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Full text of "Anzeiger für schweizerische Altertumskunde: Indicateur D'antiquités Suisses"

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SCHWEIZEHIHCHE ALTEßTHlimi'lß 



züBica 



PÜNFUNDZWAiNZlü8TER JAeUGANG, 



1892. 



fe^i-«^ 



Drurk Ton FiL LMOUunL 
V«r1itt Jw AiitliiuulMbm Gaellnhart, 
IdBB. 



L(BRA'"ES 
m UBkARY 

JAN 25 1972 







I. Vorgeschichtliches. Pfatilbaulen, Steindenkmäler. Keltisches, Etruskrschcs. 

Uralifuiitlr im Uenter AntiiiDviuiii. Tun J. Dmrli 

Tont« pllo-ronaiiH-H <le Murti^T (|>Uiirbe ITf von Jb. LajoD and Karl Sclitmudin- 

Her Pfihlban im InkwiWnw«. n^u .1 Ihwrli 

PrXliiitf>tin.-h« QriiWfdnd« in LcnkcrM, tob J. Hiierti 

ilrtb Htr ilr»ia«eit im lüiteusbergvtldc b*i Hvl, 8t liftÜM, f«>B B. litridi, Cviix 



4 

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18:{ 



II. Rümisches und AlamanniKhes. 



Eine otat r-imtwlie Ni«ilfrl>Mqiig, *oo -FuIl Hevsi ktHontr 
Znm PnrweiiH>rraikl, vnn Pr. v, Jvcklin 
HiMier ViWlo TaM IT, t«b J. He»«rli . 



55 
hü 
57 



lil. Mittelalterliches, Neueres. 

fvtii (inM Mtwkbadinu b^im K1o<l«r DtMntis, ron F. v. Jecklin ... 7 

tth Keli^nieii ia Heiligen (mnnaona. iialIl]oKll!u^ und beitidpnui, too t'r. E i. Stficlelbarg . 8 

Die RMfaQrvtinii d«r Elwterkirche in KSni^eldeii, von J. C Kunkler, Arebitekt ... 13 

Der Glm-tim Jiir Sibyll*, loii iV. H. i\«TV>g. Stutiartbifnr .... 16 

l>u Gcdcnbltreai dr« Ammuiu Dir-ntnuB fi«iiikiiij T>rm Jahr« 14S6. i«o Rob, [hirnr .... 81 

tilMiinleraeii in der Kirebu ^u OWiüfCBri, mn Ur. III. ilersog ........ S.? 

Jiaehpibingen saf der Ruit» fltr'itfg bei Hittriu, vnn U. McstikooiDifr 34 

Znr DantKliang de« UtwlsUbM, von E A. SUickeIb«rg ......... tö 

Du alteMe WtpiHiibiich dar SehUtaelKioH a Buel (T^. 1], von i)r. B. A Stkkelbvrs . . . &» 

0«r Zvtnglibwber in ZAricb (l^fel V), «mi B Ad|(vI ...... 62 

Dil ipAtere Aofiit^'linn? ili^r Miirenner i^ladgemüM«, Tun Dr. Ba. B<n«g M 

Alu AbbilduD^n iIm :jtin«l>auev XiriB-Kiiiiii«d<ln, tun J. /emp 02. US 

NaoMte Fonde van Wandpmälden im Twin, vun J. B. Kahn 9Q 

Invuitu- im SchliMw» (kat«k iu UruubaiiiUii, Yiin F. *. Jtcklü 105 

ArchSolu^he Pondp una Eitih, Kanton Graubfioden, no Major Oirienl ...... 132 

Du ffasiartiaa« im B«br bei Bümlan^, (<>d H. Z«lkr<W«rduQller ....... 134 

n» WaldmannriiaGH iii BlJck<>nstori bei Zog iTufel VIII iu»l IX). rM Prof J. Uuuilcer ... 13» 

Scli««ii«riach« GluB^miilde im Trinitjr l>}IU^, ÜifDrd. ron H hagA ...... 144 

Die Wandpoitd« 4er BarfOsBerkirche in Baae], vod Dr. K. A. StQckelberg 146 

Bericht aber Üt Anffinduug TOik Wandgemüldau im BaOM *tun Pflu(« in Baiitl (Tafel l) na Dr. S. SUhlÜi l5Cr 



rOR 



SCHWEIZERISCHE ALTERTHUMSKUNDE. 

INDICATEÜB FANTIOÜITfS SÜISSIS. 



XXIY. Jahrgaog. 



JS? 1. 

«ut'ti [ 
SUD« I 
mMton 

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ZÜRICH. 



J^nntiiiT- 1AOS2. 



4b»nit»m«HMpr«l«i Jthrtirti S Pr. Mni< nlxiriüiri t>H ilm Poxilinrraiii iiri<l allr'n llnt')ihiiii>1liiitK''n. iqwI« 

«ucti dlreci tiui -l»'«! Burcftu d«r anUciaaTisohBii O««ellsoh*tl, Helmbftos, Zuricli. All <iM IclUet« 
SUl)4 belhtiwa MitwkillK'? Almniwcilon ibrn Zalilnn;:>'ii lu A')ll«^ilm. •'beiiao «erden duclbsl allftlllf^ fleclk- 
idmMmmd ente(v«'UU'?iii)iiiuHn. — Vdq der SlaUiUK lettvnstrtuhrr üimiultrikmältr. üw ab BrllaEe lain 
'AttHsitT' nrschwil . winl ttm- Llelmi AolUc« *«a Sundfrafnügm mtrill. KiuMliia Numiitpni <Uvoa 
wonlea . m taagn der Vorr«lh tek tit. not ilom BtirMH d^I■ ,liili<juam£ihm HtulUehafi. /MmAaui. ZürtA 



inhNli. I. scbwMieniMlil El«« A«ii fDliIceft» Wohnuaito uu der aennihtrnoli. toa 7^U^WeriliDtitlpr. S.t - 
l. Waliiier Uiuliluode ini Rvnrar AnUifmriitin, ron I. Htlofli. S. i. — 3. Fand «dtifs MonlkbcKlmi bslm 
noMor iHMUls, Ton P. v. ie<icllii. S. 7. — 4. Dl« H^lkpil«!) der llelbgea ti«naaDiiB. IUiido«ldu uiid 
DHld«riiiB. Ton S. A. StUckelbcrK. S. «. -« 9l Die ResUnmtOD dar Klotlliilrcti« In Kenlmrulilea. vo« 
J. C RBMCklcr. S. 13. - S. Dt RftnwrUi d*r Sibjll«. von H, H«na«. 8. IC. - T. Du GedmltkreOl 
des Anmann blooriliw llniiiill vom Jahre IM: Ton Bot) Dirrer, S. tl. — & GluiBalerclMi In der Kirch' 
in Ob«r^A*)i#i1. »on H. Hww>g- S. SI. — », KacliRnibunfi^n aaf d« Unin« Wfrdeinr b*i IIHInaa, von 
tl. Huttk&niiUM'. S. lt. — NUrollrn. S. tf, — KIHnere HvJifichMi. roiuiinnHinsMielli von Carl Bnut, 
5. n. - t.lt«r«iur. S. 3a - Sliibiik «cbweti. KuiitHl'-nkiuai«-, toii J. II. tialia. S. 33 - Tof- I-IL 



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■ 94^ Seit dem 1. Januar 1S8S ist der Gotiiniissioüsverliig sämmtlicher 
H VerttJrenMictiuiigL'n dtir Äntiquariseheu Gesellscliart (mit AD»schttiss des >An- 

/i'igor fiir schwvizeristlio AltertluimykTin(le<) an Herrn Buchhändler Karl W. 

• Hiersemann In Leipzig ubergegau^^en. Vod dieser Firma wird der Vertrieb 
g^etiannter Schrittou sowohl in der Scinveiz (Niederlage iu der Buchhandlung* 
S. H6hr in Zürich), als im Auslände aiiäschliesslich besorgt. Noch immer sind 
jliigegeu. laut § Iti der Stjitutpri, die OeSHllsrliaftsmit^lieder zum directen Bezüge 

Ider Vcreinsimblicationeii berechtig, welche seitdem 1. Januar 18SS Im Bureau 
auf dem Helmhause abgegeben werden. 
Die neuesten Vereins-Publitationeu sind : 
ßoftn, J. R. und Th. v. Liebenau. Die Casa di Terro (Vlgtiaccia) bei Locaroo. . 

Eine Wt>rt>eeaaerne aus dorn XVI. Jahrhundert und ihre Erbauer. i 

Hit 3 Tafeln Fr. 8. - 

Katalog, beschreibender, der .\ntiqnarischen Sammlung in Zürich. Von R. Ulrich, 

tA. Ifeümann und anderen Gesellschatt^mitgliedern. 3 Theile. 44 Tafeln 
in Lichtdruck 
Ohne ninstrationen . . . 
Werwr, J. Die Ältesten Hyronensammlnngen von Hheinau. Mit 2 Tafeln. 
UoUiHger, J/., Zelter- WenimüUer, iL, und Raii7t^ J. li. Bulliiigers Be- 

■ Schreibung des Klostors Kappel und sein jeticig^r Bestand. Mit 2 Tafeln 
Von der Beilage: >Zur Statistik schweizerüicber KuD»tdeukmäl«r< von </. R, 

ßakn, XV. Canion Tessin, können Sepanitabzüge auf dem Bureau der 
Antiqnariachen QeselUchaft. Helmhaus Zürich, bezogen werden. Preis 
per Lieferung 




3. — 



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8 



Schweizersbild. 
Eine neu entdeckt« Wohnetätte ans der KenDthlerselt. 

Die ält^tea bekaonUn Spureu des Meitäcben in liluropa. fnhr<>Q in jenoii entlegenen 
Zditraum zurück, in welchem nach Bee^ndiguag der zweiten Riszeit eine mefar oder weniger 
polare Thierwelt in unserem I<ande getroffen wurde, untermischt mit Formen, welche 
jettt nur noch in südlichen Breite» gefunden werden. Neben dem Renuthier, dem Viel- 
frass, dem Polarfuchs und audert'u nordischen Thieren, rerweilte das Pferd, welches im 
hohen Norden nicht wohl gedeiht, der Edelhirsch, der VVisont und der Mammtilb, ein 
Bruder des Elephaoteu, welcher durch i^ein Wollkleid eiuem rauheren Klima aiigepasst 
war und vielleicht in Sibirien uoth bei Beginn unserer Zeitrechnung gelebt hat. 

Zuerst in den Höhlen tui Südfrankreich, dann in Belgien, in Sohnssenried, näher 
der Schweiz am Sal^ve. sind ganze Lagerungen von Knochen der genannten Thiere zu 
Tage getreten, als Küchenabfälle menschlicher Wobostätten, untomiiscbt mit (lerflth- 
schaften aus Fenerstein und Knochen. -- Be^nders merkwürdig eind die voo den Fran- 
zosen 90 benannten Kommaudostahc mit eingepmbenen, gut ausgeführten Tbierzeichuuugen, 
khe von scharfer Naturbeobachturig des Künstler» Zeugniss ablegen. — Solche sind 
der Dordogue, in der Vienno und anderen sfldfranzösiFrbpn Gegenden gefunden worden, 
ebenso 1868 in Veyrier am Salirc. Dieselben wurden lange für Fillschungeu gebalten, 
besonders die merkwürdigen Mammuthzeichnungeii aus der H6hle tihi >la Madeleinc«, 
— beute ist jeder Zweifel an deren Aechtheit beseitigt. 

Bs erregte nicht geringes Aufsehen, als im Jahre 1874 auch auf dem Gebiete der 
Schweiz Spuren des uralten, kunstfertigen J&gervolkes zu Tage traten, uud Professor 
Ä. Heim die liennthieneichnnritr aus der Knochenhöhle von ThÜyngen veröffentlichte.*) 
Der 1875 erschienene Original bericht des Entdeckers, FConrad Merk*), brachte merkwürdige 
Mittheiluogen Ober die Stein- und Knochen gerftthe der Höhleubewohuer, sowie weitere 
Bilder von Pferden und Schweinen. Zwei untergeschobene, leicht als Fälschung erkenn- 
bare Bilder von B&r und Fuchs stellten leider die ganze Sache in ein verdächtiges 
Ucht, obwohl genaue tlntersnchung die Aechtheit der übrigen Fundstücke erwiesen hat. 

Die Thäyn^erfunde gaben zu weiteren Forschungen im Schaffhanser-.Tum Ver- 
anlassung. Im nimlichen Jahre antensuchte Professor U. Karsten, unterstützt von 
Dr. Joö8. Iteallehrer Nüesch und Professor Merklein die Freudenthaler Hflhle'): sie ent- 
hielt zahlreiche Knochen und Oerilthe, aber keinerlei Zeichnungen. Spuren von Mammutli 
fanden sich nur in der untersten Schicht, es ist zweifelhaft, ob die betreffenden Knochen 
zu den Speiseresten der H&blenbewohner gehörten, während dieselbeu in ThUyngon gut 
vertreten sind und unzweifelhaft zur Culturschicht gehörten. 

Die von Dr. v. Mandacb im April 1874 untersuchte tlOhle im Dacbsenbühl ent- 
hielt eine Grabstätte aus der Jüngern Steinzeit (PfkblbanzeU).') 



*) Albfrf Heim. U«ber dnea Fonil »oa der Rennthißnieit in der Scbweis. Mlltb. d. A&L Qm.. 
bd XVIII. Hefl ö. 

*i KMr. Mtrk. Der HahlenfuDd Im Enslerloch Mittb. d. Aot. Om. Bd, XIX, Heft I. 

*) U. Knrittn. Stiidi« der Urgstcbichte des MeoBchen ta eioM HOhle des äctiAfThainer Jura- 
Mitth. d. AOL Qflft. Bd. XVIIl, Heft 6. 

*) />>• P. itaiulach. Bericht aber «ID« 1874 Im Dftchs^flliQliI bei Scbafniaiuea uotenadite 
QrabbOble. HiUb d. Arn. Gn., Ud. XVUI, Ueft 7. 



8 



Herr Dr. Nüesch, welcher sich seboD 1874 an den AusgmbuDKen im FrRiidenthal 
Intköligte, hat in den letzten Monaten uoter einem über bangenden Felsen beim Schweizers- 
bild, eine balt>e Stunde von Schaffhausen, eine neue Ausgrabung unternommen, er ist 
dabei auf die Re^te einer sehr grcKseo Ansiedelung aus der Uennthierzeit goHtoswD, 
welche er mit Herrn Dr. Flfiussler gemeinsam auf's Gründlichste und Sorgfältigste za 
untersuchen beabsichtigt. 

Die im October 1891 gezogenen beiden Versuchsgrabeu haben schon ein unge- 
heuore» Material geltefori, welches wrgfättig nach den verschiedenen Culturschicht«n 
geordnet wurde. 

In einer Entfernung von zwei Metern vom Felsen steigt die Mächtigkeit der 
Schichten folgen der massen an : 

Hurons LO cm, 

Awhenschicht und Hirscbreste 25 cm. 
Graue Culturscbicht 45 cm, 

(iielbe Culturschicht 30 cm, 

Schwarze CuUurschicht 35 cm, 

Nagethierschicht 20 cm, 

fJelber Lehm ? 

Pie gelbe Lebmschicht ist wohl mehrere Meter tief; sie ist arm an organischoi 
H«8t«n, enthält aber doch einzelne Kennthierknochen, sowie solche von Vögeln und kleinen 
Nagern, sowie Feuersteimnesser. 

Die Nagethierschicht enthält millionenweise Knochen kleiner Nagethiere imd VOgel, 
neheu einzelnen Hosten der ohorn Schichten. 

Die Unterst« (<whwurze) (^.'utturschicbt enthalt unzählige Brncbstflcke von Knochen, 
Feuerst«! nsptittern uod Werkzeugen, grosse Klopfäteine und einzelne bearbeitete Knochen 
und Horngegenst&nde. 

IHe gelbe Culturschicht bildet stellenweise eine f&rmlicbe Knocbeohrecoia und 

lieferte reiche Ausbeute an Fundstücken aller Art. Bemerkenswerth ist die Häufigkeit 

grosser, um die Feueratellen geonlnet^r St6>inpl alten, »owie grosser, rundlicher (leröll- 

steine, die aU Klopl'er, als eine Art Pflaster- (?) oder aU Kochsteine dienten. Hier 

'fand sich das Bruchstück einer Rainthierieichnung (^orde^beine und Hals), sowie eine 

'groese Anzahl meisselartiger Knochen Werkzeuge, Knochennadeln, durchbohrte fossile 

Muscheln (Ceritbium, Tiirritelta und Pectnnculus), angeschnittene Knochen und Pfriemen. 

Die weniger ergiebige obere, graue Culturschicbt enthält immer noch viele Knochen 

nnd Tausende von Feuersteingeräthen u. s. w. Diese Cnlturschicht wird durch drei 

Gräber aus jüngerer Zelt augeschuitteu. 

Die Aschenschicht und Hirscbscbicht besteht am Felsen fast ganz aus trockener 
Asche. Weiter vom Fels weg wird sie schwarz und hnmusartig. In der ungestörten 
Aschenschicht fand sich ein meusuhliches Skelett. Etwa zehn Meter vom Fels liegt die 
Schicht unmittelbar auf der gelben Lebmachicht auf, da die haufenartig zwiscbenliegenden 
CuUurscbichten dort verlaufen. An dieser Stelle finden sich viele Qeweibreete, mit 
Sparen von Bearbeitung. 

Die Humusschicht besteht hinten meist aus Asche, vom aus Humus. Dieselbe 
enthält Gegenstände bis in die Neuzeit, bän trocken gemauertes Grab, mit einem grossen 
Felshlock bedeckt, enthielt die Gebeine eines jungen Menschen und einen ziemlich neu- 



I 



zeitlicli auasehenden Metallknopf. Xeben dem firabe lagen einige Menschen- und Pferde- 
knoclten. Ein anderes Skelett, welches 75 cm. unter deoi Boden aufgefunden wurde, lag* 
borizootal, doch rubte der Schädel auf dem Rruatbinn. Keines dieser Gr&ber dQrfte aus 
Torgeäcbicbtlicber Zeit stammen. 

Die nächstes Jahr mit Unterstützung der natnrforächenden Gesellschaft Si-Iiaff- 
hausens weiterzuführenden Auüf^bungeii werden jedenfalls »ebr wichtige tind hemerkens- 
werthe Ergebnisse lieferu, der wisseniKbaftUcheu Untersuchimg der Fuude ist durch die 
lue Auseinanderhaltung der Kunde neseutlich vorgearbeitet. 
Alle Fundstücke werden im Museum der Stadt SchaffhausH^n niedergelegt werden. 
Kacb eioem Berichte tod Frofes^r Heim sind unter den ältesten Knochen solche roo 
lotfaier, Alpenbase, Pferd, .Schneehuhn, Wildschwein, Wolf, Polarfuchs, Bär, Urochse, 
ihnicheinlich auch von Mammutb bereits bestimmt; es ist also zweifellos, dass die 
Ansiedelung ron »Schweizersbild« gleichzeitig mit denjenigen von Südfraukreich, Vejri«r, 
Tbsjngen und Freudenthnl bestanden hat. 

Herr Dr. Nüesch hatte die Güte, die Antiquarischen und Naturforschenden Gesell- 
schaften von Zürich auf den 6. December zum ttesiich der FuodstAtte einzuladen, leider 
waren die meisten Mitglieder durch Bürgorpßicht rerbindert, dem Kufe Folge zu leisten; 
nso verdankt jbm die Hedaction dieser Blätter die Uebermittelung der in den Nummern 
rs, 279, 280 dee Schaffhauser Intelligenzblattes von 1891 enthaltenen eingeheudeu 
Fandberichte, sowie diejenigen aus anderen Schaffhauser Blättern. 

Möge ihm das Jahr 1892 reiche Ausbeute, namentlich auch an den so hüch^i 
merkwQrdigen Thierzeichuungen, bringen. 



Walliser Grabfunde im Berner Antiquarlum. 

Auf der Doppeltafel l-ll ist eine Serie von Gnibfuuden aus dem Walli.« re- 
producirt worden, die viel Unerwartetes bietet. Die Zeicbmiugen, sowie die Fuudberichte, 
verdanke ich Herrn Dr. E. Ton Fellenberg, 'dem Director des Autiquariums in Bern, das 
diese Ftmde enth&lt. 

lo C'handolinc bei Sion fiind man 3 Keulennadeln mit je einem LAchlein in der 
Keule, 2 Bronzenadeln mit eingerollten Kndea. ferner 2 Armspaogea, wovon die eine nur 
als Fragment erhalten blieb. Fig. 1 unserer Doppeltafel zeigt uns die gante Spange. 
Sie besteht aus dünnem Bronzeblecb, ähnlich wie die Armspauge aus dem Pfahlbau 
WoUishofen, die in meiner Monographie (>Mittheil. der Antiq. Gesellsoh. Zäricht, Ud. XXII. 1 ) 
über diese reiche Brouzestation auf Taf. IV, 23 abgebildet ist. Beide Stücke gleichen ein- 
ander auch darin, da.« ihre Fanden eingerollt sind und dass die Aussenseit« schwach gewellt 
erscheint. Die Kerben auf den Wellenbergen wie sie hei der Spange aus WoUishofen zu sehen 
sind, fehlen bei derjenigen von Sion. Die beiden Schmuckstücke unterscheiden sich auch durch 
die verschiedene Breite des ßronzebleches, die bei dem Exemplar v<>n Chandoline, das unsere 
Tafel in natürlicher Grösse zeigt, bedeutend geringer ist als bei demjenigen aus dem Pliihlbau 
WoUishofen. Fig. 2 stellt eine der beiden Bronzenadeln mit eingeroltt-en Kopfenden dar. 
Diese letztern sind zwar nahe am Grunde abgebrochen. Derartige Nadeln sind in Pfahl- 
bauten h&nHg. Sie fanden sich z. ß. in den Stationen von V. Phldingcn am Bodensee, 
WoUishofen am Zuricbsee, Nidau am Bielersee, Hauterive und Estsvajer am Neuenburgersee, 



5 



in d«D I'fahlbaut«Q bei Geof. in Pe^cbiei-a am Qardasee und bei Castione. lu Fig. 3 
litt eine d^r Ü Keiilennadßln tod Chaadoline gezeichnet. Sie zeigt an der Keule 
Keifelung. Aehnllcbe Formen kommen in Pfahlbatiten aueb vor. wie i. B. in Wolliahofeii, 
indessen wueste ich in diesem Augenblick kein Stock, dessen Keule in der Welse durch- 
loehi wflre, wie ^g. .1 zeigt. <iewObnlich ist das Löchlein unii^rbalb der Keule in 
ebiem angescbwolleneii Teile der Nadel, welcbe dadurch als eine Vereinigung der T;pen 
der vgeflchwolleDeuc und der >Ki?u)enQadeln< erscheint. l>ie Nadeln von Cbandoline zeigen 
lJrand:!pureD. Leider sagt der knappe Fundbericht Nichts Aber die Art der Bestattung. 
Es haftet dieser Uebelstaud rieleu VValliiterfuuden an, die eben fast immer erst durch 
Händler aufgekauft werden, bevor sie in ein Museum gelangen. 

Einer andern Epoche als der Fund von Chandoüne gehört derjenige von Senzine bei 
Conthcjt an, den nir in Fig. 4 und 5 unserer Ooppeltafel wiedergeben, tür ist wichtig, 
denn er gestattet eine genaue Zeitbestimmung. Die Fibel (Fig. 4) iet nämlich eine 
ausgesprochene la T^nf>-Fibula, deren aufgebogener und zurückgelegter Fn?s den Bügel 
mit «uer Zwinge iimfasst. .\ehnliche (<ibelQ fanden sich iu den Grlbero von Steinhaufen, 
(.t. Zng, die ich im »Anwigur« 1800 piig. 338 etc. beschrieb und auch eine gall- 
ische Münze enthielten mit dem l!;inhorupferd. Freilieb fehlt Iwi deu SteinhauHerfibeln 
die Erweiterung des Fuäses vor der Zwinge. Diese Erweiterung weist zwei augenartige Er- 
hebnngen auf, die auch sonst mancherortä vorkommen, t. B. in dem Grabfund ron Aar- 
berg, der ebenfalls im Bemer Autiquariuui liegt. Derselbe besteht in zwei FibuUe. 
Die eine derselben gleicht ganz geiu^u üerjenigeu von Senzine, die andere ist eine typische 
IiVüh-la Tene- Fibula. In dem Grabe von Senztne bei Contbey wurden aber ausser 
der liesproclienen Fibula auch zwei offene Bron/eriuge gefunden, vom echten Walliser- 
tjpuB, wie Fig. 5 neigt, l^ sind eigentlich keine Hinge, denn diese sind gesehloswn, 
sondeni es sind Spangen, welchen Terminus ich dem Ausdrucke »offener King« vorziehe, 
leli werde also in Zukunft uniersoheiden zwischen den (geschlossenen) Klugen und den 
(offenen) Spangon. Ganz ähnliche, nur noch massigere. Spangen wie diejenigen von Senzine, 
habe ich im Ictztjihrigen »Anzeiger« aus Avent bei Oonthe; beschrieben ('faf. XXIX, 5). 
Dieselben stammen aus einf>m Grabe der mittlem la Tene-Zeit und wurden, immer vorau»- 
geietzt, die von Händlern übermittelten Fnudberichte seien glaubwürdig, zusammmen 
gefuiidüu mit Würzen- oder Augenperlen und einrm Gla^armring. Die Urottzeejiangeu 
von Senzine zeigen nun auch das Charakter isti-sche Walliser-Ornament und stammen eben- 
fallD aus einem U T6n<.>-iJrab. Wir gewinnen aUo aus diesen Funden, wie es scheiut, 
die Gewissheit, dass die massiven Bron£espangen mit dem ■ WaUiser-Omameut« der 
Eisenzeit angehören und zwar speziell der !a Töne- Periode . Üb sie zur Zeit der römischen 
üccupation noch im Uebmuche waren, i^t aus den vorliegenden Walliserfuuden noch 
uicht vrticbtlich, aber wahrscheinlich. Glücklicherweise besitzen wir nun ober Gräber- 
Ton Senzine noch weitere Nachrichten, als was ich oben mitteilen konnte. Im 
»Anzeiger« I88ä Seite 147 hat Herr Kapbael Kitz ein Grab von Sensina in der 
Pfarre Contbey beschrieben, das mit Steinen umgeben war. Es enthielt ein Skulett, 
welches zwei auffaltend dicke, schwere Armspangeu von roher Arbeit, aber in guter Krhal- 
tung, bei sich liatlo. Die Verzierung bf-stand tu ringsum gehenden, aneinander gereihten 
Kreislinien, »ein im Wallis häufiges Vorkommen«. Sensine oder Sensina hat auch in 
dtiu letzten Jahren niod<>r Rronzeu gelief'rrt, die Kitz im »Anzeiger« 1890 pag. ^10 
beachrieb. äie bestanden in einem omameuürten Gefilfise aas dünnem. &^<«(UbV^ftf^^ 



sclimaleu Armriogen und ßronr^twlD, letztere (ragmentariitcfa. Schon 1845 berichtet« 
Cborherr Kioo von Gr&beni in Onndis (Cootbey). Beim Hanse Diic und bei Sainsinna 
(Seii7JDe) habe man Skelettgrätwr gefunden, bei deren AbdeclcuDg die Bauern aach die 
«sonderbaren dicken Kleidimgsstöcke» bewunderten, die aber bei der geringsten Ue- 
rübruog zerfielen. (»Mittheil. d. Anti<]. Gesellscb. ZOrich«, IIT, 4 p. 41.) 

Die Gemeinde Contbey vieiat nicht nur in Senzine vorhistorische Griberfunde auf. 
sondern auch in anderen Theileii ihres Territoriums. In Flan-Omthey wtirdeu drei Paar 
schwere Bronzespangen mit Walliser-OrDament gefunden in einem Grabe und aus dem- 
selben mW auch ein löffelartiger ßronzekelt stammen. Der Fand ist ebenfalls im Muwum 
zu Bern, Von den sechs Spangen ist eine nur fragracntari»ch erhalten. T^n Stück des grössten 
Paares ist dargestellt iu Fig. 6 unserer Doppeltafel I-II. Aebolich den Spangen von 
Senzine zeigen auch diejenigen ron Plan-Conthef ausser di>n tief eingegrabenen concentri* 
sehen Kreisen mit Mittelpunct noch Strichvenierung in meridionaler oder schräger Hieb- 
tung. Noch energischer gegliedert ist die Spange, welche Fig. 7 darstellt; sie entstammt 
dem zweiten Paare von Plan -Contbey. Von demselben Typus ist dos dritte Paar, welcbeü 
indesseu weniger schwer ist. to Fig. 8 der Doppeltafel ist in natürlicher GrOä» der 
Löffelkelt abgebildet, der mit den Spangen an das Museum kam und aus demselben Grab' 
felde oder Grabe stammen soll. Beim ersten Anblick des Fundes glaubt wohl jeder, dass 
BW eine vom Uindler bewerkst^jlligte Vereinigung von Funden verschiedenen Alters vor- 
xege. Ich gestehe, dasti dieser Gedanke auch mir auRuiglich aufstieg, indessen wieder- 
holt sich diese Erscheinung bei den Walliser Grabfunden des Berner Antiquariums 
mehrfach, so dass ich doch wieder wankend wurde in meiner Ansicht. Vielleicht haben 
wir hier ein Beispiel Jener Thatsache, dass .Vrtetakte, durch ihre alt« Form oder 
ihren von Väterxeiten Qberkonimeneu Zweck geheiligt erächieneu und deshalb mit Vor- 
liebe den Todten in's Grab mitgeben wurden. Ich erinnere daran, dass z. B. Feuerstein- 
messereben noch in fränkischen Gräbern getroffen werden. Doch bevor wir uns weiter in 
Möglichkeiten verlieren, ist es wohl am Platze, diese angeblich aus eiseozeitlichen Gräbern 
des Wallis stammenden Hronzokelte Revue passiren zu lassen. 

Die Form des bronzenen T/Jffelkelts, wie ihn Fig. 8 darstellt, ist in Pllihlbauten oder 
broniBKeitlichen Ansiedelungen der Schweiz noch nie gefunden worden, ebensowenig in 
Gräbern der Bronze periode. Sie fehlt indessen in unserem Ijinde nicht ganz, sondern fand sich 
z. B. im Letten bei Zürich, wo ich die zum Theil verschwemmte erste Landansiedelung 
aus nach-pfahl baulicher Rpoche nachgewiesen habe (»Zeitschrift für Ethnoli^ie«, 1888 
sp. 137 ur ff.). Die Station Zürich befand sich auf und am Lindenhofe und dauerte 
^7 wahrscheinlich bis tarn Auszug der Helvetler (5B v. Chr.), wie Mittel- La Tene- Funde 
im Letten und in der obern Limmat beweisen. Auch in der Sammlung Ixibner scheinen 
Löffelkelttf cxistirt zu haben. (Vgl. »Mittheil, der Antiq. Gesellsch. Zürich« II, 7 Taf. I, 7 
und III, 4). Im Wallis haben wir noch einen soloheu Fund zu erwähnen. 

In einem Grabe am Mont de Ston in der Gemeinde SarniM wurde ein LSffelkelt 
gefunden und ausser demselben eine ganz erhaltene Armspange und das Fragment einer 
zweiten. Dieser Grabfund umfasst noch einen kleinen Brotizeriug. eine Bronzejwrle und 
Reste von Spät-La Tfene-Fibeln ; Also wieder ein Bronzekelt von Loffelform mit La Tfene- 
Sachen. Er ist abgebildet in Fig. 9 unserer Doppoltafel und zeigt schwache Bandleisten, 
wie derjenige von Plan-Conthey, dem er aber an Grösse nachsteht Die ganz erhaltene 
Anaspange ist in Fig. 10 reproducirt. Sie weist auch oonceotriscbe Kreise aul^ ebenso 



I 
I 



lnctir«meruiig€>ii. Zu beiden Seiten des Scliluases aber veremi^u sich UadiaUeiBira" 
mit dem Kieisornameiit, .so das» ein achlaDgeokopf- ähnliches Gebilde entsteht 

Schliesslich komme ich auf einen Fund zurück, den ich im letzlj&hhgen »Anzeiger« 
beschrieb und der auch im Beriier Antiquarium geborgen ist, nämlich auf depjenigen 
TOD Ave$tt hei Coutheif. Kr gehört der sog. Mittel-Iji T&ne-I*eriode an. Ich habe ihn 
auch oben erwühnt und mujis uun noch beuerkeu, das^ er ein Brouzebeil euthielt 
Dasselbe ist in Fig. 1 1 uuserer DoppelUfel abgebildet und zeigt zwar keine Lßffelfonn, 
aber doch ^ne solche, die ans bronzezeitlichen Ansiedelungen der Schweiz nur in veuigen 
ICxetaplaren bekannt igt. In der Eisenzeit wird diese Form häufiger, rertiort sich aber 
bald. Interessant ist es nun, dass sie uns in einem Grabfund eines ziemlich abgoschlosseoeQ 
Bergthaies entgegentritt, in Gesellschaft mit La T^ne-Sacheu. Derartige Kelle mit 
den fast in der Mitte der L&nge sich befindenden, merkwürdig kleinen Schafllappen sind 
besonders aus Ginzelfundon bekannt geworden. Sie sind fast überall gleich breit und 
laden nur gegen die Schneide etwas aus. 

Neben LOflelkclt und Brnnzebeil mit kleinem %haftlappen kommt in den Walliser- 
gräbern noch «in« dritte Axt-Form vor, auch aus Bronz« bestehend, Das Berner Museum 
besit?.t einen derartigen Fund aus La O^ronde bei Sterre (Stders), den wir, mit Ab- 
bilduDgen reraebeu, spater ebentollfl zu publiciren gedenken. J. Heikri.!. 



< 

4 



t 

Fund eines Mosaikbodens beim Kloster Disentis. 

Vor einiger Zeit wurde Unterzeichnetem mitgetheilt, es sei beim Kloster Disentis 
ein mittelalterlicher Mosaikboden gefunden worden. Auf ein an S. Gn. Herrn Abt Benedict 
gerichtetes Gesoch um diesbezügliche Auskunft schrieb uns am 12. December 1891 der 
Uochw. F. Placiduä Möller: 

>. . .Wir Hessen letzten Sommer hinter dem Kloäter fSr eine kleine Keubaute das 
Fundament graben. Als noan bei einer Tiefe von etwa 10 Fttss angelangt war, stiass 
man statt auf das gewünschte Fundament auf verschiedene Gewölbe, von deren Existen» 
wir bisanbin nicht die geringste Ahnung hatten. Diese Gewölbe waren theilweise bau- 
fällig und mit Schutt ausgefüllt, der von früheren Klosterbränden herrührt. Unter diesem 
Schutt befanden sich mehrere Ueberreste eines alten Mosaikbodens. Die hiezu verwen- 
deten Steinchen sind aus dem bekannten Oberl&nder oder Tavetscher ÜfensteiD, Scalegl, 
geformt; bei einigen Fragmenten befinden sich auch Steinchen von einer anderen Stein- 
sorte. Nebstdem wurden noch zwei kleine Bruchstücke des Kopfes einer Statue und 
einige, wahrscheinlich von Menschen herrührende, Knochen aufgefuuden, ebenso ganz ge- 
ringe Bruch.4üeke von gebrannten Steinen. Kin guiz kleiner Theil des Gewölbes war 
gepflastert und sauber geweisst, doch theilweise vom ßanche geschwärzt. Die übrigen 
Gewölbe bestehen in zwei Gängen, die unbeworfeu äiud und in verschiedener Richtung 
laufen, 30 dosä sie einen spitzen Winkel bilden; leider sind sie fast ganz mit Erde an- 
gefüllt, so dasa man nicht in dieselben eindringen kann. Wenn mau weitere Nachgrabungen 
anstellte, würde man vermuthlich noch andere Ueberreste der früheren Bauten finden. 
Das Kloster wurde bekanntlich mehrmals von der Geisi»! des Feuers heimgesucht. Nach 
den Br&ndeu wurdeu die Trümmer jeweilen binter dem Kloster ausgeebueU Und aiu kAuu.W 



4 



_8 

man d«nn auch, ah genanoten Ftiodament gegraben wnriio, ganz beqniMn drei verschiedene 
Schichten unterc^cUeiileii. Ks hält schwer, genau zu bestiiomeu, aus welcher Zeit die 
Kraccmeote dea Mosoikbodeiis stainmeQ. Doch drlLugt sich mir die Vermuthung auf, die- 
selben konnten von dem alt^^n Kloaterban herrühren, der 1514 unUr Abt Andms de 
t'alera (Fellers)'! ein (taub der Flammen wurde, doch liisst sich nichts Qeiianes hontimmen, 
zutnal auch nicht die goringaion handschnftlichcn Aufzeichnungen vorhanden sind. Da 
eb«n nur kleine Fragmeitt<> rorhandeu sind, so lässt sich daraus ebenfalls kein sicherer 
Anhaltspunct ßndeii, um das Alter derselben zu l>estiniin(>n. ICs ist immerhin interessant 
and befriedigend, cnnstiitircu zu können, da.ss man im abgelegenen Hündner Diierland 
schOD vor Jahrhunderten den Scal<^l nicht nur für Oofeu, sondern auch zu Kuust- und 
DecoratioQSzwei^n zu Torwonden »u»3te.< 

Das uns ^t's UAtische Museum gütigst zugestellte Probestück von U cm Länge 
Ittnd 11 cm Breite zeigt eine 5—6 cm dicke, grobkörnige, gelbliche Cemeot^whicht, in 
welche sech^reibig 2—3 cm tiofo und 1,5 cm in's Geviert mesaende Scaleglnürfel eiu- 
gelaswD worden sind. Die Aneinanderreihnng der Würfel ist eine so dichte, dass bei 
den Äusseren die I'artißD, wo Würfel ausgefallen üind, bloss pupierdicke Scbeidew&ndc xu 
Tage treten. 

Die Herstellung des Mosaikbodens bat roao sich wohl so zu denken, dass zuerst 
, auf den Untergrund die L'emeutlage aufgetrogeu und dann in die noch plastische MiL^se 
idte xn einfiiclien Muslern zurechtgeschnittenen Steinchen eingelassen worden sind. 

F. ». Jboelin. 

*| TgL: Die R«gMl«o dei Klosters Disentis Ko. ZOT. 



Dte Reliquien der Helligen Germanus, Randoaldus und Desiderius. 

Bobok'iius gibt nn.s in seiner etwa zwan:(ig Jahre nach dem Tode des bl. i~!ermanus 
verfaasten und nach Angaben eines Augeni^ugen uiedergescbriebeuen Vita Saucti Ger- 
mani*) eine äußerst zuverlässige*) nnd detaillirte Erz&hlnng vom Leben und Tode des 
ersten Abtes von Moutiers Oraudi-al. Für unfern Gegenstand kommt nur der l'assus, 
welcher das Martyrium des Heiligen betrifft, in Betracht. Idut Uobolenus wurde Ger- 
manus sammt seinem Begleiter llandoaldus, dem praepositus libris, ron einer Streif- 
sohaar des AUemauueu Cathicus überfallen, verlolgt und durch einen Lauzeustich ge- 
t&dtet. Seine Leiche wurde in der Nacht von Möuclien gefunden, und dieae brachten 
ne in die von ihm erbatito Basilica des bl. Ursicinus (Saint Ursaune) wo sie entkleidet 
wurde. Indessen warm die MOnche von Houtiers-Orandirul benachrichtigt worden und 
kamen, um den I^icbnau ihres Abtes abzuholen; webklagend setzten sie ihn in der 
Basilica 8. Peters bei. 21. Februar 670 oder 677. 

Der Gürtel des Geruuinus wurde nachträglich von einem Mtoche au%ehot>eo und 
wirkt« in der Kirche ausgestellt verschiedene Wunder. 

Im Jahre 1477 — auf den berühmten Solothurner Keliquienfuud von 1473 hin — 
ward beim Bischof von Basel die Grhiubniss nnchgesucbt, das Grab des hL üermanus 

■) Abcodr. bei TronUbt Uoo. I. S. 48 ff. AeU 8S. Fab. IIL 3S6-Ü69. 
*t BtiL liu^u« de 1a Fruce UL S. 631. 




iti dörfßn, dii raan in sohr alten Schriften — vormiithlich ftbcn in der nbcn 
ffeiiaiint«Q vita — gefunden, der Heilige liege iu der Kircbo von Moutier^ begraben. 
]>atit eineo) im Original eiithalteiieu ProtökoU stellte nun der Pn>f»i Heinrich von 
Ampriogen mit Erlanbuiss des Biacbofs Nachgrabungen an und fand da« Gesuchte. 
Allerdings waren nun wahrscheinlich mehrere Aebt«, vielleicht auch andere Perwoen in dernel- 
ben Kircbe beigeseUt, und man darf sieb nicht verhebleo, daes der fromme Propet sich 
konnte getAnscht habeo ; indtas glauben wir. dass für die GrahaUtt« dos Germanus, der als 
Stifter des Klosters. slU sein erster Abt und als Märtyrer dreitacbeu Anspruch auf einen 
auiigeKeichueteD Platz als letzte Huhestfttle hatte, ein Ort in d*^r Kirche gewählt irurde, 
der sich leicht wieder gefunden. Dass die begrabene und wiedergefundene Persönlichkeit 
ein Geistlicher gewesen, ergibt sich aus den Poutißcalscbnhen, ilasssicein Abt gewesen, 
aus dem Pediint. Die Cooetauität de^ letztern Ohjectes glauben wir s. Z. nacbgewiewn 

Eilt haben; eine Betra^taog der übrigen Pundätuclce durfte weitere .Schlüsse erUubt'ii. 
Wir beschreiben die sämmtlicbeu efaemftls in Moutiers-Graudval, jetzt in der Kircbe 
tti Delsberg aufbewahrten Keliquien im Ansebluss an ein etwas nach dem Jahre 1580 
augefertigt4)3 Verzeichniss.') 
1. Corpos St. Germaui abbatis et martyria, exeeptia porvis quibusdam particuUs in 
int^nm. 
Betrifft das reicbgefasste und gekleidete Skelett im Chore der Kircbe zu Delstberg, 
2. Calix ejusdetn Sanuti argt^nteu? deauratas. 
Im Kirchenscbatz von Delsberg wird ein silberTergoldeter Kelch mit flacher glatter 
GQpa und glattem nur mit einem gravirtea Kremwhen rcrsebenem Fnss als Kelch des 
hl. Germanus gezeigt.*) Dieses Qo^s gibt sich durch den gothiseh gebuckelten und 
in den Fugen diagonal gi-avirten Knauf (uodua) als Arbeit des XV. Jahrhunderts zu 
erkennen; eigenthümlich ist ihm die Hache, sonst besonders im Xll. und Xlll. Jahr- 
■ hundert äbliche Form der Cupa. Kelche aus dem VII. Jahrhundert haben durchaus 
[andere Formeu, wie au3 erhaltenen Exemplaren (Cbelles) sowie Darstellungea hervor- 
geht. Ob der Achte Kelch des Germanuä bei der GrabTifTnung zerbrochen und 1-477 
schon durch den Delsberger Ketcb ersetzt wurde, wisseu vrir nicht, vielleicht bat das 
kostbare Stiick auch wie Nr. Ü des Verzeichnisses den Weg in's Ausland gefunden. 
S. Pedum ejus. 

Dieses seltene Stock flndet sich al^. u. beschrieben im Auzeiger 1891. S. 430 ff. 
4. Caloti duo serico rubeo acu picti quibus iiiduebatur ut credibile est, cum cele- 
biaret in poutificalibus. 

Erhalten haben sich zwei zusamraengehf^rige LederKbube,') welche, da sie mit 
rotber Seide gestickt sind, der Beschreibung entsprechen; sie sind nieder, vom 
hetzf4)rmig ausgeschnitten mit dreirckigom Zünglein (lingua auperior), auf dem 
ein Kreuz gestickt ist, iu der Jlitte mit Bwei Lederstreifen, (ligaturae) und geg^ii 
hinten mit zwei ausgt^ciinittenen Kinglein (an?ae, ligulae) versehen: an den 
Oesen hängen noch fest verknotet die ledernen Scbuhriemen. Die genannten De- 



'i Trooillu m. a. 0. 8, RS. Quiquerei im Bull, de la Soc. p. c. Cooservation dee Hob. bist 
'd'AlfMe ir. •«ri«. 4 vol. S. 1-11. 

*) Nach Pbou ahg. hn VaDtrcj III. 3. 103: lugenaa ist die Coalarzeicbnatig t. Quiqoeres im 
Aaxetser \Hb9, T^f. 111. 

*j Vgl. die Abbitdiug bei Vantrej- I. S. 45 ; verkleioert nach Qniquu» U<o\\. V<iNAffxv««^M:(^ 



10 



0. 



7. 



8. 



stand theile, Reminiscenzcn an den römische« Rinmcnüchuh (vgl. die im Uhcio g;e- 
fundeueri Iilxeiuptare im Museum tod Maiuz) sind Charakter iHiscIi für deu ältesteu 
T^pas des mlLtelilt^rlichei) PontificaI»cliiilis;') als abnlich bez^ichncD wir die 
Scliiibe der S. Aldegiinde f c. €14 in Uaubeuge, des Bischofs Kgino t S02 zu 
Keichi->nau; als genau eiitüprechend, die Schuhe der hl. UaUiihle f 680 (oder Ber- 
tiila t 092) zu Chelles; elenfalls rruhmitteliilt^rlich ist dei uuedirte sog. Marieit- 
schuh im [)om8chatz v<hi Le Puy (Üaute-Loire), während die tod Bock aU älteste 
noch erhaltene Exeui[ilare bezeichneten Sandalen von A Itaich mir unbekannt äind. 
Auf Grund der Uebereinstimniung mit den aufgezählten genau datirbaren Stacken 
haben wir in den Deläbergcr Sehniien Heliquion des VII. Jahrhunderts zu er- 
blicken ; die abweichenden Formen spaterer Jahrhunderte sind uns aus zablreiclien 
Darstellungen bekannt (r. B. Am. 18ü9. Taf. IX.). 
Bina tibialia iutegra et illaesa ad praedictuiu nsum pontidcalc. 
Erhalten sind in Delsherg stwei isusam menge hörige sehr gut erhaltene weisse Knie- 
strümpfe'), aus feinem quergestreiftem Linuengewebe; oben roth gesäumt und mit 
vorne angenlhlen Struniiifliänderu versehen. Die vortronUche KrhaUung dieser 
Kleidungsstücke erklärt sich daraus, dass wir es, wie bei den Schuhen, mit Gegen- 
stiLnden zu thun haben, die nur zur Feier des Gottesdienstes getragen wurden,*) 
vielleicht auch in nagelneuem Zustand der Leiche angeMgen worden sind. 
Über evangeliornm. 

Trouillat i. S. 5^ u. bemerkt biezu >probablement le m&ne qui a m veodu eu 
Anglctcrre pour 40,000 Krs.« Uns ist nichts über den Verbleib die<«er kostbaren 
Handschrift bekannt; nach Quiquerez Bull. s. I. ward sie in Delsberg um 3 Fr. 7& 
(so!), später um 30,0tl0 Fr. verkault; sie giug durch die Hände des Basier An- 
tiquars vou-Spe)T (laut Priratmittbeiinng). 
Cna chirotbeca ad nsum memoratum. 

Mit chirothecae oder raauicue bezeichnete man die seit dem VI. Jahrhundert in 
Gallien üblichen l'ontißcaMiuudschube,') solche aber sind in Delsberg nicht erbalten, 
wohl aber ein Aermel aus glattem weissem Gewebe, etwas zerfasert, mit grün und 
rothem Band versehen. Dieses Stack gehört zweifelsohne zii den Fundstücken aus 
dem Grabe des hl. Germanus und wir gehen vielleicht nicht irre, wenn wir diesen 
Aermel mit der überlieferten chirotheca identißciren ; der Verfasser des Verzeich- 
nisses sah das Stück vcrmuthlicb als die Stulpe eines Handschuh's, wie solche im 
XV. und XV[. Jahrhundert gebräuchlich waren, au. und wusste nicht, dass die 
frühmittelalterlichen chirothecae nur bis zum Handgelenk reichten. 
Pars cinguli. 

Erhalten ist uns der unscheinbare Rest eines fingersdicken Stricks. Seit dem XVI. 
Jahrhundert waren häufig gewöhnliche Stricke als GQrtel im Gebrauch'*), desshalb 



•j Vgl. Ch de LioJkS: Aociena V*lemenU McerdoUaz et »nciciw üssus couservis en France 
tu. Urie. La obauuure. Paria IS63. Kraus Kealeocyklop. II. 8. 214. Bock Oescb. der liliir^ Gowiodcr 
11. S. 10 ff. 

'I Ab«. Viulrey I, Ü. 4J. 

*) Bock 11. S. 3 

*) Bock IL S. 131. 

■*j Uodc II. a. 242. 



11 



hat der Vcrrai^r des Inventars diesen H(«t ohne ZOgern als Odrtel bezeichnet 
im frütieru MitreUlter ivurd«!n zu diesem Zwecke moist schnukle <>dor hmt^ Dilnder 
vertroDdet, auch zeigmi die Strümpfe fiboafallj keine Schniirc, «tondern Bänder. 
Ueber die eliemalige BodoDtuu},' ilieses CJeberbleibütik uot^rlassen wir daher weit«re 
Vermuthurigen, indtitiraltH iH kaum uii iJa» iit der Vita geaannte wiiiidirtltStigB 
cingulum, sondern an ein Fundsiück aun des dermanns (irab y.n denken. Der 
frfihoiittelalterliche Pontiüc-algürtel des hl. Caeäariti» zu Aries ist ein ledern«!* Band. 
9. Moiima {mrs reliquiarum St. Raudoaldi martyiis. 

Gemeint i»t das im Chore der Ooldberj^r Kirche au3g<^tel1tc Skelett des mit Oer- 
mauus getOdteteu Hraepositus iibrts Kaiidoald.") 

10. Ungula immaniüsimi gryphi. (leber dieses nicht mebr vorhandene lielii(i]ieiiUiim 
Tgl. Quiquerer. Bull. S. 7—8; die Grcifenkralle gehOrt in die Legende vom hl. 
Himerius, vgl. Lütolf: GIauheiislK>teD S. 303-304. 

11. Brachium St. Mauritii Thebeae legionia duci». 

Neben diesen nicht naher verificirbaren EtoHquien wird nach Vautrej I S. 44 noch 
Erde »tremp(Je da sang de ces glorieui n^artyrs* (d. i. S. S. Oermanus und IUD<Ioaldu:$) 
aufbewahrt; sie befindet sich in derselben Vitrine wie Nr, 12 zu DeUberg. 

12. Tibialia St. Desiderii martjris sangiiine aspersa. 

0^ Sg ^ VF^'^^X. l^'Wf^.^i ^^ heilige Desiderius wurde nach 

Lv* ^ ^^^^^^'^ü'^^^^tV^ ^ der Legende in Khodez io voniehiuem 

Hans geboren; er studiert« in seiner 

t"^ Vat«r:jtadt und ward Ul^cbor; i^itäter trat 

^. er eine Reise nach Kom und dann nach 

- j« *j» ^r^^-r - % -•ATS— i A''*™*uiieü an und ward im .Iura, ver- 

>\X.^ ^T UK ^ ^>*J^- ^S^ ^-S^ .^^ inutlilich bei dem nach ihm benannten 

-^■^ tP!'x_ .>*^ \ ^ ^ j^^. ^iSZL^- J St. JHzier, ermordet und ausgeraubt ; sein 

LeicbuAm ward in Datira (Delle) begi-a- 
bcn. 0er Tod des Heiligen filllt unter 
die Kegierung eines Childerich, nach all- 
gemeiner Annahme unter den zweiten 
Kdnig dieses Namens c. 672.") 

Das Inventar redet von ,tibialia*J 
uud nicht wie oben Nr. h von «bina ti-* 
hialia*, meint also neUeioht nnr einen 
Strumpl; iu Uelsberg iüt uns nun ein 
einzelner der Beschreibung entsprechender 
öegeustaud mit einem grosseu schwar/en 
Blutfleck am Fuss erhalten. Auch hier 
haben wir es mit einem wei&oen Ponti- 
ßcalstrumpf zu thun; er besteht aus drei 
Stücken, deren eines das Bein bis zum Knie, 



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"J I>irct«I1ang«o dei Bandotld lind t«lt«n; er pfl«gt alt Mftrtjr die Ptlme uad diia du In- 
itrameDt, du ibm deo Tod brachte, die Lfttiu, «Is Altribola la fobreo 
'•j TrouilUt 1. S. 60. jIcu SS. öepL 18. 



12 



das xweit« d«D Voss und dta dritte, entsprechend dem kirchlichen Gebrancb vas 
Leinen*') bestehend, die Sohle bedeckte; das Wadeiiüluclc ist mit^drei rotbeu 
QtierbAnd«>m ver<^h«o, am obersten, das den Sauui bildet, sind hinten, d. h. in 
der Kniehöble, xwei grüii und rothe Strumpfbänder ungenäbt. 

Besoadere» Intere»» verdient dieses ll«kläidungäjtück wegen des schOneo ein- 
gewobenen Ornamentronsters (vgl. die Abbildung); dasselbe Migt die den früh- 
mittelalterlichen Stoffen eigene und bis id'k Xll. Jahrhundert beibehalleud fän- 
tbeiluug in Kreise; da wo sich die Kreise oder Ovale berühren, sind sie bei den 
Ältesten Stücken durch einen King oder ein Eirund verbunden. Auf dem Stroiiipf 
des hl. Oeaiderius sind die Ovale mit sehr geschmackvollen Ornamenten ausgefüllt, 
ebenso die Zwischenräume; in den Verbindungsmedaillons findet sich ein Halb- 
mond (ähiilicb Bock 1. Taf. I). Wenn wir das darin einget<chlossene KreuK »U 
daa cbriätlicht> P^mblera auffassen, so entspricht es durchaus frühmittelalterlichen 
Chrintusmonogrammen, denen gerade die doppelte Linienführung oft eigen ist.**) 
Die edle Ornamentik dieses Stoffes zeigt, dass wir es weder mit fränkischer noch 
alamannischer oder burgundi<wher Textilktinst zn thun haben ; nach der Legende 
brachte Ofsiderius Qewänder aus Uom mit. 
13. liljuadem caicei sive sandalia. 

Auch hier Ist nur ein Schuh vorhanden, wohin der 
andere gekommen, ist nicht mehr auszumachen. Das er- 
haltene Kx)?mplar, 27 cm lang, besteht aus drei Stücken: Der 
Sohle, dem Hiiiterstück und Vorderstück; hier ist die lingua 
supnrior d. h. ilos dreieckige Lederstöck, das l>ei dem Schuh 
defi hl. Germanufi frei und lose herausstand, an den F)cken 
verbunden mit dem Corpus des Vorderschubs; um dem Ritna, 
welcher eine partielle Freilegung des Fuasea verlangte, zu 
genügen, sind hier nur zwei dreieckige Löcher in das Vor- 
(ierstiick geschnitten; dünne, mehrfach nebeneinander auf- 
genähte Streifen aus vergoldetem Leder nmaftumen diese 
Löcher uud bilden ein einfaches Ornament auf dem Vor- 
derschuh und der lingua superior, sowie auf dem Persen- 
blatt : einige ebenfalls aus Leder und Faden hergestellte 
Sterne füllen das Feld aus; auch die ligulae sind mit dünnen 
einfachen Leder^treifen verziert, onsae sind keine vorhanden. 
(vgl. die Abb.) 

Auch hier haben wir es nicht mit Schuhwerk lör den t4glicbeu Gebrauch, son- 
dern mit I'ontifioalsandalen zu thun, diea ei^bt sich aus dem veigoldeten Schmuck 
und den dünnen Sohlen. 7m genauerer Datirung dieMS Schuhes besitzen wir keine 
Analoga, wir gestehen indess, d^ss eine so grosse Verschiedenheit zwischen demselben 
Bekleidungsstück zweier angeblich xor selben Zeit und in derselben Gegend be- 
grabener Priester, fflr uns etwas Auffallendes bat; heben lieaseu sich diese Bedenken 



'*) AmftUr. furtunat. bei Bock IL S. 5 Asm 

**i Vgl. LiDdenscbmit Altertmr. 3. 101; ZusammeDsteiluDgeo b« Roller: CaUcombe« und 
Knos Realeocykl. Qaiqncrex' ZolchouDg la Utül ä. 10 in sehr ungenau, du Onl Ribt ale ftli 
OctogOB, du Kreos kU Pratze iri«d«r. 



18 

nur, wenn die R^erun^ CbildericN III. 743-752 ats Todes»it des Ddsiderius 
kCDlite angenoinmän wirdcn. Oder sollt« der wandorade Biachnf diese Poritifical- 
onameDtc ans andtirm Laude loitgebracLt liabeu, nie dies bot den Stnimpfeo wabr- 
scbetnllob ist, und ee hätten die Kftuber, die ibn ausfi^plüiidert, ihm seine Sandalen 
nicht geraubt? Mag man Ober die ProTenienx und d«i eiii.Higcn Besib/er unserer 
Reliqnie denken wie man will, sieber ist auch hier, das» wir ei mit einem ?«br 
alten, jedenfalls niobt 8p&t«r als ati.^ dem VIII. oder IX. Jahrhundert datirbaren 
Pontificalschuh, also einem sehr seltenen Objecte itu Ibun haben.'*) 

Aus so frühen .lahrbnnderten ist un« iu der Scbweix nicht viel erhalten, wir 
fühlten nns daher berechtigt bei den gröäätentbeils wohl bcglaiibigti'n nnd au- 
thentiscbeii DeUberger Reliquien etwas länger tu verweilen nnd nns eine detaillirle 
Besprechung erlaul>en 7.u dörren.**) 

Lt/on, X. 91. Dr. B. A. STr-KCKBi.HEBf;. 



'*) Troaillmt [■ S. 56 Ann. itellt die Grande fDr die bUberigt Anoabow tuMmmeo- 
**j Wird erholte- ßeimchtuDg (1887 ond IBi^l) sowie photn^pliiscbo und niiGhueris<^l)e Auf- 
'■abOMB trDOglkbten nlr die obige BeGchreibuag. 



Die Restauration der Klosterkirche in KönJgsfelden. 

Aui dem B«nclite de« Pristduaten dar b^idgea. Commitüioa l'ur Krb&ltaas HcbweiienKher Alterlbflnier 

ao d&s Departement des loncro 

Mit der Oberaiifaicht der im ZeitrauiD von drei Jahren durchzufübrandeii Kestau- 
rftiion der Klosterkirche von Königsfolden betraut, liegt mir ob, aber die erste nun 
beendete Baucampague Bericht zu erstatten. 

Im Januar wimleo von dem mit der Leitung der Kestanralion von der Regieruug 
des Cantons Aargau bestellton Architekten, l{errn Robert Moser In Raden, die im Jahre 
1891 auszufahrenden Arbeiten festgestellt, basirt auf dio schon im Vorauüchlag vom 15, 
November 18S8 angenommene Vertheilnng, welche eine Bausumme von Ft. 29,000 in 
Anspruch nimmt. 

Die inueroM Bauarbeiten der Kirche konnten Mitto Mänt mit dem Wiederausbruch 
der theilweise oder gänzlich vermauerten Fensteröffunngen des Mittelschiffes uud der 
SeitenscbifTe begonnen werden. 

Nach erfolgtem Studium und der Verständigung Qbcr die zur Rinröstting der 
Mittelschiff bogen nnd zum Abbruch der baufälligen J'feilerstämme anzuwendende Hulfs- 
construction, welche vom Architi-kten mit dem Itestreben nach vollkommener Sicherheit 
rOr die Ausführung dieser hOcbst schwierigen Arbeit entworfen war, konnte im April 
[mit dem Abbinden und Aufschlagen der Oerüste in den Bogenöffnungen begonnen werden. 

Durch diu bei der Aurst«ltuiit; erfolgte unerwartete Boden^nkung unter dem Mtttel- 
pfosten zur Nachgrabung veranlasst, fiiod die Bauleitung den Grund der Encbeinung 
in dem Vorhandensein zweier bisher unhekauuter Urftber') und bei den weiteren Orabuogeu 
iiia der I^genrichtung der Pfeilerstellungen wurde die Ent<lecknng gemacht, dass der 

*) Nftb«re MUtbeilungca fib«r dieielb«a finden ilcb im Anuiger Ttir Schweiz. Alteribumiiliuiulft 
tKo. 3, 1891. 



14 



alte Platt^nboden der Kirche überall auf einer Iciinstlidies Auffüllung von I.SOin. bis 
1,80 tu. Mächtigkeit über dem natürticheu Terniii ruht. 

Herr Architekt Hoser glaubte unter diesen Umstanden die Herren logeuieure 
F. Locher und Professor Tetinajer von Zürich zu eioem AugeoBchein uud zur Abgabe 
eine:« Gutachtens beiziehen zu sollen. 

I>as Kesiiltat der Expertise war die Anordnung der Anlage von je zwei Beton- 
klotzen im Aoschluss an die Pfeilerfiindameute und eines solchen Klotzes in der Mitte 
jeder Bogenöffauiiij zur Herst<*ilung einer unbedingt sichern üiiterlafre der Tfeilerträger- 
atützen, sowie der unter dem Scheitel der tlogen stehenden Mittelpfoston. 

Diese Betouirungen, welche, in der Annahme genügender Widerstandsfähigkeit des 
Hodens zum Tragen der OerüstpfosteD, in dem Voran»blag nicht vorgeHcben sind, 
rousstcn voratisslcbtlich einen nicht unwesentlicheu Ausgabeposten bilden, weshalb der 
Architekt darauf angewiesen war, womi^lich an anderen Arbeiten Ersparnisse zu erzielen. 
Zu dem Behuf sind mit meiner itustimmung die den Witterungsein Aussen nicht stark 
unterworfenen Bänke, Gew&nde und Bogenstöcke der Fenstereinfassungen an den Lang- 
seiten des Mittelschiffes und der Seitenschiffe anstatt aus Sandstein, aus gegossenen 
Ccmentstflcken hergestellt und versetzt worden. Auch wurde auf die Anlage eines Portals 
an der Nordseite des Seitenschiffes verzichtet in Erwägung, dass, — wie bis aiibiu — 
für den gewöhnlichen Besuch der Kirche der Eingang von der Nordseite des Chores 
geotlge, dass dagegen in besonderen, mit verstärktem I^ntritt rerhundenen, Fallen ein 
bisanhin vermauertes und versperrtes Portal der Westseite geöffnet werden küuoe. 

Bei einem von Herrn Professor I>r. Kahn in Anwesenheit der beiden Architekten i 
vorgenommenen Äugen?cheiu. entschlossen wir uns auf eine Erhöhung des Fussbodens, 
wie sie in dnm Restanrationsplan angenommen ist. zu verzichten in der Besorgnlss, 
dass die achteckigen Kircbenpfeiler in Folge der damit verbundenen Verkürzung der- 
selben ein ungünstiges, plumpes Missverhültiiiss erhalten könnten. Auch die Freilegung 
der vermauerten Scitenscliiff-Thüröffnungen der Westfayade wunie bei dieser Gelegenheit 
in Aussicht genommen. 

Durch die Boden Untersuchungen, KxperÜsen. Gutachten. Boden fundinmgen und 
die zur Erhärtung iler Betonklötae erforderliche Zeitfrist verzögerte sich die Inangriff- 
nahme der Pfeilereroeuerungeu derart, dass der erste Pfeiler erst Anfangs Juli abge- 
brochen und sein Stamm durch neue Steintrommeln ersetzt werden konnte, nachdem 
zuvor die aus starkem Holz gezimmerte Bögeorrmtiing nnd Pfeilerstfltzung noch in der 
von*icbtigaten Weise verbügt und versteift worden war. Nach Abbruch und Ersetzung des 
Pfeilei-8 durch Werkstücke aus hartem und compactem Sandstein von Othmarsingen, nach 
erfolgter Ausschalung der Bogenöffnungen und Wegnahme der proTisoriscben Pfeilerträger, 
bat sieb an der hohen Mittelschiffmauer auch nicht die geringste Senkung, oder Bewegung 
— sei es durch Kisse oder durch stellenweises Offnen von Fugen an den Bogonsteineu — 
gezeigt. Derselbe befriedigende Erfolg wurde auch bei den übrigen Pfeilern erziplt, 
so dass, al.4 am 27. Ilctober der letzte der steSlf Kirchenpfeiler auswechselt war, damit 
auch in vollkommen gelungener Wei« eine so schwierige und gefährliche Operation zum 
Abflchluss gelangte, wie sie dem Bautechniker nur in den seltensten F&llen vorkommen 
kann, deren volles Gelingen daher Herrn Architekt Moser, dessen Bauführer Herrn ßau- 
maiui, sowie den dabei beschäftigten wenigen Arbeitern zur grössten Befriedigung gereichen 
darf und eine besondere Anerkennung verdient. 




15 



Gleichzeitig mit der Pfeilerergäoziing Taud auch die KinrAstung der Kirch« auf 
'"ihren Aussenseiten statt, sowie die Wiederberstellting der Feusterge laufe mit Mörtel aus 
bydraullichem Kalk. 

Yoa eiuem Abbruch und einer Emeuerutig des Gemäuent vom Hauptgiebel. welcbeü 
zur Zeit der Ausarbeitiiug des Kestaurations-Project^ als baufällig iiitd verwittert 
betrachtet wurde, und deshalb in den Kostenvonuiscblag aufgeDommeti worden ist, konnte 
Umgang genommen werden, da auf die nach Krstellnug des Gerdstes und Beseitigung des 
Verputzes vorgenommene Untersuchung hin das Mauerwerk sich von hinreichender Solidität 
, erwies. Nur musste die Fa^adenmauer mit den I^ngmaucni des MittelscbiflTes, von 
denen sie sich im Laufe der Zeit getrennt hatte, vermittelst langer uud starker eiserner 
Schlaudern mit den letzteren verbunden werden. 

Die Giebel des MittelschifTe^ und der beiden Seitenschiffe erhielten nach Plan im 
Z^ufe des Sommers neue Abdeckungen aus möglichst frostbest&ndigeu Sandsteinquadern 
und Platten; auch erfolgte das Hinsetzen der au» Cement gegossenen Seiten- uud Bogen- 
gewiLnde in die Leibungen der Fensteröffnungen in den Langmaneru der drei Schiffe. 

Im Herbst gelangte das Versetzen der neuen fär die Westfa^ftde bestimmten Stein* 

haupr-Arheiten als: Giebelrose. Einfassung des kleinen Giebelspitxfensters, der Bänke, 
«Jewäüde und des Masswerkes der drei Hauptfensler zur Vornahme und Vollendung. 

Um die Äusseren Mauergorfiste nicht Über den Winter hindurch stehon zu lassen, 
evratuell im nächsten Frühjahr ernetiern zu roOssen, hat der Architekt den Fa^^denver- 
putz auf der Nord- und Westseite ausfuhren, die ilauerflächen mit hydraulischer Kalk- 
milch von pasiitendem Farbeiiton tQucheu und im Spätherbst die Gerdste abtragen lassen, 
nachdem zuvor die äussern Qorten der Langschiffe reparirt waren. Die in das Arbeits- 
programm von 1891 aufgenommene Keparatur der DachcoDstrucUon vom Mittelschiff und 
eine Rrnenerung der UacbstUhle der Seitenschiffe fand nicht statt, einerseits, woil eine 
Untersuchung gezeigt bat, dass nur wenige Balken, Sparren n. s. w. angefault sind, und 
I anderseits, um währecid dem regnerischeu Sommer durch Abdeckung der D&cher nicht 
an den Arbeiten im Innern der Kirche verhindert zu werden. 

Zur Verhinderung des Kindringens der Bodenfeuchtigkeit durch die Umfassungs- 
mauern aus dem erhQhteu Üusseru Terraiu in das Innere der Kirche bat der Architekt 
längs dem Fuss der nördlichen Kirchenmauer den Grnnd bis auf die Pundamentsoble 
ausheben lassen, unten einen Lehmschlag angebracht, den bObcrn Thcil des Grabens mit 
Trockenmauerwerk ausgefüllt und auf demselben ein Omenttrottoir angelegt. In gleicher 
Weise wird die Kirche nächstes Frühjahr anch auf der Westwite zu «hiltzen sein. Die 
letzte Arbeit war der — eigentlich ffir das nächste Jahr bestimmte — Ausbruch der 
vermauerten üeffnung des Chorbogens in ihrer uriiprüngl leben Grösse und Form, wodurch 
für die im nächsten Jahre in der Kirche vorzunehmenden Arbeiten der Uinearaum an 
Licht wesentlich gewonnen hat. 

Soweit mein Bdricht, gestützt auf eine sechsmalige Besichtigung der diesjährigen 
Bestauratiousarbeiten au der Klosterkirche von Köuigsfelden. 

St. Galteo, 15. December 1891. J. C. Kunkibr, Architekt. 



Iß 



c. 

Der Gänsefuss der Sibylle. 

Von SUAW&rcbiTg; Or. lt. Uersvi/ Ju Aarau 

Das erste Bild der rbeiniscben Btiderfolge des XV. Jahrhunderts in Zürich (Wetlinger 
Ues. S3 fol. der Aar^gaiiischen Cantonsbibliothek) xeigt die Sibylle >bjr Davidis zit«D< 
mit eiuem enganliegenden Mantel bedeckt, ans welcliom ein Gänsefuisa hervorschaut.') 
Letzterer erinnert an die Dar^teltong dei > Hertas deliciarumc der Aobtissin Herrad von 
Landsperg (2. Hälfte des XIL Jahrhunderts), noch welcher Dlysses au den musizireoden 
Sirene», unter deren GeirAnder Qeierklaneu sichtbar werden, varbeifthrt. So sehr gerade 
bei den Deutschen der Glaube herrschte, dass Elfen, Geister auJ uamentUcli Zwerge 
Vogelfüsse haben, d. h. Enten-, tifluse- oiier Hühnernisse, die sie sonst mit eiüem Mantel 
verdecken, als Spuren hinterlassen, so ist doch die Darstellung' der Sibylle mit einem 
Gänsefü«^ nicht auf speciell deutschen, sondern auf gemein abend läiidiscben Ursprung 
zurückzuführen, obwohl die Uinbildung dieses l-^säes, bez. beider Küsse, schon in sehr 
froher Zeit auf oricDtaltscbem Boden vor sich gegangen ist. 

Z& kann hier nicht der Ort sein, die Sibylle des Mittelalters aus der KBuigin von 
Saba des Alterthnms in titcrariseher Beziehung xn verfolgen. Wir vorweisen hier in 
aller Kürze auf die Arbeiten von M. Gaster (Germania 25, 290 — 294), von U'ilh. Meyer 
(Abhdlg. d. Münchner Akademie, I. cl. 1881, S.\l. 2, 103 ff.) und insbesondere von 
Wilh. Herz (Zeitschrift für deutsches Alterthum 27, 1 — 33), wo die angeführten jfldiscben, 
arabiücheo und persischen Quollen alle die Angabe gemein haben, das« die Beine der 
Königin von Saba (arab. ßalqis) ursprünglich wirklich, spater nur angeblich thierisches 
Aussehen besitzen. Ganz denselben Sageiizug finden wir aocb im Gccidente wieder, 
welchem die orientaliscbe Sage auf bislier unertnitteltem Wege zogeHihrt worden sein 
muäs, und wo sie wohl auf griechischem Boden mit der Legende vom Kreuze^iholz iu 
Verbindung gebracht wurde. Durch die Kreuzzüge wurde letztere dem Westeu vermittelt, 
in welchem sie erstmals in der ersten Hfilfte des 12. Jahrhunderts in lateinisrher Fassung 
als >hi3toria de ligno crueis« erscheint. Schon eine der fnihesten überhaupt bekannten 
Gestaltoi^en dieser Legende, eine Wiudberger-Münchener Himdschrift von ca. 1150 zeigt, 
dass auch dem Abendlande die thierischen Beine, und zwar gerade Gansefßssc, der 
Königin von Saba-Sibylle nicht fehlen, indem die Legende ausdrücklich fagt: >Saba quoque 
ßthiopissa et regina ijuoque et Sibilla haltens pedes anserinu^ et oculos Uicenta^ ut 
stelle« (Meyer, 110). Diese Älteste Erwähnung des Gänsefusses der Sibylle ist auch in 
der 2. Hälfte des IG. Jahrhunderts in einer oberdeutschen Fassung des Sibyllen buches 
(Basier Handschrift) verwendet worden.') Nur die nioderrheiniscbe Umschreibung dieses 
hochdeutschen Gedichte>i (nach 2 Köluer Drucken 1513 und 1515) ist gedruckt: 0. Schade, 
geistliche Gedichte des XIV. und XV. Jahrhunderts vom Kiederrhein, pag. 304i 

.und d[« froawe was Bcbola und rieb, 
•i hadde eiD«n vMiz der itout gclich 
of il ein genteToeiz wer«: 
d«i ichAmde sT sieb sciy, 
docb (ink si dair init ood »tont 
bIb «Dilfr Indf mit iren tomwi doml." 

*) Vgl. Hl. Herzog und J. B. Rahn io der FesticIirlU ■Turiceatia. Ueiuftn« aar sQrcb«riicb«D 
G«u:biebte. a. /.mich. lAUW, pag 61.) 

*J W. Wickoroftgel, Die Uaadicbr- d. UoiT^Bibl. Bacel. pi«. S5. 



17 



(SibilU titbt du Kr«Bx9ibolt und vuet darcb den Bub) 

,.uaib die ore tqd gadei gewalt 

wkrt der ge^Hvou gfetUlt 

eiset ainielun toIs den tsdern (clicb: 

des erfreade do Sibitli ticb." 

„Hier ist atigeoscbeiuUch die ältere jüdisch-arabische Fassoog, ironacb Üalqfs io 
|dpr Tliat tbieriHcli au»sebeiide Ueiue bat, mit der jQngera veracbmolzem, nach wt^lcbßr 
tie bei dem scbeinbareo Durchwatea des Wassers tadelloae FAsse eines Meoscheo eiitbüUt. 
Die cbristliche r«egende vereinigt die beiden einander widerspn^hendeu Züge durcb ein 
Wunder. Nacb ibr bat die Königin von Saba wirklich tiiierisclii> Bildung an sich, die 
aber rerscbwindet^ sobald sie, rom prophetischen Geiste ergrilleu, dem Kreuzesstsami 
ihre Ehrfurcht erweist" 

Soweit W. Herz (a. a. 0. p. 24), dessen AuffasauDg wir hier in allen Theilen twi- 
^flichten and folgen. Nur ia einem Puncte weichen wir jedoch von ihm ab, wenn er 
;t (p. 23): „Die I-esart »peiics ansorinos« (der Windbergoi HandBcbrift von 1150) sUtt, 
wie man erwarten sollte, »oaininos« (arabische Schrift^rteller dos 11. bis 16. Jahrhunderts 
sprechen nämlich von den EüelsfÜsseu der Königin von Saba), stainnjt wohl von einem 
deutschen Schreiber, dem aus »einer beimischen Sage die Oänse- and Gntenßlsse der 
Eiben, die Schwaneufü^se der Wasser- und WolkeoAuueo in den Slun kamen. ** So au- 
sprechend diese Vermutbung ist, so wird sie doch durcb den Umstand widerlegts dass 
die Königin von Saba-Sibylle mit dem Oangefiisw auch auf framÖsiseJicm, speziell tmd- 
franeösischcm Gebiete erKheint, und zwar nicht in Handscbriflen, sondern in vereinzelten 
Daretellungen der bildenden Kunst. Da nun die letzteren auf einem Gebiet« enUttauden 
sind, welchem die in Deutschland heimischen Gänse- und Schwanfässe unbekannt geblieben^ 
so kann von einer rein zufälligen, durcb einen deutschen Schreiber reraii lasston Umbildung 
der Gselafüsse in Gilnsefässc keine Rede sein. Vielmehr sind die Gftusefüsse, hez. int der 
Gftnsefuss der K&nigin vou Saba-Sibylle von Anfang an ein Gemeingut des Abendlaudc 
und nicht etwa bloss ein besonderes Gigcnthum der deutseben Lande gewesen. Doa' 
beweisen eben die erhaltenen franxOsiseben Sculpturen, deren Alt«r ein beträchtlich höheres 
zu aein scheint, als es das älteste deutsche Zengniss der Windberger Handschrift von 
1150 besitzt. Die französischen bildlichen Darstellungen der Königin von Saba, von 
welchen bis jetzt vier bekannt geworden, vertbeileu sich nach Abh6 Leheuf (s. u.) folgender- 
maasseii auf Frankreich : 

[. Priorat St. Pourcain (Auvergne), Kirch enportal, XL Jahrbundort; 
U. St. Benigne in Üijon, Kircbeoportal, Mitte des XT. Jahrhunderts; 
IH. Abtei Kesle (Champagne), Fortal, XH. Jahrhundert; 
IV. St Pierre de Kevers, Portal d«3 XU. Jahrhunderts, jünger als da^yenige 
Nesle. 

Diese Sculpturen hatten schon ft-üh die Aufmerksamkeit der frauzteischeu Gelehrten 

"auf sich gelenkt Mabiilon (in seiner iDisitertatiou sur les aiicieiiues s^pultiires de uob 

>i8«) sab in der iu diesen Kircbeuportateu •largestellten Kf^nigiu mit dem Gäosefusse 

Ue heilige CloUlde, welcher die übersprudelnde Phantasie der Bildhauer einen Gänsefuss 

[ftls Symbol ihrer Klugheit (!) beigelegt biLtten. Montfaucon hingegen wollte diese merk- 

w&rdige Beigabe nicht als Sjmbol, sondern etwa als Erfindung eines fabalirenden Chronisten, 

wie Frcdegars, erklären; immerhin hielt auch er ou der heiligen Clotiide fest. 



Der erste, der mit dieser Meinnng Mabillnn*s nnd seiner rielen Nachfolger gründlich 
und in flljeneagender und präciser Weise aufräumte, war der Gelelirte AbM I^heuf, 
welcher überhaupt auch xum ersten Male auf den Zuammenhang der abend ULndisclien 
Sibylle mit der orientalischen Königin von SaJa hinwies und speziell die Darritellimg 
des cbaldäischeo Targum i^hcui zum Buch Bülher (2. Hälft« des VIT. Jahrhunderts) 
kannte und anführte. Seine, hente ganz vergessene, wichtigf> Untersuchung las er am 
30. April 1751 der kAuiglicben »Acad^mie des inscriptions H belles-lottresc zu Paris 
vor; ein Auszug aus derselben wurde in der >Uiüioire de l'ac. royate d. inscript. et bellw- 
lettresi, T. XX11I, 227—23.^, iu 4. Paria, 1756, veröffentlicht. Für jede dar genaaattn 
Tier Kirchen erbrachte Lebeuf den Beweis, dass sie xur heiligen Clotildo (weder aU 
Kegeutiu noch als Stifterin) in keinerlei Uexiehungen gestanden haben könnt«, und erst 
dann ging er an der Hand .späterer literarij^^cher Zeugnittsc dazu Ql>er, die lieachicbt« 
und Bedeutung des Gäu^fusses der bisher unerkannt gebliebenen Königin rückwärts za 
verfolcren. Lebeuf führte als den Aug^angspunot seiner Untersuchung den Oeschicbts- 
schreiber der Stadt Tonlous«, Nicola* Bertranä, an, der in seiner 1515 gedruckten Stadt- 
geschicbte von den im Quartier Peyralade gelegenen »Bädern der Königin« (»quam reginam 
aliqui fuissc rcgina Pedauca volnnt«) spricht. Dur wahre Name dieser Königin Pedauque 
(Pedanca), fügt Bertrand bei, sei Anstris gewesen, und so schloss LeNjuf ganz folge- 
richtig, daas diese regina Pedauca mit der regina austri (Matthaeuä Kv. XU, 42) identisch 
aei, d. h. dass die Königin der Tonlousancr Austria, die Königin von 8aba der heiligen 
Schrift sei. Lebeuf unterstützte seine Schlussfolgening, dass die Darstellungen der fmn- 
zösiscbcn Kirchenportale nicht Clotilde. sondern die Königin von Saba vorführen, noch 
mit dem Hinweise auf eine Stelle bei Fr. Jtabelnis, wo dieser von grossfüssigen Personen 
sagt; »elleü ^toient largemeut patt^es, comme sont l«s oies et comme jadis ä Tocilonsc 
les portoit la reine P^dauque.t KatQrlicb i^t die »reine p^dauquc« eine regin a pede aucae. 
Die knappen «nd zwingenden Beweisführungen Leboufs fanden IT7I in Professor J. H- liulUi 
ao der Dnirersit&t Besanfon einen Widersacher, der in seineu > Dissertations sur la 
mjrthologie fronvaise« (Paris 1771). p. 33—68, vergeblich den Nachweis zu erbringen 
suchte, dass uot«T der Reine Pädauque: Bertha, die Gemahlin eines Königs Itobert von 
Burgund (oder Francien?) zu verstehen sei. indem er als Häuptlingen für seine Behauptung 
das Portal von St. Benigne zu IXjon aufrief. Bullet^s »Dissertation sur la reine PMauque« 
bat aber verdien termaassea keine Beachtung gefunden, so wenig als Chaband, der in 
seiner »Histoire de l'^Use de la Daurude« (1612) die Keine Pödauque mit einer west- 
gothUchen Königin Ragnachilde identifizirt hatte. Aus Bnllet*9 Dissertation geht nur 
hervor, dass seine Schlassfolgcrung über die Person der Keine P^dauque auf einer hlscben 
Prämisse beruht, die uns nachher noch beschäftigen wird. 

Die Terschiedenen. wenn auch nur vereinzelten bildlichen Darstellungen der Königin 
TOD Saba-Sibylle in Frankreich, wie die späteren literarischen Aufschlüsse über sie und 
die Reine P^daiique haben uns gezeigt, dass die Königin mit dem Gänsefusse auf f>an- 
zösiachem Boden mindestens ebenso und zudem noch früher als auf deutschem bekannt 
war. Diese Thatsache wird durch die ITebertragung des (ilnsefussös auf andere Personen 
erhftrtet. Schon Pauliu Paris hat in seiner Ausgabe der »Berthe au grand pi^<, welche 
die neuere franxösiscbe Literaturgo>)chichtsrorschung inaugiirirto, darauf hingewiesen, dass 
Berthe au grand pi^, Gemahlin Pippins, die Mutter Karls des Grosse«!, mit der Kone 
/Pjdauque io Verbindung stehe, indem der Gänsefuss zti einem grossen Fasse abgewhwächt 



1 t> 



wurde, tß der Tfaat melden die Reall di Fraucia I, 6: >Berta del gr&n pie, perclie 
clla areva tu pte un poco m^gior dell'altro, e quello era il pie dostro.« Diese Miss- 
gi^ätait wurde dann dtircli den fraDi'.öaiscIieri Oicliter Adeiiet te roi nocbmals dahiu abge* 
■^cbn&cht, das» er beide Fäsw aU (i^ebr) gross bezeichnet, »Berte as grans pie«.« Des- 
Kalb liciäst ßertlia nocb richtig in dem Gedichte Konrad Flodtes, Flnre und Blan- 
»cbeßar: >Üerhte mit dem Fnoze«, in dem mitteluiedertäiidi sehen Plöns jedoch schon 
iBaerte metteu bredeo voeteii.« — Der Anschanting von P. Paria hat Jakob Grimm 
lieige|>8iobtet, wenn er sagt: »Aber der eine Gn^sfuss ist echter und geht aus weit ftltcrer 
UeberltereruDg hervor von einer Keine l'edaufiue« (Deutsche Mythologie. I, 233). Eine 
andere Krtilärung als diejenige, dass hier eine Uebertragung einer Cigeuschafi ?on der 
Königin tmi Saba-Sibylle-P^dauqiie auf Uertha stattgefunden habe, wird nicht mdgllcb 
»in. und t» bleibt bee«Mclinend für diese Uebertragung, dass sie eben Kbon in Frankreich 
selbst vor sich gegangen i^t und gerade eine so gewichtige und interessante Gestalt des 
nationalen Epos betrofTen hat. Vielleicht ist es wobl auch nicht reiner Zufall, wenn 
KarU des Grossen zweite Gemahlin tm Bpo^ den Namen Sebiile (.Sibilhi) erhielt. 

Eine uebertragung anderer Art auf eine andere Itertha, und zwar ebenfalls von 
der Keine Pädauqne aus, ist bekanntlich die Sage von Hertha der iSpinnerin von ßurgund. 
Dieselbe wird xwar fltlachlich mit der Königin Bertha, Mutter Karls des Großen, und 
mit der Frau Perchta (Perahta) der deutacben Mythologie lusammougestellt, während 
sie gewiss von die^äu beiden Gestalten zu treimcn ist. Denn auch ilio lleiim P^daui|t)e 
ffihrte einen Spinnrocken mit sich, wie dies ein alter Druck des franzAsiscben »Koman 
d'EutrapeU von 1587, p. 95, zeigt. In demselben schwort ein Manu >par la quenouille 
de la Reine P^daui|ue de Tholose.« Weuu mau eine weit zuräckliegende Vergangenheit in 
Itali^^n und Frankreich mit der Hedensart ber^idiiiete, >uel tempo ove Uerta tilava« oder 
>au tems que U reine Berthe ßlait«, so ist die hivr genannte Persönlichkeit nur auf 
die Königin Hertha von Burguud, die Gemahlin Kudolfä II. von Burgund, zu bezieben, 
wie auch die in der Westschweiz gebräuchliche sprichwörtliche Bedeosart >au bou temps 
oü Berthe filait« zeigt. Denn einerseits ist die Verbindung der spinnenden Königin 
Hertha mit der spinnenden Hausmutter, der geisterhaften Perabta zu allgemein und zu 
locker, und andonteits findet sich im ganzen TranzOsischeu Karlsepos auch nicht eine 
einzige Spur davon, das.^ dio Mutter Karls des Gnissen gespouiien habe. So sjät nun 
allerdings die obengenannten italienischen und französischen Redensarten vom Spinnen 
der Königin Bertha an und fijr sich sind, so muss doch diese Thütigkeit Rchon ft-üh auf 
sie übertragen worden sein. Beweis dafür liefern die burgundiäclieu Frauensicgel mit 
der Darstellung einer spinnenden Dame. So sitzt z. B. Alix, comitiasa Burgundie Palatioa 
auf einem Hunde, den Spinnrocken iu der Hand haltend (Siegel an einer Drknndo vom 
29. November 1253 im Archive von Hauterire). (Vgl. die Abbildung bei K. Zeerleder^ 
Urkunden für die Geschiebte der Stadt Beni, lU. Bd.. Taf. 16, No. 69.) 

Die Redensait »zur Zeit als Königin Bertha spanne verwendete schon Bullet als 
Beweis für seine Behauptung, 'das darunter Königin Bertha, Gemahlin Koberfa von 
Bargund, zu verstehen sei. Offeubar kannte er die Uebertragung auf die Gattin Uudolfa II., 
verschwieg dieselbe aber «lorgfältig, um damit seine Hypothese glaubwürdiger zu macheu. 
Seine Prämisse : die Keine l'^uque spann, eine unbukauote Königin Bertha spann, alao spann 
auch die Königin Bertha, die ihrem Gatten Hubert einen lÜlium anserinum {>or omnia 
tlltUD et Caput habentem* geschenkt hat — ist nicht 8t\chhii\ti%, mM. m-oa ^"«wsr 



20 



fShning bewegt sich io einem Zirkel. Das» Tür die »frute Dame« Bertha, die Spiimerin, 
nur Kadolfs 11. Gemahlin in Betracht komme, ist von der neueren Forschung einstimmig 
anerkaont. 

Die groffiie Verbreitung, welche die Sage von der Königin Ton Saba in der Lite- 
ratur und bildenden Kun^t des Abendlandes im spateren Mittelalter gefiioden hat, machte 
sich, wie von romberein zu erwarten stand, auch auf dem Ueblet« der dramatischen 
Kunst geltend: Ein in Koucn im XIII. Jahrhundert am Weihnachtati^e au^efubrtes 
Officium, das ^festim Asinomm*, ist dafflr wohl der älteste Beleg. Hier treten die 
Hauptgostalten des Alten Testamentes und einige wenige des Neuen Testamentes, gerufen 
von den Vocatores, auf, und das Spielrcgiater gibt jeweileo genau die Kleidung des ein- 
zelnen Spielers aii. Vocatio Sibyllae: 

,To, m, Siliyll«, 

.Tues illft. 
Sibylla coronaU, el muUebri 
babiUi oriMta. dicRt, 

«Jndicii tlgoufli 

„kUus Budore..." 

Mit diesem Hinweis aul das jüngste Gericht durch Sibylle scbliesst das ganze Stück 
und der Chor singt die Einleitung zur Messe. Diu ganze Kegister ist gedruckt bei 
Du Gange Gloss. med. et inf. latln. Ill, 255 (1844). 

Noch aus dem letzten Jahrhundert erbringt Giftseppe Pitre (Delle sacre rappresen- 
tazioni popolari in Sicilia, Fal. 1876, p. 39, einen Beweis für die draiuatische Dar- 
stellung der Sibylle bei: »tre giovanetti salgouo sopra qo palcbetto rizzato a piedi della 
trare (detta »l<egno dogli Angeli<); il primo vestito da angelo, gli altn due in Teste 
femminile, palma in mano, e Corona in tcsta, e dal popolo son chiamati le „Sibille."» 
Sie stimmen zusammen einen Lobgesang auf die beilige Jungfrau an. 

Wie wir sehen, Hess die drauatischo Kunst den OAnsefuss ganx bei Seit«, wobi 

weil es schwierig war, einen solchen kunstgerecht xuv Darstellung zu bringen. Sie 

begnügte sich damit, die Sibylle mit der Kroue als Ki^uigin zu bezeichnen und so deutet 

säe ganz unbewusit in völlig richtiger Weise auf die Gntwickelang der Sibylle ans der 

Köni^n von Saba hin. Ganz dasselbe hat auch die bildende Kunst getban, indem auch 

sie die Königin von Saba-Sibylle mit der Krone scbmUckte; war ja eben diese Krone 

daran Schuld, dass die Gelehrten Frankreich? bis auf Lebeuf in der Dargestellten eine 

Königin ihres Landes rermutheten. Dom Plancher hat in seiner »Histolre de Bourgogne», 

.Dijon 1739 (I, 002) das Portal von St. Bt^nigiie in Dijon in einem Kupferstiche aufge- 

. Dommen ; aus demselbra geht hervor, dass, wie auch wohl in der Nachbildung der Zflr- 

/chetischen Bilderfolge des XVI. Jahrhunderts, der linke Fuss der Sibylle eiu Gaueefuss 

' war. TVm gegenfiber betonen allerdings die BKeali de Francia«, dass der rechte Fuss 

der Mutter Karls des Grossen der grössere genesen sein soll. Diesem Unterschiede ist 

aber so wenig Bedeutung zuzumessen, wie der Abweichung unserer Zürcher Bildvrfolgo 

Ton der gewöhnlichen Darstellung, wenn sie den Kopf der Sibylle in ein Tuch eingebaut 

xeigt, auf welchem keine Krone .fichtbar ist. 

Wie aus der vorliegenden kuiieii Uebersicht zu entnehmen ist, Kcheinen die kunst- 
historlschen Gestaltangen des Gegenstandes, der ans hier bescbflftigt hat, nicht gerade 
weit verbreitet zu sein. An die genannten franzö.<uschen Sculptaren schliesst sieb das 
Bild der Sibylle in der wohl am Mittelrheine enttitandencti Bilderfolge iu Zürich (vgl. 



21 



TaricensiA, p. 67) nur um so willkommener u. Daaftelbe bat den AuBgangspunct dieser 
kleioeti Untersuchung gübildet. in der wir u. A. zeigen wollten, dass aucb die Geäcbiclite 
der Kunst für die Kritik literarischer Quellen und Stellen förderlich sein kann und die 
wir mit einem bislier übersebeDen literarischen Zeugnisse schliessen wollen, das, auf 
franxAsischer Orundlage fugsend, am besten <]a.s lange Fortleben der Sage auf deutschem 
Bodeo zeigen kaiiu: «Was eolt die Kump'ff gelegen Nass auf Sibillisch die Marien der 
Semele vergleichen, die den Bachum bisgenitum wie oio wider gobachen Schiffbrot und 
fiiacuijt erzilet? Et ist noch nicht mit dem Oansfuss durch den Bach gewattet!« {3oh. 
Bschart iu seiner Uearbeituug von Itabclaia Gargaulua, Geschicbtklitterung, 1600, 
pag. 7 und 7 b). 



r 



7. 

Das Gedenkkreuz des Ammann Dionysius Heintzli vom Jahre 1486. 



Noch beute pllogt man in vielen katholischen ücgenden die Stätte eines rn^^tüi-kes 
oder eines Yerbrvcbens mit einem schlichten Gedeokkreuz zu bezeicbneu. \a.uu-s der 
SJteateu derartigen Denkmfller in der deutschen tSchwoiz ist jedenfalls das Todtenkreui 
dm Obwaldner Laudammann» Dionjsius Hcintzli in Samen. 

Das eio^he Kreuz ist aus graublauem 
Sandstein gemeisselt, lOÜ cm hoch, 57cm 
breit; die Breite der Kalken betrftgt 14,5 cm. 
Aus der Mitte, wo sieb die Balken schneiden, 
tritt Id hohem Itelief ein Cbristuäkopf heraus, 
dessen Käse leider verstümmelt ist. Die in 
gothiscbeu Minuskeln eingegrabene liegende: 
»Dioaisivs Hontel> aman disers lantz 148ti« 
vertheilt sich auf die beiden Krouzarme und 
den untern TbeiL des l'Dibles. Unter der 
.labrzabl oHiliekt man ein anfangs unrer- 
»tündlicbea j^icbeu, das aber wohl, wie die 
Verglficbung mit dem beigesetzten Siegel- 
bilde des Ammano Mans Heintzli ci^bt, das 
Wappen dieser Familie, die seitwärts gekreuz- 
ten Sparren, andeuten soll. Der den Kopf 
fiberragende Theil des lYahles fehlt beute und 
ist bloss durch Oelfarbe ergäii2t. Vielleicht, 
daas das Denkmal .schon umprüngltch eine 
T-f^rmige Gestalt gehabt. Es lässt sich dasl 
leider nicht feststellen, da das Kreuz derart 
in eine Wand eingemauert bi, dass es mit 
dem Gypsverputz in gleicher Fläche liegt. 

Die tüchtige Steinmetxarbeit belond sieb 
bis zum Jahre 1807 au der Aussen^eit« des 
alten »Stoinbauses« auf dem Dorfplatx in 
Samen. Bei der damaligen Renovation des 




22 



Bausw ward sie in «ioe sclirAg gegenQb^rliegendn Kaupr versetzt und 1S4<t TonLand^ 
amniuiii Ur. lütba io seiu neues, an dis »Stcinbatu« aDgebaiit«3, Haus übertrag&u, 
wo sie noch heute im Haasgange zu ebener Erde, Hnks vom f^ngoog, in die Wand ein- 
gemauert ist. — 

Uie Si^eo, die sich au diesen Denkstein knüpfen, sind nns in den Akten der Selig- 
sprechungsprozesse des Bruders Klaus überliefert. 

Die deutscheu Akten vom Jahre 1591 berichten darüber: »Item bj B. Clausen Leb- 
zyt«D habe eine Pestilenz im Land geregiert, w&re doraaleu einer vom (ieschlecbt der 
Henzliu LaDdammanii, der hätte zwen SOhn, die flockte er in andere gesunde Ort, ver- 
meinend t!} vor der Gfahr zu sichern und k&me darnach zu ß. Clausen, zeigte ibme das 
an und rragtt> ihn, wie e? ihm gefiele. Habe B. ClauH ihme geantwortet, er aollte wohl 
für Etich sehen, dass er syne Sun nit uss dem Himmel in die UöU gefleckt hätte. Also 
begebe sich darnach, daä-s dersdbigen Söhnen einer auch fjandttmmami, aber nngdtmät 
uff dem PiaJf im Flecken su Tod erstochen worden und der ander Sohn, als er ein 
frechen uiutbigen Out geritten, denselbigen gesprenget und sich au einem Ast eines 
Baums so fast verletzt, dass er dessen sterben müssen, habe auch ein kläglich ßnd ge- 
nommen.« 

Marqiiurd Imfeid, Ritter und Landanimaun, bezeugt im l'rozeas von 1654, dass 
genannter Sohn Diunysiuft gehoi^ien habe; an ücinem, des Zeugen, Hauae stehe jetzt noch 
ein Kreuz zum traurigen Andenken. Landanimann Peter Imfeld i^riAhU in den Akten 
von 1625 die Flucht der Sohne und die warnenden Worte des Einsiedlers im Etanft: 
»Und hOrt Wunder zu. Nicht viel Jahre darnach ist der eine JOnglingTiftcbst bei seinem 
Baus auf offenem Platz zu Samen von Gualter Isner von Kerns') mit einem Dolchen 
erstochen und ellendiglicfa daselbsten auf dio Haut gelegt, der ander Jüngling aber von 
einem umgefallenen Hi)vwagen ersteclct worden.«') 

Die urkundlichen Nachrichten über Diouysitis Heintzli Diessen äusserst spärlich. 
Ich konnte eine einzige Urkunde Gnden, die seiner Rrwahoung thut. Am 26. Januar 
HSö erlLsst das geschwome Künfu^hncrgericht ein Urtheil wegen Allmeindnutzung zu 
Alpnach. •Dienissies (sie) Heotzly der zitl fjaiidammai] zu Vuderwalden ob dem »aide« 
hieng an den Brief sein Riegel, da.'i ab*>r l.-idor nicht mehr erhalten Ist.') Ks steht also 
wenigstens das fest, dasss Uionysins im Amt^jahr 1485 als regierender Ammann waltete. 
Bald nach dem genannten 26. Januar muss er aber sein blutiges Ende gefundeu haben. 
Der noch im Jahre l4Sh begonnene »pfrflndherrn rodel zu Sarnen« erwfthnt bereit« >de3 
iungen amman Heiiitzlis Kinds vögt,«*) welche dem Pfrundlierreu 12 I'Uppart eutricbten, 
die vormals der Ammanu an der Hirserren zu Zinsen schuldig war. 

Am 14. September U87 entrichtet Niklas von Kakritz, des Königs von Ungarn 
9, den Kidgenossen die aussteheodeu Jahrgelder oud bemerkt betreffend Unter- 
wilden: altem amman Hentzel verstorben, xxiy H. Sin sod ist auch abkomen nichtz 
geben. >') 

*) Cta »Wiltj Yroer'« von Sarnen .encbeiot im Rodel des Leotprieiters dMelbtl von 1481 
(Kirehrnlade Sanro). 

*t Vgl. Miog »Brader NikolauB ron FlQe«. Lwt. Räb«r, ISÖt. I, p. 398-394. 

*) Orig.-Perg. Uenciiidelade Alpnach atd d. Feld Regest, ndchfrd. XXX, 293. 

*) Oriff. KircbeoUde äaraso. 

*) Sbuturcbir Zari<.'b, abgedr. A. fh. v SegMser, äAoioluujt kitäuur Schrifiea, il, !2&&. 



23 



^ge 



Die beiden letxteni Stellen adipinen die AatTusimg der Legende zn bestStigen, 
das3 Dioo^Biuä «in Sohn des einflnssrcichen Landammanos Hans Heintzli nnd seiner Oe- 
laahlin Verena an der Hireerren war, wenngleich zu Iwacbten ist, dass in der JabneiC- 
stiftnDg der beiden letzteren vom 23. April 1478 keine Kinder erwülint werden.*) 

Zum Sclilusae sei hier noch eines Obmann sspruohee des obgenanuteu Hans Heintzü 
dacht, der uns deutlich zeigt, wie damals solche SDhnekreuze zu entstehen pllegten. 

In einer Rauferei zmsehen den Dorfleutea von Goldach im St. Galler Stiftaland 
und ibren Nachbaren tod Grube in Appenzell varen auf beiden Seiten einige erscblagen 
worden. I>er Obraano entschied nun am 8. Deceraber 1489 dahin, es solltpn die Th&ter 
für jeden Gefallenen der Kirche »eines BegrAbnissortes 200 - 300 Kerzen opfern, Messen 
lesen lassen, Opferpfennige entrichten, eine Fahrt nach Einsiedeln tbun, >och im ain 
ataine KrOie srteen in der selben siner kilrhhijry an die fnä trä hin sine fründ das 
hegerent trsdten, das da $ige fünff Schuck hoch vnd dryeH fcra»/,«') 

Januar 18Ö2. Ron. Durrer. 





^ 



Glasmalereien in der Kirche Z|i Ober-Aegeri. 

Notiz des Generals Beat ^del von Zurlauben in seinen >Monuraeata Helvetico-Tugienda«, 

T. II, 128 (Aargauische Cantotisbibliothek). 

Hitietbeilt ilurch Herra Slutsarchirnr Dr. B. Hrrtog '\a AkrtQ. 

•Oq voit daii3 Tegliäe parroiwiale d'Oher-Egery, dans la fenetre ä droite du maftre- 
d'uD cotä les anue» dts rubbiie de« tlermites d'or aux trois corbeaux de sable, et 
les armes de Conrad haron de Hohen- Reehberg abb^ des Hermites, qui fut 
e» 1482 et nionnit eu 1526 d'argent aux lyoos saillans et aiant toiirn^ te dos Tun 
tre l'autre, de gueules. Cet ecusson est au dessus de deux auLres ecussons. Tun a 
droite, de aahle aux troi» fuseaux d'argent, l'ecu bordä d'or, qui sont les armes ü'AWert 
baron de Bonstetten. doyen des Ilermites; Tautre eoussoa est d'or au sao de gueules, 
parti de gueules au sac d'or, qui sont les armes de Bamabe corato de Sax, adminislra- 
lenr oii oeconorae dea llemtite^, depuis l'an 1491, lequel mourut en löOl. L'alib^ 
Cmrad avoit laiss^ l'adminiätration de sou abbaio k ce demier, lorsqu'il se retira en 
1491 dans la prevot^ de S. Herold, ou il resla juaqu'fc sa mort [Hartmanuus Annalea 
Heremi Deiparae p. 435—43?]. — Au cot^ gauche du meme maitre autel »ut les 
armes de Zürich, daus deux ecussona, uhaquun (1) protegö, l'on par Saint Felix et l'autre 
par Sainte Kegule. Toutes cea armea sont trcs bien peintes sur Ter, ainai que les pre- 
cedentes A'Einsidlen et les auivantes. — Dans une autre fenetre du choeur, attenant« 
la fenetre uu l'oa roit les armes de Zürich, on voit Tecti, de huceme. — 0:ins lo corps 
de l'egUse, a droite & cot^ d'un autel on voioit autrefois peintes dana une fenetre 1'eca 
de Glaris. II en a etä ot«5 lor^qu'on a elevä Tatitel d'aujourd'hui, le tout pour donner 
plus de jour ^ l'eglise. — A m\A de la chatre dans une fenetre on voit les armes de 
ScTM avec Saint Viuceiit i cot^. — Dans le corps de l'eglise k gaucbe, pr^ de I'autel, 
dana la fenetre sont \v9 armes de Zoug avec les saiuts patrous de la ville et du c&nton, 

*) II. Jalirtfitburli vuii S«rQ<-o. iKircbeDladfl Sarn».) 
]) Zcllweger, Appenzeller Urkandea, II, 1, No. 371. 




24 



la sainte rierge mere de Dieu, Saint Michel archan^e, Saint Osvald, et uo Rainl er^ue 
qni tient uiie egiise dans la m^u (atiparemmeaC Saint WuUTgaiig^). Uaua la feuetre 
suiraoto soat It» armes du canton Uri. Toatea ces {leintures paroiasent etre da 
in«me tems.« 



Nachgrabungen auf der Ruine Werdegg bei Hittnau. 

Von //. Mtmihommer. 

Der alt« Züricbkrteg war sehr verbäugnissvolt für unsereu alteu Laudadel, viele 
reaten llurgon und Sclil&9ser wurden bis auf den Grund swrstOrt Wenngleich 
ans nahe liegenden Gründen di^e Ruinen keine reiche Ausbeute vorsprechen können — 
wir ditrfeu wohl amiehoiea, dasa der Zeratürung lu den mei:)teu Fälle» eine gründliclie 
AQsraubung vorausging — so habe ich mich doch eiitacbloäsen, eine kleinere Anzahl 
alt«r Burgplfltie 7U durchsuchen. Füne derselben liegt nahe dem Dorfe nittnan, »das 
Sebloss« genaoot. Die VAehr von Werdeyg oder roii Landeuberg-Werdegg bewohnten 
dasselbe uraprdnglich, wahrscheinlich aU St. Gallisches Leben. Das Schloss wird im 13. 
Jahrhundert zuerst erwähnt. Nachdem ea zu tjtde des XIV. Jahrhunderts durch Heirat 
an die Landeul>erg gekommen war, ging es in der ersten Hälfte de^ 15. Jahrb. wobi 
wieder durch lleirath au Hermann von Hinwil aber. Sein Sohn : »Herdegen von 
^ »Uünwyl sxss auf Werdegk Anno dorn, 1440. Darnach im jar 1444^, im alten Zürich- 

I »krieg bähende die Kydgenossen verbrennt, als sy vor Orjffeiisee lagend, auss ursach 
»das obbemelt«r von Hünwrl ein guter Zflrrcher was.c (Vergl. Stumpf, 5. Buch. 
JCXIX. Art.) 

Noch im Anfange unseres Jahrhunderts erhoben ^ch mehrere Meter hohe Maiieru 
über der Hügelspitze, heute sind alle verschwunden. 

Der Durgbügel von Werdegg steigt bis zu einer Höbe vou etwa 40 Meter aus 
einem engeren, von höheren Bergen umschlossenen Tbalkesset empor. Der Hügel ist von 
liLuglichor Form. Steigt man von der Rädi«ite, welche die am besten zugängliche ist, 
zu der Spitze empor, m bat man fünf Meter unter derselben einen tiefen und breiten, 
künstlichen Oral>en zu üb«rächreit«u. Alsbald triflft man eine ziemlich rundliche FUclie, 
auf welcher der Hauptthurm gestanden hat. An diesen schloas sich bis zur H&lde der 
ganzen Hügeloberlläche die Burg an. Am Kndn dieser überbauten Südbalfte ist der 
Hügel wieder durch eiueu mehrere Meter tiefen Quergraben durchschnitten. Die Nord- 
hftUte des Hügels war entweder ein freier Hofraum oder, was wahrscheinlicher ist, ein 
Oarteo. Gemfiuer trat hier nie zu Tage, mit Ausnahme der Umfassungsmauern, dagegen 
^JoU vor Jalireu «ne bfllzeme WasserleituDg nachgewiesen wordeu sein. 

Ich beschloss nun vorerst auf der südlichen Hillfte von der äusseren nördlichen 
Boke aus einen Quergraben zu AfTnen, .soweit dies ohne Schädigung des Holzbestandes 
ssobeben konnte, wofür der Besitzer höhere F<irderungeu gestellt haben würde. 

Sch<m in der ersten Stunde stieäs ich auf einen wahren Suhuttliatifcn von zer* 
schlagenen Hohlziegeln etc. und was mir als besonders gute Vorbedeutung gelten konnte, 
die ganze St^hicht zeigte die Spuren des Brandes. Ks ist leicht begreiflich, dass nur 
[diejenige Ituiiie Fnnde bieten kann, welche plötzlich. aUo durch Feuer zerstört worden ist, 
Vo ein <jtih£kude :ieiuem allmiiiUgMU ZeiUlle entgegenging, ist absolut nichts zu hoffen. 



och bis in die jüngst« Zeit waren nicbt nur di? Edelmetalle, sondern auch diu Kisen 

Qsaerst gesuchU Artikel, e« sagt dariim atich ein Spricbvrort: 

Wcoal Im fiadtt, wm db I-1ob, 
So nfinmi and bti frohl 

Meiue Freude steigerte sich, als iu dem Scliulte Nftgel reracliiedener (jr&sse zum 
oracheia kamen und dann such eine Menge ürachstüeke eines O^em. Kein Zweifel, 
ich war direct auf den Ofen gestosseu, nicht nur vermehrten sich die Kachel stocke, es 
kamen nach und nach auch die eisernen Ktiife, welche den Ofen zusammenhielten, an das 
Tageslicht. Mit gr&sster Sorgfalt Hess ich arbeiten, um wenn immer mth;lich, einige 
vollständige Kacheln zu retten, doch umsonst, ich musste froh sein, einige Bruchstücke 
7U finden, welche kaum einen schwachen Begriff der einstigen Schönheit üu gehen ver- 
mögen. Die Kacheln waren untereinander durch kleine, eiserne Doppelhaken verbunden. 
Diu (ilasur war liald ^rüii, nlthlich oder blAiilich. Auf den kleinen Itruchstückon, die 
auOallcnd dünnwandig sind, kann man hübsche gothische Ornamente, auch eine tigürlicho 
Darstellung (Krebs?) erkeimen. Das Feuer luiiss gerade an dieser Stelle mit grOsster 

»Heftigkeit gewüthet haben. Ott; festesten Steine, ganze Mauern und ßberhaupt der ganxe 
Bobottliaufeü waren wie mit einer Glasur überzogen, die in allen Farben spiegelt«. 
Fand ich keine Kacheln, so wurde ich durch einen anderen Kund angenehm überrascht. 
Ünerwart«t«rweisc kamen mehrere rollstAndige GeftL^tse zum Vorschein. Ka sind dies 
etwa 8^10 Centimeter höbe und sieben Centra. Durchmesser haltende, nach oben Mch 
etwas verjüngende Töpfeben vou roher Arbeit. Diese TOpfchen waren in die OfeuwAnde 
eingemauert, wie übrigens in ahnlicher Form (z. B. Toggenburg) den»lbe Qfenauflxiu 
^jorkommt. 

^P Auf der gleichen Stelle fand ich weiter eine Sichel, ein sogenanntes Ziehmeteer, 
'^iwei gewöhnliche Messer, eine Scheere, endlich eine bronzene und eine eiserne Glockbi 
Iu der Nähe des Ofens zeigten sich auch die eieenieu Beschläge »iner kleinen Truhe, 
es sind jene charaktj?ri9tiäcb€n Hosettchen, wie mau sie an allen gothtschen Kistclien 
wiederfindet. Unzweifelhaft war dieser Raum vom Feuer zuerst ergriffen und konnte 
nicht viel gerettet werden und gewiss waren einst manche Oeräthe hier aufgespeichert, 

Kber der Brand zerstxjrte sie bis zur Unkenntlichkeit.') 
Ich Hess nun den Graben auf bedeutende Länge fortsetzen, ohne iudesä»i weitere 
r'nndc zu macheu, oder ohne auch nur auf Mauern zu stossen, ich konnte nur fest- 
stellen, dass der grdsste Theil des Schuttes im Laufe der Zeit scliündurcliwOhlt worden 
war, als man nach Steinen suchte. Natürlich oabmen die Leute mit, was immer sie 
an Metall vorfänden. 

Den zweiten Versuohsgraben öffnete ich gegen das Südeude, doch mit vollständig 
negativem llrlolge, und ebensowenig Funde fi^rderten zwei weitere grosse Schuhte in 
der Nähe der ersten Fundstelle zu Tage. 

Während auf anderen Kuineu die Schuttmasse eine Mächtigkeit ron mehreren 
Metern erreicht, so stiess ich auf Werdegg schon ein Meter unter der Üborflache auf 
den natnrlichen Sand stein fels. ßs ist dies ohne Zweifel mit ein Grund, warum die Funde 
nicbt zahlreicher waren. KollerrHume scheinen auf Werdegg keine Torbandeo gewesen 
sn Bein. 



') Dieie FmulgegensUade »lud leither tod der jUtiiturbcben GnellBcbsft in Zfirich erworben 
«onlen fied. 



26 



Naclizuhoten habe ich ooch, tlas^ ich auch mehrere steinerne Kanooenkugeln von 
ca. 10— U cm Üurcbnidsser fand uud Ewar lagen alle auf dem nördlichen Uurgtheile, 
80 dass anzunehmen ist, e3 hätte eine Beschiessuoft rou dem gegenüberliegenden Herge 
ans stattgefunden. Anch eine geschmiedet«, eiserue Kugel ist schon fräber gefunden 
ff Orden . 

[ch hoffe bald von weitereu Nachgrabungen und Fundon berichiou zu können. 



Miscellen. 

S-fitctis frischt Waffen in franiüntiken Samn»luni/en St. EtitnH«. Uasös. l) Ooitat«r Morioo 
aiu drm XV[. Jh.; 2) TDlIit&adige KQitmif^. enie H&l^ dra XVI Jh -, S) firosac holume T«rUclie 
I mit dem aufgemaltea UerQ«nr«pp«n ; 4) kIeiD«re bölz«ni( Ttrtich«. n^UDfacb roth und gelb tea|>uTt, 
darauf aufRemelt eio Wappfc. PDlfauUeod einen nelbeo Seelöwra id rollipm Feld; dftsselb« Bild auf 
dem IIl^)ffl. AIh Schiltlhallprii) tl|cunrt «in grOo grkleidetei (-'rXiilcin. Oie Conposiiioo scbeint dfrin 
xy\. Jb. uiugvliOreD, doch int du Bild dutcb stvke UebenDalungtm XVUI. Jb. verioderl Dod eou 
itellt worden. (2S. V. Ol.) 

St. Ktititne. Kxpositiou r^troapectiTe. I) SchwarMr MorioD mit aDapotirter Lille. XVL Jb. 

Katalog Kr. Wh (Besltur Ä. L.); 2) Lederner Fiilvereack. demalt mit dem Benieriehild ond einem 

j( Kamiliv» Wappen. Letxteret etilbiUt ciuea Arm, der aus Wolken hervorbricht, die Beiicbfubvoe Hand 

halt iwei weisM grfiDgcRlIehe iiluraen ober grOiien Dr«iberg in rothem Feld; der Aermel ist Bcbwui, 

dw Kr»u»e weia». XVU Jb. Katalog Nr. 109. (BetitMr A. L,) (30 VHI. 91). 

Schlot» FeHqerolU» (l^ire). t) VoIlaUodige Kbweiz. RattuDn XVI. Jb. 2) Schöner ZwcUi&Dder. 
XVI. Jb. (Braitzer Graf Cbarpia-KeogerollM^ (18. VI. 91). 

Sthloas La Rocht- lMmU>t (Kaute- Loire). Scbweii. PUtteDbamigcti, bestehend auB Bnist- und 
naIuUlck, Oberann- und llariplallen, Eiaenhs&be mit Waogeo klappen. XVI. Jh 186^ aua der 
Scbwdx hierher gebrmcbt. angeblich aus Morien ataminenil i'22. VI fll). Or. E A. St. 

KMntrt FundalärJr» niu Augrt, (fgl. Taf I und 11 Ftg a — d) lo den lel>t«a Jabren »nrdeo die 
folgendea QegeiHtbid« aas Bronxe bti verschied eaea Gelfgfnbeilen im Boden gefunden und *oa den 
Bauern aa den ge^teaallTtigea Beailxer verkauft. 1) ScbAne ([efios^ene. aber wie ea achetni nicht 
nacbciselirte. AKrufp, 52 mm nurcbmctser. Auf der Yordc-neiie ein I.A«enkopf tn hohem Rvlief en- 
face : anf der Uilckseite zwei Ooaeoi an derea einer Spuren von Roat auf eioe ehra&Iige eiserne 
ScblieMnadfl oder etwa« &bnliches weiwa RSniscbe Arbeit de« 11— IIL Jabrbunderta. 2) T>op[i«l- 
koopf, glatt, 42 mm. DDrcbmener ; anf d«r Rackieile iwci berfortreiende Koftpfo. S] Amaletanigea 
Aahlagael, 8 om dick und Zl mm hoch, ob^n mit Oes« veraeben, besteht aus mehreren Lagen 
BroDzebIcfb, auf draen vorn ein «eclitpeicbigca Rad in l'orlkreis, bestehend ans weissem Metall 
(j^innV) aufgenietet iit, iKntipricbt dem Binsatx etaea Armrings im Museum <a Augiburg „sbg Rftm. 
Genn. Centralmasflam" 1881) Taf. XIX. r. 0.) 4} Rundes Seblost, Terziert durch einige concentrische 
Kreialiiiieo, in der Milte mit SchlOatelloch oad gegen die Peripherie zu mit 4 runden I.^hem zum 
B^festigea versehen. Innea verrathon Rottapuren das einstige Vorhaadenseiu eiserner Innenbcctaod- 
theile. Darebiti. 42 mm. Itr. E. A. St. 

(Tett als PMroH tintr nifdtrliiiuUtfhtu SehBltfuffiltU.) Cb Em. Blset (IA.t3-lßSS) hat auf 
eioeio eiust im Cor]>oiation«hau«« der S, Sebaetiacfgilde, jetzt im Museum von Br<l»s«l, bt-findlicbeu 
ÜemXIde, eine vou der schweizerischen Aulfaianng etwas nhwelcbende Darsieltiing dp'S Apfelschaaset 
gegelten. Um die BogenschOtseugilde, diu er d«rcastellen hatte, nicht in alltiglichem /uBammenaitJWn 
darzQstellen, malte er deren Mitglieder als Zuschaur-r eines auf die ebcnalige TUfttigkeit der Glld« 
besaglicben Factums. Bo ward Teil, wie «vuat etwa ein Iknli^, als Patron der Uesellscbaft in dffl 
Mitte uiederliodiscber ZuuflbrQdcr gestellt. Der Ort der Handlung ist eine lang« Terrawe, Teil fahrt olcbt 
die Armbrnai, sondern d«n Bogen, der Knabe hat verbundene Augen, obwohl er dem SchQtzeD dea 
Backen kehrt. Gessler ist, wie die Heiden auf MarijTienblldero, mit den Turban als Barbar 
cbarahterlsirt. steht in(l(>u nicht in Mitten der Menge, lODdern betrachtet vom SOller eines Palastes 
BUS die ganse Handlung. UerIcwDrdigor weise aber rerl&sst der Kanstler, indem er eine Schweizer 
t^ndschaft mit Schneehergen ali Hintergrund gibt, den vorher betretenen Boden der Travestie. I>m 
Bild gilt als «Ines der besten Werke Btoeti. t>r. E. A. St. 



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(Zur Itluttrulion d*r SfhtMit«t^g«»^iritte } Eint ffleirkefillff* /MrfMfMHi^ der Bflafffrung 
t>ijoHi durcb die Schweizer im Jftbre ISIS beGodrt licli nuf vin» Tapitsvrie du« Muhutds von 
[lijon. Aaf derielbpti ist o a der Biltganif, versnatallet zur RrflehoBg einn baldigco Kiitutus. 
inaerlialb der bsU^erten Stade abgebildet; im HlDtcrfraode Riad die Ktrcliea uod TbQnneJ'DijoBB, 
im Uinmel die Madonna mit dem Kind id V/olkca d&rgest^^llL Im Vordergrunde bemerkt man di« 
vor dM Mauern der ätadt Kervtrenteu HeUiterer, äcbweiaer sa Fun uod tu Roaa, di« sieb Iti den 
Sabaa ud Wleiea vertlieilt balten. Dr. KM-'^i. 







Kleinere ^Nachrichten. 

ZaiammeDgestpIlt von Carl Brum. 

ElilffenntMfiichatt. Sfibweizerlsches LoHdt^nuMfeitm. Ottchntk*. Von ITra. Con»ul Angtt, deii 
du Muteum erst kärglich durch die Abtretung eines Tbetlei seiner reicbbalÜKen lieramncben Sani 
luugeo bedachte: 1. Eio Richtsohvert aus der Zeit d<>r BnrgundcTkriege aus 31ellin}fm im Cault 
AugaiL 2. Der Qocbseittiro^j d«r Klt«ni dvs Historiker» Atgiilmx Tsrituili aus dem Ende dm 15.| 
Jahrhundertt. ■!. Kine atidtiie Fahn« des tu fnDeOaischrn fiioiiBlen gestandenen Regimriilei Anrltr- 
matl «on Zug aus dem 17 Jalirbunderi. — Von Frau itattrr-H'i'lmir iu RiehUr»tcfH :, £in SdtäfpM, 
aas dem vorigen Jahrhundirt — Von Frl. H. FüpU Ea Rictiieraicfil .• Eine GSrUliaacJi« aoi 
18^ JahrbuDderU ^ Von Krau Bachmann'Uottingrr \a Hichttrtttril : Ein JUH-iJn- aas dem rorigea 
Jalirbandert — Von der Firma Sfhläpfer, S^'htatur rf- KortteiKtr in Si. Galtm: I-'Onf bemalte Leio- 
«audupcien aus einem Zimmer des ilaases *Zur grOaeo Thtlr*. — Von Krau Marit Baut ia 
flHtittrn- Zürich : Ein Sehrank ans Schloss Qrcifcnsce aUH der (ireoitscbeidp des IT. u. 1^. JahrbanderU. 
BnMrhungtn, StaodesKheibe Ton Freiburg. Xr- 41 im Katalog der Aatitellung im Bdrsensaale 
so Zorich. -> BuUinjerbecber. DankgeKheok der Königin EHsabetb von England far dl« Aufnahm« 
dir nclMcbeo FlQcbÜinge in Zdrirb Iiiscbrift: lAiiglorum ezsiliuni Tigunua Eccleaia fovit Sab 
ICariM Seeptrii id saacte agniivit Elisa et bullinüerum hoc donavit munere pocÜ Ao. 15Ö0:< — Eine 
Ansabl aller Waff»o, di« dem Ztlrcherischen Z«ugliau«e 17{lä entfremdttt «unten, gek. ron U. A. am 
tlaem von der Zarcher Regitroug bevilllgten Credit auf der Aiietion Lemperu A Sobne in CAla 
(»N. Z.-Ztg-. 1831, No. 3üül Q. aauil). 

Aargau. Im Walde ob dem sat tieoeinde Jonen gehörenden Dftrfcben Liliibueh bat man anf 
•iovn BtiJisichtsreichrQ Punct« einen klr-ioen >Ile:deDb<ibeli durchgratien In einem tus Steinplatten 
erstellten Üritw fand man das Skelett einer groisen Leiche. In der Nibe liegen noch mehrere 
Utolicbe Üdge), bei deren Durchsuchung man jedenfalls anf noch interessantere KandatOcke stosseA 
dfirfie. Da« beveiat neurrdinge, dass das >KeIleramt< schon (rUbe ein bewohntes Sttich Erde war 
I (»Baal. Nacbr« v. 1891, No. 24.'.). 

Basal In der Licgeuicbafi No. 13 der St Eliasbetenatratie, wo schon wiederfaolle Orftli 
' fände gemacht wurden, fand sich am 31. Oct ein Plattengrafa, angefallt mit blendend weitaem Kall^l 

io welchem das Skelett eines Kitide« zum Vorschein kam. Die frAber an dieser Stelle gefuudeaon 
^_ Gebeine sind van Hrn. Prof. Hjllmaun notcrsucfat worden (Dr. E. A. St.). 

^B Bern. Im lAfgatktr in SinUrtthifü (Gemeinde bei KSniz) wurdeo im Sept. Ii:l91 to einen 

^HKartoffelacker eine Antabl Gr&lwr mit Skeletten entdeckt. worRlier nach Bern bcrirbiet worden ist 
V(>Basl. Nachr < t)^9l, Na. 2581. - Der Ausbau des Hemer MAdsUts »oll I8<.>5 vollendet sein (»Z. 
j Tagb).« V. 2tt. Oct.> Nr. 2A3). — Twatm. Herr K. Irlet hat laut gell Mittbeilung oberhalb des Eingtogl 
in die romantische Xwanubacb-Schlucht auf v<tü«m Felsen eine 1,'> m im Durchmesser baiteude, halbu 
I kreisf&nnige Vertiefung entdeckt, welche umgeben ist von raebreren gut gearbeiteten Schalen von 
I 2<>^25 cm. Di]rcbmess«r. Kr bAlt das Game far eine alte Cultutitälle. — HrBgg. Im Aarekanal 
wurde eine Lanxeuspitze gcfuadcu, welche binieu 3 runde KiiiBchuitte bat. (Irlet.) 

Frtlbur}. In Freiburg versthied am SylTetlervbend 18{)1 im Alter von 74 Jahren der emeritirt« 
ProfieaBor Lcuit Orangier, ein txeuer Mitarbeiter an unserer Zeitschiifl und eio liebemwOrdiger FObrer für 
alle Konst* and Altertbumifreonde, die freiburg besucbteo. Selber ein eifriger Sammler, hat er lange 
Zeh mit analcbliger Fflbrang das hisiorische Museum seiner Stadt geleitet, den er aacb seine eigenen 
ScbAtxe, die Ueherreste aus mehr als 20 fretburgiscben FfablbaustatioDen vemacbte. Ala Schriftsteller 
bat er eine Sammlang freiburgischer Redensarten (le äloMtirt fribonrgtoil) vtrOBieotlicht und seit 
ciaem Vieriftj^rh ändert io vorzaglicber Weise die aNoavellM Atreaiut fritmu^^AlttE^« tvi^'ew-n. >£ä>i\ 



3S 



auafalirlichee Lebensbild dea Oahinjuehiedepn hat Herr Stutaurebiw Joi. Sehiira«!; in Freibnrg 
in d«r *Ubeni> No. 4 ft«>eichDe( (R.) (Vgl «Allg. Schw. Zt^.< 1892, Nr 8. IlcilJ 

GIvH. In der &lte«t«D l'rkiutde von Hl 7, die sich iin ArchW der GenieiDile Enmwia befindet, 
wird von rioer »BlOaire« (BUtifXrl>er«i} uud einer '[lAnfrcibe* , i>?Icb4> »ich im Q«wirb« der obem 
Slge befind» sollen, Enr&bonng getban. B^kanntlicb trarde >u jener Zeit von den Beirobnem der 
Uaof MlbHt gepQtatt, gesponnen, gewoben und geftrbt, ont aas demselben aodaun die El«iduDgs»tOclt« 
HU rerfertigeiL Bei den von den gcgcowKrligeo Beiiltero dieser SJtge, HU. QobrUdiT Freuler, ans- 
gerabrten Kanal, nnd OewiibsveriDderoBgen, wurde nun is den lettten Tagen taut .N. Gl. 7tg " in 
siemlicber 7i«fe ein koniicb gerormter rotber t^tein, welcher zum Heibeu des Kanfei und ein eichenes 
BtQdt Holz mit zwei schüiielfArmigen Vertiefnngen im Dorcbmesser von 40 Cm . welche tarn MahleD. 
Verkleinern des Indigo gedient batteo, ausgegmbea. Durch diesen Kund bat die erwibnle Urkunde 
ihr« ibsisicblffbe Elesuiigung gefunden (.Basl. Kacbr" t. 1891, Nr. 9£r>). - Hi« .Neue Olaroer 
ZeiluuR" Nr. 253, vom 29. October 1»!>1 entbKIt einen auifQbrlicben Beriebt aber die am 2S. October 
Slattgebabt« VeTsammlnng des btstoriacben Vereins des CantouB Glartis in Safeln, ans dem wir mit 
besoodvm- Oeougthuung die Kunde von der nuuotebr durchgeführten Eiuricbtung de« historischtn 
ÜuMHma in däin Fnider'acfuH Paiattt entncbmeD. (B.) (Cf. »KWg. Scbw. Ztg.« t. 1'>. Od l^Ül). 

Liuara. Im verflossenen Hetbst wurde in Luxtrn der iHile auf der Klein stadtseile (linke* 
Reussureri noch verbliebene Tboil der alten Stadtmauer oiedergelegt, nKmllch der Mauerzug am 
obern llirschcDgrabeo. der Mtlicb von Siaatsarcbiv, resp. von der Snkristei der Jetuilenkirche. west- 
lich vom biBhengci] Realscbulgehaude (eberaaURem Franciscaoerklnster) begrenzt wird nnd in seiner 
Hill« durch das Kropflhor (ip&ier Toatlhor geiiannl) unlerbrochen war. Auf dem freigelegten Platse 
wird ein neuN CantoosscbulgebSude errichtet, dessen >'uiidan]i.-ntiruugeo bcreiu vollendet sind. (J. Z.) 
— Der Anliquarlscbeo GesellKbaft in Zaricb wurde Im November vergangenen Jabres darcb 
Ucrra fctaumeister Artiotd in DagmtrttUen die verdankencwertlie Mittbeiluog gemacht, dass im 
■ Lercbcnsand < bi'i nagmer8(>llen Reste römiscbeo Gem&uers entdeckt worden seien. Zorn Be. 
weise sandte denelbe einige HoMikwOrfekfaeu, xwei Brucbstflcke ton MjpokauEirObreo und ein 
Oeftufragiseut ein. Ferner erw&hnie er, dass in ciorr Dnoggrabe sich ein schöner ebener Boden, 
wabrscbeiutich ein StQck eines Moaaikbudcns b< finde, üeher das gleiche LokaJ bcricfatpt Herr Dr. 
f. KtlUf in der >Arehftologisebea Karte« pag. 12 wie folgt: DagmentiUn. Zwischen da und Heiden, 
im Lulhertliale beim tlof »Scbullruti* rOmiscbc üebKude. liebe auch Pfjffer I. Itä. ■ Lerrbeosand« 
liegt Doierhalb •ScbuttrOti* und in uamiuelbaret Nahe desaelheo. Kin Besuch der Lokaliiai ist in 
Aussicht genommen 

SchaRbaBian. Die Torgescbichtltcben Funde in Sehnt! lerMtd werden den Htifean in ScbafT- 
, bausen einrerteibt. woJurrh Schaffhausen in den Resttt der voltstAndigsten Sainmlanf an der Renn- 
thienceit gelangen dQrfte (>Z. Tagbl.* v. 1. Dec 1891). Vgl. S. 2 oben. 

Solothurn. In den (ieissflQben ob Loinmiim^ bei Sotolburn wurde eine grosse HAble eoldeekl, 
die laut *Sol. Tagbl.* nach den vorgeuommeueo Mesüungeu uud Aufnahmen keinen Zweifel zullsst, 
daas man es da »il einer sog. und zwar mit einer der Interessaateitea Trogtodjtcowobnungen zu 
Uiun hat (>Basl. Kacbr.« 18»L. No. 233). 

Teisln. Ueber die IVandtftmülcli, welche den Chor der Chiesa Hrl CciUgio in A*toiia BchmflchUn. 
ist schon Afters l>erichtet worden. Die bexQgliche Literatur ist im aAnxeiger* IR'.'il No 4, p. S97 
utfgefobrt. Neue Fnndu haben seither die Kenntntss an diesem golbiscben Bildcrt-yklus erweitert, 
doch stehen Eacbtnanniacbe Berichte noch immer aus- Da« Folgende ist aus brief licbeo Miitfaeilungea 
des Herrn Oberst G. Simona in Locamo und Zeitungsartikeln auiammeogestellt, welche, aus unbe- 
kannter teder, das in Mailand erscheinende Blatt >!•> Legs Lonbarda« Ko. 2H4, ih!'iG Ottobre und 
die »Libertk« von Locamo in einem von den Prevoato Don Siro Borrani in Losone gcsehrlabeiMn 
Feuilleton (No. STVjTö) brachten. Iro nächsten FrUhliug soll eine Wiedcrheritellung der sehr ver- 
naebUsBiBien Kirche vorgenommen werden. Im Hinblicke darauf schien es kein ;>cbadcn zu sein, wem 
man hie and da die WKode von ihrer Tauche befreite. Schon Id^l traten im Chore eine Anaabl 
von Bildern zu Taue, Werke, die ich damals aus dem XV. Jbdrt. datirte. Sie stellen an der Noixt- 
■eite die (jescbicbte Moiis und di^enigen an der Sndw»td, die seither noch weiter abgedeckt worden 
ist, die Sceuen aus der SchOpfungsgescbicbtc uud die Passion bis zur .Auferstehung dar. Alie dies« 
BUder ilnd, wie nunmehr aus den neuesten Kunden erhellt, nicht der ursprüngliche Schmuck des 
Chores gewesen. Als mao im Octvber letitcn Jahres an der Nordwnod die Touche entfernte, fiel 
mit derselben nach ein Thell der Mosisbllder ab nnd noter diesen traten die Sporen einer viel 



29 



k' 



lt«reD Hn»atin:g zo Taf». Sie slclltnn, demHcli in in Miu« der Wiad. die Rcfte Hoec Mhr Kliftaes 
Vtrouicn- Elild^K ilu, an dero der l{mcbt«tr*Utt«T in in ■tjagA" Docb AnkUnge an Okolto'i Stil 
erkcanea will. Von der Oewölbeaialcrci tind biiber nur wenige Thml« abgedeckt: Die Gctutt eiocv 
Oomlailcuiiürt, Hi<* eioe Unterscltrift al« die lies lil. Thomas (von Aqaino) beieicbnet; ant anderen 
Spuren scblicssl Herrß. Sitnona, daas auch die Oestalteo der Evani^lisien Kerandcn werden mOchlco. 
Kod«^ Notember iJud dann auch im SchilFe einzelne Bildi>r >u Tage gelreun: An der Wi'Etwnnd 
Drl^eo der TbAm dit Kolossalfigur den bl. Christfipbonis. ran welcher Ooa Siro Borraoi meldet: 
»te fUibe pi^oBO colonne. ü dtametro del bastooo recsto dal Santo miaura non mcnu ili quindJrJ 
cenliatetri. Dalle iicque ch'ei patta a guado, rodesi emergere una Wtia dl« pflKe« Am Kusae steht 
die laekenhafto loscbrift >HAKC SaNCTI XPOFORI FIGURÄ ...7 DIF. 2S MENSIS IVLiN. 
Kioe ipftlere Fre»l(p, welche die Waiidd4cbe Ober diesem Bilda whmackt. stellt üwischen den Heilifcen 
Rocbus oud Sebailian das Uaue von I^retto dar, Ober welchen) die Madonna mit dem Kinde erscheint, 
io Umerachrift lautet: «MVCXIlr MI::N::jIS IVLij XIU DIK EIVäÜ£ HOC OPUS UEFINSI 
FICIT lOHANOMO DK PORRIS [iE SCONA« leine ausgetlorbCDe Familie von Ascooa). Ao der 
Sodwaad «ind in beanoderer Omrabmang die gotbiKhcD tieitalteo von vier Heiligen gemalt: S. An- 
tonios ron Padna mit der losrhrift: »MCCCCV . . . DVNO FECIT FIERI I0IUNNE3 FILIVS 
ANTONI .. -SCONA* S8. Mathias, Bernbardiis und ein onbekanDter Patron Weiter oatlicb 
folgen an derwibeo SJauer 11 Felder mit Bildern und (no<:h iinentzifferteni Inschriften aus doraetben 
Zeit; andere befinden aicb icbiOTwlrls Qbor dem CboTl>ogco, wo ein hl. AntoDiui dai Datum 1520. A 
trS^ einem neueeien Briefe des Herrn Prevosto Borrani aufolne. der weitere Auntllrungeo iu der 
•l.ibertlk« in Aussicht Eteilt. wireo inacbriftlich all Verfertiger der lltesteo um UDO gemalten Bilder 
die Meiatcr Anioniut et yieolaui- äf Lugano beglaubigt. — Auch Qb«r die neuesten Funde iu Stu- Maria 
ttrgli Angioli in Ltujnno, von denen Bericht im Anzeiger 18^1, No> 4, S. 586, gegeben worden iat 
steht eine befriedigende Kunde aus. Die ausfabrlichiten Renchte hat A. Garovanlh ia der Mai- 
Uoder »PeraeveraniB* No. 11,&30 (U. Not, 91) gebracht. Demnach wire der Maler Augutto Canetu 
fm Laufe des äeptember« beauflngt worden, die Cappella deti' Immacolatamil Preskea t-\x tchmflcken. 
Dii-ie Kapelle i»t die ritrte aii dpr Nordseite dfs Schiffe« und unmittelbar vor der Scheidewand 
gelegen, welche Luioi's Passion >ihild schmoekt Bei der Kotferoung dur Tänche stellte sich alsobahl 
heraus, dan alle Bilder durch dieselbe verdeckt wordea waren. Von der beabaichtigtea Aasnalang 
wurde nun aelbstvorstäudlicb UmgaDg geaommeo and eutt deaaeo die Nachforschung fortgeieui 
Als Garotsglio seinen Artikel schrieb, waren nur emt drd Bilder und Tbeile der GewOI bemalereien blosi- 
gelegt Der Berichtentatter ist Reneigl, sie dem Uranutioo inauschreibeu. 1d einer Unirabrauog 
im edelsten Renaiesanreslilo iind an der einen Wand lur Rechten des Bingangea die Flucht nach 
Aegfpteu und die Anhetuog der KOuiüe, gegenQber die DarttellBog im Tempel gemalL Was an 
GewAlbe und den Schildbögao au T*ge Irai. liast auf eine Oiori« tod Engelo und Heiligen inmitieu 
icbOaer Renaissaoce-ürnamcDte achliciuu. Die Figuren siod durchschnittlich in swei Drittel Ijebeoa- 
gr&siQ gehalten. Der Berlchtersutter ?ermuthet, dasa ehedem die ganite Kirche ausgemalt gewesea 
■ei uod er reift mit Recht eiue torgKlügo und genaue Cnienaebung an. (R ) 

Thirgau. Aas Arbo» w«rdea laut »Ailg. ^ehw. Zrg « (No. 293. Beil. 1) rdDiBche MQnifnadt 
gemeldet. Unter den Funden ein Deoar der Republik, Mdutmeiiter L. CeuBorinui und C. Limetanna, 
uu den Jahren öiiT— 673, eine Mittelbmo» des Kaiser« Tiberiui aui dem Jabre 763, eine Mittel- 
bnuiu de« Kaisers Nero, ein« des Nervs vom Jabre 89-4 und eine vergoldet« Rronieoiedaillc ] leider 
mit verwischter Umschrift 

Url. Die caut geneiouOtzige Gesetlachafl beschloss die Restauration der Ruinen der Kdleu 
von Allingbauseo nnd Silene» (>Allg. Scbw. Zlg.< r. 27, Nov., No. 279, Beil.) 

Waltis. Letsten Freitag fanden Arbeiter bei den Ausgrabungen ao der Stelle des ehemallgeD 
Tempels Jupiters auf dem Si. Btmharä eine sehr gut erhalteue Brozeatatue vom Gott der iGottet'- 
Dieaa fein gearbeitete hitatue ist A(\ cm hoch. OlelchEeltig worden noch einig« Medaillen uod eio 
bronseaer Löwe ausgegraben von 10 cm Uohe, ebenfalls von bemerkcBswertber Arbeit Die Fnud- 
stdeke gehören dem Kloster Sl Berohard (»Basl. Nachr.« v. 18. Sept. 1891, No 2^4). — Anf den 
SI. ThrodHl'l'time wurden iui Sommer 189t eine Ansabl rSmischer SilWr- und KupfcrmanxAn gofundon, 
«AS bei der Hohe des Psuacs 'Vi^i Meter — gewiss b«metkeo»werth ist Jedoch. llagen dies« 
Maaa«a Dicht outer dem Gletsflbereite. wie einige Zeitungen moldeieii, soodoru io laudigem Schutte 
.MorAae) 1d d«r KAhe der Hocte. - Ei mag noch erwftbni seiu, dau oof diniRm. t^«\ \>«\-wc:w.v& 



30 

Pksbb sebon froher aach mittel&tterlicbe WaBio fSelnrerikliDgeii tm Eikd) a. « GflgeiiitftDde ge> 
fuDdeu wardeo. Bekanollich ut ätr Tb^odnlpis* aocb vod kriet^vmcliea H*po DoiwotxMi, votoo 
unenllicb die blali([e Scblacbt Ktif den aogeiurtm«!) Lichbrilt«» (LdcJiengertpp^n) zu erwfihneo ist 
[ftuf iea aeueii Kartvo stebl L«icbcQbr«lter). (Rilz.) 

ZOrfeh. Am 7. November 1891 lUrb (■ Zürich, K2 Jkbre alt, OAcb uhweren Uidto, 
JunVer Huhm Mtigs, ein liebe ntwOrdiger CAvalter, der «Uirend seiacs frUbereo Aurenthaltea in Zug 
Bicb iiroite Verdieaftu um die Ordnung ud4 den Aus1>aa des hiBtoriBchei Hueeumt im dortigen 
lUlbbauee enrorlifin UDd aticti «1« ScbrifUteller «ich pin scbfiDes Denkmal in der AbhkBdlung Ober 
■Cbriatopb BraBdenberg und Michael Maller, zwei KiiBeriicfae Glainaler des XVll. JabrhuDderta* 
jtettiflrt bat die ISSO In XXW. Bande det >aeichichufreDndet< eridiieu. iß) - Der Architektao- 
TereiD hui ucb der AoreKiiuR der KUostlergesellteh . der Autiqnariscbeo 0«te1Iicb. ond dei Oewerbe- 
vertins, die Rrbaltung dei Kanfhaatt* aoa ftstbctiBcben und prAktigcbeo RQcksicbten BDEUsircben, 
aiD 2r.. Nor. \m\ Bogesc blossen (»AIIk. Schw.-Zig « t. T> Nov. No. 27'.'). — Bei Schrtinilon- 
Daehdlirtn im ifthnthaU «urden rjtinUcbe AlleritiOnier gefundeu, SftulencapiUle, Stnleaatack«- nnd 
Sockel [•KreitJK^.Ztg.* v. IL Dec., Nr. AO). — OrUningut. Die SeclioD WeUikoo der Anttq Gesvllicbaft 
ZOrichuiiteruichieim Juli l$dl eiDeBroadenf nrabhOgeln imScangenbols (in der Nabe des Hafalbolzaa, 
Gem. Itubikoo). Deraelbe war 2 tn hoch und tOn im Durchoieiser Man macble. umdie Waldbaura^auf 
dem HOgel nidRiicbtt xu Kbooen. einen Querschnitt durch den^elbea. In 1 m TirTi' (aad mau den älelo- 
keni. der aber nur tlieilwette abgesteckt werden konnle. Untvr dcmulbeu «urdec keine Funde ge- 
macht, obwohl er das llaaptgrab grbor^o haben mnss Im Mantel dea üflgels ksmen mehrere Oe- 
fiate, fast alle jedoch in S^cberben, cum Vorschein, b^inige derselben enthielten Asche und iCnocben- 
teste. Ein voUitäDdig erhaltenes Gel^sa and einige grAsscro Scherben itcigcD deutlichen HallsUtl- 
Charakter. An Melall-Objerten fand man Itronzeipiraleo und einen Kisendolcb, der swar Tom Hott 
viel gelitten bat, aWr doch den atisgeaprochenen HallaUtt-Typtis zeigt. Er ist 40 cm lang, ein- 
Behfl<>tdig und beaiUl einen eisernen Griff. Di* Vntersachuag der 3 anderen Grabbftgel ist der ge* 
nannten äectioD gefiebert. J. U. 



I^iteratur. 

^A«ta poHtiftemn hdrelifn. Quellen scbweiierischer OeMhichte ans dem |i&plUicheD Archiv in Rom, 
VerOITeai licht durch die Ilistorlicho u. ADtiqitai^sche Gesellschaft so Basel. 1. HvkI, 1198 — 
1263. Hrsg, von J RtmouHi. In-**. XVI. 5:!3 S Basel, R. R«ich, »ora. C Deilori Buchh.. 1893. 
AUgtmtine Zritmig. Beilage zur l^l^t Nß 340 (BeilageNumaer 237) J. C. Hrrr . Die alten schwel* 

zeriachen GlasgemKlde. 
Arthivts h^ialtiii/uri guixMit. NeucbUel No*embre*Dfcemlire 18^1, Armoiries scnlptees Bar let Mt* 
Acea de ßile. Bitterlicher Wappenbrief Kaiser Sigistnnndt fUr Claus t. Dieabacb 1434. 
Janvier 1892: Social« suiise d'h^raldique. Pr. E. A. St. Ein Wappenschild des XII Jbdt«. 
fKapitiUcalptur im Chorumgange des tlasler Maoat^ra.) Armoiries commanales du Caoton d« 
NeoebAtel. Hanuscrit« h^raldiques- 
LiiociatioB Pro Aftniiev. Bulletin Ko IV. Lausinne. G. Bridel A Co. 1891. Caulogue guide da 
Mns^e fmarbres et inosaE<)aM) par L Mariiu. I^es foaitles an Th6atre, par Kug. Sttrtta». 
Konill» pgu-ticuliires par F. Jomini. Lei ^aratrices de rcmpereor Veipasieo, par IV.Cart. 
One noavelle matiire premiire daos les fouilles d'Arencbes, par le Dr. H. Kuh*. 
'BatUr üitehrirJttfn. 1P91, No 242: Der Bergliao in Graubflnden. 

Bmueitung, .SVAu*-i';«riVA«. M. XVIII. No. 24 ]^9l. Zur Krbaltung des Kaufhauses in ZOhch. 

Bd. XI.X- No. Mi. Die Restauration des SlDnsters In Base3. Mit Abbildungen. 

tltiM »torieo deita SriTx*ra ilaliana, No. 9—10. I Castelli di Belliosona aotto il dominio degli 

Sfona. Arttsti nel Ticioo. La cappella di S Oraola in Sessa nel WM. Scoperte arlisticha. 

KspDsi»one di BellP StX\ in Lugano, Occhio Bgli aotiqnari. 

bnrtl, F. Let foirea de Gen^ve an lö«) si^cle lo-4*>. VII, 2843 et 2&6 p. Q«)(*». Bkle. L^o, H. 

Oeo^. 1S02. 
Buna, Soontagsbl. f- 1. Aug.: ITflber Kunst* usd Altertkumsmuseen. 
Bargen, du. dft Baütr und Sotoihurtier Jura, 20 Bl&tier nach alten OrigiDalien, bearbsitct von 
Niklaos I*f<//rrr V. Alihfwfm. Hisloriiicbe Finleitung von Prof. Dr.j^rrt BurrJekardi-Fiitetfr, , 
Banugecebtia rou U. Biiuuu, Lichtdruck ansitkli liud. ISitl. 



31 



otnant. GUi-Ittdoitrie<ZeitDitK Itedwlion Alex. DoDClcAr, tapsig. 1891. No. IM A. Krra;fr, Oifi 

QtuioinSIdo-AaMtt'lIuiig Im BAriongule zu Zoricb. 
tht BoU-MeU<f, Cti. CbAtMiu, mannirs At mooDitAr«« dea «nviroDi d« Qenhte. 2^ tit'ie. Va ftlbum 

coDteout 30 dcssitis d'apr(s oatitre M ootcs kiitoriques. In-S*. Gen^T«, Bile, Lyoo, H.Oeorg- 
youp^U» EtrtHiif» Fribourgtoiu^. Alnuoach det villes et d«t canpugnc« 1892, publikes pw L. 

IQrangitr, Vrofeaseor ton« le pfttronage de USocitt^ ieoaoaiqae et d'ntililt publique de Pri* 
bourg, XXVI^t iQDfe Fribonrg, laiprin«ri<> Fntgni^ ft^res M dt Dnn^tuJi, Ij» confrfri« 
do St.-Luc. fi. /. AjMjlHrtnirt Le srand donJQD de Romout. 
«Irrinarn, M. QfMhiehXf. d«r ftltOD Pfarrei Hocfadorf dea Jobauiter-Ürd^Mbause* Hoareio wie der 
Tocbterpfarrvteo: HoDrela, Waogv«, Ballwil und Keio ujid der FiUalkapellou liiuerhalb der 
all«a Pfarrctgrenaen und gMcbictitliche Miltheilungcn Ober die allCB bargerlichoo VerbiltniBie. 
Mit 2 Jlluitr. Qr in-»*. IV. 30ij S. Luera. ticbr. Biber. 
tUrmann. M.. MUtkeiluDges aal twel alten lilurgiKhoa Bflcb«rn. 1. Aas dem allfro Proprium, 
«00 Sor«M. 3. Am dem Antiphonarium von ßuit>ah>>li. l'Dariu eine Federzeicbauog : S, Veresa' 
mit Strftfal and Kanue. ChUTre J S P .) ia 'K.ühct. Schnmur^SiUr.* VU. 1891. Heft 8. 
Luero, lUber. 
FtMUchrift mr VII. S&cularfmr der Grtiadang Berns, lldt-1891. Mit vieles Taf u. IIIdbu-. Gr. 

IJa-4*. VI. »7, WA, M. 14». 100. 7 u 2 S. Bern, Comra.-Verla« von Scbmid, Fnuicke &. Co., 
— PItB der Hlteo BefeGtignng Berns, III und IV. Sudtbcfeatigang. (eolor, in fol.). dc 
Text. TOii H. Heber. 
tarnt d'aei« ife Seudidtd. 18&a. No, 5, 6. fi et 0. Le Jtlna^e biitorlque de Neucbitel. 
ontes nrum btrvcninttm. Bern'B GeacbicMfquellen. 7. Band, 3. Llvfg. Bogvo 13—24, umlaaiead die 
Jahre mfi- 1:^4^. Lex. ioS*. (S. 193— 384). Bern, Verlag der fiochdr. Karl St&mpai & Cie., 
io Comm. \m .Scbmid. t'rancice dc Cie. 
' Oo§lz, W. Das oorditiclie Wobubaus vUread des 16. Jabrh , Bonderlicb im HiablJck auf da* 
^H ^bweitcrhaus. Id-)4*. 31. S. Hamburg, VerlagsaBiOlt und Druckerei A.>a.(*onn. J. F. Richter). 

^H Io Samnlntig gemrinTeratXnd lieber «iBeeaacbarilir-bpr Vorträge. Nene Folge fl. Serie, Hell 131, 

^^ru^ir« illuBtrte. R«d. par F. et J- BtickUn lr« li*r. fanni« 1690). Avec'J plaaebe«. Qr. in-foL 20 
^B p. Fribourg, Librairie de rnolTerailö (P. FrEvsrubabu). 

^BiAH^ul-A, Bü»Ur. 1892. Herausgegebeu ton Atbtrt Hurtkhai-di und Bud Waektriutgtl. Banel, C. 
^B Detloff, 1S91. Th. Burdhardt- Biedermann, Zeritöning und KntelluoR der rOoiiacbea .Roioeo 

^M za Aogat KaH SftJieUu. der ManitcrplaU-ltruDQrD E. liifUttnier. Haoi Borh, der Maler. 

•ßaXrbueh , iirchiirheg, fBr dtn Ca»t9it litr». In Verbiuduug mit Kreuodeu berausüegebtfii voa.//'tn/-iVA . 
Jtettip. Prarrer. Bern VoIkssfhrirtcDTerlag 1^02. E lUöMh Dai Vaierunipr in der Kirche Toa' 

hKioigea. U. Katttr, die Glasgi^m&lile iu der Kirche tu SumiBwald. 
ton. SehkMizerhehea. XXI Heft des IL Bande«, 12. Heft Bearbeitet von Fr. staub, L. Tobt» 
und H. S(horh. Fmaeufeld. J. Hubrr l^'.U. 
Jura tuM Schwa,-:wa\d. 8. Bd. lieft. 2. Das lUthhaDB EU Rheiofclden. voo M. S. Die Holbein*- 
•cb« Madouna too Sololhorn, tuü If. Ruft (mit Abbild.). 
Kitaloji der AtUrthuma-SammUtny im BSlisfJifit Muteuat tu t.tiur. Im Auftrage der b. Regierung 

bearbeitet tob Frili J*Mim. Mit 'i Tafeln, Cbur. Üraclc der Ofßiin V. (iengel. 1891. 
Katalog dfr AiuatflluHp ton GlanfftmOldtn im Bosiiee der GfdgeDOBseoscbafi. Ausgestellt >oai 1. bis 

15. DweiotM>r isfil im KuattmuBeum zu Bern. Bern, Bucbdmcberei K. J. Wyse, 1891. 
KRetiltr, vide Bruder Ulrich. 
KunMtthronik. Beil. a. ZeitBchrift für bild KunsL Neue Folg« Ilt. Jahrg. No- 11. Btrihotd Hatndckt, 

Bartbel Bebam in Ül. Galleo. 
KuMtgtigerbiMaU. (Beil. zur Zeitachrift fOr btld. KuaiL Neue Folg« Ml. 2 p. 21. | Die Ter> 
iteigeraog d«r SitmitduHi; Vinettti. 
hiberiA, foglio liberal e-coaiervatore ticioese Locaroo 189L No, 272-7S. Prevosto ^t>« Borr^nt, 
- Aoticbl affreiclii nella chieaa di S. Maria della miaericurdia in Aicona. 
^ilthälunffen der Anli-iuariKktn Otf^tlKhaft in Zürich. (LVL KeujahrsbUtt) Bd. 28, Heft A. 
Deiuricb BoUingera Beecbreibung des Klosters Kappel und lelo beuiiger Beeuod, TOO,Jtf. 
liotHngtr. H. ZaUr-WtrdmiÜUr und J. U. Hahn. Leipxig, io ComnisiiOD bei Karl W. 
UieneouDD. 1892. 



32 



»Völkerkunde* Itd 
mit Text Tou Tit. 



].. II. a. in.: W* OlfUffem/tiiit lUr »h^maiigft fl<»<W^'i■f|■^rm■-.^6f<•l Mtri, 

f. Utbemut. Akrau, Verlkg 4. 0«t. 1S01 
AtoMtirr-OMn dw schweiiuritcben StadenteoTeraiai. 1891/92. Hell 1, 3, 3. Stoektmttn. Uoterwaidoo- 

Volki84geo- 
Mii*^ Ntiichdiitoi». 1891. Xo. 8. U. coupe de Mme. de Nomoori. 1699 p«r W. H'arre (fttec 1 

plaocbe) No. II. TrSTers psr Z,. Judikat (nrec pUnche). N* 12. lotMeur kTraTcn, par i'h. 

Ovdti (ar«e pUaobc). 
SfjahfMatt, herMSgeetben tob der Sudtbiblioüifrk In Zaridi auf du Jahr 1892. (G. t. Wjru) 

- Da« Reicbtlaod Dii in den Jafaren 1218—1309. Mit Ausicbten und OrandriM der Koine 
AtÜBuhaDien. 

titfJakrMitU der Anliquaritcheo Gesellschaft in ZOrJcb Tide Mittheilunyen. 

yetijaJtrKblatl. beraaagescbea Tom Historischen Terem in St. Gallen- J Oirraner, Rappenwil nod 

t«a Debergang aa die KiiigenosK-ottcbafi St. Gallen, Zollikofer'Bch« Bucbdrack«ret, IH!>2. 
SfuiakrMalt d»$ Kunttetrfi'it» und des hiataeitch-«utt.{uaf. Vn-tina m Sehmffhautm. 1892. Der Bild- 

hau«r Alexander Trijipel aua ^cbafftuuteo, von Dr C. 11. Vo^tr. I. Hilft«. Die Ijebeiu- 

geaehicbto ächaffbauseu. C. Scboch. 
/VfMtvrmiM, Im. Hllano, Sabato, 10 Novembn 181)1. No. 11,.'>30. A. Garcmfflio, Affreichi det XV 

- Moolo leopflttl alU Madonna d«g1i Angeli in Lugano. 
Pfftftr V AUinkoftn, ride Hursen. 

Sther, B. La Picrre-auz-danei de TroiDez-soos-Saleve. <Extrait de la Rcrue aaroitienoe. Anoecy. 

intprimerie P. Abrj. 1891.) 
BAmtd, J. Ttildfr aaa der acbweii Kirchengeachiehte. 8. S78 A: 1 Dio KircbeogeBch. VerbUtntBie 

der Scbweii in der Zvit des iDveeliturstfeites. 
Üehtrtijtrigehe Geselinchaft für Eritallung hittoriuher Kun/ttdfnkmlüer. Protokoll der allgomeineu 

Sitzung Tom 7- November 1891 im Oeaellacbaftahaiue zum Scbneggeo in Zarich In 4* 42 p. 
SoeiAf pour ta Mii»rrraliom d la reMauration dt P/gtiM romane dt S. Siäpiee (Vaitd). Expoei 

de lt. dt CttfmQUer, membre dt la commiBtion t«cbniqae Jt IWsemblee du 11 Septembre 16^1. 
St. (Sumsiler). Oeber die alten Tabnen tod Bremgarten. (Fealblatt fflr ilat aargauische Caotonal- 

SebOUenfest in Bremg.irl«D. 1891. No. 1. 2, 41 
TaKhinbueh. Bntitr auf das Jabr 1892. Bern, Nydegger und Baumgart, 1892. Dr. S. S^teA. daa 
— KImter Bellelajr. Dr. Btrikoid Bantdekt, Hana Hterr, der Glaaroäler tod Bern B- Türltr, Oe- 

BCbiokte von 30 Hiuiern an der Jankerngaasc In Bern. 
TatehttAHeH, Xärehtr, auf das Jabr X'i'ß'i. lleniHKefiebea von einer Gesellacbaft EOrcberiaeber Qe- 

■chichtsfreuode Neue Folge. l-'> Jahrgang Zarich S. Ilfthr 1^92. H ZtVer-WtrdmüHrr, daa 

eb«iualig« Cborherreostift y. Martin auf den ZOrlcbberg üebersicht der vom Ociober 1800 

bia October 1891 erscbienenen Heitrftge und Materialien zur Oeacbichte von Stadt und Canton 

Zflrieb. 
Tribunt de ae»ht. 18D1, No. 306, 1892, No. ö: B. R^r, VeTrier. - Tombeaux «ntique«. 
Vlrkh, Itnidrr im MAili, von dem Leben und Herkomnen det andfcchtigen von Joacbini Klchboro, 

Kaplan im Hanft. Mit ErgKnaoagen und Anmerkugen von A. KQcbler, Pfarrbelfer Druck i 

von Joaef Haller in Saroen. 1891. 
Vtttei; Ferdlmand. KloaterbOchlein and Fremdenfahrer fOr Stein a. Rh. Det EloiterbDcbleini dritte i 

Autlage. Zarieh .Helvelia-. Stein a. Rb. im Kloat«' 1891. ' 

Wildbergtr, W. Geacbtcbte der PSofsa Neunkirchi. Vortrag geballen im hiator. aniiqnar. Verein 

Scbaffhanten. Ilallau. Buebdraekerei von Geb. Mejor. l.'r^O 
ZürtJtrr i'Qtt 1891. No. 255 -358. 200/61 (0. Angti) Zar WeKleilung (ti di« Beaucher der Gla*- 

gemlldr-AoHtelluBg in der Bdrae in ZQricb. 
Zarektr-ZtHung, Heu; 189], No 300 I. II. A. lat daa ZOrcber Zeoghaua 1799 von den Franxoien 

I*" tbataftchlich auageplondm worden? Eine Fratce an unsere HisUiriker Ko. 310. II. Ankauf 

dea von Königin Eliaalwtli von England dum Antialea ü. BuHiuger in ZOrich g«edieukt«n 
Becht-TB fllr daa achweit. Landeamuai>uio 



Ktdaetixn: 



frof. Dr. i. R. KAIIN m SUlHch onrl CARI. PKÖN in iUMbaeb [ZQridt). 
Dma roi L LKEMAKN in JHlrich. 




^&ger fst^^f/jUterthskt/etm H' I 



■o»e. 



Taf.Lfcn. 




Tiq-D. 



nr^pta- Antr . Zorici* 



rOü 



SCHWEIZERISCHE ALTERTHUJVJSKUNDE. 

INDICATEÜR D'ANTIQIIITlS SÜISSKS. 

XXV. Jahrg&ng. 



IV? a. 



ZÜRICH. 



i%.px-ii isose. 



AbttMn4-ineiiii«|>r*li*) JAtirli''!) S Kr. - Muji ationnirt ^'rl ili'n l'oill'iiP'aui url^1 aJiPn llD'-hhnni1lunK'*n, Mwt« 
uuL'ti bittet bei d^m Bursaa der »iiU«iiurUoliRii OvsollachiLn, Ho tt n h aa«, ZUrioIi. An die leul^rv 
Stellr b«<li«t>on aa*wtnign Aboniii»t«A lim Zablunjim tu &itr^3.sintn. eMrao werden duHMt ■unilliKc !tr«J&- 
mauorifii eniKei^eaüerjoninien, — Voa der SlaUMtk uhwttttrufktr gvntUtmimältr, dl« aii Ri-tlnito idid 
•jlmaff«''* encheinl. wird «in« bl«ins AulUge von SiMdfrobtügf» «rilelll. BtnuliM Namm^rn Aavaa 
werdM. so lang«! der VorrKih rctchi, snf Jörn Jfiir«aii drr Anltituari iclim tintUtchafl. Ildmhatu, Zürieh 

Hl. TantiMi tC>llo~rti[niiin<>s de UarliiCny. pur Jb. Luüoii «l Karl Scbatnaelier. 5. 50, Tut. IV. — 11, Bin« 
n«ii0 rOmltcli« NicderlKi^unK. voii Jakoli UeulkiMninar. S, 9B. — II. Zum Biirwfincrfond. von Fr JMkUn. 
6. SS. rar. III. - 13. Mlii>\«r rilwlit. von J. HelerK. S. 5T. Tat. IIL - U. Zur DtraUlloftit dM Baselttaheti 
vuii K. A. Slückelbertc. S. IM. — 13. ümb «Ii«s|« Wopp<>idiuch dvr SdilflsMliiuiri in Rssel. von B. A. SlfitluU 
bent. S. SV. Tat. v. - ic. Der /wlnttlttwchcr In ZarlelL T«n H. AnfM. 8 U - 17. Mo spUer« AnMtdloiiK 
d«r Muronwr Glaaicenialilir. vuu H. Hcnog. 8. M. — lt. tlioarMb- Rudel des SdiiMNi KybBnt, ron 
II. Z" 1 1 BT -Wi-nltn aller. A. M. — UlsiDlI'n. S. (B. — Klilnsre Naflirli:lilon. iuiamriiBriBi--%lBllt *<ni Karl Bmn 
S t». - Miorainr. S. 71. — SlaUillk sirlixiru KuiiM'li (il%inaip-f. v'.ii i. it. Bahr. S. 73 - Tal, 111-V. 



Seit dem 1. Januar 1888 ist der Couiiiiissiotisverlag saninttlicher 
VerDfTeiitlichuugen der AutiijiiikrischeD Gesellschaft (mit Ausschluss des >Ad* 
zf^ii^er für schweizerische Älterthuiuskunde«) an Herrn Buchhaüdler Karl W. 
Hiersemann in Leipzig iibergegangen. Von dieser Finua wird der Vertrieb 
genannter Schriften sowohl iu der Scbweix (Niederlage in der Buchhandlung 
S. HOhr in Zürich), als im Auslande ausschliesslich besorgt. Noch immer sind 
dagegen, laut % Iti der Statuten, die (Jesellscbaftsmitglieder /jini directeii Bezüge 
der Vereinspublicationen berechtigt, welche seit dem 1. Januar 1S88 im Bureau 
auf dem Uelmhause abgegeben werden. 

Die neuesten Vereins-Publicationen sind: 
Rtikn, J. R. uod Th. v. lA^tiau. Die Casa di Ferro (Vignaccia) bei Locarno. 
Eine Werbecasenie aus dem XVI. Jahrhundert uud ihre Erbauer. 

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Katalog, bescbreibeoder, der A ntiquari»;hen Sammlung in Zürich. Von R. ülrieh, 
A. Ileitmann und anderen GeMllschaftsmitgliedern. 3 Theile. 44 Tafeln 

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Werner, J. Die ältesten Hj-mDensamm langen von Itlieinao. Mit 2 Tafeln. 
Hattinger, M., Zailer- WerdmüUer, H., uud RakH, «/. R, BulUngers Be- 
schreibung des Kloatertj Kappel und sein jetziger Bestand. Mit 2 Tafelii 
Von der Beilage: »Zur Statistik schweizerischer Kunstdeultmaler« voo J. R. 
Rahn, XV. Canton Tessm, kOnnen Separatahzüge auf dem Bureau der 
ADti(|uariacheD Oeseltschatl, Helmhaua Zärich, belogen werden. Preis 
per Lieferung ■» — ,V^ 



» 10.- 
» 5. — 
» 4. — 

> 3. — 



50 



10. 
Tombes gallo-romalnes de Martigny. 

(Plucbe IV.) 

Dans le conrant de Mai 1891, ou d^couvrajt datis les eoviroas de Martigny en 
Valais. l'Octodure des Romains, au pied du mont, dit Ravoire, 6 tombes gallo-roraainea. 
Ce u'est qu'ä uu pur liazard que Tod doit attribuor cetto pn^ieuae d/^couvert«. 

Quelsquea ourriers travalllaot au d(5fonc«nioiit d'une vigne, trouvdrent ä environ 
H mvtres ih prorondeor, 6 tombes qui ^taient dispos^ sur une ligne de 6—8 metres de 
loD^eur, alUiit du Qord au sud. Cea six touibeaux ^taient distants d'uD m^tra l'iin de 
l'autre. Chaque t^uibe ou plutüt cbaque urne se trourait ronferm^ cntro deux p«tit«s 
dalles, de la graudeur de Turne, qu'elles prot^eaient, uue autre pierre la reoouvrait. 
Toutcs cea urues reorerniaieiit des ossemenU Calciums, ainsi qu'uiie seiile pidoe de monaaie 
romainc. A cAtf*' de cbaque tombe, on recueilllt nn grand Donibre d'objets en bronze 
et eu terre cuite, qui seroat d^rits dans ce petit rapport. 

Malheureoaeiuent, les ouTriers maniant la pioche avec trop de pr^ipitation, ont 
brisö plusieurs objets eo terre, entr'autres 4 urneB, qu'ou u'a pu recoostituer, leura 
d^brts ayaut et^ perdiis ou disperä^. 

Kou8 oe pouTons ^galement d^rminer d'une mani^re preise ä quelle tombe 
appartieni cbacuu de ces objeU, l«s ouvriers (•taut seubs lors de la decouverte, ils n'ont 
pas SU d^termioer la proveuauce de cbaque objet. (^uelaquett-uos par leur ßnp^^se o.t 
ieur beaiit^ d^mootrent qu'ils sont l'oeuvre d'une maio romaine, et par coDS^qoeot im- 
porti% daus le pays, d'autres »ont (^viderament d'uo travail iudig^ne. 

Lea 61 piec«ä romaiiies qu'on y a d^couvertes fönt remonter cea tombes it IVpoque 
de Claude 1 soit dans la premiere päriode du I" eiecle de notre ^re. 

N" 1. Urne en terre cuite, avecossemetit3calcini^s,äforDieoblongue,sanadessin(Fig. 1). 

Nf 2. Umo en terro cuitfl avec ossements, k bords plus larges que la pnk:^ 
dente «t plus rentlee daus le milleu. Dans cette urue se trouvait le petit stylet ea 
fer, d&ignö 30U3 la figuro 38, de notre dcssln (Fig. 2). 

N* 3. Partie d'uue urne en terre, uue guirlaude en relief serpente le long de 
Turne, et se termine k la partie sup^rieure du col jm quatre peiits bourrelets (Fig. 7). 

N" 4, 6. Deux petita vasei en terre, ayant cbaeun 3 pieds pour support; Tun 
4 demi briae (Fig. 3). 

N' 6. Vase eu terre ayant la meme forme que le N" 1 (Pig. 4). 

N' 7. Autre rase de forme oblongue. II est coupä dans wn milleu par de» Hgnes 
transversales oppoa^ les unes aux autres forniant ainsl de petits losanges (Fig. 5). 

N* 8. Vase en terre avec deasins vemissös (Fig. 6). 

N** 9. Autre rase Sgalement en terre ^ goulot et termin^ par une petite anae (Fig. 8). 

N° 10. Petite vase & parfoni, en terre tro^j-ßne et recouvert d'uoe couche de vernia. 
II a ta forme d*une fignre, et se termine ä la partie sup^rieure par an petit goulot (Fig. 9). 

N*^ U, 12, 13, 14, 15. Petits tases en terre tres-ftne, ayant la m^me forme que 
le N" 1 (Fig. 10). 

N** 10, 17, 18. Autres tum de U mdme graodeur que les pröc^enta, maia 
Präsentant la forme du N* 2 (Fig. 11). 

N" IP. Figurine en terre trfeü-firw, repr^9entaiit une töte de femme, avec anse 
et terminee a &a partie supcneure pat un goulot (Fig. 12). 



61 



N* 20. Figurioe repr^senUnt tm Hivre coucb^ aa-dessus aose et goubt (Fig. 13). 
N' 21. Autre figurine conime U pr^dcnto, mais repr^äentant iiii lioQ (Fig. 14). 
N* 22, 2'.i. Denx tigariueät repräsentaiit un coq eo terre blanche, ürant sar 
l'^mail (Fig. 15). 

ii N* 24, 25, 26. Trois colombos de la m^me substanc« que les pr^c^dentes. On 
Iper^oit eocore iin vernis eu rouge qui entourail leä paupi^res (Fig. 16). 
[ N* 27. I'eUt rase k parfora, sitr sa partie inf^rieure sont repr^deoUls des lidvres 
po coone et d'autres etublemes, e&ehia soas uue ^paiase coucbe de vernis. L« goulot 
et t'aDse manqueut (Fig. 17). 
^ N* 28. Petite coupe eo terre [terra sigillatal (Fig. 18). 

^B N^ 29. Autre coupe comme la pn^c^ente, mais ajant uti rebord sur le milieu (Fig. 19.) 

^H N" 30. Fibule en Ter, le plus ancien t;pe dee fibules dont dous atlons parier, remou- 

^nüuit aa deroier si^cle avaot J^äus-Christ et se rapproohant b<*aucnup du type-fibute de la TJne. 

KUe a deü\ spiralos ä gaiiclie et ileiii ii droits, la nird« [>a.sso au dijssus du restwrt. 

L'ausette ou pied dans lM|uel vient s'ins^rer la pointe de Taiguille, est h joor et repli^ 

ifa forme de goatti^re (Fig. 20). 
b N* 31. Autre fibule en fer, du mfime type, le pied et uno partie de raiguille nmnquent. 
I K" 32, 33. Fibules eu Fer, ä pied« reuverä^s; ressort d'uue aeule pi^ [quelques 
Ins postärieure aux dem premidres] (Fig. 21). 
N" .S4. Fibule en bronze, ayant le pied allong^ et perc^ i jour. La corde est 
retenue au^desäus de t'arc par ud cröcbet, restiort k huit apirales. Uue plaque sur le 
, food de l'arc protze le ressort (Fig. 22). 

^H N* 35. Fibule du m^me type; manqueut le pied et Faiguille (Fig 23). 
^H N* 36, 37. Dsux Qbules du mvme type; mais plus petites. 
^V N* 38. Hbule eu bronze, dout l'arc etit forma par uu riibau plus ätroit k m 
partJe iuförieure; pied sur le milieu de l'arc, avec dessios ä jour. Cd tiibe prot^ le 
srt. Le tout d'uue seiilc piäce et bien conservi^ (Fig. 25^^^). 
N* 39. Fibule eti bronze, du m^me type que la pr^oJdeiite. mais plus petite. 
N*> 40, 41, Dcux ßbules de brooze, doiit la partie sup^rieuro de l'arc est eu forme 
le demi-lusange, au-dessous undisque ovale; pied, oordeetspiralesoomme lo K*34 (Fig. 24). 
N° 42. Fibule eu bronze k cbarui^re: arc triaugulaire, le pied comme N* 32, an 
)utof) dans sa (lartie iiiferieure (Fig. 27). 

N* 43. Fibule en bronze it cbami^re, arc bien deasin^, pied comme N* 82 (Fig. 26). 
N" -14, 45. Dem Gbules en brouze dont l'arc passe daus uu disque d'un joU trarait 
le redsort est forma de S spirales et la corde est soutenue par un crochet; pied percä 
^ k jour (Fig. 26). 

^h N* 46, 47. Deux autres du mSme type, mais plus petites. Blies se trouvaient 
^^dans le fond de Turne N" 1. 
I N* 48, 49. Deoi autres du m$me typt, 

^P N* SO. Grande übule de bronze, dont L'arc trds-large a un grand nombre de 

' rsinures. sous l'arc uo grand disque sur lequel ae trouve soud^e uue plaque rhomboidale 
^it rayous; pied pero^ k jour; un tube protze le ressort (Fig. 29). 
^P N" 51. Autre ßbulc du möme type, mais manque la partie supdrieure; sous Tarc, 

un boutOD de bronze comme celui iudiqu^ k la Flg. 31. 

K' 52, 53. Mgme type, mais plus petit; reasoita m)u»iviQQi\.. 




52 



N« 54. nbule ü are plat» s'dvase vers le pied, une rosaoe av«c dessins concentriques est 
fiz^ ä l'arc par tiu clou eo fer: pied perc^ d'uu treu triaugulaire: ^piugle luauque (flg. 30). 

N* 55. Fibule da mctne type, plus grande (ud peu fru^te). 

N* 56. Partie sup^rieure d'nue ßbule, avec deux bontoos aar les dem cöt^. 

N* W!. Dirors autres fragments de fibalea. 

Sauf le N° S8 toutes ces Sbulea sont h double. 

N^ 58, 59. 60, 61 , 62, 63- Sil brac^lets eu broDze avec rosace^ dont deux brises (Fig. 32). 

N« 64. Petit «tylet de fer trouv6 dans rorne Ü* 2 (Fig. 33). 

N° 65. Pointe en fer d'une laue« [saurotcrj (Rg. 34). 

N" 66. 29 moDuaies eti broiize d'Auguste; avec le Itevera ProTideiit [ia.]. (CoAm, 
Deserlption des monuaiefl irap^riales. II* Kdition, tome I., p. 94, N* 228.) 

Deax autrea rooDDaies d'AugTi.st«. avec I'aigle <'-ploy^. 

Une moDiiaie d'AugusL«, avec la legende 00NSEM3VS SENAT etc. {Cohai, t. U 
p. 76 N" 87). 

18 monnaies au type d'Agrippa gendre d'Auguste, arec Keptune an Revers (t. I, 
p. 175, N» 3). 

Monuaicä de Claude I.: Cinq pieccft avec le Revers IJBKKTAS (t. I. p. 254, K* 47); 
DQe autre piece avec le Itevers CONSTAXTIA (. . . . p. 251, N» 13); trois autre«. 
Hiuerve coiubattant (t. I, p. 257, Xo 84). 

Cne pi^e de Germanlcug (t. 1, p. 227, No 9). 

Uue piece de Drusus le jenoe (t. I, p. 217, No 2). 

Oa [Murratt faire une remarque aur cette derniÖre pi^: Oii y lit au Revers 
TRIBVNIC tandia que d.nn8 cetle di5crite par Cohen, «t daus töutes Celles que l'on cöDoaisae, 
il ii'y a que TUIUVN. Lüqon .Ib., Cbauoine du St. Bernard. 



Auf Wunsch des Herrn Lttgtm föge ich der vorstehenden Beschreibung einige 
Bemerkungen bei. Ich hatte wahrend der letz^ähngeti Aut^grabungen auf dem Grossen 
St. Bernhard reichlich Alusse, die nichtigen Funde eingebend zn studiren. Dieselben 
sind jetzt in der Bibliothek des Hospizes aufgestellt. 

Wie Herr Lugon bereits bemerkt bat, lassen sich nnt«r den FundgegeD^^odeD 
deutlich zirei Klassen unterscheiden, ßneugnisse der einbeimi sehen und solche der römischen 
Industrie, Zu den erateren gehören zweifelsohne die Tbongefasse No. 1—8, Ko. 11—18, 
Fig. 1 — 7, 10 a. 11. Sie sind aus seh war/grauem, scbleeht^äbranutem Tbon gefertigt 
(mit Ausnahme von No. .?, welches zwar von rothera Thoo, aber doch wohl einheimisch 
ist) und zeigen Formen, nie sie allrathslben in den jüngsten Spftt-La T^ne-GrSbern zu 
Tage getreten sind. Namentlich liegen au» Oberitalien, Frankreich und den Rheinlanden 
viele ähnliche Kunde vor, deren Nachweis aber hier zu weit führen wärde. Einiges 
findet sich in dem Aufsatze von J. Evans, on a Late-Celtic Um Field at Aylesford, 
Kent (Ärchaeologia LH, 1890) zusammengestellt. Die übrigen ThongelUsse, wie auch 
die ThonAgärchen. stammen aas römischen Werkstätten, wie Tbon, Technik und Stil 
klar erkennen lassen. Fig. 9, 12—14, 17 sind aus grauem, Fig. 8 aus dem gewöhn- 
lichen rothen Thon, Fig. 18 tmd 19 ans »terra sigillata«. — Daas die Bronzearmriiige 
Fig. 32 eineu für das Wallis und die angreiirj)nden G^endon charaktcristisohen alten 
Typus darstellen, ist gerade in dieser Zeitschrift mehrfach dargethao worden.') Unser 

'J S)«be I. U. ■Aoieifer« 1892, p. 4—7: J. HntrU, WallJwr Oimbrnnde im Bener ADliquarion; 
faro» *^ 1661, p. &7B: » • QiaMond« mu d«n VI*lt% 




r 



Fund erbring also einen neuen Beweis, bis in wie sp&te Zeit sieb derselbe erhalten hat. 
— Unter den Fibeln, deren Anordnung auf der Tafel im ganzen wobt ziemlich der 
teitlicben Folge entäpricht, bezeichnet die älteste Fig. 20 die richtige Spät-La TSoe- 
Fibel, wie wir aie von Naulieim, Bibracte, Alasia, Stradonic und anderen Orten her kennen. 
Sie ist sieber ein einheimisches (d. b. eicht römisches) Fabrikat aus der z<veit«n Häirte 
des letzten Jabrb. v. Chr. Dasselbe gilt ron der (etwas Jüngern) Form Fig. 21 (wie 
Fig. 20 von Kisen). Auch die naehstrolgenden Weiterbildungen des Sp&t-La Ti^etypus 
(I<^g. 22 f.) sind noch unabhängig von der r&mischen Oultur entstanden; wie weit diese 
bei Fig. 29 u. 80 &uhon betbeiligt ist, ist noch nicht aufgeklärt. Dagegen geben die 
CbamierQbeln Fig. 27 u. 28 sicher auf römische Industrie zurück. Interessant wäre es 
gewesen, weun die Vertheiluiig der einheimiscbeo und römischen Erzeugnisse in den 
einzelnen Gräbern festgestellt worden wäre. Denn die Beobachtung, wie und von welcher 
Entwicklungsstufe ab die beiden Elemente sich mischen, hätte sicherlich maochen chro- 
logischen und culturgeschicbtUchen Hückschluss zugelassen. 

Was die Zeit der secbs lirftber bntriH't, $o ist durch die zabireichen Münzen, 
welche von Augustus bis Claudius reicben, der Hanptrahmen gegeben. Dasselbe be- 
st&tigBQ die Fibeln, deren Formen in die Zeit tom Ende des letzten Jahrb. v. Chr. bis 
in die JUitte des ersten Jahrh. n. Chr. weisen. Martigny, ein, Hauptort der Vcragror, 
war seit 15 v. Cbr. römisches Städtchen mit römischen Beamten geworden (Octodurus). 
Also fallen unsere Gräber gleich in die erste Zeit der römischen Besetzung. 

Ausser diesen specicll fflr die Geschiebte des Wallis wichtigen Aufscbliisscn gehea 
die Funde von Martigny aber auch solche allgemeinerer Art, namentlich durch di*' 
grosse Mannigfaltigkeit der Fibelformen. Es ist ja bekannt, welche Bedeutimg die 
Pibeln für die Datirung der vorrömischen Nekropolen besitzen. Aber auch ftlr die 
römische Zeit sind sie von gvösster Wichtigkeit und mösseu noch viel mehr herangezogen 
werden, als es bis jetzt geschehen ist. Mehr als andere Scbmuckgegenstände raschem 
Wechsel der Mode unterworfen, geben sie werthvolle zeitliche und culturgeschichtlicbe 
Auhaltspuncte und nicht selten eine erwünschte Controle und Ergänzung des durch die 
Münzen gewonnenen Bildes. Für Guriua haben sie eiue mehrere Jahrhunderte währende' 
Entwicklungsstufe kennen gelehrt, aus welcher Münzen völlig fehlen; in der Baratela 
von Este stehen sie in scliönster Uebereinstimmung mit den Münzen. I^e Geschichte 
der jungem aus den La Teneformen entstehenden Fibeln ist in grossen Zügeu festgestellt 
(tgl. namentlich 0. Tischler bei A. B. Meyer, Gurina S. 20 f.). Im Kinzelnen aber 
sind noch ausserordentlich viele Lucken vorbanden, so besonders in der Uebergangszeit 
Ton der vorri^mischen zur römischen Fibel, eine Rpoche, die gerade unsere Funde von 
Martigny illu.'^triren. Ks gebricht hier an Kaum, um danulegcn, wie diese Fibeln die 
schrittweise Weiterentwicklung des Spät-La Teuetypus vorführen; wie sich allmählich 
der Spiralapparat ändert, wie der Haken und die Kopfhaiken aufkommen, wie sich letztere 
nach und nach in eine die Spiralen einhtillende Köhre verwandeln, welche entsprechende Wand- 
lungen der Fuss durchmacht, wie sich der Bügel allmählich ausgestaltet, Beobacbtuugeo, 
welcbe in mancher Beziehung einen Fortschritt g^nüber den bisherigen Ansichten bezeichnen. 

Ich weise nur auf die Fibel Fig. 29 hin, welche bis jetzt gewöbnlioh in weit 
spätere Zeit gesetzt wird, und deren Entstehung wir hier gewisfwrmaassen mit unseru 
eigenen Augen rerfolgen können. 

Ich kann hier nicht sämmtlicbes eiuscblägigea Yet^\e\(i\Bma.\ÄT«i\ ^oÄ-'s-gsa,, ?»ft^ 



64 



will iob Mittheilong vod einem ganz analogen Grabfund machen, der tot kurzer Zeil 
bei Bingen entdeckt wnrde und den ich durch die Freundlichkeit des Herrn Dr. KöJü 
in Worms keuoen lernte {jüttt im Paulas-Muaeum in Worms). Ee waren zwei oder 
drei Gräber, deren Inhalt aber ebenmwenig wie bei denen ron Martigny auseinander- 
»halten wurde. Auch hier lassen sich unter den reichlichen Thongefässen rÖmiKh- 
italische und einheimische Formen unterscheiden. Die Mfinzen (6) sind aus der ersten 
Kaiserxeit. Unter den Fibeln ist eine h&cbst interessante: sie zeigt das verbundene 
Sehlassstück, wie die der Mittel-La T^ne-Periode, der Qesammthabitus ist aber der von 
)Spfit-La Töne; die Spirale macht drei Windungen nach links und ebensoviele nach rechts 
(mit oberer Sehne); am nberraschendsten ist das Auftreten eines Hiücens; es Hegt also 
die Combination der Kiemente zweier bezw. dreier Entwickluugsstodien vor. Von den 
Martignyfibeln sind in ähnlicher, wenn auch nicht völlig öbereinstimmender Weise ver- 
treten: Fig. 21, 27, 28, eine liosette einer Fibel wie E^. 26 (29), ferner zwei Fibeln 
anf fthnlicber Stufe, wie Fig. 26 und 30. Neue Formen neigen eine einfache emaillirte 
Scbeibenllbet mit Ohamier und eine zweite in rhombischer Gestalt mit kleinen Eck- 
kuöpfchen. ßeide letzteren Fibelformen wagte Tischler (bei Meyer Qnrina S. 32/33) 
noch nicht chronologiscfa zu üiiren, doch dachte er an das zweite Jabrh. n. Chr. und 
an die mittlere Kaiserzeit. Wäre in dem Funde von Bingen der Inhalt der einzelnen 
Gräber getrennt geblieben, so dass man ev. mit Sicherheit sagen k&unte, dass die beiden 
Fibeln zusammen mit einigen der oben erwähnten Formen gefunden seien, stdnde die 
Chr<mologie bezy. der Anfan^puiict jeuer Cmail-Sclieibenfibeln und damit das Alter so 
mancher rtimischer Gräber und bisweilen ganzer Schiebten römischer Niederlassungen fest. 
Aber auch so ist es wahrscheinlich, dass wir die Entstehung der ßmail-Scbeibenfibel 
□och in das enite Jahrb. (zweite Hälfte?) hinaufröcken dürfen.') 

So ergänzt ein Gräbcrcomplex den andern und eine Anzahl ähnlicher, allmählig in 
jQngere Zeiten vorröckender aneinander gereibt gibt uns eine gesichert« chronologische 
Grundlage für die mannigfachsten OeRlsse und Gerätbformen und insbesondere für die 
Fibeln, auf welche wir nun doch einmal bei der Datirung römischer Griber, Anaied- 
luogen und CastoUe in Ermangelnng anderer Documente häufig allein angewiesen sind. 

Zum Schlu-sse möchte icb mir noch eine allgemeine Bemerkung erlauben. So wich- 
tige neue Aufschlüäse in verschiedenster Beziehung auch die beiden genannten Gräber- 
fiinde, der von Martigny und der von Bingen, gegeben haben, so müssen wir doch 
gestehen, dass sie der Wissenschaft noch weit mehr genutzt hätten, wäre der Inhalt der 
einzelnen Gräber autwinandergehalten worden. In beiden Fällen waren es allerdings zufällige 
Fnndo, die ohne AufsichtSachverständiger gehoben wurden, Icli ^ehe daher von den genannten 
Beispielen ganz ab, obwohl es meine Ansicht ist, dass auch beim Volke durch Belehrung 
in die!<er Hinsicht viel mehr erreicht werden könnte. Dagegen kenne ich auch unzählige 
uidere unter Aufsicht vorgenommene Ausgrabungen römischer Grabstätten, wo dieselbe Ver- 
müchung des Inventars der verschiedenen Gräber stattgefunden bat Mau versteht ja, dass 
bei der häufigen Gleichförmigkeit der Qrabesbeigaben eine solche Scheidung nicht sofort 
einleuchtet; doch hoffe ich auch, dass unsere beiden Beispiele gezeigt haben, wie noth- 
wendig dieselbe bei dem jetzigen Stand der Wiaseiracbaft ist Karl Stm MAcnKK. 

*) Wichtig« BMUttigDog f&r aosen BeutbeUung Tencfaiedmer Fib«l- and GefSaformon roo 
MartigD)' gebeo auch die von C- Komtn b<-schriel>eDei) rrührfimiicbeD Qrmbfude bei ADdaroftch 
<BoDiL Jabrb. )tW$, ^t« 161 f.). 



55 



IL 

Eine neue rOmische Niederlassung. 

^ Die Cm^buQg dej PfäSlkerse^s iüt äelt der Zeit der ITablbauten immer bewohut 

gewesen. Seit dem Uot^rgaug der ITahlbaut^u Kobouliauäeo ond IrgenfaftuaeD ßnden sich 

■ keine eigentlich«!) Seeniederlassimgen mehr. Die eigentliche Bronzezeit &nd hier eine 

^^^diMi läDdsässige BeTöUerung. So findet gicb hart am Ufer des gegenwärtigen See's 

^^^Ela Rerugium Himricb, der einzige alt-helvetische Zufluchtsort in einem Torfmoor in 

der Schweiz. Himricb war s. z. eine kleine Insel auf diluvialem Untergrund, mehr 

H als ein Kilometer vom nächitten Lande entfernt Die Torfbildung, welche echou bei 

^ Gründung der ersten Niedorla-wiing der Pfahlbaaten Robeuliansen thatig war, hemmte 

im Laufe der Zeiten den WasserabHuss des I'^fßkersees (v>ie faät alle Seen zu verschiedenen 

Ketten einen verschiedenen Umfang hatten), das Wasser stieg in Folge dessen und setzte 

auch die niedrige Insel Himricb zeitweilig nnter Wasser. In Notb und Gefahr Hücbteteo 

^ rieh die Bewohner der Umgegend auf diese Insel und errichteten einen Längswall auf 

f der Insel, indem sie Torf und Eies des Untergrundes zu der Anlegung dieses 200 Meter 

langen und stelleuweise 120 cm. hohen Walles benutzten. Dieser ZuÜucbtsort wurde 

als solcher bis in die Kömerzeit benutzt, indem man im Walle selbst noch rOmische 

Scherben etc. findet. Ein zweiter Zufluchtsort, circa zwei Kilometer vom Pftflikersee ent- 

H femt, ist die Heidenburg bei Aathal, von Herrn Dr. Ferdinand KdUr in seinem Werke: 

»Die alt- helvetischen Niederlassungen in der Ostschwoiit (siehe »Mittbeilungen der Zürch. 

^ antiquarischen Gesellschaft») s. Z. bereits beschrieben. Der grosse Orabhügel bei liobank- 

f Wetzikon (30 Moler im Durchmesser und 4Vi Meter Hohe) sowie Grabfunde aus der 

ali-bel vetischen Periode, wie auch der Scbalenstein von Hexrfiti (Bertschikon-Qossau), legen 

IZengmas tuevoa ab. Die römische Periode zeigt iu der Umgebung unseres See's tolgende 
ron obgenanntem Forscher bereits beschrieliene Niederlassungen, wie BQrglen, Spek, 
C^astell Irgenhauson und Kempten an. Der geschichtsforscheude Verein >Lora« in 
PfäGSkon stiess bei bez&glicben Nachgrabungen in der Spek (Schreiber diess war auwesend) 

Iauf eine rßmischc Badewanne, Eine solche hatte ich auch vor einigen Wochen das Ver- 
gDÖgen zu finden bei dem sog. ItOmerbrünneli, hart am alten Landesfussweg von Ober- 
Dster nach PfiLffikou, circa 600 Meter von Bürglen entfernt. Kine alte, geßUlte Buche 
leigte in ihrem Wuraelwerk einige Bruchstücke römisches Gemäuer. Die Buche hatte 
ihren Standpunct mitteu auf dieser Badewanne. Die auü^eräumte Badewanne zeigte, wie 
diejenige in der Spek eine Länge von 2 Meter 40 cm., eine Breite von 1 Meter 80 cm. 
und eine Tiefe von 1 Meter 20 cm. Das Mauerwerk derselben ist aus römischen Ziegeln 
_ und sehr hartem, rotbcm Mörtel erstellt. Obgleich an der Oberfläche an dieser Stelle kein 
I römisches Gemäuer mehr sichtbar ist, so haben wir es hier zweifelsohne mit einer grOssern 
Villa (wie in Bürgleo) zu tbun und wären daher Nachgrabungen deshalb gerechtfertigt, 
was augenblicklich am leichtesten ausführbar wSre, da das Holz auf diesem Grundstück 
leC&llt wird. Jaxob Messikommsb. 

ß. 
Zum Burweinerfund. 

Ttr III, Fig. ] Q. 3 recbla. 
üeber den fregen Ende des letzten Jahrhunderts gemachten Burweinerfund'} 
U^eu zwei durchaus glaubwürdige tiiid sich gegenseitig ergänzende Berichte \(k. \^*^<i 
*) btawtia, Wetier u der LaadrtruBe twiMbeo Ti«Ienku\«\\ u«& CA«utn '\n \^«v Kiav&»- 




n 





56 



Hchrieb CoItelUil iu der »Promemori ossia cougettiire »opra unu luedaglU etru?ta d'argeato 
trovata uel peese de'Grigioai:« piroko auimale che senibra iDoetro. Testa femmiuile 
OOD aggruppati ornameoti. Medaglia in argento, pesa due darnare. Fu trovata oe' 
Qrisoui eutro iiu vaao di ferro con alquante altra del couio istesso e coii alctiui pezü 
d'argeotö ed oro.« 

Aut^llährlicheres findet sich im »Neuen Sammler«') wo Herr Bundesstatthalter«/. j1. 
von VeterHU in einer »Beschreibung des Uocbgericbtü Uberbalbsteiu oebsl Stalla« des 
Fundes mit (olgenden Worten gedenkt: 

> Bemerkenswerth sind die 1786 bei Burwein an der Landstrasae entdeckten Atter- 
thQmer. Ein Mann von Conters wnrde im Voraberfahren, iingeOlhr «inen FlintoD&diuss 
vom Hofe Durwein entfernt, etwas Ol&Dzendes gewahr: er grub es hervor und es waren 
.zwei ineinander liegende kupferne Kessel, wovon der äussere ganz verdorben, der innere 
aber noch gut war. Dieser enthielt verschiedece grössere und kleinere goldene uud sil- 
berne Armringe, etliche goldene und viele »ilt)enie alte Münzen, griechisches Krz, Würfe], 
eine Art Brillen von gewundenem Draht mit einer kleinen Oeffnung in der Mitte uud 
besondern kleinen Pfeifchen, welche vielleicht, wie auch die Brillen, von den Augurca 
gebraucht wurden. Die llilün7.en, deren einige noch vorhanden sind, (besonders ein Gold- 
stflck bei Herrn Landeshauptmann RUdi und einige silberne), sind von der massiliao- 
ischeu Kepublik. Das Gepräge ist auf der einen Seite das trojanische Pferd, auf der 
andern Seite der Kopf der Venus. Der Finder, welcher den Werth seines Fundes 
nicht kannte, überliess beinahe alles einem Italiener um den iiinern Werth des Goldes 
und Silbers und ein Goldschmied zu CIäven schmolz es obue Schonung ein; doch wurde 
fwch ein Heines Wtihrauchfass sammt Kette von Silber und einige kleine Silbermünzen 
mit welchen man die Legionen hezahltu, gerettet. Auch befanden sich dabei goldene, 
wie Schlangen gearbeitete Armbänder und andere Kostbarkeiten, auch ein kleiner sil- 
berner Kessel mit erhabener Arbeit.« 

In weitem Kreisen bekannt wurde dieser Fund, als Th. Mommsen im VH. Baude 
der »Mittheilungeo der antiquarischen Gesellschaft Zürich* anläs-slich eines Au&atze» über 
die nordotruskischen Alphabete auf Inschriftan und Mäniwu auch dreier Typen der noch 
vorhandenen Münzen Erwflbnung that und sie abbildete. 

Mommsen }t&m\is 11 Exemplare mit dreierlei Typen'), diesich zu seinerzeit tbeiU 
in der Sammlung Lohner-Thun, theils im Besitze der AntiijuariGcben Gesellschaft in 
Zürich Iw&nden. 

Seither ist das rätische Museam in Cbur in den Besitz von 10 Exemplaren ge- 
kommen*) von denen fünf den Typus Nr. 7, drei den Typus von Nr. 8 aufweisen, zwei Stücke 
sind noch unedirt*^). Das in Peterellis Bericht erwähnte »kleine Weibrauchfass sammt 



*} .Der oeoe Bammler elo geneiantttzigea Archir für Uoorfen.' nerauageg«beD toq der Ako- 
aoaütclten aetseiUcbaft duelbit Chor 1806. II. 422 ff. 

V Abgebildet auf Ttf. I. Mr. 7, 8. ö. 

*J K*tftlo2 der Alterthumturainliiug im rit. Miuoum cu Char, im Auflrtgfl der b. R«gieniag 
benugeKcbeD voo Friti JecUln. Cbur 189). ftg. 18. 

*) Uetwr dies« schreibt uoa Uerr Prof IH. ß. Fitk in Zflrich: «Die beideo HQdmo Bind 
giUiicbe NicbahniuBgen derjFDigea too .MaBaili». wie li« hkuflg in (>allieo, Oberiulien aod der 
Schweiz gefaDileo werden Per Tjrpait der Vordeneile »t der Kopf der Diana, «uT der Rflckseibe 
Bieht mui die bArbuiseh TKrxvrrte Ki{tiir noee Lftwra. Auf den grOuero tixemplar stefaeu aber das 
LAwen ikhridteicliea \4^\'^\ das ist wohl (oacb Herrn Dr. Imhwfa Meinmig) die UDTDÜitADdig 




X. 



LDdlg 



57 



^ getretii 



Kette von Silberc, wolcbea zirr Zeit jener VeröfTentlichiing noch Torhanden war, Ecbeiut 
seitdem spurlos verscbwaodeti zu »«in; jedoch bin icti beut« im Falle, irenigHteas eine 
getreue Abbiblung desMlben zu ver<^freuiliehen. 

Herr Dr. F. 0. Amstein iu Zizen, ein treuer Göuner unserer Sannolang, übergab 
Iben nebst andern arcb&ologiscbeu Skizzen auch eine zierlich gefertigte Kcicbnung« 
lirt >Abbildui^ eines gilbemen Oefässes, welches unt«r allerlei aoderD Dingen bei 
Conterä im Oberbalbstein in der Erde gefunden worden sein soll* 

(Herr Dr. F. O. Anutein machte noch die mündliche Mitthelluof;, dieses Geflise 
habe »in Vater"), der sich ebenfolls mit archäologischen Studieo abgab, nocb im Be- 
ntxe eines Herrn von Albertini gesehen und damiLls nach der Natur gezeichnet. 
Demnach dürfen wir in der That annehmen, dass wir oa hier mit einem Fundstöck 
ftUB Burwein, mit dem sog. Weihrauchget^ zu thiin haben. 
Dasselbe hatte, wie »ich aus der Zeichnung ei^bt, folgende Beschaffenheit: L>er 
Üau[)tthei1, da.? Geß^s, scheint ans zwei omamcntirten und durchbrocheuen llalbkiigeln 
begtanden zu haben, die in der Weise mit einem genau eingefasiten MilteUtuuk ver- 
buiktoa werden konnten, dass ein schraiihenartiger Stift durch die obere Halbkugel bin- 
nnter gesteckt wurde und in eiue von der unteru Seite hinaufrageude Hülse eingriO*. 
Uit dem oberu Stifte verbunden war eine 15-gliedrige Kette, aus oralen Hingen be- 
stehend, die mit einem grossem runden Uinge abschloss. 

Wenn die Vermuthung richtig ist, dass die Zeichnung die natürliche Oröase des 
Objectes tlarstellt, so haben wir folgende Kauptmaasae: 
GesammtUnge von Kette und Büchse 
> der Büchse 

Hohe einer Halbkugel 
Durchmesser einer Halbkugel 
Was endlich die Benutzung dieses WeihraucbgeRLsses anbelangt, so hat man sich 
^dieselbe so zu denken, dass zum Gebrauche die Schraube ans der Hälse heraus gedreht 
und dadurch die Kugel in ihre Büätattdtheile zerlegt wurde. War dann das Geßlss 
etwa unten mit Kohle, oben mit einem wohlriechenden Hane gefüllt, so konnte es an 
160 Gürtel gehängt werden. Fh. Jecklin. 




13. 

Misoxer Fibeln. 

(Tftf. HI, Fig. i ood 4 liBW.) 
Das rausche Museum in Chur enthSit einige höchst wichtige Fimde aus dem Misox. 
wurden nämlich daselbst an mehreren Orten Gräber entdeckt, so bei Mesocco selbst, in 
[CaslaDetta und bei MoliDazzo, da» schon im Ct. Te»siu liegt. Alle diese Kunde stammen aus 
fder Risenzeit, einzelne Gräber aind sogar erst in der römischen Periode angelegt worden. 

•rballen« JoKbriA ^ yj^Q l^- ^^b Bebr blufl« rorkooiot (vgl. Höret, Cfttalogue des moBoaJM 
gaaloliM von 2H>i)— 3it>:t). vo ai« gcprftgt lind, bleibt tinaicber — Anf dfm zwHtrn Expmplar si<>hl 
italt der Iluchiuheo ein ondeDtltehei Beintchea; ob «in gleicheB Stack sthoa pnblicirt tft, kun 
aicfat fMUtelleo; jedenfAlU itt oi«hu damit ukufADdca.'* — 

*) Majur >'. It. Amatein. ite)>. 1777i geutoibfn tSt>2. Ueber die wiueDtcbftflliclie ThftUgkeit diesn 
nrdiBOXTolIcn Manaoa t?f ■Juhr«i)l>ertcht der NAturforscbeaden üMellschaft ünDbODdeos." Neue 
Folge, V)l. Jfthrgaag. p. 17S~1S7. 






58 



In Mesocco kommt nun eio Flbeltypus vor, der mir in der Nordscbweiz noch nie 
EU Gesicht kam. Kr ist in zwei charakteristischen Exemplaren dargestellt in Fig. 2 und 
3 von Taf. III. Die Originale zu den Zeiclinungen befinden sieb in einer Privatsammlung; 
all Fundort wird d&s Misox bezeichnet. Wahracb ein lieh stammen beide Stöcke aus dem 
Grabfelde bei Mesocco. 

Bei BrecA in der Gemeinde Mesocco, (aud man n&mlich eine Anzahl Gräber; es 
.sollen deren vier gewesen sein. Indessen waren daselbst früher schon Gebeine, UriMD, ^ 
Bronten und Münzen zum Voracbein gekommen, so z. B. 181S beim Bau der Stnuse^H 
Über den Beruhardin. Der neue Fund enthielt BronzeGbeln, worunter solche mit aus-" 
gesprochenem La Täue-Typus, Ritige und Spangen, Perlen aua Glas, Bernstein und Silber, 
eine Pincette, Risenmesser, Lan/en, Thon- und ßronz^eAsse, Münzen, worunter eio 
Hadrian. Eine Fibel enthält eine Inschrift in r^ymischon Buchstaben, eine andere stammt 
eben&Us aus römischer Zeit. Mehrere Bronzehkulae zeigen den sog. Mittel-La Tene- 
Typas, sind also Alter als jene. Auch unter den GeOlsseu sind solcW mit rßmiscber 
Technik. Wk können also sagen, dass dm Grabfeld von Mesocco in der Eisenxeit an- 
gelegt and dann bis in das erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung benutzt worden sei.') 

Besonders merkwärdig ist nun aber der auf unserer Tafel abgebildete Fibeltypus, 
der in den Grftbem von Breca bei Mescwco in mehreren Exemplaren gefunden wurde. 
Sie bestehen aus Bronze und lutbon einen flachen Bügel, der beiderseits mit zahlreichen 
Kreisen mit angegebenem Mittelpunct verziert ist. Die Nadel entspringt einer Spirale, 
welche aber bei einigen Stücken fehlt, so dass die Nadel einfach als Fortsetzung des 
}figeU erscheint. Am Ende des Nadelfusses befindet sich ein Kiiöpfchen. Einige dieser 
Fibeln sind reparirt und alte zeigen bedeutende GrOsse. Kommt dieser Typus aosser- 
halb des Müiox auch vor oder haben wir in demselben ein Froduct der Local- Industrie 
vor uns? J. HEreRU. 



14. 
Zur Darstellung des Baseistabes. 

Wie das sog. Perron der Biächofsstadt Lüttich , so ist der Baselstab, das 
heraldische Emblem Basels, i» verschiedenen Farben und Modificationen in viele Wappen 
der Kugehdrigen Diflcese Ohergegangen. (vgl. die Wappen und Sigel vom Bisthum 
Basel, Stadt Basel. Delsberg, Olteu. Lauffeu, Liestal; ferner im Wappen des Uamis 
Künug 1506 im Schtoss Sargans u. s. w.). 

Der Baselstab ist bekanntlich nichts anderes als 
bischöfliche Fediim, bestehend aus Krümmung, Stab und metal- 
lener Spitze entsprechend d^^m Vers bei Uieronymus von Antun: 
»Ätträhe per primum, medio rege, punge per imumc. 
Diese drei BeRtandtheile des Stabes sind in der Tbat 
deutlich zu unterscheiden auf dem Panner des Basler Bisthiims 
in der Zürcher Wappeorolle, wo die eiserne Spitze unten am 
Stab leicht erkennbar ist. In den späteren Darstellangen 
aber Uuft der Stab stets in drei Spitzen aus, und diess hat die 

') Der FuDd Ist von B. OavittM in der .Antiqua" lB8ä mit nbireichei Ulostniioneu pobli- 
eJrt worden. elMDW loo /'. C. nm fluNXa in dieiem Anuiiier I8IU pag. 176-177. 



Warstiseu und ßjff populäre InterpreUtioQ bervor^eruleu, der Bafielstab bestehe axa 
Fedam und Fischerhaken; aadere AusleguDgeo rerdienen Überhaupt nur als Curioea ge- 
nannt Ml werden, so die Grote'a (Stammtafoln 8. 480). das üaaler Wappenbild sei eine 
• Mütze, spitz, oben rQcknärts anrgeHickelt: unten ausgeschweift in drei Spitzen aus- 
hiufend«, oder die fraoz<^9cher Schriftsteller >(bei Cahier, Caract^ristiques 297) es sei 
als Futteral des Pedums au fzii fassen, 

Die Spaltung in drei Spitzen ist indess nichts anderes als die heraldische äiili- 
flinrag der obengenannten in den Fuss des Stabes eingelassenen Spitze und der beiden 
Ecken des Pnssendes, welche xiisamnieDgenommeu einen dreispitzigen Abschlu») nach 
unten en^Nin (vergl. die Nferaorientafeln im linken Seitenschiff des Basier Munsters). 

In derselben Weise ward Bubou der Fush von Kreuzen auf merovingiscben Münzen, 
ferner das Ende des ungarischen Kreuzes (vgl. die Scheibe zu KOnigsfelden u. a.) sowie 
andere Bischofsstäbe auf französischen M(inz«n (z. B. »Revue arch4ol.< pl. 79 zu IV. 816 

^UQd VIII. 336.) dargestellt; die geläufige Form des Baselstabes ist demuach nur nach 
allgemeinen heraldischen Stilregeln entstanden und ist keine specifisch baslerische Com- 
pontion. 
■ Allen bisher bekannten Dar^llungf^n ist es eigen, dasfi der Baselstab im Schilde 
Vfrecht steht ; neu durfte es den Heraldlkeru sein, da^er aber ausnahmsweise auch schief, 
in gestürzter Lage, von oben rechts nach unten links gelehnt, sich tindet Ilieher ge- 
hört der skulpirte Schlussstein (vgl. Abb.) im Turmhaus der Kirche zu Oberwyl im Birsig- 
thal (XV. Jahrb.). ferner der Wappenschild des Bischofs Christophoras von Dtenheim 
datirt 1520 im Kloster Luppach (KIsass), wo im ersten und vierten Feld dos gevierten 

[Schildes der Stab in schiefer Lage parallel zum Schrägbalkeo der Utenheim- Felder (2 
und 3), dargestellt ist. 
Das Oberwyler Wappenschild ist auch in anderer Beziehung ein Cnrioeum: Es zeigt 
nicht nur die Curvatur in gebrochener Linie an den Nodus angesetzt, sondern der untere 
dreiBpitzige Theil i^^t ganz (lach, wie ein herabhfi.ngendes Tuch gemeisselt, während sonst 
stetd das Relief gegen die Mitte an Höhe zunimmt Einzig dieses Wappen könnte als 
Stütze für die Hypothese des gelehrten Ctütier S. J. (Caracti^ristiques p. 297.), der 
Baaelstab benihe auf der Darstellung des Pedums und die drei Spitzen seien das dazu- 
gehörige Velum oder Sudarlum, das als drnilappigfis Tuch daran gehängt gewesen wäre, 
tageführt werden. Angesichts des vorlifigenden Monuments w&re man versucht. Cahier 
beizustimmen, wenn man so weit gehen kann, einem Steinmetzen des XV. Jahrhunderts 
Gedanken über den Ursprung eines Wappenbildes zuzutrauen; freilich gälte seine Inter- 
pretation auch nur für das Oberwyler Wappenbild, das er nicht einmal kannte. Die 
oben gebrachte Erklärung der übrigen Baselstähe stützt sich auf ein Belegmaterial, das 
für jede einzelne Entwickhiugsphase derselben aus graphischen und glyptischen Quellen 
erbracht werden kann. Stüwkblbkkg. 




i 

4 



IS. 

Das älteste Wappenbuch der Schlüsselzunft zu Basel. 

Tafel V. 

Schon wiederholt hat der >Anzeiger« sich mit schweizerischen Wappenbüchem he- 
schaftigt und in letzter Zeit haben Ben Fr. Fiswber Aut«,VNM^^i&uSX\(!;waÄS,VwK^^ 



60 



Bflrgflrwappen') und Herr Dr. R. Wackernagel durch Besclireibung baslerischer Wappen- 
büchor') neuM Mat«rial geliefert. Auf den folgentien Ölätteni mögen sich einige Notizen 
Qbcr das schöne Wappenbach E. E. Zunft zum Schlüs^l in Basel an diese Arbeiten 
aoitchli essen. 

Das genannte IJuch Nr. 36 des Zunftarchivs, eine Papicrhandtschrift (Waaseruicheo: 
ein laufender Uär) von -16 Seiten ohne Pa^nnirung, toq je 30,5 cm Höhe und 21,5 cm 
Breit« enthiLlt im GanTien 53 ferhige Wappeuschilde ; je ein Paar aufrecht nebeneinander 
stehender, unten rund geschlossener Schilde, füllen die ersten 20 Seiten, während auf 
ÜL-r 27. nur ein Schild zur Auaführnng gekommen ist. Da der Künstler wie beim 
Luzeroer Pfisterbuchleiu von der Mi^fabe von Helmen und Kleiuod<^n absah, erlaubte er 
sich einen relativ grossen Maassstab fflr die Schilde, deren obere Breit« durchschnittlich 
85 mm, die Hohe 87 mm betragt. 

Die L'eberschrift der ersten Seite tautet: *Diss noch gesebriben sind nnsser Herren 
die sechs gmacbt in dem jor Anno dm 1447 . 1457. Auf den äbrigen .Seiten wieder- 
holt sieb die Ueberacbrift Anno domiui (oder du.) als mau zalt (oder zaltt). Unter 
dieser grosa und deutlich gehaltenen rcborschrift stehen jowoilen zwei Jahreahlen in 
arabischen Ziffern, dann folgen die beiden Schilde und unt«r diesen die zugehörigen 
Vor- und rieschlechtAiiamen der Zunftmeister. Unter diesen Kamon folgen in kleinerer 
Schrift von anderer Hand Notizen wie »Diser Becher ist wider gemacht im jar 1522t, 
oder >ufr das uuw jar 1522 (s. 1.) oder »Disser becher ist ernewert und wider gemacht 
im jähr 1523 jor (sol, a. 2) und ähnlich bis Seite 7. Dann folgen Notizen iu anderer 
Fassung wie: »Diser Scbyltt ist gemacht im XXVI jor im uftwen becher« und ähnlich. 
Diese Anmerkungen sind von verschiedener Tinte und mögen von 8 — 9 verschiedenen 
H&ndeii herrfihren; sie umfassen die Jahre 1517—1520, 1522—1526, 152Ö und 1530. 

Die dargestellten Wappen sind lant Beischrift diejenigen folgender Personen: 



1. 


Beurieh von «ich M47. 


88. 


tians tratnu 146& 


2. 


Cfior»t krnfft 1457. 


24 


NicUiu kmtler 14ft4. 


8(3) 


RAdolir BchUerI»rh 1472. 


2.V 


Uenh&rt nt!<;her H85. 


3(+.) 


Jos. ÜQglr H61. 


2(1. 


Heinricli eiorellig 1487. 


4(S.) 


Cfiorat sigeriit 1469. 


27. 


Jocob toQ Kilcb«fl 1468. 


5(6.) 


Ueiurich von brtLo HÖ9. 


88. 


Jacob feltio 1490. 


6(7.) 


aaman Wagner 1470. 


29. 


n&as Bilberberg 1492 


7(8.) 


Olrich mekinKer 1471. 


30. 


Ttbotnao (k>) scheckeDbflrljr 1493. 


9. 


ncLnrEch Jongemun 1472 


SI. 


Ulricb rotceb 1494. 


10. 


Ouu ferMod 1472. 


32. 


Dmnricb iiiur«r 149.S. 


11. 


Lodwig bchmld 147S. 


S3. 


Moruit von bnia 1495, 


12. 


C^sper vOD arx 147S. 


34. 


Heioricb msltinger 1496. 


lA. 


Paolc scbwycxle 1474. 


35. 


Ruis von scboreodorf 1490. 


14. 


HftBS idnfterinaD 1474. 


36. 


Hau ber 1497. 


U. 


Heinrich brünly 1475. 


37. 


Uclcber badacby 149». 


16. 


CIti» tavjw 1475. 


38. 


Huu ptorer 1502. 


17. 


Michell yHlIy 1476. 


3d. 


Hius Bleiiuicbvr I&02. 


18. 


Hui stechelj 1477. 


40. 


Hub ber 1503. 


19. 


Matis eberler 1480. 


41. 


lluia Khaffoer 1503. 


90. 


Hiuu »ch«ck«bArli 1480. 


42. 


HuiB lotnbut 1503. 


31. 


Fridericb hartniBO 1481. 


4S. 


Pnier b«chcr«r 1503. 


ee. 


Jocob von brAa 14SI. 


44. 


Ludwig mejrer 1506. 



5* 0*§ckicht9fnuaä M«^, ä 277-310. *) Der d«uUcb< HtfoM 1891, Mr. II B. 12. 



61 



45. 


BaltMur hilbnat 1507. 


50. 


Btrnbkrt raejer 1518. 


46. 


Btrtotm« icbmid 1508. 


61. 


M&ttbeui weoK 1513. 


47. 


Jocob neyer 1509. 


58. 


Joeob br«il§cbfrcrl 1514. 


48. 


Kariui (so) Dfisiboniii 1509. 


I»8. 


P«]ix innr 15U. 


49. 


JeronimuB atechelly IMl. 







Zum Wappen Sclilierbacbs ist zu bemerken, dass es au uarichtiger Stelle, d. li. 
als Nr. 3 statt als Nr. 8 eiugeiwhobeD ist ; alle übrigeu siod in cbroaologiacber Keiben- 
folge geordnet. Auf die Inhaber dei- Wappen selbst kann bier nicbt näher eingegangen 
werden, sie balwn grossentheils als Meister der ersten nnd vornebnisten Herreiizaafl 
Itaaeb eine Itollc in der ßasleri schon, einige auch in der schweizerischen Geschichte 



I 
I 



AVas die Technik unserer Scbildercicn anbetrifTt, so weicht sie in einem Punct 
von dem sonst meistens üblichen Verfahren ab; es wurden hier näulicb erst die leicht 
mit Stiberstift rorgexeichueteu Flächen bemalt und dann wurden bald mit dem Tlnsel, 
bald mit der Feder schwane Contnron, da nud dort auch Schattirung^linien aiifgotrageu. 
So erklärt sich das Fehlen von Farben beiuerkungen, die sich sonst tu der liegel in Wappen, 
die erst mit der yeder geKeicbnet und später farbig ansgemalt wurden, vortindeu, man 
Tergl. Schnitts Wappenbuch und unzählige Scbeibcariase. In unserm Wappenbuch sind 
die Uebrzahl der blauen Felder wie auf Gla^mftldeii mit leicht eingeritzten Ornamenten 
verziert, und ähnliches wurde auch in einem schwätzen Feld nenigstens angerangen. 
Die grfinen Töne, nur verwendet fcir Dreiberete, Bäume und Böden, gleichen heute mehr 
einem schmutzigen Ockergelb; die weissen Tinctureu sind papicrfarbcn ge1a.ssen worden 
und Deckweiss ist nur zur Correctur (Nr. 7) und als Kotbbebelt (Nr. 32) verwendet 
worden. Weisse Schildbilder sind da und dort mit grauen rinseUtrivben schattirt, alle 
übrigen Figuren mit Schwarz, mit Ausnahme der Sterne im Wappen 2, deren Schatten- 
flachen mit Ocker gemalt sind. 

Ein üeberblick über die vorkommenden Schildbilder ergibt charakteristische KesQt- 
tate tat die Frage der bürgerlichen Wappen; es fehlen die vornehmen Figuren des 
L&wen, des Adlers u. s. w., dafür begegnen uns manche Jagd* und Hauatbiere, Haus- 
geratbe, und wie im liiiiemor Pfisterbüchlein (S. 30ö — 308) ^iele Hansmarken und 
dazu treten die in bäuerlichen Wappen so h&ußgen Anfangsbuchstaben dea Namens in 
den Schild. 

Aus dem Reich der lebenden Wesen sind vertreten: Adlerkopf (No. 3), Bär (36, 40), 
Eberkopf (19). P:8che (I), Hahn (38), Hirschkopf (4), Pferd, wachsend (13), Heb (20. 30), 
fleh springend (25), Hiud (18, 49), Kind, wachsend (26), Steinbock, wachsend (39), 
Widder (20). Ferner zwei verseblungene HAnde, das Symbol der Treue oder der guten 
Werke (8, 34). Einzeln oder in Combination finden sieb noch folgende Gegenstände 
verwendet: Aehreo (1), Antonierkreu/. (37), Bach (ü). Baum (42, 47, 48), Beober (43), 
Buchstaben, drei gothische (24), Brand (2(>, 45), Dreiberg (1, 37, 39, 45), Haken bexw. 
Spaten (48), Halbmond (IG, 31, 44, 50, 53), Hausmarken (11, 2i. 22, 23, 41, 46, 
51, 53, 53). Initialen (U, 46, 47, 48, 51. 52, 53), Kirche (27), Kreuz (52), Ulie 
(4, 12), Mauer (32), Pfeil (16, 44, 50), Bad (17), Rauten (28), Schaufeln (35), Stern 
(2, 15), Wage (7), Winkelmaass (9. 14). 

Auch die Gruppe der sog. redenden Wappen ist reichlich vertreten, es seien her- 
vorgehoben: Schlierbach— Bach, Bechcrcr — drei Becher., Be^ — VSa.T, V!ü«i\\a — '^1wCT.^ 



n 



• 




62 



I 



voü Each — Esche, Hilbrant — Braad, voq Kilcben — Kirche , Mnrer — Maner, Nasa- 
boum ~ Baum, NVagner — Wage, 

Der küDstlerische Werth der Bilder uoseres Wappenbiichs ist etwa » hoch juaii- 
schlageo, wie derjenige analoger Arbeiten Üonnd Schnitts aus Konstanz, als Maler tbätig 
1519—1541 in Baael, mit dessen Manier sie vielfach VerH-andtscban zeigen. 

Ein Blick auf die beigegebenen Proben mag genOgen, um zu bemerken, dass e$ 
sich hier nicht mehr um heraldische Darstellungen nach streagen conventioaellen Typen, 
sondern bereits um eine naturalistische AulTassung der Figuren handelt, die indeaa der 
flotten heraldischen StiUsirung durchaus nicht entbehrt. Sämmtlicbe Schilder unseres 
Wap{>enbuchs scheinen ron derselben Hand*) mit denselben Mitteln und in einem Zugo 
hergestellt ; in keinem Fall lit^t uns hier eine Sammlung, herrührend aus annnellen 
Hinträgen vor, gegen eine solche spräche schon die chrc^nobg-ische Verschiebung am An- 
fang, ganz abge»eheD von der (iloichheit der Tiate, Handschrift und des Stils. 

Als Entstehung^rzeit machten wir das Jahr 1514 annehmen, veil das letzt« im 
Wappenbuch enthaltene Schild diesem Jahr angehört, und ohne Pendant dasteht. Zur 
Stütze unserer Hypothese mögen die obengenannten von 1514 bis 1530 reichenden 
Notizen dienen, bei denen man voraussetzen darf, dass sie alljährliche fänträge des je- 
weiligen Zun fisch reibers sind. Diese Notizen sind nun erst nach Vollendung des Buchee 
eingetragen, and die Hand, welche die löl^ datirten Notizen geschrieben hat, erweist 
sich als durchaus zeitgenössisch, ja sie tr&gt noch ganz den palaeographischen Charakter 
vom Ende des XV. Jahrhunderts. Wäre aber das Buch erst 1517 angelegt worden, so 
ist nicht abzusehen, warum die Schilde für 1515, 1516 und 1517 weggelassen worden 
w&ren. Wäre man indess nur auf stilistische Vergleichang der Wappen angewiesen, 
90 gestehe ich, dass nuui für die Festsetzung des Eotstehungsdatums bis etwa 1530 oder 
1540 herabgeheu dürfte. Dr. E. A. STUitcxKt.HKRr.. 



Der Zwinglibecher in ZDrich. 

Ad der Ausstellung von Alterthümem aus Priratbesitz, welche im Jahre 1878 
in Winterthur stattfand, sowie wahrend der Waldmaim-Ausstellung in Zürich 1889 
erregte ein becherförmiges MajoUka-Trinkgefäss des XVL Jahrhunderts die Aufmerk- 
lamkeit der Kenner. In letzter Zeit ist es gelungen, diese keramische Seltenheit für 
das Landesmuseum zu erwerben, nachdem von fremden Antiquitätenhändlern wiederholt ^ 
ansehnliche Angebote darauf gemacht worden waren. *^H 

Der Becher ist aus einem feinen Thon ron gelblicher Farbe angeferHgt, die Form 
diejenige eines nach oben in leichter Schweifung sich erweiterndeu Trinkglases mit Deckel, 
finachliasslich des lätztero betifigi die Höhe 0,19 m., der grOsste Durchmesser ist 
0,10 m., das (iewicht blos 0,28 Kil. Das Ge^s ist inwendig dilnn glasirt, auswendig 
mit ReUefomamenteu verziert tud Tollstäiidig farbig emaillirt. Die OrundGube bildet 

*; Vergl. die Mdea rolltlAndig ideoliMhen Nr 36 nod 40, die R«be 20 and 30, di« Rioder 
18 ood 4t) uad die Form der laiüalt I ia 47, b2 und 53; die Abweichaos der Haode Id 8 und 34, 
«0 eiomAl >w«i rtchtc, du aodre rati «in« rMhu and «ioi lioke H&nd du-gMUtllt itt, »owi« ortbo« 
jFTj^biKL« IflceoKquvuen uikI UrOMettuotericliiede io diu ächrift liOuutu dumu oidii irr« mubeB. 



* 



ein gUozentles, dunkles Braua-violett (Mangan) and in dieses Email sind kleine Qaan- 
stockchen eingesAet, wodurch ein kdraigea Aussehen herror^'e bracht und für die Hand 
ein besserer Griff als ihn die glatte (Elasur bilden würde, geschaflbn wird. Den obem 
Rand dn Bechers umzieht ein dunkelgelb emaillirter. profilirt«r Reif. Um deo Fuss 
herum läuft ein ähnlicht^r, .schmaler Ruiidreif; aus diesem heraus wachsen uuch üben 
und uuteu je neun grüne Akantliushlatter in Relief. Zwischen den Rrsieru schiessen 
acht pa1mett«nf&rmige, scharf gerippte, weii» eroaillirte Blätter in die Uölie. welche bis 
gegen die Mitte des Bechers reichen und denselben nach Art eines Blumeuketches um- 
faseea. Aus den herabhängenden Akanthusblättem ragen drei fQiin>lattrige, braungetbe 
Botetten herror, welche aU >'ü»s6 den Becher tragen, dessen unterer Tlieil zwUchen den 
Rosetten grün glaairt ist. Der Deckel ist in gleicher Weise bebaitdelt; zehn grQue 
Akanthusblatter in [{etief scbaueo aus der gelben Umrahmung heraus, der Kopf des 
Deckels ist einer grüneu Knospe mit vier gelben Deckblättern nachgebildet. 

Das Stfick ist technisch von grosser Vollendung und Feinheit der Ausführung. 
Die grünen und weissen Blätter sind auf den Kdrper des Bechers aufgesetzt; der Fuss 
mit den Kosetteu \si aus einer Form gepresst und mit dem Mus^r nuchgeschnitten. 
Die Emailfarben haben »ich vorzüglich erhalten und mit dem Alter irisirende Schimmer 
angenommen, die ihnen einen bosondern Keiz Terleibcn. 

Form und Behandlung des Bechers deuten auf die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts 
hin. Dass er dieser Zeit angehört, geht aus der Verzierung zweier Ähnlicher Gefiffle 
herror, welche uns noch erhalten sind und die mit dem >ZwiugUbecher< zusammen 
eine kleine firuppe keramischer Kunstwerke f9r sich bilden. Daa eine, in Form einer 
kleinen Flasche, befindet sich im Louvre und trägt die Portraitmedaillons eines Ilahs- 
bqrgers, wahn^heintich Ferdinand I. mit seiner Frau (leider fehlen mir hierüber directe 
Angaben, ich verdanke obige der Güte des Herrn Prof. Dr. Jul. Lessing in Berlin). 
Das andere tauchte im Jahre lÖSß au der Auction Felix in Köln auf. Es zeigt die 
Pirofil brüst btider von Karl V., Ferdinand I. und der Kaiserin Anna. Diese Pilgerflasche, 
wie sie in dem Auctionskatalog genannt wird, ist etwas kleiner als der Zwingliliecher 
and Eudem ziemlich beschädigt. Troizdem erreichte sie an der Steigerung den hohen 
Preis von Mk, 7100. — . Die fürstlichen Portrait«, sowie die Aehuliclikeit mit den 
Sahburger Oefeti, sprechen für die dsteneicbische Uerkuuft dieser, augenscheinlich aus der 
nämlichen Werkstatt hervorgegangenen, seiteneu Gefässe. Ich selbst besitze eine voi- 
Jahren in Bregenz erworbene Ofenkachel von ca. 1640, welche aus einem ähnlichen, 
leichten Tbon verfertigt ist und die gleichen Farben und Emails zeigt. 

Eine besondere Bedeutung erbllt der Becher für unser t^iul durch die au ihn 
sich kaäpf^nde Tradition. Wie sein Name andeutet, soll er einst in Zwingiis Besitz 
gewesen »ein. Dass diese Ansieht in Zürich schon vor der Mitte des 17. Jahrhunderts 
verbreitet war, geht aus einem unstreitig ächten Documente hervor, das seit jener Zeit 
mit dem Becher selbst in dem eigeus für diesen angefertigten, gedrehten Hotzfutteral 
aufbewahrt worden ist. Auf einem 0,21 m langen und 0,145 m breiten Zeddel mit 
einem alten Wasserzeichen steht oben sicher und schfin geschrieben : 
Kuuo de Dtetelieben aus Ostvriesslandt 
reforroatae religionis 
und darunter, in einer des Schreibens weniger geübten, ungebildeteren Hand und flOchiig 
hingeworfen, folgendes: 



* 



u 



Hoeberaoder Ber Db«nt pfahrer wil diur B gh4rt du H. flerieb 7wiRKHi Sa.: BldMr dftnn 
er geihruDkben &U p>lb lch_fr Myo hockgn^rther w«l diser Myoer Mtgl (li>n bäch«r kIImd wl dsn 
H. UHTerterth vider Zu komvti. &i wer Im« aach Lieb vod syiieni Uerkotoen uod begs>buog Zo 
wOaeo 10 d«ni H. oit Zu vidier «fl d«r M. gehlLt«D lio nnd Ime Ktwu priebc durvon volgen L&iieii 
daD er bocb darnacli Terlaog«! daa er «oltcber sacboo ciu Llel)«riiaber daull Myaem hocbgerteo IL 
eio piiCD Tax 

dBdr. Haus Orflter wirf 
Zam Storekclien. 

Der Schreiber dieser Zeilen ist. wie Herr Prof. Dr. G. von Wtfss s. Z. aacU- 
gewieseo hat, Hans Gräter, geb. IGIS, Wirth ^um Storchen in Zürich, AmtmaDn zn 
Kappel 1667, gest 16S1. Grütor's &lntter, Barbara Breitinger, geb. 1583, war Ge- 
schwisterkind von Antist^ä Breitinger <gest. 1646) und an diesen wird das Schreiben wohl 
gerichtet sein. Offeabar hat der Wirth den Fremden selbst seinen Kamen auf das blanke 
Stück Papier setzen lassen and darunter die eigenbfindige Bitte an den Vetter gerichtet. 
Der Aiitiätes mag den Zeddel ati; Andenken an den rerormirten Besucher aus Oitfricsland 
behatten und apätei*« Generationen darin ein Beweisdocument fUr die Aechtbeit des 
Bechers erblickt haben. Letzterer befand sich bis zam Jahre 1858 im Beiritz eines 
I jetzt auägeMorbeuen Zweiges der Familie Ulrich in Zürich, aus dem er damals durch 
' Erbschaft nach Winterthiir ^langte. 

Im Innern des Deckels Dndet sich Verschiedenes angeschrieben, wovon aber nur 
noch ein Theil leserlich ist. Zu erkennen ist die Jahrzabl 1526, über welcher eine 
Widmung gestanden zu haben scheint; ferner, xiemlicb verwischt, die unvollständige, 

wohl scherzhaft gemeinte Inschrift Caroli M. cui poculum hoc inserviit, welcl« 

auf das ChorherFenatift zum Orossmünster hinweist, dem ver.schiedone Mitglieder jeuer 
Familie Ulrich angehört haben. 

Die nftchste Nummer des AiiKeigers wird eine Abbildung des Bechers bringen. * 

H. Anust. 



17. 

Die spätere Aufstellung der Murenser Glasgemälde. 

VoQ älaaUArcbivar I>r. U. HrrtOjf in Aarau. 

Der Zuger Gelehrte Beat Fidd Zwiat4ben rerzeichnete bei einem Besuche des 
Klosters Mari im Man 1765 wenigstens zu einem Theile die im dortigen Kreuzgaoge 
aufgestellten berflhraten Glaageraalde. Dieses Verzeichniss bietet, sorie! bekannt, den 
einzig vorhandenen Nachweis über die spätere Aufetelluug der ächeiben. Wüibreud offen- 
bar nach der ursprünglichen Anordnung je zwei Scheiben ein Fenster ausfüllten, so 
wnrde nach dem Umbau des Kreuzganges durch Abt PlacidM bei der verminderten 
Fenstenrahl eine andere Aufstellung nOthig, nach welcher wenigstens iu einer grösaereu 
Anzahl von Fenstern drei Üemftlde untergdiracht wurden. Das Inventar, das Zurlaubm 
uifbabm und das leider schon mit dem achten Fenster abbricht, berücküchtigte in erster 
Linie den heraldischen Schmack der Scheiben, der fou üurlauben umständlich beschrieben 
wird. Da uns hier lediglich die Gruppirung der einzelnen Stöcke interesnrt, so ist die 
heraldische Beschreibung hier weggelassen worden : die Namen der Stifter mOgen genügen, 
die vorhandenen einzelnen GemAldc sicher zu ideotificireD. Die ausführliche Beschreiboi^ 
d«r «nteu Scheibe ist «ertlich wiedergegeben, am zu zeigen, dzsa Zurlauhm diesMi 
&liUzeo ein für setue Zeit uugewObuücb« Intern» entgegengelnwüit bat. 



65 



I 



Se(]uentia scuta videutur \ncia fenestris cUiistri interioriii inter ecclesis aditum 
et refectohuni, in abbatia priiicipali Muri, ordinis S. Beiiedicti, apud Uelvetios, Cod- 
stantioasis dioecesis. Ea autem doscripai, die 23- martü IIQU. Suut elegaiiüsäimc depicta, 
viracibns coloribus, et grandi torma. Prima fenestra aute Tures eccleais ofFcrt tres 
fetieatrs |)iartition«3, quarum prima dat scutiim quat«r partitiim, cujus in prima et quarta 
secÜooibus aoroo campo caput ursi nigruni, in socunda autom sectione purpareo carapo 
aogelos albus cum aiirca st«lla supra capiit, doiträ sceptrura atireuni, BiDistm aut«m 
Horem porrig^cä, «t snpra tres viridea ooll^s stans. In t«rtia sectione aureo campo, 

ramus ririiüs trihiig rosia albis conntaus, cujus pes B«tns n traiiiito qiii offert /^ 7' 

litteram z tnuisventam albam, infra qaam tres rirides coltes. Scutum a dextra 
ciistodem habet Deiparam coroua aurea fulgL^ntem, dexträ sceptrum et siuiäträ Jeaulum 
portantem, a sinistra autem Sanctttm Benedictum siuistra calicem aureum com vipera 
aurea et baciilum past)ralera portantem. Supra. autem scutum est, cassis aurea coronata 
•A dexträ, et |Kiatorali3 baculus a siui»tra aureus (Lambrequins d'or). lufra tegunlur 
Jodckns TOD Gottes guHJlen abte des gotzbuss Eogelberg 1564. 

Altera fenostrie partitio tria scuta offert etc. Infra legitur Josepb von Cambia 
Kitter Sant Johannes ordens cometliur zu Honoreyu und Ueyden. Bruder Oswald KIstiDer 
Stathallter zä Honnreyn Sant Johannes ordens 1562. — 

Tertia partitio olTert sanctum Brunonem etc. cum inscriptione : lieonbardus Jaoni 
von Chur Prior zfl Ittingeii (^rtuser ordens 1557. 

Secunda feuestra ofFett tres partitionos, prima scutiim aureum cum salienti nigro 
cane a dextra ad sinistram f?tc. Infra Hanns Hug Schulthes z& Lucern. ~ 

Secunda partitio duo scuta etc. Infra ha«c duo scnta frow Martha Damin 1558. -- 

Tertia partitio scntum rubeum cam leone aureo etc. iufra Erasmus voii Uertteu- 
stein 1553. 

Tertia Fenestra tres partitiooea offert, prima duo scuta etc. infra Heynrich Häcken- 
sttiin umid Anna (Jlauserin 15ö8. — 

Secunda partitio simile Fleckensteinianum acutum ete. InJVa leguntar haec doo 
scuta Heinrjch Fläckensteyn Hitter Scbulthea xfl Lncero. — 

Tertia partitio duo scuta quorum priroum Flfickenstein etc. Infra Batt Fläcken- 
sie;n unnd Anna Mutschlin 1558. — 

Quarta fenestra tre^ partltiooes offert, prima rotundum acutum caeruleum cum agoo 
pascbali albo etc. lofra Melchior hüssy laudtamau uidt dem Kehern wald etc. 1563. 
Ad cujus scuti partim sinistram est scutuliim etc. infra Kathrinna am Len tod Lutzem 
etc. Snpra haec duo scuta picta est sesdio sacrl concilü Tridentini. — 

Seeunda partitio Sonnen bergicum scutum a dextra etc. aliud autem scutum a 
sinistra etc. Infra Wendel Sunnenberg. Frow Clara Zieglerin sin eliche hussfrow 1563. — 

Tertia partitio olfert campo aureo vulpom alham etc. infra Jacob Fuchsbotger 1562. — 

Quinta feue^tra trcs partitioncä, prima offert dua acuta etc. infru legitur Niclaoa 
Amleenn scbulthess it Lutz«ru und frow Hlsbet zä Kesiu sin eliche hussfrow 1566. — 

Secunda partitio duo acuta etc. Infra Niciaus von Meggen schulthes zft Lutzern. — 

Tertia partitio duo iKuta etc. Infra Hans Dammanu von Lucem der ijt lantvogt 
in fryen empteren 1566. — 

Setta fenestra tres partitiones, prima ecu ecartele etc. infra Oberster Itudollf PSRer 
Uitler etc. 1616. - 




Ö6 



Seconda ao ecu d'azur etc. infm Lm Ritter der z;t Scltulthees zu Lutiern 1558. — 

Tertia partitio im ecu d'or etc. Au bas od lit Ludnv^ Pfiffer Faniierhenr za 
Latzern etc. )S69. Rn baut de ce eca on roit üepeiote une bätaille oü les Saisaes ä 
pied se batteßt contre la caTalterie. C*est la bataille de Honcontour. — 

Septima fenestra tres partitioues prima scutum civitatis Uremgarten etc. infr% die 
Stat Bremgarten 1555. 

Secnoda scntum civitatis Baden. 

Tertia wutum civitatis Sursee etc. iofra die Statt Sursee 1560. — 

OctavB f^ji«>strn trcs i^irtitloiifti. prima KotuiQ ecartelä etc. infra H. Hauptmann 
Cooradt Zur Lauljeii allt aniniaii der statt und ambtt 2ug etc. 1624. — 

Seconda partitio uii eeo ecartele etc. infra Michaelis von Gottes guadeu apt des 
gotzhius Uinoir 1560. — 

Tertia partitio scuta duo offert etc. infra ülricb HüDtiner des Ratbs zA üiy ete. 
und tirouw Adelhcida BüntiDerin ein Gebomoe von Pro seiu elicher gemacbell etc. 1597. — 



IS. 
Hausrath Rodel des Schlosses Kyburg. 

A« 1790 'I. 



Trn SrMmgialer StAUi*) 
2 Umluiig Stinglj. 

fu tUr Kammer rubtn obitftm SuM* 
2 kloin« taaocni« TUcbll, 

1 ITmbang SUnglj. 

In der Viriu» Sfube« 

2 Unb&ngataDg(j. 

In dtr 3. Siubfn auf dtm Oberen Budtn 
2 Umbaus SUnglJ. 

In der Lauben auf dem Oberen Boden 
1 taDoenrn Kutes mit d'^m Znrich SfJiilt. 

Auf dem Netitn Gany*t 
1 Forrener KaateD, welcher forhin in der attM 
Kicbtcntabe iieiuuideo. Orafictaft. 

In der A'u'HnKi' xefrttM der Riehirr Siitben 
'l Webt Mousseline Unihkiig l Urobsiii; SULoftU. 
Orahchftft. 

In der Richter Stuben 
10 8tackwBiBseHouBi«liDelIaibaog. — SUmbaag 
StanglJ- — 2 Lang«, 3 kleine NuaibSunienie 
Tiieb - 3 Faaieil. — H Snul— 2 Lange 
ratht Suhl aua der alten Ricbt«r Stubeo. 
OnfcdufL— 13 Neu- and alle RicbterHantel. 



GrefKhaa - 7 Weiu nad Blaue MXDtel.*) 
3 Weibel Rdck. ~ 1 GeUUt-T&fneu. — 1 U- 
tertien. QrafuhAft. — Leiit obige 5 Art: lind 
in 3 in der Ricbterstube beflndenden Wand- 
k&sten aofbebalten. 

In der Ritter Sitdmn 
1 Umhnag Staog^. — 4 alle rotbe Scsiel 
an der alten Ricbterstoben. OrmTscbait — 1 
Nuib&amemea Tiichli. — t Groaser Spiegel. 

— 1 Puffert — 2 Bettstatt«]. — 2 LaubaKk, 
/« dfr Kammer neben der Hittereluben 

1 OnbaDg SUnglj — '2 Beuuttco. — 2 Laub- 
aU. — 1 NnstbknmerDes Tiachlt ~ Ü Setsel 
MU dtc altco Kichtentube. Leuter Arüc. der 
OrrnfBcbafL 

Auf (/<-Mi Sehicorien Oang*) 

1 alter liegender Trog. 
In der Lnub Kawmer 

2 aOBgeschltgen», Orau angeBtridieiie Beaautleo 

- 1 B«t-tiatter. 
/)• dtr Mäfden KaumMt 

2 Orwse, 1 kleiner Unnerne KUI«o 1 Betfa 
samt ZacebArd. Oraftchart. 

*J Im Reaiue von Hr. C. Ulrich-ßysi. Caipar (Ilriehwar 17'.>5— 17^'^ der leUte Laodvogtaaf Kibors. 

E« ist nar der zum ScbloHO geböriK? llaiuratb, welcher jeweileo ron Landrofft an Laoi^ 
rogt obergeben wurde Im Übrigen nnsste dieier Beamte aclbat fOr aeiue Ausstattung aorgen- 

*) Diese Kiuoie sind wobl alle im sog. Ritterbause gelegen- 

*i Der VFfbindnDgBgang zwiscben Riiterhaus and Orarrahaus. 

*) Ueaeral Lauer und tetno Begleiter bullten »cb io diese Mintel, ala sie 17^^ mit Gcricbti- 
Bchwert oad kjrburgischtfm Staumbatim daroD ritun. H. Kacber«, •Kj'burg« in Dalp's Ritterburgen. 
Ul. 8 :t36. 

*) Zwiachen dem Rilterbaos und graaem Thurm. 



i 



«7 



Auf ftrr Ifitirfcii 
1 Altvr TuDtnur KmUb mit i TbOrao. 

Im dtr Atidumt Stuben*) 
1 Sekrifiea Corpus — I TUchli uit Xunbuimtr- 
oen ßlu. - DuLaxidUgScbwert^j. I Silber- 
Btr Richter äub. — 1 ADii<)unwt«'B Tftff«!*) 

- 2 (JnbMig Suoicli. - 1 kle<n Itrlef tieswll, 
/m ÜeUn Kämmtrii, M»r AudinifSttilmt 

S Meae TftflDerof! Kuun, 1 tteitBtut, 1 Laubuk. 

Alf dem OOni/ii beim ■. v, Abtritt 
1 Neuer TkUBner Kuateo nit 4 Ttniren. — 1 
All kU'iBu Kkatli. 

/n (frr irfei'ri«N .Sfufrrri auf gUiehtm Boden 
t UvtUtMteii samt L«ub«4k uud Umliuigbtäogl^l. 

— 2 Umbu)^ äUaglj buy il. FtfDsivr. — 1 
OroUtt, I klviner Tuiueiuer iüiten. — 1 
Niubtameraes Tisofalj. 

Ai*f dfm Ldnbii neben der H'ttkH Slub« 
Qrower Kleider Kobud. — '2 KabiIj u eio- 
— 1 NuMbAumeruer halb Kuteo- — 
1 Taaaemer Uailikiuiie& tuit Beuteltuch. — 
1 UieMiftM uud Haoubochj — I /uMiniB«D- 
L*gUicb(j.— t Ubr. )! Zinnern« Liroaw Klucbea. 
tirAÜKb&n. 

/■ Jtr Aeben Kammer zur W^natvben 
JroMer KMUn. — 1 H«UUtl, 1 l^aiilisak 
fQimfKWt — 1 TannerDi! Commode. - I Un- 
lUBg Stlugli. 

In der IKoAn Stuben 
* Umhuig blüoglj. - 3 Wkudk)Ul«n. 

in der Ktiehe 
1 kltet Wu*er-U4Ki — 2 Brat P£M)D«a. — 2 
alte 'l.\üaaat äuppon BUlieo, uubrauchbar. 
1 alter M:hl«cht«r Ku«he Katlvo — 1 laug« 
ickmale Rrat ITAodH. - I tiroaaet Waaur 
Imfen tarnt Oekel. - 1 All Uubraucli barer 
Kupfer Xapr. — I Tiscb. — I blatlea (ieatoll. 
1 Neuer kupferner K uiisi tiafen tarnt Üekel.— 
3 OreybeJB Hafeo. - äZimnerne Halbmiuigs 
SliECu. - I Blich. - lUreubUeli. - I Neue 
KOpferne Pbooe. 

Im Kuthe Stebti 
1 Tiach, 1 MaltCD. 

In dem Saal 
1 BetMaUBUBtlAabiak. - IK&atlJmitSchubrrukeD. 



In dtr Speist Kammtr 

I Unger Tiieb. - 1 Unw tieatall. - 'i firot- 
Tneaa. — 2 KftiUj. — 1 FIlegeabauM. — 1 
UUil Kaaiaa. - I Oroue, 1 kleioe WaafnU 
114*1« ff Oawicht Staiae. 

in der Knechten Kammer 

-J Bet-»uileD, Ü Uanee bet«r Qrafiebaft. — 2 
Tannerne KAtleiL ~ 2 kleioe K&ttli. — 18 
Alte und Ü oeoe LoinladieD Gralachaft. 
In der KneeiUn Stuben 

l -nach. 

1 einachlKBgoa Betb FOr d«o R«ut*r. QrafubafL 
Auf den S:hailenen 

l Alter lioguider Trog. — 1 Keroeo, 1 Ilaber 
Vieriel Winttirthurer UKa«. 1 Halb Vnl., 1 
Vierlig Wiuteitfaur Uab» Mlaa — I Kernen 
Viertel, 1 Ilaber '/• Vrt. Uaber. 1 Vrlg. Uaber, 
*f» Vrtbl, Kcroeo, I Vrlg. Kerneo Zürich Miaa. 

20 Üiuek laag und kuru äick, toit der lind* 
acbaft KfareuBCtcbeu lieMicbnet UrafsefaafL 

Im {ieu^*t 
1 Urosae L&ad mit rieten U&tcnschlacbteii. 
1 Klein Muubfcuuiift Lldtj. 

In de*n Üj/nxenhausatj 
I Keurvpriuen. - I llknfener, 1 lAdenÄf 
»clilauch — 1 Wiodlicbt 

Ob dem SchwiUbunk 
Feiirkabet. 

im Zenghan»»**) 
Gin Cotnpleter Eni Bohrer. 

Hin M. irider im Schlcaa 
n Sidelvti. 1 Buchft-ächeer. 1 Faaaviodai). S 
Waldasgeii. l Alt EiÜeraer Raelwo. 
iHs SeharfritiklerB Kämmet- 
iat durch KrUuuDg «iaei Neuen Sttcgenhauses 
abgegangen, auch die darin geataadene Ucuutt 
wtBit Karren Und gdnzlitih uobrauchbar. da« 
darin gelegviie Selb in io eiuer andern iwakr 
auch alten Uelstatt, in den ThOrnli ob der 
tti!ich8hnuimui"j aufbewahrL 
Die grau libeten Umhing aua der alten Richter- 
ttabe siod zu Seasel Übera&geu gebraucht In 
die Neun Richt«r>iuben. 



*) bte ton hier hu genannten Häunie befindeu aich wobi im Un>reubaua, 

^) 1798 von dtua (raozdaiacbea Ueueral Uuer ontveodet — Heb. Kscber, •Kybarg« in Dalps 
Riuerborgen Bd. III. ä 3»('r. 

') Offenbar der ITlfn! Tom gleichen Oeuoral entfobrte Stamoibauni der tirafeo von Kjrhiu%, 
roa welchem eine gestickte Natbbildung von 156» an der Schweiz Landeaauntellnng in der Ab- 
tbelluDg *Alte Euail«, Vitrine XXIII. No. 1d&, zur Schaa gebracht war. Kaulog S. 257. 

'i lh9 Scbabkammer im l^'^ Thurmgnchoss, wo das Archiv und die R«i(g«lder aufbewahrt waren. 

'*) Die ehem ... jeCxt wieder bergestelita ScbloB»kapelle. 

"i Unier dem 'i'hOrnicbeu der Hapiflle liegt der mit demCVvoi 4ui«ii *\TX'c.ttVk'»ft&i«»^jwx i»»aBS«äfcr 
hAi^aaät Btua, wo uaur dea Kiloigen Bodolf uod AVteeiüii ^ ^M«^>i^«un^ >»v^ 



68 



TVf iscellen. 

Ein vtrtortntr Qrah^trin. 



Beim Abbruch Atr Utricbikirche in 



t 



.< 



\ Buel 1887 ftnden sich mit eioflni Haaffn Gebeinen eiofl miueliilterlicbe 
(Grfthplalt«, «owie d» Fragnml ein«r solrht^D, diui kIb Scbwello am 
Turmeiii^ag L-ioi^üiouiert war. Ikide (legensUndi! Bind Kitber ■purloa 
Terscbwiind«!!, und aoch der Bericbt im »Anteiger« (lB87S.4ß!MiO) 
B«(Icnkt ihrer nicht, veroiaüilich weil oifl «r«t uKcb dcsKo Abfassung 
tum Vorschein kamen. Die Grabsteine der [Ilhchkirche wurden B4^bän 
1730, in welchem Jahr eine neue Schneckeastioge im Thona UgA* 
brsebL wurde, nuft^egrabcn und b«)m Bau der neu auBgebroclnnai 
Lichter, (JesitnK and Winde verwendet (Weis«, Venach etaer 6e- 
ichrelbung der Kirchen und KlSiicr ßaiels 1834 S. H|. 

Das I'ragment ist die antere rechte Ecke einer Grabplatte, 
anf der in gravirier Zeichnuni; ein DaRiRnbildniMdargetitelit war; von 
der in gothiscbeti Majuskeln den XIV. Jaiirb. i^ititiravirteii C'niKUrift 

var noch an lesen: (n) ACH S. EATKKINA. D Hohe 

dtfs Stflckea 1.2» ra. Breite Ü,4il lu. Dicke der Kalksteinpiate 0,'iiO o. : 
Fnnddaturo 11. Hai 1887). Bedauerlicher In der Vsrlnt dw andern 
KtutditOckei, einer ([rossen Qrabplsite ans rolhem Sanditein (n&b« 
2,1^ m-, breite 4,93 m , Dicke 0,10 m,, Funddalum t~. April 188T). 
Dieielbe war verziert mit xwet groiwn aufrecht flberainuidw ttabeadlv 
Wappenschilden (t^I. d. Abb.l. Der obere aeigte in alarkan Raltaf 
einen Dreiberg b#«elit mit dr« wachsenden Glockenblumen (?); der 
fiuntere enthielt innerhalb eines erh&htcn Schildrandn eine mcrkwlli^ 
K^'ldige, etwa dem Schweif dea heraldischen Seel&wen «u rergleichende 
Figur. Die AuBstaituuK diriter ürabplatle entipricbc dem im XIIL 
Jahrb. anfgekommenan Schema mit xwea abereiniiDder alehenijen Schilden Uejapiele uiia dorn Xlll. 
Jabrb. sind mehrere bekaiiDt. (Wettingeo, Wumspach, KlinKeatal in Baael). einzelne auch aus dem 
XIV. Jahrb. (Königafelden) und dem .VV. Jahrb. (Basier Monster). Der vorliegende nransiein gehArl 
Bomit XU den sp&testen Beispielen diesea t^cbemaa 

Wem die Wappen angchAren, ist schwer lu Uften, da das Archiv kein Jahrteithurh for St.- 
Ulrich besitzt und Tvnjola ebenfalls keine Auskunft Aber Oriber zu 9L-UIrtcb ftiUt, auch ilie Wappen 
Gndea sieh weder in Basler Sigelsammlungen noch in ächnitta Wappenbuch. 

Vermulhangsweise dQtfte vielleicht deshalb auf eine Irende und in Folge des Condlt nach Bas«l 
gekommene Persönlichkeit gerathcn werden. Auf dieae Zeit weist auch der Stil der Schildform und 
des l)ri>ibergi, nach welchem di« Entstehung des Grabmals in die erste HMft« des XV. Jahrb. xn 
fallen Bcbeint. Dr. E. A. Üt. 



% 



Ivleinere Wachrichten. 

Znsammr-ngeslellt von Carl Brnn. 
EldgwiMsenschaft. Zum Dirrclor den Lnndesmugevms wurde Herr Cousul Q. Aaifst In ZUrleli 
ernannt. — Hr. Aug. ßatishausflr in London schenkte dem Ijandesmuseuni eine werthvolle aus '<£22 
Stocken bestebende üümBommlmp, Es seien besuadcrs die St. Galtw. Genfer und Tesaloer MOino 
erwkbnL — /tfiArdw/«. Die Landeamiueuma-Commisaion erwarb i-iuen sog. Za^ihänder von 176 en. 
Lftog« aus dem Beginne dea 16. Jahrtiu. Die Waffe besteht aus einer gewellten Klinge und dem aber 
50 cm. nessendeo Handgriff, der mit gepresitem Leder und Draht noiwunden ist. I>ie Pariratange befindet 
sich ongeftkr 14 bis 1^ cm. anter die se m Bnndgriff, der durch 41 cm. breite« in Kreisfonn geiubeiletes 
Schmiedewerk geschätzt ist. Die Klinge tetgt die Inschrift: »Suntler me fecit* f*N. 7..Z* t. S. April, 
No. 'M). — Noch wichtiger ist der Ankauf des Zwinglibecbers, Aber d«n der Leser im l'euillelon der 
*N. Z.>Z.« T. 18. April (No. 1&9> und Seite 62 oben einen ansfahrlichcn Bericht von H. Ä. findet. 
Der Becher ist ein Trinkgefias aus Thou und wahrscheinlich Otterreicbiecbe Arbeit. Kr gebort an den 
bsiiea EmogniBüen deutscher Töpferei des 16. Jahrhte. £r ist kaam 20 cm hoch, inwendig glaatrt 
und auswendig stÜToll braun, grün, gelb und «eiu emailÜrt Akantbus- nnd palmelteuarlige Hl&tter 
Sowie Ki)sett«u in Belief bilden dm Banptscfamuck des Stockes. Laut Tradition des 17. Jabrhts. soll 



{ 



4 



6» 



fZwinglt sich dm Becfa«» beOieot babea; unzweirelhaft fe»tKPiteIII iit die Vcrbiadung mit dem ZArcher 
Bfannfttor jedoch nicht Der ßKber gthort« d«m TerUorbeo«» Vfhrrer Ueller in Wiatertbiir. 

Aarfu. Die rfltli« rurtsehreitendeii RestauntioasarlHnleo in der Kloaterkircbe tod K6nig*ftldm 
BD znr Wi^dcnmfändanj^ Apt allnrdinK« »rg xentärUiii xweilheiligen Mauiwerke gefobrt, welche «i«r 
F*MUr iiD DÖrdlicIieo >ieiteii6cLiffc tcbai&cktcu, ebtDSO ift uiui die Zeitfolge diT WandgrmäUf fetl- 
Bllt, TOD denen sich SiocIeb ui Teruhiedeo^D Tbeilen des Mittelichifles nod der Abseitea votSadea. 
Atu «ioar gtomeo UntpriiichoDK der eioieltwn FurbipaBchicblen erbellt, dass dJe unprOngUcbe De- 
eontion Im Schiffe* sieb »iif eine roihe Mustercio^ von Sloiä- und Lagerfug(;ii auf weisaaii Gmode 
hnehrlnkle, die io d^r Folgi? rifrinsl überm«)! wonicii ist. Die «rsten, ohne Zveifel noch im XIV 
JlbrfadL catsüudeneo ZusäUe waren die clegaaten KankeabordQren, die, «eiea aui scbwarsent Urunde 
gflsp«rt, aich unter d«r Decke mo der Nordwand de« MitteUctiifTM und des «Odlicbeo äetleoicbilles 
binzieheo, Dua diese Friese jangcren Datums als die rothc Quadrimng Bind, geht daraus hervor, 
dau Letztere mit jenen Qbnrinalt worden i»L Kinfr (olgendeu Kpoche, vrmiuthlicli der zweiten 
Btlfte desXV. Jahrbdu ^ehbreu die ItUesien Kothtscbeu Figuren aber dem Chorbogen u. Man «r- 
keant ober dem Scheitel desaclbeu die thronende Mudonna und Reste der sie nmgebendta BTaoge' 
listeoembleme, von denen der knieeode Matthlus-h^igel deutlich sichtbar ist. Ceber diese Figuren 
worden lu Anfang des XVI. Jahrhdu. die groiseo llalbtiguren des lleilaivdes auf einem Wolkentaume 
iwiacben Maria und dem Tüafer JubMoaes oebat den xa beiden ä«iten UberuuMader geordneten Eni< 
blemen der KTaiif^eliatea gemalt unJ ohuC! Zweift;] im Zutammeohanj^e damit eine ueno I)«c«ratioB 
der abrii{«Q W&ode init Stoes- und Lagerfugen und die ebenfalls grauen PcrUÜnme geschaffen, welche 
den Eitrado« der Archi*olten hegieilen. Die Kutslebnng dieser Malereien gibt das Datum MCCCCCXVIIJ 
(1618) an. das sich buch oben am nfirdlioben Theile der Weslwand befand, leider jedoch während 
dar jüngsten Arbeilen heruotergeacblagen worden ist. Die jangsteo Zusltze, rerBintblicb aas der 
SpAlMit deaXVl. JabrhunJerU, sind die wilden leeren Spruch bknder, die zu Seilen des Chorbogeoa 
iwiscbeo den EvangelisleDomblemen «nfgemalt wurden. R. — Im Uaitid b«i Haäfu wurde der gut 
erhaltene fordere Kieferiabn einet Mammuth aasgegraben. Da» FundstQck wiegt uogefUhr ein Kilo. 
Die Kauplatte misst in der Lftage 12, in der hintern Breite ä cm. und l&uft vorne etwas konisch xn. 
Die liehe des Zahnes beträgt U cm. (>N. Z.-Z.< v. 17. M&r>). 

BuflI. HittfhiUerliehe Samadtmif. Da uns tou der Diroctiou eine genaue Zutammeuntcllnng der 
in Jahre lä9I erworbt-ueo Gegaattlnde versprochen ist — es sind schw. Ulauchfriben ans Freiburg in 
der 8cbweU.ConatanK und Schottland (?).Ta(elgeinlLldeauB dem Wallis, UolaBchoitxereieo, Wandgutftfel. 
Möbeln, Ofmkacbflln, hisL Friuneriiugeu. Waffea, I'abneo, CosiOme, Bansgerilbe, kirchliche Oef^. 
fttode und Glocken ~ so genogt es, vorliolig auf einen Artikel von Dr. A. S. Ober die Ausatelluof 
dieser Oegenatiode im KrdKeschosse der Lesegesellschaft hin xuw eisen- Cf »Ha«! Nachr ■ v. 27, Jan. 
Nr. 26 Beilage. — Hr. P. liieani wies in der >Koci6il^ nuiionale des Antiquaires de France« atn 4. Dec 
1&89 (s. Balletin de la »oci6t« v. 16S», S. 274— 27lt) auf v. Uebenaua Fublic&tion Aber die «Ver- 
■teigeraog des Kirchen seh atxes von Basel in Liestal« im »Auaeiger f. schw. Alierihumikuude« bin 
(cC Nr, 4, Oet 1^89. 8. 274—278), auf Grund der Verkaufs- Anicige. in der die goldene Rose dea 
Uusto Cluny nicht ägnrirt, von welcher der Museumskatalog du äommerards tod IdSl (eap. 9 
orf^vreri« Nr. >'^0l>'>) behauptet, es sei A\t Rose, die Fapsi Cleniena V. dem Erabitcbof von Uaael 
schenkte, an der Baaler Proveniettz dieser Rose Zweifel hegend. Die Rose stammt oach der Meinung 
Nicards, den Molinier beisiimiut, nua dem IT., weou nicht aus dem 18, Jahrhundert, 

Bern. Am 22. MAts fand unter dem Vorsitae des Uerro Bundesrath Schenk im Sl&aderaibs- 
•aale eine Versammlung von Abgeordneten dor bffootlichen AlterthumHiniiseeo der Sr.hweit statt. 
Nach eJtwm Referate des Hrn. LaudesrnDseoma-Dirvcior Angst spracb^u sich Oii< Dele^irlen mit 
allen Stimmen gegen difjenige Berns für die Grandang des In Artikel 4 dea LaQdesmusenmBgeBetKes 
rorgevebesen Verbandes der Öffentlichen Alterthuntssammlungen aus. Ks wurde eine aus 9 Mit- 
gliedern auBammengesettte Commission zur Feststellung der Sututeo eriuutot. 

GraubDndsn. Aus dem Sitzungsbericht« der bist. -antitjuari scheu Gesellschaft wird von Chor 
ant*r dem 29 M4rz gemeldet: Hrn. Schrei oenneister llartmann wurde ein tos Prof. Rafan in Zoricb 
und dem Vereinipräsidenten unterztiicbaetes Ehrendiplom Qberreicbt, als AoerkenuuDg fdr dm vor- 
iflglich geleiteteu Abbruch, die Itesunration des T&fcrs ans dem Menhardscbea Banae und dessen 
Wiederaufslelluog im Rathhaose (»BOndoer Nachrichten«, Nr. 77). - 

NtMtnburg. Ilr. Alt Uodi:! ibeiltc uns am 3. MXrz folgeadu« w\-. >\^ t\^u\ ^<£ w.xam^vivI'' 




70 




pcrdae dus an r^dnit du Chfctuu de Colombier, ot*! eile umk k de vils magHs, U neiih Uhlv dn 
cbfctna d« aoi conte«, deatinee ptr f>a Hoii de Hoatperreiix (Monaments de Neuehitel, PI. LX et 
ptge 96). Grice an boo vonloir du D^pu-teneni milittire. eile a rrpria le rbemio de Neuchiktel 
et eile K (roove actae)l«ni«Dt dan» ootrv tnn»^ hütoriqiie - C«tU> ubl? qtii, d'epr^i Do Bo» dt 
MootperreaK. euit stocieDnemeiiE daaa la Saite d'AudieDcea de Jeauae de Hocbbng, atait ilb tnss- 
port^ (k quelle ipoqne? . ■ ■ Mna doulc apri« \HtR} k l'ai-woal de Cvlonbier oü öd put la toif peadaat 
qnelqne temj»; puis, l'araeiul a*6iaal modifi^. eile ■ ^^ rel6guie daas une petite sali« du cbileau, oü 
eil« aervftil cooime Ubie de repas<ia^e d'nbjeu roiliuires ... C'e*i U que t» l'Ai d^couverte. Sauf 
le plateau iHipirteur qui a ditparu, maii qui u'offrBil lien d'iDterfguDl («oir Du BoiiV eile est joUbmbL 
eonaerfte poitr ud mcuble qui Amt ceruinetnent du eomu'-oceiBetit dn XV'l« Si^le. Lee resuuratioH 
na» ooua avoui combiD^ De pgrleot que aar de« partiei acceBMirei ei sooi toutea falle« d'apr^ le« 
parliea eocotc cxistantea C>)t nne trfes loogne üble, portte anr deux forts pieda ea forme de lyre. 
riioois par uee co'ouoade lupporlaot noe nin« d'arcadee ea pleio ciutre« 

Wiadl. In Schoosse der WaadtllUiiJisehi>o GoaelUchaft der acbdnen Kflaete apracb Uerr 
van Hufden Aber die alte Rotttlt der Kathrdral* von Lautavn«. Er irJea auf die acböoe Pobticatioa 
lUhas io den Miitheiluagcii der auuiiuariachen GeaclUcbaft von Zoricfa bio ood betont« die Notb* 
wendjgkeit einer baldigeu Rt-atauratioD Sie wflrile etwa irtO.OimPr kosten ikZdrcber fost«, Nr.ö&. 
verg). deu oubfubrlicbeo Üericbt aber die beabticbtigce ReatauratloQ io der »Uaaotte de Lauaaooe« 
Nr 63) — Die Ola*ndttihrn rrm Si. Saj^onn — aie etammen aa> dem U>. Jahrbupclert — Bind 
kllrslicb toh Hra. Glaeoialer Hoaeb gut reataurirt «orden. Sie «erden wieder ihr ebomalige* Keoater 
iD dar Kircbe roa 3l äapboria scbmilckGD [-Gacetie dn LauaaDne«, Nr. 82). Es ad bier auf die 
PabUcaÜon J. R. Rabaa in deo MittheiluDgen der •Scbwcixer. GesellKbaft ttr ErballUDg hiit Knnat- 
daokiBftler« recvieaeD. Tafel V. 

ZBrick. Von Seite Bnaeret rerehrtou Mtlgliede», dea Oerro I'farrer LUnhard in ^hüfßitäor! 
ist ans aber die oeueaten Funde auf der röuiificben StaiioD awiscbcD Schleioikon uml Dacbtleren 
iia Wefaatal CaaL ZQricb (aXg/mA^r Bericht tugelKtmmeo, (loa wir lU unterem Bedauero, de* be- 
scfaräolcten Haumea wegen, nur im Aunaut^e tiringea kAaneo »Oi-m Sand XV. paff. r>3 der 
■Hittb.der Aoliquariacbi^u Geiellacbaft' iat lu eaUiebmvB, daaa die Anaiedliiiig in der •Groaatelg* bei 
Sebiciflikoa aus mebrcrea tou eiiiund^r ^treauteii Gcb&ndea bestand, deren Ueb«rre«te, aerbrocbcna 
Dachziegel, Ueiudbren, Fragmente voo Kiincbea. bemalten Wknden und drgl., dvf f llug iibcr IS Jucbarten 
Itio xeratreut bat. Die Uautra aiod aua Jurakalk. Tuffstein und Geacbiebeo ausgefAbrt Io dvr Mitu 
der einitigea Anlage and «war aa einer Stelle, die ala ruDd]icb<> Krhabuug aus dem Abhang berror- 
triU, wurden in Jabre \B'M aivben aus Juramanoor gearbeitete S&ulenacb&rte aamml einigen Archi- 
travatücken aufgedeckt, welche vermtiiblicb xum Forticua einei, mit der Fronte in der Bicbtnug den 
Tbale« atebeudeo reoapela uder frivatgebkudei gebort batteo. Von Uteaen Skulen bi:äadeo aicb g^ 
genirttrüg swei im Garten der Kitnatlergcaellacbalt, die abngen und nicht neiir »ürbaaden, Am 
JLiier Zeit etanunnit aiicb eine bei Uerro a. Lehrer >>iirbcr iu ^icbleiiiikon aufbewahrte, gut erbalteue 
SAuleobaais, In den 50er Jahren wurdei fval weitere Kapitelle gefunden, welche seiiher lo Grunde 
gegangen aiod (.Vittb. XV. Taf. VIII Fig. I. I. a). Im «Anzeiger« von l^>^ p«ic 7 wird die An* 
aiedlaag oeuerdingg, bei Anlass der Aafliaduog einer achten SXale too 7 Fuu LKnge, erwAhst. An 
UQnsen wurden biaher gefunden; «olebe der Kiiaer Aogustns, IV^jao, Marc Anrel und Gonliaa« 
Pitii, BowokI in Kupfer. Bronze und Sillter, also aua den (r«ten drei JahrhuDderlen nuterer Zeit* 
recbuuug. Weiter oben am Berge in Küdwuat lieber Richtung von der »GrosBtelg* in der sog- Berg- 
wieuin itiuiM man auf die llebfrreste einer rOmischen WaaterleitoDg. deren RAbren lieb durch TnrsOg- 
licbe Arbeit ausieicbueteo. Ks ist aniunebrnrn, data die«« WasMrIeituog der Niederbwaong in der 
•Uroaaaelg« das Trinkwasier geltefert bab«. Im Lanfa de* Winter« lSDl/92 aacbte fl. OeBWiBde- 
ammann Uerki io äcbteinikun, vorbabeader Bauten wegen, eine neue Auagrabuog, unmittelbar aa die 
froher« anacblieaaend, in öetlicber Richtung. Die Fuudatelle liegt swiachen den Hobencurfen 510 
Uia &20 und den beiden Faaawpgen, welche too Schleinikon oad Uacbsleren gegen die Lkgern bioauf- 
fUma. Leider urbielt U. Pfarrer Lieabard erat Kunde tod dieser AnagrabuBg. ale aie beendigt 
war und war deshalb bexAglicb derselben auf dl« Mlltbeilung de« U. UeraeisdeanmaDn Uerltt aa* 
gewiesen. In einer Tiefe vwa I */i -3 m. zeigten «ich eine Aneahl Stulenscbafte, Baaea und Kapital!« 
von der in den Mittb. XV. Taf. VÜI. Fig. 1. abgebildeleu Forni. I>a(wtscbeo fand man MaotreteiD«, 
x*r6roeäeae Dmchxiegel, ifOb/eu-Fragneiite, sowie Rtate von tCatrichbOden und l>einalten) MauetTerpuiü. 




71 



der uot^ru Ornuc« d« durc]iiuebt«ii , circ« 4,7 tu. iir<»i«ii Coiiiplcz«ii, kok ■>c)> o'"* Test 
m dicke UAiier fain. tdd welcher sich eioe dHooere lokerc Maser gegen Norden bJD ftbxweigte. 
An Kr«otunKtp(>acte h«ider »chcint eio« Shilc infgMteUt jeweien xu sein, wie eich aus der noch for- 
Iwadmea PÜMtUrgutaanterUKe dcrBelben ergibt Ad Waffeo, Workwujir-ii oder sonuigra Gfritlion 
bt atehU gefandcD worden Geaißlxt mut die Atuugea illürcr Dorflitwohiier, di« licb noch der An»- 
rinbnifen toq L^34 orinoerteD, Vürmutbel Hr Pfarrer Lienh&rd. dui die oben erwfthDte. fesie O.GO m 
idisk« Hauer, die Koruetiung der damali aufgedeckten eet. Ei worden KefundeD: Vi«r obem Sluleii 
»citafitbeilc wa O^i - 1,18 m. LKitge und 0.30 m. nurchni»«f. vier antere SlnlecachafUheilc 
TOD 0.1^ — 1,50 m L&DfCe und 0,;jO m. Dart-famegier Aut »leren derwiben tieuen »ich iwe 
Säui«a, von der Lkoge der früher ^efuDienen, xnsamnienRetJirn Ferner fand mu) drei S&ulenbtKn und 
drei Kapitclk tod der bereits weiter i.hen heipcocbeoen Form. Stellen wir die»» neuen Funde tnil 
denjenigen des Jahres It^l zuMoimen. so ergibt Bich eine Ocftanintzabl Ton 13 Siulrn, «oroui xu 
Kblltnen Ist, daas d&ii Qeb&ude eher ein Tempel ab ein Pn*itgrhfttid« fewesen «ein »um. — P«r 
Reinertrag (Sfl4 Kr, -in Cta.) der 61a»gemStdeansstfll)uog im BOnenuiale iit In AuifOhrnDR de« 
Be»diiu»»eB de» ZUrcberiscben Auttteliungs-ComitÄs d«r Km^ der •Schwciicr, GcicllBcbift f&r Rr- 
haltong hiit. KuiiildeDkmlLler« sngewietea worden. — Febr. L»« die KigeDthumsfehde «wiichen 
Stadt und Staat eine Lftsung aiuBchlient. toll olchiieni der gegen den TheaterplatxceUfene FlDgel 
dee Kreuzgange» im Itarfatterkloster geacbleift werden. 

Il-iltero-tnr. 
A^ti-iun. Special -ZeitKbrift fOr pribislorlache Arckiologie und einKblügig« Gebiete, 1891, No. f)/10 
A. Oberhotztr. Di« Aleoianninigrfkber auf dem Beritli M Arboo. 
ArrMirvs hAraldiqiet Swf»«*, FArrier-Mars ISHÄ. K Guil. Die Grafen tou Rapperswyl. Chronitiuc 
de la Socigt^ Snisse d'b^raldiqn«. J MorA. Siegel dt» Walltier Uiacbofs Mattbtu Scbinuer. 
' M T Vitraox SuiMea, Ataurin Triptt. Sceaai *pi»c»pau)t de Slon, 

Ardiirmt de la Socifitfi d'bistoir« du canton de Fribonrg. Tome V. »« liw. Or, fn-«' (p. 168—336). 

IFhbourg, Impr Kntifniife Krftre». Invenuire du buiio falt k Graodaon par lea aoldata fribour- 
geot», publi* et annot^ par J#. He Ttchla-maHn. L«» seigneun de MAaitrea, par J. SrKnaiuly. 
Btifüit. A ät. Deacriptioo gio^rale des Monnaies Mfrovingiennea Pari« 1892. Tome l Agauoum 
pp. 5-8. Afenticom p KW Buel pp, '232-238. 
B«a*ttim« »torüo <leUii Sri:x*ra Ualiana 1892. S' 11-12. 1 caatelli di BelUnxona »olW it dominio 
degli Sforza {cont ). Affreachi del prindpio del Cinquecento nella chieaa degli Angiol) in Lugano. 
Noori contributi alla g«iiifalugia dei Sai, per R. Tagiiahue. Dali' arc^tvio dei Torriani in 
Mendrisio, per K. Torriani (»ot.). Pw la itoria della parrocchia di SoreoRO. DopO la ba- 
taglia di Oioroico (ßne). Varietk. Cronaca. Holleliioo bibllografico. 1862. No- l-'i. Oeo- 
najo-Febbrajf. Per )a «loria d^ caalelM di Morcote e di Capolago. Nnofi contributi alla 
genealogia del Bax Arebiteiu ed ingegneri militari tfnnesdil. 
BttiirHn de la So<iAf Suine da Numitmalinue 1891. No. 1(1-12. Ein onedirte» SecbikreuicratOck 
»OB JobaoD Anton «ob Fedenpie). Bigehnf ron Chur, toh A. Saulrr. Deux conirat» de gra- 
reiira en mMaillea geneTniß, par L lh,four. Nol« »ur qq denier« »*cu»ioa d'Aroed*« 111, comte 
de Saroie. par le Ür. Lad/ lÜJmiacbcr MOiiFfimd in Arboo. ton E. Hahn. Bibliographie. 
— No. S— 4 Edits al fflandementa concemant le» oonnaica Atrangire» en circulnlion dans 
raodenne principaut«-«T6eh« de Bkle, par i; U Bott (avec flg.). One nwnnaie iofdite da 
CharJea II, duc de daToie, par A. i^<if {a»«c fig.). Schweiier MOoa- ü. Medaillen- Cabluet. 
eon <i.'K. tan tlallfr (Fort»-). Fragmenu nutnismatiqiiea »nr le canton d'Ant>irie, p« B. R»btr 
(aTee fig. et 3 pUnches). Sociitfi Buia»e de immisniaüqiie: Appel k toute» le» perwoBB» 
•■in(«re»»aot k la Dumismatique; Avis impQrtani Los monnaiee frapp^ea k Gex par Charle 
Emmanuel I., due de Ö«Toie, par le Dr. Ladi. 
treUhinlt. Itani^, Dr. Albrechi DOrer'» Aufenthalt in Basel 1492-94. Hit 15 Texülluatr. u. Sl,^ 

Tafeln in Lichtdruck. MOcchen u. Leipiig. li. üirth'« Kunitverlag 1892. 
V# Chn,nihf>i dtr Stadt h'tnHa»!. Urtg. TOD PA. Jtupjmt. Mit 6 Taf. In-S*. XXXU, 506 8. 
Konsuox, Selbstverlag dn Verf. 
mi'dUk^. K. Geacbicbte der Sebweia mit besonderer Üflcksiclit auf die EntwicUang dee Verfa»* 
■ungB- und Eulturlebeui von den iltesten Zeiten bU aut U«ii,«ai[S£X. ¥^«kV ^u ^.^^i^wl '0.-^%. 




I 

% 



72 



DCUMien FoncfanDgen gcmeioEKeBlidi Jargestellt. In 8 BiadeD. 2. Band. 2. mit- a. vern. 

And. Mit culturhiitor. Illuitr u. PlXueo. Gr. io-S*. VIII. 795 S. Zfirieh, Frif^rich Sclialtbvsf. 
Detnoie E. tliatoire mon^tairf d« G^oive At 1702 k \M^. Avoc 6 pUnch« (-17 fig.) Gr. tii-4* 

136 p. Genive. B&le, Lyoo. H OeorR. 
Enj/ü, A H Serrurt. R. Tnitd de Namlsnutique dn nioj«n-&ge. E^ris 1891. Tome I. (MOnica 

voD AgaaDiim, Av«nücata, Itaee). Genf. Orbe. LauMDoe. Sitt«D, Zorich.) 
Grrmatid, l'Ahhi J. Loaia Orangier. Noiice biographiqur. KriUourg, imprirDwi« Fragnifere frferei, 1892. 
JiArbBdktr, ApprnitlUgeh«. [frag, too d«r AppeD»lUich«ii gem^ionatxigrti riest-llKChafl ti. ndigJrl 

TOD A'. Ritttr. 3. Folge 4. Hefi. \n-V. 172 S. Trogeo rCoiaiii.-V«rlag vod Huher &. Co. 

[K. Febr] ia St Qalleo). 1891, Dif> Trenonng der beidea HundwUer Rltodeo und der Kircheabau 

JD Stete io den J. 174S o. 174d tob B. Eugsttr. 
JetkliH, C. Urkunde xiir Staala^ex-iiichte OraDbADilen», xtuanDMOgettelU roo C. J. Heft I: Onil> 

bfluden u. die Scbweiz. In S". ö3 S. Chur (iliu'sehe Bacbh.). 1891. 
Journal dt Gfnhf \S9'i, No. 46— 4^. Auaffthrlicbe 11«spr«cbuDg dei Werk«« tod Ff/rl^rir Bofei: 

Üb FotresdeOes^Te aa XV. Biitle. Gentve, H. Georg & Paris. Picard 1393, von Camille Farn. 
Kunaleht-mlk. Reib), sur ZeitKhrift fflr hitdeode Kaatt, Herauigegebeo t. C. t. Louo« n. A. PabcL 

Neue Folge. III. Jahig. 1891/92. Mo. le. S. 277 u. f. B. üofndctre. Ein Znihlom (t) ia Lojktü. 

— No 20. Den : [lam Holbcin d. J. aogeoanDU« Selbitbildoiss io Basel. 
Mtiniitger, J. Une Cbrooique Suisi« in^diie du XVI. SÜcIp fCirckell der Kidgaoscbaft roo ^ndrMj 

Ri/ff)- Hit 3 pbolo tttfa. Tafeln, eionr doppelten facsimjjirteii Tafe), Md Wappen aof Ifl Tafelo. 

Or. S*. Bawl. Adolf GwrlBg. 
MitlMlungtH d»r Antiquar. Otmtitchafl (der Geaellärbaft fOr raterl&nd. AlterthDmer) in Zflricb. 

Baod XXIII. Heft 3: Die liteneo UymuouBaminliuigeu von Kbeioau. «oii J. Wrrner. Htl 

2 PaeB.-Lichldrucklar. Gr. io-4*. tK. 75— 2t8|. Leipxig. Karl W. Üiersemano. 
iimk^UK^TH der Setitpeiscrischrit Gt»«II*ch<tft fSr Erhaltung hirtoHrelitr KunttdrnkmiÜtr. VIU 
~ Alf. SehiMid, Lar^ne FedersetcbnuDg von Haoa llolbein d, J. im BeiiUe tod Sir Charlea 

RobioMo in Loudoo. 
JTiu/« »*emckAt*iöu. 1892. No. 1—2 Art et aitiites neuebiteloli : Auguaie Bacbelio, ptr Pk. 

GvdH (avec plaDohea). Travera, par L Juillfat (6o) La cbspelle de Warre. par IK. (f'am. 

Tariii^. Art et artiBtes neacbAtfloii: Angiute Bacbelin, par Ph UiMin (iDitej. hea aocieaoee 

nionoaiet du caolon de Npuchi'itel. par l'ftitpierrfSteiyfr. MiaceUan^ea: Uimoyrei de 

plnsieiirs ehoara remarqo^ea par noi Ahnham Chailliet, deapain l'an 1614 (■oile). Voe de 

Brnnets. par A. (tito'det (a*ec 1 pIaocbe)> 
}t*ujahr»hiaU. ZunerifcArt, fOr die Jugend and Frennde der Oeacbichte fOr das Jahr 1693: Die Welueo- 

back- oder Si Karla-Pfrund, toq M A. M'ysn. Hit Licbtdr. la-4* 24 S Zur. W. Andenrert 
l(*u« Züreher Ztitting. 1892, Bei!, lu No. Vi. Die Gncbntzc im Museum tu Neueoaudt — N«. 

110, I. Bl. II. A Der »Zwinsllbeclier*. Eine fCrwerbung für dai LaadecmtiBeDin. 
R(ntmitv.r, CK. Petcrlption dNiDG hv tftrle de 100 mMaillea geaeroiBei in^Jtei auivie de 4 plancfaea 

(12 6k) fn-*^*- 45 p Oenife, Bile, L^od, II. Georg. Extrait da »Bulletin de l'laititat national 

generoia Tome XXXI < 
Blfir, Aniirttu, »id« Meininger. 
Salnc-Pifrrt. ancienne uthMrale de Geoive Publicatioo de l'Auoeiatioo ponr la reauuraiion de 

Saint-Pierre. i« faacicale. La Chapelle et le Mausoite du Duc de^Robau Avec 12 pboto- 

typin, f* Tign et aiiires illoatr. Ia-4*. IM) p. Gen^ve (H. Georg). 
SiaiitiH, Loui». ß«»chreibiing der alten Waffen imZa^eriacben ZeughatK«. »Zuger Volkiblatta.lä9^ 

No 26 ff.. FfuiUeinn 
WM:kerna</tt, H- Wapp«abQchet in Baael in 'IW Deulacbe Herold-. 1891. No. 11-12. 
W{Ui, DomiitKHM, Abt roa Marienstatt. Albom Wettiogeaae oder Verceictuita der Mitglieder dei 

«lernten und coauatorialeo Sliftea Wettin geo-Mefarerau S. Ord. Ciat 1227~m!Jt. Linbors 

a. d I.. IS02. Im Selbatrerlage. 
Zrmp, Josef. Die Gtaigem&lde dea ZugenactieD ZeugbauMa. »SonoUgablatt*. Beilage der »Zager 

Nachrichum^ IS91, No. 51, 52; (S02, No. 1-7. 

BedaotiDO: Prof. Dr. J. B. KAHH In ZOr^h Vid OABL BRDN In BMneb CÖiiOi). 
Druck von &. LEEMANN In ZOridL 




rCB 



ISCHWEIZERISCHE ALTERTHUMSKUNDE. 

INDICATEÜR FANTIQüITfiS SÜISSIS. 



XXT. JaJirg&ng. 



-»«^ 



3, 



ZÜRICH. 



.T«li l«Ot2, 



t'*-— tM»«n*rata|tr«l«i Jtlirilrh I Fr, ~ Man »liAiiiiirl ttr\ <1mi Pa*lhnf«aiii nn-l alWi Ilu<-ltl)an<lliinK<'n. ■owli* 
antti iltf««! bei il^'iii Burcitu d»r aDilquftrlaoben OeMUsohRft, Rvlrnhans, Zoriob- An d)B iMMvr« 
SUIla belMjut mumAiUko Aboiiitrulrti itirp ZiililunK«n lu kilrM>lr«ii. rbcmn wcjdrn dunlbil alKUtls^ ilocU- 
oniMafS ■P lOT ffBKtnomiiWi. — Vun der SlaUMk ithwtUrr^ieKrr IfwtMdMjNidto», die •!• BnUagB no 
»An x i t ttrt «nehaini, wird «iuo kkln» Aulogn Toti SMdtrabsätf «ntoIIL P ntt l iw HunuDoni (l«roB 
«•nlen. M laufe der VorrWI] nicht, »uf <l(ia Bmtüu der jMtt9um%ieMn G^teOaekafl. MmM mm t, ZirUk 
kbfCffebeu 



It. Der Pfahtltaa im Inkwlktsee, von t. HeMrIL 5. M. - K. Alle Abbild on»:«! dn Stinsuaucs Mana-Kio- 
>MNn. VM> I. Zvmp. S. H. — il. NoumIi« Kntnl« vnn Wandgamililru im TRnln, von J. It. Rah». S K. 
- flt Innitur dw S«hl<MtM CaMelt In (imubtinden. Ton Fnu v. i«cklln, S. IW. - UUcellAn. & IM — 
K)«>n»i« NacliriciKxii . iu»3iiim«njc«il«ll> Ton CaH Bmn. 5- (0>. — LUeranr. S. Ol. — SIaUbUL aclmdK. 
lilDUdMiknftler, von J. K Raha. S. 113. — Tkf. VL Drr •ZwtnirUhoch(>-r< ni AHiknl (C. S. 69. drr Toricoa 
NiiinaMr. 



Seit dem 1. Juuuar 1888 ist der Cominissions vertag sauuiitlicher 
^erftffHiitlichuiigcn der Aiitii|uarischpi) riftselUr.haft (mit Äosschluss des >Aii- 
Mger fiir schweizpriwhe Altertliuni3kuude<) an Herro Bu&hhändler Karl W. 
jNlersemann in Leipzig abergegangeu. Yon dieser Firma wird der Vertrieb 
genaiiiittT Sclirifteii sowohl in der Schweiz (Mipderlage in der Bticlibandlmtg 
S. HÖhr iti Zürich), als im Auslande autwcbliesslicli besorgt. Noch immer sind 
dagegen, laut § 16 der Statuten, die Qesellschaftsmitglieder zum directeu Be/.uge 
der Vereinspublicationen berechtigt, welche seitdem 1. Januar ISSS im Bureau 
auf dem Ilelmhause abgegeben werden. 

Die neuesten Yereins-Publicationen sind: 

Hahn, J. iL und TA. i-. Liebenau. Die Casa di ferro (Vignaccia) bei Ixicamo. 
Eine Werbecaserne aus dem XVI. Jahrhnndert und ihre £rbaucr. 
Mit 3 Tafeln Fr. S. - 

KaUlog.bescbreibcader.der Antiquarischen Sammlung ia Zürich. Von B. Ulrich, 
A. HeUmunn imd andereu Gesellschaftämitgliedcni. 3 Theile. 44 Tafeln 

in Lichtdruck 

Ohne Illustrationen . . . 

Werner, J. Die ältesten HymnenBamm hingen von Kheinan. Mit 2 Tafeln. 

Uottinger. Jtf., Zeüer-WerdmiUler, U., nnd Bahn, J. R. Bnllingers Be- 
schreibung des Klaiter» Kappol und sein jetziger Bestand. Mit 2 Tafeln 

Von dor Beilage: »Zur Statistik schweizerischer Kunstdenkraller« von J. R. 
Bahn, XV. Can^on 'J'trfisin, kOonen Separatabzuge auf dem Bureau der 
Antiquarischen Qcsellschaft, Rolmhaas Zürich, bezogen werden. Preis 
per Lieferung 



90 



!9. 
Der Pfahlbau im Inkwilersee. 

Weetlich von Herzogen buchsee lic^t der kleine Inkwileraoe. In »einor Mitte beßndH 
aicb ein niedriges Inselcben, über das sieb die Grenzlicio der Canton« B«ru und Solotburu 
80 binzißbt, dass es zieinlicb genau zur einen Hfilft« der Kinuiig Inkwil, Caiitoti Hern, 
zur aridem Hälfte der Eiiiung Bolken, Canton Solotburn, anifebört. 

Wenn man auf diesem luselcheu in die Tiefe gräbt, so stösst der Spaten auf llestc 
vcw Ffäblen und QuerbSlzern und ntan Sodet oft Scberben von schwacbgebraiinteui Tbon. 
Auch in der nacbsten Umgebung der Insel kommen diesi? Ueberbleibsel alter Zeit zum 
Vomchein und schon der erste Untersucher derselben, A. Uorlot,*) überzeugte aicb, dass 
da einst ein Pfahlbau exiatirt haben musste. Diese blntdeckung datirt aui dem Jahre 
1854. Bald nachher wurden auch v. Uonstetten und Oberst Schwab auf die Stelle 
aufmerksam.*) Im Jahre 1857 nahm Amiet grCs:^re Ausgrabungen vor, uelcbe von 
dem Besitzer der Insel , Kotb , im Frühling 1858 fortgesetzt wurden.") Nachdem 
T. Uonstetten und Ubhnann*) nochmals Nachforschungeu angestellt hatten, hOrte man 
nichts mehr von Treitoren Funden, bia vor wenigen Wochen in Folge der (l^nalisirnog 
des See-Abßusse« der Wasserspiegel gesenkt wtirde. Da kamen um das luselchen herum 
zahlreiche Topfscherben zum Vorschein und eine Anzahl eifriger Müntter ontemahra 
eine neue Untersuchung, Qber deren liciiultat vir durch die Freundlichkeit des Herrn 
Fischer -Sigwart, eines der Tfaeilnebmer , weicher auch die Ergebnisse dieser neuesten 
Nachforschung in Händen hat, unterrichtet wurden. 

Die Construction der Pfahlbaute Inkwil zeigt, dass wir es Wer mit einem Floss- 
bau, einer Art Oranuoge, zu thiin haben, filuilicb nie in Wauwil und in Niedcrwil bei " 
Frauenfeld. Ein wagrechtea liager von Baumstämmen durchzieht die Insel und wurde 
jdurch senkrechte PHlble in seiner Lage erbalten. Es liegt unmittelbar auf der See- 
.'kreide auf und übor ihm bat sich am Uferaaum eine kleine Torfschicht angesetzt In ] 
/diesem Torf und weiter im Innern der Inst-l über dem Flossbau kommen zahlreiche 
/ Artefact« und Knochen von wilden und zahmen Thieren zum Vorschein. Diese Funde 
/ schmncken zum Tlieil die Sammlung Aes Herrn Fischer, theil-« aber sind sie den Museen 
I TOD Solotbum, Biel und Bern einrerleibt. 

^ Via.^ zunächst die Thierreste angeht, die im Inkwilersee zum Vorschein kamen. , 

so ^nd von Wildthieren Dachs, Fucha. Eber, Hirsch und Keh vertreten. Hund, Ziege, 
Hchaf, Rind (und Torfschwein?) bildeten den Haust bierbertaud. 

Der Mensch hat in Inkwil nicht blos zahlreiche Erzeugnisse seiner Hand hinter- 
lassen, sondern Herr Fischer gelangte auch in den Besitz eines Pfahlbauersch&dels, der 
beim Fisch&ng mit Netzen beim Inselcheu gefunden wurde. 

Von den Hütten , welche einst Aber dem Flosse im .See sich erhoben , haben sich 
Stöcke der Lebmverkleidung erhalten, welche zeigen, dass die Wand« ans Fleclitwcrk 
erstellt wardeo. Verkohltes Stroh mag von der Bedachung oder von Lagerstätten 
herrQhren. 



*) Skh« Jaho und öblioaiii]: »Die Pfahl bau -AI («rill Qinvr vou .MoosM-cdorr*. 18^7 (Anbang). 
') T, Honitcttcn: -Rccueil des Anti<i Suiasr>ü.* Tafel XXVir, HJ-IÜ u, ftg. iS. 
•) »Änieiner fttr ichwpia. üpgchrchle und AltertbuiBikiinile« l*t.^8 p. 57 <5ti ii Tif V. 8— 18. 
*) T. BoDitetten: »Rccoeil* 1. Sappl- Tät»\ l, 1— S n. pag. &. Vgl. dcuen Vuu ircbtel. du 
Gla. de Berit« pag. 54. 



Ol 



Der Pfiabibauer im Jnkwileraee scheint das Hetail nicht gekannt zu haben, denn 
tdie wenigen UetaUfuude, die auf dem Inselcbeu oder im See gemacht wurden, gehören 
der römischen oder niner noch frnhoren Zeit an. Sein wichtigst«^ Nutzmstoriol war der 
Stein. Cnter den Steinbeilen kommen Serpentine vor und das Mnseum in Bern besitzt 
selbst einen Nefrit aus dem Pfahlbau Inkwil. Interessant ist ein Messer aus einer Art 

»Schiefer, das in v. Bonstettens »RecueiU, I. Suppl. Tafel 1, 1 abgebildet ist und aicb 
»benfallH in Beni befindet- St«iumeisse1 wurden auch bei der neuesten (Jntersuchung 
wieder gefunden, zahlreicher aber ämti Objeote aus Feuerstein. Sie wurden als Messer, 
Schaber, Spitzen und Ahlen benutzt. Unter den Waffen aus Silex mm die Ijanzo» 
und Pfeilspitzen erw&bnt, von welch leti^tcren solche mit Widerhaken eine vorgeschrittenere 
Technik bekunden. Oass der Silex an Ort und Stelle selbst verarbeitet wurde, beweisen 
Kenutöcke, deren z, B. die Museen in Diel und. Bern aus Inkwil besitzen. Hier sei auch, 
um die Steinger&the vollzählig zu nennen, auf die Kcibsteine und Quetscher biogewiesen, 
die «hon bei den ersten Uuteratichungen gefunden wurden. 

Ans Hörn und Knochen bestehen Beilfassungen, ferner Ahlen und Meissel. Durch- 
bohrte Kberzabne dürften als Schmuck gedient haben. Au» Oeweih besteht eine Pfeil- 
spitze iß der Sammlung Fischer und einige Dolche wurden ans Knochen . speciell ans 
■ der Clna, hergeateUt. 
Neben Stein, Knochen, Ilorn, Zahnen und Holz hat der Stcinzeit-Pfiihlbaner auch 
den Thon zu benutzen verstanden. Im Inkwilersee wurden zahlreiche Scherben gefunden. 
Mau konnte zwei Arten derselben uoterächeideo : Die einen waren dick, aus schlecht- 
geschlommtem Thon, der reich mit Quarzk&mern vermischt erschien, hergestellt und 
mochten zu großen, bauchigen, wenig verzierton GeHlssen gehört haben, die anderen be- 
standen ans besserem, feinerem Thon, waren weniger dick und trugen Verzierungen, 
unter welchen nch sogar bogen- oder guirlaudenartige zeigen. In dem Bericht« von 
Herrn Fiscber-Sigwart wird gesagt, dass man fast überall über dem Holzboden Schnrhen 
gefunden. An einer Stelle kamen neb.stdcm eine Anzahl rothgebrannte Kieselsteine zum 
Vorschein und tief im Torf ein Klumpen schwarzen Tdpferthon's, sehr plastisch und, 
genau von der BescbalTeiiheit, wie die schwarzen Tbonacherben , die man ilberall fand. 
Namentlich fehlten darin die kleinen weissen Kieselsteiochen nicht, welche die Tbon- 
scherben als ücht cbarakterisiren : Man war auf eine alte Töpferioerkstäite gestosseu.^) 
Ausser Tbonscherbcn kamen auch Hinge aus demsellien Material vor, Unterstellringe 
für SpitzgeRLsse, wie sie sonst uur in Bronzestationen hier und da geltindeu wurden, ThonwirteU 
sodann aber zwei höchst eigcnthümlicheStfloke, welche Amiet im »Anzeiger« 1858 Tafel V, 
14 und 16 abbildete. Das erste ist eine Art Stempel aus Thon, das nach der Ansicht 
i Troyon's') nicht so alt ist, wie die andern Funde. Der zweite (iegenstand ist ebenso 
sonderbar. Er sieht aus wie eine Wurst, besteht aber aus Thon und zeigt auf dem 
II Bauche in der Mitte ein Sonnenbild und zu Seiten desselben eine Reihe von Sternen. 
j die durch Kreuze dargestellt sind. Hine neue Untersuchung dieser beiden Stücke wäre 
sehr wQnachenswerth. 

T. Bonstetten &nd auf dem Inselchen im Inkwilersec ein BronzelOffelchen aus 

^rtmischer Zeit, römische Scherben und Falzziegel ; Keller spricht im zweiten Pfahlbau- 

aericht von Kiscngerütb aus römischer Zeit, das in Inkwil zum Vorschein gekommen 

*) Tgl. •Zoficmr Tagblfttt« von 4. Juni 1802, No. 131 

*i iltbitatioDs lacuBtren [lAg. S3— fN. 



92 



and nennt ausserdem einige Fischangel aiia Bronze aas dem beäcfariebeoen Pfahlbau. 
Die uns bekannten Siramlnngen, welche Inkrriler-FuDde bergen, entbatteu, soweit wir 
uns ertnueru , diese Bronzeangel niclit und wire es zu wünacben , dasa Nachfrage Ober 
den Verbleib dieser Objecto gehalten würde. Der Sage nach soll schon Tor vielen Jahr- 
zehnten eiu Fiacher im lukwilersee eine BrouxeTase gefunden haben/) J. Heieru. 

^) Nichd«n du Vontebend? ichoa Redrnckt wftr. erbieltrn wir «Inrch Herrn Fischcr-Sigwu-t die 
Nacbricbt. dut am Wettende dea lakwileneca eine zweit« Pfafalbauie etiatirt habe, dir jeut rer- 
siiok«ii sei. Ks gcluig jedoch , die 1.5 m. lugp. Spiue einM KiDbauma, Pfühl« und RindskrioirfaeD 
aus dieser SUUaa in reiten. Aach dien Fuode gelftQgt«ii ia di« Saainlaog oiueres freuodliebeo 
Berichterst&tten. 



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^ 



Anftloht von Eintjedeln luoK DItbeld Sohltllnga Chronik In Luxem, Fol. CCLXXV. 

21». 

Alte Abbildungen des Stiftsbaues Maria-Einsiedeln. 

In seiner vorzQglicbeii Arbeit: »Der jetzige SUnsbaii Maria-Rinsiedelnc,') gliedert 
Dr. P. Albert Kuhn die frflhere Baugeschichte des Klosters Rinsiedetn bis in dem 1704 
vorgenommenen Abbruch und Neubau in ffinf Phasen, deren jede durcb einen mehr 
oder weniger bedeutenden Brand markirt ist. Erst der fflnfle, nach 1577 entstandene 
Stiftsbau wird durch alte Abbildungen belegt. Die bcdentendsten derselben and: 
a) Ein Stieb von Martin Martini, ca. lülO, der das Innere des >Uutern MOnsterB« 
darstellt,') b) ein Orundrias von 1688,*) o) mehrere Ansichten von 8. und BW., von 
denen die bei 8t«ngel, Monosteriologia, 1619. und Merian, Topographie, 1642 die 
bedeutendsten sind, 



'J JAhreiberidit aber die Libr- uod EniehuagsuiBUlt det ßenedietJDerSüftei Uaria-EEa- 

si«de]n. ieeO/81 und I98\m. 
*) Zumt b««proch«n von Rahn, im .Aouiger' 1881, S. 141 n. f.; reprodndrt bei Kahn 

Seite 9. 
*j Beprodncirt b«i Kuhn S. 8. 



93 



I ^ 



Der Nachweis Alterer Abbildungea, welche den BaubesUnd vor 1577 wiedergeben, 
U38 erwünscht sein. Von solchen sind mir bekannt geworden: I. Abbildungen in 
aplan Diebold Schillings Chronik, Pcrgamentmauuscript der Stadtbibliotliek Liizcrn, 
511—13. Der StifUbtn von Einsiedelo ist darin viermal dargostellt: a) Fol. CCLXXb. 
Hintergrund, die unteni Partien durch davorstehende Bewaffnete niaskirt. Die An- 
icht ist von NW geDommeo und ist bemerktntswcrth durch die Wiedergabe der West- 
<nt mit der Vorhalle, b) Fol. OCLXXV, die bedentendste und detaillirteste dieser 
usichten. Sie Hegt unserer Abbildung zu Grande. Der Klosterbau, von NO gesehen, 
hebt sich im Hintergrunde von dunklem Tannwalde ab. Im Mittel- und Vordergründe 
dehnt sieb der Drühl. eine nördlich vom Kloster gelegene Ebene aus. Von weitem 
Baulichkeiten sehen wir hier die S. Oangal&ka)>elle, ferner eine hOlzeme Feldkanzel, 
und einen aus Holz gezimmerten, viereckigen, mit einem Pyramidendacb bedeckten 
ravillon, anf dessen Spitze sich ein Kreuz erhebt. Derselbe findet sich auch auf Me- 
riaas Prospect (1642) und ist dort schlechtweg als >Das Rrentzc bezeichnet. — Auch 
inhaltlich ist dieses Schilling' sehe Bild von Interesse, Ea iat wohl die älteste schwei- 
zerische Darstellung einer >Kilbi< mit den dazugehörigen Volksspiolen : Weitsprung mit 
and ohne «Anlauf«, Ringkampr, Steiustossen. — c) Fol. CCLXXVlb, die Kirche im 
Uintergmnd, von NO gesehen, ringsum von Tannwaldungen umgeben und deshalb nur 
die bOherr^enden Theile sichtbar. Kechts vom Kloster eine Andeutung des Fleckens 
durch drei im Block-iystem erbaute Holzhäuser, d) Fol. CCCVlIIb, Darstellung des 
Brandes von 1509. Von waldigem Hintergründe hebt sich das brennende Kloster ab, 
rechts davoo das in FUmmen stehende Dorf, an welchem die Löscbarbeit in vollem 
Gange ist Auf dem Brühl steht die S. Öangulfskapelle und das > Kreuzt. Die weitere 
Umgebung des Klosters i<-t mit Hcckeu mehr&cb durchschnitten. Daa Bild ist Üücb- 
Uger gezeichnet als die vorigen. 

Diese Abbüdnugeu sind, wie die übrige Illustration der Schilliüg'schen Chronik, 
sorgßltiger Deckfarben mal erei durchgeführt. Das Mauerwerk iat mit meergrünen 
Tönen gegeben, die Lichter sind weiss gehöht; dazu kommt eine ziemlich soiglose schwarze 
Contourirung. Kirche and Tbürme liaben gelbe Schindel-, die Conventügeb&udo dag^en 
rothe Ziegeldächer. 

2. »War« Coontrafactur dess wytberümpteu Fläckens Rinsidlen mit sampt der 
geligenheyt« Oolorirter Holzschnitt (87 cm h., 42 cm br.). Ein Kxomplar dieses 
m. W. bisher nirgends erwähnten ßhittes befindet sich, an den KOndern leider scharf 
beschnitten, in einem der Sammelbände des Zürcher Cborherm Job. Jakob Wick. 
(»Wickianai, zum Jahr 1577, Mscr. F. 26 der Stadthihiiotbek /flrich). Rs ist ein 
gTXWKr, von NO gesehener PUn, in dessen Hintergrunde, etwas links von der Mitte, 
die KlosteigebAude sich vom Walde abbi'ben, während nach vorn sich der Brühl aus- 
dehnt. Kechta vom Kloetercomplex zieht sich das Dorf hin. l!^ besteht aus lanter 
Holzbäaaem, unter denen eines, das Wirthshaus, durch enorme Hohe und bedeutende 
Feuterzahl sich besonders anszctchnet. Erklärende Worte sind den Hauptgegenstäoden 
der Darstellung beigedruckt: »Apptcy« ist das grosso fJobäude überschrieben, das im 
Osten der Anlage, ungefähr in der iJlugsaxe der Kirche steht (Auch Schilling gibt 
dieses Gebäude, wie unsere Abb. zeigt). »ßrflIN (zwei Mal), »S. Oangolfc und 
»S. Meiradt« (2 Kapellen). »Teufelsbrug« (eine Brücke im Vordergrund, nördlich vom 
ihl, ver^l. Meriaus Ansicht), »Das Gaathus« (jenes grosse Uiebelb&uiä \m ^t^^^ 




94 



„weg geu Schwyta", „Die Mytlen", „Der Haggeu", „Stiaas ge Lucern", das sind die 
flbrigea Bezcichnnngen. Der Plan ist reich belebt mit flgärlicber Staffage. Pilger 
kommen und gebeo anf alleu Strassen und Wegen; auf dem Brübl zwischen der 
Gaiiguirakap«lle und dem Kloster hOrt eine Gruppe von Moucben und Laien einen Pre- 
diger an, der auf einer böhernea frelb-tebenden Feldkanr-el — wir haben dieselbe auch 
auf Schillings Ansiebt vorgefundeu — zu seinem Auditorium spricht. — Die RQckieit« 
des Zftrcber Exemplars ist von Wick mit einem Bericht fiber den grossen Brand Tom 
24. April 1577 beschrieben. Stilistische und costümliche Gründe erlauben nicht, die 
Kutstehung des Holz»chaittes viel vor 1577 anzusetzen, er dürfte ca. 1570 entstanden 
sein. Die Angaben über Drucker und Druckort sind wohl mit den Käudern we^^* 
schnitten worden. Kbensowenig findet sich ein Zeichner- oder Xylograpbenmonogramm. 

Schillings Ansicht (Fol, CCLXXV) und die „wäre Contrafactnr" haben als zurer- 
lässige Ansichten zu gelten. Sie stimmen biü auf wenige Tuuct^e vOllig ubereiu uitd 
erbalten auch durch die sp&teren Ansichten werthfoUe Bestätigungen, während ein^ 
kleine Diffierenzen die Unabhängigkeit des Holzschnittes von Schillings Abbildung be- 
weisen. In den folgenden Ausführungen mllen die beiden Ansicht«n unter thunlicber 
Heranziehung der eingangs erwähnten späteren Abbildungen analjrsirt und verglichen, 
und bezüglich der Kircbengebftude mit der von P. Kuhn urkundlich festgestellten Bau- 
geacbichte in Connox gebracht werden. 

U^reinstimmend ist zunächst die Gesammtanlage der Stiftskirche. Sie zerföllt 
iD vier scharf geschiedene Sectionen. Dem Chore schliesst sich nach Westen das „obere 
Münster'* an; zwei mächtige Thürme trennen dasselbe vom „unteren Münster", dessen 
Westfronte eine Eingangshalle vorgelegt ist 

Was das tmtere MOnster betrifft, so gibt Schilling dessen Nordseite als einfiicben 
Hochbau ohne ScitenscbifT, und w breit, doss die Umfassungsmauer mit derjenigen des 
Nordthurms aunllhernd in gleicher Flucht liegt. Drei*) Ma&ftvcrkfenster, deren Leib- 
ungen sich nach auäsen stark erv,'eitem, durchbrechen die Nordnanü: anf der Firstlinie 
erhebt sieb ein Dachreiter, Der Holzschnitt gibt dem unteren Münster dieselbe Breite; 
auch hier kein Seiteuschiff, die Mauer ist von vier rundbogigen Masäwerkrenatem durch- 
brochen, zwischen welchen schlanke Lesenen oder schwach vortretende Strebepfeiler die 
Wand gliedern. — Zur Vergleichuug dürfen nun die H<tch 1677 entstandenen Ansichten 
henrngezogen werden, denn bei jenem Brande blieb das untere Münster verschont 
(Kahn S. 5), Merian gibt in s^er Ansicht der Südseite ein Seitenschiff mit riet 
Fenstern ; mit ebensovielen Masswerkfemtern ist die Hochwaaid des Mittelschiffes durch- 
brochen. Die Erklärung für den Mangel eines äussertich vortretenden, niedrigeren 
Soiten^hiffßs an der Nordaeite (Schilling und Holzschnitt) bietet Martinis KupferaÜch, 
der durch die Wiedergabe eines wesentlich der spätgothischen Zelt angehörenden In- 
terieurs von besonderem Werth ist. Die Kordseite xeigt hier eine spätgothisicbe 
Hallonanhige mit nach innen gezogeneu Streben, freilich nicht in voller Consequenz der 
Durchbildung die^s Systeme, indem das Seitenschiff nicht zur ganzen Höhe des Mittel- 
schiffee empoi^efuhrt ist, welch letzteres ein schwaches Oberlicht durch vier in die 
Scfaildwände eingebrochene kleine Kundfeuster erhält. Mit dieser Dispoätion stimmt 
auch der Grundriss von 1633, nur dass hier die Umfassungsmauer beträchtlich über 
diejenige des Nnrdthurms nach aussen vorirerückt ist. Die Südseite zeigt bei Martini 

V Richtig whna ei der«it vier; öcbillugs Anaiciit ist bier frhierbatt. 



I 

I 

I 




bobe HasBwerkfenster in den HocbHänden des Mittelscliifis, was mit der Merianisclien An- 
sicht Tortreffiich iu Einklang steht Das sädlicbe Settendchiff war somit bedeutend 
niedrigef als das zum Hallensystcm ßinporgoführte nflrdlichc. Bei dieser unKchflnen 
Asymmetrie des InrierD sind die perspectivischeu Fehler des Marti iiiscben Stiches ent- 
!fcbuldbar. — Zur Rrklarung der Unregelmässigkeit im Gniudriss wie im System des 
Hochbaues ist gcltciid zu machen, dass eine seitliche Itaumerwoiterung nur an der Noni- 
seite thunlich war, während an der Südseite die unmittelbar austosseudeu Couvent^e- 
bftude eine solche verliiuderteu. Wann aber ist dieser raumschaffeiiile Umbau der Nord- 
9cite in's Hallensystem vollzogen norden? Ohne Zweifel nach dem Brande von 1467, 
vom Bauherrn Baruabas, Grafen von Mosax, denn ausdriickUcb wird der damals gewon- 
nenen „weite und ferne" gedacht (Kuhn S. 4). Zudem w&re das Uallciisystem mit 
eingeu^enen Streben für die Zeit des vorhergehenden dritten Stiftsbaues (1226) noch 
undenkbar. 

Die EingangshaUe vor der Westfront des «ntera Münsters gibt Schilling (Fol. 
CCLXXb) besonders deiillich. Sie schmiegt sich fast iu voller FavadenbreJt« mit einem 
eingeben Pultdach au das Münster an. Oober dem Vorzeichen ist das Frontispiz des 
Monsters mit einem Huudbogenfenster durchbrochen. In der Westseite der Vorballe 
Offiieo sich drei Fenster, während die Nordseite (deutlich bei Schilling Fol. CCLXXV, 
unsere Abb.) eine Ringangsöffiinng zeigt. Damit stimmt vorzüglich der (irundriss von 
1638, der in einem unterhalb FensterbankbObe Itegeiideu Niveau gedacht ist Qud des- 
halb keine Fenster, wobl aber die Tliüreu angibt. Kr zeigt die Westwand der Vorhalle 
als compacte Mauer, wUhrond in der Nordwand sich ein Kingang Öffnet. Die (bei Schil- 
ling nicht siebtbare) Südwand enthält im Grundriss zwei Kiugänge. — Abweichend 
geiltet sich die Vorballe bei Meriau; sie ist mit einem Satteldach eingedeckt, dessen 
Firstlinie unschön in das Masswerkfeuster des Frontispizes todtläuft. Im Gegensatz zu 
Schilling und dem Pergamentgrumlriss von 1638 beßndet sich der Kingang, zu dem 
eine Freitreppe emporfilhrt, an der Westseite, darüber zwei Fenster. Das hei Jülcrian 
ebildete Vorzeichen muss also seine Gestalt einem Umbau nach 1633 verdanken. — 

Dachreiter des untern Münsters zeigt Meriau iu baroker Umgestaltung; auf dem 
Uolzschnitt fehlt er. 

In der Wiedergabe des mächtigen Thurmpaares stimmeu Schilling und der Holz- 
sebnitt sehr gut äberein. Beide Thürme sind durchaus gleich gehalten. Ein hoher, 
ODg^liederter, quadratischer Unterbau, der zweimal übereinander von schmalen Feuäteru 
belebt ist, wird oben durch ein kräftiges Gurtgesimse abgeschlossen. Das darüber be- 
findliche Hochgeschoss ist nach alleu vier Seiten mit je zwei unmittelbar auf dem Gesimse 
aufsetzenden Fenstern durchbrochen. Ein Gesimse vermittelt den Ueborgang zu dem 
mäadg schlanken vierseitigen Pyramidendach e. — Bei dem schweren Brande von 1577 
gingen diese Spitzhelme zu Gruudu und wurden beim Neubau durch zwei schlanke 
tmt Kupfer eingedeckte Pyramiden ersetzt (Kulm S. 5). Dieselben sind, wie Merian 
zeigt, im Unterschiede von deu frühern achtseitig, und ihr Auflager auf dem qnadraten 
Thurmkörper wird durch vier Spitzgiebel vermittelt. 

(äcbluBs folgt.) 




I 



^ Neueste Funde von Wandgemälden im Tessin. 

st«. Xaria 4offU Anffloll In Luiicuio. CUeu il«l Cvlleglo In Aacuu«. Kirche ron Matrenco. 

Von .1. R. Rahn. 

So iinerachOpQich reich an Kiinätwerkeu und Ältertlmmern ist kein Theil des 
Scbwcixerlandes wie Tessin. Zum zwanzigsten Male habe ich nun schon diese Oe^renden 
darchstreifl und immer wieder babeu neue Hntdeckungeu das Suchen gelohnt. Scheint 
es nach Werken beendigt zu sein, die Jederiiiauu zug&nglicli und sichtbar sind, so 
verlautet die unerwartete Kunde von solchen, die ein Znfa!! der Verschollonheit ent- 
rissen bat. Wo immer rän alter Bau besteht, kann darauf gerechnet werden, dass 

[her kurz oder lang die Keste malcrisclier AtiBstattung zu Tage treten, denn Tünche 
!|ind Pinsel haben eine lange und strenge Uerrscbatt geführt, der auch bervorntgcndo Werke 
zum Opfer gefallen sind. Wer sollte glauben, üass Bildern, die unmittelbar neben 
Lnini's Fass^ionsgemätden au das goldene Zeitalter der lienaissance erinuero, das gleiel» 
Schicksal widerfahren ist, dem unzählige heruntergekommene Wandgemälde aus dem 
Mittelalter verfallen mu.ssten. 

Im September vorigen Jahres haben Tagesblatter den Bericht von Bildern gebracht, 
die in der Kirche 

Sta. Maria degli Angtoli in Lugano 
wieder aufgefunden worden sind. Solche wurden zunächst in der vor dem Durchgang 
zum Chore gelegenen Cappella ddT Immacolata entdeckt, ') die gleich den übrigen 
Kapellen, welche sich nach dßr Nordspite des Schiffes flffnen, — wann ist unbekannt — 
mit weisser Tünche ausgestrichen worden ist. Den ersten und biäber einzigen Bericht 
darüber hat Dr, A. Garovaglio in der Mailänder »Persereranzac vom 14. November 1801 
Terüffentlicht.') Seither hat die Aufdeckung unter der kundigen und gewissenhaften 
Leitung des Malers Atfosto Catietta ihren ununterbrochenen Fortgang genommen; fast 
BämmtUclie Malereien »iid jetzt von der Tünche befreit. Aus eigener Anschauung 
gebe ich darüber den folgenden Bericht: 

Wie die Östlich folgenden Kapi^lleu ist auch die dar Immacolata mit einem flaefa- 
gespannten Gewölbe bedeckt, in welches über den halbrunden Lünetten der Seitenwinde 
und des Folygones dreieckige Kappen cinschndden.'} Der ganze Kaum ist mit Bildern 
geschmückt, die während oder bald nach der Wirksamkeit Luini's in Sta. Maria degli 
Angioli entstanden sein mögen- Ihr Inhalt weist auf den Titel der Kapelle hin: sie 
verherrlichen am Gewölbe die Madonna und schildern an den darunter betindlicheu 
Wandftächcn die ersten Begebenheiten aus der Kindheit Christi. Die Kappen und LiV 
itten sind mit breiten Bordürtiti eingebsst, die auf Orange ein patronirt«s Ornament von 

iraunrother Farbe schmückt. Dann folgt eine dreifache Borte mit brauner Einlage 
und grau-blauen Aussenstreifen. Sie dient zur Umrahmung der Medaillons und ihrer 
Zwischeniläcben, welche letztere abnecbselnd goldig und schwarz gehalten sind, während 
die lirundfarbe der Medaillouä sich nicht mehr beetimmeo lässt. 



') Vergl. den Orundri« <l«r Kirche. Adi. 1892, S. 47. 

'l Ans. 1892, S. 29. Bollctü&o storico della Svlztcn It&lluii XIT. 1892. ä. 83 ff 
') IHe GrSten, welche dieteo Ueckea daa Aaawhea tod rippeoloi«a NeUKevMben geben, 
fcheinen erst bei UBUrtancbung der KapcIleD aUB Slucco applicirt worden «i sein. 



Dio Mitte des Gewölbes nimmt ein groäser Kreis mit einer Glorie von En^els- 
köpfen ein. Vier grosse bekleidete Engel (uüeD die ilunkclblaueu Zirkel, welche von den 
Langwänden ansteigen. Sie steheo auf Wolken und halti^n mit emporgehobenen Änüen 
die Glorie. Den sädlichen Hest des Gewölbeschcitels uimoit ein leerer Halbkreis ein. 
Duio folgen — neun an der Zahl — die Kappen, die sich über den Lünetten der 
Langseiien und dea Poljgones nach dem Scheitel wölben. Jede Kappe ist mit einem 
Rnndmedailton geschmückt, in welchem bald eiozelu, bald paarweise und auch zu dreien 
oackte Ehgelehen erscheinen. Nur der mittlere Kreis aber dem Polvgone ist mit der 
Tanbe des hl. Geistes geschmückt, auf welche die runüchst befindlichen Kugelcin weisen. 
Die äbrigen halten TSJelchen, auf denen mit Capitalen dio Worte EMANVEL. KK- 
DEMFTOR. IHS. XPS. SALVATOR. AGNVS. DEI. geschrieben sind. Wie diese 
Etagel und die Oloria in excelsis weist auch der Inhalt der Lüoetten auf eine gemein- 
Mine Mitte hin. Diese steüen die Bilder des Polygones dar: Die VermlUilung Maria 
zwischen dem Chore der Brautjungfern rur Rechten and den Freiern die zur Linken 
des Beschauers mit den dürren Stäben erscheinen. Diese Keier Terberrlicben nun die 
Gruppen, welche die fibrigen Lünetten entbalteo. Ea ist ein heller Jubel, in welcbeo 
diese nackten, ungezügelten Kinder (zusammen 48) einstimmen. Auf schwarEem Grunde 
stehen sie dicht beisammen , wobei von Bild zu Bild die Instrumente wechseln 
auf denen sie den Hocbzeitsreigeo spielen. Den Anfang machen die S&nger, die in der 
ersten Lünette zur Linken dos Eingangs stehen. Dann folgen andere mit Schalmeien und 
die dritte Gruppe der Kinder, welche das Orgelspiel mit Posaunen begleiten. Gegen- 
«ber stehen die Geiger in der ersten, in der mittleren Lünette die corno mnsa-Bläser, 
wihrend andere mit Harfe, Viola, Flöte und Trommel den Beschluss des Coucertes 
BinaobeD. Am Pusse jeder Lflnette sind mit Capitaleu die Wort« DEVS. KT. HOMO. 
TBIXVS. ET. VNVS. MAKIA. ET. VIRGO verzeichnet. Endlich über dem Bogen, der 
sich nach dem Schiffe öffnet, sind grau in Grau die grossen Gestalten zweier beklei- 
deter Engel gemalt. Sie halten schwebend ein offenes Buch mit der Inschrift MISSVS 
EST ) GABRIEL Ä | DEO IN Ct= j VITATE QÄLI | LEE. CVI Nü| MEN NAZARETH | 

AD VlßQlNEM Die Leibung des Bogens endlich schmücken die Halbfi- 

I ^r«n von sechs Propheten, Über denen die inessianischeii Weissagungen stehen.*) 

^b Damit schliesst der Scnmnck des Gewölbes. Seine Basis bildet ein niedriger Fries, 

"der sich ring? um die Kapelle zieht und nur zweimal, in der Mitte der Ijingseit4>n 

durch ein vorgokröpftes Gebatkatöcli, deu Aufsatz einer Waiidsäule, unterbrochen wird. 

Die Fronten dieser Vorsprünge sind mit einem Rundmedaillon geschmückt, dos in 

monochromer Malerei das Messopfer eines Bischoä und das westliche einen thronenden 

^■Künig darstellt, vor welchem ein Flehender kniet. 

^M Der Fries enthält auf schwarzem Grunde einen Keichthum buuter Gegenstände, 

H^ prächtig gruppirt und mit minutiüBeni Fleisse bis auf die kleinsten Details durchge- 
' Mhrt, Staat und Kirche, Krieg und Frieden, Künste nnd Wissenschaften bis zum 
Ende des menschlichen Daseins svmboll^ircü. Biese Folge t>eginnt zur Linken des Ein- 
gangs mit Musikinstrumenten, zu denen sich unter der zweiten Lünette auch Kriegs- 
embleme gesellen. Im dritten Abschnitte setzen sich diese fort : Trophäen von Kanonen. 
^^orgenatem, Fahnen, die auf weiäsem (iruuüe das rotbe (Mailand) und andere, die 

^^ *) Nur di«M Bilder sind voa der TQucbe verschoot gebliebeii uod es iit derwIbOD bereits 

im Ueparlorium für Kunst« iasenschaft Bd. XII 1889, p. I? gedacht wordca. 





98 

das weisse Kreuz auf rothem Felde, also das Schweizerwappen zeigen, das aucb aut 
eiaem Schilde erscheint. Nun setzt im Polygone das Wissen ein, durch allerlei lostru- 
mente und aufgeschlagene Bücher mit den Aufechriften Qramatica, Bhetorica, Logica, 
MBTAFHISICä (sie), Theologia vertretan. Kreuz- und PassiODsinstrumente schmücken 
den Fries an der Scblusswand, dann folgen an der Östlichen Scbrf^seite die kirchlichen 
and weltlichen WOrdenzeichen : Tiara, Mitra und Cardinalshut, Kaiserkrone, Herzogs- 
und Dogenhut. Zwei Zettel weisen die Inschriften Philosophia und jus civile; I^mm 
und Ziege stehen vor dem Einen, vor dem Letzteren sind Schwein und Esel, Löwe und 
Hirsch, Qiraffe und Hund versammelt. Endlich reihen sich, ohne Beischrift, die An- 
spielungen auf das Strafrecht an: Spanischer Bock und Guillotine, der Henker mit 
rothem Barett und einem Messer, das er zwischen den Z&hnen hftlt, ein beschriebener 
Zettel (das Urtheil) und das Folterrad sind zu Seiten gemalt. Kirchliche Attribute 
und Messgeräthe schmücken den nächsten, den folgenden Abschnitt Trompeten a. s'. w., 
die eine derselben ist mit der Schweizer&hne behängt. Ein Sch&del, der zur Seite 
liegt, leitet zu dem letzten Abschnitte über. In wirrem Haufen sind hier Qebeine and 
Schädel neben einander geschiebtet und dazwischen was zur Bestattung und zum Todten- 
dienste gehört: Schaufel und Hacke, Kreuz und Sanduhr, Olocke, Weihwasserbeckeo 
und Wedel. 

Wie das OewOlbe waren auch die Wände in ihrer ganzen Ansdehnnng mit Bil- 
dern bemalt und ihre Anordnung zeigt, dass dem gesammten Kapellen-Schmucke ein 
einheitliches System zu Grunde \&g. Nur die Schlusswand des Polygones ist kahl ge- 
blieben, woraus gefolgert werden muss, dass den Schmuck dieser Stelle ein selbststäo- 
diges Altargemälde versah. Zu Seiten sind zwei Säulen gemalt. Ihre gelben Capitäle 
tragen den Fries, leichte Weinranken winden sich an den grauen Schäften empor. Zwei 
andere Stützen, Pilaster mit vorgelegten, grau in Grau gemalten Candelabersäuleo 
nehmen unter den Gebftikstücken des Frieses die Mitte der Langseiten ein. In dem- 
selben Stile, der die Hohe der Benaissancekunst belegt, ist die Umrahmung des Fensters 
an der Östlichen Schrägseite componirt. Diese grau in Grau mit wenig Gelb auf schwarz- 
braunem Grunde gemalten Ornamente von Ranken und Candelabertheilen mit Genien u. 
I dgl. erinnern an die classischen Portalsculpturen von S. Lorenzo in Lugano. 

In diesen architektonischen Uahmen wareu die Bilder angeordnet, welche Aber 
einem massig hoben Sockel die Langwände schmückten: An der Ostseite die Anbetung 
der Könige und die Flucht nach Aegypten, gegenüber die Vorstellung im Tempel und 
der Christusknabe unter den Schriftgelehrten. Die Figuren sind ungefähr Vi Meter 
hoch. Der Sockel scheint mit Rundmedaillons geschmückt gewesen zu sein. Sie sind 
aber bis auf ein einziges noch unter der Tünche versteckt. Dieses ist unter dem Dax- 
stellungsbilde an der Westwand gelb in Gelb gemalt und zeigt eine unbekannte Scene: 
Einem sitzenden Weibe, das eingeschlafen ist, naht sich von hinten ein Engel und weist 
der Träumenden ein rückwärts gelegenes Ziel. 

Die Frage nach der Urheberschaft dieser Bilder w^ ich nicht zu beantworten. 
Manches erinnert an Bramantino's Weise, doch mOcbte ich eher auf Schüler oder Ge- 
hülfen rathen, die mit ^m Stil und der Praxis dieses Meisters vertraut gewesen sind. 
Auch sind Unterschiede wahrzunehmen, die auf die Arbeit mehrerer und zwar ungleich 
begabter Maler deuten. Die musicirenden Kinder an der Westwand sind besser ge- 
zeichnet, als die in den gegenüber befindlichen Lünetten, wo namentlich die Gruppe 



99 



I 



beim Kapelleiibogen recht schülerhart crscheinL Die Dantfilluag im Tempel hinwiederum 
neigt geistlose Köpfe und schlecht gezeichnete H&ode, während die Anbeümg der Königs 
beBMT QDd frischer bebaudelt ist. Die pastosen, leuchteadeo Farben und die siisscii 
Köpfe eriimem hier aa die besten Bilder an der Südseite des Schiffes tod S. Maria 
bei Maggia, während anderswo eine unverkennbare CebereiQstiramuQg in Technik und 
Formgebang mit dem Pestbildc auffallt, daä den rorli^enden Durchgang zu dorn Chore 
schmückt.") Das folgende Bild, die Flucht naeh Aßgypt«n, stellt ü\ch ah Wiederholung 
\cn Bratnantino's Altartafel in der Madonua del Satfso hei locaroo dar; ee zeigt die- 
selben PbjaiogDoroien, mit dem Unterschiede jedoch, dass der Ausdruck der Madonna auf 
dem Fre«eohildo ansprechender und milder ist. Am Gewölle koranit der erst« Preis 
den Geoieu zu, welche die Medaillons timscblieasen. Die übrigen Gem&lde zeigen einen 
auffallenden Mangel au compoäitiouetler Kraft. Die Musikanten in deu Lünetten und 
gleichmibsig neben und hintereinander gereiht und wieder so ist der Inhalt der Scbluss- 
hilder auf eine ZusammeastelUing regungsloser Kniefiguren beschränkt. Bemerkenswerth 
ist hier die Erscheinung der Jungfrau, welche der Priester dem hl. Joseph rermihlt. 
Sie tritt in weltlichem Zeitcostüme auf. mit einem .%hwarzen Schleier, der handartig knapp 
unter dem Kinne sieb schlingt, ü. Joseph zeigt diesellien süssen und edlen Zilgc, mit denen 
er auf der Flucht nach Aegjrpten erscheint. Der blühenden Farben Wirkung, zu der sich 
diese Zierden rerhinden und der sinnigen Anordnung, welche dem Qanzen zu Grunde 
liegt, steht der Hau der Compositionen und die .Ausführung ihrer Rinzelnhoiten bei 
Weitem nach. 

Ziemlich gut sind die Malereien am GewOlhe erhalten^ wo nur das Mittelbild mit 
der En(|relglorie sich der Wiederher Stellung entzieht. Schlimmer ist der Zustand der 
Wdudgemälde. Von dem äiidlicheti Bilde an der Westseite, au deasen Stelle ein Fenster 
eingebrochen wurde, iät bloss der Cbristusknabe erhalten, der mit lebhaft disputirender 
Geberde an dem Lesepult« sitzt. Auch die übrigen Bilder und die Deeorationen sind 
stark beschädigt. 

Was nunmehr zur Erhaltung und zur Schaustellung dieser Bilder geschehen soll, 
ist durch den Zustand derselben angezeigt. Von einer sogenannten Restauration, das 
beisat von Ergänzung zerstQrter und einer IJehermalung der erhaltenen Theile ist selbst- 
Tentflndlich abzusehen. H^bstens durfte es sich erapfeblen, die Lücken und Defocte 
Eof nicht modollirten Gewand- und KOrpertheilen, auf glatten Hintergründen und 
ornamentalen E^rthicn sorglHltig in gleicher Farbe auszudecken und sodann die Halt- 
barkeit der Bilder und ihrer Farleuwirkuug durch Application einer Lasur, eines Oeles 
oder dgl. zu heben. ¥,3 setzt aber diese Procedur und die Wahl der Alittcl die ganze 
Umsicht und Sorgfalt eines erlährenen Technikers voraus. 

Anders verhält es sich ruit den Bildern und Deeorationen, welche die Wände 
schmückten. Diese sind duruiaassen zerstört, diiss die Wiederlierstetluiig der urspri'ing- 
UebeD Einheit unmöglich geworden ist. Es dQrfte sich deshalb zunächst dieselbe 

de empfehlen, welche für diu Krhaltuug der fiowölbemalereien vorgeschlagen ist. 

,n aber sind die Wände bis zur Basis des Frieses durch bewegliche L'amieaux 
za maskiren. Diese sind aus Leinwand auf Holzrahmen zu erstellen und derart einzu- 
richten, dass sie leicht entfi^rnt, oder wie Thüron ^eOffnet werden kOnnen. Auf solche 
Wflise wird es roi^glich, die Bilder jederzeit zu zeigen und mibeächadet ihrer Integrität 

*> Bapertarium I. c pag. i(i. 





leii Spielraum zu einem materlscbeti Scbmncke zu gewiuneii, welcher der kircliUcbeu 
BcstJiTiiuuiig dicäeä Hauiiiea entspricht und wobei zum mindesten die decoratiTcu Thoilo 
der alt«u Aasstattuag, die Säulen- und FeristentmrahraungeQ auf diesen PaDoeaui zu 
wiederholen sind. Sehr erwünscht ist es endlich, dass bt^vor noch die vorgeschlageue 
Ergänzung und VViederauffnschuiig der Bilder erfolgt. Durch zeicbnungen und Pbotogra- 
phien derselben, insbe.sondere dea scbOnen und origioellou Frieses verfertigt werden. 

Die Vermutbung liegt nahe, daas die östlich folgenden Kapellen in äbolicber 
Weise geschmückt gewesen sind. In jedem ('alle ist es angezeigt, die Erfahrungen, 
welche Herr Canetta durch seine bisherigen Arbeiten erworben bat, zu weiteren Nacb- 
foi'schuugeu in diesen Räumen zu beuutien. Solche Untersnchungen sind auch im 
Schiffe anzustellen, wo bereits die Spuren von Decoratiouen gefunden worden sind, welche 
auf gleichzeitige Entstehung mit den Bildern der Immacolata denten. Ks sind dies 
gemalte Consolen, welche die Quergurteu aufuebmeu und vermuthen lassen, dass die 
Malerei noch ausgiebiger lut Belebung dieser grossen und kahlen Fläcben beansprucht 
worden sei. Zu den neuesten Entdeckungen gehört hier diejenige eines grossen Feldes, 
das unter dem Bilde des Schmerzensmannes an dem Stirnpfeiler zwischen der zweit«o 
und dritten Kapelle, ein langes Gebet enthalt, an einem östlich folgenden Pilaster ist 
eine gran in Qrau gemalte Ürnameutdecoratlon aus dem XVII. Jahrhundert ge- 
fanden worden. 

Kine willkommoie Ceberraschung bat endlich die Entdeckung grosser Wandbilder 
gebracht, welche über den späteren Chorstüblen die Nord- und Südseite des hinterm 
Chores schmücken. Zur Zelt meiner Anwesenheit waren nur erst diejenigen an der 
Südseite aufgedeckt. Sie stellen das Oestliche den Tempelgang des M&gdleins Maria 
und das Westliche den Sposalizio vor. Beide Soeneti sind mit annähernd lebenagrosseu 
Figuren gesdiildert und durch ebenfalls grau in Qrau gemalte Pilaster mit hübschen 
Renaissance-Ornamenten getrennt Die knitterig gebrochenen Gewänder and gewisse 
Eiiiwihibeiten der Tracht, insbesondere die Fbrni der männlichen Kopfbedeckungen, weisen 
aaf deutschen Einfluss hin. Der Stil ist alterthümlicber als derjenige der Kapellen- 
bilder, er weist auf die /^tt nm 1520 hin. Leider bat ein Stümper im XVII. oder XVm. 
Jahrhundert die Umrisse übermalt Unberührt von späteren H&nden scheint dagegen 
das Bild an der Nordseite (die Bestattung der Madonna?) zu sein, von welchem aber 
vorerst nur ein kleiner Theil über den Chorstüblen zu 'l*age getreten ist Es empfiehlt 
sicli auch hier, die Forschungen fortzusetzen und diese Bilder, die eine bemerkenswerthe 
Phase der tessinischen Kuostentwickeluug belegen, zu erbalt«n. 



Nicht an künstlerischem Itange, wohl aber an historischem Werthe kommt den 
eben beschriebenen Werken ein zweiter Cyklus gleich, der Schmuck der 
Chieta del Collegio in Atcona bej Locarno. 

Dass dieser stattliche Bau, der 13i»Ö begonnen, alKT erst im Jahre 1442 geweiht 
worden ist, einen lieichthum von Bildern besass, war längst bekannt. In einem Visi- 
tation sberichto des Cardinais Federigo Uorromeo, Erzbischofs von Mailand v. 1619*) ist 
davon die Kede. Schon damals waren die Bilder im Chore beschädigt. >Pictune chorl 
— meldet der Viaitator — huik ob nimiam vetustatem decolorat;^- sunt, picturis arte ren»- 

*) Anieiger 168». S. 100 u. f. 1S90 £>. 398. 



101 




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r,« QDd von dem Schifle b^isst «s: panetes partim picti, partiiu rüdes, et partiin 
ealboti. Pulchra est laqueata et tahulU taricia cum ftoribtis nt coronidibiis Mruleo colore 
pietis.« Später ist das Scliiff mit TöDche ausgestrich«!] worden uod auch den Chor 
bat roao, v«rmutlilicb iu den dreissiger Jahren dieses Jahrhunderts, mit einer dicken 
raste Tprpiitzt, auf welche eine pinmpe Decoration in dem classisch sein sollenden 
ile dieser Zeit gemalt worden ist Im Jahre 1881 hat ein /.ufall die ersten Spurrn 
alten Bemalnng wieder su Tage treten lassen, lieber diesen Fond ist bald darauf 
richtet worden.'') Neuere Untersuchungen wurden im October vorigen Jahres von 
leo Herren Prevosto Don Siro Borrani in Losone und dum Dtrector des Cotlegio, tSacer- 
dot« B. Merolii angestellt und der Krfolg hat ihre Bemübungen reich belohnt Nicht 
Dar zeigte sich, dass der ganze Chor mit einer eiubeitUcben Gilderfolge geschmückt 
gewesen ist, sondern es trat auch im SchifTe eine Bemnlang sAmnitlicher WaudtlScheu 
in solchem Umfang zu Tage, der durch keinen der bisher auf Schweizerboden bekannten 
Bildercyklen übertroffen wird. 

Noch ist diese Unt<>rsuchung nicht zum Abschlusw gelangt Im Chore sind erst 
le Nord- und Sudwand und wenige Theile des OewOlb« abgedeckt und auch im SchilTo 
sind noch grosse Flilchen von der Tünche zu befreien. Mein Bericht, der auf einer am 
11. Mai d. J. vorgenommenen llesichtignng beruht, kann somit nur ein rorläufiger und 
allgemein orientirender sein. 

Zunäcfa^tt hat sich die Vermuthuug bestätigt, welche schon 1882 Aber den mnth- 
maasslichen Inhalt der im Chore befindlichen Bilder ausgesprochen worden ist. Beide 
itenwIUide sind ober einem zwei Meter hoben, zur Zeit noch verputzten Sockel in 
[Uich grosse Itechtecke ron 60 bis (!l cm Seitenlange eingctheilt, die an der Kord- 
ite in sieben und gegenüber in lünf Reiben derart übereinander stehen, dass ihre iiach 
oben abnehmende Bildenahl mit je zwei Peldem unter dem Scheitel der ScbildhJJgeu 
sebliesst. Die GewOlbe an der Nordwand !tt«11en die Oescbichtcn des alten Biindcü von 
der Schöpfung bis zum Ausxuge aus Aegypten und die der Südseite die ueutestaiuent- 
lichen Begebenbeiteu von der Kindheit Christi bis zum Rintritte des Erlösers in den 
Ltmbus vor, wobei die Folge der Geschichten jeweilig zu oberst beginnt Dass diese 
Bilder aus dem KV. Jahrhundert stammen, steht zweifellos fest, ihre Eut^tebung muss 
aber, im Gegensatze zu der fnlber ausgcprochenen Meinung') über die Mitt« desselben 
hii)al>gerückt werden. Unter diesen Gemälden ist uämlicb an der Nordwand ein anderes 
zu Tage getreten, welches die hl. Verotiica darstellt und stilistisch so nahe mit der 
1466 datirten Kreuzabmihme am Chorbogen übereinstimmt, dass auch sie für ein Werk 
Meister Cbrtstopbonis und Nicolaus von Lugano gehalten werden muss. Von dem 
braucke des Cborgewölbes ist nur erst ein kleiner Theil wieder aufgefunden worden: 
Die Gestalt eines Domioikanerä, den eine Unterschrill als Thomas (von Aqniuo) be- 
teichoet Was noch zu finden ist, geht aus dem obenerwähnten Visitationäherichte 
bervor; er meldet; »Coelum ornatur imagine Domini Nostri, signis quatiior Evaogeli- 
stanim et imi^inibus Sancti Petri Apoütoli, ac sanctorum Ambrosii et Augustini in 
habita Pontificaii, Aununciationeque Beatissima; Virginia Mari»!. Von der Schlusswand 
des Chors endlich bei^t es: »F^ries vero, qm a froate est pictus visitur Passione 
DomiDi.c 



*) AttMlf« 1888. S. S07. ItoAn, Kanat- qik) Waadentudien in der Stiiweis. S. 169 n. f 
•' Au. 188S. & 908. 




102 



Noch überraäcbeDder ist aber der Anblick des Schiffes. Ueberall. am Chorbogeo. 
deasen Leibung die BildLiiase der Propheten schmückon , an den Langn&ndcD und der 
WHtlicheD EiDgangaseite bat der Fleiss der &itdecker einen Iteicbibum von Gemfilden 
Sil Tage gefördert , der noch lange nicht in seinem ganzen Umfange enthüllt ist. Be- 
kanntlich haben im Mittelalter, wenn es sich um die malerische AuüiKhmnckung eines 
Kircheuimiereii handelte, uicht immer die atreogen Gesetz« der cyklidchen liünbeit 
gegolten, sondern ett sind diese Bilderfolgen oft erst im Verlaufe mehrerer Jahrbundert« 
ans einer Reihe von einwlnen , meistens privater Stiflnngen xusammengewachsien. Hs 
erklärt aich daraus, dass sowohl die stilistiitche als die compo^itionelle Einheit fehlt und 
dem aucb die zuföllige Wahl der Stoffe nnd ihre hau6ge Wiederbolung eutäpricht So 
ist dies in Sta. Maria in Selva bei Locamo, in S. Carlo bei Prugiasco und wieder so 
hier der Fall, wo sich höchstens der Schmuck des Triumphbogens nach gewissen Gesetzen 
ordnet, sonst aber Bild auf Bild regellos in den rerschiedensten Orteaen und oft mit 
leeren Stellen versetxt sich über* und uebeneiuaoder fügen. 

Ansprechend wirkt aber das Ganze doch, )a gerade diese ManigfaltJgkcit von Grossen 
und Formen erweckt einen doppelten Kciz. Sic stellt eine f&rmtiche Musterkarte dar, 
welche die Kntwickelung der Malerei während eines vollen Jahrhunderts veranschaalicht, 
wozn dann noch kommt, dass die vielen Inschriften, welche das Stiflung!(datiim der 
Bilder und die Namen ihrer Donatoren eutfaalten, den Beschauer mit lauter anziehenden 
Küthseln beschäftigen. 

Mit Ausnahme der untersten Bilder zur Linken des Bewlianom weisen afimmtliche 
Oemalde, welche den Triumphbogen xhnitlckeu. auf die Zeit um UG6 hin. lieber dem 
Scheitel des Spitzbogens uiuächlJeäst ein Kundmedaillon zwischen schwebenden t^igeln 
die Halbfigur Oott Vaters, der aU ein gekrönter Greis er»cheiot. Zur Linken rahmt 
ein besonderes Feld den Engel der Verkündigung ein , gegenüiier ist die Jungfrau vor 
dem Uetpulte uiedergekniet. Ein nacktes Kindlein, von einer ovalen Slrahlengloiie um- 
geben, schwebt waagrecht auf die Gebenedeite herab. Von den iiissersten Feldern eoth&li 
dasjenige zur Linken die Gestalt des Täufers Joharmes und das gegenüber befindliche 
zwei übereinander geordnete Vierpäaee, denn Inhalt noch nicht gedeutet ist. Zwei Felder 
bilden die dAnintor folgende Zone. Zur Linken thront der Weltenrichter aaf dem 
Ucgenlwgen. Seine Mandorla ist von Engelchen begleitet, welche auswärts schwebend die 
Posaunen blaaeo. Der Stil dieses Bildes war mir nicht unbekumt, er ist der gleiche, 
den die gegenüber befindliche Darstellung der KreuzJibnahme zeigt nnd ebenso uurer- 
kennbor sich in den 1455 datirt«n Wandgemälden einer Kapolle bei Ix)ttigna im Hlcnio- 
itbale wiederholt Als Verfertiger dieser Letzteren haben sich zwei Meister L&tttbardus 
[und Christ ophorus von Lugano genannt.") Und wirklich kehrt der Name des einen auf 
' dem vorgenannten Bilde der Kreuzabnahme wieder. Die unvollständig erhaltene Minuskel- 
inschrift am Fusse desselben lautet: mcccclxvi die vitimo .... xpoforus et nicolaHS 
de lugano piureriint."*) Die Kuns^eschichte braucht sich aber mit diesen Luganesen 
nicht weiter zu befassen, denn was sie schufen, stellt mit einer Auslage von Fratzen 
die Kunst des Malers im Taglohno dar. Vermuthllch haben die gleichen Meister das 
darunter befindliche Bild Gott Vaters gemalt, der den Orucifixus vor dem Schosse hält, 
wogegen zwei zu derselben Zone gehörige l-'elder zur Linken des Cborbogens erst zu 

'j Uir bMrtKlichc Intrlirift iil «olUliindis ahnT^nckl in .^azcinir \f^92 s :is 
") Nieht AatoDins et NicoIeub, wj» iui AnseiKC-r tS92 S. 20 fXladilicb angegeben wurde. 



I 



Ar^uig des XVI. Jahrhundcrta gemalt worden sind, sie enthalten die Gestalten zweier 
Dominikaner und das andere ein« Madonna in throiio. 

Im flegensaizt! zti dieser ziüinUch regclnilLssigßn Anordnung, welche den Bildern 
des Triiiinpbbogecs zn OniiMle liegt, stellt der Scbmock der Südwand eine zufällige 
Wahl Yon Kinzelbildem dar, die ohne g^^ROseltigen Zuaaninienhang in entlegenen 
E{iocben entstanden sind. Tias Alteste Datum ist hier di'^ Jahresrmhl 1455 ftber dem 
Bilde des KI. Bernhardin von Siena in der zweiten, und das jüngste 1526 über dem des 
hl. Antonius von Padua zu Anfang der untersten Keihe. In der Hauptsache sind die 
Gemälde in drei Keihen übereinander geordnet, von denen die beiden oberen vorwiegend 
Werke <te3 XV, und die unterste solche aus dorn Anfange des XVl. Jahrhunderts ent- 
halten. Aber so regellos sind diese Reiben gefügt, dasa nicht einmal die Einheit der 
Basen festgehalten ist und manchmal von Bild zu Bild die OrCsseuTerhäUnisse und die 
Formen der Umrahmung wechseln. Alle (JemSide stellen Kinzelßguren von Heiligen, 
die Schntzpatrone der Stifter dar. daher die häufige Wiederholung der nämlichen 
Gestalten, Nicht weniger als fünf dieser Bilder stellen die Uadouua iu throno vor^ 
dniimal sind ^. ßeriihardin und d<>r hl. Kocbus und zweimal S. Antonius von Padua 
wiederholt. Bald auf dem Fusse, bald dem Kopfe des IJabmena sind die Namen der 
Oomitoreii, der dargestellten Heiligen nnd wohl auch das Datum der Stillung ver- 
leichnet, doch sind die meisten dieser Inschriften noch nicht entziffert. Besondere Be- 
acbtang verdient daa erste Bild der zweiten Heihe. U ier war die Madonna als 
Mutter des bVharmeus gemalt, wie sie stehend ihren Mantel Ober zwei zu ihren Küssen 
Vnieenden Grippen von Anbetenden angbreitet. Als man die Tflnche entfernte, fiel auch die 
Farbenscbiclite ah, aber unter derselben trat wieder die gleiche Vorstellung in «rbwarzerKm- 
risszeichnung zu Tage, die der Künstler vor der Ausfflhrung des Getnüldes in nämlicher 
GrOase, gewisse rmaa&sen alä Carton entworfen hatte. Die bisher wieder aufgedeckten 
IKlder sind folgende: Oheraie Heihe von Osten ajigefangen: I) Bernhardin ton Siena 
predigt auf der Kanzel, unter welcher drei Jnfulen stehen; 2) S. Defendens; 3) Madonna 
in tbroQO: 4) eiu greiser Heiliger in braunem Gewände ohne Attribute. Zweite Keibe: 
1) Mutter Gottes des Erbarmen.««; 2) Madonna in throno; 3) St&. Veronica: 4) S. Uern- 
hardin von Siena, darunter die Minuskeliuschrifl: mcccclv mensis angtisti hoc opus fecit 
flcri nntoniiifl de g'lHZ**. Der Schild des Stiflcrs aeigt dasselbe Wappen, welches als 
dasjenige der C'asati von Mailand im Schlosse von Locarno erscheint (Anzeiger \SSii 
pag, 562 Fig. 81 No. 3). 5) Madonna in tbrono; 6) S. Antonina Abt; 7) S. Romanus: 
8) S. Kochus; 9) Madonna in throne; 10) S. Sebastian. Onterate Keihe: 1) SANTVS 
ANTONI VS PADVE 1526: 2) S, Heraigius als bärtiger Bi-schof ohne Attribut segnet 
den vor ihm knienden weltlichen Stifter, hinter welchem sein Bett. Ueber dem Dona- 
loren ein Spruchband mit der Minuskelinschrift : Facto lo voto auto (avuto)la gratia ... de 
sancto remijs'io; 3) S. Georg, darüber die Minaskelinschrifl: raccccc . . . . boc opus 
fecit fieri dominus presbiter paulua de romanoli de fcona; 4) S. Bernhardin von Siena. 
Endlich ist (der mittleren Reihe entsprechend?) an der weltlichen Hälfte derselben 
lADgwand eine zusammenhängende Folge von acht Bildern xa Tage getreten , die zn 
Anßing des XVI. Jahrhunderts rermuthllch von einer und derselben Hand gemalt 
worden sind. Ueber dem balbrundeii Abschluss der Felder sind die Namen der Stifter 
verzeichnet. Die Dargestellten sind: 1) Ein unbekanuterlfeiliger; 2) S. Antonius Abt; 
3) S. Uocfans; 4) S. Luguzouus; 5) S. Antonius von Padua; G) S. Kochus; 7) Madontta; 
8) S. Sebastian. 




104 



An der West- und Nordwand sind aur erst wenige Theile abgedeckt. Dort an 
der tiüdliclieii Hälfte zeichnet sieb eiu Heiligenbild durch die Umrahniunf; mit Friesen 
und Pilastern aas, deren reiner Kenais:sincestil auf don Anfang des XVI. Jabrhnnderts 
weist Aus derselben Zeit »tarnoit das gigantische Christoph orusbild am Westeude der 
Nordwand und die etwas weiter Östlich folgende Darstellung der Madonna ron Loretto 
zwischen SS. Itochus und Sebastian mit der Inschrift: MVC XIIIJ (l&U) MENSIS 
IVLU / XIIIJ DIE KIVSDh: HOC OPVS / DEIMNGI FEUIT lOHANOLVS / DE 
POKKIS DE SCONA. Diese beiden Bilder zeigen die Kemüssance in ihrer vollen 
Eeife entwickelt. 

Die bisherige Leitung zeigt, dasa die Entdecker mit eben so viel Umsicht wie 
unTcrdmssenem Kleiaae gehandelt haben. Möge sie das Uewusstsein von der Bedeutung 
ihres Fundes und die verdiente Anerkennung, die ihnen biefSr zu Theil geworden ist, 
fura weiteren Forschen und r.ur glücklichen Vollendung des begonnenen Werkes an- 
spornen. Für die Erhaltung der Ililder mag sich dasselbe Verfahren empfehlen, welches 
für die Instandsetznog der GewOlbemalereien in der Cappella ddU'ImmacoUta in Logano 
vorgeschlagen worden ist. 



Ein dritter Fund wurde auf der Hflckreise gemaclit. Er ist weniger belangreich, 
verdient aber gleichwohl verzeichnet zu werden. Der Anhang zur letzten Nummer des 
»Anzeiger« hat S. 78 u. f. die Beschreibung der oberhalb Faido gelegenen Kirche von 
Mairettgo gebracht, wo bereits im Jahre 1885 die Spuren von Wandgemälden am 
Aeiiasereu der südlichen l^angwand bemerkt worden ^nd. Damals waren dieselben noch 
grünsten theils üliertüncht, erst neuerdingit hat sie der Pfarrer tvieder aufgedockt. Sie 
stellen, auf blauem Gründe rechteckig umrahmt, drei Einitelfiguren dar. Die erste im 
.Westen ist die eines hl. Pa{)stns. Mit der Eiiikcn hält er einen Bischofsstab (sie) und in 
-4erltecht«n ein grosses graues Ifom, das, mit der Miindung nach oben und etwas tiefer 
von eiuem Helfe umschlossen, genau einem modernen Trinkhorne gleicht Nach Dr. 
E. Stückelberg wäre dieses Attribut auf den hl. Papst Cornelius (251 — 253) 7.a 
beziehen. Die folgenden Felder enthalten den jugendlichen S. Sebastian in gewohnter 
AulTaäsung und die thronende Gottesmutter. Nach ihrem Stile zu urtheilen, möchten 
diese Bilder aus dem Anfange des XVt. Jahrhunderts stammen, aus derselben Zeit, wo 
auch das Innere des Schiffes, wie es hetsst, in seiner ganzen Ausdehnung, mit Wand- 
gemälden ausgestattet worden ist 1865 oder 1866 hat mau diosellien herunter- 
geschlagen imd nur ein kleines Brucbstöck gerettet, das aussen an der nördlichen Lang- 
scite eingemauert ist Es stellt nicht, wie im >Auzeiger< 1. c. gemeldet wurde, einen 
Qrabeswachter, sondern einen jugendlichen Heiligen vor; er trügt einen Über derStime 
aufgestülpten Hut und hält mit beiden Händen ein aufgeschlagenes Buch. Wie van- 
dalisch damals gebaust worden ist, gebt daraus hervor, dass man Glasgemälde, welche 
bisher den Chor geschmückt hatten, auf den Schutt geworfen und die bis zum Gewflll 
reichende Uekrönung des gothischen Scbnitzaltores, ein reiches, mit iCauken, Vögeln u. dgL' 
Teneiert«3 Fialenwerk einfach beseitigt hat. 




105 



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Inventar des Schlosses Castels in GraubUnden. 

Von FrSlt eott Jeelrlm. 

Aol&sslicl) einer Sichtiinf; von ArchiTalinn der (iemeiado Laagwics im 8chanfiggf,i| 
e gegenwlrtig Herr Laudainaiauii Florian v. Pellizari daselbst in Vorwalirimg hat,' 
sich Debet) einer grossen AnTalil wichtiger, bis in's XIV. Jiilirliundert zurück- 
reieliender Uriconden über Fetulnl Verhältnisse der LandscbaFt aacli vorlicgCDdc« Inventar,^ 
das, mit einigen Kürzungen bier abgedruckt, wobl mehr alä nur locale» Interesse bieten 
diirftfi. Scblot« Caatels im Prätigau unweit Kideris beim Hofe Putz gelegen,') war im 
L Jahrbniidert ein Besitxthum der Grafen v.^Montfort and kam dami nach verschie- 
lenen Haudündcningen 147fl an das f^laus Oesterreicb, das hier znr Wahrung seiner 
ierrschaftlicbeu Iteuhte einen Landvogt hielt. Die Vorgänge des dreisägährigen Krieges, 
welche namentlich bei Aoboro, Quler, Spreeher nachzulesen sind, erbitterten die ihrer 
politischen und religiösen Freiheit bitweise beraubten Pr^ltigauer deraiaassen , dasa aiej 
1&49 nach dem Loskauf der letzten österreichischen Uechtssame die Veste 7«rstdrten 
Qud den Tliurm ausbrannten. 

Copia dl» Jnnntarf, t» At, MK den {. Fti^ ttilo noao der muo dem stXtvfs Cattdta» 90- 
£i-igen fflUtren, wehr, mtfftH und Munition, amcA MobiUem halbfn iaf aufgtridtt rnd Herrn Hasttmt 
Virtor TrarersB von OrttitiftsH leHi/, stmaMtn da»ttbM*n antrdtUtUUr LantUvoft iai tuoyetl^ tetirdtH,*}, 
Copia Jnr«MlariuM atttr ftihrtuden Hab, SdunUioit, gtfhüt, nmc/i \'rti»r Witf cttd Itt 
Sehhtsft Cattrl», «o auf brfeht der fBrrtl. Dht. Erzhtrsofi MaximiliatiuM znv Ottetreirk rte. rmter»' 
igtUn Serrn, Pavltug TuhitKchtr, fürtti. Dht. Rrth»rtog tuo Otterrtieh H. Huoimirisltr n» 
WA IIV 

Iten ein uneo tiach mit stmbt einen kleia«n 

Kiodtstiactili, 
Iiecn rid gross Kuien mit scblosB g«henkb raA 
mit stkinbt «in«m kopferoen Gieufua vd<1 
butdtlwckbjr. 

In der SttreHdl Catntr bey hemtUtr Sttdmt, 
ItoD ein verscbloBftoer <Kir»ot7) Kasten mit 

tweycii ?liuehlou«ii, 
Item etil gwant Kasten mit aambt scbloss td(1 
xwey F&r bebcnkb, mit grQnßr Färb »nge- 
stricbcd, vod damadsr mit twcyaD grosaeti 
ach abladen, 
Item ein Unger n^Over Okaltiicb atmbt einem 

Leuen Stool, 
Item eJB Bedtatat obni Qimlet, mit tiäiiem be- 

achlossaen RoosBtrögli rnd Fuossschemtl, 
Item ein tcbUffgutscbi*) mit »unbt dem Fuoa 

tcbemel, 
Item eiia bescblotaoei oeOwes trögli, ds mui mit 

eiucin Mar^Bchloaa') bcseblinaen kaa. 
Item ein gross gwant truckheo, mit einem Plet- 
■cbloBS vad pbenckbeo vnd daran die Oater- 
reichiacbe rad a^tgcrichtcr wapea gcmablet, 




rw IM rf#M ktndtreit Hatu,ror der 8t*Aen, 
les vier gegosae Haadtrobr, anf die alte 

Manier, 
llem vier ysaeoe Toppelbacken, 
tten ein langer Laodts Kuäcbt Spiess, 
Iten glicbeo darucider zwo llalieaparten. 
IlM) eio SolbuKbots , oder Ansbrost, aof die 

alte Manier, 
Itea beflndt lieb in gemeltem Vorhuss ein dop- 

leter beachlouoer Gasten, mit Tier Kngph)>tick- 

len Floglea , darin man dif? ^ipiHS bebaEteo 

rnd beacbliraacn kan, 
llem ein truckbeti mit etlicheD thaten,') darin 
■ mao allerlej' geweraa b«ba]teD kban, bat aueb 
* leio Bcblots und bchoakb. 
Item ein backbankb mit einem WAi, 
Item ein kleias« Ksatli mit pbeuckb vnd di man 

ein MargbKblou daran thuii khan. 
Item TOT dem premter be; gemeltein vor baust, 

ander dem tacb ist ein simlich gross GlAckhli, 

damit man sur meei l«Ci, 
Iten drej Stael vor die tiscb, 

In ^tnttllrr UindrTtn ttuhen, 
Item ein angeschlagne schosselram vod ein bleinss 

pv bin bbrner, 

*J Schloss Caatela (abgebildet bai H. Krnntck^ die allen Rilterborgen und BergscblOBaer in 
[lubt<nr&ti<-ii, Cbar tS57, sn pag. STi uod hei D. JerW», die Bargen otid SchlDsaer »in alt fryEUtia« 
Cbnr. 1870 ga jng. Iä4), *• l^arBaluoliz. 

*J (1 vobl so ergXi)x«D: kagefetUgel *} AblbeilaDKeu. *) Kn^MsWk. *\ Nfft^V^vmät^nuh. 




106 



/■ der Kuehi ivr t/f-uilrr niltr Stttben. 
Utta «0 zwcffacber Sfuta Euten mit rirr ge- 
Iwnkliea vad xwcy aehloateo, aucli mit sambt 
(IciD schOsKlicstell, 
luiB ein H&ckhuckb vod Slaol, dj« wuRrgelt 

duttf Httellflo, 
Iten 4 BaffeoKMt«!! vod 1 Pfaorap) Tsd I ia- 
geachlksen liacMi. 

/« dtr Kamtr Htb4nt ertnilttr Kiiekg, 
Aia BedliUdt ohni HlmlM *nd 1 alter UrcIi. 

Im Vor/iatt** ror Hrr Cttpp»lUn, 
Item 6 htäta Sr-ftbelen') raü 6 ohni Lrun. &]le 

mit grOoer Färb aoKeHtricben, 
Item Gia {ematileie ufdo, il&ruf Jutephs ßililouw 

Duignation imus in der CayptlUn vorhanden in. 
Entlieh ein »ilberoeo rnd vcrgBller Kelch flunbt 

der P«ttcQ,*) 
Item eiD rodtiametiu Corporal sambt seinen lu- 

geborigeo vnd fiuol«!,*) 
IlMB tili »cItOD Icjrbfarb rodlumeteii meugw&odl, 
Bit eioem CreQz darauf ^««Uckbt roiiRuldeiieo 
Sluckben *nd darauf avey vappen, Otterreicb 
TDd Tjrrol, 
Ilem etliche otess vod Kirchcnbnecher, 
Item der Altar, vcrdeckht mit ■«inen tdcbfro vod 

Ta)t}baaj<. anch sambt Heinem b^lacbrein 
Item cio Criizi6x vod ein Vcaperbildt, 
Item rnur frawcobildt in einpm Cfcstli, daran 

St, Scbastiau gemoblvt, 
lu^tn 1 i^ifelin. darin ein Crnsifix sambt fier ao- 

ileren bilden) gescbuidten, 
Iten zwen mAteben Eenwo Stbckh anf den Altar, 
IteiD ein dreyt«'*) BBx - darauf eiD crlttalleD 

Crasiflt, darin «Hebe beilltglhnnib lind, 
Item swey KenaD Stangen vor Acm Altar *nt) 

zwe; opfer K&ntlj, 
lt«m «in Klein oebent AUftrli uunbi fQnff ge- 

inahfeten taflen. 
tem «in paihret (I)") uf dem Altar tum Mls>- 

Iwoch, 
iMoi an d«r richten siten uebeot dem Altar sindl 

rier gemableu ta6en, 
Item ein kidsss QlMIchli zaa der Wandlung. 
Iten ein rioobtui, Tod ein xinen wich Kbanel, 

«ambt ved«t ?ttd »atsbax, 
Item swey Alben mitBambt Irer zuogebOr, 
Item 6in baumwollen meugewandi mit eioem 

KTlIeneo KrOa, 
ItemMaais Tnd weiberStDcl sambt eioerdctbelei) 
vnd Leen Stttel, 



In titr fronten fituben daroruen, 
Iten ein groeie »Laiuea Stuodeotaffel mit eiow 

ichiebtruckbeti oder Laden, 
Ilem ein bescbkiftuer eichener schöner tiKb. 
ItSB ein aofcescblagener waodltiic)), 
Itcn ein ocbaner ueawer beKhlagener sioener 
Oiei» Kbaaten, umbt Beioem Gi^as faa« vad 
Brnnen Keuel *od ein l^'faitli, darander «in 
Kuprernln beckhi Tod ob dem giesi fau zway 
t>e8rhlog8ne KiUtli mit Her schonen )>ebenckben 
*nd icblftaserD, Tod glich ob«n daruf eia ander 
ESatli mn »einem baUinen UUcrIin. 
Item ein par «itgefaaiit« hirihoro,'*) donuif g^ 
tnoblet iat die ilildang I.iicretic %ad ftljch da- 
rauf Ir fOrslI. [)h. Wappvi), 
Ilem 2 Par ohogefasater birzhoro, an die «at»dl 

geich lagen, 
Ilem & par gefaMte gamhtbSroer, 
Item ein icblag vhr sambt dem verglaueten 

K&stU, 
Item ein getnohlet laflen, danif dar engUacb 

gruo» ist, 
Item 2 tafieo, eine mit Jobaoes des leaffen lüld- 

Buu, die andere die gscblevhi Israel, 
Item 2 hildang, eine Jesus tdiI Jobanes, dt andere 

die Lieb«, 
Iten 2 welBCbfl Sraset, mit Ilolt rad rodtom 

Uder gemacht. 
Item faoflT . . . vnd fDOisachenel rnd ein steloes 
tafeli, darauf jceschrtben, 
In drr Cainrr nthendt ^jetnelter StUbea, 
Ilem ein gemohlet lii^dtAiadt mit der biralet vnJ 
•ambt zweycn FoosaitchemleQ *nd drcy fUrbUng 
aambt yseoen Stenglm vod «mbkraoz. 
Item vor der Keduudt ein bescfalosene I.einwandt 
Irockeu «ud tm be«ch1osiin«ir Kasten, mer ein 
bebeli hiuder dem Bedt, 
In drot fchrib Slübli nrlieni lUr grotum Slttben, 
Item etfl ingemanrcter bescblossner biief Kasten 

BUt nefln trUckli, 
It«a im erstes trQcklin ist TaCasa,'*) ligen darioeo 
Ewo verzeichnuBScn wegen der swej See vnd 
der Ziflieu daselbst, 
Item im andern Closter'*) vnd Sans«, ligendt da- 
liu etliche verzeich nuseeu der Lecben gOetter 
vnd Vertr^. 
Item im drUen CaMelst vnd Jenntx, ligeodt des» 
Bchloss Casulsfi verscbriben Urbarbuocb X" l<>06. 
Ilem H. V«spaaianea von Salin Kaufbrief w^eo 
der crkboufTtcD gDettcro eum sehlosa Caatela, 
sambt bey gebundenen beflhleo, 



*) Schemel = Beutuhl. '; Patena. ') Pnrißc»t't>oi"n- '•jOedrrhL "^Sollte wohl hetHses Pnltbrett. 
'*) Uinchgeweib. ") Oavos, '*) Kloster. 



107 



lunt Mlf^ '/Anw md I.crfapD brief too Fiderin, 

J«naU vnd huruii, 
Iteo Mlicbe Copvyea etlicher Zolsbefreyang ron 

H«nog SigmoDdl zuo Österreich, audi die 

LftodlTogter, 
Itm tn Ti«rten Iruckhli ChurwaU^n vdi) Msllx, 

ligt eis V'rbar der Kurn vnd KMssxioseo, 
ItCB «10 iD|^bund«Des VrliubuDch auf pergunoDl 

getcbribea, betreiTeiKlt ds Cloatcr CbunraMeo, 

mit nmbt uidera bpfüblcn mehr, 
Item JD dem fnnfilea trucklili Beifort, Alaeaeow 

tail Leoi. ligt eis ißf;ebandeDM ndimlrtcB 

Kegiater vuu Lobi. Cunvr, dtriu Belforti^cbe 

Tsd AlueoeaTtBcbc gOeter {foscbritieD sindt. 

Muaht uidera beniben mefar, 
tlMm in dem sichsatou trackhll Scliiers roA 

S«wiu, llgeol etitch« CopeyeD md ahgeMbriftea 

der KofDxiEiscn daietbsl, 
IteiD in dem tibenden truckbli St. Peter vndSt 

JOffBo'*] in »ch»lTig, ligent etticbfl Copejta 

rad Kenera briefea der Koro vod Keuinaeo 

daaelbat, 
Item in dem scbten tnickhll Laogwies ligeot 

etliche Cgpe/en der heracbaftiiueo. 
liem In dem nennteD traebhli llgt nOdl, 
lu-ffi ob dem schribtisch ial ein gettel mit etlicbea 

iltatea. d*rof UgeDt raitnngen. beHildi tod 

udere la^eo, to dx Ambt bvtrelTea thuoodi, 

mit sambt einem grosatm Baoch mit ein<?r rochea 

I)«cklii eingefual, die &e]rbeit«u darin b«* 

schrieben, 
ttem ein icbribtiach mit einer tctaubladen dar- 

uoder. 
Item eio logefaHtei «andttttfeliD, 
Item «in alle tnickhen mit etlichen dateu, mit 

whloai TOd geheukb, dann ligeut ellich« male- 

fiiiadie Trfecbi") oder aadtr KCKChriftcn vnd 

raituBgen des bauwB dess icbloas Oastelu. 
In dem A'J"t*r/i to>' ilf» M-hrid iftttbll, 
Item ein Kam EtoUtadt, darin man lyi, 
llen ein alt parhirzbora an die wand geschlagen. 

aasbt '2 echreihuileQ, 
Iten eis Soiliel vod eiu Stucli in der Camor. 

In dem Satte ntbtnt der gruf^aen Slubtn, 
Ileoi ein neOfr »«dtatadi mit dem faimlet, tambt 

■htmn beiclUouDen fuüsatrftKti *od Scabel, 

tItcB ein Bedtatat mit df m himlct . aambt ciuem 
beichiossnca Fuoaatr&icli vnd KuoMicheni«!, 



I 



^ 



Item ein Bedtatat ooi himlet, sambt S flioia- 

acbeialen, 

!nt ffrasnen gwBlb vnder der jTroum Stulten, 
Item avo grosse mndepOtenen*^ vnd awejrgroSEe 

lange Zaber.") 
Item ein groaser Korn Raiten mit fflnlTph&ltern, 

alle« mit pb^nckb vnd gechleckhen, 
Item ein langer Korn Kaatan mit zwey gb&ltern 

vnd * paar ghenckb vnd gachlegeo, Marg< 
Schlosser daran ta thuon. 
Item ein lercb«« FlUsli, halt gbngfar ein balbs 

pfund, 
Item twej andere Kleine Kaatli vad ein Opfel- 

burt") 

Im it-in KiUUr, 
Sindt dre; schone lerchene FJUalt, obogfar alle 

vier bahent 2wcj fuoder, 
Item ein grosser Kftttrog mit pbenckh Tod 

gscblenckb, Marckhu-hlotaer daran xethnon. 
Item ein bescblossner steinenirr Kbstrog, 
Item ein grosse t)pfelburt vnd ein langer tisch, 
Item ein Rroiser Kfti Kasten mit 4 parbehenckhen, 
Item drejr brodtbufleo, uro gross vnd eine kleine. 

i» dtr KnSehiri* C^amer, 
Sind «wo alte Bedtstadt ohne himlet, aambt 

einem alten tiacla 

In dtr Me:yt 
Sind xvey hackbenckh. sambt einer ... wie 

man dz Qaisch daran henckht, 
Itom eio grosses Seil, wie man die ozen aaf- 

ziecfat, sambt der winden. 
In dem hoff^ 
Item oh dem Bruoen, im nenwen Spicber vier 

yssene haokhen, daran man da tleiscb tignet") 
Item eio Badtttflbli mit einem abiug Caroer, mit 

deo gaucbeo md bencktaeu, mit vier rer- 

glaseten pfeosteren. 
Item uebent dem Brunen ein wJtscfaofen, gambt 

darin ein oeflwcH Kupfer Kossi, 
Item zwo beschloBseD beniwa Stuben, daninder 

zwo tchwin Bull, 
Item ob dem schloisthor ist eio gegowoei 

gloekbli, zum ecliloss dienend, 

Ofcnn i'ni gröxann gefenynuiai Ihurn, 

Item die Ktcheu mit ejraen beachl^eo, mit irem 
ichlou vnd Kigdl, daran vier gäfenckhouss 
Ketenn, lambt Iren Bain rod .Armbeadeni, 



'*) S Jörgen ist wahrecheinlicb Caetiel. ct. Nosehclcr. »Ootteshloser« 1. 34. 
") Urfehde. ") Gibrbotticbe für. Wein, "f TraDspohReAas für Tranben. 
'*) Gestell zur A uf bewaliruug des ObsUis 

'*) liRMo =: an der Luft Irookiien, eine t^iiwriririiudMiit-tliode de« Fleisches, die noch jetzt in 
tirsDbOndeo aUgeuelo ablicli iik 




108 



Item elo pow itMokb ysen flUter, aif der 

boMD S«fiBlieUlliaBII, 

lUm wo yfl s c aea nfsog, lambt einem neflirea Seil. 

iuto die K«&oga«a auf vod abseluMa, 
Obtn im Ihurm in der geriUt KarMf, 
£rfttlicheD zwOlff wolRerOit« Topelhackbeo, Mmbt 

wiKber Tod LadutOckhea. 
Item vier jien« Ladungro ind 'A Kiijtßlmod«!! 

Baoibt eioem groitea äLciabockbboni, dz pulffer 

darin zethnon, _ 

Item tu gffmcll«r Rnttkamer do ferfflsnet nedw 

fenster. i>t alles dario b«8chloBaen>i)d ttrscrget, 



Iten 6 Buschlro Zuodtilrickh , ohngefkltr 200 

Kinmer, 
Itwn ein legeli roll backben pulffvr, 
Item H tnderist nrbendt gemeluro tbura klndt 

8 groase baodthltern vod «n äuppfeDleHer 

TDd im kleinen tbUrli ob den tiior ein Ueiou 

unea liscbli, 

I^gftiät ySeter tum tiflilor» CaaUU ffthiM-ijl"l 
K<rfjwfl( rf(e DHfortitchrm OMer**) 
Verttichnui» der trkhauffUn gOHtrm, »o dgm 
KAfMB Catttiin j/ehMff, (/■!> hernach röijKit »"»- 
mSg Htrr l'täpatiau r«n Sati^i Kafffbritf,**) 



.... So ist letztlidieo zuo merkfaen, d> »ach ds gaatse scbloM mit o«Qw«o Tacbatdeleo vnd 
guoten tachongen reraeeben, Tud alles allen tliatbeo wot rerglassel iBt 

Dies «llei, 10 hietor geachribeu, ist in svo gUcb laateoden Juvenlary *eri«hri«beo vnd da elae 
tun der fDratl. Dht Erzbersog Uaximnioo zuo Österreich etc. Lobl. OberoaterreidiiKbeD Ty roliacbea 
Caiii«r batiilea vbenandt, ds a.Dder ieUigem n«&w6a anftebendea berra Landvogt, Haau Victorca 
Traueraen von Ortensteio banden Tberantvorlet vorden. 

Zuo vrkbondt dease hat sich anfang« benelter LaodtTogl Trauena diese Javeatarjr mit den 
eigenen peucbaftea rnd raderaouenen baudacbrilTtea rerwabret. Kescbechea den \^» Tag Uonau 
Februarj- SUlo nouo K<>- 161S. 

Paulus Tsctiitschor. Uanss Victor Trauerts tou OrUeoilaio. 



*| '*) ") Diese drei hier weggelaseenen Abacboilte nehmen im Originale 1'20 Liaieii eiu 



IVIiscellen. 

Einen Britra^ :u Jfommfi's Liste von Funden griecbiecher Hausen in ciealpioischen L&ndero 
(Qescb. dea röiaiachen MUnxweaene S. 736) liefert uns die Thataache, dass zu AiigU in den letzten 
Jahren wiederholt griechiecbe Miluteu and Medaillons zum Vortcliein kamen. 

XeuerdiafirB hat daa Baaler MUüKkabiiiot folgende StQeke aua Xagu erwarben: Cimarea, 
(Cappadocienf Mittelbronie dea Kaiaera Commodui; Perinth, groaaea Urauz^m^ditillon de» Caracalla, 
svhr gut erhalten; PsrgUMIIi Mhr groaiea und gutea Hronzem^ailloii des Caracalla Aua8«n)vm 
wurden folgende Mflnseo rOmlMAen Stempeil erworben: Je eine Groasbronte von I'iua uad Mmcui 
und eine &tittclbrooie der Julia Paula, der erateu Gemahlin Elagabale, alles aus .\ugsL Dr. K. A. St. 

(Dif Bfitthauninm-hrift zu AlUtrf) In dem apitgotUischeo, IWfi datirle^u Beinhaut« der ["farr- 
kirche von Altorf (L'ri) befindet sich folgende derselben Zt^it aogehAtende Inschrift in Stein ^hauen: 
HIF, . RICHT . GOT . NACH . DEM RKCHTKN 
DIE HERREN . LIOENT . BY . DEK . KNECHTEN. 
Der Hprneh iat in lateinischen Capitaten eingemeisselt; sein Inhalt spielt auf dl« Qleichheit voa 
und Knecht beim jQnKsteu Gericht aa, wie diea bei scpulcraleu ijprüclioii uciü luscbriften dea XV. 
und XVI Jahrhanderta oft der Fall iat Ziemtfch genau entspricbi dem AlCorfer \'t-n eine nieder- 
deutsche Inschrift, die wir im Friedhof in Erkrath (Kreis DQBseldorD ootirtcn; hier lautet der Vera: 

UY IS QERICÜ MA RECHT 

HI LIT D' HERR BT D' KNECHT. 
Dieser Spruch AnAet aicb m gothiichen Minnskelo eing^hauen unter einem ca. 0.80 in. hoben 
ateinmlier, welches den Gekreuzigten zwischen Maria and MiLgdalcua darstellt otid der zweiten UUf 
dea XV. Jahrhunderts anzngebftren scheint. Wie Tielfache Verwertbiing alirJ,f[cos das Motiv diese« 
Varaes gefundou hat, iTsiebt man atich au» L. r. li^nuauns .Grahichriften und Haterln", der aal 
dem Oberlnutal folgeode Variation desaohen bringt: 

Ovtt ist wahrhaftig und Rn-echt; 

nie liegt der Herr und anch aain Knecht 

Nun ibr Weliwvise irett bcrliey 

Sagt, wer Knecht oder Herr da ae> I Dr. K. A. £>, 



109 



I 



XCleinei<e :Na.ch richten. 

ZuiuuDCugestellt roo Carl Brun. 
eUflenouentdialL Frui ZolliDger-^ioll in Zürich icbenkte dem Brbv. Landenmuiieum eiue 
iDeroe PvnriUiättt aus dem 17. J&hrb.. die mbraclielniicb ein Mitglied der Famili« Foult d&r- 
•teilt uad sieb ehtmaU in der FflsiIi'acbeD GlocksDginwrei mm Trottbausi in ReanireK befand 
(•N. Z.-Zt«.< 1. 15. Jani, Nr. 167, Bl, 1). — Die Btdlingfr'teht MtdaiUtn- und SitmptiMmtnlmy 
Sn Sthiei/z giog in dea Brtitz der Ooiifritd KtUtr-Stiftung Aber, an ipiter im LandeunuBCum auf* 
gnUlU EU w«tden. Der Frei?, den der Buud fttr die SamniluDfc beiablte, liptr&|l 30,000 Fr. Daa 
'UedliQger'achc Mcdaillerakabinet bettubl au* ein«r faot vwIliUodifceD Srria der Arbttteo J. I^. Hed- 
tiogeri ia Gold, Sjilber tutd Kupfer aebsl zalilreich«» Doublettra. 44 Origioalitempeln (danuier zwei, 
die Die gebraucht wurdeD), dem WeTlcz(>uge des KQnaüere, «owie (luaiformen etc. Der Kauf iit im 
AsAnce der Eide- Commiuioa d«r Gott&ivct Keller-Stiftu^ tdu Buudeurebirar Kalaer uad Üir. 
Abc* bMorgt worden {>?,. Tagbl.« r M. n. It! Juni, Nr. 1S9 u. Ul; >N. Z.-Zig.> t. i:t. JudI. 
Sr. 165). — Dir. Angst hat das Interieur im ebemsltgea Uause l'cBtalozii In Chiat^enna aui dem 
Jahn 1&8S, ein Pranksimmer ersten Rangca, cum rreii« ron lO.&C^O Kr fOr die O'ol/fritd KtlUr- 
Stipwiff ervorbeo. Daa Zimmer soll im Laoduemueeum aufgeetellt werden. Am Ankaufe belbefligto 
ricli sncb in rOhmlieber Weite die Familie Peetalosei in Z&rieb. 

JUrsau. Da» Mosaik von Lunkhnfem erwaH) da« Moeenm ici Aarau ( *Allg. Scbw.-Ztg.* Nr. 117), 
Basel, lo der Kunathalle wardc Anfangs Juni eine Aii»tellung «on l'Uluen und Aufnahmetki 
d$» Uümteri reraoBtaltet, worQber zu Tergleichen »Bast. Nacbr.* Nr. Wo. BeilaRe. Eifreolicb wkrt' 
M, wenn bei deia so erwartenden Maniterbueb auch der plasÜKbe Schmuck des Banes mehr be- 
rtkksichtigt wOrde, etwa durcb pbotugrapbiicbe Aufnabmeo eioifter berforraxeoder Stataen der Fafido 
oder der Orabm&ler im Innern. — In nftcbater Zeil aoll die RestAuration der dV. Mnriin»kirch» au 
BaMi und des Kirchleins in .S(. Jokeh au der Birs erfolgen. In enterer Kircbe befindet eich el 
lebtif wohl erbalteni» Gem&lde des XV. JabrhoDderts, den Tod Mariffi dar^ielleod in eioer 
m\ Spttren alter Wandgemllde zeigen sich auch auderwirts, i. 6. in Chor. — Di« Wai^dgt 
der tiarfüsserkirehe. Nachdem sich an Tencbiedeoen Stellen dee Mittelschiffes Sparen ron Ma- 
geuügl battea, erfolgte am II. Juoi «ioe Eingabe «d die ßnuleituag; derselben wurde in r<>- 
lliger Wme mtüprocbco, und zwei Arbeiter, welche Ton der Bauleitung 2ur VerfOgung gesteUk] 
'vurden, beKauuen nun am VA. tiaß raliooelle Blotaleguog der Wand)(eiak.lde. Zan&ebst kau 
giflmro Parlieu eines Archilvkiurfrißses, der unter der flachen Balkendecke hinlief, aum Vorscbeio. 
Am Dienstag, den H. «ar die Dlüsslegunf; der 14 fiKOrliebea Darstdlunicen an der laueoscite der 
Fafade Tolleodct. Am 15. fanden Nichroncbangca an den Qbrigeu alten Bautbeiten itait, wobei 
die Cntrabmung der Uogenreihen tu Haupt- und Nebeuachifl coDStatirt wurde Am fotgeuden Tage 
vordeo eftaimtlicbe oroami-utaleD und einige figfirliche Details geoaa dun^bgezeichnei. Der 17. brachte 
die Kaideckung fon Ualereien au deo rorderslcn RundpfeUem recbu. K^ seigte sieb im Q&nzea 
eise reiebe farbige Ausstattung in der BarfQsserkircbe, und um diese ftlr das kOnftige Sanimlungs- 
gebiode tu erhalten, beschlos* man , eine Petition an die h ttegierung eu richten ; dieeelbe wurde 
Batandehaet von den Vurstluden dtr histor. antiquar. Gesellschaft, dcis Vereins zur Erhaltung baa- 
leriacher AiterthOraer, der KiinBlcoramiasißn nnd einigen I'rivaten, aowia Mil)iliederD der Schweiz. 
Erhaltuugsgeselltdiaft. Am 1^. überwies der tic^ieruugsrath das Aneuchcn der Petenten au das 
Baude[>art«meDt , welches am 20. in eotf^egeukommeoder Weise sich zu einer Oonferenz mit den 
Ofliegirten der Petenten bereit erklArte. Als solche wurden Herr Dr. R. Slahlln und der Schreiber 
beseichnct. Abbildungen der Qemftidefunde, sowie itescbreibuntjjen ■.^mmtlichcr Darstellungen folgen 
in der oicbsteu Nummer. (Dr. f. A. iHg.) — Die Vorlage de» Ke^ioruDKErathes über die Nea> 
■ebaffung dnei bist. Museams wurde vom Grossen Ratbe angcnemmeo {*Z. Tg))l.< t. 20. Jnnt, 
Nr. 144). — Die Scolpturea an den Zinnen des Zwingers am Spalenibor, deren Restauratioa schon 
TOT Jahren in der >Allg. 8ebw.-Ztg.< angftregt wnnte, sind noch immer in traurig defeelem Znstande. 
£• wäre Zeit, das« Scbrilte in der Sache gethan worden, befor die Figuren gftnzlicb bcruotergebröckelt 
sind- (fi.) — Beim Abbräche der Kierbrancrei »ühim i'fiug* an der KreiensLrari.<ie in Basel fand sich im 
zweiten Stocke des Gebäudes eio mit WaDdmnlcreien, allcgorlscheu woiblicben Qvalatteo. OuirlRoden- 
frlesea, Rankenomamenten etc. geziertes Zimmer Or. Stehlin und Dr. ätOckelbcrg lieasen Durch- 
zeichnuBgen der best erbalteoen Theile der Malereien, die ans dem lü. Jahrb. itammeo, aufnebmen. 
Jetzt Uegen die Mauern, welche nie uugeu. beivits Im Schutt (»N. Z.-Zlg.< t. 20. Mai. Kt. 1<V,%^.1.V 




no 



— Am i Jali fclarb lu Butt] Prof. Dr Afhiths ßu>-d,-!iar<!f- r. SotU. seit 187*; I^ehrer mb PAdsfiuRiuis, 
•eine edlr, reinp, ideal sericht^te mit d«in feiuaten Sinne fflr G«s«hicbte iiod Kunst auagcrDsiete 
GelekrteopAlur«. lu der kaoittg«Khiohtlicbeji Literatur hat er sieb durch »äoe Abbaiidliiog über 
lUofl Holbela (B&sW Nenjahrsblalt foo 18>^(>) ein blfibendes Denkmal gMtiflst. 

GraubDnden. Bt\ der Tantübrßekt kuo eise alte Vollkugol zum Vorscbein, die von deo Er- 
eiffaisseo des J&hrea 1637 oder lTäi< licrrllhrAn darfte (>BQDdo Nachr.* v. 1. April, Nr. 78). 

Lu«ni. Laut ■Luzem Volksbl.« (I^I>2, Nr. 77) tat da« unweit Wolhuien gelegene Schle«»chcii 
BuehtM kanlich abgetragen worden. Philip]) AjilDn t. Segcsser vorlebte dort Eanen Tbeil aeiner 
Jogood uod entwirft in leioen Erinneruujien eine idylliicbe ScbilderaBg des Schl6ascfaen»- (J. Z.) 

8t. Öalten. In der NLhc von If'y' ^^^^ bi'"> ^'d gut prbnlieiieB Schwert ane der Bronznell 
(•N. 7,-Zlg.. r. 12. Juni, Nr. I6H; -Z. Ta«bl.« ». 16, Juni, Nr Ul). — Zu Rappenncgl starb am 
5. Mai, achtzig Jahre ah, Priiident Xattr HiktumnHti, der fleUsise und hitt in sein liohes Alter 
rOslise GeachichlMchieiber tHner VatersUdu — Geber die Tb&tigkeit deti kOrilich gestorbenen Prof. 
Dr. GuMlav Stktrrer. StifUarcItivars von St. GaJIeD, veraffenUicbte die »Oitschweia« einen Bericht, 
der In der »N. Z.-Ztg-> v 1892 (Nr. 124, Bl. 2) abgedruckt worden ist Schcrrer gab heraoi: 
>St Gallische KaudachrifteD in Ansillgen* IS^; »VcneicbaiM dir HanuBcriplo und Inconatielu 
der VadianiB<;bFu Üiblioibek in 8t Gatleu« ISd*; >[lebor du Zettbncb der Kttngenberge« und 
■Nachlese ■tiftsaoct^alliivhL'r Hannscrlpte« in den Publlcatiüneo des bist Vereias too St. Gallen i 
•Klein« Toggeuburger Chroniken* ; >Verz«ichiüss der lUndschnften der Stiftsbibliotbak von St Gallen*. 
1875; *Venetcbijiis der Incnnabclo der Slirtsblbliotbek ron St. Galleo«, tSSO. Ein hoher Beamter 
einer der antco europliscben Bibliotheken bekannte: >WLrcn doch unser« Kataloge ebei>ito muster- 
gOltig redlgirt wie derjenige ton Sl Gallen.* 

Scil&fliiausen. Auf dem Ftoden ron Siliiinnrn l'iuidt?D aicb alte Grabat&tten, die auf das Vor- 
bftodeuicia eines alomanniscben Todtenfeldes hiodvutcn. Nur does der Gr&bor wurde bisher voll* 
•iMiidig Bofgedt^ckt. Auch ein gat erballe&er HchÜdel kam tnm Voracbeia i*N. Z.-Zt<.« f. 20. M^, l 
Nr. 141. Beil.; »Allg. Schw.-Ztg.« Nr. U7). 

Solothurn. Mai-iattein. Die kleinere unterirdische Kopelle la Kinutdll \*\ Anfangt Joai 
renoTirt, d. b. ange«tricheD worden. Leider wurde dabei das bübscbe spitgotbische WaadtAbemakel 
von 1520 gaicbmacklos. und, was diia lleraldiactae betrifft, falsch rreuurirt; die früher in den rieh* 
ügen Karben bemallea Wappen von Reicbeaaiein und Scböuii.u sind in unbegreilücbem Unrerstaiul 
•TerbesserL* worden und swar auf eine /uscbrift. and Anweiaung bin, die von einem B. Reicbeastab 
In llinuingen herrOhrteu. Di« Fenster der Kupell« solleu «beufallii ueu vergliut und mit Wappen 
Resieri nerdeu. Dr. E. A. $i. 

Tauin. Am 10. uud II. Mai f^ad auf Wunsch des h. Erziebungsdepartements des Csuitons 
Teesiu durch die lIcrreD Sta&tsratb Dr. Casella, Architekt Alasalli tod Figino und Prof Raltn eine 
Bdtichliguug der neu enldecklcu Wundgtmäide in Sia. .Van« dti/li Angioli in LMgano uod der Chieta 
(M CoUenio in Ateona atatt, Ober welche ein auifflhrlicfacr Bericht in dieser Nummer enthalten ist 
Uleicliteitig wurde tod d«n geaanuten Kxperteo im Beisein der Elerrvn U. Angst, Director des 
Schweiz. Laudecnuseums. Biind'panrchiTar Dr. Kaiser tiod Ob^-rst (i. Simon« die Kirche S. Franettco ' 
in Lcearu» befiucbt, die demuachst znr Aufnahme einer 5rjHnntHn(/ hütoriteker AUerlhümer wieder- 
hergestellt oud eiugerichiet werden soll. Kine Aiii&ht tiemerkeiiBwerthur Steiusculplnren, daniatsr 
sirei ranüscbe Fragmente aus der Kirche b. Pancraiio auf der I«ola di Kritsago [.Anz. I8UI p. 46ti . 
Fig. 35). Beat« der «beoiallgen Cbornse inrieb tun g in S. Viitoro in Muralto und des I. c pag. &&0, i 
Fig. ^5 abgebildnCB Scblusut^ea aus dem S(t)lo»»e Locaruu eind bereits im Chor« nnterg»bnchL i 
Kiii (iiitachivfl, ta welchem Prot R&hn von dem Director des Erziebun^sdcparteraenta, Herrn Dr. . 
CaiSella anfgefnrdert worden ist, lautet fnlgendermaaAsen: ,Die neuesten Funde in Lugano uod Ascoua 
beweisen abernials, wie oueischApHicb reich Tessin ui KunHiwerkeii aller Art und aus alleo Epocbeo 
ist. lo derThat, kein Jabr rergeht. ohne die Kuüde von Kiitdcckuofeu um bringen, aber, wie zahl- 
reich Mtlchc siud, ein rege« loterwse in den eiubciraiEcbeu Kreieeo Termöguu sie selten lu erwecken. . 
Mit Autuahme tou Appenzell A.>Rh. igt Teuia der einiige Schveixen^anton, der kein btstorlsdMt l 
Museum und keine gescbichtaforschende OeselUchaft besiut Wie viele Kunstwerke und AlterthOner * 
sind alluiu binnen wenigen Jahren verloren gcgaii|:ea, ins Auslaud rerkauft, oder unwissentlich i«r- 
aebleiidert worden I Noch im Jahre 1S88 bat mir Herr Oberst G. SImoua im Krvuzgau^c von S. 
yrAovQitM iu Loctiroa «ine mittelalterlicbc luschrift gezeigt X>rci Jahro später war 6LC nicht mehr 
voriiutiiaa; loMa bitt« sie mit anderen Abbruchmaterialieii einem Maorer abenasteo uud too diesem 




in 



nl sie, w«r weiu in micbera FandameDte Tergrab«!! worden. Zwitiuljc Jahre lug hiite iler gotbiich« 
KtOgi^laltgr roo liaveri»ro-Vpnriisr« in einen Prieallinate in lioraroo K»t>»dcn; er wir« t>illtf{ in 

11iab«o ftcvewri Dann int «r oiDrm AntiqaitSteahXoiJIcr in Florenz rerkaufl and vnt von (IlRBf!in 
ffir die Schweiz zarOckcrtrorbfn «Arden Ein» anderen Altar ans Diaica hat dj« Aaliquarigchir Gc- 
kellnebaft in ZtlHch x«kaitft nod ebcuio von derselben im ein Grabfund aus havorgo Fnibrl>pn 
wordeo. Allj4hrlirb werden Angebote roo teattnitchen AlterthQmeni, ron Kircheoparamenteo, Krl- 
ebta K dgl. gemacht und di« TrOntner der romaniscben CboreinncbtoDKi die In den dreiaslger 
Jakrea aus der Eirche S. Vjttore in Miiralto eotfonil worilfo »ind, liegen noch Iwtiite in llAfen, 
G&rtrn, Hiiitem und Kocben nm Mornlto x«nttr«ut. lUtte aicbt Herr Obeni i^imona sieb nm die 
Etlonebtuig und Aufzeicbnunit denselben bemobt, üie witreo anbekannt« Scblltze geblieb» und doch 
WMtiea Ite, vcreinigl. einem Mntfum xur Zierde gereicbea. Der Huf nacfa der <ir1laduug eines aol- 
cban In desn auch immer und immer wieder erfolgt, es graagt» die reracbiedenen Jahrgänge tod 
Emllio MoltA'a .BollKtino itorico d«iU äviziera italiana* zu durchgehen. Nnn HcbeuM eadiicli der 
Zeiiptuct i^ehoameD zu bcId, wo diese« acbAoe Frojeci aelner Verwirklichung entgegensieht und 
Tesain eine EbreDichuld loat. die auf di«&«Hi Kuuatlandc von Uottea linadeu doppelt schwer ge- 
lastet hat. — Schon im Herbst ISSQ wurde ich tod Herrn 3laAl«raih Fednteiiai mit der KiDladuog 
beehrt, die VortchlKge zu prafca, welche Berr Ober» Giorgio Sbnou. dleaer unennAdliehe Erfor- 
•cfaer levsiDfacber AIierthAmer, bezOglich der EJoriditaog eines Huaeums in S Kranceaco in I.oeamo 
gemacht hatte. — Damah bandelte ea sich bloss nm die Ueberlassaflg eines t>eschrinkte» Kaames 
in rieu ebcBMÜigeo KlnstL'rgebiiidi'n und zur vurUuägeu BerguDii zentreuier Altertbamer nod Scnlp- 
tnren hätte «in aolcber wob) auch genagt. Kin Muaeuni — eine Lehranstalt dagegen Sietit gtöswre 
R&amlicbkeiten. die Möglichkeit der Knlwickeluog und eicf Qbentchtliclie Anfstelloog der Samn- 
longaotyC'Cl« Toraus. Mit lebhikfter Freude habe leb deshalb ein neues fmject hex'iisst, das im 
laofc d« letctan Jahre« auftauchte und dahin ziele, die Kirche i>. Francesco zur Aufnahme einer 
Unoriscben Sammlung einzurichten. Daniit wAre ein doppelter Gewinn erreicbL: Die Wlederhe 

einea Kirchen inneren, üua tod impoaauter Wirkung i<t. und 2) die Uaranlie, dass nunmehr tls* 
lichn Sammeln und Retten beginnen kann. Der letzte Itesnch to S. Franceatro hat mich 
aberzeugt. da&a hier fflr die iu Krase kommenden Hedflrfnisie «in ebenso auareicbeader wie 
linUoglich* beleuchteter lUum vorhanden ist. Znr Anfnahme der Sammlung wOrde rnrcrst der 
Cbor säumt dem Oatlicbeu Tbeile des Schiffes genOgeu und «wnr bi« znr Mitt« des rierteo luter- 
calunninms (rom Westen an gerecliniPt), ao data aut^ die schmucken Ncbeakapellen, welche sidi 
dem Oatende der Seilenschiffe anachliessen, in den Sanimlungsnum hineingezogen würden. Oiea« 
vftren. in ihren Stoccaluren und ihrem Karb«D.>ichmucke winderbergcatellt, for iVllem zur AuTuahme kirch- 
licber Oegenstinde geeignet. Durch einen sicheren Vt-racbluas, etao UoUwand, wier, was aicli im 
Interesse di-r penpectiTiafhcn Wirkung besser empfiehlt, durch ein bohea Giscngitter. w&ren alsdann 
iHne reutfi'irtpn Theile »on dn-m wesilichen Abschnitte au trennen". 

Wallis. Der Staatantlh hat beachloasen, auf dem Standorte des allen Octodurum in Marünach 
^jfie Aosgrabungeo wieder aufsjaehmou (>Z. Tagb].< v. M. Juli, Nr. It'i5) 

^B Zlrieh. Ein Mitglied des Winlerthnrer Kunatrereini erwarb ron einem Basler Kunsthändler 

^■ria BDd SalomOB Qesaners tou Antun Grnff, um es dem Vereine zu «chenken Das fiild atammt 

^Kn der Sammlnng Habich in Cassel, die kürzlich unter den Uamtner kam. S. Auctionakatalog *oa 

1892, a 27. Nr. 69 (>Z. Tagbl.« t. U. JuO. Nr. 189). 

Hdtei-a-tur. 

1, Special-Zeitschrift far prähislorische Arch&olcigie und eiaachlSgige Gebiete. 1901, No. 1112. 

il. Mnsikommer. Neue interessant« Giozelfuude aus der OiUchwcix. Archäologische Mitthel' 

Inagen: Mno^fnod aaf einem Gtetacber bei Zermatt Eine neue KeiiDibterhOble bei Scfaaff- 

baasea. Skelettgriber in Basel 
^jftr für Sfhit^iuriuht Cestehkliu. 1892. No. 2. K. KrUgrr. Rapperswyt ■ Vaz • Werdenberg 

(äcUtm). MechÜId von Rappcraw^UWerdeoberg, eine Geborene von Neifen, fon F. GuU. 

Th. *. IJAtHau. Kleine Neueoburger Chronik. 
Arehivt» hfra!di<im» SuiMr». Publica par Maurice Tripet ATril. Chroniqne de la Socißt* Saissfi 
dliiraldiqne. Dr. J. Mofei, Siegel der Stadt und Lnndachuft Wcesvti. Dr. //. v. AYn/fr- 
Aimafrit, Qoelqaes mols lor le coovent de Bellelajr («x-libris et armoiries). 






na 



Bauztitunjf, Sehiegiwfrieeht. NiK IS. Zar Krbftituiig de« KaufliauiBS in Zaricli. Mit AbbilduDseo- 
BmirSg«. ThurgAuiscbe, zur nUrIftad. Unehichte. Orig. vom UiUor. Verein« des Cantoni TbargUL 

Sl. HofL I0-8*. I. \\9 S. Fnueafeld. Grotuna'Kbfl Buehdr, (J. Hubei'i VerUg), 1891. Ge- 

■cbichle voD l^nnatJnK<>it von den AuAogen der Il«formalioD bU zur Wiedereionbrang de« 

kitbol. Gottesdienstes und eioer kktbol. Prarr^meinde dkselbst, 1519—1086, ron A. Ua\f*i: 

Di« Bargen um) älteren SchlA«>er am Dotprse», vod Reichlingen bia Salenftttln, ron J. Ittiftr. 

Die rftmiscbeo Funde in Arboa. November \^'Jl , von A. Oberhet:er. Tborg. LiUer&tnr aus 

den Jahre 1^0, von J. Häehi. 
flolieiilno itorico dtila Snsttra ilaliana. 1S92. K* 3-6. I dipinti de) rinucitnenta nelU STiuera ttaUaot, 

per J. R. Raiin. I culelli di Helünzona üotto 11 dominto degli Sforta (conL) Per 1* sKuik 

delk Val di Blooio. Per U storia dci cjutclli di Morcolo di Capolago (eont) Affrescbi del 

principio del dnqnececto n«ll& chiesa degli Anj{«li in Lugano. Attri ilemaii di famigüc pa- 

trUie del raatooe Ticiao, p«r G. Qnii. Croaacft. Bolletüno bibliografico. 
Buile-tiH dt la HoeiAJ Suiw de numittitaliqm. 1892, No. I. L'origiM du mol aehiliing, par )e Dr. ImI^. 

fleu» faltiBit do Berthier. prince de Keuch&td, par A. Miehaud. Uoe n^daille pbamur 

cculique, par B. Stbtr, 
Clemen, Paul. MerowiagiKbe Bad Karalingiscbe Plaitik. Bo&o, UDiTcrHit&tB-Ducbdnickerei tob 

Carl Georgi, 1892. 
EffU, E. Kircbenftescbichte der Schweix tns auf Karl den Grouen. Mit lllustr. In »Zeiuchrift, 

Tbeologiicbe, aus der Sehweix«, 1892, Heft 1 o. 2. Wird n&cb dem trolUt&itdigen Abdruck 

in der »ZeitAcbrtfl« atparat atugegeben trerdea. 
KiafmanM, Mtlchi^r. Qekcbichte d«s löblichen KuralkApitels ilochdorr unter dem Schutze dci hl. 

Bisehors MuLinus TOD Toure und der gljttJicbeji Jungfrau Maria, aowie Ocscbicbt« der eiuxeluen 

Pfarreien, Kirchen, Kapellen und Pfrandeo. Mit 2 lUuUrationen. Luzem, Buefadruckerei 

voB üebr. Ruber, \^% 
afte^rbehaUt 1892, Lfg. 5. Gluerverk ao elnenn Printhaaie in Meilen. Caaton Zarieb. 
iliitloiitehfa Ftubuch sur Jfatler VfrrinijfUHi/tfeirr 189S. BtKl, R. Reich, rorm. C. Detloff. 
t/d/ii-frudh d*r Sgl. pt^ustiMhtn Kutuftammlutifftt. 1892, lieft 2^3. C. Jiudi. Die Aprtle aal CaroDt- 

Danitl Bnr^kardt. Baos oder äigmnod Uolbeio, 
KBfMItr, A., Pfarrbelfer Die Kapelle im ftakrameauwaldc r.a Gisvil. Separat- Abdruck axiia den 

>Obwaldener Volksfreond*. .Samen, Druck tdd Juief Milller tS92. 
ptnu^iit, Munzgescbicbtc von Obw&lden. i^eparat- Abdruck aus dem >Obvaldener Volks^und«. 

Druck TOD Jotef Maller, ^iru«D \fi02. 
Saf, A. Die Gemeinde Boscblibon und ihre DmgebuDg. Kacb geschieh tliebea Qoalleu geaebildert. 

lji-8*. U7 S. (lorgen. J. ikbllpfer. lä^l. (Zflricb, 3 Ufihr.) 
Otehdi, Pi-of. Dr. WilMm. Qaellenbnch tur Scbweist-rgeichichte. Neue Folge mit besonderer 

BerQckiichtigang der Kalturgeichicht«, fOr Usus und Scbulo bearbeitet. 1 ]<fg. !!Aricb. 

F. tSchullhe« 1802. 
Planio, P. f. Chronik der Familie von Planta Bebst verBchiedeoen MiLtheilungen aus der Vergangen- 

bflit Rbitiens, Zdrirfa, Verlag de« Artist. Instituts Orell Ffisili, l>^92. 
Poiinuittn, A. Ueber Kirchenbauten und Renorationeo. Id-8*. 42 S. Laxem, Gebr. RUber. Sooder- 

abdruck aus den >Kathol. SchveizerbUttern.« 
QK^fMgchrifUn für KunnIgffehichU tind KunHlefinik drt UiHtltlltrrt und dw tÜUMfil. Hit Daber< 

Setzungen etc. BegrflDdet von Rudolf Eitelberger tod Edelberg. Portgesetst von Albert Dg. 

Neue Folge, IV. Bd. iäcbriftquellen s»r (leicfaichte der Karoliiigiscfaeu Kunst Oesaminelt und 
^^ erUbttert ron JmUum ron SMoeaer. Wien, Carl Grsser, 1S?2. Enthilt viel auf die Schweix 

Bezügliches. 
RBdigtr vide Verband lunges. 
Tripit, M. Les armoirie« et les couleun de Neaeb&tel. Onvrage publik par la &oci6ti d'hiftoire 

dB csnton de Neucb&tel. Avec 243 grav. s. b. et 20 planobea (en partie cotor.). Gr. iii-4*, 

IV, 151 p. Meuch&tel, Impr. Attioger Fröret. 
Verhamdlung*H der Berli»er aHlhropoiegiaehm GgatlUichaft. 8itsung vom 17. October IS91. R. B9- 

dtgmr F.Tlbilenmgen awl beweisende Vergleiche zur Stcinkarten-Theorie. 

BriKtm: Prot Dr. J. t ÜiSS in ZQnch and CAEL IIWJS in ÜMbach GSOnch). 
Dnek tos B. LKOliNN in Urich. 




FÜR 



SCHWEIZERISCHE ALTERTHUMSKUNDE. 

INDICATEÜß D'ANTIQÜITES SÜISSES. 




XXY. JmhrgHng. 



•«•*- 



ZÜRICH. 



October lS»OS. 



b 



Ibi illtriirri S ft. — Man :ili>jnfiiri b»! >1<?ii r'')itl>uri<aut um! Dllm iiiir'iiliniiilluitit'-ri. ■uwi'* 
JU'h 'lirrct bpi ilcm Bumau dar «nliquarütohen 0«BeUachKfl, BelmliBUs, ZODch. An riia Irtilrm 
SWHc ImMDw) ««•«■i'iiKr MKHiiKriii^n ilir« SUilant«» tti &<irf^>lr(>ii. »beruo «enlni .la^•-l^M :iig[tiii;>ir iw<a- 
nUMNM« iniMMiKnininiticii. - Vuii der SWKmk KAunsfrudMr MwnlitmlmiaUr. ai-: «In KeiUi,''^ tutii 
■ JlwiwIjW' enintaini, wird «liw klein« AulLige von StnwttroAstif m vthMIII. Bini«lrii< Numniorci lUvon 
w«nlMi. M> laji^ iter Vorr«lli r<4cht. aiir «lfm Bar^au <Ur AntiqiiaHtehm nettUteh»fl. tlrlmMatu. Xüirieh 



Im1i»1(. ix l*rU)luartKhft Crlbivfunil^ Im l.eak<*rt>3l. von t. llrteHI. S. 110. — M. ArehtolagUclM PhihU aus KraR. 
lon Major Cxfieul S. in. - t&. Grab der E)Tooxn«l[ Im GuieosberKiraJd Ixet Vffl. ron Ulridi. S. lH 
— M. Dm •WaKferhkus bin II'>Iit< bei HtimliinE. von Zt'llM^Wfrdniullrr S 13i, — tT. Dm WaldmannliaiM 
id BIlri;«nsi^rr. tod llnnxlk<r. S. tS). — S. Alte AtiMMniiinn du Sttnuiuiu U&na-Klittlcdcln (SMiliui», 
von J. Zent]»- Ü. 113. - », Actiwlxar ülasKeiBftM* im Tritt! I ) -«'All »r» in o^ronl. von Adffit. 9, ttt. — 
3U: Die Waud|<RiiAldfl ilrr Itm rü<«crklrchr in U«»l. von SlflckeUxTs. S. HD. - 31. Ueri^hl Uwr dia Aul- 
AudiuiB VW WiirKticeiiiaiilrii Im Hiiiim -lüin rflug* In IiaM>. v"Ci — n S. 150. — Kleinen IVuliricIiUii, 
UMUMciHtuielll von Uarl Umn. S. 133. — Llieratur. S 13t. — SlaUiUk xhweli. KtuultlrnkinATar. vnn 
J. B. Hatw. S. 15:. - Tar. Vll— X. 



Seit dem 1. Januar 1888 ist der ComiiiissionsTerlafl; siimmtliclior 
reröflentlichuiigen der Aüliquarischeii Geaeilschaft (mit Ausschluss des >.Aii- 
zeiger f(tr schweizerische Alterthumskiinde«) an Uerru BachhUudlär Karl W. 
Hiersemann in Leipzig abergogau^en. Von diesfir Firma win) der Vertrieli 
gMiiaiiiiUT Schriften sowohl in der Schweiz (Niederlage in der Buchhandlniig: 
S. Hfihr in ZQrIcti), als auch im Auslände ausschliesslich besorgt. Noch iiiiiner sind 
dagegen, laut § 16 der Statuten, die Uesellschaftsiuitglieder »um dirocteii Beziige 
der Vereiiiäpubticationen berechtigt, welche seit dem 1. Januar 18SS im Bureau 
if dem Helmhause abgegeben werden. 

Die neuesten Vereins-Püblicationeo sind: 
Rahn, J. R. and Th. v. lAcbmau. Die Casa di ferro (Vigaaccia) bei Locamo. 
Kne Werbecaaeme aus dem XVI. .lahrlitmdert und ihre Krbaucr. 

Mit 3 Tafeln Fr 

Eatalogibeschroibender.der Antiquarischen Sammlung in Zürich. Von R. lUrieh, 
A. Heümann und anderen Ge»«>llschaft3rattg1iodenL 3 Theile. 44 Tafeln 

in Lichtdruck » 

Ohne Illustrationen ...» 
TemeTj J. Die ältesten Hymnen Sammlungen von Itheinan. Mit 3 Tafeln . » 
Jf., Zdier-Werrlmmr. iL. und Ruhn, J. R. ßullingers IJe- 
schreibung des Kloat«Ts Kappet und sein jot^i^er Bestand. Mit 2 Tafeln • 
Von der Beilage: »Zur Statistik schweizerischer Kuustdeukmaler« von J. R, 
Rahn, W. CatUon Tessin, kOnnen Separatabzüge anf dem Bureau der 
Antiquariwhen Geaeilschaft, Ilelmhaus Zürich, bezogen werden. Preis 
Lieferung 



3. - 



3. — 



yet 



» — . 50 



130 



25. 
Prähistorische Gräberfunde in Leulterbad. 

Von J. Btitrli. 
(Tafel Vri, Fig. 2-9.) 

Der 9cfa(ni im Mittelalter berühmte Kurort am Qemoiipasse war liereiU in vor- 
römischer Zeit Iwkannt imd selbst die Kömer haben ihre Spuren <Ia.selbst zurQck^lasseii. 
Im Aoläuge unseres Jahrhunderts wollte Micliel Lehoer (geetorbeu 1821) oterliaib der 
Häuser Zer Copjien einen kleinen Erdhügel verebneit und faud ein Skelett, da-s sorg- 
fältig zwischen ^eehs Steinplatten bestattet war. Wenig später entdeckte Rtienne Loretau 
(gestorben 1835) zwei ähnliche OrUber unweit des Weffes nach der Qgmmi.') In den 
dreixsigcr Jahren grub Autoine Meichtry in der Xlihe des Dorfes am recklen Ufer der 
Dala ein Skelett hervor, das in geringer Tiefe gelegen hatte. Es trug am Vorderarm 
zwei BroD^eriDge, die im >Anz«iger für .scliweiz. Geschichte und AUerthumskunde« vom 
Jahre 18S7 auf Seite 43 beschrieben und in Tafel V, 1 u. 2 (nicht ganx gut) abgebildet 
sind. Sie befinden sich gegenwärtig im Antiqiiarium der Stadt Dern. 

Ab die Fundamente für da» Ilf'dd des Alpes ausgehoben wurden, stioss man wieder 
auf Steinkisten, welche Skelette mit Beigaben enthielten. Die letzteren bestanden 
in Bron/^n und Tongefäflsen. Ein in den Correspondenzbüchern der Antiquarischen 
Gesellschaft Zürich aufl^wahrter (triginalbericht erwähnt eine Spange (Fibula), Ringe 
und Armhänder von Bronze, sowie eine Crne, die sich in der Sammlung unserer (Jesell- 
sohaft befindet und im >Anzeiger« 1857, Tafel V, 3, abgebildet wurde. Alle diese 
Funde stammten aus einem einzigen Grai>e. Audi in den Übrigen Qrliliern fand man 
Artefacte, die aber verloren gegangen und. Sie bestanden in Hingen, worunter einer 
der gekröpften Spange aus dem Grabe Meichtry geliehen habe. Sogar rßmische Münzen 
und gleichaltrige Oefässe sollen bei den Skeletten gelegen haben. Bin Grab, daa eine 
rOmisi^hp Münze enthielt, sei auch im Fundament deä H6t^ de France zum Vorschein 
gekommen'). Im Jahre 1855 fand man hinter den Neuen Bädern in etwa drei Fitss 
Tiefe ein Skelett in freier Frde, bei dem ein Gef^ und eine Iladriaiiämünze lag«. 
Das OefAss war auf der Drehscheibe erstellt worden und zeigte eine röthlicbe Farbe"). 
P. Thioly beschrieb im »Anzeiger für Schweiz. Geschichte und Alterthumskunde« 
1868, p. 104, einen Grabfund aus dem Lotschenthal. Später*) berichtigte er seine An- 
gaben dahin, der Fund stamme nicht aus dem Lotschenthal, sondern von Leukerlad. 
Dr. Brunner ^) erzählt darüi)er, dass im November 1866 an einer steilen Halde unweit 
der Stelle, wo früher das IJain des Guehsons am Wege nach der Alp Clavinen gestanden, 
mehrere Skelette entdeckt worden seien. In einer Art Tumulus hätten die Knochen von 
sechs erwachaenen Personen, sowie diejenigen eines Jünglings und eines Kindes gelegen. 
Das Kind lag zwischen den Knieen einer erwachsenen Penwn. Im Frühling dos fol- 
genden Jahres wurden zwei weitere grosse Gräber gefunden. Alle Leichen liefuiden äeh 
in 2' Tiefe und schauten nach <>ät«n. Die Beschreibung der Lage der Extremit^ten- 
knocheo erinnert an liegende Hockor. Von Stcinphitten fand man keine Spur, dagt^en 
waren die Leichen, die in feiner Erde ruhten, mit einem Steinbett überdeckt worden. 



') 8Uk Bmetw; Luecbe-loi-ßaiiu. am mat thermal« et t» enttniiH. IV ^it. 

') »Anseiger L Kbweii. ti«schtcbte bdiI AltcrtlmioikiiiKle* 1S57 pag. ih. 

*, A. t 0. f»f. 44. 

') »Ballotiii de Dartit »t. (Jen « T. XVI. 

^Ä. K. 0. fH &■ 



1879. K: S 



131 



auf welches wieder Erde folgte. Die geuauen Nachforschungen nach Münzen, Waffen 
nnd Oefässeii nirderton nichts Derartiges zu l^tgc, wohl aber &uiden sich zahlreiche 
BroDxerioge, mit denen selbst das Kind geschmückt gewesen sein mnas. Ausserdem 
kameu Eisearioge, Fibeln aus Bronze und Eisen und Knöpfe zum Vorschein. Äbbil- 
dungen der hervorragendsten Stücke publicirte Tbioly im erwähnten Anzeiger (1868) 
Taf. I., 1—9. 

Auch in neuerer Zeit wurden in Leukerbad prähtstoriäcbe Gräber gefunden. So 
befinden sich im Bemer Antiquarium zwei Brouze-Armspangoi, die in schwache Stollen 
endigen und mit parallelen Strichen, dii; reihenweise angeordnet sind, verziert erscheinen 
(Tafel VII, 1). Ein sehr wichtiger lirabfund aber stammt aus dem Jahre 1890. Die 
Funde gelangten ebenfalls in das Antiquarische Museum der Stadt Bern und der Director 
desselben, Dr. E. v. Fellenberg, hatte die Oüte, uns künstlerisch ausgeführt« Ab- 
bildangen der Orabbeigal>on zuzusenden behufs Publicaiion dieses bedeutenden Fundes. 
Die auf umerer Tafel VII, Fig. 2—9 vorgeführten Objecte entstammen alle einem 
einzigen Skelettgrahe. Das Alter derselben wird sofort erkannt an den typischen Frflh- 
La Tene-Fibeln (Fig. 2—4), die alle am Bronze besteben, wie überhaupt in dem ganzen 
Üra.be, obwohl es der Eisenzeit angebflrt, kein Kisen gefunden worden aein sull. Die 
Fibel, welche in Fig. 2 dargestellt ist, weist einen gegliederten Bügel auf und der Fuss 
endigt in einen zusammengesotzten Knopf. Noch mehr gegliedert ist der Bügel boi der 
Fibula Fig. ^, hol welcher dagegen der Fuss fohlt. Fig. 4 zeigt einen ganz einfachen 
Bügel, der Fusa jedoch verbreitert sich zu einer Platte, welche eine ziegelrothe Email- 
I Paste trägt. Interessant ist nun aber Fig. 5. Sie stellt äne Bronzefibiila dar vom 
I Golawcca-Typns. Das Stück ist, wie mir Dr. v. Fellenberg schreibt, etwa '/« Pfund 
schwer und impouirt auch durch die Ordsse. Fibebi dieses Typus sind in der Schweiz 
bis jetzt selten und fanden sich nur im Süden unseres Landes, so z. B. iu Freggio'), 
wo rie zusammen gefunden wurden mit Bingen and Spangen, sowie einer Certosalibel ; 
ner in Arbedo''), wo ausserdem noch ein gekr&pfler Hing, ein Anhängsel, ein ge- 
iebeuer Gürtelhaken au» Bronze und ein Brou/.ukeäsel gefunden wurden. Mehrere Go- 
haeoea'Fibeln stammen aus dem Gräbcrfelde von CTa-stanctta im Misox. Dasselbe hat 
e1)pnfall>4 BronzegeflUse geliefert, ferner rjürtolhaken von getriebener Bronzti, Gehänge 
und Schmockperlen, Spangen uud Hinge, eine sogenannte Raupenfibel und einen Certo- 
sttypQs"). In Leukertiad ßudet sieb nun eine entwickelte Fibel von Qohisecca-Form 
xnammen mit Früh-lA TSne-Fibeln. 
^^ Fig. 6 unserer Tafel VII zeigt eine Bronzeplatte mit getriebenen Buckeln. Sie 
^^Heicbt den Scbmuckptatt«n oder Phaleren mancher l'fahlbaustationen der Wostschweiz. 
^Hi Stück mag Kam Schmuck der Brust gedient haben. 

^V Wenn mau absieht von dem kleinen Brouzeriug, der in Flg. 7 wiedergegeben ist, 
^^n haben wir in unserm Orabfuode nur noch Arm- und I-'usäringe zu erwähnen. Fig. 8 
steUt die eiofachero derselben dar. Keiner ist ganz uuverziert IKe in der Mitte 
liegenden zeigen deutlichü Verticalatriche, welche den Armriugeu ein geripptes Aus- 
sehen geben. Die beiden iinderen weisen schiefe Stricheluug auf, die aber unter der 
dicken l'atina fast verschwunden ist. Boi dem einen dieser lüuge scheineu ttich auf 

*) BWu AflOn tAnui^< 1888 Taf. V, 5 n. 6. 

*) iW. I87& p. ^3. 

*J Sich« »Antiqaa« 1886, T&f. XI d. XII und diMen »'iaidpr« 1880, tiL ^QL v VL. 



yierr 

^Rrie 




18S 



der Uinterseite an die schrägen Striche Teriicale an^iiuThliesseD. In Flg. 9 aeben wir 
I die echten WaUisertjpen wiederkehren. Die Zeichnung stellt sie in möglichst natur- 
getreuer Lage dar. Ks t^ind 1 1 Spuageu, die iiach Art einer Ueiiischieoe zu Schutz und 
Schmuck zugleich dienen koDnten. Sie bestehen aus Dronzelilech und sind verziert mit tief 
und kräftig ausgearbeiteteu Kreisen mit ehea solchen Mittelpuncten. Wie unsere Figur 
zeigt, liegt auf der Vorderseile jeder Sfaugu eiu solches Uruameut neben dmi andern. 
Hinten, d. h. gegen die Enden, verdoppeln sich diese KreisTerzieningen. Oei sieben 
Spange» li^en zunächst deu beiden Kndeu joderseits drei Paare derselben, bei vier 
Spalten dagegen siebt mau jederseits liiuteii nur zwei Paare. Diese Spangen scheinen 
anf Leder befestigt gewesen zu sein und mrklicb eiae Art Schiene gebildet zu haben. 
Derartige Ringe fanden !Üch oft allein im Skeletten, wenn sie aber nelien anderen Bei- 
gaben lagen, so waren letztere immer Formen der La Tene-Zeit. Wir liaben hier eine 
offenbar aus der Hallstattcultur übernommene Venierungsart vor uns, die local ent- 
wickelt wurde und tief in die folgende (La T6ne-) Periode erhalten blieb. In eigentlichen 
HalLttuttgräbern des Wallis, die allerdii^ !«ohr selten sind, wurden bis jetzt nie dei^ 
artige Spangen und Hinge gefunden. Etwas jünger scheinen die mit demselben Ornament 
rentohenen maäsiven Hinge und Spangen zu sein, die ich in den früheren .\rtikeln tlber 
WaUiser Orabfnnde im Berner Antiquarium besprochen habe (Vgl. Taf. I u. II dieses 
Jahrgangs), denn sie kommen zumeist mit Mittel-La Tene-Sachen zusammen vor und 
. reichen, wie die Orfll>or von älartigny') Iwweisen, bis ins erste .lahrhundort unserer 
J Zeitrechnung hinein. AUe Hinge und i^ange» mit dtm echtm WaUiser-Omament 
aber gehören, wie wir Jetzt atis vielen Grnbfundeti eu hfweisen vefsuekteH^ der La 
Thne'-Z^t an und stanunen aus FladtgräberHy welche eutaeist SkektU hargm. 

Dadurch können nun eiue ganze lieihe von OrUbeni, welche als Beigaben nur 
derartigen Schmuck enthielten, ihrem Alter nach bestimmt werden al.t Ls T^ue-Oräber. 
Es seien hier nur einige wenige derselben ang'>führt: 

Die Gräber von Eradtmatt enthielten Skelette und Arm^paiigen, die Scbftdel sind 
dolichoceplial. (Vgl. Felleubeig im >Anzeig6r« 1880 p. 48.) Bin Grab von Gröne borg 
eiü Skelett, das als Schmuck zahlreiche Arniäpangeu bei sich hatte, welche denen tod 
Leukerbad vfillig gleichen. (Siebe Thioly im »Anzeiger« 1870 p. 125.) Aus einem Crab 
von Obersiatden oberhalb Visp stammen zwei Spangen, die im Antiquarium Bern liegen. 
Der Fimd ht noch nicht publicirt. Be:«oudeis aber sei hier liiagewiesen auf die zahl- 
reichen lirabfnnde, welche in und bei Sierre (Siders) gemacht wurden. Die Kundobjecte 
sind in verschiedenen riffentlichen und privaten Sammlungen zerstreut. Durch die Freund- 
lichkeit der Be.>dtzer erhielten wir jed'xh gute Abbildungen von denselben, welche 
beweisen, dass Sierre zur sogenannten La T^ne-Zeil einer der Hauptplätze des Wallis 
g6W60eD sein rauss. 

■> (Aueiger* IflOfi p, fiO— ft4. 

24. 

Archäologische Funde aus Ems, Canton Graubünden. 

(Nach gell. Mittbeiluoiten tod Hemi Major CaTiezel io Chor). 

Bei dem Dorfe Ems, westlich von Chnr, erhebt sich ein steiler Hügel, Tumha 
da Casti, oder auch, nach einer Kapelle des Ai»ostelfürsten, St. Peter genannt. Sein 
<^yp/&/ ir^t die Huiiien der Burg derer vuu Ems, dem alten Amedes. 



1S3 



^ 



aüdwestlicli von diesRtn Hfifjcl mrd Tlion gegral>en. Bei dieser Arbeit worden 
891 In einer Tiefe von 1,7 m. eine Bronxesichel, eiu Heil iiud ein mit Veraerungen 
beoer Hammer, femer ein dänues, zusammenjferolltes Uroiizeblech gelbuden. Es 
llen aach raonschlicbo und thierisclie Knochen, suwie Holzkohlen dabei gelegen haben, 
unmittelbarer Nabe des t'utidortes fanden die Arbeiter senlcrechte PfUle aus Tanneo- 
d Fichtenholz. 

Die Sichel wiegt 150 gr. und hat eine Hpannbreite von 15 cm. Ihre Spitze ist 
die Seboeide dagegen sehr scharf. Auf dem Rücken befindet sich eine Warxe 
B Qnaszapfensi'). Der Griff bestand offenbar aus HoU, iii welches die IJacbe 
Gri^unge hineinpaaste. 

Das Brouzeheil ist 240 gr. schwer tind hat eine Länge von 14 cm. Die Schneide 
it 6 cm. lang und etwas ausgeschweift. Die Schaftlappen sind stark entwickelt und 
erreichen eine Titinge von 6 cm. 

Der Hammer besteht ebeafull:> aus Bronze, ist 300 gr. schwer und 10 cm. Ung. 
e Baha zeigt 3,3 cm. auf 1,8 em. Breit« und die Pinne ist 2,3 cm. auf 0,4 cm. breit. 
Du Odkftase oder der Schlitz zur Aufnahme des Sclialles ist l',3 cm. lang und 0,5 cm. 
breit. Auf der Vorderliäcfae des Hammers zeigen sich erhaben gegmaene VervierungeD. 
Quer fiber den Schlitz laufen drei Linien und oben wie unten an denselben bemerkt man 
zwei gebrochene Unien: 



««='» 



Diese <lrei Bronzcobjectc »nd von Herrn Caviezel angekauft und dem rbätischcn 
[useum in Ohur ilbergeben worden. 



Grab der Bronzezeit im Gärtensbergwald bei Wyl, Canton St Gallen. 

(Tafel VU, Figur 8). 

Der Freundlichkeit des Herrn Gemeiudegutsverwalter UQUer in Wyl vordauken 
ir folgenden kunien Fnndbcricht: 

In Folge der Anlage einer neuen Waldstrasse musstc am Abbange des Oärtensberges 
ein einige Meter tiefer Einschnitt eratelU werden, bei welchem Anlasse mau auf das regel- 
mftssig gewölbte Steinbett einer längst verschütteten Strasse stiess. Seitwärts von diesem 
Steinbette wurden in eiuer Tiefe von ca. 1 m. die in Folgendem la beschreibenden 
Objecte, eine Brouxesch wertklinge und eine Bronzearm^pange, gefunden. Nach Aussage 
der Arbeiter »11 auch ein kleines Hufoiäeu aufgefunden worden, aber wieder verloren 
gegangen .sein. Ein Theil d^-s Rronxefuudes selbst ist wahrscheinlich ebenfalls durch 
ffle Gleichgültigkeit der Arbeiter verloren gegangen, denn oiine Zweifel gehörten zu 
demselben noch eine «zweite Arm^ipauge und hOclist wahn^cbeinlich auch ein Bronzedolch; 
denn alle uns im Uebrigen bekannten Bri>nzegräbür z&hlen diese Oljjecte zu ihrem 
Inventar. I<eider wird im Fundberichte über die Beschaffenheit des Grabes selbst gar 
nichts bemerkt, weshalb wir uub aller Vcrmutbuugeu darüber enthalten wollen. 

Die aufgefundene Schwertktinge ist ein Hepräsontant der ältesten bei uns bekannten 
Bronze scb Wertform, sie gehört einem StOi>;ssch werte der Itronzozeit au. Ihr oberes Ende 
bildet einen vollständigen KalbkreLs. In oinor Entfernung von 0,005 m. vom Kande 




\u 



UQd w einer Distanz vou je 0,02 tu. vou Mittel tu Mitt«l Kimi daselbst vier Nietlöcber 
augebracht. Die frdber in denselben i^teckeuden Bronzeuieteu sind verloren gegangen. 
Mittelst dieser Nieten war die Klinge mit einem aus H0I2 oder Hont erstellten Griffe 
verbunden, der im Laufe der Jahr hunderte vermoderte und deshalb spurlos rer- 
schwundeu ist. 

Das 0,055 m. breite Klingenobertbeil verjüngt sich bei 0,09 m. Länge bis auf eine 
Breite von 0,0:^ m. Von dort laufen die beiden Klingonkantcn geradlinig bis zu der 
ungewöbolich schmalen geradlinigen Spitze fort. Die Totallaoge der Klinge betragt 0,G3 m. 
Sie bat rautenförmigen Querschnitt und stark vorstehende Mittplrippen. SchwerthUngen 
ans der Bronzezeit, besonders solche von der vorliegenden Form, sind selten. Die Samm- 
lung der Anti(]uari!Kheu Gesellächaft besitzt nur das Obertbeil einer auä Gfenn bei 
DflbendorE stamiueuiieD ähnlich geformten Scbwertklinge, an welcher sich noch die 
Nieten befinden. Von ähnlicher Constniction ist auch eine 0,42 m. lauge Broozeklioge, 
die in Brügg, <^ton Bern, bei Anlast der Juragewilssercorrection gefunden wurde und 
in den Mittheilungen Bd. XXU, 2. Heft, Tafel XXI, Fig. 7, abgebildet ist. Die Ober- 
theile der Schwertklingeu der Bronzegräber vön Stirzenthal, Canton Zürich, Müllheim 
and Ilüttweilen, Cant^^n Thurgau, der Zürchersammlung (siehe Katalog I. Theil pag. 
170, 173, 174) verjüngen sich dagegen gegen deu Griff hiu und waren mi^glicherweise 
bloss mit zwei, statt mit vier Nieten an demselben befestigt. Die Sammlung der Antifiua- 
rischen Gesellschaft besitzt dagegen mehrere Dolch-Klingen von ähnlicher Construction, 
wie unsere Schwertklinge. Diet^lben stammen aus den Brouzegräberu von Uaard bei 
Weiach, Zürich und Katzensee bei Kegeiisdorf Zürich, (Katal. I, pag. 172). l>ie mit 
der Scbwertklinge aufgefundene Armspange, deren Patina leider tbeilweise zerst&rt iüt, 
hat nahezu kreisförmigen Quenichnitt und spitz zulaufende Knden, von denen das eine 
abgelHTOchen ist Ihre Auüsen-seite i^t abwochsflnd mit sochsfachen Kauten und (jnippen 
TOD Querlinien geschmückt. Aeus^erer Durchmesser 0,013 m.. Stärke O.OUO m. Fast ähn- 
liche Hpangcn finden wir im Bronzegrabfund von Haard bei Weiach (Katal. i, {ag. 171) 
und unter dem Schmuck der Pfiihlbautc Haumesser bei Zürich (Kat. I, pag. 54, 59, 
N. 1331, 1348, 1380). Die Si)angon der übrigen Bronzegräber der Zürchersaramlung 
sind sämmtlich mit Stollen verscbi-n. Wir ktinnen es nicht UQter]a.sjen, zum ScbluHse 
den Wunsch auszusprechen, die beiden Stücke mochten einer grösseren prähistorischen 
Sammlung einvorloibt worden. Nur wenn sie vou Fachleuten mit anderen Funden ver- 
glichen werden können, haben nie Wortb. Als blosse Curiofia sind sie werthliu und 
gerathen nur zu bald in Vergessenheit. ÜLSica. 



n. 



Das „Wasserhaus im Rohr" bei RUmlang. 

Einsam, gehoimnissvoll, abseits von den Heerstrassen der Neuzeit, von Kied und 
Wald umgeben, lag bis vor wonigen Wochen das alterthümlich aussehende Wasserhaus 
Rohr halbwegs zwischen GUttbrugg und der Mühle vou Kümlaug iu der sumpSgeu 
Ghittuiedening. 

Die Burgstelle liegt heute 250 Meter vom Qlattkanalo entfernt auf dem rechten 
Flussufer, iu früherer Zeit befand sie sich mitten in einem fiewirre von Armi^n der 
Glatt und zweier von Kloten und vom Neubrunuen herfliessender Bäche. Bohr war ei« 
>Watteirhaus< im vollsten Sinne des Wortes und verdiente seineo Nameu mit Recht. 



4 



1 



* 



Obwohl der eine gute Viertelstunde von jeder anderen roenachüchon WoTinunfj ent- 
fernte Kohrbof) beut« zur Qemeind« Eloten g«bOrt und schon im 16. Jahrhundert 
nicht in der Obervogtei Uümlaiig, sondom in der Gra&cbaft Kiburg gelegen war, so 
unterliegt es keinem Zweifel mehr, dass sieb derselbe auf der Stelle der alten Bui^ 
Kümlang erhebt, welche vielleicht das Stammhaus derer von Kloteu sowohl als derer 
von Kümlang gewesen ist, da beide Uittergeschl echter noch gegen 1300 als gemeia- 
sames Wappen den in unserer Gegend überaus häußg verwendeten schwarzen Gborkopf 
führten. 

Johannes Stumpf berichtet in seiner Chroaiic') über die läge der Buig Kämlaug 
|Wie folgt: 

»Die veste ßümlang ist vor zeyten, ee sie von denen von Zürich gewuntten und 
■gewüst war, in grösserem wesen und herrlicheren gebetiwen gelegen: wie dann ein 
»TeilungsbriefT, von den Kdleu von Kümlang An 1355 aufgericht, anzeigt.« 

»Dise veste iat nii im DorfT Kämlang nahe bei der Kirchen, als etlicfa ohne grund 
»fBrgebeo, sonder, nach kundschafft dsss erstgedacbten Teilbrieifs, an dem ort und platz 
»gelegen, da noch gebauwen stehet das Wasserhauäs an der Glatt genent im Kohr.c 

Leider war der von Stampf erwähnte Theilbrief nicht mehr aiificufindcn, seine 
Angaben werden indessen durch die Qesammtbeit der folgenden urkundlichen Berichte 
Ober die Burg Kümlang best&tigt , welche mir zum grossen Theile von Uerm Dr. 
A. Siischder ' Ustcri mit bekannter Liebenswürdigkeit aus seinen reichen R^esten- 
Sammlungen mitgetheilt worden sind. 

1201, Anfang Mai. Ein Verkaiifsbrief des Ritters Heinrich von Kümlang erwähnt 
einer Wiese bei der Hurg tu liümlang »das lange Weoge« (Crk.-Buch d. Stadt und 
Land. Zürich. Probebogen). Kiu ähnlicher Name findet sich etwas oberhalb von Kobr 
auf dem linken Flussnfer >to11 Bang« (Bang iät offenbar aus Wenge entstanden). 

1866, Freitag vor Kartholomäus. Konrad, Rudolf und Heinrich von Kümlang, 
geben ihre Lehengüter, darunter die halbe Burg lUimiang, welche sie an Berchtold 
Men von Zürich verkauft hatten, der Abtei beim Fraumünster auf. Fraumflustor Urbar 
n. S. 483. 

1399, Dienstag nach St. Michael. Hartmann von Rümlang tauscht mit Frau 
Anna, Gütz Meier's ehelicher Wirthiu, und Agnes, der Frau von Johannes Meier, seine 
haibe VesU bu liümlang gegen deren Hof zu Hofstetten. (Staatsarch. Zürich, Urk. 
Stadt u. Land Ho. 2951.) — Die Bruder Gdtz und Johannes Meier von Baden waren 
scbon 1 3S9 Besitzer der Vogteien Mettmen- nnd NiederhasU , welche noch 1315 
den Herren von Kümlang geh&rt, sich aber 1369 in Händen des Ritters Eber- 
liard Brun btifundon hatten.*) — Wie die Merz'h-cbe Hälfte der Burg Kümlang und 
genannte Vogteien an die Meier von Baden gelangten, ist bis jetzt noch nicht nachge- 
wiesen. — Die Meier von Baden führten einen mit dem Kopf nach rückwärts gewen- 
deten LOwen (Fuchs, Wolf) mit etgenthümlicb gestaltetem Schweifo in ihrem Siegel. 

') lo dtir Bicbtucg K^gca SlotcD trifft mau bis zum Oorfu, aoT 15O0 m. fintfurauiig, kein Hatia, 
gegen Obcrglatt and Secb dehnt aich ein TfllHg nabevobnlea 4—5 Kilometer lugea, 2 -3 Kilometer 
breites Wald- und RiudgelAode «lu. 

■) Aailigs von ItiUti, 8. 4G3 b. 

*) Derselbe Eberbird Brun Tenoactte am V, November 1S69 dem Spital la ZQriob % UOU 
KeriMB auf dem b&lbpn Tbail der tüfm Witte au liBmltM^, neben der Au, die Radolf tod Komlang 
(P&rrarchif üamUns.) 



• 




130 



1407, MoDtug uacb Hulli. Hfit?. nnd Huns Meigtr von Baden, aessluft ku Rnmlong, 
werden Uürger zu i^üricli. (Altes Uürgerbucb.) 

1412, 18. Mai. Ltenhard Moier, Bürger zu Baden, erklärt, dass ihm seino Brüder, 
Götz Meier und Anna dessen Wirthiu und Jobann mit seiner WirthiD Agtieseine Wiese 
zu Unmlang bei der Burg an der Ok, die man die ttifm Wiesen beisst, 7.11 Leben gegeben. 
(llrk. Stadt und Land, No. 2988). — Diese jetrt noch so geheissenen Tiifwicsm Ucgai 
ghich ttnferhtilb der Burg im Hohr, früher auf dem rechten Klussufer. jetzt auf der 
Unken Seite des GUttkaoales. 

1418, 20 Kebmonat. Rine Urkunde im Pfarrarcbiv Rümtang über eine von Hans 
Vollenmoser an Hans Lufiuger verkauften Wiese zu Humlang bei der Jiurg, gibt an, 
doss diese Wiese aucb die QUttt berührte. (MJttb. von Hr. Dr. A. Nöscbeler^Gstcri.) 

1415/1430. [He Burg zu Küralang gibt jerUcb II Vicriing Wachs zu Erbxins 
(Fraum. Itecbuungen). 

1422. 22. Man. Scbiedxpruch zwischen Agnes Meier und ihrem Sobn Heinrich 
Meier von Kümlang, als Besitzer der Burg ku liokr^ und den Bauern von Kloten über 
einen Graben. (Mittb. von Hr. Dr. A. Niischelcr-Usteri.) 

1424, lü. Tag ttebmouat. Als Heinrich von Kümlang zu Jestetteu die Vogtei 
mit den Gerichten t\\ Kümlang an die Stadt Zürich verkaufte, erwähnte er der Burg 
mit keinem Wort, da sie eben schon liLngst nicht mehr im Besitze seines üeachlechtes 
war. Dagegen findet sich uuter den Zeugen Heinrich Meier von Kümlang. (Urk. 
Stadt und Und No, 2991.) 

1432. Heinrich Meier git von siner bürg tu Hiimlantf jÄrlich U Vlg. Wachs. 
(Prauni. Kechn.) 

1439. Hans Meyer von Kümlang sichert seiner Gattin Anna von Wälflingen 
(WilQiuger) ein Leibding von 6U0 Pfd. zu. (Meiss, Geschl.-Hucb, Supjilement.) 

1462/65. Item 2 Vlg. Wachs git Ueinrkli Meier im' Ror von sitier Ihtrtf zu 
Erbzins. (Fraum. Uechnung.) 

Um diese Zeit verscbivinden die Meier, nlä ihr Kecbtsuacbfolger erscheiut wieder 
ein Kümlang, oh in Folge Heimfalleä, oder aU Erbe des ausgestorbenen G&ichlecbtes — 
auch die von Uümbuig waren im XV. Jahrhundert zu Baden verbürgert. wie die Meier*) 
— ist noch nicht ermittelt. 

Die Fraiimünsterrechnungen enthalten 14liü/6t> den Eintrag: Item 2 Vig. wachs 
git Juiikfaer Heinrich von Kümlang im erbzius von siner Imrg; und 

1473. Junker Haus voii Kümlang git 11 vieriig Wachs erb/Jns von siner biirg. 

Im Jahr 1852 befand sich im Kobr noch eine von Herrn Dr. A. Nöscbeler-Usteri 
eiugtuehene und im Kegest mitgetheilt« Urktmde folgenden Inhaltes: 

1472, Dienstag nach Bartholomäus. Jobannes von Jestetten (Johannes von Kümlang 
zu Jestetten? — Heinrich von Kümlang besa,4s Jcst«tten schon 1419) verkauft Burg und 
iJMr>/«to/^ Speicher. Scheune, Müblehofätait (jetzt Flurname >Müble!»tatt<) und das <;cmfc 
Gut Rohr, aucb die Fisebenzeu in der Glatt, sowie die Vogtei Metttnen- und Nicder- 
hasli um 870 Gulden rh. an Kitter Heinrich G4ldli (vorab geht 1 [2':'] Vlg. Wachs 
Brbzins an den Fraumünster). 



*) Die Mojer ron B«dtu betMsea das «boclitAUiene linä*. Üd Ton Bonltog »du S^eei- 
aa^ Sehitptawt im Freibad« alt Lehen d«r Uenogo vou Ovaterrcicb. 



1S7 



1478. OffbuDg von Meitmen- und yiederhatdi. (Grimm, Weislh. IV. 30S), 
MteiH wenn die hur'j zuo Itumtang ze deckend nottürflig iH, » sind die von Mcltmen- 
uud h'ieder-Husli äcliiiMig, uineot vogtberni Saud, kalch und Kiegel danu zu fürent.« 

1482/1&12. Item Her IleiRricb GOldli git 2 vierling irachs ze erbzins von sifter 
(mrg. (Fnnimänster KecbnuugeD.) 

1512/152^. Jörg (JÖldli git 1 vierling wncbs erbzins von ftinvr Burg im liohr. 

i486, 8. Mai. Daniel, Generalvikar Bischofs von Konstanz, weiht die Kapelle 
und den Altar in dem Schlosse des Bürgermeisters, Uitter Ueiuricb GOldli gu Rohr zu 
Kbreu der h. Antonius, Christo pboriis, Helena und Barbara. 

1003. Junker Jörg Göldli im Rohr; 1508, 20. November, ist er als Vogtberr 
zu Hettmen- und Nlederbasle genannt. Heg. d. Spital. Urk. No. 429. 

1527, 13. Februar. Junker Joachim Goldli, Sohu Jkr. JOrgs, verkauft die Burg 
Kohr und die Vogtei Mettmen- und Niederhasli um Fl. 1520 au Haus Klinger von 
Eoibracb. (Ehem. Hausschrifteu im Hohr.) 

1S32, IMenstag vor Verena. Hans Klinger tritt diese Besitzungen um Fl. 1240 
an Hans KudoU Lavater, Vogt zu Kiburg ab (ebendaselbst). Als Vogtberr zu Mettmen- 
und Niederhoali erhielt Bürgermeii^tter Lavater später vom Käthe zu /.üricb das Keeht, 
seine Angehörigen die über aie verhängten Freiheitstrafeu im Wellenberg absitzen zu 
lassen, er überliess indessen die Vogtoi schon 1545 an die Stadt Zürich. 

1548, 17 März. Bürgermeister Hans Rudolf liavaier verkauft die Burg u. h. vt. 
um Fl. 2450 ('0 an Frau Anna Zelintmeier und ihren Sohu Thilipp [Leu imd Werd- 
müller nennen ihn Philipp Klee]. (Ebern. Hausschriften.) 

1551, 10. August. Die Burg gelangt um Fl. 1050 in Besitz von Kourad Zwick 
von Konstanz. Ks war dies ohne Zweifel das bekannte Mitglied des Koustanzer ge- 
heimen Hatbos, der Freund des Keforraators Ambrosius Blarer, welcher nach der Kr- 
oberung von Konstanz dnrch Oetiterreicb and Cnterdrdckung der Reformation daselbst 
in die Verbannung ziehen musste, und zu Anfang des Jahren 1557 starb. 

Schon im Jalire 15Ü0 war Hans Ludwig von Waldkirch, Bürger zu Schaffhauseu, 
Herr im Kolir. .\u8 diesem Geschlecbte sind folgende Inhaber des Gutes bekannt: 

Hans Ludwig v. W., geb. 1540, gest. 1611. Gattin: Dorothea von Uoggwil. 

Hans Friedrich v. W., 1610 im Rohr, gest. 1649. Gattin: Regula von Schöuau. 

Friodricb v. Vf., 1649 auf Rohr. Gattin: Anna Maria Edlibacb. 

Im Jahre 1654 lebten Friedrich und Hs. Caspar vou Waldkircb auf Rohr; 13 
Jahre sp&ter aber, am 1. Mai 1GG7 verkauft« die Familie die Burg im Kohr mit allen 
Gfitem um Fl. 2894 Vi an Kriedrich Hans KIsinger vou Oborbafile. Seine Nachkommen 
besassen das Haus mit grossem Güterbesitz noch im Jahre 1790. ' 

Im XIX. Jahrhundert wechselte die Besitzung mehrmals die KigenthQmer; Herr 
Jakob Meier, welcher doii Hof zugawciso an sich gebracht hat, stand vor der Wahl, 
entweder grosse Summen für Wiederherstellung des zerfallenen Wasserhauses außcuwendeu, 
oder dasselbe abzubrechen, Kacb Krbauuug eines neuen Wohnhauses entschloss er 
sich zum Abbruch, er hat aber in verdajjkenswerthester Weise die Antiquarische (iesell- 
achaft in Zürich vorher davon in Keniilniss gesetzt, und alle beiuerkeusweithen Bau- 
theile zu ihrer VerPöguiig gestellt. 

Der Abbruch erfolgte im Marx 1892. 




138 



Das Wasaerbatis Kohr besaas in keiner Weise melir das AnasehdD Mner miltelalter- 
liolion Vo9t«; die alte wehrhaft« Bui-g der Uerren von RüiuUng ist Khoü längst dem 
ßrdbodeii gteicligemacbt worden. 

Nach der Sohlacht bei Sempach im Herbst 1386 »ward rünüang die bürg und 
bälacb von den uuseru (Zürchcm) rerbreiit« (Cod. 0&7 St. Oallcn S. 101 und Cod. 651 
S. 374. — Henue's Klingeubcrg S. 127). 

Ein zweiter Brand ging im Jahre 1443 über die Burg, da (nach Fründs Chronik 
Druckausgabo S. 144), Kümlaiig das gros dorf und der tburm unterm Dorf in gruiad 
verbraout« wurden, als die Scbwizer und ihre Bandesgenossen das Zürcher Gebiet 
verwflsteten. 

Durch diese wiederholten Brände mag die jeweilen nur notbdürftig wieder berge- 
stellte Burg rf^cht unanschnlic!) und baunillig geworden sein. Es ist vahrschLMnlich, 
dasB Bürgermeister Heinrich tiöldli nach deren Erwerbung im Jahre 1472 es angenjesseti 
geruuden hat, das ganze bauHÜlige Gem&aer abreisseo zu lassen, am aus dessen Steinen 
eiu neues, einfaches, aber gerauroigcrcfi Herrenhaus aufxafüfaron. Von der alten Burg 
m^^en dabei die Grundmauern der äussern Umfassung*^), jedenfalls die Gräben verblieben 
sein. Die Vollendung des Neubaues wird durch die Weihe der Burgkapelle im Jahre 
1486 bezeichnet — Dieser Zeit entsprechen auch alle Bautheile, welche von der ar- 
gprünglichen ÄusBtattuug bis in die Jetztzeit übrig geblieben waren. 

D-AS Haus bildete ein Itechteck von 16,80 Meter I^änge auf 15 Hetor Breite. 
Unregelmässigkeiten auf der Nordseite deuten darauf hin, dass vielleicht hier die Orund- 
Qiauem der alten Burg benutzt wordeu sind. Sb bestand im Erdgeschoss und ersten 
Stockwerk aus Bmchsteinmauei'werk von 90 cm. Dicke, im zweiten Stockwerk und im 
Uachgescboäs aus Kiegetwerk. Die Höhe der einiehieu Stockwerke betrug einschliesslich 
des Balkenwerkes 3 Meter. Mit Inb^priff des grossen Daches mit abgewalmten Giebeln, 
von 7V» Meter Pirsthöhe erhob sieb das Haus 16 Vi m. über den Bui^hof. oder etwa 
Id^k lu. über den ebenen Boden. 

Ins Krdgeschoss fQhrte auf der Mlicben I>ang3eite die rundbogige, in der Mitte 
des XVII. Jahrhunderts erneuerte Haustbür mit den Wappenschilden von Junker Friedrich 
von Waldkirch und .Anna Maria Edlibach. Die einer Tenne ähnlich sehende mit fest- 
gestampftem Lehm belegte Hausflur war auf drei Seiten mit Vorrathsrtlumen umgeben, 
welchen durch schmale Fenster und Scharten nur eiu spärliches Licht zukam. Unter 
deneelben befanden sich Kellerräurae. 

Die mittelst sehr einfacher, schwerer Holzlreppen zngAnglicben oberen zwei Stock- 
werke enthielten die im XVII. Jahrhundert in Kintheilung und Verwendung vielßuh 
veränderten Wohnräume. Immerhin blieb die ursprüngliche Kinricbtung so weit unver- 
ändert, als die alten Hauptwände, aus Balkenrahmen mit eingeschobenen Bohlen be- 
stehend, ebenso die einfachen alten kielhogigen Thilrgeriohte, wenn auch sum Theil ausser 
Verwendung, stehen geblieben waren. 

An der Südseite befandeu sich auf jedem Stockwerk je zwei Zimmer, der hintere 
Theil der Stockwerke war durch einen Gang in der Ulngsrichtung des Hauses in zwei 
Tbeile geschieden, welche die übrigen Kammern und R&ume enthielt. Im ersten Stock- 

*) la (liRfiem Falle hätten die RiD^mauem der «Itpn Barg eiaen Raum voo nur angeAbr 23 



139 

'werk ächloKten tiicli'acn vordem Zinimeni auf beidmi Seilen je eiiie Küclie an, deren 
eine wohl erst iu späUrer Zeit eiugerichtet worden \äi. 

Das aüdßstlicbe Zimmer im ersten Stockwerke euthielt eine »cblichte bOUeme 
TbeilaHale zwischen den Fenstern, während die Deckbalken an beiden Enden theils ein- 
fache, tbeils zierlichere spütRothische Verzierungen aufwiesen. 

Im südwestlichen Zimmer des obem Stockwerkes befanden sieb Ueberreste eines 
babschen Getäfers mit gothi^hem Maasswerke, sowie eiue mit allen Beachlilgeu noch 
woblerbaliene eichene Tbär aus der Zeit der Erbauung. 

Die hintern Kammern des obern Stockwerkes zeigten zum Tbeit noch die alte ur- 
sprüngliche Befenaterung mit liautenglas (Waldglas) und sehr altertbüm lieben Butzen- 
scheiben, leider sind gerade die Waldglasfenstercben kurz vor dem Eintreffen von 
Sachverständigen aus MissTomtändniss lerfilGit worden. — Aach der itaum, in welchem 
sich wahrscheinlich pinst die Burgkapelle befend, der sich indessen keineswegs von 
den übrigeu Oemächern besonders uuterscbied, und iu der nordwestlichen Ecke des ersten 
Stockwerkes gelegeia war, war mit einem solchen Waldglasfenster verschen, welches obim 
in der Mitte ein farbiges Wappeuschei beben mit dem Schilde der Gdldli enthielt. Uas 
Feust«r befand sich um 1858 noch au alter Stelle, heute ist das Scbeil)chen im Besitz.^ 
eines verdienten schweizerischen Kunsthistorikers. *) 

An das Wohuhaus lehnte sich aik der Nordostecke ein kleines Wirthscbaflcgebäude, 
von welchem ausgehend eiue lUiigmauer die Ost- und äildäeile des Hauses umschloiss, 
einen kleinen nach Osten 8 ru., nach Säden 5,40 m. breiten Hofraum frei lassend. An 
der südöstlichen Mauerecke befand sich das ruudbogige einübe, schon lauge abgebrochene, 
Burgthor. Kin ziemlich kreisrunder, 15 Meter breiter Wassergraben, welchem wenigstens 
gegen Nord und West allom Anschein nach, durch eiueii !l Meter breiten Wall getrennt, 
noch ein zwoitor, 12 Meter breiter Graben vorlag, umgab die Burg beinahe vollständig; 
auf der Südseite vorbindet er sich mit dem vom Neubrminen her kommenden Bache. 
An der Sudostecke, vor dem Thorc befanden sich die ebenfalls etwas über dem Kiet 
gelegenen Wirthscbaftsgebäude gleich ausserhalb des ersten Grabens, welcher an dieser 
Stelle Ungst aufgefüllt ist. Hca. Zellkk-Wkrumcller. 

*j Da» um M.'iO gwchriebeoe Miwale der Bttrgk»p«lle wurde, o»ch dem Verkauf de» Schlossüs 
1S87, TOQ dem Cliorherm Rolind Q&ldti D«ch Boromauier gfbracbt, and durcb si-iocu Neffen 
RettDvard GOldJi dem dortigen Stift g«8Cbeiikt, id deiuo Uibliothek es atcb jetst noch befindet 



27. 
Das Waldmannhaus zu Blickenstorf bei Zug. 

(T»f. VIU und IX.) 
C. Dändliker in »Hans Waldriiänn'ä Jugendzeit und Privatleben« [>MittJiei1. der 
antiqiiar. Gesellsch.t Bd. XX, pag. 5) sagt: »Am äusücrsleu Ende des Dorfes, gegen 
Baar hin, wird dem Wanderer noch jetzt ein nltersgrano!^, grö-sstentbeils laufülliges 
Bauernhaus als >Waldmann's Hütte« gezeigt. Die Abbildung, welche SÜLdtin in seiner 
<3«scbicbte von Zug (Bd. III, S. 157) gibt, ist ganz ungenau und unzulänglich, mehr 
Pbaotaaie als Wirklichkeit, und man kennt dort im Keller »Waldmann's Ledergnibe« 
and vor dem Hause einen morschen Bauni, unter dessen Schatten Waldmanu geruht hat- 
Nun weiss jeder Schulkiube, daas unser Haus Waldmanu uüch iu ^uu^eu Ji.^t>i>& ha.\\\'«, 



140 



Heimat rerlasMO und iu jCnrich gelebt liat, also nie iii BlickcMiiitorf sein Oewerlw aus- 
geübt baben kajin. Wohl aber ist die Hütte das alto Eigen der l'aTiiilie Waldmaim 
Ton Ulickenstfirf, die noch bis in den Anfang uaseres Jahrhunderts sich erhielt. Die 
Hütte kann freilich nicht mehr aeiä Hanä Waldinanirs Zeit herstammen, denn BUckeu- 
storf wurde im Kappeier Kriege 1531 verbrannt, womit die Thatsache übereinstimmt, 
dass die Häuser jener fiegend aus den Jabrubnten nach dem erwäbuten Brande her- 
stammen (nach einem götigen, brieflichen Äufschluf« von Hr. Prof. Gladbach, dem Er- 
forscher des schweizerischen Holzbaustib). Auch zeigt diesem Waldmannhaus in seiner 
Coostruction nicht den archaistischen Typus jener Zeit (nie Dr. Ferdinand Keller aus 
einer von Hr. Seminarlehrer Kuegger gütigst angefertigten Zeichnung schloss).€ 

Das hier über die *Waldniannhfitte< Gesagte bedarf der Berichtigung um so 
mehr, als es auf AntoriULten sich stützt, wie Ferdinand Keller und Professor K. 
Gladbach. 

Tch besichtigte das Waldmaunhaiis zum eri>ten Mal diesen FrdhHng, und traf dabei 
auf die am obern Ende der Mittelstnd r (s. Langen durchschnitt, Hg. 5) angebrachte 
Jahnahl 1412 (s. Fig. 1). Da ich sie noch unbekannt glaubte, gab ich dem »Anzeiger f. 
schff. Altorthkde.« davon Xoti/.. Hr. Pmf. Dr. Hahn machte mich aber aufmerksam auf 
den »Katalog der Waldmannausstcllung im Musihsaal, Zürich, d. 'Jl. Juni bis 7. Juli 188dt, 
wo diese Jahrzahl bereits veröffentlicht ist, freilieb ohne Angabe der Stelle, wo sie sich 
findet, daher man sie seither irrthnmlich in der »Kammer* gesucht hat. Derselbe 
Katalog erwähnt nämlich auch die Aufnahme dieser »Kammer« (oder >eines Zinimersc 
wie der Katalog sagt) im Waldmanuhause durch Hr. Architekt Fietz, und Hr. Prof. 
Dr. Itahn fügte gefälligst bei, dass diese Zeichnungen ^ich im Archiv der ('ommission 
für Krh. bist. Alterthnmer beenden, von wo sie mir dann auch gütigst zur Benützung 
zugestellt wurden. Nachdem ich dann noch au Ort und Stelle eine photognphische 
Aufiialime, GruTidris-i u. s. w. erstellt, glaube ich so KiomUch im Besitze des nfltliigen 
Materials 7.u scin^ um besagte Berichtigung zu ver^nchcn. 

Vorerst steht nun wohl fest, das» die Annahme, es sei das Waldmaimhau^ im 
Jahre 1531 mit dem übrigen Dorf in Flammen aufgegangen, mit der Tbatsache der 
wiederaufgefundenen und unzweifelhaft ächten Jahrzahl 1412 unvereinbar i=it. Höchstens 
wenn man von der Meinung ausgeht, dass du.^ Waldiuannhaus »nicht den archaistischen 
Typus joner Zeit trage«, kannte man noch die Vermuthuug aufstellen, das Waldmann- , 
haus selbst iu seinen, übrigen Theilen sei Jüngern Datum:^ als jene Mittelstud mit ihrer 
Jahreahl. Von einzelnen ('on.-4tructionstheilen werden wir denn mich sehen, dass diese 
Vcrmuthung richtig ist. Aber auch das Zeugniss jener Mittelstud steht nicht verein- 
zelt da. Wie der Ctrundriss es andeutet, besitzt da.s Haus 12 solcher »fjtüd« oder 

/ Stander, welche da.s Knochengerüste den ganzen Hausest bilden. Von diesen 12 Stüden ^^ 
sind nun 10, genau elieusu ^vie die Mittelstud r, aus Eichenholz gezimmert, an den ^M 
Innern Kanttm .ibgcfast , und am i>bern Finde, welches bis in die <ievierte reicht, durch 
seitliche Büge in ScUwalbenschwanzform mit den darüber laufenden Spannhulzeru ver- i 
bunden. Nur die Stud z (s Grundrtss) ist aus wuchern HoU später ersetzt, und die 
Stud X ist aus Kichenholz, aber verunstaltet und sehr beschädigt. Noch weiter: auch die 
Coostruction der gothischen Thüre (Oruudriss bei m, Stube 1), und diejenige der Decke ^Hj 
derselben Stube, wie sie von Fielji gezeichnet sind {s. Taf. VIll-lX, Fig. ;{ ii. 4), haben ^^ 

tfarcüaus luobtd, na^ der Dat'miog von 1412 widerspräche. £^ kommt hinzu« was nun bisher 




ä 



m 



DicM beachtet zu haben scbeint, dass H\%sp jetzt baufälli|;c nnd mit Papier Oberklebte 
Decke, sowiu die der darüber Uetiiidlicheu Kammer, uud ebenso die Iuiieiii>eile der ge- 
narinten Thüre deutliclie Spuren von einstiger Bemalimg aufweisen. Ee \mt Aie»^ in 
doj>iteIter Bezlebang bedeutsam. Kininal legt es die VermutliUDg nahe, dass die Stuben- 
wünde, welche keine Spuren von Uemalung iteigeu, später erneuert worden sind, wie 
dieses nbrige-n.4 speciell (Ar die Fensterwand auch ans andern Ornnden fest'iteht. Zwei- 
tens geht daran» hervor, das:^ da« Haus, wenn auch nicht $ehr geräumig, so doch keines- 
wegti ärmlich gebaut war, und da.-i.4 aUo der ^Vusdruck »WaldmanahCitt«« nur eine 
poetische Licenz ist. 

Abgesehen aber von seiner Verwahrlosung, abgesehen von seimr Verunstaltung 
[Inrch Um- und Anbauten, niOchte der Zweifel am hohen Alter unseres Hauses nicht 
zum minde5iten darauf ^üich gründen, d&BB es, wie bemerkt, ein StAnderbou i^it, nicht ein 
Utockbaii, wie uiau ilin vieUei<;ht für den »arciiaii-tischen Typus jener Zeit« vorau&uetKte. 

Diese Vorauäsetzung, wenn sie »tatt&nd, war aber irrtiiAmltcb. 

Wohl mag es ja höchst wahr«beiulich sein, das« in vorhistorischer Zeit der 
ülockbau in der Kegel d.^m Stßnderbau voraufging; wohl sehen wir seibat heute ncK;h, 
wie in einzelnen Gegenden, bei schwindendem Waldbestand, der Blockbau vom StSnder- 
bau zurückgedrängt wird; aber anderseits bleibt es eben TbatMache. dast der St&nderban 
auf der ganzen schwei/erisclien Hochclffine, vom Jura bis an die Tliur, die angestammte 
ni II hei mische und, so weit nicht Modemisirung um sich gegriffen, fast allein herrschende' 
I3aijart ist, — ferner das» es, soweit directe i^ougnisse vorli^en, wenigKteus während 
der letzten drei oder vier Jahrhunderte stet» so gewesen ist. Gewichtige Gründe 
sprechen sogar dafür, da88 dieise Biiuart in diesen Gegenden noch hinter die deutsche 
Einwanderung in dieselben zurückreicht. 

Und doch hat jener Zweifel eine gewisse, wenn auch nur scheinbare Begründung. 

Wir sind es. und da.^ mit vollem Hechte, ao gewohnt, in Gedanken mit dem 
Blockbau die Kintheiluiig des Alpen- oder Läiidorbauses, mit dem StAndcrbuu diejenige 
des s(^enannten dreisässigen Hauses und seiner Abzweigangcn zu verbinden. Der 
Unterschied beider Eiuthcilungsarteu lässt sich kiire so bezeichnen: Im dreisüssigen 
Hau^e folgen sich die drei Theile des Wohntrakbe.s, die dem Hause den Xamen gegeben, 
Dämlich: 1) Stube und Xebeui^tuhe, 2) die Küche, 3) das hintere Haus (Stock, ünter- 
gadeu etc.) in der Kichtung von einer Traulsüite zur andern; das Haus hat Trauffront, 
nnd !)ein Haupteingang ist auf der Giebelseite; Kücbe und Henl stehen parallel zur 
FJrstlinie. Umgekehrt im Lünderhause folgen »ich: 1) Stube und Nebeustube, 2) die 
Küche, 3) das Hinterhaus, wenn vorhanden, in der Richtung von einem Qiebol zum 
andern; es hat Giebelfront. sein Eingang ist auf der Tranfseite; Küche nnd Herd stehen 
quer zur Firstlinie. 

Nun hat das Waldmannbaas das Eigeutbümlicbe und auf den ersteu Blick Ver- 
wirrende, dass es mit der Construction des Ständerhauses die Eintbeilung des L&nder- 
haiisRs vorbindet; eine der Miaiihformen, wie sie auf dem Grenzgebiete zwischen Länder- 
haiis und dreisäsaigem mehrfach auftreten. 

Um in der Sache klar zu sehen, entfernen wir zuerst in Gedanken die erst spftt 
hinzugefügten .Anhängsel mit angeklebten niedrigen Sühirmd&chem, die gegenwärtig den 
Tordero wie den hintern Giebel verunstalten (s. Photographie Fig. 2 und Grundriss, in 
welchem die Anhüngsel puuctirt Rind). Dann bleiben uns nuch, in der ßicbtuiig von 



4 



142 



Giebel zu Qiebel auf eioander rolgeod: 1) 8tube uud Nebciisiube, (jebct Stab« I and 
Holzkamniflr), 2) die Küchß (jotzt diircb eine Schoidowaiid zncigntlieilt), ^) dos Hinter- 
haus O^tzt Stube II und Stübli), — mit Ein^m Wort die oormale Eintheilun^ des 
Landorhauses. 

Hinter den vorgnschobenon Anh&ngseln mnssten natürlich die Giebelfenster, wenn 
es rorber welche gab, in deu Stuben I und II v^rächwiDden; tmr noch die Traufseite 
blieb dem Licht« frei. Al)er auch auf dieser Seite ist die Kenslersie Hang moderuisirt ; 
der ftltc Typus kennt nur gokuppelte Fensterreihen, die Isolining und gleichmtlgsig ab- 
gtniriielte Distanzirung der einzelnen Fenster ist modern. 

Jene Anbauten entsprangen dem Bedürfuiss nach Vermehrung der Wchnräume in 
Folge der Tbeilang des Hause« unter zwei Familien, wahrend es ursprüDglich nur für 
eine Haushaltung bestimmt gewasen. Derselbe Vorgang zog wnitere Voran derungen 
nach sich. Die angebauten Kammern verlangten und erhielten beiderseits Kiugänge von 
der üiebelseite her. Die KQche, ursprünglich nur mit Einem Herd, dessen Lage jetzt 
nicht mehr mit Sicherheit bestimmt werden kiinn, wurde durch eine zutam menge ßinkte 
Scheidewand in zwei Hälften zerlegt, jede mit besonderem Herd und Kamin, welch' 
letzterer auch nicht als ursprünglich gelten kann, eboBMweoig wie die jetzigen (Jefen 
(derjenige in Stube 1 trAgt die Jahrzahl 1688). 

liSne weitere Umgestaltung betrifft den Daclistuhl. Auffallend ist hier zunächst 
der aogenannte Schluf (s. Längen- und Querdurchechnitt Fig. 5 u. 7), d. h. ein leerer Raum, 
fyst 1 ro. hoch, zwischen der Kammerdeckc und dem Rütrich (genannt dii> Winde). 
Mitten durch den leeren Itaum läuft ein Querbalken k I, der, denk' ich mir, die Ver- 
steifung der SRJtltchen Ständer bezweckt. Dieser so abgegrenzte Hohlraum ist späterer 
Kiitatehung. Wohl reichen nAmlich die St^der sßmmtHch bis in die Höhe der AVinde, 
wohl gehört auch die Kammerdeck« unzweifelhaft zum alten Bau, und die Distanz 
zwischen der Kammerdecke und dem Kopfende der Stander war alao vtm Anfang vor- 
banden. Aber weder die Winde selbst noch dis darüber er-^tellte Firstgaden sind ur- 
iiprüuglicb. Das letztere musste über dem Spannbaum b i zu li^en kommen, weil 
i^onst die beiden Querhölzer h i und k I den Zugang in das Oaden verwehrt hiltt^n, 
und der llaum für dasselbe wurde erat gewonnen, ah ein »teiles Ziegeldach, wie wir es 
jetzt sehen, dag alte li^e Schindeldach ersetzte. 

Mit den Umgestaltungen wären wir zu Ende, mit den Verderbnissen leider noch 
nicht. Fast sämmtlicbe Tbeile der Wohnung mit Ausnahme der eichenen Ständer uud 
SchwellGii sind in hohem Maasse baufällig. Speciell der Fussboden der jetzt sogenannten 
»Ih^lzcbamerc und die darül)er betindlicbe Decke sind theilweise eingestürzt. Die Stiegen 
zu den oberen Qemächem uud die Dielen über deu Küchen sind lebensgefährltcb. Die 
bßidcn Keller stehen unter Wasser und die Tiämb^den darilher werden nur durch zahl- 
reiche Uolzstützeif vor dem Einsturz bewahrt. 

Baldige Hülfe würde hier notb thun. Dass eine Wiederherstellung des Hauses in 
1 setner ursprünglichen Form nicht zu den LinmSglichkeiten gehi^reu würde, dürfte aus dem 
Gesagten bis zur Kvidenz herrorgehen. Uud damit wäre nicht nur ein altehrwürdiges 
Dmkmal unserer Geschiebte gerettet, soDdern zugleich auch eine der fllteüten noch 
erhaltenen und authentisch bezeugten schweizerischen Holzbauten, die nun von Tag zu 
ITag immer seltener werden. J. Hunzikkk. 



H 



U3 



3S. 
Alte Abbildungen des Stiftsbaues Maria-Einsiedeln. 

(ScblQliS.) 

Das obere Münster wnrde wahrscheinlich 1226 gegröndet (Kuhn 8. 8) nnd nach 
1467 neugebaut (id. S. 5). Schilling gibt pici dreiscliiffiges Langhaus mit vier Fenstern. 
Oanz anders der Holzschnitt. Das SeiUnscUiff fishlt. iuu ziemlieh nüchterner Kenaisäan- 
ctiiuta, nicht hreit«r als der Abstand der b«id«n Thürme, verbindet diese und den 
Chor. Er baut sich in zwei durch ein (Surtgosimso gf<treuntcn Stockwerken aur und 
erhalt eineu horizontalen Abschliiss durch ein einfaches Oesimsc. Durch c'ww. Lesene 
nnd diese Gurtuugen entstehen vier Mauercompartimente, die im üntergeschoss mit 
ruiidbogigen Maassn-erkfenstern, im Obergeschoss dagegen mit einfaclien Rund bogen fensteni 
durchbrochen sind. — Diese Erscheinung ist um so sonderbarer, als sie nicht nur mit 
Schilling in Widerspruch ?teht, sondern auch mit den sp&tereu Anwehten (Merlan), wo 
wieder ein niedriges Seitenschiff erscheint. Wahrscheinlich enthält der Holzschnitt hier 
eine Ungenauigkeit, wie sie bei der Entstehungsart eines solchen Blattes wohl begreifiicb 
ist. Indessen dürfte auch ein zweiter Erklärungsversncb der Prüfung werth sein. Nach 
dem Bericht (\m FArstabts Adam Heer über den Brand von IS77 (Kuhn S. 5) war im 

Jahre I&C8 das „herrlich mün^ter mit vast groi^ea Kosten von newen er- 

bawen" worden. P. Kuhn bezieht diese Notiz auf die um jene Zeit durch Meister 
Ulrich, Steinmeti von Liizenj ausgeführte Wölbung des Mittelschiffes im untern Münster 
(Es ist die von netzförmigem Itip[Knwerk unterzogene Flachtonnc mit einschneidenden 
Stichkappen, welche Martinis Stich zeigt). Der Wortkiit könnte indes-wn auch auf 
einen Neubau des obern Münsters bezogen werden, eben jenen Renaissancebau, den der 
HolzHcbuitt darstellt. — Von einer wesentlichen Umgestaltung des ohern Münater« nach 
dem Brande von 1577 zeugt Merians Ansicht Dem aus einem erh&hten Mittelschiffe 
und niedrigeren Abseiten bestehenden dreijochigen Langhause legt sich oiti Querhaus 
vor, dessen Flügel nicht über die Breite dea Langhauses vortreten, lieber der Vierung 
erhebt sich ein Dachreiter. 

Der Chor besteht bei Schilling wie auf dem Holzschnitt ans einem mehrjochigen 
Altarhause mit polygonem Ostl. Abschlnss. Man wird denselben dem Uml)au nach H67 
SQweisen dürfen. 

Auatierordentlich genau stimmen Schilling uud der Holzschnitt in der Wiedergabe 
der C<fnvmisij<häHde und des sie umgrenzenden Maueretiges flberein. Zwar lag nach 
verbreitetem Schema der grösste Theil der Conventsgebäude an der Südseite des Klosters 
doch zeigen unsere Ansichten, dass auch die Kordaeite nicht frei stand. Ein niedriger, 
Mauerzug umgab den Complei. Die stattliche Thoranlage im Westen besteht aus 
einem niedrigen, breiten Thorthnrm, der Aber einer vorkragendeu Oalerie mit einem 
Walnidache eingedeckt ist. Rin kleineres, mit einem Satteldach geschütztes Thörlein 
unterbricht den Mauerzug im Osten; OekouomiegebSude (Schuppen, StAlle etc.) nnd 
fbeiU im Maiierziige selbst eingebaut, theils stnhen sie ausserhalb desselben. Bemer- 
kenswerth ist das gewaltig grosse, fast wehrhaft« Ahteigebäude im Osten des Comploxes, 
das unten durch paarweise gruppirte Rundbogenfenster, unter dem Dachauflager aber 
durch eine Folge von riereckigen Zweierfeiistem iM-lcbt ist. Beachtung verdient auch 
der an den Nordthurm rechtwiuklig anlaufende steile Giebel, der vielleicht einem die 
Clausur abgrenzenden Thore angehörte. 



IM 

Bexflglich der teeileren Umgebung des Klosters und der lawhehafüich'tojiogra' 
phiscken VerliilltnU» stimmeQ nnser« Aosicbien Dicht mir uuter »cb, sondern aach mit 
Meriaos von Süden auf^nomroenem [Vospecte uberein. Die aaf dem Krübl verthoüteu 
kleineren Baulichlteiten sind bereits bei der Beschreibung unserer Ansichten erwähnt 
worden nud es genüge der HiDweis, dass Merian dieselben in durchaus gleicher Fonn 
darstellt — 

Ausser den besprochenen, relativ zoverläsägen Abbildungen sind mir noch folgend^] 
Ansichten von Kinsiedela vor dem Brande von 1577 bekannt geworden, die jedoch ent- 
weder Tßtlig am freier Phantasie, oder mit nur sehr unboiitininiien Remimsceuzeu an 
den TiirkUcben Bestand gezeichnet sind. 

1. Auf dem „Schwabenkrieg", Kupffiralichwerk des Kölner Meiaters PW, kurz 
nach 1400 (Literatur, Nachn-eiü der Kxemplare und Reproductionen bei Lehrs: Der 
Meister PW von Köln, »Repertorium fljr Kunstwissenschaft< X 131). In einem Bergtfaal« 
des Hintergrundes ist «in Kirchengebäude (Iberschrieben : „AINSIDKI-KN." Doch ist 
diese Darstellung, nie alle Architekturen auf diesem prächtigen Kupferstich werk, reines 
l'bantaäiege bilde. 

2. Sebastian Münsters Cosmographie, Au^be von 1552, pag. 385: kleiner Holz- 
schnitt zum Titel „De loco Heremitaruni in obscura svliiii vulgo Kinsidleu.'* Urapiüng- 
lich nach einem andern Bauwerk oder aus freier PhanlaHie gezeichnet und nach beliebter 
Art der damaligen Buch-Illustration mehrmals verwendet. 

3. lllustrirte Beimclirouik des zweiten Kappelorkri^es, gesichrieben 1570, in einem 
Sammelbaude des Wettinger Abtes OhrlHtoph Silberisen (Aarau, Cantonsbibliothek, Macr. 
Bibl. Wett. 33, Fol. 8). Die Abbildung gibt den Klosterbau mit zwei viereckigen, 
von Spitzhelmcn bedeckten Thrirmnn, innerhalb einer Kingmauer. Doch ist die Ansicht 
sehr klän und ofTenbsr nur aus bUtsser Erinnerung gezeichnet, so dass sie nicht weiter 
in Betracht kommen kann. Ju^kf Zemi', slud. pbil. 



29. 

Schweizerische Glasgemälde in Trinity College, Oxford. 

Als ich im vergangenen Monat Oxford liesuchte und auf meinem Kundgang den 
Hof von Trinity College durchschritt , glaubte ich in dorn Erkerfenster des Speise- 
wales dio Drorisse schweizerischer Scheiben zu erkennen. In der That ergab ein Besuch 
di^s Innern der Halle die Richtigkeit die!«r Diagnose von aussen. Im Jahre 1877 
schenkte ein Mr. Oeorge Smith dem Trinity College neun in Basel erworbene Oabinel- 
scheiben, welche jetzt eine Zierde des Saales bilden. Diese Stiftung neuesten Datums 
kann aln Beweis dafür dienen, wie rasch sich um fremdartige Gegenstände herum, deren ^^ 
Herkunft und Zweck nicht genau bekannt ^ind, Sagen bilden. Einer der licbrer von ^| 
Trinity College, der mir bei meiner kleinen Arbeit aufs Freundlichste an die Hand " 
ging, Ibcilte mir nämlich mit, nach allgemeiner Annahme stammen diese Glasmalereien 
uns dem Münster in Bastei. Ks wurde mir natürlich leicht, an der Hand der ^heibeu 
sellist ihn ülwr cbki [rrthilmlicbe dieser Auffassung aufxukUreD, 

Die neun Scliweizerscbeiben sind ohne Kücksicht auf Alter oder Kurammengohörigkeit 
nebst einigen englischen Glasgeuiälden in da.s Erkerfenster eingesetzt. In der folgenden 
JruTzen Beschreibung jedes Stückes ist die chronologiwhe Heihenfolge beobachtet. 



U6 



1) W(^i>petuchea>e. 0,42 b. x 0,30 br. Auf bUuem Damaät «io unbekannter 
Wappeaschild (in Roth ein snlbenier WQrfel zwischen drei goldenen Schellen). Als 
Scbildbalter r. der fa. Michael, I. der h. Sebftstian. lo dem Zwickel r. ein nackter 
Putte r.u Pferd mit Wurfspiess, l. ein bekleideter O^er zu Pferd, das Schwert 
»chwingend- Zwi.tchen boidci) auf einem Bande die Jabrzabl 1527. Noch ^thisirende 
Säulen, unbedeutende Architektur, rostig. 

2) Stadtscheibe von Strasshurg. 0.42 b. X 0,28 br. Zwei einfach gehaltene 
Frübrenaiisanccsaulon tragen einen iwhlichten Bogen, Aber welchem in den Zwickeln r. 
ein Trommler, 1. ein Pfeifer stehen; neben letzterm die Jabrzahl 1534. Zwischen den 
beiden Musikanten wSchat Griäaille-Iiaukenwerk berror. Unter dem Bogen in einer auf 
blaues rcberfangglas gemalten Pluss- und ßerglandschaft ^teht auf grünem Rasenk'den 
der gelianiiäciile l'aonertrSger, die dreieckige Strassburgei- Kahne in der Kechteo haltend. 
Br trftgt nicht den gewöhnlichen Schweizer-, aondcrn einen deutschen Dolch. VolUUUidig 
erhalten, etwas rostig; schweizerische Arbeit. 

'S) Stattdesacheibe von Lusem. 0,39 h. x 0.28 br. G^nstück zu der Vorigen. 
üebor dem von einem kleinen lt«icb8schild überragten Luzenierschild in der iintcm 
Ecke r. steht vor rothem Damast der Btaudet^-PanucrtrAger auf grünem FÜeoenboden. 
Das t>;kbild in der Kahne stellt Christus am Oelberg dar. Der Fähnrich ist blau und 
wei»4 gekleidet und trägt Schweixerdolch und langes Schwert. Auf dem Brustharnisch 
die Inschrift: Jesu^ Maria. Kein Datum. Out erbalten. 

4) Battemsf^Juibe. 0.:^2 h. x 0,29 br. Der Wappendcbild (weisses Kreuz in 
rotbem Feld) steht zwischen dem Stifter r. iu rothem Mantel, der die Hand an*s Schwert 
legt und seiner Frau, die eine lange, weisse Haube trfigt. Den Hintorgrund bildet eine in 
blauem TelH^rfangglas ausgeführte I^ndschaft mit wolkigem Himmel. Lieber dem 
glatten, auf zwei schlanken Säulen ruhenden Bogen eine Alplandschaft, in welcher 
Saiimpferdo an S(?nnbüttf>ii und weidendem Vieh vorbei übt-r einen Pass getrieben werden. 
Mythcnabnlicher Berg im Hintergrund. IInt«u die Inschrift: 

> Werner Betschaer« 
1545 
Tollst&ndig. aber rostig. 

5) rrobstschcihe. 0,30 h. X 0,22 br. Auf damaszirtem Grisaille-Grund neben 
einander stehend r. der b. Mauritius mit Fahne, Schwert und Schild (nelisl Scbweizer- 
dolch), 1. der h. Leod^r. In den Zwickeln die Verkündigung. Am Fnsse die Inschrift: 

»Jacob T— bus (?)« 
»brnpst 7.11 Lucern 1547.« 
(Jakob Buss, erw&hlt 1539, t l&^7< M&Unen Helv. sacr. T. 45) 
mit einem an Stelle des ursprönglicheu Wappensrhildo' eingeflickten spfttcrn Wappens. 
Stark renostet. 

6) Abtscheibe. 0,32 h. X 0,22 br. Das Wappen des Abtes unter den beiden 
Schilden von Halisborg (Stifter) imd Muri. Blauer Damast. In dem Zwickel r. Herodias 
an der Tafel sitzend, 1. den Kopf des Jobannes von dem Henker in Kmpfang nehmend. 
im Scheitel in einer ovalen Cartouche der Kopf eines Kriegers. Am Fusse die luüchrift: 

•Johanes x Christoffel x von X Gottes X Gnaden X Apt X ta Miiry x« 
Vollständig, etwati ßo«t. Ca. 1550. 



146 

7) StoHdesscheibe von Zuy. 0,32 h. ^ 0,22 br. Zwisclien zw«! reiclien K^Dais- 
saoce-Säuten, denen auf Posta oi^iiteii r. ein Trommle^ 1. ein Pfeifer vorgesetzt i^imi, 
atebt in bUuer Landschaft der Ponoertri^er in Hdlm und Panzer. In dem Zwtokel 
1. die heiligen Oüwald iiud Michael. Lluteii: Annoduinini 1501. VollsUudig, etwas Kost. 

8) Bauemscheibe. 0,40 h. X u,30 br. Vor ^Ibem, mit Scbnflreo Terziert^ni 
Damafft stehen die Iwiden Stifter im HumiKcb, die Hellebarde iD der Hand. Im Zwickel 
r. eine Mühte, welcher ein Bauer mit einem Sack zureitet, 1. zwei ^fäaner mit drei 
Pferden, ertttere >eiD8chlagend« (Kossbandel). Am Fnsse zwischen den beiden Stifter- 
Wappen die Intohrift: 

•Bemhart Bruner und Jörg Knecht von Hynwill 1595.« 
Erhaltung gut, einige Nothbleie. 

9) Bauemseheibe. 0,32 h. X 0,20 br. Der Stiller mit der Muskete auf der 
Schulter; ihm gegeniil>er die Frau, den Becher darbietend. Farbloser Hintergi'nnd. In 
dem Zwickel r. Setin, Kühe melkend, 1. Inneres einer Sennhütte. Zn Küssen de^ Stifters 
der Wappenschild imd die .Tahrzabl 1627. Insclinfl: 

»Heinrich St«iner von Kftltbrimneo und Anna NOssliu sin ehfraw.« 
Gut erhalten. IL Angst. 



Die Wandgemälde der Barfüsserkirche in Basel. 

Too Dr. K. A. SiSUiMerg. 

Heute sind es nor noch Bruchstücke, welche von der ausgedehnten malerischen 
Ausstattung der Barfüaserkirche übrig geblieben sind. Nachdem die Gemfilde schon 
frfiber übertüncht worden waren, verwandelte man 1795 die Kirche in ein Salzmagazin, 
was die Decompoüitiou der Stein- und MauerHäclien bo»indcrs in den unteren Bautheilen 
zur Folge hatte. 184i> wurden sodaun die Wände der SeitenscbilTe abgebrochen, wobei 
die viele» einst in den Ürabnischeu angebrachten Gemälde*) für immer verschwandeu. 
1891 endlich gingen die Bilder im Chor (ßvangelistonemblnmo) hei Anlas» der Bin- 
wölbung, sowie die des Triumphbogens durch Abschlagen des Verputzes zu Omode. 
Was übrig geblieben, botindot sich an den Mauern des Hauptschiffes, einiges auch Doch 
in den XelwnaobiffeD. Durch das FJnsetzea von Kalken und Dielenbüden sind auch diesoi 
ßeste arg beschädigt worden, doch gelaug es mit Uilfe des Baudepartements, welches' 
bereitwilligst zwei Arbeiter zur BLoslegung der Wandgemälde uns zur Verfügung stellte, 
dieselben aufzndecken; Hand in Hand mit dem Abkratzen des Verputzes ging die An- 
fertigung von Skizzen, Durchzeichoungen und der nachfolgenden Beschreibung. Zur £^- 
mAglichuug der /.eichueriscben Aufnahmen mussten die Bilder da und dort mit Wasser 
augefeuchtet werden, wodurch sie für den Moment an Frische gewannen und erkennbarer 
wurden. 

An der Innenseite der Fav^denmauer fend sich ein aus 14 gruben Gemälden be- 
stehender Cyklus, zu dessen Veranschaulichuug umstehendes Schema dienen möge. Da 
das grusse Hauptfenstor bekanntlich iiicht in der Mitte der Fa^-ade angebnuilit i.^t, 
so ergab sich links ein schmälerer, rechts ein breiterer Streifen, die auch entsprechend 
ausgenützt wurden, indem der Künstler kleinere, einfache Gruppen und ßinzelßguron link^, 



^) SspMfn, Ai. Die Birftsser-Klosterkirelie. 8. 7. 



147 



*beiv(^tefe oder mebrügarige aber rochts anbrachte. Das 
Fenster selbst ist init einem sandsteiorotben Itaod um- 
malt, aus welchem etwa von Meter lu Met«r grotise 
gothische Krahbon, welche bis hart aa die Figuren der 
Compositiooeu stoeseu, her vorwachsen. Die beiden Zwickel, 
welche rechts und links von der Spitze des Feastera 
entstehen, sind durch rothe», gotbisch durchbrochenes 
Stabwerk mit grüner Durchsicht veniert. Gehen wir 
nun zur Beschreibung der Compositionen, indem wir 
der oben aug^benen Bezifferung folgen, über; wir be- 
ginnen links mit der 

Schmalseite (Nr. 1—7). 

1. SichUnr sind zwei thronende helldrapirtc Figuren, 
deren Köpfe und £xtrentitäteo lenWri sind; auf 
dem Schoosse der Figur zur Linken die dreigetlieilte 
Kugel. 

Dargestellt war die RrOuung Maritu; Maria sitzt zur Kochten tiott Vaters, 
wie auf de« baslcrischcu Sekretsiegetn des XIV. und XV. Jahrhunderts und der 
Coustauzcr Bibl. puup. XXXV. Die Dreilheilting der KugeU welche bei antiken 
Denkmälern auf die drei Welitheile deutet, bezeichnet bei mittelalterlichen Dar- 
stellungen die Dreieinigkeit. 

2. Kaum erkennbar waren eine ^it huig — jetzt sind sie vorschwuiiden — die achlecht 
erhaltenen Köpfe des Ochsen und des Esels. Ks waren die Ileste einer Darstellung 
Tou Christi Geburt , wie sie in der Basler Müusterkrjpta zu sehen ist (Beruoulli 
Taf. II). Denkbar wäre auch eine Anbetung, doch scheint der Platz für eine 
Tielflgurige Seen« zu eng. 

3. Sicbttmr ist derzeit nur ein gelber, roth geflügelter Drache, auf welchem eine 
Figur in weiten Gewändern steht und ihm die Lanze in den Rachen .<it;\sst 

Wahrsoheinlicli der b. Michael; bei dem h. Oeoi-g wäre militärtacho Klei- 
dung zu erwarten, wie an den Chorstublscbnitzoreien von St. I^eonhard und im 
Münster (XV. Jahrhundert). Nach Entfernung des die Figur durchschneidenden 
Bodens kann Weiteres zu Tage treten. 

4. Deutlich erkennbar tat ein rotber Drache mit gellwn Flügeln, auf dem eine schlecht 
erhaltene weibliche Figur steht. Sie ist mit grünem Hock imd hellröthlichem 
Mantel augetlian, ihr bloudea Haar wallt bis zum KUliogeii. Zur liechton dieser 
äestalt Spuren einer weiblichen Heiligen in rotbem Rock und blauem Mantel. 

Die ersten* Heilige ist offenbar Maigaretha, deren Martyrium z. ü. in der 
Uünsterkrypta dargestellt ist. 
b. Out erhalten und deutlich sichtbar sind zwei unter gothischer Architektur stehende 
weibliche Heilige mit blondem Haar, gelben Kronen, weissen Nimben und schwarzen 
spitzigen Schüben. Die Figur zur Linken ist etwas grösser and trägt einen blauen 
Koek und einen rotben, grün gefütterten Mantel; der enge und lange blaue Aermel 
der Linken reicht bis an die Finger und bedeckt die obere HandHacho. Vor dieser 
Figur steht ein nacktes nimbirtes Knäbleiii, das der Heiligen einen gelben nn- 
kenutlichen Gegenstand reicht. Die Heilige zur Hechten ist mit lotbam. &«>w -«sä. 



148 



grünem, roth gefüttertem Mantel bekleidet; sie deutet mit der hmken auf ein nicht 
mehr sichtbares Attribut, das äe auf der rerhollten Rechten trug. Der Äermel 
wie oben. 

Die erste Heilige ist Dorothea, welche auf dem (lange tum Martertod die 
vom Efimmel erbetenen Fracht« b«zw. Blumen erhalt, die ihr ein Eniblein io eiaem 
Körbchen reichte. Das Knähleiri scheint einen einfachen Ntmbuü zu tragen, wAre 
stimit nicht als (>hristuBkind Charakter isirt, vrie dies sonst od der Fall ist. Kci 
der zweiten Ueüigdo erschwert das Fehlen des Attribute eine sichere Iteutung; 
Aoeh die Krone, welche vielen fürstlichen Heiligen wie auch Märtyrerinnen zu- 
tammt, lässt noch grosse Auswahl. Sucht man indeas unter den in Ba.'tel popn- 
lirsten gekrönten Heiligen, so siÄ^ mau auf Barbara. [>)ese kommt, wie hier, 
mit Dorothea zusammengestellt, vor: 90 auf einem Wandgemälde der Xiklauskapelle 
beim Münster, copirt von BQchel (Mßnsterhuch IT, S. 6S), auf Ola-sgemilden der 
Karthauä (Anx. 1891. 3. 4S4, Nr. 2 und 3) m Basel XV. Jalirh. und anderwärts. 

Diese Deutung wird femer wahrscheinliob, «eil die Heilige wie dort die 
linke Hwd verhüllt hat. was auf die Heiligkeit des aDge&iSät«n Atlribati weist. 
Das stabile Attribut der hl. Barbara ist mm aber die Hiistie, deren einstiges Vor- 
handensein auf unserem Wandgemälde auch rftumlich sehr wohl anzunehmeQ ist, 
wäJirend fäv einen Kelch,*) Schwert oder Thurm, der Umbog der Locke ku klein 
ist. Die Zusaramenstfillung zweier altohristltchor Jungfrauen und Märtyrerinnon itit 
schon von roniberein wahrscheinlicher als die Combination iKirötheas mit eiuer 
mittelalterlichen Heiligen (in Betracht k&men etwa die hll. Clara und Elisabeth); 
vergl. auch St. 12, wo e)>en^lls zwei altcbristliche Heilige zusammen grnppirt ^inil. 
ti. Out erhalten zeigt sich in gotbiscbem InUirieur, dessen tiach« Decke mit grüuem 
Kaat«n-Muster vertiert ist, ein jugendlicher nimbirter Reiter in grünem Itock und 
rothem Mantel. Der hellgrüne Schimmel geht im Schritt nach rechts; der lieiter 
wendet den Ko|rf xurück und zertbeilt mit der Linken (34)) seinen Maiit«!, dessen 
unterer Zipfel von einem kauernden bilrtig4>n ~ und wie e« scheint nackten — 
Krüppel mit der Linken angeäutt wird. Wir bab«a hier eine hübeohe Darstellung 
des b. Martin, des uäobst Maria und Petrus in den occideotalischen LAnilerri 
römixher Oittur meist verehrten Heiligen, dessen Darstellungeii auch in Basel 
biulig Innren (Wandgemälde der Münsterkrypta, Statue der Mücaterfavade, Wand- 
gemllde der N'ikotauskapellc, (ilasgemälde der Karthaus u. a. w.; jedenfatis auch 
ehem. in der Martinskirche). Auffallend ist bei iineerm Bilde, dass der Heilige 
mit dem linken Arm das Schwert führt und der Bettler mit der Linken zugreift, 
w&hrend sonst auf allen Darstellungen diese Functionen dem rechten Arm xukom- 
men (Gercy, Bou^es, Chartres, Angers, Ängouleme. Surgeres, Lucca, und auf 
unzfihligan Siegeln, Hol/schnitten und Wandgenilldcn scbweiiceriiwber und aiuillLu- 
discber Heister). KrkUren kann man diese Verwechslung der Armfunctioneji nur 
mit der Annahme, unser Basler Künstler habe eine andere Darstellung kupirt uad 
Ewar, da das Pferd gegen die Mitte der Wand imd nicht gegen die Bcke schaiieu 
oiuaste, als verkehrtM Spiegelbild. Dieses Detail legt für die Originalität und 
KOmwu unseres Meisters nicht gerade «n güosUgee Zougnias ab. 

*y Okr6tit, mit KekJi, darflber Uottte, wnr UarbaLra Ketsalt in der ebetn. Kapelle ÜH Btirl 
^i^Atig^icätsbofni &>p. roll Uib» 18t9, Bibl. Kalkefi. n. GC. «. 



Ii9 



7. Durchaus nersWrte Darstellung; der Verpiite ist in Fnlge der Salzein wirkong ganz 
Mr&eSMQ und abgebröckelt. 

Breitseite (Nr. S— 14). 

B. Sehr gut erhalten ein knieender Engel, mit v<^lleni, hlondem >lanr, nimhirt, mit 
grünem und rotbom Flfigol, in einem grünen Hock wid einem rotheu, blau gefütterteu 
Mantel. Gr erhebt die Linke, deren Finger zerstört sind, verkündigend gegen 
eine sitzende Figur. Letztere ist ganz ^^rstort, sichtbar »ind nur noch der 
erhobene rechte Arm mit rothem AcrroeU sowie Keste des blau und gelben Ge- 
wandes und die ^elbtm Lehnen d&i Thrones. Zwischen beiden Gestalten steht eiu 
hoher Topf, darin eine steife Lilieayflaiu» mit drei Blumen. 
VerkflndiguDg Marin. « 

&. Sichtbar nur die nftchst dem Fenster übende Riiasorste Figiir; sie trftgt don Ximhus 
und lange» blondes Haar, rothea Kock und blauen Mantel; die Linke deutet vor 
der ßruat nach rechts aufwftrts, der rechte Pubs ist nack't, der linke nicht mebr 
sichtbar; über der Figur eine Zinnenmaaer. 

Wenn die Figur weiblichen Geschlechts Ist, so kannte man an Maria lie/w. 
die DaTitellung im Tempel denken, welche Soeoe vortrefMich zu den vier obersten 
Bildern (VerkOndigung 8, Geburt Christi 2, nnd Heimsuchung 10, Mariie Krönung 1) 
als dritte» Bild aozunehmeu w&re. Doch scheint mir die Gestalt so stark an 
Johannes Evangeliäta m erinnern, dasa loh eine Deutung der Composition einstweilen 
lieber imterlasse. 

10. Sichtliar, aber vom Dielenboden durchschnitten, xwei dicht vor einander slehend<: 
weibliche Heilige in langen schlepi>6udeu OewäDderu; die linke t^gur trägt einen 
blauen Hock und einen roten, gelb gefütterten Mantel, die rechts einen rotben Hock 
und blauen Mantel. 

Heimsuchung. 

11. [Tnter dreitheiligem mit Krabben besetztem Kielbogen stehen zwei sich tugewandte 
niiUintiche Heilige. Derjenige links ist blondhaarig und -bärtig und trftgt rothcn 
Rock und grOuen weiss (?) gefötterteii Mtintcl; die Linke zeigt gegen den Mund, 
die verhüllte Hechte halt ein unkenntUches Attribut. Die grau- oder blautwlrtigc 
Gestalt rechts ist mit blauem H^wk und weissem, grün gefüttertem Mantel augetban. 
Auf der verhüllten Linken trfigt sie ein strahlendes Herz auf einem schwer er- 
kennbaren Gegenstand. 

Die zweite Figur könnte als Antonius von Padua, der mit Beziehung auf die 
bekannte Geschichte (Cabier L'aracl^ristir|ues des Saints 284) das Herz auf dem 
Oelde trägt, gedeutet werden; doch ist aufTallend, dass der Franzi scanerheilige, 
dessen Darstellung in der Itarfrisserkirche sehr wohl möglich ist, nicht im Ordens- 
habit enfcheiut. 

12. Unter rundbogigem grauem Bogen sind zwei heilige Diakoue sichtbar, derjenige 
links im rothen Ober- und weisspti Untergewand halt ein blaues Kost in der Hechten 
und den Palrazweig in der Linken; sein Haar ist blond. Die Gestalt zur Hechten^ 
ebenfalls blund, trägt drei Steine auf dem Kopf; sein Obergowand i»t blau, vom einen 
Attribut (dem l'alrazwnig) noch Spuren, vom andern (dem Stein) nicht« mebr sichtl>ar. 

Wir haben hier eine Zii-^ammeiiälelluag der beiden violverohrten Kr7.diak<>ue, 
dM h, Laureutius und de» b. rritumartjrs Stepbanuti vor uaa; ebenfalls zusammen- 



150 



M 



gBsiellt kommeD sie aaf deu CtiorHuhkn zu St. Peter und aaf Glaagoiftldai der 
Kartfaaus (Auz. 18P0, S. 370) mit denselben Altribut«u vor. Als tltehrisUiclie 
Märtyrer bilden diese beiden Heiligen da^ Oegenstück zu JJnrotliea nnd Barbara, (Nr. 5). 

13. Sebr »cbleclit erhalten und schwer erkennbar ein weisses nach links gewendetes 
Pferd (oder Maultliier?), das auf die Vurderkniee niederaWrzt. Der bärtige Iteiter 
mit blanem I>eibrix;k und Aermeln ßUt vornüber; sein rother, grün gefütterter 
Mantel flattert io der Luft. Der Kopf tst merkwürdig verdreht und schaut über 
die linke Schulter zurück, der ausgestreckte linke Aru greift in's Leere. Vor dem 
tteiter zwei leere gewundene BaQdrollet). 

In der Lage dieses lEeitens kommt Prncopius Marter (8. Juli, Henolog. gr. 

III, 158) vor, indess gehM dies^ vorwiegend der griecliiachen Kirche, die ihn als 

Megalnmartyr verehrt, au. L'user Bild stellt zweifelsohne aber die Bekehrung Pauli 

I (.\[).-Gescb. 9, :1 IT.) dar. Saulua trägt hier als Christen Verfolger noch nicht den 

'/ Nimbus. Im (iegenaatx zu Petrus, sind Scenen aus Pauli Leben sehr selten (Kraus 

' S. 601). Auch von der Bekehruug sind mir nur wenige Bilder t>ekamit, so die 

&rbigu liandzeichnung eines Basier Meisters des XVL Jahrh. (Museum Basel) und 

der in Ba$eU Xacbbarschaft eutstaudeue Uolzachoitt Balduugs (B. 33). Die Baod- 

rollen unseres Bildes sind leer, wie auf dem Stich Pass, IM, 157, 110. Das 

gauze Keit«rbild stellte das (fegenstöck zu dem h. Martin zu Pferd (Nr, 6) dar, 

die Seiten correspündirten also wie bei Nr. 5 und 12. 

14. Siebtbar ist nur nocb der oberste Tbeil des (lemäldes, d. h. drei scblecbt erhaltene 
Köpfe. Links zwei blondhaarige tonsurirte Heilige, rechts eiu blauhaariger und 
-blrtiger Abt in dunkelgrauem Kleid, der oioen woisäen^ oben mit bUiuem l^u 
gezierten Stab trügt. 

Der letztgenannte gibt sich als h. Antonius , Vater des Mönchwesens 
zu erkennen; einer der andern beiden Heiligen mag Leouhard sein, dem in Basel 
eine Kirche geweiht war und der auf (ila^gemülden neben Antonius vorkommt 
(Auz. 1890, 8. 372). (ScU« fülgM 



3f. 

Bericht über die Auffindung von Wandgemälden im Hause „Zum Pflug" in Basel. 

{Taf. X) 

Am 19. Mai IS02 kam die Nachricht, dass in einem Zimmer des im Abbruch 
begriffenen Hauses *zum Pflug« an der FrcicnstnL^^; Wandgemälde zum Vorschein 
gekommen seieu. ßs wurde sofort das Möglichste zur Blosslegung der Bilder gelban. föu 
Angestellter vou Um. Maler Baur lauste die haupt'^blichsten Stücke. Die Maasse der 
WjUide wurden aufgenommen, die In!«brifteu abgeschrieben. Am folgenden Morgen 
beabüirhtigte Dr. E. A. StÜckolberg noch eioe photogniphische Aufnahme und eine 
Parbenskizze zu macheu; als er jedoch erscliieu, waren, entg^en der Abrede, die Maueru 
bereits zum grössten Theile niodergeri^spu. 

Aus den genannten Pausen und Moossiiifnabmen sind die beiliegenden Zeichnungen 
XttsammengftstelJt worden, welchen wir noch folgende Notizen beifügen: 

SituatUm. Des Haus »zum PHug«. des.sen Parade an der Preienstraase circa 

20 m. maass, war augenscheinlich aus drei ursprünglich getrennten Häusern zusammeo- 

[^w^ji. Znei ScJieidmauem, die sich, obwohl vielfach durchbrochen, durch das ganze 



151 



Vorderhaus hindurch verfolgen liesEen, und xv6i ihn«n ent^recheode Brficbe in der 
FafadcntlucUt ta.'^en darüber keinen Zweifel. Im mittlem der drei ursprüuglicbeu 
Häuser be&nd sich im zweiten Stock das Zimmer mit den Qemäld«ii. 

Erhaliung. Die Malereien waren durchweg mit einer 1 bis 2 cm. starken Gipü- 
scbicht überdeckt, auf welcher tapezirt war, und die sich verhältnissmls'iig leicht 
abl6wD lioas. An einigen Stellen war allerdin^ auch der Pntzgrund der Malerei be- 
schAdigt nnd auf^ediokt. Boden- und Deckcngebdlke bgon anscheinend noch an der 
gleichen Stelle, wie znr Zeit der Eutstehuog der Waudmalereieo. Das Zimmer hatte 
eine Gipsdecke mit ringsum gehender Hohlkehle, welche etwa ans der Mitto dei> vorigen 
Jahrhunderts stammen mochte. Oberhalb des (HpapUfond^ zeigten .^lich die Teberreste 
mmx älteren Decke, deren Oecoration. wahrscheinlich aus derselben Zeit stammte, wie 
die Wandmalereien. Ka war rine Holideck*^ welrhe das OehÄlk sichtbar Hesä nnd mit 
weissen Itenaissancc-Ornamcnti^n (Ranken) anf schwarzem Grunde bemalt war, ähnlich 
denen, diu im benachbarten llauäe >zum Kosenteid« zum Vorschein kamen.') 

ßeschrcihmg. Wir schicken voraus, dass wir von der Wand I (Hinterwand) 
nichts aufnehmen konnten als zwei iDsobriften. Die Wand bestand aus Kiegelwerk und 
lag bereits auf dem Boden der Laube, als wir dazu kamen. Es liess sich auch nicht 
mehr constatiren, wie viel Thür- nnd Fenater-Oeffnungen sie ursprünglich gehabt hatte. 
Alles, was noch einigermaassen an einander hielt, bestand aus zwei etwa 80 cm. breiten 
Riegel fü II uitgen, auf deren l>ereits vielfach zerbröckeltem Verputz die beiden Inschriften 
7.11 erkennen waren, va Ümrahmnngen von ahnlicher Form, wie die an der Wand H 
theilweis« abgezeichnete. Die Art der gothischen Minuskel- Buchstaben ist ebenfalls aui 
der Tafel bei H zu erkennen. Die Inachriften lauteten: (Tafel linker Hand:) tDv aolst 
ob dinem esen | der gnoden gotes nitt | fergesen.« (Tafel rechter Hand:) »So du wilt 
vff stou I von dinem disch dem I Heren dancken nit ver- | giss« 

Von den Übrigen drei Wänden ist zunächst inagemein Poljj^ndee zu sagen : Der 
Grundton der WaiidflOchen war pergamentfarben. Ringsum unter der Decke, sowie in 
den vier Ecken lief eine zwei&che B<»rdüre, aussen circa 8 cm brannroth, daneben etwa 
8 cm. schwarz. Ob eine ebensolche sieb auch dem Boden entlang zog, konnte nicht cdnsta- 
tirt werden; indessen lic&sen sich die Bordüren in den Kcken, sowie die ähnlichen 
dchmftlem an den Fenster- und Tbürgewänden bis nahe auf den Boden hinunter ver- 
folgen, sodass ein alUalliger (hölzerner oder gemalter) Wandsockel jedenfalls nur sehr 
niedrig gewesen sein k5nnte. Allen drei Wänden gemeinsam war sodann die Folge von 
(iuirlanden, die, nach dem Muster der an den Stellen A — K abgezeichneten, um das 
ganze Zimmer ging. 

An der Wand K war, ansser diesen Gnirlanden, fast nichts mehr zu erkennen. 
Beim Abbruch der Mauer kam das Gewflndo einer vermauert gewesenen Thür zum Vor- 
schein. Gs liess sich jedoch nicht mehr feststellen, ob dieselbe älter oder jünger war 
alfl die Wandmalerei, 

Die Compo3ition an der Fensterwand A— E erhellt am Deullichsteo los der 
Zeichnung. An der Wand A war eine Tafel, ähnlich den bei H und I ; ihre Ffltlnng 
(innerhalb dos llahmens) war 74 cm. breit und .S4 cm. hoch, und lag mit der Unt«r- 

*) Die treb«rre*lo ctfornmenulrr WuidKeiDalde in dem jcUl «ocli aligehrocbvnea Hau> zum 
ftMenfetd (Freie Struse 4(\) d«ut«t(Mi laut goiifier Miub«ilaDg ron Prof. Stahu auf dta Anfftog de« 
XVL J»brhuDdertj. 





it« ICH cm. über dem Fuxsboden. Die etwas iK^sohädi^to loschrin lautete: ipr ml 
an li'^bend eiwere wilicr glich wie | [CbriJ stus ^reliept Imt die gemeind und | hat sich 
selber fir sy geben uff das er | sy heiligete. Epbes.. [fehlen iwei Buchatabeu] V CAP.« 
Von dem Wappen in dem Schilde an dem mittlem Wandpfeiler gehört da» zweit« 
und dritt« Feld mit den beiden menschlichen ßumpfen der Familie Nacbpnr an, das andre 
mit der Hausmarkn ist bis jetzt nicht ermittelt, Hodet sich aber wieder am Triumph- 
Uogen der St. Leonhardskirche.') Dm Kleinod zagt die Kombination des mannlichen 
und des weiblichen Schildbildea. Unter dem Wappenschild lOg sieb, in einer flöhe von 
178 cm. (Oberk.int) über dem Boden eine scltwan und rothe Bordüre von einem Ken4er 
zam andern. Fa ist dies die einiige Stelle, wo sich eine solche horizontale Gliederung 
in halber Hohe der Wand zeigte. Hit dieser Lintheilung ist wohl in Zusammenhang 
zu bringen, dass in der Mauerdicke hinter dem Wappenschild ein Rauchkanal zum Vor- 
schein kam. Ohne Zweifel war unterhalb des Wappenschildee ehemalü ein frantdslscher 
Kamin angebracht. 

In der Wand FG H zeigte sich das Gewände der ehemaligen Thflr, welche eine 
etwas andre Stelle eiunahm, aU die zuletzt daselbst beäudliche. Ihre Situation tat aus 
der Zeichnung (Orundriss) ersichtlich. An der Stelle H kam eine Inschrift-Tafel mit 
folgendem Spruch zum Vorschein: *Jr sollend och nit schätz samlen äff er- | den da 
die dieb nochgrabend und stelen | samlond euch aber [schätz imj himel | da 8> weder 
r08[t noch mottj on fres- | ent dan w[ii eiwer schätz ist da i»t o]ch | eiwer ber[z. 
Mfltth. cap.] VI. 

Ob an den WandQäcben E F und K ebenfalls solche Tafeln angebracht waren, dar- 
über lia^s sich weder in bejahendem noch in verucinendem Sinne etwas «dtrheres constatiren. 

Wir heben au^rücklich hervor, dass sich weder an den Fenstern noch an der 
TbümiMh«^ irgend Rtwa.i von Holzverkleidung vcirfand ; die Gewände waren i'erputzt 
lind wie die Wände des Zimmers mit rothca und schwarzen Bordüren umbändert. Au 
deu Fläcben der Stiebbogen über den Fensterniächeo war überdies iu der Alitte ein 
marmorirtes Medaillon und an den Enden eine Art von Ranken- mlor Bandomamont 
zu sehen. 

Die Maleroi datirt, wie die Jahrzahl oberhalb des linken Fensters ausweist, aus 
dem Jahre 1'540. Spuren, weli^he auf den Nomen des ausfahrenden M<'iäters hindiMitetoo, 
waren nicht zu entdecken; doch mag darauf verwiesen werden, dass zwei Kandzeicb- 
DUOgen des h^äscliischi^u Museums No. 75 nud Xo. 108 (lotztere datirt 1530} eine et- 
welche Vnrwandtacltafl mit unseren Wandgemälden zeigen. 

^uren iUterer MtUeni. Unter der beschriebenen Malerei waren an den beiden 
Scheidemauern FG U und K die deutlichen Spuren einer noch früheren Bomalung zu Itc- 
merkcQ. Die bemalte Fläche der altera Schicht reichte aber sowohl seitlich als in der 
Hübe weiter als in der zweiten Periode. Die Feosterfrout A— B war eraicbtlicberweise 
erst nachträglich zwi^hen die beiden Scheidemauern eiogcnetzt worden. Sowohl Verputz 
als Farbe der altern Malerei reichten durch die Dicke der Fenstermauer hindurch. Die 
frühere Fenstermauer scheint daher über die Flucht der untern Fayade vorgesetzt ge- 
wesen zu sein, ßbeuso ging au der biutern Seite Verputz und Farbe der Scheidemaaero 



'j DsiB du IIiui zBOi PQug in ZioibexieliUDgen lu St. Leonfaknl lUnd, lebt aui Urlcuuilrn 
ttt tuitit Su&u*r£hiTB b»Tor: fBr die Zelt In der anscre Wiodgemilde titutudcn sind, fahlea 
■iodlim» arättoiiJichü belegt. 



p 



iurch die Dicke der Wanil I hindurch; m musa also hier entweder die Ltube ehemals 
zum Zimmor gehört liahen. oiier au Stelle der Laube ebeuralls wie an der Vorder- 
seite, ein aogenaonter (leberhaug vorhanden gewesen sein. Ceberdie« aber reichten die 
Sparen der Jlltern Malerei an den Scheidemauern bedeutend über das Deckengebalk und 
über die oben erwähnte rothe und schwarze Bordüre hinauf und weit in den Dachraum 
hinein. Der Gegenstand dit»er untern Malerei bestand an beiden Mauern iu» einer sehr 
phantastischen Architektur mit allegorischen Figuren. 

An der Wand K liessen sich noch die Linien eines Bauwerkes erkennen, welches 
dem Beschauer die eine i:)cke Euwondete. Auf der rechten Seite sah man den untern 
Theil einer bekleideten Figur, welche auf der Kante des Bauwerkes 7u stehen schien. 
Zu ihren Füssen war etwas wie eine Steintafel, auf welcher anverstindUche Zeichen 
standen. Der obere Theil der Figur ragte Über das Dockengeb&lk empor und war be- 
reits abgebrochen, als wir dazu kamen. 

An der Wand F G H waren die erbalteuen Hesie nicht weniger phantastisch. 
Ganz linkä in der Gcke stand etwas wie eiu Pitaster mit einem Kapital- oder Qenms- 
stnek darauf; dann aber ging von links unten nach rechts oben eine Treppe, mit Stufen 
Ton etwa 4ü cm. Höhe, uud zwar in der eigen thümUchen Perspektive, daäs die Vorder- 
kanten der sAmmtlichen aufeinanderfolgenden Stufen in eine Linie fielen. An der Vorder- 
flache einer der Stufen standen die Buchstaben OHll'M. Zu vorderst auf dieser Stufe 
lag eine Kugel, uud auf dieser .-stand eine Figur mit kurzem Gewand (FoHuna). Die 
Bordüre der spätem Malerei ging durch die Knöchel der Figur. Der Oberkörper derselben 
war nicht mehr vorbanden. Zu äusserst rechts war wieder eine Art Pilaster oder dgL 

Die ganze altere Malerei .ichiea, im Vergleich zur jungern, aua etwas düstem, 

grauen und bräunlichen Tönen zusammengesetzt- 

• 
Die Durcbneichnungeii. von denen einige hier in photographiscber durch Dr. Stftckel- 

berg hergustellter Verkläinsriing wiedergi^heti sind, umfassen aui»er dieseu noch eiae 

Tbürumralimung (au der Wand FG H) uud eine Kartouche mit Schriftprobe. Sie sind 

den Archiv der »Historisch-antiquarischen Gesellschaft« überleben worden. — n. 

XJUeinure Na,uhx*i echten« 

Zu^iimmeugpstellt tod Cmi Jtrun. 

Biifll. [Jeber ilie bauljcheo Veraodi?ruDgeu in der McrUiiftkircbe nn«l BarfQSMrktrche vgl. 
»Ällß. Schw -Ztjt.« » r>. AugT Nr. 181, In der MartinJiirche «tiew ihm »uf eine Reih«' »mi Grtibern. 
Die Hitipletitiihlc der Kircbe wurdoo in die BarfDBBerkircbe ^bncfai, wo *ie nunmefar im Chore 
lafgestellt sind Aneb in der Uarf&aserbirfthe «urdMi Sarge AufgfdKkt. Kt fandco aJcb oocb Rmu* 
von hLrbiftem Tuch vor. 

SitelUnd. In der Hart bei S(Ateeit^haIl itt der Kuod einer rOiniicbeu Wart« lu vencicbBen 
(»A]]«. Scbw. Zig.«. Nr. 177). 

Bern. Bei Car^ai'. im vorderen Sr/iflMhaU, tind 95 äilbermOneui remiachen Unprungs ant- 
Sefrabeo worden. Die meiatea wigea dait UildDise Veiputuia (>Z. TsEbl.« v. '^3 Juli. Nr. 173] — 
An aalfaropologiaeheo Conjcreste in Ulm liefert« Vircho« doo Nacbweii, dua die ur&bischni Ziffern 
im Canlom Brri* acboD im 13. and 12. Jidirbundert bektoDt )!«weseD aeien (I I V Red.) (»M. Z.<Ztg.« 
V. 19. Aag.). 

Qeiil. lü einer ill^ble dei Moni Saiha atieagen Arbeiter auf eise Vue mii etwa 1&00 Silbw- 
mdnzen uii dem elften JabrhiinderL Dieselben tmgeQ das UÜduias des Biacbofs Friedrieb von Genf. 
Vi«le TOD diesen Mllnien fielen leider der FabrlMtifckeit zum Opfer uud wurden fOr 1 Fr., apäter ffir 
4 Fr. du Stock von Hud xu Hand verkaufe (*Z. Tagbl.« v. ^2. Aug., Nr. 108). 

filirua. In der »M. OL Ztg< bericbtet FriTatdoiwit J. Ueierli aber i^odadbK ^<^AsuS9tgc««^> 



I 



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«<lefae auf dem di« Ebroc sviscbea Walen- und Zarieli8(e uoil i*B lAalibaX beberncbenileR ttiberU- 
kopf |:«fuBdeD word«u mmx (>N. Z.-Zt«; < v. t>. S«pl., Nr. 2-V>, Bl. 1) 

GrtiibDndtn. Dpii fnvä'smi Tburm der St. JohaniuAireiu bei Cderina (vgl »Ade.« 1882, 8. 881] 
deateo ob«n Thcilc miL EJuttura droben, will Herr lograieur MarUn Bms auf wiuc K«bu-u wieder-^ 
^IwrEtellen taascn R. 

Luani. Am 19. Ücpi. kam io W>lli»an die AntiqnilStfagantmlBaf «on Caiimir UAbkr zur 
Vemclgening. Sie eaUiielt Keiamistbes. Ziun- und KupferwaareD, Ubm, Wallten, Monieo, MAbcIa, 
Hilb^rwuren ptc (»N Z-Ztg.> t. 4. SepL. Kr. S48). 

Schaflhiusvfl. In der >N. Z.-Ztg.« t. 4. AaR. (Nr. 2\7, 61. 1) berichtet Herr M. Ober ^ne Nadi- 
grabong in sog. Srhifftxfrbild, wo [)r Näeacb ein« Wobottilt« di^r Bevohuer der Heanthienteil 
geroodn bat. Lieber der FuniiBchicht der Renntbierzeit eind Gräbi^r auH der Steitizcit mit Scbmack- 
gegeDBtSnden sum Vortcheia gckominen. Die FundiUtle ibL jedem unzuRünglicb, der nicht besondere 
Krlnaboisa bat, sie eu beaicbügCD. Uao bufft. die Nacbgrabuu^eu mit UOlfe des Uundes, cuiter der 
OberleiiDQg der >Scbw. Ceaelltcb. f. Erb. biM. Kunatdenkm&ler« ForlgLt»!! zu köuuon Am anthropo- 
lofOKtittD Cougresse in Vbn hielt Dr. NOetch Ober die beKODoenea Nncbgrabun gea aaf »ticbweixvrbild« 
einea latereBUDteo Vortrag (»N. Z-Ztg.< r. 19. Aog-). — Am b und 4. Sept. fand id Jtuteiun die 
Versteigeruog der Samuiluui! des Uurra J. Stadler statt Die Sammluiig «nlbiell Möbeln, Waffen 
iManzeu. Pontellane, ürkundeu und zwei Wiatrrtharer OefeD tob Pfafi, meistans OegeDStiode SebatF- 
bauaertscbea uud Zflrcberiicheu Drspruugs (»N. Z.-Ztg.« v. 2. SepL, Nr. 'J40, Bl. l). S. des illuitrirteu 
Katalog TOD n MpSEÜcoramcr. 

Tessin. Die Regieruujc boacblosi. die drei SchlAuer uod die allen Ilefesl't^ungeo von HrHin^onn 
rMlaurieren t.ii laiiseit (»Z. Tagbl.* t. 23. Aag-, Nr löf), — Ruhm »Miitelaltt'rlichc KiiDStdi'Dkmlllcr 
des CaatoaH Testtint werden im Au^age der Teisiitiicbeo Regierang laut >Liber1k* von K Potnettn 
Ün lulieniscbe alierseut [>N. Z.-Ztg.* t. 4. Sept, M. 2ii}. 

Waadt. Die .Gazette de I^aaaBue" vom ti. Jnli 1992 bringt aus der Foder des üerro Julee 
Mdllet eiu«n Hericbt Qber die ueuesteo FuDde wua .CoIokd;'* zwischen Cheteaux und Morreni. 
dfiBsen Inhalt die Leser unseres Ulattes imereacüren dbrfte. Wir erlauben uns desshalb die wich- 
tigsten Tbeile desselbeu in Folgendem «icderaugebeo: ZwiKbeo Cbeeeaux und Uorreot liegt ein 
kleines Ptateau. welches (Vflber den Namen .Cologuy" <vennutblicb tod f.'oloitia) fohrte. Heute wird 
nur noch eine am dQdeude diesea Plateau's liegende Kiesgrube «o bouantit, im Uebrigeu beistt das 
Lokal jetzt „Lea Tcrnes.* Jeden Winter werden einzelne Partien dieses Plateau's durch dcss>>u 
GraDdaigsnthflmer umgegritbirD. tlieil« um die Stoin« de« ücb dort vorfittdeudeu rOtuiicbeo Uctu&uera 
KU gewinnen, tbeila um durch ZcntArang dieser Haueru den lioden frucbtbanir eu oiachen. Diese 
Leute warfen bis Yor kurur Keit die meist«i Fundatflcke weg. UOchsteus etwas besonders Auffal- 
lendes warde aufgehoben und gclegeotlreh verschenkt oder Tcrkauft Im Herbat« lä91 kam Herr 
Hellet Hieb ,Les Vernes' and betbeiligte sieb bei den UmgrabaogBarbeiteo. Ea gelang ihm eine 
grosse Anzahl intereasaater Objecto und Fragment« von aolcheu zu sammelo. Dieselben geboren 
Bowobl der Torrdmigcbea, als der rftmischen Periode au. Zu enteren zählt ein Fragment eines 
pollrten Serpeutinbeilcsi aJiuiicbfl Beile sollen schon fi-aber gefunden wurden scini ferner oiu leichtes, 
flache« firontearmband. welches ein Stock eines Oberarmknocbens arntchloss. llieher gebAren auch 
eine grosae Uroge Üef&ssscLi^rbeD au>i grauem, scbwacb gebnuintem TLun, dcrtn Oroatneutik und 
Structur detyenigeu der Pfahlbiintengefis»)? von Koseaux bei Morges ähnlich sind. Eine zweite 
Uruppc von FundobjecceD besteht, nach H. Mellet, aus den Erxeiiguissen der Urbevölkerung des 
Landet, zur Zeit der Rfimerherrscbaft. Sic bilden den Uebergang fwischeo dea eben beacbriebenco und 
den eigentlich römischen Artefacteo. Di« Htihrsabl der Kundstacke besteht aus Fragmenten von 
Thongefäsaeo. deren Form meist eine trcwisse Eleganz scigt. Als Material wird, je nach den 
Zwecke d«a tientssc«, grober oder fetner Tbou verwendet, aacb der Urand dieser Oefasae ist ein 
weai-ntlieh vollkommenerer Man flodet solche von grauer, schwarzer, rotber und gelblicher Farbe. 
Ihr Schmuck besteht uieioten« kus puu'rtirtBn, hie und da auch aas erhabenen Oruaiueuteo. Herr 
Mellet war so glocklich, di« Brnchatocke zweier grosser dickbäuchiger Krage aufzufinden, von welchen 
einer faii vollständig recoustruirt werden konnte- Ferner fand er zwei Ampfaorenbsis« und ein« 
ziemlich grosse /.ab! BruchstQcke von Krttgen, Scbaezcln. Tollern, Tbpfen etc. Ausserdem beschreibt 
«r sehr ausfohrlicb «in« Art Töpfe, welche ausaen die Form eine» alige^luinpfteci, nach unten sich 
'os/a/igvode/i Hf^ÜB, inwendig diejenige einer Halbkugel haben nnd ebenda mittelst den Thon bei- 



Hcnii>Dgt«r QuKTxkftraer ntah Keniiirht «01! S&mnitliclie Tbpte ilicwr Arl halten tlaen nub aUMO 
ttb^eboeenni], wuUifivrmigeii (Uad und einen Aii»gu»i Krstrrer 1» otl niil ciupm raalMRlmifren 
ürwinieote. oft kuch mit «iner Töpferroarkc paiert. Wir wollen uns. d» wir die fragliclK-n üefftwo 
nicht ■«tltsi gesehen h^bMi, kftio end(;flltij(eii Unheil crlsohen, köunoD »her nicht uoierlMteB. die 
VermathuaK itutEU(|in!ch«a, diu» bloit die itnuca and »cbwarzea GefXsse uud «od ilicMii nitr die- 
jenigen mit tiogegraltenen (ponctirum) OmamiMii^^n gkllo-römiKbeD I^rspningg »eio dflrftcD Alle 
nodern l&xireo wir &!■ Krabe, römische TOpferwaare Bb gilt di«s oammtltch von den Amphori* 
bktsPii Diid dea sulext h^uhrleheaeo Schalen mit TfipfcrBtemp^l, welche oosorer Au»icbt nach nicht« 
acderoB als Rciliirlialrn Mod. wie »olrbv iu der Oetschweiz io ji^der rfiminchcD Station gefuiidea wenicD 
AI» tiüentliiih rßiaisclie (Jeffts«« werden von Herrn Mcllct auffalUnler Weise nur di<-jenigpu au« terra 
algillaia uuürt. Von sükheo fand «r: eine batweb« Triokschak' mit Fuia und Henkel, Frapnciur «oa 
ScbauclD and Tellfirn jeder Griisse. Biminllich roh dem bekanotea WasserlaabofDament, (weichet mit dei 
ThooapHtxe »rzeugt wurde), getierL Kerner tend er zahlreiche, aber meistons kleine Fragneote too 
Terra eigillsta-ScbaaleB cnii deo gewAholicbeD RelicrdHnielliioRea von Jagden. TbierkJunpfpo aod Aebo- 
llchem.. Fünf KragmeotcTooOefaaiWVlentragendieTöpfernampn: FELICITER.F.COIVS K.XANTlir, 
SECVNDCus) und VARA Ein UauptfimdstOck iat ein eiförmiüM GefU» too O.'ü m. Il4be und 0.2<J m, 
OurthmcHter. von drm llr. Mellet 95 BruchBtQcke auffand. Es gelang ibm von dieteD 62 StOcko witnler 
xusataineiDcuäelzeD. Das defSss ist auf eeiuer Ausienseite mit einer Anzahl Reüein ceiierl Hie 
Hellen einen siUetiden llerkales mit Keule, eine Pomona oder Ceres mit dem FaUboru Qud den 
Laokoon im Kampfe mit den IkhiaDgeo dar. Jedes dieier Reliefs ist «od einer Wcioranke iimgebcD- 
Dan nefJUs iteigt einige Abweichungen in »einer C^nslruction gege-ntiber den andoru FundKtOckcn 
l->st«tis ist r« nach oben gewölbt, itatt Bach abzuschlieuea, und sodann scheinen »eine Reliefs uud 
Rankenoraamente besonders pefonnt uod dann auf das (ieAas aufgeheftet worden zu sein AirsaeN 
dem wurdeD zaLlreichP Objecte von Eisen aufgefundi^n. Die meisten derselben behoden sich jedoch 
in eluGin so seblecbten Zustande, dmse sich ihre Form kaum mehr erkennen liess. Uahin gebaren 
drei LanKcnspitteii, ein Thflrbescbl&Kl^aBd von 1,'iü m. [jSnge, ein Arm oioos Signums, ein Auflikng' 
haken aus einem Pfürdeiiall (beide leUlere älOcke sclieinen etwas fraglicfa), ein stark abgenutzU*« 
Uafeisen, zw^m eiserne (ilAdccheo. i^iii ächloasblecb mit Schliesse und zwei andere Sdtlossbentnal* 
tbeile. AuBscnlen fand er eine Masse Nägel tod allen behaunien Arten und Kormäo Selten wsreo 
dagegen die Bronzoobjocte Herr MelJet fand bloss eine kleine, mit eoacecu-iacbeo Kreisen ge- 
Bchnackle Zierscheibe und einige Nadelf raRmeote AuBierdem sind uocb einige Glaafragmeuie. 
einige Stacke Hlei und eine Auslerschnnle zu erwAhnco l'nter den autgefund<-nen UebXudetbeilen 
sind uennenswertb : Zwei SSulentrommeln ans Jurakalk, Fragmente von weissem Marmor, ein Stück 
Hoeaik- Zwei LHäteniie^l, Ton denen einer 0,65 m. lang und 0,40 m. breit ist, ein Hohlziegel und 
ein kreisfirmiKer ätuiu einer Uypokausislulc. Eadlicb beachrcibt Herr Melle! noch einen kleteeo 
oteI geformten Ileukelkniti Ton 0,*A> m. IljVhe und <i.1ä ra. Darcbmesser aus braunem Steingut, eioera 
Material, aus welchem beute uocb am Rheine Uefkssv hergestelU werden Auf d^maelben sind 00 
relief, in trefflicher Zeichnung vier B&ren. zwei Hirsche, zwei Hirschkühe, eiu üuud und zwei 
Oebstn dargestellt. LeUtere sind mit Iragriemen zum Wegschaffen des zu erbeutenden Wildes iimgfflrteV 
Aji dteae Tbiere tchliessen sich aecbs nur mit einem Gflrtel bekleidete JKger, etwas weniger gut al» 
Krsiere gezeichnet, an. FOnf derselben «inil Moss mit einer Schleuder bewaffnet Der fechsle, offenbar 
der Aofubrer, trigt an jedem Arm, oberhalb des Ellbogens ein Armbaad. Mit der Liokru bUt er 
einen Schuld, mit der H«chleii Hchwiugt er eiue Waffe, die einer kleinen Qacke ih&licb siebi, aber 
wahrscbeinlicb ein äteinbcil daraielleu »oll tjtimaitliche Figuren sind von eigeuthClmlich gt-forraien 
OrouieTiten umgeben, wticbe ans gnaden Linien, [vreisen mit Mittelpooct und Dreteckcu luwin- 
mongesotst sind. Der Oraad Ut mit ätemcben uud Streifen augDrailt. UAchst wabrschflinlicb 
«Brdc dieses ticfasj durch einen Legionär vom Rheine herauf gebracht Mit Rezug auf das Alter 
desselben, erlauben wir uns keinen Scbluw zu ziehen ü. — Am U Septemlier fand in l'aytmr 
die JabresrersammluDg der ».Schw Gesellscb f Krh. bist. KunstdenkmÜlcr« stuti und hielt Prof. 
Ür. J. R. Kahn daavtbit iu der Siuusg der Allg. Beschicbururscheuden GeseUschafi der Schweiz 
einen Voitrug aber die .Stifukirclie von Peterliogen- 

Zürloh. Am antbropoloRischen Congresse in Vl>n hielt Pri<ratdoc«Dt Heierli einen Vortrag Ober 
Bruuzcfuude im WailiH, huwie Ober einen gegussenun Broozering mit aufgesetzten merkwürdigen 
Ftgnren und eine rdmischo Katserule mit oDcb nicht eLdgOlti£ cnir&thseller Insdvift. Beide <l<G4^'b- 



1Ö6 



•tiad« wiir»u Um tltlwli von Ilr Ed ▼. K*lleol>erg itir Vorwpwaiig abersebeo worden («N. Z.-Ztg.' 
» 19 Ad« '. - AuB tfffitnlath b«ricliwt Herr Obcrsl C. Hirzpl-llysi, iUk ia Fol^e einer Erdbewaguug 
die bioterß Mauer der Pfarrkirche um 51) cm. eingedrOckl fronleo »ei uud fulglkl) croi-uerC verdea 
mQH«. U«:i KuUtTJiusg der StQhle traten in Schiff und Chor die Reste einer mittelallerltcheu Wud- 
decor&tion zo Tn^, .Muster, w» oiko si« «i«^ auf Tapeten der Corridure oder «nf ulUo Ofen- 
kübeln swbt". FiRurcn oder gau« gwchichlliche DarstellanpcD «urd«D hiiher nicbt ^«fundefl. — 
Der Blidt. BAUTurwültarg werden inr Verwon^iuiig Iwim Bau dce Lmodean] iiBeaniE SpitxboKeo atn dorn 
Kreuzptng« im Ubnuniiamt lur Varfogung geatelU {*'/. Tsgbl.« v. ^ S«pt. Nr. 20g}. 

Zug. Am It). SfipL bicK LandammauD Weber ia Z*x% ko der J«br«8*erMmiDluDg des fflof- 
firtigen bitt. Vereioii eiii«B Vortrag tlbar di<; Loate des ebemaligeii Gulteibaufi-Qencbtes MenzingcD, 
Aege.: und NeabeitD in ihren Bedtbungen anin Kloit«r Kiniiedelo (>N. Z.<Zl( ■ v 4 &ept., Nr. 84Si 



I^it« i*a, t u r. 

Aifhirta hiraldiqutt 8ni*Mt. Vubli4«c par ManrioB Tripet 91u>Juin-JuiIlet 1892 Frits Jttkiin. 

Ui« Kntwickelragagosob'chce des Baadaerwappens. Amoines de Laasannt'. 
OjtiMry Ult^truUd mv>,tklif maffanm Vol. 44. Mftf 18!)Ä, 3. 47 f. W. J. SliUmttn, Bernar^iuo 

Luini Idii Abbildung. 
Forrer. ff. Beitrage lur pr&historiscbeii Archiologie ätrssaliurg i K. KriU Schleaier ldl*2. Ein 

Tine-Grab l>ei Krcozlingen. Kine keltische Goldmunne tou Avencbeti. 
HfitrU,J. Hin Topferofen der llronieMit in Nauc »frAbiBtoriKbe Ulfttter« I8D2. Nr. 4 (mit Taf. VII), 
Jahrttittrichi tief hitaorUch-anti.jHtriiehm (if/u-liurfiafl in Orftuhändtn. Jahrgang I8&1 Chur, Druck 

von Spm-Iier, Vii-Ii und fIori)«uer. t^rwerbungen des rAtiBcheu Mmeums in Jabre 18!*l/92. 

UialoriKlic Literatur nber Bonden lti(^tf92. 
Jtektin, Friu. Ute Koiwickt^luagii geschieht« de« Bflndncrwappeoi- NeackU«!, Itnpricnerie Atlingtr 

frim. 1892. 
KuHttrhroaik. (Beiblatt lur •Kcitacbrift for bildende Kunüt«) No. 31 Albrecbt URfcr in Basel 

nnd Venedig. (Besprechung des Ü. Bur«kbardt'se)ioii Werket durch Wilhelm äcfamidl,) 
IJtbfrtaM, Ih V. Beitrag« tar Ue«chichte des heiligea Blutet in Willitan (»Kathol ScbwelzerfalUter^ 

1892. Uefc 2). 
3iat,or, J. Frsgneata d'arch^ologie Ocuevoiso. GenUfe, H. Georg. ISD2. I'^tbalteud: La Maiaon 

da Holard, aad^uue balle & ia rue du Marcb6 Paawgea eoaterraion i S Antoiue; pierre 

tomhAJe de Goorard Willemsnd Ril^paratiODs nn Coll^ de S. AnUiine. Rreunrations des 

Maccfaab^es et d« :>. fierre. Itestauratioo de I'b6tel d« vill« et de l'aucieD Araftual lA 

Maison forte dit« prieure d'Aire. Pierres tombalee des nobles Pione, Guttlaume cl Jacqttw 

de äaccooay Restauration de l'^liie du Satiguy. L« Uasie ^pigraphiqoe. 
'Ol*dls(i, W. Quellenhueh Eur Schveinergeachiehte. Neue Folge, Lfg 2 u.3 ZOrich, P.SchDlUieH 1!!02> 
SA«r, B. Kxonniou« arch6olagiqiMa dSM le Valaia. Dans le »Balletui de l'iaititul uatioual genevois • 

Tome XXXI 
Sütygtr, J. J. Ubroaik der äudt and LaodKbaft ^haffhaoaen Heimutgegcbeu vom hitloriscb« 

aoli^uariachen Verein des Cantons Sctaaffhausen. II. Bilfie, aweiter (Ictater) Tbeil. Mit Bei* 

lag«o tjcbalfhauseo 1892. In C^nimiwion bei Carl Scbocb. 
SeMo»aer, Jtdim v Bcilrlge sur Knostgeschichu! aus den Scbrifl^juelleD des frahon Uiltelalters. 

In ■StUaogtbertcbte der K. K. Akademie der Wissenschaften in Wien*. 123. Bd., I6i>0. 
Tachartier e. Büfitr, Ih: b. t. Die bildenden Kttnstc und das Kuoatgewcrbc in der Schweii im 

Jahr« 1891. Bern, CoBmtsaioo bei Schmid, Francke * Co. 1892. 
CVJrwnrilMAwcA itr Sindi Hnd Landtckaft Züi-ieh Hutmuigcgeben ron Giim Comultalos der antiqua* 

riteben UeselUcbaft in j^Dricli. Bearbeitet «ou I>t J. IC*<-her und Ür f. Srhufistr. It Baed, 

II. UalfUi. Zurieb. Ssl lldhr, IS92. 
VoMs antHjues Je» colleciioos de Ia Ville d« Qecifeve, publt«B par Ia aectiOD des Be-aui-Arta de 

rinstiint national geoeTof«. Ave« '>& reprod pbot tir tn-4 *. 36 p. (OniJ^«. U Georg'. 
WartmiuiH. Unmißnn. ItrkaudeDbach der Abtei St. Gallen, lIerausgegeb<^o vom biatorischcn Verein 

des Canions äl. Odilen. Tbeil IV. Lfg. 1, ISOO— 13?.i. Sl QiUen, Uuber t C« (E. Kehr) 1^'-'. 
ZeiUrhriß für inl4tn<U Kmtt. Neue Folge 111, No. U. S. MrioMNy Wldnisse von Bernhard Strigel- 

^^ JWacäoBs^rof. I>r. J. B. filHH in Zlricb und CiRL IiRIffl b Rinbacb fZIlrieb). 

ßraek ron E. LKSMAKlS in ZOrich. 



I 



Tuf.ül. 





AnrefgwfadiwBir-itefthslaJelSSZ ti^x 



Der Z-winftU\iftcVer 




S^a-^a .v«^>->vi X'Mi^ 




Der Zwir\g\i\)ftcV'-v 



•-(i TaMr-WVi-WPHni^*^'«' !>»«>. 








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L.I'1_ 



Langendunrhschmft I 200 



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Ameilerf.KhweiiAtterthskdelSnn*. 4 



ANZEIGEH 



FÜR 



SCBWEIZERME ALTEßTHUMÜlE 




ZÜRICH. 



SECHSUNDZWANZiaSTER JAHRaANG. 

1893. 



-^»4-^ 



2ÜBI0H. 

DlDck TOD Ed. Tji*ni««n 

Vttlag dw ADthparfMdnn Oanlteehnft. 
1808. 




[RümiiDcfaes iu KaüternURat, der Buler Hardt and in BasclauK^t, vou Tb. Burcklianll- 

BiedermuiD 

AuBgrabimtren dea schweizer. Laudesmuseums xu Badeo. von I>r, B. A. StllckeJbev:^ 

[Imiscbe Inücbrifl von .Schwade rlnch, von B. Pick 

iu (loldrinc s^ il<>Qi Wullis, von Dr. E. E^U 



llt. MlttelaltArilchet, Neueres. 

Eur Baagesfhichte des Klrotter* Kin«iedelii, von K. Stehliu 

)ie WondjurunilÜdc der BarfUMiurkircbu m Basel (Tafel Xm und XIV), Tciti 

Dr. K. A. StÜcUcllifrtr . . . . , 
ie Waudf^tMunldf iii der SU KatltarineuktipeUe iu WiedUsbach luid ihre Wieder- 

herstollung, von Chr. Schmidt, jnn. , . , 

laemgescliirr. Hin B«itra|{ zur Geschichte der schweizer. Keramik, von fl. Angst . 
Beitrag znr Geachicht« der schwoizorbchen Ola^inalerei. von H. Angat . 
Bnogeliar aus dem IX. Jalirbuiid«rt, vun Bertiidld Ha«ndke 
Rtntttion der Kloütorkirche iu Köiii^felden. vnn J. C. Konkler .... 
'audgerofllde in der Stiftskirebe zu Payerae (Tufel XVH and XVUI), von 

Dr. K. A. Stllckelberg 

)aa Kästcben von Scheid (Tafel XIX und XX), von P. Jecklin, Cooservator 
iterstichnnfieH in der Klosterkirche zu Kftnigafelden, vo« Dr. E. A, SUlckelberg 
Fund mittelalterlicher Ofenknditjlii in Zürich (Tafel XXI). von H. Angst 
7eber die entdeckt«n Fresken in der Krypta iu Beromduster, von U. Etitermann 
[urers Plan der Stadt ZOridi vuu l&iß, von P. Schweizer 



Nachtrag iü VOgelins aFapadenmalereien in der Schweiz", von Dr. G. A. Stückelberg 25G 

Ein Vertrag über die Erstellnng eines FlUgelaltars za Lenzkircb, von Banmann 257 

Herrgott von Scbaffhausen. von M. Estermann 291 

Simon Nachbar, Goldschmied in Basel, 1B06, von M. Elstermann .... 291 

Zu Nikiaus Manuels Todtentanz, von J. Bäcbtold 292 

Kleinen Nachrichten, zusammengestellt von Karl Bnm: 

Eidgenossenschaft 199, 268 

Aargau 199, 292 

Basel 199, 293 

ßaselland ... i* 

Bern " 199, 29Ü 

Freiburg 200, 293 

Genf 293 

Glarus . . , 200 

Graubünden 200 

Luzem 200, 258, 293 

Neuenbürg 294 

Schaffhausen 201 

Schwyz , ... 294 

Solothnm 2&4 

St. Gallen 201 

Tessin . - 201, 268, 294 

Thurgaa 294 

Uri 201 

Waadt 201, 294 

Wallis 201, 269, 294 

Zug 294 

Zürich 202, 259, 294 

lAteratur 202, 269, 296 

Zur Statiatik achtMiztriaehrr KtmttdtHkmJÜer, von .T. R. Rahn: 

Kanton Tessin (Beilage, Fortsetzung) 206 

Kanton Sulothnm (Beilage) 1 — 64 



'-^>H^fr^^ 



PÜK 



SCHWEIZERISCHE ALTERTHUMSKUNDE. 

INDICATKÜR D'ÄNTI^niTiS SÜISSES. 



XXYI. Jahrgang. 



IV? 1. 



ZÜRICH. 



Janner 1S03. 



A l>w II f I wn i m l« I Jtlirlidi S Fi. — Uilii iiliunnirt Ik'I Jrn finnltjurraut aiul «lluii l(u<:liliAiiilliiiiKrii. iu«li> 
dUL-h illraet bei lif'tn Burenu der «DUaDKrlsuben OflAeUsoh&ft, Helmfaftoa, Ztlrlcb. An t\io lotiwc 
SWIle MtoMo «ii^^kantffi: Al'oiiiivnUn ihrv ZtLliliiit|t«ii zu a>tri»str»ii. »t)9i»<> «erdin diurllisi alKftllii;'' Heclk- 
mallonMi «BlKRiti'ii^'ifiioiiimvii. — Von iliT Slaliitik tchtpaxwriuher KunMenkmisirr, ilji- aU ftril.i^-r tum 
•AitUtgtr' «nch«>iil. i*iri| i-tpii' kleiiiA AiilUgr vah ScmHer^tügtin er»l'.'1ll. ülnulfie Nuiiiiii^rn ilavon 
wnkii. *u iBiiKU Uei V.irruin relrlil, auf <lfiii 0Hr«a(i a<r Afitiiptariitlttn r,atH$«kafl, SttmAaiu. Xünr/i 
■il'K'K'hi'n ^ 

intiKll. jl Vorliuiortüctiu MDtmuK'ii»; uiiil Sii^cvn ^an ilrot BrlttKerlliäl, Ton tl. Heb^ S. (7i — 3S Vortiistoii»cljek 
itiiii>km tlinciriilliHi. von tl llrltxr. S <TV — .ii IM« GrAtirr boim bHdni»di«n Bnhl Et) Itaroo. *un J. >f«torll. 
S. 1«L Trit. M. - 3:1. Aniiquarlitche Kubile »u» ili^m Canion SoloUnirn. van K. Metatorhtu. 8. iM. — 
te. Dil) t^ciJ«!! Erliiuburgen iwltiln-n .VI('iUiii'|i[> umt 0'iulii({an, von K. lIcUlvrIians. 'S. ttt. TaT. XIL — 
37. Znr Bauji^jcriiciu« d<*i Kli-sicn Ein «lad ein. *cin K. SlAhlln. S. IN. - 38. Dt« Wandgeinftld« dar Bftr> 
lUworklrcLt: >n boi«!. vvn l>r. Iv. A. .'^ilicLclLt-rx iSchluu). Tal. XIII. IL XIV. S. IW - 39. [»!• Wand- 
gmillil« ta liei Sl |ilnU>.irlii«iika[)rll<> in Wic(ltii^it<rb unJ ihn^ WimUrlif^nlclIunK. vu" t-lir S<^hniMI iiiu. 
S. IM. — la UauerauBMhirT, von H. Ang3t. 8- 197. - 41. Ein Urttraft lur UcMhichu dar fchwelxfirttcb«n 
Ulumakrci, voo II An^^t S 19<t. — El«lneii> rtadidchldn, xiiuiiimpnfin*<>'Ui von CnH Rnui. S li««. — 
Lilcrulur. S. Mt - Sltllilik MrhweiL If titistd<>nlt mller. von J. R Ralin S Vn Canlati Ti^tii). S<:1i1omi. 



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Seit dem I. Jauuar lä8S ist der OoDiniissioDSTerlag s&mmtlicher 
Veröffentlichungen der AutiquariscIieD Gesellsciiaft (mi*- Ausschluss dw »An- 
zpjgpr fiir sclineixerisi'lift Alt^^rlliuiiiskundeO an Herrn Biichliäudler Karl W. 
Hiersemann in Leipzig Uberge^ugen. Von dieser Firma wird der Vertrieb 
genannter Scliriftea sowohl in der Schweiz (Niederlage in der Buchhandlung 
S. H&hr in Zürich), als aurli im Auslamle aussrhliesRlirli hesorgt. Nocli immer sind 
dagegen, laut ^ Iti dor Statuten, die Gesellscliaftsmitglieder xum directeu Bezüge 
der Vereinspublicationen berechtigt, welche seit dein 1. Januar 1888 im Bureau 
auf dein Helnihause abgegeben werden. 

Die neuesten Vereins-Publicationen sind: 

Knkn, ./. R. uiiii Th. v. lÄebenau. Ytio Coaa di ferro (Vignaccia) bei Locaroo. 
Kiiiti Werbecaseme aus dem XVI. Jahrhuodert und ihre Erbauer. 
Mit 3 Tafeln Kr 3. - 

Katalog, be3cbreib«uder, der Antiqiiariacben Sammlung iu Zürich. Von R. Ulrich, 
A. Heismann und anderen Gesellschallsmilgliedern. 3 Tbeile. 44 Tafeln 

in Lichtdruck » 10. — 

Ohne lllnstrationeJi ... i 5. — 

Werner, J. Die ältesten Hjnmensammlungeu von Ubeinau. Mit 2 Tafeln. > 4. — 

iVftiinger, J/., Zeiler- Werdmiäler, ff., und liaJin, J. R. ßuUiugers Be- 
schreibung des Klosters Kappel und sein jetziger Bestand. Mit 2 Tafeln 

Zeller- Werdmiiller, H., Mittehilti-rliche Iturganlagen der Ostschwoii. Mit 
4 Tafeln 

Von der Beilage: »Zur Statistik «hweiMriseher Kunstdenkmalert von J. Ä. 
Bahn, XV. Cixnton Tessin, können Separatabzüge auf dem Bureau der 
Antiquarischen Oesellschaft, Helmhaus ZOrich, bezogen werden. Prais 
per Lieferung » — . 50 



3. — 
3. 50 



174 



3t 
Vorhistorische Monumente und Sagen aus dem Eringerthal. 

Früher schou habe ich an dies'^r Stelle ') über äza obige, für die vorgeschicbtiicbe 
Forschung w^en seiner i^ablreicheu Alpenpä^e so wichtige Thal einige Mitletlongen (ge- 
macht, wobei liesoDders die bedeutende Scbalenstelle auf der Cr^te de Veigy. oberhalb 
des Dorfeä Vei, aU gaoz ueu, eingehend beschrieben wurde. Die dort schon erwfibnteu 

('Sogen und die bekaout gewordenen Fuude z. B. tod Vermaaiege liesirea micb auf weitere 
Entdeckungen schliessen, die denn auch bei der diesjährigen Exkursion (2.-9. August 
1892) nicht ausblieben. Durch die gewaltigen Monumente oberhalb Grimentz ioi Val de 
Moirr, an einer Stelle, wo drei Pft3se (Pas de Ixma, Col do Torrent und Col de Sasse- 
neire) sieb io der Thalsoble vereinigen, auf die richtige Spur gebracht, wollte leb im 
Eringertbal den Aufsteig zu den erw&hnten PAasen etwaa gi^naiier besichtigen. 

Wie bekannt, habe ich an mehreren AlpenpAssen, wie Salran, Nendaz, Tjeuk, Gri- 
mentz, St. Jean, Zmutt u. s. w., oft ganze Serien von Zeichengruppen ror historischer 
Bewohner entdeckt, was mich auf den Gedanken brachte, dass diese mit jenen in direkter 
Beziehung stehen, d. h. wenigstens teilweise geradezu als Wegweiser hätten benutzt 
werden können. Die neuen t^utileckungen von Evolena bis biuauf zur Pasi^hObe des Col ^^^ 
de Torrent bestärken mich in dieser Ansicht nur noch mehr. ^| 

Auf dem ersten grossen Zick-Zack de» Bergweges nach Villa liegt rechter Uaud, ^^ 
hart am Wege ein Oranitblock, der wegen seiner ebenen Oberfläche sehr bequem als 
Sitz benutzt werden kann. Meiner Gewohnheit gemäss öberflog ich den Block zuerst 
fläobtig mit einem Blicke und bemerkte eine grosse, fast viereckige, mit einer scharfen 
Rinne umgebene Stelle. Da die Sculptur die.ser Vertiefung mit derjenigen der Kreise 
von Nendax und Leuk übereinstimmt, so war ich keinen Augenblick im Zweifel, dass 
ich vor einem ausgesprochenen vorhistorischen Monumente stehe. Die eingezogenen Er- 

Iknndigungen bestätigten dieses rollauf. Es sei mir gestattet, die darauf bezügliche 
Sage hier kurz zu erwähnen. 

Vor alten Zeiten, so wird erzählt, wohnte ein reicher K6nig auf Mont-Uinä oder 

fbesser Hout-Miney, inmitten pflanzenüppiger Gelände. Doch eine geheime Sorge quälte 
Ihn fortwährend. Ha war itim iiämtich gesagt worden, wenn er im Becken seines Schlosü- 
brunnens einmal Eis bemerke, müsse er die liegend verlassen, denn es werde sich die- 
selbe alsdann in einen Gletscher verwandeln. Schon seit einiger Zeit hatte die Tocht«r 
des Königs im Brumieubecken Ei»^töcke geaebeu, ohne ihren Vater davon zu benach- 
richtigen. Als sie aber eines Morgens die ganze Wamerfläche mit Eis bedeckt fand, 

(erschrak sie derart, dass sie den König augenblicklich von dem verhängnisvollen Er- 
Mgnisse in Konntniss setzte. Dieser verliess zur Stunde Sehloss und Land und begab 
ptoh mehr tbalwärts, ohne ein einziges Mal zurückzuschauen. Nach langem Marsche 
Btsta er sich zuerst auf unserem Steine nieder, um ein wenig auszuruhen. Kntsetzeo 
ergriff ihn, als er den Blick nach seiner schönen Besitzung richtete, — an deren StellA^ 
erblickte er ein Eismeer, die heutigen Glacier du Mont-Miu^ und Glacier de Ferptele. 
Beide zusammen umschliesseo den Folsengipfel Mont-Mint^. Der König bt^cbloss, au 
der Stelle den Uest seines Lebeos zuzubringen. Seine Tochter wohnte auch fortan bei 
ihm. Alle Tage sass er lauge auf dem Steine und schaute traurig nach der Richtung, 



'} Anzeiger fOr flchweit«r. Alterthumskandc 1891, S. fifiS. 



wo ewif;;«s Eis seine Güter deckte. Zum Audenken wurde die Stelle seines Sitzes auf 
beiden Seiten und am liückea mit der aiigefulirten Rinne bezeichnet. Von dem hiesigen 
Hause des Könige ist keine Spur mehr zu sehen, den Steio und die Gegeod nennt man 
bezeicbnenU genug Ch^sal (casale, Haus) du Key, was so riel sage» frill als Wohnuug 
des Königs.') 

Der uDgefthr 0.75 Meter hohe Block misst in der Lftnge 1,10 and io der Breite 
0,95 Meter. Das Viereck, wobei die westliche Seite als toiu Itande des Steines gebildet 
gedacht wird, bat von S nach N eine zwischen 0,77—0,83 Meter schwankende Lange 
und mi$^t von nach W 0,79 Meter. Die beiden Ecken sind bedeutend abgerundet. 
Dieser Umslaud mag die Veranlassung zu der oben erwähnten Sage gegeben haben, 
indem man sich die Qber den Stein bangenden E^eine im W und den abgerundeten 
Körperteil im O denkt. 

Schon von dieser Stelle aus geniesst man einen grosäartigen Anblick in das Arolla- 
thal mit den Gletschern von ArolU, Mont-Collon und andern, dann auf die gleichnamigen 
Uergriesen selbst mit den beiden Dents de Voisaivi und der Deut-Penoc io der Mitte. 
Dann folgen links die (iletscher des Mont-Min^ und derjenige von Ferpkle, daneben die 
Dent d'Herens, aber alles au Glanz und Majestät überstrahlend die Denb Ülauche. 
Sogar der Munt-Cervin mischt steh aus weiter Ferne noch fast unbemerkt unter die 
Hunderte von Felsenspitzen and Qletscherfetder, welche man von hier aus als unbe- 
schreibliches Ganzes erblickt. Der Standpunkt aller weiter oben am Berge noch ent- 
deckten Monumente Ist immer so gew&hlt, dasis man da-^t gleiche wunderbar schöne Stück 
der Alpen, nur stets entwickelter uad grossartiger erblickt. Immer bat man gleich- 
leitig die Hasse von Ht'rens und von Arolla vor Augen. 

In der ohen angeführten Sage schimmert der Volksglauben durch, dass die Gletscher 
sich aul einst sehr fruclitbare Gegenden erstreckt liätten. Das gleicbe gilt vom ülacier 
d'Arolla. Dieser soll früher so klein gewesen sein, dass die Bewohner des ganzen Evolena- 
Thttlen, ohne Ei-i zu berühren, über den Arollapass nach Ao<<ta auf den Mark^ giengen. 
lu dieser Stadt soll iieitt« noch eine gewisse Stelle des Marktplatzes für die Schweizer 
ans dem Firingerthal reserviert bleiben. Aber noch weiter her »oll dieser Weg nach 
Italien eiDgeschlagen wordeo sei». Nämlich das ganze Einfischthal uud noch weiter weg, 
ia die Berner ober liln der. welche (liier die Gemmi kamen, schlugen ebenfalls den Weg 
<]urcb das Kinfischthal und den Col de Torreut über den Arollapatii< nach Aosta und dem 
übrifren Italien ein. Oft geschah dieaes schwer mit Waaren beladen. Vom Glacier de 
Ferp^cle behaupten maucbe, dent!elben viel kleiner gekaimt zu haben, ja er »wachst« 
nach der allgemeiueu Ansicht im Volke noch fortwährend. 

Wenn nun auch die Sculptur auf dem Steine Cb^sal du Ke,v weniger abgerundet 
ist, als ähnliche Krscheinuugen in Salvan, Kendaz und Leuk, so gehört sie dennoch in 
die gleiche Kategorie von vorbistorischeii Zeicben, nämlich r.a jenen, welche wahrscheiu- 
licb als direkte Wegweiser galten. Dafür stimmt übrigens hier uocli die Loge des 
Blockes gleich beim Beginn des Aufsteigea. 



*) In den .WalÜMr-Sagen" von Ti»cheüien und Rappen, wo ich nachträglicli «in Bnicb- 
stlk-k dieiier Sage erwähnt finde, ist unüer Stein nioht genannt. Der KOoig hcinst Borah, aiu 
Zorn vi^rHucfat« er t^ine tchöne Tochter in den l.<ac de Lona, wo sie heute noch auf ihre iSr- 
toauog harrt. 



176 



Eine bedeutende Beri^eivtufe hoher, mitten im Dorfe Villa, etwas unterhalb des 
Kircbleius, zwischen deu Bauern hutteti, hart am Wege, beim Steigen rechte, befindet 
sich ein erratischer Bloclc, des^n Olierfl&cbe mit dem Wege eben geht. Wie ich spater 
erfuhr, helsat er Pierre de la Hiva. Dieser Block misH von NO nach SW 1,10 Meter 
uud vou 30 uaeh NW 1,00 Meter, die Hfihe beträgt an der abschüssigen Stelle im 
Sflden kaum 0,7^ Meter, ist also ein ziemlich kleines Stock, das auT seiner in Absätze 
abgefltuftriii ülierüäche Hinf gut erlialteue und absolut charakteristiscbe Schalen aufweist. 
Die vier oliern sind zwar eiemlich klein, dafQr aber diejenige auf dem sfidlicbeD, unter- 
sten Absätze um so ausgeprägter. Diese misst bei 'i cm Tiefe 7 cm im Durchmesser. 

Etwas büber, mehr links, aber noch bevor man das Kircbleia erreicht, bemerkte 
ich eioen mirebenfalla anfTallenden, pyramidenförmigen, ca. 3,50 Meter hohen, erratiicben 
Block, der zwar keine Sculpturen aufweist, dafür al>er durch seine Form, die Nachbar- 
schaft des Schalensteioe:^ (Pierre de la Kiva) und daim durch seinen Namen Interesse 
erregt. Kr beisst Pierre de Manej oder Man^ und bezeichnet ungefiihr die Mitte des Dörf- 
chens. Nach der Sage gab es vor Alters eine Familie dieses Nameoä. Die letzte des 
Geschlechtes, Anna Maney, soll die Glocke des Kircbleius geschenkt haben. Rin Frucht- 
speicher heisst heute noch Haccard de Maney. Femer werden einige Hütten ausserhalb 
Erolena, in der (tegend mit dem Flurnamen Flanze, Man« oder Maney genannt; von 
hier filhrt ein \Veg bergwärts durch Felsen und dieser Uebergang trägt den Namen 
Pas de Jean Manev. Vielleicht kommt später etwas mehr Licht in diese sagenhaften 
Angaben. Ich finde sie immerhin erwähnenswert 

In einer von TansdmJt'ii von erratisclien Blöcken übersäeten Gegend darf man 
füglich jeden einzelneu Block, der einen besonderen Namen trägt, ata von Itedeutuug 
ansprechen. Deshalb erwühne ich vorübergobend noch einen riesigen Findling, welcher 
sich etwa ^ebn Minuten unterhalb Villa in den Bergwiesen genanut »Basse« befindet 
und eiabcb »La Pirra«, der Stein, genannt wird. Viellegcbt knüpfe» sich auch hieran 
intereaaBnte Sagen, die ich aber bis jetzt nicht in Rrfahmng bringen konnte. 

Nun u)gen wir bedeutend mehr bergwärts in der Richtung der Mayens de La«- 
riores, doch diese ein wonig hShor liegen lassend, direkt nach der Abteilung des Bergee, 
welche die Mayen» Bianca genannt wird. Hier vermutete ich, nach allem, was ich von 
alten Leuten hatte erzählen h'ürtm, einen Schalenstein, welcher mir als Pierre des Mayens 
Bhincs bezeichnet worden war. In einer UQhe von weit über 2000 m fwden wir 
dson wirklicli den genannten Stein, eines der überraschendsten Denkmäler der vorliisto- 
''rischen Zeit, ganz überdeckt von Schalen, iUnnen und Figuren, mehrere Hundert an 
d«r Zahl. Die Stelle liegt bedeutend links vom Wege nach dem Col de Torrent, auf 
einem die imposanteste Aussiebt bietenden Vorsprunge, welcher den nördlichen Hand 
einer immensen Bergmulde bildet Nach einer genauem l/otersucbung der Umgehung 
stellte es sich heraus, dass wir es mit einer jener monumentalen Stellen zu thun batten. 
Ähnlich derjenigen in Zmutt und Orimentz, nur dass hier von den verschiedenen Sculptnren- 
grupp«n besonden; zwei überhaupt alles übertreffen, was ich bis jetzt im Wallis gefunden 
habe oder auch iro Altgemeiueii kenne. (Mit Ausnahme vielleicht von Salran). 

Ab Mittelpunkt dieser im grossartigsten Naturtempel liegenden Eultusstelle eines 
vorgeschichtliclien Volkes betrachten wir einen auf der sfldlichen Seite nur 30 cm hohen, 
nürdlicb mit Itasen und Erde bedeckten, von Ost nach West 1,80, von Sfid nach Nord 
1,25 m messenden erratücheu üaeiwblock. Diese verhältnismäang kleine StoUe iat mit 



mehreren hundert vei-scliiedeneD, gut auagefJhrteD und aussfeiteiclinet erhaltenen Zeichen 
roin übordeckt, derart, daas dh^ /oichnnn^ mit grossen .Sr.Invii^rij^kmton verlmndi'n war. 
Eine in Einzelheiten gehende Beschreibung ist überhaupt undenkbar. Es s«i erw&hDt. 
dass neben den Schalen und uuteii n-ohl au^erundeteo , breiten Uiniieo, welche jene zu 
allerlei Gruppen verbinden, noch mehrere sehr scharf und kantif; auKgohauene Ritzen 
vorbanden sind. Oegeit den nördlichen Kaud liin befiodeu sicli zwei grosse, 10 cm 
aiiseinandertiegende, 17 cm im Durchmesser haltende tiefe Schalen. Üaun oben auf dem 
Stein si<<ht man ein tiefes ovale» Becken, mit ftinf Schalen im Innern. Die Rntfernimg 
[euer zwei groäsen Sohaleu von diesem Becken ist derart, dasä eiue J'er»OD, welche in 
jene Vertiefungen kniet, mit dem Hal^e gerade über das Becken zu liegen kommt, 
sodass der Stein ganz gut för eine Uicht- oder Opferstelle angesehen werden kann. Auch 
die vielen von diesem Becken weitt^r zu zahlreichen Schalen fiihrendeu Kinnen unter- 
stätzen noch melir den mir aiifgetaiicliten Gedanken. 

Nur 3,80 m in nördlicher Itichtung davon entfernt, kam ein zweites Monument 
zum Vorschein. AntäugÜch waren darauf nur wenige Zetcheu zu bemerken, da der Stein 
zum grössten Teil mit Erde bedeckt war. Nach Abhebung der 10—35 cm dicken, 
festeu tlrdkruste kam ein plunmäasig Hngelegtcg, aehr kompliziertes Figureubild, wie bis 
jetzt noch kein fthuliches bekannt ist, zum Vorschein. Leider waren wir für so be- 
deutende Rrdarbeiten nicht eingerichtet und sind vielleicht, da der Stein nicht bis zum 
Kaude eiitblösst werden konnte, noch weitere Figuren bedeckt geblieben. Ja ich ver- 
mute fast, dass beide bis jetzt erwähnte Monumente unterirdisch zusammen hängen, 
.Schon die wohl '/■ ro dicke Erdschicht, an einer Stelle, die dupihaus nicht der An- 
schwemmung ausgesetzt ist, genügt, um aul das hohe Alter der darunter liegenden 
Sculpturen scblie&sen zu lassen. 

Die abgedeckte Partie des Felsens, von S nach N 1,90 und von Ü nach W 
1,60 m messend, besteht aus drei xusammeugehArigen Stficken, wovon ich das oberste 
als abhchbur betrachte. Neben den Üblichen Schalen, Kinnen, Striemen, sieht mau hier 
weitere wohl erhaltene Sculpturen von sahireichen Kreuzen, dauu eigentümlich gewun- 
denen, breiten, vertieften Linien, Halbkreisen und etwa zwanzig Kreisen oder Doppel- 
kreisen, meistens mit einer Schale in der Mitte. Ferner kommen hier noch eine Anzahl 
ganz undelinier barer, mir bis jetzt noch nicht liekannter Figuren vor. Wie man sieht, 
bildet die neue Kutdeckang einen äusserst wertvollen Beitrag tu den Zeicbensteinen der 
Schweiz. Die VeröffentlichuDg der Keichnungon soll mit thunlichster ileförderung 
geschehen. 

Etwa 24 Schritt« Ostlich davon tritt zu ebener Erde eine grosse Feisetiplatte zn 
Tige, die zehn zerstreute, aber wohlgeformte Schalen aufweist. In südlicher Hicbtung, 
etwas weiter unten am Abhang liegt noch ein kleiner Block mit drei Schalen und 
einem durch zwei breit« Kinnen geformten Kreuze. Nur etwa hundert Schritte weiter 
südlich sprudelt eine starke, wie es scheint nie versi^eode Quelle aus dem Felsen. 

Mit diesen kurzen Angaben mQssen wir uns för heute begnftgen. Die vorhistorischen 
Monumente in den Mayens Blaocs, ob Villa, werden aber unbedingt eiue hervorragende 
Stellung einnehmen. Vieles bleibt noch aufzufinden, denn uirgends habe ich eine Gegend 
getroffen, die so wie diese durchaus mit dem Zauber der Sage übergössen erscheint, 
VOR Arolla und Ferpöcle über die Gletscher, Bergspitzon und Alpontriften hin bis zur 
Ausmündung der Borgn« aus dem landschaftlich herrlichen und in jeder Bezi«Kun% Ieisk-Vx- 



■ 




178 



intMW—nten Tbale. AolmOpfend an eiaif^e weitere Yorkömmaisse menachlicher ErzeQguiii^ 
ktaMn wir eine kurze Angabe von wicbtigeo Sagen nicbt umgeben. 

So befinden sich hoch oben ic den AIp«B Prejlet, imnittea des Bergbaches, der 
Btch bier ein ovales Felaenbett ausgespätt bat, eine Keihe runder oder eiu weuig^ ovaler, 
öfters bis 20 und 30 cm tiefer LScher, welche man den >Pas de la Mnle« nennt. Die 
Möglichkeit, dass es kleine <ilelscbermflblen seien, ist nicht ausgencblossen, ich persöalich 
halte diese I/Icber jedenfalls ffir das Produkt der Natur. Auffallend ist dennoch, 
dass sie in«>isten9 eineri Schritt Entteriiung auseinander Hegen. Daj^ an mehreren 
dieser sogenannten Tritte kHuRtlich nachgeholfen wurde, wäre nif>glicb. Die Sage erzählt., 
dass das Maultier (La mule) des Satans einen Sprung genommen habe von hier bis zu 
der Fontana rigenta (fontaine riant«) in den Alpes Cotter, etwas mehr ata eine Stunde 
von dieser Stelle entfernt. 

Eine bedeutende Holte spielen durch das Eringerthal fiberall die Feen. Kin Roc 
des F4es mit einer Grotte aux F^ befindet sich eine hall» Stunde von Marse aus thal- 
aiifwilrts im Zweigthal von U^r^mence; eine weitere Grotte aux F£es mit einem Steiu, 
anf welchem eine mrsteriöse Zeichenschrift gesehen werde, hoch oben in den Bergen, 
gegenQber dem Dorfe Gseigne, bekannt durch seine eigentümlichen Krdpyramideu. Bin 
sogenanntes Feenachloss (Chäteau des F^es) bestehend ans einem riesigen Grdkef^l, 
gleich denen von Uaeigne ist beate noch sichtbar unterhalb des Berges Sasseneire io 
dem wilden Thftlcben de** Bergbachea Martomoj-,. In der Alpe de Niva, links vuu der Uorgne, 
2500 m hoch, sowie gegenöber in der Alpe Ck>tter gegen 2800 m hoch, hier an der 
Stelle, die man »ik la Vieillnc nennt, finden sich nebeneinander. oFt reihenweise, hunderte 
von etwa 20— 30 cm. hohe Hrdbägel mit nur sehr wenig Zwischenraum, sodass das 
Begehen der Gegend sehr erschwert wird. Mau nennt diese kleinen Erdhügel die Feen- 
arbeit fouvrage des Ft^). Darüber Näheres, sobald die beiden Stollen eingesehen 
werden können. 

Heute noch wird enäblt, dass die Feen sowohl die Niva- als die Cotteralpen be- 
wohnten. Als Tribut musttte jeder derselben alle Tage einen Zober voll Milch verabreicht 
werden, der immer in Einem Zug geleert wurde. Dessen überdrüssig, beschlossen die 
Hirten, diese l&stigen Feen umzubringen. Tags darauf wurde der Fee auf der Alp 
Niva die Milch gekocht und heiss verabreicht. Daranf rief sie der Fee in der Cottflr- 
Alp. daas man sie innerlich verbrannt habe. »Wer«, fragte die andere uud bekam zur 
Antwort: »Mima« (moi-ineme, ich selb3t). Darauf rief die Fee in der Cotter-Alp: 
»Du selbst, dann trage e- selbst!« Die Fee starb und seither gab es keine mehr auf 
der Alpe Niva. Eine ganz andere Wendung nahmen die Dinge auf der Cotter-Alp. 
Die Fee vermahlte sich mit einem Hirten unter der Bedingung, dass er ihr nie vor- 
werfe: >Fee. du bist wedür Wittwe noch verheiratet«. Alles schien vorrüglich gehen 
zu wollen, es kamen Kinder und das Haua prosperierte. Aber einmal sagte der Hirt 
im Zorne das verhängnisvolle Wort and die Fee verschwand augenblicklich. Jedoch 
kam sie von Zeit zu Zeit zur Pflege ihrer Kinder zurück. Diese bat«u die Mutter, 
doch wieder ganz im Hause zu bleiben, auch der Hirte Itereute bitter .seinen Fehler. 
Da beauftragte die Fee ihre Kinder, dem Vater zu tagen, wenn er deujeuigeu lebenden 
Wesen, dem er morgens vor der Thüre begegne, einen Koss gebe, so werde sie wieder 
im Hause bleiben. Der Hirt sab aber eine grosse Schlange, getrante sieb nicht, ihr 
einen Kusu zu geben und ven»cblos» vor Angst die Thüre. Von nun au war die Fee 



179 

^DK rerschranden. Einer ihrer Nachkommpn bnd den Schlüssel zum Feenscbloss, wo 
sich unerhörte Schätze angehäuft finden sollen, verlor ihn &Wt gleich wieder. Uan hat 
ihn seither nie wieder aofigefuDden aud überdies ist darauf die Thüre des Schloeaes un- 
sichtbar geworden. 

Man erzählt auch, dass die Gegend früher ron einem grossen See bedeckt war. 
Zum Beweise dafür wird angerührt, dass sich in Lanna, 1500 m hoch ein in Felsen 
eiogelasseuer, fester metallener King befinde (sogenannter Sfindflutring), wo eu der be- 
sagten Zeit die Schiffe angebnndeo wurden. Aach ein Stock Land heisat dort Riogfeld 
(cbamp de Tauueau). Ein solcher King beendet »ich obeofalU auf Beauregard, am Ein- 
gange in das Kiofiiicbtbal, der dort zu einer ganz ähnlichen Sage Veranlassung gab. 

Bier schüesse ich deu vorläufigeu Bericht über meine erste Untersuchung dieser 
Gegend. Dass die erwikhnten Monumente mit den Alpeupftssen, die hier vorbeiführen, 
1 1 Beziehung stehen, ist wahrscheiuücb, ebenso dass die Monumente dem gleichen Zwecke 
dienten, wie jene im Val de Moiry, aU deren Fortsetzung, da am gleichen Wege ge- 
legen, sie angesehen werden können. B. Rihbb. 




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Vorhistorisches aus dem Binnonthal. 

Das durch seine mineralogischen Schätze berühmte Binneuthal erstreckt sieb ron 
Grengiols an der Furkastrasse, wo sich der ThalÜuas, die Binna in die Rhone ergiesst, 
bia zum Ofenhoru und Albrunpass an der italienischen Orenze. Das Thal verzweigt 
sich in seinem obeni Teil mehr&ch und mehrere Bet^p&sse führen nach Italien bin- 
ilber. Das Tbal i«tt wild nnd überaus reichlich mit Naturschönheiten ausgestattet. 

Wie alte Qräber in Uiunackern und SchmidigeDbäuaern beweisen, war die Gegend 
achoD in den ältesten Zeiten bewohnt. In Binnackern, am Eingänge des Thaies fand 
vor etwa 40 Jahren ein Bauer, Joseph Michlig, bei der Urbarmachung eines Landstdckes 
behufs Anlage eiuee Ackers ein mit rohen Steinplatten umgebenes iTfab. Bei den 
Knochen tagen Bronzenadeln und eine Schale aus Bron^teblech. Wo aUer die Gegen- 
stEuode hingekommen sind, war beut« nicht mehr za bestimmen. (Angabe des Herrn 
Pr&fekten Glauser). 

Al'< im Jahre läSI, in den Monaten April und Hai, Herr Scbmid-Kraig das 
Fundament zu seinem Gastbaus »zum Ofenhorn« in Scbmidigenh&usern au^rub, kamen 
acht Gräber zum Vorschein. Die Stelle befindet sich am rechten Ufer unmittelbar 
aber der ßinna. Sechs der Gräber lagen an der südlichen Front des jetzigen Gasthofes, 
eires hiDt4>n am Nordende und das achte nonl-westlich etwa« vom Hause entfernt, wo 
beim Bau eine Kalkgrube angelegt wurde. Die Skelette lagen 0,40—1,20 m. tief in 
dem hier vorhandenen feineu Moräneiigand, einige mit ausgestreckten Armen, ohne 9tein- 
einfas»ung, hingegen allseitig mit breiten Gneissptätten bedeckt. Der Kopf befand sich 
im N-Osten, die Füsse im S-Westen, die Knochen waren ziemlich zerfallen, die Zfthne 
allein sehr gut erbalten. An Gegenständen wurde einzig ein Klümpcbeu oxydierten 
Metaltfi entdeckt, wovon, da es nicht weiter beachtet wurde, nicht festgestellt werden 
kann, ob es aus Bronze oder Eisen bestand. 





180 



Wenn sich hier in der Umgebung vi>rhistori!»chf» SteindpnkraSlftr vorfinden konnteoj 
so war die? wohl am ehestes für den Tlugel von Willeren der Fall, wo h^uto auf dem 
scliOnsteii Funkte die sehr alte Kirche »teht. Der christliche Qlauhe hat wohl mit den 
heidnischen Spuren langst aufgeräumt Eine kleine Stunde weiter uutcn im Thale, links 
vom Fahrwege, zwiscbeo Abgründen, in der Oegend genannt »Twiugen«, liegt der Twiug- 
steio, ein bedeutender erratischer Block, jedoch ohne Spuren von Sciilptureu. Daneben 
dolmeoartig auf darunter liegende Steine gebettet, erblickt man einen kleinern Block 
mit lehn zu einer rundlichen Gruppe geschaarten, ziemlich tiefen, Spreugl&chem ähnlichen 
Vertiefungen. Obwohl liier wahrächeiiilich nur eine Spielerei vorliegt, könnten dazu 
doch ältere Schalen Veranla-ssang gegeben haben, wa$ beut« unmöglich mehr festgestellt 
werden kann. 

Da diese Gxknrsion von ungünstiger Witterung sehr beeinträchtigt war, musste ich 
auf grössere AusdOge nach den Bergpäsäen verzichten und l>eschränkie mich auf Er- 
kundigungen, wobei ich, wie immer, den Sagen eine besondere Aufmerksamkeit widmet«- 
Eine davon, welche mir fQr die vorgeschichtliche Forscbuiag von Bedeutung erscheint, 
will ich hier anführen. 

Hoch oben im Langenthai, auf der Kriegal]), Huka am Pasdwege nach Devera, 
steht eine wilde, sehr eigentämlich geformte Felspartie, das Damenscbloss genannt. Hier 
wohnten drei adelicbe Schwestern, denen als Rrbteil grosse LandstOcke zufielen. Die 
erste nahm ein grosttes Feld in Aernen, die zweite ein Feld im Uinnental, wo heute 
das Dorf Im-Feld steht tmd die letzte bekam das Ochsenfeld hoch oben am Albrunpass. 
Diese dritte zog es aber vor, als Sennerin auf piner Alp zu leben, deshalb begab sie 
sich über den Albrunpass, dann aber den Kricgalppass zurück, wo sie nahe beim l)amen- 
Bchloss ihre Kühe hütete. Mau nannte sie die üräliii Auua, woher dort oben Nameu 
wie »Annagrat«, >Anna-iirfifin>Tod< n. s. w. vorkommen. Einmal hielt sie sich mit 
ihren Heerden auf der Furggenalp, als ihr die Italiener da.s Vieh stahlt*». Da rief stu 
von der Stierwang aus durch die hohle Uand nach Ureugiols hinunter: 

»Kommet gechwiud und bald, 
Das Vieh geht schon über Rosswald.« 

Rosswald ist ein Dörfchen in der Kähe von Beriiail, unweit der Simplonstnsse. 
Die Gräfin ist auf der Alp gestorben imd liegt dort oben begraben. 

Nach einer andern Angabe wären die drei Fr&ulein Ti>chter des Grafen Eugoj 
von Aragniiim (Aemen) gewesen, der mit dem Kitt«r von Mülilebach auf einem Krem 
zuge umkam. Die jüngste Tochter war mit dem Ritter verloht und beschloss ans^ 
Gram über ihres Verlobten Tod als Sennerin in den Bergen ihr Leben zu beschliessen. 

Auf der Rückreise begriffen, besucht« ich auch die Kapelle in Ausserbinn. Zwei 
L<Bt«nerne Tritte führen zur Thäre. Auf dem untern erblickte ich rechts am Rand'; eine 
lusgezeicbuet gut erhaltene, 6*1» cm tiefe Schale. Di« Platte besteht aus Gneisa, die 
Stelle aber mit der Sculptur aus reinem, weisslichem Quarze, was Qbrigens in der ge- 
nannten Pelsart öfters der Fall ist. Sofort nach Erkundigung, woher die«9. offenbar von 
einem grossem Block abgesprengte Stuck stamme, ausgehend, traf ich den Herrn Job. 
Zlauinen, alt Gemeindepräsident, der Indexen nicht mehr aussagen könnt«, als dass es 
ganz gewiss aus der Umgehung komme. So wissen wir denn nur, das» in der Gemeinde 
Anaserbinn ein Schalenstnin existiert hat. Vermutlich wurde der Best zu andern Bau- 
zwecken heuntzt. 




181 



N 



Hieb nach weitem solchen Erscheinmigeu erkundigend, konnte mir der gleiche 
Gewibremann eine sehr beatimmte und wichtige Angsbe machen. Vor etwa UO Jahren 

sah er auf der Alp Tscbamptgen, uiigefilhr zwei Stuudeii Ol»er dem I)orf Im-t'eld, am 
Orte genannt >Im Friecbä«, eine grosse Steinplatte mit vielen solchen Sclialeo, woren 
ein Tbell durch tiefe und breite Hinnen mitclnauder verbunden war. Seither wurde an 
der Stelle ein Käsekeller gebaut und es wäre mßglich, dass aucli dieser Stein als Bau- 
material benutzt wurde. Davon werde ii-li mich nächstens genauer äberungeD. 

Da gew&hnlich ron Ftesch aus d&a ninnenthal besucht wird aud die beiden also 
io enger Beziehung xu ninaiulcr stehen, so sei mir gestattet, au dieser Stelle eine 
interessaute Fieseber Lokal-Sage zu erwähnen. 

Im Westen, aber in nnmittel barer Nfihc des Dorfes Fiescb, sieht man heute dou 
Bircheienwal'l, welcher sich, wie die Menge Fclsenstflcke beweist, auf dem Gebiete eines 
Bergsturzes ausdehnt. Unter die^tem Schtittv soll das Dorf (iross-Äernen b^raben liegen. 
Am Abend vor dem Bergsturze kam ein armer Mann in das Dorf (viele glauben, es m der 
liebe Herrgott selbst gewesen), er wurde aber aberall ohne Almosen barsch abgewiesen. 
Zuletzt hiiii er in der elenden Hütte einer Wittwe Unterkunft. Gleich meldete er den 
Leuten des Hauses, dass noch die gleiche Nacht das ganze Dot-r, zur Strafe för den 
Hochmut und Ouiz der Bewohner, zu Grunde gehn, die gastliche Hütte aber siehn 
bleiben werde. &\ gi'»cha\\ es auch. Wahrend eiues schrecklichen Gewitters brachte der 
Jiauvelibnch den halben Berg hinunter und itberdeckte das reiche Dorf. Doch soll die 
Kirche nur so tief liegen, dass ein »Güggel« (Hahn) die Glocken aufzuscharren vermochte, 
wenn man die Stelle genau kennen würde. (Vor etwa 30 Jahren iiat, wie man mir mit- 
teilte, ein Prof. Nej^Iei- von Lausatiue über den sagenhaften Untergang von Oross-Äernen 
ein langes, uii^'edruckl gebliebene's Gedicht geschrieben.) 

Das heutige Dorf Aemen liegt auf der andern Seite der Hhone, h&her am Berge, 
mit einer weitbin sichtbaren alten Kirche. Piesch gelifirte in diese Pfarrei, allein der 
Weg und die Brücke über die Klion«! sind langst eingegangen, weit im Winter Eis und 
Schnee so geHlhrlich waren, dass immer einige verunginckten. Von der Kirche in Aemcn 
aus soll sich ein unterirdischer Gang bis hinunter cur Klione erstrecken. Auch etwa 
.SOO m ölwr iJer Hbon*! befinden sich heute noch eigen tfinili che ^ngänge in den Berg, 
die man ebecifalls damit in Verbindung bringt. In der Nahe der Kirche und sogar im 
IniierD derselben giebt es ähnlich« Eingflnge, hier FIScklOcher genannt, welche bis 50 
Schritte weit verfolgt wurden. Aber die Leute liatten Furcht vor den Bown (Geistern), 
da ihnen die Licliter ausgiengen. Kin grosser Scliatz liegt naturlich in diesen Gangen 
verborgen. 

Der Godewärgliturm (Godewnrgli, aucli Gogewärgli = Zwerg oder Bergmännchen ; 

I mhd. getwrrge), eine hohe natürliche FelsejisHuIo um Wege von Hescli nacli dem Eggis- 

,'horn, ist längst bekannt. Auch die Feen spielen in den Alpen um Fiescb herum eine 

bedeutende, aber meistens sehr unvorteilhafte Kolle. Sie plagen das Vieh oder spielen 

den Sunnnn .Schabernack. 

Kiner Sage will ich noch kurz gedenken. In der Nähe des Fiese ligletschers heisst 
ein Fehionstock »Burg«, der gegenwärtig frei liegt, aber auch schon mit Eis bedeckt 
war. Hier soll sich da.s Doif Fiesch anntnglich befunden haben, dann aber wegen des 
schnellen Anwachsens d«8 Gletschers bedeutend weiter in das Thal hinab an die jetzige 
stelle verl^ worden sein. V^. %&»«».. 




I 



162 



34. 
Die Gräber beim heidnischen Bühl zu Raron. 

iTaf. XI.) 

Von «inem Kelson ober dem Uorfe UaroD im mUtleni Wallis scbaut die Kirche im 
Thal herunter. Auf gleicher HShe befaiiiJ sich dereJiist die feste Behausung eiccs adeligen 
RcÄchlpiThtes. Die Stelle, wo sie gestanden, trägt heute noch den Naraen >Burg«. Oeat- 
lich davou erhebt sich der sogenannte heidnische Jiiihl zu noch bedeutenderer HObe. 
Dieser Kalkrelsen weist zahlreiche Gletscberkritze auf uud die errattsclien Bl^ke, die 
er aaf »eiti«m Rücken trägt, enähteu von einer Zeit, da die Gletscher, die sich g^en- 
wärtig im Hiiitergruude der Hochgebirg>;-Thftl«r ausbreiten, neit ins Rbonethal, ja bis in 
die schweizeriache Hocbebene hinausge reicht haben. 

Um das Jahr 1870 wurden in einer Wiese am Nordfu^se des lieidniscben BühU zahl- 
nicbe Skelettgräber gefunden und das vrraiilaKste den bekannten Walli^er Kunstmaler 
Eabel Kitz, dem die PrAhii^torie schon manche vortreffliche Dienste verdankt, den ge- 
nannten Hügel zu uoteraucben.') £r eutdeckt« auf der westlichen äeite desselben zabl- 
I reiche Schalen nnd trittähnliche Vertiefungen ; am Südabhang befand sich eine Höhle 
und am Nordfass des Bühls siiess er unter einer Uöhlimg auf Hest« uralter Wohnsitze. 

Cnweit dieser Stelle hatte der Direktor des Genfer Museums, Dr. Oosse, 1871 
mehrere Orflber ontersucbt.*) Im folgenden Jahre berichtete Uiti in einem Briefe an 
Dr. F. Keller von neuen Funden und 1873 deckte Dr. Gosse wieder 22 Gräber ab. 
^ Diese Funde waren sehr interessant. In kleinen Steinkisten von 0,75—0,95 m. L&ogfl 

I bfifaoden sich Skelette, manchmal deren mehrere beisammen, in kauernder Lage. Ihre 
Arme lagen w, dass die Hände die Wangen berührten und die Knie der Venitorbenen 
waren zur Brust binaufgezogeu. Die Leichen schauten uncli r>steu. Die Grabbeigaben 
bestanden in bronzeneu Spangen und Ringen. Seltener kamen andere Schmucksachen 7.um 
Vorschein oder Waffen und Gerftte. Es &nd sieb jedoch ein Teil einer Fibula und 
«in Tbongefäss, während ein eiserner Wurlspiess verloren ging. 1872 wurden nach Ritz 
wieder Spangeo und eine Stecknadel von Bronze gefunden. 

In den folgenden Jahren kamen Gräber zum Vorschein, aus welchen HaUringe 
<Tor(jue$) etc. enthoben werden konnten. Diese Funde gelangten nach Bern. Der Direktor 
des Berner Antiquariuma, Dr. E. v. Feltenberg, der uns in liebenswürdigster Weise die 
Zeicbnuugen der Walli^raachen in dem ihm unterstellten Museum zur Verfügung stellt«, 
nabm selbst Ausgrabungen am heidnischen Bühl vor. Er fand auch wieder Steinkisten 
von 00—70 cm Unge und ca. 50 cui Breite, welche sog. Hocker, d. h. Skelette in 
kauernder Stellung enthielten. Beigaben fehlten. Die Steinplatten zu den Kisten he- 
standen aas dem Kalk der Malm- und Trii>s9cbichten der Umgegend. 

Weitere Grabfunde aus Itaron gelangten ins Museum Sitten. Sie bestehen in einer 
Fibula italischer Form, die aus der ersten Eisenzeit stammt und einer Kinderrassel 
aus Bronze, welche an einem Bronzedraht aufgehängt ist. 

Auf Taf. XI sind die im Antiquarium Bern befindlichen Object« aus den Orätwni 
vom heidnischen Bühl in natürlicher Grosse al^ebildet, Fig. 1 ist eine eiserne Speer- 
spitze, wohl dos Stück, das 1871 »verloren« ging. (Ver^l. Anzeiger 1873 p. 399— 401). 



*i AazeiKeJc für »chweiKuriscbe AlterthunukoDde U. (1679) p 809. 

■j ibid. p 4öa 



183 

die einiige Waff*. die in den Qrftlwni von Uaron zum Vorschein kam. AHer- 
diogs hat Thioty schon 1870*) einen DäHenkeK sus Uronze erwähnt, der Jo diewr 
Gegend gefunden wnrde, nher «s scheint derselbe nicht aus einem Grabe xii stammen, 
«mderii ein vereinzelter Fuud /.u sein. 

Flg. 2 und 3 repräseotieren zwei Geräte aus den Dr&berii vuni heidnischen Bühl. 
Du erster« ist ein W«tzsU>in, das andere ein Fragment einer Schale am feinem, 
grauem Thon. Ihre Form weist auf die erste Eisenzeit. Scherben aus uniwrm Fundort 
liegen in mehrereit Huaeen, aber nur bei wenigen derselben l&sst sich mutmaasen, welche 
Form die Gefässe hatten, denen sie angehörten. So scheinen einige Scherben in Bern von 
einem dickwandigen Teller her/.uiitammen. 

Fig. 4 unserer Tafel ist ein Gfirtelhaken aus Bronze. Sädw&rts der Alpen ist 
diese Fon» nicht selten, doch kommt sie auch in der schweizerischen Hochebene bie 
und da vor. Ja. man fand diesen Typus sogar im Pfahlbau Mörigen •) im Uielersee. In 
den Grabhügeln von BofTlenä und Valeyres*^) (Waudt) entdeckt« v. Boustetten mehrerti 
solcher Gnrtelhaken nnd auch in BJsikon bei Illuau*) [Zürich] kam ein ähnlicher zum 
Vorschein. Ueberall repräsentieren sie die erste Eisenzeit. 

Die gereifelte Arraspange, welche Fig. 5 darstellt, erinnert an verwandte Formen 
in Ffahlbauten. Seltener sind d^^egen Uiuge, wie Fig. 6 einen darstellt. Vs ist ein sog. 
Torqu«:) oder Halsring, dessen Enden eingerollt erscheinen. In der Uitte des Umfang» 
weist er Torsion auf. Derartige Ringe sind in der Schweiz bis jetzt in geringer Zahl 
gefunden worden. In Pfahlbauten felilcu sie gani*., mit einziger Ausnahme von Colombier'), 
wo ein untordiertes Kiemplar zum Vorschein kam. Im Khonethal findet man sie etwa 
in Qräbern. Abgesehen vom heidnischen Bühl bei Karoo, wo 3 solche Hinge vorkameo, 
alle von nahezu derselben Weite und demselben Aussehen, fanden sid sich in Granges 
Sion und Charpigny ^) bei Aigle. 

Der Torques von Granges*) gleicht dem abgebildeten Stück. Er lag zusammen mit 
einem Dolch und einer Schmucknadel. Intoroisant ist nun, dass in dem Grabfund von 
Sion '°), welcher einen übnlicheu Ilalsiiug enthielt, auch eine Nadel lag, die ebenfalls einen 
mit Perlen besetzten grossen Kopf trug. Da dieses Grab geeignet ist, die Bestimmung 
des Zwecken unserer Halsringe zu erleichtern und deren Alter genauer zu filieren, so 
mag es sich rechtfertigen, auf dasselbe uäher einzutreten, lils lag in der Uue de Lausanne, 
gegeuöbor dem Hotel zur Post, in U — 12 Fuss Tiefe unter der Enloberfläche, 3 Fuss 
tief unter einer Altern Vogetationsscbicht, Im Geröll der Sionne. Im Grabe, welches 
Q Fuss lang. 2 Fuss breit, 1,5 Fu» hoch und aus Steinplatten zusammengesetzt war, 
iMfand riich ein Skelett. In der Halsgegend desaelbi-n lagen nun G Hinge von der Form, 
die un.sere Fig. 6 zeigt, bildeten also eine Art Halskragen und erianem dadurch an 
entsprechende Funde in Nord deutsc bland. An jedem Arme trug das Skelett 5 Bracelets, 



*i Anzeiger für Bchweiz. AlLerthucti^kuiide 1 ri970) p. 171. 
*l Mitlbcilungren der Antlq. GuselUirb. Zürich, Bd. XTX, 3 T«f. Vm. ö u. 10. 
•) RecuDJI d'Antiquitc's Su«a«w. II. Suppl. I'l. DI, 17 and 19; PI. IV, 3 und 4. 
*i Anzeiger ftlr Schweiz. Alttrthiimsktiiidc VI U888> T»f. fV, 6, 
•t Mittheil. H Antiq. Oe««Usch. Zttrich, Bd. XIX. a Tat. XI, 7. 
*i V. Boiistetten: Recueil d'Anliqiui&i Solittes PL \1I, 7. 
•► Vergl. V. Bonstetton; Becn«il PI. fV, « 
*•) Anxeifccr f Schweiz. Geschichte n&d Alt«rlhama1un4« \Wi ^. '\Xl xi.'\%i.\N,*»r-^. 



184 

wovüD je 4 gleich grosse den hoLi«n, reich venierl«!! Armspangei) der westschweizeriscbeti 
Pfahlbaiior glßicheii, äasf fTinftp etwas grOsser war und aus zusammengebogenem Metall 
b«»tand. Id demselbea Grabe lag noch die groüse Kopfhadel, die oben ernäbut wurde 
und eine Bronzefibel, deren halbkreisfurmiger Bdgel, ähnlicb den Arinspaiigeu, mit Kiug- 
Anliäng^ln verseilen war. Es kamen in der Nähe noch mehrere solche Skelettgräber 
jnit St«iukisteD Tor. Aodere Grüber in der Kue de Lausaunt:, die tiefer lagen, enthielten 
verbrannte menschliche Äsclie in Lrueu, dereu nur noch wenige erhallen tiind. In der 
Schweiz gehören dit* Urnengrfiber mit verbrannten Knochen grösstenteils der Bronxeperiode 
an, während in der ersten Eisenzeit allmälig wieder die schon in der Steinzeit übliche 
Sitte der Beerdigung Platz grilf, uud du gehören denn die Skelettgräber von Sien sicher der 
Kisenperiode an, also aucli deren Beigaben. Ü&ss die Bronzen grosse Aehnlicbkeit haben 
mit Pfablbaufundeu, ändert daran nit-bt5.donn die Jüngern Object« ausden >ßrnnzestationen< 
unserer Seen sind ganz zweifellos der HalUtattzeit zuzurechnen. Lieberhaupt musaman von 
d«r Idee, es hätten die Pfiahlbaiiten der Schweiz ihr Ende erreicht, als in Zentral-Europa da» 
Kisen bekannt wurde, abgehen und ca wird nicht schwer sein, den Beweis zu erbringen, dass 
j in un.serm Lande noch das »bei äge du broii/e lacu^tre* herrscht«, w&hrend anderwärts 
1/ in Europa längst die volle Eisenzeit angebrochen war. 

Fig. 7 und 8 unserer Tafel stellen zwei Ohrringe vor, von denen der eine nur 
fragmentarisch erhalten ist. Beide bestehen aus dünnem Bronzedraht. 

In Fig. 9 ist eine Bronzenadel abgebildet, wahrächeinlicli die Stecknadel, welche 
Kitz unter den Funden von 1871 erwähnt. Sie hat einen kleinen runden Kopf, der 
keinerlei Verzierungen trägt. Auf dem etwas >gttscbwoUenen* Teil der Nadel unterhalb 
des Kopfes iät eine Keifetuug beoaerkbar. Derartige Nadeln sind in Ffahlhaustationcn 
sieht selten. 

FasHen wir zusammen! Die Funde aus den Hockergräl^üm vom heidnischen BülU aa 

Haron stammen auä der ersten Kisenzeit. Typiscli«? Formen jüngerer Epochen fehlen vollständig 

darunter, aber auch die Bronzezeit ist nicht vertreten, denn die den I'fahlhaufunden 

fthnelndeu Objecto geboren einer Periode an, die das Eisen kannte. Uebrigens beweibt 

die Speerspitze, dass unser Nutzmetall par excellence auch am heidnischen Bühl in Oebranch 

war. Der ßürtelhakett von lUron weist auf Verbindung mit dem Süden. Ks ist nicht 

das einzige Mal, wo wir im Khunetbal das bemerken können. Dieser L'mstand beweist, 

idass schon Jahrhunderte vor unserer Zeitreclmung die Pässe der Walliser Alpen 

j SberRchritten wurden. Die historischen Nachrichten Ober Einfälle der GebirgsrAlker in 

/die italienisclie Tiefebene und die Notizen über die Gäsaten gewinnen durch diese Fimde 

( erst ihren reellen Hintergrund. J. Heieru. 



Antiquarische Funde aus dem Kanton Sotothum. 

Seit dem Erscbeioeu der »Aelteateo Geschichte des Kantons Solotbum« (18d0) 
sind wieder eine Anzahl antiquarischer Funde gemacht worden, wovon als wichtigste 
folgende genannt sein mOgen: 

b) Erstes Stelnzeitatter. 
IfSMenfunä in einer Felsenspaltc unterhalb des Schlosses Thierstein; schon kura 
erurshat w dJesvr ZeitscbiiSt, Jahrg&og 1891, Seite 442. Die ausföhrlichste und beste 



» 



185 

Beschreibunfjdarfllwr giebt Rütimeyer in den «Verhandinngen der natnrforschenden Owell- 
»haft in Basel«, Band IX, H«a 2 <]891). 

b) Zweites Steinzeitalter. 
Steinbeile aus Serpentin, Nephrit et«, werden bei uns sonst meist nur in Pfahl- 
bauten gefunden. In Qi^nden, wo kein gr&seres ruhendes Gewässer ist, trominen sie 
selten vor. Zu den 4 (resp. 6) solothn mischen Steinbeilen vom trockenen Lande kommt 
nun ein dunkelgrCmes Steinbeil aus einem Acker in Schönentoerth , jetzt nobl in der 
Sammlung von Fabrik b<>;äitzer Rd. Oallr senior (3^tt«ilung von Bezirkslehrer Mutb). 
Ueber die diesjährigen Pfablbaurunde im Inkwilersee geben sowohl der Finder und 
Veranstalter der Grabungen, H. Fiacher-Sigwart, im ZoÖnger Tagblatt vom 3. und 4. 
Juni 1892 mit Fortaetznng im Bemer Laodboten vom 29. Juni 1892, wie auch Heierti 
in dieser Zeitschrift 1892, Seite 90—92, auaföhrliohen Bericht. 

c) Zeit der Bronzewaffen (vor 200 vor Christo). 
Eine bronzene Lauxenttpitr.» ivurtie nördlich von Lutcrbuch beim Oraben du Aare- 
Kmmekarmla entdeckt. (In der Nähe fand man die Heste von alten B rücken pf&hlen -- 
Plan und Abbildung werden spater folgen — und drei römische MüDzen.) 

d) Rtlmische Zeit. 

7o der Au^.ahluug der ällesteu im Kantou Solothnrn gefundenen RDraermQDzen 
(250—30 Jahre vor Christo) ist ein Denar des Lucius Hnbrius Doseenus (74—68 v. Ch.) 
«U3 der Gegend von Solotburn nachzutragen. 

Komische Monzeu aus der Kaiserzeit (Silber und Bronze) wurden seit 1890 ge- 
funden: in der Stadt Solothurn (an verschiedenen Orten), in Fddbrunnen (nOrdllcb von 
der Landstrasse), Bariswil bei Selzach (im sog. fcFlury-Acker«), Lostorf (auf «Reck- 
holdem*, westlich der Kirche und im »Kebgarteii« unterhalb des Schlosses Wartenfeie), 
femer, wie oben erwähnt, in Luterbach, heim Gmhen des Aare-ICmmekanals. 

Tn ÖosstiwU liegen in einem Acker in der sogen. »Kohlhfitte« im Au.^9erfeld 
(Eigeuthum von Kantonsrath Fuicb) etwa 45 cm tief unter dem Boden grosse Stücke 
römischer Leisten ziegel, oft zwei bis drei übereinander. 

e) Frllhgermanische Zeit 
I Zu der germanisch heidnischen Sitte, am Firatbalken der Tenne, resp. Heudiele) 

einen Üchseoschädel als Abwehr gegen Vlebpresten aufzuhängen, kommt ein neues, viertes 
Beispiel aus dem Kanton Soluthuru. In Wolfml, im Hau^e des Beat liauher (Sohn : 
Eduard Kauber, Qemeinderath) ist ein solcher uralter eingetrockneter Schädel noch in 
situ zu sehen. Seit wann er da hangt, weiss Niemand. Professor Huuziker in Aarau wird 
diea seltene Ueberbleibsel alter Sitte photographieren. 

f) Franzosenzeit 

Wie beim Heranrücken der FranzoMu, 1798, Geld and Kostbarkeiten in Sicherheit 
gebracht wurden, davon wird manche lustige Schnurre erzählt. Ob die nachstehenden 
Funde bei jenem Anla^s in die ijrde kamen, mag dahingestellt bleiben. 

In Losiorf stiess man kurzlich beim Graben der Bninnenleitung in der Wiese 
unterhalb der Säge auf 25— SO ältere Münzen, meist Silberstucke der eidgenössischen 
Stände Born, Bai^l, Luzern und französische mit dem Bilde Louis XV. (Uittheilnng 
Tou QaathofbeütKer Onldimanu zum Bad Lostorf.) 



I 



i 



^^ TOU UaatuoibeutKer uuiaimanu zum üad Losiori.) 



Ein älterer derartiger Fund, welcher aber verdient, wieder aufgefrischt zu werden, 
i»t derjenige vom 20. März 1835. Damals faod eiu armer Mann tou ObergÖsgm uut«r 
einer 'IVine, die er gefällt hatte, einen Topf, welcher mit. fran^^ischen Npiitlialera ge- 
füllt war. darunter zwei Goldstücke. Der Wert des Ganzen betrug 300 (alte) Frankeu. 
Gold tiod Silber hliiikLeu noch so ^bfiu, wie wetiii sie eben erst aus der Prftgstätte 
gekommen w&ren. (Solothiimer Blatt vom 4. A{H-il 1835.) 

K. Ukistsrhans. 



». 



^■^^^ Die beiden Erlinsburgen zwischen Niederbipp und Oensingen, 

^^^^^^L Von Dr. K. Utitterhana. 

^^^^P Die Lehnäub, welche die beiden Briinsburgen trägt, ist ein der ersten Jurakette 
^^^Torgelagerter. schroff abfeilender Felsgrat. Der Absturz ist im Norden, Sflden und (»sten 
^^ 90 senkrecht, dass nur schwindelfreie Personen es wagen dürfen, bis an den Hand des 
[ «hraalen, 5 — 25 m breiten Flateau's heranzutreten. Die Aussicht, die man viini Kamme 

^H herunter geniesst, gehört xwar nicht zu den umfassendsten, aber jedenfalls zu den ent- 
1^ zöekendsteii, die der Solothiiruer Jura gewährt. N<>rdlich si«bt das Auge mit Wohl- 
gefallen in das anmutige Leaenthalcben hinunter; im Osteu und Westen breitet sieb auf 
die weiteste Enifernuiig bin, wie ein Garten, das herrliche Aarethal mit seineu zahl- 
reichen Ortschafton aus, und im Süden iKhweift der Blick über Kiirzogenbuubsee und 
B Langeuthal hinaus zu den Voralpeo und den dahinter liegenden ßergriesen. 
^ft Auf diesem isolierten uiui schmalen Felsrücken liegen die Trümmer zweier Burgen, 

^B di« Mg. Obere und die Untere Krlinshurg. Beide Burgen sind durch «inen unäber- 
uteiglichen Absturz des Felsenkamms, durch welchen auch die Kantousgreoze vO'Q Bern 
und Solothum geht, von einander getrennt. 

Die westliche (bemische) oder Obere Erjiniburg wird Ton Westen her, wo der 
Felsgrat sich an den Abhang des Jura anlehnt, erstiegen. Links vom Eingang, den 
I man kletternd erklimmt, ist eine grosse, schon vom Tbal aus sichtbare, cyklopische 

[ Mauer (a), aus meterlangen Felsblöcken aufgethürmt. Kechiä davon folgt die Umfassungs- 

^H mauer, welche (bei c) 1, 50 m Dicke bat, dem Rande des FeUens bis tu eiuor Gio- 
^ Senkung (e), welche rings irramaoert ist nnd wahrscheinlich ausserhalb der Befestigung 
gelassen »urde. Im Norden, östlich von einem senkrechten Felwneiuschnitt (>Keller< 
geheissen) liegt ein schmaler, gemauerter, nur t m breiter Durchpass (f). Das ist das 
Wesentliche der Befestigungen der Obern Erlinsburg, die, grossartiger als diejenigen 
der Untern Burg, schon vom Thale aus (vom >I>ehnc her) dem Bescimner anlTallen. 

Auch bei der Ostlichen (solothumischen) oder „Untern Erlinaburg" liegt der Zu- 
gang im Westen. Jene Eiusenkung des Felsen kam loes nämlich, welche die beiden Burgen 
trennt, ermöglicht auch die Besteigung der zweiten, tiefer gelegenen Burg. Ist man 
auf dem Plateau angelangt, m bemerkt man eine Erhöhung (bb), welche die l'/t— 2 m 
hohen Mauerreste eines viereckigen Thnrmes trägt, der 4X4 m im Lichten mass. Aach 
hier folgte die Um&ssungsmauer im allgemeinen dem Felsenrand, nur dass auch hier 
eine abschüssige Stelle (d d) im Norden ausserhalb der Befestigung geblieben zu sein 
.scheint. Was die viereckige Vertiefting (bei e e) war, Uuwt sich ohne Grabungen nicht 



• 



187 

wohl auamacbeii; dagegen ist noch gaim deutlich — der im Volke berühmteste ITeher- 
rest der Krliuabiirgeii — der ruode Sod, oder die Oijterne (ffj, die, nbscliun beständig 
Laub biuabf^llt. uad obachon jeder Besucher Steine auf den Grund zu werfen pflegt, 
heute noch eine Tiefe von 3 Metern hat. Das ist die ganze ßurganlage. .Ji>n<;r<it8 
(östlich] von der Uurgf^äche. beginnt der Felsenkamm stufenweise sich leicht zu senk^u, 
bis er endlich in schroffem Abfall »enkrecht zur Tbaltwhle uiedersteigt, geichstm eine 
Vormauer der Oensinger K\m bildend. 

In den Urkunden des Mittelalters wird immer nur «lue eimige Eriinsbttrg (Erlit- 
purg; ErrUisbury, Emlispurg, Emstlispurg ') genannt, und es ist damit die Obere 
Rrlinshurg gemeint. Die Untere, deren alten Nam«n wir nicht kennen, scheint damal« 
schon iu Trüinraerti gelegen zu haben, und nicht weiter beachtet worden zu sein (vgl. 
den Schi uss dieser Notizen '). Vor die^ier Ot)eni Erlinsburg lag, wie heute noch vordem 
Kingang der Obern Burg {die l'ntere hat überall schroffe Wände) schon um 1332 eine 
Sennhütte *). Die Hurg gehörte damah den Grafen von Froburg, sammt dem ganzen, 
südlich davon gelegenen Herrschaftsgebiet bis lur Aare. Zum Herrechaftsgebiet der 
Krliusburg aber rechnete man die Dörfer Niederbipp, Waldkilchen. Walliswil, WMfisberg, 
WQlden und Hofenhäusem. Dies Gebiet zerßel in zwei Teile; In das eigentliche zur 
Burg gehörige Feld, au» dessen Ertrag an Qeld uud Getreide die sog. »Bui^hut« (der 
Unterhalt der Besatzung) bestritten wurde, und zweitens aus den genannten Dörfern, 
deren Steuern, jAhrlicii etwa 80 Pfund BoslerwähruDg, den Oberhorren, den Grafen von 
Froburg /uHosseQ. Den Einzug der beideräeitigeu GeHiUe besoi^t« kurz rot 1332, im 
Auftrage der Grafen von Froburg, der Eildelknecht Kuno von Soppeosee. 

So stand die Sache biä 1332. In diesem Jahre aber versetzte der Graf Joh. von 
Frobui^. seinem Oheim, dem Grafen Uudolf v. Neuenburg-Nidau, die Krlinsburg mit all 
ihren ZubehOrden und Gerechtsamen um 8O0 Pfund Solothumer Pfenuige. F^ wurde 
beim Verkauf festgesetzt, dass die neuen Herren 80 Pfund von den Steuern dei Leute 
und den Ertragnissen der Burghiit-Gfiter wegnehmen dürften. Sollten aber die Einkünfte 
der iBurghut« nicht au^ireichen, so dürften die neuen Besitzer die Bteueru auf die Leute 
erhöhen •). 

Ob das Basier Erdbeben von 1856, das 60 Jurahurgen zerstArt haben soll, auch 
die Erliosburg traf, ist nicht lu ermitteln *). Föufzig Jahre später fltiden wir sie 
wenigstens noch für Knechte, welche die Burgwacbt hielten, bewohnbar "). 

') ErlUpurg 138» (Abschiede 1. p. ä^ia ti. 40>; 1406 (Solotb. Wochenblatt 1834, p. 3ti0, d. 2). 
— Emtitburg 1332 (So). Woch. 18^6, p. 41—46). — Emiitpurg U06 (SoL Woch. 1824, p. 360 ff.); 
I41S (Sol. Woch. am [>. 349— 35A). - ErnaÜiupHrg I4llT (Ahachicde I, p. 123, o. 369). 

*i Da man unten an ilur Fliih Avr Erlin»bnrj<fu im G«röU viel RömermUnBen findet 
(Attest« Ueschichte A^^ Kantons Sobth. p. !)3 — ; auch gegenwärtig iind im Privatbesitz in 
Bipp von bier ein Domitian von Uold nnd ein Clnndiua II von BroDte; andere bjit Hr. Pabri* 
kanc Schweizer in WangenX ko glaubt Hr. Pfarr«r Flnckiger in Ni«derhipp, ein nifriger Alter- 
thunifoiscber, daaa beide Borgen auf römische timodlagen Kurückgeben, aber iui Mitt«lall«r dut 
die ober« wieder aufgebaut worden äci. Aneh Albert Jahn i,Der Kanton Bern, p. 484) hielt 
die Burg mit, dem Sodbruunen lllr rUmisob, ebeniKi .lakob AmieU 

•) Solotb. Wochenblatt 18«0, p. 41— 4a (1883). 

•) Ibid. 

*l lu der atlerdings anvollMlflndigen Aafxfihlung; in Wur«tisens Chranik fehlt aie. 

*) Sototb. Woch. 16ä4, p. 364— 86& <140B): ^So auf den Vestinen Bipp und ErDlim^ui:«^ 



ISS 



Mittlprwnl« nr darch den Tod des dndm km Neoaibarg-Nidau die Erltosbi 
H7h an Th)«t>inn gekommen, vod vo sie darcb VerpAndUDg tarn Teil an Kibttrg 
(187B) Qud durch weitere Wrp^dimg InUeise aucb ao (testeireJcti (1385) kam'). 
Die Verwtrrgnf^ iufolgp der immer weiter Ketieuden Verpßlndung masste 1380 tlurcb 
ein Schiedifgericht geregelt werden *). Im Kibuigerkri^ war aucb die Herrscliafl Etüds- 
bürg, gleich witf Oberbi|tp. Wiedlishach, Waiden, Olten, sUrk beteilig wesbtlb sie im 
Rcbenj&brigea Frieden ton 1380 bewoders geiuuinl wird*). Auf BcxhAdigaogen, welche 
die Erlimbarg wahreod dieser Kämpfe erlitten latte, durfte die Naciiricht ti>d einer 
bald nachher rorgenommeiKD Ausbeaaeruiig der Bedacbuiig. Brücke n. s. w. deuten. Aucb 
die FreJIiurger zahlten damabi 100 S Heller an die HersTtellaogskAsten, vofär ihoeo 
Oesterreich am 24. »ai I3ä5 die fo^^eode Quittung auntellti': >Deii frooien wisen dem 
»•efanllb^isäe», dem rat und den bürgern gemeinlich ^e Friburg im Oechtland enbtete 
»icb. HausTnichseu: ze Walpurg, mines gwedigcn Herren bertiog Lupoltt von Ost^rricb 
•l&atvogt etc. und Herrnou von HubendorB und Wemlt Schenk rou Bremgart unwr 
»willig diensU ftls nmb die hundert [ifunt Italler, m ir her u,i ^ebent sont dem egenaiiten 
>V0D Bobendorf. damit man die ve^tinen Wietlispacb, Bipp und KrUspurg tek(*n uod 
•die btuggen und andre ding so notdürftig ist te biiwen, buwont wirt. Da versprechen 
9und geloben l>ch wir alle drig, daz der obgenant« anser Herr von Österridi ach 
»diMlbeu hundert pfunt haller an üwer reituog legen und abziehen sol an alle (ureug 
»und geverde. Mit Urkund dis briefe bedgelt offeulich mit unaem ufgetrükten in- 
»sigeln etc.« •") 

1406 gab daim der Graf von Kiburg seine Rechte auf die Rrlinsburg (mit den 
xugeliörigeu iKirttTn, nmml den Hechten auf die Herrscbafl oborbipp utid auf dus St;idt- 
chm Wiedlisbacli) an Bern und Sololburu ab'*); UU7 tbat t>e8terreich in geheimem 
Vertrag uiii Ituru duaelbe *'). und UM trat auch der (traf v. Thierstein, ebenfalls in 
geheimem Vertrug, seine Iteehte an Sototbuni ab "). 

Damit war die Herr«rhaft KrlJnsburg (gleich wie überbipp und Wiedlisbach) 
definitiv in uidgeoOHiischen Besitz übergegangen: aber zugleich damit hatte sich auch 
ein argci Streit zwigeheu .Sotothurn und Bt^rn eingestellt, zu desaeu Beilegung Im Früh- 
jahr 1413 ein eidgenCHÜsche:) Schledägeridit in Bern /.usaiiimeii kommen muRste. Diesvji 
maclitu die Hechle und Anspräche beider Parteien, welche, dui'ch den Vertnig mit dem 
Thientteiner, auf Solotliuruer Seite gan/. erheblich gelegen waren, wieder gleich: immer- 
hin gegen IJntschidigung von Seite Bern.t "). 

Die gemeinsame Verwaltung der Herr.«haflen ICrlinsbu% Oberbipp, Wiedlial 
und Ikchhurg durch Bern und Sotothuro war aber auf die Dauer uuhaltbar. 
2(>. Februar 146U versammelten Hieb desühalb zu .legistorf, einem Dorfe, daa in dnn 
allen Bünden zwiachen Solothum und Bern (1308 und 1345) als Schiedi^erichtaort bc- 

*J T. Uttlincn, Beitrfl^ zur Ueünotkonde Si, p. 38— :M. 
^ Abschiede I, p. 44», n. 884 |IB60, II. Juli). 
^ AbscbiiMlc I p. »2&. u. 40 (13011, I. April). 

'") Vf rni, Itariieil diplutnatiriue du Cnnum d« Priboorg IV., p. 171, o. 1^6 |.:M. Uttl 
Da« ÜriipuaJ im KonlonxfirdÜT Freiburfc. — 

'*) Sül. Wor-h. isai. p. 36()-;«u luo«). 

*■) AbttDbiede 1. p. i£2, n. -iü» |1407, 11. Okt). 

") Soloth. Worbcnbl. IH24, p. »87-344 <I41I, 18. KoT.>. 

'9 Solotii. Wucli. ISM. p. Mtf— a&b (Ulä). Abvcbiede I, p. ItW. 



189 



zeLcfaQ€t wordeu war, die Boten d«r beid«a SUnde 2ur Tbeitung der gemeinsam eo Vogteieo 
docb ohne Brfolg. ^*) Nene Konferenzen darüber fanden acniaun im April und am 
Ib. Mai des Jabres 14G3 statt "^); ebenfalls obne Kesullat. EndUcb sandte Bern am 
23. Mai difiaes Jahres eine endgültige Gesandtschaft an 8oIothurn, welche eine definitive 
Antwort begehrte nnd den Solothurnern die Wahl nnter dpn HorrscbafUn frei atellte. ^•) 
I äolothura entachied sich für Bocbburg, wohl um die KUs in seine 0«walt xu bringen, 
und damit fielen die Erlinsburg (mit Niederbipp), Oberbipp und VViedlisbacb an Bero. 
Seither ist die eigentUcbe oder Obere Erltnsburg ikeniisch, während die Untere Kuine 
— weil zum ehemaligen Gebiet der Uerrscball Uecbburg gebOrig — auf Solotburaei 



Gebiet liegt. 




* 



k 



37. 
Zur Baugeschichte des Klosters Einsiedeln. 

In dem intereswinten Aufsätze von J. Zcmp ober alin Abhildiingen dra iStifts- 
baues Maria'Eiuäiedeln (Xro. 3 de? »Anzeigers« von 1692) wird unter aoderm auch 
der Bau des sogenannten imteni Münsters beaprochen, welcher nach dem Brande von 
14()7 unter der f^eituti^ des Etinhcrrn Raniaba» von Mo^ax uusgnführt wurde. Hanpt- 
()rielle für die I^construction diesem Baues sind eliiestheiU die to» Prof. J. U. Kabu 
bereitet früher (Anz. 1881, S. 141 IT.) besprochene Innenanfticbl voo Martin Martini aus der 
Zeit um 1610, anderstheils der Pergamentgmndriss von 1633 (beide reprodociert liei 
Kuhn, der jetzige Stlftsbau Maria-Einsiedeln, pag. 6 mid 9). 

Wir uiüi^^bten im Koignndeii den ßrklilriingen, welche llahu uud '/,emp zu diesen 
Zeicbnungei) gebe», einige Bemerkui^n hinzufügen: 

1. .[. Zeuip (S. 94/95) glaubt annehmen zu mlleu, da« du südliche NebentM^hiff 
bedeutend niedriger genesen sei als d»8 nördliche. Zti dieser Slipposition bieten jedoch 
aacb uiiii^rer Anschauung die Zeichnungen keinen An1a<». Auf dem Martinischeu 3ticli 
will der Zeichner ganz entschieden die Arcbtvolten, Seiten:^biff-LJen-ölbe und Seitenschiff- 
Fenster auf Iveiden Seiten gleich brich angegeben wissen, Aus dem Umstände aber, das» 
die Fenster de:« MittelschifTt> auf der Südseite tiefer herunter reichen als auf der Nord- 
seite, darf man nicht auf eine nngleicbe Höhe der Nebenscbiffe im Innern schliessen; 
er erklärt sich einfach aiN der grrisscm Breit« des nördliclion Seitenschiffs: hei gleichen 
Dacbschrageu musste das Tuttdach anf der Nordseite notb wendiger weise böber an die 
Hauer des HauptscbiDTs hinaufreichen al» das auf der Südseite. Man darf daher, soweit 
es sich um die Innenansicht handelt, wohl kaum von ein^ »unschönen A^jmmetriec der 
SeitenscbifTe sprechen. Vielmehr erblicken wir in der Anordnnng der Altarkapellen 
zwiiichen den Streben der Nonlseite ein recht geschickt gewähltes Auskimfttmittcl, om 
die beiden Nebenschiffo trotz ihrer uogleicben Breite dennoch symmetriHch zu gestalten. 

2. Im Uebrigen gehen wir mit Zemp durin einig, da^it dem Kircbenbau, welcbon 
der Marliniscbe Stieb darstellt, die Idee einer Hallenkirche xu iJruude liegt. Wir glauben 
sogar nachweisen xu können, dass es nach dem ursprQnglicben Flaue eiue wirkliche, voll- 
ständig durchgeführt« Ualleubaute (obne Oberfeustor im MittolschifT) war. Man weiss, 



I 




"> Hiiffner, äolotli. Schiiw-Plats: U, p. 3«8. 

"' UmlRior ibid. — l>ttzu Abschiede U, p. 947, o. 518. 

'*; lUffbcr ibid., p. UÖö— 0139. 




190 



das0 anter dem Baoherni Barnabas vod Moeaz (f löOI) bloss die Seiten scbiffs ^ew4lbt 
wurden, und ctä^ das Gewölbe des Mittel^biffs erst UDt«r Fürstabt Joachim (1544—69) 
ausgeführt wurde (Kuhn pag*. 4, 5). Kun ist ee oicbt ganz richtig, wenn Rahn ($. 142) 
augiebt, dass auf dem Martiai^cbeu Stiebe die Kippen des Mittelg-ewOlbes an den 
Wänden spitz zuirdminenlaufei). Die Kippen stebeu vielmehr auf einem Mauerabsatx. 
Ad der Nordaeit« ist derselbe sehr deutlich. Aber auch an der im Dunkela liegenden 
Südseite kann man ihn verfolgen. Allerdings tritt er an den Fensterleibungen, die er 
etwa in halber Höbe durchschneiden mutete, uiciit zu Tage; ohne Zweifel hatte man 
ihn hier absicbtiicb vertuscht, indem man die schmalen Flächen zwischen den Fenster* 
licfatem und den Scbildbogen durch eine Aufmauerung verkleidete. In denjenigen 
Schildbogen dagegen, welche keine Fenster enthalten, und namentlich am Asttichen Rnde 
der Wand, ]&sst sieb der Mauerabaatz auch auf der Südseite ganz sicher koustatiereu. 
Für diese Mauerabsätze giebt es, wie uns scheint, nur eine Erklärung: sie sind die ur- 
sprünglichen obern Enden der Maaem, auf welcheu unmittelbar die ehemalige Sache 
Decke auäag. üälten die Wände des MittelscbifEä schon zur Zeit der äacbeu Decke 
über diese Linien hinaufgereicht, so w&re das Daaein der Absätze völlig unverständlich. 
Dftss man dieselben dagegen später beim Aufsetzen des Gewölbes aasüparte, erklärt sich 
wohl auf einfache Weise: hier lagen die Langhölzer (Mauerlatieu), auf welchen das 
Deckengebälke ruhte; wenn man die obern Mauertheile um die Breite dieser Hölzer 
zorücksetzte, war es möglieb, das ganze Oewölbe auszuführen, ohne die flache Decke vorher 

negbrechen zu müssen. Ist das Gesagte richtig, so ergiebt sich 
daraus, das die Fenster des Mittelschiffs erst bei Anlass des 
Gewölbfibaues entstanden sind: für die der Nordseite musste 
man den Platz aus.'wbli esslich in dem neu aufgei^tzten Blauer- 
stück suchen, die der Südseite konnte man, weil hie; das 
Seitenscbiffdach niedriger war, ein Stück weit in die alte 
Mauer berunterschlitzen. Wir kommen also tu dem Resultat, 
dass nach der ursprünglichen Anlage nnter dem Bauherrn 
Uamabas von Mosai die Kirclie eine wirkliche, richtige Halle 
war. Damit muss auch der von Rabn (pag. 142) geäusserte Verdacht schwinden, als 
hat>e Martini die Säulen unverhältnissmässig in die Länge gezogen. Ihre Höbe verhält 
sich auf der iCeichnung zur Breite des Mittelschiffs ungefähr wie 10 zu 7, ein Ver- 
hältniss, das für eine Hallenkirche gewiss nicht übertrieben ist. 

3. Nach dem Grandrita hatte das Schiff vier Joche in der Länge. Es ergiebt sieb 
daraus, dass auf dem Martinischen Stiche die Wet»tfii^de als weggehoben gedacht ist; 
der kantige Pfeiler, welcher links im Vordergrunde die Archivolte trägt, ist daher 
nicht ein wirklicher Freipfeiler, sondern ein Stück der Westmauer. K. ST£Htlll. 



38. 
Die Wandgemälde der BarfUsserkirche in Basel. 

Von Dr E A Stßekdberg. 
Taf. Xin. u. XIV. 
(.Scbhu».) 
Was die Technik der Qem&lde anbetrifft, so ist sie im ganzen Zyklus dieselbe: schwarze Kon- 

toren and dünne helle Farben, aufgetrageu auf eine ziemlich fein präparirte weiaae Wandfiäche. 



I 






Die IdDieQ mud sicher gefährt ; tod V'orzeichnaDgeo oder Eorrekturea ist nichts 
iralinucehmeD ; der ganze Zyklus achoint aus (Einern Guss und von einer Hand. Das 
erster« iat zu betonen, da eine einbeitUche Idee nicbt darcb die Bilderfolge gebt; es 
sind vielmehr verschiedene Gruppen, die unter sieb eine gewisse Korrespoodenz, aber 
mehr kdastteriscber als inhaltlicher Art zeigen, wie die GegenQberstellung zweier Reiter 
und zweier Paare wigeii. Inhaltlich geboren nur die obern Gemälde zasammeD, eTeDtuell 
auch die beiden Dracbeni(klter (Michael und Margarelha). 

Was den Zeitpunkt der Entstehung di^^ser Bilder betrifft, so gehen weder die Bau- 
DOch die Ablasvsdaten") sichurf Anhaltspunkte: Sliftcrbilder, Wappen uud Inschriften fehlen 
und aus dem Inhalt der BilderTolge wird kaum jemand bestimmte Schlüsse für die 
Datierung sieben kOunen. 

Es m»33 also der Versuch gemacht werden, auf Orand der stilistischen Eigenthäm- 
lichkeiten die Gemälde m datiren. Die Figuren zeigen nun im ganzeu konekte Pro» 
Portionen, einlache Konturen und gute Uruppining. Doch fehlt ihneu die graziöse 
Schlankheit der schmabebultrigen gothlschen Gestalten des rrfibern XIV. Jahrhunderts. 
Der Faltenwurf zeigt Verständnis, ist aber nicht frei von kourentionellen Formen: nir- 
gends treten knitterige Falten auf, wohl aber bei mehrem B^guren die sogen. Augen 
am Ende derselben. Zu beachten ist femer, dass nirgends die Figuren eine S-fijrmige 
Haltung, dßo gothiscbcn Knntrapo^t, annehmen, nnd das.s den Händen die schlanken 
Formen, den Haaren jene ein^ho VVellung, wie sie andere Werke dos blähenden XIV. 
Jahrbunderta aufweisen, fehlen. 

Geradezu schwach sind durchweg die H&nde und Fflssa gebildet, betiniders unbe- 
holfen die Hand des, wie wir sahen, kopierten lit. Martin: wenig gluckticli ist auch d«r 
bl. Paulus ausgefulien, wobei allerdings zu bedenken ist, dass eine bewegte Szene mehr 
Schwierigkeiten bot, als einfache aufrechte Gestalten; steht man aber vor dem Paulus 
unseres BildeSt der den Kopf unnatärticb zurückwendet uud dessen Extremitäten die 
merkwürdig.st430 Stellungen und Proportionen aufwt-isen, so wird man unwillkürlich an 
die flberlieferte Unscheiubarkeit und Krummbeinigkeit des Apostels') erinnert. 

Hecht gut, besser als z. B, in der Basier Münsterkrypta uud /.a Kappel. sind die 
Pferde geraten, Joch ist uiir das kein Beweis für einen spätem Ursprung der Bilder, gieht 
es doch au j>gezei ebnete TMerdedarstellungen wie aus dem XU. nnd XIH., so aus dem XIV. 
Jahrhundert — man denke z. U. an die Ueitersiegel — , während Temnglückte Pferde 
im XV. und XVI. Jahrhundert keine Seltenheit sind, es sei nur an den Sturz PhaeUtns 
von Michelangelo erinnert. 

Der Brauch, die Kompositionen in architektoniiwbe Umrahmung, oder in Interieurs 
zu verlegen, war im XIV. Jahrhundert schon .«ehr alt und überdaaerte auch das XV,, 
gestattet also keine Schlüsse; die erhaltenen Beste der Aedikelo, Baldachine u. s. w. 
sind aber zu dürftig, um sichere Anhaltäpimkte zu geben; konstatiert sei nur das Vor- 
kommen von Kielbogen, die indes Öberall, so auch in Basel, sowohl im XTV. sbi auch 
ino XV. Jahrhundert vorkommen. 

Das ornamentale Beiwerk trflgt wenig zur Datierung bei; genannt sei das Rauten- 
rouster, welches die Decke des Interieurs bei dem hl. Martin und die der Arkaden- 
Interieurs oben im Schiff ziert: das Muster ist nichts anderes als die miss verstandene 

^ 'i Vgl. Rah«, fJf-soh, »1. I>ild. Künsl..- WI. 

*] Äcia Pauli et Tlieclw ed. TiachBodorf 41; Kratu ReaLeux^VL ^. VC». 




i 



ua 



Reproduktion einer Kassetten decke, dereo dreieckige Sehatt«nMh1äffe die Tbeiluu^ 
Bauten sut Folge ttatteu, mao vergleiche fraozösiscbe Miniaturen (z. B. La Vie dtt 
Saints iUuatr^. Pari<i 1887 p. 397.) Unser Muster kommt vor bei den Kryptabildero 
(Beriioulli Tafel IV) auf dem VerküoüigUDgäbild des Mitte des XV. Jli. tu UomI ge- 
fertigten Kheinaner Antepeodiums und — wie mir Dr. Dan. Uurckbardt gütigst mit- 
teilte — auf einem Stich des Meisters des Liebesgarteus Passav. II 21S. 65. 

Die Unka und rechts von der Wand aufsteigende Bordüre besteht aus drei tbeil igen, 
in 9 Zacken auslanfeaden Blättern, die abwechselnd blau oder rot gestreift, und aus- oder 
einw&rtd gerichtet innd. 

Die Einfachheit dieses Ornaments, das ähnlich in Käzüns Torkommt, scheint eher 
auf das XIV. Jahrhundert zu treison, wenn auch bekannt iat, doas fthnlichei; Blattwerk 
noch in der za Basel entstandenen Handitchritt des KarthAufteni Vullenho, datiert 1443 
Torkommt (L'uiv. Bibl. Bää. B. I. 2.). 

Zu erwägen bleiben noch die ikonographiscben und koi^tümlicben Details; in ersterer 
Beziehung sind die Nimben mit der Bogr>nrcihe im tnuem ((lahricl) tu nennen, doch 
kommt ilieee Art der Oruamentirung der HeiligeiibCbeine schon im XIIL, und in Basel 
im XV. und XVI. Jahrhundert (Predigerkirche; Peterskirche: Maria. Oelbergscene), auch 
auf der Herznacher Predella, tu Wietlisbacb u. s. w. bftaJig vor. R^igentÜche profaoe 
oder Mudetraclit«u mit cliamk'teristisctmn datierbaren Formen fehlen bei untit^rn Heiligen. 
Das Rieraenwerk des Miirtinspferdes, bt-^tehend aus Backen-, Kreuz- und Schweifstflck, 
findet sich in der Basier Müusterkrypta, wie auch in vielen französischen und deutschen 
Miniaturen sowohl im XIV. als im XV. genau wieder. Verwerthbarer aber erscheint 
mir eine Einzelheit des menücblichen KostOms: es sind die Aerroel. Diese erweitern 
sich am Handgelenk (vgl. Martin, Dorothea und Margaretba) und bedecken die Hand 
. beinahe bis zu den Fingern, eine Mode, die Anfangs des XVI. Jahrhunderts wieder 
»auftrat. Im XIV. Jahrhundert herrschte die^e Mode schon in den sechziger Jahren: 
136J Legenda aurea, Scliultz. Deutsches Leiwn, Taf. VIU; I3G4 Anrhivcs Kat. J. ir>4; 
1368 Erangeliar des Job. v. Troppau, Janit«:hek Deutsche Malerei S. 189), unter König 
Wenzel aber (137Ö— 1400) artete dieselbe dabin aus, dass man diese Krtreitorung zu 
grossen trichterförmigen Manchetten umbildete (vgl. Wdg. von Rimkelatein 1390—1400, 
Jauitscbek a. a. 0. 198; Wdg. zu Lichtenberg (Tirol), Esdenwein Atlas Taf. 79; Teppich 
zu Dresden, von Falke (Kunstgewerbe) datirt 1380—1400.) 

Die Frage der Datirung un^terer Bilder stellt sich also: Hat Basel io der damaligen 
Zeitpiode Schritt gehalten? und hat der Künstler die berrscheudo Mode wledergegalna F 

Bejaht mau diese Fragen, so wird man das letzte Drittel de« XIV. Jahrhunderts, 
genauer vielleicht das vorletzte Jahrzehnt desselben als Rahmen fnr die Entsteh ungsy.ctt 
annehmen kOnneu, zieht man es vor das Hauptgewicht auf die andern uamhaft gemachten 
Puncto zu legen, so wird man zwischen dem Lndo des XIV. und der ersten Hftifte des 
XV- Jahrhunderts achwanken. 

Möglicherweise derselben Cpocbe gebOrt der gemalte Arcbitekturfries, welcher obra 
an dm Langsw&nden und über dem Triumphbogen im Hauptschiff sich hinzog*) an. 

Von diesem Fries sind grössere Partien blo^elegt worden; der oberste Teil war 
indess AbenUl bereits zerstört. Kr zeigt in saudstein rother Farbe eine fortlaufende Reibe 

*) Lu Aiiflnig von Uro. Dr. K. ät«hliu sind Copiea durcti ein«D Auge»tellt«u von Unler 
£*ur «lyrDferLigt wurdea. 



195 



von Rnndbogm mit knospen- oder lilienarti^er Console. Jewftilen Ober zrrei Bo^mi Odhot 
sich ein nitidvn-i« Doppel feuster, «beDfalts mit Itunilbogea; au Stelle der TheilsSuIe aber 
bSogt nur eine ArtConsole, entsprechend deu ebengenannten herab. Durch das Doppel- 
fenster sieht man in einen perspekti Tisch in Untenanächt dargestellten Kaum hinein, 
dessen drei Wände inJt vierecki<ren Fenstern versehen sind; die flache Decke ist ab- 
irecliüelnd ;^ün oder roth bemalt und mit demselben Raatenmuster verziert, das ims oben 
bei dem Dilde des hl. Martin begegnet ist. Die Durchüicht der Wandfenster ist da, 
wo die Decke grün ist, roth, wo sie roth ist, ffrön bemalt. Da wo der Fries von den 
Fensteni des Hauptschiffs unterbrochen ist, kommen statt Doppelfenstern, vierfeche Oeff- 
nnngen vor; dio Umrahmung der Fenster besteht aus einem Sandstein rothcn Kand, um 
velchen eine schwane Perlschnur oder Pollenreihe läuft; diese setzt aber erst unterhalb 
des .Arcliitekturfrieses an, begleitet also nur die geraden Teile des Feiisterkouturä. Ein 
Fragment eines tlhnlichen Aruhitekturfrieses kam auch an der tätlichen Schmalwand des 
rechten Seitenschiffs zum Vorsehein.*) 

Die übrige Innendekoration der Barfusfierkircbe bestand, wie es scheint, nur aus 
den UmrahrauDgen sämtlicher Bogen; im Hauptschiff besteht dieselbe aus dem seit dem 
XIV. bis ins XVII. Jahrhundert beliebten Motiv der sog. Pollenreihen.*) 

Deber der Spitze der Bogen ist im Hauptschiff stets eine Lilie in die Pollenreihe 
eingesetzt, wie diese in schwarzer Farbe; in den Seitenschiffen besteht die Bogcn- 
umrahmung aus kalligraphischen Schnörkeln, die nach Rahn") seit Ende des XV. Jahr- 
hunderts eine beliebte Dekoration bilden'). 

Schliesslich sei noch erwähnt, dass die Pfeiler der Barfägserkirche, wie in altem 
Hauten ") mit figflrlichen Kompositionen geziert waren. Spnren haben sich an den vor- 
dersten 3 Pfeilern rechts erhalten ; von der einen Darstellung ist noch Christas, ein 
Jude und da» Dach eines Hauses erhalten (vermutlich Tempel reinigung ähalicb CoD- 
stanzer Bibl. Paup. XV; die Wahl dieses fi^genstaiidea för das vorderste imd erste Bild, 
da.s zu dem Fintretenden sprach, erscheint sehr passend, ist daher nicht nimabnschcinlich 
Auf der Küekseite des Pfeilers ist das Gebet Jesu am Oelberg dargestellt; beide Bilder 
sind fiberaus rohe ^Verke des XV. Jahrhunderts; seit der Drucklegung dieser Zeilen 
»od diese Bilder abgekratzt worden. Am dritten Pfeiler rechtä seigten sich schwarz 
ond gtünc Dama^tmuster. 

Die Erhaltung des Gem&Mezyklus an der Vorderwand ist, wie fVüber gemeldet, 
TOD der Bauleitung 2ugesichert worden; es bleibt noch übrig, hier den Wunsch zu wieder- 
holen, dass auch der höchst eigenartige Architekturfries in seinem ursprünglichen Tmfang 
gman wiederhergestellt werde, was den kahlen Wänden der nun zum Museum umge- 
wandelten Kirche nur zu gute kommen kann. 

*'< Ein piafachfT snmiAteinroiher RundboKeufri» findei sich in Basel auf einem Krypta- 
gem&Ide ans dem Anfani^ dem XVI. .lahrliundens; cop. r. NenstUch 1S53 Bibl. Falkeye. 58. 

*) Beispiele; XTV. Jh. ßadenweiler, TurmtiHUe cop. von Rahn 197Ö; Basel, MUnster- 
kiypta; XV. Jh. Oetenbacb, XVI. Berner Munster. Onadetithalkloeter Ba^el, Hau-t zam Boaen- 
feld in Basel, Vormum des Coticilifu&iuit^s in Basel, in eiuem EartK recbt« vom H»us ziuu Helm 
tPiflchmarltt) Hasel. X\1I. Gnaden thalktostcr Basel. 

•i ,Auxei4{er- 1869 S. 30 u. Tal". III. 

•t In der Clarakirchp »n Hasel ist eine Hhnliche Dekoration im Jitbre 1891 wieder ber- 
gest«Ut worden. 

'•) Chamalii-wa (Hatiw-Lob*c>, Met«, KOlu S, Uttulu, Maulbrcmu. 




m 



Die WandgemSIde In der St. Katharinenkapelle In Wiedlisbacti 
^ und ihre Wiederherstellung. 

Von Chr. SOtmtdi, Jim. 

Im Anschluss an die Hittbeilongeo, welche im „Aozeiger" 1387 S. 498 u. ff. ver- 
(ffentlichi worden sind, theilt uns Herr Maler Chr. Scbmidt jun. in Aussersihl, der im 
Frühjahr 1892 die Wiederherstellung dieser Bilderfol^ besorgte, mit: 

Die Ti'incbeschicbte, welche bis im Sommer dieses Jabres noch die meisten Bildf^r 
bedeckte, wurde soi^lUltig entfernt und die Gemftlde, soweit dieselben nicht durch Feuch- 
tigkeit, Satpeter, oder bauliche Veränderungen gfiuzlicti verdorben waren, auf discreteste 
f Weise retoucbirt. Am be^teu ist die Bemalung der südlichen Langwand erbalten, welche 
mit ihrem »och hst Tollständigen Schmuck ein prächtiges (laniu^s bildet. In der oberen 
Bilderreihe dieser Wand rühren neun Darstellungen die Legende der hl. Katharina von 
Alexandrien vor und zwar, von der Westseite ao^'efarigen, wie folgt'): 

1) Vor dem thronenden Kaiser (Maxentius oder Maximin) kniet die Heilige, während 
ihr eine Fran das Götzenopfer in Form einer Taube vorhält. 2) Nachdem S. Katbarina 
das G&tzenopfer verweigert, bat sie sich ror dem Kaiser und dem ihn umgebenden 
Gerichtshöfe zu verantworten. 3) Katharina, mit entblOsstem Oberkörper an eine Säule 
gebunden, wird in Gegenwart des Kaisers von zwei Büttelu gegeiäaelt. 4) Katbarina 
erscheint am Kcrkerfenster, vor welchem betend die bekehrte Kaiserin und der Heer- 1 
fQhrer Porphyrius stehen. 6) NTeben dem im Freien soeben enthaupteten Porphyrius 
kniet Katbarina, während der Scharfrichter auch aber ibr drohend das Schwert senkrecht 
in die Höhe b&lt Der Kaiser ist bei dieser Szene ebenfalls zugegen. 6) S. Katharina 
mit Hermelin mantel bekleidet ist vor dem Zakenrade niedergekniet. Ein Hagelschauer 
zerschlägt das Marterinstrument, ebenso das Szepter des Kaisers, welcher sein Gesicht 
mit beiden Händen schützt. 7) Enthauptung Kathariua's. 8) Katbariua wird von I-^ngeln '\ 
SOS dem Steinsarg in den Himmel gehoben, unten kniet ein Mann mit ein^-m Sack 
am Gürtel, scheinbar etwas üuehend (Keliquiensammler'!'). 9) Die verklärte Katharina 
steht mit ihren Attributen — Schwert und Itad — im Inneren einer gothischen Kirche. 
Nun folgt die Kreuzigung Christi als Schlusshild des Passions- Zyklus, von welchem 
später gehandelt werden soll. 

Die untere Wderrtihe der Südwand beginnt au der Oatseite mit der Darstellung 
des Schraerzensmaanes vor dem Kreuze, das die Pas^ionsinstrumeute iimgebeu. Hierauf 
folgen in sechs Compartimenten, stellenweise neben einander geordnet, die KWölf Apostel; 
sie sind mit ihren Attributen versehen und von Spruchbändern umwallt, auf welchen in 
gothischen Minuskeb die Sätze des Credo stehen und zudem hinter den abgebrochenen 
Sätzen jcweilen die Namen der Apoütel in nachstehender Reihenfolge ver?eichuei sind: 
J) Petrus, Andreas. 2) Jacobus, Johannca. 3) Thomas, Jacobuß. 4)Philippu8. Bartholomäus. 
5);Matth8Bu.s, Simon. 6) Judas, Matthias. Diese Folge entspricht der Aufzählung in der 
Apostelgeschichte {Kap. I. \'ers 13). In den fünf folgenden Compartimenten sind wieder- 
um jeweilen zwei Hinzelfiguren in statuarischer Au^assung gemalt. Zunäclist^zwei Bischöfe, 
deren Attribut« und die über den Figuren geschriebenen Namen nicht mehr erkennbar sind. 

Das nächste Compartiment uuischliesät die Gestalt des Leonardus mit Kett«, 

*} Süd J~ 7 «jj]d in dem oben iiTwiluteii Artikel beschrieben. 




195 



an w«Icb«r die offenen Haüdschellen liäogea uod einem zweiten MOnch mit einem Buch. 
Aus der schlecht erhaltenen Ueberschrift Hesse sich »Berenhardus« entziffern. Hierauf 
folgen „Laurentziua" mit dem Host und 8. Stephanus. 

Die folgende Abtheilung enthielt zwei weibliche Heilige^ von denen jedoch nur 
die Gestalt der zweiten, >Margreia<, erhalten ieit; du letzte Feld nach Westen enthält 
S. V'erena mit Kamm and Wasderkanue und „Ewbet" (sie) mit Brot und Kanne. 

Die nördliche Laugwand der Kapelle ist in ähnlicher Weise eingetheilt wie die 
Südwand. Der KatliarineDlL-geode gegenüber beginnt in der oberen Reibe von Westen an 
ein Bilderzyklns, der die Geschichte der Dorothea behandelt. Bild 1 und 2 sind total 
zerstört. 3) Dorothea Iwfindet sicli am Gitter eines thurmartigen Genirignissea, Tor 
wplchera zwei Figuren mit verscb rankten Armen stehen. 4) Dorothea wird in einem 
Kessel gesotten und gleichzeitig gexchlagen. 4) Sie ist mit entblösstem Oberkörper an 
einem Joche aufgehängt und wird mit Haken und Zangen zerfleischt und toq einem 
Büttel gestäupt. 6) Das folgende, theilweise zerstörte Bild stellte mutbrnaäslicb die Wei- 
gerung der GötzenanbetuDg vor: von einer Sfiule, welche iu der Mitte steht, wird der 
Teufel vou eiiiem mit dem Schwerte bewaifneten Kngel heran tergestönt. 7) Dorothea 
mird vor den Gerichtshof zur Verantwortung gez-og^en und durch den Scharfrichter mit 
der Todesstnife bedroht. 8) Die Heilige ist niedergekniet und betet (laut Spruchband): 
«0 herre un tatter in himelrich alle die mich anrüffen fBr die hitt ich dich gene- 
deklicb». ESn Kind erscheint mit einem Blumentöpfe, den ^e, während der Henker zum 
Sübwerthiebe ausholt, dem Bräutigam der Märtyrerin überreicht. 9) Dorothea als 
Patronin thront iu einer Rosenlaube, liukä von ihr ein Kind mit Blumen (?); die rechte 
Seite ist zendört. Dieses Bild befindet aich genau gegenüber dem entsprechenden Schluss- 
bilde des Katbarinetizyklus. 

Nach dieser Itosenlaube beginnt der l'assionszyklus mit dem Abendmahl«. Dieses 
Bild ist sehr gut erhalten und zeigt einige prachtvoll charakteristische Köpfe. Auf dem 
▼om Propheten gehaltenen Spruchband ist nur das Anfangswort »Hittamus« zn lesen. 
Dafl folgende Bild zeigt Christus im Gebet am Oelberg, vor ihm steht der Kelch, 
hinten, in der Nähe Christi, schlafen drei Jänger. 

Das nunmehr folgende letzte Bild dieser Wand ist fast ganz zerstört, es stellte 
ohne Frage die Szene dea Judaskusses vor. Links Hegt ein kleiner Mann mit einer 
Laterne (Malchus?), dann ist noch der untere Teil zweier GewandGgurcn zu erkennen, 
welche dicht bei einander stehen uid von welchen die in Gelb gekleidete wohl Judas 
vorstellte; femer Spuren einer dritten hinzutretenden Figur, eines Kriegsknechtes, der 
nach Jesnm greift. 

Die Darstellungen aus der rasäions^e.schichte setzen sich nun in gleicher Höhe 
mit zwei Bildern am oberen Teile der Östlichen äehnialwand fort. Das erste ist schlecht 
erhalten und behandelt die Vorführung Christi vor Pilatus, das andere die Geisselnng. 

Nun folgen noch die Bilder in der oberen Beihe der südlichen Langwand. In der 
Ecke die^ Dornen krön ung : zwei Knechte drücken dem Heilande die Krone mit Stäben 
auf den Kopf, ein anderer giebt dem mit reichem Purpurmantel Iwkloideten Opfer einen 
Palmzweig in die Kechte. Die Schrift auf dem vom Propheten gehaltenen Sprnchhand 
ist unleserlich, wahrscheinlich war der Spruch den Psalmen Davids entnommen, denn 
unter dem Bande auf der Architektur steht noch deatUi^\i >\)%7v\<. iv. V»«^. 




Ift« 



Das nächst« Bild, die Kreuztragung, ist sehr gut erbalten. Cbristns, etwag grltsRer 
ab die übri^o Figuren, wird ron einem Kri^gsknechte ho einem Strick geführt uud 
geacblageii. Simon hilft ihm das Kreuz titgeu. Diu Kriugskiu^cbt« ersclieinßn in 
mittelalterlichen RAütungen. Da:^ Sprochband zeigt uoch dea Anfang der Inschrift: 
•tamqiiam ovis ad occisionem . . . .< — Nun kommt die Kreuzigung: Zur Linken des 
Erlösers kniet Joiiaiinea, ein« ftiisserst aiimutjgu Figur, zur Rechten Maria. Auf 
dem Tom Propheten gehaltenen Spruchbande ist nur noch das Anfangswort »Jcremiasc 
lesbftr. 

Wir kommen nun wieder Kiirflck auf die nJtnlliche Langwand und zwar auf die 
untere Bilderreihe. Bis xu der siebenten Fülluug von Westeu her ist alles JorsWrt. 
In diesem siebenten Com])artimnnt finden sich noch folgende erkennbare fteste : Auf 
einem Throne sitzt eine hartige Figur (Gott Vater?), rechts Ton ihm ein anbetend 
liQieeuderManu im Zeitcostüm ; das Ganze ub«rw<Jlbt von einem gothischen KircheDlnneren. 

I Hierauf folgt in einer eigentümlichen Mauernische da.^ Martyrium der 10,000 lÜtter. 
Die Lebendigkeit dieser Darstellung hat Prof. Hahn bereits in dem Eingangs ge- 
nannten Artikel geschildert. — Das nächste Feld weist alwrmals nur wenige l'rag- 
mente auf, nach denen auf eine stehende Figur mit der Kirchenfiihne und auf eine 
knieende (wetblicbe?) Gestalt zu schliessen ist. Beide habeu Nimben. 

Das folgende, zweitletzte Feld zeigt die Himmetfalirt der hl. Magdalena, die in 
aufrechter Stellung mit gefalteten Händen von Engeln emporgetragen wird. — Das 
letzte Bild iu der Ecke stellt aU Mittelfigur Magdilcna mit dem Salbeugef^is dar; 
rechts Ton ihr kniet anbetend eine roäDnIiche Figur mit der Ueiächrift: »saiita maria 
magdalena . . . deleantur peccata mea . . . .< — gegenüber kniet eine weibliche Figur« 
betend mit der Anrede: »0 maria (hit?) raariagdalena (sie) genaderich bit got de hern . . ,« 
Ueber diesen beiden Figuren mit Spruchbändern steht jeweilen eiu Wappenschild mit 
gelbem Feld, dtssen Wappenfigur nicht mehr zu erkennen ist. 

An der Oslwuud (nOrdlich vom Chorfenster) st«bt Maria mit dem Kinde, links 
von ihr kniet betend ein Mann. Der Wappenschild zu seinen Füssen weist anf blauem 

f Grunde einen rothen Querlaiken und einen von liuks nach rechts steigenden Hund. 
An deu Fenster Wandungen war die VerkQndigung gemalt, doch ist, weil die Oeffnung 
nachtniglich erweitert wurde, nur noch die au der einen Leibung dargestellte Maria erhalten, 
die am Gebetpult kniet. In dem folgenden Felde der Östlichen Schmalwand ist der 
Tod Mari» geschildert. Die Jünger sind am das in der Vorhalle einer Kirche stehende 
Bett der Sterbenden versammelt. Der eine b&lt ein Ge^s mit geweihtem Wasser. 
Besonders fein durchgebildet ist das Portrait Petri. 

Die ganze Breite der Weatwaud nahm Aber der Eingangsthüre die Darstellung des 
jöngsten Oerichte» ein, doch erkennt man nur noch die Sceue, wo die Verdammten zur 
Hölle geführt werden. Im Vordergrunde trägt ein Teufel eiue männliche Figur unter 

, dem Arm. Kinc ganze Gruppe Verurteilter scheint durch eiuen Strick ron einem Teufel 
7u«immeDgezogen zu werden; in dieser Gruppe ist auch ein KardinaUhut und eine 
Bischotrimitra erkennbar. Unten sind einige Leilier im Fegefeuer, während zu äusserst 
links uoch die Fasse des fürbittend kuiecnden Täufers Johannes erbalten sind. Die 
beiden anderen Gestatten dieser Haupt- und Mittclgruppc, Christus als Woltenrichter 
und die fürbitteode Maria, muasten einem über der ßingaogsthöre ausgebrocbenen Fenster 




197 



41. 

Bauerngeschirr. 

Ein Beitrag xar GeMhieht« der scliw«lierb«hen KrrmmiJE. 

Neben den Erztiii^nisstiii der l(erainist;beii Werkäfütloii von ^Viiiterthur, Zürich, 
Steckbom findet sich in der Ost^chweiz noch öfters sofrenaiintes »ßanenigescliiir«, meistens 
aus dem letzten Jahrliundert stammend. Diese Gelisse lebneu sieb bcLrefTä Form und 
Art der Ver2ieruu^' in der litt^e\ an die beJcannten Typen obiger Fabriken an, nur sind 
sie diirchvre^ von roherer Ausfähning. l'eber deren genauere Herknnfl weiss man m 
gut wie nichts, weil die Laiidharnpr ihre Xamen nur mlten auf da$ Oescbirr gesetzt 
haben und die etwa darauf vorkommenden Monogramme ohne Schlüsäcl nnltl03 sind. Ich 
habe seit Jahreu iLahlreiube Eiera)>lare solcher Uaueruniajoüka untersucht, obue bis jetzt 
auf einen einzigen ausgeschriebenen Harnemamfn zu stossen. D^sto willkommener vrar mir 
der Ankauf (fjlr das Landesmus^uml eines Kruges, der im Herbst Idzten Jahres von einem 
hausierenden Antiquar ira Kantou l^üricli erworben wordeu i^t. Ohne die loKtirift hätte 
ich den ürspnuig des Stückes eher in dem Gebiete des Kantons Bern gesucht als bei uns. 

Der deckellose Krug, ein bauchiges, schweres Cfefääs mit einem ßach gewölbten 
Tragbenkel über dem Munde, ist 0,31 Meter hoch und hat einen gröbsten Umfang von 
0,73 Meter. ?a- ht am roth«r Thouerde angefertigt und inwendig dunkelgrün, auswendig 
schmutzig- weiss glasieit. Die Umrisse der Zeichnutigeii uiud kräftig in den bellen Qruud 
eingeritzt, wodurch die natarliche Farbe des gebrannten Thons eum Vorschein kommt. 
Zwiacheo diese rotheu Linien liinein hat der Uafuer auf die L'ntergla:sur zwei Emailfarben 
dick aufgesetzt, ein grau-gnln und ein rothbraun. Unter dem kurzen Ausgiesäor (ge- 
brochen), mit welchem im Innern des Kruges eine augesetzte Köhre, dk sich ca. 5 cm 
über dem GelässboJen öffnet, korraiäpondiert, i3t der schrflg getheüte Xörcherschild gemalt, 
in seinem ohern Teile punktiert, in dem unteni mit einem tulpenartigen Ornament rerziert. 
Aus den Ecken des Schildes eutspriesst oben rechts und links je eino grob stilisierte 
Blume ; der Schild seihst steht auf einem fangelartigeri Ornament, dää ebenfalls zwei 
grosse Blumen trägt, welche ihn einfassen. Ceber demselben befindet sich die Jahr- 
labl 1748. 

'Die Kilckseite des Kruges nimmt ein Medaillon ein, dau von einem Strahteükranze 
img«b»D ist und folgende Inschrift trägt: 

1748 
den 15 Tat: 
Braehmonnt ist 
der Krxig: geben 
worden vom Mei- 
ster haust radolf 
Suhellfr HafToer 
vou Pfilffiken 

Der Platz zwischen der Inschrift und dem Zfircherschild ist l»eid^itig mit einer 
grossen Tulpe geschmöckt. Durch da» Alter bat die Oberfläche des Kruges einen Regen- 
bogensch immer erhalten, der die häurischen Farben harmonisch abtOnt. 

Wir haben es hier mit der achtungswerthen Leistung eines Dorfhafuers zu thuu, 
dessen Kachkommen und Geucbäftsnachf olger heut« noch in PfllfBkoQ (Oanton Zürich) 
bl(lh«D soll«a. 




19S 

Ich erlaub« mir bei dieäem Äolass die Bitte an die Leser des »Anzeigers« zu rielit«D, 
mich Torknmmeoden Ftlls aaf ähuüche Inschrifle» auf »Baueragescbirr« aufmerkaam 
macben zu wollen. H. Anust. 



Ein Beitrag zur Geschichte der schweizerischen Glasmalerei. 

Die Sitte, bei eiuer FeusterscbenkuDg bloss den eigeueo Nameo, oder das Familien- 
wappen auf die Scheibe zu setzen, bringt es mit sieh, dass wir woh) den Ueber Iteouen, den 
Kmpf^oger aber otcbt. Eine Ausnahme niaclien die wenigen Glasmalereien, welche an 
ihrem ursprunglichen fipstimmüngsorte verblieben sind; hier ist uns der Stifter und der 
Besobenktc bekannt. Eine interessautc Ausnahme, die einzige derartige, die mir bis 
jetzt vorgekommen ist, fand ich auch auf eiuer Scheibe üi der Sammlung schweizerischer 
Glasmalereien von Lord Sudcley in Toddington (Gloucestershire) England. R» baadelt 
sich um ein grossem, gut erhaltenes, beinahe quadratisches Kabinetstück von 0,54 m 
Hohe auf 0,51 m Breite. Diese urigewMmUchen Dimensionen beweisen, dass die Scheibe 
ffir eine besonilere Fensteröffnung, von welcher der Donator das Mass erhalten oder es 
selbst geuLimmen hat, bestimmt war. Den mittleren Theil derselbeu nimmt das Wappeo 
der Stadt Strassburg ein, wie gewöhnlich mit dem Doppelflu^ als Helmzier dargest«llt. 
Als Schildbaltor erscheinen zwei Löwen. Auf dem geraden Oebftike, welches auf den 
viereckigen Doppelpfeilern recht« und links liegt, steht die Inschrift: Gott Ueb Unad. 
Unter dem Wappenschild liest man in einer länglichen C'ariouche: Herr Christoph Siädel, 
Alter Ammei!>ter zu Strassburg, Anno MDC.Vl. In zwei ovalen Medaillons ist r«cbte 
davon sein Wappenschild, links der Helm mit der Helmzicrde angebracht. Die grossen 
Figuren der >Jnstitia< (mit unverbundcoen Augen) und der >Pnitentia< (sie), in Nischen 
Qaukiren das Stadtwappen und unter diesen sitzt rechts und links je ein musizierender 
Knab'f. Beinabe den ganzen oberen Theil der Scheibe nimmt eine Doppeltafel ein, neben 
welcher zwei nackte, schildtragende ?utt«D sitzen ; der eine Schild ist mit Concordia, 
der andere mit Fax bezeichnet. Auf der Doppeltafel steht folgende Keim-Lischrifl : 

Diss Wapen sampt de Helm ud Schild 

der Freyen Heich&ätat Strassburg mild 

hätt, mit Bewilligung gemein 

der Herren Geheimer lUth, so fein 

Herr Christoph St&del, solcher maße 

Malen und hieber setzen laason : 

Zu ;i»ndrer Ehr, auch Dankbarkeit 

für die erzeigte Gastfreyheit, 

So Ihm, auits Freundscbafft «o1 geneigt 

Doctor Felii^'later erzeigt: 

Als zu Basel das Schiesaen war. 

Im Sechtzehen hundert fünfte Jar. 

Also ein Geschenk eines Strasühurger Besuchers des Basler Schätzenfestes von 1Ö05 

au »ioeo Gastfireund in Basel. Der Name des Glasmalers ist leider nicht genannt, 

die tächtige Arbeit aber nnverkennbar schweizerisch. H. Anost. 





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ZasammCQgestellt von Cafl Hrun. 

EMscnaiMriHliitl. Bi» znr VolleuduQK de» LADdebmuseuniti sollen ta Zukunft diefQrda«- 
eru'orbenen 0«KonstJLiidp im altf^ti Kauptan»« tu Zürich uiiterg^ebrHcht vrerden, da im 
bau»« für sie kein Plat« mehr ist uZ. Tagbl." vom 21. Nov. Nr. 27Ü). — Mit d«n Fun' 
UtrungtiarbeiUn t'Ur das LnndearnttMum ist hcKonnen n'ordcQ. Die Bauheächrpilmiig de« 
Arch. G. GuU vom 'M. Juli lit-Rt nunmehr vnr ^,N. Z.-Ztff." vom J7. Oct^bor Nr, All). — Herr 
C. Nttrtben in !!Urich scbenhlp dem Landcsmuseuin eine »paigoütiaetn BalktMUdt» (.Z. Tugbl." 
V. »0. Oct. Nr. 2tö. ,N. Z.-Zt*r.' v. 19. Oct. Nr. 298, Bl. 1). — Herr R. Bosch-ScUaufftlberger in 
Zürich Übergab der Direction de» Landeämn.'ieutjis etwa IW werthvolle Oftnkachtln aua gothi- 
Hcher Zeil, die am 5. OcLober in einem Hauae Krfunden nunlcn, dii« frl\hcr zum Chorherren- 
Blift ^ehnrU>. Sic rUhrpJi vnn drfii vi-rrtchirdmen Oefcn her und wpjden die 8p!ltc«thijiclieu 
Zimmer dtm Museum» schmitcken (.N. Z. Ztx-' vom 10. u. 15. Oct., Xr. £94 ii. 2äfl BL 1 ; 
aZ. Taghl." V. 13. Oct. Nr. ^'2). — Herr Dtto Wet.finer in St. (falhjn stcllce ikm Lanilismustiuui 
eine gaihiirJu Truht itu» dem Beginn des Iß. Jahrhuadert« mit A«u Wappen Munipr«tt und 
Foyer von Ha(f»?nwil zur Verfägnng <,X. Z.-Zitf." v. 18. Oct. Nr. 2Ö2. Bl. I ; „Z. Tu-fbL- v. Ifi. Der. 
Nr. 248), — Die Statuten dn» Verbandes der Scbweix. öffentlichen .Alterthiiinftsanunlunffcn 
bind erschienen. Es ist zu hoffen, du»» die sSmnitlichen cAntonalen lluat'on dem Verband, ä^r 
unt«r der Leitung der Laudesmnsemnsenmmiüfliou st«hl, beitreten werden (,N. Z.-Ztg." vom 
14. Sept. Nr. Ü5S, Bl i). 

Airgui. Bei Entfetdtn fand man eine römische Ooldmilnie ans dem Jahre 41 v. Chri)ii'i | 
(«Z. Tagbl," V. 18. Nov. Xr. 2741. — Die römische Bltderanlage von Lunkkafen soll in Baden 

(im Kurbauspark Htilgert-cbt durch Architect Dorer reconsinüert werden (,N. Z.-ZIr." vom 
JM. Oct. Nr 800, Bl. 2; „Z. Taghl." v. SO. Oct. Nr 251). — Die eant, hfat. GarlUcJiafi de« 
Catitons Aarßau hat »ich in ihrer Jahre» verisaiumlunK in Baden eioKehend mit der römischen 
Tbermenanlage von Lunkhofcn hesrhÄftigt, Über die Privatdncent Heierli Bericht nratstlct«. 
An Stelle de^ Earücklr'-trnJeu SlSndentth Isler wurde I*rof. Hunziker in Aarau aum !'rJUiidcnt«n 
der GeHi'llschafl- rmannt (,N. Z.-Ztg." v. M. Ort. Nr. S8ft, Beil.). — Am ^). Ociohej starb in 
Aarau Prof. l)r, Eimi^ Ludwig Rorhholx. ein Munn, der sich um die Lande*(reJichi)rhte and Volka- 
r kundc hochverdient gemacht hat. Er war der langjährige Redactnr der „Argovia", hat über 
I 20 Bande veröffentlicht nnd stand Ins 198!» als Conservator dem cuntunalen Anti<|narinm vor, 
da« er mnn Tbeil solbMi genchaffeii und katalo^Hiert hat. Vergl. die Nekrologe in der ,N. Z.-Ztg." 
vom I. Nov. Nr. SOG, Bf. I. und „AUg. Scbw. Ztg." Nr. 257, 

BsmI. Die Gesammtauttgaben fUr die Restauration nnd Einrichtung der Barfütfirkireht 
belanfen sich laut ..All«-. Schw. Zt«." Nr. 214 auf 4tJ0,U0ü Fr., wovon der Staat 300,000 Fr. über- 
nimmt (,N. Z.-Ztg." vom 11. Sepi. Xr. 2A5). — t'eber die künftige Installation des bi^torischeu 
HuAeums in der RÄrfüwterkirclif vkI. .AMjc. Schwei/.. Ztn." Xr, 214.— Der Erziohung^rath be- 
stellte am 5. ücluber Prof. Dr. Alb. Burchhanlt-Finsleir als Oonservalor des hisl.oriHC.ben MuMioms 
(„Allg. Schweiz. Ztg.' Xr. fia4). Ueher den Stand der ReKtauratiunsarbeitcn a« der BarfOsser- 
kücbe vgl. .Basier Nachr.'' Nr. 269 BeiU^e. — Die bcüchäd igten Skulpturen de» Spaleuthore« 
rinA laut geä. Mittbeilung von Herrn Staatsarcbiv&r Dr. Wackemagel kupiert worden. (E. A. SlJ 

tnn. Der „Bern. Volksfrd.' vom 16. September Nr, 219 berichtet ausführlich über den 
Hittersaal im Schlosse zn Burgdorf. Die Sammlung hat ncit dem letict«m- Berichte bedeutend 
zu[^noininen. Es sei anf die Abtheilung „Schlnssorarbeiten" und auf die geschliffenen Scheiben 
verwieaen. .-\nphdie Cnst-tlnTiamralnng vennphrlesich. Die römische Münzsammlung wurde durch 
Prof. Dr. Hiijreii in Bern aufgestellt und bestimmt. Zum Prähistorischen ist nicht viel Neues 
hinnugekomnien. Bereichert haben Hieb dagegen die Skulpturen nnd die Zinnkannen. Sehens- 
werth iat die keramiscbe AbtheiUing, der Dr. E. v. Fellenberg tu Bern Ofenkacheln aus der Burg 
Ijgen schenkte; beachtenswerth ist ferner die Sunimhing der (ila>ter. Wahre Perlen besitzt 
die WaffenKammlung. Zu erwähnen sind etidlicb die BlaAiostruinent«. die Staats- und Rechts- 
alterthUmer und die Bücher- und Monuskriptensanmilungcn. Ztu Orientierung liegt im Ritter- 
Male ein geschriebener Katalog aof. Präsident der Rittersaalcommis^on, die, beilttuÜB; h«TO«x'iÄ.^ 
leider mit einem Deficit zu kämpfen hat, ist Dr. E'aTikhAn&&T. 



• 



300 



Fnllnirs. JtMutni. Tias rechte Soiuuurbiff tnwie Thetlß des Haupterbiffc« der Hauptkirehe 
»iml im Si-ptombcT neu i-intirfiti'oki »ordcn; pbcnsu »imi an den AoHhennianern und Strehen 
ileti recht«!) SeileDschiffs RcstauratiuiiäiirbeiteD vor|*euoniinen worden. (E. A. St.} 

GIvM. Die ,X Z.-Zt«.- bericht«-!«, da«* PrivnldoMiit Heierli auf dem fUbnUkopf ©ine 
römische Ni«di;rlnH>-uii^ entdeckt hHlH<, ihts Biirejiii der anti^juarisobrn Cipsellschalt in J^ltriph 
wie« jedc»ch daT^ut' hin, da«» di)-»e Enldi-rkunj; bereit» im Jahr« Itföi von Dr. FerdinHiid Keller 
gemacht worden sei, dvr von derhcllien in den BMittbHliingf n~ Hd. 1*2, Heft 7, S. ft'^i und in der 
Arehiolojibivltcn Karl«) der 08L<^chueix 2 Anfl S. spricht ÜN. K.-Ztg' v. 12. ond U. Sept. 
>*r. »6 und 258 Bi. 2). 

QrauftQndeii. Drr l'nnäervator dna Bhäiitcktn .Vukcmmm, F. Jecklin. üinilt in einem Y\n^- 
blatte mit, das» dM:^ Mubeuni eine Anzahl alLi>r Fiihncn erworben halte, die aus Uuhk. dem 
Slaatsarfhive Graubiiudeuii. aus KiUiitH und dem l'u^chlav »tAiimien. imd fordert (tlcich- 
zeitig: zur l'iitenitUtsujiji' de:« Rbittlschen MuHeutn» auf. — Im Val Co-eux wurde ein Bmoae- 
doh'^h vnn 11 cm Län^e und ii om Breit« gt^fmiden IVr IJolrb ist dem Rhfttischcn Maaeum 
t5inveri«il)t wurden. (.Der freie Rhätier"' Nr. 241.) — Die blind uerischen Burgruinen »nlleu 
»■emiesaen, gezeichnet und ini AnKC-i]^ ab^hildet und hi*(oriM-b verarbeitet werden. 

Litiarn. hu Octoher letzten Jahres beherberge da^ Muaeum am BHrflbin.'rp]at)! eine 
Ausstellung alter Handarheilm (Ciewehe und Stirkereien) rnni 14. — IS. JahrhnndArt aus den 
Stiften Einsicdelu, EugelberR. Sanii;a. Eschenbach eii:. DamnkT befandeu sich auch Stücke 
aus der .Samnibmjt Meyer am Rhjii. die im Landrsinaseum deponirt werden »oll (.S.Z Ztg." 
vom H Oct. Nr, 2b2, lÜ 2). — In der Nahe des sotr. Gnltitnkafprii hei WiUiaau fand man eine 
bronxene Filwl, nnrh Keierli aus spfit-r<^miseher Zeit, und eine KupremiUnüe des ontramidchen 
Kaisen I.eo W (H84S 91 1> Der Avers üeigt da$ Brustbild des Kautent und die t'machrifl: 
+ 1-EO.V bAS ILRVS ROM. Der Revtrs trapt die Inäebrift: -f LEON EN GBO bA 

SILKVS R OMKON. („VaU-riand' vom U. Sept. Nr. il«}. — Anlilsslicb eines rmliauea in 
dem zu einem KrzicbunifKiuijlitute etngrrichtelen Srhlo-s^e baliirrjg wurde ein ()iM)er uuKugflng- 
lieber viereckiger Thnrm in der SO-Bcke de» OebSudecompleses ori'iffnet. Derselbe war nadi 
AnKuben von Bauineiater Ferrari in Mosen in mebreren StorJtwerken (cewfvihl. Eine te der 
MaaerwtArke ausKCspart« angem. Ircitranende Treppe vt^nnittelle den 'Axier-yn^ «« den oberen 
tiwschoMen. Der Ifeidenbelag beiland au» Backsicinfticaen. KJne derwIlM-n zeig:t ncbsl ver- 
whiedenen HUchlig in den feueblen Lehm ^.ffralienen Zeichen (Kreuit. Her/ n. A.) die Jahr- 
xiibl 1549, welche woh! auch die Bawxett \lea dem Trabau trauclicb zum Opfer gefallenen 
Tbnnneit beieiphnet. Die Fliese wird in Ae-r Sammlnnfr dea hi.<ilAr. Vereins der V Orte aof- 
bowahrt. — Schlo»: H^Üxn ob Heiden ist iia Sommer 1H92 ku einem Pen-sionate umgebaut 
«rorden. Zwei dabei aufgefundene ornamentierte .St. Urlianer Backriteiae seien au »ichiharej- 
Stelle im Neubau eingeuiauiTi wurden. — Das Weiherhaus Mautnuft bei Sumee wird vom 

iBeiiitxer Graf Pourtah"'s dnrch Arfhitekt K. Hini in Lurern einer »ehr pietatvoUe-n Ke«tan- 
ration nuierzogen. — In der Fiunziseanerkirche xu l.usem wt die lt>36 erstellte Kanzel, eine 
l>enierkenswerthe l^cisliing der HnliLsebnitxerei. rhorwürl» um einen SchifTpfciler versetzt 
worden. Aui Fus»e hui der Erbauer folgende .Notiz eingelegt: .Ich Nikolaueis Ueyser (odcz 
Geysel, der Name ist stark verhlicbfnl biltl haner hurtig von »chweinliirt am Mfin in Franken 
ICacbt diewen Oanizel im Jar W^ war verdingt, umb 30ü (il. Zu Lutzeru galt der niiltt kern 
'iO Gl." Die Uebcttrugnng dea aoflaerordentbch morM-beu und wunii.<>ticbigen Werken crbeii^chte 
sorgflUtige teehniscke Vorkebrungen. (Vgl. »Luz. Taghl.' Nr. 351 v, 26. Od.. BL 1). Dabei nod 
Theile einer polychromeu Decoration de« Langbauäc» zum Voi-schein gekommen, die der Wende 
de« XVI. und XVn. Jahrhundert« entstammen mag und einen zicndicb rohen Charukter trügt. 
Die Pfeiler warou volUi^indig beniall. Dir dem Itiindülitntmcr über dem Krenz vorgelegten 
Platten (vgL die Bevchreibunif im .Anzeiger* 1885, S. 167> und die Leibungen der ^cheidl>Ogen 
u'aren mit einem gebn>chenen Violett (Lila) hemalt und ilte dem MitieNrhilT zugewendeten 
äaileu Uberdiea durcb eine zierliehe braunrotb aufscliablnnierte DamaNünusterung getiert. Der 
intrados der Scheid ll•'^gcn ist mtl. eitieiti mftang breiten, ebenfalK i-othviolettcn Streifen mit 
hchwarz uul'gcmaller barocker UUedcruug begleitet, wUhruud die von ibuea eingeacUlotsenen 
ZwicikQl auf gi-Hnem Grunde mit getlUgelten tJngelköpfcn ausgesetzt sind, deren ziegolroth und 

^ma febaJicne Flügel von rothen Bbidem ond tjovten amblsgt sind. Die zwi»cbeu den vor- 







P 



I 



gcaeUtim Platten zu Taf^ tretenden Thetle des BnndxUmme«, welche oben in die unbemaltrn 
Keblim «ptts rerUutVn, wftrtn krltlliii; brauurotti bemalt. Dir- bloss^lc^^ii Stellen %rarden 
w-iciliT getüncht — Die Ausstdhinp ältfrer TextilaTbciten «-orde von JoMf Zcnip iin 
Feuilletou de» .Vutorland'' (Sr. 'JUi und :j:-i5, l'J. uiui lü. Octuber) besprochen. — Die )an^ 
Zeit profanirrte LniLrctanischc Kapelle atn CrAben in [Aizern {et. Anx. IB6G, 8. 191) int iflürk- 
lieh rCitRuhert uod die flache Cripsdecke von Hcrni Architekt U. v. Seuiiü^r durch ein xior- 
Uebes Bp(lt$^>thiMches St«ragew&lbc ersetzt wardm. — L'Aber artJiftoIogiscIie F^indr- l>ei Wtllisau 
berii-ht*?te Prof. .J. L. Braudfitetter inj .Vateilaiid'- (Nr. 210, 14. SepU>. J. Z. 

St. Sillen. Im ifMMirin zu 8t. GalUh wurde letzthin eine internatjunale AusBtc'llunje Ton 
Minifttuten veransUltet, Ober wdch« die ,N. Z.-Ztg.'^ vom 19 Oct. (Nr. 2»3, Beil.) Siliere» 
borichtetp. B(w(indcrh sehrnswerth wan;n die von J. SolKer in Winterthur und Salomon 
(iessner bemalten Parlier, — Herr E. Haho Bchn-ibl uns; Ende Üctub*r wnirden mir eini^ 
römini'be BroiizemUuxeu durdt Herrn SrciindBrlphrer Oberholzer in Arb<Tn liberbrarhl. welclie 
etwaü weiter westlich vom ti-iiheni Fuudurt (tt. A.uxeij;er 18W \>. 29) »tun Vorwchiriii kamen. 
Es aind nechs Münzen, alle Klein- hU >litt«lbroiiKP. Zu erkennen «ind: 1) Mith-lbninse dr^ 
Kaiser» Probtu. Ilni. 23 mm. .\\. IMF C 3d AMI PUOBVS AVCi. BfUte den Knioer* i>ii>-b 
recht», mit Strahlen kröne und geschnilertem Speere, iu Klira;^ K. ADVENTVS AVii. D<-r 
Kaiaer auf einrm Plerdr: reitend, nach link.-» (i^waiidt. Im .\bschnitt di« Zahl VXIll. 2) Klein- 
bronue des Kaisers Contttantin d. (.ir. Dm. 17 mm. (.sehlecht erhallen!. Av, IMl* (' t'ON stant. 
Kopf d. K. nach recht«. Im Rev. eine xur HHIfle nackte Figur, eine Schalfl und ein KUUfaoni 
haltend, aufrecht stehend. 3) Die nllffemeiue Kopfform einer gröSBpni BchftnpRllMin Bronze- 
münze, »ehr schlecht erhalten und nb^erieben, \%s»\ auf TitUK oder l>(>mifian «oldieisHen. 
4) Rflmisclic Kiti-iprmünae gTii't'hisch«n (tepiftges. At. nrnnrlirift im Avers uiobt entKifTerhar. 
Bftrtiyer K^jif mit Lorbci^rkrHiiz Und Pahidament, nach rerihU. H. Adler nehst Achrr nnil 
Blume. Dabei die Bnrhhtahen l, und H. Dm. 81 mm. S) uud 6) »ind gaux kleine Brunucn 
mit ^:rA»(lenthRilN fehlender UmHchi-ilt, II und 16 mm. Um. NB. Alle FMnd^teiretuitandc von 
Ar)>on bleilien dort im SthiilhnuHi', 

Scliafthauten. In diT .Scluitniaii^er naturlorscbondfn IJescIIschalY berichtete Dr. Ntltüch 
Ober die weiteren Aiiägrubungen tjei St^teriterrbild^ die Professor Dr. Virchow besichtig hat 
(J4. Z.-Ztg." vom 14. Oct, Nr. 2b8, Bcü.). Vircbow »prach «ch Ober die mit Saehkenntniu 
geleiteten .Viktiirrabuagen anerkennend aut. 

TMiin. In der Chie*a dtt ColUgio in Aatona (vide Anzeiger 1H92 S. lUO ff.) wurden nenc 
WandgenifUde nufgeilcckt: die Entfeniung der Tttnche von den tDirigen WundflSrben wini in 
Folge dessen heschleimiKt. J. R. tt. 

Url. In I'ri bildetv »ich laut „l'ruer WorheublH-ti" ein «Verein fUr Ueschiclite und Alter- 
ler" unter dem l'i-M-sicIiuni von Landammann Mnheim (,N. 2.-21^." vom 11. Sept. Nr. 2&fi). 

Wiadt. All der UeueralvereamuiliiDt: der <.ieschieht«forscfaenden tie«ellRcbaft der Scliweix 
■prnchcn jim 14. September Prot. Rah« über die Stiftukirehc von Payeme. Hr. de Mollin 
ober die Lamiaiiiier IUsclior«Mchl"lsser im lll. .labrhundert, FB»ey über den so«. Sattel der 
Königin Bertha und Brandstetter Über den ri>ni. Fimd von WiUihan (.N. Z.-Ztg.'- vom !*). 
Sept. Nr. 204, Beilage). In dem Keller in AwHcht». in dem kilrztieh zw^ilf GuldatQeke mit 
dem Bilde Karl« des Kflhnen gefunden wurden, sind liei weiteren Nacbgrabungcn noch »echs 
andere zum Vnrselifin uekoiiiinen <„Z. Tagbl." vom 9. Nov., Nr. 261). Vgl. ülter ilie*e Funde 
W, Wawre in iler „Sniuwe üb." vom 4. Nov. und ^Gazelt« de Lausaune' vom 7. Nov. Am 
gleii-heu Ort berichten auch Wawre und Eng. Se^rebui tther daH ..Programme de la Cam- 
pagnc d'hiver & Avenchea.* 

Walll«. Am B. October erfolgte zu Simprtn der »chon lange befürchtete Einsturz des 
Thunne« oder Oemeindehause». Uit ihm verliert das Dorf ein ehrwOrdige« Denkmal uralter 
Zeit. Fm war, vrie wir einer DarstelhMig des .Walliser Boten*" entnehmen, im Mittelalter die 
Stammburg der Kdeln von und zu Simpf^ln und der bisehOiiiiben Meier. Bereit« am 
25. Februar 1267 erscheint urkundlich der erste Kdle von Simpeln, Bnrkart mit andern Kittern 
aU Zeoge. l^m die Glitte des 14. Jahrhunderts ventcbwindet die Familie aus der Utwcbicbte 
de« Simplouthules. Die Burg kam von der Lebenherrschaft an dat freie Gemeinweaen von 
Simp'Qlii uud bildete ücit violuii Jalu-bimdeittiti das Burg«r- oder Gemeindebatu, wo die BoriesT- 



202 



wobleQ und gsr umucbtrr tcrM-lIifccr Abend mit Trunk und Taox «Inttfanden. Rlwu weiE die 
«Ite Rirr«rhTir^ RnreprKanK gnw-nnlcn war, wurde m» stet« in Daeli und Fach pil erhalten« 
witr kuum eiii*^ niidt^rc im oImtii Rhuiiethnl. Der nbernte Stock, die einstige RittcTwuhDUSg. 
mit seinen engen Fenaterlukcn ond dem itnlicniachcn Kumtn war unverftudert pelilieb«n und 
bot ciu treues Üild mittelalU-rlicher Kinfnchhcit und OenüiriBmkeit. \m untern Stock war 
wie es «ehuint, lÄiB die BurKt-ralube erstellt worden uAIlg. Schw. Ztg." v. S. Nov.. Nr. 248^ 
ZDrIch. Anranir< Naveinder wtirde der NordllEtKel als letxter Hest de*) t-hcmalif^n D<y- 
mimeanrrkrfHigangfji, f-int' Kopie dr>i FrtHliifcrkri-uzifuiigCH iu Kunbtanz. abgctrueen und desseu 
formterles Steinninl^^nnl bebufs kUiilli|rpn WicdoraufbAue<i auf das Ar<^al dex Landesronsetim-s 
UbertruiTCii. (ff.) — In Freiburif im BreisK^u »larb Aufant« September venraiiKeueii Jahre» 
Hrof. J. C. WerdmOller, dessen %-erdicnst\'oIIc Antnafamen kunstgewerblicher tJcgcn-sttLnde in 
den Besitz deji L^ude^museums über^e^n^eo sind. WcrdmüUer war ein hervorragender Lehrer 
und Kupferstecher, wie die Ausüt^^ltunK „In Memoriam' in der Eid^. Kupferstichsammlong 
j^ezeiiB^t hat. Kr ist ein liebenswürdiger Mensch und Oe-sellschafter gewesen. Vgl. den Xekrolog- 
von E. M. in der ,N. Z.-Ztp." ~ Laut Inserat des ,'A. Toßbl." v. 16. Xov, ist die Spvnnatid 
in UnlerslriisB von der Re^enms znni Verkauf ausgesebrieben. — Nr. 2 des .AnzeiKen»' vvn 1892 
hespr. von .1. C. H. in der ,N. Z.-Ztg." v. 16. Ort., .Nr. 20», Beilage. 



I^ltera.tur'. 

AMiquc. SpecialKeitsehrift Htr prAhistoriäehe Arehüolo^e nnd verwandte Gebiete. Hern: 
gegeben v(»n einem Consortinm schweiz. Altert hunistVeande. lledaction ff, Fortv. Strmas- 
buiif I8fhi, ErHi-Leinl \m\ I8ft2 in Form mehrerer Hefte alä .,Biitr6ff% xur präk4»lor. 
ArehXtAogi» «nH verwauditn (iMrtt von H. Forrtr. Inhalt: Illeil>iirren und Pfahlbanten. 
" Statistik der M-bweix. PfuhtbauHnüiedlungen, t'nedierte Kupfergerftte «uk Sehweizer 
Pfaldbauteu. Fabrikmarken auf Bronzebetteu. 

Arthiwtf MMitdigirw SuiM»n. Ptildiäex par Maurice Tri|iät. I8&2. AoQt - [>£cetnbre. Chroniqae 
d« la soci^t«' auis^e d'bt-raldiqne. Le »«au dc> Hodnlphe 111 et lea arme» de Bourgogne. 
I« cimier du cänotapbe des conite:^ de NeuchAtel. Catalogue de l'eiposilimi de piece«, 
otü^ts et dociimentd h^raltliques organisfo a NeuchAtel Octobre 1892 par la Socit^t^ 
Huiüse d'Ht^raldiqiie. L'Amiorial de CtfQnenbei^ par F. Gull, l^ea ,de .leanneret" iiar 
Jtax Diacon. F«milli^ Stflinhrngg de .Solenre. Le-s arujnirie.s de Lausanne pur Amdr^ 
Sokirr. ly'Armorial von der Sptfken. Sculptnres d'annoirien ä Bäle. 1893 .lanvier 
Ohroniqne de In 8oei6U nnissr d'ht^raldiiiue. Dr. E. A. St9fk»lht>-g, Hin heraldisclj vci^ 
zierter Taofstein (in der Kirche von Holderbank, Anrganl Mnx Ih'aem, Notes sur la 
nablosie neuchftteloiüe. QneUxiiieji mot^s wir Ic coHvent de Bellelay. M. T. Les seeanx 
de la reine Berlbf*. 

ArfOtia. Jabreaschrifl der historischen OcseiliM-baft den Cantons Aargan. XXCQ. Bd. Anrau. 
Sanerlflnder &■ Co., 1892. Dr. vi. iVilt<eA«f«r. Die aargauischen Ootte«ba«Ker in den ehe- 
tnaligeu Dekaualün Fric^kgan und Sisgnn, Bisthuin Basel. 

Basel, Mittelalterliche Sammlnng, vide Verein. 

BatutitMMg, Sdtwtinritelie, Bd. XX. No. 0. A. Oremaud, Le piint de Neuenegg. 

liotlttlina atorko dtUa Svitttra itatiana. 1892. Xo. 7-11. I dipinli del Rinaneimento nella 
Svtzzera Itallana de) prof. J. R. Rakn. Scoperta di pitturc uella rhie-^ola attigua aJ 
palazzo ^vematiTO tn Belliuzona. iVncora una volta dell' istohografo Rigolo iCorta 
get«r«tica del Contado Leopontico 1681). No. IL La chiesa di S. Croce in Riva S. Vital«, 
lempio urtaMtico naztnnale? 

Brandtttitfr, J. C RepertoriiiTa der iu Zeil- und Sammcbwhrifteti der Jahre 1812—1690 ent- 
haltenen Anfsntze nnd Mitteilungen MchwcizcrgeM^bichtlicheu Inhalt«». Berausgegeben 
TOD der allgemeinen geifchichtsforacheuden ÜeseUscbaA der Schweiz. Basel, Adolf 
Oasring, 1802. 



208 



BMÜMin d$ la SeciM »m»»i dt numiimaii^iH. 180S. No. i. Socititä suisse de uuiniiimiitique 
Atü ofticieU, pu- Dr. LatU. Lc tc<«or du TaTft-de-l'Bch«Uc (oommunictttfon provinire) 
par J. Major, 

Font*« remm Beniieiidiimt. Bern')« ri^üchicIitHqHellen. VII. Bd., in. Lieferaiifr, umfaMend die 
Jiihrp I34Ö \ti>^ 1351. Gr. Lex. iu-ö*. S. 385-r>76. Bern. Sclmiid. Francke & Co. 

0*aehiekt$freun(l. der Mitteilungen des hislor. Vereins der V Orte LuztM-n, Uri. Srhwyn, ITnter, 
Waiden und Zuf;. Xl-VII. Bd. Einsi«l«In. Deiunger At Co., 1892. Ür. A. NtttctitUr 
Die Ootteshauwr der Srhwpin. Hislnr.-antiqiiarisohe Forach iinfpen. Dekanat LuÄcm 
(4 Abthlg.). Jos L BraiidUtUfT, Fiindo im Stockacker bei Kimluil. 

^-ir Hnen4kt, Dr. ßerlhoiä. Bibliii(fnipliie der Hcbweizerlschtu LandeMhund«. Architekt iir, Pla-stik. 
l Staterci. Hern. K. .1. Wvas. 18H2. 

n — — Die Hnnoertrage.r der dreuehn alten Orte nach den Holzüchaittcn Vn Grafii. Itlit IG 
^^L (jichtd rucktafeln von K. Thcvoz de Co. in Cienl' udiI 12 TextabhildnnKen- Separataiu* 

^^V gäbe aiit< „V^lkerschaa~ . ßd. \U u. IV, Hemosgegeben von der initteltJchweicenNchen 

^H' fceo^Aphi^ch - kominerzielloD tlerfellarhaf) In Aaraii {Redaktor Karl Bdbrer). Axratt- 

^^ Verlag ^nannter Gesellsthaft, 1893. 

IMtttia. IlliLttr. Monat«chrii1:. 16. Jahrg.. Heft I n. S. Die Univ>er^tAr und die Bacbdruckcrkuu)<t 

in Basel, vou J. Enj/til-Oünthtr. 
JmJu-bueh, Batler, IHSS. Hrmus^<-g«lien von Albert Rurckhardt, Rudolf WackemaKel and 
Albert Oeasler. Basel, W. Reich. 1893. Fritt Mtytr, OesiclticblQ der OffontUcht'n Kunst- 
Hainnduufc zu Baitcl (Fortsetzung). Früx Baur. Burgen und .Schtnsser. Panirt BurtJcKardt- 
fFtrlhtmann, Kitte Ansicht B»wts au» dem Jahre 1972. 
Jahrburh dt» hiatorinekn VtrtiH» dts Kantoni Glarus, 28. Heft, GlarUi», ßAsc-hUti. IHflÖ. Krster 
Narhirag xiiin Ver^eirhiiixs d<;r MüniufatTiiuliinx von Dr, F. Schindltr. ArcliSologiacbe 
Funde im Kanton Olarua (mit Tatet) von J, UettHi, 
JaSrhufh der kjfl. fir«ui». KumMtammtuHtitn 1802, IV. Heft. R. KtktUe, Uober einige Holzschnitt* 

Zeichnungen HolbeiiiM. 
Jakrbvth für Sehit^ztriwkr QttchiekU, herausgegeben auf Veranstaltung d. allg. gesteh it--bl4- 
forNcheoden Oesellsctiaft d. Schwein. XVII. Bd. Zttricli. S. HOhr, 1693. J. Amiel, Aus 
der ersten Zeit der Buchdruckerkunit. 
Idiotikon, Sckmis«ri»tht». XXJI. u. XXllI. Heft. Frauenfvld, J. Huber, 1^2. 
I Lieft des ihrdonnances de !h ronfrerie de« maltrett-peintunvi, sculpteurs, peintrea-vcrriore et 
!■ verrierR. cultivsol le-s arts-lib^ranz et fai«ant partie de la confririe de Saint-Luc k Pri> 

^H bourg, traduit par M. U Comte dt Diubae/t. [lubliti par J. J. Berthitr. üt. iQ-8*. 81 p, 

^P Fribwurg. Libr. de IT'niversitö (P. Kriesenhalm). 

^ Jfarnzxa, Ambroffio. 1 renacoli di Gmidenzio Ferrari. (Archivio storico dell' Arte Anno V. Faac. HI- 
, Maggio-Oingno 16{U.) 31it Abbildunx von Ltuint« Abendmahl in .Sta. Mari» degli Angioli 
I 1 in Lugano. "^ 

Ifnyor, Jacqutt tt Fittintr Marc Hifitnire d'un clochftr, Papiers trouv^n ft Saint-Pierre (de 
GcMtvc). Extriiil. itotttblenienl uugmonte, du Juunml de Oeutve. üenfeve. Iniprliuerie 
SuiHse, 18B2. 
iMani, A. Lombardo o Lombardi-Longhena Baldaasare, i Longhi, Msdemo (Encyclop^e de 

l'archiMcture et de la con»tmction. Paris, Dujardin, Vol. V, Fase. II. 1692. 
iraUn-, Tide Schlüsoer. 

Vt^ahtMatt dtr lUurariBcktM Gfatlttckaft Btrn auf daci Jahr 1808. Heister Johanne» Bali und 
die Reliquie nem-trrhuH^n der Stadt Bern in den Jahren 1463 u. 14*4 von BrinritA 
Türltr. Bern, K. J, W.v.sa, 1802. 
SnfjahriüüU dt» Kittttpertitu und dtt hititoHavh-aHli^uariichfn Vertinu zw Schaffkauatn, 1993. Dar 
Bildbauer Alexander Trippel uu^ S«hafiTiauaen von Dr. C. B. Vog\tr. 11. Halft«. Die 
Werke und die Beurt«lang Trippele mit -1 Tafeln Abbilduugen von Werken TrippcLi. 
SchalThauMii, C. Schoch. 
^JfmtjahrtbtaU dtr anliquaritehtn OttMaekafl in ZBrick. i£ ZtlUr- WtrdmOlUr . SliUelalterliohe 
Burgcoanla^D in der Schweiz. 



204 

Nft*' Aardtmr Xetiun^. Aua den Mcmoirea fiixM äcliwcu«* Jaweliera ud ruttuchen Kai^rhoff 

(PaojtiÄ) voo Dr. F- WalämaHn. No. 314 L W. OteMi. Aus dem Crlnindenbaoh der 

Stfldt and I^jindsrhaft Zarich. Bfil i\i Xo. Sai— ft4. 
Na»fh^fr. A. vide Argovia. 

Otektli, ir. Quplletihuch KiirScIiweiiEenf*«'hichte. Nrue Poigre. 3. Lfjt. ZOrich. F. Schlilthe», I8»8. 
Fa^tmf. (.Tuidt; de, ft de se» eiiviromt, pubÜL^ sou» les aiupit-v« d« la iiocift^ pour le d£velof^ 

pement de Payei-nc. TUnstt^ de plnsieun gravnres. Payrnie, E. Qachct-Grirnz, 16D3. 
Hahn, J. R. 1 Dipinli deL riuKSCtiueDto uella Svizxcra itftUaaft. Tradozion« del Tedeaco dcl 

Tenente-coloniiello Giorffi» Simonn. BcUinzona. Eredi Colomlii. IftÖU. (Souderabdnick 

»OS den Bollettino »toriro detia Svizzera itaÜana. Anno \IV, I8II2, Xo. S— d.) 
Btbrr, U. Rei^herche» npcli^ologiiiues datjs le lerritoire de l'ancii>n ^vöoh^ de Oentfve. Av. 4 pl. 

Oenivei Imprimeritt Anbert. 1q-S*. -(8 p, £xtrait des U^moires et dociitneute de lA- 

Soc. d'hiat. et dairh. d« (ien^ve. t. XXllI. 

— — Die vnrliisUirUiheii SkiUptiirea id Salvan, KautoD Wallis. Mit S AbbJJdgn. and 3 Tafeln. 

In-1*. lä S. Braiinttchweig. Viewpff it SoliD 1.1^0. Sonderabdnick ans dctn ^Archiv 

fUt AntbropiMogi*-. XX. Bd. 4. Heft, 
La Pierre-anx-Domee de Troincx-souu-Sal^ve. Arer Uliistr. (*r. iD-8'. 12 p. Anoecy, 

iinpr. Abrj". {1891). 
Die vorhiütoritrehen Di-nkuittler im EiuÜsi-hthal (Wallis). Utt sectw AbbildiinRen und 

ftliif Tafeln. Üraun5rh«eig. Friedr. Viewej; & .SoUn. IHHÄ In-I*. 1« S. Genf, B, H--h*'^. 

Sonde nd)druck aus dem .Archiv Air Anthropologie*. XXI. Bd. Ä. Heft. 

— — Kerherches iircbiologiquvs daiw le» Tallys d Evol^ne et de Biim cu Valais. In-«*. 34 p* 

Gerii've. B. Keber. 

— — Atisü^tliinifffii im Biiiiillial. Joimml de Oentve v. 1693. Nr. 2S1). 

^r. Urten- KaUniier. Heraiisgi'-^hen vom Verein xtir Verbreitung guter ßücht-*r. 40. Jabl^ran^ 

IWö. Sololbnni, Verlny: riiion. SiPcheiiliiliLvr in der Sc.hweir.. lür Kapelle zu Dt*!* 

bciunki-euz in Sololhnni. Die Bela^eninjc von Solothnrn im Jabre 1318. Znr Topo- 

gmphic der Stadt Solothiini, Schlu-s». iioroach im Jahre iliU. Schweizurischcr Todteii> 

kalender vom Jahre 1890. 
üeklötätr, dir, Burgen und Buiittn im Aargau. Iti Li ebltafaer- Photographien TOn Eduard MütUr 

in .\araii. 
SoUnkiti-H. au* d*m attm. 'JA Htflit«r ans den 5 Ursen kalendern von 18R9— IRHS. Sotothnni, 

Buch- und KnasUlnu'kert-i Uiitüit, 1W3. 
SladUn-Imiiack, L. Illiistriert«>r KettghnnHkataUtg. Fin Führer dnrrh die Sammlnng alter Waffen 

und Ulni<^emalde. Zuji. Ituchdrackerei J. y!ibt.'her, ViX*'i. 
Srhwticerit^kt fJffrUiirliaft fOi- KrUaUung higl4iri**-htr K'rnn'tlmltmeirr. Protokoll der allfTemeinci» 

Sitzung »DJ 14. S^ptonfier LBt^ä im Uemcinderalh^wialo /.u Payerne. 
Fertim für dit mtlUtalttrUcke Ünmmlung und für Krhalluuff BaütristMer AlUrtBmtr. .lahredberichfi 

and Rechnungen im Jahre IhUl. liaaol, Scbweighanser'iche Bacbdrarkerei. 1892. Satr- 

halt: Atb. Burekhardt. Kinr Batler Hauxhaltniig nm da-i Jahr IStiü. 
VetUr, Ftrd. Der Kiimpf nm'M Kloster. Nnrhrrag zum KilximgMprotokoll der -Schweix. Oe»^- 

wjhafl iXlr Erhaltiiiit; \üiuit. Kuustdeukiiifllcr vom 7. November 1S91 in Zürich. Den 

Kil'gliedcm der genannten (ieseÜMchart zogentellt Riif die daran fTolireiid»* Sitzung vom 

U. Sept 18i»9 in Payerne. 
Wctf, R, I-Teher Ana .A<>tro].it)inm plnnispherimu in der Sammlung dor AnliquEir. (J4^iellschaft 

in Zürich. In: Viert v^ahrsschrift der Xaturl'. Ge». in viürich 1803. Art. Nr. 460. 
ZeHMhr, f. Ethnologie, Jahrg. 'ü. ia&2, Heft 4, S. 381— 2Ü3. I-^ind von Skelettgrfthcrn der 

Bronzezeit Ix^i Cornaux in NonchätrI nnd ßnjnseaadel mit fUnf gestieltwi Ju)t>pf«'n von 

Extavayer. 
Zrmj/, J ßetehrcihnng der Glwtgetullldc im Zeugbnusc von Zag (in Stadtin-Imbacb. Illn^trier- 

ter ZugeriHcher Zeughauskatalog S. 75 o, f.). 



lUiMtinai Prof. Dr. J. S. RAHK in ZShih and CARL DIWX ii BiMtaeb (ZOiM). 
Drick TOB B. LEQUMN Id ZOricb. 




" ' V^ -n L © ^ V T. X 
^^,^-iS^«4 3> ^ rlinsDurgen 



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^^M^^riAar^ \/>\° JNSBURG 



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Maasatab • 1 2S0O 



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las*!.. nUK , 

Obere ERUNSBURd ^ 

1 i u KSBURG 

von Lehn aus ge&enen. ■ 



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Anzeigerf BchweiiAlterth3kdeI898 NT i .1 




V^t Anz. 1892 S. (46- 150} 



Ngfar Ir Bvgcr.jnpn An« .Zurirf 




Aiiimii 



FCh 



SCHWEIZERISCHE ALTERTHUMSKUNDE. 

^^ INBICATEÜR ü'ANTIQÜITlS SÜISSES. 



XXVI. Jahrgnng. 



IV«' S und 3. 



ZÜRICH. 



1SQ3. 



Ab«NnviuiiHi>ii>r«li>i Jaitrlirti S Fr. — Man ftbonrilri l>'-l -irii l'uaitmr'aui aiil allrn Hu>-lihnii<llunK<;ii. sotrta 
aiion >liTi!rl lii'i ilnm Bareau der ■ntt^iuiTlaoh.«)! a«a*UBoliiaft, Halmhaua, ZUrlcfa. An dl« lettter« 
St»Ilr lieilciLirrt aii<wAiiiir<) (bonnenieii >l)te ZiOilunit<iii <u a>1r<rtAifitn. i-UrikMi -Bcnliit •l&vlb») allttllt^c tWIa- 
nwllon^n ontirrir''ii|2mi<jii)iuc[i. — Von rlrr Slatt/M uhvastrathfr äwutätnkmdlrr. üw als Urllag? lam 
'Anuigf* oiicbamt, nrird «ine klein« Atillage von Sc»»derali:ügtn mnitUt Elnuln» Numiiivni davon 
werden. Ki t*ng« d«r Vorrath reicht, auf ilrm Aivraw ärr ÄutifUHiieh*» QutlUtkaft. fMmftau, 2üricA 
abfegel wn 

ImUmII. 41. Hftmtsi'JvM m KalS'Tauisi. der Kahler Hanll iinil m Ha.'Uuirsi, vr»n Tli. Hofi-tfiarili-ltiMrnn.inn TnJ. 
\V. V. XVI. S. tJO — .tl. Em Etatt^.'linr :>D.i <Vin 1\. JnNNiuihkrt, vnn lti-riti»l>l ll^nm]« kr .S. tJik. - 
M. ll»uunUli*n iler K]u«l<-rlilKli« lu Kiirii^'«!'!'-". von J. C. Kunkler. Anhiiekl S. lli. - 19, WaixIiirtiiAld« 
bn <ter Suriiktn-lie' tu l>avrrii«. vixi tir. K. A. Slucki-Ilirrv. TaT. XVII «. XVIll. S. Uf.. — U. [lax K-urchri) 
von Srlieiil, von K. jAikfin. ('■oiiMn'^ilor. T*(. XIX a XX. S. Wl, ~ llU«M«0. Wi. — Klrincrr .Nnchrl«hl«n. 
S. KM. - I.lu-i4iur. $. MO. 



S«it dem 1. Jauuar 18B8 ist der GoiumissionsTerlag samiotlicber 
Veröffentlichungen der Änti(|iiari8chen Gesellsoliaft (mit Aiisschliiss deö >Än- 
zeigt^r für sciiHt^izorisi-be AtU'rtliuiiiskuiido<) an Horrii Buchhändler Karl W. 
Hiersemann In Leipzig nbärgögan^en. Vod dieser Firma wird der Vertrieb 
genannter Schritten sowohl iu der Schweiz (Niederlage in der Buchhandlung 
S, Höhr iu Zürich), nls auch im Auslande auBSchlicsslicIi besorgt. Noch immer sind 
dagegen, laut § 16 der Statuten, die OeseUschaftflmItglieder zum direeleit Bezüge 
der Vereinspubllcationen berechtigt, welche seit dem 1. Januar 18SS im Bureau 
aaf dem Uelmliause abgegeben werden. 

Die oeuesten Vereins-Publicationen sind: 

Die Aufzeichnungen »Zur Statistik scJuceUerisrher Kungidmkmäier * trerden TOn nun 
an als besondere. Beilage des «Anzeiger« ausg^eben luid iteni ciitsprechond mit 
eig^n^T Pa^inalur *!r«lieineti. Der Iwifolgendtm Lieferung, welche dii^ KuiiststAtistik 
des Cantons Soiolhum eröffnet, liegt ein für diesen Abschnitt liestimmU^r Vm- 
whiag bei. Exemplare eines Sonderabilrtickes kennen aur dem Bureau der Anti- 
quarisctieu CieseUnchart, Helmbaus Zürich, bezogen werden, l'nh der Lieferung 
Fr. — . 50 

Von der iu den Jahrgäugeci 1890 — 169$ im •Anzeiger« erschienenen Ktinststatistik dea 
Cantons Tessin ist ebcndaselbHt eine mit eigener Paginatur versehene Sonderausgabe 
7um Preise von Fr. 4. — zu beziehen, 

Jiahn^ J. R. und Th. r. Liebenau. Die Casa di ferro (Vignaccta) bei Locarno. 
Eine Werl>ecaseme aus dem XVI. Jahrhundert und ihre Erbauer. 
Mit 3 Tatein Fr. 3. - 

Katalog, bescli reibender, der Antiquarischen Sammlung iti Zürich. Von R. Ulrich, 
A, Un£manH uud anderen Qesellschaftsmitgliedern. 3 Tbeile. 44 Tafeln 

in Lißhtdruok > lÜ. — 

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Wenutr, J. Die ältesten U;mueusammlungeu von Hheluau. Mit2T^(«Va.. * ^- — 



280 

HaHit^r, M-, ZelUr- Wn-dmüner, IT., and Bahn, J. R. Ballingers B«- 

sehreibiuiK det Klonten. KappeL und sein jetziger Beätaud. Uit 2 T&fela Fr. 3. 

Zdier-WetdmmUr, H^ Mittelalterliche BarguiUgea der Oatscbweiz. Uit 

4 TaMu S. 



41 

Römisches In Kals«raugst, der Basier Hardt und fn Basetaugst. 

l.T»f. XV 0. XVI). 

NmIi iw&er harren die HesU des Cutells in Saiseraogst« des Cvatmm 
wie n ia dir Kotitia GalUamm and bei Kanapias (if^'^or) faetsst. einer 
^CDt«r3iMliuiflf. Die AriwU wird efsehwoi dadurch, das die Hiuser und Girten 

eo Dorf«s rielftch die alten Heste öberdeekt. nun Tbeil aacb xerstArt hab«B. 
■ir biä jetai, dtud aehrare kUinere Aua^rahagta, die ich im Aoftn^e dw 
UA.-utiq. Owei bch ift xwiKheD des Jahr«o 1887 and 1891 TorMhmeD lies». 
««Migiinfwiift, will ich hier mitUioilen. Mao ntj^McfaedtndieGmadrisKaafTatX^ 

Hu Ckfliall bigt OTwittrihar aa dos hokn SUafar des Rteun oad bildet 
tl^tiches B«(MMt dMM »est&che SctotMto rw^twiiUEff uf fit MO« 
UigawUn inSt, wihrcttd die Mlkfae Sdunabeite u die «odliebe in eüun 
TM 127>;t Grad (Ta£ XV, Flg. 3) iwBhWwrf. äeh ab«- afUiee ia euer weh ncft 
hMÜamhM«» Kichtoag g««« di* Nndnite Mhiigi. Üi* ndlteb« 
■oA tMIwMB crWlM ni hat, n« liiiinnm 

TW 261 Uetw. d. h. Tt» 883 r4B. PnM (h 0.S06 tf). Di* iiMlkh« Siita 4h 
MMte kh nsk twti— Im MerioMln nf m. 884 Hoter td« 9#0 riM. h 
■wfiaBkcite, va «Ibmi aoefc gctedcaea B«te der NadMMr hb av tanen 
dir SAdnaaer gfaiiia. 142 M. oder gawi 480 rOia. Pan Utrtgt, m ffgibt lieh 
die Aaligi dM CMalk «ia ThUHmm dv 1^ aad Brate tn 960 xa 480 
(80xU:40x|t) edv tcb t aa 1. Dana M aar cia Dnieek ia niiilia 
acUttaa; aai w«kkNi iSraidt fin gnehah, iit akht nett ■okUlicih. 

Dil liiavficfa dv SAdnitB Mrtgt — eder hatwg iinili%BA. deMfie 
VtdUiM - S^ Meter. Dock iil w g^aa die 
9 JMar (Tat XT, F^. 3): aad ahaM» bm « m 
Krtk W. TMites(T«I^C^»dM Watete ha gaManieb. Die Ifaaw kt, 
£ Fas tief lator dM haat«ea Bid«. all «mt niU vaa QaadnUiaea 
da 'iiiMfi vaa Mhaa bida itaa laäM teaHv A* 

iiliai i,ia 
Da IHM 



B (Tat XT, H^ 1), 
. - Dil 



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ffis tta4«ek 



IgwBa giin Wil l, 0,7» 



231 



StQck davOQ erhatien, das ich diucb eine Grabaug too aussen and iimdD untersuchte. 
Die Mauer nrar hier nicht breiter als 1,62 M. und hatte ein schräg anlaufendes Funda- 
raeot von 1,35 M. Tiefe und 0,30 M. Breite. Die äussere Bekleidung ist übrigens ab- 
gefallen, daher die Mauerdicke nicht genau zu bestimraeD. Durch den Nachweis dieser 
Nordmauer des Castells f&llt nuu Schöpflina Hypothese (AU. ill. S. 162) endgültig da- 
hin, dass der Rhein zu den Zeiten der liOmer sein Bett im heuligen »alten Rbcin< 
gehabt, dann meinen Lauf südlicher genommen und einen Tbeil der r&mischen Bauten 
weggefressen habe, so dass jene (bei Brückner Taf. II. E. P. gezeichneten) halbkreisför- 
migen Mauern unterhalb der Insel Wörth früher am südlichen Ofer des Flusses gestanden 

„■h&tten. 

■B An der Södmauer des Castells sind nun mehrere Thurmfundameute nachgewiesen, 
am deutlichsten die des ersten Thurmes Ton der Südecke an (s. Taf. XV, Fig. 1 B^Fig.2). 
Der Zeichnung, welche alle bloss vermutheten Linien punktirt angibt, ist wenig beiKU- 
f^on. An dem Eingang ron iuneo sieben die Mauern DOch etwa meterhoch über der 
Schwelle, nach aussen ist alles abgebrochen und nur noch in den Fundamenten, zu äusserst 
auch da nicht mehr, erhalten. Die polygonale Form des um 3 Meter vor die Haupt- 
. mauer vorspringenden Thurmes ist daher nicht ganz sicher. 

m^ Eine ähnliche Gestalt und fast dieselben Dimensionen hat der Tnnenraum eines 
Thurmes des Castelles Burg hei Stein am Rhein (Keller, rOm. Ansiedl. der Ostschneiz, 
Taf. I). In Kaiüerangst sind die Thürme an der Innenfläche dr^r Hauptroaoer nur an- 
gedeutet durch einen Vorsprung ron 0,13 M: über die Flucht der Mauer. Da ebenso- 
wohl ihre Breite, als ihre Tiefe (die Mauerdicke eingerechnet) annähernd je 7 Meter be- 
trägt, so stellt ihr Grundriss ein Quadrat vor, dem nur die vorspringenden Ecken schräg 
abgeschnitten sind. Gegen das Innere der Festung läuft hier ein 2,3u M. breiter fest- 
gestampfter Boden dem Fnss der Mauer entlang, der genau in der Breite des Thurmes 
mit Randsteinen eingefasst ist. Ob dies einem ähnlichen Zweck, der Errichtung von 
Hfllzbarackon, diente, wie bei dem gleichaltrigen Castell Hoidenburg bei Kreimbacli in 
der Pfalz (Correspbl. der Westd. Ztschr. 1890, N"o, 74), wage ich nicht zu entscheiden. 
Ausser dem genannten Thurme sind zwei weitere ähnliche an der Südseite, in 
Distanzen von genau 20,5 M., nachgewiesen; ebenso in etwas grOssern Distanzen von etwa 
"3 M. je der zweite, ron der südlichen fScke gerechnet, an der West* uud dftr Ostseite. 
Man bat also an der südlichen Längsseite 10, an den Schmalsetteu je 6 Thürme, im 
Ganzen — da zwei davon als Eckthnrme beiden Seiten gemeinschaftlich sind — 20 Thürme 
anzunehmen, jeden 23—24 rdm. F. breit und 10 F. vorspringend, in Distanzen von 70 r. F, 
Von diesen sind bis jetzt 7 sicher nachgewiesen, wiewohl alle nur in der Erde verborgen, 
Ob die nördliche, vom Rheiu natürlich gedeckte Seite ebenso stark durch Kunst bewehrt 
war, lässt sich fuglich bezweifeln. Schon die geringere Maiierdicke spricht dagegen. 
Auch habe ich bis jetzt dort vergeblich die Sporen eines Thurmes gesucht — Ein 
Eingang$ihor vermuthete und suchte ich in der Mitte der Südseite, fand aber nur, dass 
in dieser Gegend, gerade da, wo der fünfte Thurm (von Westen an gezählt) sich befinden 
sollte, die Mauer auf eine längere Strecke unterbrochen ist, ohne dass ich bis auf die 
Fundamenttiefe, 3 Meter unter der Erdoberfläche, die Unterlagen eines Thorhaues an- 
getroffen hätte. 

Etwaa anders ist der südöstUche Eekthnrnt beechaifen (Taf. XY, Fig. 3). Er ist nuc 
noch in den Fundamenten erhalten, die bis tu einer Tiefe vaa%^iilua \\a^^<&'^^^^''V^^ 



ä 



232 



Doch ist auch er an der Uatiptmaocr 7 M. breit und springt etwa 3 M. über dieselt 
vor. Zu deioer einen Seile fährt ein Ausyiir^ durch die Hauptmauer hinaus, wohl ein« 
Auslällpforie. Ihre Verkleidung, die wohl aus Quadern bß^tand, ist weggenommen, da-. 
her ihre Breite uicht genau zu bestimmen; m wird aber gleich derjenigeD der beiden 
ätiulicheii Pforten an der Stidwestecke gewesen sein, also über einen Meter. Unter ilirem 
Boden, mehr als 3 M. unter der Erdoberflftcbe, fand sich ein Canal, im Lichten 0,53 M.. 
br«it, 0,68 M. hoch, die Seitenwände auj rothem Sandsteia. die L'nterfl&cbe au3 Thoii-, 
schiefer, wfttireud die Deckplatten abgebrochen waren. Es ist ohne Zweifel ein Abzugs-' 
caoal, der das Uegenwasser oder die Abfälle nach Aussen ku flthren hatte; gleichwie is; 
der Mitte der Südseite, da wo das Thor sein sollte, in fast gleicher Tiefe ein ähnlicher. 
Oaoal sich ßind, der ausserhalb eine Biegung macht. j 

Ton einer frühem Au^rabung, die schoo um das Jahr 1840 durch einen Besitzer 
des Landes vorgenommen wurde, ist uns auch die Beschaffenheit eines Thurmes an der 
Südteesteek* des Castclls bekannt. Herr J. J. Schmid Hess duruh Maler Noustück eine 
malerische Ansicht der Qebäudereste. die seither wieder verschüttet sind, anferti^n. 
Sie befindet sich in den Zeichnungen der Zürcher antiqnar. l^esellifchaft, (K. H. F. IV. 5). 
Leider ist ein Gruudriss davon mit MaAsaugaben nur in einer Süchtigen Skiue tod 
Prof. Wilh. Vischer (Vater) vorlianden. Darnach war der Thurm inuen ein Achteck^ 
mit einem rothen Paviment, etwa 4 Fuss Über der Erde. Die äussere Bekleidung war 
zerstört; aber die Fundamente waren zusammengesetzt hsi aus lauter Architectur- und) 
Inschriftstücken der alten Augusta. An ider Süd- wie an der We:ät6eite fahrte nebenjj 
dem Tburroe je ein 4'/i Fuss breiter Gang durch die Oasiellmauer in's Innere. Ditj 
Kelten der G&ngn waren aus rothen .Sandsteinen gemauert, wie auch der Boden, in dem' 
noch ein Kiegelloch sichtbar war, mit Platten aus demselben Material he]cgt war. Alkl 
der dem Innern der Festung zugekehrten Seite des Achtecks führten DO<:b fünf Stufen einer 
Wendeltreppe auf den Boden dns Thurme«. Die Dimensionen seines Grundrisses werden 
auf 23 X 23 Fuss, also etwa 7 Met«r, angegeben. 

Mit dem Castell hing zusammen eine Befestigung, die genau seiner Mitte g^en-;i 
über am nördlichen Kheinufer lag. Es sind davon noch die Rest« dreier im DurcfamesMi'' 
über 8 Meter starker Rundtkiirme vorhanden, deren Verbindungsmauer aber, wie eine'' 
iwlche muss vorausgesetzt werden, gäuzlich verschwunden ist. L'eber diesen »Brücken-' 
köpf« und die Wahrscheinlichkeit oder Möglichkeit einer Brflckenanlage habe ich in diesem l 
ADzmger, Jahrg. 1887, S. 471 Vorläufiges berichtet. Ausführlich und noch abRchliesseuden. 
Untersuchungen bandelt darüber, Mwie über die alemannischen Gräberfunde inderNfthe,! 
Herr llofrath E. Wagner in Karlsmhe in der Westd. Zeitachr. 1890, S. 149—164. j 

Die Ünuseit unseres Castells läset sich noch immer nicht aiober bestimmen, d&| 
eine darauf bezügliche Inschrift fehlt. Wir sind also auf .Schlüsse aus den epärlichea i 
Erwähnungen der Festung und aus deu übrigen Funden angewiesen. Sieber ist du<]| 
Castell später als die erste ZerBtOmng der nahen Stadt Augusto. Sonst würden niohtij 
80 massenhaft Uautriimmer und InschriFtsteine, die nnzweifelhafl daher stammen, is 
aeinra Mauern verwendet seiu (vgl. Vischer KL Schriften II, S. 441). Durch die Ale- 
I aanaen verwüstet und von den Bewohnern verlassen wurde die Stadt, wie ihre ganu 
Umgebung in den Jahren 270 bis 300, wie die verschiedenen Funde von MünztApfea 
erweisen; der in Äugst selbst gefundene enthielt besonders Münzen des Fostumus (s. As- 
^^fw id84, S. 42). So wird denn auch das »Castrum RauraceoM« erst in dem PxtK 



TinzialvRneichni^ aiiB Honoriiiü' Zeit, der N'otitia provinc. et dritat. Galliae, sowie 

TOQ Euuapius genannt; und in den Kriegen Julians von den Jahren :ir>7 bis 361 ist 

I mit den von Amralao niederholt ^eoannteo »liauraci« mehrmals nichts anderes als unsere 

I Festaug gemeint (s. die Stellen bei Hi^e, das rbein. Germanien in d. antiken Literatur, 

I 1892). Also etwa in die erste Hllfleoder den Anlang deüi vierten Jahrhunderts fällt die 

Ertiaunug des Castells. Damit stimmen denn auch die Mdnzfunde. Von 32 Stücken, 

die in den letzten sieben Jahren zu Kaiseraugst gefunden und durch meine tJäiide in 

I das Basler Museum gewandert sind, gehören nur 3 einer frühem Zeit an: ein Hadrian, 

I ein Antonin und ein Gallien. Die andern 29 gehören in*« vierte Jahrhundert : 1 Licinius., 

7 Coustantinua Magnus, 1 L'oustantiuus It, 3 aus Constautinischer Zeit oder später, 

k2 Coiistans, 4 Constantius, 2 Magnentius, 1 Decentius, 2 Julian, 2 Valentinian 1., 
6 V^'alens, 1 Magnug Maiiraus. Zwei derselben, eiueu Constantiu und einen Constantius 
fitnden wir in den ausgegrabenen Thfirineu. Kine grosso Anzahl Münzen wurde inner- 
halb des Castells beim Gral>en einer Wasserleitung, nicht weit vom Wirthshaus zum 
Adler, im Frühjahr 1888 gefunden, zum Theil in Klumpen i;ebalU — wahrscbeinlich 
die Kesta eines vergrabenen Münztopfes. Herr Kationalrath Uünch, der sie sah, ehe 
sie verschleudert wurdeu, erzählte mir. es seien laater utit>edeutende, meist kleine Bronze* 
müDzeQ gewesen ; er habe darunter bemerkt solche von Constans, Valentinian, Valens 
und ähnl. Damit stimmt wiederum der von Mommsen (die Schweiz in rflm. Zeit, S. 12, 
tnot 12) angeführte frühere Münztopf des Üastrums mit Tausenden von Exemplaren de« 
\ Conataiis und Constantius. Den wirksamen Schutz, den das Castell seiner Umgebung 
während des vierten Jahrhundeiis gewährte, bekundet auch der Umstand, das« sich hinter 
ihm die verlassene Stadt wieder ansehnlich erhob und bevölkerte, wie Ammian 15, ii,ji 
bezeugt; vrgl. darüber diesen Anzeiger 1880, S. 2f>. Unter anderm wurde dort ein 
stattliches Gebäude aus eben den Trümmern der frühem Stadt erbaut, die auch zum 
Custell Verwendung fanden ; also gleicb^oitig mit diesem. Und die obere Üauschicht 
der alten Stadt, i. B. >auf Castelen« nnd um Theater ergibt do«h nicht so selten und 
Toreinzeltf als man früher annahm, auch Münzen der Constantiniscben Zeit. 

Die Erbau ungszoit dca Castells in Kaiseraug^t ]5n^t sich aber noch genauer be- 
stimmen. Sie mus9 die gleiche seiu. wie die des Castells iu Uorburg bei Colmar, das 
nun, imch Herrenschneider*» und Schricker's UntersuchoDg (s. Westd. Ztschr. 1886. 
S. 155 — 166), wohl sicher als Caatrum Argentariense bezeichnet werden kann. Nicht 
nur gleicht sich die Anlage der beiden Festungen, wo nicht iu den DimeusioDeu, so 
doch in der Beschalfenheit der Mauern und Thürme; sondern nameutlich die Qeroeio- 
samkeit der ziemlich zahlreichen Exemplare des liegionsstempels spricht dafür. Der noch 
nicht sicher erklärte Stempel TEG 1 MP {Mommsen No. 34r.) findet sich nur an diesen 
beiden lagerpl ätzen : zu ICaiseraugst und bei dem gegenüberliegenden Brückenkopf — 
hier besonders bei Thurm No. 3 in auffallend grosser Zahl an einem Platz (s. Wagner 
8. a. O.) — cbenno wie in Hnrburg. Da die beiden Castolle die tiheingrenze decken 
und in der von Diocietian errichteten Provinz Sequania, die später Maxima Sequanorum 
hiess, liegen — Uorburg an der nördlichen Grenze der Provinz gegen I Germania 
{Stricker, Strassb. Studien 11, 1884), Kniseraugst an militärisch wichtiger Lage gegen 
den Jura — so dürften beide Anlugen mit Vioclettans RcKhibefeitigwng, also auch mit 
der Wiedererbauang der Caslelle von uberwinlerthur und Burg bei Stein am tiJinMk.-u:k- 



SS4 



sammen hängen, also um das JaLr 300 fallen. — Doch diese geoaaere Datiruog mit 
dem Vorbehalt einer spätem ßcrichtigung durch Inschriften I 

InsehrifUn, um auch voq diegen in Äugst so seltenen Funden noch kurz zu sprocben, 
haben wir im Jahre 1887 vier Stück gefunden, alle in deii Fundamenten oder in der 
Mauer bei dem Thurme B eingemauert. Sie :dtammen ohne Zweifel aus den Trflmmern 
der alten Stadt Aagusta. wie die zahlreichen Arcbitecturstücke und die früher am selben 
Ort (Mommsen No. 802) oder bei dem südwestlichen Kckthurm gefundenen Inschriften 
(Mommaen No. 277 ; ebenso 283 A : FÖNTE; währendB: TAVIl etc. auf einem andern 
Blatt der autiquar. Ges. in Zürich gezeichnet ist und als Fundort nur allgemein die 
»Fundamente vom Castrum Kaurac.< angegeben sind). 

Die Papierabklatscbe schickte ich sofort Mommsen zu. Sein geübter Blick und 
gewohnter Scbarfüinn erkannte sofort, dass eines der gefundenen Bruchstücke die vordere 
HAlfte des im Jahr 16.19 hervorgegrabenen Fragmentes 277 sei! Eine von uns ange- 
stellte Nachprüfung ergab die Kichtigkeit von Moromaens Wahrnehmung. Die gaoze 
Inschrift lautet nun nach seiner Lesung so : 

m e r CTB 

U-Etq. 8aNVCl*ATTI 

S AN VCifILI-QVIR-MES 

SOR-ETUAKLOEX-VOTO 

QVODpATEREORVM 

B u S C E P E RiA T 

Somit heisst der Vater: Attius Sanucus, die Sfihne aber, die in seinem Namen 

dem Mercur das Geschenk weihen : Marcus Sanucius Messer und : Q (?) Sanucius Moelo. 

Für letztem Beinamen weist Mommsen auf Monum. Ancyr. VI. 3 hin. Er erkennt in 

der hier auftretenden Ableitung des Gentilnamens der S^hne aus dem Cognomeo des 

Vaters ein neues ßeisptel einer nur in der Belgica und den beiden Germanien vorkom- 

meudeu Namengebung. Andere Beispiele stellt er nun zusammen in Korrespondenzbl. 

d. Wstd. Ztschr, April 1892, No. 4, S. 79—82. 

Zwei weitere Inschriften sind DedicatJonen an Mercurius Augustus, nämlich: 



H £ 


R C V 


B I 


T A V G 


V S TO 


• S A C R 


LllQILTi VS- 


C £L TiJ 


L I P- 


QVIRINA-COS 


SVS'I 


IIIlIVlR.ATG-L-D-D-D 



also: Lucius QUtius Cossus, Sohn des Celtillus, aus der Tribns Quirina, Sevir AngostalU 
weiht dem Mercurius Augustus einen Altar (?), wo7.u ihm auf Bescliluss der Decurionen 
der Platz gegeben wurde (locus datug decurionum decreto). Das Inscbriflfeld ist 0,64 M. 
lang nod 0,35 M. hoch. In den schOnen Buchstaben fanden sich noch Spuren rother Farbe. 
Die andere Dedicationsinscbrift für Mercurius Augustus, auf der Schmalseite eines 
länglichen Steines, bei der Verwerthung desselben für den Bau abgeglättet, doch noch 
deutlich sichtbar, lautet: 



236 

M E R C • A V G 
Q A T T 1 V S 

M K S SO R 
V 8 L M 
Ein vierter Stein, ao^dteineod von eiaem Epistyl herstammend, trägt Rohr achOne 
t;0,lS M. bobe Buchstabe» uud darüber die unteru Keat« einer künern Linie! 

L I 

G- B A L 

dazu kommt noch das abgebrocheae kleine Fragment eines Bochstabenschafles. Mommsen 

vertnutbet: et Aug. balncas fec, so dasa damit die KrrichtuQg eines Uadös durcb 

zwei Augusti bozeichnßt wäre. 

Die Steinv sind alle weiter Corallenkalk. Sie wurden einige Zeit nach ihrer Aus- 
grabung von der Bezirksbebfirde auf Begehren dea Oemeinde vorstand es vcm Kaiseraugst, 
der sie zu behalt«n gedachte, mit Beschlag belegt, dann aber vom Basler Museum den 
I^Ddhesitzem abgekauft uud befinden sich nun im Basler Museum. 



Der Tkurm in der Basier Hardt, den Brückner im Jahre 1751 hatte abdecken 
lassen und in seiner Beschreibung von Äugst S. 2846 ffbesclirieb (wiederholt von Ferd. 
Ktiler, im Zusammenbang mit der Heihe der andern Tfaürme am Bbein vom Bodensee 
bis Basel: Anzeiger 1871, S. 237—248 mit Taf. XXI; vgl. röm. Anaiedl. lL Oatschweiz, 
I. Abtb. S. 331. Taf. VII) wurde im Sommer 1891 von Herrn Uardförster Bär auf 
Kosten der Baster Stadtgemeinde auft neue aus dem Schutt zu Tage gefördert. Man 
fiind dabei ausser der Bestätigung von Brückners Darstellnng auch eine vollständig er- 
haltene > Schiessscharte« oder vielleicht eiue blosse Licbtlucke, einea 0,11 M. breitenf 
nach Aussen schräg erweiterten und 0,63 M. hoben einfachen Schlitz, von rothem Sand- 
stein einge&sst. Eine ziemliche Zahl konisch behauener Tuffsteine lassen auf eine Wol- 
bung schliessen, die den uitteru !{aum überdecken mochte. 

Auf dem nahe hei dem Tliurm in der Tiefe gelegenen Vorland gegen den Rhein hin, 
hinter dem Aukofe am Waldrand, liess ich im Herbst 1891 ein kleines Oeltände ab- 
decken, dessen rOmiscbe Grundmaueru eiue hOcbst einfache Wohnung darstellen. %e 
besteht aus 3 HAumen. Da ist erstens ein mit Ziegel paviment versehener Wohnraum 
Ton 7X6 M. Grösse, mit 0,6—0,8 M. dicken Mauern. Sodann weiter gegen deu Wald, 
jetzt in demselben, ein kleiner Kaum von etwa 4 M. innerer Weite nach beiden Dimen- 
sionen: wie es scheint ein Wirthscbaftsraiun, denn die eine Wand war völlig rauh, nur 
die andere mit rotlier Bekleidung veraeben. Ein Bohrer und zwei sichelfiJrmige Instru- 
Baente aus Eisen fanden sich darin. Zwischen beiden Bäumen ein schmalerer Zwischen- 
raum, in dem noch die Beste einer halbrunden Anlage von Backsteinen gefunden wurden, 
die l£este, wie ich glaut>e, eines Backofens. Das Ganze ist gewiss die dürftige Wohnung 
eines der Veteranen oder Landeabewohner. denen die Bewachung des Hheinlaufes von 
dem Wartthurme aus aufgetragen war. Am nördlichen Kheinufer, wo jetzt die Grenz- 
acber Kheinhfluaer stehen und wohin die Sage eine »Stadt Bärtligenc versetzt, rnnsü 
ehemals auch eine römische Ansiedlung gewesen seiu. Vielleicht befand sich an dieser 
Stelle des FIusügs, wie noch beute, ao schon zur Zeit der llOmer, eine libeinfähce. 




236 



Ein Tiel bedeutenderes Wahrzeichen für das I«eben der alten Kdmerstadt ist eine 
weitere Kutdeckung. die ich im Winter und Sommer 1892 auf der Anhöhe des 5(*iidM^- 
büH bei Bastilau^t machte. Es ist dien diejenit^ Hohe im Gebiet der aüiea Stadt, run 
der man f^egen Westen, wo unten die Ergolz fliesst, den schönsten Blick auf die Jiira- 
berge und da.'; weithin sich dehnpnde flaclie Land der Rheinelieno hat, während nord- 
wftrts das heutige Dorf Augift und darüber hinaus die Berghohen jenseits des Klieines 
sichtbar sind, nach Oateo aber ein kurzer Abhang zum antiken Theater hinführt, dessen 
Halbrund sich von hier, Iwsonders zur Winterszeit, wo die Bäume unbelaubt sind, in 
impanirender GrOäS« und Schönheit darstellt Nach Süden dacht sich die Hohe nur 
alluAlig ab. Sie mag im Norden und Westen 10—15 M., im Osten nur 10 M. über 
ihre nftchste Umgebung emporragen. Hier veranstaltete in den Jahren 1839 bis 1849 
Herr ,7- J. Schmid KachgrabuDgen. Eine ßriefbotiz desselben an Prof. Vischer (Vater) 
vom 10. Nov. H39 lautet, er habe auf SchOuenbQhl durch Nachgrabungen >niit eiem- 
licber Wahrscheinlichkeit ausgemittelt, dass hier eine Tempelruiiie liegt.« Nach einer 
Besichtigung der Stelle am 7. Februar 1 840 notirt Vischer : »SchöneDbQhl, ein TempA 
mit Portikus und grossen Snbatructioiien sichtbar«. Doch findet er in einem öffent- 
lichen Vortrag vom 3. März 1840, die Fundamente seien noch nicht so untersucht, daas 
sich mit Sicherheit davon reden la^se. Das geschah aber in den folgenden Jahren. In 
den Zeichnungen der antiquar. Ges. zu Zürich befindet sich, aus dem Besitze Henn 
Sehmids, eine Zeichnung J. J. Nenstöcks aus dem Jahr 1847 (K. Et. F. IV. 3), welche 
die »Tempelruiue auf Schtlnenbühl « nach den Ausgrabungen »1845 bis 1846« von rier 
Seiten darstellt : die Fundamente der Lflng-isciten mit je 10, die der einen Schmalseite 
mit ö VoraprüQgen, wahrend di« andere Schmalseite keine solchen hat. In Ravena'» 
Uebersetznng von Schöpflins Alsatia illustrata (1840) I. S. 431 sind Schmid's Unter- 
suchungen nach dessen Angaben mitgethoilt. Aber gerade in dem Jahr dieser Mitlbeilnng 
starb der unermüdliche Freund von Augusta's Alterthümern. L'tid leider Uess er keinen 
ordentlichen flrundriss seiner Ausgrabiuigen auftielimen. So gerieth ich erst zulUllig, 
bei einer andern Abaicht, auf die Wiederentdeckong .<ieiner Resultate, die ich aber dann 
vollständiger und deutlicher zu gewinnen suchte. Siehe dazu Taf. XVI. leb will mich 
der Kürze wegen auf folgende Angaben beschränken, 

Das Oentrum der merkwürdigen und bedeutenden Anlage bildet der Tempel, dessen 
aus unregelmUssigem, aber festem Mauerwerk au Igeführter Unterbau noch jetzt sich über 
den Boden erhebt. Noni-, Süd- und West<ieite /eigen noch jetzt in den Fundameuten 
0,55 M. vorspringende Sockel, aus den bekannleu kleineu Kalksteine« aufgemauert, durch- 
»choittlich über I '/i H. breit, während die Zwiscbenrfiume, in denen die Seitenmauern 
noch bis auf 2 II. Höhe über dem Fundament senkrecht aufsteigend zu erkennen sind, 
etwas weniger Breite haben. 1*^ sind 10 Sockel an den Langswäuden, 5 an der West- 
wand. A B C ist eine erhöhte horizontale Fläche, deren fester Cementboden noch hie 
und da erhalten iH und sich 3.22 M. über dem festen Boden aus Kalk und Steinen er- 
hebt, welcher den Fuss des Gehftudes rings umgibt. Das Hochteck ist 29,60 Kuss lang, 
14,80 breit, also 100 : 50 röm. Fuss. Die Mauern ringsumher sind über einer Höhe 
von 2 M. abgebrochen, so dass tod der umgebenden Collawand nicht« mehr zu finden 
ist. Zwischen A und ß fanden wir die tief hinab zwischen dem klein.<}ti>inigen Gemäuer 
angelegten Fundamentirnngen von vier Säulen. Ks sind je zwei mit Schwalbenschwänzen 
verbundene Vjuadem, die ein Quadrat von 1,35 H. Vierung bilden und zwischen sich in 



337 



I 



h 



der Mitt« einen Zwisdienraum von 1.80 M., xii beiden Seiten von 1,70 M. freiltssen. 
Gs ergibt sieh sointt eine Aienweite (von Mitt« zu Mitte) von 2,95 M. => 10 T6m. Fuss. 
Gerade so gross sind die Awiiweiten der I^ngsscitt-n, weun man ober deu 9 von hier 
bis mm Westende übrig bleibenden SockelvorspröDgeo ebeosoviele Halbsäuteii oder Püaster 
aonimmt. Die Westseite hat allerdings nur fflnf etwas weiter gestellt« Pilaster. Au 
der Astliclien Front standen also vier SAiilen zwischen Anten, von diesen nur etwa 0,60 M. 
entfernt (eine Thatsacbe, die mir Herr Prof. J. Burckliardt durch das Beispiel des Tempels 
des Clitnmnus bei Foligno und äbnlicbe F^lle anderswo als durchaus nnbedeiikücb erwies). 
Bei A mpss man sieb aufsteigende Treppen, vielleicht vorn in der Mitte den Altar 
denken. B ist der Pronaos von 5 M. Tiefe im Liebten; C die Cetla. Zwisclien B und 
C war noch die Vorderwand der Olla in einer Stärke von 1,00 M. nacbzuwoisen. D ist 
eine Erhöhung über den Cellaboden um 0,'i8 M., in eiuer Itreite und Länge von 6,30 X 4,70; 
offenbar die Unterlage einer Aedicula, wo daa GOttorbild aufgestellt war. Verhaltuiss 
von t'ella zu Pronaos fast genau nach Vitruvs Vorschrift. 

-. Säule, Basiü und Capital lassen sich nach aufgeftindoncti Fragmenten und Schmid's 
Angaben, wie ich glaube, mit Sicherheit bestimmen. Uen Nachweis Übergehe ich bior. Die 
Sfiule, au» dem in unfern Uömerbauten oft verwendeten, kreideartig aui^hcnden, weichen 
Sandsteine gehauen, hatte IG mächtige Cannelüren, die uuteu mit Pfeifen ausgefüllt waren ; 
au der Basis miudesteos 0,888 M. im Durchmesser, also wohl (das Capital und die Basis in- 
begriffen) 8 M. hoch; oberer nurchmesser 0,704. Die Basis hat zwei Wulsl-e und iat 
0,3 M. bocb. Das Capital ist das von Scbmid in der Kaiseraugster Mauer (sammt 
Fragmenten der Säule, die auch auf Scb^^nenbühl. 'sich fanden) au.sg&graUenL- ein korinthisches 
Phantosiecapitäl mit zwei Blattreiheo (die untere ist abgebrochen), auf denen, wie auch 
auf dazwischen emporsteigenden Schlangen, an den vier Ecken je zwei dralle Knabeu als 
Genien stehen, die vier Medaillons mit K&pfen halten. Das Capital war ursprünglich 
0,90 M. hoch; der erhaltene Abacus nur 0,76 breit. Abbildung der Säule in Neustücks 
Zeichnung; Mappen der antiquar. Gesellschaft in Zürich K. R. F. IV. 16 (doch passt 
das Gebalk, das dort dazu gezeichnet ist, nach den Massen nicbt). Ueber die Säule 
auch Visciier Kl. Sehr. 11. S. 447 mit nicht überall richtigen Angaben. 

Die AOkuem der Cella waren aus 0,56 dicken (juadei-n gefugt, diese je mit 
Schwalbenschwänzen verbunden. Von den PÜaster» sind so viel sichere Reste erhalten 
— wiewohl lum Theil nach einem andern Gebäude der alte» Stadt verschleppt uud von 
da wieder in die Tiefe am Violenhacb herabgofallen (Zeichnungen der Zürcher antiquar. 
Ges. K. U. F. IV. 4) — daa» eine Heconstructiou des Ganten mit aller Wahrachein- 
liclikeit sich vornehmen läsat. Der Tempel stellt sich so als ein sehr stattlicher Bau, 
ähnlich der maison carr^e in Nismes. dar. 

Vom Gebälk ist nichts Sicheres erhalten. Nur ein Stück des Arcbitraves oder 
Frieses, den schon Schmid als zugehörig erkl&rte, ist im Muaeum von Basel vorbanden, 
der auch (iher die Dedicaiion eine Vermuthung xulasst (Vxscher Kl. Sehr. U. 444). Da 
er die 0,36 M. hohen Buchstaben, oder eigentlich Binnen zur Aufnahme der Bronze- 
buchstaben V G V zeigt, so ist der Name .\ugu3tus so viel als sicher. Und da die 
Kaiscraugster Funde ebenfalls sicher znm grossen Thell vom Schönenbuhl stammen, also 
auch wohl U[i!<ere Inschriften des Merruriits Auffustus, so dürfte dieser, zumal in einer 
Augustus-Stadt, die Gottheit des Tempels sein. 



238 



OefandeD wurde auf der, wie es scheint, schon xur Zeit der Erbauung des Kaiser- 
augster L'astellä völlig abgeräumten TempelsUitte nichts als kloine Bruchstücke der Archi- 
tector. Solche waren mehrfach auch aus lothem Bandsteio. Auch kleine Bruchstücke 
Sehten Marmors zeigten sich. Mehrfache Dachziegel auf dem Boden der (.'ella 
auf eine Ziejjel bedach ung schlieäsen, Die bei Tischer Kl. Sehr. 11. S. 448 erw&bntf 
vergoldeten Bron^eiiegel (Catalog der antiquar. Samml. No. 6G7), die auf ScbOneDbObl^ 
gefunden wurden, dürften eher zur Acdicula in der Cella gehOron. ^hlreiche poHrte 
Fl&ttchen weissen Kalksteines weisen äbrigens auf eine Bekleidung der Cellawftnde oder 
des Fusäbodens hin. 

Nun noch weniges über den Peribolos^ den Bezirk des Tempela. Kin rechtwink- 
liger, doppelter Mauerzug »chliesst ihn ringsum ein. Die Masse nod a'— a' = a*— a* : 49 M. 
a*— a* = a'— a*: 68 M. Distanz dieser ftusaern Mauer bis zum inoern Viereck b'b'b'b* 
im Liebten durchschnittlich 4 Meter. Die Mauer a ist nicht überall gleich breit, 0,65 
im Süden, 0,91 bis 1,00 M. im Norden und Osten. Sie wird als fest aufgeführte Wa&d 
7.U denken sein, während die innere etwas schmälere die SSulen trug, von deren einer 
wir spärliche Beste ao einer Stelle ^deu (sie ist übrigens noch nicht überall unter- 
sucht). Diese lassen ein korinthisches CapitAl conatatiren. Gegen den n&rdlichen Abhang, 
wo die Stadt hig, ist ein zweiter, etwas schmälerer Porticus (3,16 Im Lichten) gezoge 
und rom Östlichen Ende durch einen mächtigen, 6 M. breiten Strebepfeiler d gestützt, 
in den bei c* die Maueru des Porfcicua eingreifen. Der Boden senkt sich hier gegen 
Osten, daher die starke Stätxe. Ao der Nordostecke a' zwischen dieser und der zwei 
Meter dicken Mauer e, führte eine 3 Vi Meter breite Treppe hinan, von der bei f noch 
vier Stufenausätze zu erkennen sind. In der Tiefe des Abbanges soll Herr Schmid ein 
grosses Doppelthor gefunden haben, einen Scbwellenstein mit Itinnen lu Kreissegmenten, 
in denen die li&der der sich öffnenden Tbürtlügel liefen. Am südwestUcHen Winkel des 
ganxen Viereckes bei g dürfle eine Itampe ron aussen hinaufgeführt haben. Endlich ist 
an der^Ostäeite die innere Mauer der rmfassung durchbrochen, genau in der Breite und 
Flucht der Tempelruine, und ebenso breit bat die äussere Mauer eine rauhe Aussenseite. 
Vielleicht führt« hier eine breite Treppe oder Kampe zum Theater hinab. Denn der 
ganze Bau ist genau wie das Theater orientirt, 18** westlich vom Nordpunkt. 

Endlich Lst noch das kleine Gebäude R innerhalb des Vierecks zu erwähnen, 
hat ein festes, rothes Pariment, misst 7,53 x 9,62 M. und ist fruhw gebaut, als 
anschliessende Mauer des Porticus. Lieberhaupt zeigen neh Spuren, dass der Platz v( 
der Porti ciisanlage von andern Gebäuden eingenommen war. Die erste Bebauung de 
iSchQuenhübl fällt ja, nach zablreicbeu republikanischen Familienmüuzeu, die hier gefunden] 
I sind, zu schlies^en ( Vischer, Kl. Sehr. H. 435), in die älteste Zeit der ganzen Ao.'^ieillung. 
Unser Terapelbau aber weist eher auf das zweite Jahrhundert, etwa die Hadrianische Zeit. 
Die Müniea, welche Schmid bei seinen Tempelansgrabnngen fand, zeigen neben einer! 
Famitienmünze 10 Augustus, 2 Agrippa. 3 Germanious, 3 Claudius, 2 Nero, 2 Trs^ao, 
2 Hadrian. Der Uügel musste dann, wahrte heiul ich ebeu für die Tempehmlage, gegen 
den westlicben Abhang durch eine lange Subätructionsnuiuer Amdamentirt werden, di« 
mit ihren Strebepfeilern noch jetat dem Rand der Höhe entlang läuft 

So viel Pdf beute. Rine Notiz Über einen römischen Hfioaerfund bei Muttenz Ter 
spare ich auf später, wo die Ausgrabung vollendet sein wird. 

Basd, Ende Februar 1893. Tb. Burckbardt-Biei^esiunn. 




I 



Der Ktubatiil und das aai Schlüsse der Hatidschrift beigolugte Verzcicbnis der ffir 
die einzelnen Tage und Anlässe ausgeivilhltou evangelischen Perikopeii') beweisen, dasa 
der Codex für den titurgischen tiebcauch bestimmt war. Das Buch enthält jedoch nicht 
Dar die in der Messe zum Vortrage gelangenden Stdcke der Rvaiigelien, aondem den 
TOllständigen lateinischen Text dieser, in der Form wie derselbe Tor der definitiveo Fest- 
stellung bei den Evan^ßlliuricn die Itegel war, aber auch noch nach jener in älterer Zeit 
riel&cb rorkam. Rs geschab dies, damit da.s Buch auch ausser der Liturgie gebraucht 
werden konnte. Für diesen Fall ist dem Gvangellar als Einleitung der Brier des St. 
Hierouymus an den Papst Damasus (f 384) über die vier Evangelien, sowie jedem 
ETangelinm noch ein Prolog über den jeweiligen Verfasser beigegeben worden. 

Unter den aufgeführten Festen und Gedächtnistagen der Heiligen sind keine, die 
nicht schon in Kalendarien des X. und selbst des IX. Jahrhunderts vorkoinmeu.') Von 
Festen des Herrn tinden wir: Weihnachten, Kpiphanie (»th^ophaniai), Ostern, Himmel- 
&hrt und I^gsteu. Von Marienfesten : Marias Geburt, Verküudigung, Heiuigung und 
Tüd Marieus. Das um 8S5 allgemein eingefQhrte Fest AUerbeiligeu fehlt hingegen. 
Dagegen ist am 13. Mai die Dedicatio ecclesix sanct:e Marife ad martrres (das sog. 
Pantheon in Kom) eingetragen. 

Die Ginteitung umfasst ciU Blätter, die Zeilen sind ca. 9,7 breit und ca. 1B,2 
hoch- Acht Blalter werden durch die Canonestafeln eingenommen. Die trennenden 
Säulen sind rundbogig überspannt. Die Kapitelle sind entweder von einer missver- 
standenen korinthischen Art oder besteben aus Kreisen, in die geometrische Ornamente 
eingezeichnet sind, oder auch au» vier auf- und abwärts gebogenen Hacken, sowie 
endlich aus zwei kleineren und einem dazwischen geschobenen grösseren vier- resp. recht- 
eckigen Kasten. Die Ba.son der Säulen sind entweder aus zwei Wnlsten und einer 
Hohlkehle, ans abgetreppten Paralletogramuien. oder manchmal auch aus phantastischen 
Köpfen gebildet. Die StUmnn^ der SAulen sind teils glatt, teih mit Geriemsel, zuweilen 
auch mit solchem in Verbindung mit Thierk&pfen geschmückt. 

Der Text ist beidseitig mit ca. 8 cm breiten und ca. 18,2 cm hoben Zeilenreiben auf 
182 Bl&ttern geschrieben. Der .AnTang eines jeden Evangeliums, sowie derjenige des Prologes 
zu den drei letzten Evangelien sind durch grosse, gemalte Initialen verziert. Es finden 
sieb demnach : L. M. J. L. (^. U. J. (J. und (i. sind in OriginalgrOss« im Texte abgebildet). 
Di« Formen sind unverkennbar die des späteren IX. Jahrhunderts. Die Ornamentik ist V 
fest nur mit Bandgeriemsel und phantastisclMu TblerkÖpfett gegeben. Das Ulatt ist so 



I 



') Die folgenden, kirchücbc Kraben betreDfende Notizen verdanke ich der grosieu Liebens- 
würdigkeit de» Herrn l'farrtt Stammler in IJem. 

"^ Vgl. z. B. dus Einsiedler Itfartymlo^Tun atis dem X. Jahrhundert in der Lttorg;!« 
Sacra von MarcotU um! S4>hne.1lrr IV 7ii8 iiml diu K:ilt>nil.-inuni «cdesiie iremianir^«? (lolonienfn» 
aas dem DL Jahrhoadcn (bei Weidenbacb Cbrouulug. und bistor. Tafeln q. 07 fl.^ ^^»iaaai«x\ , 



2iO 

gut wie gar nicht vernrcnüet worden; nenn aber, m io der bekannten starren Bchematischea 
Art wie -i. U. im Q. Die Farben sind die hergebrachten : gelb, grün, rot und braun. 
Diu Skala ist eine belle. 



NpRlNCjpiO 

GRATU 6RBy- 
6T(jeRBUCniWVT 

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C r p I O A p U Ö Ö CD ; 

OcnKiA peRjpsy 

pACTAS UNT eT 

sfN e I psopAC 

TcjcnesTisrhiL; 
cj u o ö p/\ c T u no 

eST JN 1 pSOUlTA 

eRAT erci jta 
eRAT Lu?c bomj 

jSUm 6TLU}C IN ; 

T€N6B Rfs Lcicerej 

T G M e B RA e e A OD N o N 

coNpRebeNöeRcjMr- 

Als Handzeicbnung Qndet sich, auf dem unteren breiten Streifen, zunächst auf 
Blatt 73 dos St«rnzeicben der Fisch«. Ein aufwärts und ein abwärts gezeichneter Fisoh 
sind durch eine aus den Mäulem laufende Schnur verbunden. Auf derselben Seite ist 
noch ein Fabelweaen mit U/Jmern (Hirschkopf?) und Schlangen leib mit einem Metallstifle 
Itezeichnet 



I 



241 

Das Blatt 79 zeigt eiuen iiacb links gewaudt«i), offenbar kineeiideo bartloeen Maiin, 
dessen Kopf eine spitze niedrige Haube schiltst Die Hechte bietet ein niedriges, mit 
gownlbtem Boden und einer stark heraustretenden auswftrts gebogenen Spitze versehenes 
Oefäss dar. Die Linke zieht über der Brütet das Oewand zQsammen, dessen Aermel mit 



m 



er 



Äfjrtri Cipro otn ni b: 



aoN Mooqu I 
öemcDO Lti 

CONAT I SUNT 
CRÖIN^RG 

Ny^RRAT lONi 
qUAejNl^O B)5 
CONpLGTAe 
So NT RGRU 
SJCUTTRAÖl 

ÖeRUNTNOBIS 
goi^^BTNlTIO 
rpSf UröGRl/I^T 
eTCnff^JSt RI 
pueRUNTSGR 

ois/ rs (J isucY) esT 
cr>jb?>vösequuro 




.Schuppen bele(::t sind. Rs dürfte hier detnoach eine Figur ans eioer Anbetung der 
heiligen drei Könige skizzirt sein. 

Auf Blatt 80 wurde, wie «s scheint wieder beabsichtigt ein Fabelwesen mit 
vier grossen au frech tstebeiiden Klügeln darzustellen. Dann findet sdcb auf Blatt 168 
ein nach rechts gewandtes hiindskOpnges Thier mit emporgehobenem Schweife und aufge- 
hobener linker Pfote. Im Maule hat jenes einen der Gostalt eines Kettiges ähnelnden 
Gegenstand. Ausserdem ist endlich ein Stengel mit blattförmigen Enden gezeichnet. 

Auf Hlatb 176 und 177 sind, wie es den Anschein hat, aus BlaUmotiven ge- 
bildete Ornamente flüchtig hingeworfen. Die Blatter 179 und 180 enthalten die schönsten 



nz 



I 



Acrinus. Älbncus. Austeus. ÜillimuDt. Birico. Oosuide. Anosa. Odolunard. Madalbetga. 
Keiiiza. Madatberga. Muozza. Otgarius. l^rmeusbtda. Uuila. Adalilde. Bmmina. Adalilde. 
Ftliua. Odoluuart. Oeluib. Etdrat Vnillimunde. Aartm&D. Adalmao. Pape ncerdofl. 

Alle diese Namen haben sehr alte Formeo und kommen teilweise, wie Adalman, 
Albericus ek. in iwhweiEeriscben Urkunden') vor. 

Der gesammte Inhalt des Codex enstainmt meines Eracbteos dem Iikide des IX. ev. 
dem Anfange des X. Jalirbunderts. Anders verhält »ich diea mit dem Kinbande, der 
offenbar jünger ist und den wir deshalb erst jetzt betrachten. Der Einband des Eran- 
geliars besteht zunächst ans 2 cm dicken Deckeln (17.6:27,2) aus Eicbenholz. Die 
VMdere Holzplatte ist mit fünf kleinen Kupferplatten belegt, die Teuervergoldei und mit 
kupfernen X^elti angeheftet tnind. Aus dies>.>n ['lättcben alud die Bvangtdiätcn^jmbole und 
der segnende Heiland in eifi^rmi^^nr Mandorla herausgetrieben. In sie eingraviert sind: 
ein dreiviertel en-face gestellter St ürsicius, der mit der Rechten segnet und in der 
Linken einen Becher hält, sowie ein biscböHich gekleideter, im Protil nach links ge- 
wandter unbekannter Heiliger, der ebenfalls tnit der rechten Hand den Segen spendet, 
in der Linken einen Abtsiab hält 

Die Form der Evangeliatenaymlwle, namentlich die derbe Gestaltung der Thicro 
(rgl. die vorstehende Abbildung;) lassen es verKeihlich erscheinen, wenn man die Ent- 
stebungszeit di's Decküts als etwa gleichzeitig mit dem luhalt« annebmeo mjichte. Die 
t'igur des Ueibndes jedoch, der weiche volle Faltenwurf, sowie die Qesichtsbildung, weisen 
den Deckel, trotz der groben Arbeit, etwa dem XII. Jahrhundert zu. Oani: sicher ge- 
tiören nach Stil und Tracht die beiden eingmrirten Heiligen dieser Zeit an, denn die 
abgebildete Mltraform ist charakt«ri9ti3Ch für das XI.— XU. Jahrhundt.'rt.') 

Das Evaogeliar stammt aus dem Kloster St Ursaune im bernischen Jura, das seit 
cn. G^O unter der Aufsicht des Abtea von Orandval — das mit Mißlichen auü Kloster 
Lnxeuil besetzt worden war — stand. Bis zum Kiide des X. Jahrhunderts gehörten 
beide Klöster zum Königreiche Burgund. Dann kamen sie au den Biachof von Üuäel.') 
Ist der unbekannte hischrUlirh gekleidete Heilige der heilige Germanus, der Abt von 
St. Ursaone? Es ist nicht gerade unmöglich. Aber trng im (ca.) XII. Jahrhundert der 
Abt eines so kleinen Klosters schon die l'ontitiüalieu? Das» andererseits dieser Heilige 
in direkten Beziehungen zum Kloster stand, scheint mir weiterbin daraus faervon.ugebeD, 
dass nfimlioh dieae eingnvierteu Figuren nach der Herstellung der getriel»enen Platten und 
nach der Vergoldung eiiigeschtiitten Horden sind. Der Beweis ist sehr leicht im füliren : die 
Vergoldung bedeckt nicht einen Strich der Gravierung, überall tritt das reine Metall, 
dos Kupfer, zu Tage. Man dürfte also eventuell so scbliesscn : Das Buch ist dem kleinen 
Kloster geschenkt worden. Hier wurden, um den Besitz dXi den von St Ursanne zu 
kennzeichnen, die beiden Klosterheiligen, resp. St Ursicius und ein anderer dem Kloster 
nahestehender Heiliger in den Oeckol eingraviert Dadurch würden wir ausserdem noch 
zu dem Schlus.« kommen: das Evangeliar ist nicht in St. Ursanne geschrieben- Ein 
bestimmt auf dieses Kloster hinweisender Heiligentag, resp. Heiligenfest ist eifenfaUs 
nicht auffindbar, so dass es in der Tbat den Anachein gewinnt als ob der Codex voo 



*> Siebe Bfibweiz. Urkunden repster, 

'i Vgl. z. B. Quiehcrat, Histoire du coattime eo Prance p. 175 f, 

*) FKimdUcbc Mitteilung von Herrn Pfarrer Siammler in Bern. 



244 

auawSrts nach St. ürsaDiie gekommw ist. Von dem Kloster GrandvalF von einein 
BOhweizenBohfln üfoerbauptf — 

Die Rflckseite des Buchdeckels ist inwendig mit zwei AbereinandergeklebteD Snd»ii- 
stoffen — t^inem gelben und einem mehrfarbig gemusterten — bedeckt, aber die dann 
wieder ein Pergamentblatt gelegt wurde. Die Provenienz der seidenen TOoher ist natfir- 
Uefa eine orientalische. Auf der AuseeoBeite des hinteren Deckels war auf das Holz zuerst 
eiu Fergamentblatt geklebt, darüber ein gelber seidener Stoff. 

Bei dem Einbrüche der Franzosen, am 28. April 1792 flohen die Insassen des 

(Klosters. Der Custos A. von Billieux konnte einige Koatbarkeiten retten, darunter das 
in Bede stehende Evangeliarium. Es wird bald, wie ich höre, der Bibliothek von Pruntrut 
gehören. 

Bern^ Januar 1893. Beriuold Haendcke. 



4i 

Restauration der Kloeterklrche in Königsfeiden. 

Aus dem Inspectioiubericfat über die in der zweiten Banperiode (189i2) aosgefllhrten Baoarbeiten. 

Schon im ersten Bericht von der Bauthätigkeit des Jahres 1891 sind die Gründe 
erörtert, welche es zweckmässig erscheinen Hessen, d^s die in einem Zeitraum von drei 
Jahren durchzufahrende Kircfaenrestaaration, abweichend von der schon im Jahre 1888 
festgesetzten Yertheilung der Arbeiten vorzunehmen sei. Wenn in der ersten Ban- 
cam[agne schon die mit grOsster Torsietat zu behandelnde Auswechslung der den Einsturz 
drohenden Eirchenpfeller die Ausführung des Arbeit8pr(^rammes beschrftnkt bat, so ge- 
statteten die VerhftltniBse des nun verflossenen Jahres die Entwlokelung einer weit 
grosseren Baathfttigkeit, unter Verwendung von mehr als der Hfilfte der fQr die ganze 
Bestauration bewilligten Baasumme von Fr. 80,000. 

Zur kurzen Besprechung der hauptsächlichsten, im Jahre 1892 ausgeföbrten Ar- 
beiten übergehend, kommen in erster Linie von den Maurerarbeiten in Betracht: Der 
Wiederausbruch der vermauerten Fensteröffnungen in der südlichen Langmauer des 
Mittelschiffes und des nördlichen Seitenschiffes und die Wiederöffnung des mit Mauerwerk 
verschlossenen Cborbc^ens; sodann die Erneuerung des Mörtel Verputzes sowohl in der Kirche, 
als auch an den Aussenfl&cben ihrer Südseite und an den Feldern zwischen den Strebe- 
pfeilern und den Fensteröffnungen des Chores ; ferner das Versetzen s&mmtlicber Ersatz- 
Btücke der Steinmetzarbeiten und endlich das umlegen eines Tbeiles der Kirchendächer. 

Die im Laufe des Jahres ausgeführten SteinmeUarbeiten betrafen die drei Portale 
und die drei Maaawerkfenster an der Westfafade, die Reparatur der Fenster- Einfassungen 
und der Archivolten in der südlichen Langmauer des Mittelschiffes und des anstossenden 
Seitenschiffes; ferner die Ergänzung des schadhaften Steinwerkes am äusseren Chore. Auch 
in dem kleinen, an der Südseite zwischen Schiff und Chor befindlichen Treppen-Thürmchen 
waren wesentliche Nacharbeiten erforderlich; zudem ist dasselbe mit einem konischen 
Spitzdach von Stein gekrönt worden, nachdem dasselbe seiner ehemaligen Bdcrönung be- 
raubt gewesen war. 



w 



Von Belang wama aiioli dii* Zimmermanns- und SchreinerarbetUtt, wenn auch din 
Ucparatureu uud Auswecbseliiugeu am Hokvrerk der Dacbstrible sieht in dem Masse er- 
forderlich K^weaeD sind, wie man bei der hrühereo OntersuchuDg einiger Htellen besorgte 
tud in Aussicht luid Berechnung nahm. 

Die aiigoiifäUigstc Arbeit bestand in dem Abbruch des plumpen, auf dem llrst 
I des Chores lastenden Dachreiters und die Ersetzung de^t^elben durch ein hohes ThQrm- 
cbeu, das genau die auf alten AbbiMungen, z. B. die schon bei Eauw äberliefertd Form 

t eines mit der KOnigskroiie unterfangenen schlanken Spitzhelmes wiederholt und durch 
Kupferrerkleidung auf lange Zeit gegen die Knflftsse von Wind und Wetter sicher ge- 
stellt Ist. 
Dem Plane entsprechend sind sowohl im Mittelschiff, als auch in den Scitenacbiffen 
die neuen Holzdccken zur Ansfflhrnng gelangt ; auch konnten im Spätherbst noch die ver- 
schiedeneu Etagen des bötzerneu Einbaues der Kirche hU auf das unterste Gebälke ab- 
( getragen werden. 
Von wcaentlicbem (Tmßmge war die Glaserarbeit, da sämmtliche Fensteröffnungen 
der Kirche (mit Ausnahme derjenigen iui Chore) eines Verschlnsses bedurften. Die Ver- 
gla,>iung gc^hah in cin^her Weise, mit rautenOlrmigen Scheiben au» Kathed ratglas. 
Abwechselud mit den Fensteröffnungen zeigt das verwendete Glas hier einen schwachen 
in's Grflnliche und dort einen in's Gelbliche spielenden F^rbeuton. Eine schmale 
ßiofusung (Bordflro) d(>r fJlasflftchen ist in einem etwas kräftigeren Tone gehalten. Mit 
disseii einlachen Mitteln ist eine lebendigere und wärmer«^' Lichlwirkung für das Innere 
erzielt worden. Ausschliesslich 2U den Fensteröffnungen der Westseite sind gemalte 
Fenster snr Ansfilhnmg gelangt, mit Benutsung verschiedener Motive der schönen Teppich- 

Ifenster des Chores. 
Die in anspruchsloser Einfachheit ausgeRlhrten MaUrarbtitcn beschränken sich 
auf die liolzdecken und die Waudßächen der drei Schiffe, üei den ersteren, die 
nur einen Firuissanstrich erhalten haben, welcher die Textur des Holzes sichtbar Klsst, 
wurde die Wabrnelimung der Theilungen der grossen Flachen und deren Belebung tbeils 
. durch die Anwendung verschiedener Lasuren, tbeiU durch eine Verzierung der Fugen- 
^B leisten der Decken breitem bewirkt, wie sie früher im Choro der BarfQaserfcirche in 
^^ Basel m sehen war. 

I Bei den WandÜächen ist — als die einfiichste decorative Behandlung — die schon 

durch alte Karben^ricbe angedeutete Quadrirung und ebenso nach allen, an Ort und Stelle 
gegebenen Muslern des unter der Decke sich hinziehenden Frieses erneuert worden. Die 
^H übrige Malerei l^escbränkt sieb auf die unter den Fenstern der Sargwände angebrachte 
^H Ourtvcn'.ierung und eine mit Knospen besetzten Liuienbegleituug der Arcbivolten über 
^H denPfeileru. Zur Zeit ist diese Wirkung noch unvollständig, well Einbauten den An- 
^V strich und die Quadrirung der Mauern an ihrem unteren Tbeile verhindern. 
^B Das Äeussere der Kirche ist nun — mit Ausnahme einiger untergeordneter Er- 

^H gSinzungs- Arbeilen — als vollendet zu betrachten. In Folge der Wiederherstellung der 
^m alten Fenster- und FortalöSnungen, des in einem ruhigen Farbentone gehaJlenen Verputzes 
und Steiuwerkes, und we-sentlich auch durch die Erstellung des hocbanfeteigenden und 
in weiter Itmide sichtbaren, schlanken Dachreiters, ist die Kirche wieder xu ihrer ur- 
sprüuglicbeu würdigeu und charakterialiticheu Krsclieiuuug gelangt. 



■ 



346 



Wie im vörjübrigen Bericht* Icann ich mich nur mit voller Anerkennung üher die 
äorgßütige und ä^A\d-i Jiebauilluug der Bauärbeitoo tiud die gewisgenhafte Utirchfübruug 
der Itestauratiun durch den Architekten, Hrn. Moser und -meinen Bauführer, Hrn. Ban- 
roami, aussprechen. 

St. GalUm, den 11. Januar 1893. J. C. KD.>rEi.i!H, Arcfaitelit. 



4& 

Wandgemälde in der Stiftskirche zu Payerne. 

■ Von Dr. R A. SlSelctlUrg. 

(Taf.xvrru.win.) 

Die Mitglieder der drei am 13. und 14. September 1892 zo Payerne rersammelten 
Gesellschufteu liatteu Uetegenbeit, in der Stillskirche die.ses Städtchens eine Kapelle zu 
besichtigen, die ihren vollstäiidigen mlttetalterlichen Farbeuschniiick bewahrt hat. Durch 
die Mittheilung der eingebenden, ron Herrn I^of. Bahn autgeuommeneu Uesclireibung, 
die uns gütigst zur Verfügung gestellt wurde, mdchteu nir die Aufmerksamkeit der 
Kunstfreunde neuerdings auf dieses werthvolle Denkmal richten. 

»Die ganze sudlichste (juerscbiffkapelle war hömalt. Der Grund der CoQSolen, ron 
denen sich das unbemalte Blattwerk abhebt, und die Schmiegen unter den Deckplatten 
sind roth, die PliLttcheu der Kippen sind golden, ihre Wangen roth; die Uewölb- 
kappen sind blau, mit goldenen Sternen beslet. Der Grund der Wände, von unten bis 
oben roth. ist mit regelmässig wiederkehrenden Trefelkreuzen gemu^stert, ebenso sind der 
gerade Sturz und die OewAnde der Thüro bemalt-, welche in die nflrdlicti anstoasende 
Kapelle führt. Die Leibnngen des Ostfensters sind gleichßills roth und mit weissen 
I Trefelkreuzen und gut stitisirten ireisäen Blattmutstern geschmückt. 

In einer Höhe Ton m 3,60 über dem Boden beginnen auf demselben roth« «das 
getrefelten Grunde die figürlicbeu Malereien, mit etwa '/s lebensgrossen Gestalten. 
Diese sind, mit Ausnahme der Mutter des Erbarmens, von eleganten grauen Kielbogen- 
taberuakelu überragt. Ich vermuthe, das» diese Bilder von der gleichen Hand gemalt 
worden sind, welche die Tnnitftt über dem Kapellenhogen schuf.« 

>Au der Mordw&nd (a) sieht man, rou Westen an^igend, zwischen dem Pilaster und 
dem Uippeuscheokel den geharnischten h. Mauritius. Sein rother Waffenrock und Schild 
weisen je ein goldenes Trefelkrcuf. 

In der Mitte (b), ohne Umrahmung, steht die leben^roäse Figur der Mutter des 
I Erbarmens; sie tragt einen braunen Rock und einen blauen mit Uermelin gefolterten 
Mantel, den sie um die zu beiden Seiteu knienden Chöre ausbreitet Liuks vom Be- 
schauer kniet im Vordei^rund derselbe MOnch, der ror der Trinität Ober dem 
Kftpellenbogcn seine Andacht verrichtet. Flintor ihm zeigt sich ein Mrstörter Chor 
voQ Geistlichen, (darunter der l'apst mit der Tiara und ein Kardinal. St). Rechts 
(vom Beschauer) knieen die Weltliehen (Fig. 1), voran der Kaiser und der KCnig; im 
Vordergründe ein Modegeck im Zeitcostüm (Fig. 2), der, um bequemer zu knieen, die 
rtiDde Pelzmütze untergelegt hat Hinter ihm vornehme Frauen in burgundischem Co- 
stfim, Bürger u. a. 



tn der oördliciieii Sectiou der Apsis (c) 3t«bt die h. Mi^fdalena, welche den Deckel 
vom Kelche liebt; scböuer grotuur Wurf ciiarakterisirt ibr griiues Uewantl. Im südliclmn 
llalbi^irkel (d) die }*ietä : Maria atif einem Tbrori (Fig. 3), aur dessen Pfeileru kleine weisse 
liingel knieend das öcartetirte Wappeuschild des Jean de Greilly halten (Fig. 4). Die 
Madonna trftgt über dem brauiirotlien Kocke einen blaueu Kautel ; auf ihrem Rcbosse rubt 
der edel gelegte Leichnam de? Erli^ers; unten eine rerstümmelte Minnskelioächrift. 

»In der Mitte der Südwand ist ein Fenster; im westlichen Compartiraent« (e) steht 
der h. Sebastian, btikloidet, mit drei Pfeilen in der Hand. Atif dem Tabernakel dardber 
steht die kleiue Figur Sebastians, der von zwei Schergea mit Armbrust und Bogen be- 
schoaaen. wird, während zwei weitere ihre Waffen spannen.« (Fig. b.) 

>Id dem Spitzbogen, der den ursprünglichen Kapelleneingang bildete, befindet sich 
ausseo ein reizendes Wandgemälde, das auffallender Weis« nur einen Tbeil des Spitxbciigeus 




,H2fmH 1 1 1 1 1 1 

SCHLUSSSTEIN Au.tf 



j^mmm^j^m^^mm^,. 




einnimmt. Die Umrahmung besteht aus einer braunen Borte mit goldgepresster Linear- 
musterung mit Icleinen rotben Quadrätcben, die an ein Gewebe erinnert. Diese» Mmiter 
ist mit weissen Kreisen versetzt, die goldene Kosetten umachliesaeu ; der Grund des 
Bilde» ist grau-blau. Auf einem rosarotlien Throne, dessen waagrechter AbschluK^ mit 
gelben Firstblumen besetzt ist, thrcot en-tace Gott Vater. Bart und Haare siud hv«»^.. 



248 

dfts Haupt bat ketoe Krone. Er trägt «in braauee üotArgewand und einea gr&Den, 
weiss gettitterten Mankl. Mit beide» Hätideii hält er den (^rucifixus über dessen rotliem 
Nimbus vor der Bnz3t üott Vaters die Taube des hl. Ueisteü achwebt. Zur Keciiten 
Gott Vat«rs kuiei der geiatiiche Stifter des Bildes« ein betender Mönch in braunem LV 
piizeßgewande; das ttartlose Haupt mit der Tonsur ist ein höchst charaktervoller Porträt- 
kopr. Die liewänder sind gross und frei angelegt, das Ganze ungemein Hei&sig durch- 
geführt und geschickt modellirt, ohne Zweiiel französische Arbeit. Auf dem Fussstreifen 
des Bildes steht die Majnskeliascbrift: SACTA TRINITAS.« (so!) 

Die einstige Gesamtwirkung der Farben die trotz der schweren Ueachftdigiingen 
nicht Terwi»cbt ist, muss eine flberaiis gflnstige gewesen sein; wesentlich trägt daxu bei 
der warme rothe Grnnd, dem wir hier begegnen '). 

Die Compositiou ist frisch und gut uud der Ausdruck der Köpfe voll Leben und 
IndividualitAt; die eleganten Trachten beweisen, dass wir auf einem von dem reichen 
Bui^und boeintlussten Boden stehen. Der Kaiser trügt nach der deutschen Sitte der 
Zeit laugen Bart, der König ist nach der Mode der französischen Könige glattrasirt, 
ebenso der Papst, wie es bekanntlich bis auf Julius 11. in Knni üblich war. Bei 
den Damen bemerkt man jene hohen UaartracUteu *), welche durch die Königin Isabeau 
eingeführt wurden; die Mönchstracht endlich stimmt genau mit der des Miroir bistorial 
(c. 1440) *) flberein. Im Unterschiede zu deutschen Malereien dieser Zeit finden wir in 
der Kapelle zu I^jerne viel Gold verwendet. Vollständig fraoiösischen Charakter tragen 
die Tabernakel Ober den Keiligeiifigureii ; sie enLsprecIien in ihren dreiseitigen Thürmen, 
Balustraden und Gewölben auffallend den schönen gravirten Grabsteinen *) der gotischen 
K|>ocbe, deren uns in Prankreich so viele erhalten sind. 

Was die ikonographiscben Eigenthfimlichkeiten der Heiligen betrilTt, so sei bß- 
' merkt, dass das Motiv der Mater misericordiae für Mariendarstel langen nicht sehr häufig 
verwendet worden ist. Die Gestalt des h. Sebastian ist nach dem alten Schema bekleidet, 
die Pfeile h&U er in der Hand. Auf dem Tabernakel sehen wir seiu Martyrium, liier ^ht 
der Heilige beinahe unbekleidet gebunden vor seinen Henkern; dies ist das spatere, auch 
bei Audachtebilderu Qbiiche Schema. Die T>arstcllung einer S&ule, an welche der Heilige 
gefesselt ist, bemht auf der in Korn aufbewahrten oud vorgewiesenen Martersäule des 
h. Sebastian ^) während die sp&ter übliche I>ar8tellung eines Baumes anf der Interpre- 
tation der Stelle >in medium campum ducero« ') zurückzuführen ist, da man sich im 
»oampits« eher Bäume als Säulen dachte. Die Verehrung des Pestheiligen bedeutet, dasa 
die« Gegend besonders oft und schwer von mörderischen Rpideniien heimgesucht wurde'. 



') Rother Hmterfrrund warcj im XIV. und XV. .Inlirhnndfrt in Frankreich {Saint-Brniuet- 
le- Chäteuu (Loins) in der Schweiz (Miiirtail, Oberwiaterlbur) mid in D«ul*H;hliuid (Zwiugenberg 
a. Neckiir) hie und da verwendet. 

*> fnuitOs. beuuiu, ViolIet-le-Duc Dict. ntUunoä du UobUier Iranvais T. III. p. 23S. 

■) a. a. 0. ra p. 117, ¥ig. 4. 

•) TgL besonJen» Jie Oratjniäler zu BuuIu(mt?-»-Seint; 1397, zn Pnmpnnne 1Ö16, Oif lftl8 
ancli dos apttte bei Ouilltcnny IiMcriptiun.1 de In France T. III. p. 5r>n Hh^vbildcle Werk von IMä. 

*) Paocirvlns, Acta SS. Jan. II p. 02S. g 4. 

•» Arta .SS. Ic. p. M2. 

'l Dr. BoAcbat in Revue »dentüique Soisae. Friboorg, 1870, UL 



240 



Die rotlie Furbe des Viriibui t'liriiü bBini TrinitÄtsbild darf nicht auffallpn, da sie offen- 
bar koloristischen Kficksichen entspranK "). 

unter den architekloniachfin Kin7^11ieiteQ der Kapelle »nd die ßlattwerkkonsolen, 
welche von einem Ann gehatten werden, eigeathämlich ; dieaes Motiv findet sich schon 
in der franwlsischen Romanik •) und <Jotik "). Ein ferneres, för die Datirung rerwert- 
ban» Detail sind die Schlu^sstoiDe mit den Wappen. Die letztern zeigf-n in bochgc- 
tbeiltem Schilde rechts ein darchgehendes schwarzes Kreuz in Gold, belegt mit 5 (treiben 
oder weissen?) Muscheln; das linke Feld ist quer getheilt: oben sechsfach schrBgreohte 
getbält gold und rotli mit schwarzem Freivieriel; unten Hermelin mit rotliem Bchildes- 
iiaupt (vgl. die Textilluätratiou). An den sculpirt^n C4)nsoleu, über dem Kapelleneingange 
und endlich a» dem OemAlde der Pietä ßnden wir ein abweichendes Wappen : gevierter 
Schild, im ersten und vierten Feld das Kreuz mit den Muscheln, wie oben ; im zweiton 
und dritten b'etd das Fretviertel lu dem sechsfach schräggetheilten Feld. (Fig. 4.) 

Das Feld mit dem muschelhelegicii Kreuz das in beiden Wappen au erster Stelle 
vorkommt, ist nach d'Angreville ") das der Savoyer Familie ürailly (Grilly oder Greilly, 
urk. Graley, Graillei, Gralei) ") die Wappen der übrigen Felder konnte ich nicht aua- 
tindig machen. 

j^ Als Saoristan zu Payeme kommt nun 1432 ein Jean de Greitly ?or; später er- 

scheint er (1436, 1448, 1461) ala Prior von Münchenweiler ") (Villars-lea-Moines) und 
nach Mdlineu") 144G und li50. nach anderen '') 1455 uud 1457, als GeueraWikar der 
Abtei Payerne. Ks li^ auf der Hand, in dem Stifter der Gemälde diesen Jcao du 
Grailly und in dem gcviertcn Wappen dessen Scbildbildcr zu suchen ; ob man das erste 
Wappen eh«nfalls ihm zuscbreibeii darf, ist zweifelhaft, eher dürfle man vielleicht an 
das Allianzvr&ppen eine^ anderen Greilly, der als weltlicher Mitstiftt^r der Bilder auf- 
trftte, denken. Als Dild eines Stifters nnd nicht aU bloss anbetende Figur des Chors 

I scheint mir auch die Taf. XVII XVIll Fig. 2 allgebildete Gestalt annehmbar eu sein. 

■ Auf unserer Tafel sind einige der charakteristischen ICinzelheiten der Kapellen- 

gemälde zusammengedrängt; sie und diese Zeilen sollen unr dazu dienen das Interesse fi)r 
diese Kapelle wachzurufen, denn sie beiiadot sich in jammervollem Zustande. Der Boden ist 
mit geplatzten Sbrapnells und allerlei Mobiliar bedeckt, und eine nicht näher zu be- 
zeichnendo Ocrtlichkeit beschädigt durch die stete Feuchtigkeit deu Zustand der Mauern. 
Die Bilder selbst sind in äus.<rerst gefährdetem Zustand; dos blosse BerCihren der Con- 
toureu mit dem Finger oder mit Papier bat das Abfallen der Farbe zur Folge. Cs wäre 



*) Weisse, grUne und violette Nimben kommeu zu KünigHfelilen und Lausanne vor; 

I rothc Nimbcn auf der Fliumier Madonneiutclieibc ; rotber KreQziiimbua kommt bü Chmtua in 

folgenden Diirstelluagen vor: Weltgericht der eli, Johanniökapcn« Baael (SV. Jh.) tUs Cmci- 

flxDS im TrinitlltabUd, Pft}renic, aLh Schmcrzeiunnann eJiem. an der Peterakirche in Basel. 

Roths Kimbua tinden aich beinah steU auf den ftvignunoeiHcheii Minialurea der Indulgenzbriefe. 

•l Saiiit-Michel d'Aifiiuilh« X. Jh.; CathÄdraJe du Vuy XI. .Ih. 

'*> CarmelilorkircUe im Ptty, 

") Armorial bistDriqiie du canton du Vallaiü. 

'*) Das ätammnchlus» der Herren von Groilly In«; in der Grafschaft Gex, auf heute 
ftnnj:ft.iisch<?m Gebiet Gefl. Nncbweis ^-on E. Qoppoler. 

"\ MiÜinen Helv. sacra I, 136. 

**) o. a. O. 1. 138. 

'*J Hirn, et doc. de la Soc d'kist. de la Suissu Bom. XITI. v- 11^- 




250 

dcfihalh liOchstn 7<eit, Haas die Kapelle dorch I/uflKuFahr getrocktiet, dann stt^prfluTnl 
und restaurirt wflrde, mwie dass jene Oertlicbkeit »ofort anderswohin rerlegt würde. 

Da die Nothweniiigkeit einer baldigen Erhaltung dringeud ist, so wurde im 
NoTomlwr 1892 bereits Hr. Chr. Schmidt jr., der KesUnrator der Kjburger nnd WJedK»- 
hach^r <.ieroüde zur Untersuchung der ßilder gesandt. Kinma) «ieder hergestellt würde 
die hükche Kapelle mit ihren farbenschdncn Bildern ein eigentliohos Schniiickkästelieo 
der welaohen Schweiz bilden; sie »ei deshalb allen Kanst^^uodeo angelegeotlicbsi 
empfohlen. 



Das Kästchen von Scheid. 

<Taf. XrX o. XX). 

Zu den wenigen fiattnngen mittelalterlicher Haiisgeräthe, welche bis anfunslie" 
aber gekommroen sind, gehOreu die in mannigfacher Gestalt und QrAsse geformten 
Kasten, ron der schworßllligen Truhe herab bis zum kleinen Minnekftstcben. Solche 
Erstehen des XIV. und XV. Jahrhunderts werden noch mancberorta aufbewahrt. 9ei 
es, dass dieselben aus Holz, Metall oder Elfenbein hergestellt sind ; selten dagegen 
finden sich Arbeiten dieser Art aus romanischer Zeit, wie es bei dem in den Mitthci- 
/ Intigen ') verOfTentlicbteD Kästchen von Attinghusen der Pall ist. 

Von ungleich geringerem Werthe, wenn auch nicht von minder wissenschaftlichem 
Interesse ist ein anderes Kastchen, das der Schreiber dieser Zeilen im Sommer 1892 fllr 
das Itjltische Museum erwarb. Dasselbe ist aus Buchenholz verfertigt, mit Schloas und 
llehäng versehen und hat folgende Dimensionen: lAnge 33 cm. Breite 17 cm, Höhe 
28 cm. Ks iFt innen weiss gruudirt und mit rotben Tupfen geziert, sein Hanptwerth 
liegt in der äusseren Bemainng. 

Was zunächst die dabei angewandte Technik betrifft, so ergab eine chemische 
ünteraucbang, die Herr Prof. Dr. Kreis auszuführen die (>Qte hatte, dass über das Holz- 
geliäuse eine mit Kalkmilch getränkte grobmaschige Leinwand gespannt und dann aul 
diese Gmndirung die Bilder mit Mineralfarben aufgetragen wurden. Der Kasten ist 
leider sehr defect, die eine halbkreisf&rmigc Seitenwand fehlt ganz, andere Tbeile sind 
bis auf die Leinwand abgerieben, so dass sich eine sichere Beschreibung der dargestellten 
Bilder nicht mehr geben UUst. 

Die Malereien, auf dunkelgrünem Grunde, zerfallen in zwei Oruppen : eigentliche 
Wappen In W'appenscliildern 10/8 cm und Thierbilder in Medaillons mit einem Durch- 
messer von 10 cm. Unbestreitbar zur ersteu Gattung gehOren die Nnmmem 1, 3, fi, 7, 
9. n, U, 15, zur zweiten 2, -l, 6, 10, 12, 13. 

Die IHsposition des Ganzen kann eine gluckliche genannt werden; mau ersieht dies 
aus dem Wechsel von Medaillons und Wappen, sowie aus der Gruppirung der einzelnen 
Bilder nach zusammenpassenden Farben. 

Folgende Wappen konnten festgestellt werden: 

No. 1. MorUalt (Viergetheilter Schild, erstes und viertes Feld roth, zweites und 
viertes Feld von schwarz und weiss fünfmal quergetheilt. {Siebe Wappenrolle No. 9i)). 



*) MittheUuugcn der uniiquariKvbun üeficUscbail ZUricÜ, XXl, 5, H. Zellcr-WerdiiiUllcr, 
i>enkmal(>r aua der Feudulutit im Luide fri. 



251 



Deren Uuri^ stand am Rin;^n;? in» Lungnez, auch {^hörten dazu die Vesten Sclilans und 
Gränetil'els, *iw 1378 nni lOüO Gulden von Klsbetli, der Tochter Simons von MonUU 
and Oattiu Ulrichs von Ualdeustei» einorsoite, und Elsboth ron HaHwy], geh. von ModUU 
anderseits an Ulrich Brun von Rfluflns verkauft worden '). 

No. 3. Räiiins (gespaltener äcbild, rechts rotb, links fünf Mal blau und weiss 
getheilt (siehe Siegel Taf. XIX), war ein seit Ende des XIV. Jahrhunderts freiherrlicheji 
Qedchlecht, das Mitte des XV. Jahrhundert) aunidarh. Desson Besitzung» hcstanden 
aus der Stamm lierrschaft Uäzüns, den Uericbteu Heinzenberg. Thusis, Tschappina, 
St. Jörgoaberg, Ohersaxen, Walteusburg '). 

No. 5. (Schwarzer Adler iu gelbem Felde). Das ReicJi. 

Mo. 7. (Kothe Kircheurabne in gelbem Suhlldo), gebOrt, wie »ich aus der Zürcher 
Wappenrolle No. 129 und 131 ergiebt, den (jrafeu von Montfort-Fddkirch au und ist, 
nach den Uoteräuchungeu von üuU ') das ursprüngliche Stammwappen, von dem sich 
die anderen Linien durch rothe Fahne in weissem Felde, weisse Fahne iu rothem Felde 
und schwarze Fahne in weissem Felde unterscheiden. 

Die Orafscliaftsrecbte der Montrort-FeMkirch erstreckten sich über das Vorarlberg, 
die Grarachaft Fcldkirch, inslicsondere die Stadt und Bui^ Feldkircfa^ den Laitdgcrichts- 
sitz Rankwyl, die Vesten Alt- und Neumwitfort *). 

No. 9. Regetuherg, in derjenigen Gestalt, wie das Wappen seit ISH gefflhrt 
wurde {von blati und Wf>in.s viprmal gespaltener Schild mit rathen Querbalken). nie.^e 
Freiherrn hatten schon 1083 einen festen Thurm hei Alt-RegensUerg am Katzensee ") iune. ^ 

Für die ältere Zeit sind Beziehungen zwischen genaooteu Freiherru und Currätien 
nachweisbar. Dem von seinen MOnchen ans Churwalden vertriebenen Probate Ulrich 
übergab der Freie Lütold von Hegenaberg vur dem Jahre 1209 ein Gut zu Küti als 
Baustelle eines Prflraonstrat^nser-Stiftes. Die Mutter Lötolds und seines Bruders Eber- 
hard, des berflhmteu Erzhischofi von Salzburg, war aber höchst wahrscheinlich eine Frei- 
l'rau von Vatz, da letzti^rcr den Abt Walter von Disentis, späteren Bischoi" von Gurk 
(dem Namen nach ein Sprosse des Hauses Vax) seinen >avunculus« nennt. 

Nach den Forschnngeu von Schilfmann *) kann die von Vanotti *) aufgestellte und 
voQ Mohr^) beiheliultenß Annahme, da.'<s Ilartmann von Werdenherg Gemahl d(>r Elisa- 
beth von RegeiLsberg gewesen sei, nicht mehr aufrecht gehalten werden ; doch spricht 
der Umstand, dasa Graf Wilhelm von Montfort-Tettuang 1317 den Brief mitsiegelte, 
iu welchem Liltuld von Regensherg ku Ba1b veine Ilelrazierde an den Burggrafen von 
Nürnberg verkaufte, für eine Verwaudtschafl mit Montiort "). 

*) Rtttbche Urkimden auä dem Oentmlwcbiv des fürstlichen Huun Thurn und Taxis 
JD Rcffcnabarjf. (Quellen zur Schweizer-Geschichte, X. Bd., pog. 149). 

*) Dr. P. 0. V. Planta, die ciuracHch^D Herraehnflen in der Fendalxdt, Bern IM)1 
pag, 416 (T, — Wult'iftuiii: vou luvail, NecrolQgiuni ciirienfie. Cur 1867, pag. \1^. 

•) Perd. Gnll, die Gmfen von Montfort, von Werden berg-Heiligenberg und Werdenberg-, 
Sarf^HDii. Archive:« ht^raldiques itimses. .Suppl^menl IHDl, pag. 2 S, 

•) Planta, 1. c. pag. -JSa ff. 

•) ürkuDdenbach der Stadt und Landschaft. Zürich, I. IW. 

*) Anzeiger fBr Schwoizpr-Goschiclile, III. 210 fr. 

*) Dr. J. N. von Vanotti, Gettchichte der Orafeu von Montfort und von Werdenberg! 
Belle^vue-ConätAuz lH4fi. 

') Cod. dipl. I. .119. 

'J Oef. Uitüteilungen von Hrn. ZoUer-WerdiatÜler, Zorich. 



252 

No. 11. Bi^um <^Htr. (AuQferichteter Steinbock in weissem Scbilde, Wappen- 
rolle No. 575) hatte Herrschafterechte über die Stadt Chur, in den IV Dörfern, Bergeil, 
Oberengadin, Oberhalbstein, Domleschg, Glaven, Bormio, Puschlav, Unierengadin, Vinat- 
gau, Mflnsterthal, Scfaiers, Gmb^). 

No. 14. Tumb. (Vier Mal schvarz nnd gelb quer getbeilter Schild, Wappen- 
rolle No. 69). Dieses schwabische Geschlecht kam im Xm. Jahrhundert nach Ober- 
Bfltien und scheint die Herrn von Neuburg beerbt zu haben. Ausser ihrem Stamm- 
sitz Neuburg bei ünterraz hatte die Familie Gflter an der Landqoart, zu Tbusis, am 
Heinzenberg, in Savien '). 

No. 15. Bdmont. (SchrSg rechts gelegter, schwarzer, dreisprOssiger Querbalken 
in gelbem Schilde, WappenroUe No. 141). Kommen schon 1139 beim Verkaufe der 
Gamertingen'schen Besitzungen vor, werden 126Ö »nobiles« genannt. Deren Stammherr- 
schaft war bei Flims, indirect nachweisbar sind sie auch Herren in der Grub, sowie in 
Lungnez und in Ems begütert '). 

Zun&chst drängt sich uns die Frage auf: welche Gesichtspunkte waren fllr die 
Auswahl dieser Wappen für eine Zusammenstellung auf dem K&stchen mas^ebendP An 
eine bloss heraldische Liebhaberei ist dabei nicht zu denken, denn sonst würde der 
Meister die Wappen der Freiherm von Vaz, der Grafen von Matsch, von Tc^eoburg 
u. a. denen der Grafen ron Montfort- Feldkirch und der Freiherm Ton R^nsberg gewiss 
TOigezogen haben. 

Auch der Gedanke, es seien die Herren des Oomlesohg in's Auge gefosst worden, 
ist angesichts der Tbatsache, dass die beiden letztgenannten Edeln dort keine Bechtsame 
hatten, nicht stichhaltig. 

Aber gerade das Vorkommen der Mootfort-Feldkiroh im Zusammenhang mit K&züns, 
Belmont und Montalt mOobte folgende Erklärung des Zusammentreffens der beschriebenen 
Wappen begründen: 

In das Jabr 1352 f&Ut ein Ao&tand der dem Grafen Albrecht von Werdenberg 
untertbänigen Oberländer unter der Grab, TOn Flims abwärts bis Ems, die an dem 
Freiherm von Belmont und Räzüns eine so kräftige Bundeshflife fanden, dass sie am 
12. Mai 1352 Albrecht I. Sohn, Albrecht IL, schlugen und in die Flucht jagten *), 38 Edle 
todteten, Graf liudolf von Montfort-Feldkirch gefiingen nahmen und nur gegen Stellung 
von Geissein und Bezahlung eines Ltteegeldes fteiliessen. Kurz vorher (Ende April 1352) 
nahm Graf Budolf III. von Montfort-Feldkirch das den Freiherm von Belmont gehörende 
Flima ein, and nOthigte die Freiherrn von Belmont und B&züns, sich über den Rhein 
zurückzuziehen. 

Hatten also die Grafen Rudolf III. von Montfort-Feldkirch und seine SOhne, daranter 
der Domprobat Rudolf zu Chur, in ebengenannter Fehde auf Seite der Werdenberg treu- 
lich mitgefochten, so gehen sie 1359 plötzlich zu deren Feinden, dem Freiherrn Ulrich 
Waltber von Belmont, den Brüdern Walther Christoph, Freiherm von B&züns, sowie 
den Gotteshansleuten des Klosters Diaentia über und geloben, den beiden Grafen Albrecht 

') Planta, Fendalgeachichte, pRg. 21—160. 

') luvalt, Necrologium 192, Bat ürk., pag. 20, 02, 66, 6S, 67, 344, 260, 268, 866, 868. 
■) Planta, Fendalgeschichte, pag. 43S. 

*) Krüger. S. Die Grafen v. Werdenberg-Heiligenberg und Werdenberg-Sargan» (Mittb. 
z. vaterL Geschichte. St. Gallen 1S87) 162 S. cf. Vanotti 80. 



253 

VöQ Werdeuberg-Heiti^cntwrg gegen genannte Eilollonte keine Hülfe melir ?.a leisten 
„nUe <lie wü« uud als luui; und Uirru krieg' wert und si<j mit üien slOssit; siiU von di« krit-gs 
wegen' 'j. 

Die Ursache dieses aufTallenden Schrittes glaubt Kräger '), wolil mit Iteclit, in 
Krbttcbäftsstreitigkeitea zwischen deo Crrafeu von Montfort- Feldkirch uud Werdenberg 
um den Nacblaas des in diasem Jahre 1359 versturboo'in ijrafen Hugo II. von Moiit- 
fort zu Tosters suchen zu dürfen. 

Als aucli Herzog Rudolf IV'. von Oesterreich im Jahre 1300 Tersprach, deo Grafen 
Montfort-Feldkirch gegen alle seine Feinde, be^nders aber gegen Albrecbt deo älteren 
und seinen Sohn Albrectit den jüngeren von Werdenberg ^bützeu zu wollen, da begann 
der Krieg abernaalä. Mit Qbor 1000 Matm brach Graf Rudolf III. in die (irafscbift 
Werdetiberg ein, zerstörte Grabg und Dachs, belagerte, wenn anch vergeblich, Kheinegg 
uud die Veste Hainschirag. 

Im darauf folgenden Jahre rächte sich Graf Hugo IV. lOr den erlittenen Schaden 
dadurch, dass er den Grafen Rudolf III. ron Möntfort-Feldkirch auf dem Uodensec über- 
fiel, gefangen nahm und zu einem für die Montfort ungünstigen Frieden zwang. 

Den Ausgang dieses Krieges mit dea übrigen Gegnern, also mit Herzog Rudolf von 
Oesterreich, den Freiherrn von Belraont uud liftzüns, sowie den Leuten tou Diseutiä 
kennen wir leider nicht; wohl aber geht aus den Urkunden hervor, dass sich bald darauf 
zwischen den Freiberrn von häzüus uud den Grafeu voa Werdeubei^ ein doppeltes ver- 
wandtscbaftltcbea Hand geschlungen bat, indem sich einerseits zwischen 1365/67 ELiiu- 
beth von Werdenberg mit Ulrich Ürun von Räeüns"), anderseits dessen Schwester Anna 
mit Johann 1. von Werdenberg vermählten*). (Taf. XIX). 

An den oben erziLhIten Kriegslagen und den denselben vorangegangenen VerirS^^en 
von 1333 und 1343 hatten sich nicht nur die Uelmout, sondern auch die Montalt be- 
theiUgt"). Genannte Freiherrn büdeten somit eine Kriegspartei^ als dtjren Genossen 
wir weiterhin auch den Bischof von llhur, sowie wahrscheinlich dit; Turab ajinehraen 
können. Auf gegnerischer Seite stunden die Grafen von Werdeuberg und Matsch'), 
deren Wappen auf dem Kästchi3n fehlen. 

Von Bischof Ulrich V. von Lenzburg wissen wir, dass er sich mit Jobann von 
Uelmont, Heinrich und .Simon von Montalt, den Gebrüdem WaUher, Christoffet, Hein- 
rich und Donat von Rizüns wider die Frdhorrn von Voz verbündete^) und im Kriega- 
jahre 1360 soll nach Tschudi (I, 452) Bischof l*eter die durch Erbschaft an die Werden- 
borg-Heiligenbcrg gekorameno Vcato Hohentrins au sich geriasen haben"). 

Uieae anti- Werdenberg- Vaz'scbe Partei hatte nch nicht nur so von ungefähr ge- 
bildet, sondern beruhte auf einer verwandtschaftlichen Verknüpfung der einzelnen Tb&il- 
nehmer. die sich zum 'Pheil nachwoi'ien, zum Tbeil vermuthen läast. 



') Bfit. Urk. B7t. 

') Krüger 187. 

M RHU Urk. 110, 115, 117. 

N Krüger Tab, [V. 

') RHU Urk. 29, 49. 

*) Krägcr 190. 

') R*t Urk. SB. 

*] Krüger 184. 



254 

Simon von Montalt 1333-51 war mit Adelliaid voq Uftzüna verfaeirathei. Aber 
Dicht nur das. Es gab auch eine eheliche Verbindung, welche die Freiherra von Bel- 
mont und von Montalt in uahe Beziehungen zu einander brachte. 

Adelhaid von Häzüns war in erster Ehe mit Heinrich von Hftzäns, in zweiter Ehe 
init Heinrich von Montalt verheirathet '). Dereo Bruder, Ulrich Waltfaer von Belmont 
starb 1371 als der letzte seines Geschlechtes und eigenthümlicherweise erlischt auch 
mit ihrem zweiten Gemahl die Montalt'sche Familie'). 

Die Beziehungen der Tumb zu den genannten Freiherren lassen sieb urkundlich 
nicht nachweisen; wenn aber luvalt') angiebt, dieses begüterte und angesehene Geschlecht 
sei mit den vornehmsten Familien des lindes verschwägert gewesen, so dürften wir wohl 
nicht fehl gehen, wenn wir auch fttr die Tumb eine Allianz als Auknflpfungspunkt 
annehmen. 

So können denn fast sämmtliche auf unserm Kästchen dargestellten Wappen in 
gewisse gegenseitige Beziehungen gebracht werden, ja, wir kOnnen die Grenzen seiner 
EntstehuDgszeit ziemlich enge ziehen. 

Bevor die Grafen von Montfort-Feldkirch sich mit den Freiberrn von B&züns ver* 
bQndeten, also vor 1858, sind deren Wappen sicherlich nicht zusammengestellt worden, 
da, wie wir gesehen haben, die beiden Familien and deren Anbang sieh bekriegten. 
Nach dem Aussterben der Belmont 1871 oder Montalt ca. 1876, hätte dies auch keinen 
rechte Sinn mehr gehabt. Werden wir somit auf den Zeitraum von 1359 bis 1376 
verwiesen, so dürfte es, namentlich im Hinblick auf andere analoge E^Ue, nicht zu ge- 
wagt erscheinen, ein bestimmtes, in diese Epoche fallendes Ereigaiss zu suchen, zu dessen 
Erinnerung oder bei welchem Anlass das Kästchen gestiftet worden wäre. 

Und wie Herr Zeller- WerdmüUer'j annimmt, das Kästchen von Attinghusen sei 
(bei der Hochzeit Wernber's I. von Attinghusen um 1250 >voh den Freien des Emmen- 
thals mit Einscbluss des Grafen Hartmann von Kibun? zu Burgdorf und seines Hof- 
adels als Brautgeschenk überreicht wordene, so vermuthe ich, dass unser Kästchen ein 
.Brautgeschenk für Anna von Räzüns war, die, wie schon erwähnt, von Johann 1., Graf 
|von Werdenberg-Sargans heimgeführt wurde. 

Wie konnte sich nun dieses Kästchen in das abgelegene Bergdörflein Scheid ver- 
irren? Folgende Deutung däucht mir die wahrscheinlichste zu sein. 

Die Ehe der Anna von Räzüns mit Graf Johann von Werdenberg war, wahrschein- 
lich durch beider Schuld, eine unglückliche : Am 14. August 1392 wird der getrennt von 
ihrem Gatten lebenden Gräfin schied^erichtlich die Burg Neuen Sins zugesprochen, 
>dahin man ihr sol och machen und buwea ain stuben, ain kammer, ain kuchi und die 
stegan bessern . . . item ir send och werden sechs bett und was och ungefarlich du- 
luo gehört.« ") 

Sodann wissen wir, dass 1451 im Schamserkrieg die Burgen Ortenstein, Alten Sins, 
Neuen Sins and die Bärenburg gebrochen wurden. Tschudi*) erzählt: Des 1451 Jars 
erbnb sich ein grosser Krieg in dem Land ze Ghurwalcben / gegen Graf Wilhelmen / 



*) Wolfgang V. luvalt, Forschungen über die Feadalzeit im Curischen Rfttien, Zürich, 
1871, p. 217; ») Ibid 216; •) luvalt Necr. cur. 192. 
*) Mittheilangen 1. c. 186. 
') Rät. Urk. 224. 
■J Tschudi, Chronik II. 668. 



imd Graf Jörg von Werdeuborg / Herren /.u Sangaiia / Gebrüdern / Gwf Heinrichs Beigen 
SQite. / Dieselben Orarm lmtt«iid vil Scliloss und Herrschallten in Oburtralchen / näm- 
lich die Burg Orteosttilo / Sünns die alt / Sünns die nüw, Canora genimat / so hl dora 
DorfT Haspels ligt / und Heintxenberg alle im Tunuchleacfag gelegen / welche Burg noch 
Utrecht nnd gantt warend / des^licb Hocbjnvalt / Niderjuvalt und HasonspruDg oxich 
im TuDiIeschg / die waren do^enml gebrochen / ouch haltend si die Burg i Borcnberg 
genannt in Schans gelegen / die onch gant?. was / deaftglioh die gobrochnon Burgstell 
2U obren VaU } und in Aelle mit Tr Zugeh&rdeo und sunst vil Uerrlicbkeit in derselben 
Lands-Ärt .... Nun ward der Unwill so gross / dass die vom obßm graweii Puiid in 
Cliurwalchen und etliche Gerichte in dem Qottshuss mit ir Macht und Paimer uHtrachend { 
und belägertend Uorenburg / und als ai die Vesti uit gewiiuneii mochtend / und sich 
nit ufgotion weit / do liessend si ein ätarcke Besatzung darvor / und zog der übrige Zug 
in Tumleachg / und uaniend alle der Grafen Lüt nnd Lande iu Tjd / und belagertond 
dieaelbeo .Schlösser alle so der Grafen narend / nun was Haus Yon Kechberg bi Ziteu uss 
dem Land gewichen / und was der SchlAssern gar keina mit Spiü« und KriegsrQstnng 
versehen. Also ergab sich des ersten die Vosti Ortenstein / darnach Nüwen Sünns / dar- 
nach alten Süuns / dieselben Schlösser wurden alle gebrochen. Die Vesti Hein^enberg 
ward ouch gewunnen / aber nit gebrochen.« 

Äur Grund dieser geschichtlichen Tbatsacheu darr wohl rermutliet werden, dass 
das vorliegende Kästelten ein Brautgeschenk für Anna von Rdriins icar, das sie 1'-IU2 
mit sich auf die Bunj Ketten Sins nahm, woselbst es 1451 den die Burg eerst/trenden 
Bayern in die Hände fid itnd als Beute nach Scheid kam. Dass die iBergerc (Be- 
irohuer Ton Feldis, Scheid und Trans) wohl mit besonderem Interesse sich am Kriegsj-.uge 
betheiligt hatten, ergibt sich indirect aus dem Priedeuaiustrumeute vom Freitag vor Jacob! 
1452'), da in dcm.sell)on deren Anstände mit der Herrschaft besonders geregelt werden. 

Noch zwei Gründe können hier angeführt werden, die darauf hinweisen, dasa das 
Eästcheu als Trophäe hinauf nach Scheid kam. 1) Uass dieses Kästchen bis jetzt in 
dtir Kirche von Scheid aufbewahrt wurde, 2) dass auch im Ootteshause der benachbarten 
Gemeinde Feldis ein gleichaltriges K&stcheu sich vorfand. 

Die Sitte, die Kriegsbeute in Kirchen aufzubewahren, ist sehr alt, schon bei 
Lamnius') leiten wir über den Schwabenkrieg am Schlüsse des vierten Gesanges: 

.... Sie uahmen die gl&nzendeu Stücke 

Welche zu Chur nach dem Kriege man sab in der Nähe des Schlosses. 

Banner und Fähnlein wurden die Menge im Felde gewonneu. 

Die man später zu Chur aufhing im Gewölbe der Kirche. 

Vorab vier mit Adlern geschmückte Paniere des Kelches. 

Danu die gewaltigen Banner Tirols 

Von der Herrlichkeit de«i Kästchens ans Feldis, das ebeofalls vom d'^rtigen Gemeiude- 
vorstand in zu verkommenster Weise dem Kfitischen Museum geschenkt wurde, ist nicht 
mehr viel zu seheu. Dasselbe, 48 cm lang, 14 cm breit, 13 cm hoch, ist mit einem 
tlacheu Deckel geschlossen, wie das Kästchen von Scheid innen auf weissem Grunde 
roth getupft, war aussen allseitig abwechselnd mit Phantasiebildera und Wappen bcmalt- 




') Tschiidi n. &64. OriKiiiftl im Schlotwarcbit OrtensUtin. 

•> S. Leiuniiis, die Raetvia, Epoa in noun OcsiUigcu. Ed. V. 9\ÄVVQKt,^'Oi«is^SSVS^\(te%-Vaft» 




256 



und oiit Si'bloss und Reschllg versehen. Erkennbar sind nur mehr zwei Wappen mit 
folgender Blasonirang: I) Von blau uad gelb (nachgeduiikeltes Weiss?) viermal senk- 
recht getbeilt, mit rotbem Querbalken (Freiherren von Kegenaberg?). 2) Quer getlieilt, 
oben von blau und gelb (nachgedunkeltes Weiss?) sechsmal senkrecht gestreift; unten 
rotb (Freiherreo tod Kre&kingen und Weissenburg?). Mit Röcksicbt auf das VorkommeD 
eines dem Rfigeosberger Scbilde entsprechenden Wappens auf beiden Kästchen Hegt die 
Frage nahe, ob nicht doch ein rätisches Freiberreugeschlecht ein übereiustimmeDdes 
Wappen führte? Wir dürfen uns glückltcli scliätzen, diese historischen Denkmäler erworben 
zu bähen uud den Ißbtichen Gemeindevorätäudeu vou Scheid und Feldis für deren unent- 
geltliche [Jebeilassuog dankbar sein. 

i\ Jecklin, CoDservator. 



Miscellen. 



Nachtrag zu VOgelius „FAcadeniualerei in der Scbweiz". 
A. An klrehlldiBii Bsiitta. 

Brimt. Spuren spStgothischer figClrliclier Ueinllde an der Nordnukoer der Kirche (1887). 

Hoekdorf (Lusem). Am Beiiüiauii <diid noch Rest« von Waud|^iu&lüen erkennbar da- 
nmtcr der Tod mit Sense, eine Sonnenahr n. dRl- .(I88fl.) 

JVryWfljr««. Umfan«roic]ie Spuren einür DarsteUnng dee Ii. Chmtoph in pilnoni Maut 
XIV.-XV. Jh. (1887.) 

Jiappertwyl, Ain sddÜcben Thurm der Kirclie grüne und rothe Farbapuren ron figür- 
lichen DarsteUnngen. (ISO-^.) 

B. Afl prolaflvn Biulan. 

Sriaeh. Hann 79. abgebrannt und im Juiu 18UI ab^phrochen. Die Parade war olnge* 
rahmt toü geuimlten, gelben, schvrarx kontarirten £(^kqaadem; atu Jen Eokeo der (jr^ssereo 
herv'orragfindun QiiJuiern sprangen schwarze Omaiiiente %'or, bestehend an« Stäben uud Ranken 
an welchen lulpenartige Blumen sprossen. Aehnlichtj Ornamente wicderholteii »ticli Über den 
GeeimseD der Fenster; ihr Charakter erinnert lebhaft an ßchmiedeißenie Arbeiten der Kpoche 
(Oilter, Wirthsliauwchilde o. dgl.) von durchgesteckter ÄrbeiU (I8W1.) 

Flutn». Haas mit Sturenffiebel in der Nflhe der Kirche. Zwei gemalte ovale Medailluua 
nüt den Bildern der hh. Nepumuck und Atralha: die laschrineo lauten: 
ANN(» 1M4 REXN'b j VIERT 1763. 
S (Hifltua) I (ohaBnes) VO <n) NEB [ OMVCH 
S (ancta) AÖAT | HA. (1890). 

- OompflM Hau» Nr. 38 mit dem Datum 1598 und zwei Wappenochildem, deren eines daa der 

Bemer Familie StUrler ist. Die Fenster sind mit ar<;hitektoiit&i.-heu Foruien der Splltrenai**j 
aance umrahmt i darüber jeweÜen ein Giebel, rothw GiebelfeM in welchem eine gelbe Muach« 
alles ächwarx kontorirt. Zn Seiten der Fen5t«r brechen »cbwarze Ornnment« entsprechend 
denen xa ErUch, schief heraussteheDd, hervor. Ende XVI. oder Auf. XTll. <I891.) 

KUu^ait, Hau3 Nr. 145. Die Fafade ist rechts ond linkn mit grau und rothen, ge- 
malten Bnrockpüastem eingefiast. (1892.) 

Liftt-M. Giebebeite «Ine« Bauernhauses «lil farbigen architektonischen Uzereien (1891.). 

/«MCfM«. Haus Kr. 23. Architektvni^hß Dmrahmnng von Thüren und Fenstern in 
Kchwanon, gelben nnd blauen Tönen. Dalnui 1647. (1892.) 

itelUnfitn AossenMit« des Gadlicheo Stsdtthors. Tn einer reebtookigen Vertiefhng der 
Qmdflxiu zwischen MArta und Johanne«; die Figuren blau, das Feld roth Ubenchmiert. Die 
Kontnnn weisen auf ein Oemalda der gothüfchen Epoche (1886.). 1892 war das BUd| nicht 
mehr achtbar. ^ Dr. £. A. St. 



S57 



^ 



Ell) Vtrtrti) Ibar die Erttcllyng eine« FlOgtiiltir«« In Lflnhfrch 1478. 
AbKdilHJckl uu-v Otr Zrii^chr. (- Gf«h, .1. i)l«frh. N. F VIII I. S ItU i» 

Die Heri^n imd dip Ktrcliongt^ntiMadR von Lcnjikiroh besU»lll*n 1478 für üirc dainalic 
wohl im Bau bfigriffcne PfniTkirchp (<inen Hoclialt«r bei tl»m .%h-i/f%aw«rr ilaUr MkM 
Pfnitr. Darüber wurde «in Veiiratc doppelt tu SpnHztfttrlform ausK^fertif;!, von dem das 
Exemplar der BeffU?11rr sich noch erlia1l«ri hat. Dasselbe (iiuf Papier j^cscliriclirn') lie^t jetKf. 
im Conv. iJ5 des Liipfenvr Archivit ini Ci eDer»llHnde«areh)ve 7.11 Karisruhr. Weil derartige Ver- 
ttige Ulwrhniipt «elten Rind, und weil die An^lwii gerade dieser Lcntkirchcr Verabreilnn^ 
all|Eemtiinerf<i Interewie tiahcii, liahe ich mirli enlwchlosftfTi, dieflclbo hi«r nn veröffenUichen. 
Merkwürdig ist. dmiH der ktiUer fßr Bein Werk iiidii nur die «ehr hohe Summe von HO fl. 
lind ein Trinkgeld von 16 fl, bekommt, sondern dass er dftiu noch eine Lcihrent* von jährlich 
7 fl. sich niubodungeu hat; er war also ohne Kra^e ein in mner Zeit und Gegend gCMhatzter 
Heister, wenn gleich wir Über üin umsonst nacb Nachrichfeu suchen ; selbst das Schaffhuuscr 
Archiv giebt über den JUaler Michel Pfender nucb gütiger Mittbeilnng des dortigen Pfarrers 
Bftchtold keine Aiukunft. Sein Werk fllr Lenzbirrh war ein sehr reicher FiUgelaltar, der nach 
der Sitte jeuer Zeit eine Verbindung von Malerei und Bildhauerarbeit war. I^der ist dieser 
Altar, der eine Zierde von Lenxkirch wttre, längst, nicht mehr vorhanden ; wahrtcbeinlicib 
gieng er in dem grtiseen Brande vorn II. Angiwt 16R7, der neben 37 HSusent djeaea Ortes 
ancb die Kirche volLslAndig vernichtet hau zu Grunde, 

Ich MicbeJ Pfender, maler, bunier eA SohanShoKen, bekenn vnd t&n kunt mengkliehom 
mit dinem briefT, das mir juiikhcr Cuspar von Blftmnegk *) vnd hcrr Cflnrad Polmor de» ordens 
gBuant Vnser Prowen br4der"t, onch die kilchen pfligwr gemeinlich derwaUtatt*) kA LentK- 
kilch verdingt, haben, vnd eins rechten, redlichen verdingt werks mit nsmen im] ich machen 
ein lafel. die dem kcvr x-nd dem altar cimlich »ye, mt xe hoch, tc wit nach der x-ysiening, ah 
ich ai hun lassen sechen, viid darin Ht«llen vnd machen Vnaer lieben Fröwen, ais si diu kindü 
»■fl' dem ann treit, vnd ouch dar nebend saut Vyden *) vnd aant Kreneii vinl den wirdigcn 
ritler sznt JArgen vnd den winligim hyücholTe sanl Niclaasen, vud die niufT erliaben bild aol ieb 
alle vergUldeu, die mentel an den helgeti vnn proniertem v\-uem tiiggatt'n goh|, ouch die l^Me, 
die ai an band, diu s<d ich machen von guldin tjunmoal gfit, \'nd sniit JArgeu hoI ich machen 
aht einen ritter in hamaiit. »lind v{ einem »urm, vnd Kinder den bilden in der tafel so] ich 
uuch ver|;Qlden von pmnierteai viuem goId-\'nd die gespreug in der tafel sol ich verglllden 
von Rin.«chem gold md |an] den f&as, da die tafel vff ataat, «ol ich malen die winligen jLwbltt 
botten mit iitvarwen, vnd hinter den selben zwMffbotten sol ich vergUlden mit pruniertem 
v\*ncm ttiggdten gold, vnd an die tlllgel innwendigen »ol ich machen Vnser lieben Pr«>wen 
gehurt vnd die helgi'n Dry Küng. ullcs vitn ötvarwen. vud hinder den selben bihlen ouch vcr- 
gtildcn mit vinem inggatcn gold, vnd ohnen vIT der taffelrn so! ich mar.hen \7iwm bergot am 
cnitx vnd Vnserc lieb.v Froweu vad saut Jobaiuea vud muleu von gAten l'urwen, vnd so man 
die tafel xfltftt, go aol ich daran die fScchtcn ^iicV*) malen Vnscr Frowen grftt» vnd al» ni dber 
daa gebirg gieug. ouch von gAten {ilt'amen maclien, ^'nd vH' die tafel geliAirent dry windpin^, 
die band loub poäsen. die selben loub possen sol ich nuch vergiilden mit vinem pruniert«m 
togguten gold, vnd dz ander, das dar zft gebirdt. dax sol ich vergiilden mit Hinschem gold. 
Von den Btuken allen sol maa mir richten, werea »nd geben ala vit als hnndert vnd sedien 



*) Die Ritterfamilie von ßlumneck besass den grösseren Teil der Hemchaft LenKkir«h 
seit dem 14. Jahrhtmdett bis 1491. 

*) d. i. Jahaimiter. — Die Johanniterkouimende YUlingen besass einen Autheil vonLenE- 
kirch dnrch die Schenhnng der Rliiabeth von Bisingen, Wittwe des Ritters Koiirad von 
Bluranegg seit 131B (viil. FUrsteuberg. Urkunden bucli V, No. SM). Zu diesem Teile gehörte 
auch die Pfarrkirche, die I47Ä einem Ordensprißatcr verliehen war, 

*} Bedeutet hier aWaldstuLt" d, i. Ort im Schw&rzwuld, 

•j Nicht Vitos, sondern Fides; das ergiebt sich daratm. dass bei der Einweihong der 
Kirclie Lenzkirch 1487 der Hochaltar ausdrflcklich xa Ehren der Muttergottes und der Hei- 
ligen fJenrg. Verena und Pides consecricrt wurde. (Porg.-Or. in Karlsruhe). 

*j Dialect .fekten" (fittii^e). 



258 

). vnd sol mao mir die amtwitAn gon SobaufflknMD zä minen handen one minen costen 
Tnd »cbaden. Ee ist oadi filrer bvret \iid beding wurdtn, wonn icb div obtn^uannt tafel vff 
den nltar setz, so sei riiaa mir gnlien sechstxecben giitdvn ßiwlfr werung, Ary vnd zwentzig 
Bahlcr ])U[){>hiirt für ftiuL'n ^uIülti, vnd damacli alle jar j&rliclis soud si mir geben, richt«D 
vnd wetcn üihen t^lden allwegen vff Aant MBTtistn^, vnd sol das erste zil anfachen vf sont 
MartJs idg nach ilattim diz brieffit dber ein jar allwe^CD acbl tnc \ot vnd oavli vngeuarlich. 
vnd di« tafel sond ai xfl Sduamiu^ftn holen ano minen cnstcn vnd schaden vnd oaeh vf rich- 
ten, Tud ob sacb were, das man ^'mb wiirffe, da ^t vor ii.v, dz selb sol mir keiaen schaden 
bringen, aber wz ituxt scliaden bc^scb&cbo an der tafel ine vmb werffen, das sol ich wider 
vf riebten aue iren covten vnd üoltaden. vs^nnnien «sveo viid drinken, And »t\ ich die tafel 
bereitt geben vngeuariich acht oder viertzeciieD tagen vor ir kilchwiche, mag aber ich b, dz 
wil icb oocb tftn. Vnd ist dis« abnsdung besdikcbea vmb aant I^urentzea tag [Aag. 10] acfat. 

'tag vor vnd nach vngenartichen nach OrüAog gebort, als man zilt viertxechenbnodert »bontzig 

|Tnd in dem itclit«odeii jure. 

Dnnaneachingeo. Baumann. 



I£.lein.ex*e Nachrichten* 

ZusammengeatoUt vun Carl Britn. 

EldoeaauamehafL Hrrr Fr. ffOntli in der Srhipfe zn ZOrifh schenkte dem Ijandcsrnnsonm 
einen scböueu :3cüweizerdu[cb aus der zveiten Uftlft« des XVj. Jahrhunderts mit den Beiuewem 
und kunatvoll getriebener vergoldeter HetalUeheide, auf welcher Dido dargestellt ist (,N. Z.*Ztg." 
vom 21. Kebntar. No. 6^, Blatt X). — Das l^Dde^miueum bat auf dem Boden des rOmiachea Aqute 
i» Baden nach AlterthOmeru graben lassen, ^an stiess auf gnt erhaltene« rfimiächos Mauer- 
werk, fand Amphurenhälse iin<l -l-iriffe, Ziegfllmat4>rial, Terra sigillata in roUier nnd btmier Knie, 
gUtt und mit Onuunt^nten, f^rdinte GenssbOden mit TOpfermarben. auwie Werkzeug? and 
Oerilthe von Eisen za Tage. Der wichtigste Pimd ist jedoch ein goldener DameurinK mit 
I tndellfut erhaltener Gemme, die dait Bild dus BonuH Rvcntiia zeigt; anch Münzen sind gefündeBj 
worden: aun der Zeit der Itcpublik. Aagiutu« ('laudius 1.. Nero, Vespasiati, Tiliis, Doinitü 
Tn^anmid Pius (.N. Z.-Zt«/ vom IS.M&rz, Nr. 77, Blatt 1 ii. -2 uud .Z.Tag'blHtt" %-om äO. Hl 
Nr.67f. Kill Bericht von Seiten der Dirwclion de« schweizerischen Landesiniiseunis steht in Aussieht^ 

Uiiara. lo der Sitzung des gromeD Stodtrathes vom 26. Dezember 1S92 wnrde der Credit 
für UntL-rbult der SSuMggmtitttr mit BUekaicht. auf den letzthin erfolgten Absturz eines TeilM j 
auf Begehren den Stadtiutbea von Fr. 1500 auf Fr. 3000 erhöbt. In der IJiiieuwion wurde 
Art und Weise getadelt, wie man dirt-ex Wuhrzeirheii der Stadt habe verbauen !as!«en. Rio 
Postulat, es solle der Stadtrath prüfen, wio der u-eiteren Verbanung der Mauer vnrgebeugt 
wenleii kflimte. wurde angenommen [„Vaterland" No. 898, 88. Dezemlwr 1B92). — Die Unrtr'» 
8taiti*i*tk«ih*n im Raihh»u»e. deren Verbleiung und Passung sehr reparaiurK'dürftig war^ 
werden gegenwärtig von der Lnzemcr Kutuitgewerbeachule »orgf^ltig reatanriert und die 
gubrocbeneu Theile ergänzt. J. X. 

Tsula. Ascona. L'intelligent« atti%'itÄ del Revcrcndiuimo D. Bartotomeo Hercolli Rettora 
di qoe«to Pontifico Oollegio, lia scoperto e ridonati alla Ince, oltre i gii segualati. altri 
fievoti affreschi nella chiesa annessa a qnell' Istituto. — Da pochi giomi scopri in fondo alla 
chiesa, a dritta di chi «utra per la porta nmggiore, nella parete nord-eet, un' untica Cappella i 
botte OOD vnitn a conca. lia Imtte k ripartita in tre eampi da due colonne roggenti una cnr^ ' 
Dice adoma di tiuitütsimo omato in chiaroKwicuro. N«I campu centrale, evvi unu Vericiue col 
bambino Geai^ aaslsa »otto una iiuercia, lavoro aaaai bene conserrato; a dritta nn S. Sei 
•tiano, S. Rocco a sinistra, e nella mezza calott« dell' abside an Ktemo Podr« dalla barbi 
proUsM corieg^ato da nudi angiolotti, tra cni qnalenno veramente stupendo. L' Etenio Padre, 
tenendo cnn ambo le mani un' onrea e gemmata corona, acende od nmame U capo di Maria. 
— Nel eomicione che diride la botte dal volto ai legge tin ora qnesto solo framento d' iscri- 

ZJone in corattere Upidario : „ ff bf<tU malrit Jf. Sritautiani Rocht impe«rit $thol»rium Cap- 

p4t4 q. hodit. ". — Ovo oggiongaäi la circonstanza die qoesta Cappella si apre a circa nn 

metro sul paWmeiito sttuolc del tenipio, tutto fa dabil«re ewere ivi itato anticameute Taltare 



p 
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dellft H»doniia deUi) Quercia, ORf>i eretto in alfent ptrte della m^f^ima i:Jii«»H. — Quiinto 
agli ufTrEclii, a!tri ilt noj itu-no |irofu.iii cAprimanwBO etfuiMteiit« puiÜKiu. Cua) tli (igh<<mhn 
iliretno che meiitre m-Kli urnati, iielln lif[itra Uell' Er«riio Padro n in iiitella üi 8. Rocro ci pAre 
di Kcorgtre rm t)d luvoro dvl riDiuH.-imeiito, nella Matlomm c in S. Sebnatlono dubitiunn nn' 
«poca da noi tm po' piA discoHta. Non d pHre iiaprobnbile che la vecchia pittaia na stata 
modificalB oon qunlche reätaurazione parzinte. ~ Fraltantfl tribatinmo nn »inccro eoconto s 
qnesto Rmo. Rottore, I« cui sollecituditii pur V «stetira o V arte dMideriamo sUno retribuit« da 
ouove intereasanti ecnpprte. (,11 Credenfe Ontiolico". Logano, ». Dirembre ISSa, No. '279). Ä B. 
Willis. Beim Uiuf^rabea einPs StilckeM Land \a Full<f kumen menschlich« Gubeine mit 
16 OoldütUukun, dt^ren Onjirft^n nicht, mehr zu frftennen ist, und zwei (Toldene Rpauletten znni 
Vorschein., ,Z. Ta^blult" vom II. MÄrr., Nr. 60). 

ZUricIl. Du Thatifiktit drr Sektion WtttikoH nl» Glied der sOrrJirritdiem aniiquarigehen Gmtl' 
tchaft im Jahr j8Si. — DoÄ iiuiimctir abgclauffiie Jahr IBHü war ttir die hieai^ antiquarische GeiwlI- 
schaft (;iB recht erfreuliches. Wir haben tlurch höchst verdanketuwerthe Vortrl^e von Uit^liedem 
unserer Mnttergeselldchatt in Zfiricb. durch V'nrtrftge au.s der Mitt« anderer Oeaellsehaft, durch 
Besuche interewanter historiacher Funkte, durch AnkÄufe nnd Geschenke für unsere Sainm- 
ItiDfr etc. da^ rntcresse an den %-i>rhi.<itori<tchen und historischen Gefi|:eDständen lu wecken 
jtesueht, Auch den ureraUihliche» Zusiimmenkünften (PlauderstQpdchen) wurde Uir Hecht. 
Den ersten Vortr»*; von S<?ite miaeror IJönner in Ztlri^-h hielt Korr Stadtbibliolhekar 
Dr. Escher über da.s Thema: .Der Reislauf, aeine Umachen und seine Folgen''. In erachOpfen- 
der Wcijie entlediKi^ «ich der Redner seiner sich selbst freütclU^n AufjB:abe, welche so viel Licht 
in dos Wirrwar jener su verhangniavoUen Zeiten za Ende de» XV. und zu Anfftn« de« XVI. 
Jofarhundcrto brachte und bekanntlich erst durah unsere neufi Bundesverfassung völlig untersagl 
werden konnte. Am 21. März bicU Herr Profcüäor Ür. Miu-i;)uart wa Züriok einen Vortrag Über Aas 
Thema: „Geachichte und Entwicklung der CJothik in Xordfrftnkreioh". Zahlreiche Phot^mphien 
gDthischer DsadeiikinSler dienten »ehr zur Hrlftutemng diese» interessanten Vortrages. Wie 
alle Keuerungon ihre Gegner haben, so war est seiner Zeit, als dieser BauÄtyl zu fntwickdn 
sich unficng, welchen sehie Gegner als gothisch, d. h. barbarisch achelien und so »einen Namen 
erhielt. Die .Streitigkeiten der niederen nnd höheren Oerichtäbarkeit in unserer Gegend unter 
einander (Ober ihru Competenzen) vom Jahr 1689, welche in Abschrift vorlagen, 4-rlfiuterte mit 
KrgtnzQngi'u dpr Geschirhtssch reiber unserer flemninde, LeJircr Felii. Meier. Andere Mit- 
glieder erlVeuleii im» mit iiiteretwanten Reiseeriniierungen etc., welche stets unser reges In- 
teresse in Anspruch nahmen. Wir liiiHuchten auch Kybur^' und das Polenniuseum in Rnpperswil. 
An eriterem Orte hat uns der jederzeit dienstbereite Kigeuthilinor, Herr Bodmer, persnnhch 
die wünschbarcn Erläuterungen auf verdtinkenswcrteslc Weise gegeben, au letzterem Orte 
ttberruscht« uns der Keicbtbuni der Sammlungen an Objecten .jeder Art, welche dem polnivchea 
Patrititen lieb und theuer sind. Schloss Kyburg nnd das Polenmuseum verdienen alle Be- 
achtung. nameuUich erateres. weil es $u eng auch mit unserer vaterlAndischen Ge^cbirbte ver- 
bnndeii iat, Dun-h Geschenke und Ankäufe (namentlich erstere in einer grossen C^oltectiun alter 
schweizerischer nnd europai*ther Scheidenjünzen et<!, und letztere in mittelalterliche« Gegen- 
ständen, welche in uiuivrer Gegend immer soltcner werden, haben wir eine Bindeglied umterar 
Qeaellschatl erhalten. Wir werden darauf halten, da.<t!9 durch unsere locale Sammlung nicht 
eine neue Zer^plitteniug entsteht, sondern dat« derselben vielmehr entgegen gewirkt wird. Wir 
werden im .Sommer dickes Jahrea ein Sammlungszimincr im neu erbnuten Pri marsch ulbanse 
von Oberwetxikon erhalten und so hofft unser Verein auch ferner den Weg gedeihlicher Ent- 
wicklung wandeln zu kUnnen. Wir verdanken den hlHhenden Znstand der nncrmädlichen Thft- 
tigkeit unseres verehrten Pribtidentea, Herr Pfarrer J. Ftniy in Wctzikon. 

Jakob M«ttikoitmi4r. 



Xjiltera-tur« 

Archirt» hfi-atdique» tniam: F^vrier-Uars 1H98. Jeun Orellet, l'tut ht^mldiqne h, traren lex 
Bi^cle«. M. T., Le cotfrvt de* tceaux de l'^tat de Neuchdtel. SL. T., (Quelques molii sur 
Ic cuuvcnl de ßellclaj'. 



260 

BtUrägt, Thorgauische, zur vaterländ. Oesohicbte. Herausgeg. vom Historischen VereiB des 
KaotonB Thurgau, 32. Heft. Fraaeofeld, GromaDii'iiche Buchdr. (J. Haber'a Verlag). 
Inhalt: Protokoll der VeraammL des thurg. histor. Vereins zu Kreuzungen, den 20. Jani 
1891. — Kommissionsbericht üb. die Ankäufe an der Aoktion Vincent u, über die Bezieh, 
d. Vereins zum schweizer. Landesmoseum, von J. Büehi. — Beschreibendes Verzeichniss 
der an der Auktion Vincent gekauften u. in der thorg. histor. Samml. aufbewahrt. Glaa- 
gemftlde. Von Demselben. — Die Veste Neuenburg und das Dorf Mammem werden von 
Hugo von Landenberg an Hans Leonhard von Reischadi verkauft. 1622. Angust7. Von 
Dekan K^n. ~ Allerlei zur thurg. Eolturgesch. Von Notar Mager. — Bontgestickter 
Teppich von Bischofdzell (1480) in der Mittelalter!. SammL in BaseL Von B. StaMin. 
— Ueber die Inful des Abtes von Kreuzungen in der thurg. bist. Samml. von Dr. Jitper 
und H, ^Skelin. — Thurg. Literatui aus dem Jahre 1891, von J. Bücki. 

Boüatino atorico drUa Soizttro üaltana. Anno XIV. 1892. N* 12. Antichi afifreschi in Ascona. 

Anno XV. N* 1—8 Qli afiVeschi del Ticino di nuovo scoperti in S. Maria degli Angioli 

"^ in Lugano, nella chiesa del CoUegio d' Ascona e nelts chiraa di Mairengo del Prof. 

J. R. Hahn. Architetti ed ingegneri militari sforzeschi. A propoaito di monete bellinzonesi. 

Fonti» renun Bemensium. Bem's Geschicfatsquellen. VH. Bd. In-i*. (Schluss Lief, mit Register 
umfassend d. J. 1844—1853). Lex. in-8'. VH. S, 677—762 u. Reg. 68. S. Bern, Schmid, 
Francke & Co. 

OniB€, Sl-Pitrre aneüun» Ctühidrale de. Pablication de l'association poor la restauration de 
St-Pierre. Troisifeme faacicule. Dr. H. J. Oout, Contributiün & l'ätude des ädifices qni 

"* ont pröc4d6 l'öglise de St-Pierre-fes-liens & Oenfeve, 

Omh, vide Genfeve, St-Pierre. 

HwndJet, Dr. B$rthcld. Die schweizerische Malerei im XVI. Jahrhundert diesseits der Alpen 
und unter Berttcksichtiguug der Qlasmalerei, des Formschnittes und des Kupferstiches. 

^ Mit 8 Textillustrationen und 8 Tafeln. Aarau, H. B. Sauerländer, 1899. 

Uardtggtr, vide Neujahrsblatt. 

Nei^ahrtäHatl, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Outen und Qemein- 
nützigen in Basel, 189S. Budoif Wackemagtlt die Stadt Basel im XIH. und XIV. Jahr- 
hundert. Basel, Druck y. J. O. Baur, 1892. 

NeuittkriUatt, herausgegeben vom historischen Verein in St. Gallen, auf das Jahr 1898. Au^it^ 
Hariegger, die Cistercienserinneii zu Maggenau. MiteinerTafeL St. Gallen, Zollikofer'sche 
Buchdruckerei, 1898. 

Nti^tthribtatt, Zuger, für das Jahr 1898, herausgegeben von der Gemeiuntltzigen GeseUschaft 
des Kantons Zug. Zog, W. Änderwert, 1899. J. Hutaiktr, Das Waldmannhaus zu 
s^ Bliokenetorf bei Baar. 

Ott^iOhäuter, Adolf, von- Zur Ehitstehung der Manesse-Handschrift (Neue Heidelberger Jahr- 
bücher 1893. Jahrg. IH, Heft 1). 

Oeehüi, Dr. Wilhdm. Quellenbuch zur Schweizergeachicbte. Neue Folge. 6. Lfg. Zürich, 
F. Schttlthess, 1898. 

Quellen xur Schweizergta^ichte, herausgegeben von der allgemeinen gescbichtsforschenden Gesell- 
schaft der Schweiz. Bd. XIU. Basel, Adolf Geering, 1899. Dr. Albert Büehi, Albrecht 
von Bonstetten. Briefe und ausgewählte Schriften. 

Baku, J. B. Die mittelalterlichen KunstdenkmBler des Cantous Tessin. Sonder-Äbdruck der 
Beilage „Zur Statistik schweizerischer Kunstdeukmäler" des „Anzeiger fUr schweizerische 
Älterthumskoude." Zürich, Verlag der Antiquarischen Gesellschaft, 1898. 

Wackemagel, vide Neiüabrsblatt. 

Ztittchrift für ehriatUehe Kutut 189^93. Heft 12. Glasgem&lde der ehemaligen Sammlung Vin- 
cent in Konstanz. 

Zeiietkrift für Oetehiehte da» Oherrhtin». Neue Folge, VIII. 1. p. 129 u. f. ftaumann, Bin Vet- 
trag (mit dem Schaffhauser Maler Michel Pfender) Über die Erstellung eines FlUgelaltares 
in Lenzkirch (Baden) 1478. 

Redoction : Prof. Dr. J. R. RAHN in Zürich und CARL BRUN in Riesbach (Zürich). 
Dmck von £. Lebhahn iu Zürich. 



Taf.ir. 



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..3 95. 






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Taf.xvn«.xvin. 






Uli- U^tr »Sirfr. Zunrli 




SCHWEIZERISCHE ALTERTHUMSKUNDE 

INBICATEÖß D'ANTIQÜITES SülSSES. 

XXTI. Jahrgang. 



IVe-4. 



ZÜRICH. 



Id03. 



Abonnoin»Hla|>r*lal Jlthrlirli t tr. - Unn .ilxinrilrl Iwi don PoalbanBat and allM BirhfclllilllllH II KWtB 
.-IUI ii iiiirci |>.-i ii>-m Bar«au Atii antiqDu-laohen OsaetlaobAft* Halab*a% CBiiah. An dM kutere 
SWM iwltelMit «tuwstilve Aboimenift) ihM z&hiuniioii la tdrMstnn. eliaau «tHea dualliM iMUUkii R«cla- 
imüonaa «nttCMeitRenainiawi. — Vod tlur SUiütUk tchwttsfht^ur tuniUmkmiUrt die »li MEmr tun 
'AaUUfTt «ncbemi. wird «bi« ktetne AuSa^e von SmäfrabiMQtn anulll. Bocalas Mammem ilavo« 
wf>r4en . so lanip) iler Vorrsih ttiebl, auf >leiii üurM« itr jbiUijn^ttehm CtteOtAnft. nwmJUiu. 2iirleft 
tibiietf tftxit. 

Inhnll. 17. Dm AusaraliuDK'-n da* SchVClurHrlwn IjUMlMMUMUnii- ii Kmlrn il" tt. Man Ii«f3l. vihi ßr. K. A. 
StiKk'illKFK- ^. Ml- - 4S. Mmtoclx.t Inachritt vwi SchwadmliKli, ri»i 8. IVk ? K!> - lü. G>ii n>jlilrl»« 
ad« >l>^ii Wallte, «oo Dr. B. ErH S. fTI - SA. Uiil»niNrhanfrin ia ihn- Ki' - 'i IttinitttifMon. von 

Dr. E. h. StitckellMTC S.ITL ~ Sl. Em Fan>J mill«(all«riklKir afeokach«lr. nn ii. Aiiina. S. fn. 

Tut. XXI. — Si. Uetordi« MMirkim PrMhun In Ant Krypia In Bi>raDHimier. '. i. . :., .Liiaann. LBatiirlMKr, 
UcUii. S «Q. - U. Mttiran PUn dor Suult 7MKb. «o« P. SrhaoUnr. S. VU. - U<oc«>Jien- S. MI. — EloilK«« 
Ifarimchlcn. S. Wl — UUtratur. S. HC. - ll4llA|Ce : Zur SUlidili f^hiint. KunaldirnkintW. vun J. II. tlahit, 
Kanv-i\ S'<l<iUiuni. ^. 33-7«. 

Ml^ S^it dem 1. .laiiuar ltiäi5 ist der CoiuiuisdiousTerla^' sAiuuittichär 
Veri'ifrentiichun^en der Äntiiiuarischuo OefiellKchuft (mit Äusscliliiss des >äd- 
/.eiger für schweizerische Altertbumskuiule«) an Herrn Btichhiuiiller Karl W. 
Hiersemann in Leipzig t\l)«rg(>§angeu. Von dlMer Firma wird der Vertrinli 
lETfinunntor Sotirifteii sowohl in der Schweiü (Niederlage in der Buchhimdlung 
S. Htthr in Zürich), als auch im Austande ausschliesslich besorgt. Noch immer sind 
^agegen, hiut § 16 der Statv'ieit, die Oesellscliaftsniitglieder xiim direcleii Be/.uge 
fler Vereinspublirationen berechtigt, welche seit dem 1. Januar 1888 im Boreaa 
auf dem Hehnhaiise abgegeben werden. 

Die neuesten Vereins-Publicationen sind: 

Die Äufzeichniiugen » Zur Statistik sthtBeiäsrischer Kunstdenkmikr • werden von nun 
an als besondere Beilage des »AnMig^r« auagf^eben und dam ent9[)rechend mit 
eigener Pnginatur tirsclieinea. l)or beifolgeadeti llieferuog. welche die Ktiu«tstatiBtik 
des Cantons 8i>1othum eriWnet, liegt eiu für diesen Abachuitt bestimmter Um- 
8chl^ bei. Extiiiiplare oiucä Sontkrabiiruckea ki^oneu auf dem Bureau der Auti- 
quaridclien Oeselischaft, Holmhaus Zürich, hesogeu vrerdeu. Preis der Ueferung 
Fr. -. 50 

Von der in den Jahrgängen 1890—1893 im »Anzeiger* erHchienenen Knaststatistik dna 
Cantons Tessin ist ebendaselbst eine mit eigeüer Paginatur versehene Sonderau-fgab* 
zum Preise von Fr. 4. — zu l««iehen. 

Hahn, J. 2i. uud Th. v. Liebenau. Die Casa di ferro (Vigniccia) bei LocariM). 
Eine Werbecaseme aus dem XVL Jahrhundert aud ihre Erbauer. 
Mit 3 Tafeln Fr. 8. — 

Katalog, beechreiheoder, der Antiquarisclieu Saminluiig in Züiicb. Vou R. Utriek, 
Ä. Heirmimn und anderen Oesellschaftsmitgliedern, 3 TbeJle. 44 Tareln 

in Lichtdruck » 10. — 

Ohne Illustrationen ... » &. — 

Werner, J. Die ältesten Hjamensammlungeu von Uheiuau. Mit 2 Tafeln . »4. — 



202 



HoUinger, M., Zfüer-WerdmiUhr. H., ODd Hahn. J. R. BuUingers Be- 

acbreibuDg de« K1oät«ra Kappel und sein jetxig'er BeaUnd. Mit 2 Tafeln FV. 3. — - 

Zeller- WerdmiäUr, //., MitteUlterliche Burgaulagen der Ostschweix. Mit 

4 Tafel« 3. 50 



47. 

Die Ausgrabungen des schweizerischen Landesmuseums zu Baden. 

10.-3S. Hfirx 1899. 

Bei der Fuudameotiruiig des evangelUchen Pfarrhauses zu Baden und der Änla^ 
der xageliOrigeo Kanaliaation t^tinssen din ArbeiU>r auf r{lroi»che Hatiem und allerhud, 
römische QegenstAnde. Letzter« wurden dem Herrn Pfarrer Vogel abgeliefert, der bU 
zum Besteo des Baufonds versteigerte; einige Objekte kamen im Spätherbst 1B92 
Landeamuaeum. 

Da im Winter die Bedincrnngen zn Aasgrabungen nicht günstig waren, ronsKt« das' 
Frühjahr abgewartet werden ; indes wollte zur selben Zeit der Pfarrer seinen Qarteu auf 
dem noch unberOhrten Terrain hinter dem P&rrhatise anlegen. Rs gelang, von demselben 
eine Fritit von sehn Tagen zu erwirken, binnen welchen der Boden omgegraben und 
wieder in deii Statut quu versetzt werden mu^le. 

ZuR&chst worden xwei Schächte gezogen, parallel mit der Rackseiie des Pfarr- 
fatoses laufend und beginnend an der Linie, wo die Pimdamentirungsgnibnngen auf- 
gehört hatten. Am erut«n Tage stii>«!sen die Arbeiter auf die vier schon bei dem 
l'farrhattsbau koostatirten Parallelmauem ; in den folgenden Tagen wurde die Erde zwischen 
diesen Mauern und längs der Sossersten, an der Strasse li^eoden Mauer au:^hobeu. 

UebtT die Fundatöcke vergleiche den Fundbericht. 

Nach Beendiguug dieser Arbeit wurden auch Nachforschungen in dem austossenden 
Gemüsegarten, sowie auf der Wiese angestellt, wo bei dem Anpflanzen der ObsiUlnmJ 
verschiedene Ctegenstände sich schon gefunden hatten (Bisenstempel. Risenscbiftasel, Boin- 
gritr, Scherben). Doch zeigte nch das xuletzt in Ai^riff genommene Terrain als weniger 
ergiebig. 

Oearbeitet wurde täglich fou morgens 6 bis abends 6 Uhr, mit drei Pausen von 
xusammen zwei Stunden; an einigen Tagen wurden die Arbeiten verhindert durch ada. 
schlechtes Wetter, wofftr dann an den nachfolgenden Tagen einige Arbeiter mehr musstfinJ 
eingestellt werden» damit der Endtermin eingehalten wurden konnte. 

I. Tag. 10. Mira 1803, Morgen: 10 Arbeiter, Nachm.: 10 Arbeiter. 

' Schon. 



Hegen. 



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Schon. 



263 



Tospixirt wurde der Stand der Arbeiter mehrniBls durch Herrn Diroktnr Aogst ; 
geleitet nnd bcaufeichtigt wnrdeo die Grabungen durcli deo Schreiber, welchem einige 
Nachmittage auch Herr Oonaervator tjlrich zur Seite stand. 

Technischet. 
Beim Ausgraben wurde folgendermasaea vorgegangen: 

1. Die KuUnrscbicht obenauf, die nichts enthielt, wurde weggeecfaaafelt. 

2. Unter der Fundscbicbt wurde das Terrain unterhMt, sodann die F^indschicht lang- 
sam herat^estosünn und sorgfältig zerkleinert. 

3. An allen er^ebigen Stellen wurde mit dem Rechen das au^worfene Terrain noch- 
mals durchgenommen ; wegen Zeitmangels musste vom Sieben Abstand genommen 
werden. 

4. Abends wurde der über der Funddcbicbt liegende Boden vor letztere heral^«frorfen, 
um anfälliges Weitergraben durch ünberugte zu verhindern, was betwnders not- 
wendig war wegen der zwei Feiertage, die viele Leute auf die Pundsifttte heraus- 
führten. 

Ptmdbericht. 

Das ganze nördlich von der zur Limnuit abfiallendeo B&scbnng, südlich und west- 
lich von der Strasse umgrenzte Orundütück war in der römischen Kaiserzeit mit Woh- 
nnngen öberbaut; Ausgrabungen im Jahre 1848 hatten schon unweit unserer Fundstelle, 
parallele Mauern. Legionsuegol, Münzen u. a. ergeben. 

Die neuen am 10. — 22. März vom Laudesmuiteum veranstalteten NacbforMchungen 
Rfrderteo aeben parallele Fuudamentmauern von verst-biedener Dicke und in Terschiedeneo 



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rvallen zu Tage. Das Terrain ^It leicht gegen NO ab, so dass dies Gemäuer am 
Ost«nde ungefMir um einen Meter tiefer liegt als dagenige im Westen ; daK^v dv%. ^rt 



264 



banuDg des Feldes waren die obern Teile der Mauontilge durchweg abgebroclieti oder 
bewl)fidlgt vordeo: diu unteren waren wohl erbalteti und bestanden aus fest vermörtelteu 
Bruch- und KieselDteincn. Vou bemaltem Veipatz kam uur im Itaum B (vgl. don 
Sitnationsptaa) ein kleines Fragment zum Vorschein, ßlas- oder Steinmosaik Tehlt« 
durchweg und nur im Haura D fand sieb ein 1.65' m grosBer Ftiesenboden, dessen 
Platten über total zerbrfickelt waren. Der Roden in d«u übrigen Käumen, bezw. HOfen, 
bestand aus festgetretener Lebmerde oder, wie bei D und E, zm einer Zementschicbt 
mit einer I'nt(>rlapp von Kiesoln. 

Der arsprüiifjliclifi BoJeii lag ungefähr 1.50—1.60 m unter der beutigen Erd- 
oberfläche; auf ertfterem lag eine rote Braudschicht und darüber eine graue, oft grau- ^ 
, gelbe Aschenschicbt. Was in letzterer gefunden wurde, war in der K«gel gut erhalteni^H 
,was aber aus der Brandsobicbt »tammt, ist durchweg zusammengeschmolzen und zer-^ 
^brodien. Oass unter dieHer Brandscbicbt keine xiveite oder dritte lag, wie dies an aoderu 
Stellen zu Baden der t'^all war, wurde durch mehrere Bohrungen au verschiedenen Orten 
^festgeä teilt. 

Bedauerlicher weixe konnten nirgends die Legendi mensionen der IVallelmaneni 
gefunden werden, da der Gebäudecomplex einerseits durch die Strassenanlage nach dem 
•Grand Hotel, anderseits durch den Pfarrbausbau zerschnitten wurde, lieber die einstige 
(^Bedeutung der Grrbftude ist es schwer, sicherem zu sagen ; in keinem Falle waren es Villen 
1er Wohnungen reicher Leute, denn es fehlt Jeder Luxus der Einrichtung. Ob wir es 
mit tSklaven Wohnungen oder sonstigen Depeudenzgebäudeo oder mit Kasernen, wie 
F. Keller vermutete, zu thun haben, sei dahingestellt Sicher ist bloss, ilass Raum C, 
an dessen Westmauer sicti die Feiierstelle befaud, die Küche war; hier fand sich die 
grtjsste Menge vou Scherben, hier. die Keibschalen, der MflhlsteiD, die ÜÜerpfaime, Reib- 
kugeln, sowie die Herdkette Oetztere sQdlicb von dem vom Landesmuseum auBgegml>enen 
Raum, aber zwischen Mauer 11 und 111 liegend). 
Die 5[ast«e der bloäsgelegteu Mauern beiragen: 



Dicke 0.76 
> 0.66 



Höhe 0.85 
> 1.10 



VT » 0.70 » I wegen zu starker ZerstArung an den 

VII > 0.70 • I hiossgelegten «Stellen nicht raessbar. 

Als wissenschaftlichen Hrfolg ergaben somit die Ausgrabungen das Faktum. 

laut Mniizfunden dies Quartier vou Baden um die Mitte d^ tl. Jahrhunderts nach Christus 

|aeiueu Untergang, und zwar durch Brand, gefunden haben muss; ferner da.i nugative 

Kflsultai, näuilicb, daas hier an der Nordacit« der Römerstrassc keine Bäder oder Villen 

za auclwn sind. 

Die niatvriollen Resultate zeigen ein hfibaches Sortiment von allerlei HausgerStb. 

welches allerdings kcioo bisher unbekannten Typen aufweist ; als wertvolles Objekt ist 

der Ouldring, als interessantes Stück der sog. Frellsteiu zu bezeichnen. Im Uebrigen 

ii auf d)!n »Fiindlx'rieht< verwipjieii, welcher den Fundort jedes wichtigpn ßegeiislandes 

ngibt: das Datum der Aufündmigen i^t, was die Uauptttücke betrilTt, ebenfalls ati- 

ngelHot. 



KvptfiprHhtNy. Diu Inteinucheu Kapitoluo ABC etc. b«s«icbiie]i den Puntlort dor 
Ge^attAmle; die BuclutubuD hind im Siuiutiuiuiphui nadixuMihea. 

1. Gold. 

Kid Dauieuring mit grönoiu tuta(;lio, auf welchem die oaxkXe Figur dos Bodos 
KvttDttia, nafli rachU gewoudet, mit der I'atora in ilcr IfechUui und xwui Aebn^n io der 
LiQkeu, dargestellt iat (C. 15. März). 

AntH^kuHg. Der Knpf des Bonus KTCQtua, einer von Hercur, oder niuli PrnC PJßk von 
Apollo, Hli(feleit«teD <tDttheJt. die alfi nftckter Jüngling mit Opronchale in der Ucchtnn und 
Aehren (.oder Killlhömi und Mohu in der Linken iluri^estöUl wird, lindel «cb iwlion auf röml- 
»chuit 31imzeu der Republik, die gaazo Vigar auf vieleu KaineriuQuxeu. \gl. UuU. duUa, 
Ctimm. »rcheoi. oomnnaie di Rom» 1878, S. 210. 

lt. QegeDstiude aas BroDze. 

Amulet in Form eines Phallus mit Henkel (Pimdort: ITurrhaiiühuut«). — Amulet, | 
bestehend aus einem King, unter welchem nach rechts ein Arm, dt.>i»en Hand die ii)><i- 
tropäiscbe Geberde*) der Feige macht, nach links ein Tballus bervorR^t; unt«ii in der 
Mitte ein zweiter GeHcblechteteU. Aehnticb Nr. 933a und 934 um Baden und Windtüch. '} 
Br. 0.07, H. 0.05 m (D). — Zylinderische Buchse (ohne Deckel |; unterer Dm. 0.055, 
H. 0.032 m (E). — Halbkugetf^rmige «tlocke mit Henkel; unterer Dm. 0.009 lu, 
H. 0.055 m (D). — Schlüssel, sehr sch^n erbalteo ; L, 0.0C7 m (C). — Lnmperihaken, 
ähnlich Nr. 1046 aus Italien, Badeu und Windisch (t*i). — 11 Bogonßbelu (B D Ei). 
j— 1 Scheib«nni)el (C). — 2 Blattförmige Ziergehäuge, ein StQck gravirt") (D u. K»). 
14 Knöpfe mit gra\irter rierblättriger Uosette auf der Oberseite, Dm. 12 mm (C). 

— 5 glatte diinoo Knöpfe, Dm. 0.02 m (C). — 2 Ohrringe (C). — 7 Ringe, Dm. 
0.022—0.030 m (B C D K). — Henkel einer Kassette (Fi). — Lanaett förmiges Ölech- 
fragmeut (Et). — Allerlei kleinere Beschligstücke, Fragment« von Xadelu, GetHi^eQ u. a. 

ni. Qegenst&nde aus Eisen. 

Stempd mit Inschrift*) (Fundort: Wiese). — Sog. yotivbeUchen ; eiserne Votiv- 
beilchen wurden iwbon in Petinesca (Anz. 1872, S. 378), bronzene in Solotburn, All- 
mendingeu and Amsoldingen (Momm^f. Inäcr. Nr. 211) gefiwden (D). — Lampe zum 
.\ufliAngen (C, Feuerstella). — Eierptaime, iiostell mit vier Schalen: ähnlich dem Kiem- 
plar l}ei Herrn Borsinger in Baden (C, Feuerstelle}. — Fferdeeiaen (I'ferdesfhuh) {i'), 

— Kadscbuh? (oder Fferdeeiaen) schlecht erhalten (C). — Scblüsael (Wiese). — Zwei 
Beile (C). — tiertel, ächelförmiges Inatrummit (C). — Zwei Messer (C). — Scheere, 
gebrochen (C), — Gürtelschnalle, schmucklos (D). — Bogcnlibel (E). — Fönf_Griffe! 
(sty)i) (Ü D E), — Uerdkette, entsprechend den Üüiemplareu wü Wett^weil (Nr. 3000) 



I 



■) V(H. BMnindMter, DeokmUer I, 8. 7&. 

■) Vßl. Kabdog der Sarnmlnngen der Antiquar, (inetbcbaft in ZUHch. U. 

•l Mehrere Hennen des Pmvinzialmuseums tu Trier tragen derorrJKe Kicrmleo im einer 
äclmur um den HaU. VjjL Hetlnei. Die rOm. Steindenk in Hier ti. ». w. 189», Nr. 813 u. SU; 
fthnljehc AiiIi.lticor nits ßri^ntiuni. vgl MIttli. der k. k ^fentrnlknmra. lUM, S. IBH, Pi^. 8. 

*j Noch nicht jgereiniKl und dcslialb nicht lesbar. 



266 

nad BfeofceB (Nr 3661) >) (PtorfanifaraU). - GtMHr Bing (C). - Bohrer (C). — 
Bama, Haken, Riogf, Kctteoftagmeot«, Stfldce foa alleriei Imtnuneitten (A — H). — 
Kioe Aiizabl kleioer Euenkugeb (Saft'fldiea Anal). — Grosse und kleiiw Nigel (A— B). 

IV. Qegeastäode ans Glas. 

BbM eiiqiaeto (rgl Nr. 963) (D). ^ BUues FarfamHäxbcbeo, obeo afagebroelwn. 
h, 0.058 m (E). — Oberer Band eines Trinkglases (Goaa) mit Keliefdarttetliiog einer 
Quadriga, vor welcher zwei k«gelförmige Metee. OImii die Inschrift: . . . CLiXS.E (E). 

— 11 gröDlitibc und blaue Glasperlen, Dm. 0.011—0.025 m und zwei Fragment« (C, 
ein Stück Fg). — Fragment, weiss und violett, dnrcfaKheinend (C). — Fragment, d&ones 
Ooldglas (C). — Fragnaent, bba, dOnn (E). — Fragment, bbu, weis» gew^Mkt (Fi). — 
Fragment, grOii (R). — Ortasere Fragmente einer Schale aus hellblauem stark geripptem 
Glas (F*). — Halse, Boden ood Henkel tod rondea nnd riereckigen FUscbao (C D E F). 

V. Gegenstände ans Bein. 

KAhre, Teil einer FUAe (ihnlieh ans Windisch Nr. 1060) Dm. ö.O!;i m, L O.IU m. 
(D% — BObre, Fragment, L. 0.107 m (D). — M^aergriif mit geritzten Liuearoruamenten, 
L.0.0&5m (E). — Mesfergriff (?) mit beweglichem Zapfen (E). — Homförmiger Griff, 
am donnern Ende mit eiaem Loch veraebea, L. 0.193 m (D). — Zwei Marken, runde 
Scheiben (ähnlich ans WiiidÜH^h, Äugst und Kloten Nr. 1076) (C und D). — 'Zwei 
Ahien (C and D). — Roher beinerner Löffä ohne Stiel (B). — Desgl.. Fragment (B). 

— Bügelförmiges Fragment (ein ähnliches Stück besitzt Herr IHrekior Scbaulelbäkl in 
Baden). 

VI. Gegenstände ans Tbon und Backstein. 

In allen Tfilen des AusgrabungMfeldes fandpii »eh in Menge Ziegelfr^mente und 
Scherben ; als einbeimiacbe Waarc isA hauptsächlich das rohere Geschirr, danu die 
schwarzen Gef&ase zu betrachten, w&lirend die feinere Terra sigillata gr^Jastenteüs Import- 
waare, derim Harken sich auch anderwärts tiuden, war; einzelne Stücke mflgen in Baden, 
wo eine Fabrik bestand, wie ans der Form des CobnertQs') hervorgeht, fabrizirt sein. 

Vollst&odig und intakt kam kein Oef&ss zum Vorscheiu, wol aber eine Menge 
grOsBcrer Fragmente und Profil stäcke, ans welchen sich eine höchst mannigfaltige Aus- 
wahl von Gesehirrformen rekoustruiren Hesse. Unter den Motiven der Reliefdarstellnngen 
an Terra sigillata seien hervorgehoben: Wageorennen, Gladiatoren-, Löwen- und Stier- 
kämpfe, Vögel, Hintebe, Delphine, Hasen, Hunde, Greifen, die W&lfin mit einem 
säugenden Kind, baccbiscbe Szenen, Amoretten, Rauken- und Hlattornamcnte. 

l'nter dem schwarzen GeschiiT finden sich Brochstflcke mit beeren- oder wanton- 
f&nnigen Aufsfttun (ähnlicbe Fragmente aus Köuigsfelden besitzt Herr Direktor Schaufel- 
bQhl in Uadoi); viele Fragmente sind einfach dnrch geritzte Streifen, Tupfen a. dgl. 
venrfert. 

Ferner seien herTorgehoben : 

Runde Scheibe aus bellem Tbon ; in der Mitte in Itelief zwei VogellBsse mit je 
einem Loch versebeo (tum ßnaetzen gläserner Oeiäaso). — ^imtie^ mit Sinrtl- 



*) Vgl. Katalog der Sunmlimirfn der AaÜquKr. OeseUKhkft. H. 
*) Vgl. Hommsen Inscr. oont. Hdv. p. 67 a. 7. 



267 



Ornamenten, Oberteil fehlt. — Stirmi&jH; eiae Maske, deren Untergeeicht, d.h. der 
geJMftiet« Mund uixl das Kimi fetilöu. — LeyioHSsUgä, vier Fragmente mit folgenden 

liiscbrifteu : vertieft : L • X erhöbt : (i; E X 1 0- P • K 

. . XXI... (k) GXIC-P.P. 

Das Terra -sigillata-Oescbin (poterie roug«) oder »aretlnischeo Waare — wenn 
wir diese Doiieicbnung nur al.s Qualitftt«- und nicht als Prorenienz- Angabe (analog 
»Porzellan« •=■ Puz/.unli) gelirauchon wollen — findet sich in allou Ijändem des rflmi- 
scben Ocddents; zeitlich gehört sie den drei ersten Jahrhunderten nach Christi Gebart 
Hie sich aus den epigraphischen Kigoi)tOmlichkeiten der Harken und aus dem Styl 
ler ltelief:< scbliesaen Iftsst. Uie Marken, ob sie nun einen einfachen Eigennamen oder 
ÜeiwOrter^ wie officina, manu oder fecit. aufweisen, bezeichnen den t'abrikhemi, nicbt 
aber den einzelnen Arbeiter. Grosse Pabrikon aretinischen Geschirrs lagen im Todnni- 
schnn und Ton hier aust mag die Wtarc grossenieil» eiportirt worden sein; daneben aber 
fubriKirten fahrende Karuvaiieu, die im Desitze der kH:huischen üeheiuini&äv waren, an den 
vorschiodcniiten Orten, wo sie fär längere oder kärzere Zeit ihr Lager aufschlogen, dea 
nötigen Bedarf. So ttudvu sich die Marken des auch in Baden vorkomraendvn VitaUs 
sowoL in Spanien, Frankreich, Uelgieu, wie in England, Holland und l>eutschland. ') 

Tilpfcmurki^iu 
A. TVrra StoMata. 

OK VITAL 

VIT\LI I 

\[\\i \ Vitalis. MoniDis. |). 100 n. 3!a. Allmer IT, p. 178. 

CV\^Ayb , tä Expl.) 

Ot\;ALVl ■ (a t:x,,i.) Clvua {«ucli Wipdiwb. Moronis, p. 218; p. 90 n. 88.) 

... :vLvs 

PNino (a Expl.) 



blrmutf (ahnl. Au^l 1. c. 02 n. SO.) 

tiacb Herr» Vnt. Pick: NIA/VS. 

Kekuudus 




(U'!')FIUM 
OI-OVI 

NTAIVS 

OI-'SKCVN) 

-FELVINI- 

M[':<±>lu,V8- 

IKOWIN 

C-EimNl ■ 

BIO • FEG • 

CA 

SENIOIO 

OPAO 

OPASA/ 

OP.jW*K-A\ 

(rat)KmV8 FB 

OP NIGK 

l/INVI 

AL^CTV 



268 



SlN^TUII I '^^'* ^^^^^' ^ Terrebiiwe las«, de Vieiuie IV, lÖ-W.) 

. . ION . . 

C. Gtlber Thot>. 
Auf dem Fragmeot eintv Lampe 

die Ktiliefiettem ; <X)&1A (auch Wüidücb bei K. Mllncb). 



I 



VII. Gegenstäade aus Stein. 
Uoihstein, zerbrochen, Dm. 0.40 m, H. 0.30 m (B). — H&Ute ciues MQIilsteius 
[Oberteil) (C). — Fra);;mt!iit desselben Mübläteioä (D). — Relbecbole, Dm. 0.24 m. 
H. 0.09 m (C). — Fragment eiuar Keibachale (D). — Desgl. (C). — Fünf Iteibkugeln von 
verschiedener Grosse (B und C). — Prellsteiu ^) (?) ; konischer Stein, oben in einen lebon.'t- 
groflsen Widderkopf auslaufend; unten viereckig gelassen (0.22 m) und zum üingral)eD 
in die Krde bestimmt. Die Hüokscite ist angebrannt, scheint demnach dem Hause zugekelirt, 
gewesen zu mn. H. 0.70 m. Der i^teiu lag in zwei Stücken auf der Vorderseite in' 
nner l^efe von t.75 m in der ersten Grube des Saffschen Areals. Gefunden am 
20. Mürz. — Fragment eines UefllMes auä Topf- oder Lavezstein (C). — Grnnor Intaglio, 
vgl. Gold (C). 

vm. Die Münzen. 
66 Stück aus H, (', D und F>. 

M«taU SUkLubi 

Sequoiii L'otiu 1 

I H. de la Toiu-, Atlu« ile Monnaieii aatüniKea lS9i, pl. XVI, Nr. MOI.> 



^H S|iat2eit der rOra. Republik 


GB. (= Grossbronze 


1 


^H August US 


MB. (= Mittelbrouzc) 


5 


^H Divus Augustus 


MI). 


l 


^H Contremarke des AugugUu 


MB. 


1 


^H M. Agrippa 


MB. 


l 


^B Tiberius 


MB. 


I 


^H Contremarke des llberius 


MB. 


l 


^m Ti. Claudius 


MB. 


5 


H^ 


MB. 


4 


^^f Vospasioiius 


GB. 


n 


■ 


Mb. 


l 


^m 


MB. 


3 


^H Doniitianus 


KU. (- Kleiubronie) 


1 


■ 


MB. 


6 


■ 


GQ. 


1 


Nen-a 


M». 


3 



') Pr«ll8t«iue Btnndeu längt den Trottoire im «llea Pomp^t. Overbeck Pompeji It^ 

H. 00; hcf untw-mi Kxvmii1«r mudiL hUt die Htarko AiuUdung des ObertiOilrai die BfKietitiiiK 

Hilf einen PreUtleiu itiuicbvr; x^iöHe da« WidderliiU »m tinde ^u den nf"«*'« [I<»/'in. die wjt 

d«n TbUrcn standen und mit Kalbnl bogoMtca ku wtrdea pflügten ? Der Widderkcipf mnj?, wir 

;bei vielen antiken Kand«lul>«ra, nar dekorative Bcdeatnnji habeo und brnuchl nicht unf den 

k^ikoJt boBogoi Btt worden. 



2Ü9 



Traiious 
> 

Hadrianus 

> 
Fiua 

> 
Faiislina I. 
^luaiiä (als i.'uesar) 
S«veru8 I. 

Uuketiutlicli 
> 

Halbirte oder fragmontirtu Mßusen 

Mailand XV. Jahrbandert 

Uri 1623 
Die flltesten der geAindencn Münzen sind das s(H]uaiti»clie Stock mit dcni ri'i^rdo 
und eiD ropublikamsclies mit dem Jauuskopf, letitere^ w«geu »clilecbt«r Ki-haltniig nicht 
nUlier datirbar. Vou Augustus au linden wir die fortlaurende Serie aller Kaiser, mit 
Ausscblii*! der seltener vorkommend eii liniwratoren, wie (.iaius, GalLa, Otb« nnd VitelliiLs; 
die spiteüteu MOnzen der S«rie gebSreu der Itegieruug des I*iu8 (iü8— 161) an, danmior 
eine tou Marcus als Ttironfolger und eine von ('auatina der Aeltern. In der Kulturschiclit 
oben auf, fanden sieb ein Denar vou Severus I. und ein Üatxen von Uri 11)23, im 
Salt'»:btiu Areal eiidlicb eine kleine Mailänder münze des XV. Jabrbuuderts. 

R Ä. STtlfKKl.UKl«). 



Motall 


•Mncbutii 


Mü. 


S 


GB. 


1 


MH, 


1 


0«. 


t 


GB. 


l 


AH. (Denar) 


1 


MI!. 


1 


Mit. 


1 


AB. (liouar) 


1 




49 


KB. — CR 


8 


Ali (Dsnar) 


1 


MB. 


6 


Kl. Silhermflrae 


1 


Dilloii. 


I 



48. 
Römische Inschrift von Schwaderioch. 

£8 treut mich, dass ich vor meinem Scheiden aus der Schweii nocli Qelegonboit 
Imbe, eijw Inschrift bekannt zu machen, die wohl aU das wichtigste Denkmal für die 
lotzluii Zeiten dvr R&merherrscliaft iu diesem I^ande angesehen worden darL 

Ich verdanke die Kenntniss dieses Dtmkinals den Herren Prof. Huuziker und 
Dr. Gessner in Aarau, die mir Photograpliie und ftipierabklatgch des Steines freundlich 
zur Verfügung gestellt haben. Das Verdienst, auf den Fund aufmerksam gemacht zu 
babt'u , gebührt den Herren l^hrer Kohler in Schwaderloch und Bezirkslehrer Wertily 
in Laufenburg. D«m Schreiben des letxeren Herrn au die historische Gesellschaft io 
Aarau entnehnio ich die folgenden Angaben: »Der Fund wurde bei Arbeiten an der 
Linie Stein-C^blenz gemacht. Fundort: »heim rotheo Wog« oberhalb Schwaderioch. 
Es war ein Stock Gem&uer dabei und ein ruudes iu Felden gehauenes Loch von Mauues- 
tiefc (?); jetict ist alles zerstört (Bericht von Herrn Köhler). — Die ursprüngliche 
Platte (42 cm breit, 50 cm hoch, 9 cm dick), ein gelber Sandstein, wie er bei Schwader- 
ioch nicht vorkommen soll, ist fin lieuhteck, dessen Unk« untere Seite w^geachlageu 
und beim Au^mbeo leider auf immer rerloren gegangen ist, da sie in den Schutt kam; 
die obere, uott-re und rechte Seite ist unTersehrt. — Die Inscbrifl (aiis .<echij Stücken 
zusammeugesetst) beflndet sich im Hauae des Herru Fostltatter Knecht iu äuliwud.&cl(K.U..«- 



271 

w<7«ftws^ ä(omino) n(t>stro) GrtUiano (iterum) / fd Fl(<imo) V]r6bo v(iTo) 
cftarvinmo); *> 
zu (l«ul!»eh etwa: 

Beim Heil unserer drei Ilerrea Valeaüuiamis, Valeus und üratiaiius, d«r 
siegreichen enlg Erhaiieueii, lial dii- Iturg .... (Nutuc) .... aii iter Greuw. (?) 

die ichtt- Legion mit dem Beinamen der anen^tts erbaut, unter der. 

Leitung des ....(Name) ihres Fübreni, unter dem Coosulat unsere 

Herru Oratianus, zum zweiten Male, und des Senators Flavius Probus. 
Wir lialwn hier also eine Inschrift, die unter der gemeinsamen Eegierung Valen- 
tiniiuis I mit seinem Bruder Valeut und seinem Sohne (rratian aligefasst ist, d. b. 
zwiücben 367 und 375 n. Chr. Die genauere Datierung findet sich am Schlüsse durch 
die Angabe der Coiuuln: Kaiser Qratian zum zweiten Male und Trobus; das ist das 
Jalir 371. Der Stein von Schwodorloch ist das späteste datierte Denkmal der Uömer-1 
berrscbaft in der Schweiz und er bezeugt eine der letzten Massregeln der rOmiscbeuf 
lt«gieruag, um diese Herrschaft zu sichern : römische Soldaten errichten ein Befestigungs-' 
werk am Kbein. 

Dass unter Valentiuian die Hbelnliuie neu befestigt word<m ist, war uns scbon 
aus einer Angabe des Ämmianus Marcellinus bekannt. Derselbe erzählt (2H, 2. I) zum 
Jahre 369 Folgendes: »Aber Valentinian .... befestigte den ganzen Khein von seinem 
Anfang in Ka>tien bis zur Mündung in den Ocean durch gross« Bauten, indem er die 
Lagcrmaueni erb^Vhte und an geeigneten und günstigen Stellen Festungen und Thünno 
in ununterbrochener Itethe errichtete, soweit die I^nge der galliscben Provinzen »ich 
atudehut, wobei er zuweilen auch durch Bauten jenseibs des Flusses das Gebiet der 
urbaren berührte.« ') \un hat Ferdinand Keller dchon vor mehr als zwanzig Jahren 
am schweizeriscben Hheinufer von Steckborn bis Basel eine Beibe kleiner befestigter 
Anlagen aus römischer Zeit nachgewiesen. ") Die naheliegende Annahme, dass diese 
»Warten« eben die von Ammiau erwähnten Anlagen Valentlnians sind, hielt er aber 
nicht fSr zulässig, unter anderm, weil sieb bei einigen derseltreu >eine ein- oder mebr- 
malige Ausbe-sserung erkennen lässt«. *) Indessen schliesst die Stelle des Ämmianus gar 
nicht aus, dass ein Theil der Befestigungen schon aus älterer Zeit stammte und jeti^fc 
nur erneuert oder verstärkt wurde. Dass aber andere, und wahrscheinlich die moisten, 



*) .9ehr ähnlich Ut eine in Arabien geftindciic ItucJuitt dc#uM)bcn Jahres nb^fasat 
(Corpus ioircr. Lat. tll a. SS; abfcedruckt b«i Denau, ioäcripliones L«tJna« »«lectae, q. 773): 

aaiviii did. Nitn. Tatmtiniano ValtnU et Gratiano rietanottttinuii MMper Auf., — fairieetm . 

n: burgtu rx fundant4tto matto dtrothtimorum tyuHum Villi Dalm(atamm}, t(\A) t/ura) VahaW 
tribftmi), in eoHtviatum d. ». Gratiani ptrfittui Aiy. iUrnm et Probi e. e. — Cober iwei andere 
Iiuchrifl«» von burgi vgl. uulvn Antn. ii. 

*) KQrter erwähnt Ammüin die gleiche Sache SU, 7, 6: .tUrobi'iue Uhtnum erUiorihuM^ 
eaalrü munMl H eatttUi»,'' Auch fSymacfaus in s«iuer xwctt«» Lfulrnftle auf ValentinJut (ge*4 
balt«n am 1. Jan. 870) erwähne tlie Bauten am Rhmn. [lebL-rhaupl W^Ik ViüeuÜmao 
Werth auf die Befestisnng lUlnr Heiclixtcreiizeu; v^l. Amiiiian 20, 6, 2 f^wlidio miiiimdtruim 
Umiltm . . . . oi ipeo prinäpatttt initio ftagrans'j ; hier Ann). 1 tmit S ; Schiller, Ueschlchte der 
rÖiD. Kaiserz«it 2, 37ö fi;. — Dass Valentioian im Jahre 874 da« Cavtell Kobur bei Basel er* 
baute, bezeugt Ammianui« 30, 8, ]. 

1 Anxeiffer fUr Schweiz. Alt^rlbumitkuiidi* 4. £)7— tHÖ. 

*) Waa Keller l'twoiiiWrfl htrrvoriiebt, iIumi tii einem iler Wai-.littliUniie bei Raael eine MQnze'i 
de« Uallieniu ^«fanden wurd«, bur nirhts cn bedeuten. 



272 



eist iiDter Valeotinian seit dem Jahre 3il9 orhatit wonleQ sind, winl uichi. zu l^xwfiifela 
sein. ') Siclior iüf m jetzt ilun:li un^jerc Inschrift, dass ein solcliea Hauwerk im JaJire 
371 bei Schfraderloch errichtet worden ist. — Eben dort hat Keller eine seiner Warten 
^efundeu, die filnfzöhnte, dio rt so beschreibt: »Unterhalb des Dorfes Schwaderloch be- 
findet sich an/ dem alten Rbeinburd, etwa 10' über dem Niveau des Flusses, ein rait 
GHtriach bewachttener Mauenttock, B Q r g 1 1 genannt. ') l>ie Nord- und Ostscite desselben 
stehen recbtwinklich zu ninaoder, an der Sfld- und Westseite ist die Maaermaase jetzt 
abgerundet« H^rr Weraly. der diese ADgal>en Kellers nicht übersehen hat, macht 
allerdings darauf aufmerksam, dass der Fundort der In^brifl ziemlich wolt vom »Burgli« 
entfernt ist Es muss also znnächst uoentschiodeu bleibeu. ob die Inschrift einst an der 
Kellerschen Warte angebracht war. oder ob bei Schwaderloch noch ein zweiter Thurm 
dieser Art stand, was auch nicht unmöglich wäre; vielleicht lOsst sich das durch Unter- 
suchung an Ort und Stelle eat«cbeideu. 

Es sind nun noch einige Bemerkungen ober den Text der Inschrift hinzuzufügen. 
— Die Bezeichnung des Bauwerkes ist hurgus. Iliese« Wort kommt als Ausdruck für 
Beobachtungsthtlrme schon im II. und III. Jahrhundert auf Inschriften vor;') spätiir 
scheint es Iiauptsächlich för kleine Befestigniigswerkc, Warttbürmo u. dgl., an den 
Grenzen angewendet zu werden. *) Der Ortsname der auf bnrgum folgte, ist leider nicht 
fe!4tzuste11en, da die 5. Zeile am Anfang imvollst^dig und die Lesung auch sonst nicht 
ganz sicher ist. Herr Prof. Mommsen, dem ich von dem Funde Mittheilung mochte, 

denkt an lACO (oder ..iago, ..naco^ ,.Hago) CONFINB; eft wäre dann statt 

bttri/HS das Neutrum burtfum geaetzt *) — Die Truppen, die den Bau ausgeftihrt haben. 
stellte die Ugio octava , . . . aitensium. Vermutblich ist darunter die alte k'ßo VIll 
Augusta zu verstehen, die schon in der fnlheren Kaiserzeit zum obergermanischen Heere 

gehörte; der neue Beiname ancnsium, den sie hier führt, ist sonst unbekannt, man 

kannte etwa föratijanenses ergänzen ; zur Zeit der Notitia dignitatum (etwa 40 Jahre 
später) babeu die Odavani keinen Beinamen mehr und stehen in Italien. *} Der 



'J Vgl. einen Erlass des ValmtJnian nnd Valetut hd den Statth&Iter von Ducia ripunsis 
im Cod. Tb«o<l. 16, 1, lü; Jn h'milt .... praeter m« turr$a ^uat rwfiei «porUt (gi fori« iitdiftant 
nftetiene), turn» adminittratiotiü timporf qHOtanni» loeä» opforiunit extru^ ; alan auch hitr lUi 
der Donau tlmil* WK-iierhenfli-tlunK »ll«r Thürnii-, U-iU Krl>.iiiiiii(if tiPiier. — Von der miHiercii 
Donsu babtru wir aurb iiuch zwei ItLschriftcn, die div RrrichiuuK vou Intrjti miWr Valeutiiiiiiu 
l)Ozen;^en, hei DeM«Q n. 774 «u« dem 3. !)7U. tiud n. 77& ans doin .1. all. — Aocb Ammlan 
2U, y, "i erwähnt die Anlage von BofGflti^net'ii „traut ftumm Jttrtim rn ip»i$ i^iadorvti Itrrir.'' 

*} Diesen Namen liar)()i von dem Worte bmgu» in der Inschrift herzuleiten, wftre nber 
gewi» verfehlt, wenn auch dasselbe (^erooitit hi. 

*} Corpiu tnäcr. I.bL \'U1 'M^ (burgu* rptcuhlcmm AiUtminlaHorumJ und *^?J5 (btirfua 
Commodiantu »ptnäat»riu$. inter duoä vioM ad aalultm comm*antium}t beide in Afhca, AcbuLich 
aacb spXter noch bei Wf^^Liiu 4, 10. 

*) So iu unserer Inschrift, in deu beiden andern des Reichen Jahre» and in der vom 
,T. B70 (A. I lind Rf. — Vgl. Codex Jnstin. 1. aV, y, 4: .«A* . , , . rftjmhtica Romana fiite* hah^ler^l^ 
tt übt euMlodn anli'fui wrenbanf, firut tx davturi» t* biiri/ie osUndiiur;- Iiiiitoms nn{(. U. 2, OV: 
„frtbra fitr Hiuitt» kaMtacula t«tulit«ta bHrfio$ vutffo votami," davon will er den Nainen Bur- 
jftndionfs aldüileo! 

') 8o sdioint hnrgum /.M stehen im Corpus inscr. Lat. VHI, 47W1, allerdings uns viel 
spaterer Zeit. 

'I Xotitiit dijOülAtum Occ V, Ibü m. VU. A 



273 



I'ame des praejwsitM, unter dessen Umuiu^ cW' cum) di« Soldaleit artwttet«», bleibt 
unb«buint. — fjs ist zu bedauern, Aass die linke Seite des fit^ines verloren gegangen 
ist, da der Ortsname und der U^^iname der Legioo von Int/erasse gew«Mn «flre. In- 
deeaen aucli so kann diese Iiutcbrjft als einer der werthvollsten rümiHclien Funde lie- 
zpiohnft werden, die seit langer Zeit in der Schweiz (pimarbt worden sind. Vielleicht 
bringen glückliche ZiiHUIe bald luebr 80lcbe Stücke zum Vorsohein; und es wärt- tm 
wünschen, dass sie überall so verstflndige Ileacbtiiug fanden, wie die luftcbrift. in 
Schwad orlocli. *) 



Zürich, im Jtill 1893. 



B. Pick. 



49. 
Ein Goldring aus dem Wallis. 



Dvt ><cliw^-i/.ori.M^lii- L.i»iu:.>iiiu.-.i;iiii) in Zürich luit neulich au:* O^ronde bei Sider» 
einen Hing von grossem antiquarischem Interesse erworlieo. (Fig. 1 und 2.) 

Ks ist ein Si^lring von Gold. Zu beiden Seiten der kreisrunden RingscheÜte 
aitzen kleine Kügelchen. wie sie — gewöhnlich je drei beisammen — für die mero- 
vingiiclie Zeit rbaraktnnstisch sind. Auf der Sii^gellläohc i»;t lüne ItfiRte, nach links 
schauend, eingegraben, über dem Kopf ein Kreuz and ringsum eine liegende, mit nni- 
gekehrt laufenden Buchstaben, lautend: 

t ÜKAIFAKIVS ■ VTEKE FELX 

Der Zuruf atere fdix oder fdex kommt im Alterthuro auf Gegenständen des t^- 
lichen Gebrauchs häufig TÖr; auf Hingen ist er meines Wls^sens sonst nicht nach- 
gewiesen. 

Edmond ht. BUmt hat in seiner Sammlung der christlichen Inschriften Galliens 
etwa 2Ii Ringe publicirt, die ilehrtahl in dem kürzlich erschienenen dritten Bande, 
betitelt: Kouveau recueil des inscriptions chr^tiennes de ]& Gaule anU^rieures au VIII* 
siecIo, Paris 1892. Auf den meisten dieser Ringe liest man bloss einen Eigennamen, 
oder einen Kigennamen mit Torgesetztem Kreuz. Dreimal kommt tnm Namen liin7.n 
di<r t>ekanute Zuruf vivaa m Deo oder vivat Deo, Bd. 1 Nr. 29, III 50, 50, zweimal 
das ebenfalls biuGge ficU (statt fecU, III ö4 und 239, hier geschrieben f&it). Gelegent- 
lich sieht man in den ringsumlaufenden Name» eingezeichnet ein Monogramm, III '19 
(vgl. II 678 A), einen Vogel, III 50, ein unerklärtes Zeichen, II 669 A- Kinmal 



') Bine Htidcre luituhrin. in der VitlentiniitD K«tiiuint zii »«in «olieinl . findet «icli in 
ICnllers tind Ui-yers Nartitriiff (Mitth. der antiq. (les. XV) n. B3; die Liwunif der Fruinncntt* 
i«f aUc.T uitüirht^r. Da i^ü- in Wiiidlscb ^cruii<]di ikI , nchrtrl nie nidit utiiniltriliiii- in uiisiTu 
Kreis. Im allgfmeim'n vcrirleiclif man Ubur Jii' Hpftlröniibth«.-» BefcatijinuKcn in der Sehwcrisi 
Mommsons Artikel „ScbweiEer Nflch.Qtndicn'', im Hermes XVI, -iUT fg-. 



274 



zeigt die Hitte Spureo mues ruli gezeichneten Antlitzes. FTT 55, einmal auch eine Büste, 
III 20 Ä (zur Vergleichiing oben mitabgebildet, Fig. 3). 

Der letztere Hiog steht dem Watliser am nächsteo, ist aber vöd weit geringerer 
Arbeit Sr stamnu au« der Gegend von i'.mim nrirdUefa von Aogers. Um die Büste, 
die nach rechts schaut, Uoft, in umgekehrter Schrift, der N'ame Antoninos (statt 
AniontNus), aber ohne Kreuz. Le Btant bemerkt, die Büste erinnere an die I^areo 
auf merovingiscben Trient^ (Münzen), und Ddoche ffigt bei, nmn gewnhro hinter dem 
Nacken eia Anbängsel, ähnlich dem, das auf Münzen derselben Zeit das Ende des könig- 
lichen Kopfbandes (bandeau royal) darstelle. 

Dieses Diadem zeigt unser Walliser King sehr schon. Namentlich beachte man 
die mehrruchen Knden über dem langea Haar. Ueberhaupt i^t die ganze Ariwit, wie 
I die Schrift, TerhältntasmflflBJg gut, wohl eher dem V. bis VI. als dem Vll. JabrhQndert 
Kuzn weisen. 

^nige Qelehrte, welche den Hing kennen, haben Qraifarius als l^gennamen be- 
trachtet und etwa an longobardiache Herkunft denken wollen. 

Der Name ist »onst nicht nachweisbar. Es ist schwer, etwas Sicheres zu ermitteln, 
doch mache ich zur Form unmas^ebltch auf dos ftunzOsische greffier aufmerksanL 
Du Can^e gibt an : Orafare = scribere. piugere, a gnsco y^tpa*; gnfarins, gralTarias, 
graüerius => acriba, iiotariiisi, Oallis grelTier.c 

L. lAndettschmidt, Handbuch für deuteche Alterthumsknnde I (1880), handelt 
p. 403 von den Siegelringen der meroringischeo 7/eii, lud aut p. 326 bemerkt er wie 
Ddorhc, der Knmt oder die Kopfbinde sei das Abzeichen edlen (Teschlechts und könig- 
licher Würde. 

Aus Gtroade stammt auch ein jetzt — laut gefftlliger Nachricht des Herrn Haler 
Ji. Rit^ in Sitten — leider nicht mehr nachweisbares Diptychon vom Jahre 488, 
Mommsen, inscript. conf. Helv. Nr. 342, 1. — Das natw Siders bat zwei römische 
InscbriAeu, ib. Nr. 6 und Nachtrag Nr. 4, 

Die Tit. Bodoction dieser Zeitschrift bat die OQt«, einen Pundbcricht ober den 
_0oldriDg beizufügen. — Noch sei t)emerkt, dass die Abbildungen etwas zu klein aiis- 
lUen sind. 

Zürich. Dr. C. BoLi. 



61 

^ Untersuchungen in der Klosterkirche zu KOnigsfelden. 

(Bericht, erstAttet im Auftrage der ^.Hchweix. OeselLwlidfl t&r Rrhaltuoi; tiUtor. KnnstdeQkni&ler" 

von E. A. Siaduihtrf. 

Die ßestaoratiou des ScbifTs der Klosterkirche zu Königsfelden war bis im Juni 
soweit vorgeschritten *), dass nur noch die Rraetzong des Fussbndens Übrig blieb. Kg 
galt nun, diese Gelegenheit zu benützen, am eioeraelts die Lage der vielen im Boden 
beßndlicheo Grabmäler, sowie die Namen der rersönlichkeiten, die hier ihre Uuhestfttte 
geFuuden, festzustellen, als anderseits die Griher seihst zu untersuchen. 



■) VsL Anz. 189B, S. SU-^W. 



375 

Nachdem dio Lage utid di« Masse sftmÜicher funt Ti{icl^rfttM>r M und Aer in den 
ieo eingelassenen oeunzehit Llratjpiatten aufgeDommen uad letztere deutlich ntimorirt 
reu, wurden sie proviiwrisch entfernt, eine Arbeit, die wegen das grossen Gewichts 
1er Steine vier Tage in Anspruch nahm. Ausser (irabsteinen fand sich auch noch die 
Basis eines Altars an ursprOnglicher Stelle unter dem ebeinaligen ersten oördticht>Q Ge- 
wMbe des Lettners. Sie stiess dicht an die Ost-Mauer des Schiffs und befand sich in 
einer Distanz von 0.95 m von der Nord-Mauer desselben. (Masse: 1.77 m. L, 1.07 m 
br. und 0.07 dick.) Ferutr £uid äich in der Lettnerschwelle verwendet daa Fragment 
einer Altarplatte unter dem südlichsten Gewölbe des Lettners; das Stilck, ein Mägen- 
vyler Stein, ist das linke Endstück, bezw. das linke Drittel der Altarplatt«: die jetzige 
Länge betrügt noch 0.32 m., die Breite 0.60 m. und die Dicke 0.13 m. Die Vorder- 
seite ist in stumpf gebrochener Flache abgeschrftgt, die Unterseite ist 0.07 m tief aus- 
gehöhlt, um auf das 0.37 m breite Gemäuer aufgesetzt zu werden. Doter der ganxen 
Lfinge des Lettners zeigte sich forner eine lieibe von Backsieingewßlben ; diene laufen in 
der Lilngaaxc dea Schiffs bis zu einer 0.45 m starken Quermauer, welche dicht hinter 
der Schwelle liegt. Die Gewölb« sind selir roh konstruirt und die emi-elue» Ziegt^l und 
Hack.steine kragen nach innen und aussen nnrc^elmftssig vor. 4Schult und Kementgiiss 
fällten das Innere, untermischt mit römischen Ueberblei bsein. wertloseu Toplscherben, 
A mphoreuhenkelu, Legiousziegeln u. dgl. (L XXI.). Die GewMbeserie diente folglich nicht 
als Gruft, sondern nur als Substruktion des Lettners. 

Die GräberöQ'nuugen begannen mit dem Tiscbgrab des Friedrich von Greiflfenstün 
am 10. Juni. Diu Mensa rulite auf zwei nicht mehr an der ursprünglichen Stelle be- 
findlichen SäuKben von 0.64 m Ü6he und einem schmalen Mauervorsprung; sie war 
stark nach vorn gerutscht und hatte »ich gegen Wüsten gesenkl Beim Wegnehmen der 
Mensa ßel uns auf, d&ss eine Hohlkehle dem Itand entlang vorgezeichnet, aber nur am 
Fusseiide der Grabplatte ausgeführt worden war. Die beiden Säulcben standen auf einer 
glatten Bodenplatte aus Sandstein (Mnaae 1.10 X 2.27 m, Dicke 0.22 m), welche das 
eigentliche Grab verschloss. Der vordere nnd der westliche Rand des Steins war leicht 
abgeschrägt, der Stein ganz morsch und mehr&eb gestalten. Getragen wurde er durch 
zwei, 1.24 m aus der Mauer vorspringende Mftnenlien von 0.30—0.35 m Dicke. Zu 
erwarten war nun, dass zwischen diesen Mauern und unter Greifieosteios Grabplatte 
dessen Leiche geborgen war. Nun kamen aber drei Leichen zum Vorschein und ihre 
Kflpfe lagen nicht am Westende des Grabes, sondern in dessen Mitte, d. b. 0.60 bis 
0.70 m von dem westlichen MAuercben entfernt. Das östliche Mäuercheu aber führte 
Qber die Kiiiee der Skelette. Es ergibt sich daraus, dass das Tischgrab nicht genau und 
nicht aitsscliliesslicb Greiffensteins Kubestätte bezeichnete. Neben diesen drei Leichen 
kamen wnitero zwei zum Vorschoin, was mit den zwei 1891 ausgegrabenen*) die Zahl 
kiebcn ergibt.*) Die Schikdel lagen in einer Tiefe vort 0.85—1.00 m; die Unterkiefer 
waren anf die Wirbelsäule herabgerutscht und die Bmst, d. h. die Rippen, durchweg 
eingefoUeo. 



') Abbfldungea der Tiscbgrtber bei Liebenau and LUbke, Klwter Kniüirarelden, Taf. 40i 

*) Anz. 18«], S. UI2-5S5. 

*) fis fehlen somit uoch zvsLaxig Ritter, die in KOni^foldtin ihre KiUmtAtte tanden. 



278 

Aebniich stuad ffii mit dem lobalt ites Grabes danebeo. Hier war Wolfrftm tod 
Brandis. f 1370, beigesetzt. Ein {"injfcdrftcktftr Schädel, eiserne Nüge! und bunt durch- 
eiitaiider ^worfeup Knocbeu bildeteu den Inhalt: aucb hier lag ein bubsches orenkacbel- 
Fragment im Scbutt ») (Scbluss folgt.) 



Ein Fund mittelalterlicher Ofenkacheln in Zürich. 

(Tai". XXI). 
Anlasslicb einer Umbaut« in dem Wobubause Nr, 22 an der Kirchgusse in Zöricb 
wurden Anfangs Oktober 1892 durch den leiteuden Arcbiteicteu, HNm P. Kordorf-Weber, 
von der nrma Gebr. Kordorf ein« Anzahl gnin glasierter t^liefkuclieln ent^Ieckt, weletie 
durch Sohenkuiic: seitens dea Hauiibe^itzers, Herrn R. Bosch-Scbaufelborger, in den tlesitz 
dos Schweizerischen Ltudeamuseums übergegaogeo sind. _ 

Naoh S. VOgelin (das alte Zärich. pag. 340) gehörte das untere der beiden Geb&ud«^H 
welche jetzt zusammco das Haus N'r. 22 au der Ecke der Kircbgisse und Keustadtgua^^ 
bilden, einst dem Chorberni Kudolf Bonezze und wurde 1276 von Konrad von Mure, dem 
ersten Sänger der Propsteikirche zu Oonsteo des jeweiligen Sängers verkauft. 1337 hie« es 
dti Haus >ze der Leitreu*. worin 1357 Rudolfs, des Sängers, Jungfrau die Steuer ent- 
^riehtete. Nachher, spätestens zu Anfong des XV. Jahrhunderte vertanachte der Sänger 
dieaee Haus mit dem alten Probsteibof (grün Schloss) und es eracheint Heinrich Fuak, 
1389 bis 1^14 Kaplan der 1359 gestifteten Pfründe za dem Altar der bt. drei K^ige, 
im Jabn.eitbuch der Propste! mit dem Rei^tx i^tur Leitern«. Das obere Oebflode hie« 
»das minre Hus r.\ir Leitren«. Beide Häuser wurden bei Begiim der Hefornaation dem 
Almoeenamt flberantwortet ; 1356 und 1567 auf Kosten des Studeotenamtes neu erbaut 
nnd einem jeweiligen Provisor (d. b. Gehälfen des Schulmeisters des Chorherren Stifts) 
zugeordnet, seit welcher !£eit das Gebäude den Namen »zur Provisorei« trägt. 

Bei jenem Umbau L5G6/1567 mögen die alten Üefen entfernt und die Kacheln als 

AofTüllmaterial eines ausser Gebrauch gesetzteu Kellerhalsw in der ehemaligen Hofstatt 

^^xwiachea den beiden Hänsero verwendet wordeu ;»iu. Ks geht dies aus einem von Herrn 

Irehitekt Rordort gütigst angefertigten Situationspläneben nebst Fundbericht hervor. 

Vollständige gotbiscbe fteliefufeu existieren in der Schweiz keine mehr; dagegen 

BD sieh Tbeile solcher, namentUcb Kacheln, in den meisten öffentlichen Sammlaugen 

Schweiz. Besonders reich ist diejenige der Antiquarischen GewUschaft in Zörioh 

au, in der Stadt selbst ausgegrabenen oder aus der Limmat gezogenen, Keliefkacheln des 

XIV. und XV. Jahrhunderts. Der Fund an der Kirchgasw Uit weribvoU dadurch, dass 

:H sieh dabei nicht nur um vuruiuzelte Kacheln handelt, sondern iu der Hauptsache um 

•in Assortiment zusammengehörender, recht gut urbalteuer Ofeutheile, auü welchen läicli 

die lUsprnngUcbe Form und GrOsM des Ofens mit ziemlicher Sicherheit ermitteln Usst. 

Im Gaozeu kamen nämlich gegen 50 JCacbeln von drei verschiedenen Oefen zum 

Vorecbein; einige schon bekannte,in der Zdrcher Sammlung vertretene Typen von zwei 



*) Serr Dr. Th. ßckinf^, Bezirkulcbrer, Utinit« mir mit. dowi analog« StOckc andi in 
Uwgtgrifii ffcfaodeo irrrJru. 



279 



Öefen aus dem Eode des XV. uod Au&ng des XVL JahrhunderU, die weniger iDteresse 
bieten, iitid '62 ziisammengehflreTKle Stacke, nebst vielea FragmnDt^n, ungnBhr ilmi faurten 
Tbeil eines grossen Uundofeas aus dem Anfiuige des XV. Jahrhunderts bildend. Der 
Keat dieses Ofetm ist b. Z. vermuthlich weggefahrt worden, nachdem Aas Kellerloch 
ausgefüllt war. 

Der Ofen, ein thurmartiges Gebilde, wie es uns aus Abbildungen des XIV. und 
XV. Jalirhunderts bekaunt ist, stand entweder auf einer Sandstcinplatte mit dergleichen 
FQssen oder auf einem Thonsockel. Von diesem Theile des Ofotitt ist nicht« erhalten 
geblieben, was eher auf die etstere Konstruktion hinzudeuten scheint, dagegen sind 
Btäcke des untersten, auf der Platte auäiegenden Gesimses vorhanden (Nr. I der Taf^), 
ebenso des obern Oesimsee (Nr. V), beide mit phantastischen Thierfiguren rentiert. Sehr 
bfibscli ist die Stilisierung des aus Blattwerk bestellenden Schwanzes des Greifs an dem 
Sockelgesimse. 

Für die Olenleibung oder den Mantel waren drei Sorten Kacheln verwendet, wovou 
mehrere intakt erhalteiii> Rxemplare zum Vorschein gekommen sind. Diejenigen von dem 
untern Theito des Ofens, der besonders widerstandsfähig sein musstc, zeigen eine mosalve 
Vorderseite mit der Reliefdarstellung einer sitzenden Dame, vor welcher an junger 
Mann mit etwas verdächtiger Hantierung im ßogrilTo i^, nieder 7.11 knicen (Nr. IT). 
Beide Personen halten je ein Spruchband mit Inschrift. Trotz aller Mühe war es un- 
möglich, letztere auf den fünf, theils ganzen, theils hoächädigten Kacheln des Fundes 
zu entzilTem, die offenbar von einer stark gehrauchten und gesprungenen Porm genommen 
sind. Dagetr^u gelang e», auf einem in der Sammlung der Äntifjuarijchen Gesellachaft 
vorhaiideni'n identischen Eiemplar (Nr. 380, 1881 beim Itathhaus in der Linunat ge- 
funden), das schärfer ausgeprägt ist, die Inschrift zu lesen, die in Kede und Antwort 
lautet : 

Min belli stat. 

IMch besser berat. 

Wie viele Reihen solcher Kacheln an dem Ofen waren, lässt sich nicht mehr 
sagen; über denselben kamen zwei Sorten Kiscbenkacheln (Nr. III und IV) mit mehr 
oder weniger stark durchbrochener Vorderseite, offenbar zum Xwecke des Ausströmen^ 
der Hitxe und des leichtern Aussehens. Das nr«prangliche Modoll ist bei beiden das 
gleiche, Nr. III das erste, Nr. IV das zweite Stadium. Neben einer gothischen Spitz- 
bi^gonfonsterOffnung steht rechts eine schlanke JunglVau, links ein kleinerer Jüngling. 
Mit dem Racken eng an diese beiden angelehnt, rechts ein zweiter junger Mann, 
links eine zweit« Dame. Die Darstellung ist mysteriös; »ie erinnert etwas an das 
alte Spiel des »Ofenbaaensc , das in junger Gesellschaft beider Geschlechter noch 
hie und da betrieben wird, früher mehr als jetxt. Die zweite Sorte Kacheln ist aus 
der ersten einfach dadurch hergestellt, dass das ganze Mittelstück mit dorn Fenster 
und den beiden inneru Kiguren berausgedchuttten ist, wobei der Hafner bloss die Kreuz- 
blume zwischen den beiden so entstandenen Bogen hat stehen lassen. 

Von den Kranzkacheln sind ebenfalls zwei Typen vorhanden, die rermuthlich, wie 
obige Mantelkacbeln, abwechselnd verwendet wurden. Die ursprüngliche, reichere Form 
(Nr. IV) zeigt einea in der Nische sitzenden, gekrönten Kugel, den zwei männliche Figuren 
mit gefalteten Hilndeu anbeten. Darüber erhebt »ich e'm mit sechs Krabben und einer 
Kruuzbinme geschmückter Giebel. Wohl hauptsächlich um das Gewicht dAc ^trusb- 



280 

kaclielD SU verringern nad denselben ein rii>r1icTi4>rM Aiuwhcn tu gehen, ist der Zmiicheo- 
raiiin xwisch«!) den Figiireo ausgeächaitteu. Bei dem zweiten Modell sitzt der Ktigel 
allein in der Kisolie. die Mftnnor sind w^rgelasseo. 

IÜD<nicb siud noch xwü Tbeile der hinter dem Kranu sich erhebeodeD Ofenkupp«! 
da. Eine trapezf<^rniige kleine Kachel mit einem Kopf, mit lautem Lockeohaar and 
Bart venicrl (ein bekanntes Motiv, in der Sammlimg der Aiitiqnarisofaen Gesellschaft, 
Nr. 387, und anderawo vorkommend), and Bruchittäcke des KuppetdeckeU, unten nud 
oben glasiert, illier dessen Bestimmung kaum ein Zweifel aunconunen kann. 

Wie der «Ten s. Z. aussehen haben mag, erhellt, besser als aus jeder Besebrei' 
bong, aua nebenstehender Skizze, welche Herr Hafner Kaiser in Zug die Göte hatte, an 
der Hand der einzelnen Ofcntbeile anzufertigen. 

Sehr bemerkeuswerth und lehrreich ist die Technik an 
diesen Ofenkacheln. Die Hilse der durchbrochenen Mantel- und 
Kranzkochcln sind senkrecht halbierte Zylinder, denen das ver- 
ziert« Blatt vor^resetzt ist. Die Gesimsstücke und massiven Maulel- 
kacbeln haben runde Hftlse gewöhnlicher Form. Sfimmtücliü Ka- 
cheln sind stark gebraunt, so daas einzelne ßruchstellun ein 
Rtcingutartigea, graues Inneres zeigen. Die Kupferglaaur ist infolge 
Verunreinigung durch Eisen nicht schon gr^a, sondern braun-grOn. 
Die ügürlicben und andere Verzierungen sind aus Formen gepresat, 
oUein in der frciosten Weise mit dem Hesser naohgescbnltien und 
von Ilaud uachmodelliert. Die Ausschnitte, eingestosseuen Lflcher, 
SchrafKerungen a. s, w. varieren von räuer Kachel zur andern, so- 
da^ uicbt xwei Exemplare ganz gleich aind. IMese individuelle 
behaudluug Ult uMobanisub hergestellten Form giebt den Kacheln einen besondeni Reiz 
uud mitüs daä Aussehen des Olma selbst bedeutend belebt liaben. Der Unterschied 
gegenüber einem modernen, langweiligen Iteliefofen, an welchem jede Kachel dem Nach- 
barn gleicht, wie ein Ki dem andern, ist in der That eiu grosser, und unsere Hafner 
könnten in dieser Beziehung wohl ein Blatt aus dem Buche ihrer einfachen, aber künst- 
lerisch höher stehenden VorgAnger des XV. Jahrhunderts nehmen. Es wird beabsichtigt, 
den Oren unter Anwendung der alten Tuchnik für das Laiidesmuseum uachzubildco. 

U. Angst. 



9S. 

Ueber die entdeckten Fresken in der Krypta in BeromDnster. 

Am 20. Juni kam ein junger Freund zu mir und meldete die Entdeckung von 
alten Fresken in der Krypta und schildert« mir dieselben als sehr s<;hr^n und alt; voll 
Krwarluug ging ich sofort nach Mitustcr, um die alten Malereien anzuschauen, ich hofftt* 
nach den gemachten äobilderungeu einen gothischeji Ilildernklu« anzutrefTen; allein beim 
ersten Anblick sab ich einen Itest der Kircbrnmulerei, wie ein solcher heule noch den 
Plafond dos äigutthales schmftckt, von Meister Hans IfucJtmtam von Sa^-kiniten aus deji 
Jahren 1608 und 1<jI>9 vor mir. mit dem Unterschied, daw die Gruft mit Heiligen- 



281 



und Laubwerk, das Sigeltbal aber oboe Bilder nur mit Laubwerk uud AmUmken 
(laliorirt ist. 

Im »Vafcftrtand« vom .10. Juni waren die aus Tagealicbt ji^lrotciion Bilder nicbt 
all« ricbtig dargest^illt und erkannt. Bekanntlich ist der Ornftaltär in der I^Urc d»s 
hl. Mauritius und miner Geehrten, sowie dou aiisctiuldi^fi'U Kindoru geweiht, und be- 
Tanden sich Reliquien der lit. AfMistet Petrus und l'aulus und der hl. Märtyrer George 
Hypolit, Sebastian und Leodegar in derowlbeu. 

hl den Bildern, die zum Vorscbein kiiinou, erkannte man sofort den Patron der 
Kircho an seinen Attributen, den bl. Rrzengcl Michael, wie den Patron der OmJt, den 
heiligen .Mauritius, eb«näo die Bilder der beiden Apostelfürsteu, Petrus mit dem Schltlswl 
und den V<^]keraposiol mit dem Schwerte, der Kiudermord 7.u ßethUdiem war (wegen 
dem Durch^ng zum Altar i*) etwas verwischt, doch waren zwei gehamischte Kri^er 
als Mörder erkeiiul>ar. I;uric)ili}< nannte die in der Bile von utiiterm Freunde ge- 
scbriebene Korrespondenz aus Münster die lieiden liiutersten Bilder au der Wand l)eim 
Eingang in die Qruft: Bernard und Antonius. Ich glaubte in dieaeo beiden Bildern 
den bl. Georg und den Sebwetzerapostel Beatua iin erkeunen. Letzterer zeichnet ein 
nach Oben (nach dem Drachen) geschwungener Stab uU den Heiligen des Schweizer- 
landcs genugsam aus. 

Im Innern der Gruftkapelle kamen xwei Bilder tn Siolit. Auf der Epistelaeit« : 
St. Anna selbdritt; »'in Schlag auf die Wand vom Oypserraeister mit dem kleimm Pickel 
hatte die Fresken entdeckt, aber unabäiclitlicber weise gerade dos Antlitz der bl. Anna 
itcrstnrt. Das interessanteste Bild des ganzeu Ziklus war die Figur, die der Korrespou- 
deut als Eva erklärte, eine Eva aber war es nicht. — Die nackte weibliche Figur, mit 
Qppigem Kuarschrouck an^lAudig verhüllt, die Häiidi* ülier der Brust geäiltet, folgt in 
der innurn Reibenfolge der Bilder unmittolUir auf den hl. Krzengel Michael. Es betet 
der Priester im Üflfertorium der hl. Messe, dass Oott die Seelen der Abgestorbenen vor 
den Strafen der Unterwelt (HMle) bewahren möge und da^ sie der hl. Erxengel Michael 
zum ewigen Lichte hinauf bringen solle (>sigiiifer S. Michael reprssontat eo-t in luccm 
sanctamc). Diese weibliche Figur unmittelbar noch dem bl. Erseogel Michael bedentei 
demnach eine in den Himmel aulzunehmende reine Seele. Rs geht dieses deutlich aus 
'dem Umstände hervor, dass der Maler Bacbmann vier EngeUgestalten mit fliegenden 
Oewändern, zwei zu den PüsseUf zwei zu den Schultern des Bildes hiumalte, welche 
rieh eben anschicken, dieselbe in den Himmel za entrOcken. Mir ist ein Ähnliches Bild 
noch nirgends begegnet. ') Ea wOre deshalb wunschbar gewesen, die Arbeit einzustellen, 
bis ein Zeichner Kopien von den Bildern {genommen hätte. 

Kunstwerke von hohem Werthe waren diese Fresken Bachraanuä nicht Die Graft 
soll gegenwärtig renovirt werden, dieselbe hatte stark gelitten durch die zwei Linden- 
bäume vor dem Chore, die ihre Wnrzelausl&ufe bis unter die nicht fundamentirlen 
Mauern des Kirchenchorea hiueingetrieben hatten. Die Chormaueru haben gar kein Fiuda- 
mcnt, sondern sind ein&ch anf den sandigen Boden abgesetzt worden. (Rs verhält sich 
auch 9U beim Kirchthurm zu Oro^i-Dietwil und nnch der Kirchthnrm zu Ilitikirch hatte 
bis lOHO kein Fundament, erst im Jahre 1680 wurde er unierfuudameuUrt [vide Oe- 
wbiohte des Kapitels von Hochdorf, S. 481.) 

') Ohne üweilel die bekannte OanileUuuij; der bL Uuriu MugdoleiUL^ 4i& x<««,%K>«3ovv«[nv 
tIiiiiTTi'_'l pniporßelrogeo wird. toi. 



Im Baurode] Cborlierni Jakob Widmers kommen Über die Malerarbeit Bachmaiuti 
folgende ;twei Stellen vor; »Aquo 160S den 24. Juni huid m. g. herren dem M. Hans 
Bachomno Maler voii Sukkingeu Krstlicb vcrdiugt die kilcli zu malen iuhatt des Ver- 
trags vnd Ime versprotiben 700 Old. nd 12 Malter äpett« — >Am)0 1G09 vff via- 
talionis Marise band m. g. Herren das ander Verding mit Ime M. Hansen ihon vmb 
fOO Gld. Tod 12 Malter spclt.< Leider ist der spezielle Vertrag Terloreu. Aus dem 
Protokoll gebt aber hervor, dass man dem Haler auch eine Wobnung und Brennholz 
gab. — Diese Malerei Bacbmanns existirt« bis zum Jalire 1692, lu diesem Jabre wurde 
sie tbeils übertfUicbt, tbeils durcb die Fresken des Malers Jofittnn lirandcnb&rg von Zug 
verdrängt; 1772 erhellte dann der Zuger Maler, Joh. Jakob Wtjas, Mitglied der Lucoa- 
brüderschafl tn Münster, die >Veskeu, die beute nocb die Kuppel und den Plafond des 
Langhauses zieren. 

Neben Hans Bacbmami bewarb sieb aucb der Luzemer Jakoh von Wyl nm Halor- 
arbeit. Das Protokoll meldet: >Den 2tei] Tag Aprilis 1G09 b;it H. Uicbter von Wyl 
ein Bildniss St. Michels, so sin Son gmalet, M. Herren Probst vnd Capitel verehrt der 
hofTnung alls ^llte man Ime jti i«hw&bendem kilcbbuw der Mnterv halben arbeit geben, 
nnruff bat man Ime vnd sinem Son 12 krönen verehrt, waz aber die angedätet arbeit 
belangt, könne mau Ime dissmal nützit versprechen, denn man dem M. Johannseu von 
Laoffenburg (unriclitig statt Sekkingen; die Bitdscbneider Fischer waren vod JjaufTenbarg) 
schon ellbereit die arbeit so viel 7u malen fOrhanden in der kilchen versprochen. Mittler 
Zyt mOge man Ime vff gfalleu Probst vnd CappiteU zu anderer uottwendiger Arbeit 
bruchon.* (Protokoll I60fl, Febr. 13 b.) 

Das Oelgemalde J, von W*fU lüingt im Vorzimmer der Capitelsstnb«. Das Bild 
de» hl. Michaels is\. in der Peripheri, umgeben von den Wappen der damals an der Stifl 
lebenden (Hiorberren. — In Luzem hält man den Maler Jakob von Wyl (ur den Antor 
des im ehemaligen Jesiüteo-CoUegium, jetzt aber im lUthbaiis-Museum sich befiudeuden 
berühmten Todtoiitanzes. Im >Anzeiger für schweizer. Alterthumskunde< 1880, S. 10, 
schreibt Dr. Th. v. Liebcnau, dass die Beweise ffir die Richtigkeit der Tradition, Jakob 
von Wyt sei der Maler des Todtentanzes, äusserst schwer zu erbringen sein dürfte. In 
Lnzcm hat man keine Ritdcr zum Vergleich. Das noch in Münster crhalt^rne Bild 
spricht aber gegen die Tradition, ausser von Wyls Kunsttbätigkeit bitte sich von 1600 
bis I6I6 wesentlich vervollkommnet. Kenner mflgeu das Bild in Münster zum Ver- 
Iciche jirüfen. 

2feudorf, den 18. Jali 1893. M. Gsternanx, Lentpriester, Dekan. 



: 



53. 
Murers Plan der Stadt Zürich von 1576. 

Zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten des Zürcher Stdatsarchives gehört, ab- 
gesehen von seineu ürkuudensch ätzen, der Murer'scbe Stadtplan, der hier uicht nur im 
Abdruck, wodtTii in dfn t^riginalholzstSckim vorliegt, von welchen sowohl die ursprüng- 
Hcbun, als die meisten spätem .iMdröcke gemacht wurden. 

Vieem xylogiaphische Knustwerk verdient nm so mehr Beachtung, als authentische 

Werka von Jodoirns Murer /.u den grOesten Seltenheit^}» gchürcn. Kür solche werden 

//jfi//rere der 1579 ilatirten SfaiKlesscheibeD im Ostflügel des Kreuzganges von Weltiugen 



!S3 



»usgcjfekn. (Meyer, Di« schweizenwhe Sitte der Fenster- ud<1 Wai'iietiscbeuktmg. 
S. 300. Häudcke, Die scbneizerische Malerei Im XVI. Jahrhundert.) i^Ül und Technik 
welclien jedoch des entachieden.'tton von den Mnrer 'selten Praktiken ab; eheniio wider- 
sprechen dieser Annahme die mehrfach vorkoimnenden Moiiop^ramme SM; SMLVZ: STM. 
l!liier därfl« iliin nacli Händcke das l^ortrai das Potru:i VemiiliuR zuicusch reihen sein, wie 
auch einige noch m Holzschnittabdracken vorhaudeue andere I'ortrfits. 

Indessen tauss auch diese Annahme noch etwas eingeecbr&nkt werden. Von Jos 
Murers eigener Hand ist nur die verlorene Originalzeichnong, resp. Gemälde auf Tuch, 
dieses Stadtplaut^s, da nach der Seckelamtsrechnung von 1573/74 »dem Meister Jos 
5[urer, Glasmaler, für die Contrafactar der Stadt Zflrich, so er minon Herren uf ein 
Tuch in Grund gelegt und verehrt, iis Erkenntniss mhier Herren zu einer Schenke 2Ö0 ff« 
gegeben werden. Dies bestätigt aucli das Kathumanual vom 2i). März 1571: «Joaeo 
Mnrcr wellent myn Herren au s;n Arbeit, so er mit der Statt allhie in Grund la 
legen und zn malen gehept, 100 f\. zu einer Verehrung geben.« Dies ist wohl die cr^te 
OrigiualMicbnung (resp. Gemälde?) des l'lane», welche dann dem zwei Jahre später vol- 
leodeten Holzschnitt tu Grunde gelegt wurde und vielleicht schon bei dieser Bearbeitung 
verloren ging, da ihrer später ni<! mehr Erwähnung getlian wird. 

Obwohl Jos Murer auch sonst ab Holzschneider (wenn aucli vielleicht nur Zeichner 
für Holwchnltte) bekannt ist (vgl. Händcke), wurden doch die Hobatöcke Rlr den 
Stadtplan, wie auch für die \b66 au^efShrte Kantonskarte, nicht von ihm seihst ge- 
arbeitet, sondern von einem »Ludwig Fry, genannt Oirle Formschnyder«, der seinen 
Namen am untern Kande der Tafel in dieser Form und auf dem Aemterwappenkreis 
links oben mit dem Monogramm *M. L. F.< verewigt und an beideu .Stellen ForniHchneider- 
wcrkzeuge daneben abgebildet bat. Dieser Formscbneider ddrfte nach der FiUduug seines 
Zunamens ein Süddeutscher stein. (Vergl. P. Heitx., OrigimLldruck von Formschueider- 
arbeiten des Iti. und 17. Jahrhunderts nach Zeichnung und Schnitt von T. Stimmer, 
U. Uocksperger, Chr. Morer, Jost Ammann, L- Frig u. a.) 

Wieder eiu anderer fiibrte den Druck aus, uAmlich dej bekannte Chriatoffel 
Froschaaer, der seine hier doch geringfü^ge Thätigkeit in der Ueberschrift neben die 
Murcrs salzt und sogar sein Wappen demjenigen Murers gegenäbemtellt. »Der uralten 
wjrtbekanntuu Statt Zürych gestalt und gelägenheit, wi sy zu diser Zyt in w&seu, ufgc- 
rissen und in grund gelegt durch Josen Murer, und durch C'bristoffel Froschowcr zu 
E^ren dem vatterland gctruckt im M. D. LXXVI. jar.c 

Wie der bescheidener angebrachte Name des FomMchneiderß , der Wortlaut der 
Stelle des RathsmanuaU und der Seckelambirechnong zeigt, ist >iu Grund gelegtt 
hier nicht etwa auf das Schneiden in Holz, sondern nur auf die Original zeichnung^ zu 
beziehen. Dass Murer nicht auch Holzücbneider war, mag auffallen, da der vielseitige Mann 
sonst ^t alle Künste äbte; er war Astronom, Ghronmauher, Glasmaler, Porträtmaler, 
Kartenzeichner und dichtete auch Dramen, zu denen er Zeichnungen anfertigte; er 
sUrh 1580. (J. C. FüessÜ. Geschichte der besten Künstler der Schweiz 1769—79, Bd. I., 
p. 45.) Meyer v. Kuonau: Gemälde des Kantons Zfirich 1846, nennt II 95 Jos and 
seinen Sohn Christoph Murer als Holzschneider und letztem als Verfertiger der Figuren 
zu «iuer Holzschnittbibel; aber auch damit dürft« es sich su verhalten, dass sie nur die 
Zeichnungen imLchten und ein anderer dieselben in Holz schnitt; während von dem da- 
selbst augeffibrlen Buchdrucker Christoph Froschauer wahracheiuUcb weder Zeichnung 



I 



: 



iMch HolKsebaitt, waderu nur Druck uod Verkg der Bibel aud d«r ätatuprsetwn 
Chronik herrühre». Wie nrA Frosebaaer zu Terlierrlichen liebte, eicht man ja um 
Murer'scben Plaa. 

lieber das Schicksal der HotzittOcke ist bis gegen ßude des XVIII. Jahrbunderls 
uicbts bekaiutt uod oamentlicb nichts darüber, wie se in den ßesitz des StJiaLsarchivej 
gekoramea seien. Weder Ankauf noch Scbeukuog, wi« ne für die Coutrafactur b<>£«ugt 
ist, täicst sich liir die Holxstöcke nachweisen. Gin Veruichniss von Scbrifteu der Stadt-, 
kauzlei aus dem Jahre 1789, das ftltest« Verzeicliniss derart, crwAhnt »den Maurer' sehen' 
Holzschnitt der Charte der Stadt Zürich«, dabei bleibt noch ziveirelhaft. ob die Uolx- 
stAcke salbst oder blot» ein Abdruck gemeint sind, wenti auch eret^rea hei dieser Am- 
drucksweiae wafarseheinlicber ist Dagegen bemerkt Haller in seiner 1785 erMhieneiieu 
Uibliothtik der Scbweizergescbichte (1, Xr. 34t), da^s die HoUstOcke für die Kurt« der 
Landschaft /nricb, welche ebenfalU voa Joi Murer schon 1566 gemacht, resp. geietchnot 
wurde, noch in der Staatekanzlei aufbewahrt werden ; auch (or diese HolutiVlce ist 
es das älteste Zeugnias; ha d^tn Stadtplan, den Haller in der folgenden Numnier be- 
bandelt, wird nichts toq der Existenz der HolzstOcke Iwmerkt. 

In den Arcbivakten kommen diese Holzschnitte erst 1859 zum Vorscbeiu mit der 
etwas mysteriösen Bemorkuog des damaligen Staatäarcbivars Dr. Hotz, er habe bei 
BerisioD des Archivs die Originalbolzsclmitte des Murer'scben Planes der Stadt, sowi« der 
Kantonakarte »entdeck-ti. 

In Anbetracht dieser späten und munK^lhaften IJelwrlieferung muäs man äch fragen,!] 
ob diese ziemlich gut erhaltenen Uolzstocke wirklieb dt« Originale vou 157^ sind 
vielleiclit eine spttere Nachahmung darBtellcu. Diei^e Frage wird um so ernsthafter, al 
tbat«achlich spätere Aasgaben und auch Nachahmungen dieses PUi.m eiistieren und vd 
MionHU, die für Reurtbeilung modern«: Holz^lmilt« als sachrersUodig gelten k6nueo.' 
die Möglichkeit bestritten wurde, dass Holzstöcke sieb Jahrhunderte lang erbaJten kOnncn. 
Letxtere M^lichkeit ist zwar mit huuderten Ton Beispielen alt«r Ho1zst4eke au» dem 
XVI. Jahrhundert leicht zu erweisen und jenes ungünstige Urtheil über die Dauer- 
haftigkeit der HolMtflcke nur auf dio rerfres-fi^nden Uiigeu iimi Jiiidere Scbattenseit 
der modernen Technik und Uohandlung zurückzuführen. I^ige uabeliegende Bei<tpiet 
genfigeo. 

Die Zürcher Antiquarische Gesellschaft besitzt aufwer einer Menge von Original- 

HolzstOcken zu Illustrationen der Stumprschen ('hronik aus dem Wl. Jahrhtin-iort, die 

ebenfalLt bei Froschauer 1547 ge<lruckt wurde, auch einen von demselben Ludwig Frj 

[gearbeiteten Holtstock zu einem kleinen Stadtplan, der Zürich in ühntiehm' Ansicht, wie 

|der Murer'äche, aber das Lindentlior schon im Kenaisanctmmtmu von 1581 zeigt, also 

[kDR nach diesem Datnm gemacht «ein mag. (Vgl. Vögelin, ilas alte iCüricb I, p. 340.) 

Das Husea civioo in Venedig besitzt sechs Holztafelu lu einem l'lati von Venedig, 
Ton vinem doutächon Pormscbneider Kolb nach einer Zeichnnnt;^ des Malers .)uüop^> Liarbai 
150U angefertigt Die Zahl der Tafeln, da« Bimbaaniliotz und die Toclinik, namentik 
auch die Itand Verzierung mit Windk&pfen hi den Tafeln der Murer'^hen [Caiitonakarte 
and des Stadtplanes m Ähnlich, dass man verrnutlien mOcbt«, der voueziaoiscbe Plan 
habe Murer aU Vorbild gedient, wie ihn auch dentwbe StidtepliUie zum Muster nahmen^ 

ffiraeDwn lleiitpiele sproclion ziiglt^ieh dafilr, dass auch die Technik des XVI. Jahi 
hiuiderta der AusßbruDg solcher Holzschnitte vollkommen gewachsen war; ja man mnsste 



885 



ier «ragekehrt fraffpo. ob iu »euerer Zeit uoch ia dieser Woisc g«irli*itet worden wli?; 
veuigstuiis ist suit 1780 durch TbumiLs Ikwiuk, gi>b. IV&It, uioe tfiuiz luidvre iLoi£»cliuitt- 
tcclinik aul'i^'liommcn. Sollten dies« HoUtitdckti erst später angefertigt sein, t«o nuWte 
Diaii geradezu aiiiielinicii, diiss atisicbtlich und ium /wecke iler Fälwliung die äUero 
IWlioik wieder angewandt worden i^ci. nnd auch dann hloibt fmgliüh, ob jetaand ihrer 
müchtig gewesen wftre. 

VÄm gQwisae UoterstQtzung acbeiot die Annabiue späteren) Ursprung!) dur Holz- 
slikku durch den 17 instund zu erhalten, do^s es nicht goUngt, ur»pr6ngUche Abdrücke 
des Planes ans detu Jihre 1576 mchsuweisea, und die ä1t«äteo vorhaadeneo Abdrilcke, 
soweit sie Jahrzableo tr^eo, erst von I7f>0 stamnieii, alwr auch aus diesem Jalire eine 
Betheiligung oder Erlaiibniss des StMtes alä Iksitzerä der Holy^töcke nicht naebwoisbar 
jät; düäs endlich io den zwanziger Jahren de>! XIX. Jahrhunderts die alten HoUst^^cke 
für verloren galten und wirklich neue angefertigt wurden. Somit ctmotiitriert sich die 
ganze Frage darauf, ob die im Staatsarchiv Torbattdenen HolzstOcke die alt<n ron Ludwig 
Fry 1570 augefertigten seien oder vielnaehr die erst im XIX. Jahrhundert iteu geinac-hten. 

(legen letztere Annahme würden die nicht eben bedeutenden Beschädigungen und 
Wurmlöcher der HolzstOcke keinesw«^ sprechen, da nach Ansicht jeuer Sachverstand igen 
neue Holzsti^cke in wenigen Dezennien auf solche Weise zu (Irunde gehen sollen. 

Zu ein^T sicheren Lösung der Frage kann nur eine Vergleicbung der Holzslflcke 
mit den verächiedeuon Auflagen der no«h vorhandenen Al>drücke führen. Uiobei .>dnd 
innäcbst die charakteristischen Merkmale der Holzsl^ke seihst zn betrachten. Dieselben 
Ijfisitehen aus sechs grossen zieuilicb genau quadratischen Holztafeln von je 44 cm Höhe 
und Itreite, drei in der obern, drei in der untern Keibe, so da»« das (iauzo olu lAng* 
liebes Ki'chtGck von 132 cm Linge und 88 cm Höhe bildet. I>a bei dieser Theiluug 
der Qrossmünster, das bedeutendste und gntsste Gebäude der Stadt, auf eine Stelle ge* 
kommen wJre, wo sich vier Tafeln schneiden, wurde für diese Kirche sammt Tbdnueu 
and Cliorherrengebande eine besondere kleine Talel angefertigt von 17 cm Höbe und 
9 cm Breit«. Auf den grossen Tafeln wurden di«' Stellen, welche von diesem Bild be- 
deckt werden sollten, abgeschrotet Die Tafeln sind an den Ecken etwas lH>»childigt, 
weil sie lange stehend aufbewahrt wurden ; ein Stück au der oberii Kcke links, das unr eine 
Katidlinie enthalt, ist sogar abgebrochen und mit Nägeln wieder befestigt. Wurmlftcbcr 
finden sich hauptsichlicb auf der eritten Tafel, welche der obern Unken Ecke der Ab- 
drücke entspricht, aber viel mehr auf der Itüek^ite und den unbearbeiteten Tbeilen, 
da die DruckerschwAr/e der bearbeiteten den Würmern nicht zu behagen scheint. Immer- 
hlD sind auch einzelne Stellen des eigentlichen Itildes, besondere auf jener ersten Tafel, 
durch oinitelne Wurmlflcber Iwschadigt, was bewnders hervortritt, wenn Iwi zwei eio- 
andcr nabeliegenden Wurralflcliern auch der Zwischenraum durchgerissen ist. An ver- 
schiedenen Stellen hibiin diese Wurmlöcher das ßild so sehr beschädigt, dass dies auf 
den Abdrücken deutlich zu Tage treten muss nnd nur die Frage übrig bleibt, ob diesa 
Wormlöcher älteru oder neuern Datums seien. 

lüine fernere fügen thrimliolikeit der HulzstOcke bistehi darin, dam die Schrift tfaoils 
in die HolzstOcke selbst eingeschnitten itt, wie z. If. der Titel in der Mitte oben und 
i\ie Ilmsclirifl der Wappentafeln in der Windrose, theils zwar auch in Holz gesclmilteii, 
aber auf Iwsondern kleinen Holzstrpifen in Vertiefungen der Tufol 'Mtiijrda«soii ist, wie die 
rueisteu Strasseunameo, z. B. »Niederdorf« auf Tafel U alwt äwä. 4Äfc Vi^ÄKs^fcSä-Ä. *«».] 



28G 



FormFfilmeidcrs tlieils gar nicht auf d«n Holzst^leD stellt, « «iass diese nar leere, ein- 
geiatinite, viereckige Vertiefungea zeigen, dereu Ausfüllung mit Itisctiriden dem Drucker 
QberlasseD wird. I<etxt«res gilt von der Tafel am Itand oben rectils und von den vier 
weitem Tafeln im See und in der Limmat. 

Bei dieseu fßnf Scbrifttafeln latte also der jeweiligo Herau^eber, rosp. Drucker, 
die freie Wahl, was er hinciitsetzen uod wie er die Schrift drucken wolle, in den ährigeü 
luschriften da^^n mu^ jeder Abdruck, der von denselben HoIzstAckeo genonimen ist,,] 
ihoeo genau entsprechen. 

Die in dio Stöcke eingegrabene Schrift entspricht auch durchaus der zwetteu Hilft«' 
de« XVI. Jahrhunderts und könnte hei späterer Herstellung der HolsstiVke nur in ab- 
sichtlicher genauester Nachahmung des alten Planes wieder so aufgeführt worden sein. 
Eine Anstiahme macht nur der an der untern li>:ke links stehende Name SILFL (SibU 
flufls), der in Capitale statt in Fraktur geschnitten ist, aber gerade dieser ist in d^ 
Holzstuck selbst eingeschnitten und wohl nur wegen ßaamnumgel in dieser cinfactiem 
Schrift gehalten. Die lateinische Itibelstelle über der Wappentafe) zeigt y.war aucli eine 
abweichende Schrift, :iber diese entspricht der hu mauist ischeu Antiqua der lateiniactien 
Drucke des XVI. Jahrhunderts. 

Vergleicht man mit den HolzstAckon und ihren angegebenen IihgeDthfimliohkeiteu 
die vorhandenen Abdrücke, so ergibt sich Folgendes: 

1. Iviu Ulimittel lurer Abdrucjc von lö7G konnte bis jetzt nirgends aufgefundeu 
werden, da die eingesetzten Schrifttafcta aller verglichenen Abdrücke viel späteren 
LliarukttT tragen, aber auch im Bild dieser Abdrücke fast alle Beschädigungen und 
Wurmlrwlicr schon zu Tage treten, wie sie Jetzt an den Kolzstöcken vorhanden snd; 
wahrend doch nicht wohl denkbar ist, dass die Stocke schon 1576 so viele Itescbädi- 
gougeii hatten. 

Das Fehlen eines ursprünglichen Abdruckes kann nicht auffallen, wenn mau be- 
achtet, in wie schlechtem Zustande sich auch alle Abdrücke der folgenden Jahrhundertc 
befinden, und wie Oberhaupt auf Leinwand aufgenigeDB und in feuchten G&ogen auf> 
gebangt« Plane ra«ch za Qnmde geben. Höclistens unaufgezogene Fxemphire in Blätteni 
batieo bei sorgftitiger Aufbewahrung sich erhalten kOruien, aber nicht einmal die Stadt- 
bibliothek besitzt ein solches Cxemplar. 

2. Nach Leu (Uxikon XII 574) und Ualler (I n. 'M2) wurde 1670 Murers Werk: 
»der Statt Zürich Gestalt und üelegenheit,« welches 1576 auf sechs It^lbr^n in 
ilolzschnitt erschienen war, unter einem neuen Titel im Bodmer'schüu Laden wieder 
gedruckt. Wenn hier vou Benutzung der alten üolxstijcke uichts gesagt ist mid der Aus- 
druck >unt4.'r einem neuen Titel« auf einen neuen Holrachnitt liin/aweisen schiene, so 
spricht doch gegen letztere Auflfassuog der Umstand, dass der eigentliche Titel auch aul 
den ncaern Abdrücken dei^elbe ist, den Leu für 1&76 angibt: >der uralten etc. Stadt 
Zürich Oextalt und GelSgenbeit, nfgerissen und iu Grund gelegt« etc. Der Ausdruck 
»neuer Titel* bezieht sich wohl auf die in den Holistöcken leeren Schrifltafeln. 

Bis jetzt komite ein einziger Abdruck aufgefuuden werden, der wahrscbeiollch tod 

1670 stammt. Er ist im Besitz tod Herrn Consul Angst, aufge/^gen, sehr defekt und 

stark übermalt in einer Weise, die der zweiten H&lfle des XVII. Jahrhunderts wohl 

entsprechen kann, sorgfältiger als die !ii>atere AuHage. Der auf dem Holzst^ck und allen 

»üderD /ihdriH'keu leere Wappeuächild rechts oben ist, wie es wohl seine Bestimmung war. 



287 



* 



mit dem Wap^ii Jh Besitzers, hier eines Bsclier von Lucb;^ IwmaU- Von cU*r damals 
v;ienilii!li /Ählrcichen FamtÜe dfirftc in erster Linie Hans lieor(f. iiiii KiOri Staiitscli reiber, 
in Betracht komnieii. Den ]Iül;£stOckeu entäpreclieud r^igt diesem Exemplar den Groi»- 
mßijster auf beaondereiu Blatt genau und richtig aurgeklebt. 

Die sorgfältige Ikmalung, welche alle Schaden des Holzschnitten auszubewra 
suchte, erschwert die Untersuchung, ob die jetzt an den Uotzst^keu berindlictien Ue- 
sch&digungeu und IiOctier nucli auf diesem Kiemplare schon vorliandeu waren; doch ergibt 
sich bei genauer Betrachtung unzweifelhaft das Resultat, äsas wenigstens die rocistcu 
dieser Wurml&cher schon in diesem Exemplar von ItiTO auftreten : namentlich an der 
Aemterwappentafel oben links, während umgekehrt kaum das I'^ehle» irgend einer dieser 
Beschädigungen bestimmt nachgewiesen werden kann. Die Auffindung eines unbemalten 
Abdruckes würde freilich ein bestimmteres Urtheil erhüben. Die gemachten Beob- 
iichtungen genügeu aber jedenfalls, um zu constatieren, das» dieses Exemplar nicht der 
ersten Aullage von ir,76 angehören köune. Gegen eine spätere Datierung als 1670 
sprechen die in die leeren Vierecke eingeklebten Inschriften, da ihr Druck durchaus 
den Oiarakter der zweiten Hälfte des XVII. Jalirhnuderts trägt. Das & Zeichen ist 
altertliQmlicher als in den spätem Aullagen; die Kommata sind als schiefe Striche dar- 
gestellt, wie etwa in Eschers Uechenbächlein von 1685. Noch starker unterschcidflt 
«ich dieder Druck von der Schrift der schon auf den Hol/jtOckeu befindlichen Namen 
dieser Auflage. Wäre die Datierung diese» Exemplar» gaat sicher, so wSre mit. der 
Uebereinstimmung der Beschädigungen schon der Beweis erbracht, dass die Hol/.stOcke 
1670 nicht nur existierten, sondern schon geraume Zeit rorhor vnrlianden gewesen sein 
mösseo. 

3. Eine dritte Aufgabe veranstaltete nach Haller Hauptmann Hofmeister l7Gti. 
In der Tbat ßnden sich mehrere Exemplare dieser AuHage, ein unhemaltes im Besitz 
des Herrn Aloys Rordorf, zwei bemalte in der Stadthibliothek und in der Sammlung 
der Antiquarischen üosellscliafl; doch ist die Bemalung ri«) ychlecbter und weniger 
wrgHlltig als bei dem Exemplar von 1670, und l>eschrlü)kt sich auf rothe DAcher und 
grüne BSome. An diesen Exemplaren lassen sich nun ganz bestimmt alle jetzt au den 
Uol7.sti^ken bestehenden Scbfidigungen nachweisen, wie auch die dem kleinen Holxsiock 
entsprechende Eigenthümlichkeit, dsss der OrossmQnster auf I>e30nder<'m Blatt aufgeklebt 
ist und zwar bedenklich schief. In die leer gelassenen Tafolu »nd aucli hier äbenilt 
die nämlichen inscIirilUexte autgeklebt wie 1670, aber mit «iuem der spätem Zeit ent- 
sprecbeoden Druck und mit der t>esondei's entscheidenden Abweichung, dass naf der 
Maasslabtafel der ebenfalls auig^kloiite Zeddel die gedruckte Angabe trigt: <Zu finden 
in Zärich bei Hauptmann Hofmeister Buchbinder an der Bosengass 1766 ;< während 1670 
eine Verlegeraugabe fehlte und ütier dem Maassstab nur die auch 1766 vorhandene Gr- 
klärung an^eklelit war: >Ein jeder grad an disem stab bedeutet ein schritt oder dritt- 
halben werkscbuh, damit abzumessen beider »tädt länge und breite.« Die 'IVel zwisclion 
den beiden Muhleslugen eutliäll denselben lateinischen Vers zur Verherrlichung Tigurums 
und Nennung Mnrers ala Autor, wie 1670, beginnend: >Qui>iquit) udes fuveaa: ffivtis 

dato Candida civis ]| Sic quoque ijuis Tigun) situs et quae forma loconim || Miirori 

pnesens ista tai>ella dabit || 

Dio 3. Tafel ol>erhalb des Woilenbergs erzählt in lateinischem Vers (wie 1670) 
die Gründung durch Taricus. 



288 

Die 4. Tafel oberhalb des Kratztbarms im See preist in lateiaischen Versen (wie 
1670) die politische und kirchliche Bolle Zfiricha. 

Die 5. Tafel in der Ecke oben rechts tr^ (wie 1670) die Dedication: 

»Amplissimo senatui populo totiqae civitati Tigurin» patrise dilectisinue Jodocus 
Morer dedicavit;« dann in deatschen Versen die Qeschicbte ZQricbs seit Turicus 
bis 1352 (d. h. dem- Buodeseintritt von 1351). 

Diese 1670 und 1766 ganz übereinstimmende AnsfOllung der Scbrifttafeln dürfte 
der ursprünglichen Ausgabe entsprechen, da sich die Verse zum Theil auf Murer selbst 
beziehen, und dieser als Dichter deutscher Poesien in ähnlichem Geschmacke bekannt 
ist. (Vgl. Bächtolds Geschichte der deutschen Litteratur in der Schweiz p. 353—362.) 
Er dürfte mindestens den deutschen Vers selbst ver&sst haben ; ob er lateinisch dichten 
konnte, ist allerdings fraglich ; doch konnte ihm nicht schwer &llen, eiuen Poeten hiefür 
zu finden. 

Nicht so übereinstimmend sind die Scbrifttafeln bei den zwei folgenden Ausgaben 
ausgefüllt. Um mit der bestimmt datierbaren zu beginnen : 

4. Auf Anregung des Entdeckers der alten Holzstöcke, des Staatsarchivars Hotz, 
eiuen neuen, wie er meint, seit 1576 ersten, Abdruck zu machen, ertheilte der Regierungs- 
ratb am I. Oktober 1859 die Ermächtigung, eine Anzahl Abzi^ des Stadtplans und der 
Kantonskarte Murers für die Behörden und solche der Karte auch zum Verkauf für das 
Publikum anfertigen zu lassen ; doch scheint auch vom Plan eine grössere Auflage zum 
Verkauf gemacht worden zu sein, da sich viele Exemplare davon vorfinden. (Regierungs- 
rathüprotokoll v. 1. Okt. und 26. Nov.) 

Diese Ausgabe auf sechs grossen Blättern und einem kleinen für den Grossmünster 
entspricht natürlich aufs genaueste dem gegenwärtigen Zustande der Holzstöcke mit allen 
Beschädigungen derselben, doch lässt die Vergleichung dieser Ausgabe mit der zweiten 
und dritten noch b^immter als die Vergleichung mit den Holzstöcken selbst erkennen, 
dass fast alle diese Beschädigungen schon 1670 und 1766 vorhanden, diese Holzstöcke 
also in der That, wie auch Dr. Hotz annahm, damals schon sehr alt waren. 

Der Text der vier ersten Schrifttafeln in Limmat und See ist derselbe, wie 1670 
und 1766, nur dass 1859 die Schrift nicht auf übergeklebte Zeddel, sondern direkt in 
den leeren Rahmen des Holzschnittes bineingedruckt wurde. Daher ist hier die auf den 
Holzstöcken in den Rahmen der zwei ersten Tafeln angebrachte Nummerierung mit 
A und B sichtbar, während sie bei den frühem Ausgaben durch das übergeklebte Papier 
verdeckt wird. Die Masstabtafel trägt hier an Stelle der Verlagsangabe von 1766 die 
neue Verlagsangabe in Nachahmung alten Drucks und alter Sprache: 

»Getruckt und zu haben bey ChristofT Froschowers nachfolgeren Orell Füssli & Comp, 
in Zürich.« 

Ganz abweichend ist dagegen die Ausfüllung der fünften Tafel in der Fjcke oben 
rechts. Statt der Dedication Murers und der etwas geschmacklosen Verse sind hier die 
auf Zürich bezüglichen Stellen aus Otto v. Freising und Benvetiuto CelHni eingesetzt. 
Dies ist doch wohl eine Neuerung und höchst unwahrscheinlich, dasd dieser Text auf 1859 
etwa noch vorhandenen Abdrücken von 1576 gestanden hätte, anstatt der 1570 und 17G6 
erscheinenden Dedication sammt Versen Murers. Für die Ausfüllung der übrigen Tafeln 
diente wohl ein vorliegender Abdruck von 1766 oder höchstens 1670, den Hotz irrthüm- 
tich für einen Abdruck von 1576 gehalten hat. 



289 

Bei so genauer Uebereinstimraung dieser drei bisher behandelten Au^ben mit 
den vorhandeaen HolzatOcken liegt der Schluss nahe, dasa diese HolzstAcke die urspröng- 
lichen von 1576 seien, sowie dass niemals neue HolzstOcke und fälschliche Nachahmungen 
des Murer'scben Planes gemacht worden seien. Doch wird wenigstens der zweite Tfaeil 
dieser Schlassfolgeraug hinfällig, sobald man die in Zürich mehrfach vorhandenen Exem- 
plare einer weitern Ausgabe des Planes betrachtet. 

5. Die Exemplare dieser abweichenden Ausgabe sind zwar ebenfalls in genau 
gleicher Grösse auf sechs Quadrate gelblichen Papiers gedruckt; allein der Grossmänster 
ist auf vier dieser Tafeln zerschnitten, statt auf besonderem Blatt aufgeklebt; schon 
dieses allein beweist genügend, dass diese Ausgabe nicht von den noch vorhandenen 
Holzatöcken herrühren kann und überhaupt nicht von denselben Holzstöckeu, wie die 
übrigen Ausgaben. Htichstens bliebe noch die M^lichkeit, dass gerade diese Ausgabe 
diu urspröngliche wäre und die jetzigen Holzst^ke erst gegen 1670 angefertigt oder 
wenigstens der kleine für den Grossmünster etwa w^en Beschädigung der betreffenden 
Stellen der alten Tafelu neu geschnitten worden wäre, was der besonders gute Zustand 
dieses kleinen Holzstöckleins zu bestätigen Hchiene. Vei^leicht man aber diese ab- 
weichende Ausgabe im ganzen, so finden sich überall so zahlreiche und durchgreifende 
Abweichungen, dass jede Möglichkeit einer Ableitung von denselben Holzstöcken aufhört 
und sich nur noch fragen könnte, ob die gänzlich verlorenen Holzstöcke dieser Ausgabe 
die echten von 1576 gewesen seien. Diese Frage kann nur eine genauere Verglelchung 
mit den äbrigen Ausgaben lösen. 

Dass die Unterschrift des Formschneiders Ludwig Fr;, wie sein Monogramm und 
die Abbildung der Werkzeuge gänzlich fehlen, spricht schon sehr gegen die ürsprüng- 
lichkeit dieser Angabe. Die Ueberscfarift, die den Plan Murer» dem Jahre 1576 zu- 
schreibt, ist zwar ziemlich genau copiert, aber die quadratischen o, die bei >zfl< über- 
gesetzt sind, lassen die künstliche Nachahmung erkennen. 

Spräche wieder zu Gunsten dieser Ausgabe, dass im Bild selbst jede Spur von 
Beschädigungen und Wurmlöchern fehlt, so Iftsst gmaue Verglelchung vermuthen, dass 
hie und da die Löcher der andern Ausgaben hier irrthümlich als Fenster oder sonstige 
Bestandtheile der Zeichnung aufgefasst sind. Am auffallendsten sind die Abweichungen 
in der menschlichen Staf^ge. Einzelne Figuren fehlen in dieser Angabe ganz, so zwei 
Männer, die sich in den andern Au^ben vor dem Schützenhause prügeln, und ein dritter, 
der dort unter der Hausthür steht, sowie zwei Schützen, die dem Schfitzenstand zueilen, 
der Reiter beim Neumarktthor, die Magd beim Niederdoff braunen ; von zwei Mägden 
beim Brunnentburm erscheint nur eine ; auf dem Hüosterhof fehlen einige der Schweine 
und Hunde. Andere Figuren sind ganz verändert: der Hausierer oder Holzträger in 
Oberdorf hat sich hier in ein Weilnbild verwandelt ; der Gerber, der in der Limmat 
eine Haut schabt, ist zu einem Haufen Steine geworden, auf dem ein Brett liegt. Ein 
zwischen zwei PolizisteD mit gezückten Säbeln in den Wellenberg geführter Verbrecher 
hat ihnen hier das Schwert entrissen und schreitet damit voran, oder die Gruppe ist so 
ungeschickt missverstanden , dass ein Polizist zwei Verbrechern voraoschreitet Kurz, 
alle diese Abweichungen machen den Eindruck, dass sie auf missverständlicher Nach- 
ahmung eines älterem, wohl auch durch Beschädigung des Papiers defekten Exemplares 
der andern Ausgaben beruhen. 



390 



Tm g&üten eut^pricbt die Zeichnnng wohl in den Umriswn ziemlicli genau, a 
die Metliode der Zeichuaog ist eine andere, wie dies besonders tn dem modemi vierten 
Baumschlag zix Tage tritt. 

Was die Sflmfttafelu Itetrifft, so TebleD die drei grossem in der Limmat und im 
See ganz, so dass an ihrer Stelle die Wellen ergänzt änd; die klcino Ma^^aUbtafel 
trugt keine Verlegerang&be. nur die Krkl&roDg des Hasastabes in einer Schrift, die 
wieder Nachahmung verräth. 

Noch stärker macht sich diese Xacbabniung geltend auf der TaFel in der obet^H 
Ecke reebls, deren Text mit den Ausgaben von 1Ö70 und 1766 und nicht mit derjenigei^^ 
von 1859 Öbereinstimmt , also die Dedication Murers uud die deutschen Verse ilber 
Zürichs (iescbichte trägt; nur ist hier ivic^er in Folge einer IJndeutlichkeit des nach- 
geahmten allen Planes und zugleich einer bedenklich«] historischen Unwissenheit* zum 
Buudeseiutritt die Zahl 1552 sUtt 1352 gesetzt. 

Ks bodarf keiner weitern Üeweise datur, dass diese Auagaho nicht Ton den noch 
rorliandcnen, aber auch nicht ron verloren gegangenen nrspränglicheren Holzslöckeo her- 
rühren kann, soudeni dass sie vcm einem Naclistich he-rrührt, der noch dazu auf Grund 
eines schlecht erhaltenen Exemplars einer der ält^^rn Aoflagen mit viel&chen Missrer^ 
ständnissen bergesttUt ist. 

Es fragt sich nur noch, wann der Nachschuitt entstand und wie man trotz Existenz 
der alten Tafeln dazu kommen konnte. Der Nachschnitt selbst trftgt, abgesehen von der 
falschen, 157ti, keine Jahrzahl; aber der Autnig von Staatsarchivar Botz 185d gibt 
Aufschluaa aber Iwide Fragen, da er von einer Nacbbilduitg redet, die vor einer Reihe 
von Jahren von Herrn Bacbmann nachgeschnitten und heransg^ben worden sei, was 
darauf hinweise, dass die Existenz der erst von Hotz wieder entdeckten, früher nur den 
Archivbeamten bekannten Originalst^'^cke ignoriert worden; und femer sagt, dass die Bach- 
mano'sche Nachbildung in vielen HSuden sei. (Akten Staatsarchiv, Correspondenz mit Be* 
bnrden.) Damit »timmt auch die Versicherung eines jetzigen Xjlograpben Uacbmatm übereiii, 
welcher bei jenem altern Haclimann, ohne mit ihm verwandt zu sein, in der Lehre war 
und ihn erzählen hörte, das« er um 1826 neue HolzstJJcke zur Aosgalie des Murer'scben J 
Planes angefertigt, aber schlechte GescbAfle mit dem Unternehmen gemacht habe. 

In den BOrgeretats von i^rich findet sich seit 1825 als Niedergelassener ein 
Modelstecher David Bacbmann von Diessenhofen, geb. 1802; 1832 ist er als Modelstecber 
und Kr&mer, 1840 als ModcUstecber und Tabakbäridler bezeichnet, 1845 unter den 
Bärgem, aber nur noch als Spezerei- und Tabakhandler , assoclrt mit Hambei^er. & 
Rtarb 1847 mit Hinterlassung eines Sohnes Dand Carl, Tal>akh;tnd1ers. Mit Modell- 
(itechen scheint sich Bacbmann nur in den ersten Jahren seiner Niederlassung 1825—33 
vorMiegend beschäftigt aud diesen Beruf nachher zu Gunsten deü eintr^licheren Tabak- 
handela nach and nach aufgegeben zu haben. 

Der Nachschnitt dürfte also in der That um t8S6 entstanden sein- Wo die 
sechs Holzstöcke hingekommen sind, ist unbekannt; gewiss aber, dass es nicht die beute 
im Staatsarchiv befindlichen sind. Wie und wann die letzteren ins Staatsarchiv kamen, 
ist auch nicht bestimmt anzogetten ; doch ist es schwerlich vor 17G6 geschebco, da sonst 
eine Betbeiligoug oder Bewilligung des Rathos fQr die neuen Al»drflcke nothwendig ge- 
iraflEis irlro. 



d91 



t^e Holzst^ke dQrft«n im Gigeotbam der Familie Murer oder der Druckerei 

Proschaupr jjehliebon spin; ftir letztere Vermutliang sprirht, das« die Abdrflrke vou Iß70 
im Bodmer'sclien Ladeo gedruckt wurdeo und die Froscbauer'sclie Druckerei 1620—1719 
der Familie Bodmer geliOrte. (Vgl. Gem&lile des Kaotoos Zürich I 315.) 

Vom gleichen (ioschifte därlte der dritte Abdruck 1766 aosgegangen sein, io 
welchem Jahre sieb diese damals von Heidegger gefährie Druckerei mit der Orell'üchon 
vereinigte ; denn der Biicliliinder Hofmeister ist unr als Verleger geiiünat. Zwischen 
1766 lind 178d, wo die Holzstöcke xuerst in einem Verzeichniss der Stadtkanztei er- 
scheinen, durften sie an den Staat verkauft worden m\i. 

Wie dem alter sei, jedenfalls sind die im Staatarclüv vorhandenen Holzstdcke die 
alteu und achteiL von 1579. 

Um schnell zu entscheiden, welcher Ausgabe ein vorlit^eades Kiemplar ange- 
hilrt, dient ah cinracbsie^ Merkmal die Maasssiahtafel. Diese zeigt in der 2. Ausgabe 
von 1670 die ErUärting des Ma^ässtabeü, aufgeklebt in einem jener Zeit entsprechenden 
Drneke, wobei die Commata als schiefp Stricho erscheinen; in der 3. Ausgabe von 1766 
steht unter derselben Krklärung mit gewOhiilicheu Commak die Verlugsangabe : >xu finden 
hei Hauptmann HoUnei»ter, Buchbinder ao der Kosengasse;« in der 4. Au:igube von 1859 
steht als Verlagsangabe: »Oetruckt & xu haben bei Christoff Proscbowers uachfolgern 
Orell Füasli & Comp, io Zürich,« in der 5. oder Bachmaon'schen Ausgabe steht nur die 
tlrklärung des Uasssiab«» in einer altern Ausgatten ungeschickt nachgeahmten Schrift: 
auch ist von der danebenstehenden Windrose nur der mittlere Kreis allein ang^eben, 
während die Holzsti!teke und die andern Ausgaben eine vollstflndige, viel grossere Wind- 
rose zeigen. 

Die Besitzer älterer Aufgaben bitte ich urn gef^lige Mittbeilung unter Augabo 
der charakteristischen Merkmale. 

K SciiWErzRB. 

Mlacelleiu 

HerrgoH «m SchsfflutiHn. j^ 

Auf setner drittea Reise nach Citeaux und Clairvaiix im Jahre 1618 erzählt der Oister- 
zienser P. Jülmiin TftcBler (drey RoLscn unch Cistertz welche auf dus General OitpitI an stnt 
der butTincIieu Provint« F. Jiiau Conrad Tiicliter zu RaittenlüMlat'ii profttis veriichlvt hat 
Anno T> 1605, lOTK) und IRI5. Herausgaben vnn P. Bonnventura StUrzcr in der „Ciitl«r2icnticr- 
Chronik", 4. Jahr^, Bregenz 18^). p. 81: ..Cü ist ein tprich word1> ^dti" grM Ovtt von Srtiaf- 
hauuH*. Hab oft nach gefragt, dnch hat ich rs xa Schafhausen nie ^waget, wo her dis sprich- 
vrord( khume. Disea hut inicL jes P. Prior von Rfaviiiaw bcrichtt und t{V!>ag1, Bs bette KU 
Schafhansen ein gm Cninißx in der kirch(?n. AU almr die stat von dem Cathnlixrhcn tilaubcn 
al>K«-ra]leii, bat der Rhadt dis Cruciltx nel>^n andei-en bilderu zu der xt»i Liiiauii luiweii fiercn 
und verbn-nnKU. Aber %'on diaem CnixiGx bat einur eitt kund bebaltun, diuc ist S starkhc? 
spann laug, ein ftnger so gro« wie ein zimlicher »niih, von dtitem khan die proportinn des 
ganzen bild ^iioiuen werden, Dise band winlt diser Zeitt noch von einer alte Trawen ohr- 
licti auf behalten, so gemcltcr P. Prior wie er nna getagt, erst kurzlich gi-aechru. Daher 
khombi es, das, wan einer gros von leib ist, wirdt er gehaiaea der gros gott von ächnfliausea." 

Slmofi Mtchbur. Goldichmlitf In Baser, IMK. 
Das Jabrzeitbncli vou ClruMUnu^cn -icUriLriM: ,ltcm die uiiw manvtranz ut zu ßaeol 
gemocht wonloii dorcb metKter Himon Naehbur dem goldaclunid 150(t vnd wygt sib<*»lhalb 
mareb vnd vier Io« ailber. lOin niarch vmli XI Old an Oc»\4, «OL-nwA Vi-vtw ^^-e^ wö»&«x 



I 



292 



l-l Imlzon, ntr ver{;Ülil«ii vott all», vtid dm (tlus* kost vi liickmpt'eiiiiifi viid ^in dielten 
plniibturt ward dum buecht zu Triuk^ldt. Duuu liand gcstttrt vjl ehreo biderblilteu hy xzx 
guMcii, das Ander hat die kilchcn dnnifF kcd.' Meee Moiutranx «xücirt nicht mehr. 

Jf Rdfrmann. Lentpriester. 
Zu Nikitus Manuelft Todtcnlviz. 
ti Bokaiiotlich bietet die Eotstehnnfc die»^ Werkes nocb (rrwa« Rltlhsel. JedenfaUs ist — 

Inrie K. v. Rudi zum eraten Hill e« ftD^ütprach — ein f^rmscr Thcil il&t Cykitu prst nach Hanaeb 
■Tod. tiU di($ Uomer Prr.'>liifc-rklo.^t>r bereits zum soEvtt. nieilum Spital nm&i'fvandelt war. 
I AUSK^'l'iihrt worden. 

I Itild XIX ilc4 Todt^ntaCKC» ütelll den Tod ond den Hundwerker dar, Wappen nod 

Namcnssug L. T. gilben auf den aus der Hemer Reform Atjonsge-schiohte wohlbekanuten 
läBnliardTn.-mp, den Schwager Kwinfclts. 

IcJi wt^i>iH nnn nicht, nh srhnu jeniand die folgende Nntiz aus Johann Rallcrs «nd 
Mflalin» rJlmiiiik (Zofiiiirer I)rnrkaustr*'"' W- t'^) beachtet hat- .Den 3. Fdiniar IMl starb 
Hr. Ijicnhurd Trump, ein alter ehrlicher Mann, der im Anfang des EraDf^lü viel Gut« ^otbao ; 
Nwr tttr Uitt» ^trt», 4ü ra i&m Prrdigerm um TWfmloiu gtmaMtt Bind " J. BmehlaU. 



Kleinere Nachrichten. 

Zataniatintgllellt too Carl B^mm. 

^ Aarfiu. KGnlgtftt'ini. Im Juni ist der in der Mitte des Uauptacliiffs IteRndlit'he Sar- 

knphng. nnter wiilchcm Hich die Orufi dir Ui^^Aiu-ffer befindet (abgebildet in Tb. v. Liobenan 

»'lind W. IfUbko, d»» Khmter Kßnitpifelden. Dcnkinllli'r de« KuuiHfJt HabsbiirKi herawi^geben 
von der Anliquaris(jheu «esetlscliaft in ZUnrh, Taf. 40). der Wiede-rherstelhuiK wegen ab^e* 
\x»tt,f*i wonlfii. Uns Innere, welrhes valUtätuliß It^^r gefunden wunle^ war mit nnverputxtein 
Bruchsteinmauerwerk au«KcrUltert, das aua Bmcken vun lt[AULT»toiucn und i^lbliebem Und' 
dtein, den) Neuenbar^r oder Frickthaler Kalkstein fthnlivh. bestund und einen rccht^'i^kifrcn 
Uohlniam vnn ],a€ m Lilnge, 0,(>-i in Breite und 0,'d m Tiefe unischloas. Selu bemerkene- 
wertb int die Rntderknng r'^mitjcher In^rhrin- tuid nuufrsKmente . nu* denen die Sn^iseren 
Oliedcruntfcn de» Sarkophags Bearbeitet sind. Das Kranagesimse besteht aus uelblichera 
8olothnmer »der Frirkthaler Kalkstein, nur zwei StQcke sind aus weissem Mannnr verfertigt 
und zwar Kiebt «ch iliu Rückseite dt-s einen als ca. 80 cm langes BmchslAck einer Säule zn 
erkennen, deren Kanelliningen bis zn einer gewissen U<the mit Pfeifen ausgeaetzi sind. Ihr 
Diaineter, 2A Hohlätrt-iren uuireuoinmen, inu;« ÜJ5 m jfemesäcn haben. VuD den aus Frkk- 
thaler «1er Solothumcr Kalkstein verfertigten lUtiren, welehe die Aussonscite de« Sarkophags 
achmUckeo. K^ben lirh drei Stücke ala Fragmente römischer Im^chrifteu zu erkenne«!. Auf der 
lüntereu Flacliv worden einzelne sehr schon gearbeitete ßuch-itabcn und die Figur eJnea fisch- 
gescbwAnzteu ZieKttnbi>ck«» vorgefunden, die in Hohlrelief gearbeitet ist. Die auf Leinwand 
gemalten Bildniase Herzug I.coiHtlds und der bei Sempach gcfalleDen Ritter, welche bisher 
im Cbore narBehiliiKl. wareu, sind von Herrn Chr. Schmidt jun^jn Zürich restaiirirt worden 
Bei ihrer Kntt'pmnnir fand t^ich in der an der südlichen Schrtt^eile beflndlicLen Ni.->ehc mit 
Bletstifi >!iM Datum l^it rerxetchnet, woraus folgt, dass die OeraUdc, welche diese Ni»che 
bisher verdeckt halten, nach Jenem Zeitpunkte rerfertigl worden sind. H. — Oas Oeffnen dur 
Sempachor tjr9b«r zeigte nur wenige SobÜdel der durch die wuchtigen ScliUlge der Kid- 
gonussen niedergestreckten Kitiur unverwehrt. i^N. Z.-Ztg." vom 11. .luU, Nr. 10*2, Bl. lO — 
Bei Ka'Mraug-t «attchs man auf eiueu circa 20 (jUMdnitmeter grossen rOmiijchen MoxiiikfusatxHlen. 
(,N. Z.-Ztg.- vom i. April, Nr. 92, Beil. und «Allg. Schw. Ztg.- vom i. April, Nr. 7ä, Beil.) 
— WtiVngtH Uan weisa, wie bratal iwiwhen den Jahren 184S und IB60 ans dem ,£apitel- 
MMle des Klonten die sllmmtUchen ürabätoine entfernt und zerBlAn wordäD sind. Nnr eLoer 
ist tbfilwp.ise erhalten geblieben. Man hatte ihn nach Entfernung des Wappens in d«n Bodeit 
de« eil' Parlal'.'rinms einjci-lahsru. Die Ktipfln'whrift lautet: BVDOLFVS COUES 

[)K K.Ai ' : ' -'VVILK. Itei einer im .luui vurjcenommonen rmKnibung des Bodens wurde 
uitn dieser (irabatein eudirültig ircreitcl. indem man denselben in die Kirdie (ibpTtmg, wo er 
aehfm der Südwand de« f^chüTes nnter dem r^ettuer Uegt. R- 



293 



■imL Mitte April wunio mit der HesinaraUon den ZtuueiikmiKea »m Spaleuthor bc^itmoeii, 
rlicbe äkalptareD in KUrk v<>rwit(^rtAin Ziutaade waren. — Dem Hnupl.porUtI 
Mflnstera drohte die Gefahr, durch ein Hoaaik im Tympftnon entabeUt zu vt-erdra; 
bckHnnllicb war untprCliiKlicIi ein polychromes Iteli^f an (li«aer Stelle, dsM aber nitcb dem 
DilderHlarm dorrli fades spttt^thisch&i Muswerk enetzt wurde. Auf vielfache Oppositinii hin 
wurde tode-x der Plan einer Umiuzinuig fallen gelassen und Hnrr Arcliitekt von U. in P. tcg 
sein die&l>£zilj;)ii:h«»i Clutadit^n zitrflck. K. A. St, — Das I't<>nheimdvnkinal im Krtiuxgnnge 
den Mflnaiers »oll in üyps aliKeKO»en wt-rden. (^AIIr. Schw. Zt«.', Nr. 132.) — In der „Allj?. 
Sehu. Ztg.' vom 28. MKrc, Nr. 74, wird eine I^nr,H ^ebrocbun fUr dio KrhalLun^ des nittlHri- 
sehen LetKithurms nnd der Wunsch aiisKeniiriKlieu, daj» der „Verein znr Krlialtiung viiK^i'- 
itAdtischer AlierthUuier' sich seiner uuiehme. 

■era. Die in der llturntkalte ä»r Pfarrkirche pom fhun lietindlirlien ^tliisc-licn Maltreitn 
wurden von Herrn Chr. Sclimidi jun. in Zürich re.itaurirt. llei diesem Anliisse sind in den 
(.«ewolhekHppen die Embleme der Kvan^elisten zu Tage getreten. Auf dem Schilde de« Pona- 
Uiren, der uuler dem VerkOndiguniBTibUde kniet (weisser wukrechter Balken auf Maueui Feld), 
I will man da« Wappen der von Ried erkennen , deren einer tini I4a> da« Amt eine» ScJiult- 
heisseu von Thun bekleidet«. (MiltbeiliuiK des Herrn Ohr. .Scbniidl juu. in ZUricb.) — Auf 
der Peteniinael bei BiA fand man zwei RifibAuini!, von dt^nen Jedoch nnr der eine xu eun* 
servieren ist. OeKeäwIlrtJfj im AarberKerhause zu LiRer«, koiiuut er spiter in das beruiscbe 
Musenm. („Lua. Taffbl.-, Nr. 145; ,N. Z.-Ztg." vom 25. .luni, Heil. 11 zu Nr. 176.) — In Im 
HtHtt4 kam eine MlloKe mit dem BKren und der Inschrift: „lioneta bemeneis'' zum Vomchein. 
Auf der einen Seit« derselben .Berchtold von Zührineea" und diu Kreueerzeirhen. Hie 
Uanze gehört zu den tütesten Bern». („N. Z-Zlg." vom 19. Mai. Dt. I.) — Laut „Uern. 
Volksztg.' (vgl. ,Altg. Schw. '/.tf^.* vom b. Mai, Nr 1()S, Beil.t wurden in Vannwtft daroh 
)r. V. Fellenberg fQnf kultische Gnihbtigel aufgedeckt, ilereu DimensiuneQ zwiw:hen IU-15m 
irehmesser und ä— H m Hübe schwanken. Kimde des ersten HUgnIs: eine Grahume, eine 
jfBrscbnle von Thyn, eine brouxene Aruwchluiife. Fuude de» dritten Hügels . zum TbeU 
ton niner Hllemaniachsn Nachlieatüttiing herrührend: drei Ringe ans Itronee, Perlen etoetf 
tUbaudet»i aus keltischer Zeit eine Qraburne, ein bftlbmündtTlnniges Messer von täsen, eiu 
)olch. Im vierteln Grabhiigel fand man eine Grabume mit KnochenÜberrenten, einen sogen. 
ronnenannwuUt, ein Paar Hracelet«, «in Paar Armringe, vier sogen. Ntippenringe von Bninr.e. 
'Im fünften Grabe stieas man auf eiserne Gurtacbnallen hu:i alleiimnischer Zeit, auf eine Grab- 
ume, ein zwuiHchneidig«« Schwert, auf Spuren, ein halbmundf^rmige» Messer von Riaen an« 
keltischer Zeit, Einzig der zweite GrabhUgel förderte nichta zu Ta|;a Die Fondo werden 
dem hi»Iori.«chfn Museum in Bern einverleibt. 

Frtibvrf. Au.'^ Sugiu wird die ßnldecknng eines romischen (?) Tbtutnes gemeldet. 
{„Bnnd", Nr. 138, Bl. 1.) 

Q«l. Bei den ReRtaumtinnsarlietten von St. Pierre fand man einen gut er)ialt«Bea 
römischen (trabstein mit nnr wenig verttllmmelter Innehrifl. Der Name de« Begrabenen, 
deaeen Vatersname nur in sch\^er au ergänzender Ventlhnuielung erhalten ist, Uutet Coius 
Aatntos, seine Stlhne, die ihnt-4as Denkmal erriehtoten. bieasen Graer^u nnd Rnsticiu. l>io 
Gattin dee Coius Astutua. Verria Vemla, kennt man aus einer Inschrift Corp. Inacr. 3086; von 
der nimlicben Frau und einem wahrscheinlich atu einer ersten Ehe stammenden Sohne Cal. 
Verriß handelt Corp. Inscr. .ÄSO. (,Allg. .Schw. Ztg.', Nr. 192.) 

Latsra. Die kantonale tic Werbeausstellung enthalt als Anhang eine Omppe Alte Kanal. 
Oeuanni; »eien eiu SchniCzoltar und mehrere spftigothiache Altarflügel; den Rest der nicht sehr 
bedeutenden Abtheilnng bilden Ko^ttlmbilder. E. A. Sl — Bauarbeiten, die im Jnni IBÜB in 
der Koputintrk{r€h§ auf dm WettnUi bei Luzern vorgeiiomi««» wurden, halmn zu der Wieder* 
aiifdf cknng der im ..Anzeiger" 18!<ä, 8. MA erwHbnten Gewnibemalureien geführt. Die weimKn 
KiippHm des Schiffes und des Vorcliur« »lud vüu schwarzen UmamenteB omrahmt. welche an 
die bekannten Ki^tner'schen Intaninmotive erinnern. Dank der Initiative des Herrn Oltemt 
H. V. Segesxvr*Crivelll sind die«« Decuratioueu nun stilvoll wieder hergestellt worden. R. — 
[n der Krgptn der SttfUkirdu ron B^omämttr ^nd Knde Juli ilie umfangreichen nnd lecAiA.- 
erhalteneu Reste von Bildern twd Üniameuteu imn 'JoKii\i<n,-R »jiVvwwmä, *&fc ^w- •^'-^■<^- 



294 



petenter Bericbteantatber »b baDdwerklicht.', über frisch uni) tUchtis nasgefUirU! Werite aus ilem 

AnfttitKc des XVL (?) jR^rlinnderts bezeichnet; indesäeD, kanm aofj^edeckt, warden die-selben, 

uncli ehe Hescbreibungea und Copi«n angefertigt werden konnten. auT höheren Befehl de* 

H«rni I'mi>fctfti Stiilat «um grßasten Theile y-ersiort. (,VAterland''. Nr. 147.1 Cf. S. 380— lÄJ. 

, Naa«nbiir|. In dur .FeuUle d'Ävi» do Nuucbät«!" vom 4. Mai, Nr. 104, worden die Lvsur 

'vor den Fal»cherB ([owamt, die den Kantnn nach allen Richtunjieii durrhi-ieJicn , den Iiieb- 

1 babeni unecht« OlasgemUde, Fuyuacou und Porsulbtue anbietend. Der Einsender der War- 

nang, A. (1., räth entschieden davon ab, hergelanfenen Agent<^ etwna ahxnkaul'en, es sei deon, 

' dua der LetrefTende Uegeustand vou eiueiu koiupet«aien Kenner als echt erkannt wurde. 

Scliwyz. Die vier reichen RArnckalc&rr der Kirche zn Steii%m worden anf ein Gutachten 
von Herrn Frnf. Dr. P. Albert Kuhn hin, nachdem 8ic %'orher photographisth aufgenomnieD 
worden waren, nach Aaran zur Ite^tanration gesandt. In den Sepulcriü de-i QeinAnera fanden 
sich Glas- und Zinnkap«eln mit Weihurknnden vor, welche vorderhand dem ziutJLndigen Archive 
Überleben worden sind. (Jnli.) S. A. St. — Kütinaeh. Das LSuten iu der Hohleu-Cinss- Kapelle 
ist infolge mehrerer Hisse in den Mauern eingestellt worden. Der Gemeinderaih soll Hieb 
neuerdingK wie<ler mit der Fra^ de^ Neuhaiis Itescblftigen , nachdem 1689 die Oefabr eines 
Abbruchs Klücklich abgewendet schien. UUsste die jetzige Tellükapelle , die von ]H!J8 datirt, 
verschwinden, sn verlöre die .StStte jeden Reiz. ß. A. St. — Von der alten Bnnwkkirche zu 
IhihtHtJiurm titokt nunmehr nur noch die schlanke Vorhalle und TrUmmer von Mauern. Da* 
neben <:Tbcbt sich ein groomar modeni nimanisi'ber Neubau. E. A SL 

Mtttm. Die llesiauraliou tlen inlerusjanit-n bOlzenieu Reliqnienschreius vou SchOuen- 
wcrd, aof denen Wänden anter höizemen Spitz bogenreihen ö<l verscbiodenc Heilige in i^or^ 
nUiger Malerei dargestellt sind, wurde im MOrx anter Leitung von Uerru Prof. Kegl be- 
gonnen. Der Schrein dürfto rheinische Arbeit aud der zweiten HMfte de« SV. Jahr- 
hunderts sein. E. A. St. 

Ttwla. Rahn. .Die luiltetolterHcben KuQstdeukmftler den Kantons Teesin", besprochen 
von Z. im .Vaterland" vom 2. .April, 1. ß«il. zn Nr. 74. 

Thirgau. I..atit „Anz. am Rh.' fand man auf der Linie ßtsweilen-Srhaffltauaeii einen 
Topf mit BronzemOnzen auis der Zeit des Kai^iers Ualliuuua. <„N. Z.-'/ii^," vom 12. April, 
Nr. loa, Bl. i und ,Allg. .Schw. Ztg.- vom 13. April, Nr. 86.) 

Wiadl. Bei St. Sapkcrin wurde eine Pfahl bauiiiederlawiuiK entdeckte („N. /.-Ztg." vom 
9. April, Nr. 90.) — Ueber den Münz- und Thonwaareafund von Hvl« vgl. ,Bimd~, Nr. 138, 
BL li. — Ueber den Mitnzfund bei Vattyrtfiou^-Bamees erschien ein Bächleiu von Maurice 
Barbe.v. Die Münzen mnd mit einer einzigen Aufnahme biitchöfilcb-buisaDimcbe Silberdeuare. 
(,AUg. Schw. Ztg.- vom 8. Juli, Nr. 168.) 

Willb. (Fnndberidit.i Im Laufe de« Winte-n. l&iKl brachten Zeitimgen die Niirhrichl 
von einem OrÜberfuad in f'ullg mil römiecheu Üoldmünzea und zwei goldenen EpanlHtcn. 
Schade, dass bei genauerer Prüfung da» Gold mch in Kupfer verwandelte (wie schon frUber 
ein «römischer Ombsteiu" vou Fully sich hinterher ol» (temeiner .Marchstein" entpuppte). 
In Wirkliclikeit fand man bei dorn die?<j(lhrlgon Aufdecken von <_Jralteni bei F«Üy ein Dutzend 
römischer, oberÖilchlich oxydirter KnpformlinzeD, mit zw«i tUcbcn, be*cli4digton Bronze- 
Agraffen („lea Epanlctteä") und einen irdenen ABcbentopf, der von den Arbett«m leider voll- 
aUndlg zertrümmert wurde. Der Fund wurde sofort fUr da« Walli««r KantonMl-.^luKeum ao- 
gekanft. Von der Lage und BeAchatrenhett der Qrtber n. «. w wusste der EigenthOmer der 
Fuud)(tatle uichtct NähenM zu berichten. B RiU. 

Zv§. Am il. Juni brannte in fUicktnstorf das Wultlmannhiiuä nieder (.^N. Jf.-Ztg." vom 
) ». Juni, Bl. i; vom H. Juni. Nr. l'J5. BL 1; vom 16. Juni, Nr. 167, Hl. 1). VgL über dfts- 

1 selbe den „Anzeiger fUr Schweiz. Alierthuniükundo', Okt. 1892, den Katalog der Waldmaun- 
Autttellung von 1889, Carl Dandliker: Harn« Waldmanu (1B8B), Dludlikua Schweizcrgescbicbt«, 
2. AuA.. Bd. n und dfci ..Zugor Nenjahrshbitt- von 1896. 

ZIMcb. SapptL. Am &lorg«n des £S. April brach in dem vor 4V— 5U Jahren ersteUteu 
CorrectiuniigehAude Feuer aus, das schon den Cborder ttUdwestÜch vorliegenden Klneterkirche 
b«drohl«, indewen, weil Wludütille herrachte, noch rechtzeitig bewältigt wenlen konnte. — 
Dem schweixeriachen Landesmuieum hat die Kirchenpflege von Kmohoh meiirere FriestheUe 



mit Bi)XlKutIiiKc)iPU Fliu-httclinitzerfitfu Kn»:benk^^tfi«c llberlMseB, welche elimleni die dortige 
Eirchendecice geschtnllckt hatten, ßine gensscre AnzM f^lpirJier Arbeiten, mit woblerhaltenem 
Farbetucluiiucke, der JalinwuüU 152^ und dem Himoip^mm NV versebeo, »md aiu dem Scbifle 
der Kircho vnn Dorf bei AnilcIfiii|H:.-n fllr da!»eUi<^ Museum erwnrhcii worden. — Bei der Ver- 
setznQg der Fenster des BarfÜtserkrtutj/angea voa Zürich m doQ VVe^tfltigel de» LandenmueniDs 
wurden zwei alte Jabnwztthlen 1418 und 1510 entdeckt, die mit arabischen ZiflTeni in einen 
Pfosten gemetsselt sind. Spätestens 1419 liauu aumit der Uau de» KreuzganKe» uuj(e9«tzt 
nrerden. — tn Butacliictil wurde eio Hamutzobn von zwei Meter LAnge liuf^t'nnden. (,N. 
Z.'Ztj;.* vom ID. Um.) — In einer Wiese neben dem alten KlOsterli am ZUricbberif \vunl«>ii 
tnoterdicke Mauen-este gefunden, ohne Zweifel Feberreste de8 alt«n Chorherrensl-iftea St. Murlm 
auf dem ZilricltbcrK. (.Z. Taub)." vum 22. Uai.) — In der Pfahlbaute KolmihauMn kam eine 
^t erliniteue bDlzeme SchnpHcelle zum Vorschein. Man fand auch feine wie gewöhnliche 
Pischemetze und verkohlU» üetreid«. {,N. Z.-Ztg." vom 23. März, Nr. 82, BeU.) — In Feuer- 
thaien fand man laut «Andelf. Ztg.* die Rei^tR eines römischen vierecki|ren Wachtlhnrms vuu 
-sieben Meter Län^e und sechs Meter Breit«. Die dein Hbeiue zujfekeUrte Seite war halb- 
kreisförmijf ausgcbuffcn. f,N. 7..-Ztg.' vom 18. Juni, Nr. Ifii, Beil.;) — Laut Aufruf im 
Inseratenthcilc der „N. Z.-Ztg." vom 6. April, Nr. WJ, Beil. 1, fällt Schlose Breiten-La]idcnl)erg 
bei TurbwtM, wenn nicht anderweitige Eigeatlmmsrecbte au dasselbe geltend gemacht wer- 
den, an die elafttHiach-frei burgische Linie der Familie Breiten-Landenberg. — Im Aoguat und 
Septeml^e^ I89S fanden in ZOHeh zwei Auktionen sutt: am 3<). Ausist ward die Sammlung 
von AlterthUniern des Schloasett SchwanilegK versteigert, vnni -1. bis 1^. September di#ijenige 
des Herrn J. .1. fiuliier von Zürich. l>ie erwiere enthielt Waffen (ganze RlLstnngen, Hello- 
l>arden, Schwerter, Feuerwaffen etc.), sowie geschnitzt« ostschweizeriscbe Schränke, SlQhle 
u. 8. w>, die letztere Möbeln, Stickereien, Teppiche. Waffen, GlaHmaTereien, Fayencen, Pi>r- 
zellan, Metallarbeiten etc. metat zUmherixclien HrsprungK. Die Firma I.enipertx in KiVln bat 
dit! Auktion geleilet. Siehe den hei M. Du Munt-Schautwrg in Köln on«chienenen illustrirten 
Auktioiiskatalog. — Zur Auktion Gubler vgl, ,N. Z.-Ztg,* vom IH. Aug., Nr. ^iÄ*, Beü-uml ^N. 
Z.-Ztg." vom 17. nnd 21). Juli. — Laut ,N. Wlfar. Tagltl." fand man heim Abbruch eines 
Uause« an der mittlem Harktgasse xu Winltfikiir eine groMe Anxalil nienscblirlicr Skelette 
und mehrere römisclie Lftmpeheu, die inuitimiia«slic1i uua alten Rüinurgriibent stammen. (.2^. 
Z.-Ztg." vom 12. Aug., Nr. HM, BI. I.) 



Annaleg d« h Soei/t4 ^ArchMogie dt BriLctlln. Tome VII, Livr. 3, I Juillul 1803. p. 3lKt. Lm 

fouilles de Cheseaux ot de Morrctia (SuikscJ par E. DtUtMtrl-de MoUinx. Mit Abbildun^n. 
Autiipia. Beitrüge zur prfthistvriscUen AreUUologie. Stnusburg i. >*. 168S. Kiue allitali^che 

ßgurale Orabume von Giomtco. 
Archira hiraldiqvts Suitim. Avril-Juillet 18^ Chronique de la Socidtä Sutgse d'b^rnldiqne. 

Dutuiii nnd Wiippen im Tliurm von Erstfeldcn von **. OmU. Hoher GerichtsBiegeJ- 

Aeiiilenmge« von >*. JtckUn. 
BiVioj/raphie dtr ju-Amcimt. iMitdtMkutittt. Faso. D. Stadt- nnd Ortaehaft^tlAne, Reliefs und 

Panoramen der Schweiz. Heramtg. vom Eidgen. Topogr. Bureau. Eed. von J. U. Qraf, 

B«ru, K. J. Wyss, 
aötih, Kd. Die Umgebung von Bern vor Gründung der Stadt. Gr. in-e*. 34 S. Bern, 

K. J. WysB. 
SoUrittNtf ttoricö dMa Seisitra italiana. Anno XV. I69Ü. No. 4— &. Aprile-Maggio. Dr. DUffo 

8anl' ArtArüffio. he scultnre del rinsscimenio uell' oraturio di Uuucuccn provenionti da 

Lujiano. Arehitettj ed inge^neri militari sforxesclü. Üiuguo-Luglio. Vua nuov« epigrafe 

preromana dl MeiMcco. A pruposito delle .,Ca<ie dei Pnguni". 
Boule, M. La Station quatemaire du Hehweizersbilil, pri-s de Schaffonse, et les fouilles du 

ilocteur Ntieseh. In-6*. 85 p. et plandies. Pariö, Leronz. — (Estrmit des Nonvelles 

Arcliives de» missiom« scientifiques et litt^mires.) 



296 



BurffH und SchläMier der *A«v»*. flezMcliMt von >', Küpftr. In Llchtiirack luTausgegfKrn 

von H. Bet«OD, B)u<«l. OVmmissiuuavfrlaj; roti Geure & Co^ Ikud. Kicui-Vuer-J-'uho. 

Ejracbetot in 4 Abtheilun^eii zu 2Ü Lieferungen ä b Blatt. 
Burrkkordt, DanM. V'iUe JaUrl>ucli. 
r>ralaN>«n. Fritdrieh. Ulrirh von Roaingen. Ein Beitrag zur Glescbichl« Act Gothik in DcutHck- 

laud, mit 17 Kieurvn im Text und 1» Tafela. MOachen, Tb. Ackermaua 180». KuÜiält 

die Stuiiratat^l der Bnsinfi:<>r. 
DHtsttrt. Vide Auaal««, 
B^i, S. KirchengMchichte der Schweiz bin auf Karl den Croitsen. Mit AbbildttngeQ zeii- 

Kenö88i»ehw DcnkmHlcr. Gr. in-Ö*. VII, U5 S. ZUrich, A. Frick. 
Giadbath, E. ('buniktcristische Hiilxbntiten iler Srliweix. 4 (Scbln3»-)Iiiefening. Mit 8 Lichi- 

(Jrucklfifelii u. Illu»tr. im Text. Ot. in-Ful. S. 15— W. Berlin, Hasslisfc & Spivlim-yri". 
Grtmaud, J., Abb«. DiKUments relutifH A rhixtaire du Vallais. Tnme VI. I37fi— IlOä. lu: 

UemoireH et clociuueut« publik» pu- I« »ocidlä d'liistuire il« la. Sitiue romaude- Tmne 

XXXVLL Laiuanni', Goorfc«'^ Bridt^l & 0»., 1898. 
Jahmbtrieht XXII tUr ht$loritekiiinti^uari»cJ>t>t OttJlgchaft r«M OratibOndru. Jahrg. IBt)2. ('hur, 

Drack vod .Spn-L-b«r. Vii^li & Honmuvr, Idfiö. Knibält F. r. JtddiH, Du lUslchen vun 

Scbeid. 
Jakr^abeHehL Vide I^ande^modeum. 
Jahrbiifi d*r i-g. ptttmitdtin Kmntttammtungm tS9S. HeA HS. DanM Bmrtkhardi, MHrlib Sclion- 

l^^uer und srine Brüder in ihren Bexiehungeu xa BaaeL Ein BeitrAj; zor L«bem>- 

f^eMtiiolit« AlbrticliL Dtirers. 
Jäiotiiom, tekutiterü^M. XXIV. Heft (Bd. lU, Bogen SS— 88). Fraueufcld, J. Hub«-, 18>^ 
Küpftr. Vide Burgen. 

landttmuteum, »ehweinritekn, in ZUrich. Jahmb»rMt fllr 1892. Britattet im Name» der eid- 
genössischen Laade«mnsenmi)-OomnititsioD von der Direktion in ZOricb 1S99, 
Lthmati«. Dr. Hant. TerzeicbiiiiKi der GlaüKernftlde dt^s KMutuus Aurgttu. Iti: Kl. Miltbdlungen, 

Verkehrsorgiui der mittelschweiz. (ijeoi?r«pb.-konimcr3iipll(;n GuscIUchal't in Aarau. 1893. 

Heft 3, S. 42 IT. 
ihr*, Dr. ffWiAw. Fenster- und Wappcnacbenkongen in Anrau. In: Kl. MittheÜun^en, Ver- 

kelintorgau der mitteUcbweiz. K^ogr»pb.-kommeriiellcn GcselbtebatY in Aaran. 1808. 

Heft 3 u. ff. 
MittheitungtH , ktein€. Vtrkthncrgnn d4r mitttttfbtftit. gtorgraphi»rk-komm»r*itBm Gutllachafi tn 

AaraiL Kin I.nl)«prncfa auf die -Stadt; Aarnu. Mitfrcthuilt von J. KtÜtr in WnUingen. 

Dr. W. Stert, Fenster- und WappwnBcbenkuujteii in Afttau (.Scblmö). 
JfM^r HMwUMvti. No. 4— d; Architecture ueochiteloiae (av. pl.}, par A. Oodtt. Ooa|>e nea- 

ehitobiw da XVUI* ai^e (av. pL), par A. OoäH. Jttin. Les pivoises (av. pL), ptur 

A. Oudil. No. 7: La .Cage'^ du chAteaa de Vulbuigin, par C%. 0. Tiuol, 
Pfutiit, J. O.. Arcliivar. Die Hallaner Bergkircbe .St. Moritx. GeHchicbUicbcr Vurtraif, ge- 

haltra bei Anlws ihre» -lUOjftlirigen Jiibiltfume den 3. Januar I8S6. Hallan. Bucbdruckerei 

G. Schmid, 1898. 
JZoAn. J. R. L'Iäglise abbatiale de Pavenie. Memoire tradoit de rallemand por H'inttim CaM. 

CSodMä dliistotre de la Suifwi! Romande.) Avee vuea, pluncbes ei Rgarm dua le texte. 

Lantanne, U. Bride! & Co.. I89B. 
Stammtrr. Jakob. Die St. AntoniiUfkircbe in Bern. Ja: KathoUscbc Sebweizer-BUUer IX. 1808. 

l. Heft, S. 41! ff. 
Drratib«. Der Ounucbatv von Lansann« und seine Uebermt«. I.Theil. Geschidite des Dom- 

Schatzes. In: Katbolüicbe Scbweizer-BUtter IX. 18»3. II. Heft, S. 158 ff. 
«. nekanur, Dr. O. von Bürür. Die bildeudvii Kilnst« und dua Knotit^werbe in der Schweiz 

im .labrc 1S!>J. Itcru, iu ComniUsmn bei Scbmid, Francke A Oo., 18:i3. 



RedaeUoo : Prof. Or. J. R. RAKN in ZOrieli nad CARL BRirK in IUceba<^h (Zäricli). 
Druck von E. L&manh la ZUricb. 




Aiireigepf schwell 4ttepü'.i- 



^ 
k 



I 



Zur Statistik schweizerischer Kunstdenkmftler, Canton Tessin, m \. R. Ribn*). 

Jahrpwg ISs)2. Nr. \. (FortteUtiing.) 
Die Weite des Cborbogeiui beträgt M.5,0d. Der Chor ist mit einem rippeoloieA,'' 
spilzbogigen Kreuzj;6wö)bo bodeclct, desien Qr&ten in den Ecken auf foniitoaen Krag- 
steinen absetzen. O war derselbe mit zwei Rundbogen renaler Q geöffnet, mit denen im 
Tnneren xwei ziemlich hohe, halbrunde Nischrn correspondiren. Di*r ganze Itau war aus 
Brucbateinen errichtet, dut die Kenater — auch die des ScliifTeii waren iirAprOnglich 
im Rundbogen geführt — und die Eokleaenen de« Chorea sind aus Uuadcro gefügt, 
ursprünglich war das Aeusaere ganz mit rothem Stuck überzogen, in welchem 
weisse Quaderfugen eingerissen waren. Die Bcken den Cbore« sind durch I^eapnon 
verstärkt, sie erhalten ihren Abächluss durch einen WuUl, der auch den Ostgiebel 
begleitet und die N und S-Seite bekrönt. Darunter ist die Fronte mit einem 
üigenlhümlichcnZierrath von kreinrnnden, grün glaairlen Becken belebt, diekreurftinnig 
um die Qiebellucke und in roaettonarligen Combinationen ober den beiden Konster- 
bjSgen in die Miner eingelasaen sind. (Fig. 97.) Gleiche Einlagen sind In zwei über- 
einander befindlichen iCuiUeu unter dem 
Kraozgcsimse der Süd- Wand angebracht. 
Das W-I*ortaI de» Schiffes war mit einer 
ungegliederten, halbrunden IjQnetle be- 
krönt. Neben der schmucklosen N-Seife 
steht der kable Thurm. Kr ist zu oberst 
auf jeder Seite mit 2 gekup[>elten Spits- 
bogenfenetern geöffnet, die 7on einer dop- 
pelt gefalzten IlundbogenbloDdc uro- 
»cblossca werden. Die einfachen TheiU 
s&ulchen sind mit korinlhiairenden Kapi- 
talen ?enehen. Uebor dio goch. irnfwl-] 
ijernölde of. Jacah lUochhnrdt im dcutachoi 
Kunstblatt. Jahrg. I. Leipzig IB50,S,276| 
Crowe und Cuvalcoselley Geaeb. d. italJ 
Malerei. Bd. VI. 3. 73. Bahn, Mitthlgj 
der Antitjuar. Ges. in Zürich, Hd. XXI.^ 
Heft 2, S. 34—8». Ders., Anzeiger für 
Schweiz. Alterthumskiinde 1882, 3. 26'.). Am Aeuasereo des Schiffes mochten dio 
Malereien des l'ortales bald nach 14^4 eiiistanderi sein. Hturz und Bogen waren mit 
gut Htjliairlen Blattornamenten dokorirt. Im Scheitel des Bogens ein Sledaillon mit 
der lialbligiir dea segnenden Heilandes. InTynipanoo die lUlbtiguren Maria zwischen 
S. Jobs. Bapt. und einem rilterlichen Heiligen. Ebenfalls an der Fa^ade sah Jarvb 
Burrkhardl I. c. eine Messe des hl. Gregor, , welche in der zarten, edlen Innigkeit 
de« Ausdrucks sowohl, als in der Behandlung einem frühem Fra Qioranni ähnlich 
sab.* An der Seite des lianghauses befand sieh das grosse, Mitthlg. I. c. M u. An- 
zeiger 260 beschriebene Cbristupborusbild. Die Minuskolinschrift auf dem Spruchhaade 
des Knäbleins, »(xp)« visa fori manus | est iniroica dolori* entspricht den ChriBto- 
phorusiuschriften von ßiaaca und S Uernardo bei Monte Carasso. Eine unter dem 
Riesen befindliche lusobrift; ,1442 diu 3 Juuii hoc opua fecit AtUomus f. Magistri 
Jacoin de Murinis de Morturia*, welche Xmsi p. 28 mittheilt, ist später durch 
einen Grabstein verdeckt worden. Daneben war Ton einem Verkündig ungaliilde die 
*) Alle Kedite für Text und IlJastrstionen Torl>eliftlt«n. 




Fif. 97- 



S. MsHs In Seivs bei Loosrao. 
Aitslolit des Chores. 




34 



^th. Pigar doB Engels erhalteo. Im Inoeron des I^angbauaea war die Südwand mit 
6 Einzelbildern, vermuthlich Stifhingen verschiedener Donatoren, geechmOckt. Im 
Clior 1) Oewölbemalerei ; breite Bordüren, welche die Grälen begleiten, sind mit 
atitrollcn, Bpätgothischcn Ornamonteo geschmückt, die Kappen blau mit schwarzen 
Streifen quadrirt. Am Fuss derselben jedesmal 2 RundmodAÜlona mit Evangcliaten- 
emblcmen und den llalbftguren ton Propheten und Heiligen. Der Rest der Qe* 
wJJIbe-Kappon ist mit Einzeißguron und Gruppen auf blumigem Wiesengrundo ge- 
schmückt: t) Krönung Mariee; 2) die 12 Apostel; 3) posaunende Engel und 3 
münnliohe Heilige (S. Franciscas. profaner blondb^rtigor lleitj^or mit Stab unil 
Palmzwcig, hl. Bischof). 4. S. Mauritius, S. Johannes Haptista und eine weibliche 
Heilige, Im Zusauunenhange mit den Oewölbematereien mag die Ausschmückung 
der 3 Schildbögen unternommen worden sein: O Madonna als Mutter dos Erbarmens, 
snr Seite die kleineren Figuren Maria und des verkündenden Engel». Tiefer zwiaoben 
den Nischen die wahrscheinlich späteren Bilder des LI. Hartholomojus, Crucitixus 
zwischen Maria und Johannes (am Fusse des Kreuzes die Minuskelinscbrift: 
a bnardus f. Johanoli (Qianoli von Carabbia) oracagnini fecit fieri"). Zu äusserst 
rechts 9. Bemhardln von Siena. Zu seinen Füssen I. die eingekratzte Minuskel- 
inschrift ,1479 die venis | XII febriy pxnde | orello fpit | XV XVIIj | XVlIIj* 
N'Wand : oben Christi Geburt, darunter (gleichzeitig mit den GowÜlbcmalereien) 
1) thronende Madonna zwischen den beiden Johannes in gleicher Umrahmung wiu 
die Gräten des Gewölbes. 2) 8. Rochus (später); 3) Darstellung Christi im Tempel, 
das letztere Bild mit deutlichen Anklängen an die Renaissance. Noch liefer in einer 
dritten Reibe (nach den umrahmenden Bordüren zu schlieasen gleichzeitig mit den 
Oewölbemalereien) Gott Vater, der den Crucifixus h&U und S. Jobannes Baptista. 
S-AVand. Schildbogen: Grablegung Mariie Darüber in einem Medaillon die Krönung 
Hariffi, 2 seitliche Medaillons enthalten, grau in Grau gemalt, die sitzenden Gestalten 
zweier Propheten, der eine mit der Minuskelinscbrift : .de fruotu Tcntris tut pona. 
BUp scdom tuam' (Psalm 132. 11). Tiefer 1) S Johannes Baptista (spSter). 2) B. 
Oeorg zu Pferd erlegt den Drachen (später). 3) Madonna in trono mit der an- 
betenden Figur eines Donatoren, darüber die Minuskelinscbrift: ,cccc. 1. XXVI. die 
veneria XII mesis aprilia hoc opus fecit fieri beroardus de martigtonibus de medio- 
Uno ad honore virginis maric' Darüber (unter dorn PropbetcDmedsillon) , . . . ri 
hoc opus iacobinus de vatUate (Bollato) pixit." (Mnrtinone jetzt noch blühende 
Familie in Minusio, Martignoni in Vira). Madoimenstotue. angebl. aus S. M. in Selra, 
jetzt in der dritten Seiienkapotle zur Linken des Eintretenden in S. Antonio abbate. Die 
nahezu lebensgrosse Figur ist aun Holz geschnitzt und beinahe ganz vergoldet, eine 
tüchtige, ohne Zweifel deutsche Arbeit aas dem Anfang des XVI. Jbrhdts. Die 
flobön und reich drapirte Madonna hfilt thronend das bekleidete KnSbleio, welches 
auf ihrem Sehooae steht. Die Blumenvase in der Linken der Madonna ist moderne 
Zuthat. Der Sage zufolge war dieses Werk (Ür 3. .Maria bei Maggia bc-stimnil, als 
aber die Pracht auf der Stelle von S. Antonio angelangt war, Termochlen aeebs Ochsen 
dieselbe nicht mehr fortzuziehen. R. 

S. Quirico. Der Thurm dieser O von Locarno in der Gemeinde Mtnusio Ober 
dem Ufer des Langensees gelegene Kirche hat ursprünglinli ohne Zweifel als Warte 
gedient. (Fig. 1:18.) Itullurini, p. 305 berichtet, dasa er wfthrend des Krieges mit den 




» 



Fraozosea (1503?) «icder- 
liergestelU worden aei. Die 
kahlen MsuerD eiod unten 
mit viereckigen, in den 
beiden obersten Gescbouoa 
von zwei* und dreifacb go- 
kupi>elten Spitz- und Rund- 
bogonfonstem verachen, die 
Bögen thcila einfach go* 
Hcbr&gl, theite reobtwiukeljg 
proHtirt. Itason und Kapi- 
tale der Tboilaäulcben sind 
ohne Rusgeaprochene For- 
men aua Klützen und 
Schrägen gebildet. Die gc- 
trenot neben dem Tburme 
stehende ßarockkiroho trfigt 
im Inneren das Datum 1734. 
R. 1872, 

Vide Muralto. 

Lodrino, Pfarrdorf am 
rechten Tessinufer , Bez. 
Riviera. 1) PfurrkircUe im 
Dorf. Der in die moderne 
Kirche eingebaute Thurm 
ist ein kahler roman. Bau, 
der im ersten Stocke paar- 

II ■ ^ i weise gekuppelte Rand- 

- ^i^tO^^»^/ -^ bogenfenster hat. Die ein- 

Fiy 98. 8. Quirico bei Looarno. facbeoTheilatÜtzenaindTier- 

eckige Pfeilerchen mit uDvollkommeneu Würfelkap itälen. Der Hochbau ist ein fipäteror 
ZmtAz. An der Kirche ein l718daUrtea rAris/cp/iorriai^iM. K. 1885. Kia ahea Mt»iibnch 
(lfaa.),\welßheB die Kirche besass, wurde auf Befehl des CnrdinalB Frederigo Borro- 
meo der AnibroBJauisüben Bibliothek in Mailand aborgoben. (Holl. V. 1883, p. IttS). 
2) Die N oberbalbLodrinoaufdem Monte di Paglio gelegenen KaptÜeS. Mardun 
(CapelladicPaglio—diPallio. Vgl. Zürcher Tasobenbucb 1887, p.39n.f.)8obeiutaus roman. 
Zeit zu atammeo. ] Sie beateht aua einem einschiffigen äaohgedeoklen Langhause von 
M. 1 1,65 L.: 4,82 Br, dem sich eine halbrunde M. 4,07 weite ApsiBanschliosst. Da» Innere 
und Aousaere beider Theile ist kahl, die Fenster sind viereekig moderniairt. Der 
Mitte der W-Fronle ist ein ebenfalla ungegliederter Thurm vorgebaut, zu dem vom 
Schiffe eine Thüre mit leerem halbrundem Bogenfelde föhrt. AU Träger dca Tbiir- 
sturxea fungiren zwei glatt gekohlte Conaolon. Von den beiden Fenster geschossen de» 
'Iburmesittt das erste mit paarwoiao gekuppcItenHundbügen auf viereckigen Tbeilatützen 



36 



ohne Kapitale und daa oberste auf jeder SeHe mit einem ebenfalls uogegliederien 
RiindbogeDreoster geöffnet. Im ScbifTe beSadet «ich an der Nordwand ein aber-! 
tQnchtea gotb. Wandtjetnäide mit der MinuBkolinsobrift: m. ccco. XXX ItJ boc opuai 
fecerunt fieri liomines coniuno de (monte pario)? id hooore b(c ^irg.' Daneben 
der Kopf eiaee gothiscbco BischoCs. Die Ualcreieu, velcbe die Apsis scbmückeai 
sind mit der loscbrift «rinorato 1583" Teraoben, woraus bervorzugeheo scbeint, daaa 
damals eine Frueuerung älterer Scbitdereien statlgefunden bat. Diese Annahme be- 
stätigt die Anordnung der Bilder. Sie stellen in der Halbkuppel einen Engelchor 
nnd die thronende Madonna zwischen zwei heiligen BiBchSfen und darunter die feierliuben 
Oestalten der alebeudeu Apoalel vor. AmAeu»soreu des Scbiffee ist an der S-Seice die 
Oestalt des hl. ChrisUtphnrua in ühnMcher ÄufTassuDg, wie an der Kirche von 3. 
Biagio bei Bellinzona gemalt; daneben siebt man die 3pnren eines zweiten, eben- 
falls »pätgothiscbeu Bilde«. H. 1885. 

Losone. Pfarrdorf bei Aacona, Bez. Loearno. 1) Die i)A\yt Inschrift im Cboro) 
1776 geweihte Pfarrkirche >'. L'tr^nso besitzt ein derbes spfitgotbiechos Vortraifc- 
kreuz von verguldeteai Kupfer aus dem Ende de» XV. oder Anfang dca XVI. Jbrhdl«. 
Die Schaaaeite schmückt die rund getriebene Figur des Crucifixus, umgeben von 
Halbfiguren, welche in kräftigem Itelief die treffel form igen Kreuzenden nchmücken. 
Sie Btellun oben einen Engel, rechte 8. Johannes (die Madonna fehlt) und am Fusse 
die hl. Magdalena ror. Von dem Stamme lösen sich aufsteigend zwei tauartig ge- 
wundene Drätbe, auf denen 2 Engelcben, jedes mit einem Kelche, stehen Ein drittes 
Bugeleben, das eine Hostie hJlt, steht auf dem recbteu Ende des Querbalkens. Von 
den Relief, welche auf der Rückseite die Kreuzenden schmückten, i^t nur nocb 
die Ilalbfigur eines Kngels mit Buch erhalten. Alles Qbrige, sowie der Besatz der 
beiden Kreuzfronten fehlt. li. lS8d. 

2) Kirche S. Gtorgio. Hinter dem Cbore der 1799 datirten Kirche (die bezügl. 
Inaobrift am Weatgiebcl) betiodot sieb die Sakristei, der Cbor eines älteren Oottea- 
hauHes. Der M. S,44 (N'S) br.: 3,07 tiefe Raum ist mit einem M. 3,83 hohen, rund- 
bogigen Tonnengewölbe bedeckt, daa hart über dem Boden anbebt. Tonne und Ost- 
wand sind mit Heissig, aber geistlos und handwerklich du rcbge fährten Malereien gc- 
ttchtnückt, die mulbmasalich aus dem Anfange des XVI. Jhrbdts. stammen. Die 
Wölbung ist der Länge nach in drei [Felder getheilt, von deneii die Beitliohen ihre 
Ausstattung verloren haben. Die Mitte nimmt auf blauem Grunde die MajestRs 
Domini ein. Dir Thron ist ein Regenbogen und mit gleichen Farben ist die Man- 
dorla gemalt, welche diese grosiie Gestalt umschliesat. Die Rechte dos Heilandes 
spendet den Hegen, die Unke stutzt sich auf ein offenes Uucb, auf dem die Minuskel- 
iuscfarift ,ego »um lux mudi via veritas et ritu ateht*. Der Kopf mit blondem Bart 
und llnoren erAoheint in strenger Vorderansicht. Ueber der grau- violetten, roth 
schattirtec Tunica drapirt sieb ein blauer, grün gefiitterter Mantel mit gelben 
Boileu. Gleich müssige Farallelfalten lösen sich Ober den schräg auf die Spitze ge- 
stellten Füssen mit einer monotonen Symmetrie von gleich wertbigen Motiven. Die 
nackten Theile sind Heischroth mit warmbraunen Sclintteu modellirt, die Hände 
üoiHsig. aber scbdlilonenhan gezeichnet. Rings um den Heiland sind die Evangelisten 
anf^eordnet, F.ngetsgesialten mit den Köpfen der emblematiscben Tbiere, die auf 
blauem Grunde waagrecht nach den Eeken schweben. Jeder hält ein langwallendea 



87 



l^pruchband, vährend die andere tTand batd nach die8«ni, bald nach obeo weist. Die 
M-iDDHkolinsobriften, wetcbu auf den Bandrullen steben, sind folgende: Marens (links 
oben): rounere clamorin mnrous tit inmago (sie) teonie. Lucas (rechts oben): teoipla 
]Qoas curat vitulum pingendo ägura. Johannes (unteo links): alaa aqaila volat 
aatra Johannes. Die Gestalt des hl. Matthäus ist bis auf den Oberkörper mit dem 
hübecheo Kngelskopfc zcrutort. Die östitohe Schiidvand ist von zwei rioreckigen 
Fenstern durchbrochen, /.wischen denen ein breiter Mittelstreifen die ganze Höhe 
einnimmt. Die aeitlicheti Felder, deren Basis die Fenstersturze bilden, sind der Breite 
nach in xwei A.biheilungen getrennt, unter denen der äussersten ein kleines Feld 
zwischen Fenster und :^itenmauer entsprieht. Die graue Borte, welche den flchild- 
bogen umschliesst, zeigt ein Blattornament, das schon den Bin6u88 der Renaissance 
verräth. Dhs hohe Mittelfeld zei^c die nicht gann lebensgrosaen Figuren des Gekreuzigten 
zwiwhcn Maria und Johannes, welcbc im DroiviortcUprofile symmetrisch dem Hei- 
lande zugewendet stehen. Der Kopf des Qekreuzigten zeigt den Ausdruck stillen 
Duldens, er ist feiu und edel durchgeführt. Auch der Schmerz der Madonna, welche 
mit der Linken eine Thräne aus dem Auge wischt, ist maaasvotl ausgedrückt^ 
während die jammerrollo Miene des Jüngers, der die Tor der Brust gefalteten 
Hände ringt, schon fast an'a Uuschüne streift. Unter den Querarmen des Kreuze» 
schweben zwei weissgekleidete Engelchen, welche das aus den Händen und der 
rechten Brust des Erlösers lliessende Ulut in Kelobon fassen. Das Kngelcben zur 
Rechten des Beschauers zeichnet sich dureh besondere Anmuth aus. Die Kelche 
sind reliefartig erhöht. Den Hintergrund bildet eine graue, mit Zinnen gekrönte 
Mauer, vor welcher naiv geordnete Biiumo stehen. L'ebor der Zinne heben sich 
Thürnic und Häuser von dem blauen Grunde ah. Eine weiss und gelb palronirte 
Maasswerkbordüre umrahmt die aostossenden über dea Fenstern belindlichen Felder, 
die auf blauem Grunde l.ä. Georg und r. S, Victor als baarhäuptigo,riUerliohnJäng- 
linge zeigt. 3. Georga Beine sind gehamischt, darüber trägt er einen weissen 
Lendner mit federartig gesacktem Sauiue. Brust und Tartsche sind mit einem durch- 
gehenden rothen Kreuze besetzt. Der Heilige steht auf einem Ijindwurmo, dem er 
die Lanze in den Bachen stösat. S. Victor ist ebeufalls mit dem ZettcostOm be* 
kleidet, seine Linke auf das Schwert gestatzl, die Rechte hfitt eine weisse Fahne 
mit durchgehendem rothcm Kreuz. Die äussersten Felder nehmen die Halbfiguren 
der Propheten Jesaia« (1.) und David*s ein, sie weisen auf eine empor wallende Band- 
rulle, auf welcher mit Minuakelo ihre Namen verzeichnet sind Darunter umrahmt 
eine grüne Borte die wiederum auf blauem Grunde gemalte Figur der thronenden 
Madonna I. und des hl. i'aulus r. H. I8B7. 

Loftigna. Ffarrdorf im Bez. Blegno. I) Die Pfarrkirrlie trägt das Datum 1032, 
doch iitt die Südwand des Schiffes der Rest einer älteren Anlage, wie dies« ein Stück 
gemalter Bordüre, weisse, gothische Wollenranken auf schwarzem Grunde, I>ewei8t, 
die ohne Zweifel das Autlager der ehemaligen Holzdiele bezeichnote. Auch die 
unteren TbeÜe des in die N W-Ecke des Schiffes gebauten Thurmea sind mittel- 
alterltches Werk. Der kable schlanke Hau ist erst mit einfachen und dann mit 
paarweise gekuppelten Rundbogenfenstern versehen, die von einem Compartimeote 
von Eckleseoen und drei Ivioinbögen umrahmt werden. Die einfacheu TheilsÄulchen 
haben keine Kapitale. Das folgende (oberste) Stockwerk wurde bijäter Qtb«u.^. C.V^*^. 



38 

9) Unterhalb der Landatrasse steht auf dorn Wiesen plane, der sich ^egcn den V\\ib» 
erstreckt, eise fCupdl«, die steh von den umgebenden Ställen und Schuppen kaum 
unterscheidet. Der rohe Bruchsteinbau bildet ein Rechteck von M. B,90 L.: 2,6^ 
Br , das der Tiefe nach tn zvei nngletcho H&lften zerßillt. Die höhere und grössere 
W-AbtheiluDg, zu der an der Westfronte eine angegliederte UundbogontbQre führt, 
ist mit offenem DachgestOhle, die hintere dagegen mit einer H. 2,70 hohen Kund- 
lonne bedeckt. Der Sehlusswand ist eine robgemauerte, trogaboliche Mensa vorge- 
baut. Die W'Iiälfte ist kahl, das Cbörlein dagegen an der Wölbung und den 
Wänden mit apätbgüLhischen Maiereien goachmflckt, über deren Entstehung die 
folgende (Rolletino V. p. 67 nicht ganz genau wiederholte) MinuskcHnschrift über 
dem viereckigen Fensterohen an der Südseite aufklärt: guielraus. andrioti. et. zanJnua. | 
francini. et ianelus. üllius. i)da | Kanoli. ponty. omnee. tres. abi | tat. in lotinia. 
fecerunt. 6e- | ri. hoc. opus, ad honorem | dei. et. fti. micbaelHs et c' | m. cccc Kv. 
de mefe. feptembris | lon^ardus. et xpoforus. de lu- \ gano. pincferuut.* 



S. Margaretha 



S. Michael 



Ctu- 




Inachrift 



Fenster 



S. ßembardin 
ron Siena. 



Ueber die Anordnung der Bilder klärt das vorstehende Schema auf. In der 
Mitto der blauen Wßlbung umsoblieost eine regen bogen für bene <i[andorla, den auf 
dem Regenbogen thronenden Heiland. Ueber dem gelben, wei^s geblümten Rocke 
trägt er eine rotbe Tuga mit weissen Lichtern. Die Rechte iei »eguend erhoben, 
die Linke atfjtzt sich auf ein geütfnetes Buoli, das nur noch den Anfang der MinuskeU 
iscbrift .egodum lux mon(di ec:*) weist. In den Zwickeln ruhen die Kvangelistcnemblome 
iu( geschlossenen Büchern; nur der Maithäusengcl hält ein olTenefl Buch mit ser- 
Btörter Minuskelinschrift. Links neben dieser Mitte sind zwei ungleiche Felder mit 
einer grünen Borte, gefolgt von weiss und schwarz patronirten Maaeawerken um- 
rahmt. 3ie enthatten auf blauem Grunde die Figuren S. Michaela und der hl. Marga- 
retha Der Krzongel mit dem blonden Lockenbaupte, dan ein Diadem umHchlicsst, 
trägt über der Rüstung einen grünen Lendner, mit einem durchgehenden weissen 
Kreuze auf der Brust. .Mit der Lanze ersticht er den zu seinen Füssen sich winden- 
den Drachen, die Linke hält eine Waage mit nackten, betenden Figürchen, die in 
den fast gleiohsteheudeu ächaaten knieon. 3. Michael gegenüber atebt in gleicher 
Umgehung der hl. Bernbardin von Siena. Der scharf geschnittene Profilkopf iat 
Porträt, die hellbraune Kutte mit dem Stricke umgürtet. In der Linken hält der 
Heilige ein offenes Buch mit derMinuakelinBchrift „pBter manifeitavi nome (tuum)... 
beatuB h(cr)nardi(nus . . .)'^, in der erhobenen Rechten ein rotbee Medaillon, In 
welchem eine gelbe Sonnenglorie das Zeichen il|i umschliesst. Auf dem roth ge- 
ballten iJoden stehen zwei weisse Infulen. An der östlichen Sobitdwand sind wieder 
auf Blau die fast lebenagrossen Fignren de« Gekreuzigten zwischen Marl» und Johannes 



89 



gemalt. Die Madonnft faltet die lUnde vor der Brnst, ibrOeaicht mit dßm schmerz- 
lich verzogenen Muade ist bäsalich und alt und vollendB daa Antlitz des Jüngers 
über die Maossen unschSn und stumpf. Zwei Keilige stehen zu Seiten dieser Gruppe. 
Links ä. Sebastian : Stiroe, Uals, Ürast und Arme sind von Pfeilen getroffen, die 
Häode auf den Klicken gebunden und der Hals an den Marlerpfahl geBchnGrt. 
Oegenüber steht ebenfalls in der Vorderanticbt ein jngendlicher Heiliger mit un« 
bedecktein, blondeoi Lockenbaupte. Er trägt das ZeitcostQia, seino Linke ist auf 
das Schwert gestützt, die Rechte hAlt einen Palmxweig. Qeschmack und Ausfübrung 
sind roh. B. 1$B7. 

3) Im PalazMO Pretoritäe ist Ober der KellertbQre in Cursiv- Charakteren das 

Datum (Fig. 99) (1461) P gcmeU- 
seit und daneben das ntark zer- 
BtSrlo Relief eines luänulichen 
Kopfes eingemauert. (Bericht des 
Herrn Avvocato Urenuo üerioni 
an Emilio Moita). 



°^'=^r■€^ 




Fig. 99. Dstum sm Prstorlo von LottioM« 



Die Ansicht (Pig. 100) ist der Aussohoitl eines grossen !n Kupfer gestocbeneti 
Proepectes in der Ziegler'schen Prospoctonsanimlung der ätadtbibliothek Zürich, 
betitelt , Teduta del ßorgo di Lugano. Ballaggio de* SS. Svizxeri*, tuo OeorifiHs 
Fossati arcbitectus «c machioator civilis Vici Morchoti. Bin Datum fehlt, der Stil 
weist auf den Anfang des XVIII. Jahrhunderte. 

Lugano, deutsch Lauis, Lauwis. Etimologia dt Lugano, Boll. IIL 335. In 
älteren Berichten wird L. stets Borgo (Flecken) genannt. 724 schenkte der Lungo- 
barden K5nig Luitprand der Kirche S. Carpoforo xu Como seinen Besitz in Ijyuano 
(Urk.-Reg. Nr. 7. Tatfi l, 944). Ob die 748 datirte Kunde von einer St. Viotorv- 
kirche, wie FumagaÜi (Codice diplomatioo Saat Ambrosiaoo p. 27, Note 2) will, 
auf ein Qotteshans in Lugano zu beziehen ist, bleibe duhingestellt. 87.S Urk : factum 
. . . in domum Suncti Laurentii in Lunno in solario ipsius eoolesie (L c. p. 430) 
901 und 978 wird eines Marktes in Lugano gedacht [Urk.-Reg. Nr. 906. Tatix 1 
»59 mit dem Datum 879) Tlrk. Reg. Nr. 1118 nod Tiäti IL 114 a. 814). 1284 in 
den Kämpfen zwischen den (ShibelHnen und Guelfen nimmt Simone Muralto Lugano, 
das dem Lotterie Rusoa huldigen muss. (7'(if/i JI 758 Mernorie del CasAtoRuaoa 'l'aT. 
11) 1337 in einem Vertrage mit Azo Visconti wird das Comitat Lugano mit Bellin- 
zona, Itooarno und Hendrisio von Pranohino Rusca ata väterliches Erbe ange- 
sprochen (Geschichtsfreund Bd. 33. p. 332 n. Urk. Nr 5 S. 355). Bis 1412 war der 
Borgo Ton den Rusca besetzt, worauf er, nach dem zu Endo desselben Jahres er- 
folgten Tode des Pranohino, an den Herzog von Mailand gelangte {A. Itusconi^ 
Cronaca luganese di yicoto Laghi im Periudico della societä storica Comense faso. 2. 
Vol. U. p. 4). 1416 Sept. 11 I>otterio Rusca tritt an Filiij^o Usxv«. VWkwSä ^>» 



41 



n«rrBcbaft tod Como ah. um Haftlr aU T/ehen d«6 Thftl von Lnipino nobst atiderf^n Ke- 
aitningcn zu empfangen {I.nfjhi I. c, Mcmorie linsca Tar. V). aherachon I43ri über- 
trug Filippo N[aria diese» Lehen seinem Oapitaoo Generale Aloigiu de SaaiieTCrino, 
dessen Familie während unausgesetzten Kämpfen sich bis gegen 1484 im Besitze 
Tort Lugano bchanptete 149ß belehnte f^udwigXIL von Frankreich mit Lugano den 
Conato da Carcano und den Grafen Manfrede Toroielli von >'uTarra. {K. Motia 
i. Sanseverini feudatari dl Lugano e ßalerna 1434—84. Estrattu da) I'eriodiro 
de1l& Socioti. storica Coroense. Vol. IL Como 18S2 p. 117). So weehselvoll waren 
Oberhaupt die Geschicke Lugano'a, dass dieser Ort während des nur 20-jäbrigeu 
Zuiiraumej zwisrhen 1458 und 14<S4 zehnmal seine Lehensträger wechselte. 1513 
Am 17. Januar war mit der Einnahme des Schlosses der Hesitz Luganos an die 
Eidgenossen beaiegelt. 

liallanm, p. ÖOO, nennt drei Schlösser, welche zu Lugano gehörten. 1) Das 
CaAtello di S. An^tlo, dessen ehemalige Lage er nicht bestimmt. Ich bin geneigt, 
dieselbe auf einem unmittelbar über Cassarate gelegenen VorBprunge des Monte di 
Caatagnola ta suchen. Da« von nach W langgestreckte schmale Plntenu ist von 
dem O ansteigenden Üergmassife durch einen breiten, künstlich angelegten Graben 
getrennt. Die N and S-Flanke sind durch stoil abfallende Furchun gedeckt, 
jenseits des Grabens sind die Reste eines sehr starken, aber durch neueste 
Ausbeutung reducirten Giusmauerwerkes erhalten; sie scheinen zu einem Brücken- 
köpfe gehört zu haben. Diesseits steigt die Wealspitse de« Plateaus za 
einer Kuppe an, auf welcher eine wahrscheinlich icn XVU. Jbrhdt. erbaut« Kapelle 
des bl. .Michael steht. Ji. 1801. 

2) Auf dem am S Fuase des Monte Salratore gelegenen Ausbuge soll an 
Stelle des jetzigen Bahnwürterhauses daa Catldic di S. Martino gestanden habün. 
H) An Stelle des ehemaligen Cnstdlo Maffißorr. {HalUirini 300) liegt die Villa Ciani, 
deren grosser Vorplatz Piazza del Castello heisst. Auf dieses Schloss sind wohl dio 
^Nachrichten su beziehen, welche aus den Jahren 1301 und 1458 datiten. Die erstu, 
deren gütige Mittheilung wir Herrn /)r. J. Fossati, bibliotecario cummunale in Como 
verdanken und welche sich in den Bänden der daselbst aufbewnbrten ^Vetera monu- 
menla" befindet, ist Tom 25. Hai 1301 datirt. Sie lautet : Bertarus advocatus de Cumia 
vcnditionem facit comuni de Cumia, de domibus et beccarüs seu domo et beccaria, 
quas dictus Bertarus habebat et possidebat tempore dominalionis domini Lulberii 
Rusche in caatru bürgt de Lugano, que donius et beccaria destructe et derupate 
fuerunt per constructiooem castri de Lugano et poxite in dicta castra, quihua 
domibus et beccarüs cobercnt a mano lacu:4 Lugani, a meridie de Auiada de Lugano, 
a sero platea comunis de Lugano, a nulla hora supradioti (de Amada) =. Die zweite 
Kunde ist auf eine Restauration zu beziehen, die nach Layhi (Cronaca p. 14) 1458 
im herzoglichen Auftrage untornommen worden ist (Tgl. Boll. XJII. 124). Trotzdem 
ächeint dem Projecle eines Umbaues keine Folge gegeben worden zu sein, wie aus 
einer Nachricht von 1405 (Boll. II. 291) erhellt, ja noch 1497 biess es von Lugano: „terra 
patente et non ha altra forteza nixi la nniono doli bomini*, worauf endlich im Februar des 
folgenden Jahres ein herzogliches Decrct den Bau befahl (Boll. XIIL 78). Aber erst am 
19. Mai des näohsloD Jahres wurde der Grundstein gelegt, auf welchem ein Kreuz mitdeui 
Datum 1 408 oiogemeiascU war (Boll. XIIL 124). Im Augast 1501 wurde das TondaaE'^«».- 



4S 



besetzte Pastell vergebltcti durch die Schweizer bcingert (Otut*-lilohhmm, Geocfa. 
br Schweiz. Eidgen. pAg. I$7. Zur Qeiohichio Luganos in diesem Jahre, vgl. auch 
ADDftli Frartfisci Muralti^ Patricii CoiiK-iiBiB edit. a l'rfr. Aluin. DuDitio. Medioiaci 
1B61). 1512 Juli 28, Sehloi» TiBuis int noch in FoindeshiÜnden, es soll zur Belagerung 
rdeseelbcn geHcfarttten «crdeti (Abschiede lil, 2 p. 695). Ueber die Belagerung I. c. 655| 
661, 674. — l&lll, Januar 17, nun ist Lauia in unsere Hand gekoninion (I. c p. 679J«i 
Febr. 1, da» Schloaa wird von Ludwig XIL den Eidgenossen übergeben ((iiiU 
ßlnltkeim 301). 1514, Febr. 8, die äläade werden angefragt, ob man das Scbloaa 
Lauis wieder aufbauen wolle, oder nicht. (Abscli 111, 2. p. 768.) Ee ist iiötbig, den 
groBSfD Tburm im Schlot zu decken, da er sonal gän/Jicb zu Grunde geht (1. c. 
774) JuDJ 30. ist voD Hauten die Kode, die im Schlosse vorgenommen wordeo 
kwaren (691). 1516 Nov. J9. Franz L von Frankreich bearätigt den Btdgenoaeen im 
'«wigen Frieden die Abtretung Luganus (Gluti- Bl-4shenn 440). XhM Jan. 13 di«. 
Schleifung wird aufgeschoben, bis man sehen werde «wie die löulT aieh wülliuii] 
schicken* (Absoh. I. o. 1035). Im Februar hatte es noch gestanden (1042), dagegei 
wird am 8. Juni conatatirt, daas das Sclilosa Lauis nun geschleift sei (1059 u.f. 1072). 
Ein Rest demselben ücbeirit aber dennoch fonbeetanden zu haben, denn, im August 
1522 bei«st CS, da«e einer das Scbluss Laui» ausgekundacbaftet habe, wie es io des 
Herzogs Gewalt gebracht werden könne (Abach. IV. U 2^2). Dcbor die spätereiii 
Schickäate thoilt Emilio Mafia aus dem seltenen BUchlein .Manuale ad uso del forestioraj 
in Lugano owero guida storioo-artistics detia citl^ e dei contorni, corapilazione dl 
Oiusejtpe Nobile W Pasqnaiigo in 16'. pp. 199 Folgendes mit: 1558 wurden dl4 
Gräben ausgefQllt und zum Schtoss geh^^rigc Tc^rrains von einem Giovanni dcl Verdi 
Angekauft, der einige Häuser darauf baute, welche 1759 in den l'alasl Farina um- 
fewandult wurden. Modeato Farina von Lugano, Bischof von Faduo, verkaufte ihi 
nn Ucrnordo Vanoni, und dieser 1852 an die Ciani. ThatsScIilich mu»s abor A\%\ 
Umwandelung in einen l'alast schon vor d. J. 1759 stattgefutideo bähen, indem auf 
J'oisaU's l'ro8pect(Fig 1 00 oben) der Hau als , Falazzo de Beroldingen* erscheint und auf 
dieErricblung desselben ohne Zweifel die Nachricht bei l^u. Lexikon III 290 su be- 
ziehen ist, wijichu eines Falastes gedenkt, den Carl Conrad von Iteroldingen in 
^ Lugano erbaut halle. In dem zu ebener Erde an der O'Seite des llausos gelegenen 
\ Corridore befindet sich ein ausgesügtes Frescogemäide^ das angeblich aus dem 
I Kloster 8. .M. dugli Angiuli hJeher übprtragon worden sein soll. Dieses flotte, wahr- 
' scheinlich zu Ende des XVI. Jhrhdts. verfertigte Werk ist Fragment. Eis stellt auf 
einem glatte», grünlioh-grauen Hintergrunde die lebensgrosse Gestalt eines Cavaliers 
vor, der knieend nach rechts gewendet, seine Andacht verrichtet. Die markige Qe- 
ttalt mit dorn grauen Schnurr- und Knebelbart trägt spaniuihe Tracht vou schwarxem 
'Seidendamast mit weisser Halskrause. Kopf und Hunde sind virtuos gemall. Zar 
Linken steht mit segnender Ooberde ein graubärtiger Bischof. Vor dem Donatc 
knieen zwei betende Knäbleio, augenscheinlich I'orlräte, beide sind nur mit einet 
weissen Ilemdchen bekleidet, den HaU schmückt eine Korallen schnür. li. 1891. 

4) 1426 wnrde unter der Regierung des Giovanni Kusca das Vretorio erbaut, 
[dos während der Herrschaft dieses Qeschiechles als Sits des Thathauptmanns und 
[•pfttor als Residenz der achweizeriüclien Ftandrögte diente (La^hi, Cronaoa luganese 
8. Boll. VIII. p. 34). Diese« Haus, die jetxige Btmca Cantonale, Ecke FiaEz» 



leHa Riforma und Via del Commercio (ehedem Nassa) soll bis in die sicbonziger 
Jahre diese« jAhrbundt>rtB seine alterthümliche Einrichtung mit Kcrkero u. dgl. be- 
wahrt haben. Aussen an der W-Scite des ersten Stockes, hart an der NW-Kcke 
befindet »ich die Fig. 101 abgebildete Inschrift, die nach iMi/hi p. !! n. 2 folgender« 
massen lautet: K.ARIO FCitiu») D(ommi) PETRI DR 0D0N1BV3 I,E(trum) DOC 
(tor) ERVDrr(u8) CAIMTANKVS I.VGANI ET VAI,(1)I9 P(ro) M(Bgriificis) 
D(onilDis) COMETIBVS PE UVSCIIONIHVS ANNO DOMINI CVR(r)ENTE 

MCCCCXXVI M(agi3ter) D0MENICV3 DE BEDILIORA FECIT (cf. vi. 

liaroffio^ Meniorie sforlcbe dei paesi e delle terre costituenti il Cantone Tioinu. 
Lugano 1852, p. 212 und Meraorie Rusca Tav. VI ad vocem Otovanai Rusca. 

— ^ 5) Als Sttsder liusca 



ßusöeRLiso?orti 

™ooo(niiii'GiEgiT 

maoöeßa 



■^r^ 




v-ilbrend desX V. Jhdf e. 
bezeichnet lAtglt\ I. c. 
p. 9 ein Ilausao der 
PiazxR della Kiforma, 
daslSSTcioem llerroa 
itosizioGbioDi gehörte 
und^cbeconserva tut- 
tavia i carattori diun 
antico castello". Ver- 
muthlich ist e« daa 
jetztvollatändig umge- 
baute Eckhaus links an 
der QaMe, die von der 
Piazza della Hifurma 

i'iy- lOi. Inaohrift sm «hflmalisfln Pretono von LutfHtio. nach 3. RoCCO fUlirt. 

6} Bis 1844 der Bau des jetzigen Hotel Wasbington begonuen wurde, hatte 
an Ställe desselben der Palast der Bischöfe von Como gestanden, üeber die Er- 
richtung desselben meliiet die p. 403 Fig. 4 facaimilirie InBchrift: .MCCCXLVI 
Dominus Bonifaci de Mutina. Kpiicopus Cumarum, lunii-n utrlusque juriu fecit const- 
nii hoc palatium latnm ex parte anteriori 62 brachiis cum Ecclesia Rcati Oeniini- 
ant et cum muri« usquo in lacum protensia et per transrersum ipsius Incus similiter lalis 
62 bracbtis a<) liunorom Dei Cumanoß EcclcBiie et bonorum boniinum*. Die Kirche des 
hl. GeminiaDus, welche Bischof Benifaclus diesem gefeierten Schutepatrone seiner Vater- 
stadt geweiht hatte, war schon 1784 nicht mehr Torhanden (Tatti III p. 91). Die 
Inachrift ist 1844 mit zwei anderen Sculpturfragroentcn nach Bnlerna übertragen 
worden (vgl. S. 403 oben). Ihren Palast hatten die Bischöfe den Saoseveriai «er- 
miethet, die auoh Verbesserungen in demselben Torgenommen haben. (E. Motta^ 
J Sanseverino. IL 8. 40. n. 3, 8, 63 n. I. und Urk. Nr. 26 p. 102.) 

7) In der ytUa Liwmi'GrcccM bei Slassagoo befinden sieb die Fig. 6 pag. 
407 n. Fig. 8 pag. 409 abgeliildetetcn aus Bellinzonn stammenden Wappcnreliefs. 

8) VUla Clemente Maraini bei Massagno. An dem isolirt im Oarlen 
siebenden Atelier ist ein aus Bellinzona atammendea Relief von weissem 
Marmor eingemauert. Es zeigt, genau in derselben Auffdasung und annAbernd 
gleicher Grösse wie das Fig. 25 pag. 452 oben abgebildete Relief, den Schild 



• 



der Vi*conti mit Heo beiderseit« unter demMlben aogebrachtcn Initialen'! 

^o m, nur mit dem Unterschiede, dass die Fläche des äohildes vertieft ge- 

aeiuelt ist. lt. \S9l. 



Kirchen und Klöster. 
1) S. Utremo. Oründung und Baugeaohicbte «iud anbekaunt. Einer eccleeia 
Sand Laurentii in ,Luano' wird schon 875 gedacht. ( l-'nmutfaUt, Coü. Aip\. 3. Ambros. 
p. 430.) Die gegenträrtige, mit dem Chor nach Westen gerichtete Anlage {Haupt- 
maasse bei Rakn. (iesch. d. bild. Ket. i. d. Schweiz. S 547), deren gotb. formirtol 
Theile vielleicht von einem Umbau in XV. Jhrhdr. herflhren, ist eine dreiachifBge] 
Preiler-BaniLika mit wenig überbohtein Mittelschiff. Westlich ist das Letztere in 
seiner ganzen Breite nach dem kurzen, dreiseitig geschlossenen Chore geöffaet^ den 
als Fortsetzung der Abseiten zwei quadratische Kapellen (3. Carlo UorromeoSund nOrd- 
lici) S. Abbondio) mit barocken Kuppetn begleiten. Dr<*i Stützeapaare, in annähernd 
quadratisoben Abständen aufgestellt^ trennen die Schiffe. Die tinglich rechteckigen 
Pfeiler sind ungegliedert, ohne Basen und mit modernen OesiiaaeD abgedeckt. Nur 
Kwei Pfeiler, die beiden östlicbeu der N-Reihe, sind gegen das Nebenschiff mit 
sbwBcben, rechteckigen Vorlagen verschen. 2 gleiche Dienste treten neben dei 

^Chorbogen vor, während diejenigen der Eiugangsiieite sehr kräftig (M. 3,48) von* 
apringen Die Archirolten aind mit nur geringer Zuspitzung fast halbrund geßbrt, 
die gleichfallR ungegliederten Quergurten spitxbogig. Schildbögen fehlen. Das 0-Jocbi 
ist mit einer rundbogigen Tonne von Uruohstein bedeckt, die folgenden Joche haben 
spiizbogige Kreuzgewölbe, die regelmässig aus Backsreinen ronstruirt sind (6e- 
wötbestärke im Scheitel M. 0,25). Quergurten und Diagonalbögen heben in gering 
ilr)he über den Pfeilern mit aiitikisirenden C'esimscoosolcn an. Ueber den Archivoltea 
aind die Schildwände auf beiden Seiten mit einem schmalen, geschmiegten Riind- 
bogenfensterchen versehen. Die Diagonalrippen, al« einfache Wulste gebildet, treffen im 
Scheitel mit runden, tnuförmig umrahmten Schlusssicineu zusammen. Ihre Keliefs 

. seigoo von nngefatigen, I) Knießgnr der Madonna mit dem Kinde, 2) Kniefigur 

^dea aegnendeti Heilandes mit der Weltkugel, 3) der auferstandene Heiland. Aut 
den LflDgwändnn der Nehenschiffo treten schwache, viereckige Hnlbpfcilor vor, die 
ihren Abscbluaa durch moderne Qesimse erhalten. Sümmtüobe Joche sind mit spitz- 
bogigen Kreuzgewölben bedeckt. Schildb^gen fohlen, von den Scbluassteinen sind 
nur zwei mit den llalbfiguren tod Heiligen (S. Johannes Et., und S. LaurentiaaP) 
geschmückt. Die Bitdung der Rippen und Quergurten entspricht denen des Mitlel- 
achiffes. Zwei kurze, rundbogige Tonnen, die sich den 0-Jocben in gleicher Höhei 
aasobliessen, deuten darauf hin, dasa mit Errichtung der Parade eine Verlängerunf 
des Schiffes stattgefunden habe. Der spätere Chor ist ungegliedert, mit moderoeo 
Fenstern und einem OvasgewSlbe veraeben. Kwa einer Untersuchung des 

^Hochbaues erhellt, daas die Backateinge wölbe des Mittelschiffe« muthmaaslich.. 
«rat im XV. Jhdt. eingespannt worden sind. An Stelle derselben hatte früh« 
eine höher angebrachte, flache Holzdiele bestanden. Es zeigt dies« die borizontAli 
Uebermaucrung der Quergurtun. An der Ostseite einer dieser Quermauem, der dei 
Cborbofon zunächst heäudlichen, haben sieh Ueberbleibsel romanischer (P) Miilercict, 



» 



erhalten. Den oberen AbschlusB dieser Qaormauer bildet oino BnrdQre. Sie bintebt 
aus Streifen, die gelb, roth, weis* und »chwarz dber cioander folgen. Darunter sieht ; 
man links auf blaoem Felde den Kopf einea greisen, aanähörnd tebeosgrotiaen 
Heiligen, daneben Spnren (romanischen?) Rankenwerkca. Der untere Tbeü der on-foce 
stehenden Figur ist durch dasGewCtibe verdeckt Xtecbl» zieht sich unter der gleichen 
Bordüre ein bunter in die Perspeciire gezogener Doppelmäander hin. Von figür^ 
liehen Malereien sind hier keine Spuren ru ßnden. Am W-Ende dos 8 Seitcn- 
achiffes liegt dio Sakristei. Der voa nach W Innggeatreckt« lUum ist in gleicher 
Höhe wiedas fliietOHsende Seitenacbiff mit einem Kreuzgewölbe bedeckt. Dio grö^serun 
Spannungen sind rundbogig, die schmäleren spitzbogig. Schildbögen fehlen, die 
Rippen sind eiofaoh wulstförmig und setzen in Käniprerh<)he uhne Consoleo ab' 
Der kleine Schlusastein ist mit einer Uosette bemnlt. Im XTIl. und XVIII. Jhrhdt. 
wurden die Umfassungsmauern der Seitenschiffe durchbrochen und denselben «wei 
Kapellenreihcn angebaut. An die S-Seite schliessen sieh von O an die Kapellen der 
Madonna delle Grazie, SS. Lucia cd Äpollonia, und 3. Stefano, der X-Seiie die 
Kapellen 3. Crispino, B. Yergioe delle Qra:cie und S. Pieiro martiro an. Das 
Aeusecre des Schiffes, soweit dasselbe nicht von epiiteroa Änbnuten maskirt ist, 
orscheint aU eiu kablec-ßruchsteiubau. Dio nachträglich erhöhten Obcrwdnde dcä 
UittelschifTes sind an der N und ä-Sei(c run schmalen, stichbogigen Fenstern durch- 
brochen. Am 0-Bnde des N Kebcnschiffba ««rhebt sich der Tburm. Der kahle Uau 
tat aus Bruchquadern errichtet und mit einem kräftigen Gesimse abgedeckt, auf dem 
sich, von Voluten gefolgt, dio achteckige mit einer Kuppel bekrönte Laterne erbebt. 
Zu Anfang des XVI. Jhrhdta. folgte der Bau der jetzt bestehenden Faiade. Das / 
Datum I517atebtam ArchitravQ des Mittelportales. Vgl. über dieselbe:, J'arob.&HrcA'Adn/' \ 
Cicerone 2. AuH. 1869, p. 200, 254 und 633. Oers. Gcudbichte der Renaiasanoe in l 
Italien, 1878. S 122. R'ih», Beiträge zur Gesch. der oberitalieniscben Plastik, Re- J 
perturium für Kunatwissenscb., Bd. 111. 1S80, p. 396u.f. X/ertf,, Kunst- und Wander- '^ 
Studien S. 218. G. v. Be^old (Der Dom von Como) Woahenbintt f. Baukunde IBSf), 
Mai, Nr. 35 und 87. Eine flüchtige Skizze der Fa^ado auf Taf. I. des Berichtes 
Über die Kscursion der Bauschule des Eidgen !*olytßchnikums in Zürich. Juli 1864. 
zu S. Vn. In der dazu gehörigen Skizzi-nmappe einige Details der I'ortalsculpturen. 
Eine Probe bei Ihtrckhnräl. Ooach. d. Renaissance, p. 2M. Stiebe s&mmtlicher 
Portalsculpturon von /,. Ferri in Lugano (f 18f!3). Der Bau und die plastische 
AuaschmäckuDg dieser Facade wird bald dem Agostino Bttsli {Fraiucitti^ La Sviz- 
zera itatiana IL 2. p. 247. Deutsche Ausg. 31)6), bald den Fcihni von Lugano 
(I. c) und von .far^h HurcJJiardt (Cicerone, p. 200. Oesoh. der ital. Renaissance, 
8. Aufl. 18i)l, p. 144) dem Tommaso liodari zugeschrieben. Oegen die letztere An- 
nahme of. Hahn (Report, f. Runstwiasenscb. IIL 89fl uf), der auf einen unbekannten 
Künstler, vielleicht den Verfertiger der ßetabulums von Vico Morcote räth. Die j 
Disposition der Fa^de ist im Weeentlichen eine vereinfachte Wiederholung der 
Praohtfa^ado der Ceriosa von Pavia. Ein Gurtgeaimsc theilt die aus vreiasem Marmor 
erbaute Fronte in zwei beinahe gleich hohe Geschosse. Die Verticalgliederung bilden 
vier glatte Pilaster, welche die Ecken begleiten nnd drei annähernd gleich breite 
Thoilc begrenzen. Ein schmuckloses Gesimse von derselben Form nnd Grösse wie 
der Quri schliesst die Fa$adc waagrecht ab. Dio Nebcnpforlen, zu denen in ganzer 



* 



4« 



Breite der Fafsde 4 Stufen empor fQlireD, rind mit Flactibögen, das höhere Mittel- 
portal mit eiueui horizontalen Geaiuiae bekrüot. Sämmtlich« Purtale sind aus grauem 
Marmor (pietra di Haltrio) gearbeilec und ao den Fronten und Wandungen mit 
Ornamentuculpturea in kUssiscfa »cbönem FrüfarenaisHanceatile geschmückt. Die 
Hitte dea oberen Stockes nimmt ein grosaea, offenes ßundfenster ein. Die geistloaen 
EngelskApfe, welche die Zwickel zwischen dem KrcUe und aeiner riereckigen Vm- 
rahmung schmücken und die schon ziemlich barocken Festona und VoluteD, welche die 
Letztore bogleiten, weisen darauf bin. dass dieses Fenster später erstellt worden 
Bcin möchte. Ohne Zweifel von dem Verfertiger der I'ortalscutpturen sind die kreta- 
runden Medaillons gearbeitet, welche^ 15 an der Zahl, den Fries unter dem Qurt- 
gesimsc Bclimücken. Inschriften bezeichnen die rollendet schönen Hatbfiguren, als 
ISAIA 1*R0PUET.\; SIBILLA. TIBVRTIXA; SIBTLLA CVJlIAN.; SIBIIXA 
I.IB1CA. Weiter mit dem jeweiligen Zusätze FKOFtlBTA.: MA.LACH ; EZECUIGL; 
IIKUEMIA; lOSAI'H; AHACVC; AM03; [)ANIßL; SIBIM-A AEVROPAi 
.sUilLLA DELPniCA; SIBILLA PER8ICA ; ZACHARlA PROPHETA. Oleich- 
zeitig, aber von anderer Hand, mögen die 6 überlebensgrossen Ualbtiguren 
8AL0M0N SAPIENS, DAVID PROPHETA und der vier Etangeliaton verfertigt 
worden sein, welche in rechteckigen Feldern zu Seiten der Portale angebracht sind. 
Einzelne kleinere Inschriften sind auf den Schrifttäfelchen und Bündern zwischen 
den Ornamenten der Portatpilaster angebracht: Mittelportal zum Pelikan: CIIAHTJ3 
INCEOIV; betender römischer Krieger: A DEO OMNIA; posaunender Engel: 
VT VBAMV3; antike Frau mit Füllhorn und Fruchtkorb : DEVj^ OMNIA. Seiten- 
porUl rechts: Auf dem Architrave DOMV MEA. DECET. SCTITVDO; Lamm 
Oottes: ECCE AINVS DEL Seitenportal links: auf dem Architrave TOLLITE. 
II08TIAS ET. JNTKOITE. IN. ATKIA. DNI Uebcr einer Maske: FESTUM. 
HREVE. GLORIA. MÜN DL Buch mit Kelch uud Hostie: OE BONV NOSTIiVM 
DEV3 EST. 8APIES. DOMINABITVR. A8TRI3. Auf einem Spruchband ohne 
Attribute: APTA. TE. TRPORI. Meisiernamen oder Initialen solcher sind nirgends 
zu ßnden. Zwei noch guthisirende Samhteinreließ, lauforniig umrahmte Uuud- 
medailioos, ohne Zweifel ehemalige ächluessteine, das eine die llalbfigur dos hl. 
Laurentiua, das andere den Auferstandenen darstellend, der in der Linken die 
Kreuzfahne hält und mit der Hechten den Segen spendet, sind an einer Hauer am 
N-Endc der Terrasse und am Aeuaseren der westlichsten Kuppclknpeltc am N-Seitcn- 
Sfhiffu eingelassen. Spntgi>thische Maierei'nt, welche das Innere der Kircbe schmückten, 
hüt man seit (884 übertüncht (vgl. Crowc und Cavatcasdle, Gesab, d. itoL Maleret 

yVI. p. 73. Huhu, Mittbeilungen der Antiquar. Ges. in Zürich. Bd. XXI. Heft 2. p. 
50). Am 2. Pfeiler links vom Eingang Spuren von Malerei. Am westliahsteu PfeÜer 
der S- Reihe Madonna in throno mit einem zd ihren Füssen betenden Paare. Der 
Pfeiler gegenüber ist auf 3 Seiten bemalt: Gegen da« Mitt^tscbiff oben die Ver- 
kündigung Marite, darunter SS. Rochus und Sebastian. Oben zwischen der Ver- 

Tkündigung und S. Rochus die Majuskelinschrift MCCCCLXXXVH DIE Xft MBSIS 
NOVEBRIS FACTV, FVIT HOC 0PV3. Am Fusse der hl. Rochus und Sebastian 
AMBROXIVS DE MVRALTO PIN'SIT. Geringe handwerkliche Malerei. Ad der 
W-Seite desselben Pfeilers: einem nakten jugendlichen Märtyrer, der an eine Säule 
gebunden ist, wird durch einen Schnitt in den Rüokeu das Herz herausgenommen. 



4R 



minori ouervAnti di 5, FraacöMO 1407 uaeh Lugano gekommen leien. Aua einem 
van ^'. Mott» im Mailänder ArohiTe gefuodetien Documenle erhellt jeducb. dau 
scbon 7 Jabro früher fQnFHrüiler daselbst weihen, mit der Absicht, eine klOsterliohe 
Niederlassung zu grOnden. Ihre Bittschrift an Ludorico Sforza (ßoll. IX p. II u. f.) 
iat .ei. pauperimu toccello noatro saocie marie angelorum extra lugaiium principiato 
die primo meosis Januarrij (sie) et Anni 1490' datirt Der Bao der jetzt bestehen- 
den Kirche r^rzögerte sich aber bis 14^9, als erst am 17. Februar die Grundstein- 
legung stattfand {Sicolo lyighi, Oronaca Luganese, ed. AlbeHü Utisconi^ p. 29). 
Ihi\tpimnnA$e der Kirche bei Rahn^ Gesch. d. bÜd. Künste p. 548. (Fig. 102.) Daa 
einschlflige Langhaus scbHesat nach W in seiner ganzen llreite und Hübe der swei- 
geschossige Lettner ab. Die S-Scite des Schiffes, dem sich das Rluster mit dem 
Kreuzgange anschtoss, ist üben mit viereckigen Peniitera, die N-Langseite nach 4 
Kapellen geöffnet. Die M. 5,57 hohen spitzbogigen Pfeilerarcaden sind ungegliedert, 
Ltasen fehlen und die bloss unter den Bogenletbungen vortretenden Gesicnse sind 
einfach wulstfürmig gebildet. Die Bämmtlichen Kapellen sind kahl, mit rippenlosett 
Ketzgcwölbon bedeckt und N dreiseitig gescblusoen. Die Fenster an den aussen 
durch Stiohbögen verbundenen Nischen viereckig. Streben fehlen, schmale, stich- 
bogigc Durchgänge, die unmittelbar hinler den Pfeilerarcftden ausgespart sind, ver- 
binden diese Kapellen. Da« llauptsohifT ist mit oiTenem Daohgostühlo bedeckt. Als 

Träger desselben fungiren drei 

ungegliederte , spitzbogige 
Quergurton, die M, AM Ober 
dem Fussboden auf einfachen 
Gesimsen (Wulst und Platte) 
anheben und giebelförmig über- 
inauert sind. Der H. 3,08 tiefe 
Lettner ist in zwei Geschossen 
mit drei rippenlosen M. -tjSS, 
resp. (oben) 5,50 hohen, rund- 
bogigen Kreuzgewölben be- 
deckt, die sich im Erdgeschosse 
und W mit ungegliederten, 
ebenfalls rundbogigen Ffeiler- 
arcaden öffoes. Dem Lettner 
schliesst sich W in seiner 
ganzen Hreite der annähernd 
quadratische Uöucbscbor an. 
Er ist ca. 10 M. hoch mit 
einem rundbogigen Kreuzge- 
wölbe bedeckt, dessen Rippen 
TOD schmucklosen Consolen 
getragen werden. Schildbögen 
fehlen ; der Schluesstein ist 
modern stukirt. 

(FortaotiLung folgt.) 



wi^ M- 



Fi^. JOS. S. Msrii degli AngtoU Lugano. 
Ansieht der Seitenka pellen. 



p 



Zur Statistik schweizerischer Kunstdenkmaler, Canton Tessln, m I. R. Mi^ 

Den W Absohliue bildet cJo 6 StuTon höher gelcgeuca, kurxes Altarhaus. Es ist mit 
einer ruodbn^gen Tonne bedeckt, die sich in ihrer gunzon Weile und Hi^he nach einer 
hBlbriinden Äpsis otTnet. Das einzige Fenster ist modern. Das ÄeuBscre tat ein kahler 
ßruchateinbau, die Longaeiten sind mit einem Spitzbo^renfrieB^;, die Kapellen mit einem 
aus Backstein formirten Coostilgesimse (Fig. 103) tmd die Fa^ade nach lombardischer 
Weise mit einem schwach geneigten Giebel bekrönt. Ueber dem schmacklosen Portale 
öifnet sich ein grosses, leeres Hundfenster. Am NW-Ende steht zwischen MönchscLor 
und Sakristei der viereckige Thuroi, ein kahler Bau von bruchsleineo. 3 Qesimsef die 
beidenoborstentipitzbogenfrioseTonUackstein, umgürten und krönen denselben. Unter 
dem niedrigen Zeltdache öffnen sich auf jeder Seite xwei auf eiuer jooiBoheD S&ule ge- 
kuppelte Rundbogonfenster. Innere Ansicht der Sakristei ron Aurel Robert im Neu- 
jahrsblatt der Künstlergesollschaft von Zürich auf das Jahr 1874. Wandgemälde* 
von Bemardino Luini. Die ganze Ausdehnung der Westwand nimmt an der Sohiff- 
seite das Pusrtitinsbiid ein, das Luini 152Ö beg-ann und wofür er 153S die ßest- 
zablung empfing, (Stich von Ferreri, Abbildung in liomni, Storia pittorica dell^ 
Italia, Atlas Taf. 218.) Unter dieser Freeke sind die Pfeilorfronton mit den über- 
lebensgroseen Gestalten der hl. Sebastian und Rochus geschmückt. Eine L<fÖrmige 
Schleife auf dem Huto dos hl. Rochus will als Luini's Initiale gedeutet werden. | 
Uebcr dem Heiligen das Datum MDXXVllll. Zu Selten in den Bogcnzwiokoln die 
grau in Grau gemalten Figuren der Propheten Jesaias, Simeon, Oseas, Jeremias, 
David und Zucharias. In der Nebenkapelle dos Schiffes befindet sich die »pltz- 
bogige Lünette mit der ^Madonna von Lu^atio'^ (Stich von friftirw-Ä irt^b^T inBasel). 
Das jetzt auf dem Rahmen befindliche Datum soll auf der LQnelte gemalt gewesen 
sein. Nach Mittheiinng des llorro AwocaCo Gaeiano Polari in Lugano hätte diese 
Freske über der Thüre gestanden, die am N-Ende de« W-KreuzgangflögeU in die 
Sakristei fQhrto. An der S-Soito dea Sohiffes hängt, In 3 Theile zerlegt, das Abend- 




Fig. 104. Kloster S. Msris itqH Angloll, Lugino. I>38, 



*) AU« Rechte für Tut und UJustraüouta ^oi\>t^«\\«u. 



maJiJgbiU, das gleich der «MadoDna von Lugano* von Car&liere Nav« aus IfatUnd 
bieher Gberlragen worden ist. Pliotographien die«er Fresken ron Hratin &, Ota. in 
Dornsch I ^82. Die hozflglichc Litterator ist zuBammcngeste]!! im Uepertorinm flSr 
KuostwiflseDBcliart ßd. XII. p. 15. Gleicbzeilig und weaig i«päter mngea Freaken 
anderer Meister entstanden »ein. (Die nähere Heschreibung derselben Repert. I.e. 16 
Q. f.) An der Stirnfronte zwischen der zweiten und dritten Schifllcapelle die 
Darstellung des todten Heilandes twiscfaeo SS. rranoiscus und üernhardin ; 
an der Leibung des üstüchen Kapellenbogena die Itrustbilder der Propheten 
mit den raessianUclien WeissaguDgeo, im mittleren Durchgänge dea Lettners ein hl. 
Bischof und S, Franciscus, im nördlichen S. Laurcntius und ein grösseres Fresco- 
gem&lde, einen Cbor von betenden Männern und Frauen darstellend, von denen mehrere 
IPestinale weisen. Endlich neben dem Abendmahl das späte Oelgemälde deräligmatisatioa 
des hl. Franziskus, auf dem Kabmen bez. ,Cav. Ghtseppc Pelrini 1728. pin.* lieber 
die seit September 1801 entdeckten Wand- und GewQlhemaloreien in der Cappella 
dell Immacolata, angeblich Werke des Bartolomeo Suardi, gen. Uramantino ist nach 
dem Berichte A. Garovagliu's in der Uail&nder „Pcrseveranza'* vom 14. November in den 
.kleinen N'achrichfon" Ans^. 1 892 No. 18 29 u. Bell. No. 11/12, p. IUI ff. gehandelt. Die 
Sandte Kirche stussenden Convonigebuude wurden IK&2 auf lKf)4 in das llütel du 
Parc umgewandelt. Die frQbere KesehaH'enboit zeigen Fossati's Proapeot von Lugano 
(Fig. 100 oben) und eine Lithographie in der Ziegler'schen ProspectensammUingderStadt' 
bibtiotliek /Qrioh, welclic nineSceno während der Revututiou vuu 1B3^ darstellt (Fig. ^^ 
104). Von dem Kreuzgange sind drei Flügel erhalten, doch hat auch dieser eine Ver^^H 

ünderung durch dcti Zusatz der Gewölbe 
erlitten. Ein Oelgemälde Aurol Koberta 
von 1849, das sich Jetzt im Besitze dos 
Herrn Maurice de Puurtales in Neuenbürg 
befindet (Fig. 105), zeigt, dass die Gänge 
ehedem mit flachen Holzdiclen bedeckt 
waren. Die rutidbogigen Arcaden, din 
sich nach domKreuzgarten öffnen, werden 
von einfachen Säulen mit attischen 
Basen getragen. Die Kapitale sind mit 
vier ungezähnten, aufrechten BIAttern 
gesohmöckt. Laut Uittbeiluagen, die uns 
an Urt und Stelle aus Erinnerung an 
das ehemalige Kloster gemacht wurden, 
scfalosa sich der 8-Seite des Krcuggangei 
die Forosteria an. Die W Fortsetzung 
dieses Oebäudeäügels ist noch vorhanden. 
Sie entbfilt zu ebener Erde 3 Bünme 
mit rippenlosen Gewölben. Der diente 
ala Bibliolhek, der folgende war di« 
sog. »tanza delle stufe. An letztere ' 
schliesBt sich K die Küche an und dieser, 
den W-FIQgel des Kreuzgunges be-f 




76 



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Hui RH® "#033» WS" 

mami' mn 'mWi a mi 

rt-4-l-*-(»t-*-». r T * - -f 

>'ijr. /AF- Imohrin an d»r Fit»d« von 8. Roooo 
In Lugano. 



gleitend, dts ebenfalls gewölbte Reructoriom, desaeo ao die KQobe stosoende Schmal- 
wand das ÄbcDdcDfthlabild gosclimückt liabon soll. ü, 

3) Kirche S. Rocco. An der Weatfajade 
dieser wahrscheiolicb zu Ende des XYL 
Jhrhdts. ürbautGD Kirche ist xur Rechten de« 
Portales die Fig. 106 facaimilirte, Yon Cantü, 
Storia di Oomo II. 448 unvollHtAndig abge- 
dnickte, in Stein gemeisselte Inachrtft ein- 
gemauert. 

Lumino, Pfarrdorr am Ausgange de« 
Miioxerthalea, Bez. Bellinzona. Der kahio 
Thurm, der wabrsclieinlicb tmXTII. Jbrhdt. 
erbauten Pfarrkirche S. Mameiie Ist ein 
posthum>romaniAcher Bau. Unten einfache, 
unter der achteckigen Stein pyramide paar- 
weise auf einfachen Säulen gekuppi^ltc Rand bogen fenster. Die TheiUtlltxen haben 
glatte Kelch kapitälu. /f. 1687. 

Madrano, Dörfchen bei Äirolo, Bex. Leventina. Auf dem Soiteoaltare der 
modernen Kitp^e steht die spätgnth. flohstatuettf eines hl. Riniiedlers. Kr trägt 
braunes Gewand, in der Kochten ein geschlossenes Buch, der Krückenatab in der 
Linken ist auf den Kopf eines «u Küssen liegenden Teufels gestützt. Ji. m8S. 

Magadine, Dorf am oberen Ende des Langonsec^s, Itez. Locaroo. 1365 liess 
Galcazxo Visconti auf Koüten der Gomoinde Locarnu ein Schittss erbauen, das 151ä 
von den RidgODOssen zerstört wurde. liaHarini 304. 

Maggia. Pfarrgemeinde, llauptort des gleichnamigen llezirkos. Das etwa zeho 
Minuten ausserhalb des Dorfes an der Strasse nach Blogbegno gelegene Oraiorio 
diiia }tf.ata Vm/im (MJe Grazie (Oratorio di S. M. di Campflgna) ist ein kahler Bau, 
dessen Anlage muthmasslich aus dem Mittelalter stammt. Das einschinige M. 1Ö,3Ü I, 
6,r]4 br. Ijinghaus, dem sich 0, eine Stufe höber gelegen, eine nur wenig aiedrtgere 
balbrundü M. 4,83 weite Apsis anacblieast, ist mit einer einfach aber wirksam bemalten 
Lattendiele bedeckt. Ueber die WamhjemaUh im Sohiff und Chor, deren meiste 
von ].')28 datiren, cf. Repertorium f. Kunatwissensobare XII. p. 10 u. ff. 

V Magliaso, Pfarrdorf Bez. Lugano. In Urkunden too 929 bis 1033 erseheint 
die Curticetia Malliaces- Maliace im Besitze des Stiftes S. Pietro in Oielo d'oro in 
Pavia (Urk.-Keg. No. 2837, 2847, 1143, 1286 und 1302). Der Bau des Srhhsses 
8. Giorgio di Uaiaso (Fig. 107) schreibt der unkritische BaHarini p. 301 den Galliern su. 
Die Longobarden hfitten es wiederhergestellt und der biaoh (^fliehen Tafel von Como 
geschenkt. Während des Streites, den Bischof Guido de Orimoldi ron Como 1092 
bis 112U mit seinem von Kaiser Heinrieh IT. erwählten Gegner Landolfo di Caroano 
führte, habe der Letztere sich in das Scbloss S. Giorgio zurückgezogen und sei dort 
1006 TOD den Comasken ermordet worden (I. c. pp. 10 und 120). Spätere Bcricbte 
sind unbekannt. Erst im XTII. Jbrhdt. taucht wieder eine Kunde auf 1667 kaufte 
Oberst Karl Konrad t. Beroldingen des Scbloss von Giovanni Maria Castoreo, worauf 
die regierenden Ort« 1668 dem neuen Besitzer für Thurm und Dörflein die Befreiung 
ertbeilton (t. LiebaiuH Üoll. Xll. 106. Abscbiede VI. 1. q. UQ'^\. Um VSa^::^»».\V^. 



• 



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I 

i 



290) berichtet, das« Karl Konrad v. Heroldingen dasolbat einen kostbaren Palast 
ßrricbtet habe. Vor der franzüB. RevolutioD gehürte das Lehen der K&milie Hüller 
von Uri (Franscini. La Srizu.TB italiana T. 2. 25(j). Jetziger iteeitzer ist ein Oraf 
Corobiani von Mailand. Auf dem Plateau, de«»en lange S-Planke «teil gegen die 
Laudstrasse abfallt, bildet das Schluss einen von W nach O lang gestreckten Complex, 
der N von zwei hinter einander gelegenen Hufen begleitet Ut. Die haiiptsüchliohsten Be- 
atandtlieile der Anlage, die mit Beseitigung aller wehrhaften Einrichtungen den ausge- 
a|)rocheneD Charakter eines LuBtsitzes trägt, dürften erst in der zweiten Hälfte das XVII. 
Jhrhdtfl. erbaut worden sein. Den westlichen Abeobtus» bildet die Kirche. Da» orale Cen- 
trum, mit dem sich 4 kurze Kreuzurnie Terbinden, ist mit einer Kuppel badeckt. Leber 
dem höbaoheu Westportale sind daa Wappen der Beroldtogen und die folgende In- 
schrift gemeisselt: D.O.M | IN HONOREM | MAQKJi MATRIS AC VIRGINI8 ( 
DlYOKVMCiVE TVTELÄIUVM ) I'KO INQENTII3VS BENEFITIIS | PI^'ßRA- 
T1TVDINI8 I EXJOVVM PlONVS | CAKOLV3 C0NRADV8 A BERüLDINQEN ( 
ANNO SALVT13 MDCLXXX Die Fortaetzung bildet ein Rechteck tuu mo- 
dcrniairten Wohnf^obäuden, die aammt der Kirche einen aüdwfirts ofTenon Garten 
umschUesacn. Dann folgt ein achmslcr ZniachcnflQgel. Er enthält zu ebener Erde 
«inen geräumigen Saal und den ebenfalls mit Stuckgewölben im liochreaaitMuioestil 
bedeckten Aufgang eu den oberen Geschossen dee Tburmcs, der den üstliohen Ab- 
sohluss bildet. Der S-Fronto dieses Thurmes nnd des Zwischenbaue« war «ine Ter* 
raase vorgebaut, die von nunmehr aerBtürien GewOlben getragen wurde. Der einzige 
Beat der mittelalterlichen Anlage ist der Thurm, doch hat auch dieser im XTIL 
Jhrhdt. einen Umbau erlitten. Da« Erdgeschots miset ca. M. 6,50 innere Seiten- 
lan^e; diu MaueratJirke betrügt hier M, 1,10—1,^0. Der M. IfiO hohe Kaum 



77 



/ 



MAMAMAAiWsA ^WWvj^^ 



ist mit einem rundbugigen Kreuzgewölbe bedeckt, desaeu QrätCD gogeo die Mitte 
Torl&ufeD. Beloe Form weist auf du XVII Jfarhdt. hin. Den Scheitel sobmückt 
eiD StuckuiedailioD, denen lohalt Dicbt mehr zu erkennea ist. Ueber dieaem Krd- 
geschuese folgen zwei niedrige flach gedeckte EtJigeu. Aus der ersteo springt NO. 
ein aus Backstein gemauerter Erker vor. Er ist mit drei Sohiesasoh arten verseben' 
und mit einer riereokigeu Tbüre geöffnet. An dem Thurme selber fällt dte sohleobce 
Mauerung des stellenweiso mit Ziegeln vcrmiachton Bruchsteinwerkes auf. ilüohst 
bemerkenewerth sind die Ueberreete einer rotnantschen aus dem XII. oder XIII. 
Jbrhdt slanimenden Foiadendeeoration an der Sfidfronte dieses Thurmcs (Fig. 106). 

Dieser Hchmnck scheint 
sieb auf ein breites Band 
besobränkt zu haben, 
das den Thurm in sei* 
Dem unteren Drittel 
amsog, denn unter und 
aber demselben sind 

keine Farbenspuren 
zu sebon. Eine Borte 
mit herzförmigen Blatt- 
ornamonten, die rothmit 
OrQn oder Gelb auf 
weinfleni Grunde gemalt 
sind, bildet den oberen 
A bschl uss, beiderseits 
begrenzt von einem gelb 
nnd . roth getheilton 
Streifen. Darunter fol- 
gen auf einer wiederum 
weissen Fläche drei 
Reihen von Rundme- 
daillons. Sie sind, wie 
Fiff. 108- Wantfgcffliid« sm SohkMM M«giiaso. die ßlattomameute, mit 

rotlien Umrissen gezeichnet und von verschiedenartigen, bald rautenförmigen, bald 
geperlten Bordüren umrahmt, die sich von Kreta zu Kreis verknoten. Der Grund 
der Medaillons, die abwechselnd mit Thieren, Lilien und Blattürnaraonten gefüllt 
sind, zeigt verschiedene Farben. Hund und Drache sind roth auf Oelb, der rothe 
Tegel auf weissem Grunde gemalt ; ein Adler (P) auf Grau, ebenso die Lilie, wäh- 
rend das Blattornariient daneben sich von einer blauen Fläche absetzt (vgl. auch 
^Mittheilungen der antiqu. Gee. in Zürich", Bd. XXI, lieft I. p. Id u. f.). Die N-8eite des 
langen Sobloasoümplexes ist von zwei W-O aber einander gelegenen Höfen begleitet, 
deren O Tiefe jedesmal eine niedrige Bogonhalle begrenzt Die des tiefer gelegenen 
'W-Hufes hat keine Bedachung mehr. Die durch Rundbögen verbundenen Stützen sind 
Kreu/pfeiler mit antik isircn den Gesimsea. Die 0-Hallo ist mit rippenloson PlachgewöU 
ben bedeckt, die an der Rückwand von Consolen und an den Fronten von gekup- 
pelten Säulen toskauiacher Ordnung mit ungegliederten ILttt^Vi^ieBVk ^Vswgäs«». -»vw^vä- 




^ 



RflckwJirtH Bchloas aicli dioser Halle eine nach Osten geötfRoto Log^a an. Der N- 
Abuhluss beider Möfe wird durch eine niedrige Brustwehr gebildet. R. 

Mairengo, Prarrdorf oberhalb Faido, Bez. Leventina. Pfarrkirche S. Siro. Durch 
einen vermuthürh -/.n Ende d<^8 XV!. Jhrhdte. vor genommenen Umbau Ist das roma' 
inische Kirchleiu >n eine Aolagf erweitert worden, welche den Kirchen von Chiggiogna, 
Villa- ßedretto und Oanipo im Blenioihale entspricht. Sie besteht aus einem zwei- 
aohiffigen Langhause und einem gleich breiten zweitbeiligen Chore, der östlich ge- 
radlinig abocblicset. Zwei rippeoloce Kreuzgewölbe bedecken denselbeOf sie »ind 
Bchtffwflrta mit einer rundhogigen Doppelarcade geöflfhet, die von einer MittelA^ulQ 
getragen wird. Das Schiff hat eine flache gothisireude Balkendiele; ein Hohpfeilt^r 
dient als Mittelstützc. Daa alte l.angbaue war uagefähr auf die halbe Breite und 
Länge des Jetzigen beschrflnkt. Seine romanisohe Auasengllederung an der W- 
ond S-Wand ist auf die obere Mauerhalfte beschränkt (Fig. 109); sie wird durch 




Fig. t09. Prarrkirch» $. Siro in Mairsngo. 

schmale T.esencn und schmucklose Rteinbügon gebildet. Darunter sind an der S* Wand, 
wo sich eine schmale ungegliederte Rundbogenpforte QfTijet, die Reste gothischer 
Wandt/vtitültle sichtbar. Sie werden von vier hohen reclitDokigen Feldern umrahmt 
und haben die Qberlobensgro^sen Einzelfigurea von Heiligen dargestellt, von denen 
jedoch nur die stehende Figur einen segnenden Bischofs, vermuthlich des Titular- 
patrones B. ßiras, im ersten 0-Felde r-u erkennen ist. Auch die kahle K-Scito dos 
Schiffes war bemalt, aus dur Tünche schaut hier die frisch erhaltene guthische Figur 
eines Kriegers hervor, der vielleicfac zu einem Aufcrsteliungsbildo gehörte. An der N- 
Seite zwischen Schiff nnd Chor erhellt sich der kahle Thiirm; die holden obersten Oe- 
scbueoe sind auf jeder Seite mit uinum ungegliederteu KundboguufeDster geöffnet. 
An der W-Seite sind (mit arabiaofaen Ziffern) die ohne Zweifel auf den Thurmbau 
bezüglichen Daten 1&74 und 1675, daa Letztere ton Werkzeichon begleitet, eio- 
gcnieidselt. In der N Chorabt he iluog steht ein überaus zierliches und wohl er- 
haltenes sp&tgothiscbes .Schmtnätärrhett (Fig. 110). Der oben halbrund geschlossene 
Sehrein ist durch Pfosten droitheitig gegliedert, elegantes Rankenwerk umwindet 
e//ff soMmakeü ätätzen. Drei goldene Sterngewölbe krönen die Tiefe. Ihre Schild- 



igen sind mit Ranken geiclimückt Bin Terachlungeoea Rogen- und FialenwerV, 
Kwischen goldeoeo Plätteben blau gefasat, bildet, mit leichten durcbaiohtigen Itauktiu 
ausgesetzt, die Füllang und Bel^nJnuog der Krönte. In ähnlicher Weise sind der 
Sockel des Schreines, die Uekrönung der Predollenrronte und der obere und untere 
AbschlusB der geöffocten Flügel geschmrickt. Im Hebreine sind die Statuetten des 



I 




Ftg. 110. SohnltisItlroheB In dsr Pfsiridrohfl S. 8(ro bi Malrengo, 
(Kuh Pfaotognpliio vod Giovanoi Pedretti io Airolo,) 

hU Sims xwiecben SS. Andreas und Mauritius aufgestellt Btiliefa, I. die Geburt 
und r. die Anbetung des Christkindes durch die Könige, scbmilcken die lunonseiten 
der Flügel. Ebenso derb vie diese Reliofa sind die Malereien an der Auascneeite. 
Sie stellen in den oberen Halbiaiielteii Maria und den Engel der Verkündigung dar, 
unten die gröaseren Gestalten S. Ambrosius' und der hl. Magdalena links und eines 
segnenden Bischofs und der hl. Martha rechts; die Letztere im Habite einer Haus- 
frau mit dem KoohlöfTcl vcrsebeu. Die Malereien an der Vorderseite der Predella 
zeigen zwischen den besonders umrahmten Gestalten der Apoatelfürsten eine Scene 
(Fig. 111), dio nicht mehr entrfitbsolt werden kann, weil die Mitte, der Gegenstand, 
der die Aufmerksamkeit der Corona erregt, übermalt oder ausgekratzt worden ist. 
Ein alter A'efcA, der sich vor einigen Jahren in der Kirche befand, wollte im Mai 
18äU nicht mehr gezeigt werden. Br soll verkauft worden sein. U. l&<Sä.^ IK&^. 



80 



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^ 



J0^ 



Fiff. tu. Pr«dell«nbltd In der Pfirrkirohe S, Slra in Miir«ngo. 

Malvaglla, Pfarrdorf im Bez. Blenio. 1. Der UDgewÖbnHoh hohe in der NW<Eoke ; 

der barokeu Pfarrkirche eingebaute Thurm (Fig. 112) ist eio romanischer BauJ 

einsohliesalioh des niedrigen Erdgeschosses aeohu Stockvorke hoch und ziemlich rcget- 

minig aus kleinen Bruchquadero erbaut. Den Abschluaa bildet nach landesüblicher, 

Weise ein niedriges Zeltdach. EckleeeuenJ 
und Rundbogen frieso auf ächmuckloaon Con- 
sölchen rahmen die Stockwerke ein, nur 
die beiden obersten sind^durch keine Ho- 
rizontalgliederung getrennt und der krönende 
Abscbluss.wird hier durch einen Consolfries 
gebildet, auf welchen, wie über den beiden 
unteren Bogenreihen, ein Rollfriee folgt In 
den unteren Stockwerken öffnen sich einfache 
Schlitze und Kundbog f>nfcQster. In den 
oberen Etagen sind diese paarweise und 
dreifach gekuppelt. Die R&gen sind gefalst 
and die einfachen Theilsäulchen ohne Ter- 
mittelung eines Wulstes mit unvollständigen 
Würfelkapitälen bekrönt An der Weatseitaj 
de« Thurmes befindet ^.icb zu ebener Erde ein 
ifaat erloBohenes romantsches Christophorus- 
Inld, das den Hefligen in ähnlicher Auf-: 
faasung wie an der Fa<;8do der Stiftskirche 
Ton Biasca darstettt Er trägt eine barett- 



Fig. tl4. Pfsrrkiroh« in Msivislis. 



81 




Fig. US 



Westft^dfl der Pfirrklroh« 
von Milvtgllt. 



artige Krone uod ein geibes Kleid mit Perloabosata, das mit rolb coDtourirteD Ro- 
setten gcmuatert ist. Die Ümrohmang bildet ein PerlsCab CMIOOO. Von der 
alten Kirche ist dio Weatfagade ctrhatten, aber man hat sie erbiilit und verbreitert. 
Ibr unterer Theil iat mit annShernd gleichzoitijfcn aber nnregelmäaeig angeordneten 

und theilweise rob überarbeiteten MulercieH ge- 
9ehmückt(Fig. 113), deren Stil auf die ecBte Hüirie 
des XVI. Jhrbdts. «ciat (rgl. „Repcrterium f. 
KuQBtwiBseDBobAH" Xll. 123 a. f.)- Zw Hechten 
der ThQre nimmt (4) das höbe Utld des hl. Christo- 
phorus den Raum zwiaohen dieser und der ur- 
aprüuglicben Ecke ein. Der einseitig eohräge 
Äbachlufls dieaes Feldes zur Rechten zeigt dio 
urspräDgticbe Fa^denhöbe an. Uit nackten Beinen 
steht der Heilige en - face in der blauen mit 
Fischen and Meerweiboben belebten Fluth. Ueber 
dem kurzen rothon Rocke, der um die Taille 
gegürtet ist, trägt er einen kurzen grün gefüt- 
terten Mantel, die Ausaenseite ist rotb und gelb 
geblümt Auf der linken Scbultor des fticteu 
aitzt rittlings das Knäblein, daas sich mit beiden 
Händen ao dem rotben Schopf dea Ileiligen hält. 
Toga und Tunioa sind violett, die Erster« ist gelb gefilttert und wellt in zackigem 
Wurfe empor. Zu beiden Seiten thörmen »ich rotbe Felsen empor, derjenige 
üur Linken iüt mit einem Schlosse und einer Stadt bcAotzt. In der Kliiuse gegeu- 
Über haben sich weisse Höncfae cingeniatet. Einer, mit der Laterne in der Hand, 
kniet vor seiner Zelle, tiefer schaut sein greiser Oenosse aus einer Höhle heraus 
und zieht am Seile einen Eimer ans dem Flusse empor. Zwei kleine Felder zur 
Rechten dieses Bildes enthalten die Darstellung desselben Heiligen, der in mann- 
haften Schritten die Fluth durchfurcht (6), und darüber (5) die Uodonna in throno 
twischen SS. Sebastian und Rochua. GegonQber schiebt sich zwischen den Thürgiohol 
und dem darüber befindlichen Fenster ein kleines Bild de« bl. Hieronymus (7) ein. 
Der hl. BQasei kniet in einer Landsohaft, in der Linken hält er das Kreuz, in 
der Rechten einen Stein, mit dem er sich die Brust zerschlägt. Ueber dem Fenster 
folgt (3) das Bild des jugendlichen ä. Martin zu Pferd, der, mit weltlichem Kleide 
angethan, in anmuthiger Bewegung zu dem hinter ihm koicendeu Bettler zurück- 
achant und mit dem Schwerte den Mantel theilt. Zwischen diesem Felde und der 
Thüre sind zwei Bilder übereinander geordnet. Das obere (1) stellt die hl. Barbara 
vor, die in der Rechten einen Falmzwcig hält und mit der Linken einen neben ibr 
stehenden Thurm umßngt, das untere (2) die Madonna, die jtwlschen SS. Francisoue 
und BernbarduB von äiena steht. 

2. Ueber die wahrschein lieh gleichzeitigen, 1551 datirten Bilder in der neben der 
Kirche befindlichen Kajielle cf. „Kepertorium" 1. o 124. 

3. Casa de' Pagani in der Schlucht des Lorino (Fig. 114). An dem tothrechten 
Felsen ist in schwindliger Höhe das steinerne Gehäuse Angeklebt. Es war mit einer 
gegen den Felsen ansteigendeu Halbtoune bedw.W\.^ <JÄ<a ^^'vlx. «!a%\ %<a^^;^^£cc ^ofv 



n 




83 



An der S Sobmalaeito ist ein vier- 
ecktg&3 hocbgolegeoeB Pförtcfaen ge- 
öffnet (Doli. V. 191). 

Managno. Villa Luini und Ua- 
raint vide Lugano 9. 139 obea. 

Me^ano. l'farrdorf am Lugaaer- 
aee, Hez. Lugano. 1. Bino der hi. 
Luria geweihte SchifferltapflU wurde 
1867 oder 186SzBrBt.Vt. Der kleine ^^ 
rechteckige Bau warmtt einergiehoU ^A, 

förtriig abermauerteu Kuudlunne 
bedeckt und mit bj^/^ntinitiirenden 
WanihjcmiilJen , Kiazelfiguren von 
Heiligen, u. a- 3, Petru», auf Gold- 
grund gesobniflokt. 

IL Zcller-WerdmalW. 






l 



sV 



Fif. tu. Call da PaQsni. 



2. Die oberhalb Uelano gelegene KapHh Madonna tH Cufilirlh soll auf deo 
Trümmern oinca ehemaligen Schlowes stehen. Nähere Auskunft fehlt. 

3. Von einer Lanäicehrc (Leize), die wahrecheinlich diia ca. ''• Stunde breite 
Gelände zwischen dem Abhänge des Monte (Jnnnroso und dem Sceufor aboperrte, 
ist im XV. Jhrbdt die Rede, doch sind keine Reste mehr wAhrxunchmon (.Mitthlg. 
der Antiq. Ges. i. Züricb", Bd. XVIIL Heft L S. 55). 

Mcndrisiü, deutsch Mendrys, Flecken und Hauptort des gleichnamigen Bonirke«. 
Der Name Mendrici kommt schon 793 vur (Urk.-Reg. Nr. 167. Fmmijtüh, Ood, 
dipl. S. Ambros. 94). Derselbe Name wiederholt sieh 347 uud 652 (Crk.-Rcg. Nr. 
477, 479. FumagalU 257. 361, 282). 1140 uod 1142 locus Mendrixio [Urk-Reg. 
Nr. 1740, 1754). 1242 wurde Mendrisio von den Maitändern verbrannt (Boll. IX. 
35). 1337 in einem Vertrage mit Azzo Visconti wurde Mendrisio niil Bellioiona, 
Locamo und Lugano von Franchino Rusoa als väterliches Erbe angeeproohen (aOe* 
Bohichtsfrd." XXXin. p. 355, Urk. No. 5). 1416, Sept. 16. tauscht T^terio Rusca 
mit Fitippo Maria Visconti das Thal von Chiavenna gegen Uendriaio und andere 
Besitzungen aus (Neaai OO. Appendice Rusca S. 39). In Mendrisio hatten die Rusca 
eine «domus dicti comitis Franchini" (£". Moita, J. Sanseverino, feudatari di Lugano 
e di Baierna 1434 — 1484. Eatratto del Periodico della Societä Storica Comense. 
Vol. II. Coroo IS82 p. 6 a. 3. p. 8 n. 1). 1434 nach dem Tode d«i Giovanni 
Bnica, Herr zu Lugano, Qbergab Filip[>o Maria Visconti seinem Capitano generale 
Aloigio da Sanseverino die Herrschaft ober ^[endrisio (I. c p. 5), dessen Sohn Fran- 
cesco sich ebenfalls in derselben behauptet« (I. o. p. 10 a. f.). 1490 sind die terra 
di Mendrisio und die picvc di ßalorna vorübergehend im Besitze de« Grafen 
Bartolomeo Crirelli, commissario di Corao (Boll. IL 145). 1616, Nov. 29., Frans I. 
bestätigt den Eidgenossen im ewigen Frieden die Abtretung von Mendrisio (Gluts- 
Sloizheim 440). In Mendrisio hatten die Torro oder Torriani eine Burg. «Famo«», 
tom e caetello* nennt es Bailarini p. 299, die aber, demselben Berichtorstatt 
zufolge, schon 1350 zerstört worden ist. Auf den Trümmern derselben wurde 

.;. die Kirrite S. Smno iiUa Torr« (Boll. 1. 33 u. f. Lavissari, EscuraionI 1. 55) erbaut. 



Ihr Alter ist unbekaont, doch soll oinc Prarrci S. Siainu scboti 1301 bestanden biL|>Q^^ 
und wurde durch eine Balle Nicolana V. vom 15. Aug. 1451 den Servi di May/,,^1 
die Benutzung der Pfarrkirche S. Sieino alla Torro und die Errichtoog eines da.— i 
neben betindlichen Klostera geatat^tet. Da ihnen aber die TUumlichkciten ungena^«nd 
erschienen, gestattete ihnen Sixius lY. die Ceberstedelung in den Oapedale dei puvec-i 
di a. Oiutanui. lÖStJ, 1 1. Januar, wurde der Altar der Heiligen Sieino und Alexandei- 
geweibt (Bell. I- c.). 1692 wurde die Kirche von Meister Amlrcn dt Attfumdiis 
fabroniurario q. Antonü de Merede fMeride) durch den ZuaatK eine« neuen Chorea 
vergröttsert und der Tliurm erbüht. Ein Jahrhundert später wurde der alten Sakristei 
gegenüber eine neue erbaut (Boll. XIIL 213 u. f.). l'eber 1810 und 1880 vorgenom- 
mene Arbeiten I. c. 'J14. Aus der Kirche null zu Anfang dieaes Jhrhdt«. ein Gemälde 
Lnini'K verkauft wurden sein Die jetzige Kirche zeichnet eicli durch ihre malerische 
Anlage dber einem altortbümlichen Thorbogen aus, der tnögticherweiae noch ein Keat 
des äclilottoes ist, nie bietet aber iiiclita Beuierkeiiswerthea dar. K. 

2. Der Bau der jetzigen Pfarr- (Priorais-) Kirche SS. Cosma e Damiano wurde 
1862 begonnen uud IST5 vollendet. An ihrer Stelle hatte eine 1070 erbaute Kirche 
und in der Nähe ein anderes lt)7l' vollendetes (jottesbaus gestanden, dtisa 1870 dem 
Neubau der jetzigen Pfarrkirche weichen musste. Beim Abbruche derselben wurde 
ein , grosso capitello di pietra d'ordine bisautino' gefunden (Boll. 1. 9, XIII. 208 u. f.). 

8. Ehemaliges Servilrnkioster S. Giovanni Buitisia, links am Eingänge zum ^ 
Flecken von Capotago bor. 1451 gegründet, 1852 aufgehoben (r. MuHncu, llelv. 
aacra II. 68). Die zum CoIIegio eingerichtete Anlage besteht aus dem Kreuzgange, 
dem sich N und W die ehemaligen ConvcDtgebfiudc und O die mit dem Chor nach 
N gerichtete Kirche S. Qiovanni Baitista nnschlicdscn. Dem W-Ende de.« S Krenx- 
gangHügels legt sich das Oratorlo der Madotiua delle Grazie vor. Die Kirche 
S. Giovanni, ein slattlioher einschifügcr Barockbau, wurde zu Aufang dee vorigen 
Jhrhdta. nach dem Plane de« Architekten Pietro Maijni von Castel S. Pietro erbaut 
und am 13. Mai 1738 gevretbt. An ihrer Stelle hatte eine 15U3 erbaute Kirche 
bestanden (Boll. I. 11 u. f.). Am Aeusseren des halbrunden Chores trägt ein erker- 
artiger Ausbau das Datum 1775. Auf die Errichtung und Weihe der früheren 
Kirche bezieht sich das Fig. 115 abgebildete Jieiief ans weissem Blarmor, das in 
dem Durchgange vom K ICreuzgangäugel zu dem an den Chor gebauten Thurm 
eingemauert ist. Dem Thurm gegenüber befindet sich die Sakristei, die seit 178Ö 
ein in dem Kloster lobender Antonio Baroffio von Mendnsio hatte errichten lassen 
(Boll. 1. 0.). Das mit compoaiten Pilastern gegliederte Täferwork ist in etwas kaltem 
Zopfstile gehalten, zeichnet sich aber durch saubere Ausführung aus. Inventar der 
Kirche aus dem XVIII. Jhrhdt. Boll. XII. 228.* Der Krtuxgang ist mit rippenlosen 
Zwitlingagew'ülben bedeckt uud gegen den Hof mit rundbogigen .Säulenarcaden toB- 
kaiiiscber Ordnung geöffnet. Am 0-Ende des S-Flügola ist ein tüchtiges aber leider « 
stark verwittertes S<indsteinreUef eingemauert, das früher ati einer anderen Stelle 
gestanden haben soll. Dasselbe ist M. 1,70 br., die Gosamtnth^he miast M. \Ab. 
Pilastcr mit zierlichen Festons geschmückt und mit frei conipooirten KenaissftDce' 
Kapitalen versehen, tragen den waagrechten Abschluss, der aus einem zweitbeiljgen 
Achitravo, Fries und Geison joniscben Stiles besteht. Zwischen den Pilastern 9\n^ 
drei gleich breite Compartimente mit MuscUelUia«u«u Wuüu^. %\% >vGQ.\i«}&.isv<bv^ ^\<^ 



84 



ReliefBgur der Madonna zwiechen S. Johannes Baptüta und S. Katharina. R. ra 
FfisHen der Madonna, welche stehend das Knäblein trägt, sieht man die kleinen 
Figuren eines Manne», der einer gegenüberstehenden Frau einen Schwerthieb auf das 
Haupt versetzt. Johannes Raptista trägt einen firmelloBen, um die Taille gegfirteten 
Pelzrock, Ober welchem die Toga die Bruet und den rechten Arm frei loast. In der 
Lioken hält er den Kreuzatab und weist mit der Rechten nach einer um denselben 
geschlungenen Handrolle, aufweichet in Capitalen die Inschrift ,ecce agnus Dei" steht. 
8. Katfaanna, die keine Krone trägt, h£lt in der Linken ein geacblossenea Uuoh 
und die Rechte auf das Rad gcatStzt. Das KeHef zeigt Spuren einer ursprüng- 
lichen ßcmalung : Die Kehlen der Muscheln waren blau, ebenso der Grund der Ka- 
pitale, von dem das Blattwerk sich in gelber Farbe abhob. An den gross und 
frei geworfenen Gewändern Reste von Blau und GrQn. Auf dem platten Friese 
ist die folgende zweitheilige CapitaliuBcbrift verzeichnet : MAGR . lOÄNES . GAZIÜ3 . 
DE BISSOO lANVKSI.S. NVCVI'ATV8 . ET . KATHARFa . LOPlÄ . IVGALES . 
(QVT lÄNVAf) I IXPARTIB). REDIERTT . ANO .1607. HOC . OPUS . CONSTRV- 
EBVT. ANNO. 1514. DEVOTIONIS.OPERE. An das W-Ende dieses Kreuz- 



EGO FRATER LVCAS 
DE GARAVO DE BISSONO 
ORDINISSERVORVM 

lANCTE'MARIESACRE 

ThEOlDGIE-DOCTORFEa 

lERWOCTEMPLVM 

iojET ?SECRATV3 



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Fig, US- Relief sn der KIrohe S. Glovann) In Mindrliio. 
gangflügels af^sat das Oratorio der Madonna ddl^ Groiu; das vielleicht identisoh 
ist mit der urkundlich schon 1290 erwähnten .Cappella dell* Ospedale dei poveri di 
3. Giovanni" (Roll. I. 12 u. f.). Die innere Ausstattung datirt laut Inschrift todq 
Jahre 1829. Eine Marmorinschrift an der W-Wand enthält das Datum 1^68. Die 
Lünette des barucken Jlochallares umschlieast ein wahrscheinlich aus dem XV. Jhrhdt. 
stammendes, sorgfältig und farbig durchgeführtes jlfauerpemöi^. Es stellt auf blauem 
Grunde die Halbfiguren der Madonna zwischen S. Katharina and Johannes dom Täufer 
vor, deren Köpfe fast grotteske Typen sind. Aussen ist die S Langseite mit einem ro 
manischen Rund bogen friese bekrönt. Vertikalgliederungen fehlen. Die Kleinbögen 
sind von einem eingekorbten Saume begleitet, die ConsSlcben theils glatt, tbeils mit 
J/tuiMiAea; Kuh' uad Ziegenköpfea geschmöckt. B. 



4. Kirche S. Maria !m Flecken. Die Aofange dieses kleioeo QotfosfaHUsoa 
sind unbekannt (Boll. L II). Die jetzige Anlage, ein etnschifll^os I,Anc:hAus mit kur- 
zem viereckigem im Westen gelegenem Cliote und zveiS NebeukHpelleneclioiQtausdem 
XVll. oder XVIII. Jbrfadt au stammen. Aus romaniBcber Zeit stammt dagegen der 
Thurm, der sich dem 0-Eode der S Langseito anacbliesat. Ueber dem hoben kablen Erd- 
geschosse ist er in zwei Etagen mit Eckleseneo und KleinbOgen gegliedert. Pas obere 
dieser Compartimente umsobliosat auf joder Seite zwei gekuppelte Rund böge nfcnstcr, die 
aber vermauert sind. Das folgende Olockcngeschoss ist ein moderner Aufsatz. An 
der W Aussenfronte dieses Tburmes, an velcbe die eine der beiden Kapellen stösat, 
ontbÄlt eine viereckige Kiscbe ein spätgothiychos Miiutrt/cmälde , das aus der Grenz- 
Bcbeide des XV. und XVI. Jbrhdts. zu stammen scheint. Es stellt in strenger Vur- 
doransicbt die Ilalbfigur der Madonna vor. Hit rotbem Hock und einem blauen, 
grün gefütterten Scbieiermantel bekleidet, bSlt sie mit beiden Uäedcn das nackte 
Knäblein, dass auf ihrem Scboosse steht und mit segoeuder Oeberde im Ualbprotile 
emporsehaut. Zu Seiten der Madonna baltcn zwei Engolchen den Saum eines Tep- 
pichs, der den Hintergrund bildet. Nach Bell. I. c. soll die Kirche zu einem in 
der Nähe des Preturio gelegenen Kloster gehört haben, mit dem sie angeblich durch 
einen unterirdischen Uang verbunden war und in welchem Spuren eines Souterrains 
vorbanden seien. Besagtes Haua liegt links in der üatlicb von S. Maria aubteigenden 
oontrada vecchia. Es umschliesst einen Kiemlich modern aussehenden Hof. Die 
Strassen fa^ade bat zu ebener Erde eine vermauerte SpitzbogenihÜre, in der ersteo 
Etage vier ebenfalls ungegliederte Spitzbogen- und zu oberst doppelt gefalzte Stiob- 
bogenfoDster. Thüre und Fenslerbögen »ind aus Hacksteinen gevrSlbt, das übrige 
Mauerwerk ist Bruchsteinoonsiruction. IC. 1885. 

6. Die etwa L Kilometer N ausserhalb Mendrisio auf etuer Niederung unter- ^ 
halb der Landstrasse gelegenen Kirche S. Mnrtinn soll die ursprüngliche Ffarr- 
kirche des hier gelegenen Fleckens gewesen sein, der 1242 von den Maili^ndern 
zerstört worden ist (Boll. 1. Ü). Chor und W-Fagade stammen aus spaterer Zeit; 



* 




86 



I 



^, 



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II^^umS**^ "Äf« 



I 



Vif. U7. Süd-Seite der Kirch« 3. Mirtino l»i Mtndrisfe. 
Grstoror wurde IBOfj erbaut (l o.)- Die N- und &8eite dei eituchifligGD H. 13,10 t. : 
ß,45 br. T^aoghauses dagegen, da« ein offonos DartigßstQlilo hodockt, ^Ecif^cn den 
romanisciien Stil (I''ig. llti und 117). Sie »lud aufTBlIbiLdär Weiae uiigl«ic!i (;egHc> 
dert, die S-Seite mit düanen IlalbsSuleo, die unter dem Dache durcli einen Rund- 
bogcnfrie« verbunden sind, wiibrcnd die zweigejicbnasige Thoilung der l^ord^oite sich 
ausnimmt, nie wenn sie durch naohtrügliche ßrhühung einer älteren I-'ronte ent- 
standea wäre. Die oberen Kleinl)5gen aind profilirt und theilweiBc mit Ornamenten; 
Kreuxen, Blättern, Masken auagctetüt. Im Inneren de« Schiffes meldet eine an der 
S-Soitc cingemauf-rle Harmorintohrift, dass im Kebrunr 1774 die Uchcino der bei 
der I'rioratalcirche (SS. Cesma e Damiano) Heigeaetzlen, hiehur übertragen worden 
>eieu (rgL daxu ßoll. I. c). Am W-Eode des ScbilTes Hegt auf dorn Uoden eiu 
rnlhgothisefaea Knoepenkapiiäl, vielleicht der oben unter SS. Coama e Damiano er- 
wähnte F-'und. R. 18(0, Ib85. 

G. Kirche S. ilaria Libcrairiee am Hoate di Stella. An der alcilon Felswand 
I den nördlich von Mendrisio gelegenen Honte dclla Stella (Monte di S. Nicoiao) be- 
' findet mc-h die«e theÜwrise in eine Höhle gezogono Kapelle, die 1413 auf der Stätte 
einen Wumlerei von Lotlerio Kuaca, Herrn von Como und Mendrisio erbaut worden 
bt Ton demselben llerraoher soll die viereckige, neben dem Kircblein stehende 
Wafie errichtet worden sein (Doli. L 34). An»cliauiing fehlt. Etwas tiefer befinden 
sich an derselben Felawauil zwei Uolilen, die eine iet mii einer Mauerfronte gcscblosBeni 
in der eine hoch gelegene Uundbogentfaürc und zwei viereckige, darüber befindliche 
Lucken angebracht sind. R. 1890. 

In und bei Mendrisio sollen drei Jitiryfn gestanden haben; I. das oben cr- 
wfilinlo SchloHs auf der Stelle der Kirche 3. SUino alla Torre; 2. in der Nähe der 
Pfarrkirobe 83. Go«ma e Damiano, wo 1870 die Reste eines .oaatello* und eines 
.fortino a punta di diamantc** gefunden wurden, das im vorigen Jahrhundert auf 
Befehl de» I^andvogtes von Mendrisio zerstört worden ist (Boll. I. 9); auf eine dritte 
Ycsle deutet endlich der fjamo „Corla^ch'- (Castellaceiu) dea W »us der Milta des 



Fle«kenB gegen den Fluaa YonpriDgenden Plateaus, anf welchem eine Vitta mit mo- 
dernem Tharme steht. 
1^ Meride, PfftrrdorF am Faste 

de» Monte di 8. Oiorgio, Bez. Hen- 
driiio. Die fCtrrhe S. Silv&^trn 
scheint ku Endo des XYL JhrdtB. 
aaf der Stelle einea ebemaligeD 
Soblo8«CB errichtet worden zu sein 
(Fig. 118). 8ie ist eine kurze drei- 
•chifßge Saulenbaeilika mit Kreuz- 
gewölben auf rundbogigen Archt- 
volten. Am W-Kndcdea Mlttelaohif- 
fea ist der viereckige Tbunn einge- 
baut. Der quodratieche Chor ist 
etwas niedriger als das Mittelschifl 
und mit einer böhmischen Kappe 
bedeckt Die faülzernc Kanzel trägt 
das Datum 151>5. Die 6-Seile des 
Scbifibs ist in ihrer ganzon Länge 
von einer flachgedcokten Vorhalle 
WgleiteL Die totkauischen Kapitale 
sind durch Ftachl>r»gen verbunden 
und die Fäulen, 7 an der Zahl, 



Pia. Hit. Kirchs S. Stifcdro In Msride. 
ruhen auf umgekebrlen Kapilulen, die sich als Keeto eines ülloren Oebäudei zu er- 
kennen geben. Die ganze Anlage ist auf drei Seiten in massigem Abstünde von 
Mauern umschlossen, die aber bis auf die Höhe einer Brustwehr nbgt^tra^en sinH. 
Am S-Ende der 0-Mauer ülToet sich ein waagrecht übermauerlec Stichbogonthor, 
Ober welchem die Schlitze fSr die Woagbalken einer ehemaligen FatlhrQeke und an 
der Aussenfronte ein steinerner Wappenschild erhalten sind. R. 1880. 

Meizovico, Pfarrdorf an der Monte-Ceneri- 8 trapse, Itez. Lugano, Kreis Taverne. 

1 l'farrkirchc S. Ahbonilio im Dorf. Die gegenwärtige Anlage dürfte im 
XVI. Jhrhdt. erbaut worden sein. Das einschiffige Langhaus ist durch zwei giebel- 
fTirmig Qbermauerte halbrunde Qtiergurten ^'ütheilt, welche von viereckigen Halb- 
pfeilern getragen, das Dachgeatühl Aufnehmen. Der fThor besteht aus zwei nuf- 
einanderfolgenden Quadraten, die mit rundbogigen rippeuloaen Kreuzgewölben beduckt 
sind. Er ist, wie die N anstoseenden Kapellen und die Deokgesimse der Wand- 
vorlagen im SchifTe, im Barockstile ausstaffirt. Der S-3eite de« SchifTes ist am O-Ende 
der pustbum-romanieohe Thurm tingebaut. Er ist ober dem kahlen Erdgeschosse 
in zwei Etagen mit Ecklesenen und Rundbogenfriesen gegliedert. Darüber sind auf 
jeder Seite zwei Rundbogenfenster auf einfachen Theilsfiutchen gekuppelt, die keine 
Kapitale haben. Wieder solche Doppelfeaster mit einer toskanischen Theilstütze und 
paarweise von einer Rundbogenhiende umschtoseeD, Öffnen sich in dem folgenden 
Öeeohosse auf dem sich die steinerne Spitzpjramtde erbebt. R. 1887, 

2. Unterhalb des Dorfes steht einsam an der Landatrasee die Kirche S. Mamette 
(Fig. ll'J). Sie besteht aue einem einachifligeQ U. \\^'\ \.^\^1$Si^\st.. X.-mo.'^'mw»^ 




I 



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n 




Fl«. 119. KirotM S. MamttU In kUizevIoo. 



dem tiich R, durch oinon M. 0,64 br. ungegüederteo SpiUlrageD getrennt, der vior- 

cfikige M. 6,12 1.. 6,52 br 
^ Cbur anschliesst. Eine ruad- 
bugigti Qiiergurt« , welche 
mit ihrer giebelform igen Ue- 
bermaueruQg die Bediicliuog 
aufnimmt ood von gleicbfalls 
ungegliederten Wandpfeilern 
ohne Hasen gelragen wird, 
theilt das Schiff in xtrei Hälf- 
ten ab. Der Cbcrr ist mit einem 

rippeiiloaeii rundbogigon 
Kreuzgewölbe bedeckt, d^a 
von unförmlichen Eckcooso- 
len getrngon wird. Das kahio 
ungegliederte Portal an der 
N Schmalseite des Schiffes ist spitzbogig, und der Scheitel deaselbeu mit dem von 
einer Sonnenglorie umschlossenen i I) s geachmflckt. Darüber ist ein vermauertes 
Randfenster angebracht. Der ganzen Ureite dieser Bingangsfronte logt »ich eine 
Vorhalle mit offenen) Pultdacbo vor. Die ungegliederten KundbÖgen, mit denen aie 
sich auf drei Sotten öffnet, setzen auf Wulstgesimsen an, die nur unter der Lei- 
bung Torspringen. Wie diese N Schmalfronte ist auch die Sohlusswand des Chores 
ungegliedert, wogegen die I.angseiten des Chores und Schiffes, sowie die zu Seiten 
des Ersleren vorspringenden Theile der S SchifflVonte mit einem von schmucklosen 
ConsÖlcben getragenen Bundbogenfriese bekrünt sind, der an den Eeken todtläuft. 
— Im llehrigen ergibt sich, dasa diese beflehriebeno Anlage nicht die ursprüngliche 
ist. E« hat zu Ende des XT. oder x\i Anfang des XVI. Jhrbdt«. ein Umbau statt- 
gefunden, wie ein solober mit dem Kircblein bei 0-nosca (vergl. Seite S7 oben) vor- 
genommen wurde. Der frühere Bau ist ein« kleine und niedrigere Kapelle gewesen, 
die regelrecht, d. h. mit dem Chore nach oricntirt war, und die Aenderung be- 
stand darin, das» nach Beseitigung resp. Durchbrechung der LangwÜnde die gegen- 
wärtige N-Uälfte de« Schiffes und der Chor hinzugefügt worden sind. Den ßeweis 
dafür liefern die Fugen an den Langseiten dos jetzigen Sohiffos, die an der 0-Seite 
H. 5,60. gegenüber M. 6,00 vom N-Knde entfernt sind. An der Mitte der alten 
W-FroQte ist der ehemalige Eingang bis zum Kämpferpunkte dos ungegliederten 
Spitzbogens vergraben und darüber ein vermauertes Rundfensterohen angebracht. 
Gegenüber sind ein Mauerschenkel der ehemaligen bis zur Wölbung vergrabe* 
neu Apsts und der Ansatz ihrer Verdacbung ku sehen. Ohne Zweifel haben Erd- 
rutschungen von W her den Umbau veraolaast} womit Qbereinstimmt, dass sieh 
der Boden der Torhalle M. 1,20 unter dem K vorliegenden Terrain befindet. 
O getrennt von dem jetzigen Chor und zu demselben schief gestellt, erhebt sich 
der viereckige Thurm, ein achlanker Bruehsteinbau mit niedrigem Zeltdaohe. Er 
ist, einsofalieaslich des kahlen ErdgeschoascB, 5 Stockwerke biKih. Kur das aweite 
Stockwerk ist mit schmalen Coupartimenten vou Gcklesenen und droj Kleinbögen 
gegliedert. (Fortsetzung folgt.) 



Zur Statistik schweizerischer Kunstdenkmäler, Canton Tessln, von J. FL Mi*). 

JthrgUig 1892, Nr. S. (Foiuetzuag.) 

Die drei unteren Etagen sind mit schmalen RaiidbogeDschtilzcn, dio oberale 
mit paarweise gekuppelten und geral/.ten riundbogenCunstern geöffnet, die von 
einfachen kapitällosen ThoilatütRen getragen wordeo. Der Chor iat mit Wand- 
t/emalden geschmückt, die tbeils zu Ende des X7., theiU zu AofaDg des XVI. Jltrbdla. 
cntstandeD »ein mügen. lo dieser lotztoo Zeit, vielleicht erst nach 152^1, iat das 
tigurenreiühe Krouzigungabilil so der Schlusawand entstanden (vorgl. „lieport f. 
KiinstwiBscnflch." XII. 17 u. f.). Aus der«olben Zeil stammen die RinKültigureii des 
hl. Abtes Aulonius, der hl. Lucia, eines hl. Mönches in woissom Ilabit und S. Ma- 
metto's an den Stirnpfcitern des Chorea sowie das Madonnenbild an der W Schild- 
wand. Die OoLteHniultor trügt über dem ruthcn Uotergcwande einen weissen Ma- 
tronenniantel; sie iat stohond, olme das Kind, mit vor der ßrust gefhltoten HAuden 
dargesfrllt; ihre Strahlcngloric umgibt ein Resenkranz. SpAtgothiacb sind die in 
Zeicbuutig und Farben roh durcbgoführleo Malereien au dem KreuEgewölbe. Die 
iUppen sind von ungeachickton Zickzackurnamentcn begleitet^ die sich von der weissen 
Mitte roth in Orfin und Gelb in Schwarz abstufen. Den Scheitel nimmt die 
thrunende (icstalt dos Ileilandca ein, der mit der Iteehieii segnet und in der ]>inken 
die mit einem Kreuz besetzte Weltkugel halt. Auf dpn blauen Kappen sitzen paar- 
weise, diaputirend uud schreibend, die Evangelisten und KiroheuTäter hinter Tischen. 
Zu ihren KüHAen sind in kleinen Gestalten die Propheten und dio Krangelietcn' 
embicme gcmntt. Johannes, der in der S-Kappe neben S. Gregor thront, erscheint als 
Greis mit weissem Bart und weissen Haaren. Unter S. Gregor ist ^Ref davil pro- 
fcta* durch eine Minuskelinschrirt bezeichnet. W-Kappe: SS. Lukas und Ambrosius; 
N: SS. Mftttbwus und llieronytuus; 0: SS. Marcus und Augustinus. Zu Küssen 
dus Letzteren erscheint siatt dos Fropheten die knieende I'ortnitgestall des Donalors. 
Kr trägt einen blauen ärmellosen Rock und rotbes Obergewand mit hohem Hals* 
kragen, in der Linken hält er otn offenes Buch. Die Leibung des Chotbogons 
schmQckt eine J''o)gc von Rundmedaillons, die im Scheitel das Agnus Dni und die 
übrigen die llalbßguren der Propheten umichlicasen. Endlich sind neben dem 
Thurme an der 0-Seitc der Friedhormauer in einem rolhen, grän umrahmten Felde 
die lebensgroBBon, späigotbtschen Figuren S. Mametto's und doe hl. Abtee Antonius 
gemalt. B. 

Miglieslia- Ffarrdorf auf dem Höhenzuge oberhalb Agno, Bez. Lugano, 
Kreis lireno. 

Pfarrkirche ä. Stefano (Fig. 120 und 121) Therm und Chor stammen aus 
I romanischer Zeit, daa einschiffige Tjanghaus »scheint in gothischer Zeit erneuert 
worden zu sein. Letzteres U. 10,27 lang und 5,7.5 breit ist mit einem offenen 
DaohgnstQhl bedeckt, das von zwei M. 4,63 hohen giebelförmrg ßbermauerten Quer- 
gurten getragen wird. Diese ungegliederten Spitzbiigcn wachsen unmittelbar aus 
viereckigen Halbpfeilern heraus Die N- und S-Seiren sind fensterlos. Der vier- 
eckige M. 4,70 breite und 4,25 tiefe Chor ist eine Stufe bOher als das SchifT gelegen 
und mit einem H. 4,74 hoben rippenlosen rundbogigen Kreuzgewölbe bedeckt, das 
sich unvermittelt aus den Ecken lüst. Das Aeussere des Schiff«« ist kahl. Die Weat- 
ffl^ade enthält aber der ungegliederten Spitzbogenthare , deren Scheite) mit einem 
Kreuze geschmückt ibt, zwei kleine Rnndbogenfenster und eine kreisrunde Oeffnung 
darüber Der Chor ist mit Kcklesctien und Ruodbogenfrietien gesclimückt, die von 

*} Alls Bedtt« far Text and lUaatrstiooca votbtitAXUu. 





echmuckloBen Con- 

BolohäQ getragen 
werden und an der 

Schlusffronte der 
Schräge des Oicbals 
folgen. DicselbeQUo- 
derung wiederhole 
sioli an dem schlao- 
ken Tburm, der rieh 
an der S-Seite zwi- 
schen SohifTniid Chor 
erhebt. Die gekup- 
pelten Rundbogen- 
renaler der beiden 
obersten OcscfaoaBO 
werden von einfachen 
Tbeilsäalcfaen getra- 
gen, die keine Kapi- 
tfile undfiaaen haben. 
Näheres aber die 
häurisoben «pafgo- 

thiacben \5\\ datir- 
Fi„. m. Pfirrklroh. S. Stefano in Miflilegli.. ^^^ Wa^uigcmäUU des 

Chores in den „Mittbeiluagen der Autiquarisohen Geaellwhart in Ij^ürich", Bd XXI. 
lieft 2 pag. 54 u. f. In der 0-Rappe tle» Kreuzgewölbea wird die KnieRgur dos 
i segnenden Ueilaodea mit <)em oiTeneti Buche des Lebens auf rothem Grunde von 
einer Mandorla umscblosaen, welche S. Marcus und ein Engel hatten. Gegenüber 
sind SS. Ambrosius und Augustin, von giebelFÜrmigen jVrcliitekturen überragt, an 
einem Pulte schreibend dargestellt, in der K- und S-Eappe S3. Uieronymus und 
Lucas mit einem kleinen Engel und 98. Johannes und Gregor vereinigt i^osauncndr 
Engel füllen die unteren Zwickel. An der Ostwand ist der Gekreuzigte zwiscbe» 
den Sehfichern und dem hl. Stephan links und S. Anto- 
nio abbato rechts gemalt, dahinter die Stadl Jerusalem. 
Die seitlichen Schildbögen umachlieasen die Gebart 
Cbriati und die Anbetung der Könige. Unter dem 
letzteren Bilde an der S-Wand steht die Inschrift: hoc 
opus fecit (sie) tieri uev homine» . et . coraunis de mi- 
llielia mocccoxj . de mesis . . . setembris . que fuo . 
In . ista . e . capela . f. »olvendo . de fuo proprio . in 
totom". Tiefer atvhen auf beiden Suiten und au den 
Pfeilerfronten dee Chorbogens die zwQlf Apostel. An 
der Leibung des Letzteren uod der Quergurte im 
Scliiff, deren Scheitel das Agnus Dei einnimmt, um- 
rahmen Hu ndmedai Ilona die HalbRguren von Propheten. 
, , ., i-, . Q 1 ■«■ IL. f'iff- Jüi Pfarrkirche 8. Stsfano 

An der zweiten Quergurte des otihines siuu reont« jg MlgUsolla 




116 

8. Kitharina und Hnka die crlosobene Figur eine« greisen Hoiligeo gemalt R. 1872. 
MJnuslo. Pfarrdorf im Bezirk Looarno und Haaptort des Kreisee Karegna. 
1. In einer achmalen über der Landstraase gelegenen Quergasse steht die Casa 
FÜipeiti, Giusqape mit einem spätguthiaclicn Fa<;adengetnäiiie, In der Milto oinoa 
dreitheiligen Gehäuses thront die Madonna. In der Rechten hält sie eine Blume, 
die Linke legt aio auf die Schulter dos Knableina, das mit einem rothen Rocke 
bekleidet, ebcufalla in atrenger Vordoransicbt auf dorn Mutterschoossc sitzt und ein 
Spruchland mit erloschener Minuskelinscbrift vor sich hfilt Die Madonna trägt 
über dem rothen Rock einen gelben, grfln gofütterton Schloiermantel. In der linken 
Abtheilung dea Ochäuacs steht S. Johannes Üaptiata, der auf ein von der Linken 
gebatteiiea Spruchband mit ebenfalls zerstörter Inschrift weist, gegeDQber der greise 
Abt Antonius in brauner Kutte und grauem Kapur^nmantel, in der Rechten hfiU 
er das Pedum mit der vom Krummtheil herabhängenden Qlocke. Unter dem Oe> 
hüuae enthält ein Zettel die MJuuskeliuschrift: mcoocixxxxvij huo | opus feoit fieri 
niagiater | petrus f. iacobi de | albi habita- | tor in minuaio*. R, 

S. Hoch oberhalb Minuaio auf einer ^al JRoHCo* genannten Becgstaffel befinden 
sich die aua Bruchetoinon errichteten Grundmauern einea rechteckigen OebSuiles von 
M. 3 OatrWeatl. Tiefe und 4,10 innerer Breite. Die Maueratärkc betrugt M. 0,60. An 
der 0-Seite , unmittelbar neben der N-Wand öiTnete sich eine 1 M. weite Tbüre. 
Die N und W-Seite lehnen aioL an eine Ilorgbalde an. Das BigenthQmliobe an 
dieser Ruine sind die M. 1 breiten gedeckten Q&nge oder Kanäle, deren einer die 
(}-Uauer begleitet, währond der andere aua der SW-Ecko rechtwinkelig abbiegend, 
nach Westen lief. Die Sohle beider Gänge liegt auf gleicher Hübe mit derjenigen 
des ebeoiaiigen Gebäudes. Sie sind mit schräg gegen das Letztere ansteigenden 
Steinplatten bedeckt, an der äuaaoren Flanke M. 1,30, an der inneron M. 1,42 hoch. 
Der N-Gang, der neben der NO>Eoke dea Gebäudes beginnt, ist Ton 5 M. Tiefe 
an und der S nach einer noch küru'ren Strecke vorfallen. IL 1888. 

3) Kirche S. Quirieo: Tide Locarno. 

Monte Carasso. Pfarrdorf im Bezirk Bellinzona, Hauptort des Kreiaoa Ticino, 
S. von Bellinzona am Ausgange dea Thaies von Semeiitina gelegen. I) Ehemaliges 
Monastero (klU Agostimane di S. Bemardino (Auguatinerinnen atrenger Observanz) 
Frameiniy der Ct Teaain 407, ton MiUinen, Helv. Sacr. IL 149 mit Litteraturnaoh- 
weisen. Um 1450 gegründet. 1857 aufgehoben (t. MöHnen 1. c). Die Klosterkirche war 
sugteich Durrpfarre. ilaujdmaasstt: (Anz. 18l»0. S. 3^3) A 39,84; B Sanotuariuin 7,73, 
Nonnenchor 13,45; C Sanctuarium 5,06, Nonnenchor 7,37; D 17,26; E 8,76. Daa 
Innen- und Aeusäure fast ganz moderniairt. Daa kahle einochifBgo LungliauB tat mit 
einer flachen Bulkendiele bedeckt. Ein ungegliederter Spitzbugen trennt dasselbe 
reo dem doppelten Chore, der aus zwei (modernen?) hinter einander befindUchen 
Rechtecken, dem >V Altarhaua (Sanctuarium) und demO etwaa höheren Nonnenchor be* 
Bteht. Beide Räume sind mit rundbogigen Tonnen bedeckt, in welche ron den Lang- 
seiten Sticbkappon einaohneideaf und durch eine halbkreiaformige Quergurte getrennt. 
Die Wostfa^ade kahl. Daa jetzige Portal 1884 erstellt. Daa filtere war mit einem 
horizontalen Sturze abgedeckt, Ober dorn aich mit ungegliedertem Spitzbogen das 
bemalte Tympanon wClbte. Darüber ein viereckiges Fenster. An der Nacdaiü.<A ^»n. 



116 



W-Faf^ade der viereclcige Tburm, ein kahler Bruob»t«iDbau , unter dem stememen 
Spitzhelm auf jeder Heite mit eiueiti ungegliederten KundliogeofetiBter goOffoet. 
Hinter dem Altäre, gegen den Nonoenchor, steht die Predella eine« epfitgotbiacben 
Scknit-eaUares mit den Frei geachuitzlen modern äbermatteo Ifalbfiguren Christi nad 
der Apostel An der N-Wand des Altarhauses die doppelt torraasirte Basis des 
Schreinea mit den ebenfatla übermalten Statuetten der stehenden MndviiDa zwiscben 
2WCL hl. Benedictinern ebne Attribute und 9S. Katharina und Barbara. H&her, in 
dem Bchitdbogen der Sticlifcappe vier Uelieffigurun, welche die Innenseiten der jetzt 
im Capitelsaal befindlichen Flügel (die Uückseiten leer) scbmüokten : Madonna, 
hl. Benediotiner, zu seinen Füssen ein Drache , 3. Hieronymus und ein lil. Franzis- 
kaner ohne Attribute (wohl S. ßernhardin von Siena). An der $ - 8eite des 
äcbiffeH ein spütgolbisches Glusyetmilde (wobl Anfang XVJ. Jalirbtltn.) Die farbige 
RundBchüibe zeigt auf blauem Grunde den Crucilixua, zwischen Maria, Johannes und 
iwei weiblichen üeiligen. ChorMühU im Konncnchor einfache Spätrenaissance. 
Wandgemälde: (cf. ,llepertorium f. KunstwiiweDHchart'' XII. 122.) An der Leibung 
dea Scheidebogena «wischen Chor und .Schiff sieben Medaillons mit den Brustbildern 
der Propheten. Derbe Malerei aus der späteren Zeit des XVI. Jahrbdts. mit An- 
' klängen an Luini's Weise. Dieselbe Abhängigkeit ron der Mailänder Schule zeigen 
die Wandgemälde: Abschied Christi von der Madonna. Fusswaschung und Abend- 
mahl an der ^ Langwand des ScbilTes und die mutbmaaslioh gleichzeitig aus- 
geführten Malereien am Aeusseren der W-Fronte: Im Giebel Gott Vater »wischen 
zwei Engeln ülx^r den Wolken schwebend. Die übrigen Schildcreien sind von 
gemalten Architekturen, Triglypben - Friesen und bunt marmorirtcn toskaniscbon 
Säulen umrahmt. Unter dem Giebel in einem friesartigen Felde, das sich Ober dem 
Fenster hinzieht, die Verkündigung, zu Seiten des Fensters 88. Apollonia und 
Veronika. Links neben der Tbüre S. Bernhardin von Siena. Zur Rechten nimmt 
die ganze Uöb« der Faf;ade die lobendig bewegte Gestalt des hl. Christophorus ein. 
Linke neben dem Thurm 9. Petrus. Die spitzbogige 1884 entfernte PortullQnette 
enthielt die realistische Darstellung des todten Heilandes, der von Engeln gehalten 
wird. Capiidsaal ao der N-Seite des S&nctuariums: flache Balkendiele, die kahlen 
Wände mit Fresken geschmückt, die auf gleiche Urheberschaft, wie diejenigen im 
Schiffe weisen: Bildseite Kreuztragung, W Schmalwand Stigmatisation des hl. Franciskus, 
SS. Katbarina, Michael und Apollonia, .N-Seite Verkündigung. An der Kordseitc 
der Kirohe der weitläufige Complex von Conventgebäuden. Das Centrum bildet der 
grosse KreuKgang, von dem aber nur drei PIQgel ausgebaut sind. Diese rermuthlich 
im XVll. Jabrbdt. erbauten Gänge sind mit Zwillingsgewölben bedeckt und mit 
ebenfalls rundbogigen Arcaden auf toakaniachen Säulen geöffnet. Ueber dem N- 
und 0-Flügel wiederholt sieb ein gleicher Portikus als zweite Etage. Ein kleinerca 
llöfoben sohliesat sich als W Verlängerung des Capitelsaales der N-Scite des Lang- 
haases an. Die Säulen, unten durch Rundbogen, oben durch horizontAles Gebälk 
verbunden, tragen rohe Kapitale, die theils nur mit vier ungezähnten Blättern um- 
geben sind, während über anderen ein jonisohes Polster lagert. Die Gänge theils 
flach, theils mit Zwillingsge wölben bedeckt. /f. 18Ö5. 

2. Uocb über Monte-Carasao liegt auf der linken Seite der 3omentina*Scblucht 
die Cu^eiie ü. Ikmardo. Dm eioaohifBge und ßacbgedeckte Langhaus, dem sich 



W in gantor Breite eine mit offenem Oetlkenwerk versebene Vorhane (Aber der 
Thflro das Datum 1582) ansohliowtt, ist m L^IO lang : 5 m breit. Ueber dem vier- 
eolcigeo Chore, einem späteren Anban, tit ein rippenlose« Kreuzgev5Ibe gespannt. 
An der 3 T>angseite springt aus der Mitte dos Scbiffes eine kahle m 2,65 veile 
Äpais vor, die 1545 angebaut worden ist. Weiter Östlich an der Grenze zwischen 
SohifT und Chor erhebt sieb der Thurm, ein kahler Bruchsteinbau wie dos Schiff. 
Die N-3ette de« Letzteren bat keine Fenster, und die S-Seito nur ein einziges in 



«aiini». 




Fig. 12S. Windgemfilde fn S. Bernardo \n\ Monte^CarMto. 

seiner nrsprftnglichen Bcschnffonheit bewahrt, die Kammer ist waagrecht und der 
scbmalo AussenBcblitz mit einem Stiebbogen bedockt. Chor und Langhaus sind 
mit Malereien geschmückt, deren auafohrlicbe Beschreibung in den «Mittheilungen 
der Antiquariacben Qesellscbaft in Zürich' lid. XXII, Heft 2, p. S9 u. f. gegeben 
ist. Diejenigen im Chore sind (unter dem Bilde des hl Bernardo) 1607 datirt. 
An den Gewölbekappen sind hier paarweise die Figoren der Evangelisten und Kirchen- 
väter um die Gestalt Gott Vaters gruppirt An der N- und 3-Wand sind die 
"Wunder am Grabe des hl. Bernhard, an der 0-Wand die Kreuzigung geschildert. 
Die Fronte des Triumphbogens scbinQokt die Verkündigung Mariä^ an der Leibung 
sind Keiligenfiguren und am Scheitel das Agnus Det gemalt. Spätgothisehe Arbeiten 

sind dagegen die Wandgemälde im 
Schiff. An der N-Wand steht unter 
dem Bilde der hl. Maria Aegiptjaca 
die Minuskelinschrift: M.c(m:c.xxv]J. 
die . xxij . iuDÜ . hoc . opus . raotuni . 
fuit . . . . , (die Fortsetzung ist 
erloschen), wclohoB Datum ohne 
Zweifel auf die Hchrtahl der Tor- 
handeacD Bilder zu bezieben ist. 
Sie sind an der N-Wand in zwei 
Reihen ßbereinander geordnet, die 
untere bilden die monochrom ge- 
malten Soekelbilder mit den Monats- 
Fig. ms. Wand^smildelnS. Bemsrdo bsIMonts-CsrasM, daretelluogOD (Fig. 122 und 123Vv 



m[ 



V4 



^1**1»»L 



118 



darflber folgon, bis zur Holzdiole reielieiid, die bnnton llaiiptbitder: von Oaten ange> 
fangen eine Beihe toq Ueiligenfigureu; die AubetuDg der Könige; die auanibrlicho 
und naire Darstellung des Äbondinahles und sctiUeaalich die Einzelgeitalt«n des bl. 
Bembftrdin t. Siena und eine« hl. BjscbofB obne Attribute. An der W-Wand sind 
fiber der Thüre der gemarterte Heiland in der Tumba und tiefer die EinzelBguren 
von Heiligen gemalt. Wieder solche sohmficken die W-Uälfte der S-Wand. Ueber 
der Fronte der Apsis hat ein späterer Künstler den Dracbenkampf des bl Georg 
gemalt. JQugereu Datums sind die Bilder im 14albrund und an der Weitfa^ade- 
Dort an der Ilalbkuppel die Madonna und tiefer das Martyrium des bl. Sebaatian 
nebst drei 8oeiien aus der Legende des bl. Kikolaas von Hyra. Den Rest der Südwand 
schmücken die thronende Gottesmutter, das grausige Martyrium der hl. Apollonia 
und Tier Einzelfiguren von Heiligen. An der Weatfagade ist über der Thüre, wo 
das Datum 1582 steht, der Heiland in einer Glorie und böber Oott Vater auf 
Wolken gemalt. Zu Seiten SS. llfanritins und Bernbardus, S. Magdalena und ein 
bl. Bischof; hübsche Figuren, von denen die der hl. Magdalena einen Anklang an 
Luini's Weise zeigt Am Aeosseren ist neben der Pfurle, die von dem Tburme in 
das Langbaue führt, das gothisohe Bild des hl. Christophorus gemalt (cf. Mittheilangen 
1. 0^ p. 9). R. 1870, 1879. 

Morbio Inferiore, Pfarrdorf Bezirk Mendrisio, Ereis Ualerna. Einer „Hastita di 
Morbic" wird 1450 gedacht (£. Moitot I Sansererino. Bstratto dal Periodico della 
SocietÄ Storica Comense vol. IL Como 1882, p. 7). 

Morbio superiore. Die hoch über dem Dorf gelegene Kapelle S. Martino aoll 
alt sein; Bilder, welche sich in derselben befiandon, wurden 1866 übertünobt habere 
Anbcblüsse fehlen. 

Morcote, Horoo, Hurco, Flecken am Luganersee, Besirk Lugano. 

1. Ffttrrkirche S. Maria dd Sasso (Stato delle parrochio e del dero della 
dtU e diooesi di Como per Panno 1859. Como 1859. p. 56). Eine an der RQek- 
soitc de« neuen Uoohaltaree eingemeisselte Inschcift enthält, nach Copie des f Herrn 
Ärohitekten Giuseppe Foasati daselbst, die folgenden Daten: TEMPLVM NVLLIV8 
MEMORIA EXTRVXTVM | A^'NO MCDLXH UESTAVRATVM | ^DIS ET 30CIE- 
TA3 8.S. SACRATI | BLEGAHTIORI FORMA INDVCTA | AMPLIFICAKDVH 
CVRAVERVNT | 1758 | AMBR03I0 FOSSATI | PROT". APLCO. PREP031TO | 
OPIFICE|lACOBTö PELEQATA ET MARCHESi. Der malerische, in seinen 
llauptbeataudtheilen, wobi aus dem XHl. Jabrhdt stammende Bau erhebt eioh anf 
einer jäb gegen den Flecken abfallenden Feisterasse. Auf drei Seiten bilden hohe 
Spitzbogen die Subslruetion der neben dem Chore befindlichen Kapollen. Hauptmaasse 
(Am. 1890, S. 383): A 28,25; B 8,28; C 6,35; D I'.i,97; E 16,90; F 6,92. Da« 
MittelscbilT ist drei Joche lang und nach kurzen N' ebenschiffen geöffnet, die nur die 
beiden O-Joobe begleiten. Sämmtliche Gewölbe sind auf annähernd quadratischem 
Grundrisse gespannt. In seinem ursprünglichen Zuataude ist jedoch nur das W 
Joch des MittelscbiffeB erhalten, ein spitzbogiges Kreuzgewölbe ohne SohildbÖgen. 
Die Diagonal rippen und die Quergart« sind einfach viereckig. Der Chor und die 
beiden 0>Joche dos MittelBoliiffes sind mit modernen AVülbungen, sog. böhmischen 
Kappen, bedeckt, die Abseiten mit rippenlosen, modernisirten Kreuzgewölben. Das 
Uittelsehiff ragt nur wenig über die Abseilen empor. Die beiden mittleren Frei- 



130 



kehlo eich unmitlelbar mit Ü&m einzigen krSneniten Wulste verbindet Sohmuckloao 
Würfelkapiläle — gleicli den Pfeilern und ihren Ba»Hnienten aus Itackcteinlagen go> 
mauert (P) — und mit Hohlkehle und doppelter Platte abgedeckt, krönen die Dienete; 
denselben Abschlusä mit einfacheren DeckpUtton erhalten die llalbsänlen, wcIcIk^ zu 
Seilen des Ohorbugeiis und aoa der Mitte der Abseiten Torepringen. SohildbÖgen 
und SchluMBteine fehlen. Die epitzbogigen ArchivoUen aiod ungegliedert. Von den 
Ü*Jochon der Abseiten ist das N nach einer quadrattscheo, das S nach einer lang- 
gestreckten gleichfalls modernen Kapelle geöflnet, die ein rundbogiges Tonnengewölbe 
bedeokc Im W-Joche ist über dem O-Schcitel der Quergurte ein Schlussstein ein- 
gemauert, der vielleicht in einem der folgenden jetzt mit modernen Gewölben versehonen 
Joobe gestanden hatte. Das Relief, das ein kreisrnnder Blattkranz umachliesst, stellt 
die Halbfigur Qott Vaters oder Christi vor, der den Sogen spendet und in der 
Linkea die Weltkugel hält. Auf dem schwarzen Orunde des Uedaillons ist mit 
Weiss das moderne Datum 1468 gemalt Das W-Joch ist mit Wand- nnä (rewiilhe- 
maUreien geschmtickt Aus dem Datum 1513, das auf dem Schilde des letzten 
Kriegers hinter der Kreuztrsgung in dem 8 Schildbogun verzeichnet steht, erhellt, 
dass hier die Ältesten Malereien im Renaissancestil!^ vorliegen, welche bisher auf 
Schweizerboden nachgewieseu worden sind (Näheres über dieee und die übrigen )falt)- 
reien im Schiffe bei Hihn. .Kunst- u. Wandcratudien" S. t93; «Keperturiuin f. Kunst- 
wissenschaft* XII. pp. 4-7)- Ein aus dem Anfange des XVI. Jflbrhdts. stammender 
liochaUar, wurde erst in diesem Jahrhdt eotfernl. Aus den Bruchstücken zu scbliessen, 
die tbeils in einer NW unterhalb der Kirche gelegenen Grabkapelle, theils im 
Hause des f Herrn Architekten Giuseppe Foasati zerstreut sind, raus« er ein zierliche« 
in bestem Frührenaissancestil durebgefllhrleH Werk gewesen sein. Hinter der W-Seilo 
I der Kapelle steht der isolirto Therm (Fig. 194), ein atatiHcher Renaissancebau mit 
achteckigem Aufsätze und kup|jelfOrmiger Bedachuug. Die unteren Geschosse kahl* 
die folgenden von Pilaatern gegliedert und die oberen von Rundbogen- und Zoim- 
friesen umrahmt, unter denen uich die dreitbeiligen Gruppen gekuppelter Rund- 
bogenfenster auf dorischen Theilsäuloheu Öffnen. li. 

2. Oeetliob unter der Kiroho steht auf dem Absätze der grossen Treppe die 
Kapeüe S. Antonio Abbaie (Fig. L25). Ein Vorbau mit rundbogigem Tonnengewötb« 
vermittelt den Durchgang zwischen der W-Pronte der Kapolle und der hinter der- 
selben ansteigenden TeUwand. Der ganze Bau ist aus Backsteinen errichtet. Zwei 
annghernd quadratische Joche von m &,7& innerer Gesammtlänge und m 4,85 Breite 
bilden ein Mittelsuhitf. Das 0-Joch, eine Stufe höher gelegen und geradlinig abge- 
schlossen, ist der Chor (m 3.75 lang. 4,85 breit), das W mit ungegliederten Rund- 
bögen querschiffartig gegen zwei niedrigere und schmälere Nebeuräume geöffnet 
(die N-S GeMnimtbreite im Inneren m 10,9S). SAmmtliche Joche sind mit Kreus- 
gewölbeo bedeckt, in denen Hund- und Spitzbogen wechseln. Schildbögen fehlen. 
Die kleinen SchluBasleino sind leer. Die dünnen Rippen der beiden mittleren Jocbe, 
aus einem viereckigen Kern und vollem Birnwulste gebildet, setzen neben den 
W^anddiensten auf aohmuokloeen Consolen ab. Die der Nebenjoche sind viereckig 
aua Backstein gebildet Im Chor und den Nebenjochen setzen nl^ auf einfachen 
CoDsolen ab. Als Träger der Quergurte und der beiden Archivolten fungiren 
Halbsiulen welche vor dem Chor und der Woatwand vorspriugen. Schafte 



SANTONIC ABBATE 



und Wfirfelkapitälß sind aus Rtckateinen gemauert, Wutate, Deckplatten und ßaseti 
Bclieiitea aus dem gleichen Materiale formirt ta lein. Die Haaen xt^igen im 
Schiff die attische Form ohne Bckblätter und l'tinthc, im Cbore besteben eie aus 
Plintbe und Wulst. Ebenso verschieden sind die Deckplatten: im Cbore ein nur 
nnter der Leibung vorspringender Wulst, der unmittelbar in die mit einer gefällten 
Deckplatte bokrünten KehFu übergeht, im ScbifT .Schmiege und Platte. Fenster und 
W-Thüre sind modern. Bin einziges uraprQiigliohos liundbogenfenster am N Querarnie 
ist vermauert. An der 0-Wand ein vierfach gefalate« Rundfenster. Das Aeussero 
ist eine kahle ßrunhst'.'inconstruction, nur dos Kranzgesiuise, aus eiaer RollHbicbte 
nnd einem Zahnfriese bestehend, ist aus Backstein formirt. Ueber die spAcgothiseben 

Wandmalereien of. .Mittbeilungen der Antiqua- 
rischen GoBellschaft in Aünch' Bd. XXI, Heft 2, 
p. 53 mit Abbildungen und „ Anzeiger* 18R2, 
B. 298 a. f. Neue Bilder, die hier ausführlicher 
beschrieben werden, sind seither gefunden worden. 
Ursprünglich scheint das ganze Kirclilein ausge- 
malt gewesen eu sein. Jetzt ist das MiltelschitT 
mit modernen Scbildcreien in sofalechtem Qe- 
scbmacke ausstaffirt. Ans spätgothischer Zeit 
stammen nur die Bilder in den beiden Kreuz- 
armen und an der Schlueswand dos Chores. Im 
N KreuKarme ist in dem Scbildbogen der Schluss- 
wand die Stigmatisation des hl. Franciscus dar- 
gestellt Darunter folgen zu Seiten des rermaoer- 
ten Rundbogenfenslerchens drei Felder, deren 
erstes die originelle („Miltbeilungen" 1. c. abge- 
bildete) Duratellung des hl. Girarilus enthüll, der 
die Kranken speiast. K^ folgen in dem zweiton 
Felde die Figuren des gemarterten S. Sebastian 
und eines greisen Mannes, vermotblich des bt. 
Qirardus. Er trägt einen braunrotben Kock mit 
knappem Halskrageo und auf dem Haupte ein 
Barett. Die Rockte ist auf einen KrQckenstock 
gestützt. Die Linke hält einen Topf mit dem 
HoklÖflTel darin. Zu Füaeen kniet betend die Profilfigur eines Donators. Das dritte 
Feld enthält die Gestalt der hl. Lucia und eines unbekannten Heiligen. Erstere, 
weftlich gekleidet, hält in der erhobenen Linken eine Bohilssel, anf welcher ein 
Dolch nnd zwei Augen liegen. Die Rechte legt sie auf die Schulter eine« Knaben, 
vor welchem ein aweiter, ebenfalls jugendlicher Donator kniet. Der heilige Genosse 
der Luoia ist ein Keitgenüssisch gekleideter Jüngling mit unbedecktem hlond ge- 
locktem Haupte. Streng in der Vorderansioht, hält er die Linke auf ein Schwert 
gestützt. Deber und unter diesen Figuren befinden sieh unleserliche Minuskel- 
inecbriften, welche die Namen der Heiligen enthielten. Der Scbildbogen der Ost- 
wand umschlieaat drei Heiligenfiguren. Die mittlere, ein prodtbafc auäsebender Mann, 
veimuthlich S. Lazarus, trägt ein weisses Gewand, mit aufgeschlagener Kapuze ««^t». 




I 



Fiß. las. KspoHs S. Antonio Abtaste 
Morcota. 



122 



Jcrsctbon Fnrbc, wolrhe knapp dsa Gesiegt amaoMiCMt, die Beine sind nacl^t Linkw 
sreht die wohl erhaltene Figur der hl. ApoUooia, recbU eine gekrönte Ueilige ift' 
langwatiendcm rothem Oewande, das sieb dem Oberkörper und den ÄrmeD knapp' 
antchlkast. Da« Attribut io der Linken iat verstört. Darunter folgen ein hl. Do-: 
miaikaner, in der Rechten ein grQnes, geschlossenes Buch, in der Linken dos Blodeir 
oinf-r Kirche haltend. 2. S Petrus Martjr. Die Linke hAlt ein geschlosaenea Buch,i 
die Hechte einen Falmzweig mit weiaaen BlQthen. In der rechten Schulter steckt 
ein Dotcb, darüber kommt eine Hand zum Vorachoin, die mit einem Silbel das Uaupt| 
dee Heiligen spaltet. 3. Rechts daneben ist die Anbetung des auf diu Erde ge^ 
betteten Chrietkindleina durch die Eltern geschildert. Im südlichen RreuzQüge^ 
ist in der Lünette die thronende Madonna mit dem Kinde gemalt, hinter der Biot|| 
eine rothe, grün gefütterte Draperie spannt Rechts steht einer der hl. König« 
(die Fortsetzung zerstört), links der hl. Abt Antonius. In dem östlichen Schild*^ 
bogen umsobliesat ein bunter ßnndhranz die aegoende Halbfigur Gott Yators, das 
blühende Geairht mit weissem flaar und Bart ist von einem gelben und rothen 
Krcuznimbua umgeben. In der Linken hSJt er ein offenes Buch mit der Minuekol-; 
insohrift: ,ego sum lux mod. via veritaa et Tita prim* et noTif." Auf einer weissen 
Borte, welche diese Lünette von der unteren Wandflaobe trennt, steht die scbwarz«< 
Minuskelinschrift: .nicelaua notarius . publious . f, . magistri an ton ij de fofato abitator 
>... flgura, dei patris." Darunter erscheint der Crucifixus zwischen der Madonnft' 
und dem hl. Bernhardia ?on Sieoa. An der >' anstoseonden iialbsäule flankiren- 
zwei rothe Säulen mit grossen korintbisirenden Kapitalen die Halb6gur eines greiseiL 
Heiligen, auf der erhobenen Rechte lodert eine rothe Flamme (S. Äntoniusfeuer?)- 
Der Stil dieser Bilder entspricht denen des N KreuKSQgels. Eine andere Behand- 
lung zeigen die (etwas jüngeren?) Bilder an der Schlusswand des Chores. Obea^ 
spannt sich auf schwarzem Orunde ein weisses Netz, iu welchem aufrecht, scbieC 
und faltend zehn nackte kahlköpfige FigOrchen (Seelen?) zappeln. Darunter sind! 
drei Felder neben einander geordnet. Sie enthalten, wieder auf schwarzem Qrunde;; 
I. Einen jugendlichen hl. Bisohof ohne Attribut. 2. Bin hl. Öreis in schwarzeri 
Kutte kniet betend in einer Landschaft ron rothen Felsen, die mit grünen B&umen: 
besetzt sind. 8. In einer felsigen Landschaft erscheinen oben xwei greise Anacbo*,^ 
reton. Der Eine links, mit oehwarzer Kutte angethan, schreitet mit einem Stabe 
|- auf der Schulter gegen die Mitte. Der Andere mit einem Qewand Ton Strohmatte 
) bekleidet, sitzt betend auf dem Felsen. In der zerstörten unteren llalfte sind nur, 
noch die mit fijmben vereuhenen Köpfe zweier anderer Qreise ku erkennen. Ohoej 
Zweifel ist diese Darstellung eine Allegorie. Das Netz versinnlicbt die Schliagenjl 
der Welt, darum wird das geistliche Loben empfohlen, das unten in der Uestalt desi, 
Bischofs durch die Weltpnesterschaf^ und im Bilde der Anachoreteo als klöeter«) 
liehe« Dasein geschildert ist. Uit spätgothischen Malerelen war auch die Eingangs-' 
fronte geschmückt. Rechts neben der ThOre krönt ein weisser Rundbogen aufi 
blauem Grunde die Gestalt des Titularpatrons, gegenüber tr&gt S. Cbnstophorua 
das Cbristutiknäbleln auf seiner linken Schulter. Die Minuskelinschrift eines Spruch« 
bandea, welches das Letztere hält, ist zerstört. R. 1887. ^ 

Die berühmte TrepiK. welche mit 313 Staffeln vom S-Ende des Borgo zu deo.^ 
Kiroben 3. Antonio Abbate und S. Maria del Saaao hioauflührt, wurde auf Kostet 



des 1732 in Yonedig TorstorTinnen KftufmanneH Daniel Fossuti erbaut. Die Staffeln, 
jede von 6*/« Sohnh in die Lüngo, aind nua lauter iiarten Steinen rerFertiget, auch mit 
Brunnen und Pilaslern, und die beiden Mauerw&nde mit sohünen perspectiviachen 
Gem&hlden, al Freaoo geniahlet, ausgezieret*. (IJoUhafb, Supplement zu Leu, IV. 
216.) Ueber dem Brunnen bei 3. Antonio Abbate iit eine auf den Uau bezügliche 
iMcbrift eingemauert; TEMPLA FACILIVS ADEVNDA | SACRA SOLENNIVS 
QERENDA I SCALARHS A FVNDAMENTA ERECTI8 | SOLVTO .ä:RI8 SER- 
VANDI9 I CVRAVIT I DAVID F0S3ATI Q" OIORQIO DI MORCO | INaTßVM. 
ROG. ABVND. PALEARI DIE XVIUI APRILE | MDCCXXVIII. Auf dem uu- 
mittetbar unter dem Chore tod 8. Maria del Satso befindlicbeo Absätze i»t die ca. 
70 cm hohe aus weissem Marmor gearbeitete Statueite des Täufers Johannes ein- 
gemauert. Ueber dorn um die Hüfte gegurteten Pelzgewande ist in edlem Wurfe 
ein Mantel gescblungen, der bärtige Kopf zeigt den Ausdruck ernsten Sinnes, der 
rsohte Arm ist zerstört, die fein gearbeitete Linke hält ein leeres herabhängendes 
Band. Denselben Charakter einea edlen Frübrenaissance- Werkes trägt ein ni 0,62 h. : 
0,57 br. leider stark zerstörtes lidief von grauem Marmor an di>r zweiten Treppe, 
dw vom N-Ende des Fleokena zur Kircbe hinaufführt. Es stellt die nackte Ualb- 
ßgur Christi dar, der, unter den Armen von zwei aninutbigen, bekleideten Engelchen 
gehalten, in der Tumba steht. U. 

8. Ueber den Hau einer Kapelle, die am Fusso des Schlosses errichtet werden 
sollte, aber durch Weisung des herzoglichen Kanzlers Marcus mit Schreiben ans 
Vigevauo rom 2S. Februar 1469 inhlbirt wurde, cf. Boll. II. 3^6. 

4. Ungeßihr aus dem letzten Drittel der langen Heefronte erhebt sich die 
viereckige Torre del iMunicipio, die aber bis auf die Höhe der anstoesenden Hiuser 
abgetragen worden ist. Die Seefronte, ein zu obener Erde m 1,30 starker 

sorgfältiger Quaderhan, ist mit einer ungegliederten 
Spitzbogentbüre versehen. Darüber stellt ein fast 
erlosobenes Gemälde, das aus dem XV. Jahrhundert 
stammen mag, einen hl. Bischof in throno, vielleicht 
S. Abbondio, der Patron der Diücese von Como, vor. 
Der Tburm wurde 1845 oder 1846 zum Rathhause 
umgebaut und dessen innere Einrichtung hierbei ver- 
itndert. Vorher bildete das Erdgesohosa einen unga* 
theilten Bachgedeckteo Raum, von m 3,80 N-S Br. : 
5,17 Lf in welchem sich Wandgemälde befunden haben 
sollen. Sie stellten nach Boll 1. 45 die Wappen der 
sechs alten Familien dar, welche allein von der Pest 
des Jahres 1432 verschont geblieben waren, ebenso wird 
1. c eines nachmals zerstörten Wappenreliefs gedacht. 
Den Aufstieg zu dem folgenden Stocke, einem flach* 
gedooktnn Halbgeecbosse vermittelt eine Freitreppe an der Kückfronte. Der zweite 
Stock, das Rathszlnimer, zu dem eine ungegliederte RundbogeothQre führt, ist ein 
wiederum mit moderner Flaohdeckij versehener Raum, von lu 3,75 Br. : 5,55 Tiefe. An 
der Seeseite öffnet eicb das zierliche Fig. 126 abgebildete DoppRtfcnst«r. Der dritte 
Stock scheint ein kahler Estrich zu sein. R. 189Q. 




Fiff. 33$. Fsnstsr sn iftr Torrs 
dfll Muirielpio. Morcete. 




6. I7ftch MittheiluDg des Herrn Avrocato Gaetarn/ Poiari io Lugano «oll d«r 
Borgo an der Bergscite ummauert gewcBen hoid. Die Hauer stieg angeblich von 
S* Antonio, wo jetzt noch ein Thor sieht, zum äohlobdo hinuuf, ein zweit(>B Thor 
M>JJ geg90 yico Murcote und ein drittes obnrbalb 3. Itucco geatanden haben. 



S. Hoch über dem Flecken auf einer «Qdlich aus dem MamWc doa Monte 
Arbuatora vorspringenden Terrasae itehen die Ruinen den ScMosses Morcoic (Kig. 127). 
liaUarim pflg. 301 letzt den Hau deaselben in die Zeit um 1 100. 1416 September IS. 
trat Loterio liusca an i'hilippo Maria Viaconli tauschweise daa Thal von Cliiaveoaa 
e;egen das Sclilosa Horcote und andere Uesitzungon ati. {Kcssi. Memoire utorichB 
di Locarno pag. 90, App«ndioe alle mcmürie del Casato Rusca pag. 39 und Oenca* 
logia Taf- V.) 1447 wurde dna SchloH Ton l''raucbino Uusoa genommen, aber in 
denmulben Jahn: von den Cornasken Namens der ICepublik Mailand zurflckerobert 
(lintlorini 30), I^'essi 98) MC>7 Mai, das 8cbloM Marchote de vnl Lugano wird Jm 
ßericfate eines matländischen Abgeordneten: «una 6uporba et galiarda fortelizia" 
genannt, „et niolto Tlia furuiia do munitione et instrumcnli dn ofl'endcre et da 
defendersi". (MUta^ J. Snnieverino. Gsiratio dal Periodico della SocietJt Cotnenae, 
vol. II. Como 1882, pag. 83, Üull. XIV. 25.) Im Juli 1407 wurde die von den 
Sanseveriuo beaelisle Teste den Abgesandten der IlerKOgin Bianca Maria Sforza 
üluTgoben. (Periodico pag. 55, ßoll. XIV. 27.) 1479 Januar oder Februar: Per 
herzogliche Ingenieur bonedüttu Ferrini da Firenze berichtigt, vorKuoehmender 
Reparaturen wegen, die Forle>:za von Moroote (üoll. VIII. IflU, XII. 182). IDIe 
Rechnung über die in demselben Jahre rorgonommcne Wiederheratollung bt ab- 
gedruckt Itüll. XI. 3U u. f., XIV. 27 u. f. Aber achon am 18. Snplember desselben 
Jahres fiel das Leben Ton Lugano und damit auch die Rocca von Horcolc wieder 
an die Banecverioo xurüok (BoM. XIV. 77) und die Uornuagabe wurde auch dnnn 
noch verKeigert, als im Januar 1482 die Sforza wiuder die Obt'rbaod gewonnen 
hatten. Der Auwpruch des herzoglichen Äbgeorduelen Ilttore Uusca über die ausser* 
ordentliche Festigkeit dos Platxes, don er im Februar 1482 besucht hatte, findet 
sich Bolt. XL 39 und XIV. 70. Endlich am 24. Februar fand die Uebergabc an 
die Sforza statt , aber schon im August 1484 fiel Moroote durch Tausch abur- 
muls dem Roberto Sansoverino zu (Uoll. XIV. 79). Ueber dio fotgondon Schicksale 
kann erst berichtet werden, nachdem die Abhandlung E. Uotca's in dem zuletxt 
cilirCen Dande abgeschlossen sein wird. Nachdem die Eidgenossen 1.^12 in den 
hcsiiz dos Platzes gelangt waren, wurde l.'JlSMaiO. bDachlo6&cn: „Was im S^^hloas 
Uorco ist, nach Lauia xu luhr«n und dann das Scblosa öd stehen zu las««D* (Ab- 
«chiede Hl* pag. 719). 1517 Februar 18. die regierenden Orte äbergoben in Er- 
wägung seiner besonderen Verdienste dom Francesco Paleari^ detto Fratino von 
Morcote das Schloss sammt allen Zubeh6rden. (OliUUi, Dizionario, Continuaxtone 
pag. 48.) Ueber dio späteren Schicksale der Burg sind uns keiao Nachrichten 

bekannt. Aus einem 1740 
datirten Oelgemalde im llo- 
sitzedesf Herrn Architekten 
Giuseppe Fossati in Morcote, 
das die Ansicht des Fleckens 
und de« Schlosses gibt (Fig. 
128) erhellt, daas Letsteres 
damals verfallan war. Sein 
itj,. rjs. SohloM MorMle naob tinam 1740 ditirtea Ostsemild« heutiger Zustand islderjenige 
Im Besitze des f Herrn Giuiaype Foatsii la Morcels. einer Ruine. 




I 



" 



Die BauBtelle ist eine von NO nach SW langgeatrockta Terraase. Fig. 129. Der 
Bering folgt SO, SW und NW liemlicb genau der Kante de« SteilhangeB. Nur ror dem 
NO-Puaae des Schlossea erstreckt aiofa ein ca. 32 M. breit«r und 40 U. langer flaober 
Plan, der N durch einen »chmatcn Riegel mit dem Honte Arbostora zusammen- 
hängt Eine ehedem wohl fahrbare, aber schmale Strasse fQhrt von Morcole an dem 
SO Bergfaange auf den Flau und vun da auf einer H. 1.70 breiten Rampe A dem 
NO^Pasae des Schloue« entlang au dem modernen flachbogigen Thore B hinauf. 
Die Anlage besteht auB zwei Haupttheilen: Dem eigentlicheo Schlosse, das mit zwei 
Flügeln und dem rechteckigen Mauersohenkul eiuen kleinen Hof utiiHchlieiut, und 
dem Garten, der licb hinter deniftelben, in Form einer unregelm&saigen Zunge nach 
W erstreckt. Von der NO-Schlossfronte. aai welcher nördlioh der Unterbau eine« 
bo II werk artigen Rundthurmes C Torspring-t, gehurt nur die Substruction der alten Anlage 
an, eine geböscfate Mauer, hinter der sich in der ganzen Länge des Brdgeachoaaea 
ein Keller mit einer U. 3,75 hohen Flaobtonne erstreokt. Eine ThQre, die 
sich in der 80 Schmalseite nach anoaeo fiflnet , acheint nachträglich durch die 
starke BöacbuDg gebrochen worden zu uin. Die über dem Keller befindliche Ktago 
ataramt aus späterer Zeit. F und 0, das erstere Gemach M. 2,60, Q 2,95 hoch und 
beide mit allseitig nach dem Hachen Scheitel ansteigenden Gewj^lben bedeckt, aind 
Wohnräume, E und D ein äcfauppeu, über welchem ein offenes Pultdach nach der 
alten M. 1,55 starken Hinterwand ansteigt. Am Fussc dieser Letzteren aind in D 
und E 2 H. über dem Boden die Ansätze eioos Tonnengewölbes von Backstein er* 
halten und darüber in dem Räume D drei hohe uuf^ogl lederte Rundbogenfenster 
nach dem Hofe geöffnet. Es erhellt daraus, daas dieser Plügol zweigeschossig war. 
An Stelle der Thäre, die tod E nach dem Hofe führt, hatte ein Kamin bestanden. 
In dem SO analossendon Haume G sodann fallen der segnientartige Mauerabsatz und 
eine Coinbiiiation von Luokon auf, die aus dem Durchgänge mit der Fcnsterkammer 
des Raumes U correspondiren. Die«« Erscheinungen deuten, zusammengehalten mit 
der alten Ansicht (Fig. 128) darauf bin, daas an Stelle von G und F ein die NO 
Fronte flankirender Thurm gestanden haben muss. Der SO Flügel, der ft-nivean 
mit dem Hofe die Räume H und 1 enthält, dieut heute als Wohnhaus. U ist Küche; 
eine viereckige Thüre führt in den kurzen Anbau I, beide Räume sind mit ca. 3,10 
M. hohen Flacbtonnea bedeckt. Uober G, II und I erstreckt sich im folgenden 
Stocke ein langer kahler Saal, Ober den sich eine M. 3,55 hohe Rundtonne 
spannt. Die Hachgedeckte Kammer eine« viereckigen Fensters an der SO Langwand 
enthält zwei steinerne Sitze ; gegenüber befindet sich ein schmuckloser Kamio. Eine 
viereckige Thüre an der NO Schmalsoite führt in ein tiefer über F gelegonoa 
ZimmercfaeD, das mit einer Üachen Holzdiele bedeckt ist. Eine gleiche Pforte 
befindet sich an der gegen Q her liegenden Schmalwand. Sie führt in einen kleineu 
in der MaueratÄrke ausgesparten Raum, über dem sich ein M. 2,55 hohes Flaoh- 
gewölbe spannt. Seinen SW und NW Abschluss erhält der Huf durch starke Mauern. 
Die N-W ist aussen stark geböscht und über der Böschung mit einem Wulsto 
versehen. Die 8 W- Mauer scheint ein Thor enthalten zn haben, von dem zwar 
kein Bogenanaatz., aber der breite Falz für das Fallgatter zu sehen ist Neben dem 
Wohnhaus führt eine aus Backsteinen gewölbte Stichbogenthüre in den Garten 
hinaus. Gegenüber bo&udet sich der Abstieg zu den unter dem Rundlhurme C und 



13S 



dem 1^0 QebäudeHfigel heFiadtichen Soalerraios. Diese Treppe ist mit einer U. 2,7!> 
'liohen Borgfultigautillack&teinconslruirten Flachtonoe bedeckt. Rerhis gelangt man ia 
den schon betchriebeneo Keller 0, gerade au» in cineD kleinen vier Stufea tiefer 
gel^enen Raum P, doesen GrundrisH ein Bcbiefwinkeligea Uechleck liildet. Gr ist 
mit einer M. 3,75 bnhen Rundtonne überwölbt und SO nacb einem kleinen, wabr- 
scbeinlich apäter auagebrocbenen Nebenrauni geölfnet. Gerade aas führt eine rier- 
eckige ThQre in den Raum Q. Ober dem sich eine U. 4,04 hohe aus Rackatoin 
oonsiruirte Rundtonne spannt. Der Boden ist 2 M. über dem linsBeren Thiirmruase 
golegen. Dur ehemalige Garten, der sieb der Rück«u)te des Itofvo aoechltesst , ist 
von Hchwacbcn bis auf die Brusthöhe abgotragenen Mauern umachlosacn. Aus der 
•SO- Fronte ateigt eine gebüsclitc Thurmterrasso X vor. Ein massives Rund M 
darfie der Unterbau eines Pavillons geweaeu sein. Nahe bei der llofmaucr beKnd 
aicli der mit einem Steingebäuse überbaute Ziehbrunnen L. It. I8d0. 

Motto, Abtheilung der Gemeinde Dongio, Rexirk Blenio. Kirche S. Pictro, \ 
Vulksmunde ,1a ohieea pagana" genanul (Roll. V. 1^2). Der Icleino romaniBcli 

\ Dan besteht au» einer halbrunden Apsts von H. 3,80 innerer Weite und einem 
ungelheilton M. 11,90 langen und 4,95 breiten 3chi0e. Uebcr dem LolztoroD, dosson 
wostliclies Drittel mit seinen verputzten Mauern und viereckigen Fenstern ci: 
«piilorer S^usatx ist, spannt sich eine flache Qipsionne. Der alle Tlicil ist wie di 
Apitia aus Urüchtjuadern gemauert. Ueher der AY-Thüre steht das Datum 158Ijj 
daa sich ohne /.weifel auf die Verlängerung des SohifTes und den Bau des Thur 
bezieht. Der Letztere, der sich am O-Rndc der S Langseilo erbebt, ist ein unge- 

J gliodortnr ItruchBtcinbau, unten mit vicrcokigen Sclililuin, zu oborat auf jeder Sotto 
mir einem Iceren RundliogcnFenster gcölftict Die Apsis ist aussen mit Lcsonen und 
einem Ittillrriose gegliedert. Aelmlicbe Feneterchen befinden sich an dem allen 
Theile des SchifTcs, wo sich an der S-Scite ein kleinem Portal mit flachem halbrundem 
Bogenfclde bofindel. Spätgotbisehe WanähUder ^ welche daa Innere schmQckon, 
haben eine stümperhafte Uebormalung erlitten. Sie slelleu in der llalbkuppel do: 
Apsis den throneüden Heiland zwischen vier Engeln und darunicr in vier Co 
parliinenten die zwölf Apostel mit ihren Attributen dar. An der Stirnfronto recht«! 
erscheint der hl. Eremit Antonius. Die Nordwarid des ScliifTcs schmückt die Dar- 
stellung dos Gekreuzigten zwiäcben Maria und Johannes und das Bildnias d 
thronenden 3. Petrus im päpstlichen t^ruat, Noch unberührt sind die gloicbxeitigea' 
Schilderoieu am Acusserea der S Langseite: in dem Bogenfelde des Portales das rohe 
Bild des Kocc liomo und daneben ein hl. Ohristopliorue. Er trfigt ein gelbes, knapp- 
anliegendes Wams, das bis über die Lenden reicht und mit braunen, Immer wieder- 
kehrenden Y gemustert ist, darüber einen rolhcn, woiss gefOttcrten Mantel. Die 
Rechte stützt sich auf einen Baum, dessen Palmenkrono rothe Beeren trfigt, au: 
der Schulter des Kiesen sitzt das Knählein. U. 1072, 1S79. 

y Muralto, nördliob bei Looarno gelegenes Dorf. 

1. Die Caäegiatkirehe S. Victor, eine der ältesten Stiftungen des Landes, iai 
die ursprüngliche l'f&rrkircho von Loearno gewesen und vermuthlioh identisch mit' 
der seit 906 mehrfach erwähnten ecciesia baptisnialia Locarni (vgl. S. oben a. v. Looarno). 
KiHt IHltj wurde das Pfarrrechi auf 8. Anloniu m Loearno übertragen {Nessi 28). Der 
L' Überlieferung zufolge soll an Slolle von S. Vittoro ein Racchustempol gestanden haben. 



I 




Zur Statistik schweizerischer Kunstdenkmäler, Canton Tessln, ron J. R. 

JihrgikDg lüai, Nr. 4. ^Fortsettuntt. 

FQr Reite dieses Tempels halten Nessi B. 15—19 und PasqiiaU Hossi, Album del 
Lago Maggiore 1870, die labtroicheo romariiscboo Zi^^rfragnietite, wolohe in der Vmge- 
bung der Kiroho zerstreut sind. Dass dioac übrigcDs auf klassischem Boden stcbt, bo- 
wcisen die mehrfach in der N&be aufgedeckten Or&ber und andere Funde rümiscben Ur- 
sprunges. Ebenso sind zwei römiseke Inschrifivii bekannt, deren eine (abgedruckt 
bei Nessi, 8. I>^) Qber dem eQdliohen Seitenportale eingemauert ist, wfihrpnd die 
zweite (Ftg. 130, vgl dazu Ansoiger 1880, No. 1, S. 232) Termulblich im XII. Jhrhdt. 

BU einer romanischen Säulenbasis ver- 



arbeitet wurde. In 3. Vittore hatten 
die iiusca ihre Familiengräber (Nessi 
pp. 07, 100, lOS, lOfi). Die Tom 
29. Kovember U23 datirte Orabtcbrift 
des Lotterio Uusea, den üeesi fälsch- 
Hot für den ersten Herrn von Locamo 
hält (Lotterio ist schon um 1419 f, 
vgl. Meniorio Rusca, Tav: V.) führt 
üldelli, Diiiouario I, p. 167 an. Ueber 
die Geschichte der Kirche ist wonig be- 
kannt 1524 wurde der Hau des an der 
S-Seitedes ächifles befindlichen Olüoken- 
thurnicB begunoeu, auch die Errichtung 
eines zweiten, gegenüber befindlichen 
Thurmes soll angefangen, aber wieder 
eingestallt worden sein {Ne^si 27). Auf 
einen barocken Ausbau der Kirche bezieht sieh ohne Zweifel das an der Untersicht 
der Orgelhühno gemalte Datum 1619. Nachdem sohoo früher, vermuthlich in den 
Vierziger Jahren dioscs Jahrhunderts, die ,tribuna pruaso Taltaro maggioro coli* 
ambone" (Ntsäi pp. 16 und 22) also die alte Choreinrichtung mit Schranken und 
Ambo beseitigt worden war, fand 1859 ein durchgreifender Umbau statt Das 
XittebchilT. bis dabin mit ofTeoem Dacbgestijhle bedeckt, Über welchem die Re«te 
barocker Malereien sichtbar »lud, wurde mit spitzbogigen Kreuzgewülhen überspannt, 
die mittlere der drei Arcaden, mit denen die Krypta nach dem Hauptschiffe sich 
öffnete, entfernt (Reste diese« Bogens sind in einer der Kirche westlich vorliegenden 
Mauorocke verfliokt) und ebenso das alte Westportal Iteseitigt. 1SB5 cudlich wurde 
im Chorboden nach dem mittleren Joche der Krypta eine achteckige Oeffoung aus- 
gebrochen. Jlauptmaasse (Siehe Seite 1): A 33,24; B 3,03; C 6,05; D 30,21; 
K 1(1,02; F 7,0ri (revidirt 1885). Die Kirche ist eine rauthmasslioh im XII, Jhrhdt 
erbaute Pfeilerbasilika mit drei halbrunden Apsiden, die sich den Schiffen unmittel- 
bar anscblieaaen (Fig. 131). Dos ursprünglich flaohgedeckto M-Schiff (M. 6,50 im 
Lichten breit) wird von fünf l'feilerpaaren und den entsprechenden Vorlagen im O 
und W begrenzt. Die Stützen sind viereckig, ohne liasen und mit modernen Ge- 
simsen bekrünt. Ober denen die ungegliederten rundbogigon Archivolten anheben, Der 
Hochbau wurde nachträglich mit goth. Kreuzgewölben aus Backsteinen bedeckt und 
neuerdings geschmacklos bemalt. Die Abseiten waren von jeher gewölbt, wie man 
die«! aus den reditwinkligen Vorlagen erkennt, die lüngs den Umfassung!) [tiauera ua(.1. 

*) All« Beehta (Or Text und lUustnUoDsn vw^tehtlMft. 



Ftff. 130. 



Romsnholi« Bs«l* mit r&mUoher insphrlft. 
8. Vntora, Marallo. 





Fiy. 133 S. Vittore, 
Muraltö, Krypta 



»ftttfuri 



an den Sohiftspfeilern Tortreten. Rippenlose KreazgewSIbo von 
Brachsteioen auf uagogliederteo Schildböf^en und Quorgnrton. 
Der Östliche Theil des M-Schiffea ist vom uweitlotzten Pfeiler- 
paare an zum Chore eingerichtet Der Boden ist hier 1 1 Stufen 
erhöht. Den ursprQD glichen Aufgang rermitteltoo die beiden . 
nool] vorhandenen Treppen, welche von den Reitenschiflen su 
dem Chore emporfohren. Nach dem Hauptschiffe war die 
Cborgruft (Fig. 132} mit drei Rundbögen gedffnet. Die mit 
Blattwellen verzierten Äroaden werden von HalbsSulen getragen. 
Sechs^tufen fQbren in die Erjpla hinab. Diese Letztere, drei- ^ 
schiffig angelegt und üstüch in ihrer ganzen Breite halbrund 
abschliessend, ist mit 5x3 rippenlosen Kreusgewütben bedeckt, 
die Ton vier Hüulenpaaron und den an den Wänden vortretenden 
Halbsfiutcn getragen werden. SümmtHcbe Hügen halbkreislurmig 
innd ungegliedert. Die Säulen und llalbsäulen ruhen auf attischen 



159 



Baaoii, deron Wulste mitunter taaartig verziert sind, ebenso sind einzelne Buen mit 
Eckknollen oder an deren Stelle mit Eckblätt«rn, Mensclien-, Löwenmasken u. e, w. 
verseilen. Die Kapitale sind von vorBcbicdencr Form und Höbe und thcils mit Hlüttern, 
theila mit Masken und Figuren; Mecucben, Widderköpfen und Adlern geBchmückt, '*^*] 

die alle einen streng roroaniMhen Charak- 
ter trafen (Fig. 133). Das Acussere der 
Kircbe schmucklos bis auf die Westfront« 
und die drei Apsiden (Fig 134). Erstere 
nach lombardischer Weise durch Leseoen 
dreil heilig gegliedert, irelcfae das Ilaupt- 



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] schifl' bis zum Beginne des Giebels be- 



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Fig. 133. S. Vtltor», Mursllo Bi»«n und Kspttils 
fn der Krypta. 



gleiten, wo ein horizontales Rundbogen- 
gesims dieselben verbindet. Das Porlnl 
modern, darüber eine dreitbeiüge Fenater- 
gmppe, bestehend aus xwei Tiereokigen 
Fenstern, die einen mittleren von Säulen 
getragenen Rundbogen begleiten, eine 
Anordnung, die unter Bramonle's Ein- 
fluss in zahlreichen Bauten der Um- 
gebung eingeführt wurde. Die Maacrn 
sind aus unregeluiiissigeu Druchquadcm 
errichtet, die Westfronten der Neben- 



schifTc und die Langeeiten nngegliedert. Am Aeaaacren dea N und S ScitanschifTca 
bat sich ein einziges arsprCngliches Fenster mit sehr schmaler OefTnnng erhalten. 
Die drei Apsiden sind mit einer schrauoklosen Schmiege bekrönt. Die Bögen des 
darunter befindlichen Rundhogenfriesea sind aus Backstein construirt, die acbmuck- 
loscn Consolen von Haustein. Lesenen fehlen. Die Nebcntribünen sind mit je einem, 
die llauptapfiis war durch drot Uundbo^nfenster, die Krypta durch ein einziges vier- 
eckiges Fenster erhellt. Am S-O-Ende dos Schiffes steht der Torso eines auf grosse 
Dimensionen angelegten Thurmes. An der S-Seile dea Erdgeschosses eine viereckige 
Tafel von weissem Marmor mit dorn in Kelief gearbeiteten Wappen von Locarno 
and des regierenden Commisiärs. Darunter die Capitalinscbrifl: COIAS.LOC.I. 
IIEUEOKIG . CO. 1524 (J. Uebendring aaa Unterwaiden). Tiefer auf dem FUhmen: 
HOC OPVS ICEFTVM FVT (ßicMö24. An der W-Seitc dea Thurmes auf gleicher 
Höhe die CapitaliDschrift: 1527 RPR | PVRM COST LIDE «[SICALE LIBRE 5| 
MILO LIBRE 4. Der ITeberlieferuDg zufolge soll eine Hungersnoth den Fortbau 
des Thurmes verunmögltcht haben. Seine Struotur mit der in der Mauerarärke 
ringsum emporgeführten Steintreppe erinnert an den Markusthurm von Tenedig. 
Die Angabo Neaais S. 27, das» der bestehende Bau xwei Drittheilo der projeetirten 
Höhe habe, ist kaum zu glauben, da schon über dem ersten Stockwerke eine pro- 
visorische QluckensCubo den Torso abiicblieHBt. Ein kräftiger Wulst bekrüui den 
L'ntcrbau, der sich auf einem wuchtigen Rennaiasancesockel erhebt und als einzigen 
Schmuck den regelmässigen Wechsel von höheren und niedrigeren Quaderschiobten 
in sauberer Fflgung weist. Das zweite Stockwerk zeigt dieselbe Struccur und die 
Ecken von glatten Pilaatern begleitet Das grosse Manuorretie{ an det ä^<:b<&^A]b 




(Fig. 135), eine cfiohtige Frührenaissancearbeit, soll 1527 aus dorn SchloBse Ton 
Locarno hierher versetzt worden sein (Ncssi 26). Es «tollt den hl. Victor vor, wie 
er baarhaupt und geharniacht xu Pferd eine Fahac mit drei CliriBtusköpfea halt; 
glatte Halbsäulei) und ein joninches Gebälk bilden die Umrahmung. Unter diesem 
Relief enthält eine besondere Marmortarel die S. 93 (54.')) oben abgedruckt« Inschrift 





tis/. 1S4. S. Vtttor«, Murttto, 

Zur Hechten des ^VeGlportatc■ Hiebt man die lloate niaea gnthtanhnn nhristfiphortts- 
inldfS. IJeber die zahlreichen in der L'mgebung von S. Vittore zerstreuten Beulptur- 
fragineote, ohne Zweifel Reste der alten OhoruseiDrichtuDg, vgl. , Anzeiger* 1886, 
No. 2, p. 261 u. r. und iJoll. V. p. 17ü. 

3. Südwestliph in geringer Entfernung von S. Vittore liegt daa alte Kircblein 
8. Stefano, io dessen Kähe obonfalla (römischoP) Funde gemacht worden sind {_Sessi 
p. 2)}). Der einschißigc Uau mit dem viereckigen Chore iat Baoh gedeckt und mo- 
dernislrt. Die Mauern de» SchifTes sind aus unregelmfissigen Schichten von kleinen 
Uruchateinquaderu erbaut und luit winzigen hoch liegenden liuudbogeurunstern ver- 



\ 



aehea. Ueber dem viereokigen Westportal wiSibt sich ein glaftes halbrandes Bogen- 
feld. Der Qlockenthurm an der 3-W-Ecke ist eio moderner nrucbateinbau. R. 

S. Schlosn Muraito. Der älteate Slntnmsitz dieeer gleichnamigen Familie hatte 
miithmasBlIch nirht auf der Stelle de« jetzigen Schlosaea, sondern nahe bei S. Vittoro 
gelegen, wo, nnob gef, Mitthcituog doB Ilorm Oberst fS. Sitnona. Ende 188!I in dem 

zwiBchon d. S>Soito 
von S. Stefano und 
der Gingangsfronte 
von 3. Vittore be- 
ßndliohen Giardino 

Scaxxiga auage- 
debtitc MuuerrcBto 
aasgegraben wor- 
den sind ; «ie be- 
stehen aua einer W 
HafliH von ca. 2 tu 
Dicke, von welcher 
recbtwinckolig iü 
dvr Richtung von 
W nach 0, wie es 
scheint in regelmäs- 
sigen Abständen, 
vierParalloloiauern 
auagi gen,d i e n Örd* 
liebste 1,70, die fol- 
gende 2*,'j ui stark. 
Die beiden südlich 
fotgenden Mauern 
sind theiU zerstör!^ 

theils unter der 
StrasKi vergraben, 
die in gerader Ijinie 
nach d. Wostfronlo 
von 8. Vittore führt, 
lUdlnrini p. 303 
will wissen, dass 
das Schlofis Ton den 
Lo ngobar den er- 
baut worden twi. 
1189 habe e» 
Bischof Anseimo 

TOD Como den Beltramo und QatFo Muralti zu Lehen gegeben, während des Bürger- 
krieges und 1380 sei es zerstört worden. Die fabolöae Geschichte, welche .V«« p, 44 
ti. f. Ton der 'Abkunft der Mnralto »on den Grafen ?on Clerraont auftischt, ist ssurOck- 
zuführen auf die Popularität des Kolaad-Komanes in dem Obcritalion des XJV. Jahr- 




Fiii. 136. S. Vittore, Muraito. Msrmorreliet am Thurm. 



162 



hnnderts und dio Sucht de» dortigen Adols, sich mit dioacm Roman zenkreiso xa 
Terknüpfen. Einige unverbflrgte Hauptdaten aus dor Geschichte dar Muralto sott 
1180 gibt Nessi pp. 47—49. Vgl. auMerdem: B^gesteä des archives de la fauiille 
d« Muralt. Lausanne, Imprimerie Ch. Borgeaud (ohne natum). 

Dio Uauptbestaodtheile des gegen värtigen SchloBsen, das trümmerhaft und 
.■grSflBtenthoila vorbaut in dem afidwestlicb vor 9. Vittore gelegenen Dorfquartiere 
steht, dürfte kanm ror der «weiten Hälße des XV. Jahrhdts. erbaot worden sein. 



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Vig. 13$. SohloM Muralto. 

Der Kern der ausgedehnten Aulage (Grundrissakizxo Fig. 136) ist ein tod We 

nach Osten langgestreckter Coiiiplez, der N von der Bahnlinie, 8 von der Strada 
di Mezzo begrenzt v/Wk] und tiii'li O zwischen diesen beiden liinien mit einem kloinco 
Hofe Q zuspitzt. Zu dem Schlosse eeheinen aber auch jenseits der Strada di Mezzol 
gelegene Theile gelmrt zu baben: ein grosser Hof, dessen an'der Strada circolare 
gelegene Fronte das ehemalige Ilarenthor A scbliesst. Diese kleine l'fortc ist mit «ineni 
nngoglicdorton sorgfaltig aus Oranit- und weissen Kalkstoinfju ädern gef&gleo Spita- 
bogen Tereeben. Die 0-Flanke ist tod einem Oässobcn begleite^ an deswn S und 




N Ausgang, d. b. gegoii die Stiuda oircolare und die Strada di Ueszo, Reste alt«u 
GouiäuerB stehen: dort die hohe Eelce elncB thurmartigen Gebäudes. Die Kante 
ist ftus Quadern, die Ostwand aus BrucbBteJn oonstruJrt; ein Fonoter im ersten Stocke 
lutt einen aus Backstein gewülbton Spitzbogen. Ein gleiches Fenster befindet sicli 
am NO-Ende des Gäsachens, wo die If-Mauer dos Eckhauses aus altem Quadorwork 
besteht. Jenseils der Strada di Mozzo stellt N neben der Ostspitze des dreieckigen 
liÜfchßnH das Fir;. 137 abgobitdcte zwei Meter weite Kundbogcutbor B, dessen 
ScblusesteiD an der AussenfrODte daa Wappen der Murallo schmückt 

r^' Das eigentliche Schlosa be- 

steht aus «wei von W nach 
aufeinander folgendes Theilen. 
Die "W-Pronte des Ersten bo- 
gleitet ein Flur, zu welchem 
TOD der Strosse eine doppelte 
Freitreppe emporführt. Die 
Tundbogige TliÖre C über der- 
Bolben zeigt das Wappen der 
Muratto, das nn dem Schluss- 
stein auBgemcisaelt ist (Fig. 
J38, No. 2). Der Flur ist mit 
einer Rachen Balkendiele be- 
deckt und nach dem W vor- 
Hegenden Oarten mit Kwei un- 
gegliederten Kundbögen ge- 
öffnet, die von einem vier- 
eckigen Pfeiler ohne Deok- 
gesimse getragen werden. Eine 
alte Thüre »chlioeat nördlich 
den Flur ron der hinteren 
Fortsetzung ab. Die W Thör- 
wange ist aus sauberen Rustiea- 
quadorn mit glatten Spiegeln 
gemauert, dcrwaagrcohtoSturE 
schmucklos. Hinter dieser 
/'•> 137 SchioM Mursito. Thüre führt eine Treppe su 

dem oberen Stocke hinauf. Uebcr dem Podest« ist ein rippenlosee rundbogiges Kreuz- 
gewölbe gespannt. Ton dem Flure fOhren drei ThQren in ebenso viele vor- 
liegende Räume. Der erste D, vermuthlicb der für den öffentlichen Verkehr be- 
stimmte Empfangssaal oder ein Waohtlokal, ist mit einem rippeulosen Eappengewölbe 
bedeckt, das von gothisirenden Conaolen getragen wird. Auf die Wende de» 
XV. und XVI. Jabrhdts. woiut auch der einfache Kamin an der W-Wand. Gegen- 
über führt eine kurze ateinernu Treppe zu einer niedrigen Kammer hinauf, die 
gleich dem darunter befindlichen Abschnitte £ mit einer flachen Hokdielo bedeckt Ist. 
Dasselbe gilt von den B&umen F und G, wogegen sich Ober dem Koller U eine Flaeh- 
toone spannt. Ueber dem Koller liegt eine alte Küche mit viereckigem Klostergowülbe. 




1«4 



•vnC 






«0. (. 



»9. & 



Parlil-Schluiistelti«. 
Der zweite, östlich folgende Ttieil ist uhoe Zweifel die herrBchaftlicbe Wohnung 
gewesen. Da» Centram bildet der kUinc Itof TI (Fig. 139), dem sich und W 
mit niodbogigen Sdutenstellungoti geöffnet, eine tiefe mit flacher balkendielc bedeckte 
Halle (I und K) anschlosa. Hof und Halle sind tiuf gleiohein Plaoe wie die W 
anntossenden Käume gelegen. Nur die W Saulenstellitng i^t erhallen und auch diese 
nur theilveise. Die SSuIon aind Monolithe auf attischen Uaaen mit einfachen Kok- ^ 
blättern. Ungegliederte Rundbögen Tcrhindon die Kapitale, deren Schmuck auu zwei ^^k 



F^^ r.S^ - 



.^Vg: 



10. 



^ 



r's- J4'j Hof Im SohiMM Murillo. 



Kethun von uogeMliaten Illät- 
torn besteht. An der 3 Uni- 
fasäiingtimauer steht ein Zieh- 
brunnen, uuter der Mündung 
sind kloine viereckige Qelaasc 
zum Kallateilen von SpeiBen 
BUBgeipart. Der O-lIalla legt 
sich das Zimmer L Tor. Die 
flache Balkendiele wird von 
gothi sehen Uolzconeolen ge- 
tragen. Kine gleiche Deoke 
befindet sich im zweiten Stocke. 
Die N-Soito des llofes wird 
Ton den Bachgcdecklen Bäu- 
men M, N und begleitet. 
Uobor dam ICaume P ist in 
liie 0-Wand eines Zimmers 
die sog. Büste BarbHrot»a*s ein- 
golRHHen, ein antikes (P) Relief 
von weissem Marmor. Es stellt 
den lebenagrouaeu Hrofilkopf 
eines bärtigen Mannes Tor, das 



165 



wallende Raar umgibt ein Lorbeerkranz. Tn neuester Zeit hat man dieses Relief täppisob 
bemalt und die Kaare vergoldet. Unter der Hfille I, die sich nacb E mit einer un^glie- 
dertea RorbbogenlliQrß Affnet, und dem letztgenannten Itanmo liegen gewölbte Keller und 
Korker, unter L, vier Stufen tiefer ala dieStrada die Kezeo, ein Keller; er ist mit einer 
Kundtonne bedeckt, in welche Stiohkappon elosebneiden. Der Hof II ist bodeulond hüber 
als die Strnila di Meizo gelegen. Ehodtm fQlirte eine doppolte Freitreppe zn dem Tbure 
R hinauF. Der Bogen ist aus sorgfältig gearbeiteten Quadern gow<^lbt und die Auseon- 
fronto des Scbliiesleines in Relief mit dorn Wappen der Murallo (Fig. 138, No. 1) ge- 
schmQckt. Die Ostseile der Theile L und P war in der Bol-6fage mit xwel ungegliederten 
Spitzbogenfenstern geöffoet, von denen jetst nur ooch eines erhalten ist li. 1891. 

Navone, Bez. Blenio (auf Siegfrieds Oeneralstalitikarte fKIscblich Anavone gen). 
Gruppe von Alpenhüttea m 784 ü. M. swisohen Semione und Ludtano bt>ch aber 
dem rechten Ufer des Bronno gelegen. Die Kapelle S. Lusio (vgl. , Zürcher Taschen- 
buch' auf das Jahr 188t), S. 38) ist mutbmassHoh in der zweticn Hälfic des XVII. 
Jahrlidl». errichtet worden. Der achteckige Bau, dem sich W auf drei Seiten eine 
gcwülbte loakanischo Säulenhalle vorlogt, ist mit einer flachen sphSrischen Kuppel 
überwölbt. An der I>etzterea ist eine barocke Himmelsglorie genialt, die Scbildbögen 
enthalten gleichzeitige Darstellungen aus dem Marionleben mit den Nanion der Stifter 
und den Daten 1678, 1679 und 1683. Das Altarbild ist der Reat eine» spätf/otlmc/tai 
Maucrtjemäkles , das mutlmmsslicb aus dem Ende des XV. Jabrhdts, slamnit. Die 
rohe und zudem Überarbeitete Schilderei stellt auf blauem, grün nttirahmleui Qrunde 
den Oekreujsigten dnr, zu seiner Rechten stoh(*n Maria und der Täufer Johanne», 
gegenüber gibt die tbroneude Madonna dem bekioideten Knäblein, das auf ihrem 
SeboBse sitzt, die Brust. R. 1885. 

Novazzano, Pfarrdorf, Bez. Mendrisio, Kreii Slabio. 1. Der roroanisobe Thurm,. 
dvr isulirt neben der modernen Ff'iirrkirche steht, ist oinsohlicsglich des kahlen Erd-| 
geschosses bccIis Stockwerke hoch. Die folgenden Etagen sind mit Bcklcsenen und 
je vier halbrunden Kleinbögen gegliedert. Im obersten Stocke üfluen sich auf jeder 
Seile zwei gekuppelte Kundbogenfenator. Dos Mauerwerk Ist rohe Brucbstoin- 
eonstruclion, das Glockenhaus ein moderner Aufbau. It. 1889. 

2. Die KitpdU S. Trinitä in dem oahe bei Novazunu gelegenen Weiler 
CaMdlo di Sotto besteht aus einem einschiffigen moderniAirlen Ijanghaunc von m. 
6,37 L. : 4,50 Br. Es ist Dach gedeckt und kahl, ebenso die halbrunde ni 3,37 
weite Apsis, die aussen mit Eoklesunen und eiuetu UundbugenfrieBC auf schmuck- 
losen Consölohen dccorirt ist R. 1889. 

Olivone, Kreisort und Pfarrdorf, Bez. Blenio. Die geräumige Pfarrkirche hAt 
ihren gegen w&rtigen Ausbau veriniitlilirli im XYII. Jahrhdt. gefunden. Aus der 
t romanrsehon Kpoche sind ausser dem Thurme nur einige Reste an der S Langwand 
des Schiffes erhalten. Sie zeigen einen Aussen^chmuck mit hoch liegenden Blenden* 
die von schmalen Lesenen und doppelten Kleinbügen gebildet werden. Der Thnrni, 
den jetzt eine ächmale Zwischenmauer mit der N Langseite des Schiffe» verbindet) 
hatte ursprGnglich frei gestanden. Er ist aus regelmässigen Brucbquadern erbaut 
Ueber dem hohen und kahlen Erdgeschosso folgen vier Stockwerke. Die beiden 
unteren sind mit Eckleseuon uud vier Kleinbögen auf Bchniuckliwen Consolen ge- 
gliedert und mit eheDfalls rundbogigen Schlitzen geöffnet. Derselbe Wa[id&c1u»».<i.<i. 



166 



wiederholt sich an dem driUen Stocke, wo jede Seite zwei gekuppelte Randbog«n- 
Tenster auf eioracbeo polvgonen Tbeilstützeo eotbüll uod über den KleiabÖgen ein 
HoIlfrieB aich binxieht. Diu vierte und oberste Stockwerk, auf dem ein niedrige« 
Zelldach den Abscblues bildet, bat dreirach gekuppelte Fonater mit gefällten Bund- 
bftgen. Der Rund bogen fr ie« wird thcilweiee von ornomcntirlen Coneolen getragen. 
Die Kapitale der einfachen TheiUSuIcben sind tbeils würfelförmig, tbeili ornamentirt 
und über denselben die Fronten der kräftig vorgeech weiften Kämpfer bald mit Thier* 
kSpfen bald mit Rundstäben besetzt JL 1387. 

Orselina Tide Locarno, S. Biagio. 

0<co, l'farrdorf oberhalb Faido, Bez. Leveotina. Die Pfurrkircke 8. Maurisio 

scheint laut dem an der steinernen Chorschranke angebrachten Datum 1785 erbaut 

worden zu sein. An der NO-£oke zwischen ächiff und Chor sluht der Thurm, deeaeo 

I unterbau romanisclien Charakter trägt. Ueber dem kahlen Erdgesohoee sind zwei 

Etagen mit Eckleseoen und Rundbogenfriesen gegliedert. Ji. 1685. 

Osogna, Pfarrdorf bei Biasca, Bez. Riviera. 1. Ifarrkirche SS. Filino e Gra- 
tiniiitio. Der untere Theil des schlanken Thurmes, der sich auei der Weetfronte 
f des barocken Schiffes erbebt, stammt aus romanischer Zeit. Das Erdgeechoaa ist 
eine kahle Bruohquadercanstruction; darüber sind zwei Qeschoase mit Leeenan und 
Kleinbögon gegliedert, die in dem ersten, wo sich schmale Schlitze öffnen, dreifach, 
in den folgenden fensterlosen Etagen nur su zweien angeordnet sind. Die beiden 
obersten Stockwerke sind modern. H. 1886. 

^ 2. Die ausserhalb des Dorfes auf einer Anhöhe gelegene Kapelle S. Ufarta 

dd Ciistdto ist ein kahler einschiffiger Barockbau. Das viereckige W-rortal, über 
dem sich eine leere halbrunde Blende wölbt, trägt mit seinen derben Sculpturen 
einen sehr altert hüm liehen Charakter; es dürfte gleichwohl nicht vor dem Anfange 
des XT1. Jahrhdts. entstanden sein, weil gewisse Einzelbeiten bereits den Einfioss 
der Renaiseance rerrathen. Die Umrahmung der viereckigen Pforte besteht aas 
eioer von Wulst und flueaerer Platte begrenzten Kehle, der Wulst ist tauförmig, 
die Kehle mit aufrechten ungezähnten Blättern geschmückt. Der Mitte dea 
Sacbeir Sturze» ist der Reliefkupf des Heilandes mit dem Kreuznimbua vorgesetst, 
unter dem Kopfe ist ein Taube, lu Seiten derselben sind zwei kleine EngeUköpfchen 
angebracht. Die gekehlten Leibungen der beiden Cetisolen, welche, aus den Wan- 
dungen vorspringend, den Sturz aufnehmen, sind mit dem Kopfe eines Mannes und 
eines Knaben besetzt. Die Fronten mit einem Dreiblatte verziert. Die N Aussen- 
Seite des Chores schmückt ein spätgothiacbes Gemälde aus dem Ende des XT. oder 
Anfang dea XVI. Jahrhdts. Es zeigt auf blauer mit weissen Wolken belebter Fläche 
eine regenbogoofarbene Handorla, in welcher, von dicht gedrängten gelben Cherubim 
umgeben, die Madonna auf einem Regenbogen thront. Sie trägt über dem rotben Rocke 
einen blauen, grUn gefütterten Mantel, auf der linken Schulter einen gelben Stern. Ihr 
Haupt ist unbedeckt. Auf dum Schooase steht das segnende Knäblein, mit blauen 
Strümpfen, rotheii Sithubeu und einem wei&sen, gelb besäumten Uemdoben bekleidet. 
Im Inneren fällt ein alterthüm liebes Weihtcasserbechn auf. Die gbtte steinerne Schaale 
auf dem barocken Ständer ist mit vier bartlosen Mauken besetzt. Ausserdem besitzt 
/ das Kirchlein einen kleinen, spätgotbiachen SckmteaHar deutaoher Herkunft. Auf 
dem horizontalen Abschlüsse des viereckigen Schreines befinden sich Ansätze einer 



167 



durchbrochenen BekrÖTiuog. Ein Kielbogeo mit durcbbrochenem Maasswerk besetzt, 
füllt den uüurua Tbeil des Schreines. Seine Wandungen aind auf rtitbütn Grunde 
mit schwarzen LincamcDten damascirt; die Tiefe ist geproaster Oolddaroast. Die 
Kitte ciaunl, auf der Mondsichel »lebend, die Statuette der Madonna mit dem Kinde 
ein. Zu leiten erscheinen die Standbilder zweier Heiligen. L. steht aSanctns jeorius 
milea" auf dem Draobeo. Die Rechte hält den Speer, über dem Harniscbe trägt 
er einen goldenen, rotb gefütterten Mantel, das Haupt umgtebt eine Zindelbinde. 
Neben dem Kamen dca zweiten Heiligen „sanotua marcus ewangeUfta' (sie) ist mit 
arabischen Ziffern daa Datum H94 rerzeiubnot. Der Jugendliebe bartlose Kopf int 
mit einem Barette bedeckt; beide Hände halten ein ofFenea Buch, Ober dem langen 
rothen Rocke drapirt sieb ein goldener, blau gefütterter Mantel; xu Funsen des 
Heiligen erscheint der Lilwo. Die Innenseiten der Flügel weisen auf goprosstom 
Goldgrunde eine gemalte Figur, I. der hl. Pilger Jaeobus, rechts 8- Wolfgang im 
biscböQicben Ornat, mit der Rechten das Pedura, in der Linken die Axt und daa 
Modoll einer Kirohe haltend. Die Übermtilten Ausaenaeiten zeigen vor einem land- 
achaftlichen Hintergründe, über dem aich der blaue Himmel wölbt, 1. S. Cbristophorua, 
r. S. Anna sclbdritt. Zwei schmale eeitw&rts angefSgtc Tafeln, die halb kielbogig 
abschliesaend, Ton Fialen Dankirt werden, sind ebenfalls mit überarbeiteten Gemälden 
geschmückt: sie »eigen I. «sant .Tos'', zu Füssen doa Pilgers eine Krone, r. „sant 
fcbastia'. Der Heilige, dessen bürtigca Haupt ein Barott bedeckt, tat mit dem 
Zeitcoatüme bekleidet: er trägt über der grünen Strumpfhose einen kurxen hell- 
rothen Rock, der um die Taille gegürtet i»t\ jede Hand hStt einen Bolz. Die Pre- 
della ist mit Relief» geschmückt; sie «teilen die Halbfigurcn Christi und der 12 
Apostel vor, die in drei Abtbeilungan mit fein geacbnitzteu gothiscben Blattorna- 
monten bekrönt aiod. R. 18B5. 

Palagnedra, Dorf im Thale Centovatli, ße«. Locamo. Die Pfarrkirche S. Midtde 

(Fig. 140) stellt eine höchst niorkwürdlgc buugeschichtUcbe Metamorphose dar. Die 

^{^■■■■■^^^■^■■l alte, vermutbliob in der «weilen Häifto 

^^ \B N. /* I des XV. Jabrhdis. erbaute Anlage be 

f 



< 




stand aus einem viereckigen Chore von 
m 6,80 0-W L. : 6,60 Br., dem aich in 
gleicber Breite ein einiohiffigos flachge- 
decktes Langhaus anscbloas. Um 1GG3 
wurde die jetzige Kirche erbaut, deren 
dreiseitig geschloaäoner Chor nach Norden 
gerichtet ist. Der alte Chor A blieb als 
Sakristei neben der Ü-Seit« des neuen 
etehen; ebenau wurden ßestandtheilo des 
ehemaligen Langbauae:« in den Neuhau 
gezogen : Reste der Nordmauer B - C, 



Fig. Hü. S. MichH« Psisgnedra. 
welche die Schluaswand de« neuen Chorea bildet und ein Theil der HÜdlichen Iiangwand 
D, welche die Nordfronte einer querschiffartigen Kapelle neben der West- 
seite des jetzigen Schiffe!« scbliesst. Ea geht dioas aus Wandgemälden hervor, welche 
dort im Inneren des Chorea und hier an der Aussenseite der Kapelle erhalten ge- 
blieben aind. Chor und^Sohiif der alten Kirohe waren mit WandffemiUde» geacbma.<^k.<., 




16S 



die in der xweiten Iläino des XT. Jalirlidte. entaUndca sein mögen. Von dem 
Schmucke deit Schjflee sind wenige Kestc erhalten: an der d Langwand D Bwei 
übereinander geordnete fieihen riereckiger Compartimeate in weianr and rotfaer 
Umrahmung — in dem einen f^laubtc ich Christus vor Pilatus tm erkennen — und 
der obere Abschluss, eine mit Rosetten geschmäckte Bordüre, welche xeigt, da»0 das 
Schiff eine ftacbe Ilolzdiele hatte. Zur Ausstattung der N'ordwond gohOren hinter 
dem llocballare die Koste einer thronenden Pigar hei B, mit der HinuBkeliDschrifl 
.Bcta maria de loreto' und weiter öatliob neben t)em ehemaligen Triumphbogen C die 
HadoDna di lld und die Reste eines S. Michaelsbildes. Eratere erscheint ohne Krone 
. und ohne das Wundmal auf der Stiroe, das spätere Bilder darstellen. In der Linken 
i hält sie eine Rose, auf dem Schoosse sitzt, mit einem rothen Hocke bekleidet, das 
Knäbloin; es halt mit beiden Händen ein Blatt, das die Minuskelinschrift: .in greraio 
I niatris sedet | «aplentia patrts" weist. Da« Bild des Erzengels ist bis auf einen 
Flügel und die Waagschaale mit der Seele des Outen zerstört, ein Dreizack zerrt 
die Schaale hinab. Der Chor ist m 5,70 hoch, mit einem rippenlosen spitzbogigen 
Kreuzgewölbe bedeckt und ganz mit Sdalereien ausgestattet. Breite Schuppen- 
bordQren, die von Weiss ins Baute bis zum dunklen Kerne nüancireo, begleiten die 
OrAten. Diese letzteren heben m 1,30 über dem Boden mit glatten Consolsteincn 
auf, welche mit menachlichen Masken bemalt sind. In der östlichen Gewölbkappe 
umschliesst eine Madorla die thronende Gestalt des Heilandes, er spendet mit der 
I gigantischen Uecbten den Segen und stQtzt die Linke auf ein offenes Buch, das die 
/ Minuskelinscbrift: ,ego sum lux mudi via vcricag et vita' enthält. Rings herum 
r nnd auf dem blauen gestirnten Grunde diu Togatiguren der Evangelisten mit den 
Köpfen ihrer cmblemn tischen Tbiere gemalL Die Spruohbfioder enthalten die fol- 
genden Minuskelinschriften: ,tran« volat alcs ares ultra volat aslrs Johannes" ^^H 
atempla luca« curat vitulum pingendo tigura* - ,eet homo matheus malre deut^^ 
geuus indicat* — «munere olamoris fit marous imago.lconis". Die nördliche Kappe 
aeigt aof dem blaueu, grün umrahmten Grunde zwei Kirchenräter; sie aitzen, von 
Tabernakeln überragt, hinter einem Tische, Hieronymus in weissem Gewände loedi- 
tirend, der hl. Papst Gregor prüft die Feder. In den Zwickeln hält jedesmal eiii^J 
Engel eine Schriftrollo. Zu 3. Hieronymus: ^gaude virgo mater cristiec*. Zu3.Gregor^| 
«gaude (]uia magis dona qu. parunt". SU. Augustinus und Ambrosius in der süd- 
lichen Kappe erscheinen aU BischOfe ohne .Attribute, beide hinter einem Tiaohe 
schreibend und mcditirend. Von den Koltou, welche die Kngel halten, enthält die 
eine die Inschrift: ,TirginaIi quem honoro spri . . . f* Die andere iet zerstört Diu 
westliche Kappe enthält drei stehende Figuren. In der Mitte die grössere Gestalt 
des Kirchenpatruns 8. Uichacl. Oeharnischt schwingt er mit der Kecbteu dua 
Schwert über der Waage, welche die Linke hält. Links steht ebenfalls baarhaupt 
ein ritterlicher Heiliger (die untere Hälfte zerstört), er halt eine weis«« Speerfahne 
mit durobgehendeui grauen Kreuz. Der hl. Bischof, der ohne Attribute gegenüber- 
steht, int als S. Abondius bezeichnet. Die Ostwand schmQckt eine ausführliche nicht 
Abel aufgefasste Darstellung der Kreuzigung. Bin Engel und ein Teufel nehmen 
die Seelen dos reumütbigen und des verstockten Sünders su sich. Andere Engel 
fassen in Kdchon das Blut des Gekreuzigten. Reiter halten auf dem mittleren 
Plane; der eine, Longinus, mit der Lanze und der Minuakelinschrift: ,vere ülina doi 




erat ifto". Zu Fflieen des Kronzps, donaßn Slnmm die knieende Uagdalena umßngt, 
stellen ein Boherge mit KeA.ie), hl. Frauen und rocht« der KTang;otiftt Johanne«. 
Tiefer, links unter dem niodcrticn Fenster, umachloBs ein fjuadrutisolies Feld eine 
mehrzeilige Minuakelinsclirirt, weleho dos Datum, den Namon dos Stifter« und wohl 
auch dea Malers enthielt, leider jedoch vor nicht langer Zeit oinem modernen Laratio 
weichen niiiBste. L>er südliche Schüdltugeu iat in drei seukrechte l^eldor gothcik 
Das Hauptbild in der Mitte stellt Christus am Octberge vor, jedes Seitenfeld oot- 
häll ein Uundmedailloa mit der ]Ialb6gur eines Engels. Derjenige zur Linken hält 
ein Spruchband mit der Inschrift: ,sana roi (sie) domine et sanabor Baluum me fac." 
Den nördlichen Scbildbogen schmückt die Darstellung der Kreuttragung. Dein 
Heilande, den ein gepanzerter Kriegeknecht vormittelst eines um den llalsgeschhiDgenen 
Taues fortschleppt, folgt S. Vcronica mit dem Schweiflatuchc. Die Seilenfelder ent- 
halten iu gleicher Anordnung, wie an dem südlichen Öcbildbogcn ein Kundmedaillon 
mit der Hnibfigur eines Prophoton. Die Beischrift des einen ist xeratürt, die andere 
lautet: gdeua oxaudint (prei;ati)onea reetraa*. Unter beiden Schitflb^tgen, dem N und 8, 
stehen eu-face, von rundbogigon Arcadeii umrahmt, je sechs faüt lebensgrosse Apostel- 
figuren mit ihren Attributen und den Sprüchen des Credo. Darunter, sowie an der - 
Oslaeite war der Bockel mit den Monatsdarstellungea gescbmückf. Von diesen auf 
weissem Grunde roth umrahmten Hildern eind nur noch die Folgenden zu orkonnen: 
April, ein Jungling in rothem Itock mit grünen Aermeln, hält eine Itlume. Mai, ein 
Iloiter, hält einen Falken auf der Ilnnd. Das üaupt ist mit oinom Hute bodecJcl, 
der rotho Kock mit weissen Aermeln um die Taille gegürtet Junius: Schnitter. 
Der Schmuck de» westlichen Sehildbugens ist zerstArl. In der Sakristei k'findel 
sich eine IGHS datirle Monstrum, eine rohe, nOohcerne Renalflsancearbeit. Daa 
viereckige Mil leUlGck ist von kahlen Stifleo flankirt , welche Fialen vorstellen 
sollten. In der Kirche befindet eich über der westlichen Seilenkapolle beim Chore 
die tüchtige OcJkojw rines aUUnlienischen lülihs. Es stellt die Verkündigung vor. 
In einem traulichen Qemacho sitzt die jugendliche Mari«. Sie bat die Jlfinde auf 
dem Sohuoss gefaltet; das schöne Küpfchen voll zarter LlnsohuM ist im Protile nach 
üben gerichtet, wo durch das Fenster auf feinen Strahlen die Taube erarbeint. 
Liuks schwebt auf Wolken der Engel herein, er bat die Arme vor der Hrust vcr- 
schränkt. Die edle, mossvollo Auffassung prägt dcD schlichti-n Ocist des XV. Julirhdia. 
aus. Link« unten steht auf dem Socket eines Pilasters die Aufschrift; „LAVIl 
ÜltESCIVS FACIEIUT 1G02«; auf der Basis die Capitalinscbrin: «Uitratlu della 
miraoolosisBima imagine della annunziatn di Fioronza | fatta fare dei frattelli della 
compagoia ehe habitanu in Do (detto) luogo. ü. 1885. 

Pazzalino, Dorf am Fusse dos Monte Rre, bei Lugano, Dez. Lugano. Vor der ' 
NW- Ecke der modernen Kirche steht der stattliche posthum -romanische Thurm. I 
Er ist einschliesslich dea Erdgeschosses sieben Stockwerke hocb und wahracbeinlich 
zu Anfang des XVI. Jahrhdtä. errichtet worden. Die Mauern sind kahl, erst mit 
Schlitzen, dann mit schmalen einfachen Rundbogenfenatcrn durchbrochen; in den 
beiden obersten Qeschoesen sind diese paarweise gekuppelt, erst von l'foilem und dann 
von einfachen ebenfalls kapitällosen Säulen getragen. Den AbsohlusB bildet ein 
niedriges Zeltdach. ü. 1891. 

PMcia, Plarrdur^ Bez. VaJle Maggio. lo der baruoken i'furrkirdw «WoS- «^^ 



170 



d«in Fahnenkasten an der Westvand des Schiffes die hölzerne Statuette der Ma- 
I donna, eine spütgnthischo Arbeit deutaclier Herkunft H. 1888. 

Piorathal, U«z. Leventina An dem Wege, der tod Altanca zum Lago Hitom 
hinaufTQhrt, iit bei der letzten Biegung, über den Alphütlen Ton Valle «o der 
iBchiefon Qneiswand, eine grr>Bä(enthc-il8 vcrvittprtn KapitaÜDKrhFichrift suAgemciAeelt. 
Sie wird gemeiniglich für eine etruskiaclie gehalten und mag auch diu Stelle einer 
Alteren vertreten. Per Inhalt jedoch, vun dem eich mit Sicherheit nur noch die 
Worte .Jesus Nazarenus . . . .* und .Mater Dei* entzifTern lassen, sowie das zwei- 
malige Vorkommen eines hochschenkeligen Kreuzes stellen den mittelalterlich- 
romaiiiAfhen (?) Ursprung ausser Frage. S. 1887. 

^ Ponte -Capriasca, Pfarrdorf, Kreia Teuerete, Bez. T.ugano. 1. PfurrlircAe 
S. Ambroijio. Die jetzige Kreuzkircbe mit dem nach Norden gerichteten Chore 
(Fig 141) vnrde angehlich 183^ errichtet, l(cate der früheren Kirche sind die 

Kurd* uud Westmauer des weat- 



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liehen Kreuzarmee und der neben 
demselben befindliche Glocken* 
thurm. Der Unterbau dea letz- | 
tercD ist nach romanischer Weiae-' 
mit Eckleaenen und Kleinbögcn 
gegliedert. Die übrigen Reate 
sind Theile des früheren SchifFe«, 
eines auswendig kahlen Qebüudea, 
daa walirscheinlich zu Anfang dea 
XVI, Jabrhdts. erbaut worden ist. 
Die alte KIrcho scheint in ihrer 
ganzen Ausdehnung mit Fresken 

geschmückt geweaen xu sein, 

welclio n&ch Lf IV ig jrtiri, Escursioni 

p. 257 und ßossi (del cenacolo 

di Leonardo da Viocl, Milano 

1810 p. HO), die Jahreszahlen 

1547 und 1565 trugen. I(i06 

Fig. I4h Ponie-Cspriuoa. Pt^rrkirche. befahl der Cardinal- Erzbisobof 

von Mailand, Frederigo Uorromeo: «parietes aptia coloribus pingantur meridionales, 

ut relitiu» Ecclesin parti non sint disimiles {liossi, p.l48 und 255, Note IG). Ebonao 

berichtet ^>s$i, p. 149, von eineni Qomälde auf Leinwand und von Reliefs von 

.Engeln. Von den Wamlgemäläm sind das berühmte Ahendmahlsbild an der Weat- 

1 Seite und Reste wahrscheinlich von gleicher Iland geschaffener Fresken, eino Himmel- 

(] fahrt Maria und eines bis auf wenige Figuren zerstörten ßildes an der Korwand 
^erhalten. Ueber dieae Letzteren Tgl. Rahu in ^Repertorioin für Kunst Wissenschaft' 
'XII, 120. Ueber das A^rendmahl^ld, eino der tüchtigsten und jedenfalls dio besl- 
erhftlteno Copic der Leonardo'acheu Composition in 8. Maria delle Grazie in Mailand. 
Üoasi I. c. kahn. .Jahrbücher för Kunetwissensohaft*, herausgegeben von A. ti. Zithn, 
JV, p. 135 und .Anzeiger für schweizerische Altertbumskunde" 1871, p. 248. 7)erj 
^KuDBt- üdJ Wofiderstudien aus der Schweiz", p. 177 u. f. uud ^Kepertoriiun 




K'Daitwbsenichftft', XTT, 120 a. f. Carl Brun in Dohme, «Kunst und KQDitler des 
Htttelalters und der !Neuxeit* Lfg. 63- und 64, p. 2)3. Herntattn (irimm, „Deutscfae 
Rundichau", Bd. LVIII, 1889, p. 100 102 und (i. Frireem, in „Amhitio slorico 
deir Brto', Anno III, 1890, p. 187, der geneigt iat, dieee Freske für eine Arbeit 
des Mailänders (iian Pietrinn oder Pietro Rizeo zu hatton. Die Bpitzboglge Liinette, 
die sich ober dem Abend mahlsbilde befindet und der Wandstreifeu, der die Bilder 
an der obomaligen nördlicbeo Langwand trennt, deuten darauf bin, dasB ein ähn- 
liches Decken Bjale Dl, wie in der nahen Kirche S. Rocco bestanden habe: spilzbogige 
Quergurteo, welche unmittelbar aus den Wänden wachsend, mit waagrechter Ueber- 
mauerung die Holzdiele trugen. Demselben liian Hetrino schreibt Friseoni I. c. 
das Bild der Madonna di Loretto auf dem im Catliohen Querarme befiodlichenl 
Altare zu. Ueber eine auf Leinwand gemalte Dar^telluDg der Auferstehuug Christi 
im Chore, ein Werk, das ebeafalls aus der ersten Hälfte doa XVL Jahrbdts. stammt, 
„Repertorinm" I. c. p. 137. li. 

Pontegana, ebemal. Sckloss bei Baierna, Bor.. Mendristo. Iialiari7H, der p. 21)0 
dessen Bau den Oalliern zuschreibt, meldet, dass es nm 1380 EerstÖrt worden sei und 
zu seiner Zeit der biseböflicben Tafel von Como gehörte. Die ohne Zweifol ausge- 
dehnte Bnrg lag auf einem Hacben von N nach S langgestreckten Plateau, daa niv 

sprünglich ringsum jäh abfiel und 
auf drei Seiten Ton der tief unten 
Torbeidiossendcn Breccia umzogen 
war. Von der alten Anlage ist 
keine Spur mehr 7.u finden, da deren 
Hauern ohne Zweifel zum Bau des 
anf ihrer Stelle gelegenen Weilers 
ansgcboutot worden sind. li. 1890. 

Ponte -Valentine, Pfarrdorf, Kreis 
Olivono, Bez. Blenio. Der , Anzeiger" 
1873, p. 485, erwähnte Thurm der 
Pfarrkirche ist oin pouthum - romn- 
niseber, vermuthlicbim XVI. Jhrbdt. 
errichteter, Bau von kahlen Hauern. 
Die beiden obersten Geeehosse sind 
mit paarweise gekuppelten Uund< 
bogenfenstern versehen, die von einer 
halbrunden Blende umschlossen wer- 
den j die Theilsäulchen haben keine 
Basen und Kapilält». Jl. 

Prato, Pfarrdorf, Kreis Quinto, 
Bes. Lerenlina. Die PfaTrkirche 
S. Giorgio (Ansicht im gZQroher 
Taschenbuch", J887, p. 13) ist ver- 
muthlicb im XVII. Jabrhdt. errich- 
tet worden. Reste einer alteren 
Fig. i«. Prato. Thurm der Plarrklroh« S. Giorolo. Anlage sind d« wiVaN. -»«t «äx"^- 





FroDtc stehead« Tburin, und die S T.angwatid des Scbiäe«. l^ar Erstere (Kig. 142) 
1 gchürt zu den zicrlioliatoa Bkutea romaDischeD Stils, welche Te^n beaiüEt 

(Fortsetzung folgt) 



Zur Statistik schweizerischer Kunstdenkmtler, Canton Tessin, toi J. R. ftili') 

Jahrgatig l&D.t, Nr. I. (Sdll^BB^ 
Er ist gleich dem Thurme tod Quinto aus uoregoloi&Higeo Sobicbton tod sauber 
y. u ge r ich tele Q Granitquadern erbaut. Das ErdgeeoboM ist kab), die übrigen Stockwerke, 

jaeub« an der Zahl, tiiad mit Eckloscnen und KleinbögoD gogliodort, über deneo sich 
ein Kollfriea befindet. Alle Einzelheiten zeichnen aioh durch aaubero Haltung aua^ 

'die Uundbögen siad von einem eingekerbten Saume begleitet, die theilweiae ornamen- 
tirten Consölcliea scharf und sorgfältig profilirt. Die SQdaeile des ScbifTca i«t in ihrer 
ganzen Ldnge von einer Vorhalle begleitet (Fig. 143), auf welcher ein gchworfalUgea 
offeues Pultdach lastet. Vgl über solche Vorbalteo t. Anifetko. Lepo&ti p. StJ. Am 
W-Eiide der S Langu^ite »lud Kettle einer romaniuuben WaiidgUederung und daneben 
ein goChtairendes, wahrscheinlich aus dem Anfang des XVI. Jhrhdt«. Btammendec Wand' 
yemaidt erhalten, ea ateltt auf blauem Grunde, umrahmt Ton einer italienisoh-sp&t- 
gothischen Ornamentik, den geharnischten S. Georg ror, der nuf einem Sohimmel 
gegen den Lindwurm stürmt. Vordem Heiligen, dessen Tartsehe auf rothem Feld ein 
weieaoB dutcbgchendos Kreuz zeigt, kniet die anmuthige Königstochter. It, 1891. 

2. Zum Schutze der Strasse, die ehedem ober Prato, Coraone und Dalpe nach 
Faido fahrte (Leponti p. 31), soll Filippo Maria Visconti im Jahre 1422 in Proto 
einen hoben and festen Thurm errichtet haben, der nachmals als Pfarrhaus diente 
und ftn welchem nach Righdo, p. 115 und 164, mehrere Wappen, darunter das* 
jenige des Erbauers, angebracht gewesen waren. An diesen Thurm erinnert eine 
Inschrift, die in modernen Kapitalen Ober der Tbilre des Pfarrhau^.a gemalt ist: 

1 ARS ANTIQVA FVI AliCEREXVK VT HOSTia AV1TV3 | PACIPICIä PATEO 
I FACTA D0MV8 PÄRüCIi MOCCXa R. 1889. 

3. Ausserdem will Rüjholo, p. 164, von einem Schlosse wissen, das der Pfarr- 
kirehe S. Giorgio gegenüber auf dem über dem Teosin befindlichen Abstürze gu- 
«tanden hatte, aber schon zu seiner Zeit bis auf wenige, kaum mehr erkennbare 
Reste zerstört war. 

jV^gfi^ Prugiasco, Pfarrdorf, Bez. Blonio. I. In der PfarrHrefie wird 

dos Fig. 144 abgebildete Sthaugefäss aufbewahrt, von welohoDi 
F. Angdieot Leponti p. 38 bemerkt: «ostensorio di legno dei pri- 
mitiv! Cempi, oomunque tutto tarlato". Auch an Ort und Stelle 
gilt es fär eine ,antichit& rftrissima". Do« Mburnakelartige Gestell 
und die kleitie Cupa, welche herausgenouimen werden kann, sind 
ans vergoldetem Uolee geschnitzt. Der Stil l£sst keinen Zweifel 
über den spaten Ursprung bestehen, der wohl frühestens in das 
XVL Jahrhdt. gesetzt werden kann. li. 1875. 

Fist. J44 HöiMrnH 2< Hoch über dem Dorfe liegt die einsame Kapelle S. Carlo 

Sohsugefiis la der (pi„ 145) djo früher ohne Zweifel einen anderen Titel führte. 
Pfirrkiroha von rni- 1. . " -i-i_.i »..» ■«■«• r 

gisAoo. E'iB ursprüngliche Anlage bestand aus emem einscHiingen Lang- 

hause vuo m 7,23 L. : 4,90 Br , das mit einer Sachen Hotzdiele bedeckt ist , und 
sieh mit einem gefalzten Rundbogen nach einer halbrunden, eine Stufe höher ge- 
legenen Apsis öffnet. Ihre Weite beträgt m 3,70, die Höhe kommt annähernd der* 
jenigen des Schiffes gleich. Später wurde die südliche I.angwand dieses Letzteren 
in ihrer ganzen Länge und Höhe mit zwei ungegliederten m 3.2ä weiten Rundbügen 
durchbrochen, die von einem in der Mitte aufgestellten Bundpfeiler getragen werden 
nnd ein zweite» m 3,20 breites Schiff angebaut, das el^erifallu tuit «u),%t %.<&^V«^ 
*; All« fisdtM rar Tsat uod lUuiuatiuwa locMulua. 





20« 



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Balkendiele hede«lct und n«oh 
einem ni 2,40 weiten CLorruiid ge- 
öffnet ist. Daa Innere dea Kirch- 
leios entbehrt jeder DetAÜglieder- 
uDg. Die einzige Kunetform ist 
daa Kapital dea Ruodpfeilera, da« 
aus einem kräftigen Wutot« und 
einer viereckigen, nach unten ab- 

'^" fl"*^!^! jT" ^ " gerundeten Deokptatte besteht. 

''■" ilF IJI.-:??^ 1 ßjpg ß„ig fgi,|t_ Auch daa Aeua- 

aere der Schiffe und der S Apeia 

tft kehl. Da« nördliche OborruDd 

':^s-^ dagegen, dae einen unregelmäRsigen 

-_'-;-"'■ gf^ aller koketten Verband von gelb- 

Jj^ liehen Kalkitein- (?) und Oranit- 

-.i-p^j_^,,j->pn>^— *;«~r^ ---^T^^^-- '^Ö quadern zeigt, hat einen Blend- 

*■ '~^^*' — ^ - - -^^ achmuck von Leeenen, die unter 

hi0.n& PrufliMoo. s. c«io. je(„ ßj^he durch einen Rund- 

bogenfrtes verbunden aind. Die Coniölchen, we'che die Kleinbögen trugen, sind 
theils glatt, theils mit linearen Motiven ver^iurt. Neben dem einzigen ursprGng- 
L^*^] Heben Rundbogenfensterofaen, das aich in der Uitte öffnet, ist daa atreng romanische 
ifU Reliefbild eines etebendon Pfaues aogebraobt. Unmittelbar hinter der Apsia ateht 
neben der Nordseite des Schiffes, aber getrennt von derselben, der achlanke vier- 
eckige Qlockenthurm. Er ist unleu kahl und fensterlos, oben in drei Etagen Ton 
paarweise gekuppelten Fenstern durchbrochen, deren gefalzte Rundbögen von ein- 
fachen Theilsäulchen obne Kapitale getragen werden. Ein niedriges Zetldach bildet 
den Abachlutfl. Ohne Zweifel ist dieser Thurm erst naohträglich im Zusammenhange 
mit dem Bau des Südschiffes errichtet worden, wie der steinerne einbogige Glocken- 
stuhl zeigt, der sich auf der N Giebelbälfte Über dem allen Obore erhebt. Das Innere 
der Kirche iat mt( sahtreichen Watidgemäldm geschmQckt, die im Verlaufe mehrerer 




207 



Jahrhunderte in freier Folge, aDd, dnroh manche Lficken getrennt, «itstwiden sind. 
>!. Vgl. Über dieselben Bahn. „Qeeohichte der bildenden Künste in der Sehweiz*, p. 6S4 
und 7n!), und .Mittheilungen der Antiquarischen Oesellschafl in Zürich", IM. XXI, 
Helt 1, p. 6, lieft 2, p. 47 b. f. Das älteste Gemälde (Fig. 146), dessen Bntatehong 
jl Bpütestena aus dem Anfange des XIII. Jnhrhdts. datirt werden dürfte, befindet siohl 
an der Westwand des alten Hchiffos. Ein bnnter Doppelmäander, in welchem zwei- 
mal die Gestalt eines sohreitendeu Lammet erscheint, bildet den oberen Abschlnsa. 
Darunter umschlieBst ein grosses Rundmedaillon die Gestalt des Heilandes, der aaf 
blauem Grunde zwiachen dem Speer und dem Tsop mit dem Schwämme steht ; die 
Ueohte hält er offen ausgostreokt, in der Linken einen weissen Kranz. Etwas tiefer 
stehen, wieder anf blauem Grunde, im Prohle nach der Hitte gewendet, zwei Chßre 
voo Apustolu, rou denen aber nur noch fünf Gestalten und auch diese bloss ab 
Knietiguren erhalten sind. An ihrer Spitze erscheinen SS. Feter and l'aul, deren 
Kdpfe die schon anf Katakombengfäsora ausgebüdeton Typen zeigen. Die übrigen 
Bilder atamiueu aus spütgothischer Zeit. Die Wölbung der 5 Apsis acbmüokt die 
Majestaa Ilomini zwischen den Gestalten der Evangelisten, mit den Köpfen ihrer 
emblomatiflcheii Thiere. Darunter stehen die Apostel mit Bandrollen, auf denen 
die Sprüche den Credo verseicbuet sind. An der Leibung des Chorbogens umachlieisen 
Uundmedailiona die HrutitbildGr der Propheten, am Triumphbogen ist die Verkün- 
digung gemalt. Ein Waudpfeiler, dessen Fronte die Geburt des Heilandes schmückt, 
bildet die Scheidung von dem neueren Südchore, dessen Ualbknppel die Krönung 
Mariffi ftchmOckt, darunter folgen die Hegebenheiten aus der Torgeschichte und die 
BroigniBsc aus der Jugeud der Jungfrau. An der Leibung des Chorbogens sind 
Vierpässe mit den Ualbfiguren von Propheten, Heiligen und dea T&ufers Johannes 
angebracht. Gleiche Medaillons schmücken die Leibungen der Scbeidebögen zwischen 
den beiden Schiffen, darüber ist an der 3-Seile die Himmelfahrt Mari» dargestellt. 
An der K-Wand folgen von W an S. Ambrosiue, die Madonna zwischen SS. Antonius 
t^remita und Berubardin von Sietia, und der Cruoifixua zwischen Maria und Johannes. 
An der SUdwand ist zwischen andern Heiligenbildern viermal die Madonna mit dem 
Kinde wiederholt, die eine dieser DarBtellun;:eu nach einem italienischen Bilde des 
XVI. Jhdia. Endlich folgt an der W-Wand des 3 Schiffes die .Anzeiger* 1880 
Taf. III zu pag. 7 abgebildete Scene, wie der hl. Ambrostus zu Pferd als Schuts- 
patron der Mailänder in der Schlacht von Parabiago (1339) erscheint (vgl. dazu 
Liitolf im .Gefichichtsfreund", Bd. XXXIII, pag. 335). Zu Seiten dieses Bildes sind 
die Gestalten der hl. Prothasiua und Gervadius gemalt. Alle diese Bilder sind 
persönliche Stiftungen aus dem Ende dea XV. und dem Anfang des XTI. Jhdts. und 

demgemäss mehrfach mit Miuuskelinschrifteo ver- 
sehen, welche die Mamen der Donatoren onClialten. 

R. 1875, 1879. 
Quinto, Pfarrdorf, Üauptort des glelcbnamigeo 
Kreisesj Bezirk Leventina. Auf den Bau der gegen- 
wärtigen Pfarrkirche bezieht sich ohne Zweifel das 
dreimal mit arabischen Ziffern wiederholte Datum 

riff.li7. Pfirrkifohs von Quinto. ^^^^- Zweimal ist dasselbe an Quadern der dritt- 
RomaniMhe SsulpturTrsomtiit*. untersten Schicht« am W End« dfti & 'äwAi^ «aa^'^sir 




309 



halbrund ^eacb1ose«nen Chore besteht, der betr&chtlich nach Norden divorgirt, sind ausser 
. den sauber gcarboitoteo IJruchBleJoquudern /.alilreiclie Ziurgliederuugou «iner ruma- 
' niachen Anlage verwendet wurden. I'.in Ite-^l diefer I.etKtcren. die ohne Zweifel im XII. 
Jlidt. errichtet wurde, ist auch der llutorbau eioer halbrunden Apsio, die zwiecheo der 
Hakriatoi und der Nordflanke des Chorschlusses vorspringt. Die grusäe Zabl von 
tbeilweiite ornamentirlen und tigurirteo BaufrflgmenleD beweist, dass die alte Kirche 
ein nehr seh muck vul los Oebäudo war. Theila an der Kirche, tfaeiU an der Friedhor- 
niAuer sind Resto von ßogenrriesen vermauert; diese Kleinbögen sind tbctis un- 
gegliedert, Ibeils gi'fatzt, die meisten leer, bUweileu balbkuppelformig audgeüeft, 
andere mit Kosetten auHgesetzt, oder mit Masken vun Mensclien, dem Kopfe eines 
Stieres, der IIalb6gur eines Manne«, der die Rechte erhebt und die Linke an die 
Seite stemmt. Andere Ziurgliederungen romanischen Stiles sind das mii Blattwellea 
geschmückte Kranzgeainise des Chorea und die drei Fenstereinfassungen an demselben. 
Dfe einfache Kehle dieser Letzteren ist abwechselnd mit aufrechten und kopfüber ge- 
atcilteo l'^flnfbläticrn verziert. An der NW Ecke des äohifTes ist hoch oben der 
Re^t eines glatten Kehlgesimaes angebracht; endlich sind mehrere Säolen- und 
PfoitorkapiCäle vormauert: am Chorrund, wo zwei solche mit der rohen Figur 
cinea ruhenden Löwen goschmOckt sind, und an der WcMfa^ade (Fig. 147). An 
der S Seite zwiechen Schiff und Chor erhebt sich der stattliche Qlockenthurm (Fig. 
148), an welchem dio unregeltnässige Disposition der usllichen Uogencompartimeute 
und der Sculpturachmuck an den Kapitalen und Rogenconsfilohen aufHllll. Hieitir 
sind meisteuB Alpenthiere gewählt: Ziegen- und Widderküpf«, Enten, die Halbfigur 
eines Hären und einmal, an dem Kampfer des zweitobersten Oeechüäseo an der S Seite, 
kommt auch die in diesen Gegenden gefürchlete Aspis vor. Im Chore befinden sich 
zwei tüobtigc Oelgeniälde von 17S2. Die hölzernen Rahmen sind laK Putti und 
virtuos geschnitzten Ranken geschmückt. Das eine dieser Uilder mit den Ghiffern 
3. A. P. V. C. 1732 stellt den hl. Ambrosius vor, wie er als himmlische Erschei- 
nung zu Pferd mit der dreiachwänzigen Peitaclie in der Schlacht von Parabiago 
erachien. Das andere, bez. S. C. A. B. 1732, B. Carlo Borromeo, der als Jugend* 
lieber Priester unter den Pestkranken erscheint. R. 1865, 1887. 

Riva San Vitale, Flecken und Kreisort am SO Ende de<« Lugaoeraeee, Beiirk 
Mendrieio. Gräberfunde {Lavijisari, Ksouraioni pag. 117) und eine 1885 bei der 
Pfarrkirche S. Vitale entdeckte Inschrift (.Anzeiger" 1886, S. 232 und Boll. VII, 160) 
bestfitigen, dass schon in rdmiecher Zeit eine Ansiedelung bestAoden hatte. Aus der 
altchriatlichcn Epoche atammt wohl das Iia}disierium (Fig. 149) (vgl. iMVÜJtari, Es- 
eursioni I. 117, .Anzeiger* 1882, S. 231 und Taf. XVIt. Derselbe Artikel über- 
setzt in .La Ricreazione, Periodico d'istruzione ed educazione degli allievi dell* istituto 
intemazionale Baragiola" Riva S. Vitale. Anno X, No. 7, 1886). Die Anlage bildet 
ein regelmässiges Achteck, das aussen quadratisch hintermaucrt ist. In den Sohrftg- 
Seiten aind halbrunde M. 4.3b hohe Kiscbon ausgespart, rechtwinkelige Nischen 
acheinen die Kreuzseiten belebt zu haben, doch sind Andeutungen hievon nur an 
der N und Seite zu erkennen. Die halbrunde Apais, welche aus der Letzteren 
Torsprtngt, hatte ich fUr eine romanische Zuthat. Uarflber ist an dem Uoohbau doe 
Kuppelraiimes ein kleine« Kreuzfenster geOfTnet. Die Mauern aind aus bmohrohen 
U^adern von Ittuglich reobleokiger Furn, die Wülbung^^n der Ntsohen und die 



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i 



Oft. M. 10.50 hohe 
Kupp«l, ein K-lo- 
ttergew Olbe , d essen 
obere« Drittel in 
ein glattes Kugel* 
segment übergeht, 
aiM regelmft»eigeD 
BackvteinlagäQ ge- 
fügt In der Kitte 
de« Aobtecka be- 
findet Btob die aus 

einem Monolithe 
gearbeitete Pitoin«. 
Der innere Duroh- 
meaeer diew« kreit- 
runden Baaaine fae* 
trigtH. 1,90, seine 
Tiefe 0,50, die Er- 
höhung Ober dem 

Funbodeo Ü,27. 
Daa Aeuasere iet 
eine kable Bruch- 

steincooitructioa, 
an« der noh die 

Achteckige Um- 

maaorung der Kup* 

pel mit einem Zelt- 

dscbe erhebt. Ein 

£ingftng von der' 

■ftdtiob aostouen- 

den Sakristei 

Fig. U9. Biptuierlum von Rl« Su VHal». echeint später an- 

gelegt worden zu sein. Die Westtbüro ist ruodbogig, darüber springen ausaen in 
der Höbe von oa. Bf. 4,S0 (Qnf Consolen vor. Sie schoinen aU Träger eines Vor- 
daches gedient zu haben und sind mit AkanthuBblättern geschmückt, die altebrist- 
lioben oder spätrömiBchen Charakter tragen. Das Aeussere der Apsts ist mit Leeenen 
gegliedert, die auf einem glatten Sockel anheben und über dem spateren Anbau durch 
Kleinbögen verbunden sein dürften, Daa Innere war mit Wayidgemiüden gescbmüokt, 
die aber bis auf wenige Reste zerstört oder maakirt aind. Einige derselben dflrffcen 
aus der altchriatlicben Epoche, andere aus der Wende des XIV. und XV. Jhdta. 
stammen (vgl. , Anzeiger' I. c. pag. 233 und «Mittheilungen der Antiquariiiohea 
Geaellschaft io Zarich" Bd. XXI, Heft 1, pag. 6, Note 1). Vor der Westfront« 
liegt ein geräumiger Hof, der S von der Pfarrkirche 8. Vitale, N und W von Wobn- 
gebfiuden begrenzt wird. Den W Absoblnss bildet die Casa VasaJü, wo die bereits 
erwähnte rümiscbe Inschrift gefunden wurde, lieber dem Durchgänge, der durch d«D 



Dördlicheo QebäudeflQget im Freie fObrt, vac bis 1885 ao der SlraBsen fronte ein 
rundbogigeB DoppclfoDster crbalteo. Die ThoilatQlze v&r ein Siulohen, deiMn Höhe 
eiDichliesalich de» frQbgoihiachen KnospenkapitüU und der Basis M. 0,80 betrug. 
Die Letztere bestand aus Plinthe uud zwei kantigen unmittelbar auf einander lie- 
genden Wülsten. R. 1685. 

2. Die neben dem Baptisterium befind- 
liche Pfarrkirche S. VitaU dürfte im XVII. 



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Jhdt. erbaut worden sein. Hiebt viel später 
datirt wob) das unter dem Hochaltar befind- 
liche Grabmal des l>cafo Ma ifredo, an dessen 
Stelle schon 1387 eine «aroha marmorea" 
bestand (Üoll. II, 23). 

8. Im Qarten dos Pfarrhauses ist das 
(Fig. 150) abgebildete Fragment eines Grab- 
steines aus weissem Marmor eingemauert. R. 
4. Jetitut« JBaragiola. Im Garten und 
dem Treibbause befinden sieh einige aus weia- 
Bom Marmor verfertigte Baufragmente, die 
angeblich aus dem ehemals am Fusse des 
Berges von Meride in der Ebene von Hen- 
drisio gelegenen Casieilo di Cantone hieher 
verbracht worden sind. Zwei Säulenbaoen haben die attische Form mit glatten 
Eckblättern, sechs korintbisirende S&ulonkapitäle halten die Mitte zwischen Gotbik 
und Kenussanoe, ein eiebentes, mit Löwennmskeu gesobuäokt, scheint frühgothtsoh 
zu sein. R. ISm 

AI Ronco. Tide Minusio. 

Ronco, Dorf im Bedretto-Tbal, Bezirk Leventina. Das dortige, mir unbekannte 
( Oraiorio will P. Angdico, Leponti pag. 38, aus dem VIII. Jahrhundert datiren. 



Fiff. ISO. Frsfinicni eme» Grabiteinas 
im Gsrltn de» prsrrhauiss von Riva S. Vitsis. 



Ros$üra, hoch oberhalb Faido auf der linken Tbalseite 
gelegenes Pfarrdorf, Bezirk Leventina. Pfarrkirche S. Jjoreiuo. 
Der kable Tburm mit den einfachen ungegliederten Rund- 
bogenfenstarn und die Kirche sind modern, Kin alter üeber- 
rest ist nur der W Theil der N Langseito des HchifTes, 
wo sich am Aeusseren das romanische (,, Anzeiger* 1887, Taf. 
XXV zu pag. 397 veröffeatliohtey^C'AmfopAorttöfriU erbalten bat. 

R. 1888. 

Rovio, Pfarrdorf oberhalb Maroggia, Kreis Ceresio, Be- 
tirk Lugano. Das NW vor dem Dorfe gelegene Kircbtein 
S. Vifjilw (Fig. 151—153) dürfte im XU. Jhdt.! errichtet 
worden sein. Die Oetiammttänge des Inneren betrfigt M. 12,88. 
Dem einschiffigen M. 9,93 I. : 4,97 br. Langbause* folgt, durch 
eine breite Gurte getrennt, die M. 3,95 weite Apsis. Breteres 
ist modern ausgemalt und mit otlenom Dacbgoslühle bedeckt 
Das Aeuseore zeigt eine Gliederung mit Lesonen und Kleiu- 
bögen, die am Ostende der sUdlioben Langwand, auf dem 



S.VIRGILIO 
t{ov\o 




151. 8. Vl0lll« 
t>«l Rovto. 



212 

Beete einer älteren und kleineren Kapelle nnhelit (Fig. ISS). Das Innere der Apsis 
U iet mit romanieclieD Wundgemaidai gOBchmückt (.Mittbeilungec der Antiquariichen 
Gesellaofaafi in Zürich", IM. XXI, Heft I, TaT. II zu pag. 8), die leider atark über- 
malt worden eind. Auf dem gelben Grunde der Halbkuppel, deren Fronte ein 
rierlicher Blattkranz begleitet, thront, von einer Handorla umgeben, der Heiland 
zwischen den Kmbleinen der FTangelisten. Gin Itl&andcr bildet die Baöa, onter 
welcher zwischen Aposteln die Madonna (ohne daa Knäblein) steht. Den Sooket 
schmückt eine weisse Draperie. ft. 187". 



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Fii/. 1&2. S. VIglllo bal Rovio. 

S. BJagio, vide Looarno. 

SL Gotihard. Auf der Höhe dee Paseea hatten noch im vorigen Jahrhundert 
die Fundamente eine« Thurmee, de« aog. »Lombardi«ohen Tburmee*, gestanden, der mit 
der Poatonkottc von Warten und Burgen im Livinenthale correspondirto (/f. Ji. Sehine, 
,Bettr&ge zur näheren Kenntniaa des SchweizerlaDdea", L Heft, Zürich 1763, pag. 171), 
Bighoio pag. 157 beschreibt denselben ala guna antica torre rottonda, aacor tutta 
Id piedi*. 

jg S. Maria di Torello, chcmaligea Augusliner-Chorherrt-n'Sttft am 'Wesiabhange 
de« Hunte Ärbostora oberhalb Figino, Bezirk Lugano. iS'iher dieses eioBaui und 
hoch romantisch gelegenen R15stercbeDS tat der Binchor von Como, ßuglielino L della 
Torre, gewesen (U.iltarim 123. Ttitti, Anna)! sacri di Como, Decade H, pag. !>Sü Uz 
I'eril. Uykälv, Italia »acr», Tom. V, Venetiis T720. pag, 298. rWrfc/Vi» Dizionario I, 187 
Er hatte Kirche und Kloster auf eigene Kosten erbauen lawen. Als Tag der Weihe 




Fig. 163- 8. Vigitio b«l Rovio, 

gibt Tiäti pag, 561 den 26. Octoberl217 an und zählt die Reliquien auf, mit denen 
der Bischof »eine Stiftung bedachte (I. e. pag 562). Nach Beinern 1226 erfolgten Htn- 
8chiede wurde er »nel cuezzo della sopradetta cbiesa di Torello in iiua tomba ordi- 
/ naria di piotre unite colla caloina* boigoaetiit ( 7'itUi 589 u. 590). Das Kirchlein (Kig. 154) 
ist ein romaniacher Bau. Dem einBchiHif^cn Langhause folgt ein kurzer riereoktger 
Cbor. Dat) ScbifT besteht aus zwei vun NVest uach Ost übereinander ansteigenden i 
Tbcilen, die gemeinsam mit einer Hacben Balkendiete bedeckt sind. Eine bis zur 





yig. 15.5 S. Maria di Torello. 

halben Höbe emporgeriihrte Querwand mit scbmalcr viereckiger ThQre trennt dieM 
beiden HÄlften. Sie trägt die höUerne Empört-, welche aich ober der W Abtheilung 
befindet und durch eine kleine R du d bogen tbure mit dem 8 anstosaenden Convent- 
flägel in Verbindung steht. Die 0-UäIfte ist mit einem gefalzten Rundbogen nacl» 
dem Chore geöffnet, über dem sich eine Rundtonne spannt. Dpr S Seite achliean 
«ich eine Kapelle mit halbrunder Apsis und einem achmalen W Yurraume an. Da 



215 

IjfttEter« rermittett den Anggang ins Freie. Flor und Kapelle sind durch Pforten 
mit dem östHcheD Theile des Schiffes verbuDdoD und mit rundbogigea Tonnen be- 
deekt Der viereckige Tburm ao der N-Seite des Chores sohliesst mit diesem in 
gemeiniamer OetHucbt ab. Das Innere der Kirche tat Bchmucklos, die einzigen 
Qtiederungen sind die wutstfSrmigen KämpfergesimBe des Chorbogens. Ancb die 
Westfa^ade (Fig. 155) j«t «iufach behHodoIt; die glatto aas Uruob»teinqu ädern er- 
riohtete Fronte enthält oben zwei gekuppelte Kundbogonfenstor, die Ton einer schlan- 
ken Mittelsäuk getragen und von einer Blende umBcblossen sind. Darunter öffnet 
eich die schmucke Pforte. Das Bogenfeld ist vrio einem "Wulate begleitet, den zwei 
aohlaiike mit Schaftringen unterbrochene Säulen aufnehmen, ihre eleganten Knoapen-| 
kapitale zeigen bereit« die entwickelten Formen des UebergaDgaatilee, die attischen 



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Fiif. ise. S. Maria dl ToraUs. 

Basen haben EckbUttcr. Die N-Seite des Schiffes ist mit drei schlanken Lesenen ge- 
gliedert, die am W-Bnde und in der Mitte in einem Zuge bis tu dem krönenden 
Rundbügenfriese aufsteigen. Dazwischen sind zwei fiboreinander botindliche Reihen 
von kleinen einfach gescbmiegten Rundbogenfenstern geöffnet. Der untere Theil des 
Tburmes ist ein kahler Bau von Bruohquadern. Dann folgt eine Olied«rung mit 
Eckpilaatern und einem aus Backsteinen construirten Rundbogenfriese, worauf die 
Qlockenstube, ein Ziegelbau, auf jeder Seite zwei gekuppelte Rundbogenfenater 
entbült, deren gefalzte Arcaden von einfachen Thoilsäulcben mit Btattkapitälen ge- 
tragen werden. Dio kahle Schlussfronte des Chores (Fig. 156) war mil zwei Rund- 
bogen fenatern geÖiFnet. Im Inneren und an der Weatironte sind rontantsche Wand- 
l gemälde erhalten (vgl. d. Nähere: «Mittheilungen der Antiquariacbon Oeselischaft in 
Zürich". Bd. XXI, lieft I, pag. 10 u. f. und Tafel III, Fig. 1), dort, in der W Ab- 
cheilung des Sohiffes, die ruh Qbermalte Darstellung dos Gekreuzigten, zwiaohen hLicü.., 



216 

Jobanaes und andere» Heiligen. Ad der Weetfacade bcßndet sich zur 1le«bten den 
I'ortaU das I. c. vorftffentlichto Christ ophorusbitd (vgl. dann a. a. O. pag. 13), gegen- 
(Lber umachliesut ein huhea Feld das Btldnlss dea bischöflichen Stifters; eine daneben 
gemalte MajuakelinHclirirt iSast sich nicht mehr entziffern, der Anfang lautet: EL'SCP. 

CVIIÄ'. PS Das Gemälde in Hern RogenfeMo dea Portale«, ohne Zweifel von 

d«r«elbeD Hand «erfertigt, welche das Cbristophorusbild malte, «teilt die Knie6gur 
der Madonna mit dem Kinde zwischen einem ht. Bischof tu ihrer Kochten ond einem 
jngendltchen Apostel (.Johannes Et,?) tnr Linken vor. Die Conoerägehäude (Fig. 157), 



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Fiff. 157. 3. Maria dl Torello (N. Cnvila). 

die mit zwei FlQgeln den an der Sddaeite des Kirohleina gelegenen Hof begrense 
sind moderniairt Nur im zweiten Stocke de« Weetflügcla haben sich an der Auase 
aeite zwei romaniache Fenstergruppen erhalten. Sie hetitehen aus iingeglieder 
rnndbogigen Doppelarcaden, die von einer schlanken Uittelsuute getragen werd 
Knauf und Hasis haben die Form von WGrfelkapitnIcn, ihre glatten Wangen sind voi 
einem Falze begleitet. R. 

Scona. Weiler bei Olivone, Berirk Blonio. ürts Kirchlein S. Col«mf*ano 
für eines der älteeteii UotleBhäueer des 'l'halos ausgegeben, scheint aber ein poathu 



/ 



I romaniachei Ocbfinde eh sein, das aaa einem kahlen oinsdiiffigon Laoghause uad 
einem viereckigeu Chore beuteht. An der S-Seite de» ScliifTeEi erbebt sich der eben- 
falls kahle Thurni, der zu oberst auf jeder Seite zwei gekuppelte Rundbogenfenster 
enthält. Die einfaohen Theiisilutchen haben keine Kapit&le. NB. Das Innere der 
Kirche wurde nioht besichtigt. Ji. 1887. 

Segne. Koch oberhalb aiornico an dur linken Thnlseite gelegenes DGrfchen, 
Bezirk Leventina. Das N Ausserhalb des Dorfes hoch und einsam gelegene Kirch* 
leiD S. Ämbrogio (Fig. 158, AnHicht von der Ostneite. ZQroher Tasohenbuah 1887, 
pBg. 21*) wird Ton Highnlo Idfi und P. Angdico^ i lioponti T, 88 und 267 zu den 

älteaten Oottei?liauyern des Thuleb 
gexählt. Die Form der Anlage und 
die sparsamen Details tragen ronia> 
nisohen Charakter. Dem einschif- 
figea Lnnghause , dessen N- Wand 
sich westwArts stumpfwinkelig aus- 
biegt, HchliesHt sich, eine Stufe hfiher 
gelegen, die 4 M. weite halbrunde 
Apsis an. Diese, nur wenig nie- 
driger als das Langhaus, iat mit 
einer llalbkuppcl, das Schifi M. 14.8A 
lang, im O M. 4,85 und W i,6ö 
breit, mit einer flaohen Balkendielu 
bedeckt. Die Fenster sind modern, 
daa Innere und Aeussore kahl. Im 
Ohoro will /■*. Angdico pag. 267 
Wamlgemäldc gesehen haben: «por* 
lanti alcune rozze letlere gotiohe, 
che serobrHno indicare il 1281". 
Die noch vorhandenen gothisirenden 
Malereion i^lammen auk dem Anfang 
des XVI. JhdtH. In der blauen 
Conohe umschlieest eine Mandorla 
mit gelbem Grunde die Gestalt des 
Heilandes, der auf dem Regenbogen 
thront. Zu Seiten sind die Embleme 
dur Evangelisten gemalt mit Spruch- 




Fiff- i68. S. Ämbrogio bei S«gno. 



bindern, deren Minuakelinsohrifton unleserlich geworden Kind. Darunter erscheinen auf 
blauem, grün umralimton Gründe der Crucilixua zwischen Maria und einer hl. Frau 
zur Linken, Johannes, 3. Katharina und einer weiblichen Heiligen ohne Attribute 
rechts; tu äusserst S. Michael in ähnlicher Auffassung, wie an der südlichen Aussen- 
wand des Schiffes. Rechts vor der Apsis umsobliesst ein viereckiges Feld auf blauem 
Grunde die Madonna und die gleichfalls thronende Gestalt des h). Bischofs Ambrosiua, 
der in der Linken daa Pedum, in der Rechten die dreischwänzige Peitsche h£lt 
Ausgoaprochra spätgotbi sehen Charakter tragen dagegen aus dem XY. Jhdt »tam- 
mende Malereien au der siidlichea Ausauiaeite des äohifles. Am Ostend« auuvkraA-x. 



218 



eine bunte ro«aiatenhon}arc ein blaae« Feld mit dem in seinen aateren Theilen wralfir- 
ten Bilde den bl. ChriBtophorus. Der Kiese mit gelbem Bart and Haaren steht en-fiM«^ 
Ceber dem rotben um die Tailte gegürteten Rocke trigl er einen braunen mit 
geibeo und bUaen Boaettea gemusterten Mantel. 3fit beiden Händen ball «r den 
gelben Stab, deasen grfine Blattkrone rotbe Beeren trägt. Auf der Uaken Sefaattar 
•ittt ritiliogs, mit rothem Hock und blauem, gelb gefüttertem Mantel bekleidet, daa 
Ghristuaknäblein, da* eich an dem Schöpfe de« Rieaen hält. £a folgt auf gr&nea 
Onuide der ritterliche S. Michael ; sein jugendliches Haapt umgiebt ein Knun, Anae 
und Beine aind gehamiacht, der grQne Lendner mit einem durchgehenden rotben 
Kreuze beaetzt. In der Rechten hält der Erzengel einen Kreuzatab, in der Linken 
die Seelenwaage (die Schaate mit der Seele des Guten iat seratört]. Daa dritte 
Feld ijit hellgelb und von einer Coiimatenbordüre umrahmt. Et zeigt den CracifixM 
swiachen Maria, Juhannea, ä. Petrus unil einem Mönche in veiaaem Habit Zveä 
Engelchen, die zu Seiten des Gekreuzigten achweben, faascn das aas der Brnatwunde 
und den Händen tUeaa«nde Blut tn Kelche auf. Die Fronte der AUarstajfd im 
Cbore iat mit einem schwarz auf der Maturfarbe des Holzes gemalten Intarsiaoma- 
meute in gutem FrübreuaiMaoceslile bemall. Auf der oberen Kante steht die In* 
achrifi: FRIMVM . QVEKITE . REGNVM . DEI . ET.IVSTICIAM . EIVS. ADICES- 
TVB. VOBIS . MATEI.8EST0 4-VI 1577. ALI. 18 DE . IVONO . ESTA . FATO . 

QVBäTO AJo^ ß+ Vor dem Cbore steht Tereinzelt der niedrige Tharm. Ueber 

der riereckigen Pforte an der Westseite beBodet sich ein leeres hatbrandea ßogea- 
feld. Darüber folgen auf jeder Seite ein einfaches und zuletzt zwei Rundbogenreiuter 
die anf einer viereckigen TbeiUtütze ohne Kapital gekuppelte sind. H. 1885, 1888. 

Semione. Pfarrdorf, Kreis Xalvaglia, Bezirk Blenio. 

1. Neben der S-Seite der 1733 datirlen ffarrkirchr erbebt steh, getrennt toi 
derselben, der aohlanke Tborm. Der untere Theil deMelben iat ein romaniscbet 
Barn. Ueber dem kahlen Erdgeschosse folgen drei mit Ecklesenen und je drei Klein* 
bSgen gegliederte Etagen, deren oberste auf jeder Seite zwei gekuppelte, jetat 
vermauerte ßuodbogenfenster enthält. Ueber den Kleinbögea zieht sich jedesnwl 
ein offener Fries von schräg gegeneinander gestellten Ziegeln hin. Zwei folgende 
Etagen mit grossen Flachbogenfensiern, die wieder ron Eckleaenen und Kteinb&gen 
umrabml werden, sind ohne Zweifel zur Zeit des Kircheubauea errichtet worden. R. 

2. SOdlicb neben der Pfarrkirche steht die FriaHwfkojreÜe, ein Doppelban 
von xwei liefern, durch eine Scheidewand getrennten, Kammern von H. 3,80 L. : 2,60 
Br., die üsllicb in gleicher Flucht geradlinig abschlieasen ond mit M. 2,47 hoben 
Rundtoimen Qberwütbi sind. Ein gemeinsamer Giebel deckt dicaclben. Die aädlielie 
Abtheilung seheint ein späterer Bau zu sein, während die nördliche ihren Schtnuek 
mit Bpätgothiacben Wand- und Getrölbemalereien bewahrt bat, deren Stil im Weaen^ 
liehen an diejenigen in der Kapelle bei Lottigna erinnert. Sftmmttiche Darstellungen 
sind auf blauem Grunde von einem weissen Kalimen umscbtoBsen, den ein achwaraei 
Ornament von patronirlen Haaa&werken scbmtickt. Die Öatlicbe Schlosawand enthält 
drei Bilder. In der Mitte ecscfaeint der Gekreuzigte zwischen den fratzenfaafhtn 

talten Maria und dea Evangelisten Johannes. Zo Seiten des Letzteren steht der 
äufer mit der Minuskeüjuichnfc ,6006 agnua dei ecce qui tullit |>»c;oata ntüdi*: 





219 



gegenQber der hl Eremit Antonius. Der Setliche Abschnitt dee Oewfilbea leigt In 
zwei nebeneinander geordnetea Feldern die Oeetnlten der Kirohcnvärcr, »ie »itzen 
hinter Tischen, von gie bei förmigen Thronen QberragL 8. Gregor schneidet die Feder; 
eine Rolle auf dem Tischt? enthält die HinuHkelinsohrirt «Donicientia est specaloin 
lucidum*. Neben ihm schreibt S. Hierooymus .quid turpius ebrjoxo cui fetor est 
in ore.* Oegeuülier prüft neben dem sobretbeoden Bischof AuguatiiitiB (die Hetachrift 
unleBerlicfa) S. AmbroHiUA die Feder; von dem Tische h&ngt die dreischwäniige Peilsebe 
herab. Die Deisohrift lautet .oonfessio a morte liberat paradixum aperit.* Die beiden 
weHtliohen Drilteltheile der Tonne nimmt eine grosse regenbogenfarbige Mandorla 
ein, in welcher der thronende Heiland, mit gelber Tuntca und eint^m rolLen, grün 
gßfüttertoD Mantel bekleidet, den Segen spendet und die Linke auf ein offenes 
Buch mit der Inschrift ^ego sum lux mudi via veritas et vita" stützt. In den Zwickeln 
«iiid die Embleme der Gvaogetieten aO)!el>racht mit IJandrolleo. welche die folgenden 
Inschriften aufweiäcn: ,munere clamons marcus fit inmago leonis". „Est homo 

matre dcas gcnus indicat ecoe mateus* — .tenipla lucaa curat Titnl«m pingcndo 
I figura* — ffVolat »las a((uila volat aatra iohannes". Die ganze Länge der Nordwand 
nimmt die Darstellung der anbetondou Könige ein. Hechts in einem Verschlage, 
( hinter welchem Ochs und Esel hervorlugeo, aittt auf einem Schemel der Nährvater 
} Joseph (ohne Nimbus), er trocknet die Windeln an dem Fouer, Über welchem ein 
/ Kessel hängt. Vor dem Verschlage thront die Madonna mit dorn nackten Knablein 
auf dem Scbooese, dem der greise Künig kniend einen Deokelkelch überreicht. 
Hinter ihm halten die beiden anderen Monarcben zu Pferd; ein Page bätt das ledige 
Rosa des Dritten. An der gegenüber befindlichen Langwand sind von beHondereo 
Feldern die stehenden Oeaiulleu der hl. Chricitophorua, Lugutionua (vgl. ^Zürcher 
Taaohenbuoh* 1887, pag. 33 n. f.), Sebasdaniia , Margaretha, S. Mamette und 
S. Dominica umrahmt. li. 16d5, 1889. 

Serravalte, auob Coenigo genannt, Scfitogsrvine bei Semione, Kreis Makaglia, 
Bezirk Hlenio. Nach gefl. Miltheilung dee Herrn Emiiio Motia wird de« äcfalusses 
zum ersten Male in einer 1221 datirten Streitschrift (Pergament-Urkunde im Archiv 
Mailand, Metropolitana, Capitolo Haggiore) gedacht, welche berichtet, dass Uarbaro^tia 
auf einem Zuge über den Lukmanier aich daselbst aufgebalten habe. Eine zweite 
ebenda befindliche Urkunde, welche des Schlosses gedenkt, ist laut Mittbcilung de»- 
»elben rem 21. Januar 1332 datirt. Unter Lucohino Visconti ft 1349) war das 
Bleniotbal sammt SerravaUt; in den Besitz der Visconti gelaugt, die mit dem»elbea 
die Fepoli von Bologna belehnten {Lavieeari, Escursioni 472). 1371 und lö72 werden 
Castellane der Pepoli auf Serravalle erwähnt (Boll. XII pag. 103 Nr. XVI u. XVII 
pag. 234 Nr. XXIV.). 14U0 Nov. 4. diotirte Taddeo de' Pepoli sein Testament im 
Schlosse Seravalle (Motla), dessen Lehen ein gleichnamiger I^scbfolger (Y) um 14. 
Hai 1450 dem Santo Dentivoglio in Dotogo« abtrat {LavUtari 479. Franscini, La 
Svinzera italiana II 161. Higholo 134). 1500 gelangte Serravalle sammt dem Blcnio- 
thale an die Stände Uri, Scbvyx und beide Unterwaiden {Franscini I. c. 162), deren 
Vögte übrigena, wie ihre Vorgänger, die Mailändischen Commiss&re nicht in Serra- 
valle, sondern in Lottigna und alle Rongie in MalTagtia rosidirten. Ueber die Er- 
bauung dee Schlosses (gute Ansicht bei Bertoni , Les esux thermale« d'AquaroMa, 
Dongio. üelUnxuua 1884 pag 8) »iud keine Kaebrichteu bekannt; doch düifiaa "Üa 



noch Torbaodeoen Tbeite kurz ror dem XTV. .Tabrhnndert eotetaaden lein N&nlUah 
in geringer Kntfernuag von Scmione steigt zwJMhen dem Brenno und dem recbt»> 
eeitigen Uerghaage ein sclimules von N nach S lang gfwtreoktes Plateau aus der 
Niederung empor. Seine ganze Hochfläche scheint die umfangreiche, featungsartige 
Anlage eingeaommen zu haben. Den N Abschinas des Plateaus bildet ein Quer- 
tubel, vor welchem die N Hälfte der W Flanke siob ebenfalls felsig absenkt, sonst 
dacht sich die HSbe mit massigem Oefälle ab. Der alte Zugang, den eine gerade 
Linie Ton Rastanienbäumen bezeichnet, acheint dem Fusae der W Flank« entlang 
zu der Nordwest-Ecke des Flaleaaa empor geführt zu haben. Die eincigeo Mauerreate 
sind hier die nahe an der N-O-Ecke betindlicheDPundanieDte eines Rundtburme«. Dalua- 
ter liegt die rechtwinkelig gebruchono Quermauer von welcher die O und W Flanke des 
Beringes ausgehen und das Plateau mit drei massigen SlafTeln nach S abfallt. DerW 
Mauemg, eine saubere CoostruclioQ von Bruoh^uadern ist stelleDwelee in einer Hübe von 



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Fif. tS9. SohloMniln« von 3«rrsvsll*. 

mehr als 30 Kues erhalten und mit einem halbrund rorAp ringenden Thurme bewehrt. 
(Pig. 159). Die Flanke bildet eine gerade ianie bis su dem Fusse der antaa 



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Staffel, wo sie mit einem zerfallenen Thorbatise recbtvinkelig aosbie^. Darob das 
Letztere führte eine Rampe tod der iiotersteD xu der mittleren Staffel empor, auf 
welcber fast in der Mitte zwei gemauerte Kundpfeiter steben. Ao der UstflaDke der 
UDteratea Terra«»« BtebeD die Reste eioea viereckigen Qeb&udes, gegenöber am W 
'Hauerzuge die SchloKskajidte ^ vermutblicb die zweimal in Urkunden ron 1371 
erwAhate .ecclosia lita extra et propc caatrurn aarrevalliB' (Boll. XII, lOS, Nr. XVI 
u. XVU). Diesea kleine malerische Gotteshau», deaeen Chor eine bemerken« wert he 
1587 datirte ßilderfolge scbmöckt (vergl. die auafObrItcbe Beschreibuug derselben 
im Repartorium für Kunstwisaennehaft XII, pag. 124 u. f.) ist vermutblich um Jene 
Zeit zu ihrem gegen wurtigeii Bestände umgebaut worden. Is'ur die Zugangsfroote 
und der anstossende Theil der O Langwand rubren Ton einer älteren Anlage her. Hier 
scheint ein am Aeusseren gemaltes Dild des hl. Christopboru», der vorwärts stürmend 
einen Palmzwoig hält, aus dem Anfange des XYI. Jahrhundorts zu Btammen. Die 
WandgcmeiUie dagegen, welche aussen und innen die Zugangsfronte schmücken, 
mögen ein Jahrhundert früher entstanden sein. Draussen umscbliesat ein viereckige« 
Feld Ober der Thäre die Gestalt der Justitia. Die fast lebcnagroase Figur erscheint 
in strenger Vorderansicht auf rothem Grunde. Den grottesken Kopf umwallt ein 
kurxes Blondhaar. Sie ist mit einem blauen, unt«r der Brust knapp anliegenden 
Gewände bekleidet. Die Rechte hält ein aufrechte« Schwert, die Linke eine Waage. 
Zu FüHen der Krau sind zur Linken Block und Henkerbeil gemalt. 
Die Innenseite derselben Hauer sohmCeken vier gleichzeitige Bilder 
rohe Malereien mit scbweren »obwarzen Umrissen und weiasen derb 
aufgetragenen Lichtern. Kotbe Streifen umrahmen die vicreckigon 
Compartimento, deren oberer Theil die Balkendiole des Scbiffcs verdeckt. 
In dem mittleren Felde umschlieest eine Mandorla die Gestalt des thro- 
nenden Hollandes. Der blaue Mantel lässt die Brust entbl^iast. Die Linke weist auf 
die Umstwunde, die Hechte scheint eine Ruthe eu haiton. Zur Linken steht, in 
einen blauen Sohleiermantel gehüllt, die Madonna, rechts kniet der Täufer Johannes. 
Er trügt ein ärmelloses Pelzgcwand und hält mit beiden Hinden einen Teller empor, 
auf dem sein abgeschlagenes Haupt liegt (Jobannes selber hat gleichwohl ein Haupt), 
lieber ihm schwebt zu Seilen Christi ein Engel mit einem gelben Kreuze. In dem 
Felde zur Linken sitzt der kleine Cbristnsknabe, mit einem weissen Hemdeben an* 
getban, umgeben von den Schriftgelebrten auf einem Throne. Zur Rechten folgen 
zwei Felder; in dem ersten stehen zwei weltlich gekleidete Männer nach linka 
gewandt, wo zwei nicht mehr erkennbare Gestalten knieen; in dem folgenden Felde 
schreiten drei weltlich gekleidete Greise unter einer rundbogigen Säulenhalle naoh 
rechts, der vordere bält ein L&mmehen (Darstellung Christi oder de« hl. Johannes 
im Tempel P). R. 1867. 

Sessa, Hauptort des Luganesisohen Kreise« gl. K. Kirche S. Martina. Inrentar 
der dazu gehörigen Kapelle S. Oraola von 1494. Boll. XHI 1891, pag. 186. 

jh Sonvlco, Kroiftort und Pfarrgemeinde im Bezirk Lugano. Einer Curtis Sumoriti 
wird schon in einer 724 datirton Schenkungsurkunde des Longobarden Kiinigs Luit- 
prond an C. Carpoforo in Como gedacht. (Urkundon-Reg. Kr. 7. Tniii I, pag. 944). 
Im späteren Ulltelalter war d«r Boigo befMtigt, reigl. uuton äolilo««. 



222 



1. Die Anx. If)73, pag. 4^6 enrftfaate PfarrkircMe S. JoktmmeB Baptisia <B«I. 
I, 113) «mrde Uui In*chrift über dem SOdportale im Jahr« 1597 erbaut; der Obor 

I nil aeneo tSehtigen Wandgemälden (Kopertoriam f. Kunttwiseenschaft XII, 126 n.C) 
dGHIe Doob ipiter, etwa eq Ende de« XVI. JabrbunderU errichtet worden 
An der 8 Seto de* ScbiOea eine mit offener Baikendecke bedeckte 
I Der Thorm, oln* Zweifel gleielneit^ mh dem 1 angliaMii erriebtet, ist ein 
\ ronuaiedier Bau. JL 

2. Das hoch oberhalb S. im Kastnnienfrfin g^egene Eirchlein 5. JfarftiM n 
Pinnogro (Bell. L, 113) gilt näebst den benaehbarten Kirchen SS. Pietro e Psolo bei 
8ureggio aod 83 Matteo e Manrizio bei Cagiallo för d«a Älteete Ootteebsiu d« 

■HinUe. üanetbe ist ein romaniBcber iJan, der Tielteich( noob atu dem XU. Jahrfannden 
'atasiint. Er heit^ht aua einem oioBchiflTi^en m 11.20 1. : 4,65 br. Lang'hnaaaf 6am 
■ich eine lo 3.65 weite balbruad« Apsis aiL»cbtiewt Das Schiff ist mit ofl fa n w 
JJelkenwerke bedeckt. Das Äeussere der Apsia, in deren Uitte sich ein ^aaehmiegtes 
Rondbogenfensterchen öffnet, ist mit Lesenen und Kleinbögen gegliedert. Der taolirt tih 
beo der NU Ecke dea Schiffes sielieudo Tburm enthalt in deo beiden obersten GesehoaKo 
gekoppelte Rnndliogenfenater zwischen Kckleseoco und Kondbogenrneaen. Dil 
«tofachen Theils&alcheo haben keine Basen und Kapit&le. Zur Linken des Portal« 
an der S Langeeile de« SchiffiBs ist ein rohes ChristophortithÜd gemalt B. 1870. 
Von dem ScftlMSf ^Rocea' meldet BaUarxni 302, daia dawalba 14fr 7 auf Be- 
fehl des LudoTiea Sforza erbaut worden »eL Eine Veste moaste aber schon Crftbar 
vbastsoden haben, denn am 16. Sept. 1416 wurde dem Loterio Rusca tou Fifi{^ 
Varia Visconti tanschwets« nebst anderen Besitzungen das Caatrani SomTiot äber- 
geben (Memorie Kusca pag. 39. Qenealogia Ter. V). 1467 waren die Inhaber der 
.fortezu* — «focca** die Sanoeverini, deren Haonsohaften eich naob dem Falle tou 
.Jjttgaoo dortbin turQckzogen (E. Mottu, i ßanseverini II, 43 u. 60). In de 
I J^ahre aber wurde die Feelung den Abgesandten der Sforza übergeben (L c. pn^. 
1600, Februar wurde das Castell Tergeblioh von den Ohibellinen von Ln^no be- 
lagert {Nicolo Lagfa^ Crooaca Luganose, in Periodico della societä storioa Comi 
Tel. n faao. 2. ISSl, pag. 34). 1517 Juni 8, wird constatirt, dase das So 
Somviz zerst&rt worden sei (Eidgen. Abechiede HI 2, pag. 1060). Die unmittelbar 
N Ober dem Borgo gelegene Burgstelle ist ein tob W uaeh O langgestreoktea Pts- 
tean von oa. 30 m Hr. : 60 m L., das auf allen vier Seiten ~ am geringäten nach H - 
abAUlt Der Rand des Plateaus ist tbeilweise noch Jetst von einer Hruebsteinnianet I 
eingefaait. Beste derselben sind vorbanden an der HO Ecke, in ganzer Ausdehnung ' 
der W Schmalseite and tbeilweise an der 3 Langseite. Ton der Miuc des 
Hauersugea springt rechtwinkelig in den Bering eine ziemlich lange Scheid 
Tor. Am Fusse des N Randes liegt ungefähr in halber H&he des Hurghiigeb 
kleines Oebäude. Dasselbe ist mit einer Rundtonne bedeckt und enthält die Quell«. 
Von der O Ma.uer, wo tiefer hinter der Madonnakapelle der Rest eine« viereekigea 
Thurtnes in ein Wohnhaua verbaut int, ging in S Richtung die Ummaueratig d« 
Borgo aas. Diese Mauer, Tor welcher ein bei der Madonnakapelle gelegener Aoker 
noch heute den Namen nCampo de^SoIdati* FQbrt, ist in mehrfach gebrochenem N3 
Znge bis zQ dem Fusse des Borgo su verfolgen, wo die mehr ali 1 tfeter hebae 
Fundamente eines nach innen geöfineten Uundthurmes stehen. AuiEallend ist hiar, 





333 



wie beim ScMome, die geringe, nur ni 0,4K betrftgeade UftiwraUrke. Von diewni 
Rundthurme biegt rechtwinkelig die S Froste der ßorgo-Hau«r ab, die «ich in be- 
trftohdiober L&nge Terfolgea läset. Uor S vorliegende Acker wird «Cainpo dellaForta' 
genannt. Von dem W Ende dieser Mauer biegt rechtwinkelig ein Zug nach S ab. 
Eine sticbbogigo Potorn« in dcmselbeo ist wabrscUeiolicb alt. Ein gröeseret Thor 
hatte bis ror etwa acht Jahren bei der Uauptkirobe Ü. Giovanni gestünden. H. 1890. 
^ Stalvedro. In der engen Btahedroschlucht unterhalb Airolo steigt am rechten 

Tewinufer ein scbmalor Felariegel von O nach W empor. Auf der Höbe, die jäh 
nach dem Flosse abfällt, atehen die Trümmor einer Iturg^ Ton welcher ältere bokal- 
historiker {Riyhola Ü\i u. 165. Leponti 29) wissen wollten, dass sie um 774 tod dem 
Longobardenkönige Oeäidorius erbaut worden »ei. Im Volksmunde wird sie ,1a cie' 
di Pajei" (easa dei Pagani) genannt (Boll. VIl, IS4 262; YTII, 117. Ans. 1886 
8. 263). Ein etwa S Meter hoher gebrochener Tburra nimmt den höchsten Oipfel 
im Westen ein. Er ist, angeblich wie derjenige in Hospentbat, ohne M5rtel aus Q»« 
schieben und Brocken errichtet. Sein Orundritts i«t ein Trapez, dessen westlicher Ab- 
acbluss aus einem tiaohen KreiHsegmente besteht. Üben ist dieae Krönte mit zwei grossen 
Rnnd bogen fenatern durchbrochen und mit der Nordseite, an deren Fusa sieb ein 
weiter llalbkreiabogeu öffnet, auffallenderweise nicht bAudig. Kaohgrabungen, die 
lb85 Tun dem Ingenieur Giuseppe Vanzini in Airolo vorgenommen wurden, (Boll. 
VII, 262) haben das Innere des Thurmes bis auf eine Tiefe von 2 m unter dem 
äusseren Boden bloasgotogt. Am Kusse der O Mauer treten die Fundameute mit 
einem Vorsprunge von m 1,25 zu Tage, wAhrend die Dicke des W Sogmonte« sich 
in dreifacher Abstufung von 3 m Baai» bis auf die geriuge Stärke des Fenster* 
geachoBses von nur 1 m redueiri Reste anderen Gemäuers treten an versobiedenen 
■Stellen in der Umgebung des Thurmes zu Tage. Zwei Mauenchenkel, die in un- 
mittelbarem Zusammenhange mit dems^elben stehen, deuten darauf hin, daas er die 
3W Spitze eines dreieckigen Mauerzuges gebildet habe. R. 1885. 

Sureggio, Ortschaft in der Gemeinde Lugaggia. Kreis Teaserete, Bez. Lugano. 
Die kleine Kirche .S.S. Pieirn e Pwiio wird mit ü. Martinu in Pianozzo bei Sunvico 
und 88. Matteo e Maurizio in Oagiallo fär das älteste Gotteshaus des Thaies aus- 
gegeben. Das einschifiige Langhaus (m 8,48 1 r 4,88 br.) ist mit einem offenen 
Oiebeldache bedeckt. Aus der Mitte beider Langseiten springt ein viereckiger Wand- 
pfeiler mit modernem Gesimse vor. Beide sind durch eine korbbogige Quergurte 
mit giebeEfdrmiger Uebermauerung verbunden. An der O Seite des Schiffes öffnet sich 
ein Kundbogen nach dem viereckigen m 2,70 tiefen und 8,70 breiten Chore, er ist 
eine 8tufe böber gelegen und mit einer rundbogigen Tonne bedeckt. Die N Seite 
des Sohiffea bat keine Fenster, diejenigen an der S Seite und im Chore sind mo- 
dara. Tor der W Fronte erhebt sich xur Hechten des Eingangs der Tburm, ein 
schlanker Brucbsteinbau mit niedrigem Zeltdaohc. Das Erdgeschoss ist kahl, die 
folgondßn Etagen sind mit Eoklesenon und Kleinbögen gegliedert, in denen sloh 
erat einfache Soblitxe und sodann, in den beiden obersten Geschossen, paarweite 
gekuppelte Uundbogenfenster mit schlanken Theilstfitzen ohne Kapitale öffiien. 

li. 1885. 
< Tesserete, Pfarrdorf und Hauptort dee gleichnamigen Kreisoa im Capriasca- 
Tbale, Bezirk Lugano. Die Pßrrkirchc S. Steftmo (Figur 160) besteht aus drei In 





sehen Stil, die 
beiden ober«D 
Qe«ch(Mse und 
wahracheinlidi 
erst im XV. 
Jahrb. orriolH 

let worden. 
Jener bestebl 
eiuAchlieesIiofa 

des Erdge< 
ecboeses aus 6 
Bugen. Die 
mitBoklesenen 
n. Rleinbögt-Q 
gegliedert find 

Ueber die 
Letzteren sieht 

sieb in der 
Breite der Le- 
senencompar- 

timcDte ein 
Bollfriea hin. 

Die hoben, 

paarweise ga^^ 

kuppelten 

Rondbogeo- 
Ftff. HO Phr»*i«h# 8. »»#!■(» In TeMerete. feratereind »- 

faM and von dnfachen TheilsäulcheD ^etra^on. die keine BUsgeEprocbenen Kapitale 
haben. Im XV. Jalirh. fand der Bau des einschifTigen Lftughauses etatt, wob«i der 
Thurm in die MJtt^ des W Joehe« hineingezogen worde (Fig. 161). Daaeelbe iM 
m 21,60 lang; die Breife von Wand zu Wand beträgt m 15.27 und zwischen den Vop. 
lagen gotnessRn m 11,62. Zu beiden Seiten des Schifles treten in kurzen Abstfinden 
drei krSftige Halbpfeiler herror (Fig. 162) ; sie sind 4 m hoch, mit acbinucktoeeD Kehl- 
gesimsen bedeckt und durch breite Spitzbogen verbunden, wodurch zwei ßeihen ron 
Wasdniieben entstehen, zwischen denen die Queri^urten dio'tonnonfSrmig überhfihien 
und rippenloeen BpittbogengewÖtbe des ScbifTe? aurnehmcn. Die Nordaeite, die durch 
sebrfig ansteigende Streben verstärkt ist^ bat keine Fenster, die der S Seite eind 
modern. Eine VerticalgliederuDg fehlt, der einzige Anssennchmuck der beides Lang- 
seifen besteht aus einem Rundbogenfriese, der an den Ecken todtlauft. An der 
Kitte der 8 Wand befindet sich eine vermanerte Tbflre mit einem leeren h&lbniDdea 



2ä5 

BogoDfeld. Zwei gfleiohe I^forten öffnen sich za Seiten de« Tburmea na der West- 
fronte. Die eine zur Rechten hat den 3«hmnck des Ifegenfeldea mit einem »pät* 
/gotbischen Wandyemiüde bewahrt (Fig. 163). Es stellt auf blauem, grfln nmrahmtem 
Grunde die Ualbfigur der Madonna mit dem Kinde vor, and zu Seiten der Handorla 
xwei Engelcben, welobe Weihrauch spenden. Zwei Spruchbänder darunter waren 



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Fiff. 161. 8. Stefano in Ttturata. 

mit vierzeiligen tfinuskelin Schriften verseben. An dem TbQraturze ist das Datum 
1446 gemeisselt. Neben diesem Portale nimmt auf blauem Qruodc ein gotbiscbes 
ChristophorusbUä die ganze HObe der Fa^ade ein. Der Heilige trägt einen kurzen 
rothen Rock, der mit gelben Blumen gemustert ist. Auf der linken Schulter sitit 
rittlings mit rothem Rock und rothem, gelb gcfQttertem Mantel aogethan das Christus- 
kBibleln, da« sieh an dem Schöpfe des Kiesen halt. Ein dreieclügea Feld da« ö);»«. 



33fl 



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dfesem Bitde den Rest der Fronte ftUt. 

t«t auf WeiM mit rothen Uttukeu und gel- 
ben Frachten g«fichioflckl. //. 

Torre, Pfarrdorf und H4uptort des 

Uezirkes Bletiiu. Vfarrk'trrhe. An der N 

Seite dra modernen Langhauses steht dor 

romaniMlie Thurtn, ein viereckiger Bau 

TOD schlolähnticlier Schlankheit. Er ii^t 

einschtiesslicli des Erdgeschaviei sechs 

Stückwerke hoch, die tuu Eckleaenen und 

KleinbSgen umrahmt werden. Ueber den 

Letzteren folgt ein Rollfries. Die unteren 

Qeechusse sind mit einraoheo, die obersten 

mit paarweise gekuppelten Kundbogen- 

fenstern rerseiicn, Abbildung bei Hahn, 

,Get>eh. d. bild. KOtiate L d. Schweiz^- 

S. 252. Im Pfarrhattse befindet sieb eine 

angeblich aus der Kirche B. Salvatere 

stammende Fax. Die Vorderseite des 

böixemen Täfelcbeni) (Fig. 164) i«t mit 

ifoni Bilde des Goce homo geuhrnOokt, 
•der in der Tumba atobt. Der Btil diciea ^'f '«^ *• St«f«to In Tmereta. 

Oernftlde» weist auf den Anfang dea XVI. Jahrhunderts. R. 1875. 

Tremona, i'farrdorf, Kreis Riva, Bezirk JiTendriHio. Die auf einer AnhÖhn flbei 

dem Tbale ron Mendriiio gelegene Kuitdle S. Agala besteht aus einem karzen oift< 

Hchitligeu Langhause und einem viereckigen Cbore. Der Letztere, Ober dem sieh 

eine rundbogige Tonne wölbt, scheint nachträgliob erbaut worden tu sein, wogegen 

das fensterlose Langbaus mit dem offenen Daobgeetähle noch Ue«te gotbiacher 

Wandtimtereicn weist. Ü. 1680. 

Varenzo. Zwischen Quinto und Rodi>Piesso, Dez. lioventina. In der Mähr 

dieees Weilers soll nach Wghoio p. 165 «in 

kleiner Thurm gestanden haben, der au der 

Postenkette de* Gotthardpaases gehörte. 

VcrgL auch R. Sdtins, Bettr. zur oaliern 

KenntnisB des Bchwei zerlandet I. !Urioh 

1783, p. 171 u. Leponti p: 70. 

.^ I Verseio-Pedemonte, Pfarrdorf bei Ponti 

_J iBrolla, Bezirk [iocarno. Die 

l*farrlärche S. Fedele, ein 

staltticherZopft^au, wurde laotj 

Seiner innen über dem Ilaupt- 
portale gemalten lusohrifti 
1776 geweiht. Der Chor liegt ^ix — >..^ 
im ^'o^den, während die alte yi,j }64 
Kirobe rituell oriootirt war. Pak la Tom, 



•mcaöa Mxw 



>Vjf. 163. 



Portiigwnilde in d«r PfarrkirtAt 
<. Stsfano bi TNMnts. 



Ihr spfttgotbiaaber Chor ist nocb Torbanden ; er bildet einen Anbau der oeuen Kirche 
der aicb am Sudende ihrer östlicfaeu Langseite erbebt- T)iT annähernit quadratitcbc 
Raum, Ober dem sioh ein rippenlose« apitebogigeB KreuKgew&lbe von m 4,(>8 Scheitel- 
höhe apaont, iüt N-S m 5,88 I. : 5,15 br. Die Srärke der N Mauor bctr;igt m 0,70. 
MaD bat sie in ihrer ganzen Weite mit einem Kundbogen durchbrochen, aU der 
Chor mit einem hier Torgebauten Kaume lur .Capetla della confraterniti della 
Madonna ImmacolHta" verwandelt wurde. Farbige Spuren am «etlichen MauerfuMe 
xeigen, da«) auch die W^de bemalt gewesen sind. Sehr wohl erhalten iet die spSt- 
gothitche Ausschmtiokung des Gewölbes; flie mag um I4äO entstanden Boin. Die 
Kippen kreuzung begleitet eine bunte Schuppenbordüre. Ein Miltelatäck fehlt. Die 
EcklitBung der blauen Kappen, die eine glatte grüne Borte umrahmt, isl durch tno- 
dernen Anatrieb verdeckt. Die ganze Höhe der O Kappe nimmt eine Uaudorla ein. 
Ein Sobuppeukrana, wie er die Qr£ten begleitet, umrahmt dieeelb«. Darin thront 
auf rathem Grunde der Heiland. Uebor dem purpurnen Rocke trftgt er einen blauen, 
f S'^^ gefütterten Mantel. Die Rechte segnet, die Linke stützt sich auf ein offene» 
. Buch mit der Minuskehnachrift : ego Tum lux mondi via veritas et vita. In den 
seitlichen Zwickeln stehen paarweise in ganzer Figur die Oestalten der Evange- 
liateo: ]. SS. Johannes und Lukas, r. SS. Marcus und Matthäus; sie sind mit bunt 
damasoirlen Oewändorn bekleidet und stützen mit erhobenen Armen die Mandorla, 
ihre Köpfe sind die der emblematisohen Tbiere. Ueber die Schaltern sind sehmale 
Bänder geschlungen, welt^he lang herunter hängend die folgenden Minusko linse brifteri 
enthalten; trana volat aleit aves vUra volaC aatra Johannes; templa Luca curat 
vitulum pingedo . . . .; munere clatnuris ßt marous imagu leonis; und: est bomo 
matre deus getius indicat ecoe mateus. Die N und S Kappe sind gleicbmSasig mit 
den Bildern der Kir<^h«Dvüter geachmnckt Die Fronte bildet ein Tisch, seitwürts 
von Büchergestellen begrenzt; durch halbrund vertiefte Tbrunlehnen sind sie mit einem 
potygonen grQnen Thurme verbunden, der die Mitte einnimmt. Hinter dem Tische 
sitzen in gleicher Vorderansicht in der 6 Kappe ,$. Ambroxius", ein greiser bär- 
tiger Priester ; auf der Schulter sitzt die Taube, von dorn Tisohe hängt die drei- 
schwänzige Peitacbe herab, daneben schneidet ,S. Aguftinus' (aic) die Feder. In 
der TU Kappe sind die meditirooden Gestalten des greisen Kardinals ,8. Jeronimus" 
und „S. Gregori", eines bartlosen Papstes mit weiaseo Haaren, vereinigt. Die W 
, Kappe enthält eine ausfolirliche Darstellung der Himmelfahrt Christi. Ueber dem 
kegelförmigen Berge in der Mitte achwebt er in weissem Gewände mit betend vor 
sieb gefalteten Händen empor. Etwas tiefer knieen zwei Gruppen anbetender Männer 
und Frauen, diejenigen zur Linken erschetuen mit ^imben, die anderen ohne solobc. 
Keben der ersten Gruppe enthält ein Spruchband die Minuskelinschrift ; .... ad 
patrcm meu et patrem vcstrum deum meum et deum vcslrum. Unter dem Heilande 
kniet in strenger Vorderansicht zwischen deu Aposteln die .Madonna, sie trägt über 
dem purpurnen Rock einen blauen, grün gefutterten Schleiermantel. Den anderen 
Kappen, die sich nicht Ober den Rang einer zwar Seiisigen aber spröden 
Hand Werksarbeit erheben, ist das Himmelfahrtsbild weit überlegen; insbesondere 
mit die Schönheit und ausdrucksvolle Behandlung der Köpfe auf; xwei greise 
Apostel sind von glühender Andacht beseelt, die Farben sind blühend und die 
Gewänder jfrosa und frei geworfen. Immerbin kündigen Einxelheiten, besonders 



228 



die lobleoht gezalchnetcn Extremitäten aaoh hier die Kunst eioes ranglosen 
Meiateri an. It. 1891. 

Vogorno, Dorf im Versucathale, Bezirk Ix^oarno. Die Pfarrkirdke S. Bariö' 
^lomeo Bcheiat im XVII. Jahrb. mit Benutzung einer mittclaltcrlicbon Anlage erbattt 
worden tu sein^ von welcher Reste an der K und W Aussenmauer de« Schiffes er- 
halten sind : Hier die Spuren oinoa gotb. WaadgemAldes, über welcher die io Uinaa- 
keln geschriebenen Worte . . . hoc opua fecit ... zu entziRorn und und dort eine 
Uadonna in throno und die zweimal wiederholte DarKtellung des Gekreuzigten. Zu 
dem froheren Qehäudo geborten ferner die sc)imuck)oi<eii ThÜreu an der N und S 
Wand de« SchiflTea und ein alterthümliobea RondbogeDfenatercheD, da« aich hier 
Beben der Pforte befindet. An der Oatbasi« den Thurme« weist ein Oranilquader 
das eingemeisselte Datum 1654 und die Initialen P. H. R. C. An der Innenseite 
der Pfeiler, welche das offene Satteldach der W Vorhalle trageo^ sind ebenfalls 
Bporen mittelalterlicher Malerei zu sehen. R. 1887. 



Die 



HittelalterlicIieD Kunstdenkmäler 



des 



Cantons Solothurn. 



Im Auftrage der Eidgenössischen Landesmnscums-Commission 

beschrieben von 
unter Mitwirkung von 

cand. phil. Robert Durrer, Dr. K. Meisterhans in vSolothurn 
und cand. phil. Josef Zemp in Zürich. 



Beilage zum Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde 1893 Nr. 2 u. ff. 



SÜBICE. 

Im Verlag der Antiijuari sehen Gesellschaft. 
1893. 



Zur Erläuterung. 



Die Titel der nachstehend verzeichneten, zumeist benutzten Werke 
werden in den Utteratumachweisen mit folg-enden Abkürzungen aufgeführt: 

Aarau U. B.: Boos, Urkundenbuch der Stadt Aarau. Aarau, Sauerländer i88o. 

Erschien als XI. Band der ■i Argovia >. 
Anz. A. : Anzeiger für seh'dmzerische AUerthumskunde. Herausgegeben von 

der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Zürich 1869 u. ff. 
Bas. Jahrb.: Basler Jahrbuch, herausgegeben von Albert Burckhardt und Rud. 

"Wackemagel. Basel, Detloff 1882 u. ff. 
Baselldsch. U. B. : Boos, Urkundenbuch der Landschaft Basel I, 11 i. 2. Basel 

1881 — 1883. 
F. r. B.: Fontes rernm Berncnsium. Berns Geschichtsquellen. Bern VII Bde. 

1877—1893. 
Geschichtsfreund, der: Mittheilungen des historischen Vereins der fünf Orte 

Luzem, Uri, Schwyz, Untorwalden und Zug. Bd. I — XLVII. 1Ö43 — 1892. 
A. Haffner, Antonie Chronica oder Ursprung und Herkommen der lobl. etc. 

Statt Solothurn (1.577). Solothurn 184g. 
Haffner, Franz (1609 — 1671), Der kleine Solothumer Schawplatz. Solothurn 

1666. 
Herrliberger, David, Neue und vollständige Topographie der Eydgenoss- 

schaft. Basel 1765 u. ff. 
Hottinger und Schwab : J. J. Ilottinger und Gustav Schwab, die Schweiz in ihren 

Ritterburgen und Bergschlössern. 2 Bde. Chur 1828 und 1830. 
Jahn : Der Canton Bern deutschen Theils , antiquarisch - topographisch be- 
schrieben etc. Bern/Zürich 1850. 
Leu, Hans Jakob, Allgemeines helvetisches oder schweitzerisches Lexicon. 

Zürich 1747— 1765, mit Supplement von Ifaris Jacob Holzhalb. Zürich 

1786—1795. 
Lohner, C. F. L., Die reformirten Kirchen und ihre Vorsteher im eidgenös- 
sischen Freistaato Bern nebst den vormaligen Klöstern. Thun (ohne 

Jahreszahl). 
Meisterhans, K., Aelteste Geschichte des Kantons Solothurn. Solothurn i8qo> 



Zur Erläutemng. 



Pfyffer, N.: Die Burgen des Basler und Solothumer Jura. 20 Blätter, nach 
alten Originalen bearbeitet, von Niki. Pfyffer von Altishofen. Hist. Ein- 
leitung von Prof. Dr. Albert Burckhardt-Finsler. Herausgegeben von 
H. Besson. Lichtdruckanstalt, Basel. 1892. 

Schmid, P. Alexander, Ord. Cap. Die Kirchensätze der Stifts- und Pfarr- 
geistlichkeit des Cantons Solothurn. Gesammelt aus den frühesten 
Quellen bis auf die neueste Zeit. Solothurn 1857. 

S. W. : Solothurfnschcs Wochenblatt. Herausgegeben von einigen Geschichts- 
freunden. Bd. 18 10 — 1835. Mit Fortsetzung: Soloth. Wocheublatt für 
vaterländische Geschichte 1845 — 47. 

Strohmeier, A. P» Der Kanton Solothurn (Historisch-gcographisch-statistisches 
Gemälde der Schweiz). St. Gallen und Bern 1836. 

Trouiliat , Monuments de l'ancien evoche de Bäle. V Bände. Porrentruy 
1859—1867. 

Urkundio: Urkimdio, Beiträge zur vaterländischen Geschichtsforschung, vor- 
nämlich aus der nordwestlichen Schweiz. Herausgeg. vom geschichts- 
forschcnden Vereine des Kantons Solothurn. i. Bd. 1857. 2. Bd., i. u. 
2. Heft. 1863—1875. 

Wagner,,/./''., Die Burgen und Schlösser der Schweiz. Bern 1849. 



Dir Haupt fiiaasse kirchlicher Bauten worden in nachstehender Folge ver- 
zeichnet : 

A Gesammtlänge im Inneren ; 

B Länge des Chores ; 

C Breite desselben ; 

D Länge des Schiffes; 

E Gesammtbreite desselben; 

F Weite des Hauptschiffes aus den Pfeilermitteln in der I-ängenachse. 



Alle Rechte für Text 2aid Illustrationen vorbehalten. 



Aeschi. 

Amt Bucheggberg- Kriegstätten. 

Bei dem nahe gelegenen Weiler Burgäschi befand sich die kleine, ganz 
von Wasser umgebene Bur^ Acsc/n. Sie gehörte den kyburgischen Vasallen 
vom Stein und wurde 1332 von den Solothumem und Bemem gebrochen 
{Haffner, 332. A. P. Strohmcicr, 18g). Nach gef. Mittheilung des Herrn 
Dr. K. Meisterhans in Solothurn ist ein Erdhügel der einzig sichtbare Ueber- 
rest geblieben. 

Aetigen. 

Reformirtes Pfarrdorf im Limpachthal, Amt Bucheggberg-Kriegstätten. 

1345 verkaufen Abt Hermann und derConvent des Gotteshauses St. Gallen 
der Johanniterkomthuroi Thunstetten die Hofstatt zu Aetingcn, darauf der 
Lcutpricster sitzt, mit der Hofreite und dem Kirchensatz sammt Widum, 
Zehnten etc. {S. IV. 1826, S. 227). 1351, März 14. erlaubt Bischof Ulrich von 
Constanz nachträglich diesen Kauf {.S'. W. 1826, S. 230). 1470 kauft Solo- 
thurn von der Stadt Bern um 240 Rh. Gulden das Dorf Aetigen {Flaffncr II, 
326). Dürr er. 

Pfarrkirche {Lohner, 538). Der spätgothische Bau dürfte zu Ende des 
XV. oder Anfang des XVI. Jahrhunderts errichtet worden sein. Der vier- 
eckige Chor {4,46 m. tief : 7,53 br.) und das eine Stufe tiefer gelegene ein- 
schiffige Langhaus (13,50 m. 1. : 8,24) sind in gleicher Höhe mit einer modernen 
Gipsdiele bedeckt und S. in gemeinsamer Flucht geschlossen. Das Schiff hat 
leere Spitzbogenfenster, diejenigen an der O.- und S.-Seite des Chores sind mit 
zwei halbrunden Nasenbögen und einfachen Maasswerken ausgesetzt. Das 
rundbogige Wcstportal ist schmucklos. An der N.-Seite zwischen Schiff und 
Chor und in gleicher Ostflucht mit dem letzteren gelegen erhebt sich der 
spätgothische Thurm. Zwei viereckige Thüren an der N.-Seite des Chores 



Ai-l!{^. 



rubren zu der Thurmtroppe und die O, in das in dem flachgedeckten Erd- 
gcsciir>>is des Thiirmes nngelc-^e Archiv. Der Thurm , ein stattlicher Bau 
von Tufquadorn, soll, der Uebcrliefcrung zufolge, aus den Steinen des ver- 
fallenen AltschloÄScs erbaut worden sein {Sirokmdcr, 190). Er ist einschliesslich 
des Erdgeschosses j Stockwerke hoch. Das erste ist von dem Enlgcschofis 
durch ein Kafgcsimse, die folgenden sind gegenseitig durch Wulste getrennt. 
An der W.-Seite des ersten Stockes befind«) sich unter dem Üurtgesim&e 
zwei verwitterte Tarischen. Der dritte Stock hat an der N.-Seite ein iintfc- 
theiltes und an der S.- und O.-Seite je zwei gekuppelte Rundbogenfenster. 
Die Form dieser letzteren wiederholt sich auf jeder Seite des obersten Stockes, 
dessen Alischluss ein Satteldach (Käsbissen) bildet. Als TheilstOtie der 
ungegliederten Rundbögen dient ein \iereckiger, mit Fasen gegen die Ecken 
aufgekelUter Pfeiler, dessen nur unter der Vorder- und Rückfronte vor- 
springende liekn^nung hier eine halbrunde Console und dort drei übereinander 
vorkragende Wulste bilden. Ghisgi'müid^ : i. eine Scheibe mit dem Wappen 
der Junker zum Stein, deren fjohncr 539 gedenkt, ist nicht mehr vor- 
handen 2. Uas (tetlichc Fenster an der S.-Seite des Schiffes enthält eine 
flotte, aus dem Anfang des XVI. Jahrhhunderts stammende Wappen seh eibe. 
Von der Umrahmung sind nur Theile des blauen Grundes und der gntue 
Fliesenboden erhalten. Das (heraldisch) links schauende Wappen weist auf 
schwarzem Schilde einen gelben schreitenden Löwen, der sich, auf 3 weissen 
Bergen hockend, als Kleinod des geschlossenen Helmes wiederholt. Die 
Helmdecke ist schwäre und gelb. 3. Im O. Chorfenster Ixsfindet sich eine 
kleine runde (msaille, behelmtes Wappen auf weissem Grund mit der Unter- 
schrift: < Herr Johann Rudolff Lerber. deti groten RaUis hochloblicher Statt 
Uem vnd der Zeit Kandvogt zu Frawbrunnen Anno 171z». Der in reichem 
Barockstil decorirte Tatt/stein tragt das Datum 1692, die steinerne, einfach 
aber gut ct^mp^mirte Kanzel auf dem Pultbrett die Jahreszahl iftjz. R. 1892.^ 

z. Auf einer N. über dem Dorfe gelegenen Bergstaffel befindet sich die* 
Itaustellc dos ehemaligen Edelatzes p) Altschloss, aus dessen Trümmern der j 
Kirchthurm von Aetigen erbaut worden sein soll {Struhmeier. 190). I>er>^ 
sichtbare Ueberrest besteht aus einer unregelmässig geformten, mit Tannen 
bewachsenen Erhebung. IMe grösste I^ngenausdehnung von SO. nach N^V, 
misst ca. 17 m., die grOsste Breite (SW, nach NO.» ca. i; m. Das NW. und 
SO.-Endc sind zu leichten Kuppen crhr.ht. NW. und NO. sind Andeutungen 
eines Grabens vorhanden, auf den beiden übrigen Seiten dacht sich der Hügel, 
auf welchem keinerlei Spuren von Mauerwerk zu finden sind, mit starkem 
Gefälle ab. R. 1892, 



Altreu. 



Altreu. 

Ehemaliges Schloss und Städtchen, jetzt kleines Dorf in der Pfarrei Sckach, 
Amt Solothum-Lebem. 

Römische Funde aus Altreu (Münzen und Scherben) {K. Mcistirhaiis, 
Aelteste Geschichte des Kantons Solothum bis zum Jahre 687. Solothurn iHgo, 
Nr. 63, 8H, Qo). 1295, g. April: Cunradus de Arbery, nunc advocatus in 
Altruwa (^S'. W. iSzy, S. 271). Bei der Theilung der Herrschaft unter die Brüder 
Otto und Berchtold, Grafen von Strassberg fällt Altreu dem Grafen Otto zu, 
130g, 14. Febr. {S. W. 181$, S. 57 i). 1327 war die «Stadt* Altreu an die Gräfin 
Margaretha von Strassburg, geb. von Freiburg, um ^oo Mk. SÜber verpfändet 
Mittwoch vor Ostern d. J. gibt sie ihre Pfandschaften, die Stadt Altreu und 
die Burg Grenchen, ihrem Sohne Imer von Strassberg auf {S. W. 1828, S. 372). 
132g, Samstag nach Valentin, entzieht sich Margaretha alles des Pfand- 
schilUngs auf der Stadt Altreu und den Dörfern Bettlach und Burg zu Händen 
ihrer Schwiegertochter Margaretha von Wolhusen und ihres Vogtes Mark- 
wart von Bechburg (S. W. iHstj, S. 71). Am gleichen Tage verpfändet Graf 
Imer von Strassberg seiner Gemahlin Margaretha von Wolhusen um 200 Mk. 
Silber Ehesteuer Altrüwe die Stadt mit Leuten, Nutzen und Gerichten und 
die Dörfer Bettlach und Burg {S. IV. iS2g, S. 73). 1330, Montag vor St. Nikiaus, 
verpfilndet wiederum Graf Imer derselben seiner Gemahlin um 500 Mk. Silber, 
der Ehesteuer und Morgengabe wegen, *. Altrüwe die Stadt -f und Grenchen 
die Burg und übergibt diese seinem Schwiegervater Job. v. Wolhusen 
(■5*. W. 181^, S. 588). Nach dem Erlöschen des Hauses Strassberg kam 
Altreu an N'euenburg-Nidau, und nach dem Erlöschen dieses Hauses (Ende 
des Jahres 1375) an die Schwestern des letzten Grafen, Anna v. Kiburg und 
Verena von Thierstein. Schr)n im Anfang Winter 1375 hatten die Gugler 
Altreu zerstört (Justinger, Ausg. v. Studer, S. 143). 1377, 8. Januar, verkaufen 
Graf Hartmann von Kiburg, Landgraf zu Burgund und Graf Rudolf sein 
Sohn, Graf Sigmund von Thierstein und Graf Sigmund sein Sohn um 1400 Gld. 
die «Stadt» zu Altrüwe, das Dorf Sclsach und andere Güter und Gerechtig- 
keiten an Rudolf Sofrith von Erlach, Burger zu Solothurn und Seft-ith, seinen 
Sohn, Burger zu Bern (S. W. 181^, S. 603). Es war dieser Scheinkauf eigentlich 
eine Verpfändung und die Pfandrechte um 1400 Gld. lösbar (vgl. Urk. v. Mitte- 
fasten ijSi, S. W. 1825, S. 491). Inzwischen fand eine Theilung des Nidau'schen 
Erbes zwischen den Kiburgem und Thiersteinem statt. Am 30. Nov. 1379 ver- 
kaufen einzig die Kiburger, Gräfin Anna, geb. v. Nidau, und ihre Söhne, die 
(irafcn Rudolf, Ego, Johann und Hartmann, die Grafschaft Neuenbürg, die 
Herrschaften Nidau, Büren und Alircu und die Veste Balm um 40,000 Gld, an 
Herzog Leopold von Oesterreich {S. IV. iSig, S. 405). 137g, Mittwoch nach 
Elisabeth, beurkundet Herzog Leopold das Wiederlösungsrecht der ihm verpfän- 



deten Herrschaft Neuenbürg, Burg und Stadt Nidau, Burg und Stadt Büren« 
Burg und SlmU AUreu, und der Vcste Balni durch Gräfin ^Vnna und ihren 
Sohn. Graf Rud'^lf von Kiburg \S. ff* /Jj?, S. aSj). 1381 am 20. Mär/ be- 
stätigten (nochmals) Gräfin Anna und ihr Sohn Graf Ego von Kiburg den 
Wrkauf der ohgenannten Herrschaften an Herzog I,copold {^S'. H^. rSjj, S. 468)1. 
I3h7, Samstag nach Katharina, bezeugt Herzog Albrecht d;is Wiederlösungs- 
recht der Kiburgcr {S. ii\ jSj^,S. ^12). 13H9 zu eingehendem Heumonat ver- 
kaufen Rudolf Scfrith, dem man spricht Uebclhard. Burger und gesessen zu 
Solothum, und Sefrith sein Sohn, Bürger und gesessen zu Bern, dem Schuh- 
hcissen. Riiiho. Bürgern und Gemeinde der Stadt 5^Ir.thum alles Recht, jk> 
sie halten an I^nd. i.euten. Gutem, Gerichten, Twingen und Bannen etc^ 
«was gen AUrim und gen Sclsach und in dasselbe Amt gehört» (.S*. IV, 
tSfj, S. 621). Dürrer. 

In der weiten Ebene, durch die sich die Aare zieht, war am linken Ufer 
derselben das Stadtchen gelegen. Eine Planskizze (Fig. i) im ' Schweizerischen 

Bilder- (Disteli-) Kalender » 






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affr/r S"*<X': 
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Pig, r. ' Altrtu. 
(Au» dem SckwctfCiitcfaei) Bildrc* (Duleli.) KoJcndei 1(^4.1- 



von 1844 zu pagi 28 mag 
als zutreffender Reoon- 
structions versuch gelten. 
Den heutigen Bestand 
von Wall und Graben hat 
Aft-isft-rhans in den Ka- 
tasterplan eingetragen 
(Fig. 2). Die Anlage 
scheint ein regelmässiges 
Rechteck gebildet «u ha- 
ben, dessen Nordseite «nc 
dreifache Parallele von 
breiten Gräben mit nach 
^ T yu^tr/ aussen abnehmender Tiefe 

meAr jifttf'ttiim^f - bildete. Zwei derselben 
AM.»*^'**f f-'''- setzen sich längs der Ost- 
Hanke fort, die eine wei- 
tere Deckung durch den 
in die Aare fliessnnden 
Grcbnet- oder Altreubacli 
erhielt. Beide Grfilien er- 
reichen die Aare nicht. 



tmteisett. 



Zwischen dem kur^icn Qucrgrabcn, der sie verbindet, und dem Ufer liegt ein 
freier Plan, auf welchem muthmasslich das Schtoss gestanden hatte, l^e 
Wcslflankc des Stadtchens ist zerstört, indem hier der Strom eine tiefe Bucht 



Altreu. 










9 

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5 



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gefressen hat. Bie südliche Deckung bildete die Aare, ober der sich viel- 
leicht eine einfache Ringmauer erhob. Von einer GrabenfUttPrun|f sind keine 
Spuren vorhanden und solche von RingniAurm nur hinter dem innersten 
Graben ;in der Nord- und Ostseile wu.hr/unchmen. Ausserdem sind Reste 
mitteblterHclicn Gemäuers auf xwci Stetlen beschränkt: Hart vor dem SQdenilc 
der ö-Hüichen Graben parallele wurde 1Ö91 eine Construction von groa&en 
Tufquadcrn gefunden, ein z weischen keligcs >rassiv von circa i'/s Meter Känge 
und I Nieter Breite, dessen Fuss ein sorgfältig gearbeiteter Schrügsocke! 
umgab. Die Vcrmuthung liegt nahe, dass es der EekpfeDer cnnes Kirch- 
thurmcs war, der mit einer Halle den Zugang zu dem Tjuighausc Öffnete. 
Der BcMlen war an dieser Stelle mit schön bchauenen, bis zu i.io m. langen 
Tufquadern belegt. Ein aus der Funtlamenlmiuier hervorragender Stein mit 
durchbohrter Sptt7c wurde der antiquarischen Sammlung in .Solothum ein- 
verleibt (Jahresbericht Ober die Kantonsschulc in Solothum für das Schul- 
jahr 1890/91, p. 50). Etwas weiter westlich von dieser Stelle deuten Reste 
einer Ufermauer auf die t^ge des ehemaligen Brückenkopfes hin. Hei 
niedrigem Wasserstande soll jetzt mwh ein massives Mauerwerk mitten im 
Flusse siebtbar sein. Auf dem rechten ITfer wurden Pfähle gefunden, die 
im Spritzenhause von J.euzingen aufbewahrt tverden. Einen eisernen PfahU 
schuh besitzt die antiquarische Sammlung in .Solothum. An zwei auf dem 
Plane Fig. 2 verzeichneten Stellen sind endlich Tufquadcr gehäuft, die filr 
Ucberbicibsel der ehemaligen Ringmauer ausgegeben werden Af. lüqi. 

Die am Hingang zum Dorfe an der Strasse nach Haag geleg-ene Kapelle 
Mariahilf dürfte im XVII. Jahrh. erbaut worden .sein. Sie bildet ein Rechteck 
mit dreiseitigem Ostabschluss. Beide Theile sind mit einer gemeinsamen 
Ilachen GipsJicle bedeckt. Das Schiff hat viereckige Fenster. Ä. 1Ö92. 



Balm. 

Grotienburg bei Günsherg, nordostlich von Solothum. in der ehemaligen 
Duhlcnvogtei. 

Dieses Schloss ist der Stammsitz des berühmten frei herrlichen Geschlechtes, 
das auch im heutigen Kanton Luzern reich begütert war und zu den Wohl- 
thäiem des GoiteshaiLses S. llrban gehörte. Burchardus de Balme erscheint 
ijoi als Stammvater dieses Hauses (S. Il\ lüjj, 441; Geschlrd- V, 233). 
Als Rudolf von der Palm, der Königsraörder, am 18. Sept. 1,109 geachtet 
worden war, wurden dessen Güter von König Heinrich als Reichslehen an 
den Grafen Otto von Strassberg, Landvogt in Burgund, vorgeben. Derselbe 
überliess dem T.andcomthur der Deutschbrüder im Etsass und Burgund die 
Güter auf der rechten Seile der Aare um .^80 Mk. Silbers: die linksseitigen, 
nämlich die Balm und das Dorf Flumenthal, blieben dem Hause Strassberg. 



h 



Clara voif Tmigon, Rudolfs von Palm VVittwc, wurde lur ihre l.eibgedings- 
anspriiche mit 3H0 Mk. Silber entschädigt lUrk. vom 1. u. 3. Aug., i.s- u. 22. Dez. 
1312: vgl AV//. Urk. I, S. 128—13.1; S. tV. tffjo.S. bii) m. b2i). Einig© Jühre 
später war Halm die Burg, mit Nutzen, Kirchensatzen, Gerichten etc. dem 
Ritter Panlaleon von Gebstrassc verpfändet. Auf Bitte Graf Imrrs von Strass- 
brrg Inst sein Vetter (5raf Rudolf von Neuenburg, Herr zu Xidau, dieses 
Reichslehen utn 700 ff Pfennig. Der (iraf von Strassberg behält sich an» 
19. Febr. 1327 die Wiederlosung vor {S. fV. i8t6, S. 103), 1336, 20. Januar. 
verkauft Graf Imer dem Grafen Rudolf von Neuenbürg- Nidau die Burg 
Balm und die Dörfer Flumcnthal, ßalm. Gansberg. Xiederwil und den 
Kirchensatz zu Flumentbal etc., rechtes Lehen vom heil. Rom. Reiche, um 
1400 flf Solothumer Münze {S, W. iSi6, S. 107). Graf Rudolf von Neuen- 
burg-Nidau, des vorigen Sohn, verkaufte 1374 verschiedene Burggütor 7.\x 
der Balm an Peter Schriber von Solothurn und dessen Sohn Peterraann 
(.V. \V. /fi'jö. S. 113— 117). Xach dem Tode Graf Rudolfs vor Büren 1375 
verliehen dessen Erben, Graf Ilartmann von Kiburg und seine Sühne und 
Graf Sigmund von Thierstein und seine Söhne denselben Peter und Pelermann 
den Schribcren, Burgern zu Solothurn am Freitag vor Christi Auffahrt 1576 
zu einem gemeinen T.ehen die Balm, alle die T.eute, Dörfer, den Kirchensatz 
£U Flumenthal, Twinge. Bdnne, Gerichte und alles was dazu gehört, mit 
Vorbehalt der Wiodorl(teung, um i^no Florentiner Gld, (.V. fV. /g/fi.S. 1 18). Die 
Rechte der Schriber kamen erbsweise an Arnold Bumann, Burger zu Ollen, 
und Anna, seine Frau {S. IV. iSi6. S. 140), die den 10. Mai 141 1 alle ihre 
Rechtungen an der Veste und Herrschaft, genannt zur Halme, ihren lieben 
Herren, dem Schultheis», den Ruthen und Burgern von Solothurn um 220 
Rh. Gld. abtroten [S. tV, tÜtö, S. 149). Am 30. Nov. 1379 waren inzwischen 
die Rechte der Kiburger auf Balm von Grafin Anna und ihren Söhnen an 
llerü'ig Leopold von Oesterreich verkauft und dieser Verkauf am 20. März 
bestätigt worden (.S'. iV. i^i^, S. 405; /rf^j, S. 4Ö8), aber diese Rechte, d. h. 
das 1376 ausbodungene Wiedcrlösungsrechl, wurden niemals von Oesterreich 
gellend gemacht Schultheiss und Räthe der Stadt .Solothurn verliehen 
ca. 1417 ihre Veste Balm mit Aeckem und Matten gegen einen Zins und 
die Veqjflichiung, sie so herzustellen, wie sie vormals war. einem Hans .Signet 
von Naters im Wallis (.S'. W. tiStü, 157). 142t war aber der Bau Verpflichtung 
noch keine Folge geleistet. Hans Sigriat. der nothwcndiger Sachen halb ins 
Walli!* reisen musste, erhielt am 13, Oktober neuerdings Aufechub bis 
nächsten Maitag, um mit dem Bau der Veste zu beginnen {S. IV. 1S16, S. 157). 
Kr seheint seinen Ver|>fl ichtun gen nie nathgekommen zu sein. Durrer, 

in den steilen Jurafelsen, neben welchem unweit ostlich die Siggcr durch 
eine wilde Schiuchu den Kcwel, herunterfiiesst, ist etwa 60 Fuss Ober dem 
Boden eine natürliche Hühic vertieft, die tbcilweisc künstlich erweitert worden 



12 



Btltn bri Goiubcrit. 



ZU sein scheint. Xach einer von Herrn Kantonsingenieur E. Bödenehr in 
Solothum uns gütigst zur Verfügung gestellten Aufnaliine (Hg. 3) bildet 






Fig. j. BaIdi bä GanKlictB. (£ BoAndtr. 1893.) 



der (irundriss ein von West nach Osten lang gestrecktes Trapez, das sich 
von einer Frontlänge von 20.30 m. nach der Tiefe zu beträchtlich verengt. 
Die grfteste Tiefe betrügt. 6,30 m., und der genannte Berichterstatter meint, 
dasfi iDo Mann nur knapp hier aufgestellt werden niCK;hten. Eine ca. 2 m. 
dicke Bruchstein mauer schloss die Höhle nach aussen ab. Schon i8i8 hatte 
ihre gr»issie H«iho kaum mehr 10 Fuss gemessen, denn kurz vorher waren 
bedeutende Zerstörungen durch einen Bauern vorgenommen worden, der 
sich des hiebei gewonnenen Matcriales für den Bau seines Hauses bediente 
(Hottiugcr &" Sch-duth. 1.384). In <ler Rückwand der Hnhie sind nach fiodtnehr 
dreieckige Balkenlücher angebracht und ebensolche, vielleicht für die cho- 
Dialigen Falladen bestimmt, in die Wandungen der Scharten vertieft. £in 
neben diesen letzteren befindlicher Hingang ist durch das seitwärts einge- 
stürzte Mauerwerk verschüttet. 

Weitere Berichte finden sich bei Holttugfr ^ Sc/fwah L c: < ITnten an 
dieser Mauer sind drcy Oeffhungcn, kaum einen Schuh breit und einen hoch, 
die sich aber nach aussen erweitem ; diess waren Oeffhungen unterirdisch or 
Gänge, die noch in den Felsen eingchaucn waren, itzt aber eingestürzt sind. 
In dieser Mauer, wie auch am Fetson eingehauen, bemerkt man noch an 
verschicdeuen Orten kleinere und gn'Vssere I-<\cher. in welche die Balken an- 
gebracht und befestigt waren, worauf sich das Holzwerk auflegte. Innerhalb 
dieser Mauer ist kein anderes Mauerwerk bemerkbar, woraus man schliessen 
kann, dass dort lauter Holz gewesen>. 



<3 



1 ./ .''% ij/v. r 




■^Ä'. 5- B-'"'"' W Ounslicrc. (Z«-khnung von //. Jmny 
.im noiti drt Hetdi Sl-ialMrlircibtr J. J. Amk-I in S.ili.ilinrn.) 



« Ausserhalb dieser Mauer 
ist ein freyer, schmaler Plati. 
kaum 6 Fuss breit Diftser 
Platz entstan<l dadurrh, diiss 
Auf (leii vorspriny;cndt!n Fnls 
eine M;iuer a.ufgefiilirt wur- 
de; mitten i»C diese Mauer 
7.ersi/»rt, auf den beydon 
Enden aber noch fest er- 
halten. Mit dem Ostlichen 
Ende der Höhle hnrt der 

Vrirsprung auf, gegf^ 
Westen aber iüetrt er sich 
fort und senkt sich ultmäh- 
lig auf den finden, lieber 
diesen Vorsprung soll vor- 
malsder Wegin dasSchloss 
ijeführi haben, sodass dieser 
I'iatz als fortgesetittT Weg 
betrachtet werden kann. 
Das Mauerwerk dieses 
Platzes reicht nur bis zum 
Ende der Höhle; vnn dem 
Weg sind keine Spuren 
meltr zu finden». Auf die* 
sem Zugange soll ein Vor- 
werk gestanden haben ; 
< etwa I s Fuss gerade über 
dem Wege ist ein etwa 
4 Fuss breiter und 15 Fuss 
langer Platz zum Tlieil in 
den Felsen gi-hauen , zum 
Theil von der Natur durch 
das Hervorspringen der Fel- 
sen gebildet ►. In der am 
Fus<^e der Felswand ge- 
legenen Matte, ffihrt der 
Berichterstatter fort, h&ttcn 
Nachgrabungen zur Ent- 
deckung eines Gemäuers 
geführt . welches man fOr 



alm hn *Uii>ahrT|>. — Ralm- 

einen Sndbninnen hiolt. Einige Schritte weiter unten hatte vordem ein Weiher 
bo«tanden. 

Die Annahme ist flbrijfcns nahef;re]e(jt dass diese Gmltenburg nirfit das 
eigentliche Schloss. sondtTn nur fine zu demselben gehörige Zufiul^hts»tattP 
gewesen sei. während jenes entweder bei dem Äehbrunnen am Fusse der 
Balm, oder welter westlich auf einer vnn der I-elswand auslaufenden Ei*- 
hebunsf gestanden haben mischte. -^Auf diesem Hügel findet man Spuren 
von Mörtel und altem (iemauer>. R. tS(j2. 



« Balm. 

Rcformirtes Dorfchen, Pfarrei Messen. Amt Bueheggberg. 

Die kleine, auf einer Bergstaffel N. oberhalb des IMrfes gelegene Kapelle 
I der hl Dreifaltigkeit wurde 1522 erbaut {//a^rttrr 327. /.nt II, 6g, Lohtirr 
577, StrohincUr 234J. Der schmucklose Bau Ist ein kahles Kechteck vnn 
12,18 m. L, : 6,10 171. Dr., ohne Andeutung eines Chores. Der ganze Raum 
bt mit einer kahlen, flachen IJoUdiele bedeckt, die N.-S«te fensterlos. Die' 
O.-Wand hat ein und die .S.-Seite zwei leere, weite Spitzbogenfenster. Die 
TbQre an der S.-Langseitc ist flachbogig. Ein schmaler, N-iereckiger Mittel- 
pfeilcr von Holz, der die Decke stützt, zeigt oben die Anfangsbuchstaben Vf. 
H. H. 1691 lAR. Auf dem Firste erhebt sich ein leichter, gut proportjonirterl 
J Dachreiter. Vor der O.-Seite der Kapelle steht ein offenes, mit einem Sattel- i 
' dache bedecktes Holzge rüste, in welchem eine mä-vsig grosse Glocke hängt. 
Kleine Rclicffiguren an derselben stellen die stehende Madonna mit dem 
Kinde, S. Sebastian, SS. Petrus und 'l"hei>did dar. Die Minuskelinschrift 
lautet; <o rex glorie (christc?) veni nobis cum pace anno domini mccccxixiin 
(1514). R. 189». 

Balm egg. 

Ehemaliges Schloss bei Balm, Pfarrei Messen, Amt Uucheggberg. 

Jahn will wissen, da&s die Burg aus einem römischen Kastell horv< 
gegangen sei. Später erscheint ein Bucheggisches Ministerialgeschlecht vc 
Balmegg. 1241, 9. Juli Kitter H. de Balmegge {Kop/>, Urk. U, Ö7. Vgl. aut 
Jti/m, S. j-t/). Sp.'lter ist fWdmrgg im unmittelbaren Figenthum der Grafen vfm\ 
Bucbcgg. Graf Heinrich von Buchegg. Landgraf in Burgimd übergibt I27ö<' 
15, August, s(Hn SchlosR B. mit dem dabei liegen den Kebgartcn in Leibgeding*- 
weise seiner Gemahlin Adelheid {S. IV. iJli:i, S. 351). Xach Graf Heinrichs T< 
brachte dessen Tochter Johanna die Burg ihrem Gatten, Ritter Burkhard 
Senn von Münsingen. £\i. Mitte Wintcmionat (circa festum beati Martini! 131 1* 
Kogen die Berner und Solothumer vor Balmegg und xerst<^rten es iCbron. dei 



Balmcgg, — Balsthal. |e 



Bemo, /wj//M^(?r, Ausg. V. Studer, S. 45 u. 2g8). Erst 1314, 13. April, vereinbarte 
sich Burkhard mit den beiden Städten und erhielt die Erlaubniss, die Balm- 
egg wieder zu bauen {S. IV. 1^26, S. 12, 99. F. r. B. IV, S. 585). 1335, 
Samstag nach der alten Fastnacht, verbündet sich Graf Hugo von Buchegg 
mit seinen Burgen Buchegg, ßalmegg und der alten Signau zu Schultheiss 
und Rath und Gemeinde von Bern und übergibt in seiner Landesabwesenheit 
die Hut dieser Burgen dem Ritter Joh. von Bubenberg dem Jüngern {S. \V. 1823, 
S. .sog). Nach Graf Hugo's Tode vererbten sich sämmtliche Bucheggische Be- 
sitzungen an das Haus Scnno von Münsingen. Jahn will wissen, dass Balmegg erst 
1383 im Kiburger Krieg untergegangen (loc. cit. S. 347). Am 1. Mai 1391 ver- 
kauft Elisabeth Sennin, die Wittwc Hemmanns von Bechburg, die Herrschaft 
Buchegg und Balmegg um 500 Goldguldcn an Schultheiss, Räthe etc. von 
Solothum. {Wurstctnberger, Schweiz. Geschichtsforscher, Bd. IX. S. 187. Vgl. 
Anz. f schw. Gesch. u. A. 1864, S. 39.) Durrer. 

Die Burg, im Volksmunde das « Rappenstübli » genannt (Jahn, S. 347), 
erhob sich NW. über der Dreifaltigkeitskapelle von Balm auf der Kante 
des Steilhanges mit welchem das Bergplatcau gegen die S. vorliegende Ebene 
abfällt, so dass eine künstliche Deckung nur auf drei Seiten nöthig war. Sie 
wird durch einen ca. 12 m. tiefen Graben gebildet, der die O.-, N.- und W.- 
Seite des mit Buchen bestandenen Hügels umzieht. Die Hochfläche des- 
selben, ein annähernd rechteckiges Plateau, misst ca. 43,50 m. OW. Länge : 
ca. 30 m. Br. Das O.- und W.-Ende sind wenig höher, als die leicht ein- 
gesenkte Mitte. Die einzig noch sichtbaren Ueberreste von Stein construction 
befinden sich auf der Höhe des Plateau's in der Mitte der W. -Fronte, sie 
bestehen aus einer i V2 m. hohen Mauerecke von 2,90 m. WO. Tiefe : 2,80 
NS. Länge. Die Mauerung ist in einer Dicke von 1,25 m. aus grossen Kalk- 
blöcken und Kieseln aufgeführt. R. 1892. 

Balsthal. 

Marktflecken und Hauptort des gleichnamigen Amtes. 

Ueber die venschiedenen Namen und ihre fabulöse Deutung cf. Haffner 
II, 354. L. c. 355 hcisst es: -Drcy Kirchen aufT einem KirchhofF zu Bals- 
thal I. Pfarrkirch, 2. S. Anna, 3. S. Antony gebawt wie ein 'X ». — Anno 
1517 den 5. Dccemb . . . ward die ncwc Pfarrkirch (S. Anna) zu bawen an- 
gefangen (1. c. 361). 

I. Kapelle S. Anton. Die Anlage besteht aus zwei Theilen, einer älteren, 
östlich quergestellten, vielleicht zu Ende des XVI. Jahrhdts. erbauten Kapelle, 
die mit einem rippenlosen Kreuzgewölbe bedeckt ist, und einem wahrschein- 
Hch aus dem XVIII, Jahrh. stammenden, ebenfalls einschiffigen Westarme. 
Die Firstlinien der Dächer stehen rechtwinklig aufeinander. Zemp 1892. 



Ifi 



BaUthBl. 



2. Pfarrkirche S. Anna. Der jetaige Bau dürfte im vorigen Jahrhundert 
errichtet worden .sein. Der viereckig« 'lliurm an dor Südseite ist spätgothisch. 
Er ist durch einfache Gesimse in vier Stockwerke getheilt und mit einem 
geschweiitt-n Satte'dache bedeckt, Die unteren Etagen sind nur von schmalen 
Schlitzfenstem durchbrochen, in der obersten ist auf jeder Seite ein rund- 
bogiges, (hirrh eine runde Stütze gethoihcs Doppelfenster anj^brachL 
Ueber der WrstthOre der ICirche steht das Datum 1761, darüber hetindctn 

I sich zwei hülzfmt bemalte RrUt'fßgHrrn aus der zweiten Hälfte des XV'L 
Jahrhunderts, ohne Zweifel Reste eint« ehemaligen Schnilzallare^; sie stellen 
den geharnischten S. Mauritius und die hl. Katharina dar. Der alte Choraltar 
aus .S. Ursus in .Solothum, den diese Kirche besitzen soll, wurde 1891 
» um geschafft ;. H. iSgi. 

3. Die Kapelle S. Ottilia wurde nach Hafftier 361 1523 erbaut Jetzt 
jdicnt sie als protestantische Kirche. Diu kleine, einschiffige Anlage ist mit 

flacher Gi]>sdicle bcdcrkl. Die Schrägscitcn des dreiseitig geschlossenen 
Chores sind mit leeren Spitzbogen fenstern durchbrochen. Die zweitheiligen 
Rundbogen fenster de» Schiffes sind innen und aussen gekehlt. Das rund- 
bogige Westportal und eine Thürc an der Nordscile sind mit Kehle und 
Kundstab profilirt; am steilen Frontispiz treten rwei steinerne Consolen vor. 
Ueber dem Chor erhebt sich ein hrilzemer Dachreiter. Zemp iS^2. 

4. Unweit B. liegt am Kusse der Ruine Neu-Fal kenstein die Kapelle 
S. Wolfgang, eheilem Pfarrkirche von Holderbank. Nach Haffner II, 361 
wurde dieselbe 1475 erbaut, fhmptmaasse (S. 4): A 18,75, ß ^^-yo. C 6,30^. 
D 9,25, E 6,10. Der dreiseitig geschlossene Chor und das einschiffige I^ng"- 
haus sind auf gleichem Plane gelegen und durch einen KundlKigon gelrennt, 
der unmittelbar aus den ebenfalls ungegliederten und basenloscn Vorl.~igen 
wächst. Der Chor hat leere Spitzbogenfenster. Das Fenster der nördlichen 
Schrägseite ist vermauert; eine 1761 datirte ITiüre vermittelt hier den Zugang 
zu der angebauten quadratischen Sakristei. Der Chor ist im Quadrat mit 
einem fünftheihgen Kreuz- und im Polygone mit einem Kächrrgcwfilbe 
bedeckt. Die Reliefs der Schlusssteine zeigen dort den Standesschild und 
im Polygone den Schild der Hugy von Solothum. Auf dorn Rande des 
Schlusssteines sind hier die Inschrift Hans Hugy und das Datum 1519 ver- 
zeichnet. Der (|uadrati&che 'llieil ist rundbogig. das Polygon im Spitzbogen 
gewrtlbt. Srhildl»'gen fehlen. Die Rippen, die in Schildhohe thcils unvor- 
mittelt waagrecht, theils auf einfachen, aber originellen Gcsimscon solchen 
ah»et2on. haben ein schweres cinFacheÄ Kehlprnfil. Das Schiff, an der N'ord- 
seite fensterlos, ist hoher als der Chor und mit einer flachen Gipsdiele bedeckt. 
Die zwei I-enster dorSüdseiic flach-, das 1639 datirte Weslixirtal spilxbngig. 
An der Schiffseite über dem Chorbogen enthält ein Relief die Chiffem C. W. 
rW. AH. 1765. Das Aeussere ist kahl; der Chor hat keine Streben; auf; 



seinem Firste erhebt sich ein hOlxemes Glocken thürmrhon. Das Chorjfewfilbe 
ist mit MaUrrirn aus ilom BcRinn des XVH. Jahrhdts. jfcschmückt. Wo 
Kehkm der Kippen sind rnth, und Irt^tcre briderseils von einer j^fJb und 
braun gemalten OmamentbordOrc begleitet. tHe Malereien in den K..-Lp]>on 
des Quadrates stellen miisicirende Kngel und im Polyjfone solche mit dw» 
PtisMonsinstrumenten dar. Diese (iestalten sind etwas bäurisch gemalt, 
1 aber vorzüjflich in den Raum eomponirt. Zu Seiten des fhorbogens ist 
nftrdlit'h das W'ap|>en von Schwaller, südlich das dt« Victor von I^inj»en- 
dorfer von einem Blattkranze umschlossen und xbzz daürt. Die übrigen 
Wände fand QbertQncht. doch lassen sich unter dem Verputze Spuren 
von Bildern erkennen, die nuithmasslich ebenfalls aus dem Anfanjy des 
XVII. Jahrhdts. stammen: an der Südseite des Quadrates vor dem Poly^fonc 
eine Hnligentigur. gegenüber war vermulhlich das jöng*itc Gericht geschildert, 
am Chorbogen endlich vier Halbfigiiren. Ä. i88$. 



Bechburg, Alt-. 

Burgruine im Amt Balsthal. eine Viertelstunde südöstlich von Holderbank. 

Die Burg Alt-Bechbiu-g ist wohl unzweifelhaft der Stammsitz der Frei- 
ierren von Bechburg und miiss in ilircn Anfängen ins XII. Jahrh. hinauf- 
reichen. Bei ihrem urkundlichen Auftreten ist die Veste abtT in fremdMi 
Httnden; sie ist eine Ganerbenburg; die sogen, hintere Burg bt freies lediges 
Eigen der Froburger, die vordere Burg mit d^m Thurm ist als lamlgrafliches 
Lehen in Händen der firafcn von F'alkensteiji. — Am 10. Mai 1.135 verkauft 
Graf Rudolf von Falkonstein dem Ritter Heinrich von Ifcnthal -die alte 
Bechburg. den Thurm und ü;is Haus das danim ist», wie sie mein Vater sei. 
und meine Vordem hergebracht halxtn, sammt Aeckeni, Matten etc. um 500 fl 
alter Ifennige. Die Grafen Rud. von Neuenburg und Joh. von Fraburg, als Land- 
grafen, belehnen den von Ifcnthal <lamit (.?. W. iS-^o, S. 66ft). Eilf Jahre spSt<T 
kaufte Heinrich von Ifrnthal um 130 Mk. SilbfT Basier Gewicht von (traf 
Johann von Frobui^ auch dessen Antheil d«^ alten Bechburg. mit Namen den 
hinlerslRn Theil. sommt Gütern. Ixuton etc. als rechtes freies lediges Eigen. 
133Ö. 20. Febr. (.V. /I". /<yjo, S.Ö70). Heinrichs Sohne, Heinrich il. und Hemmann 
von Ifcnthal folgten ihrem Vater ums Jahr 13S3 im gemeinsamen Besitze 
Alt-Bcchburgs. Schon am i\. Jan. 1366 verkaufte aber Itemmann seinem 
Broder seinen Antheil an der «hintern Bechburg die wider Baistall liegt» 
(•S*. /I' /Jy/, S. zo) und am 22. April 1368 seinen Theil der «vordem Burg zu 
Bechburg?. die Lehen Ist von Graf Rud. v. Neuenburg, und Güter. Rechte etc. 
um 80 Mk. Silbers \S. II'. rA'jj, .S. 2t), Ritter Heinrich IT. hatte keine Srthne 
und Hess darum am 29. Okt. 1368 die vordere Burg mit dem Thumi durch 
Rud. von Neuen burg-N'idau, den I^ndgfr^fi^< in ein Runkellehen verwandeln 



0' H'. iS2p. S. 73a). Nach seinem Tnde beerbten ihn seine Töchter Re^la, 
vcrmahh mit Hnrdngen von Plinwü uml MargAretha, vermählt mit Pctcr von 
Kpiingt-n. In dem h^Wrhst merkwürdigen Vertrage vom 23. Dez. 1376 ge- 
währt Hcrdcgen von Hinwil , dem die hintere Burg 7uge5il1en. seinem 
Schwager Kptingfn, dem ßesit/er der vordem Burg, dnen steten getreuen 
Burgfrieden und ein Vorkaufsrecht auf seinen Antheil und erhalt dagegen 
Weg und Steg durrh die vordere Burg zugesichert i.V. W. iStj, S. 246). Afe 
Margaretha von Ifonthal ca. 1391 WUlwe geworden war. heirathete sie in 
zweiter Ehe den Ritter Hermann voii I-andenberg, genannt Tschudi und 
brachte am Montag vor der alten Fastnacht 1404 von ihrer Schwester Regido, 
der Wittwe Herd. v. Hinwil. die hintere alte Bochburg um 60 (ild. baar und 
verschiedene fauschgüirr an sich {S. l\'. iSjo, .S. 417). Die 1405 zum zweiten 
Mal verwittweie Margaretha empfing vom Grafen Otto von Thierstein Frei- 
tag vor Palmsonntag 14 ti das vonlere Haus mit dem Thurm auf der alian 
Bechburg und verschiedene Goter zu Lehen (.S* W. rSij, S. 314). Margaretha 
hatte auch ihr>'m zweiten Gemahl keine S'ihne. sondern nur zwei Töchter 
geschenkt, Verena. Gemahlin Thörings von Eptingen, und Suse, später (iuttin 
Hermanns von Hohenlandenberg. Mit Zustimmung ihres erstgenannten 
Tochtermannes verkaufte sie nun der Sudt Snlothnrn ihre Vesle Alt-Rech- 
burg mit lauten, Gtttem, (ierichten etc, um 3000 Rh. (ild- Am 13. Mai r4i6 
warf! zu WigtTlis Holstatt im Buchsgau vor l^ndgericht der Kauf gefertigt 
(S'. iV. /6jo, S. 363). Schon 2 Tage zuvor hatte der I^ndgraf, Graf (Jtto von 
Thierstein, für sein Lehen in di*n \*erkauf gewilhgt (.5* fl'. /if^o, S. 362). 1477» 
Freila^' nach Fr.^nzisci. wird die Vesle um jÄhrlichen Zins von .^ fl Helli^r 
als Erblehcn dem Ulrich Pfistcr genannt Kolcr aus dem Sarganserland \"er- 
liehen i^fiaffner II, S. 350). 1,^21 kommt Alt-Bechburg als Lehen an den Solo- 
thumer Schul tlieissen Hans Stfdli um einen jahrlichen Zins von 18 ff Geldes 
{^flnfnrr 11. S. j6i). 1572. Donsl. auf S. Antoni. wird das Lehen von Alt- 
Bechburg dem Benedikt Bloch erneuert {llaffner IL S. 303). 1600, 26. Juli, 
empfängt Jakob Bloch das Lehen {ilaffuer I. c). Haffncr nennt Alt-Bech- 
burg ein «all zergehend .Schloss» und berichtet, dass ein I.andmann diis- 
selbe sammt den Zchnden und (iutem zu Lehen habe und bewohne. Als 
die Stadt .Snlothum das Lehen um z \ Gld. abtOsen wollte, h-ilw» sie bei dem 
»groben Mann* nichts ausrichten können (l. c. U, S. 355). 

Zu Anfang des XVIIL JahrhdLs. ging da-s Schloss in Feuer auf und blieb 
seither Ruine. Die Steine dienten den umwohnenden Bauern als Baumaterial 
[Stroh mrier, S. J17* 218). UebCr den Fund eine® Gerippes in einer Höhlung 
der Mauer 1836 vgl. Stro/i/nfitr, 21a. Dürrer. 

Abbildungnt: Kamv, Aquarell in einem Album im Besitze des Herrn 
Dr. E. v. Mülinen in Bern 1670 (Fig. 6). Wagner^ Burgen. Kl Soloihuni T. 6. 



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Heinr. Jrnny, Zeich nun gslehrtT in Solothurn, gost. iHtjt, KeelpMoichnung; in 
einem Album bei Herrn Staatsschreiber Amiet in Solothurn (l'ig. 7). 

Die von West nach Osten 
langg^es treckte Üurgstelle 
(Fig-. 8 u. Fig. 9) liegt auf 
der schmalen Zunge eines 
Juragrates, die im Westen 
jäh abfallt Kine lang- 
gestreckte Felsbank bildet 
wcsilii-h als hiichstjifelege- 
ncr Theil den eigentlichen 
Burgfclscn. £in an seinem 
Weitende schartig abstei- 
gender Grat scheidet den 
nahezu senkrechten sQdlichen Abstua vom wild zerkUiftoten Hange der 
Nordwestsfitc. Oestlich seUeo sich vor dem Burgfelsen zwei tiefer Hegende 
Terrassen B-C und A ab, deren Nord- und Südseite als waldiges Gehänge 

sich steil abdacht. F.in (künst- 
licher?) Einschnitt, der alte Burg- 
graben, isolirt die Stelle im Osten 
von dem dahinter sich fortsetzen- 
den Bergrücken. Nur von f >stcn 
Ist dcrBurgfelscn zugänglich. Der 
Burgweg führt hier /.unäclist über 
einen aus abgestürzten Mauer- 
steinen geschichteten Damm, 
welcher den ca. 7 m. breiten und 
ca. ^ m. tiefen Graben Oherbrürkt 
und ohne Zweifel die Stelle der 



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Fig. 7. All-Itcchbnrg. 



(NVh //. Jenny.) 



alten Zugbrücke einnimmt. Wo der Weg auf die Terrasse A mQndet. haben 
sich die Substructionen eines bei Kauw abgebildeten kleinen viereckigen 



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Fig. S. All-liochbiirs. I.4ine<chiiiU. (/. üfmfij 

Thorthurmes erhalten. Die Terra.sso A ist halbkreisförmig. Von den 0.60 m. 
starken, nach /\uttTV ursprünglich gezinnten Umfassungen der Peripherie sind 



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nur Bruclistücke erhal- 
ten. YHc gcra<)lini{^ 
30 m. lange wcstlit^c 
Rasis der Terrasse A 
wird in ihrom stuUictaen 
Thcil durch die noch ca. 
.\ m. hohe und €\8o m. 
starke Su'itzrnau er der 
hiiheren Tcrrasso B ge- 
bildet: der nördliche lliin] 
ist durch ein Felsstück 

begrenzt , das durch 
Mauerung versl.'irkt ist. 
An IrtütorerStellemüssio 
nach Ä'rfMw ein zweiter, 
längs dcft Nonihanges 
emporfilhrender VV»'j< auf 
die Terrasse gemündet 
haben. Der Aufgang zur 
zweiten, ca. .s m. höher 
gelegenen Terra-ssc? B-C 
führt heute über cme 
abgestürzte Schuttslelle 
ihrer ostlichen Stütz- i 
mauer; den alten Za-' 
gang dürfte südlich da- 
von eine jedimü-its von 
dneni runden Dalkenloch 
begleitete, durch Absturz 
entstellte flefFnung b^ 
zeichnen. l>!c Tcrrnsso 
li - C umsrhliesst den 
Nordostfuss des eigent- 
lichen Burgfelsens mit 
einem spitjt verlaufenden 
sadlichcn (B) und einem 
rechie<?kigi*n westlichen . 
Schenkel C. Von den 
Umfassungen hat sich 
ansscr der Östlichen Stütz- 
mauer ein an den Scheitel 



anstossendes o,Ho m. starkes nördliches Stück und der noch 3,50 m. hohe west- 
liche Abschtuss des rechteckigen Schenkels C erhalten. Derselbe vcmiitti-Ue den 
Aufgiing zum Burgfelsen. Uicser besteht aus einer in den I-'elscn (gebrochenen 
Oeffnung (vgl. den Langschniu Fig. s> ; sie war nach fCditxc mit einem ober di'- 
Stelle ('■ gebauten Thnrhäusrhen geschüirt, das niil einem Pultdache alwchloss. 
Der ca. 3 — 4 m. erhöhte Burgfolsen Irujf eine Doppclanlage (vgl. die ITrk. vf>n 
1325). Eine Ostliche « vord«-TC Burg » wird durch einen rechlt*ckigen Zwinger oder 
H<">fG von der ■r hinteren Burg» JI getrennt, welche den westlichen Absdiluss 
bildet. Die vordere Burg war ein langgestrecktes Kechteck (E-F). aus de^^en 
I Nordflanke ein Thurm D einspringt. Dieser hat al.<i ältester, vielleicht Ins 
^ XII Jahrb. zurückgehender "ITieil der Anlage zu gelten. Das onrcgcl massige 
Pentagiin wendet seine .Spitze der AngrifFs{Zugangs-)seiie ^u, Seine t.Xom. 
starken, noch bis zu einer llOhe vm 5 m. erhaltenen Mauern sind aus kleinen, 
röihlichen Bruch Steinquadern sorgfältig aufgcfflhrt und umschliessen einen 
heute aufgeschütteten Raum von nur 2^0 m. NS. Breite und 5,10 m. grOsster 
(OW.) Länge. Der Thurm war schon 1325 von einem «Haus> umscldossen. 
Kauw gibt da.<selbc als ein hnh(^, polygones. mit Knnen bekröntes Gebäude. 
Von der östlichen Parlhie E sind drei Reste erhalten: die Spuren einer von 
Nord nach SOd gerichteten Mauor bei £, ein von Nordwest nach Sttdost 
gerichteter Mauerrest, der die Westseite des Zwingerschenkels B beherrschte, 
und ein 4 m. hohes. o.7,s m. dickes Stück, das an der Xordostflanke des 
Thunnes über dorn in den Felsen gebrochenen Eingange ansetzt und die 
sfldliche Begrenzung des Terrassenschenkcls C bildet. Das aus grauen, un- 
regelmässigen Bruch.steinen aufgeführte Mauerwt^rk i.st mit dem lliurme D 
nicht bündig, und dürfte bedeutend jünger sein als dieser. Die südliche 
Umfassung des « Hauses ^ ist grösstenlhoils abgestürzt Wagner.^ Abbildung 
zeigt über einer rundbogigen Pforte einen KJeinbogenfries oder eine Reihe 
von Balkonlöchem. Die auf die Felskante gebauten Umfassungen des west- 
lichen Abschnittes F, .südlich nur 0,60 m. stark und ca. 0,80 m. hoch, niirdlich 
als Fortsetzung der Nordsejte des 'ITiurmes auf einen hüherragcndon wrhmalen 
Grat gebaut, biegen an der Westseite gleichmässig ein, ohne indessen die- 
selbe zu schliessen. Ob sie in ihrer heutigen Gestalt als Umfassungen des 
den Thurm umschliessenden «Hauses» gedient haben, ist fraglich. Westlich 
logt sich als Vorhof oder Zwinger der hinteren Burg» ein durch Schutt- 
auffulluni' goebnete.s Plateau G an. l^e siurmfreii> Xord- und Südseite ist 
von einer n,6o m. starken, niedrigen Mauer begrenzt, die sich in der Sfidost- 
Eckc bündig an die eingebogene l.^mlassung des Abschnittes F anschliesst. 
Den westlichen Abschluss bildet die • hintere Burg« H, c-in fast quadratischer 
VVnhnlhurm von io,.J5 m. nord- südlicher und 13 m.' west-südlicher innerer 
Ausdehnung. Kanw gibt demselben ungenau wieder. Er war nur von der 
vorderen Burg her zugänglich (vgl. die Urk. von 1376). Das Bestehen eine» 



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All-Bechlnirs. — Hea-BodibafE. 

untcrlrdKrhcn Ausganges an- der jähen WcstsHtc, der heute durch Stein-j 
blocke viTApcnt sein soll, ist zweifelhaft. Von den bis auf ca. 4 m. H< 
in ziemlich regcIniAssif^or ßruchstoinmaucrung erhaltenen Umfassun^n zeij^ 
die 1.20 ni. starke Nordioilc eine kurze Fortsetzung nach Westen. In der 
1,55 m. starken Westseite befinden sich in ungleicher Höhe zwei einfache; 
Lucken von [ m. innerer und 0,25 m. äusserer OcfFnung. Die ^,40 m. dicke 
Südseite besteht aus einer Uoppelmauer von je i.zo m. Stärke. In ihrer Mitto 
zeigt Jciiffys Abbildung eine rundbogige Oeffhung. die jetzt nur noch durch 
eine Absturzstelle bezeichnet ist. Zcmp lögz. 




Bechburg, Neu-, 

Burg bei Oensingen, .^^Jt Malsthal-Gau {zuweilen Roth-]4«Hrhburg genannt) 

Die seit Anfang des XII. Jahrhdts. auftretende, anfangs griiAtche, di 
freiherrlirhe Kamilie der liechhurger hat wahrscheinlich die neue oder 
Bechburg erbaut und fällt ihre Entsteh ungszeit ins Xlll.Jahrh. 1313. 18. Febr- 
winl in einer l'rkunde Graf V'olniars von Kroburg ein tiut aufgeführt, ge-l 
legen • bi der nuwen ISechburg» \F. r. B. IV. S. 53S). Urkundlich erscheint 
die Hurg dann erst wieder gegen Ende des XIV. Jahrhdt!>. Sie war iMi 
I.£hen des Hauses Xidau und kam nach (iraf Rudolfe unglücklichem Tode 
137.5 an dessen Schwester Verena von Thierstcin: aber vor 1382 mufts Mej 
nebst Kipp von Anna von Kiburg, der andern Schwester Rud. sei, eru'nrben] 
worden sein (.V. W. tSij, S. 2.56; tfijj, S. 22%), 1394 war Neu-I3echburg im; 
Pfandbefeitz der Elisabeth Senn von Buchegg, Wittwe Hemmanns, des letzt« 
Bochburgers |.S' IV. ia^6, S. 158). Ihre Rechte kamen nach ihrem Tode im 
tiraf Hemhard von Thierstcin . von dem Graf Bcrchtold und (iraf Ego 
von Kiburg in ilirom und Graf Hiirtmanns ihres Vetters, Namen die Veste 
Neu-Bechburg am 25. September 1 400 losten und sich durch die Horr- 
schaft Oesterreich damit belehnen licssen iS. tV. /SjÖ, S. 165). 1405, 6. Januar, 
verpfändete Egn v. Kiburg die liurg an Conrad von Laufen. Zunftmeisti?r in 
Basel (für eine Schuld von 430^ Gld | (.S'. tV. tüi6, S. 166). Herzog Friedr. v. 
Ocsterrcich bestätigte am i4.Jan.. der Rischof von Basel am 17. Jan. 1 105 diet«e 
VerpRlndung. Den 30. Jan. gl. J. entzog sich des Vcr|»fsnders Bruder, Graf. 
Berchtold. alles Rechte.s an der Burg (,S" W. iJijö. S. ifiH ff.). 140^, 21. Juli. 
gibt Graf Egu dem Pfandinhaber das Recht. 500 Gid. an der Veste zu ver- 
bauen und dieselben auf die Pfandsumroe zu schlagen (.V. W. /ftj6, S. 174). Am 
15. August 1-1 12 besichtigte der Graf die neuen Bauten und genehmigte 
dieselben, wie auch die Kostennote von 300 GIdn. LHeselbcn. zu den frühem 
500 GId. geschUigcn, sollten mit dem PfandschUling von Neu-Bechburg zu 
gleicher Zeit abgelost werden {S. H^. tff:/6, S. 17O). Schon das Jahr zuvor. 
Sonntag vor Bartholomäus 1411, hatte Graf Ego von ICiburg den Bürgern von 



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Bern seine Rechte an Bochburjj und Fridau, d. h. die I^sunf^ dieser Pftind- 
schaften Übergeben (S'. IV. 183g, S. 181). Am 30. Januar 1415 losto nun Bern, 
kraft dieses Briefes Graf Kgo's, um «^430 üoldgulden Neu-Bechbur^ und 
Fridau an sich (.V. IV. ttStg. S. 334). In dieser Zeit taucht zum ersten Mal der 
Name Roth-Uethburg auf 1423 (Äwi. Üoselld. U, B. S. 741). Spiltcr wurde 
Solothurn Mitbesitz eingeräumt. 146^1 iheilten Bern und S<^iIothum ihre ge- 
meinsjimen Herrschaften Bipp und Bechburg und die letztere fiel dabei an 
Solothurn (^S". JK M'jj, S. i6q». Bis 1798 blieb nun Ncu-Bechburg der Sitz des 
I-andvogts; dann wurde sie veräusserC, aber iJ^2i von der Regierung van 
Solothurn wieder zurückgekauft und eine Wirthschaft daselbst errichtet. r>a 
aber der Staat die nothwcndigen Reparaturen nicht bestreiten wollte, fand 
Uj.5 eine neue Steigerung statt und seither blieb Neu-Bochhurg im Besitz der 
Familie Riggenbach von Basel. K^^yff^^ f- Alfisho/ftt, Burgen). Dürrer, 

Abhilditugi'.ii. //crrlibcrgcr, 1 opogr. II {IV, 2^) zu pag. 330. Ansieht von 
Süd nach E. Büchel, dessen viel bessere Originale von Nord und Süd (Fig. 10 
u. 1 1) sich in einem kleinen Quorfoliobande mit Tuschzeichnungen in der OfFent- 
licheii Kxmstsanimlung in Basel befinden '). Ansicht von Süd. dessinc et gravc 
par Caspar Wyss {7Af:^ct'%K:\M> Prospcctensainmiung der Stadtbibliothek Zürich). 
Dessglcichen von Fr<mz Graff, Album im Museum Solothurn. Bd. II, fol. 26. 
Dessgleichen bei IVagtter, 4. Dessgleichen bei Pfyffcr v. AUishofrn^ Taf. 20. 
Unsere Illustrationen Fig. 13 und 14 sind nach den im Besitze des Herrn 
Riggenbach-Stehlin befindlichen Aufnahmen des Herrn Architekten Kolben- 
hoyer in Basel wiederholt. 

Die Bausteüc ist eine von West nach Ost gestreckte Felsbank, die aus 
dem Südabhange des Henkclherges vorspringt und allseitig mit steilen Hängen 
abfällt. Die bis auf die aussersten Kanten vorgeschobene Ummauerung hat 
eine Längenausdehnung von Ö6 m. bei durchschnittlicher Brette von 14 m. 
Am südlichen Fussc der Burg erstreckt sich eine schmale, 55 m. lange Garten- 
tcrrassc Sie ist von einer gezinnten Mauer umschlossen, deren Stärke im 
Östlichen Theile der langen Sttdfrxint 1,10 m., im westlichen dagegen nur 
0,70 m. beträgt. Ein viereckiger Pavillon bewehrte die StJdost-Eckc des 
Gartens; von da zieht sich seine Ostliche, unvollständig erhaltene Umfassung 
als eine 1,10 m. starke abgetreppte Mauer zum Ost-Fusse der Burg hinauf. 
Der einzige Xugang führt von Osten her. Seine ursprüngliche BeschaflEenheit 
ist unbekannt. Hinter dorn Ostfuss des Donjons führt eine 1751 datirte Barok-| 
treppe zu einer Terrasse empor, auf der sich in der vom Garten /um Thurmc 
ansteigenden Mauer ein 1632 datirtes Portal öffnet. Das Giebelfeld ist mit 



') In CDTotknniDKndalcT Wctw luil die /Mnoc/Mw »Ur öffentlü'hrit Kunstiammltatg m ßart 
die VcroAcDÜKhuDE einer ^Vuiahl von Orii^nulzridinuiit^aa d« Maloi Smanitel B^ktl f^ <77S) 
gnUttel, woAlr üir tuiMnit der tctliindlkb-itc Ihiok cTsUUcl muA. 



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rincr SchlüssMscharte durchbrochen. Diese PfoTtr^ bildet den Zugang zu 
der Rampe, die Über dem Gancn längs dem südlichen Burgfiissc angelegt 
ist. Die Brüstungsmauer ist i.io m. stark. Ihre gegrnwrirtigrr Fortsetzung 
bildet eine schmale Terrasse, vtm der man d;is Hurglhnr betritt. Aelierc 
Abbildungen (I'jg. 1 1) zeigen das Letztere duruh ein rechteckig vitrgebaiiies 
Thorhau«* bewehrt, das mit einem gegen die Uurgmauer ansteigonden 
Pultdache gedeckt und von der Rampe durch einen kurzen Zwischenraum 
getrennt war, über welchen eine Fallbrücke führte. Drei aus der tturgmauer 
vorspringende Consolen haben vielleicht zur Aufnahme der I'riische gedient 
Die Burg ist durch spätere Umbauten vielfach verändert und in iliren 
bewühnbarcD Theilen modcrnisirL Die ursprüvgUche Anlage war durch einen 
Einschnitt, der sich hinter dem lliorhause quer über das Plateau streckte, 
in zwei Thcile gethcilt. fJieser Einschnitt, vielleicht ein ursprünglicher Wu^, 



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/•)/. lt. Ncu-Brcblnit«. (Nodt £. ßOfM.) 



ist später als Trepp^nhiiHS Überbaut worden. In ursprünglicher Form i« der- 
selbe nf^rdlirJi von der Ringmauer, seitwärts von den (iebauden der Ost- und 
Wesiburg begrenzt, zwischen denen, niedriger als diese, das Tliorhaus den 
südlichen Abschluss bildete. Die nördliche Ringmauer ist j,So m. stark, Sie 
war nach Mittheilung des jetzigen IJesilzers, Herrn F. Riggenbach-.Stehlin, 
mit einem hölzernen Wallgange bekrOnt, welcher die beiderseitigen Burgthoile 
miteinander verband. Eine in der MauerstArke befindliche Wcndeltn'iipe hat 
Herr Kiggenbach erstellen liu«isen. r>ie Oeffnung. die über dem Thnrhause 
zwischen beiden Südfronten bestanden hatte, ist vermuLhIich erst im XVIi. 
Jahrhundert bis air Höhe dieser letzteren ausgemauert worden, wie sich 
aus den Verschiedenheiten des Steinverbandes und dem Datum 1607 ergibt, 
welches nach alleren Abbildungen und Mittheilung des Herrn Riggenlwch 
sich am oberen Theile der Zwischenmauer befand. Ohne Zweifel fand im 
Zusanunonhange mit dieser Unternehmung die Ueberbauung des Hofes statt. 



der heute zu ebener Erile eine stattliche Treppe und in iJen beiden folgenden 
Stockwerken eine Anzahl mndcmisirter Wohnräume enthält. Auf den Bau 
der Tr€f|>po bezieht sich das Datum 1752, das zwischen den Chiffcm r.F.V.R., 
dem Sulothumcr Stiuidesschildo und dem Wappen der von Roll über dem 
oberen Ausgange angebracht ist. Ein zweites Datum, iGj9, das sich in 
einem Räume des oberen Geschosses befand, ist nicht mehr vorhanden. 

Der bestcrhaltene Theil der Anlage ist die Ostburg (Fig. tz \l 14). im 
Osten erhebt sicJi auf einem etwa.s htMioren Felskegel der runde Dcnjon. 
Sein unterer ITieil ist im östliclicn Halbzirkel mit einem fünffach stumptwinkeUg 
gebrochenen Mauermassive ummantctt, dessen westliche Verlängerung sich 
beiderseits bis xu dem ehemaligen Hofo (Treppenhaus) erstreckt, wn eine 
t.äom. starke Mauer den westlichen AbschKiss bildet. Die Ummantclung 
des Donjons und ihre wiistlirhen Fortsolzungen bestehen aus einem unregel- 
mässigen, mit Ziegeln versetzten Bruchstein werke, aus welchem nach aussen 
einzelne bruchrohe Kalkstoinblflckc n^gellos voTspringcn. Der zwischen dem 
Donjon und dem westlichen Abschlüsse befindliche Raum ist durch eine 
t>,7ii m. dicke Quermauer in zwei auf verschiedener Höhe gelegene Ab- 
thcihmg<"n gctheilt. Der l.ingrre westlirhe Abschnitt ist der ehemalige /h/as, 
neben welchem der ostliche, höher gelegene Rest als ein unbedecktes Hofchen 
sich dem Westftisse des Donjons anschlicsst. Der Palas ist einschliesslich 
des Kollers drei Stockwerke hoch. Der Keller, über dem sich einn 2,10 m. 
hohe Flachtonne spannt, ist von Westen zugänglich. Die inneren Abmessungen 
betragen g.Ho m. OW. I^ngc zu j.io m. westlicher und .s.35 tn, östlicher Breite. 
Die südliche Mauerstarke betragt 3,20 ra., die nördliche 3,35 m. Der am Ost- 
endo ansteigende Fols ist mit einer Mauer gefiitttTt. An der Südseite 
schneiden zwei Lucken mit stichbogigen Kammern in die Tonne ein. Die 
bcidtrn folgtmden Stockwerke sind modernUirt. Jedes ist südlich mit zwei 
Fenstern geöfliiet. Drei derselben sind einfach vicrcdcig, das östliche des 
zweiten Stockes dagegen bildet eine viertheilige Gruppe von rechteckigen. 
in der Mitte überhöhten OefFnungen , die ein stichbngiges Cifwände um- 
rahmt. Die Corridor- und Treppcnanlage an der Nordseite tliescr tieschnsso, 
und ihro Theilung in jo zwei Gemächer ist wohl nicht ursprünglich; ein 
einziger grosser Saal dürfte das <.)bergeschoss eingen'^mmen haben. Seine 
DimeuMonen sind; Westseite 7,90 m., Ostseite (^,50 nt.. Südseite y.8o m.. Nord- 
seite io,20 m. Die Mauerst.trke beträgt in diesem Obergeschosse südlich noch 
1,70 m., n'irdlich, wo sich zwei verschieden jirtig gestaltete Lucken öffnen, 
sogar 3 m. Die Nordseitc des Untergeschosses zeigt keine Durchbrechungen. 
Der Eingang zum I*alas dürfte an der Nordwest-Ecke vom Hofe aus durch 
Holztreppen vermittelt worden sein. Nach dem Höfchen ist die Ostwand 
des Palas im ersten Stocke mit einem emfachen F'enster, im folgenden mit 
einem (jetzt verbauten) Kreuzstockfenster gcüfTnct. Das Giebeldach wird 



Ncu-BKhliutg, 



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nördlich und sQdlich von einer schwächeren Schildmauer gelragim. Das 
ostlich folgende f/ö/fhfn ist ä-niveau mii dem ersten Stock dos Palns gelegen. 
Auf der zurücktretenden Mauerstärko der Nnrd- und Südseite ist ein hol/enier 
Wallgang angebracht. An der Nordseitc ist derselbe diirdi einen mciOertien 
Facliwerk-Einbau zerstört Den früheren Zustand gibt der Schnitt (Fig. 14). 
Der Zugang^ zu diesen LeUen führte vom Dachboden des Palas her. Eine 
breite, fenstcrartige Lücke Öffnete sich im nördlichen Wehrgange. Unterhalb 
[lerselbcn war zw ebener Erde die 3,85 m. starke Mauer mit einer i-Tortc 
durchbrochen, durch welche die Abzugsrinnen des SehmutzwasserR sich nach 
aussen ergossen (vgl. liücheVs Abbildung der Xordseite, Mg. 10). In der 
südlichen Begrenzung des Hofchens ist zu ebener Erde in der 3 m. starken 
Mauer eine stichbngige Nische ausgespart, die als Kammer einer schmalen 
Lücke dient; darüber soll unter dem Wallgang ein unzugiln^üches Kerker- 
golass ausgespart sein. In dem hnrhgi^logenen. wohlerhidtenen Wehrgang ist 
die nach einem kleineren »weiten Absätze oben noch 1,20 m. storke Mauer 
mit einer wagrecht abgedeckten Luckn durchbri>chen. deren Äusserer, 0,20 m. 
breiter Schlitz mit ornamentirten S. Urbaner Backsteinen umrahmt ist. wie 
sf>lche bei den neueren Umbauten an verschiedenen Stellen der Burg j:u 
Tage getreten sind. Oe^tlich führt dte Letze einerseits nach dem Eingange 
des Donjons (Flg. 15), andererseits zu einem schmalen, flach gedeckten Gange, 
(Irr in dem 3,,so m. dicken, südlich neben dem Donjon befindlichen Mauer- 
massive ausgespart ist. Dieses Massiv ragt Ober die Ummantelung empor, 
welche den Ostlichen Halbzirkel des Donjons umgibt, ist aber in gleicher 
AuÄsenflucht mit derselben gelegen. Aus dem Durchgang botritt man die 
4,io m. breite Plattform, die sich auf der 13 m. hohen l'mmantelung des 
Donjons betindft. Dieser Umgang war ohne Zweifel von jeher bedeckt. 
Heute ist er von einer o,go m. dicken Aussenmauer umschlossen, in der sich 
fünf hohe, fensterartige Scharten Offnen. Doch ist ihre .Stniciur eine andere, 
als die der Alteren Thcile. mit denen sie in keinem Verbände steht. Unter 
dem jetzigen l'ulldache sind die Balkenlocher einer tiefer liegenden alteren 
Iledarhung vorhanden, l^nlor dem Bretterboden des Umganges offnen sich 
in radialer Anordnung fünf viereckige, unzugängliche Gelasse, dcrofi Bc- 
fitiniumng unklar ist. Der runde Dortjon erhebt .sich zu einer Hohe von 
iH.jo m. über der Sohle des Hofchens. Seine unregelmässige Mauerung 
besteht aus Bruch-steincn. Den Zugang vermittelt südwestlich in einer Hohe 
von S m. Ober der Sohle des Hofchens eine vom südlichen Wehrgang er- 
reichbare, innen viereckige ThOrc. deren an.sscrcs. spitzhogiges Gewände aus 
Tu(r-Bossen(|uadem gebildet ist. Im Inneren verjüngt sich die Mauerslärke 
des 'I'hurmes in fünf Absätzen, welche cbensoviclc ehemals durch Leitern, 
heute durch Holztreppen zugängliche und unglf'ich hohe Stockwerke scheiden. 
Das erste, ursprünglich vielleicht ein Kerkergelass. liegt unter dem Xlveaiu. 



Hca-Bfchtnirc. 



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Schäften bemalter Roccoco-Ofen aus dem cliem;>ligen von Redin jf'&rlien Hause 
in Wolfwil. 

I>cr Plan der Westburg bildet ein lant^'gestrecktes Rechteck, das sich 
südlich mit einem einspringendtMi StuniptVinkol nach dem am Westende be- 
findlichen Thiirm^ verengt. Dieser letztere, der sich auf einem besonderen" 
Felsstocke erhebt, ist der einzige ursprünglich erhaltene Thei! dcT Wt^tbury. 
Sein Grundriss bildet ein unregel massiges Vierkant mit abgerundeten Kckcn. 

Die grösstc äussere I-änge 



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beträgt 8,20 m., die Breite 
6 m.; seine Hf*e ist tb m. 
Nur das Obcrgeschoss, in 
welchem sich nach Süd, 
West und Nord je ein mo- 
dernes Fenster Offhct. ist 
zugänglich. Die Mauer- 
dicke beträgt hier nördlich 
1,20 m., westlich 1,80 m.; 
geringer ist sie nstlich und 
sQdlich. Darunter befindet 
»ich ein unzugängliches fie- 
lass, das seine einzige IJe- 

leuchtung durch einen 
schmalen, an der Südseite 
befindlichen Mauerschlitz 
erhält und ehedem als Ker- 
ker gedient haben soll. Die 
Bedachung des Thurmes, 
ein zwischen iwei Maucr- 
wangon nach Nonlen an- 
steigendes Pultdach, ist mo- 
dern. BüchtVs Abbildung 
zeigt einen auf KteinbOgen 
vorkragenden Zinnenkranz. 
Die 2,40 m. dicke »ördikhe 
Umfaisung hat sich bis zu einer inneren Hohe vf>n ca. .| m. erhalten. Sie 
ist mit zwei Lucken durchbrochen, deren (lewande wieder die Anwendung 
von Su Urbaner Backsteinen zeigen. Die siuiiic/ic Umfassungstnauer ist 
185(1 an Stelle der abg