
einander bürgt uns dafür, dass der eine nicht die blosse Kreatur des anderen 
war. Der Einklang i>olitischer Ansichten und Interessen verband beide Männer, 
und wie die von Ibell geschaffene Verwaltungsorganisation des Herzogtums 
Nassau Beachtung und Anerkennung gefunden hat, so kann Weitzel die allzeit 
schlagfertige Gewandtheit und die besonnene Mässigung, mit der er der Regierung 
den vielfachen Anfeindungen und Verdächtigungen gegenüber unter Nicht- 
aclitung persönlicher Verketzerung in überzeuguugsvoller Hingebung zur Seite 
stand, nur ziu- Ehre gereichen. 

Übrigens hätte der Umfang des Herzogtums Nassau zu einer Zeit, wo 
das politische Interesse im Volke selbst noch wenig regsam war, der Zeitung 
kein genügendes Absatzgebiet geboten. Weitzel fühlte sich auch nicht so sehr 
als Nassauer, wie als Rheinländer. AVie schon aus dem Namen des Blattes 
hervorgeht, liatte er mit demselben in erster Linie ein öffentliches Organ für 
die Rheinlande zu schaffen beabsichtigt. Und in der That fasste das Blatt 
besonders am Mittelrhein bahl Fuss und spiegelt am unmittelbarsten die politische 



Stimmung in don Rheinlandon zu einer Zeit, wo es für Proussen galt, dies neu 
erworbene Gebiet mit seiner von den Ijcwolnicrn der ultpreussischen Stimmdundc 
so wesentlich verschiedenen Bevölkerung sei nein übrigen Stuatskürpcr zu einem 
organisehen Ganzen einzugliedern. 

Weitzel war seiner ganzen Natur nach w(!it davon entfernt tler preussischen 
]v,(;gierung grundsätzlicli ojjjjositioncdl gegenüber zu treten, alier andrc^rseits war 
er jederzeit bereut, für die ^^'a]lI•ung der Kigenrüiiilicld<eit(!n der Rheinländer 
sowohl selbst eine Lanze zu bicn-lien als auch l)ei'(!chtigten Wünschen und 
^Vusstellungen seiner LandsUuite die SpaltiMi seines J*datt(^s zui- Verfügung zu 
stellen. Die durch die Missstimnumg in (h^i- neu erworbeneji i'ruvinz emplind- 
lich bfu'ührte j)reussische Regierung hätte (hnu fi'eimütigen Sprecher gern den 
Mund geschlossen, wie sie es zuvor mit Görres und seinem Hlatte gethan 
hatte. Der Oberpräsident Staatsminister von Ingersleben zu Kcjblenz ver- 
langte weg(m zweier im Januar 1817 in Nr. 15 und 16 der Jxheinischen 
Blätter veröffentlichten Artikel, in denen die Organisation der in den Uhein- 
provinzen errichteten Regierungen einer scharfen Kritik unterzogen wurde, 
den Namen des Verfassers dieser Artikel, eventuell die Cbersenduns: des 
Manuskripts, um duich Vergleichung der Handschrift den Einsender aus- 
zuinittciln. Weitzel wies beid(\s mit Entscdiiedenheit zurück und erklärte seiner 
Regierung, dass er keine Namen nennen würde, es sei denn, dass ihm nach- 
gewiesen würde, dass jene Artikel erlogene Angaben entliieUen. Der darauf er- 
folgenden Zumutung des Oberpräsidenten im Administratiouswege gegen den 
widerstrebenden Redakteur vorzugehen, begegnete der Staatsminister von 
Marschall mit der Erklärung, dass die Laiidesgesetze ihm im vorlieg(?nden Falle 
nicht erlaubten, weitere Schritte zu thun. Ein in der Nummer vom 21. Juni 1817 
erschienener Artikel, der die damals in den Rheinlanden herrscliende Teuerung 
zum Gegenstande hatte und gegen die preussische Regierung den Vorwurf erhob, 
nicht mit der erforderlichen Umsicht und Schnelligkeit der Not gesteuert zu 
haben, veranlasste dtm preussischen Staatskanzler Fürsten Hardenberg selbst, 
den Ministerresidenteu von Mettingh in Wiesbaden zu beauftragen über die 
Zügellosigkeit des Redakteurs der Rheinistdieu Blätter dringende Beschwerde zu 
führen. In dem Mettingh gewordenen Auftrag heisst es: Seine Majestät er- 
warten die Ausmittlung des Einsenders jenes Aufsatzes, und dass man denselben 
zur gebührenden Strafe ziehen werde, zughdch ersuche ich Sie darauf anzutragen, 
dass der Redakteur zum AViderruf und zui' Berichtigung der nach dem ab- 
schriftlich anliegenden Berichte des Staatsministers von Ingersleben falsclien 
Thatsachen angelialten und für die Folge einer strengeren Censur unterworfen 
werde. Weitzel, dem Marschall die Beschwerdeakte zustellte, lehnte wiedeium 
die Namensnennung ab, da dvv betreff'cmde Artikel mir Thatsachen enthalte. 
„Es ist schmerzlich"', schliesst er seine Rechtfertigung, „bei den reinsten Ab- 
sichten und dem aufrichtigsten Bestreben nützlich zu sein, solche Vorwürfe zu 
liören, die tief demütigen müssten, wenn sie verdient wären. Ich werde gern 
alles anstössig(i vermeiden, die Erzählung von Thatsachen aber liegt in meinem 
Beruf.'' Wenn Marschall auch dem BxM'liner Kabinet s(>in Bedauern über den 
Vorfall ausdrückte, so begnügte er sich doch von Mettingh die nassauische 

11* 



1(34 

Verorclniino; über Prcssfreiheit zu üljorsondcn mir der blossen Versiclierung, dass 
AVeitzel aller Veranlassung zu weiteren Besclnverdcn aus dem AVeg-e gehen 
werde. Als Mettingli seinen Auftrag jetzt mit mehr Xaclulruck wiederholte, 
beschwerte sicli Marschall seinerseits über das anmassende Benehmen des 
preussischen ^linisterresidenten und hatte die Gimugthnung. dass der jireussische 
Minister des Auswärtigen Jordan ilim dureh den nassauischen .Miuistcrrt'sidenteu 
Generalmajor von L'p]stocq erkläri'u li«'ss, dass von Mettinglis Zudriiiglichl^eir 
und seine Zunuitung. den Redakteur der Kheinischen Blätter zur Nennung seines 
Korrespondeiuen zu zwingen, in Berlin (hu'chaus missbilligt werde. 

^^'ie NN'eitzel in dieser Weise, durcli kiüne Rücksicliren IxMi-rr. der 
allgeujeineu Stimnuiiig in den Kheinlanden Ausdruck gab, so wuriU' er andrer- 
seits durcli nachdrückliche Vertretung" seiner politischen Überzeugungen wied(!rum 
auch ein Bundesgenosse der preussischen Regierung. Bekanntlich wurde dem 
8taatskanzl(>r Ilardeuberg gelegentlich seiner Rheinreise, die er unternalnn, um 
die Stimmung der neuen Provinzen aus eigner Anschauung kenneu zu lernen, in 
Engers auch vnn Abgesandten des rheinischen Adels die Denksclirit't, die Ver- 
fassungsverhältnisse der Lande Jülicli, Cleve, Berg und Mark betreffend, überreicht, 
in der die Berufung der alten Landstände verlaugt und gegen die „allverwirrende 
(rleichheit der französischen Revolution"' Protest erhoben wurde. Noch weiter s-inff 
die V(in Görres verfasste Koblenzer Adresse an den Staatskanzler in ihren 
Forderungen zu Gunsten des Adels, der katholischen Kirche und der Wieder- 
herstellung des Feudalsystems. Mit beiden setzte sich Weitzel alsbald in den 
Rheinischen Blättern auseinander, um gegenüber dem Jleaktionären in diesen 
Kundgebungen die soziale Gleichheit und kirchliche Parität mit aller ihm zu Ge- 
bote stehenden Beredsamkeit als zeit- und volksgemäss zu verteidigen. Der liberale 
preussische Staatsminister verkannte den Einfluss nicht, den die Rheinischen 
Blätter sich in den Rheinlanden erworben hatten und trachtete alsbald danach, 
diesen Herold der öffentlichen Meinung dauernd in das preussische Lager hinüber 
zu ziehen. Durch seineu Günstling Dorow, der sich seit Mitte August .1817 
zur Stärkung seiner (Gesundheit, sowie zum Zweck von Ausgrabungen in Wies- 
Ijaden aufhielt und hier vielleicht zunächst nach höherer Weisung Weitzel nebst 
den Präsidenten Rjell und von Dalwigk persönlich näher getreten war, Hess er 
mit ersterem Verhandlungen anknüpfen, um ihn mit seinen Rheinischen Blättern 
zum rberzug nach Bonn zu bewegen. Gelegentlich von llardenborgs Durch- 
reise durch Wiesbaden Ende 1818 wurden dann durch den GeJieimen Ober- 
Regierungsrat Koreff di(! Grundzüge von Weitzels Übersiedlung festgestellt. 
Rjoli und Weitzel hatten, wie Dorow meldet, damals beide den Wunsch, in 
preussisclie Dienste zu tret(!)i. ., Weitzel. den Deutschland durch seine Schriften 
und den Anfang seiiiei Selbstbiographien kennt", heisst es bei Dorow '-"), „er- 
schien besonders als v'in gidsser Gewinn, denn seine Stimme hatte guten Klang 
in den liheinprovinzeii." 

Damals Hess W^eitzel dem Staatskanzler durch Dorow di(! von Ititzterem 
ihrem Wortlaut nach mitgeteilte" j Denkschrift „liheinprcusseji im Dezember LSIS" 



'^«) Erlebtes I, S. ITo. 

-') a. n. 0. n, S. l.Jl — 16«. 



lO,") 

überreichen. In ilicscr scliickt Weitzel der Darlegung der Ur.saelicii. wanini lsl4 
in den Rheinlaiiden der AViiiisdi allgemein gewesen sei, der preussisclien Mdnarchie 
einverleibt v.n werden, während die Stiinnning jetzt eine durchaus preussen- 
f'eindliidie geworden, als einen wesentlichen Artikel seintw politischen Glaubens- 
bekenntnisses eine Ausfülu'uiig über den Einfluss des Volkes und der öffentlichen 
Meinung im Prozess(! des Staatslebens voraus. „Die Stimmung der Zeit", heisst 
es, „ist wesentlich demokratisch, in den aufgeklärten LändiMU ist sie es be- 
sonders und somit auch am Klu'in. Freiheit und Cleicliheit, dieser so ver- 
schrieene Ruf. an den sich schmähliche und furchtbare Erinnerungeji knüpfen. 
ist das Jjosungswoi't der (Jegenwart: Freiheit, die Befugnis, nur dem Gcisetz 
zu gehorchen, (lieichheit. die allgemeine Verpflichtung, einem und demselben 
Gesetze unterthan zu sein. In fünfzig Jahren ist in der schönsten Hälfte von 
Europa der Sieg dieses Wahlspruches ents(;hieden. Diese Freiheit und diese 
Gleichheit werden dann ihre Jlorrschaft begründet haben, ob auf eine blutige 
oder unblutige Weise, das hängt von uns ab.^*) Dieser demokratische Geist 
ist wesentlich monarchisch. Ohne erbliche Monarchie weder Freiheit noch 
Sicherheit, darüber sind alle Verständige unter uns einig, aber auch darüber, 
dass diese Freiheit und Sicherheit, wie die Festigkeit des Thrones selbst, 
iln-o Bürgschaft in einer Verfassung finden." Abgesehen davon, dass die 
allgemeine Erwartung der Einführung der letzteren bis jetzt getäuscht sei, 
habe man die Rheinländer noch durch mannigfache ^lissgriffe der preussi- 
sclien Verwaltung besonders gekränkt. Das wirksamste ^Mittel, die begangenen 
Versehen wieder gut zu machen, sei eine sorgfältige Auswahl der höchsten 
Provinzialbeamten. Die Beamten müssteu ebenso sehr das Vertrauen des 
Volkes wie das des Königs haben. „Die letzte Bedingung ist am Rhein 
besonders wichtig, weil es hier eine öffentliche Meinung unter aufgeklärten 
Menschen gibt." Das Volk verstelle nicht Jeden und werde nicht von Jedem 
verstanden, wenn sie auch dieselbe Sprache sprächen. Darum sei es klug und 
billig, einem Lande Vorgesetzte zu geben, die seinen Menschen, ihren Begriffen, 
Sitten und Gewohnheiten nicht fremd seien. Man muss Treitschke") Recht 
geben, dass aus dieser Denkschrift das naive Selbstgefühl des Rheinländers 
spricht, der damals auf die Altpreussen als hinter ihm in der Kultur zurück- 
geblieben herabsah, im übrigen fordert Weitzel aber nicht, wie Treitschkc 
sagt, dass Jeder von Seinesgleichen gerichtet werde, sondern, wie aus dem 
Zusammenhang klar hervorgeht, dass keine mit den Verhältnissen des Landes 
und der Bewohner unbekannte Beamte ernannt würden, eine um se billigere 
und gerechtfertigtere Forderung, als die preussische Regierung sich in der 
Wahl ilirer Beamten für die Rheinlandc thatsächlich arger Missgriffe schuldi"; 
gemacht hatte. 



*") Mit Reclit kdiiiite Knrl Briiuii im Jaliro 1S48 in der von iliiii iierausgcgebenen 
„Nassauischen Zeiung" (No. 70) auf diese AVorte himveison, um den Nassauern zu zeigen, wie 
einer ilirer Landsleuto mit proplietischom Blick den kiniftiijon Gang der staatlichen Entwickelung 
Deutschlands vorausgesagt habe. 

^^ Deutsche Geschichte, Teil 2, 3 AuH., S 270 f. 



106 

Unror lU-in 'J(j. Februar lt>19 ging Woitzol ein Schreiben Hardenbergs 
zu, in welchem ihm unter der Voraussetzung, dass er in seiner Zeitung das 
Interesse des preussischen Staats zum Ilaujitaugenniork nelnnen und solche im 
Geiste der Mässiguug, besonuenen IJilligkeit und leidenschaftslosen Prüfung 
redigieren und überhaupt das seinen lEänden anvertraute Organ der Öffentlich- 
keit mit Umsicht und Klugheit gebrauchen werde, damit der Geist der ncnuMi 
Provinzen mit dem der älteren vertraut gemacht und freundlich verbunden, und 
ein wuhlthätiger EinHuss auf die Stimmung dieser Länder ausgeübt werde, die 
Autiorderung zuging, softirt seinen Wolinsitz in den preussischen Hheinprovinzcn, 
wo es ihm beliebe, zu nehmen. Es wurde ihm für die JUieinischen Blätter, 
jedoch nur unter seiner liedaktion, die Befreiung von der Zensur zugesichert, 
ferner, um ihn einigermassen von der Abhängigkeit frei zu machen, in welcher 
jeder Redakteur mehr oder weniger von der Zahl seiner Abonnenten sich be- 
finde, ein vom 1. Januar 1819 ab zahlbares Jahrgehalt von 1000 Thalern mir 
der Aussicht einer künftigen Erhöhung dieser Summe, ausserdem öOO Thaler 
Umzugsgelder und der Titel eines Geheimen Kofratos.^") Weitzel konnte sich 
aber nicht sofort entscheiden. Er betojir iu dem Antwortschreiben vom 
12. März^'). dass er die öffentliche Meinung für sich haben müsse, um den 
auf ihn gesetzten Erwartungen zu entsprechen. Sein ganzes öffentliclies Sein 
sei ein Geschenk der öffentlichen Meinung. Durch jeden raschen Wechsel setze 
er sie aber auf's Spiel. Man würde nicht unterlassen ihn als einen Partei- 
gänger darzustellen, dessen Grundsätze und Dienste käuHich seien. Aus diesem 
Grunde will er seine gegenwärtigen Verhältnisse nur ablösen, nicht abbrechen 
und bittet deshalb sein Berufungspatent noc^h hinausschieben zu wollen. Der 
Befreiung von der Zensur wünscht er eine so ausdrückliche Sanktion gegeben, 
dass er nur dem Könige, dem Staatskanzler und seinem Gewissen verantwortlich 
Ijleibe, gegen untergeordnete Stellen und Lokalbehördeu sich aber nie zu recht- 
fertigenden Erörterungen veri)flichtet sehe. Dem Könige und dem Vaterland sich 
nützlich zu machen, bezeichnet er als einen der grössten Wünsche seines Lebens, 
denn, schlicsst er. „in meiner Seele steht die Überzeugung unerschütterlich fest, 
dass Deutschland nur durch und mit Preussen zu retten ist.'' Unter dem 
11. Juni 1810 weist Weitzel in eincni zweiten Schreiben an Hardenberg .darauf 
hin. dass er seinerseits die öff'entliche Meinung jetzt wohl ziemlich vorbereitet 
finden dürfe, dass sich die Stimmung in den Rheinlanden aber nur noch ver- 
schlimmert habe. Gehe er unter dies(!n Verhältnissen nach der ihm zugeduchten 
Bostimnmng ab. daini komme er in die liTichst schmerzliche Lage, mit der 
öffentlichen Meinung zu brechen, oder oft in einer der Regierung missfälligen 
Lage zu erscheinen. Kv möchte deshalb nicht eher abgerufen werden, bis etwas 
Entscheidendes füi- das Land, sei es durch Errichtung von Ständen, oder auf 
irgend eine anden^ Weise geschehen sei. Weitzel hatte schon zu Godesberg 
bei Bonn durch Dorow eine Wohnung für sich besorgen lassen. Er erklärt 
sich in einejii S(;hreiijen vom l'.i. Juni Hardenberg gegenüber auch bereit 
seinen Lljerzug nach I5o)in im September vorzunehmen. 



o'-o" 



^'') Siehe Schwann a. a. O. iiiid den Anlinn''. 

*') Diesen und die folgenden JJricle s. JJoiow, Erlebtes II, S. 105—150. 



i(;7 

Inzwisclu;]! waren infolge ilcr Jli'inoidiui'^- Jvot/.i^ljues /u Maiinhciin ajii 
2o. März 1810 durch Sand und Lünin^s Mordanschlag auf Ibcll am 1. Juli 
desselben Jahres durch die Karlsbader lic^schlüsse für die gesamte Presse Deutsch- 
lands scharfe Zensurmassrcgeln eingeführt. Weitzel hatte dadurch, dass er für 
das Lüning'sclie Verbrechen die demagogischen Umtriebe verantwortlich machte, 
die liberale Presse Doutsclilands gegen sich aufgehetzt. Unt(!r Hinweis darauf, 
dass das bosliaft(^ G(M'ücht, er schreibe im Dienste; dei- Jlegierung eine Ilof- 
zeituiig. ihn ausser Stand setze weiter für das Land zu wirken, hatte er untcu* 
dem lö. Juli 1819 dem Minister von Marschall seine Absicht, von der Redaktion 
der ivheiuischen Blätter zurückzutreten, augezeigt. ^'^) Es fällt auf, dass Weitzel 
in dicsein Schreiben die ilim seitens Preussen gemachten Anerbietungen, die 
er doch im Prinzip bereits angenommen hatte, gar nicht erwähnt, sondern sein 
Yorhaben, die Redaktion niederzulegen, nur als eine infolge; dei- ungünstigen 
einheimischen Verhältnisse notwendig gewordene Massrogel hinstellt. Wenn er 
auf Verleumdungen, heimliche Neckereien und verborgene Kränkungen liinweist, 
denen er ausgesetzt sei, so mag es dahin gestellt bleiben, ob bei Übertriebcnlieit 
dieser Angaben ihre Richtigstellung, wie Sauer meint, leicht gewesen wäre, 
jedenfalls waren diese Verdriesslichkeiten, unter denen er, worauf auch das 
Schreiben hinweist, ein Jahr vorher gelegentlich der sogenannten Dillenburger 
Petition ^^) ebenso zu leiden gehabt hatte, nicht das Hauptmotiv für Weitzel. 
Und wenn er dem Zureden Marschalls nachgebend sich jetzt ontschloss, weit<.'r 
auszuharren, so war dafür wohl in erster Linie bestimmend, dass er das er- 
wartete preussische Berufungspateut noch nicht in der Tasche hatte. Diese 
Berufung aber zog sich hinaus. Die Karlsbader Beschlüsse veranlassten Harden- 
berg vielmehr unter dem 4. September Weitzel mitzuteilen, dass Verhältnisse, 
welche die letzten Vorfälle auf eine ganz unerwartete Weise herbeigeführt 
hätten und die mit allgemeinen Massregeln im Zusammenhang ständen, es iliiii 
unmöglich machten, ihm die verlangten Papiere in diesem Augenblick zu ül)er- 
senden. Jedoch liege in diesen Verhältnissen durchaus nichts, was seiner An- 
stellung und den dabei ausgesprochenen Bedingungen bis auf einige, vielleicht 
durch allgemeine Bestimmungen eintretende Modifikationen den geringsten Ein- 
trag thun könnte. Er hoffe ihn von diesen Modifikationen in wenigen Wochen 
in Kenntnis setzen zu können und ersuche ihn bis dahin die Ankündigung der 
Verlegung seiner Zeitung auszusetzen. 

Die Bundestagsbeschlüsse vom 20. September wurden inzwischen im 
Nassauischen Vorordnungsblatte unter dem 5. Oktober 1819 publiziert, uml 
damit die Zensur wieder im Herzogtum eingeführt. Jetzt erklärte AVeitzel 
der Redaktion dvv Rheinischen Blätter, so lange diese Verliältnisse wälu'ten. 
entsagen zu müssen. ^Marschall gewährte ihm unter dem 12. Oktober 1819 
einen Urlaub auf unbestimmte Zeit, und Weitzel zog sich, während der 
Konrektor Fischer bezüglich der Rheinischen Blätter — ■ sie gingen am 
1. Oktober 1820 ein, von da bis zum Jahre 1848 erschien in Nassau 



^^) Sauer, Diis Herzogtum ^■(lss^ul, S. 141 teilt das Sclireiben im Auszuge mit. 
^*) Saue r a. a. 0. S. 55 ff. 



168 

kein politisches Blatt — seine Vertretung übernuliiii. imcli Juhaunisberg- 
zurück. Avo er ein kleines Lantlgut erworben hatte. Wenn gleich darauf in 
der deutschen und ausländischen Presse das Gerücht auftauchte, dass er endlich 
dem unwiderstehliclien Anerbieten Prcussens nacligogeben und seine "Wohnung 
in Bonn gentunmen halie. wo er eine Pension von 1500 Thalern genicsse, 
so konnten die Kheinischen Blätter^') dies Gerücht als unrichtig zurück- 
weisen. „Abenteuerlich"'^) aber war es gewiss nicht, und wenn man auch, 
Weitzels em})tindliche Xatur berücksichtigend, mit liecht sag(m kann, dass die 
Zensurmassregeln die bestimmende Veranlassung für ihn waren, die Ivedaktiou 
aus den Händen zu geben '*). die Absicht nach Preussen zu gehen, hatte er 
nicht aufgegeben. Kin Schreiben an Dorow vom 26. November 1819 zeigt, 
wie er mit Ungeduld auf eine Entscheidung aus Berlin w'artet, wenn auch 
seine allgemeinen politischen Hoffnungen, die er auf Preussen gesetzt hat, 
untergegangen sind. L'nter dem 10. Dezember 1819 erklärt er seinem Freunde: 
„AVenn es nur meine Finanzen ertragen, dann verlasse ich schwcrli(.'h den 
Johanuisberg mehr! Es lohnt sich wahrhaftig der Mühe nicht, dass mau mit 
dem Leben, der AVeit und den Menschen so viele Umstände maclit. Um es 
gut hier zu haben, muss man ein Narr oder ein Spitzbube sein, und ich bin 
für jede Schule und fremde Lehren verdorben und zu alt. " Doch resigniert er 
nicht gänzlich: „hätte ich'% schreibt er den 6. April 1820. ..nie ein öffentliches 
Leben gehabt, dann wäre ich mit meinen kleinen Wünschen wohl leichter zu 
befriedigen ; aber da denke ich mir ein Vaterland, eine Nation, Natioualehre 
und Nationalglück und gehe in dem verwaisten Hause durch die hohlen Gänge, 
wo Misstrauen und böser Anschlag im Verborgenen lauern und höchstens einige 
alte Kinder und kindische Alte Vaterlandchens spielen, um das Grosse in der 
Brust des Menschen und der Geschichte zu parodieren. " 

Weitzel sah sich indessen gezwungen, der nassauischen Regierung 
eine bestimmte Erklärung zu geben, ob er in Nassau zu bleiben gesonnen sei 
oder nicht. Im ersteren Falle wurde ihm sein bisheriger Gehalt von 1200 Gulden 
als Pensicm zugesichert. Auf Dorows Rat hatte er Ende Fcsbruai' nochmals an 
Hardenberg geschrieben und unter Schilderung seiner misslichen Lage um Be- 
schleunigung der Entscheidung seines Schicksales gebeten. Nach monatelangem, 
vergeblichem Warten nahm Weitzel das nassauische Anerbieten au. Durch die Gunst 
des Herzogs und seines ersten Beamten erhielt er am 20. Dezember 1820 die Stelle 
des Bibliothekars der öffentlichen Bibliothek zu Wiesbaden. Am 18. Juni 1820 
schreibt er an Dorow: ..Ich musste mich zu einer Kapitulation entschliesscn, 
die nicht glänzend ausfallen konnte, weil ich eine schlechte Stellung hatte. 
Das Achtzehnnionatskind ist also unzeitig und ohne Leben abffoffaniren. Fahre 
auch Du hin, wie so jnancher werte Entwurf in diesem Leben! Ich habe in 



•") Jnhrg. 1819, No. 1(57. Wie verbreitet die Rheinischen Blätter übrigens damals waren, 
lüsst sich daraus f-clilicsson, dass dein Yorwurt'o drn- IJcstccliung ontgcgengolmltcn wird, Weitzel 
li.'ibe mit den Kheinischen Blättern wohl mehr als l.jO0 Tlialer aufjjeireben. 

") Sauer a. a. O. S. 1.51, Anm 1. 

^'') Schwartz, .\nnttlen XXIV, S. 46 behält deshalb doch gegen Snnora. n. 0. 8. 141, 
.\iiMi. 2, Kocht. 



UV.) 

der langoii Scliwaiigerschaft PreussiMi viel f^copfcit. Am TJlioin gelästert, V(tn 
iriindertcn verkannt, in manolien Interessen gekränkt, oft gezwnngen mit liestcr 
Absieht nnd entscliiculenem Willen in zweid(Hitig(Mn Sinne zu orselieincn. habe 
ich nur einen falschen SeJiritt — wenn ich ihn wirklich getlianV in jeder Hin- 
sicht y.n t(Mu>r bezahlt/' 

J)()ro\v teilte die ihm iiiicrwartcit gekoiuinene Entscheidung s('in(\s Freundes 
Hardenberg sofort mit. um womöglich noch eine Änderung in denn Schick- 
sale Weitzels herbeizuführen. Der Staatskanzler aber nahm (Wr, Entscbliessunir 
des letzteren zur wiilkoraniencn IFandhabe, um die VtM-handlungen mir ilim. 
wenn aucli in höflichster Form, abzubrechen. Xachdeni infolge den* Karls- 
bader l>eschlüsse den llegierungen Mittel in die Iiänd(3 gegeben waren, jede 
laut werdende Stimme der Unzufriedenheit durch die Zensur schon von vorji- 
herein zum Schweigen zu bringen, und es nicht mehr erforderlich schien, 
den Massnahmen der Jlegierung in der ()ffentlichen Meinung gegen Angriffe 
und Yerdächtigungen das Wort zu reden, war der eigentliche Zweck von 
Weitzels Berufung nach Preussen hinfällig geworden. Unangenehm aber wai- 
es, bei den einmal gemachten Zusicherungen den Rückzug anzutreten. Von der 
Zwangslage Weitzels in Berlin genau unterrichtet, hatte man diese Entscheidung 
gewiss nur herbeigewünscht, um dann, wie es in dem Auftrage Hardenbergs 
von dem Geheimen Oberfinanzrat Schaumann an Weitzel unter dem 24. August 
1820 gerichteten Schreiben geschieht, sein scheinbares Bedauern über dieselbe 
aussprechen zu können. W^eitzel durchschaute die Sachlage nicht, wenn (>r in 
seiner Erwiderung vom 1. September den Vorwurf, als trage er selbst di(^ 
Schuld an der erfolgten Entscheidung durch Darstellung des ganzen Verlaufs 
der Angelegenheit, zurückweisen zu müssen glaubt. Hardenberg antwortete 
darauf unter dem 18. September eigenhändig. Er kleidet sein Bedauern, der 
Aussicht ihn zu besitzen, entsagen zu müssen, in die verbindlichsten AVorte 
und bittet ihn zugleich um Angabe der Entschädigung, welche er verlange. 
Welchen Eindruck das Schreiben auf Weitzel machte, ersieht man aus folgender 
Stelle von dessen Brief vom 2o. Oktober 1820 au Dorow: „Dass ich den so 
hoch verehrten Fürsten eine Zeche machen soll, das lieber Dorow, nuithen Sie 
mir nicht zu. So etwas verträgt sich weder mit meiner Achtung gegen den 
Staatskanzler, noch — erlauben Sie mir den Stolz ! — mit meiner Achtung vor 
mir selbst. Ich habe nichts verlangt, verlange nichts und werde nichts ver- 
langen. Der Fürst soll nicht übel von mir denken, darin besteht meine ganze 
Forderung. Ich will die gute Meinung verdienen, die er von mir hat. Man 
soll mich allenthalben entbehren können, das lasse ich mir gefallen, aber an 
keinem Orte soll man mich verächtlich finden, das ist meine Sorge. Dem 
Fürsten hätte ich für den Ausdruck seiner gütigen Gesinnung schon gedankt, 
wären Sie nicht dagegen." Nur für die von ihm schon in Godcsberg gemietete 
Wohnung nahm Weitzel die Entschädigung an. 

Erst allmählich wurde ihm die ganze Situation klar. Die veränderte 
Stimnmng klingt durch in dem ]5rief an Dorow vom 13. Dezember in den 
Worten: „Man hat doch etwas zu arg mit mir gespielt." Dorow versuchte 
auch jetzt noch beim Staatskanzler für seinen Freund zu wirken. Er schrieb 



170 

zu diesem Zweck au den Geheimen ( )ben'egieruugsriit Scholl, der inzwischen 
an KorefFs Stelle getreten war. und dem er späterhin, offenbar tdine Grund, die 
Schuld an der Xichrberufung AVeitzels nach Preussen giebt.'") Aus dem von 
Hardenberg selbst darauf erfolgten Antwortschreiben vom 4. Januar 1821 geht 
hervor, dass Dorow für den Fall, dass "NVeitzels Überzug in der ursprünglich 
beabsichtigten Form nicht angängig sei, ihn für eine akadennsche Lehrstelle 
empfohlen hatte. Sicherlich erfolgten diese Bemühungen, denen Plardenberg 
nut dem Hinweis begegnete, dass für dergleichen Anstellungen der Kultus- 
minister die einzig zuständige Instanz sei. hinter Weitzels Kücken.^*) 

Während Dorow erst jetzt die Vergeblichkeit weiterer Versuche einsah, 
kennzeichnet Weitzel in einem lirief vom 2. Februar den ganzen Verlauf der 
Sachlage richtig nnt den ^^'orten : „Das Spiel war eine lustige Posse, in der 
ich als ehrlicher Hanswurst Prüircl bekam. Einmal ist es den Herren Ernst 
gewesen, da die Ivheinischen Blätter nocli im Gange waren. Diesen hat es 
gegolten; sie sollten gewonnen werden, da sie nicht unterdrückt werden konnten. 
Kaum hatten die Karlsbader Konferenzen der Sache ein anständiges Ende ge- 
macht, als man auch eine andere Sprache führte. Es hatte ja zu regnen auf- 
gehört, warum sollte mau den lästigen Schirm nicht in eine Ecke stellen? So 
ist's; und ich beklage mich nicht dariU^cr. Ich liiu nur eiufältig. zutraulich, 
aus lauter Achtung und Ergebenheit furchtsam gewesen. Was mir in allen 
Verhältnissen des Lebens geblieben ist, blieb mir auch hier, das Bewusstscin 
aufrichtiger Gesinnung und gerader Handlungsweise.''' 

Diese Verhältnisse sind eingehender geschildert worden, weil die Be- 
deutung, die die Rheinischen Blätter erlangt hatten, daraus am klarsten hervor- 
tritt, und weil die durch dii; Karlsbader Beschlüsse herbeigeführte ungünstige 
Wendung für Weitzel, dessen Charakter in den ^vähr(md dieser Verhandlungen 
an Dorow gerichteten Briefen offen vor uns liegt und sicli als iu jeder Be- 
ziehung ehrenwert bewährt, einen wichtigt'U Abschnitt bedeutet. 

5. Publizistische Arbeiten in der Zeit der Reaktion. 

Wir haben Weitzels Natur und Fähigkeiten genügend kennen gelernt, 
um zu verstehen, wie dieser jähe Abbruch seiner politischen Wirksaudceit für 
ihn verhängnisvoll werden musstc. Dorow fand Weitzel, als er ihn IS2d in 
Wiesbaden wiedersah, sehr verändert. Wenn er sagt"*®) : „Weitzel war der Mann 
für einen grossen Staat ; sein weitstrebender Geist und seine grossartigen Welt- 
ansichten gingen unter in den Mühen und in (Im kliüncii Vcrhältuissen und 
Intriguen eines so eng begränzten bürgerlichen Lebens", so hört uuin aus 
diesem Urteil Weitzels eigene Klage heraus, iliin war das Arbeitsfeld ge- 
nonmien, auf dem er im Kampf der Parteien mitten innestehend in harter 
Tagesarbeit vermöge seiner Schlagfertigkeit und Mässigung sich eine beachtens- 



") Dorow, lürleijtes II, S. 109. 

'*) Sauers Meinung (Annalen XXVII, S. 203), uls habe ssicli Weitzel um eine Profetsaur 



in Bonn bemüht, ist irrig. 

") Krlebtes, Teil 3, S. 351. 



171 

werte Stellung' gescliuffcn liatte. Es fehlte ihm fcnKn-liin dlv. uninittelbaie He- 
lühnm"' mit dem öffentlicheu Loben und damit gleichsam di(^ Scliuh! der Praxis, 



'O 



d'w. für seine allzu gefühlsselige Natur ein uniintbehrliches Korrektiv liildete. 
Die systematische Unterdrückung aller freiJKiitlichen Jleguugen, an die er so 
grosse lloff'nungcm und Erwartungen für die zukünftige Gestaltung Deutschlands, 
sowie ganz Europas geknüi)ft hatte, wurden von ihm schwer empfunden, fhm 
war CS gewiss, dass das alte Staatssystem abgewirtschaftet hatte und eine iwnn 
Zeit heraufgekomnuiu war, die in den Kulturstaaten Europas das Volk zur Mit- 
wirkung an der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten und am weiteren 
Ausbau des Staates berief. Diese richtige Überzeugung war aber bei ihm nicht 
zugleich von der Einsicht getragen, dass der Staat ein organisches Gebilde ist, dessen 
Entwickelung mau nicht auf Grund theoretischer Erwägungen vorgreifen darf. 
Erst einer jüngeren Generation ist diese tiefere Erkenntnis aufgegangen. 
Weitzel sieht das einzige Hindernis für die Einführung konstitutioneller Ver- 
fassungen in der Abneigung der Regierungen, sich ihre bisherigen Machtbefug- 
nisse kürzen zu lassen. Sein politischer Instinkt fühlt, dass fernerhin Preussens 
Entwickelung für Deutschlands Entwickelung massgebend sein wird. Und nun 
ist es gerade dieser Staat, der durch sein Beharren in dem alten Geleise nach 
Weitzels Meinung dem angebahnten und unabweisbaren Fortschritt entgegentrat. 
Auch in dem engeren nassauischen Vaterland, dessen Verwaltung Weitzel in 
den Jlheinischen Blättern so überzeugt und beredt gepriesen hatte, trat unter 
dem Druck von aussen und unter dem Eindruck der Gefahr seitens der un- 
gezügelten liberalen Strömungen ein gänzlicher Umschlag der Verhältnisse ein, 
den Weitzel selbst in dem Aufsatz „Nassau und der Minister von Marschall'' *") 
in geistvoller AVeise charakterisiert hat. p]s ist unter diesen Umständen, zumal 
wenn wir Weitzels Naturell berücksichtigen, begreiflich, wie in den späteren 
Schriften des nach wie vor rastlos thätigen Publizisten eine unfruchtbare 
Nörgelei an den bestehenden Verhältnissen, die ihn die Welt und die Menschen 
allzu oft mit getrübter Brille betrachten lässt, mehr und mehr Platz greift. 

Auch noch in einer anderen Beziehung wirkte das Aufgeben seiner unmittelbar 
praktischen politischen Thätigkeit ungünstig ein. Weitzel stand gerade auf der 
Höhe seines Wirkens; als namhafter Publizist hatte er sich eine Gemeinde 
geschaffen, zu der zu sprechen ihm Bedürfnis geworden war. ][infort der 
Tagespolitik entzogen, die für ihn der eigentliche Lebensnerv gewesen, greift 
er nicht sislten auf frühere Zeiten zurück, um aus dem Vorrat seiner älteren 
Schriften das darin noch Verwertbare seinem nunmehrigen grösseren Leserkreise 
als neue Gabe darzureichen. Durch diese Umstände erleidet insonderheit für den. 
der Weitzels Schriften im Zusammenhange liest, das Literesse an den späteren Er- 
zeugnissen seiner Feder eine beträclitliche Einbusse. 

Zunächst gehört freilich die Schrift : ,JIat Deutschland eine Revolution zu 
fürchten?", die Weitzel unter dem unmittelbaren P^iudruck von Lönings Mord- 
anfall auf Ibell im Juli 1819 verfasste, und die in kurzer Zeit in zwei Auf- 
lagen hintereinander bei Schelleuberg in Wiesbaden erschien, noch der früheren 



") AUjjemeine Zeitung 1834, Aufserordontliclie Boil. Xo. 114—117/118. 



172 

Periode aii. Die biTeitsi erwähnte Denk-^e-lnitt ülier lilieiii|)reu»si'ü tinder sich 
hier, abgesehen von den ausschliesslich die Jiheinlande betreffenden Bemerkungen, 
verarbeitet. In Tendenz und Ausführung das gerade Gegenteil von Görres' 
im August desselben .lahres erschienener Flugschrift ,,DeutschIand und die 
Ivevolutiou" tritt diese Schrift unter Hinweis auf die Notwendigkeit, die vor- 
handene (lärung zu beseitigen, für Ideen ein. die in Bezug auf Schatt'ung einer 
Zentralgewalt und Keiiräsentativverfassung Deutschlands bei gleichzeitiger mög- 
lichster Schonung der Selbständigkeit der einzelnen Staaten die (»edanken 
seiner 1814 veifassten und oben besprochenen Aufsätze Aviederholen und weiter 
ausführen. Entgegen Görres' Ideal von der Wiederbelebung des alten Kaiser- 
staats unter Österreichs Führung weist Weitzel darauf hin. dass Preussen schon 
seiner geographischen Lage sowie <lein Geist seiner Bevölkerung, seiner Kultur 
und seinen Sitten nach das Land sei, auf das Deutschlands Zukunft sich auf- 
bauen müsse. .,Mit gestrecktem Körper dehnt es sich von einer äusserstcu 
(frenze Deutschlands bis zur anderen aus; seine Sicherheit ist ein Theil der 
unsrigen, sein Wohlstand ein Theil des unsrigen, jede Gefahr für es ist auch 
Gefahr für uns. und durch die vielseitige nahe Berührung theilt sich wechsel- 
seitig fast jeder Schmerz und jedes Leiden sympathetisch mit. Preussen und 
Deutsehland stehen in verwandter Wechselwirkung; ihr Schicksal ist an dasselbe 
liad der umkreisenden Zeit geflochten, das in seinem Hollen die Bande nur 
immer mehr zusammenziehen und verschlingen kann."") Wie er hier die 
Bedeutung Preussens für die Zukunft Deutschlands mit klarem Blick erkennt, 
so zeichnet er auch richtig die Vorteile und Xachteile, die sich aus der selbst- 
ständigen P]utwickelung so vieler kleiner Staaten, wie sie Deutschland besitze, 
ergeben hätten, um ebenso wojil die Zweckmässigkeit eines einheitlichen Mittel- 
juinktes wie einer foederativen, die einzelnen Staaten in ihrer individuellen 
Entwickelung möglichst wenig hindernden Verfassung darzuthun. Diese trotz 
der aufgeregten Zeit sine ira et studio verfasste Schrift steht an Gehalt und 
politischem Urteil unter den publizistischen AVcrken Weitzcls jedenfalls oben an. 

Die Xusse auf seinem Landsitz in Johannisberg benutzte Weitzel dazu 
einen Teil seiner früheren Schriften als „Vermischte Schriften" in drei Bänden 
1820 bis 1821 ebenfalls bei Schelhmber"- in Wiesbaden neu herauszugeben. 
Der erste Band enthält eine teilweise Umarbeitung seines 1795 erschienenen 
politischen Bomans „Lindau oder der heilige Bund" unter dem Titel „Der heilige 
Bund". Die romanartige Einkleidung der politischen Grundideen des Buches ist 
in dieser Neubearbeitung besser durchgeführt unter Weglassung der in „Lindau" 
vorhandenen Anspielungen auf Napoleon. Auch die den Kernpunkt der Schrift 
ausmachende Idee der Verbesserung der Menschheit und der Staaten durch eine 
Verbindung der rechtschaff'enen und aufgeklärten Menschen zu einem heiligen 
Bunde ist bezüglich des Wirkungskreises den veränderten Verhältnissen und 
Ansichten des Verfassers entsjtrechend geändert. Das Buch bildet so ein 
merkwürdiges Gemisch jugendlicher Cberschwenglichkciten, die schon der 
etwas schwülstige Stil als aus der ersten Auflage stammend kennzeichnet, und 



') 2. Aufl., S. 78 f. 



(•I 



Godankon gorciftcM- [((»litisclicr Einsicht und Mouschcnkonntnis. Scliwcrlicli 
fand es violo Tjcsgi', wie sich schon daraus (Mitnclinum lüssf, dass der Vorh^gcr 
lS2.'i eine neue Titolauflago vovanstalteto, \y'\o or es 1820 ebenfalls mit Wcitzels 
Jtoman „August und Wilhelniino" gctlian hatte Den zweiten Jiaiid bilden die 
«Tösstcnteils bereits im Ivlicinischen Archiv vcn'tfCcntlichten, im allgemeinen 
nur wcmig v(!ränderteu Aufsätzen „J)(!r lieiz d(;r Neuheit," „Der T(jd d(!s 
Pvthageras", „lloland und Uildegarde". „Panthea od(;r die Treue", „Briefe aus 
der Stadt", „Briefe vom Lande" und „Emil und Theod(n-". Im letzteren unter- 
sucht Weitzel in der Form des Dialogs allgemeine menschliche Fragen, wie ilif 
über die Bestimmung des Menschen, die wie seine Ajdagcm dreifacher Art s(m, 
körperli(;h, moralisch, intelUsktuell und sich in seinem Leben vollende, weil dies 
nicht als Teil nüt eiiiem grösseren Ganzen zusammenhänge, sondern für sich 
bestehe und vou seinem Anfange bis zum Ende, von der Wiege bis zum Grabe; 
ein geschlossenes Ganze bilde. Der dritte JJand enthält neben dem Wieder- 
abdruck der Schrift „Hat Deutschland eine Itevolutiou zu fürcliten?", die 
„Denkschrift über Napoleon", historische, gh'ichfalls im Rheinischen Archiv 
zuerst veröffentlichte „Parallelen" und die 1820 verfasste Denkschrift „l'ber 
den gegenwärtigen Zustand von Euro})a'\ 

Dieser gedenkt Weitzel in einem Bericht an Dorow vom l,'». ^fai 1820 
mit den AVorten: „Die Denkschrift wollen wir noch ein wenig ruiien und 
reifen lassen. Sie ist mein Manifest, mit dem ich wieder aufzutreten gedenke, 
wenn es Krieg giebt und zwar als litteiarischer Potentat. So toll auch die 
Kirchweihmusik sein mag, ein gutes Pfarrkind übernimmt dabei eine Stimme, 
wenn sie auch selten gehört wird." So ist auch diese Schrift in der llott- 
nung auf eine baldige Berufung nach Preussen und eine publizistische 
Wirksamkeit grösseren Stils abgefasst. Hervorgerufen ist sie zunächst durch 
die Görres'sche Flugschrift „Teutschland und die Revolution", gegen die 
sie in stiller Polemik nachzuweisen sucht, dass die Behauptungen über das 
Vorhandensein eines revolutionären Geistes in Deutschland nicht so viel zu 
bedeuten hätten, wie überspannte Schriftsteller und Fanatiker glauben machen 
möchten. Die Deutschen seien besser als ihre politischen Institutionen, 
die Regierungen hätten den besten Willen. Die Gefahr sei, wie die Dinge 
jetzt in Europa ständen, keineswegs bedenklich, wenn man ihr zu begegnen 
wisse. Die Mittel, die er dazu vorschlägt, sind die bekannten: Gesetze und 
Institutionen, die dem fortgeschrittenen Zustande der Völker, ihrer geistigen 
Ausbildung und der Entwicklung ihria- Industrie, ihres Handels, ihres häuslichen 
und öffentlichen Lebens angemessen seien. Weseutlicli erweitert durch eine 
Zeitgeschichte der einzelnen europäischen Staaten liess Weitzel diese Schrift 
1824 auch selbständig bei Ritter in Wiesbaden erscheinen. In den „Briefen 
vom Rhein"-") erzählt uns Weitzel, dass ein angesehener Staatsmann — ge- 
meint ist ohne Zweifel vou Marschall — ihm in Bezug auf dies Buch gesagt habe, 
um die AVeit und ihre Angelegenheiten zu übersehen, müsse man über ihnen 
stehen, ein insofern treffendes Urteil, als es dem A'erfasser nie einfällt bei 

»2) S. 345. 



174 

seinen Reformvorschlägeu die Macht und den Wert der bestehenden Yerhültuisse 
in IJetracht zu ziehen. 

Diese Sannnluug seiner Schriften ergänzte AVeitzel durcli eine Selbst- 
biographie. 1821 erschien bei Brockhaus in Leipzig davon der erste Teil unter 
dem Titel: -Das Merkwürdiirste aus meinem Leben und aus meiner Zeit." Das 
Buch Itietet eine zwar etwas selbstgefällige, aber mit ebenso grosser Offenheit wie 
Aus(diaulichkeit geschriebene Erzählung seiner Jugendentwickeluug. Freilich sind 
einzelne Züge mit einer Breite dargestellt, die zu ihrer Bedeutung in keinem 
Verhältnis steht. Ausserdem stören allzu oft eingelegte allgemeine Betrachtungen 
den Gang der Erzählung. Auch das lange, den Schluss des ersten Bandes 
bildende Kapitel über seine ersten schriftstellerischen Versuche ist nicht ge- 
eignet, das Interesse des Lesers zu steigern. Hat aber dieser erste Band im 
Ganzen und Grossen den Beiz eines Memoirenwerkes, so ist der zweite, 1823 
erschienene Teil, in dem "Weitzel an der Hand der Darstellung der Ursachen und 
des Verlaufs sowie der Ergebnisse der französischen Revolution und der Ver- 
gleichung dieser Epoche mit der Zeitgeschichte die Richtigkeit der Grundsätze 
des von ihm früher und damals vertretenen Rationalismus zu erweisen sucht, 
jeglichen derartigen Interesses bar. Indem er auf Ereignisse zu sprechen 
kommt, die von der Epoche seines Lebens, mit der sich der erste Band be- 
schäftigt, durch mehrere Jahrzehnte getrennt sind, verliert er vollständig den 
Faden der Erzählung, und es ist sehr begreiflich, dass die Teilnahme, die dieser 
Fortsetzung seitens des Publikums entgegengebracht wurde, ihn nicht zur 
Vollendung des Werkes ernmtigte. 

Auch die nächste Schrift Weitzels, seine„Rheinreise", von der ein erster Band 
1825 bei Ritter in Wiesbaden erschien, blieb ein Bruchstück. In ihr dient 
die eigentliche Reisebeschreibung dem übrigen Inhalt nur zur Folie. Dennoch 
ist gerade dieser Teil des Buches heute allein noch von Interesse. Wiesbaden 
und sein damaliges Kurleben sind ebenso wie die Orte des Rheingaues bis 
Rüdeslieim mit dem gegenüberliegenden Ufer zum Teil sehr anschaulich ge- 
schildert, wobei Weitzel sich allerdings für gewisse Partien selbst ausschreibt, 
indem er die in seinem Roman „Eugen" enthaltene Reisebeschreibung in dies 
Werk beinahe unverändert herüber genommen hat. Den wesentlichsten Teil des 
Inhalts bilden aber die Gespräche, die Weitzel mit seinem Reisebegleiter und 
unterwegs angeknüpften Bekanntschaften über Gegenstände der verschiedensten 
Art führt. Darunter sind viele treffende Bemerkungen, abei- derjenige, der 
Weitzels frühere Schriften kennt, findet wenig Neues darin. Sein Vergleich 
der d(!Utschen und französischen Litteratur, der, wenn er auch au der Oberfläche 
haften bleibt, docli eignes Urteil und Kenntnis des Stoffes zur Grundlage hat, 
ist uns in der Hauptsache schon im „Rheinischen xVrchiv" begegnet und seine 
Ausführungen über die Macht und den EinHuss der Mode frischen ebenfalls 
nur einige Kapitel seines Romans „Eugen" wieder auf. Auch das, was sich 
aus d(!m Imnt gemischten Inhalt schon dem Umfang nach am deutlichsten 
abhebt, seine Betrachtungen über das Menschenleben, vor allem über die Motive 
der Handlungen des Menschen, über ihre Vorurteile und Fehler, ist grösstenteils 
nur eine Wiederholung von früher Gesagtem in nur krasserer und einseitigerer 



1 



I.) 



Beleuchtung, wie denn der Pessimismus dos Verfassers sich sclion in dem stüneni 
Werke vorangestellten Motto aus Tassos befreitem Jcn-usalein von vornherein 
zu erkennen gibt. 

Wir haben bereits aus früheren Schriften Weitzels gesehen, dass er der 
Erziehungsfrage als der Nvichtigsten Vorbedingung einer gesunden Staats- 
entwicklung ein grosses Interesse entg(!genbringt. Seine Anschauungen und 
Erfalirungen, wie er sie während seiner Mainzer ]iehrthätigkeit gemacht hatte, 
hat er auch in einem besonderen Duclie, das 1828 bei Jjrockhaus in Leipzig 
unter dem Titel „Was soll man leruenV oder Zweck des Unterrichts" lun-aus- 
kam, in eingehenderer Weise niedergelegt. Abgesehen von den schon früher 
mitgeteilten allgemeinen Grundsätzen vertritt er hier die Ansicht, dass Erziehung 
und Unterricht durchaus nach eine; ]u Plan und in einem Geiste von Personen 
besorgt werden müsse, deren Fähigkeit dazu hinlänglich (u-probt sei. Zu diesem 
Zweck wünscht er eine Körperschaft von Tiehrern, welche sich selbst ergänzt, 
um sich in ihrer Stärke und Reinheit zu bewahren. Das erforderliche Mass 
von Begeisterung für den hohen Beruf des Erziehers lässt es iliiii sogar 
rätlich erscheinen, dass die Glieder dieser Körperschaft keine Familie haben. 
Dass er im übrigen die Methoden, die man beim Unterricht befolgen solle, 
nicht für so wichtig hält, als Erzieher und Lehrer vom Fach glauben machen 
möchten, vielmehr mit Rousseau den Gang der Natur als die' einzig richtige 
Methode preist, ist bei seinem rationalistischen Standpunkte selbstverständlich. 

In den früheren Schriften ist uns auch das Interesse, das Weitzd an 
Napoleon, seiner Persönlichkeit und seinem Schicksal nahm, genugsam entgegen- 
getreten. Augenscheinlich gab ihm das 1823 veröffentlichte gleichbetitcdte Buch 
des Franzosen Massias Veranlassung zu seiner Schrift „Napoleon durch sicli 
selbst gerichtet", die 1829 bei Sauerländer in Frankfurt a. M. erschien. Urteile 
und Aussprüche Napoleons über sich selbst, durch eigne mehrfach aus persön- 
lichen Erinnerungen und Beobachtungen der Mainzer Zeit geschöpfte Zusätze 
vermehrt, stellt Weitzel hier zu einem eigenartig individuellen Bilde des Lnpe- 
rators zusammen, das freilich in seinen verschiedenen Elementen schon in den 
vorher erschienenen Schriften nachweisbar ist. 

In dem 1830 in gleichem Verlage erschienenen, zum grössten Teil noch 
vor der Juli-Revolution niedergeschriebenen Buche „Scherz und Ernst; zur 
Charakteristik unserer Zeit" bietet Weitzel in acht verschiedenen, von einander 
unabhängigen Aufsätzen Parodien und Satiren auf die Zustände der Zeit in 
politischer, religiöser und litterarischer Beziehung. In dem „prophctisclien 
Almanach auf alle Jahre" wird die auf Saint-Pierre zurückgehende, in Deutsch- 
land durch Kant und Fichte vertretene Idee des ewigen Friedens parodiert, 
indem Weitzel für ein bestimmtes Jahr der fernen Zukunft und alle späteren 
folgende, hier natürlich nur angedeutete Prognose st(^llt : Die Wahrheit wird die 
erste Ilofstelle bekleiden und sich dem Throne beherzt und gefahrlos nähern, 
das anständige Wort wird frei sein, der Überfluss wird die Dürftigkeit zu 
Gast bitten, die Beamten werden glauben, die Diener des Gesetzes, nicht aber 
. die Herren des Volkes zu sein, Verdienst und Tugend werden an die Stelle 
treten, die früher Gunst und Vetterschaft eingenommen, und die politischen 



ITC) 

Blätter svcnlon inolir an die Iloiligkoit clor Walirlieit und dos Rechts als an 
die Zahl ihrer Abnehmer denken. In dem zweiten Aufsatze „An die verehrliche 
und verehrte Redaktion der Cik-iiia'' (einer Zeitschrift für di(> nuisikalische Welt) 
benutzt Weitzel eine an ihn erganijeni' Einladung zur Mitarbeit, uiii sich über 
solche lustig zu mat-hen. die von Dingen reden, die sie nicht verstehen und 
zugleich um untt-r Hinweis auf bestimmte Falk' ilie zu vers^jotten, die im 
llandunulri'hen mit sich eine Metamorphose vornehmen und sogar ihre religi«isen 
l'berzeugungeu itKitzlii-h ins Gegenteil ändern können. Tn dem ,,]jolitisfhen 
Ulaubensbokenntnis eines Mannes ohne AVclf* glossiert er den Standpunkt der 
Regierungen und Parteien vornehmlich in Deutschland auf politischem und 
kirchlichem Crebiet. ISemerkenswert ist darunter seine Verurteilung der von 
den Regierungen ergriffenen Massregeln gegen die vermeintlich revolutionäre 
Gefahr, die darauf liinauslaufe, dass einige Studenten und Kaufmannsdiener 
sich mit Weltreformen in den Feierstunden die Zeit vertreiben. Ausserdem 
seien seine Ansicht(Mi über die Jesuiten erwähnt, die mau nach seiner Meinung 
gewähren lassen soll, da jeder Streit, der Religion, Glauben und Meinen be- 
trifft, nur gefähilich werde, wenn die Regierungen sich in ihn mischen, in 
der „Dorfchronik von Dorfheim'', in der das Philister- und Spiessbürgertum ge- 
geisselt wird, hält sich Weitzel an ältere, wenn auch eigne, Vorlagen. Die 
folgenden Aufsätze „Deutschland"" und „Stimmen über die Reformation und die 
Revolution" besprechen Erscheinungen der zeitgenössischen Litteratur. In dem 
ersteren bekennt sich Weitzel fast durchweg zustimmend zu dem anonym er- 
schienenen, bekannten Werke Karl Weber's „Deutschland, oder Briefe eines 
in Deutschland reisenden Deutschen"', in dem anderen weist er Marheinekes 
Kritik von ^lenzel's Geschichte der Reformation und die Kritik der allgemeinen 
Litteraturzeitung von Mignets Geschichte der französischen Revolution zurück. 
„Herr Martin'" bietet dem Leser allerlei politische Klughoits- und Lebensregeln. 
Dem mosaikartigen Ganzen wird durch Beifügung einer Sammlung von „Anek- 
doten, Gedanken und Maximen" ein passender Schluss gegeben. Darunter sind 
zwar manche, nur wieder aufgefrischte Gemeinplätze, aber auch viele Be- 
merkungen, die ebenso individuell wie geistreich die grosse Belesenheit des 
Verfassers, sein lebendiges Interesse an allen das geistige Leben berührenden 
Fragen und die eigne selbständige, von philosophischem Geiste getragene Auf- 
fassung bezeugen. Hier am Schlüsse, der unter dem Eindruck der Juli-Revolution 
geschrieben ist, w(üclit auch der Pessimismus des Verfassers einem frohen 
Ausblick in die Zukunft in den für ileii Publizisten charakteristischen Worten: 
„Richtet sich inrin IMick ;iuf das aulblüluaide Geschlecht, dann sage ich mit 
einer innigen, mächtigen l'berzeugung: (Glücklich die, so nach uns kommen! 
Alles verkündet für sie (un grosses Jahrhundert. Der Strom ist über seinen 
schäumenden Fall gekommen, die Gewässer beruhigen sich, der menschliche 
Geist geht frei und stark auf einer breiten Bahn. Eine reine Absicht leitet 
ihn; ein glühendei- Durst nach Vollkommenheit, nach Sittlichkeit und Wahrheit 
verzehrt ihn: ein neuer Sinn, ein heilsamer oder verderblicher Sinn ward ihm 
gegeben, um ihn zu stillen. ])ieser Sinn ist die Presse; dieses neue Ver- 
mögen, das sich nicht kennt, erschrickt nncli vor sich selbst. Aber die Zeit. 



< I 



seine ei,o-nen Verivrnni>-en. dir« cin/io-o unfclilliarc Probe der rieHetzf,'ebun^n'n 
werden den (iebraudi desselben (n-ilncii. o|in(> seine Vurtbfilr /u ciii/iclicii. 
und welches aueli dei' fiii'cbtliaiT Zweifel scvii iwivj;, mir dem die; Prosst; selbst 
di(! Beherztesten quält, so kann ieii dorji unniö;^li(di j-laubcn. dass \vir einer 
^facht, mit der die Vorsehun««', die edelmütiger und scharfsichtiger ist, als wir, 
den Gedanken des Mous(dien berei(diert hat, tiuchen, eine ilii'er .srhihisti'u (laben 
versclimähen und ilire Widdtliat abweisen sollen." 



In den 18^54 verött'entlicliten „Ibiefc vom Rhein" lierrscht liingegen eine um 
so gedrücktere Stimmung. Weitzcd warnt die deutsclien Kegierungen, sicli, nach- 
dem der Sturm der Juli-Revolution vorübcn-gerauscht sei, dem Gefühl der Siclierheir 
hinzugeben. Sclion lange glimme aucli in Deutschhmd das Feuer unter dei' Asche. 
J)io Revornuindung der A^'Hker durcli die Fürsten auf dem Wiener Kongresse und 
die Karlsbader JJesclilüsse liätten das Pulver im Stillen ausgestreut und angehäuft. 
Indem er auf die Einfülirung konstitutioneller Verfassungen dringt, gesteht er 
der absoluten Monarchie höchstens für einen kleineu Staat, in dem der Unterthan 
in dem Fürsten das Haupt einer grossen Familie ehre und liebe, eine gewisse 
JJerechtigung zu. 

Wenn er W'citerhin auf die Nachteile kleiner Staaten zu sprechen 
kommt, die allzugern zu lächerlichen Kopien von grossen würden, indem 
sie wie diese eine auswärtige Politik hätten, das kostspielige Soldaten- 
spiel mitspielten und einen glänzenden Hof hielten, indem die Beamten leicht 
aus Dienern des Staates zu Dienern des Herrn würden, und die Fiskalität sich 
im persönlichen Interesse des Fürsten mit dem gemeinen Eigennutz in einen 
Wettkampf einlasse und die Gewinnsucht niedriger Spekulation überbiete, um 
der fürstlichen Kasse einen Vorteil zuzuwenden, den Bürger oder Gemeinden 
zu beanspruchen sich berechtigt glaubten, so zielen diese Bemerkungen augen- 
scheinlich auf die damaligen nassauischen Zustände. Die seit 1830 zwischen 
Regierung und Landständen hier entstandene Spannung, vor allem der unerquick- 
liche Domänenstreit, hatte in der Bevölkerung eine lebhafte Gärung erzeugt, 
untei' deren Rückwirkung selbst das Wiesbadener Badeleben zu leiden hatte, 
wie dies Weitzel, der die neue Einrichtung der Dampfschiffe benutzend den Rhein 
hinauffährt, im vierzehnten, vom 24. August 1832 datierten Brief zur An- 
schauung bringt. Die Vorwürfe, die Weitzel hier dem v. MarschaH'schen 
Regierungssystem macht, klingen auch in dem bereits erwähnten Nachruf auf 
den am 22. Januar 1834 seiner Wirksamkeit durch den Tod entrisseneu Minister 
durch, wenn Wtdtzel dort im übrigen auch gerade die gutem Seiten dieses 
Systems betont und die Gefühle persönlicher Achtung und Verehrung gegen 
den Verstorbenen warm zum Ausdruck bringt. Der nassauische Domänenstreit 
veranlasst ihn, gegen die von Savigny begründete Rechtsschule ins Feld zu ziehen, 
welche, um Streitigkeiten über Staats- und TIausdomänen zu entscheiden, sich in 
die dunkle Vorzeit verliere. Weitzels Ausführungen zu Gunsten des Naturrechts. 
so verfehlt sie auch an sich sind, kennzeichnen doch treffend die damals beliebten 
l'bertreibungen der historischen Schule. Gegenüber der kurhessischen Ver- 

12 



178 

fassung von 1831"), der er vor jeder anderen in Europa den Vorzug giebt, und 
in der er „einen bedeutenden Fortschritt auf der konstitutionellen Bahn" sieht, 
tadelt er den durchaus tiniokratischen Charakter der nassauischen Verfassung. 
Sie jnaehe die Wahl der Abgeordneten, bei der es doch darauf ankomme, 
Männer von Einsicht und Verdienst zur Beratung der Regierung zu berufen, 
von dafür ganz gleichgiltigen Bedingungen abhängig. 

Im dreiundzwauzigsten und in den folgenden Briefen setzt sich Weitzel 
mit den Stimmfüln-ern der liberalen Bewegung in den deutschen Kleinstaaten 
auseinander. Er wiederholt hier seinen Aufsatz aus den Pölitz'schen Jahr- 
büchern") : „Was würde ich thun, wenn ich jetzt Abgeordneter zu einer land- 
stäudischen Vi'rsammlung in Teutschland wäre?'' Weitzel bekennt zwar im 
allo-emeinen seine Cbereinstimmung mit Männern wie Jordan und Kotteck, 
aber er weist auf die Gefahren hin, die entstehen müssten. wenn mau 
den Grundsatz der Volkssouveränität dahin verkehre, dass man der trägen, 
seelenlosen Masse schmeichle und Hass zwischen Regierung und Volk säe. 
..Von dem Volke", ruft er aus, „bin ich, und für das Volk, und ich 
bin es fast unbedingt, weil das Volk fast immer und allenthalben im Nachtheile 
ist", aber eine demokratische Regierung bezeichnet er nach dem Gange, der 
die Entwickelung und Ausbildung des gesellschaftlichen Lebens genommen habe, 
als ein Unding. Auch republikanisch könne sie nicht sein, nur die konstitutio- 
nelle Monarchie, in der Regierung und Volksvertretung sich aber nicht befehden, 
sondern in der Sorge für das Staatsw^ohl miteinander wetteifern müssten, ent- 
spreche den Anforderungen der Zeit. So unbestritten Weitzel hier das Richtige 
trifft, so entwirft er von den herrschenden Zuständen, na(!h denen das Volk den 
Regierenden eine fremde Welt sei, die nur durch Steuern, Leistungen, Befehl und 
Gehttrsam mit der ihrigen zusammenfalle, ein übertriebenes und unwahres Bild. 

In ebenso trübem Lichte, wie die politischen Verhältnisse der Zeit, 
erscheinen W^eitzel auch die litterarischen. Namentlich über die Litteratur- 
zeitungen und unter ihnen besonders über die Leipziger giesst er die volle 
Schale seines Ingrimms aus. Erinnert man sich der Kritik, die letztere, wie 
wii- gleich sehen werden, kurz zuvor seinem eigentlichen Lebenswerke hatte 
zu Teil werden lassen, so kann man sich des Gedankens nicht erwehren, dass 
weniger heiliger Zorn, wie es den Anschein hat, über thatsächlicho Missständo 
als jiersünliche Empfindlichkeit ihm hier die Fedei- führen. 

Es ist dies die letzte publizistische Schrift Weitzels, die wenigstens als 
seli)ständiges Buch erschien. Am 10. Januar 18o7 rafft(! ihn der Tod nach 
kurzem Krankenlager dahin. 

Neben diesen nach der Reihenfolge ihres Erscheinens aufgezählten und 
kurz skizzierten Werken liefcir(! Weitzel, wenn er auch die Redaktion einer 
Zeirsclirifr oder Zeitung jiicJu wieder übernahm, doch eine grosse Anzahl von 
Aufsätzen, besonders für (Wv. Allgemeine Zeitung, die Pölitz'schen Jahrbücher 



*^) Siehe seinen Aufsatz ^Üi)!'!' dir cliurhessisclie Verfassung- von 1831." rülitz' Julir- 
häcli.T ilcr Gescliiclito uinl Staatskunst" 1S31, I. S. 385—411. 
") Jahrg. 1S33 I. S. 21— .^.2. 



179 

der Geschichto und Sfaatskimat, 'Rottocks allgonieinc! politische Annali-n, 
Weicks Aunuleu für Gescliichte und Politik und dio Frankfurter Didaskalia 
auf die näher einzugcdieu wir sclion um deswillen verzichten können, weil diese 
Aufsätze grösstenteils wieder in seinen seihständigen Werken aufifeiK.ninien 
oder wenigstens verarbeitet sind. 

6. Sonstige litterarische und amtliche Wirksamkeit. 

Die publizistischen Schriften Weitzels verdanken mehr oder weniger der 
Müsse des Augenblicks ihre Entstehung. In seiner Selbstbiographie sagt er, 
dass seine Schriften gewöhnlich dadurch entstanden seien, dass er das, was er 
auf Si)aziergängen gedacht, mit Bleifeder aufgezeichnet habe.'^) Er rechnet 
sie in diesem Sinne zu seinem Müssiggang. Anders verhält es sich mit seiner 
„Geschichte der Staats wissen sc haf t", deren erster und zweiter Band, 
die Darstellung von der ältesten Zeit bis zur Wiedereinsetzung d(!r Bourboncin 
führend, 18;>2 und 18-38 bei Cotta in Stuttgart herauskamen. Sie beruht auf 
langjährigem Studium. Weitzel meint dies Werk, wenn er in der Vorrede seines 
1815 veröffentlichten Romans „August und Wilhelmiue" sagt: „Schon lange 
arbeite ich an einem grösseren historischen Werke, das ich aber, wenn es 
meiner Erwartung entsprechen soll, unter den günstigsten Verhältnissen in 
mehreren Jahren erst vollenden werde. Bleibt eine Erinnerung an mein Daseyn, 
dann ist es, hoffe ich, dieses AVerk." 

Dasselbe bekundet das grosse Interesse Weitzels an den Staatswissen- 
schaften, das in Göttingen durch Schlözor geweckt ilin nie verlassen hatte, 
es bekundet aber auch zugleich das Unvermögen des Verfassers, seiner 
Aufgabe gerecht zu werden. Dazu mangelte es ihm an wahrem geschicht- 
lichen Verständnis. Wie Weitzel als Publizist den Staat nach abstrakten 
Ideen ohne Rücksicht auf d\o im Staatsleben waltenden Kräfte gemodelt 
wissen wollte, so verkennt er, dass die Geschichte der Staatswissenschaft 
die verschiedenen Staatsformen und Systeme nach ihrem Geist und Wesen 
aus den jeweiligen Zeitverhältnissen heraus zu erkennen und zu beurteilen hat. 
Abgesehen von diesem Grundfehler, dem zufolge „alle Erscheinungen vcmi 
Standpunkte des gemässigten neuzeitigen Liberalismus aufgefasst sind" und nur 
diesem eine innere Berechtigung zugemessen wird^"), ist die Darstellung be- 
sonders bezüglich des Altertums und Mittelalters auch recht oberflächlich. Das 
Buch, auf das Weitzel so grosse Hoffnungen gesetzt, fand zwar begeisterte 
Lübredner, wie in den Pölitz'schen Jahrbüchern, die besonnene Kritik aber 
wies es ab, die Leipziger Litteratur-Zcitung '") n.iit der „schmerzlichen Be- 
trachtung, dass hier ein berühmter Name und eine glänzende Darstellungsgabe 
verwendet seyen, um den flachen und doch so unheilvollen Alltagsmeinungen 
einc^ neue Stütze zu leihen." Statt einer Geschichte der Staatswissenschaften 
wird dem Leser vielmehr ein zusammenhängendes politisches Raisonnement über 



") T. S 327. 

■**) V. Mühl, Die Geschieht!' inul l^iitenitiir der Staatswisseaschiifteii I. S. 62. 

*') Jfthi-f,'. 1833, 8. 398. 

12* 



180 

(las JStautsk'ben der Yergangenbeit und die staatsvvissenschaftliclie Litteratur in 
dersolbon AVoiso und von demselben Standpunkt, wie es Weitzels publizistische 
Schriften bezüglich iler Gegenwart sind, in diesem Werk geboten. Der dritte 
Band, der dasselbe zum Absehluss bringen sollte, ist nicht erschienen. 

Werfen wir jetzt noch einen Blick auf Weitzels bibliothekarische 
Wirksamkeit und seine damit im Zusammenhang stehenden Bemühungen um die 
nassauische Landesgeschichtc so ist von vornherein anzunelimeu, dass er dem Amt, 
in das er sich so jibitzlich aus dcan Himmel liott'uuugsfroher journalistischer Er- 
wartungen heraus versetzt sah, keine besondere Neigung, geschweige denn die 
wünschenswerte Vorbildung, entgegenbrachte. Weitzel spricht dies auch in dem 
Briefe an Dori>w V(im K'^. 31ärz 1S21 deutlich aus. Es kann aucli iiiclit be- 
haujjtet werden, dass dem Institut die ihm von Weitzel gewidmete Thätigkeit 
zum besonderen Segen gereicht liätte. Der beissenden Kritik gegenüber, die 
van der Linde*') an der bibliothekarischen Wirksamkeit Weitzels geübt hat, 
ist es indessen Pflicht anzuerkennen, dass Weitzel seinem Beruf mir bestem 
Willen und Eifer obgelegen hat. Der unter ihm begonnene Druck der Kataloge 
hat, soweit auch ihre ganze Anlage und Ausführung hinter modernen An- 
forderungen zurückbleibt, seiner Zeit die Benutzung der Bibliothek unzweifel- 
haft sehr gefördert. Auch lassen manche Fächer der Bibliothek in ihren älteren 
Beständen seine sorgsame und einsichtsvolle! Pflege erkennen. Am unheilvollsten 
hat Weitzel gewirkt als wissenschaftlicher Berater der Regierung in Fragen, 
wo es sich um die Erhaltung oder Erwerbung alter Bücher und Handschriften 
handelte. An sich kann man es dem ausgesprochenen Bationalisten ja nicht 
verdenken, dass er für die Beurteilung des Wertes solcher Gegenstände ebenso- 
wenig A'erständnis wie für antiquarische Forschungen überhaupt ^^) besass. 

Tief bedauerlich bleibt es, dass unter den Bibliothekaren Hundeshagen 
und Weitzel die litterarischen Klosterschätze Nassaus, denen bereits in den 
Kevolutionskriegen allzu übel mitgespielt worden war. zum grossen Teil so zu 
sagen systematisch zerstreut und verschleudert sind, auch dass die für eine 
geringe Summe mögliche Erwerbung des hochwichtigen Bodmanu'sehen Nach- 
lasses unterlassen wurde. 

Weitzels Thätigkeitsdrang wurde durch das Amt des Leiters der Landes- 
bibliothek und des Beraters der Regierung in litterarischen Angelegenheiten 
auch auf eine Bahn gelenkt, auf der für ihn noch weniger Lorbeeren zu ernten 
waren, als in dem damals überhaupt noch nicht von vorgebildeten Fachleuten 
ausgeübten bibliothekarischen Berufe. Er fasste den Plan, eine nassauische 
L a n d e s g e s c h i c h t e zu schreiben.*") Der besondere Auftrag, den er sich dazu 
erbat, ward ihm zunächst nur mündlich zu Teil. Im Dezember 1824 stellte 
er anlässlich dieser Arbeit bei dem Staatsministerium den Antrag, man möge die 
historischen Urkunden von den Akten in den Archiven scheiden und im Lokale 



*^) Centralblatt für Jiibliuthekswesen I. S. 50 ff. 

*^ Siehe Kheinreise, S. 87. 

'"') Sauer'« Darstellunfij dieser Episode aus Weitzels Loben in der Lebensskizze Yoj^els 
(Aiiiialeii XXVII, S. 203 ff.) enthält, abgesehen von ihrer geringeren Ausführlichkeit, mehrere 
rngenauigkeiien und bezüglich llabids 'rh}itiij:keit in Idstein auch eine falsche Berichtigung. 



IHI 

dor ütt'ontlicluMi liibliothek aufbewalii'un, (liiiiiit sie zu Zwecken der Landesj^eseliichte 
leichter benutzbar seien. Vom ^linisteriiini aufgefordert, nälu-re Yurist-hläge 
über die Art und Weise der Ausführung diestss Projektes zu machen, unt(!rliess 
er es zunächst, wie er vorgieht, wegen d(U' finanzieUen Lagi; dc.v Bibliothek. 
Erst in einem Bericht vom "2V). Juni l.Si^T HH^ldete (m- dem Ministerium, dass 
er, nachdem er die EinUntung zu einer (ajschichte des Hauses Nassau, welche 
eine Übersicht der Geschichte Deutschlands, seiner ])()litisohen und kirchlichen 
Verfassung und seiner Kulturentwicklung vem Ende des achten bis zum Anfang 
des dreizehntem Jahrhunderts (uithalti;, bereits v(»Ilendet habe, nunuKihr in die 
Lage komme, von dem Archivmaterial Oebrauch zu machen. Mau könne siidi 
nicht auf die Sachkenntnis und den guten Willen der Archivare verlassen, 
sondern es sei nötig, dass ein Mann, der sich darauf verstehe, an Ort und 
Stelle die brauchbaren Materialien auswähle. Er selbst könne es nicht, weil 
eine längere Abwesenheit sich nicht mit seinem Dienste vertrage und besonders, 
weil er im IJrkundenlesen wenig Fertigkeit besitze, und der Zustand seiner 
Augen es ilim sehr beschwerlich mache.^') Das Ministerium beauftragte jetzt 
den besten Kenner der nassauischeu Geschichte, Pfarrer Vogel zu Schönbach, 
mit der Durchforschung der Urkunden und zw^ar auf Kosten des Archivs. 
Vogel begann seine Arbeit im Idsteiner Archiv in den ersten Tagen des August, 
zunächst, an die wenigen Dienststunden gebunden, in langsamerem Tempo, von 
September ab jedoch in dem gewünschten Umfang von z(din Stunden täglich. 
Anfang Oktober musste er die Arbeit aufgeben, da ilim im Archiv kein heizbares 
Zimmer angewiesen werden konnte, und dort auch kein Licht gebrannt w^erden 
durfte. Er hatte seine Arbeit soweit gefördert, dass er bis 1400 die historischeu 
Urkunden nach ihrem Hauptinhalt ausgezogen, von da ab sie aber nur summarisch 
verzeichnet hatte. Weitzel war damit nicht zufrieden, sondern verlangte, dass er 
auch aus diesen wie aus den früheren Urkunden in entsprechender Weise Auszüge 
machen solle. Er setzte es auch durch, dass Vogel das Material zu diesem 
Zwecke nach Schönbach entliehen w^urde, so dass letzterer während des Winters 
die Arbeit zu Hause fortsetzen konnte. 

Weitzel Hess unterdessen die erwähnte Einleitung als die Frucht seiner 
bisherigen geschichtlichen Studien im Druck erscheinen. Zunächst veröffent- 
lichte er daraus 1828'') in den Brockhaus'schen Blättern für litterarische Unter- 
haltung den Aufsatz „Der Kampf der weltlichen und der geistlichen Macht 
im Mittelalter. (Aus der noch uugedruckten Geschichte des Hauses Nassau von 
Joseph Weitzel. ") '') Bald darauf gab er das Ganze als selbständiges Werk heraus 
unter dem Titel: „Betrachtungen über Deutschland. Von der letzten Hälfte 
des achten bis zur ersten des dreizehnten Jahrhunderts, oder von Karl dem 
Grossen bis auf Friedrich H." Das Buch, das ebenfalls bei Brockliaus in 
Leipzig erschien, steht kaum auf der Höhe der damaligen Geschichtsforschung, 
beruht auch nicht auf selbständigem (Quellenstudium, sondern auf den Forschungen 



^') Professor Baiser in Gielsen bewahrte ihn durch eine geschickte Operation vor 
Erblindung. 

^•^) Jahrg. 1828, Iso. 145 ff. 

^^) Über den Vuriiunien s. oben Aniii. 7. 



182 

Anderer. Das Selbständige daran sind mein- nder weniger geistreiche Eäsonne- 
ments. Mau sieht nieht ein. was diese Betrachtungen mit der nassauischen 
Geschichte zu thun halu-n und mit vcdleni Rechte verlangte Luden in der 
Jenaischen Allgemeinen Litteratur-Zeitung") statt diesiM- HiMiothekstoppeln von 
dem Verfasser eine (ireschichte Nassaus. 

Hierzu nahiu Weitzel jetzt einen vielversprechenden Anlauf. In einem 
ausführlichen Berichte vom IT. Januar 1828 setzte er dem Ministerium aus- 
einander, dass, wenn die von ihm in Angriff genommene Geschichte einen 
oftiziellen Charakter haben solle, alle Archive, die eine Ausbeute versprächen, 
auch die auswärtigen, zu Rate gezogen, ausserdem aber auch die bedeutenderen 
Denkmäler, die sich im Lande befänden, mitgeteilt uiul zu diesem Zwecke 
aufgenommen werden müssten. Zur Bearbeitung einzelner Teile, die ihm ferner 
läo-en. könne man A'ogel, Habel und den Bibliotheksekretär Zimmermann 
heranziehen. Auf diese Weise werde eine Geschichte von bleibendem Wert 
geschaffen werden. Wenige Tage später erfolgte eine Kabinetsordre, welche 
die Ausarbeitung der Landesgeschichte in der von Weitzel angegebenen Weise 
anordnete. Infolge dessen wurden die Lokalbehörden im ganzen Lande zu 
Mitteilungen über die in ihrem Gebiet vorhandenen Denkmäler aufgefordert,^*) 
Weitzel selbst unterhandelte mit Vogel über die Bedingungen, unter denen 
dieser sich zur Mitwirkung bei der Bearbeitung der nassauischen Geschichte 
verstehen wolle. Vogel versprach seine ganze Kraft für die Sache einzusetzen, 
wenn er eine baare Zulage von 200 Gulden erhalte bis zu seiner Versetzung 
auf eine um mindestens diesen Betrag einträglichere Pfarre, und wenn ihm aus- 
wärtige Kommissarien nach den gesetzlichen Bestimnmngen honoriert würden. 
Er stellte zugleich seine seit zwanzig Jahren gesammelten handschriftlichen 
Kollektaneen zur Disposition des Staates, ohne besondere Vergütung dafür zu 
beanspruchen, und erklärte seinerseits der beabsichtigten Herausgabe einer 
nassauischen Gescliichte entsagen zu wollen. Auf Weitzels Empfehlung ging die 
Regierung auf das allerdings sehr annehmbare Anerbieten Vogels ein. Dieser 
übersandte jetzt ein Verzeichnis seiner handschriftlichen Materialien zur nassau- 
ischen Geschichte und erbot sich zugleich aus seiner Bibliothek diejenigen auf 
die vaterländische Geschichte bezüglichen Werke, welche der öffentlichen 
Bibliothek noch fehlten, letzterer zum Geschenk zu machen, eine Freigebig- 
keit, durch welche dieselbe in den Besitz einer beträchtlichen Zahl meist seltnerer 
Xassoica kam. 

Weitzel. der gar nicht daran dachte, von deJi von Vogel hergestellten 
l'rkundenregesten, noch von dessen Kollektaneen ernstlichen Gebrauch zu 
macheu. beantragte gleichwohl bei der Regierung, dass die für die nassauische 
Geschichte in Betracht kommenden Urkunden, um si(! sofort bei der Hand zu 
haben, zu einem besonderen Archive in Wiesbaden vereinigt würden, wie er 
es bereits im Jahre 1824 vorgeschlagen habe. Wahrscheinlich wollte er dadurch 
in den Stand gesetzt werden, die ihm so lästige, aber unvermeidliche urkund- 



'"*) Jahrjj. 1828, Xu. 21."). 

'"'') iJio betrotiendoii iiiiifiingroiohoii Akten Ix^tiiidcii sich jetzt im Arcliiv dos Vereins. 



183 

liehe Unterlage für seine GeschicJite (lurcli den JJibliotlieksekn.'tär Ziniiiicniiann 
fertig- stellen /ai lassen. Sein Vorschlag, Jlabel von Schierstein mit jener Arbeit 
zu beauftragen und diesem zugleich unter Oberaufsi(dit des Bibliothekars die Ver- 
waltung der Altertümer, Gemälde, ]\lünzen und Kupferstiche mit einem Gehalt 
von 800 Gulden zu übertragen, wurde gencdimigt. Ilabel ward mit dem 
Jahre 1829 angestellt. 

Nachdem ei' in den Wintermonaten die Altertüiiici und Kiinstgegenstände 
geordnet liatte, ging er im April nach Idstein. AVähreud des Sommers schied er 
hier .'JOOO Urkunden aus und U>gte zugleich ein Repertoriiim darüber an. Es 
waren Urkunden des Stifts Limburg, des Jungfrauenklosters Bethl(;liem zu Limburg, 
des Stifts Dietkirchcn, der Klöster Eupertsberg und Eibingen, sowie des Klosters 
Marienhausen. Im November wurden diese Urkunden nach Wiesbaden transportiert. 
Da Ilabel von Weitzel den Auftrag hatte, nur das Historische mit gänzlicher Über- 
gehung aller topographischen Nachrichtim zu berücksichtigen, so war die Ausbeute 
in diesen Klosterurkunden sehr unbedeutend. Der gründliche Forscher durchging 
deshalb auf eigne Faust auch die in älteren Werken und Deduktionen im Druck 
erschienenen Urkunden zur nassauischeu Geschichte und liess aus diesem 
Grunde auch viele Bände besonders der Medicus'schen Deduktionssammlung nach 
Wiesbaden befördern. Im März und April arbeitete er von Neuem in Idstein, 
wo er über 1000 weitere Urkunden der Klöster Gottesthal, Diett'enthal und 
Marienstatt ausschied und verzeichnete. 

Weitzel, dem diese höchst umständliche Arbeit viel zu lange dauerte, 
arbeitete inzwischen ohne das urkundliche Material an seiner Geschichte. Ende 
September 1829 teilte er dem Ministerium mit, dass er bis zum nächsten Sommer 
auf die Vollendung der Arbeit in zwei massigen Bänden, die hofteutlich der 
Erwartung des gebildeten Publikums entsprechen würden, rechnen dürfe. Drei 
der angesehensten deutschen Buchhandlungen hätten sich schon um den Verlag 
beworben. Später, wenn das historische Archiv erst eingerichtet sei, gedenke er 
dieselbe Geschichte nach einem grösseren Plane unter Benutzung der ürkuiulen 
umzuarbeiten. Der vorläufigen Herausgabe des Werkes trat man indessen höheren 
Orts entgegen und forderte vielmehr Bericht darüber ein, welche Hindernisse einer 
schnelleren Ausscheidung und Benutzbarkeit der Urkunden im Wege ständen. 
Weitzel beklagte sich jetzt über Habel, indem er ihn direkt der Dienstvernach- 
lässigung zieh. Vom Ministerium zur Verantwortung aufgefordert, hatte Habel 
zwar die Genugthuung, dass ihm die beruhigendsten Zusicherungen hinsichtlich der 
Beurteilung seiner bisherigen Dienstthätigkcit gemacht wurden, allein ein 
förderliches Zusammenarbeiten beider Männer war fortan ausgeschlossen. 

Der einzige, der mit Erfolg an der Landesgeschichte arbeitete, war Vogel. 
Ende 1832 liess er sein Manuskript, die nassauische Geschichte von 496 — \'2')') 
umfassend, dem Ministerium durch Weitzel zur Begutachtung vorlegen. Letzterer 
erbat sich zugleich für den Fall, dass die Vogel'sche Darstellung nicht ge- 
nüge, sondern eine Umarbeitung gewünscht werde, einen Urlaub von drei 
Wochen und zweihundert Gulden Keisegeld, um das ihm noch unbekannte 
nassauische Stammland kennen zu lernen, die wichtigsten Orte desselben be- 
suchen und Sagen und Überlieferungen im Lande nachspüren zu können! Der 



184 

Herzog uud sein Minister erkannten jetzt wuJil, elass man Weitzel mit einer 
Aufgabe betraut habe, tleren Schwierigkeiten oy nicht einmal ahnte, geschweige 
(lass er ihnen gewachsen gewesen wäre. Man liess seinen Bericht unbeant- 
wortet. Yogel erhielt sein Manuskript erst im Jahre 1838 zurück. Nach 
Weitzels Tode wurde das Filialarchiv in Wiesbaden, dem die drei damals dem 
Altertumsmuseum überwiesenen Zimmer des Museumsgebäiides links vom Haupt- 
eingange vorbehalten gewesen waren, wieder aufgelöst, die Urkunden wurden 
auf Kosten der Bibliothekskasse an das Idsteiner Archiv zurückbefördert. 
Diesem wurden auch zusammen mit der Regierungsregistratur die für die Auf- 
bewahrung der Urkunden zu Wiesbaden seiner Zeit für über 559 Gulden an- 
gefertigten elf Schränke zugewiesen. • 

Wenn auch die verursachten ^[ühen und Kost(.'n nicht ganz umsonst 
waren, sondern durch das von Weitzel angeregte Unternehmen Vogels landes- 
gesehichtliche Forschungen bedeutenden Vorschub erhielten und bezüglich der 
historischen Denkmäler ein umfangreiches Material gesammelt wurde, so spielt 
Weitzel hierbei doch eine nichts wenis-cr als glänzende Rolle. Dass er seine 



'o' 



Kräfte so überschätzen konnte, hängt mit seiner Auffassung der Geschichts- 
schreibung eng zusammen. Auch hier vertritt er den rationalistischen Stand- 
])unkt. der über (^ufHenstudium erhaben und die Kathederweisheit verspottend 
als die einzige Schule des Geschichtsschreibers das öffentliche Leben und das 
Wirken in demselben ansieht. Dabei glaubt er angesichts seiner publizistischen 
Thäfigkeif. die doch nichts weniger als die Summe der Erfahrungen eines 
politischen Praktikers darstellt, den Namen eines Geschichtsschreibers eher 
beanspruchen zu können, als ein schulmässig gebildeter Historiker, den er mit 
einem potenzierten Thorschreiber vergleicht, der nur niederschreibe, was und 
wer passiert sei.") In diesem Sinne bezeichnet er auch in dem dem Minister 
von Marschall gewidmeten Nachruf*') alles, was man bisher für eine Geschichte 
Nassaus geboten habe, als höchstens rohen Stoff, der ihr dienen könne, wenn 
er geläutert und geordnet werde. Übrigens kann Weitzel weder als Bibliothekar 
noch als Historiker ernstlich unser Interesse beanspruchen. AVir haben es, 
wenn ich auch diese Seiten seiner Wirksamkeit nicht mir Stillschweigen über- 
gehen zu sollen glaubte, vielmehr mit ihm als Publizisten zu thun. 

Rückblick. 

Vergegenwärtigen wir uns auf Grund der gewonnenen Kenntnis von Weitzels 
Schriften das Bild des Publizisten, wie es sich darin wiederspiegelt, seinen Haupt- 
zügen nach, so sehen wii. dass er zunächst ganz unter dem EinHuss des Mannes 
steht, der seiner Zeit als der Verkündiger einer neuen Weltordnung erschien. 
Wie bei s(» vielen ^lännern jener Zeit bildeten die Rousseau'schen Schriften 
die Lieblingslektüre des heranwachsenden Weitzels, dem in Mainz der Kontrast 
des Zeitalters der Aufklärung und dos Beharrens in mittehilterüchcm orthodoxen 
Anschauungen in seiner ganzen Schärfe entgegentrat. Weitzels Naturanlage 



*") Briefe vom Khein, S. 289 ff. 

") Allgemeine Zeitung 18:34, xVulsorüril. Beil, ^'u. 117/118, S. 466. 



185 

war dorjeiiigon Rousseaus oii^- verwandt. lim helKüTSL-lit diesiilbc ritor- 
sch\ven«^lichkeit des Gefühls, die Rousseau charakterisiert und ihn die un- 
umstüssliclion IJedinj^'ungen und Gesetze des Gescdieheus so oft nicht anerkennen 
lassen will. Das, was Ilettner in seiner Litteraturgcschichte des acht/cdinten 
Jahrhundtn-ts'*'') als den Grundtnn der ^"esaniten damaligen Ztiitstiminung bezeichnet, 
„jenes tiefe grüblerische AVeli über den tragischen AVidersjiruch zwischen Ideal 
und Wirklichk(Mt, zwischcm den Furdi'rungen des über(|uellenden warmen 
Herzens und der undiirchbrechbaren Eng(j und Kälte der widerstrebenden \N'elt- 
verhältjiisse" war aucdi für Weitzcd d(M' Grundton seines innersten Denkens und 
Empfindens. Wie dies seine Schriften so vielfacli bezeugen, so heisst es auch 
in seiner Selbstbiographie''^): „Ich hatt«; in einer schweren, verhängnissvollen 
Zeit so viel Herrliches und Gemeines, so viel Edles und Schlecht(!s sich in 
Hüchtiger Eile verdrängen, ein gleiches Schicksal teilen, entstehen und unter- 
gehen gesehen, dass mir das menschliche Streben recht eitel und fruchtlos vor- 
kam, und ich das Dauernde und Begründete nur in unserem Innern suchte. 
Diese unglückliche Stimmung drängte mich in allen entscheidenden Momenten 
meines Lebens von der Aussenwelt in mich selbst zurück, und die Herrlichkeiten 
des öffentlichen Lebens voll Schein und Trug Hessen mich so gleichgültig wie 
seine Armseligkeiten und sein Jammer. " 

Der Umstand, dass die Rousseau'schen Ideen in der französischen 
Revolution praktische Bedeutung (erlangten in dem Augenblicke, wo Weitzel 
den Knabenschuhen entwachsen war, wirkte bestimmend auf sein ganzes Leben 
ein. Für ihn, den gefühlsseligen Jüngling, galt es jetzt im Dienste des von 
Rousseau verkündigten Evangeliums einer neuen Zeit thätig zu sein. Als 
Vierundzwanzigjährigcr tritt er, wenn auch ohne seineu Namen zu nennen, zum 
ersten Male als Publizist auf, um nach einem missglückten Versuche, sich einer 
praktisch politischen Laufbahn zu widmen, als solcher in einem langen Leben 
bis zum Ende unermüdlich wirksam zu sein. Wie Rousseau kein Mann der 
That und kein eigentlich politischer Kopf war, so kann man dies auch nicht 
von Weitzol behaupten. AVeitzel ist auch kein originaler Geist. Er geht nicht 
darauf aus, selbständig ein neues politisches System aufzustellen, sondern er 
sieht, erfüllt von humaner Gesinnung und begeistert für edle Gedanken, seine 
Aufgabe darin, die von Andern übernommenen Ideen durch die Schrift zu ver- 
breiten und ihnen zum Siege zu verhelfen. Dabei ist er aber ein selbständiger, 
aufmerksamer Beobachter, der weit davon entfernt ist, sich einem blinden 
Autoritätsglauben hinzugeben. 

So machen denn auch seine politischen Anschauungen, wenn sie auch nie den 
Boden verleugnen, aus dem sie hervorgegangen sind, doch unter dem Eindrucke 
seiner Erlebnisse verschiedene Wandlungen und Läuterungen durch. Während sein 
Enthusiasmus für die republikanische Staatsform ihn in seiner Erstlingsschrift ein- 
dringlich vor der Gefahr eines das Ruder des Staatsschiffes ergreifenden Caesars 
oder Cromwells warneu lässt, erlischt bald darauf infolge der im praktischen 



"") III. 3, 2, 1870, S. 392. 
"^) Bd. I. S. 327. 



186 

Leben geinacliten Erfahrungen die Begeisterung für die licpublik bei ilini für 
immer. Die Grussartigkeit der durch Xapdleon hergestellten Strafi'heit der Gesetz- 
gebung und Verwaltung lässt den für alles Grosse so Empfänglichen in dem 
Usurpator geradezu den Mann der Vorsehung verehren, den eigne Tüchtigkeit aus 
dem Volke heraus an die Spitze des Staats gebracht hat, um die Hoffnungen und 
AVünsche seiner Zeit zu orfüUen. Freilich kann der Jünger ßousseaus der 
zwar die Errungenschaften der Revolution zum Teil anerkennenden, im übrisen 
aber in Despotismus ausartenden Militärherrschaft Napoleons auf die Dauer 
nicht sympathisch gegenüberstehen. Schon in „Lindau" sucht sich der idealistische 
Schwärmer über die Kluft, die zwischen s(ünen politischen Ideah'n und der 
Wirklichkeit besteht, mit frommen Wünschen hinwegzuträumen. 

Nach dem Sturze Napoleons schliesst sich AVeitzel den Vertretern des 
konstitutionellen Liberalisnnis au, der von Frankreich ausgehend zwischen der 
absoluten monarchischen Staatsform und der in der Revolution begründeten 
bürgerlichen Freiheit zu vermitteln suchte und auch in Deutschland eine immer 
grösser werdende Zahl von Anhängern fand.*^") Sein iiopulärster Vertreter ist 
hier bekanntlich in den zwanziger und dreissiger Jahren unseres Jahrhunderts 
der JJadenser Karl von Rotteck. Während aber Rotteck und die Mehr- 
zahl seiner Gesinnungsgenossen ihr Ideal in der Republik sahen und sich mit 
der konstitutionellen Staatsform nur als mit der ihrem Ideal am nächsten kom- 
menden befreundeten, ist "NVeitzel ein überzeugter Anhänger der Monarchie. 
Fast mehr noch als den Absolutismus fürchtet er, gemahnt durch die Erfahrungen 
seiner Jugend, die Majorisierung der Minderheit durch die Massen, 

Diesen verschiedenen, wenn auch nicht bedeutenden, docli immerhin be- 
merkenswerten politischen Wandlungen gegenüber bleibt Weitzel sich in \ einem 
Punkte immer gleich, in der Betonung der Wichtigkeit des moralischen 
Momentes im Staate. Hier wirkt zunächst die Rousseau'sche Tügendherr- 
schaft nach, ebenso wie die Vorliebe Weitzels für die Plutaich entnommenen 
Idealgestalten der Antike, die er seinen Lesern mit wirklich ermüdender Aus- 
dauer immer wieder vorführt, auf Rousseau zurückgeht. Aber dies ethische 
Moment tritt bei Weitzel viel stärker hervor, und wenn irgendwo, so ist er in 
seinen spekulativen Versuchen, dies Moment zum beherrschenden Prinzip des 
Staatslebens zu gestalten, originell, wie dies besonders in seinem Aufsatze 
,,Betrachtungen über die Ursachen grosser Staatsrevolutionen" der Fall ist. 
Anfangs, wo er noch ganz im Sinne Rousseaus republikanischen Ideen huldigt, 
dringt er auf die Heranbildung aller Bürger zu sittlich tüchtigen Menschen. 
Entsprechend dem Gesellschaftsvertrag Rousseaus, der den Staat in eine 
Summe von Individuen auflost, glaubt er die Kraft des Staates auf die moralische 
Tüchtigkeit des Einzelnen begründen zu müssen. In „Lindau", wo ihm die 
Einsicht geworden ist, dass die antike Demokratie Rousseaus sich nicht mit 
den komplizierten Verhältnissen eines grossen modernen Staates verträgt, ver- 
langt er einen Bund der Weisesten und Besten aller Staaten, der den einzelnen 
Regierungen in der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten an die Jlaud gehen 



") Bluii tschl i, Gescliiclitc des allgemeinen Staatsrechts und der Politik. 18G4. S. 519. 



187 

soll. So phantastisch diese Idee auch ist, und so wenig Weitzel über ihre Durch- 
führbarkeit aucli nur nachgedacht zu haben scheint, gegenüber der Forderung, 
dass die Bürger in ihrer Gesamtheit zu Tugendhelden erzt)gen werden sollen, 
bedeutet sie ininierliiii einen Fortschritt. Der Kern dieser Idee verwächst auch 
mit den weiter von ihm vertretenen gereifteren politischen Anschauungcüi. Hei 
der konstitutionellen Verfassung legt er den grösstisn AVert auf die Bestimmungen 
über die Wahl der Abgeordneten. Diese Wahl nmss seiner Meinung nach in 
jeder Beziehung, im passiven und aktiven Sinne, frei sein, sie darf vor allem 
nicht an Keichtum und Grundbesitz gebunden werden. Dc^nn nur dann können, 
worauf es doch ankommt, die moralisch und intellektuell Tüchtigsten, die 
Aristokratie des Geistes, zu Abgeordneten und Vertretern des Volkes berufen 
werden. 

Dies, seine politischen Anschauungen durchdringende, ethische Moment hat 
es auch zur Folge, dass die Erzicdumgsfrage in Weitzels Schriften einen so 
breiten Raum einnimmt. Hängt doch die Verwirklichung seines Ideals wesent- 
lich von ihr ab. Auch hier ist er bei Rousseau in die Schule gegangen. 
Aber die Absurditäten des „Emil" bei Seite lassend, hat er sich die wertvollen 
Bestandteile der Rousseau'schen Erziehungslehre zu eigen gemacht. Nicht 
so sehr die Erwerbung von Kenntnissen ist Aufgabe der Erziehung und des 
Unterrichts, als die Erweckung selbstthätigen Nachdenkens und Urteilens, be- 
sonders aber die Pflege idealen Sinnes und sittliclier Tüchtigkeit. Die Aufgabe 
des Erziehers sieht AVeitzel als eine so hohe und schwierige an, dass ihm, dem 
sonst nur die Freiheit der Entwickelung die Gewähr für die Gesundheit aller 
Institutionen bietet, der Lehrerstand, um sich in seiner Reinheit und Tüchtig- 
keit zu erhalten, einer gewissen Abgeschlossenheit zu bedürfen scheint. Die 
Erziehung ist eine nationale Aufgabe. Durch sie soll begeisterte Vaterlands- 
liebe gepflegt werden, ohne die eine Nation nicht bestehen kann. 

Bezeichnend ist gerade diese Forderung für Weitzel, der von liaus aus 
als Sohn des Zeitalters der Aufklärung und als Bürger eines deutschen Klein- 
staates Kosmopolit war und dies auch in gewissem Sinne immer geblieben ist. 
Die grosse Zeit des deutschen Freiheitskampfes ist aber nicht spurlos an ihm 
vorübergegangen und mit dem wiedergewonnenen Glauben an die deutsche 
Nation ist ihm wie anderen Männern seiner Zeit zugleich das Verständnis für 
nationale Kraft und Eigenart aufgegangen. In dem Staat, der in nationaler 
Begeisterung den anderen deutschon Staaten im Kampf gegen die Fremdherr- 
schaft vorangegangen war, erkennt er deshalb auch prophetischen Blickes den 
Grundstein, auf dem sich die Zukunft Deutschlands aufbauen muss. 

Wenn Dorow") sieben Jahre nach Weitzels Tode meint, dass Weitzel 
als Publizist und belletristischer Schriftsteller stets eine sehr bedeutende Stellung 
einnehmen werde, so erscheint dies Urteil heute, wo Weitzels Schriften auch 
in seiner engeren Heimat kaum noch Leser finden, als sonderbare Hyperbel. 
Als Belletrist kommt Weitzel überhaupt keinerlei Bedeutung zu. Seine Romane 
sind als solche ohne besonderen Wort, das dichterisch freie Empfinden 



51) Erlebtes IL S. 107. 



188 

tritt in ihiiL'U vur (k-m nächsten, tlcni belebroudeu Zweck zurück. AVohl 
zeichnen Leichtigkeit und Glätte des Stils seine belletristischen \vi<> pul)]!- 
zistischen Schriften au^;. und geNviss soll nicht geleugnet wiu'den, dass 
manche des AuHesens werte Goldkörner interessanter Beobachtungen und Lebens- 
erfahrungen sich in ihnen finden, aber der Kern ihres Lihalts zitdit uns nicht 
mehr an. I^ennoch ist nicht zu verkennen, dass sicli Weitzel seiner Zeit be- 
sonders als Herausgeber des „Rheinischen Archivs'' um das geistige Leben am 
Mittclrht'in mtschicdi^ne Verdienste (>rworben hat. 

In erster Linie ist Weitzel ein politischer Tagesschriftsteller. Fast zwei 
.lahrzehnt(» hindurch ist er als Redakteur zweier, ihrer Zeit angesehenen Blätter 
hintereinander thätig gewesen. Als solcher ist er in seinem eigensten Element. 
Die öffentliche Meinung, diese mit der französischen Revolution ins Leben 
gerufene neue Macht, zu vertreten, nach oben wie nach unten, darin erkennt 
er seinen eigentlichen Beruf. Hatte ihm die ^'apoleonischc Zensur schliesslich 
dvn Mund geschlossen, so stellt er nach dem Sturz d(!s Luperators seine ganze 
Kraft alsbald wieder in den Dienst dieser Macht, durch deren Nichtbeachtung 
seiner Ueberzeugung nach auch der gewaltige Machthaber zu Fall gekommen 
war. Sein ganzes Sein und Wirken bezeichnet er geradezu als ein Geschenk 
der ()ffentlichen Meinung. Als Herausgeber der „Rheinischen Blätter" hat 
Weitzel in den Jahren 181G — 1819 für Nassau eine wichtige Rolle gespielt. 
Die Bedeutung seines Blattes greift auch nach Preussen über, so dass der 
preussische Staatskanzler sich schon des geAvandten Publizisten zu vergewissern 
sucht. Die Karlsbader Beschlüsse aber bereiten dieser bedeutungsvollen Wirk- 
samkeit ein vorzeitiges Ende. 

Der Grundzug von Weitzels politischen Anschauungen, der politische 
Rationalismus, ist, seitdem Niebuhr und Savigny die Einsicht in die geschicht- 
lichen Grundbedingungen des Staatslebens und des Rechts geöffnet haben, und 
seitdem das Jahr 1848 jnit seinen herben Erfahrungen „die Einen die Geschichte 
als ein ew^iges Werden begreifen Hess und die Anderen erkennen lehrte, dass 
im Staatsleben nur das historisch Begründete vernünftig ist"''^), einer richtigeren 
Erkenntnis gewichen. Es ist nicht unsere Aufgabe zu untersuchen, welcher Wert 
jenem in der französischen Revolution und ihren litterarischen Vorboten wurzelnden 
Rationalisnms in der Geschichte des Staatslebens zukommt. Das aber ist sicher, 
dass jene Ijchre, die sich nicht mit den Geheimnissen des geschichtlichen 
Werdens beschwerte, sondern in der Vernunft und der Idee des Rechtes die 
einzig massgebenden Faktoren für die Beurteilung staatlicher Verhältnisse sah, 
jedenfalls dazu beigetragen hat, das in der Kleinstaaterei und dem Kabinets- 
regiment b(!grabene ])(ilitische Bewusstsein unseres Volkes wieder zu wecken 
und erstark(!n zu lassen. Sie dicuite der in Fatalismus auszuarten di'oliendiMi 
neuen historischen Auffassung des Staats- und Rechtslcbeus gegenüber zugleich 
als heilsamer Gegensatz. Nur im Kampf der Gegensätze konnte auf der lang- 
sam fortschreitenden Bahn der Entwicklung eine tiefere politische Bildung 
Platz greifen, und darum darf das Verdienst der Männer, die befangen in den 



'^) TreitBchke, Deutsche Geschichte. Bd. 2. 3. Aufl., S. 63. 



1H9 

Auscliiuumgcn, wio n'w die französische JI(!V()lution zur Folge hatte, dem Natur- 
recht ]uihli,i;t(>ii und dasselbe /uin Au.sgaii<^si>uiikte ihrer [ntlitiselien Bestrebuu'M'n 
maclit(ni, nicht verkannt und geschnnilert werden."*) 

Weitzol nimmt unrei' üincii, weini er auch ni(;lit als jn-aktischor Politiker 
gewirkt und nicht die l'opulurität eines llottcud-: oder Jordan erlangt hat. 
doch (iine beachtenswerte Stellung ein. Als (lin Sohn seiner Zeit, in ihren 
Anscliauung(m und Ideen fussend, ist er vom besten AVillen beseelt und von 
ehrliclier Überzeugung geleitet, in nie rastender Thätigkeit bestrebt gewesen, 
an der politischen Erziehung des Volkes und, was bei seinem kosmopolitischen 
Stand})unkt ein und dasselbe war, an der Erziehung der Menschheit zu Humanität 
uiul SittlichkiTit mitzuarbeiten. Seine Zeit hat ihn geehrt und gefeiert, und 
wenn er ihr auch den Vorwurf macht, dass sie die Preis- und Ehrenmünzen 
allzu freigebig auspräge®*), so können wir, die wir zwar über ihn und seine 
Zeit hinausgewachsen sind, doch in die Anerkennung seiner Zeitgenossen"*) 
einstimmen. 



A n h a n g. 

Zur Ergänzung der bei Dorow (Erlebtes II, 109 — ^1.50) mitgeteilten 
Briefe seien drei von dem Staatskanzler Fürsten von Hardenberg teils selbst, 
teils in seinem Auftrag an Weitzel in Sachen der llheinischen Blätter gerichtete 
Schreiben, die bisher nur in der Vossischen Zeitung a. a. 0. veröffentlicht 
worden sind, nach den mir gütigst von Herrn Dr. G. Alefeld, einem Urenkel 
Weitzels, übersandten Originalen mitgeteilt. 

I. 

Da aus den bereits gepfiogeneu Unterhandlungen mit Ew. Wohlgeboren und 
aus den mündlichen Verabredungen mit dem Hofrath Dorow und dem Geheimen 
Ober-Regierungsrath Korcff hervorging, dass Sie geneigt wären, unter den mir von 
diesen, durch mich Beauftragten, mitgetheilten Bedingungen Ihre Zeitung: die 
Rheinischen Blätter betitelt, in den Preuss. Rhein-Provinzen künftig er- 
scheinen zu lassen und in diesen Ländern Ihren Aufenthalt zu wählen, so habe 
ich Seiner Majestät dem König Vortrag davon gemacht und bin autorisirt. Ihnen 
die Bestätigung Ihrer vorgeschlagenen Bedingungen in der Voraussetzung zuzusichern, 
dass Sie in Ihrer Zeitung: die Rheinischen Blätter, das Interesse des jtreus- 



'^^) Weit gerechter als Treitschke urteilt über diese Publizisten liberaler Richtung Georg 
Kaufmann in seiner soeben erschienenen Politischen Geschichte Deutschlands im neunzehnten 
Jahrhundert, S. 231 ff. 

«*) Scherz und Ernst, 8. 49. 

°^) Nicht ohne Interesse ist das Gedicht, welches der Rektor Muili zu Hadamar in 
seiner „Nassovia, Vaterländische Gedichte", S. 125—128 sechs Jahre nach AVeitzels Tode diesem 
gewidmet hat. 



190 

sischen Staats zum Haupt-Augenmerk nehmen und solche im Geiste der Mässigung. 
besonnenen Billigkeit und leidensehaftlosen Prüfung verfassen und redigiren. und 
dass Sie aus allen Kräften dazu beytragen werden, die liberalen Gesinnungen und 
wühlthätigen Absichten der Preussischen Regierung in ihrem gebührenden Lichte 
darzustellen, dass Sie die Handlungsweise dieser Regierung gegen Verunglimpfung 
und Verläumdung muthig vertheidigen, Irrthümer berichtigen, die Bosheit entlarven, 
mit einem Worte, nach Ptiicht und Gewissen im Sinne eines redlichen Preussischen 
Staatsbürgers handeln und das Ihren Händen anvertraute Organ der Öffentlichkeit 
mit Umsicht und Klugheit gebrauchen werden, damit der Geist dieser neuen Pro- 
vinzen mit dem der älteren vertraut gemacht und tVeundlich ver])unden werde, 
und so ein wohlthätiger Einfluss auf die Stimmung dieser Länder ausgeübt und 
die Gemüther für König und Vaterland gewonnen werden. 

In dieser Voraussetzung erhalten Sie, 

1. die Aufforderung, sofort Ihren Wohnsitz in den Preussischen Rheinprovinzen. 
wo es Ihrer Conveuienz zusagt, zu nehmen und für Ihre Zeitung: die Rheini- 
schen Blätter, jedoch nur unter Ihrer Redaction allein, die Befreyung von 
der Censur. 

2. Um Ew. Wohlgeboren zugleich einigermaassen von der Abhängigkeit frey 
zu machen, in welcher jeder Redacteur eines Zeitblatts mehr oder weniger von 
der Zahl seiner Abonnenten sich befindet und Ihr Wirken dadurch freyer und 
rücksichtsloser zu machen, einen Jahrgehalt von 1000 Preuss. Tlialern, vom 
1, Januar 1819 an zahlbar, mit dem Versprechen, diese Summe in der Zukunft 
zu erhöhen, wenn Ihr Blatt, wie es sich gar nicht anders erwarten lässt, den Hoff- 
nungen, Wünschen und Absichten der Regierung genügend entsprechen wird. 

3. Zur Entschädigung für die Kosten, welche die Aenderung Ihres Aufenthalts 
Ihnen verursachen wird, soll Ihnen die Summe von 500 Thalern ausgezahlt werden. 

4. Der getroffenen Verabredung gemäss, soll Ihrem Wunsche, den Titel eines 
Geheimen-Hofraths zu führen, gewillfahrt und das darüber auszufertigende Patent 
Ihnen zugesendet werden. 

Ich bitte Sie, mir nun die Annahme dieser Bedingungen baldmöglichst be- 
kannt zu machen und werde mich freuen, wenn ich Gelegenheit finde, Ihnen fernere 
Beweise meiner aufrichtigen Hochachtung zu geben, 

Berlin, den 26sten Februar 1819, 

r, F. V. Hardenberg. 
An 
den Herrn Hofrath Weitzel 
Redacteur der Rheinischen Blätter 
in 

Wiesbaden. 



IL 

Wohlgeborener 
Ilochzuverehrender Herr Hofrath! 

Ew, Wohlgeboren ist es ohne Zweifel bekannt, dass Se, Durchlaucht der 
Herr StaatsKanzler Fürst v. Hardenberg sich hierher begeben, um die Brunnen- 
kur zu gebrauch n. Kurz nach der Ankunft hierselbst wurden mir von dem Herrn 
Fürstin mehrere X'erhandjunfren übergeben, welche sich auf die Wirksamkeit be- 
zogen, die nach der bestandenen Absicht Ew, Wohlgeboren in den diesseitigen 
Staaten erhalten sollten. Diese Angelegenheit ist, mit Ausnahme einer unter dem 
2G. Februar v. .1. von Sr. Durchlaucht Ihnen gemachten ansfübrlchen Eröffnung, 



191 

nicht auf offiziellem Wege, sondern durch rrivat-Corrospondonz mit dem Tl. Geh. 
Ob. Reg. Kath Korctt" und dem H. IlotVatli Dorow betrieben worden. Hierin mag 
wohl der Grund zu suchen seyn. dass die mir vorliegenden Verhandlungen unvoll- 
ständig und ohne allen inneren Zusammenhang erscheinen. Der Erstere würde 
gewiss im Stande seyn, mir die nötigen Aufklärungen zu geben. Da aber der- 
selbe nicht hier anwesend, auch nicht einmalil in Berlin ist, sondern sich gegen- 
wärtig auf einer ihm von dem Herrn Fürsten besonders aufgetragenen Geschäfts- 
Reise befindet, so würde durch jede Rückfrage an ihn ein neuer Zeitverlust her- 
beigeführt werden, welcher bey dieser ohnehin schon verzögerten Angelegenheit 
billig vermieden werden muss. Von Sr, Durchlaucht mit deren Bearbeitung jetzt 
beauftragt, erlaube ich mir daher, mich unmittelbar an Ew. Wohlgeboren zu 
wenden, indem ich mir im Voraus Glück wünsche, mit einem Manne in nähere 
Beziehung zu treten, dessen Talente und persönlicher Charakter mich stets mit 
der innigsten Achtung erfüllte. 

Die Bedingungen, unter denen Ew. Wohlgeboren sich bereit erklärt, eine 
Wirksamkeit im prcuss. Staate zu übernehmen, sind in dem oben erwähnten 
Schreiben vom 2(). Febr, v. J. enthalten. — In einem Schreiben vom 12. März v. J. 
zeigten Ew. Wohlgeboren dem Herrn Fürsten die Giünde an, weshalb Sie dem 
erhaltenen Rufe nicht so schnell zu folgen vermöchten, als es gewünscht würde. 
Noch erheblichere Gründe in dieser Beziehung, waren in Ihrem Schreiben vom 
11*- Juny V. J. aufgestellt. Sie äusserten darin den Wunsch, zu Ihrer Bestimmung 
nicht eher abgerufen zu werden, bis etwas Entscheidendes für das Land, sey es 
durch Errichtung von Ständen oder auf irgend eine andere [Weise] geschehen sey. 

Späterhin zeigten Ew. AVohlgeboren Sr. Durchlaucht an, dass Sie entschlossen 
wären, im Septbr. v. J. Ihren Ueberzug nach Bonn vorzunehmen, und bemerkten 
dabey, dass Sie für die von Ihnen redigirten rheinischen Blätter auf die Censur- 
Freiheit rechneten. Ohne Zweifel sind Ew. Wohlgeboren in dieser Hinsicht von 
Seiten des Herrn Geh. Ob. Reg. Raths Koreff Eröffnungen zugekommen, die in- 
zwischen jenen Punkt nicht beseitigt zu haben scheinen. Wenigstens steht die 
von dem Herrn p. Koreff noch vor kurzem mündlich gemachte Aeusserung, „dass 
Ew. Wohlgeboren sich schwerlich der Censur unterwerfen würden", mit der 
Aeusserung des H. Hofraths Dorow in einem neuerdings an Se. Durchlaucht ge- 
richteten Schreiben, wonach „Ew. Wohlgeboren keinen Anstand nehmen würden, 
sich einer nicht plagenden und chikanirenden Censur zu unterwerfen'', in Wider- 
spruch. 

Auf diese Verhältnisse scheint es jetzt übrigens nicht weiter anzukommen, 
und ich erwähne selbige nur beyläufig, um die Haupt-Momente der Sache, so wie 
sie zeither zu meiner Kenntniss gekommen sind, zu bezeichnen 

Für überwiegend und entscheidend dürfte dagegen der Umstand zu erachten 
seyn, dass Ew. Wohlgeboren neuerdings wieder Unterliandlungen mit der Nassau- 
ischen Regierung angeknüpft und ein Ihnen von derselben angebotenes bleibendes 
Verhältniss angenommen haben. Ich kenne die Gründe nicht, durch welche Ew. 
Wohlgeboren mögen veranlasst worden seyn, diesen Schritt zu tliun. ohne zuvor 
Se. Durchlaucht davon in Kenntniss zu setzen. Doch wird jeder, der die Ehre 
hat, Sie persönlich zu kennen, im Voraus diesen Gründen Gerechtigkeit widerfahren 
lassen und die nächste Veranla.ssung dazu in den unglücklichen Misveiständnisseu 
suchen müssen, welche sich in dieser ganzen Angelege heit gekreutzt und sie, ohne 
zum Ziel zu führen, bisher verzögert haben. Mir würde, selbst für den Fall, dass 
auch Ew. Wohlgeboren die Unterhandlungen mit Ihnen als abgebrochen betrachten, 
doch immer noch das angenehme Geschäft b eiben, Sie zu überzeugen, dass der 
Herr Fürst auch nicht den entferntesten Antheil an dem Ausgange, den die Sache 
so unerwartet genommen, habe, dass die hohe Achtung, die Er Ihnen widmet, 
unverändert fortdauert, dass die Absicht, Ihnen im preuss. Staat eine Wirksamkeit 



192 



zu geben, zwar günstigeren Verhältnissen vorbehalten werden könne, aber nie auf- 
gegeben worden ist. Dass endlich Se. Durchlaucht mit Vergnügen Ihnen für die 
Opfer, welche Sie dem Ihnen zugedachten Verhältnisse bereits gebracht haben 
sollten, einen Ersatz gewähren werden. 

Ew. Wohlgeboren werden, wie ich mir schmeichle, den Mittheilungen, welche 
ich Ihnen hier im Auftrage Sr. Durchlaucht zu machen die Ehre gehabt, eine 
freundliche Aufnahme schenken. Haben Sie die Güte mir jetzt auf das ausführ- 
lichste und mit derjenigen (»rtenheit, welche ich Ihnen gezeigt. Ihre Ansichten ver- 
traulich zu eröt!uen. Nicht besser kann ich dem Vertrauen des verehrtesten Fürsten 
entsitrechen, als wenn ich die Sache baldigst zu einem Sie befriedigenden Ziele 
führe. Dies ist alier nur möglich, wenn auch Sie mir Ihr gütiges Vertrauen 
schenken und, bis ich Ihnen Heweise davon zu geben vermag, von der Re Uheit 
meiner Go«innun.iren gegen Sie im Voraus überzeugt sind. Bis zum 14'' k. M. 
hotfe ich hier zu bleiben, sollte es Ew. Wohlgeboren nicht möglich s yn. mir bis 
dahin Ihre Antwort hier zukommen zu lassen, so bitte ich solche nach Berlin 
zu senden. 

Ich bin mit der ausgezeichnetsten Hochachtung 

Ew. Wohlgeboren 

ganz ergebenster Diener 

Schauraann, Geh. Finanz Rath 
im Bureau des H. StaatsKanzlers Durcbl. 
Pyrmont. 24. Aug. 1820. 

III. 

Pyrmont, den 13ten Sept. 1820. 
Wohlgebohrener Herr 

Hochgeehrtester Herr Revisions Rath, 

Ich ergreife selbst die Feder, um Ew. Wohlgeb. Schreiben an den Herrn 
Geheimen Finanz Rath Schaumann zu beantworten. Je aufrichtiger meine Achtung 
für Sie ist, um desto mehr war es auch mein Wunsch. Sie für den preussischen 
Staat zu erwerben, um desto lebhafter ist mein Bedauern, dass zufällige Umstände 
uns im Wege standen, dass sie meine Antworten verzögerten und Ew. Wohlgeboren 
bewogen, anderweitige Verbindungen mit dem Nassauischen Hofe einzugehn. Es 
thut mir wahrlich sehr leid, dass ich für jetzt der Aussicht entsagen muss, Sie 
zu besitzen. Sie von der übrigens durchaus nicht lästigen und drückenden Censur 
zu entbinden, steht nicht in meiner Macht. 

Findet sich in der Folge eine Gelegenheit, Sie mit uns in Verbindung zu 
setzen, so schmeichle ich mir, dass Sie immer noch geneigt seyn werden, zu 
uns über zu gehn und ich werde die erste Gelegenheit mit Vergnügen ergreifen, 
Ihnen die Bahn zu eröfnen. Jetzt ist es nur eine Angelegenheit für mich, Sie 
zu bitten mir oflfen und freymütliig zu eröfnen, welche Entschädigung Sie verlangen. 
Sie soll Ihnen alsbald werden. Erhalten Sie mir ihr gütiges Andenken und seyn 
Sie von der vorzüglichen Hochachtung versichert, mit der ich beharre 

Ew. Wuhlgeb. 

ergebenster Diener 
(". V. V. 11 ard r 11 her .^,^ 



Ein Gesamtfund römischer Kleinerze aus 
der Zeit Diocletians. 



Von 

E. Ritterling» 



Die Kenntnis dieses Fundes verdanken wir einer Bemerkuus: Kabel 's 



o 



in seinem um 28. Mai 1841 in der Generalversaminlun"- des Vereins für 



o 



nassaiiische Altertumskunde und (Tesehiclitsforschung vorgetragenen Jalires- 



berichte (Annal. III. 2, S. 218). Unter den für das Museum angekauften 
Gegenständen nennt er: „eine Anzahl von 160 Stück besonders wohl cilialtener 
römischer Kupfermünzen von den Kaisern Valerian (so! soll heissen Aurelian), 
Probus, Diocletian, Maximinian (so!), Constantius Chlorus etc. mit mannig- 
faltigen Rückseiten. Diese waren in der Moselgegend, angeblich 
nebst mehr als 2000 andern von demselben Metall in einem 
irdenen G e f ä s s , zum Teil r o 1 1 e n w e i s e zusammengelegt, 
von einem L a n d m a n u gefunden worden und in die Hand eines 
Binger Israeliten gekommen, bei dem ich sie aussuchte. Das hiervon gefertigte 
Verzeichnis beschreibt die einzelnen, mitunter seltenen Münzen". Es hat sich 
ein von H a b e Ts Hand beschriebener Zettel erhalten, welcher uns die Anzahl 
der Münzen, mit der die einzelnen Kaiser vertreten waren, kenneu lehrt: 
,,1841. 25ten Febr. zu Bingen gekaufte römische Münzen: 

„ , „ ,, , , Ju Summa 

Versen. Reverti Doubl. stüfk 

Aurelian 1 — 1 

Probus 26 6 32 

Diocletian 24 31 55 

Val. Maximinian. (so !) Herc. . 23 35 58 

Constantius Chlorus .... 5 3 8 

Galerius Maximinian (so !) . . 5 1 6 

Darunter steht: ^^ '^^ ^^^ 
„Ferner d. Uten Juni 41 zu Wiesbaden": 

Probus 9 1 10 

Val. Maximinianus Ilerc. . . 3 4 7 

Magnentius 1 — 1 

Diocletian 2 3 5 

99 84 183 

13 



194 

Daraus ergiebt sich, dass zu den oben erwähnten 160 Stück später noch 
23 Stück hinzugekauft wurden, die demselben Funde entstammten bezw. ent- 
stammen sollten. 15ei der summarischen Aufnahme der Münzsannnlung des 
Museums, welche iS'rJ und in den folgenden Jahren durch K i li m vorgenommen 
wurde (s. Annaleu XXYIII. S. 193 f.), fanden sich diese 183 Stück noch zu- 
sammenliegend vor. Dass dieselben in Kihm's „X. Verzeichnisse römischer 
Münzen", welclies am Kopf den Vermerk „von Bingen" trägt (s. Annal. XXYIII. 
193 Anm. 34) entiialteu sind, zeigt eine Zusammenstellung mit den nach 

llabel dem Funde angehörigeu Stücken. 

X.Verzeichnis Hiibel 

Aurelian 1 1 

Probus 43 42 

Diodetian 59 60 

Val. Maximinianus (so!) Herc. ... 66 65 

Constantius Chlorus 8 8 

Galerius Maximinianus (so!) . . • 6 6 

^lagnentius j 1 1 

184 183 

Die Differenzen bei Probus, Diocletian und Maximian um je 1 Stück er- 
klären sich wolil am einfachsten aus Versehen Kihm's (doch vgl. Anm. 5). 

Der Fund ist dann, wahrsclieinlich von Kihm selbst, in die Samndung 
zerstreut worden. Doch hat sich ein von HabeTs Hand auf 12 Oktavblättern 
aus grauem Schreibpapier geschriebenes Verzeichnis erhalten, welches dieselbe 
Anzahl Münzen derselben Kaiser, welche aus dem fraglichen Funde für das 
Museum erworben wurden, unter genauer Angabe der verschiedenen Keverse, 
der Marken in Feld und Abschnitt, sowie zum Teil auch der Aversbilder und 
Umschriften beschreibt: es ist ohne Zweifel dasselbe Verzeichnis, welches der 
Generalversammlung vorgelegen hat, da die erst nach derselben hinzugekauften 
Stücke zum Teil noch als nachträglich eingetragene (so bei Probus und Maximian) 
erkennbar sind. Obwohl dieses Verzeichnis im einzelneu nicht ganz frei von 
Lesefehlern und Versehen ist, wurde es mit seiner Hilfe doch möglich, den 
dem Münzkabinet des Museums einverleibten Teil des Fundes fast lückenlos 
wieder zusammenzusetzen. Es ergab sich dabei die bemerkenswerte Thatsache, 
dass die überwiegende Mehrzahl der in der Münzsamndung überhaupt vor- 
handenen Münzen der in Betracht kommenden Kaiser eben diesem Funde ent- 
stammt ; dadurch findet die wiederholt gemachte Beobachtung, dass die Münzen 
aus den letzten Jahrzehnten des 3. Jahrhunderts im rechtsrheinischen Grenzlaude 
und daher auch in den entsprechenden Lokalsammlungen vergleichsweise selten 
begegnen, eine Beobachtung, welcher der Bestand im hiesigen Münzkabinet bis- 
her zu widersprechen sdiicii. (Mue weitere Bestätigung. 

Ein weiterer Bestandteil desselben Müuzfundes ist iji die Münzsammlung 
des Kaufniannes Pli i*. L ii^c ii h ü !i 1 in Wiesbaden (inzwischen durch Schenk- 
ung des Herrn Ferd. jj uge n 1) ii li 1 dem Museum überwiesen) gekommen, in 
welcher die einzelnen Stücke den Herkunftsvermerk „Bingen" oder „bei Bingen" 
tragen. Wie sich durch mündliche Erkundigung feststellen Hess, sind dieselben von 



195 

einem Handelsmann aus Bingen nach Wiesbaden gebracht') und aus einer grösseren 
Zalil älmlicher Münzen von dem Samnder ausgesucht und erworben worden. 
Dieser Umstand, weiter ihr villiig gleichartiger Erhaltungszustand und die llur- 
einstimmung, welche die von ihnen vertretene Kaiserreihe mit der der Museums- 
münzen, in wclcluM' sie luii' einig(! Lücken ausfüllen, aufweist, lassen keinen 
Zweifel darüber, dass sie aus demselben Gesamtfunde stammen, wie die IH'A von 
IIab(^l beschriebenen Stücke. Sämtliche dem Funde jetzt noch zuzuweiscüidcn 
Münzen sind Weisskupferstücke di-itter Grösse mit dem strahlengekrönten Kopf 
des Kaisers; der Silbersud, btü mehreren noch vorzüglich erhalten, scheint 
bei einer grossen Anzahl erst durch einen mit ihnen vorgenommenen chcunisclien 
Reinigungsprozess verloren gegangen zu sein. Die Prägung ist durchweg noch 
frisch; stellenweise schlecht lesbare Umschriften bezw. Prägevermerke sind nicht 
auf Abnutzung, sondern auf mangelhafte Ausprägung zurückzuführen. 

]Jei der Einzelbeschreibung der jetzt noch mit Sicherheit nachweisbaren 
Münzen des Fundes sind die Stücke des Hab el' sehen Verzeichnisses von 
den Lugen b ühl ' sehen nicht getrennt; zu letzteren gehören alle Münzen der 
Kaiser Tacitus, Carus, Carinus und Numerian; hierin wie in der verhältnis- 
mässig geringen Anzahl von Dubletten zeigt sich die sorgfältigere zur Ergänzung 
vorhandener Lücken getroffene Auswahl des Privatsammlers gegenüber den 
vielfach in grosser Zahl vertretenen Dubletten (so des Diocletian mit Jovi Augg.. 
Maximian mit Pax Augg.) der Museumsmünzeu. Yen einem Abdruck des 
Habel'schen Verzeichnisses durfte abgesehen werden, da die in ihm be- 
schriebenen Münzen ja fast ausnahmslos noch zu identifizieren sind; die iiiehr- 
fachen aus der Untersuchung der Münzen selbst sich ergebenden kleineren 
Abweichungen von Habel's Beschreibung' sind in den Anmerkungreu notiert. 



No. 


Zugehörig- 
keit 


Ö 

Ä 
O 

o 


Revers 


Feld 


Abschnitt 


Stück- 
zahl 


Gesamt- 
zahl 


1 


Aurelian 


60 var. 


[conjoordia militum 
Äv. Kopf mit Strahlen, 
nicht mit Lorbeerkranz 




TXXI 


1 




2 


» 


105 


Jovi conser. 


— 


P 






3 


n 


113 


Jovi conservatori 


— 


P 






4 


V 


140 


Oriens Aug. 


— 


Q 






5 


v 


153 


Oriens Aug. mit zwei 
gefesselten Gefangenen 


— 


QXXT 






6 


y> 


154 


n 


— 


XXI 


1 




7 


Tacitus 


183 
40 


providen. deor. 
felicit. tenip. 




SXXI 

//T 






8 


7 


9 


n 


90 var. 


provide (nicht provid.) Aug. 


— 


Q 






10 


V 


100 


Providentia Aug. 


" 


XXI A 








;{ 



*) Offenbar demselben, von welchem Habel am 11. Juni 1S41 zu Wiesbaden den zweiten 
Posten von 23 Stück des Fundes füi- das Museum ankaufte. 

13* 



196 



No. 


Zugehörig- 
keit 


Cohen 


Revers 


Feld 


Abschnitt 

! 


Stück- 
zahl 


Gesarat- 
zahl 


11 


1 

Probus 


1 


nbundnntfin Aug.] 
Der Av. hat Itoppelschlag 


1 
1 


1 

1 
1 


I 




12 


n 


37 


advenhis Aug. 


— 


: R ^ z 


' 
1 " 




13 


« 


?) 


1 


— 


1 R Corona [~ 




14 


- 


40 


., 


— 


R f'iiliiion Z 


l 




15 


. 


84 


dementia tenip. 


-~ 


XXI z 


1 




16 


n 


102 


conies Aug. 


A links 


-- 


1 




IT 1^ 


•n 


108 


comiti Probi Aug. 


— 


IUI 


2 




19 


« 


, 137 


conoord. niilit. 


— 


XXI VI 


^ u 




20 


1» 


« 


•^ 


— 


XXI 


1 )^ 




21 


1» 


164 


eüncordia niilit. 


— 


XXI 5: 


1 




22 


n 


165 


•» 


— 


XXIA {y) 


1 




23 24 


n 


182 


conservat. Aug. 


— 


TXXT 


2 




25 


«* 


199 

( 


» 


— 


TXXT 


1 




26 


- 


210 


felicit. temp. 


— 


II 


1 




27 


_ 


215 


felicitas Aug. 


— 


A fulmen Z. 


1 




28 


"5 


248 


fideß milit. 


cod.e 


XXI 


1 




29 


V 


252 


fides niilitum 


— 


R fulmen f 


1 




30-34 


n 


254 


« 


— 


R Corona ^ 


3 






" 


yi 


n 


— 


R Corona A 


1 5 






n 


rt 


■n 


— 


undeutlich 


1 1 




35 


n 


256 


11 


— 


III 


1 




36 
37 




305 


Jüvi cons. Prob. Aug. 

V 


— 


(?) R fulmen B 
REB 


;i-^' 




38 


fl 


334 


Mnrs viotor 


— 


III 


1 




39 


» 


■ 337 


n 


— 


III 


1 




40 


rf 


398 


Pax Aug. 


— 


IUI 


1 




41—49, 


n 


401 


n 


D link» 2) 


— 


5 








n 


n 


» 


1 1 1 rechts 


XXI 


1 








n 


n 


?) 


V rechts 


XXI 


1 


9 






n 


•n 


n 


— 


IUI 


•> 






.JO— 53 


y> 


435 


])iaetas Aug. 


— 


III 


4 




54—58 


n 


437 


pietas Aug. 


— 


III 


*u 






n 


n 


y) 


C rechts ' 


— 


ir 




59 


n 


477 


provident. Aug. 


— 


BXXI 


1 




60 


n. 


498 


Providentia Aug. 


— 


XXIA 


1 




61 


j) 


515 ff. 


restitutor orbis^) 


— 


PC (?) 


1 




62—64 


V 


528 


Romae aeter. 


— 


R fulmen A 


1 






1 


•7 


n 


— 


R V A cn 


;r 






n 


r> 


>» 


— 


undeutlich 




65 


n 


642 : 


Soli invicto 


— 


R fulmen f 


1 




66 


n 


643 

1 


tj 




R fulmen f 


1 






56 



'^) Hu bei hat statt dessen auf den beiden in seinem Verzeichnisse enthaltenen .Stücken 
irrtümlich L gc'lesen. 

') Dieses Stück des Habel'schen Verzeichnisses fehlt jetzt; eine genauere Hcstimmung 
ist daher uimiöglich; die Buchstaben im Absdinitt .scheinen verlesen zu sein. 



1 



1117 



No. 



Zugehörig- 
keit 



67 
68 
69 
70 
71—73 



74 
75 
76 

77 
78 
79 

80 
81 

82 

83 

84 

85 86 

87 88 
89- 97 

98-102 

103 
104 



105-21 

122 22a 
123-25 
126-28 



Probus 



Carus 

Numerian 

Carinus 

» 

Diocletian 



a 

0) 
Ä 

o 
u 



644 
650 

n 

726 

727 

n 

n 
729 
766 

n 

816 
819 

840 

18 
49 

18 

97 
120 

147 

11 
11 

153 

w 

154 
fehlt 



169 

n 

n 

171 

n 
183 



Revers 



Soli iiivicto 



teinpor. felicit. 



teniporuiii felicitus 
Victoria Uerm. 



Virtus Aug. 



consecratio 
pax Augg. 

[Mars] Victor 

priiicipi iuuentutis 
saeculi felicitas 

Jovi Augg., stellender Jup. 
Ac. Brustbild im Mantel 

n 
Jovi Augg. 

Av. Brustbild im Panzer 

Jovi Augg., stehender Jup. 

» 

'1 

Av. imp. C. Diocletianus 

p. f. Aug. Büste mit 

Strahlen und Mantel n. r. 

Jovi Augg., sitzender Jup. 

Av. Brustbild im Mantel 

11 
Jovi Augg., sitzender Jup. 
Av. Brustbild im Panzer 
Jovi Augg., sitzender Jup. 

1) 
Jovi Conser. Augg.^ 



Feld 



Abschnitt ^ -^ 



c/a 



N 






B links 



B links 



D rechts 



A ri'ckts 
B links 



I :h 



R fiilinen f 1 1 

undeutlich 1 ' 
II (-■) 1 

II < ) 



RA 



QXX 



P 
A 

A 
P 
A 

A (•:') 



verwischt 
A 

A 
I 

S M L (••) 



i I 



R fuiiiicn A , 1 ' 



QXXT 
XXI Z 



'> ) 



3 17 
2' 
2 



■ I 



69 



45 



') Bei diesen und den nächstfolgenden Reversen ist das IlabeTsche Verzeichnis am 
wonigsten genau; nicht nur, dafs er keinen Unterschied in den verschiedenen Abkürzungen 



198 




Abschnitt ^ ■% 



SS 



129. 30 
131 

132 
133-38 



139 
140 



141-45 
146 
147 

148. 49 

150 
151 

152 
153 
154 
155. 56 
157. 58 
159 



n 

V 

n 
n 
1» 
n 

71 



fehlt 



297 

362 

362 lar. 

366 

n 

374 
441 

442 
444 
448 
453 

453 Tar. 

455 Tar, 



Jovi conservat////////// 
Jovi conservatori 
Ac. inip. C. Val. Diücletianus jD links 

p. f. Aug. Büste mit 

Strahlen und Panzer n. r. 

Jovi tutatori Augg. 

Pax Augg. 

., aber Av. 

imp. Diocletianus p. Aug. 
Pax Augg.'"), mit Victoria 



„ mit Zweig 

Salus Augg. 
aber Av. Kopf mit Strahlen 
Salus Augg. 



TXXIT 

SXXIT 

XXI B 



XXI (?i 



45 



'1 
2 6 

1 ' 



saecurit. perp.®) 
securit perp. 



B rtchls 



P 
II ü'ler A 

B 
III 
B 
A 

T 
C 

p oder A 
P 

A 



76 



des Wortes conser oder conservat macht, auch ausser Acht lässt, ob conservatori allein oder 
conservat Augg. steht, er hat auch drei Münzen mit der Umschrift Jovi tutatori Augg. dem 
Revers Jovi conservatori Augg. zugeschrieben. Von dem Revers Jovi tutatori Augg. ver- 
zeichnet er nur ein Stück mit dem .\bschnittsvormeik A' während in "Wahrheit 4 Stück vor- 
handen sind, mit p im Abschnitt; die drei in seinem Verzeichnisse scheinbar fehlenden sind 
offenbar die gleiche Zahl an 14. Stelle eingetragenen, mit Revers Jovi Conservatori Augg., im 
Abschnitt ß. 

^) Habel hat noch ein Stück mit Pax Augg. im Abschnitt S. 1'" ein solches jetzt 
fehlt, auch dieser Absclinittsvermerk bei den Diocletian-Münzen sonst nicht wiederkehrt, liegt 
wolil eine falsche P.intragung vor, indem das Stück dem 3Iaximian gehörte, auf dessen PAX 
AVGG. -^l''"'^ß'i S häufig ist. Aus der richtigen Zuweisung dieser Münze an Maximian 
durch Kihm wird sich auch die Differenz zwischen seiner und Habel's Gesamtzahl der Dio- 
cletian- und Maximian-Münzen erklären: Kilnu 59 Diocletian-, 66 Maximian-Münzen, Habel 
60 Diocletian-, 65 Maximian-Münzen. 

*) Habel hat irrtümlich die Umschrift „saecurit publ.", welche bei Diocletian über- 
haupt nicht begegnet. 



199 



No. 



Zugehörig- « 
keit 



160 
161. 62 
163 
164 
165.66 
167-69 
170 
171 
172 
173-75 



176-78 
179-84 
185 
186 

187-89 



190 



191— 
222 

223-25 

226-29 

230 
231 

232-35 
236 

237-41 
242 
243 
244 
245 
246 

247. 48 

249 
250.51 



Maximian 




Revers 




Abschnitt 



435 var, 



438 



452 
454 
456 
480 
516 
517 
523 
531 var 
555 
567 
642 

647 
650 



aequitas A[ugg.] 

conios Augg. 
concürdiii Augg. 



felicit. publ. 



t'olicitas saoc. 
Tlcrculi invicto Augg.') 

•n 

Herculi pacifero 



Jovi Augg., stehender Jup. 
„ sitzender „ 

Jovi Conservat. Augg. 
pax Augg., Minerva 

» 

Pax Augg., Pax in. Zweig 

Ao. Büste niclit mit Helm, 

sondern Stralilenlcranz 

Pax Augg., mit Yictoria 



provident. deor. 
Salus Augg. 



saecurit. perp. 
virtus Augg., Vii-tus 

„ Hercules 

virtuti Augg., Hercules 
den Löwen würgend 



links 

-FC--) 

links 



B links 



B 
C 

undeutiicli 
II 

B 
B 
S 



SML 

SML 
A 
A 
A 

X///// 

Q 

•^ A CO 
B 



B 

S 

III 

B 

C 

B 

S 

ß 

S 

S 

II 

C 

C 

C 

P 

III 

C 



1 , 


1 


Ä 


^H 


ü 


Ä 


a 


cJ 


4.:» 


N 


U) 





2 1 
ll 




1 
1 
4 
1 
5 
1 
1 
1 
1 
1 
2 

1 
2 



(1) N 



Habel hat nur Ilcrcuii invicto, welche Umschrift bei 3Iaximian nicht vorkommt. 



200 



No. 


Zugehörig- 
keit 


Cohen 


Revers 


Feld 


Abschnitt 


Stück- 
zahl 


Gesamt- 
zahl 


252 


Constantius 
Caesar 


8 «r. 


claritas Augg. 


— 


— 


1 




253 


.* 


12 


comes Augg. 


— 


B 


1 




254. 55 


.. 


15 


coucordia Augg. 


— 


li 


;^ 








*t 


n 





III (?) 




256. 57 


n 


237 


provident deor , stehende 
Provideiuiii 


— 


A 

fulnien 


;i^ 




258-64 


n 


238 


„ „ sitz.Piuvid. 


— 


II 


:i' 








n 


n 


~-~ 


B 






13 


265 


Galerius 
Caesar 


11 


claritas Augg. 


— 


PTR 


1 




266.67 


T) 


19 


concordia Augg. 


— 


B 







268 


"> 


29 


Hdes milit. 


D (?) 


PTR 


1 




269 


^ 


161 Tiir. 


pax Augg., Pax m. Zweig 


— 


A 


1 




270 


fi 


162 


„ „ 111. Victoria 


— 


III 


1 




271.72 


V 


182 


provident. deor. 


— 


II 


2 




273 


n 


194 


securit. Augg. 




B 


1 






9 
S.S. 274 



Die Münze dos Magnontius (Ruvor.s: Mouugramm Christi), wek-lic zu- 
sammen mit 22 der oben beschriebenen Stücke von IIa bei zu Wiesbaden 
angekauft war (s. oben S. 193) und deragemäss sowohl in Hab el ' s detailliertem 
Verzeichnis, wie in K i h m's Übersicht erscheint, kann dorn Funde keinesfalls 
zugehört haben. ^) Nicht nur das Fehlen der ^Münzen sämtlicher Nachfolger 
Diocletian's bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts, sondern vor allem auch die 
durchgängig sehr geringe Abnutzung der erhaltenen Münzen, die unmöglich 
lange im Verkehr gewesen sein können, schlicsst die Möglichkeit, dass der 
Schatz erst nach der Mitte des 4. Jahrhunderts in die Erde gekommen sei, 
unbedingt aus. Andererseits ist daraus, dass Constantius und Galerius, welche 
im Mai d. J. 305 zu Augusti erhoben wurden, auf den Münzen unseres Fundes 



*) Auch nocli drei andere Münzen, wolclie, in der Lugenbührschen Sammluna: befind- 
lich, den Fundvernierk „Bingen" tragen, werden schwcrlicli dein Bestände des Fundes zu- 
gerechnet wenlcn dürfen. Es sind: 1. Biilon-Antoninian des Herennius Etruscus, Rev. prin- 
cipi iuventutis (Cohen 26), 2. Weisskupferstück des Claudius, Rev. fides exerci (Cohen 87), 
3. Weisskupfer)«tiick des Quintillus, Rev. conco exo[rci] im Abschnitt T (Cohen 8). Schon 
die geringe Ziiiii dieser vor der aurelianisciien Münzret'orni geprägten Stücke, sowie die aus- 
drückliche Angabe Habers, der einen grossen Teil des Schatzes noch beisammen gesehen 
hatte, dass die Münzreihe mit Aurelian (Valerian in der üIumi angeführten Stelle der Annalen 
kann nur ein Schreib- oder Druckfehler sein) beginne, schliessen diese drei Stücke von der 
Zugehörigkeit aus. Dazu kommt, dass die Hilluii-.Vntoiiiniane von den weisskupforiien Antoniiiianen, 
weil verschieden gevvertet, in den Schatzfunden der späteren Zeit getrennt aufbewahrt worden 
zu sein scheinen, und dass namentlich das Stück des Claudius im Verhältnis zu den nur wenig 
jüngeren des Aurelian autrailend abgcschlilfen ist. 



201 

ausnahmslos noch den Caesartitol f'üliicn, keineswegs mit Sicherheit zu schliesseu, 
dass der Münzscliatz v o r jenem .Jahre vergraben sein müsse. Denn weiss- 
kupf'ernc! Antoniuiane mit der Strahlenkronc, aus welch<!n der Sehatz, so weit 
er uns b(^kannt ist, ausscldiesslicli bestciht, liab(!n beide Kaiser als Augusti 
überluiu})t niclit mchi- geselllagen, sdiidern nur nach dem von Dioeletian um 
oOO eing(^f'ührten ncmen System gemünzt. Haben zu dem Sciuitze noch andere 
Münzsorten gehört, die, wie ül)li(li, von den Wcusskupferstücken getrennt ver- 
packt und darum vieHeicht nicht aufgefunden worden sind, so können diese, 
etwa Denare des diocletianischen Fusses, z(Mtlich noch etwas weiter herabgereicht 
haben. Die jüngsten der uns erhaltenen Stücke scheinen dagegen nicht nach dem 
Jahre ;500 geprägt zu sein : die beiden in der Trierer Offizin geschlagenen 
Stücke des Galerius mit „claritas Augg/' und „Fides milit. " gehören nach 
Hettner's Aufstellung (Westd. Zeitschr. VI. 143 f.) der fünften, etwa 299 
beginnenden Emission dieser Münzstätte an. Auch die auf den i\[ünzen Diocletians 
und seiner Mitregenten in unserem Funde vorkommenden Keversumschriften sind 
offenbar der überwiegenden Mehrzahl nach nur vor der Einführung des neuen 
Münzsystems im Gebrauch gewesen, da sie nur auf nach gallieniscliem System 
geschlagenen Stücken begegnen; die Umschriften Jovi Conservat und Jovi 
Conscrvat Augg. bei Dioeletian, Herculi pacifero, Jovi conservat Augg., pax 
Augg., Virtus bez. Virtuti Augg. bei Maximian erscheinen dagegen auch noch 
auf Stücken der zwischen 296 und 301 eingeführten diocletianischen Währung. 
Was das Gewicht der ^fünzen anlangt, so wiegen 41 Stücke des Probus 
durchschnittlich 3,8 g, 140 Stücke Diocletians und seiner Mitregenten durch- 
schnittlich 3,74 g; am schwersten sind einige des Probus mit 4,6 g, eines 
des Dioeletian (Collen 366) mit 4,9 g, eines des Galerius mit 4,8 g. Unter 
3 g sinkt nur das einzige auf das Gewicht untersuchte Stück Aurelian's mit 2,8 g. 



Graf Ludwig von Arnstein und die Neubegründung 
des Klosters Münsterdreisen. 



Von 

S, Schaus* 



Das Privileg, mit doiu Kourad 111. im daliv 1145 die Errichtung der 
Abtei Arnstein bestätigt hat'), ist wohl die erste Künigsurkunde, die das Kloster 
empfangen und in seinem Archiv verwahrt hat, aber nicht die erste, die sich 
mit ihm befasst. Yiehnehr hat derselbe Konrad III. der Stiftung des frommen 
Grafen Ludwig, schon ehe er sie von Jloichswegen anerkannte, eine grosse 
Auszeichnung widerfahren lassen, indem er sie auf Ersuchen seines Bruders 
Friedrich damit betraute, eine alte aber in Verfall geratene geistliche Anstalt 
wiederher/Aistellen. 

Das Kloster, das so in die früheste Arnsteiner Geschichte mitverflochten 
wurde, ist Münster zu Dreisen am Donnersberg ; und da die Urkunde, die also 
auch in die nassauische Geschichte einschlägt, nur in entlegenen Werken ge- 
druckt vorliegt, so rechtfertigt es sich wohl, dass die in Betracht kommende 
Stelle hier zur genaueren Kenntnis mitgeteilt wird.) 

König Konrad sagt in seinem Diplom, das zu Bamberg im Jahre 1144 
ausgefertigt ist^) : 

— vir illustris Fridericus noster germamis dux Suevie et Ahacie nostram 
celsitudinem adiens petilt, quatenus ecclesiam quandam a Nanfhario 
quondam dnce et uxore ipsius Chiinigtint in Jionorem dei et domini 



*) Siehe Stumpf, Verzeichnis der Kaiserurkunden ^'o. 3490. An der zeitlichen An- 
setzung Stumpfs darf man vorläufig wohl festhalten, wenn mich Bernhard!, Jahrbücher 
Konrad's III., S. 384 die Urkunde in das Jahr 1144 rücken möchte. Er vermutet, die Zahl 
MCXLVI sei vielleiciit aus MCXLIV verschrieben worden. Im Original ist die Jahresangabe 
aber wörtlich ausgeschrieben. 

-) Die Angaben von KöUner, Geschichte der Herrschaft Kirchheim-Boland und Stauf 
(Wiesbaden 1854), 361 sind vielfach unrichtig. 

^) St. 34H8. Das wohlerhaltene Original wird jetzt im königl. iillgcnieiiien lieiclis- 
archiv zu München aufbewahrt. Der Druck in den Acta academiae Tlieodoi'o-l'alatinao I 
(Mannh. 1706) 297 ist wiederholt in den Acta Sanctorum Octob. XI 744 und in ihrer Sonder- 
ausgabe der Vita 1>. Ludovici comitis de Arnstein von V. de Bück, Bruxellis 1864, 105. Für 
die "Wiedergabe des Textes konnte ich durcli die gütige hiermit dankl)ar hervorgehobene 
Vermittelung des Herrn Professors Dr. Scheffer-Boichorst in JJerlin eine Abschrift 
Böhmer 's nach dem damals in Darmstadt befindlichen Original vergleichen. 



203 

nostri Jesu Christi ei sancfi Saüirnini martiris edißcatani congruisque*) 
sanctimonialhim et deo devotarum feminarum disciplinis ordinatam sed 
iam lomjis retro temporihus ah omni cultu divino et deo servientium 
frequenfia destitiitam tandemque ad sue dominationis provintialisque 
comitis Theoderici potestatcm devohdunv') in pristinum sue digniiatia H 
religionis rohitr ;;er nostrani regiain auctoritatem revocaremus. Ifaque 
ex eins jjetitioue et consensu eandem ecclesiam sancti Saturnini in pago 
Wormaciensi tunc in episcopatii Moguntino sitam nunc commisimus 
regendam et ordinandam Ludeivico comiti de Arnestein etfratribus apud 
Ärnestein, qui sub canonica heati Augustini regida et ordinc Fremon- 
stratensi congregati sunt^ ea ratione td deinceps in omni ciira et ordine 
prefato loco absque ullius persone contradictione provideant. 
Im Folgenden werden die Güter und Rechte des Klosters aufgezählt. 
Im Arnsteiner Archiv findet sich, soviel man sieht, keine Abschrift dieser 
Urkunde, obwohl sie ein ehrenvolles Zeugnis für die Abtei darstellt. Jedoch 
war man hier natürlich nicht ohne Kunde von der rühmlichen Thatsache, dass 
der Stifter einst zum Wiedercrwecker jener abgestorbenen geistlichen Pflanzung 
berufen worden war, sondern man besass eine lebendig ausgemalte Überlieferung, 
die der Verfasser der Vita Ludovici aufgezeichnet hat.') Nach seiner Erzählung 
kam Graf Ludwig einmal im Gefolge des Herzogs Friedrich von SchAvaben, 
mit dem er verwandt und sehr befreundet war, zu dem Kloster Münster an 
der Pfrimm. Da fand der Herzog die ehemals von Nonnen, dann von Regular- 
kanonikern bewohnte Stätte jedes göttlichen Dienstes ledig und sah mit tiefer 
Bewegung, dass Jagdhunde im geweihten Altarraum der Kirche herumliefen. 
In frommem Eifer entbrennend übertrug er den Ort mit allen seinen Gütern 
dem Grafen, der zugleich Laienbruder von Arnstein war (dilecto comiti et 
converso) und bat ihn die klösterliche Zucht wiederherzustellen. Das nahm 
Ludwig mit freudiger Dankbarkeit an; er erwählte sechs erprobte Kanoniker 
aus dem Kloster Gottesgnaden, gab ihnen andere geeignete Personen, die 
Abt Gotfrid von Arnstein aussuchte, bei und setzte an ihre Spitze seinen 
früheren Kaplan und Notar Markwart, der auch ins Kloster Arnstein eingetreten 
war. Im Jahr 1145 zog dieser als der erste Abt mit den Seinen in Münster- 
dreisen ein. 

Vergleicht man den Bericht der Arnsteiner Quelle mit der Urkunde 
Konrads, so ergiebt sich völlige Übereiustimnmng in allem Wesentlichen. Der 
Biograph Ludwigs ist nicht so unterrichtend über die Vorgeschichte und die 
rechtliche Grundlage der Stiftung wie die Urkunde, er sagt nichts von der 
Bestätigung durch den König; allein er bietet dafür das anschauliche Bild 
von dem verfallenen Kloster und den Männern davor, die bereit sind, der Zer- 
störung abzuhelfen — eine Sceue, die nichts eigentlich Unwahrscheinliches hat. 



^) que fehlt in Böhmer' s Abschrift. 

^) Dieser Heimfull uii die weltlichen Obrigkeiten ist verfixssungsgcschichtiich nicht ganz 
ohne Interesse; vergl. Waitz, Yerfassnngsgesohichte 7, 131. Über das Herzogtum und die 



Landgrafschaft vom Elsafs s. ebenda 60 u. 104. 



^} Ann. d. Vereins f. nass. Altertumskunde XYIII, 258. 



204 

AVertvoll ist es weiter, iius der Vita zu erfahren, dass Amstein den Abt. sein 
Mutterklüster Gottesgnaden aber den Hauptstamm der Insassen für Münster- 
dreisen geliefert hat. Aber einen der AVirklichkeit fremden Zug hat anscheinend 
der Amsteiner eingefügt, da nämlich, wo es heisst. dass nach den Xonnen 
schon regulierte Chorherren in Münster gesessen hätten, auch sie. ohne die 
klösterliche Zucht aufrecht erhalten zu können. Davon sa^t die Urkunde 
Konrads nichts, und wenn nicht aus anderen, bisher übersehenen Quellenstelien 
irgend eine Stütze dafür beigebracht wird, so darf man wohl annehmen, dass 
die Klosterüberlieferung hier eine übrigens harmlose Verbesserung der Geschichte 
vorgenommen hat : der Euhm der Söhne Norberts strahlte um so heller, wenn sie 
eine Aufgabe lösten, an der andere Ordensmänner sich vergeblich versucht hatten. 

Damit ist wohl erschöpft, was der Gegenstand für die engere nassauische 
Geschichte bietet. Es sei jedoch gestattet, noch kurz auf einzelne Angaben 
der Urkunde Konrads für Münsterdreisen hinzuweisen, die in sonstiger Hinsieht 
beachtenswert, aber, wie es scheint, nicht genügend beachtet sind. 

Da ist zunächst ein kleiner, freilich sehr wenig aufschlussreicher Ueiirag 
zur Mainzer Kirchengeschichte zu erwähnen. Unter den Gütern, die der König 
dem Kloster bestätigt, wird auch genannt: et moim<terium, quod in ciritate 
Mogontia et cum omnibtis suis appendiciis que snhscripta sunt, maust XXII 
et rinee od carratas rini XXX. 

Was für eine Kirche oder kirchliche Anstalt unter diesem monasierium 
zu verstehen sei. lässt sich bei dem Fehlen ieder näheren Bestimmung nicht sa«ren. 

Eine andere Stelle in der Güterbestätigung zieht in höherem Grade die 
Aufmerksamkeit auf sich. Sie lautet: 

Ea etiam bona que Beatrix et MahtikUs marciomsse Tu.<cie pro 
animahus suis et mariiorum suorum Gotefridi et JBoni/acii admonente 
comite Friderico nepote nostro atque preposifo prefate ecchsie Anshelmo 
ad idem monasterium contulerunt, nos quoque petiiione et consensu 
sepedidi ducis ad eundem locum restituimus et cotißrmamus, omnia 
videlicet que p/refate nobilissime jemine possederunt in loco qui dicitur 
Steten — — — et ea omnia que habuenoit in loco Walesicilre. 
Dass die grosse Gräfin Mathilde von Tuscien. die Freundin Gregors VIL, 
Besitzungen im rheinischen Lande hatte, ist bekannt; aber die hier genannten') 
werden in der Geschichte ihres Gutes, die wir Overmann verdanken, nicht auf- 
geführt.*) Zugleich berichtigt unsere Stelle den Satz dieses Autors, dass 
Mathilde keine einzige Schenkung für das Seelenheil ihres Gemahls gemacht 
habe.') Sie hat diese EhrenpHicht durch die Stiftung für das rheinische 
Xonnenkioster vermutlich gleich nach dem Tode ihres Gemahls erfüllt, im 



') Steten ist Stettcn nordöstlich von Münsterdrei<en bei Kirchbeimbolanden. AVales- 
wilre vielleicht Weläweüer bei Waltniohr ini Zweibrücki«-chen, 8 v. d. Nahnier, Enrwicke- 
lang der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des 
Rheins (Frankfurt 1832), 325. 

*) Siehe A. Orermann, Gräfin Mathilde von Tuscien. Ihre Besitzungen. Geschichte 
ihres Gutes von 1125—1230 und ihre Kegesten (Innsbruck 1895), 38. 

*) Overmann, 244. 



205 

Frühjahr 107(5. Denn Herzog Gottfrioil der Bucklige von Lothringen wurde 
am 26. Februar 1070 ermordet und schon im April desselben Jahres starb die 
^[utter der Mathilde, Beatrix, die. wie es scheint, die Tradition für Münster- 
dreisen noch zusammen mit iiirer Tochter vollzogen hat.'*) Beatrix hatte für 
das Andenken zweier Gatten zu sorgen, des 1032 ermordeten Markgrafen 
Bonifacius von Tuscien und des 1069 verstorbenen Herzogs Gottfried des 
Bärtigen von Lothringen." i Der Schreiber Kourads HL. der bei der Ab- 
fassung des Privilegs die Schenkungsurkunde der Markgrätinnen zweifellos 
benutzte, hat anscheinend einen der Gottfriede ausgelassen. Dafür ist er seiner 
Vorlage um so sklavischer gefolgt, wenn er schreibt, dass Beatrix und Mathilde 
die Schenkung gemacht hätten admonenfe cotnite Friderno nepote nostro. 
Ein Neffe oder gar Enkel Konrads HL kann natürlich nicht im Jahre 1076 
die Markgrätinnen von Tuscien beraten haben.'") Die Worte sind gedankenlos 
abgeschrieben, und gemeint ist Graf Friedrich von Mömpelgard. der 1073 als 
Neffe der Beatrix genannt wird.'^) 

In eine noch früliere Zeit, in das 9. Jahrhundert führt die letzte zu be- 
sprechende Bemerkung in der Urkunde Konrads zurück. Gegen Schluss heisst 
es darin: Vf aiitem hcc patfina jirma — pcimaufof, quam in.rta tctwreni priri- 
leiiii Ludcirici recjis secundi, gui femporihus Nantharii ducis in orientali 
Francin XXXIIoiu-'i ouuis reguaverat, conscrild maiidav'nnus, sigilli nostri im- 
pressione com i)isig)iiri iussinuis. 

Daraus geht hervor, dass im Jahr 1144 noch das Privileg erhalten war. 
mit dem König Ludwig der Deutsche die Stiftung des Nonnenklosters zu 
Münsterdreisen durch den Herzog Nantharius bestätigt hat. Der Urknnde seines 
karolingischen Vorgängers hat der Staufer vornehmlich wohl den Hauptteil der 
Güterbeschreibung, darunter die schon behandelte Anführung des tnamisttriiim 
in Mainz entnehmen lassen. Lidern dann auch die Regierungsjalire aus der 
Vorurkunde mitgeteilt werden, ist die Möglichkeit geboten, die Zeit der ersten 
Gründung von Münsterdreisen ungefähr zu bestimmen. Das o2. Köniffsialir 
Ludwigs des Deutschen wurde in seiner Kanzlei, übrigens unrichtig um ein 
Jahr zu früli. vom September 863 bis September 864 gezählt.'*) Dazu stimmt 
es wohl, dass 863 ein Graf Nantharius als Gesandter des Königs Lothiu" IL 
von Lothringen genannt wird.'') 

Doch mit der nassauischen Geschichte haben alle diese Dinge nichts zu 
thun. und mehr als dieser Hinweis ist hier nicht am Platz. 



''') Siehe Overmann, 137. 

") Siehe Overmann, r2o u. l'Jö. 

'^ So liest man aber bei Remling, l rkundliche Gesohiohte der Abteien und Klö*ter 
in Rheinbayern, II. (Neustadt a. d. Haardt IS36V lO.'v 

'*) Siehe Overmann. 1-JT. Die Erklärung der Stelle duroh das: Einwirken der Yorurkunde 
verdanke ich Professor Seh et'ter-Boiohorst. 

'*) Siehe Böhmer-Mühlbacher, Kegosta iiuperii I. No. 1410 — 1412, vgl. p. L\\l\. 

'*) Siehe daselbst No. 1263 b. Die unrichtige Angabe ST2 tÜr d»is Oründungsjahr bei 
Remling II. 163, ver.,'1 Hernhardi. Konrad III. 375, beruht wohl darauf, da^s die Regierung 
Ludwigs des Deutschen vom Tode seines Vaters Ludwigs des Frvunmen (f S40) ab gez.HhU wurde. 



Die Auflösung 
der nassauischen Klosterbibliotheken. 



G. Zedier* 



^lir wie -svcnig Verständnis und Pietät die Bestände der infolge des 
Reichsdcputationslniuptsohlusses im Jalire 1803 an Nassau gefallenen Kloster- 
liibliütheken behandelt worden sind, das hat bereits van der Linde') au 
einigen Beispielen nachgewiesen. Roth') hat seine Angaben in mehrfacher 
Beziehung noch ergänzt und ausserdem auf Grund der in der Wiesbadener 
Landesbibliothek und in der bischöflichen Priestersemiuarbibliothek vorhandenen 
llandscliriften und Bücher, sowie der Einsicht in die auf der Landesbibliothek 
befindlichen Akten eine „Geschichte der Klosterbibliotheken Nassaus" zusammen- 
gestellt. Diese Geschichte besteht allerdings nur aus sehr dürftigen Nachrichten, 
die auch die vorhandenen, unmittelbar vorliegenden Quellen keineswegs erschöpfen. 
Für manche dieser Klosterbibliotheken wie Arnstein, Deutz, Eberbach, Marien- 
statt, lionnnersdorf und Sayn liegen die bei Aufhebung dieser Klöster ange- 
fertigten, freilich manches zu wünschen übrig lassenden, Bücherverzeichnisse 
auf dem Staatsarchiv zu Wiesbaden, welches unter seineu Akten auch sonst 
noch wertvolle Nachrichten dieser Art über andere nassauische Klöster verwahrt, 
Akten, die von dem, der eine wirkliche Geschichte dieser Klosterbibliotheken 
zu schreiben sich unterfangen wollte, in erster Linie heranzuziehen wären. Es 
ist klar, dass eine solche Geschichte, die die Erfassung und Darstellung des 
geistigen Lebens, das innerhalb der Mauern der einzelnen Klöster sich entfaltet 
hat, so wie der geistigen Beziehungen dieser Klöster untereinander oder zu 
anderen ausserhalb des nassauischen Gebietes liegenden Klöstern und somit die 
Geschichte des gcüstigen Leljens vcsrgangener Jahrhunderte zumal auf einem 
historisch so denkwürdigen Boden, wie es der Rheingau ist, zum Ziel setzt, 
ihren Wert und ihre Bedeutung hat. Allein wie sich materielle und geistige 



') Die Küniyliclio liUiideHhihliutlu'U in Wicshadon. Centrallil. f. Hil)liotlieks\vescn, Bd. 1, 
1884, S. 46-55. 

*) Geschichte und Beschreibung der Küiiigl Landesbibliothek in Wiesbaden. Xebst einer 
Geschichte der Klosterbibliothelien Nassaus. Frani<furt a. iL 1886. 31 S. 8°. 



207 

Kultur ong- b(M'ühi'on und letztoro dio erstere zur Voraussetzung luit, so kann 
eine solche Geschichte, die zugleich umfangroiche iitterarische Quellenstudien 
bedingt, mit Ei-fnlg auch erst unternonmien werden, nachdem die äussere 
Geschichte jener Klöster, für dio das Staatsarchiv zu Wiesbaden ein reiches 
bisher wenig beachtetes Material auf'bewalirt, eine intensivere Erforschun"- er- 
fahren hat, als dies bisher der Fall gewesen ist. 

Ich liabo mir hier ein ungleich bescheideneres Ziel gesteckt, nämlich einnial 
einen Überblick über den ungefähren Umfang jener Bibliotheken zur Zeit d(;r Auf- 
hebung dv.Y Klöster zu geben und sodann den Prozess ihrer allmählichen Vernich- 
tung im Zusammenhange darzustellen, soweit dies an derlland der noch vorhande- 
nen, dafür in Betracht kommenden Quellen möglich ist. Van der Li n de und 
R 1 ]i geben darüber nur einzelne abgerissene Notizen, aus denen wir weder 
ein irgendwie vollständiges Bild dieses so beklagenswerten Vernichtungsprozesses 
gewinnen, noch eine richtige Vorstellung erhalten von dem, was damals auch 
nur dem äusseren Umfang nacli an litterarischen Schätzen zu Grunde gegangen 
ist. ]linzu kommt, dass ihre Angaben mehrfach der Berichtigung bedürfen. 
Freilich ist es auch mir nicht gelungen, aus dem Mosaik der in den Akten ent- 
haltenen Einzelnachrichten, sowie aus dem in den erhaltenen Bücherverzeich- 
nissen und in den Büchern selbst vorliegenden Material ein Bild zu entwerfen, 
das nicht Lücken aufwiese und überall deutliche Konturen böte, aber ich glaube 
doch alles erreichbare Material herangezogen und verwertet zu haben. 

Der nassauischen Regierung stand 1803, als sie in den Besitz zahlreicher 
demnächst aufgehobener Klöster und ihrer Bibliotheken kam, keine öffentliche 
Bibliothek zur Verfügung, in der die Bücher derselben hätten untergebracht werden 
können, wie dies anderswo der Fall war. Die seit 1730 zuerst in Usingen, dann in 
Wiesbaden bestehende Regieruugsbibliothek war damals noch eine unbedeutende 
Büchersammlung-, welche aber trotz ihres geringen Umfanges kaum selbst an 
ihrem Aufenthaltsorte Platz hatte. ^) Schwerwiegender war es noch, dass in 
Nassau auch kein Bibliothekar vorhanden war, der die jetzt infolge Aufhebung 
jener Klöster frei werdenden Büchermassen mit Sachkenntnis hätte prüfen und 
sichten können. Der Regierungsbibliothekar, der damalige Regierungsaccessist 
Lange war mit Regierungsarbeiten, sowie später mit der Uutcu'bringung der 
Klosterarchive so beschäftigt, dass seine Fürsorge für die Bücher nicht über 
den guten Willen hinauskam, und der 180(5 nach ihm zum Regierungsbiblio- 
thekar ernanute Hofrat Brodreich war ein jovialer alter Herr, der das bisher 
mühelose Amt nur übernahm, weil er die mit dieser Sinekure verbundenen, 
wenn auch sehr geringen, Emolumeute gut gebrauchen konnte. 

Man trug sich damals mit dem Plan, in Idstein im Anschluss an das dort be- 
stehende protestantische Gymnasium und SclmlUüu'erseminar einen für die liöhere 
Bildung der protestantischen und katholischen Jugend gemeinscliaftlichen Mittel- 
punkt der durch den katholischen Rheingau erweiterten nassau-usingischen Lande 
zu schaffen, und wie man im Idsteiner Schloss eine besondere Kapelle zur Aus- 
übung des katholischen Gottesdienstes eingerichtet und einen katholischen Pfarrer 

') Siehe meinen Aufsatz: „Zur Vorgeschiclite der Landesbibliothek zu Wiesbaden'" in 
den Mitteilungen 1898/99, Sp. 84—90 u. 112—117. 



208 

dahin berufen hatte, so -wollte man hier auch aus jenen Klosterbibliotheken 
eine geistlich katholische Bibliothek begründen.*) Zu diesem Zweck vereinigte 
man hier in den Jahren 1804 bis 1806 mit nicht geringen Transportkosten 
Bücher aus dem Antouiterliause zu Höchst, sowie den Klöstern Sayn. Rommers- 
dorf, Deutz und Eberbach, d. h. man häufte sie in den Zimmern des dritten 
Stockes im sogenannten Saarbrücker Bau des Idsteiner Schlosses wüst aufeinander 
und überliess sie den zahlreich dort vorhandenen Ratten und Mäusen, Be- 
kanntlich zog sich die Organisation des Schulwesens in Nassau noch eine Reihe 
von Jahren hin. Die nassau-usingischen und nassau-weilburgischen Lande 
einigten sich 1806 im Herzogtum Nassau und die Bildung eines besonderen 
katholischen Priesterseminars zu Limburg wurde schon damals in Aussicht ge- 
nommen. Diese Umstände führten zumal bei der Unruhe der Zeiten in der 
begonnenen Auflösung der Klosterbibliotheken bald wieder einen Stillstand herbei. 

Machen auch wir hier einen Augenblick Halt, um zu sehen, wie viel 
Bände in jenen Jahren nach Idstein kamen, und wie gross der Umfang dieser 
damals aufgehobenen Klosterbibliotheken anzusetzen ist. 

Die bedeutendste dieser Bibliotheken war die Eberbacher. Sie zählte 
gegen 8000 Bände. Der Transport einer so umfangreichen Büchersammlung 
Hess sich nicht auf einmal bewerkstelligen, wie das bei deu anderen möglich 
war. und zog sich in die Länge. Ein beträchtlicher Teil — nach dem noch 
vorhandenen Verzeichnis 1100 Werke") in über 2000 Bänden — verblieb sogar 
damals im Kloster, weil der Transport bei den infolge der ungünstigen Witterung 
nicht fahrbaren Wegen mittels der Kellereifuhrwerke unmöglich war, und die 
Regierung die vorgeschlagene Beförderung zu Wasser nach Biebrich v.egen der 
Kosten nicht genehmigte.*) Der um die Regierungsbibliothek verdiente da- 
malige Regieruugsassessor und Referent in Bibliotheksaugelegenheiten vonUngern- 
Sternberg gibt uns in einem Bericht an die Regierung aus dem Jahre 1805 
nicht uninteressante Nachrichten über die Bibliothek der ehrwürdigen und be- 
rühmten Abtei. Er sagt, die Bibliothek sei geteilt in eine alte und neue. Die 
erstere, in welcher ohne Zweifel aus Platzmangel die selten oder gar nicht mehr 
gebrauchten Bücher zusammengestellt waren, sei in drei kleineren Zimmern 
untergebracht'), die letztere in einem 70 Schuh langen und 25 Schuh breiten 
Saale. In diesem seien vierzehn Schränke in den Wänden befestigt, über diese 



*) Siehe Firnhaber, C. G., Die Xassauischc Simultaiivolksscliiile, Bd. 1, S. 204. 

^) Hier wie weiterhin sind die in Samnielbänden enthalteneu Werke nicht gerechnet, 
da die ungenauen YerzeichniSfje auf diese höclist selten Rücksicht nehmen. 

") van der Linde a. a. 0., S. 51 will glauben machen, man habe den Transport mit 
solcher Sorglosigkeit ausgeführt, dass dieser mehrei-e tausend Bände umfassende Teil der 
Bibliothek überhaupt ganz übersehen sei. So schlimm war es doch nicht, wie dies die Akten 
ausdrücklich bezeugen. Da die Bibliotheksfrage gleich darauf überhaupt für einige Jahre ins 
Stocken geriet, verlor man allerdings den in der Abtei zurückgebliebenen Büchervon-at gänz- 
lich aus dem Auge. 

^) Aller Wahrscheinlichkeit nach war es diese Bibliothek, welche 1806 im Kloster 
zurückgelassen wurde; es wäre sonst merkwürdig, dass AVerke aus allen Fächern der Bibliothek 
in diesem Reste vorhanden waren, wie dies aus dem Verzeichnis ersichtlich ist. 



201) 

Schräuko huifc eint' liroift' (iiillcric, die iiiun mittels cinci 'IVciipc; erstinyo. 
Auf dieser Gallorio seien die einzelnen Repositurien mit folgenden, in vergoldeten 
Buchstaben angebrachten, t'berschriften versehen : A. Sacra Biblia Sancti Patres 
Concilia et Scribtores*) Ecclcsiastici, B. Theologi Scholastici Morales et Polemici, 
C. Cath(^gistae, Canoucs et Rituales, D. Ascetae et Spirituales, Concionatores 
et Miscellanei, E. Juris Civilis Comment. et Consulti, F. Pliilosophi Ethici Medici 
Mathematici et Technici, G. Historici Geographi Cronol. et Philologi, IT. lluma- 
niores. Nach diesem System seien die Bücher der Bibliothek übisrhaupt g(!- 
ordnet und meist mit Buchstaben Ixv.cuclnK^t. Die auf dem Bücherrücken bo 
hndlichen Buchstaben A bis II in besonders grosser Kapitalschrift sind auch 
heute das beste, manchmal freilich verschwundene, äussere Erkennungszeichen 
der Eberbachcr Bücher.') Diese Beschreibung lehrt uns, was wir unter dem 
bei Roth'") vorkommenden custos inferioris bibliothecae zu verstehen habim. 
Wir greifen auch wohl nicht fehl, wenn wir in der oberen, in offcuicn Jic- 
posituren aufgestellten IJibliothek die wahrscheinlich am Treppenaufgang ver- 
schliossbare Eberbacher Abtsbibliothek vermuten, deren besondere Existenz sich, 
wie schon Roth bemerkt hat, aus den Inschriften der Bücher ergibt, sodass 
die untere in verschlossenen Schränken aufgestellte Bibliothek für den (icsbrauch 
der Kouventualen bestimmt gewesen wäre. Eine besondere Abteilung bildeten 
die verbotenen Bücher in drei verschlossenen Schränken, die damals allerdings 
ihres wesentlichen Inhalts bereits beraubt waren. Das wohlgeordnc^te, umfang- 
reiclie Klosterarchiv war in einem besonderen Zimmer in zwei Schränken ver- 
wahrt. Hier, niclit in der Bibliothek, befand sich damals auch dvv Oculus 
nicmoriae, das berühmte zwei Bände umfassende Eberbacher Kopiälbuch nebst 
achtzelm alten, grösstenteils auf Pergament geschriebenen und mit schwerem 
Messing beschlagenen Chorbüchern. Für letztere bezeugt dies von Ungern- 
S 1 r n b e r g in seinem Bericht, für den Oculus memoriae ergibt sich dies daraus, 
dass, als im Jahre 1804 der Präsident des Departements Donnersberg denselben 
für Hodmann auf zwanzig Tage von der nassau-usingischen Regierung leih- 
weise erbittet und die letztere zurückmeldet, dass das Buch trotz eifrigster 
Nachforschungen in der Eberbacher Bibliothek und dem bereits nach Idstein 
gebrachten Teil derselben nicht habe aufgefunden werden können, Bodmann 
der nassauischen Regierung mitteilen lässt, dass das Buch sich nicht in der 
Bibliothek, sondern im Archiv des Klosters befinde. Die Sache ist deshalb 
nicht gleichgiltig, weil mau daraus (M-sieht, dass auch bezüglich der Erhaltung 



*) V. Uiigerji-Stornbüi'g vermerkt uusdrücklich diesen Lapsus. 

°) Roth (a. a. ()., S. 21) giebt die roten, Idtiueii oder grünen Signaturen als untcr- 
sclicidende Merkmale an, an denen man die Eberbaoher J3ücher weithin in der AViesbadener 
und Limburger Bibliothek erkenne, als ob niclit mehr oder minder jede alte Klüsterbii)liothek 
sich solcher farbiger J$üchcrsignaturen bedient hätte, wie dies denn auch bei einer ganzen Keiiie 
nassauischer Klöster zutriil't. Nach Roth (a. a. , S. 23) besitzt die Landesbibliothek keine 
60 Eberbacher Bücher mehr, und doch kamen schon 1804 aus Eberbach mehrere Imndert 
juristische und historische Werke in die Regierungsbibliothek, die grösstenteils wenigstens in 
den Akten namhaft gemacht werden, und diese Werke sind samt vielen anderen auch iieute 
noch im Besitz der Landesbibliothek. 

'"j Ueschichtsquellen aus Nassau, T. 4, S. 159. 

14 



210 

der Klosterarchive keine besondere Sorgfalt obgewaltet bat. Denn der Oeulus 
raemoriae hat bekanntlicli ein eigentümliches Schicksal gehabt.") Man hat 
seinen AVert trotz B o d m a n n , der eine Beschreibung der Handschrift bei- 
fügte, nicht erkannt, und dieselbe ist -wahrscheinlich zugleich mir jenen alten, 
ebenfalls wertvollen pergamentnen Chorbüchern, die im Jahre 1820 von Idstein 
nach Wiesbaden abgeliefert wurden, dorthin gekommen und hier, wie wir dies 
wissen. 1821 nach seinem Pergamentwert verkauft. Gleich anfangs im Jahre 
1864 wurden nun ausser den nach Wiesbaden in die Kegierungsbibliothek 
gelangenden mehnn-en hundert juristischen und historisch(>n Werken die Ab- 
teilungen A und B. die bei weitem grossten der Bibliothek, nach Idstein 
geschafft. Es wird dies ziemlich die ganze eine Hälfte der im grossen 
Bibliothekssaal aufgestellten Bücher gewesen sein, also etwa 3000 Bände. 
Dann wurde, wie schon gesagt, die Fortschaffung der Bücher unterbrochen. 
Die Verschlage wurden zum Transport der zu Schiff nach Biebrich beförderten 
Sayner, Kommorsdorfer und Deutzer Bibliotheken gebraucht, und als man endlich 
im Frühjahr 1806 die andere Hälfte der Eberbacher Bücher aus dem Biblio- 
thekssaal abholte, kamen die Fuhrwerke bei den aufgeweichten Wegen ver- 
mutlich mir knapper Not nur bis Wiesbaden, und man sah sich gezwungen, 
die zweiten oOOO Bände, in 60 Kisten verpackt, hier einstweilen im Kontrollhof 
unterzubringen, um für den Weitertransport nach Idstein eine günstigere Jahres- 
zeit abzuwarten. Da aber beim Eintritt derselben die Bibliotheksfrage in den 
Hintergrund getreten war, wurden sie vergessen und standen dort noch bis zum 
Jahre 1821, wo man sich ihrer endlich erbarmte, freilich um ihnen, wie wir 
weiter unten sehen werden, nach dieser langen Gefangenschaft zum grossen 
Teil vollends den Garaus zu machen. 

Bezüglich der Bibliothek des Antoniterhauses zu Höchst erfahren wir nur, 
dass sie unter der Plünderung, der alle diese Klosterbibliotheken in den Kriegs- 
zeiten der neunziger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts nachweislich ausgesetzt 
gewesen sind, und bei der auch die damals im Gebrauch befindlichen Kataloge 
sämtlich verloren gingen, ganz besonders arg gelitten habe, sodass der gegen 
3000 Bände betragende Bestand nur noch „wertlosen Plunder, höchstens drei 
oder vier ueuoro Bücher von Wert" enthalte. 

l'ber Sayn, Bommersdorf und Deutz liegen die bei Aufhebung dieser 
Klöster verfertigten Bücherverzeichnisse vor. '^) Der Umfang der beiden unteren 
Bibliotheken war nur gering. Die Rommersdorfer Bibliothek, die früher die 
in jenen Kriegszeiten nach Bendorf geflüchtete Sayner an Zahl und Wert der 
Bü(;her übertroffen hatte, zählte kaum noch 300 Werke, darunter sechs Hand- 
schriften und 41 Inkunabeln. Mehr als doppelt so stark war die Sayner Bibliothek, 
die bescmders reich an neueren juristischen Schriften war — die dort vorhandene 



") Darüber s. Ilabel in den Ann. lil, 3, S. 2üö und vun der liiiide a. a. O., S. 52, 
Anm. 1. 

*") Diese Klöster, sowie die zu Ehrcnbreitstein und Linz fielen im Jahre 1815 infolge 
(jebietsaustauschcs zwisr-lion Preussen und Nassau an ersteren Staat. Sie waren damals aber 
bereits von der nassauischen Regierung aufgelöst und über das Schicksal der in ihnen ent- 
halten gewesenen Bibliotheken schon entschieden. 



211 

Dinhiktioiishibliothek o-dano-to damals direkt nach Wiesbaden in ilie ücüieruiiirs- 
bibliotliek — danobon aber aucli cune lleilie wertvoller theologischer SaimiKil- 
werkc besass, wie die Acta Sanctoruin, welche die jetzige Landesbibliothek 
erst vor einigen Jahrzehnton für ttuires Geld und noch dazu in einem unvoll- 
ständigen Exemplar erwarb. Die Zahl der in beidiMi IJil)li()theken voriuind(;n(!n 
Bücher betrug kaum mehr als 2000 Bände;. 

Charakteristisch und gewiss typisch für die Verhältnisse, die diese Kloster- 
bibliotheken in den letzten zwei Jahrzehntcm durchgemacht hatten, ist, was der 
Abt Godefridus und der lichrer Schmitz, der frühere Bibliothekar, über die 
Dcutzer Bibliothek an die Regierungs-Kommissaro berichten. Nachdem sie 
zunäclist des Verlustes gedacht, den die Bibliothek dadurch erfahren, dass die 
Abtei b(ü der Errichtung der kurfürstlichen Universität zu Jjonn Bücher aus 
verschiedenen Fächern und von vorzüglichem Werte — das im Staatsarchiv zu 
Wiesbaden vorhandene Verzeichnis weist 35 Werke in 116 Bänden, darunter 
Baronius und andere grosse theologische Sammelwerke auf — dahin habe ab- 
geben müssen, erzählen sie, dass während des letzten Kriegs schrecklic-li in der 
Abtei gehaust sei, alle Zimmer seien erbroclien und durchsucht, ein grosser Teil 
der Bücher sei verdorben, andere seien weggeschleppt. Dies habe sich öfter 
bei den Vor- und Rückmärschen wiederholt. Unter anderem habe di^r fran- 
zösische General Desjardins, der dreizehn Wochen mit seinem Hauptquartier 
in der Abtei gelegen, sich ein Lieblingsgeschäft daraus gemacht, täglich in die 
Bibliotliek zu gehen. Er habe nach und nach Einsicht von allen Werken ge- 
nommen und manche Stücke, besonders die in Bänden aufbewahrt gewesenen 
Landkarten, an sich genommen. Damals sei auch der Katalog abhanden ge- 
kommen. Für die Bibliothek habe schon seit langer Zeit nichts augeschafft 
werden können. Dem Herkommen gemäss hätte zwar jeder Konventual bei 
Ablegung seiner Ordensprofession zehn Reichstiialer zum Besten der Bibliothek 
gezahlt, in den letzten achtzehn Jahren seien aber nur neun Konventuale zur 
Profession gelangt, und diese wenigen Gelder habe man bei den auf allen Seiten 
herrschenden Bedürfnissen wie auch schon vordem zur Haushaltung verwenden 
müssen. Li früheren Zeiten war dagegen die Deutzer Klosterbibliothek sehr 
gepflegt worden, wie man dies jetzt noch aus den grösstenteils gut erhalteniMi 
und mit teilweise schön ausgestatteten Einbänden versehenen Büchern ersieht. 
Die zwei auf dem Staatsarchiv zu Wiesbaden befindlichen, sich ergänzenden 
Verzeichnisse führen gegen 2400 Werke, darunter 34 Handscln-iften in etwa 
4500 Bänden auf. Von diesen kam eine Anzahl juristischer Bücher ebenfalls 
gleich damals in die Wiesbadener Regierungsbibliothek. 

Alles in Allem enthielten die fünf Klöster Eberbach, Höchst, Rommers- 
dorf, Sayn und Deutz zusammen über 18 000 Bände und damit stimmt es, 
wenn sich bei der im Jahre 1818 erfolgenden Verzeichnung der nach Idstein 
geschafften Bücher, zu denen 1817 noch 750 Bände aus dem Franziskaner- 
kloster zu Limburg kamen, dort 2530 Folianten, gegen 2400 Quartanten und 
etwa 8000 Oktavbände, also zusammen 12 939 Bände, vorfanden. Denn von 
der Summe von 18 000 Bänden sind die in Eberbach zurückbleibenden 2000, 
ferner die 1806 im Kontrollhofe zu Wiesbaden deponierten 3000 Bände, sowie 



■J\'2 

tlio mohrereu liumlort Werke, welche aus Ebevbach. Deutz und Sayn in die 
Regierungsbibliothek zu \ViesI)adeu gelaugten, in Abzug zu bringen. 

Es ist daraus ersichrlieh. dass man i» diesen Jahren noch keine Büclier- 
versteigerungen vurnahni. wenigstens nicht grösseren Unifangs. In den Akten 
werden solche auch nicht erwähnt. Nur Rössel in seiner Ausgabe der 
Diplomatischen (ieschicbte der Abtei Eberbach von Hermann Bär '3) weiss von 
o-rossen Versteigerungen der Bibliothek dieser Abtei zu berichten. Er sagt. 
dass die Eberbacher Bücher, mehrere Wagen voll, 1806 nach Wiesbaden ge- 
fahren und hier auf der Hofkammer pfundweise versteigert worden seien. 
Buchbinder und andere Geschäftsleute liätten das alte Pai)ier gekauft. Vor 
allem gedenkt er des Fragmentes eines 1853 von ihm für den nassauischen 
Altertumsverein erworbenen, mit schönen Miniaturen und Initialen ausgestatteten 
riK.ralbuches aus dem vierzehnten Jahrhundert im grössten Folio, das von dem 
Inhaber einer Wiesbadener Pianofortefabrik nebst anderen kleineren Büchern 
damals gesteigert und dessen feines Pergament von diesem verschnitten sei, um 
die Ilämmerchen seiner Instrumente zu verledern. Nach allem, was wir über 
den Umfang jener Bibliotheken erfahren, muss in Rücksicht auf den später in 
Idstein vorhandenen Büchervorrat eine solche Versteigerung, nocli dazu in dieser 
Ausdehnung, im .Jahre 1806 aber als völlig unwahrscheinlich bezeichnet werden. 
Zudem scheint daraus, dass bei der Aufhebung der Abtei achtzehn, grössten- 
teils auf Pergament geschriebene, alte Chorbüchcr vorhanden waren, 1820 aber 
von Idstein vierzehn „Alte Chor- oder Wechselgesänge auf schönes Pergament 
geschrieben^ nach Wiesbaden abgeliefert wurden, doch geschlossen werden zu 
müssen, dass die Versteigerung jener pergamentnen Chorbücher nicht schon 
1806, sondern frühestens 1820 stattgefunden hat. Schliesslich begriffe man auch 
nicht, warum, wenn man einmal mittels Versteigerungen mit den alten Büchern 
aufräumte, die in dem Wiesbadener Kontrollhofe stehenden Kisten unberührt 
davon j?ebliebeu wären. Nach allem scheint es als sicher angesehen werden 
zu müssen, dass Rössel sich hier eines Anachronismus schuldig gemacht hat, 
indem er die Thatsache der Versteigerung ohne weiteres in das Jahr setzte, 
in welchejn die Eberbacher Bibliothek aus der Abtei entfernt worden war. 

Erst mit dem Jahre 1813 trat die Bibliotheksfrage in ein neues Stadium. 
In diesem Jahre wurde die bisherige Regierungsbibliothek zu Wiesbaden als 
Central-Regieruugs-Bibliothek durch Erlass vom 12. Oktober zu einer öffent- 
lichen Bibliothek umgewandelt. Die Bezeichnung „öffentliche Bibliothek", 
die sich schoii von vornherein (einbürgerte und auch bereits vorher amtlich 
gebraucht wurde, wurde durch Erlass vom 3. Mai 1817 zur offiziellen. Schon 
am 2>^. Februar 1813 war der Hofgerichtsadvokat Dr. Bernhard Hundeshagen 
in nassauischc; Dienste übernommen worden, „um sich bei der Aufsicht der 
Regierungsbibliothek gebrauchen zu lassen." Man hatte gelegentlich der Auf- 
lösung jener oben erwähnten fünf Klosterbibliotheken die Entdeckung gemacht, 
dass in dies(!n I5ücliersammlung(!n doch mehr enthalten sei. als was zu einer 
L'eistlich katholischen Bibliothek erfcn-derlich oder für eine solche auch nur 



13 



') H(l. 1, S. 553. 



2ia 

wünschenswert war, und Imtte beschlossen, jetzt in erster Linie für die erweiterte 
liihliothek der nauptstadt den Rahm aus jenen Kh)sterbibli()tliekon abschöpfen 
zu lassen. Für diese Aufgabe glaubte man jetzt in irundeshagon den richtigen 
Mann gefunden zu liabiui. 

Dieser war entschieden ein talentvoller Mann mit viels(;itigen Interessen 
und Kenntnissen, aber litterarisch doch nicht durchgebikhit, dazu unlji'ständig 
und ohne inneren Halt. Ein guter Mathematiker und geschickter Zeichner, 
war ein Architekt an ihm verloren gegangen. Das erste, was cn für die 
Bibliothek that, war ein Entwurf für den Umbau der ungenügenden Lokalität, 
in der dieselbe untergebracht war. Aber auch die städtischen liauten inte- 
ressierten ihn mehr als seine Bücher, und wie für einzelne (iebäude und Plätze 
der Stadt, so entwarf er auch einen Plan für den Ausbau Wiesbadens selbst. 
Im Jahre 1814 wurde er sogar zu militärisch-topographischen Arbeiten amtlich 
verwendet und seinem bibliothekarischen IJerufe auf längere Zeit entzogen. 
End<> 1817 wurde er wegen seines illoyalen Benehmens seines Amtes entsetzt 
und entlassen. Abgesehen von der grenzenlosen Unordnung, die seine Verwaltung 
ausgezeichnet hatte und durch die mehrere damals angefertigte Verzeicli- 
nisse von Klosterbibliotheken spurlos verloren gingen, hatten sich auch wieder- 
holt sonstige Unregebnässigkeiteii in der Geschäftsführung ergeben. Dass 
eine solche Persönlichkeit, der es an dem ersten aller bibliothekarischen Er- 
fordernisse, dem Sinn für Ordnung, gebrach, nicht gerade zum Leiter einer 
Bibliothek berufen war, versteht sich von selbst. 

Aber auch der uns hier interessirenden, ihm zugefallenen Aufgabe der 
Sichtung der Klosterbibliotheken war er nicht gewachsen, und er hat sich durch 
die Art und Weise, wie er sich derselben entledigt hat, ein keineswegs rühm- 
liches Denkmal gesetzt. 

Am 13. Juni 1813 zum Bibliothekar ernannt, hatte er schon in den 
Monaten März, April und Mai nacheinander die Klöster Notgottes, Ehrenbreit - 
stein, Linz, Montabaur, Limburg und Bornhofen besucht und die für die Wies- 
badener Bibliothek ihm geeignet erscheinenden Werke ausgeschieden, das andere 
aber allemal an Ort und Stelle versteigern lassen. Nur in Notgottes, das er 
zuerst aufsuchte, nahm er sich die Zeit, die Handschriften, nur 8 an Zahl, 
die Inkunabeln über 100 und weiter ungefähr 20 andere bemerkenswerte, 
meist jnathematische, ihn besonders interessierende, Bücher aufzuzeichnen. 
Die ganze Bibliothek umfasstc über 4000 Bände, von denen noch nicht 
der vierte Teil für die Wiesbadener Bibliothek bestimmt wurde. Die 
Bibliothek der Kapuziner zu Thal Ehrenbreitstein war von ziemlich gleicher 
Stärke, aber die aus ihr von Hundeshagen getroffene Auswahl war ge- 
ringer, zumal dem Stadtpfarrer zu Ehrenbreitstein, geistlichen Bat Hommel, 
erlaubt wurde, die merkwürdigsten Bücher für die dortige Pfarrbibliothek zurück- 
zidialten. Aus der 1593 Bände umfassenden Bibliothek der Kapuziner zu Linz 
wählte Hundeshagen nur 235 Bände aus, aus Montabaur, wo die Bibliothek 
allerdings noch kleiner als die zu Linz war, sogar nur 60 Bände. Die Biblio- 
thek der Franziskaner zu Limburg, unter deren Resten sich Bücher aus Gronau 



214 

und aus der alten Franziskanerbibliotliek zu Marburg'*) finden, schlägt 
Hundeshagen zu 10 000 Bänden an. von denen aber nur 750 mit besonderer Rück- 
sicht auf das Priesterseniinar zu Limburg ausgesonderte Bände erhalten blieben. 
Auch in Bornlu.fen fand er unter 24:)0 Bänden nur 50 der Erhaltung und Ein- 
reihuno- in die AViesbadener Bibliothek wert. Im Ganzen wählte er aus diesen 
über 2.") 000 Bände enthaltenden sechs Klosterbibliotheken nur 4345 Bände, 
Handschriften. Inkunabeln und im übrigtni vorwiegend theologische und histo- 
rische AVerke aus. Hess dieselben in Kisten verpacken und bis auf die 750 
Limburger Bände, die im dortigen Kloster verblieben, bis sie 1 Hl 7 nach Idstein 
transportiert wurden, nach Wiesbaden abgehen, wo sie bis Mitte Juni sämtlich 
eingetroffen waren. Die übrigen 20 000 und mehr Bände wurden versteigert, 
zum «'rössten Teil als Makulatur verkauft. Auf das oberflächliche Ermessen 
eines für diesen Zweck durchaus nicht mit den nötigen litterarischen Kennt- 
nissen ausgerüsteten Mannes hin wurden neben gewiss vielen Dubletten, die 
festzustellen Hundeshagen übrigens gar nicht in der Lage war, weil er keine 
Kataloge in Händen hatte, unersetzliche litterarische Schätze verschleudert und 
der Vernichtung preisgegeben. AVenn nicht noch alte Kataloge dieser Biblio- 
theken auftauchen, ist — hinsichtlich Notgottes, das auch die alte Johannisberger 
Bibliothek in sich enthielt, und Limburg ist auch nach den kleinen erhalten 
gebliebenen Resten auf einstige höchst wertvolle Büchersammlungen zu schliessen 
— jede Möglichkeit genommen, uns von diesen Bibliotheken ein Bild und von 
diesem aus Rückschlüsse auf die ehemalige geistige Regsamkeit und Bedeutung 
dieser Klöster zu machen. 

Auch aus dem Kloster Marienthal auf dem Westerw^ald wählte Hundes- 
hagen 1814 an der Hand zweier über diese Bibliothek ihm übersandten Ver- 
zeichnisse^^), welche sich gegenseitig ergänzen und im ganzen nahezu 600 Werke 
aufweisen, nur zwölf Werke, darunter sechs mathematische, aus. Kaum so 
viele Werke, darunter freilich die beiden grössten Kostbarkeiten der Bibliothek, 
die Hildegard-Handschriften, kamen in demselben Jahre aus Eibingen nach 
Wiesbaden. 

Wie schon erwähnt, wurde Hundeshagens bibliothekarische Thätigkeit 
alsdann eine Zeit lang unterbrochen. Hernach beschäftigte ihn die Aufstellung 



'*J Daher stammt wahrscheinlich auch die wertvolle Pergamenthandschrift 41, Tiieodorichs 
Leben der hl. Elisaljcth. Landgräfin von Hessen, enthaltend, die llundeshagon noch in 
Limburg vorfand, dem im Übrigen auch hier mitgeteilt wurde, dass ein feindlicher (französischer) 
Kommissar die Bibliothek besonders bezüglich der Handschriften geplündert habe. 

'■^j van der Linde (a. a. O., S. 52) erwähnt diese Verzeichnisse, sagt aber nicht, dass 
hier das Marienthal auf dem Westerwald zu verstehen sei. Deshalb bezweifelt Roth die 
Richtigkeit seiner Angabe, da das ihm, wie es scheint, allein bekannte Marienthal im Rhein- 
gau damals längst aufgehoben gewesen sei. Dass aber die Verzeichnisse sich auf das auf dem 
Westerwald bei Breitscheid (Kreis Altenkirchen) gelegene Marienthal beziehen, ergiebt sich 
daraus, dass das eine Verzeichnis unterzeichnet ist: Christianus Liborius Helfrich p. t. Pi'arr- 
verwalter zu Marionthal 181.3, 19. Juni Der Staats- und Adress-Calendor des Herzogthums 
Nassau für du.« Jalir IHK:! S. 107 führt diesen als Pfarrer von Marienthal im Landkapitcl 
Cunostein-Engers auf. v. d. Linde giebt den N'amen falsch an, weil er die nicht grade sehr 
deutliche Hand nicht richtig gelesen hat. 



215 

dci' iius dun Kl()st('in Iicrbcigescliafftün Büc-hcr. S(!ino Entlassiino- voran- 
lasstc abermals eine längorc Pause in (h-r Entscheidung^ iibcjr das Schicksal 
der Klosterbibliotheken. ])(Min sein Nachfolger, Professor Pagenstecher aus 
Herboin, starb kurz, nachdem er sein neues Amt angetreten hatte. Der IJiblio- 
thekssekrotär Bette aber, der alsdann interimistisch die Jiibliothek verwaltete 
— unt(!r dieser Verwaltung wurde endlicli auf Anregung des Direktors des in 
der ehenuiligen Abtei inzwischen eingerichteten Korrektionshauses der längst in 
Vergessenheit geratene Hest der Eberbacher Bibliothek nach Wiesbaden in die 
r)ffentli(;he Bibliothek abgeliefert — war v.\n kranker hypochondrischer, jeder 
Initiative entbehrender Mann. 

Erst am 20. Dezember 1820 erhielt die Bibliothek einen neuen Vorsteher 
in der Person des Publizisten Johannes Weitzel. Inwiefern diese Wahl ein Miss- 
griff' war, dafür darf ich auf meinen Aufsatz in diesem Annalenbande'^) verweisen. 
Weitzel war in gewisser Weise das Gegenstück zu Ilundeshagen. Erachtete 
dieser vermöge eines gewissen antiquarischen und persönlichen Interesses vor- 
nelnnlich Handschriften und Inkunabeln, sowie im übrigen mathematische Werke 
und Seltenheiten in dem Bücherchaos der Klosterbibliotheken als erhaltungswürdig, 
so sah der allen antiquarischen Neigungen abholde Weitzel seine Aufgabe 
darin, möglichst die neueren Werke aus diesen Bibliotheken auszulesen, da- 
gegen das Übrige und zumal die ältere theologische Litteratur, falls sie nicht 
von ganz besonderer Bedeutung war, mehr oder weniger als unnützen Ballast 
abzustossen. So hat er Ilundeshagen, der doch einen, wenn auch weniger 
auf litterarischer und historischer Durchbildung beruhenden, sondern mehr aus 
individueller Neigung hervorgehenden Trieb hatte, die älteren und selteneren 
Werke zu retten, in der Vernichtung der Klosterbibliotheken in qualitativer 
Hinsicht noch übertroffen. 

Sein Mitarbeiter, der 1823 Bette ersetzende Bibliothekssekretär Zimmer- 
mann hat ihn dabei nur unterstützt. Ohne die Verdienste dieses jNEanues um die 
Bibliothek — die unter der Weitzel'schen Verwaltung durchgeführten Ordnungs- 
arbeiten und die Herstellung der im Druck erschienenen Kataloge wäre ohne die 
gewissenhafte, Peissige und hingebende Arbeit Zimmermanns nicht m()glich ge- 
wesen — schmälern zu wollen, findet man, wenn man den Spuren seiner Thätig- 
keit nachgeht, das Urteil seines späteren Vorgesetzten, des Geheimen Kegierungs- 
rats Dr. Koch'^), dass es ihm trotz eifrigsten Bemühens und trotz ausgedehnten 
encyklopädischen Wissens nicht gelungen sei, den Mangeleines höheren Bildungs- 
ganges auszugleichen, durchaus bestätigt. Dies zeigt insbesondere die Art und 
AV(!ise, wie Zimmermann die Handschriften und Inkunabeln mit äusserlich 
allerdings sehr sauber ausgestatteten Inhaltsverzeichnissen versehen hat, die 
meist unvollständig, mehrfach falsch sind und häufig höchst triviale, die L'onie 
van der L i n d e ' s mit Recht herausfordernde Bemerkungen enthalten. 



'") Siehe besonders S. 180. 

^'} Siehe Der Wanderer, Beiblatt zur Xassauischen Allgemeinen Zeitung 1850, Xo. 137: 
„IMiilipi) Zimmermann, eine Erinnerung." Veranlasst wurde dieser Artikel durch den Zimmcr- 
mann's Verdienste überschätzenden Nekrolog in No. 228 und 229 desselben Jahrgangs der 
Nass. Allgeni. Zeitung. 



216 

"NVeitzel nuhiii sich der Einziehung der noch überall im Lande zerstreuten 
Klosterbibliotheken oder ihrer Reste sofort nach seinem Amtsantritt mit allem 
Eifer an. Zunächst war ein geräumigeres Lokal für die öffentliche Bibliothek 
eine seit Jahren bestehende Forderung der 2sotwendigkeit, die jetzt infolge des zu 
erwartenden Zuwachses dringender denn je wurde und im Jahre 1821 endlich 
dadurch ihre Erledigung fand, dass der Bibliothek die Räume im Erdgeschoss 
des neuen Palais, des jetzigen Museumsgebäudes, rechts vom Eingang, ein- 
geräumt wurden. 

Schon im Jahre 1818 hatte die Oberschulbehörde, die noch immer über 
die in Idstein für die ehemals geplante geistliche Bibliothek angehäuften Bücher- 
massen die Aufsicht führte, nach dem inzwischen höchst mangelhaft hergestellten 
und noch unvollständigen Verzeichnis dieser Bücher 17 Werke für das Päda- 
gogium zu Dillenburg. 25 für das theologische Seminar zu Herboru. 83 für 
das Gymnasium zu W'eilburg und 70 für die öffentliche Bibliothek zu Wies- 
baden ausgesucht. Der Obersclmlrat Schellenberg schlug vor, dass alle für 
das zukünftige katholische Seminar in Limburg dienlichen Werke in Idstein 
bleiben, die übrigen aber nach Gewicht verkauft werden sollten. Nur die 
Schriften des fünfzehnten Jahrhunderts solle man zurückbehalten, bis man sich 
durch genaue Autopsie von ihrer Untauglichkcit überzeugt habe. Dem pensio- 
nierten Amtsassessor Selenka wurde aufgegeben, das von dem Kandidaten Jeckel 
begonnene Verzeichnis zu vollenden, um über die noch nicht darin aufgenommenen 
Bücher in gleicher Weise verfügen zu können. Man nahm auf Anregung 
Schellenbergs auch in Aussicht, dies Verzeichnis zu gleichem Zweck auf die 
1819 aus Eberbach in die öffentliche Bibliothek zu Wiesbaden gelangenden 
2000 Bände, sowie auf die im dortigen Kontrollhofo noch stehenden 60 Kisten 
voll Bücher auszudehnen. 

Mit der Ernennung Weitzels zum Bibliothekar der öffentlichen Bibliothek 
wurde diesem nach Massgabe der von der Oberschulbehörde gemachten Vor- 
schläge die Fürsorge über die in Idstein, sowie über alle sonstigen, noch in 
Klöstern lagernden Büchermassen übertragen. Jetzt wurden die im Kontrollhofe 
zu Wiesbaden so lange verwahrten Reste der Eberbacher Klosterbibliothek 
aus ihrer unwürdigen Lage endlich befreit. Die Bücher wurden noclimals ge- 
sichtet und gelichtet, das bei dieser zweiten Musterung für Wiesbaden oder 
Weilburg, Herborn und Limburg überliaupt tauglich Befundene wurde heraus- 
gesucht und verteilt. Der an Wiesbaden fallende Teil wurde alsdann mit dem 
vorhandenen Bestände der Bibliothek verglichen und die Dubletten oder die 
vermeintlichen Dubletten — eine Berücksichtigung der Sammelbände und eine 
genaue Vcrgleicliung der Ausgaben fand natürlich nicht statt — wurden mit 
allem, was von vornherein unbeachtet geblieben war, zur Veräusserung 
bestimmt. 

Dasselbe Verfahren wurde mit den damals noch in ihren Klöstern rulienden 
und jetzt allmählich nach Wiesbaden geschafften Büchersamndungen befolgt. 
Zunächst kam die noch an Ort und Stelle befindliche Franziskanerbibliothek 
zu Iladamar an die Reihe. Die Regierung hatte 1816 bestimmt, dass die In- 
kunabeln und die des Aufbewahrens werten Bücher der Landesbibliothek zufallen. 



lMT 



alles Übrige aber zu ihrem Verteile verkauft werdcüi solle. lnf()lf>(! dessen hattn 
schon damals Professor Pistor in Jladamar (lr(n Fünftel ihn- JJibliothck ver- 
zeichnet. Jlundeshagen, dem im ^Fai 1817 dieser Katalog- zugestellt war. um 
danach die Auswahl zu treffen, hatte ihn aber verschlep])t. Der Rektor Frorath 
zu Hadamar wurde dalier mit der Anfertigung eines neuen Verzeichnisses be- 
auftragt. I)i(^ in z(^]in, wenn auch mit Gitterthüren verwahrten Schränken 
aufgestellte, dennoch arg mitgenommcme und gt^piündertc^ liibliothek umfasstc; 
noch etwas mehr als 700 Werken in etwa 2000 Bänden. Davon wurde; der 
theologische Teil ganz für Limburg aufbewahrt, 27 Werke kamen nach Weil- 
burg, 20 nach Wiesbaden, das tlbrige wurde bis auf 18 von Frovatli für 
lladamar erbetene als Makulatur v(>rsteigert. 

Ebenso wurde jetzt dm Bibliothek der Abtei Schönau, die Weitzel zu 
diesem Zweck besuchte, im März 1821 aufgelöst. Das 1809 bereits auf Ver- 
anlassung der nassau-weilburgischen Regierung augefertigte Verzeichnis hat sich 
leider nicht im Staatsarchive zu Wiesbaden erhalten. Der Umfang dieser alten 
Ivlosterbibliothek, die jetzt nach Wiesbaden überführt wurde, wird dem der 
Bibliotheken zu Notgottos und Arnstein gleich gekommen sein und kann mit 
Wahrscheinlichkeit auf etwa 4000 Bände angenommen werden. Die neuere 
Litteratur war weniger vertreten, dafür umso mehr die ältere, "von der auch 
eiu wertvoller, äusserli(!h leicht erkennbarer Rest in Wiesbaden, Limburg, 
Weilburg und Herborn erhalten ist. 

Bei der Bibliothek der Abtei Marienstatt dagegen sparte man die Trans^xn-t- 
kosten. Gegenüber dem vom Kirchenrat Schröder zu Hacheuburg leidlich ver- 
fertigten Verzeichnis dieser ehemals gleichfalls bedeutenden Büchersammlung^^), 
die noch immer unter rund 2000 Bänden mehr als 40 Inkunabeln — darunter 
eine Reihe von Sammelbänden — besass, beobachtete man die grösste Zurück- 
haltung, sodass jetzt nur noch eine Handvoll von dorther stammenden Drucken 
des fünfzehnten Jahrhunderts in Wiesbaden und den drei anderen Orten auf- 
zutreiben ist. Die Landesbibliothok ist allerdings 1822 durch die Marienstatter 
Bibliothek in den glücklichen Besitz des Gutenberg'schen Catholicons gelangt. 

Leider unterblieb die 1822 erwogene Einverleibung der IJibliothek der 
1817 aufgelösten Hohen Schule zu Herborn in die Landesbibliothek. Durch 
sie hätte letztere einen besonders auf dem Gebiet der Reformationslitteratur 
höchst wortvollen Zuwachs erhalten. ]\lan beschränkte sich von Seiten der 
Landesbibliothek vielmehr darauf, eine Reihe brauchbarer Bücher, soweit sie 
für das theologische Seminar zu Herborn nicht weiter in Frage kamen, aus 
der nahezu 10 000 l>ändo'") umfassenden Bibliothek auszusuchen. 



^*j Über die Verwahrlosung derselben s. v. d. Tiindo n. a. 0., S. 53. 

"J Der damals als veraltet ausgeschiedene und auf dem Speicher eines jetzt abgerissenen 
Anbaues der Hcrborner Stadtkircho untergebrachte Teil der Hohen Schulbibliothok — darunter 
vornehmlich der grösste Teil der mehrere tausend Bünde umfassenden liibliotheca l'auseniana 
— blieb sich hier sechs Jahrzehnte hindurch selbst überlassen. In den achtziger Jahren des 
neunzehnten Jahrhunderts wurde sie unter der Hand au die Königliche Bibliothek zu Berlin 
zu Gunsten der theologischen Seminarbibliothek verkauft. 



21f^ 

Auch iiii (las CJyinnasiimi zu Weilburg wurdou ^später. im -laliro I80I. 
400 AVorko von Ilerborn ubgogebcn. Im .hilirc 1883 erhielt dagegen die dortige 
Seniinarbibliothek seehszehn CeutniM- IJücher. denen weircrliin iiorli zu ver- 
schiedenen Malen weitere Sendungen folgten, aus der Landesbibliothek, sodass 
jene Bibliothek in ilu-er älteren, jetzt in der ehemaligen feuchten Küche des 
Herborner Schlosses untergebrachten Hälfte einen verhältnismässig respektablen 
Rest aus nassauischen Klosterbibliotheken aufweist. 

Es ist nicht zu verwundern, dass bei der strengen Musterung, der die 
von allen Seiten zuströmenden Büchermassen von Weitzel unterworfen wurden, 
sich ein gewaltiger Haufe sogenannter Makulatur sclmeil ansammelte. Unter 
dem 1^1'. -lanuar 1823 bittet AVeitzel das Staatsministerium, sich der Mengen 
von „alten Predigten unbekannter Mönche, finster asketisclie und dogmatische 
Ausgeburten obskurer Theologen" durch eine Versteigerung entäussern zu dürfen. 
Die Erlaubnis dazu wurde ihm anstandslos erteilt. 

Im September 1823 wurde die ehemalige Regieruugsbibliothek zu Plachen- 
burg. 7.") Centner, nach Wiesbaden geschafft. Mit dieser Bibliothek, die früher 
schon unter der nassau-weilburgischen Verwaltung zum Transport nach Ehrcn- 
breitstein bestimmt gewesen, deren Auslieferung damals aber verweigert worden 
war, weil die Bibliothek ein Fideikommiss sei, ist besonders für die Abteilung 
der Xassoica eine wertvolle Grundlage gelegt. 

Auch aus Idstein Hess jetzt Weitzel alles, was von den in den Jahren 
1803 bis 1806 und 1817 dorthin geschafften Klosterbibliotheken noch vorhanden 
war, herbeiholen. Es waren noch 350 Centner. Die Kosten des Transportes, 
150 Gulden, wurden durch den Verkauf von 100 Centnern weiterer Makulatur 
gedeckt. Zugleich wurden mehrere tausend angebliche Dubletten versteigert. 
Das Staatsministerium billigte Weitzels Verfahren durchaus und benachrichtigte 
ihn unter dem 11. August 1824, dass „das befriedigende Resultat der Ver- 
äusserung der iJoubletten gerne ersehen worden". 

In Weilburg lagerte noch immer die schon zwanzig .Jahre früher dahin 
gebrachte Bibliothek der alten Prämonstratenser-Abtei Arnstein zusammen mit 
der gleichfalls längst ausser Gebrauch gesetzten ehemaligen nassau-weilburgischen 
R(!gierungs- und Hofkammerbibliothek. Ihrer erbarmte man sich jetzt. Um 
Transportkosten zu sparen, wurde Zimmermann nach Weilburg geschickt mit 
dem Auftrage, das Unbrauchbare auszuscheiden und an Ort und Stelle zu ver- 
kaufen. 23'/i! Centuer Bücher stiess man als Makulatur auf diese Weise schon 
in AVeilburg al). 73 Ccntner kamen nach Wiesbaden. Die Arnsteincr Bibliothek 
lieferte nach Weitzels lieiidit fast nur Makulatur, die Rogierungsbibliothek 
dagegen bot (üne gute Ausbeute, ^*^) Und doch weist das freilich jeder Kritik 
spottende Verzeichnis dieser alten Abteibibliothek, die durch Verkauf schon 
im achtzehnten Jahrhundert grosser Kostbarkeiten entäussert worden war, unter 

-") In ihr hofiindeii «ich unter niulerem niülirere hundert Exemplare von Krenier's 
goneiilo},'ischer (jeschiclite des alten ardennisiilien (leHchlechtes, die zu (iunsten der Bibliotheks- 
kasse 1S'J9 un Kaut'iiiaiin Klciiisclmiidt zu Idstein als Makulatur für 114 H. 42 kr. verkauft 
wurden. 



219 

den etwii 1^^00 Werken in viertluilbhiuseud Bänden ausser einer j^anzen Reilie 
rcrgamonthandscliriften-'-) beinalie 100 Bände mit Inkunabeln auf. 

In Erniaugelun<^ anderer Nachrichten über das, was an Handschriften und 
Druckwerken damals verst(;igert worden ist, ist es ganz instruktiv, einen Blick 
in di(! alten Rechnung-s-Journale dor Landesbiblioth(>k /u werfen. Jlier finden 
wir unt(;r Kapitel VI, wo die unvorhergesehenen Einnahmen aufgeführt sind, 
folgende Posten: 

1820 aus versteigerten BibUothels-EJ'eUen 240 ß. 52 kr. 

und 123 „ 46 „ 

182o atis alten, für Mahilatiir versteigerten Büchern . . 102 ,, 45 „ 

1824 aus dem Verkauf des teihveise veräusserten Doubletfen- 

Vorrats im II. Qtl. 1824 . 7i „ — „ 

aus versteigerter Makulatur und unbrauchbarem Per- 
gament 262 „ 14 „ 

ans den am 24. — 28. Jtüy versteigerten Biicher- 

Doubktten 333 ,, 48 „ 

aus dem Verkaufe der Beste der Douhletten-Bibliothek 451 „ — „ 
aus der £u Weilbnrg verkauften^ aus der Arnsteiner 

Klosterbibliothek abgesonderten Makulatur . . 57 „ — ,, 
(Die wertvolle Bibliothek ging also pro Centner 
für etwas mehr als 2 fl. ab !) 

Ferner werden noch verschiedene Sorten von 
Dubletten-Yerkäufen an Private aufgeführt; im 
Ganzen betrug das Ergebnis der Veräusserungcn 
in diesem Jahre 1374 ß. 14 kr. 

1825 aus der Versteigerung von Doubletten 189 „ 8 ,, 

1826 für Makulatur und Bücher- Doubletten von der Herr- 
mann'scheu Buchhandlung in Frankfurt .... 160 „ — ., 

1827 Desgl " ^40 ., - „ 

1833 für eine Parthie Doubletten und als Makulatur aus- 
geschiedener Bücher von der Herrmann' sehen Buch- 
handlung 300 „ — „ 

Unter solchen Umständen war es ein Glück, dass die Seminarbibliothek 
zu llerborn, die Gymnasialbibliothek zu Weilburg und vor allen Dingen das 
1829 begründete, aber längst vorher in Aussicht genommene, katholische Seminar 
in Limburg Abzugskanäle für die Landesbibliothek bezüglich der in dieser zu- 
sammenkommenden Büchermassen bildeten. Dadurch ist einer noch weiter- 
gehenden Verschleuderung und Vernichtung jener wertvollen litterarischen 
Schätze, die zum Teil, wi(( die Handschriften, auf nassauischem Boden ent- 
standen sind, in ilirer Gesamtheit aber die Jlauptrepräsentanten des geistigen 
Lebens, das in vergangenen Jahrhunderten sich innerhalb der Grenzen des 
Nassauerlandes entfaltet hat, darstellen, und denen darum naturgemässer Weise 

^') Im Verzeichnis steht meist nur „altes Manuscript auf Pergament", was uns ja freilich 
für den vorliegenden Zweck genug sagt. 



?1 



51 



'1 



11 



220 

aiu'h in der iiassauischen Landosbibiiuiiiok zu W'iosbaJeii (nn IHirenplatz hätte 
augcwiesen werden sollen. Avenigstons in etwas entgegengewirkt worden. 

Übersehen wir noch -^inmal. wtis wir über den äusseren Umfang der 
nassauisehen Klosterbibiiotlieken zur Zeit ihrer AuHösung--) haben feststellen 
können und stellen wir die einzelnen Klosterbibliotheken nach ihrer Grösse 
zusauinien. nändieh 

Limburg mit etwa 10000 IJänden 

Eberbach SOOO 

Deutz 4 500 

2sotgottes 4000 

Sehöuau ,, „ 4000 

Arnstein , ., 'M){)0 

Ehrenbreitsteiu „ .'»500 

Uöchst -5000 

Bornhof en „ ., 2500 

Marieustatt „ „ 2000 

Hadamar „ „ 2000 

Savn „ 1800 

Linz IGOO 

Montabaur „ .. 1200 

Rommersdorf .... „ „ 700 „ 

Marienthal , „ 600 „ 

Eibingen ,. .. 600 

so ergibt sieh dic^ Gesamtsumme der in ihnen entJialten geweseneu iJüclier auf 
rund 55 000 Bände, Hiervon ist leider nicht mehr der fünfte Teil in der Landes- 
bibliothek zu Wiesbaden, sowie in der bischöfliclion Priesterseminarbibliothek 
zu Limburg, der evangelischen Seminarbibliothek zu lierborn und den Gym- 
nasialbibliothekeu zu Weilburg, Wiesbaden und Iladamar erhalten. Als Mass- 
stab dafür, wie die erhaltenen Beste sich auf diese sechs Bibliotheken verteilen, 
sei bemerkt, dass die Anzahl der Inkunabeln, wie sie sicli mir gelegentlich ihrer 
Verzeichnung in diesem Jahre ergab, in der Landesbibliothek zu Wiesbaden oo9, 
in der Seminarbibliothek zu Limburg 317, in der Gymnasialbibliothek zu Weil- 
burg 7L in der Seminarbibliothek zu ][erborn 60, in der Gynmasialbibliothek 
zu Wiesbaden 10 und in der Gynmasialbibliothek zu Hadamar o beträgt. 
Darunter befinden sich allerdings 79 aus der Hohen Schulbibliothek zu Herborn, 
15 aus der ehemaligen Gymnasialbibliothek zu Idstein und einzelne anderswoher 
stammende Werke. Die Zahl aller in diesen Bibliotheken enthaltenen Drucke des 
fünfzehnten Jahrhunderts beläuft sich nach Ausschluss der Dubletten auf nur 741. 

^'0 Rücksichtlich fast aller dieser Bibliotheken muss uiftii iiiimor im Auge behalten, dass 
feindliche Hände, aber auch und nicht zum wenigsten sachverständige Konventualen sie vor 
der Aufliebung der Klöster bereits des A'"orzüglichsten beraubt hatten, wie denn in ganz Süd- 
deutschluiid die holländischen und englischen Ausgaben lateinischer und griechischer Klassiker 
nie 80 wohlteil gewesen sein sollen wie im Juhrc 1802. 



Annal. d. Vereins f. Nass. Altert, u. Gesch. Bd XXX. 
















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ANNALEN DES VERELNS 



FÜR 



NASSAUISCHE ALTERTUMSKUNDE 



UND 



GESCHICHTSFORSCHUNG. 



EINUNDDREISSIGSTER BAND- 

ERSTES HEFT. 

• 1900. 



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WIESBADEN. 
VERLAG VON RUD. BECHTOLD & COMP. 

1900. 



DIE INKUNABELN 

NASSAUISCHER BIBLIOTHEKEN. 



VERZEICHNET 

VON 



DR. GOTTFRIED ZEDLER 

BIBLIOTHEKAK AN DEB LANDESBIBLIOTHEK ZU WIESBADEN. 



FESTSCHRIFT 



ZUR 



FÜNFH UNDERTJÄHRIGEN GEDÄCHTNISFEIER 

JOHANN GUTENBERGS 

HERAUSGEGEBEN 

VOM 

VEREIN FÜR NASSAUISCHE ALTERTUMSKUNDE 
UND GESCHICHTSFORSCHUNG. 



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WIESBADEN. 
VERLAG VON RUD. BECHTOLD & COMP. 

1900. 



Die Ergebnisse der ebenso methodisch wie sorgfältig durchgeführten 
Typenvergleichung der Inkunabeln des British Museum und der Oxford Library, 
wie sie in Proctors Index vorliegen, haben die Inkunabelnforschung geradezu 
aui eine neue Basis gestellt. Ihr nächstes weiteres Ziel wird die Feststellung 
der ihren Drucken nach zwar unterschiedenen, ihrem Namen nach aber noch 
unbekannten Drucker sein müssen. Die Lösung dieser Aufgabe wird wesent- 
lich Sache einer von der Lokalforschung ausgehenden monographischen Behand- 
lung der einzelnen Drucker und Druckorte sein. Die Vorbedingung für solche 
Einzelforschungen bleibt aber immer die Verzeichnung und Nachweisung des 
überall zerstreuten Inkunabelnmaterials, Dass dies in Deutschland in derselben 
einheitlichen Weise geschehen wird, wie jetzt in Frankreich durch den Pelle- 
chetschen Katalog, ist mindestens zweifelhaft. Denn abgesehen von den 
grösseren Schwierigkeiten, welche einem solchen Unternehmen bei uns aus ver- 
schiedenen unschwer zu erkennenden Gründen entgegenstehen, scheint gegen- 
wärtig die Meinung, dass man das letzte Ziel der Inkunabelnforschung, 
die Herstellung eines Gesamtkatalogs aller Drucke des fünfzehnten Jahr- 
hunderts, direkt erstreben müsse und könne, in den interessierten Kreisen die 
vorherrschende zu sein. Meines Erachtens sollte man freilich in Deutschland 
sowie in den anderen beteiligten Ländern das Beispiel Frankreichs nachahmen. 
Es wäre dies eine erreichbare Aufgabe, welche dadurch, dass sie der Spezial- 
forschung das Material an die Hand gäbe, um die für einen Gesamtkatalog 
erforderlichen Vorarbeiten erfolgreicher und in grösserem Massstabe als bisher 
in Angritf nehmen zu können, die Herstellung des letzteren am sichersten in 
die Wege leiten würde. Denn ein neuer Hain, welcher in der Verzeichnung 
der einzelnen Drucke in mancher Hinsicht gewiss kürzer und präziser als die 
oft allzu umständhche Beschreibungen erfordernden Inkunabelnkataloge von 
heutzutage sein könnte, müsste doch nicht allein über die noch unbekannten 
Drucke, sondern auch über die noch unbekannten Drucker die nötige Aus- 
kunft geben. Dass dies aber bei dem heutigen Stande der lukunabelnforschung 
in befriedigender Weise geschehen könne, wird man nicht behaupten wollen. 

Wie dem aber auch sei, einstweilen, solange nicht ein allgemeiner inter- 
nationaler Inkunabelnkatalog oder doch ein Gesamtkatalog der in den deutschen 
Bibliotheken vorhandenen Inkunabeln unternommen wird, kann die Veröffent- 
lichung von Verzeichnissen einzelner Sammlungen zweifellos nur dienlich sein. 
Ist das vorliegende auch nur sehr bescheidenen Umfangs, so giebt es doch 
Auskunft über die Inkunabelnbestände eines grösseren Gebietes, insofern als 



— VI — 

samtliche Wiegendrucke der im Gebiet des vormali^'en Herzogtums Nassau 
bestehenden, für diese Litteratur im wesentlichen wohl einzig in Beti-acht 
kommt^nden Bibliutheken darin verzeichnet sind. Mit wenigen Ausnahmen 
stammen die liier aufgeführten Drucke aus den im Jahre 18<)3 durch den 
Reichsdeputatioushauptschluss an Nassau gefallenen und damals aufgehobenen 
zahlreichen Klosterbibliotheken sowie aus der Bibhothek der Hohen Schule zu 
Herbom. Im vorhergehenden Bande dieser Zeitschrift ist von mir des 
Näheren nachgewiesen, wie pietätlos nicht nur mit den Beständen jener Bibho- 
theken umgegangen worden ist, sondern wie auch infolge ungünstiger Umstände 
und durch tlie Schuld unberufener Bibliothekare diese zu spärlichen Resten 
zusammengeschmolzenen Bücherschätze nicht einmal in der nassauischeu 
Landesbibliothek vereinigt, sondern obendrein möglichst im Lande zerstreut 
worden sind. 

Die hier verzeichneten Inkunabeln verteilen sich ausser auf die Landes- 
bibliothek und die Bibliothek des Vereins für Nassauische Altertumskunde 
und Geschichtsforschung zu Wiesbaden, auf die bischöfliche Seminarbibhothek 
zu Limburg a. d. Lahn, die evangelische Seminarbibliothek zu Herborn sowie 
auf die Gymnasialbibliotheken zu Weilburg, Wiesbaden und Hadamar. Über 
die Art der Verteilung giebt das Register B am Ende eine Übersicht, ebenso 
wie man im Reirister C zusammengestellt tindet, was sich über die Zugehörig- 
keit dieser Drucke zu einer jener ehemahgen Klosterbibliotheken oder zur 
Hohen Schulhibliothek ermitteln liess. Wo dafür in den Büchern selbst die 
Indizien fehlen oder durch Herausreissen von Blättern oder durch Entfernung 
der inneren Deckelbeläge verloren gegangen sind, ist es allerdings nur ganz 
vereinzelt möghch gewesen an der Hand der bei der Auflösung der Kloster- 
bibliotheken verfertigten, höchst ungenauen Verzeichnisse die einstige Heimat 
zu bestimmen. 

Mit welcher Gleichgültigkeit trotz angeblicher Sorgfalt die Bücher, nach- 
dem aus den der Aufbewahrung überhaupt für wert erachteten die wirklichen 
oder vermeintlichen Dubletten ausgesondert und veräussert worden waren, an 
die verschiedenen Bibliotheken verteilt worden sind, dafür liefert auch dieser 
Katalog die sprechendsten Belege. Man vergleiche nur No 21, wo von den 
vier Bänden der Summa universae theologiae des Alexander de Ales, welche 
aus der Franziskanerbibliothek zu Limburg stammen, der 1., 3. und 4. Band 
jetzt in der Landesbibliothek zu Wiesbaden, der 2. dagegen in der Bibliothek zu 
Limburg betindlich sind, oder No 54, wo von den vier ebenfalls aus dem 
Franziskanerkloster stammenden Teilen der Summa theologica des Antoninus 
Florentinus Teil 1. 2, 4 und die er^te Hälfte des 3. Teiles der Gymnasial- 
bibliothek zu Weilburg, die zweite Hälfte dieses Teiles dagegen der Landes- 
bibliothek zu Wiesbaden zugeteilt worden sind, oder No 120, wo von ein und 
demselben Exemplar des Dictionarius des Petrus Berchorius jetzt Teil 1 in 
Weilburg, Teil 3 in Limburg, Teil 2 überhaupt nicht mehr vorhanden ist, wo- 
mit freilich nicht gesagt sein soll, dass die grosse Masse der jetzt nur noch 
unvollständig erhaltenen Exemplare auf Rechnung der mit der Aufhebung der 
Klosterbibliotheken betrauten Bibliothekare zu setzen sei. Es führte aber 
viel zu weit, wenn man die Sorglosigkeit und Unachtsamkeit, welche bei der Ver- 



— \^I — 

teilung stattgefunden hat, hier noch weiter illustrieren wollte. Ohnehin 
kann jeder, der sich dafür interessiert, mit leichter Mühe dies Sündenregister 
aus dem Katalog selbst vervollständigen. 

Die Landesbihliothek besass bisher kein weiteres Verzeichnis ihrer Inku- 
nabeln als das im Jahre 1823 im ersten Hefte des „Cataloges der ütfentHchen 
Bibliothek zu Wiesbaden" verötl'entlichte. Damals war die Auflösung der 
Klosterbibliotheken noch nicht beendigt und vor allem war über das Schicksal der 
Bücher noch nicht endgültig entschieden worden. So kommt es, dass von den dort 
verzeichneten nahezu hundert Wiegendrucken jetzt verschiedene nicht mehr 
nachweisbar sind. Ihrer hat man sich wohl bei den im Laufe der nächsten 
Jahre wiederholt stattfindenden grossen Makulatur- und Dublettenversteige- 
rungen entledigt, wie denn auch eine ganze Reihe anderer wertvoller Bücher, 
ja selbst Handschriften spurlos verschwunden sind. Auch die Gymnasialbiblio- 
thek zu Weilburg ist im Besitze eines Verzeichnisses ihrer Inkunabeln und 
alten Drucke bis zum Jahre 1550*, welches, wenn es auch nicht ganz voll- 
ständig und genau ist, doch bei Feststellung des dortigen Bestandes von mir 
mit Dank benutzt werden konnte, ebenso wie die in dem Wiesbadener 
Clymnasialprogramm von 1882 enthaltene Mitteilung Wedewers über die in 
der Bibliothek dieses Gymnasiums vorhandenen Inkunabeln. 

Tjpenvergleiche in grösserem Umfange vorzunehmen, dem stand meist 
die räumliche Trennung der Bestände im Wege. Wo sich mir die Gelegen- 
heit dazu bot, habe ich sie nicht verabsäumt und bei späterer Einsicht des 
Proctorschen Index meine Beobachtungen meist bestätigt gefunden. Wo 
Proctors Autorität fehlt, muss ich bei dem Mangel ausreichenden Materials, 
zumal mir auch Burgers Monumenta leider nicht zugänglich waren, die Rich- 
tigkeit meiner Beobachtungen dahingestellt sein lassen. Proctors Bestim- 
mungen bin ich ü1)erall, auch wo sie von den Angaben anderer, sonst zuverlässiger 
Kataloge abweichen, ohne Bedenken gefolgt, ebenso wie ich mich durchweg 
seiner Bezeichnungen für die ihrem Namen nach noch unbekannten Drucker 
bedient habe. 

In der Hauptsache handelte es sich für mich nur um die Feststellung 
und eventuelle Beschreibung der in den genannten Bibliotheken vorhandenen 
Bestände, eine Arbeit, die mühevoller war, als es der vorliegende Katalog 
vermuten lässt, da ich nur den allernotwendigsten bibliographischen Apparat 
mit mir führen konnte und deshalb gezwungen war, manche überflüssige Be- 
schreibung vorzunehmen. Was die von mir bei der Beschreibung befolgte 
Methode betrifft, so bin ich dabei von der Überzeugung ausgegangen, dass 
auch ein noch so minutiöses Verfahren unter Umständen nicht genügen wird, 
um zwei verschiedene, aber einander sehr ähnliche Drucke richtig auseinander- 
zuhalten. Dazu würde in jedem Falle nur die photographische Nachbildung 
ausreichen, und in solchen Fällen kann nur eine genaue Vergleicbung der 
Drucke die charakteristischen Unterschiede an die Hand geben. Im ül)rigen 
ist zwar eine peinliche Akribie bei Beschreibung von Inkunabeln erfordt- rlich, 
aber zugleich doch auch die Beschränkung auf das Notwendige und Zweck- 



* Dies von dem damaligen Direktor des Gymnasiums E. Bernhardt verfasste Verzeichnis 
findet sich im Programm des Gymnasiums für 1877/78. 



— m:ii — 

massige geboten. Ich sehe keinen Grund ein. ■warum die an sich schon so 
zeitraubende Arbeit z. B. durch die Unterscheidung von i und r oder von 
f und s erschwert werden soll, und pflichte unbedingt der im Campbellschen 
und Pellechetschen Katalog zur Anwendung gekommenen Praxis bei, welche 
dergleichen als ..Hyperakribie" getrost bei Seite lässt. Die Mode die ver- 
schiedenen Typeuarten des (Originals durch Anwendung der gotischen oder 
römischen T\"pe bei der Beschreibung zur Darstellung zu bringen, ist eben- 
falls zum mindesten überflüssig, in vielen Fällen, wenn nicht die Typenart 
ausserdem noch besonders charakterisiert wird, sogar irreführend. Dagegen 
haben die in den älteren Katalogen sich vortindenden vielfachen DiÖerenzen 
in der Blattzählung es auch mir notwendig erscheinen lassen, die Signaturen 
und Blattlagen genau zu beachten und anzugeben, was sich ohnehin aus 
sonstigen, schon von anderer Seite hervorgehobenen Gründen empfiehlt. 

Dass durch dies Verzeichnis für die in Nassau vorhandenen Wiegendrucke, 
welche naturgemäss in der Laudesbibliothek hätten vereinigt bleiben sollen, 
wenigstens wieder eine ideale Einheit hergestellt werden konnte, das ist in 
erster Linie das Verdienst der Vorstände der beteiligten Institute und ihrer 
Bibliothekare, bei denen ich überall das grösste Entgegenkommen gefunden 
habe. Dafür sei auch an dieser Stelle Sr. Gnaden dem Herrn Bischof DoiiiNicüS 
sowie den Herren Domkapitular Dr. Höhlee und Subregens Goebel zu Lim- 
burg, Bibliotheksdirektor Professor Dr. Lieseuaxg, Gymnasialdirektor Dr. 
Fischer und Professor Dr. Spiess zu Wiesbaden. Gymnasialdirektor Dr. Padxus 
und Oberlehrer Dr. GrsDLAcn zu Weilburg. Professor Knodt zu Herborn und 
Oberlehrer Dr. Otto zu Hadamar. dessen freundliche Bemühungen mich des 
Nachforschens an Ort und Stelle überhoben, herzlich gedankt. Bei der 
Arbeit selbst haben mich ferner die Herren Bürger in Leipzig und Velke 
in Mainz unterstützt. Ersterem verdanke ich den Nachweis zu No 249, 
letzterem den zu No 620. Auch die Buchhandlung Joseph Baer & Co. in 
Frankfurt am Main, die mir den Pellechetschen und Proctorschen Katalog 
sowie andere bibliographische Hilfsmittel mit bekannter Liberalität zur Ver- 
fügung stellte, hat mich zu Dank verpflichtet, dem bücherk-undigen Prokuristen 
dieser Firma Herrn Sondheim schulde ich für mehrfache freundliche Mit- 
teilungen besonderen Dank. Vor allem aber sei dem Vorstande des 
Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, der den 
Druck dieser Arbeit ermöglichte, mein Dank gesagt. Kann sie leider nicht 
Ausk-unft geben über das, was Gutenbergs Kunst auf nassauischem Boden im 
fünfzehnten Jahrhundert in Eltville und Marienthal geleistet hat, so wird sie 
doch hofientlich mit dazu anregen, dass über die noch an so vielen Orten 
aufbewahrten unbekannten Inkunabelnbestände Kataloge veröffentlicht werden 
aus denen die Forschung wie anderswo so auch bezüglich der nassauischen 
Wiegendrucke neue Impulse empfangen und zweifellos auch weitere Resultate 
gewinnen wird. 



1 Accursius, Franciscus: Casus in terminis super novem libris Justi- 
niani codicis. [Argentinae, t)'pogr. vitarum patnim] s. a. 2^. 

Hain-Copinger *6g. PelUchet 41. Praetor 430. 

Der Rubrikator hat am Ende die yahreszahl 148g vermerkt. 

Wiesbaden LB. {Aus Schonau.) 

2 Acta et decreta Concilii Constantiensis. Hagenoae, Henricus Gran, 
1500. 40. 

Hain-Copinger ^6og. 
Limburg. {Aus L/adamar.) 

3 AdrianusCarthusiensis: Liber deremediisutriusquefortunae. [Coloniae, 
Ulricus Zell] s. a. 4«. 

//airt *gj. Pellechet SS- Praetor 858. 
Limburg. 

4 Aegidius, Franciscus: Verba aurea de gratia dei, virtutibus et vitiis. 
[Coloniae, Ulricus Zell] s. a, 4o. 

Hain-Copinger */OS- Pellechet 66. Praetor 884. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

5 Aegidius Suchtelensis : Elegantiarum viginti praecepta. Daventriae, 
Rieh. Pafraet, 1490. 4o. 

Hain-Copinger 6 ££8. Campbell Suppl. J, 6/2. 
Wiesbaden LB. 

6 Aeneas Sylvius: Historia Bohemica. [Basileae, Johannes de Amer- 
bach, 1489?] 4". 

Hain *2£4. Pellechet i/6. Praetor ^626. 
Wiesbaden LB. [Aus Natgottes, vorher in yohannisberg.) 

7 Aesopus: Fabulae, deutsch, o. 0. Dr. u. J.? 2o. 

Bl za leer. Bl ib: Holzschnitt: „ESOPVS" umgeben von allerlei Tieren darst. Bl 2a Z i : 
C Vita Esopi fabulatoris clarissimi e greco latina per | Rimicium facta ad reuerendissimum 
patre? dominum Anthonium Tituli sancti Chrisogoni prespiterü Car dinalem T)[H!zschniii- 
initia/e]A3 leben des hochberümten fabeldichters Esopi. auß kriech-l ischer zungen in latejm/ 
durch |, Rimiciü gemachet/ an de hoch wirdigen vater herren antho- nium des titeis sancti 
Chrisogol ni priestern Cardinalen. Vnd ; fürbaß da? selb leben Esopi mit j seinen fabeln/ 
die ettwo romu- ;Iu3 von athenis seine sun Thiberino auß kriechischer zungen in latein/ 
gepracht hat gesendet/ vü mer etlich ' d' fabel Auiani. auch doligami. Aldefonsy. vü schimpf || 
reden poggij vnnd anderer, yegklich mit jrem titel ob \ verzeichnet, auß latein. von doctore 
heinrico 3teinhö-|iwel schlecht vü verstentlich geteütscht. nitt wort auB ' wort, sunder syn 

z 



o 

auB syn lie Bl J^a Z 15: G Hie hat ein end das leben esopi Fl 112 'das Ixxvij plat] b Z 18: 
C Ein ennde habent die fabeln Esopi die vö de hoch- gelerten meyster Rimicio newlich 
auß kriechischer zungen in latein gepracht. welche fabeln vö Romu lo in seinen vier 
büchem nit begriffen werden- Bl iil ^das Ixxviij platj b Z i: C Die fabeln Auiani Bl 12g 
[das Ixxxxiiij plat] b Z : : C Gesamelt fabeln Bl rS5 [das cxx plat] b Z 31 : C Hienach volget 
das Register über die gemeinen punckten der materi diß püchlins. Bl 160b Z 16: C Hie 
hat ein ende das Register der gemeinen punkten vnd materi diß büchlins Es folgen dann 
ohne Anfang und Ende vier Blätter aus der Hystoria sigismundi: der tochter des fürsten tancredi 
von salemia vnd des iünglings gwisgardi. 

//o'.-'J Bl ohne Sign 1/ Layjm i—i 6,5 //smf, Bl 3^—^55 »umerteri I—CXX, 36 Zeüen, 
goth. Schrxß, mit ca 200 Holzschnitten. 

Bl 161 — 163 und 168—1/0 fehlen. 

Wiesbaden LB. 

8 Aesopus moralisatus cum bonö commento. [Coloniae, Henricus 
Quentell], 1489 4". 

Hain-Copinger *304. Pellechet 212. Praetor 12g 2. 
Wiesbaden LB. {Aus Notgottes, vorher in fohannisberg.) 

9 Alanus ab Insulis: Doctrinale altum seu liber parabolarum metrice 
conscriptus cum expositione. [Coloniae, Henricus Quentell] s. a. 40. 

Bl la Titel: Doctrinale altum seu li-| ber parabolarum Alani metrice descriptus cü 
sententijs jj et metrorum expositionibuu [!] vtilis valde ad bonorü mo |rum instructionem 
Darunter der Holzschnitt: ein Lehrer mit z-un Schülern, im Spruchbande die Inschrift: Accipies tanti etc. 
f Bl mit Sign [AA—CC3, das Weitere fehlt], 4^ Zeilen (Bl 2 a), goth. Schrift, drei Schriftgrössen. 
Wiesbaden G. [M 48). {Aus Idstein, Gymn. Bibl.) 

10 Alanus ab Insulis: Doctrinale altum seu liber parabolarum metrice 
conscriptus cum expositione. Coloniae, Henricus Quentell, 1497. 4®. 

Bl la Titel: Doctrinale altü | seu über parabolarü Alani me| trice descriptus cum 
sententijs ; metrorü expositöibo. vtilis | valde. ad bonorum morum : virtutum que via sunt 
ad bea titudinemi instructionem. Bl 2Sb Z 34: C Doctrinale altü parabolaii Alani cum 
glosa finit feliciter C Impssum Colonie p Henricum Quentell. Anno domini .] Millesimo 
quadringentesimo nonagesimo septimo Bl 26 leer. 

26 Bl mit Sign [AA,^ BB—DDl\ Bl 2 a 45 Z, sonst verschieden, goth. Schrifl, vier Schrißgrdssen. 

Hain 382. 

Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

11 Albertanus Brixiensis: De arte loquendi et tacendi. Coloniae, 
[Henr. Quentell], 1487. 4". 

Bl la Titel: Tractatus de arte '| loquendi t tacedi. Bl ib: Compendiosus tractatus 
de arte loquendi : tace, di multum vtils [!] \\ ( iVoniä indicendo :| multi erant nee est aliqs 
qui linguä sua? ad | etc. Bl Sb am Ende: Explicit liber de doctrina loquendi et tacendi 
ab Albertano causidico brixiensi ad instructione filiorum suoy compositus. || Impressus ac 
finitus Colonie Anno dTii M". cccc. Ixxxvij. 

8 Bl [Bl 3 ist signtrt: AAüj\, 3g u. 40 Zeilen, goth. Schrift, drei Schriftgrössen. 

Hain-Copinger 40 3. Praetor 1288. 

Limburg. {Aus Limburg^) 

12 Albertus Magnus: Commentum in libros physicorunL Venetiis, 
Johannes et Gregorius de Gregoriis, 1488. 

Pellechet 334. Hain-Copinger 518. 
Sign: a 3, b — «4, jr3. 
Herbom 1/6/. {Aus Deutt.) 



— 3 — 

13 Albertus ]\ragnus: Compendium theologicae veritatis. [Coloniae], 
N[icol.] G[oetz], s. a. 2«>. 

Hain *433. 
Limburg. 

14 Albertus Magnus: Compendium theologicae veritatis cum tabula 
Thomae Dorniberg de Memmingen. [Coloniae? Daventriae?] s. a. 2^. 

Hain *434. PelUchet 2^4. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

15 Albertus Magnus: De adhaerendo vero deo. [Ulmae, Job. Zainer, 
1473.] 20. 

Hain *42g. Praetor 2^ Ol. 
Limburg. (Aus Limburg.) 

16 Albertus Magnus: De secretis mulierum et virorum [Eustadii, 
Reyser?] s. a. 4o. 

Hain *S49- L>as S am Anfang grosse Holzschnittinitiale. 
Wiesbaden LB. {Aus Eberbach.) 

17 Albertus Magnus: Liber aggregationis seu de virtutibus herbarum 
seu secreta secretorum. Quaestiones naturales philosophorum. Antverpiae, 
Godfridus Bac, 1499. 4». 

Campbell Suppl. 2 No 84a. Pellecket j6j. 
Wiesbaden LB. [Aus Marienstaä.) 

18 Albertus Magnus: Postilla in evangelium Johannis. [Coloniae, 
Johannes Guldenschatf, c. 1478]. 2^. 

Hain-Copinger *4Sg. Pellecket 2g£. Praetor I2i£. 
Wiesbaden LB. [Aus Sckönau.) 

19 Albertus Magnus: Scriptum in «^uattuor libros sententiarum. 
[Lugduni, Job. Syber?], s. a. 2^. 

Pellecket 385. 
Limburg. [Aus Deutz.) 

20 Albertus Trottus de Ferrariis: Tractatus de horis canonicis. 
[Lugduni, Nicolaus Pistoris et Marcus Reinhardus de Argentina, c. 1478]. 

Hain-Copinger *£g6. Pellecket 40 J. 
Wiesbaden LB. [Aus Arnstetn.) 

21 Alexander de Ales: Summa universae theologiae. Norimbergae, 
Antonius Koberger, 1481—1482. 4 Bde 2». 

Hain-Ci>pinger *64J. Pellecket 431. 

Wiesbaden LB : Bd i, 3, 4. \ 

Umburg: Bd 2. ] (^''"^ Limburg.) 

22 Alexander de Ales: Summa universae theologiae. Papiae, Johannes 
de Birretis et Franciscus de Girardenghis, 1489. 4 Bde 4". 

Hain-Copinger ^644. Pellecket 432. 
Limburg. Nur Bd i, 3 u. 4. [Aus Deutz.) 



- 4 - 

23 Alexander Anglicus: Destructorium vitiorum. Coloniae, [Ludovicus 
de Renchen], 1485. 2'\ 

Hain-Copmger *6£o. PdUchtl 4j^. Prcct^v 13/6. 
Limburg. [Aus Eberbcuh.) 

24 Alexander de Villadei: Doctrinale cum commento Ludovici de 
Guaschis, Basileae. [Johannes de Amerbach], 1486. 2<>. 

Hain-Copngfr V-^/- Praetor /S/O. 

IValburg. [Aus Limburg.) 

25 Alexander de Villadei: Doctrinale seu grammatica latina, metrice. 
Coloniae, Henricus Quentell, 1492. 4". 

Bd I: Bl la: Prima pars doctrinaUs Alexandri cum sententijs. notabilibus, et vo- 
cabuloru? lu cida expositione. nönulliscj annexis argumentis cum eo/ ]rundem replicis ad 
nouellorum in grammatica incipienti,|Um profectum. cum quibusdam alijs additis pro in 
seien- ;tijs aliqualiter prouectis Darttttter der Hokschnät mit dem Magister und zwei Schülern ; auf 
dem Spruchband aie Inschrift: Accipies tanti etc. Bl 124a Z j6 : . . . Explicit feli 'citer Impressa 
in felici Colonia circa summü p Henricum Quentell \\ Anno a natiuitate Xpi. M. cccc. xcij. 
qnto Kalendas Septembris — Bd II: Bl la: Glosa notabilis secunde | ptis Alexandri cum 
interlinialibusexpositionibo textus eiusde in planissimis sentetijs. subiüctis ppulchre ordina |tis 
questionibo atcj argumetis cü replicis cötra eoninde? ;' etc. Darunter derselbe Holzschnitt zvu in 
Bd I. Bl 114 a Z 40: C Explicit feliciter scda ps Alexädri cum glosis metroy interlinealibo |( 
planissimisqi eorüde subiüctis sentetijs fam rectü sniandi modü. multis || cü . . . || . . . || . . . 
Im-; pressa in sancta Colonia p Henricü Quentell circa summum Anno in- Jcamationis 
dominice M. CCCC. XCij. quarto ydus Octobris. Bl 114b leer. 

Bd I 224 Bl [al—sl, /4, t/4], 

Bd II 114 Bl \ai—pi, q^s^\ 

46 Zeilen, goth. Schrift, 5 Schriftgrossen. 

Limburg. 

Alexander Magnus s. Liber Alexandri de praeliis. 
Alliaco 3. Petrus de Alliaco. 

26 Alphonsusa Spina: Fortalitium fidei contra fidei christianae hostes. 
Xorimbergae, Anton Koberger. 1485. 2o. 

Hain- Cef inger *8f3. Pellechet ß6j. 

Zu Beginn des Textes ist die Initiale U eine schöne Federzeichnung. 

Wiesbaden LB. [Aus Schdnau.) 

27 Ambrosius Mediolanensis Opera. Basileae, Johannes de Amerbach, 
1492. 3 Bde 2o. 

Hain-Cofinger *Sg6. Pellecket S79- 

Limburg. {Aus Höchst.) 

28 Ambrosius Mediolanensis: De officis libri III. [Coloniae, Ulr. Zell], 
s. a. 40. 

Hain-Copinger *g05. Pellechet £88. Praetor 86o. 
Limburg. {Aus Limburg, vorher in der Kirche zu Königstein.) 

29 Ambrosius Mediolanensis: De officiis. Acc. Senecae libellus de 
quattuor virtutibus. [Parisiis. ülr. Gering, 1472.] 4o. 

Hain-Copinger go/. Pellechet £gi. 
Limburg. (Aus Ehrenbrettstein.) 



— 5 — 

30 Ambrosius deSpira: Quadragesiinale de floribus sapientiae. Venetiis, 
Antonius de Valentia, Jacobus Britannicus sociique, 1481. 2'^. 

Hairt'Ci-'pinger *g20. PelUchet 6oo. 
6o u. 6l Zeilen. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

31 Amici: Sermones Amici dicti. Basileae, Nicolaus Kesler, 1495. 40. 

Hain-Copinger g24. Pellechet 604. 

Das voräegende Exemplar ist nur von Bl LXXXI ab erhalten. Der Druck stimmt mit dem 
bei Hain angeführten am Schlüsse überein. 
Wiesbaden LB. [Aus Eberbach.) 

Ancona s. Augustinus de Ancona. 

32 Andreae, Johannes: Additiones ad speculum iudiciale Durantis. 
[Argentinae, G. Hussner, ca 1470.] 2^. 

Hain *ioSj. Pellechet 6^0. 
Limburg. (^Aus Rommersdorf^ 

33 Andreae, Johannes: Lectura super arboribus consanguinitatis, 
affinitatis et cognationis spiritualis. Norimbergae, Fridericus Creussner, 1477. 2». 

Hain *i02g. 

Herbom 1525. (Aus Herbom HSch.) 

34 Angelus de Clavasio: Summa angelica de casibus conscientiae. 
Argentinae, Martinus Flach, 1489. 20. 

Hain-Copinger *5388. 
Limburg. (Aus Eberbach.) 

35 Angelus de Clavasio: Summa angelica de casibus conscientiae. 
Argentinae, Martinus Flach, 1495. 2». 

Hain-Copinger *£jg/. 
Limburg. (Aus Hadamar.) 

36 Angelus de Clavasio: Summa angelica de casibus conscientiae. 
Argentinae, Martinus Flach, 1498. 2o. 

Hain-Copinger *S399- 
Wiesbaden LB. {Aus Notgottes) 

37 Angelus de Clavasio: Summa angelica de casibus conscientiae. 
Norimbergae, Antonius Koberger, 1488. 2'>. 

Hain-Copinger "5385. 
Wiesbaden LB. (Aus Linz.) 

38 Angelus de Clavasio: Summa angelica de casibus conscientiae. 
Norimbergae, Antonius Koberger, 1492. 2^. 

Hain-Copinger *5395. 
Limburg. 

39 Angelus de Clavasio: Summa angelica de casibus conscientiae. 
Venetiis, Georgius Arrivabenus, 1487. 4*^. 

Hain-Copinger *£384. 

1. Herbom S IV 3/0. (Aus Limburg.) 

2. Limburg. 



40 Angelus Je Clavasio: Summa angelica de casibus conscientiae 
Venetiis. Georgius Arrivabenus, 1489. 4". 

Bl I leer. Bl 3a \Sign 2]: C Epla. F. Hieronymi tomieli Icctoria Ad. fv. p. F. Angelü 
de clauasio fsentis operis Auctorem: in qua orat eius Reuerentiam : vt ipsum opus im- 
primi faciat: ppter talem et tantam dicti operis excellentiam et vtilitatem. Pluribu3 retro 
actis temporibus. Reuerende ac mi cordialissime pater. Ad lecturam ca suum etc. Bl ja 
[3"z,-n j : In nomine domini nostri iesu christi. Amen. | C Incipit prologus in summa An- 
gelica: de casibus conscientie: per fratrem Angelum de clauasio: or dinis minorum: eic. 
Z j/ : C Explicit prologus incipit tabula dcclaratoria ordinis: contentorum in predicta 
summa. Bl / a St^: j, numer.j a: Incipit summa angelica: |! ( > Bbas debet esse pre sbyter 
c. i. de ' rf<r. Bl ^840. numer. j-Sa Zjo: C Explicit summa Angelica de casib9 ascie p || 
fratre Angelü d' clauasio cöpilata; maxima cü \ diligetia reuisa: : ßdeli studio emendata 
sicut I ip? op9 p se sati' attestabit': Venetijs ipressa per Georgiü de Riuabenis Mätuanü: 
Als Pa retem. Anno dhi. M. cccclxxxix. 7 Idus Octo bris. jS4a^ /olgi Jas Registrum und das 
Dru.keT^ewken. 

jg4 Bl mit Sign [li, a — s, r, d, y, A—V^, Xi, 75] und Numerierung \Bl ^ — 384 = 1 — 3/8\, 
2 Spalten ausgenommen die ersten Seiten, £i Zeilen, goth. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

Copinger II, i, 1662. 

IVUsbaden LB. [Aus Herbom HSck.) 

41 Ansjelus de Clavasio: Summa angelica de casibus conscientiae. 
Venetiis, Paganinus de Paganinis Brixiensis, 1499. kl. 8o. 

Hain-Coptn^er ^^401. 

Limburg. [Aus Hadamar.) 

42 Angelus de Ubaldis de Perusio: Repetitio legis Si insulam ff. de 
verbo obl. Acc. repetitiones aliae. Brixiae, Boninus de Boninis de Ragusio, 
1491. 2'^ 

Bl la \Sign CJ a.- C Repetitio legis Si insulam. ff. de vbo. obli. p claris. d. | Angelum 
de vbaldis de Perusio iuris vtriuscj doctore. \ Bl 40.^ Z i^ : (c)Iuitas mutui datione diu: qz 
lex ista cu^ sua mä vtilis nöbilis : practicabilis e: hac{jrcne eä repetedä elegi. Bl 6aa 
Z 41: C Repetitio. S- Si duobus vehiculum. in. 1. Si vt certo' .ff. commodati. Bl ga^ Z ^ 
V. u.: C hanc lege repetiit petrus t iö Ci. in eius repetitiöe de lectans dixit eä sümo digito 
attingedä sie et nos faciamus altiori ü. stilo vt. j. patebit resecatis supfluis. j (s) I certis 
änis. etc. Bl /2aß Z 26: C Elegantissimas has Repetitiones Impressit Boni [nus de Boni- 
nis de Ragusio BrTxie anno domini. M CCCCXCi die. XI. Marcii. FINIS, Bl 12b leer. 

Bl ija Sgn £] a: G Lex Falsus procurator. C. de Furtis Repetita per ' clarissimum 
Dominum Angelum de Perusio. Bl /5jß Z 26 : C Repetitio Excelletissimi domini Saldi de 
Perusio ' super. 1. edicto diui. C. de edicto diui adri. tollendo. Bl i/b^ ZI ^6 : (e) Milius. 
ff. de minoribus etc. Bl 2iba ZI g : C L. Si filius qui patri. ff. de vul. : pu. Bl 24ba ZI jg : 
C Composita : repetita anno domini M. CCCLXIIII. de | mense octobris in die beate vrsuline 
per me arsendinü do mini Rainerii etc. Bl 24ba ZI 4g: Lex in eos. ff. de custodia reorum 
per dominü Albri |cu5 de rosato de pergamo. Bl 246^ ZI 66: C Albricus de rosato de Per- 
gamo dixit suprascripta , omnia :c. 

24 Bl mU Sign \CDEFi), 2 Spalten, 64—6/ ZI, goth. Schrift, eine Schriftgrdsse. 

Der erste Teil ist = Hain 15883. Auch dies ist augenscheinlich (j. die Sign.) nur ein Teil 
eines grösseren Ganzen. 

WUsbaden LB. (Aus Herborn HSch.) 

43 Angelus de Ubaldis de Perusio. Repetitio 1. qui se patris. C. unde 
liberL [Perusii] s. t. et a. 2o. 

Bl z a [Si^n a'\ a: Solemnis repetitio. 1. qui se patris. C. unde libe!]ri nuperime [!] reperta 
subtili ingenio que non reperi tur in lecturis nee alibi imprcssa. Famosissimi. J. U. || 
monarce. d. Angeli magistri Fräeisci de Perusio non minus vtilis q. nccessaria eurantibus 



habere I' materiä successionu? cü alleget' per aJiquos docto-'res i pauci habeant. In qua 
cösistit virtus vtilitas ac intelligentia ipsius. 1. ;6. Fl ^,;ß ZI 33: Finis alteriua solemnis 
repetitionis. 1. qui se pa tris. C. vnde übe. edita ab eximio : famosissimo. J. U. monarcha. 
d. Angelo magistri Fräcisci de Pe nasio nunc^ impresse. in qua consistit virtus : vtili- taa 
ipsius legis. [ FINIS. 

4 Bl mit Sign [aj], 2 Spalt fn, 64 ZI, i^oth. Schrift, eint SchH/tgrdsse. 

Wiesbaden LB. {Aus Herbom HSch.) 

44 Angelusde Ubaldis de Perusio: Repetitio l. si vacantia C de bonis 
vacantibus etc. s. 1. t. a. 2''. 

Hain *is88i. 

Wusbaden LB. {Aus Herbom HSch.) 

45 Anna, S., Gebete an — . Reutlingae, [Michael GreyffV, 1494.] kl. S". 

El la: Zu Reutlingen in sant ,| Niciaus capellen da beschächen vil \f wunderbarlicher 
zaichen von blinde wartzechte leuten stumen. jungen vn | alten von mengerley kranck- 
heit vnd stand hernach fast zway gute gebet | vö sant Anna vn jrem geschlächt. Da- 
runter ein Holzschnitt: die hl. Anna mit Marta u. Jesus. Bl i h: O ^Holzschnitt] Du aller hailigoste ' vn 
vsserwölte hoch gelopte vnnd gnad' reiche frow Sant ; anna. Ein müter ma rie der muter 
gottes ! Unnd ain groszmuter vnsers herren | Jhesu christi etc. Bl 3b ZI n : C Babst 

Alexander d. vj. hat geben ablasz vn hat di sen ablasz bestätigt auff den Oster- 

tag II als man zalt M. cccc. Ixxxxiiij. Jar. Bl 4a ZI 21: ryche. Amen. Getruck [!] zu 
reütlingen. Bl 40: Das Reutlinger Stadtwappen. 

4 Bl ohne Sign, 20 Zeilen, goth. Schrift, eine Schrift^rösse. 

Diesen dem Büchlein von der Liebe Gottes [Hain ^4063) beigebundenen Druck kennt Steiff, Zur 
Geschichte des Reutlinger Buchdrucks, {Reutlinger Geschichtsblätter Jahrg 1/2 i8go u. 18 gl No 4—J, 
Jahrg 3 1892 S 8— II u. Jahrg 7 i8g6 S 16—20) nicht. 

Herbom PVJ g6 an. {Aus Herbom HSch.) 

46 Anselmus Cantuariensis: Opera et tractatus. Norimbergae, Caspar 
Hochfeder, 1491. 3 Bde 2'\ 

Hain-Copinger *II34. Pellechet /p/. 

Limburg: 2 Exemplare. {Aus Amstein und aus Schönau.) 

Herborn HX 3. {Aus Limburg) 

47 Antoninus Florentinus: Chronicon sive Opus historiaiiim. Basileae, 
Nicolaus Kessler, 1491. 2o. 

Hain-Copinger *ii6i. Pellechet 815. 
Limburg: Bd i. {Am Rommersdorf.) 
Wiesbaden LB : Bd 3. 

48 Antoninus Florentinus: Chronicon sive Opus historiarum. Xorim- 
bergae, Antonius Koberger, 1484. 2o. 

Hain-Copinger *ii^g. Pellechet 813. 

Herbom I/32 : nur Bd 2 und 3 vorhanden. {Aus Limburg.) 

49 Antoninus Florentinus: Confessionale. Argentinae, Martinus Flach, 
1492. 4°. 

Hain-Copinger *I200. 

Weüburg. {Aus Höchst). 

50 Antoninus Florentinus: Summa theologica. Argentinae, Johannes 
Grüninger, 1490. 4 Bde 2'\ 

Hain-Copinger ^1248. Pellechet 882. * 

Limburg: Bd i, 3, 4 {aus Eberbach) und Bd 3 u. 4 {aus Rommersdorf.) 
Wiesbaden LB : Bd 3 und 4. {Aus Schönau.) 



— 8 — 

51 Antoninus Florentinus: Summa theologica. Argentinae, Johannes 
Griininger. 1496. -4 Bde 2«. 

Hain-Cofinger *l24g. FeiUcket 884. 

Limburg: Bd I — 4. {Aus Sayn), ferner Bd i u. J. 

WU:baden LB : Bd 4. 

52 Antoninus Florentinus: Summa theologica. Norimbergae. Antonius 
Koberger, 1477— U79. 4 Bde 2'\ 

Hcun-Copin^er '1242. Pellechet 8//. 
Herbom 1/31. [Aus RcTnmersdorf.) 

53 Antoninus Florentinus: Summa theologica. Norimbergae, Antonius 
Koberger. 1486—1847. 4 Bde 20. 

Hain *I246. PeUechet 883. 
Limburg: Bd j. {Aus Schönau.) 
IVUsbaden LB : Bd 1—4. {Aus Deutx.) 

54 Antoninus Florentinus: Summa theologica. Venetiis, NicoL Jenson, 
1477-1480. 4 Bde 2o. 

Hain-Ccfinger *1242. Pellechet 8/8. 
Weilburg: Bd i, 2, j, j. 4. {Aus Limburg.) 
Wiesbaden LB. : Bd J, 2. {Aus Limburg.) 

55 Antoninus Florentinus: Johannis Molitoris tabula sive repertorium 
super totam JSummam Antonini. [Coloniae, Henricus Quentell], 1490. 2^. 

Hain-Cofinger '1261. Praetor 1301. Pellechet 8gi: {Basileae?) 
Wiesbaden LB. [Aus Schönau.) 

56 Antoninus Florentinus: Tractatus de instructione simplicium con- 
fessorum. [Daventriae, Rieh. Pafraet]. s. a. 4^. 

Bl I leer. Bl 2a: (iNcipiüt Rubrice super Tractatü de instructio'jne seu directöe 
simpliciü confessoria. Et primo De ptäte fl, cöfessoris in audiedo ofessiones j : absoluendo. 
Capitulü primü. itc. Bl ja Sign at\: Prologus super Tractatü de instructione |! seu direc- 
tione simplicium confessorum. Editü i| a domino Anthonino archiepö florentino. Bl ij^b 
am Ende: Explicit Summa ofessionü. seu Interroga toriü pro simplicibus Cöfessoribus. 
Editü I ab Archepo Florentino, videlicet fratre Anthonino ordinis predicatorum •:• 
Bl 136 leer. 

136 Bl [a—h, k—q^, i, ri] 28 Zeüeti, goth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Hain-Copinger ii/ic. Campbell 164. 

Limburg. {Aus Umburg.) 

57 Antonius de Bitonto: Sermones dominicales per totum annum. 
Argentinae, Johannes Griininger, 1496. kh 8. 

Hain *3220. 

Limburg. 

58 Antonius de Butrio: Speculum de confessione. Acc. Speculum 
aureum animae peccatricis, Hugonis speculum ecclesiae, Rodorici Zamorensis 
et Galagaritani Hispani speculum vitae humanae, Dionysii de Leuwis alias 
Rikel speculum conversionis. Lovanii, Johannes de Westphalia. s. a. [nicht 
vor 1483.] 2'>. 

Haut-Copmger '418^. 

Bl 44 — 5J den tractatus artis bene moriendi enthaltend fehlen in dem vorliegenden Exemplar. 

Limburg, 



— 9 — 

59 Apoll onius, Petrus: Libellus maiorum fastorum. Mediolani, 
Philippus de Mantegatiis, 1492. 4». 

Hain-Copinger i2go. Pdlechet gii. 
Wüsbadin LB. [Aus Herbom HSck) 

60 Apuleius Madaurensis: Opera. Venetiis, Philippus Pincius Mantua- 
nus, 1493. 2'>. 

Hain *I3I^. PelUchet g2^. 
IVfilburg^, [Aus Rimimersdorf.') 

Aquila s. Petrus de Aquila. 
Aquino s. Thomas de Aquino. 
Argentina s. Thomas de Argentina. 

61 Aristophanes: Comoediae novem, graece. Venetiis, Aldus Ma- 
nutius, 1498. 2o. 

Hain-Copinger *i6£6. PelUchet 11/ 4. 
Wiesbaden LB. {Aus Herborn HSch.) 

62 Aristoteles: Copulata super veterem artem. [Coloniae, Henricus 
Quentell], 1490. 2o. 

Hain *i6/3. 

Limburg. {Aus Limburg.) 

63 Aristoteles: De anima cum commentariis secundum doctrinam 
Alberti Magni. Coloniae, Henr. Quentell, 1497. 2». 

Hain-Copinger i/ii. Pellechei 12 lO. 
Weilburg. [Aus Herbom HSch.) 

64 Aristoteles: De meteoris libri IV cum commentariis Jacobi de 
Amstbrdia. Coloniae, Henricus Quentell, 1497. 2^. 

Pellechet 1204. Copinger II, /, 616. 
Sign: A—Nl, O—P'. 
Weilburg. [Aus Herbom HSch.) 

65 Aristoteles: De physico auditu libri octo cum commentariis 
Joannis Harderwyck iuxta doctrinam Alberti Magni. Coloniae, Henricus 
Quentell, 1497. 2o. 

Voullieme g^. Hain-Copinger 16044. 
Limburg. (Aus Limburg^ 

66 Aristoteles: Parva naturalia cum commentariis Johannis de Mech- 
linia secundum Alberti Magui. Coloniae, Henricus Quentell, 1498. 2o. 

Pellechet 1215. Hain i;;i8. 

Das vorliegende Exemplar hat 106 Bl \A—Q\ R^, Sz]. 

Weilburg. [Auz Herborn HSch.) 

67 Aristoteles: Problemata, latine, Theodoro Gaza interprete cum 
vita Aristotelis. [Coloniae, Henricus Quentell. 1496?] 4*>. 

Bl la Titel: Probleumata Arestote lis determinätia multas questiones de varijs cor- 
poru; I| humanoy dispositionibD valde audientibD suaues. cum i eiusde Aresto. vita : morte 
metrice descripta. subiüctis metroy cü interlineali glosa sententialibo expositionibD. Bl ib 
leer. Bl 2a {Sign atj']: [JMnes homines naturaliter scire desi- derät. vt scribit Arestoteies 



_ 10 — 

pnceps phi' losophorum pmo metaphisice. Cui9 ' BI jj {Sign fuj] .i ZI 2^: x semper p in- 
finita seculoi« secula. AMEN. i^> 33^: Incipit über de vita ; morte Arestotelis omniü 
philosopho^ principis. Bl ^o ^i ZI 2i: vbi statum : religione ipsoy intueri valent seipsos 
iudicaturi Explicit liber de vita i morte Arestotelis. 
^O Bl mii Sign Iß^gl, -44], 36 Zfuen, goth. Schrift. 

Copinger II, /, 623 ist nicht ganz genau. Praetor I3g3. 

Wiesbaden G. {M 48.^ [Aus Idstein Gymn. Bibl.) 

88 Aristoteles: Problemata lat.. Theod. Gaza interprete cum vita 
Aristotelis. [Coloniae, Henr. Quentell], s. a. 40. 

Hain 'i/2i. Froctar 1410. 
Weüburg. {Aus Höchst.) 

69 Aristoteles: Problemata lat., Theodoro Gaza interprete cum vita 
Aristotelis. s. l. t a. 40. 

Hain 1^23 genügt. 

Fl 4.'?a Z! /.• nobis concedat deus in secula benedictus AMEN \\ 3-5^ Concludendo 
ergo finaliter ; cum veritate dico. q, Arestoteies p dei misericordiam etc. ZI 30: Ibi eni 
statum ; religione suam intueri valent seipsos iudicaturi. Bl 48b leer. 

48 Bl [Sign a — hi\, 36 und 44 Zeilen, goth. Schrift, drei Schriftgrössen. 

Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

70 Astesanus: Summa de casibus conscientiae. [Argentinae, Job. 
Mentelin, c. 1472.] 20. 

Hain- Copinger *l8Sg. Praetor 2II. 

Limburg. {Aus Limburg, vorher in Griinberg.) 

71 Astesanus: Summa de casibus conscientiae. Coloniae, Henricus 
Quentell. 1479. 2 Bde 2». 

Hain-Copinger *i8g4. Pellechet 1406. 
Limburg. (Aus Sayn.) 

72 Astesanus: Summa de casibus conscientiae. Coloniae, Henricus 
Quentell, 1479. 2 Bde 2o. 

Hain-Copinger *l8g£. Pellechet 140/. 
Limburg. (Aus Limburg.) 

73 Auetori tates Aristotelis. Daventriae, [Eich. Pafraet], 1489. 40. 

Campbell ig2. Pellechet I4ßl. Hain-Copinger ig33. 
Wiesbaden LB. 

74 Augustinus de Ancona: Summa de ecclesiastica potestate. 
[Xorimbergae, Petrus Wagner?; Lugduui, Petrus Ungarns?], s. a. 2o. 

Hain-Copinger g^g. 

Bl 3 a(x ZI 2 steht summa und nickt summa. 

Wiesbaden LB. [Aus Höchst.) 

75 Augustinus, S. Aurelius: Canones iuxta triplicem quam edidit 
regulam. Argentinae. Martinus Schott, 1490. 2o. 

Hain *2076. Pellechet 1568. 

148 Bl \a b dfh k t zA, c e g il mn p q r s A Bl\; dU Tabula umfasst Bl I—I2, Bl 13S «• 13^ ^"r. 

Wiesbaden LB.: 3 Exemplare (aus Schönau ohne Tabula und Höchst.) 

Limburg. 



— 11 — 

76 Augustinus, S. Aurelius : De caritate. [Coloniae, typo^r 
Dictyos, 1471—75.] -l«. ^^l^^ö'- 

^//«.- Incipit Tractatus bti Augustini de caritate. Bl 2b ZI 22 : Explicit bmo bti 
Augustini epi de caritate. 

2 Bl okn<; Sign, 2/ Zeilen, goth. Schrift, eine Schrijtgrösse. 

Hain-Capinger 208g. Praetor p/p. 

Limburg. 

11 Augustinus, S. Aurelius: De civitate dei cum commento Thomae 
Valois et Nicolai Triveth. Basileae, Johannes de Amerbach, 1489. 

Pellechet 155g. Hain-Copinger 2064. 
Wiesbaden LB. [Aus Schunau.) 
Her bor n 1/4/. [Aus Rommersdorf.) 

78 Augustinus, S. Aurelius: De civitate dei cum commento Thomae 
Valois et Nicolai Triveth. Basileae, Johannes de Amerbach, 1490. 2o. 

Hain-Copinger *2o66. Pdlecket l^6l. 
Limburg. [Aus Hadamar.) 

79 Augustinus: De civitate dei cum commento Thomae Valois et 
Nicolai Triveth. Friburgi, [Kilianus Piscator], 1494. 2». 

Hain-Copinger *2o68. Pellechet 1562. 
Herborn 804. [Aus Herbom HSch.) 
Limburg. [Aus Limburg.) 

80 Augustinus, S. Aurelius: De civitate dei cum commento Thomae 
Valois et Nicolai Triveth. Moguntiae, Petrus Schöfier, 1473. 2". 

Pergamentexemplar , aus dem leider Bl i u. 2 sowie 46 weitere Blätter herausgeschnitten sind. 
Hain-Copinger *20S/. Pellechet IS55- 
Wiesbaden LB. 

81 Augustinus, S. Aurelius: De sancta virginitate. [Coloniae, Gulden- 
schatf? ter Hoernen? G. ten Raem?, c. 1480?] 

Hain-Copinger *20/8. Praetor i^ig. Pellechet 156g. 

Roth, Die Druckerei zu Eltville S. 7, Anm, 4 zueist den Druck Gutenberg, Klemm No. 4 der 
Eltviller Presse zu. 

Wiesbaden LB. [Aus Arnstein.) 

82 Augustinus, S. Aurelius: De trinitate dei. Basileae, Johannes 
de Amerbach, 1489. 2'>. 

Pellechet 1541. Hain 203/. 

Die Beschreibung Copingers zu dieser No. trifft nicht zu, passt vielmehr zu H. *203g. 

Herbom 1/4/. (Aus Rommersdorf.) 

Wiesbaden LB. [Aus Schönau.) 

83 Augustinus, S. Aurelius: De trinitate dei. Basileae, Johannes de 
Amerbach, 1490. 2». 

Hain-Copinger *20jg. Pellechet 1542. 

Limburg: 2 Exemplare. [Aus Schönau und Hadamar.) 

84 Augustinus, S. Aurelius: De trinitate dei. [Friburgi, Kilianus 
Piscator], 1494. 2o. 

Hain-Copinger *2040. Pellechet 154$. 
Herbom 804. [Aus Herborn HSch.) 
Limburg. [Aus Limburg.) 



— 12 — 

85 Augustinus, S. Aurelius: Epistolae. [Argentinae. Joh. Mentelin, 
1468 (?).] 2*>. 

Hatn *ig66. PilUchet 1481. Bl ^Oa leer, Bl /ob nur Sp. ß van 4§ Zfilen. 
Wusbaden LB. 

86 Augustinus. S. Aurelius: Epistolae. Basiliae, Johannes de Amer- 
bach, 1493. 2'>. 

Ham-Copnger *ig6g. PeUechet 1483. 
Herbem I/4g. \Aus EJirenbreüsletn.) 
Limburg: 2 Exemplare. [Aus Limburg und Schönau.) 

87 Augustinus, S. Aurelius: Psalmorum explanatio. Basileae, Joh. 
de Amerbach, 1489. 2«. 

Hain-Copmger ig/Z. VouUiime 128. PeUechet 1485. 
Limburg. {Aus SchMau.) 
Wusbaden LB. 

88 Augustinus, S. Aurelius: Psalmorum explanatio. Basileae. Johannes 
de Amerbach, 1497. 2». 

Hain-Q^pinger *ig/j. PeUechet 148/. 
Limburg. yAus Limburg.) 

89 Augustinus. S. Aurelius: Psalmorum explanatio. Venetiis, Ber- 
nardinus Benalius, 1493. 2^. 

//ain *ig/J. PeUechet i486. 
Limburg. {Aus Deutz.) 

90 Augustinus, S. Aurelius : Homiliae et primo de eo quod psalmista 
ait: Quis est homo etc. [Coloniae, L'lr. Zell, c. 1467.] 4o. 

Hain-Ccpinger *ig84. PeUechet 14g/. 
Limburg. 

91 Augustinus, S. Aurelius: Liber prolocutionis et meditationis. 
[Argentinae, typogr. Henrici Ariminensis] s. a. 

Hain *2I02. Praetor J02. PeUechet 158/: H. Eggesteyn c. 14/2. 
Limburg. \Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 

92 Augustinus, S. Aurelius: Sermonum opera plura et diversa. 
Basileae, Johannes de Amerbach, 1494 — 1495. 2«. 

Umburg. 

Wiesbaden LB. Dies Exemplar endet mU Bl 248, der Titel ist demgemäss handschr. geändert. 

93 Augustinus, S. Aurelius: Sermo de verbis evangelicis <f/t:. [Coloniae, 
Arnoldus ter Hoemen], s. a, 4'^. 

PeUechet I4gg. 
Limburg. 

94 Aureolus, Petrus: Tractatus de conceptione virginis Mariae. 
[Moguntiae, Petrus Schoetfer], s. a. 4'^. 

Hain-Copinger "2142. PeUechet 1614. 

Limburg. {Aus Amstein.) 

Wiesbaden LB. {Aus Notgottes, vorher in Johannuberg.') 



— 13 — 

95 Aurifaber, Aegidius: Speculum exemplorum. Argentinae, [typogr. 
Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1490. 2'). 

Hain-Copinger *i4gi8. 

Am Ende feklfn einigt Blätter. 

Limburg. {Aus Sayn.) 

96 B albus, Johannes, de Janua: Catholicon. [Argentinae, typogr. 
singularis R, c. 1470.] 2o. 

//ain *23^I. Proctor 246. Pellechet 16 gg. 
Weilburg. (Aus PammersJor/.) 

97 Baibus, Johannes, de Janua: Catholicon. Moguntiae, [Joh. Guten- 
berg], 1460. 20. 

Hain-Copinger ^2254. Pellechet I/02. Proctor 146: Printer of Catholicon. 

Ueber die beiden Zeichnungen am Schlüsse dieses Papierexemplars s. van der Linde, Gutenberg, 
Stuttgart 18/8. S.^J. Anm. u. Centralblatt Jür Bibliothekswesen /. S.^4. Anm. sowie Roth, F. W E., 
Geschichte und Beschreibung der Königl. Landesbibliothek in Wiesbaden. Frankfurt a. M. 1886. 
S. 2/. Sicherer als hierdurch ist übrigens die Herkunft durch das noch vorhandene l^erseichnis der 
nach Wiesbaden aus Marienstatt gelangten Bücher bezeugt. 

Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

98 Baibus, Johannes, de Janua: Catholicon. Venetiis, Hermannus 
Liechtenstein, 1483. 2». 

Hain-Copinger *23J/. Pellechet 1/05. 
Weilburg. [Aus Notgottes.) 

99 Bai düng, Hieronymus: Aphorismi compunctionis theologicales. 
Argentinae, Joh. Gruninger, 1497. 4^. 

Hain-Copinger *22/0. Pellechet I/20. 

Die Überschriften in goth., das Übrige in röm. Schrift. Dies Exemplar hat in der letzten Zeile: 
MCCCCXCVII. 

Limburg: 2 Exemplare [deren eines aus Limburg). 

100 Baptista Mantuanus: Bucolica. s. 1. t. a.? 4o. 

Elia Titel: Baptiste Mantuani !j Bucolica seu adolescentia \\ in decem eglo 'gas diuisa: 
Ab Jodoco Badio Ascen |sio familiariter exposita: cum '| indice dictionum. i EHalogus cius- 
dem de vita beata: || Carmen eiusdem de sancto Joanne Baptista. [ Hermanni Buschij oda 
de contemnendo mun|jdo & amanda sola virtute & scientia. ]| In eglogas Mantuani Decato- 
sticon ;| omniü earü argumeta complectens \\ Joannis Gallinarij Budorini. || Es J eigen 5 Distichen. 
El 4b: Baptista Mantuanus Carmelita :| Paridi Ceresario. S. P. Ti.\\etc. Dat.: Kalendis 
Septembris Anno domini MCCCCXCVIII. Bl ggb ZI 32 : Murice vestes. Bl 100 [leer?] fehlt. 

100 Bl mit Sign [ABDEGHKLNOQRS2, CFIMPT4] und Blattzählung, 26 und jg Zeüen, 
röm. Schrift, nur die beiden ersten Worte des Titels in goth. Schrift, drei Schrißgrössen. 

Weüburg. [Herbom HSch.) 

101 Baptista Mantuanus: De patientia. Basileae, Johannes Bergmann 
de Olpe, 1499. 4«. 

Pellechet iSlJ. Hain-Copinger 2 40/. 
Limburg. [Aus Deutz.) 

102 Baptista de Salis s. Trovamala: Summa casuum conscientiae 
dicta Rosella seu Baptistiaua. Norimbergae, Antonius Koberger, 1488. 2". 

Hain-Copinger *i4i8i. 
Limburg, [Aus Hadamar.) 



— 14 — 

103 Baptista de vSalis s. Trovamala: Summa casuiim conscientiae dicta 
Rosella seu Baptistiana. Spirae. [Petrus Drachj. 1488. 2"J. 

Hj-irfCcpinger ^14180. Pro<ti}r 2J/4. » 

Limburg. (Aus HadamarA 

104 Baptista de Salis s. Trovamala: Summa casuum conscientiae dicta 
Rosella seu Baptistiana. Venetiis, Georgius Arrivabenus, 1495. 80. 

Haifi'Copin^fr ^1418^. 
Limburg. [Aus Rcmmersdorf^ 
Wiesbaden LB. [Aus Marimstatt^ 

105 Barbatia, Andreas: Repetitio Rubricae de fide instrumentorum 
Mediolani. [Philippus de Lavagnia], 1490. 2^. 

Bl la \Sign a.\ a ZI i : Repetitio Solemnis Rubrice. De fide instrumen torum. Edita 
per excellentissimum virü. : iuris vtriuscj Monarcham. diuum dnm Andream Barbaciä 
Sei culum '!' Messanensem. Bl i6a^ ^^39- Clarissimi iuris vtriusc^ Monarce ac Sere- 
nissimi Regis Aragonum. :c Nobilis cösiliarii D. Andres barbacie Siculi de fide instru. 
solenis Repeticio Ml i est impressa die V Mensis Nouebris Mcccclxxxx. Bl i6b leer. 

l6 Bl mii Sign \a b^\ und SpallenzäAlung, 6j Zeilen, goth. Schrift, eine Schrißgrösse, mit Margin. 

Copinger 11, I, No 86g. 

Wiesbaden LB. {Aus Herbom HSch.) 

106 Barbatia, Andreas: Repetitio legis cum acutissimi C. de fidei- 
commissis. Bononiae, Hugo Rugerius, 1492. 2"^. 

Bl la leer. Bl ib ZI i : C Reuerendissimo in xpo pri ac dno domino Aloysio Capre 
Mediolaneii. epo pisauren. dignissi mo Reuerendissimi legati :c. Bononie locütenenti bene- 
merito iurecösultissimo i dno suo vnico j Ugo Rugerius Bononien. impressor debita cömen- 
datöe premissa. S. P. D. (c) Ogitanti mihi etc. ZI IJ: Datum Bononie ex edibus nostris die. 
xxij. ianuarij. Mcccclxxxxiij. diuo Johanne Bentiuolo || feliciter regente pacemtp totius patrie 
nostre iam iam longissimo tempe nutriente. Bl 2a [Sign aijj a; C Repetitio egregia ac pere- 
grina legis cu? acu- tissimi. C. de fideicömissis edita per excellentis- simum virü i iuris- 
vtriuscj monarcham dominü i Andream barbatiam siculum messanensem mili- tem nobilissi- 
mum. Bl ß4a^ ZI i^ : C Impressa Bononie impensis acuratissimi Ugo- nis de Rugerijs. 
Anno salutis. Mcccclxxxxij. die \\ vero octana [!] Martij. Am Ende das Druckerzeichen. 

S4 Bl mit Sign [a4 b c dl e/^], 2 Spalten, 66 Zeilen, goth. Schrift, zwei Schriftgrössen. 

Wusbaden LB. (Aus Herbom HSch) 

107 Barthol omaeus de Chaimis: Interroaatorium seu confessionale. 
Moguntiae, Petrus Schöffer de Gemsheim, 1478. 4". 

Hain-Copinger *248j. 
Wiesbaden LB. [Aus Amstein.) 

108 Bartholomaeus de Chaimis: Interrogatorium seu confessionale. 
8. 1. t. a. 40. 

Hain-Copinger *24/g. 

Wiesbaden LB. [Aus Notgottes, zorher in fohannisberg) 

109 Bartholomaeus de Glanvilla: De propietatibus rerum. Argentinae, 
[typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483J, 1485. 2'\ 

Hain "2506. Proctor £g2. 
Wiesbaden LB. {Aus Deutt.) 



— 15 — 

HO Bartholomaeus de Glanvilla: De proprietatibus remm. Coloniae, 
Johann Koelhoff de Lübeck, 1-483. 2o. 

Hiün "2^04. 

Das vorlie:retide Exemplar ist am Anfang und Ende verstümmelt. 

Herbcnn V VI ii. [Aus Limburg^ 

111 Bartholomaeus Pisanus: Summa de casibus conscientiae. [Spirae, 
Petrus Brach, 1480?] 2o. 

Hain-Copinger ^2^24. 
VVUsbaden LB. 

112 Bartholomaeus de Usingen: Parvulus logicae. Lipsiae, Wolfgang 
Steckel 1499. 4o. 

Bl la Titel: Paruulus Loyce. Commentarij figurales loyce Compendiu? vbertim '| 
aperientes In famatissima Erffurdiensi achademia ;j per Bartholomeü de Usingen liberaliü 
disciplinarü | interpretem elucubrati. Qui non protrita nee peniten da docent sed dyalec- 
tice documenta multiiuga erudi[|tione conspicua reddunt. Necnon loyce totius prima fun- 
damenta ordinatissime tradunt. ßl ib leer. Bl ja [Sign aij]; Plrca initium Paruuli , loyce 
ante textus exordiu? quedam pambularia inj^totä loycam ett:. Bl 140a ZI 4: profuturos in- 
cepi ac ad finem vs(j perduxi. Die Schlussschrift ist herausgeschnitten, 

140 Bl mit Sign \a, — r, e—f, h — /, /, m, — s, v—z, r2i, d, g, k, n, t^] 41 Zeilen, goth. Schrift, 
j Schriftgrössen. 

Hain 2^j6. 

Die Typen sind dieselben wie in Hain *2£24. 

Wiesbaden LB. 

113 Bartholomaeus de Usingen: Parvulus philosophiae naturalis. 
Lipsiae. Wolfgang Steckel, 1499. 4^. 

Harn *2534. 
Wiesbaden LB. 

114 Bartolus de Saxoferrato: Lectura super L et IL parte Codicis. 
Venetiis, Andreas Torresanus de Asula, 1488. 2". 

Hain ^25 46. Pellechet igo^. 

In dem vorliegenden Exemplar Bl la [vielmehr 2a, Sign AA2] a Z I steht: Ubrica ista statt 
wie bei Hain und Pellechet Ubrica illa. 

Wiesbaden LB: Nur Pars I vorhanden. {Aus Ehrenbreitstein.) 

115 Bartolus de Saxoferrato: Lectura super I et LE parte digesti 
veteris. Yenetiis, Petrus Maufer, Johannes de Forlivio et Hercules de Buscha, 
1480—1481. 20. 

Hain *2S/2. Pellechet ig22. 

Wiesbaden LB : Nur P. J vorhanden. [Aus Ehrenbreitstein.) 

Baysio, s. Guido de Baysio. 

116 Beda: Repertorium sive tabula auctoritatum xlristotelis cum com- 
mento. Coloniae, Henr. Quentell, 1495. 40. 

Hain-Copinger *2/J4. 
Weilburg. {Aus Höchst.) 

117 Beda: Repertorium sive tabula auctoritatum Aristotelis cum com- 
mento. ^'orimbergae, Petrus Wagner, [1490?] 4». 

Hain-Copinger *2/JJ. 

Auf Bl 2 ist das A eine Holzschnitiinitiale. 

Wiesbaden G. {M 4S.) {Aus Idstein Gymn. Bibl) 



— 16 — 

118 Beichtbüchlein [Magdeburgi, Simon Koch. c. i486]. 4o. 

Bl la: Eyne schone geystlike lere vn vnderwijsinge van der bychte. wo eyn 
mjmsche bychten schal. Ock wo he sine penitentie holden vn gode offeren schal. Dci7"unter 
nn H.\t::hniit fznfn Bfuhtvaier und drei Beühtmdf dar;teilend. Bl ib: C Eyne lere wo de mynssche 
syne penitentie J gode offeiren vn beruwen schal. Bl lob ZI 24: len. De glorie vn vroude 
des hemels. 

10 Bl mit Sign [33, 3»], JO Zfilen, goth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Im dem zerlegenden Exemplare ist Bl 4 herausgerissen, vgl. Falk im Centralblatt f. Bibliotheks- 
-ivaen Jahrg. /, i8go. S. ^44. 

Limhdrg. 

119 Berber ius Johannes: Viatorium utriusque iuris. [Argentinae, 
Joh. Pryss]. s. a. 8». 

Hain-Cepinger *2/g3. Praetor 5/2. 
IViesöaden LB. [Aus Amslein.) 

120 Berchorius, Petrus: Dictionarius seu Repertorium morale. Norim- 
bergae, Antonius Koberger. 1489. 3 Bde 2o. 

Hain-C^ypinger 2801. Pellechet 2060. 
Weüburg: Bd i {Aus Limburg.) 
Limburg: Bd J. (Aus Limburg.) 

121 Berchorius, Petnis: Liber bibliae moralis s. Moralisationes bibliae. 
[Coloniae], Bartholomaeus de Unckel, 1477. 2». 

Hain-Copinger *2/gy. Pellechet 20S9- 
Limiurg. (Aus Deuts.) 
Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

122 Bernardinus de Busti: Rosarium sermonum praedicabilium. 
Hagenoae, Henricus Gran, 1500. 2 Bde 2o. 

Hain ^4164, 16 nicht nummerierte Bl, Bl 16 leer. 
Limburg. {Aus Limburg.) 

123 Bernardinus Senensis: Sermones de evangelio aeterno. Basileae, 
Nicolaus Kessler, s. a. 2^ 

Hain '2828. Bl jooa Z 26 steht in dem vorliegenden Exemplar: Semones[!] de charitate. 
siue de euägelio eter/ \\ 

Limburg. {Aus Deutt.) 

124 Bernardinus Senensis: Sermones de festivitatibus virginis gloriosae. 
Norimbergae, Fridericus Creussner, 1493. 40. 

Hain-Copinger "2832. 
Wiesbaden LB. {Aus Höchst.) 

125 Bernardus Claraevallensis: Epistolae cum aliis eiusdem tractatibus. 
Basileae, [Nie. Kessler], 1494. 2o. 

Hain-Copinger *28/2. Pellechet 2106. 
Limburg. [Aus Herbom HSch.) 

126 Bernardus Claraevallensis: Epistolae cum aliis eiusdem tractatibus. 
Parisiis, [Ulricus Gering], 1494. 4". 

Hain-Copinger 28/4. Praetor 82gg. Pellechet 2108. 
Limburg. {Aus Limburg.) 



— 17 — 

127 ßernardus Claraevallensis: Flores de diversis sermonibus. Coloniae, 
Johannes Koelhoff de Lübeck, 1482. 2". 

Hain-Capinger 2g26. Voulliime /gg. Pfüechet 2/81. 
Wiesbaden LB. {Aus Schönau.) 

128 Bernardus Claraevallensis: Floretus. [Coloniae, Hearicus Quentell, 
c. 1490.] 40. 

Hain-Copinger *2gi2. Pellechel 2166. 

Klemm und Pellechet halten diese Ausg. für die Editio princefs. Copinger setzt sie /^OO an. 

IViesbaden LB. 

129 Bernardus Claraevallensis: Sermones super cantica canticorum. 
Acc. Gilberti sermones super cantica canticorum. Argentinae, Martinus Flach, 
1497. 20. 

Halft- Copinger *28£g. Pellecket 20gS. 

Limburg: 2 Exemplare [deren eines aus Herbom HSch.) 

130 Bernardus Claraevallensis: Sermones super Cantica Canticorum. 
Parisiis, [ülricus Gering], 1494. 4'^, 

Hain-Copinger 28^8. Pellechet 20g/. vgl. Proäor 82g g. 
Bl / Z j: tiue q.- 
Limburg. {Aus Limburg.) 

131 Bernardus Claraevallensis: Sermones super Cantica Canticorum. 
Rostock, fratres communis vitae ad S. Michaelem, 1481. 2o. 

Bl I fehlt. Bl 2aa rot: Repertoriü notabiliü sentenciarü in omelias mel|1iflui doctoris 
bernhardi super cantica canticorü. |j schwarz (jbel alacri Cayn contracto vultu obtulit ; etc. 
Bl 4b^ rot: Quisquis videris hoc repertorium si ad vnguem in j! puncto nö inueneria quod 
queris leges paulisper vel superiora vel inferiora et non fraudaberis. Memen to etc. Bl ^a 
rot: Incipiunt sermones egregij atc^ melliflui doctoris beati ;| bernhardi Clareuallensis abbatis 
Sup cantica canticorü ,1 schwarz: ()Obis fratres alia q.de selb: aut cer- |te aliter dicenda sunt. 
Ulis siquide lac || etc. Bl 20/ a ZI i rot: Ad laudem et gloriam omnipotentis deL gloriose 
virginis i marie. et omnium sanctoy. Finiunt feliciter elegantissimi at? (!) pulcherrimi ser- 
mones beati. Bernardi clareuallesis abbatis doctoris melliflui super Cantica canticorum 
suma cü diligen cia correcti atcj impressi in Ro?stock per fratres Cois vite. ad sanctü 
Michaelem. Anno a natiuitate domini. Millesimo 'j quadringentesimo octuagesimopmo 
qnto kaledas Augusti. Darunter das Druckerzeiihen rot. Bl 208 fehlt. 

208 Bl ohne Signaturen, J/ Zeilen, die Tabula 60 Zeilen, goth. Schrift. 

Hain-Copinger 2856. Pellechet 20g5. 
Pellechet weicht etwas ab. 
Herbom 833 b. 

132. Bernardus Claraevallensis: Sermones de tempore et de sanctis. 
[Parisiis, ülricus Gering, c. 1494,] 40. 

Hain-Copinger "2843. PMechet 2086. vgl. Praetor 82gg. 
Limburg. {Aus Limburg.) 

133 Bernardus de Parentinis: Expositio officii missae. [Spirae. JoIl 
et Conr. Hist?], s. a. 2«. 

Hain-Copinger *i24l6. 
IViesbaden LB. {Aus Eierbach.) 



— 18 — 

134 Bernardus Parmensis: Casus longi super quinque libros decre- 
talium. Argentinae, [Job. Pryss]. 1498. 2'\ 

Hain-Copmgtr *2g^8. 
Limburg. {Aus Uml>urg.) 

135 Bernardus Parmensis: Casus longi super ijuinque libros decre- 
talium. Argentinae, s. t, 1493. 2o. 

Hain *2pj6. 
WiescaJfft LB. 

Bertorius s. Bercborius. 

136 Betrübnisse Marias. Magdeburg. Johannes Grashover, 1486, 4". 

Bl la [Signz'i]: Hijr beghynnet dat bock van der bedroj ffenisse vnde herteleyde der 
hogheloue ; den konnigynnen der alderleueste mo der cristi marien C Dat erste capittel. ,| 
sprickt Wu dat maria to bethleem ghynck vnd wu ; se ore kynt ghebar vnde van oreme 
groten armoyde. Darurtier Holzschnitt: Maria und Josef das "Jesuskind anbetend. Bl ~4b ZI l6 : 
C Loff vnde ere sy der benedygeden moder mari 'en de dusse materien dem dichter in syn 
herte heft gegheue welke materie is ghemaket nach der ge bord cristi vnses heren ver- 
teynhundert dar na in dem vyfTundeachtentighesten iare Unde den dar na in den ses?- 
undeachtentighesten iare dorch Jo ;hannem grashoue borgher to magdeborch is ghe prentet 
worde Des de almechtighe god maria syn |1 benedigede moder myt allem hymmelschen 
here to \ ewyghen tyden ghelouet syn. Bl ~ß a Holzschniit Maria mU Jünf Schwertern, die durch 
ihr Herz gehn, darstellend. Bl /jb: C Hijr beghynnet de vyff betroffenisse marien i| der leuen 
soten moder cristi. Bl /8b ZI 28 : scheyde myt den armen dyner barmherticheyt amen 
Di£ letzten Blätter fehlen. Vorhanden sind i8 Bl mit Sign [a — /4, ki], 28 Zeilen, goth. Schrift, eine 
Schriftgrösse mit eingedruckten Initialen und vielen Holzschnitten, vgl. Falk, Der Magdeburger Drucker 
Johann Graschoff i486 in Centralblatt f. Bibliothekswesen Jahrg. /, l8go, S. 246 — 248 und 344. 

Limburg. 

137 Biblia latina. [Argentinae, Job. Grüninger], 1483. 2o. 

Hain-Cjpinger 3088. Praetor 43/. Pellechet 2^15. 
Limburg: nur von Bl JO^ [Hain J04] ab vorhanden. 

138 Biblia latina. Basileae, Jobannes Froben, 1491. 8'^. 

Hain-Copinger *3ZO/. Pellechet 232g. 
Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

139 Biblia latina. Basileae, Johannes Froben, 1495, 8o. 

Hain-Copinger *3Il8. Pellechet 2JJ^. 
Herbem ig 3. (Aus Herbom HSch.) 
Limburg [unvollständig). 

140 Biblia latina. [Basileae, Johannes de Amerbach], 1481. 2«. 

Hain-Copinger *3o8l. Praetor /S^'^- P'U^chei 2 30 8. 
Herbom 1/6. [Aus Eberbach.) 
Limburg. [Aus Limburg.) 
Wiesbaden LB. [Aus Rammersdorf.) 

141 Biblia latina. [Basileae, Johannes de Amerbach], 1482. 2o. 

Hain-Copinger *3o86. Praetor /^ÖJ. 
Limburg. [Aus Sayn.) 

142 Biblia latina. [Basileae, Bernh. Richel], 1475. 2". 

Hain-Copinger "3053. Praetor /S24. Pellechet 22/ pr. 
Wiesbaden LB. Nur Bl 228—4^5 vorhanden. 



— 19 — 

143 Biblia latina. Coloniae, Conradus de Homborch, 1479. 2^ 

Hain-Copinger *jo/i. Pellechet 2JOO. 
IJmburg. {^Aus Sayn.) 

144 Biblia latina. [Coloniae, Nicolaus Goetz. c. 1472.J 2 Bde. 2**. 

Bd /: Bl I \Uer?\ fehlt. Bl 2'aa: Incipit epla sancti. leronimi ad !| paulinü psbitey 
de omnibD diuine !| historie libris. Ca. I. [| ()Rater ambrosi9 ] tua michi munus:,cula pferes, 
detu- |lit simul et suauis simas Iräs. que a pncipio amicicia- rü. fidem pbate ^U. Bl £a^ 
ZI j6: Explicit plogus in penthateucon i| moysi. Incipit über bresich quem [ nos genesim 
dicimus •:• || Capitulum primum. i; Bl 5jß.* ()N pncipio creauit deus ce lum et terram. Terra 
aute li eat inanis : vacua: : tene||bre erat sup faciem abisai: || x spüs dni ferebat super 
a||quas. eic. ßl Jj6a^ ZI 40: Spiritus laudet dnm. Explicit psalterium •:• Bl 3^6 b leer. 

Bl I: 336 Bl ohne Sign [35 Lagen: i^n, 16—20, 22—2;; 2g, 3^5, 13—15, 21, 28, 30, 

32—34, 36*> 3^i]- 

Im Übrigen s. Pellechet 2268. Copinger II, I, 1020 ■ 
Limburg und IViesbaden LB. 

145 Biblia latina. [Coloniae, Nie. Goetz, c. 1473.] 2 Bde 2o. 

Hain-Copinger ^3042. Praetor iii/. Pellechet 22/2. 

Limburg: 2 unvollständige Exemplare , das eine mit dem Buche Tobiae beginnend und mit dem 
Evangelium fohannis endigend {aus Deutz), das andere die libri Regum, Paraäpomenon, Esdrae, und 
das Psalterium enthaltend {aus Sayn). 

Wiesbaden LB : nur Bd 2, in dem aber das Druckerzeichen am Ende fehlt. (Aus Rommersdorf.) 

146 Biblia latina. [Coloniae, Nie. Goetz, c. 1475.] 2 Bde 2o. 

Hain-Copinger ^3046. Praetor 1118. Pellechet 226g. 
Limburg: nur der IL Teil vorhanden. 

147 Biblia latina. Coloniae, [Nicolaus Goetz], 1480. 2 Bde 2o. 

Copinger II, i, IO25. VaullUme 223. 
Wiesbaden LB: nur Bd i vorhanden. [Aus Limburg.) 

Es ist dies die Bibel, auf die sich v. d. Lindes Kritik des alten Inkunabelverzeichnisses der Wies- 
badener Landesbibliothek (Centralblatt für Bibliothekswesen I, S. £4) bezieht. 

148 Biblia latina. Moguntiae, Petrus Schöifer. 1462. 2 Bde 2o. 

Schön rubricirtes Exemplar auf Pergament, das Bl laa ZI i \roi\: Incip epla sei iheronimi 
ad paulinü psbite-||rü: de oinibD diuine historie libris; Ca. pmü. || ( jRater ambrosius beginnt, 
vgl. Pellechet. Bl 2o6 u. 20/ haben gefehlt, sind aber von H. Klemm in Dresden im fahre 18S3 
sehr kunstvoll nachgebildet worden. 

Hain-Copinger *3050. Pellechet 228z. 

Wiesbaden LB: nur Bd i. 

149 Biblia latina. Norimbergae, Antonius Koberger, 1478. 2o. 

Hain-Copinger *3o68. Pellechet 22 g6. 

Nach handschriftlicher Notiz auf dem. letzten Blatte kostete diese Bibel im Jahre I4gi 5 Gulden, 
das Rubriciren 12 Albus. 
Wiesbaden LB. 

150 Biblia latina. [Spirae, Petrus Drach], 1489. 2o. 

Hain-Copinger "^3105. Praetor 23/8. Pellechet 232/. 
Hadamar. (Aus Hadamar.) 
Wiesbaden LB. (Aus Sayn.) 

151 Biblia latina. Yenetiis, Nicolaus Jenson, 1479. 2". 

Hain-Copinger *30/3. Pellechet 2302. 

Im vorliegenden Exemplar fehlen die beiden ersten Bl. 

Wiesbaden LB. 



— 20 — 

152 Biblia latina. Venetiis. Franciscus Renner, 1480. 4«. 

Hain-Opnger 'jO/S. PelUchet 2^0$ • 
Um'ourg. 

153 Biblia latina cum Concordantiis. Argentinae. [Johannes Grüninger] 
1497. 20. 

Hain-Capinger *JI22. Prcctor 4^g. 
Limburg. (Aus Hadamar.) 

154 Biblia latina cum postillis Hugonis de Sancto Caro. Basileae, 
Johannes de Aiuerbach. 1498—1502. 7 Bde 2o. 

Hain-Copinger 31/ 5. Pd'.echet 23^4. 
Limburg. [Aus Eöerbach.) 

155 Biblia latina cum postillis Nicolai de Lyra. Argentinae. [Job. 
Grüninger]. 1492. 4 Bde 2'\ 

Hain-Copinger "J/Ög. Praetor 462. Pellechet 2348. 

Limburg: 2 vollständige Exemplare [aus Sayn und Notgottes\ ein 3. Ex., nur P. II, {aus Deute). 

156 Biblia latina cum postillis Nicolai de Lyra. [Lugduni], Johannes 
Syber. [1496?] 4 Bde 2". 

Hain-Copinger ^3163. Proctor 8542. Pellechet 2342. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

157 Biblia latina cum postillis Nicolai de Lyra. Norimbergae, Anton. 
Koberger. 1485. 4 Bde 2'^. 

Hain-Copinger *3/66, Pellechet 234^. 

IViesbaden LB : nur Bd 4 vorhanden. [Aus Höchst.) 

158 Biblia latina cum postillis Nicolai de Lyra. Norimbergae, 
Antonius Koberger, 1487. 4 Bde 2^. 

Hain-Copinger *3l6/. Pellechet 2346. 

Limburg: ein Exemplar [aus Deutz), ein 2. Ex. nur Bd i, 2 und 4 [aus Rommersdorf), ein 3. Ex. 
nur Bd I [aus Deutz) u. Bd 4 laus Hadamar). 

159 Biblia latina cum postillis Nicolai de Lyra. Norimbergae, Anton. 
Koberger, 1497. 4 Bde 2'^. 

Hain-Copinger "'31/I. Pellechet 23£0. 
Limburg: nur Bd i u. 3. [Aus Deutz). 

160 Biblia latina cum postillis Nicolai de Lyra. Venetiis, Franciscus 
Renner, 1482. 3 Bde 2«. 

Hain-Copinger *3l6£. Pellechet 2344. 
Limburg: Bd I. [Aus Rommersdorf.) 

161 Biblia latina cum postillis Nicolai de Lyra. Venetiis, Octavianus 
Scotus, 1489. 4 Bde 2o. 

Hain-Copinger *3i68. 
Limburg: nur Bd i u. 2. 

162 Biblia latina cum glossa ordinaria Walafridi Strabonis et inter- 
lineari Anselmi Laudunensis. [Argentorati, Adolphus Rusch, 1480.] 4 Bde 2'\ 

Pars II Bl la abweichend von Hain und Pellechet: ()Iginti et j duas litteras es 'se apud 
hebre- os etc. 

Hain-Copinger *3l/3. Proctor 2g g. Pellechet 2352. 

Limburg: Bd I u. 4. IViesbaden LB.: Bd 2 u. 3. [Aus Deutz.) 



— 21 — 

163 Biblia germanica. Argentinae, [Job. Grüninger], 1485. 2 Bde 2o, 

DU Holzschnitte sind kolorirt, der 2. Band ist mit vielen schönen Initialen versehen. 
Hain-Ccrpinger "^3138. Praetor 443. Pellechet 23/6. 
IViesboilen LB. {Aus Hadamar.) 

164 Biblia germanica. [Norimbergae, Andreas Frisner et Job. Sensen- 
schmid, c. 1472.] 2o, 

Hain '3132. Praetor 2204. Pellechet 23/I. 
Wiesbaden LB. (Aus Sayn.) 

165 Biel, Gabriel: Expositio sacri canonis missae. Reutlingae, Johannes 
Otmar, 1488. 2o. 

Hain-Copinger *3i/8. 
Limburg. (Aus Xotgottes.) 

166 Biel, Gabriel: Expositio sacri canonis missae. Tubingae, [Jobannes 
Otmar], 1499. 2o. 

Hain-Copinger *3i^g. 
Wiesbaden LB. 

167 Biel, Gabriel: Expositio sacri canonis missae. Tubingae, [Johannes 
Otmar], 1499. 4». 

Hain-Copinger *3i8l, 
Herbom 341, 

168 Biel, Gabriel: Sermones de festivitatibus Christi et virginis Mariae 
atque de sanctis, [Tubingae, Johannes Otmar], 1499. 4o. 

Hain-Copinger ^3184. Praetor 3234. 

Wiesbaden LB. {Aus Notgottes, vorher in yohannisberg.) 

Bitonto s. Antonius de Bitonto. 
Blony 8. Nicolaus de Blony. 

169 Boethius: De consolatione philosophiae c. comm. Acc. Job. Gerson: 
De consolatione theologiae. Coloniae, Johannes Koelhoff de Lübeck, 1488. 2'\ 

Hain-Copinger *338o 
Wiesbaden LB. {Aus Schönau.) 

170 Boethius: De consolatione philosophiae cum commento. Daven- 
triae, Jac. de Breda, 1490. 4» 

Hain-Copinger 3381. Campbell 312. 
Wiesbaden LB. 

171 Boethius: De consolatione philosophiae cum commento. Hagenoae, 
[Henricus Gran], 1491. 40. 

Hain *3383. Proctor 31/2. 
Wiesbaden LB. 

172 Boethius: De consolatione et de uisciplina scholarum. Venetiis, 
Johannes et Gregorius de Gregoriis, 1497. 2o. 

Copinger //, /, 1118. 

Der Titel ist nicht in Kapitalschrifi. 

Weüburg. {Aus Herbom HS eh.) 



— 22 — 

173 Boethius: De Jisciplina schoUirium cum commento. Coloniae, 
Henricus Quentell. 1489. 4ö. 

Hain-Ccfinger 24^9- 
WUibaden LB. 

Boloj]'ninus s. Ludovicus Bolocminus. 

174 Bonaventura: Biblia pauperum. [Argentiuae, Johann Pryss], 
1490. 4. 

Hain-Capinger *J^03. ZI J des TiUh steht omniius, wie VouWJme 26 1 angiebt. 
Herbem S l' £. {Aus Herborn HSch.) 

175 Bonaventura: Breviloi^uium. Acced. Biblia pauperum. Yenetiis, 
Johannes de Colonia et Johannes Manthen de Gherretzem, 1477. 

Hain '34/3. 

Limburs;: Nur die Biblia pauperum vorhanden. {Aus Amstein.) 

176 Bonaventura: Liber protectuum religiosorum. [Daventriae. 
Richardus Pafraet. 14ö3— 1484.] 4'). 

Hain-Copin^er 3£lO. Campbell 1442. Proctor 8g 6/. 
Wiesbaden LB. [Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 

177 Bonaventura: Libri et tractatus varii. Argentinae, Martinus 
Flach, 1489. 2«. 

Hain-Ccpinger "346^- 
Limburg. 

178 Bonaventura: Libri et tractatus varii. [Coloniae, Bartholomaeus 
de Unckel], 14S4. 2'\ 

Bl la Titel: Tractatus sancti Bonauenture ,' Breuiloquium | Itinerarius mentis in deum || 
Paruum bonum Regimen conscientie Föns vite Soliloquium siue De quattuor exer- 
citijs deuotorü Lignum vite , Centiloquium Apologia pauperum Epistola eiusdem eli- 
minans errorem [ cuiusdä magistii circa regulam beati Francisci , Epistole plures '' Epis- 
tola eiusdem dans regulä oibus in christo viuere volentibus Uiginti passus de virtutib9 
bonorum religiosorum De reductöe artium ad theologiä De tribus ternarijs infamibus J 
Expositio orationis dominice De Septem gradibus contemplatöis Laudismus de sancta 
cruce 11 Laudisonus de sancta cruce. Bl ib leer. Bl ^4 ist leer. Hain F. /J ist also Bl ^5. 
Bl 83 [Hain 81] ist dagegen nicht leer, ist vielmehr Hain 82\ Von Blatt ig^ ab ist der Schrift- 
charakter ein anderer, dennoch ist, wie der Titel zeigt, Jas Werk so, wie es Hain anführt, ein rinheit- 
liches. Der zuletzt im Titel angeführte Laudisonus de sancta cruce ist identisch mit Laudismus 
de Santa cruce. Das Werk hat im Ganzen 2^8 Bl mit Sign [a—fi, g — h3, aa*, bbi, A — C4, 
D—Gl, H—P',, Qs, a—i*, ks]. 

Im Cbri^en s. Hain-Copinger *3463. Procter I143. Vgl. Voullieme Nachtr. S. 262. 

Wiesbaden LB. {Aus Limburg.) 

179 Bonaventura: Opuscula parva. Argentinae, [typogr. Jordani de 
Quedlinburg, a. 1483]. 1495. 2^. 

Hain-Copinger ^346 8. Proctor 63g. 
Limburg: Pars //. [Aus Limburg.) 

180 Bonaventura: Perlustratio in quattuor libros sententianim« 
Friburgi, Kilianus Piscator, s. a. 4 Bde 2o. 

Hatn '354t. 

Beigebunden ist aie Tabula Bl i — /£ [75^ w/ überklebt] der Kobergerschen Ausgabe v. T^OO 
= Hain "3543- 

Limburg: Bd i u. 2. [Aus Limburg.) 



23 — 



181 Bonaventura: Perlustratio in quattuor libros sententiarum. Norim- 
bergae, Antonius Koberger, [1491]. 5 Bde. 2«. 

Du Tabula -jjeicht von Hain ab. 

Bl la Titel: Tabula super libros sententiay ' cum Bonauentura. Bl tb leer. Dl 2a 
{Sign ai\ a; Johannis bekenhaub moguntini in scripta diui j bonauenture cum textu senten- 
tiarum tabula, quam , siquis etc. Bl g8b^: Tabule sup textü sententia^ cü Bonauentura 
fi||nis. In qua sparsim viciola quedä adnotaui in Bo nauentura et lombardo suis locis 
em8danda. Vere ;or -r/r. Bl ggaa: Sequuntur värij irticu li erronci omnium pene facul- 
tatum. in anglia et pa.i;risius studiose : auctoritatiue condenati cum reuoca tionibus eorun- 
dem. II rf^. Bl 112 leer. Bl iija [Si^ ggj a.' Ordo questionum di,,ui Bonauenture etc. 
Bl 1x8 a<^ ZI 10: nolle debeamus. d. Bl 118 b leer. 118 Bl {Sign a^, b-ql, 13, -4, ggi]. Das 
Übrige wie Hain. 

Hain-Copinger *3540. Praetor 2068. 

Herbom 814 b: Bd i u. 2 mit der Tabula. (Aus Herbom HSch.) 

Limburg: Bd 1—5 [mit der Tabula Bl i—g8) und ein 2. Ex. von Bd 2. {Aus Limburg.) 

Wiesbaden LB: Bd J u. 4. [Aus Marienstatt.) 

182 Bonaventura: Perlustratio in quattuor libros sententiai-um. 
Norimbergae, Antonius Koberger, 1500. 2o. 

Hain-Copinger ^3543. 

Limburg: Nur die Tabula Bl 1—75 vorhanden. (Aus Limburg.) 

183 Bonaventura: Sermones de tempore et sanctis. Reutlingae, 
[Johannes Otmar], 1485. 2o. 

Hain *3S!/- Praetor 270;^. 
Wiesbaden LB. 

184 Bonaventura: Sermones mediocres de tempore. Argentinae, 
[typograph. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1496. 4o. 

Hain-Copinger *3523. Praetor 668. 
Limburg. 

185 Bonifacius VIII: Liber sextus decretalium cum Clementinis. 
Basileae, Johannes Proben, 1494. 4». 

Hain-Copinger *36/g. 

Nach einer handschrifil. Notiz wurde das Buch zu Mainz 1494 für 18 Albus gekauft. 

Wiesbaden LB. {Aus Herbom HSeh.) 

186 Bonifacius YIII: Liber sextus decretalium cum Clementinis. 
Basileae, Johannes de Amerbach et Johannes Proben. 1500. 4». 

Hain-Copinger ^3626. 

Wiesbaden LB. {Aus Ehrenbreüstein.) 

187 Bonifacius VIII: Liber sextus decretalium cum Clementinis. 
[Basileae, Nicolaus Kessler, 1495?] 2*>. 

Hain-Copinger *3585. Praetor 76g 7. 

In dem Exemplar aus Deutz steht Bl 5 a Text rot: Incipit sextus liber decre. Im Öhrigen 
stimmt alles mit Hain überein. 

Limburg: 2 Exemplare. {Aus Deutz und Rommersdarf.) 

188 Bonifacius VIII: Liber sextus decretalium. Basileae, Michael 
Wenssler, 1477. 2o. 

Hain *359S. 
Limburg. 



— 24 — 



189 Bonifacius VIII: Liber sextus decretalium. Lugduni, Johannes 
Syber, 1482. 2o. 

Du z-ier ersten Bl \die Rubricae enth.?\ fehlen. Bl §a [Sign a. v." Text ß rot: Incipit 
sextus liber decre talium. |l Dann schwan ( ONIFACIUSa Epüs»> | Kommentar a: qiUia pre- 
posterus est ordo prius humana subsidia pe tere ut illis deficientibus diuini fauoris gratia 
postu- letur de cöse. di. i. omnis christianus in fi. Iccirco ego Johänes andree etc. 
Bl i4£a^: Liber sextus decretalium una cum apparatu dompni [! iohänis andree. diligen- 
tissime emendatus. feliciter explicit. Impressus j impendio magistri Johänis syber almani. 
Anno salutis do- minice. Mcccclxxxii. pridie kalendas may. Bl 146 [^^/j fehlt. 

146 Bl mit Sign [a5, b — j4] 2 Spalten. Text in grösserer Schrift vom Kommentar umgeben. 
Kommentar 68 — 6g Zeilen, goth. Schriß, 

Hain j6oi. 

Limburg, 

190 Bonifacius VIII: Liber sextus decretalium. Lugduni, Michael 
Wenssler, 1494. 2o. 

Copinger II, i, I308. 
Limburg. 

191 Bonifacius VIII: 
Antonius Koberger, 1486. 2o. 

Hain-Copinger *^6lJ. 
Wiesbaden LB. 



Liber sextus decretalium, Norimbergae, 



192 Bonifacius VIII: Liber sextus decretalium cum Clementinis. 
Venetiis, Baptista de Tortis, 1496. 2«^. 

Bl I rot oben: Cum priuilegio weiter unten: Sextus et clemejjtine de tortis. 
Hain-Copinger *^622. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

193 Bonifacius VIII: Liber sextus decretalium cum apparatu Joannis 
Andreae. Venetiis, Bartholomaeus [de Blavis] de Alexandria, Andreas [de 
Torresanis] de Asula, Maphaeus [de Paterbonis] de Salodio socii, 1482. 40, 

Hain *j6o4. 

Limburg. (Aus Hadamar.) 

194 Bonifacius VIII: Liber sextus decretalium. Venetiis, Joannes et 
Gregorius de Gregoriis, 1489. 2^ 

Hain *j6i4. 

Wiesbaden LB. {Aus Herbom HSck.) 

195 Bonifacius VIII: Liber sextus decretalium. Venetiis, Thomas de 
Blavis de Alexandria, 1489. 4». 

Bl T leer. Bl 2 a {Sign a3-\ a ()Irca lecturaj arboris diuersis olim || diuersuro moduj 
tenentibus : Jo. de deo hispanus post illos lecture ipsi9 ;| arboris nouü modü assumens per \\ 
etc. Bl ßa Text rot: Incipit sextg liber decretaliü j| schwarz ()ONIFACIUSa Episco-|j Kommen- 
tar: f)Uia pposterus e ordo pus humana subsidia ' petere: vt illis deficietib9 diuini fauoris 
gra postulet: etc. Bl r^^a^ rot: Liber sextus decretaliü vna cum apparatu donmini. [!] 
Joannis andree accuratissime castigans feliciter explicit. Uene tijs impressus opera at<y 
impensa Tbome de Blauis. de Ale /xädria Anno salutis Christiane M. cccc. Ixxxix. die. xiiij. 
aug. Bl rßßb Regutrum und Jas Drucktrzeiehen. Bl 156 fehlt. 

Iß6 Bl mit Sign [a—s^, /6j. 2 Spalten, Text in grösserer Schrift vom Kommentar umgeben, 
letzterer 6j Zeilen, goth. Schrift. 

Hain 3615. 

Wiesbaden LB. 



— 25 — 

Bonum universale de proprietatibus apum s. Thomas Cantiprateusis. 

196 Brack, Wenceslaus: Vocabularius rerum. [Argentinae, typogr 
Jordani de Quedlinburg a. 1483J, 1491. 40. 

Hain ^J/O/. Praetor 663. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

197 Brack, Wenceslaus: Vocabularius rerum. [Spirae, Conr Histi 
1496. 40. Lt.. 3tj, 

Hain *3/lO. Praetor 2432. 

Limburg: 2 Exemplare. (Aus Limburg und aus Arnstein.) 

198 Brant, Sebastian: In laudem virginis Mariae multonimque San- 
ctoinim, et varii generis carmina. [Basileae, Johannes Bergmann de Olpe 
c. 1494.] 40. o P , 

Hain *j/jj. 
Limburg. 

Brant, Sebastian, s. KlagspiegeL 

199 Brant, Sebastian: Narrenscliiff, latine interprete Jacobo Locher 
Philomuso. Argentinae, Johannes Grüninger, 1497. 40. 

Hain *J/4g. vgl. Voulliime 284. 
Limburg: 2 Exemplare. 

200 Brant, Sebastianus: Varia carmina. Basileae, Johannes Bergmann 
de Olpe, 1498. 4o. 

Hain-Copinger *3/Sl. 
Limburg. 

201 Bruno Herbipolensis : Psalterium ex doctonim dictis collectum. 
[Eustadii, Michael Reyser, i486.] 

Hain-Copinger *40II. Praetor JI2J. 

IViesbaden LB. [Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 

202 Bruno Herbipolensis: Psalterium ex doctorum dictis collectum. 
Norimbergae, Antonius Koberger, 1497. 40. 

Hain-Copinger ^4013. 

Limburg. [Aus Arnstein.) 

203 Büchlein von der Liebe Gottes samt dem Spiegel der kranken 
und Sterbenben Menschen. Augsburg, Hans Froschauer, 1494. 8«^. 

Hain *4o6j. 

140 Bl; Bl 140 ist leer. Bl 13g Z g: im vorliegenden Ex. criisti [!J geburt. M. cccc. xcJij, 

Herborn PVd g6. {Aus Herbom HSck.) 

Busti s. ßernardinus de Busti. 

Butrio s. Antonius de Butrio. 

Caccialupis s. Johannes ßaptista de Caccialupis. 



— 26 — 

204 Caesar. C. Jul.: Commentarii Je bello Gallico et (ie hello civili. 
Venetiis. Theodonis de Ragazonibus, 1490. 2'^. 

Hain- Cef mger ^42 ig. 

Wiesbaden LB. [Aus Herbem HSck.) 

205 CalJerinus, Johannes: Repertorium iuris. [Basileae. Michael 
WensslerJ 1474. 2o. 

Hain-Copinger *4248. Proctor /461. 

.Auf Bl I .\[iniatur einen Rechts gelehrten darstellend, ebenfalls das A zu Anfang gemalte Initiale. 

Wiesbaden LB. (Aus Rommersdcrrf.) 

206 Campanus, Johannes Antonius: Oratio in conventu Ratisponensi 
dicta ad exhortandos principes Germanorum contra Turcos et de laudibus 
eorum. [Romae, Stephanus Planck], s. a. 4". 

Hain *42gO. Proctor 3/32. 
Wiesbaden LB. [Aus Eierbach.) 

Canones poenitentiales s. Petrus episcopus Civitatensis. 

207 Caracciolus Robertus: Opus quadragesimale quod de poenitentia 
dictum est. Argentinae, Martinus Schott, 1485. 2^. 

Hain-Copinger ^4436. Proctor 3g5. 

Limburg. 

208 Caracciolus, Robertus: Sermones de laudibus sanctorum. Spirae, 
Petrus Drach. 1490. 2". 

Hain-Copinger *4484. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

209 Caracciolus, Robertus: Sermones de laudibus sanctorum. Venetiis, 
Bernardinus BenaHus, 1490. 4o. 

Hain *44S2. 
Limburg. 

210 Caracciolus, Robertus: Tractatus de divina caritate. s. 1. t. a. 2o. 

Bl la: Incipit tractatus de diuina caritate opilatus per Reue- Irendü sacre Theologie 
doctore magistrü Robertum de Li tio ordinis minorum in quo ostenditur cü omni ueritate 
sa-| cre sancte scripture: qualiter deua benedictus quätum in se |) est omnibus peccatoribus 
offert indulgentiam & remissio nem peccatorü neminem excludes a salutis uia. Bl 48a 
ZI ig: per gratiam & in futuro per gloriam. Amen. Bl 48b leer. 

vgl. im übrigen Copinger //, /. I4S4- 

Limburg. [Aus NotgoUes, vorher in Johannisberg.) 

Carchano s. Michael de Carchano Mediolanensis. 
Cassia s. Simon de Cassia. 

211 Cassianus, Johannes: De institutis Coenobiorum, de origine causis 
et remefliis vitiorum, de collationibus patrum. Basileae, [Job. de Amerbach], 
1485. 20. 

Hain-Copinger ^4562 Proctor ^^56^. 

Limburg. [Aus Notgottes.) 



— 27 — 

212 Cassianus, Johannes: De institutis Coenobiorum, de origine causis 
et remediis vitiorum. de collationibus patrum. Basileae, Johannes de Amer- 
bach, 1497. 2«. 

Institutis ce- 

Bl la Titel Joannes . nobiorum. 
;., . de _ . - 

Cassianus Origie: causis 

et remedijs 

vitiorum. 

Collatiöibus 

patrum 
Bl ib: Auctor quis ac qualis fuerit: quos libros: ad quos: : de quibQ ' scripserit: 
cömedaticia breuisqi expositio. j] etc. Bl 2 a \Stgn 2\: Notabilium dictorü iu- xta alphabeticum 
ordine? I librorum Joannis Cassia-!(ni: annotatio jj rfr. Bl 220a^ ZI ;^o : Expliciüt viginti- 
quattuor ;} collationes sanctoy patrum i| conscripte ab Johanne eremi- ta qui et Cassiing 
dicit: Im- presse Basilee per magistrü , Joannem Amerbach : Anno domini M. CCCC. 
Ixxxxvij. j Deo gratias. Bl 220 b leer. 

Hain-Copinger 4564. Die Blattzahl u. das Übrige richtig bei Copinger. 
Herbom 1/8/. [Aus Herbom HSch.) 

213 Casus in terminis super Institutis, [Argentinae, Joh. Prj'ss, 
1498—99]. 20. 

Hain- Copinger *4666. 
Limburg. [Am Limburg.) 

214 Casus papales, episcopales et abbatiales. s. 1. t. a. 4'^. 

Bl la ZI i: C Casus Papales. Episcopales. et Abbatiales. || ()Rimus casus Papalis e 
in illo qui percutit enor;,miter clericü. Bl 4a ZI jj: Finiüt casus Papales Epäles & abba- 
tiales. Bl 4b leer. 

4 Bl ohne Sign, 34 Zeilen, röm. Type. 

Wiesbaden LB. [.4us Eberbach.) 

215 Cato cum glossa et moralisatione. Argentinae [Martinus Flach], 
1487. 40. 

Hain-Copinger *4/2i. Praetor 6/2. 
Limburg. 

216 Cato cum glossa et moralisatione. Basileae, Nicolaus Kessler, 
1486. 40. 

Hain *4/i8. 

Limburg. [Aus Ehrenbreitstein.) 

217 Cepolla, Bartholomaeus: Cautelae. [Argentinae, Johannes Pr)-ss], 
1490. 40. 

Hain *486ß. Praetor 54/. 
Wiesbaden LB. [Aus Amstein.) 

Chronica s. Rudimentum novitiorum. 

218 Chrysostomus, Johannes: De compunctione cordis. [Daventriae. 
Richard Pafraet, 1491]. 8o. 

Hain-Copinger *^046. Campbell 424. 
Wiesbaden LB. 



— 28 — 

219 Chrysostomus. Johannes: Liber dialogorum de dignitate sacerdotii. 
[Coloniae. ülr. Zell. U72]. -t^. 

Hain-Copm^er "'£048. Prodor 8S7- 
Limburg. 

220 Chrysostomus, Johannes: Homiliae LXX in evangelium S. 
Matthaei. Georgio Trapezuntio interprete. Coloniae. Johannes Kuelhoff de 
Lübeck 1487. 2«. 

Hain '5OJ5. 

iVie:badfn LB. [Aus Afarürtsiati.) 

221 Chrysostomus. Johannes: Sermo super Psalmum: Miserere mei 
deus. [Coloniae. Ulr. Zell, 1466—67]. 4^. 

Hain-Cofingtr 'SOJI- Prodor 8og. 
Signaturen hat dies Exemplar nicht. 
Limburg. 

222 Chrysostomus, Johannes: Sermones de patientia lob. Coloniae, 
JoL Koelhoff de Lübeck, 1487. 2*>. 

Hain-Ccpinger *502/. 

Das Werk hat 6o Bl {Sign /4, a— <rS/,/3,] in der Blatinumerierung sind die Zahlen XXIII 
und XXV übersprungen. 

Wiesbaden LB. [Aus SchSnau.) 

223 Chrysostomus, Johannes: Sermones de patientia lob. [Coloniae, 
Ulr. ZeU. 1467} 

Bl I leer. Bl 2 a Säctissimo et Clemetissimo dno. | dno Nicoiao diuiä puidetia pape 
qui- to sce Romane ac vniusalis eccie sümo pontifici. Lilij Tifernatis vltimi suorü | 
seruorü prologus in sermones sancti Johannis Crisostomi. Bl 47b am Ende: Expliciüt 
sermoes Sancti Joli. Criso- Storni In iustü et beatü lob de pacia. Bl 48 leer. 

48 Bl ohne Sign mit 2/ Zeilen, goth. Schrift. Die 6 Anfangszeilen in grösserer Schrift. 

Hain-Copinger 5024. Praetor 808. 

Limburg. 

224 Chrysostomus, Johannes: Sermones XXV e graeco latine versi 
a Christophoro Persona. [Coloniae, Joh. Koelhoff de Lübeck, 1487]. 4o. 

Hain-Copinger *^040. Prodor 10/8. 
Wiesbaden LB. [Aus Schönau.) 

225 Cicero, Marcus Tullius: De officiis. Venetiis, Jacobus de Paganinis, 
1491. 2'^. 

Hain-Copinger *52/7. 

Weilburg. [Aus Idstein Gymn. Bibl.) 

226 Cicero, Marcus Tullius: Epistolae ad familiäres cum commentario 
Hubertmi Clerici Crescentinatis. Venetiis, [Andr. de Paltascichis?]. 1480. 2o. 

Hain-Copinger *5l87. Prodor £662. 

Weüburg. Die ersten drei Blätter fehlen. {Aus Herbom HSch.) 

227 Cicero, Marcus Tullius: Orationes. Venetiis, Bartholomaeus de 
Zanis de Portesio, 1499. 20. 

Hain "5128. 
Wusbaden LB. 



— 29 — 

228 Cicero, Marcus Tullius: Synonyma s. de proprietatibus terminorum. 
[Moguntiae, Petrus Schöffer. c. 1476]. 4o. 

Hain- Ccfinger *5346. 
WeÜburg. 

229 Cicero, Marcus Tullius: Tusculanarum quaestionum libri cum 
commentario. Venetiis, Johannes de Tridino, 1494. 2o. 

Bl la Titel: MARCI TVLII [!] CICERONIS TVSCV LANARVMQVAESTIONVM. 
Bl ib Iftr. Bl2a [-%« aiij Text: MARCI TVLII [!] CICERONIS TVSCVLANARVM QVAES- 
TIONVM LIBER PRIMVS. Kommentar: CVm defensionum. Temporibus quibus Cesar 
rerum potiebatur: & multum Cice-|ironi etc. Bl £8a unter dem Text: Marc» Tulii [!] Cice- 
ronis Tuscula^ [!] quaestionü finis. || Impressarü Venetiis per Joanne de Tridino maxima cum 
di-|jligemia. M. cccc. Ixxxxiiii. die tertia Februarii. Darauf: Registrum huius operis. 

ßS Bl {a—i\ k-^\, 44 und 6o Zeilen, röm. Schriß, drei Schri/tgrössen, mit eingedruckten Initialen. 

Hain 531g. 

Weilburg. [Aus Idstein Gymn. Bibl.) 

230 Claudianus, De raptu Proserpinae. s. 1. t. a. 4*^. 

Bl la: Vorausgehen 6 Distichen, dann: Claudiani proserpina incipit ; ( Nferni raptoris 
equos afflatacy curru jl Bl 22 a: Claudiani proserpina finit feliciter. Bl 22b leer. 

22 Bl ohne Sign \j Lagen: i—2^, p], 28 Zeilen, röm. Schriß. 
Wiesbaden LB. [Aus Eierbach.) 

Clavasio s. Angelus de Clavasio. 

231 Clemens V: Constitutiones cum apparatu Joh. Andreae. Basileae, 
Michael Wenssler, 1476. 2». 

Hain-Copinger *^4i8. 
Limburg. 

232 Clemens V: Constitutiones cum apparatu Johannis Andreae. 
Lugduni, Michael Wenssler 1495. 2*^. 

Copinger II, I. Nr. l6/j. 
Limburg. 

233 Clemens V: Constitutiones cum apparatu Joannis Andreae. 
Norimbergae, Antonius Koberger, 1486. 2o. 

Hain-Copinger *5435- 

Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

234 Clemens V: Constitutions cum apparatu Joannis Andreae. Venetiis, 
Bartholomaeus [de Blavis] de Alexandria, Andreas [de Torresanis] de Asula. 
Maphaeus de Paterbonis de Salodio socii, 1482. 4*>. 

Hain ^5428. 

Limburg. [Aus Hadamar.) 

235 Clemens V: Constitutiones cum apparatu Joh. Andreaa Venetiis, 
Johannes et Gregorius de Gregoriis, 1489. 2^. 

Hain ^£442. 

Wiesbaden LB. [Aus Herbem HSch.) 



— 30 — 

236 C 1 e m e n s V : Constitutiones cum apparatu Joannis Andreae. Venetiis, 
Thomas de Blavis de Alexandria. 1489. 4o. 

ßl I fehlt. Bl 2a \Si^ A^\ a Text rot: Incipiüt cöstitutiöes clemen tis pape quinti 
vna cü appa- ratu domini Joänis andree. |1 ^fAt^jars ; OANNESa epi scopus seruus ser- uoruj 
dei Dilectis ttc. Kiymmentar: ( -Oannes. gratiosum hoc nomen per interpre' tationes etc. 
Bl -6a a rot; Opus clemetinarü Ipensa atcp idustria thome de bla uis de alexädria. Uenetijs 
impressü feliciter finit: vna cum apparatu domini Joannis Andree anno salutis ,. dnce. M. 
CCCCLXXXUIIII. die primo lunij. Laus deo. Bl /6b leer. Bl //a [Si^ k] a rot: Incipiunt 
decretales extrauagates que ema- narunt post sextum. |i etc. Bl 840,0. ZI ^4: nostri anno 
secüdo. Bl 8411^ Registrum und darunter das Druckerzeichen rot. 

84 Bl mit S:^ [A — //*, 7°, A'4], Text in grösserer Schrift vom Kommentar umgeben; letzterer 
63 Zeilen, die Extravagantes £4 Zeilen, goth. Schrift. 

Hain 5441. 

WUsbaden LB. 

Co einer, Johannes, de Vanckel s. Koelner. 
Columna s. Guido de Columna. 
Comestor s. Petrus Comestor. 

237 Compendium de reformatione Canonissarum. s. 1. t. a. 8^. 

WUsbaden LB. [Aus Notgottes.) 

238 Compendium octo partium orationis. Argentinae, s. t. et a. 4". 

Copinger II, i, I/I^ = VouUieme 354. 
Limburg. [.Aus Limburg^ 

239 Computus Nurenbergensis. [Lipsiae, Martinus Landsperg, c. 
1490]. 4^ 

Bl la Titel: Computus nirenbergensis. Bl ib: ()mia cü inferiora motib9 corpm supioy 
gubemä tur ideo de ipsoy motuü inuetiöe piter i cognitöe nö tn 01m s^ tm solis : lune 
gnoräcia qb9 circa diuinü officiü etc. Bl na [Sign b^] ZI 11: Sequitur scdüs über. Bl zoa 
ZI ^: Finis. Contenta primi libri Computi nyrenbergensis. ZI 22: Contenta scd'i libri Com- 
puti nyrenbergensis. ZI 2g: De oppositione media. 

20 Bl mü Sign [a, b*, c^], // Zeilen, [Bl 20 : 2g Zeilen), goth. Schrift. 

Limburg. [Aus Hadafnar.) 

Concilium Constantiense s. Acta et decreta. 

240 Conradus de Bnmdelsheim: Sermones de tempore. Argentinae, 
Joh. Grüninger, 1484. 2\ 

Hain-Copinger * 14826. 

Herbom : nur 77 /. (Aus Limburg.) 

Cordiale quattuor novissimorum s. Gerardus de Vliederhoven. 

241 Corona beatae virginis Mariae. [Argentinae, typogr. Vitarum patriun 
a. 1483], s. a. 2". 

Hain *S747- Praetor 426. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

Correctio fratema s. Tractatus de traterna correctione. 
Cracovia s. Mattliaeus de Cracovia. 



— 31 — 

Cursus librorum philosophiae naturalis secundum nam doctoris subtilis 
Scoti s. Xicolaus de Orbellis. 

242 Cursus optimarum quaestionum cum textualibus expositionibus 
Porphyhi etc. [Coloniae, Henr. Quentell, c. 1490]. 2". 

Hain *SS6S. 

Limburg. [Aus Limburg.) 

243 Cursus optimorum quaestionum cum textualibus expositionibus 
novae logicae Aristotelis etc. [Coloniae, Henr. (Quentell, c. 1490]. 2**, 

Harn *S866. 

Limburg. (Aus Limburg.) 

244 Curtius Rufus, Q.: De rebus gestis Alexandri Magni cum commen- 
tario Bartholomaei Merulae. Venetiis, Johannes [de Cereto de Monteterrato] 
de Tridino alias Tacuinus, 1494. 2°. 

Hain-Copinger *5885. 

Wiesbaden LB. {Aus Herbom HSch.) 

Dan s. Jordanus de Quedlinburg. 

245 Danhusen, Petrus: Relatio de obsidione urbis Rhodiae ad Frideri- 
cum Imperatorem. [Argentinae, Henricus Knoblochtzer, 1480]. 4*^. 

Hain *5g22. Praetor j/8. 

In der Schlussschriß steht in dem vorliegenden Exemplar: Danbussen. 

Wiesbaden: JVass. Altertumsverein. 

246 De defectibus in missa occurrentibus. s. 1. t. a. 4". 

ßl la De defectibus occurretibus in missa | ()Egula dirigens missarum celebratores 
vt II caueät a defectibus periculis et disturbüs [\ etc. Bl gb ZI lo: tercia parte summe. || 
Digna bona laude semper Wormacia gaude. Bl lO Uer. 

lO Bl ohne Signaturen, 2/ — 2g Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Limburg. [Aus Arnstein.) 

Declaratio modi et formae venditionis s. Gerardus de Elten. 
Dialogus inter clericum et militem s. Guilelmus de Ockam. 

247 Dialogus inter Salomonem et Marcolphum. [Argentinae, Georg. 
Husner], s. a. 4^ 

Hain-Copinger * 142 46. Praetor 384. 
Wiesbaden LB. [Aus Eberbach.) 

248 Dialogus inter Salomonem et Marcolphum. [Spirae, JoL et Conr. 
Hist, 1480]. 4". 

Hain-Copinger * 142 48. Praetor 2 40/. 
Wiesbaden LB. {Aus Eberbach.) 

Disputatio inter clericum et militem s. Dialogus. 

249 Donatus, Aelius: De octo partibus orationis. [Utrecht?] 4°. 

Fragment von 2 Bl au/ Pergament, ohne Sign, 2/ Zeilen, dieselbe goth. Schrift zvie Holtrop 
Monuments typogr. Taf. 2g(j3). Das Holtropsche Facsimile giebt auch eine Seite des Textes unseres 
Fragmentes wieder, dock ist es ein anderer Druck; das vorliegende Exemplar, welches ich auf der 
Innenseüe des Deckels von Na. i8i [Wiesbaden LB.) fand, lautet ZI I : I acci t vti quod declina- 
bitur sie [Njtö hie : hec t hoc M legens gtö huius legentis dtö huic legcnti accö hüe i i| 
häc legente x hoc leges vtö o leges ablatö ab H : ab 1, . . . ZI 2^—2/ stimmen genau mU dem 
Fragment bei Holtrop über ein. 

Wiesbaden LB. {Aus Marienstati.) 



— 32 — 

Dorbellus, Nicolaus s. Nicolaus de Orbellis. 

Dorniberg. Thomas, de Memmingen: Tabula in Compendium theologicae 
veritatis s. Albertus Magnus. 

250 Dorp. Johannes: Commentum super summulas Johannis Buridani. 
[Taui-ini?]. Johannes Fabri. 1490. 4°. 

Bl la Titel: Cömentü magistri Johänis dorp | super textu summularum magistri |1 lo- 
hannis Buridani. Bl if> ZI i Q Etsi liberaliü arliü [qs zenocrates calcedoni9 platonis auditor 
admicula dicebat phi losophiel etc. Bl2a [i'/f« aij] a Zlr: ()yaletica est ars artiü sei ;entia 
sciarü ad oiu? me- thodoy pricipia viam habens ( )Ste est traiCtatus sümulay magri Joliis 
Buridani q i se | Dtinet nouem tractatus , ptiales. etc. Bl 2^jd^ ZI 8: C Et sie finit totus 
sumularum liber eruditissimi magistri loh. dorp veri nominaliü opinionü recitatoris interptis 
et expositoris textus Buridani per lohannem fabri dilige tissimü impressorem impressus. 
Anno dni MCCCC. XC. die vero. xvij. Der Monatsname fehlt. Bl 2^4 leer. 

2S4 Bl \a — 74, rj, A — A] 2 Spalten, £0 Zeilen, goth. Schrift, J Schriftgrössen. 

Hain 6400. 

Limburg. {^Atis Limlmrg.) 

251 Duns Scotus. Johannes: Scriptum in quattuor libros sententianim. 
Venetiis. Johannes de Colonia et Johannes Manthen de Gerretzem, 1477 — 78. 
4 Bde. 2°. 

Hain- Geringer '"6416. 

Wiesbaden LB : Nur Bd i vorhanden, Bl 245 bis 261 fehlen. {Aus Eberbach.) 

252 Duranti, Guilelmus: Rationale divinorum officiorum. [Argentinae, 
Georg. Husner], s. a. 2°. 

Hain-Cofinger *646s. [mit dem bei Hain angeg. Druckfehler). Praetor j6/. 
Limburg. {Aus Limburg.) 

253 Duranti, Guilelmus: Rationale divinorum officiorum. Argentinae. 
[typogr. Jordani de QuetUinburg a. 1483], 1493. 2^ 

Hain- Cjpinger '6 4g 6. Proctor 626. 
Limburg. [Aus Hadamar.) 

254 Duranti, Guilelmus: Rationale divinorum officiorum. Basileae, 
Nicolaus Kesler, 1488. 2". 

Hain-Cofinger ''64g^. 
Wiesbaden LB. [Aus Höchst.) 

255 D u r a n t i , Guilelmus : Rationale divinorum officiorum. Norimbergae, 
Antonius Koberger, 1481. 2°. 

Hain *64<9_S- 

Wiesbaden LB. (Aus Manenstatt.) 

256 Duranti, Guilebnus: Rationale divinorum officiorum. s. 1. t. a. 2°. 

Hain "646^. 

360 Bl, das erste Bl leer. 

Herbom 16/2: 2 Exemplare. (Aus Rommersdorf und Herbom HSch.) 

'1^1 Duranti, Guilelmus; Speculum iudiciale. Argentinae, Georgius 
Husner et Johannes Bekenhub, 1473. 2°. 

Hain *6^o6. 

Am Ende fehä ein Blatt. 

IVeilburg. {Aus Rommersdorf.) 



— 33 — 

258 Ebrardus, ülricus: Modus latinitatis. s. 1., t., a. 4^ 

Hain *6S3S. 

Limburg. [Aus Limburg.) 

Elegantiarum viginti praecepta s. Aegidius Suchtelensis. 

259 Elimandus: Gesta Romanoruin. [Argentinae, Johannes GrÜDin-^erl 
1488. 2\ " ■■' 

Hain-Copingfr *//4S- Praetor 450. 
Weüburg. [Aus Rommersdcr/.) 

260 Elimandus: Gesta Romanorum. s. 1., t, a. 2". 

Copinger 11, i, 2/i/. Vouliieme 40/. 
Bl CIX ist handschr. ergänzt. 
Wiesbaden LB. [Aus Notgottes.) 

261 Ephrem Syrus: De compunctione cordis, de iudicio dei et resur- 
rectione. [Basileae, Jacobus WolÖ], s. a. 2°. 

Bain- Copinger *6ßg/. Praetor //IT. 
Weüburg. [Aus Deutz.) 

262 Eucherius: Libellus de contemptu mundi cultuque dei. [ZwoUis, 
Tymannus Petri de Os, c. 1497]. 4". 

Campbell /Og. Hain- Copinger 66 g2? 

Der Titelholzschnitt stellt einen Bischof, der Holzschnitt auf Bl ib Christus dar, auf dem Spruch- 
band des letzteren: salvator mundi salua nos. 

Limburg. [Aus Limburg.) 

263 Eusebius: De praeparatione evangelica Georgio Trapezuntio inter- 
prete. Tarvisii. Äüchael Manzolinus, 1480. 2*^. 

Hain-Copinger *6/02. 
Limburg. [Aus Notgottes.) 

264 Eusebius: Epistola ad Damasum de morte Hieronymi etc. [Coloniae, 
Ulricus Zell], s. a. 4°. 

Hain-Copinger *6/ig. Praetor 868 u. 862. 
Limburg. 

265 Eusebius: Historia ecclesiastica latine interprete Ruffino. [Argen- 
tinae, Henr. EggesteynJ, s. a. 2". 

Hain *6/o8. Praetor 28g. 
Limburg. [Aus Höchst.) 

266 Evangelien und Episteln. Strassburg, Hans Grüninger, 1500. 2°. 

Hain *6/4/. 

Limburg. [Aus Hadamar.) 

267 Exhortatio de celebratione missae per modum dialogi inter pouti- 
ficem et sacerdotem. [Esslingae, Conradus Fyner], 1473. 4*^. 

Hain-Copinger *6//3. Praetor 245/. 

Das erste und die zwei letzten Bl fehlest, sind handschriftlich ergänzt. 

Limburg. [Aus Natgottes, vorher in Johannisberg) 



— 34 — 

268 Exhortationes novitiorum, colloquium Jesu cum puero editum 
a Dionysiü Carthusiensi. colloquium Jesu et senis. de iudicio mortis et variis 
eius casibus. Daventriae. Richardus Patraet, 1491. 4^ 

Hain-Copinger 5///. Campbdi /Tg. 

In Campbells Beschreibung muss es statt F i6 heissen F ib, femer steht Bl J4b Z 2 dyonisio 
und nicht dijonisio. Dit ru.>ei letzten Blätter fehlen in diesem Exemplar. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

Expositio hymnorum s. Hymnarius. 

269 Farinator, Matthias: Lumen animae s. über moralitatum. [Argen- 
tinae. typogr. Legendae aureae a. 1481], 1482. 2°. 

Hain-Cypingtr *lOS33- Proäor 413. 
Limburg. 

Earrago s. Hegius, A. 

Fasciculus temporum s. Rolevinck, Werner. 

270 Felicianus: Tractatus de divina Providentia. [Spirae, Johanneset 
Conradus Hist], s. a. 4°. 

Hain "ög^l. Praetor 2416. 
WeÜburg. 

Ferrariis s. Johannes Petrus de Ferrariis. 
Ferrerius s. Vincentius Ferrerius. 

271 Fi ein US, Marsilius: De -sita triplice. [Basileae, Johannes de 
Amerbach], s. a. 4". 

Hain-Copinger */o6j. Praetor 76^0. 
Weilburg. {Notgottes, vorher in Johannesberg.) 

F r m u 1 a vivendi canonicorum s. Rolevinck, Werner. 
Friburgensis s. Johannes Frihurgensis. 

272 Fusigna, Jacobus: Libellus artis praedicationis. Acced. über de 
arte bene moriendi et canones poenitentiales. [Coloniae, Bartholomaeus de 
Unckel, c. 1476.] 2\ 

Bl laa: Incipit libellus artis pdica' cionis opositus a fratre iacobo || fusingnam ordinis 
frat? pdi- catorum. ; etc. Bl 22 a^ ZI 2g: Et sie est finis libelli J de arte pdicandi |! <r/r. 
Bl 220(1 Incipit pherniü de arte be Jne moriendi !| etc. Bl 320^ ZI 30: Explicit liber de ar-||te 
bene moriendi. , Et sie est finis. Bl 32ba: ()T saeerdos cauci9 ,] in speciali circa peni| tecias 
arbitret No 'tädi süt casus in q-Ubs p canöes certe pe|]ne etc. Bl 36 aa ZI 22: Expliciüt 
canones pniales. 

36 Bl ohne Sign, 2 Spalten, 38 Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Hain /3gg. 

Limburg. 

Gallensis s. Johannes Gallensis. 

273 G a 1 1 u s abbas Cisterciensis : Dialogus Malogranatum dictus. [Coloniae, 
Ludovicus de Renchen?], 1487. 2''. 

Bl J/ — 40 fehUn, di^ benachbarten Blätter sind durch Brand beschädigt. 

Hain-Copinger */4£i. Praetor 12/ g. 

Wiesbaden LB. (.4us Limburg, vorher in Gronau) 



— 35 — 

Geminiano s. Johannes de S. Geminiano. 
Gemma vocabulorum s. Yocabularius. 

274 Georgius de Ungaria: Tractatus de moribus Turcorum. [Urachi, 
Conradus Fyner, c. 1480.] 4P. 

Bl 2 a grosse Hohschnittinitiale I. 

Hain-Copinger *l^6/2. Procior 2822. 

Wiesbaden LB. {Aus Notgoties, vorher in yohannisberg.) 

275 Gerardus deElten: Declaratio modi et formae venditionis ac emtionis 
redituum perpetuorum et vitalium. [Coloniae, Arnoldus terHoeruen, c. 1475.] 2*^. 

Das Zeilenzeichen in der vorletzten Zeile am Ende zwischen quorücüc^ und saniorü ist bei Hain 
irrtümlich gesetzt. 

Hain-Copinger *6o66. Praetor g6£. 
Limburg. 

276 Gerardus de Yliederhoven: Cordiale quattuor novissimorum. 
Coloniae, Henr. Quentell, 1492. 4o. 

Hain-Copinger *£/o/. 
Bl I fehU. 
Limburg. 

^11 Gerardus de Vliederhoven: Cordiale quattuor novissimorum. 
Daventriae, Jacobus de Breda, [c. 1491.] 4^. 

Hain-Copinger 36g/. Campbell IJ06. 
Limburg. [Aus Amstein.) 

278 Gerardus de Vliederhoven: Cordiale quattuor novissimorum. 
Daventriae, Richardus Pafraet, 1494. 4o. 

Hain-Copinger *£/o8. 

Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

279 Gerardus de Zutphania: Tractatus de spiritualibus ascensionibus. 
Acc. Meditationes de vita et beneficiis Jesu Christi cum gratiarum actione. — 
Horologium devotionis circa vitam Christi. [Argentinae, Johannes Pryss, 1495]. 
kl. 80. 

Hain-Copinger * 162g 4 ist nur ein Teil des Druckes. Es gehören dazu ferner die bei Copinger // 
/, 3g54 und Hain *8g2g aufgeführten Drucke. 

Copinger zu Hain *i62g4 irrt, wenn er sagt, dass Bl I leer sei. Es sind 104 Bh davon ent- 
hält das erste Bl den TUel , wie es Hain richtig angiebt. Alsdann setzt si^h der Druck folgender- 
massen fort: 

BlioSa Tüel: De vita t beneficijs \\ saluatoris Jesu chrillsti deuotissime medi tationes 
cum gratialirum actione. Bl 105b leer. Bl io6a [Sign Ö,].- Prefatio. (I desideras pfecte 
munda'yia vitijs/ si nobiliter dita-; ri in vtutibus/ si altissime il luminari in jcptur / si 
gl'io jse triüphare de inimic] si co piose asolari in aduerb: etc. Bl 216a ZI 15 : cü ipo resurgas 
in gloria. Amen [, Laus deo. Bl 216b leer. — Dann folgt: Bl 21;^ a TUel: Horologium deuoti|| 
onis circa vitam xpi vgl. Hain *8g2g. Bl J04 leer. 

304 Bl [Sign A—Z, Aa—Pp^\, 23 und 24 Zeilen, goth. Schrifl, Titel in grosserer Schrift. 

Wiesbaden LB. 

3* 



— 36 — 

280 Gerson, Johannes: Opera. Argentinae, Martinas Flach, 1494. 
3 ßde 20. 

Hain-Ccpinger *^62£, 

Herbem 2442I244J: Bd 1 mit Imtntarium u. Bd J. {Aus Herbom HSch.) 

281 Gerson, Johannes: Opera. [Argentinae, Joh. Pryss], 1488. 3 Bde 2o. 

Hiim-Cofinger ^^622. Prcxtor £24 — 53^- 

Limburg: Bd i. 

IViesbadtm LB: Bd 2 und J. {Aus Schänau) 

282 Gerson, Johannes: Opera. Coloniae, Johannes Koelhoff de Lübeck, 
1483. 4 Bde 2^ 

Hjin-Cjpinger /621. 

Limburg: nur Bd 2. {Aus Hadamar,') 

283 Gerson, Johannes: Opera. [Norimbergae. Georg. Stuchs de Sulz- 
bach], 1489. 40. 

Hain-Copinger "^62^. Praetor 226J. 

IViesbadtn LB : Bd 1 mit Inventarium. {Aus Schönau.) 

284 Gerson, Johannes: Conclusiones de diversis materiis moralibus. 
[Coloniae, Ulr. Zell], s. a. 4». 

Hain */6jg. Proctor 86g. 
WUsbaden LB. 

285 Gerson, Johannes: De cognitione castitatis et pollutionibus diurnis. 
[Coloniae, Ulr. Zell], s. a. 4». 

Hain ^/6go. Prodor 80/ . 
IVUsbaäin LB. 

286 Gerson, Johannes: De custodia linguae. [Coloniae, Ulr. Zell], 
s. a. 40. 

Bl la ZI I steht in diesem Exemplar: Incipit Nöbilis questio de Custodia ligue [!] 
Hain */683, nicht */682. Proctor 834. 
IVUsbaden LB. 

287 Gerson, Johannes: De efficacia orationis ^/^. [Coloniae, Ulr. Zell], 

s. a. 40. 

Hain */68/. Proctor 8j£. 
Wiesbaden LB. 

288 Gerson, .Johannes: De laude scriptorum. [Coloniae, typogr. 
Augustiui de tide], s. a. 4^. 

Hain-Copinger */688. Proctor lOg/. 
WUsbaden LB. 

289 Gerson, Johannes: De mendicitate spirituali. [Coloniae, Ulr. Zell], 
s. a. 40. 

Hain */6/S. Proctor 855. 

Herbom in 2443''. {Aus Herbom HSch.) 

290 Gerson, Johannes: De passionibus animae. [Coloniae, Ulr. Zell], 
s. a. 40. 

Bl t leer. Bl 2a: Incipit tractatus nobilis de passioni 'bus ale. venerabil' mgri J0I3. 
gerson. !()Assionü feruore effectü etc. Bl 2^a: Explicit tractatus notabil' de pa8sionij|bu8 



— 37 — 

aTe. Ed:t9 a mgro Johäne Gerson H Cäcellario parisiensi necn5 professore ! sacre theologie 
eximio. Bl j/b: de male rndendo caueant. Malos rumores ' fU. ist verdruckt ist Bl --Qb 
Bl 28a: Incipit tractatulus bon9 eiusde de modo viuendi omniü fideliü | etc. Bljrb: Expli- 
ciunt regule pulchre eiusdem de (] modo viuendi omnium fidelium. Bl j3 Ucr. 

32 Bl ohne Signaturen, 27 Zeilen, goth. Schrift, cwei Schri/tgrössen. 

Herbom 12443 b. [Aus Herbom HS eh.) 

291 Gerson, Johannes: De passionibus animae. [Coloniae, ülr. Zell], 
s. a. 40. 

Hain ^6/8 genügt, nur steht Bl i [vielmehr 2] a ZI i passioibj und nicht passiöib9. 33 Bl, 
Bl I und 32 sind leer. 
Praetor 805. 
Wiesbaden LB. 

292 Gerson, Johannes: De pollutione nocturna, an impediat celebrantem 
vel non. [Coloniae. Ulr. Zell], s. a. 4o. 

Hain *^6g6. In diesem Exemplar steht Bl la Z 2: JoÄ. Praetor 83/. 
Wiesbaden LB. 

293 Gerson, Johannes: De remediis contra pusillanimitatem. [Coloniae, 
Ulr. Zell], s. a. 4o. 

Hain *//05. Praetor 838. 
Wiesbaden LB. 

294 Gerson, Johannes: De remediis contra pusillanimitatem. [Coloniae, 
tjpogr. Daretis], s. a. 4<^. 

Hain-Copinger *//o6. Praetor gg6. 
Herborn in 2443b. {Aus Herborn HSch.) • 

295 Gerson, Johannes: De simonia etc. [Coloniae, typogr. Daretis], 
s. a. 40. 

Hain-Copinger '^/;ro8. Prodor gg/. 
Herbom in 2443 b. {Aus Herbom HSch.) 

296 Gerson, Johannes: De simplificatione, stabilitione et mundificatione 
cordis. [Coloniae, Ulr, Zell], s. a. 4o. 

Hain-Copinger */68l. Praetor 8^3. 
Herbom 2443b. (Aus Herborn HSch.) 

297 Gerson, Johannes: De sollicitudine ecclesiasticorum. [Coloniae, 
Ulr. ZeD], s. a. 4o. 

Hain-Copinger */668. Praetor 8/4. 
Wiesbaden LB. 

Gerson, Johannes: Imitatio Christi s. Thomas a Kempis. 

298 Gerson, Johannes: Opus tripartitum de praeceptis decalogi, de 
confessione et de arte moriendi. [Coloniae, Ulr. Zell], 1467. 4». 

Hain-Copinger /'S 53. Die Beschreibung Hains genügt. Praetor 804. 
Wusbaden LB. 

Gesta Romanorum s. Ehmandus. 



— 38 — 

299 Gouda, Guilelmus: Expositio mysteriorum missae et verus modus 
rite celebrandi. Coloniae, Heuricus QueutelL [l-tQOj. -i^. 

Hain-Ciypinger */836. 
IVustadtm LB. {Aus Nottgottes, vorher in Jchannisberg^ 

300 Gouda. Guilelmus: Expositio mysteriorum missae et verus modus 
rite celebrandi. Coloniae, [Henricus Quentell], s. a. 4°. 

Hain *-^828. Praetor 1384. 
irürsiaJfTt LB. [Aus Nctgottes.) 

301 Gratianus: Decretum cum apparatu. Argentinae, Johannes 
Grüninger, 1484. 20. 

Hatn-Cofinger */goi. 

Der Kaufpreis des Buches sammt Martini Margarita betrug nach handschriftlicher (75. J.) Notiz 
auf dem inneren Vorderdeckel 3 ß. u. 6 Allnts. 
Wiesbaden LB. {Aus Eberbach.) 

302 Gratianus: Decretum cum apparatu. Argentinae, [Jobannes 
Grüninger], 1489. 2o. 

Hain-Copinger *790/. Praetor 452. 
Unünirg: 3 Exemplare. 

303 Gratianus: Decretum cum apparatu. Argentinae, [Johannes 
Grüninger], 1490. 2». 

Hain-Copinger* ;^gog. Hain: quadringentesitno (jtr) j(7^/4<!Tfj<wqnadringentesimo. Praetor 45^. 
Wiesbaden LB : 2 Exemplare, davon eines aus Linz. 

304 Gratianus: Decretum cum apparatu. Basileae, Michael Wenssler, 

1481. 20. 

Hain */8gS- 
Herbom P VI I02. 

305 Gratianus: Decretum cum apparatu. Basileae, IMichael Wenssler, 

1482. 20. 

Hain-Copinger */8g6. 
Limburg und Wiesbaden LB. 

306 Gratianus: Decretum cum apparatu. Venetiis, Baptista de Tortis, 
1496. 20. 

Hain *pgi5. 

Wiesbaden LB. {Aus Notgottes) 

307 Gratianus: Decretum cum apparatu. Venetiis, Nicolaus Jenson, 
1477. 20. 

Hain-Copinger /8gO. 

Auf Bl 2 {Sign at\ über den Anfang des Textes schöne Miniatur, die Überreichung der Dekretalen- 
Sammlung durch Gratian an den Papst Eugen darstellend; ausserdem schone gemalte Initiale H. 
Wiesbaden LB. {Aus Deutt.) 

308 Gratianus: Decretum cum apparatu. Venetiis, Petnis [de Piasiis] 
Cremonensis dictus Veronensis, 1483. 4o. 

Hain-Copinger *^goO. 
Limburg. {Aus Hadamar.) 



— 39 — 

.'509 Gregorius Magnus: Commentum super cantica canticorum. 
[Coloniae, ülr. Zell, c. 1473]. 2o. 

Hain-Ciypingtr */g3/. VoidlUme ^/p. Praetor 8g 4. 
Limburg. 

310 Gregorius Magnus: Dialogorum libri quattuor. [Argentinae, 
Jacobus Eber], s. a. 4». 

Hain-Copinger */gS9- Praetor ^Og. 
Herbem NX J. (Aus Limburg.) 

311 Gregorius Magnus: Dialogorum libri quattuor. Coloniae, ßartho- 
lomaeus de Unckel, [1480.] 4o. 

Hain-Copinger */g62. 
Limburg. (Aus Sayn.) 
Wiesbaden LB. {Aus Notgoties.') 

312 Gregorius Magnus: Dialogorum libri quattuor. [Coloniae, Ulr. 
Zell, c. 1473]. 

Bl laa: ()stoy libro^ ctuor dyalolgoy beati gregorij pape | in hoc cösistit efrect9 
compedio ;se cöscriptus q. pm9 j tertig de jdiuersis virtutibj : miracuf scö rü tractant etc. 
ßl 2aa: ()Vadam die dum ni |mis quorüdam secu jlariü tumultibus de pssus etc. Bl 8iba Z ij: 
Explicit liber quartus dya||logoruin gregorij. 

8l Bl ohne Signaturen, 2 Spalten, J/ Zeilen, goth. Schrift, eine Schrift grosse. 
Limburg. [Aus Notgottes.) 

313 Gregorius Magnus: Dialogorum libri quattuor. Parisiis, Udalricus 
Gering et Bertholdus Rembolt, 1494. 4o. 

Hain-Copinger */g64. 

Herbom 1/8/. [Aus Herbom HSch.) 

314 Gregorius Magnus: Explanatio in Septem psalmos poenitentiales. 
Moguntiae, Jacobus Meydenbach, 1495. 4». 

Hain-Copinger */g4i. 

Limburg: 2 Exemplare, das eine aus Limburg. Im anderen Ex. fehlt Bl i. 

Wiesbaden LB. [Aus Notgottes.) 

315 Gregorius Magnus: Moralia s. expositio in Jobum. Basileae, 
Nicolaus Kesler, 1496. 2». 

Hain-Copinger */gS4. 

Wiesbaden LB : 2 Exemplare, davon das eine aus NotgotUs. 

316 Gregorius" Magnus: Moralia s. expositio in Jobum. [Coloniae, 
Conradus Winters de Homburg, 1475]. 2o. 

Hain-Copinger */g2/. Praetor 11//. 
Limburg. (Aus Deutz.) 

317 Gregorius Magnus: Pastorale s. Regula pastoralis. [Coloniae, 
Ulr. Zell, 1472]. 4o. 

Hain-Copinger */g8l. Praetor 851. 
Limburg: 2 Exemplare. 



— 40 — 

318 Gregorius Magnus: Pastorale s. regula pastoralis. Venetiis, 
Hieronymus de Paganinis Brixiensis, 1492. 4". 

Hain-Cofingfr *-g86. 
Limburg. [Aus NoigoCtes.) 

319 Gregorius IX: Decretalium libri quinque cum glossa. Norim- 
bergae, Antonius Koberger, 1482. 2". 

Hiiin-C.'finger *8oi4. 

Umburg: 2 Exemplare, davon das eine aus Deutz. 

Wiesbaden LB. 

320 Gregorius IX: Decretalium libri (juinque cum glossa. Norimbergae, 
Antonius Koberger, 1493. 2^. 

Hdin-Copinger *8ojO- 

Limburg: 2 Exemplare. [Aus Rommersdorf und Sayn.) 

321 Gregorius IX: DecretaHum libri quinque cum glossa. Spirae, 
Petrus Drach, 1492. 2«. 

Hain-Copinger *8028. 2^4 Bl, Bl 2/4 leer. 
Limburg. 

322 Gregorius: Decretalium libri quinque cum glossa. Venetiis, 
Bartholomaeus de Blavis de Alexandria, Andreas de Torresanis de Asula, 
Maphaeus de Paterbonis de Salodio socii, 1482. 4o. 

Hain-Copinger *8oi^. 
Limburg. [Aus J/adamar.) 
Wiesbaden LB. {Aus Montabaur.) 

323 Gregorius IX: Decretalium libri quinque cum glossa. Venetiis, 
Baptista de Tortis, 1491. 2«. 

Hain *8o26. 

Das Exemplar ist dadurrh verstümmelt, dass Blätter zu Anfang jedes Buches und am Ende ohne 
Zweifel -jjegen der auf ihnen enthaltenen Initialen herausgerissen sind. 
Wiesbaden LB. 

324 Gregorius IX: Decretalium libri quinque cum glossa. Venetiis, 
Baptista de Tortis, 1500. 2o. 

Hain *Sosg. 
Wusbaden LB. 

325 Gregorius IX: Decretalium libri quinque cum glossa. Venetiis, 
Johannes Herbort, 1481. 2o. 

Bl 21 ist auf Pergament handschriftlich ergänzt. 
Hain-Copinger *8oiI. 
Wiesbaden LB. 

326 Gregorius IX: Decretalium libri quinque cum glossa. Venetiis, 
Paganinus de Paganinis Brixiensis, 1489. 2'>. 

Hain *8o24. 
Limburg. [Aus Deutz.) 

327 Gritsch, Johannes: Quadragesimale. Coloniae, Henricus Quentell, 
1481. 20. 

Hcun-Copinger *8o68. 
Wiesbaden LB. 



— 41 — 

328 Gritsch, Johannes: Quadragesimale. Norimbergae, Antonius 
Koberger, 1479. S«. 

Hain "So 66. 

Herbom ig 6 8. {Aus Umburg.) 

329 Guido de ßajsio: Rosarium decretonim. Venetiis, Johannes 
Herbort, 1481. 2o. 

Hain *2/T/. Pellechet 2014. 
Umburg. (Aus Limburg.) 

330 Guido de Columna: Historia Troiana. [Argentinae, typogr. ritarum 
patriun a. 1483], s. a. 20. 

Hain *S503. Praetor 42g. 
Wiesbaden LB. [Aus Notgottes.) 

331 Guido de Monte Rochen: Manipulus cui-atonira. Argentinae, 
[Martinus Flach], 1487. 4». 

Bl la Tüel: Manipulus curatorü. || officia sacerdotuj scd'm ;| ordine septe sacrametoy |; 
perbreuiter oplect^s. Bl ib leer. Bl 2a [Sign a^j beginnt die Tabula; die Bl jb endigt. Bl 4 
[Sign a4] Adoris epistola. Bl 5 b beginnt der Text: Tractatus primus de ,, sacramentis in 
generali. Et habj tria capitula. || etc. Bl 121a Z 24: Hec circa officiü curatorü breuiter 
a me pstricta sunt || etc... Hec in- sup exarata sunt in famosa ciuitate Argentinensiü. 
Anino diii. M. cccc. Ixxxvij. x. die mensis Maij. Bl 121b: De conditöibus requi aitis in 
sumente eucharistie sacramentü. Das Werk endigt auf dieser Seite mit Z jj: Pontificem sup 
hijs semp dicendis adibis. Bl 122 leer. 

J22 Bl mU Sign [d— <?4, /Sj, J7 Zeüen, goth. Schriß, zwei Schriftgrössen. 

Hain-Copinger 8 ig 4. Praetor 6;ri. 

Herborn P i^ 36. (Aus Herbom HSck.) 

332 Guido de Monte Rochen: Manipulus curatonim. Argentinae, 
s. t., 1493. 40. 

Bl la TU.: Manipulus curatoy offi|;cia sacerdotum bm ordijnem Septem sacramento-!| 
rum perbreuiter comple:|ctens. Bl ib leer. Bl 2 u. 3 enthält die Tabula. Bl 4 {Sign a 4]: 
Incipit feliciter doctissimi \\ ac famosissimi viri dni Guidonis de möte Rotherij liber. \ Mani- 
PUI9 curatoy vulgarit' appellat. in q p necessaria of ficia eoy q'bo cura animay omissa est 
bm septe^sacramentoy j] ordine breuiter ptractant' Actoris epistola | \x) Euerendo in christo \ 
pri ac dno dfio Richarde diuia prouiden jtia etc. Bl iiob Z 34: pces ad deü fidelit' fundat. 
Hec insup exarata süt in famosa !| ciuitate Argen. Anno dni. M. cccc. xciij. Bl iiia: De 
cöditionibus requisitis |! in sumente eucharistie sacrm Z 24: Casus episcopales patent in 
his versiba. Es folgen 6 versus. Bl iiib u. 112 leer. 

112 Bl mU Sign [a—c egi In p ^^, fkkmo^, dri] 55 Zeiün, goth. Sehriß, 2 Schriftgrössen, 

Copinger II, i, 2845. 

Limburg. (Aus Hadamar.) 

333 Guido de Monte Rochen: Manipulus curatorum. Argentinae, 
8. t., 1493. 40. 

Hain-Copinger ^8205. 
Weüburg (Aus Höchst.) 

334 Guido de Monte Rochen: Manipulus curatorum. Coloniae, Barthol. 
de Unckel, 1476. 2o. 

Bl laa: [JEuerendo in xpo \\ patri ac dno dno ' raymüdo diuina puidentia sancte 'I 
valentie sedis epi,scopo Suo^ deuotoy mim9 guido d' möte rotherij cü deuota : humili 
recömedatione sc totü i| suis obseqis mäcipatü- etc. Bl lafi Z 35: Incipit prologus in librum 
q i|dicitur manipulus curatorum \\ Bl 2aa Z 21: Incipit libellus q d'r manipu-J lus curatoy 



— 42 — 

qui hx tres ptes et<r. Fi go6^ Z 2^: Explicit manipulus curatorü libellus vtilis ac sacer- 
dotibD p necessarius impssus aute colo nie p bartholomeü de vnckel. ad laude dei : ad 
vtilitatem ec clesie sue sancte i Anno dni millesimo qdringen tesimoseptuagesimo sexto in 
vi gilia palmaif Bl lOOaa: Incipit tabula siue registrü | manipuli curato^^ ßl loob^ am 
Ende: Explicit tabula Et sie est finis , Deo gracias •:• 

JOO ßl ohne Signaturin, 2 Spa'.Un, ^8 Znien, goth. Schrift, eine Sckri/tgrösse. 

Hain-Qypinger 81/ £. 
Limburg. 

335 Guido de Monte Rochen: Manipulus curatorum. Coloniae, Hen- 
ricus Quentell, s. a. 2'\ 

ßl ra [Si^ a i] Z i: [leuerendo in xpo patri ac domi no: dno Raymundo diuina pui- 
dentia sce valentie sedis episcopo Suorum deuotoy j minimus guido de monte rotherij cuj 
deuo ta et humili recommendatione se totü suis |1 obsequijs mancipatum. e/c Bl 2a \Sign 
a2\ Z 10: Explicit : plog9. Incipit libell9 q d'r maipulg curatoy q h^ tres ptes ' eU. Bl /j6a 
Z 22: Hie curatorum manipulus: p ecclesie curä et regimen presertim gerentibus humili 
8ti lo compilatus: per Hinricum quentel Colo,|nie impressus. Admissus ab alma vniuersi-H 
täte Colonien. et aflibatus : finit feliciter. 

136 Bl mit Stgn [a—mi, «4, ^4], 38 Zeilen, goth. Schrift, 2 Schrißgrössen. 

Hain 8l6g ? 

Limburg. [Aus Hadamar.) 

336 Guido de Monte Rochen: Manipulus curatorum. Acc. Jacobus 
Fusigna, libellus artis praedicatiouis. — De arte bene moriendi. s. l., t., a. 2"\ 

Hain '8162. 

Bl 1055^ Z 36: humili stilo compilat9. Et modus siue !| 106 Bl [Bl 106 leer.) 

Limburg. [Aus Amstein.) 

337 Guilelmus de Gouda: Tractatus de expositione missae. Daven- 
triae, Richardus Pafraet, s. a. 4". 

Bl 2gb Z 24 steht richtig obseruätia und nicht wie bei Campbell obseruätie. 
Hain-Copinger ^821. Campbell 888. 
Limburg. [Amstein.) 

338 Guilelmus de Ockam: Dialogus inter clericum et militem super 
dignitate papali et regia. [Coloniae, Gosw. Gopsj, 1475. 4''. 

Bl la: Disputacio Iter clericum et milite sup potesta||te prelatis ecclesie atcy prin- 
cipib} terrae com missa sub forma dyalogi incipit feliciter. Bl 13b Z 10: Et sie est finis. 
ßl 14a: Cöpendium de vita anticristi incipit feliciter | Bl 16 b Z 23: Explicit opendiü de 
vi|,ta anticristi sub Anno ]^ni. M. cccc. Ixxv. 

Im Übrigen s. Hain-Copinger 6jl/. Praetor I135. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

339 Guilelmus de Ockam: Dialogus inter clericum et militem super 
dignitate papali et regia. Coloniae, Henricus Quentell, [149 .j. 4'\ 

Hain-Copinger *6ll£. 
IViesbaden LB. [Aus Amstein.) 

340 Guilelmus de Ockam: Dialogus inter clericum et militem super 
dignitate päpaü et regia. [Daventriae, Richard Pafraet], 1491. 40. 

Hain-Copinger *6iig. 

Limburg, [Aus Nothgottes, vorher in Johannisberg.) 



— 43 — 

341 Guilelraus de Ockam: Quaestiones et decisiones in .[uattuor libros 
sententiarum cum centilogio theologico. Lugduni, Johannes Trechsel, 1495. 2«. 

Hain- Copinger *iig42. 
Limburg. {Aus Ebfrbach.) 

342 Guilelmus de Ockam: Quodlibeta septera. Argentinae, [typogr. 
Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1491. 2». 

Hain- Copinger *iig4i. Praetor 66 1. 
Limburg. {Aus Eberbach.') 

343 Gui Herrn US : Postilla super epistolas et evangelia. Argentinae, 
[typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1485. 2». 

Hain *S262. Praetor ^g4. 

Wiesbaden LB. {Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 

344 Guillermus: Postilla super epistolas et evangelia. Argentinae, 
[typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1490. 2». 

Hain *82/2. Praetor 6^/. 
Wiesbaden LB. {Aus Notgottes.) 

345 Guillermus: Postilla super epistolas et evangelia. Coloniae s t 
1482. 20. 

Blia leer. Bliba Z i: [jltam bona et exitü beatü !| Ego frat' gwillerm9 sacre the ologie 
pfessor etc. Bl ibß Z jj; Epistola^^ i euägelio^« de te^Ipore et aanctis über incipit. Bl 123a 
\n. CXXijJ ß: Postille sup Epistolas et EuägeHlia dScales etc. collecte p religiosü patrem 
fratrem |i Gwillermü theologü eximiü: magiijstrum Parisiensem. nouissime imps [se äno salutis 
millesimo quadringelltesimo octuagesimo secundo: decimo-, septimo kal'. Augusti: finiüt 
felicit' II in sancta Colonia: Es folgt du Tabula, Bl 125b {n. CXXv] ß Z jp; ExpUcit tabula euan-Ü 
geliorum et | Epistolarum. 

125 Bl numenrt und mit Sign, 2 Spalten, 4g Zeilen, got/i. Schrift, j Sehriftgrössen. 

Ln der Blattzählung zwei Fehler: LXiüj statt L Vi und XCVH statt Ciü. Bl 84 und 85 sind 
handschriftlieh ergänzt. 

Limburg. {Aus Limburg.) 

346 Guillermus: Postilla super epistolas et evangelia. Coloniae, 
Henricus Quentell, 1494. 4o. 

Hain-Copinger *8285. 

Limburg: 2 Exemplare. {Aus Amstein und Hadamar.) 

347 Guillermus: Postilla super epistolas et evangelia. [Spirae, Petrus 
Drach], s. a. 2o. 

Copinger LI, i, 2862. Voullieme £03. 

Bl ib endigt die erste Zeile hinter Gvuillerinus. 

Herbom in 16/2. {Aus Rommersdorf.) 

348 Guillermus: Postilla super epistolas et evangelia. s. 1., t.. a. 2". 

ßl la leer. Bl ib: Eximij doctissimicj viri fratris Guillermi. N. Sacre theologie \ p- 
fessoris parisiesis Dignissimi In exposicöe. Epl'ay atcy euä- ]geliorum p circulum anni tä 
de tpe quam d Sanctis occurren jcium Prologus feliciter incipit. |, [jltä bona i exitü beatü. 
Ego frater. Guillermus. sacre j| theologie pfessor mim9 pisi9 educat9 Sacroy cuägelio rum 
etc. Bl 6a: EHgnissimi supramemorati doctoris. In epistolas : Euägelia q |l p. Anni cir- 
culum in sancta dei ecclesia occurrunt: Exposicio ad | laudem dei feliciter Incipit. Bl jgsb 
Z II : Explicit postilla sup Euägelia dnicalia ; sup euägelia de säctis: etc. Z jj; Vin. 
i. vinceci9 Raban9. Et sie de alijs: 

igz Bl ohne Signat., j6 Zeilen, goth. Schrift, eine Sehrifigrösse. 

[Jmburg. 



— 44 — 

[Guillermus: Postilla super epistolas et evangelia de tempore et de 
sanctis et pro defiinctis. s. 1.. t., a. 4'1] 

Hain-Ccfingtr ''8241. Ist nach Praetor kein Druck des 1$. Jahrhunderts. 
Limburg. {Aus Hadamar.) 

349 Guillermus Parisiensis: De Septem sacramentis. [Moguntiae, 
Jac. Meydenbach. c. 1495]. 4*^. 

Hain-Copinger *8siO. Procter 164. 
Wiesbaden LB: 2 Exemplare. {Aus .Votgottes.) 

350 Guillermus Parisiensis: Rhetorica divina. [Basileae, Joh. Amer- 
bach, 1490.] 2o. 

Hain-Copinger *8203. Prjctor /62J. 
WeiUmrg. {Aus Deutt.) 

Guillermus Textor de Aquisgrano s. Textor. 

351 Haemmerlein, Thomas: Hortulus rosarum de valle lacrimarum. 
Basileae, Johannes Bergmann de Olpe, 1499. 8'\ 

Bl la Tuet: Hortulus rosarü ;| de valle lachryma- rum continens egregias : deuotas || 
sentecias I /.j(99. , Nihil sine causa, j] Olpe, jj Ode. S. Braut. [!] Ji In cömendatione Hortuli 
Rosarü Es fy^gen 6 Strophen, die erste auf derselben Seite, die anderen auf Bl ib. Bl 2a {Sign 
a ii\: Incipit Ortulus rosay de valle la-'!crimarum. Es folgen die Kapitelüberschriften. Bl 3a 
{Sign a /»] beginnt Kap. i: [c] Vm sancto sanct9 || eris: j cü peruerso ,j peruerteris. Atten|| 
de diligenter frater ;| etc. Bl ii^a Z 8: rectionem \\ Hugonis de säcto victore opus-jcula de 
studio orädi: & de tribus ' dietis: Basilee opera & expensis ;| Johannis Bergman de Olpe 
im- pressa finiunt feliciter Bl 115b: Ad gloriosam vir'lgine mariä: ex ver-(|bis Apuleii 
Precatio. S. Brant. Bl ii/b: In laude virginis \\ gloriose ex vbis beati Bernardi cla-|| 
reuallcnsis: Salutatio S. Brant: Bl 118 b Z 13: pfundum j| queat inuestigare? || 149g. |j Nihil 
sine causa: Olpe. Bl iig und 120 leer. 

120 Bl mit Sign [a— p 4J ig Zeilen, römische und goth. Schrifl, 2 Schriftgrössen. 

Hain-Copinger 8g 3g. 

Wiesbaden LB. {Aus iVotgottes.) 

Harentalis s. Petrus de Harentalis. 
Hassia s. Henricus de Hassia. 

352 Hegius, A.: Farrago. Daventriae, [Rieh. Pafraet], 1495. 4'>. 

Campbell /42. 
Wiesbaden LB. 

353 Henricus de Hassia: De arte praedicandi. Argentinae, Martinus 
Flach, s. a. 4o. 

Hain *83g8. Proctor ^25. 
Wiesbaden LB. 

354 Henricus Hostiensis de Segusio: Summa in quinc^ue libros decre- 
talium. [Argentinae, typogr. Henrici Ariminensis], 1478 — 1479. 2 Bde 2". 

Ham-Copinger *8g62. Bl la Z 3 steht vulgariore statt vulgari. 
Wiesbaden LB. {Aus Schlau.) 
Limburg. {Aus Rommersdorf.) 



— 45 — 

355 Herben, Matthaeus: De constructione substantivorum in simili casu. 
s. 1., t., a. 4**. 

Bl I \leer?\ fehlt. Bl 2a: De constructione substantiuorum in simili casu ; ()Eu8 pater. 
dei pris: deo patri. deü prej. :c. | ( lEus filius. dei filij. deo filio. dcum filium. et cetera. | 
(jEus spiritussanctus. dei spüssäcti- deo spirituisctö. |1 Papa Innocentius. pape innocetij. 
pape innocetio || etc. Bl 2jb Z 12: Dyasinthetica per Matheü herben. Rectorem scholariu? 
beati Seruatij ex eruditissimis Grämatice pfessoribus Gua-, rino at<j Nicoiao perotto Archie- 
piscopo Sipontino domino j| suo extracta desint feliciter. Bl 24 [leer i;\ fehlt. 

24 Bl mit Sigyt [a b ^4] ^g Zeilen, goth. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

Limburg. [Aus Limburg!) 

356 Hermannus de Schildis: Speculum sacerdotum. Moguntiae, s. t, 
[c. 1480]. 40. 

Hcun-Copinger *l4£ig. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

357 Hermannus Torrentinus: Opusculum de generibus nominura, de 
heteroclitis, de patron\Tnicis, de nominum signiticationibus. s. 1., t., a. 4^ 

Bl la Titel: Hermäni Torrentini opu sculum perutiie. [| De Generibus nominum De 
Heteroclitis | De Patronymicis [j De Nominü significatöibus Darunter Holzschnitt [die Buchstaben : 
ihs umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten.) Bl ib: C Hermänus Torrentinus docto 
t religioso vi-j'ro Joanni vinsemio. S. Bl 2 a [Sign AijJ.- C De generibus nominü. Caput 
pmum. |] {)Enera noim unt [!] sex. masculinü. femininü. neutrü. cöm-j|ne. epicenum : omne. etc. 
Bl 24a Z 18 : Zi^ania grece lolium latine herba nocens frumento. || C Et sie est finis. 

24 Bl mit Sign [A^ B^ C4 DA, jg Zeilen. Goth. Schrift. Drei Schriftgrössen. 

LJmburg. [Aus Limburg.) 

358 Herodotus: Historiarum libri IX interprete Laurentio Valla. 
Venetiis, Johannes et Gregorius de Gregoriis, 1494. 2^. 

Hain-Copmger *84/2. 

Wiesbaden LB. [Aus Herbarn HSch.) 

359 Herolt, Johannes: Liber de eruditione Christi fidelium. [Argen- 
tinae, Georgius Husnerj, s. a. 2«. 

Hain *8SI/- Proctor ^£/. 

Limburg. [Aus Notgottes, vorher in yohannisberg.) 

360 Herolt, Johannes: Sermones super epistolas dominicales. [Argen- 
tinae, Georg. Husner], s. a. 2^. 

Hain *8SlO. Proctor SS 8. 
Limburg. [Aus Hadamar.) 

361 Herolt, Johannes: Sermones de sanctis. s. 1., t, a. [nicht nach 
1489]. 2^ 

Bl I leer. Bl 2a [Sign a^] a; Incipit Registrum || breue hui9 operis bm ordine? al pha- 
beti. effect9 spealiores cuiusli-| bet sermonis breuissime indicäs. || ()Ndreas noue habet 
puilegia. bmöe |j etc. Bl 6a leer. Bl fa {Sign b i\: Incipiüt sermones discipuli de sanctis 
per an |ni circulü In quorü quolib^ tria deducunt' mebra , Sequitur Prologus In eosdem , 
OAudate dominü \ sanctis eius psal. cl. |! etc. Bl ii2b Z 31: nunc? vel raro audiuit integram 
missam vel sermonem. hoc qre in pm-jlptuario. xlvi. m. Expliciüt Sermöes discipuli de 
scis p äni circulü. 

112 Bl [Sign ai, d—i\ k~l5, m—n',, ol], J/ und 38 Zeilen, goth. Schrift, zwei Schriftgrössen. 

Der Rubrikator hat am Ende die Jahreszahl 148g vermerkt. 

Wiesbaden LB. {.Aus Sc/ionau.) 



— 46 — 

362 Herolt, Johannes: Sermones de tempore. [Coloniae, Ulr. Zell], 
1478. 20. 

Hain-Ciypinger 84/g. 

Limburg: 2 Exemplare. {Aus Rammersdorff und aus HaJamar.) Das R. Exemplar ist defekt, 
es fehlt Bl i und der Schiuss. 

363 Herolt, Johannes: Sermones de tempore et sanctiscum promptuario 
exemplorum. Norimbergae, Antonius Koberger, 1480. 2^. 

Hjin *S4Sl. 

Limburg. [Aus Umiurg.) 

364 Herpf. Henricus: Speculum aureum decem praeceptorum dei. 
Moguntiae, Petrus Schöffer, 1474. 2^. 

Hain-Copinger "852^. 

Wiesbaden LB. [Aus Limburg.) 

365 Herpf, Henricus: Speculum aureum decem praeceptorum dei. 
Norimbergae. Antonius Koberger, 1481. 2o. 

Hain *8S24, 
LinUntrg. 

366 Herveus: Quattuor quodlibeta. Venetiis, Raynaldus de Noyimagio, 
1486. 20. 

Hain-Copinger ^8530. 

Herbom 808. {Aus Herhom HSch.) 

Limburg: am Ende defekt. {Aus Eberbach.) 

367 Heylin. Johannes, de Lapide: Resolutorium dubiorum circa cele- 
brationem missarum occurrentiunL Argentinae, Martinus Flach, 1494. 40. 

Hain-Copinger *ggog. 

Wiesbaden LB. {Notgottes, vorher in Johannisberg.) 

368 Heylin, Johannes, a Lapide: Resolutorium dubiorum circa cele- 
brationem missarum occurrentium. Coloniae, Henricus Quentell, 1493. 4o. 

Copinger //, / 34g £. Voulliime ^48. 

Limburg. {Am Notgottes, vorher in johannisberg^ 

369 Hieronymus: Aureola ex floribus S. Hieronymi contexta. [Spirae, 
typogr. Gestorum Christi], s. a. 2o. 

Hain-Copinger *8586. Proctor 2322. 
Limburg. {Aus Limburg.) 

370 Hieronymus: Commentaria in biblia. Yenetiis, Johannes et 
Gregorius de Gregoriis, 1497—1498. 2 Bde 2o. 

Hain "8581. 

Die Initialen sind eingedruckt. 

Bl g Titel Z 2 steht queationes und nicht wie bei Hain quaestiones. 

Limburg. {Aus Deutz.) 

371 Hieronymus: Epistolae et tractatus. Basileae, Nicolaus Kesler, 
1492. 2 Bde 2o. 

Hain '8^6/. 

Limburg: nur Bd 2. {Aus Hadamar.) 

Wiesbaden LB. {Aus EhrenbreUstetn.) 



— 47 — 

372 Hieronymus: Epistolae et tractatus. Basileae, Nicolaus Kesler 
1497. 3 Bde 2». 

Haift-Copingfr ^SsS^. 

Limburg: Bd i u. 2. {Aus Eberbach.) 

373 Hieronymus: Epistolae et tractatu8. Moguntiae, Petrus Schöffer, 
1470. 20. 

Hatn *8554. Das vorliegende Exemplar stimmt genau mit Hains Beschreibung überein. 
Wiesbaden LB. 

374 Hieronymus: Epistolae et tractatus. Venetiis, Johannes Rubeus 
Vercellensis 1496. 2». 

Hain-Copinger ^8^6^. 
Limburg. [Aus Höchst.) 

375 Hieronymus: Expositio symboli contra Jovinianum haereticum. 
[Coloniae, Ulr. Zell, c. 1470]. 4". 

Hain-Copinger *(?5/<5'. Praetor 8//. 
Limburg. 

376 Hieronymus: Liber contra Helvidium Je virginitate Mariae. 
[Coloniae, typogr. Dictyos, 1471 — 75]. 4o. 

Bl la: Incipit liber beati Jheronimi cötra helindiü [!] || de virginitate sancte dei geni- 
tricis Marie \\ Bi 1$ a Z lo : Explicit liber beati Jeronimi contra Helindiü [!j ;; de virginitate 
sancte dei genitricis Marie: . Bl i^b: Incipit epistola sei Jeronimi ad Gaudecium, de inst- 
tucione [!j filie: |j Bl i8b Z 26: Explicit epistola bti Jeronimi ad gau. ut sup Bl iga: 
Incipit Epistula beati Jheronimi ad panmajxhium et Occeanum. || Bl 21b Z 14: Explicit 
eplä bti Jeronimi ad pämachiü et oc: 

21 Bl ohne Sign, 27 Zeüen, goth. Schrift, eine Schrißgrösse. 

Hain-Copinger 85/5. Proctor g86. 

Umburg. 

377 Hieronymus: Vitae sanctorum patrum. [Argentinae, typogr. vitarum 
patrum a. 1483], 1485. 2o. 

Hain-Copinger *86oo. Praetor 422. 

Wiesbaden LB. 

WeUburg. [Aus Rommersdorf.) 

378 Hieronymus: Vitae sanctorum patrum. [Coloniae, Arnold, ter 
Hoernen, ca. 1470]. 

Hain *8S93- Proctor ^/j. 
Umburg. 

379 Hieronymus: Yitae sanctorum patrum. [Coloniae, Conrad. Winters, 
c. 1476?] 

Bl laa Z i: Incipit plogus in vi||tas Säctoy patrum. || ()Enedictus deus q vult || omes 
homines saluos j fieri t ad agnicöem ve|]ritati3 venire: qui etiaj \\etc. Bl ^ßa^ Z21: Liber 
de vitis sanctoy Paty Heremitay atg Möchoy se cüd9 finit foeliciter •:• •:• Bl 36aa Z i: 
Incipit plog9 Palladij epi in liby tertiü de vitis patrü. ßl 116 aa Z 24- Pars quarti üb", 
xiij. de hospi' talitate explicit foeliciter. ;| DEO GRATIAS. Bl Ii6b u. 11/ leer. Bl j6oa^ 
Z J^: Explicit liber quintus de vi' tis sanctorum patrum •:• ! DEO GRATIAS. 

160 Bl, 2 Spalten, 41 Zeilen. Goth. Schritt. 

Hain-Copinger 8^86? 

Limburg. [Aus Hadamar.) 



— 48 — 

380 Hieronymus: Vitae sanctorum patrum, deutsch. [Herbipoli, 
Georg. Reyser, 1480?]. 2o. 

Hain-Cofvtgfr *S6oj. Prociijr 32 £l zveiss nicht, wekhem Druckort dies fr Druck angehört. 
Wiesbaden LB. [Aus Schönau.) 

Hispanus s. Petrus Hispanus. 

381 Holkot, Robertus: Opus super sapientiam Salomonis. [Coloniae, 
Conrad. Winters, c. 1479]. 20 

Hain- Geringer *S/S3. Proctar Il88. 
Umburg. {^Aus Deuiz.) 

382 Hollen, Gotschalcus: Praeceptorium divinae legis. Coloniae, 
Johannes Guldenschaff, 1481. 2'^. 

H^tn-Copinger S/66. 

Wiesbaden LB. [Aus .Marienstatt.) 

383 Homiliarius doctorum a Paulo Diacono collectus. Spirae, Petrus 
Drach, 1482. 2^. 

Hain-Cofinger *S/gO. 

Herbom 20£6. (Aus Herbom HSch.) 

Limburg. (Aus Limburg.) 

384 Honorius: Expositio super cantica canticorum. [Coloniae, Joh. 
Guldenschaff, c. 1480]. 4». 

Hain-Copinger *88o2. Praetor 12^0. 
Limburg. (^Aus Amstein.) 

385 Horatius: Opera cum annotationibus Jac, Locher Philomusi. 
Argentorati, Johannes Grüninger, 1498. 2*^. 

Hain- Coptnger *88g8. 
Hadamar G. 

Horologium aeternae sapientiae s. Suso, Henricus. 

386 Hortulus animae. l.?, t.?, a.? kl. 8o. 

Bl la Titel rot: Ortulus anime. Bl ib beginnt das Kalendarium. Bl 20 {Sign rr4] rot: 
Sequit registrü prtis libelli Bl 24b Z 21: Uigilie mortuorü, ccviij. cuj plu|]ribus collectis in 
fine annexis. Finis. Der Druck ist zum grossen Teil durch handschriftlichen Text ersetzt, daher 
eine genaue Beschreibung nicht möglich, zumal Anfang und Ende des eigentlichen Textes sowie die 
Schlussschrift überhaupt nicht mehr vorhanden sind. Blattzählung, Signaturen sind vorhanden, 22 Zeilen, 
Rot- und Sch-juarzdruck, goth. Schriß, der Titel in grösserer Schrift, zahlreiche Holzschnitte. 

Wiesbaden LB. [Aus NotgotUs.) 

Hortulus rosarum in valle lacrimarum s. Haemmerlein, Thomas. 
Hort US sanitatis s. Johannes de Cuba. 
Hostiensis s. Henricus Hostiensis de Segusio. 

387 Hugo de S. Caro: Postilla super psalterium. Norimbergae, 
Antonius Koberger, 1498. 2«. 

Hain-Copinger *8g/3. 
Limburg. [Aus Deutz.) 



— 49 — 

388 Hugo de S.Victore: De sacramentis christianae fidei. Argentinae, 
[typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1485. 2^. 

Hain-Copinger *go2^. Praetor Sg/. 
Limburg. 

389 Humbertus: De praedicatione sanctae crucis. [Norimbergae, 
Fridoricus Creusner], s. a. 4o. 

Hain-Copinger *g02g. Praetor 2igj. 
Limburg. [.Aus Dfuiz.) 

390 Hymnarius s. Expositio hymnomm. Coloniae, Henricus Quentell, 
1492. 4". 

Hain *6^84- 

Limburg. [Aus Amstfin.) 

391 Hymnarius s. Expositio hymnorum. Coloniae, Henricus Quentell, 
1494. 40. 

Hain *6;-86. 

Herborn P IV ^rg. {Aus Herhom HSch.) 

Jacobus Januensis s. Jacobus de Voragine. 

392 Jacobus de Theramo: Consolatio peccatorum s. Belial. [Argen- 
tinae, Henr. Knoblocbtzer], 1484. 2o. 

Bl I fehlt. Bl 2a [Sign a ij] a: Reuerendi patris domini Jacobi |j de Theramo Com- 
pendium pbreue [j Consolatio peccatorum nuncupatü. |: Et apud nonnullos Belial vocitatü j| 
ad papä. Vrbanum sextum conscrip-||tum. Incipit feliciter. Bi gja^ Z, ^i: seculorum. 
AMEN. II Explicit über belial nücupat9 al's |[ peccatoy consolatio. , Anno dni M«. || 
cccclxxxiiij. Bl g^b und g4 leer. 

g4 Bl mit Sign [a b e g i l m n^, c if k ki\ 2 Spalten, 42 Zeilen, gath. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Praetor J/J. 

Wiesbaden LB. [Aus Schönau.) 

393 Jacobus de Voragine: Legeuda sanctorum seu historia Lombardica. 
[Argentinae, Georg. Husner, ca 1475]. 20. 

Bl la leer. Bl iba: De festiuitatibus que occur-ürunt infra tpus renouationis | ete. 
Ende der Tabula auf Bl 2b^ Z 32. Bl 3 [num. /] Z /: Incipit prologus sup legendaj san- 
ctoy qua cöpilauit frater || iacobus natione lanuesis ordinis fratrü pdicatoy. || ()Niversü temp9 
pntis vite i qttuor distinguit' jj sc^ 1 tep9 deuiatiöis. renouatiöis siue reuocati|'onis. recöncili- 
ationis. et peregrinatöis. Temp9 |! deuiatiöis e/e. Bl jg4 [num. CCCXCII\ a Z ig: Explicit 
legenda lombardica iacoi|bi de voragine etc. Bl 3g4b: De decem milibo martirum. 
Bl 422 [num. CCCCXX\ a Z 2g : et odoris fragrantia vsqt in octauä diem ibi manebat. 
Marti-||ri lucie ideo oiücta fuit. <j ipsa odilia duobus modis martir || fuit voluntate et carnis 
maceratione. Bl 422b leer. 

422 Bl [2 nicht num., I—CCCCXX] ohne Sign, 38 Zeilen, goih. Schrift, i Schriftgrösse. 

Limburg. 

394 Jacobus de Voragine: Legenda sanctorum seu historia Lombardica. 
Argentinae, [Georg. Husner], 1479. 2°. 

Bl I fehlt. Bl 2aa: Incipit tabula super legen das sanctorum secundum or dincm 
alphabeti collecta. et | primo premittitur prolog9 i qui ostendit modum reperi- endi materias 
contentaa in j; diuersis locis huius volumifnis. ' PROLOGVS , (IVoniam sicut die ysidor9 , etc. 
Der Prologus schliesst Bl 2a^ Z 3g : uersis. Bl x6aa am Ende: Finit tabula feliciter. Bl l6b 
und il^a leer. Bl i^b folgt der prologus super legendas sanctorum. Bl l8a Z 8: Explicit 
prologus. Incipiunt capitula. Bl 20a: Incipit legenda sanctoru; que lombardica nomir.atur 

4 



— so- 
hl- storia Et primo de festiuitatibus que occurrunt infra tem-j^pus renouationis quod re- 
presentat ecclesia ab aduentu vscj ad natiuitate? domini. Bl 412a am Ende: Hoc opus 
historie lombardice. deo opitulan te. cum legendis in fine annexis. est impres- sum Argentine. 
Anno domini Millesinco- quadringentesimo septuagesimo nono. Bl 412 b her. 

412 Bl ohne Sign [j/ Lagen, davon i, 2, 4 — 8, 1O—14, l^, V> '9—-3< -^5. -Ö". 2S—SO, 
32-3^. 3^-40, 4^-47' 49\ 3. 9, '5. ^/> 37' jO, 5/5. r8, 24. 31, 41, 48 <\ 39-40 Zeüev, 
goth. Schrift, 2 Schrijigrössen. 

Prodor 3S9- 

Wtesl.iden LB. [Aus Noigoties.) 

395 Jacobus Je Voragine: Legeiida aurea s. historia Lombardica. 
Argentinae. [typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1483, 2'^. 

Fl I fehlt. Bl 2aa: Incipit tabula su 'per legendas sanctorum secundu? J ordinem 
alphabeti collecta. et pri-, mo premiltitur prologus qui GSte| dit modum reperiedi materias 
c5 tentas in diuersis locis huius vo- luminis Prologus. j ()Voniam sicut || dicit ysidorus 
in libro de sum' mo bono e.'c. Bl ijaa: Incipit legenda sanctorum que | lombardica no- 
mlatur historia. Et primo de festiuitatibus que occur runt infra tempus renouatöis qd' || 
representat ecclesia ab aduetu vscj ad natiuitatem domini ;j Legenda Prima A j De aduentu 
domini i Duent9 domi ni per quattu or septimanas agit' ad signi ficandü etc. Bl 2430^ 
Z 5; US p omnia secula seculorü. amen ;| Explicit legenda lomi.bardica Jacobi de voragine 
ordinis predi catorum episcopi ianuensis. Bl 24jba: Sequuntur quedä ;' legende a quibusda? 
alijs superad- dite. Et primo de decej milibg mar],tyrum Bl 2//ti^ Z 26: bent q. corpus 
Christi est ; sanguis eius I Expliciunt quo |rüdam sanctorum legende adiuncte post Lom- 
bardicam hi- storiam. Impresse Argentine. Anno dni M. cccccxxxiij. Bl 2;^8 leer, 

2/8 Bl ohne Sign [3g Lagen: i, 3—5, 7, g, IT, 13, 15, 17, 19, 21, 23, 25, 2/, 2P. JA JJ. 
15, 39*, 2f ^, •^, ^0> ^-, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 26, 28, 30, 32, 34, 36, 381, J75], 2 Spalten, 
4/ Zeilen, goth. Schrift, 3 Schriftqrössen. 

Wiesbaden Lß- [Aus Eberbach.) 

396 Jacob US de Voragine: Legenda sanctorum seu historia Lombardica. 
Argentinae, [typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1485. 2'J. 

Bl la Titel: Lombardica historia || que a pleriscj Aurea | legenda säctorum ap-||pellatur. 
Bl ib leer. Bl 2a {Sign i\ o.: Incipit tabula super \\ legendas sctö^t scdm ordine alphabeti 
collecta. et primo premittitur p! logus qui ostendit modü reperiedi j materias contentas in 
diuersis lo eis huius voluminis. Die Tabula endigt Bl I2b^. Bl I3aa: Incipit prologus su-j;per 
legendas sanctoy quas collegit j in vnum frater iacobus natione ia- nuensis ordinis fratrum 
predicato- rum. Ä /jjß; Explicit prologus. .5'/7j<5a.- Incipiunt capitula. Bl i^ a [Sign a] a: 
incipit legenda sctö^ que lombar: dica noiatur historia Et primo de fe ]stiuitatib9 que occurrüt 
infra temp9 renouatöis qd' representat eccl'ia ab |i aduetu vscj ad natiuitate domini. Bl 233/)^: 
Explicit legenda lom bardica lacobi d' voragine ordinis pdica, torum episcopi ianuesis. 
Impressa Argen tine. Anno domini. M. cccc. Ixxxv. Finita i || die sancti Floriani 
martiris. Cuius legeda |1 repitur in additionibus huius voluminis |I in legenda. CXCV. || 
Sequuntur additiones. Bl 234 leer. Bl 26g b^ am Ende: Expliciüt quorü/]!dam sanctoy legende 
adiücte post ; Lombardicam historia?. Impresse ,, Argetine Anno dni. M. cccclxxxv |1 
Finite in die sancti Floriani marty;|ris. Bl 2^0 {jedenfalls leer) fehlt. 

2/0 Bl [/4, 23, a4, bi, c\ di, <f4, /3, gA, hi, /4, ki, l\ ml, «4, oi, /4, ql, r4, sZ, /4, vi, 
x4, yl, 24, AI, Ba, C), Z?4, Ei, F\ Gl, HS, Ii, K\, Li, .1/4, N^\, 2 Spalten, 47 ^"^^»^ 
goth. Schrift, 3 Schrftgrössen. 

Proctor 600. 

Weilburg. [Aus RommersdorJ.) 

397 Jacob U3 de Voragine: Legenda sanctorum seu liistoria Lombardica. 
Argentinae, [typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1489. 2*>. 

ni la Titel: Lombardica historia j que a pleriscp Aurea ; legenda säctorum ap; pellatur 

Bl ib Uer. Bl 2a {Sgn i\ (x: Incipit tabula super |; legendas sctöy scdm ordine alphabeti. 



— 51 — 

Colle-I|cta et primo premittitur prologus qui oste-' dlt modü reperiendi materias contentas 
i diuersis locis huius voluminis; j' Prologus | [ jVoniam sicut |] dicit ysidor9 in libro de 
sümo i| etc. Bl i2aa: Incipit prologus su- per legcndas sanctoy quas collegit in vr.ü frater 
Jacobus natione ianuensis ordinis \\ fratrum predicatorum Bl ißa [Sign a\ a: Incipit legcnda 
sctöy que lombardica ]| noiat hystoria. Et pmo de festiuitatibus q | occurrüt infra tepus 
renouatöis qd' repre-!!sentat ecclesia ab aduentu vscy ad natiuita tem domini. Bl 22g a^ ^ '5' 
seculoif amen. || Explicit legenda lomiibardica Jacobi de voragine ordinis predi catoy cpi 
Januensis. Impressa Argetine || äno dni. Mccccixxxiz. Finita altera die j* sancti Mathie 
apostoli. II Sequuntur additiones. Bl 26^b^: Expliciüt quorüdam j| sanctoy legede adiücte 
post Lombardicaj |i historiä Impresse Argetine Anno doini-{{ni. Mcccclxxxix. Finite in 
vigilia scti Ma||thie apostoli. Bl 268 leer. 

268 Bl mü Sign [/4, 2i, a cegilnprtxz, B D FHN^, bdfhkmoqsvy A C EG I KL 
Ml\ 2 Spalten, 46 Zeilen, goth. Schrift, 2 Schri/tgrössen. 

Praetor 618. 

IViesbaden GL 48. {Aus Idstein, Gymn, Bibl.) 

398 Jacobus de Voragine: Legenda aurea s. historiä Lombardica. 
Argentinae, [typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1-190. 20. 

Bl la Titel: Lombardica historiä |j que a pleris(j Aurea j| legenda säctorum ap pellatur. 
Bl ib leer. Bl 2a [Sign j] a: Incipit tabula super ;, legendas sctöy scdm ordine alphabeti 
colle-||cta. et primo premittitur prologus q ostcnj|dit modü reperiendi materias contentas 
i II diuersis locis huius voluminis. || Prologus. !| (JVoniam sicut jj dicit ysidor9 in libro de 
sümo jl bono etc. Bl T2b^ am Ende: Finit tabula feliciter. Bl i^aa: Incipit prologus su-| per 
legendas sanctov quas collegit in vnuj || frater lacobus natione ianuensis ordinis fratnim 
• predicatorum. || ()Niuersü tem|[pus pntis vite in qtuor di jstinguit. etc. Bl ijba: Incipiunt 
capitula. Bl 14 a [Sign a\ (x: Incipit legenda sctöy que lombardica || noiat' hystoria. Et pino 
de festiuitatibus q || occurrüt infra tepus renouatöis qd' repre-' sentat ecclesia ab aduentu 
vscp ad natiuita||tem domini. || Legenda I. A || De aduentu domini. || ()Duent9 dni per 
quatu-||or septimanas agit' ad || etc. Bl 22g a^ Z i£ : seculoy amen, i] Explicit legenda 
lom||bardica lacobi de voragine ordinis predi-'^catoy epi Ianuensis. Impressa Argetine || 
äno dni. Mccccxc. || Sequuntur additiones. Bl 26jb^ Z jr: corp9 xpi est z sanguis 
eius. II Expliciüt quorüdam j| sanctoy legede adiücte post Lombardicaj [[ historiä. Impresse 
Argetine Anno domi-||ni Mccccxc. Finite altera die assumptiöis ] Marie. Bl 264 leer. 

264 Bl mit Sign [/4, 2 3, a cegilnprtxzBD Gl iVa, b dfh kmoqsvyACEFH 
K L Mi\ 2 Spalten, 46 Zeilen, goth. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

. Praetor 622. 

IViesbaden LB. {Aus Notgottes.) 

399 Jacobus de Voragine: Legenda sanctorum seu historiä Lombardica. 
Argentinae, [typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1496. 2o. 

Bl z a Titel: Lombardica historiä que a plerisc^ || Aurea legenda sanctorü appellatur. 
Bl ib leer. Bl 2a [Sign t] a." Incipit tabula super !| legendas sanctorum bm ordinem alpha- 
be||ti collecta. Et pmo pmittitur prologus qui || ostedit modum reperiendi materias aten tas 
in diuersis locis hui9 voluminis || Prologus | ()Voniam sicut dicit l3idor9 in libro de sum- mo etc. 
Bl 14a [Sign a] a: Incipit legenda sctöy que lombardica , noiat' hystoria. Et pmo de festiui- 
tatibus q II occurrüt infra tps renouationis qd' repre- isentat eccl'ia ab aduentu vsqi ad 
natiuitate || domini etc. Bl 26jbfi Z 2g: Expliciüt quorundä sanctoy legede ad iuncte post 
Lombardica historiä. Impresi|se Argentine Anno dni. Mccccxcvi. Fini |te circa festü 
ascensionis dni, Bl 264 [wohl leer] fehlt. 

268 Bl {Sign 74, 23, ai, bi, c^, di, e^,fi, -4, hi, ii, i 3, h, mi, «4, /J, o^, /J, r*, sl, 
ti, vi, x4, yi, 2 4, Ai, B^, Ci, D\, Ei, Fi, C4, Hi, /4, A'— .1/3, .V4] 2 Spalten, 46 Zeilen, 
goth. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

Proctor 630. 
Herbom i£26. 

4' 



— ö-J — 



400 Jacobus de Voragine: Legenda sanctonim seu historia Lombardica. 
Basileae, ^icolaus Kesler, 1486. 4°. 

Bl za Tuel: Legenda sanctorum als , Lombardica historia. Bl ib Uer. Bl 2aa: Incipit 
tabula sup legendas sanctoni? eU. Bl 13a [Sign <r] a: Incipit legenda sanctoy que lom- 
bardi ca noiatur historia. Et primo de festiuita- 'tibus que occurrüt infra tempus renoua-|| 
tionis qd' representat ecclesia ab aduentu vscp ad natiuitatem domini. etc. Bl 2^/b^ am 
Sch.'usje: Legenda sancto^ als Lombardica hy storia nücupata Impressa Basilee i felici' ter 
asummata p Nicolaü kesler. Sub an-, no dni Millesimo quadringetesimo octo gesimosexto. 
die vero. xxv. menb Junij. Darunter das Druck frzeicken. Blatt 258 [jedenfalls leer) fehlt. 

2SS Bl\Siin \a—bl\ r4, dl, e\, fi, .f— /4 ^, »3, X-4, /3, fw4, «3, o^, p3, q>i, rl, s~v^, xl,y\, 
*j, AI, B\ Ci, Z?4, Ei, Fi, Gl, H*, /3, A'4, Li, il/4, Ni, Ol], 3 Spalten, SS teilen, goth. 
Schriß, zwei Schrifigrossen. 

Herbcrm IS^5- {Aus Herbom HSch.) 

401 Jacobus de Voragine: Legenda sanctorum seu historia Lombardica. 
Coloniae, Conradus de Homborch, 1478, 2o. 

Bl i fehlt. Bl 2aa: Prefatio sup legendas scoy per | anni circuitü venientiü quas 3pi-|| 
lauit frater iacob9 de voragine orj dinis predicato^ quondä epus j ianuensis incipit feliciter. 
Bl sba Z i£ : Incipit tabula legendarum de j sanctis per annum. Bl 2b^ Z 26: Aliä tabulam 
qre in fine libri. Incipit legenda scö^ aurea que ; alio noie dr historia longobardi ca. 
Et primo de aduentu dni. Bl 3232^ Z 2£: seculorü AMEN | Explicit legenda aurea. 
Bl 323b Uer. Bl 324aa: Item hystorie sequentes \\ addite sunt ad hystoriä lombardica. i. j| etc. 
Bl 3/Sa: Ad laudem : gloriam dei ac virginis gloriose matris eius necnö ad vtilita tem 
xpristi fideliü impressa est hec preclara : multis profutura historia lort: gobardica additis 
tn multoy sanctoy ac sanctarum legendis pulcris ac raris vt patet tabulam sub alphabeti . 
ordine editam intuenti. t ad fine? | vscj deducta est p me conradum de Hoemburch Anno 
dni millesimo qua dringetesimo septuagesimo octauo ipö die sei bemardi doctoris melliflui 
i,,alma vniuersitate Coloniensi de quo sit deus gloriosus benedict9 in secula. Bl 3/3 leer. 
Bl 3/6 fehlt. 

376 Bl ohne Sign [40 Lagen: 1—5, 10-28, 30—31^ 34, 3^^ 40i, 6—9, 2g, 33, 35, 4, 32, 
37' 39 •5» 3^% -2 Spalten, 3g Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Wiesbaden LB. [Aus Schonau.) 

402 Jacobus de Voragine: Legenda sanctorum seu historia Lombardica. 
Norimbergae, Anton. Koberger, 1481. 2'». 

Bl la Uer. ib enthält die Tabula. Bl 2 a \mtmer. Fo.J.] a: Incipit prologus in legendas 
sanctorü quas coUegit in vnu? frater Jacobus ianuensis de | ordine predicatorum. [] Niuersü 
tempus pre- sentis vite in quatuor distinguit. etc. Bl 184 af, Z ^o : vsg hodie seruant. || 
Finit lombardica historia p mädata Anthonij ;' Koburger Nurenberge impressa Anno salutis || 
;c. Ixxxj. ydus vo Aprilis tercio. Bl 184b leer. 

184 numer. Blätter ohne Sign, [26 Lagen: zu. 23 S, 2, 4, 5, 8, IZ — Z4, z8—2z, 25, 26 1, 3, 6, 
7, g, zo, zS — 17, 22, 2./4,] 2 Spalten, £6 Zeilen, goth. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

Wiesbaden LB. 

403 Jacobus de Voragine: Legenda sanctorum seu historia Lombardica. 
Norimbergae, Anton. Koberger, 1482. 2°. 

Voullieme 5g6. 
Limburg. [Aus Sayn.) 

404 Jacobus de Voragine: Sermones de tempore et de sanctis. s. 1. et t, 
1484. 2". 

Bl za Titel: Registrum In sermones Ja- Jcobi de voragine de tempore. Bl zb Uer. 
Bl 2aa Z z: Incipit Registrü in Sermo- nes de tepore preclarissimi do-'ctoris. magistri 
Jacobi de vora- gine ftc. Bl Z4b^ Z z8 : Explicit tabula alphabetica. ßl z^a Titel: Sermones 
Jacobi de vora- gine de tempore i de sanctis. Bl z£b Uer. Bl z6a [Sign c^j a Z z: Sermones 



— 53 — 

aurei : pulcherrimi | varijs scripturarü doctrinis re- [ferti de tempore per totü annu? ' editi 
a solennissimo theologie|| doctore magiatro Jacobo de vo ragine ordinis predicato» quo, dam 
episcopo Januesi ff Heiter ;[ incipiunt. Bl /j^a^ Z 4/: Finia. Bl 124b Urr'. Bl 123 a: [Titel] 
Sermonea de Sanctis || Jacobi de Voragine. Bl i2Sb Z i: Tabula sermonQ de sanctis in 
hoc vo|]lumine cötentoy. etc. Bl 126a [Sign a. ;>] a Z i : Sermonea pulcherrimi varija scrip | 
turav doctrinis referti de aanctis per anni H totius circulum acurrentibus. editi a ve nerabili 
viro Jacobo voraginis etc. Bl j/^a^ Z 36 : Finiunt scrmones eximij sacre thcolo gie pro- 
feasoria Jacobi voraginis de sanc tis per circulum anni. impressi : exactlsai- ma diligentia 
corecti [!] Anno domini. M.jjCCCC Ixxxiüj. xix. kaj. Augusti de quo ,, sit deus benedictus in 
secula. Bl 375 b und 3/6 leer. 

3/6 Bl mit Si^^ [a-ei,/3,g^, ^i, i-r,f, s-y, aa, bb\ cd, a-k\ lm\n-q^, xs\ rt/4, 
■^—2. A—Cl, DE^, FGi, HI\ KL\ J/4 + 14 Bl am Anfang ohne Sign], 2 Stalten, im i Tl 4;, 
im 2. 44 Zeilen, goth. Schrift^ 3 Schrijtgrössen. 

Wiesbaden LB. 

405 Jacob US de Voragine: Sermones de sanctis per anni circulum 
s. sanctuarium, s. 1., t, a. 2". 

Bl I [leer?] fehlt. Bl 2aa Z i: Incipit registrum in Sermo||nes de sanctis per circulü 
anni || preclarissimi doctoria. magistri ;| Jacobi de voragine scdm ordi( nem alphabeti täges 
materiaa || generales in singulis sermoni-j bus contentas. j] (jGer triplexj e. bmöe. clxxxiiij. 
circa medi. |l etc. Bl 6b^ Z 4^: Explicit Tabula Bl ^ a [Sign A] a Z i: Sermones pulcerrimi 
varijs || scripturarü doctrinis referti d' I| säctis p äni toti9 circulü cöcur- rentibg: editi a 
venerabili viro ; Jacobo voraginis ordinis pPdicatoy quondä epo Januesi | Incipiunt feliciter. |) 
Sermo primus de jj sancto Andrea. ()Estigia || ei9 secu-i tus e pes meg. viä | eig custodiui 
et nö II declinaui etc. Bl 242 a^ Z 26: Finiütur bmones eximij sacre || theologie professoris 
Jacobi II de voragine de sanctis p circu-||lum anni feliciter. Bl 242b leer. 

242 Bl mit Sign [A-B\ Ci, D-H, Mi, iV-P^, q\ R— T, U, X-Z, i—6i, /5; du Blätter, 
die die Tabula enthalten, sind ohne Sign] 2 Spalten, 4/ Zeilen, gothische Schrift, 3 Schriftgrössen. 

Limburg. [Aus Limburg.) 

Janua s. Baibus, Johannes, de Janua. 

406 Jason de Mayno: Commentum super notabili autentica res (\\iq 
ex §. quam ob rem in autentico de restitut. elc. s. L, t., a. 2". 

Hain * 10967. 6 Bl, das letzte leer, 61 und 63 Z. 
Wiesbaden LB. (Aus Herborn HSch.) 

Imitatio Christi s. Thomas a Kempis. 
Imola s. Johannes de Imola. 
Innocentius III s. Lotharius. 

407 Innocentius IV: Apparatus super quinque libros decretalium. 
Venetiis, Johannes Hamman de Landoia, 1491. 2". 

Hain-Copinger *gig3. 

Wiesbaden LB. [Aus Her bor n Seh.) 

408 Innocentius VIII: Regula revocatoria circa beueticia ecclesiastica. 
s. L, t., a. 40. 

a Z i: Sanctissim^ in xpo pr & dns nr dns Innocetius '| diuia puidetia papa viii. 
urgetib9 nönull' ratij|onabilib9 cäis öes & singl'as eccl'iaFt monasteri |orü dignita. & bnficiorü 
eccle. quorülibj späles | reseruatiöes vniöes änex. icorpor. vniedi quocp \\ annecti & icorporädi 
mädata perpetua uel ad '\ etc. Z i/ : Lecta t publicata fuit auprascripta regula i Ca ccllaria 
apostolica äno a natiuitate dni. m. cccc. Ixxxvi. die martis decimanöa mensis Septebris 
pötificat9 eiusdej dni nri pape Anno tertio. 

I Bl a 24, b 20 Zeilen, röm. Schrift, eine Schrifigrösse. 

Wiesbaden LB. {Aus Eberbach.) 



— 54 — 

Institor, Henr.: Malleus inaleticarum: s. Sprenger, lac. u. Henr. Krämer. 

409 Johannes Baptista de Caccialupis: Repetitio legis in titulo ff. de 
iureiurando. Bononiae. Johannes Walbeck, s. a. 2o. 

Bl I Iffr. Bl 2a [S:^ "^ '.']■' Utilis : aurea ; quotidiana repetitio legis ad monedi site 
in titulo. ff. de iureiurando. Senis re- petita. Anno domini. M. cccc. Ixvi. p clarissimum || 
vtriusg cesure doctore t oiu^ nostri temporis iuris || asultof vertice Dominü Joannem baptista 
caccia lupu) de sancto seuerino suum hie fiunt exordium. Bl 2i><jß ^ 39-' Impressum 
Bononie per Johannem valbeck. Es folgt das rtpertorium das auf Bl ^ob endet. 

JO Bl mU Sign [j f 9 j 3 'J'/*], 2 Spalten, 62 ZeiUn, goth. Schrift, I Schriftgrösse. 

Hain 41g/. 

IVUsbaden LB. [Aus Herbom HSch.) 

410 Johannes de Cuba: Hortus sanitatis, deutsch, o. 0., Dr. u. J. 2o. 

Hain 'Sg46. Bl 2aa Z 8 steht in diesem Exemplar: d' natue [!] wye. 
Wiesbaden LB. {^Aus Amstein.) 

411 Johannes Franciscus de Pavinis: Relatio circa canonisationem 
Bonaventurae cum aliis. [Coloniae, J. Koelhoff, 1490]. 4°. 

Hain-Ccpin^er * 12^31. Praetor 108g. 
IVeubur^. 

412 Johannes Friburgensis: Summa confessorum, deutsch. Augsburg, 
Johannes Baemler, 1472. 2o. 

Hain ''/36/. 2;-/ Bl. Bl i und 2^/ leer. In diesem Exemplar steht Bl 2 a Z // verkünde 
u. Z 12 künden. Das Register schliesst Bl 14b Z 22. Der die Jungfrau Maria darstellende Holz- 
srhnitt fehlt. Der Text beginnt Bl 15 a: \{eingedrucktes rotes Randümament^\{ nomie domini Amen 
Hie hebt sich an der prolog9 j etc. Bl 2/6a Z i steht: ()weyfelt ein mensch oder es hatt etc. 

Herbom P Ib g. {Aus Herbom HSch.) 

413 Johannes Friburgensis: Summa confessorum. Ulm, Konrad 
Dinckmut. 1484. 2'^. 

Hain */J/i (statt buch muss es überall buch heissen.) Bl ig8 [CLXXXV) fehlt. 
Limburg. 

414 Johannes Gallensis: Communiloquium s. Summa collationum ad 
omne genus horainum. Argentinae, [typogr. Jordani de Quedlinbui-g a. 1483], 
1489. 20. 

Hain'Copinger *^444. Praetor 64g. 

Herborn : 2 Exemplare P Ha 1^4 u. E VH 44. {Aus Herborn HSch.) 

415 Johannes de S. Geminiano: Summa de exemplis et similitudinibus 
renim. Basileae, Johannes Petri de Langendorff et Johannes Proben de 
Hammelburg, 1499. 4o. 

Hain *^^46. Voullieme 643. 
Limburg. [Aus Hadamar.) 
Wiesbaden LB. {Aus .Amstein.) 

416 Johannes de Imola: Opus in Clementinas. Venetiis, Johannes de 
Colonia et Johannes Manthen de Gerretzem, 1480. 2^. 

Hain- Copinger *gi44. 
Wiesbaden LB. {Aus Deutt.) 



— 55 — 

417 Johannes de Imola: Super tertio decretalium. Venetiis. s. t., 1489. 2'>. 

Hain *gi40. In der Schlussschrift steht nicht: M. cccclxxxxviüj, wie Hain angiebt, sondern: 
M. cccclxxxviiij. 

WUsbaden LB. [Aus Herbom HSch.) 

418 Johannes de Lamsheym: De fraternitate et rosario beatae Mariae 
virginis. Moguntiae, Petrus Friedberg, 1495, 4o. 

Hain-Copinger *g84/, 
Wiesbaden LB. 

419 Johannes de Lapide: Resolutorium dubiorum circa celebrationem 
missarum occurrentium. Basileae, Johannes Froben de Hammelburg, 1492. 8o. 

Hain-Copinger *9go5- 
Wiesbaden LB. {Aus Notgoties.) 

420 Johannes de Lapide: Resolutorium dubiorum circa celebrationem 
missarum occurrentium. Coloniae, Henr. Quentell, 1493. 4^. 

Der Druck ist verschieden von Hain *ggo6. 

El la Titel: Resolutoriü dubioy circa || celebrationem missay oc-;|Currentiutn. per 
venerabilem patrem dominum Johänetn jj de lapide doctorem Theologum parisiensej. ordinis 
Carjltusiensis. ex sacrorum canonum probatorumcj doctorum Ij sententijs diligenter collectum 
Darunter ein Holzschnitt luie bei Hain, ebenso das Summarium. El ßb: Incipit tractatus dubios 
ac difficultatü circa officium misse i ea que || ad debitam eiusde celebratione exiguntur 
freqntius occurrentiü. iuxta sa [croy canonü ostitutiones. pbatorücj docto^ firmiores atcj tutiores 
sen-||tentias resolutorius. El 24a Z 44: Explicit resolutoriü dubio^i circa celebratione missay 
occurrentiü || Impssum Colonie p Henricü Quentell. Anno dni M. cccc. xciij. El 24b leer. 

24 El mit Sign \a—di\, 45 Zälen, goth. Schrift, drei Schrißgrössen. 

Wiesbaden LB. {Aus Notgottes) 

421 Johannes Nivicellensis: Concordantiae bibliorum et canonum. 
[Basileae, Nie. Kesler], s. a. 2o, 

Hain-Copinger *g4i2. Proäor //Ol. 
Limburg. [Aus Herbom HSch.) 

422 Johannes Petrus de Ferrariis: Practica nova judicialis. [Mo- 
guntiae?], s. t., [ante 1474.] 2*^. 

Hain *6g84. 

Auf El 10 gemalte Initialen und Randverzieritng. Dem Dntck ist handschriftlich ein ausführlicher 
2g Blätter umfassender Index beigegeben, der folgender massen schliesst : Et sie est finis anno domini 
millesimo quadringentesimo septuagesimo tercio indictione sexta die decima nona mensis 
Septembris. 

Wiesbaden LB. 

423 Johannes Presbyter: De ritu et moribus Indorum. [Spirae, Joh. 
et Conr. Hist], s. a. 4"^. 

Hain *g428. Praetor 2 40 4. 
Wiesbaden LB. [Aus Eberbach.) 

424 Johannes de Turrecremata: De efficacia aquae benedictae. [Au- 
gustae, Anton Sorg] s. a. 2o. 

Hain-Copinger * 15/38. Praetor 166 J. 
Herbom 1525. [Aus Herbom HSch.) 



— 56 — 

[Johannes de Turrecremata: De efficacia aquae benedictae. Norimbergae, 
Johannes Stuchs, s. a. 4o.] 

Hain-Cofinger * IS743- ^^l "'^^'^ Praetor kein Druck des l£. Jahrh. 
Wiesbaden LB. 

425 Johannes de Turrecremata: Expositio super toto Psalterio. 
Moguntiae. Petrus Schöffer, 147-i. 2o. 

Hain 'ißögS. 

Limiurg: Am Ende handschrißlkh [i£. y.): Librü hüc dedit petrus de gernsjhei impssor 
maguntie sancto florino in sconaw. o. b. t. d. Über die Beziehungen Adrians, Abis von Schönau, 
zur Peter Schiffer' sehen Druckerei s. Falk im Centralblatt f. Bibliothyw. l6, iSgg S. 233—23/. {Aus 
Schönau.) 

IV-esbaden LB : Am Schlüsse die handschrifiliche [i£. J.) iVotiz, dass das Buch 2 ß gekostet habe. 
[Aus .\farienstatt.) 

426 Johannes de Turrecremata: Expositio super toto Psalterio. 
Moguntiae. Petrus Schötier, 1476. 2*>. 

HaiH'Copinger */j6gg. 

Herbom E VII 44. {Aus Herborn HSch.) 

427 Johannes de Turrecremata: Expositio super toto Psalterio. 
Moguntiae, Petrus Schöffer, 1478. 2«. 

Hain *i£/OT. ig/ Bl, das letzte leer. 
Wiesbaden LB. 

428 .Johannes de Turrecremata: Meditationes seu Contemplationes. 
[Moguntiae], Johannes Numeister, 1479. 2o. 

Hain-Copinger * 1^/26. 

Herbom in l£2ß. [Aus Herborn HSch.) 

429 Johannes de Turrecremata: Quaestiones evangeliorum de tempore 
et de sanctis. Coloniae, [typogr. Johannis de Turrecremata quaest. evang. a. 
1478], 1478. 20. 

Hain-Copinger 13 /lO. Proctor 1233. 
Wiesbaden LB. 

430 Johannes de Turrecremata: Quaestiones evangeliorum tarn de 
tempore quam de sanctis. Daventriae, Richardus Pafraet, 1484. 2*^. 

Hain-Copinger iß/l/. Campbell i6g4. 
Zum grossen Teil handschriftlich ergänzt. 
Limburg. [Ans Deulz.) 

431 Johannes de Vanckel: Summarium textuale et conclusiones sexti 
Decretalium et Clementinarum. Coloniae, Johannes Koelhoff de Lübeck, 1488. 2o. 

Hain *9/8/. 

Limburg. [Aus Hadamar.) 

432 Johannes de Vordena: Sermones dormi secure de tempore et de 
sanctis. Hagenoae, [Henricus Gran], 1492. 4*'. 

Ifain * 13964. Praetor 31/6. 

Limbuig: nur die Sermones de satutis. [Aus Hadamar.) 



— 57 — 

433 Johannes de VerJena: Sermones dorrai secure de tempore, 
s. 1., t, a. 20. 

//ain *i5g68. Die erste Zeilentrennung am Anfang ist bei Hain nicht angegeben, Sermones 
dominicales cum expo, sitionibus etc. 

Il6 Bl mU Sign [a—e, g h k—p\ /ii\. Bl i und n6 leer. An/angsteUen in grösserer Schrift. 
Limburg. {^.4us Hadamar.) 

434 Jordanus de Quedlinburg: Sermones de sanctis. Argentinae, 
Johannes Grüninger, 1484. 2«^. 

Hain • Copinger *g440. 
Limburg. [Aus Limburg.) 
Wiesbaden LB. [Aus Eberbach.) 

435 Jordanus de Quedlinburg: Sermones de tempore. Argentinae, 
[typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1483. 2o. 

Hain-Copinger *g4^8. Praetor £84. 
Limburg. [Aus Hadamar.) 

Wiesbaden LB: 2 Exemplare, das eine aus Limburg, das andere, in dem die vier ersten 
Blätter fehlen, aus Marienstatt. 

436 Josephus, FL: De Antiquitatibus et de hello Judaico. Venetiis, 
Albertinus [Eubeus] Vercellensis, 1499. 2o. 

Hain-Copingtr *g455- 

Limburg. Codex monasterii sancti Mathie ApPi. 

437 Isidorus: Etymologiarum libri XX et de summo bono libri Ol. 
Venetiis, Bonetus Locatellus, 1493. 2o. 

Hain *g28o. 

Weilburg. [Aus Deutz.) 

438 lustinianus: Codex cum glossa. Basileae, Michael Wenssler, 
1478. 20. 

Hain-Copinger g6o8. 
Wiesbaden LB. (Aus Deutz.) 

439 lustinianus: Codex cum glossa. Norimbergae, Antonius Koberger, 
1488. 20. 

Hain-Copinger *g6og. 
Wiesbaden LB. [Aus Lins.) 

440 lustinianus: Codex cum glossa. Venetiis, Baptista de Tortis, 
1496. 20. 

Hain *g6ig. 

Wiesbaden LB: 2 Exemplare, das eine aus Ltnz. 

441 lustinianus : Codex cum glossa. Venetiis, Jacobus Rubeus, 
1478. 20. 

Hain-Copinger *g6oi. 
Wiesbaden LB. (Aus Nbtgottes.) 

442 lustinianus: Digestum infortiatum cum glossa. Romae, [typogr. 
apud S. Marcum], 1475. 2o. 

Harn *gs6j. Proctor 3533. 

Es fehlt Bl 2. 

Wiesbaden LB. [Aus Ehrenbreitstein.) 



— 58 — 

443 lustinianus: Digestum novum cum glossa. Xorimbergae, Anton. 
Koberger. 14S3. 2". 

Ha:n-Ccpngfr "9385. 

Auf Bl I in baden Exemplaren schön gemalte Initiale. 

IViesbaaen LB: 2 Exemplare, das eine aus Eberbach, das andere aus Linz. 

444 lustinianus: Digestum novum cum glossa. Yenetiis, Baptista 
de Tortis, 1494. 2». 

Bl I [Uer] fehlt. Bl 2 [Signaij] aa Text [rotl: Domini lustiniani sacratissimi [I pncipis 
perpetui: semper augusti: | iuris enucleati: ex omni veteri iure | coUecti: digestoru^ seu 
pandecta^ Explicit über, xxxviij. Glosse [rot]: C De operis noui nunciatione. Rubrica. '\ 
C [schwarz] Sed cum septe; sint partes digestoy: t. vi. incipit. i. de bo. pos. vij. i; Bl 308b 
{am Schlüsse): Uenetijs per Baptistam de tor-ijtis M. cccclxxxxiiij. die xxiij. decembris. 
Bl 30ga Rubricae. Bl $ogb Registrum. Darunter das Druckerzeichen. Bl ßio leer. 

310 Bl mit Sign [a—z, l, o, f, A—M\ .Vi], Blattzählung I—308, 2 Spalten, Text in 
grösserer goth. Schrift von dem Kommentar in kleinerer umgeben, letzterer 82 Zeilen. 

Hain 9544. 
Wiesbaden LB. 

445 lustinianus: Digestum novum cum glossa. Venetiis, Nicolaus 
Jenson, 1477. 2'\ 

Hain *958i. 

Zu Beginn der einzelnen Bücher schön gemalte Initialen. Die drei ersten Blätter sind herausgerissen. 

Wiesbaden LB. {Aus Ehrenbreüstein.) 

446 lustinianus: Digestum vetus cum glossa. Venetiis, Nicolaus 
Jenson, s. a. 2"^. 

Hain-Copinger ^9^44. 

Wiesbaden LB: 2 Exemplare, das eine, in welchem zu Beginn der einzelnen Bücher schön gemalte 
Initialen, aus Ehrenbreitstein, das andere aus Notgottes. 



447 lustinianus: Digestum vetus cum glossa s. 1., t., a. 



90 



Bl I leer. Bl 2 a {Sign a i f, numer. if] Text {rot\: In nomine a dni Jesu xpi Im- |perator 
lustiangb: cesarc. flauigd; | alamanic9 : gothicus: francus: ger- maniC9: attic9: afric9: van- 
dalicus: piius«: felix f: inclituss: victorh; ac triü- phator^^: sp august9': Theophilo : || 
dorotheo viris illustrib9 : ancesso; rib9l' Salute^l. || [schwarz] [o) Mne totius reipu blice nostre 
sanctio ne^^ a nobis iam es se purgatäa etc. Kommentar : (jN noie dni ame. impator dicit 
q: impat subditis. | etc. Bl 3/8 [numer. CCCLXX viif] ^ Z 12 Text: Finis. ff. veteris cü casib9. 
Kommentar: Z 12 sam. accursius. Darauf Tabula titulorum seu rubricarum. ff. veteris in 
quo folio seu charta contineätur. Dieselbe endigt Bl 3f8b Z 21: sionibus : mora. cccxlv. 
Dann folgt das Registrum. Bl 3/9 und 380 leer. 

380 Bl [a4, 3s ci, e\ fi, g—l\mS, «— :?4, rS s—z^, :S, 4, <H, As, B—H\ /5, K—Mi, 
N':, 3, F— 7'4, Vi, numer. Bl 2 —3/8], 2 Spalten, Text in grösserer Schrift vom Kommentar umgeben, 
letzterer / 4' Zeilen, goth. Schrift. 

Weilburg. {Aus Limburg.) 

448 lustinianus: Institutiones cum glossa [Basileae, NicoL Kesler], 
s. a. 2'>. 

Hain '948/. Proctor ^699. 
Limburg. 



— 59 — 

449 lustiuianus: Institutiones cum glossa. Basileae, Michael Wenssler 
1486. 20. 

Hain *g5l^. 
Limburg. (Aus Sayn.) 
Wiesbaden LB. [Aus Lint.) 

450 lustinianus: Institutiones cum glossa. Venetiis, Baptista de 
Tortis, 1495. 2o. 

Hain *9534. 

Limburg: In diesem Exemplar passt die Beschreibung Hains nur auf Bl /ß «■ /ö^, Bl i und 
3 Stimmt vielmehr mii Hain *9S3J> ««'"« L)ruei des Bemardinus \Stagninus\ iie Tridino de Monie- 
ferrato v. 1494, überein. (Aus Limburg.) 

Wiesbaden LB. (Aus Arnstein.) 

451 lustinianus: Institutiones cum glossa. Venetiis, Jacobus Rubeus 
1478. 2^ 

Hain-Copinger *9ßOß. 

Mit schönen Initialen tu Anfang des 2. 3. und 4. Buches; Bl 2 ist herausgerissen, wahrscheinluh 
aus diesem Grunde. 

Wiesbaden LB. {Aus Ehrenbreiistein.) 

452 lustinianus: Institutiones cum glossa. Venetiis, Bernardinus [Stag- 
ninus] de Tridino de Monteferrato, 1494. 2°. 

Hain *9533. 
Wiesbaden LB. 

453 lustinianus: Novellae cum glossa. Basileae, Michael Wenssler, 
1478. 20. 

Hain *g625. 

Wiesbaden LB. (Aus Deutz) 

454 lustinianus: Novellae cum glossa. Venetiis, Jacobus Rubeus^ 
1477. 2<>. 

Hain-Copinger ^9624. 

Buch lo — 12 voran gebunden; am Anfang der einzelnen Bücher schön gemalte Initialen; von 
Buch 10 ab ist das erste Blatt wohl aus diesem Grunde herausgerissen. 
Wiesbaden, (Aus Ehrenbreiistein.) 

455 lustinianus: Novellae cum glossa. Venetiis, Bernardinus [Stag- 
ninus] de Tridino de Monteferrato, 1494. 2o. 

Wiesbaden LB. 

456 lustinus: Epitome historiarum Trogi Pompei. Acc. Flori gestorum 
romanorum epitome. [Venetiis, Johannes Rubeus, c. 1475.] 

Hain-Copinger *g6£4. Praetor ß/39. 
Wiesbaden LB. 

457 luvenalis: Satirae cum commentariis Domitii Calderini, Antonii 
Mancinelli, Georgii Vallae. Venetiis, Johannes de Cereto de Tridino, 1494. 2'\ 

Hain-Copinger *9//0. 
Weüburg. 

Kempis s. Thomas a Kempis, 



— 60 — 

468 Klagspiegel oder Xeu geteutscht Rechtbuch, [Moguntiae, s. t., 
c. 1480]. 20. 

Hain- Cc'finger *^/r/. Procter i£0 : Printtr of Darmstadt prognostication. 
Bl ib Z 2 stehi: st (et statt statt, zvU Hain angiebt. 
Wiesbaden LB. (Aus Herbem HSch.) 

Koelner s. Johannes de V^anckel. 

459 Lactantius. Lucius Coelius Firraianus: Opera. Yenetiis, Vincentius 
Benalius, 1493. 2«. 

Hain-Copinger *g8l6. 
Limburg. {^Aus Limburg.) 

460 Lactantius, Lucius Coelius Firmianus: Opera. Yenetiis, Simon 
Bevilaqua Papiensis, 1497. 2". 

Hain-Copinger *g8l8. 
Wiesbaden LB. 

Laerius, Wernenis, cognomento Rolevinck s. Rolevinck, Werner. 

461 La et US, Pomponius: Compendium historiae Romanae. Yenetiis, 
Bernardinus [de Yitalibus] Yenetus, 1499. 4*. 

Hain-Copinger *gSjO. 

Wiesbaden LB. [Aus Herborn HSch) 

462 Lambertus de Monte: Copulata super tres libros Aristotelis de 
anima. [Coloniae, Henricus Quentell, c. 1486 j. 2'\ 

Hain-Copinger *ii§8S- ~^gl- VouilUme ///. Proctor 1385. 
Umburg. (Aus Limburg.) 

Lamsheym s. Johannes de Lamsheym. 

463 Land rechtbuch oder Schwabenspiegel, s. 1., t., a. 2". 

Hain *g8/l. 

Die das Register enth. 8 ersten Blätter sind im vorliegenden Exemplar ans Ende gebunden. Das 
Werk enthält auf Bl 2, 48, 4g, 5/, Sg, 6g, /2, ^6, lOJ, lO^ und auf dem ersten der nicht 
numerierten Blätter eingedruckte Holzschnittinitialen. 

Wiesbaden LB. 

464 Langius, Rudolphus: Carmina. Monasterii Westfaliae, Johannes 

Limburgus, 1486. 4^. 

Bl la Titel: Rhodolphi Langii. Ca. Monasterienfa '| Carmina Bl ib ()NcIyto Roperto 
Baioarie duci et sancte Coloni- enb ecciesie decano. Sc corr.mendat et felicitatem \\ dicit. 
Rhodolphus Langius Canonicus Monaste rienb : etc. Datiert ist der Brief: Ex Monasterio. M". 
cccc". vjo. et Ixxxo. Bl 2b: ö Auetor ad librum 8 Verse. Bl ja: C Ad illustrissimum 
principem I Reuerendissimü patre? ',' Dnm Hermannü. Sancte Coloniensis ecclesia Archi-|| 
antistitem. Rerum a se fortissime gestarum Rhodolphi |j langij Canonici Monasterienb 
deditiasimi sibi clientis ' Panegyricon. Carmine lyrico | Sapphico : Adonio; Bl fb: C Ad 
preclarissimü luuenem Johannem Listhigum Ro |mam e patria sua repetentem Rhodolphi 
Langij amici sui | pro fausto felicicj itinere Comprecatio; || Metro dactylico Asclepiadeo 
Endecasyllabo \\ Quarto Gliconico; Bl 8b C Ad peram eidem Jo. liathigo dono datam j| 
Distichon; Bl ga: (;Hodolphus Langius Salutem. P. D. Conrado || Polman viro docto atcy 
prestantissimo. etc. Z 2i : C Metrum Sapphicum endecasyllabum quarto (sententi 'am explente) 
dimetro Adonio; Bl loa Z i^ ^ Diuo Paulo electionia vasi: ecciesie. Urbis Dicionis || 
nostre presidi optimo. Sanctissimocj patrono. Endecasylla borum Phaleuciorum Hymnus; 
Bl 14b folgt (in Geauht an Aaolphus Kiuhius, Bl ißb an Hinricus Sivartzburgensis, Bl 16 a an 



— 61 — 

Johannti Listhigm, Bl T/ban Lubbertus Zedelerus u, s. w. Bl 36 a Z j : ([ Rho. Lan. Ca. Monaaterienb. 
Carmina |1 Finiunt; || C Johannes Limburgus. Monasterij wesfalie impressit feliciter Mo. 
cccc". Ixxxvio. II Julij. xxix. !| Regnante gloriosissimo Maximiliano pio felice Augusto; || 
C Eiusdem Rhodolphi Langij In arte? imprimendi et im pressoris laudem epigramma: quo 
hec cunctis et sculpto ribus et pictoribus ars: longe anteferenda censetur; C Tinxerai hec 
formis. sculptores arte Johannes l| Limburgus superans: nee polyclete ncgas; ,| Hoc 
sibi pellei iuuenis tribuisset apelles [ Pictor: et ex auro qui dedit ora ducis; j| Laus tibi 
et gloria Jjsu christe bndicte. optime. maxime;, G Registrum huius Ubclli : e/c. BljöbUer. 

j5 Bl ohne Signaturen \i — 2\, J 3, 4^, £i\, 18 Zeilen, goth. Schnjt, eine Schriftgrösse. 

Hain g8g4. 

Über diesen seltenen und für die Geschichte des Münsterischen Humanismus wichtigen Druck 
vgl. Nordhoff, I. B., Denkwürdigkeiten aus dem Münsterischen Humanismus. Münster 1S/4. S. l8ff. 
Wusbaden LB. 

Lapide s. Heylin, Johannes, de Lapide. 
Laude s. Oldradus de Laude. 

465 Laudivius: Vita Hieronymi. [Romae, Johannes Schureuer], s. a. 4«. 

Die Beschreibung Hains gg43 genügt. Proctor 25^^- 
Wiesbaden LB. {Aus Eberbac/i.) 

Lavacrum conscientiae s. Jacobus de Gruytrode. 

466 Leo Magnus: Sennones. [Basileae, Mich. Wenssler], s. a. 2". 

Hain *I00I4. Praetor ^470. 
l£4 Bl, das erste und letzte leer. 
Herborn HX J. {Aus Limburg^ 

467 Leo Magnus: Sermones. [Coloniae, Bartholomaeus de Unckel, 
1475]. 20. 

Bl r—j, die Widmung des Herausgebers y. Andreas und das Inhaltsverzeichnis enthaltend, fehlen. 

Bl 4aa: Liber sermonü sancti leonis || primi pape doctoris floridissi mi ac eloquen- 
tissimi incipit fe| Heiter: Sermo primus de || ordinatione sua i pontifice: \[ etc. Bl I2ib^ am 
Ende: Expliciüt bmoes leonis pape. 

124 Bl ohne Sign, 2 Spalten, ^8 Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Copinger H, I, 3543 == Hain /g4/ II? Proctor J138. 

Limburg. 

468 Leonardus de Utino: Sermones aurei de sanctis per totum annum. 
[Coloniae, Ulricus Zell], 1473. 2°. 

Hain-Copinger *i6i28. Voullieme /28. Proctor 88i. 
Herbom. {Aus Limburg.) 
Wiesbaden LB. {Aus Schimau.) 

469 Leonardus de Utino: Sermones quadragesimales de legibus. 
Vincentiae, Stephan Koblinger de Vienna, 1479. 2o. 

Hain-Copinger 16121. 
Wiesbaden LB. {Aus Schönau.) 

Libellus de modo confitendi s. Modus confitendi. 

470 Liber Alexandri de proelüs. [Coloniae, Arnoldus ter Hoemen, 
1473]. 40. 

Scheint übereinzustimmen mit dem von Copinger zu Hain //8 erwähnten Exemplar der König- 
lichen Bibliothek zu Berlin. Pellechet 445. 
Limburg. [Aus Hadamar.) 

Liebe Gottes s. Büchlein von der Liebe Gottes. 



— 62 — 

471 Lindelbach. Michael: Praecepta latinitatis. s. 1.. t, a. 4o. 

Bl la Tuel : Precepta latinitatis ex .diuems oratorü atg poe- tarü codicibus tracta. 
Bl ib bepnnt dU Taiula, zi-dcke Bl 6b endi^. Bl /a leer. Bl yb: Precepta latinitatis ex diuer- 
sis oratorum atcj poetarum codicibo tracta. , p magistrun> Michaelem lindeelbach ex ochsen-|| 
fürt in vnum iuxta donati ordinem collecta In- cipiunt foeliciter. Bl 8a \Sign a ij] (jVpientes 
studio sissime Andrea tuis adquiescere " Bl ga [Si^ a i ij] Z i8: Primü preceptü de parti- 
bus orationis BlSoa am Ende: Finiunt tricenta triginta octo latinitatis pcepta Edita p. 
mgrm. michaele lindelbach ex ochsefurt , conregente pro tue in almo vniuersitatis studio || 
Tubingensi. Bl Aob leer. 

So Bl mit Sifn f/j, 3 4, 6 — cj, d*, ^— /3, ^4, A — i3, y64, /j] jo Zeilen goth. Schrift, zwei 
Sckrißgrössen. 

IVeilburg. [Aus Eherbach.) 

472 Livius, Titus: Historiae romaiiae decades. Venetiis, Philippus 
Pincius Mantuanus. 1495. 2*^. 

Hain-Copinger *t0I4I. 
IVeilburg. {Aus Hadamar.) 

Lombardus s. Petrus Lombardus. 

473 Lotharius, postea Innocentius III: Liber de miseria huraanae 
conditionis seu de contemptu mundi. [Coloniae, typogr. Aiigustini de fide, 
c. 1475]. 4''. 

Hain-Copinger *I02II. Praetor lOgg. 
Limburg. 

474 Lucianus: Dialogus, quomodo solus nudus per Acheronta transvebi 
potest. Acc. Isidori synonyma. [Coloniae, Henricus Quentell], s. a. 4". 

Hain-Copinger *102/^. Praetor 1404. 
Wiesbaden LB. [Aus Amstein.) 

475 Ludolphus de Saxonia: Expositio Psalmorum. [Spirae, Petrus 
Drach, 1491]. 2». 

Hain-Copittger *I0J04. Praetor 2^8 1. Das erste Blatt fehlt. 
Limburg. [Aus Amstein.) 

476 Ludovicus Bologninus. Repetitio ad text 1. naturaliter § nihil 
commune ff. de acquir. possessione. Bononiae, Plato de Benedictis, 1494. 40. 

Bl la leer. Bl ib: Sanctissimo : Dno Dno. N. Alex. vj. Pontifici Max. bn merito Ludo- 
uicus Bolognin9 Minimus inter alios. v. iuris doctor : x eques: Sacri palacij apostoUci 
aduocatus Consisto- rialis: x Cristianissimi Francorum Regis consiliarius: iura duilia or- 
dinarie legis in vetustis simo inclyte ciuitatis patrie sue Bononie studio : premisso ex corde 
ad sacros eiusdem pedes I| osculo. x humili commendatione. S. P. D. Bl 2 a \Sign aa.f] a rot: 
C Repetitio solemnis: totacp aurea ad singu-' larem tex. .1. naturaliter. S- nihil comune. [!] ff. 
de acquir. posses. in materia petitorij: : possessorij \\ x cumulationis eorundem cum suis 
pertinenti- bus : cöncxis: Et cum nouo intellectu ad istum j| text. x quäplures alios per . . . 
Z II : D. Ludouicum Bolo- gninum. Anno domini. M. cccc.lxxxxiiiij. Ka-j lendis Nouembribus. 
Bl IIa [Sign bbitj] a Z £/: C Explicit repetitio solemnis : tota aurea ad || text. . . . Z 66: 
studio Dominü Ludouicü de Bologninis Bo noniensem. Anno Dfii M. cccclxxxxiüj. Bl iia^ 
folgt die Tabula. Bl nb^: C Sequütur apostille illustris domini Alexan dri de imola in dicto. 
S- nihil cömune : cum ali-;|quibus additionibus etiam ad eas per dictum || dnm Ludouicü 
Bologninü etc. Bl J3b^ Z ii: in. xiiij. col. de causa posse. ; proprieta. i| FINIS. Darunter 
das Druckerzeichen. Bl 14 [leer] fehlt. 

14 Bl mit Sign [aa^ bbi], 2 Spalten, 80 Zeilen, goth. Schrift, J Schrißgrdssen. 

Hain 3449. 

Wiesbaden LB. {Aus Herbom HSch.) 



— 63 — 

477 Ludovicus, Pontanus: De relictis ad pia3 causas etc. Papiae, 
Christophorus de Canibus, 1489. 2». 

Hain *I32S3, doch steht Bl iSa^ Z 46 in diesem Ex. richtig posuU, 60—65 Zeilen. 
Wiesbaden LB. {Aus Herborn HSch.) 

478 Ludovicus de Prussia: Trilogiura aniraae. Norimbergae, Antonius 
Koberger, 1498. 4o. 

Hain-Copinger * 10315. 
Limburg. (Aus Limburg.) 

Lumen animae s. Farinator, Matthias. 

479 Magister, Johannes: Dicta s, glossulae circa summulas Petri Hispaui. 
(Heidelbergae), Fridericus Misch, (1490). 2«. 

ßl la Titel: DIcta circa sümulas || magistri pe. his. inge>[ niosissimi viri rngri Jo-!| 
hannis mgri; introducto ria in doctrinä doctoris ! subtili3. Bi ib Z i : Frater pauloa scrip- 
toris ordis minoy Friderico Misch impressorie artis sagacissimo arti fici. Salutem plurimam 
dicit etc. Z 38 : ... Uale optime heros. curacj «j P-;!niü tradere qd* tä auide remorat. Date 
Moguntie ipso festo circücisiöis dni. Anno 1490. Bl 2a [Sign Aj] a Z i : Dicta circa sümulas 
magistri petri hijspa ni igeniosissimi viri magistri Johänis ma gistri sacre theologie bacca- 
laurei formati: |j ac vtriuscp iuris doctoris consultissimi: n^ nö Serenissimi francoy regia in 
sua süma curia || parlamenti consiliarii sapientissimi. Bl J4 u. 51 leer. Bl I22b^ Z 35: 
Et hc d exponibilibus dicta sufficiant. 

123 Bl mit Sign [Titelbl., Ai, B—F, A—Ri\, 2 Spalten, $4 Zeilen, goth. Schrift. Die Anfangs- 
teilen in grösserer Schrft. 

Bl 88 bis gs fehlen. 

vgl. Hain 10 456. 

Limburg. (Aus Limburg.) 

480 Magui, Jacobus, de Parisiis: Sophologium. [Argentinae, typogr. 
singularis R], s. a. 2*^. 

Hain-Copinger *I0 4/I. Praetor 2 40. 
Wiesbaden LB. [Aus Ehrenbreitstein.) 

481 Mahomet II: Magni Turci epistolae. Daventriae, Rieh. Pafraet, 
1490. 40. 

Hain-Copinger 10508. Campbell iigi. 
Wiesbaden LB. 

482 Maldura, Petrus Ludovicus: In vitam S. Rochi. [Moguntiae, 
Petrus de Friedberg, 1495]. 4o. 

Hain-Copinger *I054^- Praetor ig2. 

Wiesbaden LB. {Aus Notgottes, vorher in Johannisberg) 

Mammotrectrus s. Marchesini, Joh. 

483 Maneken, Carolus: Epistolarum formulae. [Argentinae, Martinus 
Schott], 1490. 40. 

Hain-Copinger *lo6/4. Praetor 402. 

Das Werk hat im Ganzen 90 El, 6 nicht numerierte und 84 [/-A', Xn-LXXXV\ numenerle 

Blätter. 

Wiesbaden LB. {Aus Marienstali.) 



— 64 — 

484: Maneken, Carolus: Epistolarura formulae. Lovanii, Johannes de 
Westfalia, s. a. 4'^. 

El I enthält fine rctgidruckte W.U. Bl 2a \Sign j^] Continet iste libellus epistolares 
quasdä formulas J iudicio cöponetis pueroy captui n5 absimiles/ Quas correctoria vocät/ 
Easdemq; extractas ex maioy litte' rarü missiuay collectorio/ scolarib9 louanii in pedago gio 
lilii lectarü etc. Bl ga \Sign b\ Z i: curia nutrit/ : satis nosti äf müdas manus gestare de || 
eti. Bl III3. am Ende: Expliciunt quedä epistole quas correctoria vocant lecte Louanii i 
pedagogio lilii per Magistrum karolü , Viruli Impressecf ibide per me Joanne de westfalia. 
Bl III b u. 112 leer 

112 Bl mit Sipt \a — tM], jr Zeilen, gcth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Hain lO 6§g ? Jedenfalls ist der ~jon Campbell Suppl. 4 No 1204 beschriebene und von Ci}pinger 
mit dem bei Hain identificierte Druck ein anderer. 
Weüburg. {Aus Amstein.) 

485 Marchesini, Job.: Mammotrectus super bibliam. [Argentinae, 
Georg. Husner, c. 1473?] 

Hain-Copinger *iO^£l. 

Limburg. [Aus Schönau.) 

Wiesbden LB. {Aus Notgoties, vorher in yokannisberg.) 

486 Marchesini. Joh.: Mammotrectus super bibliam. Coloniae, Johann. 
Koelhoff de Lübeck. 1479. 2\ 

Bl I leer. Bl 2a \Sign a^\ a.: Incipit prefatio in mammetractü. 1] ijMnium scriptonim || 
veterü vsc^ in nos celebris est et nota j traductio vt suis c-[ ditionibp qsdam p logos seu 
prefatio- nes pmitteret, qb9 lecto^ suoy ani imos etc. Bl 2b und jaa enthält den ordo libri. 
Bl $a [Sign J 3] ß beginnt das Prooemium Bl /aa Z jj der Text: Super genesim ;{ f)N principio 
creauit deus celum et '] terra etc. Bl 20oaa: Liber dictg Mammetractus reli jgiosi pris 
fratris Murachismi de sa cro ordine minorü deuotissimi Per | me Johanne Koelhoff ciuem 
Co- lonie diljgenter correctü ac impres sum feliciter explicit. Anno dni M.| cccclxxix. in 
vigilia sancti Seuerini j archipresulis Coloniensis. 

200 Bl mit Sign \a—z, r o 4], 2 Spalten, jg Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Hain 10560. 

Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

487 Marchesini, Job.: Mammotrectus super bibliam. s. 1., t., a. 4o. 

Bl I leer. Bl 2a \Sign A'»\ a Z i: Incipit vocabularius in Ma motrectü scd'5 ordine 
alphabeti ' etc. Bl 26 a'^ schliesst der Vocabularius. Bl 26b leer. Bl 2^a {Sign a] a Z i: 
Prologus autor/ i mamotrectü. || (Mpatiens proprie ;| imperitie ac ruditati jl cöpatiens 
pauperü i| etc. Bl 2£/a^ Z 30: Expliciüt expositiöes : correcti-i ones vocabuloy libri qui 
dicit' II Mamotrect9 tä biblie 9 aliorü \\ plurimoy libroy. Bl 2£/ba Z i: Incipit tabula libro<< 
: alioi« quoy expositiöes et correctiöes (| vocabuloi« i psenti libro otinet. Bl 258 a% Z 36 : 
Explicicit tabula. 

258 Bl mit Sign [A, B\, Cl, a—s, t, v, x, y, l—/^] 2 Spalten, 3/ Zeilen, goth. Schrift, 

3 Schrißgrössen. 

Bl 2§8b ist bedruckt. Diese Seite, -velche beginnt: maturitate venire matr] scindüt bis 
participiü. Nisibus. me. cor. id e gehört jedoch in den vorhergehenden Zusammenhang und ist nur 
infolge falscher Anordnung des Satzes ans Ende gekommen. 

Limburg. {Aus Limburg.) 

Maria s. Paulus de S. Maria. 

488 Martialis: Epigrammata cum coramentariis Domitii Calderini et 
Georgii Merulae. Venetiis, [Christophorus de Pensis], 1495. 2o, 

Hain-Copinger *io824. Praetor 5233. 
Weilburg. 



— 05 — 

489 Martinas Polonus: Serraones de tempore et de sanctis. Argen- 
tinae, [typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1484. 2". 

Hain * 10854. Praetor 5g [. 

Im vorliegenden Exemplar fehlt Bl i. 

Wiesbaden LB. 

490 Martinas Polonus: Margarita decreti sea tabula Martiniana. 
Argentinae, [typogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1489. 2*^. 

Hain-Copinger * 10845. Praetor 650. 
Limburg. [Aus Limburg.) 
Wiesbaden LB. [Aus Deutz.) 

491 Martinas Polonus: Margarita decreti seu tabula Martiniana. 
[Spirae, Petras Drach], s. a. 2^. 

Hain-Copinger ^10838. Praetor 2358. 

Wiesbaden LB: 2 Exemplare, das eine aus Eberback, das andere aus Linz. 

492 Martyrologium, Viola Sanctoraminscriptura. Argentinae, Johannes 
Pryss, 1487. 4». 

Hain- Copinger * lO 8/0. 
Weilburg. 

493 Matheolus Perusinus: Tractatus de memoria. [Argent., Henr. 
Knoblochtzer, 1475]. 

Copinger //, /, 3912. Praetor 385. 
Wiesbaden LB. [Aus Eberbach.) 

494 Matthaeus de Cracovia: Tractatus rationis et conscientiae de 
frequenti usu Communionis. [Moguntiae, Job. Gutenberg], s. a. 4^. 

Hain *58oj. Praetor 14/: Printer 0/ Catholicon. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

Mayno, Jason de s. Jason. 

495 M eckenloche r, Fridericus, de Wendelstein: Casus in terminis 
sexti decretalium. Argentinae, Martinas Flach, 1490. 2o. 

Hain- Copinger *io g8j. 
Wiesbaden LB. [Aus Arnstein.) 

Mediavilla s. Richardus de Mediavilla. 

496 Meffret: Sermones de tempore et de sanctis. [ßasileae, Nicolaus 
Kesler, i486]. 

Hain-Copinger *ioggg. Praetor 7656. 
Limburg: Bd i. \ , ^ r-^ \ 

Wiesbaden LB: Bd 3. ) (^«^ ^^«^^O 

497 Meffret: Sermones de tempore et de sanctis. Norimbergae, 
Antonius Koberger, 1487. 3 Bde 2o. 

Hain- Copinger *IT 004. 
Limburg. [Aus Rommersdorf.) 

498 Melber, Johannes, de Geroltzhoffen: Vocabularius praedicantium 
s. Yariloriuus. [Argentinae, Henricus Knoblochtzer], 1482. 4^ 

Hain *ii038. Praetor 3/0. 
Limburg. [Aus Sayn.) 



— (^S — 

499 Melber, Johannes, de Geroltzhoffen: Vocabularius praedicantium 
s. Variloquus. Argentinae, Johannes Kuoblouch, s. a. 4*^. 

Bi la Titel: UOcabularius 1 Prcdicantium. Darunter Hexastichon ad lectorem. 
Bl ib leer. El 2a [Si^ aij] Z /: C Vocabularius dictus Variloquus. qui verbü poliscmon |) 
ac sequiuocum lingua Germanica multifariam exponit predicantibus vtilissimus. Per Joannem 
Melberium Ger- oltzhoffien. ex sermonibus auditis & scriptis sub Judoco Eychmino [!] de 
Kalb egregio doctore/ famigeratissimiqi ver- bi dei pclamatore collectus Heidelbergij. 
Sequitur. , A ANTE B. £1 ii6a Z jj; lium animaliü sortitur. | Hunc nuper librum Knob- 
louchus rite premebat \ Cuius apud Tribotes calchographia viget. 

Il6 Bl mit Sign \a — e, h k m — o, / — /, x — s X^, / i l p v^\ j6 Zeilen, goth. und röm. Schrift, 
du An/jn^irJen in grösserer Schrift. 

Limburg. 

500 Melber, Johannes, de Geroltzhoffen: Vocabularius praedicantium 
s. Varilo«iuus. s. 1., t., a. 4^. 

Hain *iiOJJ. 

Limburg: 3 Exemplare, davcm das eine aus Limburg. 

501 Mensa philosophica. [Coloniae, Joh. Guldenschaff, 1485]. 4^ 

Hain-Copinger "iio/ß. Prodor 122g. 
Wttsbcuien LB. [Aus Eberbach.) 

Mensch, sterbender s. Sterbebüclilein. 

502 Michael de Carchano Mediolanensis: Sermonarium triplicatum per 
adventum et per duas quadragesimas. Basileae, Michael Wenssler, 1479. 2*^. 

Hain-Ccpinger *4£og. 
Limburg. (Aus Limburg^ 
Wiesbaden LB. 

503 Michael de Ungaria: Sermones praedicabiles per totum annum, 
licet breves, s. sermones tredecim universales. Argentinae, [typogr. Jordani de 
Quedlinburg a. 1483], 1487. 4». 

Hain-Copinger *go46. Praetor 6lO. 
Limburg. [Aus Hadamar.) 

504 Michael de Ungaria: Sermones praedicabiles per totum annum 
licet breves s. sermones tredecim universales. Argentinae, [typogr. Jordani de 
Quedlinburg a. 1483], 1490. 4». 

Hain-Copinger *g04/. Praetor 62J. 
Limburg: 2 Exemplare. 

505 Milis, Johannes, de Verona: Repertorium utriusque iuris. (Coloniae), 
Nicolaus Götz de Sletzstat, 1475. 2o. 

Hain-Copinger *ili^J. 
Limburg. (Aus Sayn.) 

.506 Mirabilia Romae. [Romae, Adamus Rot], s.a. 4". 

Bl la Z i: Mirabilia Rome Incipiunt. j Murus ciuitatis Rome habet trecentas Sexa-|| 
ginta et unam turres. Bl 6b Z 28: Mirabilia Rome finiunt. 
6 Bl ohne Sign, JO Zeilen, Antigua, 
Hain III/5. 
Wiesbaden LB. [Aus Eberbach.) 



— 67 — 

507 Missae familiäres secunJum usum ordinis Praemonstratensis. 
s. l, t., a. 8">. 

Bl i>i \Sii;n ä] a; <I {rot) Sequunt' alique misse fa-|;miliares abbreuiate bm vsu; |( 
Premonstraten. ordinis. Et !; primo de sctö spü. Introitus. [schwarz) SPiritus dni icple uit 
orbem terrarü jj eU. Bl gb Holzschnitt: Jesus am Krtuz. Bl /6b a Z g: minü nostrü iesum xpm, 

l6 Bl [Si^ a, e^\ 2 Spalten, J/ Zeilen, goth. Schrift, eine Schri/tgröise. Eingedruckte Initialen. 

Limburg. {Aus Limburg.) 

508 Missale ordinis sancti BeneJicti. Spirae, Petrus Drach, 1498, 2». 

Bl la Titel: [rot] Missale ordinis || sancti Benedicti. /;/ ib leer. Bl 2 a Holzschnitt Jen 
h. Benedictus darstellend mit der Inschrift: Sanctus Benedictus. Bl 2b: Emendatores huius libri 
missalis (| lectoribus vniuersis salutem. Bl j—8 Calendarium. Bl ga [Sign a u. numer. /] 
o.- [rol] Ordo missalis secundum || ritum et consuetudinem orjjdinis diui patris Benedi[ cti. || 
Dnica prima aduetus dni i| A [Holzschnittinitiale rot ; dann schwarz\ D te le- uaui ani mä meä '' üeo 
me-||us in te || con| fido non eru||bescam. äc. Bl i£2a [numer. cxliiij\ ß Z 30 \rot\: introitus misse. 
Bl i/ja [Sign t, num. cxlv\ a: [rot\ Sequitur ordo missarum |j votiualiü etc. Bl 2gj [num. 
cclxiiij] b^: Cösummatü est hoc opus j| missalis sedin morem et cö 'suetudinem ordinis sancti j| 
Benedicti per honestü vi-j|rum Petrü drach ciue et se- natore insignis ciuitatis ,[ spirensis. 
Anno dni. M. I| ccccxcviij. iij. kl. augusti. ex-' emplari iterum emendato " et in cöpluribus 
locis dili- gentissime castigato per so]|lennem virum eiusdem orljdinis. Darunter das Drucker- 
zeichen. Bl 2g4 leer. Bl 2g£aa. [rot]: Sequuntur informatiöes ,, et cautele obseruäde psbyte ro 
voleti diuina celebrare. 

2gS Bl [mit Sign u. Blattzählung {cclvij doppelt gezählt)] 2 Spalten, J2 und 1/ Zeilen, Missaltype, 
drei Schriftgrössen. 

Hain- Copinger 112/ 4. 
Limburg. 

509 Modus confitendi et poenitendi. Coloniae, Johannes Koelhoff, 
1489. 40. 

Copinger II, i, Mo 4303. Voullieme No 800. 
Limburg. [Aus Notgottes.) 

510 Modus confitendi et poenitendi. Coloniae, Henricus Quentell, 
1491. 4". 

Hain- Copinger */J/S9- 
Wiesbaden LB. 

511 Modus confitendi et poenitendi. [Daventriae, Jac. de Breda, c. 
1498/99]. 40. 

Copinger II, i, 42g8. Campbell 1146. 

Unter dem Titel ist der Holzschnitt: i h S umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten. 
Bl 2a Z 4: pnia? agas .i. velociter p qn || etc. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

512 Modus legendi abbreviaturas in utroque iure. [Coloniae, Nie. Götz 
ca. 1475]. 20. 

Bl laa Z 1: Incipit libellus dans modum || legendi abbreuiaturas in vtro qi iure :c. 
()Via ppo-, sterus est j ordo pri9 n hüana pe, tere subsi, dia vt il- :lis deficie tib9 diui ni 
fauoris gratia postulet. vt d' j| etc. Bl 40a^ ^33' Explicit Registrü ordis siue ;, pcessus 
iudiciarij in q facilit' in'luenies quälibet materiam eunde || pcessü ocernente cuj aliquibus \\ 
formis in marginibo annotatis. Bl 40b leer. 

40 Bl ohne Sign, 2 Spalten mit 38 Zeilen, goth. Schrift. 

Limburg, [Aus Amstein.) 

5' 



— 68 — 

513 Modus legendi ubbreviaturas in utroque iure. Aco, processus iudi- 
ciarius Johaunis de rrbach una cum Domiuici de Viseutia de notariis archiepis- 
coporum et episcoporuiu, tractatu praescriptionum a Dyuo de Mugilo, tractatu 
de arbitrio a Petro Jacobo Montipessulano, differentiis legum et canouum a 
Galuano de Bononia, tractatu de tabellioiiibus Bartoli. Spirae, Petrus Drach, 
[c. 1475]. 40 (auch die letzte Lage, die bei Hain als 2t> bezeichnet wird.) 

Bl ja Uer. Bl ib Z i: [ ]Ite in expeditü agilem doctücj practice iuridice executore || 
iuvat euadere: etc. Am Schlüsse der Vcrrede : Viue vale lector feliciter. arripe pulcrum. || 
Quod tibi spirensis Drach petrus edit opus. Bl 2aa Z i: Incipit libcllus das ,i modü legedi 
abbreui aturaa in vtrocj iure. Bl j/ aa Z i: Incipit processus ,, iudiciarius eximij do- jctoris 
iuris canonici | Johannis de vrbach. Bl 950a Z 1: Incipit tractatus , presumptionü 
Bl p/JQ Z i: Incipit summa magi stri dominici de ciuita, te visentia qualiter no ,tarij 
archiepiscoporü et episcoporum debe jant notarie officiü ex-j ercere. Bl ii4af> Z i : Incipit 
tractatus no- tariatus. Bl igoaa Z i : Incipit tractatus pscriptionü || cöpositus p dominü 
dynü de mugi- lo legü doctorem. Bl ig^aa Z //.• Tractatus breuis de arbitris et arbitra- 
to- ribus incipit. Bl ig/a^ Z 26: Explicit tractatus domini Petri iacobi doctoris legum 
montepesse lano. Incipiunt differentie legum z ,| canonü dni Galnani [!j de bononia. 
Bl 20ia^ Z 11: Incipit trctatus de taj bellionibus per dnm |; bartoluj compilatus. Bl 2o6a^ 
Z 10: Finit tractatus de tabellionibo. 

206 Bl ohne Sign [2j Lagen: i, 11^, 2—10, 12 24^, 2^ i] 2 Spalten, 42 ZrUen, goth. Schrift, 
2 Schnftgrössen. 

Hain II 462. 

Wusbaden LB. (Aus £ier6acA.) 

Molitor, Johannes s. Antoninus Florentinus: Summa theologica. 

514 Molitor, Ulricus: Tractatus de lamiis et pythonicis mulieribus. 
Coloniae, Cornelius de Zürichsee, [149.]. 4*>. 

Copinger II, i, 4340- 

Bl la u. 23 b enthalten Hohschniite. 

Wusbadm LB. {Aus Herbom HSch.) 

Monte 8. Lambertus de Monte. 
Monte s. Petrus de Monte. 
Montepicino, Paulus de, s. Paulus. 

515 Mundinus: Anatomia. [Lipsiae, Martinus Landsberg], s.a. 4", 

Ilain *ii6s3- ProUor 2gg4. 

Bl I fehlt im vorliegenden Exemplar. 

Wiesbaden LB. 

516 Niavis, Paulus: Dialogus parvuLis scholaribus ad latinum idioma 
perutilissimus. s. 1., t., a. 4'*. 

Hain *li/02. 
Wiesbaden LB. 

517 Nico laus de Ausmo: Supplementum sumraae Pisanellae. Acc. 
canones poenitentiales fratris Astensis. Coloniae, Conrad, de Homborch, 1479. 2^. 

Hain- Copinger 2160. Pellechet 1634. 

Herborn V VI 8. {Aus Deutz.) 

Limburg. {Aus Sayn.) 

Wiesbaden LB: In diesem Exemplar fehlen 2 Bl am Anfang. 



— 69 — 

518 Nicolaus de Ausmo: Supplementum summae Pisanellae. Norim- 
bergae. Georgius Stuchs, 1488. 4», 

Hain-Cijpinger ''2168. Pellecket 1641. 
Wiesbaden LB. [Aus Amstein.) 

519 Nicolaus de Blony: De sacramentis et de divinis officiis eorumque 
administrationibus. Argentinae, [Martinus Flach], 1488. 

Hain-Copinger *325S. Procter 6/6. 

In Jiesem Exemplar steht Bl i im Titel Sacerdotalis nicht ~vie bei Hain scerdotalis. 

Limburg. 

520 Nicolaus de Blony: Sermones de tempore et de sanctis, Viri- 
darius nuncupati. Argentinae, [typogr. Jordani de Quedlinburg a. 148:3], 
1494-95. 2<\ 

Hain-Copinger ^3262. Proäor 636. 
Wiesbaden LB. [Aus SckÖnau.) 

521 Nicolaus de Lyra: Postilla super bibliara cum additionibus Pauli 
Burgensis et correctoriis editis a Mattliia Doringk. Argentinae, [typogr. 
Henrici Ariminensis], s. a. 3 Bde 2'\ 

Hain *J036/. Praetor J2^. 

Wiesbaden LB : Ein Band Psalierium, Proverbia, Ecclesiastes, Canlica Canticorum, libri sapientiae, 
Ecclesiasticus enthaltend. {Aus Schönau.) 
Ausserdem Bd 3. [Aus Deutz.) 

522 Nicolaus de Lyra: Postilla in universa biblia cum expositionibus 
(xuil. Britonis et additionibus Pauli Burgensis et correctoriis editis a Matthia 
Doringk. [Coloniae, Ulr. Zell, c. 1485.] 4 Bde 2». 

Hain-Copinger ^1036 8. Voullihne 825. 

Limburg: nur Bd 2, {Ans Deutz.) 

Wiesbaden LB: nur Bd J und Bd 4 von Bl 268 {epist. Pauli) ab bis Schluss. 

523 Nicolaus de L}Ta: Postilla super bibliam cum additionibus Pauli 

Burgensis et correctoriis editis a Matthia Doringk. Norimbergae, Antonius 

Koberger, 1481. 3 Bde 2'>. 

Hain */036g. 

Am Ende fehlt ein Bl. 

Wiesbaden G: nur Bd 2. L 2IO. {Aus Idstein Gymn. Bibl.) 

524 Nicolaus de Lyra: Postilla super quattuor evangelistas. s. 1., t.. a. 2". 

Bl la Titel: Postilla magistri Nicolai || de Lira ordinis fratrü mi- |nov. super quatuor 
euigej;listas. Bl ib leer. Bl 2 a \Sign a ij] a: Postilla mgTi Nicolay de Lira [ ordinis 
fratrü minorü sup qua[|tuor Euangelistas incipit. [i [JVatuor facies vni. Ezech. p° Scdm 
qd' scribit be. greg. sup ezec^. i| etc. Bl 226 b^ Z 2/: sancto viuita regnat in scl'a sclorum || 
Arne. |] Explicit postilla sup Johane. 

226 Bl mit Sign [aS, b—z, ^—£4], 2 Spalten, 33 Zeilen, goth. Schriß, 2 Schri/igrössm. 

Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

525 Nicolaus de Lyra: Postilla super epistolas Pauli, actus Aposto- 
lorum, epistolas Canonicales et Apocalipsin. s. 1. 1. a. 2*^. 

Bl la [Sign a j\ a: Incipit phemiü fris Nicolay de ly- ira ordis fraty minov i eplas 
pauli. |i []Cce descripsi eam ti bi tripliciter. tc. , Prouerbioy. xxij. Qd' , verbü de sapietie 



— 70 — 

descp tione d'r. etc. PI i66aa: Postilla sup Actus apl'o^f fratris Nicolai de lira ordis minoy 
incipit. <r/i-. B/ 20S<^CL Z iß: Incipit postilla sup eplas canoni-I cales etc. Bl 2^4bo. Z 4^: 
Postilla fratris Nicolai de lira sup Apocalipsim incipit |! ttc. Bl 2/jd^ am Ende Postilla 
venerabilis ; magnifici dni , Nicolai de Lira : ordinis fratrü mino rü sup Apocalipsim finit 
feliciter •:• Bl 2^4 fehlt. 

2/4 Bl mit Si^ [a — :, A — A'4, Li] 2 Spalten, 5J Zeilen, golh. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

Dieselbe Type wie in No 524. 

Wiesbaden LB. {Aus Marienstatt.) 

526 Nicolaus de Lyra: Praeceptorium seu expositio in decalogum 
cum aliis tractatibus. Coloiiiae, Hermannus Bungart de Ketwich, 1497. 8^. 

Bl la Täel: Preceptoriü Nicol. de Lyra siue Expositio tripharia brel'uis et putil in 
decalogü leg] diuine: C De articulis fidei: De septem peccatis mortalibus. j C De tri- 
plici modo peccandi in deü. || De operibus misericordie. j C De decimis dandis : 1| Intro- 
gatöes facied' ifirmo morieti. De natiuitate vita ; morte antixpi. \ C De fine müdi Et 
extremo iuditio. De passione Jhesu cristi. ; C De planctu beate Marie virginis, j Collo- 
quiü pctöris : crucifixi Jhesu. Dyalogus de homine et ratione :c Bl ib | Anthonij liberi 
Susatensis in lau dem inclite Colonoy vrbis Epygrä[|ma feliciter incipit. Folgen 10 Distichen. 
Bl 2a \Sign A 2] Z /: C Venerabilis fratris Nicolai de Ly ra ordinis seraphici Francisci. 
preceptoriü siue ex-' positio tripharia breuis ; vtilis in decalogü legis diuine Incipit 
feliciter. Bl 88a Z 25.- C Explicit pceptoriü vene. Nicolay de lira cum alijs qbusdä 
certis tractat' putiliba. pdicätibo , necnö ofessioes audietibo ml' tu 3uenies Impssü j Colonie 
p me Hermänuj bügart de Ketwych Ibide sup antiquü forü moräte. t;o dem Wilde | mäne 
Anno diii. 1497. meb Augusti. Bl 88 b leer. Bl 8g a \Sign P i\ Z i: C Anselmi deuotissimi 
de passiöe Je su christi querentis. : gloriosissime |i Marie virginis respondentis dyaloj gus 
incipit feliciter. Bl g6a Z 20: C Finis dyalogi beati Anselmi de passione Jesu | Christi 
I beate Marie virginis. Bl g6b leer. Bl 97 \^Sign Qi\ Z i: C Tractatus beati Bernardi de 
plä ctu beate Marie virginis. Bl 102a: Explicit tractatus beati Bernardi de planctu beate 
Marie virginis. Bl 102b Z i: De imagine saluatoris. ^j Folgen drei Distichen. Darauf: C Incipit 
colloquiü peccatoris : cru cifixi Jesu Christi. Bl iiob Z 2g: C Explicit dyalogus crucifixi 
siue Colloquium | peccatoris : crucifixi Jesu Christi. Bl iiia [Sign S j\ Z i: C Dyalogus 
siue sinonima ysidori \\ de homine ; ratione: PI 122a: C Explicit dyalogus ysidori de homine 
: r5ne vna cü passione christi. : planctu Marie. Necnö cü colloquio. :c: Impressum 
Colonie. supra an- tiquü foy. pprie t;o dem Wildeman. in opposito 1, sancti Martini maioris. 
Per Hermannü Bü- gart de Ketwich Anno dni. M. cccc. xcvij. In ; profesto Mathei Euan- 
geliste. PI 122 b leer. 

132 Bl mit Sign [A-~C^, D^, £4, F^, Gs, H\ /4, A'^, L^, .1/4, A— C)-% P—Q^, R'-, S\ 
T\\, JO Zeilen, goth. Schrift, j Schriftgrössen. 

Hain 10406. 
Limburg. 

527 Xicolaus de Orbellis: Compendium copulatum ex dictis Scoti. 
ßasileae, Michael Furter, U94 4o. 

Der erste Teil des Werkes ist Hain-Copinger * 12044, <f'*' -'veite 7ind dritte Teil Hain- Copinger 5864. 

Hain *I2044 hat /2 Bl, das letzte leer. Das Werk ist zwar auch in dem vorliegenden Exemplar 
infolge des Teiltitels in zwei Bänden gehenden, die Zusammengehörigkeit beider Teile ergiebt sich aber aus 
dem Inhalt von Tl 2, s. Bl 14 und 1^8. 

PI 7ja Titel: Cursus librorum philosophie natura- lis bm viam doctoris subtilis Scoti. 
Bl /4a [Sign aij]a: (jXpedita prima pte. , principali huius tractatus j! scj d scientia mathe- 
matica: || videndü e consequenter de , secunda: sc^ de phisica: siue |' de naturali phia ^/r. 
Bl iijh^ Schlüssen di<! Phisica. Sequit' primus li- ber de celo et mdb. Bl 118 a^ Z 2g: Finit(y 
über de celo et müdo. De ter, tio aule et quarto libris agitur de ele|jmentis: nihil ad pns 
d' ipis. satis em dicetur in sequentibus. 1, Sequitur librr de gene- ratione et corruptione. 
Bl I2ib^ Z 24: Explicit secundus über de | generatione et corruptöne. | Incipit primus 



— 71 — 

metherorü. I| etc. Bl /j/aß Z 20: Incipit über de anima. I. || etc. Bl ijSifi: Explicit über 
d' anima |; i per cösequens tota '| philosophia naturalis | que est secünda pars hu ius cö- 
pendij copulati || ex dictis scoti doc. sub- tilissimi. Bl ijpaa: ()Xpedita secunda 1 parte 
istius tractatus q ,| erat de pliica restat nüc ; agere d' tercia pte. 3. me taphisica. etc. 
Bl /,?/a^ Z 20: G Finitur ergo cösideratio metaphisica || in deo benedicto cui est bonor 
et gloria ] per infinita seculorum secula cöpilatum j; per Reuerendü magistrü fratrem Nico-|| 
laum de orbello ordinis minorü de ob- ;seruantia bm viam scoti. |j Scquuntur libri ethi-i| 
corum bm viä docto-|jris subtilis scoti. Bi 248 a^: Expliciüt libri Ethico rum Basilee im- 
pressi :| per Michaela furter. || Anno incarnatiöis do mini. M. ccccxcüij. Bl 248b leer. 
Bl 24g a [Sign i\ a Z i: Incipit Mathematica. ,| etc. Bl 251a [Sign itj] a Z 12 : Incipit Geo- 
metria. Ca. III. jj etc. Sckluss Bl 2£ja^ Z iS : huius patet in figura. 

254 Bl mit Sign [a4, bl, e—g^, k—ki, a-<r4, f-gi, >44, «^ k—y^, z5, /3], 2 S/alten, 
48 Zeilen, goth. Schrift, drei Sckrißgrössen. 
Wiesbaden LB. 

528 Nicolaus Panormitanus: Lectura super quinque libros decretalium. 
Basileae, [Johannes de Amerbach], 1481. 6 ßde 2o. 

Hain-Copinger *I2JI2. 
Limburg: nur Bd 2. 

529 Nico laus Panormitanus: Lectura super quinque libros decretalium. 
Basileae, Johannes de Amerbach, 1488. 6 Bde 2o. 

Hain-Copinger *I2JZ^. 

Herbom : nur Bd i. 240/. {Aus Limburg.) 

530 Nico laus Panormitanus: Lectura super quinque libros decretalium. 
Basileae, [Michael Wenssler], 1477. .5 Bde 2o. 

Hain-Copinger */2jog. ^ 

Wiesbaden LB: nur Bd 1—4. {Aus Deutz.) 

531 Nicolaus Panormitanus: Lectura super quinque libros decretalium. 
Venetiis, Nicolaus Jenson, 1477. 6 Bde 2». 

Hain */2J/0. 

Wiesbaden LB. : nur Bd i. 2. 5. und 6. {Aus Ehrenbreiistein.) 

532 Nicolaus Panormitanus: Lectura super quinque libros decretalium. 
s. 1., t., a. 6 Bde 2». 

Nur Bd 5 und 6 vorhanden. Bd 5: Bl i leer. Bl 2 \Sign Aa ij\ a Z /: (o'iMnipotentis 
dei II postulato suffragio vt ostendam in volu||mine ordine fuisse suatü otinuäda est p- mo 
rubrica ad pcedetia que p doctores || duobus möis continuat. etc. Bl 2//b^ Z J2: Sup tertio 
pclara lectura famosissimi doctoris dr7i Ni colai siculi Abbatis panormitani cincta optimis 
glo. seu II additiöib9 excelletissimi iuris vtriuscp doctoris dni Bar- tholomei de belle^inis i 
alioy prudentiü viroy Duenieti-jbus dictis hie finit cu? casuü. Bemardi interpositione. Dann 
folgt das Registrum. Bl 212 leer. 

Bd 6: Bl I leer. Bl 2 [Sig AAA ij\a Z z: C Rubrica de sponsalibus : matrimonijs i| 
(s)Upra Visum est in precedenti libro de acti-jbus : gestibus spectätibus ad clericos. me-|| 
rito nunc restat videre de spectantibus ad | laicos etc. Bl 42b^ Z ig : C Super quarto 
decretalium Lectura Abbatis siculi | panormitani cum casibus longis Ber. finit fcliciter. 
Bl 43, 44 und 4£ leer. Bl 46a [GGGij"\a Z /: De accusationibus : inquisitionibus : denü- 
ciationibus. || Bl i/ja^ Z jj : C Ultima pars clarissimi ac famosissimi doctoris do- mini 
abbatis Panor. super quarto j quinto decretaliü hie finit cincta optima glosis [I seu addi- 
tionibus clarisBi,|mi iuris vtriuscj doctoris do. Bartholomei de belle?i-i nis i alioy insigniü 



72 



viroY cu? casuü Bemardi interpo- sitione. Et inprimis diligentcr emendata ad laude? dei |j 
; cömunem studentiü vtilitatem. Es folgt Jus Kf^Otim. Bl 1/4 Iter. 

Bd £: 212 Bl mU Sign {Aa—DJi,, £>3, Ff\—Hh\, Ii\ Kk\-Nn^, Ool, Oo 0.'3, Pp^—Ss^,, 
Tts, L'ui, Xx4, }>4, Z»3, AAj^—CCc*,DDdi]. Bd 6: i;4 Bl \AAA—DDD',, EEE—FFFi, 
GGG—II/i, KKK—PPP^, QQQ—RRRl, SSS— VYY^], 2 Spalten, /J und ^4 ZeUen, 2 SchriftgrZssm. 

Wiesbaden LB. [Aus Hirbom HSch.) 

533 Nicolaus Panormitanus: Lectura super IL decretalium. Yenetiis, 
Franciscus de Girardengis. 1485. 3 Bde 2o. 

Bd I defekt. 

Bd 2: Am Anfang fehlen drei Blätter. Bl iJSb^: Exactutn hoc opus \% secunda ps secüdi 
decretali um libri Nicolai siculi. Impressa per Franciscum Gi rardengum. M". cccc". Ixxxv^-. 
die. XV. Junij. Bl /J4 leer. 

Bl j: Bl I leer. Bl 2 \Sign aja^ja Z i: []Iso de iure ^^ : quo muniuntur ut lanceis 
seu ; gladijs merito subijcit' ius reo» quo muniütur ut clypeis : lori eis etc. Bl I2gb^: Domini 
Abbatis Siculi pars tertia super secundo decre. finitur. Impressa Uenetijs per Franciscum 
gy rardengum. M. cccclxxxv. die. xv. Julij. Bl i^o fehlt. 

Bd 2: 134 B! mit Sign \aa—qq\, rri\. Bd 3: fJO Bl [aaa—ccci, ddd3, eee—iiH, iiii, 
Ul—qqq\, rrrl\; 2 Spalten, 6g— ^2 Zeilen, goth. Schrft, Anfangszeilen in grösserer Schrift. Bd 3 Bl 2 
eine Miniatur in Spalte a, Christus am Kreuz darstellend, das Gegenstück in Spalte ß herausgeschnitten. 

Hain 12324. 

Limburg. i^Aus Limburg.) 

534 Xicolaus Panormitanus: Lectura super IIL decretalium. [Venetiis? 
PapiaeV], Franciscus de Girardengis, 1486. 2». 

Bl I ileerT) fehlt. Bl 2a {Sign AA^] a: QMnipoteni tis dei postulato suffra' gio ut oiidam 
in uolumi ne ordine fuisse seruatu? || etc. Bl 2oSa^ Z ^S: rigat p suä ineffabile clemetiä. 
Abbas. ; Super tertio dec. lectura dni Abbatis siculi finit. | Impressacp p Fräciscu? gyrar- 
dengu?. M. cccclxxxvi. ]| die. xx. Aprilis. Bl 2o8b leer. 

208 Bl .Sign AA—TT^, Vl{i, AAA—DDD^, EEEs], 2 Spalten, ;rr Zeilen, goth. Schrift, 
2 Schriftgrossen. 

Nur der erste Teil von Hain 12328. Mir scheint indessen der Druck in sieh abgeschlossen und 
nicht mit den zwei weiteren Teilen super IV. und V. zusammenzugehören, wogegen auch die Schluss- 
schrift des dritten Teiles bei Hain nicht spricht. 

Herborn 2406. [Aus Limburg.) 

535 Nicolaus Panormitanus: Processus iudiciarius seu practica de 
modo procedendi in iudiciis. [Argentinae, Johannes Grüniugerj, s. a. 4«. 

Hain-Copinger */236o. Proctor 50O. 
Limburg. 

536 Nid er, Johannes: Consolatorium timoratae conscieniiae. [Coloniae, 
Ulr. Zell, c. 1470]. 4o. 

Hain-Copinger 11806. Voullieme 835. Proctor 843. 
Limburg. {Aus Limburg.) 

537 Nider, Johannes: Manuale confessorum. [Coloniae, ßartholomaeus 
de Unckel, c. 1481]. 

Hain-Copinger *^ II 8 36. Proctor 1153. 

Limburg. [Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 

538 Nider, Johannes: Praeceptorium legis seu expositio decalogi. 
Basileae, [Johannes de Araerbach], 1481. 2". 

Hain-Copinger *Ii;;'g3. Praetor p^Ol. 
L-mlurg. {Aus Limburg.) 



— 73 — 

539 Nider, Johannes: Praeceptorium legis s. expositio decalogi. 
[Reutlingae, Michael Greyff]. s. a. 20. 

Hain-Cciping(r */i-8i. Proclor 3684. 
Limburg. 

540 Nider, Johannes: Sermones totius anni de tempore et de sanctis 
cum quadragesimali. Spirae, Petrus Dracli, 1479. 2o. 

Hain *i/Soj. 

IViesbadfti LB. [Aus NotgotLs.) 

541 Niger, Petrus: Contra perfidos Judaeos de conditionibus veri 
Messiae. Esslingae, Conrad. Fyner, 1475. 2". 

Hain *u885. 

Die Schlussschrift auf El 4jb ist herattsgeschtiitten. 

Nach Hain ist dies der erste Druck, in zveUhem hebräische Typen vorkommen. 

Wiesbaden LB. 

Novissima, Quattuor, s. Gerardus de Vliederhoven. 
Ockam s. Guilelmus de Ockam. 

542 Oldradus de Laude: Consilia et quaestiones. (Viennae), Eberhard. 
Frommolt, 1481. 2o. 

Hain-Copinger *ggj^. Praetor 8/3/. 

El 2g8 [vielmehr 2gg\ a Z i^ steht in diesem Exemplar richtig: consulentium. 

Wiesbaden LB. 

543 Oppizonus, Ambrosius: Commentum § Divi Sever. et Antonin. 1. 
filius familias. s. 1., t., a. 2". 

Bl I leer. Bl 2a \Sign aij\a: Eximij ac prestantissimi Juris vtriuscj doctoris Do- ;mini 
Ambrosii oppi^oni papiensis. Jura ciuilia pu-;|blica in gymnasio ticinensi interpretantis. 
solemne c5| mentuj perutilis. §. Diui seuerus i antoninus. 1. filius t' familias. ff, de lega. ; 
fideicomis. primo. ibidem in auditoriis nouis ornatissimis editum. In quo accumü latissime 
eius materiam varijs in locis sparsam repo||suit. äno salutis nostre. i4'39. octauo idus 
septembres. Bl joa^ Z ^^ : In hoc solemni comento. % diuL 1. filiusfa. ff. de le. i. tractatur 
principaliter an et quando quibus casibus j] res possint alienari. in dotem dari. uel in illis 
heres in| stitui aut quouis alio ti. in aliu^ transferri non obstä te prohibitione testatoris 
legis, statuti. iudicis arbijtri. aut alterius et contrahenü cü multis aliis simili|jbus : notabilibus 
decisionibus. que accurate legenjtibus latius occurent. Bl job leer. 

JO Bl mit Sign [a4, b—di, e^], 2 Spalten, 64 — 65 Zeilen, goth. Schrift. 

Hain 12016. 

Wiesbaden LB. [Aus Herbom HSch.) 

Oratio querulosa contra invasores sacerdotum s. Wimpheling, Jacobus. 

544 Orosius, Paulus: Historiarum adversus Paganos libri VII. 
Venetiis, Christophorus de Pensis, 1499. 2'\ 

Hain-Copinger *I2I03. 
Weäburg. {Aus Limburg.) 

545 Orosius, Paulus: Historiarum adversus Paganos libri VII. Venetiis, 
Octaviauus Scotus Modoetiensis. 1483. 2^. 

Hain-Copinger *I2I02. 
Wiesbaden LB. 



— 74 — 

54*1 O vidi US, Publius: Metamorphoseon libri. Venetiis, Bernardinus 
Benalius. 1493. 2o. 

Hain *i2i/0. 

IVrJburg. [Aus Hfrbom HSch.) 

Panormitanus s. Nicolaus Panormitanus. 

547 Paraldus. Guilelmus: Summa de virtutibus. Coloniae, Henricus 
Quentell, 1479. 2 Bde 2«^. 

Hj-in-Copinger *I2$8/. 

Limburg: nur Bd i. (Aus Limburg.) 

548 Paratus: Sermones de tempore et de sanctis. [Daventriae, Richard. 
Pafraet, c. 1463]. 2o. 

Vcfullieme No 88l. Campbell Stippl. I 1358a. 
Limburg. 

549 Paratus: Sermones de tempore et de sanctis. Norimbergae, 
Antonius Koberger, 1496. 2^. 

Hain * 12413. 

Limburg. [Aus HaJamar.) 

550 Paratus: Sermones de tempore et de sanctis. s. 1.. t., a. 2o. 

Bl I leer. Bl 2a {Sign a^] a Z i : Paratus de tempore continens euä' geliorum de tpe 
expositiones necnon de te- pore epistolaru; sermones. elaboratum opus et correctissimu? 
incipit feliciter ■ Aratus e iudicare ,| viuos et mortuos. i. j etc. Bl ipßb<^ Z jg: Paratus 
continens sermones de tei pore äni totiua opus perutile elaboratis sime Impressum explicit 
feliciter. Bl i/6 und /// leer. Bl i/8a [Sign aaj\ o Z i: Paratus continens sermones de 
sä ctis incipit feliciter \\ De sancto Andrea. :| Sermo primus || () Aratus [[ sü et nö i| sü turbat9 
vt cu stodiä mandata j tua. Psal. Ista i| etc. Die zivei letzten Bl 2/3 und 2/4 fehlen. 

2/4 Bl mit Sign \a — g, g, i—y, aa — mm':], 2 Spalten, 44 Zeilen, goth. Schrift. Anfangszeilen 
in grösserer Schnft. 

Limburg. [Aus Hadamar.) 

[Passio domini Jesu Christi secundum quattuor Evangelia. s. 1., t.. a. 4'^.] 

Hain-Copinger *I243/. Nach Praetor kein Druck des 15. Jahrhunderts. 
Limburg. [Aus Hadamar.) 

551 Paulus n Pontitex Maximus: Bulla de beneficiis afifectis etc. 
s. L, t, a. 40. 

Bl 1 a Z I : Bulla de beneficijs affectis || ()Aulus Episcopus seruus seruorum dei ad 
ppe-|,tuam rei memoria? ad romani pontificis proui-|!dentiam ^/r. Bl 2 a Z 26: Johänis pape. 
xxij. constitutio \\ ()Xecrabili8 quorüda; tam religiosoy q? secula |rium ambitiö etc. Bl 4a 
Z 28: Benedicti pape. xij. reseruatio ad regimen [| Bl 6a Z i: Bulla contra simonlacos || 
Paulus episcopus etc. Bl 6b Z 30: Bulla de casibus reseruatis [, QAulus Episcopus etc. 
Bl pb Z 31: Priuilegium curialium j| (^Ugenius Epüs etc. Bl 8b Z 28: Bulla martiniana || 
(^Artinus Episcopus seruus seruorum dei. Ad p, petuam rei memoriam viam ambitiöse 
cupiditatis etc. Bl lOa Z 4: Bulla paulina de alienatöe bonoy ecciasticoy. || Bl lOb Z 25: 
Nicolaus I D perpetuam rei memoria Ad sacram Petri se de? etc. Bl 14a Z 20: Sumptum 
de Registro camere apostolice collationatü |; per me. G. deUulterris dicti registri magistrum 
et con- cordat. Bl 14b leer. 

14 Bl ohne Sign [2 Lag'm m. 4 und 3 Bl], 31 Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrosse. 

Wiesbaden LB. [Aus Eberbach.) 



— /o 

552 Paulus de S. Maria: Dialof^s qui vocatur scrutinium scripturaiiun. 
[Argentinae, Joli. Mentelin, c. 147u]. 2o. 

Hain *io/62. Praetor 223 A. 
Limburg. {Aus Eberbach,) 

553 Paulus <le S. Maria: Dialogus ([ui vocatur scrutinium scripturanim. 
Moguntiae, Petrus Schöffer, 1478. 2». 

Hain-Copinger IO/66. 

Limburg. 

Wiesbadm LB : 2 Exemplare, das eine aus Notgottes, das andere aus Schonau. 

554 Paulus de Montepicino: Repetitio in quart. ff. ad L. talc. Papiae, 
Antonius de Carchano 1493, 2^. 

Bl la leer, ib rot: Ad Illustrissimum i excellentissimutn principem '[ Ludouicum 
Sfortiam Vicecomitem barri ducem 1 Inuictissimum. Pauli de montepico. J. v. doctoris ] 
prefatiuncula. Bl 2a \Sign aij\ a rot: Repetitio subtillis x utilis. 1. In quartä. Pf. ad. 1. 
falci. jj nuper edita per accutissimum Juris utriusg Interpte (| d. Paulum de Montepico. ex 
Nobilibus de Ruyno ]| Civem Papien. In florentissimo Ticinen. gymnasio Jura Ciuilia de 
sero legentem. Anno Salut, dominice |' M. cccclxxxxiij. die. xxj. Augusti Bl 2Sii^ ^- 35- 
Impressum Papie. per Magistrum Antoniuj j] de Carchano. Anno Dni. Mcccclxxxxiij. || 
die. iiij. Mensis Nouembr . Es folgen 12 Distichen. 

28 Bl mit Sign \a — di, -f^], 2 Spalten, ^4 Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Wiesbaden LB. {Aus Herborn HSch.) 

555 Paulus de Montepicino: Repetitio subtilis et utiLissima Titia cum 
nuberet, alias tinalis famosissime 1. Titia cum testamento ff. de legatis secundo 
Titia nominata. Papiae, Antonius de Carchano 1494. 2o. 

Bl la leer. Bl ib: Pauli de Montepicho ex Nobilibus de Ruyno Juris || vtriusc? doctoris. 
Ad Scholasticos vtriuscp professionis i| In florentissimo Ticinensi Gymnasio prefatiuncula. 
Bl 2a [Sign aij\ a Z i rot: Repetitio subtillis : vtilissima. S- Titia cm, nuberet: alias finalis. 
famosissime, 1. Titia cum testameto. ff. de le |gatis secundo. Titia nominata. edita nouiter 
per accu-j;tissimü Diuini : humani Juris interpretev d. Paulum || de Montepicho . . . || . . , || 
, . . Anno dominice salutis [| M, cccc. Ixxxxij. die. iiij. Junij. Bl 2/b^ Z 66: Explicit sollenis 
ac vtilissima rpetitiö . . . Z /o: . . . Impressa vo ' Papie p Magist^ Antonium de carchano 
äno dni cu! rente M. cccc. Ixxxxiiij. die. 21. octobris tepore etc. Bl 2S leer. 

28 Bl mit Sig?t [a—dZ, e^], 2 Spalten, 74—76 Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrosse.. 

Copinger //, /, 4356. 

Wiesbaden LB. {Aus Herbom HSch.) 

Pavinis s. Johannes Franciscus de Pavinis. 

556 Pelbartus de Themeswar: Sermones de Sanctis. Hagenoae, Hen- 
ricus Gran, 1500. 

Hain *I2S56. 

Bl 3^6a^ Z 24: Sermones Pomerij de sanctis cöportati p |j fratre etc. 

Limburg, 

557 Pelbartus de Themeswar: Stellarium coronae Virginis xMariae. 
Hagenoae, Henricus Gran, 1498. 2'^. 

Hain- Copinger * 125 6 7. 
Limburg. {Aus Limiurg.) 



— 76 — 

558 Persius, Aulus Flaccus: Satirae. Venetiis, Dionysius de Bertochis 
et Pelegrinus de Paschalibus, 1484. 2°. 

Bl 12 hfr. Fl ib: BARTOLOMEI FONTII PROOEMIVM IN PERSIVM POETAM 
AD LAVREN- TIVM MEDICEN. j (;Vanq Laurent! poetae omnes uel ad bene dicendum: 
uel ad honeste uiuendum plurimü || etc. Bl 2a [Sign aij] Text: PAULI FLACCI PERSII 
POETAE SATIRARVM OPVS. QEC PONTE LABRA PROLVI CA BALLINO. Nee 
in bicipiti somniasse parnaso | ftc. Kommmtar: ( Ec fönte labra prolui caballino. Quo 
maiore animi libertate alios deinde corrigeret; se ji (tc. Bl J/a T~^xt am Ende: A. Persii. 
Flacci Satyrarum Finis. Bl 2/6 : BARTHOLOMEVS Fontius Francsco [!] saxeto Salutem. 
ßi 2Sj folgen lUa Fersü und Regutrum. Darunter: Venetiis per Dionysium de bertochis & 
Pelegrinü | de paschalibus. Bononienses. MCCCCLXXXIIII. \ die. X. Septembris. Daneben 
das Drucket zeuhen. Bl 28h leer, 

28 Bl mii Sign [j — dl, e^\, Text vom Kommentar, welcher £0 u. ß2 Zeilen hat, umgeben, 
rdm. Schrifl, drei Schriftgrossen. 

Hain 12/24. 

iVeilburg. [Aus Rommersdtyrf.) 

559 Petrarca, Franciscus: Opera. Basileae, Johannes de Amerbach, 
1496. 2^. 

Hain-Cjfinger 12/ 4g. 
Wiesbaden LB. [Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 

560 Petrus de Alliaco: Quaestiones super libros sententiarum. Argen- 
tinae, [typogr. Jordani de Quedlinburg a. 14S3], 1490. 2". 

Hain-Cofinger 841. Voullieme goo. Proctor 654. Pellechet £44. 
Herdom 808. [Aus Hethom HSch.) 

561 Petrus de Aquila: Quaestiones super quattuor libros sententiarum. 
Spirae, Petrus Brach, 1480. 2\ 

Hain *I32£. 
Wiesbaden LB. 

562 Petrus de Aquila: Quaestiones super quattuor libros sententiarum. 
Spirae, Petrus Drach, [1485J. 4°. 

Hain-Copinger */j24. 
Wiesbaden LB. [Aus Arnstein.) 

563 Petrus Civitatensis: Canones poenitentiales. [Romae, Barth. 
Guldinbeck], s. a. 4'>. 

Hain *433/. {8 Bl, Bl i leer.) Proctor 3$ gg. 
Wiesbaden LB. [Aus Eberbach.) 

564 Petrus Coraestor: Historia scholastica. Argentinae. Job. Grüninger 
et Henricus de Inguiler, 1483. 2^. 

Hain-Copinger *5532. 

Lmburg: 2 Exemplare, das eine aus Deutz mit der ersten der bei Hain angeführten Schluss- 
ichriß en. 

565 Petrus Coraestor: Historia scholastica. Argentinae, [typogr. 
Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1485. 4«. 

Hain *5533. Praetor 5g3. 

Weilburg. [Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 



— 77 — 
566 Petrus Comestor: Historia scholabtica. Basileae, s. t., 1481. 2"*. 

Bl i fehlt. Dl 2 a \Si^n a^\ a.- Incipit prologus epistolaris. ' f]Eueredo ' pri ac do-l] 
mino suo guilhelmo. |{ dei gratia ser.esi archi- epo. Petr9 ser9 chri- sti psbytcr trecesis de. 
Bl 22gb^ Z 38 : loco magis honorabili. s. in cathacumbis. ,; Explicit Scolastica hisioti* 
magistri | Petri comestoris. Impressa Basilee An. || domini. M. cccc. Ixxxvj. Finita post 
festum II Katherine. Bl 230 fehlt. 

2JO Bl mit Sign \a—c\, Ji, <?4,yj, ^4, h—ii, k^, l i, m^, «3, (74, p—s\ t^, v—xi, yi, i J, 
A—ßi, C—Gi, H»,, /, //, A'jj, 2 Spalten, 46 Zeilen, goth. Schrift, drei Schnftgrossen. 

Wiesbaden LB. 



567 Petrus de Harentalis: Expositio libri psalmorum. Coloniae, 
Johannes Koelhotf de Lübeck, 1487. 2". 

Hain-Copinger *Sj66. 

Am Ende fehlt ein Bl. 

Wiesbaden LB. {Aus Marienstatt.) 

568 Petrus de Harentalis: Expositio libri psalmorum. Coloniae, 
Conradus de Homborch, 1480. 2°. 

Hain-Copinger 8364. 
Limburg. [Aus Deulz.) 

569 Petrus Hispanus : Textus cum copulatis omnium tractatuum parvorum 
logicalium. Coloniae, [Henricus QuentellJ, 1499. 4'). 

Hain *S/03. 

Limburg. [Aus Hadamar.) 

570 Petrus Lombardus: Sententiarum libri quattuor. [Argentinae, 
typogr. Henrici Ariminensis], s. a. 2'>. 

Hain *ioi84. 
Limburg. 

571 Petrus Lombardus: Sententiarum libri quattuor. Basileae, Xicolaus 
Kesler, 1486. 2o. 

Hain-Copinger *ioigo. 
Limburg. 

572 Petrus Lombardus: Sententiarum libri quattuor. [Basileae, 
Nicolaus Kesler, c. i486?] 2«. 

Hain *lOl8^. Praetor ;^6g6. 
Herbom 8o6. [Aus Herbom HSch.) 

573 Petrus Lombardus: Sententiarum libri quattuor. Basileae, Nicolaus 
Kesler, 1487. 2", 

Hain-Copinger *iOig4. 
Wiesbaden LB. {Aus Schönau.) 

574 Petrus Lombardus: Sententiarum libri quattuor. Basileae, Nicolaus 
Kesler, 1489. 2^. 

Hain *iOig6. 
Limburg: 2 Exemplare. 
Wiesbaden LB. 



— 78 — 

575 Petrus Lombardus: Sententiarum libri (luattuor. [Coloniae, Henricus 
Quentell], U64. 2^'. 

Hitin- Copm^er ^lOlSg. Procter 12 Sß. 

Im fiyrlif^ey.den Exentplare stelU Bl 238 aa Z J/ rühiig famosisäimg und nicht luie Hain 
angiebt famosimus. 

Wiesbaden LB. {Aus Ehrenireüstein.) 

576 Petrus Lombardus: Sententiarum libri (luattuor. Norimbergae, 
Anton Koberger 1-idl. 2^. 

Hain "lOiSS. 

Wiesbaden LB. {Aus Schonau.) 

bll Petrus de Monte: Expositio circa Aristotelis libros tres de anima. 
Colomae, Henricus Quentell. 1498. 2^ 

Haiti *iijS5. 
Wiesbaden LB. 

578 Petrus de Monte: Expositio commentaria in octo libros Aristotelis 
de physico auditu. Coloniae, Henricus Quentell, 1498. 2^ 

Hain-Copinger *ii£8l. 
Wiesbaden LB. 

.579 Petrus de Monte: Quaestio quid de salvatione Aristotelis dici 
possit. [Coloniae, Henricus Quentell, c. 1494]. 2'\ 

Hain "11586. 
Wiesbaden LB. 

580 Petrus de Monte: Repertorium utriusque iuris. Norimbergae, 

Andreas Frisner et Johannes Sensenschmid, 1476. 3 ßde 2o. 

Hain * 115 88. 

Wiesbaden LB: nur Bd i und J. {Aus Deuiz.) 

581 Petrus de Monte: Repertorium utriusque iuris. Patavii, Johannes 
Herbort de Seigenstat, 1480. 2 Bde 2o. 

Hain-Copinger *ii£8g. 
Wiesbadeen LB. [Aus Limburg.) 

582 Petrus de Palude: Sermones quadragesimales thesaurus novus 
nuncupati. Argentinae, [typogr. Vitarum patrum a. 1483], 1485. 2». 

Bi i \leer?\ fehlt. Bl 2a \Sign a^\ a.: Tabula sermonum ! quadragesimaliü Thesauri 
noui indicans ' quomodo quis in pmpto reuoluat bmone [ volitum. i vt sciat qt sint sermones 
de vno quO(y die quadragesime. <tc. Bl 3a [Signal] a: Incipiüt sermöes ; quadragesimales 
notabiles atc? putiles qui thesaurus nouus intitulant. |1 In die Cinerü. Sermo. 1. de epla. 
(cOnuertimi ni ad me i toto corde ve- stro in ieiunio et fletu et || etc. Bl i6/b^ Z 24: 
exultauerunt in deum viuum :c. Opus perutile sermonü quadragesima lium Thesaurus 
nouus nuncupatü Arge! tine Impressum Anno domini. M. cccc. ,, Ixxxv. Finit feliciter. 
Bl 168 leer. 

168 Bl [a— /4 4, ii, k—s',, ti, Z/4, x—yi], 2 Spalten, .// Zeilen, goth. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

Praetor 42J. 

Herbom P Ha 1^4 {Aus Her bor n HS eh.] 

Limburg. {Aus Limburg.) 



— 79 — 

583 Petrus de Palude: Sermones thesauri novi de sanctis. Basileae, 
s. t, 1485, 2». 

Bl i u. 2 fihlen. Bl Ja [Si<;n ai] a: Incipiüt sermöes ;| notabiles atcy perutiles de 
sanctis per circulü || anni. quibus ab editore suo doctorc i predica tore famosissimo nome 
vt Thesaurus nouus (| intituletur inditum est. Bl 2/^ia Z j6: mabus refrigcrium et diabolo 
suppliciü. II Opus putile sermonü de sanctis p circulü || anni. Thesaurus nouus nuncupatü: 
impres-, sum Basilee Anno dni. M. cccc. Ixxxv. finit | feliciter. B/ 2/6 leer. 

2;f6 Bl mUSign {a—J\ gi, h—o^, /5, /— /4, v, xi, y^, zi, A—B*, C—Ds, F—L^, Ms\, 
2 Spalten, 46 Zeilen, goth. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

Wiesbaden LB. (Aus Marienstatt.) 

584 Petrus de Palude: Sermones thesauri novi de sanctis. Norimbergae, 
Antonius Koberger, 1487. 2». 

Voullieme No g2£. 
IJmöurg. [Aus Hadamar) 

585 Pfeffer, Johannes, deWydenberg: Directoriumsacerdotale. s.l.,t.,a. 2°. 

Bl la leer, ib beginnt die Tabula, -jielche Bl 6b endigt. Bl ^ a \Sign A\ a • Directoriü 
sacerdotale pvtile feliciter icipit I] [JIrca lecturam epistulay beati \ apfi pauli Ad thymo- 
theum X \\ ad Tytü libuit p maiori eoy || que ibi dicta et diceda sunt de ;claracöne etc. 
Bl io4b^ Z j^ : nedictus Amen. \\ Magister iolies pfeffer de wydeberg sacre || theolie [!] 
pessor [!] studij vniuersal' Friburgen. || iniciator hec cöcepit : legit registrum com-j pleuit. 
Anno dni. M. cccc. Ixxxij. Vigilia !| thome apostoli. 

/04 Bl mit Sign [(/3) As, B—F, I—L»,, G, H, MNi\, 2 Spalten, 42 Zeüen, goth. Schrift, 
eine Schrißgrösse. 

Hain 12862. 

Wiesbaden LB: 2 Exemplare, das eine aus Schonau, das andere aus Notgottes, vorher in 
Johannisberg. 

586 Pfeffer, Johannes, de Wydenberg: Tractatus de materiis indul- 
gentiarum. s. 1., t., a. 2o. 

Bl la [Si^pt A] a: Tracrat9 iam nouiter opilatus de materijs \\ diuersis indulgenciarum 
p doctissimü ac fa-||mosissimü viy dominü. Johäne^ pheffer wi jdenberg Sacre theologieqi 
pfessorem exi- ,inium Ac alme vniuersitatis studij friburgejsis ordinarium feliciter incipit. 
Bl 2<Saa Z 26 : Sequütur quatuor bulle Jubilei. Bl J2aa Z J4: Incipit tractatus Jubilei 
edit9 et Dpilat9 p \\ Reuerendum patrem vtriuscj iuris in orbe |[ monorcham f!] dominü Johanne 
de anama || archidia. Bononienb etc. Bl J4aa Z 21: Materiam precedentem indulgenci- 
arum II et iubilei distinxi In nouem questiones vo| lens itacj materiam quamcumcj de indul-|| 
gencijs habere sequentem intret tabulam || abcdariam querens de quo velit et inueniet || 
etc. Die Tabula schliesst Bl j6b^ Z 42: causa et origo idulgeciay questiöe. pma. c 

46 Bl mit Sign [A, C, D 3, B, Fi, £4], 2 Spalten, 42 Zeilen, goth. Schrift, eine Schrißgrösse. 

Hain 12863. 

Der Dntck ist insofern bemerkenswert, als Bl 4a^ Z 12 der Satz abbricht und erst auf Bl 5 
sich fortsetzt ; der Bogen B zvar also schon vor A gedruckt. Der Drucker half sich über die am SMuss 
des Bogens A durch Verrechnung des Setzers entstandene Zerreissung des Druckes auf die einfachste 
Art hinweg, indem er auf Bl 4a^ hinter Z 12 die Worte: Hie non est defect9 druckte. 

Wiesbaden LB. 2 Exemplare, das eine aus Schonau, das andere aus Notgottes, vorher in 
johannisberg. 

587 Pharetra auctoritates et dicta doctorum, philosophorum et poetanim 
continens, [xlrgentinae, Johannes Mentelin], s. a. 2'\ 

Bl lad Z i: (N cöuersionis mee pmordio cü pro metis [[ recreacöe sancto» auctes 
legere & legendo varias pcipere corrupcones. Visu est mi-||chi securü & bonü vt ad ipm 
fönte origi- inaliü recurrere etc. Z 4^: Incipiüt noia doctoy. Bl 2ao. Z 28: Tabula mate- 



— 80 — 

riaf in generali. Bl /.ia Z i: . E abbate Qrego-|,rius in registro ad anastasiü abbatem || 
Huius te pcepti se rie omonemus. ut necp mulieres i mo nasterio tuo «?/<. Bl jöiöa Z jg: 
Job. Qui affert Stellas pluuie & effundit ymbres ad instar gurgitü. 

j6l Bl ohne Si'^'v, 3 S/ir^frn, £o Zeikn, goth. Sihriß, 2 Schrißgrössen. 

Hain I2go8. PrOitor 32j. 

IVUs baden LB. [Aus Limburg.) 

588 Pharetra fidei contra Judaeos. [Argentinae], s. t. et a. 4'^. 

Bl 2 a \m. S:gr a ij\ A grosse Hohschnitlinitiale. 

Ham-Cofinger *i2gii. Praetor //:?. 

Wiesbaden LB. (Aus Xotgoties, vorher in yohannisberg.) 

589 Phile Iphus, Frauciscus: Orationes cum quibusdam aliis opusculis. 
[Basileae, Johannes de Amerbach, 1491]. ■^^. 

Hain-C'pinger *i2g[8. Proctor /64£. 
Limburg. 

590 Philippus, Jacobus: Reformatorium vitae morumque et honestatis 
clericorum. Basileae, Michael Furter, li94. 80. 

Hain-Co/inger i^/20. Vouäieme g4g. 
Bl gg ßhit im vorliegenden Exemplar. 
Wiesbaden LB. (Aus Notgottes.) 

591 Picus, Johannes. Mirandulae comes: Aureae epistolae ab Ascensio 
recognitae. S[pirae], C[onrad] H[ist], [1495?] 4». 

Hain-Copinger T2gg£. Voullieme g^o. 
Wiesbaden LB. 

Pisis s. Rainerius de Pisis. 

592 Plato: Opera, latine a Marsilio Ficino. Venetiis, Bernardus de 
Choris de Cremona et Simon de Luere impensis Andreae Torresani de Asula, 
1491. 20. 

Hain-Copinger */Jo6j. 
Wiesbaden LB. 

593 Plautus: Comoediae cum interpretatione Petri Vallae et Bernardi 
Saraceni. Venetiis, Simon ßevilaqua Papiensis, 1499. 2o. 

Hain-Copinger * 1^082. 

Weilburg. (Aus Idstein Gymn. Bibl.') 

594 Plinius major: Historia naturalis. Venetiis, Bartholomaeus de 
Zanis de Portesio, 1496. 2o. 

Hain-Copinger *i^iOO. 

Am .Anfang fehlen 2 Blätter. 
Weilburg. 

595 Plutarchus: Apophthegmata latine Francisco Philelpho inter- 
prete. Daventriae, Richard. Pafraet, 1499. 4. 

Hain-Copinger 13141. Campbell 1424. 

Weilburg. (Aus Notgottes, vorher in yohannisberg.) 

596 Plutarchus: De liberis educandis latine interprete Guarino 
Veronensi. [Coloniae, Ulricus Zell? Arn. ter Hoernen?], s. a. 

Bl la rot: Plutarcus de liberis educädis E greco tradu-||ctus per Gnarinum f!] vero- 
nensem greca latinaq» \\ facundia eruditissimum et clarissimum virum ad ; angelü Corneliü 



— 81 — 

ciuem florentini. Et primo ipsios I Gnarini [!j phemium incipit feliciter. 1| schwärt (Aiores 
nrös Angele mi suauissime non ]| etc. Bl i6b am Ende: Explicit Plutarcus de , liberis c- 
ducandis. 

i6 Bl ohne Sigv, :?/ Zeilen, goth. Schrift, eine SchriftgrSsse. 

Hain-Cofinger 1^146? 

Limburg. 

Poeniteas cito s. Modus confitendi. 

597 Poncius: Rhetorica. [Argentinae, Johannes Grüninger], 1486. 4«. 

Hain-Cüpinger * 13255. Praetor 445. 
Am Ende fehlen 6 Blätter. 
Weilburg. {Aus Eberbach.) 

Pontanus s. Ludovicus Pontanus. 

598 Positiones circa libros physicorum et de anima Aristotelis. 
[Coloniae, Henricus Quentell], 1494. 2o. 

Hain * 13304. Praetor 1322, 
Wiesbaden. LB. 

599 Praeceptorium perutile in quo decem sermonibus materia praecep- 
torum decalogi perstringitur. Lipsiae, Conradus Kacheloten, 1494. 4". 

Hain *I33I/. 

Limburg. [Aus Notgottes, vorher in yohannisberg.) 

600 Principia, subscriptiones et suprascriptiones litterarum raissivarum. 
[Romae, Johannes Schurener], s. a. 4^. 

Bl la Z I : C Sequunt' principia subscriptiöes et supra' scptiöes Irai^ missiuay ad 
oes psonas cuiuscücj j Status gdus cöditiöis aut peminetie fuerint. Bl 6b Z 2g : Reuerendis 
parentibus A. et B. precunctis \\ huiusmodi uite mortalibus metuendis. 

6 Bl ohne Sign, 30 Zeilen, röm. Schrift. 

Die Typen sind dieselben wie in Hain gg43 = Praetor 35ll- 

Wiesbaden LB. {Aus Eberbach.) 

601 Probus, Valerius: De interpretandis Romanorum litteris. Venetiis, 
Joannes de Tridino, 1499. 4o. 

Bl la: Valerii probi grämatici de interpretandis romano'lrum litteris opusculum feli- 
citer incipit. 'I Romanorü ciuiü noia: pnomia ac cognomina. eo- rumcf magistratuum. ;| 
Alie abreuiature ex Valerio probo excepte. j Littere singulares in iure ciuili de legibus & 
plebi-j scitis. i] In legibus actionibus hec. In editis perpetuis. | De ponderibus : E>e nu- 
meris || Lex ex tabellis diuum de re futuaria. Sacra lex. !| Vt quemadmodum sibilla In 
arcu Home sculpife cit uigiti litteras quae per bedam declarate fuerüt ' Epitaphium situ 
polensis parasiti I Sämonici Sereni. ex. quinto libro rerü recöditatv. ' Phylisci cösolatoria 
marco ciceroni coUoquenti pre stita dum in macedonia exularet per Joannem aurispam 
e greco in latinum traducta. Das Übrige gibt Hain richtig an. 

20 Bl mit Sign [a— ^2], zum Teil 2 Spalten, 2g Zeilen, rom. Schrift, 2 Schriflgrössen, Stahl- 
schnittinitialen. 

Hain - Copinger 133/ 8- 

Wiesbaden LB. {Aus Herhom HSck.) 

602 Promptuarium argumentorum dialogice ordinatorum. [Coloniae, 
Henricus Quentell, a. ?] 4o. 

Bl la Titel: Promptuarium argume torum dialogice ordinatorum. a Lilio Albertista 
et Spi||neo thomista mutuo sibi obuiantibo per atrarias ratiöes / presuppositis DclusiöibD 
tan^ sagittariov signaculis dis- putatoy. Quod est dum materia expostulati ctiä probleu-J 



— 82 — 

maticum. vtile ; necessarJü omnibo. qui volüt rectum impe- |trare argumentädi : soluendi 
modü in quacüqi etiä facul- täte in supplementü illoy collectü. qui dum disputant! ar- gu- 
menta propter ingenij imbecillitate? excogitare nö pnt Darunter der Holzschnilt mit Jefn Lehrer 
und rzi'ei Schülern, auf dem Spruchband dit Inschnjt: Accipies tanti etc. Bl 5ja sind b enthält 
das Registrum. Bl 64 leer. 

64 Bl mU Sign \a — « J, k 5], 46 Zeilen, goth. Schrift, drei Srhriftgrössen. 

Bl 2—£ und 5/ — 63 fehlen, dii genaue Beschreibung ist deshalb unmöglich; jedenfalls ist der 
Drucker surhtr. 

Wiesbaden G Af4S. (Aus Idstein Gym. Bibl.) 

603 Prosper: De vita contemplativa atque actuali, sive de norma 
ecclesiasticorum. [Spirae, Petrus Drach], 1487. 4'^. 

Hain-Copinger *i24l8. 

50 Bl \das letzte leer. Sign a — (-4, ^Z— /3, f 4], 

Herbom in P Ib 36. [Aus Herbom HSch.) 

604 Ptolemaeus, Claudius: Cosmographia lat, interprete Jac. Angelo. 
Ulmae, Johannes Reger. 1486. 2'\ 

Hain-Copinger *i^£40. 
IVeilburg. 

Quaestiones duodecim pro S. Theologiae studiosis s. Rolevinck, Werner. 

605 Quintilianus: Declamationes et institutiones ex recognitione 
Andreae Pontii Brixiaui. Tarvisii, Dionysius Bononiensis et Peregrinus, 1482. 20. 

Bl I a her. Bl ib Andreae Pontia Brixiani ad I^dovicum Marcellum epistola. Bl 2 a \Sign 
ai\: M. CELIVS FABIVS QVINTILIANVS TRIPHONI BIBLIOPOLE SALVTEM || 
()FFLAGITASTI Quotidiano cöuitio ut libros quos ad Mar cellü meum de institutione ora- 
toria scripseram: iam emittere ] inciperem. etc. LI ij/b am Ende: M. FABII QVINTILIANI 
oratoriarü institutionum libri duodecimi j & Ultimi. Impraessum [!J taruisii per magistrü 
Dionysium Bononien- sem ac Peregrinum eius sociü. Anno. D. M. CCCC. LXXXII. DIE || 
XXII. raensis octobris l| FINIS. Bl 138a Registrum. Bl 138 h leer. 

138 Bl mit Sign \a — </ 4, r 5], 4g Zeilen, röm. Schrijt, zwei Schriftgrössen. 

Hain-Copinger 13661. 

Weilburg. (Aus Deutt.) 

606 Rainerius de Pisis: Pantlieologia s. Summa universae theologiae. 
Norimbergae, Johannes Sensenschmid et Henr. Kefer de Moguntia, 1473. 
2 Bde. 20. 

Hain */jO/£. 
Limburg: nur Bd l. 

607 Rainerius de Pisis: Pantheologia s. Summa universae theologiae. 
Venetiis, Hermann Liechtenstein, 1486. 2 Bde 2". 

Hain-Copinger * 1301g. 

Limburg: 2 Ejcemplare, aus Deutz und aus Limburg, 

Wiesbaden LB. (Aus Marienstatt.) 

608 Rampigollis, Antonius: Compendium Bibliae, s. aureum Bibliae 
repertorium. [Coloniae, Ludovicus de Renchen ?j, s. a. 4'^. 

Hain-Copinger *i36/g. Praetor 1281. 
Limburg. [Aus Hudamar.) 



— 83 — 

609 Ray m un d US de Sabunde : Tbeologia naturalis seu über creaturarum. 
Argentinae, Martinus Flach, 1496. 20. 

Hain-Copinger * 1406g. 
Limburg. [Aus Deutt.) 
Wiesbaden LB. [Aus Notgottes.) 

Ret'ormatorium vitae s. Pliilippus, Jacobus. 
Regimen rusticorum s. Rolevinck, Werner. 

610 Regnierus, Helias: Casus longi Sexti et Clementinanim. [Argen- 
tinae, Johannes Pryss, 1490.] 2o. 

Hain-Copinger *i^8l2. Praetor £40. 
Wiesbaden LB. 

611 Regnierus, Helias: Casus longi Sexti et Clementinarum. [Argen- 
tinae, t}-pogr. Jordani de Quedlinburg a. 1483], 1496. 2«. 

Hain-Copinger * 1^816. Praetor 66g. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

[Reisch, Gregorius: Margarita philosophica. 4*^. 

Hain 138^2, ist kein Heidelberger Druck van 14g 6, sondern ein datierter Strasshurger Druck 
des "Johannes Schott von /^04.] 
Wiesbaden G. 

612 Repertoriura continens titulos quinque librorum decretalium. 
Coloniae, Henricus Quentell, 1495. 4^. 

Hain-Copinger 138/4. 

Limburg. [Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 

613 Richardus de Mediavilla: Super quarto sententiarum. Yenetiis, 
Christophorus Arnoldus, s. a. 2^. 

Hain-Copinger * zog 8 4. 

Herbom 81/. [Aus Herbom HSch.) 

614 Richardus de Media\illa: Super quarto sententiarum. Venetiis, 
Bonetus Locatellus, 1498. 

Hain-Copinger */og8/. 
Limburg. [Aus Hadamar.) 

Robertus de Licio s. Caracciolus de Licio, Rob. 

615 Rodericus Zamorensis: Epistola super expugnatione insulae 
Negropontis. [Coloniae, Ulr. Zell, c. 1473.] 

Hain *l3g57- Praetor Additicns goo. 
Limburg. 

616 Rolevinck, Werner: Fasciculus temporum. Argentinae. Johannes 
Pryss, 1487. 2". 

Hain-Copinger *6g36. 
Wiesbaden LB. [Aus Deutz.) 

617 Rolevinck, Werner: Fasciculus temporum. [Argentinae. Johannes 
Pr}^ss], s. a. 

Hain-Copinger *6gi6. Praetor ^63. 

Wiesbaden LB. [Aus Am st ein.) 

6* 



— 84 — 

618 Rolevinck, Werner: Formula vivendi canoniconim. [Coloniae, 
Am. ter Hoemen?], s. a. 4o. 

Bl la: Incipit tabula formule viuedi canonlcorum. |j Bl 2a Z 2/: Explicit pns tabula 
istius sequetis formule. £/ 2b: Formula viuendi canoniconim siue vicariorü secularium 
aut eciam deuotorum psbiterorum j ()Ic psalmum dicam noi tuo in seculum ] seculi etc. 
Bl 2jb Z /: Explicit formula viuedi canonicoy. ! jEc prescripta formula viuendi edita 
dicitur || etc. Schluss Bl 24a Z /.• Nä ; ipi in ea modü viuedi sibi agruü descptü hnt. 

24 Bl, ohne Sign, 2/ Zeilen, am Rande die Kapitelnummem \arab.\, goth, Schriß, eine Schrißgrösse. 

Limburg. {^Aus Limburg.) 

619 Rolevinck, Werner: Libellus de regimine rusticorum. [Coloniae, 
Arnoldus ter Hoernen. c. 1472.] 4'^. 

Hain-Copinger ij/26. Voullieme 1026a. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

620 Rolevinck, Werner: Quaestiones duodecim pro S. Theologiae 
studiosis. [Coloniae, Arnoldus ter Hoernen, 147.5.] 4o. 

Bl laa. \rot'\: Questiones duodeci notabiles valde |] et vtiles pro plJris et studentibus 
ac [| alijs sacre doctrine insudantibus. \' (scA-warz) (jVeritur primo quib^ |i potissimü credita 
süt ' eloquia dei. aut qui | ftf. Bl I4b^ Z jo: culorum. Amen •:• Expliciunt duodeci 
questiones pul- cherrime a quodä venerabili et reli gioso patre ordinis carthusien ad , gloriä 
eius q solus habet sapieciä et i{ possidet nomen gloriosü honorecp et {| impiü p secula 
etema edite •:• 

/4 Bl ohne Signaturen, 2 Spalten, jg Zeilen, goth. Schriß, eine Schrißgrösse. 

Ennen Katalog der Inkunabeln in der Stadtbtbliothek zu Cöln S. 62 No 1^0. vgl. Centralblatt 
f. Bibliothekswesen Bd 6 i88g, S. jgi. Xo 6. Miraeus, Bibliotheca Cartusiana, Coloniae i6og p. 
2g^lg6 führt die Schriß als Werk des Wemerus Laerius cognomento Roeleuinck an und zwar mit dem 
Zusatt: impressae Coloniae in 40 apud Amcldum Therhoernen anno 14/$. 

Herbom 152^. [Aus Herbom HSch.) 

Roxiate ] 

[ s. Albericus de Rosate. 
Rosate J 

621 Rudiment um novitiorum. Lubecae, Lucas Brandis. 1475. 20, 

Hain *4gg6. 

Herbom V I lo. [Aus Herborn HSch.) 

622 Rupertus Tuitiensis: De victoria verbi dei. Augustae, Anton 
Sorg, 1487. 2\ 

Hain ^14046. 

Wiesbaden LB. {Aus Notgotles.) 

Sabunde s. Raymundus de Sabunde. 

623 Sachsenspiegel. Augsburg, Hans Schünsperger, 1496, 2o. 

Bl la Titel: Hye hebt sich an der sa chssenspiegel mitsampt || den cautelen vnd 
addi'|tionibu3 bockstorfT. Bl ib Holzschnitt: der Kaiser Recht sprechend, auf dem Spruchband: ipe 
dii et fcta süt ipe mädauit et creata st", ps. 32. Bl 2 a {Sign a ij\ bis Bl 6h Register des ersten 
Buches. Bl pa \Sign bj\ a beginnt die Vorrede Z i: N [Ifolzschnittinitiale] W vernept vmb i der 
herren gebur-'jte von dem lande zu Sachsen C Der | von anehalte, vn | der von Branden-|| 
bürg vnd der vö | etc. Bl loa [Sign b iiij] ß Z 40 : mo. |j Also habe wir die uorrede nun !| 
Sequit articulus primus. Bl loba: Articulus primus j C [Holzschn-.it] Zwey Schwert He Le 
got) auff dem ertrich zu beschier men die cristehey-, te C Dem bapste ; ist gesalzt d? 
geyst lieh de Keysen das weltlich etc. Bl 6oaa Z J2: latione tertia sc. | Et sie est 
finis huius prmi libri. Bl 60b leer. Bl 6/a [Sign kj.\ bis Bl 65b Register des zweiten Buches. 



— 85 — 

Bl 66 leer. Bl 6^a \Sign lj\ beginnt Jas zxvdte Buch, schliefst Bl 11/ b. Bl u8 leer, ßl ug \Sign 
[j] beginnt das Register des dritten Buches, schliesst Bl 124b. Bl I2£ [Sign tj] beginnt das dritte Buch, 
schliesst Bl 20/ a'^ Z 36 : treüw gelübte Didicij tagcworchten. Ij Explicit der sachbenspiegel 
den der er-||Wirdig in Got vater und her Theode ;ricus von bockstorff bischoff zu Neüen|| 
bürge seliger gecorrigieret hat. Bl 20/b leer. Bl 2o8aa: C [Holzschnitt] Autela bin ich 
ge||nant. etc. Bl 22g b^ Z 20: recht vt s s li. ij. ar. xij; S- vltimo. Bl 2jo leer. Bl 2$ia 
\Sign L i\ beginnt der lateinische Text, schliesst Bl 24/ b. Bl 248 leer. Bl 24ga [Sign Oj\ a: N 
[Holzschnitt] V ist zu wissen d? | mä hier nach vin !det alle zusetze ge |nant in de lateine | 
additiones die do| hin vfl her in dem aachtiespiegel au(j [wendig des textes vn der glosen 
soltet jj geschribe stan. etc. Bl 2^jb^: C Hye endet sich der sachssenpiegel [!j || mit 
sampt den cautelen vn additio- bus [!J Bockstorff. Gedruckt vnd selig- klich volendt An vnser 
frauwe abet | den man nennet dye verkündunge. in der Keyserlichen statt Augspurg J 
durch Hannsen Schönsperger Als |j man zalt nach Cristi vnsers herren j geburt. Tausent- 
wierhundert vnd |; jm sechL vnd Neüntzigosten Jar. Bl 2^4 leer. 

2S4 Bl mit Sign [a c e g—k m o q / fv y i ; b d flnp txsi; A C E G I LOl, B F H<\ 
Blattzählung innerhalb der einzelnen Bücher, im lat. Text durchgehend, 4^ Zeilen, latein. Text 61 Zeilen, 
goth. Schrift, eingedruckte Holzschnittinitialen, J Schrijtgrössen. 

Hain-Copinger 14080. 

Wiesbbaden LB. 

Saldis, Hermannus de, s. Hermannus de Schildis. 

624 Salicetus, Nicolaus: Antidotarius animae. Hagenoae, [Henricus 
Gran], 1494. 8o. 

Hain-Copinger * 1416 5. Proelor 31/9. 
Limburg. [Aus Limburg, vorher in Gronau^ 

Salis s. Baptista de Sulis. 

Salomo s. Dialogus iuter Salomonen! et Marcolphum. 

H25 Sallustius, C. Crispus: Opera cum Laurentii Vallae commcntario 
in bellum Catilinarium. Venetiis, Theodonis de Ragazonibus, 1492. 2". 

Bl la: Hoc in uolumine haec continentur: Pöponii Epistola ad Augustinü Mapheü ]| 
C. Crispii Salustii bellü catilinarium cum jl cömento Laurentii ualensis. Portii Latröis 
Declamatio cötra. L. catilinä |'. C. Crispi Salustii bellum iugurtinum. ||. C. Crispi Salustii 
uariae orationes ex || libris eiusde historiarum excerptae. jl. C. Crispi Salustii uita. |i Romae 
per Pomponium emedata: ac \\ Venetiis diligentissime impressa. Bl ib Pomponii epistola, 
Bl 2a [Sign aü\ Text: C. CRISPI SALLVSTII LIB, DE CON! IVRATIONE. L. SER. CATI- 
LINAE. 1| ( MNIS HOMINES Qui sese j etc. Kommentar: ( MNIS HOMINES: Patritia gente 
Crispus Salustius romae natus post re pub. ciuili discor| dia etc. Bl 4^ am Ende: Finis || 
Laus omnipotenti Deo || Impressum Venetiis per magistrum || Theodorum de ragazonibus 
de I! asula Anno domini. M. cccc || Ixxxxii die. yiiii. Julii | Deo gratias \\ Amen. , Re- 
gistrum Cartarum etc. Bl 46 leer. 

46 Bl mit Sign [a—gi, h'], 43 und 61 Zeilen, röm. Schrift, drei Schriftgrössen. 

Weilburg. {Aus Idstein, Gymn. Bibl.) 

626 Samuelis, Rabbi: Rationes breves ad reprobandos Judaeorum 
errores. Coloniae. [Henricus Quentell], 1499. 4o. 

Hain-Copinger * 142^1. Proctor 1361. 
Wiesbaden LB. {Aus Amstein.) 

627 Samuelis, Rabbi: Rationes breves ad reprobandos Judaeorum 
errores. Norimbergae, Caspar Hochfeder, 1498. 4*>. 

Hain-Copinger * 142/0. 

Herborn SV 3. {Aus Herborn HSch.) 



— S6 — 

628 Schatzbeliälter oder Schrein der wahren Reichthümer des Heils 
und ewiger Seligkeit genannt. Nürnberg, Anton Koberger, 1491. 2^. 

Hain-Copinger *I4^0/. 
Wiesbaden LB. (Aus Schonau.) 

H29 Schedel, Hartmannus: Liber Chronicaruni. Augustae, Johannes 
SchÖQsperger, 1497. 2^. 

Bl la Tue/: REgistrum huius | operis libri cronicay | cum figuris et yma-!;ginibus 
ab inicio mü 'di vs(f nüc temporis. Bl ib leer. Bl 2a \Sign 2] a; Tabula operis hui9 de || 
temporibus mundi vt hystoriay rerumcy cete-!| etc. Bl 2^c2^: Finit Registrum. Bl 2ßb u. 
26 leer. Bl 2/d: LIber cronicarum cum figuris et yma- ginibus ab inicio müljdi vscp nüc 
temporis. Bl J2ia \^Si^ GGi; numer. CC xdüt] ß Z 2(S: COmpleto in famosissima Nurem- 
ber- gensi vrbej Operi de hystorijs etatü mü! di. ac descriptione vrbium. felix imponi|jtur 
finis. Collectum breui tempore Auxilio do- ctoris Hartmanni Schedel. qua fieri potuit di-|| 
ligentia. Anno christi Millesimo quadringen- tesimo nonagesimotertio. die quarto mensis 
iu nij. :c I Deo igitur optimo. sint laudes | infinite in scla seculorü. Amen. Bl j6^a^ 
[numer. Folium CCC xxxvia\ am Ende: Finit hie feliciter liber Cronicaru? cum || figuris i 
imaginib9 ab initio müdi us (^ nunc teporis Impressum ac finitu) | in vigilia purificatiöis 
Marie in imp iali vrbe Augusta a Jobanne Sehen sperger. Anno ab incarnatiöe domini || 
M. cccc. xcvij. Bl j6^b und j66 leer. 

j66 Bl \jj, 74 mit falscher Zählung, a3, b—e'^, f—g^, -^ ^ '-3. ^», l-, ni i, «4, o—J>i, q'^, 
r—vi, x^, y—zi, A—Zi, AA—MMi, NN^, 00 i; Bl 28—365 numer.], 2 Spalten, 51 Zeilen, goth. 
Schrift, drei Schrißgrössen, eingedruckte Initialen und viele Holzschnitte. 

Hain-Copinger 1450g. 

Wedburg. (Aus Höchst.) 

630 Schedel, Hartmann: Liber chronicarum. Norimbergae, Anton. 
Koberger, 1-193. 20. 

Hain-Copinger *l45o8. 

Wiesbaden LB. Die Schlusschriß steht auf Bl J20b [Hain Druckfehler J2b\. Früher im Besitze 
Georgs, Burggrafen zu Kirchberg. ( Aus der Hachenburger Bibliothek.) 

Schildiz s. Hermannus de Schildiz. 
Schwabenspiegel s. Landrechtbuch. 

631 Scotus, Michael: Liber Physionomiae. [ßasileae, Johannes de 
Amerbach], s. a, 4°. 

Hain * 145 45 = ^455^- Praetor ^617. 
Wiesbaden LB. [Aus Eberbach ) 

632 Seneca, L. Annaeus: Opera philosophica et epistolae. Tarvisii, 
Bemardus de Colonia, 1478. 2". 

Hain-Copinger *i4ßgr. 

Am Anfang fehlen // Blätter. 

Weilburg. 

633 Seneca, L. Annaeus: Proverbia. [NeapoU?], s. t. et a. 4». 

Hain * 146 44. 31—30 Zeden. 
Wiesbaden LB. {Aus Eberbach.) 

634 Seneca, L. Annaeus: De remediis fortuitorum. s. 1., t, a. [nicht 
nach 1488.] 4". 

Bl la leer. Bl tb Z t : (hiVnc libru? composuit Seneca no-| bilissim9 orator ad 
Gallione ami- ,cü suü cötra öes impet9 et machi- jnameta fortune. 4 Zeilen tiefer: Incipit 



— 87 — 

über senece d remediis fortuito,^. Bl loa Z iS : Annei lucii Sencce d re„medÜ5 forluitorm 
über [| pxplicit. Bl lob leer. 

lO Bl ohne Sign, 2/ Zeilen, röm. Sckrt/t, eine Schrißgrösse. 

Der Rubrikalor hat am Ende dte Jahreszahl 1488 hinzugefügt. 

Wiesbaden LB. (Aus Eberbach.) 

H35 [Sequentiae:] Textus sequeiitiarum cum commento. [Coloniae. 
H. Quentell, 1492.J 4o. 

Hain-Copinger ^14682. Praetor 1414. 
Herbom P IV /ß. (Aus Herbom HSch.) 
Limburg [Jehlt Bl i). [Aus Arnstein.) 

636 [Sequentiae:] Textus sequentiarum cum commento. [Hagenoae, 
Henr. Gran], 1489. 4". 

Hain-Copinger *I468/. Praetor Jl/O. 
Wiesbaden LB. [Aus Arnstein.) 

Sermones Dormi secure s. Johannes de Verdena. 
Sermones tliesauri novi s. Petrus de Palude. 

637 Sermones tres de passione Cliristi trium venerabilium doctorum, 
quorum primum compilavit sive Guillermus de Aquisgrano sive Gabriel de 
Urach, ceterorum nomina ignorantur. Acc: Anselmi de passione Jesu Christi 
querentis et Mariae virginis respondentis dialogus. Tractatus beati Bernardi 
de planctu beatae Mariae virginis. Argentinae, [Martinus Flach], 1490. 4". 

Voullieme 1065. Praetor 686. 

Wiesbaden LB. {Aus Nolgottes, vorher in yokannisberg.) 

638 Sifridus de Arena: Expositiones seu declarationes titulorum utrius- 
que iuris. Coloniae, Johannes Koelhoff de Lübeck, 1491. 2°. 

Hain-Copinger */4/2^. 
Wiesbaden LB. [Aus Limburg.) 

639 Signorolus de Homodeis: Consilia, quaestiones et allegationes. 
Mediolani, Udalricus Scinzenzeler, 1497. 2°. 

Bl la leer, ib beginnt der Index zur Tabula, er endigt Bl 2b. Bl ^a \Sign aa üj\ a Z /: 
C Tabula seu repertorium omnium principalium t inciden tium dictorum: tarn questionum 
4 consciliorum [!] famosissimi ;| V. I. monarce: militiscf: ac Comitis dni Segnoroli de 
Ho-|!modeis de Mediolano. sub cögruis Iris alphabeti situatum. Ende der Tabula auf Bl 54b. 
Bl 55a leer, Bl ^^b Z i: Ludouicus Galeratus. I. V. doctor Mediolanesis. Magnifico Seg- 
norolo Homodeo. I. V. |i consumatissimo ac lusticie ordini prefecto. Sal'. Blß6a [Sign A]a 
Z I : C Clarissimi vtriuscp iuris monarce nee nö equitis ac comi tis insignis. d. Signoroli 
de Homodeis de Mediolano c^ ca| stigatissima iuris responsa: i questiones p eum disputate. , 
Feliciter incipiunt. Bl 241 b^ Z 28 : C Expliciunt Consilia Questiones ; allegationes famo- 
sissi-i|mi legum doctoris domini Segnoroli de Homodeis de Me- |diolano Militis ac Comitis . 
Palatini dignissimi. Impressa 1} Mediolani per Magistrum Vlderium Scinzenzeler. Anno || 
domini. M. cccclxxxxvii. die. xv. Maij. Darunter das Druckerzeiihen. Bl 242 a folgen Registrü 
tabule und Registrü totius operis. 

242 Bl mii Sign [aa—äi, a 4, b—z, 1 <f, A—Ei], 2 Spalten, /^ ZeiUn, goth, Schrifl, 
2 Schriftgrössen. 

Hain 8/g^. 

Wiesbaden LB. {Aus Herbom HSch.) 



— 88 — 



640 Simon de Ca>sia: Expositio super totum corpus evangeliorum, 
[Argentinae. Johannes Pryss, 1480.] 2''. 

Hdtn-Copmger *4S57- Praetor 528. 
Limburg, 

641 Sinthis, Johannes: Glossa super quattuor partes Alexandri. 
Argentinae. Johannes Pryss, 1499. 2 Bde 8°. 

Häin-Cafinger r4/6j. 

Die 2 letzten Blätter des 2. BJes fehlen. 

Limburg. {Aus Limburg.) 

642 S ixt US IV': Bulla extensionis Indulgentiarum pro tuitione tidei 
catholicae ac insulae Rhodi contra Turcos. s. 1, et t [1480] 1 Bl. 2o. 

Anfang und Ende fehlt, das Bruchstück befindet sich auf der Innenseite des Vorderdeckels von 
Nro 42S eingeklebt und besteht aus 4/ Zeilen [28,/ cm lang, 22 Zetlen = io cm Hohe]. 

Z i: aimo vitä in piculo ponere et sanguin[e] effundi ac tande morte subire n5 
dubitassent. Et lic^ipi Magister : fratres ac eorüdem locoy incole. virili aimo. ad resistedum || 
eorüde Thurco^ incursib? parati semp [e xistercnt etc. Z 4/ : sint eis ocedere Hbere et licite 
valeät. motu, scietia i auctoritate pdictis ocedimus. Declaramus ^^of reiterätes visitacöne 
ecciarü öi dicti Johänis vel alias in cö-jj 

goth. Schn/t, eine Schriftgrösse, 

vgl. Hain 14803. 

Wiesbaden LB. [Aus Marienstatt.) 

643 Sixtus IV: Regulae, Ordinationen et constitutiones Cancellariae 
apostolicae. s. 1., t., a. 4o. 

Hain-Copinger * 148 22. 
Wu:bnden LB. (Aus Eberbach.) 

Soccus s. Conradus de Brundelsheim. 

644 Solilo(iuium peccatoris conversi et compuncti. Norimbergae, 
Fridricus Creussner, 1479. 4". 

//ain '148/2. 

Limburg. [Aus Limburg). 

Speculum exemplorum s. Aurifaber, Aegidius. 

645 Speculum rosariorum Jesu et Mariae. Lueneburg, Johannes 
Lucae, 1493. 8*'. 

Voulliime lO/^. 

Bl r^ u. 16 sind leer. 

Im vorliegenden Ej.emplar fehlt Bl I. 

Limburg. 

646 Sprenger, Jacob u. Heinr. Krämer: Malleus maleficarum. [Argen- 
^torati, Job. Pryss], s. a. 2^. 

Hain-Copin^er *g2j8. Prector 526. 
Wiesbaden LB. (Aus Schönau.) 

647 Sprenger, Jacob und Heinr. Krämer: Malleus maleficarum. 
Norimbergae, Antonius Koberger, 1494. 4°. 

Hain-Copinger *g24§. 

Wiesbaden LB. {Aus Herbom HSch.) 



— 89 — 

648 Sprenger, Jac. und Heinr. Krümer: Malleus maleficarum. Norira- 
hergae, Antonius Koburger, 1496. 4". 

Hain *g246. 

Wiisbadfn LB: 2 Exemplare, aus Ehrenbreilstein und Herborn HSih. ; m letzterem fehlt Jas 
letsU Blatt. 

649 Sprenger, Jacob u. Heinr. Krämer: Malleus maleficarum. [Spirae, 
Petrus DracbJ, s. a. 2'\ 

Hain-Copin^er *g2jg. Praetor 2383, 
Limburg. [Aus Amstein.) 

650 Statuta provincialia antiqua et nova Moguntina. [Argentinae, 
Johannes Pryss], s. a. 2o. 

Hain * 1^041. Praetor 52g. 

Limburg. 

Wiesbaden LB. {Aus Sehönau.) 

651 Statuta synodalia cum modificationibus ecclesiae Leodiensis. 
Coloniae, Lodevicus de Renchen, 1492. 4'\ 

Bl la Titel: Statuta synodalia cuj || modificatöibus ecclie || Leodien •:• Darunter 
Holzschnitt. Bl ib leer. Bl 2a [Sign A ij"\ a Z 1 : Incipiunt statuta Synoda| lia ecclesie 
Leodief). []Ohänes dei gra-]|tia Leodien. epis{|copus Uniuersis || Abbatibus ab-! batissis 
Pricrib9 \[ete. Bl /£b^: Statuta synodalia diocesis ]| Leodien cü niodificatöib9 j ad, ditöib^ 
eorunde nedü sacerdo- itibus verüetiä qbuscüc| clericl |! notarijs : oib9 familiarib9 curie | 
predce dyocesis summe nccäria [!] || impressa p me Lodeuicü renc-||hen in felici Colonia 
Explici-|,unt. anno dni. M. cccc. xcij. se||xta Aprilis. Bl /6 leer. 

75 Bl mit Sign [A—Di, £4, F—Li, M^] 2 Spalten, 35 Zeilen, goth. Schrift, Tüel in 
grösserer Schrift. 

Umburg. [Aus Hadamar.) 

652 Stella clericorum. Daventriae, Jac. de Breda, 1498. 4". 

Hain-Capinger l£o8o. Campbell 1614. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

653 Stella clericorum. [Coloniae, Henricus Quentell], s. a. 4". 

Hain-Copinger * 1^063. Praetor 13g 8. 

Limburg. 

Weilburg. (Aus Höchst.) 

654 Sterbebüchlein. [Magdeburg. Simon Koch], s. a. 4o. 

Bl la: Uan dem steruende mynsschen Ij Unde dem gülden seien tröste. Darunter 
ein Holzschnitt: ein Sterbender auf seinem Lager, links der Arzt, rechts der PtUster. Bl ib Holt- 
schnitt: kleine Kreuzigung. Darunter C Hijr begynnet eyne schone geistlike le- re van dem 
steruende minschen dat eyn deil ghejlnome is vth dem boke dat de meyster gcmaket hefft 
van der kunst wol to steruende vnde is ein || kunst aller kunste Dat ein iewelick minsche 
vä II rechter ordeninge by sik hebben vn mit grotem \ vlyte betrachten schal etc. Bl 15a 
[Sign euj] Z 21: C Hijr Begynnet de gülden seien troest/ vn ; alsus bydde vor de armen 
sele/ de de rechtuer-ljheyt etc. Bl 18a Z 2g: des segge ik di here lof vn cre nu vn iumer 
mer i| C Amen. Bl 18 b leer. 

18 Bl nü Sign [Sign a, b, c j], 2g Zeilen, goth. Schrifl, 2 Sehriftgrössm. 

Bl 2, 5, 13 fehlen im vorliegenden Ex. 

Über diesen Druck s. Falk, Centralblatt /. Biiliotheksivesen 7, l8go, S 24/ und 344. 

Limburg. 



— 90 — 

655 Stoefflcrus, Johannes, et Jacobus Pflaumen: Almanach nova. 
LToiae. Johannes Reger. 1499. 4o. 

Hain- Ccrfinger "ißn Sß. 

Es sind nur ßi i — /o zjrhanden. 

IVusbaJfn LB. 

656 Suetouius, C., Tramiuillus: Vitae XII Caesanim cum commen- 
tario Philippi Beroakli. Bononiae, Benedictus Hectoris. 14'.):). 2". 

ßl la Uer. Bl ib: Habes mi lector candide trän. Suetonii tabu- lam uocabulorum 
& bistoriarü & loco^r mul- jtorum declaratione nö iniocundä. Et aduerte multa ee uocabula 
i ipsa tabula colocata quae :; in margine extracta nö sunt sed intus in cöme tariis reperies 
si lectitabis. Vale. Bl 2 a {Sign i\ folgt die Tabula, -velche Bl na endigt. Dann folgt was bei 
Hmn als Bl i bezeichnet ist; i8 nicht numer. Bl + J26 numerirte + i nicht numerirtes Bl =■ JV5 ^^• 

Hain-Copinger * 1^126. 

Wedburg. (Aus Sayn.) 

657 Suetonius, C, Trau([uillus: Vitae Xll Caesarum. [Tarvisii, 
Johannes RubeusJ. 1480. 2^. 

Hain-Copinger */^rig. 

IVeüburg. [Aus Marienstatt.) , 

658 Suso. Henricus: Horologium aeternae sapientiae. Coloniae, Johannes 
Landen, 1496. 4o. 

Bl la Tu.: Incipit horologium |j eterne sapientie. Darunter Holzschnitt. Bt ib leer, 
ßl 2a \Sign ai/]: Incipit prologg libri qui in: titulat horologiü eterne sapie || (jEntite 
ni domino | in bonitate z in simplicitate cordis querite | illü. etc. ßl 6jb Z j6: C Explicit 
horologium eterne sapientie Colonie per me Jo||hannem Landen infra sexdecim domos 
omoräte impressu? atcp diligenter correctum. Anno domini. M. CCCC. XCVI. men jsis Sep- 
tembris. die vero Nono. ßl 64 [leer/] fehlt. 

64 ßi mit Sign [ai, b^, ci, d', <f 3, /», g3, h^, i — mi\, 45 Zeilen, goth. Schrifl, zzuei Schrift- 
grossen. 

Limburg. [Aus Limburg.) 

659 Tacitus: Historiae. Venetiis, Philippus Pincius, 1497. 2'^. 

Hain-Copinger * 1^222. 
Wiesbaden LB. 

600 Tacitus: Vita Agricolae. Venetiis, Philippus Pincius, 1497. 2^'. 

Hain-Copinger * 1^222. 
Wiesbaden LB. 

661 Talmud. [Lipsiae, Landsperg?], o. J. 4o. 

Bl la Tit.: Thalmut j| Obiectiones in dicta Thaljjmut seductoris Judeorum. Zu Seiten 
des Titels rechts und links je 2 Porträts. Bl ib leer. Bl 2 a. ()Halmut est doctrina. Et diui- 
ditur I in quatuor libros quoy quilibet eoy appellatur || Cefer in genere. Et nos oes libros 
Moysi voca! mus Bibliä. etc. Bl 8 Z 28: tarn acriter passi sunt, ergo patet q. grande pec- 
catum com-j miserunt q> Christum verum regem occiderunt rc. 

8 Bl ohne Sign, 34 — j5 Zeilen, goth. Schrift, Titel u. Anfangszeilen des Textes in grösserer Schrift. 

Limburg. [Aus Hadamar.) 

662 Tauler, Johannes: Predigten. Lipsiae, Conrad, Kccheloven, 1498. 40. 

Hain-Copinger *I^J46. 
Wiesbaden LB. {Aus Hadamar.) 

Auf der Rückseite des Titelblattes handschr. {i6. Jahrh.): Dit boich halt der wirdiche ritter 
Her Frederich vam steyn den sustere zo besselich geben im lare XV'\ 



— 91 — 

663 Taxa sacrae Pueuitentiariae. [Roinae, Johannes Besicken], s. a. 4". 

Hain *I335/. Praetor 3g 8 4. 
Wusbaden LB. (Aus EierdacA.) 

664 Taxa Romanae Cancellariae et Poenitentiariae. Romae. [Johannes 
BuUej, 1479. 4«. 

ßl I fehlt. Dl 2 Z i: De expectatiuis . Expectatiua pro prescnte ad unum bnficium 
scdm regulas cani cellarie graciosa etc. Bl i8a Z 22: Finis est laus deo. : Impressum 
quidem romae pridie Kalenday Mali, millesimoqua dringentesimoseptuagesimonono. BliSbUer. 

18 Bl ohne Sign, [2 Lagen /4, 2 5] j5 ZeUen, goth. Schrijt, eine Schhjtgrösse. 

Hain 15349- 

WUsbadeyi LB. (Aus Eberbach.) 

665 Terentius, Puhlius: Comoediae sex cum directorio vocabulorum, 
glossa interlineari et commentariis Donati, Guidonis et Ascensii. Argentinae, 
.lohaunes Grüninger, 1499. 2". 

Hain-Copinger * 15432. 

In diesem Exemplar steht Bl 5 nicht THERINTII ivU Hain, sondern THERFNTII EPITA- 
PHIVM, -wie Voullieme 1118 angiebt. 
Weilburg. (Aus Notgottes.) 

666 Terentius, Puhlius: Comoediae sex c. comm. Aelii Donati et Joh. 
Calphurnii in Heautontimorumenon. Venetiis, Simon Bevilaqua, 1495. 2". 

Hain ^15420. 

Weilburg. (Aus Rommersdorf.) 

667 Terentius, Puhlius: Comoediae sex cum comm. Donati, Guidonis, 
Calphurnii et Ascensii. Veuetiis. Lazarus de Soardis, 1499. 2o. 

Bl la Titel: Terentius cum quattuor com-!|mentis : videlicet Dona- |ti Guidonis Cal-|| 
phurnii : || Ascen-||sii. Bl ib Holzschnitt den Dichter und seine Kommentalyren darstellend. Bl 
2a [Sign aii, numer. ü]: Terentii Vita (pjVBLlVS Terentius Afer Carthagine natus: seruiuit 
Romae Terentio Lucano senatori: a || etc. Bl 5 b Holzschnitt mit der Inschrift : COLISEVS 
SIVE THEATRVM. Bl 6a [numer. vi] beginnt das argumentum Andriae Terentianae. Bl / a 
[Sign b. numer. z-ii] Text: ANDRIAE PROLOGyS. , (p OETA quü primum animum \\ etc. 
Kommentar: AELII Donati grammatici: nee non Guidonis luuenalis Cenomani in Sex. Pub. 
Terentii Afri. Comoedil|as interpretatio || etc. Bl 236a [numer. ccxxxvt]: Venetiis per La- 
zarum de Soardis: qui obtinuit a Dominio Veneto q, nullus possit | imprimere nee imprimi 
facere in eorum dominio sub poena ut patet in suis ; priuilegiis. Die. VII. Nouembris. 
MCCCCXCIX. Laus Deo. Finis. Darunter 6 Distichen ad lectorem und das Druckerzeichen. 

236 Bl mit Sign [a—fi, gi, h—z, A—Qi, R2, numer. ii—ccxxxzi], Text in grosserer Schrift 
vom Kommentar umgeben, letzterer 60 Zeilen, Marginalie, römische Schrift mit Ausnahme des Titels, 
der in goth. Schrift gedruckt ist. 

Wusbaden LB. (Aus Notgottes, vorher in Johannüberg.) 

668 Textor, Guillermus, de Aquisgrano: De passione Christi sermo. 
Anselmi dialogus de passione Jesu Christi et beatae Mariae virginis. Bernardi 
tractatus de planctu heatae Mariae virginis. Basileae, s. t., [c. 1487.] 4«. 

Voullieme mg. 

Weilburg. (Aus Eberbach.) 

Textus sequentiarum s. Sequentiae. 



— 92 — 

669 Theobaldus Episcopus : Physiologus de naturis duodecim animalium. 
Coloniae, Henricus Quentell, [löuO]. 4*'. 

l8 Bl, El i8 Utr. 

Wusbaden LB. (Aus Afartensia/t.) 

670 Theocritus: Idyllia et alia aliorum carmina. graece. Venetiis, 
Aldus Manutius. 1495. '2'\ 

Ham- Ccpin^er '154//. 

IViestadm LB. [Aus Herhcm HSch.) 

671 Theodulus: Ecloga. Coloniae, Henr. Quentell, 1495. 4". 

Hain '15486. 
Limburg. 

Theramo s. Jacobus de Theramo. 

672 Thomas de Aquino: Catena aurea s. Continuum in quattuor Evan- 
gelistas. [Augustae, Günther Zainer, 1472.] 2o. 

Hain *1328. Pellecket gj2. Procter IS55- 
iViesbaJen LB. 

673 Thomas de Aquino: Commentaria in omnes epistolas Pauli. 
Basileae, Michael Furter, 1495. 2«. 

Hain-Ccpinger */JJ9. Pellechet g42. 
Herbom ß/8. [Aus Amstein.) 

674 Thomas de Aquino: De arte et modo praedicandi. [Daventriae, 
Jac. de Breda, c. 1499.] 4'\ 

Hatn-Copin^er I2S4- Campbell i66/. Pellechet g68. 
Bl II ohne arbar. 
IVtesbaäen LB. 

675 Thomas de A(|uino: De quidditate et efficacia eucharistiae sive 
de corpore Christi cum Nicolai de Lyra dictis de sacramento et expositiones 
orationis dominicae, [Coloniae, Henricus Quentell], s. a. 4**. 

Hain-Copinger *ij/0. Pellechet gSo. Praetor 1445. 
Wiesbaden LB. {Aus Notgottes, vorher in Marienthal.) 

676 Thomas de Aquino: De veritate catholicae fidei contra errores 
infidelium s. Summa cathoHcae tidei. [Argentinae, typogr. Henrici Ariminensis], 
s. a. 2*^. 

Hain "i^SS. Pellechet g86. Proctor 322. 
Wiesbaden LB. 

677 Thomas de A(|uino: Opuscula. Venetiis, Hermann Liechtenstein, 
1490. 40. 

Hain-Copinger *I54T. Pellechet lOgj. 
Limburg. [Aus Notgottes.) 

678 Thomas de Aquino: Quaestiones de potentia Dei. Coloniae. 
Henricus Quentell, 1500. 2". 

Hain-Copinger *i4i8. Pellechet loi/. 
Limburg. 



- 93 - 

679 Thomas de Aquino: Summa de articulis fidei et ecclesiae sacra- 
mentis. [Moguntiae, Petrus Schüffer], s. a. 4^, 

PelUchet 1024. 

WusbaJea LB. {Aus Notgottes, zorhrr in Johannisberg.) 

680 Thomas de Aijuino: Summa de articulis tidei et ecclesiae sacra- 
mentis. [Parisiis, Simon Doliatoris?], s. a. 

Coping<r II, 1 No 5 60. Pellecket IO25. Praetor 84/6. 
Limburg. {Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 

681 Thomas de Aquino: Scriptum super tertio sententiai-um. Venetiis, 
Hermann Liechtenstein, 14:90. 2^. 

Hain-Copinger *l48o. 

Herbom 8lJ. {Aus Herbom HSih.) 

682 Thomas de A<iuino: Scriptum super quarto sententiarum. Venetiis, 
Bonetus Locatellus, 1497. 2'J. 

Hain-Copinger *I485. 
Limburg. 

683 Thomas de Aquino: Summa theologica. Basileae, [Michael 
Wenssler], 1485. 3 Bde 2o. 

Hain-Copinger "^1434. Pellechet 1033. Prodor /§o6—/£o8. 

Bl ip-o Z 56 : muss es statt quadringetesimoquinto, zvie Hain hat, quadringetesimooctui- 
gesimoquinto heissen. 

Limburg: nur Bd i u. 3. {Aus HaJamar.) 

684 Thomas de Aquino: Summa theologica. Norimbergae, Antonius 
Koberger, 1496. 3 Bde 2°. 

Hain-Copinger *I436. Pellechet 1035. 

IViesbaJen LB. 

Limburg: nur Bd i und 2. {Aus Limburg.) 

685 Thomas de Aquino: Summae theologicae partis secundae pars prima. 
Venetiis, Franciscus Renner et Petrus de Bartua, 1478. 2". 

Hain-Cotinger *I448. Pellechet IO41. 
Herbom in ißSß. {Aus Sayn.) 

686 Thomas de Aquino: Summae theologiae secundae partis pars 
secunda. [Moguntiae, Petrus Schöffer de Gernsheim, 1467]. 2o. 

Auf Pergament, die bei Hain ^1459 angegebene Schlussschrift fehlt. Rubricirtes, sehr gut 
erhaltenes Exemplar. 
Pellechet 104g. 
Wiesbaden LB. 

687 Thomas de Aquino: Summae theologicae pars tertia. Venetiis, 
Bernardinus Stagninus de Tridino de Monteferrato, 1486. 2"^. 

Hiin-Copinger *I470. Pellechet 1060. 
Herborn. {Aus Herborn HSck.) 

688 Thomas de Argentina: Scrij^tum super quattuor Ubris senten- 
tiarum. Argentinae. Martinus Flach, 1490. 2o. 

Pellechet 1164. 
Wiesbaden LB. {Aus Schönau) 



— 94 — 

689 Thomas Cantipratensis: Bouum universale de proprietatibus apum 
[Coloniae. 1470—75], 2'^. 

Bl 1 fehlt. Bl 2aa: Incipit liber qui dicit' bonü '| vniüsale de ppetatibus Apum. || 
fEueredo in xpo pa tri frat' hüberto ma gistro ordinis pre dicatorü. ftc. Bl /j6aa Z 21: 
Explicit Über apü q dicit bonü vniüsale quia de prelatis et sub ditis tractat de quo sit 
deus bn dictua i secula Amen. Bl i^/ba: Principia singulorü capitu:|lov etc. Bl ißgaa: 
Tabula psentis libri bm al phabeti ordine kipit feliciter \\ etc. Bl i6£ba Z 30 : Explicit 
tabula. Amen. Bl 166 fehlt. 

166 Bl ohne Sign [// Lagen: / — /J5, 16 S, 14, i^, 7/4] 2 Spalten, J5 Zeilen, goth. Schrift, 
eine Schrift grosse. 

Copinger II, I iVo. I2l8. 

Wiesbaden LB. [Aus Notgottes, vorher in fohannisberg). 

690 [Thomas a Kempis]: Imitatio Christi. Venetiis, Petrus Loeslein, 
1483. 4'\ 

Hain-Copin^er go8£. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

691 Thucydides: Historia belli Peloponesiaci latine a Laurentio 
Valla facta. [Tarvisii, Johannes Rubeus, 1485]. 2^. 

Hain-Copinger *rߣir. Praetor 6^00. 
IViesbaäen LB. {.4us Herbom HSch.) 

692 Tinctor, Nicolaus: Dicta super summulas Petri Hispani. Reut- 
lingae, Michael Greyff, 1486. 2". 

Hain-Copinger *iß^28. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

Torrentinus s. Hermannus Torrentinus. 

693 Tractatus de fraterna correctione. [Coloniae. Arnoldus ter Hoer- 
nen, 1471]. 

Hain-Copinger *ß/6o. Praetor g/3. 
Limburg. [Aus Notgottes.) 

Tractatus de moribus Turcorum s. Georgius de Ungaria. 

694 Trittenheim, Johannes : Catalogus illustrium virorum. [Moguntiae, 
Petrus de Friedberg, 1495]. 4». 

Hiin *l^6l£. Praetor l/g. 
Wiesbaden LB. [Aus Schönau.) 

695 Trittenheim. Johannes: CoUatio de republica ecclesiae. [Mo- 
guntiae, Petrus de Friedberg. 1493]. 4*^. 

Hain-Copinger */^62g. Praetor l/l. 
Wiesbaden LB. [/ius Schönau.) 

696 Trittenheini, Johannes: De cura pastorali. Moguntiae. Petrus 
de Friedl)erg. [1496.] 4". 

Bl la Titel: De cura pastorali. Oratio jo-] annis tritemij Abbatis span- hemensis 
habita in selgenstat in prouinciali capitulo. Anno M. cccc. xcvj. Bl ib leer. Bl 2a \^Stgn 
Aij\: Oratio de cura pastorali. joan nis tritemij abbatis spanhemensis habita in capitulo 
ge Inerali in selgenstat prima die mensis MaSj. Anno diii |] M. cccc. xcvj. Bl ga Z 28: 
Finis orationis de cura pastorali Joannis tritemij ab- batis spanhemensis ordinis diui patri3 
benedicti : ha- bite p eum in capitulo generali abbatum prouincie ma- guntine et diocesis 



— 95 — 

bambergensis: jn cenobio Seigen-; statensi. Anno dHi M. cccc. xcvj. prima die menb maij. |] 
Impresse maguncie p Petrü de Friedbergk. icl. Bl gb leer. Bl lo JehU. 

lO Bl mit Si^n [/f 5], 2^ Zeilen, goth. Schrift, 2 Schrißgrössen. 

Hain 1562/. 

Limburg. (Aus Limburg^ 

Wiesbaden LB.: 2 Exemplare, aus Schönau und aus Notgottes [vorher in Johannisberg.) 

697 Trittenheim, Johannes: De laude scriptonim. Moguntiae. Petrus 
de Friedberg, 1494. 4«. 

Hain *i£6r/. 
Wiesbaden LB. (Aus Schönau.) 

698 Trittenheim, Johannes: De laudibus ordinis fratrum Carmelitarum. 
Moguntiae, [Petrus de Friedberg, 1494]. 4".* 

Hain* 15628. 

Wiesbaden LB. {Aus Schönau.) 

699 Trittenheim, Johannes: De laudibus S. Annae. Moguntiae, 
Petrus de Friedberg, 1494. 4». 

Hain ^/S^JJ- Titel rot. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

700 Trittenheim. Johannes: De operatione divini amoris. [Moguntiae, 
Petrus de Friedberg, 1497J. 4«. 

Hain-Copinger * 15636. Praetor 186. 
Wiesbaden LB. [Aus Schönau.) 

701 Trittenheim, Johannes: De proprietate monachorum. Moguntiae. 
Petrus de Friedberg, 1495. 4°. 

Hain-Copinger *i56ig. 
Limburg. [Aus Limburg.) 
Wiesbaden LB. {Aus Schönau.) 

702 Trittenheim. Johannes: De scriptoribus ecclesiasticis. Basileae, 
[Johannes de Amerbach], 1494. 2**. 

Hain-Copinger *i56ij. Proäor /6oi. 
Wiesbaden LB. [Aus Herborn HSch.) 

70.3 Tritten heim, Johannes: De statu et ruina monastici ordinis. 
[Moguntiae, Petrus de Friedberg, 1493.] 

Hain-Copinger * 15 6 2 4. Praetor i6g. 
Wiesbaden LB. [Aus Schönau.) 

704 Trittenheim, Johannes: De vanitate et miseria vitae humanae. 
Moguntiae, Petrus de Friedberg, 1495. 4^ 

Ha in - Copinger *I5 6j5 • 
Wiesbaden LB. (Aus Schönau.) 

705 Trittenheim, Johannes: Institutio vitae sacerdotalis. [Moguntiae, 
Petrus de Friedberg, c. 1494]. 4». 

Hain *i562r. Praetor t;'4. 
Wiesbaden LB. (Aus Schönau.) 



— 96 — 

706 Trittenheim, Johannes: Oratio de duodecim excidiis ubservantiae 
regularis. [Moguntiae. Petrus de Friedberg, 1496J. 

Hain-Copinger ^J^öj;". Praetor 1S4. 
Limburg. (Aus Umintrg.) 
IVifsbaJen LB. [Aus SchiJKau.) 

Turrecremata s. Johannes de Turrecremata. 
Türe US, Magnus: Mahomet IL 
Ubaldis, s. xA.ngelus de Ubaldis. 



üngaria s. •! 



Georgius de üngaria. 



Michael de üngaria. 
Utino s. Leonardus de Utino. 

707 Valerius Maximus: Factorum dictorumque memorabilium libri 
novem. Moguntiae, Petrus Schöffer. 1471. 2", 

Hain-Copinger *i^//4. 
Wiesbaden LB. 

708 Valerius Maximus: Factorum dictorumque memorabilium libri no- 
vem. Venetiis. Dionysius et Pelegrinus, 1485. 2*. 

Hain-Copinger *i^/8/. 
IVeiJburg. (Aus Idstein, Gymn. Bibl.) 

709 V'egius, Maphaeus, Laudensis: Philalethes. [Argentiuae. Henricus 
Knoblochtzer], s. a. 4o. 

Hain-Copinger *i£g26. Praetor j68. 

14 Bl '2 La^en: n, 2 3], das 'rste Bl leer. 

Weilburg. {Aus Amstein.) 

Verdena s. Johannes de Verdena. 

710 Vergilius: Opera cum Servii, Donati, Landini atque Calderini 
commentariis. Venetiis, Lazarus de Soardis de Saviliano, 1491. 2^. 

Bl I U.2 enthält du Tabula. Bl Sa: MARONIS VITA [j (v)IRGILIVS MARO parentibus 
modicis fuit: & precipue patre Marone: quem qdam j etc. Bl g a \Sign a, numer. /] Text: 
Publii Virgilii Maronis Bucolica. aegloga pri- ma. Inter locutores Meliboeus: Sc Tityrus 
amici. , ME 1 [jITYRE TV PATVLAE || recubans sub tegmine fagi ij etc. Kommentar: 
(t)ITYRE tu patulae : PASTOR inducitur securus : & dare operam cätilenae sub arbore 
re- cubans: etc. Bl Jja \Sign d, numer. 25] Text Z 6: P. Virgilii Maronis Georgicorum 
liber primuS. || etc. Bl S/a {_Sign l, numer. /g] beginnt das erste Buch der Aeneide. Bl J2J 
[numer Ji^] b: Ad Lcctorem. En tibi candidissime Lector Publii Virgilii Maronis opera: 
cum Seruii Mauri Honorati grämatici: Aelii \\ Donati: Christophori Landini: Atque Domitii 
Cal- ;derini: " Ccmentariis: Impensis atque diligentiori cura Lazari de Sauiliano impressa 
Venetiis: Anno natalis domini. M. cccc. Ixxxxi. Tertio Nonas Januarii. ij Dann folgt das 
Registntm. Darauf: LAVS OMNI POTENTI DEO. FINIS. ;| Darunter das Druckerzeichen. 
Bl 324 leer. Bl 2^5'^ [^i?^ Pt numer. J/6] a: Maphei Veggü Laudensis poetae Clarissimi || 
Liber Tertius decimus Additus Duodecim. , Aeneidos Libris. Am Ende fehlen 5 Bl, 

356 Bl mit Sign [/, a—ii, l—z, &, 3, fH, A—.\\ P, Q, 4, k, R, Si, T^\ mU Blatttahlen und 
Kustoden, Text 43, Kommentar 62 Zeilen, röm. Schrift, Text in grosserer Schrift vom Kommentar 
um^fben. 

Hadamar G. 



— 97 — 

711 Vergilius: Opera cum iiiterpretationibus Christo[)hori Laiidini. 
Veiietiis, Liga Boaria, [14'Jl.J 2o. 

Praetor 5356. 

Das Exemplar ist defekt und nicht mehr ^etiau zu beschreiben. 

Limburg. 

712 Vergilius: Opera cum commentariis Servii. Venetiis, Thomas de 
Blavis de Alexandria, 1484. 2o. 

Copinger Incunabula Virgtliana [= Trausaciions of the Bibliographical Society Vcl. II Part II 
London i8g£\ No £g. 

Weilburg. [Aus iVolgottes.) 

713 Versor, Johamies: Quaestiones super libros etliicorum Aristotelis. 
Coloniae, Henricus Quentell, 1491. 2''. 

Hain *i6ojJ. 

Limburg. (Aus Limburg.) 

714 Vincentius Bellovacensis: Speculum doctrinale. [Argentinae, 
typogr. singularis R, c. 1473.] 2^, 

VouUieme 1200. Die Type ist übrigens halbgothisch und nicht römisch, 2 Spalten, 6/ Zeilen. 
Proctor 252. 

Wiesbaden G. K g4. [Aus Idstein Gymn. Bibl.) 

715 Vincentius Bellovacensis: Speculum doctrinale. Norimbergae, 
Anton, Koberger, 1486. 2o. 

Voul Herne 1201. 

Wetlburg. {Aus Deuiz.) 

Wiesbaden LB: Es fehlen die 2 ersten Bl. 

716 Vincentius Bellovacensis: Speculum historiale. Argentinae, Job. 
Mentelin, 1473. 4 Bde 2'\ 

VouUiime 1202. 

Mit gemalten Initialen, 

Weilburg. 

in Vincentius Bellovacensis: Speculum historiale. [Augustae, in 
Monasterio SS. Ülrici et Afrae], 1474. 2'>. 

Beschreibung s. Dziatzko, K., Über InkunabelnkataLgisierung in Sammlung biblio'hekswissmsch. 
Arbeiten hrsg. v. Karl Dziatzko Heft lO. Leipzig i8g6, S. 128 f. Proctor /6jg. 
Wiesbaden LB: nur Bd j. (.tus Marienstatt.) 

718 Vincentius Bellovacensis: Speculum historiale. Xorimbergae, 
Antonius Koberger, 1483. 2». 

VouUieme 12 OJ. 

Weilburg: j Exemplare, das eine aus Limburg, die beiden anderen aus Deutz, das eine mit 
eingemalten Initialen und dem Vermerk eines Lesers am Ende, dass er von i^iS—lS-3 '^" 'i'f* Werke 
gelesen habe. 

719 Vincentius Bellovacensis: Speculum morale. Norimbergae, Anton. 
Koberger, 1485. 2». 

VouUieme 120^. 
Weilburg, {Aus Deuiz.) 

7 



— 98 — 

720 Vincentius Bellovacensis: 6peculum morale. Venetiis. Hermann 
Liechtenstein, 1493. 2". 

Bl la Tiid: Speculum Morale Uincentü. El iba: Tabula Index in opus Spe-|;culü 
Bcilic? Morale Uincentü ; etc. Die Talula mdi^-t Bl 3bf,. Bl 4a [S!^n a\ num. 4]a: Speculi 
Moralis Vincentii Liber primus incipit feliciter. C De Operü Humanorü Necessitate. 
DISTIN, .1. ' [IN omni- bus ope- ribus tuis memora-' re nouissima tua: et j| in eternü non 
pecca- bis. rtc. ß/ 26^l>? cm Ende: Opus preclarü Qd' Speculü morale intitulat: ab egregio 
doctore Uincentio alme Beluacensis ecclesie presule: ac sancti dnici ordi- nis professore: 
editu?: feliciter fir.it. Impensis qi : cura non me diocri Hermäni liechtenstein coloniensis: 
emendatior.e diligentis- jsima Impressum Anno Salutis. M. cccc. Ixxxxiij. pridie kal'. octo!;bris 
Uenetijs. Laus Christo. Bl 266 fntkäli das Registrum. 

266 Bl mU Sign [fl— «, I, 0, f, aa—ff^, ggi] und Blattzahlen [2—266], 2 Spalten, 74 Zeilen, 
goth. Schrift, 2 Schrißirössen. 

IViesbaden G. K 92. (Aus Idstein Gymn. Bibl.) 

721 Vincentius Bellovacensis: Speculum monile, s. 1., t., a. [nicht 
später als 1478]. 2". 

Bl laa: Sequit' tabula breuis alphabetica | demösträs quoto libro quota Par |te quotacj 
distinctione. queqi i hoc volumine principaliter tractata in ueniri debeant || etc. Bl jba 
unten: Explicit tabula moraliü vincentij. Bl 4aa: Speculi moralis dni vicentij doctoris 
egre 'gij ordinis aüt pdicatof in quo raoraliter : [] pulchre narrantur omni statui cöuenientia || 
liber pmus incipit feliciter. ;N Omnibus operi bus tuis meorare \\ etc. Bl Soiaa Z 55 : 
vü secula benedictus deus •:• ;! Speculum Morale Finit. 

Der Rubrtkator bemerkt am Schluss: Anno dni Mo, cccco. Ixxviijo. 

507 Bl ohne Sign, 2 Spalten, £8 Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Weilburg. 

722 Vincentius Bellovacensis: Speculum naturale. [Argentinae, 
typogr. singularis R, 1473]. 2 Bde 2". 

Bd I. Bl lao.: Incipit speculü naturale Vincentij beluaceL. '[ fratris ordinis pdicatorum. 
Et primo plogus d' causa suscepti opis et eius materia Primü. \ ( Voniä ml'titudo li|;brorum: || 
Et tempis , breuitas: memorie J etc. Bl j3ß Z 54: ceptönibus incioamus. || .xxj. Continetia 
et capitula libri primi |1 etc. Schluss des Registers Bl 20bo. Z 42. Bl 21 aa: .1 De diuersis 
müdi acceptionibus. Ex ji libro qui dicitur imago mundi. |l ()Vndi factura quinlcj modis 
describi't: letztes Bl J^jb^ enthält den Anfang von Kap. Ixxxij des 18. Buches, das Übrige fehlt. 

Bd 2: Bl laa: .xxxix. Continentia libri deciminoni. || (lEcimus nonus liber incipit 
age-|!re de opcre sexti dici hoc est de ;; animalibus terrestribus & pri mo de iumentis siue 
pecoribus ,| & armentis. Continet autem :[ xcviij. capitula. vt sequi videris. |1 etc. Die 
Tabula schlUsst Bl 8b(x Z 25. Bl gaa: .']. De opere sexte diei. Et primo de animajübus. 
Guillerinus de conchis. |j (;i3cibu8 itacj et :| auibus effectu i superio^« ex aq '| creatis: vbi 
fuit II etc. Bl j2Sba Z 26: perstricta sunt, sed latiore in fine speculi hysto-j rialis. ppates- 
cunt. Amen. Bl 326 [leer?] fehlt. 

Bd I r Bl. Bd 2 : 326 Bl, 2 Spalten, 66 Zeilen, halbgoth. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Praetor 255. 

Weilburg. 

723 Vincentius Bellovacensis: Speculum naturale. [Xorimbergae, 
Antonius Koberger, i486.] 2'>. 

Voulliime 1206. Praetor 2056. 
Wiesbaden LB. {Aus Deutz.) 

724 Vincentius Fenrerius: Sermones de tempore et de sanctis. 
Argentmae, [s. t.j, 14S8-1489. 3 Bde 2*). 

Ham-Copinger "/OOS^ 
Limburg: nur Bd i und 3. 



— 99 — 

725 Vincentius Ferrerius: Öermunes de tempore et de bunctis. 
Coloniae, s. t, 1485. 3 ßde 2o. 

Hain */OOl. Voullume 12 lO. 

Limburg: nur BJ I und J. 

Wiesbaden LB: nur Bd J. [Aus Sayu.) 

726 Vincentius Ferrerius: Tractatus de interiori homine formativus. 
Magdeburgi, Mauritius Brandis, 1493. 4o. 

Hain-Copinger /024. 

El 20 Z J5 steht nicht, wie Coßinger angiebt, catkalogo sondern richtig cafhalogo, es ist dasselbe 
dem k sehr ähnliche h wie sonst. 
Limburg. [Aus Limburg.) 

Viola sanctorum s. Martyrologiura. 

727 Vitruvius: De arcliitectura libri X. Acc. Sexti Julii Frontini de 
Aquaeductibus, Angeli Policiani Panepistemon, eiusdem Lamia. Florentiae, 
[Antonius Francisci], 1496. 2^ 

Bl la: Hoc in uolumine haec opera continentur. || L. Vitruuii Pollionis de Architectura 
libri decem. |j Sexti Julii Frontini de Aquaeductibus über unus. || Angeli policiani opus- 
culum: quod Panepistemon inscribitur. i| Angeli Policiani in priora analytica praelectio, || 
Cui titulus est Lamia. Bl ib Index. Bl 2 {Si^ A(i)\: L. VITRVVII POLLIONIS AD 
CAESAREM AGVSTVM[I] DE || ARCHITECTURA LIBER PRIMVS. ,[ i;Vum diuina 
mens tua: & numen Imperator Caesar imperio po 'tiretur etc. Bl 64a endigt Vitruvius. Am 
Ende: Florentiae Impressum anno a natali christiano. M. cccc. Ixxxxyi. Bl 64b und ^4b 
leer. Bl 8 sß fehlen. 

? Bl mit Sign [Ai, B—/i, K, L^, aai, bb^, ai,b2 , . .], 44 Zeilen, röm. Schrift, eine Schri/tgrösse. 

IVeilburg. 

728 Vocabularius breviloquus. Argentinae, [typogr. Jordani de Qued- 
linburg a. 1483], 1489. 2o. 

Bl la Titel: Vocabularius breuiloquus cum arte | diphthögädi. püctandi et accen- 
tuandi. Bl ib Z i: Sunt qui sibi iam plurima comparare uo jlumina statuerunt. etc. Bl 2a 
ySig Aa 2]a Z i: Gnarin9 [!] Ueronensis Floro suo salute plu|rimam dicit I| (n)On sine 
cau|'sa factü esse certo scio q> |! diphthonganda voca- bula scire te velle Intel-! ligo. 
quoniam ei rem ; \\ ad ortbographiaj recte |j scribedi formulä ptine re. ; nö puü legedi docu- 
mentuj pstare posse ;j cognoris etc. Bl / a [Signa^aZi: Incipit Breuiloquus vocabularius. |( 
QA .a. do||mine de[|us ecce nescio loljqui. qi puer ego jj sum. Hiere. pri mo. Licet istud '| 
verbü etc. Bl ^2ib^ Z j8: Finit vocabularius Breuiloquus. tri- plici alphabeto diuersis ex 
autoribD nec-j non corpe vtriuscp iuris collectus ad lati num sermone capessendü vtinisim9. 
Im|!pressus Argentine Anno dni. M. cccc. || Ixxxix. Finitus in die sancti Leonardi. Bl J22 
[leer?] fehlt. 

322 Bl mit Sign [Aa2, a—d4, ei, f—g% A3, i—ki, l3, m—n^, ol, p'>, q3, r\, sl, t *, v3, 
xi, y3, j4, Ai, B\ C—E3, F\ G—Hi, /4, K'—Li, M*, M3, Oi, Fi, Q^, B—S3, Ti, U3, A'4, >'j] 
2 Spalten, 5J Zeilen, goth, Schrift, Anfangszeilen in grosserer Schrift. 

Praetor 6^3. 

Limburg. [Aus Rommersdorf) 

729 Vocabularius breviloquus. Argentinae, [typogr. Jordani de Qued- 
linburg a. 1483], 1493. 2o. 

Bl la Titel: Vocabularip breuiloqu9 cü arte dipthon"gand!. punctandi. et accentuandi. 
Bl ib: Sunt qui sibi iam plurima comparare uo lumina statuerunt a quoy profecto lectöe 
sepius dictionü auertit ignorantia. fastiditqr !| etc. Z 2g: coniugationis. Et sie de alijs. |' 
In psenti libro otinentur ;j Item ars dipthongacdi Guarini Veronensis Item cöpendiosus 
dialog9 de arte punctandi. || Item tractatus vtilis de accentu. Item Breuiloquus voca- 



— 100 — 

bularius. Bl 2 i [Si^ .-/j .'] a; Guarinus Veronensis Floro suo salute plurimam dicit. || 
I On sine cau- sa factü esse certo scio q, di- pthonganda vocabula sei- re etc. Bl /« 
\Sign j] a." Incipit Breuiloquus vocabularius. ( A .a. do- mine de9 ecce nescio loq. qa | 
etc. Bl J2ili^ ^36: : acuit penl . Finit vocabuIari9 Breuiloqu9 triplici al phabeto diuerb 
ex autoriba. necnon corpore vtriuscy iur] colIect9 ad latinü bmone capes sendü vtilissim9. 
Impressus Argentine An- no dni. M. cccc. xciii. Finit9 sexta feria post , festum Erhardi 
episcopi. Bl J2a leer. 

J22 Bl [Aai, a—d*, ei,f—g\, hl, i—k»,, li, m—n^, oi, /4, <jl, r4, sl, /4, vi, x—z^, Ai, 
B\, C—£i, f\, G-Hl, /4, K—Ll, M\ N~Pl, Q\, R—Sl, T^, V\ A'4, Ki), 2 Spalten, 
^2 Zeüm, goth. Schr-.ß, Anfangszeilen in passerer Schrift. 

Limburg. (.4tts RiymmersJorf.') 

Weilburg. {Aus Sckönau.) 

730 Vocabularius brevilonuus. Basileae, [Johannes de Amerbach], 
1482. 2'>. 

Voullieme 1218. Praetor /S64. 
IVeüburg. yAus Eberbach.) 

731 Vocabularius breviloquus. Basileae, Nicolaus Kesler, 1486. 2^. 

Voullieme 1220. 
Weüburg. 

732 Vocabularius breviloquus. [Coloniae, Conradus Winters], s, a. 2«. 

Das Exemplar ist am Anfang und Ende verstümmelt und lässt sich nicht genau beschreiben. 

Praetor I183. 

Weilburg. 

733 Vocabularius de partibus indeclinabilibus. [Argentinae, typogr. 
Jordani de Quedlinburg a. 1483, 1491.] 4". 

Bl la Titel: Vocabularius de par- tibus indeclinabilibus. Bl ib Vorrede, die mit Z j2 
endigt: liquit iuditio discuciendum. Vale. Bl 2a [Sign aij\: Vocabularius de partibus )| 
indeclinabilibus. C Um tepusculo brumali multe lucubratio- nis nisu vscp ad conticiniü 
ferme apponas- sem. in letheum tandfem soporem hirciscj o- perimen receptantib9 artus 
perduxL Dücj etc. Bl 2b beginnt der Text: lAiBs et ab ex e die vnum significare. Ab 
qq5 vo cales e querunt a c^ sonantes. Unde hec pre positio etc. Bl 63b Z i£ : Vulgariter 
id est vulgo id est communiter vbicp. Ij il)stas siquidem indeclinabilium scaturigines sej |cun- 
dum veram totius latinitatis normam pro jlatas. ^/ir. Z 24: diuecy virginis gloriam et honorem 
Amen. Finis vocabularij. Bl 64 leer. 

64 Bl mit Sign [(Z 4, b — ;3, ^4], J2 Zeilen, goth. Schrift, 2 Schriftgrössen, eingedruckte Initialen. 

Praetor 664. 

Weilburg. 

734 Vocabularius ex quo. [Argentinae, typogr. Henrici Ariminensis], 
s. a. 20. 

Bl I leer. Bl 2a: ()X quo vocabularij autentici. videlicet Huguicio Katholi-I'con 
Breuilogus Papias alijc? Codices sunt I compatöe ' pciosi. in collectöne prolixi. et in intellectu 
obscuri/ et in numero multi ita vt pauperes scolares eosdem defacili i p pre cio com- 
petenti röne eorum paupertatis habere ac sibi pcurare | non valeant. etc. Bl 150b Z 16: 
ms Zosimus .id est viuax vel viuidus \ DEO. GRATIAS. Bl ißi leer. 

l£l Bl ohne Signaturen, 40 Zeilen, goth. Schrift, eine Schriftgrösse, das A tu Beginn des Textes 
auf Bl la ist eine Holzschnittinitiale. 

Praetor 328. 

Weilburg, (Aus Limburg.) 

735 Vocabularius ex quo. s. L, t., a. 4°. 

Bl la: Incipit vocabulari9 que ex^ nücupam9. || QX quo vocabularij varij autetici \\ 



— 101 — 

videlic? huguicö katholicon bre uilogq papias alijcy Codices süt !| in opacöe pciosi : in col- 
lectiöe p lixi : itellectione obscuri. : in nuo multi: ita | q. paupes scolares eosdc de facili 
I p precio I| cöpeteti ac racöe eoy pauptatis sibi pcurare nö valeät. B/ --5* Z 36: 
.n. ////////// cav Cü aliqd capio. 

225 ß/ ohm Siptaiurett, 26 Zilien, gotk. Schrift, eine Schriftgrösse. 

Das letzte Blatt ist beschädigt. 

Limburg. 

736 Vocabularius iuris utriusque. Argentinae, [typogr. Jorduni Je 
Quedlinburg a. U83], 1490. 2°. 

Bl la Titel: Vocabularius utriuqs^ [!] iuris. Bl ib leer. Bl 2a \Sign a^j q 7. i : fq) 
Voniaj iu||ri operam |i datuy pri9 nosse opor tet vn nome iuris de-| scedat. ff. de iusti i 
iu-|ire etc. Bl I2gb^ iim Schlüsse: Explicit vocabularius iuris Impres- sus Argentine pro 
cömuni omniü vtilita' te t faciliori aditu ad vtriusc^ iuris notici,iam. Anno dni. M. cccc. xc. 
Finit9 in pro- |festo sancti Michaelis. Bl ijo leer. 

IJO Bl mit Sign [a4, bl, ^4, di—ti, v3, xi], 2 Spalten, 52 Zeilen, goth. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

Praetor 656. 

Wiesbaden LB : J Exemplare, aus Arnstein, Deutz und Marienstatt. 

737 Vocabularius iuris utriusque. [Basileae, Michael "Wenssler], s. a. 

Bl laa: ()Voniä iuri operam [ datuy prius nosse ! oportet vnde nome \ iuris des- 
cedat. ff. i] Bl 66b leer. Bl 102 leer. Bl i^ib leer. Bl i6oa'^ Z iß: Finit vocabularius ;| 
iuris vtriuscj. Bl 160 b leer. 

160 Bl ohne Signaturen, 2 Spalten, 46 Zeilen, goth. Schrift. 

Praetor /4//.? 

Wiesbaden LB. (Aus Ehrenbreüstein.) 

738 Vocabularius iuris utriusque. [Coloniae, Ludovicus de Renchen], 
1483. 20. 

Bl I leer. Bl 2a \Sign a if] a Z /: Incipit vocabulari9 iuris vtriuscp ;I |]Uoniam iuri 
ope'ram daturum prius nosse oportet vn-pde nomen iuris descendat. ff. de iust. et etc. 
Bl ig/b^ Zig: Uocabularius vtriuscj iuris alpha betice ordinatus tercio kalendas Octo bris 
explicit felicit' Anno dni m. cccc. || Ixxxiij. impressus. ; Protestatur huius operis director. 
al{ legata non vti iurista perlustrasse: sed tä |^ theologie alumn9 ex orthographia : gräma- 
tica positiua q: plura emfedasse. |i qua emulorum ora compescere arbitra- tus est. Bl ig2 leer. 

ig2 Bl mit Sign [a—t, v — z, I4], 2 Spalten, 42 Zeilen, goth. Schrift, 2 Schriftgrössen. 

Praetor 1283. 

Limburg. {Aus Limburg.) 

739 Vocabularius optimus s. Gemraa vocabulorum. Daventriae, 
Richardus Pafraet, 1495. 4°. 

Campbell ^8l. 
Limburg. 

Vo ragine s. Jacobus de Voragine. 

740 Wernerus: Liber deflorationum seu excerptorum ex diversis 
patribus. Basileae, [Johannes de Amerbach], 1494. 2o. 

Hain-Copinger *i6lS8. Praetor /604. 
Limburg. {Aus Hadamar.) 

[Wimpheling, Jacobus: Oratio querulosa contra invasores sacerdotum. 
s. 1., t, a. 4".] 

Hain *i6ig2. Nach Praetor kein Druck des i£. Jahrh. 
Limburg. [Aus Notgottes, vorher in Johannisberg.) 



— 102 — 

741 TVolfram von Eschenbach: Titurel. [Strassburg, Joh. Mentelin], 
1477. 20. 

Ham-Ccpin^er *6683. Froctor 31/. 

Am Ende bt schädig. 

WUsb^den G. A IL (Aus Idstfin Gymn. Biil.) 

742 Wolfram von Eschenbach: Parzival. [Strassburg, Joh. Mentelin], 
1477. 20. 

Hain-C^pinger *6684. Proct-yr 2l6. 

Am Anfang sind die ersten 20 Bl beschädigt. 

Wiesbaden G. A 11. {Aus Idstein Gymn. Bibl.) 



NACHTRAG. • 

743 Antoninus Florentinus: Summa theologica. Spirae, Petrus Drach, 
1487—88. 4 Bde 2o. 

Hain-Copinger *I24/. Praetor 2^6 g. 
WUsbaiün LB : Nur Bd IL {Aus Monlabaur.) 

74A Augustinus, S. Aurelius: De doctrina christiana s. de arte prae- 
dicandi. Moguntiae, Joh. Fust et Petrus Schöffer, s. a. 2". 

Hain */gS/- Praetor 70. Pelleehet 14/3. 

Das Fust-Schöffersehe Druckerzeichen ist, obgleich Roth [Studien u. Mitteilungen aus dim Bene- 
dictiner- u. Cistercimser- Orden Jahrg. pr Bd I S. 4jy) es behauptet, in dem vorliegenden Exemplar nicht 
vorhanden. Beachtenswert ist das Vorwort, in dem es heisst: Feci ergo deo teste magnam pro eius correctione 
diligentiam itaque omnia exemplaria, quae in studio Heydelbergensi necnon in Spira et in Wormacia 
atque tandem etiam in Argentina in vllis librariis reperire potui, diligenter proinde respexi. Ei cum inter 
haec experimento discerem, quod idem liber Augustini raro invenitur, etiam in magnis et preciosis librariis 
et adhuc rarius de ullis ex eisdem librariis ad rescribendum poterii haberi atque etiam, quod peius est, 
rarissime correctus sive emendatus inibi queat reperiri, idcirco permotus fui ad hoc studiosius laborare, ut 
secundum exemplar meum tanto nunc studio et labore quantum saltem potui correctus dictus libellus sie 
et taliter in brevi tempore multiplicari passet, ut ad plurimorum usum et ad communem profeetum 
eeelesiasticum facUe et scito perveniret. Quapropter cum nuUo alio modo sive media id expeditius fieri 
posse iudicarem, discreto viro Johanni Fust incolae Magunlinensi impressoriae artis magistro modis omnibus 
persuasi, quatenus ipse assumere dignaretur onus et laborem multiplicandi hunc libellum per vtam 
impressionis etc. 

Wiesbaden LB. {Aus Schönau.) 

745 Augustinus. S. Aurelius: Sermo in festo praesentationis Mariae 
virginis. [Moguntiae], Johannes Fust et Petrus Schöffer, s. a. 2o. 

Hain-Copinger iggs {== gg54). Pelleehet 1504. Praetor ijg. 
Wiesbaden LB. {Aus Schönau.) 

746 Bartholomaeus de Glanvilla: De proprietatibus renim. [Lugduni], 
Nicolaus Philippi Pistoris de Bensheym et Marcus Keinhardus, 1480. 2«'. 

Hain-Copinger *2^00. Praetor SSJO. 
Wiesbaden LB. {Aus Arnstein.) 

lAl Correptorium Flamingorum. [Antverpiae, Gerardus Leeu. 1488]. 4". 

Hain-Copinger ''^/62. Campbell 4gg. Praetor gjSi. 
Nass. Altertumsverein. {Aus Eberbach.) 



— 104 — 

748 Duns Scotus, Joliannes: QuoJlibeta .|uaestionum. Vonetiis, Johannes 
de Colonia et Johannes Manthen de Gerretzem, 1477. 4*^. 

Ham-Copinger *6424. 
Limburg. (Aus Eberback.) 

749 Legenda S. Servatii. Coloniae, Araoklus ter Hoernen, 1472. 4«. 

Bl I fehlt. Das Ersatz-Bl ib enthält handschriftlich ein Kalendarium, das, zvie es scheint, einer 
gedrt4ckten Verlane nachgebildet ist. Bl 2 a Z r: Vt sacerdotes et clerici rurales : colligiati 
nüq! äplip habeät necesse dubitae fintrogare i, die sep tuagesima etc. Bl jb rot: Incipit 
de scö buatio legeda minor et valde bö. || schwarz: ()llustrissimi viri sei buacij tungreb 
citatis deci epi: stemate inclito nati«: mei'tis sup ethera exaltati. dicem9 vitä : miracula. IJ 
tc. Bl sob Z 13: Vetuit id est prohibuit. E.xplicit legeda de sancto seruatio. ;v/.- Explicit 
sanctissirai seruacij tügrensis ecclesie presulis et consanguinei xpristi [; legeda de nouo 
stilo claro ac eleganti cöpilata Colonie<y Impressa p me Ar'noldü ther Hoyrnen finita. 
Anno dni ' mo cccco Ixxij» die mercurij qrta mesis || marcij. Darunter das Druckerteichen. 

Praetor g2g. 

JO Bl ohne Sign [ J 5 L^gen], 2p Zeilen, gotk. Schrift, eine Schriftgrosse. 

JVass. Altertumsverein. (Aus Eberbach.) 

[Wirt, Wigandus: Dialogus apologeticus adversus Trithemium de con- 
ceptione virginis Mariae. Oppenhemii, Jacobus Coebel, s. a. 4'^.] 

Hain-dypinger * 1621g. 

DUser Druck gehört nickt dem 15. Jahrhundert an. Vgl. Roth, F. W. E., die Buckdruckerei 
des Jacob Köbel in Beiheft 2. Centralbi / Bibl. 4 S. 24/. und Zeüschrift f Bücherfreunde Jg i, Bd 2 

S. 444- 

Herbom S V S- {Aus Herborn HSck.) 



Register. 



A. 



Druckoi'te und Drucker. 



1499. 17. 
1488. 747. 



Antwerpen. 
Gottfried Back. 

Gerardus Leeu. 



Augsburg. 

Hans Bämler. 
1472. 412. 

Hans Froschauer. 
1494. 203. 

Hans Schüasperger. 

1496. ti23. 

1497. ()29, 

Anton Sorg. 
1474 im Kloster von St. Ulrich u. Afra mit 
Typen des Anton Sorg 717. 

1487. 622. 
o. J. 424. 

Günther Zainer. 
1472. 672. 

Basel. 

Johannes de Amerbach. 

1481. 140 028 538. 

1482. 141 730. 

1485. 211. 

1486. 24. 

1488. 529. 

1489. 6? 77 82 87. 

1490. 78 83 350. 

1491. 589. 

1492. 27. 

1493. 86. 



1494. 702 740. 
1494 — 1495 92. 

1496. .5.09. 

1497. 88 212. 
1498-1502. 1.54. 
0. J. 271 631. 

Johannes de Amerbach und Johannes Froben. 
1500. 186. 

Johannes Bergmann de Olpe. 
1494. 198? 

1498. 200. 

1499. 101 351. 

Johannes Froben. 

1491. 138. 

1492. 419. 

1494. 18B. 

1495. 139. 

Michael Furter. 

1494. 527 590. 

1495. 673. 

Nicolaus Kesler. 

1486. 216 400 496 571 572? 731. 

1487. 573. 

1488. 254. 

1489. 674. 

1491. 47. 

1492. 371. 

1494. 125. 

1495. 31 187? 

1496. 315. 

1497. 372. 

0. J. 123 421 448. 

Joh. Petri de Langendorff u. Joh. Froben. 
1499. 415. 

Bemardus Richel. 
1475. 142. 



106 — 



Michael "Wenssler. 
1474. 205. 
1476 i'31. 

1477. l&*i 530. 

1478. 43d 4Ö3. 

1479. .v>2. 

1481. :yi>i. 

1482. 305. 

1485. t>ö3. 

1486. 449. 

o. J. 4f)8 737. 



0. J. 261. 

1481. 566. 
1485. 583. 
1487. 668? 



1494. 476. 
1493. 656. 
1492. 106. 
o. J. 409. 

1491. 42. 



Jakob Wolfif. 
Ohne Drucker. 



Bologna. 
Plato de Benedictis. 

Benedictus Hector. 

Hugo de Rugeriis. 

Johannes Walbeek. 

Brescia. 
Boninus de Boninis. 



Deventer. 

Jacobus de Breda. 

1490. 170. 

1491. 277? 

1498. 511? 652. 

1499. 674? 

Richard Pafraet. 
1483 — 1484. 176 548? 
1484. 430. 

1489. 73. 

1490. 5 481. 

1491. 218 268 340. 

1494. 278. 

1495. 352 739. 
1499. 595. 

o. J. 56 337. 

Ohne Drucker. 
0. J. 14. 



1486. 201. 
0. J. 16? 



Eichstndt. 
Michael Reyser. 



Esslingen. 
Konrad Fyner. 



1473. 267. 
1476. 541. 



1496. 727. 



Florenz. 
Antonio di Francesco. 

Freiburg i. B. 
Kilian Piscator. 



1494. 79 84. 
o. J. 180. 



Uagenau. 
Heinrich Gran. 



1489. 636. 

1491. 171. 

1492. 432. 
1494. 624. 
1498. 557. 
1500. 2 122 556. 



1490. 479. 



Heidelberg. 
Friedrich Misch. 

Köln. 



Herrn. Bungart de Ketwich. 
1497. 526. 

Nikolaus Goetz von Schlettstadt. 

1472. 144? 

1473. 145? 

1476 146? 505 512? 
1480. 147. 
o. J. 13. 

Goswin Gops von Euskirchen. 
1476. 338. 

Johannes Guldenschaff. 
1478 18? 

1480. 81? 384? 

1481. 382. 

1486. 501. 

Job. Koelhoff von Lübeck. 
1479. 486. 

1482. 127. 

1483. 110 282. 

1487. 220 222 224 567. 

1488. 169 431. 

1489. 5<)9. 

1490. 411. 
1481. 638. 



— 107 — 



Johannes Landen. 


1470. 375? 536? 


1496. 658. 


1472. 219 317. 


Heinrich QuentelL 


1473. 3(j9? 312? 468 615? 


1479. 71 72 547. 


1478. 362. 


1481. 327. 


1486. 522? 


1484. 675. 


0. J. 3 4 28 264 2&4 2&> 286 287 289 290 


1486. 462? 


291 292 293 296 297 596? 


1487. 11. 


Corn. de Zyrickzee. 


1489. 8 173. 


0. J. 514. 


1490. 55 62 128? 242? 243? 299 339? 


Drucker von Augustinus de fide. 


1491. 510 713. 


1476. 473? 


1492. 25 276 390 635. 


o. J. 288. 


1493. 368 420. 


Drucker von Dares. 


1494. 346 391 598 579? 


0. J. 294 295. 


1496. 116 612 671. 


Drucker von Dyctis. 


1496. 67? 


1471—1476. 76 376. 


1497. 10 63 64 65. 


Drucker von Johannes de Turrecremata 


1498. 66 577 578. 


quaest evangeL 1478. 


1499. 569 626. 


1478. 429. 


1500. 669 678. 


Ohne Drucker. 


0. J. 9 68 300 335 474 602? 653 675. 


1470—1476. 689. 


Ludwig von Renchen. 


1482. 345. 


1483. 7b8. 


1485. 725. 


1485. 23. 


0. J. 14. 


1487. 273. 
1492. 651. 


Leipzig. 


0. J. 608. 


Konrad Kachelofen. 


Gerardus ten Raem. 


1494. 599. 


1480 81? 


1498. 662. 


Arnoldus ter Hoernen. 


Martinus Landsperg. 


1470. 378? 


1490. 239? 


1471. 693. 


0. J. 515 661 ? 


1472. 619? 749. 


Wolfgang Stoeckel. 


1473. 470, 


1499. 112 113. 


1475. 275? 620. 


Lö7cen. 


1480. 81? 




0. J. 93? 696? 618? 


Johannes de "Westfalia. 




0. J. 58 484. 


Bartholomaeus de Unckel. 




1475. 467. 


Lübeck. 


1476. 272? 334. 




1477. 121. 


Lucas Brandis. 


1480. 311. 


1476. 621. 


1481. 537? 




1484. 178. 


Lüneburg. 


Konrad "Winter de Homborch. 


Johannes Lucae. 


1476. 316. 


1493. 645. 


1476. 379? 


Lyon. 


1478. 401. 


1479. 143 381? 517. 


Nicolaus Pistoris u. Marcus Reinhard. 


1480. 568. 


1478. 20? 


1480. .568. 


1480. 746. 


0. J. 732. 


Johannes Syber. 


Ulrich Zell. 


1482. 189. 


1466-1467. 221. 


1496. 156? 


1487. 90? 223 298. 


0. J. 19? 



108 — 



1495. 341. 
o. J. 74? 

1494. 19<). 

1495. 232. 



1493. 728. 

1486. 136. 

1486. US? 
o. J. H54. 



Johannes Trechsel. 

Petrus L'ngarus. 

Michael Wen?sler. 



Magdeburg. 
Mauritius Brandis. 

Johannes Grashover. 

Simon Koch. 



1490. l')5. 



1492. 5(<. 



Mailand. 
Philippus de Lavagnia. 

Philippus de Mantegatiis. 

Udalricus Soinzenzeler. 



1497. 639. 

Mainz. 

Petrus Je Friedberg. 

1493. 695 703. 

1494. 697 698 699 705? 

1495. 118 482 694 701 704. 

1496. 696 706. 

1497. 7W. 

Joh. Fust u. Peter Schüffer. 
0. J. 744 745. 

Johannes (iutenberg. 
1460. 97. 
0. J. 494. 

Jakob Meydenbach. 
1495. 314 :M9? 

Johannes Numeister. 

1479. 428. 

Peter Schüffer. 
1462. 148. 
1467. 686, 

1470. 373. 

1471. 707. 

1473. KO. 

1474. 364 425. 
1476. 228? 426. 
1478. 107 427 553. 
o. J. 94 679. 

Ohne Drucker, 
vor 1474. 422? 

1480. 356? 458? 



1480. 464. 



0. J 633.? 



^[ünsier i. W. 
Johannes Liiuburgus. 

Neapel. 
Ohne Drucker. 



Nürnberg. 

Friedrich Creussner. 

1477. 33. 

1479. 644. 
1493. 1l^4. 
0. J. 389. 

Andreas Frisner u. Joh. Sensenschmid. 

1472. 164? 
1476. 580. 

Kaspar Hochfeder. 
1491. 46. 
1498. 627. 

Anton Koberger. 
1477—1479. 62. 

1478. 149. 

1479. 328. 

1480. 363. 

1481. 255 365 402 523 576. 
1481—1482. 21. 

1482. 319 403. 

1483. 443 718. 

1484. 48. 

1485. 26 157 719. 

1486. 53 191 233 715 723. 

1487. 158 497 584. 

1488. 37 102 439. 

1489. 120. 

1491. 181 628. 

1492. 38. 

1493. 320 6.30. 

1494. 647. 

1496. 549 648 684. 

1497. 159 202. 

1498. 387 478. 
1500. 182. 

Joh. Sensenschmid et Henr. Kefer. 

1473. 606. 

Georg Stuchs de Sulzbach. 

1488. 518. 

1489. 283. 

Petrus "Wagner. 

1490. 117? 
o. J. 74? 

Padua. 

•Joh. Herbort von Seligenstadt. 

1480. 581. 



109 — 





Paris. 


Speier. 


0. J. 680? 


Simon Doliiitoris. 


Peter Drach. 
1475. 513? 




Ulrich Gering. 


1479. .540. 


1472. 2!». 




1480. 111? 561. 


1494. 126 


130 132? 


1482. 383. 


Ulrich Gering u. Berthold Rembolt. 


1485. 562. 


1494. 313. 




1487. 6<)3. 

1487 — 1488. 743. 




Pavia. 


1488. 103. 


Job. de Birretis et Franc, de Girardenghis. 
1489. 22. 

Christophorus de Canibus. 
1489. 477. 

Antonius de Carchano. 
1493. .554. 


1489. 150. 

1490. 208. 

1491. 475. 

1492. 321. 
1498. .508. 

0. J. :i47 491 649. 


1494. 555. 




Johann u. Konrad Hist. 


Fl 
1486. 534? 


•anciscus de Girardenghis. 


1480. 248. 

0. J. 133? 270 423. 

Konrad Hist. 




Perugia. 


1495. 591? 
1498. 197. 


0. J. 43. 


Ohne Drucker. 


Drucker von Gesta Christi, 
0. J. 369. 




Peutlingen. 


Strasshurg. 


1486. 692. 
1494. 45? 
0. J, 539. 

1485. 183. 
1488. 165. 


Michael GreifiF. 
Johannes Otmar. 


Jakob Eber. 
0. J. 310. 

Heinrich Eggesteyn. 
0. J. 265. 

Martin Flach. 

1487. 215 331. 

1488. 519. 

1489. ;34 177. 




Born. 


1490. 495 637 688. 


0. J. 663. 


Johannes de Besicken. 


1492. 49. 
1494. 280 367. 


1479. 664. 


Johannes Bulle. 


1495. 35. 

1496. 609. 


Bartholomaeua Guldinbeck. 
0. J. 563, 


1497. 129. 

1498. 36. 


0. J. 206. • 


Stephanus Planck. 


0. J. 353. 

Johannes Grüninger. 


0. J. 506. 


Adam Rot. 


1483. 137. 

1484. 210 301 434. 


Johannes Schurener. 
0. J. 465 600. 


1485. 163. 

1486. .597. 


1475. 442. 


Apud S. Marcum. 


1488. 259. 

1489. 3<I2. 

1490. 50 303. 




Rostock. 


1492. 155. 
1496. 51 57. 


Fratres vitae communis ad S. Michaelem. 


1497. 99 153 199. 


1481. 131. 




1498. 385. 



— 110 — 



1499. fi65. 

1500. 2W. 
o. J . 535. 

Job. Grüninger et Henr. de Inguiler. 

1483. 5e>4. 

Georg Husner. 
1470. 32. 
1475. 393? 485 ? 

1479. 394. 

0. J. 247 2'j2 3ö9 360. 

Georg Husner et Job. Beckenhub. 
1473. 257. 

Jobannes Knobloucb. 
0. J. 499. 

Heinrich Knoblochtzer. 
1475. 4tt3. 

1480. 245. 

1482. 498. 

1484. 392. 
0. J. 709. 

Johannes Mentclin. 
1468. 85? 
1470. 552? 

1472. 70? 

1473. 716. 
1477. 741 742. 
0. J. 587. 

Jubannes Prüss. 
1480. 640. 

1487. 492 616. 

1488. 281. 

1490. 174 217 610. 
1495. 279. 

1498. 134.- 
1498 — 1499. 213. 

1499. 641. 

0. J. 119 617 646 6.50. 

Adolf Rusch. 
1480. 162. 

Martin Schott. 

1485. 207. 
1490. 75 483. 

Drucker mit dem bizarren R. 
1470. 96? 
1473. 714? 722. 
0. J. 480. 

Drucker von Henricus Ariminensis. 
1478—1479. 354. 
o. J. 91 521 570 676 734. 

Drucker vun Jordanus de Quedlinburg 1483. 

1483. 395 435. 

1484. 489. 

1485. 109 343 388 396 565. 
1487. 503. 

1489. 397 414 490 728. 



1490. 95 344 398 504 560 736. 

1491. 196 342 733. 
1493. 253 729. 
1494-1495. .=^20. 

1495. 179. 

1496. 184 399 611. 

Drucker der Legenda aurea 1481. 
1482. 269. 

Drucker der Vitae patrum 1483. 

1485. 377. 582. 
0. J. 1 241 330. 

Ohne Drucker. 
1488 — 1489. 724. 
1493. 135 332 333. 
o. J. 238. 

Treviso. 

Dionysius de Bertocbis et Peregrinus 
Bononienses. 
1482. 605. 

Bernardus de Colonia. 
1478. 632. 

Michael Manzolinus. 
1480. 263. 

Johannes Rubeus. 
1480. 657. 

1486. 691. 

Tübingen. 

Johannes Otmar. 
1499. 166 167 168. 

Turin. 
Johannes Fabri. 



1490. 250. 



1484. 413. 

1486. 604. 

1499. 655. 

1473. 15.' 



1480. 274? 



Ulm. 

Konrad Dinckmut. 

Johannes Reger. 
Johannes Zainer. 

Urach. 
Konrad Fyner. 

Utrecht. 
Ohne Drucker. 



0. J. 249? 



111 — 



Venedig. 

Christopliorus Arnoldus. 
0. J. 613. 

Georgias Arrivabene Mantuanus, 

1487. 39. 

1489. 40. 

1495. 104. 

Bernardinua Becalius. 

1490. 209. 
1493. 89 546. 

Vincentius Benalius. 

1493. 459, 

Dionysius de Bertochis et Peregrinus 
Boaoniensea. 
1484. 558. 
1486. 708. 

Simon Bevilaqua. 

1496. 666. 

1497. 460. 
1499. 593. 

Barthol. de Blavis, Andr. de Torresanis, 
Maphaeus de Paterbonis. 
1482. 193 234 322. 

Thomas de Blavia. 
1484, 712. 
1489. 195 236. 

Johannes de Cereto. 

1494. 229 244 457. 
1499. 601. 

Bemardus de Choris et Simon de Luere. 

1491. 592. 

Joh. de Colonia et Joh. Manthen de 
Gherretzem. 
1477. 175. 748. 
1477-1478. 251. 

1480. 416. 

Franciscus de Girardenghis. 
1486. 533. 
1486. 534? 

Johannes et Gregorius de Gregoriis. 

1488. 12. 

1489. 194 235. 
1494. 358. 
1497. 172. 
1497—1498. 370. 

Johannes Hamman de Landoia. 
1491. 407. 

Johannes Herbort de Seigenstat. 

1481. 325 329. 

Xicolaus Jenson. 
1477. 307. 445. 531. 
1477—1480. 54. 
1479. 151. 
0. J. 446. 



Lazarus de Isoardis de Saviliano. 
1491. 710. 
1499. 667. 

Herrn. Liechtenstein. 
1483. 98. 

1488. 607. 

1490. 677 681. 
1493. 720. 

Lig.i Boaria. 

1491. 711. 

Bonetus Locatellus. 
1493. 437. 

1497. 682. 
"1498. 614. 

Petrus Loeslein. 
1483. 690. 

Aldus Manutius. 

1496, 670. 

1498. 61. 

Petrus Maufer, Joh, de Forlivio et Hercules 

de Buscha, 
1480 -1481. 115. 

Raynaldus de Novimagio. 
1486. 366. 

Hieronymus de Paganinis. 

1492. 318. 

Jacobus de Paganinis. 

1491, 225. 

Paganinus de Paganinis. 

1489. 326. 

1499. 41. 

Andreas de Paltascichis. 
1480. 226? 

Christophorus de Pensis. 
1495. 488. 
1499. 544. 

Petrus de Piasiis Cremonensis. 
1483. 308. 

Philippus Pincius ilantuanus. 

1493. 60. 
1495. 472. 

1497. 659 660. 

Theodorus de Ragazonibus. 

1490. 204. 

1492. 625. 

Franciscus Renner. 
1480. 152. 
1482. 160. 

Franciscus Renner et Petrus de Bartua. 
1478. 685. 

Albertinus Rubeus. 
1499. 436. 

Jacobus Rubeus. 

1477. 454. 

1478. 441 451. 



112 — 



Jobaanes Rubeus. 
1475. 4ö^? 
1496. 374. 

Octaviauus Scotus. 
1483. Ö4Ö. 
1489. l'il. 

Beraardinus Stagninus de Tridino. 
i486. tjciT. 
1494. 452 455. 
Antonius de Stancbis et Jacobus Britannicua 

3ocii(iue. 
1481. 30. 

Andreas de Torresanis. 

1488. 114. 

Baptista de Tortis. 
1491. 32.3. 

1494. 444. 

1495. 450. 

1496. IU2 306 UO. 
1500. oJi. 

Bernardus de Vitalibus. 
1499. 4H1. 

Bartholomaeus de Zanis. 
1496. .">!>4. 
1499. iJi'T. 

Ohne Drucker. 

1489. 417. 



1479. 41)9, 



1481. 542. 



1480. 380? 



Viceiiza. 
Steph. Kolilinger. 

Wien. 
Eberhard Frommolt. 

Würzhurg. 
Georg Reyser. 

Zwolle. 



Tymaunus Petri de Os. 

1497. 2H'J? 

<>hne Ort \ind Drucker. 

1480. H42. 

1484. 404. 

0. J. 7 44 H9 100 108 210 214 230 237 246 
256 258 260 336 348 355 357 361 386 405 
406 408 410 433 447 463 471 4«7 5(XJ 507 
516 524 525 5:')2 543 550 551 585 586 
588 6:i4 643 721 735. 



B. 



Von den üben verzeichneten Drucken be- 
sitzt 

1) die Landsbibliothek zu Wiesbaden 346: 
1 5 6 7 H 10 16 17 18 20 21 26 31 36 37 40 
42 4:j 4.4 47 50 51 53 54 55 59 61 69 73 74 
75 77 80 81 82 85 87 92 94 97 104 105 106 107 
108 109 111 112 113 114 115 119 121 124 127 
128 133 135 138 140 142 144 145 147 148 149 
1.50 151 157 162 163 164 166 168 169 170 171 
173 176 178 181 183 185 186 191 194 195 201 
2^)4 205 206 214 217 218 220 222 224 227 2:K) 
233 235 236 237 244 247 248 24i>2öl 254 255 
260 273 274 278 279 281 283 284 285 286 287 
288 2".n 292 293 297 298 299 3(X) 301 303 305 
:K^ 307 311 314 315 319 322 323 324 325 327 
3;iO 339 34:3 :344 ^4!^ 351 352 353 354 358 361 
364 367 371 373 377 380 382 386 392 394 395 
398 401 4^)2 4<U 406 407 408 409 410 415 416 
417 418 419 420 122 423 425 427 429 \:\A 435 
438 4J9 44') Ul 442 443 444 445 446 149 450 
451 452 453 454 455 456 458 460 461 463 464 
465 468 469 474 476 477 480 481 482 483 485 



486 489 490 491 493 495 496 501 502 506 510 
513 514 515 516 517 518 520 521 522 524 525 
527 528 530 531 532 540 541 542 543 545 551 
553 554 555 559 561 562 563 566 567 573 574 
575 576 577 578 579 580 581 583 585 586 587 
588 590 591 592 598 600 601 607 609 610 616 
617 622 623 626 628 HTO 631 633 C34 636 637 
638 639 642 643 646 647 648 650 655 659 660 
662 663 664 667 669 670 672 674 675 676 679 
684 686 688 689 691 694 695 696 697 698 700 
701 702 703 704 705 706 7o7 715 717 723 725 
736 737 743 744 745, 

2) der Verein für Xassauische Altertums- 
kunde und Geschichtsforschung zu Wies- 
baden 3: 245 747 749, 

3) die bischiJtliche Seminarbibliothek zu 
Liraburg a. d. Lahn 319: 2 3 4 11 13 14 15 
19 21 22 23 25 27 28 29 30 32 34 35 38 39 
41 46 47 50 51 53 56 57 58 62 65 70 71 72 
75 76 78 79 83 84 86 87 88 89 90 91 92 93 
94 95 99 101 102 103 104 118 120 121 122 
123 125 126 129 130 132 134 136 137 139 140 



— 113 — 

141 14:5 144 140 116 lö2 l.vJ 154 155 156 158 693 696 699 701 706 711 713 724 725 726 728 

159 160 161 162 165 175 177 179 180 IHI 182 729 735 738 739 740 748. 

184 187 188 189 190 192 193 196 197 198 199 4i dio Semiuarbibliothek zu Herborn 63: 

2(J0 202 207 208 2(J9 210 211 213 215 216 219 12 33 39 45 46 48 52 77 79 82 84 86 110 131 

221 223 231 232 234 238 239 241 242 243 246 139 140 167 174 181 203 212 240 256 2H0 ii89 

250 252 253 258 262 263 264 265 266 267 268 290 ii94 2! »5 296 :j<)4 310 313 328 331 :i47 366 

269 272 275 276 277 282 302 305 308 309 311 383 391 399 400 412 414 424 127 429 466 468 

312 314 316 317 318 319 320 321 322 326 329 517 529 534 560 572 582 603 613 620 6:il 627 

332 334 335 336 337 338 340 :U1 342 345 346 635 673 681 685 687, 

348 354 355 356 359 360 362 363 365 366 368 5j die Gymnaaialbibliothek zu Weilbur^,' 71 : 

369 370 371 372 374 375 376 378 379 381 383 24 49 54 60 63 64 66 68 96 98 100 116 120 

384 387 388 389 390 393 4^)3 405 413 415 421 172 225 226 228 229 257 259 261 270 271 333 

425 430 431 432 433 4;U 435 436 448 449 450 350 377 396 411 437 447 457 471 472 4.^ 488 

459 462 467 470 473 475 478 479 485 487 490 492 544 546 55H 565 593 594 595 597 i;04 605 

494 496 497 498 499 502 503 504 505 507 508 625 629 632 653 656 657 f;65 (i66 668 708 709 

509 511 512 513 517 519 522 526 528 533 535 712 715 716 718 719 721 722 727 729 TV) 731 

536 537 538 539 547 548 549 550 552 553 556 732 733 734, 

557 564 568 569 570 571 574 582 584 5h9 596 6| dieGymnasialbihliothekzu Wiesbaden 10: 

599 606 607 608 609 611 612 614 615 618 619 9 67 117 397 523 602 714 720 741 742. 

624 6.38 641 644 645 649 6.50 651 6.52 653 6.54 7) die Gymnaaialbibliothek zu Hadamar 3: 

658 661 671 677 678 680 682 683 684 690 692 150 385 710. 



C. 



Von den oben verzeichneten Drucken ge- 
hörten 

a) zu nassauischen Klosterbiblio- 
theken* 

1. Arnstein: 20 46 81 94 107 119 175 197 
202 217 246 277 336 337 339 346 384 39(J 410 
415 450 474 475 484 495 512 518 562 617 626 
635 636 649 673 709 736 746, 

2. Deutz: 12 19 22 .53 89 101 109 121 123 
145 1.55 158 159 162 187 261 307 316 319 326 
350 370 381 387 389 416 430 437 438 453 490 
496 517 521 .522 530 5(U 568 580 605 607 609 
616 715 718 719 723 736. 

3. Eberbach: 16 23 31 34 50 133 140 154 
206 214 230 247 248 251 30l 341 342 366 372 
395 408 423 434 443 465 471 491 493 501 5(»6 
513 551 552 563 597 6(J0 631 633 634 643 663 
tj64 668 730 746 748 749, 

4. Ehrenbreitstein: 29 86 114 115 186 216 
371 442 445 446 451 454 480 531 575 648 737, 

5. Hadamar: 2 35 41 78 83 102 103 150 
153 158 163 193 234 239 253 266 282 308 322 

• Hierzu Tgl. meinen Aufsatz ^Die Auflösung der 
nassauischen Kloaterbibliotheken" Xass. Annalen B<1. 
30 S. 206—220. Die Unterscheidung von Hadamar, 
Herboru und Limburg bezüglich der Register B und C 
ist in den betreffenden Angaben bei den einzelnen 
Drucken dadurch Bchon gesichert, dass immer, wo 
Klosterbibliotheken oder die ehemalige Hohe Schul- 
bibliothek zu verstehen sind, der Ortsbenennung ein 
„aus" vorangesetzt ist. 



332 335 346 360 362 371 379 415 431 432 433 
435 470 472 503 549 5.50 569 584 608 614 651 
661 683 740, 

6. Höchst: 27 49 68 74 75 116 124 157 254 
265 333 374 629 653, 

7. Limburg: 4 11 14 15 21 24 28 (vorher 
in Königstein) 30 39 46 48 54 56 62 65 70 
(vorher in Grünberg) 72 79 84 86 88 99 110 
120 122 126 130 132 134 140 147 156 178 179 
180 181 182 192 196 197 208 213 238 24iJ 241 
242 243 250 252 258 262 268 273 (vorher in 
Gronau) 310 314 328 329 3.38 345 355 .356 357 
363 364 369 383 405 434 435 447 450 459 462 
466 468 478 479 487 490 494 5(X) .502 5o7 511 
529 533 534 536 538 544 547 557 581 582 587 
607 611 618 619 624 (vorher in Gronau) 6:38 
H41 644 652 658 684 690 692 696 699 701 706 
713 718 726 7^4 738, 

8. Linz : 37 303 439 440 443 449 491, 

9. Marienstatt (die Zugehörigkeit der ein- 
geklammerten Nummern ist nicht direkt be- 
zeugt, ist aber nach dem alten Verzeichnis 
höchst wahrscheinlich): 10 17 69 97^104) 121 
138 (181) 220 (233) (249) (255) 278 (382) 425 
(435) (483) (486) (524) (525) (567) 583 (607) (642) 
,657) 669 717 (736), 

10. Montabaur: 322 743. 

11. Xotgottes (die Nummern, denen ein J 
hinzugefügt ist, gehörten vorher dem Johannis- 



— 114 — 



berger Kloster an): 8J 8J 38 OIJ 94J 98 
108 J Inö lt>5 lfi8j ITrtJ 201 J 210 J 211 237 
260 2H3 267 J 271J 274 J 299 J :40<) :>o6 :U1 
314 315 318 330 IMiJ J 343J i44 349 351 359 J 
367 J 368 J 386 394 398 419 420 -1-tl 446 4.s2J 
485 J 5o9 537 J 540 554 559 J 565 J 5.s5 J 58«) J 
588 J 590 595 J 599 J 609 612 J 622 637 J 665 
667 J 675 (vorher in Marienthai) 677 679 J 
680J 689J 693 696J 712, 

12. Rommer^idorf : 32 47 50 52 60 77 82 96 
lt>4 140 145 15« 16(t 1m7 205 256 l>57 259 320 
347 354 362 377 396 497 558 666 728 729, 

13. Sayn: 51 71 95 141 143 145 15(t 1.55 
1H4 311 320 4<J3 449 498 .5o5 517 656 685 725, 



14. SchÜnau: 1 18 26 46 .50 53 55 75 77 
^2 83 86 87 127 lti9 222 224 281 283 354 361 
■■•^} 392 401 425 468 469 4^5 520 521 553 573 
576 585 586 628 646 650 688 694 695 696 697 
698 7(MJ 701 703 7(>4 705 706 729 744 745, 

b) zur Bibliothek der Hohen Schule 
zu Her bor n: 33 40 42 43 44 45 59 61 63 
t;4 W 79 84 KXJ 105 106 125 129 139 172 17 t 
IMI 185 194 203 204 212 226 235 244 256 280 
2S9 290 294 295 296 313 331 358 366 :i83 391 
4(H) 4iHi 4Jt7 41(9 412 414 417 421 424 426 428 
458 461 476 477 514 532 543 546 554 555 560 
572 5f<2 601 603 613 620 621 627 635 639 (>t7 
»U« 670 681 687 691 7<i2. 



Druck Toa W. Bruguliii in Leipzig. 



ANNALEN DES V El! EINS 



FUll 



NASSAÜISCHE ALTERTÜM8KUN I ) lo 



UND 



GESCHICHTSFORSCHUNG. 



EINUNDDREISSIGSTER BA^D. 



1900. 



Mit el\1v\[ I'i,a^e. 



WIESBADEN. 

VERLAG VON RUD. BECHTOLD & COMP. 
1901. 



KlirCK Vft.V KLT). I'.ECHT(IM) & COMP., WIESBAPEX. 

BrCHDIUTCKERKI i- I-ITIIOCK. ANSTALT. 



Inlialts-Verzeicliiiis. 



A nna len. 
Erstes Heft. 

Seite 

Die Inkunabeln nassauischer Bibliotheken, \orzeichnet von ü. / i- d 1 1- v 1 — 114 

Zweites Heft. 

1. Die hessische Diözese der Niedergrafschaft Katzenellenbogen. \ du 

A. lleldnianii li:.— 171 

IL Der Ringwall auf dem Hofheimer Kapellenberg. Mit oin<;iii I'laii. 

Von ('. L. Thomas 172-1T'.I 

III. Ein Gesamtfund römischer Denare aus Flonheim. Von K. IM tterl i ni; 18U — liJ-J 

IV. Namen und Lage von Wiesbadener Örtlichkeiten. Von F. Otto 193— 2U1 
\ . Zur Geschichte der Sporkenburg, sowie der ehemaligen Vogtei 

Denzerode bei Ems. Von F. :\[icliel 2():i — -JU 

VI. Die Zeugnisse für Gutenbergs Aufenthalt in Eltville. Von (i. Zcdl.T -Jl -) — •_>•_'•_' 
VII. Beiträge zur Geschichte der Gründung des Vereins für nassauische 

Altertumskunde und Geschichtsforschung. Von I'. Wu.-ncr . . . 223— 23:i 



Mitteilungen 1900/1901. 

Spalte 

A'creinsnachricliten von (i. /edler 1-4, 33— li.J, (J5-ti7, {)7--91i 

Vorträge 1SU9/1900: 

Aus dem Tagebucli eines nassauischen Ofti/.iers von li. K o 1 !> *~'^ 

Die neuesten Ansiirahuno-en auf dem römischen Forum von V. Lolir . . •>— ' 

Der Felsendom zu Limburg a. d. L. von 31. llöiiler • ' 

ri)er das voro-eschichtliche Lraubach von K. Bodewig 11 — 13 

Über Johann Krafl't von Ilerboru von (). 31 ei nardus ... __ _' 

ri)er den mittelalterliclieu Rheiinveinhandel von 31. Hoffmann 3o— 37 

Kismarcks Bezieh uugeu zu Nassau von E. Seh aus 



I'.eohtermünze zu Eltville von U. Zedier ■ • • 1^'^' '"- 



1900/1901: 

Die Presse der ^ 

Vurrömische Wo-e und Dürfer im westlichen Nassau von IL Itodeui- • • 10'--1 

Das Walten der alten deutschen Kaiser in den Ilhei.ilan.len von 31. Iloffmann^ ^^^t'_^, 

Verwaltungsbericlit des Altertuuis-31useums von i:. Kitte rl in- . Di- 19, 38-4.>, 10« lU» 

Lmide (s. aucli den Verwaltiuigsbericht des Altertu7ns-3luseums): 

, . i;t — 21 

zu Höchs