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Full text of "Anzeiger für schweizerische Altertumskunde: Indicateur D'antiquités Suisses"

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NEUE FOLGE. 

BAND III. JAHRGANG 1901. 



l 



ANZEIGER 



FÜR 




INDIGATEUß D'ANTIQUITES SUISSES 



Herausgegeben von dem Schweizerischen Landesmuseurn 

in Zürich. 



-♦^^ 



NgUE FOLGE 

Band III. 
1 O O 1. 



ZÜRICH. 

Verlag des Schweizerischen Landesmuseums 

Druck von Gebr. Leemann & Co. 
I9OI. 



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ANZEIGER 



FÜR 




E ÄLTEBTUMSKUNDE 



INDIGATEUR D'ANTIQUITES SUISSES 



Herausgegeben von dem Schweizerischen Landesmuseurn 

in Zürich. 



-♦^^ 



NgUE FOLGE 

Band III. 
1 O O 1. 



ZÜRICH. 

Verlag des Schweizerischen Landesmuseums 

Druck von Gebr. Leemann & Co 
I9OI. 




/^.'/-fY^^.; 



InhaltSYerzeichnis 

a.e© Talirgraxig'es 1301 (Bd. Ill, N. F.). 



Vorgeschichtliches, Pfahlbauten, Steindenkmäler, Keltisches, 
Etruskisches, Römisches, Alamannisches. 



Seit« 



Sur les fibules pal6olithiques et specialement sur Celles de Veyrier (Haute-Savoic) 

par le Dr. O. Schoetensack ä Heidelberg ..... 1 

Le cimeti^re gallo-helv^te de Vevey. Par A. Naef. Planche i, VII, VIII 14, 106 

Die Arbeiten der Antiquarischen Gesellschaft von Brugg. Bericht des Vorstandes 31 

Eine Tiberius-Inschrift in Windisch. Von Th. Burckhardt-Biedermann . 237 

Römische Inschrift am obem Hauenstein. Von Th. Burckhardt-Biedermann . 245 



II. Mittelalterliches, Neueres. 

Mutmassliche Reste eines altchristlichen Oratoriums in der Kirche von Pfyn 

(Thurgau) von J. R. Rahn ..... 

Die Maler- und Schreiberschulc von Engelberg. Von Rob. Durrer. Taf. IX, X, XI 
Zur Kostümgeschichte des i6. Jahrhunderts. Von Hans Herzog 
Glasgemälde aus dem Anfang des X\f I. Jahrhunderts und ihre Vorlagen. Von J. R. 

Rahn. Taf. II, III 

Päpstlicher Pannerbrief für Schwyz. Von Theod. von Liebenau 
Ein Scheibenriss aus Plurs. Von H Angst .... 

Die Hafnerfamilien der Küchler in Muri und Luzern. Von H. Lehmann. Taf. IV 
Inschriftliches aus Vindonissa. Von A. Gessner, Aarau 
Die Wandgemälde im Turme des Schlosses Maienfeld. Neue Funde. Von J. R. Rahn 
Zur Geschichte der ältesten Geschütze der Schweiz. Von Dr. Hs. Herzog 
Die Vouge, eine Stangenwaffe des späteren Mittelalters. Von G. Bleuler 
Das beim Zuge nach Dijon, 1513, gebrauchte Zürcher Stadtpanner. Von H. Zeller 
Werdmüller ....... 

lieber Kriegssitten. Von Theod. von Liebenau 

Steinmetzzeichen des XVI. Jahrhunderts in St. Gallen. Von E. Hahn 

Eine Serie von Luzerner Glasgemälden im Auslande. Von H. Angst 

Ein altes Madonnenrelief. Von R. Handmann, Basel . 

Studien über die ältere Baugeschichte Rheinaus. Von J. R. Rahn. Taf. XII 

Die Wandmalereien im Chore der Kirche zu Kulm. Von J. R. Rahn 

Jakob Boden, Maler in Bern. Von H. Türler .... 

Jakob Kurer, von Th. v. Liebenau ..... 



36 
42, 122 ^ 
56 

58 

67 

69 

72 
115 
117 
177 
179 - 

183 
187 
190 
195 
^18 
252 
270 
273 
275 



Urs Graff. Klarlegung seiner Familienverhältnisse für Solothum. Ein Beitrag zur 
Kunstgeschichte. Von F. A. Zetter-Collin, Solothum .... 

Die Glasgemälde in den aargauischen Kirchen und öflfentlichen Gebäuden. Von 
Hans Lehmann. Taf. XIII, XIV 



Seite 
277 
291 



in. Miscellen. 

Ropertorium oder Verzeichnis über die eingepackten, teils geflüchteten, teils zum 
Flüchten bereit liegenden Mobilien des Klosters Rheinau 1798. Von E. 
Rothenhäuslcr .'....... 80 

Bruder Baltasar, O.-Pr., Bischof von Troja, weiht als Generalvikar des Bischofs 
Hugo von Constanz einen Altar auf der Veste Breitenlandenberg. Von Dr. 
R. Hoppeler .......... 80 

Notizen aus dem ältesten Bürgerrodel von Diessenhofen. Von R. Wegeli 81 

Preise des Majolicageschirrs. Von C. J. ...... 202 

Basel, Wochenausgabenbuch, Samstag, den 31. Mai 1562. Von Dr. Luginbühl 202 

Zur Geschichte des schweizerischen Kriegswesens ..... 202 

Inventar des Adrian von Riedmatten, Dekan von Sitten 1594 304 

Hausrat eines Patriziers. Von Th. v. Liebenau ..... :i(K> 

Luzemer Thaler von 1573. Von Th. v. Liebenau ..... 307 

Die Kleinodien des letzten Grafen von Greyerz an Luzern verpfändet. Von Th. 

v. Liebenau .......... iKI7 

Verzeichnis der Armatur und Munition im Zeughau ß der Statt Zoffingen Anno 1674. 

Von Dr. Fr. Zimmerlin ........ 307 

Eine Auslese aus dem Verlassenschaftsrodel des Rheinauer Abtes Heinrich Schenk 

von Kastell. Von E. Rothenhäusler ...... 308 

Schenkungen des Rheinauer Abtes Theobald Werlin von Greiftenberg an aus- 
wärtige Gotteshäuser. Von E. Rothenhäusler . . . 310 



Mitteilungen aus dem Verbände der Schweiz. Altertumssammlungen. 

/. Schweiz. Landesmuseum: 

Geschenke ....... 

Einkäufe: a) Erwerbungen im Inlande 

b) Erwerbungen aus dem Auslande 

c) Ankauf aus der John Brunncr- Stiftung 

d) Anderweitige Vermehrung der Sammlungen 

e) Depositen ..... 

f) Erwerbungen des Münzkabinets 

//. Kantonale A/ieHufnssammiungcn. 

Aargau ........ 

Aarau. Kantonales Antiquarium 

Appenzell. Historisches Museum .... 

Avenches. Mus6e cantonal ..... 



83, 


205, 


311 


«4, 


2or., 


312 


85, 


20?), 


313 

m 

21M> 
209 
210 

m 

313 
211 
314 



Basel. Historisches Museum 

Bern. Bemisches historisches Museum 

Burgdorf. Rittersaalverein, Jahresbericht 1898— 1900 

Freiburg. Mus6e historique 

St. Gallen. Sammlung des histor. Vereins 

Gen^ve. Mus6e arch^ologique de la Salle des armures et du 

Lausanne .... 

Neuchätel. Mus^e historique 

Neuenstadt Museum 

Nyon. Mus^e 

Ölten. Städtisches Museum 

Sion .... 

Solothum. Museum der Stadt 

Stans. Museum 

Vevey. Mus^e historique 

Winterthur. Anton Graff-Ausstcllung 

Yverdon. Mus6e 

Yverdon. Biblioth^que 

Zofingen. Museum 



///. 



Eidgenossenschaft 

Aargau 

Baselstadt 

Bern . 

Frei bürg 

St. Gallen 

Genf 

Glarus 

Graubünden 

Luzem 

Schwyz 

Solothum 

Tessin 

Thurgau 

Unterwaiden 

Waadt 

Wallis 

Zug . 

Zürich 



Musde 



Kleinere Nachrichten aus den Kantonen. 



87, 



^pigraphique 



Seite 
815 
211, 816 
212 
218 

214, 818 

88 

215, 317 
216 
216 

217, 318 

217, 318 

319 

217, 319 
821 
218 

88 

218, 322 
321 



219, 822 
828 

89, 219, 323 
324 

89, 226 

324 

89 

226, 324 

324 

226 

825 

226, 326 

89, 224 

327 

90, 220, 827 

91, 224^ 327 

226 
. 92, 329 



IV. Verschiedene Mitteilungen, 



Ueber gewachsene Gefässe. Redaktion ..... 

Anklänge an Mutterrecht. Von A. Schneider und Pfarrer Wismer 

Zur umerischen Münzgeschichte. Von Dr. Rob. Hoppeler 

Un livre d'amis veveysan. Von W. R. . . 

Einige Mitteilungen zur Baugeschichte der Stifts- und Pfarrkirche St. Lcodegar im 

Hof zu Luzem. Von J. Balmer. Taf. V, VI . 
Ein Grabstein- Fragment vom alten Judenfriedhof in Bern. Von K. 
Ein „Gobelin* aus Solothum ....... 

Les fouilles dans l'dglise de Cossonay. Von Dr. Meylan 

Vier Wappenscheiben aus dem Wallis. Von E. Hahn 

MOnzfund im Jahre 1698 zu Gächlingen, Schafifhausen. Von P. G. M. 



94 

94, 23;J 

95 

tH> 

98 
227 
228 
229 
231 
288 



Seite 

Nochmals die vermeintliche Diadumenian-Inschrift. Von Th. Eckinger 330 

Zur Geschichte der Keramik. Von H. Lehmann ..... 331 

Zur Geschichte der schweizerischen Glasgemälde ..... 332 

Zur Geschichte der ältesten Geschütze in der Schweiz. Von Dr. Hans Herzog 332 

Zur ältesten Geschichte der Stadt Solothurn. Von F. A. Zelter-Collin . 332 

Schweizerische Glasgcmälde im Auslande. Von R. W. . . ;i:'3 

y. Ulteratur. 
Allgemein .......... 102. 233, 336 



Verzeichnis der Tafeln. 

Tafel I. Plan g6n6ral des fouilles sur le cimeti^re gallo-helv^te de Vevey. 
I, n. Glasgemälde von 1527 mit Darstellung des Aristoteles und der Pliillis. 
„ IIL Wappenscheibe des Abtes David von Winkelsheim von St. Georg zu Stein a. Rh. 

1499- 1526. 
» rV. Bemalter Ofen von Michael Leontius Küchler zu Muri. 
p V. Kanzel in der Hofkriche zu Luzern mit Ausblick in den Chor. 
I, VI. Teil des ChorgestQhles der Hof kirche in Luzern. 
» VII und VIII. Restitution des ceintures de bronze trouv6es sur le cimeti^re gallo- 

helvfete de Vevey. 
p IX. Darstellungen aus dem Engelberger Codex S. 5 b und 6 a. 
„ X. Probe aus dem Engelberger Codex 6. 
^ XI. Frowin-Initialen. 

I, Xn. Kloster Rheinau. Prospekt von Joh. Caspar Winterlin 1619. 
9 XIII. Glasgemälde mit Darstellungen aus der Leidengeschichte Christi im Chore der 

Kirche zu Zofingen, 
y XIV. Kabinetscheiben von Chorherren und geistlichen Stiften im Kirchenchore zu 

Zofingen. 



Beilage. 



Zur Statistik schweizerischer Kunst-Denkmäler. Von J. R. Rahn. 

Die Kunst- und Architektur-Denkmäler Unterwaldens. Im Auftrage der eidgen. Landes- 

museums-Kommission beschrieben. Von R. Dürrer. S. 161-224. Tafeln I— IV und 

VI, VII, IX, X. 



ANZEIGER 



für 



Schweizerische pertumsl^unde. 

ODICATEDB D'ANTIQUITtS SDISSES. 

Amtliches Organ des Schweizerischen Laodesmuseums, des Verbandes 

der Schweizerischen Altertutnsmuseen und der Schweizerischen Gesellschaft für 

Erhaltung historischer Konstdenkmäler. 

IVeue Folge. Ba^nd III* 



Herausgegeben von dem Schweizerischen Landesmuseum. 



Nr. 1. 



ZÜRICH 



Mai 1901. 



Abonnemenfsprels; Jahrlich Fr. 5. — . Man abonniert bei den Postbureaux und allen Buch- 
handlungen, sowie auch direkt bei dem Bureau des Schweizerischen Landesraaseums 
in Zürich. Den Kommissions-Vcrlag für das Ausland besorgt die Buchhandlung 
Fasi & Beer in Zürich, 



SiimtUche Beiträge imd Mitteihmgen für den „ÄnM-i(/er* bittefi wir gcfL unter 
der Aufschrift ^Anrnger"^ an die Direktion des seh wetzer iHchen Laml^s- 
musennis in Zfirieh bu smden. 



Sur les Fibules paleolithiques 

et specialement sur Celles de Veyrier (Haute Savoie) 

par le Dr O. Schoetensack ä Heidelberg, 



La Station paleolithique de Veyrier, au pied du mont Sal^ve, ä quelques 
pas de la fronti^re sud du canton de Geneve, decouverte par Taillefer vers 
1835 et decrite dans plusieurs memoires '), a fourni de nombreux et im- 
portants debris magdaleniens, dont la plupart sont entrds au Musee archeolo- 
gique de Gen^ve, les ossements ayant ete transferes, il y a quelquc temps, 



*) F. Troyon, Statisdque des antiqhites de la Suhse ocddefUaie^ 3« article (Indicai, 
ifhüt. et d'antiq, sutsses, 1855, P« 5^-) 
id. V komme fossile, Lausanne, 1867, p. 94. 

E* Lartct, Annales des sc. na f., Zoologie, 1861, XV, p, 217 et 231* 
F. Thioly, Vepoqut du rmne au pied du monl salcve. (Rev, saifoisiennef t868.) 
id. Uni noiwelle sfation dt läge du renne (Ibid.) 

id. L'ipoque du renne dans la vallii du Liman (Indicat d'kist. ei etantiq, 
suissis, 1868^ p. 116.) 



2 i90^ 



au Musee d'histoire naturelle de cette ville. Une partie des trouvailles con- 
servees ne s'est jninte que plus tard au preinier lot. Nuus avons eu roccaston 
d'etudier Ic tout par rentreniise de M Ic Conseiller admmistratif Piguet- 
Fages, auquel nous adressons, ainsi qu*ä la direction du Musee d'histoire 
naturelle, nos plus sinceres remerciements. 



Les fouilfes de Veyrier ont mis au jour, entre autres objcts, six de ces 
pretendus bätons de commandement eri os, En les examinant, au MuseeJ 
archeologique de Geneve, nous nous sommes poses une fois de pJus la question:] 
A quoi servaient-ils ? 

II nous a toujours paru evident qu'un Instrument de cette sorte, dont 
les dimensions ont varie entre 8 et 38 centimetres et qui est en general 
perce de larges trous qui ralfaiblissent^ nc peut avoir servi ni conune insigne 
de chef, ni comme Instrument destin^ ä des usages violents, ä maitriser 
les chevaux, par exemple* Comme il est tres commun dans les stations 
magdaleniennes, et que, d* apres G. de Mortillet, il n*est par venu jusqu*ä nous 
que des exemplaires incomplets ou bris^s, que d'autre part, enfin, ces objets 
sont decores avec un soin tout particulier, caracteristique de cette periode 
remarquable par son developpement artistique, il nous parait plus probable que 
le „bäten de commandement** a ete plutot un objet de parure, destine peut- 
etre meme ä 6tre fixe sur une partie du vetement et bien en evidence. En 
un mot, le „bäton de commandement" nous parait avoir ete une fibule. 

Nous avons soumis cette Hypothese ä quelques personnes parfaitement 
au courant des industries primitives ; elles nous ont engage ä la developper 
et nous nous empressons de la publier, de fa<;on ä arriver ä la certitude 
par le moyen d'une discussion publique 'I. (Ju'on veuille bien examiner tout 



F. Thloly, Documents sur ies epoques du rennt et dt la pitrre poik dans ifs tnvirons 
d€ Om€V€f avcc inirod* par C. Vogt (Btdl. de i*Inst. naL Gintvois, 
1869, XV.) 
A* Favre, Sfafion de fhomme de tage de h pierrc tArch, des sc. p/tys. et rtfft., 1868). 
id. Descnption gro/ogique da canton de Geneve (Buil, de la Chsse d*Agricult. 
de la Soc, des Ärts, 1879, t I, p. 186, 187, t. II, p. 56.) 
MiUiruiux pour l*histoirt primitive^ etc. de r komme, 1868 (IV), p. 33, gr, 93, 94^ 152, 154, 
324; 1873 (VHl), p. 352. 

L. RQtiineycr, Ueber die Renntier-Stafion von Veyrier am Salevi (Arch, für AnihropoL, 
»873. S. 590 

L. Revon, La liaute-Savoie avftnf les Rmnaihs (Rein ^avoisienne^ ^^875)- 
1 h. Studer, Heistocaene Knochenreste aus einer pfdtit'ohth. Station in den Steinbrüchen 
von Vemer nm Snltve [Fouilles de M. B. Reber, a Geneve]. Mitt. der mUurf. Ges. Bern. 1896.) 
E. Thury, Saleve preha^torique {Lt saleve, descr, scient. et pitL publice par la section 
gcnevoise du Club alpin suisse, Gcncvc, 1899, p. 285,) 

*) M. Ed. Piette a bien vouiu nous adresser la lettre suivante, dat^e de Rumigny 
(Ai*dennes), Je 29 aoüt 1900: „Recevcz nies felicitatiüns pour les Communications que voiis 
avcz faites au congres [Xlb Congr^s international d* Anthropologie] et surtout pour la der 
ni6re qui nous fait connaitrc Tcinploi de certains bois de renne ornementdSi confondus sous 



4 »90i 



d'abord les figures i —5. Elles representent des types d'Esquimaux vetus de 
peaux de betes maintenues ä 1 cncolure par une cordelette passee dans le cuir')> 
dont les extremites sont poiirviies de petits morceaux de bois transversaux 
passant dans les trous d'une piece de forme allongee, qui n*est autre que 
notre bäton jouant en realite le röle d'une fibule, et qui se place tantöt 
verticalement, tantöt horizontaleinent. Le vetement se tient parfaitement 
ferme et rien n'est plus aise que de Tenlever en faisant repasser les bätonnets*) 
par rorifice du bäton^), L*extremite inferieure du bäton est souvent appointie 
et emoussee, comme la belle piece du Schvveizersbild appartenant au Musee 
national suisse ä Zürich (fig, 6), pour pouvoir la faire passer dans une double 
entaille pratiqu^e sur les deux bords de la peau. 11 va sans dire, enfin, qu'on 
peut attacher le bäton ä Tune des extremites de la cordelette et qu'on n*aura 
plus besoin alors que d'un seul bätonnet transversal, Une simple boucle ä 
Tune des extremites de la cordelette et un morceau de bois quelconque ä 
Tautre auraient atteint le but, et cela a du se passer fr^quemment aussi. Mais 
cela n'a pas toujours suffi aux populations tr^s artistes de Tepocjue magda- 
lenienne» qui saisissaient volontiers Toccasion de porter ostensiblement un 
objet decore avec soin, 

Les bätons perc6s d*un treu se portaient, croyons-nous, verticalement 
sous la gorge. Ceux pourvus de plusieurs trous s*employaient de la meme 
maniere ä moins qu'on ne voulut laisser le vetement ouvert sur la poitrine, 
Dans ce cas, le bäton devait se porter horizonlalement, les differents trous 
etant utilises ä la maniere des chainons d'une chalnette (fig. 5), Le bäton 
cotirb6 de la Madeleine*) porte deux perforations Tune ä cöte de Tautre, 
De m6me, Fobjet en bois de renne de Schussenried (Wurtemberg)'', qui n'est 
pas fini, puisque le second trou est inacheve, Ici Fouvrier n'avait pas encorei 



le nom de bätons de com man dement Je crois mc rappelcr que vous les avez nommdsi 
bätons-fibules j mais je ne suis pas sOr du nom, et je vous pric de me Tccrire, car je suis 
d^cide ä adopter celui que vous avez imposc ä ces portions de ramure de renne. — Dans 
mon album de Tart pendant Tage du renne, j'ai adopte ropinion de M Pigorini qui pense 
que les bätons de commandement sont des chevetres. Je ne puis le modificr; il est imprim^ 
Quand il paraitra, l'on pourrait croire que je rejette votre explication si clairc et si simple 
Ditcs bien ä vos amis qu*il n'en est rien; je l'adopte au contraire**, 

') On a irouv^, au Mas-d'Azil (Äriege), en particulier, une sorle de passela^jet d*ivoJre 
et de bois de renne, Voy. Pietiej tAri ptnäani Page du rennt (sous presse), pl. LV, fig. 8. 
Les fouilles de Cro-Magnon (Dordogne) en ont egalcment livrd {Retiquuu Aqtaianicat, 
B pl. Xll, fig. 9). 

") A Laugerie-Basse (Dordogne), a Gourdan (Haute*Garonnc), a Spy (Bclgique), on a 
iroüve de semblables peiites baguettes d'os et d'ivoire avec retrecissement central qui ont 
pu servir aussi de simples boutons. Voy. de Mortillet, U Prehistoriqut, Paris, 1900, fig. 68 et 
Piettc. op, CiL, pL VIL fig. 4. 

•) Les bätons que portent nos Elsquimaux sont des objets bien connus; voy. de Mortillet, 
/** Musee prekisioriqui, pL XXVI ; Girod et Mass6nat, les SiaHo*ts de tagt du rinn€^ Paris 
1900, pL I, fig. 3. 

*) Reliquiae AquUamcae B, pl. III et IV, fig. 1. 

') O. Fraas, Archiv für Anthropologie^ 11, p, 45 



5 ig« 



'j*! 



coupd completement les andouillers, afin de mieüx 
tenir le bois en main en peri^ant les trous. D" apres 
ootre idee, ces deux fibules se portaient verticalement, 
chaque trou pouvant 6tre occupe par un bätonnet 
transversal. En parlant des fouilles de Schussenried, 
il ne faut pas omettre de mentionner un bäton troue'), 
dont Fextremite arrondie est justement propre ä 
gUsser dans une entaille, comme nous l'avons explique 
plus haut. Ces deux bätons ne sont pas ornementes 
comme la plupart des objets de Schussenried. 

Si nous considerons dans leur ensemble le grand 
nombre de bätons trouves, nous remarquerons que 
les OS ou bois de renne employes sont toujours choisis 
de mani^re ä ce qu'en les portant comme fibules les 
rameaux accessoires ne genent pas la gorge ou le 
menton, (fig. i, 2, 4J 

Quant ä la fibule magdalenienoe nous croyons 
reconnaitre des analogies avec quelques objets perces 
de trous de Tindustrie neoMIngue, mais il reste ä 
savoir si ces objets n^ont pas ete empruntes aux äges 
paltolithiqyes. Ce sont les soi-disant gaines ä douilles, 
marteaux, casset^tes etc. ontemetties. 

Fixons tout d'abord notre attention sur le bäton 
en corne perfor^ (fig. 7) trouve en Scanie meridionale, 
pubÜe par M. Sven Nilson-) et mentionnd par M* Mon- 
telius^). L'objet presente deux figures de cervides bien 
gravöes et des lignes disposees en rhombes. Sur le 
cöte que nous reproduisons» on ne peut voir qu un 
animal, les autres dessins se trouvant sur Tautre 
cöt6 du bäton. D'apres le dernier auteur, il appartient 
probablement ä une periode reculee de repoque de 
la pierre. M. Sophus Müller *) a public aussi une 
pretendue gaine ä douille en corne de cerf, ornementee 
et trouvee en Danemark. Les dessins compliques et 
soigneusement executes ä la surface de Tobjet prou- 
vent bien que c*etait plutöt un objet de parure qu'un 
outil de labourage. 



^] Fraas, op. di,, Bg. 24. 

•) Les habiiants primitifs de la Scanäinavie Vägc ät ia 
pitrre. Paris, 1868, p. 100 et 118 et pL XV, n"« 256^^,259. 

•) L€s iemps prehistoriquts «n Smäe, Paris, 1895, p, 32. 
*) Ordning af Dauinarks Oidsager. Systeme prihistoriqm 
Fir 6. Fibula pÄi*eoiiti»ica Vtrii- ^/^ DttPi€fftork, Stetwldertn R^sume en francais, Paris-Leipzii?, 

emlift tSchweucr«bil<]Jf, o £ ' ^ 

kweiwr. Lindcsmuscujn Zürich. 1895, ng. 112. 



19^1 



Fig. 7. Objet en corne de cervide perfore avec gravurc (Scaiiie),Gr, 7'- 

11 faut considerer cjii'ä IVpoque ä iaquelle appartiennent les outils que nous 
venons de nientionner, la ranmre du renne etait devenue rare ou avait m^me 
disparu de rEurope centrale et occidentale. La corne du cerf elaphe plus spon* 
gieuse a rinterieur devait la remplacer. Pour en faire des bätons troues aussi 
durables que ceux en bois de renne, on choisissait des bois de cerf epais pour en 
faire desbätons courts. M d*Acy nous decrit six de ces outils de l'epoque neoli- 
thique, ornementes par la gravure au pointille, trouves principalement pres 
d*Amiens, ainsi qu'un septieme decore en relief. *) Les dessins qui y sont 
graves se composent „de lignes simples ou accostees, d'autres petites lignes 
obliques, seit de cordons de den/s de hup, La face posterieure est complete- 
ment depourvue d'ornementation et laisse voir encore quelques unes des 

rugosites du merrain." 



Nous reproduisons un 
des dits bätons (fig, 8)» 
de meme que le der- 
nier, ornemente en re- 
lief (fig, 9K qui tous 
comme fibules, se por- 
taient horizontale- 
ment, toujours d'apres 
notre hypoth^se. Les 



'' \fK'^:\/.\'l\'\.-\ 'f^vrv.V:' •' 



m:0'-^'''\ 



Fig. 8. Objet en corne de cerf ornemente (Picardic)* Gr. '/■ 



mamelons sculptes sur toute la surface du dernier pourraient nous rappeler 
la configuration des dents. Mais nous 
preferons nous abstenir de tout com- 
inentaire ä cet ^gard. 

Une partie des amieatix de pitrre 
qu'on a trouves dans les stations 
neoiithiques, specialement dans les 
habitations lacustres, ont peut-etre 
aussi servi de fibules'^K 

D'apres Alphonse Favre^ on trou- 
va dans une caverne de Veyrier, parmi 

*) VAnthropüogk, 189a» P- 335- 

') de Mortillct, k Muste prehist., pl. LIU, n"* 509. 




7 *901 



Fig. lo. Pierre percee d*un iron, Vcyrier, 
(Gr. nat.) 



des objets du type magdalenien, une 
pierre arrondie, percee d'un trou 
(fig, lo). Quoique nous ayons tout 
lieu de supposer que cet objet, de 
meme que rinstrument cn pierre peu 
dure ayant la forme d'une petite 
hache, mcntionne egalement par 
M, Favre et se trouvant au Musee 
archeoIogic|ue de Gen^ve, provien- 
nent d'une Station ueolithnjue — di- 
verses trouvailles de debris de l*in- 
dustrie de Tage de la pierre polie 
ayant ete faites sur les flancs de 
Saieve — il n'est pas moins interes- 
sant de constater, dans la mörne 
localite, Texistence simultanee de 
bätons en bois de renne perfore et 
de la susdite pierre percee d*un trou. 
De plus, les soi-disant fusäioles en ierrc citife ne meritent pas toutes 
cette designation. D'apres Ferrot et Chipiez^), „les fusaToles decorees |un tres 
grand nombre offrent, des dessins de toute espece] ont du servir de bijoux. 
C'est une Hypothese que Ton ne saurait verifier pour Troie, puisque les 
lombes n*y ont pas ete retrouvees; mais pour Tltalic on a plusieurs obser- 
vations qui concordenl; la place ou les fusaToles ont ete recueiilies sur le 
cadavre, dans la sepulture, indique qu'elles servaient ä fiarer le mort." U 
nous parait donc vraiseiiiblable que les dites fusaToles ont eu le meine emploi 
que les fibules paleolitliiques: orner la poitrine et y fixer la peau de böte, 
qui pendant longtemps fut maintenue en usage ä cöte des etoffes tissees. 
Si les trous des fusaToles paraissent petits, nous rappelons qu^on peut fixer 
ces objets a Fune des extremites de la corde, comme nous Tavons d^crit plus 
haut, et qu il suffit d*un seul morceau de bois transversal attache ä Tautre 
bout de la corde et passant dans Torifice pour maintenir le v^tement 
ferme. 

Quelques unes des fusaToles de Troie^) sont percees de deux trous, soit 
un pour chaque morceau de bois transversal, ce qui prouve qu'on ne les 
portait pas en collier, car leur decoration n'aurait pas ete mise en relief. II 
en est autrement des fusaToles lisses, dont on a ramasse plus de cinq cents dans 
une tombe d'Amorgos^). Dans les temps posterieurs> la fibule en forme d*anneau 
est remplacee de plus en plus par la fibule cpingle, qui a continue ä former 
la principale ornementation du costume jusque dans les temps historiques. 



') La Grec€ pnmitivi, Paris 189!, p. 905. 
*) Perrot et Chlpicz, op, cit.^ fig. 56. 
■) Pcrrot et Chiplcz, op, cit,^ p. 909. 



8 



19p r 



IN 



11 b Les pretendus bä- 

tons de com m ande- 
ment DU, si Ton veut, 
les fibules paJeoüthi- 
ques de Veyrier nous 
donnent aussi des in- 
lormations precieuses 
sur lespremieres mani' 
festations artrstiques. 
Comme les repro- 
ductions publikes jus* 
qu'ici nesont pas assez 
y j 11 f^ \ '"IM precises ä cet ^gard*)i 

^\ I \)% \S0'\ ^ i' 1 riQVL^ en donnons de 

> \ \'\ ft Ml nouvelles, Nous au- 

rions prefere phpto- 
graphier les bätons 
eux-mem es, mais outre 
que Tancienne direc- 
tion ne nous permit 
. pas de choisir le temps 
propice ä cette Opera- 
tion — on nous fixa 
une demiheure et ,pas 
une minute de plus" 
pour executer nos des- 
sios — lestraitssontsi 
peu distincts qu*on ne 
peut les reproduire 
qu'en retournant l'ob- 
jet dans tous les sens. 
En prenant la copie de 
cette mantere^ on distingue facüement les lignes tracees ä dessein par Tar- 
tiste et Celles formees plus tard accidentellement^ triage que la Photographie 
ne peut jamais executer. 

Examinons en detail les bätons de Veyrier, et tout d^abord (fig. 11) 
celui qui est decrit comme suit par M. Thioly^) ^^La piece est formee 
d'un OS de 19 centimetres de longueur, perfore a son extremite la plus large 
et decore sur ses deux faces d'une gravure au trait representant, d'un cöt6, un 
animal herbivore dont la t^te est arm^e de cornes rejetees en arri^re et, de 



I 



11 



12 



Fig, II. Fibulc Palcolithique Verlicale (Veyrier)- Gn % 
Fig. J2» Objet en bois^dc rmiie (Dordogne), Gr. '/■» 



') On avait reproduit, par cxemple, les cassures dans Ic vemis, dont ccrtains objct3 
sont rccouvcrts pour leur conservation. C*est ainsi que des fcuilles stri€es, qui ne sont 1 
point I'oeuvre de Tarüste^ apparaissalent sur le bäton om6 d'un soi-disant fetitllage, 

') BulL dt tihstilut national gtnevoiSt t. XV. 



9 i9Qt 



rautre c6te, im ratneau defotigere, L'animal a beaucoup de ressemblance avec 
le bouquetin; aussi sommes-nous disposes a voir dans ce dessin un Souvenir de 
chasse que Tartiste aura voulu conserver» ce qui s'explique du reste par un 
certain nombre d'ossements de ce quadrupede reconnus dans remplacement 
fouiUe.** Ajoutons qu'une dent incisive indeterminable ä surface d'usure 
rhomboTfdale, et une dent canine de cerf ^), toutes deux perforees, reproduites 
dans la publication de M, Thioly, furent trouves au cours des fouüles qui 
mirent au jour le bäton, En comparant Toriginal avec la figure publice, nous 
trouvämes que le bouquetin y etait moins bien dessinö; c*est pourquoi nous 
en avons pris une nouvelle esquisse, 

En copiant Fautre cöte du bäton, nous eümes bien tot T Impression que 
l'artiste n'avait point voulu graver un feuillage, mais figurer plutöt un trophee 
de chasse: des detits canines et incisives de cervides, 

Un tel sujet — qui avait de plus un but mnemotechnique concernant le 
gibier tue — etait evidemment beaucoup plus familier ä Tancien chasseur 
qu'unc branche garnie de ses feuilles. Specialement, les canines de cervid^s 
— dents atrophiees qu on trouve souvent dans les stations magdal^niennes et 
qui ^taient si recherchees que les habitants de la grotte de*Mammouth en 
Pologne, en ont fabrique d'artificieües en ivuire"), encore tres appreciees dans 
la v^nerie moderne'') sont rendües avec exactitude sur la fibule de Veyrier, 



i^. M 






Fig* 13 



14 



15 




Quant aux dents incisives, on les represente le mieux en dessinant la sur* 
face de mastication oü se fait voir Tusure qui a une forme plus ou moins 
rhombotdale. Pour rendre possible une comparaison, nous avons traces d'apr^s 
nature des dents incisives de renne, de bouquetin et de cerf des fouilles de 
Veyrier fig. 13, 14 et 15, Les incisives de renne, en particulier, ont des racines 
si rainces que l'artiste les a apparemment representees pär des ligqes dans son 
dessin reduit^ mais ces racines ont des rugosites naturelles» si bien qu'on 
pouvait facilement les entourer d*un fil» ou on y faisait des entaiUes transversales^ 
comme le montre une incisive de bceuf de Laugerie-Basse*). 

') Voy. fig. 16. 

*J Ce qui sc fait encore de nos jours, d'aprcs nos renscignements. 
•) de Mortillctj le Prekistorique^ Paris, 1900^ p. 212* 

•) Voy. Lartet et Christy, Cavernes du Ptrigord, dans RtiK arckeoi, 1864, pl. IX, 
fig. 6 que nous reproduisons ici (ig. 17. Voy. aussi les onze incisives de jeunes ruminants^ 



lo «901 



La surface de mastication des dents molaires du 
renne non domestiqu^ forme de vrais rhoinbes (fig* i8(p 
semblables aux deux espaces carres pres de ta Perforation 
sur la fibule verticale de Veyrier, (fig, ii b), Nous avons 
donc lä un essai tente en vue de schematiser im objet 
naturel. 

II est evident que lartiste n'aurait pas grav^ les 
feuilles de la m6me branche sous des formes si diffe- 
rentes, tandis que tout nous porte ä croire que ces 
Fig, 17 und la configurations diverses sont bien Celles de dents. 

Les dents perforees etaient sans doute attacheesä des 
tendons d'animaux qui devinrent raides, comme du fil de fer avec lequel on fixe 
les fleurs coupees sans tige. Chaque dent fut fixee par on fil de tendon au fil 
central ce qui les soutenait d'a van tage, tandis qu'enfilees, comme les perles 
d'un coUier, elles n'auraient pas represente grande chose. C'est ce qui 
explique pourquoi les dents gravees sur la fibule se tiennent en l'air comme 
les fleurs d'un bouquet. 

On ne peut pas dire exactement si les fils se portaient comme le mootre 
la gravure de la fig. 1 1 b ou dans la direction opposee, Les artistes magda- 
l^niens n'observaient aucune regle ä cet egard '| et pla^aient, par exemple, les 
animaux de haut en bas ou de basen haut, sur les bätons, suivant leur fantaisie. 
D'apr^s Lartet et Christy'*) „les incisions tres significatives au bas des os 
de Jambe du renne oü on coupait les tendons pour les fendre et les diviser 
en fils" prouvent bien que ces derniers etaient employes comme tels, 

Une sculpture en relief publiee par MM. Laitet et Christy dans le sus- 
dit memoire''), que nous reproduisons dans notre fig. 12, parait repre* 
senter de meme un fil portant des dents perforees. Le fil central n'est pas 
schematise, mais sculpte en epaisseur naturelle. Ces dents sont aussi attachees 
ä un autre fil, tout comme sur la gravure de Veyrier. 

11 n'est pas inadmissible que les dents enfilees sotent le modele des 
pretendues feuilles verticillees se groupant deux ä deux, ornemerit que nous 
rencontrons dans la periode magdalenienne*). A la premiere gravure, les 
verticilles sont places les uns au-dessous des autres, tandis que sur le bras 



pcrcdcs aux racines, trouv6cs Ics uncs ä cöt€ des autres ä Laügerie-Basse (Gtrod et Mas* 
Senat, op, cU,j pL LXXIX, fig. 9), 

*j Except^ dans le cas, oü Ton repr^entak Vkomme ätboui, par exemple Ic chasseur 
d'aurochs sur la fibule de Laugeric- Basse (Girod et Massenat, op. dt, pl XI, fig. 1 et 3) 
et rhommc repr^sent6 sur ta fibule de Gourdan fPiettc, op, ctL, pL XXX, fig, 8.) Ces re- 
prdscntations, de m^me que cclle de la t^te de pachyderme, vue de face, sur la fibule de 
Lauger ie-Bassc (Girod et Massönat pl. H, fig. i) confirment bien notre hypolhesc de fibuics 
paleolithiques. 

•) Op. cit., Rev, archeoL, 1864, p, 33* 

•)PL 11 (IX), fig. a 

*) Voy. cntrc autrcs: Cartailhac, /a France prehisforiqm^ 1896, fig. 25, n' 1, de Mor- 
tiliet, op, at., pl. XXVll, fig. aoi oü un bras en est oni6. 




Fig. 19—22. Fibules Palaolithiques Vcrticalt^s (Veyrit^r). Gr V«^ Fig. 23, Gr. *!*, 

ils sont places cöte ä cöte, ce qui nous parait prouver suffisamment que 
Tartiste n*a pas voulu dessiner des feuilles. 

Sur les vases de Thera, le raeme motif imite evidemment des vegetaux') 
et il est interessant de voir les m^mes ornements prendre naissance ä de 
difftrentes epoques, tr^s probablenieot d'apr^s des modeles differents. 

Fassons maintenant ä la fibule fig. 19. Sur l*un des cötes (fig. 
19 b) se trouve gravee la partie posterieure d'un anima! aquatique (loutre?). 
La tete, qui n*est pas visible, ä notre avis, sur ForiginaK a et^ ajout^e 
dans la publication de M Louis Revon-). Les lignes indistinctes qu*on pourrait 
prendre pour la forme de ranimal ne sont que des dechirures produites par 
le temps. Le chasscur n'ayant vu cet animal craintif qu'ä distaoce, cela ex- 
plique pour quoi la patte posterieure de la loutre n'est pas exactement figuree. 
Pour la m^me raison il a probablement omis ia region anterieure du corps 
qu'il ne savait pas rendre avec correction. 

De Tautre cöt^ de la fibule (fig. ig a) il y a une gravure qu'on n'a pas 
observee jusqu'ä present parce que Tobjet etait cache dans une boite au 
Müsce de Gen^ve, La gravure nous muntre la region anterieure du corps 
d'un herbivore. Comme la tete est incomplete (nous avons essaye de la 
completer par une ligne pointillee), on ne peut determiner Tanimal (cheval 
ou cervid^?) au cou duquel on aperc^oit deux longes, M le professeur 



•) Perrot et Chipiez, ap. ciL, fig. 457. 
•) Op, ctL, fig, 32, 



12 



lyuj 



Th. Studer» ä Bernep ä qui nous montrames le dessin pensa que Tartibte avaiC 
voulu representer la chasse ä l'aide du lasso ou bola, comme remployent 
les Patagons pour la chasse des chevaux et les Ifugaos de Lu^on pour 
la chasse des cerfs. L'artiste, incertain sur la iac^on dont il devait dessiner 
la longe dans ses diverses circoovolutions, a peut-^tre plusieurs fois recom- 
mence ses lignes. On pourrait prendre, il est vrai, les longes pour des 
renes, mais il manque alors le licou et les deux rdnes seraient dessinees du 
meme cöt^ du coL 

II est ä consid^rer que les deux gravures de cette fibule ne sont pas 
finies. Quant ä Tanimal aquatique, on pourrait aussi presumer que Tartiste 
voulut le representer au moment ou it plonge dans Teau et oü Ton ne voit 
que la region posterieure du corps ; mais dans ce cas, ce nous^ semble, il ne 
Taurait pas dessine dans la position horizontale. La libule fig, 20^ presente, 
outre plusieurs entailles, la forme indecise de la region anterieure d'un animal 
indeterminable, II est interessant de constater ici Texistence de quelques 
dbauches a cöte d'assez bons dessins. 

L'art n'etait donc pas commun ä tous les individus. La pratique devait 
en ötre apprise comme partout et il y avait evidemment, dans ces temps 
recules, des personnes qui y excellaient et d*autres qui etaient moins habiles. 

La fig. 21 nous montre une petite fibule ornementde de quelques 
angles graves. Cet instrumenta de meme que celui qui est reproduit 
par la fig, 22, sont de petites dimensions (le dernier n*a que 8 centmetres de 
longueur) et ils etaient probablement employes par des jeunes gens. 

Fig, 23, Une fibule, cassee pr^s de la Perforation, longue de 38 centi- 
metres, est depourvue de toute gravure. II semble que Touvrier ait d'abord 
penje le trou, pour etre dispense du travail d'ornement si la Perforation ne 
reussissait pas. C'est le contraire de ce qu*on a observe sur plusieurs bätons 
troues de la Madeleine*) oü la gravure, faite en premier lieu, a ete endom- 
magee par la Perforation. 

En ce qui concerne rauthenticite des gravures sur les bätons de VejTier, 
M. le professeur Frani^ois Forel a bien voulu affirmer qu*il etait present 
lorsqu'on debarrassait du tuf le bäton sur lequel sont graves le^bouquetin 
et le Collier de dents d*animaux. De plus nous avons examine un^bon nombre 
de gravures d'autre origine et nous ne pouvons que constater que Celles de 
Veyrier nous paraissent au-dessus de tout soup^^-on* 

Qu*il nous soit permis de dire encore quelques mots sur les ossements 
retir^s des fouilles paleolithiques de Veyrier et determlnes par M. L. Rüti- 
meyer^). Le savant zoologiste a decrit quatre series d'ossements'provenant 
des coUections de MM. Taillefer, Favre, Thioly et Gosse. II cite par erreur 
trois espfeces de l'avunt-derniere coüection : Yhomme, le blaireau et le lapin, 



*) Voy. par exempki de Mortilleti ie MusH prthist., pl. XXVI, fig. 19a. 
•) Archiv für Antitrop,, VI, p. 65. 



^3 igot 

qui manquaient en realite suivant la lettre adressee par lui a M. Thioly') 
et d'apr^s ce que ce dernier nous a confirme verbalement, surtout pour ce 
qui concerne rhomme. Comme nous trouvons tr^s rarement des restes 
humains dans les stations paleolithiques — ce qui s*explique facilement puisque 
rhomme de cette epoque n'ensevelissait pas les morts — il est important de 
constater ledit fait, d'autant plus que la collection Thioly fait Timpression 
d'un ensemble paleolithique intact, ce qu'on ne peut pas dire des trois autres 
collections de Veyrier, parmi lesquelles se trouvent plusieurs esp^ces trfes 
modernes. Nous ne pouvons pas approuver que Tancienne direction du Musee 
archeologique de Geneve ait fait transferer les ossements recueilles par diff6- 
rents auteurs au Musee d'histoire naturelle de la m^me ville, sans avoir separ6 
les collections qui sont evidemment de valeur tres differente pour la science. 
Nous en avons donne avis ä la direction de ce dernier Mus6e, qui est admi- 
nistre avec la plus grande circonspection, et nous sommes convaincus qu'elle 
rem^diera audit 6tat de choses, dans la mesure du possible. 

') Bull, de rinsiitut genevois, t. XV. 



Le cimetifere gallo-helv^te de Vevey. 

Extraits du ,» [oiiranl des fouiHes", Fevrier-Avril 1898. ') 

Par A. Naef. 

Planche l. 



L Debüt et ori^ines des fouilles. 

La decouverte d'un cimetiere gallo-helvete ä Vevey est purement acci- 
dentelle. Au commencement de Faonee 1898, la ville de Vevey fit ouvrir 
un nouveau boulevard, le boulevard St-Martin actuel, qui de Teglise St-Martin 
rejoint en ligne droite la route de Blonay pr^s de la campagne de Subriez. 
(Comp, le plan de Situation, fig, 24,) — 

Vendredi, le 18 fevrier 1898, les ouvriers s'etant avances de fOuest 
^'ers TEst jusqu'au Heu dit „en Credeyles", (X) sur le plan de Situation, dans 
le5 vignes situees entre rhospice du Samaritain et Thötel Mooser en Che- 
menin, trouvferent une serie de sept squelettes, alignes dans la direction du 
nouveau boulevard et Orientes du N. N.-E. au S. S,-0. (S^pultures n-^« 1^7 
du plan des fouilles, PL I), C*est en creusant !e fosse necessaire pour les 
fondations d*un myr rectiligne (a-b, PL I), destine ä soutenir le terrain 
des vignes du cote Nord du boulevard, qiie les ouvriers rencontrerent ces 
sepukures. (Comp, aussi la fig. 25, oü Ton voit la construction de ce mur, 
quatre jours plus tard, en date du mardi 22 fevrier.) 

Au dire du contremaitre, le squelette n^^ 6 avait deux bracelets de verre 
ä chaque avant-bras. L'un fut brise; deux autres furent port<äs au greife 
municipal ; le troisieme, empörte par un ouvrier, nous fut remis le lendemain* — 
A en juger par les trouvailles posterieures^ il est possible que beaucoup 
d*autres objets pass^rent alors inaper(;us, furent brises ou Agares. — 

Le soir meme, Mr. Ernest Burnat, architecte, me telephona un message 
de Mn Jomini, syndic de Vevey, m annongant la decouverte, me demandant 
d*alier examiner les lieux, et de lui donner mon avis. — A la suite d'une ins- 
pection faite le lendemain matin, samedi le 19 f^^vrier, en compagnie de 
Messieurs Ernest et Adolphe Burnat architectes et du contremaitre des tra- 
vaux du boulevard qui avait ete present lors de la decouverte, je fis part d 



') Journal des fouilles ^xecutees ä Vevey, en fevrier-mars^avril 1898, lors du perce- 
mctit du boulevard Saint Martin, Redigö par Albert Nacf, archcologue. Registre in-folio, 
mss* de T34 pages doubles, ilkistrd de 258 dessins, croquis, plan% ♦ . . . etc., et de iio photo- 
graphies, — Deposc ä Lausanne, Archivcs du Ser\ icc des Monuments Historiques, ou il 
pcul i'lrc consult^ sur dcmande motivec adress^t- au Departement de rinstniction publique 
et de» Cullcs» Service des Man. Histor, 





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^7 '90I 

Monsieur le Syndic de mes constatations, de Timportance de la trouvaille, 
et de rinter^t capital qu'il y aurait ä proceder ä des recherches serieuses et 
systematiques. 

Mr. Jomini accueillit favorablement ces opinions et me pria de les lui 
remettre par ecrit. Les conclusions essentielles de mon rapport demandaient 
tout d'abord de faire soigneusement cribler le gravier extrait des sept pre- 
mi^res sepultures; de faire dresser un plan du terrain d*apres le cadastre, 
et d'y reporter les emplacements des sepultures; de ne plus permettre 
d'en bouleverser de nouvelles; etc. J'offris en outre de prendre la direction 
des recherches, et mes occupations ne me permettant pas de rester cons- 
tamment sur le terrain, je proposais que Mr. Adolphe ßurnat me füt adjoint 
en qualite de surveillant des travaux. 

Le rapport en question fut soumis ä la Municipalite des le lundi matin, 
21 fevrier, les conclusions en furent adoptees, et les recherches commencerent 
immediatement. ^) 

II serait trop long de donner ici, jour pour jour, une relation detaillee 
des travaux, qui dur^rent pres de deux mois dans des conditions plus ou 
moins faciles, tantöt favorises par un temps süperbe, tantöt contraries par une 
pluie assez brusque ou des giboulees de neige. — Avant de parier des trou- 
vailles, j'essayerai de tracer un tableau sommaire des antiquit^s pr^romaines 
de la contree, et de montrer ainsi Tint^r^t special que pr^sentaient les recherches 



*) II est de mon devoir d'exprimer ici ma vive reconnaissance ä Mr. Jomini, Syndic, 
et ä la Municipalite de Vevey, qui a autoris6 des fouilles systematiques, m'en a confi6 la 
direction, les a facilit^es de toutes manieres, et en a support^ les frais. — Le mus6e de 
Vevey est de la sorte entr6 en possession non seulement d*une collection d'objets rares et 
de valeur, mais surtout d'un ensemble de constatations seien tifiques, bien importantes pour 
rhistoire de la civilisation de notre pays. — 

Mr. le Conseiller fed6ral Ruchet, alors Chef du Departement de Flnstruction publique 
et des Cultes, en autorisant que mon „Journal des fouilles** soit redig<^ et illustre aux frais 
de TEtat, a permis de donner ä ce document, si indispensable, Tampleur que comportait 
rimportance du sujet; je lui en exprime aussi toute ma reconnaissance. 

II m'est impossible de citer toutes les personnes qui ont bien voulu suivre mes 
travaux, me faire part de leurs remarques, ou me rendre le service de v6rifier mes con- 
statations. — Qu*il me soit cependant permis de remercier sp^cialement Messieurs Fr. 
Doge, Dr. H. Martin, Dr. Rossier, de Vevey; Mr. le Dr. Gross de Neuveville; Mr. Salomon 
Reinach, conservateur-adjoint au musee de St-Germain, qui a le plus vivement insist<§ pour 
la präsente publication; Mr. le Hofrath Kofier, de Darmstadt, conservateur des collections 
du Grand Duc de Hesse; d'autrcs arch^ologues tels que Messieurs Ulrich et Heierli de 
Zürich, de Fellenberg et Kasser de Berne, Alfred Godet de Neuchätel ; enfin mon coUdgue 
et ami Mr. Jaqucs Mayor de Geneve, qui non seulement m'a fait part de ses conseils, de 
ses remarques, mais m*a meme aid6 dans la restitution de plusieurs objets pour leur 
installation au Mus6e Jenisch ä Vevey. — Mr. le Dr. AI. Schenk, prof. ä Lausanne, a bien 
voulu se charger d'^tudier les cränes et les squelettes au point de vue anthropologique. 

Mr. Adolphe Burnat, auquel j'avais desire procurer Toccasion de participer pour la 
prcmifere fois ä des fouilles, s*est acquitt6 de sa täche de surveillant avec un soin et un 
int^r6t, que je me plais ä reconnaltre. II lui dois aussi de fort bonnes reproductions des 
objets trouvds, qu'il exdcuta dans mon Journal et que je completai plus tard. — 



i8 



r^oi 



projetees au point de vue archeologique, historique et anthropologique; — 
nous etudierons la natura du terrain^ puis je resumerai quels furent mon 
plan de fouiiles^ la marche des travaux, et les procddes que je crus devoir 
employer pour l'examen des sepultures. 

IL Intör^t des recherches projetdes au point de vue arch^olo^ique, 
historique et anthropologique. 

Pour se rendre compte de rint6r^t que pouvaient präsenter les fouiUes 
projetees, il faut tout d'abord essayer de resumer sommairement les decou- 
vertes archdologiques precedemment faites a Vevey et dans les environs de ^J 
la ville. " V 

Les plus anciens temoins de Tactivite de rhomme, qui remontent pro- 
bablement ä la derni^re periode neolithique, soit environ entre 2000 et 1800 
avant J, C, ont ete signales par Levade et reproduits par Fred. Troyon ^J 
dans ses ,,Habiiaiions tacusires", 1860, p. 78, ^M 

Vers 1820, en creusant un puits au-dessus de T^glise Sainte-Claire (Comp. 
le plan de Situation fig. 24), on trouva ä dix meti^es de profondeur environ, 1 
une rangee de pilotis et un tronc de sapin couche sur un fin limon, pareil 
ä celui que la sonde am^ne du fond du lac, quand un la jette ä 200 pas du I 
rivage. — Un second tronc, coup^ au-dessus de ses racines et enfoui dans j 
le limon, gisait au fond d'un puits voisin, k dix metres egalement sous la 
surface du sol Troyon fait encore observer qu*une hache en pierre^ d^cou- j 
verte dans la nidme localit^, mais ä une profondeur moins considerable« ne . 
saurait ^tre plus ancienoe que les pieux au-dessus desquels eile a ^te perdue* ! 
— J*ajouterai que la profondeur de ces vestiges parait moins etrange lors- 
qu'on la compare ä celle de la couche archeologique de Tepoque romaine, 
dont je reparlerai tout-ä*rheure. 

Troyon (ouvrage pr^cite, p. 107) indique en outre la Station lacustre 
du Creux de Plan, sur un point de la rade situe entre Vevey et les Gonelles, 
au-dessous de Corseaux. (Comp, le plan de Situation)* Cet emplacement lui 
avait ete Signale par Mr. D. Doret de Vevey, un artiste delicat double d*un 
fin archeologue, L'elevation des eaux et leur peu de transparence ne lui 
permirent pas d'examiner Templacement de manifere ä ajouter de nouvelles 
observations ; rAIbum des Antiquites lacustres du musee archeologique de 
Lausanne (1896. Texte p* 6, carte PI XLl) y reconnait une Station de TAge 
de la pierre. J'ajoute que cette Station a ete peu exploree, au profit 
de l'Etat, mais on pretend que plusieurs particuliers y ont fait et y fönt 
encore des peches fructueuses; au mois d'avril 1896, profitant de la baisse 
exceptionnelle du lac et avec Faide obligeant de Mr. Fr Doge, j'ai pu dresser 
un plan approximatif d*une serie des pilotis de cet emplacement et en mesurer 
la profondeur, — Tels sont, si je ne fais erreur, ä Vevey et dans les envi- 
rons imm^diats de la ville, les seuls temoins de TAge de la Pierre. 

Les restes de TAge du Bronze, plac6 tr^s approximativement entre le 
18 si^cle et le milieu du 8^ avant J, C, et subdivis^ en trois p^riodes, sont 



t^ 



1901 



tout aussi rares; je n*en connais pas ä Vevey meme et, ä une seute excep- 
tion pr6s, on ne peuL clter dans les environs que quelques trouvailles d'objets 
isoles: A Hauteville une hachette, ä Corsier une belle epingle de bronze, 
aujourd'hui au Musee de Lausanne. — Le seule decouverte vraiment impor- 
tante et qui permet de conclure ä un etablissement rapproche, fut celle de 
tombeaux cubiqaes, formes de dalles brutes, au signal de Chardonne. — 
Ces s6pultures, reconnues au commencement du 19: siede, renfermaient divers 
objets de bronze, nettement caracteristiques pour Tepoque ä laquelle ils se 
rattachent : des faucilles, des hachettes, des couteaux et des pointes de lancesj 
deposes au musee de Lausanne. II faudrait aller d'une part jusqu'ä Montreux 
et Chillon» d'autre part ä Chexbres et dans les environs^ pour relever d'autres 
indices de Vage du bronze; ces localites semblent trop eloignees de V^evey 
pour 6t re etudiees ici. 

Si nous passons ä la premiere periode preromaine du fer, dite de Hall- 
statt, c*est-ä-dire ä cette longue periode que Ton place environ entre 750 et 
400 avant J. C, les renseignem ents manquent completement, Dans plusieurs 
parties de notre Canton cette periode se caracterise par des tumuli ä incine* 
ration, dont je ne connais pas encore d'exemples ni ä Vevey, ni dans les 
environs. II se pourrait que deux buttes, que l'on remarque pr^s de Burier 
(campagne Couvreu), soient des tumuli, mais meme si cette Hypothese se 
confirme, il n*est pas encore dit qu*ils appartiennent ä la periode de Hallstatt. 

Vient ensuite la periode gallo-helvete, ou de La Tene, cette periode si 
importante pour notre histoire nationale, si peu etudi^e et si peu connue 
dans notre Canton, et que l'on place environ entre 400 et 50 avant J. C, 
c'est-ä-dire jusqu'ä la conqu^te romaine. 

Je ne mets pas en doute que Vevey et ses environs n'aient dejä fourni 
nombre de trouvailles se rattachant ä cette periode, mais elles auront passe 

Cinaperf ues ou auront ete confondues avec les elements romains, Aujourd'hui 
encore, dans certains de nos musees, les objets les plus caracteristiques de 
cette periode, les fibules ou epingles de süret^ par exemple, figurent parmi 
[es ,,objei$ de l'epoque romaine" Quoi quVil en soit, avant les fouilles du 
boulevard Saint Martin, les donnees sur Fepoque gauloise et helvete ä Vevey 
_ se resumaient ä bien peu de chose: Texistence tres probable d'un bourg 
gaulois, et une seule trouvaille positive, celle d'une sepulture ä Hauteville. 
— Cette sepulture etait-elle isolee? — On rignore; c*est possible, mais peu 
probable, — Elle est fort importante pour nous parceque les objets quVlle 
renfermait, deux bracelets de bronze et une chaine de bronze, figures dans 
Troyon, Habit, lac. PL XVII, 10, 17, 22, offrent une grande anatogie avec 
certains specimens trouves dans le cimetiere du boulevard St-Martin. 

II ne sera pas inutile de resumer les autres localites essentielles de 
notre Canton oü ont ete reconnues jusqu'ici, d'une fa^on tant soit peu süre, 
des antiquit^s gallo-helvetes; cela en vue de rapprochements avec Celles dont 
il sera question plus loin, et aussi pour se faire une idee, tres approximative 
et incomplete sans doute, des centres habites ä cette epoque. Ce sont, par 



tgoi 



ordre sJphab^tique: Antagne, sepultures avec bracelets de verre et de bronze, 
chaine de bronze, epee de fer; Avenches; Begnins, sepulture avec bracelets 
de verre; Bex (Ilameau des Fontawes), sepulture avec chainette de bronze, 
^pöe de fer dans son fourreau, bracelets de verre et de bronze, boucle 
d'oreiUes d*argent, fibule de fer; (Sallaz, pres Bex), chainette de bronze; 
Echallem, sepultures a\ec deux bracelets de verre, au musee de Lausanne; 
^iniei; Lausanne; Longirod, bracelet de bronze avec disques saillants decores 
i'un S, motif qui se retrouve sur Tun des echantillons de Vevey ; sepultures 
avec fibules et chaine de bronze; Nyon; Rances; Villy pr^s Ollon; Yverdon. 
Pour la Periode roinaine, de 50 avant J. C. jusqu*ä 400 environ apres 
J. C, nous possedons des renseignements un peu moins vagues, — On ne 
sait cependant encore rien de pr6cis sur Tetendue ni sur le plan du bourg 
romain de Vibiscum, qui occupait probablement la partie superieure de la 
ville actuelle, au nord de la rue d'Ilahe et de la rue du Simplon (Comp, le 
plan de Situation); c*est dans cette partie de la ville que se fönt les trou- 
vailles les plus frequentes, et que Ton rencontre des monnaies depuis Auguste 
jusqu'ä Valentinien, II y a quelques annees, dans un quartier de maisons 
fcitue pres de Fangle des rues Chenevieres et Collet, Mr. Fr. Doge a reconnu 
ie nombreux restes romains, bien caracterises ; au mois de fi^vrier 1898, 
fexaminant une large tranchee ouverte dans la rue Chenevidres, ä Tangle de 
rue des deux Temples, je constatai la couche romaine ä une profondeur 
ie plus de deux metres sous le niveau actuel de la rue; j'y ratnassai des 
ragments de tulles romaines, dont je portal plusieurs echantillons au Mus6e 
"Jenisch. 

La profondeur de cette couche romaine doit etre rapprochee de celle 
des pilotis, signales non loin de lä par Levade et Troyon ; on notera d'autre 
part la proximite relative du bourg romain de l'emplacement du cimeti^re 
äulois du boulevard Saint Martin. 

II sortirait du sujet de s'arreter trop longuement aux trouvailles romaines, 

lites ä Vevey et dans les environs; quil suffise de rappeler en deux mots 

tombes ä inhumation reconnues aux Chenevieres en 1843; les statuettes 

les monnaies recueillies ä la Pointe-de-Peilz, a La Tour*de-Peilz et ä la 

impagne de Gillamont; le milliaire trouve en 1856 entre Vevey et Ciarens; 

Knscription dediee au dieu Sylvain ; etc, Les localites voisines : Baugy, Ciarens, 

*orsier, Glerolles, Rivaz, St, Saphorin, abondent aussi en documents divers 

cette ^poque* — L'essentiel etait plutöt de presenter un tableau rapide 

PS pdriodes preromaines, de montrer leurs lacuncs considerables dans la 

>ntr^e de Vevey, et Tinteret capital qu*il y avait ä obtenir si possible par 

?s fouilles methodiques un apergu sur la race, la civilisation^ l'industriei les 

>utumes funeraires, peut-6tre m^me sur les croyances religieuses de nos 

ic6tres gallo-helvetes. — Nulle part jusqu'ici, dans nolre Canton, on n*avait 

ludiö la chose sur place; nous en etions reduits ä des hypotheses, d'apres 

quelques rarissimes objets recueiUis de seconde ou de troisieme main 

>ur nos mus^es. 



12 ly 



Th. Studer, ä Berne, ä qui nous nionträmes le dessin pensa que rartiste avait 
voulu representer la chasse ä raide du lasso ou boia, comme i employent 
les Patagons pour la chasse des chevaux et les Ifugaos de Lu9on pour 
la chasse des cerfs. L'artiste, incertain sur la iaqon dont il devait dessiner 
la longe dans ses diverses circonvolutions, a peut*i!tre plusieurs fois recom- 
mence ses lignes. On pourrait prendre, il est vrai, les longes pour des 
r^nes, mais il manque alors le licou et les deux renes seratent dessinees du 
meme cöt^ du coL 

II est ä considerer que les deux gravures de cette fibule ne sont pas 
finies. Quant ä Tanimal aquatique, on pourrait aussi presumer que Tartiste 
voulut le representer au moment oü il plonge dans Teau et oü Von ne voit 
que la region posterieure du corps; mais dans ce cas^ ce nous semble, il ne 
Taurait pas dessine dans la position horizontale. La iibule fig. 20, presente, 
outre plusieurs entailles, la forme indecise de la region anterieure d'un animal 
indeterminable. 11 est interessant de constater ici Texistence de quelques 
^bauches a cöte d'assez bons dessins. 

L'art n*etait donc pas commun ä tous les individus. La pratique devait 
en ötre apprise comme partout et il y avait evidemment, dans ces temps 
recules, des personnes qui y excellaient et d'autres qui etaient moins habiles, 

La fig, 21 nous montre une petite fibule ornement^e de quelques 
angles graves. Cet Instrument, de m^me que celui qui est reproduit 
par la fig, 22, sont de petites dimensions (le dernier n'a que 8 centmetres de ^ 
longueur) et ils etaient probablement employes par des jeunes gens. ^H 

Fig. 23. Une fibule^ cassee pres de ia Perforation, longue de 38 centi- 
mfetres, est depourvue de toute gravure. II sembk que l'ouvrier ait d'abord 
perge le trou, pour etre dispense du travail d'ornement si la Perforation ne 
reussissait pas. C'est le contraire de ce qu'on a observe sur plusieurs bätons 
troues de la Madeleine'} oü la gravure^ faite en premier Heu, a ete endom- 
magee par la Perforation. 

En ce qui concerne Tauthentictte des gravures sur les bätons de VejTier, 
M, le professeur Fran<;üis Forel a bien voulu affirmer qu'it etait present 
lorsqu'on debarrassait du tuf le bäton sur lequel sont graves le^bouquetin 
et le Collier de dents d'animaux. De plus nous avons examine un'^bon nombre 
de gravures d'autre origine et nous ne pouvons que constater que Celles de 
Veyrier nous paraissent au-dessus de tout soup(;on. 

Qu'il nous soit permis de dire encore quelques mots sur les ossements 
retir^s des fouilles paleolithiques de Veyrier et determines par M. L. Rüti- 
meyer*)» Le savant zoologiste a decrit quatre series d'ossements'provenant 
des coUections de MM. Taillefer, Favre, Thioly et Gosse, II cite par erreur 
trois esp^ces de lavant-derniere collection : Vhomme^ le blaireau et le lapin, 



') Voy» par ext-mplC; de Moriillet, k Musti prMsL, pL XXVI, fig. 192. 

•) ArtJiiv für Anihrop,, VI, p» 65. 



13 



ipoi 



qui manquaient en realite suivant la lettre adressee par lui a M. Thioly') 
et d'apr^s ce qua ce dernier nous a confirme verbalement, surtout pour ce 
qui concerne rhomme. Conime nous trouvons tr^s rarement des restes 
humains dans les stations paleolithiques — ce qui s*explique facilement puisque 
rhomme de cette epoque n'ensevelissait pas les morts — il est important de 
constater ledit fait, d'autant plus que la collection Thioly fait rimpression 
d'un ensemble paleolithique intact, ce qu'on ne peut pas dire des trois autres 
coUections de Veyrier, parmi lesquelles se trouvent plusieurs esp^ces tr^s 
modernes. Nous ne pouvons pas approuver que Tancienne direction du Musee 
archeologique de Gen^ve ait fait transferer les ossements recueilles par diffe- 
rents auteurs au Musee d'histoire naturelle de la meme ville, sans avoir separ^ 
les coUections qui sont evidemment de valeur tres diflferente pour la science. 
Nous en avons donn6 avis ä la direction de ce dernier Mus^e, qui est admi- 
nistre avec la plus grande circonspection, et nous sommes convaincus qu'elle 
rem^diera audit dtat de choses, dans la mesure du possible. 

•) Bull dt rinstitut genevois, t. XV. 



2^ 1901 

III* Le terrain. 

J*ai indique prec^demment Femplacement des trouvailles du i8 fevrier 
i8g8. En cet endroit le terrain forme une sorte de petit plateau enti^rement^ 
plante de vignes, tres leg^rement incline du Nord au Sud, qut s'abaisse 
ensuite assez brusquement du cöte de la ville pour remonter du cöt^ du 
Nord, vers l'hötel Mooser en Chemenin. (Comp, le plan de Situation, et les 
figures 25, 26, 27, 28). — 

Sous une couche de terre vegetale de 1,30 m ä 140 m de profondeur, 
tantöt un peu plus, tantöt un peu moins, apparaissent des lits reguliers 
de gravier et de sable ; ils representent le sol vierge, et temoignent qu*ä 
une epoque extr^mement reculee, bien anterieure ä tout vestige humain dans 
nos cootrees, les rives du lac s'elevaient ä ce niveau. — C'est dans ces 
couches de gravier et de sable qü'avaient ete creusees les fosses des sepul* 
tures, et Ton observera d*emblee dans cette particularite une analogie remar- 
quable avec nombre de sepultures gallo-helvetes de notre pays. — Est-ce un 
hasard? — Je Tignore, mais le fait merite d*£'tre souligne. — 

11 faut se häter d'ajouter que les profondeurs relatives des sepultures 
par rapport au niveau actuel du sol sont tres variables^ et voici pourquoi, 
— On reconnait facilement que ce sol ä ^16 nivele et aplani en terrasse 
presque reguliere pour la culture de la vigne, mais il ne devait pas en 6tre ainsi 
ä l'origine. La surface du terrain suivait certainement les Mgeres ondulations 
naturelles, paralleles, des couches de gravier et de sable prdhistoriques, que 
Von observe nettement dans la coupe des tranchees au-dessous de la terre 
remuee et cultivee. -- 

Les tombes, pratiquees dans le sable, s'etaient naturellement remplies 
de terre; ü en r^sultait qu'en creusant par couches horizontales^ les sepultures 
devaient se reconnaitre facilement et s'annoncer par des espaces rectangu- 
laires, allongds, remplis de terre vegetale, dont la couleur brune se detachait 
sur la surface environnante de sable et de gravier gris-bleuätre. — 

Dans les couches superieures du terrain, remue et cultive, se montrerent 
de temps ä autre des fragmeftis isoles de tuiles romaines ä rebords; le fait 
devait etre signale, mais il faudrait se garder d'en tirer des conclusions 
inexactes» Ces fragments, apportes avec les fumiers, proviennent du bourg 
romain de Vibiscum» dont nous avons note Templacement peu eloigne de 
lancien cimetiere gallo-helvete* 



IV, Plan adopt^ pour les fouüles, et marche des travaux. 

Pour comprendre le plan adopte pour les fouilles et leur marche, il 
faut tout d*abord esquisser la Situation du boulevard ä Tendroit des trou* 
vailles et au debut des recherches. — Si Ton compare le plan general des 
fouilles et la figure 25, il ne sera pas difficile de s*orienter; la v^e 
25, prise de TEst vers TOuest au matin du second jour, mardi le 22 
fevrier 1898, est particuli^rement instructive ä cet egard. — Les ma^ons 
sont occup^s ä la construction du mur a-b du plan, destine ä soutenir les 



Le cimetifere gallo-helvfete de Vevey. 

Exlrait-s du ,, Journal des foiiilles", Fevrier-Avnl 1898. ') 

Par A Naef. 

Planche L 



I, Debüt et origioes des fouilles. 

La decouverte d'un cimetiere gallo^iclvete ä Vevey est purement acci- 

dentelle. Au commencement de Tannee 1898, la ville de Vevey fit ouvrir 

un nouveau boulevard, te boulevard St-Martin actuel, qui de i'eglise St^Martin 

trejoint en ligne droite la route de Blonay pr^s de la campagne de Subriez. 

(Comp, le plan de Situation, fig. 24,) — 

Vendredi, le 18 fevrier 1898, les ouvriers s'^tant avancds de fOuest 
vers TEst jusqu'au lieu dit „en Credeyles", (X( sur le plan de Situation, dans 
les vignes situees entre Fhospice du Samaritain et rhötel Mooser en Che* 
menin, trouv^rent une serie de sept squelettes, alignds dans la direction du 
nouveau boulevard et Orientes du N. N*-E* au S. S.-O. (Sepultures m» i ä 7 
du plan des fouilles, PI* 1). C'est en creusant le foss^ necessaire pour les 
fondations dun mur rectiljgne (a-b^ PL I), destine ä soutenir le terrain 
des vignes du cöte Nord du boulevard, que les ouvriers rencontrerent ces 
sepultures. (Comp, aussi la fig. 25, oü Ton voit la construction de ce niur, 
quatre jours plus tard, en date du mardi 22 fevrier.) 

Au dire du contremaitre, le squelette n« 6 avait deux bracelets de verre 

ä chaque avant-bras. L'un fut brise; deux autres furent portös au gretfe 

|tnunictpal ; le troisi^me, empörte par un ouvrier, nous fut remis le lendemain* — 

A en juger par les trouvailles posterieures, il est possible que beaucoup 

d'autres objets pass^rent alors inapen;us, furent brises ou egares, — 

Le soir m6me, Mr, Ernest Burnat, architecte, me tel^phona un message 
de Mr, Jomini, syndic de Vevey, m'annoni^ant la decouverte, me demandant 
d aller examiner les lieux, et de lui donner mon avis. — A la suite d'une ins- 
pection faite le lendemain matin, samedi le 19 fevrier, en compagnie de 
Messieurs Emest et Adolphe fiurnat architectes et du contremaitre des tra* 
vaux du boulevard qui avait «^te präsent lors de la ddcouverte, je fis part ä 



•) Journal des fouilles ^xecutees k Vevey, en f^vrier'mars-avril 1898, lors du perce- 
tncnt du boulevard Saint Martin, Redig^ par Albert Naef, archäologue. Registre in-folio, 
niss. de T34 pages doubles, illustre de 258 dessiiis^ croquis, plaiis, , . . . etc, et de iio photo- 
graphies. - Depos^ ä Lausanne, Archives du Service des Monuments Historiques, oü il 
pcut etrc consuitd siir dem an de motivee jidressce au Departement de rinstmction publique- 
H des CuUcs, Service des Mon. Ilisttir. 




OJET 



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MtTJ construits Bour le ßouLevan 



Jö M etre& . 



Msibon^K-Lth 



mann. 



de Veve/. 

S FOUILLES 




25 t^t 



terrains des vignes du cöt6 du Nord, le futur niveau du boulevard devant 
etre bien inferieur ä celui des vtgnes ; on voit le fosse ouvert pour asseoir 
les fondations de ce mur de soutenemeiit, et qui amena la decouverte des 
Premiers squelcttes, les rails du Decauville, les tas de pierres et de gravier^ 
en un mot Tetat du terrain au d^but des fouilles. — 

Les chiffres arabes indiquent les numeros des differentes sepultures 
portees sur le plan; en ce moment on est occup^ ä Texamen de la sepulture 
Ni 9, le Ni lo est reconnu, mais non encore decouvert. — Mr. Ad. Burnat 
inscrit les notes que je lui dicte; ä cöte de lui Mr. Fran9ois Doge, un de 
nos excellents correspondants de la Commission des Monuments historiques; 
au second plan, sur la gauche, Mr. Panchaud directeur des travaux de la 
ville; au loin le clocher de Teglise St-Martin, (Comp, le plan de Situation). — 

La Photographie fig. 26, bien que tres posteneure, completera le coup 
d'oeil du cöte occidenta! ; on y voit en effet la partie meridionale du terrain, 
limitee par le „Chemin des Philosophes'' (Comp, le plan), et le clocher de 
St-Martin servira de point de repere. — 

La vue de la fig. 27, prise samedi le 26 fevrier, donne les travaux du 
boulevard en regardant du cote de TEst, — Par comparaison avec le plan, 
on notera l'ancien pavillon de vignes, H, qui nous fut tr^s utile au cours 
des fouilles pour v deposer nos trouvailles, et derriere ce pavillon, d*une 
part la maison de Mr. Lehmann, d*autre part un amas considerable de terre. 
— La construction du mur de soutenement a — b, que je n'ai plus besoin de 
definir autrement, est beaucoup plus avancee du cöte de TEst qu'en date du 
22 fevTier, et l'on vient de termioer Texamen de la sepulture N- 15. — (Comp, 
enfin la vue de la fig. 28, prise en regardant ^galement du cöt^ de rEst.) 

Ces quatre planches en diront certainement davantage qu*une longue 
description, et permettront de n'ajouter que quelques mots sur Tetat du terrain 
au debut des recherches. — II faut pour cela se reporter au plan. — J'y ai 
indiqud en a— b, c— d» le nouveau boulevard projete, dont le mur septentrional 
^tait presentement construit de a en e, et tout ä cöte le fosse. qui fit decouvrir 
les sepultures N"^ 1 ä 7. I! faut observer immediatement que, pour les tra* 
vaux du boulevard, soit le fosse, soit le mur a— e» allaient ^tre prolonges 
de e en b. — La fig. 25 nous a montre les rails pour wagonnets, installes 
parallelement au fosse, ä peu pres jusqu en regard de la sepulture Nu 7. — 

Au sud du mur et du fosse pratique pour sa construction le terrain a 
dejä ete abaisse pour retablissement du boulevard, mais le niveau futur n'est 
pas encore atteint ; cet espace est encombre en tous sens de tas de pierres» 
de gravier et de sable extraits sur place en differents endroits. — En H le 
petit pavillon de vignes, destine ä disparaitre, et dont j*ai parle ä propos 
de la fig, 27. A l'Est de ce pavillon le terrain se retrecit; il est 6galement 
encombre de depöts de gravier et de sable, mais surtout d*une veritable 
butte de terres, accumulees tout contre le pavillon. — Le „Chemin des 
Fhilosophes" est considerablement en contre-bas; s'il a existe des sepultures 
sur son trac^, ce qui est possible, elles ont ete detruites il y a longtemps. 




26 



I90I 



— Ce chemin, qui rejoint la route de Blonay, est tr^s ancien; quelques 
personnes pretendent qu*il s'agit d'une voie romaine, mais je n'ai pu encore 
contröler le plus ou moins de probabilite de cette hypoth^se. — 

Ces quelques mots suffiront peut-etre pour montrer la Situation generale 
au debut des recherches et le parti qu'il fallut adopter. Malgr^ toute la bonne 
volonte de Mr. Panchaud, le directeur des travaux de la ville, et ramabilitä 
avec laquelle il voulut bien faciliter les fouilles, il va de soi que les travaux 
du boulevard, activement pousses, ne pouvaient etre ni interrompus, ni 
prendre une autre marche ä cause des recherches archeologiques. On voudra 
bien garder en memoire ce fait tres naturel et cependant essentiel; il expli- 
quera rirregtilarite apparcnte dans le numerotage des sepultures sur le plan, 
numerotage qui indique Tordre suivant lequel elles furent examinöes. — 
La marche a suivre pour /es fouilles etait donc iinposee par les travaux du 
boulevard; le plan ne pouvait provisoirement consister qu'i\ explorer le terrain 
sur la largeur de ce futur boulevard. — 11 fallait tout d'abord reconnaitre 
Texistence eventuelle de sepultures dans le prolongement oriental du mur et 
du fosse a — e, et ccla avant que les ouvriers terrassiers n'y soient parvenus ; 
la suite se montrerait par la fafon meme dont seraient pousses les travaux 
de la Chaussee, en saisissant les occasions favorables. — 

II etait probable que Ton trouverait des sepultures soit ä l'Est, soit ä 
rOuest du pavillon H, mais il ne serait possiblc d'explorer ces emplacements 
qu'apres Tenlevement des amoncellements considerables qui s*y trouvaient. — 

II etait tr6s probable aussi que les sepultures se prolongeaient au Nord, 
sous les vignes, en partic proprietes particulieres, en partic propriete de la 
ville. — II va sans dire qu'on ne pouvait songer, pour le moment, ä fouiller 
ces vignes; d'ailleurs lä rien ne pressait, et la possibilite d'etendre tot ou 
tard les recherches de ce cöte se montrerait d'elle-m^me. — 

Cela pose, le numerotage des sepultures sur le plan suflira pour mon- 
trer la marche graduelle des travaux, et la fa^on dont le terrain fut peu ä 
peu explore au moyen de fosses paralleles, de largeurs süffisantes pour ne 
rien laisser passer inapergu. — Sur le plan les fosses sont marques en lignes 
pointillees, et leurs directions successives par des flaches. — 

V. Proc^d^s employes pour Texamen des sepultures. 

En parlant de la nature du terrain j'ai montre comment les fosses des 
sepultures, creusees dans les couches de gravier et de sable, s'etaient remplies 
de terre vegetale, et comment elles s'annonfaient par des espaces rectangu- 
laires, de couleur brune, sur la surface environnante blanche et gris-bleuätre. 

— Cette remarque facilita singuli^rement les recherches; arrive ä une cer- 
taine profondeur, il sullisait de niveler le sol par couches horizontales. — 

Pour eviter des repetitions, je decrirai une fois pour toutes le Systeme 
que je crus devoir employer pour Texamen des sepultures, partout oü ce 
fut materiellement possible. — Lorsque la surface horizontale d'une ancienne 
fosse etait nettement definie, je la faisais degager en forme de petite butte 



a7 19DI 



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Fig. 29. Fosse d'une sepulture dcgagce et translormee en butie pour rexamen, 

allongee, entouree d'un fosse; tout autour de la fosse, ainsi transformee en 
une sorte^de tumuUis minusculep on laissait subsister une enveloppe^dc^gra- 
vier, d'epaisseur suflisante pour iiiaintenir rinterieur, — La 5*ari 6tait le travail 
des ouvriers; cest cette premi^re phase de roperation pour la sepulture 
N** 22, que montre la fig. 29* — 

A ce moment on mesurait les dimensions de la fosse ä sa partie su- 
p^rieure, et Ton prenait ä la boussole son orientatton. Ensuite, aide de 
Mr, Bumat et souvent de Mn Doge, je raclais prudeminent ä la truelle le 
sommet de la motte, en maintenant toujours un niveau horizontal ; en gardant 
des rep^res, il etait possible de la sorte de mesurer la profondeur de la fosse 
le retrecissement eventuel de ses parois interieures. — Au beut de peu 
de temps, dans la plupart des cas, apparaissait une ligne mediane de poussiere 
noire, tantot rectiligne, tantöt I^g^rement döformee, ou bien aussi, sur les 
bords, des lignes analogues, continues, formant un reclangle ou un trapeze, 
— C'<^taient les traces des parties superieures du cercueil ; les dispositions 
diverses de ces traces, que Ton mesurait de suite, fournissaient les rensei- 
gnements voulus sur lormes et dimensions des couvercles- Je reviendrai plus 
tard ä cette constatation si importante de cercueils de bois, pour presenter 
les differents types qu'il m*a ete possible de restituer. — La fig, 30 montre 
les traces superieures d'un cercueil de ce genre, celui du corps N*^ 27; le 
but des petits morceaux de bois clair, fiches en terre, etait uniquement de 
mieux souligner les traces de poussiere noire. Cette Photographie, de m^me 
que plusieurs autres, ont malheureusement du etre faites dans des circon 
stances tres defavorables, parfois au magnesium ; c*est ainsi qu'il a fallu 
prot^ger la sepulture N** 27 sous une veritable tente^ ä cause des rafales de 
pluie et de neige. — D'autres essais pour faire mieux ressortir sur la Photographie 





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Les terres peu k peu enlevees du sommet de ia butte ^taient jetees 
IS le fossd, oü elles ^taient examinees ä nouveau^ parfois criblees, puis 
d'oü on les enlevait au für et ä mesure de roperation. En contrnuant le 
grattagc on arrivait au squeiette, parfois reduit en poussiere, mais qae la 
profondeur du losse, degageant Fancienne losse, permettait d'etudier comme 
sur une table en laissant les objets aux eodroits oü ils se montraienL Le 
squelette ctait alors mesur^, Photographie si possible, et Ton en dressait un 
nouveau plan cotö, entoure des traces inferieures du cercueil et avec reports 
des objets. — Enfin iorsque, pour des raisons quelconques, il semblait dange- 
reux d'enlever les objets, je coupais toute la motte de terre ä laquelle ils 
adheraicnt, pour les transporter de la sorte au musee. En voici quelques 
exen^ples. Sur la fig. 31, (Sepulture N"" 8) trois bracelets, deux de verre, un 
de bronze, transportes avec Tos du bras et la terre qui les soutenaient; la 
fig» 32 (Sepulture de femme N" 22) donne la partie essentielle d*une ceinture 
de bronze, lev6e avec les crochets encore passes dans les anneaux, teile que 
la ddfuntc la portait Iorsqu*elle fut mise au tombeau; les fig. 33 et 34 sont 
des vues plongeante et laterale d*une motte de terre avec deux anneaux de 
bronze (St3pulture d'enfant N'^ 29). — Nous retrouverons d'ailleurs ces objets 
nettoyös, ddbarrasses de leur epaisse couche d'oxyde, et sur lesquels Torne* 
mentation liniaire est denouveau visible. — 

Ccs quelques indications sur les proc^d^s g^neralement employ^s pour 
Texamen des sepultures sufliront, je l'espere, pour n'avoir plus k y revenir; 
passons maintenant k Tetude des sepultures eUes-memes et des objets qu'elles 
renfcrmaient — (A suivre.) 



1 



I 




Die Arbeiten der Antiquarischen Gesellschaft von Brugg 

im Jahre igoo. 

(Bericht des Vorstandes.) 



Die genannte Gesellschaft untersuchte im letzten Jahre : i. Den Schwarzen 
Turm in Brugg (^Römerturm"), an der alten steinernen Brücke; 2. ein 
römisches Gebäude in Windisch; 3. die römische Wasserleitung Hausen- 
Königsfelden (Fortsetzung). 

Wir geben im folgenden einen kurzen Bericht über den Verlauf und 
das Ergebnis der Arbeiten. 

/. Der Schwarze Turm. 
Aeltere Forscher hielten den untern Teil des Brugger Turmes, soweit 
er aus Quadern gebaut ist, für römischen Ursprungs. Neuere dagegen, wie 
Dr. Zeller- Werdmüller, erklärten bestimmt, er sei mittelalterlich. Um mehr 
Licht in die Sache zu bringen, hat die Antiquarische Gesellschaft im Juni 
und Juli 1900 eine grössere Forschungsarbeit an dem merkwürdigen Bauwerk 
vorgenommen. 

Sie Hess zunächst im Innern einen Graben längs der Südmauer ziehen 
und letztere bis auf den Felsen freilegen. Das Innere des Turmes war 

nämlich bis zur Höhe der Schwelle an der 
Eingangsthüre (im Norden) mit Mauerschutt 
gefüllt. 

Auch an der äussern nordwestlichen 
Ecke wurde das Fundament bis auf den 
Felsen frei gelegt. Es erschienen nun die 
Herren Dr. Zeller- Werdmüller, Oberst Alex. 
Schweizer, Prof. Dr. 
Schneider und Privat, 
dozent J. Heierli von 
Zürich sowie Dr. Hun- 
ziker von Aarau und 
besichtigten die Fun- 
damente. Sie wünsch- 
ten, es möchte die 
ganze Schuttmasse im 
Innern bis auf den 
Pig- 35- Grundriss des schwarzen Thurmes in Brugg. Felsen entfernt wer- 




32 



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Fig. 36. Schwarzer Turm zu ßrugg. Stein ober der Türu 
aof der Nordseite, 



den. Auch diese Ar- 
beit wurde (mit Er- 
laubnis des Genieinde- 
rates Brugg) ausge- 
führt. 

Ferner wurde ein 
Ouatlerausdem mnern 
Mauergefüge gebro- 
chen, damit man den 

Mauerkern unter- 
suclien konnte. 

DarauTbesichtigten 
die Herren Oberst 
Schweizer, Dn Zeller- 
Werdmüller und J, 
Heierli den Bau noch- 
mals. 

Ergebnisse, Der 
Turm (wir reden im- 
mer vom untern, altern 
Teile) besteht aus einem äussern und einem innern Quadermantel und einem 
dazwischen liegenden festen Kern aus Steinen und Möntelguss. Die Mantel- 
mauer ist aus grossen Hausteinen gebaut, die über den Fundamenten lagen* 
weise geordnet sind. Die Fundamente selbst sind unregelmässig gemauert. 
Längs der Ost- und der Westwand bildet die Fundanientmauer eine stark 
vorspringende Stufe, 

Einzelne Partien mit oberflächlich eingemauerten Ziegeln sind nicht 
ursprüngliche Arbeit, sondern spätere Ergänzung defekter Stellen, so nament- 
lich ein grosses, etwa i m^ betragendes Stück an der Innenseite der Nord* 
mauer. 

Der Felsen wurde vor dem Autbau des Turmes nur soweit verebnet 
(abgespitzt), als nötig war, um die Bausteine auflegen zu können. Innerhalb 
der Mauern blieben die Feiszacken unberührt. 

Der Mauerkern besteht aus kleinern Steinen und sehr hartem Mörtel, 
ohne Ziegelstücke und ZiegelmörteL 

Im Innern zeigte sich in der Westmauer eine zugemauerte Fenster- 
öffnung, Ihr Gepräge ist romanisch. Die zwei Stücke, die von der untern 
Brüstung erhalten sind, weisen eine 4 cm breite Abschrügung. Die Gesamt- 
höhe des Fensters beträgt 1,22 m und die Breite 0,82 m, Der äussere Teil 
dieses Fensters, das bis jetzt unbeachtet geblieben war, kann nicht unter- 
sucht werden, weil es durch das angebaute Rathaus verdeckt wird. 

Die Herren Schweizer, Dr. Zeller-Werdmüller und J. Heierli gaben 
übereinstimmend ihren Befund dahin ab, dass die Art der Mauerung des 



33 I90I 

Turmes entschieden nicht römisch, sondern ohne jeden Zweifel früh mittel- 
alterlich sei. 

Auffallend ist die schon oben erwähnte Eingangsthüre in der Nordmauer 
(siehe Denkmäler des Hauses Habsburg in der Schweiz v. G. H. Krieg, 
Mitt. der Antiq. Gesellschaft Zürich Bd. XI, Heft 5, pag. 120, 121). Es entstand 
die Frage, ob diese Pforte mit dem Aufbau der Mauer angebracht oder erst 
später durchgebrochen und eingefügt worden sei. Herr Dr. Zeller-Werd- 
müller sprach sich in einem ausführlich begründeten Gutachten entschieden 
für die erste Ansicht aus. 

Gegen ihn spricht jedoch ausser andern Umständen auch der, dass die 
Front des Turmes nach Norden schaut. Warum sollten die Verteidiger ihren 
Aus- und Eingang gerade auf der Seite angebracht haben, die den feind- 
lichen Geschossen offen stand? 

Ueber der Thüre befindet sich (aussen) eine steinerne Lichtlochverzier- 
ung. Wenn die Thüre erst in jüngerer Zeit entstand, muss man annehmen, 
jenes Steinornament rühre von einem altern Bauwerk her und sei dahin ver- 
setzt worden. Dafür spricht die auffallend unsymmetrische Lage des Steines. 
Das Ornament stammt nach Ansicht des Herrn Dr. Hunziker sicher aus dem 
frühen Mittelalter, vielleicht der fränkischen Zeit. 

Die Schuttmasse enthielt in ihrer untersten Schicht nur zwei nennens- 
werte Artefakte : eine keltisch-römische Topfscherbe und ein römisches Falz- 
ziegel-Bruchstück. 

Es kann nach dem Vorgebrachten für sicher gelten, dass der Schwarze 
Turm, der erst im 19. Jahrhundert „Römerturm" genannt wurde, nicht von 
den Römern erbaut worden ist. 

2, Ein römisches Gebäude in IVindisch, 

Die „Breite" in Windisch, die Ebene zwischen Königsfelden und dem 
Windischer Schulhaus, war jedenfalls eine Hauptstätte des römischen Vin- 
donissa. Sie wurde in den Berichten der Brugger Gesellschaft und anderswo 
oft genannt. Ein Landeigentümer, auf diesem Areal wohnend, Hr. Dätwyler, 
anerbot uns in verdankenswerter Weise ein Stück seines Baumgartens, wo 
nach seiner Vermutung grössere Mauerreste im Schosse der Erde geborgen 
lagen. Rasch zugreifen ist die Losung des Altertumsgräbers. 

Vier Arbeiter begannen am i. Oktober 1900 mit einem Versuchs- 
graben, der von Süd nach Nord lief. Sie schaufelten und pickelten bis Ende 
Dezember bei günstiger Witterung. Eine grosse Erdbewegung wurde nötig. 
Denn bald befand man sich innerhalb der Fundamente eines römischen Ge- 
bäudes, das zwar noch nicht ganz abgedeckt ist, aber in den bereits erkenn- 
baren Strukturen den Eindruck einer grossen Anlage macht (vergleiche den 
beigegebenen Plan). 

Ueber die ganze Ausgrabungsstelle zieht sich, 1,8 m unter der Ober- 
fläche, innerhalb der Mauern ein fester, durchaus ebener Mörtelboden hori- 
zontal hin. Darauf standen zum Teil gut erhaltene Pfeilerchen von schönen. 



34 i9ot 



quadratischen Backsteinen, deren unterster jeweilen grösser war als die obern. 
Lieber diesen Pfeilern lag eine Betonschicht, stellenweise über einen Meter 
dick, bestehend aus Mörtel und Steinen; ferner lagen in der gleichen Höhe, 
wie die Betonschicht, zahllose Bruchstücke und grosse Klötze eines einfachen 
Mosaikbodens, der durch den Einsturz des Gebäudes völlig zertrümmert war. 
Einzelne Stücke des Mosaikbodens zeigten ein dunkles Blattornament, Ein 
Muster davon, i m'-, wurde durch die Firma Martin in Zürich aus den ge- 
fundenen Bruchstücken zusammengesetzt und in die Brugger Sammlung 
gelegt. 



Pompeji, 



Vindonissa. 



Fig. 37 Römisehe Thermen, i Cella frigidana, 2 Caldanum, 3 Tepidarium. 

Masstab 1 : 600. 



Von^Mauerwerk wurde im westlichen Teile der Grabungsstelle ein 5 m 
langes Stück abgedeckt, das nach Osten läuft. Daran schliesst sich ein Mauer- 
zug von 8 m Länge und 2,25 m Dicke und an diesen ein kreisrunder Raum 
von 6 m Durchmesser. Im Nordwesten wird dieses Rundell abgeschlossen 
durch ein rautenförmiges MauerstQck, 2,5 m lang und 2 m breit. Kleinere 
Mauerzüge aus Backstein begrenzen im Osten den Mörtelboden. Nördlich 
davon stehen, 10 m von einander entfernt, zwei runde Mauerklötze von 2*5 m 
Durchmesser. Sie sind mit segmentförmigen Ziegelsteinen verkleidet. Auch 
das übrige Mauerwerk hat auf der Innenseite Backstein Verkleidung oder doch 
die Spuren davon. 

Das Gelass, das der Leser auf obigem Plänchen ^Vindonissa*" rechts 
von der halbrunden, starken Mauer bemerkt, enthielt eine tiefe Schicht von 
Asche und Kohle Der kleine, auf dem Plane nach unten vorspringende, 



35 



190C 



viereckige Mauerteil bestand aus Ziegelsteinen, die in Lehm gebettet und 
stark verbrannt waren, somit auf Feuerung hinwiesen; hier war ersichtlich 
die Stelle der Einfeuerung. 

Ein Vergleich der abgedeckten Fundamentreste mit der pompeijanischen 
Therme (Mau, Pompeji in Leben und Kunst, pag. 175) und der auf Pfeilern 
hohl liegende Beton- und Mosaikboden ergeben mit Sicherheit, dass wir hier 
eine Therme von Vindonissa aufgefunden haben. Der kreisförmige Raum 
im Osten ist die Cella frigidaria (Kaltwasserzelle), der westlich angrenzende 
das Caldarium (Warmwasserbad) mit Mosaikboden und daran anschliessend 
das Tepidarium (Lauwasserbad) mit der halbrunden Mauer im Süden und 
ganz im Westen die Heizungsstelle. Die starken, runden Mauerklötze waren 
wohl Unterbauten für Gewölbe und Pfeiler. 

Die Grabung soll im Sommer 1901 zu Ende geführt werden, soweit die Ter- 
rainverhältnisse und die Landeigentümer sowie die Baumpflanzung es erlauben. 

An namhaften Fundstücken fanden sich : prächtiger dunkelroter Wand- 
belag; Ziegel der 11. und der 21. Legion sowie zwei Fragmente von Ziegeln 
mit dem Stempel C • Ul • H I • (dritte spanische Cohorte) ; etwa 20 Münzen. 
Ausser dem Wandbelag fanden sich alle diese Gegenstände ausserhalb des 
Gebäudes. 

3. Die römische Wasserleitung, 

Die römische Wasserleitung kommt von Oberburg her und geht bei 
der dortigen Linde vorbei, 3,7 m von deren Stamm entfernt gegen die 
Königsfeldener Klostermauer. Bei der Linde zeigte die Leitung die sichern 
Kennzeichen römischer Herkunft. Der glatte Cementbelag hat rote Färbung. 
Der Hohlraum, in dem das Wasser rinnt, ist 0,45 m breit und ebenso hoch ; 
die Seitenmauern 0,45 m dick ; darüber liegen steinerne Deckel. Auch inner- 
halb der Klostermauer, bei einem Weiher, wurde die alte Leitung an meh- 
reren Stellen freigelegt; sie erwies sich jedoch hier als ein Bauwerk späterer 
Zeit. Die Untersuchung konnte wegen Einbruchs der kalten Jahreszeit nicht 
abgeschlossen werden. 



Mutmassliche Reste eines altchristlichen Oratoriums 
in der Kirche von Pfyn (Thurgau). 

Von J, R. Rahn, 

Am 13. September 1899 schrieb Herr Pfarrer K. Schaltegger in Pfyn, 
dass bei Wiederherstellungsarbeiten in der dortigen Kirche ältere Fenster 
zum Vorschein gekommen seien und wirklich bestätigte sich, dass der Ein- 
blick in bemerkenswerte Phasen der Baugeschichte dieses ehrwürdigen Denk- 
males geboten war. 

Eine Beschreibung des Kirchleins, dessen Umgebung die Trümmer des 
römischen Kastells Ad Eines sind, ist in meinen Aufzeichnungen : „Die 
mittelalterlichen Architektur- und Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau" 
Seite 313 u. f. ') enthalten und es schien aus dem damaligen Befunde der 
Schluss berechtigt, dass die Bestandteile dreier Bauepochen zu unterscheiden 
seien: als ältester der dem Chor zunächst befindliche Teil des Langhauses, 
der sich bis zu dem 1875 stattgehabten Umbau als Rest einer romanischen 
Pfeilerbasilika zu erkennen gab ; als zweiter, der mutmasslich im XIII. Jahr- 
hundert erbaute Chor und drittens die westliche Fortsetzung des flachge- 
deckten Schiffes, die für einen Zusatz aus dem Jahre 1750 gehalten wurde. 

Infolge der neuesten Entdeckungen sind diese Aufstellungen unhaltbar 
geworden, denn es zeigt sich, dass nicht der östliche, sondern vielmehr die 
beiden westlichen Dritteile des Langhauses der älteste Bestandteil der jetzigen 
Anlage sind. 

Bis zu der Stelle, wo hüben und drüben vor dem Chore seitenschifT- 
ähnliche Ausbauten die sog. „Küchen" („Küche") aus dem Langhause vor- 
springen, fanden sich an der Südwand des letzteren drei vermauerte Rund- 
bogenfensterchen vor (Fig. 38— 40 A A). Sie sind drei Meter über dem 
äusseren Boden gelegen und von 1,27 : 0,90 m innerer Weitung auf ein Aussen- 
licht von I Meter Höhe und 0,45 Meter Breite verjüngt *). Leider waren, 
als ich zur Stelle kam, diese Fensterchen schon wieder unter dem Putze 
verschwunden, dagegen bot sich im folgenden Frühling (1900) der Anlass 
dar, ihre Beschaffenheit an der Innenseite wahrzunehmen. Hier ist die Leib- 



*) Zur Statistik Schweiz. Kunstdenkmäler, Beilage zum Anzeiger ftlr Schweiz. Alter- 
tumskunde. Fraucnfeld 1899. 

') Die Angabe dieser äusseren Maassc beruht auf gef. Mitteilung des Herrn Pfarrer 
Schaltegger. Nach Aussage des Maurers waren die Leibungen zerstört, so dass sich die Art, 
wie die Verjüngung geschah, nicht mehr nachweisen lässt. 




Lineamente ein Rankenornament gebildet zu haben scheinen. Auffallend ist, 
dass diese Fensterchen zwar auf gleicher Höhe stehen, aber keine regel- 
mässige Folge bilden, indem die Entfernung des westlichen von den beiden 
folgenden mehr als das doppelte des zwischen diesen letzteren befindlichen 
Abstandes misst. 
g. Die Nordseite hat in ihrer unteren Hälfte keine Lichter, da* 

^^^ gegen befindet sich nahe bei der „Küche" eine vermauerte Thüre, 
AÄs^» die ohne Zweifel aus gleicher Zeit wie die gegenüber befind heben 
Fensterchen stammt, Ueber dem aus Bruchsteinen gemauerten 
Gewände ist die äussere Wölbung (Fig. 41) aus drei concentrischen 
Halbkreisen gebildet: einem Bogen von 10 cm hohen und 5 cm 
dicken Backsteinen, die auf der langen Kante stehen, einem zweiten 
aus abwechselnden Backsteinen und Bruchquäderchen von Tuf, 
diese 10, die Ziegel 5 cm dick und durch Mörtelfugen von i cm 
Stärke getrennt* Den Extrados endlich bildet eine Schichte vonp latt Hegen* 
den Backsteinen. Eine ähnliche Struktur zeigt die Innenseite des Bogens 
(Fig. 42) mit dem Unterschiede jedoch, dass die mittlere Lage ausschliess- 
lich aus Tufquäderchen besteht, die eine mit der Kelle gerissene Fuge um- 
giebt *). 



Fig. 41* 



*) Die untere Backsteinschichle ist hier nicht mehr erhalten, an ihrer Stelle ist, vcr- 
rautlich beim Ausbruch des daiOber beftndlichen Fensters im Jahre 1750 ein Stichbogen von roten 
und gelben Ziegeln eingespannt worden. 



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Fig. 42. 



Die Struktur der beiden Langwände besteht aussen bis zu einer Höhe 
von 1,10 m über dem Boden aus ziemlich regelmässigen Lagen von Tuf- 
brocken und sogenannten „Bollen" (Flusskieseln) in der Grösse von Pflaster- 
steinen ^ worauf eine regellosere Mauerung aus Kieseln, Sandstein- und Tuf- 
brocken folgt, mit Stoss- und Lagerfugen, die mit der Kelle in den breit ver- 
strichenen Mörtel gerissen sind. Die gleiche Mauerung wiederholt sich neben 
der Nordthüre im Inneren. 

Wie weit dieser älteste TeU sich nach Westen erstreckte, ist unbekannt, 
denn die Westfa^ade, wenn auch mittelalterlichen Ursprunges, ist ohne Zweifel 
späteres Werk, Die Fundamentecken bestehen aus grossen Tuf- und Sand- 
steinblöcken, die ein starker Riss von der nördlichen Langwand trennt. Das 
obere Mauerwerk ist schlecht aus Kieseln und Kalkbrocken gefügt *). Auch 
die Höhe der ursprünghchen Anlage lässt sich nicht mehr bestimmen, weil 
die Mauern nur teilweise entblösst und dann in grosser Eilfertigkeit wieder 
verputzt worden sind. 

Die sweiie Baitepoche bezeichnet eine Erhöhung, die mutmasslich schon 
im XIL Jahrhundert, wenn nicht früher, stattgefunden hat. Darauf deuten 
die vermauerten Rundbogenfenster B B, deren je zwei in der östhchen Hälfte 
des Schiffes 7 Meter über dem Boden zum Vorschein gekommen sind. Auch 
hier wiederholt sich die Erscheinung^ dass die innere Weitung erheblich 

*) Die ursprüngliche Thüre war grösser als die jetzige und mit einem roh gemauerten 
Rundbogen geschlossen. Später^ vermutlich 1750, wurde die Weitung um 25 cm verringert 
uad der Halbkreis mit einem schlecht construierten Stichbogen unterfangen. 



4^ 1901 

grösser als die äussere ist. Jene, die ringsum vom Tufsteinen eingefasst 
ist, misst 2,90:1,13 und diese nur 2,05:0,55 Meter'). 

Drei gleich grosse Fenster C C, aber beiderseits steil gefast, in vollem 
Spitzbogen gewölbt und näher als jene zusammengerückt, sind über den 
Dächern der „Kuchen" geöffnet. Man wäre versucht, sie aus der Zeit des 
Chorbaues zu datieren, dessen Schlusswand eine dreiteilige Gruppe von gleich- 
falls spitzbogigen Fenstern enthält. Allein dieser Annahme stehen die unregel- 
mässige Verbindung des Chores mit dem Schiffe ^) und eine zwischen diesen 
beiden Teilen von oben bis unten durchgehende Fuge entgegen. Wohl 
weist daher dieser Zwischenbau auf eine besondere, die dritte Bauepoche hin 
und möchte damals, als die erste Verlängerung der ursprünglichen Anlage 
stattfand, der Gedanke entstanden sein, sie in eine dreischiffige Basilika umzu- 
wandeln. Dass der Anfang dazu gemacht worden ist, bewiesen die Doppel- 
arcaden, die bis 1875 das Hauptschiff mit den „Küchen" verbanden und auch 
die weitere Thatsache ist verbürgt, dass eine Fortsetzung der Abseiten nach 
Westen beabsichtigt war. Darauf wies ein Kragstein, der weiter westlich 
als Träger des Seitenschiffdaches aus der Nordmauer des Langhauses vor- 
sprang und belegten das noch bestimmter die Bruchstellen, mit denen die 
beiden Seitenschiffmauern bis 1899, als höherer Ordnungssinn sie weg- 
dekretierte, über die westlichen Schlussfronten vorsprangen. Ueber diesen 
Anfang jedoch ist der Umbau zur basilikalen Anlage nicht hinausgelangt^ 
denn es ist keine Spur von weiteren Arkaden an der Nord- und Südseite 
des Langhauses wahrgenommen worden. Die vierte Phase in der Bauge- 
schichte der Kirche bezeichnet die Errichtung des Chores, der wohl ein 
Werk des XIII. Jahrhunderts ist, und mag endlich 1750 der Ausbruch der 
grossen Korbbogenfenster in der östlichen und der Rondelen in der west- 
lichen Hälfte des Langhauses vorgenommen worden sein. 

Noch erhebt sich die Frage nach der Entstehungszeit des ältesten Teiles 
und der Bestimmung des Gebäudes, zu dem er gehörte. Dass dieser Kern 
der Anlage vorromanischen Ursprungs ist, steht zweifellos fest. Schon die 
altertümliche Form der Fenster B B, welche der spätere Aufbau enthält, 
weist darauf hin und noch mehr die Uebereinstimmung, die zwischen diesen 
ältesten Partien und denen der Kirche von Oberwinterthur besteht^). Wie 
hier die Fenster, so ist in Pfyn die Nordthüre mit concentrischen Bögen 
überwölbt. Es wiederholt sich bciderorts ein ähnliches Bruchsteinwerk mit 
breit verstrichenem Mörtel und Fugen, die mit der Kelle gerissen sind. Hier 
wie dort ist die Nordseite fensterlos, sind die Breite des Mittelschiffes, die 
Mauerstärcke, die Dimensionen und die Höhenlage der Fenster annähernd 

*) Auch hier ist die Führung nicht mehr zu erkennen, in der die Verjüngung nach 
aussen geschah. 

•) Vgl. den Grundriss in „Die mittelalterHchen Architektur- und Kunstdenkmäler des 
Kantons Thurgau", S. 314. 

*) Vgl. y. R. Rahu, Die Kirche von Oberwinterthur und ihre Wandgemälde. (Mit- 
teilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. XXI. Heft 4. Taf. I). 



4^ 19^1 

gleich, und wie der spätrömische Ursprung der Oberwinterthurer Kirche ausser 
Frage steht, so dürfte als weiterer Beleg für die annähernd gleichzeitige 
Entstehung des Kernes der Kirche von Pfyn der charakterische Wechsel 
von Tufstein und Ziegeln in den Thür- und Fensterbögen anzusprechen sein. 
Als Ueberbleibsel eines Oratoriums aus dem Ende des IV. Jahrhunderts sind 
die ältesten Teile der Kirche von Oberwinterthur gedeutet worden und wohl 
möchte auch die von Pfyn ihren Ursprung aus dem römisch-christlichen Leben 
genommen haben *). 



*) Ferdinand Keller, Die römischen Ansiedelungen in der Ostschweiz (Mitteilungen 1. 
c, Bd. XII, Heft 7. S. 294) bestreitet, dass die Kirche von Pfyn auf römischen Grundmauern 
erbaut sei ; allein ihre Struktur hat er, weil damals das ganze Langhaus verputzt war, eben 
nicht gekannt. 



Die Maler- und Schreiberschule von Engelberg. 
Von Robert Durrer, 

Die Bedeutung Engel bergs für die Geschichte der spätromanischen und 
frühgotischen Miniaturmalerei darf jener St. Gallens für die karolingische 

und frühromanische Epoche 
an die Seite gestellt wer- 
den.') Wie dort liegt diese 
Bedeutung sowohl in der 
Vorzüglichkeit als in der 
Fülle des erhaltenen Ma- 
terials. 

Die Stiftsbibliothek birgt 
nicht weniger als neun- 
undsiebzig künstlerisch 
mehr oder weniger reich 
ausgestattete Bände aus der 
Zeit vom XIL bis in die 
Mitte des XIV. Jahrhun- 
derts. ') Fast alle derselben 
sind nachweisbar in Engel- 
berg entstanden und bieten 
uns so in dem scharf um- 
grenzten Rahmen einer lo- 
kalen Schule ein Bild der 
Stilwandlung, welche sich 
seit dem Ende des XIL 
Jahrhunderts, parallel mit 
dem Durchdringen des 
neuen gotischen Bauprin- 
zips, auch in der Malerei 
und in der Ornamentik voll* 
zog. Es ist von Interesse, 
die Phasen dieses Entwick- 
lungsganges^ das Eindrin- 
gen neuer Elemente, die 
Fig, 43. Initialen aus S. Blasianer Manuskripten m S. Paul '^^g^ Fortbenützung und 
in Kärnten. (*/f der Originalgrösse.) allmälige Modifizierung der 




43 19»« 



alten als mustergiltig erkannten Vorbilder im einzelnen verfolgen zu 
können. 

Die Anfänge der Bücherei und Schreiberschule von Engelberg knüpfen 
sich an den Namen des gelehrten Abtes Frowin^ der zwischen 1142 und 1148 
an die Spitze der jungen Benedikt in eransiedlung trat und derselben bis zum 
Jahre 1178 glücklich vorstand. Ob Frowin von St. Blasien oder Einsiedeln 
hergekommen, darüber herrschte seit dem XVII. Jahrhundert ein lebhafter 
Streit, der stellenweise um so erbitterter geführt wurde, als sich mit dieser 
akademischen Frage die Eigentumsansprüche auf einige Frowin*sche Manus- 
kripte verquickten.*) Es ist heute als feststehend zu betrachten, dass Frowin 
ein Professmönch von S, Blasien war^ er mag aber zeitweiUg in Einsiedeln 
geweilt haben^ wohin sich im Jahre 1123 in den Streitigkeiten zwischen dem 
Bischof von Basel und S, Blasien um die Kastvogtei dieses Gotteshauses ein 
Teil der S. Blasianer Mönche flüchtete. Die Thatsache, dass sich Frowin- 
Manuskripte in Einsiedeln befinden, bietet hiefür freihch keinen Beweis, da 
dieselben zum Teil Frowin bereits als Abt bezeichnen und zum Teil nachweis- 
bar erst später dahin gekommen sind.^) Ebenso wenig bedeutet für den dortigen 
Aufenthalt Frowins der Nachweis, dass derselbe bei seinen litterarischen Arbeiten 
ältere Einsiedler Handschriften benutzte*"), denn der Verkehr unter den Be- 
nediktinerklöstern war ein reger. Selbst auf die Verwandtschaft Frowin'scher 
Initialornamentik mit altem Einsiedler Werken kann kein grosses Gewicht ge- 
legt werden, da die ganze Benediktinerkunst jener Zeit, ja die romanische 



*) Vgl. daröber und ober Frowin überhaupt: P, Chr. Harimann, Annales Einsidl 1612- 
S. 189. — P. Fintan Steinegger von Einsiedein und P. Bmedikt Denring von Engelberg in 
Abt Karl Stadlers Catalogus vrrorum illustritim mscpt. S. 8—10 und S. 240. — Gerbert 
Historia Silvae Nigrae L 422/23. — Abt Karl Stadler, Catalog. viror. illustt- mscpt* S. 13 
und Catalogus cod manuscriptorum S. 81 (StÜtsbibL Engelberg). — P. Tr, NetigarL Epis- 
copatus Const. I. a, S. 135 und U, S. 165. - Dr. Hermami v, Lieöenau, Vei*such einer urk, 
Darstellung des reichsfreien Stiftes Engelberg (1846), Sv 25 ft. — Derselbe, Geschichtsblätter 
L (X854V S. 145—161 und Schweizerblätter f. Wissenschaft 1859, S, 55-56. - Wüken, Ge^ 
schichte der Kreuzzüge 111. 56. — Ludwig Kästle, Freib. Diöcesanarchiv IlL 310, — P- Call 
xMoreJl, Leben und Wirken des h. Meinrad, S. 172 und Pilger (Eins. 1842) S. 65, 205^ 349, 
357» (1643) ^99i 380. — G. Meyer r, Knonau^ Frowin in Allg* deutsche Biographie, VIIL 153. 
— Waiz^ Monumenta Germaniae Scriptores XX VL 122 ff. — Dr, Th. r. Lieöenau, Arnold 
von Brescia und die Schweizer, Kath, SchweizerbläUer 1885, S. 17 ff. und 1886, S. 140. 
P. Ben^ikt Gotiwalä, Kath. Schweizerblälter 18B6, S. 134 ff. — P. Gabriel Meier, L c. 391. 

■) Vgl Cod* 166. Einige nicht näher bezeichnete waren unter den Elngelberger Aebtcn 
Andreas Hersch (1592—1600) und Melchior Ritzi (1600— 1602) nach Einsiedcln gekommen, 
einige der in Einsiedeln befindlichen Frowinbände tragen dagegen schon Marginal vermerke 
von 1324 — 1358 in Einsiedeln als Bibliothekar und Kustos waltenden Heinrich v, Ligerz. 

aber dieselben gerade damals nach Einsiedeln gekommen sein könnten, zeigt die dem 

Jigen Codex 239 vorgesetzte Notiz; ^Iste über est monasterii Montis Angelorum, 

fprestittis domno H. de Ligeriz, thczaurario monasterii Heremitarum. Et pro memoriali 

habetur ibidem biblia beate Marie-'' Das finanziell ruinierte Kloster Engelberg war während 

der Jahre 1330 und 1331 der Verwaltung des Einsiedler Abtes Johann von Schwanden 

itnterstetlt. 

*) Vgl P, Gabriel Meier, Kath. Schweizerblätter 18B6, S. 393. 



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Fig. 45* Seite ab des FrowiivManuskriptes Nn 15. 

ichmalerei überhaupt einen gemeinsamen Charakter trägt. Die Elemente der 
**rowin sehen Initialen sind allgemeine, wie wir sie nicht nur in schweize- 
""^crhen» auch in rheinischen und bairischen Handschriften z. B, unverändert 
^^^derfinden ") ; nur Vorzüge individueller Natur, die Auswahl und phantasie- 



*) Vgl. Hahn l c, S. 300 ff. und £>r. Kar/ Lampncht, Initialornamentik des Vllh bis 
^IL Jahrhunderts, Leipzig i88a. Besonders Taf. 30 und 31, 



46 



i9»i 



volle Durchbildung jener überlieferten Formen, die virtuose Sicherheit der 
Zeichnung, die harmonische Zusammenstimmung der bunten Farben gründe 
sind die Charakteristika, die Frowins Werke auszeichnen und stets leicht j 
wieder erkennen lassen. fl 

Von Frowin und seiner Schule hat sich eine grosse Reihe von Hand- ' 
Schriften erhalten, Engelberg besitzt deren bei 35')v Einsiedeln etwa sechs;') 
zu S. Paul im Lavanttal, wo der Konvent von S. Blasien fortlebt, wird 
eine einzige Handschrift autbewahrt, die nach der Inschrift „Frowin prelatus 
librum fuit hunc operatus'\ während seiner äbdichen Regierung in Engelberg 
entstanden ist^). Zwei andere Bände daselbst zeigen eine mehr als allge- 
meine Verwandtschaft mit Frowin*scher Ornamentik, gehören aber nicht 
direkt seiner Schule an. Da die Anhaltspunkte für eine nähere Datierung 
fehlen, so ist auch ihr Verhältnis zu Frowin nicht genau zu bestimmen, ^ 
(Fig, 43)^ ^ ■ 

Als die bedeutendsten Frowin'schen Manuskripte fallen für die kunst- 
geschichtliche Würdigung in Betracht: die dreibändige Bibel (Cod. 3, 4, 5), die 
fünfbändige Sammlung der Werke Gregors des Grossen {Cod. ig, 20, 21, 22, 
23), die Homilien des ehrwürdigen Beda (Cod. 47), die Werke des h. Hierony- 
mus (Cod. 48), die zwölf kleinen Propheten (Cod. 76), S. Augustins Ennarationes 
in psalmos III (Cod. 13), sämtlich in Engclberg, Der persönliche Anteil des 
Abtes an diesen Werken lässt sich nicht von vornherein ausscheiden. Während 
in der Bibel der Name des Schreibers Richene genannt wird und bei andern 
Bänden Ausdrücke wie: „institit id fieri Frowi(n)'*, „hoc Frowine volumen fieri 
(scribi, conscribi) fecisti" und 1 

p,Cur minus habet a mercede Frowinus? ^M 

Cum scriptor scripsi, manus autem paruit ipsi** ^ 

auf einen Amanuensis hinweisen, lassen andere der Vierzeiler, wie sie zumeist ^ 



') Cod. (a), 3, 4, 5, 12, 13, 15, 16, 17, i8, 19, 20, 21, 22, 23, 32 (33, 34, 42, 43), 46, 47. 
48* 49> 64, 65, 76, 87, 88 (89, i02| 135, 138), 139, 146. Vgl. P, Bimäikt Gotitmld, Catalogus 
codicym manu scriptonim, qui asservantur in btbliolheca Engelbcrgensis {1891) (Typis Hcr- 
derianis Friburgi Brisgoviae.) 

■) Cod. (34?) 166, 240 (256? 300? 319 S. 35—62?), 360* In Cod, 345 stehen zwei Initialen 
ganz Frowin *schen Charakters auf Rasur. VgL P. Gabriel Meiere Catalogus codicum manu 
scriptorum qui in bibL monasterii Einsidicnsis servantur Tom. 1 (Lipsiae apud O. Harrosso- 
witz 1899), 

•) Sie enthält magistri Hugonis commentarium in Ecclesiasten und Rogerii Grimwaldi 
controversias cum Berengario und ist nicht, wie man aus Neugarf Episcopatus Constantiensis 
II, 165 vermuten könnte, im Brande von St. Blasien 1768 zu Grunde gegangen. 

*j Ich verdanke einlässliche Notizen über diese und den vorgenannten Frowinband 
samt prächtigen farbigen Facsimilcs ihrer Initialen der ausserordentlichen FreundUchkeit 
des hochw, Herrn P. Dr. Sit^rkd C/irisim^, O, S. ß. in S, Paul Die Initialen des ersten 
dieser Bände sind nur mit Minium unterlegt; der Buchstabenkörper mit schwarzem oder 
rotem Kern ist schwarz koiitouriert und mit Rot spärlich modelliert. Die Buchstaben des 
zweiten Bandes haben rote Kontouren und Unterlagen von sehr zarter Tönung: rosa, grün 
und hellem Ocker. Daneben findet sich in letzterem Bande noch ein einfaches schwarz - 
gezeichnetes I mit schwarzem Kern, 



47 



IQDI 



am Anfang der Bände stehen, die persönliche Arbeit des Abtes voraussetzen. 
So wenn es in Cod. 49 heisst 

^Quod vetus occultat lex hoc über hie mamfestat 
Quare Frowinus conscripsit eum Studiosus*, 



in Cod. 19 



oder in Cod. 18 



„Hac in scriptura Frowine patet tua cura 
Hanc vigilis mentis, quia scripsisti documentis" 



^Hic Augustini über est opus ac Froewini 
Alter dictavit, alter scribendo notavit"'). 
Die genaue Untersuchung der gleichartig charakteristischen Schriftzüge 
erlaubt kaum eine sichere Ausscheidung der Schreiber, führt aber zur Ueber- 

zeugung, dass Schreiber und Illuminator nicht im- 
mer identisch waren. Denn mit einigen wenigen 
Ausnahmen ist es stets dieselbe Hand, die den 
künstlerischen Schmuck all dieser Bände — soweit 
er ursprünghch ist — geschaffen hat. Da diese 
Hand, die den während eines Zeitraumes von 
mehr als 35 Jahren entstandenen Frowin-Bänden 
ihre gleichartige Ausstattung verlieh, genau mit 
Frowins Tode (f 28. März 1178) abbricht und in 
den Handschriften seines Nachfolgers Berchtold 
sich nie mehr findet, so darf man den Illuminator 
in der eigenen Person des Abtes vermuten. 

Die Kunst Frowins geht von kalligraph- 
ischen und rein dekorativen Motiven aus. Hier 
liegt auch seine Stärke. Als einfachsten Schmuck 
besitzen alle Bände elegante rote Anfangsbuch- 
staben, die meist mit ausgesparten Zickzack- 
bändern belegt sind und hie und da in blattartige 
Schnörkel auslaufen. Band 33 sind kleinere blaue 
und rote, mit Spiral werk in gewechselten Farben 
gefüllte Initialen eigen. Hier wie dort wechseln 
beliebig unciale und kapitale Formen. 

Dies ist auch der Fall bei den grossen 
reichen vegetabilischen Initialen, die für Frowin 
typisch sind. Sie sind teils mit roter oder 
schwarzer, teils mit roter imd schwarzer Tinte 



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Fi^. 46. Aus dem Frowinband 
Nr. ao, S. 6. 

(* t der Originalgrösse.) 



*) Wieso K r\ Liebenati, Versuch, S. 34 (und nach ihm Rahn 1. c. 307), gerade diesen 
J^*^cm Vers, der in einem Werke S* Augustins steht, als Beweis för die Nichteigen- 
"^tidiglteit anführen, ist mir nicht verständlich. Er kann doch nicht anders übersetzt werden 
*~- Dieses Buch ist die gemeinsame Arbeit S, Augustins und Frowins* jener {Augustinus) 
*^«rtc, dieser (Frowinus) schrieb. 



48 



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Fig. 47. Aus Frowinband 

Nr. 5 S. 181 b. 
(',» der Original grosse.) 



höchst virtuos gezeichnet^); der Buchstabenkörper ist 
zuweilen mit rotem Kern und an der Schwellung mit 
linear verzierten Spangen versehen, im übrigen wie 
das vegetabilische Fültwerk immer farblos gelassen 
und meist mit wechselnden transparenten Farben- 
gründen unterlegt. Die Blätter sind wenig entwickelt,^ 
von knolliger Form und mit kleinen roten oder^^ 
schwarzen Drückern modelliertj blütenartige Gebilde 
finden sich nur vereinzelt und das Pfeilblatt, dasj 
früher eine grosse Rolle spieUe und z. B. noch für 
die Einsiedler Werke des XL und XIL Jahrhunderts 
charakteristisch ist^), kommt nie mehr vor. (Fig, 44 
und Farbentafel IX'*). Dagegen spielt die neue Tier- 
ornainentik *) schon eine grosse Rolle; Löwen-, 
Drachen- und Vogel gestalten mischen sich in die | 
Bbttverschlingungen und wenn auch deren Formen 
auf direkte Beobachtung animalischen Lebens zurück- 
gehen und nicht wie in der karolingischen Tierorna- 
mentik sich rein ornamental abwandeln, so fügen sie 
sich doch so völlig in ihre ornamentale Umgebung^^JI 
dass sie selbst ohne Bedenken der Symmetrie zu lieb^H 
auf den Kopf gestellt werden. Besonders reizende 
Beispiele dieser Mischung von Pflanzen- und Tier*^| 
Ornamentik finden sich in Cod. 5 S. 2' und Cod. 15^^ 
S. 2^. (Fig. 45)* Auch die menschliche Gestalt tritt 
in den Bereich des Initials. Bei Buchstaben, deren ] 
langgestreckte Form einer Entwicklung des Schling- 1 
Werks entgegenstand, gelangt das figürliche Element j 
meist zur dominierenden Stellung^}. Die technische 



*) Der Behauptung in Passaranfs Peintrc-Graveur I, S. 18, 

dass zu Frowins Zeit die Initialen vermittelst Typen gedruckt 
worden seien, hat bereits Ra/m L c. widei^s prochen* Auch ich, 
der die Bände der sorgfältigsten Prüfung mehrmals unterzog, konnte nicht die geringste 
Andeutung für ein solches Verfahren entdecken. Nicht nur bemerkt man zuweilen den 
zitterigen Strich und Vorzeichnungen mit dtm Metallgriffel^ sondern ich habe keinen einzigen 
Initialen gefunden, der sich genau in Zeichnung und Dimension wiederholte, 

*) VgL z, B. Cod. EinsiedL Nr. i3r. (X./XL Jahrb.), Nr. 150 (XI. Jahrb.). Nr. 151 (XL 
Jahrh,)j Nr. i (XI./XIL Jahrh.) die im übrigen in der Form und der polychromen Behand- 
lung den Frowin-Werken gleichen. Dagegen ist das Fehlen des Pfeil blatte*? auch für die 
beiden genannten S. Blasianer Codices (Fig. 43) charakteristisch. Dass dasselbe im XIl. Jahrb. 
überhaupt in Abgang kommt» zeigen die Tafeln 29—31 bei Lantprecht L c. 

•) Die farbigen Proben bei Liebemm Versuch sind sehr mangelhaft und geben sowohl mit 
Bezug aufdie Strichftlhrung als auf die Färbung einen ganz falschen Begriff von den Origina] ien. 

*) Vgl. Lamprechi l. c., S. 24 f. 

*) Eine sehr grosse Aehnlichkeit zeigen sowohl in Bezug auf Kompositioni Farben* 
gebung und Charakterisierung des Blattwerks die gemischt figtirüchen Initialen zweier (tims 



49 i^oi 



VC 



Behandlung bleibt bei diesen Figureninitialen die 
gleiche. Oft sind es blosse Federzeichnungen; 
wo Farbe zur Anwendung gelangt, beschränkt 
sie sich meist auf eine schematische Markierung 
der GewandfaUen, auf Borten, Kronen, Nimben, 
auf die Angabe der Wangen und Lippen, Far- 
bige Lavierung ganzer Flächen ist selten, mit 
Ausnahme der stets zwei- oder mehrfarbigen 
Gründe, die entweder schlagschattenartig der 
Körperlinie folgen oder geradlinig die Bildfläche 
begrenzen. 

Ein hübsches I (Cod. 20 3^6'' Fig. 46) wird 
durch zwei Drachen gebildet, w^elche zwei Jung- 



f-. 

m 



Fig* 48. AusFrowinband Nr. 48, S, 103 b. 

CU der Orginalgrösse.) 

verschlingen, durch ein an- 
s schieben sich hockende Lö- 
wengestalten (Cod. 5 S. 135'' vgl. 
^farbentaf. IX) Odernakte Knaben- 

guren, die sich mit ausgestreck- 
ten Zeigefingern necken (Cod. 5 
S- 181^ Fig 47). Der SchweÜ' 
eines Q wird hier durch einen 
knieenden Jüngling gebildet, der 
den Buchstabenkörper emporhält 
|Cod. 19 S. 36^), dort wachsen 
diesem die Ranken aus dem Mund 
(Cod 21 S. z'^ ). Besonders häu^ 
fig ist letzteres Motiv bei dem 
Buchstaben P ; das schönste Bei- 
ipiel bietet Cod. 23, S. 3M 

Jg. 44(, wo der Stamm durch 
einen Hund verlängert wird, der 
das Bein des Trägers verschlingt. 
Ein H wird durch zwei mensch- 
liche Figuren dargestellt, um 



i]d utbnr dhl'dipän ci7ji/rj(;. 



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B 1 A S l 
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] diic äJomifnnr 
fmtihv JulHvfmm 



Fig. 49, lultial V aus dem Frowinband Nr. 4, S. 134 b, 
C/i der Originalgrösse.) 



^^nde des XII, Jahrb.?) im Kloster Salem geschriebenen Bände, von denen A. v. Occhel- 
Die Miniaturen der Universitätsbibliothek zu Heidelberg I Taf i8 Proben gibt, 
rziehtingen zwischen Engelberg und Salem sind übrigens gerade zu Frowins Zeil nach. 
wciabar* Im Jahre 1164 waltete Abt Frowin von Engelbcrg neben Abt Frov^'in von Salem 
lIs Schiedsrichter rvvischen S. Blasien und Allerheiligen (Urk, St-A. Schafihausen, abgedn 
FkkU^ii Quellen und Forschungen zur Gesch. Schwabens und der Ostschweiz (1859) 
59» GcschichtsbJäuer I, 158 und Geschieh ts fr d, d. V Orte XLIX, S. 248). 



5ö 1901 






welche sich Schlangen winden, die den 
Mittelbalken repräsentieren (Cod. 87 8,63^ )S 
und in einem M findet sich die Darstellung, " 
wie ein Arzt deni schlotternden Patienten 
zur Ader lässt (Cod, Einsidl. 360, abgeb.Ä 
im schw. Archiv für Volkskunde I (18971 
S, 70). In der Füllung eines O erscheint 
die mit der Mitra geschmückte Gestalt der 
Kirche, an deren Brüsten sich ein Bischof 
und ein Vertreter des Laienstandes nähren 
(Cod. 48 S. 103 ^ Fig. 48). Wohl am meisten 
charakteristisch aber für die rein figuralen 
Initialen sind die T, wo der Buchstaben* 
körper selber entweder durch einen Mann 
gebildet wird, der eine grosse rotbetupfie 
Fig. 50, Der Prophet Michas aus Frowin- und die rote Zunge heraushängende Forelle 
band Nr. 76, S, 57 a, auf den Schultern schleppt iCod. 13 S. 

(% der tJriginalgrösse.) j^^ aj Q^er durch den alten Tobias, welcher 

den Leichnam eines Jünglings mit flattern- 
dem Haar und blutender Halswunde davonträgt (Cod, 4 S. 134*' Fig, 49K 
wiederholt Cod. 19 S. 24^) und als Illustration zum Buche Tobias, Kap. I 
und IL dient. ^ 

In entsprechender illustrativer Bedeutung kommt in Frowins grossem 
Bibelwerk, Cod. 3, zweimal die Figur des Moses vor, das eine mal in einem^ 
uncialen L, wie ihm Jehova erscheint^ das andere mal in einem H, dessen™ 
Oberteil eine bewegte Gruppe von zwei raufenden Jungen ziert Den An- 
fangsinitial I des Buches Esther bildet die schlanke Figur der Königin rait 
byzantinischer Krone und reichem Gewände mit langen, glockenförmigen 
Spitzenärmeln (Cod. 4 S. 150 M, und beim hohen Liede setzt der Künstler 
mit Bezug auf die Anfangsstrophen : Osculetur me osculo oris sui die Run- 
dung des O mit den sich küssenden Halbfiguren von Christus und der 
Kirche aus (Cod, 4 S. 70 ''}. Ein andermal erscheint in einem U, das den 
Anfang des Wortes Vanitas bildet, die allegorische Figur der „Superbia" 
in strenger Vorderansicht, In Cod. 76 wird jedes einzelne Buch der zwölf 
kleinen Propheten durch einen Initial von einfacher Grundform eröffnet, dex 
die Figur des betreffenden Propheten umschliesst; aber die Phantasie lasset 
hier den Künstler im Stich ; gleich langweilig paradiert die eine wie dVe 
andere der geistlosen Gestalten und nur die bunte Auswahl der Modetracht^n 
bringt einige Variation in das Thema (Fig. 50). Ganz entsprechend ist A^r 
Anfangsbuchstabe des Buches Ecclesiastes mit der Figur des Königs Salomon 
in dem genannten S. Blasianer Codex zu S. Paul. 

Je mehr sich überhaupt der Maler von dem ornamentalen Gebiet ent- 
fernt, desto deutlicher tritt sein Unvermögen zu tage, die menschliche Ge- 
stalt zu beherrschen. Die Proportionen sind unsicher, dei Körper meist 



53 



I90I 



nur bei der Bemalung zuweilen statt, wenigstens lassen dies ornamentale 
Beispiele (z. B. in Cod. 3, 33, 34, 47) vermuten. 

Von jenen figürlichen Initialen, die sich an den Text anlehnen, ist der 
Schritt zur selbständigen Illustration ein kleiner. Im Bewusstsein seines Un- 
vermögens hat sich def Künstler nur selten an solche Darstellungen ge- 
wagt und auch da ist von einer eigentlichen Komposition nicht die Rede. 
Die frei in der Luft stehenden Gestalten sind auf farblosem Hintergrund 
möglichst symmetrisch gruppiert und bildmässige Geschlossenheit wird durch 
einen ornamentierten Rahmen erstrebt. — Die Darstellung des frommen Hiob 
auf S. 107^ des Cod. 4 schliesst sich noch an einen reichen Pflanzeninitial 
an, istjaber mit demselben nicht mehr organisch verbunden. Der Dulder 
sitzt nackt mit roten Beulen bedeckt auf dem glockenförmigen Misthaufen, 
vor ihm das scheltende Weib. Beide Figuren weisen mit der Rechten auf 
einander hin und halten in der Linken Schriftbänder mit erläuterndem Text. 
Der gleiche Codex 4 enthält auf S. 69 *" ein ganzseitiges Titelbild zum hohen 
Liede, das die Vermählung Christi mit der Kirche darstellt und für die figür- 
liche und technische Seite der Frowinschen Kunst charakteristisch ist. Die 
überlange Gestalt Christi trägt einen rotgefältelten Mantel, ein blauschattiertes, 
gelbverbrämtes Oberkleid und ein rotschattiertes Unterkleid, die Kirche eine 
gelbgerandete rote Stufenmitra, ein Kleid mit blauen Falten und herabhängen- 
den gelbgesäumten Spitzenärmeln, darüber einen roten Mantel mit blauen 
Falten und gelber Borte (Fig. 51). Die Darstellung wiederholt sich ziemlich 
genau aber farblos in Cod. 32 S. 2*^ und wird hier durch die Verse erläutert : 

Coniugis in morem permiscetur per amorem 

Ecclesie Christus, perit hinc dolor et quoque fastus. 
Der dritte Teil der Bibel (Cod. 5) bringt die hässlichen Evangelisten- 
bilder, von denen Rahn eine Probe gibt. Den völlig gleichen Typus zeigt 
eine Darstellung des h. Beda in Cod. 47 S. i ^. Die Ausführung ist aber sorg- 
fältiger; den reichen mit wechselndem Palmetten- Wellenblatt- und Flechtwerk- 
muster verzierten Rahmen schmücken Eckmedaillons mit den Evangelisten- 
symbolen. Inhaltlich beanspruchen die Titelblätter zum ersten und dritten 
Band des Bibelwerkes das meiste Interesse, indem sie uns die Gestalt des 
Abtes Frowin selber vorführen. Das Bild in Cod. 5 (Fig. 52) zeigt unter einer von 
dQnnen Säulen getragenen Rundbogenarkade den Abt und seinen Amanuensis 
Richene. Der Schreiber sitzt auf einem mit geschweifter Rücklehne versehenen 
Stuhle am Schreibpult und weist auf den dort aufgeschlagenen Band, indem 
er mit ungelenker Geberde sein Federmesser erhebt. Vor ihm tront Frowin 
auf erhöhtem Sitze, er trägt die Casula und hält das hohe dünne Pedum 
in der Hand. Die Köpfe, an denen Bart und Haar durch blaue Strichlagen 
spezialisiert sind, haben etwas affenartiges; die Gewandfalten sind rot mar- 
kiert, die Säulen gelb mit weissen Kapitellen und die Bögen rot. Über den 
Figuren stehen die Situation erläuternde Verse: 

Cur aut unde minus habet a mercede Frowinus 

Cum scriptor scripsi, manus autem paruit ipsi. 



54 



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Dum bene precedit hic dum catus alter obedit 
Merces amborum florebit in arce polorum. 
Das andere Bild in Cod, 3 (Fig. 53) ist eine leicht getuschte Federzeich- 
nung mit spärlicher roter Modellierung der Gewandteile. In der untern Bild- 
hälfte kniet der mit Casula, Stola und Manipel bekleidete bärtige Abt vora 
der Gottesmutter und überreicht ihr den reich beschlagenen Prachtband," 
Maria trägt eine Infelkrone und unter dem Mantel ein Oberkleid mit den 
charakteristischen spitzenbesetzten Glockenärmeln. Das kleine lebhaft an 
byzantinische Vorbilder erinnernde Christkind streckt segnend das Kleeblatt- 
szepter nach dem Prälaten hin. Die unorthographische griechische InschriftJ 
Jai'x^a Ot^wO^t^jytoji; ^avjtäa 3IaQ va und die Verse: 

„O genitrix Christi, pax mundi, gloria celi 
Dono tibi librum, michi da venia vitiorum" 

erläutern den Vor- 
gang. , Die obere Par- 
tie füllen zwei Szenen^B 
der Genesis, die Er-" 
Schaffung der Eva und 
der SündenfalL Die 
verschiedene Basis der 
drei Figuren der ersten 
Gruppe zeigt den 
Mangel jeglichen per- 
spektivischen Raum- 
gefühls ; wenn Gott 
Vater dem schlum- 
mernden Adam die 
Rippe aus dem Leibe 
nimmt, so macht das 
den Eindruck als ob 
er ihn an einem Henkel 
zur Kraftprobe in die 
Höhe hebe. Die Pro-Ä 
Portionen der nackten™ 
Körper sind grässlich, 
der Geschlechtsunter- 
schied wird nur durch 
den HaarzopfEvas und 
den Ktnnbart Adams- 
verraten, Trotzden^ 
bedeutet das Bild einer"* 
Fortschritt und erinn. — 
ert bereits entfern t: 
an den ungenannten 




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Fig. 53. Titelblatt des Frowiiibandes Nr. 3. 



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Künstler, der am Ende des Jahrhunderts 
die herrliche Augustinushaodschrift schuf. 
Der Kopf des Abtes verrät ein Streben 
nach Porträtähnlichkeit, dagegen ist der 
Gesichtstypus Adams, wie die Gewandbe- 
handlung so ausgesprochen frowinisch, dass 
man die relative Güte des Bildes besser auf 
die Qualität der Vorlage, als auf einen 
Wechsel der Hand zurückführt, In diesem 
Falle dürfte, nach der griechischen Inschrift 
zu schliessen, ein byzantinisches Original 
benützt worden seinJ) 

Wesentlich andern Charakter zeigt in 
Stil und Technik die vereinzelte Figur des 
Königs Cyrus im Bibelband 4, S. 197 
(Fig. 54). Die schlanke als Initial I dienende 
Gestalt in heller, leuchtender Deckfarben- 
malerei, sorgfältig modelliert und mit der 
in diesen Bänden einzig dastehenden Ver- 
wendung von Blattgold an Krone, Klee- 
blattszepter und Borten ruft unwillkürlich 
die Erinnerung an französische Werke wach. 
Kine Benützung französischer Vorbilder 
dürfte auch bei Frowin nicht verwundem, der 
ganz im Ideenkreise S. Bernhards von Clair- 
vaux stand, an dessen Seite gegen Abälard 
kämpfte und nach alter, freilich heftig bestritt- 
ener Ansicht mit dem gleichnamigen Beglei- 
ter Bernhards auf dessen Kreuzzugspredigt 

f*i7, .p, . f, 1 1 -.■ 1 TT.- ■ am Überrhein im lahre 1146 identisch ist.^) 
rig. 54. Kunig Lyrus als Initial Itrowm- , 7 , . 

band Nr, 4, S. 194, ^^ Anlang des F rowinbandes 48 steht 

1% der Originalgrösse). ein Initial P in roter und schwarzer Feder- 

zeichnung. Der Buchstabe ist von einfacher 
Gestalt, an der Schwellung mit einer schrallierten Spange, oben am Stamme mit 
^'fler langohrigen Fratze verziert. In der Rundung erscheint S. Hieronymus, der 
••^titor des Werkes, und warnt ein lebhaft bewegtes abseits stehendes Figürchen 
^or dem drolligen nackten l^ufekhen, das an dem Stamme des Initials emporzu- 
•^urtimen strebt. (Vgl. Fig. 44 oben.) Die Darstellung ist sowohl in der drastischen 
Komposition, als auch in der technischen Ausdrucksweise so ganz von allen bis- 
nerjgen frowinischen Produkten verschieden, dass ich in ihr ein Erstlingswerk der 
Meisterhand sehe, die der nächsten Periode ihren Stempel aufdrückte, ^ffl^tüt^ffi f«i'it * 

') Ueber die Häufigkeit griechischer Inschriften auf Miniaturen der sächsischen Kaber- 
^*^>t und speziell über das Vorkommen des Ausdruckes Sca Theotokos in Salzberger Codices 
**^^ Xlf, Jahrhunderts vide Woitnumn^ Geschichte der Malerei l, S. 250 und 279. 

*) Andere beziehen den Namen des Begleitt^rs S. Bernhards aut den Abt Frowin von 
^t<^-m. Vgl. über die Frage Th. v. Liebemut, KathoL Schwcizerblätter 1885, S. 20 u. 1886, 
^* i'fo und 141, dessen Ausführungen ich hierin beistimme. 






Zur Kostümgeschichte des i6- Jahrhunderts. 

Von Han^ Herzog. 



In einem erst kOrzlich ins aargauische Staatsarchiv aufgenommenen 
Bande des ehemaligen Landvogteiarchivs von Baden finden sich Kriminal' 
akten des 16, Jahrhunderts vereinigt. Unter denselben erscheint eine un- 
datierte, wohl aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammende 
Aussage eines Jacob Kornners über seine Spiessgesellen, die sich zu einer 
aus „drei Kartenspielen" zusammengesetzten grossen Diebs- oder Räuber 
bände vereinigt hatten. Diese Aussage giebt uns ein anschauliches Bild der 
farbenreichen und buntscheckigen Bekleidung und der ab wechslungs vollen 
Bewaffnung dieses grösstenteils aus der Schweiz und dem Elsass zusammen- 
geströmten Gesindels, das in kultur- wie in kostümgeschichtlicher Beziehung 
interessant ist und welches zeigt, dass Kriminalakten auch für die Geschichte 
des Kostöms Beachtung verdienen. In andern, ebenfalls undatierten Aufzeich- 
nungen desselben alten Bandes werden w^eitere Mitglieder der 3 „Karten- 
spiele'' genannt; aus ihnen sind aber die Vergehen der Teilnehmer so wenig 
zu ersehen, wie aus dem vorliegenden Verhörprotokoll, 

,, Jakob Komners vergichtt so er angäben sine gsellen sin sollen." 

Erstlich einer heisse Bild BÄrttschy, sig ein jung man, gange in Jacobbrudcrs wyss, 
habe ein zwilchenin manttel, ein rouchfarben hütt uß) und zwilchhosen an, hab uff dem 
hütt wyss wnllen JacobsstÄb, hab ein wyss wuUin hempt an, hab kein bartt aber ein 
lang hat, sig ein mager man, trag ein stocken, — 

Einer hab ein grawen manttel, ein schwartzen welschen hött \i% lidrin zerhowen 
hossen und kirdrett^ und habe zwo fQrbüchscn und ein schwärtt mitl böglinen, ein schwartz 
schöriitz wamsell an, ein gantzen läderrock darüber, habe ein laugen rotten bartt. — 

Einer habe schwartz böss hossen an, ein brunen schopen mitt ein Überschlag, uflF ein 
spangesch hüttly, trag ein räpier mitt eim glatten knöpf und sige ir worttzeichen wy^se 
stäckly und bÄgly Über die Hand. — 

Einer heisse Hans Rott» hab an grün hossen, ein schwartz wamse), ein zerhowen 
librock darüber, hett ein kleinen brunrotten bartt, neme (!) sich schallen küng. — 

Einer heisse Jacob Lienhartt von Bassel, habe an rott hossen, ein schwärzt schürlitz 
sch6ply, uff ein schwartz spangisch hüttly, habe ein schwartzen bartt, neme sich schallen* 
suw, — 

Einer heisse Hans Diepold Schärer von Bassei, hab ein grüns zerhowcnes gsäss an 
mitt gänsfiissen, und zwen linin strumpf, ein grünen wullinen schopen mitt eim Überschlag, 
uff ein schwartz welsch samettin höttly, habe ein kleinen brunrotten bartt, ncnie sie 
schÄllen oberbüb. — 

Einer heisse Döni Murer sige von Losana, habe gantz schwartz hossen an, ein schwartzen 
schürliu: schopen, uft ein welschen hfilt, habe kein bartt, nenic skh schütten oberböb* — 



57 >9o* 



■ 



Einer heissc Melchor Schenck, sige von Zofingen, sige im ein finger an der Hngcn 
hand ab und an zwcyen lam, habe an grün zerhowen hossen mit gänsfüsscn, zwen linin 
strumpf^ ein wamsel wyss und gäl durch einandren gwöben, uft ein schwartz sameltin 
hötüy, trag ein Schwitzer t5gen mitt ein schwartzen hefty und ein glatten knopf| ein krütz 
wie ein rittschwertt^ ist schütten keisser, — 

Einer heisse Jacob Stoffel von SÄnna* habe an gäl zerhowen hossen mitt kleinen 
schlitzen, dafTettcn hossen bänder, bintti sy krötz wyss, ein schwartz schürlitz schc^ply, mitt 
bowlen gfQttrett, ein schwartz welsch hüttly, habe ein schwartzen spitzen barttj ist schulen 
Jos. - 

Einer heisse Heinrich Gärwär von Millhusseni habe an wyss schlotler hossen, ein 
schwartz schürlilz sch5ply vor oflfeni trag ein räpier, habe ufi ein Schwaben hütt, habe ein 
kleinen brunrotten bartt, ist eichcl oberböb. — 

Einer heisse Diepold Hirtt von Wattwyller, habe an rott hossen mitt zwey strichen 
über das gsäs, ein grnn damasten wamsel, ein schw*artz sametlin welsch hutlly, trag ein 
räpier mitt eim spitzen knopff, habe ein schwartzen dicken bartt, isl eichel küng. 

Einer heisse Diepolt Fridrich von Kestcnholz^ habe an grün lantzknächlisch zerhowen 
hossen, und rotten daffett darumler, ein schwartz schOrlitz wamset, uf! ein schwartz welsch 
h&ttly, hab ein brunrotten bartt mitt zw*eyen zöpfcn, trag ein r&pier, ist rossen oberbüb. — 

Einer heisse Jacob Änderly ouch von Kestenholtz, habe rott zerhowen hossen an und 
die kArdrelt, ein rott sydtn wamsel mit silberknöpflenen^ ein hoch sch%vartz samettcn 
hAttly uß, trag ein räpier mitt eim spitzen knöpf, habe ein gar schwartzen bartt, ist rossen 
küng. — 

Einer heisse Hans Melcher von Kleinen Kemps, hab an lybfarb zerhowen hossen und 
under dem knöw abbrochen, grÖn strumpf, ein schwartzen schürlitz schöply, vor offen, uff 
ein schwartz spangisch hüttly, trag ein hüpsch räpier, habe ein rotten bartt, sige schallen 
nQny« — 

Einer heisse Balt Jacob von Kolmar, habe an g»! hossen, an knüwen abbrochen^ ein 
^ugelhätt uff mitt ein zQttel an der schnür, trag ein fürbüchscn und ein lantzknech tischen 
t^exi, habe ein brunrotten bartt, ist rosen Jos. — 

Einer heisse Hans Caspar, sige von Wattwyler, ein jung man, hab roll hossen an, 
ein linins wamsel, ein Schwaben hütt uÜ] trag ein stocken, neme sich eichel nüny, — 

Einer heisse Uly Krouchtaler von Bärn, sige ein beck, hab an bÖss zwilchhossen, ein 
schwartz wamist, ein schwartz breitt hÜttly uff, hab kein bartt, trag ein stÄcken. — 

Witter hatt er anzeigtt das iren als fil als dry karttenspi! sigentt und habe ein jett- 
lichs ein bsundern hauptman und lige einer zu Stras^tburg bim spanbett^ sye ein Spanger, 
den hab der künig Philip uss geschickt, fiQrc das obrist karttenspil, s5lle ein hüpsche person 
sin und habe ein gar schwartzen bartt, also habe ers von sinen gsellen ghörlt. 

Witter das einer von Faickenstein sy, den habe ouch gemeltter künig uss geschick(t)^ 
habe dn schwartz sametlin zerhowen sch'iply an, ein guldeni kettin, ein beschlagnen 
iholchen, sig ein starck man, hab ein rotten bartt, förc das mittlisl karttenspil, der hab sy 
in ein eidgnosschaffl[t) geschickt. — 

Einc(r) sige von Wirtzburg uss Francken land^ sige ein starcke person, habe ein 
brunrotten bartt, trage ein guldin kettin mitt holen ringen, ein räpier mitt silber beschlagen 
an dry orttcn und ein bestecky daruff' mitt ficr mässeren und ein pfriemm, ritte sSlb ficrd, 
der silb füre das undrist karttenspil under welchem er sy, — 

Dise hievor geschribnen [wortj hett er bestätt mitt grossen martter etc.*) 

»I EJnen Beweis dAfOr, d«ss die« „Kartenspiele" auch noch eu Anfang des 17; Jahrhunderts ihr Unwesen 
n* bildet ein IdJssiv vom 9. Dezomber 1607, Dnriu schreiben Schultheis* und Rat dvt StAdt^ Bern ihrem 
F0ch«lfner« Hau* Hofstetter zu Zofingen, dass der Amlmunn xu Wangen einen Heinrich Zicgler von Fkch, Kajibm 
Xarich, ifcfui^en halte, den »eine Geiclkn die „achildtcn Suw nuinbaendl". Er sei seine* Handwerk« ein*Scbneider 
habe »uch einige andere Wichle angegeben mit ihren Namen und Uebernamenf Statur und Bekleidung wie 
.ZuftchuM' (der leider fehlty jtu sehen sei. Zofinger Miasivcn von 1600 1609 iftcl 



« 



Glasgemälde aus dem Anfang des XVI, Jahrhunderts 

und ihre Vorlagen. 

Von / /?. Ralin. 

(Tafel II und III.) 



Der Einfluss des Bücherholzschnittes und des Kupferstichs auf die Ent- 
Wickelung der deutschen und der schweizerischen Frührenaissance ist be- 
kannt.') Die ersten Belege dafür unter den schweizerischen Denkmälern 
sind Schnitzdecken, von denen die 151 1 datierte des Beinhauses von Steinen 
im Kanton Schwyz ein schon im ausgesprochenen Renaissancestil gezeich- 
netes Kandelabermotiv enthält.^) Noch bestimmter sind Randleisten, die zu 
Titeleinfassungen dienten, auf den Deckenbordüren wiederholt, die das 
historische Museum in St. Gallen aus dem Hause zum „Goldenen Hirschen* 
daselbst erwarb.®) Auch die Glasmaler haben seit den Zwanziger Jahren 
des XVI. Jahrhunderts einen guten Teil der anmutigen und lebenslustigen 
Zierden aus solchen Vorlagen geschöpft, aber meistens kritiklos, indem sie 
solche Motive ohne Verständnis ihrer struktursymbolischen Bedeutung als 
zufällige Bereicherung des Formenschatzes wiederholten und wohl auch mit 
naiver Freiheit auf gothische Baulichkeiten übertrugen. Selten dürfte ausser- 
dem vor der Mitte des XVI. Jahrhunderts der Nachweis eines ornamentalen 
oder architektonischen Rahmens zu liefern sein, der unverkürzt wiederholt 
worden ist. 

Es ist darum angezeigt, solche Anlehen bekannt zu machen und damit 
die Anregung zu einer Sammlung von Dokumenten zu geben, die formal 
und stofflich den Einblick in die Wechselbeziehungen zwischen den ver- 
schiedenen Kunstzweigen eröffnen. Die nachfolgend verzeichneten Beispiele 
sind zwei Scheiben und das Kopfstück einer solchen, die der Verfasser 
besitzt. 

Das erste GlasircmäUic (Taf II I, das zu den ausgesuchtesten Werken 
der Kabinetkunst gehört, aber nicht schweizerischen Ursprunges, sondern 
deutsche Arbeit, vermutlich eines Augsburgers ist, stellt die bekannte Scene 
vor, wie Aristoteles von Phillis oder Kampaste, Alexanders des Grossen 

*) Gustav Schiceii, Renaissance in der Schweiz. München 1896. S. 63. 
■) Abgeb. in : Festgabe auf die Eröftnung des Schweiz. Landesmuseums in Zürich. 
1898. Fig. 3. S. 172. 

=•) Abb. 1. c. Fig. 33; 37; 39. 



6i 



1901 






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''ig- 57' Teil eines Titelrahmens^ Holzschnitt von Hans Schanfelt-in. 



hCourtisane als Pferd geritten \vird,\l Bild und Rahmen gehen auf besondere 
Vorlagen zurück. Am Fusse des letzteren steht mit arabischen Ziffern das 
Datum 1527. 

Dass dem Bilde ein damals gangbarer Typus zu Grunde liegt, beweist 
die Verwandtschaft mit einem Stiche des Meisters M Z, des sogenannten 
Martin Zasinger (Bartsch, Peintre-Graveur Bd. VI, Nn 18) [Fig. 55].') Vollends 
aber in der Haltung und den Bewegungen der Figuren, ja bis auf die 
Einiselnheiten in Wurf und Stoff der Gewänder stellt sich die Uebereinstim- 
mung des Scheibenbildes mit einer Ilandzeichnung dar» die Herr Dr. H. 
Schmidt in Kreuzungen im Februar i8gi auf einer Börner'schen Kunst- 
auktion in Leipzig erwarb und als Nr. li des betreffenden Kataloges abge- 
bildet ist (Fig. 56). 

üeber die Abfolge dieser Werke dürfte mit Sicherheit kaum zu ent- 
scheiden sein. Augenfällig giebt sich aber in dem Glasgemälde die höhere 
Bildung des Zeichners und auch in den Abweichungen und Bereichertmgen, 
die es dem Handrisse gegenüber zeigt, ein so ungleich gereifteres und 
feineres Formverständnis kund, dass zum mindesten die Annahme gemein- 
samer Urheberschaft ausgeschlossen ist. Gleichen Zweifeln wird aber auch 
die von gegenseitiger Abhängigkeit begegnen, denn selbst das Unwahr- 

') Die früheren Besitzer dieser Scheibe waren die Banquiers v. Schiilthess-Rechberg 
ttnd Adolf Pestalozzi-Schulthess in Zürich. Abbildungen wurden schon früher veröffenth'cht 
in ,,Das Kunsthandwerk", herausgegeben von Br, Bucher und A. Gnaulh. Bd. I. Stuttgart 
1874, Tafel 10; In (^Meisterwerke Schweiz* Glasmalerei*', herausgegeben vom histor, antiquar. 
Verein in Winterthur. Berlin 1887, '^ »f. 8, und bei kV, Lüöke, Geschichte der deutschen Kunst. 
[Stuttgart 1Ö90. S, 764» Die Maasse innerhalb der Fassung betragen 0,372 m Höhe, 0,31a m 
Breite. 

'I Nach einem Originaldruck in der Kupferstichsani ml ung des Kuiistvereins in 
Gallen wiederholt. 



62 



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Fig. 58. Kopfstück eines Glasgcmäldcs. 

scheinliche vorausgesetzt, dass der Zeichner unsere Scheibe gesehen habe, 
wie würde er darauf gekommen sein, gerade das zu ignorieren, was ihr die 
besonderen Reize verleihti die hübsche Ferne, den Wuchs im Vordergrund 
und alle die F^einheiten, die sich nicht nur im Einzelnen, sondern auch in 
der Gesamterscheinung der Gestalten, in ihren Bewegungen und ihrem Auf- 
bau bekunden? Ich glaube darum, dass beide Zeichnungen unabhängig von 
einander nach einer gemeinsamen Vorlage geschaffen sind. 

Ein ähnliches Verhältnis besteht zwischen den Rahmen und zwei Blättern, 
welche die öffendiche Kunstsammlung in Basel besitzt*) Das eine (Fig. 59) 
ist eine Radierung von Daniel Hopf er (Bartsch, Bd. IX, Nr. 18K welche 
ausser den Initialen und der Marke des Meisters die Aufschrift: ^hoc opus 
faciebat Philippus Adler patricius MDXVIII" trägt; die andere eine Hand- 
zeichnung ohne Datum und Monogramm (Fig. 60). Die Darstellungen auf 
beiden sind die gleichen : aus den Lenden Jessens oder Isai*s der unten liegt* 
wächst ein Stamm, dessen Triebe die Glieder der heiligen Sippe sind^ die 
sich in der Bogenhalle darüber um Sanct Anna selbdritt gruppieren. Die 
Verhältnisse der Bauteile freilich und ihre Zierden sind auf beiden Blättern 
so verschieden, dass ihre gegenseitige Unabhängigkeit ausser Frage steht 
und wieder so, wenn auch dem Hopfer'schen Blatte näher, als dem Handrisse 
verwandt, stellt sich als freie Variante die Scheibe dar. Auch hier ist das 
Engelchen, das am Fusse des Sockels zur Rechten hockt, mit einem Schilde 
dargestellt, sein Wappen bild ist aber, im Gegen satze zu dem auf der Ra- 
dierung befindlichen, ein einköpfiger schwarzer Adler und das Feld mit der 
gleichen Fleischfarbe wie der Sockel und das Engelchen gemalt. Sollte 
dieses Wappen das des Philippus Adler sein, dessen verschollener Original* 
entwurf der Scheibe und der Radierung zu Grunde liegt ?^) 



*) Die Hohe des Blattes mit dem Fialenaufbau beträgt 0,65, die Breite 33 cm. 
•) Die Farben der oberen Schildchen auf der Scheibe sind schwarz und gelb. 



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Radierting von Daniel Hopfer, 
(Bartsch DC, Nr. i8.) 



66 



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oder Standarte, auf welcher Bild und Rahmen als Applikation erscheinen. 
Eine hübsche Landschaft bildet die Tiefe, vor welcher, von Stab und Infu 
überragt, die geneigten Schilde des Stiftes und seines Prälaten stehen, alle 
mit Schwarz und Silbergelb auf blauem Überfang gemalt^ in welchem nur de 
äbtische Schild, seiner roten Hälfte wegen, als besondere Einlage erscheir 

Und ebenso bemerkenswert wie das Ganze ist der Tabernakel, de 
die Wappen umrahmt, denn kein Geringerer als Hans Burgkmair^ der All 
meister deutscher Renaissance, hat ihn erfunden. Das zeigt ein Textbild, da 
C. V. Lützow in seiner Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holi 
Schnittes') S. 135 veröffentlicht hat. iFig, 61*} Es stellt die von Bartsch» Peintr« 
Graveur, Bd. VII, Nr. 6 citierte Scene dar, wie Delila den in trunkenen 
Schlafe vor ihr sitzenden Simson der Haare beraubt, und Muther*) hat diese 
Schnitt mit zwei zusammengehörigen Blättern Salomo ein Götzenanbete 
(Bartsch 4) und Batseba im Bade (Bartsch 5) vom Jahre 1519 datiert, ohr 
freilich anzugeben, ob auch der Rahmen schon damals geschaffen worde 
sei* so dass, weil Drucke der Dehla auch ohne ihn existieren/) seine Ent 
stehungszeit sich nicht bestimmen lässt. 

Zweifellos stellt sich dagegen das Verhältnis zwischen Holzschnitt und 
Scheibe dar, denn dass diese die Copie des ersteren ist» geht aus untrügliched 
Merkmalen hervor. Nicht bloss in dem grössern Reichtum der Zierden und 
den zeichnerischen Qualitäten, sondern auch in der verständnisvolleren Be 
handlung aller Einzelheiten giebt sich die Überlegenheit des Holzschnitte 
kund, während ihm gegenüber die Umrahmung des Scheibenbildes in ihren 
Abkürzungen und ihrer Mache die Kunst eines bloss handwerklich geschulten 
Reproduzenten belegt. 

Eine Komposition Hans Schäufelem's {B^risch, Bd. VII p. 257, Nr. 40)*!!! 
liegt dem dritten Werke, dem grau in Grau mit Silbergelb gemalten Kopf\ 
stück einer Scheibe, Fig. 57 und 58^) zu Grunde. Dieses Original ist ein Titel- 
rahmen, den der Glasmaler teilweise bis aufs Einzelne wiederholte, band*! 
werklich allerdings und mit geringem Verständnisse der Formen und Be-| 
wegungen, wie diess am deutlichsten aus dem Vergleich des Kleppers zut 
Rechten mit seinem Vorbilde, dem wilden Renner und dem energisch verJ 
kürzten Reiter erhellt, den der Glasmaler in einen schwemmbäuchigen Puttenl 
verwandelt hat. Mit richtiger Beobachtung der Forderungen, welche dasj 
Wesen seiner Technik an Formen und Farben stellt, hat er dagegen an 
Stelle des wirren Blattwerkes» das auf dem Holzschnitte wuchert, ein feste 
Ornament von Weinranken und Blättern mit weissen Trauben geraalt, infolj 
dessen dieses Kopfstück die volle Kraft eines auf die Fern Wirkung berech^ 
neten Bildes gewann. 

') Geschichte der deutschen Kunst, Bd. IV, Berlin I891. 
•j C V, Lützow, Zeitschrift für bildende Kunst, Bd- XIX. S. 391* 
•) Bartsch, Peintre-Graveur, Bd. VfL S. 201. 

*) In Originalgrösse, abgebildet bei G. Hirih und /?. Mnihtr, Meisterholzschnitte 
vier Jahrhunderten, München und Leipzig 1893, Taf. 58 und 59. 

') Die Maasse des Kopfstückes betragen 0,307 m Breite zu 0,135 m Höhe. 




Wappenscheibe des Abtes David von Winkelsheim von St. Georg 
zu Stein a.|Rh (1499-1526). 




•eliwel2. AJleitumikunde, 1901, Nr. 1. 



J 



Päpstlicher Pannerbrief für Schwyz. 

Von Theod. von Liebenau, 



Das Land Schwyz erhielt nach einer alten Tradition, die schon von 
dem bernerischen Chronikschreiber Conrad Jusünger im dritten Dezenium 
des 15. Jahrhunderts in Schrift gefasst wurde, von einem „römischen Küng" 
wegen der ,,gen Eligiirt und des weges hin'' geleisteten Hilfe das Recht, in 
ihrem roten Panner ,^das Heiligreich, das ist alle waffen und Instrument der 
heiligen marter unsers herren Jesu Cristi" zu führen (Studer, die Berner- 
Chronik des Conrad Justinger p. 46). Die anonyme Stadtchronik von Bern 
(Studer 340) schreibt diese Verleihung einem ,,römischen Kaiser'' zu und 
will damit offenbar das Privilegium vor die Zeit Rudolfs von Habsburg 
zurückversetzen, den sie konsequent König nennt. Ziemlich allgemein ist 
man der Ansicht, Schwyz habe diesen Pannerbrief 128g erhalten für die 
Heeresfolge gegen Graf Theobald von Pfirt. von der Mathias von Neuen- 
burg in seiner Chronik (Studer 24) erzählt. Schon Albert von Bonstetten 
nennt in seiner 1481 geschriebenen Beschreibung der Schweiz (Mitteilungen 
der Antiquarischen Gesellschaft von Zürich III) den römischen König Rudolf 
als Verleiher des Pannerbildes. Allein das Diplom für dieses Panner hat 
sich nicht erhalten. 

Das mag auch der Grund gewesen sein, dass sich das Land Schwyz 
zur Zeit von Papst Sixtus IV. das Recht zur Führung des „römischen Reichs** 
im Panner bestätigen Hess. Allein auch dieser päpstliche Pannerbrief hat 
sich in Schwyz nicht erhalten, wohl aber in einem luzernerischen Formelbuch 
aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, wo die Ueberschrift lautet: Bapst 
Sixtus 4. an die von Schwytz 1479* 

Der Copist liess die Datierungszeile weg ; das Datum ergiebt sich aber aus 
dem fast wörtlich damit übereinstimmenden Pannerbrief für die Stadt Luzern 
(Geschichtsfreünd XXIII, 20 — 21). Wir haben in Paranthese dieses Datum 
der folgenden Abschrift beigefügt. Ohne Zweifel wird sich das Concept 
dieses Diplomes auch in einem der päpstlichen Regestenbände finden. 

Wie später im Lager zu Alexandrien durch Kardinal Matthäus Schiner 
erhielten damals auf Betrieb des Propstes Peter Brunnenstein von Luzern 
nicht nur die regierenden Orte der Eidgenossenschaft, sondern auch einzelne 
Landvogteien, z* B. Entlebuch, päpstliche Pannerbriefe, denen noch 1653 hohe 
politische und militärische Bedeutung beigelegt wurde (Vgl. meine Geschichte 



68 1901 

des luzernerischen Bauernkrieges im Jahrbuch für Schweizer Gesch. XIX, 
286). 

fSixtus Papa IVj. 
Delecti filii salutem et apostolicam benedictionem Attendentes sincere 
devotionis affectum, quem ad sanctam Romanam ecclesiam more bonorum 
Catholicorum gerere comprobamini, et quod vos indefessis animis pro fidei 
catholice tutelaet exaltatione pugnatis, petitionibus vestris, quantum cum deo 
fieri potest, paternum libenter prestamus assensum. Vestris itaque humilibus 
et devotis in hac parte supplicationibus inclinati, vobis ut : in insigniis et armis 
vestris Crucem cum tribus clavis cum his coloribus qui vobis videbuntur 
perpetue habere et gestare libere et licite possitis et valeatis, apostolica auc- 
toritate presentium tenore concedimus, Insigniaque et arma huius modi iuxta 
pium desiderium vestrum vobis ex nunc tradimus et assignamus : Confidentes 
in bonitate et pietate vestra, quod hoc sacratissimo crucis signo non nisi in 
pio et iusto hello ac pro defensione fidei Christiane et honore et statu prefate 
Sancte Romane Ecclesie utemini. Datum Rome etc. [apud Sanctum Petrum 
sub annulo piscatoris Die XIIII Februarii MCCCC LXXVIIII. Pontificatus 
nostri Anno octavoj. 



Ein Scheibenriss aus Plurs« 

Von //. Angst. 

Alles was auf den untergegangenen Flecken Plurs Bezug hat, besitzt 
ein eigentümliches Interesse für unser Land, wenn auch leider der Boden, 
auf dem das blühende Gemeinwesen einst stand, heute nicht mehr zu der 
Schweiz gehört. Am 25. August 1618 zerstörte ein gewaltiger Bergsturz 
die auf beiden Seiten des Flusses Mera in der Graubündnerischen Grafschaft 
Cleven gelegene Ortschaft Plurs (Piuri) nebst der Vorstadt Chitan (Scilano), 
wobei gegen tausend Personen umkamen. Die Schreckensbotschaft erregte 
damals in- und ausserhalb der Eidgenossenschaft grosses Aufsehen und es 
ist nicht unmöglich, dass dabei durch die geschäftige Faqia die Prosperität 
von Plurs nachträglich übertrieben wurde; soviel steht aber fest, dass der 
Flecken als Handelsstation und Stapelplatz sich eines ungewöhnlichen Wohl- 
standes erfreute. Von all' der Herrlichkeit, wovon die Chronisten zu be- 
richten wissen, ist bloss ein einziger Zeuge stehen geblieben, die „Casino" 
genannte Villa der Plurser Familie Vertemate-Franchi in Prosto, eine halbe 
Stunde oberhalb Chiavenna, bis wohin der Bergsturz von 1618 nicht reichte. 
Dieser, 1577 erbaute Sommerpalast mit seinen luxuriösen innern Einrichtungen, 
Dependenzen und Gartenanlagen ist allerdings geeignet, die Traditionen von 
dem Reichtum einzelner Familien von Plurs zu bestätigen. 

Unter den Stadtpalästen, welche jetzt sechzig Fuss tief unter dem Berg- 
schutt vergraben liegen, wird auch derjenige der Familie Crollolanza ge- 
nannt, von welcher Leu's Lexikon berichtet : „ Crololanza, ein Geschlecht in 
der Grafschaft Cleven, aus welchem Nicolaus Erz-Priester von Cleven sich 
zu Anfang des XVI. Seculi der Religions Veränderung widersetzt." Für ein 
Mitglied dieser Familie wurde der Scheibenriss angefertigt, wovon wir eine 
Abbildung geben. Die Zeichnung blieb offenbar in den Händen des deutsch- 
schweizerischen Glasmalers zurück, welcher die Scheibe auszuführen hatte 
und entging so der Zerstörung in Plurs dreissig Jahre später. 

Grösse (0,30 m x 0,20) und Anordnung des Risses sind typisch für 
die Schweizerichen Privat- Wappenscheiben aus dem Ende des 16. Jahr- 
hunderts. Vor einer einfachen Renaissance-Architektur steht das Wappen, 
beinahe die ganze Breite der Scheibe einnehmend, darunter die Inschrift: 
Johan Anthoni Crolalantzn Von Plurs 
aufs den dreyen ptndten, ij88. 
Die beiden Zwickel oberhalb des Bogens sind nicht mit den gewöhnlichen 
kriegerischen oder bürgerlichen Darstellungen, welche sich manchmal auf 
den Stand des Stifters beziehen, ausgefüllt, sondern enthalten zwei, mit 
sicherer Hand gezeichnete, possierliche Gruppen von Affen. 



71 igoi 



Das schöne, teilweise redende (Lanze in Löwentatze) Wappen zeigt schon 
das kompliziertere Bild italienischer Heraldik *\. Dessen Tinkturen, sowie die 
Farben der Architektur sind durch Buchstaben und konventionelle Zeichen 
angegeben. Das Lindenblatt auf der Säulenbasis bedeutet ,^grün'\ das ^,st" 
auf dem Schafte steht für „Strohfarbe'', mit dem „b" des Kapitals ist „blau*' 
gemeint. Unter dem „st** auf der Schlussagraffe oben hat der Maler selbst 
mit Bleistift die Erklärung ,^Strowfarb*' geschrieben. Bloss Wappenschild 
und Helm sind vollständig mit der Feder in Tusch ausgeführt, ebenso die 
beiden Zwickel, die Helmdecke sowie die Architektur dagegen nur in Um- 
rissen angegeben. Dass die Scheibe ausgeführt wurde, beweisen die auf 
dem Riss mit Rotstift eingezeichneten Verbleiungen. Die Bleistiftlinien des 
ursprünglichen Entwurfes sind noch überall sichtbar; rechts und links von der 
Helmzier stehen die mit Bleistift geschriebenen Buchstaben V und W, welche 
wie ein Künstlermonogramm aussehen, aber nicht wohl zur Ausführung oder 
Instruktion für den Glasmaler bestimmt sein konnten, weil sie nicht mit 
Tusch oder nachträglich mit Tinte ausgezogen sind, wie die andern Bezeich- 
nungen. Der Riss ist auf dünnes Papier gezeichnet, dessen Wasserzeichen 
in senkrechten, parallelen Linien von s'/a cm Abstand besteht. 

Diese interessante Reliquie von Plurs befand sich in London; sie war 
mit einem zweiten schweizerischen Scheibenriss in einem Sammefband von 
Handzeichnungen eingeklebt, welcher dem britischen Museum zu Anfang der 
neunziger Jahre zum Kaufe angetragen wurde. Ich war damals gerade 
auf Besuch bei meinem verstorbenen Freund , Direktor Franks , dem 
gegenüber ich den lebhaften Wunsch äusserte, den Plurser Scheibenriss zu 
erwerben. Die Unterhandlungen mit dem brtt. Museum für den Sammel- 
band zerschlugen sich aber und der Eigentümer wollte von einem V^erkauf 
einzelner Blätter daraus nichts wissen. Einige Jahre später, kurze Zeit vor 
seinem Tode, wurde ich von Sir WoUaston Franks mit dem Geschenk der 
beiden Scheibenrisse überrascht; in dem beigelegten Briefe schrieb er mir, 
er habe sie nicht ohne Schwierigkeiten tauschweise bekommen und schicke 
sie mir als vorraussichtlich letztes Andenken an ihn. Der andere ebenfalls 
bemerkenswerte Karton, wird in einer der nächsten Nummern des Anzeigers 
besprochen werden. 



*) Einem Mitglied der in Italien noch blühenden Familie Crollalanza, Cav. Aldo di 
CroÜalanza in Pisa, Sohn des 1892 gestorbenen, bekannten lleraldikers, Giovanni ßattista di 
Crollalanza, verdanke ich folgende Beschreibung des Wappens: Interzato in faccia: nel 
i*d*argento all* aquila di nero; nel 2« d'oro al Icone leopardito di rosso, tenente colla 
zampa anteriore destra una lancia di nero, armata d'argento, posta in sbarra; nel 3» 
d'argento^ a tre fascie ondate di rosso. — Ctm.: (sopra un elmo coronato) Un leone di 
rosso» uscente, tenente la lancia come nello sciido. Supp.: Duc grifoni spaccati di nero c 
di roMOi coronati. Dt .: „Ne per crollar si spezza." Dasselbe wyrde von Kaiser Karl V 
verEdieOi J621 von Kaiser Ferdinand \l bestätigt und wird heute noch von der Ursprung- 
Ucheii Linie der CroÜalanza geführt. 



Die Hafnerfamilien der Küchler in Muri und Luzern. 

Von H. Lehmann. 
Tafel IV. 



Zu den geschicktesten Ofenbauem in der zweiten Hälfte des i8, Jahr- 
hunderts gehört zweifellos Michael Leontius KtVchler. Nach einem noch er- 
haltenen Stammbaum dieser Familie, der ums Jahr 1790 angefertigt wurde % 
lassen sich die Küchler schon seit dem 15. Jahrhundert im Freiamte nach- 
weisen» wo sie sich bald da, bald dort ansiedelten. In Muri-Wey tauchen 
sie zum ersten Male um die Mitte des 16. Jahrhunderts auf, verschwinden 
dann aber wieder, bis sie zu Anfang des 17. Jahrhunderts das Amt eines 
Sigristen in der Pfarrkirche zu Muri erhielten, das sie bis auf den heutigen 
Tag versehen. Als erster Inhaber trat dieses Amt Simon Küchler ums 
Jahr 1613 an; welche Beschäftigung er daneben trieb, wird uns nicht ge- 
meldet, wohl aber gedenkt der Stammbaum seiner Vergabungen an die 
Kirche, Ihm folgte Hans Jos. Küchler» in zweiter Ehe verheiratet mit Marg* 
reth Bach mann, welche wahrscheinlich der Familie angehörte, aus welcher 
der bekannte Ersteüer der Murenser Chorstühle, Simon Bachmann, hervor- 
gieng. Von seinen Kindern verheiratete sich Hans Küchler mit Martha Emb- 
liger» die ihm so viele Nachkommen schenkte, dass der Stammbaumschreiber 
nur einige davon nennt: „Jacob, geboren 1664, ward ein Hafner^ 

Von seinen Brüdern wurde Wolfgang zum Stammvater derjenigen 
Famihenglieder, welche im Freiamte wohnen blieben. ,,Einer", so meldet 
das Scliriftstück, ^,ein Hafner von Profession, zöge auf Luzern, wo seine 
Nachkommen noch sind und des Mury Hafners genannt werden/* Wie er 
hiess, wird nicht gesagt, da nur die Sigristen einer genauem Aufzeichnung 
gewürdigt werden. Dagegen verdanken wir der Güte des Herrn Staats- 
archivar Dr. Theodor von Liebenau eine Reihe von Aktenauszügen, welche 
uns gestatten werden, auch dieses Zw^eiges am Schlüsse unserer Arbeit noch 
mit einigen Worten zu gedenken. Im weitern erfahren wir, dass Jakob im 
Jahre 1706 Taufpate des Jakob Hieronymus^), eines Sohnes des Wolfgang 
Küchler war. WahrscheinUch folgte dieser seinem Paten im Berufe» denn 
er war der Vater des Michael Leontius Küchler, Von diesem meldet der 



') Gegenwartig im Besitze von Herrn Uhrenmacher Köchler in Muri, dem wir für 
die Erlaubnis zur Benutzung hier unsem Dank aussprechen. 
') Geboren 1706, gestorben 1742, 



73 »901 

Bericht: „war ein sehr berühmt und geschickter Hafner, der durch seine 
Kunst sich viele Ehre machte, war geboren 1727'), war zweymal verheu- 
rathet, starb ohne Kinder".') Zwei seiner Brüder waren Schneider. Von 
seinen beiden Oheimen folgte Meinrad im Sigristenamt, während über den 
Beruf des Hans Adam, geboren den 25. Wintermonat 17 16, nichts gesagt 
wird. Von den Söhnen des letztern trieb Hieronymus Urban, geboren den 
22. April 1755, wieder das Hafner-Handwerk. Sein Bruder Joseph Leonti 
dagegen war ein geschickter Schulmeister und der Dichter von manch' 
derbem Fastnachtschwanke. Dem Hieronymus folgte sein Sohn Hans Fridli 
Sebastian, geboren den 30. Dezember 1790, im Berufe als der letzte, welcher 
das Hafner-Handwerk betrieb. 

Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts stand die alte Hafnerei dies- 
seits des Dorfbaches am Wege von Geltwyl nach der Pfarrkirche des Dorfes, 
und heute noch bewahrt Herr Uhrenmacher Küchler, dessen Haus sich auf 
der alten Hofstatt erhebt, eine Anzahl Modelle auf, welche uns beweisen, 
dass in der Werkstätte neben den Ofenkacheln auch allerhand Geschirr für 
den täglichen Bedarf hergestellt wurde. Zweifellos würden sich aber die 
Erzeugnisse der Murenser Hafner künstlerisch nicht über die anderer 
Dorfhandwerker erhoben haben, wenn sie nicht durch den Hof halt der 
benachbarten Fürstabtei begünstigt worden wären. Ob der Fürstabt selbst 
einen direkten Anteil an der Ausbildung des jungen Küchler zu einem Kunst- 
hafner hatte, entzieht sich unserer Beurteilung. Dass dagegen die Familie 
Küchler, welche damals schon mehr als hundert Jahre das Sigristenamt in 
der Dorfkirche ausübte, zu den Insassen des Klosters in guten Beziehungen 
stand, ist um so mehr anzunehmen, als die Abtei die KoUatur der genannten 
Pfarrei besass und der Prälat, wie wir sehen werden, zu den besten Kunden 
des Hafners Michael Leontius Küchler gehörte. So viel sich bis jetzt fest- 
stellen liess, datieren die ersten Arbeiten dieses Meisters aus dem Anfang 
der sechziger Jahre des 18. Jahrhunderts. Das lässt auf lange Lehr- und 
Wanderjahre schliessen. Nach der Heimkehr vermählte er sich im Jahre 1754 
mit Franziska Schiffmann von Luzern und bezog 1758 deren Vermögen. 
(Luz. Ratsprotokoll Fol. 299, 320.) ^) Vermutlich wurde er dadurch in die Lage 
versetzt, seine Hafnerei für den Grossbetrieb von Kunstöfen einrichten zu 
können. Dazu mag auch das Kloster noch hülfreiche Hand geboten haben. 

Die Lehr- und Wanderjahre Küchlers fielen in eine Zeit, da die poly- 
chrome Ofenmalerei sich bereits auf wenige Orte zurückgezogen hatte. Dafür 
waren blaue Malereien auf weissem oder bläulichem Grunde namentlich in 
dem benachbarten Zürich und seiner Umgebung zur Mode geworden, wobei 



') 12. Dezember als das älteste von sechs Geschwistern. 

■) Sein einziges Kind starb am Geburtstage. 

•) Sie starb am 22. Januar 1765, wenige Tage nach der Geburt des einzigen Töchter- 
chens, wahrscheinlich im Kindbett. Schon wenige Monate später verheiratete sich Küchler 
zufolge gütiger Mitteilungen des Pfarramtes Muri mit M. Barbara Lang. 



74 »9o» 



.v^. 



Fig. 63. Ofen aus dem Pfarrhause üi Wörcnlos im hist Museum zu Aarati. 

man anfieng, die Füllkacheln der Wände einfarbig zu glasieren, indem der 
Schmuck der Bemalung auf Lisenen, Gesimse und die umrahmenden Friese 
beschränkt wurde. Dagegen waren die Sujets der Darstellungen im allge- 
meinen die gleichen geblieben : einzelne Krieger und Episoden aus der 
Schw^eizergeschichte, die Verwandlungen Ovids, Landschaften, die verchiedenen 
Stände und Aehnhches erfreuten sich allgemein noch grosser Beliebtheit bei 
Reich und Arm, Hoch und Niedrig. Wohl aber entlehnte man seine Vor- 
bilder andern Quellen. Zwar sehen wir auf dem schönen Ofen im Rathaus- 
saale zu Stans {Taf. IV), wie Küchler noch seine Hauptdarstetlungen aus 
der Geschichte von der Befreiung der Waldstätte Murer'schen Stichen nach- 
malt; daneben aber bevorzugt auch er bereits jene massenhaft reproduzierten 
italienischen Ideallaodschaften mit altem Gemäuer, Eseltreibernj Hirten u. s. w,, 
wie sie im Geschmacke der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lagen, bevor 
die Idyllendichter den Malern Stoff zu ihren idealisierten Schäferszenen, länd'j 



75 '9°^ 



liehen Festen vornehmer Herrenund Damen und ähnlichen Darstellungen 
botenp welche^ in den berühmten Gemälden von Watteau und Andern ihre 
liöchsten Triumphe feiernd, durch die Massenverbreitung in Kupferstich alle 
kunsttreibenden Kreise bis hinab zura Ofenmater befruchteten. Zuweilen ver- 
sucht Küchler sich auch auf eigene Beine zu stellen, namentlich in kleinern Land- 
schaften, deren Motive er seiner engern Heimat entlehnt. Dabei malt er mit 
V^orliebe das benachbarte Kloster, dessen Darstellung ihm schon infolge der 
vielen Bestellungen des Abtes geläufig sein musste* Im ornamentalen Beiwerke 
verwendet Küchler die Formen des Rokoko, die er an den von Fürstabt 
Gerold Heimb um die Mitte des i8. Jahrhunderts renovierten Altären und 
dekorativen Objekten der Klosterkirche in trefflichen Vorbildern zu studieren 
Gelegenheit hatte. Wenn sie unter seiner Hand etwas verbauerten, so 
mochte er sich mit andern Handwerksgenossen trösten, die nichts Besseres 
zu leisten imstande waren. 

Auch im architektonischen Aufbau der Oefen hatte sich ein Wandel 
vollzogen. An Stelle des zylindrischen oder vieleckigen Turmaufsatzes mit 
seinem abschliessenden Kranze fai^onnierter Kacheln war ein neumodischer 
getreten mit lang gezogenen, unten geschweiften Voluten an den Kanten* 
konkaven, sich nach oben verjüngenden Füllkacheln und einer abschliessen- 
den Kuppel, die gewöhnlich eine Urne oder ein ähnliches Gefäss krönte, 
Dabei liess es Küchler zuweilen auch an einer dem obersten Gesimse des 
Aufsatzes an der Stirnseite angehefteten Kartousche mit den Wappen der 
Besteller nicht fehlen, wie dies schon seit mehr als hundert Jahren gebräuch- 
lich war, damals aber in Abgang kam. Dies war auch der Fall mit den 
gemütlichen Sitzen^ denen wir nur noch ausnahmsweise bei den altern Oefen 
begegnen, wo sie vermutlich von den Bestellern ausdrücklich verlangt 
worden waren. Dafür versuchte sich Küchler zuweilen in neuen Konstruk- 
tionen, wovon uns der gegenwältig im Kunstgewerbemuseum zu Aarau aus- 
gestellte, aus dem Pfarrhause in Würenlos stammende Ofen ein anmutiges 
Beispiel liefert (Fig, 63). 

Selten vergass der Meister seinen Namen an irgend einer versteckten 
Stelle seines Werkes anzubringen. Gewöhnlich lautet die Inschrift: „Michael 
Leontj Küöchler, Hafiner jn Murj" mit Beifügung der Jahrzahl. Seit dem 
Anfange der siebziger Jahre setzt er sein Amt als Pfleger bei, worauf er 
sich offenbar etwas zu gute that, Dass die Orthographie auf den verschie- 
denen Oefen wechselt, ist nichts Aussergewöhnliches; man nahm es damals 
noch nicht so genau damit. 

Hauptbesteller des Murenser Hafners war der Fürstabt Bonaventura II* 
Bucher von ßremgarten (1757 — 1776), Ihm rühmen die Klosterchronisten 
*^ch, er habe, wie der grosse Restaurator der Abtei, Abt Placidus Zurlauben, 
^deutende Kenntnisse im Bauwesen besessen* Schon seit dem Beginne des 
'8. Jahrhunderts waren die Aebte bestrebt, die freien Künste nicht nur inner- 
halb der Klostermauern zu fördern, sondern sie unterstützten auch die Hand- 
^CTker ausserhalb des Gotteshauses, indem sie das Volk zur Arbeit und 



76 



igoi 



Pflege nützlicher Künste anhielten. Mit den Werkleuten eiferten auf ver- 
schiedenen Gebieten die Konventualen, von denen es im Jahre 1748 P. Leo- 
degar Maier der Mühe wert fand, ein Verzeichnis über sämtliche innerhalb 
der Pfarrei ausgeübte Künste und Handwerke in lateinischer Sprache abzu- 
fassen. Und in der That ist deren Zahl und Mannigfaltigkeit im Verhältnis 
zur Seelenzahl erstaunlich gross. Unter ihnen begegnen wir auch den 
Figuli oder Töpfern. Von diesen werden ein Heinrich Hobler und unser 
Michael Leontius Küchler als besonders kunstreiche Meister hervorgehoben. 
(Kiem, P. Martin, Geschichte der Benediktiner-Abtei Muri-Gries, Band II, 
S. 239/40.) Ersterer, von welchem dem Verfasser keine Arbeit bekannt ist, 
war wahrscheinlich Töpfer. 

Ein Umstand mag wesentlich zur Förderung des Hafnerhandw^erkes in 
Muri beigetragen haben. Abt Bonaventura, selbst kränklich und um das 
Wohl seiner Konventualen sehr besorgt, Hess in deren Zellen die ersten 
Oefen erstellen. Da der Konvent (wenigstens beim Tode des Abtes) 45 
Brüder zählte, erwuchs schon aus dieser Neuerung den Murenser Hafnern 
eine Menge von Aufträgen. Bevor das Hauptgebäude des Klosters im Jahre 
1889 einem Brandunglücke zum Opfer fiel, waren darin noch eine ganze 
Anzahl zum Teil recht kunstvoller Küchler-Oefen zu sehen, die oflfenbar in 
das zu Ende des 18. Jahrhunderts errichtete Bauwerk aus den niedergelegten 
älteren versetzt worden waren. Heute finden sich dagegen in den noch 
erhalten gebliebenen ehemaligen Klosterräumen nur noch zwei Stücke, wovon 
das eine aus dem sogenannten Dekanat, datiert 1762, kürzlich in dem aus 
dem alten Winterrefektorium umgewandelten Zeichnungssaale Aufstellung 
fand, während über das Schicksal des andern Ofens, der zur Stunde in 
Kisten verpackt liegt, noch nichts bestimmt ist. Hoffenüich aber werden 
wenigstens diese letzten beiden Stücke dem Orte erhalten bleiben, der sich 
einst eines so blühenden Hafnerhandwerkes zu erfreuen hatte. 

Abt Bonaventuras Werk ist auch der Neubau des Sommerhauses 
I lorben auf der Südkuppe des Lindenberges, das zur Erholung der Mönche 
dienen sollte. Herrlich ist der Ort, und weit blickt das Auge über ein 
gesegnetes Land. Doch von den nahen Bergen her w^eht selbst zur 
Sommerszeit ein rauher Schneewind, sodass man sich bei ungünstiger 
Witterung gerne in die wohnlichen Räume zurückzieht. Zu deren Er- 
wärmung bestellte der Abt bei Meister Küchler ebenfalls verschiedene 
Oefen. Leider ist nur noch einer davon aus dem Jahre 1764 erhalten, 
während die andern bereits auswärts Liebhaber fanden. Und ähnlich sorgte 
Bonaventura auch für die übrigen Besitzungen des Klosters auf dem „Kapf*, 
in Bremgarten (Muri-Amthof), Schloss Eppishausen, für das Frauenkloster 
I I(»rmetschwil und selbst für die Pfarrhäuser der Kollaturkirchen. Viele dieser 
Kunstprodukte giengen im Laufe der Zeiten zu Grunde oder wurden ins Ausland 
verkauft ; trotzdem ist die Zahl der noch erhalten gebliebenen recht stattlich. 

Nt'ben dem Abte von Muri war auch derjenige von Wettingen ein 
(lonner von Michael Küchler. Zwar geboten diesem mancherlei Rücksichten 



77 ig ot 

auf die Interessen des Klosters die Unterhaltung guter Beziehungen zu den 
Meistern des benachbarten Zürich, wo die Abtei seit alter Zeit ein Haus 
besass. Dort war auch an geschickten Hafnern kein Mangel, wie noch u. a. 
der Ofen von Rusterholz (1762) in der sogenannten Winterabtei beweist. 
Dagegen rührt derjenige im zweiten Prunkzimmer, das Abt Bernhard Keller 
im Jahre 1651 so geschmackvoll vertäfeln Hess, von Meister Küchler her 
(1770). Ebenso fanden sich auch verschiedene Muri-Oefen in den Pfarr- 
häusern der KoUaturen Wettingens. Daneben aber waren es auch Behörden, 
w'^elche zum Schmucke ihrer Ratsstuben oder ähnlicher Lokale sich der 
Kunst unseres Meisters bedienten, wovon der Ofen im Ratssaale zu 
Stans (1770) ein treffliches Beispiel liefert, und schliesslich giengen auch 
zahlreiche Bestellungen von wohlhabenden Privaten ein. So begegnen wir 
denn nicht selten in den ehrwürdigen alten Häusern namentlich im Reuss- 
und Limmatthal den Erzeugnissen unseres Meisters, von denen aber leider 
nur zu viele, gewöhnlich infolge von Umbauten oder Neueinrichtungen, ihren 
Weg auf die Schutthaufen oder in die Hände der Antiquare fanden und 
dann meist an ausländische Liebhaber verkauft wurden. 

Michael Leontius Küchler starb am 12. Juli 1778. Aus seiner Werkstätte 
gieng wahrscheinlich jener Caspar Bachmann hervor, welcher ich auf zwei 
Oefen aus den Jahren 1787 und 1788 nennt, die im ehemaligen Weiber- 
hause des Klosters Muri stehen (jetzt Don Bosco-Anstalt). Er betrieb 
sein Handwerk in jenem Teile der weit verzweigten Ortschaft, welcher als 
Dorf bezeichnet wird. Die beiden Oefen sind gute Arbeiten eines Land- 
hafners, die aber sowohl im Aufbau als in der Bemalung nicht an die Er- 
zeugnisse der Küchler'schen Werkstätte heranreichen. 

Auf einer geringeren Stufe des Kunsthandwerkes stehen auch die Er- 
zeugnisse des in Luzern angesiedelten Zweiges der Familie Küchler. Das 
beweist uns zunächst ein Ofen in der Wohnung des Herrn Staatsarchivar 
von Liebenau in Luzern mit der Inschrift: „Meyster Jacob Küchleren 1674", 
an dem noch jede Ornamentik fehlt. Da der erste Murenser Hafner dieses 
Namens im Jahre 1664 geboren wurde, war der Luzerner Meister wahr- 
scheinlich sein Onkel und Lehrmeister. Demnach wäre das Handwerk von 
der Stadt auf das Dorf verpflanzt worden. Im übrigen lässt sich zufolge 
einer Anzahl von Auszügen aus den Luzerner Ratsprotokollen ') über die 
äussern Lebensverhältnisse dieses Zweiges folgendes mitteilen: 

Am 15. November des Jahres 17 13 wurde Meister Jacob Küchleren 
von Muri vom Rate für sein abgebranntes Haus eine Brandsteuer von 
2 Thalem aus den 3 Armenämtern bewilligt und ihm die 25 Gulden für den 
in sein Haus gebrachten Proviant nachgelassen (Ratsprotokoll Fol. 174 h). 
Schon am 5. Mai des folgenden Jahres nahm ihn darauf die Behörde trotz 
der Einsprache der andern Hafnermeister zum Beisäss auf unter der Be- 

*) Der Verfasser verdankt diese ebenfalls der Güte des Herrn Staatsarchivar Dr. 
Th. V. Liebenau. 



78 «9« 

dingung, dass ':r eine Kaution hinterlege, einen Lehrknaben zu den von den 
Spendherrn bezeichneten Bedingungen annehme und den übrigen Meistern 
die Arbeit nicht ablaufe iR. P. Fol. 248 bi. Diese Sorge erwies sich als 
Oberflüssig, da Köchler schon im Jahre 17 16 so sehr mit Arbeit überhäuft 
war, dass man seine Brennhütte in Bezug auf ihre Sicherheit gegen Feuers- 
gefahr untersuchen liess iR. P. Fol. 1061. In dürftigem Umständen scheint 
sein Sohn Martin Leonz gelebt zu haben. Zwar wurde auch er auf An- 
suchen des Vaters im Jahre 1719 als Hindersäss angenommen iR. P. Fol. 28), 
doch scheint daran eine Bedingung geknüpft gewesen zu sein, welche er in 
der Folge nicht zu erfüllen vermochte ». Im Jahre 1720 wird ihm ein vor- 
übergehender Aufenthalt im St. Jakobsspital eingeräumt, wobei er das Gesuch 
stellt, man möchte ihm doch des Buchelins Haus zu Lehen geben^R. P. Fol. 168 b). 
Da ihm nicht entsprochen wurde, schlug er im folgenden Jahre dem Rate vor, 
man solle für ihn auf die zwei Brennhütten in der Ventiweid, deren Bau geplant 
war, eine einfache Wohnung erstellen, die er zu Lehen nehmen wolle, bis er sie 
kaufen könne iR. P. Fol. 263b). Im Jahre 1724 wurde dann wirklich das neue 
Haus zum Zwecke des X'erkaufs an den Hafnermeister geschätzt. Ein solcher 
scheint später auch stattgefunden zu haben, da im Jahre 1750 ein Ansuchen 
des Besitzers um ein Darlehen darauf vom Rate abgewiesen wurde (R. P. 
Fol. 46). Wie es scheint, war Meister Küchler stets in Geldnöten. Denn 
wie wir aus frühern Katsbeschlüssen vernehmen, hatte man sowohl dem 
Vater Martin als seinem Sohne Alois das Beisassenrecht zugesagt, daran 
aber die Bedingung geknüpft, dass er dafür 600 Gl. beim Spital deponiere. 
Als er darum am 4. Januar 1747 die Anerkennung diesses Rechtes für beide 
verlangte, wurde sie ihm versagt, da er seinen Verpflichtungen nicht nach- 
gekommen war (R. P. Fol. 214 b). Und als Alois gar die Absicht kund gab, 
sich verheiraten- zu wollen, wies man ihn am 7. desselben Monats aus dem 
Gebiete der Stadt aus (R. P. Fol. 215). Trotzdem versuchte er im Februar 
des folgenden Jahres sein Glück nochmals, wobei der Rat von Luzern auf 
.seiner frühern Bedingung blieb (R. P. Fol. 46). Diesmal scheint er Erfolg 
gehabt zu haben. Denn am 2. Mai 1749 erwirbt der ehrsame bescheidene 
Meister Alois Küechler, Beisäss und Hafner, vom Rate ein Zimmer und ein 
Gehalt, wo der Brennofen steht, im neuerbauten Haus in dem äusseren 
Bruch, ansto.ssend an die Werkstatt und Wohnung des Martin Küechler 
(Leibrief im Staatsarchiv Luzern), und schliesslich erfahren wir noch aus 
dem Jahre 1763, dass er beim Bauamte darum einkommt, man möchte „sein 
Haus sicher machen" (R. P. Fol. 18). 

Kin Benjamin Küchler fordert im Jahre 1790 von Unterbauherr Hart- 
mann in Luzern 92 Gulden für gelieferte Arbeiten (R. P. Fol. 239 u. 242 b) 

') Am 3. Mai 1720 wird ein Mafnermeistcr Peter Küchler von Muri zum Landsässen 
anK^-nommcn (K. I*. Fol. 174 b). Dagegen darf laut Ratsbeschluss vom September 1722 
(l<*r Harn<r-(i(r.sill< Joseph Dietrich Küchler nur so lange in Luzern arbeiten, als er sich 
still und ruhig verhalt. 



79 



igai 



und beklagt sich 1794, dass die von Merenschwand ihn nicht als Luzemer 
anerkennen und behandeln wollen (R. P, Fol 119 b), Doch wurde er „in 
casu specifico" vom Rate abgewiesen (R, P, Fol. 121 b). 

Die Nachforschung nach Werken dieser Luzerner Hafnerfamilie der 
Küchler bUeb beinahe ohne Erfolg. Offenbar zeichneten sie sich nicht vor 
andern handwerksmässigen Produkten der in der Stadt ansässigen Meister 
aus. Ein Ofen in dem Fischer'schen Landgute zu Lauerz bei Kriens, der 
die Inschrift „Alois Küchler 1774'' trägt, besteht laut gütiger Mitteilung des 
Besitzers aus grünen Ofenkachebp oben und unten eingerahmt von je einem 
Fries blauer Malereien auf weissem Grund» Schlösser, Schäferszenen und 
andere Phantasiebilder darstellend. Im übrigen zeigt er die gewöhnliche 
kubische Form mit den üblichen Gurten und Gesimsen. Martin Küchler 
verfertigte in den Jahren 1731 ('32 um 133 Gulden den Ofen in die Gerichts- 
stube, der zu den bessern Arbeiten auf dem Gebiete der Hafnertechnik 
gehört zu haben scheint, da seiner von Franz Urs Baltasar in der ,,Be- 
schreibung verschiedener Gebäuden" gedacht wird (Mkpt, im Staatsarchiv 
Luzem). 

Mit dem Ende des j8. Jahrhunderts verblühte auch dieser Zweig unseres 
einheimischen Kunsthandwerkes gleichzeitig mit der Glasmalerei infolge der 
Interessenlosigkeit einer Generation, die für Form und Farbe gleich un- 
empfänglich geworden war. 




Miscellen. 



Repertorium oder Verzeichnis über die eingepackten, teils geflüchteten, teils zum 
flüchten bereit liegenden Mobilien (des Klosters Rheinau) 1798. 

Stifisarchiv Einsiedeln: Rheinauer Akten B. IV 1005. 

24 Kelche. Die silberne Weltkugel des Jesu Kinds. 

46 silberne Becher. 2 grosse silberne Hände cum Reliquiis. 

Das grosse silberne Crucifix. 2 silberne Statuen St. Basili und Leonzi. 

Das mit Steinen besetzte Prozession Crucifix. 2 Helfenbeinerne Crucifix, Reliquiarium S. 

6 grosse silberne Kerzenstöcke Abbatis Ge- Deodati et Theodorae. 

roldi II. di. ') | 6 silberne grosse Kerzenstöck vom Gustav. 

6 kleine silberne Kerzenstöcke vom Gustav. ") Silbernes Muttergotteskind. 

Das grosse silberne und vergoldete Lavor | Pontilkal Stab Abbatis Bernardi I. *) 

mit der Blatten. . Item — Bonaventurae II. 

Sc. Fintans Becher. St. Josephs silberne Lilien. 

Die 2 schwarzenbergischen Pluvial. 2 Brustbilder B. V. et S. Josephi mit aller 

Der gantze Ornat Abbatis Geroldi II. mit Zubehörde. 

aller Zubehörde. 1 2 silberne Taftlen St. Benedict und ScholasticÄ- 

Der ganze Ornat Abbatis Basilii. ') Die alte gotische Monstranz. 

Der gelbgestickte Ornat Abbatis Bonaven- Das Schiffle und der Neptun zum silbernst 

turae II. *) ' Aufsatz. 

Der silberne Aufsatz mit 9MuschelnfürConfect. | St. Dcodats Grabstein. 

Ein silber-vergoldetes Va^culum. ' Die goldene Monstranz. 

Die Rheinheimer Chatulle, worin das Münz- , Staab Abbatis Bonaventurae Wellenberg- **) 

Cabinet. Die silberne gemeine Monstranz. 

Ein diamantnes Pectoral mit Ring und vier- ' Ein silberner Stab. 

fach goldener Kette. 1 4 Infuln. 

Ein gross diamantener Ring. Item ein paar gläserne Vascula mit silbennd 

2 silberne Brustbilder St. Blasi und St. Moritz. ' Einfassungen. 

Die perle-Kron B. V. i 

E. Rothenhäusler. 

Bruder Baltasar, O. Fr., Bischof von Troja, weiht als Generalvikar des Bischofs Htig^ 
von Constanz einen Altar auf der Veste Breitenlandenberg. 

1508. Oktober lo. 

„Krater Bd/Msnr, ordinis fratrum Predicatorum, Dei et apostolice sedis gratia epis- 
copus Troyanits, revercndissinii in Christo j| patris et domini, domini Hugotiis, eadem 

•) (icrohl II. Zurl;iub<ii 1697—1735. 

2) Gustav Adoir, Markj;iaf von Bailcn Diirlach. - Vcrgl. Anzeii;er, N. F. 1899, pag. 144. 

* Basilius Uten 1682-1697. 

« Honavtntura IL, Locher 1775- 1789. 

') licrnhaiil von Krtibui^ 164a - i68a 

•) 15^9-1555' 



8i 



190t 



gratia episcopi Constantiensis '), in pontificalibus vicarius generalis recognoscimus per pre- 
sentes U , quod sub anno domini millesimo quingentesimo octavo, die autem dedma mensis 
Octobris, insignia pontificalia || exequentes in dyocesy Constantiensi in Turbental et illic in 
Castro Braittett Landenberg altare quoddam consecramus in honore Sanctorum, beatissime 
virginis Marie, Sancte Crucis, Johannis E wangeliste et omnium apostolorum, Igeory (sie!), 
Sebastiani martirum, quatuordecim auxiliatorum et decem milium martirum, Theodoli, 
Martini, Materni epichoporum (sie I), Jeronimi prespiteri (sie I) et confessoris, Anastasii epis- 
copi, Galli, Anthonii abbatum et confessorum, Anne matris gloriose virginis Marie, Katherine, 
Barbare, Agathe virginum et martirum, Marie Magdalene, Helene regine, statuentes dicti 
altaris anniversarium dedicationis diem quinta die ante festum sancte Margarethe virginis 
et martiris ") singulis annis celebrandum et illic solempniter peragendum. Cupientes igitur, 
ut altare predictum congruis frequentetur honoribus Cristique fideles eo libetius confluant 
ad idem altare, quo ibidem dono celestis gratie se conspexerint uberius refectos. Omnibus 
vere penitentibus, confessis et contritis, qui insuper dictorum sanctorum patronorum ac 
dedicationis festivitatibus devotionis causa confluxerint, vota sua inibi persolvendo et pro 
fiabrica seu ornamentum aut conservationis vel reparationis manus porrexerint adiutrices 
de omnipotentis Dei misericordia ac beatorum Petri et Pauli appostolorum eins confisy 
sufTragiis auctori etiam prefati domini nostri Constantiensis centum dies venialium et qua- 
draginta dies indulgentiarum de iniunctis eis penitenciis misericorditer in domino relaxamus 
presentibus perpetuis futuris temporibus duraturam. Harum testimonio litterarum littera- 
nim (sie!) nostro sigillo pontiücali appenso roboraturum. Datum et actum anno die locoque 
prenominatis indictione undecima." 

Orig. Perg. 15/27 cm. St. A. Zürich: Urk. Breitenlandenberg. 

Siegel hängt. Dr. R. Hoppeler. 

Notizen aus dem ältesten Bürgerrodel von Diessenhofen. 

Uff Montag nach Quasimodo im LXIIJ'en jar (1563) band mine herren angsehen und 
gniacht, welcher nunhin für zuo insaeßen angenomen sol VIIJ gl. und welcher zuo burger 
angenomen wirt, der sol XXIII J gl. um das burgrecht gen. 
Item ainer sol Ic«> gl. in die stür bringen. 
Item wer und hamast haben das bezalt sige. 

Item sie guot Manrecht das Er Eelich Erlich von Vatter und Muoter. 
Item das er noch sin frow kain Nach jagenden Herren hab. 

Caspar Bart ist uff" den Bertelitag des 93i5tcn jars zu einem Burger angnommen wor- 
^^, sin Burgrecht mit 30 gl. bezalt unnd mit wer unnd harnischt uff* das Rathus zogen. 

Meister Hans Helli der Schulder ist den 10. Februarij a* 94 zu einem Burger an- 
Piöinmen worden, sin Burgrecht mit 50 gl. bezalt unnd mit wehr und harnischt uff das 
"^thhuß zogen. 

Melcher Voster ist den 16. homung a^ 96 zu einem Burger erkent unnd angnommen 
forden, sin burggrecht mit 50 gl. bezalt, den gantzen winkouff ußgricht und mit wehr unnd 
^mischt uff das Rathuß zogen. 

Uolrich Metzler von Lindau w ist uff Montag den 23 »'en julij a' 98 vor geseßnem 
Rat zu einem burger uff und angnommen worden. Bezalt sin Burggrecht umm 50 gl. und 
sol Wehr und harnischt, auch sin mann Recht haben. 

Galli Frölich von Wetzicken, der Murer, ist den 19. Martij a* 99 zu einem burger 
ufl und angnommen vor gantzem gseßnem Roth, der sol burggrecht haben ; Bezalt dasselbig 
uinm 50 gl. Sol sin mannrecht auch sin wehr und harnischt haben und der Libaigen- 
schafft ledig sin. 



Hugo (IV.) von Hohenlandenberg, 1496— 153a Bischof von Constanz. 
*) d. i. xo. Juli. 



ft2^ 

Jacob Müller von' Wisadangen ist den6. Junij a* 1600 zu einem Burger vor grossem 
Rath angenommen worden. Sol sin Burggrecht umm 50 gl zalen und wehr und hamischt 
haben. 

Blesi Schitermann von Basadingen ist den 26'^''^' Junij a* 1600 zu einem Burger uf 
und angenommen worden von grof^em Rath. Zalt sin Burggrecht umm 100 gL und gibt 
den gantzen winkouff. 

Anno 1605 den i. Junj. 

Mathias Müller von Weylersdorff ist vor Klainem und Großem Rath zuo ainen Burger 
angenomen worden. Hatt das Burgrecht erkhauflt umb 100 gl. mit ainen Aubend trunckh 
aincm Großen Rath erwysen. 

HanO Windler von Schlattingen ist Anno 1605 den 6. Junij vor Klainem und GroGem 
Rath zuo ainem Burger angenommen worden. Hatt daß Burgrecht erkhaufil umb xoo gl. 
mit ainem Aubend trunckh Grossem Rath erwysen. 

Hannß Hanhard, weylund Hannß Hanharts seligen Hinderlaßner ohn Ehlicher Sohn 
ist den 22. Januarij Anno 1608 mit Peter Hanharten samt ainer Ehrliebenden Fraindschafit 
vor Klainem, Großem Rath und Gericht erschienen und unb (sie) das Burgrecht angehaltea 
Ist er Hanß Hanhart in gnaden erkhent worden, ime das Burgrecht zuo kauften geben 
worden umb achzig gülden sampt dem Aubend trunkh. Hat Peter Hanhart daselbig gericht 

Actum uff Donnstag den des 16 18 Jars ist Ferdinand Sax vor Rath, Gricht 

und Großem Raht zuo einem Burger angenommen per 80 fl. darzue ein Abet trunkh. ist 
alles bezalt. 

Anno 1660 den 2. Aprilis ist vor Kleinen und Großen Räten zu einem Burger aul 
und angenommen meister Jacob Poßhardt, der Bleicher, darumb daß Burgerrecht hat er 
bezalt 150 fl. und 30 Loth Silber, hat auch Kleinen und Großen Räthen ein Abendessen 
gegeben. 

Anno 1666 den 6. Dez. wurde Cristof Speißer, Schmid im Paradies, gebürtig von 
Obersdorf in Oestreich, zum Bürger angenommen um fl. 300 und einem 3olöthigen Becher. 

Der älteste Bürgerrodel ist ein gut erhaltener, schmaler Band von 384 Seiten Hand- 
papier. Die erste systematische Aufzählung der Bürger datiert vom Jahre 1527 und iat 
nach den Strassen gerichtet, femer enthält der Band in chronologischer Reihenfolge An- 
gaben von Aufnahmen ins Bürgerrecht, denen die vorstehenden Notizen entnommen sind, 
sowie eine zweite, wiederum nach den Strassen angelegte Aufzählung vom Jahre 1606. 

Stadtarchiv Diessenhofen. R. Wtgdi. 



IVlitteilungen 

aus dem Verbände der pk^hweizepiseheo /UtePhimssammluDgeD eto. 

Nr. 1. ZÜRICH. Mai 1901. 

I. Schweizerisches Landesmuseum. 

Geschenke. I. Quartal 1901. 

Herr Max Rosenheim in London: Eine Serie Ornamentstiche von Joh. Schwyzer 
von Zürich, datiert 1646. — Herr Dr. 0. von Falke, Direktor des Städtischen Kunstgewerbe- 
Museums in Köln : Eine Brieftasche von rotem Leder, aus St. Gallen, Anfang 19. Jahrh. — 
Ungenannt in Zürich : Ein weisser Kachelofen mit Landschaftsdarstellungen in Sepiamalerei, 
aus Zürich. — Fräulein M. Schulfhess in Zürich IV: Ein kleiner Ständer für Wachskerzen, 
aus Zürich, 19. Jahrh. Ein Glockenzug, aus Zürich, Anfang 19. Jahrhundert. — Fräulein E. 
Ammann in Zürich I: Ein Spinnrädchen, aus Zürich, 19. Jahrh. — Frau Dr. M. Abegg- 
Baumann in Zürich V : Ein Paradeschwert. Ein Kupferstich mit Darstellung des Besuches von 
J. Casp. Lavater, Felix Hess und Heinrich Füssli beim Prediger Spalding in Schwedisch-Pom- 
mern, nach einer Zeichnung von Heinrich Füssli 1763. Porträt (Lithographie) von J. J. Hot- 
tinger, nach emer Zeichnung von Jrmmger, 1854. Porträt (Lithographie) des Herrn von Muralt- 
Stockar, Oberstlieutenant a. D., Kommandant des zürcheriscqen Flöchnerkorps. Zwei kolorierte 
Stiche mit Landschaflsdarstellungen, gezeichnet von J. L. Aberli, gestochen von B. A. Dunker 
(Oberhasli und Vevey), nebst einer Ansicht aus der Gegend des Vierwaldstättersees von einem 
unbekannten Meister. — Herr Sys-Hflnerwadel in Zürich: Militärpass, ausgestellt von Carl von 
Reding, Hauptmann der 2. Kompagnie des Regiments Betschart in spanischen Diensten, ftlr den 
Niederländer F. A. Renau, datiert 12. Oktober 1795. — Tit. Feldschflfaentferein RegensdorN 
Watt: Fähnchen des Feldschützenvereins Regensdorf-Watt mit Inschrift: „Feldschützen Regens- 
berg 1859**. — Frau Dr. A. Sieger in Zürich V : Ein geschnitzter Kalenderrahmen, Anfang 19. 
Jahrh. Doktordiplom der Universität Basel, ausgestellt 1693 ftSr Joh. Conr. v. Muralt von Zürich. 
Drei Frauen-Aufsteckkämme, aus dem Kanton Appenzell. Drei hölzerne und sieben thöneme 
Kuchenmodel. — Fräulein Betty Ernst in Zürich V: Eine kleine Blumenstickerei in Seide 
auf Papier, Mitte 18. Jahrh. — Herr J. Qimmi'Bridler in Wmterthur: Ein kleines Oel- 
gemälde auf Leinwand hiit drei Wappen und Engel als Schildhalter, datiert 1688. — Herr 
J. A. Pfiefer, Aushülfsaufseher am Landesmuseum, in Bendlikon: Ein blauer Artillerie- 
Uniformfrack, 1850—1868, getragen vom Donator. — Herr Dr. Maag in Lichtensteig: Ein 
vollständiger Trepanationsapparat in hölzernem Etui mit einfachen Intarsiaeinlagen. Ein 
Trepan. Instrumente zum Blasensteinschneiden in gepresstem Lederetui. Eine eiserne, leder- 
überzogene Geburtszange (Lessely). — Herr Paul Eduard Nölting in Hamburg: Kleinschrift- 
Proben^ Auszüge aus einer Schweizergeschichte, in Album-Etui. — Herr stud. phil. E. 
RofhenhAusler in Kloster Fahr : Wohlverhaltenszeugnis, ausgestellt von Burgermeister und 
Kleinen Räthen des Eydsgenössischen Standes und Vororts Zürich für Hauptmann Heinrich 
Heidegger von Zürich, Comandant einer Artillerie-Division vom Succurs-Regiment, datiert 
21. Wemraonat 1815. — Fräulein Elise Binder in Locamo : Ein römisches Henkeltöpfchen 
aus rot gebranntem Thon, gefunden in Muralto. — Herr Dr. P. Hirzel in Zürich, im Auf- 
trage des Hirzerschen Familienarchivs: Eine Anzahl Papiersiegel der Städte Luzem und 
St Gallen und des Bischofs von Konstanz. — Herr Th. Vollmer in Wyl: Drei Dokumente 
betr. Mitglieder der Scharfrichterfamilie Vollmar in Wyl, zwei datiert 1724 und 1749, das 
dritte zirka 1760. — Herr Dr. H. Zeller- Werdmflller, Mitglied der eidg. Landesmuseums- 
kommission, in Zürich V: Kolorierte Radierung, bez. „Schweizerische Truppen. In Wien 
bey T. Mollo & Comp. Legion Bachmann im östr. Dienst und englischen Sold gegen die 
Franzosen." 



84 ^90X 



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Einkäufe. I. Quartal 1901, 

a) Erwerbungen im Inlande. 
Prähistorisches; Eeit der Römerherrschaft Fragment eines Hirschgeweihes. atiS' 
gegraben im Torfried zwischen Islikon und Kefikon. — Ein Bronzeschwert aus dem Neuen- 
burgersec. — Eine Bronzelanzenspitze und eine Nadel mit flachem Kopf, gefunden bei St. 
Aubin, Neuen burger See. — Ein seh auf eiförmiges Bronzebeil, Landfund von Ruis, Kanton 
GraubQjiden. Eine kleine Bronzesichel, gefunden bei den Ausgrabungen im Chäteau de 
la Soie bei Savieze, Kanton Wallis, — Ein Bronzearmring, gefunden in Grimisuat bei Sitten 

— Funde aus 129 Gräbern aus dem gallorömischen Grabfelde von Giubiasco bei Bellinzona. 

— Eine Anzahl etruskogallischer Grabfunde aus Pianezzo und Molinazzo. 

FrDhmittölalfer bis 1500. Zwei gotische Fenstereinfassungen und ein steinernes^ 
Thürgerüst, aus dem ehemaligen Kloster in der Au bei Steinen, Kanton Schwyz. 15 Jahr^ 
hundert. — Ein Balken aus Tannenholz mit eingeschnittener Jahrzahl 1341 (?), aus einem 
ijn Januar 1901 abgebrochenen Hause in Atbisrieden. — Zwei grosse mittelalterliche Thon- 
gefässe aus dem Klfster Disentis. - Ein kupfervergoldeter Reliquienbehälter, auf dem 
Fusse ein emailliertes Wappen, aus Greyerz, 15» Jahrh. — Ein Hellebardeneisen mit Marke» ^ 
gefunden in Lungern. 15. Jahrh, - Eine eiserne Wafle, auch als Werkzeug zu gebraucheii, ^ 
einschneidig, mit Dfille» die Spitze vorne in einen Knopf auslaufend, auf dem Rücken ein 
nach ausw^ärts eingerollter Klingenlänger, Rücken und Klingenfänger mit blutrinn enartigen 
Verzierungen, aus dem Murtnersee. — Eine Anzahl Gewebemuster, altchristUchen und 
schweizerischen Ursprungs, letztere 13. 17. Jahrh. 

Iß. Jahrhundert. Emc gotische Decke nebst einem Teile des Täfcrs, aus dem Hause 
zum «Wilden Mann** in Zug. — Bemalte Block wände von zwei Zimmern, mit Deckenfrag« 
menten, aus dem Gasthause zum „Sternen" in FUlelen. — Sechs flachgcschnitzie Friese 
und ein Fragment, aüs der Kirche in Dussnang, ca. 1523. Siehe die Kopltelsten auf Seite 
84 — 89. Ein grosser, flachgeschnitzter Sakristeischrank, aus Schattdorl, Kanton Uri. - 
Eine Truhe aus Eichenholz, mit geschnitzter, in vier Felder eingeteilter Front, worin die Dar- 
Stellung der hl drei Könige und der Madonna mit dem Jesuskinde, aus Sl. Ulrichen, Kanton 
Wallis. — Eine reich geschnitzte Truhe auf vier P^Qssen, mit Wappen Orelli, von Locaroa - 
Ein Drehstuhl, aus Rheinau. — Zwei geschnitzte Engel als Kerzenhalter (von Prozessiorts- 
Stangen), aus der Ostschweiz, — Zwei geschnitzte Engel mit Spuren alter Vergoldung, als 
Karyatiden verwendet, aus dem Kanton Schwyz. — Eine geschnitzte und bemalte Pieia, aus 
Boswyl, Kanton Aargau. — Ein hölzerner Kuchenmodel mit Darstellung eines Schweiiers 
(auf dem Schwerte die Jahrzahl 1542) und eines Fisches, aus Graubünden. — In Gold und 
Email gefasstes Anhängekrcuzchen von Bergkristall, angeblich aus dem Kloster Königsfcldca 
stammend, nachher von der Frau Mutter in Gnadenthal getragen. - Durchlochte Klinge einer 
Dachdeckeraxt, auch als Wafle zu gebrauchen, mit Marke SW, ausgegraben in Wattw/ 
(Toggenburg). — Ein eiserner Sporn mit geschnittenen Verzierungen. Ein gesticki 
weissleinenes Tischtuch, aus dem Frauenkloster St, Andreas in Sart:en. 

17. Jahrhundert Ein Schmu cJckästchen mit doppeltem Aufsatz, auf sechs Kugelfüsscn^' 
aus ZOrich. — Eine kleine Truhe mit reichem Eisenbeschläge, aus Zürich. — Ein Sesjc* 
mit ledergepolstertem Sitz und dito Rücklehne, auf letzterer die Darstellung der Justitia \ß- 
geprcsster Arbeit. — Eine geschnitzte hölzerne Leinwandpresse. — Eine Fechtmaske, au9 
Albisrieden. — Zwei Dachziegel, datiert 1623, aus Rheinau, — Ein Dachziegel mit viermal 
eingebrannter, männlicher Figur, aus dem Tössthal. 



05 



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10. Jahrhundert. Ein Auszugtisch von Nussbaumholz mit Schieferplatte, aus dem 
Kanton Zürich. — Ein Kinderstuhl auf Rädchen. — Ein bemalter Bauernschlitten, aus Grau- 
I bOnden. — Ein grosser SchUttenkasten mit Löwenkopf, aus Genf, — Eine Gruppe aus 
I ZOrcher^Porzellan mit Darstellung eines kosenden Pärchens. — Zwei Vasen aus Nyon- 
Porzellan mit violetter Blumemnalerei, — Zwei Tassen nebst Untertassen aus Nyou-Porzellan 
^^pjtt Goldrand und Landschaftsmalerei. — Eine Tasse mit Untertasse aus Nyon-Porzellan 
^^■nit Goldrand und pompejanischer Rankenbordüre, Ein Milchtopf samt Deckel aus Lang- 
^^pauer-Fayence mit Darstellung eines Hasen, Inschrift: ,^ Bleib gedreu bis in den Tod, Gott 
^^pjllft dir aus aller nott** und Jahrzahl 1787. — Eine zum Aufhängen bestimmte Platte aus 
■ Langnauer-Fayence, auf der Vorderseite die Darstellung eines Kochs und Inschrift: „Fögel 
I und Fisch auf des Heren Disch^ Küchle und nidlen mag ich woÜ erliden, Härdöpfel und 
Ruhen sind ftlr unsere Buben 1790", auf der Rückseite ein springender Hirsch. — Eine 
Wappenplatte aus Simmenthaler-Fayence, - Eine kleine bemalte Blumenvase aus Frei- 
burger-Fayence, mit Marke, — Ein Wappenteller aus Tessiner-Faycnce mit Wappen Reding, 

— Ein Wappenteller aus Tessiner -Fayence mit Wappen Orleans. Ein Wappenteller 
aus Tessiner-Fayence mit Wappen Schorno. — Ein emailliertes Glas mit Blumenmalerei 
und Darstellung eines Pferdes, sowie den Initialen A B ID und der Jahrzah! 1731^ aus Zürich, 

— Ein Henkelkrug aus Milchglas mit schwarzer und gelber Blumenmalerei, — Ein grosser 
Empire-Spiegel in vergoldetem Rahmen, als Krönung das in Holz geschnitzte Porträt des 
Zürcher Dichters Bodmer. — Ein Thürgriff und ein Kleiderhänger aus Messing. — Ein 
eisernes Hundehalsband. — Ein Prisma aus Kristall mit Zinnenden, in gepresstem Lcder* 

leral. — Ein Galanteriedegen mit reich verziertem silbernem Griff. — Ein Hirschfänger 

silbermontiertem Griff und gravierter Klinge. — Fahne eines Schweizerregiments in savoi- 

len Diensten, nebst einer Fahnenstange, von Tomüs, Kanton Graubünden. — Ein seiden- 

icktes, in einen Rahmen gespanntes Antcpendium, aus Schaltdorf, Kanton üri. Ein 

idcQgesticktes Marienkleid, aus Schatldorl, Kanton Uri. — Zwei ledernt: Messgewänder, 

das eine mit Wappen Lussi und Weber, samt Stulen und Manipeln, aus Schattdorf, Kanton 

üri. - Zwei rotseidene, ^old- und sübergt-stickte Seitenstücke zu einem Traghimmel. — 

Ein schwarzseidener, goldgestickter Vorstecker und ein dito Halstuch. — Ein halbseidenes 

Haistucli mit farbiger Blumenstickerei, aus Schlatüngen, Kanton Thurgau. - Ein Dachziegel, 

datiert 17141 aus Rheinau. — Eine Wanduhr mit messingdurchbrochenem, graviertem Ziffer* 

Nttt, datiert 1766. 

19. Jahrhundert. Ein Spuhlrädchen mit Spuhlengestell, aus Wädensweil. — Zwei 
silberne und zwei silbervergoldele Schliessen zu einer Wehnthalerimientracht. Ein silberner 
Haarpfeil mit Filigrauarbeit, zu einer Nidvvaldnerinnentracht. — Ein silberner Haarpfeil zu 
^er Appenzellerinnentracht mit Beschaumarke Zug und Goldschmiedinitialen A A, - Ein 
er Haarpfeil zu einer Appenzellerinnentracht mit Goldschmiedinitialen IS. — Ein 
peli und ein Brautgtlrtel zu einer Guggisbergertracht, — Ein hoher Männerhut aus Stroh 
Biit Etiquclte : Jacob Steinmann aus Buch wiel bei Schönholz und Schwiel im Canton Turgau 
^rfcriigt aJle Sotten Manns und Frauenzimmer Strohhütte um billigen Preis. 



b) Erwerbungen aus dem Auslande. 

Eiu spätgotisches Büffet mit Mass Werkeinlagen und Schnitzereien. Anfang 16, Jahrh. 

[ — Ein gotisches Wasch buft^t. Anfang 16. Jaluh. — Ein ffachgeschnjtzter, gotischer Truhen - 

1 15. Jahrh. — Zwei gotische, bemahe Prozessions-Kerzenstangen. 15, Jahrh. - Drei 



86 



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flach geschnitzte, gotische Friese und zwei Masswerklriese, 15. Jahrli- — Zwei Brautschmuck- 
kästcheii mit feinen Masswcrkeinlagen. 15. Jahrh, Ein halbhoher, doppelthQriger Schrank 
mit Architektur. Ende 17, Jahrh. — Stimlade eines Bettes mit hitarsiaeinlagen, Anfang 
18. Jahrh, — Ein Stuhl Anfang i8. Jahrh. — Ein Glasgemälde mit Wappen Perung und 
Inschrift: ,^Hans Heinrich Perung vor CrötzHngen bei der Hofstat Anno 1617*". — Vier 
Tassen mit Untertassen aus Zürcher-Porzellan, Dekoration: Blumenmalerei. — Eine Blumen- 
vase aus Zürcher-Porzellan. — Ein Mikiikröglein aus Nyon-Porzeüan mit Vergoldung und 
und Blümenge winden als Dekoration. - Eine Wappenplatte aus Tessiner-Fayence mit 
Wappen Schlumpf-Schirmer. Ende 17, Jahrh. — Ein Kaßeekrug aus Lenzburger-Fayence. 
— Ein kleiner silberner^ teilweise vergoldeter Becher mit Inschrift: „Filip Beier gab s>ti 
In Zug Einer Ersamen Gemeind Höngg 1623^', Beschaumarke Zürich und Goldschmiedmarke 
NW (Nikiaus Waser). — Eine Silberschale auf Fuss mit Beschaumarke Basel, Arbeit voi^H 
Peter Birrmann. — Ein Schweizerdolch in kupfervergoltleter Scheide mit Darstellung Corio^fl 
lans und einer Lilie, - Ein kupl ervergoldetes Ciborium mit emailliertem Wappen der 
Herren von Ems. Ende 14. Jahrh. - Eine reich gravieitCj sechseckige Zinnkanne mit Marke_ 
Stein a. Rh. und Giesserinitialen H. C. S., aus Stein a. Rh. Eine reich gravierte, rund^H 
ZinnschQssel mit Marke Stein a. Rh. und Giesserinidalen H. C. S*, aus Stein a. Rh. — Ein 
reich gravierter Zinnteller mit Marke Stein a. Rh. und Giesseiinitialen H. C. S. sowie den 
Inilitialen A, C. L. und Jahrzahl 1755^ aus Stein a. Rh. — Ein kurzer gotischer Eisenleuchler 
auf di-ei Füssen. 15, Jahrh. — Ein kleiner Teppichj Wollenstickereij mit Wappen von Ulm 
und Schenk von Castel, datiert 1519. Ein kleiner Teppich, feine WoUenstickerej in Rah- 
men, mit Darsteüung der Anbetung des Christuskindes. 17. Jahrh. 

c) Ankauf aus der John Brunner-Stiftung- 

Ein kupfervergoldetes Reliquiarium mit dem Wappen des Churer Bischofs Hein? 
von Hewen, 149I — 1503. 



II. Kanfonale Altertums^Sammtungen 

Kanton Aargau. Zum Schutze der staatiichen Altertümer gegen Beschädigungen! 
und um willkürlichen Manipulationen Unberufener an denselben vorzubeugen, besonder^ 
abcr^ um jederzeit eine Kontrolle über deren Zustand zu haben, erliess der aargauische 
Regierungsrat unterm 15. März 1901 eine Vert^rdnuiig, welche unter anderm folgende Be* 
Stimmungen enthält: 

Mit der Aufsicht über die dem Kanton Aargau gehörenden Altertümer in Slaatsaö'J 
stalten^ in öffentlichen Gebäuden und Kirchen wird die bereits bestehende Spezialkommis-J 
sion des Aufsichtsrates für das kantonale Gewerbemuseum in Aarau betraut. 

Diese Aufsicht hat sich zu erstrecken: 

1. Ueber sämtliche dem Kanton gehörende Glasgemälde. 

2, Ueber die dem Staate gehörenden Objekte in Staatsanstalten^ öffentUchenl 
bänden und Kirchen, soweit ihnen ein kunstgeschichtlicher, kunstgewerbli 
oder archäologischer Wert zukommt. 

Die in den Bereich dieser Beaufsichtigung fallenden Objekte werden in eine 
besondern Verzeichnisse aufgeführt 
Zu diesem Zweck wählt die Spezialkommission einen Inspektor. 



87 




Die Obliegenheiten desselben bestehen: 

a) In der Aufsicht über die oben genannten, dem Staate Aargau gehörenden Alter- 
tümer und Kunstobjekte. 

b) In Vorschlägen für notwendige Reparaturen und Restaurationen und in der 
Begutachtung derselben. 

Der Inspektor hat jährlich wenigstens einmal sämtliche Lokalitäten, in welchen die 
Altertümer und Kunstobjekte untergebracht sind, zu inspizieren und sowohl über die Zweck- 
mässigkeit der Lokalitäten zur Aufbewahrung der Kunstobjekte als über den Zustand dieser 
selbst der Kommission zu Händen des Regierungsrates schriftlich Bericht zu erstatten. 

Nebst diesem staatlichen Aufsichtsorgane ist in Anstaltsgebäuden in erster Linie der 
betreffende Direktor und in Kirchen das betreffende Pfarramt mit der Aufsicht über die 
darin aufbewahrten Kunstwerke oder Altertümer betraut. 

Den Leitern dieser Anstalten ist aber nicht gestattet, von sich aus irgend welche 
Restaurationen oder Veränderungen an den Kunstwerken oder Altertümern vorzunehmen. 
Für Nachbildungen ist die Einwilligung der Direktion des Innern erforderlich. 
Von jedem drohenden oder eingetretenen Schaden haben sowohl die Leiter der An- 
stalten als auch die Pfarrämter, in deren Obhut sich staatliche Kunstwerke oder Altertümer 
befinden, der Direktion des Inneni zu Händen des Inspektors unverzüglich Bericht zu 
erstatten. 

Mit der Inspektion der Altertümer wurde Dr. H. Lehmahn vom Landesmuseum in 
Zürich, Mitglied der genannten Spezialkommission, betraut. 

Bernisches historisches Museum. Geschenke im I. Quartal 190J, Vier Bronzefibeln, 
Grabfund an der Könizstrasse. — Primitive Thonlampe, aus Niederbipp. -- Panzerjacke, 
mit Schnurgeflecht überzogen. — Zimmermannsaxt sehr alter Form, aus dem Wallis. — 
Gerichtsscepter des Amtes Frutigen. - Zwei Oelbilder historischen Inhalts, gemalt von A. K. 
(Kauw) 1675. — Drei Siegelstempel der erloschenen bernischen Geschlechter Bickhardt und 
Edelstein. — Hölzerne Tragflasche, datiert 1726. — Fensterflügel mit geätzter Scheibe, 
dat. 1738. — Gebäckmodel. — Porzellantasse, Nyon. -- Taschensonnenuhr. — Eisenplatte 
einer Sonnenuhr, Bellelay. — Männerhemd mit Jabot. — Offiziersepauletten, Sporen etc. 
von 1820. — Bernische Kadettenuniform von 1845. Mehrere Uniformen von 1847—70. — 
Verschiedene alte Druckwerke. — Lithogr. Ansicht der untern Stadt Bern. — Vier mit Glas- 
perlen verzierte Kinderkäppchen, 18. Jahrh. 

Depositen. Zwei künstlerisch verzierte Pergamenturkunden, Dankschreiben des Magistrats 
von Lugano an den abziehenden Landvogt Emanuel Steiger von Bern, datiert Juni 1644. — 
Majorspatent von 1785 für Fr. Rud. v. Müller von Bern, unterzeichnet von Friedrich dem 
Grossen; Brief des Königs an v. Müller und Entlassung, datiert 1787. 

Ankäufe, Eine grössere Kollektion von Bronzen aus den Ablagerungen der Jura- 
gewässerkorrektion, worunter 16 Lanzenspitzen, 2 Kelte, 2 Dolche, 19 Nadeln, 6 Fibeln, 
Gurtbeschläge u. s. w. Aus dem Nachlass von Prof. Dr. A. Jahn: ein Latene-Schwert, 
in der Lorraine bei Bern gefunden; eine Spatha, 2 Scramasaxe und 1 Gurtschnalle, unbe- 
kannten Fundorts: ein Grabhügelfund von Valegres s. Rances, worunter mehrere Gagat- 
und Bronze-Armringe; mehrere römische Gläser und Schalen aus der Enge bei Bern. — 
Zwei runde Bronzescheiben (Phalera) und eine Bronzekette aus Cortaillod. — Ein Bronze- 
messer, bei Thierachern gefunden. — Einige Heiligenstatuetten, zum Teil gothisch, aus Holz 
geschnitzt. — Palmesel, gothisch. — Dolch des 14. Jahrhunderts, Fundstück. - Rohe Stein- 



88 



igoi 



*^acijc>-i 



lanipe, hinter Gadmen gefunden. - Bodenfliese mit dem Wappen von Biel, 15- Jahrh. 
Lehnstuhl, geschnitzt, 17, Jahrh» - Schraubstock, datiert 1720. — Pferdezaum mit Messini 
garnitor im Rococostil. Gebäckmodel. — Vexierhumpen, Heimberg, — Drei Hau 

inschriften von einem abgebrochenen Emmenthaler Bauernhause. - Vier Simmenthaie 
Stühle^ datiert 1740^ 1754, 1752 und 1786. ~ Kassette aus Holz, mit gepunztem Eisenblec 
und rotem Sammet verziert. — Seidene Weste, Stil Louis XVI, Taschenmesser mit J 
lagen, 18, Jahrhundert* - Pfeifenkopf mit Darstellung des akademischen Freikorps in Ber 
um 1825. 

Qendve. Mr. le Dr Hippolyte Gosse, Conservateur du Mus^e archeologique de H 
Saüe des Armures et du Musee epigraphique, est dec6de le 22 F6vrier 1901. Son activitfl 
pendant ies 34 ans qu*il a consacres a augmenter les collections archöologiques, ne s*cst 
pas dementie, et la maladie seule avait limite ses travaux pendant les deux denieres 
ndes de sa vie. - 

Le Conseil Administratif dans sa seance du 29 Mars, a decide de r^unir Jes collec- 
tions d'histoire et d*archeologie de la Ville de Gen^ve sous une direction commune. Ces 
collections sont: le Mus(5e Arclieologique, la Salle des Armures et le Cabinet de Numis* 
matique. A chacune de ces colletions est propose, comme preccdemment^ un Conservateur 
particuUcr. Les titulaires de ces diverses fonctions sont les MM.: 
Jijcques Afayott Directeur des collections d'histoire et d'archeologie, 
Emiie Dunanf, Conservateur du Musee archeologique, 
Louis Bron-Dupiit, Conservateur de la Salle des Armures, 

Äfr. Eugene Demo/e, precedemiTient dejä Conservateur du Cabinet de Numismatique, co 
tinue d'exercer ces fonctions sous la nouvelle Organisation. — 

Wintertbur. Aktion Graff* AttssttUtsng. Winterthur^ die schweizerische V^atenätad 
dieses wohl berühmtesten Porträtisten seiner Zeit (geb. 1736, f in Dresden 1813) gedenl 
Mitte September dieses Jahres eine Ausstellung aller seiner erhältlichen Bilder aus <Jö 
Schweiz und nähern Umgebuug in dem von Prof. Semper erbauten, klassischen Stadthaus 
zu veranstalten. Die Ausstellung wird für die weitesten kunstlicbenden Kreise des In- iin4 
Auslandes von hohem hiteresse sein und Bilder des Meisters von grosser Schönheit vcri 
einigen, welche bisher gar nicht oder nur sehr wenig gekannt waren. — Zugleich soll deC 
Versuch gemacht werden, die Statistik über die vorhandenen Werke des Meisters, welch« 
bis jetzt durch die verdienstvollen Werke von Rieh. Mulher und Julius Vogel zusammen 
gestellt wurden, nach Möglichkeit zu ergänzen und nimmt der Veranstalter der AusstelM 
der Kunstverein Winterlhur in Winterthur (Schweiz) dankbar und mit bereitwilliger Rod 
erstattung allfalliger Porto- Auslagen alle gefälligen Notizen Über solche Graft''schen ßildc^^ 
entgegen, welche sich in üfl entlichen oder privaten Gallerien befinden, ohne in einem deJ 
oben zitierten Werke aufgeführt zu sein. 

üeber die Ausstellung selbst werden zeitig in den Kunstblättern genauere Angab 
nachfolgen. 

Eventuell verkäufliche Bilder Crafl's werden ebenfalls gerne zur Ausstellung 
lassen und steht der Kunstverein Winterthur diesbezüglich gerne mit allen wQnschh 
Auskünften wegen Konditionen etc. zur Verfügung. 

Um m6glichste Verbreitung dieser vorläufigen Notiz m allen einschlägigen KunsUeij 
Schriften wird gebeten. 

Winterthur (Schweiz), 6. Mai 1901. 

Namens des Kunstverems Winterthur: 
Die für die Anton G raff- Ausstellung bestellte Kommisslo 



89 



19^1 



IIL Kleinere Nachrichten aus den Kantonen. 

Bern. Wie wir s Z, gemeldet haben, fand man im Frühjahr 1899 bei Abbruch der 
Og, Insclscheuer ein Skelett und bei demselben ein La Tene-Schwert und 2 kleine Bronze- 
schläge. Am a6, März 1901 stiessen die Arbeiter an der dortigen Strassen-Er Weiterung 
Cönizstrasse) einige Meter von jener Fundstelle bei Abbruch der sog. SalzbQchslibesitzung 
rieder auf ein Grab aus der gleichen Epoche, das eine vollständige und 3 defekte Bronze- 
^beln enthielt. Das ganz verwitterte Skelett war nur noch an der helleren Färbung der 
nsgehobenen Erde zu erkennen. Der Fund kam durch das Stadtbauamt in's historische 
luseum, K* 

^^^ Glarus. Die Kastnogese lisch aft von Glarus hat im Regierungsgebäude daselbst eine 

^■^usstelluiig altglamerischer Ansichten veranstaltet, über welche das Feuilleton der .»Neuen 
^■blarner-Zeitung*', Nr. 109, berichtet. 

^L St. Gallen. Sevektt, In den sog. „Glatwingertcn" zwischen Glat und St, Uü-ichen. 

^Kiemeinde Sevelcn, wurden 4 mit rohen Steinen eingefasste Gräber, ca. i Meter von cii 
^Hnder entfernt und nur 40—50 cm. unter der Oberfläche, gefunden. Inhalt je ein Skelett, 
^^Kopf gegen Westen, Fösse gegen Sonnenaufgang, Grabbeigaben waren nicht ersichlUch. 

^" — Rapper sivii. \m Herbst vorigen Jahres wurde in der Wasch koche des BQrger- 

spitals ein spätgotisches Wappcnrelief gefunden, das, mit der Bildseite nach unten, als 
Bodenplatte gedient hatte. Der 85 cm. breite und einschliesslich des glatten roten Kopf* 
bandes 1,45 Meter hohe Stein zeigt das gekrönte Reicbswappen, das zwei Engel halten, 
arunter einen Löwen zwischen den geneigten Stadtschiiden. Die Brust des Reichsadlers 
mit dem österreichischen Bindenschild besetzt. Das Relief ist bemalt: Der Engel links 
iom Beschauer trägt rotes und der andere grünes Gewand; der Adler ist schwarz auf 
»elb und der Balken des Bindenschildes auftauender vveisc rot auf Weiss. Dieses stilvolle 
/erk soll im Rathause eingemauert werden. R' 

Thurgau. In Frauenfeld starb am i. Mai 1901 Konrad Kuhn, Pfarrer daselbst. — 
4. November 1829 auf dem Hof Götschenhäusli in der Gemeinde Salen- 
arrei Steckbom, besuchte er die Stiftsschule der Benediktiner zu Fischmgen unter 
Abt Franz IL (1836— 1848), widmete sich auf den Hochschulen von Tubingen nnd München 
^em Studium der Theologie und wurde 1854 zum Priester geweiht. Im selben Jahre ward 
als Pfarrherr nach Tänikon berufen, woselbst er bis zum 32- November 1866, dem Zeit- 
punkt seiner Berufung nach Frauenftld, als Seelsorger gewirkt. Kuhn ward Mitglied des 
katholischen Kirchenrates des Kantons Thurgau, 1868 Dekan des Kapitels Frauenfeld-Stcck- 
tfiTi, 1870 bischödicher Commissar und mitresidicrender Domherr des Bistums BaselSolo- 
burn. Seit 1860 gehörte er dem thurgauischen historischen Vereine an und war während 
Jincr Reihe von Jahren dessen Vize-Präsident Von seinen historischen Arbeiten erwähnen 
^ir hier nur das 1869—1883 erschienene dreibändige Werk ^^Thurgovia sacra*\ Geschichte 
ler katholischen kirchlichen Stiftungen dc^ Kantons Thurgau; aber auch sonst hat er sich 
Im die hi^luri«^chc Forschung bedeutende Verdienste erworben, Vrgl. „Thurgauer-Ztg/' 
%T, toi, L ßl vom 1. Mai; ,,< »st^^i liwri/" Nr. lor und ..Vaterland" Nr. 100 vom i. Mai 1901. 
Zürich, 6. Mai 1901, Dr, Rohtrl Hoppthr. 



Waadt Die Lausanner „Revue* (Nr. 104) meldet unterm 4. Mai, dass in PuUy, in 
unmittelbarer Nähe des Friedhofes^ ein par Gräber aus der Steinzeit entdeckt worden sind. 
Eilten derselben wnirde am 3. Mai in Gegenwart von Staatsrat Decoppet eröffnet. Dasselbe ' 
war aus vier quadratförmigen Steinplatten mit einer fllnften als Verschluss gebildet und 
enthielt zwei völlig intakte Skelette, die einem 20—25 jährigen Manne und einer 40—50 
jährigen Frau angehört haben dürften, Sie lagen auf der blossen Erde, Als Schmuck fanden 
sich ein aus den Hauern eines Wildschweines gebildetes Halsband, sowie eine Anzahl 
Perlen vor. Das Grab wurde mehrfach Photographien. Dasselbe wird dem kantonalen 
Museum einverleibt werden. 

Am selben Orte sind schon zu Beginn der 80er Jahre ein paar der Steinzeit ange- 
hörige Gräber aufgefunden wordt-n. Näheres bei Hneri-, Urgesch. S. 15a f, H, H. 

- Omtens, Les peintures du chceur de l*eglise d'Onnens. („I^ Revue* No. 85.) U y 
a un certain temps dejä, M, Nsef, archcologue cantonal, a decouvcrt dans le choeur de 
Teglise d'Onnens^ pres Bonvillars, sous une ^paisse couche de badigeon» des peintures I 
murales inleressantes. U demanda et obtint le classement de cette eglise Des lors, ces 
peintures ont ete remises au jour. Le choeur de Teglise d*Onnens est un chceur rectangulairc, ^ 
tres simple, couvert d'une voüte en berceau ogival. Autant qu*on en peut juger aujourd^hui, 
les peintures ne sont bien conserv^es qu'a partir et au-dessus de la naissance de la voüle, 
autant sur la voüte m^me que sur les deux porois Est et Ouest. Comme M. Neef Tavait 
suppose, tl y a des peintures superposees de trois epoques ditfi^rentes* Les peintures 
les plus importantes remontent probablement au XI V<? si^le. Ce sont les seulcs oü 
ügurent des personnages. Au XV^ siede, le loüt fut badigeonne, probablement ä la suiie 
de rcparations urgentes au cho^ur, et recouvert d'une nouvelle d^coralion: un serais de 
fleurs de lys ocre rouge et de rosaces faune clair et faune fonc€ sur fond blanc-cr^^mc 
11 est probable que cette seconde decoration subsista jusqu'ä la Reformation. Cc n*est 
guere que vers la lin du XVI^ siecle que fut ex6cutee la troisi^mc dt^coration, prdced^e 
Selon Tusage, d*un nouveau badigeon sur les parois, Ce sont des fonceaux et des entrclacs 
assez adroitement dessin^s, accompagn<*s de bandes grises, et qui ont ceci de particulier 
qu'ils sont de plusieurs couleurs, vives, franches; d'ordinaire nos rinceaux de la fin du 
XVIc siecle sont gris et noirs sur fond blanc et les peintures de T^glise de Lutry sont un 
excmple unique. Dans un rapport qu*il a adresse a M. le chef du departement de Tlnstruction 
publique» M Naef decrit comme suit les motifs de la premiere ddcoration, celle du XIV*^ siede. 
Des c6tds du *\ord et du Sud, chaque moitid de la voüte en berceau est divis6e c« 
deux zönes horizontales^ superposees, s^parees par de larges frises decorces d*omec»ents 
geom^triques, semblables k ceux du chceur de St-Martin de Vevey (XIV^ sidcle aussi). 
Au Nord, sur !a zöne inf^trieure^ se voit le Christ couche dans sont ombeau, derricre 
lequel se tiennent les saintes femmes; aux deux extremites sont des personnages äg^, 
cn costume oriental, dont Tun pourrait etre Joseph d'Arimathee et l'autre Nicod^roe. 
La zöne correspondante, du cöte mcridional, est celle dont je viens de signaler la 
disparition, et sur Tespace de laquelle j'ai laissO subsister le semis du XV« siecle. A Tangle 
du süd-ouest ü ne reste qu'unc tcte de vieillard, nimbee, insullisante pour en deduirc quoi 
que cc soit de pr6cis relativement au motif de la composition primitive, Par Opposition ä 
la mort du Christ et etant donne le cadre fixe par la zöne^ on pourrait y supposcr la sccnc 
st frequente de TAdoration des Mages, du Bapteme par St-Jean, ou tel autre sujet rapp«^ 
lant un fait important de la vie du Christ, De part et d'autre la zöne superieure est 
occup<^e par des archangcs, debout, sonnant de la trompe. lls s*avan<;ent du c6te de la 
paroi Orientale, sur laquelle est figuree la sc^ne essentielle, celle que les paroissiens devaient 
Sans cesse apcrccvoir au-dessus de Tautel: le Jugameni litmitr. Les archanges sont cn 
rclation intime avcc cette sccne; sdon TApocalypse ils sonnent de la trompe pour faire 
rcssusciter les morts. 

II est infinimeni regrettable que la triste et insignifiante fenfitre moderne de la pre- 
mj^rc moitid du XVIU«^ siecle, pcrc^e au centre de la paroi Orientale, ait fait disparaitre unc 



91 I9W 

grande partie de ce demier tableau. Sous Toculus se trouvait probablement le Christ juge, 
tel qu'il est sculpt6 sur les reprdsentations analogues des portraits d'eglise, s6paraiit les 
e!us des damn^. II ne nous reste que les deux scenes terminales, Tex^cution des deux 
sentences du jugement, ä la droite du juge la receptions des dus par Saint-Pierre dans le 
ciel, ä sa gauche les damnes rötissant dans une Enorme marmite sur les flammes de Tenfer. 

On voit nettement que ces deux tableaux se prolongeaient vers le centre, qu*ils ont 
dte coup^s par la fenötre actuelle, d'oü mon hypoth^se que seul l*oculus existait ä Torigine. 
II y aurait bien des remarques encore ä faire sur ces peintures, sur la na1vet6 des 
repr&entations de la Jerusalem Celeste, figur^e conime une grande eglise fortifide, sur la 
marmite de Tenfer, etc., etc. C'est une dvocation soudaine, saisissante et vraie du moyen- 
Äge dans nos campagnes; quels sont les amis dont le malin peintre a mis les portraits dans 
la marmite de Tenfer? Parmi eux il y a un haut dignitaire eccl^iastique, comme toujours 
dans les reprösentations analogues. En face de ces peintures naives mais vraies, mais sur- 
tout devant ce tableau principal il faut involontairement songer aux vers de Villon: 

Femme je suis povrette et ancienne 

Ne riens ne s^ay: oncques lettre ne leuz; 

Au moustier voy dont je suis paroissienne 

Paradis painct, oü sont harpes et luz; 

Et ung enfer, oü damnez sont bouUuz . . . 

Wallis. Wir haben in der letzten Nummer dieses „Anzeigers" auf die auf einem 
westlich der Kirche von Plan-Conthey gelegenen Felde unternommenen römischen Aus- 
grabungen aufmerksam gemacht. Dieselben wurden während des ganzen Winters, freilich 
anscheinend nicht immer mit der nötigen Vorsicht, fortgesetzt. So weiss die Freiburger 
pLiberte* (Nr. 50 vom i. März 1901) zu berichten: 

»Une douzaine d'ouvriers ont poursuivi pendant tout Thiver le defoncement de cette 
propridt6; et sans cesse, ä partir des substructions ddjä ddcrites, leurs pioches brisaient de 
grandes tuiles romaines ä rebords.* „Un travail en bon ciment rouge fait de brique pil6e 
qui dtait peut-Ätre Vimpiuvium que Ton voit dans les maisons de Pomp6i, a vole en 6clats 
sous leurs coups." 

Ueber das Resultat dieser weitem Grabungen meldet das nämliche Blatt: 
„US ont pareillement constat6, des deux cötds de la propri6t6, deux murs qui par- 
taient de Tedifice rase et se dirigeaient vers TOccident. Et c*est lä, ä Textr^mite de la 
propri6t6, qu'ils viennent de mettre au jour un monument fundraire romain de la plus haute 
iznportance.** „Cest un mausol6e ou une chambre sdpulcrale d'un opulente famille." „Ce 
monument fundraire mesure ä Tintdrieur 12 m^tres carrds. L'6paisseur des murs est de 
0,50 m et 0,90 m. Partag^ de TOrient ä TOccident par un mur, il öftre deux demeures 
s^pulcrales revdtues d'un ciment rouge. 

Le tombeau du nord contient un grand cercueil en plomb, en parfait 6tat de conser 
vation. Le cercueil a 1,80 m de long sur 0,50 m de haut et 0,70 m de large.« „II 
contient un squelette, la tete tourn^e vers TOrient; et pr^s du squelette, les ouvriers 
ont trouv6 trois vases en verre, relativement bien conserves. L'un, particuli^rement interes- 
sant par sa forme trös allongde, avait 6t6 depos6 pres de la tete du defunt. Ces vases 
ont probablement servi ä contenir de parfums." „Le tombeau qui est au midi du monu- 
ment fun6raire a des proportions plus grandes. C'aait un tombeau ä deux places. On y 
trouva des restes d'un double cercueil en plomb et quelques ossements en partie fus^s." 

„Dans la paroi, il y a une esp^e de niche partag6e en deux, dans le genre de celles 
des cohmtbaria de la Via Appia, ä Rome. On y a trouvd des vases en verre qui sont d'un 
beaa travail, mais qui n'ont jamais contenu les cendres des d^funts, puisque leu rs oss e ments 
^taient dans le tombeau. C'^taicnt des unguentaria ou vases ä parfums, comme on en 
trouve dans les catacombes de Rome." 



«iMais cctte opulente familie romainc qui ^ait si pleine de respect pour ses ddunts, 
n*cn avait guerc pour ceux des autres, malgre loutes Ics garanUes quc Ic droit coramun 
de ['Empire romain donnait ä rinviolabilite des tombeaux. CVst avec les riches materiaiu 
d*mi aulrc moiHinient funeraire qu'elle s*cst construit Ic sien. En effet, les deux tombeaux 
sont recouvcris d'immenses pbqucs de cipoün antique et de marbrc jurassique, polies et 
ornees de motilüres. Deux de ces marbres portent des inscriptions funeraires dont Ics 
caractercs fort beaux nous iransporteiit au 1*^»^ ou au 11*- siede apres J^^us-Christ** *Lc 
Premier de ces marbres a i»20 m de haut sur 0,87 m de large. U est ornd de moulurcs, 
de reffigie du defunt et d'uoc ioscription dont Ics caracteres, de la premicre ligac 
surtout, ne laissciit ricn ä envier aux belles inscriptions de Rome." „Malheureusement,, 
on a effaca sur la daile funeraire l'effigie et rinscription des qualites du defunt." 

Der gelehrte Augustiner-Chorherr P. Bourbmt in Saint-Maurice entdüerte die frag- 
mentarische Inschrift wie folgt: 

ATTICVS. 

AVITO . XlltlOjIlltttlt 

///////S. NATIOK/// 

A . XXV . HIC. 

SITVS . EST. 

Die zweite Inschrift hndct sich auf einer grossen Platte aus jurassischem Mamior 
und lautet: 

SABELIVS . SABINll. 
ANNOR. V.M. XXV. 
HlC . SITVS . 
T . F . l . 

Bourban äussert den Wünsch, die Regierung des Kantons Wallis möchte sofort frag- 
liches GrundstQck erwerben, und glaubt, dass es mit geringem Kostenaufwand möglich sein 
würde das Grabdenkmal zu rekonstruieren : 

„Un conserverait ainsi ä Conthey un monument funeraire de Tepoque romaine qui 
n*aurait pas son semblable dans toute la Suisse.*' 

Vgl auch „WalUser-Boie« Nr. ti vom 16. März 1901 und ,,N. Z. Z,*' Nr. 90 BeiL vom 
31. März 1901 (v. R. II.) Dr. Robert HoppcJer. 

Zürich. Im Feuilleton der „Neuen Z. Z." (Beil zu Nr, 127} schreibt J. R. RahD: 
„Ein betrierkens werter Fund ist aüs Rheinau zu melden. Dass das Erdgeschoss des Süd- 
turmes die Reste einer romanischen Anlage enthält, war bekannt, und zwar liess die 
Beschaflenheit d^v Hinterwand darauf schliessen, dass hier das Portal der 1705 abge- 
tragenen Kirche erhalten sei. Diese Vermutung ist jetzt zur Gewissheit geworden. Eine 
Besichtigung der Wiederherstellungsarbeiten, die gegenwärtig an dem genannten Turme 
vorgcnotmncn werden, bot die Gelegenheit zu einer erneuerten Untersuchung jene*. 
Teiles» bei welcher Herr Kantonsbaumeister H. Fietz in zuvorkommender Weise dem 
Wunsche entsprach, dass ein Teil der Mauer, mit der im Jahre 1572 jener Eingang 
verdeckt worden war, entfernt werden möchte. Bald lagen die volle Profilierung des 
Rundbogens und die Fortsetzungen seiner Kapitale frei, aber noch Wichtigeres folgte 
nach: es stellte sich heraus, dass hinter diesem Mantel das Bttgenfeiä samt seinem Schmucke 
erhalten war. Die 1,12 Meter hohe und 2,31 Meter breite Platte ist über und Ober mit 
Skulpturen geschmückt, welche die üppigste Reife des romanischen Stiles belegen. Den 
Seheitel des Halbkreises nimmt ein Rundmedaillon ein, in welchem das Lamm Gottes mit 
dem Kreuze steht. Darunter, auf der Basis des Tympanon, steht ein bärtiger Kopf und 
zwischen diesem ^und dem Medaillon geht von der Mitte ein Gewinde von Ranken imd 
Blättern aus, das wie eine Laube die ganze Fläche über^pinnt. Diese kunstreich ver- 
schlungenen Spiralen, die zu beiden Seiten einen pyramidalen Atil^bau von symmetrischer 



1 



93 tm 



Zeichnung bilden^ sind mit Tieren ausgesetzt; zwei Tauben zur Rechten des Lammes 
sind gegeneinander gestellt; Einzelfiguren von VierfQsslem, deren Gattungen sich vor- 
erst noch nicht bestimmen lassen, nehmen die übrigen Windungen ein, zu unterst zwei 
Drachen, die sich, von einander abgewendet, mit ihren Ringel leibern verschlingen und 
wiederum beiderseits ein Löwe, der seinen Sprung nach dem Kopf in der Mitte 
nimniL Es liegt nahe» auf einen symbolischen Gedanken zu raten und diese Dar- 
steUungen als Triumph des Lammes ober die Welt mit ihren Sonden und Begierden zu 
deuten. Der Stil der Ornamente und ihr kunstreiches Gefüge erinnert an die Zierden, 
welche den jetzt im Landesmuseum befindlichen ehernen Leiichterfuss aus Rheinaii 
schmücken. Er 'weist auf die zweite Hälfte des XU. Jahrhunderts hin, womit auch die 
Eleganz der architektonischen Gliederungen^ des umrahmenden Rundbogens, ]die Würfel 
kapitale mit dem Blattschmuck ihrer Deckgesimsc und die schlanke Bildung der Stützen 
im Einklänge stehen. Seltsamerweise fehlt ein Sturz; das Bogenfeld hebt unmittelbar über 
den Kapitalen der Dreiviertelssäiilen und der sie begleitenden Kanten an. Auch von 
Konsolen ist keine Spur vorhanden. Diese mangelhafte Struktur ist die Ursache ge- 
worden, dass ein Riss von oben bis unten durch die Mitte der Platte geht. Ihr Schmuck 
hat auch sonst gelitten. Infolge ihres hermetischen Abschlusses von freier Luft ist die aus 
grauem Sandstein gearbeitete Lünette vermürbt und es wird nur mit äusserster Sorgfalt 
die vollständige Säuberung und die Erhaltung des Reliefs zu bewerkstelligen sein. Das 
ist schon deshalb gefordert, weil hier zu Lande ausser der Gallenpforte des Basier Münsters 
kein grösseres Kirchenportal aus romanischer Zeit mit seinem Bogcnfelde erhalten ist 

Auch ein zweiter Fund, den unser Besuch erbrachte, lässt weitere Einblicke in die 
Baugeschichte des Stiftes erwarten. Bis zum Jahre 1705 halte an Stelle der jetzigen Kirche 
eine dreischiflige Pfeilerbasilika bestanden. Bisher aber schien ausser dem Portal jegliche 
Spur davon verschwunden zu sein. Jetzt steÜl sich heraus, dass auch eine Stütze der 
sOdtichen Pfeilerreihe erhalten blieb. Sie bt 6,65 Meter hinter dem Turme vermauert und 
auf zwei Seiten, südlich im t,Schenkkeller'* und gegenüber in dem zwischen ihm und der 
Kirche gelegenen .^Bruderhölli" sichtbar. Sie hat eine attische Basis und zeigt das gleiche 
Profil im umgekehrten Sinne als Deckgesimse wiederholt, Auffalknderweise misst der 
aus Quadern gemauerte Leib nur 2^17 Meter Höhe, woraus gefolgert werden möchte, dass 
nach Analogie anderer Benediktinerkirchen der westliche Teil des Schiffes von zweige- 
schossiger Anlage gewesen sei/* 

Eine ausführliche Beschreibung mit Abbildung ist vom Autor für die nächste Nummer 
des Anzeigers in Aussicht gestellt. 

— In Ober-Siammheim ist dem um die Erforschung lokaler Geschichte und Alter 
thüfner verdienten Herrn Pfarrer A Fartter, der Nachweis der längst verschollenen Sanc/ 
AMHa-KaptHe gelungen, worüber wir ihm die nachlolgenden Mitteilungen verdanken. Es wird 
der Kapelle zum erstenmale in den Steuerbüchern im Staatsarchiv Zürich zum Jahre 1498 
gedacht und eine ebendaselbst befindliche Urkunde vom 21. Januar 1510 berichteti sie sei 
^etrt nüwlich in die Ehre St. Anna gebuwen'* (vgl. im Uebrigen A Farner, „Altes und 
Neues*, 1899, pag. 10). Sie hat sich auch bald eines starken Zulaufes von Wallfahrern 
erfreut, ist dann aber, unbekannt wann (vgl. a. a. O., pag. 15) abgebrochen und selbst ihre 
Lage vergessen worden. Der Flurname „Ölenberg**, den das östlich davon gelegene^ un- 
Itiiftclbar daran anstossende Rebgelände führtj hat den ersten Hinweis zu ihrer Wieder- 
entdeckung gegeben. Dort, am Fusse eines Seiienthälchens, soll bis in das 19. Jahrhundert 
hinein eine halbkreisförmige feste und dicke Mauer gestanden haben. Den Standort der 
St- Annakapclle selber giebt ihr Entdecker folgen de rmassen an ; «Ziehen Sie vom südlicher 
gelegenen Gehöfte St, Anna der topographischen Karte eine gerade Linie nach dem nörd- 
licher gelegenen und verlängern Sie dieselbe über dieses hinaus, gut soweit, als die beiden 
Höfe von einander entfernt sind^ so wird der Endpunkt dieser Geraden so ziemlich das 
Portal der Kapelle treffen.'* Das allseitig nur 43cm. dicke, aus Kieseln mit geringerem Zusatz von 
Saa^teineo gemauerte Grundwerk das 25 cm. unter der Erdoberfläche in einer Höhe von durch* 



94 190' 

schnittlich 1,50 Meter getroffen wurde, bildet ein unregelmftssiges Rechteck, dessen östlicher Ab- 
schluss die Form eines ganz leichten, höchstens i5 Cm. ausgewölbten Segmentes hat Die 
lichten Masse betragen 6,78 resp. südlich 6,25 Meter Länge, zu 3,45 östlicher und 3^ Meter 
westlicher Breite. An der Innenseite beider Langwände sind 15 Cm. unter der Oberkante 
und je z,6o Meter von den Ecken entfernt zwei Balkenlöcher angebracht Sie haben ohne 
Zweifel für die Lagerhölzer eines Bretterbodens gedient, denn keine Spur von Pflasterung, 
oder eines Estrichs fand sich vor, wohl aber eine bis in die Fundamenttiefe reichende Auf- 
schüttung von Kieseln, Sand- und Tufsteinen, Hohlziegeln, Glassplittern und Thonscherben, 
die entweder Trümmer des Hochbaues oder ursprüngliche Ausfüllung zur Trockenhaltung 
des Holzbodens sind. Andeutungen einer Thüröffnung an der Westseite sind nicht mehr 
vorhanden, weil eme Wasserleitung mitten durch die Kapelle gezogen worden ist Da- 
gegen legt sich der Eingangsfront, etwas schmäler als diese, das Gemäuer einer recht- 
eckigen Vorhalle von 1,33 Meter Tiefe und 2,44 Meter innerer Breite vor, die des abfaUen- 
den Terrains wegen zwei Stufen tiefer als die Kapelle lag. Auch hier ist die Beschaffen- 
heit der Eingangsfronte nicht mehr zu erkennen. Reste anderweitigen Gemäuers, vermut- 
lich einer ehemaligen Umfriedigung, sollen vor Jahren in einer Entfernung von je 10 Schritt 
von der Ost-, Süd- und Nordseite der Kapelle gefunden worden sein. R. 

— Trotz den mehrfachen Pfahlbautenstationen am Greifensee werden dort doch nur 
selten bessere Funde gemacht. Bei dem tiefen Wasserstande dieses Winters sind nun 
wieder eine Anzahl hübscher Artefakte der Steinzeit gefunden worden, u. a. mehrere der 
seltenen Nephritbeilc. Auch vereinzelte Bronzestücke: Messer etc. sind uns vom Greifen- 
see zugekommen. 

In Siggenthal wurde beim Fällen eines Baumes eine grosse bronzene Lanzenspitze 
mit prächtigen Verzierungen entdeckt. Dieselbe ist mit schönster Patina versehen. 

Die Sammlung der ehemaligen Pfahlbauer-Gesellsch'aft Zürich, welche wir vor einiger 
Zeit erwarben und die speziell aus hübschen Funden von der Niederlassung WoliiskofeH 
und ,£rosseft Hafner" sich zusammensetzt, ist inzwischen in den Besitz des Herrn 
Kommerzienrat Stützel in München übergegangen. Das wertvollste Stück dieser Sammlung 
besteht in einem Jadeitbeil von Steckborn. Dieses Beil dürfte das grösste in der Schweiz 
gefundene sein. N. Z,'Z. 14. III 1901. H. M. 



IV. Verschiedene Mitteilungen. 

Ueber „gewachsene Qefässe**. 

Auf Seite 289 des Jahresganges 1900 brachte der „ Anzeiger" eine Mitteilung aus der 
Zimmer'schen Chronik über gewachsene Gefässe. Als weitem Beitrag hatte Herr Staats- 
archivar Dr. Th. von Liebenau in Luzern die Güte, uns auf eine Aufzeichnung des be- 
kannten Luzemer Staatsmannes und Historikers Renn ward C^'sat (1545—1614) aufmerksam 
zu machen, worin derselbe mitteilt, was er alles (1506) in den Sammlungen seines Freundeis 
Dr. Felix Plater zu Basel gesehen habe und dabei auch folgendes erwähnt: 

ijirdene krüg oder häfen, so an einem ort lutschen Lands erst by unsem zyten er- 
funden, wölche selber sua sponte uss würkung der natur uss der Erden herftir wachsoit 
glych wie die Erdschwämm oder Pfifferling. Wenn dann die Sonn ein Tag daran schynty 
so sind sy schon in jrcr Vollkommenheit, verglychent sich auch den geschirren, so die 
Haffner machent, allein das dise nit so suber glatt abzogen, sonder ettwas dolpechter sind. 
(Vrgl. Basler Jahrbuch 1900, S. 90). Rۊ. 

Anklänge an Mutferrecht ? 

Nach einer Mitteilung des Herrn Bezirksrichter Günthert in Adlischwyi kommt es 
an der Albiskette vor, dass Familien vom Volke anders benannt werden^ als sie aach den 



95i9oi 

Civilstandsregistern, den PfarrerbOchern oder andern amtlichen Urkunden wirklich heissen. 
So lebt auf Buchenegg Stallikon eine Familie Huber, die man nicht unter diesem Namen 
kennt, sondern die von Jedermann Ringger genannt wird ; ferner eine Familie Nievergelt, die 
man Buchmann nennt, und in Wollishofen eine Familie Hausheer, die man Zeller heisst 
und das seit unvordenklicher Zeit, jedenfalls schon seit dem i8. Jahrhundert. Der Umstand 
erklärt sich durch die amtlich beglaubigte Thatsache, dass der betreffende Hof froher wirk- 
lich im Besitze einer Familie mit dem im Volke immer noch festgehaltenen Namen stand, 
dass er dann an eine Tochter dieser Familie übergieng, welche einen Mann mit dem neuen 
Namen (Huber, Nievergelt, Hausheer) heiratete. Obgleich nun ihre Söhne durchaus eheliche 
waren und auch niemandem einfiel, dies zu bezweifeln, Hess sich das Volk doch nicht nehmen, 
jene Söhne nach der Mutter zu benennen und hält diesen Mutternamen nun auch in den 
folgenden Generationen fest. Es würde nteressant sein, zu vernehmen, ob diese Er- 
scheinung sich auch in anderen Gegenden unseres Landes findet. A. Schneider. 

Zur urnerischen Münzgeschichte. 

Die Mediationsakte vom 19. Februar 1803 hatte das Münzrecht den nunmehr wieder 
souverän gewordenen Kantonen zurückgegeben. Indessen sollte gemäss Artikel 7 derselben 
alles Geld in der gesamten Schweiz „auf einen gleichen, von der Tagsatzung zu bestim- 
menden Fuss geschlagen werden." Thatsächlich wurde am 13. Juni 1804 von den meisten 
Kantonen ein am 11. August 1803 gefasster Beschluss über Einführung eines einheitlichen, 
schweizerischen Münzfusses ratifiziert '). Bald darauf ward von der eidgenössischen Tag- 
satzung eine besondere Kommission zur Ausarbeitung eines das schweizerische Münz- 
wesen beschlagenden Berichtes niedergesetzt •). Während voller 5 Jahre war dieselbe an 
der Arbeit. Am 27. Juni 1810 konnte sie ihr Gutachten vorlegen •). Definitive Beschlüsse, 
allgemein verbindlicher Natur, wurden indessen damals noch keine gefasst^ dagegen u. a. in 
Erwägung gezogen, ob nicht die Ausmünzung der Scheidemünzen für eine Probezeit von 
etlichen Jahren dem Landammann der Schweiz zu übertragen sei*). 

Letzterer Umstand mag zweifelsohne den Landrat von Uri veranlasst haben, in seiner 
Sitzung vom 6. August 1810 eine Kommission zu bestellen, der das gesamte Münzwesen 
des Kantons unterstellt und die speziell beauftragt ward : „soviel möglich das Münz-Regale 
[zu] benutzen." Nur in ganz wichtigen Fällen lag der endgültige Entscheid beim Boden- 
rat»). 

In diese Münzkommission wurden gewählt, Landammann Karl Müller, alt Landam- 
mann Megnetf und Landesstatthalter Arnold*). 

Der Ueberlieferung zufolge soll das Kupfer zur Ausprägung der neuen Scheide- 
münzen der grosse kupferne Kessel „des durch Naturereignisse zerstörten Mineralbades 
im Brunnithal, einem Seitenthal des Schächenthales", geliefert haben '). 

Diesmal hat die Volkstradition Recht. Denn es wird durch das Protokoll des urner- 
ischen Landrates bestätigt, dass dieser in derselben Sitzung, da er die eben erwähnte Kom- 
mission ernannte, erkannt hat: 

„Dass das Badkesben in Unter sc hächeti, als auch allenfalls ein oder andre Kanonne 
dazu benutzt werden möge*)/' 



') Repertorium der Absch. der eidg. Tags. a. d. J. 180^1813. 9. Aufl. ; bearb. v. J. Kaiser, S. 240. 
») Repertor. S. 243. 

*) Repertor. S. 346. — Vgl. das gedruckte „Manzkommissional'Gutachten" (4*^ o. O. u. J. [xBio]). 
*) Repertor. S. 247. 

•) LandratS'Protok. v. 6. August 1810 (Staatsarchiv Uri). 
•) Ebendas. 

') Coraggioni, Münzgcschichlc der Schweiz (Genf 1896) S. 65, der seine Angaben Karl Franz Lusser, der 
Kanton Uri, histor., geogr., sUtist geschildert (St. Gallen und Bern 1834) S. 119 entnommen. 
*) LandraU-Protok. a. a. O. 



g6 1900 

Die Münzen wurden zum Teil in Bern, zum Teil in Luzern geprägt *). Bereits zu 
Anfang März 181 1 war die Kommission in der Lage, dem in Altorf versammelten Fron- 
fasten-Landrat zu berichten: „dass die für unsern Kanton geschlagene Münz nun ausgeprägt 
und hier angelangt sey.'' Dieselbe bestand in 4 Bäzer, 2 Bäzer, Bazen, */• Bazen und 
Rappen." Vgl. Coraggioni a. a. O. S. 65 und Tafel XVII. Nr. 14, 15, 18, 20, 23. Das 
Münzkabinet des Landesmuseums ist im Besitze trefflich erhaltener Exemplare. 

Seit der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts waren im Urnerlande keine Scheide- 
münzen mehr geprägt worden. Da die neuen Stücke dem von der Tagsatzung seinerzeit 
angenommenen Münzfuss angepasst worden, war der Landrat genötigt, das Verhältnis der- 
selben zum landläufigen Geldkurs zu fixieren. Es geschah dies in nachfolgender Weise: 

Das 4 Batzenstück ward gleichgesetzt 13 ;■{, das 2 Batzenstück = 6,3 ß, der Batzen 
= 3,2 /:/ oder IG Rappen, der halbe Batzen = 1,4 fi oder 5 Rappen. „Der Rappen als 
Rappen nach hiesigem Cours 9 für i gewöhnlichen Batzen, nemlich 120 sind gl. i.* 

Im weitern wurde gesetzlich bestimmt, dass je zwei einzelne Batzen zusammen den 
Wert von 6,3 ,-i, je vier zusammen einen solchen von 13 {i a. Wäh. u. s. f. repräsentieren 
sollten; „einzig bey 3 Bazen die Ausnahme, dass nur 3 zusammen und nicht mehr ,J 10 
gelten sollen •).« Dr, Robert Hoppeler. 

Un livre d'amis veveysan. 

Le Musee historique de Vevey vient d'acquerir un f^livre d'ami^' (Über amiconim) 
tr6s-curieux ayant appartenu, en 1597 ä Michel de Tavely ancien bourgeois de Beme et de 
Vevey et qu*on pcut sürement considerer comme ayant etc illustre par Claude de Villarzd, 
peintre veveysan. Rien que sa couverture en peau, ä fermoirs cass<§s, parsemte de fleuß 
de lys, de feuillages et d'arabesques d'or est tout un poöme. 

Ainsi que les autres recueils de ce genre, il renferme les armoiries des amis et coa* 
naissances du propri6taire, accompagnees de devises et citations ^crites de leur main et 
accompagn^es de leur signature, meines parfois de miniatures, plus ou moins fines suivant 
le talent du peintre qui les a faites, et rappelant un souvenir connu. — C'est absolumeDt 
ce que fönt encore aujourd'hui la plupart des jeunes pensionnaires, qui poss6dent presquc 
chacune un album de Souvenirs, oü signent leurs amies, en y collant une fleur s^che. — 

On employait pour composer ces y,libri amicorum** des albums de papier blanc, ou 
quelqu'ouvrage d'un auteur aime, en le faisant interfolier de pages blanches. Parfois on sc 
servait de livres speciaux, dont on n*imprimait les pages que sur un seul cöt6. (LitX^^ 
Höklin.) 

Dans notre livre d'amis veveysan, on trouvera outre les armoiries de quelques p^*" 
sonnages etrangers connus, comme le comte de Sujse, les princes d* Anhalt, d'Anghre etc. ct^*. 
surtout Celles de familles bernoises et de quelques familles veveysanes. On me permettra 
d'insister plus spdcialement sur ces dernieres. — 

♦ ♦ 

On remarquera d'abord, au commencemcnt de l'ouvrage, les six premiferes pag^^ 
qui ont ete ajoutees apres coup sur un grossier onglet de toile et dimt la pagination n^ 
rentre pas dans cellc du rcste de Talbum. — 

Apres les armes de la faniille de Tavel, qu*on retrouvera ä la page 68, on trouvera 
deux fins portraits ä chcval de Michel de Tavel, le prcmier lorsqu*il dtait ,^hevaux ligtr*'* 
de Henri IV ä Paris. 

f,Je may faict peitidre en cestc sorie pour avoir Vhonneur destre en la compagnü ^-^ 
chevanx leger s et gar des ordinaires de Henry le grand: Roy de france et de Navarre — ." 

') Coraggioni a. a. Ü. S. 65. 

•) LandraU-Protok. v. 4. März 181 1 (SUatsarchiv üri). 



97:i9oi 

Actum, äiParis k /w« 'j\itt 1602. Michel De Tauel. 

Le second portrait est encore plus interessant au point de vue veveysan parce qu'il 
repr^sente Michel de Tavel, comme abb6 de la Socieie des echarpes jaunes (anciennement de la 
Concorde) avec le guidon de cette confr6rie. „Par se mien portraict je veux donner ä entendre 
comme jay le guidon et drappeau de la compagnie de la concorde des fr^res de TAbbaye 
de Vevey." 

Voici, trte-effac6es, les armoiries du cotnte de Suze. Ce fut probablement un des chefs 
militaires du proprietaire, si Ton juge de la place d'honneur qui lui a €t€ donn6e en tdte 
du livre. 

Ensuite vient une liste des avoyers de la ville de Berne et de familles bemoises ou 
veveysanes dont on retrouvera les noms dans la table et Tindex alphab6tique dress6s plus 
bas. — 

A cöt6 de leur valeur h6raldique, les livres d*amis pr6sentent un int^r^t artistique 
diff6rent suivant le m^te du peintre qui les a ex6cutes. — Ici il est Toeuvre de notre peintre 
Claude de Villarzel, Comme on le verra, ä la page 98, notre artiste a choisi pour devise. 
Les Appasts mondains ne nous fönt que sentir 
Aprte un vain plaisir, sinon un repentir. 
Sous V€cM de gueule au chef d'argent, charg6 d'un lambel d*azur ä cinq pendants 
ayant pour cimier un ours issant de Sable, on peut lire: 

»Pour temognage de Tamiti^. A noble et g6n6reux S>* Michel de Tavel je lui ay 
paint ses armoiries.* „Ce 20 octobre 1605 ä Viuay/ 

Claude de VülarseL 
Boiu*geois de Herne. 

Comme on jugera d'apr^s le coup de pinceau, except6 quelques-unes, facilement 
reconnaisables, toutes les autres peintures sont du möme auteur — 



Voyons maintenant quelques familles veveysanes, ou interessant specialement Vevey : 

/. Barbier, p. 80. — Si Ton consulte ä ce nom le Jivre des bourgeoisl" de la maison de 

ville de Vevey, on trouve comme seule indication : ,ftres ancienne." Avec la devise »De peu 

je me contente, Esp6rant mieux", voici la croix de Lorraine d'argent sur fond de gueule. 

Cctte möme croix patriarcale, aux deux croisillons in6gaux se voit encore sur la porte 

d'une maison de la Rue du Lac ä Vevey. Claude Barbier etait peut^tre un des soldats de 

de Tavel, d'aprte ce qu'il a 6crit dessous : „En temoignage de la brave amitie que je porte 

^ N. Michel de Tauel seig^ command. Je luy ay presente mes armoyries. Souscript ce premier 

^ Jatmier 1610. — Claude Barbier, — '' 

2, de Blonay p. 66. Sous la devise : „An Diev tout tiens." En f6vrier 1606, „En temog- 
*^e de f amitie que je porte ä noble Michel de Tauel mon cousin. Je lui ay donne mes 
^^Qyries et me suis signe/* G, de Blonay. — 

Au feuillet suivant (p. 67) et avec le charmant couplet: 

Tous les plaisirs hümains sont pure vanit6 
DIgnorance et d*erreur toute la terre abonde 
Mais constamment aytner une sainte beaut6 
C'est la plus douce erreur des vanit^s du Monde. — 

On trouvera la charmante miniature d'une petite dame blonde en robe noire et rouge, 
avec haute coUerette et portant collier et 6ventail. C'est probablement la femme de Theu- 
rcttx proprietaire de l'album: 

ttNobili et generoso D'^ Michaelo a Tauello cognato suo carissimo Amicitiae et amoris 
graüa scripsit haec. Mense Decembri 1606^ 



98 19*1 

Gabriel a Blonay d'HauteviiU. Fmdwris Mag species id habiHi concordia secum ut qm 
tuHgit Amor nmgai et ipsa manuä'*. 

j^ de Joffreii p, 68. Sous l'^cu bien connu de cette famille on lit: 

,,En temoignage de la Jratermlk amiiie qui me fiorfe ä man cousift nohle Mkhti lÄj 
Tavel fai fait present de mes armoiries ei me suis soubscript ä Vive*/. 1606.'* De Jeffrey. 

4. Freud homme fPrud homme) p. 99. Ce nom n'est pas cite dans le liste des famiUc 
bourgeoües de Vevey, donoee par Perrei, chatelain de Villeneuve en 1716. En champ d'aza 
V€qu porte 3 atoiles d'or: 

„De l^ger vouloir loogue repentance 

U n'ya meilleur rempart que la conscience.* 

On le voit, Jacob Prod homme etait alors pharmacien ä Geneve: 
^^Nobili et generosissimo Domino Michaela de Tamlio honoraiissimo compatri sua. 
ptrpetuam memoriam kaec inscripsit. Jakobus Prudhommes^ GtHSvensis phmrn 
vimacensis. Dies decima octava februarii anno domini. 1608:* 

Noions encore, ä la page 63, quoiquVlIe ne soit pas veveysanc, rarmoirie de la famillÄ 
Kikhberg qui a cette ^poque avait le balliage de Vevey et de Chillon {tunc tempore prefectoX 
vittiacens. ei Chillion). Meiitionnons pour finir, une delicicuse plaquette d" Antone C/iopms,^ 
dadi^ ä ses trois eleves Jean Gerard Philippe, Henri Albert et Pierre Louis Tavel, probable- 
ment alors en sejour d'dtudes ä Geneve. (1715). ^» ^• 



Einige MitteUungen zur Baugeschichte der Stifts- und Ffarrkirche St. Laodegar 

im Hof zu Luzern. 

Nach der Sage soll Wichard, ein Bruder des Herzogs Rupert von Alamannien, das | 
ßenediktinerklösterlein »m Hof zu Luzem als Söhne für seine indirekte Beteiligung am 
Morde des Bischofs Leodegar von Autun (f 685) gestiftet haben. Zwar hat diese Ueber- 
lieferung vor der kritischen Geschichtsforschung nicht Stand gehalten, doch verehrt ] noch 
heute die Bevölkerung den genannten Heiligen als Patron der Kirche, während das Stift 
das Wappen der Herzoge von Schwaben zu dem seinigen machte. 

Am 27* März 1633, am hl, Osterfeste brannte am Abend und die Nacht ütierTdie alte 
ehrwürdige Kirche bis auf den Grund ab. Das Feuer entstand durch unvorsichtiges 
Schiesseo auf die vielen Dohlen, welche sich im Kirchendach einnisten wollten. Mit der 
Kirche giengcn auch die Türme mit den Glocken, die Fricdhofskapellc St. Leonhardi dcf 
Kreuzgang; die an denselben gebauten Stiftsgebäude und die Stiftsbibliothek zu Grunde, 
Gerettet wurden die Paramente und der Kichenschatz 

Von der alten Stiftskirche giebt es noch mehrere Abbildungen, so auf den Malereien der 
KapellbrQcke, dem Stadtplan von Martin Martini von 1597 und dann in einer in mchrercß 
Exemplaren bestehenden Darstellung des Brandes selbst. Diese verscliiedenen Abbildungen 
stimmen in den Einzelheiten nicht genau Qbereiup und auch die Ueber liefer ung Cysats. 
der Bau habe aus sieben verschiedenen Gebäuden bestanden» von denen" eines nach dem 
andern erbaut worden sei, und der St. ßencdiktskapelle lege man ein Alter von 800 Jahren 
beif ist nicht ganz verständlich. 

Eingreifende Umbauten wurden seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vorge- 
nommen (VrgL v. Ltebenau, Das alte Luzem, S. 305 ff). Als besonders schön wird die 
innere Ausstattung der Kirche geschildert. Den Taufstein soll ein Meister namens Lux crstelU 
haben, dessen kunstreicher Hand auch der Brunnen auf dem Fischmarkte zugeschrieben ' 
Im Jahre i6a8 wird dann abermals eines neuen Taufsteines gedacht, för den man 
Steinmetzen Hans Rieder 150 Gulden zahlte; dessen Deckel, eine Arbeit des Bildhauer 
Nikiaus Geisselcr, kam auf iio Gulden zu stehen und schliesshch zahlte man dem Male 
Hans Ulrich Wegmann fOr die Vergoldung noch 140 Gulden. Prachtvoll sollen die Chor- 



99 I90I 

Stühle gewesen sein, wofür Meister Georg Forster, ein in Luzem eingebürgerter Württem- 
berger 1307 Gulden erhielt. Die Bildhauerarbeit daran rührte von Meister Hans von Cleven 
her^ dem man später das Bürgerrecht schenkte (von Liebenau, a. a. O. S. 307). Mit Glas- 
gemälden wurden die Kirchenfenster 1475 und 1546 geschmückt. 

Eine besondere Dekoration bildeten 33 Epithaphien, welche aus der Zeit von 1471 
bis 1607 stammten. Das Standbild des Stifters Herzog Wichard und dessen Grabmal 
waren ob dem Portal angebracht. Nachdem schon 1581 der Lettner entfernt und durch ein 
Eisengitter ersetzt worden war, wurde von 1584— 1590 abermals an der Kirche viel renoviert 
Sie erhielt ein neues Hochaltarbild, Christus am Oelberg darstellend, welches 1000 Gulden 
kostete und einen neuen Bodenbelag, da der alte Boden „unartig und uneben" war. Dabei 
stiess man auf eine ehemalige Krypta. Auch einer neuen Holzdecke und einer neuen Be- 
stuhlung wird gedacht, nach deren Erstellung Männer und Weiber streng gesondert dem 
Gottesdienste beizuwohnen hatten; überdies wurde auch noch geweisselt. Zu der schon 
vorhandenen Orgel kam 1584 — 1586 eine zweite, woran der Staat einen Beitrag von 1200 
Gulden leistete. Auch der Kreuzgang hatte sich einer gründlichen Renovation zu erfreuen. 

Cysat zählt 14 Altäre auf und sagt uns dabei, wem sie geweiht waren; über ihre 
Bauart und Ausstattung aber vernehmen wir kein Wort. Wir müssen uns darum mit dem 
begnügen, was der Zürcher Arzt Konrad Durst von den Kirchen Luzems im allgemeinen 
sagt, „sie seien schön gewesen," (Ueber ältere Darstellungen der Hofkirche vgl. J. Zemp, 
Die Schweiz. Bilderchroniken, S 246 ff.) 

Ein Oelberg auf der Westseite des nördlichen Turmes soll im Jahre 1508 von einem 
Meister Anton gemacht worden sein. 

Nach dem Brande wurden vom Rate sofort Anordnungen zum Neubau der Kirche 
getroffen, so dass schon am Verenatag 1633 der Grundstein gelegt werden konnte. Als 
Baumeister oder Architekt wurde Frater Jakob Khurer S. J., ein gebürtiger Ingoldstädter, 
aus dem Collegium in Ensisheim berufen. Näheres über diesen talentvollen, fachgebildeten 
Mann weiss man in Luzem nicht. Unstreitig zählt er zu jenen „Künstlern in der Kloster- 
zelle", auf welche sich die geistlichen Orden viel zugute thun, die in der Welt gebildet 
aber weltmüde geworden, sich in einen Orden zurückzogen, um dadurch ungestört ihrer 
Kunst leben zu können. Die Zunft zum Affenwagen (heute Casinogesellschaft) in Luzem 
emannte F. Khurer zum Ehrenmitgliede. Er soll sich auch fleissig an deren Unterhaltungs- 
abenden eingefunden haben. 

Grösser und schöner als die alte Kirche gewesen, sollte die neue erstehen und um 
sie dem damaligen Zeitgeschmacke anzupassen, nach den Regeln des toskanischen Stiles 
gehalten werden. Mittelschiff und Chor sind gleich hoch, nur wurde der Boden des Chores 
etwas gehoben; eine Apsis schliesst ihn ab. Die bedeutend niederen Seitenschiffe finden 
beim Chorbogen durch eine Wand ihren Abschluss. Da hinter baute man 'mit Anlehnung 
an die Chorwände beidseitig Sakristeien, die sich in ihrem oberen Geschosse sowohl gegen 
Chor als Seitenschiffe öffnen. 

Ueber die Innendekoration der Kirche geben Tafeln V und VI genügende Auskunft. Sie 
beweisen, dass man sich im Einzelnen nicht strenge an den toskanischen Stil hielt, wie dieser 
in den sogenannten Säulenbüchlein gelehrt wurde. Die geweisselten Wände und Gewölbe 
erhielten als Dekoration eine reiche, grau in grau gehaltene Ornamentation; dem Sandstein 
dagegen Hess man seine Naturfarbe. 

Der innern architektonischen Anordnung entspricht auch die äussere. Auf den ziem- 
lich hohen, in Haustein ausgeführten Sockel sind Lesenen gestellt, welche das kräftig ge- 
gliederte Dachgesims der Seitenschiffe stützen. Ein gleiches Gesims schHesst das Mauer- 
werk des Mittelschifles ab. Die Fenster sind mit einer in Stein ausgeführten Umrahmung 
verziert. Da die Kirche um die Mauerdicke breiter ist, als die alte Turmfassade, wurden 
die vorspringenden Mauerecken bis auf eine ansehnliche Höhe in Quadern ausgeführt, was 
dem Bau Ansehen und Solidität verleiht 



ICK» I9»t 



Die Türme, wenn auch vollständig ausgebrannt, hatten, soviel man sehen konnte, i 
nicht gelitten tmd sollten deswegen beim Neubau beibehalten werden. Der Architekt trug 
dagegen Bedenken r man habe Beispiele genug, dass ausgebrannte Mauern, die scheinbar 
noch solid waren, doch später auseinander gefallen seien. Der Rat beruhigte ihn damit, 
dass er einen Revers ausstellte, wonach sowohl Khurer, als der Orden jeder Verbindlich- 
keit enthoben sein sollte. 

Die Erhaltung der Ttlrme bedingte auch die Beibehaltnng der originellen Anordnung ] 
der alten Fassade, Nur wich man bei der neuen Vorhalle und der St. MichaelskapcUe | 
darüber insoweit ab, als diese Teile in reichem Baroko gehalten wurden, In den Seiten- 
wänden der Vorhalle ob den Türen in die Türme sind je drei Nischen, in welche man die 
Statuen der Stadtpatrone anbrachte, die, wie vor eJ wähnt, an der alten Fassade ob dem 
Bogen aufgestellt waren. Es sind die Heiligen Leodegar, Mauritius, Benedikt, Petrus und 
Nikolaus. Die sechste Statue, der hl, Clemens, stammt aus späterer Zeit. Die Vorhalle 
erhielt die gleiche Bemal ung wie das Innere der Kirche. 

Der horizontale Abschluss mit dem Pultdach und Türmchen wurde erst 1788 mit 
dem gegenwärtigen Giebelaufsatz und dessen s^nnbolischen Emblemen auf die Bibel ersetzt 
Das Zifferblatt der Kirchenuhr war ursprünglich auch am nördlichen Turme angebracht 
Hoffentlich kehrt man bei der Renovation der Fassade wieder zur alten Form zurück, 
welche die Hofkirche Jahi'hunderte lang durch ihre schöne Eigenheit auszeichnete. 

Der Kirchenbau wurde in sechs Jahren ausgeführt. Als Fr, Khurer Luzern verliess, er 
hielt er neben den üblichen Dankesbezeugungen für vorzüglich geleistete Dienste als Ge» 
schenk 100 Dukaten und ein Reitpferd. Die Stift St, Leodegar ihrerseits setzte ihm eine] 
ewige Jahrzeit. 

Als Bauherr, welcher die nötigen Arbeiten anzuordnen und 2u überwachen tiaUe^l 
war vom Rate sein Mitglied Landvogt Ludwig Meyer bestellt worden. Sein Bauregleincntr| 
dem streng nachgelebt wurde, kennzeichnet ihn als einen geschäftsgewandten Mann. 

Architekt und Bauherr erhielten an der West wand der Seitenschifte Denkmäler, [hrel 
lebensgross gemalten Bildnisse tragen die Inschrift „Jakob IChurer der Societät Jesu Religrosusj 
und Baumeister des löblichen Stiftes St, Leodegarii und Mauritii all hier zu Ludern. IstI 
gebürtig von Ingolstadt in Baiern. Seines Alters 55 Jahr, Anno 1639. — ^Landvogt Lud*l 
wig Meyer, des Innern Raths, Bauherr dieses würdigen Gotteshauses." — Meyer starb lööjjj 
73 Jahre alt. 

Der Bau (Altäre, Kan2el u. s. w. inbegriftbn) kostete 212,889 Gulden 29 Schillinge^ 
EHe Fuhrlöhne sind mit 26^000 Gulden aufgeführt. Die Steine wurden bei St, Antoa ge*| 
brochen, d. h. in der Anlage des Löwendenkmals. 

Die innere Ausstattimg, mit Ausnahme des Hochaltars, ist in deutscher Spatrenaissance J 
und im Barokstil durchgeführt. Der Hochaltar ist eine Vergabung des päpstlichen Gcsand 
Ranudnius Scottus. Die Zeichnung dazu wurde in Rom entworfen. Er ist in schwarzem] 
und weissem Marmor ausgeführt; in letzterm alle oniameutalen und figürlichen Teile. DafJ 
Altargemälde, Christus am Oelberg darstellend, ist von Lanfranco. Die Ausführung de 
Altars hatte man einem Fremden ßbertragen, da er aber der Aufgabe nicht gewachsen war^ 
betraute man mit der Vollendung den Luzerner Nikolaus Geysser. 

Die übrigen 10 Altäre im Schiß der Kirche sind reiche, mustergültige und ganz 
goldete Holzschnitzwerke, denen die Kanzel, das Orgelgehäuse, die Chorstühle un' '^ 
würdig zur Seite stehen. In wie weit diese Werke geistiges Eigentum des Ai 1 J 

sind, ist, da sich keine Pläne mehr vorfinden, nicht nachweisbar. Auf seine Lntwurti 
gehen jedenfalls die Kanzel und das Hauptportal mit der in Eichenholz geschnittenen Thü 
vieüetcht auch die Chorstühle zurück. Die Kanzel namentlich zeichnet sich durch streng 
architektonische Formen, die zum Stil der Kirche passen, aus, Dass ein einheitlicher 1 
vorlag, nach dem die Ausstattimg durchgeführt werden musste, geht aus dem RatsbescWu 
vom 24. Wintermonat 1639 hervor, welcher sagt: die ehrlichen Geschlechter (Fa 




Teil des Chorgestühls der Hofkirche in Luzern. 



lOI igoi 

welche die Erstellung der einzelnen Altäre übernommen haben, sollen damit nichts anderes 
zu thun haben, als die Unkosten zu bezahlen, und die verordneten 4 Herren (Bauausschuss) 
haben daHir zu sorgen, dass sie nach dem Riss verarbeitet werden. 

Infolge dessen lernen wir auch die Luzerner Meister etwas näher kennen. Jost Stachel 
von Sempach, Bürger von Luzern, soll sämtliche 10 Altäre gebaut haben. Mit Jakob 
Dighk lieferte er auch die Bestuhlung der Kirche. Die Schreinerarbeit an den Chorstühlen 
ist von Meister Andreas Bermt und sämtliche Drechslerarbeiten, die Säulchen und Säulen 
sowohl an den Altären als am Chorgestühl von Meister Rupert. Als Meister Tischler und 
Bildschnitzer zählt der Rodel der St. Lukasbruderschaft noch auf Adam Meier, Michel Roth, 
Nikolaus Hermann, Kaspar Roth der Bildschnitzler '), Johannes Zimmermann, Johannes 
Schürmann, Hans Ulrich Räber und Kaspar und Hans Wilhelm Tüfel. Von Räber und 
Kaspar Tüfel sind die Chorstühle in der Franziskanerkirche und von Räber ein Altar in 
der Kirche von Laufenburg, wahrscheinlich der Marienaltar im südlichen Seitenschiff"). 
Eine hervorragende Stellung unter diesen Meistern nimmt Nikolaus Geisser ein. Er war 
von Schweinfurt in Franken gebürtig und wohl infolge des 30jährigen Krieges ausgewandert. 
1626 nahm ihn Luzern als Beisäss auf und 1628 verfertigte er die schöne Kanzel in der 
Franziskanerkirche. In der Hotkirche wurden von ihm die Kanzel, die Thüre des Haupt- 
portab, die Apostelstatuen, die Wappen und Figuren an den Chorstühlen, die Englischgruss- 
statuen an denselben und das Orgelgehäuse ausgeführt. Von ihm ist auch das Orgelgehäuse 
In der Franziskanerkirche. Wo er selbständig auftreten kann, da ist er frei und schwung. 
voVi in den Ornamenten und im architektonischen Aufbau. 

Mit der dekorativen Ausmalung der Kirche waren neun Maler beschäftigt; sie heissen 
[Caspar Meglinger, Hans Clauss, Lienhard Haas, Friedli Meier, Jakob Meier, Hans Ulrich 
^ägmann, Viktor Wägmann, Andreas Wysshoubt und Hans Jakob Wysshoubt. Die Aus- 
Ehrung nahm den ganzen Sommer 1637 in Anspruch. Von Meglinger sind die vorerwähnten 
Porträts des Baumeisters J. Khurer und des Bauherrn Ludwig Meier, ganz gute Leistungen. 
[Diese neun Maler sind auf einem Totentanzbilde auf der Spreuerbrücke abgebildet. Lienhard 
Flaas, welcher Mitglied des Grossen Rates war, hat die Tafel vergabt und Meglinger sie 
abmalt). 

Die Maler führten auch Fass- Arbeiten aus. Das Fassen der Christus-, Maria- und Apostel- 
statuen wurde an sieben Maler übergeben und jede Statue mit 15 Gulden bezahlt, der Bild- 
schnitzler erhielt von jeder 24 Gulden. 

Das Chorgitter und das Gitter um den Taufstein wurden in Konstanz gemacht. Dieses, 
von Meister Kaltpach geschmiedet, kostete 944 Gulden 36 ß, jenes, von Stadtschlosser Reiffei, 
5890 Gulden i ß. 

Die Orgel, welche neben derjenigen in Salmansweiler als die grösste und beste in 
deutschen Landen galt, wurde von Johannes Geissler aus Salzburg gebaut. 

Während des 30jährigen Krieges, in welche Zeit der Luzerner Kirchenbau fällt, hatte 
in Deutschland die Kunstthätigkeit fast völlig aufgehört. Nach dem Urteil des Herrn Dr. 
Graf, Direktor des bayerischen Nationalmuseums in München, sind die Hofkirche in Luzern 
jnd ihre Holzskulpturen die bedeutendsten historischen Werke aus dieser Zeit, an denen 
man nicht nur die Fortentwicklung der deutschen Renaissance studieren kann, sondern auch 



') Kaspar RoUi, so 9 Jahre an der Hofkirche gearbeitet hat, wird zum Beisass angenommen. 

■) Altarbauten aus dieser Zeit finden sich im Kt. Luzern und Umgebung noch manche vor, welche von 
liesen Ltuemem herrahren mögen. Vorab die schönen Altäre in den Kapellen vom Ranft und Flaeli um 1617^ 
D der Katharinenkapelle ob Sachsein, in den Kirchen von Kriens, Neudorf Hergiswald, Blatten, Greppen und der 
Jten Kirche in Wohlhausen. Dann in der Schlachtkapelle bei Sempach, Teilskapelle in der Hohlengasse 
md in den Kapellen von Honau, Haitikon, !5t. Katharina in Kscholzmatt, sowie in der ehemaligen dortigen Todten- 
cnpelle; femer bei St Eibert in Adelwil und der St. Galluskapelle in Münster. Von grosser Schönheit ist der 
•Carl BoromAus* Altar in der Jesuitensakristei in Luzern. — Und wie vieles ist schon zersört worden und wird es 
Loch? 



I02 »9o« 

sieht, zu welcher Entwicklung sie gelangt war, als man nach Beendigung dieses unglöck- 
seligen Krieges in Süddeutschland wieder Müsse zu künstlerischer Bethätigung fand. 

Der Rat und die Bürgerschaft von Luzern wussten aber selbst auch den Wert ihrer 
Kirche zu schätzen und wachten scharf darüber, dass nichts geändert oder verschlimm- 
bessert wurde. Dessenungeachtet bekam die Hofkirchc doch auch noch ihre Renovations- 
und Leidensgeschichte. Auch diese muss beachtet werden, da sich aus ihr die gegen- 
wärtig angestrebte, stilgerechte Rekonstruktion, das Werk der Hm. Stadtpfarrer und Dekan 
Amberg und Professor Dr. Zemp entwickelt. 

1733 wurde die Franzlskanerkirchc nach damaligem , Kunstempfinden* restauriert. 
Sie erhielt eine Gipsdecke mit Gemälden, die letzten Reste von Glasmalerei wurden ent- 
fernt und die gothischen und Renaissancealtäre durch solche aus Stukko ersetzt Dieser 
Restauration fiel auch der Lettner samt Altar and Orgel, die darauf standen, zum Opfo". 
Die alten Bilder der eroberten Panner wurden übertüncht und daCür beliebige Nachbildungen, 
auf Bretter gemalt, aufgehängt. Nun sollte es auch an die Hofkirche gehen. Es wurden 
nicht weniger als drei Entwürfe vorgelegt, wie man die Arbeit ausführen könnte. Diese 
sind in jüngster Zeit wieder zum Vorschein gekommen und noch einige weitere dazu. 
Wenn man dieselben, eine Ausgeburt verschrobener Köpfe, ansieht, so begreift man, 
wenn der Rat 1752 die Sache entschieden von der Hand wies und nur gestattete, dass 
frisch geweisselt werden dürfe, wobei die dekorative Ornamentik zu belassen sei. Zur 
Sicherheit hatte eine Kommission von Fachkundigen diese Arbeit zu überwachen. 

1768 wollte man auf dem Hochaltar ein neues Tabernakel erstellen. Der Rat g^ 
nehmigte den Plan unter der Bedingung, dass neben dem Namen Jesu auch das Stadt- 
wappen^ angebracht und keine Nägel eingeschlagen werden dürfen. 1822-1803 erhielt der 
Hochaltar ein neues Antependium, welches von Bilhauer Durrer von Kerns ausgefOhrt 
wurde. Man verwendete hiezu marmorne Gartenpfosten aus dem Garten bei Maria Hilf. 
1741 hatten die Altäre im Schifi' auch neue Antependien erhalten. Es sind Meisterwerke. 
Die farbigen verschlungenen Bänder und symbolischen Eiguren wurden in schwarzem Mar- 
mor eingelegt. Bei der Renovation von 1823 vergoldete man die in weissem Marmor aus- 
geführten Kapitale und sonstigen Ornamente, ebenso die grossen Statuen der Patrooe 
Leodegar und Mauritius, welche erst im Laufe der Zeit aufgestellt worden waren. 

Dass 1788 die Eacjade von Bauherr M. Dürler durch einen Giebelaufsatz verändert 
wurde, ist schon erwähnt worden. Bei diesem Anlasse entfernte man auch das Pultdächlein 
über dem Oelberge am nördlichen Turme und ersetzte es durch einen Blechschirm in Form 
eines papiernen Augenschirmes. Ucber die umfassenden Renovationen, welche nicht immer 
zum Vorteil der Kirche während des 19. Jahrhunderts an ihr vorgenommen wurden, werden 
wir später berichten. / Balmir. 

V. L i 1 1 e r a t u r. 

Altertümer. Kunstgewerbliche Altertümer aus dem Schweizerischen Landesmuseum i** 
Zürich. Offizielle Publikation, herausgegeben von der Museumsdirektion. 1. Liefe- 
rung. Zürich, llofer «S: Cie. 1901. 

Archiv für Volkskunde, Schweizerisches. Fünfter Jahrgang. Heft I. März 1901. Vl- 
E. Marriage und John Meier, Volkslieder aus dem Kl. Bern. M. L. Courthion, CoU- 
tumes de la vallce de Bagnes. Miscellen etc. 

Archiv, Schweizer, für Heraldik (Archives h^raldiques Suisses) 1901. Jahrgang Xv- 
Nr. I. Zürich. Schuithess & Cie. Nebst Beilage: Genealogisches Handbuch zur 
Schweizcrge.schichle. 

Blätter aus der Walliser Geschichte. Herausgegeben vom Gescl lichtsforschenden Vcrcio 
von ObiTwaIHs. II. Band. 34. Jahrganjr 1898-1899. Sitten 1899. Inhalt: Wallis 
in den Jahren 1814 und 1815 von Gustav ( )ggier, Archivar. Der Urnavasturm in 
Naters und seine Besitzer im 13. Jahrhundert. Eine genealogische Studie von Pfarrer 
Eerd. Schmid. Die Buchdruckerkunst in Sitten bis zu Anfang des 19. JahrhundertSi 



I03 X90I 

von Gustav Oggier, Bibliothekar. ~ Verzeichnis von Priestern aus dem deutschen 

Wallis. (Fortsetzung). 
Bl&tter aus der Walliser Geschichte. IL Band. V. Jahrgang 1900. Sitten 1901. Inhalt: 

Beiträge zur Geschichte des Uebergangs Napoleons über den Grossen St. Bernhard, 

von Oscar Perrollaz, Sitten. — Verzeichnis von Priestern aus dem deutschen Wallis. 

(Fortsetzung). 
Cart, J. Vide Revue historique Vaudoise. • 

Conti, Gampiero. Siehe Giornale araldico etc. 
I>tt Bois-Melly (Charles). Chäteaux, manoirs et monast^res des environs de Gen^ve. 

Troisi^me et demi^re serie. Trente-trois dessins d'apr^s nature, et notes historiques. 

Gen^ve, H. Kündig. 
JE^liy^Emil. Analecta Reformatoria. Band IL Biographien : Bibliander, Ceporin. Johannes 

Bullinger. 

Friboorg artistique ä travers les äges. Publication des Amis des Beaux-Arts et des In- 
genieurs et Architectes. Album trimestriel. Librairie Josu6 Labastrou Fribourg Suisse. 
Sommaire du No. i, Jan vier 1901; i* Grimoux (peint par lui-möme). 2* Grille de la 
coll6giale de Saint-Nicolas ä Fribourg. 3* Le chateau et le prieur6 de Broc. 4" Pierre 
tombale (eglise de Belfaux). 5' La porte de Tange ä Fribourg (Le Mückenthurm). 
6» La vie de la Vierge (peinture de H. Fries). 

Führer, offizieller, durch das Schweizerische Landesmuseum. Von Dr. H. Lehmann. Ver- 
lag von Hofer & Cie., Zürich. 3. vermehrte Auflage. Reich illustriert. 8* 56 pp. 

Funk, I>r. Heinrich. Siehe Zeitschrift für Geschichte des Überrheins. 

Gaisberg-Schöckingen, Freiherr Friedr. von. lieber die im Thurgau vorkommenden zwei 
Geschlechter Gaisberg. Zürich, Schulthess & Cie. 

Giornale araldico-genealogico-diplomatico publicato per cura della r. accademia araldica 
italiana diretto da Goflfredo di Crollalanza. Sede in Pisa. Bari. Anno XXVIII (N. 
S. tomo IX). Gennaio 1901. No. i, pag. 11— 18. Gampiero Conti : Famiglie ticinesi. 

Hailer, Joh. Siehe Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins. 

Häuser, C. Das Sondersiechenhaus zu St. Georg bei Winterthur 1287— 1828. Winterthur, 
Geschwister Ziegler, 1901. Neujahrsblatt der Hülfsgesellschalt von Winterthur 1901. 

Hegner, Ulrich. Ulrich Hegners Aufzeichnungen aus Winterthurs Revolutionstagen, her- 
ausgegeben von Ch. Biedermann. Winterthur, Geschwister Ziegler, 1900. Neujahrs- 
blatt der Stadtbibliothek in Winterthur auf das Jahr 1901. 

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HomuQg, B. {Freiburg i. B.) Der Tod zu Basel. (Die Rheinlande. I. Jahrgang. Heft 6. 
März iQoi.f Seite 41—45). 

Hflrbin, Dr. Jos. Siehe Schweizerblätter, katholische. 

Lavater, J. C. Siehe Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins. 

Lehmann, Dr. Hans. Siehe Führer, offizieller. 

Lindenmann, R (Pfarrer in Fehraltorf). Die Helvetier im Kampfe um ihre Freiheit und 
um die nationale Ehre. Eine exegetisch-historische Studie. Zürich. Faesi & Beer, 
vorm. S. Höhr, 1901. 148 Seiten 8'. 

Marriage, M. £. Siehe Archiv für Volkskunde, Schweizerisches. 

Meier, John. Siehe Archiv für Volkskunde, Schweizerisches. 

Meylan, Dr. Ren6. Vide Revue historique Vaudoise. 

Mottazy E. Vide Revue historique Vaudoise. 

Nä£ Siehe Stammbaum. 

Naef, A., A. C. des Antiquaires de France: Tableau sommaire des antiquitös du canton 

de Vaud. Communication au congrte arch^ologique de France tenu ä Mäcon en juin 

1899. Lausanne Imprimerie Luden Vincent. 1901. 24 pp. 8*. 



I04 zgox 

Oggier, Gustav. Siehe Blätter aus der Wallisergeschichte. 

Perrollaz, Oscar. Siehe Blätter aus der Wallisergeschichte. 

Quartier-La-Tente, E. Le canton de Neuchätel. Revue historique et monog^aphique des 

communes du canton de Torigine ä nos jours, avec de nombreuses illustrations origi- 

naies, des reproductions d'anciennes gravures et quelques cartes. i^^rs^rie: Ic district 

de Neuchätel. i8<^ livr. : Paroisse et commune de Saint Blaise (2"'« partie) Communes 

• de Hauterive, La Coudre, Marin-Epagnier. Neuchätel, Attinger Fr^res. 

Rahn, J. R. Romanisches in Rheinau. N. Z. Z. Beilage zu 127 vom 8. Mai 1901. 

. . . . r. Das Kloster Wettingen (Nach den Monographien von Dr. Lehmann), Sonntagsblatt 
des Bund 1901, Nr. 17, Seite 132 ff. 

Reimer, Paul. Aus französischen Geschützgiessereien unter Ludwig XIV. (Die Gebrüder 
Jean und Balthasar Keller von Zürich, klg. Geschützgiesser in Douai). Zeitschrift 
für historische Waffenkunde. Dresden. Eigentum und Verlag des Vereins für hbtor- 
ische Waffenkunde (H. Burdach). Bd. II, Heft 6, Seite 179— 191. 

Revue historique Vaudoise (Bulletin historique de la Suisse romande) publik sous la 
direction de Paul Maillefer et Eug. Mottaz. Lausanne 1901. 

4<= livr. Avril : Les populations primitives de la Suisse, par M. le Dr. Alex. 
Schenk, privatdocent. — Le gouvernement bernois et les pasteurs de la Gasse de 
Morges et Nyon au XV 11«^ et au XVIIk siecle, par M. J. Cart. — Le pont Saint-Doy 
ä Moudon, par M. le Dr. Rene Meylan. — Petite chronique et bibliographie. 

5« livraison : Les populations primitives de la Suisse, avec planche (suite et fin) 
par M. Alex. Schenk. — Charles Gleyre, biographie, par M. A. Tavemey. — Üoe 
manufacture de soie ä Yverdon au XVIU* siecle, par E. Mottaz. — Une lettre de 
bourgeoisie. — Petite chronique et bibliographie. 

Rodt, Ed. von. Bern im 18. Jahrhundert. Mit 23. Abildungen und i Karte Bern. Schmid 
& Francke. 190 1. 

Schenk, Dr. Alexander. Vide Revue historique Vaudoise. 

Schmid, Ferd. Siehe Blätter aus der Wallisergeschichte. 

Schweizerblätter, katholische. Organ der Schweizer. Gesellschaft für kathol. Wissen- 
schaft und Kunst. Redigiert von Dr. Theodor von Liebenau, Staatsarchivar, Anton 
Portmann, Prof. der Theologie, Dr. Joseph Hürbin, Rektor, K. A. Kopp, Professor. 
Luzern. XVII. Jahrgang. 1900. Im i. Hefte: III. Die Anfänge des Humanismas im 
Norden. Von Dr. Jos. 'Hürbin. IV. Zwei Abt wählen in Engelberg unter schwierigen 
Verhältnissen. Von P. Ignaz Hess. VII. Briefe alter Diplomaten. (Joseph Mohr von 
Luzern. 1841). 

Stammbaum der Familie Näf von Zürich und Kappel, gewidmet der jetzigen Generation 
von Emil Näf-Hatt (117) 1901 (mit 2 Tafeln). Fol'. 

Taverney, A. Vide Revue historique Vaudoise. 

Trog, H(ans). Die Galluspforte am Basler Münster. (Die Rheinlande. Monatsschrift ^ 
deutsche Kunst. Kommissionsverlag A. Bagel, Düsseldorf. Fol. I. Jahrgang. Heft i- 
(1900. Oktobor). Seite 35—38). 

Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, herausgegeben von der Badischen histo^ 

ischen Kommission. Karlsruhe, J. Bielefelds Verlag, 1901. N. F. Bd. XVI. Heft «• 

Beitrage zur Geschichte des Konzils von Basel (Schluss), von Dr. Joh. Haller in Ron»« 

Lavatcrs Aufzeichnungen über seinen Aufenthalt in Karlsruhe auf der Röct 

reise von Ems im Jahr 1774, mitgeteilt von Prof. Dr. Heinr. Funck in Gemsbach- 

Redaktionskommission : Dr. H. Angst. Dr. H. Lehmann. Prof. Dr. J. R. Rahx. 
Dr. H. Zeller-Werdmüller. Prof. Dr. J. Zemp. 

Druck von Ed. Leemann in Zürich-Sebiau. 



ANZEIGER 



ffir 

iGhweizepisßhe jUtertumslfunde. 

ft INDICATEUB D'iNTIQDITtS SDISSES. 

^^^^^ Amtliches Organ des Schweizerischen Landesmuseuina, des Verbandes 
^^Her Schweizerischen Alteriumsniuseen und der Schweizenschen Gesellschaft für 

^H Erhaltung histonscher Kunstdenkmaier. 

■ Hera 



Pfeue Folg-e* Ba^ncl III* 

Herausgegeben von dem Schweizerischen LandeemuseunOt 



2 u 3. ZÜRICH No\ramber 190L 



Abonnementspreis: Jährlich Fr. 5. — . Man abonniert bei den Postbtireaux und allen Buch- 
handlungen, sowie auch direkt bei dem Bureau des Schweizerischen Landesmuseums 
in Zürich. Den Kommissions-Verlag für das Ausland besorgt die Buchhandlung 
Käsi & Beer in Zürich. 



Sämtliche Beiträge und 3Iiit€ibmgtm für deti „Anzeiger'' Mtteti wir gefL unter 
^*r Anfschnft ^ Anzeiger^ an die I>irekti4»n des ach iveize tischen Lande»" 
fftuseums in Zürich gu senden. 



Le cimeti^re gallo-helvfete de Vevey, 

Extraite du „Journal des fouilles*', F^vrier-Avril 1898. 

Par A. Naef. 

(SUITE,) 



VI. Examen des sdpultures. 

5i l*on compare le plan g6neral des fouilles, Planche I, on observera 

1 (J^e la Position des cränes dans les s^pultures y a ^tö marquee par un cercle; 

cctle indication conventionnelle evitera des rdpetitions et dispensera dVxpliquer, 

I pour chaque cas particuHer, ce que Ton entendra par une orientation: N. N. E. 

tS. S, O., S, S. O. - N. N E,, N. - S etc. 
Us sept premieres sepuliures doivent etre examindes ensemble car elles 
ent accidentellement bouleversees par des ouvräers avant les fouilles re- 
' gulieres: il est donc impossible d*en tirer des conclusions taut suit peu süres. 
Void les seuls faits qu'il soit permis de souUgner: les sept premiers squelettes 



io6 



Z9OX 



6taient tous Orientes du N. N. E. au S. S. O., ce que Ton put v^rifier parles 
tibias ou les pieds restes en place, et les corps avaient öte couch6s an terre 
libre, sans cercueils. 

Lc squelette No 6 portait quatre bracelets de verre, un vert-bleuätre 
et un jaune ä chaque avant-bras; trois de ces bracelets, un jaune. un vert- 
clair et un bleu-clair purent 6tre recueillis, le quatrieme fut brise au moment 
de la d^couverte et il fut impossible d'en retrouver les debris. — Cesobjets 
ornes de filets plus fonces, saillants et crois^s en losanges, sont fr^uents 
dans nos necropoles de Tepoque de La Tene et assez connus pour * ne pas 
n^cessiter une description speciale \) ; ils sont d'ailleurs tout semblables aux 
deux echanlillons recueillis au bras gauche du squelette N** 8, et qui ont ete 
reproduits ci-dessus, fig. 3i. 

En criblant les terres extraites de ces sepultures, on trouva une petite 
perle d'ambre rouge (Fig. 64, a), en relation peut-ötre avec un objet de bronze 
(Fig. 64, b) dans lequel Mr. Ulrich, conservateur au Musee National ä Zürich, 
crut pouvoir reconnaitre une boucle d'oreille semblable ä un ^chantillon pro- 
venant d'Arbedo Molinazzo (Fig. 64, r, d'apr^s un croquis de Mr. Ulrich). 
On ramassa encore Tepingle d'une fibule de bronze, briste, et un objet de 
parure, en bronze aussi (Fig. 64, d) qu'une trouvaille toute semblable, en 
place au bras droit du squelette N* 29, permet de dösigner comme un 
bracelet. 

Ce qui manque malheureusement pour d^finir Tepoque ä laquelle sc 
rattachent ces sept premieres sepultures, ce sont des fibules. Nous trouverons 
en effet au squelette N** 8 des bracelets de verre semblables ä ceux de la 
sepulture N® 6 avec une ceinture de bronze et des fibules de bronze et de 
fer, nettement La Tene II ; — la sepulture N** 22 montre une ceinture de 
bronze, toute pareille, avec fibules de fer La Tene II ; mais, d'autre part, au 
squelette N" 29 le bracelet de bronze semblable ä celui esquissö en d, fig. öf 
est accompagne d'une serie de fibules uniquement La Tene I, et c'est tfgale 
ment une fibule La Tene I qui fut recueillie dans la sepulture N® 17, avec 
un bracelet de verre bleu de roi. 11 est donc adptiissible, non prouve, que 
la sepulture N^ 6 se rattache ä la periode La Tene II; pour les six autres 
toute Hypothese manquerait de base. 

La sepulture N^> <i\ en terre libre, orientee du N. N. E. au S. S 0.. se 
rattache nettement ä la periode La Tene II. Le corps avait ete ftendu, 
couche sur le dos, mais la position des avant-bras est incertaine. Sur Tepaule 
gauche se trouvait une fibule a chäton; ä la hauteur de la taille une ceinture 
de bronze; au bras gauche trois bracelets, un de bronze, deux de verre: 
au bras droit un bracelet de fer ; ä la main droite un anneau d'or, ä spirale 
massive; ä la main gauche un anneau semblable, en argent; entre les tibiaSi 
pres des pieds, un amas de six ou sept fibules. 

') Leurs diain etrcs Interieurs varient entre 67 mm sur 63, et 66 mm sur 63 



io8 



1901 



II y a lieu de reprendre les indications rtsum^es ci-dessus pour les 
studier un peu plus en details. 

D'apr^s les petites dimensions du squelette, la finesse des os des bras, 
des jambes et des doigts, d'apres les dents, . . . etc., Mr. le Dr. H. Martin 
de Vevey, present ä la fouille, put declarer que le squelette ^tait celui d'une 
jeune femme, de 18 ans environ. 

La fibule de bronze ä chäton en os cisele sur disque plat (Fig 64, ei 
recueillie pres de Tepaule gauche, ne laisse pas de doutes sur la p^riode 
La T^ne II ä laquelle se rattache la s^pulture N'' 8; en effet cette fibule. 
comme touies les autrcs trouvees sur ce squelette, montre un ap(>endice caudal 
lie ä Tarc au moyen d'un petit annelet. 

La ceinture de bronze, ä la hauteur de la taille, ^tait trte frag^entee 
mais absolument semblable, jusque dans ses moindres details, ä celle de la 
s^pulture N^ 22 degagöe en place et levee avec les crochets encore passes 
dans ses anneaux teile que la montre la figure 32. Mes restitutions de ces 
ceintures sur un torse de femme drap^ (Planches VII et VIII) s'appliquent donc 
aux deux söpultures et semblent assez claires pour se passer de longs com- 
mentaires ; il faut cependant insister sur le fait que ces restitutions n'ont rien 
d'hypothötique, qu'elles ne sont que la traduction süre de choses reconnues 
en place. L'^toffe dans laquelle le torse est drape n'est pas une restitution, 
cela va sans dire; toutefois j'ai choisi une toile dont le tissu donne Tim- 
pression approximative de la rdalite, d'aprds les tissus retrouv^s sur plusieurs 
squelettes et que nous examinerons plus tard. 

Pour des comparaisons futures, il y aurait lieu de noter que, chez nous, 
les ceintures de bronze de ce type se rencontrent souvent avec des bracelets 
de verre et des bagues en or et en argent, et cela g^n^ralement, presqu*u- 
niquement, dans des sepultures de la periode La T6ne IL 

La figure 3i montre les trois bracelets, un de bronze, deux de verre, 
en place sur Tos du bras gauche. 11 n'y a pas lieu de s'arr^ter aux deux 
bracelets de verre bleu-verdätre, ä reseaux de mdme couleur mais plus foncde, 
tant ils sont frequents dans nos sepultures de Tepoque de LaT^ne; le bra- 
celet de bronze ä coquilles en demi-sphcres creuses, pourvu de deux char- 
nieres, est plus rare et rappelle des formes anterieures ; le bracelet de fer *). 
passe au bras droit du meme squelette, est tout semblable au pröcedent, mais 
les coquilles semi-spheriques sont massives. II peut dtre utile de rappeler 
que la necropole de Champagny livra des bracelets de bronze analogues, 
et que Tun de ces objets, actuellement au Musee de Berne, etait accom- 
pagne, comme ici, d'une ceinture de bronze et de deux bracelets de verre 
parfaitement semblables aux deux echantillons de notre squelette N**8*). 
Sans multiplier les comparaisons, qu'il soit encore permis de citer la s^pul- 

') Diamctre maximum ä rintörieur: 64 mm. 

•) Heierli. Anzeiger 1897, PI. XI XII, et p. 128; - Bonstetten Rec. d'antiq. suisses, 
PL XXI, notes p. 43. 




Cimetiere 

Sepultures N"^ 8 et 22; 

Fouilles 



/rrt/icMtcui d*AtMqiiiitb :^ujj|Ae$, »90^» Nr, 3 et 3. 



lOI 



X90I 



welche die Erstellung der einzelnen Altäre übernommen haben, sollen damit nichts anderes 
zu thun haben, als die Unkosten zu bezahlen, und die verordneten 4 Herren (Bauausschuss) 
haben dafür zu sorgen, dass sie nach dem Riss verarbeitet werden. 

Infolge dessen lernen wir auch die Luzerner Meister etwas näher kennen. Jost Stachel 
von Sempach, Bürger von Luzeni, soll sämtiiche 10 Altäre gebaut haben. Mit Jakob 
Dighk lieferte er auch die Bestuhlung der Kirche. Die Schreinerarbeit an den Chorstühlen 
ist von Meister Andreas Bernet und sämtliche Drechslerarbeiten, die Säulchen und Säulen 
sowohl an den Altären als am ChorgestOhl von Meister Rupert, Als Meister Tischler und 
Bildschnitzer zählt der Rodel der St. Lukasbruderschaft noch auf Adam Meier, Michel Roth, 
Nikolaus Hermann, Kaspar Roth der Bildschnitzler '), Johannes Zimmermann, Johannes 
Schürmann, Hans Ulrich Räber und Kaspar und Hans Wilhelm Tüfel. Von Räber und 
Kaspar Tüfel sind die Chorstühle in der Franziskanerkirche und von Räber ein Altar in 
der Kirche von Laufenburg, wahrscheinlich der Marienaltar im südlichen Seitenschiff*). 
Eine hervorragende Stellung unter diesen Meistern nimmt Nikolaus Geisser ein. Er war 
von Schweinfurt in Franken gebürtig und wohl infolge des 30jährigen Krieges ausgewandert. 
1626 nahm ihn Luzern als Beisäss auf und 1628 verfertigte er die schöne Kanzel in der 
Franziskanerkirche. In der Hotkirche wurden von ihm die Kanzel^ die Thüre des Haupt- 
portals, die Apostelstatuen, die Wappen und Figuren an den Chorstühlen, die Englischgruss- 
statuen an denselben und das Orgelgehäuse ausgeführt. Von ihm ist auch das Orgelgehäuse 
in der Franziskanerkirche. Wo er selbständig auftreten kann, da ist er frei und schwung. 
voll in den Ornamenten und im architektonischen Aufbau. 

Mit der dekorativen Ausmalung der Kirche waren neun Maler beschäftigt; sie heissen 
Kaspar Meglinger, Hans Clauss, Lienhard Haas, Friedli Meier, Jakob Meier, Hans Ulrich 
Wägmann, Viktor Wägmann, Andreas Wysshoubt und Hans Jakob Wysshoubt. Die Aus- 
ftihrung nahm den ganzen Sommer 1637 in Anspruch. Von Meglinger sind die vorerwähnten 
Porträts des Baumeisters J. Khurer und des Bauherrn Ludwig Meier, ganz gute Leistimgen. 
(Diese neun Maler sind auf einem Totentanzbilde auf der Spreuerbrücke abgebildet. Lienhard 
Haas, welcher Mitglied des Grossen Rates war, hat die Tafel vergabt und Meglinger sie 
gemalt). 

Die Maler führten auch Fass-Arbeiten aus. Das Fassen der Christus-, Maria- und Apostel- 
statuen wurde an sieben Maler übergeben und jede Statue mit 15 Gulden bezahlt, der Bild- 
schnitzler erhielt von jeder 24 Gulden. 

Das Chorgitter und das Gitter um den Taufstein wurden in Konstanz gemacht. Dieses, 
von Meister Kaltpach geschmiedet, kostete 944 Gulden 36 ß, jenes, von Stadtschlosser Reiffei, 
58sK> Gulden i ß. 

Die Orgel, welche neben derjenigen in Salmansweiler als die grösste und beste in 
deutschen Landen galt, wurde von Johannes Geissler aus Salzburg gebaut. 

Während des 30jährigen Krieges, in welche Zeit der Luzemer Kirchenbau fällt, hatte 
in Deutschland die Kunstthätigkeit fast völlig aufgehört. Nach dem Urteil des Herrn Dr. 
Graf. Direktor des bayerischen Nationalmuseums in München, sind die Hofkirche in Luzern 
und ihre Holzskulpturen die bedeutendsten historischen Werke aus dieser Zeit, an denen 
man nicht nur die Fortentwicklung der deutschen Renaissance studieren kann, sondern auch 



>) Kaspar Roth, so 9 Jahre an der Hofkirche gearbeitet hat, wird zum Beisass angenommen. 

*) Altarbauten aus dieser Zeit finden sich im Kt. Luzern und Umgebung noch manche vor, welche von 
diesen Luzemem herrühren mögen. Vorab die schönen Altflre in den Kapellen vom Ranft und Flaeli um 1617^ 
in der Katharinenkapelle ob Sachsein, in den Kirchen von Kriens, Neudorf Hergiswald, Blatten, Greppen und der 
ahen Kirche in Wohlhausen. Dann in der Schlachtkapelle bei Sempach, Tellskapelle in der Hohlengasse 
und in den Kapellen von Honau, Haitikon, St. Katharina in Escholzmatt, sowie in der ehemaligen dortigen Todten- 
kapelle; ferner bei St Eibert in Adelwil und der St. Galluskapelle in Monster. Von grosser Schönheit ist der 
Kari Borom&ua-Altar in der Jesuitensakristei in Luzern. — Und wie vieles ist schon zersört worden und wird es 

nnch ? 



I09 «9o« 

ture trouv^e en mars 1896 au Wankdorffeld, au nord de Berne ^\ parceque 
le squelette en question portait, comme notre N® 8, deux bracelets de verre, 
un bracelet de bronze et une chaine de bronze ä la ceinture. 

Les petites dimensions des bracelets de verre, 64 mm de diam^tre 
maximum ä l'int^rieur, semblent indiquer que ces parures restaient ä poste 
fixe sur les bras; on ne s'explique donc pas facilement comment ces objets 
si fragiles, et sans aucun doute de grand prix, ne se brisaient pas etant 
exposes ä s'entrechoquer continuellement ; au squelette N® 8 on observera 
que les deux bracelets de verre 6taient m^me plac^s sous un bracelet de 
bronze. Or, sans parier des parties massives, je n'ai pu constater la moindre 
brisure aux filets saillants, tres minces et tr^s ddicats, des six 6chantillons 
recueillis jusqu' ici dans les fouilles de Vevey ; - - ces particularit^s n'ont pas 
^te expliquees jusqu* ici, que je sache. 

Les deux bagues (Fig. 64, f) Tune en or, Tautre en argent, sont du type 
le plus fr^quent dans nos sepultures de la periode de la Tdne, c'est-ä-dire 
qu*elles consistent en un anneau massif, ä fil cylindrique, dont les extremit^s, 
leg^rement amincies et eftilees, se prolongent Tune par dessus Tautre en 
spirale. Ce qui est remarquable, c*est le diam^tre minime de ces bagues 
(or: 14 mm, argent: 15 mm), qui ne pouvaient appartenir qu*aux deux petits 
doigts d'une tr^s jeune femme. 

Une des constatations les plus curieuses dans cette sepulture est 
Celle de l'amas de fibules bris^es, trouvdes enfre les iibias du squelette, 
pres des pieds, II s'agit en effet d*un vöritable petit tas de six ou sept 
fibules de bronze et de fer, qui n'ont pu avoir aucune relation directe 
avec le costume port^ par la döfunte. Lorsqu'on les decouvrit, plu- 
sieurs de ces objets etaient absolument agglomer^s, si fortement relies 
les uns aux autres par la rouille, qu'on eut beaucoup de peine ä les s^parer 
pour les studier. 

De pareils amoncellements de fibules, sans relation probable avec le 
vötement du d^funt, sont plutöt rares dans nos n^cropoles gauloises ; un des 
derniers exemples analogues es* celui signal^ en juillet 1895 ^^"^ une s6- 
pulture au Weissenbühlweg, au Sud de Berne *). On y trouva douze petites 
fibules de bronze, ä la hauteur de la poitrine, et cet emplacement est moins 
singulier que le voisinage des pieds. 

Si Tamoncellement en lui-m^me et son emplacement sont curieux, les 
fibules ne sont pas moins interessantes. Toutes, soit celles de fer, soit Celles 
de bronze, sont nettement du type La T^ne II; Tune (Fig. 64, e\) presente un 
chäton en os circulaire semblable ä celui de la fibule e (mdme figure) et orn(§ 
d'une gravure toute pareille ; en ^ on en voit une autre, formte d'un simple 
fil cylindrique, et dont il faut noter le mode de liaison entre Tappendice 
caudal et Tarc (Comp, en g le detail, qui montre cette partie vue d'en haut) ; 

') Kasser. Anzeiger 1896, p. 77—79. 
*) Anzeiger. 1896, p. 77 milieu. 



HO i9«>» 

d'autres poss^dent des particularit6s trfes rares et qui m^ritent de fixer l'at- 
tention: ce sont de petites perles d'ambre jaune clair traversees par le fil 
cylindrique des fibules de fer (Fig. 64, ^1); tout ä cöt6 deux perles d'ambre 
rouge, une d'ambre jaune mat, s'6taient probablement d^tachtes des fibules 
bris^es. II est malheureusement impossible de prouver exactement quel 6tait 
remplacement de ces perles sur les fibules, aucun des d^bris n'^tant suifisam- 
ment conserve pour cela; tout porte ä croire qu'il s*agit d'une ornementation 
de Tappendice caudal, qui aurait remplace ici les boules ou les disques habi- 
tuels, avec ou sans email. Si Ton examine les croquis en ^1, on se rendra 
compte qu'il ne s'agit pas d'un hasard mais d'une ornementation voulue, 
bien interessante ä cause de sa rarete, et dont nous retrouverons d'ailleurs 
un nouvel exemple dans la s^pulture suivante, N^ 9 ; — je ne me souviens 
pas avoir vu des objets analogues provenant de nos necropoles gauloises, je 
n'en connais pas jusqu* ici dans nos musees suisses, et me permets d'attirer 
Tattention sur cette particularite. II ne semble gu^re possible, en effet, 
d'assimiler les debris en question ä certaines boucles d'oreilles de Molinazzo- 
Arbedo et de Castione en Tessin, ou aux pendeloques qui accompagnent 
parfois les fibules dans ces necropoles. 

La septilture No g se rattache probablement ä la periode La T^ne IL Le 
Corps, celui d'un jeune homme, Oriente du S. S. O au N. N. E., avait ete 
etendu, couche sur le dos, le mains ramenees ä Tintdrieur et au sommet des 
cuisses; cette position, essentiellement celle des mains, a et6 la plus ft'equem- 
ment observee ä Vevey. Dans le cas special, et pour la seule fois jusqu' ici, 
on ne peut parier d*un veritable cercueil ; le corps avait et^ simplement pro- 
t6g6 lateralement par deux planches, maintenues en place par de grosses 
pierres, quatre ä gauche, trois ä droite. (Comparer le croquis, puremen^ 
explicatif, A, Fig. 64.) 

Les objets livres par cette sepulture N" 9 sont peu nombreux maisiiTÄ- 
portants: ä chaque main deux bagues, une en or, Tautre en argent; ä L^ 
hauteur de la ceinture une boucle d'argent; sur la poitrine une fibuledefe^i" 
ornee d'une petite perle d'ambre jaune clair. 

Les deux bagues de la main droite (Fig. 64, k et /), de möme que 1^ 
bague en argent de la main gauche, toute semblable ä celle esquissee en k, 
prt^sentent le type habituel de l'anneau massif ä fil cylindrique, mais avec 
un enroulement en double spirale plus accentu(§ qu'aux öchantillons du corps 
N'* 8 *). II faut observer que si les anneaux d'argent de ce type sont rela- 
tivement frequents dans nos sepultures de la periode de La T^ne, il n*en 
n'est pas de meme des anneaux d'or; ils sont beaucoup plus rares. Je ne 
connais gu^re que les exemples d'Orpund pres de Bienne \ et ceux signalfe 
par Mr. Heierli ä Löhningen (Schaffhouse) et Horgen (Zürich)®). 

^ Diametres intcrieurs des bagues: 17 et r8mm. 

■) Fr6d. Bürki, Anzeiger, juin 1870, p. 151. 

■) Heierli, Urgeschichte der Schweiz, p. 263 et 388, 



III I90I 

Le type de la bague en or trouv^e ä la main gauche du corps N** 9 
(Fig. 64, i) est plus fr^quent. Cette bague ä ornement courant grav6 sur fil 
aplati, rappeile beaucoup celle de Kirch-Thurnen, pr^s de Thoune (N® 10,079 
au Musee histor. de Berne), les deux echantillons de Horgen (a et b du 
carton N^ 3261, au Musee National ä Zürich), et la bague de bronze de 
Ritzenbach pr^s Gummenen (Berne) '). Ce qu*il Importe de souligner, tout 
specialement, c'est qu'ä Kirch-Thurnen la bague d*or en question etait ac- 
compagn6e de bagues d'argent en spirales semblables aux nötres, d*un bra- 
celet de verre, d'une ceinture de bronze et de fibules La Tene II; constata- 
tions analogues ä Oberhofen sur le lac de Thoune, .... etc., etc. On voit 
donc d'une part une sorte de mode dans la similitude du port et de la dis- 
tribution des parures, fait qui ne peut ^tre Teffet du hasard, d'autre part un 
indice que, malgre Tabsence de nombreuses fibules caracteristiques, notre 
sepulture N' 9 doit, comme le N® 8, se rattacher ä la pdriode La T^ne II. 

Je ne me souviens pas avoir vu jusqu' ici dans nos coUections suisses, 
ni avoir relev^ dans les publications relatives ä nos n^cropoles gauloises, 
une boucle en argent semblable ä celle qui fut rencontree ä la hauteur de 
la taille du corps N" 9. Cette boucle plate (Fig. 64, w), pourvue de deux 
encoches ä Tintörieur, a probablement servi ä retenir la ceinture ou Tattache 
des braies; dans d'autres sepultures nous verrons, au m^me emplacement, 
tantöt une simple boucle de bronze, tantöt une trds forte fibule de fer. 

Au milieu de la poitrine, ä quinze centimetres du cräne, on trouva les 
menus fragments d'une seule fibule de fer. Ces debris etaient dans un si 
piteux ^tat et si completement d^figures par Toxydation, qu'il fut impossible 
de restituer Tobjet ou d'en definir le type; un detail important permet ce- 
pendant de supposer qu'il s'agit d'une fibule semblable ä Celles du corps 
N** 8, donc La T^ne II. C'est de nouveau une de ces petites perles d'ambre 
jaune clair (Fig. 64, «), encore traversee par le fil cylindrique de la fibule, 
et que je considere provisoirement comme une ornementation de son ap- 
pendice caudal. 

Deux dötails sont encore ä noter. Immediatement au-dessus de cette 
sepulture on constata quelques ddbris epars d'ossements humains, mais il est 
impossible de dire s'il s'agit des restes d'une söpulture ant^rieure ou tout 
simplement d'ossements deplaces par les racines de la vigne; on sait en effet 
que les racines transportent souvent des objets et de petits os ä des distances 
extraordinaires. La seconde constatation, qui ne peut etre passee sous si- 
lence, c'est que les pieds du squelette avaient enti^rement disparu et qu'en 
cet endroit furent ramasses des debris de combustion nettement caracterises. 
Je ne me permettrai pas de tirer de ce fait une conclusion quelconque, mais 
tenais ä le signaler pour qu' on puisse le rapprocher plus tard d*une cons- 
tatation positive et bien curieuse ä la sepulture N^ 15. 



') Edm. von Fellenberg, Anzeiger, juillet I880. PI. VII, fig. 9. 



ro6 ^9oi 

6taient tous Orientes du N. N. E. au S. S. O., ce que l'on put verifier par les 
tibias ou les pieds restes en place, et les corps avaient 6ie couchds en terre 
libre, sans cercueils. 

Le squelette No 6 portait quatre bracelets de verre, un vert-bleuätre 
et un jaune ä chaque avant-bras; trois de ces bracelets, un jaune, un vert- 
clair et un bleu-clair purent etre recueillis, le quatrieme fut brisö au moment 
de la decouverte et il fut impossible d'en retrouver les debris. — Ces objets 
ornt^s de filets plus fonces, saillants et croises en losanges, sont frequents 
dans nos necropoles de Tepoque de La Tene et assez connus pour*ne pas 
ndcessiter une description speciale *| ; ils sont d'ailleurs tout semblables aux 
deux echaniillons recueillis au bras gauche du squelette N*^ 8, et qui ont ete 
reproduits ci-dessus, fig. 3i. 

En criblant les terres extraites de ces sepultures, on trouva une petite 
perle d'ambre rouge iFig. 64, a), en relation peut-etre avec un objet de bronze 
(Fig. 64, b) dans lequel Mr. Ulrich, conservateur au Musee National ä Zürich, 
crut pouvoir reconnaitre une boucle d'oreille semblable ä un echantillon pro- 
venant d'Arbedo Molinazzo (Fig. 64. r, d'apres un croquis de Mr. Ulrich). 
On ramassa encore Tepingle d'une fibule de bronze, brisee, et un objet de 
parure, en bronze aussi (Fig. 64. d) qu'une trouvaille toute semblable, en 
place au bras droit du squelette N* 29, permet de designer comme un 
bracelet. 

Ce qui manque malheureusenient pour definir Tepoque ä laquelle se 
rattachent ces sept premieres sepultures, ce sont des fibules. Nous trouverons 
en effet au squelette N** 8 des bracelets de verre semblables ä ceux de la 
sepulturc N*^ 6 avec une ceinture de bron/e et des fibules de bronze et de 
fer, nettement La Tene II ; la sepulture N" 22 montre une ceinture de 
bronze, toute pareille, avec fibules de fer La Tene II ; mais, d'autre part, au 
squelette N" 29 le bracelet de bn^ize semblable ä celui esquisse en rf, fig. 64, 
est accompagne d'une serie de fibules uni(|uement La 'J\^ne I, et c'est egale- 
ment une fibule La 'J'ene 1 (jui fut recueillie dans la sepulture N° 17, avec 
un bracelet de verre bleu de roi. II est donc adniissible, non prouve, que 
la sepulture N" 6 se rattac^hc ä la |)eri()de La Tene 11 ; |M)iir les six autres 
toute hy|)()these nianquerait de base. 

La scpultw'e N^^ <y, en terre libre, orientee du N. N. K. au S. S O.. se 
rattache nettement ä la periode La Tene II. Le corps avait ete etendu, 
couche sur le dos, mais la jx^sition des avant-bras est incertaine. Sur Tepaule 
gauche se trouvait une fibule ä chäton; ä la hauteur de la taille une ceinture 
de bronze; au bras gauche trois bracelets, un de bronze, deux de verre; 
au bras droit un bracelet de fer ; ä la main droite un anneau d*or, ä spirale 
massive; ä la main gauche un anneau semblable, en argent; entre les tibias, 
pr^s des pieds, un amas de six ou sept fibules. 

') Leurs diarnetres Interieurs varient entre 67 mm sur ^ et 66 mm sur 63 



114 '^^ 

bras droit dtait passe un charmant bracelet de bronze; quatre fibules La 
Tfene I, trois de bronze, une de fer, ötaient reunies sur la poitrine pres de 
l'^paule droite. 

Les reproductions des trois fibules de bronze, en q,r et 5 de la Fig. 64, 
dispenseront de decrire ces objets; il suffira d'ajouter que la fibule de fer 
est toute semblable ä Techantillon 5, de bronze. 

II convient par contre d'examiner plus attentivement le bracelet de 
bronze, Fig. 65, dont la tige cylindrique, massive, est pourvue de trois bou- 
tons decords d'un ornement en S ; un des boutons contient le fermoir *). Ce 
type de bracelet, d'une rare 6l6gance, n'est pas trfes fr^quent dans nos n6cro- 
poles de Tdpoque de La T^ne; la plupart des echantillons analogues pos- 
s^dent des boutons depourvus d'ornementations ou qui ne presentent pas le 
motif en S *). (A suivre.) 

*) Diametre int^rieur: 50 mm sur 55. 

•) Bonstetten, Rec. d'Antiq. Suisses, PI. XI, fig. 10, Echandens (Vaud); PI. V, tig. 6, 
Spietz (Beme); Musee cantonal Lausanne N* 48 (Bois de Vaud); .... etc. 



Inschriftliches aus Vindonissa. 

Von A, G essner, Aarau. 

Im Besitze des aargauischen Antiquariums befinden sich seit einiger Zeit ein 

paar Manuskripte von F. L. Haller von Königsfelden. Das wichtigste darunter 

ist ein Heft von 45 Seiten Folio, betitelt: Vindonissa antiqua ceu potius accu- 

rata descriptio atque illustratio eorum lipsanorum curiosorum etc., quae sub 

niinis hujus olim clarae civitatis crebro eruuntur, u. s. w., datiert von 1773. 

Der lateinisch geschriebene Text enthält zunächst eine Uebersicht über 
die Geschichte von Vindonissa bis zur Eroberung des Aargaus durch die 
Berner, dann einen catalogus imperatorum Romanorum, Francorum regum 
etc. etc., qui Vindonissae beneficia dedere ; ferner einen commentarius eorum 
imperatorum quorum nummi plurimum circa Vindonissam reperiuntur atque 
eruuntur, und endlich eine Beschreibung Vindonissas und Aufzählung der 
damals bekannten Funde. Auf Vollständigkeit macht der Verfasser aus- 
drücklich keinen Anspruch und bittet am Schlüsse den wohlwollenden Leser, 
»ut indulgeat erroribus adulescentis et tyronis antiquarii". 

Auf Seite 17 steht eine Notiz, die mir der Beachtung immerhin wert 
scheint: In horto Abbatiae Regiscampi existit inscriptio hie reperta junior 
quidem praecedenti,') dum meminit imperatoris Valeriani, illa autem videtur 
temporibus Antoninorum incisa fuisse lapidi. Haec, de qua nunc loquor, ita 
oblitterata est, ut nihil aliud legi possit, quam: VALERIAN. IMP. 

In Hallers Helvetien unter den Römern finde ich die Inschrift nicht er- 
mähnt; sollte sie vielleicht identisch sein mit Mommsen J. C. H. 255? 

Auf pag. 26 findet sich sodann eine willkommene Ergänzung zu Egli, 
christliche Inschriften (M. A. Z. XXIV), Nr. 48. Neugart, dem die In- 
schrift entnommen ist, beruft sich auf Haller als Gewährsmann. Der von 
Egli geäusserte leise Zweifel an Hallers Zuverlässigkeit dürfte für diesen 
Fall durch die im folgenden mitgeteilte Stelle gehoben sein, da Haller jeden- 
falls nicht absichtlich fälschte, und phantastische Constructionen, die man ihm 
ja wohl mit Recht vorwirft, speziell mit Beziehung auf Vindonissas Umfang, 
hier ausgeschlossen sind. Die Stelle lautet folgendermassen; es ist von ver- 
schiedenen Grabungen auf der Breite — „campus spatiosus" — die Rede: 
Anno 1765 denuo fodiebatur ruderaque domi reperiebantur et praecipue in- 
scriptio marmori incisa literis aureis: 



') Gemeint ist Mommsen J. C. H. 257. 



ii6 



T9IM 



') A PRA 

EBOSITIS IT ADMINST 
RATURIBVS DVMIDEI 
UIND 

Hanc Epigraphen fere oblitteratam vidi, ast utebantur ea rustici aedi- 
ficantes habitaculum, sequentia significat Germanice: von denen Verwaltern und 
Gotshausleuten im Dohm zu Windisch. Apparet ex litteris semibarbaris, 
eam inscriptionem positam fuisse in seculo sexto circa fere A. 592. Cum 
scilicet Maximus Constantiam emigrasset, uti supra dixi, legatos huc miserat, 
ad quorum tribunal ecclesiastica deferebantur omnia, quae acciderunt in dioe- 
cesi Vindonissensi. Legatis ergo structum erat aedificium, certe magnificum, 
quod incolerent; forte tunc reparabatur aedificium ab administratoribus ejus, 
quaepropter meminit inscriptio istorum. 

Ich teile auch noch die unmittelbar folgenden Zeilen mit : Cum hac inscrip- 
tione simul erutae sunt duae tabulae lateritiae (sie), queis erat inscripta Epi- 
graphe Gothica, utraque vero contrudebatur (sie). Prope tabulas eas appa- 
ruerunt ossa cinis etc. ac nummuli aliquot qui in meam coUectionem posthaec 
transiere. 

Ob sich diese ganze Jugendarbeit Hallers zur Veröffentlichung eignet» 
möchte ich bezweifeln, doch werde ich die Sache noch prüfen. 

*) Da die Wortstellung, sowie einige Kleinigkeiten mit Egli nicht stimmen, teile icb 
Ilallers Lesung mit. 



Die Wandgemälde im Turme des Schlosses Maienfeld. 

Neue Funde. 
Von / R. Rahn. 



Der erste Band des ^Anzeiger'', Neue Folge 1899, S. 125 u. f. brachte 
die Beschreibung von Ueberresten einer aus dem 14. Jahrhundert stammenden 
Bilderfolge, die sich im Turme des Schlosses Maienfeld befinden. Es wurde 
an diesen Bericht die Hoffnung geknüpft, dass noch Weiteres entdeckt wer- 
den möchte. Das hat sich in der That bewährt. Auf Anregung des Bericht- 
erstatters hatte der Vorstand der „Schweizerischen Gesellschaft für Erhaltung 
historischer Kunstdenkmäler" eine genaue Untersuchung aller Wandflächen 
angeordnet, wozu der Besitzer des Turmes, Herr Landammann Tanner in 
zuvorkommender Weise die Erlaubnis erteilte. Im Juni dieses Jahres wurden 
die Arbeiten unter der kundigen Leitung des Herrn Dekorationsmaler Chr. 
Schmidt-Erni begonnen und im folgenden Monat zu Ende geführt. Ihr 
Ergebnis ist sehr erfreulich, indem sie, soweit der Malgrund überhaupt noch 
erhalten war, die gesamte Ausstattung des Turmgeschosses zum Vorschein 
brachten. 

Aus drei Gruppen verschiedenartiger Zierden setzt sie sich zusammen, 
deren jede, wie es scheint, zu einem besondern Gelass gehörte. Die erste 
besteht aus Bildern, welche die westliche Hälfte der südlichen und den an- 
stossenden Teil der Westwand schmücken; die zweite, eine buntfarbige 
Musterung mit verschiedenartig verzierten Quadern, schmückt den nördlich 
folgenden Eckraum und wieder eine besondere Bemalung - weisse Stoss- 
und Lagerfugen auf grauem Grunde — befindet sich an der östlichen Hälfte 
der Nordwand und in der an der Ostseite befindlichen Fensterkammer. 

Die vornehmste Bedeutung kommt den Bildern zu, von denen bisher 
nur die der Kammer des südlichen Fensters bekannt gewesen waren. Jetzt 
sind auch solche in der Nische des nächstliegenden im Westen und auf den 
beiderseits anstossenden Wandflächen gefunden. Eine leichte Erhebung des 
Putzes, an der Südwand^ m 4,90 von der Südwestecke entfernt, deutet darauf, 
dass von hier eine Querwand ausgieng. Sie begrenzte mit dem Fenster das erste 
Bild, Eine gezinnte Mauer bildet den Hintergrund. Links vom Beschauer, 
wo Würste und ein Schinken an einer Querstange hängen, lagert ein Fass 
mit Beil und Holzschlägel darauf. Ein kniender Alter hat es angestochen, 
um ein grosses gereiftes Henkelgefäss zu füllen. Er schaut zurück zu dem 
Jüngling, der aus einem Becher trinkt und auf zwei vor ihm Stehende weist. 
Diese bartlosen Gesellen zur Rechten vom Beschauer, deren einzige Be- 
kleidung aus einer weiten Kniehose besteht, sind über dem Würfelspiel ins 
Raufen geraten. Sie packen sich gegenseitig am Schopf und zerkratzen sich 



ii8 190' 

mit der andern Hand das Gesicht* Zwischen ihnen steht ein Tisch mit dr 
Würfeln, dem Würielbecher und einem Schuh darauf; der Beinling eine 
Strumpfhose hängt überdies von der Tafel herab. 

Wohl ist diese Scene, die ihr Seitenstück unter den gleichzeitigen Bi| 
dern im Haus zur „Zinne" in Diessenhofen fand^ als Folge der Weinlese 
deuten, die unmittelbar daneben zum Schmuck der Fensternische gehftri 
Das Gegenstück (vgl. Anzeiger I. c. S- 127) war bisher ungedeutet. Nu 
scheint sich herauszustellen» dass ihm, wie den folgenden Bildern, die Dicfrkk 
sage zu Grunde Hegt '), Der Ritter, der nicht kämpfen will, ist Dietrich 
Bern und der ihm gegenüber Sitzende ist Ecke, der, wie sich jetzt deiilHc 
erkennen lässt, mit der Rechten sein Schwert erhebt. 

Ein schmaler Wandstreifen, der zwischen diesem Fenster und der Sü^ 
westecke übrig bleibt, ist mit einem Baume gefüllt, der auf knolligem Bode 
steht und die gleiche naive Stilisirung, wie die übrigen in diesem Raun 
abgebildeten, zeigt. Unmittelbar daneben folgt an der Westwand das zweA 
der neu entdeckten Bilder. Eine Quadermauer ist oben von einem Rti 
durchbrochen, das sich mit achtteiliger Fiosette öflfnet. Darunter, wo z^ 
Bäumchen w^achsen, kniet ein Jüngling mit langem um die Taille gegürtet 
Gewände, Er hat die Arme vor der Brust gekreuzt und neben ihi 
steht eine Dame, wohl die Königin auf dem Drachenfels, der Dietrid^ 
seinen Sieg über Ecke verkündet. Als Zeichen ihrer Verblüffung sind die 
seltsam ausbiegende Armbewegung und die Geberde der Linken itj 
deuten, die sich ausnimmt, als ob ihr eine Blume oder dergleichen ent- 
fallen sei. Dietrichs Zweikampf mit Fasold schildert das drüie Bilä^ das 
die rechtwinkelig anstossende Wandung des Fensters schmückt. Zwei hart 
lose Männer fechten mit Schwert und Buckler ihre Sache aus. Beide sind 
mit einer gegürteten Tunica bekleidet. Der eine, dem der Künstler eine 
vorzüglich aufgefasste Parirstellung gab, ist baarhaupt; sein Widerpart trägt 
eine knapp anliegende Tuchhaube, wie solche mehrfach auf den Bildern der 
Manesse*schen Liederhandschrift erscheinen. Zu beiden Seiten der Kämpfen* 
den steht ein Baum. 

Zwei Tiere sind an der Fensterwange gegenüber gemalt. Zur Linken 
schreitet mit tief gerecktem Kopfe ein Elephant, der einen Turm auf di^ 
Rücken trägt. Ein Männlein, mit Tunica bekleidet, steht davor mit einer 
dünnen Stange, einem Speer oder Stachel, dessen Enden sich nicht ip ' " 
erkennen lassen. Der Künstler hat des Kampfes gedacht, den Dietrich ü:i 
Fasold mit einem Elephanten bestanden, ohne freilich das Nähere ausni* 
führen, was die Sage darüber berichtet, und wieder so, als eine blosse An* 
spielung auf das folgende Abenteuer, ist der Greif zu deuten, der scheinbr 
vor dem Elephanten flieht, thatsächlich aber den Drachen vertritt, von wel- 
chem Dietrich und Fasold den Sintram befreiten. Zwischen beiden Tieren 



•) Den Hinweis darauf verdanke ich einem Winke des Herrn Dn Karl Siclilin «n 



Basel. 



I20 igoi 



öffnet sich eine viereckige Nische, wie eine solche in der Kammer des Süd- 
fensters (Anzeiger 1. c. S. 129) vermauert ist. Auch dieses kleine Gelass 
war ausgemalt» aber die farbigen Spuren lassen keinen Rückschluss mehr 
auf die Art seines Schmuckes zu. Den Beschluss der Folge machte das 
fünfte Bild, das auf der Stirnfläche zur Rechten des Fensters steht, üeber 
dem wellenförmigen Boden öffnet sich zu äusserst rechts der Ansatz einer 
RundbogenthQre. Was sich zwischen ihr und dem Fenster befand, ist 
grösstenteils zerstört ; nur der obere Abschluss hat sich erhalten, ein von der 
Oberkante des Fensters ausgehender Bau mit drei leeren, niedrigen Rund- 
bogenfenstern und einem Ziegeldache, das die Zinnen krönt. Zwischen den 
letzteren lugen die Büsten und Köpfe von Zuschauern hervor, darunter eine 
Dame, die ihr Hündchen hält. Keine Figuren, sondern nur Bäume haben 
darunter gestanden. 

Eine dritte Gruppe von Bildern sind die, welche Simsons Geschickt 
erzählen. Sie schmücken die Wölbungen der Nischen, mit denen sich die 
beiden in diesem südwestlichen Eckraum befindlichen Fenster öffnen. Der 
Künstler hat sich diese Vorgänge zur Nachtzeit gedacht und deshalb den 
Hintergrund mit Sternen besät* Neu sind die Darstellungen in der west- 
lichen Fensterkammen Sie zeigen die eine den Helden, jugendlich, mit langen 
Haaren, wie er rittlings auf einem gut stilisierten Löwen sitzt und ihm von himen 
den Rachen zerreisst. Das Andere zur Linken schildert den Kampf, in dem er 
die Philister besiegte. Bartlos, mit einem faltenreichen Gewände, das gfrl 
gürtet bis auf die Knöchel fäUt, eilt er nach links und holt mit beiden überj 
den Kopf zurückgeworfenen Armen zum wnichtigen Schlag mit dem Esels- j 
kinnbacken aus. Vor ihm drängen sich die Feinde, elf an der Zahl und] 
gerade so gerüstet, wie in der Manesse'schen Handschrift Herr Heinrich von 
Tettingen erscheint \ mit umgürteten Gewändern, die bis zu den Fössefil 
reichen, das Haupt mit Brünne und rundem Beckenhehne geschützt, mit dem ' 
Schwerte und dazu zweie mit Schild bewehrt, w^ährend die andern sich mit 
dem Buckler decken. Viere, die im VordertrefTen stunden, sind zw Bodenj 
gesunken, ein dritter, der unmittelbar vor Simson stürmte, will rücklings] 
fallen. Gestirnter Himmel und die Krone eines Baumes, die von linUj 
herüberneigt, bilden die Tiefe. 

Von dem Schmucke des Sockels, der mutmasslich ein ,,Umbehängf" 
oder eine teppichartige Musterung war, ist jede Spur verschwunden. Darüber 1 
zog sich eine weisse Borte hin. Eine Umrahmung der einzelnen Scenen gab! 
es nichtp nur die Fensternischen, und zwar ihre Leibungen wie die Fronten, j 
sind von einer Borte umsäumt» die aus Blattornamcnten verschiedener Zeich- 
nung besieht. Ueber den Stichbögen dieser Kammern geht der Hintergrund 
der Wandbilder in Form einer Mauerzinne durch. 

Keine Frage übrigens, dass auch diese neuesten Funde ober .den voller» 

*) F. X. Kraus, die Miniaturen der Manesse*schen Liedorhandschrift, Slrassburg - 
Taf. 122. Tuch hauben wie aufBitd 3. Taf. 14, 31, 36,39, 49, 84,92, 93, 123, 1^4, 127. 
Buckler. Tafel 62, 68 (mit spitzem Nabel), 93, 



121 igot 

Gehalt der Bilderfolge nicht aufzuklären vermögen, die ihre Ergänzung und 
ihren Abschluss erst durch die Darstellungen auf den nicht mehr vorhandenen 
Zwischenwänden fand. Alle stilistischen Merkmale, wie die Ueberein- 
Stimmung, die in Tracht und Bewaffnung mit Bildern der Manesse'schen 
Liederhandschrift besteht, weisen auf den Anfang des XIV. Jahrhunderts hin. 

lieber die Einzelheiten der Zeichnung, über Farben und Technik ist, 
weil dieser Bericht sich ausschliesslich auf die Durchzeichnungen stützt, ein 
Urteil noch nicht erlaubt. 

Mit welchen Mitteln die Ausführung geschah, ist unbekannt. So glasig, 
wie die enkaustischer Malereien, ist die Erscheinung der Bilder und der 
Farbenauftrag ein so dauerhafter, dass die gründliche Durchnässung, die bei 
Entfernung der Tapeten und des zähen Kleisters vorgenommen werden 
musste, ihn durchaus unbeschädigt liess. Nur da, wo der Malgrund abge- 
fallen oder zerrieben war, hatten die Bilder schon früher gelitten. 

Die Kammer des zweiten Fensters und die beiderseits anstossenden 
Flächen der Westwand, sowie die entsprechenden Teile an der westlichen 
Hälfte der Nordmauer waren mit buntem Quaderwerk bemalt. Die 
Stoss- und Lagerfugen sind weiss, die Quader alle verschieden gemustert, 
mit Kreisen, Sternen, concentrischen Segmenten und Wellenlinien; andere 
sind gegittert, zickzackförmig, oder mit Bandverschlingungen geschmückt; 
auch Combinationen aus diesen verschiedenen Elementen kommen vor. 
Die farbige Wirkung ist dumpf und gebrochen. Je der zweite Quader 
ist auf hellgelbem Grunde mit okerfarbigen Ornamenten bemalt, die 
schwarz contouriert und einseitig weiss gefasst sind. Auf den übrigen 
Quadern, die mit jenen in regelmässiger Folge wechseln, bildet Grau den 
Grund der blaugrünen Zierden, die mit einer roten Mittellinie versehen 
und wie die gelben gefasst sind. Die Vorderkante der Kammerleibungen und 
ihre Stirnen sind mit einem 25 cm breiten Streifen von braunroter Farbe 
begleitet, den ein gleichfalls weiss contouriertes Gesimse krönt. An den 
Wandungen ist es rechtwinkelig, an den Fronten mit schräger Ausladung 
gebildet und sein Schmuck besteht aus Zickzackbändern, wie solche die 
Quader zieren. Darüber wölbt sich, die Leibung und Fronte begleitend, der 
Bogen ; er hat die gleiche Breite, wie seine Stützen und ist aus abwechselnd 
braunroten und grauen Keilsteinen gebildet. Ein Rundstab hebt sich aus 
ihrer Mitte hervor, über dem sich die weissen Fugen halbrund verkröpfen. 
An den Wandfronten sind die Quader bedeutend grösser als die der Kam- 
mern und auf die hohe Kante gestellt, im übrigen die Ornamente und ihre 
Farben die gleichen. Auch diese Musterung, die an solche in romanischen 
Bauten erinnert, mag für eine Arbeit aus der ersten Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts gehalten werden. 

Dem Vereine, dem wir die Hebung dieses Fundes verdanken, ist dessen 
Veröffentlichung als eine lohnende Aufgabe vorbehalten. 
Juli 1901. 



Die Maler- und Schreiberschule von Engelberg. 

Von Robert Durrer, 
(Fortsetzung.) 



Die frowinische Kunstrichtung hat mit dem Tode ihres Urhebers und 
vorzüglichsten Trägers *) ein plötzliches Ende genommen ; beinahe unver- 
mittelt vollzieht sich der stilistische Umschwung. 

Alle Werke, die den Namen seines Nachfolgers Berchtold (i 178— 1 197) 
tragen, zeigen ihrer ganzen Ausstattung nach eine neue freiere Formen- 
sprache, die nur ganz allgemein an die alte Schule anlehnt. 

Auch hier beschränkt sich zwar der ganze Buchschmuck auf die zwei 
bisherigen Arten der Initialornamentik : reiche mit Figuren und Rankenwerk 
verzierte Initialen am Anfange grösserer Abschnitte und kleinere rote Zier- 
buchstaben von rein kalligraphischer Art; für beide werden nunmehr fast 
ausschliesslich Majuskelformen verwendet. 

Der wachsenden Verzierungslust entsprechend sind letztere nun aber 
fast auf jeder Seite angebracht, sie werden reicher und verschnörkelter, mit 
Blattansätzen, Zickzack-, wellenförmig oder im Sinne der Pflanzenomamentik 
gebrochenen Begleitlinien ausgestattet ; oft wachsen sie zu eigentlichen Rand- 
verzierungen aus. 

Bei den kunstvollen grossen Initialen hat sich das Pflanzliche um einen 
weiten Schritt vorwärts entwickelt. Das rundliche Knollenblatt wird gänz- 
lich verdrängt von einem ausgebildeteren gezahnten Lanzettblatt, das oft im 
Profil dargestellt und meist durch Schraffuren oder mennigroten Pinselauf- 
trag modelliert ist *). Im Verlaufe seiner weitem Durchbildung wird es mit 
Rippen versehen, erhält mannigfache Einschnitte und Auszackungen, wird 
immer bewegter, dreht und tiberschlägt sich und verleiht dem ganzen Or- 
nament etwas Krauses, zuweilen etwas Unruhiges. Dabei aber bleibt die 
Zeichnung von bewundernswerter Sicherheit und Klarheit (Fig. 67). 

') Von all den in Anm. i S. 46 genannten Frowinbänden lassen einzig Cod. 2, 47, 
64, 65, 135 in ihren ausschliesslich omamentalen Initialen durch die unsichere Strichführung eine 
Schülerhand vermuten. Doch könnte dieses Merkmal immerhin auch durch die alternde 
Hand des Meisters erklärt werden, denn Frowin, der über dreissig Jahre dem Kloster BIngel- 
berg vorstand und wahrscheinlich schon vor 1123 in den Konvent S. Blasien eingetreten 
war, muss das Greisenalter erreicht haben. 

•) In den Frowin-Bänden finden sich nur schüchterne Anfänge dieser Entwicklung, 
so z. B. in jenem reichen S aus Cod. 16, unzweifelhaft einem der spätesten Werke der 
Frowin'schen Schreibstube (Fig. 44). 



124 ^9^^ 



In viel höherem Masse treten die Vorzüge in den Bilderinitialen hervor. 
Der hohe Aufschwung den die Malerei in der zweiten Hälfte des XU, Jahr- 
hunderts von Süddeutschland aus nahm, zeigt sich hier plötzlich in schönster 
Weise. Es ist dieselbe Richtung, die uns aus dem Hortus deliciarum der 
Herrad v, Landsberg, besonders aber aus der Berliner Handschrift Wemhers 
V. Tegernsee entgegentritt, fn dem Mönch von Engelberg hat diese neue 
Richtung einen ihrer begabtesten Träger gefunden. 

Mit der entarteten Klassizität, die noch in Frowins Gestalten spuckt, 
ist hier endgültig aufgeräumt, der Maler hat die Erscheinungsformen der 
Natur mit eigenen Augen beobachten gelernt und lässt nun seinem elemen- 
taren Gestaltungstrieb die Zügel schiessen. In lebhafter Anschaulichkeit 
weiss er historische, durch den Text gegebene Motive vorzuführen, da wo 
aber die sprudelnde Phantasie ungehindert durch den Stoff frei walten kann, 
da zaubert sie grossartige dämonisch-wilde Visionen auf das Pergament. Und 
das Können hält mit dem Fluge der Gedanken ziemlich Schritt Die Köpfe* 
streben nach Ausdruck und sind gut individualisiert; oft erreichen sie einer 
porträtartige Wirkung, Die meist gedrungenen, nicht immer wohl propoi — 
tionierten Gestalten sind voll Leben ; man muss staunen^ wie die schwnerigsterm 
Bewegungsmotive gelingen. Die ausgesprochene Vorliebe für nackte Gc— 
statten, - wie man sie schon bei Frowin vereinzelt auftauchen sieht» — ma^" 
damit zusammenhängen. Wo immer möglich sucht der Maler an solcher^ 
Figürchen, denen er die gesuchtesten Stellungen giebt, seine Meisterschart 
zu erproben und verrät dabei eine recht genaue Kenntnis des menschlichein 
Körpers. Manchmal möchte man beinahe an direktes ModeUstudium denken»- 
Die Gewänder sind einfach stilisiert und der Bew^egung und Körper** 
form angepasst. Gerade in der Draperie ist in den spätem Werken ein 
Fortschritt bemerkbar; charakteristisch bleiben die dreieckigen mit strahlen-^ 
förmigen Strichlagen schattierten Falten, Der Mönch von Engelberg ver- 
zichtet meistens auf farbige Wirkung, selbst für die Rankeninitialen wende^t 
er die bunten Gründe nicht mehr an ; diese repräsentieren sich als blosse 

Hotte Federzeichnungen, bald rot, bald 
schwarzbraun^ bald w^echselweise in beiden 
Farben kontouriert. Die figürlichen Dar- 
stellungen sind vorwiegend in einem warmen 
Sepiaton getuscht und nur zuweilen ist 
zartes Rot höchst diskret in der Model- 
lierung nackter Teile und in der Draperie 
verwendet. Erst gegen Schluss seiner Wirk^ 
samkeit hat sich der Künstler der Gouache* 
maierei zugewandt^ — wie wnr sehen wer- 
den nicht mit Glück, — die blosse getuschle 
Federzeichnung war das Ausdrucksmittel, 
das den frischen Eingebungen seiner aben- 
Fig. 68 A. u 37, Fol. 2i6at',, O.-G.). teuerlichen Phantasie am besten entsprach. 



125 '^* 

Im Gegensatz zu den Frowin*schen Werken, die eine chronologische 
Ausscheidung nicht gestatten, — was vielleicht als ein weiterer Grund für 
die direkte Urheberschaft des Abtes, der seine Entwicklungsjahre längst 
hinter sich hatte, als er nach Engelberg kam, anzuführen ist, — lässt sich 
der künstlerische Werdegang von Abt Berchtolds Illuminator ziemlich genau 
verfolgen. 

Abgesehen von jenem oben erwähnten Initial, der vielleicht bereits von 
seiner Hand herrührt '), dürfte Cod. 37 das älteste seiner Werke sein, eine 
Abschrift der CoUationes patrum des Johannes Cassianus, die an der Spitze 
die Verse trägt : 

Ista tibi dona, genitrix et virgo patrona 
Bertoldum dantem serves apud omnitonantem. 

Die kleinern Titelbuchstaben sind hier noch meistens frowinisch, die 
neuen Elemente darin erst angedeutet; bei den zwölf grössern, teils rot, teils 
schwarz umrissenen Initialen ist das Blattwerk in der Umbildung begriffen, 
aber neben neuen Formen findet sich noch das freilich bereits modifizierte 
Knollenblatt. Das schönste Beispiel steht auf Seite 133: ein P, in dessen 
Ranken sich ein Armbrustschütze verfangen hat. Auch als eine der ältesten 
Abbildungen der ausgebildeten Armbrust verdient die Darstellung Interesse 
(vgl. Fig. 67). 

Der Initial am Anfang des neunten Buches zeigt dagegen, obgleich die 
Strichführung noch etwas ängstlich, den ausgesprochenen Charakter des 
neuen Stiles. Das auf verkröpftem Rahmen stehende D umschliesst die 
Halbfigur eines bärtigen tonsurierten Mönchs. Er trägt eine Kutte mit 
niederhängender Kapuze und weiten, an der Oeffnung in seltsamer Weise 
mehrfach zusammengeknöpften oder vernestelten Aermeln, die Linke hält 
ein leeres Spruchband, die Rechte weist auf drei Mädchengestalten, die von 
der Seite nahen und deren vorderste ihm zutraulich die Hand auf die Schulter 
legt (Fig. 68). Der betreffende Abschnitt enthält die Unterredung mit dem 
Abte Isaak über das Gebet, und die Macht des Gebetes gegen die Versuch- 
ung scheint der Zeichner hier schildern zu wollen; eine andere nähere Be- 
ziehung auf den Text ergiebt sich wenigstens nicht. Der einige Blätter weiter 
vornen mit der Feder frisch auf den untern Rand gezeichnete und mit dünn- 
flüssiger Farbe lavierte blondhaarige und rotwangige Mädchenkopf dürfte 
eine Vorstudie zu diesem Bilde darstellen. 

Diesem Bande steht zeitlich Cod. 66, eine Glossenhandschrift *), am 
nächsten, dessen einziger Rankeninitial noch etwas rundliche Blattformen 
aufweist, während die kleinen roten Majuskeln bereits reich mit Blatt- und 
Fiügelansätzen versehen sind. 

In Cod. 35 Liber historiarum Philippicarum des Justinus, der in dem 
Verse : 



•) Vgl. oben S. 55. 

•) Sie enthält eine Interpretatio vocabulorum sacrae scripturae ex S. Hieronymi et 
allorum ss. patrum scriptis collecta und ein die Buchstaben ABC umfassendes Glossar. 



126 



l^oi^ 



Hoc pie Christe datum, Berchtoldi sit tibi gratum 
sein EntstehungsdatujTi umschreibt, sind die kleinern Miniuminitialen bereits 
vollständig in neuer Art ausgebildet, doch zeigen sie noch eine ge- 
wisse Schwerfälligkeit und Befangenheit Der 
einzige grössere Initial weist in hoch rechteckigem 
Rahmen das Wort PRINCIPIO, zeigt den völli. 
gen Sieg der neuen Blattform und erinnert in 
der Wirkung von Schw^arz und Rot auffallend 
an die Initialen von Inkunabeldrucken. 

Wie den gleichen Anfangsvers so zeigt 
die Compilatio Sanblasiana in Cod. 9 *) auch 
die grösste Aehnlichkeit mit dem obgenannten 
Bande : ein aus reichen pflanzen artigen Minium- 
majuskeln'zusammengesetztessechszeiliges Titel 
blatt, auf der folgenden Seite 11^ ein grosses 
P mit krausen Ranken und darunter ein sicher- 
gezeichnetes nacktes Figürchen, das ein anderes 
auf dem Rücken davonträgt. Trotzdem die 
Gruppe durch eine spätere prüde Hand halb I 
ausgelöscht worden, erkennt man das charakte- 
risdsche Erfassen der Situation (vgl. Fig 67 
rechts). Die im Texte zerstreuten Miniuminitialen 
sind noch einfach, nur von Zinnenleisten begleitet und fast ohne Blatt- 
ansätze. 

Wieder etwas später datiere ich den abermals mit demselben Vers be- 
zeichneten Cod, 68, Claudiani Mamerti de statu animae. Auch hier ist die Aiis^ 
stattung eine bescheidene: nur drei grössere Initialen, wovon ein mit Fratzen 
und Laubwerk verziertes E als Vorstufe für spätere Leistungen derselben 
Hand der Beachtung wert ist (vgl. Fig. 67) und ein P mit drei langg^ 
wandeten Mädchenfiguren an Cod. 37 erinnert, aber in den Gesichtern bereits 
rötlich modelliert und in den Haaren rot und braun laviert ist. Bemerkens- 
wert ist auch eine Blattstudie am untern Rande von Seite 93. 



tnjniif^inAi 
frj. cri iiccHo 



(Orig. 13 cm hoch). 



*) P, Bentdiki Goitwaid Catalogus manu&criptonim l. c. S. 27 bezeichnet den Ba"^ 
mit aller Bestimmtheit a!s frowinisch und hält den von einer Hand des XVIL Jahrhimdctti 
auf radierter Stelle rescribierten Namen Berchtolds für eine böswillige Fälschimg, Er hit | 
übersehen, dass die beiden Teile des Bandes von zwei verschiedenen Händen herrühret 
Der erste Teil^ der die S* Blasianer und Engelberger Annalen umfasst, zeigt zweifellos 
frowinischen Ductus der Schrift und ist wahrscheinlich von Frowin selber noch in S, Blasicn 
begonnen und in Engelberg fortgesetzt worden. Der zweite Teil aber, die genannte Cocn- 
pUatio, an dessen Stimc der erwähnte Vers steht, zeigt ebenso bestimmt in der Ausstattutig j 
und auch in der Schrift alle Merkmale der Berchtol duschen Schreibstube» so dass an dcfl 
Richtigkeit des rescribierten Namens nicht gezweifelt werden darf — Das richtige Vcn^J 
hältnb ist bisher nie erkannt worden, im Gegensatz zu Gottwald hatten Abt Kari Siadk 
in seinem handschriftlichen Manuskripte-Katalog S. 226 und Dr, H, v, Litbmau im Ver 
S. 36 auch die Annalen als eine Abschrift Abt Berchtolds bezeichnet. 



127 '^' 

In Cod. 50 Variae epistolae sanc- 
torum patrum hat sich die Eigenart des 
Künstlers noch weiter gebildet Das 
zeigt gleich am Anfang des Bandes die 
als Initial I verwendete Figur des heiligen 
Hieronymus. Der dem steifen Nacken 
aufsitzende, von kurzem Vollbart um- 
rahmte Kopf ist voll Energie; weniger 
gelungen ist die schmale Gestalt mit 
den abschüssigen Schultern und der 
unglücklichen Fusstellung (Fig. 69). Die 
selben Vorzüge und Mängel zeigt die 

Fig. 70, A.C. 50, S. 108b (Orig.Scmh.). Gruppe eines Bischofs und eines Mön- 
ches auf S. 108^ Die Köpfe, be- 
' sonders jener des Mönches, sind von überraschender Charakteristik, der 

durch die Dimensionen des Buchstabenkörpers in seiner Entwicklung ge- 
hemmte Körper des Bischofs dagegen ist 

völÜg verunglückt. Wie S. Hieronymus 
I so sind auch diese Figuren in den Ge- 
sichtern braun und in den Gewändern 

mennigrot modelliert (Fig. 70). Hier kommt 

auch in dem kleinen P auf S. 135 zum 

ersten Male der phantastische Sinn des 

Zeichners zum Durchbruch, Die das 

Rosenschappel zwischen ihren Eselsohren 

tragende mit Schwert und heraldischem 

Adlerschild bewehrte Teufelsfratze ist der 

Ahnherr einer Reihe solcher Figuren in 

seinen spätem Werken (vgl. Fig; 67). 



m 



Fig. 71. Aus Cod. 18, S. 60 b (% O.-G*) 



IFJg* 72. Aus Cod. i7, S» 106 a (% O.C). 



Um diese Zeit muss dem Illumina- 
tor der Auftrag geworden sein, einige 
ältere Frowin sehe Handschriften nach- 
träglich mit reicherem Schmuck zu 
versehen. Es waren das zunächst drei 
Bände der Werke des h* Augustinus, 
von welchen nur Cod, 17, die Abband- 
lung vom Gottesstaate bereits vier 
grössere Initialen enthielt, die beiden 
andern Cod. 18 und Cod. 12 bloss^^mit 
frowinischen einfachen Miniumbuchsta- 
ben verziert waren. Diese letztern 
wiu-den nun teils gänzUcb ausgelöscht. 



teils blieben sie ganz oder partiell stehen und wurden zum Ausgangspunkt 
der neuen Komposition genommen. 

In Cod, i8 ist der neue Schmuck nur spärlich verwendet: die zwm 
einzigen Initialen O zeigen in wenig modifizierter Form dieselbe knieende 
Figur des heiligen Bischofs (Fig. 71). Die misslungenen Verhältnisse finden 
wieder durch die Benützung der Grundform des alten Buchstabens ihre Eni 
schuldigung. Cod, 17 zeigt fünf neue Initialen, von denen das beistehende N 
mit der originell komponierten Predigt des heiligen Augustin besonders ge- 
lungen ist (Fig. 72), 

In Cod. 12, der die zweite Hälfte der Psalmenerklärung umfasst, ist die 
neue Dekoradon am weitesten gediehen, wenn auch nicht ganz plangemäSÄ 
durchgeführt, denn an einer Stelle ist bereits mit dem Silberstift eine neue 
Majuskel m das alte kapitale N vorgezeichnet und anderwärts ein aus.* 
radiertes U unersetzt geblieben. 

Zu Anfang des Bandes, an der Spitze der Erklärung des fünfzigsten 

Psalms hat sich der Zeichner 



V 



(im <f «rttt AdtlUlß 



Fig. 73. Aus Cod. 13, S. t b. Initial mit der Geschichte 
des Priesters Abimelech ('/i O.-G*). 



zum ersten Maie in einer 
grössern historischen Kompo- 
sition versucht. Wenn man 
die Schwierigkeiten, die der 
beschränkte Raum und die 
Grundform des Buchstabens 
P bot, in Betracht zieht, so 
kann man ihm die Anerkenn* 
ung über die Lösung der Auf- 
gabe nicht versagen. Die Dar- 
stellung bezieht sich auf die 
im Texte angeführte Erzählung 
des Buches der Könige I, 22 
und 23, wie der Priester Abi- 
melech den flüchtigen David 
mit Schaubroden speist tind 
darob von Do^g an Saul ver- 
raten wird. Der von einem 
barfüssigen Atlanten getrag- 
ene Stamm des Buchstabens 
ist von einer Rundbogenthür 
durchbrochen, aus welcher de 
Priester mit den im Mant 
geborgenen Broden tritt. Da- 
vid ist zwar infolge der durch- 
laufenden Schriftzeilein seinem 
Wachstum etwas zurückge- 
blieben, bringt aber das Ei< 



129 *^' 

des Verbannten in Haltung und Geste drastisch zum Ausdruck, Oben in 
der aus Flechtwerk gebildeten Rundung siUt der grimme Saul und scheint 
im Begriffe sein Schwert zur Bestrafung des Priesters dem Verräter DoCg 
zu reichen; derselbe ist durch eine Heerde zu seinen Füssen als ^princeps 
pastorum** charakterisiert und raunt mit eindringlicher Geberde dem König 
seine Beobachtungen zu (Fig. 73), 

Eine sehr hübsche I^eistung ist der Initial D auf Seite 91 mit dem 
Brustbild eines jugendlichen Königs in der Wölbung und einer langohrigen 

nackten Teufelsfigur am obern Schw^eif des 

Buchstabens (Fig. 74)* Aehnlicher Art sind 

die übrigen Initialen dieses Bandes, die 

^_^^^ meist in direkter Beziehung zum Texte 

[( vr^ ( / ^^ -^ stehen. Da sieht man Christus in mancher- 

^ V ^*^Cld p*?f2i^W^ lei Auffassung: in der Weinkelter, als 

■jaj^---'t>NJ£^^^i^^ König der Herrlichkeit mit Reichsapfel 
^^^B^f ^^F^r^ \ ^^^^ Kreuzszepter^ und wiederum in könig- 
^^^BS^hsSsStL^^f^ aaga '^^'^^^ Glorie mit Schwert und Kieeblatt- 
^^^Hh^^^^^P'—'^^ ^^1 ^^^^ einem aus der Lohe des Fegfeuers 
^^^^^HClr i^>l>v^ A a'jftauchenden Manne erscheinend oder 
^^^^^B\ l rt^Sx^ / * ^^^^^ ^^^ Psalmisten schwebend, betend, 
^^^^^H \\/^J^ / ^^^^ allegorische Gestalt der Kirche segnend 

^^^^^H N^t^::^ 1 und das Schwert im Munde haltend ge- 

^^^HTui^ft^uTttf^m^dTtL^ "^^s^ d^" Worten der Offenbarung i. 16. 

Beachtenswert ist dabei, dass der Heiland 
Fig. 74. Aus Cod, 12. ^. yi [\. u.U.), meist völlig bartlos dargestellt ist. Ferner 

erblickt man Moses mit den Gesetzestafeln 
und verhülltem Haupt, eine sita^ende Bischofsfigur, Oranten und die Figur der 
Kirche mit Mitra und Kreuznimbus und gar oft ausserhalb des Buchstaben- 
körpers jene bereits bekannten phantastischen Teufels- und L)äm<jnengesta!ten. 
Das gleiche Entwicklungsstadium unseres Zeichners belegen vier auf 
Rasur stehende und schon dadurch als nachträgliche Hinzufügung charak- 
terisierte Initialen im dritten Bande des grossen F^rowin sehen Bibelwerkes 
Schon Rahn, der den wahren Sachverhalt nicht kannte^), und diese Bilder 
der Zeit Frowins zuschrieb, wies auf die Schönheit des Initials U mit der 
Vision des Jeremias hin Die Erregung des greisen Sehers, der die gött- 
liche Eingebung von einer durch den Kreuznimbus ausgezeichneten Gestalt 
in Form eines mächtigen Folianten empfängt, der Eifer des jugendlichen 
Schreibers^ sind mit einfachen Mitteln glücklich zum Ausdruck gebracht 
(Fig* 75). In einem zweiten, ebenso hübschen und in der Komposition noch 
reichern Initial ist Daniel dargestellt, der von einem Engel inspiriert, dem König 

) Erst P. Hieronymus Mayer: Das Benediklinerstift Engclbcrg, Beilage z. Jahresbe- 
richt des Gymnasiums 1890/91 hat Seite 14 Anm. 1 darauf aufmerksam gemacht» dass diese 
fortgeschrittenen Bilder in den Frovvin*Manuskripten sämtlich auf Rasur stehen und spatere 
Nachträge sind. 



Belsazar die drohende Erscheinung deutet. Das äussere Schlingwerk des Buch^ 
stabens ist von nackten Figuren belebt. Ein phantastisches Majuskel-E auf Seite88 
mit gehörnten Fratzen bringt den ersten Entwurf zu einem Thema, das wir in 
vollendeter Gestalt in dem Hauptwerk des Meisters wieder begegnen '), Es ist 
auch der Versuch gemacht worden, die alten Frowinischen Illustrationen dieses 
Bandes der neuen Geschmacksrichtung anzupassen, doch blieb es beim ersten 
Versuche, Das Rankenwerk des auf Fig. 44 abgebildeten grossen P erhielt da* 
bei einige ausgebildete Zahnblätter und die Inful ist an die Stelle einer ausge- 
löschten zweigipfeligen Hohepriestermütze getreten. Vielleicht dass auch die 



Fig, ^5. Initial mit der Vision des Propheten Jeremias aus Luu. j, .3, 109 b {*U O/dl 



Rätsel des Titelblattes (Fig. 53), zum teil wenigstens, auf eine damals b^j 
gonnene Ueberarbeitung zurückzuführen sind '), 

Die kritiklose Annahme, dass diese nachträglichen Bildwerke gleich^eil)|t1 
mit dem übrigen Schmuck jener Frowinbände entstanden seien, hat offenbar in 
Verbindung mit den Versen in Cod 9, 35, 37 und 68 die Behauptung venn 
lasst, Abt Berchtold sei selber ausübender Kalligraph und Schüler und Mit 
arbeiter Frowins gewesen. Gan^ abgesehen von jenen Versen, die ebeni)^ 



*) VgL unten Fig. 83. 

*) Diese ueberarbeitung könnte sich einzig auf die Modellierung und elwelche Kr 
toucben beziehen^ da Rasuren nicht vorhanden sind. Vgl, oben S* 54. 



131 »9«« 



gut auf den Auftraggeber wie auf den Schreiber Berchtold zu deuten sind, 
ist es zwar an sich nicht unwahrscheinlich, dass der Abt, der gleich seinem 
Vorgänger theologische Streitschriften verfass(|^, als Schreiber tätig war 
und von den zwei oder mehr Schreiberhänden, die sich in seiner Amts- 
periode unterscheiden lassen, kann wohl die eine ihm angehören. Keines- 
wegs aber darf man in ihm unsern genialen Zeichner suchen, denn dessen 
Wirken reicht über Berchtolds Zeit hinaus* 

Gerade sein künstlerisches Hauptwerk Cod. 14, Augustins Abhandlung 
über die Dreieinigkeit ist zwar noch auf Berchtolds Geheiss begonnen, aber 
erst unter seinem Nachfolger Heinrich I vollendet worden. Dies bezeugen 
die Eingangsverse: 

Abbas dum fulsit Berhtold me scribere jussit. 
Unde Deus trinus vere quoque noscitur unus. 
Sed mox hie dignus, castus pater atque benignus 
Carnis onus posuit, presentia scriptaque Itnquit 
Imperfecta. Sibi successit munere Christi 
Dictus Heinricus, bonus hie retinereque dignus 
Abbatis nomen perfecit et ipse volumen. 
Ergo dei pia mamma, tui que filia nati, 
Tu genitusque tuus dignare voluminis huius 
Munus blanda datum bona mitis suscipe gratum. 
Da Abt Berchtolds Tod nach dem Necrologium und den gleichzeitigen 
Engelberger Annalen auf den 3. November 1197 fällt und Heinrichs Wahl 
sehr bald (mox) erfolgte, so ist die Entstehung des Werkes in die Jahre 
1197/1198 fixiert. 

Der Schmuck des überaus reichen Prachtfolianten zeigt den Miniator auf 
der Stufe seiner künstlerischen Vollendung. Hier fand er eine Aufgabe, die 
der Richtung seines Talentes besonders entsprach: der abstrakte Inhalt 
erlaubte zum vornherein von jedem engern Anschluss an den Text abzusehen 
und Hess seiner Phantasie freien Spielraum, die denn auch hier wahre 
Orgien feiert^)* 

Der Bilderschmuck w^ird auf der untern Hälfte des Blattes i** durch 
eine Darstellung eingeleitet, die Augustinus gegenüber den Repräsentanten 
der von ihm bekämpften Sekten der Donatisten, Manichäer und Pelagianer 
zeigt und durch die Unterschrift: 

Malleus erroris divini rore saporis 
Augustinus hie ebrius indeque sobrius huius 
Hi metuunt vultum, quia seit confundere multum 
Reges perfidie convincens ore sophye. 
erklärt wird. Die Charakteristik der drei Irrlehrer zeigt überraschend feine 
Züge. Die Haltung des Vordersten scheint sich auf Augustins Ausspruch 

*) Rahn hat den Cod. zuerst in seiner Geschichte der bild, Künste tn der Schweiz^ 
S. 310 kurz behandelt und giebt drei Hokschnittproben des Initialschmuckes, Zwei weitere 
Proben bei Kuhfif Kunstgeschichte^ Lieferung 15, S. 220 und 221, 



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Fig. 76. S, Augustinus und die Irrlehrer aus Cod, 14, S, i b (ca. */* 0»-ij i- 

über die Donatisten zu beziehen: ihre Augen seien entzündet^ sie könnten 
nur durch Milde und Schonung gewonnen werden ; zwar könnte man da 
Schielen durch die gespreizten Finger auch als Ausdruck des freivvilligetrl 
Irrens deuten. Aufgeblasener Hochmut und protzige Rechthaberei sind inj 
dem Dritten, der mit seinem Pallium spielt, trefl'lich gezeichnet, am schönslertj 
aber in der Mittelfigur, die sich die Bartspitze zaust, das forschende Gröbelit] 
des Zweiflers (F'ig. 76). 

Der Initial des Vorwortes ist der erste Versuch in Deckfarbenraalerei; au 
hellgrünem Rahmen ein blau unterlegtes leuchtend rotes D mit gelbem^Blatt- 
werk spriessend und inj eine Glockenblume endend, um die sich komische Ge-j 
stalten tummeln (Fig. 77). Jedes der nun folgenden fünfzehn Kapitel ist mit eineffll 
grossen braun getuschten Bilderinitial geschmückt iFig, 78-92). Es wäre vergeblich j 
diese Ein fälle einer übermütigen Laune auch nur annähernd analysieren zu wollen*! 

Da springen und klettern Gestalten durch das Schtingwerk, mit AexU 
und Rebmessern die Ranken bearbeitend, während ein Bogenschütze nadll 
einem Gockel zielt. Dort vereinigen sich kleinere Figuren zur Zerstörunf^ 
eines sonderbar geformten Baumes, den sie mit den genannten Instrumenlö 
zersplittern, so dass die beiden nackten Riesengestalten, die im Wipfel hausten 



t^f9>t 



r>' 



o: 



auf den Buchstabenkörper hin- 
über flüchten; — wie trefflich 
ist dabei das schwierige Beweg- 
ungsmotiv desjenigen durchge- 
führt, der sich eben auf den 
Bogen des D hinaufschwingt! — 
Hier verrät zwar die Darstellung 
emer Weinlese die Lage des 
Klosters in einem Klima, „das 
keine Traube reift" *), denn die 
schwere Rebenranke, die ein auf 
den Fusspitzen emporgereckter 
Jüngling niederbiegt, wird von 
dessen Gefährten mit weit aus- 
geholtem Axthieb abgeschnitten ; 
aber wie naturalistisch ist bei 
^ /, ^- dem nackten Burschen, der den 

'VTftnJnf'qUtdiJlutTltn^VfUÄ- Reibstein emporzuJieben suclit, 

^i^MÄe^l^l'Ötnilmfln ^'^ Anstrengy^ng von den em- 
^^^^^HM^^^^v v'ii^^i'i^«« %|M porgezogenen Brauen bis zu den 

Fig. 77. Dcckfarbeninitial a, L. 14, S. 2a ( ;. O.G.), eingekrümmten Zehen zum Aus- 
druck gebracht. Auf einem an- 
dern Bilde der Weinlese werden die am Buchstaben rankenden Trauben 
direkt von drei nackten Figuren in die untenstehende Kufe gepflückt und 
ausgetreten* — Und welche Kraft liegt in dem N auf Seite 115, dessen 
Balken ein Athlet mit Händen und Zähnen auseinander zu reissen sucht 
und wie schwungvoll ist das T auf Seite loi oder das Majuskel-E mit 
den drei Teufelsgestalten, von denen sich jede durch ihren besondern Kopf- 
schmuck , Eselsohren , Widder* und Steinbockgehörn unterscheidet. Den 
Höhepunkt von Phantastik erreicht ein langgestrecktes I mit einer Jongleur- 
figur, die ihren Kopf zwischen den Beinen durchstreckt und einem „siamesi- 
schen Zwillingspaar*'. Nur zwei der Bilderinitialen nehmen auf den Autor» 
wenn auch nicht direkt auf den Text Rücksicht: der heilige Augustinus, der 
einen jungen tonsurierten Kleriker unterrichtet, und der Bischof» der die vom 
Dämon gepackte Seele nach oben weist, wo Christus zwei gerettete Seelen 
in seinem Mantel birgt ^). Dagegen habe ich im Texte vergeblich nach einer 
Erklärung für die Darstellung am Anfange des dritten Kapitels gesucht, die 
ganz den Eindruck einer eigentlichen Illustration macht: ein Mönch schaut 



*) ^CenoUutn, quod inter atplum nivosa caciimina situm esse dinoscitur, ubi terra 
non parit segetem nee vitibus recundatur, tibi grando nix, glacies continue dominantur/ 
Vrk, ca. 1199 Stifts-A. Engclbcrg. Gfd. XIV, 336. 

•) Christus ist hier wiederum bartlos dargestellt, eine Besonderheit des Künstlers, 
auf die wir bereits oben S. 129 hinwiesen. Der unbartige Christtistypus ist sonst in dieser 
ilt nicht mehr gebräuchlich. 



134- 



19« 



L_ 



zum Fenster hinaus; eine 
modisch gekleidete Dame 
mit bis auf die Füsse 
reichenden Hängeärmeln 
scheint ihm eine ärmliche 
barfüssige F'rauengestalt zu 
präsentieren, indem sie die^ 
selbe an der Schulter packt 
und vorschiebt* Vielleicht 
darf man zur allegorischen 
Deutung greifen und in der 
Modedame die „Frau Welt* 
erblicken , welche dem 
Mönche die abschreckende 
Personifikation des asce^ 
tischen Lebens vorhält ? 
(Fig, 80). 

Alle Vorzüge des Meis-j 
ters kommen in diesenj 
Bildern zur höchsten Gel-j 
tung, die ProportionenJ 
haben sich" verbessert, defj 
Gestus ist sprechend undi 
der Gesichtsausdnick er- 
reicht einen für jene Zeit 
seltenen Grad der An- 
passung an die Situaöon. 
Dabei hat sich die Tech- 
nik der getuschten Feder* 
Zeichnung so vervollkomm- 
net, dass man geneigt ist, weitere verlorene Zwischenglieder in der Eni* 
Wicklung des Künstlers anzunehmen, um zu den vorgenannten Werken hin* 
überzuleiten. Die Figuren sind eingehend modelliert, in den nackten Körpern 
tritt die Muskulatur und das Knochengerüst hie und da fast aufdringlich hervor*j 
Doch ist hier noch einmal auf den Unterschied hinzuweisen, der sid 
in fast befremdender Weise zwischen den rein phantastischen und den eir 
gewisse Befangenheit wahrenden historischen Kompositionen geltend mach 
Man nehme z. B, den mitten im Bande stehenden Initial A mit dem leli 
den Bischof aus dem Cyklus heraus und stelle ihn unvermittelt dem reic 
D auf Seite 93 gegenüber» so würde man kaum glauben, dass beide in eine 
Zuge entstanden sind, wenn auch jede genauere Untersuchung die Idenüti 
der Hände ausser Zweifel setzen muss. 

Auch die Ausbildung des Pflanzüchen hat mit den Perl- und Bohne 
reihen, die sich auf die Blattfläche legen, ihren Abschluss gefunden. In 



^^ 



Fig. 78. Aus Cod. 14, S/2fb i'/ii,OvG.). 




Fig. 79. Aus Cod 14, S, 19 b (■,» O.-G.), 

Einfachheit des Rahmens und der schlichten Architektur des Buchstaben- 
körpers, dem seine fundamentale Bedeutung gewahrt ist, äussert sich ein 
echt künstlerisches Massgefühl; die Einheit und Geschlossenheit der Kom- 
position bleibt dadurch erhalten und geht selbst in den wildesten Spielen 
der Phantasie nie verloren '). 

Der luxuriöse Charakter der Ausstattung wird noch erhöht durch die 
ausgedehnte Verwendung der roten Zierbuchstaben, die in verschiedener 
Grösse und Durchbildung selbst unmittelbar neben den Bilderinitialen sich 



*) IVoiimamt^ der unsern Codex aus den ungenügenden Holzschnittproben bei Rahn 
kannte, hat S. 282 auf dessen nahe Verwandtschaft mit der Mater Verborum des Böhmischen 
Museums in Prag hingewiesen. Soweit die freilich ebenfalb ungenügenden Proben in den 
Mjtteil. der Zcntral-Kommission V 1860, S. 33—36 und die dortigen ausführlichen Beschreib- 
ungen von J. Erasmus Woctl erkennen lassen, besteht aber die wirklich frappierende Aehn- 
Uchkeit nur mit dem auch von Woltmann abgebildeten Y. Die Technik ist Gouachenialerei 
auf Goldgrund. An irgend einen direkten Zusammenhang mit der Engclberger Schule kann 
jedenfaUs nicht gedacht werden, trotzdem die sämtlichen tschechischen Inschriften und 
Glossen als Fälschung erwiesen und damit die Gründe für den böhmischen Ursprung des 
Manuskriptes hinfällig geworden sind. (Vgl die Litteratur über den Prager Cod. bei Wolt* 
mann 1. c.) 



136 1901 



icdaw ^ictcsmim.ftgyitficAflir^^c* 



luttrcrj 
mctfqni 

ttalutm 

: tnimun tnanJcfw.necclTc* r ttir pim.i 



l'ig 80. Cod. 14, S. 37 b ('/. O.-G). 

finden und zu ganzen Titeln und Anfangszeilen zusammengesetzt sinrf'). 
Ausläufe dehnen sich oft in der ganzen Blatthöhe aus. 

Bezüglich der Einreihung eines weitem Werkes unseres illustrato 
des Cod, 54, bin ich zu keinem abschliessenden Urteil gelangt. Die Ka 
Positionen sind, wie die ganze Art der Ausstattung, bedeutend einfachf 
dafür aber ist hier die Gouachetechnik vorherrschend geworden. Der Band 
ein Ponlificale Romanum, d. i. ein Handbuch aller von den Bischöfen voi 
zunehmenden gottesdienstlichen Handlungen, scheint Jedenfalls in nicht! 
weitem Abstand von Cod. 14, kurz vor oder kurz nachher, entstanden zu 31 
und ist auch von demselben Schreiber geschrieben. Gleich das erste Bla| 
das die Benedictio vigilia natalis enthält, schmückt ein buntfarbiger Inä 

*) Der Schreiber hat diese von ihm ausgelassenen Textstellcn zum Memorandui 
Rande vorgemerkL 



138 



IQOT 



fl 



II 






Spruchband mit den Worten : bene- 
dicat vos omnipotens schwingt und 
unten einen Beter, Ebenfalls in blosser 
Kederzeichnung ist der Pfingstinitiai 
mit der Herabkunft des h. Geistes 
gehalten; nur die Haare sind bräun- 
tich laviert. Dagegen zeigt das Kapitel 
der Königsweihe — ordo ad benedic- 
endum regem quando novus a clero 
Lt popülo sublimatur in regnum - 
wiederum einen BUderinitial in sorg- 
Uiltigster Deckfarbentechnik : zwei 
Bischöfe halten die Krone') über dem 
Haupte des jugendlichen Königs, bei 
dessen Darstellung dem Maler die 
Person Philipps von Schwaben vo^ 
geschwebt haben mag, der im Jahr^ 
1199 Engelberg in seinen speziellen 
königlichen Schutz genommen *1. D^i 
übrige Schmuck des Bandes beste^^ 
ausser den typischen hübschen Rüt>^" 
zierungen ^) aus verschiedenen t^^^^ 
. ^IT'CfäilttÄKf.ti«* "SfT «11 atjK farbigen, teils zeichnerischen Pflanr< 

initialen, unter denen ein grünes- 
Fig. 83. Initial E a. C. r4. S. 77 b (% O.-G.). ,^5^ j^^^er Füllung, blauen Beschlag 

und blau, rot, gelb und purpvi*'*^ 
schillerndem Blattwerk auf einem Lila*Rahmen besonders hervorsticht. 
Umsonst sucht man in diesem Bande die phantastischen Zi\g^. 
Stil der Figuren, der wenigstens in den farblosen Zeichnungen zur Vt 
gleichung herangezogen werden kann, zeigt aber die reite Periode dc^ 
Künsüers, die sich besonders durch bessere Proportionen auszuzeichneri 
pflegt. Wo die Deckfarbenmalerei durchgeführt ist, da kann man freilief» 
die bekannte Hand kaum mehr erkennen* Wie die Phantasie zum vorauf 
im Hinblick auf die mühevolle Technik den Rückzug antrat, so hat dieaH 
deckende Farbe auch die schwungvolle Frische des Striches, die Unmittel-" 
barkeit des Ausdruckes, kurz alle die impulsiven Aeusserungen der künsl* 
lerischen Individualität hinweggenommen und die koloristische Wirkung 
dafür kein gleichwertiger Ersatz, mag sie auch an sich als gelungen 
zeichnet werden. — 



|im| 
tirj 



') Die Form derselben erinnert unverkennbar an die alte Kaiserkrone in Wien» * 

durch Miss verstfliidnis sind aus den emailgeschmückten Platten durchbrochene Bögen gewo 

•) Urk. Eger 1199, 23. Februar. Gfd. XLIX, 260. 

*) Dieselben stehen denen in Cod. 68 am nächsten. 



139 "9" 






r ^ ^ €^ *r • 

ctTTMUTcrruij; tm i 

Fig. 84. Aus CoiL 14, S. 83 b (% O.-G.). 



Noch muss, da die Identität des Rubricators mit dem Zeichner zwetfel- 
steht^ demselben die Ausstattung des Cod. 67 mit den typischen^ 
t flott gezeichneten Miniuminitialen zugewiesen werden. Es ist dies 
i einzige Manuskript, das ausser der Trinitätshandschrift in seinen Eiji- 
Jgsversen 



Istud opus danti ti 
Heinrico confer si 



bi 



virgo Maria patro 
tu prece ceüca do 

E Namen des grossen Abtes Heinrich von Wartenbach (1197— 1223) nennt 
mit ihm verschwinden in der Bibliothek von Engelberg auch die Spuren 
' ungenannten Künstlers, der in Engelberg die künstlerische Renaissance 
► ausgehenden XIL Jahrhunderts repräsentiert, 

Abt Berchtold hatte die Reihe jener gelehrten Männer abgeschlossen, 
che in streng ascetischem Sinne den Abtstab Engelbergs geführt haben 





fetTifu 



iponcte,« 



ßcnni 
fAro 



11 



M 






He, 



und von der bewundernden Nac 
weit als Selige verehrt werden, 
Heinrich I war von andern 
Schlage, ein weltkluger Prälali 
dem die materielle Kräftigung 
seines Stiftes in erster Linii 
am Herzen lag und der diese 
Ziel durch die Zuwendung wert*' 
voller Besitzungen erreichte, ein 
Realpolitiker, der nicht nur sei* 
her an die königlichen Hoflager 
nach Eger, Strassburgund Hage 
nau ritt, um den Schirm des 
Reichsoberhauptes zu erlangen, 
sondern der auch durch Verträge 
mit dem Landgrafen des Zürich- 
gaues den Immunitätsprivilegien 
praktische Bedeutung zu geben 
wusste und dadurch die volle 
F«rstengewalt des Klosters über 
die Thalschaft begründet hat'). 
" Schon diese persönlichen 
Charakterzöge könnten das Zu- 
rückgehen der Schreiberschule 
erklären. In der ersten Zeit seiner 
Regierung, angeblich 1199, war zudem das Kloster von einem schweren Brand- 
unglück betroffen worden. Der Abt stellte die zerstörten Gebäude viel schöner 
her und hat dabei auch sicherlich für die künstlerischen Kräfte seines Konventes 
eine passende Verwendung gefunden : der Llebergang zw Wandmalerei war 
dem damaligen Buchmaler bei der Gleichartigkeit des Vortrages und der 
Behandlung ein Leichtes*). Freilich sind in Engelberg weder Reste romani- 
scher Wanddekoration erhalten geblieben, noch giebt uns der kurze Bau- 
bericht im Chronikon darüber direkten Aufschluss, Dafür aber besitzen wir 



Fig 85- Aus Cod, 14. 5 115 (% O.-G.), 



•) Ueber die Bedeutung des Vertrages mit Rudolf dem Alten von Habsburg werde 
ich anderwärts handeln. Vgl über Heinrich 1 Dr. H. v. Liebenau Versuch S. 51 ff. AlMtm 
Engelbergense 25 und 58, die Urkunden Gfd. XLIX u. LI und die Stellen aus den An- 
nalen Gfd. V!II, 104 u, 109 und Mon. Germ. Script. XVlf^ 180. Ueber den angebL Geschlecher 
namen ,^v. Baldegg* Uebmau Anz. 11^ 70. 

V Ich erinnere hier nur an die Reichenauer Schule des X, Jahrhunderts mit ilir<'<^ 
engen Parallelen zwischen Buch- und Wandmalerei (Cod. Egberü in Trier und Waik^ 
gemalde in Reichenau-Oberzell), femer an die nahe stilistische Verwandtschaft der Decltt 
von Hildesheim (ca, 1190) mit einigen der von llascloff beschriebenen sÄchsisch-thüringiscbo» 
Manuskripte. Die Belegstellen könnten stark vermehrt werden. Vgl. übrigens bcsütidfr* 
auch das unten Gesagte« 



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Fig. 90* 



Aus Cod 14, S. 162 tL 



Fig, 89, Aus Cod. 14, S, 125 a (•/« O.-G ). 

einen anderweitigen Beweis, dass auch unter 
Heinrichs Regierung die Kunstübung sich auf 
bisheriger Höhe erhalten und nur auf ein anderes 
technisches Gebiet verpflanzt hat, ja es will 
mit Bestimmtheit scheinen, dass die Persön- 
lichkeit des Berchtold*schen Illustrators auch hier nicht unbeteiligt war, 
Diesen Beweis bietet, nach meiner Ansicht, das berühmte grosse Reliquien- 
kreuz, das Abt Heinrich, — wohl nach dem Brande als Schmuck des Ho; 
altars in der wieder hergestellten Kirche — anfertigen Hess *). 

Schon Rahn hat wiederholt auf den Zusammenhang zwischen dieser 
hervorragenden metallotechnischen Arbeit und dem Aufschwung der Engel* 
berger Buchmalerei am Ende des XII. Jahrhunderts hingewiesen"). Die Ve: 
wandtschaft ist in die Augen springend. Nun ist aber die Annahme ganz- 
heb ausgeschlossen, dass fremde Goldschmiede als die Verfertiger des 



') Es sei hier auf die grosse Lichtdruckpublikation (Mitteilungen der schweizerische 
GeseUschaft fQr Erhaltung bist. Kunstdenkmäler I, I883) verwiesen^ speziell auf Tafel It 
mit den Details» Leider sind die sämtlichen Aufnahmen etwas unscharf und ungOnstii 
beleuchtet Vgl dazu den trefflichen Text von /. R. Rahn, Eine gute, aber kleine Ab 
bildung iji meinen Kmisf- und Archittkturd^hkmälern ünterwaldeHs S. 157» wo auch die 
Litteraturangaben nachzusehen sind. 

■) Loc* dt* S. 5 und Geschichte der büd. KOnste in der Schweiz S. 310. 



zukommt ynd der bairische Mönch Konrad von Scheyern war in der ersten 
Hälfte des XIII. Jahrhunderts als Schreiber, Illuminator und Goldschmied bc- 
rühmt ^), Aber noch viel später im XV. Jahrhundert giebt es Dutzende von 
Malern, die zugleich Goldschmiede und Erzgiesser waren, und aus dem 
Goldschmiedeberuf sind auch die Vertreter der graphischen Künste herv'or- ■ 
gegangen» welche ja ihrerseits nur die Rolle der alten Bücherillustratoren 1 
fortsetzen. So darf denn auch der Illustrator der Berchtold sehen Schreib- 
stube -' wie wir sahen, der persönliche Träger der spätromanischen Kunst-, 
blute in Engelberg — ernsdich als Schöpfer des Silberkreuzes in Betracht! 
gezogen werden. 

Das Kreuz ist freilich mass voller und freier, insbesondere der Falten- ] 
wurf zeichnet sich durch wahrhaft klassische Schönheit vor der schemath 
siercnden Gewandbehandlung ^) in den Miniaturen aus, allein gerade di(^ 
nachweisbar letzten Werke des Malers, Cod. 14 und 54 zeigen denselben 
noch in einer fortschreitenden Entwicklung begrifTen, die eine weitere Ver- 
vollkommnung keineswegs ausschliesst. Dabei darf man nicht vergessen. 
dass die plastischen Werke jener Zeit stets auf einer verhältnismässig hohem 
Stufe stehen, als jene der Maierei, Es braucht eine viel grössere Abstrak- 
tion um das Bild eines Gegenstandes in die Fläche zu übertragen, als ihn 
plastisch nachzuahmen. Dort wo die Hauptklippe des mittelalterlichen Malern, 
die Perspektive wegfällt, treten die Schwächen des Formgefühls viel weniger 
hervor. 

Durch diese prinzipiellen Verschiedenheiten der Technik wird nun freilich 
gerade in unserem Falle eine analytisch-vergleichende Beweisführung un- 
möglich; alle die typischen Besonderheiten in Zeichnung und Vortrag be 
ruhen ja auf technischen Vorbedingungen. — In dem Ganzen waltet aber der ' 
gleiche Geist, um nicht zu sagen der gleiche persönliche Charakter, der sidi 
zwar nicht fassen, nicht zerlegen, aber erkennen lässt* Das Gefühl förj 
harmonischei^Rundung der Komposition, die Vorhebe und das grosse Ge-j 
schick für die Darstellung bewegter nackter Gestalten, die portratartigej 
Charakteristik der Köpfe, der etwas gedrungene Körperbau sind Merk* 
male, die mit den reifern Werken des Illustrators übereinstimmen; viel- 
leicht darf auch die ausnehmend gute Bildung der nackten Füsse, im Gegen 
satz zu den schlechter geratenden Händen, als gemeinsamer Zug angcfüiirt 
werden. 



*) Ausgabe von lig in Quellenschriften zur Kunstgeschichte VIL 

') Ueber Konrad v. Scheyern (ca, 1241) vgl. Monumenta Germ Script XVU, S. 613^' 

Ferner Kugler Kl. Schriften I, 84, Sighari Gesch. der bildenden Ktinste in Baiem S. a74» 

Woltmaptn I, c, 286, 

*) Doch ist nicht zu öbersehen, dass das Scbcmatische hier gerade in der Ficb^ndtuf''»: 

der Schatten, also in der Uebersetzung plastischer Momente in die Flächcndarstcllimg li^S^ 



4f* -C^KTW THt <iy^ 



Unter den beiden nächsten Nachfolgern Heinrichs L, Heinrich II. (1224 
bis 1241) und Wernher (i24[ — 1250) sind gar keine Bilderhandschriften mehr 
durch direkte inschrifthche Beweise belegt. Doch fallen sicherlich in diesen 
Zeitraum eine Anzahl von glossierten Handschritten, Davon sind Cod. 77, 78 
und 79 von einer Hand geschrieben und glossiert, bei Cod, 74, 80 und 83 
rühren wenigstens die Glossen von der gleichen Hand her, während der 
Text grössere Züge zeigt, Ihre gemeinsame Entstehung in Engelberg ist also 
kaum zu bezweifeln '), 

Der spärliche Schmuck ist in allen Bänden ganz verschieden und stimmt 
nur darin überein, dass die Traditionen der Berchtold'schen Zeit völlig ver 
lassen sind und teils frowinische Elemente wieder aufgegriffen, teils fremde 
und sogar ganz altertümliche Motive kopiert werden. Die Unsicherheit, die 

stets auf allen Gebieten nach dem Tode einer 
führenden Persönlichkeit einzutreten pflegt, 
kommt dadurch deutlich zum Ausdruck. 

Der Codex 79, mit den Briefen des 
Apostels Paulus^ besitzt elf roh ausgeführte 
Initialen, die durch das Vorherrschen des 
altertümlichen in Engelberg bisher unbekann 
ten Pfeilblattes auffallen und deshalb sicher 
auf auswärtige Vorlagen zurückgehen, viel- 
leicht auf Einsiedler Manuskripte des XL Jahr- 
hunderts, mit denen sie auch in der sonstigen 
Struktur grosse Aehnlichkeit haben» Der roi 
konturierte Buchstabenkörper ist nach alten'* 
Weise weiss gelassen^ die blau und gelbbraun 
gewechselten Gründe wirken ziemlich unan 
genehm. (Fig 94.) 
Band 78, gleichen Inhalts, stellt sich ganz anders dar. Den Eingang 
bildet ein in Deckfarben sorgfältig modelliertes P. Der Stamm ist aus roten 
und blauen Gliedern zusammengestückt; der hufeisenförmige Bügel hellblau 
mit weissaufgesetztem Palmettenmuster^ liegt auf eckigem Goldgrund und 
umschliesst die von blau-rot-grünem Blattwerk umrankte echt rumänisch«? 
Gestalt des Apostels Paulus. (Fig. 95.) Die gleiche einlässliche Technik und 
dieselbe leuchtende harmonische Farbenw^irkung zeigt noch ein rosafarbenes 
mit blauem Blattwerk ausgesetztes und mit Weiss und Gold modellierte^ 
Majuskel'M auf Goldgrund. Zwei andere Buchstaben sind erst mit dem 
Silberstift vorgezeichnet. 

Und wiederum ganz verschieden ist der einzige lavierte Initial Q des 
Bandes 77. Auf viereckigem Purpurgrund hegt der schlichte meergrüne 








Fig. 94* A. C 79, S. 74 (ca. % O.-G.). 



') Die Bände 78, 79, 83, ebenso der zugehörige aber völlig schmuckJosc Cod- Ää 
zeichnen sich zudem durch prachtvolle gleichzeitige gepresste Ledereitibdndc aus. V^ - 
darüber meine Kunät- und Architekturdenkmäler Unter waldcns. 



147 •*» 



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lAtimfdcjftioftwqiu 
iccHttdumcinicm' ^ m : 



f; enitiJ~ttfcnmhtiiiMlii]n|'iir4^«w 



Fig. 95. Initial P aus Cod. 78, S. 2 a (ca. % 0,*G.). 



ichstabe, der in seiner gelben Füllung die Halbfigur eines glotzäugigen 
^rtigen Heiligen mit rotem Nimbus — dem Texte nach muss trotz des 
fögelnden Symbols der Evangelist Lukas gemeint sein — umschliesst. Der 
fcweif des Buchstabens wird durch eine ganz vegetabilisch behandelte 
Ächenfigur gebildet (Fig 96.) 

Cod. 80 zeigt auf Seite 51 ein hübsches blaues A mit orangegelben 
m, das von einer dahinter stehenden, sicher gezeichneten und nur leicht 
tuschten Judenfigur gehalten wird» Spitzhut und Tunica sind bloss rot 



148 «90i 



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ftm-i%fi*^^^^^^^^Bb^^^^H ^ CLL 

Fig 96, Initial Q a. C. 77, S. r a ('/. O.'G.). 






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Fig. 97, Initial A a. C. 80, S. 51 (SO.-G,! 



pfifft ^MTHiun 



iTjBl;» 



If 



modelliertp der Mantel ganz weiss gelassen, Haare und Bart blaugrau, flie 
Schuhe schwarz. (Fig 97,) 

Der Stil von Cod. 74 — wiederum 
eines Exemplares der glossierten Paulus- 
briefe — erinnert an gleichzeitige Werke 
süddeutscher Klöster» speziell anjf die 
Schreibstube von Salem ^). Die Kom- 
position der elf Initialen, lauter P, ist 
ungemein wild und phantastisch, eine 
gewaltsame Mischung von animalischen 
und vegetabilischen Elementen. Der 
Buchstabenkörper wird meistens durcli 
vogelartige hundsköpfige Ungeheuer 
gebildet, die das schwächlich entwickelte 
in Vogelköpfe endende Blattwerk hervor- 
speien ; einmal tritt an deren Stelle eine 
von Schlangen umwundene grässlich ver- 
zeichnete Mannsfigur ganz frowinischen 
Stils. Das Ganze steht nur leicht lasiert 
auf einer buntscheckigen Unterlage, die 
in eckiggebrochenen Konturen den Haupt- 
linien folgt. Die Kolorierung ist ebenso ungezügelt und masslos wie die 






ne.Qui^, 



\:^^ 



Fig. 9Ö' 



initial P aus Cod. 74« S. 1 a 

(Orig. 9,5 cm h.) 



') Vergl. V. Oechelhäuser: Die Miniaturen der Universitätsbibliothek Heidelberg 
Taf. 3, 4, 5. Gerade in 'ener Zeit sind direkte Beziehungen Kngelbergs zu Salem crwiesca-l 
Ein Eintrag in das Direktorium CantuSr das zu solchen Notizen viel benutzt wurde, berichtet, j 
dass Konrad von Salem, der dem Gotteshaus einen Kelch und anderes geschenkt, iß rf^ j 
volle Fraternität aufgenommen worden und dass man nach seinem Tode seiner gedenken 
solle, wie eines eigenen Klostcrgeoossen. (Vergl. die Stelle bei Goitwaid, Catal* tnauU'j 
Script S. iiB.) 



149 'S"' 



Lx 



Zeichnung: so wechselt z.B. der Grund des beistehend abgebildeten P (Fig.gSi 
in Scharlachrot, AzurblaUp V^iolett. Gelb und Hellgrün, Auch die unsicher« 
Strichführung dürfte auf direkte Nachbildung fremder Vorbilder hinweisen. 

In all diesen Bänden fehlen die bisher so beliebten roten Zierbuch- 
staben gänzlich, weil sie sich in den dreispaltigen und von Interlinearglossen 

durchsetzten Text nicht leicht eingefügt hätten. 
Dafür findet man in Cod, 79 und dem sonst 
völlig schmucklosen Cod. 83 einen teilweisen 
Ersatz durch zerstreute grüne oder gelbe 
iMajuskeln von einfachster Form und winziger 
Kleinheit. 

Dieser gleichen Gruppe oder sagen wir 
Schule gehört auch Cod, 57. die Panormia 
des Ivo, an, dessen acht mit geometrischen 
Motiven mosaikartig belegte Initialen einiger- 
^^^S, ,(•; 0,G.). blassen an Cod. 74 anklingen. Der purpur- 
farbene, gelb und blau-weiss-rot inkrustierte 
E, auf S* I umschliesst auf dem tiefblauen Grund eine braune» nackte, im 
Rankenwerk verfangene Weibsfigur (Fig. 9g), Die kleinen Zierbuchstaben 
des Bandes sind einfache Majuskeln. 



^ V'^^ 






Die Rückkehr zu der am Ende des XII. jahrhimderts herrschenden 
tichtung äussert sich in der unter einem Abt Wakher für das benachbarte 
Frauenkloster angefertigten deutschen Benediktinerregel Cod. 72. Man hat 
den Namen des Abtes bislang immer auf Walther 11 von Cham (1267—1276) 
jzogen *)f wohl aus keinem andern Grunde als weil von dessen gleich- 
imigem Vorgänger die Annalen berichten, er sei „propter negligendam** 
vom Bischof und vom Convente seines Amtes entsetzt worden *). Ich möchte 
aber in dem Urheber des Bandes viel lieber diesen ersten Abt Walther von 
Iberg (1250—1267) sehen, schon aus dem Grunde, weil ein anderes schmuck- 
loses Manuskript^ das sicher unter Walther vom Cham entstanden ist, viel 
cursiver entwickeltere Schriftform aufweist^). 



') M, von LiebifiüH, Versuch S. 94 und P. Joh, BapL Troxkr Gfd. XXXIX, 188, wo 

sprachlich hochinteressante Werk, nicht allzu genau publiziert ist. 

•) Gfd. VI II. S. 104. Vgl. Album Engelbcrgcnse S. 60- Er gehörte dem den Hünen* 
bergern stammverwandten Schnabclburger Min isterialenge sohle cht an und erschemt noch 
ia8i als Propst. 

•) Cod. 39 mit den Anfangsversen: 

Abbas Waltherus, patiens humilis, bene verus 
De Chamo dictus et nullo crimine victus 



Hoc opus implevit, quo completo requievit 
Eine möglichst frühe Ansctzung des Entstehungsdatums der Benediktinerregel ist 
Hch schon durch die Sprache, mit ihrer Fülle alter ungeschwächter Endlaute geboten. Vgl. 
^chtoiä Gesch* der deutschen Litteratur in der Schweiz, S, 212. 



150 »901 



Der vereinzelte 
Prachtinitial auf dem 
ersten Blatte zeigt ein 
flechtwerkartig ver 
schränktes, mit kreuz- 

weis schraffierten 
Spangen, Randbe- 
schlägen'' und spär- 
lichen Blattansätzen 
verziertes A, das von 
zwei karrikaturartigen 
nackten Kerlchen ge- 
tragen wird. Unter 
dem Sparren des In- 
itialkörpers steht die 
als „Walt her US abbas" 
bezeichnete Prälaten- 
figur, welche einem 

herabschwebenden p^g^ ,00. initial A mit Dedikauonsbüd aus Cod. 7a (ca. 't^oM, 
Engel das Buch über- 
reicht, das sie eben aus den Händen des betenden Schreibers (und iliumina 

tors?) „Chöno motnachusl* 
empfangen zu haben scheint 
Dahinter das Haupt andadi- 
tig gesenkt die Meisterin 1 
„Göta'*. Die ganze Kompo- 
sition steht farblos, nur 
durch den Wechsel der 
roten und schwarzen Zeich- 
nung wirkend auf einem 
verkröpften blauen Felde- 
(Fig. 100.) 

Der Initial zeigt un- 
verkennbare direkte Art' 
klänge an die Besondei'- 
heiten des Berchtold'sche *i 
Meisters, wie die nackte^*^ 
Knabengestalten, reichtab^^ 
nicht im entferntesten 
denselben hinan. Auch d 
vereinzelten roten kalligi 
phischen Zierbuchstabe «^ 
schliessen sich an die älier^ 






i 



F/' 



n. 



i 






rÄ, 



?i5! 



i^ l^- Vk^ 



Fig. 101. Initial I) aus Cod. 55, S» i a (Orig. 11,5 cm h.) 
Tradition an, entbehren aber des Schwunges. Alles ist durchaus dilettantenhafc* 



C47^ 



CoSiit 



Ein Werk verwandten Charakters nach Ausstattung sowie nach der 
Schrift ist Husuwards Martyrologium Cod* 55. Es besitzt ebenfalls nur einen 
einzigen grösseren Initial, der die an König Karl gerichtete Vorrede illu- 
striertp In dem als Flechtwerk konstruierten, mit verzierten Randleisten 
beschlagenen Buchstaben D findet sich eines der althergebrachten Reprä- 
sentationsbilder ; der tronende Herrscher, der von dem knieenden Mönch 
dpi Band entgegennimmt ; di^ Hand Gottes schwebt über der Gruppe, 
mtn Kostüm des Mönchs fallen wiederum die verschnürten Hängeärniel auf, 
Wjt wir schon oben S. 125 hervorgehoben. Die Zeichnung -wechselt in Rot 

und Schwarzbraun. (Fig. ioi.( 

Nebenher finden sich teils ein- 
fach geformte Miniuminitialen, teils 
reichere verschnörkeltere, wie wir 
"^ ^1 W * .^^^^^ ^'^ ^^ Berchtolds Zeit kennen lern- 

ten und wie sie nunmehr im XIII. 
y^ Jahrhundert allgemein verbreitet 
waren. Weitere Beispiele für die 
successive Entwicklung dieser Kallt- 
€»J 3^ graphie bieten die Codices 38, 70 
und der unter Abt VValther von 
Cham (1267 — 72) entstandene Co- 
dex 39 -). Den Höhepunkt zeigt 
der um die Mitte des XIII. Jahr* 
hunderts entstandene Band 44; die 
Buchstaben sind dort teils in bis- 
heriger Weise rot» teils zwei- und 
^^^ dreifarbig aus blauen, grünen und 

*-' %J*_v M roten Zügen zusammengesetzt (vgl. 

oben Fig. 67). Den allmäligen Ueber- 
gang zum gotischen Schnörkelinitial 
— indem die andersfarbigen Be- 
gleitlinien und Ansätze sich immer 
mehr vom Buchstabkörper loslösen, 
und zu arabeskenartigem Bei- und 
Füllwerk ^) verflüchtigen — kann 

^hrend des Xlll. Jahrhunderts nach Engdbergerm^'^ i" ^^^ ^^^^^^ S^, 126, und 
■ Manuskripten ('/, O.-G,), den eben zu nennenden Psaltern 

V '1 Vergl. oben Seite 149, Aam. 3. 

B •) Wir sahen das den kleinen Berchtold-lnitialen fremde Füllwerk vereinzelt schon 

B> d<;m Frowin-Codex 33 auftauchen, freiUch in spiralförmiger, von diesen spätem Bei- 

P^'^kn ganz verschiedener Form. VergL oben Fig. 44. Ganz Ähnlich erscheint es auch 

in Sl Urbaner Manuskripten der Kanlonsbibliothek Luzcm bereits im XIL Jahrhimdcrt. 



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^^^' loa» Die Entwicklung der^Zierbychstaben 




152 t^t 



Kurz nach der Mitte des XIII. Jahrhunderts muss eine Gruppe von 
Chorpsaltern entstanden setn, deren Schmuck wieder in eingehendster Deck- 
farbentechnik ausgeführt ist. 

Eines dieser Exemplare liegt heute in der Stiftsblibliothek von Muri-Gries, 
wohin es aus dem Frauenkloster Hermetschwi! gekommen. Auf seinen Ur- 
sprung in Engelberg deutet aber, abgesehen von stilistischen Gründen, 
schon ein nachträglicher Eintrag im Kalendarium hin, der den lod des 
Engelberger Abtes Rudolf von Winkelried (1298—1318) verzeichnet^). Der 



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Fig. 103. Aus dem CUorpsalter in Muri-Gries, S. 7 a (^/- Ü-G.). 

Quartband ist mit drei Prachtinitialen ausgestattet. Am Anfang steht emj 
aus verschlungenen grün-roten Drachenleibern gebildetes und in bunte PaV 
mettenblätter ausschlagendes ß, auf grün-blau quergeteiltem Rahmen. In den 
goldenen Füllungen erblickt man unten den harfenschlagenden Psalmisten 
in rotem Gewände, oben taucht die Halbfigur des segnenden Christus auf. 

') 4. Febr.: ^Abbas Rüd. dictus de Winkelrictt o,**. Vgl dazu zum gleichen Tagt 
die Engelberger Nekrologien: ^dominus Rüdolfus noster abbas*" G/ä, XXV, 5^248 und 265. 
lieber Abt Rudolf, der auch den Beinamen Schertleib trÄgt, vgl. Album Engelbergezise NN 
und Fontes R. Bern. l!l, 264, 





Tar IX. 




Aus Cod. 61 Seite 5^ und 6' 



tumikuDdCi 1901, Nr» a und ^ 



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Die anscheinend nachträglich angebrachten ChilTem A. R. M. T. B. auf dem 
Deckel des Buches in seiner Linken, dürften vielleicht in die Worte „Abbas 
Rudolfe Montisangelorum Te Benedico*" aufzulösen sein, (Fig. 103.) 

Der zweite Initial mit der auf braunem Rosse einhersprengenden Ritter- 
figur ist kosiümlich bemerkenswert. Der goldene, flachabgedeckte an der 
Stirne scharfvorspringende Topfhelm zeigt genau die Form wie sie in Siegeln 
nur um 1250, aber auch noch in den etwas spätem Miniaturen der S. Galler- 
handschrift Rudolfs von Ems und der Weingartner Liederhandschrift vor- 



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Fig. 104. Alis dem Chorpsalter in Muri-Gries (* i O.-Ci.). 



kommt. Der Gesichtsschutz scheint beweglich zu sein, Kleinod und heral- 
dische Tinkturen fehlen, wie auch der goldene, starkgewölbte Schild ohne 
Abzeichen ist. Der ärmellose vorn und hinten geschlitzte Waffenrock über 
dem Panzerkleid ist von tiefroter Farbe. Man bemerkt deutlich wie die Bein- 
linge hinten verschnürt oder eingeknöpft sind. Der Buchstabe selbst ist golden 
mit violett-roten Spangen, die Füllung grün und das Ganze steht auf blauem 
Rahmen. (Fig, 104.) 

Der dritte Prachtbuchstabe des Bandes ist ein ähnlich geformtes gol- 
denes D mit violetten Spangen und spärlichem rotgelbem Rankenwerk in der 



154'^' 



grünen Füllung und ruht ebenfalls auf rechteckiger blauer Unterlage. Die 
kleinen Zierbuchstaben zeigen berchtoldischen Charakter ^). 

Die beiden andern Psalterien sind von einer Hand geschrieben, die von 
der Schrift des Murenser Exemplars etwas abweicht '), die bildliche Aus> 
stattung aber setzt den Zusammenhang mit letzterem ausser Zweifel; man 
vergleiche nur unsere Proben : dieselbe verschwommene Behandlung des 
Figürlichen, die aus einem einzigen weissen Pinselstrich gebildeten Lanzen, 
die aufgesetzten weissen Lichter und Perl Verzierungen, Die Palette n 
nicht die gleiche* Das Kolorit ist hier tiefer und wärmer, dort leuchtender 
und bunter, was freilich zum Teil auch auf die bessere Erhaltung und den 
reinem Ton des Pergamentgrundes zurückzuführen ist In den beiden Codices 
131 und 1 10 ist die Ausstattung ganz conform : je zwei bis drei Bilderinitialen 
und eine Anzahl vegetabilischer Initialen in gleicher modellierender Deck- 
farbentechnik. Den Eingang bildet jeweilen ein grosses B(eatus vir), das* 
jenige in Cod. 131 ist tiefrot, rosa, gelbbraun und violett tingiert und steht 
auf blauem ausgeschnittenem Grund. In den goldenen Füllungen oben Christus, 
unten der Psalmist. In Cod. rio ist Christus durch die h* Geisttaube erseut 
Ebenso ist beiden Bänden ein Initial mit dem Erzengel Michael gemeinsam, der 
den Höllendrachen erlegt, dessen Seh weif den Schwenke! desQ bildet (Fig. 105)- 
Cod 1 10 besitzt ferner noch ein durch ein zweibeiniges greifartiges Ungetüm 
gebildetes S und ein D mit dem stark beschädigten Brustbild eines Heiligen 

Neben den Prachtinitialen finden sich kleine rote und blaue Zierbuch- 
Stäben mit Schnörkel werk in gewechselter Farbe, die den Uebergang von 



*) Ich verdanke die Zusendung des Bandes der Freundlichkeit des hochw. HerHlj 
Stiftsdekan P. Martin Kiem in Mari-Gries. 

Weil das Kalendariüm die passio dotnini auf den 25. März und die resurrectio atJ 
den 27, März ansetzt^ so möchte man versucht sein, die Handschrift genau ins Jahr lai 
zu setzen, das einzige Jahr zwischen 1239 und 1323, wo Charfreitag und Ostern auf < 
Tage fallen. Die Untersuchung hat aber ergeben, dass diese Feste auch in den meisten andci 
Engeiberger Kalcndarien, nämlich in Cod. 102 (XIl Jahrhundert) 113 und 114 (Xlll Jah 
hundert) 60, 62, 99, 100, 101, 105, 106, 115^ 130 und 132 (XIV. Jahrhundert) und iii (XV, Jahr- 
hundert) auf diese Tage fixiert sind. Die Erklärung liegt darin, dass man den Osteranfang 
mit dem BegriflTe eines lukarnationsjahres in Verbindung brachte, nach der Tradition, di^ 
bereits bei den Kirchenvätern auftaucht : ^qua die conceptus est dominus, eadem die < 
passus/* Schon August in setzte die Passio auf den 25. März („VI II Kai. Aprills conccptl 
creditur Christus, quo die est passus". Vgl. (jro/i/f«</ Zeitrechnung 1» 140. Man kann 
dieses Moment nicht für die Datierung verwerten, wie es Lamprecht L c. 32 bei cine^ 
Kölner Handschrift fälschlich gethan hat. 

•) Die dem Texte vorausgehenden Kalender enthalten Nekrolog eintrage, die bcs^ 
auf Engelberg und zwar auf das dortige Frauenklosler hinweisen. In Cod. 13t wcrdi 
von einer Hand des XIV. Jahrhundert verschiedene Glieder einer Familie zem Bechli etc. v<j 
zeichnet. Cod. 40 bringt viele urschweizerische Namen meist aus dem XV. Jahrhundert, dane 
aber von viel älterer Hand aus dem XI IL Jahrhundert zum 12. November ^WemhcrrWol 
Icipsche*. Urkundlich ist nur ein Wernher Wolfleipsch bekannt, der seit 1242 auftritt, 1 
im Sommerrat von Zürich sitzt und bis 1255 besonders häutig in Engeiberger Urk 
erscheint (vgl. Z. B. U. III. 928. Stifts- A. Engelberg D. 53). Das Jahrzeitbuch GrossraO 
setzt seinen Tod aui einen it. Februar. 



155*9" 






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Fig. 405, Aus Cod, ii3i, S. 46 a (■'• O.-G.), 

der Berchtoldschen Kalligraphie zu den gotischen Formen vermitteln. Am 
schönsten und saubersten sind sie in Cod. iio. 

Nahe verwandt ist auch der Chorpsalter Cod. 129 mit seinen verschlun- 
genen Mi-parti-lnitialen auf meist mehrfarbiger, viereckig umrahmter Unter* 
läge. Sehr hübsch ist auf Seite 39 das aus einem goldenen und einem rosafar* 
benen Fische gebildete S auf blauem Grund in gelb-rotem mit goldenen Eckroset- 
ten versehenen Rahmen. Die kleinen Schnörkelinitialen sind hier rot und grün. 

Als letztes Glied dieser eng umgrenzten Psaltergruppe ist sodann 
Cod. 6r zu betrachten. Der Rahmen des künstlerischen Schmuckes hat sich 
hier erweitert und zeigt ein anderwärts schon früher entwickeltes, später für 
die Psalterillustration allgemein typisch gewordenes Schema'). Am Anfange 

') Die Engelberger Bibliothek bietet hiefür 2wei auswärtige Beispiele^ Cod, 113 einen 
"P^iaUcr aus der zweiten Hälfte des Xlll. Jahrhundert dessen Ursprung nach den Jahrzeit- 
einlrägen von Grafen von Rapperswii und verschiedenen Nonnen zweifelsohne in Wurms* 
bach zu suchen ist und Cod. 98. einen Psalter aus gleicher Zeit, dessen Kalender auf ein 
Dominikanerkloster hinweist* Vgl. darüber, wie über andere ßildermanuskripte fremder 
Herkunft in der Stiftsbibl EngeJberg meine Kunst* und Architekturdenkmälcr Unterwaldens, 



156 



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steht eine Serie von Vollbildern mit Darstellungen aus 
der Erlösiingsgeschichte, durch den Text verstreut er- 
scheinen Prachtinitialen, der Anfang jeden Verses, je 
die zweite Zeile, ist mit einer einfachen roten oder 
biauen Majuskel verziert und den freigebliebenen Rest 
der Verszeilen füllen phantastische Drölerien aus. 

Die biblischen Scenen nehmen mit einer einzigen 
Ausnahme hier je die ganze Quartseite in Anspruch. Der 
Grund ist abwechselnd golden oder blau, der 
rechteckige Rahmen in ersterem Falle grOn mit ^ 
roter Randlinie und gelber Musterung^ im ^<;^^' 
zweiten Falle tiefbraun mit weisser Damaszier- 
ung und gelbem Rand. 

Das erste Bild zeigt unter gotischem Architekturge- 
häuse dieVerkündigung, das zweite eine hübsche Weih- 
nachtsgruppe. 

Hier schwebt von oben ein Engel mit brennender 
Kerze in den als Felsengrotte charakterisierten Raum. Maria 
beugt sich zärtlich auf das schlafende Christkind 
nieder. Unter den spitzbogigen Arkaden, welche 
die tischartige Krippe tragen, sitzt die kleinere 
Gestalt Josephs; hinten recken Ochs und^Esel die 
langen Hälse empor. 

Es folgen die Flucht nach Aegypten 
und die synchronistisch vereinigten drei Ver- 
suchungen, wo der von schlankem Turm 
überragte, mit flacher Kuppel bedeckte Zen- 
tralbau des Tempels eine Erinnerung an die 
Grabeskirche in Jerusalem zu enthalten scheint. 
In der Oelbergscene wird Jesus von dem herab- 
schwebenden Engel getröstet; bei der Scene 
des Judaskusses kauert zu Füssen Jesu der kleine 
Malchus, der nach dem blutenden Ohre greift ; Petrus mit 
entblösstem Schwerte steht daneben. 

Bei der Handwaschung des Pilatus erscheint Christus 
mit einem blauen ärmellosen Gew^ande angethan; der Statt* 
halter tront unter einem Säulenbaldachin mit roter Kuppel - 
Wölbung und zurückgeschlagenem blauem Vorhang. 

Bei der Geisselung trägt die Geisselsäule die bekrönende 
Architektur; der kreuztragende Christus erscheint in un- 
gegürtetem, an der rechten Seite aufgeschlitztem Busskleid 



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von violetter Farbe. 



Fig. 106. Drölerien aus Cod. 6t 



157 ^^^ 

Höchst bemerkenswert ist die Auffassung der Kreuzigung. Die Marter 
wird durch fünf Frauengestalten vollzogen, von welchen eine die Füsse, zwei 
die Hände des Herrn an das aufgerichtete braune Kreuz heften, eine vierte 
die grüne Domenkrone auf das Haupt des Erlösers drückt und die fünfte, 
gekrönte die Lanze in seine Seite stösst (Taf. IX). Die Darstellung nimmt 
offenbar Bezug auf das in den Schriften der Mystiker oft wiederkehrende 
Thema, dass die Sünden der Menschheit den Herrn ans Kreuz schlagen "). 
Vielleicht liegt in dem Vorkommen der fünf Frauengestalten auch eine An- 
deutung, dass die Handschrift für den Nonnenkonvent bestimmt war Wir 
werden für diese Ansicht später noch eine weitere Stütze finden. 

Die nächste Darstellung zeigt die Auferstehung — , das quergeteilte 
Schlussbild oben die Herabkunft des heiligen Geistes, unten die Himmelfahrt, 
wobei der Heiland von zwei Engeln in einer seltsamen tartschenförmigen- 
Folie emporgetragen wird. 

Die Bilderfolge ist auch nach der kostümgeschichtlichen Seite hin 
interessant. Die beiden Wächter am Grabe tragen ein mit Fäustlingen ver- 
sehenes Panzerhemd, darüber den Waffenrock von gelber, die Judenschaft 
charakterisierender Farbe und rote am Knie mit Metallscheiben geschützte 
Beinlinge, die von der Kniekehle abwärts in hinten eingeknöpfte Panzer- 
strümpfe auslaufen, wie sie der Ritter im Codex zu Muri-Gries trägt. Der eine hat 
Ober die Panzerkapuze ein rundes Eisenhütchen von spezifisch schweizerischer 
Form gestülpt, das Haupt des andern schützt ein roter Topfhelm mit flacher 
Kuppe und einem Kleinod, das aus zwei seitlich angebrachten weissen Juden- 
hüten besteht Die Profantracht zeigt halblange, gegürtete, bis aufs Knie, 
öfters auch bis auf die Waden reichende Röcke, der Saum ist zuweilen mit 
breitem Palmettenband verbrämt, die Aermel sind meist lang, vereinzelt aber 
bedecken sie nur den Oberarm und lassen die andersfarbigen Aermel des 
Untergewandes sehen. Der Page des Pilatus trägt ein langes rotes Kleid 



*) Die Beziehung auf die Sünden ergiebt sich deutlich in einer spätem, unten be- 
sprochenen Wiederholung, wo sieben weibliche Gestalten auftreten. Direkte Analogien zu 
dieser Darstellung kann ich nicht anführen, weder bildliche noch litterarische. Wohl aber 
treten sonst zuweilen, meist in Verbindung mit den Gestalten der Ecclesia und Synagoge, 
die personifizierten Tugenden in ähnliche Beziehungen zum Cruzifixbild. Auf der Miniatur 
eines Lektionars aus dem Heiligenkreuzkloster zu Regensburg, die wohl ebenfalls noch dem 
XIII. Jahrhundert angehört, öffnet eine weibliche Gestalt, in deren Nimbus „Sponsa" ge- 
schrieben ist, mit dem Speere die Seite Christi, die gekrönte in Wolken schwebende Halb- 
figur der Ecclesia fängt in einem Kelche das Blut auf; auf der andern Seite treibt ein Engel 
die Synagoge vom Kreuze weg und die allegorischen Frauengestalten der Misericordia, 
Sapientia und Obedientia schlagen die Nägel ein (Abb. Mitt. d. k. k. C.-K. 1865, S. LXXXIII). 
Eine zweite ähnliche Regensburger Miniatur des XIV. Jahrhunderts befindet sich im dortigen 
Domschatz, aufgeklebt auf einem Reliquienkasten. Vgl. darüber und über weitere spätere 
Darstellungen der Tugenden auf Kreuzigungsbildem Dr. Paul Weber, Geistliches Schauspiel 
u. kirchl. Kunst in ihrem Verh. erläutert an einer Ikonographie der Kirche und Synagoge 
(Stuttgart 1894), S. 86, Anm. 2. Darunter sei hier hervorgehoben ein grosses Tafelbild im 
Museum zu Augsburg (Anfang des XVI. Jahrh.), wo zehn Tugenden, alle mit deutschen 
Beischriften um den Erlöser erscheinen. 



158 I90I 




Fig. 107. Architektur- und Kostümproben aus Cod. 61 (•'■ O.-G.). 

und im herabwallenden Haar ein Schappel mit roten Blumen, die Serviette 
hat er über den Nacken geschlungen. Die stets einfarbigen Beinkleider be- 
decken auch den Fuss, Schuhe finden sich nicht. Neben den Judenhütchen 
von der gewöhnlichen melkstuhlartigen Form erscheint noch eine andere Art, 
die nach vornen eingestülpt, sich mehr der phrygischen Mütze nähert; beide 
sind stets von weisser Farbe (Fig. 107). 

Der Stil der schlanken Figuren ist durchaus gotisch. Verhältnisse und 
Bewegung sind gut, der Faltenwurf einfach und natürlich. Eine Reihe 
charakteristischer Eigentümlichkeiten der vorigen Bände, die verschwomme- 
nen Gesichter, die weissen Lichtränder, die sich nur unbestimmt mit der 
Farbgrenze decken, die Detaillierung der Haare durch zusammenhängende 
schwarze Wellenlinien finden wir hier wieder ausgesprochen vor. 

Die Architekturen zeigen sich in dem üblichen geraden Frontaufnss, 
verraten aber die volle Kenntnis der gotischen Form ; als Kapitell erscheint 
einzig das einfache Kelchkapitell. Die Landschaft wird durch bewegte Boden- 
wellen und durch rosafarbne und zartblaue Bäume von der bekannten Arti- 



159*«*^ 



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schokenform angedeutet. Letztere werden durch weisse Blattkonturen und 
rute Beeren spezialisiert. 

Das Kolorit ist etwas trocken. Die Farbenskala setzt sich aus stark 
mit Weiss versetztem Hellblau, aus Eisenblau, Blau violett, Moosgrün, einem 
ins Lila stechenden Rosa, einem Ziegelrot, Gelb mit bräunlichen Schatten, 
Ockerbraun und einem nur in den Rahmen verwendeten Rotbraun zusammen. 
Der defekte Zustand des Bandes lässt trefflich erkennen, wie das Blattgold 
des Hintergrundes auf einem sorgfältig präparierten Kreidegrund aufgelegt 
ist, der mit grösster Präzision den Konturen der Zeichnung folgt. 

Die fünfzehn im Text verstreuten 
Prachtinitialen schliessen sich an jene 
der vorgenannten Manuskripte an. Auf 
eckigem grün und rosa umrahmten 
Goldgrund verschlingen und verflechten 
sich die vorwiegend rosa und meer- 
grün schillernden Buchstaben aus wilden 
Drachengestalten und spärlich belaubten 
Pflanzenmotiven (Fig. io8). Im Gegen- 
satz zu diesen noch rein romanischen 
Formen hat sich bei den kleinern rot- 
blauen Schnörkehnitialen die Entwicklung 
im Sinne der gotischen Kalligraphie voll- 
zogen; die kleinsten Versinitialen sind 
einfache Majuskeln. 
Der fremde, direkt oder indirekt französische Eintluss zeigt sich am 
deutlichsten in den prächtigen interlinearen Drölerien, welche sich zur Füllung 
der leeren Zeilenräume längs des aussein Randes hinziehen (Fig. io6K Ein 
ifildfhantastischer, schier unerschöpflicher Humor durchweht diese keck hin- 
eworfenen roten, blauen und grünen P'ederzcichnungen. Eine Schilderung 
fer zweibeinigen, vierbeinigen, zusammengewachsenen und mit einander 
aufenden Fisch- und Tiermenschen, denen nicht selten voll Malice ein ton- 
urierter Mönchskopf aufgesetzt ist, erscheint als reine Unmöglichkeit. Gegen 
Schluss des Bandes auf Seite i^6^ mischt sich unter diese Ungeheuer eine 
(üttergottesfigur ; vor ihr platt hingestreckt liegt eine Nonne, welche durch 
[Beischrift noch ausdrücklich als „soror" bezeichnet wird. Es ist dies ein 
«weiterer Hinweis, dass die Handschrift für das Frauenkloster bestimmt war, 
*emi nicht vielleicht sogar, samt ihren Vorgängern Cod. iio und 131 und 
Exemplar von Muri-Gries im Frauen kloster gefertigt wurde. Die Nekro- 
|»>?eintrage in letztern zeigen wenigstens, dass auch sie schon frühe dem 
|Nonnenkonvent dienten '). Der Uebergang der künstlerischen Thätigkeit vom 
nner an das aufblühende Frauenkloster könnte vor allem die mystisch 
'Vertiefte Auffassung erklären, welche uns hier im Kreuzigungsbild und in 




Flg. loö. 



i^rachtitütial aus Lud. 61, S. 20. 



') Vgl. oben Anm. 2, S. 1 54. 



i6o 



X90X 



erhöhtem Masse in den folgenden Werken entgegentritt und die einer Rich- 
tung entspricht, die damals fast ausschliesslich in Frauenklöstern heimisch war. 



Cod. 61 ist das Vorbild für eine Reihe ähnlicher Handschriften geworden, 
doch muss er sich in diese Rolle mit einem andern, augenscheinlich von 
aussen importierten Prachtwerk teilen. Es ist dies die Foliobibel Cod. 6, ein 
Werk vollendeter gotischer Kalligraphie, von der unsere Taf. X das schönste 
Blatt wiedergiebt, leider unter Verzicht auf die farbige Wirkung des Originals, 
dessen Lineamente in rot, blau, lila und grün wechseln'). Charakteristisch 
sind die kreisförmigen Medaillons, die sich innerhalb und ausserhalb des 
Buchstabens, vorzüglich auch in den Eckpunkten der Umrahmungslinien 
finden und die mit Blattrosetten und phantastischen Zweibeinern gefüllt sind. 
Aehnliche ornamentale Ungetüme belegen auch den kräftigen Initialkörper. 
Das rein geometrisch angeordnete, aber mit Pflanzenmotiven durchsetzte 
Füllwerk und die vom Buchstaben ausgehenden und den Text umrahmenden 
Schnörkellinien sind mit bewundernswerter Präzision gezeichnet. Der ganze 
Schmuck ist von unübertrefflicher Eleganz. 

Der Einfluss dieses Prachtbandes vollendete den Sieg der Gotik in der 
engelbergischen Kalligraphie. 

Seine Initialen bilden in Verbindung mit den Miniaturen und Drölerien 
des Cod. 61 die direkte Grundlage sämtlicher folgenden Werke aus der 
letzten Zeit klösterlicher Kunstthätigkeit. Zunächst sind aus dieser Ver- 
bindung die Psalterbände 60 und 62 hervorgegangen. Werke einer und 
derselben Dilettantenhand, ohne künstlerischen Wert, aber von hohem ikono- 
graphischem und kostümgeschichtlichem Interesse. 

Der erste dieser Bände Cod. 62 beginnt mit zweiundzwanzig ganz- 
seitigen Miniaturen. Die auf Goldgrund stehenden Bilder umgiebt ein ein- 
facher rot-blauer Rahmen, der freie Pergamentrand wird von schwarzen oder 
violetten Ranken mit grünen und roten Blumen belebt. Den Cyklus eröffnen 
die Verkündigung und die Weihnacht. Im Vordergrund links ruht Maria auf 
weissem Lager und hält das strampelnde, halbnackte Kindlein im Arm. Der 
graubärtige Josef sitzt, auf seinen goldenen Krückstock gestützt daneben. 
Im Hintergrund zerren Ochs und Esel das Heu aus der roten mit Masswerk- 

') Diese sog. „Bibly* spielt eine wichtige Rolle in der Rechtsgeschichte des l'hales 
Engelberg, indem sie am Schlüsse, von einer Hand des ausgehenden XVI. Jahrhunderts ein- 
getragen, die einzige Aufzeichnung des Engelberger Hofrodels enthält. Bereits 1413 wird 
dieser selber in einem eidg. Schiedsspruch unter Hinweis auf die „Bibly" zitiert. Grösste 
Verwandtschaft mit diesem Werke zeigen Cod. 24, eine Handschrift der Legenda aurea, die 
im Jahre 1441 dem Magister Heinrich von Röitingen in Thun gehörte, besonders aber auch 
die beiden Handschriften der Summa Confessorum des Johann von Freibiu*g Cod. 207 und 
ao8 in der Stiftsbibliothek Einsiedeln, ebenso das Murenser Antiphonar in der Aargauer 
Kantonsbibliothek („Völkerschau« I, Bl. I u. II, 57). All diese Werke sind wohl gemein- 
samen Ursprungs. 



Taf. X. 



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nKinm inilrfiudbif- nprtifh lafflan 
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Probe aus Cod. 6. (Höhe des Originals 368 mm.) 



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jsetten verzierten Krippe, ein Engel schwebt aus dem obern Bildrand nieder* 
Auf der gegenüberliegenden Seite stehen die drei Könige in der typischen 
Gruppierung, die in den Werken des XIV. Jahrhunderts meist bis auf die 
Handbewegung gleich ist^). — Der folgende Palmritt ist nur durch drei Per- 
sonen dargestellt» durch den aus einem Thore reitenden Herrn, einen sein 
Kleid vor die Hufen des Tieres breitenden Juden und ein im Geäst eines 
Baumes sitzendes Männlein (Zachäus?), das einen Zweig niederwirft. Beim 
Abendmahl sieht man Johannes auf Christi Schosse schlafend. Vor dem Tische 
kauert der kleine Judas, dessen Mund ein Teufel entfährt. Die Oelbergscene 
zeigt nichts bemerkenswertes : vorn die drei Schläfer, statt des Engels erscheint 
im Gewölk die Hand Gottes. Auf dem Bilde des Judaskusses fehlt Petrus, 
doch kauert Malchus zu Füssen des Erlösers. Es folgen Christus vorHerodes, 
die Geisslung, die Dornenkrönung, wo die Stacheln in üblicher Weise mittelst 
eines quergehaltenen Stabes in das Haupt gedrückt werden, und die Kreuz- 
tragimg, die durch einen Juden angeführt wird^ der Hammer und Nägel trägt. 
Die Kreuzigung schliesst sich in der Auffassung an Cod. 6i an, doch er- 
scheinen hier statt fünf sieben Frauengestalten, die Repräsentantinnen der 
^Todsünden?, von welchen sechs gekrönt sind. Zwei sind mit dem Annageln 
ler Hände beschäftigt, zwei weitere heften die Füsse an den Kreuzesstamm, 
"eine drückt die Dornenkrone fest, eine reicht dem Erlöser den Essigschwamm 
und eine durchsticht ihn mit der Lanze. Die Kreuzabnahme wird durch 
Josef von Arimathäa vollzogen» der den herabsinkenden Leichnam in seinen 
Armen auffängt; Maria und Johannes stehen dabei. Bei der Grablegung 
mh sich Maria auf ihren todten Sohn» Der Sarkophag, aus welchem der 
Siegreiche Heiland ersteht, wird von zwei roten Bögen getragen. In dem 
einen erblickt man den ritterlichen Wächter, der auf dem Kübelhelm 
schlummert, im andern die Löwin mit ihren Jungen» das alte Symbol der 
Auferstehung. — Hernach folgt erst der Abstieg zur Vorhölle, der somit 
jn der Reihenfolge verschoben ist. Christus, der von einem Engel begleitet 
irird, stösst mit dem Fusse die Höllenpforte ein und fasst Adam beim Arm. 
unter den nackten Männer- und Frauengestalten schlagen die Flammen aus 
der Tiefe des turmartigen Gebäudes. In der einen Hand die Kreuzesfahne, 

jl die andere auf die Schaufel gestützt, als König der Glorie bekrönt, erscheint 
hierauf der Herr der knieenden Magdalena und fährt im folgenden Bilde in 
einer von zwei Engeln gehaltenen blau-gelb-roten Mandorla gen Himmel; 

, vor dem Berge mit den herkömmlichen Fusstapfen knieen die Jünger. — 
Die Pfingstdarstellung spielt sich innerhalb einer blauen runden Zinnenmauer 

! ab, welche vorn durch ein grünflögeliges Thor geöffnet ist. Von der herab- 
schwebenden Taube gehen rote Striche auf die Köpfe Marias und der 

* Apostel nieder. 

K') Vgl meine „Kapelle S. Niklausen bei Kerns* in Gfd. Nr. n, S. 3. Ganz genau 
e hier, in S. Niklausen und auf den Glasgcmälden von Königsfelden ist die Stellung der 
cikonige x. B auf zwei Elfenbein*Dyptichcn französischer Herkunft aus dem XIV. Jahrh. 
im Museo nazionale in FloreiuE (Nr. 9a und toj). 




Damit enden die historischen Szenen und es folgen einige ÖJI 
religiös-mystischen Inhahes. Zunächst sehen wir die Himmelskönigin in 
dem Kinde auf dem Throne Salomons, der sich auf rosa und grün gefärbtd 
von acht pinscherartigen Löwen bewachten Stufen erhebt» Neben der M 
donna schweben unter gotischen Bogen die vier Propheten, unten in 6M 
spitzbogigen Nische sitzt lobpreisend der königliche Dichter des huhl 
Liedes (Fig. 109). Noch interessanter ist die gegenüberstehende Darslellui 
des fruminen und des zerstreuten Beters. Vor dem Gekreuzigten kni 





flg. HO, Der fromme und der zerstreute Betcr^aus Cod, 62, S. 17 a (*■ O.-G.)* 

frauer, barfüssiger Waldbruder und ein modisch gekleideter Edelmann. 

Isse Striche, die aus dem Muode des Klausners ausgehen, vereinigen sich 
[den Wundmalen des Herrn. Die ebenfalls durch weisse Linien ausge- 
ikten Gedanken des Weltmannes dagegen schweifen abseits nach den 
|en dieser Welt, nach der reichbesetzten Tafel, dem gesattelten Reit- 
d, dem Narren, dem zehntenleistenden Bauern und dem mächtigen Wein- 
I das ein Knecht in den Keller bringt (Fig. iio). Die nächste Szene 
kriert die Legende von der Himmelfahrt des Evangelisten Johannes: von 




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und goldgegürteten Gewände, über das sich ein rosafarbener Mantel legt. 
Ein blauer, mit rotem Kreuz besetzter Nimbus umgiebt das Haupt; das vom 
Weiss der Haare und des Bartes eingefasste Antlitz leuchtet in rötlichem 
Metallton. In der Rechten hält er das rote Buch mit den sieben goldenen 
Siegeln ; Ober der ausgestreckten Linken schweben sieben blaue rotberänderte 
Sterne; die Füsse sind golden ^wie Erz im glühenden Ofen*". Der breite 
rote Rand der Mandorla ist mit einundzwanzig an einander gereihten grau- 
haarigen Königsköpfen 
belegt, welche wohl die 
vierundzwanzig Aeltes- 
ten vertreten müssen. In 
den Zwickeln des blauen 
Bildfeldes stehen die vier 
apokalyptischen Tiere 
mit den verteilten Spruch- 
bandversen: „Scs. scs, 
SOS. dominus deus omni- 
potens, qui erat et qui est 
et qui venturus est/' 
nebenbei vier posaunen- 
blasende Engel , unten 
die sieben goldenen 
Leuchter und ein Lamm 

lit sieben schwarzen 

lömern und neun gel- 
ben, rotgeränderten Au* 
gen. Einer der Gekrönten 
weist mit der Hand auf 
das Tier hin, während 
der in der rechten Ecke 

tehende Evangelist auf 

lie Hauptfigur deutet und 
ein Spruchband mit den 
Worten hält: «Ego lle- 
bam multum — ne fletur, 



äic m motcmm pogttaurt linc 



Fig. 1 1 2 Initial Q aus Band 6a, S* 73 b mit Darstellung des 
Jesusknaben der die Lehmvögelein zum Leben erweckt. 
(ca. 7. O.-G.) 
dignus est (agnus)"*). (Fig, iii.) 

Den Beschluss der Bilderserie macht eine Darstellung der Dreifaltig- 
keit, die in bekannter Auffassung den Cru5:ifixus im Schosse Gott Vaters 
zeigt. Der Text wird durch einen bestimmt an Cod. 6 anklingenden ganz- 
seitigen Prachtinitial Beatvs vm eingeleitet. Der Buchstabe steht golden auf 
damaszierten Grund. In der Füllung erscheint Christus, der einen schwarzen 
rotgehörnten Widder (den Sündenbock oder das verlorene Schaf) seinem 



*) Vgl. besonders Apocalypsc 1, 12—16^ IV, 8, V, 4, 5, 6, 12. 



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Fig. 113. 



Aus Cod. 62, S. 
(ca. 



89 a. Initial mit Vogel Strauss. 
V. O.-G.) 



Vater darbringt, des- 
sen vom Kreuznimbus 
umgebene Hand oberij 
aus Wolken hervor-^ 
bricht. Ein anderer 
gleichartiger Bilder- ' 
initial M zeigt den rot- 
gekleideten Christus- 
knaben, der in die 
Hände klatschend diej 
Lehm Vögelein aufflic 
gen lässt ') (Fig, 112), 
und in der Rundung^ 
eines D sitzen auf den 
Aesten eines blättert 
losen goldenen Bau- 
mes die sieben Kinder 
der heiligen Sippe, zu 
Oberst im Wipfel der 
Jesusknabe mit derj 
Heiliggeisttaube in der 
Hand. Vier weitere 
Initialen enthalten die 
vier sagenhaften Vö- 
gel des Physiologus: 
den Pelikan, der mit 
dem eigenen Blute die 
Jungen nährt , den 



buntgefiederten Adler, der seine vier im Neste hockenden Kleinen nach der Sonne 
weist, den sich auf einem Baume verbrennenden Phönix und den Strauss, der auf 
goldenen Eiern brütet und ein goldenes Hufeisen im Schnabel hält -) (Fig. ii3).j 



^) Vgl. Ttschtmiorff Kvangelia apocrypha S, 89, 159, 192 (Evangelium Pscudo-Matthad 
Cap. XX VII, cvaagelium Thomae latinum Cap. IV, evangelium infantiae arabicum Cap, 
XXXVI). Diese bildeten die Grundlage der mittelalterlichen Legendeiisammlungen^ wie 
der viel bearbeiteten im Anfange des XI U. Jahrhunderts entstandenen „Vita beatae Mariac ' 
virginis et Salvatoris metrica". Aus diesen haben u. a, Konrad von Fussesbrunnen „Kind- 
heit Jesu** (gedn bei Hahn Ged. des XIL und XI Ü. Jahrhunderts S. 137 t) und Walters 
von Rheinau „ Marienleben ** (gedr. von A, v, Kdier im Programm der Tübinger Hochschulej 
1849—55) geschöpft und den Sto*f popularisiert. 

•) Das Hufeisen kommt auch auf der spatgotischen Decke der Kirche von Mettmc 
statten als Attribut des Vogels Strauss vor. (Cef. Mitteilung von Hrn. Prof.jRahn.) 

Im Physiologus ist nirgends von diesem Attribut die Rede, doch im ersten Buche des 
Parzival heisst es vom Burggrafen in ßelakane, er sei so zornig geworden, dass er nur 
deshalb nicht vor Wut Eisen und harte Kiesel verschlang, wie dir yog€l Strauss, wcÜ er 
gerade keine fand. Man redet ja noch heute von einem ^Strauasenmagen". — Die Eier 



167 '901 

\?eiterer hübscher Initial ist mit goldenem Gitterwerk gemustert, in dessen 
Kandentüllungen Pflanzengebilde und abenteuerliche Zweibeiner wechseln. 

Aehnliche grosse Zierbuchstaben in farbiger Federzeichnung ohne Ver 
Wendung von Gold, kleinere gotische blau rote Schnörkelinitialen, kleine ein- 
^acKe! blaue und rote Majuskeln am Anfange jeden Verses und blaues, grünes 
jnd rotes Füll werk in den leergebliebenen Zeilenräumen vollenden den 
^eichen Schmuck des Bandes. Letzteres kann aber weder in Bezug auf 
Erfindung, noch auf Ausführung einen Vergleich mit den Vorlagen in Cod 6r 
lush alten ; nur in den leichten Federzeichnungen, die sich zuweilen am Rande 
1er ganzseitigen Prachtinitialen finden, kommt die Phantasie zu freierer Ent- 
^iclc lung und erfreut sich an Herkarrikaturen, Hirschjagden u. dgl. 



y Ganz analog ist die Ausstattung des Cod, 60. Hier sind die Kalender- 
tafeln am Anfang des Bandes in althergebrachter Weise von Arkaden um- 
rahmt. Dieselben bestehen aus ungegliederten dreifachen Bogen, die mit 
gelben^ blauen, grünen und roten Sparren gemustert sind und von buntge- 
lärbten Drachen und Tiermenschen gestützt werden (Hg. 114). Darauf folgt 
der Miniaturenzyklus, der wieder 22 Seiten einnimmt. Oben oder unten auf 
dem Pergamentrand sind vom Schreiber — der also auch hier, wie in den 
früheren Engelberger Manuskripten vom Maler zu unterscheiden ist, — die 
Sujets vorgemerkt nebst der allgemeinen Vorschritt: „Die heiligen sün alle 
alle güldin sin und schön rebi umb die heiligen alle machen'* '). Dieser 
letztem Weisung ist aber der Maler nicht nachgekommen, indem die Bilder 
in eioem einfachen rot-blauen Rahmen mit weisser Damaszierung stehen und 
das Ranken werk des vorhergehenden Bandes, das der Schreiber offenbar im 
jAuge hatte, w^eggelassen ist. Die erste Darstellung, die „annunciatio**, zeigt 
ne genaue Wiederholung von Cod. 62^), ebenso die zweite, „wienacht mit 
Wr'ein engein und entschiessent dien engein ein Sternen," die nur um den 
Cod. 62 fehlenden Stern bereichert ist. Die ^,heiligen drie kunige, als si 
«insers herren wisoten" stehen hier — wieder in den genau gleichen Stell- 
ungen — vor der Madonna ; das Kind steht auf ihren Knien und langt nach 
ö^ dargereichten Golde, Dann folgt die Darstellung im Tempel („als 
öme vröw^e ir kindeli ze dem tempel brachte"!, Maria hält das Kind — über 
tn weissbehängten Altar, ob dem eine topfförmige Hängelampe brennt, — 
^rn Hohepriester entgegen, der mit den vom Schultervelum verhüllten 
änden darnach langt. Die fromme Alte steht daneben mit einem Täubchen, 
^t Taufe („als unser herre getöffet wart^') zeigt in sehr altertümlicher 
Auifassung die Immersio. Johannes hält segnend die Hand empor, der 
nadcte Körper des Herrn w^ird bis zum Halse vom Wellenberg umflossen, 

fi<i ein ständiges Attribut des Slrausses, doch liegen sie sonst immer vor ihm auf dem 
cn und er brütet sie, nach dem Physioiogus, durch die Macht seines Blickes ausi — 
*) Auf diesen Band hat schon P. Benedikt Gottwald im Anzeiger V, S. 114 ^2um 
Schriftwesen im Mittelalter** aufmerksam gemacht. 

•> Abgeb. iit ^l'art ancien ä l'^xposition nationale suisse 1896", PL 14. 




[68 



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der Engel daneben hält das Kleid bereit. Dem 
gegebenen Thema ,,als unser herre versucht wart 
in der wüsti" wird durch die erste Versuchung mit 
den Steinen entsprochen. Das folgende Doppelbild 
enthält in der obern Hälfte eine freie Wiederholung 
des Palmrittes aus Cod, 62, unten die Fuss Waschung 
(,,als unser herre sinen jünger die vüs wusch**). 
Beim Abendmahl ist genau entsprechend der Weis- 
ung „als unser herre mit sinen Jüngern ze tische 
sas'und in einer hand embere hatte sin vronlichamen 
und in der anderen hant den kelch" der Moment 
derKonsekration festgehalten.*) Auch diesmal kauert 
Judas vor dem Tische und ein Teufel schlüpft ihm 
aus dem Munde. Die Oelbergszene schliesst sich 
wieder enge an Cod. 62 an» dem Randvermerk 
„als unser herre bettote uf dem berge und sin 
Jüngern wachten, da sol vil b5men sin'' ist insofern 
nicht ganz entsprochen, als bloss ein grüner rotum- 
randeter Eichbaum und ein blaustämmiger Linden- 
busch mit je einem roten und einem grünen Wipfel 
angebracht sind. Dann folgen der Judaskuss („als 
unser herre gegangen wart") und Christus vor 
Herodes („als unser herre an das gerichte gevüret 
wart''), zw^ei von Cod, 62 sowohl im kostümlichen 
Detail, als in der Komposition etwas abweichende 
Szenen. Auf der erstem ist Mal chusweg gelassen, 
die letztere Komposition erscheint umgedreht. Die 



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Fig. 114, KalenderuiTi- 
rahmung aus Cod. 60^ 
S. I a. 



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*) Vgl. die Szene auf dem RQckschild des Chormantels von 1318 (Kunst- u. Arch- 
Unterw, Fig. 51), übrigens die einzige dortige Szene^ die sich mit diesen Illustrationen 1 



169 »90X 

Domenkrönung („als unser herre gekrönet wart"), die Geisselung („als unser 
harre gevilt wart**) und die Kreuztragung („als unser herre das krüze trüg") 
reproduzieren hingegen genau die entsprechenden Darstellungen des vorge- 
nannten Bandes. Als neue Szene ist die Entkleidung („als unser herre 
abgezogen wart") eingefügt. Das nächste Bild entspricht der Vorschrift „als 
unser herre vor dem krüze bettote und an das krüze genagelot wart" gar 
nicht, indem es einfach den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes auf- 
weist. Die Kreuzabnahme („ablösi") ist eine genaue Reproduktion aus Band 62, 
die Grablegung („als unser herre geleit wart in daz grab"), der Abstieg in 
die Vorhölle („als unser herre gewaltlich ze der Helle vür") und die Auf- 
erstehung („als unser herre erstunt") sind freiere Wiederholungen, wobei in 
ersterer Szene die Figur des Johannes hinzugekommen, in den andern der 
begleitende Engel, beziehungsweise die symbolische Löwin wegfielen. Auch 
die Himmelfahrt ist genau wiederholt, indem der Vorschrift „als unser herre 
ze himmel vür und sinem vatter brachte daz verlornes schaf" nicht nach- 
gekommen ward und das letztere, uns bereits aus einem Initial in Cod. 62 
bekannte Motiv wegblieb. Bei der Herabkunft des heiligen Geistes („die 
phingsten"), die im übrigen mit Cod. 62 stimmt, hockt auf der Schwelle des 
Tores ein weisser Rüde. Die folgende Darstellung von Mariae Himmelfahrt 
gründet aul die sehr detaillierte Instruktion: „als unser vrowe ze himmel 
vür, in einer hant ein öflFel da uf ein krüzeli, in der ander hant ein venli 
und under dem mantele die seli." Die Jungfrau schwebt in einer von zwei 
Engeln gehaltenen Mandorla gen Himmel, sie trägt die Kreuzesfahne und 
statt des vorgesehenen Reichsapfels einen natürlichen roten Apfel in den 
Händen ; über ihrem weissen Kopftuch liegt eine Krone und der rosafarbene 
Mantel breitet sich über blondhaarige Mädchengestalten aus, die sich an ihre 
Seite schmiegen. Unten knien die Apostel. Das letzte Bild endlich zeigt, wie 
im vorerwähnten Bande, in etwas einfacherer Komposition die Himmelfahrt 
des Evangelisten Johannes. Jeder Zweifel an der Deutung wird hier durch 
die Randglosse „als sant Jo. ev. ze Himel vur" zerstreut. 

Der erste Initial Beatvs vir wiederholt auf grün, rot und blau 
damasziertem Grund die Darstellung der Dreifaltigkeit aus Band 62. Das 
folgende D auf S. 42 enthält das Bild der heiligen Anna selb dritt; sitzend 
auf goldenem Stuhle hält sie die mädchenhaft aufgefasste Maria im Schosse, 
welche ihrerseits das Christuskind auf dem linken Arme trägt. Von der 
Randglosse liest man nur mehr: „in den büchstaben . . als sant Anna .... 
ünSe vröve dz kindeli" ; es liegt hier eines der ältesten Beispiele dieser erst 
mit dem Ende des XV. Jahrhunderts häufig werdenden Darstellung vor, die 
deshalb besonderes Interesse verdient. Der nächste ganzseitige Prachtinitial 
Dixi cvsTODiAM VIAS enthält eine Darstellung der Flucht nach Aegypten. 
Entsprechend der Instruktion: „in daz D als unse vröwe in Egipt vür und 
tierli dien unser herre der segen gebe", finden wir unter den Hufen des von 
Josef geführten Esels junge Löwen und Wölfe und einen Hasen, die das 
Christkind segnet. Das Motiv geht ursprünglich auf das Evangelium 



l'JO 190* 





•ftmsf apit^rim^ 

flnßnftMft*t lam tx t\|patctodmt 

' umiiir miripa^^lrae pmm ötr 
Äciiodt oum oiimirmichi f0tnötf tibi 

^I^ccmtntmms futn atmn inimatiimS 
mGm qm amfilp t nloottn tä]>ttt^ 
Uaömiwibdis tifip döötttmim ta-® 

Itiitoct oodtamma ^anfWiomsft: 



Fig. 115. Aus Cod. 60, S. 60 a (ca. *> O.-G.). 



Pseudo-Matthaei zurück M. 
Zur Abwechslung kommt 
alsdann ein Breitbild auf 
der untern Hälfte der 8.693: 
„Hie sol stan als sant Cathe- 
rina bestettenot wart". Drei 
Engel und drei männliche 
Heiligen vollziehen die Be- 
stattung. Der Sarkophag 
der Heiligen hat unten zwei 
runde, rote Löcher, aus 
denen die wunderbaren 
Oelquellen fliessen ■). Das 
grosse QviD gloriaris in 
MALICIA ist sehr passend 
mit dem bethlehemitischen 
Kindermord ausgefüllt („in 
das Q als Herodes die 
kindely enthöptete")'), der 
Initial Dixit insipiens mit 
einem Genrebilde, wo Maria 
das Christkind in einer höl- 
zernen Kufe badet („in das 
D als ünse vröwe ir kindeli 
badote")'). Genrehaft ist 



*) Kap. X\X*{Tiac/unf/or/ Ev. apokr. S. 81): „Similitcr leonrs et pardi adorabant eum 
et comitabantur cum eis in deserto, quocumqur Joseph et beata Maria ibant, antecedebant 
eos, ostendentes viam et inclinantes capita siia, servitiiimque caiidis adulantibus exhibentes 
grandi cum revcrentia adorabant eum. Primo autcm ut vidit Maria Icones et pardos circa 
eos venientes et varia ferarum genera vehementer expavit. Cui infans Jesus laeto vultu 
in faciem eins respiciens dixit: Noli timere mater, non enim ad iniuriam tuam veniunt, sed 
ad obsequium tuum et meum venire lestinant. Ex his dictis amputavit timorem de corde 
ipsius" etc. Das Motiv findet sich auch in Konrads von Fusscsbrunnen Dichtung von der 
Kindheit Jesu und bei Walther von Rhoinan, dürfte abrr hirr direkt auf das Evangelium 
Pseudo-Matthaei zurückgehen, von dem sich in Engelbcrg zwei ältere Kopien befinden, eine 
in Cod. 2 (XII. Jahrhundert), die bis zum 25. Kap. reicht und eine in Cod. 44 (XIII. Jahr- 
hundert;, die noch das 24. Kap. umfasst. 

•) Vgl. Pftrtis de NtitalihtiSf Catalogus sanctorum (Lugduni, Stephan Gueynard 1508) 
S. 290 b: „Cuius (s. Katharinac) corpus ab angelis per aera sublcvatum et itinere dienim 
viginti ad montem Synay in momento d(»vectum ibiquc honoririce tumulatum est vj kah 
Decembris. Ex cuius tunnilo oleum indefinenter «manat, quod cunctorum debilium 
membra sanat." 

•) Abgeb. in l'art ancien ä l'exposition nationale suisse 1896, PI. 14. 

*) Das gebadete Christkindlein erscheint öfters in den Visionen der Schwestern von 
Töss und ist überhaupt ein dem klösterlich-mystischen Gedankenkreis des XIV. Jahrhunderts 
vertrautes und beliebtes Motiv. — Vgl. Bächtold, Gesch. der deutsch. Litteratur in der 
Schweiz S. 218. 



auch die Auffindung im Tempel innerhalb eines S komponiert (,,in das 
S als unser herre in der synagoge sas und unser vröwe in suchte*). 
In der obem Schlingung sitzt der Christusknabe in rotem weissgeblümtem 
Kleide unter den disputierenden Schriftgelehrten, unten erkundigt die (ge- 
krönte) Mutter sich bei drei auf den Tempelstufen sitzenden Juden anschei- 
nend vergeblich nach dem Verbleib des Vermissten. Der Psalmanfang 
ExvLTATE DEC zcigt in der Initialfüllung den mit dem Judenhut bedeckten 
Moses, dem im brennenden Dornbusch der Herr erscheint („In daz E 
als unser herre in der brünnenden studen sas**). Der Initial Cantate 
DOMINO CANTicvM ist mit der „virga Yesse" geschmückt. Aus der Brust 
des schlafenden Ahnherrn wächst der goldene Stamm, in dessen Wipfel 
Maria mit dem Kinde tront. Höchst charakteristisch für den Gedankenkreis, 
dem diese Illustrationen angehören, ist endlich der letzte Prachtinitial. Die 
Vorschrift lautete „In daz D als unser herre sin vünf wunde zeigte sinem 
vatter und ünse vröwe ir brüste"; oben sieht man Gott Vater im goldenen 
Gewölke, unten Christus und Maria genau in der angegebenen Situation ^). 
Die übrige Ausstattung des Bandes entspricht dem Cod. 62. Nur ist 
die zweite Art von Initialen, die in mehrfarbigen, partiell lavierten Feder- 
zeichnungen bestehen, hier zahlreicher vertreten und hübscher durchgeführt. 
Der Mittelpunkt dieser Buchstaben ist stets mit Fabelwesen oder heraldischen 
Tieren ausgesetzt. (Fig. 115.) Unter den Drölerien ragt durch seine Grösse 
ein drachenschwänziger Teufel hervor, der mit der einen Hand gen Himmel, 
mit der andern auf die Psalmworte weist: „Ut quid Deus repulisti in finem?" 

Wie bereits erwähnt, ist der Kunstwert dieser Schildereien nicht sehr 
gross. In keiner Hinsicht reichen sie an ihre Vorbilder heran. Die Figuren 
sind unbeholfen, roh und oft äusserst schlecht proportioniert ; konventionelle 
Gesten müssen den Ausdruck vertreten, der in den durch grelles Wangenrot 
verunstalteten Gesichtern beinahe völlig mangelt. Die ganze Technik ist hand- 
werklich unfein, was sich besonders auch in dem ornamentalen Schnörkel- 
werk äussert. Das Kolorit ist grell und bunt; auf dem glänzenden Gold- 
grund sind die ungebrochenen Farben, — ein tiefes Rot, Dunkelblau, Ocker- 
gelb, Schwefelgelb, Rosaviolett, Weiss mit gelbbraunem Schatten, Dunkel- 
grün imd das gotische Blassgrün — ohne viel Gefühl für Harmonie zu- 
sammengestellt und die groben schwarzen Konturen vermehren den Eindruck 
des Dilettantischen. Dagegen ist, wie bei fast allen Werken jener Zeit, ein 
. ausgesprochener Sinn für gute Raumverteilung vorhanden und in den Ini- 
tialen sind die figürlichen Motive oft in einer Weise in das kalligraphische 
Rahmenwerk eingefügt, die hohe Anerkennung verdient. 

Architektonische Rahmen sind ganz vermieden und architektonische 
Motive finden wir ausser bei den mit Masswerkrosetten verzierten Krippen und 

^ Das Motiv findet sich auch sehr hübsch auf dem gestickten Rückenschild eines 
üandrischen Chormantels (XV. Jahrh.) im hist Museum Bern Nr. 308. Vgl. Stammler, der 
Parainentenschatz im hist Museum zu Bern. Taf. S. 96. 



172 »9M 



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lUA'. 



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dem mit schuppenartiger Mar 
morierung versehenen Sarko- 
phag des Auferstandenen blos,^ 
in dem auf Seite 162 reprodu- 
zierten Marienbilde des Cod. 
62. Die mit Nasen ausgeseü^ 
ten Spitzbogen sind don mit 
stark vereinfachten Krappen 
besetzt und enden in kohlk'ipi 
artige Bekrönungen oder lihea 
förmige Kreuzblumen. Dte 
Landschaft wird in der ty- 
pischen Weise durch den Bo* 
den und bunte Bäume ange- 
deutet; als spezielle Eigentum* 
hchkeit sind dagegen die flock 
igen Wolken hervorzuheben 
Der Wert der Kompo 
sitionen liegt zunächst in ihrem 
gedanklichen Inhalt, sod*inn 
in der kustümgeschichtliciM n 
Ausbeute, die sie gewähren 
In letzterer Bezieht 

zunächst die Kriegci^v.: 

auf den beiden Aufcrsiehungs 
Szenen und in dem Bilde der 
Gefangennahme in Cod.öorj 
beachten. Der in beiden Bänden iast genau wiederkehrende Grabes wUchlci 
ist vom Kopf bis zu den Füssen in den Ringelpanzer eingehüllt, Ober deji 
sich ein langer ärmehoser Waflenrock von gelber Farbe legt. In Cod 62 
vervollständigen stahlblaue Handschuhe und Schuhe, anscheinend aus Eisen 
platten diesen Anzug ; in Cod. 60 sehen wir grosse Rädersporren an <fe 
vom PanzergeOecht umhüllten Küsse geschnallt und über die enganschliessentfe 
Panzerkappe stülpt sich ein spitzes Bassinet. Der nebenstehende, ct<''^ 
Schläfer als Unterlage dienende goldene Glockenhelm zeigt die auf Sieg'elrt 
seit dem Ende des XIII. Jahrhunderts übliche hohe Wölbung. Bei «k»! 
Häschern finden wir konische Stahlhauben, andere haben den weissen Juden- 
hut auf das Hersenier gesetzt. Sonderbar ist der einem heraldischen Flug 
ähnelnde blaue Kopfschmuck des einen Geisslers» der in beiden Bändfli 
wiederkehrt. Dem Hohenpriester» dem h. Joseph und Joseph von Arnua»j 
thäa ist eine sonderbare seitlich in zwei runde Gipfel auslaufende Spitzmöü 
von roter oder rosa Farbe eigen. *> - Die halblangen Leibröcke sind häufij 

*) Eine ähnliche Koptbedeckung haben wir bereits oben S. 130 bei der firowutb 
Figur eines Propheten notiert. Uebrigens wird diese Kopfbedeckung in Bildwerken < 



Fig. 116. Costümproben aus ('od- 60 u. 62 ("n OAi.), 



173 



quergestreift, bei den Beinlingen ist stets das mi-parti derart durchgeführt, 
dass jedes Bein eine besondere Farbe zeigt ; auch schräg gestreifte Hosen 

Iommen vor (vgl, Fig, ii6). 
All diese kostünilichen Merkmale weisen auf die erste Hälfte, genauer 
ielleicht in das dritte Jahrzehnt des XIV. Jahrhunderts und diese Datierung 
ündet indirekt eine Bestätigung durch die nachgehends in den Kalenderteil 

Iyngetragenen Namen von Engelberger Nonnen, die höchst wahrscheinlich zu 
|enen gehören die der Pestepidemie von 1348 zum Opfer fielen, *) — Dem- 
lach haben auch diese Bilderpsalter, wie die vorhergehenden dem Gebrauche 
les Nonnenkonventes gedient. Der Gebrauch der deutschen Sprache für 
lie dem Maler erteilten Vorschriften dürlte vielleicht sogar als ein w^eiterer 
ainweis auf die Entstehung dieser Miniaturen ira Frauenkloster selber ang* 
hhrt werden. 

Während damals das Männerkloster infolge des grossen Brandes vom 
Jahre 1306 und der politischen Verhältnisse zusehends im Niedergang be- 
griffen war und im Jahre 1330 vor- 
übergehend unter die Verwaltung des 
Einsiedler Abtes gestellt werden 
inusste, hatte das Frauenkloster, unter 






ki!)t^mm«tus:o^äilvi}Diuikdi^f^ «^ler speziellen Förderung der Königin 



||\ri?n^i'r fiii}, 



1* ^ r-.. .. Agnes seine höchste Blüte erreicht 

^^^tmrm(mhm¥P^mm liiijahre i325hattcn am gleichen lag^ 

^^^'m«t»jiirik8<^qifAt*<\*fti«n^^^ nicht weniger als 139 Jungfrauen den 

JSSnUimpuilm^m] -chleiergenommen und mi Jahre 1345 

wiederum 90 auf einmal. Ueber die 
Pflege des mystischen Lebens daselbs 
haben wir einige anderweitige Spuren 
in den Bänden 85 und^94a!der Stifts- 
bibliothek, sowie in den spätem Hand- 
Annahme» dass die künsüerische 



Ans CocJ 105 («:a, % (>. G.) 



schritten 125 und 339 u. a, m, ' 



Uit 



J'hatigkeit an die Frauen übergangen, würde somit mit den Verhältnissen 
^■)Iiig im Einklang stehen. 

Rat 



Auf das Frauenkloster weisen auch alle übrigen künstlerisch ausge- 
tteten Engelberger Manuskripte jener Zeit, lauter Chorpsalter und Breviere. 



Jahrhunderts besonders S. Josef häufig zoerteUt (vgl, z, B. die Wandgemälde der 
klluskapcUe von Übcrstammheini» Mttt der antiquarischen Gescllachaft in Zürich LXIII. 
264 und Taf, I und IV.) 

') Cüd 60 zum 22, Juni : Soror Anna Greppera, 9. Okt; Soror. Mechteld von St6ken 
Engelberger Nekrolugium verzeichnet den Tod der Anna de Greppen zum 26. Nov., 
5f der ^soror Mechtifd in Stokcn n, c." zum lo. Okiober, Vgl. Gfd. XXVL S. 265 und 
— Cod, 62 zum ig. Januar: Soror Margreta zem Brunnen obiit. 

•) &n Wirkungen von Töss, das ein Mittelpunkt jener Richtung war» und Koni gsfelden 
;ieii durch die Beziehungen zur Königin Agnes sehr wahrscheinlich 



174 ^^' 



Sie rühren von verschiedenen Händen her. Am feinsten sind die go> 
tischen Zierbuchstaben in den gleichartigen um 1340 vollendeten Bänden 
105 und 109, wo sie sich unverkennbar direkt an Cod. 6 anlehnen'). (Fig. 117.1 
Freilich sind diese blau, rot, grün und violett gezeichneten Initialen, dem 
Quartformat des Bandes entsprechend, in reduziertem Verhältnis ausgefühn, 

In den von anderer Hand geschmückten Bändern, loi und 106 ist der 
direkte oder indirekte Einfluss von Cod, 6 ebenso unverkennbar. Doch ist 
an den Buchstabenkörpern Gold zur Verwendung gelangt und das kalligra- , 
phische Schnörkel werk umrahmt oft oben und unten die Seite, Die Aus- ■ 
führung ist dagegen roher und flüchtiger. Noch dilettantischer und über ' 
ladener, im übrigen aber den beiden ebengenannten so nahe ven^^andt, dass 
man an den gleichen Miniator denken möchte, ist Cod. 1 00. Gold ist hier 
nicht verwendet. Charakteristisch für diese ganze Gruppe sind die aus 
Cod. 6 entlehnten, meist mit Treffel blättern gefüllten Rundmedaillons Aehfl- 
liche nur in rot und blau ausgeführte, mit palmettenartigen Pflanzenmotiven 
ausgefüllte Initialen zeigt auch das Brevier Cod. 99 ; hübsche kleinere Zier- 
buchstaben enthalten die Bände 335, 156 und 132. 



Die Mitte des XIV, Jahrhunderts ist als der Endtermin der Engel* 
berger Miniatoren- und Kalligraphenschule anzusetzen, vielleicht steht das 
Erlöschen dieser traditionellen Kunstübung im Zusammenhang mit der Pest- 
epidemie des Jahres 1348, die den damals nicht grossen Personalbestand des 
Männerklosters um zwei Mönche und fünf Schüler verminderte und im 
untern Kloster innerhalb von drei und einhalb Monaten ii6 Nonnen hiH' 
wegraffte. 

Zwar hat der treffliche Abt Rudolf Stüelinger (1360— 1398) der Bibt 
othek noch seine eifrige Sorge zugewandt. Unter ihm sind nicht nur eine 
Reihe von teilweise künstlerisch ausgestatteten Handschriften erworben 
w^orden^)» sondern seine Conventuaien waren selbst fleissig mit Bücherab- 
schreiben beschäftigt. 

Doch entbehren diese zumeist auf den Exposituren des Klosters ge- 
schriebenen Bände durchschnittlich jeden Schmuckes. So der von dem spätem 
Abte Walther Mirer am 17. Juli 1381 in Küssnacht vollendete Cod. 262 
und die Mehrzahl der in Stans entstandenen Abschriften des dortigen Pfi 






') Im Kalenderteil des Cod. 105 vcrreichnet eine andere Hand zum 39. ManT 
^Dominus Hartmannus dictus Meyer (de Stans) miles (f ca. 1337)1 femer einige Namel 
von Nonnen, zum 7. Juli den Landanimann Johannes von Attinghausen (t 1358 oder 1359) ctc 

■) So wurde 1366 die hübsche Handschrift der Somma confessorum Cod. 30 um v 
Gulden aus der Hinterlassenschaft des Dekans Johann von Luzem erworben. Im Jahr 
1380 schenkte Joh. Fricker der alte Stadtschreiber von Luzern den Nonnen einen selbfll 
kopierten mystischen Traktat Cod* 125, 1396 Claus Schuolmeiater, der alte Schreiber va 
Luzem Cod. 339 eine Abhandlung über das Leiden Christi etc^ 



175*^»" 



♦pätern Klosterpriors Johann von Boisenheim. Nur Cod. 121 vom Jahre 1374, 
m Engelbergische Herkunft sehr wahrscheinlich ist, zeigt ein mit farbiger 
»enbordüre und grösserem Initial verziertes Titelblatt, und einzelne Bände 
i^on Bolsenheini ums Jahr 1385 geschriebenen Postillen des Nikolaus von 

') besitzen einige grössere und kleinere Zierbuchstaben, denen jedes 
e oder individuelle Gepräge fehlt. 

Der vierte Band des letzteren Werkes ist zudem mit v^erschiedenen 
mstruktionsplänen des Salomonischen Tempels und mit zwei ganzseitigen 
rten Federzeichnungen zu Ezechiel Kap, I ausgestattet. 





'^^- 



.^ 



Illustration zu Ezechiel I. aus Cod 249 S. 3 a (Höhe des'^Originals 28,5 cm). 



Die erste dieser Illustrationen zeigt auf farblosem Grunde über dem gelben 
lienlosen Rad die kreuzförmig vereinten Evangelistensymbole. Darüber 
t sich ein gewölkter und mit roten Sternen besäeter Halbkreis auf 
iiem sich ein kleinerer Bogen erhebt, der dem mit Szepter und Reichs- 
versehenen Christkind zum Tron dient (Fig. 1 1&). Das zweite Bild wiederholt 
Situation genau, nur stehen hier die apokalyptischen Tiere in Farade- 
mg neben einander, als ob sie im Begriflfe stünden, durch den Reif zu 



246- i^o. 




176 I901 

springen : die Wirkung ist von unwiderstehlicher Komik. Irgend welcher 
Zusammenhang dieser Miniaturen mit frühern Engelberger Werken ist nicht 
vorhanden und es ist darum nicht ausgeschlossen, dass diese in Stans ge- 
schriebenen Bände von einem handwerklichen Laienmaler illustriert sind.') 

Mit dem XV. Jahrhundert verschwinden alle Spuren eigenen Kunstbetriebs 
in der Klosterbibliothek, denn das rohe Bild des Abtes Ulrich Stalder vom 
Jahre 1480 in Cod. 327 kann man doch nicht darunter zählen.") 

Am Schlüsse' dieser Arbeit fühle ich mich verpflichtet dem Stiflsbibliothelur in 
Engelberg, hochw. Herrn P. Subprior Gregor Jakober und seinem Vorgänger P. Benedikt 
Gottwald für die weitgehendste Förderung dieser Studien meinen Dank öffentlich lu b^ 
zeugen und ebenso meinem Freunde P. Ignaz Hess, für seine thätige Mitarbeit bei den 
photographischen Aufnahmen, die nicht zum geringren Teil aus seiner Camera hc^vo^g^ 
gangen sind. 

*) Es würde sehr nahe liegen, auch in den um 1381 entstandenen Wandgemälden 
der Kapelle S. Nikolaus bei Kerns (vgl. meine Publikation im Gfd. LH, S. 307 f. und Taf. 
I— XII) engelbergische Ejnflüsse zu suchen, da diese Kapelle dem Kloster inkorporiert war. 
Wirklich zeigen sowohl die Architekturformen, als einzelne ganze Kompositionen (Verkün- 
digung, Dreikönige, Palmritt, Kreuzabnahme) eine grosse Uebereinslimmung mit den Bildern 
des Cod. 60 und 62. Aber diese Uebereinslimmung ist doch nur derart, dass sie keinen 
Schluss auf ein direktes Abhängigkeitsverhältnis eriaubt und durch die bekannte aber immer 
noch zu wenig untersuchte Verbreitung biblischer Kompositionsschemen genügend crklin 
werden kann. Vgl. oben S. 161 Anm. i. Der Einfluss dieser gangbaren Typen reichte auch 
auf das litterarische Gebiet hinüber, wie die von Mone (Schauspiele des Mittelalters 1 
S. 204 ff) aus einer Konstanzer Handschrift des XIV. Jahrh. herausgegebene Marienklagc 
in ihren anschaulichen Schilderungen zeigt. 

■j Vgl. meine Kunst- und Architekturdenkmäler Unterwaldens. 



Taf, XI 




i68 



E90X 



der Engel daneben hält das Kleid bereit. Dem 
gegebenen Thema „als unser herre versucht wart 
in der wüsti" wird durch die erste Versuchung mit 
den Steinen entsprochen. Das folgende Doppel bild 
enthält in der obern Hälfte eine freie Wiederholung 
des Palmrittes aus Cod* 62, unten die Fusswaschung 
(„als unser herre sinen jünger die vis wusch"). 
Beim Abendmahl ist genau entsprechend der Weis- 
ung „als unser herre mit sinen Jüngern ze tische 
sas"und in einer band embere hatte sin vronlichamen 
und in der anderen hant den kekh" der Moment 
derKonsekration festgehalten.*) Auch diesmal kauert 
Judas vor dem Tische und ein Teufel schlüpft ihm 
aus dem Munde. Die Oelbergszene schliesst sich 
wieder enge an Cod, 62 an, dem Rand vermerk 
„als unser herre bettote uf dem berge und sin 
Jüngern wachten, da sol vil bömen sin" ist insofern 
nicht ganz entsprochen, als bloss ein grüner rot um- 
randeter Eichbaum und ein blaustämmiger Linden- 
husch mit je einem roten und einem grünen Wipfel 
angebracht sind. Dann folgen der Judaskuss („als 
unser herre gevangen wart") und Christus vor 
Herodes („als unser herre an das gerichte gevüret 
wart")^ zwei von Cod. 62 sowohl im kostümlichen 
Detail, als in der Komposition etwas abweichende 
Szenen. Auf der erstem ist Malch us w eggelassen ^ 
die letztere Komposition erscheint umgedreht. Die 




Fig. 114. Kalenderum- 
rahmung aus Cod. 60, 




') Vgl. die Szene auf dem RQckschild des Chormantels von 131 8 (Kunst- u. Arch.-Denkm. 
Unterw. Fig. 51), Qbrigens die einzige dortige Szene, die sich mit diesen Illustrationen berOhrt 



169 ^90i 

Dornenkrönung („als unser herre gekrönet wart**), die Geisselung („als unser 
herre gevilt wart") und die Kreuztragung („als unser herre das krüze trug") 
reproduzieren hingegen genau die entsprechenden Darstellungen des vorge- 
nannten Bandes. Als neue Szene ist die Entkleidung („als unser herre 
abgezogen wart") eingefügt. Das nächste Bild entspricht der Vorschrift „als 
unser herre vor dem krüze bettote und an das krüze genagelot wart" gar 
nicht, indem es einfach den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes auf- 
weist. Die Kreuzabnahme („ablösi") ist eine genaue Reproduktion aus Band 62, 
die Grablegung („als unser herre geleit wart in daz grab"), der Abstieg in 
die Vorhölle („als unser herre gewaltlich ze der Helle vür") und die Auf- 
erstehung („als unser herre erstünt" ) sind freiere Wiederholungen, wobei in 
ersterer Szene die Figur des Johannes hinzugekommen, in den andern der 
begleitende Engel, beziehungsweise die symbolische Löwin wegfielen. Auch 
die Himmelfahrt ist genau wiederholt, indem der Vorschrift „als unser herre 
ze himmel vür und sinem vatter brachte daz verlornes schaf" nicht nach- 
gekommen ward und das letztere, uns bereits aus einem Initial in Cod. 62 
bekannte Motiv wegblieb. Bei der Herabkunft des heiligen Geistes („die 
phingsten"), die im übrigen mit Cod. 62 stimmt, hockt auf der Schwelle des 
Tores ein weisser Rüde. Die folgende Darstellung von Mariae Himmelfahrt 
gründet aut die sehr detaillierte Instruktion: „als unser vrowe ze himmel 
vür, in einer hant ein öffel da uf ein krüzeli, in der ander hant ein venli 
und under dem mantele die seli." Die Jungfrau schwebt in einer von zwei 
Engeln gehaltenen Mandorla gen Himmel, sie trägt die Kreuzesfahne und 
statt des vorgesehenen Reichsapfels einen natürlichen roten Apfel in den 
Händen ; über ihrem weissen Kopftuch liegt eine Krone und der rosafarbene 
Mantel breitet sich über blondhaarige Mädchengestalten aus, die sich an ihre 
Seite schmiegen. Unten knien die Apostel. Das letzte Bild endlich zeigt, wie 
im vorerwähnten Bande, in etwas einfacherer Komposition die Himmelfahrt 
des Evangelisten Johannes. Jeder Zweifel an der Deutung wird hier durch 
die Randglosse „als sant Jo. ev. ze Himel vür" zerstreut. 

Der erste Initial Beatvs vir wiederholt auf grün, rot und blau 
damasziertem Grund die Darstellung der Dreifaltigkeit aus Band 62. Das 
folgende D auf S. 42 enthält das Bild der heiligen Anna selb dritt; sitzend 
auf goldenem Stuhle hält sie die mädchenhaft aufgefasste Maria im Schosse, 
welche ihrerseits das Christuskind auf dem linken Arme trägt. Von der 
Randglosse liest man nur mehr: „in den buchstaben . . als sant Anna .... 
ünSe vröve dz kindeli" ; es liegt hier eines der ältesten Beispiele dieser erst 
mit dem Ende des XV. Jahrhunderts häufig werdenden Darstellung vor, die 
deshalb besonderes Interesse verdient. Der nächste ganzseitige Prachtinitial 
Dixi cvsTODiAM VIAS enthält eine Darstellung der Flucht nach Aegypten. 
Entsprechend der Instruktion: „in daz D als unse vröwe in Egipt vür und 
tlerli dien unser herre der segen gebe", finden wir unter den Hufen des von 
Josef geführten Esels junge Löwen und Wölfe und einen Hasen, die das 
Christkind segnet. Das Motiv geht ursprünglich auf das Evangelium 



lyo 19»' 





jfinutf ffliiut^datc 

'ßmiuromtnätim 
(tömfouanmiium 
tiflmcroifatctoftnit 



tptmsmt 

t& txüs nms- <ii^55i#BJö^gi^ 

tcrmtntKittis fam acflutn inmtattuhä 

tnctm qmaimiritointominaibcrngm 

Uattnucauats u% aoeMnamOn^^ 

Inuat^admtiMud cttonfeffimuß fo 

— mtttptiUttttig« S?*^ 3gj^Ui3hi^S^ 

JS^ctfttQlEo qmabt^nrCDtintcbm ObfiiUt 



Fig. 115. Aus Cod. 60, S. 60 a (i-a. '.« < ).-G.). 



_J 



Pseudo-Matthaei zurück M. 
Zur Abwechslung kommt 
alsdann ein Breitbild auf 
der untern Hälfte der S.öga: 
„Hie sol stan als sant Cathe- 
rina bestettenot wart". Drei 
Engel und drei männliche 
1 leiligen v'ollziehen die Be- 
stattung. Der Sarkophag 
der Heiligen hat unten zwei 
runde, rote Löcher, aus 
denen die wunderbaren 
Oelquellen fliessen ■). Das 
grosse QviD gloriaris in 
MALICIA ist sehr passend 
mit dem bethlehemitischen 
Kindermord ausgefüllt („in 
das Q als Herodes die 
kindeU^ enthöptete")^), der 
Initial Dixit insipiexs mit 
einem Genrebilde, wo Maria 
das Christkind in einer höl- 
zernen Kufe badet („in das 
I ) als ünse vröwe ir kindeli 
hadote") *), Genrehaft ist 



*) Kap. XW'i'riM./ttntinr/ J-.v. apokr. S. 3i): „Siniiliicr Utnu-s et pardi adorabant euni 
et comitabantur cum «is in dt'S(*rto, qiir»ciini<iiii- I.^^(.'ph rt br.ita Maria ibant, antecedebant 
eos, ()stendcnt(;s viaiii ci inclinantr.-^ oapita sua, ^ervitiiimqiK' caiidis adulantibus exhibentes 
grandi cum revcniitia adorabant eiiin. PriiiK» aiitcm m vidit Maria Il-oiu'S et pardos circa 
(^os venientes et varia Irrarum griifra vt.'hciin.ntrr rxpavit. Ciii infans Jesus laeto vultu 
in facieni eins respicirns dixit: Noli tinn're mati-r, nun ciiiin ad iniuriam tuam vcniunt, sed 
ad obst-quiiim tunni ri nieuin venire Itstinani. V.s hi> dictis am])utavil timorcm de corde 
ipsius'* etc. Das Mutiv rtndrt sich auch in Kunrads \«»n l'u>sc*^brnnii(n Dichtung von der 
Kindheit Jesu und bei Walthcr von Rhrinau, dürfte ahr r hirr dirrkt auf das Evangelium 
Pseudo-Matthaei zurückg(;hen, von tiem sich in Kii.m'ibcrir z\\>^i ältere Kopien befinden, eine 
in Cod. 2 (Xil. Jahrhuntit-rt), die bis zum 25. Kaj». n ifht unri «ine in ('od. 44 (XIIl. Jahr- 
hundert), die noch das 124. Kap. umfas>t. 

*) Vgl. Ptirits tic A'ff/ti/i/jns, C'alalogus «-.mclt»runi (Lui^duni, .Sici)han Gueynard 1508) 
S. 290b: „Cwiiis (s. Katharinae) torpus ah an^rlis per a('ra sublevatum et itinere dierum 
viginti ad nionteni Synay in m"m«Mit<» «h/vectum ibicjue ht»norilTc«.- tunnilatum est vj kal. 
Decembris. Kx «Miius lumulo (»Icum indefint.'nter t-maiiat, quod cunctorum debilium 
membra sanat." 

*) Abgeb. in l'art ancicn a Texposition nationale suisse 1890, IM. 14. 

*) Das gebadete Christkindlein erscheint öfters in den Visionen der Schwestern von 
Töss und ist überhaupt ein dem klösterlich-mystischen Gedankenkreis des XIV. Jahrhunderts 
vertrautes und beliebtes Motiv. — Vgl. BächioUi, Gesch. der deutsch. Litteratur in der 
Schweiz S. 218. 



l82 



igox 



SO Steht es im Wörterbuch und so erzählt auch Montluc ') in seinem Berichte 
über das Gefecht bei Cavelinos (1587). „Nos gens-d'armes portoient en ce 
temps-lä de grands coutelas tranchans pour couper les bras maillez, et des- 
tranger les morions. Oncques de ma vie ie ne vis donner si grands coups.* 

M. Jahns ^) vereinigt alle Stangenwaffen mit grosser, schwerer Klinge 
unter dem Namen ^Stabschwert" , was nicht dazu beiträgt, mehr Präcision 
in die Benennung der alten Waffen zu bringen und daher in Fachkreisen 
schwerlich Anklang finden wird. 

Der letzte Nachkomme dieser Waffengattung ist die „Cuise", mit welcher 
noch heute die Hartschiere des bayrischen Hofes zur Gala ausgerüstet sind. 

Ausführlichen Aufschluss über die Vouge giebt Viollei-le-Duc in seinem 
Werke über die Bewaffnung in französischen Landen während des Mittel- 
alters. ^) Hier sehen wir in einer Reihe von Illustrationen, welche alten 
Chroniken entnommen sind, die Vouge bald als einzige Waffe eines Fuss- 
knechtes, als Beiwaffe eines burgundischen Bogenschützen oder als Haupt- 
waffe nebst kurzem Schwert und Tartsche eines Kriegers, der sich zum 
Ersteigen einer Sturmleiter anschickt. Nach VioUet-le-Duc war die Vouge 
im 13. und 14. Jahrhundert die vorzüglichste Waffe der Fussknechte und 
wurden ganze Compagnien „vougiers^* gebildet, wobei allerdings nicht 
an eine Ausrüstung mit einer gleichartigen Waffe gedacht werden darf. 
Nach dieser Quelle hätte die Vouge hauptsächlich beim Angriff auf Befesti- 
gungen Anwendung gefunden. 

Auf den vier grossen Wandteppichen im Berner historischen Museum, 
welche die Geschichte Julius Cäsars darstellen, und welche, nach der ge- 
lehrten Abhandlung von Pfarrer Stammler *), aus dem französisch redenden 
Teil von Flandern und aus der Zeit vor 1475 stammen, kommt die Vouge 
wiederholt vor. Fig. 120 reproduziert eine Scene aus dem Teppich, welcher 
den Sieg Cäsars über Ariovist darstellt und zeigt den Kampf zweier mit der 
Vouge bewaffneter Streiter. 

Sowohl nach den Abbildungen bei Viollet-le-Duc, wie auch nach den 
„C'äsar-Teppichen" hätte die Gesamtlänge der Vouge die Körperlänge des 
Mannes nur wenig überragt, wäre also auf 1,80 m bis 2 m zu schätzen. 

Wenn auch ausser Frage zu stehen scheint, dass die Vouge keine ur- 
schweizerische Waffe war, so ist doch anzunehmen, dass sie so weit ver- 
breitet war, als sich der burgundische und savoysche Einfluss geltend machte; 
hierauf lässt auch der Fundort der beschriebenen Klinge schliessen; sie ist 
demnach nach heutigen Begriffen immerhin auch eine schweizerische Waffe. 

') Commentaires de Messire Blaise de Moniiur, I^aris, 1746. 
*) Max JähnSf Entwicklungsgeschichte der alten Trutzvvaffen, Berlin, 1899. 
•) Wiollei le Duc, Dictionnaire raisonn^ du mobilier fran9ais de Tepoque carlovingi- 
enne ä la renaissance. Tomes 5 et 6. Paris 1874,75. 

*) Jacob Stammler, Der Paramentenschatz im Historischen Museum zu Bern, Bern 1895. 



184 



igoi 



war niemals an einer Stange befestigt» auch die zum Schmucke der obem 
Ecke bestimmten Stickereien, die Krönunj;^ der Maria» sind dem Fahnentuche 
nicht aufgesetzt worden. 

Die Stadtbibliothek Zürich bewahrte vier Exemplare dieser Stickerei« 
Zwei derselben sind mit dem Wappen des Papstes Giulio delle Rovere und der 
Jahreszahl 151 2 versehen, (Fig. 122) offenbar die von Julius selbst geschenkten, 
beidseitig am Panner zu befestigenden Stücke. Die beiden andern zeigen 



Jk-r^' 



-^. 



Fig. 122. luliänischc Stickerei von 1512 

weder Wappen noch Jahreszahl, sind auch stilistisch von den erstem 
fallend verschieden (Fig. I23), Der Verfasser des Neu Jahrsblattes der Zürchi 
Stadtbibliothek von 185g» welcher über die Geschenke des Papstes Julius h 
richtet, vermutet, die Zürcher hätten auf eigene Kosten in Italien ein Dop| 
der Stickerei anfertigen lassen und mit nach Hause gebracht* Die ob 
flächlichste Vergleichung der beiden Bildwerke zeigt indessen, dass 
Vorbild mit feinstem Verständnis in den Formen italiänischei* Renaissai 



185 l9oi 



igeföhrt ist, während in den Einzelheiten der imbeholfeneren Nachbildung 
Deberlieferungen deutscher Gothik deutUch zum Ausdruck gelangen. 

Das Vorbild ist ganz in Gold-, Silber- und (an den Fleischteilen und am 
pß] in Seidenstickerei ausgeführt, mit feinem ächten Perlenbesatz, die 
♦ander mit leicht durchschimmernder roter, grüner oder blauer Schattier- 

Die Figuren sind selbständig gearbeitet und dem Grunde aufgesetzt* Die 
chter sind ausdrucksvoll, alles ist mit grossem Verständnis durchgeführt. 



m^i 



^-''1^ 



■■m\\ 



Fig. 123. ZQrcheriscIie Stickerei von 15 13. 

Die nicht wenigerreiche Nachbildung ist weit roher, die Zeichnung der 

nder zeigt weniger Verständnis, der sehr reiche ächte Perlenbesatz be- 

aus grössern Stücken und wirkt störend. Die Untergewänder be> 

aus aufgenähtem golddurchwirktem Stoff, die Thronsessel sind mit 

sierendem Masswerk geschmückt, der Fussboden zeigt die nämliche 

^rung, wie Zürcher Glasgemälde aus dem ersten Jahrzehnte des XVL 

kunderts. Die Köpfe sind geistlos, derjenige der Maria ein wahrer 




i86 



I90I 



Puppenkopf. Alles beweist, dass wir eine einheimische handwerkliche Arbeit 
vor uns haben. 

Die Bestätigung hiefür liefert uns die Chronik des Bernhard Wyss 
(herausgegeben von Georg Finsler, Basel 1901. Einleitung S. XVI), welcher 
folgendes berichtet: 

„1513 uf unser herren tag lagend all Eidgnossen vor Dision in Hoch. 
„burgund und wurdent mit grossem gut dannen kauft. Do zog ich Bernhard 
„Wyss mit der statt Zürich hauptpanner um das burgrecht. Das hettena 
„min herren lassen süHn machen, und die crönung Marice artlich drin sticken, 
„und liessend das damasten so bapsi Julius geschenkt hat, daheimen. Das saFi 
„ihm aber gleich und ward uf dem zug zum ersten mal gebrucht; das trug 
Jungker Jakob Meis, der darnach ze Mailand in der Schlacht umkam." 

Leider fehlen im Zürcher Staatsarchiv die Ratsmanuale und Seckel- 
amtsbücher aus jener Zeit, wir können deshalb den Namen des ehrsamen 
Seidenstickers, dessen Arbeit uns vorliegt, nicht ausfindig machen; wahr- 
scheinlich war Erhard Heidegger, welcher 1507 das Zürcher Bürgerrecht 
erhalten hatte, mit deren Herstellung beauftragt. 

Das Hauptpanner selbst, unter welchem die Zürcher nach Dijon und wohl 
auch nach Marignano ausgezogen sind ist uns ebenfalls noch erhalten (Fig. 121I. 
Früher auf dem Rathaus, dann im Zeughaus, jetzt im Landesmuseum (Depo- 
situm des Kantons Zürich Nr. 5644) aufbewahrt, zeigt es noch die genm 
passenden Spuren der aufgenähten Stickerei. Es besteht aus gutem Seiden- 
taflFet. Das weissblau schräggeteilte Fahnentuch ist 1,75 m hoch, 1,6 m breit; 
der mit dem weissen Kreuz verzierte Schwenke) ist 26 cm breit und 3 Meter 
lang. — Die Stickerei ist für die Ausstellung im WaflFensaal neuerdings an 
ihrer alten Stelle angeheftet worden. 



lieber Kriegssitten. 

Von Theodor von Liebenau. 



Nach der Niederlage an der Crevola im Eschenthal (1487, 27. April) 
beschwerten sich die Luzerner beim Herzog von Mailand über die rohen 
Kriegssitten. Der Herzog blieb die Antwort auch nicht schuldig. In einer 
Gegenklage führte er aus, dass die Luzerner bei ihrem Einfalle ins Eschen- 
thal auch Schandthaten verübt und namentlich an Kirchen gefrevelt haben. 
Die vom Rate von Luzern angestellte Untersuchung ergab, dass neue Luzerner 
wirklich einzelne der eingeklagten Vergehen verübt hatten. Mit Hinsicht auf 
die im Sempacher-Briefe enthaltenen Bestimmungen wurden deshalb die 
Schuldigen sti eng bestraft. Allein der Raub von einzelnen Kirchenparamen- 
ten, Glasgemälden etc. ist doch eine wahre Kleinigkeit, gegen die von den 
Mailändern eingestandenen, aber als Kriegssitte nicht geahndeten Delikte. 

Aus den vom Rate von Luzern aufgenommenen Verhören mit Unpar- 
teiischen, die sich damals in Mailand befanden, ergeben sich folgende That- 
sachen, welche von der eidgenössischen Tagsatzung im Juli 1487 konstatiert 
wurden. 

Das Hauptaktenstück, welches die Einzelnheiten genauer erwähnt, trägt 
die Ueberschrift : 

Die kuntschafft von der Walsser kriegs wegen. 
Mangold Schoch hat bezQget und geret, dz war vnd Im wol wüssent sig. der ersten 
dz die Walchen zu Meilland den Tütschen zu schmach ein ströwinen man gemacht, 
dem ein schwitzer deggen angehenkt vnd ein halbartten vif achslen geleit, Im auch ein 
krffpff gemacht, vnd hab cleider vnd hosen angehept jn mass gut, dz ers wol hett mögen 
tragen, vnd haben jn damit hoch enbor vff ein gerüst gesteh vtf dem blatz vor dem kastei, 
jn der meinung jn da zu verbrennen, vnd sig da den ^antzen tag gestanden bis vff den 
abend, vnd sigen die Wallen dagestanden, ouch da für vff vnd nider gangen vnd haben 
vil Jubel vnd gespötz getriben; also am abend sig sinjor Ludwig dahin komen geritten 
vnd hab da stil gehept vnd dz besechen, vnd gefragt, wz dz wer. Dz haben die Walchen 
jm geseit Do hab er dz geheissen dannen ze tun dz sig ouch beschechen. Vnd wo 
sinjor Ludwig nit gewessen, so hettenz jn verbrent. Dz alles hab er gestchen vnd gehört. 
Item er hat ouch gesechen vnd gehört gros jubel vnd fröid lütten mit vil üppiger 
mutwilliger red vnd gespötte, so die Walchen triben so lang zu sagen weren, doch haben 
sy vnder andrem gerett vnd gesprochen: O, duteschg flie, flie, vnd sust vil schantlicher 
Worten, so er nit wüä ze sagen. 

Item er hab ouch von Walchen gehört dz geret, do der stritt zue gangen, do haben 
die Walchen den Tütschen die vinger abgehüwen vnd die jn die baretten gesteckt, vnd die 
gan Thum jn statt getragen, vnd dz sy Inen die gurgel vsgeschnitten vnd die an partte- 
sanen gesteckt vnd gan Thum getragen. 

Item sy haben jm ouch geseit, dz sy den Tütschen dz schmer usgehüwen vnd dz 
gan Meilland getragen, und dz da jn die appenteg verkoufd, vnd mit sunderheit hab Im 



i88 



igtti 



vflF hüwen als er dennoch lebte, vnd als 
selber jn lib vnd sprach, dz mu$ gott 



ein frow gcseit^ dz die Walchen ein Tütschen 
Im dz jngeweid har vss datteii, do gesech er sjm 
erbarmen, söl das vnge rochen bliben. 

Item, er rett ouch, dz die Walchen jm geseit von Hans Müllers wegen, wie der sich 
so redlich gewert, vnd als er vff der Tomer bnig gewesen, vnd die den Walchen mit < 
siner were lang vorbehalten, dz er vast vimnd, Do ^vurde dz drang so gross über In, 
dz er - do Im nieman helffen noch zu htlff komen wolt — sich vmbkeite vnd wolt in 
ein hoff, sig hinder der brug^ gewichen sin. In dem kam ein Umedar \ geritten vnd ruft 
Hans Müller vnd rette zu Im: Hans Müller, ker dich vmb vnd ergib dich an mich; jchwil 
dich schirmen vnd sichren. Also kerte sich Hans Müller wider vmb vnd wurffe sin spie 
damit er sich gewert halt, von jm vnd ergab sich an den Umendar. Aber nit dester mindei 
vnd er gesichert vnd sich ergeben vnd sin wer von jm gew^orfen, so haben sy jn demnach 
erstochen, auch sin haupt abgehüwen, dz an ein barttesanen gesteckt vnd gen Thum ja 
die statt getragen, vnd der selb Umedar^ so jn gesichert sig jm mit dem namen generoptj 
er hab aber des namens vergessen. 

Mit Schoch*s Angaben stimmt überein diejenige des Hans Rtetmann, der auch 1 
zeögt ^er hab von Wakhen gehört, dass ein Walch XX tuggaten darab (von Schmer 
gelöst hab*". Gleiches bezeugen: Hans am Acher, Wackerwald, Lienhard von Madis 
Hans BQrge von Herzogenbuchsee. 

In Bezug auf den Tod Müllers bezeugen diese, dass die Wälscben der MetnonkfC-. 
waren^ dieser tapfere Mann sei der Bruder des Bischofs Jost von Silinen zu Sitten. Airn a» , 
den in Mailand liegenden Akten ergibt sich nämlich, dass Müller das Siegel des Rittrs^H 
Albiii vun iSilinen bei sich trug.') ^" 

Rudi Nükom bezeugt „die soldner selbs haben jm geseit sy haben etlich Dotsche"!! 
dewil sy denn noch gelept band, vffgehüwen und jnen dz schmer har vsgeschnitten, oach 
dz derm vs dem lib getan, vnd hant w^cllen lugen vnd versuchen, wie lang einer demnach 
leben möcht, vnd etlicher soldner hab wol XX tngatten vs schmer gelöst. Dz alles haben 
fm die soldner selbs geseit. 

Item er hat ouch gcret, dz die soldner jni geseit, sy haben der Tütschen so h0p5cli| 
har hatten 111 oder vieren d/ haupt abgehüwen vnd die an die spies gesteckt %'nd gan 
Thum getragen; sie haben onch etlichen die tinger abgehüwen vnd die in baretten geslfcit 
\Tid also getragen. Dz hab Im ein fröw geseit, die hab dz gescchen ; dann die sigbydo»] 
Wal eben Jn väld gesin. 

dein Hans jm Moss hat von des ströwinen maus, ouch der hochmüttigen und spö<- 
liehrn Worten wegen, vnd das frödlüttens halb geret vnd bezüget wie die andren, da vor 
gezüget band. Iteni er hat ouch geret, dz jm ein fröw, so jm ield gesin sig, geseit, di <i^ 
soldner wol XVI If 'rüts<:her, s6l Heini Vollenwag ouch der einer sin, an ein seil gcbundfrt* 
die wil sy jn leben gesin, vnd haben sy also lebent vflTgeschniUen, vnd sy mit den mcsf«» 
jn die Hertz gesUlpIt, damit sy jnen ein langen tod möchten angetun, ouch jnen dz schotcf" j 
vsgeschnitten. Dem nach do haben die Walchen gelugt, wo einer hOpsch har gchept; 
dem haben sy dz haupt abgeschlagen vnd dz gan Tum getragen vnd da vfrgcst«kl at 1 
weren es beren höpter; sy haben ouch etlichen die band abgehüwen vnd die vff die crroe* 
gemacht vnd also getragen. Dz hab jm die fröw^ geseit, dz sy dz alles gesechen hab. 

Item er hat ouch gcret, dz er vnd ander tütschen zu Meilland vff der gassen gange«*- 
Do sigen die Walchen vor vnd nebent jn gesin vnd habentz 1 aussen jn ars sechcn, vTjd O 
haben tOtsche cleider. so der vnsern gewesen, angetragen, vnd vor jn schwantoet gaö|^^ 
ab sy krank vnd anmecbtig sigen gesin, und dann nider gefallen, vnd Inen gezögt, wie ' 
die vnsern gefeit, vnd in die wasser gestossen vnd wann sy dann vffge^tandcn, so . 
sy sy laussen jn ars sechen mit vil spötlicher geberden, so sy jnen zu schmach getri^^»^*^ 



^1 Ueb«r«etiaof de» Nameiui Traverse. 
•) Biftnchelti, OmoU i, 40a, 



E. Btaachettj, 0«ftC»U inferiorci Torino 1878. 




i8g i9o* 



tern er hat ouch wittcr geret, dz er vnd Tettikoffers knecht vnd ander tütschen zu 
JWailland gangen; da sigen Inen soldncr begegnet. Do hab ein soldner gerettj wir sollen 
dencTi Schelmen ouch dz schnier vshöwen, vnd rett darby, er het ein gesellen; er vnd 
dcr^clb betten so vil schroers vsgehüw*_^n den Tütschen^ dz wol darob vjjjj tugatten gelöst 
hctten, 

Hans Rösch bezeugt, dass Walchen Schmer um 25 Dukaten ausgebolen haben; 
ebenso bezeugt er die andern oben erwähnten Schandthaten, Schmachreden etc. 

Durch andere Zeugen wollte der Rath von Luzern den Beweis erstellen „dz des 
Herzogen von Mailand soldner den vnsern als jnen dz gcweid vsgeschnitten, Jung, leber 
vnd anders dz gan Thum getragen, dz jn ein kessel gctan^ das gesotten vnd vil übikeit 
get reiben, vnd ob Jeman darjn reden, so finden wir frorn lütt, die können gesagen, in 
welohem huß das beschechen, ouch den kessel zöngen, darjn dz gesotten ist.*' 

Der Herzog von Mailand beantwortete die Klagen also: Es sei un- 
glaubwürdig, dass Hans Müller Sicherheit des Lebens zugesagt worden sei; 
die Anklage sei zu vag. 

Das Hemmtragen von Häuptern der erschlagenen Feinde „mag vülicht 
nach kriegsgewonheit unser landen beschächen sin, doch uns unwüssent'*. 
„Zu der dritten dag, als gemeld wird uß den totten lichnameo Smär 
geschnitten vnd verkouflt, ouch die finger abgehOwen vnd an die parrett 
■esteckt sin, mag villicht ouch vns vnw^üssent beschechen sin, als in söhchen 
stritten, wie obstatt, vnser lands gewonheit ist. Aber was doch beschechen 
sye, mag doch nicht geachtet werden zu schmacheit der lutschen üchnamen 
ergangen sin. Dann des vßgeschnittnen schmers halb, ob dz beschechen, 
so ist es von ettvvas schneiden vnachtbaren personen vmm gewünne willen 
getan vnd nit fürer von der tüttschen/* Deutsche und welsche I.eichen habe 
man nicht unterscheiden k^innen. Das Aufstecken von Fingern der er- 
schlagenen Feinde auf den Baretten sei i.andessitte. 

Das Aufstellen einer Puppe in Kleidern der Feinde sei das Werk junger 
Leute gewesen ; der Herzog habe das projektierte Vt^rbrenoen der Puppe 
verhindert und missbilligt. 

In einem mündlichen Vortrage führte Peter Andreas von Aulendorf im 

August 1487 an der l'agsatzung weiter aus, das Ausschneiden von Schmer 

I sei landesüblich, namendich bei den Leichen von Missethätern. ■) 

■ Wegen der Strohpuppe sei zu einer Klage kein Grund, denn es sei ein 

»Brauch ,,wann ein Herr ein sig vnd strit gewün^ so mach man für vnd ver- 

bren jr Widersacher, vnd dz sig jn kurtzem beschechen, dz ein Herr wider 

vmern helgen Vatter den bapst kriegt vnd ein stritt vnd sig jm angewunnen. 

ihr habe den bapst vnd sin cardenel vttgemacht vnd in dz für getan vnd 

<lie verbrent. Dz w^erd b}^ Inen allenthalben gebrucht". 

Im Jahre 1499 wollten die Luzerner beim Zuge nach Blumenfeld auch 
dem Verteidiger dieser Kriegssitten, Peter Andreas, einen Besuch abstalten; 
allein die Uneinigkeit im Heere der Kidgenossen hinderte dieses Vorhaben. 

') In der Schweiz vvurdrn Mngtr unti l''eu von Gehängten zu iiaubcreien gebraucht. 





Fig. 1I24, Steinrclief im, Museum zu SL^Galkn, 

Steiometzzeichen des 16. Jahrhunderts in St. Gallen. 

Von E, Hahn. 



1 



Die Sammlung des historischen Vereins im städtischen Museum 
St. Gallen besitzt eine 0,80 m hohe 1,43 m breite, aus drei starken tannen^^jr 
Dielen zusammengesetzte Tafel (Fig. 125), auf welcher in den vier Ecken je d^^ 
Kniesttick eines Steinmetzen innerhalb eines kreisrunden Kranzes, und in neur» 
Reihen von ovalen Medaillons, von denen eine, die unterste Reihe, ganz leef 
gelassen ist, die Zeichen und Namen von Steinmetzen gemalt sind. Die Fi- 
guren der Steinmetzen in den Eckbildern tragen je eines ihrer Werkzeuge^ 
nämlich das Lot, den Winkel, den Messtab und den Zirkel, welche entweder 
direkt wie der Winkel und der Messtab, oder aber nur durch den Gebrauch 
angedeutet, in den Zeichen wiederkehren, so das Lot durch den gleichschenk- 
lig rechten Winkel in verschiedenen Lagen, der Zirkel durch einen Halb- 
oder Viertelskreis. Grundform des ganzen Zeichens ist jedoch in der Regel 
das lateinische Kreuz. 

Die Namen stehen jeweilen auf einem Bande oben an den Medaillons, 
welche abwechselnd eine blaue oder rote Einfassung besitzen. Leider findd 
sich niemals ausser dem Tauf- auch der Geschlechtsname, wohl aber durdv^ 
wegs (mit zwei einzigen Ausnahmen) der Heimatsort oder die Herkunft de* 



igi '90» 



Trägers angegeben, was vermuten lässt, dass wir es nicht mit der Tafel 
der Meister, sondern bloss der Gesellen zu tun haben. Dürfte man sie für 
die Mcistertafel halten, so wäre es zudem auffallend, dass nur zwei Jahre, 
nachdem ein Meister Wolff Vögle von St. Gallen zur Wiedereinsetzung der 
Meisterbruderschaft neben andern Schweizern nach Strassburg gesandt wurde, 
gerade dieser Name fehlt. Ob wir den drei mal vorkommenden Jakob von 
Rorschach (unter No. 86, 102 und 134) mit dem beim gleichen Anlasse er- 
wähnten Meister Jakob Alther in Beziehung setzen dürfen, bleibt eben 
wegen des Fehlens der Geschlechtsnamen fraglich. 

Da das Verzeichnis mit dem Jahre 1565 anhebt, so dürfen wir immer- 
hin mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass dasselbe auf Veranlassung der 
Bauhütte in Zürich, zu dessen Gebiet St. Gallen gehörte und welche eben 
1563 in geordnete Verbindung mit der Haupthütte in Strassburg trat, be- 
gonnen wurde'). Vielleicht geben darüber später zum Vorschein kommende 
Zunfturkunden Aufschluss. 

Beim Verzeichnis selbst, das wir nun folgen lassen, haben wir die ein- 
zelnen Namen mit Ordnungsnummern, welche im Original fehlen, versehen, 
um Wiederholungen in Klammern angeben zu können und Verweisungen bei 
allffllligem Vorkommen der Zeichen auf Werkstücken zu erleichtern'^). 



1565. 

1. Heinrich von St. Gallen (87, (51 135) ■) 

2. H[an]s von Wissenburg (5) 

3. H[an]s von (Name nicht ausgesetzt) 

4. Elias von Ulm (126) 

5. H[an]s von Kronawissenburg [Kron- 

weissenburg] *) 
0. Baltus von Salmenschwil [Salmanswil 
bei Ueberlingen] 
H[an]s von Stugart (91, 137) 
H[an]s von Roschach (89, lüü, 137) 
9. Joseph von St. Gallen (99, 111, 133) 

10. Mathe US von St. Gallen 

11. Heinrich von Roschach (80) 

12. Othmar von St. Gallen 
18. H[an]s von Baden (67) 
14. Jakob von Kemten. 

lö. Michel von Gebingen [Göppingen] 

16. Valentin von Vriburg (105, 114) 

17. Jacob von Strassburg 



7. 

8. 



18. Leonhart von Wien (?) 

19. Casbar von Stugart 

20. Michel von Kemten 

1567. 

21. Michel von Neckerstein [Neckersteinach ? 

in Hessen] (35) 

22. Georg von Zwicken [Zwickau, Sachsen] 
2-J. Michel von St. Gallen (129) 

24. Ulrich von St. Gallen (110) 

25. Lorenz von Hammelburg [in Unter- 

franken] 

26. Michel von Hagnow [Hagenau] 

27. Lucas von Mentz. [Mainz] 

28 Thoma von Richenhal [Reichenhall] 
1568. 

29. Ulrich von Bischoffzeil 

30. Christoff von Petersstorff [Petersdorf, 

Oberbayern] 

31. Barth von Jastäd (?) [vielleicht Jagstfeid 

im Württemberg. Neckarkreis gemeint?] 



') Ueber die Bauhütte in Zürich vergl. H. Zeller- Werdmüller in No. 2, Jahrg. 1886 
dieses .Anzeigers", Seite 367 ff. 

•) Oft war die Entzifferung der Namen sehr erschwert, teils durch korrumpierte Or- 
thographie, teils und meistens wegen beinahe gänzlicher Auslöschung durch Beschädigungen, 
durch letztere hie und da ganz verun möglicht. Unsichere Lesarten wurden deshalb durch 
(?) angedeutet. 

•) Die eingeklammerte Ziffer bezeichnet die Wiederholung des nämlichen Zeichens 
auf dieser Tafel. 

*) Kronweissenburg, identisch mit Weissenburg im Unterelsass. 



192 ii^ni 



H2. 
33. 
34. 
35. 
36. 

37. 
38. 
39. 
40. 

41. 
4*2. 
4.^ 

II. 



45. 
4<i. 

47. 
4S. 
49. 
5v». 
51. 
52. 
53. 

54. 
55. 

5K. 



:)S. 
511. 

til. 
♦ 52. 



t>3. 
<>4. 

i;5. 
♦>7. 

7«'. 
71. 



Hans von Ueberlingcn 

Hartmann von Gotda [Gotha] 

Samuel von Costantz 

Michel von Neckerstein 

Stäfen von Schiagen wald [Schlacken wald 
in Böhmen] 

Niclaus von Hagnow (t»l) 

Hans von Hagnow 

Ambros von Hain (?) 

Anthoni von Urach (HH) 
1569. 

Hans von Ury 

Jacob von Zürich 

Margh von Bttnig (?) [Bönigen bei Intcr- 
laken ?] 

lW]ris von Walhusen [Wallhauscn bei 
Koblenz, bei Merseburg oder wahr- 
scheinlich das im württemb. Jagstkreise] 

H[an]s von Richcnhal 

Niclaus von Bürnow (?) [wohl Bernau 
im bad. Kreis Waldshut gemeint] 

Velecln von St. Heuck (Uelrich?) 

Ruprecht von Zell 

Caspar von Lindow (121) 

Andereas von Schwitz (97) 

Christian von St. Gallen 

Rudolph von Zürich (81) 

Thoma von Gallen Kürch [St. Gallen- 
kirch im Vorarlberg] 

Marcus von Basel 

Frantz von Freyburg 

Jörg (Joh.?) von Imlichath T?) [vielleicht 
zu lesen Immenstad] 

Philip von Herrenberg [wohl das im 
Schwarzwaldkreis] 

Sinia (Simon?) von Fratzburg 

Peter (?) (Welti?) von Richcnhal (1 IH) 
1570. 

StAfa von (Name nicht ausgesetzt) 

Niclaus von Hagnow 

Niclaus vonWcrrten (?) [vielleicht Werde 
bei Düsseldorf? wegen den dortigen 
Steinbrüchen] 

Michel von Hall (?) 

- er. - . . (unleserlich) 

Thoma von Salmaschwil 

.... von Le?ha . . s 

Hans von Baden 

Jos von Lindow 

Ulrich von Bischufzell 

Jos von Mönchen (?) [München] («7, !M, 
UM, !(«») 

Niclaus von Mönchen 



72. H[an]s von Dübingen 
78. H[an]s von Meissen 

74. Mallus von Ueberlingen 

75. Michel von Mönchen (?) 

76. Jacob von Baden 

77. Peter von Zürich 

78. Thoma von Z . . ünnow (?) 



VX 



80. 
81. 
82. 
8H. 
8J. 
8.Ö. 
8Ü. 
87. 
88. 
8JI. 
90. 
91. 
92. 
OB. 



94. 
95. 

96. 

97. 

98. 

99. 
100. 
101. 
102. 
103. 
104. 
105. 
1C6. 



1571. 

.... von [Weth]enfleck (?) [viellekl 
lesen Weissenfeis in ThOringen?] 
Heinrich von Roschach 
Rudolph von Zürich 
Christoph von Kolbach [in Ungarn 
Leonhart von Rorschach (118) 
H[an]s von (Nrot?) Dorf 
Jacob von Roschach (102 u. ISU) 
Andreas von Urach (ilS) 
Adin (?) von Frowenfeld 
David von Roschach 
H[an]s von Roschach 
Jos von Roschach 
Vitz (?) von Roschach 
Jobs. (?) von Roschach 
Ulrich von Roschach (138^ aussen! 



bloss der 
wiederholt 



Name 
104) 



ohne das Zeid 



107. 
108. 
109. 
110. 
111. 
112. 

113. 
114. 



1572. 

Fridrich von St Gallen 
Frantz von Rafenspurg 

1573. 
Jacob (?) von Ueberlingen 
Andres von Scheilz (?) 
Sa , . (muel?) von Baden 
Joseph von St. Gallen 
Hans von Roschach 
Clementz von Roschach 
Jakob von Roschach 
Kanhis (?) von Roschach 
Ulrich von Roschach 
Christof von Roschach ("4) 

von Diportswil [Diepoldsau 

St. Call. Rheinthal?] 

1574. 
Hans von Zürich 
Hans von Ueberlingen (122) 
Simon von .... (?) 
Ulrich von St. G(allen) 
Joseph von St. Gallen 
Pctter von Wasserburg [wohl das '* 

Bodensee gemeint] 
Simon von Langenargen 
Christoph von Roschach 








r4^ -f^s TTv? 'i^^'» •*jr5, ^ "hd 5 
^ T 4ir^ •^" -i^f -{^A ^i +«v<: 

+^, 4^3 ^^5 4i-,^+j[5 ^^54^: 
(^<'¥Aß ^ +_?&; fV: -»4v5 "b^ = 

•H^" '^ -Hf ? Hf<2 -t>;5 +F^? 






Flg. 1^5. Taiel der btcinmcizetiieiclieii im Mustnim zu St. GaÜen 




1577. 
115. Melchcr (?) von 5l. Gallen {\W, im) 
iUk Niciaiiö von Salfeldcn [Saalfeld, Thürin- 

117. Hans von SalJßlden gen] 

118. Peter von Richenhall (?) 

119. Josep von Schafhausen (?) [Name ganz 

ynsicherj 

120. Hans (?) von Stur 

121. Caspar von Lindow (?) 

122. H[anjs von Drorbach (?) [Name ganz un- 

sicher] 
12d Melcher (?) von Ulm 

124. Hans von Zürich 

125. Baibus von Freyburg 

126 (?) von Murnow (?) [Name ganz 

unsicher] 



127. (?) von Richenow 

128. Sebastian von Bern (?) [Name gani' 

sicher] 

1586. 

129. Michel von St. Gallen (?) 
180. Melcher von St. Gallen 

131. Daniel von St. Gallen 

132. .... . (?) von St, Gallen 

133. Joseph von St. Gallen 

134. Jacob von Roschach 
13n, [Rud]olflr von St, Gallen 

1593. 
im. Hans )?) von St. Gallen 

137. Hans von Koschach 

138. Ulrich von Roschach 
mi Joseph von Pehet. (?) 



Die 29 folgenden Felder sind leer geblieben. 

Eines dieser Stuinmetzzeichen fand sich ganz genau auf einem Werk- 
stücke, das vor wenigen Jahren ebenfalls in die Samnilung des historischen 
Vereins von St. Gallen gelangte (Fig. 124). AlsSuperporte war es in einem Hause 
in St. Gallen eingemauert und zeigt in Relief ein doppelschwänziges Metr* 
fräulein in stark vortretender architektonischer Umrahmung, deren dreieckige^ 
Giebelfeld eine Muschel ausfüllt und deren Pfeiler hermenartige Figuren mit 
eigentümlichem Kopfputz, den Dreizack, bezw. ein Ruder haltend, schmücken. 

Da.s Steiniiietzzeichen, dasjenige des Joseph von St, Gallen (Nr, 9, % 
III, 133), wurde vertieft im innern Felde rechts neben dem Kopfe, die ] 
Jahreszahl 1575 unter der Dreizacktragenden Hermenfigur angebracht. Die 
Arbeit ähnelt sehr der Thüre vom Abtshofe in Wil, jetzt im Schweizerischen 
Landesmuseum, und legt ein gutes Zeugnis über die Tüchtigkeit des Ver* 
fertigers ab. 

Ein erhaben herausgemeiseltes und den No. 95 oder 132 sehr ihn- , 
liches Steinmetzzeichen fand sich auf einer Fenstersäule des alten Rät' 
hauses von St. Gallen, das der Arbeiter mit Rankenwerk zierte und mM 
der Jahreszahl MDLXXl versehen hatte; doch läuft dabei das Kreuz unten 
nicht in den schiefgestellten Schenkel, sondern einen nach links gerichteten, 
Kreisbogen aus, während in Abwx^ichtmg von Nr. 95 über das Kreuz emj 
deutlicher Winkel gelegt wurde. Die Marke ist in diesem Falle erhab 
aus dem Stein herausgemeisselt. 

Vielleicht ist es möglich, noch andere Mai'ken auf Werkstöcken, nich 
nur in St. Gallen, aufzufinden, oder gelegentlich auch noch die Familiennan 
vieler Träger aufzuspüren^ von denen wohl der eine oder andere sich ande 
wo als Meister niedergelassen hat. 

Als chronologisches Verzeichnis von Marken dürfte diese Tafel mc 
sehr viele Genossinnen haben und glaubten wir darum, dass sie schon 
diesem Grunde die Aufmerksamkeit der Leser verdiene. 



Eine Serie von Luzerner Glasgemälden im Auslande* 

Von H, Angst, 



Im Juni igoo sah ich bei einem der bedeutendsten Antiquitätenhändler 
ondons eine Serie von fünf grossen Luzernerscheiben von 1639, deren un- 
ewöhnliches Kolorit mir beim ersten Anblick auffiel Die Glasgemälde 
^ren in einem ziemhch dunkeln Raum an einem auf den Hof gehenden 
enster dicht aneinander aufgehängt und brachten so durch die Steigerung 
es Gleichartigen einen Eindruck auf das Auge des Beschauers hervor, 
• elcher jedenfalls von dem Maler nicht ursprünglich beabsichtigt war und 
wr neuerdings bewies, wie vorsichtig man bei der Neuaufstellung derartiger 
icrien sein muss. An ihrem ursprünglichen Standorte, der wohl eine Kirche 
i^ar, werden die Scheiben einzeln oder paarweise in die Fenster eingesetzt 
ewesen sein und in der üblichen Umrahmung von Butten- oder Sechseck- 
cheiben, durch welche das Tageslicht spielte, weniger befremdend ausge- 
ben haben. Die eigentümliche Farbenkombination besteht aus Silbergelb 
1 besonders tiefer Nuance, dem saftigen, satten Blau des 17. Jahrhunderts 
od einem intensiven Dunkelviolett, wobei die beiden letztern Schmelzfarben 
p ungewöhnlichem Masse zur Verwendung kommen. Ausserdem findet sich 
©ch weniges aufgeschmolzenes Ofengrün und eine ziegelrote Auftragfarbe für 
tot, allein keinerlei farbige Hüttengläser, weder einfache noch Ueberfangglas. 
)er Eindruck der Scheiben, in denen dunkelblau und dunkelviolett durchaus 
orherrschen, ist deshalb ein schwerer, melancholischer, wie er zu einer 
wissen Umgebung, 2. B, in einer düstern Klosterkirche, passen konnte 
^d dem Geist jener Zeit eigentlich angemessen wan Während damals 
lie meisten Glasmaler sich teilweise noch der Hüttengläser, namentlich 
^s roten Ueberfangs. sowie des Glas-Schliffs bedienten, hatte dieser unbe* 

Knte Künstler offenbar mit den alten IVaditionen gebrochen und sich aus- 
liesslich der neuen Technik von Schmelz- und Auttragfarben zugewendet. 
Anordnung und Zeichnung dagegen entsprechen noch dem alten Stil und 

feKostümllche ist für diese späte Zeit sogar merkwürdig altertümlich ge- 
en. Da kein Monogramm vorkommt, so sind wir für den Namen des 
»lasmalers auf blosse Vermutungen angewiesen ; die Scheiben haben einen 
■gesprochen lokalen Charakter und es wird sich daher w^ohl um einen 
berner Maler handeln. 

■ Folgendes sind meine an Ort und Stelle rasch aufgenommenen Bleistift* 
)rizen; zu einer genauen Untersuchung und Beschreibung der Scheiben 
iJtc es mir an Zeit. 



196 19^1 

Stadtscheibe von Iruzero. 

0,53 in X 0,40 m. (Fig. J26.) 

Zwisclieji Fannertrflger in Halbrüstuiig und Ilcllebardier mit Brustpaiizer, bci<k 
Goldketten, der Reichssehüd und die beiden Standesschildc, Der Hellcbardier in 
armelü und Pluderhosen ganz dunkelblau. Der Gcharnisehte mit violetten Aenndö 
Hosen. Die Kartusche ziegelrot mit der Inschrift: 

Die Lobliche Statt 

I.ucem Anno 1639. 




Fig. 126. Stadtschribr von Luzcrn. 

Rechlb und links zwei blaue t^utten ab Artilleristen. 
Oben in zwei Scenen das Martyrium von St, Lendegar, 



Amt9scheibe von Rothenburg. 

0,51 m V 0,40 m. (Fig. 127.) 

In der Mitte der geharnischte Pannerträger mit blauen Hosen und 
Schwert mit langem Griff, Dolch und Streitkolben. Die Fahne mit der roleo 
zwischen den beiden Törmen die päpstliche Tiara mit den Schlüsseln. Links der 
Schild gehalten von einem Engel mit Heiligenschein. Oben rechts und links l^| 




chwcizerkreuzen, der rechts einen Schweizprdegen mit Beimessern und links 
s Schwert mit ßcimcsscm trägt, der Wappenschild, gehalten von einem Engel 
enschein In Kartusche die Inschrift: 

Die Statt Sempbach Amio 
■ 1639. 

^ahnenschwenkel ist ziegelrot, sonst fehlt rot heraldisch ganz und ist durch hell- 
Angan) ersetzt, wie auf den Winterthurer Öfen. Oben die ganze Breite cin- 
iie. Schlacht bei Sempach mit Stadt und See im Hintergrund. Sehr saubere Aus- 
i| sonderbarem Farbeneffekt. 

iie. 





Standesscheibe von Uli. 
0,52 m X 0,40 m. (Fig, 129.) 
Zwischen geharnischtem Pannerträger und Hornbläser in Lederkoller und 
den Standcsfarben; RcichsRchild nnd Doppel -Standesschild, Schnur-Hintergrund, Ob 
ganzen Breite der Tellenschuss. Ganz blaue Architektur mit blauer Kartusche und 

Das Landt Un-y 
Anno 1639. 
Notbleie. 



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Fig. laB. Stadtscheibe von Scmpach. 

Stand esscheibe von Unterwalden. 

0,51m X 0,40 m. (Fig. 130.) 

Zwischen dem Pannerträger mit Halbrt^slung und Federbarett, aufweiche 

kreuic, und ungeharnischtem Hellebardier mit Filzhut, der gekrönte Reichsschild 

bdden Unter waJdner-Schilden darunter, (Das Rot ein schmutziges, aufgetragenes 1 

Schnur- Hintergrund. Ganze Architektur dunkles Schmelzblau, wie die grosse 

mit der Inschrift: 

Das Landt Vnterwalden 

ob vnd nitt dem Kcmwaldt 

1639. 

Rechts und links ungehamischle blaue Putten als Artilleristen. Das 

bardiers und die Hosen des Pannerträgers ein sattes Dunkelviolett. Rechts 



20I I90I 

Kapitelscheibe von St. Leodegar, Luzern. 
0,54 m X 0,43 m. 
n Kartusche unten zwischen zwei Engeln die Inschrift: 
abst und Capitel des Würdigen Stifts by S. Ludigari zuo Lucern uf dem Hoff. 

Anno Domini 1659. 
n der Mitte das Martyrium des h. Leodegar, darüber das Wappen des Propstes (in 
Idener Löwe mit Schlüssel) ; rechts der Stiftsschild mit den drei Leoparden ; 
Icr Luzemer Standesschild. Auf Bandrolle die unrichtig eingesetzte Inschrift: 
DoQiinus Casparus Fenturi Praepositus Collegiate Ecclesiae S. S. Leodegary 

Et Maurity Lucemae 
•Rechts und links je ftSnf Wappenschilde der Chorherren Kuffner, ?, Eckhart, Weber, 
r, Trottmann (eine Trotte), Diringer, Pfyffer, Bysslig, Martin (Ein Name unleserlich). 
mg gut, im Brennen auffallend verbogenes Glas. Alles Auftragfarben, kein durch- 
es Glas oder Schliff. 

Die beiden Scheiben von 1621 zeigen im Gegensatz zu den andern 
die Technik vom Ende des 16. Jahrhunderts mit gutem Ueberfangrot. 
Der Besitzer erklärte mir auf die Frage nach der Herkunft der zehn 
ben, dass er deren ursprünglichen Standort nicht kenne, dass er sie 
im Frühjahr 1900 in Luzern persönHch von einem dortigen Kollegen 
ift habe und zwar, wie er sagte, zu einem hohen Preise. Er verlangte 
rst t' 250. = Fr. 6250. — per Stück, welche Forderung aber auf meine 
rkung, dieser Preis sei unerschwinglich, auf C 200 = Fr. 5000. — äusserst 
iert wurde. Die Landesmuseums - Kommission befasste sich in ihrer 
lg vom 31. August 1900 mit der Frage des Ankaufes der ganzen Serie; 
nd aber die Summe von Fr. 50,000 unerschwinglich, so wünschenswert 
er Ankauf, speziell der fünf Glasgemälde von 1639, erschien. Das 
^museum besitzt noch nichts derartiges. Die Kommission konnte nicht 
I, ihrem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, dass weder der ursprüng- 
Besitzer der Scheiben noch der Luzener Händler einsichtig genug 
sen waren, sie in erster Linie entweder dem Landesmuseum oder andern 
lischen Interessenten anzubieten. Die Serie soll nun nach Amerika 
luft sein, in welchem Falle sie als bleibend verloren für unser Land 
sehen werden kann. Aus diesem Grunde besitzen die beigedruckten 
Idungen (welche nach kleinen Amateurphotographien des Londoner Händ- 
lergestellt sind) trotz ihrer Unvollkommenheit noch ein gewisses Interesse. 



fl: 


12.— 


flf 


6.- 


flf 


3.- 


flf 


^•15 


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2.10 


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I-05 


ff 


laio 


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2.— 


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3- 


ff 


—.12 


ff 


-.16 


ff 


-05 


ff 


-.14 



Miscellen. 



Preise des Majolicageschirrs. 

1669 Im Sommer hab ich folgende Maiolica durch Herrn Francesco Bellosct von dem 
Corner See nach Sonders bringen lassen. 

12 piati reali con le arme 
12 piii picole con le arme 
12 tondi con le arme 
2 sottocoppe con le arme 
2 fruttere con le arme 
2 boccali grandi con le armi 
per far le arme n* 42 
4 piati senza arme 
12 tondi senza arme 
una sottocoppa 
2 salinen senza arme 
2 boccali da doi 
2 boccali d*un 

Aus einem Handschriftenband ^Quodlibotuni, darinnen ich Joh. Viktor Trauers ondcr- 
schidtliche Annotationes verzeichnet, angefangen auff tingehenden Junij A* 1669. 

Der Schreiber, dtM' reichste Mann des Donileschgs, Herr auf Ortenstein, war 1669 
V'icar des Veitlins, zu welclurr Würde er das wappengeschmückte Tafelgeschirr anschaüle. 
Ein ff = '.'3 Bündner (lulden, mag damals eint' Kaufkraft von etwa Fr. 1.70 gehabt 
haben C. /. 

Basel, Staatsarchiv. Wochenausgabenbuch, Sametag den 31. Mai 1562: 

15 ^ 5 /^ Hans Ilui^ Clubern, dem nialer, vonn den obern sal inzufassen, das alte 
gemeldc an etliche orten widerumb zu verbessern vnnd von etlichen wachtsteckhen anzu- 
strichenn. Dr. LuginbuM, 

Zur Geschichte des schweizerischen Kriegswesens. 
Auszüge aus den Musterungsrödeln lier ehrsaftien mUtlisien Gemeinde K/ob/ers im Prätigau, 

Den 7. Oktobris 1701 haben nachfolgende widerumb so vor disem ausblieben, ihr 
Gewehr hergebracht und zeiget: 

Seitenwehr und Ucberwehr haben (in Ordnung); g. = gut: 

Hans Jann, Jos Mattli, Jöri Wicher, Jann Tich, Landweibel Hans Ruossi (g.), Christen 
Ruossi, Steflan Ruossi, Hans Meisser, Caspar Marugg, Marti Marugg (g.), Jos Marugg (g.), 
Andres Mattli (g.), Caspar Niggli (g.), Christen Niggli. 

Seiten- und Ucberwehr haben, sollen aber ihrer Musketen ein Füsischloss (Stein- 
schloss) aufmachen lassen: 

Barth Aebli, Christen Jann, Felix, Hans Statthalter Grass, Marti Grass, Daniel Schmidt 
(ohne Ucberwehr), Christian Niggli, Herr Dr. Jos Mergadaus. 



2o3 190» 

Toni Jann soll ein anderes Rohr haben und am Füsischloss eine andere Nuss, hat 
sein Seiten wehr. 

Marti Caspar auf der Ganden hat sein Seitenwehr, soll ein anderes Ueberwehr 
kaufen. Ebenso Hans Grass. 

Nuss hat Seitenwehr, aber kein Ueberwehr. 

Christen Mattli hat ein Bärenspiess und Seiten wehr. 

Ausgeblieben sind 15 Leute im Land und 3 im Veltlin. 

Den 23. Oktober 1701 haben etwelche, so hernach mit Namen aufgezeichnet, in der 
ehrs. mitlisten Gemeind Lansg. d. chrs. Gemeinden mehr und der ILluptern der HH. Höptern 
und Rät gmeincr 3 Bündten befelch den in dieser Gemeind hiezu Deputirten Under- und 
Ueberwehr gezeiget und hat sich !)efundcn wie hienach zusechen: 

Seiten- und Ueberwehr haben: [(g.) = gut] 

Meister Christen Döntg (g.), Gemeindevogt Peter Marugg, Maiti Tich, Leut' Johann 
Jauch (g.), Peter, Hans u. Jos Mcisser, Christli Ruosch (g.), Herr Hauptmann Christen 
Jauch (g.), und sein Sohn Joh. Jauch (g.), Kommissar Job. Jauch, Hans Jegen (g.), Tr»ni 
Wicher, Wilhelm Kocher, Caspar Caspar (passiert). 

Seiten- und Ueberwehr haben, sollen aber ihrer Musketen ein Füsischloss aufmachen 
lassen : 

Meister Christen Müller, Hans Fluri, Meister Barth Heistab - soll auch Gfest auf den 
Degen machen lassen , Christen Class soll auch die Musketen rörlen -, Christen Marugg 
- Musketen rörlen — , Hans Tich — Musketen rörlen , Christen Hew — hat über- 
dies noch ein Füsi — , Lienhart Jegen, Alexander Nuttli, Ilänsli Bemet, Toni Grass, 
Gschwomer Hans Wicher und Jannli Wicher, gebrüder, Lienhart, Tc>ni und Hans Jegen, 
gebrüder, Fluri Jegen, Heinrich ßrunics, Baschian Gort. 

Hans Schmidt hat Seitenwehr, soll ein anderes Rohr zu seinem Füsischloss haben, 
ebenso Christian Werli. 

Statthalter Pleisch hat Seitenwehr und Halbarten. 

Ludi Bemet hat Seitenwehr, aber kein Ueberwehr. 

Christen Class ist bewehrt. 

Hans Aebli hat sein Seitenwehr, ist gut geheissen. 

Friedli Brunies hat sein Seiten- und Ueberwehr und soll nüt, soll einmal gelten 
bis mans ür die Gemeind bringen wird. 

Ausgeblieben sind 42 Leute, namentlich aufgeführt (im Land?) 
3 „ „ „ im Veltlin. 

Den 3. Novembris 1702. Als in der ehrsamen Gemeind durch die Herren Geschworne, 
als Herr Statthalter Christen Grass, Hauptmann Hans Wicher und Hauptmann Christen 
Jauch die Gewehr abermahlen besichtiget worden, sind solche erfunden als hienach (von 
einem zum andern) zu ersechen: 

in Ordnung haben (es sind bloss die Nam(rn der Tnlger aufgeführt) : 

Christen Saxer, Jürli Müller, Hans Wcrli, Lndi Bernet, Hans Marugg, Herr Dr. Mar- 
gadant, (identisch wohl mit dem oben genanneni Mergadaus). 

Ihr Uebergewehr haben schön (bezw. hübsch) und gut : 

Hans Fluri, Christen Döntz, Christen Class Class, Hans Netz, Gemeindevogt Peter 
Marugg, Marti Tich, Hans Hrlstab, Hr. Leut. Joh. Jauch, Hr. Hauptni. Christ. Jauch, sein Sohn 
Johannes, Hans Mcisser, Jus Meisser, Hans Jegen, Christen Werii, Toni Wicher, Alexander 
Maltli, Wilhelm Kocher, Meister Hans Kocher, Geschworner Hans Wicher, Jannli Wicher, 
Toni Jegen, Fluri Jegen, Heinrich Brunies, Baschian Gort, Christen Ruossi, Stäfll Ruossi, 
Caspar Caspar, Herr Statthalter Christen Grass, Christen Sprecher, Marti Marugg, Christen 
Niggli der jung, Andres Nuttli. 



204 »9ot 

Es haben Musketen, sollen sie schifften und ein Füsischloss drauf machen lassen: 

Christen Jann, Mstr. Christ. Müller, Mstr. Barth Heistab, Hans Tich, Schreiber BaitU 
Gruber, Gemeindevogt Peter Meisser, Hans Clauss, Geschwomer Christen Hcw, Lieniiart 
Jegen — hat auch ein Hellebart — Hansli Bemet, Toni Grass, Peter Aebli, Hans Jegcn, 
Lienhart Jegen, Marti Jegen, Christen Mattli, Martin Grass, Hans Grass, Marti Caspar, Peter 
Niggli, Daniel Schmidt, Christian Niggli. 

Es haben gut gezogen röhr: 

Hans Gruber, Christen Marugg, Christli Ruoss, Jos Marugg. 

Es haben ein geschmittes (geschmiedetes) röhr. 

Jörli, Wichser, Jann Tich, Caspar Niggli. 

Es haben ein Füsi, sollen ein anderes, bezw. besseres kaufen: 

Hans Jann, Toni Jann, Caspar Caspar, Hans Schmidt, Christen Mattli der alt, Jos 
Mattli, Hans Aebli, Fridli Brunies. 

Ein Ueberwehr sollen haben: 

Joli Caspar und Pali Hatz. 

Hauptmann Fändrich Gruber hat ein Füsi, ein Hellebarte und Seitengewehr. 

Dr. Camenixk 



I 



JVlitteilungen 

aus dem ^epbaode dep ^ohweizepisoheo pepfumssammlungeo ete. 

Nr. 2 u. 3. ZÜRICH. November 1901. 

I. Schweizerisches Landesmuseum. 

Qeschenke. II. und III. Quartal 1901. 

Herr Karl Bindschädler-Burkhardf, Luzern : Kleine Monolithrundscheibe mit Wappen 
und Inschrift: „Anna Sprossin sin Eegmahel Anno 1593." — Herr Werner Lindf, Rio de 
Janeiro : Eine Kollektion schweizerischer und ausländischer Münzen. — Frau Bryner^Sulzer, 
Winterthur: Kupfer-getriebener Sulzenmodel mit Trauben- und Fruchtmuster, 17. Jahrh. — 
Herr Ed. Kreis, Zürich : Weisse gewölbte Ofenkachel mit blauer Malerei, 1789. -- Herr 
F. Haas-Zumböhl, Luzern: Silberne Denkmünze zur Erinnerung an den Besuch des 
deutschen Kaiserpaares in Luzern 1893. — Herr Dr. Graf in Schötz, Luzern: Breites 
Hufeisen, gefunden in Schötz. — Herr Dr. H. Lehmann: l'erra-sigillata-Schälchen, gefunden 
in Windisch. — Herr Pfarrer Wlsmer, Berg am Irchel: Totenkopfmaske, von einem Grabstein, 
17. Jahrh. — Basier Kunsfverein, Basel: Broncemedaille von Hans Frei zum 70jährigen Ge 
burtstage von Maler Ernst Stückelborg. - Herr Zehnder-Oechsll, Einsiedeln: Flüssigkeits 
hohlmass mit Ausguss, in der Beichtkirche von Einsiedeln eingemauert gefunden, 15. Jahrh 
— Mademoiselle de Gingins-La Sarraz, Chateau La .Sarraz, Vaud: Mit rot bemalter 
Leinwand überzogene Tartsche, 15. Jahrh. Visicrhelm mit doppeltem Aulschlag, Ende 16. 
Jahrhundert. -- Visierhelm mit einfachem Aufschlag und seitlichen Wangenklappen 
Bruststück, Rückenstück. Bauchreifen, Armschiencn, rechter Krebs und gefingerte Hand 
schuhe, Rüstungsbestandteile vom Ende des 16. Jahrh. Grenadier- oder Husarenmütze 
mit gemaltem Wappen Gingins, 171 1. Ein Paar schwere Reiterstiefel, Anfang 18. Jahrh 
Windlicht, Ende 18. Jahrh. — Herr J. C. Cdnlker-Keller, Zürich: Zwei astrologische und 
sympathetische Zinnmedaillen, ein Miniaturmesser. — Frau A. C. Kunkler-Merz, Zürich 
St. Gallischer Offizierssäbel samt Scheide mit messing-vergoldetem Bügel. J. Jb. Girtanner. 
Silbernes Theesieb mit Filigranarbeit, Anfang 19. Jahrh. L'hrschlnsscl mit beidseitiger 
Haarmalerei, 19. Jahrh. — Herr Ferdinand Corradi, Zürich: Messinggraviertes Caliber 
mass von Butterfield in Paris. Hferr J. Jos. Brühlmann, Schreiner, Zürich: Eisernes Ge 
wicht von Zürich, II /7, 1757. — Herr Rudolf Hoffinger, Zürich: (.)valc Suppenterrine von 
weisser Fayence mit grünem Blumendecor, 18. Jahrh. Ein paar zinnerne, teilweise mit 
Lackmalerei verzierte Kerzenhalter, 19. Jahrhundert. Herr Barberini, Förster. Brig 
41 verschiedene Tesseln. — Flerr Arnold Lobeck, Apotheker, Herisau : Sechs Sirupgefössc, 
Anfang 19. Jahrhundert. — Frau J. B. Staub in Zollikon: Grünseidenes, gestepptes Damen 
kleid mit Spenzer, Halseinsatz und Hüftpolstern, 18. Jahrh. Grasbogcnhut mit weissem Feder 
busch und zwei Tuchschabraken eines eidgenössischen Obersten der zwanziger Jahre. Uni 
form eines schweizer. Offiziers in französischen Diensten, Regiment Steiner, bestehend aus 
rotem Frack mit dunkelblauen Aufschlägen, zwei weissen Gilets und weisser Cachemirhose, 
Ende 18. Jahrh. - Herr Jakob Fehr, Zürich: Vier eiserne Geschosskugeln aus der Schlacht 
bei Zürich. - Frau Borsinger-Minnich, Baden: Seidenes, vielfarbig mit Blumenmuster 
bedrucktes Halstuch. Tit. Gemeinde Mörikon, Aargau: Silberner Apostellöffel und 
tierärztliches Instrument (sog. Zungen kratzer) 18. Jahrh. — Frau S. Rofschy-Tschudy, 
Genf: Auf Elfenbein montierter Fächer, mit Goldpailletten und Stickerei, Anfang 19. 
Jahrh. Herr J. Heierli, Privatdozent, Zürich: 2 Scherben von dickwandigen Thonkrügen, 
gefunden in Mcls, unbestimmten Alters. Frau Henriette Paur-Scheller, Zürich: 

Säbel mit Scheide des eidg. Obersten Salomon Hirzel, t 1844. Herr Dr. C. Escher, 

Präsident der Kirchenpflege Enge, namens derselben: Kleine Bronzeglocke samt Trag- 



2o6 



1901 



axe und Zughebel mit Inschrift: t Got begnad mich armenn ano domeny MDLXXIE- 
Aus der alten, jetzt abgebrochenen Kapelle in Leimbach, hieng bis 1787 im Zürcher 
Schützenhaus. Herr J. Badruff, Zürich: Kleine Pistole mit Steinschloss und gra- 
viertem Messingbeschläge, aus dem Besitze eines Herrn von Borgonovo in GraubOndeO, 
der in venetianischen Diensten stand, 18. Jahrh. — Herr Posthalter Sehmon in llds: 
Blauer, rosa eingefasster , seidener Haubenteil einer St. Galler Oberländerinnen-Tradit, 
19. Jahrb.; Taschensonnenuhr von Zinn, bezeichnet: Geometer Johan Michael Meyer 1813- 
— Herr Eugen Probst, Zürich: 74 verschiedene Blätter, Oelgemälde, Aquarelle, Zeidi- 
nungen, Stiche und Lithographien von schweizerischen Schlössern, Burgen, Ruinen ua<l 
Ortschaften. — Herr J. Mayor in Genf: Modernes Hellebardeneisen ftlr einen päpstlichen 
Schweizergardisten. Herr alt Pfarrer Wismer in Berg a. Irchel: In Nussbaumholz ge- 
schnitztes Wappen des Klosters Rheinau 1812. — Tit. Tiefbauamt der Stadt Zürich: 
Steinerner Fensterpfeiler mit Fuss und Kapital, datiert 1558, mit den Wappen Werdmüller 
und Krapf aus Zürich. — Herr Dr. Franz Louthner, St. Gallen: Uebersicht über die Post-, 
Dampfschiff- und Eisenbahnkursc der Schweiz, mit Ansicht des Zürcher Bahnhofes von 
ca. 1848—52, samt einem Passagierbillet. Herr F. EngeUQros in Basel: Sidelenaitiger 
Lehnstuhl mit geschnitzten Tierköpfen, 17. Jahrb., aus der französischen Schweiz. — Hör 
F. Massig, Schweiz. Konsul in Amsterdam: Auf weisses Bein montierter Papierfächer mit 
kolorierten Trachtcnbildern und den Wappen der 22 Kantone, von vor 1848. — Herr Ad. 
Dreyer-Wengi in Luzern: 3 silberne Michaelsmedaillen von Münster, Kanton Lozeni, 
18. Jahrh. und 2 Luzerner Schiessmarken 19. Jahrh. -- Herr F. Jomini, pasteur in Avenchcs: 
Einige verkohlte Datteln, welche in den römischen Ruinen ä la Couchette in Avenches 1876 
gefunden wurden. Herr Alfred Hurfer, Oerlikon: Petschaft von Stahl mit Wappa 
Nägeli, Anfang 19. Jahrb.; goldener Uhrschlüsscl mit Haarmalereien, Ansicht von ZÖridi 
und Rheinfall, aus den 1820'^ Jahren - Frl. Julie Meyer, Zürich V: Empire-Damenkkid 
von weissem mit blau-violettem Blumenmuster bedrucktem Kattunstoff, nebst Aennelhand- 
schuhen, zwei gestickten Chemisetten, einer Haube, zwei gestickten UmschlagtOchenu 
Weisses gesticktes Halstüchlein. Spitzenhaiskragen. Zwei Schild pattaufsteckkäme. Weisses 
besticktes Musselinkleidchen für ein Mädchen, Empire, nebst Aermelhandschuhen. Coupon 
einer Tüllspitze. Grünseidenes Ridicul. Brauner Damenstrohhut, 1830er Jahre. Blauwoliene 
Herrenweste mit Seidenmuster. Ein I'aar Schlittschuhe. TOlbtickmuster. Schnellwaage 
Zürich 1792. Eine Tarock-Spielkarte. — Herr Hermann Ffähler, Apotheker, in Scluff- 
hausen: Drei thönernc und i Graphit-Schmclztiegcl, Kohlenfeuerbecken, zwei Fayence- 
gefässe, ein Reibstempel, Glasgefäss, Pharmakopoea Horussica und Kreuterbuch von Bock- 
Einkäufe. II. Quartal 1901. 
a) Erwerbungen inn Inlande. 

Prähistorisches; Zeit der Römerherrschaft. Broncekelt mit kleinen Randleisten, ge- 
funden im Ufersande der Arve bei Carouge, Genf. — Kleines schaufeiförmiges Broncebeilnii* 
Schaftlappen, gefunden in der Ilardau bei Zürich. Fundobjekte aus 102 Gräbern d**" 
gallo-römischen Periode in Giubiasco bei Bellinzona. 

Frühmiltelaller bis 1500. Grünglasierte frühgotische Ofenkachel. Jagdscene B»** 
Jäger, Hund und Hirsch. iVnfang 15. Jahrhundert. Aus Zürich. 

16. Jahrhundert. Tcniperagemälde auf mit Leinwand überzogener Holztafel, M*' 
donna mit Kind, Anfang 16. Jahrhundert, aus dem Wallis. Portrait des Chronisten Johanne* , 
Stumpf von Hans Asper, 1538. Haiidzeichnung, in späterer Zeit mit Oelfarbe ObcnnJ*- 
— Reliquiar in Form eines silbcr- vergoldeten Herzens mit zwei Glasscheiben, Dornenkrone 
und Bügel. — Tessiner Faltstuhl. Kleines Hrett mit gotischer Flaclischnitzerei, Ranketi' 
werk und Wappenschild, aus Meilingen. — Linke Hälfte einer in Nussbaumholz geschnitziefl 
Truhen-Vorderwand, aus dem Kanton W^aadt, Anfang 16. Jahrh. 

17. Jahrhundert. Silber-vergoldetL-r Deckel einer kleinen Schale mit Medaillon, Band- 
ornament und 3 Füssen, Ende 17. Jahrh. — Ein Paar schwarzsammtene Pistolenhalftem nül ■ 



207 X901 

denen Fransen. — Degengehänge von schwarzem Sammet mit messingversilberter Gar- 
Lxr. — Kleines, oben abgerundetes Fenstergitter, von Heinzenberg, Graubünden. — Zwei 
aselne Fisenhandschuhe. — Eiserner, zweiarmiger, gravierter Kerzenhalter. Eiserner, ge- 
inittener und gravierter Kerzenhalter, aus Zürich. — Bratspiessdrehapparat mit Uhrwerk, 
a^eleiscn mit dem Wappen von Duno und Körner, 1603. - Grosser, innen glasierter 
cMikrug, bezeichnet Rhcinfelden Co. Ne. 1663. — Oelgemälde, Portrait eines Knaben, 
X". 33, 1688, aus Zürich. — Ein Damenportrait, in Gel gemalt, aus Zürich. — Kopf eines 
.^en Kriegers, von Marmor mit vergoldetem Helm, aus Graubünden. - Bank mit Rück- 
irie, bemalt mit Ranken- und Bandwerk, Figuren, Vögeln und sitzendem Hund, aus dem 
►fifgenburg. — Kleiner Bündner Reisekoffer. — Ein Kindersesscl, aus Zürich. — Ge- 
TTiitzter Hirschkopf mit geschnitzter und bemalter Cartouche, aus Aarau. — Hölzerner 
ichenmodel mit Abrahams Opfer. - Hölzerner Kuchenmodel mit Wappen von Luzern 
id denen der 13 alten Orte. — Hölzerner Kuchenmodel mit Anbetung der Hirten und 4 
larstellungen aus der Marienlegende. 

18. Jahrhundert. Kruzifix von Holz mit Schildpattauflage, silbernem Körper des 
-leilandes, silbernen Enden und Engeln etc. Marke N A V 1761. Paternoster mit Silber- 
iligranrosetten und Anhänger, 1798. -- Anhänger eines Pasternosters mit messing- ver- 
goldeter Medaille Santa Quiteria und geschliffenem Bergkristall. - Säbel mit gerader Klinge, 
Tomas Aiala en Toledo, aus dem Tessin. - Langes, vierkantiges Stechbajonnet mit muschel- 
formigem Stichblatt. - Einsteckbajonnet mit zweischneidiger flacher Klinge und verstärkter 
Spitze. - Dolchbajonnet mit schwarzem Grift' und vergoldeten geschnittenen Messingstangen. 
Aus Graubünden. Degen mit dreikantiger ausgekehlter Klinge, stählernem Griff und 
Scheide samt Degengehänge. - Grosser eiserner Sporn, Aushängeschild von Muri, Kt. Aargau. 

— Ein Paar Feuersteinpistolen mit geschnitzten Schäften und getriebenem Messingbeschläg, 
aus Graubonden. - Messinggraviertes Calibermass von Butterfield ä Paris, pour Tarsenal 
de Zürich. - Taschensonnenuhr. Gravierte kreisförmige Messingscheibe, 1715. L. S. — 
Kupfernes Handbecken zu einem Giessfass mit getriebener Arbeit, aus Heinzenberg. — 
Gravierter, flacher Zinnteller mit Alliancewappen der Glutz von Solothurn. — Kupferne ge- 
triebene Tanse mit Blattornament S. C. C. B. 1776. (Bemer Brente.) - Neun Tassen 
ohne Henkel, samt Untertassen eine Theebüchse und eine Bowle von Zttrcherporzellan 
mit grüner Bouquetmalerei. — Zwei einhenklige Tassen samt Untertassen von Nyon- 
porzellan, Dccor: F'arbige Blumenbouquets, bezw. Landschaft und Insekten. — Vier Tassen 
ohne Henkel samt Untertassen von Nyonporzellan, Dccor: Farbige Blumenbouquets und 
Strcublumen. — Gedeckelte Zuckerdose von Nyonporzellan, Decor: Streublumen. — Runde 
Schüssel von Nyonporzellan, Decor: Blumenbouquets en camaKeu. — Grosse ostschweize- 
nsche, gerippte Fayenceplatte. — Gebuckelte Schüssel von Tessiner Fayence, — Lang- 
wuer Schüssel mit doppelter Wandung, deren äussere netzartig durchbrochen ist. 

- Langnauer Krug, bezeichnet Barbara Stäffen 1747. — Blaubemaltes Fayencetintenge- 
schirr mit Wappen, Jagdscene und Jahrzahl 1775. Glashund mit geripptem Leib, 
aos Bern. - Rennschlitten mit Putto, welcher eine Tafel mit Profilkopf eines Mädchens 
^1 Sitz mit bunter Leinwand ausgeschlagen, samt Kissen, aus Schaffhausen. -- 
^^hnitzter Kalenderrahmen — Zwei Oelgemälde, Porträte von Züricher Damen. — Oel- 
gcniälde, Porträt von Anna Magdalena Meyer, nata d. 16. Mey Anno 1683. Pict. 1736, aus 
Zürich. — Sattelgarnitur von hellblauem Sammet mit reicher Silberstickerei, bestehend aus 
S«tleldecke und einem Paar Pistolenfutteralen, aus Graubünden. — Sattelgarnitur von 
Waucm Tuch mit silberner Brocatspitze eingefasst, bestehend aus Satteldecke und einem 
Paar Pistolenfutteralen, aus Graubünden. Silber-vergoldete Epaulette eines Zürcher Ar- 
nücrieoffiziers. - Versilberte Epaulette eines Zürcher Infanterieofliziers. — Grasbogenhut 
«ncs Zürcher Artillerieoffiziers. - Roter Männerrock samt Kragen, aus Heinzenberg, Grau- 
bänden. — Drei gedruckte Zeugtapeten mit kriegerischen Emblemen, aus Wil (St. Gallen). 

19. Jahrhundert Rot<?r Uniformfrack eines Subalternoflftziers der British Suiss 
>gjbn. — Zweispitz (Nebelspalter) eines Ofiiziers der British Suiss Legion, samt schwarzem 
'ederbusch und Bändern. — Eine Armschleife. Silbervergoldete Epaulette eines Zürcher 



2o8 »9»« 

Stabsoffiziers. — Versilberte Epaulette eines Zürcher Dragoner- oder Infanterie-Offiziers, - 
Ein Paar kapfer vergoldete Epauletten eines Zürcher Scbarfschützenhauptmanns. - Zw« 
verschiedene Poiicernützen von Zürcher Artillerie'Onizieren, — Pompons von Zörchcf 
Scharfschützen und Artilleristen, je zwei verschiedene Arten, — Seidene GraabQndncr Tal* 
Schaftsfahne von Compadiats bei Somvix. - Ausröstungsgegenstände für einen VVaadv 
länder Carabinier vom Jahre 1839^ bestehend aus Tschako mit grünem Pompon, grünem 
Uniform Track samt dito Epauletten, Patrontasche und Seitengewehr samt den Bändel icren. 
— Blau-rot-weiss bemalte Trommel mit Wappen von einem Schweizerregiment in si* 
voischen Diensten, von Heinzenberg, Graubünden. — Blau und rot bemalte Trommel, 1854, 
Tessin, von Heinzenberg, 



111, Quartal 1901. 

MUleloUer bis 1500. Durchbrochene Masswerkschnitzerei in Tannenholz mit c\mm 
Bischof; Fries mit durchbrochenem Masswerk und Spuren von Bemalung; beides aus der 
alten Kirche von Ilanz, Graubünden, 15, Jahrh, — Drei schmale gotische Friese vonFöhrm- 
holz mit Flachschnitzerei und dem enghschen Gruss in Minuskeln und Ranken werk in Flach- 
Schnitzerei, aus der alten Kirche von flanz, Graubünden, 15. Jahrh. — Drei gotische Friese 
von Föhrenhoiz mit geschnitztem Mass werk und Blattwerk in Flachschnitzerei, 15. Jahrh 
Aus dem Rathause in Ilanz. Graubünden, 

16. jEihrhunderl. Kurzes Schwert mit geschnittenem Knauf und Korb^ von cmcf 
Ausgrabung. 

17. ialirhunderl* Tisch mit gotisierendem Rankenwerk in Flachschnitzerei, aus Zürich 

— Geschnittener eiserner Sporn mit Spuren von Vergoldung, aus Graubünden, — Benultf 
BauernfayencepJatte, aus Oberhalbstein, — Thongefäss in Form einer auf rundem Fuss ruiicn- 
den Tonne mit reltehcrter Rosette und Fisch, - Antependium von weisser, schwarz hc* 
druckt er Leinwand mit Blumenmuster, aus Grau bün den. Beschnittenes Marienkleid vod 
kirsehrotem Sammet, mit weissen Perlen bestickt 

IB. Jahrhunderl Holzgeschnitzte und vergoldete Cartouche, Hölzerne bemalte Cas^ 
sette mit Kerbschnitiomament 1716, aus Graubünden. — Bogen aus Eibenholz mit Hörn- 
enden, von der BogenschOtzengesellschaft Yverdon. Geschnittener eiserner Sporn, 
Graubünden, — Gegossener Zimiteüer mit den Wappen der 13 alten Orten und Tellenscbw 
Beschauzeichen von Wil. — Vierkantige Zinnflasche mit Ausgiiss und Schraubdeckel uodi 
graviertem Blumenmuster, Beschaumarke von Chur, aus Graubünden. — Ein Paar kuptemc 
Pauken, aus Diessenhofen, — Messingene Münzwaage samt 8 Gewichten in Etui, — Blaue Glas- 
flasche mit Längsrippen und seitlichen Vertiefungen. — Dunkelblaue Glasschale mit cmg^ 
zogenem Rande und Längsrippen^ Graubünden. — Tessiner Fayenceplatte mit Wappen Buol» 
von Malans. — Geschliflenes Trinkglas mit melkendem Bauer: ^Christian Gertsch", 
Kleiner Glasbecher mit 3 frei schwebetiden Ringen an Oesen. — Hoher Fusspokal mit \ 
schliffenen Facetten. — Gläserner Vexierpokal mit Hirsch, — Kugelflasche von weissem Gl« 
mit cnggelegten Rippen, — Clasgefäss in Form eines auf vier Füssen ruhenden FässcHera 
mit Zinnschraubenverschluss. — Hohes cylindrisches Glas mit aufgelegten Ringen und Em«I-J 
maierei, Blumen und Pferd, „Woran man sich gewehnet, darnach man sich allezeit sehöt'j 
1742. — Flache Schale von dunklem Opalglas mit rot und blauer Emailmalerei in per 
rhodischem Geschmack. ~ Dunkelblaue Glasschale mit Ornament, mittels des Diamanten i 
geritzt, — Blauer Glashund mit kleeblattförmigem Ausguss, — Grosse, braune Glasflascbc J 
abgeflachter Bimform mit geschweiften Rippen, — Vier Gefässe von Milchglas mit chaitl^l 
terbtischer Emailmalerei in blau, rot und wenig gelb (Fabrikat Verri^res) — Kleiner! 
mit Spruch: J'ayme le bon vin de France. — Achtkantiger Becher mit Spruch: Quaud ( 
oiseaux chanterat mon amour finirat 1716. - Blumenvase mit Blumen, Krooe und Schwoi' 

— Flasche von langgestreckter Birnform mit Krone, Schwert und Vogel, 1709, *- Wci 
Fayenceschüssel mit Gärtner paar in Parklandschafl, SimmenthaL — Flacher Fayencetellcr i 
in blau und gelb gemalter Chinesenfigur, Freiburg» — Henkelkanne von Fayence in Bii 



209 »90X 

mit blau und grüner Malerei, 17 13. — Hohe Henkelkanne in Birnform von Fayence, tiefblau 
bemalt, Ostschweiz. — Cylindrischer Fayencehumpen mit Henkel, farbiger Blumenmalerei 
und Basler Zinnmarke. 

19. Jahrhundert. Tücher zweier seidener Bündner Thalschaftsfahnen, aus dem 
Lugnetz. — Mit violettem Blumenmuster bedrucktes Damen-Empirekleid von weissem Percal, 
Rock, Schürze und Jacke. — Halstuch von weissem Tüll mit Crochetstickerei. — Weisse 
Damenhaube von Musselin mit Tüllspitze. 

b) Erwerbungen aus dem Auslande. 

Glasgemälde mit einem reitenden Paare und Wappen, Jakob Feys, 1552. Vier 
Scheibenrisse, von Hans Ulrich Jegli. — Vier Glasgemälde von Franz Joseph Müller in 
Zug, welche ehemals in einer Kirche oder Kapelle in Sitten sich befanden. 

Suppenschüssel samt Deckel und Unterteller von Zürcher-Porzellan, Decor: Blumcn- 
guirlanden. 

c) Anderweitige Vermehrung der Sammlungen. 

Fundobjekte aus einem Grabhügel der ersten Eisenzeit, beim sogenannten „Wiesli- 
stein* zu Wangen bei Dübendorf, bestehend in Topfscherben, kleinen Broncen- und einigen 
Eisengeräten nebst einer Kupfermünze der römischen Kaiserzeit. Ausgegraben im Auftrage 
des Landesmuseums. — Gipsabgüsse der beiden Schlussteine in der Kirche St. Martin 
in Vevey, Christus zwischen Maria und Johannes und die Symbole der 4 Evangelisten, 13. 
Jahrhundert. 

18 verzierte Gegenstände von Thon und Terra-sigillata, 73 Bruchstücke und Scherben 
verzierter Glasgefässe, 58 Bronzegegenstände: Lämpchen, Gefösse, Nadeln, Fibeln etc. und 
10 Münzen, wovon 2 silberne und 8 bronzene. Alles gefunden in Windisch, Aargau. 

d. Depositen. 

Von Herrn Emil Näf-Haff, Architekt in Zürich, namens des Näfschen F'amilicnfonds : 
Ein Anderthalbhänder samt Scheide und Beimessern, das Schwert, mit welchem Adam 
Naef von Kappel in der Schlacht bei Kappel 153 1 einen Feind erschlug und so das^Zürcher 
Banner rettete. 

Von Herrn Diefhelm von Steiner in Zürich, namens der Beat Werdmüller-Stifiung : 
In Kupfer getriebenes und versilbertes Medaillon, darstellend eine Zürcher Familie aus der 
zweiten Hälfle des 17. Jahrhunderts, mit Wappen Fries und Ulinger. 

Von Herrn Direktor Dr. H. Angst in Zürich : 20 geschnitzte und bemalte Holzfiguren, 
nämlich die HHl. Sebastian, Ende 15. Jahrh., aus Graubünden. — [^Sebastian, Mitte 16. 
Jahrb., aus Schwyz. — Cosmus oder Damian, Anfangs 16. Jahrb., aus Schwyz. - Kleine 
Madonnenstatue, Ende 15. Jahrh. — Christophorus, Anfang 16. Jahrh., aus Graubünden. 
Büsten von Apostel Jacobus major und St. Theodul, 1519, aus dem Wallis. — Büste eines 
Geistlichen, Ende 16. Jahrh. — Kopf eines Apostels, Ende 16. Jahrh. — Kopf des sei. Ni- 
kolaus von Flüe, mit Halsgelenk, Ende 17. Jahrh. - Madonna mit Jesusknabe und zwei 
Wappen, von einer Prozessionsstange, 2. Hälfte des 17. Jahrh. — St. Leodegar, Relief in 
Säulen und Bogenstellung nach Art eines Glasgemäldes komponiert, ca. 1500, aus dem 
Aargau. — Verkündigung Mariae, Relief, Anfang 16. Jahrh. ~ Zwei Teile eines Holz- 
schnitzwerkes in Hochrelief, z. Teil mit vollrund herausgearbeiteten Figurenteilen, Ver- 
dammung der Gottlosen, Anfang 16. Jahrhundert, aus Graubünden. - St. Florian, Flach- 
relief von einem Altarschrein, zweite Hälfle 16. Jahrh., aus Graubünden. Kreuz- 
tragung Christi, Fries von einer Predella mit Monogramm N S und spätere Jahrzahl 1609. 
— Figur von einem Rennschlitten, Senn, bezeichnet Sep. 18. Jahrhundert. Figur von 
einem Rennschlitten, Pelikan, 17. Jahrh. -- Zwei bemalte Altarflügel, mit der Verkündig- 
ung Mariae, Johannes Baptista, und den Heiligen Ludwig, Barbara und Maria Magdalena, 
15. Jahrh. aus der Kirche von La dir, Graubünden. — Oelgemälde, Portrait des Nikolaus 



2IO Z90I 

von Flüe, 17. Jahrhundert, mit Wappen des Stifters, aus der Kapelte zu Reckingen (Aargau), 
— Zwei bemalte Terakottafiguren , Köpfe der Apostel Petrus und Judas, 16. Jahrh, 
aus Krmatingen. Grosse Gusseiseme Ofenplatte mit Wappen von Brugg im Aargau und 
zwei Wappen von Amtspersonen, Mitte 16. Jahrh. - - Grosser geschmiedeter Schlösse! als 
Aushängeschild eines Schlossers, 18. Jahrh. Hölzernes Zifferblatt von einer Uhr 

aus der Amtsstube von GrQningen mit vielen gemalten Wappen, 1^7. - ■ LeincDCS 
gestepptes Panzerhemd, 16. Jahrh., ausSchwyz. — Köcher für Armbrustpfeile, mit Schweins- 
leder überzogen, 16. Jahrh., Urschweiz. — Helmkappe aus schwarzem Leder mit Ohrlappen, 
16. Jahrh., Zürich. — Bruststück eines gerippten Maximilianischen Panzers mit zwei Krebsen, 
Anfang 16. Jahrh — Bruststück eines Harnisches mit Gräte und Tapul, Krebsen, Bawh- 
reifen, rechtem Oburarmstück und linker Unterarmschiene, 16. Jahrh. — Kurzes schweres 
Stechschwert (Estoc) eines französischen Ritters, gefunden im Neuenburger See, Ende 14. 
Jahrhundert. 

Von der Curafel des von BQrgermeisfer Heinrich Eseher gestifleten Familienfonds 
(Escher vom Glas) : Grosse goldene Kette samt daranhängender goldener Zürcher Denk- 
münze, welche von der Bürgerschaft Zürichs an den spätem Bürgermeister Joh. Heinr. 
Escher im Jahre 1676 bei seiner Rückkehr von einer Gesandtschaflsreise nach Paris als 
Erkenntlichkeit für seine Standhaftigkeit gegenüber den Ministern König Ludwigs XIV. und 
Wahrung schweizerischer Würde überreicht wurde. — Zwei grosse goldene Medaillen auf 
den nämlichen Bürgermeister Heinrich Escher aus dem Jahre 1710. — Grosse goldene Ifc- 
daille auf die Beschwörung des Bündnisses der Schweiz mit Ludwig XIV. vom Jahre 16^ 
welche Escher als Mitglied der Zürcher Gesandtschaft erhalten hat. - Der goldene Finger- 
ring mit Amethyst des genannten Bürgermeisters. - Eine goldene und eine silberne Me- 
daille auf Hans Konrad Escher von der Linth, geboren 1767, gestorben 1823. — Französisdw 
Orden „Pour le merite militaire" für protestantische Offiziere von Ludwig XV. dem spttcm 
Statthalter Heinrich Escher, Gründer des Zürcher Waisenhauses, verliehen. 

e. Erwerbungen des Münzkabinets. 

Januar bis Ende Juni 1901. 
Münzen. 
Zürich: Dreihaller, Schilling o. J., Schilling 1725, Thaler zu 2 Gulden 1780, Wappenlhakf 

(Ehrengeschenk). 
Bern: 2'/t Rappen 1811, V9 Batzen 1718, Batzen o. J., Batzen 1826, 5 BaUen von iTdf, und 

1818, 10 Batzen 1760, Thaler 1823. 
Luzcrn: Batzen 1638, Michelspfennig von Beromünster. 
Urschweiz. Obwaldcn, */« Batzen 1726. 
Zug: Dicken 1619. 

Basel: Plappart ohne Jahr, '/« Thaler 1765. 
P'reiburg: 5 Batzen 1828. 
Solothurn: 2*,'« Batzen 1826. 
St. Gallen: Batzen 1813. 

Graubündcn: Stadt Chur. Blutzger von 1642, 1644, 1675, 1728 (2 Var.), 1740, 1765 (2 Var.1- 
Bistum Chur. Blutzgcr 1726, 1765. 
Haldenstein. Blutzger 1724, 1726, 1728. 
Aargau: Batzen 1826. 
Waadt: Vt Batzrn 1819. 
Wallis: Batzen 1710. 
Nuuchatcl: Grafen '/9 Batzen 1649, Fürsten \t Batzen 1713, '/■ Batzen 1790. i Batzen iT9^' 

1793, 1800. 
Hrlv(.*tisohr Republik: Rappen 1802. 

Meiiaillen. 
Ziirich : Kantonales Schützenfest l'ster 1900, Stadtschützengesellschaf^ 1892, Eidgen. SchQtzeft 

fest Winterthur 1895. 






211 



igox 



Bern: Reformationsfeier 1828, Berchtold Haller 1829, Kantonales Schützenfest in Burgdorf 

1891, Westschweizerisches Schützenfest in Biel 1893, Kantonales Schützenfest in Thun. 

1894, Centralschweizerisches Schützenfest in Langenthai 1899. 
Luzern: Kantonales Schützenfest 1894. 
Urschweiz: Schulprämie für Bellinzona D. S. 

Schwyz: Kantonales Schützenfest in Einsiedeln 1889, in Silber und Bronce. 
Glarus: Eidgenössisches Schützenfest 1892, in Bronce und Kupfer. 
Basel: Kantonales Schützenfest 1900, Silber. 
Freiburg: Medaille von Murten in Silber. 
Solothurn: Kantonales Schützenfest in Ölten 1890, Bronce; Kantonales Schützenfest in Ölten 

1897, Silber und Bronce. 
GraubOnden: Kantonalschützenfest in Chur 1900, Silber; Calvenfeier 1899, 
Aargau: Schulpreis der Stadt Bremgarten. 
Thurgau : Kantonales Schützenfest in Amrisweil 1900, Silber. 

Tessin : Schützenfest Mendrisio 1889, Bronce. Kantonalschützenfest Bellinzona 1882, Bronce. 
Waadt: Tir cantonal ä Morges 1891, Bronce. Tir cantonal ä Lausanne 1894, Silber und 

Bronce. 
Neuchatel : Tii* cantonal ä Locle 1892, Bronce. 
Gent: Eidgenössisches Schützenfest 1887, Bronce. Rousseau Sousofficiers Tir, 1878. Tir de 

la R6mion, 1864, Bronce. Canton Suisse, Tir f6d6ral 185 1, Bronce. 
Ernst Stückelberg. Von Hans Frei, 1901, Bronce. 
Erasmus Silber, (Hall er 182 geprägt). 
Schweizerische Mobiliarversicherung, Silber. 

IL Kantonale Alferfums^Sammlungen. 

Appenzell. Das historische Museum im altehrwürdigen Schlösschen Appenzell (er- 
baut im Jahre 1570 durch Dr. Antoni Leuw, später Stammsitz der Familie Sutter, die dem 
Lande Appenzell-Innerrhoden Staatsmänner und Geschichtsforscher gegeben hat) ist vom 
historisch-antiquarischen Verein von Appenzell unter Beihülfe des schweizerischen Landes- 
museums in Zürich einer durchgreifenden Sichtung und Neuordnung unterworfen worden 
und ist nun wieder geöffnet. 

fiernisches historisches Museum. Im II. Quartal 1901 erhielt dasselbe folgende 
Geschenke: Drei römische Krüge. - 2 Bodenfliesen aus dem ehemaligen Kloster Gottstatt, 
mit dem Wappen des Abtes Niki. Krebs (1478— 1492) und dem Bären. — Gedenkstein mit 
hebräischer Inschrift, vom ehemaligen Judenfriedhof — Architekturteile vom Münster. — 
Gussplattemitder Erschaffung der Eva. — Küchenmörser von 1512. — Gothische Schaumünze 
mit St. Laurentius. -- Epiphania-Medaille. — Weihwasserbecken, dat. 1753. — Zwanzig 
bemische Schultheissenbilder, Kupferstiche von Nöthiger (1738— 1741). - Schriftmuster von 
Hochreu tiner, St. Gallen, 1658. — Zwei Siegelstempel mit dsm Wappen von Jenner und 
Schmalz. — Zwei Tarokspiele. — Grüne Thonkanne. — 6 Lichtscheren alter Form. — 
Zinnfiguren des 18. Jahrhunderts. — Brandeisen mit Bär und Kreuz. — Porzellantasse mit 
Ansicht von Aarau, aus dem Nachlass des Fabr. Joh. Rud. Meyer von Aarau, f 1813. - 19 
Blätter mit Silhouetten und Cartonpuppe, verfertigt 1820—1825. — Handtasche, bestickt. — 
Steinschlossgewehr, verziert, 18. Jahrhundert. — Kavalleriehelm von i8io, Waadtländer 
Tschakos von 1848, Hüte für Sappeurs und Schützen von 1866. -- Palikarenkappe und 
Tabakbeutel aus dem Nachlass des f griechischen Generals Hahn aus Bern. 

Deposita, Zwei Altarbilder St. Hieronymus und St. Ludwig, 16. Jahrh. — Grosser 
Tischteppich mit biblischen und allegorischen Darstellungen und Wappen in Plattstickerei, 
bezeichnet Alexander Huser und Elisabeth Thormann, 1606. (Alexander Huser war bernischer 
Landvogt in Yverdon. Von ihm wurde der Zunft zum Mohren ein Becher gespendet, der 
ebenfalls im historischen Museum deponiert ist.) — Kleine farbige Stickerei auf rotem 
Seidenstoff mit dem Wappen von Saager und Fellenberg, 1592. (Joh. Rud. Saager, Schult- 



212 



I90I 



heiss von Bern, 1597— 1622, war seit 1568 verheiratet mit Margaretha Fellenberg.), - Alte 
Oberhasler Frauentracht mit weissem Faltenrock, aus 12 Stticken bestehend, dabei mc 
grosse Brautkrone. 

Ankäufe. Drei gothische Kircheoscheiben aus der Kirche S. Germain in Pruntrul - 
Bronzenadel, aus Bröttelen. — Kästchen mit gothischem Beschläge, — Bretzelcisen mit 
WappeOi dat» 1570- - Holzskulptur, Gottvaterj 17. Jahrh. — Zimmermannshobel, dat 1724, 

— Gebäckmodel mit den 22 Kantons wappcn. - Lederner Priesteromat, 17118. Jahrh, - 
Ledergesticktcr Glockenriemen, aus Greyerz. — Walliser FrauenhuL — Drei alte Fraüfn- 
trachten aus dem Wehnthal, aus den Kantonen Luzern und Appenzell. — Sechs Hauben j 
und Kappen zu Frauentrachten der Ostschweiz. — a weissgestickte Westen, um 1600. -1 
Glasvasen. Zinnkäunchen. — Heimbergerplatte. ~ Französischer Infantenesäbel, Sleinpeh 
Ein Hahn. Im Grauholz gefundene Reliquie von 1798, 

JIL Quartal. Geschenke. Legat des Herrn Karl v. Steiger, gew. Major in k, aidj 
Dienst^ bestehend m 123 Miniaturportraits des 18. und 19. Jahrhunderts, a8o EhrenxeichctJ 
verschiedener Staaten (meist militärische Auszeichimgen für besondere Feldzügc^, cind 
Kollektion Münzen und Medaillen und 30 verschiedenen Waffen. — Pläne der Treffen hdl 
Vilmergen und Bremgarlen 1712. — Proklamation Ochsenbeijis bei Verabschiedung dcrBcrnrf 
Reservedivision 1847. - 3 Urkunden von 1526, 1568 und 1609 über ein Haus im Gerbenir 
graben, — Teller, dat. 1753. — 2 Meissel mit gedrechselten Grißen, 18. Jahrb. — Kästchct»» 1 
dat. 1704. — Ellstab, dat. 1737» — Eiserner Leuchter. — Bedrucktes Taschentuch mit Ab- 1 
bildung der Apjotheke Michel Schüppachs, 1770. — Eingelegte Truhe. — 2 Berner Trachtcnr | 
bilder, in Tuch ausgeführt^ um 1780. — Uniform eines Berner Dragoncrfeldweibels von < 
1832, — Scharf schützen- Waidmesser mit df:^m Genfer Stempel. — Glas mit dem Bemcr , 
W^appen» — Fläschchen, worin eine Garnwinde. 

Deposiltn. Silberner Becher von 1660, Eigentum des beiiiischen historischen Vcn 

— Gemaltes Rundscheibchen bez. Joh. Sebast. Berner d. Z. Predicant an der Lcugg -I 
Zwei 24 iffi-Haubitzen, eidg. Ordonnanz um 1850. 

Ankauft. Kupferhammer der Bronzezeit. — Mehrere Lanzenspitzen aus Bronze -| 
Mehrere Bronzenadeln. — Mittelalterliche Schwertklinge, in Gstaad b, Saanen gefunden» 
4 Ofenkacheln des 17. Jahrh. — Eisenkästchen mit geätzten Figuren, um 1600. — Kö 
mörser, 17. Jahrh. — 2 zinnerne Leuchter. — Alter Holzschnitt: die verkehrte Well 
2 hölzerne Treichelriemen mit reichem Beschläge. — Milchkanne und 6 Tassen von Nyon-^ 
Porzellan, Roseiidekor. — Nyon-Tasse mit der Silhouette des Schultheisscn N. F. v. Steiger. 

— 7 weisse Gläser und Flaschen, zum Teil mit Wappen bernischer Geschlechter, -* ^ 
Gläser und Flaschen, farbig emailliert, meist Fabrikate von FlQhli, datiert 1721—17» - 
24 Milchglasgefässe zum Teil farbig emailliert. — Glasgemälde mit dem Wappen Holticf. 
1608. — Gemalte Scheibe mit Berner Fähnrich und Musketier, dat. 1708. — Gemalte Scheibe 
mit dem Wappen v. Luternau. — Rundscheibchen mit den 3 Männern im Roth» t73^ 
Verschiedene Schliffscheiben. — Eilf Stücke schweizerischer Fayencen. — Kleine Tfuh«» 
dat 1698. — Kerzenmodel, in Holz geschnitzt. — Gemalter Bauenischrank von 177^ ' 
Gemaltes Geschirrschränkchen von 1770. — 7 Photographien des Barackenlagers der (ra^ 
ztisischen Internierten in Bern 1871. 

RHfersaaj verein Burgdorf. Jahresbericht 1898— 1900. An der Hauptversarnmte 
vom 27. Februar 1901 erstattete der Präsident des Vereins, Herr Dr* med. M, Frankh3u<T 
Bericht über die 3 letzten Jahre. 

Der Vorstmui hielt während dieser Periode 24 Sitzungen ab^ daneben fanden 
dringenden Fallen öftere Besprechungen der engern Kommission statt. Für den im jÄhftJ 
1899 verstorbenen Herrn Regierungsstatthalter Schär trat sein Amtsnachfolger, HerrN« 
seyer, in den Vorstand. 

Die Sammiung erhielt namhaften Zuwachs durch Geschenke und Depositen, so« 
auch durch einige grössere Ankäufe: 

Knifgorie L (Prähistorische, römische u. s. w. Altertümer) 3 Nummern, wo 
1 Steinbeil aus dem Fernstall und eine römische eiserne Axt, zu Grafensch euren 




213 igol 

In Kategorie //(Waffen etc.) betrug der Zuwachs 62 Stücke, unter anderen eine Gläfe, 
eine Korseke, ein Kriegsflegel, ein Morgenstern, 2 hölzerne Pulverhömchen aus dem 17. 
Jahrhundert, ein Degen, ein Hirschfönger aus dem 18. Jahrhundert und ein Trommelkuppel 
aus gleicher Zeit. 

Kategorie III (Möbel und Hausgeräte) vermehrte sich um 43 Nummern, worunter 
eine Himmelbettstelle von 1741, alte Küchengeräte aus Brechershäusem, i flache Zinnkanne 
mit Wappen, ein kupfernes Chaussepieds von 1745, ein Rokokospiegel, eine Truhe aus dem 
17. Jahrhundert und ein Bauerntisch aus dem 18. Jahrhundert. 

Kategorie IV (Keramik u. s. w.) wuchs um 65 Nummern an. Davon sind zu er- 
wähnen: I Heimberger Teller, 2 Bodenfliessen aus dem 16. Jahrhundert, 6 ornamentierte 
Backsteine aus dem Kloster Frienisberg 13.^14. Jahrhundert, eine grosse weisse Suppen- 
schüssel, 2 bemalte Ofenkacheln, aus Burgdorf, und 2 Dachziegel, der eine mit Datum 1583. 

Kategorie V, (Schlosserarbeiten u. s. w.) 22 Nummern, worunter schöne Glocken- 
stuhlbänder von 1641 aus der Kirche von Utzenstorf beachtenswert sind. 

Kategorie VI (Medaillen und Münzen) vermehrte sich um 28 ältere schweizerische 
und 5 römische Münzen, von letztern stammen 4 aus Lyssach. 

In Kategorie VII (Siegel, Wappen u. s. w.) kamen 44 Nr. hinzu, hauptsächlich Ex- 
libris, daneben harren noch zahlreiche Gegenstände der Katalogisierung und Einreihung, wo- 
runter 270 in Holz geschnitzte Schablonen, meist Wappen b^rnischer und freiburgischer 
Familien aus dem 18. Jahrh. zum Zeichnen von Säcken. 

In Kategorie VIII (landwirtschaftliche Geräte) beträgt der Zuwachs 4 und in Kate- 
gorie IX (Staats- und Rechtsaltertümer) 7 Nummern, wobei eine 30 ff schwere, eiserne 
Strafkugel aus Koppigen. 

Den grössten Zuwachs erhielt Kategorie X (Urkunden, Manuskripte, Bücher), nämlich 
17a Stück, darunter Proklamationen und Verordnungen von 1798 und den folgenden Jahren, 
eine Anzahl Quartierzeddel aus den Märztagen 1798, schöne kalligraphische Blätter und 
das seltene Büchlein vom „Herzog Ernst." 

Kategorie XI (Bilder, Pläne. Karten etc.) vermehrte sich um 72 Nummern; dabei sind 
zu erwähnen, 2 Albums mit Aquarellen von Th. Schnell sei., verschiedene Zeichnungen 
und Ansichten der Stadt, i Schweizerkarte von 1799, 3 Atlanten aus dem 18. Jahrhundert. 

Der Zuwachs in Kategorie XU (Uniformen, Trachten etc.) betrug 81 Nummern, wo- 
runter eine Guggisberger- und eine Oberhaslitracht, i komplete Kapellmeisteruniform aus 
den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts, eine Trompeter- und eine Kadettenuniform 
aus den Vierzigerjahren und verschiedene Stickereien. Auch in dieser Kategorie ist die 
Aufstellung noch nicht vollendet und verschiedene wertvolle Stücke werden erst in diesem 
Jahr eingereiht werden können. 

In Kategorie XIII (Diverses) kamen 16 Nummern hinzu, dabei 4 Wolfsnetze aus 
Wynigen, 1230 Papiersoldaten, bemische Milizen des 18. Jahrhunderts und i massives Kinder- 
kanönchen aus gleicher Zeit. 

Kategorie XIV (kirchliche Altertümer) vermehrte sich um i Nummer. 

Im Vergleich mit andern kleinen Museen der Schweiz ist die Sammlung besonders 
reich an guten Waffen, an Erzeugnissen der bernischen Töpferei (Langnau und Bäriswyl) 
an geschliffenen Scheiben, sowie an kalligraphischen Blättern und Trachten. 

Infolge des sich [immer mehr ftlhlbar machenden Platzmangels ist die Aufstellung 
sehr schwierig und kommt leider manches Stück weniger zur Geltung, doch wird in ab- 
sehbarer Zeit die Einrichtung des zweiten Lokales den „Rittersaal" entlasten und die 
Hatzierung erleichtem. 

An der schönen Bemerausstellung von 1898 beteiligte sich die Sammlung ebenfalls, 
wie 1897 an der Jeremias Gotthelf-Ausstellung. Auch praktischen Diensten war die Samm- 
lung mehrmals dienstbar und wird dies nach erfolgter Erweiterung noch besser thun können. 

/?. O. 

Frelburg. Notre Mus6e historique vient de s'enrichir d'un remarquable ^hantillon 
d'art romain: c'est une Statuette en bronze, haute d'environ dix centim^tres, reprdsentant 



214 190I 

un Cupidon ou un G6tiie ail^, d'une gräce d'attitude et d'une perfection de fonnes rares 
Sauf un attribut absent, que le G6nie devait porter dans la main gauche, ce petit chef- 
d'oeuvre ne porte pas trace de la moindre d^t6rioration et il a suffi d'un 16ger nettoyage 
pour lui donner un poli parfait. 

Cette pr^cieuse trouvaille a 6t6 faite ä Monteynant, sur le territoire d'Arconcid; la 
Statuette a 6t6 mise au jour par le soc de la charrue dans une prairie que l'on retournait 
pour en faire un champ d'avoine. 

Cette prairie forme la moiti^ Est d'une 6minence ovolde graveleuse, aitu6e au dessos 
des rochers de la Sarine, en face du monast^re d*Hauterive. L'autre moitiö Ouest de la 
colline est bois6e. Les traces d*un fossö semi-circulaire se voient encore k la base de 
r^minence; ce foss6 prot^geait probablement un poste militaire, du cöt6 de la plaine, pour 
aller se perdre vers TOuest dans le versant plus rapide dominant la Sarine. 

Des d^bris de poteries, tuiles, amphores se trouvent disperses en menus fragments 
dans la partie du sol retourn^e par la charrue; on n*a d^couvert aucun vestige demuraüles 
ou fondations quelconques. 

Le nom de Mont Eynant est du reste tres caracteristique. Le qualificatif de : Eynant 
est lä en Opposition de celui d'un second Mont, situ6 ä quelque 400 m^tres de distance, 
qui porte, lui, le nom de Mont-Eveaux. 

II est permis de conjecturer que tout ce plateau, fortifi6 d6jä ä T^poque romaine, 
commandait un passage de la Sarine entre Hauterive et la Seuche. 

Le monticule (terrain et bois), oü fut d^couvert la Statuette, porte le nom particulier 
de Ein la Rey, qui provient probablement du fosse circulaire qui en d^fendait la base (una 
Raya; de Radia?) 

Quelques travaux subsequents ont ^te entrepris pour essayer de retrouver le support 
absent de la Statuette — socle ou colonne - ou quelque autre figurine d'un möme groupe; 
mais ils n'ont donn6 aucun r^ultat. 

Sf. Gallen. Sammlidng des historischen Vereins. An Geschenken sind seit dem i. 
Januar 1901 eingegangen: 7 Photographien älterer und charakteristischer Gebäude der 
Stadt St. Gallen ; 25 Pergamenturkunden (äbtische Lehenbriefe und Verordnungen, Kauf- 
verträge, amtliche Gutachten, Rechtsentscheide und Reverse); ein Quartband: Numisma- 
tische Sammlung von Julius Meile mit 37 Tafeln in Lichtdruck; 10 Bleistiflzeichnungen 
von St. gallischen Gebäuden, Strassen und Plätzen aus den 50er und 6oer Jahren des letzten 
Jahrhunderts; eine messingene Stehlampe mit Uhrwerk und Schnittbrenner, Inschrift: 
Lampe Eolienne A. CC Paris (ohne Jahr); eine seidene Schützenfahne, grün und weiss, 
mit Oelgcmälde (Schütze in Landschaft) und Aufschrift: Erste Prämie, Altstätten den 27. 
März 1841; ein Querfolioband, enthaltend: 70 vedute principali di Roma 1861, Kupferstiche 
von Alexander Moschetti; ein auf Seide gedruckter Kupferstich: Andreas Albertus de 
Albertis, episcopus Constantiensis 1703 -17 12, Stich von Joh. ?Vanz Roth in Rorschach 178a, 
nach dem Gemälde des Joh. Georg Felser; 5 Foliobogen, handschriftliche Jahrgängerver- 
zeichnisse von Bürgern und Bürgerinnen der Stadt St. Gallen aus dem Ende des 18. und 
Anfang des 19. Jahrhunderts ; ein Erinnerungsblatt an die schreckliche und unerschwingliche 
Teuerung und Hungersnot im Jahre 1817; eine sogenannte Notmünze aus den Hungerjahren 
18161817; ein Reisepass aus der Zeit der Helvctik (26. September 1801). 2 Oelgemälde 
auf Leinwand, darstellend das Ehepaar Anton und Anna Wegelin von St. Gallen, gemalt 
von M. A. Zeuger 1768; ein Oelgemälde auf Leinwand: Frau auf dem Totenbette, aus der 
IL Hälfte des 18. Jahrhunderts; eine Zürcher Münze, sogenannter Fünfer; eine Ansicht aus 
dem alten St. Gallen : Der Schellen werkturm auf dem Damm. Die Zeichnung stammt aus 
den Jahren 1830 1840; Armbrustpfeile und Pfeilspitzen aus einem alten Stadtturme zu Wil; 
zwei bemalte Schlussteine eines Gewölbes mit eingelassenen Eisenringen, 3 reich ausge- 
haucne Tragsteine und eine geschnitzte Holzleiste aus dem Hause zum „liegenden Hirsch* 
an der Speisergasse in St. Gallen (XV. Jahrhundert). 

Angekauft wurden : eine Serie von grünglasierten Ofenkacheln mit Relief-Darstellungen 
aus der Burg Iberg bei Wattwil, darunter sieben grosse Kacheln mit den Symbolen der 



215 '»>' 

er Weltteile, 6i quadratische Stücke von kleinerem Format mit Figuren aus dem alten 
»stament, nebst Gesimsen, EckstOcken, Randleisten und vier OfenflQssen aus Sandstein. 
Lt>]ikat von Pfau in Winterthur; 56 Bleistiftzeichnungen : Ansichten von Bauwerken, Plätzen 
i€± Strassen der Stadt St. Gallen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts; ein lithogra- 
Jsches Erinncnmgsblatt an den Feldzug von 1847; vier auf Seide gedruckte Theater- 
txd ftir Benefizevorstellungen in St. Gallen aus den Jahren 1815 und 1816; ein grosses 
l^onchloss, mit ausgestanzter und gravierter Deckplatte und durchbrochenem Bandwerk 
^ Einfassung, datiert 1817, dazu der Schlüssel, soll vom Rösslithor in St. Gallen stammen; 
in. Silber- vergoldetes Salzgeschirr mit getriebenen Randornamenten und drei Füssen in S- 
<arni, Meisterzeichen: G. K. (St Gallen, Kunkler); ein silbernes Salzgefäss mit getriebenen 
jluschelomamenten und dem Wappen der Breny von Rapperswil, Beschaumarke : Rappers- 
wil, Meisterzeichen: WS; ein Siegelstempel des Siechenamtes in St. Gallen mit dem 
BÄdc eines Aussätzigen und der Umschrift: S [illigum] Leprosorum apud sanctum Gallum 
(X.VI. Jahrhundert); eine sogenannte Schandgeige; eine eiserne Fusskugel für Gefangene 

not schwerer eiserner Kette und der Jahrzahl 1830, Marke : V G R ; eine Silbermünze der 

ersten französischen Republik; 5 Glasgemälde aus dem Pfarrhause zu Goldach (s. Anzeiger 

t Schweiz. Altertumskunde Bd. II, 1900, p. 229 f.). 

Depositum mit Vorbehalt des Eigentumrechts : acht silberne Schützenbecher, darunter 

7 eidgenössische. 

Le Vieux-Lausanne. II est une modeste institution lausannoise qui, pour ne pas 
faire beaucoup parier d'elle, n'en poursuit pas moins activement son utile besogne. 

C'est la Commission du Vieux-Lausanne. 

Fondue en fevrier 1898, sur Tinitiative de M. Ch. Vuillermet, eile tient r^gulierement 
Ic quatrieme jeudi de chaque mois, une seance oü sont discut^es, sous la prdsidence de 
M. Ic syndic de la ville, une foule de questions les plus diverses interessant le pass^ de 
Lausanne. 

Bien que ne disposant que d'un modeste credit de 1000 fr par an, eile a dejä acquis 
ou re9u ä titre gracieux, une quantite d'objets se rapportant au Vieux-Lausanne : gravures, 
tablcaux, cartes, portraits, photographies, anciens documents, vieilles poteries d'^tain, coUec- 
tion de dessins de feu le peintre Guignard, etc. 

Son activite s'est exercöe dans les domaines les plus divers: eile s*est interess^e 
aux fouilles faites ä Vidy sur Templacement de Töchafaud de Davel et ä Celles de la Ma- 
<Wcine, ä la restauration du temple de St. FrauQois. Elle cherche ä reunir une collection 
des portraits des syndics de Lausanne ainsi que des professeurs cel^bres qui y ont enseignä. 
Dcux de ses membres se sont occup^s avec beaucoup de devouement de Torganisation, 
<J*ns le bätiment scolaire de la Croix-d*Ouchy, de tous les objets recueillis. Ce Mus6e en 
fonnation präsente dejä un tres vif int^rdt. 

Nous adressons en son nom, ä nos lecteurs, un chaleureux appel pour les engager 
i collaborer avec eile au sauvetage de tous les t^moins du pass^ de Lausanne et ä lui 
ttrc parvenir ou ä lui signaler tous les objets ou documents pouvant oflirir un int^röt hi- 
Äorique: vieux objets, anciennes lampes, documents, gravures, anciens livres de comptes, 
•ncicns guides ou descriptions de la ville, etc., etc. Un simple avis au secr^taire de la 
coQmission (greffe municipal) suffit. 
' M. Charles Bugnion, banquieo membre de la commission, a bien voulu se charger 

fa fonctions de trösorier ; il recevra avec plaisir et reconnaissance les dons que Ton voudra 
bien lui remettre. La Revue, 21 juin 1901. 

Neuchfttel. Musee historique, J*aurais voulu vous envoyer des nouvelles r^jouissantes 

fc notrc Muste historique, mais je ne le puis. II semble qu*une bände de pillards se soit 

ibittue dans nos salles. Depuis le 20 juin presque toutes nos armures, nos halUbardts, 

et autres engins de Corfeges historique (1 1 1) ont disparu. Contre Tavis, pour ainsi dire 

mmmme de la commission du Mus^e, energiquement appuy6e par son pr6sident, membre 

ibf-m^me du Conseil Communal et malgr6 les protestations du conservateur, la miijorit^ de 



2l6 



,J«9oi 



notre Conseil Communal a dteid^ de pröter au Comit^ du cort^;e qui doit accompagner 
ä Lucerne la banni^re föderale, nos cuirasses^ nos haiüdardes ei emirts armes anekmus, 

Nous avons cru devoir protester contre une mesure aussi contraire ä la saine Orga- 
nisation d'un Mus^e qu'ä la conservation des objets. Rien n'y a fait. 

Nous tenons donc ä ddgager, aux yeux de public telair^ de la Suisse, notre resp(» 
sabilit^ en cette aüaire. Si nous sommes rest^ ä notre poste, c'^tait pour att^uer, dans 
la mesare du possible les efTets de ce pröt anti-arch6ologique. Nous avons ainsi r^ussi & 
sauver nos pi^es les plus pr6cieuses, en fait de cuirasses et d*6p6es, pitees dont certains 
membres du comit^ voulaient s'emparer, et nous avons pu donner ä ces demiers quelques 
conseils utiles pour la conservation des objets. 

Dans quel ^tat reviendront nos armures? Nous vous Ic dirons une autre fois. 

Ai/reä Goäei. 

Neuenstadt-Museum. Burgunder Kanonen. Das im Jahre 1876 erbaute reichhaltige 
Museum in Neuenstadt am Bielersee fristet ein ziemlich unbekanntes und wenig beachtetes 
Dasein, und doch birgt es eine Sehenswürdigkeit der allerseltensten Art ; es sind dies sechs 
in den Burgunderkriegen Karl dem Kühnen abgenommene Kanonen. Welchem glQcklichen 
Umstand oder Zufall wir die Erhaltung dieser Zeugen einer ruhmvollen Vergangenheit ver- 
danken, lässt sich nicht genau ermitteln, da alle geschichtlichen Anhaltspunkte fehlen; wir 
sind deshalb einzig und allein auf die allerdings wenig zuverlässige mündliche Ueberliefening 
angewiesen. Diese berichtet, die Neuenstatter und Tessenberger haben nach den Schlachten 
bei Grandson und Murten die amtliche Verteilung der gemachten Beute (in Nidau und Frei- 
burg) nicht abgewartet, sondern seien sofort abgezogen, indem sie nach dem Beispiele 
anderer Kampfgenossen mitnahmen, was ihnen gerade in die Hände fiel. Da die Krieger 
vom Tessenberg die von ihnen erbeuteten Geschütze nicht auf ihre damab noch unweg- 
same Höhe am Chasseral hinaufschleppen wollten oder konnten, überliessen sie dieselben 
der Obhut ihrer Nachbarn am See gegen deren ausdrückliches Versprechen, die Wafifen- 
brüder vom Berge bei jeder Rückkehr aus dem Kriege gehörig zu bewirten. Die leichteren 
Beutestücke jedoch nahmen sie mit in ihre Dörfer, wo sie leider nur zum kleinen Teil^er- 
halten geblieben sind. 

Die damals natürlich praktisch verwendbaren Geschütze wurden von den Neuenstadtem 
sorgfältig aufbewahrt und im Jahre 1798, allerdings nur mit List, gegen die Raubgier der 
Franzosen geschützt, während gerade zu jener Zeit so ziemlich alle derartigen Geschütz- 
rohre dem Schmelzofen oder dem Schmiedehammer verfielen. Deshalb bilden die sechs 
mit ihren Lafetten vortrefflich erhaltenen Kanonen des Neuenstatter Museums ein Unikum 
von unschätzbarem antiquarischem Wert; um so anerkennenswerter ist es, dass es auch 
den verlockendsten Anerbietungen fremdländischer Fürsten nicht gelang, dieselben unserem 
Lande zu entziehen. Um überhaupt der Möglichkeit einer Veräusserung vorzubeugen, 
wurden sie in den Achtziger Jahren, als es sich im Kanton Bern um Abschafiung der Burger- 
gemeinden handelte, der Einwohnergemeinde als unveräusserliches Gut abgetreten mit der 
etwas sonderbaren Klausel, es dürfen ein oder zwei Stück im Nationalmuseum aufgestellt 
werden, falls ein solches in Bern errichtet würde. 

Eigentlich besteht die Neuenstatter Artillerie aus sieben Feldstücken; bloss ist eines 
derselben bei einem Freudenschiessen zersprungen, wobei der hintere Teil in den See ge- 
schleudert wurde ; das i,io Meter lange Vorderstück jedoch samt Lafette ist noch vor- 
handen. Die bis 2,94 Meter langen Rohre bestehen aus grossen schmiedeeisernen, durch 
starke Doppelringe zusammengehaltenen Dauben. Die beiden grösseren, samt Lafette vier 
Meter langen Felgschlangen (couleuvrines) liegen in einer oben offenen Holzeinfassung, die 
sich vorn um ein Scharnier und hinten senkrecht zwischen zwei 1,40 Meter hohen Streben 
bewegt, worin sie mittelst eines Dornes auf der gewünschten Höhe gehalten wurden. Die 
kleineren 1,42—2,20 Meter langen Rohre dagegen liegen frei und drehen sich um zwei 
am Mittelring angebrachte wagrechte Zapfen. Sie ruhen alle auf festen, zweirädrigen, zum 
Teil doppelwandigen Lafetten, deren Bespannung ohne Protzen vor sich ging; es wurde 
einfach mit starken Bolzen am Lafetten kolben eine Gabeldeichsel angebracht, die dann auch 



217 i9ot 

böm Richten zur Verwendung kam. Diese Bespannungsart war bedingt durch die da- 
maligen schmalen und schlechten Wege, sowie durch das verhältnismässig geringe Gewicht 
der Geschütze. Die nur wenig abgenützten Radreifen sind nicht zusammengeschweisst, 
sondern bestehen aus je ftlnf Stücken, die mit dicken, vorstehenden Nägeln an den Felgen 
befestigt sind. Während alle diese unter sich verschiedenen Geschütze dem Anfang des 
15. Jahrhunderts, d. h. der Anfangszeit der Artillerie überhaupt angehören, stammt dagegen 
die eine Kanone unmittelbar aus der Zeit der Burgunderkriege; dieselbe besteht aus einem 
2po Meter langen Gussrohr und ist gezeichnet mit dem Zeichen Karls des Kühnen. Diese 
Verschiedenartigkeit lässt darauf schliessen, dass die Geschütze wahrscheinlich bei Murten 
erobert wurden, wo der Burgunderherzog mit einem in aller Eile gesammelten Artillerie- 
park auftrat Die Neuenstadter dagegen behaupten, dieselben stammen von Grandson her, 
wo 14 ihrer Vorfahren, deren Namen in den Archiven aufgezeichnet sind, sich unter der 
grausam hingemordeten Besatzung befanden. 

Der jurassische Gelehrte Quiquerez widmete denselben 1854 eine Abhandlung in 
den Jahrbüchern der Soci6t6 d'Emulation. 

Musöe de Nyon. Dons: Une monnaie argent, trte bien conserv6e, Charles-Emmanuel, 
roi de Sardaigne, 1759. 

Neuf pieces romaines: Sabine, denier argent; Faustine, jeune, moyen bronce; Com- 
mode, grande bronce; Gordien III, denier; Maxime, grand bronze; Claude le Gothique, 
petit bronze; Tacite petit bronce; Maxim 6en Hercule, moyen bronze. Trois pieces de 
monnaie moderne: Toscane, Leopold I, florin, 1789; Leopold II, jeton de couronnement, 
1790; R^publique de Gönes, i lire 1794. Toutes ces pieces sont d'une conservation parfaite. 

Tunisie 5 Centimes 1901, pi^e 50 Centimes^ Napoleon I^r, 1808. 

Le Conservateur du Mus^e: Th. Wellauer, 

Olfen. Städtisches Museum. Ölten weihte am 7. Juli in bescheidener Feier sein 
mms Museum ein. Dasselbe, gegründet von den Herren Dr. Christen, Erziehungsrat von 
Burg und Prof. Zehnder im Jahre 1872, ist in den 30 Jahren seines Bestehens zu einer 
stattlichen Sammlung angewachsen, konnte jedoch mangels an Raum nicht mehr besichtigt 
werden. Endlich hat die Gemeinde die nötigen Räumlichkeiten im alten Stadthaus am 
Kirchenplatz bewilligt. Für Besucher Oltens wird sich ein Gang dorthin lohnen, umso mehr, 
als am gleichen Ort auch die Disteli-Sammlung, eine sehr grosse Zahl Originalgemälde 
und Zeichnungen des originellen Malers Disteli enthaltend, untergebracht ist. Die Stadt- 
Inbliothek wird erst nächstes Jahr eröffnet werden. 

Museum der Sfadf Solofhurn. Historisch antiquarische Sammlung. Zuwachs vom 
M. November 1900 bis 31. Mai 1901. 

A, Schenkungen, 

Drei Kupferplatten, graviert, mit Darstellung des Umschlages, des Titelblattes, sowie 

<fcr Ersteigung eines Berges für das Werk: Fr. Jos. Hugi, Naturh. Alpenreise. — Ein 

Scidendruckbild mit Glas und Rahmen, darstellend die Hauptpersönlichkeiten des Krieges 

von 1870/71 auf deutscher Seite; ein Aquarell in Rahmen und Glas, darstellend einen Tam- 

bwrino svizzero, Anfang XIX. Jahrh. - Eine Tuschzeichnung mit Kriegsemblemen, wo- 

rtber in Kartusche das Solothumerwappen mit der Feuerwerkerkugel : Urkunde, ausge- 

: iteUt als Pass an Joseph Viktor Pfluger durch „Anton Ziegler, Kommandant des löbl. Gre- 

BMierchores der Stadt Solothurn". Zwei Münzen, St. Galler V« Batzen von i8o8, i fran- 

^ zösisches 2 Cts.-Stück von 1862. — 26 Münzen, meist neueren Ursprungs. - Eine Urkunde 

» Pergament vom Jahre 1785. Drei arabische Münzen. — Eine Münzwage mit Gewichten 

(7 Stück). — Ein antiker Schlitten ; ein Spinett. — Ein Bruchstück eines Topfes aus der 

Pbblbautenzeit, gefunden im Greifensce; eine Kette aus Schlesien mit 8 Breloques; ein 

SdilQsselschildchen. — Ein Jeton von Kaiser Napoleon I. — Ein Trog mit Beschlag aus 

fen XVIII. Jahrb.; ein fund de chemine aus Gusseisen, mit Wappen zwischen zwei Säulen. 

- Fünf Kupfer münzen. - Ein römischer Hcnkelkrug. — Portrait des Marquis de Verrac, 

des letzten königlichen französischen Gesandten in Solothurn. (Oelgemälde.) — Vier Per- 



2l8 



1901 



gamenturkunden, i vom Jahre 1338 mit angehängtem Siegel des Heinrich von Eroizwilc, 
I vom Jahre 1526 mit angehängtem Siegel des Schultheissen Peter Hebot, i vom Jahre 
1651 mit illuminiertem Rande und angehängtem Siegel des Jesuiten-Ordens, in Messing- 
kapsele I vom Jahre 1676, mit angehängtem Siegel von Savoyen- in Holzkapsel; Teüstöck 
einer ledernen Tapeten-Bordüre mit dem Allianz-Wappen der Familien von Stäffis und v. 
Praroman, aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts; ein braunglasierter Henkelkrug ans 
Steingut mit zinnernem Deckel. Ein antikes römisches Glasgefliss (Aschenurne). — EinOfcD- 
kränz von blau und weiss gemalten Kacheln, 18. Jahrhundert. — Ein Kupferstich von 
Midart, Pr6s et maison de l'Hermite, vue du nouvcau chemin de THermitage pr^ Soleore. 
— Ein Kupferstich, Ansicht von Solothurn (Zürich bei R. Dickmann). — Römisches und 
frühgermanisches Eisenzeug aus der „Mutten"; eine Ofengesimskachel und ein Olenstirn« 
ziegel, grün glasiert, aus dem 16. Jahrhundert. -- Clich^s zur Fabrikation von alten Spiel- 
karten^ 32 Stück in zwei Abteilungen von je 16 Stück, nebst einem besondern Glicht mit 
dem Namen des Fabrikanten und des Ortes der Fabrikation : Urs Fürst ä Flumenthal dans 
le canton de Soleure. Verschiedene buntbemalte und grüne Ofenkacheln aus dem 16. JahriiL 

B, Erwcrbungepi, 

16 Photographien von Glasgemälden, die von Glasmaler Kreuzer restauriert wurden. 
Aufgenommen vor der Restauration von Herrn Photograph Docs. - Sechs Münzen: i 
Basler Schulprämie, 2 Kreuzerstück von Strassburg, i Walliser Batzen 1710, i Solothnnier 
Kreuzer 1631, i Umer Batzen 1623, ein Solothurner Kreuzer 1623. - Eine Bronce-Medaifle 
versilbert, Attila darstellend, aus dem 17. Jahrhundert. — Ein Spiegelleuchter, geschnitzt 
und vergoldet, i. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ein Pendant hiezu wurde durch Herrn Bfld- 
hauer L. CoUe hergestellt. - Ein Aquarell unter Glas und Rahmen, darstellend Jduuin 
Affolter, Feldweibel von Solothurn, gemalt durch Franz Fcyerabend. - Ein gotischer 
eiserner Schlüsselschild in Form eines vierblättrigen Kleeblattes, getrieben und dselieiV 
und ein messingener Schlüsselschild aus der Barockzeit. 

Vevey. Mnsee historiqne. Dons qui nous ont ete faits pendant le cours de l'annfc 
1900 par divers amateurs: 

„L'Ancienne presse ä bras" de la maison Loertscher. Aquarelles de Burgdorfer: 
Figurants de la föte des vignerons de 1833. Armes et uniformes, colbac historique et 
sabre. Ancienne aftiche veveysanne d une promenade speciale en bateau ä vapeur dans 
la premiere moitie du siccle. (Vevey- Villcneuve ä Evian et retour.) Dais de lit et coffipc 
vaudois. Lot des prrmiercs pliotographies faites ä Vevey en 1850, Ancienne peinture, Vevey. 

Notons parmi les acquisitions, le facsimile du coffrc de Tabbaye des cordonniers 
veveysans ; Deux. ancicnnes armoires vaudoises peintes et dat6es : Clich^s photograpfaiques 
et divers objets veve3'sans, ainsi qu'unc capsulc de cuivre jaune renfermant un beulet de 
canon. Cette capsule port(! l'inscription qu'on va lirt, dont nous respectons Portograph^ 
signee de Jean Ployard, bourgeois de Vevey des 1716. „Le 10 juin 1695, s. n. (style oou- 
veau) estan sur un vaisseau de guerre du Roy de Danemarc (command^ par M. (Juöl) 
de 60 pi^ces de canons et allant de lisle de Rh<^ a Copenhague, nous fumes attaques a 
Ihauteur de lisle de Wight par un vaisseau anglois de la mesme force quil vouloit now 
obliger doster la llame de nostre grand mast onse bastit despuis 4 heures iusque a n 
heures du esmatin on tira pres de 600 coups de cannon de nostre bord nous eumes rf 
personn de tues et nous continuames nostre route. Ce boulet entras dans ma caissette et 
sarrestat dans du linge. Jean Ployard." 

Vevey le 4 mai 1901. Le. President de la commisskm, 

Eugene Couvreu. 

Yverdon. A//rser. Dans sa seanrc du 7 juin, le Conseil d^administration de la Bibli- 
otheque publique a decid^' d'appclcr anx fonctions de Conservateur du Musee, M. Jomink 
professeur de sciences naturelles au College. Nous esperons qu*avec cette noniination cott' 
cidera un regain d'intcrdt pour notre Must^e de la part de la population yverdonnoisc. U 
Mus6e, comme on le sait, ne possede pas de fortune propre et si Ton veut le d^veloppei 
c'est par la g6nerosit6 du public seul qu'on pcut le faire. 



219 I90I 

IIL Kleinere Nachrichten aus den Kantonen. 

Aargau. Die antiquarische Gesellschaft von Brugg lässt um Vindonissa wieder 
rrabungen vornehmen. Man fand eine Silber- und eine Goldmünze. Letztere zeigt einen 
lerokopf und einen sitzenden Jupiter. Die Münze hat ungefähr die Grösse eines jetzigen 
Schnfrankenstückes/ ist aber erheblich schwerer als ein solches. Sie wurde dem schwei- 
lerischcn Landesmuseum in Zürich übergeben, da der Fund auf eidgenössischem Boden 
gemacht woiden ist. Ferner wurde ein römisches Bad freigelegt. Man fand eine kreis- 
förmige Kaltwass€rzelle, an die das Warmwasserbad mit Mosaikboden und das Lauwasser- 
Dad angrenze Gefunden wurden Ziegel der II. und XXI. Legion, Ziegelstücke der 3. spanischen 
Kohorte und etwa 20 Münzen. 

Bern. In der sehr alten Kirche von Erknbach (Simmenthai), wo schon früher im 
Chor gothische Wandmalereien abgedeckt wurden, sind neuerdings durch Loslösung des 
Wandbestrichs an einer feuchten Stelle im Schiff Reste von Wandgemälden aus dem An- 
fang des 15. Jahrhunderts zum Vorschein gekommen. Die viereckigen Felder weisen 
auf einen grössern Cyklus hin, welcher ehemals die Nord wand schmückte. Dem Vor- 
stand der Gesellschaft für Erhaltung schweizerischer Kunstdenkmäler ist der Wunsch aus- 
gesprochen worden, er möchte durch Sachkundige weitere Nachforschungen vornehmen 
lassen. K. 

— Die aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammenden Chorfenster der Kirche zu 
Umchmhuchsee sind nun durch Glasmaler Emil Gerster in Lyss unter Leitung des Vor- 
standes der Gesellschaft für Erhaltung schweizerischer Kunstdenkmäler in vorzüglicher 
Weise hergestellt und füllen in gefälliger Anordnung die drei zweiteiligen Fenster im 
Chorabschluss. Aus den vorher in sieben Fenstern zerstreuten Fragmenten ergab sich : 
») ein unvollständiges Heiligenfenster mit vier unter Baldachine gestellten Figuren; b) ein 
PWsionslenster mit sechs Passionsscenen, darüber die Madonna und St. Katharina, eben- 
fidb unter Baldachinen ; c) ein Teppichfenster mit Weinlaubmuster auf blauem und rotem 
Grund. Der Gesamteindruck ist ein ungemein harmonischer und macht jedem Besucher 
Freude. Die etwas über Fr. 5000 betragenden Kosten werden zur Hälfte vom Bund, zur 
•ödem Hälfte von Kanton und Gemeinde getragen. K, 

— Am 29. Mai stiess man beim Graben eines Fundamentes etwa 200 Meter oberhalb 
des Dorfes Aeschi (Thunersee) ca. 30 Meter rechts von der Strasse nach Aeschi-Ried in 
i'fc Meter Tiefe auf ein Skelett, von dem jedoch ausser der Schädeldecke und den grossen 
Röhrenknochen wenig mehr zu erkennen war. Dabei fand sich ein stark oxydiertes zer- 
^ochenes Ringlein, wahrscheinlich von Silber, und ein kleiner dicker Glasring von grün- 
licher Farbe, welche durch Herrn Maler Bühler daselbst dem historischen Museum über- 
[öittck wurden. Dasselbe besitzt fünf ähnliche Stücke aus den Gräbern der Aaregg (4) und 
un Schärloch (1) bei Bern, wo sie mit grossen gläsernen Armringen zusammen gefunden 
Wurden (vgl. Anz. f. Schweiz. Altert.-Kunde 1896 Nr. 3.) K, 

— In den Höhlen des Jura. Herr Dr. Thiessing in Bern, früher an der Kantons- 
schule in Pruntrut wirkend, hat sich schon vor Jahren mit der Erforschung mehrerer der 
80 zahlreichen Höhlen im Jura beschäftigt. Dieser Tage hat er einer Herodesgrotte" 
fcune des Herodes) genannten Höhle bei Montsevelier, der von Mettemberg und der „Roche 
*tt Jacques** bei Courroux Besuche abgestattet und in letzterer Spuren des Menschen aus 
*fcr Steinzeit gefunden, namentlich zu Schneide Werkzeugen verarbeitete Kiesel. Unsere 
Voreltern gaben sich bereits mit Zeichnen ab, denn man fand auf Hörnern mit Steinen ein- 
Irtvierte Skizzen von Tieren der damaligen Periode. 

— Die Fortsetzung der (bekanntlich nur in sehr bescheidenem Masse betriebenen) Aus- 
inhungen am Jeftsherg hat in neuester Zeit das interessante Ergebnis gebracht, dass man 
öfein ganzes System von römischen Wasserleitungen stiess. Die weitere Untersuchung 
•ird ergeben, zu welchen Zwecken diese angelegt waren, ob man es mit Wasserzufuhr 
Jer mit Abzugskanälen (Kloaken) zu thun habe. Immerhin lässt sich schon jetzt aus dem 
analisationssystem der Schluss ziehen, dass die römische Station Petinesca am Jensberg 



220 



tgoi 



eine grössere Ausdehnung hatte, als man nach den bisher aufgedeckten Ruinen und den 
spärlichen historischen Notizen anzunehmen geneigt war. 

Burgdorf. Kürzlich musste hier leider eine der wenigen noch erhaltenen Altem 
Häuserfassaden einem Umbau weichen. Das Haus, am Kronenbrunnenplatz gelegen, mit 
Spitzbogen-Eingang und gothischen Fenstern, trug folgende Inschrift nebst Jahrzahl: 
O Gott dieses Hus wol bewar 
Und die drin wohnend immerdar. 1630. 
Durch Entgegenkommen seitens des Besitzers hat der Rittersaalverein fiU' seine 
Sammlung eine hübsche, geschnitzte spätgothische Zimmerdecke aus diesem Hause er- 
worben, die bei der Einrichtung des zweiten Lokales Verwendung finden wird. Fassade 
und Zimmer sind vor dem Abbruch noch rechtzeitig photographiert worden. 

Anschliessend teilen wird noch mit, dass eine steinere Bank, die sich dem Sommer* 
hausbad gegenüber am Waldrand befand, dann aber durch roher Buben Hand zertrOmmerl 
worden, letzten Sommer im Auftrage des BOrgerrats beim Bade selbst wieder aufgestelli 
und restauriert wurde. Diese Bank trägt in Frakturschrift folgenden Spruch: 
Dem lieben Vrauwen Volk so sich im Bad ergetzt 
ist dier Stein allhier zur Ruh und Lust gesetzt. /?. 0. 

BieL Im Stadtarchiv befanden sich seit langen Jahren in einer Kiste wohl verwahrt 
alte Fahnen, die man kurzweg als Burgunderfahnen benannte. Eine nähere Untersuchung 
durch Herrn Bcrchtold Haller in Bern hat aber gezeigt, dass es teils alte Stadtfahnen aus 
dem 16. Jahrhundert, teils einfach Umzugsfahnen sind. 

Da nun von den von den Bielern eroberten Burgunderlahnen nichts mehr vorbandet 
ist, so hat das Museum eine genaue heraldische kolorierte Abbildung nach den Zeichnunger 
in der Chronik von Veresius anfertigen lassen und samt den bisherigen aufbewahiter 
Fahnen im Museum ausgestellt. Herr Müller, Zeichner des eidgenössischen Militflrdepar 
tements, hat die Ausftlhrung meisterhaft ausgeführt. Z 

Rohrbach. Bei den Nachgrabungen im Rohrbacher Schjoss, welches in der zweiten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts von den Bernern erstürmt und zerstört wurde, fanden sieb 
Kacheln, zum Teil unglasicrtc, welche von einem ungeheuren Ofen herrühren. Fjne steDt 
die Madonna vor, eine andere zeigt einen Jäger mit Dolch im Gürtel und mit zwei Hnndeo 
an der Leine. Eisernt* Ueberbleibsel wurden viele gefunden, aber keine Waifen. Unter 
Leitung der Herren Direktor Kass<*r und Professor Dr. v. Mülinen werden die Ausgrabungen 
fortgesetzt. Die Fundstücke wandern ins lüstorische Museum nach Bern. 

Wandt. A propos des iombeaux de Chambhindes. Pendant Ic cours du XIX* siide^ 
les cultivateurs ont souvent fouille les terrains de Chamblandes pour extraire les dalles de 
leurs tombeaux; certaines scparations entre les champs ont 6te dressees ä Taide de ces 
materiaux prehistoriques. 

C'est dans un autrc esprit que M. A. Morcl-Fatio reprenait les fouilles en 1880 et 
qu*il 6tait suivi en 1881 par M. le docteur Marcel. Des lors, le champ de repos de ChiB' 
blandes fut trouble en 1894 et 1895 P*'^'" M- ^' ^^ Molin et enfin au mois d'avril dcniier 
par M. A. Njcf, archcologuo cant<»nal. C'cst sous son intelligente direction qu'ont <t< ftte 
les derniers travaux. 

Les tombcs do Chamblandes datcnt de la periode n^olithique et remontent ainsi i 
2000 ans au nuüns avant J.-C Los rt;stes (i<: sepultures de cette epoque sont rares diö 
nous. Dans la Suisst: alleniandc, 011 connait les tombeaux de Schweizersbild et de Dachsefr 
buhl dans le canton de Schafthousc ; dans la Suisse fran9aise ceux de Pierre-ä-Portay, fouil- 
les en 1826, ceux du Chätelard et de Montagny sur Lutry et enfin ceux de Chamblandes 
qui sont parmi les plus anciens. 

Ces dernicrcs tonibes scmblent rcveler l'existence du champ de repos d'une statt» 
lacustre qui est marquce par des pilotis mais dont Tetude est rendue impossible par k 
niveau actuel du lac Les sepultures sont reunies par groupes de cinq ä six, ä ij^o mies 



221 



190Z 



uncs des autres, les groupes distants de 15 ä 20 m^tres. On les rencontre ä une profondeur 
qui varie de 1,50 m ä 50 cm; elles sont de forme presque cubique. 

Ces tombeaux, dont le type se retrouve ä Tage du bronce sont formfe de dalles en 
calcaire des Alpes ou en gr^ dur feuillet^ de la Paud^ze: quatre dalles sont pos6es de 
champ, une cinquienie seit de couvercle. Le caveau est volontairement 6vas6 vers le bas; 
des rainures pratiqu^es dans les dalles leur permettent de s*emboiter, et la tcrre tass^e 
par-dessus en assurc rimmobilite. Les interstices ^taient garnis de terre glaise. 

A Torigine le tombeau ne devait pas ötre rempli de terre et celle qu'on y trouve ä 
pr^ent est due aux infiltrations successives. Dans quelques tombes de petits tas de char- 
bon, mais en aucun cas il n'y a eu incin^ration m^me partielle. II faut voir la un rite fu- 
neraire et ne pas rapprocher ce detail des incinörations reconnues dans des s6pultures 
d'autres ^poques. 

Autrefois, Templacement des fosses devait ßtre marque de fa<;on pr^cise puisque 
plusieurs d'entre elles ont ete rouvertes pour recevoir de nouveaux cadavres; lesossements 
anciens 6taient alors rejetes sur les bords de la cavitc. Une fois cependant, M. Nsef a 
trouv6 dans Tangle d*un tombeau un veritable charnicr regulierement creuse oü Ton avait 
depos^ les os longs et les cränes. 

Les Corps etaient peints, mais il ne semble pas qu'on les ait decharnes pour en 
peindre les os comme ce fut le cas dans des tombeaux d*unc epoque plus ancienne. Dans 
plusieurs fosses, des morceaux d'ocre rouge et jaune : un des squelettes en serrait dans sa 
main qui devait lui permettre de faire une toilette decente pour la vie futiirc. 

En effet, TinterCt des fouilles de Chamblandes est surtout dans cette qucstion et dans 
les conclusions qu'on peut tircr de la posture des corps. Dans chaque tombe sont couches 
ua homme et une femme, la tete tournee vers TOrient. Ils sont replies, accroupis dans la 
Position de Tenfant avant sa naissance; ou les a confics ä la terre, la mere universelle; 
ensemble ils attendent de renaitre. Cette idcc d*une vie ä venir se retrouve chez les peuples 
anciens d'origine et de moeurs bien difTcrentes et se r^vcle par cette attitude donn^e aux 
morts. On la suit aux iles Bal^ares ainsi que dans les plus vieux tombeaux de Mesopotamie. 
Diodore de Sicile raconte que les Troglodytcs liaient les corps de la mCme mani^re, 
Chateaubriand rapportc les coutumes analogues des Indiens d'Amerique et Ton sait que 
les Peruviens aussi donnaient ä leurs morts Tattitude de Tembryon. 

Pour ne pas laisser Thomme entreprcndre seul le grand voyage, la femme partait 
avec lui. C*6tait Tusage aussi chez les Gaulois et recemment encore en Inde. A Cham- 
blandes, on a trouve avec les parents Tenfant serre dans les bras de sa m^re; cette pens^e 
de r^unir la famille dans la mort n*est pas sans grandeur. 

Malgr^ ces renseignements nouveaux, il faut bien noter que le probl^me n'est pas 
r6solu, et conclure avec M. Nasf „que ce type de st^pultures, qui se retrouve dans le monde 
entier et dont on ne saurait nier la tt^idancc symbolique, semble avoir ct6 usuel dans 
notre r^gion aux 6poques les plus rccul6es" ; mais „que d'autre part le nombre de ces s6- 
pultures est minime par rapport ä celui des stations des palafittes, et que leurs emplace- 
ments sont souvent fort eloignes de ces stations." 

Les fouilles de Chamblandes n*ont pas mis au jour d'objets nouveaux ni bien int6- 
ressants, aucunc piece de collections qui vaille le beau marteau de Serpentine d^couvert 
par le Dr. Marcel. Ce sont toujours les menies coquillages mediterraneens perfores, et les 
m6me difenses de sangliers. Cependant, gr^ce aux soins qu\>n a apportes aux demi^res 
fouilles, on a pu reconnaitre que ces dents d'animaux etaient r^unics pour former une sorte 
de cuirasse. Au reste, il ne faut pas exag^rer Timportance de ces divers objets; Tint^röt 
des fouilles ne se concentre plus sur eux, mais sur les nolions que nous pouvons acquerir 
des moeurs et des id^es des peuples pr^historiques. C'est, p^nttre de cette id^e, que M. 
Na?f a dirige les travaux d'apres une methodc nouvclle et rigoureuse qui marqucra une 
^tape dans les recherches archeologicjues de notre pays. 

Quant aux questions anthropologiqut-s que soulevent ces decnuvertes, nous ne saurions 
les trancher ici. Elles ont 6t6 ^tudi^s par le Dr. A. Schenk qui n'a pas voulu <5tablir de 



222 



xgoi 



conclusions certaines. II a constatö seulement que les cränes sont allong^ ä face haute et 
6troite et que leur capacit^ est remarquable. II ne lui a pas paru possible de pr^iser 
Torigine des populations de Chamblandes, la pluralit^ antropologique de la Suisse justifumt 
de nombreuses hypotheses. Cependant, il lui semble probable qu'elles ^taient en relatioo 
avec les populations de TEurope centrale, occidentale et m6ridionale. /?. dt C 

(Gaz. de Lausanne, 21. VI. 190X.) 

— Une s6rie de tombeaux de T^poque pr^historique a 6t6 d6couverte prfes de Lau- 
sanne, entre le Chäteau-Sec et Pully, ä proximit^ du cimetifere de cette derni^e localite. 

Les cercueils sont form6s de dalles de gr^s. Ils ont environ quarante centimetres 
de large sur quatre-vingts de long et soixante de profondeur. La dalle qui seit de cou* 
verde, beaucoup plus grande et massive que les autres, d^borde sur la bolte formte par 
les quatre pierres plac^es de champ. 

Quelques-uns de ces tombeaux etaient bien conserves; la terre s'^tait introduite dans 
d'autres. Parmi les squelettes trouves dans ces cercueils, on a surtout remarque cdui 
d'un enfant. Les squelettes sont couch^s sur le cöt6 gauche, la t6te est dirigee vers Test 
Les jambes sont repliees de teile sorte que les genoux touchent la poitrine. Les mains 
sont aussi repliees. II parait que cette position est fr6quente et constitue une coutume dont 
on retrouve les traces dans les sepultures de tout les continents. 

On a trouv^ ä cötö des squelettes un grand nombre de d^fenses de sangliers dis- 
posdes en forme de collier et quelques petites perles. Le tout a 6te transportö au Mus^ 
cantonal oü un tombeau sera reconstitue, contenant et contenu, tel qu*il a H€ d6:ouvert 

D*apres M. Naef, ces tombes sont d*entre les plus anciennes de la Suisse et remontent 
a Tage de la pierre, ä la seconde periode n^olithique, c*est-ä-dire ä plus de 2000 ans avaot 
J6sus-Christ. 

— Le iumulus d'Assens, Dans la fordt qui s*6tend au levant du village d'Assens, 
ä dix minutes de la Station du chemin de fer dTchallens, on connaissait d^ longtemps 
i'existence d*un tumulus de faible relief, sur Icquel les sapins avaient pouss^ dm. 

Le tumulus d'Assens date de Tepoque de Hallstatt. Ant^rieur ä Toppidum celtique 
de la T^ne, il est du aux populations conquerantes qui ont, dans notre pays, detruit les 
Etablissements des Lacustres, Icurs prddöcesseurs imm6diats. Ils ont du leur sup6riorit^ ä 
la plus grande perfection de leur armement, et, sans doute aussi, ä leur Organisation mili- 
taire. Leurs armes sont de fer, tandis que les oniements vi autres accessoires de toilette 
et de harnachement sont encore de bronze. Ils ont connu Tambre. En revanche, on ne 
trouve pas, dans les stations qu'ils ont occupecs sculs, la perle de verroterie phdnicienne 
que les Lacustres ont importce avant eux. 

Ces guerricrs couchaient les rcstes incineres de leurs morts au ras du sol, et, peut- 
etre apres les avoir recouverts de brassces de branchage, disposaient au dessus, li6es par 
un ciment de terre glaise, un monceau de grosses pierres formant voüte. Mais ces pierres 
avaient prt3alablemcnt scrvi de foyers ä brülcr soit le chcf lui-nicmc, soit ses femmes, ses 
prisonniers ou ses esclaves, dont les cendres et dcpouilles etaient jetees pele-m^le autour 
du monument funcraire. Ces debris eux-mßme etaient recouverts de terre. Enfin, sur le 
tout, les marbriers de Tepoque Etendaient une couche, en forme de calotte, de pierres et 
et d'argile. 

L'humus dont la Vegetation l'a rccouvert, cette calotte et la terre sous jacente ont 
ete enlevEs sous la direction de M. Naef et de son aide, M. Viollier, et tamisEs avec soin 
pour ne laisser Echapper aucun objet de nature ä fournir quclque indice. La population 
d'Assens est fort curieuse d'archeologie, plusieurs decouvcrtes d'antiquites diverses, ayant 
deja ct6 faites dans ses environs cntre autres d'un cimetiere burgondc pres de la vieille 
eglise. Rien d'dtonnant donc ä ce que les hommes chargcs du d^blaiement mettent im 
int^ret intelligent ä leur besogne, ä la grande satisfaction de M. Nxf. De ces couches com- 
prises entre la calotte et le noyau sepulcral proprement dit, on a rctirö un petit nombre 
d'objets dont les principaux sont : un bracelet de femme, en broncc. Une fibule, en bronze 
cgalemrnt, dont l'arc Elargi en lorme de fuseau est creus6 d*une nervure dont rien n'Etablit 



223 I90I 

la destination : eile pourrait avoir servi ä sertir des ddcorations, mais il n'a pas 6t6 trouv6 
trace de celles-ci. Les deux faces du fuseau portent des dessins triangulaires dont Pint^rieur, 
de deux en deux, est verg6 de traits paralldes. - - Un umbo de bouclier. Aux d^bris de 
bronze de cette piece adh^rent encore des traces de cuir. Cet umbo est formö d'une partie 
centrale circulaire d^environ quiiize centimetres de diametre, saillante au milieu, au pour- 
tour percille de trous d^coratifs, et d'anneaux concentriques qui devaient 6tre empris dans 
k cuir du bouclier ou cousus ä sa surface. On distingue sur ces anneaux, d'ailleurs fort 
droits, des dessins analogues k ceux qui oment la fibule. — Un maillon (?) en fer. — 
Quelques morceaux de poterie jaunätre et rouge sale; ces morceaux ont 6t€ recueillis 
sur Ic fond meme du tumulus, en dehors du noyau qui n*a pas encore 6te ouvert. Enfin 
des d^ris d*os humains Calciums. 

Ajoutons quo dans Thumus de la surface on a trouv^ un batz de 1830 et un briquet. 
Le tumulus d'Assens avait un diametre de vingt metres ä la base et une hauteur 
tfenviron i m 90 ä 2 mötres. Le noyau de pierres a une hauteur d'environ i m 60 et 
un diametre de cinq ä six metres. II parait en effet präsenter une forme plutöt ovale et 
avoir sa pente vers le sud plus abrupte que les autres. Les blocs qui le forment pesent 
jnsqu'a cent et peut-etre cent cinquante kilos, tandis que les pierres de la calotte en pesaient 
au plus quinze ä vingt. Enfin, le pourtour ext^rieur est marque au ras du sol par une 
dizaine de blocs qu'on n*a pas encore degages. (Gaz. de Lausanne, 24. VI. 1901.) 

— Chiilon. Die archäologische Untersuchung dieses alten Feudalschlosses, einzig in 
seiner Art, nähert sich ihrer Vollendung. Der soeben erschienene 8. Bericht über die 
Thätigkeit des Restaurationskomitees enthält viele interessante Thatsachen. Im Laufe des 
vergangenen Jahres wurde die Nordecke und ein Teil der Ostfront, das heisst an der Land. 
Seite, in Angriff genommen. Die Nordecke des Schlosses war als sogenannter „Kirchhof" 
bekannt. Ein Hof wurde hier erst im 16. Jahrhundert angelegt, als Begräbnisplatz hat er 
iber nie gedient. Bis zu dieser Zeit stand hier ein Gebäude, bewohnt von der herzog- 
lichen Begleitung und wahrscheinlich auch der Geistlichkeit. Nach Entfernung des Mauer- 
bewurfes wurden die schönen Wandmalereien, Kamine und Bogenfenster blossgelegt, welche 
zwecks Anlage eines das ganze Schloss verbindenden Rundganges von den Bernern zuge- 
mauert worden war. Die grösste Ueberraschung sollte die Aushebung des Schuttes liefern. 
Etwa zehn Meter unter dem Niveau des Hofes stiess man auf einen Glacis, der jedenfalls 
weiter als das 13. Jahrhundert zurückreicht. Die mächtige stark geneigte Mauer war einst 
von den Wellen des See bespühlt und ist etwa bis zur Mitte der Ostfront blossgelegt. 
Hier befinden sich jetzt noch benützte Gebäude, welche momentan die Verfolgung dieses 
iltcstcn Bollwerkes verzögern. Vom 13. bis 15. Jahrhundert hiessen die den „Kirchhof" 
bedeckenden Gebäude : Domus, auch Camera clericorum, zu ebener Erde, und pelium oder 
magna stupha im Stockwerk. Hart daneben liegt die Kapelle und darunter eine gänzlich 
^rschOttete Krypta, aus dei- gleichen Epoche. Nach Entfernung der Schuttmassen wurden 
in letzterer gegen Süden eine zugemauerte Thür entdeckt, welche imter den sogenannten 
»Misthof" führte. Auch dieser Hof wurde ausgehoben, obwohl keine Notiz, keine Aufzeich- 
<wng in den Rechnungen, keine schriftliche oder mündliche Ueberlieferung einen Anhalts- 
punkt geboten hätte über das was sich darunter finden könnte. Um so grösser war die 
Ueberraschung. Hier stand eine gewölbte unterirdische Halle, in Konstruktion und Aus- 
dehnung derjenigen Bonivard's (auf der Westfront gegen den See) vollkommen identisch, 
»mit aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammend, die sechs Bögen, welche die Halle 
■öttzten, waren eingestürzt, wahrscheinlich durch das grosse Erdbeben anno i486, das auch 
<ten Südturm und die östliche Ringmauer stark beschädigte, wie aus den Reparaturen, 
weiche daselbst zwischen 1586 und 1590 gemacht wurden, hervorgeht. Alle Deckenstücke, 
Slulen, Wölbsteine und Widerlager sind erhalten, so dass an der ganzen Konstruktion, trotz 
dem Fehlen jeder Nachricht, kein Zweifel sein kann. An der Schlosseite (Westen) dieses 
Gewölbes zieht sich der erwähnte Glacis hin, während die Ostfront, gegen den Schloss- 
iraben, mit Schiessscharten versehen ist. Die Ausgaben für Restaurationsarbeiten etc. be- 
Befcn sich im Vorjahr auf 46000 Fr. wovon 25,000 Fr. vom Staat und 21,000 Fr. von Seiten 



224 ^9« 

der Association für die Restauration des Schlosses. Besucht wurde das Schloss von 31^,907 
zahlenden Personen; an Sonntagen ist bekanntlich der Zugang gratis und infolge dessen, 
im Sommer wenigstens, enorm. Der besuchteste Tag war der 3cx August mit 437 zahlenden 
Eintritten. (Basler Nachrichten 29. VI. 1901.) 

Thurgau. Auf der Burgstelle von Altenbu'g bei Altenklingen (vide die Architektur- 
nnd Kunstdenkniäler des Kantons Thurgau S. 8) sind im Sommer d. J. durch Hm. Heinrich 
Heer in Märstetten Ausgrabungen vorgenommen worden, über deren Ergebnisse Hr. Pro- 
fessor Dr. O. Schulthess in Frauenfeld berichtet: ich glaube einen Nord- und Sfldturra unter- 
scheiden zu können. Die Mauern waren sehr stark. Da Altenklingen von Osten leidit 
besch liehen werden konnte, glaube ich hier ein Vorwerk annehmen zu dürfen. /?. 

Wallis. Chromque des fouilies de St Maunce. — Lors des fouilles pour les fonda- 
tions d'une maison ä Lavey, j*ai pu y constater deux pav6s romains: Tun fait de briquc 
pilee, avec surface unie, d'un beau rouge, est ä i m. 10 en contre bas de chemin, et 
Pautre, qui est d'un interOt bien superieur et qui fait supposer un certain luxe tfintirieur 
d'appartcment, est ä 0,50 m. II se poursuit sous le chemin et attend des fouilles ulteri- 
eures. On y trouve une couchc de beton tres solide, puis une aire d'un mortier fait dt 
chaux et de briquc pilce, portant un elegant pave execute en foug^re. Ce sont des mor- 
ceaux de briquc rouge et de marbre noir de 0,07 de long sur 0,015 de large, places de 
champ. Cc pav6, dont on peut voir un specimcn au musee des fouilles, reproduit absolu« 
ment le procede de certains pavages d'interieurs d'appartements au Forum, ä Rome. 

Le musee installe dans la tour, qui t»st elle-mcme une merveille arch^logique, est 
destine non seulement ä garder les objets trouves dans les fouilles ou se rapportant k Phis- 
toire de TAbbaye, mais aussi tous les sou\ enirs des Nantuates dont St. Maurice panüt 
avoir ete la oapitale avant et apres la conqucte roniainc. Je viens d'acheter d'un rötamcur 
un beau celt, provenant des Nantuates, une hache cn bronce dont la date approximative 
peut ^tre mille ans avani Jesus Christ. Elle a ctc tmuvöe ä la montagne de la commune 
de Vionnaz et fait pendant au musee des fouilles a un autre celt plus 6l6gant, trouve au 
dessus de Notre-Dame du Scex et savamincnt dtcrit par M. Leon Franc, chimiste ä Mon- 
they. Le musee des fouilles ouvrr gracicuseiiient si's portes ä tous les donateurs. 

Chan. Bourban. 

— Les fouilles de Bois-Xoir et k Tnuredinmut. Cnäce ä la bicnveillance de la Direo 
tion des travaux des forcc? inotrices du Rhone, 11 in'a ete donn^ d*examiner tout ce 
que cette immense fouille ä travers la plaine pouvait nous rövöler au point de vue de 
rhistoire. 

Des digues mises au jour dans le deforict-ment d*un tcrrain ; deux chCnes d^couverts 
dans le canal des forces inotrices, a 5 metres au-dessous d'un marais, m'ont permis, Tannde 
derniere dOja, de döniuntrer que le Rhone deorivait autrefois une demi-circonference entre 
deux cönes de dejections beaucoup nioins elevcs qu'aujourd'hui et que ses flots venaient 
baigner le champ des Martyrs, ä Verolliez. C'est ainsi que Tavait vu le moine anonyme 
qui, au VIe siecle, donna une nou\elle redaction aux ., Actes" des Martyrs d'Agaune. Et 
un pocte chretien avait chante, dans un hymne, les flots du sang des martyrs rougissant 
Tonde du Rhone. 

Une nouvelle deconvcrte contirnie mos cimclusions de l'annee derniere, et nous ap- 
porte une nouvelle preuvc pour la dctermination de l'emplacement de Peboulement du 
„Tauredunum". 

Cet evenement a ete rapporte par 2 historiens contemporains du fait: Gregoire de 
Tours et Marius d'Avenches, dont le ditK-ese eut ä sontfrir, sur ses confins, de Tepouvan- 
table catastrophe. L*un et l'autre placent en Valais l'endroit de Teboulement. Gregoire 
de Tours nous dit que le chiUeau du ,,Tauredunum" etait sur un munt d<miinant le Rhone, 
et Marius que le „Tauredununi'* etait dans le territoire du Valais. 

Voici en abrcgö le recit des deux chroniqucurs: 

Dans le territoire du Valais, dans un endroit oü la vallce du Rhone est resserree, 
la montagne du „Tauredunnni", apres un nuigissenicnt qui s'elait fait entendre pendant 60 



225 «PI 

jours, sc d^tacha, eusevelissant sous ses d^combres le bourg fortifid et les villages voisins 
tvec leurs habitants. L*6boulement ferma enti^rement le lit du Rhone qui, refoule, monda 
laplaine. Mais lorsque le fleuve parvint ä rompre cette immense digue, la plaine infdri- 
ciirc fut ddvast^e. Les eaux du lac s'deverent ä une hauteur teile que les villages assis 
snr les rives du Ldman furent pareillement inond^s. Dans la ville de Gen^ve, les moulins 
et les b&timents des bords du lac furent gravement endommag^s. Une trentaine de meines 
qui vinrent fouiller sur les d^combres du „Tauredunum* furent ensevelis sous un second 
äwulement 

Teiles qu'elles sont racont^es, ces inondations sur les bords du Leman ont soulev6 
des doutes sur la possibilitö d'un debit d'eau sufBsant, foumi par le Rhone refoul^, pour 
produire un pareil exhaussenient du niveau du lac; et des savants ont ainsi 6t6 amen^s, 
malgr^ les paroles du texte historique, ä placer reboulement sur les rives du lac, entre 
St-Gingolph et Meillerie. 

II semble que le texte des chroniqueurs serait mieux expliqu6 si Ton admettait un 
tremblement de terre produit par les mömes causes que ceux de Vi^ge et de Brigue, au 
siide demier. Ce tremblement de terre aurait provoqu6 T^boulement du „Tauredunum**, au- 
dessus de St-Maurice, et, se prolongeant dans la montagne jusqu*a Meillerie, il aurait, par 
üD ^ulement dans le lac ou une commotion formidable, produit d'immenses vagues 
suivies d'une s6rie d*oscillations semblables ä une mar^e soudaine. 

Les derni^res decouvertes faites ä St-Maurice semblent confirmer que la catastrophe 
s'est bien produite „dans le territoire du Valais", comme le dit Marius d'Avenches. Et les 
forts de St-Maurice indiquent combien les Romains et les Burgondes ont eu Tceil juste 
lorsqu'il pla^aient, selon Texpression de Gr^goire de Tours, le „castrum", la forteresse, sur 
ie mont qui dominait le Rhone et la voie romaine. 

Lorsque, T hiver demier, Ton creusait pour les fondations de l'usine des forces mo- 
triccs pres de la ligne du chemin de fer, on mit au jour une quinzaine de grands arbres, 
1« plupan des ebenes, deracines et jetds en cet endroit ä Tepoque d'un cataclysme. Ils 
Öaicnt ä dix metres environ au-dessous du niveau du sol actuel. 

Des si>urccs abondantes et des filtrations du Rhone les avaient conserv^s comme 
les eaux des lacs suisses ont garde les pilotis des habitations lacustres. Les diverses 
Cööches de ten*ain, placöes au-dessous de ce niveau, bien rendues par la Photographie, con- 
finnent la fid^lite du r^cit de la grande inondations du Rhone, lorsque le fleuve refoul^ 
est parvenu ä rompre Tobstacle. 

Ce cöne de d^jection du Bois-Noir a ete surdeve encore par des ^boulements poste- 
lieuR. 

Le plus important a cte celui de 1635. La moiti^ de la Dent de „Novierroz* des- 
«cndit sur le glacier^ puis roula dans la vall^e avec un fracas epouventable. De noirs 
toort)illons de poussiere obscurcissaient l'air sur toute la largeur de la vallee du Rhone 
JOqtfa la Dent de Mordes. Les habitants du village d'Evionnaz construisirent alors, sur 
*» Moc descendu de la montagne, la chapelle de Saint-Barth^lemy avec sa sacristie, que 
1*00 voit encore. 

Le Rhone renon^ant ä lutter contre ces 6l6ments d^vastateurs, fixa son lit, proba- 
Wcment d^jä au VIe siecle, au pied du contrefort de la Dent de Mordes, et le cöne de 
^"jections du Bois-Noir le domine d'une hauteur de 150 m. 

Voici maintenant le sort des grands arbres trouvds dans le canal des forces motrices 
w Rhone, ä Textr^mite de ce cöne de dcjection. Apres ötre rest^s dans Toubli depuis le 
»le sifecle, ils ont resiste ä la drague, vaincu Tune des plus fortes machines de fouilles 
•onnucs en Suisse. Debites ä coups de dynamite, ces chönes arch^ologique ont servi de 
Ws ä brüler au bureau des forces motrices et dans les maisons du Bois-Noir. 

Cepencjant, Tarch^ologic a eu sa part. Apres avoir pris des couches du terrain des 
lAotographies qui me permettront d'illustrer un travail plus daaille sur ces eboulements 
t Fanden cours du Rhone longeant le champ des Martyrs, j'ai fait tirer^de cette profon- 
nir deux immenses troncs dont Tun a plus de i m^tre de diametre. A grands frais, ils 



1 



ont cte inslalles au Mos^e des fouilles de St-Maurice, Je me ferai un plaisir de les montrer 
aux amis de l*histoire et aux bienfaiteurs qui voodront bieii m'alder de leurs aumöne^ 
dans i*oeuvre des fouilles aux basiliques de St-Maurice d^Agaune. 

Ga2. du Valais, 32. VI. 1901. Chanoine Bourban. 

St. Gallen. Mels, Kürzlich sti essen Arbeiter, die mit Grabarbeiten för die nc\» 
Wasser! eilungsanlage des Dorfes Mels im Kanton St, Gallen beschäftigt waren, in umnitte' 
barer Nähe dieses letzteren In einer Tiefe von 114 Centimetern auf ein menschliches Skelci 
Bei diesem lag ein Gefäss aus Thon, Ein Teil der Knochen zertiel bei Lufttutriti, währm 
der andere Teil, aus Schädel-, Arm- und Oberschenkelknochen bestehend, nahezu unver- 
sehrt blieb. Die Länge des Skeletts betrug 168 Centimeter. 

Q raub Linden. Bei Erdarbeiten in Pontresina fand man an der alten Strasse i*> 
in der Erde^ eine Silbermönze aus der Zeit Trajans. Laut einer Korrespondenz des J 
Express^* trägt der Avers das Bild des Kaisers und hat die Aufschrift: Impcratore Trajj 
Augüsto Germanico Dacico. Der Revers zeigt das Bild der Ceres und die Aufschrifti 
ConsuL yuint. P, Q. R. OptiriL Prim. D\g Münze ist im Besitze des Hrn. Pfr. Saratz. 

Schwyz. Ft4nfi aus der Franzostnmit i'^g<^ \n Unterägeri wurde vor drei Wochen 
in einem Bauernhause auf den sogenannten Höfen anlässlich einer baulichen Veränderung 
bei einem Kamin ein kleiner Sack^ enthaltend sechs Paar silberne Schuhschnallen, mehrere 
wertvolle alte grössere Goldstücke und goldene Ringe, gefunden- 

Bund, 16. VIL igoi 

Tessin. Les Iravanx de restauration du chateau d^Unterwald, ä Bellinzone, ont r6 
ussi au dela de toute attente et 011 demande qiie la meme Operation soit faile pour le dil- 
teau de Schwytz. Ce chäteau, en grande pariie masquc par les maisons bäties au picd 
des haute urs qui dominent Bellinzonc a Test, est le plus interessant et le plus beau tltr 
ouvrages qui constituaient les anciennes fortihcalions de la ville, mais c*est aussi celui qiu 
a le plus souffert des atleinles du temps. On esp6re qu*il n*cst pas trop tard et que TEw 
fera le necessaire, avec fappui de ceux qui tiennent ä conserver ce monumcnt historiqu«. 

Gaz, de Lausanne 30. IV^ 1901. 

Eug. Der altt ZeittHrnt der I^lttupistttdi t/es Zti^'trlatuks ist aut seiner Vorderseite 
einer gründlichen Restauration unterworfen worden, aus der er stilgemäss, gleichsam ver- 
jüngt hervorgegangen ist. Dieses alte zugeiische Baudejikmal hat seine Geschichte. Vide 
hundert Jahre zogen au diesem Turme vorbeii zahllose Stürme brachen sich an seii»w 
festen Mauern und dennoch steht er heute im Sonnen glänz so schön da wie nie zuvor. 

Ehedem, als Zug gegenüber den demokratischen Länderkantonen noch ein startet 
österreichisches Bollwerk war, bot es durch seine Ringmauern, Fürme und Gribcn cu 
malerisches Bild dar* In das frühe Mittelalter fällt warscheinlich auch die Er?«ö- 
ung des Zeitturmes, der ursprünglich die damals übliche Form eines gewöhnlichen 
Turmes hatte mit Fallgatter und Mauerbekrön ung. Als durch die Burgunderkriegr gm^e 
und reichliche Beute gemacht und verteilt wurde, schickte sich auch Zug an, seiner all«* 
Befestigyngsanlage eine andere Physiognomie zu geben* Im Jahre J480 wurde durtiilUns 
Felder aus Württemberg, Sladtbaumeister in Zürich und Erbauer der St. Oswaldkirdvt, 
die Ringmauer erweitert und der Zeittürm einer Um- und Höherbaute unterworfen, durch 
die er eine Plattform mit Zinne und Ecktürm chen erhielt, wie es das Bild von Süimp* 
(1546) nachweist. Sodann worde (Welfling Galdschmid) 1557 nach Ratsbeschluss da^ 
Gebäude nochmals einer Revision unterstellt- Die Zinnen brach mau ab und dem lunfi 
setzte man ein Satteldach (Käsbisse) mit Helm auf In dieser Form steht er heule nwch- 
Es ist ganz begreiflich, dass Jung und Alt Freude an dem Turm hat, denn diese Thorbftuic« 
besonders der untere Teil, ist gewissermassen verwachsen mit allen Perioden der lugc- 
rischen Geschiche. Ab stummer Zeuge hat er all die verschiedenen K31 1 vcii 

Stadt und Amt durchgemacht* Die Mordnaclit auf der Löbern (1275), die Bt - ly^p 

durch die Eidgenossen (1352), die nächtliclie Uebernimpelung beim Siegel* und P«nnö* 
handel (1404), den Untergang der Altstadt ti43$K die zahlreichen Auszöge der zugcn*<'^ 
Kriegsharste im alten Zürcher-, Burgunder- und Schwabenkriege, 



n 



227 '9^^' 

Durch dieses Thor zogen einst die historischen Magistrate des kleinen Freistaates: 
die Koline, die Steiner, Schwarzmurer, Schönbrunner und Zurlauben in festlicher Amts- 
tracht zur souveränen Landsgemeinde; durch dieses Thor, unmittelbar ob der alten zuge- 
rischen Curia gelegen, wandelten die einst vom Blut- und Malefizgericht zum Tode Verur- 
teilten ihren letzten Gang; da zogen auch vierhundert Jahre lang die vierzig Senatoren des 
einst mächtigen Stadt- und Amtsrates zur Ratssitzung durch, und heute noch durchschreitet 
die feierliche Fronleichnamsprozession in geordnetem Zuge alljährlich dieses uralte Turm 
ge wölbe, um der Altstadt die solenne Benedi ction zu erteilen. Was die Musegg den Lu- 
zernern, der Munot den Schaflfhausern, das ist der Zeitturm den Zugern, das Wahrzeichen 
der Stadt und der Liebling des Publikums. 

So hat sich nun der alte Recke angesichts des neuen Jahrhunderts in ein neues 
Staatskleid geworfen. Die Firma Schmidt & Söhne in Zürich führte die Malereien aus. 
Hoch oben, neben der düstem Wachtstube, wo ehemals ein Hochwächter hauste und Ober 
Stadt und Land strenge Obacht hielt, befinden sich zwei muntere Windblaser. Unterhalb 
dem Gesimse erblicken wir zwei Schildhalter in Engelsgestalt und verschiedenes Dekora- 
tionswerk. Zu beiden Seiten des Zifferblattes und der astronomischen Uhr sind zwei mäch- 
tige symbolische Gestalten angebracht. Ein Gerippe in sitzender Lage, die Sense drohend 
haltend, repräsentiert den Tod, die unwiderstehliche Macht, die nach unumschränkter Frei- 
heit seit Jahrtausenden über die Menschen gebietet, alles Staubgeborene zerreibend wie 
Mörtel. Auf der entgegengesetzten Seite schaut man eine hübsche Frauengestalt auf einem 
Rade stehend, in der einen Hand die Sanduhr, in der andern Hand die flammende Fackel 
emporhaltend : die Zeit. Unterhalb eines plastischen Gesimses, in vier durch kleine Säulen 
geteilten Feldern, prangen in bunter Farbenpracht die Wappen und Schilder der alten acht 
Orte der Eidgenossenschaft, jener historischen Republiken, welche Jahrhunderte lang die be- 
rufenen Träger der Machtfblle des Staatenbundes waren, gleichsam das Mark Helvetiens 
bildend. Ueber dem eigentlichen Thorgewölbe wurde ein alter heraldischer Reichsadler, 
vom Jahre 1519 datierend, als Schlusstein eingemauert. Zürcher Post^ 30. VI. 1901. 

IV. Verschiedene Miffeilungen. 

Ein Orabsfein^Fragmenf vom alten Judenfriedhof in Bern. 

Am westlichen Ende der heutigen Amthausgasse, die bis in die sechsziger Jahre 
Judengasse hiess, und auf dem Platze, worauf heute der Bundeshaus-Ostbau steht, befand 
sich im 13.— 15. Jahrhundert der israelitische Friedhof. Den Boden des Bundeshaus-Ostbau 
hat nach einander ein Teil dieses Friedhofes, dann das sog. Inselkloster der Dominik'mer- 
innen, so geheissen von seinem früheren Sitz auf einer nun verschwundenen Aarinsel, und 
dann das nach der Reformation an Stolle des Klosters getretene Inselspital eingenommen. Ein 
Kaufbrief vom Jahre 1323 bezeugt, dass die damalige Priorin Bertha von Burgdorf von 
Joh. V. Lindnach 7 16 des alten Judenkirchhofs neben dem Judenthor mit dem darauf- 
stehenden Haus und der Halde um 175 Pfund erworben habe (v. Rodt, bernische Stadt- 
geschichte, S. 174^. Schon anlässlich der Fundamentierung des Bundeshaus- Ostbau ist 
das Fragment eines hebräischen Grabsteins zu Tage getreten, das sich im historischen 
Museum befindet. Ein zweites, umfangreicheres Bruchstück eines solchen, das wir seiner 
Ornamentik wegen kaum über das 15. Jahrhundert hinauf datieren dürfen, wurde am 
2^ Mai d. J. auf dem Areal der zur Erweiterung des Platzes vor dem Parlament-gebäude 
abgetragenen Häuser am obern Ende der Amthausgasse gefunden. Wir geben dasselbe 
hier in vortrefflicher photographischer Abbildung wieder, welche wir der Gefälligkeit des 
Lithographen Herrn H. Guggenheim in Zürich verdanken. 

Die Entzifferung der Inschrift, die Herr Prof. Dr. theol. K. Marti zu übernehmen die 
Güte hatte^ bot nicht unbedeutende Schwierigkeiten. Nach Abteilung der Worte und nach 
zu vermutenden Ergänzungen würde sie deutsch etwa folgendermassen lauten: 



228 



1901 



D«r Stein, 

das Werk 

eines KOnsÜers, zu einem Siegel, 

einem eingegrabenen und deutlichen: Ihm zur Frau 
war die Weise (ha Chakama ist vielleicht Eigenname), 
ihrer Seele! Sie ist eingegangen zu {ihrem Volk) 
(empfängt) ihre Hoffnung und (ihren Lohn). 



Heil 



.w/ 



/ 



I \ 



^ 



Fig. 131. Jüdisches Grabstcinfragment aus Bern, 



Ein ^«Gobelin** aus Solothurn. 

Im Nachlasse von J. Meyer-am Rhyn aus Luzcrn befindet sich eine kleine Täpisscncj 
Sie zeigt in noch gut erhaltenen Farben unten die Haupt wappen links der Wallic 
w Grissach und rechts der von Roll. Darüber befinden sich in kleinerem Format links d« 
Wappen der von Affry aus Freiburg und rechts der von Offenburg aus Basel. Unten stet 
die Jahrzah! 1599, Zwischen den Wappen befindet sich eine Blomcnvasc mit einer Pflanz 
die sehr stark nach oben strebt und sich dann nach den beiden Seiten in mehrere Ranke 
verästelt. Aus dem untern Rande sprossen eine Menge von kleinen Blumen und Aehre 
empor. Das Stttck ist quadratisch; eine Seite misst etwa 60 cm Der Stand der Erhaltun 
ist ein guter. 

Die oben genannten Familien waren in doppeller Weise verschwägert, Peter Wallis 
hatte sich 1552 nnt Elisabeth von Affr^^ vermählt, und aus dieser Ehe waren die bcid€ 
Söhne Jakob und Peter hervorgegangen. Hieronymus von Roll, der bekannte Schük 
Glarcans, hatte eine Esther von Offenburg zur Gemahlin und zeugte mit ihr neben ein^ 
Reihe von andern Kindern dir beiden lOchter Barbara (f »601 im Solothurnerbad) uu 
Rosa It 1608). Die erste vermählte sich nun 1583 mit Jakob WalUer und die zweite 159 
mit Peter, dessen Bruder, Letztere Ehe, auf die man ^^x\ „Gobelin** beziehen möchte, 
die Arbeit aus Frankreich stammt und Peter Hauptmann in französischen Diensten wj 



229 I90I 

•hrt nicht eines romantischen Zuges. Der Venner Hans Jakob von Staal hatte nämlich 
dem Tode seiner ersten Frau von Rosa von Roll ein Heiratsversprechen erhalten, 
hcs die Braut aber zu Gunsten von Peter Wallier brach. Der Venner verschaffte 
jm Zorne darüber in zahlreichen Epigrammen gegen die „conversa in spinas" Luft, und 
lachte sich später noch bei manchen Gelegenheiten, nicht zuletzt im sogenannten Kluser- 
lel, der traditionelle Familiengegensatz zwischen den von Staal und den von Roll 
»ar. 

Les fouilles dans rEglise de Cossonay. 

Une ancienne tradition rapportait que sous le choeur de l'^glise de Cossonay, existait 
aveau dont Tentr^e, devant la table de communion, 6tait ferm^e par une dalle, et celle- 
asqu^e par le plancher. 

Avec Tautorisation de la Municipalitö et du Conseil de paroisse, le Comitd du Mus6e, 
renait de se constituer, entreprit des fouilles. 

M. Naef, ach^ologue cantonal, d*accord avec la tradition, conseillait de lever deux 
:hes sous la table de communion: efifectivement, apres avoir enleve une couche de 
lai de vingt centim^tres, sur laquelle repose le plancher de l'^glise, la dalle indiqu^e 
lise ä d^couverte. 

La boucle de fer en a 6t€ arrach^e, et Tun des angles bris6, indique qu'une tentative 
ä 6t6 falte pour p^n^trer dans ce caveau. Enfin, la dalle lev6e, nous trouvons la ca- 
remplie de mat^riaux de d^molition. Je passerai sur les d^tails touchant le d^blaie- 

de rescalier et du caveau (plus de vingt mfetres cubes). 

Le caveau en question, ä peu pr^ carr6 (trois m^tres sur trois m^tres soixante), 
oüt6 (deux metres de haut au sommet de la voüte). 11 est construit en tr^ beau 
5t semble enti^rement neuf, bien qu'il remonte certainement ä une 6poque tres r^ 
, bien ant^rieure ä la R6formation. On y penetre par un escalier de huit marches 
Touverture est de cinquante-huit centim^tres de large sur un m^e sept cm de long. 
Dnd du caveau, en face de Fescalier, ä un metre quarante au dessus du so), s'ouvre 
rifice de cinquante-un centim^tre de haut sur soixante-six de large, donnant dans un 
ir de quatre-vingt-deux centim^tres de large^ se prolongeant horizontalement sur une 
leur de deux metres quatre-vingt-cinq ; le plafond en est constitu6 par le plancher du 
ir, et les murs d'une ma^onnerie assez ordinaire, bien diff(6rente du caveau' ci-dessus. 

Les materiaux etaient en grande partie compos6s de d^ris de dalles provenant pro- 
rment du choeur de T^glise et de la d^molition de Tautel. C'est 6videmment lors de 
6formation que les Bernois, maitres dans Tart de piller les ^glises, cherch^rent ä 
trer dans ce caveau, ä la recherche d'objets precieux; ils commenc^rent par faire un 
au millieu de Tentree de Tabside, sous le magnifique banc ä jambes torses en arri^re 
i table de communion. Ce trou existe et se voit au sommet de la voüte du caveau ; 
tt€ rebouchd au moyen d*un gros bloc brut, non taille. Qu'ont-ils trouve de prdcieux? 
i n'en savons rien. Une fois le pillage termin^, pour ne pas sortir les matdriaux de 
)lition, ils les jetdrent dans le caveau. 

A part les d^bris de dalles, nous avons trouv6 deux morceaux de mollasse taill^s, 
t>'le gothique, mais d'un autre style que les parties gothiques de T^glise actuelle, outre 
un fragment de colonncs et un projectile de pierre pour catapulte. Que faisait-il ici? 
lait qu'ä Torigine les tours d'eglise servaient souvent de tours de defense. Y a-t-il eu 
^e autrefois une tour pareille ä notre (iglise ? 

Dans le fond du caveau, sc trouvait une assez grande quantite d'ossements. On 
ait constater qu'ils avaient cte repousses dans les angles et dans les bords du caveau 
t le remblayage. 

La partie la plus interessante est certainement le couloir paitant du caveau et dont 
avons indiqu^ les dimensions plus haut. L'extr^mit^ la plus doign^e du caveau 
ipondait sous le maltre-autel, et ctait destinee ä recevoir les reliques saintes, ou le 
ir lui-mcme a servi de s6pulture ä un personnage d*une grande importance. Or, dans 



230i^ 



les membres tnarquants de td £uiiUle de Cossonay, il en est detix qui otit ci€ ^v^üttdt 
Lausanne, Situation ir^ 6levee, puisqii* Us porlaient le titre de prince-fv^ijiic. Lc premier, 
Jean de Cossonay, mort en 1273 a ete enseveli daas la cath6drale de Lausanne, qti*ilavaif I 
r6staur6e. Une sepulture dt^couverte vers i8Öo, dans Tabside, lui est attribu^e. LescconJ^J 
Aymon de Cossonay, mort en 1375^ a ete, dit la tradition, enteire ä Cossonay; il avait 
conserve des relatioiis tres suivies avec sb famille et sa viHe natale, et s'en occupaitbcau* 
coup. Nous avons aussi song^ ä la Dame Jeanne de Cossonay, dont le souvenir sjth- 
pathique a traverse les sitcles, gräcc ä son esprit bienveillant vis ä vis des habitants dr 
Cossonay et ä la honte qu'elle a montrde lors de Tincendie de Cossonay* Son testametvt 
est daie de Rougemont, dans le Comte de Bourgogiie, le 6 avril 1406, et eile mourut peu 
aprds; dans son testanicnt eile exprime le desir d'^tre ensevelie ä Cossonay „aupr^s ( 
son eher man" dans la chapellc dot^e par ses anc6tres. Et si cette chapelle etah ^ 
I'Eglise, et non dependante du chäteau comme c'est aussi possiblc, eile a dO C-tre enscv 
avec les autres membres de sa famille. 

Soit dit en passant, il nc serait pas impossible, qu*elle eiH participd pour la pl<i& 
gi*ande part ä la construction du clocher de Feglise, qui a ^t^ commence ä Päques 1407. 
en effet^ Cossonay qui venait de se relever de ses cendres, ne devait pas e^tre en i*tat dtj 
faire une pareille d^pense. 

Pour conclure, nous avons la conviction d'avoir deixjuvert lä la sepulture d'AjTna 
de Cossonay, <5vßqye de Lausanne. En deblayant ce couloir, nous sommes arrives sur Id 
restes d' un corps dans un ^tat de vetuste tres prononcf. Les tibias et les fdmurs sei^ 
pouvaicnt ^tre encore isol(§s de la teixe qui les decouvrait; le rest des os faisait corps avc 
la terre et s'effritait avec eile ; par leur position, on voyait que le corps n'avait jamais i 
d^plac^ depuis sa misc au tombeau ; entre le corps et le sol du couloir, une couche de I 
pourri, probablement [es restes d'uii cen'ueil Des vetements sacerdotaux et des 
soires, Crosse, mitre, bague de plomb, den ; ils avaient dO etre enlevfe lors de la prt 
fanation des sepultures; il ne restait que quelques fragments de cuir, peut-arc dd 
chaussures. 

Pour revenir au caveau^ le sol qui primitivement devait etre recouvert d^unlitdcj 
mortier avait €t^ fouille et houlevers^. La destination du cavcau nous a beaucoup tm-^ 
barasses et nous laissons ä d'autres, plus comp^tents que nous, le soin de traachcr 1 
question. loutefois, qu'il nous soit permis de faire remarquer que, etanl donn<Je sa i 
tuation dans Faxe de Teglise ä proximit6 du maitre-autel, tout fait supposer que c*Äait J 
tombeau de la famille des Sires de Cossonay, k moins, comme je Tai dit, qu'il n'y eüi i 
une chapelie dans leur chäteau et un tombeau dans celle*lä. 

Actuellement ces ossements, ä qui que ce soit qu*ils aienl appartenu, ont ete soigncu*e| 
ment r^cuiUis et plac6s dans le tombeau d'Aymon de Cossonay, oü ils dorment de k^§ 
dcrtiicr sommeil prot^g^s des mains profanes par une grille, au travers de laquellc ils ^ I 
gardent les visiteurs de leurs orbites creux avec leur rictus ironique et silencicux. 

Outre la constation de cette sepulture, il nous a €i€ donn6 de decouvrtr autrediosej 
de tres interessant; ce sont les fondations d*une abside d'une ancienne 6glise compUt^j 
ment ignoree de lous ceux qui sc sont occup^s de Thistoire de Cossonay Cette ateid*! 
part du pilier de ta chaire, et se trouve coup6e par le caveau ; Taxe en est parallde ä I'mm 
de Teglise actuellci et est par cons<5quent d'une eglise plus etroite et phis petitc. Lc fo» 
d'une sepulturei dans cette axe, dcvant la chaire, demontre que le sol de T^gÜse prirr 
dtait d'environ septante ccntimetre au-dessus du plancher actuel ; ce fait est confinwi^ 1 
Tabaissement du sol autour de l'eglise, abaissement qui a ete ex6cut^ ä plusieurs repri 
Nous profitons de Toccasion pour corriger une erreur tr^ repandue. Beaucoup de ] 
sonnes croient r<§glise bien plus reccntc quelle n*est. La grande nef» avec ses grosses < 
lonneS; rcmonte k une haute antiqutt^, vers Tan iiooj probablement avant m6me. Lei 
des murs, au-dessus des colonnes, avait dix petites fenetres «§troites s*ouvrant au*dessüs^ 
toit des bas-cf»tes, qui ^taient plus bas autrefois; ces fenötres, mürbes, sont encore visibT 
dans les combles des bas cötds, sous le toit. Ceci prouve que Tincendie du XIV stec 



23* 19« 

beaucoup plus de Töglise qu'on ne le croyait. C'est un magnifique monument de 

i'ajitiquite, et pas des moins interessants : il est ä d^sirer qu'une restauration intelligente 

^ ramene un peu ä ce qu'elle 6tait, et en particulier fasse disparaitre Taffreux badigeon 

^ /e cr^pissage qui la döfigurent int^rieurement, mettant ä nu la pierre dans toute sa 

s6nplicit6. 

Avant de terminer, un mot sur les differentes chapelles de Töglise. Outre Tautel 

d€dl^ ä St-Pierre et St-Paul, six chapelles occupaient Tintörieur de F^glise et avaient cha- 

cun^ des revenus particuliers provenant de donations. Elles etaient d^sservies par des 

pt^^^'es spöciaux ou par le personnel du Prieur6. C*^taient, i. la chapelle de la bienheureuse 

vicf^^e Marie, fondee par les Sires de Cossonay; 2., celle de St-Etienne protomartyr, fond^e 

paT ^icolet Perrin, de Cossonay; 3., Tautel de St- Jean Baptiste, fondee par Humbert Mugnier, 

de CZossonay; 4., celui de Ste Catherine, fonde par le clerg6 de l'^glise ; 5., celui de Ste.- 

Vlft'irie Magdeleine, fond6 par Marguerite Marpande, de Cossonay; 6., celui de St-Andre, 

fov\d^ par la famille Quinnaz, de Cossonay. 

Outre cela il y avait la chapelle de Thöpital de St-Antoine Confesseur, vers la porte 
de la Tannaz, et la chapelle de Thöpital St-Marie, hors des murs de la ville. L'autel de 
St-Etienne se trouvait dans la charmante chapelle sous le clocher, qui sert actuellement de 
r^duit ä charbon; quant ä la chapelle qui Jui fait pendant et qui recde les archives du 
cadastre. c'^tait la sacristie, qui communiquait avec Töglise par une porte, dont on voit 
encore les gonds au fond du choeur. Docteur Meylan. 

Vier Wappenscheiben aus dem Wallis. 
Vergangenen Sommer erwarb Herr Direktor Angst fiir das Landesmuseum aus 
England vier interessante Wappenscheiben des Zuger Glasmalers F. I. Müller, welche offen- 
bar ehemals eine Kirche im Kt. Wallis schmückten und deren Beschreibung wir hier folgen 
lassen : 

/. IVappenscheibe Bar her in. 
In einer Säulenumrahmung, welche in der Hauptsache von blauen Pfeilern 
mit vorgesetzten Halbsäulen und einem wagrechten roten Abschluss gebildet wird, 
befindet sich auf einem bunten Fliesenboden das Wappen des Stifters (in Rot ein 
Apfelbaum auf einem Dreiberge, hinter dem Baumstamme ein gelber Querbalken, 
in den oberen Ecken je ein fünfzackiger gelber Stern. Gelber Spangenhelm en 
face trägt auf einem rot- weissen Wulste einen mit Aepfeln gefüllten Korb. 1 leim- 
decken, rot und weiss, umschlingen zwei von unten aufsteigende, den Schild 
flankierende und mit Aepfeln gefüllte Füllhörner). Das obere Feld enthält eine 
Hirschjagd mit Fanggarn und Hunden und wird beidzeitig von je einem Paar 
blauer Säulen flankiert, welche den Kapitalen der Pfeiler aufsitzen. Unten haUen 
zwei Engel eine Kartusche mit der Innschrilt in d. B.: „Herr Bartholome i Bar- 
bcrin Gewester ; Statt schriber Anno 1 1700." 
Auf dem roten Querbalken der Architektur befindet sich ein gelbes, leicht nach oben 
gebogenes Spruchband mit dem Wahlspruche: „Fructus ex Adversus." 

Höhe 32,5 cm. Breite 20 cm. Gut erhalten, rechts zwei Risse. Trübe Schmelz- 
farbentcchnik, das unbemalte Glas gelblichgrün. 

2. Wappenscheibe BaleL 
In einer Pfeilerumrahmung, deren gefleckten Pfeilern zwei Heiligenfiguren 
und zwar links Hadrian, neben dem Schwert statt des Hammers eine Palme tragend, 
und rechts die hl. Barbara vorgestellt sind, befindet sich auf gelbem Fliesen- 
boden das Wappen des Stiflers. (In Rot ein entwurzelter, vierästiger Eichbaum. 
In den oberen Ecken je ein sechszackiger gelber Stern. Gelber Spangenhelm en 
face mit drei beblätterten langstieligen Eicheln. I leimdecken rot, gelb, blau, grün.) 
Ueber dem Wappen ein Spruchband im Halbkreis mit der Inschrifl: „Virtus 
premitur et non opprimitur." Im oberen, vom Hauptfelde durch einen blauen 
Bogen abgetrennten Felde die in Flammen auf Wolken tronende Madonna mit 



23^ »90I 

Kind, wovon jedes einen Rosenkranz hält. Sie wird verehrt links vom hl Tkm- 
nicuS; rechts von der hl. Katharina von Siena, welche ihr beide den Rosenkranz ent- 
gegenhalten. 
Im untern Felde in der Mitte eine Kartusche mit der Inschrift (1. B.): 'prudenset 
honorabilis vir | Adrianus Balet Notarius, | et Capitaneus et Ssepius | Castellanus Grimisuc 
Anno 1701." 

Rechts unten in der Kartusche signiert: „Frantz Joseph MQller F,* 
Höhe 32,5; Breite 22,5. Gut erhalten. Einige Risse und ein Notblei. Technik wie 
bei vorhergehender. 

j. IVappenscheibe Charuet, 
Zwischen zwei Säulen paaren, von denen äussere rote und gewundene 
mit Blumenranken umschlungen ist, das innere, blaue, cylindrisch gebildet, befindet 
sich über einem gelben Fliesenboden in ovalem Lorbeerkranz da? Wappen, (h 
Rot drei gelbe (Dotter ?)-blumen, je auf einem grünen Berge, oben zwei gelbe 
sechszackige Sterne. Der Schild, statt des Helmes, von mit einem geflflg^ 
Engelskopf überragt. Helmdecken rot-gelb-grOn. Ueber dem Engelskopf ein 
weisser, in Gold montierter Glaspokal.) In den obern, durch eine mit den 
Signum J H S versehene Kartusche getrennten Zwickeln links der hl Petrus, red* 
der hl. Franz von Assisi. Alle leeren Flächen mit Schnurwerk ausgefüllt Unten 
in Kartusche, welche das rot eingefasste untere Feld zum Teil bedeckt, die In- 
schrift : 
„R. D. Petrus Charuet C. G. | et Franziscus Charuet 1 Gast et Cap. Sti Leon-irdi 
Anno Domini i 1701. 

Grösse 31,5 ; Höhe, 20,5 Breite. Ein Notblei und einige Risse. 

4, Wappenscheibe Preux, 
Zwischen den auf Postamenten stehenden Heiligen Petrus und Pkuhs, 
welche die marmorierten Pfeiler der Bogenstellung beinahe bedecken, das Wappen 
Ober einem blauen Fliesenboden. (In gelbem Felde ein roter Schrägbalken, in 
welchem ein Löwe. Spangenhelm mit Wulst und Krone. Helmzierde : Wachsen- 
der Löwe, ein lateinisches Kreuz haltend. Ueber demselben Kanonikerhut (schwan 
mit vierquastiger Cordel). In den Zwickeln, welche eine grün eingefasste Cartondie 
mit dem Signum J H S trennt, links Madonna mit Kind in Mandorla (Himmels- 
königin) rechts Jakobus major. Unten zu Seiten der Inschrifhafel je ein musiiieren- 
der Engel. Inschrift : 
N. et Venerabilis Jaco- | bus preux, Canonicus | Sedunensis. F. V. Doctor j ac pn>* 
thonotarius Apos- 1 tolicus A« 1701. 

Höhe 32,3, Breite 22,3. In den Feldern der Pfeilerfiguren einige Risse. 

E, Hahn. 

Anklänge an das Mufferrechf. 

In Nr. I des „Anzeigers für Schweizer. Altertumskunde" p. 94 f. findet sich die Be- 
merkung im Artikel „Anklänge an Mutterrecht": „Es würde interessant sein zu vemehnitfi 
ob diese Erscheinung sich auch in andern Gegenden unseres Landes findet." 

In hiesiger Gemeinde (Berg a/Irchel) sind tiret dahin gehörende Fälle. 

Eine Familie Baur wird mit dem auch hier vertretenen Geschlechtsnamen Sie^ 
(Steft'elis) genannt, weil 1764 ein Jacob Baur sich mit „Margreth Steffen* verehlichtc uno 
deren Haus bewohnte. Gegenwärtig leben 4 Glieder dieser Familie ausserhalb der G^ 
meindc und das Haus befindet sich in andern Händen, aber immer noch existiert der NaO* 
Stettelis für die Angehörigen dieser Familie Baur. 

Aehnlich wird einer Familie Vaterlaus der hier sehr häufige Name Fehr beigeW 
und mit diesem letzteren genannt, als ob (fiesfr ihr eigen wäre. 1767 nämlich heirate*^ 
Hlasius Vatt-rlaus eine Kleophea Felir und dessen Sohn 1792 eine Esther Fehr. DicNacb* 



233/901 

kommen (2 Brüder) bewohnten schon lange nicht mehr das ursprüngliche Haus, aber die 
Benennung Fehr (^s'Heiri Fehre") ist geblieben. 

1817 schloss Johannes Fehr die Ehe mit Dorothea Fisler, in deren Haus ziehend. Die 
Nachkommen werden alle Fisler genannt, obwohl von dieser Frau nur ein Sohn vorhanden 
ist, von einer i8aa geehlichten 2. Frau Anna Schmid dagegen mehrere Söhne und Töchter. 
So zähe wird die vom durch Einheirat erworbenen Hause resp. deren Besitzerin herkom- 
mende Nennung festgehalten. Wismen 

Anmerkung der Redaktion, Die Mitteilungen von Herrn Pfarrer Wismer sind wohl 
eher Beweise ftir die Namengebung vom dem durch Erbschaft erlangten Besitztum als für 
Anklänge an altes Mutterrecht. Z.-U\ 

Münzfund im Jahre 1698 zu Qächlingen« Schaffhausen. 

„Anno 1698 ist in der Gegend Gächlingen in einem Wäldlin, die Hürst genannt, dieser 
Gemeindt zuständig eine hohle Eich et welchen Burgeren, nemlich Heinrich Müller, genannt 
Fuggers Beck und seine Mithaften zu Stockloofien ausgeben worden und also dicselbigc 
umgehauen und gefeilt, haben sie ein irdin Häfllin voll alter Römischer goltencr und 
silberner Müntzcn darinnen gefunden. Welches sie aber nit alsobald wahrgenommen. 
Indeme sie aber Holz zerschalten, ist ein Stuck auti' das HäOelein gesprungen und solches 
zerquetscht. Da haben sie es gewahret und sind darüber hergefallen und ein anderen 
darumb gerissen, also daß weil zerstreuet und etliche Tag hernach, wo der Baum gestanden, 
etliche Stücklin gefunden worden. IJnder andern Stucken sind Gulden darunter gewesen, 
so gross als ein französische Duplonen, aber viel dicker und schwärer, und darauft' ein 
weydender Stier oder Ochs mit 3 graßpöschen. Welche unter König Servius (?) Tullius 
gepräget oder aber doch seinen Müntzcn, so er anfangs prägen lassen, gleich gewesen. 
Und hat dieser König zu Rom zu Zeiten König Assverus oder seines Sohns Astyages ge- 
ragieret im Jahr der Welt 3567 und also vor Christi Geburth 573 Jahr. P. S. Andere 
schreiben, dass zur Zeiten Servii Tullii Cyrus in Persien geherrschet, und seye gewesen im 
Jahr der Welt 3418. Sind also diesere 2 Meinung ein anderen sehr ungleich." 

Nachtrag zu ROngers SchaftTiauser Chronik. Handschrift 525 in Einsiedeln S. 700. 
Einsiedeln. P, G. M. 

V. Litte ra tu r. 

Anzeiger für Schweizerische Geschichte. Heniiisgegeben von der allgemeinen ^cschicht- 
forschenden Gesellschaft der Schweiz. 32. Jahrgang. 1901. Nr. i und 2. 

Archiv, Schweizerisches für Volkskunde. X'iertoljahrsschrift unter Mitwirkung des Vor- 
standes herausgegeben von Ed. Hoftmann-Kreyer. V. Jahrgang. Zürich 1901. Heft 2. 
3. Alte Walliser Trachten. Von 77/. Vetter, 

Archives höraldiques Suisses. Schweizer. Archiv fQr Heraldik. 1901. Heft 3. Lombardische 
Heraldik von Pietro v. Salis-Soglio. Das Familienarchiv des Hans von Hinwyl von 
G.v, Vivis. Kleinere Nachrichten. Beilage: Genealogisches Handbuch zur Schweizer 
geschichte pag. 49—72 nebst Sit'geltafel V— VII. 

Arntz: Erhaltene Wehrbauten in der Schweiz. (Der Burgwart. Festschrift zur Jah^^sver- 
.sammlung auf der Marksburg am 23. Juni 1901. Verlag von C. A. Krollman & Co. 
Berlin W. V^ereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen. S. in. 4".) 

Bern in seinen Ratsmanualen 1465— 1565. Von Berc/itold Haller. Herausgegeben vom 
Historischen Verein dos Kantons Bctu. Zweiter Teil. Bern. Druck und Verlag von 
K. J. Wyss. 1901. 

BernouUi, Christoph, s. Fests«*hrift etc. von Basti. 

Bollettino storico della Svizzera italiana. Anno XX III. Nof r 3. vide Tagliabue, 
Motta. Artisti luganesi a Massa Marittima, p. 45. Un calice donato dal vescovo 
Bernardino della Croce, p. 45. No. 4-6: IJna moneta bellinzonese da ritrovare. 
No. 7 9: La data della morte di B»Tnardino da Luino (con osscrvazioni sui suoi tigli). 



234 



jgoi 



Brandstetter, Josef Leopold, s. Register. 

Brandt, Henri Fr^d. v. Mus^e Neuchätclois. 

Burckhardt, Daniel, s. Festschrift etc. von Basel. 

Burckhardt, Paul. Basels Eintritt in den Schweizerbund 1501. Festschrift zur Bundesfcicr 
1901. Herausgegeben von der Kommission zum Ncujahrsblatt. Basel, R. Reich, Bach- 
handlung, 1901. 4^ 

Burgen in der Umgebung von Basel. 24 Blätter auf Foliotafcln von Emanuel Bärgy mit 
begleitendem Text von Eugepi Propsf, I. Serie: Landskron, Pfeffingcn, Reichenstdn, 
Rötelen. Druck d. Polygr. Inst., A.-G. Zürich. 1901. Fol. 
Bürgy und Probst s. Burgen. 

Escher, Dr. C. s. Urkundcnbuch der Stadt und Landschaft Zürich. 

Favre, L. v. Mus^c Neuchätclois. 

Festschrift zum vierhundertsten Jahrestage des ewigen Bundes zwischen Basd nnd 
den Eidgenossen, 13. Juli 1901. Im Auftrage der Regierung herausgegeben von der 
historischen und antiquarischen (icscrllschaft zu Basel. Basel 1901. 4». 357 Seiten 
mit 66 Tafeln und lllustralioncn. Darin: Basels Bedeutung für Wissenschaft und 
Kunst im XV. Jahrhundert. Geistiges Leb« n. Buchdruck. Von Gir/ CftrisL BenumlH. 
Malerei. Von Dame/ Burckhardi. — Baukunst. Bildhauerei. Von Karl SteUm 

Festschrift der Stadt Schaffhausen zur l^undesfeier 1901. Im Auftrage des Stadtrates 
der Stadt Schaft'hausen herausgegeben vom historisch-antiquarischen Verein. Scbiff*- 
hausen, Buchdruckorei Kühn & Comp., 1901. Lex. 8*, reich illustriert nebst einer 
Karte und zwei grossen Tafeln (Reprod. der Bundesbrieft! von 1454 und 1501). Darin : 
\\\ Schaffhauser Könstler. Von Dr. C. H. Vo,i^ler. 32 Seiten. VI. Die Entwicklung 
(l«r Industrie der .Stadt Schaflhaiisen. Von Hermann Pßstrr. 55 Seiten. 

Fribourg artisticjue ä tiavers jes agts. Puhlication des Societes des Amis des ßeaux-Art5 
et des Ingenieurs et architecte>. Avril 1901. Fase. No. 2. 7. I'^ermc de Galmby 
pres (Juin. 8. Le Christ ä la eolonnc 9. .Salle des Chevaliers du ehäteau de 
Gruyeres. lo.'ii. Ostensoir gothique. 12. Jaqurmarts. 

Ganter, H. Histoire des regiments .Suisses au Service d'Angleterre, de Naples et de Rome. 
Geneve (1901). Avec 10 planches en eouleurs. 

Ganz, F., Dr. Historisches Museum Basel. Katalog Nr. III: Glasgemälde. 1901. 

Geschichte des Kantons Schaffhausen v«»n den ältt-sten Zeiten bis zum Jahie 1848^ Fest- 
schrift des Kantons Schaft'hausen zur Bundesfeier 1901. Herausgegeben auf Veran- 
lassung des Grossen Rates des Kantons Schaft'hausen. Schaffhausen, Buchdruckcrd 
II. Meier & Cie., 1901. gr. 8«. Reich illustriert mit Beilagen. Darin: L Die Eiszeit 
und ältere Steinzeit. Von Prof. J. Meister. ■ - 11. Die jüngere Steinzeil und die vi>r* 
römische Mt.'talliKriode. Von Geor^ IVanmr. III. Die Römerherrschaft. Von 

<Ii:mselben. — V. Das Kloster Allerheiligen zu Schaft'hausen. Von Dr. A'. HrnkH- 
— XV. (ieschichte der Kunst im Kanton Schaft'hausen. Von Prof. Dr. FeriL Ittitr. 

Geschichtsblätter, Obwaldner. Herausgegeben vom historisch-antiquarischen Verein von 
Ob wählen (Sarnen). Kr>tes Heft. igoi. Druck und Verlag von Schul ihess Ä t.<'- 
in Zürich. 

Godet, Alfr. v. Musec Neuchäteluis. 

Groeven, Hans. Dtr Inderkampf der Dionysos auf Elfenbeinsculpturen (Jahrt^shcfte 0« 
öst« rreioh. archäologischen Institutes. Bd. IV', 190T, S. 126 ff.). 

Haller, Berchtold. s. Bern in s<*inen Ratsmanualen. 

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1900. Chur, Huohdruckerei Spreciier cV Vah-r, 1901. 

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GesellschafV Graubündens. Chur, Buchdruckerei Sprecher & Valer, li)01. 

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Jecklin, Fritz v., Stadtarchivar in Chur und Sprecher, FL, Kommandant d. Pompier-Corps. 
Das Churer Feuerwehrvvesen in älterer und neuerer Zeit. Mit einer Lichtdruck-Tafel. 
Chur, Dnick von Sprecher 6l Valer, 11)01. 

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Meisaer^ S., Staatsarchivar. Mitteilungen über die Bündnerischen Zeitschriften „der Sammler" 
(1779 1784) und „der Nene Sammler" (I805 1H12) und einige Mitarbeiter an den- 
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d*histoire du canton de Ncuchätel. XXXVIII"'* annee VMM. Mars-Avril IDOI: Origine 
de la fabrique de papier de Scrricres, par AV. Ouartier-la-Tenie. Octrois de „schild", 
par Arthur Piagci. Canons a frettes du Musee historiquc de Neuchätel (avec eroquis), 
par Alf. Godet. Mai-Juin ItHH: Li;s BouUe, cbenisles fran<;ais du XV!!'»«-' siede, 
par Alf. (lodci. Le batoau-lavoir de Ncuchätel (avec planche) par /.. Favre, — 
Melanges. Le pilori et la banniere des Brenets (avec eroquis) par M. R. G. Mande- 
ments de 15»>H concernant les papeteries et le tratic des vieux chiftbns, par Jules 
Jeanjaquet. - Les sabres ä aigle neucbätelois (avec planches), par Alf. Godet. 
Juillet-Aoüt lOöl: Lettres du graveur cn m^dailles Hri-pv Brandt ä Maximilien de 
Meuron, iHHi- lH:-5:i (avec planche). par IV. JVavrc. 

Oidtmann, Heinrich. Die Schweizer Glasmalerei vom Ausgange des XV. bis zum Beginn 
des XVIII. Jahrhunderts. Nach ihren Denkmälern und den neuesten Forschungen. III. 
(Zeitschrift für christliche Kunst, herausgegeben von Alex. Schnütgen, XIV. 5. Düssel- 
dorf 1901.) Fortsetzimg von Bd. XII, .Sp. 12H l U). 

La collezione Passalacqua; enthält Nachrichten über Bilder aus dem Besitz der Familie 
Torriani in Mendrisio. Darunter Porträte deutsch-schweiz. Persönlichkeiten aus dem 
XVI. Jahrh. und Gemälde Luini's. (Boll. .stör, della Svizzera ital. Vol 'J.% 1901. No. T,'!».) 

Pfister, Hermann, s. Festschrift der Stadt SchalThauscn. 

Plaget, Arthur, v. Musee Neucbätelois. 



236 



iqpi 



Probst, Engen, s. Burgen. 

Qnartier, Ed. v. Musee Neuchätelois. 

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Register zu Band 41 5«) des Ges«:hichtsfreundcs. Vierter Registerband. Bearbeitet voo 
Jose/ l^op, Brandsietier, Professor. (Herausgegeben vom historischen Verein der 
5 Ortr). Stans. Druck von Paul v. Matt. — Kommission von Hans v. Matt 19ül. 

Revue historique Vandoise (Bulletin historique de ta Suisse roniande) publice scus la 
direction d(^ Paul Maillefer et Eug. Mottaz. Administration Lausanne, imprimerie 
Vincent, Editcur, V.M. *J"»e annce. 7«* - HK Ii\T. Le vieux Lausanne, parEA 
Duniur. Lcs scpultures irt les populations prchistoriques en Chamblandes, parDr. 
Alex. Scfietik, prof. Lcs antiquites gcrmaniques cn Suisse, par M. A. de Melm. 

Rivista, Piccola. Ticinese. A. II. No. U). Lugano-Bellinzona ISMM. Febbraio. Gliaffresdii 
della cappella d<;i Caniozi nrlla chiesa di S. M. degli angioli in Lugano (con illustr.) 

Salis-Soglio, Pietro. s. Archivi-s hcraldiques Suisses. 

Schenk, Dr. Alexander; privat-doccnt ä TUniversitc de I^usanne» membre coirespondant 
de la Soci<5tc d'anthropologio de Paris: Matcriaux pour Tanthropologie des popula- 
tions primitives dt? la Suisse. Article dans le Bulletin de la Societe Neuchätelois 
de (itrographic. Neuchätcl. Imprimerie Paul Attingcr. 1901. Tome XIII. 
V. Revue historique Vandoise. 

Schweizer, Dr. Paul. s. Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich. 

Solothum. .Museum der Stadt. Supplement zum Interimskatalog der Kunstabteilung. Solo- 
thum, Druckerei Brugger »S: (.Ügandet, I^'Ol. 

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Stehlin, Karl. s. Festschrift von Basel. 

Stollberg, A. Tobias Stimmer, strin Leben und seine Werke. Mit Beiträgen zur Gcsdiichic 
der deutschen Glasmalerei im XVI. Jahrh. (in „Studien zur deutschen Kunstgeschichte", 
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Sankt Euphrosj-ne von Basel. (Sonntagsbeilage zur Allg. Schweiz. Ztg. Nr. 4'2.) 

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deutschir Kunst. I. Jahrgang, I. Heft. Düsseldorf IIKK). S. :J5 u. f.). 

Urkundenbuch der .Stadt und Landschaft Zürich. Herausgegeben von einer KommiÄwn 
der Antiquarischen destfllschaft in Zürich, bearbeitet von Dr. y. Escher und Pr- 
/*. Sr/ticehrr. Bd. V. 2. M. Zürich, Fäsi cS: Beer, 1JK)1. 

Vegezzi, Can. P. K;i rattedrahr di S. Lorenzo in Lugano. (Credente cattolico No. 1^ 

r. S(|. 1*H)|.) 

Verein für das historische Museum und für Erhaltung Baslerischer Altertümer. Jahres- 
berichte inid Rechnungen. Jahr IJMx». Basel UUM. V. (Darin Bericht über dio Ans- 
;^ral)ung(;n in Hasi-l-Aiigst.) 

Vetter, Dr. Ferd., s. (icsrhichlc' (i<'S Kant«»ns SehalVhauscn. 

Vetter, Thedor, s. Archiv. Schweiz« risches, für X'nlkskunde 

Vivis, G. von, v. Archive^ hrTaUliques .Suisses. 

Vogler, C. H., ^. Festschrift der Stadt SchatVhausen. 

Wanner, Georg, s. (icschichlc de^ Kantons SohalVhansen. 

Wavre, W-, v. MnsiV N'iMichälrlnis. 

Zemp, V. Kiin-rdeiikniäler. 

Redaktionskommission: Dk. H. An(;st. Dk. H. Lehmann. Prof. Dr. J. R. Rahn- 
Dr. II. Zf.llkrAVkrdmCllek. Prof. Dr. J. Zemp. 
Druck von Ed. Leemann in Zürich-Selnau. 



ANZEIGER 

SGhweizepisehe jllleFtumsKunde. 

INDICiTEnfi D'ANTIQUIT^S SUISSES. 

Amtliches Organ des Schweizerischen Landesmuseums, des Verbandes 
^er Schweizerischen Altertumsmuseen und der Schweizerischen Gesellschaft für 
Erhaltung historischer Kunstdenkm&ler. 

IVeue Folg-e. Ba^iid III. 



Herausgegeben von dem Schweizerischen Landesmuseum. 



Nr 4, ZÜRICH März 1902, 

^ bonnemenfspreis: Jährlich Fr. 5. — . Man abonniert bei den Postbureaux und allen Buch- 
handlungen, sowie auch direkt bei dem Bureau des Schweizerischen Landesmuseums 
in Zürich. Den Kommissions- Verlag für das Ausland besorgt die Buchhandlung 

Fäsi & Beer in Zürich. 

^^ ^^ ■ 

Sämtliche Beiträge und Mitteilungen für den „Anzeiger^ bitten mr gefl. unter 
<ier Aufschrift „Anjs^eiger" an die Direktion des schweizerischen Landes- 
^nuseums in Zürich eu senden. 



Eine Tiberius-Inschrift in Windisch. 

Von 77/. Burckhar dt' Biedermann, 



Am 3. April 1899 wurde in Windisch ein grosser, monumentaler In- 
schriftstein gefunden, der den Namen des Kaisers Tiberius an der Spitze 
trägt. Ueber den Ort und die nähern Umstände des Fundes, sowie über 
den Text der Inschrift hat Herr Dr. Eckinger in diesem Anzeiger, Band II, 
S. 91 (1900) vorläufig berichtet. Da er seither von Brugg weggezogen ist, 
hat er mir eine genaue Beschreibung des Steines zu einer eingehenderen 
^ Besprechung gütigst überlassen. Ich habe den Stein in Anwesenheit 
Herrn Bezirkslehrer Schneebergers, der nun das Museum in Brugg über- 
wacht, genau besichtigt und einen Papierabklatsch davon genommen; einen 
andern hatte mir schon früher Herr Rektor Heuberger in Brugg besorgt. 
Eine Photographie dagegen kann gegenwärtig nicht hergestellt werden, da 
der aus vielen Stücken mit Cement zusammengesetzte grosse Stein, in einem 



238 



1901 



Ilolzrahmen eingefasst, auf dem Boden eines Raumes im Kasernenhause 
(nicht in der „antiquar. Sammlung") von Brugg liegt und von da nicht ohne 
Gefahr des Zerbrechens kann entfernt werden. Darum hier nur eine Zeichnung, 
(Fig. i32( aber mit möglichst genauer Nachahmung der Formen und Distanzen 
der Buchstaben ; die punktierten Linien geben die Bruchstellen an. Auf der 
dritten Linie zeigen die Abklatsche das erste M nicht mehr. Herr Dr. Eckinger 
aber giebt es in seiner Zeichnung wieder und bezeichnet es als auffallend 
schmäler als das zweite M auf der gleichen Linie. 

Herr Dr. Eckinger schreibt mir ferner. „Es sind etwa 20 Stücke des 
Steines gefunden worden, von denen alle, die Buchstaben oder Buchstaben- 
teile trugen, zu einem Ganzen zusammengesetzt werden konnten, so dass 
keine einzeln stehenden Buchstaben mehr vorhanden sind. Die Stücke lagen 
ziemlich weit zerstreut und Hessen auf eine sehr gewaltsame, absichtlidie 
Zerstörung schliessen. Das Material ist Mägenw3^1er Stein, auf der Ober- 
fläche ist er mit einer weissen (ganz dünnen) Kalktünche überzogen.* Ziem- 
lich übereinstimmend mit Herrn Eckinger finde ich folgende Masse des 
Steines. Einfassung, aussen eckig, nach innen zwei halbrunde Stäbe: 0,1 m 
breit. Inschriftfeld, nur links noch intakt : I löhe 0,56, längste erhaltene Breile 
1,1 1 m; mutmassliche Ergänzung nach rechts 0,19 m; also ganze Breite des 
Steines mit der Einfassung 1,50 m; ganze Höhe 0,76 m. Also war der Stein 
ziemlich genau halb so hoch als breit. Seine Dicke beträgt 0,16 m. Es 
sind von der Schrift nur drei Linien, aber auch diese nach rechts hin nicht 
vollständig erhalten; die vierte ist, und zwar mit einem Flachmeissel, völlig 
ausradiert, so dass man von Schrift nichts mehr erkennen kann. Zeile 2 
3 und 4 sind vom Rande zur Linken um 0,20 m weggerückt, beginnen aber 
alle in gleicher vertikaler Linie. Die erste Linie aber begann ursprünglich 
am Rand; indessen sind von ihr 2 Buchstaben getilgt, und zwar mit Spitz- 
meissel. Der eine derselben war T, wie an den Spuren noch deutlich zu er- 
kennen ist; vom zweiten, ohne Zweifel einem I, bemerkt man noch ver- 
wischte Spuren. Die Höhe der Buchstaben beträgt auf Zeile i : 0,077 "^• 
Zeile 2 : 0,06 m ; Zeile 3 : 0,06 m ; die der vierten Zeile scheinen nur 0,05 m 
betragen zu haben, unterhalb bleibt bis an den Rand noch freier Raum von 
0,15 m, so dass noch eine fünfte Zeile Platz gehabt hätte; es scheint aber, 
nach der intakten linken Hälfte des Steines zu schliessen, nichts mehr da 
gestanden zu haben. 

Dass die Buchstaben nicht anders, als wie Herr Eckinger es that. und 
wie sie jetzt sich folgen, zusammengesetzt werden können, lehren die Bnich- 
stücke unabweislich. Dieselben haben durchaus die normale Form, so dass 
trotz einiger Besonderheiten der Abfassung an der Echtheit kein Zweifel be^ 
stehen kann. Doch verraten sie einen nicht sonderlich geschickten Stein- 
metzen; SC) ist das M der ersten Zeile etwas unregelmässig, die beiden M 
der dritten Zeile sind in der Breite auffallend ungleich geraten, die Buch- 
staben TIF auf Zeih* 3 sind ungewöhnlich schmal und eng zusammenge- 
rückt; die Ecke des Steines links unten ist im stumpfen, statt im rechten 



239 



I90I 



^ inkel zugehauen. Das alles hat aber mit der Frage nach der Echtheit der 
^ Schrift nichts zu thun. 

Befremdlich hingegen und ganz wider die Regel ist die Namengebung 
^^^^ Tiberius - denn nur um diesen Kaiser kann es sich handeln. Sie ist 
^^mlich, vor der Rasur des Pränomens, sicher so zu lesen : 

Ti(berius) Caesar [i]mp(erator), d[ivij/ Augus|ti] f(ilius|, Aug[ustusJ. 
Diese Ergänzung ist zweifellos und passt genau in den Raum, wie er 
für die drei fehlenden Buchstaben der ersten und die fünf vorauszusetzenden 
der zweiten Zeile hinzuzudenken ist. Von den beiden A und vom R der 
ersten Zeile ist deutlich je der obere Teil erhalten. Zwischen R und M ist 
nicht genug Zwischenraum, um zwei I zu ergänzen (so auch Dr. Eckinger), 
also stand Caesar im Nominativ. Die, wie oben angegeben, noch erkenn- 



± 



-<^ As::.-2: C ..A r>- 



PONTlRfAlxXIMf 



J. 



fmH^ 



Fig. 132. Fragment einer römischen Tiberius-Inschrift in Windisch. 



baren Spuren von T und I unter der Rasur am Anfang bezeugt ausdrück- 
lich Herr Eckinger nach genauer Untersuchung und lässt auch der Papier- 
abklatsch, wenigstens für das T, deutlich sehen. 

Wenn wir aber demach zu lesen haben : Tiberius Caesar imperator, 
so ist dies eine Abweichung von der gewöhnlichen Titulatur, die fast immer 
lautet: Ti. Caesar, divi Augusti filius, Augustus, worauf die Ehrentitel in 
der Regel nach dieser Ordnung folgen: pont. max., trib. pot., cos., imp., 
die letztern drei von den bezüglichen Zahlen begleitet. Auf unserm Stein 
ist aber hinter dem Kaisernamen als erstes Cognomen „imperator" hinzu- 
gefügt. Hiemit folgt der Concipient der Inschrift einerseits der Regel. Denn 
er setzt nicht, wie es Augustus und von Nero an die folgenden Kaiser thun, 
das Praenomen imp. voran : dies vermied Tiberius laut dem Zeugnis des 



240 I90I 

Sueton (Tib. 26) und dem fast ausnahmslosen Gebrauch der Inschriften; 
namentlich findet sich die Vereinigung beider Praenomina „imp. Tib.* nur 
vereinzelt und in provinzialen Inschriften der ersten Zeit seiner Regiening 
(Mommsen St. R. IP S. 76g nos. 2). Anderseits aber steht unsre Inschrift, 
so viel ich sehe, unter allen des Tiberius darin vereinzelt da, dass sie gleich 
hinter dem Namen Caesar die Benennung „imperator** bringt, noch vor dem 
„Augustus". Hinter dem letztem Beinamen, als dem ersten der kaiserlichen 
Ehrentitel, findet sich imperator wiederholt auf provinzialen Inschriften des 
Tiberius, z. B. III, 2908: Ti. Caesar divi Aug. f. Augustus imp. pontifma. 
u. s. w. ; ebenso II 2037; in der Regel aber, wie oben angegeben, erst 
später, nämlich hinter consul (Mommsen St. R. IP S. 784 not. 5). Allein 
der Stein in Windisch setzt „imperator" nicht unter die Ehrentitel, sondern 
als erstes Cognomen nach Caesar, demnach als einen Bestandteil des Kaiser- 
namens, etwa so wie der erste Caesar im nicht offiziellen Stil „Caesar im- 
perator" hiess (Mommsen C. J. L. I S. 452), oder wie Augustus vor der 
Beseitigung des Geschlechtsnamens und der Ersetzung des Vornamens Gaius 
durch Imperator sich noch nannte: C. Julius C. f. Caesar imperator (wr 
dem Jahr 714 d. St., nach Momms. St. R. IP S. '766 not. 3 vgl. 768 not.i| 
und auf einer Silbermünze jener Zeit : C. Caesar imp. (Cohen I S. 62 Nr. 193I. 
In diesen Fällen stand also der Imperatortitel gleich hinter „Caesar*, worauf 
noch die Ehrentitel folgen konnten. Der Verfasser unserer Inschrift be- 
obachtete also nicht die korrekte Namengebung zu Tiberius Zeit, sondern 
eine freiere, die antiquierte nachahmend und die Feldherrneigenschaft des 
P^ürsten betonend, vielleicht deshalb, weil, wie ich unten glaublich zu machen 
versuchen werde, ein Kriegsereignis der Anlass des Monumentes und der 
Inschriftsetzung war. Tiberius soll ja selbst öfters geäussert haben, dass er 
den Sklaven der I lerr, den Soldaten der Imperator, den Bürgern der Prin- 
ceps sei (Momms. St. R. \V^ S. 776 not. i, nach Dio 57,8). 

Unerklärlich ist es mir unter diesen Umständen — da doch keine 
Kollision von Ti. und imp. stattfindet — warum später der Vorname Ti. 
am Anfang unsrer Inschrift ausgemeisselt wurde. Derselbe stand übrigens, 
wie es oft geschieht, über den Anfang der folgenden Zeile nach links vor- 
geschoben. Die Rasur fand, wie mir Herr Eckinger bemerkt und ich nach- 
träglich selbst konstatiert habe, erst nach dem Uebertünchen der Inschrift- 
flache mit Kalktünchc statt. Auch was diese Tünche für einen Zweck halte, 
ist mir nicht ersichtlich. Vielleicht sollte sie nur dem Inschriftstein das 
gleiche Aussehen geben wie das der Mauerwand, in welche derselbe einge- 
fügt war, oder ist gar beim Weisscln der letztern durch Unachtsamkeit des 
Handwerkers auch die Inschrift mit Tünche bedacht worden. 

Ungleich grössere Bedeutung hat die vierte Linie mit der Rasur, die 
vom Anfang der Zeile an so weit geht, als der Stein noch erhalten ist und 
also wohl ursprünglich bis ans Ende derselben sich fortsetzte. Dieselbe ist 
vor der Ueberweisselung mit einem Flachmeissel gemacht; von der Schrift 
ist, wie oben bemerkt, keine Spur mehr vorhanden. Und doch lässt sich 



241 I09I 

noch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit, wie ich glaube, erraten was da 
stand. Zunächst ist so viel sicher, dass es die Nennung des oder der De- 
dicanten war. Als solchen aber können wir uns nur denken: i. die vicani 
Vindonissenses, wie bei Nr. 245 der Inscr. Conf. Helv. oder eine Korporation 
wie ebenda Nr. 261 ; 2. eine Legion die in Windisch stand ; 3. einen einzelnen 
Beamten, wie den Legionskommandanten (einen Statthalter Obergermaniens 
gab es unter Tiberius noch nicht). Im ersten Fall ist für eine Tilgung des 
Namens kein Grund abzusehen. Im zweiten Fall läge es nahe, an die XXI. 
Legion zu denken, die auf zwei andern Windischer Inschriften wirklich ge- 
tilgt ist, nämlich: J. C. H. 248 mit Nachtrag Nr. 29 und: Schweiz. Anzeig. 
1898 S. 67. Allein die XXI. Legion stand unter Tiberius nicht in Obergermanien. 
Sie ist laut Tac. Ann. I, 87 an dem Aufstande des untergermanischen Heeres 
bei Vetera im Jahr 14 n. Chr. lebhaft beteiligt, wie auch an den darauf 
folgenden Germanenzügen des Germanicus. Eine Dislocation in den nächsten 
Jahren wird weder berichtet noch ist sie wahrscheinlich; und Caligula trifft 
im Jahr 3940 nach Sueton (Calig 48) offenbar noch die alten vier Legionen, 
die nach dem Tode des Augustus gemeutert hatten, in Untergermanien bei- 
sammen, da er sie alle ihres frühern Vergehens wegen will zusammenhauen 
lassen. Und von einer etwa nach Vindonissa abgesandten Vexillation der 
XXL Legion ist auch nirgends die Rede; denn die von Germanicus ent- 
lassenen Veteranen, an die man denken könnte, werden nach Rätien, nicht 
ins Helvetierland geschickt (Tac. ann. I, 44). Es bleibt also durchaus wahr- 
scheinlich, was Friedr. Münzer (Sonntagsbeilage der AUg. Schweiz. Zeitung 
23. Okt. 1Ö98) vermutet hat, dass die XXI. Legion erst im Jahre 47 iniVin- 
donissa eingezogen sei, und ich muss meine in der Basler Zeitschrift für 
Geschichte und Alterthumskunde I. Band, Heft i (1901) Seitens geäusserte 
Gegenvermutung bezüglich dieser Legion — nicht bezüglich des frühen 
Legionslagers überhaupt — schon jetzt als unhaltbar zurückziehen. Somit 
bleibt nur die driite oben aufgestellte Möglichkeit, dass der Name eines 
Beamten ausgetilgt wurde. 

Da nun die Inschrift zweifellos unter Tiberius und im Bereiche des 
obergerm. Militärbezirkes gesetzt ist, und der Name des Dedicanten später getilgt 
wurde, so kann nach meiner Vermutung der Getilgte kein anderer sein als 
C Silius, Er kommandierte vom Jahre 14 n. Chr. an sieben Jahre lang 
als Legat das obergermanische Heer (Tac. ann. I, 3i und IV, 18), und bei 
Anlass des Sturzes seines gleichnamigen Sohnes im Jahr 48 erfahren wir, 
dass seine effigies auf Senatsbeschluss vernichtet worden war (Tac. XI, 85). 
Als Anlass nun dafür, dass Silius in Windisch ein Monument mit seinem Namen 
errichtete, nehme ich seine Niederwerfung von Sacrovirs Aufstand an, womit 
auch die spätere Tilgung des Namens in Verbindung stand. Als im Jahr 
21 unter Sacrovir die Haeduer und deren Nachbarn sich erhoben hatten, 
rückte Silius rasch mit zwei Legionen durch das Sequanerland auf Augusto- 
dunum (Autun) zu, den Hauptherd des Aufstandes, und siegte in einer 
Schlacht am 1 2. Meilenstein von der Stadt, worauf der gallische Führer sich 



242 1901 

verzweifelnd in seinem nahen Landhause den Tod gab und die Empöning 
niedergeschlagen war (Tac. ann. III, 48 ff.). Man darf wohl annehmen, dass 
die beiden Legionen des Silius die der Standorte Strassburg und Windisch, 
also II und XIII, waren, weil sie dem aufständischen Gebiete zunächst in 
Garnison lagen. Einige Jahre darauf aber, als Silius nach Rom zurückge- 
kehrt war, wurde ihm auf Sejans Anstiften durch Tiberius der Prozess ge- 
macht (Tac. ann. IV, 18. 19), Die Anklage führte der Consul L. Visellius 
Varro, der Sohn des C. Visellius V^arro, welcher letztere als Legat des 
untergermanischen Heeres mit Silius in Rivalitätsstreit gelebt hatte (Tac. 
ann. III. 48). Silius erschien als staatsgefährlich wegen seines langen und 
bedeutenden Kommandos über vier germanische Legionen, wobei er sich 
die Auszeichnung der Triumphalehren erworben hatte, und wegen seiner 
Freundschaft mit Germanicus. Dazu kam, dass seine Gemahlin Sosia dem 
Kaiser verhasst war wegen ihrer Zuneinung zu Agrippina. Man klagte ihn 
beim Senate der Majestätsbcleidigung an, weil er den Krieg mit Sacrovir 
lange geheim gehalten und den Sieg durch seine Habsucht geschändet habe. 
Er kam der Verurteilung durch Selbstmord zuvor, und Sosia ^^iirde ver- 
bannt. Tacitus gibt indessen zu, dass Silius durch übermütigen Selbstnihm 
dem Tiberius gegenüber, und dass er samt seiner Gemahlin durch sträfliche 
Gewinnsucht den Provinzialen gegenüber seinen Sturz zum Teil selbst ver- 
schuldet habe. 

Dass die „effigies" des Silius, die im „vestibulum" seines Hauses war, 
auf Senatsbeschluss vernichtet wurde, erfahren wir von Tacitus (ann. XI, 35) 
erst bei dem Verfahren des Claudius gegen seinen der Buhlschaft mit Messa- 
lina überführten Sohn. Nun ist zwar der Name des Consuls C. Silius (766 a. 
u. c.) weder in den Fasti von Antium noch in den Capitolinischen getilgt 
(hier nur der Zuname, s. Mommsen Anm. zu C. J. L. P S. Sg). Aber in 
Windisch, wo ich den Namen des Silius unter der Rasur vermute, hatte 
man einen nähcrliegenden Grund zur Tilgung: hier hatte Silius sich selbst 
an einem öffentlichen Monumente verewigen wollen, hier stand ein Teil des 
Heeres, eine der beiden am Kriegszug gegen Sacrovir beteiligten Legionen, 
die ebenso Zeuge seiner habsüchtigen Handlungsweise wie seines Sieges 
gewesen war. Aehnliche Streichungen in ähnlichen Fällen, und demselben 
Decennium angeh(")rig, zeigen u. A. die Inschriften des Proconsuls Asinius 
Gallus (C. j. L. 111 Suppl. N" 71 18) und die des Piso als Mitconsuls des 
Tiberius, ohsrhou der Kaiser die Tilgung von Pisos Namen, die der Senat 
beschlossen hatte, zurücknahm (C. J. L. VI, 885 cf. Tac. ann. III, i8i: 
letztere Tilgung: i. j. 20, erstere: i. J. 33 n. Chr. vollzogen. 

Uebrigens dürften die Bruchstücke nicht weit von dem ursprünglichen 
Standorte der Inschrift gefunden sein. Laut dem Ausgrabungsbericht lAn- 
Zeiger 1900 S. 91) führte nahe von dem Fundort die römische Strasse 
vorbei. Ls würde den Dimensionen des Steines entsprechen, die Inschrift 
an einem Tore oder gar an einem Triumphbogen angebracht zu denken, 
den sich, meine Voraussetzung angenommen, Silius etwa zum Andenken an 



243_i9oi 

seinen Sieg gebaut hätte. Gerade zu demselben Anlasse ist an dem — 
allerdings schon von früher her vorhandenen - Triumphbogen in Orange 
die jetzt noch teilweise lesbare Inschrift gesetzt worden, von der sowohl 
der Name des Tiberius als der des Sacrovir noch zu erkennen sind: C. 
J. L, XII, i23o mit Hirschfelds-Note. Aber diese Inschrift hat natürlich nicht 
Silius, sondern der zu Lyon residierende Legat des Lugdunensischen 
Galliens gestiftet, nachdem er (Tac. ann. III, 41) zwei an der untern Loire 
aulständische Völkerschaften gleich Anfangs der Bewegung unterworfen 
hatte. 

Silius hätte also im Jahre 21 n. Chr., dem Jahre seines Sieges bei 
Augustodunum, zu Windisch einen Triumphbogen errichtet, und im Jahre 
24 n. Chr., dem Jahre seiner Katastrophe, wäre sein Name auf der Inschrift 
wieder getilgt worden. Die letztere müsste also gelautet haben: 
Z. I. Ti Caesar [i]mp(erator) d[ivi] 
„ 2. Augus[ti] f(ilius) Aug[ustus] 

„ 3. pontif(ex) maxim(us) [trib(unicia) pot(estate) XXIII] 
„ 4. [C. Silio, leg(ato) Aug(usti| pr(o)pr(aetore) exerc(itus) 
Germ(anici) sup(erioris).] 
mit dieser oder einer ähnlichen Ergänzung der letzten Linie, so dass die 
Buchstaben die auf derselben möghche Zahl von 3o nicht überschritten. 
Da die erste Zeile den Kaiser im Nominativ fordert, so wäre am Schlüsse 
der Legat im Ablativ zu denken, etwa wie C. J. L. III Suppl. 6741. 6742. 

Die Bestätigung oder Widerlegung meiner Vermutung bringen vielleicht 
bald neue Ausgrabungen, die planmässig und zuverlässig von dem Vereine 
pro Vindonissa fortgeführt werden. Sicher aber scheint mir aus der Inschrift 
hervorzugehen, dass schon unter Tiberius eine Legion in Windisch stand. 
Dies wird auch von Mommsen R. G. V. S. 29 als wahrscheinlich vermutet, 
von E. Herzog, Bonn. Jahrb. Heft 102 (1898) S. 86 ff als sicher angenommen 
und ist umsomehr vorauszusetzen, als nun auch die frühe Besetzung Strass- 
burgs durch die II. Legion laut Inschriftenfunden gesichert ist : Corrspdbl. 
der Westd. Zschr. III N^ 147. Ist ferner die Ansetzung der Ortsnamen 
Forum Tiberii (- Tenedo) in Zurzach und Juliomagus bei Schieitheim an der 
Strasse von Windisch über den Rhein an die Donau richtig, so deutet auch 
dies auf militärische Besetzung dieser Gegenden schon zur Zeit der Julier 
(Ferd. Keller, röm. Ansiedl. d. Ostschweiz I S. 304; Herzog a. a. O.). Als 
weiterer Beleg für die frühe römische Besiedelung Vindonissa*s, die doch 
wohl der militärischen Bedeutung des Punktes wird zuzuschreiben sein, dienen 
die Münzftmde Otto Hausers in den Jahren 1897 und 1898, über die E. A. 
Stückelberg berichtet (Zeitsch. für Numismatik von Dannenberg etc. Band 
XXII (1900) S. 40 flf.). Unter 2000 römischen Bronzestücken „entfielen die 
Reichsmünzen in ihrer grossen Masse auf die Regierungen der Julier" ; 
darunter sind besonders charakteristisch 240 halbierte Stücke von der Zeit 
der Republik bis Claudius, also „in der Schweiz übliches Courant*', und sind 
zu bemerken 170 Bronzen (ganze und halbe) mit Contremarkcn, unter welchen 



244 «gM 

besonders häufig die Marke des Tiberius (Tib. im. u. ähnl.) auftritt. Diese 
Münzen kursierten also doch wahrscheinlich unter Tiberius in Windisch, 
und das Schlagen der Contremarken scheint auf eine Behörde, wohl eine 
militärische an Ort und Stelle zu deuten. 

Dass in Windisch eine monumentale Inschrift unter Tiberius sollte ge- 
setzt worden sein, wenn nicht Truppen dort standen, ist mir nicht denkbar. 
Es bleibt aber die Frage offen, welche Legion dort ihr Lager hatte. Dass 
es die Xlllgemina war, lässt sich einstweilen nur aus Ritterlings Schluss^ 
folgerung feststellen, die so lautet (de leg. X S. 89): von den vier Legionen^ 
die nach Tac. ann. I, 87 im Jahre 14 n. Chr. in Obergermanien standeD, 
hatten die 14. und 16. in Mainz, die 2. in Strassburg ihr Lager, also kann 
die eben dort als vierte obergermanische genannte i3. Legion nur in Vin-I 
donissa gestanden haben. Die einzige Stütze, welche die Schlussfolgerung 
durch die Funde gewinnt, ist der Grabstein eines Centurio der leg. Xlllgemina, 
der an der Strasse zwischen Windisch und Brugg gefunden wurde (Nach- 
trag zu Mommsen Inscr. Conf. Helv- (1865) N** 37)- Denn der Veteranen- 
stein des Certus zu Zurzach gestattet keinen Schluss über den Standort I 
der Truppe (vgl. die vorsichtige Besprechung Ferd. Kellers, rAm* Äasicdl 
d. Ostschweiz I, S. 804). Ziegelstempel der XIII. Legion sind in Windbdh 
bisher nicht gefunden worden. Die sichere Beantwortung auch diestr Frage 
muss von weitern Funden erwartet werden. 



Römische Inschrift am obern Hauenstein. 

Von TIl Burckhardt'Biederfnann. 



Im Sommer 1900 wurde bei einer nicht zu archäologischen Zwecken 
internommenen Grabung in der Nähe von Langenbruck (Kt. Baselland) der 
hier nach einer photographischen Aufnahme jFig. t33) abgebildete Stein ge- 

Sfunden mit römischer Votivinschrift. 
Der Fundort ist nahe bei der Passhöhe der obern Hauensteinstrasse, 
]an dem in den Itinerarien genannten römischen Strassenzug, der von 
Salodurum über den Jura nach Augusta Rauracorum führte (s» meinen Auf 
salz in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Band I, 

Heft 1 (1901): die Strasse 
über den obern Hauen- 
stein S. i3). In der 
Schlucht unterhalb des 
Durchschnittes, der dort 
zur Führung der Strasse 
oberhalb einer jähen Sen- 
kung durch den Felsgrat 
gehauen ist, in der so- 
genannten „Klus**, wurde 
der Stein ausgegraben 
aus einem mehrere Meter 
tief aufgeschwemmten 
Kiesboden nebst g — 10 
römischen Bronzemün- 
zen, unter denen wegen 
I ^^^ _ ^ ^ ^i/^y ^^H ungeschickter Behand- 

H^^V^k -^^I&Il ^^I '^"S gleich nach dem 

^^^^Hiii^hMl^^äHir ^ärtiÜi^^l Pfunde nur noch ein Cali* 

gula (?), Vespasian, Do- 
^^^ -^^^^^^^^^^^^^^^»^^^ mitian und ein Traian (?) 

P^^^^^^_ '^^^^^^^^^^B^^^^H Jedenfalls 

nicht an ihrem ursprüng- 
lichen Ort gefunden wor- 
den, da die enge Schlucht 
sich zu einer Ansiedlung 
133. Römischer Inschritt -Stein vom obern Haueiistein* durchaus nicht eignete, 



246 



igöi 



sondern sie müssen zur Zeit, als der Damm eines neuern Feldweges, der oberhalb 
des Fundortes quer über der Bodensenkung wegführt, noch nicht vorhanden 
war, durch den vorbeifliessenden Bach herangeschwemmt worden sein, wahr- 
scheinlich von einer v\nsiedlung her, die nicht weit oberhalb der Schltidit 
auf einer kleinen Terrainerhöhung gestanden haben mag, etwa da wo jetzt 
der kleine Bauernhof ,/Helfenberg" sich befindet. 

Das Material des Steines ist der wiederholt an römischen Architektlir- 
stücken und Inschrittsteinen zu Äugst und Basel konstatierte weisse Jura- 
kalk, der nach den Untersuchungen von Professor Koby in Pruntrut aus den 
alten Brüchen des Berner Jura, namentlich bei Delsberg, Röschenz und 
Hoggerwald geholt wurde. jF. Koby, etude stratigraphique des couchcs 
rauraciennes superieures du Jura Bernois^ in: Abhandlungen der Schweiz, 
paläontolog. Gesellschaft, Band XIX (1892) S. 409). Unser Fundstück stellt 
einen kleinen Altar dar mit einem an drei Seiten mehrfach vorspringenden 
Sockel und ist nur oben abgebrochen und an der rechten Hälfte etwas ab- 
geschürft, sonst aber unversehrt. Der Sockel ist o,t3 m hoch» unten 0,155m 
breit, die Schriftfläche links noch 0,097 ^ hoch und ojo m breit; die Dicke 
beträgt oben 0,087 "i- ^^^ Rückseite ist flach, ohne Ausladung ein Sockels, 
also hat das Monumentchen an einer Wand gestanden. Es befindet sich jetzt 
im historischen Museum zu Basel. 

Von der Inschrift sind noch 6 Zeilen erhalten in kleinen, aber zierlich 
gehauenen Buchstaben^ wiewohl die Anordnung der Zeilen Sorgfalt odef 
Geschicklichkeit des Steinmetzen vermissen lässt» Abgesehen vom Ende der 
ersten und zweiten Zeile ist alles leicht zu lesen. Der Gott, dem die Dedi* 
kation gilt, ist allerdings mit dem Bruche verschwunden. Der Name des 
Dedikanten aber ist wahrscheinlich: HENI[OC]VS; es fehlen auf Zeile i 
nur 2 Buchstaben. So nach der Vermutung meines Freundes Dr. J. J. Oen. 
Den Namen Heniochus finde ich noch im Corpus Bd. X 2389: C. Erucio 
Hemocho, sowie IX 2402 eine Marcia Enioche, endlich in dem Verzeichnis 
der Mitglieder eines Vereins der Schiffsbauleute zu Ostia XIV 256 Nr. 342 
einen Caninius Eniocus. In dem letzten Beispiele ist der Name, wie nach- 
dem Räume zu schliessen auch auf unsrer Inschrift, mit c statt ch geschrieben, 
eine Vertauschung der Aspirata mit der Tenuis, die ziemlich oft gefunden 
wird, so bei dem ähnlichen Namen Antiocusi IV 1427 und mehrmals in II 
und V. Der Name Heniochus ist ursprünglich Sklavenname, hier aber* i^ 
sein Träger einen Freigelassenen hat, ist er zum Cognomen geworden. Ob 
er aber ursprünglich Appellati vum und die Bezeichnung eines Handwerks 
ist, wäre müssig zu untersuchen. Sehr gut würde allerdings der „Fuhr- 
mann" an die F'undstelle passen, indem man an den Besitzer eines Hofes 
denken könnte^ der hier, an der Fahrsirasse und oberhalb ihres steikn 
Stiches für den Vorspann hätte sorgen müssen! Doch das sind bloss Mör 
lichkeiten. 

Der Schluss der zweiten Zeile scheint D - P D zu lauten. Die Deutung 
ist mir indessen ganz ungewiss: ob es heissen kann de proprio dedit (aus 




dem Eigenen gestiftet), wie die Herausgeber des Corpus, aber auch nur ver- 
mutungsweise, diese Zeichen deuten (XII, i38o; VIII, 3145 und 8i3o), lasse 
ich auf sich beruhen. — Zeile 3 am Anfang steht P G, wobei P, wohl nur 
durch unbeabsichtigtes Ausgleiten des Meisseis, geschlossen ist (vgl. das 
normale P auf Zeile 2). Obschon deutlich ein G zu lesen ist, könnte doch 
ein C gemeint sein, so dass wir die übliche Formel : ponendum curavit (das 
Monument hat errichten lassen: der und der) vor uns hätten, das dann un- 
gewöhnlich seinem Subjekt vorangestellt wäre, wie z. B. VI 9004 oder 3339, 
oder 8807. Auffallend wäre dann nur, dass auf unserm Stein nachfolgt: 
Votum solvit u. s. w. (löste sein Gelübde). 

Der „Freigelassene Amor", der nun folgt, hat nicht viele Namens- 
genossen. So viele „Eros" oder „Paneros" es unter den Sklaven giebt, so 
selten sind die „Amor". Ich finde nur folgende Männer im Corpus (so weit 
die Bände Indices haben): II 4970 Licini Amoris (?) in Spanien; V 1053a: 
Amor, bei Aquileia; V i83o Sextus Votticius, Argentilli libertus, Amor, im 
cisalpinischen Gallien ; IX 708 L. Dastidius Amor, in Apulien. Sodann aber 
auch Frauen: IX 3093 Obidia Amor, zu Sulmo, der Geburtsstadt Ovids; 
IX 3987 Marcia Amor; IX 491 1 Caesia Amor und XIV 581 Antonia, 
Panerotis, Augusti liberti, liberta, Amor, die letztere in Alt-Latium, wo sich 
also der Liebesgott im Freilassenden wie in der Freigelassenen, griechisch 
und lateinisch beisammen findet. Auf Zeile 4 und 5 hat der Steinmetz 
LIBERETVS gemeisselt; es ist entweder ein simpler Fehler oder die Folge 
einer provinzialen Aussprache, etwa wie II 4137 arbiterium, VIII (s. Index): 
materona, Quaderatus und ähnliches. 

Die Inschrift lautet also ohne die zwei oben verlorenen Zeilen, deren 
eine den Namen der Gottheit, die andere Vor- und Hauptnamen des Stifters 
muss enthalten haben, folgendermassen : 



HENI[ÜCJ 

VS . D . P • D (?) 

P • G - AMO 

RLIBERE 
TVS 

VSLM 
d. h. nach der vermuteten, aber unsichern Auflösung: Heniochus gab es 
von seinem Eigentum; die Herstellung besorgte sein Freigelassener Amor; 
er löste sein Gelübde dem Verdienten, 

Die Zeit kann ich nicht bestimmen, doch lassen die zugleich gefundenen 
Münzen auf das zweite Jahrhundert schliessen. Im übrigen ist der Stein, 
abgesehen von der unsichern Deutung der Abkürzungen, ein sprechendes 
Zeugnis dafür, dass auch an der höchsten Stelle der Jurastrasse eine 
römische Ansicdlung lag. 



Ein altes Madonnenrelief. 

Von A\ Hamhumm, Basel. 



Im letzten Sommer hatte ich Gelegenheit, in Graubünden ein Madonnen' 
relief zu erwerben, welches für die schweizerische Altertumskunde einiges 

Interesse haben dürfte. 



'-^sr-^^ir' -i/: ' 



M 



•Äv 



Auf einer 88 cm hohen, 
/ I 38 cm breiten Holztalel. 
welche von einem 7 cm 
breiten Holzrahmen um- 
geben ist, findet sich in 
starkem Relief eine Dar 
Stellung der Maria mit dem 
segnenden Christuskind, 
IJie Mutter ist en*face und 
stehend, aber nur bis ?u 
den Knieen dargestellt, eine 
kurzhalsige, schmale C^ 
stalt. Mit der linken Hanri 
hält sie das Kind fest, 
während sie die rechte flach 
gegen die Brust legt Ihre 
Bekleidung besteht aus 
einem Unterkleid, ciDcm 
Mantel, welcher durch d/e 
gebogene Haltung derAnnc 
auf beiden Seiten m die 
Höhe gehoben wird und 
infolge dessen mit symcl- 
ri sehen Falten in derMinr 
der Gestalt in eine SpiU« 
ausläuft Dazu kommt ri^ 
Ko|)ftucli , durch wclchf^ 
das Haar verdeckt wird 
und eine darüber gezogene- 
bis über die Schulter herat 
reichende Kapuze, welche 
auf beiden Seiten des G^ 
siebtes in Zickzacklinien ni^ 

i^'iÜ' 134^ Maduuneiirelief au* dein Kanton Graubünden. derfällt Und auf diese WeiSC 



249 »90I 



»reiten Gesichtsflächen eine wirksame Umrahmung bildet. Die Ver- 
einer solchen Kapuze als Kopfschmuck der Maria war mir bisher 

nicht bekannt. Das Ge- 
sicht zeigt harte', aber 
nicht ganz ausdruckslose 
F^ornien. Die Augenhöh- 
len sind hoch gewölbt, 
die Augenlider in con- 
ventioneller Weise man- 
delförmig und scharf um- 
rissen, die Augen selbst 
treten hervor und zeigen 
deutlich die Pupillen. Bei 
der Bildung des kleinen, 

scharf geschnittenen 
Mundes fällt besonders 
die breite Unterlippe auf. 
Ein Verarbeiten des Ty- 
pischen zum Individuel- 
len ist jedoch dem Künst- 
ler nicht gelungen. Im- 
merhin kann man der 
linken Hand die Natur- 
wahrheit nicht absprech- 
en, während die rechte 

etwas Unbeholfenes, 
Schematisches hat. Das 
Jesuskind, das im Arm 
der Mutter sitzt, ist mit 
einem weiten , falten- 
reichen Gewand beklei- 
det, welches durch eine 
Binde unter den Armen 
festgehalten wird. Die 
Linke hält eine Schrift- 
rolte, die Rechte ist et- 
was ausgestreckt und 
macht die bekannte Be- 
wegung des Segnens. 
Dadurch wird das Jesus- 
W kind als Salvator mundi 

»tfigur der Gruppe gemacht. Sein Kopf, in '^4 Relief mit styh- 
Haar und abstehenden Ohren zeigt in der Bildung der EinzeU 
dieselben charakteristischen Eigentümlichkeiten wie derjenige der 



135. 



RQclcsette von Fig. 134 mit Dar^tclhing 
eines hL Bischofs* 



250 I901 

Maria, ist aber von fast abschreckender Hässlichkeit. Man könnte sogar 
etwas von semitischem lypus darin finden. Offenbar vermochte der Künstler 
das Kindliche nur durch eine Verkleinerung der Formen wiederzugeben, 
wenn er es überhaupt wiedergeben wollte. Vielleicht spielt da, wo das Jesus- 
kind durch die Schriftrolle als Lehrer und durch die Geberde des Sepens 
als Erlöser charakterisiert wird, der Gedanke an den 12jährigen Jesus im 
Tempel mit. Das konnte immerhin eine biblische Veranlassung bieten, das 
Bewusstsein des Erlöserberufs in das Kindesalter zurückzuverlegen. Beide 
Köpfe sind sodann noch von einem Heiligenschein umgeben, wobei in dem- 
jenigen des Kindes die bei Christusdarstellungen übliche Kreuzform ange- 
deutet ist. 

Einige Farbenreste weisen auf die ursprüngliche Bemalung hin. Dar- 
nach war das Unterkleid der Maria rot, Mantel und Kapuze blau, das Kleid 
des Kindes braun, die Heiligenscheine gelb (nicht golden), / die Körperteile 
fleischfarben. Der Hintergrund des Ganzen war hellblau. Ebenso zeigt der 
Rahmen, welcher mit Ausnahme des untersten Teiles gegen das Relief zu 
etwas ausgehöhlt ist, die Spuren eines gebrochenen Bandornamentes in roter 
und schwarzer Farbe. Die Erhaltung der Tafel ist mit Ausnahme der Be- 
malung eine gute, trotzdem der Rahmen einige geringe Brandspuren auf- 
weist. Dagegen ist die Rückseite an zwei Stellen stark angebrannt und 
legt den Schluss nahe, dass das Relief dereinst aus einem Feuer gerettet 
worden ist. 

Die Rückseite war ebenfalls bemalt, ist aber in ihrem gegenwärtigen Zustand 
leider eine Ruine. Deutlich erkennbar sind über die ganze Tafel die Umrisse 
einer Bischofsfigur, welche die Hände über der Brust zum Gebet zusanimen- 
zulegen scheint. Die eng anschliessende Casula ist rot, die Falten derselben 
sind mit wenigen conventioneilen Strichen angedeutet. Von Kopf, Mitra und 
I leiligenschein sind leider bloss noch Umrisse zu sehen und Attribute, weldie 
auf den Namen des Dargestellten hinweisen und dadurch für die Bestimmung 
des Ganzen irgend einen Anhaltspunkt geben könnten, sind ausser dem 
Hirtenstab auch nicht mehr erkennbar. Den Hintergrund bildet ein rot und 
weisses Schachbrettmuster. Endlich war der Rahmen, der hier mit dem Bild 
eine Fläche bildet der Uebergang von Rahmen und Bild war mit Leinwand 
verklebt mit einfachstem, rasch hingestrichenem Rankenwerk verziert in 
schwarzer Farbe auf weissem Grunde, das zum Teil noch erhalten ist. 

Was nun die Zeit der Entstehung betrifft, so wird man auf den ersten 
Eindruck hin geneigt sein, das Ganze der romanischen Stilperiode zuzuweisen. 
Dafür spricht vor allem die Rückseite: die Stilisierung der Bischofsfigur, das 
Schachbrettmuster, das RankcMiornamenl; doch verbietet schon die Grösse des 
Nimbus, weit hinter das Xllt. Jahrhundert zurückzugehen. Dem entspricht 
auch die X'^orderseite und zwar sowohl in der Gesamtauffassung als in den 
Einzelheiten. Schon die Charakterisierung des Kindes als Salvator mundi. 
durch welche die l^edeutung der Mutler zurücktritt, gehört, so viel wir wissen, 
der romanischen Zeit an. Dies gilt vollends von den EinzelfoiTnen : die g^ 



251 i!Pt 

ungene Körperbildung, die statuarische Haltung, die Art, wie die Falten- 
iden gegeben sind, die Stilisierung der Augen, der Haare etc., bis zu 
rm gebrochenen Bandornament auf dem Rahmen. Dagegen finden sich in 
T Bildung der Hände und Füsse und auch in der Modellierung des Ge- 
:htes wieder Züge, welche auf ein feineres Empfinden hinweisen, und ein 
sicheres Formengefühl verraten, als es die romanische Kunst gewöhnlich 
igt. Man wird deshalb die Entstehung unserer Tafel wohl in die Zeit 
tzen müssen, in welcher sich der Beginn einer neuen Formensprache, des 
Dthischen, ankündigt, also ungefähr in den Beginn des XIII. Jahrhunderts. 
> dürfte schwer zu sagen sein, ob wir hier eine Originalarbeit vor uns 
iben, oder ob der für seine Zeit nicht unbedeutende Künstler ein älteres 
^erk, das ihm z. B. in einer Elfenbeintafel vorgelegen sein könnte, auf seine 
^eise copiert hat. Einzelne Gewandpartien machen beinahe den Eindruck, 
5 ob sie ursprünglich für einen kleineren Masstab und für ein anderes 
aterial berechnet gewesen wären. Als einem charakteristischen Denkmal 
ir Uebergangszeit dürfte ihm dann für die Stilgeschichte erst recht eine 
iwisse Bedeutung zukommen. 

Fragen wir endlich nach dem ursprünglichen Zweck dieser Tafel, so 
ligt der untere Teil des Rahmens deuüich, dass dieselbe zum Aufstellen, 
cht zum Aufhängen berechnet war. Man wird aber wohl kaum an ein 
Itarbild denken dürfen, weil das Ganze dafür zu schmal gewesen wäre, 
ielleicht handelt es sich hier um ein Stück, das bei kirchlichen Aufzügen 
erumgetragen wurde, vielleicht um ein Votivbild. Aehnliche Werke, die 
im Vergleich könnten herangezogen werden, sind mir nicht bekannt. Ueber 
ie Herkunft sind leider ebenso wenig Anhaltspunkte gegeben, wie über den 
rsprünglichen Standort. Es geht auch hier, wie bei manchem Kunstwerk, 
as sich aus längst vergangener Zeit zu uns herübergerettet hat, es stellt 
lehr Fragen, als es beantwortet. 



Studien über die ältere Baugeschichte Rheinau's 

Von / h\ Rahu 
Taf, Xlt. 

Neue Funde haben willkommene Aufklärungen über die Baugescli 
Rheinau*s gebracht. Bis vor Jahresfrist sind nur vier Dokumente be 
gewesen, welche ein Bild der alten seit 1705 durch das jetzige Münster] 
drängten Klosterkirche geben; ein Grundriss bezeichnet „(dea 
Ecclesiae Rhenoviensis anno 1705 destnicta^'S den ein Manuskriptenbali 
Kloster Einsiedeln, d.s Abtes Bernhard II Rusconi Historia topico-sj^op 
Monasterii Rhenoviensis (Bd, III pag, 588} enthält^) Fig. 139. 

Das zweite Zeugnis ist ein Blättchen, das sich im Besitze des \i 
verstorbenen Herrn Jost Meyer-am Rhjn in Luzern befand. Es stellt, 







i T 'u p n in t] n ' ^ ' 



.4 




lT (TTfnnnr^ mrtr 1 j_J 




Fig, 136. Rhcinau nach Felix Lindtmeyer d, A. 1504. 

Silberstift ge>:eichnet und fast erloschen, die Ansicht des Klosters von Norden 
dar und trägt die Aufschrift: ^,daß aldt Clofler Rmouw Conterfet 1504 F L" 
mit dem immerhin noch alten Zusatz ,, Felix Lindtmeyer dr Aldt flachmaler 
V Schaffhusen" *) Fig. i36. 

Das dritte Andenken ist ein 1619 datirter Prospekt (Taf. XII), eine Eisen* 
ätzung scheint es, als deren Verfertiger sich der Murenser Conventuale 
Johann Caspar Winterlin nennt. Das 0,55 m lange und 27 cm hohe Blatt, 
dessen Drucke zu den grössten Seltenheiten gehören, zeigt Rheinau wieder 

') Anzeiger 1900. S. 130 Note i. Ein Plan von der Hand des sei. Herrn Ludwig 
Schuithess-Kaufmami in den Zeichnungsbüchcrn der Antiquar. Gesellschaft in Zürich ist, 
weil augenscheinlich aus fachmännischem Standpunkte korrigierte Wiederholung der „Idea*, 
als sicheres Dokument nicht anzusprechen. 

•) Dieses Blättchen scheint verschollen zu sein, es muss deshalb die Wiedergabe 
einer danach verfertigten Skizze genügen. 



/ 



^53 ^9»i 

Norden gesehen. Und noch einmal, von dem gleichen Standpunkte 

fenommen, erscheint das alte Münster auf einem Oelgemälde, das 

^r der Orgelempore der Stiftskirche zur Rechten des Eintretenden hängt. 

stellt den Tod des heiligen Benedikt vor und trägt links unten die Be- 

fhnung: „Lucas Wteßner fecit 1694'' *)• ^^g* ^^y. 

Dazu sind nun zunächst die Entdeckungen gekommen, welche die 1901 
genommenen Untersuchungen im Turm und seiner Umgebung brachten 



^"'M. ► 






Fig* 137. Rheinau nach Lukas Wiestnt; r's Oelgemäkle vrHi 1604 in 
Klosterkirche daselbst. (E. ROegg.l 



iUt 



\ sodann ist allerneuestens ein vierter Prospect (Fig, 138) bekannt geworden, 
' jetzt dem Verfasser gehört und ungefähr den gleichen Bestand wie die 
4ndtmeyer*sche Zeichnung darstellt, sie aber dadurch ergänzt, dass er die 
sieht des Klosters von Süden zeigt* 

Diese Zeichnung, 31 cm lang, 17*/« cm hoch, ist in brauner Tinte mit 
eher Feder gefühlt und ziemhch summarisch mit glatten Tönen bemalt. 



') Wi€iitnef hat seit den Siebziger Jahren des XVll. Jahrhunderts mancherlei Arbeiten 
Jr Rheinau ausgeführt und zwar auch solche handwerklicher Art, wie dies die unlängst 

KOktogon des Südturmes entdeckte Inschrift zeigt: i^lch lucas wicftner Mahler von Vry 
bl feinem gfcllcn Johan baltafer fteiner von Arth Haben die Rupien Renouien 
" 1689". 



254 



tgoi 



bei 
:ii4 



Himmel, Fiuss und Bauten sind weiss, letztere teilweise meergrün, die Land- 
schaft bräunlich grundirt und darauf sind grössere Parthien mit einem zie 
lieh hellen Moosgrün gedeckt. Die Dächer, sofern sie nicht farblos bliebe 
sind mit trübem Carmin und mit einer etwas helleren Nuance der gleiche 
Farbe die Felsen kolorirt Das Ganze ist nicht übel in Perspektive gesetzt 
und die Wiedergabe gewisser Einzelnheiten deutet darauf, dass ihnen Zeic^ 
nungen nach der Natur zu Grunde liegen. Einzelne Gebäude, darunter dfl 
Abtei und das Lusthaus, die beide Abt Heinrich v, Mandach (1497— 1529» 
hatte errichten lassen, sind mit Namen bezeichnet* Ein Datum fehlt und 
zwei Schilde, welche die Wappen des Stiftes und des Abtes enthalten sollten, 
sind leer geblieben*). Immerhin lässt sich die Aufnahme wenigstens annähernd 
datiren: sie muss, weil einerseits die hier abgebildete Holzbrücke und der 
von Abt Heinrich v. Mandach erbaute Torbogen erst 1572 durch neue 
Konstruklionen ersetzt, resp. umgebaut worden sind, anderseits aber bereits 
die unter Abt Theobald errichtete Kanzlei besteht, zwischen dem genannten 
Zeitpunkte und dem Regierungsantritte der letzt erwähnten Prälaten < 1565) ver- 
fertigt worden sein. 

Fassen wir zunächst die Erscheinung des Ganzen ins Auge. Den Ueber- 
gang über den Rhein stellen Lindtmeyer und der letztgenannte ProspekJ 
in Gestalt einer unbedeckten Hokbrücke vor, die auf der Insel ein kleineüj 
Torhaus deckt. \' on da läuft ostwärts eine gezinnte Mauer aus. Ihr Ende lässt] 
die Ansicht Fig. 136 nicht erkennen, dass sie sich aber nicht über die Kirchcj 
hinaus erstreckte, geht aus dem Prospekte Fig, 138 hervor. Hier ist derSpitz-f 
garten unbewehrt, für den Schutz war gleichwohl gesorgt, durch ein Wuhrj 
zunächst, das vom Schwaben zur Mühle lief und sodann war von jener freiettl 
Ostspitze ab das Ufer mit einer zusammenhängenden Gebäudefolge besetilj 
Ein zweistöckiges Doppelhaus im Osten ist als „Abtey" bezeichnet. Hiö 
hat mithin die Prälatur gestanden, bevor im Jahre 1604 der Bau der neueaj 
begann, die dann bis zur Aufhebung des Stiftes den westlichen Abschlu 
des Klosterviereckes gebildet hat. Unmittelbar darauf folgen die Konveni-j 
gebäudc, ihr Osttlügel zunächst und sodann eine Anzalil von Häusernlver-j 
schiedener Grösse, bis zu der Gasse reichend, die quer durch die Insel ziehtl 
und vor der Mühle nach dem F^lusse offen steht. Eine Ringmauer läuft vo 
der Mühle bis zu dem ,,Lusthaus*' hinab, das auf der Westspitze steht Sie| 
schliesst einen Baumgarten ein, in welchem die SS. Felix- und Regulakii 
in gleicher Gestalt erscheint, wie sie noch Wiestner gezeichnet hat, diti-j 
schiffig mit einem viereckigen Turme, der den Chor enthält und ein zietnlnil 
hohes Zeltdach trägt. 

Manche Gebäude, welche diese Abbildung zeigt, sind schon auf Wintff I 
lins Prospekt durch neue ersetzt^ begreiflich, da die Zwischenzeit eine EpocbM 
rührigen Schaffens und die Erscheinung der älteren Bauten eine unregelro^S' 



*) Zu der gleichen Serie gehörten drei weitere Ansichten i die von Diessenhofcn tsufij 
Rapperswil und eine solche des Rheinfalles mit dem Schlösschen Laufen^ das m der ^^ 
»talt erscheint, die es infolge des 1544 1548 stattgehabten Umbaues bekommen hatte 



256 



I9M 



sige und dürftige war. Manche davon haben teilweise noch aus Fachwerk 
bestanden und der Umstand, dass nur einzelne Dächer rot, die anderen aber 
farblos erscheinen, weist darauf hin, dass letztere nur mit Schindeln gedeckt 
gewesen sind. Wie diese Gebäude eines nach dem anderen durch neue und 
bessere ersetzt worden sind, wird die „Baugeschichte des Klosters Rheinau* 
erzählen, die Herr cand. phil. Erwin Rothenhäusler als Inaugural-DissertatioD 
geschrieben hat. Unsere Absicht ist es bloss, die Ergänzungen nachzu- 
führen, welche die neuesten Funde zur Erklärung des Kirchenbaues bieten'). 

Am 15. November 11 14 hatte die Weihe der Kirche stattgefunden,*) 
die mutmaasslich an Stelle des aus dem IX. Jahrhundert stammenden Stiftungs- 
baues getreten war. Ueber die Beschaffenheit dieses neuen Münsters bietet 
ausser den wieder aufgefundenen Resten und den Eingangs erwähnten Pro- 
spekten die „Idea*" (Fig. 139) die sichersten Aufschlüsse dar. Sie ist 1705 von dem 
Rheinauer Konventualen P. Basilius von Greuth gezeichnet, der wohl ein 
eifriger Altertumsfreund, aber, wie die Ausführung des Planes zeigt, kein 
Architekt gewesen ist. So fallen u. a. die staffeiförmigen Teile auf, die sich 
zwischen die östlichen Pfeilervorlagen und die Apsiden fügen ; sie sind nur 
erklärlich als Grundrissprojektion der Gliederungen, welche die Chorbögen 
begleitet haben. Sicher sodann hat der Zeichner ein Pfeilerpaar übersehen, 
das vor der Zwischenwand des Lettners gestanden haben muss*) und geht 
aus dem Vergleich mit der Turmhalle hervor, dass dieser Teil sehr ungenau 
gezeichnet ist. Endlich ist auch die Stellung des Westportales unrichtig an- 
gegeben, von Greuth hat es hart neben das südliche Seitenschiff gerückt, 
während sein Verhältnis zu der wieder aufgefundenen Pteilervorlage zeigt, 
dass CS mehr nordwärts, mit seiner Achse noch über der des Mittelschiffes 
hinaus gestanden hat. 

Im Uebrigen scheinen die allgemeinen Maassverhältnisse richtig verzeichnet 
zu sein. Es geht dies aus der Entfernung hervor, die der Plan, in ziemlich ge- 
nauer Uebereinstimmung mit der jetzigen*), zwischen dem Findansgrabe und der 



') Befremdend sind auf diesem Prospekte Fig. 138 die freistehenden Spitzdächer der 
Nebenchöre, die sonst auf keiner Ansicht, weder bei Lindtmeyer noch auf den späteren 
Veduten Wintcrlins und Wiestners wiederkehren. 

") Zürcher Urkundenbuch. Bd. I Nr. 260. S. 145. 

•) Auf dem Plane auf Seite 123 des unten zu erwähnenden St. Blasianer Mss. 
Nr. 33 ist denn auch dieses Pfeilerpaar, und zwar chorwärts aus der Ostwand des Lettners 
vorspringend, verzeichnet. Wie sich herausstellt, ist dieses S. Blasianer Mss. ein Copie, 
von van der Meer's Vita S. Fintani im Stiftsarchiv und von Teilen des Millenariums in 
der Stiftsbibliothek Einsiedeln. 

*) Die Entfernung von der halben Länge des jetzigen Sarkophages bis zur östlichen 
Turm wand betrügt 35,27 m, wogegen die gleiche Distanz auf dem Plane um ca. 40 cm. 
kürzer erscheint. Dass auch das jetzige Kenotaphium auf der Stelle des früheren steht, 
geht aus van der Meer's Commentar zur Vita S. Fintani (Ms. S. Blasien N. 33 in Karls- 
ruhe) hervor, wo es Seite 103 heisst: „Porro anno 1710 Rvdmüs Geroldus II ad novam 
Mausolaeum in priori loco construendum, (quod tamen Ecclesia versus septendnonalem 
partem transposita, iam non in dextro, sed in maiori choro panlulam ad sinistram conspi- 
citur) primum lapidem solecnniter collocavit .... 



257 '901 

östlichen Turmfronte zeigt. Auf Grund dieser Distanz und mit Hülfe der noch 
festeren Norm, welche die Weite der wieder aufgefundenen Pfeilerstellung 
(5,25 m) giebt, ist es denn auch möglich, den Maasstab nach Metern festzu- 
stellen. 40,45 m betrug die innere Länge vom Scheitel der mittleren Apsis 
bis zum Westportale ; 19,10 m die Gesamtbreite des Langhauses, wie es zu- 
letzt bestund ; nur 16,70 m dagegen, als die Weite des nördlichen Seiten- 
schiffes derjenigen des südlichen entsprach, und 7,25 m die des Hauptschiffes 
aus den Pfeilermitteln in der Längenachse gemessen. 

Der Grundriss (Fig 139) stellt eine Pfeilerbasilika mit drei halbrunden Chö- 
ren in unmittelbarem Anschlüsse an die Schiffe dar. Letztere sind durch sechs 
Pfeilerpaare nebst den entsprechenden Vorlagen im Osten und Westen ge- 
trennt. Die Dimensionen sind bescheiden, nicht viel grösser als die von 
S. Georg in Stein a. Rh., am nächsten kommen sie denen der ehemaligen 
Stiftskirche von S. Imier gleich, wenn von dem Rheinauer Münster die mut- 
maassliche Vorderkirche entfernt und für das nördliche Seitenschiff die Breite 
des südlichen angenommen wird, denn bei der Betrachtung des Planes fällt 
sofort das ungewöhnliche Verhältnis zwischen den Dimensionen der Schiffe 
auf. Nicht das mittlere zeichnet sich, wie gewohnt, durch seine Breite aus, 
sondern die grösste Weite hat das nördliche Seitenschiff, infolge dessen 
denn auch seine Apsis die Dimensionen des Hauptchores um Etliches 
übertrifft. 

Sicher ist dies nicht das ursprünghche Verhältnis gewesen, sondern 
erst durch einen Umbau geschaffen worden, zu dem die besonderen Rück- 
sichten auf das Grab des hl. Findanus geführt haben mochten. In Rheinau 
hatte dieser Pilger von der grünen Insel sein letztes Ziel gefunden. An der 
Nordseite der Kirche liess er sich in eine enge Zelle schliessen^) und hier 
ist er im Jahre 878 gestorben. Seine Kasteiungen hatten ihm schon bei 
Lebzeiten den Ruf des Heiligen verschafft und seine Klause ist der Ueber- 
lieferung zufolge noch lange als ein ehrwürdiges Denkmal erhalten ge- 
blieben. Das Grabmal dagegen ist mit der Zeit verschollen und erst 1446 
wieder gefunden worden, in welchem Jahre zum 15. November von einer 
Enthebung seines Inhaltes berichtet wird.*) Wir erfahren dabei, dass Findan's 



^ Findanus igitur artissimo loco inclusus, qui situs est ad septemtrionalem partem 
basilicae S. Marise genitricis dei et domini nostri Jesu Christi XXII annos incomparabiliter 
corpus perdomuit. Vita S. Fintani, cap. 22. Motte, Quellensammlung zur badischen Landes- 
geschichte. Bd. I, p. 61. 

•) Anzeiger 1900. S. 137, Note 2. P. Moritz Hohenbaum van der Meer, Kurze Ge- 
schichte der tausendjährigen Stiftung des freyeximirten Gotteshauses Rheinau. 1778. pag. 
125. Der Fundbericht in desselben Verfassers Millenarium Rhenaugiense (Msc. Stifts- 
bibliothek Einsiedeln) Tom. V. p. 326 lautet: Anno 1446 die 15 Novembris ipso festo 
S. Fmtani, inter tot turbas, ingenti iubilo repertae sunt Reliquiae seu potius integrum corpus 
ejusdem S. Tutelaris nostri cujus cultus in officijs publicis alias jam a tot saeculis per- 
duraverat Inventum est autem in tumulo hactenus ignoto prope chorum haud procui ab 
€fMS reclusorio, ubi statim altare ad ejus honorem dedicatum fuit magna cum populi de- 





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PiS- *39* l^i<^ 8i^'c Klosterkirche von Klirmau nach P. Basilius von Grculh ^Idci 

Ecclesia?" etc. 1705. 

Grab in der Nähe seiner Zelle gefunden wurde') und dass ihm ba 

votionc . . . , Hodie m /oco tumuli MausoUum visitur ex lapide historiam S, 
tarn exhibenle. (Gefl. Mitteilung des Herrn Stiftsbibhothekars P. Gabriel Mtitr inf 
Vcrgl auch das i^lnstrumentum exhumationis corporis S. Fintani, datum Coi 
1446. 15 Nov, in dem Msc, S. Blasten Nr. 33. S. 112. 
*) VergL auch die folgende Note. 




errichtet wurde. Seine Lage nahe beim Ostende des nördlichen 
iffes ist bis zum Abbruch der alten Kirche die gleiche geblieben, 
i sich unmittelbar westlich dem Findanssarge an, und die Annahme, 
erer hinwiederum sich unmittelbar über dem 1446 entdeckten Grabe 
rd auch dadurch bestätigt, dass ihn die Idea nicht ganz in der Mitte 
nschifies, sondern mehr nordwärts zeigt. 




Wissen wir ferner, dass Findan's Klause ein Anbau war*) und haltt 
wir damit die Lage des Grabmals zusammen, so ist die Erklärung für* 
ungewöhnliche Weite des nördlichen Seitenschiffes gegeben. Setzen 
nämlich statt deren die Breite des südlichen Nebenschiffes an (vergl. die 1 
konstruktion Fig. 140), so zieht sich die nördliche Umfassungsmauer^unmit 
bar neben dem Findansgrabe hin, und das ist denn eben das ursprünglid 
Verhältnis gewesen. So wird auch verständlich, warum die nördlichsteal*^ 
Joche des Lettners schmäler als die übrigen sind, denn die Pfeiler, dicl^ 
erstere begrenzen, wurden allem Anscheine nach auf die Fundamente derT 
ehemaligen Umfassungsmauer gebaut, wenn anders nicht Ausschnitte dori 
letzteren als Stützen verwendet worden sind. Von 1446 und dem folgenden 
Jahre sind Ablässe datirt, die das Concil von Basel für Rheinau erliess.M 
Sollten diese Verfügungen im Hinblicke auf einen damals vorgenommenen 
Umbau getroffen worden sein ? Der vermehrte Zulauf, dem Findan's wieder- 
gefundene Reliquien riefen, würde das wohl erklären. In jedem Falle kann 
die Erweiterung nicht später als 1487 stattgefunden haben, weil in diesem 
Jahre Graf Rudolf von Sulz an der Umfassungsmauer des nördlichen Seiten- 
schiffes beigesetzt worden ist.'^) 

Im Zusammenhange mit dieser Erweitenmg muss damals auch eine 
Erhöhung dieses Seitenschiffes stattgefunden haben, infolge dessen es unter 
die Bedachung des Hauptschiffes einbezogen wurde. Seine Ansicht mit den 
schmalen hochliegenden Fenstern hat Lindtmeyer (Fig. 136) gezeichnet, während 

*) MillenariufPt Tom. IV. p. 261. 6 tum denique a sinistris S. Maurido. S. Fintano 
sacellum extra Ecclesiafpt in loco reclusorii versus septentrionem consecratum erat, usquedum 
invento sepulchro ipsius in choro S. Petri ibidem intra Ecclesiam anno 1446 altare erigeretur. 
In Uebereinstimmung damit stehen folgende Stellen in dem Msc. S. Blasien Nr. 33^ pag. 99: 
Processiones ad S. Fintanum olim plures in usu erant .... sa^culi duoduodecimi, cum 
autem illo oevo Sacellum S. Fintani fuerit extrn Ecclesiam in loco nimium reclusory Sui, 
per specialem ianuam ex illo latere apertam exirc necessum erat. Ab anno vero 1446 cum 
super sepulchrum S. Fintani in dextro choro intra Ecclesiam erectum fuisset Mausokeum 
et altare, ad illud tarn uegUcio sacelio procedebatur adhuc seculo decimo sexto, ac initium 
decimi septimi.** Und S. 101: „Post exhumationem factam 1446 in ipso loco, ubi inventse 
sunt S. Reliquiae intra Ecclesiam quidcm, versus sacellum tamen seu Reclusorium S. Fintani, 
Eidem erectum fuit Altare .... ab hoc autt*m tempore probabiliter sacellum illud extra 
Ecclesiam negligi ac detnii coepit, cum vix aliquod vestigium in delineatione veteris eccle- 
siae anno 1705 destructa; circa illum locum conspicere liceat, proeter aliquod fulcnim 
(„Pfeiler*), [es ist darunter wohl der Strebepfeiler zu verstehen, der aut dem Prospekte Win- 
terlin's vor dem letzten Fenster nach aussen vorspringt] murato operc abs Abbate Theo- 
baldo in renovatione templi fitri curatum." 

*) MUlenariiun Tom. V. pag. 134. Anno 1446 Ejusdem concilii Basileensis legatus de 
Latere Ludovicus Cardinalis Arelatensis monasterio nostro per guerras et littes (sie) diu 
vigentes ad penuriam redacto indulgentias varias concessit . . . Similes indulgentias ipsum 
Concilium sequenti anno concessit per ordinarium (d. h. den Bischof von Konstanz) paulo 
post probatas et piomulgatas. 

') Sein Grab (vide Anzeiger 1900, S. 132) ist auf dem Plane (Fig. 139) mit G bezeichnet. 
Weiter ostlicii im Findanschore, bei D ist 1499 Abt Conrad von Griessen bestattet wor- 
den (1. c). 



201 ijoi 

Winterlings Prospekt die grösseren Maasswerkfenster zeigt, durch die sie 
Abt Theobald um 1570 hatte ersetzen lassen.') 

Aber diese Inkongruenz der Seitenschiffe ist nicht das einzige, was 
befremdet, sondern es giebt noch andere Erscheinungen, die der Erklärung 
bedürfen : abweichend von den gangbaren Verhältnissen stellt sich auch die 
Längte des Schiffes dar, aber doch nur im Grundriss, während die Rekon- 
struktion des Aufbaues, so wie er allem Anscheine nach beschaffen war, 
die normalen Proportionen eines romanischen Langhauses wiedergiebt. 

Um dies zu verstehen, ist auf die Trennung zu achten, die aussen 
zwischen dem westlichen Joche und der Fortsetzung des Schiffes besteht. Nach 
Lindtmeyer (Fig. 136) und dem Prospekte (Fig. i38) sprang beiderseits an dieser 
Stelle ein Anbau vor, der eine allerdings als ein Zusatz, der frühestens im 
Zusammenhang mit dem Erweiterungsbau des XV. Jahrhunderts entstanden 
sein kann, wogegen der südliche Ausbau schon vorher, vielleicht sogar von 
Anfang an bestanden hatte. Weiter fällt es auf, dass die Bedachung zwar 
'n ganzer Länge die gleiche Firsthöhe, über dem westhchen Abschnitte aber, 
dei- hinter dem südlichen Anbau liegt, ein tieferes Auflager hatte. Auch die 
Stellung der Fenster giebt zu denken. Drei davon waren so verteilt, dass 
von dem ersten Stützenpaar im Osten an je eines einem jeden der folgen- 
den Joche entsprach. Es folgten sodann die seitlichen Anbauten und diesen 
wieder zwei Fenster, die aber näher als jene beisammen standen, woraus 
zu folgern ist, dass sie auf die Ausdehnung eines einzigen Joches verwiesen 
wsiren. Dazu kommt endlich, dass diese beiden letzten Fenster, die sich auf 
der Südseite öff"neten, kleiner als die östlichen und auch tiefer als diese 
gelegen waren. Alles das weist auf ein besonderes Verhältnis dieses west- 
lichen Abschnittes hin und legt die Vermutung nahe, dass es eine drei- 
schiffige Vorderkirche, ein sogenanntes Paradies gewesen sei, wie solche 
häufig mit Kirchen nach Cluniacenser- und Hirsauerregel verbunden waren.*) 
Rheinau's Beziehungen zu Hirsau sind schon seit der zweiten Hälfte des 
XI. Jahrhunderts belegt^) und ein Mönch dieses Klosters ist auch Abt 
Chuno gewesen, unter dem der Bau und 11 14 die Weihe des Münsters 
stattgefunden haben.*) 



') Von diesem Prälaten heisst es in dem Supplementum ad fol. 601 de aedificiis ab 
abbate Theobai do exstructis (/?«6row/, Historia topico-synoptica Bd. Ill^ P 603): „Erstlich die 
kirchen Sambt drycn grünen Thürcn (sie) Vndt neuwen Tachstuhl, vndt neüwen fenster 
<^rin lassen machen .... vnd die Stein zu den formen (Masswerken?) vndt Pfosten auch 
^cn Lettner vnd Cantzel auch Etliche Säul alles von Roschacher Stein lassen hauwen." Und 
eine Inschrift, die sich in der alten Kirche befand, meldete von ihm : 
Hat Thurn vnd Tach hinweg gcthon 
D' vier Mauren Hess Er aufrecht Stan. 
(Ruscofti, Tom. III. S. 588.) 

*> C. H. Baer, Die Hirsaucr Bauschule. Freiburg i. B. und Leipzig 1897. S. 117. 
''S'- Hirsau S. Peter S. 32; Alpirsbach S. 41; Gengenbach S. 54; Schwarzach S. 77. 
■) van dfr Meer, Kurze Geschichte, S. 63 u. f. 
*) 1. c. S. 66 u. f. 



262 



190I 




Fig. 141. Rhciiiau. Ueberreste der alten Klosterkirche. Aufnahme des kantonalen 

Hochbauamtes Zürich. 



Welche Kinrichtung diese Vorderkirche vordem hatte, wird mit Be- 
stimmtheit kaum mehr zu ermitteln sein, denn ausser dem Prospekte Fig. 138 
bietet die seither wieder aufgefundene Pfeilerstellung (Fig. 141 und 142) den ein- 
zigen Anhalt zu einem Rekonstruktionsversuche dar.') 

Weiter von dem Portale, als die Idea sie darstellt, und 5,25 m von 
dem darauf folgenden Pfeiler entfernt, schliesst sich der ehemaligen Ein- 



') Ich verdanke ihre Aufnahme den Herren Kantonsbaumeister //. Fietz und Emil 
^^SSy kantonalem Hochbauaufseher, welche beide meine Studien auch sonst mit verständ- 
nisvoller Hingebung gefördert haben. 



264 



t^ot 



gangsseite die Vorlage an (Fig. 141 und 142). Sie ist, wie der mit ihr korre- 
spoodirende Pfeiler» aus Quadern gefügt. Die Plinthen beider Stützen heben 
28 cm über dem ursprünglichen Boden der spätgotischen Turmhalle an. Da- 
rauf folgt eine attische Basis mit steiler Kehle. Die umgekehrte Profilieaing 
zeigen die Kämpfer, mit dem Unterschied jedoch, dass die niedrigere Kehle ■ 
sich unmittelbar mit dem oberen Wulste verbindet und diesen ein dOnne^™ 
Plättchen von der Deckplatte trennt. Zwei gleiche Gliederungen fügen sich 
zwischen dem Pfeiler und dem unteren Wulste ein. Der Bogen, dessen 
Scheitelhöhe 540 m misst, ist aus sorgfältig gearbeiteten Keilsteiner:! 
von blos 28 cm Stärke gewölbt, die aussen auf einen regelmässigen Hail>- 
kreis abgeglichen sind. f 

Lieber die Anlage des Hochbaues sind nur Mutmaassungen erlaubt Si^ 
kann eine ungeteilte gewesen sein, in w^elchem Falle die Beleuchtung de^ 
mittleren Teiles — der hochgelegenen Fenster willen — dann freilich sehi" 
dürftig ausgefallen wäre. Eher, nach dem Vorgange anderer Hirsauer Bauten 
und wie sie auch thatsächlich zuletzt bestund/) ist an eine zweigeschossig^^ 
Teihmg zu denken. Dies aber vorausgesetzt, ist ein östlicher Abschluss de^j 
Erdgeschosses ohne Weiteres anzunehmen und zwar durch Querbögen, die^ 
sich über die Mitte und die seitlichen Abschnitte spannten. Aus der Weite 
der Ersteren stellt sich für den mittleren Bogen eine Scheitelhöhe von etwa 
7 m fest und der Zwischenboden muss, des Portals wegen, über den 
Bögen gelegen haben. Sodann, war auch das Obergeschoss in drei Ab- | 
schnitte geteilt und wie ist ihr östlicher Abschluss gewesen? Nicht um 
denkbar ist es übrigens, dass nur die Mitte offen stund, während die Neben- 
räume gegen die Abseiten zu geschlossen waren und dürfte ferner der sQd- 
liehe Anbau den Aufgang zu diesem Oberstocke enthalten haben. 

Mutmaasslich ist der obere Stock die „Cantzel oder Porkilchen** ge- 
wesen, welche die Bilderstürmer im Juni 152g mitsamt der Orgel nieder 
gerissen hatten ^) und deren Wiederherstellung um 1570 Abt Theobald 
vornehmen Hess. Freilich wäre dabei auch an den Lettner zu denken; in- 
dessen ist zu bemerken, dass jener Prälat ausser der grossen auch eine 
kleine Orgel hatte bauen lassen,^) die sicher für den Chor bestimmt gewesen 



, ') Allerdings stimmt die Zeichnung, welche die Idea von dem südwestlichen Pfcücf 
gicbt, mit dem neuesten Befundt (Fig. 142) nicht übe rein, denn nur an der Nordseite dieser 
Stütze ist ein Einschnitt vorhandeni der auf den nachträglichen Anschluss einer Vorlag« 
deutet, die drei übrigen Seiten sind als glatte Flächen zum Vorschein gekommen. Nach 
der Idea hatte sich die Empore, wie sie seit Abt Theobalds Zeit bestand, auf die Mitte 
und den nördlichen Abschnitt bcschi-änkt, während der südliche vielleicht den Aufstieg 
enthielt. 

T „Die Cantzel oder Porkilchen, wie mans nempt^ dan man vfF die Orgel gangen ist, 
vntz vß* den Boden herab nider gebrochen**. (Rheinauer Akten, Staatsarchiv Zürich L. Vlfl ^ 
gef, Mitteilung von Herrn cand. phil. E. Rotfienhäuskr. 

•) Archiv Rheinau in Einsiedeln C I. 33. 1592. 18. April Gef. Mitteilung des Heim 
Pfarrer A. Waldburger in Marthalen* 




265 



I90t 



ist, und sodann wird in einer Rechnung von 1588, wie bei Rusconi, ausdrück- 
lich der Wiederherstellung des Lettners und der Kanzel gedacht.*) 

Gleiche Schwierigkeiten wie die Rekonstruktion der Vorderkirche bietet 
die der östlichen Fortsetzung, des Langhauses dar, denn van der Meer, der 
einzige Berichterstatter, ist erst 25 Jahre nach ihrem Abbruche nach Rheinau 
gekommen. In seinem Millenarium hat er des Münsters mit kurzen Worten 
gedacht:*) 

„Formam Ecclesiae hujus nostrae subjecimus ad commentarium proprium 
in vitam S. Fintani. Tota erat conventui propinquior, ita ut spacium illud, 
quod modo caemeterium occupat^), intra Ecclesiam consisteret. Ex Altaris Summi 
utroque latere duae erant Capellae semirotunda testudine, quemadmodum et 
ipsum altare medium, sed minori spacio fabricatae.*) Chorus claudebatur muro 
ad semialtitudinem Ecclesiae elevato : cui pariter tria altaria sub suis fornicibus 
praefixa erant. ita ut ex utroque latere altaris medii ad navim pateret aditus. 

Navis ipsa columnis magnis hinc et inde distincta. Altaria sex ec 

Turrim quadratam ad ingressum Ecclesiae etiam Theobaldus addidit, cum 
prius alia ex parte chori consurgeret acuminata." 

Wie es im Eingange heisst, hat van der Meer auch einen Plan der 
Kirche hinterlassen; er ist in der Vita S. Findani im Stiftsarchiv Einsiedeln 
und der Abschrift seines Kommentars zur Vita S. Findani enthalten, welche 
die Grossherzogliche Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe besitzt.*^) Aeus- 
serst flüchtig gezeichnet, stimmt er in abgekürzter Form mit der Idea über- 
ein. Er ist mit Buchstaben bezeichnet, aber keine Verweisung darauf im 
Texte zu finden. Ausserdem ist es von Ansichten der Prospekt Fig. 138 
allein, der einen Rückschluss auf die ursprüngliche Form der Anlage zu 
ziehen gestattet, denn die übrigen Veduten stellen die Kirche von Norden 
dar, mit den Veränderungen also, die hier im XV. Jahrhundert vorgenommen 
worden sind. 

Die vornehmste Frage, die sich im Hinblick auf das Langhaus erhebt, 
ist, wie die Pfeiler und der darüber befindliche Hochbau beschaffen gewesen 



*) 1. c. C. I ad Ann. 1570. Abt Theobald hat gebaut: i) Die Kirche sammt dry grünen 
tOmen (sie), Dachstuhl, Fensterbrechen, die Steine zu den Pfosten, Leitner und Canzel und 
etlichen ftolen (Stüden?) alles von Roschacher Steinen. — L. c. Bd. I 1146 Rechnung von 
1588 „La/nser vnd Camei** — Rusconi (Hist. topico-synoptica, Tom. III pag. 603): „auch 
den Lettner vnd Canteel auch Etliche Säül, alles von Roschacher Stein lassen hauwen." 

•) P. Moritz Hohenbaum van der Meer, Millenarium Rhenaugiense. Tom. IV, p. 261, 
Stiftsbibliothek Einsiedeln R. 883. Gef. Mitteilung des Herrn Stiftsbibliothekar P. Gabriel 
Meier daselbst 

•) Das jetzige „Bruderhöfli", an dessen Südseite die oben genannte Pfeilerstellung 
wieder zum Vorschein gekommen ist. (Fig. 141.) 

*) Das ist unrichtig, wie die Idea in Uebereinstimmung mit dem Plane van der Meer's 
zeigt; die nördliche Apsis ist vielmehr die grösste gewesen. 

•) Msc. S. Blasien N* 33, für dessen gütige Einsichtsendung ich der Direktion der 
Hof- und Landesbibliothek den verbindlichsten Dank erstatte. Vgl. zu dieser Handschrift 
Mone, Quellensammlung zur Badischen Landesgeschichte Bd. I, S. 83. 



266 



t9c»r 



seien? Sind gleiche V^erhältnisse wie die der wieder aufgefundenen StüUen 
auch für die folgenden Pfeiler anzunehmen? Verglichen mit den Abmessungen 
anderer Bauten erscheint diese Höhe nicht zu gering 'f und wenn van der 
Meer von „magnse columna:" spricht, so ist dabei nicht an hohe — magnae 
altitudinis wäre der Ausdruck dafür — sondern vielmehr an stämmige Pfeiler 
zu denken. Einem Zweifel allerdings würde die Annahme gleich hoher 
Pfeiler i)egegnen, wenn das Hauptschiff mit den Nebenschiffen unter gleicher 
Bedachung gestanden hätte, weil in diesem Falle die Beleuchtung des 
crsteren eine sehr dürftige gewesen wäre. Allein dem steht die Ansicht 
Fig. 13B entgegen, wo das Dach des Langhauses schmäler als das der V'order 
kirche erscheint, woraus mit Notwendigkeit gefolgert werden muss, dass die 
Mitte mit selbständiger Befensterung sich über das südliche Nebenschiff er- 
hob. Die Weite dieses letzteren zeigt die Schlusswand des westlichen 
Kreuzgangflügels an iFig. 141)^ dessen Bau Abt Gerold I 1604 begonnen hatte 
und möglich ist es, dass auf den Fundamenten der alten Kirchenmauer auch 
die östliche Fortsetzung des Kreuzganges steht, die 1717 erbaut worden ist/) 

Allels zusammen genommen, stellt sich das Ganze als eine Anlage von 
sehr bescheidenen Verhältnissen, von schlichter Machenschaft und wohl auch 
dürftigen Formen dai-, die den ausgesprochenen Charakter eines Flickbaues 
trug. Nichts destow^eniger muss das Innere von reizvoller Wirkung gewesen 
sein, denn was die sparsamen Mittel dem Architekten versagt hatten, da5 
w^urde aufgewogen durch die Ausstattung mit Wandgemälden^), den maler 
ischen Lettner mit dem Ausblicke^ der sich darüber nach dem Chore öffnete 
und die Altäre, deren Schmuck die gleiche anziehende Mitte zwischen Gothik 
und Renaissance gezeigt haben muss, die den noch bestehenden Bauten 
Abt Theobalds eignet. 

Ein Hauptwerk dieses Prälaten ist der Bau des Turmes gewesen, der 
1572 begonnen hatte und jetzt noch als Sudturm in gleicher Gestalt besteht 
Hier, in der Tiefe des Erdgeschosses befindet sich das pomamsche Portal, 
das bis zum Abbruch der alten Kirche ihr Haupteingang gewesen ist Der 
Stil seiner Gliederungen und Zierden weist auf gleichzeitige Entstehung 
mit den Ueberresten der Vorderkirche^ also auf die Zeit um 11 14 hin. ünt 
so mehr überrascht nun das Verhältnis, in dem diese Teile zu einander stchco 
(vgl. Fig. 140, 141 und 142) : Der Regel zuwider ist das Portal über die Acbe 
des Mittelschiffes nach Norden hinaus gerückt und weiter fällt auf» dass der 
nördlich vom Turme ausgehende Teil der Westmauer hinter der Flucht des 
südlichen zurücktritt. Das ist wohl von Anfang an so gewesen und deshalb, 
soll eine Erklärung dafür versucht werden, etwa die, dass der ursprüngliche 
Plan einen südlich neben dem Portal gelegenen Turmbau vorgesehen babe^ 



*) Etwas zu fttnf Meter beträgt die Scheitelhöhe der Archivolten in St Georg ^ 
Stein a. Rh. 

*) Gcf Mitteilung des Herrn cand. phil. £". Rothenhäusltr, 
*) Vgl. A tue Lg er 1900, S. 137. 



igi>i 

!rst im Mai 1901 ist das Portal in seinem ganzen Umfange wieder zu 

getreten. Bisher war nur ein Teil seiner Umrahmung sichtbar ge- 

L Den Rest derselben und das Bogenfeld hatte ein Mauermantel ver- 

der wahrscheinlich 17 18 errichtet worden ist, als Mauerrisse die Be- 

ung erregten, dass der Turm gefährdet sei.*) 

Dieses Portal gehört zu den stattlichsten, welche die Schweiz aus ro- 
cher Zeit besitzt. Es zeichnet sich ebenso sehr durch seine Höhe 
m.) wie durch Eleganz der GUederungen und Zierden aus {Fig. 142). 
ien Pfosten, deren vordere Ecke ein eingelegtes Dreiviertelssäukhen 
tet» weitet sich eine doppelte Kantung aus mit einer kräftigen Drei- 
Issäule^ die den einspringenden Winkel füllt. Die attische Basis der 
ren ist mit Eckknollen versehen, die Basen der rechteckigen Gliederungen 
len aus Schräge und Plinth, der 30 cm unter dem jetzigen Boden fusst 



mm 



1^ 



!■ Fig* 143. Rhcinau. Bogenfeld des Kirchenportals, 

atten Schilde der Würfelkapitäle sind von einem Saume umzogen und eben- 
Ingen die Gräten der sphärischen Wölbungen vor. Der darunter befind- 
Vulst ist schwach und von dem Schafte durch ein Plättchen getrennt. Ein 
> Band schliesst die Würfel nach oben ab. Darauf folgt eine steile 
ege mit Deckplatte, das gleiche Profil, das auch die Kanten bekrönt. Jede 
S der Schmiegen ist mit einem Bändchen umsäumt, in welchem ein 
förmiges Blattornament ohne Einkerbungen ganz flach gehalten, aber 
ich dem Grunde abgestochen ist. Der Bogen zeichnet sich durch seine 
izierte Profilirung aus, in welcher zweimal der Kamies erscheint. Den 
el der äussersten Gliederungen verdeckt das Sterngewölbe, das sich 
ier Turmhalle spannt. 
)en vornehmsten Schmuck des Portales bildet das Bogenfeld (Fig. 143). 

\ Damals, am 14- Mai 17 18» wurde aus Katharinenthal, wo er beschäftigt war, der 
ster Franz Baer berufen, der aber den Presten für ungeföhrlich erklärte und dafür 
ass der Turm noch hundert Jahre stehen könne. Gefl. Mitteilung des Herrn cand. 




268 



igoi 



Die 1,12 m hohe und 2,32 m breite aus blauem Sandstein verfertigte Platte | 
ist über und über mit Skulpturen bedeckt, nicht eben mustergtiJtig, denn 
das Ranken werk, das sich aus der Mitte entwickelt, lässt ebenso sehr die 
Klarheit der Komposition, wie das Gefühl für Schönheit und Rhythmus der 
Führung vermissen. Es ist ein Ueberschuss von Zweigen, Früchten und 
Blättern, die sich stellenw^eise unlösbar verwinden und dem Gedanken rufen, 
dass kein Bildhauer, sondern klösterhcher Kalligraphengeschmack diesen 
Wirrwarr erfunden habe. Auch die Ausführung weist auf ein beschränktes 
Vermögen hin. Die Behandlung ist flächenhaft, monoton, die Bildung der 
Blätter und die' ungelenken, gi-obschrutigen Tiere mit ihren lahmen Glied- 
maassen und den grossen Augen entbehren der Kraft und des w'ilden Trotzes, 
den romanische Künstler in solchen Gebilden zum Ausdruck brachten. Zu 



!<5 



Fig. 144. Rht ] 



1^— ^ 
I^LiichstOck einer Balustrade 



-^€- 



oberst umschüesst ein Rundmedaillon das Lamm Gottes mit dem Kreuzc- 
Darunter steht ein bärtiger Kopf und von der Mitte ausgehend entwickeln I 
sich in pyramidalem Aufbau die Spiralen, in denen mannigfaltige Tiere iß | 
drei Reihen übereinander erscheinen. Zwei Vögel zur Rechten des Lammes 
sind gegen einander gestellt ; welcher Gattung die übrigen Tiere sind, lisst 
sich nur teilweise bestimmen. Zwei Hirsche nehmen die Mitte ein* ein 
Wolf oder ein Hund scheint dem zur Linken zu folgen. Zu unterst ruheü 
zw^ei Drachen, die sich, von einander abgewendet, mit ihren Ringelleibeni 
verw^inden und wiederum beiderseits springt ein Löw^e gegen den Kopf in 
der Mitte an. Es liegt nahe, auf einen symbolischen Gedanken zu raten un 
diese Darstellung als den Triumph des Lammes über die Welt mit ihr 
Sünden und Begierden zu deuten. 

Seltsamerweise fehlt ein Sturz; das Bogenfeld hebt unmittelbar at 
den Kapitalen der Dreiviertelssäulen und der sie begleitenden Kanten an? 




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Auch von Konsolen ist keine Spur vorhanden. Diese mangelhafte Struktur 
ist denn auch Ursache geworden, dass ein Riss von oben bis unten durch 
die Platte geht. 

Dass die Kirche auch anderweitiger Skulpturen nicht entbehrte, be- 
^weist ein romanisches Relieffragmenty das unlängst gefunden worden ist und 
jetzt im Bruderhöfli liegt (Fig. 144). Es ist aus dem gleichen Material ge- 
meisselt, aus dem das Bogenfeld besteht, eine 11 cm. dicke Platte, die auf 
drei Seiten einen Schmuck mit Bildwerken zeigt. Beide Hauptflächen sind 
von einem glatten Rahmen umschlossen; Ranken im Stile derer, welche 
das Bogenfeld schmücken, füllen die eine, und wieder ein Doppelgewinde 
die andere Seite, hier aber mit einer seltsamen Figur versetzt. Sie stellt 
ein nacktes Wesen mit gehörntem Haupte vor, unter welchem beiderseits 
die Ranken mit dem Halse zusammentreffen. Ein spitzer Schweif hängt 
zwischen den gespreizten Beinen herab. Die Rechte scheint ein Hörn zum 
Munde zu führen, während die Linke die Windung der Ranke fasst. Die 
Schmalfronte endlich zeigt die nackte Figur eines langbärtigen Mannes, der 
mit hochgereckten Armen den krönenden Abschluss, ein leeres Halbrund trägt, 
so dass man versucht wäre, an Atlas mit der Himmelslast zu denken. Wahr- 
scheinlich rührt dieses Bruchstück von einer Balustrade her, die, sei es als 
Chorschranke, sei es als Brüstung des Obergeschosses der Vorderkirche 
diente und, weil auch die Schmalfronte skulpirt ist, einen Durchgang be- 
grenzt haben muss. Ein anderes seither verschollenes Zierstück (Fig. 145), 
das vermutlich Bestandteil eines Kämpfergesimses war, hat Heideloff ver- 
öffentlicht. ') 




Fig. 145. Rheinau. Skulpturfragment nach Heideloff. 



') Heideloff, Die Ornamentik des Mittelalters. Lfg. IX. Taf. L 1. 



Die Wandmalereien im Chore der Kirche zu Kulm. 

Von / R, Ralm. 



Im Chor der Kirche S. Mauritius von Kulm wurden im Oktober 1901 die 
umfangreichen Reste einer Bilderfolge gefunden, die ohne Zweifel aus dem 
Anfange des XIV. Jahrhunderts stammt. Leider sind sie, bevor eine fach- 
männische Untersuchung angeregt worden war, abermals unter der Tünche 
verschwunden. Von den zuletzt noch sichtbar gebliebenen sind farbige Durch- 
zeichnungen von Herrn Dekorationsmaler Christian Schmidt-Emi aufgenom- 
men worden, dem w^ir auch die näheren mündlichen Aufschlüsse verdanken. 

Der quadratische Chor ist mit einem spitzbogigen Kreuzgewölbe be- 
deckt, dessen Kappen nach der vagen Aussage des Maurers die folgenden 
Darstellungen enthielten: die östliche eine predigende Figur; die südliche 
S. Joseph nebst einem Stier (Christi Geburt?), das Bild in der westlichen 
Kappe soll Maria I limmelfahrt und das in der nördlichen einen Bischof mit 
einer knienden Figur dargestellt haben. Die einfach wulstfOrmigen Rippen 
waren von Blattranken begleitet und rot und blau in waagrechten Abschnitten 
bemalt, die weisse Fugen trennten. An den Leibungen des leeren spitzbogigen 
Ostfensters sah man links einen heiligen König und gegenüber eine fast er- 
loschene Figur, beide stehend und fast lebensgross von einem kleeblatt- 
förmig gebrochenen Spitzbogen überragt, über welchem jedesmal ein gelbes 
Medaillon einen zerstörten Spitzschild, auch dieser gelb, auf grünem 
Grunde umschloss; noch höher folgten ein übereck gestelltes Quadrat mit 
roten kreuzförmig verschlungenen Blättern, endlich im Scheitel zwei Me- 
daillons mit gelben Borten, deren jedes auf grünem Grunde, von einander 
abgewendet, einen bärtigen Kopf mit Judenhut umschloss. Eine vollständige 
Bemalung wiesen auch die drei Chorwände auf. An der östlichen, wo 
eine Borte von gelben Wellenranken mit grünen Blättern auf weissen 
Gr. nde den Schildbogen umschloss, traten oben zu beiden Seiten des 
Fensters die unteren Teile je einer Gewandfigur zu Tage. Eine senkrechte 
Borte trennte sie von den anstossenden äussern Flächen ab, die eine Mu- 
steruni;- von abwechselnd gelben und roten übereck gestellten Quadraten 
füllte. Ein mäanderartiges Ornament scheint die durchlaufende Fussborte ge- 
schmückt zu haben. Darunter folgte, als zw^eite Reihe, rechts S. Martin zu 
Pferd. Mit geknintem Haupte und gelbem Rocke teilte er seinen'roten 
Mantel mit dem vor ihm stehenden Bettler, zu dessen Füssen eine Krücke 
lag, während die zweite ihm noch als Stütze diente. Den Schmuck der Fuss- 
borte bildete auf Rot eine Wellenranke von gelben Stielen und grünen 



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,ttern mit einem mittleren roten Vierpass mit grünen Zwickeln ver- 
en, der ein rotes Consecrationskreuz umschbss. Links eine seltsame 
Mg. 146) : Ein tronender König mit dem Szepter in der Linken (sie] fährt 
zurtick und verdeckt sich mit der Rechten sein Gesicht. Ein dahinter 
er Mann mit fratzenhaftem Gesicht und weisser Haube hält ihn be- 
d am rechten Arm. Von links fnaht sich, dem Könige zugewendet, 

ein heiliger Bischof; 
er weist mit der 
Linken auf einen 
halbverwesten Ka- 
daver, der ihm mit 
vor der Brust ge- 
kreuzten Armen 
folgt. Neben dem 
König, zur Rechten 
om Beschauer, dis- 
kutiren zwei Män- 
ner. Hinter dieser 
Szene schien sich, 
nach den roten Aus- 
schnitten unter der 
Kopfborte zu 
schliessen, eine 
weisse Draperie zu 
spannen. Die Fuss- 
borte war die glei- 
he wie die des vor- 
igen Bildes. Der da- 
runter befindliche 
Sockel war ein 
durch rote Doppel* 
hnien gebildetes 
Quaderwerk mit 
weissen Zwischen- 
fugen und abwech- 
selnd roten und 
gelben (oder weis- 
"" sen?) Spiegeln. Im 

ogen der Norwand war, von einer wellenförmigen Rankenborte umschlos- 
^ jongste Gericht gemalt. Man erkannte die unteren Teile eines Engels, 
ten Füssen ein König und ein Krieger lagen. Ein schwebender Teufel 
i gelber waagrechter Balken schienen auf die Darstellung der Seelen- 
ru deuten und die Fiissborte mit Mäandermotiven geschmückt gewesen 
, Dar zu Seiten des Fensters, waren auf weissem Grunde, je 



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ZU zweien» die stehenden 
lebensgrossen Figuren von 
Aposteln gemalt, von Archi- 
tekturen umrahmt, die ausge- 
sprochen frühgothischen Cha- 
rakter trugen: gelbe Klee- 
blattbögen auf schräg rot und 
gelb gestreiften Säulen mit 
grünen Deckplatten, Bögt-n 
und Säulen inwendig von 
einer grünen Borte gefolgt 
Die gleichen Darstellungen 
wiederholten sich an der Süd* 
wand, wo der Schildbogcn 
seinen Schmuck verloren hatte- 
Auch die beiden AposteV 
(iguren zur Rechten waren 
l>is auf die Füsse und 
wandsäume zerstört; linkS; 
rkannte man S. Barthoiom3 
iiit dem Messer, vor ihm 
kniete betend eine fast eben- 
so grosse Figur mit langem 
Gewände, das, wie der Ka^ 
puzenkragen, von roter Farbe 

Fig. 147. S. Bartholomäus, Wajidgeniälde in der Kirche ^^^^ ^^^ ^^|j^ Gesicht mit 

zu Kulm (Aargau). , , ii_ n ^« 

* den langen gelben Haarte 

mochte ebenso gut für da* 

einer Jungfrau» wie für den Kopf eines Knaben gehalten werden. (Fig. 14;' 

Alle Umrisse waren rot; die Köpfe hässlich und roh, der Charakter dtfr 

einer ländlichen Kunst, 




Jakob Boden, Maler in Bern. 

Von //. Türler. 



Gegenüber dem trefflichen und geschätzten Maler Hans Boden in 
Freiburg ist dessen bescheidener Namens- und Zeitgenosse Jakob Boden in 
Bern in der Folge ganz verschollen und unbeachtet geblieben. Man dürfte 
diesen ruhig auch weiter in der Vergessenheit lassen, wenn nicht jetzt eben 
die Namen der schweizerischen Künstler zu lexikographischen Zwecken zu- 
sammengestellt würden. 

In den Berner Stadtrechnungen erscheint in den Jahren 1505 — 1534 
oft der Name Jakob, der Maler; nur einmal ist die Bezeichnung etwas ge- 
nauer, indem dieser Mann 1523 Jakob Maler vor den Barfüssen genannt 
ist. Die Stadt leistete diesem Maler immer nur kleinere Zahlungen für ge- 
ringe Arbeiten, wie für Bemalen von Fähnlein, Läuferbüchsen etc. Eine ein- 
zige grössere Arbeit ist in den Rechnungen genannt, die Herstellung einer 
Altartafel für die Kapelle in Habstetten bei Bern, wofür die Stadt als Pa- 
tronatsherr 20 tf entrichtete. 

In allen jenen Stellen ist Jakob Boden gemeint, über den noch folgende 
Nachrichten etwas Auskunft geben : 

Am 17. Mai 1502 kaufte „der erbere Jakob Boden, der maier, burger 
und gesessen zu Bern**, von Peter Flümann in Thun um 350 U dessen Haus, 
das an der Sonnseite der Kirchgasse in Bern zwischen den Häusern des 
Junkers Sebastian vom Stein und des Lienhart Tremp lag. An der Stelle 
steht heutzutage die Nr. 26 der Kesslergasse. Am 17. Oktober 1508 erwarb 
Boden sich ein ungefähr gegenüberliegendes Stallgebäude. Im Jahre 1515 
hatte er einen Injurienprozess gegen Meister Albrecht, den Bildhauer. Die 
Veranlassung dazu lag darin, dass Mr. Albrecht einen Brief, den einige 
hinterrücks geschrieben hatten, um Boden zu beleidigen, besiegelt hatte und 
ihn letzterer einen Schelmen gescholten hatte, „der ein verretrisch Stück" 
gegen ihn gemacht habe. Der Rat hob die gefallenen Beleidigungen auf, 
bestimmte aber für eine Wiederholung derselben eine an die St. Vincenzen- 
kirche zu entrichtende Konventionalstrafe, „ursatz", in die wirklich in einem 
zweiten Prozess Jakob Boden am 26 Nov. 1515 verfällt wurde. 

Durch welches Delikt eine spätere Strafe verursacht wurde, wissen wir 
nicht. Wir erfahren nämlich, dass der Rat am 8. Dezember 1533 beschloss. 



274 j^ 

Boden eine Strafe dadurch abverdienen zu lassen, dass er die kolossale 
Figur des ChristoflFels im obern Torturm bemalen musste. Als Entschädi- 
gung erhielt Boden im folgenden Jahre noch 30 ff und sein „Knabe* i ','2 i. 
Die interessanteste Nachricht ist der Werkvertrag über die Herstellung 
einer Altartafel für die Kirche in Frutigen vom Juni 1509, den wir hier in 
extenso folgen lassen. Wir schicken nur noch voraus, dass der hl. Quirinus 
(St. Gwer, Festtag 3o. April) Patron der Kirche von Frutigen war und die 
3. Figur des Mittelstückes offenbar der hl. Antonius abbas oder eremita ist 
und wohl nicht einer der Antonine. 

Zu wissen, dass zwQschen meyster Jacob Boden, dem maler von Bern, und gemeinen 
landluten zu Frutingen ist verkomen und abgeredt in wyss und form, wie hamach volget und 
nämlichen, so sol der genant meyster Jacob den jetz gemelten landslüten ein taffeien*) machen 
in ir kilchen nach dem besten geschnitten und geinalet/) und dieselb tafel in dem sarch"), 
daruff die tafel statt, haben die heilligcn dry küng und in dem corpus*) unser liebe frow, 
sant Gewer und sant Anthonin, und sol der uOzug uff der tafel zweymal ußgezogen 
werden*), ouch under in der tafel stan Sant Annen, Sant Sebastian und sant Joachim, und 
aber im obristen chor*) sin ein gott; und was von bild(ern), von loub oder ußgezognen 
dingen wurdt, sol alles wol und zum besten geschnitten und gemalet werden, und solich 
werck ußmachen in jars frist des nächsten. Und wann das werck ußgemacht ist, alsdann 
so sollen lüt, so sich darumb verstand, darzu beruft und söllich werck durch si beschetzt 
werden, und wo si das werck für werschaft geben, alldann dem genanten meister Jacoben 
von den obbcmeldten landluten für schniden und malerlon und alle arbeit zu ußrichtung 
komen Ixxxx guldin, je zwei pfund Bern wärung für ein gülden gerechnet, und im ouch 
des nutzit abbrochen werden, alles erberlich und in krafl dieser beyelschrift, dero zwo 
glicher wort uß einander geschnitten sind und jedem teji eine geben ist in bywäsen 
des kilcherren und tschachtlans von Frutingen, beyder kilchmeyer daselbs und andrer. 
Beschechen etc. 

(Zwischen Juni 18 und Juni 22 J509.) 

^) Taffeien — Altarwerk. 

•) D. h. teils in Schnitzwerk, teils in Malerei, wie die meisten dieser FlQgelaltärc. 
Es wurde alles im gleichen Atelier besorgt, wenn auch wohl nicht immer von derselben 
Hand. Vgl. z. B. Ra/in Die Schnitzaltärchen von Unterschächen und Katzis in Mitt. d. Ge- 
sellschaft für Erhalt, hist. Kunstdenkm. Derselbe Gesch. d. bild. Künste S. 730 flf . . wo- 
selbst die angef. Litteratur. 

•) Sarch Predella. 

*) Corpus, d. h. der eigentliche Altarschrein. 

•) Dieser zweimal ausgezogene „U^^zug" bezeichnet wohl die Bekrönmig mit zwei 
über einander gebauten Baldachinen. 

") „Im obristen chor'* — im obersten Baldachin der zweistöckigen Bekrönung. Es 
ist hier wohl an einen Kruzilixus zu denken, der sich zwischen den Fialen der Bekrönung 
erhob, wie z. B. auf dem hübschen Altar von Brienz (Kt. Graubünden) oder auf dem be- 
rühmten Altar Michael Pachers in S. Wolfgang in Oesterrcich (abgeb. bei Kraus Gesch. der 
christl. Kunst II i. 226). 

Quellen : Kunstgeschichtl. Mitteilungen a. d. Bern. Staatsrechnungen v. Prof. Trächsel 
im Berner Taschenbuch f 1878; Notariatsprotokolle Nr. 2 u. 3, Spruchbücher R, T u. W 
im Staatsarchiv v. Bern und Haller, Bern in s. Ratsmanualen I, 154. 



Jakob Kurer. 

Von 77/. von Liebenau. 



In der Stiftskirche zu St. Leodegar besitzt Luzern ein Bauwerk, das 
zu den vollendetsten Werken der Renaissance in der Schweiz gehört. Der 
Erbauer dieser Kirche ist der Jesuitenbruder Jakob Kurer, geboren 1584 in 
Ingolstadt, über welchen die Litterae annuae Collegii Lucemensis folgende 
Angaben enthalten : 

1633. Actum deinde in senatu de augustiore aede instauranda, cui cum 
idoneus queretur architectus, fratrem nostrum, huius artis egregie peritum, 
qui hoc tempore Ensisheimio huc venerat, prae caeteris delegernnt, missisque 
ad R. P. Provincialem literis impetrarunt. His caeterisque consuetis officiis 
senatus populusque Lucernensis nobis obstrictus, suam vicissim munificen- 
tiam ac favorem sequentibus annis saepius Collegio exhibuit. 

Im Catalogus Personarum Collegii wird als Tag der Ankunft Kurers 
in Luzern der i3. Mai 1633 bezeichnet. Er wird in der Folge unter den 
Coadjutores als Jacobus Currer, Praefaectus Fabrice Templi S. Leodegarii 
oder Summi templi angeführt. 

1689 wurde Kurer nach Bayern abberufen. Die Litterae annuae berichten : 

Jacobus Curer architectus perfecto propemodum magnificentissimo 
templo s. Leodegarii. a P. Provinciali in Bavariam est revocatus; qui, ut 
proximo sexennio operam suam omnibus egregia probavit; ita vicissim sena- 
tum erga se benignum et liberalem est expertus, submisso quotannis in 
collegium vino, frumento, aliisque ad victum et amictum necessarüs. Item ut 
perennius apud posteros exstet accepti beneficii memoria, pictam tabulam 
nomini ipsius inscriptam in templi pariete posuit, abeuntem equo et 100 
ducatorem viatico donavit, ex quibus 25 ipse Collegio reliquit. Collegium 
canonicorum constituit anniversariis sacris ipsi, eiusque, familiae defunctis 
parentorum. 

Das Jahrzeitbuch des Stiftes verzeichnet den Gedenktag unter dem 15. 
September. 

Die Inschrift, welche i633 in den Eckstein der Kirche gelegt wurde, 
nennt als nominellen Stadtbaumeister Landvogt Ludwig Meyer .mit Assi- 
stenz eines Archtitekten Fratris Jacobi Correri, des Ordens der Societet Jesu". 

Den 9. Mai i633 „haben M. g. H. riflflich entschlossen, dass der 
Kirchenbuw nach dem Desegno und Visierung, so der Herr Bruder Jesuiter 
gemacht, solle fürgenommen und darnach durchuss gebuwen werden." 

Die am rr. Juni 1638 in den Turmknopf eingeschlossene Inschrift 
nennt als Baumeister des ganzen Baues und der Türme Fr. Jacob Khurer 
„mit assistenz Herrn Ludwig Meyers Kornhusmeistern," 



276 



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Als im März 1638 die Reparatur der beiden Türme in Angriff genommen 
wurde, verlangte Architekt Kurer, im Einvernehmen mit seinem Ordens- 
obern, vom Rate von Luzern die Ausstellung eines Reverses, weil bei Aus^ 
Führung solcher Bauten, bei denen alte Mauerwerke benutzt werden müssen 
„kein versicherte Beständigkeit . , kann versprochen werden, das man im 
widrigen unverhoften Zufaal man ein CoUegium insgemein und Ine in par- 
ticular entschuldiget haben» er für sin persohn s}^ fliss, ernst, mühe und 
arbeit ungespait anwenden wolle, auch wil der Krüzgang und Gestüel sidi 
machen sollten, M. g. H. den Augenschin innemen und Ime ein Instruction 
ertheilen wollen, wie man solche machen solle." Zugleich bat er um die 
Anstellung einer grössern Anzahl von Werkleuten. Seinen Begehren ent- 
sprach der Rat am 8 März 1638. Dieser Beschluss zeigt hinlänglich, dass 
Kurer der wahre bauleitende Architekt war, der auch die Pläne entworfen hatte, 

Ratsherr I.udwig Meyer führte, wie das Seckelamts- Rechnungsbuch 
zeigt, hauptsächlich die Rechnung über den Bau. 

Der Rat hatte 163g anfänglich eine Abänderung des Planes in der 
Weise vorgeschlagen, dass die Zahl der Altäre neben dem Kreuzaltar auf 
je 2 reduziert werden sollte, da das Stift erklärte, es könne nicht den Bau 
von 10 Altaren übernehmen. Es anerboten aber Privatpersonen die fehlenden 
Altare auf ihre Kosten zu bauen, damit die Kirche nach dem „eingelegten 
Riss und Teseing erstellt werden könne." Der Rat gab hierauf am 24. No- 
vember 1639 seine Zustimmung, nachdem er sich überzeugt hatte, dass 
diese Altäre „dem buw zu keiner unzierde gereichen würden/* 

Zugleich wurde die Verlegung der GrabsteUen von der Kirche in den 
Kreuzgang angeordnet; jeder Kleinrat sollte 3, jeder Grossrat 2 Gräber er- 
halten Der Kreuzgang sollte mit „gemähl" ausgestattet werden; über die 
„Matery" wollte man sich später vereinbaren, ,,damit nit etwan durch un- 
glicheit merere Unform als Zierd ingebracht werden/' Allein eine solche 
Vereinbarung kam niemals zustande. Vielleicht bildet das Gemälde rechtsi 
von der Stiege gegen den Pfarrhof den Anfang zu einer solchen Aus- 
malung, die sich aber nicht des Wohlgefallens der Einwohnerschaft erfreute 

Angeblich wurde Kurrer auch in die Schützengesellschaft Luzern auf- 
genommen, aliein die Richtigkeit dieser Angabe ist mit Hinsicht auf di< 
Ordensregeln sehr zu bezweifeln, 

Franz Xaver Kropf bemerkt in der Historia Provinciae Gernianiac^ 
Superioris V, 93 nur: De collegii nostre Fratribus aedi novae moliendac 
architectus Jacobus Kurer ab Senatu adhibitus : quem per sex annos» occi** 
patum in opere, mira coluit humcinilate civitas, eaque aluit libertate, q^'^^ 
omnem nostram summopere in familiam redundaret. 

Kurer kehrte 1639 in die von den Schweden hart mitgenommene StaA 
Ingolstadt zurück, wo er geboren war. Dort harrte seiner im Jesuiten- 
Collegium, das er im traurigsten Zustande antraf, manche Arbeit, die iiile''' 
dings für seine Talente und seinen Kunstsinn wenig Anregung bot. 



Urs Graflf') der Meister ^ 

Klarlegung seiner Familienverhältnisse für Solothurn. 



Ein Beitrag zur Kunstgeschichte 
von F. A. Zetter-Collin, Solothurn. 



Im Jahre 1865 veröffentlichte Dr. Eduard His in Basel im XL Band 
des „Archivs für die zeichnenden Künste" und 1878 in „Zahn's Jahrbüchern 
für Kunst und Wissenschaft", Bd. V, pag. 257 f. f., seine Studien über den 
früher nur als Monogrammisten V. G. bekannten Goldschmied, Stempel- 
gfraveur und Formschneider Urs Graf, der 1512 Bürger von Basel wurde. 
Aus der bezüglichen Eintragung im dortigen Bürgerbuch ging hervor, dass 
der Künstler aus Solothurn gebürtig war.') 

Fürsprech Jakob Amiet daselbst nahm den Faden auf und suchte an 
Hand des von P. Protasius Wirz aufgestellten Stammbaumes des Ge- 
schlechtes Graff die Familienbeziehungen dieses Urs Graf „von Solothurn" 
nachzuweisen. Er begründete seine Ansichten in einem Anhang zu dem Fest- 
gedicht der solothurnischen Lucasbruderschaft : „Ein Künstlerleben aus 
alter Zeit", das 1873 im Druck bei H. Georg in Basel und Genf erschien, 
und kam dabei zum Schlüsse, dass der Vater obigen Künstlers ein „Karl 
Graff von Aetingen" sein müsse. ^) Auf diese Hypothese stellte Amiet sein 
Gebäude auf. 

Auch Dr. B. Haendke in seinem Buche „Die schweizerische Malerei 
im XVI. Jahrhundert" (Aarau, Sauerländer & Cie., 1898) stützte sich kritik- 
los auf Amiets Ergebnisse und bereicherte das Material durch eine Notiz 
aus dem Ratsprotokoll Solothurn vom Mittwoch nach Reminiscere (16. März) 
anno XXX (1530), auf welche der Verfasser dieser Mitteilungen ihn hinge- 
wiesen hatte, benutzte sie aber nur zur Begründung von Urs Grafs Todes- 
jahr. (Haendke, pag. 85.) 



') Dieses alte solothurnische Bürgergeschlecht schrieb sich von jeher Graff und 
nicht Graf. 

■) His, pag. 258. „Item do hct burgrecht kouft Durs Groff der Goldschmid von 
sollotum uf mentag for sant margrettentag im xii jor umb iiij gülden-* etc. 

•) Im Bürgerbuch der Stadt Solothurn kommt der Vorname Karl um diese Zeit 
höchst selten vor, da er erst mit Karl Borromäus geläufig wurde. Schon dieses eine 
Faktum hätte den Historiker stutzig machen sollen^ um die Aechtheit der Angabe nach- 
zuprüfen. So heisst denn der betreffende „Graf! von Aetingen", der dem P. Protasius als 
Stammvater der gesammten soloth. Familie dieses Namens gilt, nicht Karl, sondern ^^Clewi, 
(Nikiaus) Hansens Sohn von Aetingen". (B. B. 1476. I 32.) Dieser ist da als sog. Ausburger 
bezeichnet. Dazu R. P. 1476. 2. 222. Bürgerrecht. 



278 



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Der Zufall wollte es nun, dass ich als ich vor 3 Jahren, bei Anlassder 
Vorarbeiten zum neuen schweizerischen Künstlerlexikon, dessen Herausgabe 
der Schweiz. Kunstverein beschlossen hatte, die Registraturen im Solothurno' 
Staatsarchiv genauer durchging, um nach Künstlern zu fahnden, bei Budi- 
stabe H im Jahre 1509 auf einen Meister Hug» Goldschmied, fiel.*) Audi 
1527 ist er da wieder erwähnt,^) ebenso im alten Protokoll der Schmiede- 
zunft anno 1516.'*) 

Eine Verwechslung für Hugi*) blieb somit ausgeschlossen, und ein 
Bürgergeschlecht Hug war mir für die damalige Zeit gänzlich unbekannt*) 

Ich erinnerte mich nun an die von Haendke benutzte Notiz von 1580 
betr. den Erbschaftsstreit zwischen dem „Schlyffer" von Basel namens Urs 
Graffen sei. Kindes, in welchem von einer „Hug Graffen sei. Wittwe" die 
Rede ist,") und Hess mir von der Staatskanzlei die genaue Abschrift dieser 
Originaleintragung geben. Sie lautet: 

„UflF Mittwochen nach Reminiscere anno XXX. 

Zwüschen dem Schiyffer von Basell, alls einem nachfare Urs 
Graffen seligen, In namen Ursen seligen Kindes an einem, So dann Hug 
GraflFen seligen verlassenen wittwen, dem anndern teylen, von des obge- 
nantten Ursen Graffen seligen mütterlichen und vätterlichen erbguttes wegen, 
dessgelichen umb den werckgezüge, So Hug selig, von des Sunes seligen 
Kleider wegen, & zugesagt solt haben, & Haben min herren, nach verhören^ 
Klag unnd Antwurt, geratten, unnd erkandt, Das des vätterlichen erbguttes 
halb, die frow Im schlyss glegen biss uff Iren abgang, oder Ir verendrung, 
unnd dann anthin das Züug den Kinden eins sin, Aber beträffend das 
mütterlich gutt, Souwerr das von Basell, ettwas erzöigen mag Darum be- 
schechen, was recht sin wurdt, Berürend den werckgezüg, diewyl Hie oben, 
ein Knab Ist, So das Handtwerck leren wil, unnd villicht der da unnden 
ouch, unnd aber niemand wüssen mag, wöUicher unnder Inen geleben wördt, 
sol der Werkgezüg, ouch biss zu end des schlysses, angestellt werden. 

Fürsprächen, des von Basell J. Hieronimus, unnd der frowen, Vogt, 
Mansslj'b, Thoman Schmid.** 

Meine Vermutung hatte sich also bewahrheitet. 

*) Hug, der Goldschmied, mit welchem über das ihm gelieterte Silber und desselben 
Gegenleistungen ausgerechnet wird. R. P. 1509. 3. 282. 

•) Hug, der Meister, Goldschmied, erhält Nachlass rückständiger Zinse, soll aber die 
künltig alljährlich bezahlen. R. P. 1527. 15. 376. 

*) „Item Hug goldschmid liatt ein LtTknabcn angenommen Meister Hanns Gibeü svn 
im XVI Jor, unnd git 1 lib. zu vertrinken, xxx ß in den Laden, if lib. wachs, ist bczallr 
gelt unnd wachs". Prot, der Schmiendezunlt 1516. 

*) Ein „Hugi, der Goldschmied" kommt nämlich vor: R. P. 1510. 4. 413. 

'') In der einschlägigen Zeit kommen im Bürgerbuch nur zwei dieses Namens vor; 
1467: Hug, Jost, aus dem Walli?^, und 1.175: Hug z. Strin, mit seinen Söhnen Clevii uw 
Peter als Ausburger. 

•) R. P. 1530. 19. 134. 



279 t9ai 



Der vorhin erv^'ähnte Gohischmed Hug musste mit dem verstorbenen 
ne von Hug Graffen sei, Witiwe ein und dieselbe Person gewesen sein 

^nd somit auch der Vater von Urs Graff, des Monogramm isten V. G. mit 

Jer Boraxbüchse* 

P Obschon sich im Bürgerbuch Solothurn keine Eintragung dieses Namens 
(Hug Graff) weder unter der einen, noch unter der anderen Bezeichnung 
befindet (solche Auslassungen kamen früher sehr häufig vor), so war 
derselbe dennoch ein Bürger von Solothurn, vielleicht der Sohn des im 

Ibhre 147 1 beeidigten Ausburgers ,,Graff, Urs, Peters Sohn aus dem PVyl 

WMterbach), (heute Willihorf Aushtirger,'' ') 

W Da aber die oben mitgeteilte Urkunde einen wichtigen Einblick in die 
Familienverhältnisse des Urs Graff erlaubt, Hess ich mir dieselbe von Herrn 

UDr jur. A. Affolter, Fürsprech in Solothurn, auslegen. Derselbe schrieb 

*tnir: ^Es handelt sich um einen Streit einerseits zwischen dem Knäblein 
des verstorbenen Urs Graff in Basel, vertreten durch den ,nachfare'\ d, h, 
den zweiten Ehemann der Witwe des Urs Graff, den Stiefvater des Knaben, 
anderseits zwischen der Wittwe des Hug Graff in Solothurn, der zweiten 
Ehefrau desselben und Stiefmutter des verstorbenen Urs Graff, die eben- 

Hls ein Knäblein hat (Stiefbruder des Urs Graff). Gegenstand des Streites 

H das väterUche und mütterliche Vermögen des Urs Graff, sowie das 

Werkzeug des Hug Graff. Das väterliche Gut (Vermögen des Hug Graff) 
kommt nach dem Urteile in die Nutzniessung der Wittwe des Hug Graf^ 

pis zu deren Tode oder deren Wiederverehelichung. Das mütterliche (resp. 

^ossmütterliche) Gut < Verlassenschaft der ersten Ehefrau des Hug Graff. 
Mutter des Urs Graff) kommt dem Kläger zu; über das Werkzeug ist nach 
Beendigung der Nutzniessung zu entscheiden. Das Verwandschaftsverhältnis 
wird also folgendes sein: 

■ Erste Ehefrau f Hug Graif Zweite Khefrau 

1^ in Solothurn in Solothurn 

^ Aus obigem Stammbaum geht hervor, dass sich Hug Graff zweimal 
verehelichte. Mit der ersten Frau zeugte er den Urs, unsern Künsder und 
^t der zweiten den im Jahre 1530 noch minderjährigen Knaben in Solo- 
^urn. Diese beiden waren also Stiefgeschwister 

Hug, der Goldschmied, muss ein hohes Alter erreicht haben. Erstarb 
^Wischen 1527 — dem Datum, an welchem ein Zinsnachlass stattfand — 
ad 1580, da seine zweite Frau als Witwe erscheint. 



Urs Graff f 


Knabe 


in Basel 


in Solothurn 


Ehefrau: Sybille von ßrun. 


Zweiter Eheiiiami: 


1 


^der ScWyt^er" 


Urs Graf 


(„nachfare") 


Knabe in Basel 





') a B. Soloth, 1471. i. 27. 




sSt 



1901 



_ Nimmt man nun an, er hätte 70 Jahre gelebt, so müsste er zwischen 
M57 *^^*i 1460 geboren sein und sich mit 27, resp. 24 Jahren erstmals ver- 
heiratet haben. Jedenfalls läge das von His angegebene Geburtsdatum des 
Urs Graff (His, 1878, pag; 257 1 dem Jahre 1485 näher als 1490. Aber auch 
meine Annahme, dass Hug Graff ein Sohn des Urs Graff, Peters Sohn aus 
dem Wyl bei Luterbach wäre, gewänne an V/ahrscheinlichkeit, da dieser 
Ausburger anno 1471 ganz gut einen minorennen Sohn von 11, bezw. 14 
Jahren gehabt haben könnte, der später wirklicher Bürger von Solothurn 
wurde und seinen Sohn wieder Urs, gleich dessen Grossvater, taufen Hess, 

Ueber die Mutter des Urs Graff liegen keine beweiskräftigen Doku- 
mente vor; dagegen scheint der Sohn einige Male in seiner alten Vaterstadt 
gewesen zu sein. So anno 1511 — dem Jahre, in welchem seine Heirat mit 
Sybilla von Brunn stattfand — am Montag nach Vincula Petri (i. August), 
da er mit Benedikt Graff in römische Dienste zog*) und 1518, als er zünftig 
zu Schmieden wurde.*) Zum Danke dafür w^ird er wohl das Titelblatt zum 
neuen Zunftprotokoll geschaffen haben, eme mit Farben leicht erhöhte 
Federzeichnung, die 1886 vom damaligen Bibliothekar und Stadtschreiber 
Wilhelm Rust, derzeitigem Redakteur in Chur, neu aufgefunden und der 
stadtischen Gemäldesammlung einverleibt v^^urde.^) Dieses Blatt ist übrigens 
die einzige Zeichnung von Urs Graff, welche Solothurn besitzt. Fig. 148. 

Das Datum 1518, (da während seiner Abwesenheit von Basel der 
dortige Rat in seiner Wohnung eine Haussuchung (Inventar) vornehmen 
Hess);*) könnte aber auch ganz gut in Verbindung gebracht werden mit der 
zweiten Heirat seines Vaters, der 1530 einen minderjährigen Sohn hinter- 
liess. Des Künstlers Anwesenheit in Solothurn wäre damit wohl begründet* 
Zudem hatte Hug Graff eine junge Frau geheiratet, die ihn noch Jahrzehnte 
überlebte und w^ahrscheinlich auswärts, vielleicht in Kirchberg (Bern), starb. ^) 



R. R 



'Graff Urs, Goldschmied und Graft Benedict ziehen in römische Dienste. 
T5tT. 4. 53. 

NB. lu der Originaleintragung erscheint dieser Graff, Goldschmied, zwar schon als 
zur Schmiedenzunft gehörig, 

*) „Item Urs Graf der Goldschmid ist zünftig vvMrden uff Samstag vor Simonis iinnd 
Jude im achtzehenden Jar (1518) Eins mcisters Sun unnd hatt gebenn vier mass win unnd 
halt damitt die Zunfft bezallt." 

Protokoll der Schmiedenzunft, Auch bei Haendke* 

•) Bei Haendke, pag. 29, erwähnt. Das Blatt misst 30/20 cm. Unten in der Mitte be- 
findet sich die Bora:xbüchse nebst dem bekannten verschlungenen Monogramm des Künstlers. 
Rechts daneben steht mit verblasster Tinte geschrieben: „genad dir Gott" und darüber ist 
ein t (Kreuz) eingezeichnet, was offenbar in Bezug auf seinen im Jahre 1539 erfolgten Tod 
beigemerkt wurde. 

*) 15x8, 13 Aug. bei Hisi pag. a6i. — Haendke^ pag. a8, schreibt irrtümlicher 
wdse 1816. 

•) Hugj Goldschmied sei. Frau soll herabkommen und dem Habermann Red und 
und Antwort stehen» sonst werden m. h. ihn auf ihr Gut greifen lassen. R. P. 1541. 33^ 
a&3; dazu: Habemiami Nikiaus gegen die Goldsehmiedin zu Kirchberg, streitiger Kauf« 
id. 1542, 34. 85, 



Wie diese zweite Ehefrau des Hug Graff wohl hiess, darüber giebt 
uns das Jahrzeitbuch der Stift St, Urs und Victor von 1567 in zwei ver- 
schiedenen Eintragungen Auskunft. 

Die erste Eintragung lautet; 

^Hug Graff, ursel bysin sin husfrow, Hanns Graff, Jakob Graff ^ 
Urs Graff, Anna Graff band gesetzt für sich unnd all ihr fordern 
xüiiß.* Unterhalb steht mit verblasster Tinte geschrieben: „Michef 
coftwert, genampt Irpny, hats bessert mit ijß Jahrlich 1567.*'} 

Die zweite Eintragung lautet: 

^Hiig Graff, Ursel Bysin sin husfrow, Hans Graff, Pauli Graf, 
Jacob Graff. Urs Graff. Anna Graff, hend gesetz für sy, viTall Ir 
vurdern xiiiili" 

Unterhalb steht: 

„Mtchft conweri hats bessert Jährlich ijß. hans fridli const, ijM 

Hier ist also die ganze Sippe des Hug Graff vertreten, — Vater, Mutter 
und Kinder. — Nur der Name einer Gattin fehlt leider, 

Dass Hug, der Goldschmied, noch andere Nachkommen haben konnte, 
als den Urs in Basel und den Knaben „hie oben", schloss der Erbschafe 
streit von 1530 ja nicht aus. Dort handelte es sich hauptsächlich um das 
Handwerkszeug eines Goldschmieden» das der „SchlyfTer" Thoman Wds 
für seinen Stiefsohn reklamierte, der vielleicht Goldschmied werden wollte, 
während Hug Graflis Witwe in Solothurn vorschützte, dass auch sie 
einen Sohn besitze, der bereit sei, das gleiche Kimsthandwerk zu erlernen. 
So befinden sich denn auch in den beiden oben angeführten Dokumenten 
Kinder aus erster und zweiter Ehe und zwar — wie wir nachher sehen 
werden — Hans und Jacob als Söhne zweiter Ehe, Urs und Anna (später | 
die Gattin des Michel Conwert, genannt Irmy) als Kinder erster Ehe. Paidu 
der nur einmal zwischen Hans und Jacob erscheint, dürfte noch ein ferneres, 
vielleicht ein früh verstorbenes Kind des Hug Graff mit der zweiten Gattin 
gewesen sein. 

Versuchen wir nun^ obige Annahmen mit den zur Verfügung stehenden 
Urkunden zu belegen. Wir beginnen zu diesem Zwecke mit den älteren 
Kindern : 

Urs Graff* Der Name Urs in der kirchlich-katholischen Stiftung v^ 
1567 wird sich wohl selbstverständlich auf den Meister V. G. mit der Bon 
büchse beziehen. Auch angenommen, er hätte in Basel den Aschermittwod 
Bildersturm des Jahres 1529 mitgemacht und wäre bei seinem Abiehen i 



*) Altes Jahrbuch von St Urs und Victor in der Staatskanzlei Solothura ohne P< 
nierung, so ungefähr \n der Mitte* 

•) Anderer Band des alten Jahrzeit buches von St. Urs und Victor mit Pa^ 
BLat riu 




2Ö3 



igol 



*ichen Jahre*) noch mit dem Banne belegt gewesen, so starb doch sein 
►hn Urs, der Goldschmied» wieder als guter Kathuhk in Solothurn vor 
60.*) Es erscheint nämlich im Jahre 1555 in Solothurn ein Urs Graff, 
>ldschniied, der in den Ratsmanualen als ein Vetter der ^,Anni Irmi" be* 
lehnet wird.*) Dieses verwandtschafdiche Prädikat konnte aber niemand 
derm beigelegt werden, als eben dem, von Amiet schon vermuteten 
)hn des Formschneiders von Basel ; denn die „Anni Irmi*' war eine Tochter 
T Anna Graff, einer Schwester des alten Urs. Dieser Vetter Urs, wie wir 
n nennen wollen, muss sich laut Akten vom 8. Juni 1537 in Basel ver- 
Hratet haben, da er unter obigem Datum durch seinen Stiefvater „Thomann 
*Tn SchlyiTer" vom Rate in Solothurn eine Ehesteuer von seinem gross- 
lütterlichen Vermögen» das noch in der Nutzniessung der Wittwe des 
Irossvatcrs Hug sei liege, verlangt, was ihm auch zugesprochen wurde, ^) 
Dieser Urs Graff, der Vetter, hatte dann wieder einen Sohn, der gleichfalls 
^rs hiess und Maler wurde. Als erster des Geschlechtes Graff, der in die 
ucasbruderschaft Solothurn (Gründung 1559) eintrat, zeichnete er seinen 



fHaenäke schreibt in seinem Buche pag 35: „Da %vir einerseits keine Zeichnungen 
tut Urs Graf) mit einer spätem Jahrzahl als 1529 besitzen, anderseits kaum eine grosse 
panne Zeit zwischen dem Hinscheid und dem Beginne des Prozesses (16. März 1530) an- 
thmen dürfen, so wird Graf ganz zu Anfang 1530 gestorben sein," 

Hier vergis??t Haendke, dass SybilJa von Brunn schon einen „nachfare*'^ einen zweiten 
attcn, hatte, den sie doch erst nach Verlauf einer gewissen Wartezeit ehelichen durfte, 
omit ist kein Grund vorhanden, das von His angegebene Todesjahr des Urs Graff von 
sag auf 1530 zu verlegen. 

1 Schon Amiet vermutete in seinen „Nachweisen** (pag. aB), dass der im soloth. 
Qrgcrbtich anno 1553 eingetragene ,^Graff^ Urs, der Goldschmied, Bürgerssohn'* (B. ß, IL 
>9K den auch P. Protasius in seiner Genealogie der soloth. BQrgergc schiechter nirgends 
iterzubringen wusste, kein anderer sein könne, als der Sohn des Urs Grafi' und der 
ybilla von Brunn. Dieser muss aber schon vor 1560 gestorben sein, da er nach diesem 
'Älum nirgends mehr vorkommt* 

*) Urs Graff (der Goldschmied), ein Vetter der Anni Irmi, verkauft dem Meister 
ans Schild, der ihm und seinen Gesellen einige Zeit ais Vogt gegeben, Hausrat, von 
•Ichem obgenannte Anni Irmi einige Stücke zurücklösen möchte, womit S. jedoch nicht 
iverstandcn ist R* P. 1555, 56, 299/292. 

NB* Der Name ^Goldschmied** kommt in der betreffenden Registratur nicht vor, 
hl aber im Original, das ich prüfte, um event. das Alter dieser Base des Urs Graff Sohn 
bestimmen. 

*) »Uff Freytage Medardi (8 Juni 1537) 

Zwüschen Thomann dem Schlyfler von Basell, von wegen Ursen sines Stief- 
stjoesi Ursen graffen seligen Kindes, an einem, unnd Hugen golltschmiden sehgen 
Eefrowen, unnd erben, dem anndern teylen, Haben nun H. H. crkanndt, das die 
erben, dem Kinde, für sin Eestüre, geben sollen, von zugebrachtem gutte xiiü GL, 
mmd ussgerüste bedtstatte, nitt die beste noch böste, ein Haffen, Kesse, zwo 
blatten, ein Kandten, die K . . . . (unleserhch) teylen, durch Meister Hugen unnd 
ChristoffeUn wegrich dtn golltschmide, unnd was ihm mutterlichs erbguttes gc- 
büren mag, darzu gelangen, Urkunde darum, Fürsprachen* des Schlyflers, von 

L , (unleserlicli) und der antwürter, vogt hachenberg, und Ist S. Mansslyb 

der Kinden vogt/* R. P. 1537. 27. 171. 



285,1001 

fiiet, 1596 die direkte Linie des Meisters Urs mit der Boraxbüchse in 
Kthurn aus. 

Anna Grafif, die Tochter des Hug, niuss sich schon frühzeitig^ mit dem 
ifbesserer der „Jahrzeit" Michel Comvfrt, genannt Inny, verehelicht haben, 
sie, wie wir bereits wissen, im Jahre 1555 eine erwachsene') Tochter 
ina hatte, die als Base des Urs GraiF, des Sohnes des Urs in Basel mit 
" Sybilla von Brunn, genannt wird* Dem Altersunterschiede nach dürfte 
daher sehr wohl eine leibliche Schwester des alten Urs gewesen sein 
d nur Stiefschwester der Brüder Hans und Jakob, auch dann, wenn in 
er Urkunde von 1545 Michel Conwert der Schwager des Jacob Graff 
nannt wird.*) 

Schade ist es fürwahr, dass sich der Name der Mutter dieser beiden 
nder, des Meisters Urs und der Anna, mit Sicherheit nicht nachweisen lässt^). 

De Alter nach müsste nun zunächst des Hans Graff gedacht werden, 
och ziehen wir es der Uebersichtlichkeit der Belege wegen vor den Jakob 
ran zustellen. 



*} Wie schon in Anm, 3 auf Seite 283 erwähnt, prüfte ich die Eintragung des Proto» 
Is von 1555 genau, um festzustellen, ob diese „Anni Irmi** nicht etwa noch minorenn 
1 durch einen „Fürsprächen** vertreten gewesen sei. Dem war aber nicht so^ sondern 
selbe handelte da völlig selbständig in der Weise, dass man versucht wäre anzunehmen» 
& Mutter, die Tante des Goldschmieds Urs Graft* in Solothurn^ hätte nicht mehr gelebt 
brigens waren It. Urkunde von 1537 (siehe Anm. 4, Seite 283) dazumal noch keine Kinder 
^ Hug Graft" aus zweiter Ehe major cnn* 

*) „Jacob Graff der Schlosser so hieuor ...,.,*. In an Lyb und Laben alls 
ICH Meyneyden man unnd der sin Laben verwßrcktt, zu straften, desshalb willens gc 
ISCD, In für rechte zu stellen, dann des sy uÖ' fürbitte NklaHsen Habermanns sints 
mächers, Hamtsen Graffen sines bruders, MkJuiht Gonwirii sints Schwagers, siner Eeiichen 
*ssfrowept, unnd anderer Eren Lütten ....,** 

UflT Mcntage vor Georgii (ao. April 1545). 

R. P. 1545. 39- 197 u, ff". 

'J Nach der Reihenfolge, welche di^ Kinder unter sich in der „Jahrzeit von 1567 
Nehmen, muss unbedingt auf die zweite Frau als Mitstifterin geschlossen werden. Gern 
Ate ich zwar diese »Ursel Bysin" - ein Spross der damals schon berühmten soloth. 
Unsilcr- und Patrizierfamilie — für unsem Meiser Urs ais Mutter in Anspruch genommen; 
»ch die Urkunde spricht zu deutlich^ selbst dann, wenn man annimmt^ diese sei nur 
tte Abschrift aus einem noch älteren Jahrzeitbuche, — Die älteren Kinder müssten auch 
^or den jüngeren stehen I 

■ Die einzige Möglichkeit eines Beweisversuches läge darin, eine spätere Eiiminienmg 
B Namens der „Goldschmiedin Hug zu Kirchberg** vorzuschützen, die sich^ wie wir 
Ben, in der Reformationszeit (1541 4^) dorthin (im Kanton Bern) verzog (warum?) 

■ daselbst mutmasslich Protestantin wurde* Dafür hätte dann 1567 die soloth. Geistlich- 

■ im Einverständnis mit der F'amilie den Namen der trsten Frau (Michel Conwert als 
»aöe der Anna Graft' hatte ja ein Interesse daran) des Hug Graff, der katholischen Ursula 

als Stifterm vorgetragen. Dass in der Urkunde Veränderungen vorkamen^ beweist 
[fibrigens der Name des „Pauli Graft*". 

HB, Gefällige Nachforschungen nach dem Namen der „Kirchbergerin" durch Hrn. Dr. 
fürlcr, Staatsarchivar in Bern, in den Ratsmanualen und den Kirchenbüchern von 
berg führten leider zu keinem weitern Resultat. 




287 



1991 



[ieden')p und so unglaublich es auch erscheinen mag, konnte er zwei Jahre 
die Tochter des angesehenen und einfluss reichen Ratsherrn Nklans 
nami als ,,Hussfrow'* heimführen^*) welche V^eränderung zwar nicht ver- 
te, dass er schon nach Jahresfrist wieder mit Gefängnis, Entvvaflhung und 
ihausverbot gebüsst wurdc^). Es folgen dann eine Menge von Rechts- 
Injarienhändeln (die ich wohl nicht zu belegen brauche), bis er schliess- 
1545 nach „vielfachen Streithändeln und Misshandlungen das Laben 
y'ürkt, doch auf vielfältige Fürbitten nach geschworner Urphede be- 
iigt" wurde. So steht's in der Registratur; die Originalakten aber um- 
m mehrere Blätter Namentlich sein Schwiegervater, sodann sein 
ier Hans, sein Schwager Michel Conwert, seine wahrlich keineswegs 
ridenswerte Gattin und andere Leute halfen ihn aus der Patsche ziehen, 
jfergebens! — Er schüttelte sich wie ein Pudel, der Schläge bekommen 
und setzte nach wie vor sein wüstes Leben fort. — Er zog wider das 
bot mit den Landsknechten in fremden Dienst, hatte verpönten Verkehr 
pem Nachrichter, Händel aller Art mit der Familie sowohl, als mit 
^rn Personen, bis er endlich zwischen Ende April und Ende Oktober 
Jahres 1547 die ewige Ruhe fand.*! „Genati dir Guif hätte man da 
ßchlussakten ebenfalls beittigen können, wie dem Monogramm seines 
fbruders Urs auf dem Wappen der Schmiedenzunft. Alt ist er nicht 
prden, denn vor 1540 erscheint er nirgends, 

\ Sein Sohn, der ebenfalls Jakob hiess, wurde Goldschmied wie sein 
BSvater und lenkte wieder in ordentliche Bahnen ein. 
Vom Jahre 1559 zünftig zu Schmieden,*) gab er dem Rate wenig Ge- 
iheit, sich mit ihm zu befassen. Ein einziger ,,Bussennachlass*' anno 

') »Item Jacob Graff ist zünffig worden zu Weihnachten Im Jar 1540 unnd ist eins 
lers sun unnd hatt ein halben gülden gen zu vertnncken unnd hatt darmit bezahlt." 
1540. Protokoll der Schmiedenzunft 

•) ^Uff Mentage nach Judica (27* März 1542). Es ist zwtischen der golttschmidin 
zu Kilchherg unnd Niclausen Habermann, geratter-, diewyl Jacob Gratl, vor-, unnd 
11 er Habermanns tochter genommen sines erbteyles, und til füruss bezahlt, sölte 
armann die frowen und Ire Kinden In dem Kouffe ruwig lassen." 

R. P, 1542. 34- 85. 

*) Graff, Jacob^ der Schlosser wird mit Gefängnis, Entwaffnung und Wirtshaus verbot 
5t R. F. 1543, 34. 458. 

*) 1547 ^Uff Mittwochen nach Marxi Ev,"*, d. i. Ende April, hatte er noch einen 
Ishandelj 1547 „Uff Mentage vigil. Omn. Sanct, d. i, Ende Oktober, erscheint vor 
^Habermann, Niclausens Tochter, Namens ihres Mannes sei." 

R. P. 1547, 43. 480. 

■) ipltem Jacob Graff Ist zünffig worden uff Sunntag nach unseres Herrn fronleich- 
isLg, unnd gibt In die Laden iiij Üb. unnd ij lib. zu vertrinken unnd ij U Wachs. De 

Protokoll der Schmiedenzunft. 1559. 




288 



19D' 



i 



1560 und eine „spänige'' Liedlohngeschichte von 1578 mit dem ^ Arm bruster'') 
sind ihm auf Rechnung geschrieben. 

Hans Graflf war das Gegenteil seines Bruders jakob, ein ruhiger 
Bürger, fast allzu ruhig, als dass man viel über ihn schreiben könnte. Hätte ilin 
die böse Urkunde von 1545*) nicht ausdrücklich als wirklichen Bruder des 
streitsüchtigen Jakob genannt, so wäre die genaue Feststellung seiner Pers<'>ii. 
lichkeit kaum denkbar gewesen. Nicht weniger als vier Hans Graff sind 
während der einschlägigen Zeit im Bürgerbuch S. eingetrageni die sich 
dann abwechselnd in den Ratsmanualen widerspiegeln. (Unser Hans erscheint 
nur einmal.! So aber konnte sein mutmassliches Alter mit ziemlicher Sicher- 
heit ausgerechnet werden. Das Jahr 1520 oder 1519 dürfte sein Geburtsjahr 
sein. Dem gemäss wäre er der Knabe von 1530, welcher ,,hie oben" gewesen, 
weil er das Goldschmiedhandwerk zu erlernen wünschte ; denn im Schmieden 
Zunftprotokoll von 1542 kommt ein Hans Graft' wirklich vor^) und 1544 schwOrt 
„Grafll^. Hans, der Goldschmied, Bügerssohn aus der Stadt" den Eid**l Diese 
beiden Personen müssen demnach identisch sein und passen genau in unsem 
Rahmen. Wohl nimmt P. Protasius in seiner oft erwähnten Genealogie diesen 
letztern als einen Sohn Benedikts (was zwar nirgends geschrieben steht! 
in Anspruch, machte aber dabei seine Rechnung ohne das Schmiedeniunft' 
Protokoll von 1516, das er nicht kannte, da es erst in den verflossenen 
80 er Jahren vom damaligen Stadtschreiber W. Rust neu aufgefunden wurde, 
Hier hätte der geschichtskundige Kapuziner seinen Spross aus der Linie 
des „Clewi von Aetingen^^ finden können, jedoch weit früher, d. h. anno 152L 
als Meister Ludwig Scherrer (Schärrer) einen „Lehrknaben Hans Graff, 
Benedict Gräften Sun'' annimmt^). 

Diesen Hans Graff von 1521 aber mit demjenigen von 1542 resp. 1544 
zu identifizieren, geht nicht wohl an, selbst angenommen, derselbe hätte 
seine Wanderjahre allzu lange ausgedehnt. Auch ist das Gewerbe des 
Ludwig Scherrer nirgends, so gewissenhaft ich nachforschte, angegeben. 
Wäre dieser Meister Maler oder Goldschmied gewesen, so würde ich ihii] 
sicher gefunden haben, denn diese Bürger waren von jeher zu stolz auf ihre 
Kunst, als dass sie ihren Beruf in öflTenthchen Dokumenten nicht vormerken 
liessen. 

Pauli Graff wird, wie schon gesagt, ein Sohn des Hug GrafF geweseil 
sein, der seiner Geburt nach zwischen Hans und Jakob fällt. Vielleicht w 



') Damals war Theobald Sickingtr, der Vater des Radierers und Formschnd 
Gregor kis SicktPtger, Armbruster in Solothurn 

•) Siehe Anm, 2, Seite 285, 

') „Itcm Hfitts Graff' ist zünWig worden im 1543 Jor u gilt iiii moss Win ist alls b«i 

Schmieden Protokoll 154:2. 

') B. B, 1544. IL 84 

*) », Meister Ludwig Schärrer hatt ein Lerknaben angenommen, Hopts Graff', Benc^ 
Graficn Sun, gitl v ß in die Laden, v ü zu vertrinken und 1 Üb, Wachs » . . .* 

Schmiedenprotokoll 1521. 



289 



Z901 



er ein Zwillingsbruder des einen. Das ist aber auch alles, was ich über ihn 
melden kann. 

Ein gewisser Pauli Graff ist zwar im Ratsprotokoll von 1550 ange- 
geben, kann aber unmöglich in Beziehung zu dem Sohne des Hug GraflF 
gebracht werden. Die Notiz handelt von einer „spänigen Wegsame", die 
wohl den im Jahre 1544 aufgenommenen Ausburger „Pauli Graff von 
Aetingen" angehen wird. 

Als Fortsetzung des Stammbaumes von 1530 können wir nun folgende 
Genealogie des soloth, Geschlechtes GraflF aus dem Wyl bei Luterbach, so- 
weit dieselbe hier in Betracht fällt, feststellen: 

Pefer Graff 
im Wyl (Luterbach) 



Erste Ehefrau: N. N. 

Cop. c. 1485, t c. 1510 



Urs Graff 
1471 Ausburger in Solothum 

I 
Hu9 Graff 
Burger in Solothurn 
geb. c. 1460, 
t zwischen 1527— 1530 



Zweite Ehefrau: Ursel Bys 
aus Solothurn, Cop. c. 15 18 
1541 — 42 in Kirchberg, Kt.Bern 



Anna Graff 
t vor 1555 
in Solothum 
Ehemann : 
Michel Conwert 
gen. Irmy 



Urs Graff 

Goldschmied und 

Formschneider 

geb. c. 1485 in 

Solothum 

cop. 151 1 



Besserer der Jahrzeit Bürger von Basel 1512 



ttans Graff 
Goldschmied zu 

Solothurn 
geb. c. 1519 
zünftig 1542 

jurat 1544 



Pauli Graff 



von 1567 
in Solothurn 



t in Basel 1529 

Ehefrau : 

Sybille von Brunn 

II. Ehemannn: 

Thomann Wels 

der Schlyffer in Basel 



I 

AnnI Irmy 

in Solothum 1555 



Urs Graff 

Goldschmied 

geb. in Basel 

jurat in Solothurn 1553 

t daselbst c. 1560 

Ehefrau: N. N. 
cop in Basel 1534 



Jakob Graff 

in Solothum 

Schlosser 

geb. c. 1520 

zünftig 1540 

t 1547 

Ehefrau : 

Habermann's 

Tochter 

cop. 1542 



Und 
(pag. 35): 



Urs Graff 
Maler in Solothurn 

Lucasbruder 
t 1596 in Solothurn 



nun zum Schlüsse noch ein Wort zu Haendkes Behauptung 



290 X90i 

^Als direkter Nachahmer Grafs ist zunächst sein sehr unbedeutender 
Bruder Hans zu nennen, der 1520 im Zimftbuch zu Basel als Maler einge- 
schrieben ist. Wir haben auch eine Zeichnung von ihm, die mit H. G. (ver- 
schlungen) signiert und 1550 datiert ist . . . .** 

Hier hat Haendke, wie man zu sagen pflegt, ins Blaue hinein ge- 
schrieben. 

Die bezügliche Eintragung im roten Buch der Himmelszunft in Basel*) 
gab ihm absolut^ keinen Anhaltspunkt, diesen Maler Hans GrafF in irgend 
eine verwandtschaftliche Beziehung zum Meister Urs mit der BoraxbQchse 
zu bringen, ebenso wenig die Zeichnung von 1550, die, nach Ansicht des 
Herrn Dr. Daniel Burckhardt in Basel, ebenso gut einem andern Zeichner 
mit einem andern Namen auf G oder H zugeschrieben werden kann. Jeden- 
falls hat der Stiefbruder des Urs Graff, der Goldschmied in Solothum, das 
Blatt nicht gezeichnet, noch wurde der Lehrling von 1521 ein Jahr vorher 
in Basel zünftig. Nur wenn erwiesen wäre, dass Hans Graff, Benedikts Sohn, 
Maler geworden, dürfte ein Grund vorhanden sein, auf die eine von Haendkes 
Behauptungen einzugehen. 

') „Item es hat die Zunft kouft meyster hans Graff der mollÄ uff den zwölfiten Tag 
des augstmonats und hat geschwor6 die Zunftordnung wie ein ander zunfftbnid^ der moIl6 
zu halten." 

1520. Protokoll der Himmelszunft, Basel. 

Gefällige Mitteilung des Herrn Prof. Dr. Daniel Burckhardt. 



Die Glasgemälde in den aargauischen Kirchen und 
öffentlichen Gebäuden'). 

Von Hans Lehmann. 

Taf. Xm, XIV. 

(iTlie Zahl der aarg. Glasgemälde, deren Farbenglut heute noch manchem 
^^ schlichten Dorfkirchlein eine künstlerische Weihe verleiht, welche wir in 
dem aufdringlichen Schmucke der Barock-Kirchen vermissen, ist eine sehr 
beträchtliche, und darunter finden sich nicht selten Werke ersten Ranges 
neben solchen, in denen ein Kunstzweig, der in unserem Lande seine höchste 
Vollendung erreichte, nur noch welke Blüten hervorzubringen vermag. Ihre 
Verteilung über das Land ist eine sehr verschiedenartige. Wir vermissen 
sie fast in keiner Kirche, soweit die Grenzsteine das Wappen der stolzen Re- 
publik Bern tragen, sie verschwinden, sobald wir den Fuss hinübersetzen in 
das einstmalige Gebiet der „Gemeinen Herrschaften** und das Frickthal. Nicht 
dass den „Innern Orten** die Liebe zu diesen daseinsfreudigen Kindern des 
Lichtes und Farbenglanzes gefehlt hätte oder ihre Schenklust minder gross 
gewesen wäre. Dagegen würden die Kreuzgänge der ehemaligen Klöster 
von Muri und Wettingen, sowie das ganze Aktenmaterial der eidgenössischen 
Abschiede lauten Protest erheben. Aber es scheint, als ob ein gütiges 
Geschick den Kirchlein, welche der Reformationssturm ihres Schmuckes 
entkleidete, wenigstens diese weihevollen Denkmäler mittelalterlicher Kunst 
erhalten wollte, um spätere Generationen daran zu erinnern, dass das Haus 
Gottes nicht notwendiger Weise ein Raum der Nüchternheit und jedes 
künstlerischen Verzichtes zu sein braucht. Wir haben darum auch mit 
Freuden wahrgenommen, wie man sich in jüngster Zeit nicht nur bemühte, 
dieses Erbteil unserer Väter in Ehren zu halten, sondern ihm auch nach 
Vermögen eine würdige Stätte zu bereiten, wobei die Regierung des Kantons 
den Gemeindebehörden mit gutem Beispiele vorangieng. 

Ihrer Entstehung nach umfassen diese Kunstwerke den Zeitraum von 
ca. 1290— 1720, also beinahe ein halbes Jahrtausend. Während die beiden 
ersten Jahrhunderte durch wenige, glänzende Bildercyklen vertreten sind, 
bilden die Glasgemälde des 16. und 17. Jahrhunderts eine äusserst bunte 
und mannigfaltige, fast lückenlose Kette, deren Glieder mit dem Anfange des 
18. Jahrhunderts abbröckeln. 



') Der Anfang dieses Verzeichnisses erschien im Jahre 1893 in den „Kleinen Mit- 
teilungen'', dem Verkehrsorgane der mittelschweiz. geograph.-kommerz. Gesellschaft zu 
Aarau, deren Konservator, K. Bührer, sich um die Bekanntmachung der aarg. Kunst- 
schätze im Verein mit dem seither verstorbenen kunstsinnigen Amateurphotographen Dr. 
Otto Lindt in Aarau grosse Verdienste erwarb. Da diese Publikation schon nach etwas mehr 
als Jahresfrist eingieng, fand damit vorläufig auch das angefangene Verzeichnis sein Ende. 



292 I90I 

Bezirk Zofingen. 
Nlederwyl (Rothrist). 

Die Glasgemälde in der Kirche zu Niederwyl (Rothrist) sind ein Ge- 
schenk des Standes und einzelner Ratsglieder von Bern, gestiftet in den 
Jahren 17 14 und 17 15, also kurz nach der siegreichen Vilmergerschlacht. 
Sie zeigen das letzte Aufleuchten einer alten Sitte bei der Erbauung 
eines neuen Kirchleins, ein letztes Aufflackern, das noch mit nicht ganz 
unzureichenden Mitteln in Bezug auf Technik und Komposition uns über 
den innerlichen Verfall dieses Kunstzweiges hinweg zu täuschen versucht. 
Von den 9 Scheiben sind 8 nach der gleichen Vorlage gemacht. Sie 
zeigen uns das Wappen des Donators in ovaler Kartusche mit reicher 
Rococoeinfassung und Fahnentüchern. Darüber prangt in etwas aufdring- 
licher Weise die mächtige Freiherrenkrone mit den 7 Kugeln. Den 
Hintergrund bildet blassvioletter oder blassblauer Damast. Am Fusse 
des Wappens meldet eine grosse Inschrifttafel, beidseitig umrahmt von 
Fruchtgewinden, Namen, Rang und Amt des Donators. Die Farbenwirkung 
ist eine höchst monotone (violett, blau, gelb, grün, weiss) und wird nur da 
etwas lebhafter, wo die Wappenfelder die Verwendung von Rot bedingten. 
Farbige Gläser werden nicht verwendet. Die Glasgemälde sind paarweise 
angebracht in zwei Fenstern der Nordwand des Schiffes und den drei Fenstern 
des Chores. Ihre Aufzählung erfolgt von links nach rechts. 

1. Wappenseheibe Wursfenberger. 1714 

(W. Kreuz zwischen gold. Krone und gold. Mondsichel auf blauem Feld.) 
Inschrift : 

Herr Efnantiel Wurdenberger dess Täglichen Bcihts und der Zeit venut-r dir 

Statt Bern 1714, 
Sehr gut erhalten. 50 : 38 cm 

2. Wappenscheibe Kilchberger. 1715 

(W. Kirche auf gold. Dreierberg im blauem Feld.) 
Inschrift: 

Herr Enianuel Kilchbcrger des Grossen UaMs Lobt. StcUt-Bern vnd (ßcicv^n^r 
Comandat zu Arhurg Ä^ 1715. 

Einige Notbleie, sonst gut erhalten. so : 38 cm 

3. Wappenscheibe Thormann. 1714 

(Gold. Thor in bl. Feld.) 
Inschrift : 

Herr Gahrhi Thor man dess Tägliehen liahis mid der Zeit SecJitlnicister Ttufsrh- 
landen der Statt Hern, 1714. 

Einigt» Notbleie, sonst gut erhalten. 50:38nD 



293 '^ 

Sfappensoheibe Frisching. 1714 

(Schw. Widder auf gold. Feld.) 

Inschrift : 
Herr Samuel Frisching Herr zu Bümligm und der St. Bern Venner und 

Feldherr Anno 1714. 
(Es ist der tapfere, greise Venner von Vilmergen, durch dessen Standhaftig- 
keit der Sieg zu Gunsten Berns entschieden wurde.) 
Sehr gut erhalten. 52: 38 cm 

iVappenscheibe Siürler. 1715 

(Gold. Gitterthur im rot. Feld). 

Inschrift : 
Herr Philipp Stürler^) dess Grossen Eahts Lohl. Statt-Bern und dissmahls 

Comandat zu Arhwrg Ao. 1715. 
Einige Notbleie, sonst gut erhalten. 52 : 38 cm 

iVappenscheibe Lerber. 1714 

(Im gold. rechten Schrägbalken auf rot. Feld ein schw. Vogel). 

Inschrift: 
Herr Frantz Ludwig Lerher dess Täglichen Rahts und Der Zeit venner der 

Statt Bern Anno 1714. 
Wappen heraldisch flüchtig gezeichnet. Sehr gut erhalten. 5« : 3S cm 

dfandessoheibe von Bern. 1714 

In grosser ovaler Kococokartusche das Standes wappen von Bern. Darüber ein 
roter Mantel, überragt von einer mächtigen gold. Krone. Zu beiden Seiten der 
Kartusche ein grosser Löwe als Schildhalter, auf vorspringenden Podien stehend, 
deren Dielen noch Anklänge an die Perlmuttertechnik aufweisen. Zwischen den 
beiden Podien hängt von der Kartusche ein rechteckiges Schildchen herunter 
mit der Inschrift: 

Die Statt Bern. 1714. 

Auf denselben steht beidseitig eine Säule, welche bis auf das Kapital von 
den Löwen verdeckt wird. Darüber schwingt sich in gedrücktem Bogen ein 
Blattgewinde. Die beiden Zwickel erflQllen architekt. Gebilde mit Frucht- 
gewinden in rot-\ioletter Farbe. Den Hintergrund bildet hellblauer Damast. 
Eigentümlich ist dieser Scheibe die Verwendung von rubinroten und violetten 
Gläsern, durch welche ihre Leuchtkraft bedeutend gesteigert wird. 

Einige Notbleie, sonst gut erhalten. es : ei cm 

Wappenscheibe Bucher. 1715 

(Grüner Baum im w. Feld.) 

Ein Stück, der unteren Kartuscheneinfassung sowie die Inschrifttafel fehlen. 

Nach dem Wappen wurde sie gestiftet von Herrn Johann Rudolf Bucher, 
Teutschseckelmeister 1(399—1705, Venner im Schmiedenviertel 1713 — 1716, 
t 1719; gehörte dem Kl. Kate an seit 168(5. 

Mit Ausnahme der fehlenden Stücke gut erhalten. sorjsrm 

*) Merz, Dr. W. Zur Geschichte der Festung Arburg» S. 39. 



294 «9« 

9. Wappensoheibe Cünta. 1715 

(Bl. Gans in grün. Gas auf r. Feld.) 

Die Freiherrnkrone ist ersetzt durch eine Draperie aus blauem Tuch mit 
gold. Fransen. Den oberen Rand ziert ein Schnurgehänge mit Quasten. Die 
übrige Komposition stimmt mit den andern Glasgemälden überein. 

Inschrift : 

Herr Abraham ]}üntz dess- Grossen Bdhts LoU. Statt Bern und diser Zdt 
Stifftschaffner zu Zoßfigen Ao 1715. 

Einige Notbleie, sonst sehr gut erhalten. »»cm 



Brif tnau. 

Im Jahre 1516 stifteten Georg von Büttikon und seine Gemahlin Küngold 
Effinger die Kaplanei zu Brittnau *), welche später in eine Pfarrei erweitert 
wurde "). An ihr Geschlecht erinnern noch eine Wappenscheibe und ein 
Grabstein in der Kirche. 

1. Wappenscheibe von Büttikon*). c 1520') 

Zwischen zwei mächtigen, weissen Säulen, deren moosgrüne Basen Trommelu 
mit gothischen Fischblasenornamenten und Eichenlaub aufweisen, während io 
den grüngelben Kapitalen mit blassvioletten Aufsätzen und noch deutlicher io 
dem schwarzgelben Bankenwerke des abschliessenden Bogens Benaissanceformen 
anklingen, prangt auf schwarzblauem Daraaste das grosse Wappen derer tod 
Büttikon. Der mächtige Spangenhelm mit gothischem Halskleinod ist heraldisch 



') Urkunde im Stiftsarchiv St. Urban; gütige Mitteilung des Hm. Staatsardüvar 
Dr. Th. von Liebenau in Luzern, wie auch folgende Notizen: Georg v. BQttikoo 
war der Sohn des Hans Thüring von Büttikon (1441— 1499), Herr zu Brittnau undWykon, 
(nach Leu, Lex. Bd. 4, S. 313 soll Georg im Jahre 1516 den halben Twing und Bann in 
Bern verkauft haben, welches bereits die andere Hälfte seit 1481 besass) und seiner iwcitö 
Gemahlin, Anna vom Stein. Georg war zuerst Chorherr-Wartner von Beromünster, ver- 
ehelichte sich aber nach dem Tode seines Vaters. Im Jahre 1539 zog er nach Basel, wo 
sein Sohn Porphyrius 1558 als der letzte des Geschlechtes starb. Vgl. auch Geschichtsfr. 
Bd. 16, S. 24 und 31. 

•) Brittnau gehörte ursprünglich ins Dekanat Aldshofen (Atelishoven) respektive 
Wilisau (Geschichtsfr. Bd. 19, S. 175). Nach der Reformation wurde die Pfarrei von Bert 
besetzt und der Pfarrer zuerst dem Langenthaler und später dem Kapitel Aarau-Zofingö» 
zugeteilt. Vgl. Frickart, Chronik der Stadt Zofingen, Bd. i, S. 148 f. und Verz. d. GlasgC 
mälde^ unter „Ürkheim", Anmerkung i. 

■) Beide Glasgemälde befinden sich im Mittelfenster des Chores hinter der neu» 
Orgel, werden aber hoffentlich bald passender aufgestellt werden. 

*) Nach Leu (Lex., Bd. IV, S. 313) verbrannte 1547 die Kirche nebst 32 Wohnhäusc^^ 
vielen Scheunen und Speichern. Ebenso meldet ein Ratsmanual der Stadt Zotingen (Nr. i» 
S. 16) : Item anno 1547 vff zinstag nach Sant Vlrichstag ist das Dorff Brittnow verbnineB 
etc. Jedenfalls datiert das Glasgemälde vor dem Brande. 



gut gezeichDet. Am Fuä^e meidet ein Spruchbatid aus farblosem Glase io 
gothischeu Minyökeln : 

ntrtnü D^it bütili^tt '). 

Sehr gut erhalten. Im Helm einen Sprung, sonst nur wenige Notbleie. Oberer 
Teil restauriert, ebenso das Spruchband richtig zusamniengesetzt von Glasnialer 
Müller in Bern '). 36,5 : S6 cm 

\t Wappenschelbe des L R. Maffhey mit Figuren. 1702 

Im mittleren Bogen eint.s Hauhen, dreiteiligen Portikus Hteht auf einem 
Plättchenboden mit sehr schlechtem Perlmutter das heraldisch noch ordentlich 
gezeichnete Wappen der , Matthey *", flankiert von den alleg. Gestalten der 
Justitia und Fortitudo. Über dem Gebiilke wird eine Festung (Aarburg?) aus 
Feldschlangen beschossen. Die grosse Kartouscbe am Fasse des Gemäldes 
trägt die Insehritt: 

Hr. Juhun Rudolph Mathey^ der Zeit (Jomtnendant der Vestungt vnd Obervogt 
der aralf schaß Arhimj 1702% 

Den Hintergnmil bildet farbloses Glas. Die Äut'traglarben sind grell, selbst 
rot dunkel und klexig. Einige Notbleie, sonst gut^j. 77: 45 cm 



^ 



^) Ein Bruder Georgs, Jakob, 1517—1522 Herr zu Kulm und Ruod, fiel 1522 zu Bi- 
cocca und hinterliess von seiner Gemahlin, einer geb. v, Luternau, eine Tochter Verena, 
die nach 1529 einen Sigelmann heiratete. In ihr haben wir wohl die Stifterin des Glasge- 
Riäldes zu suchen. Stilistische Gründe weisen demselben als Entstehungszeit den Zeitraum 
von 1515 bis 1525 zy* Welchem Gliede der P'amiiie die Grabplatte gewidmet wurde, kann 
Dicht mehr festgestellt werden, da jede Spur einer Inschrift fehlt. Die Form der Tartsche 
I freist auf den Anfang des 16. Jahrhunderts. 

') Im Frühjahre 1881 wurde die ßüttikerseheibe gestohlen, doch konnten die Diebe 
iö Basel wieder festgenommen werden. (Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde. 18B1, 
|& 184. Vergl. auch Birrwyl und Leutw^l.) 

') Joh. Rud. Matthey, war Commandant (Übervogt) auf der Festung Aarburg von 
J696-1702. Leu, Lcr. Bd. 1, S. 327. 

*) Im Jahre 1641 fand eine umfassende Renovation der Kirche statt, woran noeh 
der EselsrQckeo des Südportals mit den gestürzten Wappenschildern Berns ond der 
Jahrzahi erinnert. Bei diesem Anlasse wurde auch die gegenwärtige Kanzel in ver- 
einfachter Gestalt derjenigen in der Kirche von Zofingen erstellt. Das kleine Barok- 
cogclchen auf dem Sehalldeckel gehört nicht hieher. Der reich profilierte Taufstein mit 
Famjlicn-iDonatoren ?)-Wäppch€D, allerhand Initialen und Steinmetzzeichen trägt die Jahr- 
zahl 1576 und die Inschrift: Von Gottes Gnaden ist der Stein darin das Christenkind die 
TouflT sol empfon. Anno doml MDLXXVl. 




.4. Mauritiuskirche, 

Der 4, März des Jahres 1514 war für Zofingen ein wichtiger Tag. 
Denn im Namen der versammelten Chorherren des Stiftes erklärte Propst 
Andreas von Luternaü zu Händen der Pröpste und Dekane, der Kloster- 
und Weltgeistlichen, dass man gewillt sei, die Kirche mit dem Chore von 
neuem wieder herzustellen und versprach aJlen, die zu diesem Werke bei- 
trügen, die üblichen Ablassspenden. Dieser Beschluss war nicht übereilt. 
Denn schon im Jahre 1463 hatte man die Stiftskirche als baufällig erklärt, 
Mit der Sammlung von Liebesgaben wurden jedoch vom Generalvikar von 
Konstanz die geistlichen Würdenträger des Bistums erst betraut, nachdem 
ihnen zu Beginn des Jahres 1513 der Bischof Hugo von Hohenlandenberg 
durch ein Verbot für andere Sammlungen und einen vierzigtägigen Ab- 
lass auf zwei Jahre für alle die, welche dem Werke beisteuerten, den 
Weg gebahnt hatte. Am 3o. September 1513 empfahlen sodann auch Schult- 
heiss und Rat der Stadt Bern die Gabensammler des Stiftes der milden 
Handreichung ihrer Untergebenen. Damit waren die Quellen geöffnet, aus 
denen nun die silbernen Bächlein der Stiftsbaukasse zurieseln sollten. Sie 
scheinen ziemlich reichlich geflossen zu sein. Denn schon am äi. Septem- 
ber 1514 schliessen Propst und Kapitel des Stiftes Zofingen mit „Steffan 
Ruotschmann wilent schulthessen zuo Zofingen irs buws halb" einen Ver- 
trag, wonach ihnen derselbe gegen Bezahlung von 1200 rhein. Goldgulden 
den Chor, die beiden Sakristeien und einen Lettner, alles nach „visierung 
und riss des werckmeisters", innerhalb der nächsten drei Jahre zu errichtet) 
hat. Mit der Ueberwachung des Bau*s wurde Meister Hans Zimmerli, Kaplan 
des Frauenaltars (Marienaltar) betraut '). Rutschmann scheint seiner Auf- 
gabe mit Eifer und Verständnis nachgekommen zusein. Schon am 2i.Se[>- 
tember 151 8 ergieng vom Stiftskapitel an den Bischof von Konstanz die 
Bitte, er möchte den Weihbischof von Basel mit der Einweihung der Ah 
im Chore betrauen. Dem Wunsche scheint nicht entsprochen worden /u 
sein, vermutlich, weil man bis zur Gesamtweihe des restaurierten Gebäudes 
zuwarten wollte. Sie fand erst am 9. und 10. Januar 1520 durch den Ge 
neralvikar des Bischofs von Konstanz, Melchior, episcopus Ascalonensis, 
statt, unter Verleihung der üblichen Ablässe. 

Dass das neu renovierte Gotteshaus des ehrwürdigen Chorherrenstiftes 
nicht auf den Schmuck seiner Fenster durch Glasmalereien verzichtete. 
ist begreiflich. Leider aber haben sich aus den Stürmen der Reformation 
nur die wenigen Zeugen dieser edlen Kunst gerettet, welche heute das 
mittlere Chorfenster zieren. Immerhin sind sie bedeutend genug, um uns 



') Das ausfohrlidie Urkundenmaterial tindet sich im Anzeiger für Schweiz., AHcr- 
tumskunde 1891, S. 435 ff. , von Dr. H. Herzog zusammengestellt. VgK auch : Brunnet, C, 
Das alte Zoiingen und sein Chorherrenstift, Aarau 1877» S. 29, 57 und 58; Fallcr, E,, Dk 
St. MHtiritiuskirchc in Zofingen. Argovia, ßd XIX> S, 89 ff.; Rahn, Geschichte der bfld 
Konstc, S. 506. 



297 



iQOt 



I 



!ine Vorstellung von der Pracht zu geben, in der einst das Innere der 
Kirche erstrahlte, als es noch vom farbenleuchtenden Spiel ihres Wieder- 
icheines belebt wurde. 

Kirchenfensler mit rar&tellungen aus der Fafisionsgeschichte (TaC XÜI). c. 1520 
unmittelbar nach der Einwölliung des Chores, d, h. zwischen 1518 und 
1520, wurden nveitcUos die GUismalereicn eing^esetzt, von denen sich da« nach- 
folgeiuie Teilstiick erhalten hat. Es i^t um so wertvoller, als zu dieser Zeit 
rhe Glasmaleroi ihre ursprünglich** Bestimmung als monumentale Kunst aufzu- 
geben begann und die Meister bereits ibr Können an jenen kleinern Stücken 
versuchten, welche den Grund 7.u der rasch aufblühenden Kabinetmalerei legten. 
Daraus darf wohl geschlossen werden, dass auch in Zotingen die erzählenden Darstel- 
lungen mit Ausnahme der Kreuziguug in der Höhe selten ein Scheibenfeld über- 
ragten. Im allgemeinen wandelt die Darstellung noch in den Bahnen alter Tradition 
und könnte uns darum leicht veranlassen, die Entstebungszeit der Gemälde 
um viele Jahre rückwärts zu verschieben, wenn dem nicht die sicheren Daten der 
Kirchenrenovation widersprächen. Ihr Charakter ist derjenige der ausklingenden 
Gotik. Nur in dem Verzicht der abschliei^aenden Baldachine auf jedes gotische 
Fialenwerk kündet sich eine neue Zeit schüchtern an, während die dargestellten 
Gebäulichkeiten noch an alte Vorlagen erinnern. Die Komposition der Glas- 
gemälde verteilt sieb in sehr geschickter Weise über drei nebeneinander und 
drei übereinander liegende Fensterfelder zwischen den üblichen Eisenstäben. 

Am gelben Balkenkreuze hängt in den zwei mittleren Feldern Christus, um 
dessen Körper ein weisses Lendentuch flattert, das zu der bräulich roten Kar- 
nation des Körpers wirksam kontrastiert. Das durch den Tod verklärte Haupt 
mit der Dornenkrone umstrahlt ein rubinroter Nimbus mit gelbem Kreuz* In 
den beiden Seitenfeldern ringen die beiden Schacher in letzten Todesqualen. Dem 
guten, der mit rückwärts geschlagenen Armen und aufgezogenen Beinen übers 
Kreuz gebunden ist, entsteigt eben die Seele als kleines, nacktes Männchen, 
welches ein Engel, in langem, gelbem Hemde, mächtigen weissen Flügeln und 
einem roten Nimbus in Empfang nimmt. Der Schacher zur Rechten des Kreuzes 
kehrt uns den Kücken zu. Ihm reisst ein weisser Teufel mit gelben Fleder- 
mausHügeln die Seele aus dem Munde. Das Gespräch, welches die Gekreuzigten 
kurz vorher führten, verzeichnen die Spruchbänder, welche nach üblicher Weise bei 
den Schachern ihren Anfang beim Munde nehmen, bei Christus zu beiden Seiten des 

^ Kreuzes herabbängen. Sie enthalten in gotischen Minuskeln folgende Inschriften : 

H Schacher links: 

H lyrrt . ^rttnrttt . tiiifr . ttbrr . tittdj . «i> 

B Christus (links): 

^m warU * ttPir^tv « Hui . im 

■ (rechts) : 

^^^ ^f . M . ^tmtrH^tn « 

I^^H Schacher rechts: 

^^ ^ lii«ttl *) [00it# . «Iwti . «0 • Irilf , 



I 



, ^ti . kurmr«! , in * ^i . ridj. 



*) Alle Buchstaben sind gleich hoch; ut ist verkehrt eingesetzt, sonst würde es 
bistu. Die eingeklammerten Buchstaben sind vermutlich restauriert. 




298 



1901 



Während die Spruchbänder die Körper der beiden Schacher wild umflattera* 
als wollten sie die Qimleii der Sterbenden versinnbildlichen, hängen diejenigen 
am Kreuzesstaioine Christi schlaft' herab: der Tod des Erlösers ist eingetreten. 
Dies beweisen uns auch Handlungen nnd Gebärden der Anwesenden unter deot 
Kreuze. Eben ist Loiiginns inj Begriffe, dem Herrn die Seite zu öffnen. 
Aber der Glanz, welcher von dem Toten ausstrahlt, Idendet ihn ; er muss das 
eine Auge sehliessen. Ein Jude, der neben ihm steht, kenntlich an im 
spitzen Hute, macht die übrigen Personen auf den Vorgang aufmerksam. Aofh 
Johannes (im braunen Korke, roten Mantel und grnnen Nimbus), der zu seiücin 
Herrn anfblickt, muss die Hand den Augen vorhalten, Maria dagegen (iin 
violetten, blauem Rocke und gelben Nimbus) scheint, vom Schmerz überwältigt 
in die Arme ihrer (letahrtiu zu sinken. Selbst der römische Hauptmann in in 
phantastischen Tracht halb eijies Orientalen» halbeines Römers (gelber Turban, roter, 
mit weissem Pelz gefütterter Mantel; graues Wams oder Kettenpanzer?, gelbe 
Lederhandschuhe), ist von der Gottheit des Gekreuzigten überzeugt und scheint 
dies auch mit den Worten: „Führ wahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!* 
(Luc. XXllL 47) einem einfältigen Juden zu beweisen, der eben im Begriffe st^ht, 
sich davonzuschleichen. Den Boden schmückt ein grüner Wiesenteppich mit 
Laubwerk, als Hintergrnnd dient schwarzblauer Daraast. Noch soll einer kleinen 
symbolischen Darstellung nicht vergessen werden. Zu Füssen des Kreaies- 
Stammes des Heilandes erblicken wir einen Löwen mit zwei Jungen, von deoeo 
er das eine mit der Tatze aufweckt. Als Sinnbild der Stärke und des KOnig- 
tums ist der Löwe ein gebräuehliches Symbol für Christus. Offenb. Job. 5, r> 
heist Christus der Löwe vom Stamme JuJa (vgL L Buch Mosis 49, 1*). Nacli 
einem alten Phjsiologus, den Origenes (in genesin hom. 17) anfuhrt, schläft 
der neugeborene Löwe drei Tage und drei Nächte, wie Christus im GraK 
und nach Durandus (rat. oftic. VII. rühr, de evang.) weckt der alte Löwe 
am dritten Tage sein Junges, wie Gott Vater den Sohn aus dem Grabe*). (In 
Conrads von Würzburg goldener Schmiede [5027] erweckt der Todessclirei des 
am Kreuze sterbenden Heilandes die Toten, wie der Löwe seine Jungen'). 
Was hier unscheinbar im Symbole angedeutet ist, erzählen uns die drei unt-erti 
Glasgemäide in der naiven Weise des Mittelalters. Sie enthalten zwei Dar- 
stellungen, die sieh um zwei plumpe Steinsarkophage mit gotischer Ornamentik 
gruppieren. Diese stossen im mittleren Scheibenfelde so zusammen, da^^ 
beide Seitenflächen sichtbar werden. In den Sarkophag links wird der nackt» 
Körper Christi, der auf dem Haupt die schwere, grüne Dornenkrone trägt. 
hineingelegt. Joseph von Arimatbia, ein alter Mann in reicher Kleidung, hMt 
sorgsam des Toten Haupt, während ein schlichterer Genosse um die Füsse m 
weisses Linnen wickelt. Hinter dem Grabe stehen Johannes und die bei 



') Dargestellt in einem Glasgemälde der Kathedrale von Bourges, teilweise au 
Köuigsfelden. 

') VgL W. Wenzel, Chritl. Symb. II, S* 36. Kreuser, Kirchenbau I, i:^, auf < 
Stühlen : Mitt. d. k. k. Centr. Comm. 1863, S. 213 ft. 




299 



1901 



I 



I 
I 



Frauen, durdi Gebärden und GestikiilatioDen ihren Schmerz verkündend. (Maria 
wieder im violetten, Johannes im roten Mantel; Magdalena, etwas im Hinter- 
grunde, mit weissem Kopttuche.J 

In der Darstellung der Auferstehung (rechts) entsteigt (liristus (im roten, 
gröD gefutterten Mantel) dem Grabe, die Kechte segnend erhoben, in der Linken 
den Stah mit der roten Fahne, Auf dem Rande des Stein troges sstelit zu 
beiden Seiten ein Enge! in langem, gelbem Gewände, das in glatten Falten 
herabwallt, grossen, weissen Hügeln und rotem, res|K gelbem Nimbus mit den 
Gebärden frendiger Ceberraschung. Alter Tradition gemäss, sind die Krieger 
ganz klein dargestellt, iSie tragen altertumliehe Rüstung mit Halsbergen, 
Eisenhauben, farl)ige Wal^enröcke und Beinschienen. Der mittlere wacht eben 
auf und deutet durdi die emporgehoheneo Hände seine schreckhafte Ver- 
wundernng an. Auch hier ist als Hintergrund ein blausehwarzer Damast ver- 
wendet. Den oberen Abschluss der Kreuzigung bilden drei Baldachine, über 
denen sich phantastische Gebäude erheben. Oh der Künstler damit Jerusalem 
andeuten wollte, oder ob sie als Tempelgebäude auf die von Christus gegründete 
christliehe Kirche zu bezieben sind, mag dahingestellt bleiben. Die Masswerk- 
tljllurigen sind anlässlich der Restauration im Jahre 1879 von Glasmaler Möller 
in Bern erstellt worden. Am Rande der Darstellungen zieht sich ein schwarz- 
weisser Schaehbrettstreifen hin. Die Farben der Gläser sind rubinrot, grün, 
violett, blau, hell- und dunkelgelb; die Carnation zeigt den üblichen bräunlich- 
roten Fleischton. 



I Kabinetschelben (Taf. XIV). 

■ Die Glasgemälde, welche gegenwärtig die beiden untern Reihen des mittleren 
Chorfensters füllen, haben ihren ehemaligen Standort verlassen, Sie sollen, als 
Geschenke der Stifte Beromünster, St. Leodegar in Luzern, des Klosters 
St. ürban und einiger Chorherren von Zofingen, in die ehemaligen Kapellen 
neben dem nördlichen Seitenschiffe gestiftet worden sein. Ihr Älter stimmt 
mit demjenigen der Glasgemlilde im Chore überein, wie auch ihre Bestimmung 
als Zierden der neurenovierten Kirche. Sie gehören zu den hervorragendsten 
Kunstwerken der Glasmalerei, welche unser Land aus den ersten 20 Jahren 
des 16. Jahrhunderts besitzt und erinnern in der kräftigen Modellierung der 
einzelnen Gestatten, wie auch im Kolorit, an die berühmten Ursenbacher und 
Eirchberger Glasgemälde. Leider haben wir auch hier nur wieder die letzten 

IUeberreste eines unvergleichlichen Kirchenschmuckes. 
Zweifellos entstammen alle 6 Kabinetstücke der gleichen Glasmalerwerk- 
stätte. Ihre architektonische Einfassung ist sehr einfach aber kräftig: über 
Säulen oder Pilastern wölbt sich im Bogen phantastisches Blattwerk mit teil- 
weise gotischen Formen, belebt von Kranichen oder ähnlichen Wesen* Die 
schwarzgraue Farbe lässt im Wechsel mit Silljergelb und Altgold die farbigen 
Gläser der Bilder nur uiu so effektvoller hervortreten und verleiht der Gesamt- 
wirkung Kraft und W' urde, was leider unsere Reproduktion, wie dies bei Glas- 
gemälden so häufig der Fall ist, nur teilweise wiederzugeben vermag. 




3Po 190t 



Obere Reiho: 

1, Figurenscheibe mit Wappen von Hertenstein (Taf. XIV). 

Mit gezücktem Schwerte steht in stahlhhuer Rüstung der hl. Micliaet 

Seelenwager in rubinrotem Mantel auf saftiggrünem Grase unter einem ti«!^ 

blauen Himmel. Neben ihm meldet eine hohe SchritlLrolle mit zahlreich« 

Kürzungen Namen und Stand des Domitors. Sie lautet auBgeschrioberi : 

Pelrm de Hertenstein ^) sanctae sedis apostdicae i^rothonoiarius^ decams 

et canonicum BasiUcnsis et canonims Constantimsis et Zofingiensis. 
lieber der Insr^hrirt steht das Wappen der von Hertenstein ohne Helmdecke 
und Kleinod unter einem schwarzen Prälatenbute mit reichen Schnurv>*r- 
zierungen. c8ü:5ocm. 

2. Figurenscheibe mU Wappen Göldü (Taf. XtV). c. 15f" 

Aehrdich der vorgenannten. Neben einer etwas kleineren Inschriftrolle steht 'ii' 
Madonna mit goldener Krone und Nimbus. Inscbritt: a\t. * gra[ci]a - ple.\.\ 
DOMis • TECVM Das lange, goldene Haar wallt über das blaue Kleid unJ der 
weissen Mantel herunter; anf dem linken Arme trägt sie das nackte ChristiiJ- 
knäblein. Ijischrift (ausgeschrieben): 

Jiolandüs Göldi Constantiensis ac kujus ccdesiae Canonims, 
praepositus in Lindim*). 



') Peter war der Sohn des berühmten Caspar von Hertenstein, eines der HauptfOhW 
in der Schlacht' bei Murteti, welcher später als SchuUhebs von Luzern in hohen Ehren 
stand Peter, schon bei der Geburt der Kirche verheissen, erhielt T485 die Pfrund luRisch 
(Kt. Zug), deren Patronat seinem Vater als Schlossherr zu Buonas zustand, wurde nachher 
Domherr der Hochstifte von Konstanz und Basel, Chorherr zu Münster, und stand bei Pap^^ 
Julius IL in grossem Ansehen, Dass er Chorherr in Zofingen gewesen sei, wie die Iiischrifi 
andeutet, ist nicht nachweisbar. Als Chorherr dagegen kommt 1522 Philipp von Herten- 
stein vor, oflenbar ein Verwandter des Peter. Geschichtsfreiind, Bd. 33, 8,224; Leu, In- 
Bd, X, S, 132; Brunner, Das alte Zofingen, S. 68. lieber Phihpp v. Hertenstein vgl Fnkjrt 
Tob. eccles, p. 46 (Abteilung Geistliche), 

') Roland Göldli war ein Sohn Heinrichs, Bürgermeister von Zörich, Befehlshaber 
der Zürcher bei Grandson 1476, im Schwaderloch und bei Frastenz 1499, Ritter, t 15U 
Von dessen 6 Söhnen war Georg (f 1536) Befehlshaber der Zürcher bei Kappet; Casp.tr, 
Hauptmann der Zürcher zu Dornach, kämpfte gegen seinen Bruder auf Seite der LtizerDff 
bei Kappel, f ^54^ ^u Rapperswib Gründer der katholischen Luzerner Linie; Rennward^ 
(t 1555) wurde T519 Ritter, 1527 Bürger zu Luzern, 1531 Schlossvogt zu Wykon; Hicronymü 
t 1501 als Chorherr zu Zürich ; Karl war Domherr zu Chur, Chorherr zu Solothiim 
Zofingen; Roland^ ein berüchtigter Curtisane (vgl. Vögelin in Webers Helvctia 1877,11! 
S. 165 ff.) war Domherr zu Konstanz (wo er in einer Seitenkapeile des Münsters begrab 
liegt)i Probst zu Lindau, Chorherr zu Solothurn, Zofingen, Zürich und Münster iMittcil vc 
Hr. Dr, H. Zeller-WerdmüUer). Vgl i.): Jahrzeitbuch des Stiftes Zofingen (Abschrift 
in Bern befindlichen Auszugs); Stadtbibliothek Zofing. M. S.: D(ominu)s Rolandus Gorid 
Can(onicus) n(oste)r f 1518. 2.): Zusätze und Berichtigungen zu dem 1824 hi - 
Tobinium ecclesiasticnm. 1840. Collector J(oh). J(acl. Ftrikart) M* S. Stadtbiblitu 
Abteitung Chorherren und andere Geistliche des Stifts: 1511, Rohnd CöiM^ Che: 
t 1518, Sohn Heinrichs, Bürgermeisters von Zürich. Roland war schon früher durch U- 
Bischof von Konstanz empfohlen worden» was Waldmann vereitelte. (MitleiL ron 11* 
Dr. Blaser in Zofingen.) 





i 



3oi 



I901 



lieber derselben prangt das Göldliwappen mit Spangenhelm, Kleinod mid 
reicher Helmdecke unter dem römischen Protonotarius-Hute, wie auf dem vorher- 
genannten Glasgemälde, im tiefblauen Himmel ^). c so : 90 cm. 

^igurenscheibe mit Wappen v. Luternau (Taf. XIV). 1518 

Von dem schwarz - roten Damasthintergrunde hebt sich die Figur des hl. 
Mauritius") wirkungsvoll ab. Er trägt eine stahlblaue Rüstung mit Muschel- 
panzer, hoher Halsberge und Helm mit aufgeschlagenem Visier. Seine Linke 
stützt er auf den Schild, die Rechte hält das Panner, in dessen vier Feldern 
je ein schwarzer Vogel steht. Am Boden grünt üppiges Gras. Im Nimbus : 
S. MoRiciv(s). Inschrift (ausgeschrieben): 

Andreas de Luternau % praeposüus hujus ecclesiae 1518. 
Darüber das Wappen mit Spangenhelm, Kleinod und Decke, c so -so cm. 



Die drei Glasgemälde der untern Reihe bilden zusammen mit einheitlicher 
Composition ihrer Umfassung das Geschenk der befreundeten Chorherrenstifte 
Münster und Luzern und des Klosters St. Urban *). Der Dreiteiligkeit des 
Fensters entsprechend, zerfallt die Composition in drei gesonderte Figuren- 
gruppen. Die architektonische Einrahmung des Gemäldes zeigt, anschmiegend 
an die Fenstereinfassung, zwei kräftige Pilaster mit spätgotischer Ornamentik auf 
doppelter Basis mit violettem Renaissanceblattwerk und stahlblauen Kapitalen. 
Darüber wölben sich drei gelbe Bogen, die von Consolen getragen werden, 
welche gleichsam aus den Steinstäben des Fensters herauswachsen und dadurch 



') Das nämliche Wappen befindet sich auch auf der Freske an der Westwand der 
)elle auf der Nordseite des Chores. 

■) Frikart, Beschreibung der Stadt Zofingen, S. 39, meldet: „Maurizius Hauptbildnis 
loch an der jetzigen Kirche auswendig über einem Chorfenster und über einem Pfeiler 
Sakristei von Stein ausgehauen und die ganze Figur in einem Chorfenster in Glas ge- 
t zusehen." Ob damit unseres Glasgemäldes gedacht wird, muss dahin gestellt bleiben ; 
h waren, wie schon bemerkt, die Glasgemälde früher nicht an ihrem gegenwärtigen 
idorte. Einen Scheibenriss mit St. Mauritius aus dem Anfang des 16. Jahrh. und einem 
dschriftl. Vermerk von dessen Beziehung zur Kirche in Zofingen bewahrt die im bist. 
{cum zu Bern von der Eidgenossenschaft deponierte sog. Wyss*sche Scheibenrisssamm- 
r (Bd. I, Bl. 43). 

■) And. v. Luternau wurde am 20. März 1510 zum Propste gewählt, resignierte am 
April 1521 und starb am 9. September gleichen Jahres. Er war auch Chorherr zu 
önenwerd und zu Beromünster. v. Mülinen, Helv. sacra, Bd. I, S. 65. Brunner, Das 
Zofingen, S. 64, 57 u. a. a. O. Des Andreas Vater, Melchior, zubenannt der Hoch- 
», war vermählt mit Cordula von Büttikon, Mitherr zu Liebegg, des grossen Rates zu 
n, Landvogt zu Lenzburg und Hauptmann im Schwabenkrieg. Leu, Lex. Bd. XII, S. 894. 
. Jahrzeitbuch des Stiftes Zofingen a. a. O.: D(omiu)s Andreas de Luternau, praep(ositus) 
rter) t Jt52i. Antonius domicellus, frater eins; par(entes) nob(iles) Melchior de Luternau 
!)omina Cordula de Büttikon. Frikart, Tob. eccles. S. 14 (Abteilung Stiftspröbste) : 151 1 
. Andreas von Luternau. 

*) Ueber die guten Beziehungen des Klosters St Urban zu Zofingen, wo es einen 
inen Hof besass vgl. Frikart, Chronik der Stadt Zofingen, Bd. I, S. 64 u. 145 flf. 



3o2 



I90X 



die Zusammengehörigkeit der drei FigureDgnippen zu besserem Ausdrucke 
bringen wollen. Die Zwickel füllen grauschwarze Fruchtarrangemente oder 
Blattwerk. Schwarz-violetter Damast bildet den Hintergrund. 

4. Figurenscheibe mit Wappen des Chorherrenstiftes Beromünster (Taf. XIV). 1518 

Hinter einem mächtigen Reuaissanceschild mit dem Wappen des Stifte 
Bero-Münster (Kt. Luzerii) steht auf üppigem Rasen die markige Gestalt seines 
Patrons, des hl. Michael, in stahlblauer Rüstung, weissen Flügeln und grönem 
Mantel. Das kräftig modellierte Gesicht umwallt goldenes Lockenhaar, ver- 
klärt durch einen Nimbus. In der einen Wagschale sitzt der Teufel in Ge- 
stalt eines Basilisken. Trotz des Mühlsteines, den or bei sich hat, neigt sich 
die Zunge der Wage zu Gunsten der erlösten Seele. (Vgl. Nr. 1.) 

Restauriert: Kopf des hl. Michael. c.80:50ea 

5. Figurenscheibe mit Wappen des Klosters St. Urban (Taf. XIV). 1518 

Hinter den gestürzten Wappenschilden von Citeaux und Langenstein (Gründer 
des Klosters) stehen St. Bernhard und St. ürbanus als Gründer des Ordejis 
und Patron des Klosters. St. Bernhard, im üblichen schwarzen Ordensgewan«!. 
hält ein prächtiges Pedum. St. ürbanus, bekrönt mit der Tiara, trägt in der 
Linken ein Buch, worauf eine Traube *), in der Rechten hält er ein kunstvolles 
Stabkreuz; die Finger sind überladen mit goldenen Ringen, lieber der 
Alba prangt die blaue Dalmatika, zum grossen Teile verdeckt durch da? 
mächtige, grüne Pluviale mit der weissgelben Cappa, von feinen Scliliessen 
gehalten. Am Fusse des Gemäldes trägt ein graues Spruchband die Jahr- 
zahl 1518. c80:50cin. 

6. Figurenscheibe des Collegiatstiftes St. Leodegar im Hof au Luaern (Taf. XIV). 1518 

Die dritte Gruppe wird gebikbit von der Madonna im weissen BrokatgewanJ 
und blauem Mantel, die als mater inviolata auf der Mondsichel steht uud das 
Kindlein auf den Armen trägt. Eine goldene Krone mit Nimbus und laiiges 
goldenes Lockenhaar verklären ihr Antlitz. Ihr zur Seite steht St. Leodegar 
in der Alba, weisser Dalmatika mit goldenen Borden, rubinrotem Pluriale, 
von goldenen Schliessen gehalten, und weisser Cappa. Vom Haupte leuchtet 
die goldene Mitra, in der Rechten hält er ein reich verziertes, gotisches Pediiffl. 
in der Linken den Bohrer (womit ihm die Augen ausgestochen wurden). 

Restauriert: Bruchstück der Madonna mit einem Teil des ChristaskiiiJ^'« 
Kopf des hl. Leodcgar mit einem grossen Gewandstuck des Mantels; StiVkder 
Umfassung. Die vortrefHichen Restaurationen besorgte Herr Glasmaler Mnll'^^ 
in Bern i. J. 1879. c.80:50lib 



*) Es scheint hier Papst Urban I. (222- 230) mit Bischof Urban v. Langrcs, dem Patron 
des Weinbaues, in eine Person verschmolzen worden zu sein. 



3o3 



19OX 



Anmerkung. Ein interessantes Andenken an das alte Chorherrenstift Zofingen besitzt 
das schweizerische Landesmuseum in der Wappenscheibe des letzten Propstes, Meister 
Balthasar Speuriger. 

Vor rotem Damaste steht auf grauem Fliessenboden ein Narr. Er deutet auf ein 
geknicktes Pedum, welches durch eine Inful gesteckt ist, unter welcher das gevierte Wappen 
steht, lieber den Narren schlingt sich ein Spruchband mit der Inschrift : 

Nar ' die - Bistum • ist • zerbrochen • 1533. 

Auf den Kapitalen der seitlichen Säulen steht je ein Drache. Im Kopfstücke wird 
der trunkene Noah von seinen Söhnen verspottet. Am Fusse die Inschrift: 

M ' baltiser • speuriger • bropst • zu • zoffingen. 

Speuriger, ehemals Kirchherr zu Stans und berühmt als Teufelsbeschwörer, erwarb 
die Chorherrenpfründe zu Zofingen als ausbedungenen Lohn dafür, dass er den Schiff leuten 
zu Bern den Wert des Silbergeschirrs ersetzte, das ihnen gestohlen worden war Bei Auf- 
hebung des Chorherrenstifts 1528 löste ihn Bern um 1000 Gld. aus, worauf er die Burg 
Schvrandegg im Kt. Zürich kaufte und heiratete, nachdem er zum reformierten Glauben 
Obergetreten war. Als Erinnerung an seine fi"ühere geistliche Würde mag bei diesem An- 
lasse das Glasgemälde entstanden sein. Die Schlüsse, welche bei Brunner, das alte Zofingen 
und sein Chorherrenstift S. 50, Anm. 32, gezogen werden, beruhen auf einer unrichtigen 
I^esart der Inschriften auf dem Glasgemälde und sind darum zweifelhaft. 



Miscellen. 



Inventar des Adrian v. Riedmaffen« Dekan von Sitten, 1504. 

In der bischöflichen Bibliothek in Sitten befindet sich ein Folioband von 249 Seiten, 
worin der Dekan und spätere Bischof Adrian IL von Riedmatten mit peinliclier Genauig- 
keit alle seine Rechnungen mit den verschiedenen Geschäftsleuten aufgezeichnet hat. Auf 
Seite 58—62 steht auch nachfolgendes Inventar, das er als Dekan von Sitten 1594 aufnahm 
und im Laufe der Jahre durch neue Eintragungen rectificierte. Die späteren Aufzeichnungen 
werden in Klammem wiedergegeben. 

Folgende Personahiotizen mögen zur nötigen Aufklärung dienen. Adrian war der 
Zweitälteste Sohn des Peter v. Riedmatten von Münster, Landvogt von Monthey (1577 und 
1578). Mit grossem Aufwand feierte er am 14. Februar 1565 in der Kathedrale von Sitten 
sein erstes hl. Messopfer. Er wurde 1567 Pfarrer von St Leonhard, 1573 Domherr, 1577 
Dekan von Sitten, 1586 Abt von St. Maurice, 1602 Verweser des Bistums und 1604 Bischof 
von Sitten. Er starb 1613, den 7. Oktober. 

Inventarium rerum et utensilium in domum DecanaUis Sedunensis in Valeria translaiontm 

aut ibidem reposibilium, 
Vasorum argenteorum. 1594. 

Crater sive patera, mihi a Venerabili Capitulo Sedunensi in primitüs meis oblata : im- 
pactis utriusque intersigniis (alii phialam vocant). 

Item poculum cum coperculo mihi iisdem a Pctro dilecto germano oblatum. 

Item poculum ex generoso D. Francisco a Montheis equidem consecratum, mutuis 
intersigniis insculptis 

Item eiusdem aliud poculum sub insigniis Cheüvronensibus et interius subauratum, 
et virtute testamenti, ex eodem datum sive legatum; anima eins conquiescat cum beatis. 

Parva thiara mihi ex magnifico Antonio Mayencheto saepius Ballivo designata, in 
iisdem primitüs nuncupata instar scutellae, suisque ac meis insigniis. 

Item aliud poculum, quinque intersignorum, equidem cum Domino Deo primum 
libarem sacrum mihi oblaticium (Est Agauni). 

Item una duodcna poculorum : quorum sex ex quondam dilecto genitore et suo nomine 
consignata proveniunt; reliqua sex sub meo titulo ac nomine inscribuntur. Horum sex 
Agaunum aliquando sustinuit: sed uno amoto Sedunum Septem vendicavit. 

Item domus pastoralis curae Beati Leonhardi duos solos ehiatos continet, unum ma- 
ternum aliquando, alium per me acquisitum. 

Cochleariorum argenteorum Septem meorum numero; ex quibus pertinenter unum 
mecuin sustineo, aliud Seduni contineo, reliqui Agauni refenmtur. 

Abax poculorum. 

Vasorum stagneorum. 

Quatuor guttuli, alias vulgariter aquarii canthari, quorum unus cum pelvi sive paro. 
pside admodum, figuris illustres: duo cooperiuntur, unus communis et vulgaris (quarta 
Stephane fratri dedi.). 

Item duo candclabra equidem pictasmatibus illuminata; quibus accedit emunctorium 
ferreum (aliud ex aurichalco). 

Item sex salsamenta depicta, cum suis cooperculis quadrisilia. 



3Q5 ^9oi 

Item octo alia salsamenta, quatuor maiuscula, quatuor minuscula (Ex quibus Stephanus 
ez maiusculis unum habet). 

Item cantharorum oblaticiorum quattuor paria, duo nova cathenata, unum vetulum 
cum suis cathenulis, aliud vetulum honestum ex generosa domo de Cheuvrone derivans. 

(Item unum par novum oblaticiorum cantharorum cum meis insigniis.) 

Item unus cantharus quinque quintalium capax, rotundus. 

Item tres canthari mensurarum, unus vulgaris, alii duo coronis insigniuntur. 

Item alius vetulus rotundus continens tria quintalia (Rotunditas mutata est in acumen). 

Item tres canthari dimidiae mensurae, unus crassus et novus, unus transit in acumen, 
tertius vetulus ac rotundus. 

It2m tres canthari quintales, aut circiter, et unus octalis. 

Item una lagena stagnea capax mensurae (a Bagnies). 

Item duae matulae vel truUae stagneae. 

Item una duodena paropsidum maiuscularum \ 

Item dimidia duodena paropsidum paulo minorum I 

. ^ , , '^ :. .. > novarum. 

(sunt) Item tres duodenae paropsidum mmmiarum | 

(sunt) Item tres duodenae orbium J 

(Tempore Domini Jacobi Caplani vel ministrante D. Schmideiden una dcpcrditur. 
Accedunt adhuc una duodena paropsidum minorum. Item orbium stagneorum dimidia 
duodena.) 

Item parva paropsis depicta. 

Item vetustarum paropsidum et maiorum videlicet 5. 

Item paropsidum minorum diversi generis videlicet 7. 

Parvarum scutellarum 12, nisi duae desiderentur (10 tantum Seduni exstant). 

Orbium crassiorum alia duodena quorum 6 Seduni, 6 in cura. 

Accessere insuper anno Domini 1594 scutellae stagneae videlicet 12 (2 scutella de 
S. Leonhardo accesserunt). 

Item quatuor canthari, unus mensurae, unus semimensurae, tertius quartalis pon- 
derosissimi et duplicatae materiae. Supra comprehenduntur hi 4 canthari. 

Item alius cantharus quartalis. 

(Item 11 patenulae ad inserviendum synapim depictae.) 

Signantur intersignüs ordinariis. 

Vasa ex aurichalco. 

(Nota aquatile magnum culinare cupreum Valeriale ad reponendam aquain. Aliud 
ad abluenda pocula.) 

Pelves tres, quarum duae apud Divum Leonhardum. 

Candelabrorum omnium Septem, quorum unum admodum exile. (Item aliud paulo 
maius. Stephanus frater habet unum). 

Item aliud ferreum pensile. (Item aliud non pensile). 

Item batilla mensuraria duo (vulgariter Schofifeten. In domo inferiori unum et 
St. Leonhardi aliud). 

Item mortaria duo cum suis pistillis, quae aliunde pilae dicuntur acreae. 

(Ollae in omni specie 9. Ex quibus una quinque mensurarum in nuptiis fratrum con- 
fracta altera 4 mensurarum — — 2 Bruntz et una 3 potorum, residuae parvae. 

Item in domo inferiori pelvis cuprea ad reponendum lac. 

Item die 23. Aprilis 1602 accesserunt ad huc duae ollae novae; et una pene 4 men- 
surarum in pede confracta quam de novo a pede infigi curavi. Nota unam ex novis dedi 
sorori Christianac. Ahenorum exstant 4; maius, in medietate minus et duo alia, ex quibus 
unum tersum. Polubrum. Brandrritten 2.) 

Cistae sive vulgariter cophri, alias arcae cameratae. 
Quorum omnium numero quinque, 2 nigri et duo ferris laminibus obducti, ac paulo 
maiores et unus discoloratus. 



3o6 



19DZ 



Item cista magna ex quondam Vicedomino comparata ac nucea. 

Item alia quam concludit consanguinea. 

Item cista pulmentaria in camera cum alia cista vetula. 

Aulaea, sive tapetes et peristromata et siparia. 
Unum oblangum speciosum et discoloratimi. 
Item aliud eiusdem formae minus. 
Item unum viridum rosis depictum. 
Item aliud maculosum. 
Item aliud coccineum quasi tegmentum. 
Item aliud infra libros repositum. 

Tegmenta sive coopertoria. 

Primo duo tegumenta rubra et aliud viride, dicta cathelonica (centonica vel gavsapoia 
heteromala. Unum ex rubris est S. Leonhardi). 

Item duo operimenta in maiori cista reposita, unum utcunque omatum, aliud liläs 
aut trifoliis distinctum et refectum. Item unum P. R. M. L. inscriptum 1552, leonibus, 
tigridibus, unicomibus et gryphis depictum. 

Item unum viridibus liliis acutum. 

Item unum iimbriis et superficiebus pannorum refectum; est admodum latum. 

Item aliud Habens in medio mulierem depictam cum tribus leporibus. 

Item aliud admodum tersum, quasi cruce et certis aviculis pictum. 

Stragulorum omnium exstant 7, ex quibus 4 nova. 

Cervicalium omnium exstant videlicet 12 quae potius pulvinaria dicuntur in usuffl 
scdilium; ex quibus septem depicti corii, item unum Assueri et Hester, tres ex diver» 
velleribus; aliud coccino repletum; pleraque reposita haerent maiori cystae. 

Fortsetzung folgt. 

Hausrat eines Pafriaiers. 

In der Schlacht zu Arbedo fiel 1422 Junker Petermann von Moos von Luicm, 
Gerichtsherr zu Malters, Besitzer der Burg zu Zug. Die Burg zu Zug gehörte zu den 
wenigen in der Urschweiz gelegenen Schlössern der Herzoge von Oesterreich, welche 
in den Kriegen des 14. Jahrhunderts nicht zerstört wurden. Der Grund dafür ist in der 
Mittelstellung zu suchen, welche die mit den Gundoldingen in Luzem verschwägerte 
Familie in den politischen Wirren zwischen Oesterreich und der Schweiz 1350 bis 139*' 
einnahm. Das Inventar von 1423 ist nun in doppelter Beziehung interessant; es zeif 
einerseits, wie äusserst einfach auch begüterte Patrizier noch im Anfang des 15. Jalff" 
hunderts lebten, andererseits wie schwach dotiert österreichische Burglehen waren. Ntf 
durch Kumulation von Lehen war es solchen Lehensträgem möglich^ standesgcniäss zn 
leben. Die reservierte Haltung, welche so viele österreichische Lehensträger in dem Em* 
scheidungskanipfe beobachteten, wird durch die Berücksichtigung der Rentabilität der Lehen» 
Objekte zum Teil wenigstens erklärt. 

Beträchtlicher war allerdings die Herrschaft Malters, welche von Moos bis 1415 von 
Oesterreich zu Lehen trug. Allein der Ertrag dieser Herrschaft rührt zum grössten Tdle 
daher, dass der römische König Sigisniund dem Herrn von Moos die vormals den Herzogen 
von Oesterreich zustehende hohe Gerichtsbarkeit in Malters verlieh. Hier der Wortlaul 
des im „Vogt-Kinder-Rechnungsbuch" Nr. 1 enthaltenen Inventars. 

Junkherr Petermann von Mos hat einen Sun, Walther von Mos verlassen, des vop 
ist Junklierr Heinrich von Mos. Dem ist sin gut bevolhen. als hienach geschriben ist 

Item, des knaben gut ist ze Zug die vesti, und die matten so darzu gchörent, unc 
5 Juchart reh(*n, und die guter, so darzu gehörent, geltent 64 Über 8 plapart zins Lnd dii 
Reben, von »den git man halben win ierlich. 



3o7 



190z 



Item der husrat, so in der vesti ist, sind : 3 bettstatt und was darzu gehört, 4 hefen, 
4 kesse, 4 kannen, gut und böß, ein giesfas, ein kästen, 12 lilachen, 2 tischlachen, 6 deckin^ 
10 küssy und ander klein gescheut. 

Item ze Wetgis des Müsellers gut, sint zwo Jucherten, davon git man halben win, 
an allen kosten, und 7 liber geltz doselbs. 

Item Malters das ampt mit aller Herrschafft. 

Item das hus und hofstatt am rossmergt und der garten an der Musegg (in Luzem). 

Item Husrat. 

Item 4 silberschalen, 5 beslagen becher, 3 halbviertlig kannen, 2 halbmessig kanncn, 
6 messig kannen. 12 hefen, 6 kesse, 6 blatten, 28 zinenschüsslen, 20 gredel, 3 möschen beki, 
2 giesvaß, 2 pfannen, 2 röst. 2 Spiss, 6 houbtharnesch, 6 pantzer. 12 bette, groß und 
klein, 24 küsse, 6 houptfulwen, 12 stulküssy, 3 gut dekinen, 8 siecht dekinen, 40 lilachen, 
12 tischlachen, 40 zwechellen, 3 zemengeleit tisch, 49 winvaß. i zepflli mit ringen, 4 silbrin 
löflel, 2 par henschen und Beingewandt. 

Item noch het der knab 100 söm wins. 

Die Gesamteinnahmen des Herrn von Moos beliefen sich auf 941 rh. Gulden, laut der 
am 28. Januar 1423 abgelegten Rechnung. Th. v. Liebenau, 

Luzerner Thaler von 1573. 
1573, unser lieben frowen abend in der vasten, zahlt der Sekelmeister von Luzem 
den Räthen jedem i Taler, sonderlich mit der Statt und Emptern Wappen darzu geordnet und 
nüw gemüntzet, darunter etliche prelaten Taler, die 2 guldenwert gsin, und den grossen 
Räthen jedem i gl. Seckelamts-Rechnungsbuch im Staatsarchiv VI, fol. 141 Dieser Thaler 
von 1573 war bisher unbekannt; er ist auch in keiner Münzwürdigung undj keiner Ab- 
bildung zu finden. Schwerlich handelte es sich um eine Neuprägung mit den Stempeln 
von 1518 oder 1557. Der Stempel ist offenbar sehr bald gespmngen, da nicht einmal 
32 Thaler für die Ratsherrn geprägt werden konnten, da noch ettliche Prälaten-Thaler zu 
2 gl. zur Verwendung kamen. Th, v, Liebenau, 

Die Kleinodien des letzten Grafen von Qreyerz an Luzern verpfändet. 

1559. Seckelamts-Rechnungsbuch von Luzem: I, fol. 106 b. Ausgaben. Item uff* 
875 krönen, so hinder jme (Seckelmeister) gelegen sind von wegen des Herrn Grafen von 
Gryers Cleynot, hat er Herrn Lienhart Lützelmann von Basel uff die harnist geben, die 
da kostent 880 krönen, fünf krönen. 

Der Graf verpfändete also seine Kleinodien, um Harnische für seine im französischen 
Solde stehenden Truppen anzuschaffen. Th. v. Liebenau. 

Varzeichnus der Armatur und Munition im Zeughauss der Statt Zoffingen. Anno 1674 *) 
Den 18 Septcmbris 1674 ist folgende Armatur und Munition inn dem Zeughauss zu 
Zoffingen gefunden worden; als naemlichen: 8 metalline Stückli. — 2 yseme Feuwer 
Hund. — 2 ysernc Stückli. 13 metallnc Doppelhacggen, darunter ein verheit. — 7 iserne 
Doppclhaeggen. Dise Stuck sind mit gewüssen Buchstaben bezeichnet, damit die darzu 
gehörige Munition desto bequemer gebraucht werden känne. 

Munition zu den Stücklincn: 50 Kugeln so 15 lödig und 30 Carthaeschen isig. — 
263 Kugeln so einpfündig und 32 Carthaeschen sind all isig. - Zu den Doppelhöggen : 
200 (Kugeln) so 3V9 lödig. — 190 (Kugeln) so 4*,'« lödig. — 185 (Kugeln) die 5 lödig. — 
190 (Kugeln) welche 6 lödig. -- 207 (Kugeln) so 7 lödig. 

*) Zofinger Dokumente. Msc. der Stadtbibliothek Zofingen. Pb. 5. Nr. 53. 



3o8 



1901 



96 Zihl und Rcissmusqueten darunder. — 5 mit Radschlossen sambt ru gehocrigcn 
Spanneren. — 40 mit dem Schneggeozög. — 50 Füsi danuider ein Dotzet mit Schncppertiu 

Darzu gehörige Munition: 1600 Kugelo 2 lödig. — 1200 Kugeln i*'t lödig. 11600 
gemeine Musquetenkugeln. - 500 Patronen. — 2 Fahr Pistolen. — 149 Handgranaten. - 
9 Lehr zu den Kugeliij welche mit Buchstaben bezeichnet, desgleichen die Model, damit 
mann wüssen möge wohin sie dienen. 

1 Weydmer dienstlich zur Büchsenme isterei. — 4 Stuck Blei so noch ganz, — 1000 
Stuck Lundten. — 8 Zentner Pulver ungefähr. — zi ganz Harnisch - 10 Schlachtschwärdtcr 
- 21 Haiparten. — 6 Feuwerpfannen. — 14 Dortschen. -- 5 Trummen. — 61 patrondi 
Taschen. - 40 ßandelierig. - 2 Gieskellen. 8 Kisten oflf die Thürn. i Fussisen. - 
I pulverprobierig* — i Waag sampt küpfrig Schüsslen. - 1 Tisch mit SchuWadcn sampt 
einem Deckel, darutf man die Maten zu rüstet. — 7 gross läderig pul verseck. 33 Klein 
lädirig. 13 Pulveriläschen von Hörn. — 3 der alten Polferfläschen. 4 Hölzig naschen 

— 3 kleine stürtzerne Trächterli. 4 Laternen. 290 (?) pfundt Rein und 6 pfundt ganUcn 
Salpeter. — 5 . . gestossnen. — a8 Pfundt gantzen Schwebel i Pfundt gestossneo. - 
I Pfundt ZOndel Zeug. — 3 pfundt pulfer Staub. — 6 Tanmg trucken darincn die Matcri 
zu finden. 

Zur Reulerey. 3 ßandelier Rohr darunder. — 2 mit Riemen. 3 par Pistolen samt* 
pulf .... — 3 pahr stitel sambt Sf>oren. — 5 Sätel 3 Zöum und noch ein Zoum und 
ein Sattel. Ittem von e nem Rüter so mein Herrn zu einem Ross in Spittd kaufft haben 
ein par Stiffel sambt Sporen. Ittem ein bandeher Rohr sampt dem Riemen und ein 
grau wer Mantel. Ich gab meinen Herren ein schwäre Zilmusquetten Von den vorgc* 
schriebene Reisniusquetten haben mein Herrn dem Johanes Schumacher eine sampt pairtMiOJ 
Däschen. hingäge gaber ein gantzen Harnisch und hiemit (ist es) einer mehr als vorgemilt 
Weiters ist auch im Zeughaus: Grien SchuOcn zwölf. — Hau wen zwölf. — Bickel zwöli 

— Axen zwölf. — ßiel achti 

(Nachtrag), Item so ist uf Liechtmess 1676 an Bulver funden worden : In mein Hern» 
Kornhans ist in zweien Fässlenen annoch vorhanden ungefähr 150 U. Ist das geringste 
unnder allem. Inn dem Bulver Thurn 450 ff, ist alles gut — Inn dem Schelmen Thurn 
ungefähr 300 ff. Ist alles rein und noch gut. Dr. Fr. Zimmfrün, 



Eine Auslese aus dem yerlassenschaftsrodet ') d&u Rheiuauer Abtes Heinrich Scheol] 

von Kastell ''). 

Wie vil aber Abbt schänk säliger gedächtnus an Silber geschirr galt väsan kemcii 1 
roggen haber win vnd allcrlay irüchten förgeschlagen, in kästen vnd kellern verlass<^n hat, | 
das Wirt hernach in disem rodel euch funden. 

Wyter ist im *) an barem gold vnd gäk ingeantwurt sampt den silbcrinen vnd v^^ | 
gülten Pfennigen biapharten toppelguttaten (sie!) vnd anderm. 

In des herren Stuben im tisch in ainem seckel. 

An rinischen guldin ij^ minus 

An Sunen Kronen . . . j^' xlj 



*) In disem rodel würt begrifiFen, was dem nüwcn herren vand Abbt Hä^rstcrcn des j 
Gotßhus Rynow vf!' abstarben des vordrigen herren abbt Schencken ingeantwurtcl vondouebl 
wie vil von dem cmemplen herren dem Gotßhus erbesseret vnd fürgc schlagen* Was oüd» 
des selben Gotßhus Rynow jahrlich galt wnd inkomen ist, alles vngeuarlicher myt ^\ 
gcschrifft gefaßet. Und ist dise inantwurtung beschächen vff den 20. decembris Anno iS^ j 
Stiftsarchiv Eijisiedeln^ Rheinauer Akten B. I. 79 b. 

') 1555-1559- 

•) Abt Michael Herstcr, 1560—1565. 



Item in ainem trückli vij tuggaten portugalesisch, aber in ainem trückli ij 
vngerisch guldin. 

Item in ainem seckel mit vil tättlinen . . . xxxiiij gold guldin, me darfun . . . ij taler 
by maximüiani zyten geschlagen. 

Item in ainem trückli . . xxxj taler wie j taler per i8 ß, 0: 

Item in ainem seckli an halben vnd gantzen Costentzer Batzen xij guldin iiij ß vj «9-. 

Item in ainem glismaten seckeli allerlay müntz vngefar by iiij guldin. 

Item in ainem trückli an regalen .... viij guldin v ß x% 

Item in ainem trückli an behemschen vnd dry batzen wertigen v guldin viiij ß viiij iK 

Item an schwytzer gantzen vnnd halben batzen . . . v guldin v} ß d". 

Item in ainem kleinem seckeli dickpfennig so alt . . . viij. 

In der schindeltrucken mit vil vndergeschlachten an allerlay krützem . . . ij guldin. 

Item an zechneren .... iiij guldin v ß x% 

Item an marzellen j guldin x ß i% 

Item an alten behemschen vnnd österrycheren . . . v guldin xij ß 'K 

Item an rüchlingen futzerlinen vnd balleren by . . . iiij guldin. 

In des herren kammer in ainer beschlagnen lad. 

Item in ainem sametinen seckel . . . xxxvij guldin ü} ß 0- 3in halben alten schwytzer 
batzen, me . . . j guldin xiiij behemsch. 

Item in ainem säckli an gantzen vnd halben taleren . . . xlvj, me j taler j ort aber . . . 
xxviiij gemain vnd allerlay pfennig nit costlich aber ij d; 

In ainem sack an taleren . . . Iviij vnd j. 

In ainem sack an behemschen . . . xlviiij guldin viij ß i^*. 

In ainem sack an zechneren vnd rüchlingen . . . Ixxij guldin viiij ß t^. 

In ainer täschen gut wol schwär sunnenkronen . . . iij^, an gold guldin . . . ijc xlij, 
an toppel tuggaten . . . j^, an ainfachen tuggaten . . . Ixxxvj, aber xxj vngerisch guldin, 
j türggischen guldin vnd ain haidischen pfennig an gold. 

Me in derselben täschen ain portugalischen guldin pfennig ettlich tuggatten schwär 
. . . ij guldin bärner pfennig vngefar . . xij krönen schwär . . . j guldin pfennig Costentzer 
Schlags vngefar vj tuggatten ij engellotten ij guldin pfennig vngefar ... iij krönen schwär. 

Wytter in der täschen . . . xxxj guldin an dickenpfennigen, me . . . xviiij guldin an 
toppleten Österrycher, je v für ain guldin zeit, me . ij dickenpfennig, me . . . iij silberi 
Pfennig. Aber xiij guldin an ainfachen österrycher, me iiij an toppleten österrycher, aber; 
topleten österrycher, me iij ainfach österrycher . . . j guldin pfennig tuot ... xxj tuggatten, 
j guldin regal . . . vj guldin pfennig, jeder vngefar ...ig. guldin. 

Item j Silber vnd vergülten blaphart der 13. ortten schilt, aber ... ain silber vnd 
vergülten blaphart, daran kaysers angsicht vnnd wappen. Me vj silberi groß Blaphart 
sonderbarer bildtnus gössen, ain guldin kettin mit ainem hüpschen angehenckten klainet 
von Edlem gestain vnd bärlin gefasst. 

Häro (?) an guldin ringen vnd silber geschier wie söllichs von hern abbt Wellenberg 
verlassen vnd hern abbt schencken ingeantwurt ist. 

Aber darzuo ain silberi vergülte birra . . . iiij kälch. 

Aber ij bächer vnnd ain silberin löffel, kumpt von hern albin Sägissern. 

Item . . . j ermel mit bärlin gestickt cost . . . j c v guldin. 

In dem lädli darinn die paternoster ligent. 

Item ain gar hüpsch groß rot kralli paternoster mit grossen vergülten bollen vnd 
ainem grünen sydinen fasen. 

Me iij fläderlini vnd andere mer, aber . . . j Zytli vnnd j krützli darinn kräpßstain 
gefasst. 

Item . . . j lädli wyß mit gold vnderfa';et. 

Me ain Jhesus kindli vnd in ainem trückli türggis. £". Rothtnhäusler. 



3io 



190z 



Schenkungen*) des Rheinauer Abtes Theobald Werlin von Qreiifenberg *) 
an auswärtige Gotteshäuser. 

Item in dass Gotzhauß Paradiß ain Monstrantz lassen machen, cost . . . 115 fl. 

Item 500 gl. den Herrn Jesuittem zu Luzern an iren buw verehrt, 

item 12 säum win herm Quardian an sin buw. 

An brunsten verehrt, 

item 50 krönen dem GottOhus Ainsiglen •), 

item 100 gl. gen Schennis, 

item 100 gl. denen zu Klingnaw. E, Rolhenhäusier. 

') Aus der Rechnung Abt Theobalds vom Jahre 1588. — Stiftsarchiv Einsieddu, 
Rheinauer Akten B I. 114 b. 
•) 1565- 1598. 
*) Einsiedeln. 



JVlitteilungen 

aus dem ^eFbaode der plehweizepiseheD peptumssammlungen ele. 

Nr. 4. ZÜRICH. März 1902. 

I. Schweizerisches Landesmuseum. 

Geschenke. IV. Quartal 1901. 
Herr Robert Epprechf, Pfarrer in Illnau : Spazierstock des Bemer Archidiakons 
^toder mit geschnitztem Bär und Wappen. — Herr Ferd. Corradi in Zürich: 85 Blätter 
Schiveizeransichten, Schattenrisse, Trachtenbilder, satyrische Darstellungen. 12 gedruckte 
^^^^date und Dekrete des Generals Brüne vom Jahr 1798 und ein Verfassungsentwurf der 
^elvetik. 64 Blätter zürcherische Ansichten. Holzschachtel mit vier Schächtelchen, ent- 
"^Itend Elfenbeinmarken für ein französisches Kartenspiel nebst Zählvorrichtung, 18. Jahr- 
hunciert. — Herr Dr. Jakob Heierll, Privatdozent, Zürich: Funde aus einem Grabe unter 
der Kirche von Em brach. — Herr Eugen Probst, Architekt, in Zürich: Werktagshaube der 
^^^ten Frau Schulheissin von Sargans. — Herr F: Haas^Zumbühl in Luzern: Holzschnitt- 
block mit Darstellung der Madonna, 18. Jahrhundert. — Konsortium zu Gunsten des 
*-^xxdesmuseums in Zürich : Grosses Glasgemälde mit dem Wappen von Ungarn (restauriert), 
^lasgemälde der Gebiiider Pangratz, Mathias und Jonas Bomer zu Frauenfeld 1582. Kleine 
^^appenscheibe des Emanuel Faesch, Obrister und Brigadier Newer Rahtsherr, 17. Jahr- 
*^Undert. — Herr Dr. F. Zimmerli in Zofingen : Gipsabguss einer gotischen Kranzofenkachel, 
^albfigur einer Dame. — Herr Oskar Wyler. Tarifbeamter der N. O. B. in Zürich: Zwei 
Messingpetschafte mit hebräischer Inschrift, 18. Jahrhundert. — Herr Henri Paur, Ingenieur 
iö Zürich: Frack für Artillerieoffiziere der Ordonnanz vor 1867 samt Giberne, Oberlieu- 
tenantsepauletten und zu einem Käppi umgeänderter Tschako. Frack eines eidg. Genie- 
Stabsoffiziers aus den 1830er Jahren. — Frau Rosa Honegger-Engel in Zürich: Flacher 
Strohhut einer Argauerinnentracht. — Frau Pfarrer Pestalozzi' Wolfensberger in Zürich: 
Kupfergetriebener Theesieder mit Spirituslampe 1830—48. — Frl. Susette Reiser in Zürich II: 
Herrenspazierstock von Spanischrohr mit silbernem Knopf, 18. Jahrhundert. Zürcher 
Artilleriekollegienheft über Festungsbau und Geschützwesen, mit vielen Handzeichnungen, 
18. Jahrhundert. Ansicht der Kräzerenbrücke über die Sitter bei St. Gallen, von F. Hegi, 
1812. II Karten, Pläne und Croquis zur Anlage von Schanzen an der Emmenbrücke 1845 
und an der Gislikerbrücke 1847 (aus dem Nachlasse von Oberst Dietzinger). — Herr Dr. 
H. Zeller« Werdmüller in Zürich: Broncebeil vom Depotfund in Salez, gefunden 1883. — 
Herr N. Blotnitzki, Architekt in Vevey: Plan von Zürich, Kupferstich nach D. Breitinger 
1814. — Tit. Jury-Comitö der Basler Gewerbeausstellung 1901: Broncemedaille von H. 
Frei. — Herr Pfarrer A. Farner in Stammheim; Grosses aus einer Schwertklinge herge- 
stelltes Bauernmesser mit geradem Holzgriff und der alten Klingeninschrift: Mit disem 
Wer und mit Gotes Wilen wil ich ale meine Feind Stilen 1602. — Herr W. Schneller, 
Zeugmeister des Feuer wehrkorps Zürich : Zürcher Münzmandat vom 26. Oktober 1636 
betreffend Taxation fremder Münzsorten. — Herr Gemeindeschreiber Schlfferle in Döttingen : 
Eiserner Radlung, römische Ausgrabung vom Sonneiiberg bei Döttingen. — Herr Otto 
Spörri in Düdingen: Schwarze kleine Thonurne mit feiner Linienverzierung nebst zwei 
Scherben und einem geschliffenen Kiesel vom Pfahlbau Greng am Murtnersee. 

Barbeiträge zum Ankaufe des grossen Globusbechers von Abraham Gessner (1552— 
1613): Von Hrn. Prof. Dr. A. Tobler-ßlumer in Zürich: Fr. 5000. — Hrn. Robert Schwarzen- 
bach in Zürich: Fr. 3000. — Herr Dr. Conrad Escher-Ziegler in Zürich: Fr. 1500. — 
Frau F. Moser-von Sulzer- Wart, Au am Zorichsee : Fr. 1000. Von Nichten und Neffen 
der Frau Meyer-Schinz sei.: Fr. 1000. 



312 ,^i 



Von Herrn Dr. W. H. Doer in Zürich: Fn 500 bar. Von Frl, Mentona Moser, Au 
am Zürichsee, von Anonymus in Zürich und von Herrn Direktor Dr. H, An£s1 je Fr, loo 
zu freier Vedügung des Direktors. 



Eir 



Q^ 



inkäufe. ] 

a) Erwerbungen im Inlande. 

Prähislorisches, Römereeit Zelt der Völkerwanderung. Steinbeil voti hdlen 
Grünstein, gefunden beim Rietli, Zürich IV. — Geschliffenes Steinbeil von Chloromelanit, ge 
funden in einem Ptahlbau zwischen Serrieres und Aovernier — Flache Broncepfanne mit 
verziertem Stiel, griechischer Herktjnft, ca. V. Jahrh. vor Chr., gefunden im Kanton Walk 

Frühmlftelalfer bis 1500. Eiserne Lanzenspitze mit Parierbiättem und SchafbiAgcln, 
gefunden in der Zih! bei Nidau, Merovingisch. -- 123 Fundgegenstände aus der 1443 zerstörten 
Borg Wildberg bei Gündisau, Kanton Zürich, Waffen, Werkzeuge, Kacheln. — Eisenwr 
Schildbuckel, gefunden bei der Ruine Wildberg. — 34 thönerne Bodenplättchcn aus dem 
Stadionhause in Konstanz mit geprägten und geritzten Figuren, um 1300. — 2 geschnitnt 
Friese mit Masswerk und Flachschnitzerei, aus dem Rathause in Appenzell, einer datiert 
1488. - Zwei Üachgeschnitzte Friese mit Ranken- und Blattwerk, aus Chur, einer datiert 
1485, — 7 halbkugelförmige gemalte Glasscheiben mit gelben Sternen, aus dem Kerdid 
in Schwyz, 

16. Jahrhundert. Geschnitzte Truhe von Nussbaumholz mit Ranken- und Blattwerk, 
aus dem Kanton Tessin. — Renaissance-Truhe mit geschnitzten Rosetten, Tessin. - 
Faltstuhl mit eingepunzten Kreisen, aus Graubünden. — Kleine Kassette mit gotischem, 
geschnitztem Masswerk^ Toggenburg. — Kleine, hölzerne Kassette mit Kerbschnittv«* 
zierung, Rosettenmuster, Ostschweiz. — Holzkästchen mit Wismuthmalerei, Chrisliis die 
Kinder segnend, 1569. ~ Truhenschloss mit rotbemalter Platte und Ranken» Westschwea - 
Schweizerdolch samt Scheide mit figürlichen Darstellungen, — Fünf Schwertknäufe, als Lauf* 
gewichte benutzt. — Brigantine, Wams mit zwischen Leinwand genähten Eisenschuppcfl, 
aus der Innerschweiz. — Silbernes Petschaft „S, Hanns Jacob Bncher 1575» 1606, i6k\ 
1638." —^Bemalter Flügelaltar aus der St. Antonius Kapelle von Oberwyl bei Turgi mit 
Wappen der Stadt und des Spitals zu Baden, dat. 1564. - Ein Paar geschnitzte und be- 
malte Rehquienbüsten von Holz, Antonius von Padua und Verena, ebendaher. - Fladic 
birn förmige Zinnkanne mit Kette und Bandornament, Wallis 

17. Jahrhundert. Grosse Truhe mit Pfeilerarchitektur und Intarsia, Wappen Bott» 
stetten und Erlach, — Truhe von Arvenholz, mit eingelegten geometrischen Ornamenceni 
A. F. i668j Chateau-d'Oex. — Holzkassette mit Intarsiaeinlage. — Hellgrün bemalte Hol^ 
kasselte mit Ansicht: „Die Stadt Baden in Ergew.'* — Bauernbank mit geschnitztem AdlcTi 
Kanton Zürich. — Flachshechel mit gepunztem Brett und kreisförmigem Stachelbund, v 
Dättwil bei Andelfingen, 1667. — Hölzerner Kuchenmodel mit Adam und Eva, Aargau. -' 
Zwei geschnitzte Rahm* oder Milchlöffel, Westschweiz, — Schloss und Beschläge vom alten 
Kirchenportal in Stadel bei Niederglatt. — Zwei eiserne Unschlitt- und Kienholzhalter, GraU' 
bünden. — Eiserner Kcrzenhalter mit graviertem Teller, Ostschweiz, - Eiserner ünschliti* 
leuchter, Ostschweiz. — Dito Graubünden. — Flache Zinn Schüssel, Schütze n preis, Westsch weit 

- Flache Zinn Schüssel mit Fuss, Westschweiz. — Taufkanne von Zinn mit tigürlichcm Heokc^ 
1666, Toggenburg, — Giessfass von Zinn in Form eines beblätterten Apfels , mit Tnton 
und muschelförmiger Schale, Urschweiz. - Messing fin gerring mit Hanszeichen H. K. C, gefunden 
Eschlikon. - Flache Ofenkachel mit bunt gemalter Figur eines Hauptmanns, Altstätten, St. Gallcit 
— Grünglasiertes thönenies Giessfass in Gestalt eines Gebäudes, 1673, Kanton Zürich. 
Bucheinband von Schildkroit mit silbenier Garnitur und Email wappen Ott, Zürich. — Odp 
gemälde, Portrait der Anna Alberti, nata Perini 1666. — Zwei Perlschnüre mit Bemsteio 
kugeln, Graubünden. — Bedruckter LeinwandstoflT mit mehrfarbigem Blumenmuster, 
Schweiz. — Oelgemälde mit allegorisch -satyrischer Darstellung eines Schwyzer P; 
trägers, der Voluptas und Spruch: ^Nisi conversi fueriüs arcum suum tetendit avan^* 




18. Jahrhundert. Spinettklavier „Franciscus Jacobus Bodnier fecit in Fischingen 1797.'* 

'— Zwei Stabellen mit gfschniuter Rücklehnc und Wappen H. Weber 1797. — Sidele mit 

fescrhnitzter Rücklehne, Wappen Landenberg und Hallwil, 1758» Kanton Zürich. — Zwei 

geschnitzte Heiligenfiguren, Bischöfe, aus der Antoniuskapelle zu Oberwyl bei Turgi. — 

"^rx Paar geschnitzte Bauemfiguren, Zürich. — Zwei Räf oder ^Gäbeli" mit verziertem 

ßr-^tt, Caspar von Ibergen 1766 und Andreas Jagi 1774, Bern. — Handfeuerspritze mit 

2w^i Gelenken, von Dättwil bei Andelfingen, — Galadegen mit silber-getriebenem Griff 

iirid gravierter Klinge. — Galadegen mit messing-versilbertcm Griff, — Windböchse mit 

^^i«:ipient als Kolben und Kugelmagazin, graviert, Zürich. — Ein Paar schwere Reiter- 

s^^efel mit Stulpen und panzerartigen Röhren, samt grossen Sporen, Freiburg. — Zwei 

^^itsättel mit blauem Sammet-, bezw. rotem Tuchsitz, Ostschweiz. — Ein Paar doppel* 

^^Mfige Pistolen mit Flintschlössern, geschnitzt, mit Goldtausia. — Pul verhorn von ge- 

^arnmtem Kuhhorn, mit gravierten Messingbeschlägen und Fischkopf, für einen Zürcher 
Cavallerieoffizier. — Pferdehufschne ideeisen mit geschnitzter Verzierung. - Seidene Bündner 
Thalschaftsfahne von Rabius. — Kleine Standuhr mit kuplervergoldetem Gehäuse, gra- 
vierten religiösen Darstellungen und 4 Zifferblättern. — Wanduhr in vergoldetem Bronce 
gchäuse, Stil Louis XVJ, Dd. Courvoisicr fils au Locle. Wanduhr mit getriebenem Me- 
t.iilzifrerblatt, J. Herzog in Wyll (St. Gallen.) — Zürcher Emailmalerei, Verkündigung an 
Abraham durch die drei Engel- — Goldener Ring mit Jetsteinen und Zürcher Emailmalerei, 
Totenkopf» — Silbernes Filigranbüchschen in Form eines Deckelkörbchens mit Granatsteinen 
und Zürcher Emaiimalerei, Judith mit dem Haupt des Holofemes. — Eingerahmtes kreis- 
runde_s Eglomise, Totenembleme und Blumenmuster, „Bedenk dein End etc.*', Ostschweiz. 
-^ Henkeltasse von Nyonporzellan samt Untertasse, Sepiamalerei, Ziegenhirte und Schäferin. 
19 blau bemalte Ofenkacheln mit Landschaften, Anno 1734, 6.7bre durch Hans Martin 
Weber, Hafner, Wädenswil, — Langnauer Fayenceplatte mit Gärtner, 1789, — Fayence- 
platte mit blaugelbem Blumendecor, Bulle, Freiburg. — Kuchenmodel von gebranntem Thon 
mit Wappen des Standes Bern und des Reichs, 1760. — Oelgemälde, Ansicht des Klosters 
Rheinau mit Geistlichen, wahrscheinlich ursprünglich Wandtapete. — Oelgemälde, Porträt eines 
Basler Herrn. — Drei blauleinene, bemalte Fastentücher aus der Kirche von Mumpf, mit 
Passionsdarstellungen. — Farbige seidene Cheniüestickerei, St. Hubertus mit dem Hirech- 
wunden — Frauenhaube, sogen. „Hinterfür", mit Marderpelz, Ostschweiz. — Gedruckte 
Proklamation der Stadt Zürich vom 5. April 1757 betreffend Knabenschiessen, — Pergament- 
urkunde, Lehrbrief für den Buchbinder J. J. Oeri aus Zürich, von Frankfurt a. M. 1742. 

19. Jahrhundert. Cavalleriesäbel mit Messingscheide, Kanton Freiburg. — GlasÜasche 
mit geschliüencn Wappen der 13 alten Orte „Die hochloblichen 13 Ort in der Schweiz 
1801, Johannes Moser**, Bern. — Lange braunsamtene Herrenweste mit gedruckten Gold- 
strcifcn, Appenzell L-Rh. — Schwarzer runder Filzhut mit Quastenband, Appenzell L-Rh. 
— Ein Paar silbcr vergoldete getriebene Miedrrhaften zu einer Wehnthalerinnentracht — 
Lederner Tabaksbeutel mit gravierter Messingplatte, Sennenscene, Appenzell. 



b) Erwerbungen aus denn Austande. 

Holzschnitzerei von einer Prozessionsstation, Hochrelief, Mariae Verkündigimg, 16. 
Jahrhundert. Ursprünglich im Kanton Thurgau. — Geschnitzte und bemalte Heiligenligur^ 
Johannes der Täufer, Anfang 16. Jahrhundert, ursprünglich im Kanton Thurgau. 



IL Kanfonale Altertumssanirnlungen, 

AaraUi kantonales Antiquarium. Seit den letzten Mitteilungen im Jahrgang ige», 
Heft I des ,, Anzeigers'* hat sich die Sammlung um folgende Stücke vermehrt: 1900. Eherner 
Kochtopf aus Schloss Wildenstein — Eine Anzahl Fliessen aus der Kirche von Königs- 
felden. - Rumischer Stirnziegel aus Vindonissa* — 190t. Kleine Bronceherme, Kopf mit 
welligem Haar und spitzen Ohren auf flachem Leib, mit 3 seitlich vorspringenden Zapten, 



an einen Pfeiler sich anlehnend^ gef. beim Schulhaus Windisdi , Depot der Gcmeintic 
Windisch. - 2 Scramasaxe, ßrychsUk'k eintr Schwertklinge, Speerspitze, Schwcnbaul, 
2 Stich blätter, eiserne Schnalle und kleinere unbestimmbare Fragmente, aus einem al^ 
mannischen Grabe, das bei der Fundamentierung des Neubaues von Herrn Hcnckell in Lenz- 
burg (1900) entdeckt wurde. Bei der durch das Landesmuseum besorgten Konservierung 
zeigte sich der Schwertknauf mit Silber tauschiert* - Fahne mit Inschrift: j^Den Tapfcm 
des Bataillons Häusler von Aarau Nr, 15 von einigen Frauen und Töchtern der Sladr 
Luzem 1847**, — Plattengrab aus dem Heimenholz bei Rheinfelden, mit unvolbtändigcin 
Skelett, ohne Beigaben, — Terrasigillata-Schalc, gefunden in Brugg. — Glasgef^ mit 
blauem Utbert angglas. — Leinenstickerei mit Agnus Dei und der Umschrift: „Der Mensch lebt 
nit alein us dem Brot, sunder us einem (sie!) Wort, das da us gat us dem Mund Gotcü\ 
den Symbolen der 4 Evangelisten und Jahrzahl 1599. Aben dm ahts-Tisch decke von Mö«ial- , 
Pulverhorn aus dem XVIL Jahrhundert, — Degen mit silbernem Griff, getragen von RoJ 
giemngsrat Wieland. — Miniaturwaschgeschirr aus Porzellan, mit Blumen- und TJe^| 
maiereien. 

Dem Münzkabinet wurden von der h, Regierung übergeben: Silberne Placjuttlc airl 
Basler Bundesfeier, von H. Frei ; broncene Stöckelberg-Medaille, von IL Frei ; BroncemcdiUlel 
der Basler Gewerbeausstellung, von H. Frei; silberne Medaille zum 75-jahrigen Juhüäural 
des Männerchors Zöricli| von G, Hantz. 

Avenches« Moses cantonal. Pendant les ann^es 1900 et 1901, le Mt4see cm 
(tAvenches s*est consid^rablement enrichi, gräces aux travaux et aux fouilles qui ont 1 
lieu ä la PorU de PEs/f sous Thabile direction de Messieurs Naef et Mayor et sous la pr6l 
cieuse surveillance de Monsieur Lecoultre, syndic d'Avenches, et au Theätre^ par rAs5odatioir| 
du Pro-AventicD, qoe preside Monsieur Eugene Secrctan, Tami d6vou^ de notre Mus6c, qui 
a puissamment contribue ä faire connaitrc notre antiquc cit^ k tous ceux qui ont ä coeuT 
de faire revivre, dans la mesure du possible, le pass^. Tons les objets trouves ä la Porte 
de FEst sont maintenant depos^s dans une vitiine du second ^age, qui leur sera exclU5iv^ 
ment destinee, les monnaies seules sont placees dans le medailjer. Aux objets indiques 
dejä par Monsieur Jaques Mayor, dans un rapport qu*il vous a adress^ directement, 
venus s'ajouter, dix fragintnts de cornkheSj quelques-uns bien fouilles, ig busie tronqm d'iml 
Soldat romain, un couleau triangulaire en fer^ une dochetit §n tronst k base rectangulaiftfl 
un anneau avec cUf en bronze, un anneau simple en bronse^ une foÜ^ brociu avec son epinite 
en bronzc, le dessus a des dessins rc^guliers en mosaique, un petii fragmcni de bronst, avoC 
souftlure d*or, 7 moniiaies romaines qui ont et^ class^es et d^pos^es dans le medaüler d 
6 grands bronzcs trop frustes pour etre determines, Les travaux ä la Porte de l'Esl se 
poursuivent avec activite depuis quelques semaines, une des tours a ^t^ entidrement d^ 
gag6e au commencement de rannee 1901, les ouvriers sont occupes ä döblayer la seconde; 
ces deux tours placees ä droite et ä gauche de cette porte monumentale, seront en partie 
restaurees, des que ie temps sera favorable. 

Cet hiver le Pro-Aventlco a commence ses travaux en mettant ä decouvert les paft^ 
ments du mur d'enceinte de la Maladeire, sur une longticur de 15 metres dts deux cötö; 
actuellenient les ou\Tiers de TAssociation sont occup(?s au Th^tre, degageant les murs dt 
ce gigantesque edifice, recouverts de quelques metres de terre Travail Enorme, peu ff 
munerateur^pour fes antiquites propre ment dites. Ces beaux travaux ex^cutes simu' 
ment ä la Porte de TEst et au Th^ätre, fönt le plus grand honneur aux dtoyens dt\ 
qui en ont pris rinitiative et qui ont su intöresser ä leur patriotique entreprisc, nos diveric^ 
autorit^ dont I*appui financier etait indispensable, Le couteau, d^couvert en Novembre id^^kj 
muni d*une remarquable poignee en ivoire, representanl la lurte de deux gladiateurs» 
Tun porte le casque et la cuirasse, tres artistement restaure a Geneve (objet uniquc et rftol 
grand prix au dire des connaisseurs), fait depuis le mois de Juillet 1901 l*omement du Mus^ ' 
Plusieurs objets donnes gracieusement sont venus augmenter nos coUections; panm 
les dons g^nereux, qui ont le plus haut inter^t pour la science archeologique, nous cit^ 




: txts nombreux fragmeots cl*iiiscnptions decouverts ä la Conchette Joniini, dans \ü voi- 
sinage de IVmplacement oü Von a trouve en 1869 une iiiscription incomplete, metUiojinant 
la Sihoia tfOiaciiius. Des que les caux se scront abaissetrs, ce tcrrain scra fouilie a fond 
afin de grayper tous les fragmcnls qiii pourraicnt faciliter la reconsiiluüon de ces inscrip- 
üons dont les lettres sont fort belles et de grandeurs difllTcntes. Lorsque ce travail sera 
Icrmin^, j'aurai soin de vous tenir au courant du resultat de iios recherches. 

Le Musee a fait racquisitinn d'une Statuette en bronze trouvce au printemps 1901. 
Conches-dessous, repr^entant uji Sil^ne, portant sur ses epaules une outrc rcmplie, 
Cette pedte Statuette est intacte, mais le travail n*en est pas tr^ artistique. 

Ccnt-dix tnonnaies romaines^ provenant d*a€qmsitions et de drms, ont cte iiiscrites 

^ dans Qotre cataloguc cn 1901. Dans le courant de la m^me annee, deux vitrincs ncuves 

üistallees ä cot6 des anciennes, dans la salle du prcmicr dtagc, ont lec^u cinq cents mon- 

l_mic5 romaines, dont quatre cents etaienl depusees dans une boite. Nous sommes heureux 

ü'elles aient entin vu le jour et qu'elles soient maintenant placees sous le-s yeux des visi- 

«urs du Musee, 

Avenches 4 fevrier 1902. Le conservateur du Mus6e: 

F, Jornini, pasteur. 

Sosel, Historisches Museum» Die Sammlungen des historischen Museums zu Basel 
«md im Laufe des Jahres 1901 um 270 Nummern vermehrt wordeuj davon wurden 125 
gekauft, 115 geschenkt und 30 unter Vorbehalt des Eigentums deponiert. Ausgegeben 
iwurden für die Ankäufe Fr, 16996. An diese Summe steuerte das eidgenössische Handels- 
WDd Industrie-Departement ¥t. 6373. 30. Es würde zu weit führen, wollten wir sämtliche 
Ccgcnstände mit Namen hier auß'Qhren, da ja der gedmckte Bericht des Museums in nicht 
langer Zeit erscheinen wird, in welchem dies des Ausführlichsten geschieht. An 
Äescr Stelle soll nur auf die wichtigsten Erwerbungen, sowohl Schenkungen als Deposita 
Ji^ Ankäufe aufmerksam gemacht werden. 

Von besonderm Interesse sind jevveilen auch ftir weitere Kreise die Glasgemälde, 

es sich hier um eine speziell schweizerische Kunst handelt. Wir dürfen in dieser 

isicht auf den von Herrn Dr. Paul Ganz erstellten Katalog der im Museum aulbewahrten 

Scheiben hinweisen, welcher im Laufe des letzten Jahres erschienen ist. Die neuesten 

Werbungen sind einmal 14 Wappenscheiben, die einst den Zunftsaal zu „Gärtnern** 

«rten, und die nun von der Zunft hier deponiert worden sind, Sie stammen aus dem 

^7. Jahrhundert, die Interessanteste derselben ist eine Mahlzeit der Seiler, welches Ge- 

icrbe der Gartnernzunft zugeteilt war. Obschon die Scheibe erst im Jahre 1615 erstellt 

Irordcn ist, trägt sie doch noch den Charakter der frühem Zeit und lehnt sich wesentlich 

die schöne Schneidermahlzeit an, die sich ebenfalls im historischen Museum beftndet. 

üf beiden Scheiben sind die Teilnehmer porträtähnlich mit ihren Wappen und ihren 

Warnen gegeben. Zu diesen Zunltscheiben kommt noch eine Scheibe mit den Wappen Gcb- 

ird und Brand unter einer Pfeilerarchjtektur, Sie w^urden von den beiden Oberstzunft- 

em Lukas Gebhart und Bernhard Brand im Jahre 1579 wahrscheinlich für eines der 

öden Schntzenhäuser gestiftet 

Recht erfreulich war auch die Vermehrung, welche unsrer Schatzkammer zu Teil 

J'dc, indem ein Fechter'scher Pokal und zwei ebenfalls in Basel erstellte Schalen er- 

cn werden konnten. Letztere wurden wahrscheinlich von Luzerner Herren, welche 

ch Manastein pilgerten, in Basel als Reisekram gekauft und gelangten später auf irgend 

Weise in den Besitz eines innerschweizerischen Klosters. Auch ein vergoldetes reich 

aviertes Besteck, eine Arbeit des Zürcher Goldschmieds Hans Konrad Oeri, gelangte 

Kauf in den Besitz des Museums. 

Ausser den Arbeiten aus edelm Metall sind bekanntlich die Holzskulpturcn in unscrm 

besonders gut vertreten. Kein Wunder also, wenn wir bestrebt waren, auch in 

Jahre einige Gegenstände dieser Art zu erhalten. Dahin gehört eine Pietä aus 



igoi 



Untcrwaldenj eine Kreuztragung aus Klingnau, zwei Kmcifixe aus dem kleinen Kl< 
Iglingen, ein Martin us ebendaher und ein St. Nikiaus aus Lowerz. 

Von den Textiiien möchten wir folgende Stöcke hervorheben: Eine StickciH 
aus d^m 14. Jahrhundert, Dargestellt ist ein Jager, der einen Eber anspiesst, zu bcidi 
Seiten befindet sich je zweimal das Wappen der Familie Snewelin; ein Antepcudii 
aus Leinwand mit der Verkündigung Maria, reichem Ornament und den mehrmals wicdc 
kehrenden Wappen von Konstanz, Bern und St. Galleu. Alle diese Bilder und weitem V< 
ungen sind mit Holzmodeln aufgedruckt. Leider ist im Laufe der Zeit die Zeicfanu 
stark verblichen, immerhin dürfte dieser Zeugdruck ein recht seltenes StQck sein und si 
würdig an die Sittener Tapete anreihen, wenn er auch erst der Mitte oder dem Ende i 
15. Jahrhunderts zuzuschreiben ist, 

Die Verwaltung des Museums war in dem vergangenen Jahre auch bestrebt, d 
Sammlung alter Ansichten von Basel sowie eigentlich historischer Ansichten den Besucbd 
vorzuführen, indem eine Reihe solcher Bilder unter Glas und Rahmen ausgestellt wun 
Es ist dies allerdings nur ein sehr bescheidener Anfang für eine graphische Dafstellu 
des alten Basels und seiner Geschichte, welche mit der Zeit bei bessern Raum Verhältnissen 
noch vollständiger durchgeführt werden soll Auch in anderer Weise wurde dem histod* 
sehen Charakter des Museums nach Kräften Rechnung getragen, indem eine grosse Anabl 
geschichtlich merkwürdiger Gegenstände im letzten Jahre sowohl gekauft als geschenkt 
wurde. Hiezu zählen wir ein Modell der Festung Hüningen und ihrer Umgebung, mehrere 
Siegelstempei von Persönlichkeiten, welche einen hervorragenden Platz einst eingenommen 
haben (Bischof L B. Gobel, Bischof F. X. von Neveu etc). Von grossem Interesse ist ludi 
eine PorzeUanvase, die der vertriebene Schwedenkönig Gustav Wasa dem Bürgcrmeis»tf 
Martin Wenck verehrt hat. 

Recht erfculich gestaltete sich im Jahre 1901 der Besuch des Museums seitens de» 
Publikums, indem nicht nur an den Sonntagen sich jeweilen sehr viele Leute einsldltcn, 
sondern auch an den Wochentagen, da ein Eintrittsgeld erhoben werden muss, das Museütn 
stets das Ziel vieler Fremder und einheimischer Gäste gewesen ist. Ausgegeben wurden 
im ganzen iao86 Eintrittskarten zu 50 Cts. 

Sehr eifrig w^urde auch das Museum von Künstlern und Handwerkern in Ansprudi 
genommen, nicht nur, dass sowohl im Sommer wie im Winter stark besuchte Kurse durdJ 
Lehrer der allgememen Gewerbeschule stattfanden, sondern indem man auch sehr \äeie 
Gegenstände zum Zwecke des Studiums und der Nachbildung auslich. 

Fassen wir schliesslich alles zusammen, so können wir mit dem Gang der Ding«t 
wie er sich für das historische Museum im Jahr 1901 gestaltet hat, zufrieden sein un<Jnßf 
den Wunsch aussprechen, es möchte das kommende Jahr ebenso gQnstig für unsert 
Anstalt verlaufen, wie das eben zurückgelegte. A. B,*f^ 

Bernisches historisches Museum. Im IV, Quartal 1901 erhielt dasselbe folgftnif 
Geschenke: Fragment einer gothischen Flachschnitzerei. — Fragment eines Taufstrio« 
aus der Kirche von Wynigen. — Sandsteinskulptur mit den Wappen Cileaux, 
stein, Abtei Frienisberg und des Abtes Heldwerth (1484— 1512) vom ehemaligen 1 
berghause in Bern, — Steinplatte mit dem Datum 1544, vom abgebrochenen Becken 
des Simsonbrunnens in Bern. — Holzdecke der Sakristei in Jegenstorf mit genolU« 
Friesen, — Renaissancebettlade, 16* Jahrhtmdert. — Geschnitzte Tischfüsse, 16. Jahrhundoi 
— Baldachin in farbiger Stickerei auf rotem Sammet mit allegorischen Figuren der H»i^ 
tugenden und den Wappen v. Boren und Wyttenbach (Johann v. Büren, gcb, 1567, *ä 
kleinen Rats 1617, cop. 1605 in IIL Ehe mit Barbara Wyttenbach). — Glocke mit den Wappct 
Lerber und Risold dat. 1643, aus St. Johannsen. - Sechs defekte Kruzifixe, in Buchs xmi 
Bein geschnitzt. — Gussplatte mit der Taufe im Jordan. — Oktavlcderband mit Goldpr«S5Uii| 
enthaltend Instrumenta pacis Westphalicae, aus der Bibliothek von Schloss Spicx sui»- 
niend» — Siegelstempei mit dem Wappen Dub. — 2wei Siegelstempei mit dem Wap^ 
V. Lutemau, — Siegelstempel des Handwerks der Seckler zu Aarau. — Zwei OfcngestOB 



317 >90i 

stücke, 18. Jahrhundert, - Figürchen aiis Meissner Porzellan (Wickelkind), ab Nadel* 
Wldischen dienend. — Silbernes Stccknadelbüchschen. - Silbernes Fläschchen mit Finger- 
hut - Halskettchen aus Goldfiligran mit Türkisen, — 28 Taschenuhrenschlüsse!» meist mit 
Agalgriflen. — Ridicule, weiss bestickt — Brieftasche von weisser Seide, schwarz bestickt 
Fbchcr Doppelkorb, ehemals für Gebäckringe gehraucht, — Flasche, worin ein Miniatur- 
webstuhl — Stadtplan von Bern, gez, von Boihn 1ÖQ7. — Miniaturportrüt von Major K. 
Edm. V, Steiger f i" Paris igoi. — Medaille der Kantonalen Gewerbeausstellung in Basel, 
von Hans Frei. — Verschiedene Druckwerke und Photographien. 

Als Depositen wurden dem Museum übergeben Altarbild mit Christus und den 6 
Aposteln, um 1500. — Abendmahlstischtuch mk den weiss auf weiss gestickten Wappen 
Michel von Schwertschwcndi und Hal'er, dat 1561, Eigentum der Kirchgemeinde Sigris- 
IH7I. - Kleiner Büffetschrank, dat. 1698, aus Wimmis stammend, mit zugehörigem Zinn- 
gcscbirr. - Wiege mit Flachornameni, aus Graubünden. — Aquarell: Ratsprozession in 
Bern, Ostern 1797. 

Ankäufe. Fünf Töpfchen der Steinzeit, vom Pfahlbau Port — Kupferbeil, aus 
der Broye- - La Tene-Axt vom Biclersee. — Funde aus der Burgruine Rohrberg 
(im Jahre 1340 zerstört), bestehend in 8 Ofenkacheln, wovon 5 mit plastischen Fi- 
guren. 3 ganzen und 3 fragmentarischen Gesimsstücken, 2 Topffragmenten mit Blättern, 
eisernen Thür- und Balkenbeschlägen, einer eisernen Zange, 3 gothischen Schlüsseln, 2 
Messerklingen und t Hirsch horaheft. — Siegelstempel des 15. Jahrhunderts mit Wappen 
bezeichnet S. Laurencii de Argent. — 2 silberne Apostellößel. — Geschnitzte Truhe mit den 
Wappen de Merveilleux und Wurstern berger, Ende des 16, Jahrhunderts. — Geschnitzte 
Schrankfüllung, um 1600. — Eingelegtes Kunstschränkchen, um 1650. Leuchterweibchen 
mit der Figur der Cleopatra. — 2 schmiedeiserne Hängeketten, — Gemalter Ofen aus Steck- 
born, dat. 1756. — Kollektion von 80 Ülenkacheln, an der Badgasse gefunden. — Schliff- 
scheibe: Karl Albrecht Irlet, Chirurgus von Twann, 1787. — Schliflscheibe : Christen Steiner, 
1788. - Ein Paar lederne Jagdstrümpfe, 18. Jahrhundert. — Ein Paar Frauenhandschuhe 
mit Armstulpen, Empire, — Degengehänge, um 1650. - Verzierte Ledertasche, 17. Jahr- 
hundert, v. Rodt, Kunstaltertümer der Schweiz, 100 Blatt — Goldmünze von Konstantin 
* Gr. - Geschützkugel ( Bombe), auf dem Kirchenfeld ausgegraben, K. 

Lausanne. Association du „ Vieux Laasa w ne ". A p rfes quatre ann ees d*ex isten ce , I a 

ommission du Vi eux-Lau sänne, cr^ec par la municipalit6 le 15 f^^vrier 1898, sur Tinitiative de 

Charles Vuiüermet, peinire, a pu se convaincre qu'il y aurait interdt, pour le but qu'cUe 

oursuit, ä renoncer ä son caract^re otliciel et ä se conslituer en association libre, de facon 

sser davantage le publi - lausannois ä la creation projet^e d'un Mus^e du Vieux- 

nne. Un projet de Statuts a ete elabor^ L*article premier definit ainsi le but de la 

liture association: ,,L* Association du Vieux-Lausanne a pour but de rechercher et recueillir 

üt cc qui peut concerner le pass6 de Lausanne au point de vue historique ou arch6o- 

pque, cn vue de doter !a v^ille de Lausanne d*un musee municipaU Son si^ge est ä 

»usanne, Sa duree est iilimitec-^ A la collection des objets que possede deja la com- 

HC, vicndra s*ajouter une s^rie de 161 objets divers appartenant ä Tttat et qui lui ont 

donn€s par la municipalite en 1873, sur la demande du conservateur du Mus^e can- 

nal^ qui ^tait alors M. Morel-Fatio. Cette Serie comprend des picces d*un tres vif intcr^t: 

nncaux, armoirics du conseil des DcuxCents, poids et mesures anciens, Instruments de 

ure, etc* 

Jusqu'ici 1253 objets divers ont et^ recuillis, savoir 327 photographies (por- 
vues, reproductions d*anciens documents, etc.); 182 vues peintes ou colori^es et 
>; 171 gravurcs; 138 meubles divers; 95 objets de poteries, lerre cuite ci verrcricj 
documents; 69 armes, armoiries, sceaux, monnaies et objets concemant radministration 
U viUe et de la justice; 51 fragments d'architecture; 46 portraits, cartes, plans; 39 ob* 
jei^ d*^glise et meubles en bois; 22 insignes de magistrats et fonctionnaires, coiffures et 
^quipcments militaires; 20 poids et mesures, etc. NouveÜiste Vaudois 13. L 02. 




3i8 



igoi 



Nyon. Musef. Dons re^us: deux statuettes funeraires «^gj'ptiennes ; une lampe i 
maine en bronze; ligurine en bronze posee sur un pied; deuK diainettes en verrc. T( 
ces objets provienneiit d*un tombeau egyptien, — Une pi^ce de 2 fr. Napoleon premi 
empereur^ 1813. — Nombreuscs monnaies d'Autriche-Hongrie et de ses provinces, 
daille romaine de Faustine moyeii bronze, trouvee ä Nyon. — Un demi-batz, evcch^ 
Sion, 1754, — Annales de Tlnstitut national *^gronomique de France n** 16, de 1897 ä igk 
Volume de 600 pages avec illustrations. Le Conscrvateur du Musee, 

Th. IVeiiauer. 

OUen. Siädtisches Museum. Der historischen Abteilung unseres städtischen MuseuB 
sind in letzter Zeit folgende namhafte Geschenke zugewendet worden. An IVafftn je 
Handstutzer, Feuersteinflinte, Jägergewehr, Milbank-Ams!er*Gewehr mit Bayonet, Pcaptnl 
Gewehr mit Bayonet, Chassepot- Gewehr samt Yatagan. — Schwerer Reitersabel (von Hti 
Oberst B, Meyer sei.) ; Terzerole („Gassenräumer") aus Tunis. — Standstutzer, Jägcrstütiö 
Chassepot — Schweiz. Otfizierssäbel älterer Ordonanz, ein alter Säbel mit Gitterkorb. - 
Zwei Standstutzer, Chassepotgewchr. — Jägerstutzer - Piston-Pistole, Tschakko mit ?m 
pon, Offiziersmütze mit Borden, Oftizierssäbel älterer Ordonanz, Jägerhom. Pulverhoi 
Kugclgiesszange, Sporren. — Uniform eines Schweizer Offiziers in französischen Dienst^ 
1790— 1798 (Waffenrock und Lederhose), Preussische Pickelhaube, aufgehoben nach <k 
Schlacht von Gravelottc 1870 au! dem Schlaehtfelde, Arzttasche (ältere Schweiz, Ordonan? 
— Offiziersdegen mit Stahlscheide, getragen von Herrn Oberst Conrad Munzinger im Sond< 
bimdsfeldzuge, Yatagan aus dem südamerikanischen Kriege. — Scharfschützen hut — Tschaklw 
getragen von Herrn Oberlieut. ß. Schmid im Sonderbundsfeldzuge, Hausse col, aPaarEpa« 
Icttes. — Alte Fahne des Kadettenkorps, im Gebrauch bis 1885. — Sechs) äufige, gczogca 
Vorderladerpistonpistole, Pulverhom aus getriebenem Kupfer, 3 Galadegen, spanisch« 
Stossdegen, Dolch- Degen, Hirschfänger, Entenrohr. — Alte Fahne der „SchQtzengesellschd 
Ölten*', - Pistonpistole; alter Cavaileriewaffenrock, — Glasschrank mit Uniform am 
WaÖeii. — Jägerstutzer. 

Si öall«n» Sammlungen des historischen Vereines. Zuwachs an Gtschittkm vo 
I. Juli bis 31. Dezember 1901: 

Pergamenturkunden und Papierakte : Hausbriefe, Lehrbriefe, Zeugnisse und Rever 
aus der 2. Hälfte des x8. und dem Anfang des 19. Jahrhunderts; Sittenmandate des Rates v( 
St. Gallen aus den Jahren 161 1, 1781 und 1796; Brigadebefehl des Kammandanten Trumps 
an das St Galler Bataillon Nr. 21 vom i, November 1864; Entlassungsurkunde für ^\ 
Soldaten in päpstlichen Diensten Christian Kellenberger von Walzenhausen vom 19. Na 
1868; Diplom zum Verdienstkreuz „Fidei et virtuti" für denselben; Diplom für einen Ti« 
arzt vom Jahre 1827; Zoll Verordnung des Rates von St. Gallen aus dem Jahre 173 
Bettagsmandat von St. Gallen vom 16. Herbstmonat 1714; Schuldverschreibung aus iU 
Städten vom 3. Oktober 1783. Verzeichnisse der Jahrgänger der Stadt SL Gallen 
1783, 179 ,, 180 1^ 1802; gedruckte Urkundencopie betreffend die freien Güter zu Ainswil I3&f 
Pestverordnung des Abtes Josef von St. Gallen vom 8. August X739; eine Schachtel mit R< 
gesten und Protokollauszügen aus dem Gemeindearchiv zu Rorschach ; Statuten des JaJif 
gängervereines d^r Stadt St. Gallen von 1817; verschiedene Druckwerke aus dem Em 
des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts; geschnitzter Schrankaufsatz, 17. Jahrhundert, n 
Wappenschild des Abtes Gallus IL (1654 — 1687), aus Birnbaumholz; Titelblatt aus eine 
Antiphonarium in osum chori sancti Galli scriptum mit dem gemalten Wappen Abt Gallus 
vom Jahre 1687; ein Tableau, Genrebild in reicher Landschaft, 2. Hälfte des 18» Jal» 
hunderts; 5 Schmelztiegel aus dem Nachlasse eines Alchimisten im Toggenburg, 19. JaW 
hundert; Vogelschaukarte der Stadt Paris vom Jahre 1843. 10 Stahlstiche; Portraitbflticrj 
sämtliche Reformatoren, Anfang des 19. Jahrhunderts; zwei auf Glas gemalte BiWd 
Christus am Kreuze und den Gang nach Eniaus darstellend; ein altdeutsches OelgemaJ<te 
der Crucifixus zwischen den beiden Schachern, neben Maria, Johannes und Magdalena, 
dem Ende des 16. Jahrhunderts; zw^ei Schulkassa büchlem aus St. Gallen, i, Hälfte 



319 



tgot 



19. Jahrhunderts ; eiöe Zunftlaterne aus Zörich, 18. Jahrhundert; ein Reitersäbel mit einfach 
verziertem GriÖ' ond Faustbügel; Tschako eines ehemaligen Milizen aus dem Kanton 
St Gallen, i. Hälfte des 19, Jahrhunderts; grosse eiserne Stilckkngel aus dem st gallischen 
Rheinthal; ein Schleif- oder Probierstein mit hübsch geschnittenen Eichelornamenten; ein 
kolorierter Stammbaum der F'amilie Vonwiler in St- Gallen ; ein Oelgemülde, Porträt des 
Stadtrichters Bernet in St. Gallen, jugendliches Bildnis in der Tracht des ausgehenden 
18. Jahrhunderts; geschnitzte Konsole aus dem Hause zum liegenden Hirsch in St, Gallen; 
Fragment eines Zollschlagbaumes aus dem St. Galler Oberland^ i. Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts; 7 Siege labdrUcke : galvano plastische Reproduktion der ältesten Konventsiegel 
von St. Gallen; 21 Münzen aus der römischen Kaiserzcit; 3 römische Münzen mit gric- 
chischen Inschriüen aus Alexandria; eine Kupfermünze mit dem Bildnis Ludwigs XV., ver- 
schiedene Kupfermünzen mit dem Kopfe Ludwigs XVL, aus der Revolutionszeit und der 
Zeit Napoleons I.^ 3 Assignaten der französchen Republik aus den Jahren 1793 und 1795; 
ein Kreuzerstack der Stadt St. Gallen, ohne Jahr; 2 Zweikreozerstücke der Stadt St. Gallen, 
ohne Jahr; zwei Halbbatzenstücke des Kantons St. Gallen ans dem Jahre 1808; drei 
Rechenpfennige; drei Hohlpfcnnige der Stadt St. Gallen; eine Zwingli-Medaille aus Neu- 
silber vom Jahre 1819; ein Stempel der kantonalen Brietpost mit der Umschrift: Si, Gallen- 
Vnrmittag; 5 Pergamentstreifen, mit gedrehten Enden zum Plombieren eingerichtet, als 
Kontrollmarken für freie Einfuhr st. gallischer Leinwand auf dem Lyoner Markte dienend. 
IWii dem Stempel aufgedruckter Leitvermerk : Mousselines et toiles de coton blanches, mar- 
qu6es en consequence de Tarrest du 28 seplcmbre 1748; zwei schwere Geldtruhen ans 
genieteten Eisenplalten, mit je 9 Schliessriegeln und stihsierten Schlagfedem; Negativ einer 
kupfernen Druckplatte für Kassascheine der Ersparnis-Anstalt des Kaufmännischen Direk* 
loriums in St. Gallen; ein gleiches Stück aus Zink ; eine Partisane, gelunden auf dem Dorf- 
platz in Mels, 17. Jahrhundert. 

Angekauft wurden Iblgcnde Objekte: 8 Zinnkannen, St. Galler Arbeit, 2 mit dem 
Monogramm des Zinngiessers Halder: i Zinnflasche mit der Meistermarke A,-G. (Glinz) 
tind ein gleiches Stück mit dem Monogramm des Zinnj^essers Merz und dem eingegossenen 
Wappentier (Bär) von St. Gallen; ein S^tbe! mit schön geschnittenem MessinggrifT und Faust- 
fcügcl, Ende 18. Jahrhundert; drei Hirsclifänger mit sehönem Stichblatt und geätzten Klingen; 
«in Waffeleisen ; ein Paar Reiterpistolen mit gezogenem Laufe und Kapselschloss, i. Hälfte 
des 19. Jahrhunderts; 4 Handgiessfässer aus Zinn; ein Waschbecken aus Kupfer; ein 
Italseisen; eine Gefängnis kette mit Hand- und Fusschellen; eine Kupferplatte mit getrie* 
fccnen Ornamenten; ein Glasgemälde, Monolithrundscheibe der Maria Cäcilia Tschudin, 
^cbtissin des Klosters Maggenau mit dem Wappen der Tschudy aus dem Jahre 1672 ; 
Schönschreibvorlagen, der lieben jugendt in sant Gal!en zu nützlichem Unterricht zusammen 
geordnet durch Johann Hochreutiner 1688; st. gallisches Kirchengesangbuch aus dem Jahre 
184Ä mit einfachen Ornamenten an den silbernen SchUessen und Ecken ; Neues Testament 
«US dem Jahre 1802 mit Widmung und hübscher Federzeichung, Lederband mit Silbcr- 
^Miessen; Zürcher Katechismus aus dem Jahre 1826, Lederband mit Silberschliessen in 
fcöbschcr Filigranarbeit ; geschnitzte Konsole aus Eichenholz mit den Wappen der Zollikofer 
und Schlümpf; zwei flache Dachziegel mit einfachen Ornamenten und Meistermarke aus 
^Jahren 1566 tmd iöi6; seidenes Täschchen mit reicher Perlstickerei; silberne Dcnk- 
^^^(t auf die 4* Jahrhundertfeier der Schlacht bei Murten; Thaler der Stadt St. Gaflen 
«tis dem Jahre 1620, Variante Mo : No : Civita : Sangallensis; Glasfläschchen mit netzartigem 
Onjament; ein kupfernes Kinderkochgeschirr; ein Spinnrädchen ans dem Sl GaÜer Ober- 
^d^ sorgfältige Drechslerarbeit mit geschnitzten Beiriornamenten ; geschnitzte Wiege aus 
mk Umgebimg von St Gallen, f. Hälfte des 19, Jahrhunderts. E. 

" Sion. Mtisee archeohgique. La commune de Sion vient d'enrichir ce mus^e d'im 
^oJÜer et d*une ^pingle ä cheveux en bronze trouv^ au picd de la collinc de Tourbillon* 

Gazette du Valais. 14 VI IL 01. 
SDloihurn. Historisch-anftquarischt Sammlung des Museums, Saal VILund die Mt^nz- und 
jllensammlung, die in Saal Vül zur Aufstellung gelangt, werden dieses Frühjahr eröffnet. 




320 



xgoi 



: 



Geschenke. Drei Köpferstichplatten für den Umschlag, Titelblatt, Darstellung der Er- 
steigung eines Berges für das Werk: Fr. Jos. Hugi, Naturh. Alpenreise. — SeidendruckbiW, 
darstellend die Hauptpersönlichkeiten des Krieges von 1870/71 aut deutscher Seite; Aquarell, 
Taniburino svizzero, Anf des 19. Jahrhunderts. Tuschzeichnung mit Kricgscinblcinfft, 

Sololhurner Pass für Joseph Viktor Pßuger dun h Anton Ziegler, Kommandant des löN, 
Grenadierchores der Stadt Solothyrn, — St Galler '/* Batzen von 1808; Franz. 2 Cts -Stück 
von 1862. — 26 Münzen, meist neueren Ursprungs. — Pergainenlur künde vom Jahre \fy 
— Drei arabische Münzen. - Münzwage mit Gewichten (7 Stück). — Schlitten; Spinett - 
Brüchstück eines Topfes aus der Pfahl bautcnzeit, gefunden im Greifensee; Kette ausSchJe 
sien mit 8 Breloques; Schlüsselschildchen. - Jeton von Kaiser Napoleon L — Trog mil 
Beschläge aus dem 18. Jahrb.; gusseiserne Kaminwand mit Wappen. — Fünf Kupfermüuaai: 
Louis XIV., 1690, l,ouis XV., 1770, Louis XVI , 1789, Montbeliard 1710, Bern 1793. - Rö- 
mischer licnkclkrug. — Portrait des Marquis de Verrac, des letzten königlichen französisdw» 
Gesandten in Solothurn (Oelgcmälde). — Vier Pergamenturkunden, 1338, mit Siegel drü 
Heinrich von Erolzwile, 1526 mit Siegel des Schultheissen Peter Hebolt, 1651 mit iH'^ 
miniertem Rande und Siegel des Jesuitenordens, 1676^ mit Siegel von Savoyeo; Tcitek 
einer ledernen Tapeten-Bordüre mit dem Allianz wappen der Familien von Stäflis m 
von Praroman, aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts; alt-ägyptisches Amulett 
aus Bronze. BraungJasierter Henkelkrug aus Steingut mit Zinndeckel - Römische 
gläserne Aschenurne. — Ofenkranz von blau und weiss gemalten Kacheln, 18. Jahr- 
hundert. — Bronze-Medaille zum 7o*jährigen Geburtstage des Malers E, StOckclberg. - 
Kupferstich von Midart. Pres et maison de THermite, pres Soleure, - Kupferstich, An- 
sicht von Solothurn (Zürich bei R. Dickmann). Römisches und frühgermanischa 
Eisenzeug aus der ^Mutten" ; grün glasierte Ofengesimskachel und ein Ofenstirnzitgrl 
16. Jahrhundert; Zicgenhorn. — Holzschnittstöcke zum Druck alter Spielkarten; U»^ 
Fürst ä Flumenthal dans le canton de Soleure. — Verschiedene buntbemalte und grODC 
Ofenkacheln aus dem 16. Jahrhundert. - Aargauer Zweirappenstück von 1814. — trcibuif« 
isches Fünfrappenstück von 1830. ^ Broncierter Gipsabdruck eines Waft'eleisens vom Jahre 
1629 mit Wappen des Junkers Hans Jakob von Staal, dem spätem Schultheissen von Sol^ 
thurn» und seiner zweiten Gemahlin Helene Schenk von Kastell. — Panorama vom Weissen- 
stein, Zeichnung und Original -Colorit von H. Keller 1817, gest. von J. J. Scheurmann. - Zwei 
römische Lampen aus Thon; zwei römische Thonstücke (zwei Augen darstellend). — H<^^ 
mischer Krug aus Thon. - Rundes Krüglein. — Fragment eines rotglasiertcn römischen Ge- 
schirrs aus Aventicum. — Kleine römische Urne aus Rom. — Bruchstück grünen Marmo^^»la 
Aventicum. - Römische Kupfermünze. — Römisches Petschaft von weissem Stein, 
Fragmente eines Mosaikbodens aus Aventicum. — Zwei römische thöneme Basreliefs-Fn^ 
mente vom Mons Coelius in Rom. — In Holz geschnittenes Monogranun (Hauszeichen dö^ 
Johann Jakob Bernhard, Buchdrucker, 1658-16^) - Zirka 32 Meter roter Brocatellc-Stof 
zur Ergänzung der Tapete im Ambassadoren-Zimmer. — Goldmünze der Südafnkanischcft 
Republik (Sovereign vom Jahre 1898). - Alte Spielkarten mit Typen aus der Zeit Lu4^ 
wigs XIV.; 11 verschiedene Silbermünzen von Italien; 11 verschiedene Kupfermünzen; eine 
messingene Medaille* — Terra-sigillata-Scherbe von einem flachen Teller römischen l*^ 
Sprungs iPetineseal. — Zwei Fragmente einer Ofenkachel (schwarz und grün), Ende des* 
oder Anlang des 19. Jahrhunderts. - Silbermedaille zur Erinnerung an den Tir du vUUg 
suisse^ Paris 1900. - Hufeisen mit Nagelrinne. — Zwei Schlüssel. — &nc 
Statuette, einen Amphorenträger darstellend, gefunden in Castagnola bei Lugano; kü] 
Fingerring, gefunden in Rüti bei Arch. - Gestickter Teppich von 1602 mit der hL Kaib 
aus dem Kloster im Kinzigihal, — Kupferstich, V\underthät»ger Ort und Bild LT. L F* 
Stein, D. K. sculp. — Tisch aus der ersten Hälfte des 17. Jahrh. mit Eckeisenbeschf 
aus dem 18. Jahrh. — Fragment einer grün glasierten Ofenkachel, Putto. — Spinnrädd 
zwei auf Holz gemalte Porträts, ein Ehepaar aus dem Anfang des 19. Jahrh.; Portrait 
Bruno Uebel, eidg. Instruktor, in Kupferstich. — Römische silberne Consularmünzc 
Q. Lutatius Cerco; römische SÜbermünze des Kaisers Septimius Geta. — Ein in Lindi 



igox 



Ich geschnitztes Antependium aus der ßarockzeit samt zwei geschiiitztcn Consolen, — 

ristickerci, Blumenstrauss darstellend. — Römische Töpferscherben, gefunden bei Grab- 

dten an der hintern Gasse. Zwei Schiessmai ken von Messing der Schtitzengcscll- 

"ähaft Langendorf, 19. Jahrh. 7 colorierte Miltitärcostumbilder 1847 ; Ansicht von Burg- 

dorf, Aquarell von L Lambert, — Büchlein mit Flosshaar- und StrohOechtmustern, erste 

Hilfte 19 Jahrh. Pfeilspitze von Feuerstein. — Münz wage samt Gewichten in Etui. — 

Ziegclfragment mit Reichs wappeu, erste Hälfte 15. Jahrh. - Eiserner Sporn, gefunden 

bei der Kananalisation der hintern Gasse. Werbeaufgebot der Rekrnlenkammer 

des Kantons Solothurn, 13. VVintermonat 181 2. Broncemedaüle der Basler Gewerbeaus- 

Stellung «901. — Zwei Solothurnei Batzen 1797 und 1811 ; Neuenburger Batzen 1791; 

■hiwj^zer Batzen 18. Jahrh, — 23 eidgen. Schützenthaler 1840 1885. — Ennnerungsblatl 

^ die Fixier der Doroacher Schlacht 1899. Tafel der Pfisternzuntt mit Verzcichtns und 

Wappen 1773. - Freiburger Batzen 1828 und französische Kupfermünze Henkelkörbchen 

Ift geschnitztem Holzdeckel^ ig. Jahrh. 
I Dipositen. Aliarampel von Zinn aus der Jesuätenkirche, 18. Jahrh.; zwei Zinnplatten; 
lertier Wandlcuchter. — Silberplaquettc zur Basier Bundesfeier 1901 von Hans Frei, 
ronleuchtcr von Kristallglas und vergoldefem Schmiedeeisen, Louis XIV.; grosser ge- 
schnitzter Lehnsiuhl aus Nussbaumholz, Anfang 17. Jahrb.; Tisch mit gedrehten Füssen und 
Schiefe rplatte, Ende t6. Jahrh. Zinngicssfass, 18. Jahrh, ; gravierte achteckige Zinnplaite 
1674; messingene, gotische Kanne mit doppeltem Schnabel und Kreuzblume aut dem Deckel; 
Körper eines Messingkronleuchters, 16. Jahrh. ; eichener Opfersiock 1654, — Sechs zinnerne 
Vaüvplaquetten, r8. Jahrh., aus der Jesuitenkirche, Kleine silbervergoldete getriebene 

Wdh wasserschale, zweite Hälfte 17. Jahrh. — Schmiedeisernes Fenstergitter, 18. Jahrh. — 

t heben, erste Häiae 17. Jahrh, 
Brwirtungitt, 16 Photographien von Glasgemälden, die von Glasmaler Kreuzer 
luriert wurden. Basler Schulprämie, 2 KreuzerstQck von Strassburg, Walliscr Batzen 
•I710, Solnthurner Kreuzer 1631» Urner Batzen 1623, Solothurner Kreuzer 1623. Versilberte 
^onze-Medaille, Atlila darstellend, 17, Jahrh, Spiegelletichter, geschnitzt und vergoldet, 
Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ein Pendant hiezu wurde durch Herrn Bildhauer L. Colle 
gestellt — Aquarell, darätellend Johann A6olter, Feldweibel von Solothurn, gemalt von 
hxiz Feyerabend. — Gotischer eiserner SchlQsselschild in Form eines vierbiättrigen Klee* 
getrieben und ciseliert, — Messingener Sclilasselschild aus der ßarockzeit, — Zinn* 
- Messingenes Waschbecken. — Zinnkanne (sog, Berncrkanne). — Zinnkanne von 
irischer Form mit Traube auf dem Deckel und Schnabel als Aus lau f. - Zwei Laternen aus 
17,, bezvv, 18. Jahrh. Tisch mit gesch weilten und geschnitzten Füssen (Louis XIV.). - 
Kupferstich-Portrait des Generals Bonaparte, public a Toccasion du passage de ce grand 
öffime a Basle, le 24 Novemb. r797, pour se rendre au Congres de Rastadt, par Chr. de 
iWethel, Graveur, — Ofenkachel-Modell von gebranntem Thon mit Figuren, 177t. — Ziegel 

feingcpresster Verzierung £ M 1807. A, G, 

Stans. Das Hisiorische Masetim erlitt leider im Jahre 1901 einen Verlust durch Ein- 
hdicbstah!, welchem eine wertvolle Kollektion alter Münzen und ein kostbares Missale 
Opfer fielen Der Schaden wird aul ca. Fr, 6000 geschlitzt. Von den Dieben fehlt 
Spur, 
Yverdon, Bibliothequc. L*assembl6e generale annuelle a admis Tid^e de commenccr 
l* neeuillir des objets des derniers siedes, aHn de completer les cotlections historiques qui 
iMnt des Premiers siecles de notre ere, Les personnes possedant des objets des siecles 
fp^ larmcs^ vetements, bibelots, meubles), et qui desirent qu'on !es conserve peuveni 
5 mainicnant les annoncer ä M. Jomini, conservateur. Lorsqu' on aura reuni un asscz 
ad nombre d'objcts, on pourra crcer nnc saile moderne oü sc placeront egalement les 
CU3C tableanx que Ic mus^e poss^de d6jä (vieil Yverdoni, 

(Journal dTvcrdon. 28. L 02J 




Le Miisee (fYverdon a ^t^ transferc du Chäteau dans deux grandes salles au 
deuxieme dtage du nouveau College d'Yverdon. II a tt6 fait pour le mus^ 3 süperbes 
photographies, dont deux vues de pans du mur de la ville, construit par les Bemois et la troi- 
sieme des derniers vestiges apparents d'un mur du Castrum romanum d'Yverdon. 

P. Jomnü^ professeur. 

Zofingen. Am 19. September 1901 fand hier die Einweihung des neuen Museums 
statt. Der originelle, stattliche Bau an prächtiger Lage mit freier Gartenumgebung (Ar- 
chitekt £. Vogt in Luzem) ist eine Stiftung des Zofinger Bürgers Gustav Strähl an die 
Stadt Zoßngen, die denselben unter eigener Aufsicht im Kostenbetrag von rund Fr. aoo,ooo 
aufgeftihrt hatte. Das Gebäude ist vom Stifter selbst wie auch von andern grossherzigen 
Donatoren reichlich ausstaffiert worden und trägt einen ganz eigenartigen Charakter. Im 
Parterre plazierte man die reichhaltige Stadtbibliothek, welche 1731 gegründet wurde. I>er 
erste Stock ist den historischen Sammlungen geweiht, während der zweite die naturwissen. 
schaftlichen Sammlungen von Dr. Hermann Fischer-Siegwart enthält, welcher dieselben, die 
Frucht eines ausdauernden 50jährigen Sammeleifers, dem Museum schenkte. 

IIL Kleinere Nachrichten aus den Kantonen. 

Eidgenossenschaft. Für das Jahr 1902 sind folgende neue Bundessubventionen für 
Restauration und Erhaltung historischer Kunstdenkmäler vorgesehen: Kirche zu Lutry 
1. Rate Fr. 2000. Weinmarktbrunnen Luzern 1. Rate Fr. 1000. Klosterkirche Hauterive 
(Fribourg) i. Rate Fr. 2000. Geburtshaus von Nikiaus von FIüc in Sachsein Fr. 500. Munot 
in Schaff hausen i. Rate Fr. 3000. Burg Wädenswil i. Rate Fr. 1000 Burgruine Iberg bei 
Wattwil Fr. 2000. Todesbilder und Dekorationen im Beinhaus zu Wolhusen Fr. 1500. 
Steinhelm auf dem Turm zu St. Nikiaus bei Kerns Fr. 500. Römisches Amphitheater in 
Windisch Fr. 4000. 

Aargau. Architekt Robert Moser in Baden, der am 5. Dezember 1901 gestorben ist, 
wurde 1833 als Sohn des gleichnamigen Steinmetzen und Baumeisters geboren. Eisenlohr's 
Führung an der polytechnischen Schule in Karlsruhe bereitete ihn auf die künftige Lauf- 
bahn vor, dann trat er 1858 Reisen nach Paris, Belgien und Italien an, wo er sich mit dem 
früh verstorbenen feinsinnigen Architekten Max Nohl befreundete und auch in nahe per- 
sönliche Beziehungen zu Wilhelm Lübke trat, der ihn nachmals öfter in Baden besuchte. 
Hier eröffnete sich Moser alsbald eine reiche und vielseitige Wirksamkeit. Schulhäuser, 
das Kurhaus in Baden, Kranken- und Strafanstalten sind seine vornehmsten Werke, in 
denen sich durchwegs die Klarheit des Concipientcn, praktisches Verständnis und muster- 
hafte Solidität der Ausführung bewährten. Neben solchen Arbeiten hat sich Moser mehr- 
fach im Auftrage der Schweizerischen Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenk- 
mäler an der Wiederherstellung alter Bauwerke bethätigt; die der Klosterkirche von 
Königsfelden, die er gemeinsam mit seinem Freunde, dem 1898 verstorbenen Architekten 
J. C. Kunkler, durchführte, ist sein Werk und zuletzt noch die musterhafte Restauration 
der Stiftskirche von Zurzach, wobei er hier wie dort mit Faktoren zu rechnen hatte — 
Symptomen drohendsten Verfalles — welche die höchsten Anforderungen an seine fach- 
männische Umsicht und Erfahrung stellten. Bei aller Ueberlegenheit, die er hiebei als 
Praktiker bewies, entzog er sich aber nie dem Rate und den Wünschen derer, die ihm als 
Vertreter der archäologischen Interessen zur Seite stunden. Selten hat sich überhaupt mit 
so viel Bescheidenheit ein gleiches Mass von Tüchtigkeit und mit scheinbar unerschütter- 
licher Ruhe em so tief emplindendes Seelenleben, wie bei dem Heimgegangenen, gepaart 

/ /?. R, 

— In Etinetbadm wurde im Herbst 1901 bei Erdarbeiten ein massiver, aus einem 
Stücke Feingold herausgeschnittener Fingerring gefunden, welcher neben einfachen Palmetten- 
verzierungen einen glatten Onyxstein trägt. Der Ring wiegt etwas mehr als 41 Gramm, 
ist aber für einen dünnen Finger berechnet und dürfte etwa aus dem 2. 3. Jahrhundert 
nach Chr. stammen, wie Vergleiche mit ganz ähnlichen im Britisch Museum zu London 
zeigen. Der Fingerring konnte vom Schweiz. Landesmuseum erworben werden. 



y 



323, 



9ot 



— Vindofussa, l.etztes Jahr wurden die Reste einer römischen Wasserleitung, sowie 
lieh einer Reparaturarbeit an der Königslelder Wasserleitung römische Wandmalereien 

und ein grosses Säulen Fragment blossgelegt, 

- Ober- Kulm. Die Ruinen auf dem Murhübel wurden zum Teil ausgegi'aben. Der 
■ bis jetzt abgedeckte Teil zeigt einen nördlichen und einen südhchen unterirdischen Raum* 
^vDer letztere ist gänzlich ausgehoben und auf der Nord-, Ost- und Südwand dunkel mit 
BjgrQncn Randstreifen bemalt. Gefunden wurden bloss Bruchstöcke von Legionsziegelu und 
Hron bemalten Mauern. (Aargauer Tagblatt* 21. Januar 1902,) 

■ BaseK Stadt. Bei einem Umbay am Barfösserplatz wurde aus der Giebelmauer 

ein Siein gebrochen, der auf 3 Seiten die vertieft angebrachte Zeichnung von Sonnenuhren 
und eine stark beschädigte Inschrift zeigt. Die Ausftlhrung der Zeichnung lässt auf ein 
hohes Alter schliessen. (Nalional-Zeitung Basel. 4. Januar 1902,) 

- Angst. Im romischen Theater zu Äugst wurde kürzlich ein interessanter Fund 
gemacht Es handelt sich um ein Köpfchen von beinahe halber LebensgrOssej das aus dem 
porösen Muschelkalk der Umgebung gearbeitet ist und jenen idealen, in römischer Zeit 
immer wiederholten Typus aufweist, der m letzter Linie auf die grossen griechischen 
Master des 4, Jahrhunderts vor Chr. zurückgeht. Auffällig ist die Frisur: einen breiten 
Streifen, der sich um den Schädel zieht, möchte man als Band erklären, das im Nacken 
geknüpft zu sein scheint; seithch quellen die Haare in regelmässig gelegten Wellen unter 
der Binde hervor, die Hauptmasse des Haares fällt hinten in einem dicken Schopf in den 
Nacken. An der Rundung des Schädels ist das Haar plastisch nicht angedeutet, so dass 
man sich fragt, ob hier die Farbe nachhalf oder ob dieser Teil des Kopfes einst durch 
cinrn aufgehetzten metallenen Kranz oder eine Haube oder ein Netz verdeckt war. Die 
weitere Frage, wie man das Köpfchen benennen könne, findet auch nur Vermutungen. Das 
Gesicht zeigt volle, weiche Formen, ein starkem, fleischiges Kinn] die leichte Wendung des 
Kopfes, der leise aufwärts ins Weite gerichtete Blick geben dem Ausdruck etwas träume- 
risches, sehnendes; man könnte an Aphrodite denken, wenn nicht die eigentümliche Frisur 
und der Fundort die Deutung auf Dionysos näher legten, dem ja von jeher eine Stätte im 
Theater gehört hat. Auf Dionysos würden allerdings auch die weiblichen Formen und der 
Gesichtsausdruck gut passen. Leider ist das Köpfchen nicht gut erhalten; besonders die 
Nase ist arg zerstossen. (Allg. Schweizer- Zeitung. 28. Sept. 1901.) 

Bern. Im Kanton Bern konstituierte sich am 18. Dezember 1901 zur Förderung und 
finanziellen Unterstützung des historischen Museums ein Verein, zu dessen Präsident Herr 
Oberst Keller, Chef des eidg. Generalstabsbnreau gewählt wurde. Der Jahresbeitrag eines 
Mitgliedes beträgt Fr, 5. Bereits sind auch einmalige Gaben eingegangen, - Das kantonale 
Oesetz betreffend Erhaltung von Kunstdenkmälem und historischen Urkunden, das nnttels 
Inventarisierung jede Veräusserung solcher Objekte im Besitze von Gemeinden und Kor- 
porationen ausser den Kanton zu verhindern sucht, wurde in der Volksabstimmung vom 
i6. März 1902 angenommen. 

- Btrn. Bei den Fundanientierungsarbeiten filr das neue Postgebäude wurden u. a. 
>n der Tiefe der neuen Fundamente die Grundmauern des sog, Zwingelhofcs und des 
Jüngiturms aufgedeckt, welche noch der Befestigung aus der Mitte des 14. Jahrhunderts 
^gehören. - Herr Karl Edm. v. Steiger, gew. Major in sizilianischen Diensten, vermachte 
^ni ßemischcn historischen Museum ausser einem Kapital von zirka Fr. 180,000 seine 
^'crtvoUen Sammlungen, bestehend in 126 Miniaturporträts des 18.-19. Jahrhunderts, und 
^rka 3oo Orden und Ehrenzeichen und einer grossen Zahl Münzen und Medaillen. 

— Bkl, Auf der Stelle des alten römischen Peiinesca hat man ein förmliches 
Kanalisationssystem ausgegraben. 

An der Kirche zu Jegmsforf, die 1514 neu gebaut wurde, befindet sich eine ehe- 
^"gc Sakristei, die mit einer einfachen Fugenleistendecke versehen war. Diese Decke 
J^ ringsum und durch die Mitte belebt mit aufgemalten (nicht geschnitzten) farbigen Friesen. 
_% seit Jahren als Kohlenbehälter verwendete Raum wurde nun in jüngster Zeit zu einem 
*^*rchgemciiidearchiv umgebaut. Dabei wäre die Decke, die nur als Ganzes einen bc- 




3^4 »y 

schcidenen Kunstwert hat, zerschnitten worden. Im Interesse der Erhaltung meldete ach 
das historische Museum als Käufer und es ist ihm dieselbe gegen Uebemahme der nötigen 
Ersatzstocke abgetreten worden. K. 

Freiburg. Stadt. Bei Bauarbeiten für die neue Telephonzentrale stiess man auf die 
Fundamente der alten 1580—1588 gebauten „Fleischbank*, welche Anfang des 19. Jahr- 
hunderts niedergerissen worden war. 

Pavertie, Hier fand man in der Tiefe von ungefähr 3 m im Boden einen Pfc^d^ 
zahn und 3 Gefässe aus der Pfahlbautenzeit. 

Genf. Le 7 Aoüt 1901 les ouvriers charges des travaux de r^parations, dans la salk 
du Conseil d'Etat, ont fait une döcouverte importante. En enlevant de vieilles boiseries, 
qui se trouvaient sous les tentures de reps vert, ils ont mis ä nu des peintwes murales 
assez bien conserv^es. Ces fresques fönt le tour de la salle sur trois cötds. Elles sont 
entremeldes d'inscriptions en fran<;:ais et en latin. Elles datent, croit-on, de la fin du XV« 
si^le. Les figures sont aux deux tiers de grandeur naturelle et representent des person- 
nages de TAncien Testament, probablement les Juges; parmi eux Molse Au cöte droit 
du proph^te suit une curieuse rangee de personnages aux mains coup^es. Au centre de 
la paroi voisine figure une Justice, extrömement belle, et qui ä eile seule suffirait ä exciter 
un grand int6rdt. De nombreuses banderolles portent des inscriptions latines, tirees d*au- 
teurs profanes, parmi lesquels le nom de Cic^ron. Le panneau du centre, le plus remar- 
quablc au point de vue de Tart et le mieux conserv6, porte une figure remarquable de la 
Justice avec ses attributs, le glaive et V€p6e, entour^e de cinq autres personnages dont un 
vieillard. La paroi de droite ne porte qu'une figure avec une inscription. 

Toutes ces maximes se rapportent ä l'administration de la justice ou de l'Etat ce qui 
fait croire que c'etait une salle de tribunal. 

Ces fresques furent restaurees en 1604. On signale enfin, dans une description de 
Gen^ve par Davity, reproduite par M le professeur Eugene Ritter dans le Bu/letin de 
rinstitut genevois, le passage suivant: Contre la muraille de la Chambre oü les s^nateurs 
s'assemblent, il y a sept juges peints dont celui qui est au milieu n*a qu'une main et les 
autres six tout ä fait sans mains. Disons en terminant que la commission nomm^e par le 
Conseil d'Etat ä ce sujet, ötudie un plan de refection de la salle tout autre que celui qui 
avait 6te con9u, alors qu'on ignorait rexistence de documents aussi curieux. 

- Die Stadt Genf plante seit längerer Zeit den Neubau eines Zentralmuseums filr 
Kunst und Geschichte, welches die Gemäldcgak-rie, das Musee Fol und die archäologischen 
und historischen Sammlungen in sich vereinigen soll. Durch das Legat des Banquiers 
Galland, welcher die Stadt zur Universalerbin seines Vermögens von zirka 6'i Millionen 
eingesetzt hat, ist die Errichtung eines solchen Museums in greifbare Nähe gerückt, da von 
diesem Legat 3 Millionen hiezu verwendet werden sollen. Aus der Plankonkurrenz für 
dieses Museum gieng Architekt Camoletti als Sieger hervor. 

Qraubimden. Misox, Das Castello Mesocco, Irüher im Besitze der reichen Grafen 
von Trivulzio, soll vor weiterem Verfall bewahrt bleiben. Die Kosten der Erhaltungs- 
arbeiten würden von Gemeinde, Kanton und Bund zu tragen sein. 

- In Pcmtrcsina fand man an der alten Strasse mehr als einen Meter tief in der 
Erde eine Silberniünze aus der Zeit Trajans. Die Vorderseite zeigt das Bild des Kaisers 
und hat die Aufschrift: Impcratore Traiano Augusto Germanico Dacico. Die Rückseite 
zeigt das Bild der Ceres und am Rande die Worte: Consul. Quint. P. Q. R. Optim. Prim. 

(Davoser Blätter 5. Okt. 1901.) 
Luzern. Stadt. Das Rathaus am Kornmarkt soll restauriert und in seinem ursprüng- 
lichen Bestände wiederhergestellt werden, ohne dass eine Erhöhung des Gebäudes statt- 
finden darf. Bei den Vorarbeiten handelt es sich in erster Linie um Abgüsse der zu er- 
neuernden Sculpturteilc, Ornamente etc. 

- Hddisrieden. Beim Abbruch der alten Kirche, wobei auch der alte Turm ver- 
schwinden soll, wurden an der Chorwand Malereien entdeckt. Welchen kunsthistorischen 
Wert diese haben, wird, wie man hört, der Vorstand der „Schweizerischen Gesellschaft 



fi5r Erhaltung historischer Kunstdenkmäler" untersuchen. Der Turm und die Grundanlage 
der Kirche gehören wohl zu den ältesten Baudenkmälern des Kantons Luzem. Man nimmt 
an, dass der Turm ein Bestandteil der ehemaligen Burg Tannegg^ und die Grundanlage 
der sehr kleinen Kirche diejenige der einstigen Burgkapelle sei. Schon lange vor der 
Sempacher Schlacht, 1310, machen zwei Brüder, die Edlen Walther und Rudolf von Engel- 
wartingen eine Stiftung an die Kapelle in Hildisrieden. In alter Zeit war hier ein berühmter 
Wallfahrtsort zu „unserer lieben Frau* und noch im 18. Jahrhundert kamen im Frühling 
nicht weniger als 25 Pfarreien bittgangs weise nach Hildisrieden. Bis vor etwa 15 Jahren 
war in einem Kapellchen auf einem Hof in der Nähe von Hildisrieden ein uraltes Mutter- 
gottesbild, das aus dem 11. oder 12. Jahrhundert stammte, zu sehen, was die Vermutung 
nahe legt, es möchte das alte wunderthätige Gnadenbild sem. Heute befindet sich dasselbe 
in Luzem in einer Privatsammlung. 1661 wurde das Schiff grösser gemacht und aus dieser 
Zeit dürften auch die entdeckten Malereien stammen. In den 30«»" Jahren des 19. Jahr- 
hunderts wurde das Chörlein „angepfuscht*. Die Malereien an der Brüstung der Empore 
enthalten 12 Darstellungen aus dem Leben der sei. Jungfrau Maria und tragen die Jahrzahl 
1662. Bei einer dieser Renovationen dürfte man gedanken- und pietätlos mit dem Gnaden- 
bild aufgeräumt haben und ihm eine Duldung in dem Kapellchen eines nahe gelegenen 
Hofes zu teil geworden sein. 

Die an der Strasse nach Sempach liegende Schlachtkapelle ist mit behauenen Eck- 
steinen aufgeführt, welche einem älteren Bau entnommen sind. Einige tragen Merkmale, 
nach denen sie als Thürpfosten gedient haben. Dieser ältere Bau ist wohl in der 
alten Burg ,,Tannegg*' in Hildisrieden zu suchen, deren Turm 1422 zum heutigen Kirchturm 
erhöht wurde. An diesem Turm sieht man etwa 12' über der Erde einen vermauerten 
Spitzbogen; den Sturz des folgenden Schlitzfensters bildet ein romanisches Sandsteinfrag- 
ment, auf welchem wellenförmige Rankengewinde eine kleine kreisrunde Oeffnung um- 
schliessen. Auf der Ostseite findet sich ein gleicher Sturz vor. — Mit dem alten, ehrwürdigen 
Käsbissenturm verliert Hildisrieden sein Wahrzeichen und historisches Baudenkmal. B, 

(Vaterland, 9. III. 02.) 

— SU Urban. Die schönen in Eichenholz geschnitzten Chorstühle aus dem ehemaligen 
Cisterzienserkloster, welche im Anfange des 18. Jahrhunderts entstanden, 1854 ins Ausland 
wanderten und dann in den Besitz des Earl of Kinnoull auf Dupplin Castle bei Perth 
(Schottland) übergingen, wurden vor kurzem von einem reichen Gönner der neuen röm.- 
kath. Kathedrale in Westminster angekauft und derselben zum Geschenk gemacht. 

Solothurn. Zur Geschichte der sogenannten Leopoldsfahne im Solothurnischen Zeug- 
hause, Fiala erzählt in seiner Geschichte des Ursus-Panners (Das St. Ursus-Panner, Solo- 
thurn 1869, 4^), S. 9 f., dass wahrscheinlich auf Empfehlung des Venners Hans Jakob vom 
Staal (t 1615) die Fahne, die irrtümlich, als Weihgeschenk des hl. Ursus, als Velum des 
Knicifixes benutzt worden sei, eine neue Verwendung gefunden habe. Er sagt dann weiter, 
das Stift habe in dieser Zeit eine Fahnenstange mit friedlichem, kreuzgeschmücktem Spiess 
verfertigen lassen, wie solche an Prunkfahnen, vielleicht auch Kirchenfahnen dieser Zeit 
gewöhnlich gewesen seien; die Fahne sei an den Gedächtnistagen des Heiligen feierlich 
ausgesetzt und es seien die am Eingang des oben genannten Werkes citierten Verse, die 
»oflfenbar** von Hans Jakob vom Staal stammten, dazu gedichtet worden. Die Einsicht- 
nahme in die Protokolle des St. Ursenstifles (Bd. 6, ProtocoUum ab A" 1628 Jun. 23 ad 
A. 1637 Dez. 31, p. 58) gewährt eine Berichtigung, bezw. Ergänzung dieser Thatsachen. 
Einmal hat offenbar Hans Jakob vom Staal keinen direkten Einfluss auf die Aenderung in 
der Verwendung der Fahne ausgeübt, denn die Befestigung an der Stange fällt ins Jahr 1628, 
als er schon tot war. Und dann hat er auch die Verse nicht gedichtet; sie stammen von 
Chorherr Johann Wilhelm Gotthard '). Die betreffende Stelle im Stiftsprotokoll, Juni 1628, 
lautet folgendermassen : „In dissem Jahr hatt ein Ehrwürdig Capitel das uhralte Pannien 

') Das war übrigens schon von Amiet, Stiftsprozess 397, rektifiziert. Er setzt aber die ganze Prozedur 
irrtOmlich in den August i6a8. Laut Protokoll wurde cie Angelegenheit am Tage vor Johannes dem TAufer (also 
Am 33. Juni) in der Kapitclssitzung behandelt, aber nur als Mitteilung; die Arbeit war bereits beendigt 



326 



1901 



welches sithero von Anno 1318 in der Kirchen an dem H. Carfreytag zu der Ceremonia 
Ecce lignum Crucis etc. sonderbarlich gebraucht worden (welhes in gemeltem Jahr nach 
lannger unnd schwärer Belegcrung disser Statt von Ertzhertzogen Leopoldo uss Ocsteridi 
durch ein augenschinliches Miracul des himlischen Beystands unsers heiligsten Patronen 
SS. Ursi, Victoris et Sociorum Thebeorum martyrum mitt Accord unnd Ufigebung der 
Belegerung von wolgemeltem Ertzhertzogen dem Himmelfllrsten S. Urso mit gröster unnd 
höchster Veneration, Revcrentz, Demutt und Andacht presentiert, verehrt, vergäbet und uff 
die Sarch Seines Heyligthumbs gelegt worden), widerumb emeüweret und an ein Stang 
lassen naglen, uff das es in summis Festivitatibus SS. Ursi, Victoris et sociorum in festo 
Corporis Christi et sollennioribus Processionibus vor dem Heiligthumb könne vorgetragen 
werden; unnd sind mit güldenen Buchstaben disse nachvolgende Carmina uf einer Seiten 
zu Latein uflf der ander in teusch uf gemalt Panner geschriben worden." (Folgen die Verse, 
wie sie bei Fiala stehen; am Rande stehen die Worte R. D. Joan. Guilhelmus Gothard 
Canonicus composuit.) Dr. E. Tafarmoff'. 

(Solothumer Tagblatt, 16. ü. 02.) 

— Ueber der Eingangthüre in den Steinernen Saal steht eine ganz verständnislos über- 
malte, aber sonst kunstreich geschnitzte Holzstatuette des Schutzpatrons der Stadt Solo 
thurn, die eine sehr interessante Geschichte hat. Das Kunstdenkmal steht seit 1886 im 
Steinernen Saal und stammt aus dem Inventar des St. Ursusstifts, mit dem es 1874 an den 
Kanton Solothurn übergieng. 

Schon Amiet, Stiftsprozess p. 451, erwähnt das Stück als „aus einem Pfeiler der 
römischen Brücke geschnitten, die zur Römerzeit an der Stelle, wo jetzt die Tribeins- Kreuz- 
kirche steht, die beide Aarufer verband." Aber nähere Angaben darüber werden nicht 
gemacht, und es lässt sich nicht konstatieren, woher Amiet diese Notiz hat. Jedenfalls hat 
er aber eine Stelle im Stiftsprotokoll übersehen ; wir erfahren daraus die näheren Umstände 
und namentlich das Jahr, in dem das Bild geschnitzt wurde. Es ist gerade die Zeit, in 
der dem Thebäerkult erneute Autmerksamkeit gewidmet wurde, und zwar infolge des auch 
sonst fühlbaren Eindringens der sogenannten Gegenreformation. Im fünften Band des Pro- 
tokolls des Sankt Ursenstiftes (1596— 1623) heisst es auf p. 191 zum 8. Januar 1602: 

Anno 1599 ist die Aaren so klein gewäsen, das man die alte Joch der alten Brück 
by Trybus Krütz (daruff sanctiss. patronus noster Ursus cum sociis Martyriziert worden) 
sähen mögen. Daher Wilhelm Duggener etlich Ross angspannen unnd edich Stock von den 
Jochen lassen ußryßen. deren er eins D. Praeposito verehrt, welcher nachmaln A^ 1602 ein 
Bild S. Ursi daruß schnitzen laßen zu einer sonderen Liebe und ewiger Gedächtnus solcher 
lobwirdigen Antiquitet. Und diewyl das Holtz schwartz und ysenmäßig, hatt er es schwartz 
anstrichen laßen, darunder volgcnde Vers gschryben worden: 

Sanct Ursen Bild, Mensch, hie betracht 
Ist von eim Joch der Brück gemacht, 
Daruff er sampt synr Gsclschalft gutt 
Vergoss alhie syn helges Bhitt. 

Es wäre gestützt auf diese wertvolle Eintragung nicht allzu schwer, das Bild, das 
jetzt in verschiedenen grellen Farben glänzt, in seine ursprüngliche, von den Herstellern 
gewollte Farbe kleiden zu lassen. Tatarinoff. 

Tdssin. Ascona. In einer Vigne in den Bareggie wurden von Basilio Sasselli eine 
Anzahl sehr alter gemauerter Gräber mit gepflastertem Boden und doppelter Plattendecke 
ausgegraben. 

- BeUinzona. Die vollständige Wiederherstellung des Castells Schwyz auf Kosten 
von Gemeinde, Kanton und Bund ist vorgesehen, wozu der Staatsrat vorschlägt, die jetzt 
zerstreuten geschichtlichen Urkunden und Werke in den restaurierten Gebäulichkeiten 
unterzubringen. 

— Aus il/«ra//t>-Locarno schreibt Herr Oberstlieutenant Giorgio Simona am 
22. Februar J902: Questi giorni nello scavare presso il nuovo asilo infantile in Muralto si 
trovü una tomba formata da pictn* non lavoratc platte incirca come quella che esiste sul 
grande Hotel, nel giardino. N(jn vi si trovarono che poche ossa e le pietre furono distrutte 



3^7 ly 

c impiegate in altri lavori, meno una, che pure fu rotta et che porta inciso ruvidissima- 
mente le seguente letterc : P • F • S • E • La tomba misurava incirca metri 1,20 lunghezza 
e metro 0,60 di larghezza. 

Tesserete, Im Herbst 1901 wurden anlässlich der Erweiterung des Friedhofes zahl- 
reiche gemauerte Gräber in einer Tiefe von ca. i m unter der Bodenfläche blossgelegt, 
welche 1,60—2 m Länge und 0,40 0,60 m Breite massen und alle in der Ost- West- Richtung 
lagen. Einige dieser Gräber enthielten wenige Knochenreste, welche zerfielen, ohne irgend 
welche Beigaben. (II Dovere, 7. IX. 01.) 

Unterwaiden. Kerns, Alte Malereien wurden von Kunstmaler Anton Stockmann, 
Samen, zu beiden Seiten des Eingangs in die Kapelle zu St. Anton m Kerns abgedeckt. 
Das eine der Gemälde stellt den Tod dar mit Sanduhr und Sense, das andere einen Heinrich 
Blftttler, Donator der Kapelle. Im „Obw. Volksfr.* wird angeregt, die Malereien aufzu- 
firischen und zu erhalten. 

Waadf. Bressonnaa-dessus. On a ddcouvert, en extrayant du gravier ä „la Planche", 
non loin du hameau de Bressonnaz-dessus, ä 0,60 m de profondeur, un squelette trös bien 
conserv6, mesurant 1,45 m de longueur. Cest un sp6cimen assez rare de sepulture gallo- 
helv^te. Le corps est deposd en terre libre, dans un lit de gravier, couchd sur le dos, 
Oriente du S.-E. au N.-O., la töte au S.-E. Les bras sont etendus le long du corps et les 
mains semblent avoir €t6 croisöes ä la hauteur des hanches. On a retrouve ä la place de 
la main droite un anneau en argent trös simple et tr^s mince, non soude, ressemblent ä 
une vulgaire doucie de rideau, et, ä la partie superieure du corps, des fibules en fer dont 
Tune, trte caract^ristique, permet de determiner assez exactement T^poque ä laquelle le 
corps a 6t6 inhum6. En effet, ce serait plutöt ä T^poque de /a Thte II qu'appartient la 
sepulture de Bressonnaz; les fibules trouv^es dans les tombes de la Tcne I 6tant genörale- 
ment en bronze et de forme moins allongee. Ces objets ont et6 obligeamment c6d6s au 
Mus^e cantonal par le proprietaire du terrain, M. Jules Binggeli, ä Bressonnaz-Dessus. 

— Lausanne. Au-dessus de la porte d'entr^e de la salle des Pas-Perdus de l'Hötel 
de Ville de Lausanne se trouvait, depuis plus de deux siecles, une peinture dont, jusqu' ä 
ces demiers temps, on n'apercevait que des traces de couleurs brunies; eile a tt€ restaurde 
par M. Joseph Vuillermet. 

Notre tableau a la forme d*un ovale allonge. II mesure quatre-vingt-six centim^tres de 
largeur sur cinquante-quatre de hauteur. Cest une vigoureuse peinture ä Thuile, hardi- 
ment bross6e sur bois de peuplier. Au centre, ä peu prös, figure le personnage principal, 
un jeune homme beau comme un antique. Assis sur un socle de marbre, il est nu, pourvu 
d'ailes et ceint d'une simple draperie rouge aux plis habilement dispos^s. D'un geste de 
la maine gauche, il clöt ses l^vres souriantes. De la droite, il tient la hampe d'une banni^re 
aux couleurs de Lausanne : de gueules au chef d'argent. On y lit les trois initiales bien 
connues: L. C. E., qui ne sont autre que Tancienne devise de la ville (Lausanna civitas 
equestris). Le marbre qui forme le si^ge porte la date de 1684 et la sentence: Nihil si- 
Untio ulilius. Au second plan, ä la droite du spectateur, on reconnait aisement le portail 
de notre maison de ville. Tout un groupe de femmes, qui paraissent dmues et agit^es, y 
accourt. Sur le seuil, un personnage, costumö ä Pantique et au maintien grave, semble 
parlementer. A une baie superieure, un vieillard ecoute. A gauche, un autel enguirland6 
Supporte une süperbe aiguiere, faite d'or et d'argent, ainsi que des fruits, oranges et citrons. 
Sur le socle de marbre, encore une cnupe et des raisins. Au bord du tableau, un sphinx. 

Par son style et sa facture cet artiste se rattache ä l'^cole de N. Poussin. B. D. 

Wallis« Bagnes. Au Heu, dit de Rosays, on a mis au jour deux tombeaux ren- 
fermant les ossements humains de 3 personnes. Les tombeaux ötaient formds de dalles 
aux 6 cöt6s; mais, chose rcgrettable, la terre y avait p6netr6, en sorte que les os ^taient 
calcin^s, lorqu'on a voulu les extraire. On a retrouv6 les os de toutes les parties du corps 
des trois cadavres: cränes, mächoires, doigts, cötes, os des jambes et des bras. 

— St'Maurice. Dans les bätiments romains restes ä Test de St-Maurice, on avait 
demi^rement d6couvert une voie pavde reproduisant absolument le mode de paver adopt6 



328 



(9°' 



dans les „forums* mmains; on a pu constatcr que cet interessant pave romain s'äcnd, 
non seulement soös le chemin^ mais encore sous deux caves de la famiUe Kuhn* Unc de 
CCS pi^ces, avec son entrce sur le chemin public, pourrait devenir une des curiosit^ ä visiUT 
St. Maurice, si les pouvoirs publics voulaieot en faire facquisition. En deblayant i'iimixittir 
de cette cave, ä 0,60 m., on aurait le pav^, lel que les Romains Tont laiss^. 11 est rc- 
marquabk non seulement par son elegance, mais aussi par son extreme solidite; car on 
mur de refend, deve sur ce pave, ne l'a pas fait flechir. 

— L'ete a permis de reprendre les iravaux des fouilles au Marto/et, l'emplacemtul 
des anciennes basiliques d'Agaunc, J*ai signale en son temps la decouverte des absidci 
oü Rodolphe L, le chcf de la brillante dynastie des Rodolphicns, a et6 proclame et 
rönne roi de Bourgogne, en 388, Un mur de la nef vient d'ötre mis ä jour. Deux tom« 
beaux, dont Tinti^rieur est peint en rouge» ont et 6 ouverts Mais on n'estpas encore arri\t 
au tombeau du roi. Sur un autre cöte, on deblaye l'interieur de l'abside d*unc chapcllc 
Pr^s de IVniplacement de Tautel, il y avait un squclette d'une remarquable proportion^ 
oli'rant, au point de vue de la structure osseuse, tout ce que Ton peut imaginer de plus for 
et de plus solide. Mais la decouverte particulicrement importante pour Thistoire est cell 
que je viens de faire d'une partie de Tepitaphe de sainte Hymnemodus^ de TAbbe chargi 
par Saint Sigismond et Tassemblee d*Agaune, en 515 ou 5x6, d^etablir la psalmodie pct 
tuelle, la Laus percnnis, devant le lombeau des martyrs thebecns. La vic des saints 
de rinstitution de saint Sigismond a ete ecrite au VI«- siede et publice la premicre fois co 
cnlicr par les Bollandistes, Acla SS., 2 novembre. Nous y trouvons mcme le texte des 
epitaphes placees sur ieurs tombeaux, ä la basilique d'Agaune. Hymncmodus, ancjen per- 
sonnage de la cour du roi de Bourgogne, puis moine et Abbe de Grini, avait remuc Itsj 
monastcres des Gaules pour uu exode au tombeau des Martyrs th^beens. 11 gouvcrna scpt 
tiiois seulement le monast^re d'Agaune et laissa ä son successeur saint Ambroise, autrdort 
Abb6 de l*Ile de Barde, ä Lyon, la joie de voir la realisation de la plus belle institutiüili 
de prieres du monde chretien. Chanoine Bourbath 

— Sion. Une des maisons historiques de Sion est celfe qui porte le n*' 5 de la nie 
de rEgllse. Elle a sur le fronton de sa porte cintr^e le noni de Johanns Jordanus, episcopöä 
Sedunensis, et la date de 1555, surmontant une armoirie d^gradee, aux armes de l'ev^üc 
Jordan, qui fut le soixante'treizieme evdque du Valais, de 1548 ä 1560, Cettc ancienae 
demeure episcopale a subi, des lors, de nombreuscs transiormations qui Tont modeniis^ 
ne lui laissant de sa physionomie primitive que son escalier en colimac;on, sa toumelcue 
ä portes ogivales et ses plafonds ä voütes gotbiques. Dans une des reparations qü'ou lä*( 
fit subir, les magons trouvercnt dans une cacbctte pratiqu^e dans le rour, une bc»ursc ««i 
cuir brode renfermant de menues rnonnaies d'argent et de cuivre et un bonnet de velouni 
violet horde de galons d'or, ayant du appartenir ä T^v^que Jordan; ils se trouvcnt, cn 
moment, entre les mains de vutre correspondant. L*incendie de 1788 epargna la mal«* 
de reveque Jordan qui resta seule debout dans cette partie de la villc oü le fcu se 
dcclara. (Chroniquc Valaisanne, 12 Mars 1900 1 

— Volfegea, C loch er, Son style nous met en presence d*un monuoicnt gothiqoe 
sur lequel je voudrais attirer rattention du lecteur. Les archives de Vollcges nous foö^j 
nissent la date precise de la constrnction de ce clocher II a fallu plus d'un dcmi i^Jcck 
pour Tachever. C*est en 1456 que la bätisse fut commencee. L*evdque de Sion accord* 
pour toutes les f^tcs de Tannee une indulgence de 100 jours ä tous les Vollcgeards <]ui 
contribueraient ä la construction de leur clocher. Mais les travaux marcbaieiU Icnte 
ment; car en Fannee 1507, Fücuvre n^etait pas encore achevee. Jean d'AlUngcs, Abb* d« 
St'Maurice, doiina ä cette epoque 100 ducats, mais ä la condition que les gcns de Volk^gt* 
voullussent bieo terminer le clocher dans deux ans. Les clochers de TAbbayc de St-Hitf 
rice et de la cathedrale de Sion ont exerc6 une grande inline nee sur la constnicO«« 
des clochers des eglises en Valais avant et apres Tepoque gothique. Mais au 15* et 
16* sifecle nous trouvons des constructions qui ont fait ecole dans notre pays et qui 
laisse des clochers digncs d'attirer Tattention des architectes et des archdologues. 



^01 



Völlige appartient ä cette cat^gorie. Tl est compos<5 d*un porche k deux portes 
Ihiques, de trois ätagcs et d'une haute flechc en tuf. La base a 5 m 50 de cöt6. Les 
prerniers elages sont munis de fen^tres en forme de meurtrieres de 1 m 10 de haut sur 
o m 13 de large. La ma^jonnerie, de 1 m 40 d-epaisseur, est faite de beaux materiaux, avec 
des pierres de taille de large portee aux angles. Le second etage fiiiit ä Texterieur par 
one comiche en pierre verte qui sert de renvoi d'eau; et ä rintdrieur, pas un retrait de 
mur qui laisse un champ sur lequel, selon un ancien systtoe» vient s*appuyer la char- 
pente destin^e ä porter les doches. Le troisieme ^tage, celuj des cloches^ est particu* 
lierement soign6. II est tait de pierres tailldes d*un beau tuf jaune» Quatre fen^tres gothiques 
omees de inoulures s'ouvrent sur les quatre cötds, au niveau des cloches. L'etage est 
couronnc d*une corniche pareillement en tuf, qui sert de renvoi d'eau, La, vient s'appuyer 
une haute et elegante fleche ä huit pans evasfe avec ar^tes vives. Le tout est en tuf 
soigneusement taille. A la base de la fleche, il y a sur chacun des huit pans une fenetre- 
lucame dans le m^me style, Leur encadrement est un edicule avec toit surmonttS d'une 
croix le tout bien sailli et appareÜle. Dans cette partie haute, on peut admirer, sous des 
lignes et des proportions elegantes, Tingenieuse combinaison prise par le constructeur pour 
r^coulement prompt et complet des neiges et des eaux pluviales. Apres une 6prcüve de 
quatre siecleSi U n*est pas difficile de constater que les constructeurs du moyen-äge ont 
deploye un admirable talent en tirant du pays möme des materiaux hors pair pour les 
constnjctious de ce genre. Et pourvu que le conseil communal ait soin de visiter, une 
fois par siecle, le rejointcmcnt de ces beaux appareils en tuf, le clocher de Volieges con* 
tinuera, ä travers les äges futurs, ä porter ti^rcment dans les airs T^tendard de J^us-Christ 

Chanoine Boutban. 
22rich. Lägernhochwachi, Gegenwärtig ist Herr Hofer, Wirt auf der Lägemhoch- 
wacht, etwa vierhundert Meter hinter seinen Gebäulichkeiten, mit der Blosslegung der 
Ueberreste des ehemals dort gestandenen Schlosses beschäftigt. Bereits sind dabei einige 
kleinere Funde gemacht worden. Die antiquarische Gesellschaft in Zürich wird der Sache 
ihre Aufmerksamkeit schenken, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, die historischen und 
antiquarischen Interessen des ganzen Kantons nach Möglichkeit zu fördern* H. Z.-W, 

— Meilen. Von Herrn Sekundarlchrer Stelzer sind die Grundmauern der ehemals 
Regensbergischen Burg Friedberg bei Burg Meilen angeschürft worden. Die Grabungen 
werden fortgesetzt werden und es ist alle Ikiffnung vorhanden, dass die ganze Burganlage 
auf dieser geschichtlich nicht unmerkwürdigen Stelle zu Tage gefördert werden wird. Die 
Miti Wochsgesellschaft Meilen und andere Private daselbst haben sich zur Unterstützung der 
Sache bereit erklärt. Der Grundeigentümer hat die Vornahme der Grabungen ohne Ent- 
schädigungsansprüche bewilligt. //. Z.'W, 

— H'''ädenswü, Anfangs März des Jahres 1900 sind auf die Initiative des Herrn Fritz 
Weber Schritte gethan worden, um die letzten Reste des alten Schlosses Wädenswil zu 
erhalten und es hat sich dann auch am 8. gleichen Monats ein Initiativkomitee zum Zwecke» 
die alte Burg Wädenswil (Altschloss-Mauem) durch Ankauf der Ruine der Nachwelt zu 
erhalten, gebildet. Für den Ankauf waren 5000 Fr. erforderlich, es erÜess das Initiativ* 
komitec einen Aufruf zur Sammlung von freiwilligen Beiträgen, um damit die Grundlage 
für eine spatere Wiederherstellung der alten Freiherren* und Johanniterburg zu schaffen, 
und dieses herrlich gelegene« geschichtlich hochinteressante Denkmal alter Zeit vor dem 
Untergang zu retten und den schönen Aussichtspunkt allen Naturfreunden zugänglich zu 
machen. Die veranstaltete Sammlung erreichte in kurzer Zeit die Summe von Fr. 4500, 
so dass es möglich wurde, den Kaufvertrag auf 28. Mai 1900 mit den seinerzeitigen Be- 
sitzern definitiv abzuschliessai. Im Laufe der Zeit wurden dann vorderhand ein Teil der 
Mauern von den in Jahrhunderten aufgehäuften Schutt gesäubert und soweit gesichert, dass 
die Verwitterung nicht weiter fortschreiten konnte. Das Iniativkomitee hat nun in den 
letzten Tagen dem Gemeinderate WädenswÜ den Entwurf für eine Stil^ungsurkunde über- 
sandt, die von der Behörde acceptiert w^urde. Der Gemeinderat übernimmt es, die zu- 
künftige Befolgung des Stiftungs willens zu überwachen, in der Meinung, dass die Gemeinde 



33° 



igor 



hieför zu keinen finanziellen Leistungen verpflichtet sei* Mit Unterstützung der Antiquarischsn 
Gesellschaft Zürich, sowie durch Beiträge seitens des Kantons Zürich und eine Bundessüb' 
vention sind die Wädenswilcr Initianten in den Stand gesetzt, die Räumung und Erhaltung 
dieser umfangreichsten Burgruine des Kantons Zürich ins Werk zu setzen. 

IV. Verschiedene Mitteilungen* 

Nochmals die ^ermeinEHche Diadumenian-InschriÜ. 

In Nr. 2 des „Anzeigers" vom Jahre 1900 teilte ich auf Seite 14 meines Berichlo 
über die Ausgrabungen in Vindonissa ein Inschriftfragment mit, das lautet: 

LEG/ 

PROSALV 

DIADV 

Am 15, April 1901 erechicn dann in der Beilage zu Nn 104 der Neuen ZOrchcT' 
Zeitung von E. A. S, unter dem Titel „Eine Weihirischrift für Kaiser Macrin und Kronprinz 
Diadumenian** der Versuch einer Rekonstruktion unseres FragmenteS| der den Teil so 
herstellte; Dis N, N. X, Y. legatus .... pro salutc Imp. M. Opell. Sev. Macnni P, TAug. 

et M. Opell Antonini Diadumeniani nob. Caes. princ. juvent v, s, L m.» und der in 

folgendem Satze gipfelte; „Unsere Inschrift lehrt, dass dem Kaiserpaar Macrinus und Dia- 
dumenian trotz seiner kurzen Regierungsdaucr, und trotzdem es mir im Orient auflral^ 
auch im Land der Helvetier Ehrungen widerfahren süid.*' - In einer kurzen Erwidenmg 
in der Beilage zu Nr. 117 der N. Z. Z, vom 28. April 1901 zeigte ich, dass die Vö^|t^ 
schlagene Ergänzung der Inschrifl vollständig aus der Luft gegriffen und schlechterdings 
unmöglich ist, aus dem einfachen Grunde^ weil der Stein keinen Platz für die ergänzten 
Buchstaben bietet. Damit glaubte ich die Sache abgethan. Wie gross war aber mein 
Erstaunen, als ich im Liiteraturverzeichnis des „Anzeigers** Nr. 3 (1901) pag. 336 den Ap 
tikel des Herrn E. A. S. wieder aufgeführt fand, gleich als ob er als vollwertige Müait 
angenommen werden könnte. Ich sehe mich daher veranlasst, im Interesse der historischen 
Wahrheit und zu männigUcher Erbauung die Inschrift nochmals ausführlicher zu publizier«!, 
damit der geneigte Leser merkei wie Geschichte gemacht wird. 



PRO'SALVf^ 
DIADV^ 



L 



\ 



Fig. 151» Fragment eines InschriftsLeines, gefunden in Windisch. 

Der Steiui um den es sich handelt, ist Mägcnwyler Kalkstein und bestand aai 
a Stücken, die seither mit Zement zusammengekittet wurden i er war nämhch in der Breite 
gespalten, wie dies die Linie a — b im Querschnitt angiebt. Da die Inschrift sich auf der 
mit A bezeichneten Breitseite befindet, so ist klar, dass diese Spaltung des Steines dit 
Inschrift selbst in keiner Weise berührt. Wie Querschnitt und Aufriss ohne weiteres lixv^ 
ist der Stein in seiner Breiten- und Tiefenausdehnuug vollstilndig vorhanden und fehlt ihm 
nur die obere Partie; eine weitere Ausdehnung der Inschrift nach rechts oder links 1Ä 
vollständig ausgeschlossen, wie schon das ringsum laufende, mehrfach gegliederte, 



:i3^fi^i 



nzen 18 cm hohe Gesims zeigt. Der Stein ist zu unterst 51,5 cm, an der Inschriftflflche 
^Di breit; unten 38,5 cm, oben 26 cm tief; die grösste Höhe (bei Buchstabe E) beträgt 
■d, an der rechten Ecke 31^5 cm. [Der an derselben Stelle gefundene, aus drei Stücken 
e4er zusammengesetzte massige Sockel mit mehrteiligem hohem Gesims scheint zu 
screm Inschriftenstein zu gehören^ 6. h. seine Unterlage gebildet zu haben.] Die Buch- 
bcn der i. und 2. Zeile sind 4,5 cm, der 3ten 3,8 cm hoch. Auf der rechten Seite des 
jines ist die Oberfläche beschädigt und abgeblättert, so dass die dort zu ergänzenden 
ichstaben verschunjnden sind; es können ihrer aber nur ein halbes Dutzend gewesen 
in. Die erste zum Teil erhaltene Linie enthielt die Bezeichnung LEGATVS; das A ist 
ich deutlich in seinem Anstrich vorhanden. Dass die zweite Linie in PRO SALV[TE] 
t ergänzen ist, dürfte ohne weiteres klar sein- Damit ist aber die Linie zu Ende — wie 
»rigens auch bei LEGATVS - und es verbleibt noch ungefähr derselbe Rand wie vorn, 
cber der Zeile zwischen O und S findet sich ein dreieckig eingeschlagener Punkt; es 
iicmt, dass der Steinmetz ihn vergessen hatte und nachträglich oben hinsctztej weil er 
ÄTSchen O und S zu wenig Platz gelassen hatte, wie der Augenschein lehrt Die 3, Zeile 
*ciss ich nicht anders zn ergänzen als r)IADVMENI, was den verfügbaren Raum aasfftllen 
'Orde; trotz des beschädigten Zustandes der Fläche habe ich doch bei erneuter Prüfung 
sn deutlichen Strich des M konstatieren können. Für DIADVMENIANI reicht natürlich 
er Raum nicht aus. Endlich finden wir in der 4, Zeile trotz der Verwitterung noch Buch- 
«benspuren, die nach meinem Dafürhalten mit grosser Wahrscheinlichkeit als LEG, ge- 
sen werden können, und dahinter eine mit dem Breitmeissel bearbeitete Stelle, wo die 
ahl der Legion, ohne Zweifel XXI, weggemeisselt ist. Es ist dies meines Wissens die 
Inschrift aus Vindonissa, wo diese damnatio memoriae sich findet, nämlich ausserdem: 
Inscript confoed. Helvet, Nr. 248, 2. ,, Anzeiger" Kr. 3 (i8g8) „Die am 22. März 1898 in 
/indisch gefundene Inschrift", 3. „Anzeiger" Nr. a (1900) pag. 12 meines Berichtes. 

Ueber das, was auf dem obern, vielleicht noch zu findenden, Teil des Steins gestanden 
iben mag, sowie über die Person des rätselhaften Diadumenus gestatte ich mir natürlich 
iine Vermutung. — Leider bin ich nicht in der glücklichen Lage, eine grössere Bibliothek 
mutzen zu können, doch hatte mein Freund Dr, J. Escher-Bürkli in Zürich die Güte, aul 
dne Bitte das Corpus Inscript. Latin, und die Prosopographia imperii Romani saec. 1. IL III 
Ml KJebs und Dessau zu consultieren, wofür ich ihm auch hier meinen besten Dank sage. 
5 ergicbt sich hieraus, dass der Name Diadumenus offenbar in gewissen Gegenden ganz 
swöhnlich war; so findet er sich, teils allein» teils als Cognomen neben einem Nomen 
sispielsweise im C. 1. L. Bd. V 9 mal, Bd. X 15 mal, Bd. XII 14 mal etc. Ich sehe übrigens, 
ISS auch in einer Inschrift von Yverdon fMommsen, inscript confoed. helvetic. Nr. 136), 
* aber offenbar jünger ist als die unsrige, ein Arzt Diadumenus vorkommt. Wenn auch 
ich Prosopogr. II, Nachtrag p. 433 n. 70 der Kronprinz Diadumenianus von lateinischen 
chriftstcUcm auch Diadumenus genannt wird, so kann doch selbstverständlich hier von 
Uli nicht die Rede sein, da er nicht nur schlechthin mit dem Namen Diadumenus be- 
^ichnet würde. Auch gehört die Inschrift dem Schriftchar akter nach, wie ich wenigstens 
Uubc, in eine frühere Zeit, 

Vorläufig mögen also der hochselige Macrin und sein ebenso seliger Sprössling Dia- 
Umenian ruhig im Osten des Reiches weiter schlafen und warten, bis sie durch eine etwas 
öndigere Divinatio nach Vindonissa zitiert werden, als die des flerm E. A. S. ist 

Dr. Th. Eckinger, 

2ur Geschichte der Keramik. 
In Band II (Neue Folge) des Anzeigers für Schweiz. Altertumskunde (S. 15 ff.) bc- 
rfcb Dr. Rippmann verschiedene Kachelmodelle, welche im September 1899 bei der Rc- 
^ening eines alten Hauses zu Stein a. Rh. gefunden worden waren, nachdem schon elf 
froher die Fundamentierung des neuen Zollhauses eine Anzahl ähnlicher Stücke ge- 
hatte. Dabei wurde unter Nr. 8 (S. 18) eines Stückes mit Darstellung eines nackten 
chützcn gedacht, welchen der Verfasser als Apollo deutete. Diese Vermutung hat 




332 



tgoi 



sich nachträglich als richtig herausgestellt. Denn die Figur ist nichts anderes als rlnc 
handwerksmässige Kopie des Kriegers auf einem Kupferstiche Albrechi Dürers» welcher 
Apollo neben der sitzenden Diana^ die den Kopl eines Hegenden Hirsches streichelt^ <lar* 
stellt {Bartsch Nr. 68) und nach Thausing (I, 5*317) unter dem Einflüsse einer glcichartigtn 
Zeichnung Barbaris (Bartsch P. G* Vll, 523, Nr. 16) entstanden ist. Nur der Kopf des Jlgera 
auf der Kachel ist grösser und roher. Die Federzeichnung des Apollo im Britischen Mu-d 
seum (abgebildet in Gazette des Beaux*Arts 1877, II, p. 537) scheint der Kopist dagcgcaj 
nicht gekannt zu haben. 

Dass das Kachelnnodel aus Nürnberg stammt, ist damit nicht gesagt, wenn audi < 
Vermutung, es seien die Formen gewerbsmässig in deutschen Kunsizentren angefertigte 
nach allen Hinimclsrichiungen, namentlich aber auch nach der Schweiz als Handelsartikel vö 
trieben worden, immer mehr an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Vor allem aber zeigt 
auch dieses Beispiel wieder, wie der Kunstsinn der Handwerker an der Wende desMittd 
alters fein genug ausgebildet war^ um sie ihre Anleihen bei den grössten Meistern ma 
zu lassen» Dies bewiesen schon die Nachahmungen einzelner Kupferstiche des Melslci 
E. S., w^elche Dr. Max Lehrs auf einigen illtern Kacheln des Landesmuseums nachwia 
(Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde^ Neue Folge, Bd. L, S. 165,) H. LiJimatm. 

Zur Geschichte der schweizerischen Gksgemdlde. 
Infolge einer gütigen Mitteilung von Herrn Staatsarchivar Dr Th. von Liebenau i 
Luzern stammt der im Anz. f. schweiz. Altertumskunde 190t, S, 195 fl'. beschriebene 
nach England verkaufte Cikius von Glasgemälden von 1639 und 1641 zufolge von Eintn 
ungen in den Seckcimeisteramtsrechnungen von Luzern und Schwyz aus dem Rathauj 
von Sempach, Der Ersteller desselben ist laut Seckelamtsbuch von Luzern Jakob W* 
mann. Ob der 1884 verstorbene Antiquar Xaver Wicki sie dort selbst erworben 
konnte bis jetzt nicht in Erfahrung gebracht werden. Rt^f- 

Zur Geschichte der tltesten Geschütze in der Schweiz. 
BtrickiiguHg. In meinem oben pag. 177 fT gedruckten Artikel bin ich von der Vd 
aussetzung ausgegangen, dass die in der Urkunde von 1363 genannten „Geschütze* GeschO 
in unserm heutigen Sinne gewesen seien. Wie mich aber mein l Freund Eduard Leap 
von Zolingen, Oberst im eidgen. Generalstab^ belehrt, ist diese meine Voraussetzung un4 
Auffassung eine unrichtige, da der Begrifl „Geschütz** in unserm Sinne in jener Urkunden 
durch das Wort „Büchse** wiedergegeben worden sein könnte. Unter den »Geschötid 
der Urkunde von 1363 sind, wie unter den gleichzeitig genannten ,,Antvvurchen*> Maschia 
zum Werfen irgend eines Geschosses zu verstehen, das auf rein mechanischem Wege, : 
aber durch die Kralt des Pulvers fortgeschleudert wird. Da die Wörter bQch er, insbesondö 
dasjenige der Gebrüder Grimm (Bd. IV, Abteil. I, 2. Hälfte, Sp. 3975—78) in der That 
die in Frage kommende Zeit {1363) keine Belege für die Identität von Büchsen und 
schützen aufTRlhren, so muss ich mich der Auffassung meines Freundes anschliessen 
den Leser meines früheren Artikels bitten von dieser Berichtigung gefl, Notiz nehmeo J 
>vollen^ damit mein Irrtum nicht noch weiteren Schaden anrichte. Dr. HanS' Hfrtog. 



%\xr älfe&fen Geschichte der Stadl Solofhurn. 

Bezüglich der mittelalterlichen Erweiterung der Stadt, resp. der Burg Solothura 1 
den Trümmern des römischen Castrums schreibt Prof Dr. J. R. Rahn in seiner 
des Kantons Solothurn*'| pag. 149: „Unbekannt ist es ebenso, wann der Ausbau des dö 
westlichen Quartiers erfolgte, das die Schmieden-, Hintern-^ Barfüsser- und Gurzetng 
begreift* 

Seitherige Nachforschungen und Untersuchungen haben bis jetzt mit Sicherheit ergeb 
dass die erste Erweiterung des Castrums zur fränkischen Burg nach Osten hin slaU 
und zwar bis zum heutigen Marktplatz. Auch der Standort der burgundischen Pfa'z, 
Eckturm zum Teil noch im Höflein der Herren Gebr. Burkard an der Gurzclng»»c < 



halten ist, konnte nachgewiesen werden. Welche^erwendung aber das Terrain nördlich 
von der Gurzelngasse bis zur ersten Ringmauer, der Litzi des 13. Jahrhunderts, fand, blieb 
unbekannt 

Durch die Grabungen im Herbst 1901, anlässlich der Canalisierung der hintern Gasse 
(vom Biel thor bi s^zu m ehemaligen Franziskanerkloster, ca. aoo m) wurden eine Anzahl 
Entdeckungen! gemacht, welche ganz neue Schlüsse in dieser Angelegenheit zulassen. 

Die Dohle kam in eine durchschnittliche Tiefe von 3,5 m zu liegen. Bis auf i m 
Tiefe stiess man auf Sand und Kies nebst gewöhnlichem Schutt, in welchem so zu sagen 
nichts von Belang gefunden wurde. (Ein Stück von einem Brunnenstock aus dem 16. Jahrh. 
ein Backstein, ein Sporn etc.) Dann kam eine ca. 0,5 m dicke Lehmschicht, die sich der 
ganzen Länge nach hinzog und darunter lag — was sonst nirgends beobachtet werden 
konnte — bis zum Urboden römische Kulturerde, in der sich Ziegelstücke, sowie ein noch 
gut erhaltenes römisches Thongefäss und die für Solothurn typischen Thierknochen aus der 
alamannischen Periode, befanden. 

Da nun, wie schon gesagt, eine ähnliche Configuration des Erdbodens in und um 
Solothurn sonst nirgends vorkommt, diese Lehmschicht aber auf künstlichem Wege dahin 
gekommenjist, wohl auch eingestampft wurde, so muss angenommen werden, dass hier 
in nach-römischer Zeit ein offener Platz geschaffen wurde, woselbst wohl die in den 
Chroniken so oft erwähnten Turniere abgehalten wurden. Die Wahrscheinlichkeit spricht 
sehr für diese Hypothese; denn anderswo, als oben im Norden der Burg, anlehnend an 
den ehemaligen Hügel von Hermesbühl (in Urkunden : Hermannsbühel) konnte kein ebener, 
zweckentsprechender, anderer Platz gefunden werden. Südlich floss die Aare, östlich und 
nordöstlich weitete sich der Bachgraben zwischen Burg und Stift und südwestlich lagen in 
den sumpfigen Niederungen die sog. Muttenwiesen. Auch der grösste Platz im innem der 
Burg, der „Friedhof", diente als Begräbnisstätte. Sodann muss in nördlicher, westlicher und 
nordwestlicher Richtung einst der Wildpark gestanden haben, aufweichen heute noch die 
Ortsbezeichnungen, wie z. B. : Brühl, Segetz oder Sägitz (verballhornisiert in Seegott), 
Vogelherd, Fögetz etc. hinweisen. 

Solothurn, im Februar 1902, F, A. Zetter-Collin, 

Schweiaerische QlasgemAlde im Auslande. 

Am 29. Oktober bis 2. November 1901 wurden in Rudolf Lepke's Kunstauktionshaus 
in Berlin die Kunstschätze aus dem fränkischen Schlosse Mainberg versteigert. Es befanden 
sich darunter auch eine Anzahl schweizerischer Glasgemälde, die hier in der Reihenfolge 
des reich illustrierten Auktionskataloges (Nr. 1280) kurz beschrieben werden sollen. 

Nr. 4ß des Kataloges (vgl. die Abbildung), Kabinettscheibe 33/21 cm. Vier Blumen- 
guirlanden eingerahmt, in zwei übereinanderliegenden Feldern die Darstellung der klugen 
und törichten Jungfrauen. Darüber die Inschrift: »FünfF sind fürsichtig gsinn, die sind zur 
hochzytt glassen in. FünfF sind dorechtig gsin, vnd hend kein öll laussen in, drum muend 
sy ussgschlossen sin. Math. 25. Cap.*. Unten, von einem Engel gehalten, ein Wappen (in 
Blau ein grüner Dreiberg, darauf ein spitzes Spateneisen) und die Inschrift : „Ulyss Furi- 
mann, Catharina Furiman sin Ehegmahel. Caspar Furiman vnd Verena ober Büchler sin Ehe- 
gmachel. Anno 1647." ^^^ Scheibe ist schlecht in Zeichnung und Ausführung, aber gut erhalten. 

Nr. 44 (vgl. Abbildung). Wappenscheibe des Otto Lindenow, datiert 1594. 33/21 cm. 
Moderne Nachahmung. 

Nr. 4j (vgl. Abbildung). Hochzeitscheibe 30/22. Kuonratt Steim . ., der Zitt Statt- 
schriber zu Wallenstatt vnd Anna Bü . . . y Sin e. e. Gmachell 1594. Der bärtige Mann in 
CaputrOstung, zur Linken ein Schwert mit phantastischem Griff, zur Rechten der Schweizer- 
dolch. Die Frau kredenzt einen gebuckelten Deckelbecher. Der gelbe Hintergrund ist mit 
herabhängenden Schnüren belebt. In den obern Zwickeln rechts zwei sich die Hand 
reichende Männer, links eine weidende Viehherde mit einem Hirten. 

Die Scheibe ist stark geflickt. Die beiden obern Zwickel sind nicht zugehörig. Die 
beiden Säulen, welche die Einrahmung bilden, harmonieren nicht miteinander und das 



3 34 »SP» 

ursprüngliche Wappen ist durch ein anderes (Diessenhofen) ersetzt. Ausserdem lassen sidi 
noch mehrere FJickstücke nachweisen. 

Nr, 7/ (vgl. Abbildung). Wappenscheibe des Heinrich Damur, Bürger zu Chur, 
datiert 1564. 3o'22 cm. In reich gehaltener Säulenumrahmung ein geteiltes Wappenschild 
(oben eine Mauerzinne auf grünem Grunde, unten ein Baum in Rot). Die wallende Helm* 
decke ist rechts grünrot, links schwarz und gelb gehalten. Ein Flug bildet die Helmzier. 
Kin flacher, auf zwei einfach profilierten Kranzgesimsen aufliegender Rundbogen bildet den 
Abschluss nach oben hin. Hier drei nicht zugehörige Zwickel, rechts ein Hund mit Stachel- 
halsband, in der Mitte Simson, der den Löwen bändigt, links eine Ratsversammlung. Die 
ursprünglich gute Scheibe hat verschiedene Ergänzungen erfahren und ist namentlich 
durch das Anbringen der erwähnten Zwickel verunstaltet worden. Flickstücke rechts 
und links neben dem Wappenschilde, rechts neben der Inschrift, Ober dem linken Säulen- 
kapital. Auch ist die Zugehörigkeit der Helmzier und linken Helmdecke etwas zweifelhaft 

Nr. 82 (vgl. Abbildung). Hochzeitscheibe mit verstümmelter Inschrift: , Heinrich 
Zimmermann vnd sin Hussfrauw 1632" und nicht zugehörigem Wappen (sechseckiger Stem 
auf grünem Dreiberg in Blau). Der Mann ist mit Lederwams und Plumphosen bekleidet 
Auf der linken Schulter trägt er die schwere Büchse mit stark gebogenem Kolben, mit der 
rechten Hand stützt er sich auf einen knorrigen Luntenstock. Die Hausfrau, deren Kopf 
und Oberkörper ergänzt sind, kredenzt ihm einen Becher. Zwei einfache Säulen bilden <fie 
Einrahmung. Der obere Teil der Scheibe wird von drei Flickstücken in Anspruch ge- 
nommen; in der Mitte eine fragmentarische Darstellung des Tellenschusses. Neben den 
genannten finden sich noch verschiedene andere Flickstücke, so zwischen den Füssen des 
Mannes, am Rocksaum der Frau, in der Mitte der linken Säule. 31/21 cm. 

Nr, 8j (vgl. Abbildung). Hochzeitscheibe, ohne Inschrift und Jahrzahl, aus vielen 
Flickstücken zusammengesetzt. Zwischen den Mann mit geschulterter Büchse und die 
kredenzende Hausfrau ist eine Säule eingeschoben, an welche sich ein Wappen anlehnt 
(auf blauem Grunde ein Dreiberg, worauf ein aufrecht stehendes Spateneisen, das von zwei 
Lilien flankiert wird, lieber der Hauptdarstellung ein pflügendes Viergespann. 35/33 cm % 

Nr, 26-]. Rundscheibe mit Wappen (in Rot ein Ast mit drei Blättern) und Inschrift: 
„Glück. Glücklich. Glücklich beschaflfen. Glück ist unversumgt. F. Eisbett vom Stein - 
Fr. Anna vom Stein 1552.'* Die beiden Wappenschilder sind leicht gegen einander geneigt- 
Die wallende 1 leimdecke ist rot-silbern gehalten; das helle Rot wirkt jedoch durch den 
vollständigen Mangel an Schwarzlot grell. Zwei Büftelhörner bilden die Helmzier. De"* 
blaue Hintergrund wird von grünem Geäst mit Putti belebt. Ein Spruchband mit der ang^* 
führten Inschrift, an den Enden der Durchmesser von vier Sanduhren unterbrochen, rahn'»-' 
die Scheibe ein. Durchmesser 22 cm. Vermutlich Arbeit von C. von Aegeri. 

Nr, 26H, Vier in einen Rahmen gefasste runde Scheibchen. Darunter: 

Herr Hauptman Johan Wäber des Raths der Stat vnd Ampt Zug, gewester Land^ 
vogt der Grafschaft Baden in Ergeuvv vnd Fri Emptcr, Frau Euphemia Meienberg sein Ehe^ 
gmahl i69(?)7. Darstellung der Enthauptung Johannis des Täufers, sowie die Inschrift: 
Ach Gott wie ^ern ich wüsscn wolt 
Wem ich auf Erden vertruwen solt 
Es ist ietz aber nit mer neuw 
Gutte Wort vnd satze (sie) treuw. 

Durchmesser 15'/« cm. 

Nr, 269. Von vier in einen Rahmen zusammengefassten runden Scheibchen fallen 
zwei in Betracht. 

I. Magdalena Kuentzli sein Ehfl'rauw Anno 1655. Das gut erhaltene Scheibchen zeigt 
die hl. Magdalena auf einer Matte liegend, im Hintergrunde Gebirgslandschaft. Wappen: 
Lilie auf Dreiberg in Gold. Monogramm W S P (R?). Durchmesser 15 cm. 

*) Die Scheibe erzielte an der Auktion trotz ihres bedenklichen Zustandes 435 Mark! 



335ISPI 

2. Hans Jakob Balimcr, Frauw Maria Elisabetha Dubin sein Ehegemahl vererent 
tiilt und Fenster. Sprechendes Wappen (zwei Palmzweige auf Dreiberg mit drei Sternen 
Rot), darüber Maria mit dem Jesuskind, flankiert von mehreren Heiligen. Im Wappen 
: Jahrzahl 173 . 

Nr. 2gi. Hochzeitscheibe. 30/20 cm. Christen Domen vnd Anna GlatbOrgerin sin 
l^machel 1582. Den Kern der stark ergänzten Scheibe bilden die beiden Gestalten des 
einer Halbrüstung steckenden Mannes und der kredenzenden Hausfrau. Der Kopf des 
irnes fehlt. Dem nicht zugehörigen Wappen (Scheere) entspricht die in kulturhistorischer 
nsicht interessante Darstellung einer Schnei der wer kstätte im rechten obern Zwickel. 

AV. J06. Vier runde Scheibchen in einen Rahmen gefasst. Darunter : 

Hr. Johan Leontius Weber der zeit Obervogt zuo Gangelschwill und Frauw Maria 
mia Landtwing sin ehegemall 1696. Allianzwappen Weber und Landtwing, darüber Maria 
t Johannes Evang. und St. Vincenz. Ein Riss und einige Närblein. Durchmesser 15'/« cm 

Bei einer weitern Auktion bei Lepke (25.-28. November) gelangten, zusammen 
t andern Produkten moderner Glasmalerei zwei imitierte Schweizerscheiben zur Ver- 
igerung. 

Nr. 268 des Kataloges (1284). Kopie einer Scheibe des „Johann Widenhuber, alt 
gt der Herrschafft Bürglen, diser Zytt Buwmeister der Statt Sanct Galle 1595", mit 
rstellung des Sündenfalles. 

Nr. 26g. Kopie einer Wappenscheibe des „Hs. Petter Bucher, Gewesener Schaffner 
>s Stiffthusses der Statt Bern 1619" mit sprechendem Wappen. R. W. 

V. Litteratur. 

itichitä di casa nostra nei Musei di Milano. BoUettino storico della Svizzera italiana. 
Anno XXIII. 1901. N* 10—12, p. 164, Bellinzona. 

govia. Jahresschrift der historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. XXIX. Band. 
Aarau 1901. A. d. Inhalt : t Professor Dr. J. Htmziker. — Die Freien von Aarburg 
von Dr. jur. Walfher Merz. 

»Icr Jahrbuch 1902. Herausgegeben von Albert Burckhardt, Rudolf Wackernagel und 
Albert Gessler. Basel 1902. Darin : L. Freivogel \ Stadt und Landschaft Basel in der 
zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts; Albert Bure kßiar dt- Finsler : Zweck und Ziele 
des Historischen Museums. 

»1er Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. Herausgegeben von der Hi- 
storischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel. I. Band, I. Heft. Basel, R. Reich, 
1901. Inhalt: Die Strasse über den obern Hauenstein am Basler Jura, von Th. Burck- 
hardt'Biedermami (L Teil): Diarium des Christian Wurstisen 1557— 1581, herausge- 
geben von R. Luginbiihl. Miscellen. 

ttemhaus. Das, in der Schweiz. Herausgegeben vom Schweiz. Ingenieur- und Archi- 
tektenverein. Reproduktion und Verlag von Hofer & Co. in Zürich. Lieferung I, fol. 
Zürich 1901. 

rieht des Stadtrates von Luzern an den Tit. Grossen Stadtrat betr. Restauration des 
Rathauses am Kornmarkt. Luzern, Buchdruckerei J. Burckhardt 1901. 

richte über die Stadtbibliothek und die Sammlungen im städtischen Museum. Beilage 
zum Bericht des Verwaltungsrates der Genossengemeinde der Stadt St. Gallen 
vom I. Juli 1900 bis 30. Juni 1901. Darin: III. Historische Sammlung. Bericht- 
erstatter: Prof. Dr. Egli. 

»liographie der schweizerischen Landeskunde. Anthropologie und Vorgeschichte. Phy- 
sische Anthropologie der schweizerischen Bevölkerung von Dr. Rudolf Martin. Ur- 
geschichte der Schweiz von Jakob Heier lt. Bern 1901. 

'ckhardt-Biedermann, Th., s. Basler Zeitschrift für Geschichte und Altert imskunde. 

rckhardt-Finsler, A., s. Basler Jahrbuch [902. 



336 



igoi 



Bttrtscher, J. s. Zürcher Taschenbuch. 

Bninner, Kaspar, t 1561 (Schlosser und Uhrmacher). Artikel von Ad. Fluri in Samminng 

bemischer Biographien IV, S. 437. 
Diesbach, Max de. Le chäteau de Greng. Extrait des Etrennes fribourgeoises pour 1901. 

Fribourg. Imprimerie Fragniere freres 1900. 
Dumur, B. A propos d*ancicns chemins. Revue historique vaudoise, 10 fevr. 1902. 
Ebhardt, Bodo. Eine Burgenfahrt. Tagebuchblätter von einer im Herbst 1901 im 

Auftrag Sr. M. des deutschen Kaisers unternommenen Studienreise. Berlin. Enal 

Wasmuth. 1902. 
EgU, Prof Dr. J. (St. Gallen) s. Berichte über die Stadtbibliothek etc. 
Eimer, Manfred. Zürcher Flüchtlinge im Elsass zur Zeit der Revolution und Restauralioo. 

(Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Litteratur Elsass-Lothringens, herausgegeben 

von dem historisch-litterarischen Zweigverein des Vogesen-Clubs. XVII. Jahrgang. 

Strassburg 1901, p. 150.) 
Escher, Conr. s. Zürcher Taschenbuch. 
Escher, Hermann, s. Zürcher Taschenbuch. 
Fluri, Ad., s. Kaspar Brunner. 
Freivogel, L. Basler Jahrbuch für 1902. 
Fribourg artistique ä travers las äges. Publication des sociötds des amis des beaux-aits 

et des ing^nieurs et architectes. Album trimestriel. Juillet 1901. Fase. 3*. Fribourg 

(Suisse). 13/15. Chätel St -Denis. 16. La vie de la Vierge (peinture de H. Fricsj. 

Presentation de la Vierge au temple. 17. La Vierge (peinture de H. Fries). Lei 

fiauijailles de la Vierge. 18. Ecusson gothique. Oct. 1901, fasc. 4. 19. Maisoos 

gothiques ä la nie de la Neuveville. 20. Croix et monnaies obsidionales. 21. Porte 

de Bourguillon, 23. Un Christ. 24. Semsales. 
Ganz, Paul. s. Zürcher Taschenbuch. 
Geschichtsfreund. Mitteilungen des historischen Vereins der fünf Orte Luzem, Uri, Schwyz, 

Unterwaldcn und Zug. 56. Band. Mit 3 Kunstbeilagen. Stans 1901 
Glarus, Das alte. Album mit Plan und 20 Ansichten aus Glarus vor dem Brande von 1861, 

nach Aufnahmen von H. Brunner-Haft'ter in Glarus, in Lichtdruck vervielfältigt von 

Römmler & Jonas in Dresden. Mit erläuterndem Text herausgegeben von der Casioo- 

gesellschaft in Glarus. Glarus 1901. Querfolio. 
Godet, Alfred. Paon, figurine gallo-romaine en bronze (avec planche). — Vue du Faubouig 

du Cret vers 1830 (avec planche). (Musde Neuchätelois XXXVIII. aimee, sept-oct 

1901, p. 249 f ) 
— Un Ex-libris Neuchätelois. (Musee Neuchätelois XXXVIII, nov.— d6c. 1901, p. 2B7.I 
Godet, Philippe. Une pi^ce d*orfevrcrie renaissance (reprösentant un cheval se cabraitfl- 

(Musee Neuchätelois XXXIX. Janv. f^vr. 1902 (avec planche). 
Häne, J. s. Zürcher Taschenbuch. 
Harrisse, Henry. Les premiers incunables bälois et leurs d6riv6s. Toulouse, Vieiuie«- 

Dauphine, Lyon, Spiro, Eltvil etc. 1471 — 1484. Essai de Synthese t3rpographiqi» 

(Nachrichten von der k. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch- 

histor. Klasse 1901, S. 851 ft.) 
Hauptmann, F. Das Wappen von Freiburg. (Freiburger Geschichtsblätter, herausgegeben 

vom deutschen geschichtsforschcnden Verein des Kantons Freiburg. IV. Jahrgang- 
Freiburg i. Ue. 1897, p. 54 If.) 
Heierli, Jakob, s. Bibliographie der schweizerischen Landeskunde. 
Hess, Salomon. s. Zürcher Taschenbuch. 
Hoppeler, Roh. s. Zürcher Taschenbuch. 
Homer, R. Die Sanct Scbastiani-Brudcrschaft in Rheinfclden. (AUg. Schweiz. Zeitg. 1901. 

N'^ 601 M.j 
Hotz, H. Silbcnier Globus -Becher des XVI. Jaiuhunderts. (AUg. Schweiz. Zeitg. 1901. 

N" 604 II.) 



337 



15^1 



ber, August, vide Urkundenbuch. 

aziker, Dr. J. Das Schweizerhaus nach seinen landschaftlichen Formen und seiner ge- 
schichtlichen Entwicklung. Zweiter Abschnitt: Das Tessin. Aarau, H. R. Sauer- 
länder & Cie. 1902. 

oziker, J. s. Argovia XXIX. 

*, P. Petrus Canisius, O. Cap.; Holzschneide- und Kupferstecherkunst in der Schweiz. 
(Kathol. Schweizer-Blätter, N. F., 17. Jahrgang, III. u. IV. Heft, pag. 229 f!., Luzem.) 

bn, Dr. P. Albert Allgemeine Kunstgeschichte. Die Werke der bildenden Künste vom 
Standpunkte der Geschichte, Technik, Aesthetik. Einsiedeln etc. 1901. Lief. 26. 

loux, Dr. Les oeuvres du peintre Wyrsch, au mus6e du Louvre et en Suisse. (M6- 
moires de la societd d'emulation du Doubs, VU™« s6rie, V. vol., 1900, p. 312 sv., 
Besan^on 1901.) 

benau, Th. von. Burg Wildeck und ihre Bewohner, II. Teil, von 1484— 1584, mit der 
Vorgeschichte des Geschlechtes der Eftinger, nach alten Dokumenten bearbeitet, 
Eigentum des Schloss-Archives. Gedruckt im Effingerhof in Brugg,'i902. 

der, D. G. Zu der Blarer-Medaille. (Zwingliana, 1901, Heft 2, S. 235.) 

ivot, L'abb6. Le peintre Melchior Wyrsch, d'apr^ un livre röcent [Memoires de la 
soci6t6 d'emulation du Doubs Vll^^e serie V. vol. 1900. p. 3oi. so. Besannen 1901.] 

illefer, Paul. Histoire du Canton de Vaud dbs les origines. Lausanne Fayot & Cie. 
1901. 

- — Les villes vaudoises au moyen-äge. (Revue historique Vaudoise 1902. Jan vier.) 
itin, Rudolf. Siehe Bibliographie der Schweiz. Landeskunde. 

rx, Walther. s. Argovia XXIX. 

jrer von Knonau. s. Zürcher Taschenbuch. 

teUune^en der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. XXV. Heft 3. /. R. Rahn, 
Das Fraumünster in Zürich. III. Die spätgothischen Abteigebäude. Zürich und 
Commission bei Faesi & Beer. 1902. 

Un» A. de, Les antiquitds germaniques en Suisse (suite et fin), avec une planche- 
(Revue historique Vaudoise, publice sous la direction de Paul Maillefer et Eugene 
Mottaz. Lausanne. 1901. livr. 11.) 

nument, ün, historique aux ench^res (Hotel de TEtat extörieur, rue de TArsenal ä 
Beme). (Revue historique Vaudoise 9^ annee. Dec. 1901. 12. livr. p. 374 f.) 

heim, G. Rückblick auf die Thätigkeit der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons 
Uri in den letzten zwanzig Jahren. Vortrag, gehalten den 27. Oktober 190 1, anlässlich 
der Feier des 70jährigen Bestandes der Gesellschaft, mit einigen nachträglichen Er- 
gänzungen. Altdorf, Buchdruckerei Gisler & Co. 1901. 

i^ahrsblatt der Kunstgesellschaft Luzem ftlr 1901. Heinrich Viktor v. Segesser, Luzern, 
Buchdruckerei J. Burkhardt 1902, 

Itmann, Heinrich. Die Schweizer Glasmalerei vom Ausgange des XV. bis zum Beginn 
des XVIII. Jahrh. Nach ihren Denkmälern und den neuesten Forschungen (Fort- 
setzung, mit 4 Abb.). IV. Art und Verlauf der Schenkungen. Mit Lichtdruck. (Zeit- 
schrift für christliche Kunst, herausgegeben von Alex. Schnütgen. Düsseldorf 1901. 
XIV. Jahrg. Heft 8 und 9.) 

>pper, E. J. Das alte Biel und seine Umgebung. Unter Mitwirkung von Dr. E. Lanz- 

Bloesch und Dr. Bühler. I. Serie BI. 1-16 und Titel. Biel, Einst Kuhn. 1902. 
hn, J. R. s. Mitteilungen. — Zürcher Taschenbuch. 
ber, Burkhard. Recherches arch^ologiques ä Gen^ve et aux environs, Gen^ve 1901. 

- — Beiträge zur Geschichte der Medizin und der Pharmacie. II. Serie. Genf. 1901. 
Ichlen, F. Dicouverte tfune tombe antique ä Villars-sous Mont (Gruyfere). (Revue 

historique Vaudoise. X. Fevrier 1902.) 



338 



X90I 



SchloBS Burg, ßcrner Jura. (Der Burgwart, Zeitschrift ftlr Burgenkunde und mittelalter- 
liche Baukunst etc. HI. Jahrg. Nr. 5.) 
Schneider, A. s. Zürcher Taschenbuch. 
Schnyder, M. Heinrich Viktor von Segcsscr, gestorben am 28. November 190a Luzem 

1902. 4*. (Neujahrsblatt der Kunstgesellschaft Luzem für 1901.) 
Schoch, R., Prof. Dr. Bemerkungen zur Anlegung von Gemeindechroniken. N. Z.-Ztg. 

Beil. zu No. 19. 
Schweizer, P. s. Zürcher Taschenbuch. 

Segesser, Heinrich Viktor von. Siehe M. Schnyder, Neujahrsblatt. 
Soci6t6 Suisse des Ingenieurs et Architectes. XXXIX°i« assembicc generale Fhbourg 

1901. Album de Fete. Fribourg 1901. fol«. 
Stückelberg, £. A. Geschichte der Reliquien in der Schweiz mit 40 Abbildungen. 

(Schriften der Schweiz. Gesellschaft für Volkskunde I). Zürich, Verlag der ScHwcIl 

Gesellschaft für Volkskunde 1902. 
E. A. S. Archäologisches aus Rheinau. Feuilleton der N. Z.-Ztg. 1901. VI. Beilage zu 

No. 345. 
Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte. Herausgegeben vom historischen 

Verein des Kantons Thurgau. 41. Heft. Frauenfeld 1901. 
Urkundenbuch der Stadt Basel. Herausgegeben von der histor. und antiquar. Gesellschaft 

zu Basel. VI. Bd. Bearbeitet durch August Huber. Basel, R. Reich 1902. 
Vulliöty, H La Suisse ä travers les äges. Histoire de ia civilisation depuis les temps 

pr^historiques jusqu'ä la fin du XVIII. siecle. Ouvrage om6 de ^53 illustrations. 

Bäle et Geneve Georg & Co. 1901. 4". 
Wyrsch, Jean-Melchior- Joseph» peintre 1732 - 1798. v. Ledoux, Louvot. 
Zeitschrift für ohristliche Kunst, herausgegeben von Alexander Schnütgen XIV. Jahrgang. 

Düsseldorf 1901. Siehe H. Oidtmann. 
Zeiger, Franz, Dr. Der Anteil des Luzerner Kontingentes am Feldzug der allierteo 

Mächte gegen Napoleon I. 1815. (Sonderabzug aus dem Geschichtsfreund Bd. LVl.) 

Stans 1901. 
Zeller- Werdmüller, H. Hans Jakob Stampfers Gedenkmünze auf Ulrich Zwingli. (Zwingli- 

ana 1901. Heft 2. S. 217 u. tf. 
Zug. Die innere Ausstattung der abgebrochenen Pfarrkirche St. Michael in Zug. (Schweiz 

Bauzeitung. Bd. 28. 190 1. No. 26. S. 281 u. ft'. 
Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1902. Herausgegeben von einer Gesellschaft zürcher- 
ischer Geschichtsfreunde. Neue Folge 25. Jahrg. Zürich, Faesi & Beer, 1902. 

Inhalt : i. P. Schweizer, Der Hexenprozess und seine Anwendung in Zürich. - 

2. G. Meyer von Knonau, Eine briefliche Zurechtweisung Joh. Müllers durch Johana 

Caspar Lavater aus dem Jahre 1780. — 3. Conr. Escher, Erinnerung aus der Epocfae 

der Beschiessung Zürichs durch die Truppen des Generals Andermatt im Jahre i8ax 

— 4, Pfarrer J. C. Lavater, geschildert von seinem Collegen und Amtsnachfolger 
Salom, Hess. — 5. Escher, Conr., Der Paimerherr Andreas Schmid 1504 —1565. - 
Escher, Herrn., Lavater und die Bücherzensur. — 7. J. Häne, Aus dem innem Leben 
Zürichs im 14. Jahrhundert (Erweiterter Rathausvortrag). — 8. Paul Ganz, Die Fa- 
milie des Malers Hans Leu von Zürich — 9. Rob. Hoppeler, Vom ersten eidgends& 
Truppenzusammenzug. — 10. J. Burtscher, Die Gesellschaft der Trinkstube zu Rheinau. 

- II. A. Schneider, Der Wegknecht von Adliswyl. — 12. J. /?. Rahti, Der löblichen 
Schmiedezunft zum 18. November 1901. — Zu unseren Abbildungen. — Zürcher 
Chronik 1900 von R. D. — Bibliographie. — 

Redaktionskommission : Dk. H. Anüst. Dr. H. Lehmann. Prof. Dr. J. R. Rah.v 

Dr. H. Zeller- Werdmüller. Prof. Dr. J. Zemp. 

Druck von Gebr. Leemann 6* Co. in Zürich -Selnau. 



NEUE FOLGE. 

BAND IV. JAHRGANG 1902/03 



ANZEIGER 



FÜR 




INDICATEÜR D'iNTIDÜITES SÜISSES 



I 



Herausgegeben von dem Schweizerischen Landesmuseum 

iq Zürich. 



-^♦•o- 



NEUE FOLGE 

Band IV. 



ZÜRICH 

Verlag des Schweizerischen Landesmuseums 

llniclk von Gtbf. Lecnmrin 9t Co 
1902, 



Inhaltsverzeichnis 

d.es Taln.rgraxig'e© ±302/±303 (Bd. IV, N. F.). 



I. Vorgeschichtliches, Pfahlbauten, Steindenkmäler, Keltisches, 
Etruskisches, Römisches, Alamannisches. 

Seite 

Die Nefritfrage mit spezieller Berücksichtigung der schweizerischen Funde. 

Von J. Heierli . i 

Der Grabhügel im „Wieslistein" bei Wangen, Kt Zürich. Von R. Ulrich, Custos 

des Landesmuseums. Taf. I, II 8 

La cimetifere gallo-helvete de Vevey. Par A. Naef (Suite et fin) Taf. III, IV, XV i8, 260 
Mutmassliche Bauart der ehemaligen Römerbrücke bei Eschenz. Von Ad. Mein- 
ecke, Genie-Oberst, Zürich (Taf IX, X. XI) 121 

Nouvelles Inscriptions romaines d'Avenches, Par W. Wavre (Planche N© XII) . 138 

Fund von Kupferkuchen im Aarebette bei Döttingen, Kt. Aargau, Von G. Lüscher 146 

Archäologische Funde in den Kantonen St. Gallen und Appenzell. Von Dr. J. 

Heierli • . . 251 

Die Töpferstempel der Sammlung der Antiquarischen Gesellschaft von Brugg 

und Umgebung von Dr. Th, Eckinger 271 



II. Mittelalterliches, Neueres. 

Wandgemälde in der Kirche von Fehraltorf, Kt. Zürich. Von J. R. Rahn . 45 

Notiz über Daniel Lindtmaier den altern von Schafifhausen Von J. Kaiser 48 

Eine Thüre aus der Frührenaissancezeit in Schaffhausen. Von J. R. Rahn 50 

Hans Bircher, Schultheiss von Luzem. Von Th. v. Liebenau .... 53 

Bauemheraldik. Von H. Angst 64 

Anciennes lampes grisonnes. Par A. Godet 66 

Die Glasgemälde in den aargauischen Kirchen und öft'entlichen Gebäuden. Von 
Dr. Hans Lehmann. Taf. V, VI, VII, VIII. (Gränichen 310, Kirchlerau 
189, Reitnau 194, Suhr 308, Uerkheim 184, Zofingen 73 . . • 73, 184, 306 
Autel St-S6bastien, consacre en 1450 par TEv^que Guillaume VI de Rarogne, 

dans r^glise de N.D. de Valere ä Sion, par Th. van Muyden ... 151 

157 
160 
168 
170 
173 
175 
180 



Wandgemälde in der Kirche von Nussbaumen (Thurgau) von J. 'R. Rahn 

Frühholländer in der Schweiz, von Franz Dülb(-rg (Taf XIII) 

Pritschenmeister Heinrich Gering von Zürich, von Th. von Liebenau 

Ein Wandgemälde an der St. Johannkirche in Schafifhausen, von J. R. Rahn 

Zur Geschichte des Orgelbaues in Luzem, von Th. v. Liebenau 

Schaff hauser Brunnen, von J. R. Rahn (Taf XIV) .... 

Wolfgang Erler von Schwyz, von Th. v. Liebenau 



Seite 

Der Churer Denar des Cäsars Otto. Von H. Zeller-Werdmüller ... 279 

Der Kreuzgang beim Allerheiligen-Münster in Schaffhausen. Von J. R. Rahn 283 

Das Grabmal Ulrich I von Regensberg. Von H. Zeller-Werdmüller (Taf. XVI) 294 
Ehrenkette, Kleid und Schwert des Andreas Wild von Wynigen. Von H. 

Kasser (Taf. XVU) 298 



m. Miscellen. 

Inventar des Adrian von Riedmatten, Dekan von Sitten 1594 (Schluss). Von 

D, Imesch, Prof. 95 

Inventarium über das Vermögen, Zinsen, Gült, Einkommen, Hab und Gut des 

Klosters Churwalden, uffgenommen im Jahr 1522. Von Dr. Carl Camenisch 97 

Zwei Inventare eines mittelalterlichen Schlosses von der Mitte des 15. und vom 

Anfang des 10. Jahrhunderts, von Dr. Ernst Weydmann .... 198 

Auszüge über Fensterschenkungen aus den Seckelmeisterrechnungen von Thun, 

von Paul Hofer, Fürsprech ao8 

Inventare des Münsters in Bern, von J. Stammler, Pfarrer in Bern ... 217 

Zur Geschichte des schweizerischen Kriegswesens. Von E. Hahn . 313 



Mitteilungen aus dem Verbände der Schweiz. Altertumssamlungen. 

/. Schweiz. Laudesmuseum \ Seite 

Geschenke. I., II, 111. und IV. Quartal 1902 99, 222, 316, 317 

Einkäufe. I., IL, III. und IV. Quartal 1902: 

a) Erwerbungen im Inlande 99, 223, 318, 319 

b) Erwerbungen aus dem Auslande 102, 229, 319, 321 

Todesanzeige, t Dr. H. Zeller-Werdmüller 316 

IL Kaniofiale Aliertumssammiungen', 

Edmund v. Fellenberg. Von J. Heierli 104 

Alfr Godet 321 

Aarau, kantonales Antiquarium 105, 229 

Avenches, Musee cantonal 322 

Basel, Historisches Museum 229 

Basel-Land, Kantonsmuseum Liestal 105 

Bernisches historisches Museum 106, 232, 322 

Biel, Gesellschaft pro Petineska 325 

Brugg, Die Arbeiten der antiquarischen Gesellschaft von Brugg im Jahre 1901 107 

Burgdorf, Rittersaal 107, 233 

Frauenfeld, Historische Sammlung 327 

Fribourg, Musee cantonal 233 

St. Gallen, Sammlungen des historischen Vereins 328 

Italien 229 

Münzen, Angebot falscher Münzen durch Lausanner Münzhändler . 329 

Neuchatel, Musee historique 323 

Nidwaiden 325 

Solothurn, Museum der Stadt 233, 326 

Ölten, Museumskommission ... 234 

Yverdon, Musee d' 108 



IlL Kleinere Nachrichten aus den Kantonen. 



Seite 



Aargau 

Basel . 

Bern 

Freiburg 

St. Gallen . 

Genf 

Graubanden: Chur 

Luzem 

Neuenburg . 

Schaffhausen 

Solothum 

Tessin 

Unterwaiden 

Uri 

Vaud (Waadt) 

\Vallis 

Zug 

Zürich 



io8, 235, 330 

• io9i 235 

• i09i 330 

237 

• 237, 333 

110, 237, 331 
"O; 237, 331 

• 237, 332 

• 237, 333 

• 237, 333 
HO, 237, 333 
iio» 238, 333 

240 

• 240, 334 

111, 240, 334 

241 

334 

• 241, 334 



IV. Verschiedene Mitteilungen. 



Die Burgruine Chestlatsch bei Disentis Von P. Placidus Müller . 112 

Die Glocken von Goldach. Von J, Egli 115 

Zur Geschichte der Schweiz. Goldschmiedekunst. Von A. Waldburger, Pfarrer 116, 244 

^Vappensteine von Töss. Von Th. von Liebenau 116 

Die untere Burg in Küssnach, Kt. Schwyz. Von Th. v. Liebenau ... 116 

Berichtigung. R. W. 117 

Zum gallo- helvetischen Schilde von Vevey. Von R. Forrer .... 242 

Zur Geschichte der schweizerischen Glasmalerei. Von H. Lehmann . 243 

Burgdorfer Glasmaler. Von R. Ochsenbein 243 

Eüne Reparatur des Galgens zu Rheinau. Von E. Rothenhäusler . 244 

Wappenröcke und Hocketen. Von Th. v. Liebenau 244 

Ueber einige schweizerische Münzwährungen. Von Th. v. Liebenau . 245 

Todtentanz in Arth. Von Th. v. Liebenau 246 

Freskogemälde der Sempacherschlacht. Von Th. v. Liebenau .... 246 

Preis von Bergkristallen. Von Th. v. Liebenau 246 

Zur Geschichte des Buchhandels in Graubünden. Von Dr. C. Camenisch, Chur 246 

Glockenhenker. Von Th. v. Liebenau 247 

Tuchpreise. Von Th. v. Liebenau. 247 

Zur Münzgeschichte von Uri Von Th. v. Liebenau 248 

Zur Geschichte des Ziegelbaues in St. Urban. Von Th. v. Liebenau . . 248 

Zweck der Harnischschau Von Th. v. Liebenau 248 

Grabungen auf dem „Murhübel", Oberkulm. Von A. Gessner .... 335 

Ueber römische Heizanlagen. Von J. Meier, Lehrer 336 

Zur sozialen Stellung der schweizerischen Kaufleute. Von Th. v. Liebenau . 337 

Die Ausgrabungen auf dem Schlosshügel Werdegg. Von A. Heer, Lehrer . 338 

Der Ring von Hallwyl. Von Th. v. Liebenau 339 

V. Litteratur. 



Allgemein 



117, 248, 341 



Verzeichnis der Tafeln. 

Tafel I. Situationsplan des Grabhügels „ Wieslistein" bei Wangen (Dübendorf, Kt Zürich). 

„ II. Funde aus dem Grabhügel „Wieslistein** bei Wangen (Dübendorf KL Zürich). 

„ III. S6pulture No i6 u. S6pulture No.'.26 

„ IV. S6pulture No. 26. L'umbo du bouclier. 

„ V. Wappenscheibe der Stadt Zofingen, 1547. 

„ VI. Entwurf zu einer Wappenscheibe in der Wyss'schen Sammlung, deponien 
im bist. Museum zu Bern 

„ VII. Wappenscheibe der Stadt Zofingen, 1565. 

„ VIII. Wappenscheibe der Stadt Bremgarten, 1584. 

„ IX. Ehemalige Römer-Brücke bei Eschenz, Situations-Plan. 
X. Pfahljoch-Brücke. 

„ XI. Holzstappel-Brücke, Schifif-Brücke, Schiflfs-Ausrüstung. 

„ XII. Inscriptions Romaines trouv6es ä la Conchette Jomini ä Avenches 1899-1902. 

„ XIII. Calvarienberg von Cornelius Engebrechtsz. 

„ XIV. Standbild auf dem Vierröhrigen (ehedem Metzger-) Brunnen in Schaffhausen. 

„ XV. Sdpulture No. 29. 

„ XVI. Grabplatte Ulrich I. von Regensberg. 

„ XVII. Festkleid des Andreas Wild von Wynigen aus dem Anfange des 16. Jahr- 
hunderts. 



Beilage. 

Zur Statistik schweizerischer Kunstdenkmäler von J. R. Rahn. 

Die Kunst- und Architektur-Denkmäler Unterwal dens. Im Auftrage der eidgen. Landes- 
museums-Kommission beschrieben. Von R. Durrer. S. 229—256 Tafeln V, VIII u. XL 



ANZEIGER 

fQr 

Jehweizerische jllteptümsl?unde. 

C INOICATEOS D'ANTIQniT^S SDISSES. 

I Amtliches Organ des Schwelzedjschen Landesniuseuins, des Verbandes 
■er Schweizerischen Altertumsmuseen und der Schweizerischen Gesellschaft fUr 
B Erhaltung historischer Kiinstdenkmäler* 

I H6rai 



IVeue F'olge- Band IV. 



Herausgegeben von dem Schweizerischen Landesmuseum. 
'Nr. 1. 



ZÜRIOH 



1902/1903. 



^ftnement&prets: Jährlich Fn 5. -. Man abonniert bei den Postbureaiix und allen Buch- 
handlungen, sowie auch direkt bei dem Bureau des Schweizerischen Landesiiiuseums 
in Zürich. Den Kommissions* Verlag für das Ausland besorgt die Buchhandlung 
Käsi & Beer in Zürich. 



»Sämtliche Beiträge und Mitteilnngm für (hm f, Ansei ger'^ hitUm wir gefL unter 
Aufschrift ^Anzeiger" an die Direktion den m'hwe ixe rischeu LtuuleH^ 



lusenuuH in Zürich 2u sendm. 



, 

■ Die Nefritfrage 

R mit spezieller Berücksichtigimg der sch>veizerischen Funde. 

^^ Von y. Heierli, 

W Als man anfieng, das aus den Steinzeit-Pfahlbauten gewonnene Material 
was genauer zu besehen, fielen u. a. harte, meist grünliche Steinbeile auf. 
e sich durch ihre Schönheit auszeichneten. Es gelang bald, mehrere 
arietäten derartiger Steine zu unterscheiden: den Nefrit, Jadeit, Chloro- 

Kanit und Saussürlt, die man heute nach Fellenbergs Vorschlag als 
ritoide zusammenfasst. Die chemischen Analysen erwiesen den Nefrit 
s ein Magnesia-Silicat, Jadeit und Saussürit als nahverwandte Thonerde- 
ilicate; der Chloromelanit ist ein eisenhaltiger, hornblendeführender Jadeit, 
I Die Materialien, aus welchen die Steinzeit-Pfahlbauer ihre Geräte, Waffen 
W Schmucksachen erstellten, haben sie, einige Ausnahmen abgerechnet, in 
?r Nähe ihrer Wohnsitze gefunden. Von den Nefritoiden Hess sich aber 
ir Saiissürit in den Moränen in der Nähe unserer Seen nachweisen und 



Rohmaterial aus Nefrit. Jadeit und Chloromelanit fand sich weder in unseren 
Bergen, noch in den Pfahlbauten. Es schien also, als ob die fertigen Ne- 
fritoid^Objekte durch den Handel oder durch Wanderungen der Völker an 
die Fundorte gelangt wären. Diese Auffassung schien um so richtiger in 
sein, als es sich im weitern Verlauf der Nachforschungen zeigte, dass die 
Nefritoid-Gegenstände nicht etwa nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa, 
ja selbst in Asien, Afrika und Amerika gefunden wurden, aber fast immer 
in fertigem Zustande. 

Man kannte wohl einige in Europa gefundene Blöcke von Nefrit; man 
w^usste, dass derselbe in Neu-Seetand als Geröll und als anstehender Fels 
vorhanden ist; Schlagintweit brachte Rohnefrit aus dem Küenlün und andere 
berichteten von anstehendem Nefrit in Südsibirien und Turkestan» in Neu- 
Caledonien und Alaska. Schliesslich fand man ihn auch im Zobtengebirge 
in Schlesien, aber dieser Nefrit war erst durch den Bergbau aufgeschlossen ^ 
worden und scheint in prähistorischen Zeiten keine bedeutende Rolle gespiell 
zu haben. 

Jadeit kennt man aus Ober -Burma in Hinterindien; jedoch soll er iirj 
einer Varietät auch am Monte Viso (Piemont, Italien) vorkommen undl 
neuere Reisende wollen ihn in Neu-Guinea gefunden haben. Sehr wahr-[ 
scheinlich kommt er, wie der Nefrit, in Zentral- und Südamerika vor, wol 
Jadeit- und NeMtfunde häufig sind. SchÜmmer steht es mit dem Chloro-I 
melanit, der durch ihre grosse Härte und dunkelgrüne Farbe ausgezeichneten | 
eisenhaltigen Varietät des Jadeits, Chloromelanit konnte auf der ganzen j 
Erde weder anstehend, noch als Geschiebe und Geröll nachgewiesen werdenj 
Und doch ist er da, bearbeitet von den Steinzeitleuten* 

Da alles Nachfragen bei Mineralogen und Petrographen, alles Suche»! 
in unsern Bergen nichts fruchtete, so kam man schliesslich auf die obetri 
erwähnte Idee, die Nefritoide seien bei den Wanderungen, die, von Asien! 
ausgehend, Europa, Afrika und Amerika bevölkert hätten, an ihre Fundorttl 
gebracht worden. Diese Theorie hat besonders H. Fischer vertreten inj 
seinem Werke: Nephrit und Jadeit nach ihren mineralogischen Eigenschafifi\| 
sowie nach ihrer urgeschichtlichen und ethnographischen Bedeutung»! 
(Stuttgart 1875.) 

Es gab aber doch Leute, welche die Nefritfrage durch das gev 
interessante Werk Fischers nicht als gelöst betrachteten, A. B. Meyer inj 
Dresden gelang es, Rohstücke von Nefritoiden aus Steiermark und defj 
Schweiz namhaft zu machen und er sprach schon i883 die zuv^ersichtlichel 
Hoffnung aus, dass man den Nefrit und Jadeit in den Alpen anstehend findöij 
werde. (Vgl. z. B. A. B. Meyer: Die Nefritfrage kein ethnologisches Problem. 
Berlin i883.) 

Der eben genannte Forscher hat in seinen Arbeiten speziell auf dicj 
Schweizeralpen hingewiesen, als den Ort, wo man Nefrit anstehend findeflj 
müsse. Das veranlasste mich, der Nefritfrage ebenfalls mein Interesse züJ 
zuwenden und Materialien zu sammeln, um dieselbe lösen zu helfen. In 



I 



hat brachte ich denn im Laufe der letzten Jahre durch die Zuvorkommen- 
heit einiger Museumsdirektionen und Privatsammler eine geeignete Samm- 
lung zusammen^ die mein Freund E. v. Fellenberg vervollständigte. 

Diese Sammlung bestand in nefritischem Rohmaterial aus Neuseelandp 
Alaska, Turkestan und Jordansmühle (Schlesien), zahlreichen Nefriten in 
bearbeitetem und unbearbeitetem Zustande aus den Pfahlbauten am Bodensee, 
dem Zugersee, Bieler- und Neuenburgersee, aus Jadeit - Rohmaterial von 
Ober^Burma und mehreren Jadeiten aus Steinzeit-Stationen des Bodensees, 
Zürichsees, Bieler- und Neuenburgersees, aus Chloromelanitstücken des 
BielerseeSp aus erratischem Saussürit der schweizerischen Hochebene und 
Saussürit-Funden aus Pfahlbauten der Schweiz. Zur Vergleichung wurden 
beigelegt rohe und bearbeitete Stücke von dichtem Idokras und Serpentin. 

Eine vorläufige Untersuchung der Materialien aus Zugersee-Pfahlbauten 
unternahm Herr Dr. O. Schotensack in Heidelberg, der 13 Gesteinspro ben 
durchsah und so freundlich war, mir sogar die Dünnschliffe, die er hatte 
anfertigen lassen, zur Verfügung zu stellen. Viel umfangreicher war die 
Untersuchung des Herrn Bodmer-Berler in Zürich, der über 50 Proben der 
Sammlung auswählte, durch Beiträge aus seiner eigenen und aus fremden 
Sammlungen ergänzte und das Material in den letzten 2 Jahren genau 
untersuchte. Es wurden ca. 100 Dünnschliffe angefertigt, chemische Ana- 
lysen gemacht, Vergleichungen angestellt und das bezügliche Material aus 
unsern Alpen einer sorgfältigen Musterung unterzogen. Schliesslich hatte 
Herr Prot Dr. Grubenmann, Direktor des mineralogisch -petrographischen 
Institutes am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich die Güte, den Be- 
richt über die Untersuchung zu durchgehen, sodass die Resultate derselben 
Anspruch auf Zuverlässigkeit erheben können. 

Diese Resultate lassen sich in folgende Punkte zusammenfassen *): 



L Dichte Nefrite* 

Es sind Gesteine mit der chemischen Zusammensetzung von ca. 
55 •/o Kieselsäure, 12 'V» Kalk und 23 "/o Magnesia. Das spezifische Gewicht 
ist ca. 3. Zur Untersuchung gelangten 15 Stücke, wovon 3 chemisch analy- 
siert wurden, Ihre Gesteinsart ist dicht, feinschieferig, feinfaserig, oft derbem 
Asbest ähnelnd, hellgraugrün bis dunkelgrün mit hellen wolkigen Ein- 
lagerungen. Frische Nefrite sind an den Kanten durchscheinend, manche 
Stücke rostig verwittert („roter Nefrit'*). 

Ein Beilchen (No. 28) aus Maurach (Bodensee) zeigte in der nefritischen 
Grundmasse Diopsid, Eisenglimmer und Titaneisen mit Leukoxen. Es 
nimmt deshalb eine besondere Stellung ein/ was sich auch in dem hohen 
spezifischen Gewicht von 3369 zeigt % 

') Herr Bödmen und ich haben vereinhart, dass er seinen Untersuchungsbericht im 
mineralogischen Jahrbuch erscheinen lassen, ich aber in einer archäologischen Zeltschrift 
die Resultate seiner Arbeit, zu der ich den Anstoss gegeben^ bekannt machen soll 

■) Wo nichts Spezielles bemerkt ist, entnahm ich die Angaben immer dem mir 
Öbergebenen Bericht Bödmen 



Das aus ^^rotem'' Nefrit bestehende Beilchen (No. 29) aus dem Pfahlbau 
Werd bei Eschenz (Bodensee) ist holzfarben und zeigt trotz der Verwitterung 

die Härte 7, während das aus grünem Nefrit bestehende Beil (4i( von Mammemm 
(Bodensee) sehr weich ist und für technische Zwecke unbrauchbar wäre. ■ 

Ein Nefritstück (No. 52) aus dem Pfahlbau St. Andreas bei Cham 
(Zugersee) von graugrüner Farbe besitzt nach Schötensack ein spezifisches 
Gewicht von 2,98 und die Härle 6 — 7. Es ist, wie die meisten übrigen 
Nefrite aus dieser Station, faserig und stark verwittert. 

Auch aus dem Pfahlbau Vorstadt Zug besitzen die Sammlungen von 
Zürich und Zug sehr faserige Nefrite, von denen es rätselhaft ist, wie sie 
technisch verwertet werden konnten. Manche haben ein asbestartiges Aussehen. 

Von prachtvoll grüner Farbe sind \iele Nefrite aus dem Bielersee, 
2, B. ein Beilchen aus dem Pfahlbau Luscherz (No. 3o), während das sehr 
harte, mikroskopisch und chemisch untersuchte Beilchen (No. 3i) von FonI 
(Neuen burgersee) ein graugrünes Aussehen hat. Das letztere enthält in der 
Grundmasse eingesprengtes Material^ das wahrscheinlich als Verwitterungs- 
produkt umgewandelter eisenreicher Olivine aufzufassen ist. 

Zur Vergleichung unserer Nefritobjekte mit Rohmaterialien stellen wir 
in folgender Tabelle die chemischen Analysen derselben mit dem Nefrit von 
NeU'Seeland und einigen Stücken anstehenden Gesteins vom Gotthard und 
vom Riffelberg (Wallis) zusammen: 





Ncfntobjekt 


Beil <i6) 


Beil (5a) aus 


Bdl (3»| 


Tfcmolit (?) 


Pyroxcn (Vj 


Trrinolil (?l NtbÄt 




aua 


UU5 

Vurstadt Zug 


St. Andreas 
b. Chaiii 


JIÜ3 

Font 


voni 
St. Oatlhint 


St. Gotttiud 


von 

Riflilbug 


MC 
SmM 


SiO. 

TiO. 


56.87 


53.21 

Spur 


5737 


58.37 


57.27 


51.73 


57.25 


57.35 


AI» Oa 
Fe«Oa 
FeO 

MnO 


1.50 
6,33 


2.49 
4.98 
1,02 


0.85 
0,16 

5.65 


0,50 
1,40 

1,38 


1,10 

1,68 


8,78 
4- (Al.O.] 


0,22 
6,67 

o,63 


0,22 

5.94 


CaO 
MicO 
K.O 
Na>0 


13.45 
21,06 


11,09 

23-5' 
Spur 

0,76 


11.72 
22,37 


i3,32 
23,28 


13.83 
25.66 


".75 
24,60 


12,4a 
21,81 


20,70 


H»0 

linier 1 10' 


1 
f 


0,71 


0.25 


0,20 


— 








H.O 

über i \o*' 


Jo,63 


2,81 


1,98 


2,02 


— 


2,35 


— 


3.13 

bdi^ 


Fe 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


0.83 


— 




99.84 


100,58 


100,35 


100,47 


99.54 


99,21 


99.81 


too,8i 


Aiiil)86 un 


Hatlvl 


Hczntr 


H«mr 


H«zii«r 


Guhl 


Cmu 


StküAlk« 


toMtl 




3.015 


2,982 


3,080 


2.996 








3.084 



Schon in den geulogischen Berichten der Gotthardbahn-Unternehmung'l 
machte F. M. Stapf aufmerksam auf die an Nefrit erinnernden Bänder längs 
der nassen Klüfte im Serpentin und ferner auf eine ca, 0,9 m mächtige 
ausserordenthch zähe und harte Schicht aus „verfilztem Scrahlstein", welche 
bei 6179 m südlich des Nordportals durchfahren wurde und die wahrscheinlich 
unter der Moräne des St. Annagletschers ausstreicht. Auch Cossa. der die 
GotthardSerpentine untersuchte, war die Aehnlichkeit dieses Vorkommnisses 
mit dem Neuseeländer-Nefrit aufgefallen *). 

tAus diesen Analysen und Berichten dürfte hervorgehen, dass Nefrite 
Gotthardgebiet anstehend sind, von wo sie durch Gletscher und Fluss- 
transport in die Gegend am Zugersee gelangen konnten. Fast ebenso sicher 
darf man die Herkunft der westschweizerischen Nefrite aus den Walliser- 
alpen annehmen, wie z. B. ein Vergleich der Analysen des sog. Tremolites 

Im RitTelberg bei Zermatt mit dem Nefritbeil von Font lehrt. 
II* Dichte Jadeite. 
Diese Gesteine bestehen wesentlich aus dem Mineral Jadeit, welches 
ioretisch 59,39% Kieselsäure, 25,56 *V^> Fonerde und 15,35 "^io Natron ent- 
halten soll und ein spez. Gewicht von 3,33 besitzt. Die dichten Jadeite sind 
massig, feinkörnig bis dicht. Das frische Material ist hart und zäh, der 
Bruch sptittrig. Auf dem Dünnschliff sind die charakteristischen, faserigen^ 
seidenglänzenden Jadeitkriställchen schon dem unbewaffneten Auge sichtbar. 

R\ Zur Untersuchung gelangten 7 Beile aus Pfahlbauten des Zürcher- und 
elersees. Alle besassen die Härte 6 — 7 oder 7; die meisten waren an den 
Kanten durchscheinend. Die auf folgender Tabelle zusammengestellten Re- 
sultate der chemischen Analysen zeigen die grosse Uebereinstimmung der 
Schweizer Jadeite mit denjenigen aus Ober -Burma und dem Monte Viso in 

rmont (Siehe Tabelle folgende Seite oben,) 

in. Chloromelanite. 
Unter diesem Namen fasst man verschiedenartige, dichte bis feinkurnige, 
massige, dunkelgrüne» wesentlich Jadeit und Amphibol führende, hier und 
da in Kklogit übergehende Pyroxenite zusammen. Die eigentlichen Chloro- 
melanite bestehen wesentlich aus Jadeit und blaugrüner Natron-Hornblende 
und enthalten durchschnittlich 55 ''o Kieselsäure, 14^/0 Tonerde, 10% Eisen- 
oxyde, 5% Kalk, 3*'/o Magnesia und 11% Natron. Ihr spez. Gewicht be- 
trägt etwa 3,4. 

Zu den Chloromelaniten gehören ein Beil (No. 35) aus Möngen (Bieler- 
ice) mit dem spez. Gewicht 3,418 und der Härte 6 — 7, ferner ein Beil (No. 43) 



') Quartalbericht des Bundesrates Ober den Gang der Gotthardbahn*Unternchmiing 
und Spez, Beil. betr, Gcol. Profil der Tynnclaxe, Bern 1880. 

*) Wenn diese von Stapf und Cossa gesicherten Befunde damals in archäologischen 
Kreisen beachtet worden wären ^ so hätte man die Ncfritfrage wohl schon 1860 als gelöst 
betrachtet* 





Beil (No. 33) 
aus dem Pfahl- 
bau Bauschanze 
inZMok 


Beil (No. 44) 

aus 

MBrIgwi 


Rohjadeit 
vom 

(Pieraont) 


Jadeit voo 

(Ober. 
Burma) 


SiO. 
TiO, 


58,41 
0,17 


58.39 
0,13 


58.51 


58.46 


AIjO« 
FcOs 
FeO 
MnO 


21,35 1 

1.31 
0,31 


22,77 

22,97 2,42 
0,27 
Sp. 


21,98 
1,10 


25.75 


CaO 

MgO 


3.45 
2,01 


1,70 
1,27 


5,05 
1,70 


0,63 
0.34 


K.O 
Na.O 
HnO unt. I to 


0.77 
12,03 

' 0,09 


0,27 

12,39 
0,08 


11,84 


13.93 


„ über „ 


0,31 
100,21 

Hirschy 
3.361 


0,24 

99.93 
Hirschy 

3.418 


— 


1,00 


Analyse von 
Spez. Gew. 


100,18 
Damour 

3,35 


100,11 
Busz 
3.332 



aus dem Bielersee mit der Härte 7. Das Material des erstem ist feinkörnig 
bis dicht, schwarzgrün, beim letztern dunkelgraugrün mit rötlichen Granaten. 
Als Accessorien Hessen sich Almandine, Rutile, Pyrit, Eisenglanztäfelchen 
und Magnetite nachweisen. 

Der chemischen Analyse des Beils von Mörigen (35) fügen wir diejenige 
eines andern von Gerlafingen und eines in Ouchy bei Lausanne gefundenen 
Geschiebes bei: 





Beil (35) aus 




MBrifM 


SiO. 


55,11 


TiO. 


0,36 


AUOs 


13.49 


Fe.O. 


10,09 


FeO 


1,52 


MnO 


0,45 


CaO 


5,05 


MgO 


2,54 


K.0 


0.37 


Na«0 


11,42 


H. unter i to 


• 0,11 


_."__9ber_'. 


_ .°'?4, 




100,75 


Analyse von 


Hirschy 



Beil aus 



13.64 

- l 
10,59 I 
0,99 

4.28 
3,19 

11.43 



Geschiebe 

aus Ouchy- 

Lautanne 

5645 



17,02 
I 7.62 

4»76 
2,32 

11,46 



100,- 99,63 

L. R. V. Fellenberg Damour 
Das Geschiebe von Ouchy (Genfersee) beweist, dass auch der Chloro- 
melanit, der wahrscheinlich durch sekundäre Uralitisierung eines Jadeits mit 



I 



hohem Eisengehalt entstanden ist, in den Walliseralpen vorkommt. Vei;- 
wandte Gesteine sind die Jadeit führenden Amphiboigneisse aus dem Susathal, 
von Biella in Piemont und vom Thal von Aosta, wovon uns von itaHenischcn 
Fachleuten Proben zur Verfügung gestellt wurden. 



IV, Saussürit imd Saussüritgabbro. 

Diese Gesteine enthalten 47— 50'Vo Kieselsäure, 25 — 30% Thonerde, 
10 — 13% Kalk, 5— 6> Magnesia und 5% Natron. Ihr spez. Gewicht be- 
trägt 3.2-3,5, 

Zur Untersuchung gelangten Rohmaterial aus dem Saasthal (Wallis), 
erratische Blöcke aus der Westschweiz, Beile vom Bieler-, Muriner- und 
Neuenburgersee, Es sind massige, feinkörnig bis dichte Gesteine von hell- 
graugrüner bis bläulicher Farbe, zum Teil Kanten-durchscheinend und mit 
splitterigem Bruch, Alle Proben zeigten im Dünnschliff eine meist unklare 
kaolinisierte und saussüritisierte Grundmasse, in welcher Zoisit, Epidot^ 
Muskovit, Sericit, Granat, Rutil, Quarz etc. mit einem spärlichen Untergrund 
(Opal) verkittet sind. 

Sehr wichtig ist die Beobachtung an Rohstücken von Si-B/atse *) und 
Cortaillod (Neuenburgersee), welche in Saussürit - Masse Einschlüsse aus 
derbem Jadeit enthielten. Wenn diese Einschlüsse in diesen Stücken auch 
lein sind, so können dieselben natürlich auch in umfangreichern Massen 
luftreten. Wir dürfen also den Jadeit als Einschlüsse im Saussürit erwarten, 
a nun Saussüritgestein im Monterosa-Gebiet des Kantons Wallis anstehend 
vorkommt, so wird daselbst auch Jadeit (und Chloromelanit, der ja nur eine 
V^arietät des Jadeitcs ist) vermutet, worauf die Rohstücke vom Bieler- und 
Neuenburgersee, sowie das Geschiebe von Ouchy (Genfersee) hinweisen. 



Nicht bloss in der Schweiz sind zahlreiche Funde von Nefritoiden ge- 
acht worden, sondern auch in Steiermark. M, Much erzählt in semem Werke 
Ober die Heimat der Indogemianen*), dass bei seinem Besuche in Graz igoi 
das dortige Landesmuseum 240 Stück Rohnefrit besessen habe, welcher in 
altdiluvialem Schotter des Mur zum Vorschein gekommen. Da es nun aber 
sehr schwer ist, die Nefritoide makroskopisch mit Sicherheit zu bestimmen, 
so möchte ich dem Wunsche Ausdruck geben, dass in Graz einige mikros- 
kopische und chemische Analysen gemacht würden» 

Was die Schweiz angeht, so glauben wir in vorstehenden Fundangaben 
und Analysen den Beweis erbracht zu haben, dass Nefrite und Saussürite 
sowohl als Geröll, wie anstehend in den Zentralalpen gefunden seien und 
^■dass Jadeit (und Chloromelanit) im Saussürit des Kantons Wallis vorkommen. 

I che 



*) Das Geschiebe von St-Blaise hatte nach Frenzel ein spez. Gewicht von 3,31. Die 
chemische Analyse ergab 1 Si Ot =5030; Ali Ot 25,68; FoO = 2,79; dO = 11, — ; 
M|f O = 4,45; Nai O ^ 6,30; Hi O ^ O140; total loo^ga. 



a c 

Fi^. I. Grabfunde von Wangen. V* nat. Gr. 



Der Grabhügel im „WiesUstein" bei Wangen, Kt. Zürich. 

Von R. Ulrich^ Custos des l.andesmuseums. 
Taf 1 und II. 



Ende November 1900 nahmen die Herren Pfarrer Bölsterli, Verwalter 
Bär und Färbermeister Jucker in Wangen, in Fortsetzung früherer Unter 
suchungen an andern Steilen, vorläufige Schurfungen auf der Anhöhe des 
sogenannten ..Wieslistein" vor, vt^o eine Bodenerhöh unj^ schon längst als 
Grabhügel vorgemerkt worden war. 

In der That fanden sie auf der Südseite des Hügels eine grössere An- 
zahl zum Teil bemalter Topfscherben, ein eisernes Messer, sow^ie zw^ei eiserne 
Lanzenspitzen (Taf. I, Grab I). Nahezu auf dem höchsten Funkt des Hügels, 
einen halben Meter unter dem Boden, kam ein mit dem Kopfe nach 
Süden gerichtetes Skelett zum Vorschein (siehe Punkt A der Planskizzel. 
Unter demselben fand man auf dem ursprünglichen Kiesboden eine leere 
Steinkammer. Beim Anschneiden des Hügels auf der Nordseite stiessen die 
Grabenden auf die Schädel zweier neben einander liegender Skelette und 
einen gut erhaltenen kleinen Topf mit drei Warzen von roher Form 
(Grab IX). In verdankenswertester Weise wurde die Direktion des Landesr 
museums von diesen Ergebnissen unterrichtet und zur Beteiligung bd 
der weitern Ausgrabung eingeladen. In Verhinderung des Berichterstatters 
wohnte anfangs Dezember Herr Zeller-Werdmüller einer Fortsetzung 
der Grabung an derjenigen Stelle bei, w^o die beiden Skelette aufgefunden 
worden waren; links vom Einschnitte entdeckte man bei dieser Gelegenheit 
einen mittelgrossen ^ von Wurzeln zersprengten Topf aus schwärzlichem Thon 
(Grab IV) und rechts an der Stelle, w^o die beiden Skelette gelegen hatten, 
eine bronzene Paukenfibel (Grab IX)* V^on w^eitern Grabungen musste 
des eingetretenen Frostw^etters wegen Umgang genommen werden Im 
März 1901 entschloss sich die Direktion des Landesmuseums, die Ausgra- 
bungsarbeiten auf eigene Kosten fortzusetzen. Die Leitung und Beaufsich* 
tigung w^urde in Stellvertretung des durch Unwohlsein verhinderten Henro 
Berichterstatters und in Verhinderung des durch die P'unde im Tessin 
in Anspruch genommenen Herrn Zeller dem Museumsbeamten Herrn R» 




d e t II 

wm Fig. 2. Grabfunde von Wangen, d, e, t ^'^, u V* nat. Gr. 

Jucker übertragen. Derselbe erstattetete über die Ausgrabung einen schrift- 
lichen Bericht, den wir in Nachfolgendem in etwas gekürzter Form wiedergeben; 

,,Einer Instruktion des Herrn Zeller zufolge teilte man den Hügel 
in vier annähernd gleiche l'eile, welche durch eine von Süd-Ost nach Nord- 
West laufende Längsaxe, sowie eine im rechten Winke! zu derselben stehende 
Queraxe von einander geschieden waren. Ausserdem trieb man auf der Längs* 
axe, sieben Meter westlich vom Schnittpunkte der Axen, einen starken Pfahl 
ein, von welchem aus die einzelnen Gräber des Hügels eingemessen werden 
konnten. Jeder der vier Teile sollte von oben herunter in horizontalen 
Schichten abgegraben und genau untersucht werden/' 

Der Grabhügel im ^Wieslistein" befindet sich etwa 20 Minuten süd- 
östlich vom Dorfe Wangen auf dem von Nordwest nach Südost streichenden 
Höhenzug im Gehölze auf der Gemeindegrenze gegen llegnau. Die süd- 
westliche steile Halde der Anhöhe fällt gegen den Stiegenhof ab. Hier am 
oberen Rand des Abhanges liegt die Grabstätte etwa 3oo Meter von Punkt 
482 des Siegfriedatlas (Blatt 210): sie hat elliptische Form und ist 22 m lang 
und 12 m breit. Das weitere ist der beiliegenden Planskizze zu entnehmen. 

Am 19. und 20. März 1901 wurden die auf dem Hügel stehenden Bäume 
soweit nötig beseitigt und nachher das südwestliche Viertel desselben in 
Angriff genommen, wobei einige vereinzelte Knochen zum V^orschein 
kamen. Die eigentliche Ausgrabung begann am 25. ApriL An diesem 
Tage wurde zuerst ein von Grünspan durchdrungener Knochen und 
in dessen Nähe ein reich verziertes Bronzeblech entdeckt. Man untersuchte 
die betreffende Stelle genau und fand ein vollständiges Skelett, welchem 
jedoch der Schädel fehlte (Gräber I und la des Planes), Die Leiche lag, 
mit dem Kopfe nach Osten, mit den Füssen nach Westen, vier Meter vom 
Mittelpunkt des Hügels entfernt und annähernd auf der kleinen Axe des- 
selben. Unter Hinzufügung der früher an dieser Stelle gefundenen Objekte 
und der seither aus den vorgefundenen Scherben wieder hergestellten Ge- 
tässe besteht das Inventar der Gräber I und la aus folgenden Stücken: 

Aus einem reich mit gepunzten Ornamenten verzierten Bronzeblech 
von 043 m Länge und 0,1 3 m Breite, das auf der Brust der jedenfalls 
männlichen Leiche lag (Taf* 11 i). An jedem der beiden Unterarme be- 
fand sich ein stark zerstörter, sechsfacher Spiralarmring aus dünnem 




lO 



Broni^edraht (Taf. II 2a u, b). Zur Seite der Leiche fand man zwei leichte 
eiserne Wurflanzenspitzen (Taf. II 3a u. b) und die Klinge eines geschweiften 
eisernen Messers (Taf. II 4^, Von Gefässresten sind zu erwähnen : Rote 
mit schwarzen Streifen und eingegrabenen Ornamenten gezierte Scherben 
einer Urne (Taf. II 5), ferner mit punktierten und linearen Ornamenten ge- 
schmückte Scherben einer zweiten Urne (Taf. II 6), sowie einer ähnlich ver 
zierten, dazu gehörenden Speiseschüssel (Taf. II 7). Diese drei Gefässe 
erinnern an diejenigen von Kreuzungen» Dörflingen, TrüUikon und Lunkhofen, 
waren aber leider nicht mehr herstellbar. 

Aus den im Einschnitte la gefundenen, wahrscheinlich zu einem Brand- 
grabe gehörenden Scherben konnten dagegen folgende fünf Gefässe zu- 
sam mengefügt werden : Eine kreiseiförmige schmucklose Urne mit ausladen- 
dem Rande (Fig. la gr. D. 0,21 m, H, 0,125 m); ein roh geformter Topf 
mit kleinen Kerben längs dem Rande (Fig. i b gr. D. 0,17 m, H, 0^3 m); eine 
schmucklose, kreiseiförmige Urne mit ausladendem Rande (Fig. i c gr, D. 
0,23 m, H. 0,185 m), mit verbrannten Knochen gefüllt; ein kleines roh ge- 
formtes Töpfchen (Fig. 2d ob. D, 0,063 ^n» H- ^»^35 "^)J ^i" ähnliches kleines 
Töpfchen (Fig. 2 e gn D, 0,055 m, H. 0,05 m). 

Am folgenden Tage, den 26. April, fand man 5 m vom Mittelpunkt und 
4 m vom Grab I entfernt* im südöstlichen Hügelviertel, ein zweites Grab 
(Grab 11 des Planes), in welchem die Leiche mit dem Kopfe nach Westen 
und mit den Füssen nach Osten lag; dieselbe ruhte aul der rechten Schläfe. 
Schädel und Knochen /.erfielen bei der Berührung grossenteils in Stücke* 
(Der Umstand, dass im linken Unterkiefer nur noch ein einziger Zahn steckte 
und die übrigen Zahnlücken bereits verwachsen waren, lässt auf ein vorge- 
rücktes Alter des Bestatteten schliessen.) Ueber der Bauchgegend lag ein 
0,047 m breites und 0,30 m langes, glattes Gürtelblech aus Bronze, auf der 
einen Seite mit zwei kleinen Löchern, auf der andern mit einem eisernen 
Häckchen versehen (Taf. 11 8). An den Unterarmen befanden sich zw^ei zer- 
brochene, sechsfache Spiralarmringe aus Bronzedraht (Taf. II 9 a u. b). Neben 
der Leiche lag eine guterhaltene kleine Schlangenfibel mit Koralle im Schluss* 
knöpf (Taf. II 10) und ein kleiner Ohrring (Taf. II 11), beide aus Bronze, Die 
Leichen der Gräber I und II lagen auf dem ursprünglichen Kiesboden und 
waren mit grossen Steinen zugedeckt. 

Sonntag den 28. April wurden auf der Nordseite des Hügels durch 
Unberufene Teile eines getriebenen Bronzebleches und eines hohlen „Stöpsel 
ringes", sowie eine zw^eite Pauckenfibel herausgewühlt. Erstere Stücke 
gehören, wie sich nachher herausstellte, zu Grab IV, die Pauckenfibel da- 
gegen zum Doppelgrab IX. — Am i. Mai wurden die Grabungen an dieser 
Stelle fortgesetzt. Man fand weitere Bruchstücke des zu Grab IV gehörenden 
getriebenen Bronzebleches, sow^ie eine stark abgeschhfl'ene römische, ohne 
Zweifel aus der obersten Fundschicht stammende Bronzemünze, 

Der Gesamtinhalt des Skelettgrabes IV besteht demnach aus den Ueber- 
resten eines Gürtelbleches von 0,225 ^ Länge und 0,065 m Breite (Fig. 3 f) 





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CkVöisi'Äxt' 



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Situationsplan des Grabhügels „Wies 



Antelgei für scüwcu Alier imnsWuucl^, 1900119^^, 1!(t. \. 



Taf. I. 



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I 



bei Wangen (Dubendorf, Kt Zürich). 



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Fig. 3t Grabfunde von Wangen. 



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und eines hohlen Armringes von D. 0,0/75 m ^P'&*3g), beide aus Bronze, 
sowie aus dem früher erwähnten wieder hergestellten Topfe aus schwärz- 
lichem Thon mit D. 0,15 m H. 0,13 {Fig. 3 h). Die römische Münze wird sich 
ohne Zweifel bei der erwähnten Durchwtihlung mit dem Grab-Inventar ver- 
mischt haben. Grab IV liegt 2,50 m nordöstlich vom Mittelpunkte, 1,50 m öst- 
lich von der kleinen Axe und i»5o munter dem höchsten Punkte des Hügels. 

Im Skeiettgrabe III, welches g m nordöstlich vom Mittelpunkte und 5 m 
nördlich von der grossen Axe entfernt lag, fand man einen Armring aus 
Bronzerunddraht {Taf. II 12 a). Ein ganz ähnlicher Ring wurde beim Zudecken 
des Grabhügels in der Nähe dieses Grabes im Schutte aufgefunden und dem 
Inventar desselben beigefügt (D. ca. 0,07 m, Taf. II 12 b). Ferner fand man 
daselbst ein glattes, mehrfach geflicktes Bronzeblech, Länge 0,17 m, Breite 
o,o6g m, vielleicht Schmuck des Gürtels (Taf. II i3). Das Skelett lag mit 
dem Kopfe nach Westen^ mit den Füssen nach Osten. 

Grab V, ein Brandgrab, liegt 6,5 m östlich vom Mittelpunkte und i m 
nördlich von der kleinen Axe entfernt. Es war 0,60 m tiel und enthielt nur 
Scherben und Kohlen. 

Grab VI, ebenfalls ein Brandgrab, lag 1,70 m nordöstlich vom Mittel* 
"punkte und i m nördlich von der kleinen Axe. Dasselbe enthielt wie das 
Vorhergehende nur Scherben und Kohlen. Aus erstem konnte eine gut ge- 
formte Schüssel, innen mit vortretendem Rande geziert (D. 0,29 m, H. 0,095 ^^ 
und ein kleines roh geformtes Töpfchen (D. 0,07 m, H. 0,035 ^^^ wieder her- 
gestellt werden. In gleicher Richtung und 2,5 m vom Mittelpunkt entfernt 
lag ein vierseitig behauener Stein, vermutlich ein Markstein. In einer Ent- 
fernung von 2,6 m vom Grabe V und 2,2 m von VI auf der Verbindungs- 
linie beider lag das Brandgrab VII, welches wie V und VI nur Scherben 
und Kohlen enthielt. Neben der Brandstelle fand man, in den Boden einge- 
graben, eine kleine, gut erhaltene Urne mit vertieften Linearornamenten 
tgr. D, 0,115 m, H. 0,105 m, Fig. 4 il, sowie einen kleinen Bronzering und 
zwei Bruchstücke von solchen. Die Urne» enthielt verbrannte Knochen. 
Die Zusammenstellung der Scherben lieferte eine kleine Schale (D. 0,12 m., 
H. 0,05 m, Fig. 4 k) und ein kleines, enghalsiges Töpfchen (D. 0.075 m 
H. 0,08 m, Fig, 4 1), 

Am 2. Mai stiess man 10,5 m östlich vom Mittelpunkte und 2,5 m nörd- 
lich von der Längsaxe auf Grab VMl, welches bloss ein 1,60 m langes Skelett 
und eine Anzahl Topfscherben enthielt. 




12 



Am 3, Mai wurde im nordwestlichen Viertel des Hügels, 2^75 m vom 
Mittelpunkt entfernt und nahezu in der kleinen Axe das schon im November 
1900 bei Anlass der Probegrabung angeschnittene Grab IX abgedeckt. 

Die Skelette lagen von Ost nach West in dem o^6o m tiefen Grabe. 
Das links liegende Gerippe trug an jedem Wadenbeine je zwei glatte Bron?e 
ringe aus starkem Runddraht von Dch. oji m (Tat. II 14 a u, b|. Ausserdem 
wurden zwei bronzene Nadein (Lg. 0,075 '^*- ^'^^ derselben unvollständig 
(Taf. IL 15) und zwei kleine Bronzeringe gefunden (D. 0,015 m^ D. 0,01 ni 
Taf. II 15 a u. b). 

Zu demselben Grabe gehören auch die beiden schon erwähnten wohl- 
erhaltenen Paukenfibeln, (Taf. li 16) jede derselben eine kleine Koralle im 
Schiussknopf tragend. Ausserdem fand man mehrere durch Wurzeln zer- 
sprengte 7'öpfe, von denen einer verbrannte Knochen enthielt; dazwischen 
lagen zahlreiche Ilolzkohlenreste. Aus den Scherben konnte eine ungewohti 
lieh grosse, roh geformte Urne mit weiter Mündung (D. q,38 m, II. 0,37 m, 
Fig. 5 m) wieder hergestellt werden. Ein kleines, roh geformtes, voüstän* 
diges Töpfchen mit drei Warzen (D. 0,08 m, II. 0,045 m, Fig. 5 n) bedurfte 
keiner Reparatur, 

In der Nähe des Grabes fanden sich die mit IX a nachfolgend 
bezeichneten Gefässe : Grosse kreiseiförmige Urne mit enger Mündung, 
unterhalb des Halses mit einem gekerbten schmalen Wulste geziert 
(gr. D. 0,315 "^» H. 0,25 m, Fig. 50); Urne mit eingezogenem Unterteil 
stark ausladendem Bauche und konischem Oberteil (gr. D. ca. o.So m, H. 
ca. 0^20 m, Fig. 5 p) ; grosser Topf mit gewölbter Seitenwand und weiter 
Mündung (gn D. ca. 0,26 m, H. 0,205 ^r ^^S- 5 q) J mittelgrosse, fast halb- 
kugelförmige Schale mit ausladendem Rand (gr. D. 0,115 ^* H, 0,08, Fig. 5rl; 
grosse Speiseschüssel, im Innern mit einem vorspringenden Rande geziert 
(gr. D. 0,28 m, H. 0,08 m, Fig. 5 s( 

Die Bj-andgräber X und XI enthielten nur Knochen. Topfscherben und 
Kohlenreste. Grab X liegt 2,30 m nordwestlich von Grab IX und 1,40 west* 
lieh von der kleinen Axe, Grab XI dagegen 3 m nordwestlich von Grab IX 
und 1,6 m westlich von der kleinen Axe. 

Grab XII, ein Brandgrab, 1,50 m westlich von der kleinen Axe und 
4,5c m nordwestlich vom Mittelpunkt, ca. 1,50 m tief liegend, enthielt nur 
Scherben und kleine Bronzefragmente. 

Am 4. Mai fand man mitten auf dem Hügel in geringer Tiefe zahlreiche 
Topfscherben, vermutlich zu einem zerstörten Grabe gehörend, und am 
gleichen Tage 2 m vom Mittelpunkt entfernt vier Stück i m lange und ebenso 
hohe Steinplatten, welche den Fuss des Hügelkernes bekleideten. Man war 
schon im November igoo auf dieselben gestossen und hatte hinter denselben 
eine Grabkammer vermutet. Es ergab sich nun, dass sie nur zur Verstär- 
kung der Hügelmitte gedient hatte. Etwa '/t m oberhalb dieser Platten war 
im November 1900 ein Gerippe ohne Beigaben gefunden worden. (Siehe 
Grab A). 





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i, Jb 



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Funde aus dem Grabhügel „Wieslisti 





Fig. ^. Giabfunde von Wangen, ^jt nat, Gr. 



Am gleichen Tage sdess man auf Grab XllI, 2^5 m nördlich von 
der Längsaxe und 2,50 m westlich von der Queraxe, in einer Tiefe von 
0^70 m. Dasselbe enthielt ein grosses, glattes Bronzegürtelblech» das auf 
einer Schmalseite mit einer dreifachen Buckelreihe in getriebener Arbeit ge- 
ziert ist (lg. 0,32 m br. 0,115 m Taf, li 17); ferner Ueberreste zweier Spi- 
ralarmringe aus dünnem Bronzedraht (Taf II i8a u, b), eine kleine Certosa- 
fibel aus Bronze (Taf 11 19) und ein Bronzeringelchen (Taf. II 20). Aus den 
Vorgefundenen Gefässcherben konnte eine kleine niedrige Schale wieder her- 
gestellt werden (D. 0,085 ^' H. 0,04 m Fig. 2 t), 

Am 17. Mai fand man das Brandgrab XIV, 4 m vom Mittelpunkte und 
5f5 m vom Fix punkte 11 entfernt, im Nordwest- Viertel liegend. Dasselbe 
Enthielt nur Scherben und Kohlenreste. 

Brandgrab XV, ebenfalls im Nordwest-Viertel, 3 m vom Punkte n und 
4»6o m vom Mittelpunkte entfernt, enthielt die Scherben mehrerer Urnen, 
Von denen eine Urne mit niedrigem Unterteil, stark vortretendem Bauch 
'^nd konischem Oberteil mit leicht ausladendem Rande (gr. D. 0,21 m, H. 
^,175 m Fig. 2u) wieder zusammengesetzt werden konnte. 

Am 18. Mai entdeckte man Grab XVI, 4 m vom Mittelpunkte und 
*l,2o m vom Punkte n entfernt. Dasselbe enthielt, wie die übrigen Brand- 
Kräber, nur Topfscherben, Kohlenreste und calcinierte Knochen. Aus den 
Vorhandenen Scherben konnten wieder hergestellt werden : Eine kreiselför- 
^ige Urne mit senkrechtem Rand um die Mündung (gr. D. O1I75 m, H. 0,1 3 m) 
_^it verbrannten Knochen gefüllt, und eine nahezu halbkugelförmige Schale 
0,16 m, H. 0,06 m). 

Im Brandgrab XVII, welches 6 m vom Mittelpunkte und 3,50 m vom 
unkte n entfernt lag, fand man bloss Bruchstücke eines Schädels ohne 
Jeigaben. 

In Grab XVIIl, 2,50 m vom Punkte n und 5170 m vom Mittelpunkte 
^tfernt, lag ein von Ost nach West schauendes Skelett und bei demselben 
^in eisernes Dolchmesser mit zerstörter Eisenscheide (Lg. 6,30 m Taf. II 21), 
Sowie zwei vorzüglich erhaltene kleine Schlangenfibeln aus Bronze mit 
Korallen in den Schlussknöpfen (Taf, II 22 a u. bj. 



Am 21. Mai wurden die Grabungen fortgesetzt; man fand aber nur 
vereinzelte Topfscherben, welche in geringer Tiefe auf dem ursprünglichen 
Boden lagen. Da alle Anzeichen darauf hindeuteten, dass die Grenze des 
Bestattungsgebietes erreicht war, wurde die Arbeit eingestellt. 

Der 22. Mai war dem Wiedereindecken und Verebnen des Grabhügels 
jL^ewidmet, bei welchem Anlass 8,5 m vom Mittelpunkte und 43 m vom 
Punkte n ein dünner Bronzering von D. 0,55 m gefunden w^urde. Derselbe 
ist dem in der Nähe liegenden Grabe III zugeteilt wordenp in welchem be- 
reits ein gleicher Ring gefunden worden war. 



Es bleibt uns noch übrig, aus dem vorgefundenen Material Schlüsse auf 
das Alter des Grabhügels zu ziehen. Hierbei kann selbstverständlich der 
aus den Einschnitten I a und IX a gewonnene Teil der Funde, ausschliesslich 
Topfscherben, bei der Beurteilung des Ganzen erst in zweiter Linie in Be- 
tracht gezogen werden. 

Die Schatzgräber ei im Anfange des XIX. Jahrhunderts, sowie die nach- 
herigen Probegrabungen haben beide dazu beigetragen, den Wert der Funde 
in wissenschaftlicher Hinsicht zu beeinträchtigen. Der Unterzeichnete hat 
sich indessen bemüht, gestützt auf den Fundbericht, das bei den ersteni 
Schürfungen aufgefundene Material am richtigen Orte einzureihen, 

' Bei Betrachtung der F'unde muss dem Kenner sofort das ungewöhnlich 
zahlreiche Vorkommen der Brust- und Gürtelbleche aus Bronze auffallen. Von 
acht Skelettgräbern weisen nicht weniger als vier mehr oder weniger reich 
verzierte Brust* oder Gürtelbleche auf Vor allem kommt das in Grab I auf- 
gefundene Brustblech mit gepunzten Ornamenten in Betracht (Taf. U h 
welches als ein Fundstück allerersten Ranges bezeichnet w^erden darf 
Bleche von gleicher Grösse und gleichem Reichtum der Musterung gehören 
zu den Seltenheiten und W'erden nur in reich ausgestatteten Gräbern gefuntlen. 
Besonders wertvoll wird das Fundstück dadurch, dass es als Repräst ;/ 
der Blütezeit der Hallstattperiode oder ersten Eisenzeit betrachtet w- 
kann. Dieser Annahme entsprechen die bei der Leiche gefundene geschv.r 
eiserne Messerklinge sowie die beiden leicht und elegant geformten Wurl- 
lanzenspitzen aus Eisen und die zwei sechsfachen Spiralarmringe aus genffei 
tem Bronzedraht. Aehnliche Ringe wurden früher bei den gleichaltrig 
Gräbern vom ^^Bauernhof*" bei Bülach gefunden. Fibeln enthielt das Cr; 
nicht, dagegen gehören die Ueberreste einiger schöner Thongefässe» weld 
in der Nähe gefunden wurden, ohne Zweifel zu dessen Inventar. In ersti 
Linie sind die dunkelrot gefärbten, mit schwarzen StJ^eifen und eingegraben' 
Ornamenten gezierten Scherben einer Urne zu erwähnen, welche lei< 
nicht mehr hergestellt werden konnte* Die Ueberreste einer zweiten Ui 
von hellroter Farbe, sind auf der Aussenseite vollständig mit eingegrabeneu 
Punkt- und Linearornamenten bedeckt. In ähnlicher Weise sind die Scherben 
einer dazu gehörenden Speiseschüssel geschmückt. Alle drei Gefässe sind. 







16 



wie die übrigen Fundstücke, Repräsentanten der ersten Eisenzeit. Besse 
erhaltene Exemplare der gleichen Periode weisen die in der SammlLing de 
Museums befindlichen Grabfunde von Trüllikon und Lunkhofen auf. Namen 
lieh die Gefässe der letzern Gruppe haben eine auffallende Aeltnlichkej 
mit denjenigen unserer Gräber. 

Wir übergehen vorderhand die weniger charakteristischen Gra 
und wenden uns zum Doppelgrabe IX, dessen Inhalt ebenfalls in zu\ 
siger Weise festgestellt werden konnte. Die links liegende Leiche, wah 
scheinlich eine männliche, trug an jedem Wadenbein zwei starke Ringe au 
Bronzerunddraht, Auf der andern, wahrscheinlich einer weiblichen Leidig 
fand man zwei wohlerhaltene Paukenfibeln, zwei dünne Bronzehaarnadell 
alle vier von zierlicher Arbeit, und zwei kleine rohgeformte Bronzering 
An Gefässen enthielt das Grab die Scherben einer ungewöhnlich grossen roh^ 
geformten Urne, welche wieder hergestellt werden konnte, und einen kleinen 
rohgeformten Topf mit drei Warzen am oberen Rande. Diese sämtlichen 
Fundstücke, mit Ausnahme der grossen Urne, entsprechen in der Form de 
Fundstücken der Gräber von Trülhkon und können ebenfalls als zuverlässig 
Vertreter der ersten Eisenzeit betrachtet werden. Auffallend bleibt dabei 
die rohe Arbeit der beiden Gefässe. 

Inhalüich am nächsten stehen den beiden Gräbern 1 und IX die dr 
Gräber II, III und XIII. Jedes derselben enthält ein schmuckloses oder weni^ 
geziertes Gürtelblech, die Gräber 11 und XIII ausserdem je zwei Spiralarm* 
ringe, welche denjenigen von I ganz ähnlich sind. An Gefässen sind diese 
drei Gräber nicht reich. Es konnte bloss eine zu Grab XIII gehörende 
kleine glatte Schale wieder hergestellt werden. Die im Grabe II vorge 
fundene kleine Schlangenfibel von äusserst zierlicher Form, sowie die Spiral- 
armringe der Gräber H und XIII beweisen die nahe Verwandtschaft der- 
selben mit I und IX* 

Grab XVIII mit zwei gut erhaltenen, eben so zierlichen kleinen Schlan- 
genfibeln aus Bronze und einem eisernen geraden Dolchmesser mit Eiseij 
scheide schliesst sich inhaltlich unmittelbar an. Das Dolchmesser dürfte 
etw^as jüngerer Herkunft sein als die in Grab I gefundene geschweif 
Messerklinge* 

Den Schluss der Skelettgräber bildet das Grab IV^ mit den Ueberresteil 
eines hohlen „Stöpselarmringes", welcher den Beweis liefert, dass dasselbe 
dem Schlüsse der ersten Eisenzeit angehört. Aehnliche Ringe wurden in den 
gleichaltrigen Gräbern von Lunkhofen gefunden. Zu Beginn der zweiten 
Eisenzeit finden wir gleiche Stücke häufig neben Armringen aus Glas oder 
Gagat. 

Zum Schlüsse bleibt uns noch übrig, der im Hügel vorgefundenen 
zehn Brandgräber, sowie der Probegruben I a und IX a zu gedenken. Es 
würde schwier halten, sich über das Alter der Erstem bestimmt auszu- 
sprechen, böte nicht das Grab VII glücklicher Weise einen Anhaltspunkt 
dazu. Laut Fundbericht wurde dort eine neben der Brandstelle in den 



Boden eingegrabene gut erhaltene kleine Urne mit verbrannten Knochen 
gefunden. Die Aussenseite derselben ist in ähnlicher Weise wie die bei 
Grab I genannten Gefässcherben geschmückt und das Gefäss selbst, 
zierlich geformt, kann ohne weiteres als ein Vertreter der ersten Eisen- 
zeit angesehen werden. Die aus den Scherben der Brandgräber und 
Probegruben wieder hergestellten Gefässe zeigen durchweg einfache 
Formen und eine glatte, schmucklose Aussenseite, aber eine Technik, die 
ber derjenigen der Gefässe des Grabes IX steht and mehr mit derjenigen 
es Grabes I verwandt ist* Gestützt auf die Beschaffenheit der kleinen Urne 
Grab VII und die entsprechend vollkommene Technik der übrigen Ge- 
se der Brandgräber glauben wir, dass auch sie derselben Periode ange- 
hören wie die Skelettgräber. Die Entstehung und Benutzungszeit unseres 
"Grabhügels dürfte nach allem oben Gesagten in die zweite Hälfte der 
ersten Eisenzeit, d. h, ungefähr in das sechste bis fünfte Jahrhundert vor 
Christo zu setzen sein. 



^^Mi 




Le cimetifere gallo-helvete de Vevey. 

Extraits du „Jounial des fouilles", Fevrier-Avril 1898, 
Par A. Naeß 



(S U I T E,} 



La Sifulitfre M' ij, La Tene I, etait celle d'un enfant, de huit ans au 
plus, d'apr^s rexamen des os et des dents fait par Mr. le Dr, H, Martin 
present ä la fouille. 

Le pelit corps, Oriente du S. S.-O. au N. N.*E.p avait ete inhume en u. 
libre, sans cercueil; la fosse, dont le fond est ä i m, 70 sous le niveau dcia 
vigne, na que 0111,90 de longueur. Si Torientation est normale, il n'en nest 
pas de meme de la position du corps, qui avait ete couche sur le cöte droit, 
ta tote tüurnee ä l'Kst, les jambes posees l'une sur 1 autre, repliees, les genoux 
saillants a TEst; lors de la decom position des chairs, Tepaule et le bras 
gauche durent s'aftaisser lateralement, II est tres probable qu*ici Tattiludc 
repliee des jambes et celle du corps sont accidentelles car c'est la seule im 
jusqu'ä ce jour qu'elles ont ete constat^es dans la necropole de Vevey. 

L'unique objet recueilli dans cette sepulture est une belle fibule qui 
reposait sur la colonne vertebrale, vers le miüeu de la poitrine, et qui avait 
teinte en vert les cötes avoisinantes, La coloration des os et leur preser 
vation par une couche d'ox yde de bronze sont assez connues et ont ^te assci 




Fig, 6. Sepuiture N'* 13, -- 25 Tevrier 1898. 



souvent signalees pour n'avoir pas ä s'y arreter looguement; qu*il suffis«^*^ 
dire» une fois pour toutes, qu*ä Vevey pareiUes constatations ont el^ f^^^ 
dans la majeure partie des sepultures, et que parfois ces indices ont ^ 
tr^s utiles pour d^finir l'emplaceraent des objets. 



_^9_ 

La fibule, que les croquis Fig. 6 nie dispenseront de decrirci est franche- 
kt du type La Tene I ; eile agrafait probablement le manteau ou la cou- 
lire dans lesquels le petit cadavre fut enveloppe lorsqu'on le deposa en 
Je n'ai pas en memoire un seu! echantillon exactement semblable ä 

fibule, massive, ä cötes saillantes, qui ne manque pas d'elegance ; les 
±s analogues trouves ä Dachelsen '), ä Kirchlindach *), ä Yverdon"), offrent 
?un des differences essentielles soit dans la disposition de lenrs appen- 

caudals, soit dans celle de leurs ressorts. 

La se/>n//urf A^^ /^, indefinissable, est encore une enigme, C'etait une 

circulaire, d'un metre de diametre ä peu pres, qui ne contenait que 

ques restes d'un squelette humain: fragments d'os longs, de bassin, de 

anges de pieds, . . , etc., avec beau*^oup de charbon melange aux ejs par 

S tas. L'excavation, au nieme niveau que Celles des deux sepultures 

ines, ^tait une fosse contemporaine, non pas ce que nos vignerons nom- 

it une „tine", c*est-tVdire un grand trou dans lequel on enfouit les caüloux 

vignes et qui se reconnaissent inimediaterrient gräce ä ces caiüoux. 

II est impossible d'affirmer qu*il s'agit d*une sepulture par incineration, 

halhese offre seulement une certaine probabilite; il faut en efFet rap- 

^BtT ce que nous avons ici de ce qui a ete consigne ci-dessus au sujet 

E pieds du squelette N*' 9, de ce que nous verrons tout-ä-rheure, d'une 

in trts precise, ä la sepulture N*^ 15, et des curieuses constatations faites 

exemple ä Schönegg pres de Spiez. — On decouvrit plusieurs fois en 

.endroit des sepultures ä inhumations de l'epoque de LaT^ne; de Bon- 

;en» qui y avait lui-m^me fait des fouilles et qui en publia les trouvailles 

^ son Recueil d*Antiquites Suisses, raconte que /'on iroitva enire les 

)iitir€s des enfopicemenis circulaires, de deux pieds de profondeur sur un 

et demi de diametre, remplis de cendte, de charbon^ d'ossements brüles et 

iebris de poteries*). — L*auteur suppose que ces derni^res sepultures, par 

leration, etaient Celles des pauvres. lüen que le contenu des fosses circu- 

de Schönegg ne soit pas exactement le m^me que celui de notre se- 

Ure N'* 14, f>ialgre tabsence complete de poteries dans la necropole de Vevey, 

>vouera que le rapprochement s'impose; il faltait attirer Tattention sur 

particularite qui aura pu parfois passer inapercue, et qui s*expliquera 

deute par des observations futures. 

Sepulture A'«' //. (Comparer le plan general des fouilles et la figure 27, 
eiger 1901, N'* L) 



*) Mr. Ulrich: Anzeiger avTÜ 1886, p. 257 ä 258, PK XTV. fig. 5. 
■) Mtisee de Herne, N" 10457, 

*) de Bonsteticn: Rcc, Antiq, Suisses, PL XV, fig. 20. 

*) Cette interessante Observation de Bonstetten a aussi €x€ relevc^ par Mr. Heierli: 
[Schichte der Schweiz, page 391. 



■WM 



D'apr^s les deux fibules qu'elle renfermait. la s^pulture N** 15 se rat 

tache ä la periode La T^ne I; cette sepuUure est une des plus curieuses 

de la necropole de Vevey, moijis par les objets qu'elle Üvra qüe par les 

constatations nouvelles en Suisse et fort importanies qu'elle permit de faire, 

La figure 7 montre le plan de la fosse, orientee du N. N.-O. au S. S.-E/, 

dans cette fosse des lignes ^paisses et parfaitement continues de poussiere 

noire indiquent un ancien cercueil de bois ; ce cercueil renferme le bassin et 

les jambes d'un squelette, dont la position est suffisainment claire pour se 

passer de description et qui, d*apres Tepaisseur des os, est probablement 

celui d'un homme. Les os des jambes sont bien conserv^ds, tr^s reguliere- 

ment disposes» les femurs sont encore era- J 

boites dans le bassin; les pieds manquenJÄ 

entierement, de m6me que toute vert^bre au- 

dessus de la taille et tout os quelconque de 

la partie superieure du corps. Au point mar- 

qu^ X dans un cercle, sur le cöte droit du 

bassin, furent trouv<^ Tun au-dessous de Tautre 

quatre objets auxquels nous reviendrons: une 

perle de verre, une grosse perle plate d'ambre 

rouge, et deux fibules de fer La Tdne l, sou- 

dees l'une ä Tautre par la rouille. 

Cette sepulture etait si etrange, si abso- 

lument nouvelle, qu'au premier abord je crus 

qu'elle avail ete coupee par les ouvriers ter- 

rassiers lorsqu'Üs creuserent tout ä cöte pour 

extraire du sable; — le contre-raaitre affirmait 

qu'on n*y avait pas touche, et je dus en effet 

me rendre ä IVvidence des preuves fournies 

par mon examen. La preuve la plus conclu- 

ante est celle des traces tr^s franches et trfes 

nettes du cercueil, traces de poussiere noJre 

intactes et continues, qui apparurent peu ä peu 

en nivelant l'ancienne fosse et se prolongerent 

reguli^rement jusque sous le squelette. Or la 

plus lagere pression, le moindre coup de 

pioche, auraient detruit ces traces, les auraient 

tout au moins coup^es ; une coupure moderne 

se serait d*ailleurs imm^diatement marquee 

^, , ,,, , dans le remblai de la fosse, tasse depuis plus 

Fig, 7. Sepulture N*» 15. 26 fdv, 1898. . • , . , . , . , a ^». 

^^ de vmgt siecles, de meme qu autour de cette 

fosse dans les couches vierges de sable et de gravier r^gulierement stratifiees*). 

Ces details et les suivants me semblent necessaires pour bien fixer la reaüt6 de 
mes constatations, qui lurent d'ailleurs conüöl^cs par trois des Correspondants de notre Com- 
mission des Mon* Histor., MM. Fran^ob Doge, Dr. H, Martin et Ad* Bumat, presents ä la fouille* 



I 






2[ 



En oivelant peu ä peu Tancienne fosse, transform^e en butte suivant 
le mode habituel (Comp, ci-dessus, chapitre V), on reconnut tout d'abord 
rarste mediane a-b, probablement deformee par reffondrement du cercueil, 
puis Tarnte transversale d-f, qui semblent toutes deux provenir du couvercle, 
- Un peu plus bas, les parois laterales et extremes s'accus^rent bientöt par 
leurs aretes, ä peu pres rectilignes, en c-g, c-d, g-f, puis fortement courbees 
ä partir des points d et f pour se rejoindre ä rextremit^ N. N.-O. — En cet 
endroit, au point e» il faut noter une toute petite Interruption, peut-etre une 
fente; la largeur la plus forte est en d-f, d'oü le cercueil se retrecit insen- 
, siblement vers Textr^mit^ du S. S.-E. ^). 

■ Pour essayer de resdtuer en pensee la forme approximative du cer- 
cueil, il faut observer que seule la portion d-c-g-f semble avoir ete couverte, 

et que ce couvercle devait etre leg^re- 
ment en dos d'äne. — En effet, tout 
et ränge que cela soit» on ne trouva 
ä rinterieur du triangle curviligne 
d-e-f aucune trace de poussiere noire, 
qui aurait indique une couverture 
horizontale; deux couches concaves 
de cette poussiere se remarquerent 
par contre entre l'ar^te mediane a-b 
et les deux aretes laterales c-d, g-f, 
= 11 en resulte, semble-t-il^ que lors 
de la d^composition du bols, les 
planches du couvercle en dos d'äne 
s affaiss^rent suivant des courbes que 
£ r " "" ^'ZM^^U^jSSg^^^^T^K j 'indique en pointilles sur les croquis 

J X^^BtBMmB^iSg expltcatifs fig. 8 ci-contre; ils sup- 

posent une coupe verticale en d-a-f 
du plan. 

Les parois laterales n'etaient pas 

verticales, mais l^g^rement inclinees; 

— la preuve, c'est qu^au für et ä me- 

sure qu'on enleva la terre par ctiucht s 

Drizontales, la largeur dti cercueil diminua, et cela d'une fa^on parfaitement 

(guiiere jusqu'ä une couche horizontale de poussiere noirc, qui s*etendait 

Dus le squeletie et immediatement sur le fond naturel de la fosse. 

On ne recueillit pas le moindre clou, ni au cercueil de cette s^pulture» 

ä ceux qui se rencontrerent plus tard, mais il ne peut cependant ^tre 

Uestion de planches simplement juxtaposdes. Si tel avait ete le cas, les 

*) Les cotcs sont poriges sur le plan. Je dois rectifier une erreur du plan de cette 
ulttire expose au Mus^e Jenisch k Vevey (Salle du Vieux^-Vevey, vitrines speciales, 
^Bche VIII): aux points d et f les traces du cercueil semblent former un ressaut, n'fttre 
^ continues, ce qui est inexacL 




Fig, 8. S^pulture N** 15. 



pianches et leurs traces auraient ete deformees, il aurait ete impossible de 
trouver ces traces aussi continues, teurs angles aussi reguliers, aussi nette- 
ment marques, et soit ici, soit dans les nombreux exemples que nous aurons 
encore ä etudier, on noterait des interruptions aux points de contact des 
pianches. Or si j'en excepte les sepultures en terre libre et Texemple de la 
sepulture N*' 9, protegee simplement par deux pianches laterales, noiis posse- 
dons jusqu'ici douze sepultures pourvues de veritables cercueils, dont il sera 
possible de restituer les formes assez diff^örentes les unes des autres, 11 faut 
donc admettre .soit que les pianches ^taient reliees par des chevilles de bois, 
soit que le tout avait ete crcuse dans un tronc d'arbre. Les croquis de la 
fig. 8 traduisent les deux hypotheses, entre lesquelles il m'est impossible de 
me prononcer avec preuves absolument concluantes ä TappuL Le plus naturel 
serait d'admettre des troncs d'arbres creuses; cette hypothese, ä laquclleje 
me rallieiais volontiers, expliquerait le retrecissement si curieux du cercueil 
N^ 15 et d'autres courbes analogues; eile rappellerait aussi les cercueikdes 
tumuli dauois, d'une epoque bien anterieure il est vrai, creuses dans des troncs 
de chene'), On ne saurait d autrc part passer sous silence certaines objec- 
tions assez serieuses: les traces de poussiere mesurent au plus 2'« cm de 
largeur, rarement 3 cm, ce qui n'est peut-etre pas süffisant pour les parois 
d'un arbre creuse, d*autant plus que les extremites ont exactement la m^m 
epaisseur; dans les cercueils danois en question» ces extremites sont beau* 
coup plus fbrtes. Ln outre, s'il s'agit d*un arbre creuse, on ne coinprend | 
pas facilement la raison des couvercles en dos d'äne, ni leurs aretes. - 
Faut-il admettre peut-etre les deux modes de fabrication, entre lesquels l'hesi- 
tation est permise? — Quoi qu'il en soit, on ne saurait assimiler les trou^ 
vailles de Vevey aux fosses ä parois lambrissees signaSees d^s lors cn 
Boheme"). 

Pour eviter des repetitions, j'ai saisi Toccasion de discuter cette ques- 
tion des cercueils, qui se representera souvent; je n'y reviendrai que pourj 
signaler les differences de formes ou les particularit^s des nouveaux exemples. 

S'it ne semble pas possible de trancher la question du mode de fabn* 
cation du cercueil (Sepulture N"^ 15), le fait essentiel n*en subsiste pas moins' 
ce cercueil contenait la partie inferieure d\m corps humain et doit avoiret^* 
specialement fabrique dans ce but. L'examen des os prouve d'autre part 
que la partie superieure du corps avait ete coupee k la hauteur de la tailk« | 
et que jambes et bassin etaient parfaitement intacts lorsqu'ils furent reguU^re- 
ment et soigneusement inhumes. — Qu'en est-il des pieds, je Tignore; ilfeut 
se borner ä constater leur absence compl^te, en ajoutant qu'on ne recueiÜit 
aucun vestige quelconque de charbon ni de debris de combustion, comin^ 
cela avait ete le cas ä la sepulture N^ 9. 



*) En 1861 pr6s de Havdrup; en 1871 pres de Bonim-Eshöi; 
•) N6cropole de Langugest; epoque de La T^ne» 



etc. 



20 



Je ne crois pas faire erreur en disant que pareille inhumation partielle 
pas encore ete signalce en Siiisse dans nos sepultures de l^epoque de 
lene, nun plus que la coutume des cercueils. Or blen qu'aucun indice 
jerraette malheureusement d*affirmcr que la partie superieure du Corps 
5 ait ete incineree, un rapprochement s'iinpose avec le rite encore inex- 
le, plusieurs fois constate dans Ics sepultures anterieures de Hallstatt, 
des inhumations et des incinerations partielles, — A Hallstatt, dans des 
Je ce genre, c'etait d'habitudo la tete qui avait ete conservee; mais on 
leve deux exemples absolument analogues ä celui qui nousoccupe: une 
les deux jambes d'un corps avaient ete inbuniees, le reste incinere, une 
\ fois les jambes et le bassin avaient ete inhumes, le reste incinere. — 
mi que cette curieuse coutume fiit assez frequente dans l'antiquitd, 
Un mot encore au sujet des objets, dont j'ai indique remplacenient sur 
te droit du bassin Jen x fig. 7), et qui Curent trouves immediatement Tun 
:ssous de l'autre, 

C'est d^abord une perle de verre, bleu intense, avec des boutons saillants 

jaunes decores d'enroulements concentri- 
! d ques bleus (Fig. 9, a). Des perles analogues, 

presque certainement importees, se trouvent 
dejä dans nos stations lacustres de Tage 
du bronze, ä Chevroux, ä Guevaux, par 
exemple; le Musee cantonal vaudois en 
possede de fort bellcs *)^ celui de Berne 
egaleiTient, entre autres deux exactement 
semblables ä la notre: le N'* 19557^ qui 
provient de Hollingen (Berne), et le N" i8g3i 
de Savieze ( ValaisK Dans son Rec. d'Antiq. 
Suisses (PK \^ fig. 14) de Banstf^tten a 
public une perle analogue, trouvee dans un 
des tombeaux du tumulus de la for^t de 
Jahberg, pres de Thoune, et dans le premier 
Supplement de son Recueii (PL VI, fig. 14I 
il en a reproduit une seconde (Wylerfetd 
sur l'Aar, Bernek Ces objets soot assez 
connus pour n'avoir pas ä s'y arreter 
d'avantage; on en peut dire autant de la 
grosse perle d*ambre rouge (Fig. 9, b), nos 
musees en poss^dent iinc teile abondance, 
es en unterer. 




H — — i — 



^ß ^0 



Fig. 9, Sepulturc N" 15, 



serait malaise et inutile de 
Lors de leur decouverte, les deux fibiiles de fer ne presentaient qu*une 
masse informe; elles etaient si fortement soudees par la rouille, qu'il 



') Comparer T Album des Antiquit^s lacustres du Mus^e arch6olog. de Lausanne, 
PI XXXI 




24 






SeLA^f20 



ne fut pas possible de les s^parer. En les nettoyant, on reconnut qu'elles 

appartenaient toutes deux au type La Tene I, qu'elles ^taient semblables 

■^■^^■^^^^^■■■■^^■■P aux echantillons des sepultures N*"' ii 

^e jß*M*/S. ^e ß.M-/S, ' *^ et 12 (Comparer Anzeiger igoi» page 

7l7i7i-±f±jl7|7l- 107, fig, 64; p et s), et que la masse 

ItIjIjItLtItItItX tj oxydee qui les reliait portait Tem- 

7J7l7±fl|ljl^^^ M preinte träs nette d'un tissu (Fig. 10, 

i__._._._._ Sep. W 15); — ce tissu rappelle ab- 

solument celui que Mr. Heierli a public 

ä la page 129, fig. 69, de son ouvrage 

Urgesckickie der Schweiz, et qui pro- 

vient de la Station n^olithique de 

Robenhausen, 

Dans la necropole de Vevey des 
empreintes analogues ont et^ d^s lors 
si frequentes sur les objets de fer 
(armes, fibules, , . , etc), que je me 
permets d*attirer Tattention sur ce 
moyen, tres pratique et peu usite, 
d'obtenir des renseignem ents relatifs 
aux vt^tements; le plus souvent cenc 
sont d'ailleurs pas des empreintes, 
mais bien le tissu lui-mente^ imprfgne 
d'oxyde de fer, et de la sorte con- 
t rve sur les objets avec lesquels il 
etait en contact sur le cadavre. 



a 



Ufn.i 



L^O^^A 



'^»»'Tt^l 






V 



'i< 



Fig. 10. Sfp. N - 15, 18 et 20. 



La sepulttire N^ 16, La T^ne I, est orientee d'une fai^on unique jusqu'id] 
dans la necropole de Vevey» et que rien ne permet d'expliquer d'une mani^ 
satisfaisante. 

Le Corps (fig. 11), celui d'un guerrier äge, avait ete inhume en Icrrf" 




Fig, II. bcpulture N* 16; dB f^vrier 1898, 



libre, sans entourage quelconque, suivant une direction E. S*-E., O. N.-O; il 
ivait ete couche sur le dos, bras et jambes etendus. Les mains ayant en* 
ti^rement dispani, on ne saurait affirmer qu'elles fussent dans la position 
Jhabituelle; ce qui autorise cependant ä le croire, c'est que, comme toujours, 
avant-bras avaient ^te legdrement ramenes en-dedans M. 
Le croquis du plan suffira pour montrer les autres details relatifs au 
squelette, la taille de Fhomme et les emplacements des ubjets: sur Tepaule 
droite, en a, une belle fibule de bronze; en b, ä cöte du bras droit, un cou- 
teau de fer; en c, encore du cöte droit, une epee de fer dans son fourreau, 
de fer egalement, avec deux boucies plates de bronze, d, e, qui servirent 
certainenient ä la suspendre; enfin sur le bassin» de m^me qu'entre les femurs, 
se trouvaient deux petits tas de charbon de bois parfaitement reguliers. Je 
ne reparlerai pas de ce charbon ni du ritue! iiineraire, encore inexplique, 
dont ii a ete question ä propos de la sepulture N" lo; il taut encore ajouter 
qu'en examioant le cräne et en en rapprochant les fragments, je reconnus 

sur le sommet un trou circu- 
laire, tres net et franc ä l'ex- 
terieur, s'evasant ä Tinterieur. 
II est probable que cette bles- 
sure a cause la mort du sujet 
N" i6, ä moins que ce ne soit 
une trepanation executee apres 
le deces. 

Les differents objets trou- 
v€s dans cette sepulture ont 
ete groupes sur la Planche III, 
tels qu'ils sont eiposes au 
musee Jenisch ä Vevey; les 
restitutions sont ä Taquarelle, 
de mani^re ä eviter toute er- 
reur et ä permettre des cor- 
rections Eventuelles. 

La fibule de bronze, a, dont 
la fig. 12 donne une vue late- 
rale et la fig. 13 une vue plon- 
geante, en grandeurs reelles, 
est un beau specimen du 
type La Tene I; trouvee sur 
Fepaule droite du guerrier, 
eile fixait probablement le manteau, tantöt long, tantöt court» d'une seule 
pi^ce d'dtoffe et parfois garni de franges, 



Fig. 12. 



i-ig^ J3' 



*) C*est par erreur que le plan du squclette, iig;ure ä cöt^ des objets cxpos^ au 
Aus^e Jenisch, ä Veveyi montre les avant-bras ^tendus le long du corps. 



II vaut la peine d'examiner cette fibule, dont toutes les surfaces, si petites 
qirelles snient. sont pourvues de traits graves; seule Tepingle proprement 
dite est lisse, pour percer farilenient retoffe et ne pas la dechirer. Le chäton 
sur disque plat, qui decorc Tappendice caudal, se compose de quatre ele 
menls parfaitement independants les uns des autres, Sur le disque inferieur, 
qui fait Corps avec la tige» se voient des incrustations d'email blanc, divis6i?s 
en quatre par des lamelles en tbrme de croix; cette partie inferieure est 
separ^e de la partie superieure par une rondelle plate, tres mince et mobile; 
vient ensüite la partie superieure» egalenient saillante et surmontee dun 
bouton d^email blanc; le tout enfin est traverse et maintenu par un petit dou 
de bronze ä tele arrondie, dont la pointe est recourbee ä angle droit par 
dessQus. Nous retrouverons plusieurs fois ce mode de fabrication ingenieux 
et parfaitement solide; ü pouvait etre utile de le decrire une fois pour toutes 
parcequ* il est caracteristique et pour n'avoir pas a y revenir. 

Je renonce ä citer toutes les fibules analogues ä celle de la sepulture 
Nr, i6» mcmes Celles trouvc^es dans notre pays; si j'en connais dailleurs 
beaucoup ffafmlogucs, je n'en vois pas dont le chaton soit decore exactemtnt 
comme celui qui nous occupe % 

Ke couteau de Ter (Comp, b, fig. ii et Planche III) semble avoir ele 
depDse dans la tombe f> cöte du guerrier, l'erriplacement ne pennet Honi 
aucune deduction relative au port de cette arme ou de cet Instrument; '^^ 
forme seule merite de fixer raltention "K La legere ondulation de la lamc 
rappelle encore un |)eu les furmes elegantes des couteaux de bronze; c*esl 
une Sorte de trausition entre les lames longues» effilees et sinueuses de nos 
palafittes, et celtes, moins anciennes que la nötre, qui furent recueillies ä 
La l*ene nn^me ^). 

II se pourrait que le guerrier eut ete iuhume avec son epee» teile qu ä 
la portait d'habitude ; si ce n'est pas le cas, Tarme fut certainement deposee 
ä la hauteur normale et reguli^rement du cöte droit, selon l'usage ä cette 
epoque. 

La planche III montre cette epee et les deux faces superieure et in- 
fericure du ftmrreau dans lecjuel eile etait engagee^); la fig. r4, d'apres une 
Photographie de Mr. A. Burnat, faite avant que Tarme n*eut ete retiree 

') Comparcr: Anzeiger mars 1870, PI. XI, p. 125^ Vemamicge fValaisl; — Hejerii, 
Anzeiger janvier 18901p. 294, 295. PI XVIII, Nieder -Rütt, Zürich); Ulrich, Anzeiger 

avril 1886 (PI. XIX, fig. 5, Dachelsen); - Hcierli, Anzeiger ociobre 1892 (PI VII, lig 4^ 
p. 131, Loueche, Valais); — Musee de FJerne: No. 10,457 (Kirchlindach), Nos. 10,361, 62. 
—68, —73 (Schönegg pres Spiez) ; , . . . etc.^ etc. 

M Longueur totale restitu^e; 19 cm, 'it ; lame longueur 10 cm. '/tt largueur U pl«^ 
forte ä la base 24 mm. 

*) Comp.: La Tene un Oppidum Helvcte par V^ictor GrosSi PL IX. 

*) Longueur totale, restituec, avec la poignee : o m, 815- Lame, longueur Ä p«^ 
des angles pr^s de la soie jusqu'ä ta pointe: o m, 663; — largueur de la lame i sa löiS' 
sance: om, 05t; — largueur du fourreau au sommet: 0111,056^ 



\ 




tndicMtear d'AntiquiU» SuJ»»et, igoa i9P3» ^^* ^ 



PI. in. 
Seputture N° IG. 





I M I I I l'i 




-^^"^ 



Fr*igments du Knurre au, resles 
adhercnts a Tcp^e. 

Sepulture N'= 26. 






;:• 



du fourreau, precise les details de la pöignee, de son pommeaUp de la tran- 
sitiüTi de la lame ä la soie, enfin la forme de la partie superieure du fourreau, 
tres caracteristique pour la periode La l>ne L — Si l*on compare sur la 
Planche III Tepee La Tene II trouvee dans la sepulture N^ 26p on verra 
que la partie superieure de son fourreau presente une courbe beaucoup plus 
iccentuee, tres semblable ä celle de la plupart des armes analogues et un 
KU moins anciennes recueillies dans la Station de La T6ne '). 
■ Je dois encore et surtout signaler le curieux bouton qui termine la 
»ignee, particularite presque plus rare que le manque de bielle Isorte de 
K)ucle ou de tenon) fixee par deux rivets au fourreau, et qui servatt d'habi- 
ude ä suspendre Farme au ceinturon. Cette bielle existe ä Tepee du guerrier 
^" 26; jci le seul indice relatif au mode de Suspension sont deux boucles 
>lates de bronze Ui et e, Planche IH et fig. 11) trouvees pres de la poignee^), 
Jans Fessai de restitutionp Planche III, j'ai admis une sorte de baudrier en 



""^^-v:^1 




% M^ 



Fig. 14. 



aniere d'etoffe ou de peau, baudrier noue autour de la taille puisqu' il ne 
iVst montre aucune esp^ce de fermeturc, ni de crochet de ceinturon ; les 
inneaux de bronze auraient alors ete tenus au fourreau par deux brides et 
fcs lanieres croisees, mode de Suspension tres frcquent aux premiers si^des 
lu Moyen-Age et qui n'aurait rien d invraisemblable* 

Si le manque de bielle est plutöt rare dans nos fourreaux d'epees de 
^ Tene il n*est pas absolu, et a ete observe en Allemagne dans les mcmcs 
£>ndition-s qu' ici ^). 

') Lomp. aussi fig. 31, Sep. No. 26, le detail de la poigncc de l'ept^e; les doüx 

pcs d'^pecs, La Tene I et La Tene 11^ que Mr. lleierli donne ä la page 345 de son 
frgts€hi€hu tier Schweiz**, fig. 330 et 33t; — la sörie d'tfpdes trouv^s ä la T^ne ei 
Mi^es par Mn ie Dr. V. Gross, ouvrage pr6cit6, planches: I, U, III et IV; . . . etc., ete- 

*) Boucles Idg^ement ellyptiques. Diam. inter. r/: i6mmsur23; — t\ I4mmsur2a. 

■y G)mp. de Bonstetteni I Suppl^m. au Rec, d*Anüq. Suisscs, p. ai* 




La s^puliure N^ ij, La T^ne I, etait celle d'un enfant, Le petit corp 
dont le squelette est absolument decompose, avait ete depose dans uo cer 
cueil et couche sur le dos du N. NE. au S. SO , suivant la position habi-^ 

tuelle densemble et de d^tails; d'aprfes les os, 
place mais reduits en poussiere, sa taille devait ^ti 
de 99 cm au plus. Sur Tepaule gauche on recueillij 
une fibule de fer, oxydee et en partie brisee, doa 
la fig. 15 (a) roontre suffisamment le type La T^ncl 
Ce fait est assez important ä cause de la pn§senc 
d'un charmant bracelet de verre, trouve au poignc 
gauche de Tenfant ; dans nos contr^es, je Tai dit, ce 
bracelets de verre se rencontrent plutöt pendant ir 
Periode La T^ne IL 

L'objet en question (fig. 16) d*un beau bleu 
oütremer, est decor^ ext^rieurement de deux cercles 
saillants, perles, sur lesquels sont semes, de distanc 
en distance, de petits ornements jaune vif en zig-za 
Des €chantillons analogues sont fr^uenls dans ni 
musces et proviennent tous de sepultures de Tepoque" 
de La Tene ; qu'il sufVise de eher au musee de Bemj 
le N'' 10^387 trouve ^ Sinnenngen. les N*'* 19*733 
19,734 (Muristalden)> au musee d'Aarau le N** 395 
(Hausen a. Birfeld), presque identiques au nötre : I'In- 
dicateur d'Antiquites Suisses '}, le Recueü de Bon- 
stetten*)^ son premier Supplement*), en montrent 
d'autres. 

Un mot 
encore au 
sujet du cer- 
cueil, tres 

nettement 
raarque par 
ses traces continues et rectilignes 
de poussiere noire, et dont le plan 
(fig. 15) donne les dimensions essen- 
tielles. Ses parois laterales, de meme 
epaisseur que les parois extremes, 
sont verticales; le couvercle hori- 
zontal, saus ar^te centrale et qui se 
revde par une couche de poussiere Fig. 16. Sepulture N* 17. 




SS-ö 



Fig, 15. Sepulture N** 17, 
i«»^ Mars 1898. 




•) Fr^d. BOrki, Juin 1870, p. 151. Orpund, 
•1 PI XXI, No» 3 et 4, Champagny, 
•) PL V, N'» 4 Schftrloch. N** 12 Aaregg. 



ag 



concave, a du s*affaisser ä rinterieur ; sous le squelette une nouvelle couche 
, de poussiere indique le fond du cercueil. Qu'il s*agisse d*un tronc d'arbre 
creuse ou d'un veritabte cercueil, la restitution n'offre aucua doute et peut 
se passer de commentaires. 

La sepulture No i8^ La Tfene II, est orientee du Nord au Sud. Le corps 

avait ete couchd dans un cercueil et suivant la position habituelle, avec cette 

I seule difference que le pied droit reposait siir le pied gauche; cette dispo- 

[ sition du croisement des jambes est si naturelle, 

^H f -4/^' qu'elle est probablement due au Hasard. Quoi 

^■^ -- 1 - - -;:^j-fc^.^^^ qy'jl en soit, eile ne fut constatee qu'une seule 

^B i \/^ jiT' ^\\ fois ä Vevey, et ce n'est qu'uiie seule fois aussi, 

^m ; / n ■ lV"v ^' J^ "^ ^^'^ erreur, qu'elle s'est montree dans 

^H i J i I I I^ necropole de Hallstatt. 

^H ' I I I E*^ f^*^ d'objets, deux fibules de fer trouvees 

^K • I f I sur la poitrine, chacune pr^ d'une epaule; une 

^B I I f i de ces fibules, bien que brisee et abimee par la 

^B ' 1 I I I ' rouille {fig, 17, a), est suflisamment conservee 

|B ! I I I I • pour que son type La Täne II ne presente pas 

r^ ^ t I I I ^ ^^ doutes ; l*autre est tellement fragmentde, ses 

I jj I I I ^ debris sont si informes, qu'il n*est pas permis 

L^ »11 ' de la restituer. Un de ces debris a heureuse- 

^B 'II ment conserve Tempreinte d^un tissu (fig, 10 

^H I I I i 1 • ^^17» b), exactement semblabie ä celui reconnu 

^" ; I fl ^'^* I ' dans la sepulture N** 15, 

II faut encore examiner le cercueil, parce- 
quVil offre une particularit^ nouvelle et assez 

I; ]\ I y^ li curieuse. Sur la figure 17 sont indiquees les 

; i \,^^2^* ^^ \ ^^^ traces, telles qü'elles se montr^rent dans la fosse; 
V'- ''*-- flT^i- J^^^ ^^ reconnaitra que Fensemble repond ä la partie * 

^ --^im.m,^^^^ couverte du cercueil N" 15 (comp. fig. 7), et il 
^ i x-— il^^ ^v^ r»y a donc pas lieu d'en reprendre la discussion. 

IfCr^V ^xs^^^*^****^^ yi2L\^ ce qu'il y a de remarquable, ce sont ä 

! ^^yjtWii.^a^;;zi---'.v^:5s^=^ i* extremite Sud les deux traces obliques qui re- 
I Fig. 17, Sepulture N^ 18, ^'^"^ '^^ ^"ß'^^^ ^^^ .P^^'^ laterales ä Tarnte 
I 10 mars 1898. mediane; cette extremite ne devait donc pas are 

I verticale comme celle du Nord» peut-^tre ^tait- 

llle oblique. Nous retrouverons ces triangles ä d*autres cercueilSp une fois 
tn^me tr^s regulierement marques aux deux extremites» disposition qui 
semblerait indiquer un couvercle en dos d'äne termine en pans trlangulaires 
et obliques. La restitution du N'^ 18 präsente cependant une difiiculte, c'est 
le manque de trace rectiligne reliant les deux angles des faces laterales du 
cercueil» trace qui forme aiüeurs la base du triangle; n^ayant pu encore re- 
soudre le probleme d'une fa<;on satisfaisante, je me borne ä le Signalen 



30 



-- '07js. ->f 



La septdture No ig se rattache probablmient ä la p^riode La Tfenell; 
le plan ci-dessous, fig. i8, montre dimensions, formes et orientation de la fosse 
et du cercueil. Le squelette etait presque compl^tement reduit en poussiere; 
le Corps, celui d*un enfant de sept ans environ d'apr^s Mrs. les docteurs 
Rossier pere et H. Martin, presents ä la fouille, avait 6te couch^ sur le dos, 
tete au N. N.-E., dans la position habituelle d'ensemble et de d^tails. Ün ne 
trouve sur 1 epaule droite que les debris d'une seule fibule de fer, d^bris 
tellement oxyd^s et deformes qu'il est impossible de restituer Tobjet äcoup 

sur; etant donnee sa forme tr^s allongee, 
la courbe peu prononcee de son arc, il 
est cependant probable qu' il s'agit d'une 
fibule La T^ne II, semblable ä Celles que 
nous rencontrerons dans la sepulture 
suivante N** 20, fig. 19. LIn des frag- 
ments de cette fibule a conserve quelques 
vestiges d'un tissu; c'est exactement la 
trame not^e dans les sdpultures N""* 15 
et 18, et que nous allons retrouvcr 
dans la sepulture N® 20 (comp. fig. 10 
et 17 b). 

Le cercueil, dont les angles sont 
bien nets, ne presente ni ar^te centrale, 
ni triangles ä ses extremites, et ses 
parois laterales se prolongent verticale- 
ment de haut en bas ; il avait ete mai^^' 
tenu de part et d*autre au moyen c^ 
quelques pierres. Les pierres plates 
et 2 (comp, le plan) avaient et6 glisse^^ 
en partie sous le cercueil, Celles num^^ 
rotees 3, 4 et 5 appuyaient la face op^ 
posce; on se souvient que pareils ap^ 
puis furent constates ä la sepulture N" 9^ ^ 
mais avec cette difference essentielle^ 
qu'il s'agissait alors de simples planches - 
laterales, non comme ici d'un veritable 
cercueil. Ces cales fönt naitre Tidee 
d*une base arrondie, donc d*un tronc d'arbre creuse, mais, dans ce cas, on 
ne s*explique pas facilcmcnt la regularite des angles, les parois verticales, 
ni le peu d*epaisseur de ces parois essentiellement aux extremites. 




Fig. 



18. Sepulture N* 19, 
10 mars 1898. 



Sepulture No 20, La Tene II. Le plan de cette sepulture, fig. 19, övitera 
de decrire fosse et cercueil; ce dernier est tout semblable au N" 19, ä Tex- 
ccption des pierres, et le corps, celui d*un jeune sujet, est couche dans la 
position habituelle, t^te au N. N-E. 



I 1^ - ^ . ü^Ja - 



3i 

Les objets par contre m^ritent de fixer rattention ; peu nombreux et 
: peu de valeur artistique, ils offrent cependant des particularites de reel 
Leret. 

C'est d'abord (fig. lo, c), une petite perle de verre, trouv^e pres du 
äne au-dessus de Tepauie gauche; cette perle ma^^sive de 8 mm de diametre, 
; couleur jaune clair, est decoree d'une ligne bleu fonce en spirale. En i 
g. 10, c), I'objet est represente vu d'en haut, en 2 lateralemcnt ; nn ob- 

servera ä sa partie inferieure 

^.,-..0"*;^....^ Tamorce tr^s nette d'une petite 

tige de verre, qui s'emboitait peut- 
etre dans une epingle de cheveux, 
en bois ou en os, Que cette hypo- 
th^se soit exacte, qu'elle soit fausse, 
il importe de souligner que la perle 
etait absolument isolee et qu*elie 
n'est pas percee; on ne s'expli- 
querait donc gucre autrement son 
usage. 

Lln objet plus enigmatique est 
celui qLie reproduit Iv croquis c de 
la figure 19; il fut trouve vers le 
milieu et ä quelques centimätres 
du femur droit, entre cet os et la 
paroi laterale du cercueil. C'est 
une feuille de bronze, tres mince^ 
repliee en deux parties egales, et 
dont les extremites arrondiesetaient 
reliees Tune a Tautre par trois pe- 
tits clous de bronze, Ces petits clous 
ä t^tes arrondies et ä pointes re- 
courbees. sont exactement sem- 
blabies ä ceux qui, dans certaines 
fibules, traversent et fixent les dif- 
ferentes parties des chätons sur 
disques plats (comp, ci-dessus 
Sep. N*^ 16, fig. 12 et 13; Sdp, 
N" 29; etc) ; l*nbjet c|u* entourait 
la feuille de boni^e ne peut guere 
Te qu' une courroie, une ceioture peut*<^tre. 

Deux fibules de fer, nettement La Tene II, furent recueillies Tune pres 
? Tepaule droite, Tautre pres du coude gauche du squelette. La premiere, 
l 19, a, est moins interessante par sa forme typique, tres allongee, que 
ir le tissu encore adherent ä Tobjet et conser\'e par Toxyde. Le croquis a 
'. 10 montre la fibule sans dessus dessous; son ressort et son arc sont 



<- 



l> P^^ 









19, Scpulture N" ao, it mars i8g8. 




3g 

masqu^s par le tissu, lequel est encore traverse par tipingU: le croquis b 
flg. lo donne un detail agrandi et cotä de la trame de ce tissu, sur lequel 
je n'ai pu indiquer une foule de petits fils, entrecroisds en tous sens. Idle 
doute n'est pas possible : il s'agit d'un reste du manteau, retenu sur T^paule 
droite, et dans lequel le corps etait enveloppö. La seconde fibule est cn 
tr^s triste 6tat; le croquis b, fig. 19, suffira pour en indiquer la forme. 

Sepulture No 21, La T^ne L Le plan, fig. 20, montre la fosse et en: 
e— f— h— g le cercueil, qui renfermait un squelette d'enfant absolument reduit 

en poussiere ä l'exception du cräne; 
le Corps avait €t€ couchö suivant le 
mode habituel. tdte au S. S-0., et 
n'etait accompagnä quc d'une seule 
fibule de bronze, trouvte sur le milieu 
de la poitrine, ä 8 centimfetres au- 
dessous du menton. L'objet est brise, 
mais ^a restitution ne fait aucun doute; 
les croquis figures 20 et 21 dispen- 
seront de le d^crire. II faut par contre 
s'arröter au cercueil, qui präsente 
quelque particularit^s nouvelles et 
assez curieuses. La trace e— f—h-g 
semble 6tre celle du couvercle hori- 
zontal, I6g6rement arrondi ä son ex- 
trdmitd N. N-E., plus large et un pe>i 





Fig. ai. Sepulture N« ai. 

plus long que le cercueil, lequel s- - 
rdv^le immediatement au-dessous paJ-^ 
de nouvelles traces rectilignes: 1— n-^ 
— o— n. Les parois laterales sont verti-' 
cales, les extr6mit6s au contraire sont:^ 
obliques, de teile sorte que le fond du cercueil presente la trace: i-k-q-p. 

Sepulture No 22, La T^ne II. Cette sepulture de femme est une des 
plus .interessantes de la necropole. J'ai montrd pr6c6demment (comp. An- 
zeiger 1901, p. 27, Fig. 29), la fosse degagee et transformee en petite butte 



Fig. 20. Sepulture N" 21. 16 mars 1898. 



33 



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t. S<5pulture N** 22. 16 et 17 mars 1898, 



pour Texamen; la figure 22 en 
SeßJ\f-2Z, donne le plan avec celui du cer- 
cueil et du squelette qu'il ren- 
fermait, 

On voit que le corps, Oriente 
du N. NE. au S. S.-O., avait ti€ 
couche sur le dos dans la Po- 
sition habituelle d'ensemble et 
de details; le cercueil qui se 
rötr^cit leg^rement vers les pieds, 
a des angtes tres nets, des faces 
laterales parfailement rectilignes 
et verticales; Tarnte centrale, in- 
complete, et la forme triangulaire 
de Fextremite du N. N-E., sem- 
blent indiquer un couvercle en 
dos d'äne arrete de ce cöte en 
pan oblique. (Comp, ce qui a 
etd dit au sujet du cercueil 
N° 18.) 

Les objets sont peu nom- 
breux mais importants, Sur la 
poitrine deux fibules de fer^ a, b, 
placees de droite et de gauche 
au-dessous de chaque epaule, 
tellement brisees et abimees par 
la rouille, qu*il n'est possible 
d'en restituer qu'une d*une fa^on 
quelque peu süre (Fig. 23I Etant 
donne 1 etat d'oxydation des 
debris de cette fibule, on com- 
prendra que je ne puisse es- 
quisser qu*une resdtution des 
lignes generales, mais celles-ci 
sont exactes; la seconde agrafe 
devait £'tre, tres probablement, 
du m^me type La T^ne IL 

A la taille se trouvait une cein- 
ture de bronze, avec les crochets 
encore passes dans les anneaux, 
teile que la defunte la portait 
lorsqu*elle fut mise au tombeau; 
cette ceinture etant exactement 
semblable ä celle de la sepuU 



--> 




ture N** 8, je renvoie ä TAnzeiger 1901, fig, 32, page 29, aux textes pages 
30 et 108, enfin aux restitutions planches VII et VIII sur un torse de femme 
drape, et n'ajo'-Jterai qu'une seule remarque. Si Ton examine la faible saillie 
des crochets, ä peine recourbes, il laut se demander comment les ceintures 
pouvaient rester en place, comment elles ne tombaient pas ä chaque mouve- 

ment un peu violent du corps. Lapre-j 

Sf^j^'i^. ^^ ^^^^.^-r'-w:- "f miei-e explication qui se presente ä 

^ !^ ^ j. Tesprit, c'est qu'il s'agit de ceintures j 

n||j^c4 ^V^^\\^^ dapparät, non de parures qui se por- 

j. -^ T^"* -^^^^^f taient habituellemenl; mais cette expli- 

i '/ cation n'est gu^re satisfaisante, en cej 

I . sens que nous retrouverons an croch 

Fig. 23. S^pulture N'^ 22. tout semblable au ceinturon de TepeeJ 

du guerrier N'' 26. Je dois me bornerj 
ä attirer Tattention sur ce probleme sans le resoudre» et ä observer quel 
toutes les ceintures de bronze, tres nombreuses, trouvees dans nos s^pulturcsj 
de Fepoque de La Tene possedent des fermetures analogues. 

Un objet tout petit, mais dont la presence meme et Templacement sont] 
de la plus grande valeur archeologique, est une petite monnaie massaliotel 
d*argent (d sur le plan fig. 22}, trouv6e ä Textremite inferieure du bassin, dul 
cöte droit; la cernure de Tobjet est exactement marquee sur Tos par unej 
legere teinte grise, due au contact du metal. En comparant la position desl 
phalanges de la main droite, qui reposait sur le sommet et du cöte interieuri 

du femur, on peut emettre rhypothdse tres! 

I p- probable que cette monnaie avait ete placeel 

'j|^^|^^; ^jSB\ dans la main ou sous la main du cadavrej 

^^^B u(^^ ^^ ^^' ^"^ ^o^l^i^^ Tavers, la fig. 25 le r^l 

\k^^fr^ ^^^^ vers de la monnaie en question ; dans motii 

„Journal", p. 81 > je Tinscrivis comme unel 

^* ^' ^' obole massaliote du type dit „ä la roueij 

S<*pulture N^ 22. analogue au N** 580 de T Atlas des monj 

naies gauloises et massaliotes du cabineti 
des Medailles, tr^s semblable ä celle trouvee en 1848 ä Aaregg et que kl 
Bonstetten a reproduite ä la planche V, fig. 11 du I Supplement de ionj 
Recueil d'Antiq. suisses* 

A difterentes reprises dejä, des monnaies massaliotes avaient ei6 Jf*j 
couvertes en Suisse dans les sepultures de l'epoque de la T^ne; on coniT 
prendra tout Tinter^t de cette oäoie au mort dans une sepulture de tj| 
nettement La Tene II, le rite funeraire, les rapports avec la Marseille \ 
qu*elle laissait entrevoir; tout en admettant» cela va sans dire, que la 
naie ait pu circuler longtemps avant d'etre deposee dans la main du cofpj 
N"* 22, il importait donc de fixer si possible Fepoque de la frappe, pourob-j 
tenir de la sorte un jalon chronologique. Voici les renseignemenis »^^^1 



ressants que plusieurs archeologues et numismates distingu^s eurent la grande 
obligeance de me donner ä ce sujet. 

En date du 30 mai 1902, Mr. Adrien Blanchet ra*ccrivait: 

„, . * II n'est pas douteux que nous avons lä une obole massaliote de 

beau style, qui porte peut-^tre les lettres fI^4P o\x 9 pr^s de Toreille (peut- 

6tre une signature de graveur); les lettres derriere le cou, dont on connait 

plusieurs groupes (en particulier le groupe ^ yi), seraient plutöt des diff^- 

rences d'emissions. Quant ä la date, ce qu*on a dit jusqu* ä ce jour equi- 

vaut ä peu de chose; si la tete est bien du style du N^ 580 de Y Atlas, je 

la placerai aux III^— IV«? si^cles avant notre ere (vers 330— 260). Je ne crois 

pas qu*on puisse la faire descendre plus bas, et j*ai de bonnes raisons pour 

ci-oire que les oboles de bon style de Massalia sont plus pr^s de 400. Mais 

d^ lä ä conclure que la tombe est de cette epoquc, ü y a un pas; la mon- 

na^ie a pu circuler pendant un siede avant de se reposer comme obole du 

mort. Vous savez du reste qu*on a trouve de grandes quantites de mon- 

n-^es massaliotes dans les regions de Berne, pres de Gen^ve, dans le Valais, 

pr~^s de Cöme, dans les Cantons du Tessin et des Grisons (G. A. Oberziner, 

f^^eti in relazione cogli antichi abitatori d* Italia, Roma 1883, p. 228). La Tiefenau 

(Ä^usee de Herne) a fourni aussi des monnaies massaliotes en bronze et des 

ofcjoles . . . /' etc.» etc. — Et en date du 2 juin 1902, Mr. Blanchet avait en- 

crcz^re la bonte de resumer ses impressions de la (a^on suivante: 

„Je considere avec certitude cette obole de Massalia comme anterieure 
^ Tan 200 avant notre ere, mais je fais des reserves pour une date plus 
^*-3icienne parceque je ne puis, vu TcHat du droit, juger du style de la tete 
^^"Apollon." 

Mr. Salomon Reinach: „II n'y a pas le moindre doute que cette mon- 

*^aie soit massaliote (voir La Tour, Alias des monnaies gatäoises, PL II). 

-^^lais la Chronologie des monnaies d*argent de Marseille est une des questions 

'^^s plus discutees de la numismatique gauloise; les opinions flottent entre 

Z^oo et 50 avant J* C. Donc ce sont les fouilles de Vevey qui pourront aider 

^ dater ces pi^ces, et non inversement" 

Mn Jos. D^chelette, conservateur du musee de Roanne et directeur 
^es fouilles au Mont Beuvray : „Cette monnaie est bien, comme vous I'aviez 
pense, une obole massaliote, portant au droit une tete ä gauche, au revers 
M^ dans les cantons d'une croix ou d*une rouelle. J*!gnore si les plus 
recents travaux de numismatique grecque ont permis de determiner exacte- 
ment Tepoque de Temission de ces oboles, que Barclay W. Head (Historia 
Numorum, p, 8) classait ä la deuxieme periode du monnayage massaliote, 
environ 350 ä 200 avant J. C. Mais il est certain que la circulation de ces 
oboles etait encore abondante dans la Gaule centrale au commencement du 
V^ siecle avant Tere chretienne, puisque les r^coltes monetaii*es du Moni 
Beuvray comprennent 22 exemplaires, d'ailleurs Trustes, de ce meme type 
(comp, ma notice: Monnaies antiques du Mont Beuvray, p* 24)." 




3Ö 



Mr. A, de Molin, cODservateur du musee d'archeologie et du medaillier, 
ä Lausanne; 

,^Cette pi^ce est une obole massaliote. EUe est diente comme suit dans 
Mionnet T, h p* 73, N^ 141 : Tete d'ApoIlon Delphinien, ä gauche. Revers: 
Aire divisee en quatre; dans une des divisions : M, dans une autre: v^, Voir 
aussi Mionnet, Nee. des planches, LXI, 4 et Supplemeni T. I, pl. X, 5, et 
Ducholais Description des medailles gaiäoises p, 30, N* 63, II existe aussi des 
imitations barbares de cette pi^ce. D' apres son type, eile me parait 6lre 
de repoque alexandrine entre 300 et 200 avant J, C. Je n'ai pas trouvt' 
d*analogies pour T / sans barre; je ne pense pas qu*on puisse en tirer un 
indice chronologique." 

Mr. le Dn J. Heierli et Mn le Dr. K. Stückelberg, ä Zürich: 

„Ich teile Ihnen vorläufig die Bemerkung des Herrn Dr, E. Stücket 
berg in Bezug auf die photog. Münze mit. Er schreibt: Fragliche Münze 
ist eine Teilung der Drachme von Massilia (Av. Kopf des Apollo, Rev, M i 
in einem Rad), Head, Histon Numorum, datiert die Originale zwischen 350 
und 200 vor Chr. Da aber die kelt. Völkerschaften diese Münzsorte in 
vielen Variationen nachahmten (vgL Münzen der Tectosages), kann ein ge* 
naues Datum des vorliegenden schlecht erhaltenen Exemplares nicht festge- 
setzt werden." 

Mr. le Dr. II. Zeller-Werdmüller, membre de la commission du Mui 
national suisse, ä Zürich : 

„La monnaie que vous avez trouvee, et dont Mr. Heierli m*a montr*] 
la Photographie, est sans doute une imitation gauloise d*une monnaie de Mj 
seille» et date des 2 ä iV« siecles avant Finvasion romaine. C'est ce qu< 
j*avais dejä dit ä Mr. Bron, avant de Tavoir vue." 

Enfin Mr. M. Barbey, ä Veytaux, qui avait longtemps cru que la mo^ 
naie etait d'une date tr^s posterieure, me communiqua la determination 
proximative suivante, qu'il avait re^ue de Marseille et ä laquelle il se rangeas' 

„Obole massaliote de la cinquieme epoque, au type d'ApoUon (500 en* 
viron avant J. C). Les caract^res du droit sont probablement relatifs 
au nom du graveur, et cette particularit*^ se presente quelque-fois sur les 
monnaies de cette epoque." 

Des opinions qui m'ont ete obligeamment donnees, il semble resukcTj 
que la monnaie trouvee dans la sepulture N^ 22 est antericure ä 200 av; 
J. C<; d'autre part. en tenant compte d'une circulation assez longue peut- 
etre, on peut conclure, trvs approximaiivement, qu* eile a ett^ placee dans U' 
tombe vers le commencement du deuxieme si^cle avant Fere chretienne. 
Cette Hypothese ne concorderait pas mal avec la duree admise dans noti 
pays pour la periode La Tene 11, soit, tres approximativem ent aussi, de 
ä 50 avant J. C, et avec le fait que les objets trouves ä Veve^' dans les 
sepultures La Täne 11 semblent se rattacher au debut de cette periode pIutiM 
qu'ä sa fin, 




■'-7im.mr-'^ 



S^pulture N° 



cfij^A'r-M. 



Le dernier objet ä mentionner est une bague 
d'argeat, fig. 26, recueilÜe ä l'une des pbalanges de 
la main droite ; eile est tres semblable ä Tune des 
bagues d'or du corps N" 9 (Anzeiger 1901, p. 107, 
fig. 64 1), et presente le type frequent de Tanneau 
massif ä fil cylindrique. avec im enroulement en 
double Spirale. 

Sepulittre N^ 2j, La Töne I. C'est une sepul- 
ture d'enfant, en terrc libre; le petit squelette, de 
90 centimetres de longueur ä peu 
pres» Oriente du N. N-E. au S.S-O,, 
est couche dans la positiön habi- 
tuelle* 

Au milieu de la puitrine quatre 
fibules de bronze etaient disposees 
en losangu, d'une fa^on parfaite- 
ment symetrique et reguliere ; ces 
objets sont 
defortjolis 
specimens 
La Tene l, 
quelescro- 

quis ci- 

contre, 

fig, 27, me 

dispense- 
ront de de- 
crire. 




sr7. S^ptiJture N*» 23. 18 mars 1898. 



J^ m- n^ 



Scpul- 
iure N^ 2^, 
On ne sau- 
rait dire ä 

poque se rattache cette s^pulture. Le sque- 
jlui d'un homme äge mais de petite taille 
dont Position et orientation sont les ni^mes 
23, avait ete couche dans un cercueil sans 
ntrale, sans traces triangulaires aux extremites, 
es angles etaient legerem ent arrondis (fig. 28). 
fait d*objets, une simple boucle de bronze 
a), trouv<^e sur le bassin qu'elle avait forte- 
nt6 en vert ; cette boucle a tres probablement 
ier la ceinture des braies. 




^^'- 



5->v^t?^, 



Fig. 28. SepuUure N* 24. 
19 mars 1898. 



38 



& 



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t^ 1^: 



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ty.Jrö.- 



Fig. 29. Sepukure N*^ 26. 21 et 22 mars 1898, 



Sous ta mächoire inferieure 
un anias de fer rouille, absolu- 
ment informe, indiquait ce qiu 
fut une fibule; U est impossible 
de restituer cet objet, ni en con- 
sequence de definir T^poque de 
la sepukure. 

La Sefmliure No 2$, enterre 
librei est celle d'un enfanL Le 
petit squelette, de 90 cm de Ion* 1 
gueur, est Oriente du S, S-O. au! 
N. N-E., einesiac€omp<igi%ti(^\ 
am objet qtie/conque ; impossible j 
donc de dire ä quelle epoque il 
remonte. Si je m'arrdte ä cettej 
sepulture, c'est precisenient poui 
faire observer que Ton 
trouver, cöte ä cöte, des cor 
d'adultes ou dVnfants avec 
nombreux objets, avec ou 
cercueils, et d'autres sans qu 
que ce soit, C'est un fait qu^ 
nous constaterons encore 
d autres sepultores. 

Septilhires N^ 26. Cettei 
pulture de guerrier, La T^ne I 
est aussi int<§ressante dans 
genre que la sepulture de femd 
N" 22. 

Le plan detaille, fig. 29, 
fira pour montrer la position 
rorientation du squelette, 
forme generale du cercueil legei 
ment arrondi aux angles et 
va se retrecissant vers les pie 
enfin remplacement des objei 
On notera que le bras droit ^ 
absolument cache sous les ar 
depösees apres coup dans lecft' 
cueil, et qu' ici Tavant-bn* 
gauche est etendu, Que ce^ 
en le mettant dans la fosse, ^^\ 



ce soit par un affaissement quelconque du terrain, le cercueil s'etait legere- 
ment incline du cöte occidentaP); le couvercle horizontal ne possedait ni 
arete centrale, ni aretes triangulaires ä ses extremites ; on ne trouva pas de 
petits las de charbon, comme cela avait ^te le cas dans la sepulture du 
guerrier N*^ i6. 

Les objets recueillis sur le squelette ne sont pas nombreux, mais im- 
portants. En: a, a\ a^, a*, est une epee de fer dans son fourreau, de fer 
egalement. Le guerrier, je Tai dit, ne la portait pas lorsqu* il fut inhume; 
on la pla^a sur son bras droit, le sommet de la poignee atteignant presque 
Tepaule, et le ceinturon fut enroule autour du fourreau. II peut etre inte- 
ressant d'indiquer qu'emplacement et position de 1 epee repondent exactement 
ä ce qui fut observe en 1890 par Bianchetti dans les sepultures gauloises 
d'Omavasso ; ä Ornavasso encore, comme ici, les lances gisaient pr^s des 
epees'), En: b est l*armature de fer d'un bouclier, lequel recouvTait les 
jambes et la partie inferieure du corps, En : c, sous le bouclier, est un fer 
de iance, la potnie tountce en bas; la douille a conserve un reste du bois de 
'a hampe. A cöte du fer de Iance, en c^ nous voyons rextremite inferieure 
<^e Tarme, la bouteroUe, doni la pointe est egalement toumie en bas; le pro- 
longement allonge de ce ferret s'engageait dans la hampe et en a conserve 
quelques vestiges, Enfin en: d et en d^ pres de chaque epaule, une fibule 
de fer. 

En vue de comparaisons futures, il ne sera pas inutile peut-6tre d*ex- 
P^iquer ce qui a du se passer lors de rinhumation. 

Le cadavre, enveloppe dans un manteau dont nous examinerons le tissu, 

^^t couche dans son cercueil et le cercueil mis dans la fosse avani dy de- 

Poser les armes, Etant donnes les mouvements que subit un cerceuU lorsqu' on 

*^ met en terre, les armes n'auraient pu rester aussi exactement et reguliere- 

^ent placces qu'elles furent trouvees, si elles y avaient ete d^s le di^but de 

■^^ Operation. La premiere arme depos^e fut la Iance. Que ce soit parceque 

^ette Iance etait trop longue pour entrer dans le cercueil, que ce soit plutöt 

pour accomplir un rite funeraire, on en brisa Textremite inferieure, qui fut 

placee parallelement et ä cöte de la portion principale. Une constatation 

toute semblable que nous allons faire ä Tepee, me permet de formuler Thypo- 

these d'un „rite funeraire'* ; la coutume de briser parfois les armes deposees 

dans les sepultures a d'ailleurs ete observee soit en AUemagne, soit en France. 

On placa ensuite l'epee sur le bras droit apres en avoir brise ta poigftee 

et apres avoir enroule autour du fourreau la courroie du ceinturon : ces deux 



*) Pour ne pas allonger outre mesure le texte, je dois rcnoncer ä consigner, pour 
cctte sepulture comme pour les aiitres, toutes les observalions qui me permircnt de res- 
tituer les formes et les d6formations accidentelles des cercueils, et renvoic ä mon ^Journal 
d€S foHÜles*^, comp, Anzeiger 1901, p* 15, note i. 

•) Bianchetti : / stpoicnH äi Ornavasso (Atti della Societä di Arche oL e Belli arti di 
ToTino, Vol VI), Cit6 par Mr. J. Dechelette dans: Montefortino et^ Ornavasso, Revue 
Ärch^olog. 1902, I. 



4Ö 



faits sont positifs, L'epee et sa poignee furent trouvees comme figun 
le plan \f\g. 29) , mais la poignee montrait une brisure compl^te, franchcj 
nette, sans bravures ; cette poignee brisee fut ensuite replacee dans sa po 
sition originale. II est impossible que cette brisure seit accidenteile» car riei 
dans la couche de poussiere de bois du cercueil, rien dans les os ai dam 
les objets environnaots n'ctait derange; tout etait exactement en placi 
jusqu' aux deux petits anneaux de bronze, de droite et de gauche de ti 
bielle du fourreau, ä Tendroit precis oü ils devaient etre. Nous verroa 
tout-ä-rheure quels indices m*ont permis de reconstituer renrouleraent^^l 
courroie du ceinturon autour du fourreau. ^H 

Ce n*est qu>n dernier lieu que le bouclier fut pose sur les jambes 
la partie inferieure du corps, tel que le guerrier le tenait au repos: man 
titution (comp, le plan fig. 29 et la fig. 32) basee soit sur remplacemefl 
bien defini de rumbo, soit sur les dimensions du vide interieur du cercuaj 
semble confirmee par la statue bien connue du guerrier gaulois au Musö 
Calvet ä Avignon. 

II vaut la peine d'examiner les objets les uns apr^s les autres- 

La planche III reproduit Tep^e dans son fourreau» teile qu eile lu 
trouvee et teile qu'elle est expost^e au Musee Jenisch, ä Vevey; Fextremi* 
inferieure, brisee en menus morceaux, etait malheureusement en si triste tt 
qu'elle n'a pu ^tre conservee et qu' ü a fallu la restituer approximativem^ 
ä Taquarelle; les boucles et le crochet qui accompagnaient le fourreau 
egalemenl: ete disposes comme lis furent trouves (comp, le plan, fig. 29K 

En parlant de Fepee du guerrier N** 16, j*ai dejä compare les sommc 
des deux fourreaux reproduits sur la planche III, et j'ai fait observer qi 
Tarme de la sepulture N" 26 est nettement La Tene II; cela concorde ava 
les deux fibules de fer dont nous aurons ä reparlen Ce qui frappe ensuiU 
ce sont les traces tr^s nettes de Ja courroie du ceinturon enroulee autd 
du fourreau; le ceinturon se terminait d*une part par la boucle a*, d'auö 
part par le crochet a^; des courroies secondaires, partant des deux boucW 




r^ 



I- 



40 



so 



m üf<> 



Fig. 30, Sepulture N** a6. 



a" *), de droite et de gauche de la bielle, etaient rattachees au ceinturon 
servaient ä suspendre l'arme, La fig. 3o donne un essai de restituDon * 



*) Boucles a*: diam. du vide interieur, 17mm; boucle a": diam. interieuri isnn^ 



'Se^/^ne 



u^ 



t- 



.„4r 



Tep^e teile qu'elle fut deposee dans le cercueil, avec le ceinturon enruule 
autour du fourreaii; cette restitution ne pretend pas etre exacte jusque dans 
les moindres details, mais peut etre admise, je crois, dans ses lignes essen- 
tieHes. Elle a ete etablie d'apres un modele de bois, sur lequel fut enroulee 
une courroie en suivant les traces relevees sur l'original, et en y fixant les 
ucles et le crochet; pour se rendre compte ensuite du müde de Suspension, 
tout fut deroule et adoptc ä un homme de m6me taille que le corps 
' 26'). 

J'attire specialement Tattention sur la poignee de 
l'epee, tout-ä-fait originale, tres rare chez nous, dont la 
fig. 31 reproduit un crnquis cote. On y remarque deux 
parties nettement distinctes: la poignee proprement dite, 
de 9 cm de loogueur, sur laquelle la brisure est marquee 
par une ligne horizontale, et le pommeau, absolument 
independant, on pourrait dire superflu, qui n*a qu'un röle 
purement decoratif. Ces deux parties sont separees par 
deux cornes saillantes, recourbees, qui se terminaient 
probablement en petites boules ; les extreinites attaqut-es 
par roxydation sont brisees, mais les amorces, bien con- 
servees, sont süffisantes pour se rendre compte de leur 
forme generale. Sans remonter jusqu* aux epees „ä an* 
tennes". de la derni^re phase de l'äge du Bronze, on 
croirait reconnaitre dans ce type de poignee une sorte 
J'lg, 31. S^pulture N<*26. de transition entre le modele usuel de nos epees de La 
P Tene et celui de la periode de Ilallstatt. On observera 

encore sur la poignee des facettes et deux trous, Tun en haut. Tautre en bas, 
en relation certaine avec la garniture d'os, de bois ou de cuir, qtu a naturelle- 
ment disparu. La partie superieure est egalement ä facettes, et devait etre 
recouverte de petites piaques d*os. Tres instructif ä cet egard est le couronne- 
ment circulaire du pommeau, qu*on lexamine lateralement ou par dessous ; 
on voit que le fer se recourbe de fa^on ä maintenir le revetement de la tige, 
et que ces ailerons sont en outre munis de pointes. Avant de quitter Tepee, 
il faut ajouter que cette arme, fortement comprimee contre le bras droit et 
le corps du cadavre, avait conser\^e sur la partie inferieure du fourreau des 
empreintes tres nettes d*un tissu ; ce tissu, dont nous retrouverons un frag- 
ment encore adherent ä l'une des fibuJes. presente la raöme trame que les 
echantillons des septiltures N"*" 15, 18 et 20 (comp, fig, 10), et que les quelques 
lebris reunis sur la PK III pr^s de Textremite inferieure de l'^pee. 

La lance ne presente aucune particularite qui ne se retrouve dans les 
nombreux echantillons de nos musees, aussi les reproductions du fer et de 
la bouterolle, PL 111, peuvent-elles se passer de coramentaires ; on pourrait 



') Une discussion d^taill^e de la restitution r^um^c ci»dessus sc trouve ä la p, 95 ^i» 
Journal des fouillcs*» Couip« Anzeiger 1901, p. 15, note i. 



42 






tout au plus indiquer que le ferret inferieur n'est pas arrondi, qu'il est 
legereiiient appointi, de maniere ä pouvoir ficher Tarnie en terre, Le fait 
que cette lance a ^te brisee et que les deux pardes ont ete depos^es tmt 
ä cöie de l'mtire, ne permet pas de calculer la longueur totale; dans mon 
essai de restitution j'ai admis que cette longueur devait etre de deux metres 
environ. A en juger d^apr^s les calculs irts precis de Bianchetti pour les 
lances des necropoles de Persona et de San Bernardo *), cette dimension 
serait ä peu pr^s exacte; Bianchetti a pu etablir que la Iong:ueur totale de 
ces armes etait de 2 m 15. 

Le plan, fig. 29, indique en: b remplacement oii tut trouve Tumbo du I 
bouclier, et j'ai dit plus haut ce que i'on en peut conclure au sujet de li 

restitution du bouclier lui-meme, au sujet dcsaj 
forme et de ses dimensions {comp. fig. 32|, 
La pianche IV montre las faces inti^rieure dl 
extcrieure de Tarmature de fer. telles qu*elles 
se prcsent^rent apres que j'en eus rapprochc. 
et recoUe les debris; il faut se häter d^ajoulerj 
qu' avant de se briser Tumbo avait ete deforn^ej 
par TefFondrement des terres, et qu' il fallul 
recoUer avec ses deformations. — La fig* 33 enl 
donne un releve geometriquei d essin sur lequdj 
les restitutions en pointilles n'offrent aucun douleJ 
un des rivets, qui fixaieot la grande plaque de' 
fer au centre du bouclier existe encore en place, 
I'autre est tombe niais son emplacement 
marque par un trou. On notera aussi sur h\ 
pianche IV les restes de bois et de cuir encore i 
adherents ä la face Interieure de Tumbo, tel 
courbes trts accentuces des ar^tes laterales» ti\ 
le fait que les dimensions de cette armature sonlj 
plus fortes que celles de la plupart des echan-j 
tillons analogues trouves dans nos contrees. 
Si les umbos de fer dccouverts ä La Tene presentent l^avantage d'une 1 
conservation remarquable, ils n'ont pu fournir d'indices precis pour les fonnes j 
et les dimensions des boucliers eux*memes. Dans son bei ouvrage ^LaT^flcj 
un Oppidum Helvete", p. 27, Mr. le Dr, Victor Gross dit. avec raison je crois, 
que ces boucliers etaient faits de bois^ ä en juger du moins par le desslfl j 
que les fibres ligneuses ont imprime sur la rouille des plaques de fer; ä ] 
ajoute en note qu'ils etaient de forme recfangulaire, comme ön a pu s"efl 
assurer, dit-il, par la statue de Montdragon (Musee Calvet, ä Avignon*. " 
y a erreur; c'est precisement sur la forme legt^rement ellyptique de rexcrnpit 
cite qu'a ete base mon essai de restitution fig. 32. 



:r i 



V 



S^püllure N^ 26. 



') Comp, page 39, note 2- 



PI IV. 




Face exten eure. 




Sepulture N° 26. L'umbo du bouclier. 



^«jj|£f fiar ftchwci£* ALLtrlumakuntlr, jgoa tgo^, Sr. i. 




X 
^*ß' 33- Scpulture N"* a6, Relevä geometrique de TüiTibo. 



dier ä la hauteur des ß^eptottx d'mi squeleiie. II rapporte aussi que Wylie, 
fouilla lui-meme les tombeaux de Fairford, montre sur la derniere planche 
Son ouvrage „Fairford graves'^ Tumbo d*un bouclier entre les deux 
»es d*un goerrier, ä la hauteur du genou; le m^me afVirma ä Tabbe 
let que huit boucliers de Fairford furent tous trouves sur les genouXp 




et quAkerman en 1853, etant ä Harham-Hill, avait vu recueiUir un uu 

sur les genoux dun squelette saxon, absolument comme ä Fairford. 11 1 
evident que ces rapprochements n'ont guere de valeur directe, praüque. pour 
nos sepultures de l*epoque de La Tene ; alles n'en montrent pas raoins, peul 
etre» une coutume aoalogue, qui se serait conservee longtemps et dans des | 
pays tres eloigncs les uns des autres. 

Les emplacements oü furent trouvees les deux fibules de fer: d et d\ 
ont ete marques sur le plan fig. 29, et leurs debris ont ete reproduits sur la 1 
planche III; ces epingles etant tres semblables ä Celles de la sepulture N'20,| 
il sufiira de comparer rechantilion a, fig. 19, et d*ajoüter qu' elles presentaient 
toutes deux une forme plus allongee encore, des ressorts plus lortemcnt 
developpes (44 mm)^ L'interet principal de ces objets, brises en menusmur- 
ceaux, est d'une part de fixer la periode La Tene II ä laquelle se rattadicj 
la sepulture N** 26, d autre part de nous fournir un nouvel echantillon de lissu;j 
ce tissu, encore adherent ä la fibule d (PL III) et dont la trame est identique j 
ä Celles reproduites sur la fig. 10, est tres probablement celui du mameau,! 
retenu sur 1 epaule droite du guerrier. Impossible de dire s il sagit du mameaul 
long, comme sur la statue de Montdragon» ou du manteau court, du 5a^w»«,l 
tres usuel aussi; quoi qu* il en soit, il est permis de se representer cesvtHt>j 
ments pourvus de longues franges et teints de couleurs vives, qui excitaienJ 
I'admiration des Romains. (A suivrcl 




i^andgemälde in der Kirche von Fehraltorf, Kanton Zürich. 

Von y. R. Rahfu 



Es ist öfters darauf hingewiesen worden, wie vielerorts am Vorabend 
tr Reformation teils neue Kirchen erbaut, teils die bestehenden mit Bildern 
nd anderweitigem Zierat geschmückt worden sind'). Dies bestätigt ein 
euer Fund, der in der Kirche von Fehraltorf gemacht worden ist. Spuren 
on Wandgemälden hatte Herr Pfarrer R. Lindemann daselbst schon früher 
wahrgenommen, jetzt ist ihm der Hinweis auf eine vollständige Ausmalung 
es Kircheninneren zu danken. 

Hier wie in der benachbarten Kirche von Ilnau ist der Chor im Fuss 
es Turmes gelegen, ein quadratischer Raum, über den sich ein kuppel- 
rtiges Flachgcwölbe von 6,22 m Scheitelhohe spannt. Ein weites Fenster 
n der Ost wand stammt trotz der Korbbogenform aus älterer Zeit, denn 
eine Leibungen waren mit Bildern geschmückt, die mit den übrigen ent- 
tanden sind. Ein schmäleres an der Südseite ist spit /.bogig und mit Nasen 
esetzt Noch älter als der Chor, vermutlich ein romanischer Bau, ist das 
►chiff, denn zu beiden Seiten des Mittel fensters an der Nord- und Südwand 
ind kleine vermauerte Rundbogenfenster zum Vorschein gekommen. 

Wie überall, sind auch hier die Bilder unter der Tünche verschwunden, 
Einige Bibelsprüche im Chor waren der einzige Zierat, der die Wände be- 
rf>te, Schrift und Rahmen, der letztere mit einem Nagel befestigt, waren im 
»til des XVIL Jahrhunderts gemalt. 

Aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts mögen die wieder aufgefundenen 
milder stammen. Auf einem breiten, einfarbig mennigroten Streifen, der 
,55 m über dem Boden den Chor umzieht, stehen die annähernd lebens- 
Tossen Apostelfiguren von Bandrollen umwallt, die in spätgothischer Minus- 
elschrift die Sprüche des Credo enthalten, Von Attributen waren zur 
-inlcen des Ostfensters der Kreuzstab (Philippus) und am Westende der Süd- 
^'and die Streitaxt des hL Matthäus zu erkennen. Die frischfarbigen Ge- 
'''äader waren grau und das kräftige Incarnat der Köpfe mit Braunrot ziem- 
^fc voll modelliert. Die Hintergründe waren verschieden: einfarbig hellgrün, 



') fm Kanton Zürich: Scegräben, Antiqua. 18B5 S. 120. Seh warnen dingen. Anz. f. 
'»Weiz, Alterthnmskunde 1885 S, 196; Küsnacht L c. 1886, 294; DäUHkon l c, 1897, S. 6t ; 
^''ilang K c, 143; Vehheim l. c 1899^ S, 19a u. f . j Töss. Kreuzgang; Zürich, Grossmünster 
'^ Fraumönster» 





46 



mennig und weiss, hier mit blau gezeichnetem Damast, Auch der Sockel war 
bemalt, denn an der Nordwand gebt von der Fussborte unter den Aposteln 
ein senkrechter Streifen ab, der mit ihr zwei Felder» das eine von hellgelber, 
das andere von grüner Farbe begrenzt. Gleiche Borten, halb mennig, halb 
braunrot sind ringsum waagrecht unter der Decke und um die Stirnfronlen 
und Leibungen der Fenster geführt, hier von einem schwarzen Strich mit 
Perlsaum gefolgt. An den Wandungen des Ostfensters setzte die Apostel- 
folge sich fort, an der des Südfensters war nur noch der Schmuck des 
Scheitels mit einer weissen BandroÜe zu sehen. Am besten war der des 
Gewölbes und des halbrunden Chorbogens erhalten. Dort nahmen den 
weissen Grund, den schwarze Ranken in eleganten Windungen belebten, 
fünf Rundmedaillons in dichter Gruppe ein. Das mittlere und grösste, das 
ein Wolkensaum in bekannter Stilisirung umschloss, enthielt Marise Krönung. 
Gott Vater und Christus hielten die Krone über der tiefer zwischen ihntn 
thronenden Madonna, die ein blauer Mantel in weitem Wurf umhüllte, Einj 
braunrother Ring, von schwarzem Striche mit Perlsaum von gleicher Färb 
gefolgt umrahmte die übrigen, w^obei diese äussere Borte mit der gleicheöj 
Umsäum ung des Miüelbildes sich schnitt. Der Grund dieser Kreise, welche 
die Embleme der Evangelisten enthielten*), war paarweise verschieden, mennigl 
in Osten und Westen und hellgrau in den zwei übrigen. Die sichbarslPi 
F'igur ist die des Engels gewesen, in weissem Gewand, dessen gothische 
Knickfalten eine sorgfältige Modellirung zeigten, mit beiden Händen ciw ; 
BandroÜe haltend, auf der in schwarzen Minuskeln die Inschrift „s. mattem* 
stand, ausserdem der braune Stier mit bunten Flügeln und einem erloschenen^ 
Schriftband zu Füssen. 

Nur noch Spuren eines grossen Kopfes mit kurzem braunem Barte] 
waren chorwärts über dem Scheitel des Triumphbogens zu erkennen,] 
den eine breite mennigrothe Borte besäumte, sehr w^ohl dagegen die Bildcrj 
an der Leibung erhalten. Auf der hellbraunroten Fläche waren zwischen zwj 
Filets in dunklerer Nuance beiderseits je fünf Rundbogenfenster über ein- 
ander geöffnet, in denen auf dunkelbraunem Grunde dte gi^aziösen Kni^ ' 
figuren der klugen auf dem nördlichen und der törichten Jungfrauen auf dem 
südlichen Schenkel erschienen, jene mit aufrechten und diese mit umgekehrt<;fl 
weissen Ampeln von der bekannten Form. Die eine der törichten Jungfrauen 
war stark decolletirt; die einfach aber schön und fliessend drapirten Ge 
wänder waren schw^arz contourirt und abwechselnd weiss, grün, rot und blau.| 
die Haare gelb, die farblosen Gesichter mit kräftigem Braunrot schattirtj 
Die bisher erwähnten Bilder sind denen in Veitheim verwrandt, wenn auc!i[ 
ungleich derber in Machenschaft und Form, 

Dass dieser Ausstattung eine ältere Bemalung des Chores vo^au5g^J 
gangen war, haben Spuren an der Südwand gezeigt. Hier unter dem 

*) und zwar in gleicher Anordnung wie in der Kirche von Rümlang: Matlhaeus Wöt; j 
Marcus Söd; Lucas Nord, Johannes Ost. 



47 

lern der Apostel am Ostende steht, traten deutlich der Saum eines 
igrothen Mantels und eines grünen Rockes, sowie die Überbleibsel eines 
en Unken Fusses hervor. Diese Teile waren mit glatten Tönen bemalt 
mit roten Umrissen in der einfach grossen Führung gezeichnet, die dem 
les XIV. Jahrhunderts entspricht. 

Soviel hatten die Arbeiten bis zum 24. Mai entblösst und die weiteren 
ickungen zu verfolgen war leider dem Berichterstatter nicht mehr vcr- 
:. Gütigen Mitteilungen des Herrn Pfarrers R. Lindcmann ist folgendes 
ber zu entnehmen: An der Westvvand des Schift^s über der Empore 
en die Spuren eines Zinnenkranzes, an den Langseiten die viereckige 
hmung der alten Fenster mit glatten Borten und Reste ausführlicher 
" zu Seiten des Chorbogens gefunden : nahe dem nördlichen Schenkel 
oben ein Kopf mit Nimbus, etwas tiefer rechts eine betende Figur und 
ter in ganzer Breite der Stirnwand eine Gruppe von Betenden und 
nden, darunter ein Bischof, Es möchte daraus auf eine Darstellung 
ängsten Gerichtes geschlossen werden, wenn dieser Deutung nicht 
litter (S. Georg?) entgegenstünde, der auf der anderen Seite zu Pferd 
ingelegter Lanze vor einem Haufen von Trümmern, Balken und Rädern 
1 den Chorbogen stürmte. Jetzt ist alles wiederum mit Tünche bedeckt. 





Notiz über Daniel Lindtmaier den altem von SchaflFhausen* 

Von J. Kaiser, 



Herr / // Bäscklin in seiner sehr verdienstlichen Arbeit über ^Schaff- 
hauser Glasmaler im i6 und 17, Jahrhundert'' (Neujahrsblatt des Kunst* 
Vereins in Schaff hausen für 1879 und 1880) sagt bezüglich Daniel Lindt-I 
mayers des altern, er habe Schaft'hausen 1557 verlassen und sei 1559 in] 
Passau gestorben. ^, Welchen Beruf er getrieben und was aus seinen Kindemj 
geworden, ist nicht bekannt/' Hierüber nun giebt das nachfolgende Schreiben] 
einigen Aufschluss, das im Siaaisarcbiv SchaffhaKsen im Korrespondenz-j 
band XI 11 als Nr. 124 sich vorfindet. Aus demselben geht hervor, dass, wiel 
mehrere seines Geschlechtes, auch dieser ältere Daniel seines Berufes Malerj 
war, und dass er bei seinem Ableben an Kindern nur einen Knaben, namens] 
Felix, hioterliess. Das Schreiben datiert vom 17, Mai 1559 aus Passau, undj 
ist von Burgermeister, Richter und Rat daselbst an N. Burgermeister und] 
Rat der Stadt Schaffhausen gerichtet. Es hat folgenden Wortlaut: 

„Fürfichtig, Edel, Eerenvelt, Erfam und Weiß^ E. F. W. feien uiifer freundtUch will 
Dienll ungefparts Fleytl und Vermögens zuvor. Befonder lieben Herrn und FreundL UmJ 
haben die Erfamen Leonhard Abend, Schreiner, und Bernhard Khirchmair, Goldschnii<Jl,l 
bed unfer Mitbürger, und weilund des Danieln Lindtmairs, Malers^ auch unfers gewcllcfti 
Mitbürgers feligen, nachgeladenen eeltcben Sones, Felix genannt^ angefcUte Vormunder undJ 
F*flegväter in Gehorfam anbracht und zuerkhennen geben, das ermelts Danielen LindtmairtJ 
seligen Eeleiblicher Vater Felix Lindtmair der Elter, E. F. W. geweller Mitbürger, 
Ptlegsones väterlicher Anherr, auch feiiger, verschiner Jar fein zeithch Leben in Gott I 
schlolTen, und berürteni Danieln Lindtmair seligen verrukhtcrZeit durch feine GeschwÜlrtgd 
und Miterben zuegefchriben und entbotten worden fey, das er sich mit b<j«11er und erllerj 
Gelegenhait anheim verfuegen, und fein väterlich und ander Erbguet richtig machen 1 
empfahen folle; welches er auch zythuen genzlich Vorhabens geweft, aber durch fein Leibs*! 
schvvachhait, damit er ein guote Z^li vor feinem Ableyben beladen gewefen, verhindfitj 
worden^ und alfo irnerörtert fokher Sachen mit Tod vergangen fey. Weil dan bcmcU^ 
Erbfchaft und Gueter durch folchen Todfaal irem bellimbten Pflegfone vermög des gütliches ] 
und natürlichen Rechtens erblich zuegellanden und angefallen, wie Inen dan dieselb dardi \ 
Mittel eines guetlichen, mit seiner^ Daniel Lindtmairs, Witiben und des Khindts eeleiblichcö 
Mueter aufgericliten Vertrags anrtatt Ires Ptlegkhindts zuerkhennt und gefprochen, dabc} 
auch zu erfueclien und dem Khnaben zum Peften anzulegen bevuhlen worden, ivurdöi 
fie diefelb ErbfchafFl dem Khind zu Nutz einzubringen Ihrer vormundifchen Pflicht s 
verurfacht; damit fie aber folches deller Ilatlicher gethuen möchten, und Inen hie 
volhgkhlich geglaubt und gönlMge Befürderung bewiefen wurde, hatten fie uns tuidcr 
Fleiß, Inen ain Furfchreiben und Urkhund, das fie berdrts Lindtmairs feiigen Khindts 1 
Väter, die Sachen auch vorerzelter Maßen zwifchen Ir (sie 1) und der Witiben abgchant^ 
wer, iinbefchwert an E, F* W, mitzutaillen geruehten. Weil wir dan folches Ir Begcren ^^ 



_49_ 

imbUch, der Erberkhait gemAÖ, und vilberörtem Khind zum Peilen gellellt fein erkhenncn, 
ikncben in khainen Zweifel fezcn, E. F. W. feien menigklich was Recht und pillich ill zu 
f«ndlen und wideifaren ze lallen, Infonderhait aber die armen verwaisen Pupillen, deren 
ich Gott im Himmel selb annimbt, göunllig zu befiirdern one das genaigt fein, fo haben 
inr Inen demnach follich Ir Anmueten umb sovil weniger waigern oder abfchlaben mögeni 
ind gelangt hierauf m Irem und des Khinds Namen an E. F. W. unfer ganz freundtlich 
iiid fleifTig Bitten und Anfinnen, Ir wollet inen oder Irem Bevelhaber, fo euch diß unfer 
chreiben förbringen wirdt^ völligen Glauben fetzen und göunllig verholfen fein, damit die 
jH>fchaOt mit dem forde rlichllen und wenigrtcni Unchoften und Darlegen (dan das Khind 
■ermag ntt vil daran zu wenden) zu Riehtigkhait gebracht^ und was dem armen Waifcn 
iurch Recht zueflendig, den Vormöndern oder Irem Bevelhaber gegen gebürl icher Be- 
allung detlcn, so man davon zu thucn fc huldig fein wir dt, unaufgehalten volgen und 
uelleen laflen, damit daffelb dem Khind zu guctcm alhie angelegt, und es fein Underhalt 
eJ\cr rtattlicher gehaben mög ; dan ime dem Khind folch Erbguet in obangezogenem» mit 
sincr Mueter gemachten Vertrag bedinglich und austnikenlich bevor behalten, und den Vor- 
lündern dalTelb zu erfnchcn und aufs Pöll: anzulegen durch uns bevolhen \i\ worden. 

chcs begeren wir, neben dem es unfein Erachten s pillich und erber, in dcrgl eichen 
eil und all ander möglich Weg ganz freundtlich zu befchulden. Uns alle hiemit in den 

blitz des Almechtigen bcvelhende." 




Eine Thüre aus der Frührenaissancezeit in SchafFhausen. 

Von / /?. Raht, 



Zu den anmutigsten Proben, mit denen sich die Renaissance in drn 
rheinischen Gegenden ankündigt, gehören die Consolen, welche die Gew^lbt^ 
in dem südlichen SeitenschiBe der S. Johannkirche in Schaff hausen tra^^i r 
Sie sind meistenteils mit Figuren geschmückt ') : mit fisch geschwänzten Jün^ 
lingcn und Harpyien die einen, andere mit Kngelknaben, welche Posaunen 
blasen, oder die Enden von Guirlanden hallen. Anderswo enthält ein Rund 
medaillon zwischen Hörnern und Blattornamenten die einander zugekchrtt^n 
Büsten zweier Männer mit phantastischen Kopfbedeckungen. Besonders an^ 
sprechend sind zwei Sippen nackter Knaben, die sich das eine Mal im 
Reigen verbinden; dann, auf der folgenden Console, ist das Spiel zu Ende; 
die Tänzer sind sich in die Haare geraten, sie raufen und tummeln sich, 
dass einer über den andern lallt. Jacob Oeri hat diese Gruppen in muntereö 
Versen gedeutet : 

Es sind in St Johann zu schauen 
Fünf Engelein in Stein gehauen; 
Die sollten sich doch wahrlidi scliätucn, 
Weü sie nicht englisch sich benehmen. 



Statt da^ sie durdi Gesang uns locken, 
Sieht man sie stossen sich und bockcii. 
Wie sind die bösen Chiiid benannt? 
TenoFi Alt, Bass, Sopran, Discant 



In vollen Jubels Harmonie 
Ihr fragt vielleicht: Wie kam das" \^ ^ 
Das Wunder »st leicht zu begreifen 
Sie tanzen jetzt nach Orgelpfeifen. 



Die gleichen Englein will uns zeigen, 
Der Steinmetz jetzt in frohem Reigen; 
Sopran, Tenor, Discant, Bass, Alt, 
Sie singen, dass es laut erschallt 

Der zweiten Console von Westen an ist zwischen Halbfiguren von 
Genien, deren Schultern und Leiber in Blattwerk endigen, ein Täfelchen vor* 
gesetzt, das die Inschrift : , A , DM . N . i . 5 . i . 7 . trägt. Des Meisters Name 
ist unbekannt. Diese Skulpturen sind handwerklich derbe Arbeiten, ohnt 
sonderlichen Fleiss geschaflicn, aber mit einer Frische erfunden, die um >o 
eindrucksvoller wirkt, als das Neue in einer noch vöüig gothischen Umgt^ 
ung sich regt. 

Ob teilweise oder vollständige Bemalung das Rehef unterstützte, Il^^j 
sich nicht mehr bestimmen^ wohl aber ist ausgiebige Polychromie an eineiaj 
anderen Werke erhalten, das sicher als eine Arbeit des gleichen Meisters /u| 
gelten hat. 



") Abbildungen mehrerer Consolen bei Frrd. Vitter, Geschichte der Kunst im Kin^l 
Schaff'hausen. (Separat-Abdmck aus der Festschrift des Kantons Schaff hausen 2urBtin<**| 
feier. 10. August 1901.) S. 21 u f, 




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ersten Stock (bel-etagel des Hauses zum .^Oberen und Mittleren 
auf dem Herrenacker wurde im Mai dieses Jahres ein aus Sand- 
fertigtes Thürgericht endeckt (Fig, 34). Auf glatten Sockeln erhebt 
viereckige Rahmen, In der Kehle, die zwei Fasen begrenzen, 
*in kräftiger Stamm. Er ist nach kurzem Atilauf in zwei knorrige 
teilt, die sich symmetrisch verw^inden und mit halbrunden Gabeln den 

Sturz bekrönen. Zwei Engelchen, 
die rittlings auf den Biegungen 
sitzen, halten die Troddelenden 
einer Guirlande, auf der sich ein 
drittes mit ausgestreckten Armen 
schaukelt. 

Der neue Stil, den die erst 
erwähnten Skulpturen in voller 
Entwickelung zeigen, tritt hier nur 
im Einzelnen, in der Guirlande und 
den Figürchen in Kraft, während 
der Gesamtentwurf mit seinen ver- 
schränkten Bildungen und der rea- 
listischen Behandlung des Astwer- 
kes den ausgesprochenen Charakter 
der Spätgothik trägt. Dieser Rah- 
men mit seiner festen Struktur und 
dem heiteren Spiel, das ihn belebt, 
ist ein köstliches Beispiel des Kom- 
promisses! der seinen prägnantesten 
Ausdruck in gleichzeidgen Glasge- 
mälden und Titelbordüren empfing 
und wohl ist anzunehmen , dass 
nach solchen Vorlagen der Entwurf 
sich baute. 

Die Farbenspuren weisen auf 
eine ehedem vollständige Bemalung 
hin.') Aus blauer Kehle mit zinober- 
rothen Fasen hob sich das Astwerk 
in graubrauner Farbe ab. Die Putten 
waren fleischfarbig bemalt, ihre 
irgoldet und die dunkelgrünen Flüge! quer durch mit einem breiten 
de besetzt. Aus der hellgrünen Guirlande hob sich roth der Beerenbüschel 




Renaissance-Thüre in Seh afif hausen. 



I 



ach Mitteilung der Herren Jezler sind Spuren farbiger Bemalung auch an der 
Thm und Fenster befindlichen Wand in einer Länge von 1,80 m zum Vorschein 
1. Allein die zshe Beschaff eiihuil der Gipstünche liess keinen Erfolg einer weiteren 
lg zu. Die Hausakten reichen bis 1489 ziiröck, doch ist ihnen nichts Ober die 
pszeit und den Verfertiger der Thüre zu enüichmen. 




Hans Bircher, Schultheiss von Luzern. 

Von TL iK Liebenau, 



"Johann Bircher, Schultheiss von Luzern, ist für die Kunstgeschichte 
jiner Vaterstadt deshalb von Interesse, weil er anlässlich des Streites zwi- 
:hen der französischen und kaiserlichen Partei, bei dem er ab Führer der 
anzösischen P'raktion scharf angegriffen wurde, ein biblisches Gemälde auf 
sr Hofbrücke aufhängen liess, das die Strafe der VerläumckT mit sehr ver- 
Indhchen Versen in lirinnerüng brachte. Dieses Bild gab den Impuls, die 
•öcken Luzerns mit jenen Bildercyklen zu zieren, die heute noch das Inter- 
Se der Forscher erwecken. Bircher tiess sich 1552 als Donator des Bildes 
t Frau Elisabetha Kiel in kniender Stellung darstellen. 

In seiner Selbstbiographie, die sich in einem in Privatbesitz in Luzern 
findlichen Exemplare eines von Johann Salat geschriebenen Stadtrechtes 
:d ,, Bundbuches" von Luzern beigeschrieben findet, hat Bircher weder von 
5sem Kampfe, noch von seiner politischen Stellung, wohl aber in sehr 
mmarischer Weise von seiner militärischen Laufbahn Andeutungen ge- 
ibefi. Er folgte hier der in Luzern üblichen Sitte, wonach man solche 
Icher zu Einträgen über die Familienereignisse und die politische Laufbahn 
snützte, die gewissem! assen die Stelle von Auszogt n aus den Staats- 
llendern und Civilstandsakten vertreten. Auffällig ist nur, dass F^ircher 
eder seine Kriegszüge, noch seine Beamtungen vollständig angibt. Sicher 
taber, dass unser Schultheiss nicht der Schlachtlieddichter sein kann, da die 
^tern Familienschriften, denen ich früher folgte» nicht einmal das Gebuits- 
W Todesjahr richtig angeben. Die Handschrift. w*elche die richtigen An- 
ibert enthält, gieng nämlich früher schon in den Besitz der Familie zur 
ülgen über. Hier der Text der Selbstbiographie: 

Uf frytag for Mary Magtalena tag im 1520 jar (20, Juli) bab ich rnin 
JlTfrovven Margret VVidmerin genommen. 

Darnach uf fant Polyen tag (23. Juli) kam ich in den grofen rad mit 
iupt andern. 

■ Darnach uff mentag nach fant Peter und Pa(u)l tag (i. Juli) im 1521 
r wart mir min tochter Elfpet, 

Uf donllag, was prüder frütfchy tag, im J523 Jar ti2. Febr.) wart mir 
IJ erfter fun JoiL 

Uf funtag for fant OlTwald (31, Juli) im 1524 Jar wart mir min fun 
bnrich* 

Uf fanct Johanns tag im fumer (24, Juni) 1525 kam ich in kleyn^n rad, 

im selben Jar wart Ich logt zu Malters im ogftcn. 




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Uf frytag nach fanct Ulrich (5. Juli) im 1527 jar war(d) mir min 
dochter Urfel. 

Uf mantag Ibr sant Antonys tag 1529 (11. janJ jar wart ich buwmejfter 
an fchultes Gollder statt. 

Uf unfer heben frowen tag im merzen (25.}, was der hoch donftag im 

1529 Jar, wart mir min fun Joil^ der ander. 

Uf Johany und Pally (26. Juni) wart mir min tochter Matlen (imi 

1530 Jar. 

Nach dem Capelkrieg kam vogt Amort gen fant Gallen, wart Ich an 
fin flatt vogt ze WiUifow. 

Uf Ziortag nach fant Ludigarjen im 1533 (7. October) Jar wart mir min 
tochter Marta. 

Uf qwafymota (Quasimodo, 12. April) im 1534 wart Ich fogt zu 
Meryfch wanden. 

Uf mitwochen for fant Gallen tag (13. October) im 1535 Jahr wart mir 
min fun Hans. 

Uf mittwuchen for fanct Frentag (29. Augufl) im 1537 Jar wart mir 
min fun Urych. 

Uf qwafamota (24. April) im 1541 Jar wart Ich aber vogt zu Mere- 
fchwanden, 

Uf pfingftzinflag (30, Mai) im 1542 Jar zugend wir in Parpignum (Par- 
pignan) zug. 

Uf mitwnjchen for ortern, was der 9 tag aberall im 1544 Jar. wart mir 
min ander dochter Marta. 

Darnach uf famflag, was der 5 tag höwmont im 1544 Jar, zugend wir 
in Pickardy, als man für Plüy (Blois) zog. 

Uf der alten falTnacht, was fant Peterstag (29. Febr.) im 1545 Jar, ftarp 
mir min lieby mutier, got fy Ihr parmherzig. 

Uf fant Gregori (12. März) im 1546 Jar ilarp vogt Amort, got fy iiw 
gnedig. 

Uff dem letllen tag im merzen im 1547 jar ftarb Franzifchg küng in 
Frankrich, der Eygnofen puntsgnos und gefatter, gott fy im gnedig. 

Uf mittwuchen for fant Lorentzen tag (8. Auguft) 1548 Jar, als man 
wült in das Turgöw zien im Conftanzer krieg, band mich min g, H. i^^ 
hauptman gemacht über tusend man zu eim fänlin. 

Uf fant Johannas tag zu winacht (27, Dezember) 1549 I1548) Jar wart 
ich fchulteiz; gott {y lob und aus guts, 

Uf famstag nach fant Ulrichtag im 1549 Jar, w^as der 6 tag höwmond 
ilarb mir min lieby huffrow Margret Widmarin; gott fy Ir gnedig ^ 
parmherzig. 

Uf Mittwuchen nach fant Matistag, was der 26 tag hornig im 1550]*'^' 
nam ich min husfrowen Parpara Ufterin zu Zug in der ilatt. 

Uf fant Johannes tag zue Wienacht im ein und fünfzigften Jar (i^ 
27 Dec.) wart ich abermal fchultez der ftatt Luzern. 



Uf famftag, was der 14 tag hornig 1551, und was der alten fachnacht 
lend, da ftarp mir min lieby husirow Parpra Ullerin ; gott trolle Ir sei. 

Uf mentag keyrer Heinrichtag, was der 13 tag Höwmonat im 1551 Jar, nam 
bmin hudrovvMargrettSezllabin vonZürich in der ftatt Zürich zu der hellgen ee. 

Nachtrag von andrer Hand : uff Mentag nach fant Leodegaristag, was 
3* 3 tag wymonats, uff der kilchwichung im 1552 Jar, ftarb unser heber 
iter seiig; gott fig im gnädig und barmhertzig, Amen, 

Die Stelle in der Selbstbiographie Bircher*s, welche sich auf den Tod 

is Königs von Frankreich bezieht, deutet schon an» dass in Bircher 's 

teben Frankreich eine hochwichtige Stelle einnimmt. Allerdings bekleidete 

lircher, wie seine Selbstbiographie schon bezeugt, verschiedene Beamtungen 

T seiner Vaterstadt; allein seine Bedeutung liegt doch vorwiegend auf 

lititärischem Gebiete. Schon 1528 wurde er ausgehoben, als die Religions- 

iwren im Berner Oberlande die Luzerner zu Rüstungen veranlassten. 1531 

achte Bircher noch in untergeordneter Stellung den Kappelerkrieg mit, 

Ihrend der Schultheiss von Willisau und der Landvogt von VVykon die 

»sorge für die Wahrung des luzernerischen Gebietes von Willisau gegen 

Jrn übernahmen. Auch damals trat Bircher noch nicht in irgend einer 

feise hervor. Es geschah dies erst 1536, wo er als Hauptmann in 

inzösischen Dienst trat. Allerdings hatte die Tagsatzung der katholischen 

rte gerade damals die Werbung für Frankreich verboten. Da Bircher 

It 1585 den Stand Luzern an der Tagsatzung zuweilen vertrat, so schien 

In Vorgehen doppelt auffällig. 

Allein Hauptmann Hans Ueberlinger und Hans Bircher führten zuerst 
fei Fähnlein Luzerner auf Betrieb des französischen Gesandten Louis 
lugerant, Seigneur de Boisrigaut» nach Frankreich. Schultheiss und Rat 
in Luzern erklärten Ueberlinger des Bürgerrechtes wegen Aufwieglung 
r Knechte verlustig. Allein dieser erklärte am 20. Juli, von Aufwieglung 
tine keine Rede sein; alle Luzerner seien ihm freiwillig zugezogen; sie 
^ffen auch» den Feldzug zu Ehre des Standes Luzern beenden zu können* 
ich Beat Feer und Hans Hug erklärten, sie können die Truppen nicht 
immahnen, da sonst Unruhen ausbrechen könnten. Sie glauben, nicht so 
cl gesündigt zu haben. F^ald folgten neue Aufbrüche