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Full text of "Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit"

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THE J. PAUL GEl"! V MUSEUM LIBRARY 



ANZEIGER 



FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 



Neue Folge. 



ORGAN DES GERMAIVISCHEN NllSElIMS. 




1 



Dreizehiiter Band. 



Jahrgang 1866. 



Nürnberg, im Verlag der literarisch -artistischen Anstalt des germanischen Museums. 



:.l. PAUL GETty CENTER 



Redaction des Anzeigers: 

August Essenwein, I. Vorstand des germanischen Museums. 

Georg Karl Frommann, Dr. philos., II. Vorstand und Vorstand der Bibliothek. 

August V. Eye, Dr. philos., Vorstand der Kunst- und Alterthumssammlung. 



Beiträge 

zu vorliegendem Bande haben geliefert : 



Baader, Jos., Conservator am k. Archiv in Nürnberg. 

Barach, K. A. , Dr., furstl. fürstenberg. Hofbibliothekar, in Donau- 
eschingen. 

Birlinger, Anlon, Dr., in München. 

Bodemann, Eduard, königl. Rath und Sekretär an der königl. öiTentl. 
Bibliothek zu Hannover. 

Erbstein, A., Dr. jur., Conservator bei der Kunst- und Alterthums- 
sammlung des german. Museums. 

Erbslein, i. R., Dr. jur., I. Sekretär des german. Museums. 

Etlmüller, Ludwig, Dr., Universitäts-Professor, in Zürich. 

Flegler, Alexander, Dr., Archivvorstand des german. Museums. 

Födisch, Jul. Ernest, Dr., gräfl. Czernin'scher Bibliothekar, zu Pe- 
tersburg in Böhmen. 

Färsler, Ernst, Dr., in München. 

Franch, J., k. Subreklor, in Annweiler. 

Greiner, Ulrich, P., in Graz. 

Hdser, H., Dr., Professor an der Universität zu Breslau. 

Heister, Karl von, General, in Naumburg. 

Hektar, Enno, Sekretär an der Bibliothek des german. Museums. 

His-Heusler, Ed., Mitglied der Direktion der Kunstsammlung zu Basel. 

Hohenlohe-Waldenburg-SchilHngsfürst, Fürst Friedrich Karl, Durchl., 
in Kupferzell. 

Jahn, Albert, Dr., eidgenöss. Bibliothekar, in Bern. 



Janssen, L. J. F., Dr., Conservator am Alterthuras-Museum in Leiden. 

Kerler, C. D., Dr., Universitätsbibliothekar, in Erlangen. 

Klein, Karl, Professor, in Mainz. 

Latendorf, Friedr., Dr., Gymnasiallehrer, in Schwerin. 

Lexer, Matthias, Dr., Universitäts Professor, in Freiburg. 

Liebenau, H. v., Dr., in Lucern. 

Lochner, G. W. K. , Dr., qu. k. Studienrektor u. Stadtarchivar, zu 
Nürnberg. 

Platzer, Leonh., k. Landrichter, zu Sulzbach. 

Roth von Schreckenstein, K. H. Freiherr, Dr., Vorstand des fürstl. 
fürstenb. Hauptarchivs in Donaueschingen. 

Schlüter, E., Dr., Obergerichtsrath a. D., zu Stade. 

Schmieder, Pius, P., Archivar, in Lambach in Oberösterreich. 

Sighart, Joachim, Dr., k. Ljceal- Professor, in Freising. 

Sommer, G., k. Bauinspektor, in Zeitz. 

Toll, Artilleriemajor a. D., in Coblenz. 

Volger, Dr., Direktor der Realschule des Johanneums in Lüneburg. 

Walderndorjf, Hugo Graf v., auf Hauzenstein bei Regensburg. 

Wattenbach, W. , Dr., Universiläts-Professor, in Heidelberg. 

Weiler, Emil, in Nürnberg. 

Will, Cornelius, Dr., fürstl. Thurn- und Taxis'scher Archivar, in Re- 
gensburg. 

Zingerle, Ignaz Vincenz, Dr., Universiläts-Professor, in Innsbruck. 



]%' ü r n b e r s. Das Abonnement des 
Blattes, welches alle Monate ersclieint, 
wird ganzjährig angenommen und beträgt 
nach der neuesten Postconvention bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen Deutsch- 
lands incl. Oesterreiehs 3 fl. 36 iir. im 24 fl.- 
Ful's oder 2 Thlr. preul's. 

Für Frankreich abonniert man in 
Strafsburg bei C. F. Schmidt, in Paris 
bei der deutschen Buchhandlung von F. 
Klincksieok, Nr. 11. rue de Lille, oder 
bei dem Postamt in Karlsruhe ; für Eng- 
land bei Williams & Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Covent-Garden in London ; für 



AMEICiEft 



m KiiiDE m 



Neue Folge. 




Nordamerika bei den Postämtern Bremen 
und Hamburg. 

Alle für das gcrman. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden durch den Commis- 
sionär der literar.-artist. Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brockhaus in Leipzig, be- 
tordert. 

Inserate, welche mit den Zwecken 
des Anzeigers und dessen wissenschaft- 
lichem Gebiete in Verbindung stehen, 
werden aufgenommen und der Raum ei- 
ner Coluranenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. 
berechnet. 




I 




Dreizelinter Jalirgaug. 



1866. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 

JW 1. 



Jaiinar. 



Wissenscliartliclie Mittlieiluii2;eii. 



Der ,,fi*änki!^clie Krieg". 

Mitgetheilt von Jos. Baader, kgl. Archivconservator, in Nürnberg. 

Das Schlofs Absberg, 2 Stunden von Gunzenhausen ent- 
fernt, war einst der Sitz der mächtigen und angesehenen Adels- 
familie von Äbsberg, die schon im 10 Jahrhundert in den Ur- 
kunden genannt wird. Mulh, Tapferkeit und kriegerischer Un- 
ternehmungsgeist zeichnete alle Mitglieder dieses Hauses aus; 
aber nicht immer nahmen sie es genau mit Mein und Dein, so 
dafs Absberg schon in alter Zeit als Raubiiest verrufen war. 

,Eine traurige Berühmtheit erlangte in dieser Beziehung 
namentlich Hanns Thomas von Absherg, der Sohn des Ritters 
Hanns Georg von Absberg. Es gab kanm eine Fehde, an der 
er sich nicht betheiligte. Als Hanns von Geislingen und Götz 
von Berlichingen in den Jahren 1507 bis 1512 Nürnberg, Augs- 
burg und andere Reichsstädte befehdeten, war Hanns Thomas 
einer ihrer eifrigsten Helfershelfer. Er zeichnete sich beson- 
ders durch seine Grausamkeit aus, indem er den gefangenen 
Städtern nicht selten die Hände oder Finger abhieb. Im Jahre 
1512 nahm er Anton Tetzel den Jüngern und Anton Hornung, 
beide von Nürnberg, auf freier Landstrafse gefangen. Wegen 
dieser landfriedenbrüchigen Handlung wurde er von Kaiser Ma- 
ximilian in die Acht gethan. 

Später banden er und sein Vater mit den Grafen von Oet- 
tingen an. In dieser Fehde — es war im Jahre 1520 — 
warb Hanns Thomas unter andern gegen 50 gereisige Pferde. 
Mit diesen legte er sich in einen Hinterhalt, um den Grafen 
Joachim von Oeltingen niederzuwerfen. Dieser befand sich 
nämlich auf dem Bundestage zu Augsburg. Im Heimreiten 



wurde er nicht weit von Donauwörth von Hanns Thomas an- 
gerennt, niedergeworfen, beraubt und auf den Tod verwundet, 
so dafs er kuiz hernach seinen Geist aufgab. Des Absbergers 
vorzüglichste Helfer bei dieser Thal waren Cuntz von Rosen- 
berg und Christoph Marschalk von Pappcnheim. Der Kaiser 
sprach Acht und Aberaeht gegen sie aus, und Georg Truchsefs 
zu Waldbürg erhielt von ihm den Befehl, ihre Schlösser Abs- 
berg, Eiikering und Waldmannshofen wegzunehmen. Das ge- 
schah, und Hanns Thomas glaubte, die über ihn verhängte Acht 
und die Wegnahme der Schlösser sei das Werk des Schwäbi- 
schen Bundes und der Reichsstädte, bevorab Nürnbergs. Er 
schwor, sich an ihnen zu rächen, und floh dann nach Böhmen. 
Hier fand er bei seinen Slandesgenossen die beste Aufnahme 
und alle mögliche Unterstützung. Auch unter dem bambergi- 
schen und markgräflichen Adel auf dem Gebirge und im Voigt- 
lande hatte er zahlreiche Freunde. Mit Hilfe derselben überfiel er 
die Angehörigen der Grafen von Oettingen, des Schwäbischen 
Bundes und insbesondere der Reichsstädte, die er auf die Burgen 
seiner Genossen schleppte und um hohes Geld schätzte. Die 
Schlösser der Familien Aufsefs, Sparneck, Gntenberg, Schott, 
Giech und vieler anderer standen ihm zu jeder Zeit offen, wenn 
er sich von seinen Raubzügen in schneller Flucht zurückzog 
und Gefangene mit sich schleppte Manche Mitglieder dieser 
Familien thalen ihm dabei Reitersdienste. Auch am Rhein und 
Main, und überhaupt in ganz Franken hatte Hanns Thomas zahl- 
reiche Anhänger und Helfer, von denen wir hier nur die von 
Thüngen — ein fehdcliisliges Geschlecht — nennen wollen. 
Sein vorzüglichstes und ein gefürchtetes Werkzeug, namentlich 
wenn es an's Händeabhauen gieng, war sein Knecht Veit Scharpf, 



, 3 Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 4 

Hanns Thomas verschonte Nicmanil, selbst nicht des Kai- 6 vellschlang-ei', die 8 ii., 6 halbschlangen, die 5 fb eysen schies- 

sers Diener. Nachdem er den NA'eigand von Tbnnbaim, einen sen, 60 hacken mit iren pcjiken. Zn solchem geschnlz findt 

Edelmann, Johann Lucas, Verweser des Schatzmeisteramts, nnd noch citliche sluckhpüxen, alls singerin und quarlaunen von 

den Sohn des Dr. Gregorius Lamparter, als sie vom Reichstag andern Bnndtsstennden dargelihen vnd für den Oltenwaldl ge- 

zu Worms nach Augsburg reiten uulllen, am Knüllinger Steig fürt worden 

niedergeworfen und mit sich fortgeschleppt hatte, fieng, ver- Vnd znuor ee man solche hilff mit der tat fürgenomen, 

wundete oder lödtetc er im Jahre 1522 in der Gegend von haben die bniidtsrete alle diejenigetj, so durch warhalTt glaub- 

Laber und Dielfnrt und zwischen Bayreuth nnd l'otlenslein lieh ansagen vnd erfarung angetzaigt vnd Hannsen Thomaiis von 

noch mehrere Bürger von Augsburg, Nürnberg und Sl Gallen. Abtsperg vehde laylhaftig gewest, zu der purgation vIT den 

Mehreren derselben, unter Andern auch dem Dr. Lenpolt Jorian bundlstag, Jiibilate zu Nordlingen Anno 1523 gehalten, erfor- 

von Wien, schlug er die rechte Hand ab. Einige dieser Hände dert, die zum layl erschienen sindt, denselben gehorsamen ist 

schickte er an den Rath zu Nürnberg, mit dem Grufs : „Der ein artickel, darauf sy sieh purgiren sollen, furgehalten wie 

Absberger habe noch ein Schwert, und an diesem müsse sich hernach volgt : 

der Rath die Zahne ausbeifsen " Artickel des aydes der purgalion : Ein yeder soll schwe- 

Diese Thaten des Absbergers verbreiteten grofsen Schrecken ren, das er Hannsen Thoman von Abtsberg, Cuntzon von Rosen- 
unter den Reichsstädten und bei ihren Bürgern und Kanfleuteu. berg, Cristoilen Marschalch. derselben knechten vnd helCfers- 
Um diesen Greueln ein Ende zu machen, beschlofs der Schwä- helffern zu vnd in der vehd oder entleibung, wider und an 
bische Bund im J. 1523, den Grafen von Oetlingen und den graue Joachim von Oetlingen seligen fürgenomen vnd begann- 
Reichsslädten Bundeshilfe zu leisten und mit dem hündischen gen, desgleichen wider die hundsslennde, ire verwandten vnd 
Kriegsvolke die Schlösser des Hanns Thomas und seiner ade- vnterthanen mit erstechen, hendtnbhauen vnd anderer beschedi- 
lichen Helfershelfer zu brechen und unschädlich zu machen. gu'"g vnd wege weder durch >ieh sclbs, seine Diener oder ver- 
Es ist dieses der sogenannte „Fränkische Krieg" dessen Be- wandten nit gefärlich, sunder allein der gestalt und mainung, 
Schreibung wir hier nach einer gleichzeitigen Handschrift mit- wie anbeut durch ine angetzaigt ist. geraten, geholffen, ge- 
theilen : dient, behaust, gelioft, geelzl, getrencki, enthalten oder ainichen 

Hernachuolgt der Frannckisch krieg vnd welcher furschub gelhaii oder solchs alles samintlich oder sunderlich 

gestalt den grauen von Oetlingen bey haubllenten vnd raten zu besehehen verschafft oder gestattet habe. Zu dem ist ainem 

des Schwäbischen bundts die hilff wider Hannsen Thoman von yeden nach gelegeuhait seiner Verhandlung, damit er besagt, 

Abtsperg, seine bellTer vnd vnlerschlaipfFer erkannth, voltzogen, fi» sundier artickel fürgelialten , darvIF er sich hat purgiero 

vnd was auff derhalben fürgenomen heertzng gegen ain yeden müfsen. 

derselben vehduerwannten, auch derselben schlos vnd guetern Hernach noigen die namen der vom adel, so sich mit dem 

gehanndelt vnd ausgeiicht ist: aide gerainiget haben: Herr Cunrat Schott vfF Streilberg, Herr 

Erstlich das den grauen von Oetlingen alls bundsverwann- Zeisloff von Rosenberg, Herr Martin von Wil.lenslain, Sigmund 
ten wider Hannsen Thoman von Abtsperg, defselben helfTer, von Wirsberg, rittere, Nickel Herdegen zum Kulm, Peter von 
enuthalter, vnterschlaipfer, etzer, trenncker vnd fürschieber, Waldenrol, anihtman zu Pairreut, Albrecht vou Alatzhaim 
auch derselben heuser vnd gueter nach vermög der bundts- Hern, welche auch erfordert, erschienen, sich gern pur- 
ainigung soll geholffen werden mit der ainfachen vnd ganntzen g^evl hetten, den es abgeschlagen : Jörg von Embs, pfleger zu 
hilff der bundtsstennde, nemlich mit tausend pferden vnd zehen- Osternoe, VVilhalm von Feiberg, Philips von Perlichingen der 
tausend fuesknechten sambt einem notinrfftigen geschutz, zu elter, Wolff von Perlichingen, sein brnder, Philips von Mas- 
prechung der schlofser vnd einem solchen heerzug tuglich. wie bach daselbst, Lorentz von Plafsenburg, Cristoff von Sparneck, 
dann derhalb ein anschlag vff alle bundtsstennde nach irer vnd Wolff von Sparneck, Gatt von Sparneck, Sebastian von Spar- 
eins yeden slannds gepUmus zu vnterhaltung defselben kriegs- neck, Hector von Gullenberg, Achatz von Guttenberg, Philips 
volcks vnd geschutz gerechent vnd gemacht ist. von Guttenberg [alle] zu Guttenberg, Wilhelm von Feiberg, 

Zu solcher blinttischeo hilff vnd dem kriegsvolck haben Panngratz von Aufsess. 

ain erber rate diser löblichen slalt *), alls in diser mutwilligen I'em welche erfordert vnd nit erschynen sindt: Martin 

vehde für annder bundsstennde hoch vergeweltigt vnd beschwert, Sützel zu Baibach, Hanns Jörg von Thüngen zum Renfscnberg, 

den stennden des Schwäbischen bundts vff ir pitilich ersuchen Rued Sützel zu Baibach, Franntz von Alalzhaim, Rued von Alatz- 

vnd derselben stennde costen vnd schaden neben irem zeug- haim, Wolff von Alatzhaim, Wolff Heinrich von Aufsefs zu 

maister Malern Herder dargelihen das geschutz sambt seiner Truppach, Jörg Wolff von Gich zum Krügelstain, Hanns Jörg 

zugehöre, nemlich 2 scharpfmetzen , die 70 «>, 2 quartaunen, von Aschhausen. 

die 40 a, 2 nachtgallen, die 4 %, 4 notschlangen, die 20 %, Item so sind dise hernachbenanten vom adel allererst im 

. anlzug des büntischen kriegsvolcks für die bundsräte, so dem 



*) Nürnberg. beer stättigs in der neben nachgefolgt, zu der purgation erfor- 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



6 



foidert, die sicli auch purgirt haben : Eustachius von Thüiigeii, man vermög irer Instruction alle Handlung dises kriegs aus- 
Caspar von Thüngen, Jörg von Thüngen [allf] vffm Reufsen- richten sollen, 
barg, Diether von Gemingen, Jörg vom Hirschhorn, Weyrich 
von Geniingen, Hanns Dürrigel zum l^igelslain, Bernhart Gol- 
ler, Heinlz von Lüchau zum Hartlas. Albrecht von Wirsberg 
hat geschriben, er lige töllich krannck. Sopald sein sach pes- 
ser werde, vroll er für die bundsrete komen und sich purgiren. 



Instruction von gemainer versamlung des bunds, 
neben andern meinem gnedigcn herrn, herrn Jörgen Truchsäs- 
sen, freyherrn zu Walburg, alls oberstem veldthaubtnians in 
dem öttingischen zug gegeben, für wene er ziehen vnd wie er 
sich mit den schlofsen vnd hcusern, so er die erobert, vnd iren 



Auff solch der bundsräte erfordern derer, so sich purgiert zugehörigen guelern vnd sunst halten soll : Item es soll von 

vnd wie vorgemelt, Hannsen Tbomans von Abtspergs vehd i^e zum ersten für Boxberg gezogen vnd dafselb schloss, so 

vnd pösen handhiiig ver«ant vnd glaubhaftig angetzaigt ge- es gewunen vnd erobert wuid, verprennt zerrifsen vnd einge- 

wesl, sind dieselben vfl den aide, den yder mit erhaben fin- ebent, vnd die gueter zu gemeins bunds banden genomen werden. 



gern zu Gott vnd den heyligen schweien muelsen vnd geschwo- 
ren haben, gefreyt vnd diser zeit vbcrzugs gesichert, wiewol 
man es gennlzlich darfür acht, das dieselben iie aide mit der 
warhait vnd mit Gott nit haben Ibun mügen , sunder mer iren 
muetwillen gepraucht, wie dann die anndern Hannsen Tbomans 
vehduerwanten vom adel an vil Otiten offenlich gesagt vnd be- 
kannt, das die, so sich mit dem aide gerainiget, in diser vehd 
mer dann ander haben Hansen Thoman von Ablsperg geraten, 
gehollfen, vnlergeschlaipft vnd sunst alle hilff erzaigt, auch 
darauf von etlichen vom adl ires mainaids halb gescholten 
sindt. 

Vom an zug des kriegs uolckhs vnd wer zu ober- 
stem veldthaubtman vnd kriegs raten gebraucht ist: 
Nachmals vff volendung der purgation der besagten Hansen 
Tbomans von Abtsperg vehduerwanten ist das kriegsvoickh zu 



Item er soll Wilhalmen von Feibergs tayl erfordern, souil 
er im Velberg*) hat, vnd, so ime die von Feiberg, gebrüder 
vnd vettern, nit aufthnn vnd ine zu angezaigtem teyl lafsen 
wollei), sich alsdann für Velberg schlahen vnd legem vnd vn- 
tersteen, dafselbig scblofs Velberg zuerobern, vnd so das be- 
schicht, domil wie mit Poxberg handln. So aber die von Fei- 
berg ime anfthuen vnd Wilhalms layl einantworten, so soll ge- 
meller tayl allein ausgebrennl, abgeprochen vnd zerrifsen, vnd 
den ändert? Felbergern iren layl znretlen vergunt, zudem sol- 
len auch alle güler, Wilhalmen von Feiberg zugehörig, wo er 
die hat, ein vnd zu des bunds banden genomen werden. 

Item er soll Cuntzen von Rosenberg seine scblofser vnd 
heuser, nemlich Gnetza, Waltmanshouen vnd Vtlenhouen **) 
alle drey vnd yedes innsonnder verprennen vnd in grundt zer- 
reifsen vnd die zugehörigen Dörffer, flecken vnd gueter in ge- 



rofs vnd fues, delsgleichen auch das geschütz vnd desselben ^gj^g [,„„^5 pflichten vnd hannden einnemen, vnd sunderlich 
zugeböer am montag den fünffzehenden tag des monals Juny 
Anno &c. 1523 zu Dinkelspühel alles ankörnen vnd vff Dinstag 
den sechzehenden Juny von Dinkelspühel aus dem negslen ge- 
gen Poxberg*) getzogen. 

In solchem zuge ist von baubtlenten vnd raten' des schwe- 
bischen bunds zn einem obersten velthaubtman aufgeworffen 
vnd gebraucht Herr Jörg Trucbsäss zu Walburg vnd herr zu 
Wolfeckh etc., vnd zu einem haubtman vber den raisigen zeug 
Herr Rudolf von Ehingen, ritler, vnd vber das fuesfoickh zu 
haubtman Jacob von Wernau, ein ediman. Denselben dreyen 
haubtieulen sind von den stennden des bunds noch vier kriegs- 
räte zugeordent, nemlich Heir Sebastian vom Losenstain, bairi- 
scher haubtman, BurcUbart Marschalck von Pappenhaim, Wolff 
Böhmer, Nürmbergischer haubtman, vnd N. Dornsperger, bur- 
germaister von Vberlingen, also das von wegen der churfür- 
sten vnd fürsten des schwäbischen bunds auCf disem zug ge- 
west ist Herr Sebastian vom Losenstain vnd Herr Rudolf von 
Ehingen, rilter, von wegen der grauen vnd prelalen vnd der 
rilterschafft Burckhart Marschalck von Pappenhaim vnd Jacob 
von Wernau, vnd dann von wiegen der stett Wolfl' Böhmer 
vnd N. Dornsperger von Vberlingen, alle obgenannt. Dieselben 
haben neben Herr Jörgen Truchsassen alls obersten veldljjauM- 



Wallmansbouen den flecken vmb die vngehorsam, ime dem 
obersten veldthaubtman erzaiget, plündern vnd prauntschatzcn. 

Item er soll den Abtsperg auch ausprennen vnd zu grundt 
zerreifsen vnd sein zugehörende guter wie anndere zu gemains 
bunds hannden vnd pflicht eiunemeu. 

Item das schlofs Aschhausen,***) Jörgen von Aschhausen 
zugehörig, erobern vnd alsdann dafselb wie die andern verpren- 
nen viid abthun, vnd seine zugehorende Dörffer vnd guter in 
gemains bunds hannden vnd pflicht nemen. 

Item dergleichen mit dem schlofs Damersheim f) handln, 
aber die gueter doselbst den kinden eingeben. 

Item er soll auch Rueden Suizel seinen tayl an Baibach ff ) 
ausbrennen vnd gar zerschlaipfen, vnd seine gueter, wie oblaut, 
in gemains bunds banden einnemen. 

Item vnd in gleichem fall mit Franntz Rüden tayl an Wach- 
bach fff) hanndln 



*) Einige Stunden von Mergentheim entfernt und den von Rosen- 
berg zugehörig. 



*) Einige Stunden von Bocksberg entfernt und zum Rillercanton 
Odenwald gehörig. 
**) Alle in der Gegend von llfTenheini und Aub gelegen und zum 

Ritterort Odenwald gehörig. 
**) Ebenfalls in Franken und im Ritterort Odenwald gelegen. 
t) Tagniershcim bei Monheim. 
It) Kicht weil von Mergentheim, 
ttf) Bei Mergentheim. 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



Item yemaiidls verordnen, Emkering,*) das Herr Asmiis 
von Abtsperg ist, mitsambt seiner zugehörigen oberkeit, alls 
zollen, Torst vnd glait i(:c., in des bunds lianndcn und namen 
einzunemen, das einkomen argenllicli zuerkuiidigeu vnd darüber 
einen ambtman zusetzen, vnd der franen iren widern allain 
dauon verTolgen zulassen. 

Item er soll denen von Pappcnhaim vnd innhaber Pappen- 
heim schreiben vnd sy dohin vermögen, gemaineni bundt Cri- 
slolT Marschaicks layl an Pappenhaim vnd was ime sunst für 
gülten doselbsl zustce, einznaiitworleii vnd sich zunersehreiben, 
dem bundt domit zugewarten vnd Öffnung defselbeii lails zuge- 
ben vnd Cristoffen Marschalck nimer einzniafsen, vnd so sy 
das thun, domit genügig zusein. Wo aber die Marschalck sich 
dess widersetzten, so soll für Pappenheim getzogen vnd dage- 
gen wie gegen andern schlofsen gehandit werden. 

Zu dem, wie verlaut, die von Dielfurt**) vmb ires Zu- 
sehens willen vnd das sy gestatt vnd gar nichts dartzu gethan 
haben, das der bündischen verwandten bey inen erbärmlich vnd 
vnrechllich erstochen vnd entleibt worden sind, znplündern vnd 
zuprantschatzen. 

Item vnd nachdem für den Reufsenbcrg ***) zuziehen, den- 
selben zuerobern vnd domit, auch seinen zugehörigen Dörffern 
vnd guetern fürzugeen vnd zuhandln vcriafsen, ist doch nach- 
mals vff das anbringen, meins gnedigen Herrn von Würizburgs 
halben beschehen, beratschlaget, sonern die von Thüngen , die 
vorausganngen citalion nit wollen wifsen haben, nochmals er- 
scheinen, so wolle gemaine versamblung ir verantwortlnng hö- 
ren vnd vernemen vnd furter darin ir gelegenhail hanndln, vnd 
so sy, die von Thüngen, zu der purgatiou gelassen werden, das- 
selb dem obersten veldthaubtman sambt geniainer versamblung an- 
zaigen. So sy aber nit erscheinen vnd dem obersten veldthaubt- 
man nichts zuwifsen gelhan wurde, so soll sich der oberst veldt- 
haubtman auch darfür ziehen, vnd so er dene erobert, dem 
Reussenberg wie andern schlofsen mit verprennen vnd zerrei- 
fsen , anch einnemung seiner zugehörigen guter Ihun vnd sieh 
daran nichts verhindern lafsen. 

Ge bir gef) : Item angetzaigter oberster veldthaubtman soll 
Hector, Achatzen vnd Philipsen von Gnttenberg ire Schlosser, 
Alt- vnd Neugnttenberg, einnemen, die verprennen vnd zu gründe 
zerreifsen vnd abthnn, vnd ir zngehorende guter in gemaiiis 
bunds banden ziehen, doch des jungen Jörgen layl vnd guter 
souil möglich verschonen. 



*) Bei Kipfenberg. 

**) .\n der Allmilhl. Hier wurde dem Dr. Jorian von Wien die 
Hand abgehauen und sein Fuhrmann sowie der augsburgische 
Bote, Namens Jörg Saniwerfer, erstochen, ohne dafs die von 
Dietfurl den Thatern Einhalt thaten oder nacheilten. 
***) Den von Thüngen im Hilterort Rhön-Werra zuständig. 

t) Unter dieser Bezeichnung versteht man einen Theil der nach- 
maligen MarUgrafschaft Brandenburg-Culmbach und des bischöf- 
lich bambergischen Gebietes. Die nachstehenden Orte gehö- 
ren zum Gebirge ; die meisten liegen im Fichlelgebirge. 



Item vnd dergestalt gegen Kottnau dem schlofs, denen von 
Guttenberg zugehörig, zuhandln. 

Item er soll auch Wolff Hainrirhcn von Aufsess zu Trup. 
pach vberziehcn, sein schlofs einnemen vnd mit demselben vnd 
seinen zugehörigen gütern gleich wie mit Alt- vnd Neugutten- 
berg handien, das verprennen vnd abthun vnd die zugehorende 
guter in des bunds banden vnd pflichten nemen. 

Item dergleichen gegen Jörg Wolf von Gich zum Krügel- 
stain, seinem schlofs vnd seinen gutem zuhandln. 

Item vnd nit minder gegen Waltstain, Oprod, Galtendorff, 
Sparneck vnd Weisdorff den schlofsen, denen von Sparneck 
zugehörig, fürnemen, die alle eneifsen, verprennen vnd gar 
abwegk thnn vnd ir zugehorende gueter in gemains bunds ban- 
den ziehen vnd verpHichten. 

Item auch gegen Perlshaim *), Jörgen von Embs zugehörig, 
obgemelter nias vnd gestall handln. 

Item nach Sebastian von Gich vnd Wolffen von Sireitberg, 
die Hannsen Thoman von Abtsperg hilfflich gewest sein, sol- 
len im zug von dem obersten veldthaubtman gefragt vnd [wann] 
sy erfarn, sollen dieselben zwen von ime dem obersten veldt- 
hanblmann vnd den kriegsräten zu der purgation erfordert vnd 
gegen inen vnd iren gütern nach begegneten Dingen gehanndelt 
werden. 

Item wiewol von gemainer bundsuersamlung Pangratz von 
Aufses zum Freyenfels nit zu der Purgation gelafsen ist, doch 
aus vrsach vnd svnderlich vff meins gnedigerj herrn von Bam- 
berg füibitt, von seinendwegeu beschehen, zugelafsen, so sich 
derselb Pangratz für sich vnd sein erben gegen gemainen bunds- 
slenden nolturfftiglich verschreibt, das er Hans Thomans von 
Abtspergs vehd aus vnd alslang die weret, denselben Hans 
Thoman, Cristoffen Marschalken, ire anhenger vnd hellfer vud 
ander des bunds widerwerttige wifsentlich nit enthalten, hausen, 
hofen, elzen, trencken noch fürschiehen, auch die zeillanng für 
sich selbs mit der tat wider die bundsslennde sament oder sun- 
derlich nit sein noch thun wöll, soll er von gemainen bunds- 
slenden vberzugs vnd beschedigung vertragen vnd gesichert 
sein. 

Aber die nachgemellen sollen, so man im antzug ist, für 
die versamblung des bunds zu der purgation erfordert [wer- 
den], vnd wo sy sich nit purgiren oder so sy zu der purga- 
tion nit gelafsen, so soll gegen iren schlolsern vnd gütern wie 
gegen andern gehandit werden : 

Item alle Inhaber des schlofs Thüngen, ilem Diettrich von 
Gemmingen zu Guttenberg, Vlrich von Gemmingen zu Michel- 
feldt, Bernhart Gollcr, Jörg vom Hirschhorn, Bastian von Helm- 
stat zu Efsclingen, Hanns Dürrigel zum Rigelstain, Albrecht von 
Wirsberg zu Selbilz. 

Item der oberst veldthaubtman soll die innhaber zum 
Strit**) erfragen lafsen vnd die darnach dem bundt anlzaigen. 



*) Beroldsheim an der Altmnhl. 
**) Streit (?), 3 Stunden von Bayreuth.» 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



10 



Die sollen alsdaiiii auch cilirt viid erfordert werden. Dann 

man wais nit, ob es Heinizen von Lüchau zugehört' oder nit. 

(Forlselzung folgt.) 



Hanns Seltneiiler's Sprueli von 1493. 

Von Rektor Dr. Lochner, Stadtarchivar, zu Ni'irnberg. 

Zu den schon bekannten gedruckten Sprüchen Hanns Schnei- 
der's : einem auf die Einnahme von Hohenkräen, einem zweiten 
auf den weitern im Anftrag- des Kaisers übernommenen Zug ge- 
gen die Ranbschlösser, beide aus 151ä und beide in echt vater- 
ländischem Geiste gegen die innere Uneinigkeit der Stände und 
den ränberisehen Adel eerichtet — der zweite besonders in 
seinen ersten Zeilen ein Zeugnifs, dafs Kaiser Maximilian für 
die Worte seines „Dichters und Sprechers" zugänglich war, — 
dann dem von Erbauung der Stadt Annaberg in Schöltgen und 
Kreysig's dipl. Nachlese der Historie von Ober-Sachsen, XF, 77; 
ferner dem vom Ungehorsam der Venediger (in Hormayr's 
Taschenb. 1833, 263 u. bei Soltau, 203), und einem nicht po- 
litischen, sondern bürgerlich-satirischen (in Keller's altdeutsch. 
Erzähl. 138), — können wir einen, der vielleicht des damaligen 
römischen Königs- Augenmerk zuerst auf ihn richtete und ihm 
die königliche Gunst zuwendete, hinzufügen. Er ist vcranlafst 
durch das im Mai 1492 auf dem Lechfeld bei Augsburg unter 
dem Oberbefehl Markgraf Friedrich's von Brandenburg zusam- 
mengezogene stattliche Reichsherr, welches die .^ufgebung Re- 
gensburgs von Herzog Albrecht von Bayern nöthigenfalls er- 
zwingen sollte. Glücklicherweise kam es nicht zu diesem 
Aeufsersten; Albrecht entsagte seinen Ansprüchen auf die Stadt 
die sich ihm übrigens freiwillig ergeben hatte, und das Heer 
gieng, ehe es zum Kampfe kam, auseinander. Nachdem nun 
der Dichter diesen Anlafs im Allgemeinen berührt und seine 
Freude, dafs Regensburg dem Reiche wiedergegeben sei, aus- 
gesprochen hat, ergeht er sich in echt patriotischen Ergüssen 
für den gerade damals von Frankreich schwergekränkten römi- 
schen König Maximilian, dem die bereits per Procura angetraute 
Fürstin Anna von Bretagne König Karl VIII. von Frankreich mit 
Gewalt entrissen und seine dem französischen König schon 
verlobte Tochter Margaretha schmählich wiedergeschickt hatte. 
Er fordert ihn auf, diese Verachtung zu rächen, die Kurfürsten, 
die andern Fürsten und den Adel, dann die Kriegsleute aufzu- 
bieten, die Priesterschaft Segen und Glück für seine Waffen 
erflehen zu lassen, und dann das Heer in zwei Theile zu thei- 
len , mit dem einen gegen Frankreich, mit dem andern gegen 
die Türken zu ziehen. Aus dem Ganzen spricht ein treues und 
tüchtiges, für das nur durch Einheit zu erreichende Wohl des 
Vaterlandes warm fühlendes und über die innere Zerrissenheit, 
wie über die von aufsen angethane Schmach entrüstetes Ge- 
müth. Es läfst sich leicht denken, dafs König Max von dieser 
Gesinnung sich wohlthuend angesprochen fühlte und dem Dich- 
ter den Titel verlieh, unter dem er in Nürnberg erwähnt wird. 



nämlich „Königlicher Majestät Sprecher". Die nachfolgende 
Abschrift ist aus dem in Will. Nor. Bibl. 'befindlichen Folio- 
baude I, 425 genommen und mit allen, auch handgreifliehen Irr- 
thümern buchstäblich getreu wiedergegeben. Ueber den An- 
lafs sehe man Gemeiner's Regensbnrger Chronik und aufser 
den Handbüchern deutscher Reichsgeschichte besonders bayeri- 
sche Specialgeschichten nach. 

Von dem kaiserlichen Heer so sich im 1493 jarii von Begens- 
purg ivegen mif dem LecJweldt gesamelt Jiatt. 
Man spricht mir ofTt vmb dichten zu 
Ich soll mich brauchen spat vnnd fru 
Das ich die newen leuff betracht 
Ich pesorg Ich wurdt darirmb veracht 
Dan niemandt will für gutt mer han 5 

Die straff die man hatt ettwan than 
Vor zeittcn dorsten tborolt straffen 
Wo trew vnnd warheyt wolt entschlaffen 
Vnnd wen die heupter mail entpficngen 
IJas sy die rechten strafs nit giengen 10 

So schneit man Inndj lischtuch ab 
Das mindert ein der eeren hab 
Soll mau yetz solich zipffel schneiden 
So must sich menges tischtuch leiden 
Doch will yeder der befser sein 15 

Darumb wirff loh ein annders drein 
Darmit das ich verdin kein hafs 
Ir weisen Herrnn merkent bafs 
Da man hatt zweiundneuntzig zait 
Da hetz ein wunderliche gestalt 20 

Der adel denn man pillich ert 
Der hett sich allenthalben entpert 
Vnnd zugent zu mit heres krafft 
Fürsten Herrn vnnd die ritterschafft 
Geistlich vnnd welllich die da hellen 25 

Ein schonen zeug vnnd die von sielten 
Die kamen starck mit rofs vnd Leuten 
Ich gedacht mir was wil das bedeuten 
Es fuget sich an eim morgen fru 

Da zugens all dem Lechfelt zu 30 

Vnnd Marggraff Fridrich hochgeborn 
Denn hett der keyser auserkorn 
Zum obersten haubtmann Inn dem feldt 
Da sach man menge schone zeldt 
Vnnd hübschen zeug mang stolczen man 35 

Der Marggraff fürt des kaysers fan 
vnnd ruckt dem payerlandt vil zu nech 
In kurtzen tagen vber lech 
Da lag das Heer ein ziemlich weil 
vonn Landsperg lecht ein halbe meil 40 

Des must verderben menger man 
Der nie kein schuld an Sachen gewan 



11 Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 12 

Ich fingt ein weisen woibedaelil Vnnd gibt denn Landen annder knrtlen 95 

wer solchen zeug halt zamenbraclit T-hetl wir nach rechter Ordnung warllen 

45 Der sprach mein Hanns du waist doch wol was vnns der Kayser schaff vnnd hiefs 

Das ein Römischer Kayser sol Das wir das Iheten on verdrifs 

De? heiligen reychs ein merer sein vnnd hielten ciislenliche gesatz 

Del's halt man Im genumen ein So wer wir vor der Turcken Iratz 100 

Kegeiispurg war vom reich gefallen Die vnns dem glauben vasl zusetzen 

50 Die preist man vor denn stellen allen vnnd menig crislennmiiisch letzen 

Die band begangen spolt vnnd schand Die on das leiden theni' vnnd Hunger 

Hcrtzog Albrcchl aufs peicriand Das schieibt vnns ytlz der Kunig von Vngern 

Dem hand sie sich für eigen gehen Dem Romischen Kunig vnih hilff vnd rath 105 

Vnnd wollen wi ier die Ordnung streben Es hab gethan noch nie als nol 

55 wie Kayser Karl ordiielz reich Der Turck sei Im der gaunlz znmechlig 

Das lialt ylz Kayser Fridereich das wer vnns pillich bas beliechlig 

Durch die vrsach vnnd annder mer dann das wir selbs einander pslritten 

Ein solchen zeug gesendet her • vnnd voick vmpringcn crislen leuten 110 

vnnd sieht denn bandel auch darbey Als ilz die knniglich Maieslat 

60 Wer korsam oder vnkorsam sey Inn teulschen Landen furkummen hat 

vnnd was die cristenheyt anfecht Inn peyern Lannd vnnd Inn Schwaben 

wefs er sich doch verlrosten mocht Es ist nit recht das soll Ir glauben 

Doch halt das Herr durch vrsach ru Dann peid teil sollen pillicli bitten 115 

Ich sprach was thut der Kunig darzu das sollich auffrur wer vermitten 

65 Er isprach der Kunig ist hart bekümmert Seit vnns doch goll allein nit heur 

Dann sein anschlag sein zertrümmert Gesenndel hat ein groise teur 

Was er Inn Franckreich spotles duU die schwarlich halt geweret lang 

Das geschieht Im doch on all sein schult darum leut reich vnnd arm Irang 120 

Die Im hilff beistand sollen thon Gott wol sie alles leides ergetzen 

70 Die hand selbs weder frid noch son vnd das wir treulich zamen setzen 

Do wir so sauen vonn dem ding Keiser kunig fursten vnnd Herin 

Inn dem so kumbt der Romisch Kunig vnnd das wir vnnsern glauben meren 

vnnd hell vom Kajser gewalles acht Dann es halt nie so not gellion 125- 

Was er Im Handel pschlufs vnnd macht Des bifs gemant du kuniglich krön 

75- Das er daibey beleiben solt Maximilian du Ircwer helt 

Del's was Im menge peirin holt Gol hat dich auserwelt 

Das sie dem volck Inn kurtzen recken Das du solt sein ein auffenthalt 

Nit dorfften mer Ir narung strecken der cristenschar mit dem gewalt 130 

vnnd ellich lecht Inn Sch.vaben auch Wiewol du verachtet pist 

80 Jedoch gab man dem haudel nach Das wi! dir gott zu rechter frist 

Das Her prach auif zog wider hein Sein hilff vnnd gnad vonn himel sennden 

Vnnd nam der Kunig Landsperg ein das du die Sachen magst voleuden 

Wems darnach wird ist mir nil kund daran der weit ligt schwer vnd kumer 135 

Das reich die fursten vnnd der pund das hofft meng hertz auff disen sumer 

85 Die zoegen heim doch ettlich nicht Gott will dir selb thun hilff bekandt 

Die anfs des kaysers' geschefft vnnd pflicht das du der grofsen schmach vnnd schand 

Geschick wurden einzunemen die dir Inn franckreich bescheen sind 

Begenspurg die sich pillich Schemen An deinem weih vnd deinem kind 140 

Das sie vonn reich gefallen warn das du pald thusl widergelt 

90 . Onn alle not bei gutlen Jarea das rueff vnnd schreib Inn all die weit 

Nun sind sie widerumb darbey Voraus den Fursten hochgeboren 

Des sei gott gelobet der Kayser frey die dem heiligen reich haut geschworen 

Das er lat sagen was man wil vnnd glieder seind des heiligen reichs 145 

Doch gefallfsm nicht so mischt ers spil dieselben mon vnd mut ein gleichs 



13 



Anzeiger für Kunde der deutsehen Vorzeit. 



14 



da wirstu lioien oder nicht 
wer dir mit lieuen ist verpflicht 
vnnd wer dir hilff versagen thnt 

150 der fürt Im schilt die luir nit gut 

vnnd gwint sein eer ein grofsen tadel 
darnach so man dann allen adel 
Fürsten Grauen Rilter vnnd kiiecht 
Ob man dir zuhillF komeii mocht 

155 Ob man darmit das vbel geschweigt 

Si sind auch selb daraiilT genaigt 
das sie Ir err gut gleich 
Setzen zum haus vonn osterreich 
Die Schmach Ihut in Im hertzen wee 

160 Darnach so man aber mee 

die frumen kuscht die ye vnd ye 

der kuniglichen Maieslat mit grofser mye 

Gedint hau vil menig .lar 

Wann du zusamen bringst solche schar 

165 So man dann alle pristerschalTt 

vnnd pilt auch selbs vmb goltes kralTt 
Das er vns gluck vnnd hail wol geben 
So schickt sich vnnser krigen eben 
Als Josue der gott selbs bat 

170 Das sieh die sunii nit schub von stal 

Bifs er denn feinden angesigt 
Wann dein voick solcher witze pflicht 
So schickt Inn namen gotz znsamen 
In Maria vnnd Sant Gorgen namen 

175 Vnnd mach zwen haulTen aus deim her 

den ein schick mit streiltes wer 
Hin in die Engen Tuicken clug 
da finslu frumer cristen gnug 
die solich rays dir helffen enden 

180 Denn andern layl soitu senden 

Inn Franckrcich ann den vbcitheter 
Man all dis weit Ir keiner verstelter 
Vnnd gib dem handcl vor austrag 
wer itz Inn diesem landen hab clag 

185 Rieht denn vor das es hab bestand 

So mag dir werden hillT bekand 
Dann Hertzog Christoff hochgeborn 
vnnd hertzog WolfTgang auserkorn 
Sy hond dir offt grofs beistand gethon 

190 Sy soltu nit In nölen Ion 

Das wird der kuniglichen wirdigkeyt 
Ein eer wa maus Inn landen seit 
Gott woll das alle sache vnnd die 
Werd hingelegt on alle mie 

195 vnnd niemand mer trag neid noch hafs 

So gieng es aller weit des bafs 
vnnd mocht der armen werden rath 
Als Hanns Schneider gesprochen hat. 



Anm. 6. dorstcti, wagten, durflen. — ihorolt, die Herolde. — 
9. mail, Makel. Und wenn die Häupter sich eines Makels schuldig 
machten. — 11. Bekannte Strafe dessen, der sich einen Makel an 
seiner Ehre zugezogen hatte. Graf Eberhard der Greiner strafte so 
seinen Sohn, den Grafen Ulrich. — 18. Statt bafs vielleicht zu lesen 
dafs. — 22. enlperl, empört. — 31. Markgraf Friedrich von Branden- 
burg, Markgrafen Albrecht's Sohn. — 40. lecht, leicht, vielleicht, et- 
wa. Ebenso auch 79. — 55. Kaiser Karl IV., insofern er die goldne 
Bulle gab. — 56. Das, verstehe des, darum, deshalb; wie unten 
132. — 59. „und sieht hei dem Handel auch" etc. — 63. Stutl Herr 
ist zu lesen Heer. — 67. Entziehung der bereits per procura ihm 
angetrauten Anna von Bretagne und Zuriicksendung der dem König 
Karl VII. verlobten Margaretha, Maximilian's Tochter. — 70. San, 
Sühne, Versöhnung; die Innern Zwiste der deutschen Fürsten unter 
sich. — 75. Statt er ist zu lesen es. — 76. peirin, nicht Bäuerin, 
sondern Bayerin, wie nachher (79) von Schwaben geredet wird. — 
77. „das Volk in kurzen Röcken", die Kriegsleute. — 79. lecht, leicht, 
vielleicht, etwa; wie oben 40. — 87. Geschick, geschickt. — 88. 
Constructio per synesin. — 96. uinrtteii, beachten, befolgen. — 100. 
Trat!,, Trotz; — vor sein (einem Dinge), entgegentreten, hindern. — 
101. vast, sehr, stark. — 102. Iel:,en, Schaden zufügen, verletzen. — 
103. Ikeiir, liie theure, Tbeurung ; so auch 118. — 107. „Der Türke 
sei ihm der ganz (gar) zu mächtige". — 108. las betreclitig, besser 
betrachtenswerlh, besser zu bedenken. — 109. pstritten, bestritten, 
bekämpften. — 112 filrkommen, zuvorgekommen, verhindert. — 117. 
allein nit, nicht allein, nicht nur. — 119. scAicrtWi'cA, schwer, beschwer- 
lich, zur Beschwerde. — 120. „und bedrängte arme und reiche Leute". 

— 126. des bifs, des (dessen, daran) sei. — 127. Statt treioer möchte 
man lesen tewrer. — 129. Aufenthalt, Stütze, Schutz; (der cristen- 
keit zu auffenthalt, im Antrag der ungarischen Botschaft zu Nürnberg 
am 31. Gel. 1522, Türkenhilfe betreffend). — 131. Es scheint sehr 
zu fehlen. — 132. Statt das verstehe des (deshalb, dazu), wie oben 
56. — 135. Schwer, Last, Beschwerde. — 140. Dieser Beleidigung 
erwähnt auch Celtis in der Eleg. IX. aniorum II : Perfida non no- 
stras rapuit lunc Gallia sponsas, Contemnens naiam, Maxmiliane, tuam. 

— 141. Wtdergell, Vergeltung. — 143. Die Kurfürsten. — 146. „Die- 
selben mahne und mulhe ein Gleiches." — 152. den gesamniten Adel. 

— 153. Ritter und Knechte, d. h. Adelige mit und ohne Rilterwürde. 

— 157. Wol für er (eer, Ehre, 192) und gut? — 160. tnee, mehr, 
ferner. — 161. die frumen knechl können doch nur die Landsknechte 
sein. Dal's aber K. Max ihnen nicht eben gewogen war, ist bekannt. 

— 162. mye, ebenso wie 194 mie. Mühe. — 172. Wilie, Klugheit. — 
pßicht, pflegt, übt. — 177. in die Engen Turcken?  — 182. ,, Mahne alle 
diese Well (Leute), keiner von ihnen tritt dir hindernd in den Weg," — 
oder besser noch: gebt dir (weigernd) aus dem Weg, tritt zurück. 

— 185. vor, vorher. — 193. „dal's jede Sache und auch diese". — 194. 
hingelegt, beigelegt. — 196. des bafs, desto besser. — 197. der ar- 
men, der armen Leute, der Bauern. 



Ein Tei»pieli luit Dtsri^telliiiig-e» ans der Ge- 
seliiclit« Ti-ii!«tan.s nnil Isolden». 

Von Dr. A. von Eye. 
(Hiezu eine Beilage.) 

Dem Scharfblicke des auf dem Gebiete der praktischen Alter- 
thumskunde rühmlichst bekannten Historienmalers, Prof. G. Eber- 



15 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



16 



lein zu Nürnberg; ist es gelungen, aus verstecktem Winkel 
im Dome zu Erfurt ein merkwürdiges Denkmal der Nitte des 
14. Jahrhunderts an das Licht zu ziehen; einen gestickten Tcppich 
mit Darstellungen aus der Sagenreihe von Tristan und Isolde, 
der um so mehr verulTentlicht zu werden verdient, als der 
Gegenstand in jüngster Zeit wieder von mehr als einer Seite 
in das weitere Interesse gezogen ist. 

Der Tcppich besteht aus Leinwand, die den neueren Lei- 
stungen gegenüber zwar nicht als sehr fein, aber als aufser- 
ordentlich gleichmäfsig gesponnen und gewebt erscheint. Die 
Stickerei ist mit Wolle in Art eines kurzen, von oben nach 
unten laufenden Plattstichs ausgeführt. An den zahlreichen 
Stellen, wo jene zerstört, sieht man, wie vor Ausführung der 
Arbeit die Zeichnung mit kräftigen schwarzen Strichen auf die 
Leinwand gebracht wurde und zwar von so geübter Hand, dafs 
die Nadel, obwohl mit Geschick geführt, dem Schwung der 
Linien nicht überall hat folgen können. So weit der dehnbare 
Stoff eine genaue Messung zuläfst, hält derselbe nach altem 
Pariser Mafs 12' 4" in der Länge und 2' 6" iu der Breite. 

Die Anordnung der bildlichen Darstellungen ist iu der 
Weise getroffen, dafs die einzelnen Scenen — sechsundzwanzig 
an der Zahl — je durch Säulen und mehrfach gebrochene 
Kundbogen geschieden sind, so dafs sie gewissermafsen aus 
den Durchsichten eines romanischen Bogenganges hervortreten. 
Die ganze Reihenfolge ist ober in zwei gleiche Hälften getheilt 
und nach den beiden Langseiteu des Teppichs so übereinander 
gestellt, dafs die Köpfe gegenseitig zugekehrt sind, so dafs, 
wenn wir uns den Teppich als Tischgedeck denken — was 
ohne Zweifel seine ursprüngliche Bestimmung war — jeder 
der Gäste die auf ihn fallenden Bilder in richtiger Lage vor 
sich hatte. Die iu der Mitte, aufserhalb der Rundbogen ent- 
stehenden Zwischenräume sind durch Halbfiguren bekleideter 
Engel ausgefüllt, welche, auf gezinnte Vorsprünge gestellt, eben- 
falls die Köpfe einander zuwenden. Das Ganze ist vou einer 
erklärenden Schriflrcihe umgeben, deren Buchstaben indefs zu 
grofs angelegt sind, als dafs jede Abtheilung den ihr zugehö- 
rigen Te.\l aufzunehmen vermocht hätte. Deshalb sind auch 
nicht alle Bilder erwähnt; von den genannten ist die Erklä- 
rung so kurz angegeben, dafs ersichtlich bei dem Beschauer 
eine hinreichende Bekanntschaft mit der Erzählung vorausge- 
setzt wurde. Um die Schrift läuft noch, füllend und abschlies- 
send, ein Araheskenkrauz, in welchem, abw;echselnd mit sym- 
metrischen Laubverzierungen, die gebrochenen Rundbogen sich 
wiederholen und unter denselben geflügelte, abenteuerliche Ge- 
stalten, die, den oben erwähnten Engeln einigermafsen ent- 
sprechend, an Gestall sich gleich bleiben, aber in der Beklei- 
dung und Haltung von einander abweichen. 

Jede Scene ist aus zwei oder mehreren Figuren vor land- 
schaftlichem Hintergrunde zusammengesetzt. Die Einzeluheiten 
des letzteren sind aber fast nur noch aus der zu Grunde liegen- 
den Zeichnung zu erkennen : Luft und Boden, von welchen die 
erstere leichte Angaben von Wolken, der zweite von Berg und 



Thal enthält, sind so regelmäfsig von Stickerei entblöfst, dafs 
gezweifelt werden mufs, ob sie überhaupt jemals ausgefüllt 
waren. Einzelne conventioneil geliallcne Bäume und Blätter 
machen eine Ausnahme. 

Was den Ursprung des Teppichs betrifft, so weisen die 
Inschriften unzweifelhaft auf Niederdeulschlaud. Da dieselben, 
wie bemeikt, in ihrem Verlaufe die einzelnen Darstellungen 
nicht decken, auch nur sehr nolhdürftig erklären, geben wir 
sie hier im Zusammenhange : hie . hebit . sich . dye . 
materie.vom . tristram . vnde . von . der . schon . 
ysalden . he . eisleit . he. den . worin . hie.bren- 
git. der. rote, ritter.daz . hobt . vor . den .kong. 
In . V i II l . y z a 1 d e . t r i s t ä m . in . dem . r o r e . h i . 
wisl . trislär . die . sunge . dem . Konge . hi . vurt 
. t'rstram . die . schon . ysalden . mitem .heym . 
zcu . lande . hi . rit . tristram . von . houe . hi . 
kumt . yzalde . zu . tristrä . in . den . garte. — 
Zweifelhaft bleiben in dieser Schrift die Worte: vurt . . . 
mitem heym, welche, da sie dem Orte nach auf die Ankunft 
des liebenden Paares beim Könige sich beziehen, mehr nach 
dem Sinn, als nach den Buchslaben gelesen worden. Vielleicht 
verursachte diese Unklarheit ein Schreibfehler des Zeichners, 
der sich auch sonst einige Male, sowohl in der Schrift, wie in 
den Bildern geirrt hat und gewöhnlich durch die stickende 
Hand verbessert worden ist. 

Dafs den bildlichen Darstellungen die Bearbeitung der Sage 
durch Gottfried von Strafsburg nicht zu Grunde liege, bewei- 
set sogleich die erste derselben. Ob dieses mit dem älteren 
Gedichte des Eilhard von Oberge der Fall, ist aus den erhalte- 
nen Bruchstücken desselben nicht zu ersehen. Am meisten, 
doch auch nicht völlig, stimmt die Bilderreihe mit der Erzäh- 
lung des alten Volksbuches überein, wie dasselbe durch Sim- 
rock seine letzte Bearbeilung erfahren. Möglich, dafs die im 
Munde des Volkes fortgepflanzte Geschichte eine mehrfache Aus- 
bildung erlitt, und dafs eine derselben dem Verferligcr unseres 
Teppichs, wenn er. die übrigen Bearbeitungen kannte, doch vor- 
zugsweise behagte. Jedenfalls ist die abweichende Auffassung 
der Sage auf dem Gebiete der bildenden Kunst auch für die 
Literaturgeschichte nicht ohne Interesse. 

Wir sehen zunächst den König Marke und seinen Nef- 
fen Tristan, auf einer jener nachenförmigen Ruhebänke, wie 
sie bereits auf Siegeln und Miniaturen des 12. Jahrhunderts 
vorkommen, im Gespräch begriffen, einander gegenübersitzend; 
oben die Schwalbe mit dem langen Frauenhaar — bekannt- 
lich ein Motiv der Sage, welches Gottfried von Strafsburg 
mit einigem Nachdruck zurückweiset. — Auf dem folgen- 
den Bilde zieht Tristan aus, die Eigenthümerin des Haares zu 
suchen und als Gatlin für Marke zu gewinnen. Der König 
steht unter dem Thore seines Palastes; der kühne Abenteurer 
reicht ihm vom Pferde herab zum Abschiede die Hand. — Dem 
entscheidenden Draclienkampfe sind die drei folgenden Abihei- 
lungen gewidmet, — bezeichnend für die Geschmacksrichtung 




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17 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



18 



der Zeit, welche die bekannten Bcsliarien noch über ein hal- 
bes Jahrhundert lang; als Hauplbeslandlheil ihrer Verzieiungs- 
.kunst festhielt. In der ersten bohrt der Ritter vom Rosse aus 
dem feuerspeienden Ung-elhüm die Lanze in den Rachen; in 
der zweiten bekämpft er es zu Fiifs mit dem Schwerte ; in der 
dritten schneidet er demselben die Zunge aus. Die beiden letz- 
ten Scenen bewegen sich bereits vor den Rohrkolben des Sum- 
pfes, welcher im Gedichte, wie in der Volkserzähluiig eine Rolle 
spielt. 

Den Haupthelden verlassend, wendet sich der Künstler so- 
dann in vier Bildern zu dessen Nebenbuhler, dem falschen Truch- 
sefs, der hier der rolhe Ritter genannt wird und in der 
Stickerei durch rothes Haupt- und Barihaar kenntlich gemacht 
ist. Zunächst sehen wir ihn mit einem Knappen reitend, durch 
lebhafte Handbewegung den Eifer der Unterhaltung kundge- 
bend. Sodann läfst er seine Diener, deren im Volksbuche 
vier genannt werden, von welchen auf dem Teppich der Raum 
aber nur drei anzubringen erlaubte, auf sein Schwert sich Ver- 
schwiegenheit geloben, — eine Scene, die der Dichter Gottfried 
ebenfalls nicht aufgenommen, wie er überhaupt, dem Zuge sei- 
nes künstlerischen Schaffens folgend, mehr an der Verliefung 
der Charaktere und glänzenden Ausstattung seiner Ilaupthelden 
arbeitet, deren Erscheinung die rascher vorübergehenden Ge- 
gensätze wie im künstlichen Spiegellichte zu heben vorzugs- 
weise bestimmt sind, während die Volkssage, in ihrer Art mehr 
den ethischen Gehalt der Erzählung bewegend, die bösen Mächte 
in enlschiedenereu Gegensalz zu den guten stellt. — Im achten 
Bilde schlägt der rothe Ritter dem von Tristan getödleten 
Drachen das Haupt ab. Diese Darstellung wird besonders in- 
teressant, indem sie auf die Entstehung, gewissermafsen die 
innere Geschichte des Teppichs einiges Licht wirft. Während 
nämlich der Ritter, von einem Knappen begleitet, mit noch er- 
hobenem Schwerte vor dem Drachen steht, liegt dessen Kopf 
bereits, vom Rumpfe getrennt, auf dem Boden. Der Zeichner 
hat unrichtiger Weise in den aufgesperrten Rachen eine Zunge 
versetzt, die indels von der Stickerin unausgefüllt geblieben. 
Es scheint, das die letztere, ohne Zweifel eine Frau aus vorneh- 
mem Hause, das Verdienst der ganzen Conception der Arbeit hatte 
und zur Ausführung derselben einen Kunstler herbeizog, der zwar 
eine geschickte Hand besafs, aber, ohne genauere Keniitnifs des 
Gegenstandes, nur nach den Angaben der Bestellerin arbeitete, 
dafs diese endlich in Vollendung der Aufgabe sorgte, dafs da- 
rin der Geschichte ihr Recht widerfahre. — Im neunten Bilde 
bringt der rolhe Ritter das Drachenhaupt, dessen Last er in ge- 
krümmter Stellung mühsam emporhebt, dem Könige von Irland. 
Dasselbe ist noch immer weit geöffnet und diesmal ohne Zunge 
gezeichnet. 

Auf den übrigen Bildern dieser Seile des Teppichs sehen 
wir die Prinzessin Isolde, mit ihrer Magd Brangäiie das Haus 
ihres Vaters verlassend, um den wahren Ueberwinder des Dra- 
chen aufzusuchen; ferner dieselben, wie sie den ermalteten 
Tristan im Rohre finden, und diesen, wie er von den beiden 



Frauen in den Palast des Königs geführt wird ; endlich den 
sich im Bade erquickenden Helden, von Isolden, die ihn als 
Ueberwinder ihres Oheims Morolt erkannt, mit dem Schwerte 
bedroht. Brangäne hält in der letzten Darstellung ihre Gebie- 
terin vom feindlichen Vorgehen zurück, indem sie ihre Arme 
um deren Hals schlingt. 

Die folgende Seite beginnt mit einer Unterredung zwischen 
den beiden Frauen und dem Könige. In der nächsten Darstel- 
lung erscheint Tristan, von Isolden eingeführt, dem Könige die 
Zunge des Drachen darbietend. — Vom Gedicht sowohl, wie 
vom neueren Volksbuche abweichend, doch zu dem oben An- 
gedeuteten einen verstärkten Beleg fügend, stellen die beiden 
folgenden Scenen wiederum den rothen Ritter in den Vorder- 
grund. Wahrend dieser nach den beiden genannten Quellen nur 
der Verachtung preisgegeben wird und aufser Landes zieht, 
sehen wir ihn hier gefangen vor den König gebracht und so- 
dann in dessen Gegenwart mit dem Schwerte hingerichtet. 

Die beiden folgenden Darstellungen sind die in der Beilage, 
in einem Drittel des Mafsstabes, wiedergegebenen. Tristan fährt 
mit Isolde )jnd Brangäne im Schiffe von Irland ab. Die Königin 
übergibt der letzleren im Abschiede den verhängnifsvollen Lie- 
bestrank. An der anderen Seite der Säule sehen wir das Schiff 
vor dem Könige Marke landen. Dieser unterstützt die Prinzes- 
sin beim Aussteigen ; Tristan legt, vom bösen Bewufslsein ge- 
trieben, die Hände zum Beweise seiner Treue auf die Brust, 
noch ehe er begrüfst wird; Brangäne harrt, nachdem sie das 
Hündchen ihrer Herrin übernommen, des Augenblicks, wo auch 
sie das Fahrzeug verlassen kann. — Weiler sehen wir Bran- 
gäne, in den Kleidern der Prinzessin an das Lager des Königs 
geführt; das Hochzeitsmahl, dessen Gäste nur die vier bekann- 
ten Personen ausmachen; ferner den verklagten Tristan, der 
vom Hofe wegziehend von der trauernden Isolde Abschied 
nimmt; denselben im Garten, durch die in den Bach geworfenen 
Stäbe die junge Königin zur geheimen Zusammenkunft ladend; 
den geheimnifskundigen Zwerg, vor dem König die Beschuldi- 
gung der Hofleute bekräftigend, und als vorletzte die berühmte, 
im Mittelalter oft zu bildlichen Darstellungen benutzte Scene, 
wie König Marke und der Zwerg vom Baume über dem Brun- 
nen das liebende Paar belauschen und dieses, das Bild dersel- 
ben im Spiegel des Wassers erblickend, durch unverfängliche 
Reden sie täuscht. — Die letzte Darstellung bietet eine Paral- 
lele zu dem Ausgange des rothen Rillers. Wie dieser durch 
sein angemafsles Verdienst Ruhm und Leben des Hauptheldeu 
gefährdet und, überführt, mit dem Tode bestraft wird, so ge- 
schieht Gleiches mit dem Zwerge, der durch sein scheinbar 
lügenhaftes Vorgeben die Ehre der Königin wie Trislan's in 
Verdacht gebracht. Wir sehen Marke, den Zwerg bei den 
Beinen hallend, im Begriff, ihn in den Brunnen zu werfen, — 
eine Wendung der Erzählung, die wiederum in keiner der ge- 
nannten schriflliihen Quellen ihre Begründung findet, die als 
Schlufs zugleich auf das Ganze der hier gezeichneten Dichtung; 
ein eigenthümliches Licht wirft. 



19 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



20 



Die Zeil der Ensteluiiig des Teppiclis anlangend, weisen 
das darauf in Anwendung gtbrachte Coslüm, die Waffen u s vv. 
mit Enlscliiedenheil auf die Mille des 14. .ihdls. Seiner- 
seits bietet der Teppich zur Erweiterung der Kiiilurknnde die- 
ser Zeit nitiit unerlubliihe AnhaltspunUte. — Die Tracht iuinnte 
man eine burgnndisdie nennen ; sie enthalt neben der Einfaih- 
heit und Knappheit der Mode dieser Epoche nbeihaupt die er- 
sten .Anfange jener auffallenden Wuchi rungen, welche den lieich- 
Ihum der burgnndischen Lande, wie den übersprudelnden Sinn 
seiner Bewohner charakterisierte und im Laufe der nächsten 
hundert Jahre zu Ausschreitungen tiieb, wie wir sie nur in 
der Blulhe der Zopfperiüde wiederlinden. In der Ilan-tracht 
sind Slänner wie Frauen mit dem engen Kleide angelhan, das, 
auf der Brust zugeknöpft oder genestelt, bei ersteren hoch an 
den Hals hinanreicht und auf den Lenden zu Ende geht, bei 
den letzteren tief und grade ausgeschnitten ist und in langen, 
schlichten Falten hinabhängl. Die Aerniel dieses Kleides sind, 
dem Schnitte des Ganzen angemessen, für gewöhnlich ebenfalls 
enganliegend und weit auf die Hand reichend. Doch zeigen 
sich bei den vornehmeren Personen bereits die Abweichungen, 
die später eine so weit gehende eigene Ausbildung erfuhren. 
Bei den Männern weitet sich der Aermel sogleich von der Ach- 
sel an und beginnt unter dem Ellenbogen sackförmig herabzu- 
hängen, wahrend er sich am Handgelenk wieder eng anlegt. 
Doch erscheint derselbe auch schon nnmitlelbar unter dem Ober- 
arm getheilt, so dafs ein kurzer, weiter Oberärmel und ein lan- 
ger, anschliefsender Unterärmel entstehen. Bei den Frauen 
bleibt derselbe zwar unverändert; doch bekommt er eine Klappe 
auf der Schulter und damit in Verbindung stehend einen langen, 
schmalen Hängeärmel. Die Farbe des Obergewandes ist durch- 
gehend weifs ; nur bei den Frauen hat das Kleid oben einen 
schmalen, unten einen breiten Besatz; auch laufen farbige Strei- 
fen von der Hüfte herab, die, wie die erwähnten Hängeärmel, 
bei den Fürstinnen goldfaibig erscheinen. Wo die Prinzessin 
im Freien auftritt, trägt sie ein kurzes, gezaddeltes Mäntekhen, 
von grüner oder rolher Farbe, das nur den rechten Arm frei 
läfsl. Die Beinkleider der Männer sind enganliegend und mei- 
stens von getheilter Farbe. Die Schuhe haben bereits lange 
Spitzen und auf dem Fufse bisweilen noch den aus älterer 
Zeil stammenden inneren Ausschnitt Beide Geschlechter tra- 
gen den, lose die Hüften umgebenden, breiten Gürtel, biswei- 
len mit metallenen Buckelrosetten besetzt. Selbst der Zwerg 
entbehrt dieser Zierde nicht; doch dem zur Hinrichtung geführ- 
ten rothen Bitler ist sie abgenommen. 

Als Kopfbedeckung tragen fürstliche Personen stets eine 
zinnoberfarhige Krone, die .Manner, soweit sia nicht gerüstet 
auftreten, ein entblöfstes Haupt mit rund umher, bis zur Höhe 
des Nockens abgeschnittenem Haare, nach Art der später ge- 
bräuchlich werdenden Kolbe, jedoch gescheitelt. Knappen er- 
scheinen einige Male mit einer dunkelfarbigen Gngel. Bran- 
gäne trägt auf dem frei herabhängenden Ilaare einen Rosenkranz; 
die Prinzessin wird sogleich nach ihrer Verheiratung durch die 



bekannte gekräuselte Spitzenhaube als Fjau gekennzeichnet. 
Die Buslung besteht in allen Fallen aus dem einfachen Kampf- 
helm mit der llalsbrünne, dem sogen. Lendner und Eisenhand- 
sehuhen. Nur der Truchsefs führt eine eigenlhümliche, oben 
mit einem Busch, vorn mit einem Schirm versehene Kopfbe- 
deckung, die im Uebrigen zwar helmförmig, doch, nach der 
gelben Farbe der Stickerei zu schliefsen, wol nur die Bedeu- 
tung einer vornehmeren Art der Kapuze haben soll. — Die 
Schwerler sind noch breit von Klinge und erinnern mit ihrem 
starken Knopf und der geraden Parierslange an die frühere 
Zeit. Die Schilde haben die gewöhnlich vorkommende Form 
des gleichseitigen Dreiecks mit zugerundeter Spitze. Ueber- 
haupt sind Wallen sparsam zugelheilt und nur da gegeben, wo 
sie im Augenblick gebraucht werden. — Die Pferde tragen ein- 
faches Zaumzeug und hohe Sättel über kleinen Decken. 

Von Hausgcrälhen kommt wenig vor. Die Sessel haben 
stets die oben erwähnte alterthümliche Form und unterscheiden 
sich nur durch die Breite, je nachdem sie bestimmt sind, eine 
oder mehrere Personen aufzunehmen. Beim Horhzeilsmahl ist 
der Tisch mit einem tief herabhängenden weifsen Tuche bedeckt. 
Zwei grofse Brodlaibe, eine olTene und eine verdeckte Schüssel 
deuten das ganze Mahl an. Die letzteren sind ebenfalls genau 
dieselben, welche in den Miniaturen der beiden vorhergehenden 
Jahrhunderte angetrolTen werden, und es ist ersichtlich, wie 
der Zeichner bei der äufseren Ausstattung seiner Scenen mehr 
die älteren Vorbilder als die umgebende Wirklichkeit vor Au- 
gen hatte, — eine Wahrnehmung, die sich ja nicht allein in der 
miitelalterlichen Ku[ist bemerklich macht. — Die Wanne, in 
welcher Tristan das stärkende Bad nimmt, ist in Art der Him- 
melbetten mit einem rothgefülterten Vorhang überdeckt. Das 
Bett, in welchem der König gegen die gewöhnliche Auffassung 
völlig bekleidet liegt, hat eine hohe Kopflehne und rolhgemu- 
sterte Decke. 

Obwohl die Gesichter in der Zeichnung keineswegs ohne 
Ausdruck sind, wird die Stimmung des Gesprächs doch stets 
sehr glücklich durch entsprechende Handbewegung versinnlichl. 
In der Ruhe ist die linke Hand gewöhnlich in den Gürtel ge- 
steckt. Der König sitzt mit gekreuzten Beinen, auch so der 
alten Sitte gemäfs an die Würde seines Richteramtes erinnernd. 

Nahe liegt eine Vergleichung unseres Teppichs mit dem im 
Kloster Wienhausen im Honnoverscheii befindlichen, dessen 
Bilderschmuck denselben Gegenstand behandelt*). Gemein- 
sam haben beide die niederdeutschen Inschriften und, dadurch 
bezeugt, wol den Ort ihres Ursprungs. Doch tritt in der 
Sprache des letzgenannten der Charakter des Plattdeutschen 
entschiedener hervor. — Dem Aller nach mögen sie rireifsig 
bis vierzig Jahre auseinander liegen; denn, während der Erfur- 
ter Teppich über die Mitte des 14. Jahrhunderts eher hinaus- 
geht, versetzen die ganze Anlage, das Coslüm, die Waffen, na- 



*) Abgebildet in II. W. 11. Mithof's verdienstvollem Werke: „Ar- 
chiv für Kiedersacbsens KunsigescUichte", II, Taf. 6. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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mentlich die längliche Form der Schilde den Wienhaiiser geg-en 
die bisherige Annahme übereinstimmend in die erste Hälfte. Der 
letztere behandelt die Fabel ausfiihrlicher ; doch führt er sie nur 
bis zur Abfahrt Tristan's und Isoldens von Irland. Wahrschein- 
lich enthielt ein zweiter entsprechender Teppich die andere Hälfte 
der Erzählung; denn nur der VVienhauser ist ein Teppich im 
eigentlichen Sinne, während wir den Erfurter für ein ursprüng- 
liches Tischgedeck erklären ninfstcn. Ohne Zweifel diente je- 
ner neben mehreren ähnlichen Stücken, um als Tapete oder 
Bücklaken die Wände zu deckeir. Schon die vollständige Aus- 
füllung des llinlergiundes und die dadurch bedingte Steifheit 
des Stoffes liefsen einen anderen Gebrauch nicht zu. 

Was die künstlerische Ausstattung betrifft, so hat zwar 
auch die Wienhauser Stickerei die Eintheilung der Rundbogen ; 
doch sind unter dieselben nur die darauf vorkommenden Wap- 
pen gestellt. Die vorgeführten Sceneu reihen sich ohne tren- 
nende Einfassung aneinander. Erhielt der Erfinder der Erfur- 
ter Arbeit schon dadurch einen Vortheil, dafs er seine einzel- 
nen Bilder durch passende Umrahmung hervorhob, so steigerte 
er deren malerische Wirkung noch mehr durch kunstgerechte 
Behandlung und lebendigere Bewegung der Figuren. In dieser 
Beziehung ist der letztgenannte dem Wienhauser Teppich trotz 
dessen gröfserem Farbenschmucke bei weitem tiberlegen, und 
verdiente derselbe gewifs eine so vollständige Veröffentlichung, 
wie sie jener in trefflichem Farbendruck erfahren. 



•f o li a 11 11 e s IV a s . 

Am 9. Juli 1577 wandte sich Georg Ilsung zu Tratzburg, 
Landvogt in Schwaben, in einem längeren Schreiben an den 
Erzherzog Ferdinand und ersuchte diesen, er möchte Joh. Nas 
nach Augsburg senden, damit er dort predige. Da dasselbe 
zur Würdigung des viel geschmähten Polemikers bedeutungs- 
voll ist, Iheile ich die wichtigeren Stellen daraus mit: 

„Gnedigister Herr! Als sich verschine fasten zue getra- 
gen, als der Ehrwürdig vnd hochgelert Hrr Nas Docior Bar- 
fuesser ordens etlich seiner geschefft halben von Brixen hieher 
gen Äugspurg khomen vnd von dem Abt zue S. Virich alhie 
erbetten worden, dz er ihme zue gefallen dieselb fasten predi- 
gelt, hatt er alhie ain solichen beharlich* Zuelauf von den Lutte- 
rischen bekhomen, das offt von 4 bis in 5000 Personen an 
seiner Predig gewesen. Es haben sich auch aus denselben gar 
vil vernemen lassen, da gedachter Hrr Nas alleweg alhie blei- 
ben wurd, dz sy ihre Lutlcrische Kirchen verlassen vnd merer 
Iheils an sein des Nasen Predig gehen vnd vil andere auch mit 
ihnen davon ziechen wollten. Die weil den die Lulterischen 
Predicanten alhie diser Zeit gar widerwertig vndter einand^, 
vnd schier kheiner predigt wie der ander, dardurch den der 
gemain man sich fast ergert vnd ihn solche Irrunge khomen, 
dz er nit waifs, wem er schier mer zue gehen soll, so werr 



vnzweifelig zue hoffen, da gedachter Hrr Nas ein Zeit lang al- 
hie Predigen solt, er wurde in solchem Zwitracht merchlich 
grossen nutz schaffen khinden. Derhalben so bin ich nit allain 
von obgedachtem Abt, sond^ auch von vilen anseliche callioli- 
schen vnd zum Ihcil auch Lulterischen leulten alhie angespro- 
chen vnd gebetten worden, auf wege zue gedenckhen, wie vil- 
gemelter Hrr Nafs, wo nit lenger, iedoch nur auf ein Jar lang 
hieher gebracht werden möcht." — „An ietzo bey eingefalner 
Zwispalt der Lulterischen gar ein gewünste gelegenheit vorhan- 
den, also da gedachter Hrr Nas alhie predigen soll, das co- 
muny omninm indizio in khain Zweifel zue stellen, er wurde 
den gemainen man den Lulterischen predicanten gar endtziechen 
vnd an sich henckhen, welches dan nit allain für sich selbst 
ein christenlichs guets werckh were, sond* es wurde auch da- 
raus volgen, dz die catholischen alhie desto mer ruggens be- 
khomen vnd sich der Lutlerisch teglichen trulz vnd gewalts 
desto bas erwehren khindlen, bis Gott der almechlig verner 
gnad vnd ainigkhait im glauben verliehe. Darzne dan der Hrr 
Nas sua innala facundia ein treffenlich anfang machen, vnd die 
Lulterischei> Predicanten nit bafs verdruckht vnd gestrafft wer- 
den möchten " 

Ilsung's Schreiben, welches im Slatthaltereiarchive zu Inns- 
bruck liegt, gibt für die Beredsamkeit und das Wirken des 
Joh. Nas ein schönes Zeugnils und bestätigt, dal's er nicht 
ohne Gl und in einem Vertheidigungsbriefe sagen konnte: „wie 
vil hat Gott durch mich, den die Jesuitten also neiden, zu Mün- 
chen vnd Ingelstatt von Ketzerthumb zur catholischen Kirchen 
bracht. So waifs ich, dafs so oft der Dr. Canisius zu Strau- 
bing einen Menschen bekhert hat, also, dafs Ir etlich lausend 
ad unilatem khomen sein vnd dise heuchler dörffen lestern, es 
sey nit gralia gratum faciens." — 

Innsbruck. Dr. Zingerle. 



Besclireilmiis einer Pilgerfahrt In da!^ sre- 
lolite liaiiil, aus dein 14. Jaltrli. 

In der Papierhandschrift Nr. 500 unseres Klosterarchivs 
Qnde ich unter kanonistischen und ordensgeschichtlichen Mate- 
rien eine etwa bisher unbekannte Beschreibung einer Pilgerfahrt 
in's h. Land aus dem 14. Jahrhundert, jedoch jedenfalls von 
einer Hand des 15. Jahrh. abgeschrieben. Potthast's Wegwei- 
ser etc., S. 1002 erwähnt das Schriftchen wenigstens nicht. 

Die Widmung, welche der Beschreibung vorangeht, beginnt 
folgendermassen : „Reuerendissimo palri dc domino suo domino 
Petro abbati Aule Regie, Cislerciensis ordinis, Pragensis dyoe- 
cesis Gwilhelmus de Waldenftls miles" . . . Diesen füge ich 
die Stellen, welche die Persönlichkeit des Verfassers betreffen, 
bei. „Accepti (schreibt er) beneficij immemor esse nolens 
menle reuohio sedula beneficiorum opera, que mihi anno pre- 
terito in domo vestra, aula regia, hylariter et benignis affecti- 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



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bus plus qiinm duobiis mensibus et mee familie oslendislis et 
uoleiite Honiiiio cisdcm exliibitoribus, cum ad iios reuersus fuero 
giatuite et omni studio respoudebo. Et nunc quidem quia apud 
dominum meum Thalariandum relragoricum (!) liluli beali Petri 
ad vincula presbilerum cardinalcm iu curia Auione moram fa- 
cere adhuc me oportet amplius quam pulabam, co qnod domi- 
nus mens multum fuil de mco aduentu de sua gracia jocunda- 
tus et negocia mea omnia, de quibus apud iios exlslcns dixe- 
ram uobis, ad finem iam disposuit seu disponit et ordinal per- 
optatum, hys finilis per Coloniam Agrippinam propter quedam 
negocia ibidem Icrminanda rcdicns ad uos in Aulam regiam 
reuerlar volente domino perpeluc permansnrum. Trahit me ad 
vos amor vester, allicit me duicissima habitacio domus vestre, 
et percipue vestrorum filiorum deuocio et nil me retrahere po- 
lest nisi mors sola." Die Schrift selbst betreffend schreibt 
er: „Verumtamen iibellum meum, quem ad instanciam prefati 
domini mei Cardinalis de statu lerne sa nc t e compilaui, vo- 
bis, vi rogaslis et cgo vi promisi per Franciscum Chrisliani 
de Praga seruiloris mei Iransmilto." Die Widmung der dem 
Abt von Königinhof übermachten Abschrift datiert „Auione a. d. 
1337 in die saucli Michaelis". 

„Incipit prologus in librum de quibusdam parlibus ultra- 
marinis et prccipue de terra sancta. Sicul audiuimus sie et 
vidimus in ciuilate domini — ut a me vestra preciara ad do- 
minum et ad lerram ipsins deuocio requisiuit." Als Ursache sei- 
ner Pilgerfahrt gibt er an : „Ipsam igitur (sc. hanc benediclam 
terram) tamqnam patriam et heredilalem ex lide Christi mihi 
quodammodo dcbilam visitare a puericia desideraui, ut vide- 
rent testes oeuli, qne proposila sepius erant auri." Der eigent- 
liche Text beginnt: „Egressus igitur de Alemannia, terra na- 
tinilalis mee, et pertransiens Lambardiam" und schliefst: „Quod 
nobis prestare dignelur qui est benediclus in secula seculorum 
Amen. Explicit liber de quibusdam ultramarinis parlibus et 
precipue de terra sancia compilalus per nobilem virum domi- 
num Gwilhelmum de Boldensole (sie !) ad instanciam reuerendi 
patris ac domini Thalayraiidi Pelragonieum (!) tiluli sancli Petri 
ad vincula presbitcri cardinalis Anno dni Millesimo tricentesimo 
tricesimo sexto." Die Beschreibung umfafst 28 Blalt grofs 8., 
ca SOzeilig, einspaltig. Sollte diese Schrift noch ganz unbe- 
kannt sein, so verdient selbe jedenfalls eine nähere Unler- 
sachung. Die Angaben scheinen genau zu sein. 

Lambach in Oberösterreich. 

P. Pius Schmieder, Archivar. 



M 

C 

X 

X 

u 



Alter Zauber- oder Segeiissprucli. 

Im Diöcesan - Museum zu Freising findet sich ein 
geschmackvoller Tisch der golhischen Zeil (c. 1450). 
Derselbe zeigt auf der Platte eine Inschrift, welche 
zweimal angebracht ist, einmal von unten nach oben, 
dann von oben nach unten. Die Buchstaben sind so 
untereinander gesetzt, wie sie hier getreu abgebildet 
sind. 

Offenbar ist dieses ein Zauber- oder Segens- 
spruch, der den am Tische Sitzenden nach allen Sei- 
ten hin schützen sollte. Findet sich diese Inschrift 
auch anderswo, und wie ist sie zu erklären? 
Freising. Professor Dr. Sighart. 



Geiijeeiibach's Bundseliuli. 

Karl Gödcke's Monographie und „Grundrifs" kennen drei 
Ausgaben jenes Gedichts; ich beschreibe hier eine vierte: 

Der Bundtsc hu 
Pi(3 biechlein sagt von dem bo | 
sen fürnemen der Bundtschuher, wye es sich 1 
angefeiigl geendet vnd aus kumen ist. 
(Holzschnitt: Bauer mit der Bundesfahne, links der Bund- 
schuh, rechts ein Täfelchen mit der verkehrten Jahrzahl: 
4151.) 
CI Pamphilus Gengenbach X S F. 

Nyt me yetzundt ist mein beger 
Ob yenen ainer vom bundschu wer 

Dem da für kem dieß schlecht gedieht 
Bit ich er weis verachten nicht 

So kumpt er nil yn solche not 
Als mancher yelz ist bliben todt 

Vngehorsam golt vngestrofft nit lot 
o. 0, u. J. (Nürnberg, 1514). 4 Bl. 4. Das Gedicht nimmt 
die ersten 4'/2 Seiten ein. — In München. 

SO ich betracht yetzund die weit 

Fynd ich ain ding dz mir mifsfeltt 
Das ist die grofs vngehorsamkait. 
Nürnberg. E. Weller. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaclion: Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der liierarisch -artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



U, E. Sobald 'sehe Bachdrackerei. 



BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KÜNDE DER DEÜTSCIIEN VORZEIT. 

1866. JW 1. Januar. 



Chronik des Äcrmanisclicii Museums. 



Vor Allem haben wir unseren freundlichen Lesern heule die 
angenehme Jlitiheilung zu machen, dal's eine für unser nationales 
Inslilul liochwiclilige Angelegenheit, die lange verhandelte Vorslands- 
frage, die auf voijahriger Generalversammlung des Gcsammtvcr«al- 
tungsausschusses unserer Anslall , wie letzte Seplemberchronik be- 
richtet, noch nicht zum Ausirnge zu bringen war, mit dem Schlüsse 
des allen Jahres ihre endliche Lösung gefunden hat. Nach Entge- 
gennahme des von der Commission, die unterm 3. Oct. 18G4 mit Ein- 
leitung der Vorslandswahl betraut worden war, unterm 28. Decbr. 
V. J. gegebenen ausführlichen Berichtes habin von den dermalen 31 
bei der Vorslandswahl Stimmberechtiglen bis zum 22. Januar d. J., 
als dem zur Eröflnung der Wahlzettel festgesetzten Tage, 29 ihre 
Stimmen abgegeben und diese fast mit Einhelligkeit für Herrn Au- 
crusl Essenwein, Professor an der technischen Hochschule zu 
(jfaz, sich ausge.-prochen. Da nun derselbe gedachter Wahlcommis- 
sion, in entgegenkommendster Behandlung der ihm von dieser ge- 
machten Vorschläge, eventuell bereits zur Annahme einer etwa auf 
ihn fallenden Wahl sich bereit erklart hatte, so durften wir ihn so- 
gleich auch als I. Vorstand unseres Institutes begrülsen, wenn auch 
die Ueliernahine des Amtes selbst wol erst nach einigen Monaten 
wird erfolgen können. Jlöge der Einirilt, möge das Wirken des 
Erkornen dem bisher glücklich durchgerührten nationalen Werke im 
vollsten älal'se zum Segen gereichen 1 

Auch sonst noch ist uns das neue Jahr äufserst günstig entge- 
gengetreten 

Mit Freuden haben wir da zunächst zu melden, dals Se. Hoheit, 
Herzog Ernst von S achsen- A Iten bürg gnädigst geruhte, dem 
gerinan. Museum aus der herzogl. Staatskasse eine abermalige Eei- 
hülfe von 100 Thlrn. reichen zu lassen. 

Nächsideni minderte sich die unserer Anstalt durch die Erwer- 
bung der Ireiherrl. v. .^ufselsischen Sammlungen erwachsene Schuld 
auTs Neue um 200 II., indem als aulserordentlicher Beilrag zu die- 
sem Zwecke auf allerhochslen Befehl Seiner Königl. Hoheit des 
Gro fshcr z.ogs von Hessen die Summe \on 100 11. uns zugieng, 
und Se. Durchlaucht, Fürst Günther von Schwarz bürg zu Ru- 
dolstadt der in unserer Augusichronik besprochenen fursllichen 
Stiflung schon jetzt ein weiteres gnädigstes (ieschenk von gleich- 
falls 100 fl. zu eben diesem Zwecke uns zuzuwenden geruhte. 

Das unlen folgende Verzeichnifs der jüngst verwilliglen Geld- 
beiträge läfsl, zum Theil schon in Folge neuerrichteter Pflegschaf- 
len, deren wir auch heule eine gröfsere An/ahl aufzuführen in der 
angenehmen Lage sind, einen erfieulichen Zuwachs erkennen; na- 
mentl ch ist die Bclheiligung deutscher GeiiieinHeverlrelungen und 
deultclier Vereine und Genossenschaften an der Förderung unseres 
nationalen Instilules augenfällig im Steigen. 

Von Geschenken, die unseren Sammlungen neuerdings zugien- 
gen, haben wir hier hervorzuheben: ein Exemplar des prachtvoll 
au-geslaltelen Werkes von Bodemann „Xylogiaphisclic und typogra- 
phische Incunabeln der k. öffentlichen Bibliothek zu Hannover", das 



wir als ein weiteres allergnädigsles Geschenk Sr. Majestät des Kö- 
nigs von Hannover unserer Bibliothek einzureihen hatten; was 
sodann die Kunst- und .Mterthumssanimlung betrifft: einen Gypsab- 
gufs der im Oberbayer. Archive f. valerl. Gesch. 1851/52 besprochenen 
interessanten Ingoistalter Inschrift, den wir der Güte des dortigen 
Herrn Magi-slratsralhes Berlhold verdanken, sowie ferner vom Ma- 
gistrale der Sladt Herford sehr willkommene Abdrücke der dort 
noch vorhandenen alten Siegel- und Münzsicmpel. Wie von Seilen 
des in unserer lelzlen Chronik genannten Magistrates der Stadt Burg, 
so sind uns neuerdings, wie wir mit Dank hier zu berichten haben, 
auch von den Magistralen der Städte Königsberg und Culm in 
Preul'sen Verzeichnisse der in ihren Archiven befindlichen Urkunden 
zugestellt worden. 

In dem arat 4. Januar zu Wetzlar in hohem Alter verstorbenen 
und in den weitesten Kreisen betrauerten, um historische Forschung 
hochverdienten Sladigeriehtsdirektor a. D. Dr. Paul Wigand hat 
auch unsere Anstalt einen vielfach bewährten, treuen Freund ver- 
loren. Dem Gelehrtenausschusse unseres Instilules gehörte der Ver- 
storbene seil dem 14. Febr. 1854 an. 

Einen weiteren hochverehrten Freund unseres Instiluls, der na- 
mentlich auch hier in Nürnberg selbst an der Förderung unserer 
Bestrebungen in regster Weise Anlheil genommen hat, verloren wir 
in dem durch seine tüchtigen Arbeilen um die vaterländische Ge- 
schichte hochverdienlen Senior der philosophischen Facultät derUni- 
versilät Leipzig, Professor Dr. jur. et phil. Ernst AVilhelm Gotl- 
lieb Wachsmulh, der im 82. Jahre seines Lebens, im 55. seines 
Doktorats und nach zurückgelegtem 100. Semester erfolgreichster 
akademischer Lehtlhätigkcit zu unserem und aller seiner Freunde 
und Schuler innigstem Leidwesen am 23. Januar verschieden ist. 
Mitglied des Gelchrtenausschusses unserer Anstalt war der Verstor- 
bene seit dem 1. März 1855. 

Seinen Ausirill aus ebengedachtem Ausschusse hat uns Herr 
v. Retberg auf Wettbergen in München angezeigt. 

Weitere Vertretung unserer Interessen fanden wir durch Eirich- 
tung neuer Ptlegschaficn in Hammerstein (Preufsen) und in Vi- 
cenza, sowie in den lajerischen Orlschaflen : Aichach, .\nior- 
bach, Dachau, Immenstadl, Handel, Kissingen, Lands- 
hut, .Mühldorf, Neun bürg v. W., Rottenburg, Schefslilz, 
Scholl krippen. Selb, Tür k heim. Uffeiiheim, Volk ach 
und Waldkirchen. 

An neuen, während der letzten 4 Wochen uns angemeldeten 
Geldbeiträgen haben wir, aufser den oben bereits angeführten, noch 
zu verzeichnen : 

Aus öffeutlicheu und Vereins-Kassen: Von derBurger- 
meislerei Engers (Prenlsen) 2 II , viini .Magistrate zu Herford 
(Preulsen) 811. 45 kr. (einni.), vorn M;i;>istrale zu Mülheim a. d. 
Ruhr 311. 30 kr. (einm), von der (iomcinde Sinsheim fl5aden) 
511., von der Sladigemeinde Veldeii (Bajem) 1 fl., von der Stadl- 
gemeinde Winnenden (Würtleiiiberc) 4 11. (einm ) und vom Siadl- 
ralbe zu Waidenburg (Sachsen) 3 11. 30 kr. (auf 5 Jahre) ; ferner 



27 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



28 



von den wiirllemb. Landliapilt In Nee k n rs u Im 10 fl. (einm.) und 
Obe rn<l or f y n. (einni.) ; soilnnn vom Turn \ eiein zu Ba d e n (Oisl er- 
reich) '2 11. 27 kr. (einm.). vom .Miinnet<rcsiins;vrreinL' zu t'ii.ssel 3(1. 
30 kr., von der Millvviichs{;eselUeliiill in Eselien.i« (Bayern) 4(1., 
von der Turngenieindo II ei <l e n li ei ni (Wiirlti miierg) 2(1. teinni.). 
vom Bdrpervereine in Stralsund 8(1. -lökr. , von der Butgerge- 
selLsibaft Ulm 3(1. (einm), vom Veräcböneriinjj.svercine zu Velden 
lökr, von der (ieseilseliall Coneordi;i in Weilsenburg a. S. 2(1., 
vom Leseverein dasell'sl 3(1., vom LiederKranze und vom Turnver- 
eine daselbst je III. 4,") kr. und von der (leselisebaft ..Tivoli im Kieh- 
telgebirge" zu Wunsiedel 1(1. 

Von Privaten: Amberir: Ur. Bauer, k. Uegiuirntsarzt, Id.; 
Andernach: Aoiar Henrich 1(1. 10 kr. (einm.); Arnsberg: Ap- 
pellalionsgcrichlsralb Sliindeck 2(1. (statt (luber 1 fl. 45 kr.): Aus- 
sig: Apotheker Viktor llerinaiin Walter 4fl. 40kr. (statt (rüber 1 fl. 
10 kr.) ; Bautzen: Kegif rungsraib hjengel 3 fl. 30kr.; Dachau 
(Bayern): Karl rfaflenzeller, k. Notar, 1 fl. 4.'ikr., Eduard Ziegler, 
Poslhaller und Bicrbr.iuer, 3 0.; Dresden: llinna liiicliel, geb. 
Meilsner 5 fl. lökr. (.-tatt fiüher 3 fl. 30 kr.) ; Dorpat: Dr. Theodor 
Beise, Universitats-Synilicus, 1 fl. ,'')3 kr ; Markt Erlbach: Unge- 
nannter 30 kr. (einm.); Fürth a. \V. : Notar Joseph Kobn 1 fl. ; (io- 
tha: Kreisgericlitsdirektor Beriet 1 fl. 4.0 kr., Korslreebiiungsralh 
denk 1 fl. 4r)kr., Ilolralh Jacobs (f) 1 fl. 45kr., Ulierscliulrath Dr. 
Marquard 1 fl. 4.")kr.; Hamburg: Dr. pliii. M. H. N. aus E.»sen 3 H. 
30kr. (enm), Dr. II. (jries, Sekretär des Vereins dir hamburg. Ge- 
schichte, 3 fl. 30 kr.: Ilcilbronn: l'r. med. I'ricdr. Betz 1 fl., Kauf- 
mann (iustav Kuchs Ifl., Ilaufmann (itorg Heerle Ifl., Sladtsihull- 
heils Klett Ifl. (einm), Stadiplarrer 0. H. Krauls in Landen a. N. 
Ifl., Dr. Hermann Lamparter, Kabnkbesitzer, in Waldau, '2fl., Apo- 
tki krr Phil. Lang 1 fl. 45 kr. ; II o 1 1 escha u (.llalireii) : Tbeod. Hoppe 
in Gumpoldskirihen 44 kr. (einm); I ni m ens l ad t (Bayern) : Pfarrer 
Hofs in .Pilsen 2fl ; Kempten: (Irolsbandlers - Witivve (iruber in 
Lindau 2 fl. 1.5 kr., Ed. v. Pfl^ler, Grolsb;indler, in Lindau 1 rt.4ökr. ; 
Lausanne; Gollfried von Biilow 7 fl. (einm.); Leipzig: Ernst Ju- 
lius Einsiedcl , Sieinmelzmeisler, 1 fl. 45 kr. : Lüneburg: Mediciiial- 
rath Ur. Ilillefeld Ifl. 45kr. , Obergeriebtsralh Jochnius 1 fl. 45 kr., 
Obergericblsralh Uebbelobde Ifl. 45 kr. (.-lall (ruber 1 fl. 10 kr.) ; 
Mariazell: Phnrinazeut Bernard Rölsler 1 H. lOkr. ; Muhldorf 
(Bayern): Hugo von Peler, k. Notar, Ifl. 45 kr. ; Neustadt a./S.: 
Bez. - Ger. - Dir. Bohe 2 fl. (einm.), Leonhard Geisel, kgl. Bez. Amt- 
mann, in., Karl Ilnlimann, kgl. Pfarrer, in llcscbfeld Ifl., Bez.- 
(ler. Balh Kiliaui 1 fl. (einm.), Bez. -Ger-Assessor Krieger 1 fl. (einm.); 
Neuwied: Lolimann, er.-ter Pfarrer der alleren evangeli.'chen Ge- 
meinde, 1 fl. 45 kr. ; bergu n zbu rg (Bavein) : Karl Zangerle, kgl. 
Notar, Ifl. 45kr.; übersldorf (Bayern)': Kr. Heller, k. Pfarrer, 
Ifl.; üederan (Sachsen): Kitlergutspacbter Klinger in Borriicben 
in. 45kr. (einm); Pforzheim: Gastwirth G. Aulcnrietb Ifl. 
30 kr, Sieinhandler Gustav Bacherer 1 fl., Fritz Becker, Bijouterie- 
Fabrikant, Ifl., .Mphons Benckiser, Chemiker, Ifl. 45 kr., August 
Benckiser, (üelscrei Besilzer, 1 fl. 45 kr., (Jasivvirlh Belsch 1 fl. 30kr., 
Ed. Bicblcr, Bijouterie-Fabrikant, Ifl. 45 kr., Lorenz Bil'snger. Bi- 
jouterie-Fabrikant, Ifl. 45 kr , Ludwig Diener, Bijouterie Fabrikant, 
1 fl. 45 kr., Carl Dillenius, B jouterie-Fabnkanl, Ifl. 45 kr., Ernst Dill- 
mann, Bijonterie-Fabiikiinl, 1 fl. 45 kr., Kaulmann August Dreils Ifl. 
45 kr., Theodor Fabrner, Bijouterie Fabrikant, Ifl. 45 kr., Kaufmann 
L. Franzmann Ifl., Aug. Geiwig, Bijnuieiie- Fabrikant, 1 fl. 45kr., 
Karl Grüner. II. Burgermeister, Ifl. 45 kr., Pcler Gülicb, Bijouterie- 
Fabrikant. Ifl. 45 kr. Kaulinaiin A. Ilomberger, 1 fl. 45 kr., A. Katz, 
Bijoulerie-Falirikant. 1 fl., Ileinr. Keller, Bijouierie-H"abrikanl, 1 fl. C. 
Klini, Eiuis- Macher, Ifl., Bankier A. Kuhn Id. 45kr., Friedrieh 
Kurz, Bijouterie- Fabrikant, 1 fl., Theod. Linz, Bijouterie-Fabrikant, 
Ifl., Ludwig Lucan, Eslampenr, Ifl., Gottlob Majer, Bijiiuieric-Fa- 
brikani, Ifl. 45 kr, Gastwirtb Ed. Mayer Ifl. 45 kr., Au<;. Nosgen, 
Bijouterie-Fabrikant, Ifl. 45kr., Apoibeker G. Pregi/er Ifl. 45 kr., 
L. Keimann, Chemiker, Ifl. 45kr., C. E. Rohreek, Bijouterie-Fabri- 
kant, Ifl. 30kr., Adolph Roller, Bijouterie- Fabrikant , Ifl. 45kr. 
K. Roths, BijnnlerieFabrikanl, 1 fl., Maler Karl Ruf 1 fl., G. Saacke, 
Bijouterie-Fabrikant, Ifl. 45kr., Kaufmann Ad. Sclind, Ifl., Kauf- 
mann V. Ad. Sebenck Ifl. 45kr., Hermann Schle-inger, Bijoiilerie- 
Fabrikant, 1 fl. 45 kr.. Kaspar Schmidt, überbiirgernieisler, I fl. 45 kr., 
Heinrich Schober, Bijouterie-Fabrikant 1 fl., Louis Schober, Bijouterie- 



Fabrikani, Ifl. 45 kr., Apotheker A. Schuhmacher Ifl. 45 kr., A. Süfs- 
dorfl', Bijouterie-Fabrikant, Ifl. 45 kr., Jul. Traiilz, Bijouterie-Fabri- 
kant, 111. 45kr, Christian Ungerer, Bijoulcrie-F'abrikant, 1 fl. 45 kr., 
Sieinhandler Frieilr. Walz 1 fl. 45kr., J. F. Zerrenner, Bijouterie- 
F'abrikant, Ifl. 45kr.; Salzungen: Ur Hermann lloirmann, Apo- 
theker, 4 fl. (statt früher 2 H.) ; Schäfsburg: Professor Joseph llall- 
rich 24 kr. (einm.), einige Schüler des (jymnasiuins daselbst Ifl. 
24 kr. (einm.); Schefslitz (Bayern): Frau/. Ludwig Kreppel, k. No- 
tar, Ifl. 12kr ; Schongau (Bajeru): Ediiiird lle Crignis, k. Post- 
haller, 2fl.42kr.; Schwartau (Fürsirnih. Lübeck): Mitglieder des 
Gemeiudcralhs 3 fl. 30kr. (einm.); Stralsund: Maurermeister Th. 
Teichen Ifl. (einm.); Thiengen (Baden): Marie Fischer, Fabrik- 
besilzerin, Ifl. 45 kr. ; Ulm: Finanzratb Blessing Ifl. (einm.), 
Ritter von Elvert, k. Arl.-Obersi, 2 fl. (einm ), M. D. Kieser in Winn- 
enden 1 H. (einm.), Sladiralh Plander in Winneriden Ifl. (einm.); 
Wunsiedel: Landrichter Bergmann Ifl., Kaufmann Karl Uockstroli 
in Dorflas 24 kr. 

Wahrend des letzten Monats giengen unsern Sammlungen aulser- 
dem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende (ieschenke zu: 

I. Für das Archiv. 

Dr. A. Flegler, .Vrchivvorsland des german. Museums: 
3298 a. Uebergabsbrief der Barbara Puchmairin für ihre Töchter 
1478. Pgm. 
Gustav Lomler, Überlehrer, in Salzungen : 
32i)9. Vier Aulograpben. 

Titot, überainls|)Heger, in Heiihronn : 
33UO. Stiftung des Johannes Zudel für die Johanniskirche in Worms. 
1354. Pgm. 
Slagristrat der Stadt Culm : 

3301. Verzeichniis der die Stadt Culm betreflenden Urkunden von 
1257 bis 1U4.5. Pap. 

Magistrat der Stadt Königsberg: 

3302. Verzcichnils der im siadtiseben Aichiv zu Königsberg befind- 
lichen Uikunden von 1251 — 1717. (325 Nummern.) Pap. 

II. Für die Bibliothek. 

Dr. Aug. Schleicher, llolralh und Professor, in Jena: 
18,b72. Ders., Christian Donaleitis litauische dichtungen : erste volsl. 
ausg. mit glossar. 18ü5. 8. 
Ä. Heusler, Vater, Universitats- Professor, in Basel: 

18.873. Uers., Mitlheilungen aus den Basier Ralbsbücbern aus den 
Zeilen des dreilsigjahr. Krieges. 8. Sonderabdr. 

Dr. J. M. SÖItl, k. gell. Ilnusarcbivar u. Piolessor, in München: 

18.874. Ders., Jlax IL, König von Bayern. 1865. 8. 

18.875. Auentinus, Imp. Henrici quarti Caes. Aug. vita. 1518. 4. 
Dr. C. E. V. Malortie, k. hannov. Staats- u. Haus - Minister, 

Dberhofniarschall u. geh. Ralh, Excellenz, in Hannover: 
18,87G. Ders , Beitrage zur Gesebicble des Braunschw. - Lüneburg. 
Hauses u. Hofes; 5. Heft. 1866. 8. 
Josef Haltrich, Gymnasial-Professor, in Schäfsburg: 

18.877. Ders., Plan zu Vorarbeiten für ein Idiotikon der siebenburg.- 
sachs. Volkssprache. 1865. 8. 

Dr. G. D. Teutsch, Pfarrer, in Agnetheln : 

18.878. Ders., Abrils der Geschichte Siebenburgens ; 2. Aufl., I.Heft. 
1865. 8. 

C. 'W. KreideVs Verlag in Wiesbaden : 

18.879. Schliepbake, Geschichte von Nassau; 2. Halbband. 1866. 8. 

Vandenhoeck & Ruprechtes Verlag in Göttincen : 

18.880. Müldener, bibliotbeca historica ; 12. Jahrg., 2. Heft. 1864. 8. 

Rudolph Weigel, Verlagsbandlung, in Leipzig: 

18.881. V. Retberg, kuliurgeschicbtliche Briefe. Ib65. 8. 

!*• A. Frind, bischofl. Notar, k. k. Gymnasialdirektor, inEger: 

18.882. Ders., die Kirchengeschichte Böhmens; II. Bd. 1866. 8. 

18.883. Progiamm des k. k. Staats Obergymnasiums zu Eger. 1865. 8. 
J. G. Böfseuecker, Verlagsbuchhandl., in Kegenshurg: 

18.884. Mettenleiter, aus der musikalischen Vergangenheit bayri- 
scher Städte. 1866. 8. 



29 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



30 



Dr. E. Zober, Professor und SlaHcbililiothekar, in Siralsiind : 

18.885. Ders. , d. Vereinigung des eliemaligen l'oninierns u. Kügens 
mit d. preuls. Slaate. 1865. 8. 

18.886. V. Bohlen, die Erwerbung Pommerns durch die Hohenzollern. 
186.1. 8. 

18.887. Ualmer, Sundia libcrala. 1865. 4. 

18.888. V. Krassow, Beilrage zur Kunde Neu-VorPommerns u. Rü- 
gens elc. 1865. 8. 

18.889. Pyl, Jlargareta von Ravenna. 1865. 8. 

18.890. V. Rosen, der Feiisierschmucli der Wallfahrtskirche zu Kentz. 
1865. 8. 

Historiseber Verein für Ermland in Braunsberg: 

18.891. Ders., Zeilschnfl elc. VIII. Hell. 1865. 8. 

18.892. Monumenla bislorjae Warniiensis : IL .'Milh., 8. Lief. 1865. 8. 
Abtbeilung: des Künstlervereius für bremische Ge- 
schichte und Alterthümer in Bremen : 

18.893. Dies., Jahrbuch; U, Bd., 1. Hallte. 1865. 8. 
Cesar Daly, Architekt, in Paris: 

18.894. Ders., revue generale de Tarchitecture etc.; 23. vol., no. 1 
— 8. 1865. -2. 

Friedr. Bntters , U. Gymnasialprofessor, in Zweibrücken: 

18.895. Ders., Panlaleon Camlidus. 1865. 4. Projr. 
Akadem. Leseverein an der k. k. Universität zu Wien : 

18.896. Ders., 4. Jahresbericht, 1864 — 65. 8. 

Dr. Friedr. Ried, grolsh. geh. Ilofialh u. Professor, in Jena: 

18.897. Materialien zur Genealogie verschiedener adeliger Familien. 
Pap.-Ils. Fasz. 18. u. 19. Jhdl. 2. 

Gustav IiOmler, Oberlehrer, in Salzungen: 

18.898. Gernhard, Diarium oder Tag- Register, dessen was sich Zeit 
des Auirenthalls des sei. Herrn D. Marl. Lutheri auf der 
Veste Coburg .... zugetragen. 1730. 4. 

18.899. Wagner, de originibus Saalfeldi. 1826. 8. 

18,900 M'agner, ausführliche Beschreibung der an dem Tisclilermei- 
sler J. G. S. Aniendc veriiblen schreckl. Mordlhat. 1831. 8. 

18.901. 14. Jahresbericht des llauptvereins .lleiningen-llildburghau- 
sen der Guslav- Adollstifiuni ; 1863 — 64. 8. 

18.902. Cerslner, die Buchdruckerkunsl in ihrer Bedeutung für Wis- 
senschaft, Staat und Wirllischaft. 1865. 8. Hill 5 Beilagen. 

III. Für die Kunst- und Alterthums- 
sammlung. 

Eisinger, Sladirechner, in Olfenburg : 

4958. Burggraflich nürnliergischer Dreier von 1622. 
Fr. Deuster in Kiizmgen : 

4959. Ein im Stliwabenberg bei Kitzinien aufgefundener Sporn. 
F. S. Eisliu, Sladlrccliner , in Thiengen: 

4960. Scliaffliaiisener .Silbeniiünze von l(j33 und Zwölfkreuzerstiick 
von Friedrich Magnus von Baden. 



Lepsius, Appell -Gerichlsralh, in Naumburg: 
4961. Lackabilruck vom SiegelslocK des Visilalors der Deutschor- 
densliallei Thiiriiijen. 

Magistrat der Stadt Burg : 
4962 2 Lackabdriicke des Sladtsicgels von Burg. 

Ungenannter in Kurnberg: 

4963. Niirnberger Heller vom Ende des 14. Jhdts. 
G. Lomler, Oberlehrer, in Salzungen: 

4964. 8 neuere Siegelabdriicke. 

Dr. Fr. Ried, grolsh. geh. Hofrath und Professor, in Jena: 

4965. Sammlung von 55 alteren und neueren, vorzugsweise Gilde- 
siegeln. 

F- Schöntag, Subrektor, in Wunsiedel : 

4966. Karte von Deutscblund von IVic. Vischer, auf Seide gedruckt. 

C. "W. Xeumann, Oberlieutenant und Adjutant, in Regens- 
burs : 

4967. Photographie nach Prekel's Porlrälmedaillon des Don Juan 
d'Ausiria. 

f. A. Frind, bischöfl. Notar und k. k. Gymnasialdirektor, in 
Eger: 

4968. 22 Lackabdrücke älterer Siegelstöcke. 
Waldvogel, Plarrer, in Schweinspoinl : 

4969. Pfahlstifffl aus der früheren Jlarxheiraer Brücke. 
Schnizleiu, Dekan, in Ansbach: 

4970. Silberne Medaille auf den Ryswiker Frieden. 

4971. Thaler der Sliidt Scliw. Hall, 1712. 

4972. 6 kleiner^ Silbermünzen. 
Müller, Pfarrer, in Pleinfeld: 

4973. Ansicht von Burg und Markt Kipfenberg, Photographie. 

4974. 3 kleinere Silbermünzen. 
Dr. H. Becker in Dortmund : 

4975. 12 nicderland. Kupfermünzen vom 17. u. 18. Jhdt. 
Schnizlein, Stadlgericblsassessor, in Nürnberg: 

4976. Konstanzer Silberkreuzer, 14 Kupfermünzen vom 17. u. 18. 
Jhdt. und 5 Kupiermarken. 

E. Ziegler , Juwelier, Gold- und Silberarbeiler, in Nürnberg: 

4977. Brabanler Silbermünze König Philipp's II. von 1562. 

K. Berthold, Wachszieher und Magistralsrath, in Ingolslatt: 

4978. Gypsabguls der am Sclilolslhore zu Ingolslatt eingehauenen 
Inschrift von 13G8. 

D. Soldau's Buch- und Verlagshandlung in Nordea : 

4979. Phologr. .Ansicht der Stadt Norden. 
S. Frosser, Burjermeister, in Herford: 

4980. 14 Lackabdrücke von Herforder Stadt-, Gilde- u. a. Siejeln. 

4981. 25 Lackabdnicke von den im Archiv zu Herford befindlichen 
Münzstimpeln. 

Frl. Clemeutine Heuuig in Schleiz: 

4982. Sporn vom 16. Jhdl. 



Chronik der historischen Vereine. 



Anzeiger der kaiserlichen Akademie der Wissen- 
schaften. Philosophisch- historische Classe. II. Jahrgang. 1865. 
Nr. I.-XXIX. Wien. 186.5. 8. 

Oberbayerisches Archiv für vaterländische Ge- 
schichte, herausgegeben von dem historischen Vereine von 
und für Überbayern. Seclisundzwanzig>ler Band. Erstes Heft. 8. 

Kleine Hulfsinillel beim Studium der Bayerischen Geschichte. 
Von Dr. Chr. Iläulle. Erste Serie. I. Richtige Zählungsweise der 
gleichnamigen Willclsbachischen Regenten in Bayern. II. Schema 
der Regierungsjahre aller Witlelsbacher in Bayern. III. Chronolo- 
gische Darstellung der sammtliclien Landeslhciliingen iu Bayern. — 
Die Reihenfolgen der Gerichts- und Verwallungsbeiimlen Allbayerns 
Dach ihrem urkundlichen Vorkommen vom Xlll. Jahrhundert bis zum 



Jahre 1803. Milgetheill von ErnesI Geifs. Erste Abtheilung. Ober- 
bayern. 

Sechsundzwanzigster Ja h res- Be ric ht desselben Vereins. Für 
das Jahr 1863. Erslallet in der Plenarversammhing am 1. August 
1864 durch den ersten Vorstand Friedrich lleklor Grafen Hundt. 
München, 1864. 8. 77 Sin. 

Kirchenschmiick. Ein Archiv für kirchliche Kunst- 
schöpfungen und christliche A It er I h u nisk u n d e. Heraus- 
gegeben unter der Leitung des christlichen Kunstvereins 
der Diöcese Roltcnburg. Reiligirl von Pfarrer Laib und De- 
kan Dr. Schwarz. XVIII. Band, zweite lliilfle. Achter Jahrgang 
1865. Viertes Viertcljahrsliefi. Slutlgart. 8. 

Archäologische Notizen: Schnitzer und Maler: Testament des 



31 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



32 



Scliriflen des Vereins für die Geschichte der SladI 
Berlin. Ersler Band, llefl I. Die Chronik der Cölner Stadischrei- 
her von 1542 — 1605. — Die Wendland'sche Chronik von ](!48 — 
1701. Berlin. In Commission bei A. Bath. 1805. 8. 104 Sin. 

Bremisches Jahrbuch. Herausgegeben von der Abthei- 
lung des Künstler Vereins für Bremische Geschichte 
und AI te rth ii uier. Zweiter Band. Erste llalfic. Mit einem Holz- 
schnitt und zwei Stcindrucktafeln. Bremen, Verlag von C. Ed. Mül- 
ler. 1865. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Die erste Abiheilung des Werks : 
,, Denkmale der Gtschichic und Kunst der freien llansesladt Bremen.'- 
Von II. A. Miiller. — Philipp Cäsar. Ein Lebensbild aus der Bre- 
mischen Kircbengeschichte. Von J. II. Kohlrnann. — Ueber llcer- 
gevvelle und Kifielgerade nach Bremischem Hechle. Von Dr. A. 
II. Post. Nebst Urkunden- Anhang. — Beilrage zur Geschichte des 
Kalhskellers in Bremen. Von J. G. Kohl. — Zur Gescbichle der 
Bitlcr Deutschen Ordens. Mit einem llolzsehnilte und drei Tafeln. 
1. Die Fahrt der Bremer und Lilbccker nach Accon und die Sliltung 
dts Deutschen Ordens. Von D. R. Ehmlik. 2. Die Deutsrhherren-Com- 
Series Episcoporum Warmlensium. — Johannes Plastwici, De- mende zu Bremen. Von II. A. Schumacher. 3. Die Ueberreste der 
cani Varmiensis. Cbronicon de vilis episcoporum \\ arniiensium. — Bremischen Komihureigebäude. Von S. Loschen. — Ein Bremischer 
Acta de inlerciplione castri .Mleiistein. Garten im vorigen Jahrhunderl. Milgelheilt von Dr. Fr. Buchenau. 



Herzogs Johann von der Plalz ; die srhwarzen Jluttergotlesbilder : 
u. A. — Ein Gang durch 80 Kirchen. 

Zeitschrift für die Geschichte und. \lterthumskunde 
Ernilands. Im Namen des historischen Vereins für Erm- 
land herausgegeben vom Domcapitular Dr. Eichhorn. Achtes lieft. 
Mainz, 1865. Verlag von Franz Kirchheini. 8. 

Die PrSlalen des ermlandischcn Domcapilcls. Vom Uomcap. 
Dr. Eichhorn. Zur Gcsthichte des kopernikanischen Systems. 

Fortsetzung des dritten Artikels. Von Prof. Dr. Beckmann. — Ge- 
schichte der Ileiligenlinde. Forts. Von CuraUis KoUurg. — Re- 
mowe in Warmien. Von Obersleuirinsp. v. Wiuklcr. — Chronik des 
Vereins.. 

M num e n ta II i st r i a e VV a rmiens i s. II. Abtheilung. Scri- 
plores Herum Warmiensium oder (Juellenschrifien zur Geschichte 
Erinlands. Im Namen des historischen Vereins furErmland heraus- 
gegeben von Carl Peter Woelky und Johann Marlin Saage. Achle 
Lieferung. Band III. Bogen 1 — 12. Mainz. 1865. Verlag von 
Franz Kirchheim. 8. 



N a c h r i c li t c ii. 



lilterntiir. 

Neu erschienene 'Werke. 



1) Roggenwolf und Roggenhuiid. Beitrag zur germani- 
schen Siltenkundc von \Vi I he I m .M a iin h a rd t. Danzig, Ver- 
lag von Constanlin Ziemssen. 1865. gr. 8. XII u. 51 Stn. 

Nach den von .\. Kuhn zu Tage geforderten Resultaten der ver- 
gleichenden Sprachforschung, welche der Mjthendeulung zuerst eine 
sichere, schwerlich je zu erschütternde Basis errangen, lielsen sich 
auf dem Gebiete i'er Mythologie, namentlich der germanischen, neue 
Entdeckungen von wesenllitbem Belange kaum noch erwarten. 
Auch gieng die Thaiigkcil der Gelehrten dieses Fachs nun vorzüg- 
lich nur noch darauf aus, die ncn eingeschlagene Bahn weiter zu 
verlolgcn und die Richtigkeit der gefundenen Prinzipien durch de- 
ren Anwendung nach den verschiedensten Seilen hin zu erproben. 
Konnte auf diesem Wege die Wissenschaft zu wahrhaft neuem Er- 
werb zwar nicht gelangen, so gewahrten die angcslelllcn Versuche 
doch willkommene Bestätigung dafür, dals Kuhn das lange verge- 
bens gesuchte mol de l'enigmc , den rechten Schlnssel zum Ralhsel 
der Mythenbildung gefunden habe. Zugleich aber konnte nicht aus- 
bleiben, dafs die Deuiungssuchl, der die frühem Irrwege für immer 
abgeschnilten waren, von dem klar gemachten neuen Terrain aus 
abermals auf unsichere Bahnen ausschweifte. Schon Schwarlz gab 
durch seine, übrigens so schiilzbaren Arbeiten dazu bedenklichen An- 
stols. Der drohenden Gefahr nun, dals der Gewinn der neuen Ent- 
deckung durch zu leichtsinnige Ausbeulung des.*ell.cn einen Theil 
seines wissenschafllichen Ansehens wieder einbülsen möchte, wird 
von Mannhardt ein kräftiger Damm entgegengesetzt dadurch, dals er 
auf den positiven Boden der Forschung, zu den noch flielsenden 
lebendigen Quellen der Mythenkunde zurückkehrt. Wie lleilsig die 



Sammlung der Volksüberlieferungen seit dem von Grimm gegebenen 
mächtigen Anstol'se auch beirieben worden ist, so kann sich der 
Kundige doch nicht verbergen, dals sie, gegenüber den Anforderun- 
gen der Wissenschaft, fortwahrend als ungenügend sich erweise, in 
Belracht sowohl der bedeutenden Lücken, welche sich immer noch 
zeigen, als des unmelhodischen Verfahrens, welches beim Saniiueln, 
wie bei der Zers[ilitlerung der Kriille unvermeidlich war, zu häufig 
Anwendung fand, üeiilen Mangeln will M abhelfen, indem er unter 
einheitlicher, kunfliger Leitung ein möglichst ausgedehntes Länder- 
gebicl Ort bti Ort absuchen und dabei stets nur eine beslimmte 
Ueberlieferungsgrnppe nach der andern an die Reihe kommen lal'st. 
Mit den agrarischen Gebrauchen, zunächst besonders den Ernlesillen, 
hat er den Anfang gemachi, und als die erste, zwar noch nicht voll- 
kommen gereifie und daher nur als Probe dargebotene, Frucht des 
Unlernehmens haben wir die oben verzeichnete Schrift zu begrüfsen. 
Die mit dem gründlichen methodischen Sammeln, wie es von M. in's 
A\ erk gesetzt ist, vcrhundenen Vorlheile springen in die Augen. 
Nicht die Mythenkunde allein wird dabei gewinnen, das Resultat 
wird nicht einzig eine, vermöge der breileren Grundlage zu erzie- 
lende Feslerlegung der Grundprinzipien dieser Wissenschaft sein : 
auch mancher andere Zweig der Kulturgeschichte und Alterlhums- 
kunde wird durch jenes Verfahren eine bisher ungeahnte Bereiche- 
rung erlabren. Davon zeugt schon die vorliegende Schrill. Sie 
lalsl von den zahllosen Gruppen der volkslhümlichen Ueberlieferun- 
gen nur die agrarischen Gebrauche in's Auge, greift aus diesen nur 
den Gbiuhen an ein im Getreide sich aufhallendes dämonisches We- 
sen auf, erwählt aus den mancherlei Geslalten, unter welchen dieses 
Wesen dem Volks;;laubfn erscheint, zum Gegenstände der Unter- 
sucliung nur Wolf und Hund, und doch, trotz dieser Beschränkung 
des Gegenilandes und des Nichlabschlusses der Sammlung, welche 



33 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



34 



Fülle des Materials ! Was liislier vorlag, halle iinr dnrltice Notizen 
an die Hand gegeben. Kicht allein aber läl'st die Schrift den Reich- 
llium der nocli zu hebenden Schatze ahnen : sie bürgt auch auPs 
neue für die Tüchligkeit des Unternehmers. Sein warmes Interesse 
für den GegenstHud beirrt ihn nicht in der Ausüluing der besonnen- 
sten Kritik, deren Resultaten auch der kültesle Zweifler nicht leicht 
seine Beislinimung versagen wird. Auf den Inhalt der Schrift kön- 
nen wir uns hier leider nur mit wenigen Worten einlassen. Weit 
verbreitet ist der Glaube an ein dämonisches Wesen, welches im 
Getreide haust und durch das vom Wind erregte Wogen desselben 
seine Gegenwart kund gibt. Unzählige Redensarten (der Wolf gehl 
durch's Korn, sitzl im Korn, u. a. m.) bezeugen diesen Glauben, an 
welchen da und dort der Gebrauch sich knüpfi, jenes Wesen, in 
manchen Gegenden Roggenwolf oder Roggenhund genannt, in der 
letzten Garbe zu fangen. Auch auf diese Garbe oder die Binderin 
derselben gehl niitunler der Käme Wolf über. Was nun irgendwie 
an den RoggenwoH in Redensarten, Gebriiuchen, Namen, Spruchen 
und abergläubischen Meinungen erinnert, wird von 81. aus dem rei- 
chen Schatze des Gesammelten mit den noihigen Erläuterungen und 
Cumbinationen vorgeführt. Nachdem er sodann den mythischen Ge- 
hall des (jlaubens an einen Korndanion daigelegl hat, lindet er 
schliel'slich im Roggenwolf ein als Personification elementarer Natur- 
gewalten (zunüchsl ist natürlich an den Wind zu denken) zu deu- 
tendes Wesen der germanischen Riesensage. Die Ansicht, dals in 
den auf den Roggenwolf bezüglichen Ernlesitten eine Opferhandlung 
sich verslecke, weist er zurück. Auch will er mit Recht nichts da- 
von wissen, dals in dem Wolfe Wodans Thier oder gar der Gott 
selber zu suchen sei. So viel von dem Inhalt der interessanten 
Schrift. Wir kommen auf das grolsartige Sammelunternehmen des 
Verfassers, bei der Wichtigkeit desselben auch für die Zwecke des 
german. Museums, noch einmal zurück. Ein solches Unternelimen. 
welches einen Qucllenschalz der germanischen Yolkssage und Volks- 
sitlc möglich machen und nicht allein auf alle Völker germanischen 
Stammes sich erstrecken, sondern auch die Mitwirkung der slavi- 
schen und romanischen Stämme in Anspruch nehmen will, übersteigt 
natürlich die Arbeitskraft eines einzigen Mannes, auch wenn dieser 
auf die Leitung und Verarbeitung der Sammlungen sich beschrankt 
und sein ganzes Leben dieser einen Aufgabe widmet. Nur durch 
ausdauerndes Zusammenwirken vieler energischer Kralle lassen sich 
die Schwierigkeilen des Unternehmens allmShIich überwinden. Die 
Unterstützung der Sache empfehlen wir um so mehr all denen, die 
sich derselben anzunehmen vermögen, als das german. Mnseüni selbst 
das von M. jetzt in Angriff Genommene ursprünglich zu seinen Auf- 
gaben zahlte. Möge ihm gelingen, was auszurühren das Museum bis 
jetzt aufser Stande war. Dem Anfange wenigstens hat die Gunst 
der Umstände nicht durchaus gefehlt, indem die k. Akademie der 
Wissenschaften 7,u Berlin die Sammlung der agrarischen Gebrauche, 
womit das Unlernehmen erüflnet worden ist, befürwortet und der 
dabei anzuwendenden Methode zugestimmt hat, auch durch könig- 
liche Munificenz für die Deckung der nächsten materiellen Bedürfnisse 
Fürsorge gelrollen ist. Ein Aufruf zur Bcanlwortung einer Reihe 
Yon Fragen ist in 50,000 Exemplaren versandt worden, und zum 
Theil bereits inil schätzbaren Erfolgen. Die dem Geschäft des Sani- 
melns folgende Arbeit soll in zwei Theile zerfallen, von welchen der 
erste ein geographisch-ellinographisch, nach den einzelnen Landschaf- 
ten geordnetes Urkundenbuch , der andere eine sachlich geordnete 
Zusammenstellung des Stoffes enthalten wird. Anschliclsen soll sich 



ein Verzeichniis aller derjenigen, welche durch ihre Beilrage das 
Werk gefördert haben. Mögen die Sagenfreur.de sich beeilern, die- 
ses Verzeichnil's einen möglich grölslen Umfang gewinnen zu lassen I 

2) Die Stedinger. Beitrag zur Geschichte der Weser-Mar- 
schen von H. A. Schumacher, Dr. jur. Bremen, 1865. 
Verlag von C. Ed. Müller. 8. 248 Sin. 

Eine gekrönte Prcisschrilt, die den vielfach behandelten Stoff 
nach Inhalt und Form abzuschliclsen scheint. In der erslen Abthei- 
lung würdigt der Verfasser die vorhandenen Quellen und die bi,-he- 
rigen monographischen wie gelegentlichen Bearbeilungen des Gegen- 
standes, indem er gleichzeitig seinen eigenen Standpunkt beiden ge- 
genüber feststellt. Der zweite Theil umgrenzt und beschieibt den 
Schauplatz der Ereignisse, entwickelt aus den natürlichen und ge- 
schichllichen Vorlagen das Verhallnifs der benachbarten und in 
feindliche Bcriihrung geralhenden Machte, wahrend Theil III und IV: 
„Die Stedinger vor ihrer Verkelzerung und der Religionskrieg gegen 
die Stedinger", den Zusammenslols und die schlielsliche tragische Lö- 
sung der Frage berichien. Eine vierte Abtheilung verfolgt die Ge- 
schichte der merkwürdigen Banernrepublik nach deren Unterwerfung. 
Da der eigentliche hislorische Ballast den zahlreichen, an das Ende des 
Buches gestellten Noten überwiesen ist, bleibt die Erzählung gleich- 
maisig und spannend, die Darstellung so durchsichtig, dals die die 
ganze Scencrie in Bewegung setzenden Machte klar zu Tage treten. 
Abgelöst von der einzelnen Begebenheit erkennen wir die allgemeine 
Strömung der Zeit, welcher die Stedinger in ihrer gesonderten Stel- 
lung früher oder spälcr jedenfalls hallen erliegen müssen, sowie die 
Schwachen ihrer eigenen staatlichen Existenz, die sie im entschei- 
denden Augenblicke preisgaben. Ein den Noten hinzugefügter Anhang 
nimmt einzelne Punkte der Erzählung zu näherer kritischer Be- 
leuchtung wieder auf. Zwei Karten erleichtern das Verslandnils der 
oft sehr verwickelten ürlsbestimniungen. 



Aufsätze in Zeitschriften. 

Ausland: Nr. 49. Cromlechs und Druiden-Steinkreise. (Aus dem 
Inlellect. übs.) — Nr. 51. Alt- und neulriesische Sprachriroben. 
(Franz Maurer.) 

Biene: Nr. 36. Beiträge zur böhmischen Fflanzensagenkunde. IV — 
VI. (Alfr. Waldau.) — 11866): Nr. 1. Die Sage über den Ur- 
sprung der Hunnen und Ungarn. — Beil. : Weihnachtsfeier im 
Erzgebirge des nordwestlichen Böhmen. (K. G. .Meyer.) ~ Sage 
vom Prinz Eugens-Brunnen bei Temeswar. 

Kathol. Blatter aus Tirol: Nr. 34. Die Namen der Wochen- 
tage. 

(Berner) Bund: Nr. 342. 343. Zur Geschichte der Entdeckung 
der kellischen Pfahlbauten. (.Vlb. Jahn.) 

Daheim: Nr. 14. Drei Tage aus dem Leben eines Pfahlbaudorles. 
(Herrn. Wagner.) 

Europa: Nr. 51. Gaukler und Schwarzkünstler im Allerthum. — 
Nr. 52. Altfürstliche Geselligkeit. — Der erste Mairc von Slral's- 
burg. 

Ulustr. Familienbuch: V, 12, S. 411. Der Handel. Eine cul- 
türhistorische Skizze. (Hugo Schramm.) 

Greuzbolen: Nr. 50, S. 928. Walther von der Vogclweide als 
mittelalterlicher und moderner Dichter. — Nr. 51, S. 974. Weih- 



;>:-) 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



36 



naclilfii In Schleswijr-Ilolslcin. — Nr. 52, S. 1001. Vertreibung 
und .Aufnahme der Snlzburger Proteslaiilen im J. 1732. — 
(1866.) Nr. 1, S. 23. Das historische Volkslied der Deutschen. 
(G. F.) 

Hausbl.lller: 24. Ilefi, S. 453. Ilolzlandsajen. VII. Das sechste 
um! siebte Buch Jlosis in Tautinhain. (Kurt Greis.) — Nr. 4ü9. 
Die tanzenilo Prozession oder die lanzcnden Heiligen zu Ech- 
lernach. (Fr. Grebel.) — (18«ü:) 2. Hcfl, S. 117. Volkssagen, 
aus dem Munde des Volkes gesammeil. 7. Niefinlie. (Fr. Schull- 
hcis.1 

Der Katholik: Novbr. Die Entwicklung der deutschen (ieschicht- 
schreibung von den ältesten Zeilen bis auf Carl den Grolsen. 

E van gel. K i r c h en- Zeit u n g : 77, 5. (Novbr.) Der Dom des heil. 
Gr.nl. 

I\ n rres pond e n t v. u. f. D. : Kr. 654 f. Zu Pirkheinier's Gedächt- 
nils. — (18C6:) Nr. 13 ff. Wissenschaftliche Vorlriij;e in Mün- 
chen. I. Prof. Thiersch : lieber I.ulher's Entwicklungsgang. — 
Nr. 34. Erklärung einer Bune ninschrifl einer bei Nordendorf 
gefundenen Spange. (I(. Ilormann.) 

Magazin f. d. Lit. d. .\usl.: Nr. .'i2. Zum heiligen Christ. Die 
Zwölften. (II. Bela.) 

Illustr. deutsche Monatshefte: Nr. 15 (III), S. 245. Deutsche 
(leschichtsschreiber. I. Johannes von Miiller. (Wilh. Iloffncr.) 
- S. .323. Zur Geschichte des deutschen Handwerks. I. (Ludw. 
• Stahl.) 

De u I sches Museum : Nr. 50. Der Ritter Georg. (Hans Weininger.) 

FrankLeslie's Illustrated Newspaper: Nr. 534. The virgin, 
an ancient instrunient of torlure. 

N ve II en z ei tun g : Nr. 50. Der wahrscheinliche Verfasser des 
Nibelungenliedes. 

Schles. Provin z ia I h I rtiter : Nov., S. 672. Die evangelische 
Kirche in Schlesien, insbesondere die Verdienste der freiherrl. 
Familie v. Zedlilz-Ntukirch um dieselbe. Aus geschichtlichen 
Quillen und Urkunden. 

Recensionen u. Mitlheil. über bild. Kunst: Nr. 49. Die 
Tschager'sche Gemäldesammlung im Museum zu Innsbruck. 

Recensionen and Mittheilungen über Theater und Mu- 
sik: Nr. 49. Das Klavier. (Zur Geschichte desselben.) 1. Karl 
Kawraiil.) — Nr. 51. Ein Schauspiel mit Musik vom J. 1510. 
(.\lf. Grenser.) 

Berliner Revue: 43, 9. Der Theatinerorden. 

Revue gen. de rarchiteclure etc.: Kr. 1 — 2, S. 6. Cuve ba- 
plismale dans la cathedrale de Trfeves. (Ruprich-Robert.) 

Augsb. Sonntagsblatt (Beil. z. Postz.): Nr. 2. Zur Geschichte 
der Spielkarlen. 

BremerSonntagsblalt: Nr. 52. Vom schwarzen Tode. Ein Bei- 
trag zur bremischen Geschichte. (II. A. Schumacher.) — Nr. 53. 
Geschichte und Geschichtschreibung. (Alex. Meyer.) — (1866:) 
Nr. 1. Neue hansische Gescliichls-, Cullur- und Ch:irakterbilder. 
I. Die Vilalicnbrilder. (Ileinr. Asnius) — Nr. 2. Ilisiorische 
.Miscellen. 1. Ein Duell im 17. Jahrhundert. 2. Menschenopfer 
der Deutschen. 3. Vandalismus und die Vandalcn. (t'iotlfr. Her- 
mann ) 

Münch. Sonntagsblatt: Nr. 51. Die Klöpfelsnächle. Kullurhi- 
slori-clie Skizze. (Dr. L. v. Ilormann.) — Üllo der Grofse an 
der Nordsee. — Die hirchenruine des Kloslers Gnadenberg in 
der Oberpfalz. (Dr. J. Sighart.) — Nr. 53. Sl. Ulto's Slab im 



Kloster Metten. (Ders.) — (1866:) Kr. 1. Der Sftngerkrieg auf 
der Wartburg. — Nr. 3. Kaiser Oito III. am Grabe des heil. 
Adalbert. 

Ueber Land und Meer: Nr. 12. Kraw llerae de vlughel. Weih- 
nachtsbrauche. — Kr. 14. Das Kizeln (Brauch am 28. Dez.) 

Deutsche Vi e r lelja h rs-Sch ri f l : Nr. 113, S. 219. Die Ent- 
wicklung und Reform des deutsehen Pal'swesens. (G. R. R. 
Ilape.) 

Volksblatt für Stadt u. Land: Nr. 94. Ein „edler Räuber" des 
15. Jahrhunderts. — Nr. 103. Gebhard von Marenholz. 

Wochenblatt der Joh.-Ord.-Ba Hey Brandenburg: Nr. 51 f. 
Le roi te touche. (Paulus Cassel.) 

Oeslerreich. Wochenschrift: Nr. 47. Die Entwicklun" der 
deutschen Stadteverfassungen im Mittelalter. — Nr. 50. Die alt- 
niederländischen Messen in der k. k. Ambraser Sammlung zu 
Wien. (A. W. Ambros.) — Ueber den neuesten Stand der Ni- 
belungenfrage. (II. Lambcl.) 

All gem. Zeitung: Beil. Nr. 350. Der deutsche Geschichtsverein 
in Böhmen. — Nr. 363. Aachener Stadtrechnungen aus dem 
14. Jahrhundert. Karl's IV. und Wenzel's KonigsKrönungen. 

Bayer. Zeitung: Morgenbl. Nr. 344. Ein Beitrag zu den Alter- 
thümern des Hauses Willeisbach (der silberne, vergoldete Ham- 
mer, welchen Papst Julius III im Jahre 1550 bei Eröffnung des 
Jubiläums gebrauchte). — Nr. 349. Der Fund zu Gauling. (Franz 
Traulmann.) — Nr. 356 IT. Das Vehmgericht in Wesiphalen. (A. 
Eisenhart.) — (1866:) Nr. 2. Ein Schauspiel mit Musik vom 
Jahre 1510. — Nr. 6. Zur Frage der Vehmgcrichte. (H Vocke.) 
— 16 ff. Zur Culturgescliichte der Handwerksbrauche. (Franz 
Traulmann.) 

Illustr. Zeitung: Nr. 1173. Die Entdeckung römischer Alterlhü- 
mer in der Nahe von Huddersfield in England. — Schlols Tirol 
bei Meran. — Kr. 1175. Der Deutsche im französischen Sprich- 
wort. — Das Rathhaus in Brüssel. — Nordische Schachfiguren 
des 12. Jahrhunderts. 



Verniisclite jVuclirlcliten. 

1) Die Versteigerung der Kunst- und Antikensa mm - 
jung des verstorbenen Direktors Böhm in Wien ist am 18. Decbr. 
beendet worden. Namentlich für kleine Ilolzschnitzwerke wurden 
enorme Preise bezahlt. Figurchen von deutschen Meistern des Mit- 
telalters kamen auf 500 — 1000 fl. Einen wirklieh fabelhallen Preis 
erreichten zwei in Holz geschnitzte Köpfe von Ilolbein (nach Andern 
aus der burgundischen Schule), welche sammt Postament 5 Zoll hoch 
sind. Direktor Böhm halte beide Slücke vor vielen Jahren um 33 fl. 
in Wien gekauft. Es holen darauf der Wiener Kunsthändler Posonyi, 
der mit einem Angebot von 500Ofl. begann, der Kunsthändler Klee- 
mann aus Paris (für Baron James Rothschild daselbst) und der An- 
tiquitätenhändler Plach (für Baron Anselm Rothschild in Wien), 
welche die Köpfe s) in die Höhe trieben, dal's sie endlich dem 
letzlern für 11,800 0. zugeschlagen wurden. — Bei derselben Ver- 
steigerung wurde für die kgl. Geinaldegallerie in Dresden ein Bild- 
chen, Christus am Kreuze darstellend, erstanden, welches, nur S'/i 
Zoll hoch nnd halb so breit, den Preis von 3000 Thlr. erzielte. Es 
ist von Ajbrecht Dürer gemalt, trägt die Jahresznhl 1500 und soll 
seinerzeit in der Sammlung des Kaisers Rudolf II. in Prag gewe- 
sen sein. (Aus Wiener Bi.) 



37 



Anzeiger für Kunde der deutschen Viirzeil. 



38 



2) Das Kunstinstitut von Gustav Schauer in Berlin hat die Her- 
ausgabe eines photographischen Albums llolbeinischer 
Schöpfungen unternommen. In dieses Album sind die Bildnisse 
Hans llolbein's. Sigmund Holbein's, Jakob Fugger's, Lienbard Wagner's 
und des Kunz von der Rosen, ein Flügel des Sebastian-Altars, der 
Brunnen des Lebens, der Orgelflügel des Basler Münsters, die Ma- 
donna, das Leben des Morritt, vier Blätler aus dem Todtenlanz 
auf der Dolchscheide aufgenommen. " Den Text mit einer ausführli- 
chen Biographie Hans Holbein's hat Dr. Alfred Woltmann geliefert, 
derselbe Kunslforscher, welcher seit längerer Zeit mit einem gros- 
sem Werke über Holbein beschafligl ist und daher das Material zu 
solch einer Arbeit am vollständigsten beisammen halte. (Hl. Ztg.) 

cj) Der philosoph. - histori.-chen Classe der kais. Akademie der 
Wissenschaften in Wien wurde zur Aufnahme in ihre Schrifien zuge- 
sandt: „Die Utraquisten in Böhmen.'' Quellenmälsig darge- 
stellt von Dr. Clemens Borowy. Der eigentlichen Abhandlung ist 
vorausgeschickt eine Vorbemerkung, in welcher die Absicht des Ver- 
fassers bekannt gegeben wird, im Verein mit dem böhmischen Lan- 
desarchivar, Professor Gindely, die gesammlen ,, Acten des katholi- 
schen und ulraquistiscben Consistoriums " im Iti. und 17. Jahrhun- 
derle nach den bisher vorhandenen ungedruckten ()uellen zu ver- 
öffenllichen. Die Mehrzahl dieser Quellen ist in böhmischer, ein 
anderer Theil in deutscher, und ein dritter in lateinischer Sprache 
verfalst ; die Originalien befinden sieb in den .Archiven des Prager 
Erzbischofes , des Domrapilels, der k. k. böhmischen Slalthalterei, 
der Universität und anderen. Gegenstand der Abhandlung selbst ist 
die Disciplin der Ulraquislen. wie sie im Verlaufe des 16. Jahrhun- 
derts sich gestaltete. 

4) Dem böhmischen Museum in Prag hat der Stadtrath von 
Neuhaus ein werthvolles Geschenk mit elf lateinischen Foli- 
anten theologischen, naturwissenschaftlichen und lexikalischen In- 
halts gemacht, welche sSmmtlich aus der ersten Periode der Buch- 
druckerkunst stammen. Dabei ist noch ein Foliomanuscript aus dem 
Jahre 1466 befindlich, welches die Episteln des Apostels Paulus ent- 
hält. Sie sind sämmtlich wohl erhallen und mit kunstreichen Initia- 
len verziert. (III. Ztg.) 

5) Der Allerthumsforscher tjuiquerez in Delsberg (Delemont), 
Cantons Bern, hat auf dem Felsen bei Courroux die Reste ei- 
nes keltischen Dorfes mit vielen Bruchslücken von keltischen 
Töpferwaarcn von den ältesten Zeiten bis zur Einführung des Eisens, 
nebst mehreren Werkzeugen aus Stein und aus Bronze entdeckt, 
welche vollkommen mit den in den Pfahlbauten gefundenen über- 
einstimmen. (Mgbl. z. bayer. Ztg.) 

6) Ueber die Aufdeckung von vier keltischen Grab- 
stätten bei Teplitz, südwestlich von der Strasse nach Lobositz 
zwischen den Dörfern Ratsch und Woboschan gelegen, wird geschrie- 
ben : Diese Graber haben 4 Ful's Länge und 2 Fufs Breite und sind 
an den Wanden mit je einer aufrechtsiehenden Steinplatte von Gneis 
ausgesetzt, ebenso mit einer Platte bedeckt. Jedes Grab enthält vier 
Urnen von schwachgebranntem Thon, deren Inhalt aus verbrannten 
Knocheuresten besteht und Iheilweise auch einzelne Schmuckgegen- 



slände aus Kupfer aufweist; nur zwei der Urnen wurden unversehrt 
herausgehoben. Weit zahlreicher ist das Vorkommen dicht aneinan- 
der stehender flacher Schalen, höchstens 4 bis 5 Zoll hoch und 8 bis 
10 Zoll im Durchmesser, welche dicht unter der Dammerde in einer 
von kolhigcn Beslandlheilen schwarzen Erdschichte ruhen und mit 
einer Decke von basaltischen Gebilden verseben sind. Insofern die 
Knochensplitter auch Thieren angehören, durfte man es neben einer 
Begräbnilsstätte auch mit einem Opferplatze zu Ihun haben. Fürst 
Clary, in dessen Besitz die Fundslücke übergegangen sind, wird im 
kommenden Frühling geregelte Nachgrabungen an der Sielle vorneh- 
men lassen. (Hl. Ztg.) 

7) Bei dem Graben eines Brunnens zu Rudolphsheim bei 
Wien wurden in einer Tiefe vnn 5 Klaftern römische Grabsiät- 
ten mit .\schenurnen entdeckt. (Mgbl. z. B. Z.) 

8) Bei dem Markiflecken Frankenmarkt in Oberösterreich 
wurde gelegentlich von Erdabgrabungen in der letzten Zeit ein voll- 
kommen wohlerhaltener römischer Meilenstein gefunden, 
welcher die Aufschrift trägt: ..Marcus Aurelius. — Antoninus Pius." 
Der Stein ist dem Landesmuseum in Linz zur Aufbewahrung über- 
geben worden. (I||. Zig.) 

9) In Regensburg soll bei Gelegenheit der .\usschlammung 
eines Brunnens/in der Kramgasse (im ehemaligen Judenquailier) ein 
sehr interessanter Münzfund gemacht worden sein, und zwar 
von grölsern und kleineren Gold- und Silberstücken aus dem 15., 
16. und 17. Jhdt., welche, wie vermulhet wird, im dreifsigjährigen 
Kriege in den Brunnen hinabgelassen wurden. (Frk. Kur.) 

lU) Die protestantische Kirche zu Kloster-Grab in 
Böhmen, welche 1618 auf Befehl des Prager Erzbischofs Lohelius 
niedergerissen und wegen dieser Handlung, zugleich mit der Schlies- 
sung der Kirche in Braunau, die nächste Veranlassung zum dreifsig- 
jährigen Kriege wurde, ist vollständig zerstört. In einem der Stadt- 
gemeinde gehörigen, hinter dem Raihhause liegenden Obsigarlen be- 
merkt man einen kleineu viereckigen, etwas erhöhten Platz, und 
unmittelbar daneben einen noch kleineren, in ähnlicher Weise er- 
höhten Fleck. Das sind die Stellen, auf welchen sich einst das 
Kirchlein erhob. Der letzte Stein der Kirche diente noch vor we- 
nigen Jahren auf einer nahe gelegenen Kegelbahn zur Unterlage der 
Kegel und ist jetzt ebenso verloren, wie schon 1855 alle im Raih- 
hause befindlichen, über die Erbauung und Zerstörung der Kirche 
und die sich daran reihenden Ereignisse .\uskunft gebenden Urkun- 
den beseitigt worden sind. (Korr.) 

11) In Pforzheim besteht seit langer Zeit der Gedanke, das 
Andenken eines der berühmtesten Sohne dieser Stadt, Johann 
Reuchlin's, des Bahnbrechers moderner Bildung und Vorarbeilers 
der Reformation, 1455 daselbst geboren, 1522 in Stuttgart gestor- 
ben, durch Errichtung eines Denkmals zu ehren. Dieses 
Projekt ist neuerlichst von dem Medicinalrath Moppey wieder auf- 
genommen worden, welcher zwölf populäre Vorlesungen halten 
wird, deren Ertrag zur Gründung eines Reuchlin -Monuments be- 
stimmt ist, indem er hoffl, dals das Unternehmen einen Anslols zur 
Einsendung anderweitiger Beisteuern geben werde. (III. Ztg.) 



3!» 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



40 



Inserate und ßekannlniacliunij;cn. 



1| Im Verlage von E. Avenarius in Leipzig erscheint auch 
fiir das Jiihr 18Ü6 : 

Literarisches Centralblatt für Deutscliland. Ilerausge- 
jelicn viin Professor Dr. Friedr. Zarncke. Wöchentlich eine 
Nunimir von 12 — lÖ zweispaltigen Ouarlseilen. Preis vierleljahr- 
lich -2 Thlr. 

Das „Literarische Cenlrallilatl" ist gegeiiwarlig ilie einzige 
kritische Zeitschrift, welche einen Gesamnilüberblick über das 
ganze Gebiet der wissenschaftlichen ThaiigUeit Deulsclilands gewährt 
nnd in fast lückenloser Vollslandigkeil die neuesicn Erscheinungen 
auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft (selbst die Land- 
karten) gründlich, gewissenhaft und schnell bespricht. 

In jeder Nummer liefert es durchschnittlich über 20, jahrlich 
iilsip etwa 1200 Besprechungen. 

Aulser diesen Besprechunsen neuer Werke bringt es eine An- 
gabe des Inhalts aller wisseiischafllichen und der bedeutendsten bel- 
lelristisclien Journale, der Universitats- und Schulprograninie Deutsch- 
lands, Üesierrcichs und der Schweiz; die Vorlesungs- Verzechnisse 
sammtlicher Universitäten und zwar noch vor Beginn des betreffenden 
Sinics'ers; eine umfängliche Bibliographie der wichtigern Werke der 
ausländischen Literatur ; eine Uebersicht aller, in andern Zeitschriften 
erschienenen ausfuhilicliein und wissenschaftlich werthvollen Uecen- 
sionen ; ein Verzeichnils der neu erschienenen antiiiuarisclien liata- 
loge, sowie der angekündigten Bucher-Auctionen ; endlich gelehrte 
.'Vnlragen und deren iieantwortung, sowie Personal-Nachrichten. Am 
Schlüsse des Jahres wird ein vollständiges alphabetisches Register 
beigegeben. 

Prospecte und Probenummern sind durch alle Buchhandlun- 
gen und Postanstallen zu erhallen. 

2) Wichtige literarische Novität für alle Münz- 
freuade. 
Soeben erschien bei G. F. Grofsmann in Weilsensee und ist 
durch alle Buchhandlungen zu beziehen : 

Leitzmann, (Ked. d. Kuni. Zig ), ,, Wegweiser auf dem Ge- 
biete der deutschen Münzkunde" 11. Lieferung, umfas- 
send das Münzwesen des Königreichs Sachsen, Grolsherzogthums 
Sachsen-Weimar, der Ilerzogthümer Sachsen, des llerzogthums An- 
halt, der Kurslenihumer Scliwarzburg, des Furstenihums Reufs, 



Herzogthums Braunschweig, Königreichs Hannover, Churfürslen- 
thuins und Grolsherzogthums Hessen und der Landgrafschafi Hes- 
sen Homburg, der freien Reichsstädte Krankfurt a. M., Hamburg, 
Lübeck und Bremen, der Grolsherzogthümer Mecklenburg, des 
Grolsherzogthums Oldenburg, des Herzogthums Lauenburg und 
Herzogihuins Holstein. 13 Bgn. 8. geh. Preis — 27 Sgr. 
Die erste Lieferung (Preis gleichfalls — 27 Sgr.) nmfasst das 
Münzwesen des gesamniten Preufsischen Staates nnd die im 
Druck befindliche dritte Lieferung^ womit dieses so aufserst günstig 
recensierlc Werk des in numismatischen Kreisen bekannten Herrn 
Verfassers wahrscheinlich schliefst, wird das Mnnzwesen Oesterreiclis 
nebst den andern süddeutschen Staaten ausführlich behandeln. 

ö) .Alle Münz- und Alterthumsfrennde, Münzforscher etc. 
werden auf die in Weilsensee (bei Erfurt) erscheinende 
Numismatische Zeitung, 
herausgegeben von Leitzmann, aufmerksam gemacht. 

Dieselbe hat soeben ihren 33. Jahrgang begonnen und steht 
als einziges, in kürzeren Fristen erscheinendes Organ der Numis- 
matik da. Preis pro Jahrgang (26 Kummern, Inhallsverzeichnifs 
und 4—6 Münztafeln) Thlr. 2. 15 Sgr. 

Alle Postanstallen und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. 

4) In J. A. Stein's Buclihiindlung (Ad. Köllner) in Nürn- 
berg ist erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen: 
Erbstein, H. A., Dr. jur., Der MUnzfund von Trebitz bei 

Wittenberg. Ein Beitrag zur Gtschichle des deutschen Münz- 
wesens im 12. u. 13. Jhdt. INürnberg, 1866. 4. 9 Bogen und 
4 Kupferlafelii mit 75 Abbildungen. Preis 2 Thlr. 

5) Aufrage. Im Monat Novimbcr 1827 wurde aus dem Nach- 
lasse des bekannten Geschichtsforschers Thomas Ried zu Regens- 
burg nachfolgend bezeichnetes Manuscripl durch Auctionalor Auern- 
heimer ersteigert. Es ergeht an alle Freunde der Geschichlsfor- 
forschung hieinit die Bitte, gefalligst .\ufschluls darüber zu geben, 
wo dies Werk sich gegenwärtig befinden mag? 

„Bernclau, decani ecci. catli. Hatisb., tabulae steminatographicae 
et genealogicae Lcndsassiarum veleris et juuioris Palalinalus. 
Mnscript. fol." 
Hauzenstein bei Regensburg. 

Hugo (i r a f v. W a 1 d e r d o r f f. 



Der heutigen Nummer dieses Blattes ist ein Aufruf des Dr. W. Mannhardt zur Beantwortung 
von Fragen, die agrarischen Gebräuche, namentlich die Erntesitteu betr., beigelegt. Auf die in der gegen- 
wärtigen Beilage zum Anzeiger abgedruckte Besprechung der Schrift „Roggenwolf und Roggenhund" Bezug 
nehmend, ersuchen wir Alle, welche Interesse für die Sache hegen, derselben nach Kräften sich annehmen 
zu wollen. Insbesondere bitten wir darum die Herren Pßeger des Museums, .welche eine etwa erzielte 
Beantwortung der Fragen an unsere Adresse (das german. Museum) gelangen lassen wollen. Zur sachdien- 
lichen Vertheiluug stehen weitere Exemplare des Aufrufs zu Diensten. Auch über einige Exemplare der 
besprochenen Schrift haben wir noch zu verfügen, welche wir an diejenigen Herren Pfleger, die der Gegen- 
stand besonders interessiert, abzulassen bereit sind. 



Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. Fr om mann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



U. E. Sebald'ache Buchdruckerei. 



Ilf H r n b o r ;;. Das Abonnement des 
Blattes, welehcs alle Monate erscheint, 
wird {ganzjährig ang-enommen und beträgt 
nach der neuesten Posteonvention bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen Deutsch- 
lands incl. Oesterreiehs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.- 
Ful's oder 2 Thlr. preul's. 

Für Frankreich abonniert man in 
Stralsburg bei C. F. Schmidt, in Paris 
bei der deutschen Buchhandlung von F. 
Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder 
bei dem Postamt in Karlsruhe ; für t^ng- 
land bei Williams & Norgate, 14 Hen- 
rietta-StreetCovent-GardeninLondon;tur 



AIZEIdER 



FDR KUNDE DEK 



Neue Folge. 




Nordamerika bei den Postämtern Bremen 

und Hamburg. 

Alle für das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden durch den Commis- 
sionUr der literar.-artisL Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brockhaus in Leipzig, be- 
fördert. 

Inserate, welche mit den Zwecken 
des Anzeigers und dessen wissenschaft- 
lichem Gebiete in Verbindung stehen, 
werden aufgenommen und der Raum ei- 
ner Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. 
bi;reehnet. 




^ 




Dreizehnter Jahrgang. 



1866. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



Februar. 



Wisseiiscliartliclie Mtthciluii^en. 



Der ,, fränkische Krieg". 

Mitgelheilt von Jos. Baader, Ugl. Arcbivconservator, in Nürnberg. 

(Fortsetzung.) 

K r i cgsli a II dl UM g. 

Was gegen Velherg dem schlofs geliandit ist: 
Vnd alls das kriegsvolck sambt dem gescbütz von Dinckelspü- 
hel aus den negslen auf Poxberg gelzogen vnd dann das schlofs 
Vclberg iiit weit von dem wege gelegen, ist gegen demselben 
schlofs nit mer gehanndit dann das die kriegsräte vff vorgeen- 
den absagbrieff, der dem Wilhalm von Feiberg gen Velberg durch 
Herr Jörgen Truchsassen alls obersten veldlliaublman zuge- 
schickt, ir ettlich zu rofs doselbsthin gen Velberg geordenl, 
dem Wilbalm von Feiberg seinen tayl abprochen, das zimer 
heranslragen, verprennen vnd alle seine zugehörende guter vnd 
paurn zu gemains bunds hannden annemen lafsen, das dann on 
alle Verhinderung beschehen ist. 

Poxberg betreffend: Nachmals alls der oberst veldt- 
haubtman sambt den kriegsrälen vnd dem kriegsvolkh sambstags 
den 20. Jnny gen Pergershaim bey Mergelhaim gelanngt, haben 
sy den herschreyer oder parsifanndien mit einem Irumetter gen 
Poxberg geschickt, dafselb schlofs, so vff ein grofse meil wegs 
dauon gelegen, im namen Romischer kayserlicher mayeslat vnd 
gemainei- slennde des löblichen buuds zu Schwaben vnd zu der- 
selben bannt vnd gewalt sambt allem dem, das zu demselben 
schlofs gehört, erfordern lafsen. 

Demselben parsifanndten oder heerschreyer ist vff kurtze 
rede durch die innhi(ber defselben schlofs, so allein von dem 
stettlein doselbst in besetzung gewest, geannlwort, das sy inen 



nit getrauen, wider die kayserliche mayestat noch die stennde 
des schwäbischen bunds das haus Poxberg inzubehalten. Dhweil 
auch ire edleut, die Bosenberger, denselben Poxberg vnd ire 
armleut verlafsen, von inen gewichen, dcfsgleichen die lanndts- 
knecht vnd poxenmaister, so bey ynen zu Poxberg in besetzung 
gewest, bey zwainlzig starckh, abgezogen, der belegeruiig vnd 
der straich nit erwarten wollen, Westen sy sich auch nit zu- 
beschützen vnd wülten sich der Romischen kayserlichen maye- 
slat vnd gemainen stenndeu des schwäbischen bunds zu vnter- 
thanen in gnad ergeben, das schlofs sambt aller zugehör vber- 
anntworten mit der vnterdenigen bitt, sy die vnterlhanen vnd 
armen leut bey irer alten freyhait vnd gerechtigkeit bleiben 
zulafsen , vnd vor gewalt, auch iren alten edleulten den Rosen- 
bergern znbeschützen. Vnd haben alsbald aulih bey demselben 
parsifanndten dem obersten veldthaublman vnd anndern kriegs- 
rälen geschrieben, wie das nachvolgende schrifften antzaigt: 
Den wolgebornen gestrenngen vnd edln hern, hern Georgen 
Truchsäsen, freyhern zu Walburg &c., obersten veldthaubl- 
man, vnd andern Romischer kayserlicher mayestat vnd des 
löblichen bunds zu Schwaben beuelhabere vnd kriegsrälen, 
vnnsern gnedigen herrn : 
Wolgebornen gestrenngen vnd edln, gnedig, günstig, lieb 
herrn ! Euer gnad vnd gunsl alls Romischer kayserlicher maye- 
stat, vnnsers allergnedigislen herrn, vnd dcfsgleichen des bunds 
im lannde zu Schwaben, vnnser gnedigsten vnd gnedigen herrn, 
haublleul &c. haben vns alls heut durch euer gnaden vnd gunst 
gesanndten herolten vnd beuelchhabern einen fürschlag vnd for- 
drung, das haus Poxberg sambt der stall betreffend, lafsen fUr- 
tragen ; vnnler anderm eur gnaden vnd gunsten anstatt kayser- 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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licher mayeslat, vnnsers allergnedigislen Herrn, vml des lobli- 
chen bunds zu Sihwabeii das haus viid stall Poxberg aufzu- 
geben, gefordert viid begert, oder d. s lieerzugs eninsllich zu- 
gewarteo &c. Dhweil wir nun alls arm verlafseii leul einem 
solchen vberzug vorzusleen beschwerliili befinden an leib, guet 
vnd eer gar pfennllich t*cc., so isl an enr gnad vnd gunsl vnn- 
ser vnlerdenigste höchste vieisigste bin, vnns alls arm leut 
gnediglich zubedeiicken, doneben vITs vnleidenigst bittend, vn- 
sern junckhern vi:d Iren beden Schwestern ire güll vnd zinns 
jerlichen volgen vnd gnediglich zuhetrarhten, zum anndern vnns 
arm burger, auch all annder vnnser junckheru zustendig, ire 
hiiitersiisen , verwannlen, gaisllich vnd welllich leibs vnd guls 
zusichern, vnd dergleichen zum dritten vns alle der von Rosen- 
berg zu Poxberg armleut inner- vnd aufserhalb l'oxberg bey 
altem herkomen, geprauch vnd gewonheit gnediglich bleyben 
zulafsen, in gnedigslen schütz vnd schirm ziibehalleii, vnd [wol- 
len vnsj solchs vll eur gnad vnd gnnst auffordern vnd begern 
dermafsen vnterdeniglich ertzaigen vnd aller gepiir hallen, vn- 
terdenigst bittend, vns pas, dann wir arm leut reden, schrei- 
ben noch fUrlragen mögen, gnediglich zubelrachten, vns vnd 
vnser vnschuld zubeherizigen, vnd bitten euer gnad vnd gunst 
vmb gnedig mit versicherler pettschafft beschribne antwort. 
Datum Poxberg sambstags nach Jlelardi Anno A'c. 1523. 

Schultheis, burgermaister und rate 
zu Poxberg. 

Vff solche hacidluiig vnd der von Poxberg schreiben haben 
die kriegsrate am sunlag ganz fru hen Kudolffen von Ehingen. 
Bitler, haubtmann, Jacoben von VVernau vnd den zeugmaister 
Blatern Herder mit hundert pferden, auch einem zimlichen ge- 
schütz gen Poxberg geschickt vnd dafselb haus ernsllich erfor- 
dern vnd einnemcn lafsen, wie dann solchs on allen wider- 
stanndt vbergeben vnd zu des punds banden vnd gewalt alsbald 
gestellt worden ist. 

Vnd alls im selben schlofs Poxberg an trefTenlichen ge- 
schülz, alls quartonen, notschlangen, valckonetlin, Zentner- vnd 
sunst hackenpüxen in mercklicher anlzal, dalzu kugl , pulfer 
vnd annder munition, auch wein, melb . gciraid , flaisch, sallz 
vnd in allem dem, so in ein besetzung gehört, aller vorrat ge- 
funden , haben die kriegsrate obgemellen sunlag Albani geor- 
dent, das geschülz sambt seiner zugehor von dem schlofs Pox- 
berg an pefsere gewarsam zuflircn vnd gemeinem bundt zu 
gueten zubehalten. Das ist beschchen vnd also denselben sun- 
lag vnd monlag bifs vff den mittag volbrachl vnd das geschUtz 
gen Bischoff^haim gefUrt. 

Inuentarium des geschütz vnd Vorrats, so zu Poxberg im 
schlofs erobert vnd gefunden ist: Erstlich ein quartlaun, 36 
cenntner schwer, scheufft eysen 36 pfundt ; ein schlanngen steet 
doneben, vngeucrlich 26 Zentner schwer, scheufst eysen 6 
pfundt; ein stainpUxen vff einem stockh, ungeuerlich zwainlzig 
Zentner schwer; zwey valckonet, ains vff 4 Zentner schwer; ein 
qnarttaun vff einem schirmer, vngeuerlich vff 30 Zentner schwer ; 
ein schlanngen, vngeuerlich 18 Zentner schwer; im hintern 



Ihurn ein schlenglein, mit 4 redern; item mer ein schleng- 
lein in der were zu einem grol'sen sluckh , wigt 2'/2 Zent- 
ner; item 8 eiseren hacken; item 4 scharpfelin, wigt eins 
1 Zentner; item in der grofsen Stuben 20 neue hacken vnd 
neu eingefalst, zu halben Zentnern; item 4 alt gefafst hacken • 
item 2 alt vngefafst hacken ; vornen im hoff ein pockh • im 
hintern Ihurm zuoberst ein toppelhacken, mer 3 hacken, item 
mer 2 hacken; item in der werh, zum stockh genannt, ein 
centnerhacken, item mer vier halb centnerhacken, item mer 2 
halb centnerhacken, item zwo eysen feucrpüxen ; item im pü- 
xenhaus 1 centnerhacken, item zehen eysere hacken- item vff 
dem casten ein centnerhacken. item zway scharpfelin, wigt ains 
ain centner, item 2 halb centnerhacken; vnlen bey dem hintero 
kellcr 3 halb centnerhacken ; item in der hintern gefengkous 
bey 22 centner pulffers vngeuerlich item 3 centner pley ; item 
in einer keskamer in einem sackh ein centner pulffers- item 
mer in einem gewelb, do zwen stockh inn gestanden, in vier 
casten bey 40 maller melbs, item 23 scheuben saltz, item 13 
feurgabol mit feuerwerckh ; item 24 fenerhäfen ; 161 quartau- 
nenkugel, eisen; item 365 Schlangenkugel, eisen, zweyer gat- 
Uing ; item 132 valckonetkugel, plei ; item 121 scharpfelioku- 
gel, plei; mer zwo alt hackenpüxen ; item zwo eisere schrau- 
ben, domit man prucken aufschraubt. 

Vnd alls sich aber die kriegsrate besorgelen, wie dann 
etiliche kunlschafften in das vellleger komen sindt, das sich 
pfallzgraf Ludwig, churfilrst &c. , sollte erhebt vnd vorhaben, 
mit Poxberg alls noch seinem lehen vnd aigenthum vnterhaspel 
zumachen, das dafselb schlofs vermög der bundsräte beueih 
vnd Instruction nit verprennt vnd zerbrochen wurde, haben da- 
rumb die kriegsrate mit ausprennung vnd zerreifsung derselben 
pasteien vnd schlofs Poxberg desto serer geeylt vnd nit souil 
zeit genomen, das das gelraid, melb vnd wein, das, wie vor- 
gemelt, in mercklicher anlzal vcrhannden was, aufs dem schlofs 
alles gebracht werden mögen, sunder den armen leuten vfs dem 
stettlein vnd den dorfern erlaubt, das melb vnd getraid zu irem 
nutz herauszutragen, vnd nit lanng darnach durch die püxeu- 
maistere das schlofs mit pulffer, holtz vnd slro spicken, aotzün- 
den vnd verprennen lafsen, dobey dann Herr .lorg Truchsas, 
veldlhaublman, sambt andern kriegsräten gehalten vnd zugese- 
hen haben. Mittler weyl diser geschichten ist das beer zu rofs 
vnd fues sambt der artolerey vor Lauda *) im veld still gele- 
gen vnd hat vff volenndung diser hanndlung gewarltet. 

Es haben auch nachmals gemaine bundtsstennde das schlofs 
Poxberg mit aller seiner zugehor vnd nutzung, auch mit aller- 
lay beschwerden, alls dann noch vil Rosenberger vnd ir Schwe- 
stern an bemeltem schlofs alls vnschuldig personen lail gehabt 
vnd darvff vnd seiner zugehor verweist vnd noch vnendtricht 
gewest &c., phaltzgrafe Ludwigen churfürsten vmb fUnfftausent 
gülden verkaufft, zugestellt vnd vberantwort, sunderlich auch 
in ansehung, das gedachter pfallzgraf Ludwig, churfürst, sambt 



*) Stadtchen an der Jaxt. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



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andern pfaltzgrauen, seiner gnaden gebrüdere, diser zeit bunds- 
uer«aiMidte fürslen worden sindt. 

Wachbach vnd Asch hausen betreffen dt: Nachmals 
am mittwoch sanndt Johanns des taiifers tag haben herr Jörg 
Truchsass vnd die kriegsrete zwen veindtsbriefe, ainen gen W'ach- 
bacli, vnd den andern gen Aschhauseri geschiciit vnd alsbald 
verordnet den bnrgermaister von Vberlingen mit zweyeii vend- 
lin knechten, dieselben zvvay schlofser Waclibach und Aschhau- 
seii zuerfordern, eintzunemen, auszuprennen vnd alle derselben 
zngehorennde [lanrn vnd gütere zu gemains punds hannden vnd 
gewalt zubringen, wie dann solchs on allen widerslanndl durch 
gemelten bnrgermaister von Vberlingen volbracht vnd ausge- 
rieht. Vnd in denselben heusern ist weder von Vorrat, ge- 
schütz noch annderm gar nichts gefunden, sunder zuuor alles 
geflohent worden 

Handlung gegen Baibach dem schlofs: Desgleichen 
ist den Donerstag nach Jobanis Baplisle den acblzehendcn lag 
des monats juiiy vfs beuelch herr Georgen Truchsassen alls 
oberstem veldthaubtman vnd der kriegsrete durch herr WolfTen 
Böhmer, meiner lierrn eins erbern rats zu Nürnberg liaubtman, 
ein veindtsbriefe durch einen knaben vnd seinen trümmetler gen 
Baibach geschickt, die dafselb scblos erfordert, aber niemandt 
dann ellich edlfrauen vnd junckfrauen mit deinen kindlein ge- 
funden, die ob demselben veindtsbriefe seer erschrocken, sich 
cleglich gestellt, mit anizaig, das sy sich diser gewaltigen 
handinng nit versehen, vnd betten zu Gott hoffnung, es solle 
vngcrochen nit bleiben. Aber kurtz vnd des andern tags dar- 
nach bat gemeite]- Böhmer mit seinen vnd andern dei sielt 
rentlern dafselb schlofs Balbacb durch eltlich fuesknecht spicken, 
aiilzünden vnd ansprennen lafsen, vnd defselben zugehörende 
paurn vnd guelere zu gemains punds hannden angenomeii. Das 
Ist alles vngeachlet das die Bairischen reüler darob seer vn- 
luslig vnd vngeslümb waren, vollenndet vnd ansgericlit. In 
demselben schlofs sindt zwen tayl gewest, den Sützeln zusteend, 
vnd ein neügebaut haus im vorhof, das ist alles verprennt on 
einlebe verschonung. Wiewol die frauen vnd ander im schlofs 
sambt den Bairiscben reulern, so allda ir losamenl gehabt, al- 
les getafel vnd bollzwerckh vfs den Stuben vnd gemachen des 
schlofs geprochen betten, ist doch dafselb scblols mit holtz 
vnd Stroh dermas gespickt gewest vnd verordent, das ir für- 
nemen nit geholfen, sunnder alles in grundt verprennt ist. 

Verennderung des legers: Ilem freytags den neunt- 
zebenden des monats jnny ist das kriegsvoickh vor Lauda auf- 
gebrochen vnd getzogen den negsten vff Grünsfeldt, vnd die- 
selben nacht sich bey Mos, ein dorf vngeuerlich zwo meil wegs 
von Wirtzburg nidergethan vnd doselbst zwo nacht stillgelegen. 

Den Reussenberg betreffend t: Müller zeit defselben 
legers haben herr Jörg Truchsas vnd die kriegsrete einen 
vcindtsbrieffe vff das schlofs Reufsenberg dem Hanns Jörgen 
von Thüngen zugeschickt. Vnd es ist auch die mainung ge- 
west, das das kriegsvoickh solle für dafselbig schlofs Reufsen- 
berg geruckt sein, aber vff bilt vnd bewilligen des bischoffs 



zu Wirtzburg als einem bundsverwandten fUrsten vergönnt, das 
die Thüngischen panrn, zu dem Reufsenberg gehörend, an dem- 
selben schlofs den layl, souil dem Hans Jörgen von Thüngen zu- 
gestannden, selbst abprechen, das bollzwerckh heraustragen vnd 
verprennen, dagegen soll denen andern von Thüngen vnd zu- 
uorderst dem stiffl Wirtzburg zu guelem das kriegsvoickh nit 
weitter in das slifft Wirtzburg noch vber den Main gefürt 
werden. 

Zu solchem abprechen ist von den kriegsräten verordent 
bey hundert pferden darob zuhalten, damit obgemelten erpielen 
genueg bescheh. Vnter denselben reulern sind auch ellich 
Nürmbergisch renler von den erbern bürgern gewest, neben an- 
dern in dem Wirtzburgiscben glait doselbsthin vnd vviderumb 
zum hauffen gelangt, aber da ist, wie die gcmain rede gewest, 
gar leis ganngen vnd nit vil Schadens beschehen, wiewol sich 
zu diser handlung noch aridcrm fürnemen die freyen Francken 
irem pracht nach mit nichten zum widerslandt vernemen haben 
lafsen. Es haben sich auch die andern von Thüngen, so am 
Reufsenberg tayl gehabt, gegen den bundsstenden purgirt vnd 
verschriben wie hernach volgt : 

Wir nachbenannten mit namen Euslachius, Caspar und Jörg 
von Thüngen, gevelteru, alls innhaber des schlofs Reüfsenbergs, 
bekennen offenlich vnd thun knnth allermeniglich mit disem 
brief, alls gemeine slennde des bunds zu Schwaben, vmb das 
Hanns Jörg von Thüngen, vnser veiter, ire veint vnd wider- 
wertligen vnd offne achter in dem gemelten vnserm schlofs 
enthalten haben soll, fürgcnomen, darfürtzuziehen vnd dagegen 
mit slraf zuhaniidlii, vnd wir vns aber deshalben zu iren gna- 
den vnd gunsteu gefuegl vnd vff vnser enlschuldigung erlanngt, 
das ir gnad vr.d gunst vns gnediglich zu der purgalion gelafsen, 
das wir demnarli iren gnaden vnd gunsten bey vnnsern gueten 
waren treuen zugesagt, geredt vnd versprochen haben, vnd 
thun das hiemit wifsentlich in craft dits briefs, sobald ir gnad 
vnd gunst für dafselbig schlofs schicken vnd ordnen, dafs inen 
dafselbig zu stund von vns soll geoffendt vnd auffgetan wer- 
den, darjnnen mit des gedachten Hans Jörgen von Thüngen tayl 
mit zerreifsen, verprennen oder in annder wege, defsgleichen 
mit denen gülern , ime zugehörig, ires willens vnd gefallens 
zuhandln, das auch dartzu wir, vnser erben vnd nachkomen, 
solanng die ailfjarig aiiiigung des bunds zu Schwaben we- 
rel, mit der tat vnd aufserbalb rechts wider gemaine slennde 
des buniids vnd derselbigeii zugehörigen vnd verwandten nit 
sein, noch hanndln, noch die eegerürt zeit wider sy oder die 
iren zum Reufsenberg niemands enlhallen, liausen, hofen, elzen, 
trenncken öder darvfs einleben fürschub, wie der immer be- 
schehen möcht, thun sollen noch wollen, alles bey vorgemelter 
vnnser zugesagten treu, gelreulicli vnd vngeuerlich. Vnd des 
zu warem vrkunth hab ich eegenannter Euslachius von Tbüiigen 
von mein seihs vnd der obberürten Caspar vnd Jörgen von 
Thüngen, meiner zweyer vettern, bitt wegen mein aigen insigel 
zu gezeugnus offenlich an disen brief gehangen. Vnd dartzu 
haben wir all drey sambt vnd sunderlich mit vieis erpctlen den 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



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edln viid vesten Bernhartcii von Thiirigeii, vnnserii lieben bni- 
der vnd velterii, das er sein pigeii insigel, doch imc vtid sei- 
nen erben on schaden, auch olTeiilich hieran gcliangen hat ge- 
prechenhalb diser zeit vnser obberQrteii Caspar vnd Jörgen von 
ThUngen aigen insigel. Geben vnd geschehen zu Jlergelhaim 
vir freytag nach saridt Veits lag nach C'risli vuscrs lieben hern 
gepnrt runCTzehenhundert vnd in dem dreyvndzwaintzigisten jare. 

Das stet de in A\v*) belangend: So ist gegen dem 
stettlein Au dermas gehanndit, das durch den obersten veidl- 
haublman vnd die verordennten kriegsrflie ein voindlsbiiefe do- 
selbslhiti gen Au geschickt vnd dafselb sletllein, so zum hal- 
ben tayl sanibt einem schlofs dem Cunlz von Rüsenberg, vnd 
der annder halb layl dem bischoff von Wirtzburg zugestanden, 
zu hannden gemainer stcnnde des Schwäbischen bunds durch 
etliche raisige, darlzu verorderit, erfordert vnd alle rennt, zins 
vnd gült, auch die panrn doselbslhin und dem Cunlz von Ro- 
senberg zugehoreiid, zu gemains bunds hannden vnd gewalt ge- 
bracht, vnd des Cunlz von Rosenbergs hausfronen, der dann ir 
vvidcm daraulT verweist gewest, nit mer dann ir varnns, ciai- 
notter vnd claider gelalsen vnd dafselb halb sletllein Au vlT ir 
vngehorsam vnd verwUrckung darlzu vmb lausend gülden ge- 
pranntschatzt worden. 

Gege n \Va 1 1 m a n n sho nc n vndGnelza: Item montags 
den zvvenundzvvainlzigisten juiiy sind herr Jörg Truchsas. veldl- 
haubtman, vnd das kriegsvoickh fort vff Vffeiihaim seruckt, do- 
selbt den Eritag slillgelegen, in derselben zeit zv>en veiiidls- 
briell durch einen knaben gen Wallmonshouen vnd Gnelze, berie 
Cunizen von Rosenberg zugehörig, geschickt vnd dieselben 
2way heuser sambt iren zugehörendeii paurn vnd nulznngen 
erfordern lafsen. Aber in denselben heuseni ist niemandt ge- 
funden worden. 

Vff solche handlung ist erstlich das schlofs Waltmansho- 
uen, welchs dann gar geraumbt vnd ausgeleret gewest, durch 
den obersten veldlhaubtmau vnd andere haublleule verprennt, 
die paurn auch in des bunds pflichten angenomen, mit der aulT- 
lage, dhwcil sich dieselben paurn hieuor wider ir zusagen ge- 
gen herr Jörgen Truchsasen etwas vngepürlichs, vngehorsam 
vnd strafbar gehallen haben, also das sy die paurn plunderns 
oder zum wenigsten prannlschalzung wirdig gewest weren, 
das demnach die paurn zu einer straf gcmainlich vnd ein yeder 
sunderlich, sunder ainichcr were mit weifsen steblein den neg- 
sten zu den bundsräten, so damals zn Hasfurt gewest, sich stel- 
len, anlzaigeii , doselbst weilers beschaids vnd der gnade er- 
wartten sollen. * 

Vnd alsbald ist auch durch Burkharlen Marschalck von 
Pappeiiheim vnd eltlich der stett reuter das schlofs Gnelza, so 
gleichermas wie Waltmanshouen vnd etwas lustiger vnd vester 
gepaut gewest, verprennt vnd alle zugehorendc gueter vnd paurn 
zu gemains bunds banden genomen vnd huldigen lafsen. 

Zug vff das gebirg: Item mitwochs den 24. juny 1523 



*) Aub an der Gollach, 2'/5 Stunden von Ochsenfurt. 



sindt die kriegsrete mit dem kriegsvoickh aufgeprochen , iren 
Wege an der Aisch vff Windshaiin, vff Lonerstatt vnd fortt vff 
Vorchhaim genomen, doselbst zwen tag stillgelegen, das ge- 
schülz vnd anders gepefsert, auch alles geschos abschiefsen 
lafsen In demselben schieisen dann etlliche plichsenmaister, 
so ire Sachen nit in acht gehabt, von einem ladstecken vnd 
einem vefslein pulfers schaden genomen. 

Auch haben in derselben zeit die kriegsrete geratsclilaget, 
welchen w egc sy am bequemsten vff das gepirg nemen möch- 
ten, vnd derhalb beschlofsen, vff Ebermanstat vnd denselben 
grünt den negsten vff Sireitherg die wege antzunemen, als- 
dann vber die staig vff Holfeldt zuuerrucken. — Vnd alls sol- 
cher zug für Streitberg geschehen, ist es gleichwol von wegen 
der höhe der staig doselbst mit dem grofsen geschUtz vnd der 
meng der wägen gar langsam Zugängen, also das das renn- 
fendlin, der vorzng, der gewaltig häuf vnd der nachzug des 
raisigen zeugs sambl eltlichen fuesknechlen ein lange zeit vor 
Sireitherg vff der höh halten vnd vff die wagen, auch das ge- 
schülz warten mufsen. Vnd an der andern seylen des schlofs 
Streilberg ist das fuesvolkh mit dem geschütz vnd den wägen 
die staig aufwärts getzogen , vnter denen sieh ettlich fues- 
kiierhl, so zum tayl vnter eins erbern rals zu Nürmberg vend- 
lin gelegen vnd in dem nachzug verordent waren, vnterstan- 
deu, Herr Cunrat Schotten, damals haubtman vff Streilberg 
seine viseh vnd vorhen vfs einem casten zuheben vnd etlich 
pfaben znschiefsen. Darob dann herr Cunrat vnlustig vnd vn- 
willig vnd mit einer hackenpiixen vnter die knecht geschossen 
vnd alsbald einen Nürnbergischen fuesknecht gefangen, von den 
andern knechten, so nichts dartzu gelhan, mit gewalt genomen 
vnd in das schlofs gefiirt, der mainung, denselben zuhencken, 
vnd alsbald in einem stockh dermafsen etlich stund ligen lafsen, 
das demselben knecht löcher in die arm gerifsen, die ime nach- 
mals vber ettlich lauge zeit nit gehailet sind. 

Alls aber eins erbern rats diser statt haubtman, WolffBöh- 
mer, solche gewaltat erfaren, hat er sich mit ettlichen NUrn- 
bergischen liaubtleuten, fenndrichen vnd andern zu herr Jörgen 
Trnchsasen vnd den kriegsräten gefueget, dise gewaltat vnd 
den fridbrueh angetzaiget. Dem ist annders nit geholffen dann 
das Clas Seidensticker, profos, zu herr Cunraten reitten vnd 
den knecht zu seinen banden nemen soll. Das ist beschehen. 

Truppach vnd Kr ii gelstein die Schlosser au fdem 
gebirg betreffend: Nachmals vnd nemlich mittwochs den 
ersten tag des monats july haben herr Jörg Truchsas alls ober- 
ster veldthanbiman vnd die kriegsräte einen knaben mit zweien 
veinds brieuen gen Truppach, das des Wolff Heinrich von Auf- 
ses gewest, vnd Krligelstain, so Jörg Wolff von Gich zugestann- 
den, geschickt, auch nachmals dieselben zway schlofser, so dann 
gantz öde vnd verlafseu, geraumbt gefunden worden, sambt iren 
zugehörungen, alls paurn vnd ander nutzung, einnemen, gemai- 
nem bundt huldigen vnd aide thun, darnach dafselbig schlofs 
Truppach sambt den vorgepeuen im vorhof antzunden vnd ver- 
prennen lafsen. 



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Anzeiger für Kunde der deutsehen Vorzeil. 



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So ist herr Jorg Truchsas mit Wolffen Böhmer, Nürmber- 
gischeii haubtmai), viid nuderii reuteni vou dem hauffon vfF Krü- 
gelslain geruckt, dafselbi^f schlofs durch etlich fuesknccht, so 
vor der zeit daselbsthiii mit etlichen püchseiimaisteni viid reu- 
tern geordeiit waren, mit einem liechtzann, so vmb das schlofs 
gemacht gewest, spicken vnd einen vesten wolerpauten Ihurn, 
so oben im vnibhiiiff acht schuch dickli war, mit vier ihunnen 
pulffers speysen vnd den liilTt venlempfen vnd nachmals antzün- 
den lafsen, das in kurtzer zeit nach ai.tzUndung des schlofs Krü- 
gelslain derselb vcst thurm durch kiaft des pullTers von grundt 
erhebt vnd so gewalltig von seiner statt in den graben gcworf- 
fen ward, das es wnnderparlich zusehen, nit vil erfaren, sun- 
der vir disen zui; allererst gelernt ist. 

Nach Vollendung derselben taten ritten herr Jorg Truchsas 
sambt anderji widerumb dem veitleger zu, das hinter Thurnau 
geschlagen was, vnd hetten daselbst ir nachtstall. 
(Schluls folgt.) 



Verkauf eines Falirikzeieltens ans den Jah- 
ren 1433 nnil 14'3!i>. 

Mitgetheilt von F. K. Fürsten zu Hohenlohe-Waldenburg. 

Graf Hugo von Walderdorff hatte die Güte, uns zwei Ori- 
ginal-Pergamenturkunden mitzutheilen folgenden Inhalts: 

I. Urkunde von !433, „des nehsleri freilags nach gotsleich- 
namstage" (12. Juni) : Balbran (Walram) Zader, Hammermeister 
zu Weidenberg, in einen Rechtsstreit gerathen mit Erhard Frank 
zu der Hargenloh und dessen Brüdern um das Eisenz eichen , 
genannt der „Feuerhak", wobei beiden Theilen die Fuhrung die- 
ses Zeichens zuerkannt worden war, verkauft nun zu Verhü- 
tung von Irrungen, welche sich aus dem beiderseitigen Ge- 
brauche dieses Zeichens ergeben könnten, seine Berechtigung 
hieran an Albrecht Frank (Bruder des Erhard), dessen Brüder 
und Erben. 

Von den beiden, an Pergamentstreifen hängenden Siegeln 
(IV, C) von grünem Wachs in ungefärbter Schale ist das er- 
stere des Hanns Schütz zu Trautenberg nur noch zur Hälfte 
vorhanden und ganz undeutlich, das des Peter Grofs zu Zeilen- 
reulh aber noch gut erhalten. 

II. Urkunde von 1478, „am mittwochen vor letare in der 
heiligen vasten" (25. Februar) : 

Sigmund Frank, Burger zu Aurbach, thut kund : sein Vater 
sei., Hans Frank, und dessen Brüder hätten den Feuerhaken 
von ihrem Vater, Ahnherrn und Urahnherrn ererbt, solchen in 
ihren Siegeln gebraucht und hergebracht länger denn Men- 
schen-Gedächtnis ist, auch dabei den Feuerhaken auf die in 
ihren Hämmern geschmiedeten Erzeugnisse geschlagen, und so 
sei „der Feuerhak" zuletzt auf seinen Vater und auf dessen 
Bruder, Albrecht Frank durch Erbschaft gelangt. Diese beiden 



Brüder nun, beide mit „Hammerberg" (Hammerwerken) verse- 
hen, hätten sich dahin vereinigt, dafs Hans Frank und seine 
Erben auf den aus seinen Eisenhämmern hervorgehenden Er- 
zeugnissen das fragliche Zeichen auf deren Rücken, sein Bru- 
der Albrecht aber solches auf der Bah'n der Schiene auf- 
schlagen soll. Nachdem nun aber Sigmund Frank kein Ham- 
merwerk mehr besitzt und den Feuerhaken niemand billiger 
vergönnt, als dem, dem er aus angeborener Erbschaft zusteht 
zu gebrauchen, so verkauft er seine Berechtigungen zu diesem 
Zeichen an seinen I. Vetler Wilhelm Frank, Burger zu Re- 
gensburg, und verspricht, den Feuerhaken auf kein Eisen mehr 
aufschlagen zu lassen. Jedoch behält er für sich und seine 
Erben das Recht vor, denselben Feuerhaken im Siegel oder 
Petschaft auch ferner zu gebrauchen. Das Siegel des Sig- 
mund Frank ist abgerissen; die beiden anderen, an Pergament- 
streifen hangenden Siegel (IV, A, 2) von grünem Wachs in 
ungefärbter Schale, des Hanns Zugenreuter zu Zugenreut und 
des Cunz Slamersdorf zu Michelfeld, sind noch ziemlich gut er- 
halten, nur die Legenden sind verwischt*). 

Diese beiden Urkunden liefern einen weiteren, interessan- 
ten Beitrag — und zwar aus der bürgerlichen Sphäre — zu 
der Frage über Entstehung und Erwerbung der Wappen**). 
Denn, wenn es sich streng genommen im vorliegenden Falle 
nicht um den Verkauf eines Wappens im eigentlichen Sinne 
des Wortes handelt, sondern nur eines auch als Siegelbild ge- 
brauchten Fabrikzeichens***), so ist die Analogie zwischen 
beiden doch gewifs nicht zu verkennen, und 
zwar um so mehr, als wir wirklich später, 
z. B. in der ehemaligen Stiftskirche zu 
St. Emmeran in Regensburg, als Wappen der 
Frank, wie hier abgebildet, einen rothen 
Feuerhaken im von Silber und Blau schräg- 
links gelheilten Schilde finden f). 

Es wäre sehr zu wünschen, dafs noch 
andere derartige Beispiele in diesen Blättern mitgetheilt würden. 

*) Abschriften beider Urkunden befinden sich im .\rchive des 
german. Museums. 
**) S. Anzeiger f. K. d. d. V., 1865, Nr. 1. 
***) Erinnert sehr an die Hausmarken. 
t) Als Helmschmuck zwei dergleichen Feuerhaken , schräg ge- 
kreuzt. 




Zur Cieseliiclite der Entfleekung und Grken- 
nunjs; der Pfahlbauten. 

Da in neuerer Zeit über Entdeckung und erste Erkennung 
der Pfahlbauten als solcher irrthümliche Ansichten zu verbreiten 
gesucht werden, so findet sich die Zürcherische antiquarische 
Gesellschaft veranlafst, den Hergang der Sache einmal einfach 
und der Wahrheit gemSfs zur Kunde des Publikums zu bringen, 
wobei jedem, was ihm gebührt, gegeben werden soll. 



51 



Alizeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



52 



Es war im Februar 1830, als zu Mniiiiedorf am Zürich- 
see eine einer beslimnilen Anzahl Bür^rer zuständige Habe tie- 
fer gelegt ward, um bequemeres Anlanden (Irr Schiffe zu er- 
möglichen. Das dabei herausgehobene Material ward auf einer 
benachbarten Wiese alisgebreilet und erwies sich bald als See- 
schlamm und Moder, in welchem verfaultes Holz, Knochen und 
einzelne Kohlen, sowie eine Anzahl Steinbeile sich befanden. 
Durch einen Anverwandten auf diese Steinbeile aufmerksam ge- 
macht, verfugte sich Herr Dr. Ferdinand Keiler, Präsident der 
antiquarischen Gesellschaft, an Ort und Stelle, um sowohl das 
Gefundene in Empfang zu nehmen, als auch die Fundstelle einer 
genaueren Untersuchung zu unterwerfen. Die Beste des Hol- 
zes und die Steinbeile, die man damals noch für Abhäuteinslru- 
mente hielt, der Geruch des Moders und Anderes bestimmten 
Hrn. Dr. Keller zur Annahme : es habe hier, am Rande des Sees, 
eine Art von Gerberei in der Urzeit gestanden, und er Iheille 
dies der Gesellschaft als das Ergebnifs wiederholter Betrach- 
tung des Ortes und der Fundgegenstande mit. 

Von diesem Augenblicke an blieb seine unausgesetzte Auf- 
merksamkeit auf diese Gegend des Sees gerichtet. Die ganz- 
liche Lösung des Räthsels erfolgte aber erst im Jahre 1S54, 
«eil damals in Folge des höchst trocknen ^^ iniers der See- 
spiegel überaus tief slund. Herr Lehrer Aeppli zu Obernieilen 
berichtete nämlich an das Präsidium der antiquarischen Gesell- 
schaft über das Zutagetreten von Gegenständen in dem vom 
Wasser verlassenen Seebette, welche über den frühesten Zu- 
stand der Bewohner dieser Gegend Aufschlufs zu geben geeig- 
net seien. Da Herr Dr. Keller abgehallen war, sich persönlich 
an Ort und Stelle zu begeben, so veranlafsle er Herrn Prof. 
Escher von der Linth, ab Geologen, und Herrn Dr. Heinr. Meier, 
als Alterthnmskenner, statt seiner sich nach Meilen (das alte 
Mediolanuni) zu verfügen. Ersterer hatte vor Allem die Frage 
zu beantworten : ob die gefundenen Pfähle früher am Lande 
gestanden hatten. Herr Prof. Escher sprach hierauf auf das 
Bestimmteste aus, dafs die Pfähle den dortigen Terrainverhält- 
nissen gemäfs gleich von Anfang im See gestanden haben müfsten. 

Von da an begab sich Herr Dr. Keller mehrere Male nach 
Meilen, und er überzeugte sich, dafs dort im See auf den Pfäh- 
len einst Hütten stunden, ähnlich den Fischerhülten, die bis 
zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Limmal errichtet waren, 
jedoch mit dem Unterschiede, dafs erstere, gemafs der Art und 
Beschaffenheit der zwischen den Pfählen gefundenen Geräthe, be- 
wohnt, letztere jedocli nicht bewohnt waren, sondern nur zum 
Fischfang gebraucht wurden. 

Die von dieser Entdeckung iu verschiedenen Zeitungen 
gegebenen Berichte zündeten, und es kamen nun von verschie- 
denen Gegenden der Schweiz, vom Westen und Osten, Anzei- 
gen an die Gesellschaft, dafs ähnliche Pfahlbauten in den Seen 
entdeckt worden seien. Die wichtigste Entdeckung war un- 
streitig die im Bielersee, weil dort, in der Nahe von Nidau, 
in einer Untiefe, Steinberg genannt, eine Menge von Pfählen 
zu Tage traten, zwischen denen eine Masse von Thongeschirr, 



sowie Stein- und Bronzegeräihe, wie schon früher, so auch jetzt 
wieder entdeckt wurden. Herr Dr. Keller reiste bald nachher 
dahin, untersuchte mehrere Wochen hindurch die Fundorte und 
vervollständigte dadurch seine Idee von den Pfahlbauten, d. li. 
Niederlassungen in auf Pfählen im See errichteten Hütten, die 
vor ihm Niemand ausgesprochen hatte, und die damals noch 
viele Gegner und Bestreiler fand. Ja, er entschied sich dahin, 
dafs in der Urzeit sich die Bevölkerung zum Theil bleibend auf 
den Seen, wahrscheinlich zur Sicherung ihrer Personen und ih- 
rer Habe, angesiedelt gehabt. 

Dies ist der Hergang der Sache, und es ergibt sich daraus, 
dafs vor Herrn Dr. Keller Niemand eine Ahnung hatte, dafs 
diese Pfähle in den Schweizerseen Böden und Hütten trugen, 
und dafs diese Gerüste, die er Pfahlbauten benannte, von den 
Ureinwohnern bleibend bewohnt wurden. 

Zürich, Januar 1866. 

Im Namen der Zürcherischen antiquarischen Gesellschaft 
Ludwig E 1 1 mu 1 1 er. 



Ileialiiiiiielie Ciräber in Böliineii. 

Zur Ergänzung der in Nr. 12 des „Anzeigers' 1863 ge- 
brachten kurzen Notiz von der Auffindung eines Todtenfeldes 
zwischen den Dörfern Nehasitz, VVelmschlofs, Moraves und 
Wisolschaii in der Nähe der köiiigl. Kreisstadt Saaz in Böh- 
men folgt nun die Darstellung der weiteren Forschungen auf 
dieser interessanten Gräherslälte. Das Todlenfeld bei Nehasitz 
hat bei 150 W. Klafter Länge tOO W. Kl Breite. Unter der 
1 W. Schuh mächtigen Ackerkrume ' liegt die Gräberschichte 
von wechselnder Dicke 3 — 5 W. Schuh, darunter der natür- 
liche Boden, rother Lehm. Die Erde der Gräberschichle zeigt 
durchaus im trockenen Zustande ein aschenartiges, graues An- 
sehen; die chemische Untersuchung ergab den grofsen Gehalt 
derselben an kohlensaurem Kalk. Die Gräber sind theils Ske- 
lettgräber, theils Urnengräber. In ersteren liegen die 
wohlerhallenen Skelette 3 — 5 W. Schuh lief unter der Ober- 
fläche, mit dem Kopfe nach Norden, theils mit dem Angesichte, 
theils mit dem Rücken auf dem rolhen Lehm auf. In zwei 
Fällen ruhte die Leiche auf einer von unbehauenen Feldsteinen 
pflasterartig zusammengelegten Sieinlage: mehrere Gräberwaren 
mit behaueneri, platten, grofsen. Steinen umlegt. In der Nähe 
der Leiche befinden sich je drei Steine, einer beim Kopf, und 
je einer an den Brustseiten: unter letzleren befindet sich häufig 
eine 9 Zoll hohe, vierseilige, der Bieiteachse nach durchbohrte, 
aus Thon gebrannte Pyramide , (ganz ähnlich dem in Wagner's 
„Tempel und Pyramiden der Urbewohner auf dem rechten 
Eibufer", Taf. 11, Fig. 28 abgebildeten Objekte). Die mitge- 
gebenen Grobgefäfse sind grö.steniheils zerdrückt ; sie zeigen 
eine zierliche Form, sind an der Innen- und Aufsenfläche schwarz, 
graphitartig glänzend, schalen-, krug-, napfförmig. Beigaben von 



53 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



54 



Metall finden sich in dieser Schichte seilen; häufiger kommen 
bei Nehasitz nur Bronzeiiadeln mit einfachem Knopfe vor; 
sehr selten bronzene Armbiinder; Kisengegenstände fli:deu sich 
nirgends, desto häufiger Mitgaben aus Stein und Bein, Reib- 
steine zum Zermalmen des Getreides, nebst den erwähnten 
Thonpyramiden, Thonwirtel, Aexte und starke Lanzenspilzen 
ähnliche Stechinslrumente aus Hirschhorn, durchbohrte Pferde- 
und Eberzahne, Pfriemen und Nadeln aus schwachen, zuge- 
spitzten Knochen, Röhrchen aus gebranntem Thon. In den Ur- 
nengräbern sind die Uinen in eiue Sleinumlegung beigesetzt 
und mit einem llathen Stein zugedeckt ; sie enthalten Asche, 
Knochenstückchen, selten Bronzeringe oder Nadeln ; ihre Form 
ist zumeist kiugarlig, am häufigsten mit einem Henkel, sehr 
selten doppelgehenkclt , zuweilen auch ohne Henkel, In der 
über den Skeletten und Urnen aufgehäuften aschenhaltigen Erde 
finden sich Tausende Fragmente von thönernen Gefäfsen der ver- 
schiedensten Natur, daneben zahlreiche Thierknochen (man 
könnte ganze Wagenladungen davon wegführen), jedoch kein 
einziges ganzes Thierskelett. Die Untersuchung des von mir 
an Ort und Stelle ausgehobenen Materials ergab folgende Thier- 
gattungen : Bind (Schenkelknochen eines ausgewachsenen Exem- 
plars kleiner liace und Stirnknochen mit ansitzendem Hörn vom 
Kalbe), Pferd (Zähne und Schulterblatt von sehr starken Exem- 
plaren), Edelhirsch (Gehörn nnd Rückenwirbel von grofsen, al- 
ten Thieren), Rehe (Gehörn, Fufsknochen und Wirbel von schwa- 
chen, jungen Thieren), Eber (einzelne Zähne, vollständiges Ge- 
bifs von ungeheuren Thieren). Letztere drei Thiergattungen : 
Edelhirsch, Reh und Wildschweine, finden sieh durchweg in 
überwiegender Mehrzahl. Einzelne Knochen dieser Thiere sind 
halb verbrannt; wahrscheinlich war die Gräberstätte bei Neha- 
sitz zugleich auch Opferstätte; jedenfalls fand das Volk, dem 
diese Gräber angehören, neben den Früchten des Ackerbaues 
seine Hauptnahrung noch in den wilden Thieren des Forstes. 
Ferner fand ich in den Nehasitzer, sowie in allen ähnlichen 
Gräbern, die ich untersuchte, immer runde, kugelförmige Steine 
von der Gröfse einer Nufs bis zur GrOfse einer Faust. Ob- 
gleich sich diese Steine immer nur als auf natürlichem Wege 
(durch Wasserlauf) abgerundete Geschiebe herausstellen, so müs- 
sen sie doch, da sie sich so häufig in den Gräbern, oft weit 
entfernt vom Flufsbette der Bäche finden, zu einem besonde- 
ren Zwecke mit Sorgfalt aufgelesen worden sein ; selbst eine 
runde, mehr als faustgrolse Kugel von Thoneisenstein fand sich 
in einem Grabe. Somit stimmen meine Untersuchungen mit 
andern in Böhmen aufgefundenen Gräber- und Opferstätten voll- 
kommen überein. Aber Nehasitz, sowie das 1 Wegstunde 
nördlich davon gelegene Moraves, zeigen eine besondere Eigen- 
thümlichkeit. Auch bei Moraves findet sich eine ganz ähnliche, 
nur etwas gröfsere Gräberstätte; aber hier wie dort liegt un- 
ter der eben beschriebenen eine zweite Leich en schi c h te. 
Zwei bis drei Schuh tief in dem rothen Lehm finden sich näm- 
lich brunnenartige Gräber, 3 W. Schuh im Durchmesser, kreis- 
rund; eines von dem andern je 5—6 Schritte entfernt. Auch 



in dieser Schichte finden sich Skelettgräher neben ürnengrä- 
bern, bei Nehasitz aber Skelettgräber vorherrschend, bei Mo- 
raves Skelettgräber ausschliefslich. Diese tieferen Gräber lau- 
fen bei Moraves nach unten spitz zu, so dafs die Beckenkno- 
chen der Leichen die tiefste Lage einnehmen; in den Nehasi- 
tzer Gräbern befinden sich die Leichen in hockender Stelluno-. 
In diesen Skelettgräbern fanden sich sehr viele Bronzeobjekte, 
Arm- und Fufsspangen, Fibeln, Doppelspiialen aus Bronzeriraht 
von bekannter Form, Bronzestängelchen, Ringe ans schwarzem 
Hörn; auch einen Bronzedolch will man gefunden haben. In 
der Nähe der Gräberstätte fand sich ferner auf freiem Felde 
ein bronzenes, sichelartiges Instrument, (ähnlich dem in Hall- 
sladtgefundenen; Gaisberger, „die Gräber bei Hallstadf-, Taf. VII, 
Fig. 6), ferner ein Bronzecelt vou sehr primitiver Form. Aehn- 
liche Graberstätten finden sich in der Nähe der eben geiiann- 
len Orte noch in Welmschlofs, Wisotschan, Horatitz, Schielse- 
litz; doch trifft man an diesen Orten nur Gräber an, die der 
oberen Nehasitzer und Moraveser Schichte analog sind, nie aber 
Graber der tieferen Schichte. Auch in diesen Gräberstätten 
finden sich Ur;ien, Thonpyramiden, Gefafsfraginente, Thierkno- 
chen, nie Bronzeobjekte. An den letztgenannten Orten über- 
wiegen zudem die Urnengräber. 

Eine andere ßestattUngsart traf ich am rechten Egertifer, 
ebenfalls unweit der Stadt Saaz, bei dem Dorfe Pressern. In 
geringer Tiefe, kaum 6 — 8 Zoll, stöfst man auf runde Lager 
reiner Asche, 1 W Klafter im Durchmesser, 3—4 Schuh tief, 
mit Gefäfsfragmenten, Holzkohlen und Thierknochen angefüllt, 
eines von dem andern 10—15 Schritte entfernt. Die Unter- 
suchung solcher Aschenlager ergab eine wohlerhaltene, krug- 
artige, mit Asche angefüllte, einhenkelige Urne, in unmittelbarer 
Nähe des Brandplatzes zwischen Steinen eingeschlichtet und 
mit einem flachen Stein bedeckt; daneben Pfriemen von Bein 
runde Kiesel, einen Korb voll Gefäfsfragmente feinerer und 
roherer Gattung, Hirsch- und Eberknochen. Auch in der Nähe 
des Schlosses Petersburg deckte ich im Laufe des Sommers 1805 
einen ähnlichen Brandplatz auf. Er hatte runde Form, 1 W. 
Klaft. Durchmesser, 3 Schuh Tiefe. Als Fundobjekte ergaben 
sich in grofser Menge Gefäfstrümmer, runde Kieselsteine, durch- 
bohrte Eberzähne, bestimmt, an einem Faden aufgereiht zu wer- 
den , einige Flufsmuscheln, ein ziemlich grofses, flaches Stück 
Rotheisenerz; von Menschenknochen ein Kiefer und Schulter- 
blattfragmente, endlich zwei vollkommen erhaltene Gebisse von 
sehr starken Ebern. Weiter führe ich als Fundorte heidnischer 
Gräberstätlen längs des Laufes des Egerflusses, in der Umge- 
gend der Stadt Saaz noch an : Sobesak, Straupitz, Libotschan, 
Bezdiek, Steknitz, endlich die Stadt Saaz selbst, in deren Weich- 
bilde heidnische Gräber häufig aufgedeckt werden. So stiefs 
man im Laufe des Frühjahrs 1865 bei Erdgrabnngen behufs 
des Neubaues eines Hauses in der Prager Vorstadt auf Gräber 
der spätheidnischen Periode. Die Leichen lagen 8 W. Schuh 
tief unter dem Strassenpflaster mit dem Gesichte gegen die 
Erde gewendet, beim Kopf und in der Brustgegend einzelne 



55 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



56 



Basaltsteiiie. Im Verlaufe der Grabungen Iraf man ein Grab, 
in dem die Leiche in silzender Stellung beerdigt war. Neben 
ihr standen 4 Tliongefafse, ein sehr zierlich geformtes krng- 
förmlges, ein flaches schalenförmiges und zwei kleine, kaum 
einen Zoll im Durchmesser haltende napfforniige Geriirse, , alle 
sehr wohl erhallen. 

üie Gegend um die Stadt Saaz ist eine der schönsten und 
fruchtbarslen Böhmens. Schon der älteste böhmische Chronist 
Kosmas (f 1125) war von dem lieichlhum des Saazer Landes 
enlzilckl; er preist es als „pulcherrima visu et ulillima usu ac 
uberrima salis nee non abundanlissima pralis regio''. Hier war 
ehedem der stolzeste der slavischen Stämme in Böhmen, der 
der Lucaner („superbissima gens, quibus et horiie a malo inna- 
tnm est superbire", heilst es von ihnen bei Kosmas) sefshaft; 
er führte diesen Namen von den vielen Wiesen (slav. luci), die 
seine An^iedelungen umgaben. Die Lucaner bildeten ein eige- 
nes Fürstenthum, das aber später seine Selbständigkeit an den 
Prager Herzog Neklan verlor, der nach der Besiegung der Lu- 
caner die Burg Dragus an der Eger erbaute. Die Stadt Saaz 
selbst scheint aber erst in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhun- 
derts aufgekommen zu sein; der Name kommt, wetju ich nicht 
irre, das erste Mal zum Jahre 1004 bei Tietmar vor. Die zahl- 
reichen hier erwähnten Gräber.-tätten sprechen dafür, dafs die 
Saazer Gegend schon frühzeitig sehr dicht bevölkert war; die 
Stadt Saaz selbst, sowie die einzelnen Orte, in deren Nähe 
sich solche Gräberstätten linden, entwickelten sich sicher aus 
diesen alten, slavischen Ansiedelungen, und die Verschieden- 
heiten in der Bestaltungsweise, bald vorwiegend Skelettgräher, 
bald vorwiegend, bald aus.schliefslich Urnengraber, mögen auf 
zeitlich getrennte Perioden hinweisen. Auffallend ist das gänz- 
liche Fehlen des Eisens in diesen Gräbern; es müfste demnach 
die reine Bronzeperiode bei den Slaven Böhmens ziemlich weit 
heraufgerückt werden. Ob nun die beiden Graberschichten bei 
Nebasitz und Moraves demselben Volke angehören, darüber 
dürfte die Untersuchung der Schädel aus beiden Schichten wol 
noch einiges Licht verbreiten. 

Wien, 31. Deceraber 1865. 

Dr. Jul. Ernest Födisch. 



stehenden, durch seine Gröfse ausgezeichneten Hügel gemacht. Ne- 
ben dem zerdrückten Asrhenlopf, der noch einige Knochenlheile 
(Kopf- und Rippenknochen) enthielt, lag eine S förmig gebo- 
gene bronzene Fibula, zwei Fragmente von eisernen Gürtelschnal- 
len mit noch deutlich erkennbarem Dornansatz, Bruchstücke 
eines Eisendolches mit noch wohl erhaltenem Beschläge vom 
unteren Ende der Scheide, Fragmente einer eckigen Schnalle 
und einer mit einem zierlichen Knopf versehenen Scheibe von 
Eisen, endlich eine durchbohrte, flache Bernsleinkoralle und 
zwei kleine Korallen von gelbem Email mit blauen, perlartigen 
Ornamenten. Letztere Objekte zeigen der Masse und Form 
nach die überraschendste Uebereinslimmung mit ähnlichen, in 
egyptischen Mumiensäigen gefnndeneii Schmnckkorallcn, so dafs 
sie ohne Zweifel durch Handel aus dem Süden nach dem Nor- 
den gebracht wurden. 

Wien, 31 December 1865. 

Dr. Jul. Ernest Födisch. 



Papi^i Joliami XXII. bevollniäeliti;;! tien Abt 

dee^ Klosters !$t. Joltaiin in Stainps zur Sclilicli- 

tunic von Streitigkeiten. 

Mitgetheill von Dr. C. Will, ArchivsekretSr des german. Museums. 

Johannes episcopus servus servorum dei Dilecto filio Ab- 
bati monasterii sancti Johannis in Stamps Brixinensis dioecesis 
salulem et apostolicam benedictioneni. Conquesti sunt nobis 
prepositns, decanus et capitulnm ecciesie sancli Andree Frisin- 
gensis, quod Amphranarius de Inspruka laicus Brixinensis dioe- 
cesis super quibusdam domibus et rebus aliis iniuriatur eisdem, 
ideoque discretioni tue per apostolica scripta mandamus, qiia- 
tinus partibus convocatis audias causam et appellatione remola 
debito fine decidas, faciens quod decreveris per censuram ec- 
clesiasticam firmiter observari. Testes autem, qui fuerint no- 
minati, sese gralia, odio vel limore subtraxerint censura simili 
appellatione cessante compellas, verilati testimonium perhibere. 
Datum Avinione kalendis Octobris pontificatus nostri anno se- 
pliino. 

Das Original beflndet sich im Besitz des germanischen 
Museums. 



Wizenleer AusKraliunia^en im Jalire IS65. 

In Nr II des „Anzeigers f. Kunde d. d. Vorzeit", 1864, 
Sp. 401 wurde als Fundort von Hügelgräbern in Böhmen der 
Meierhof Wizenic (bei Klattau) erwähnt. Im September 1865 
wurden unweit des Meierhüfes auf der Flur Hurka — was 
Berg bedeutet; ehedem war diese Flur Wald, nun ist sie Hut- 
weide — wieder mehrere Grabhügel geöffnet. Der Fund er- 
gab an Bronzegegenständen drei Nadeln von je 12 Zoll Länge 
und zwei halbkreisförmige Armringe. Der interessanteste Theil 
des Fundes aber wurde in einem allein, von den andern abseits 



Zar Frage naeli dem Verfasser des Keineke 

Vos. 

Im Anschlufs an Haupt's Zeitschrift IX, 374 ff. hat Lever- 
kus ebendaselbst XI, 374 f. die Hypothese Zarncke's (die bei- 
läufig durch Barckhusen's sonstige Schriflstellerci widerlegt 
wird), dafs Barckhusen Verleger und Verfasser der Lübecker 
Ausgabe des Reineke von 1498 sei, dadurch zu stützen ge- 
sucht, dafs in Vers 6168 „de abbes van Slukup" und 6712 
„vele mesters van Krummesse" auf Ortschaften in der Nähe 



ri7 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



58 



von Lübeck liinjedeiilet werde. Dasselbe Argunienl, gegen 
welches wir unseren Theils Hoffmann's Erklärung als einzig 
herechtigle festhalten, lindet sich bereits in Manlzers Bützow'- 
schen Kuhestunden 22 (1765), S. 49, mit folgenden Worten: 
„Es bestärken mich (sc. über den [ilattdeulschen Character des 
K ) die geographischen Stellen, von Slukup und Krumesse, 
welche Oerter nemlich ohnweit Lübeck belegen, und deren letz- 
teres, blofs um des Keims willen, angebracht." 

Mantzel erwähnt übenlies, dafs der eigentliche Name des 
ersten Ortes, nicht Slukup, sondern Slutup sei. Schon das 
halte die ganze Annahme zurückzuweisen genügen sollen. 

Schwerin. Fr. La te nd or f. 



Des naiiii!« Frey Seliwieger. 

„Frau kungund Wilhelm Hiimels de|5 eitern seligen verlas- 
sene wiltib hat bekanl, das sie fraw kungundeii leonbarten halb- 
gewachssen eeliche wirtlin, vnnd Jiinckfraw kalherina Iren 
töchtern zw rechter vrtat vnd aigenschaffl frey williglich auch 
endtlich vnwiderrufflich, In dem allerbesten form vnd Rechten 
für allermenigklichs widertailen vnd absprechen von hanndeo 
In ir baidcr gewalt viitjd hannden zu gleichem tail aulT vnd 
vbergeben hab alle Ire schlayr, paternosler, auch ettliehe per- 
lin vnd perlin gesmuck. wie die genant oder gehaissen sein, 
vnnd sich der gegen Ine entlich enttewssert vnd verzigen. Also 
das nu furo ir yede mit Irm tail daran thun vnd lassen mag, 
wie vnd was sie woll vngehindert von menigklicb, vnd Insonnder 
von Annen Hannsen freyen eelicher wirltin, irer tochter, vnd 
Iren erben, Dann sie derselben Irer tochler vormals In solichen 
dingen mer vnd bessers gegeben hett, dann der vorgenannten 
Irer tochter annen von den vorgemelten stücken zu irem tail 
werden möcht. Vnnd nachdem sie der gedachten frawen kun- 
gnnden halbwächssin Irer tochter zwayhundert guldin heyral- 
gelts entricht vnd bezalt hat. Ob dann dieselbig Ir tochter In 
ir hab zu erben vermaint, das sie dann solich 1 1 *= f . einwerf- 
fen seit oder aber so lang stillsten, biß der andern swester 
11 *= f. auch volgen vnd werden. Testes Niclas Coler vnd En- 
dres von watt. Actum 3* sant Gregorien abent In der vasten 
A" Ixxx viii." (11. März 1488.) — Gerichtsbncli Literarum 5, 
fol. 39 b. Stadtarchiv zu Nürnberg. 

Die Ausstelleria dieses Briefs war eine Hallerin von Bam- 
berg und zufolge eines handschriftlichen Stammbaums der Rumel, 
in welchem sie aber Anna heifst, Tochter Georg Haller's von Bam- 
berg und Magdalena Eisvoglin. Ihr Bruder Anton Haller war Bür- 
ger zu Nürnberg, Genannter des gröfsern Raths und Richter zu 
Wöhrd. Diese Haller hatten mit den patriziatischen Hallern nichts 
gemein als den Namen; sie waren vielmehr ein Seitenzweig der 
Münzmeister, von denen Günther Münzmeister zwischen 1418 
und 1423 hier zu Ralhe gieng, und führten deshalb auch ganz 
dasselbe Wappen, das bei den Münzmeistern im Geschlechter- 



buch von 1610 abgebildet und z. B. von Seite Anton Hal- 
ler's bei einem das Haus S. I betreffenden Brief vom 1. Mai 
1490 angehängt isl, wo er nebst Berthold Deichsler als Ge- 
nannter erscheint. In Roth's Genanntenbuch ist Anton Haller 
nicht zu finden. Seine Tochler Magdalena war Dr Hartmann 
Schedel's zweite Frau. Der Mann der Kungund ßumelin war 
Wilhelm Rumel, äKeier Bruder Heinrich Rumel's und der seit 
1444 mit Hanns Pömer verheirateten ßrigilta Rumelin. Nach 
ihrer Ellern, Wilhelm RumeTs und Anna Tetzlin, Tod thcilteu 
die drei Geschwister am 13. Mai 1457 den Nachlafs, wobei 
aber wol Hanns l'ömer, der Brigitta Ehewirt, aber von Seite 
der Brüder keine Frau namhafi gemacht wird. Die damals dem 
Wilhelm Rumel zugefallene Eigenschaft eines Hauses in der 
Fröschau, jetzt S. 166, verkauften die beiden Eheleute am 15. 
Sept. 1486 an Daniel Ulmer. Der sich an diesem Hause, das 
noch den Kaufbrief besitzt, hinziehende Hof, eigentlich eine 
Sackgasse mit überwölbtem Eingang, heifst mit nur geringer 
Entstellung des allen Namens der Rümeleinshof. Wilhelm Ru- 
mel, der seinen Vetlern, auch seinem Bruder Heinrich, der aus 
seiner Ehe m^t Cacilia Meichfsnerin keine Nachkommen verliefs, 
ihre Anrechte auf Lonnerstalt abgekauft und dieses von der 
Krone Böhmen zu Lehen rührende Besitzlhum seinen Söhnen 
Wilhelm, Heinrich, Georg und Joseph abgetreten halte, welche 
daher am 26. Sept. 1480 von König Wladislaus damit belehnt 
wurden, starb 1487. Zur Heirat seiner zweiten Tochter Kun- 
gund mit Leonhard Halbwaehsen oder Halbgewachsen, Conzen 
Halbgewachsen's Sohn, hatte der Rath für den 15. Jan. 1488 das 
Ralbhaus bewilligt. Er gehörte zu der reichen und geachteten 
Familie dieses Namens, die einen bedeutenden Handel mit aus- 
ländischen süfsen Weinen betrieb und ihr Geschäftshaus in 
S. 530 hatte, aber auch in andern Theilen der Stadt, auf der 
Füll, in der Judengasse etc. vorübergehend wohnhaft war. Die 
Gewährung des Ralhliauses zur Hochzeitfeier verdankte jedoch 
das Brautpaar nicht sowohl dem Reichthum des Bräutigams als 
der Vornehmheit der Braut. Er findet sich noch 1493 als „Con- 
rad Halbgewachsen sei. Geschäfts und Kinder Vormund" nebst 
Hanns Milla, mufs aber in einem der nächsten Jahre gestorben 
sein, da seine Wittwe schon am 9. Jan. 1497 als Jacob Sauer- 
zapf's Ehefrau erscheint und gemeinschaftlich mit ihrer Jüngern 
Schwester Katbarina, damals auch bereits Wittwe von Bartho- 
lomäus Knebel, den ihnen beiden gehörenden Tafclhof an En- 
dres, Georg und Peter die Hornunge, Gebrüder, um 340 H. ver- 
kaufte. Die „Sauerzäprin'' ist auch auf beiden Tanzladzetteln 
von 1506 und 1508 (ilen ältesten, die, soviel man wcifs, auf 
die Gegenwart gekommen sind) eingetragen, auf drm erstem 
mit ihrer Schwester „Lölfelhölziu", auf dem andern auch mit ih- 
rem Bruder Joseph. Die Gescliwister wohnten, wie man sieht, 
beisammen. Aus der ersten Ehe der Kungund Rumelin scheinen 
keine Nachkommen entsprungen zu sein, wie denn auch der 
Name der Halbgewachsen schon im Anfang des 16. Jahrh. erlosch 
und sich zunächst nur au dem Hause S. 530 erhielt, welches 
z. B. 1515 als „Haus zum Halbgewachsen genannt" urkundlich 



59 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



60 



vorkommt. Aus der zweiten Ehe ist namentlich eine Tochter 
Ursula bekannt, welche im Jan. 1523 den schon ziemlich be- 
jahrten Wolf Pömer und, durch seinen Im Dec. erfolgten Tod 
Wittwe geworden, den Dr. Christoph Gngel heiratete. — Dem 
Geschick der jüngsten Bumelischen Tochter Katharina liefse sich 
vielleicht eine romantische Seite abgewiiinrn. Beim Tode ih- 
rer Mutter, die am Samstag Hl. Jlai N88 noch einen Brief 
ausstellte, aber am älonlag 10 Nov. nachsU'olgend selig, d. h. 
verstorben, genannt "ird, noch ledig, heiratole sie am 20 Jan. 
1490 den reichen Barlliolomans Knebel, der schon drei Frauen 
gehabt und nur mit der dritten, Anna llubneriii, eine Tochter, 
auch Anna genannt, erzeugt hatte, die fchon seit 1484 mit Wolf 
Haller, des bekannten Losungers Ruprecht Haller's Sohn, verheira- 
tet war. Die vierte Ehe Kncbel's domrle nur etwa ein Vier- 
teljahr, da schon am 10. April 1490 Wolf Haller in die durch 
seines Schwähers Tod erledigte (lassenbanplmannsstelle eintrat. 
Die junge, kirjderlose Willwe lernte in dieser Zeit ihres Witt- 
wenslandes Tlioma Löffclhdlz, Wilhelm LöiTelholz und der Bar- 
bara Hirsvoglin Sohn, kennen, einen stattlichen Mann, der sich 
schon in der Weit und an den Höfen der Fürsten umgesehen 
und versucht hatte, und von dessen abenteuerndem Sinn man in 
Nürnberg Manches zu erzählen wnfste. Der Umgang beider 
Leute, die für leere Liebeständelei zu alt und zu eifahren, aber 
für ein solides, verslandises Eheband gerade noch jung genug 
waren, mufs so vertraut geworden sein, dafs die Willwe Ka- 
tharina mit fester Ziiversiclit der Ihiiat entgegensah, aber lei- 
der bemerkte, dafs LöiTelholz zwar zum Conrioisieren auf wil- 
der Weidmannsbahn Lust gehabt hatte, aber nicht zum ehrba- 
ren Freien und Heiraten. Die durch ihn blofsgestellte Frau 
wandle sich daher klagend an das gcislliche Gericht zu Bam- 
berg und erwirkte ein gesiegeltes Pergament, des Inhails: er 
habe sie zu nehmen, und halte er nicht bim an dreifsig Tagen 
Hochzeit, so verfalle er in den grofseii Bann. Das wirkte, und 
am 3. Juli 1503 wurde Kalharina Rumelin, Barlholomäus Knebel's 
Wittwe, in St Sebalds Kirche mitThoma LöiTelholz ehelich einge- 
leitet (in den Ehestand geleilet, getränt, nicht „eingelautet"); 
aber unmittelbar nach der heiligen Handlung verliefs Löffelholz 
die Kirche, bestieg sein dranfsen bereits harrendes Rofs und ritt 
von dannen, ohne das Beilager zu hallen. So berichtet Müllner 
io seinen Annaien. In dem LölTelholzischeu Geschlechtsregister 
bei Biedermann heifst es, ein ans dieser Ehe entsprossener 
Sohn sei iu's Kloster gegangen. Will in den Miinzbelusl. 2, 
111, geht sogar noch weiter und will wissen, er habe Thomas 
geheifsen. Beweise und Belege für diese Angaben fehlen durch- 
aus. Gewifs ist nur, dafs LöiTelholz, ungeachtet seiner Ver- 
mählung, mit seiner Frau nicht zusammenlebte. Die Ordnung 
des Verhältnisses der beiden Eheleute geschah durch einen 
Vertrag, in welchem ihr ein jährliches Auskommen gesichert 
war, wofür Anton Krefs und Wolf Loffelholz. ihre Schwäger, 
einstanden; und am 20. März 1504 quittierte bereits Johann 
Kriegheimer, als Anwalt Frauen Katharina, Thoman LöiTelholz 
ehelicher Wirtin, über 100 fl. rh , die, an vergangener Licht- 



mefs fallig, er für sie durch die beiden genannten ihre Schwa- 
ger von wegen Thoman LöiTelholz, ihres ehelichen Hauswirihs. 
richtig empfangen habe. Sie fuhr fort, den Namen seiner ehe- 
lichen Hausfrau, zu führen; so z. B. als sie am 20. Dec. 1514 
ihre Wiesen beim Tafelhof auf der Furreul, an der Pillenreuter 
Strafse, an den Metzger Hanns Klein auf U) Jahre um jährlich 
t4'/j n und einen Kalbskopf verliefs u. s. w. Dafs auch in 
der ,, Gesellschaft" ihre Stellung nicht beeinträchtigt war, sieht 
man daraus, dafs auf den oben erwähnten Tanzladzetteln ihr 
Name beide Male gleich hinter ihrer Schwester eingetragen ist, 
einmal als „LölTelhölzin", das andere Mal als „Thoma Löffel- 
hölzin". Aus dem Jahre 1520, in welchem, wer nur konnte, 
die von einer Seuche schwer heimgesuchte Stadt veiliefs, ha- 
ben sich zwei aus Hersbruck datierte und an Anton Tucher 
gerichtete Briefe von ihr, der „Katharina Thoma Löffelhölzin", 
erhalten, in welchen sie auch ihrer zwei Töchter gedenkt. 
Diese konnten doch nur aus ihrer Verbindung mit Thoma Löf- 
felholz entsprungen sein; aber über ihre und der Katharina 
selbst fernere Schicksale haben sich bis jetzt keine weiteren 
Belege anfgefuinlen. Nur Das steht fest, dafs, ungeachtet in 
der Löffelholzkapelle zu St Sebald, wo sämmtliche Söhne und 
Töchter aus Wilhelm Loffelholz beiden Ehen abgebildet und 
die Verheiratungen durch die eingescht benen Wappen ange- 
deutet sind, das Hnnielisclie Wappen fehlt, sie nnbeslreitbar in 
reehlmafsiger Ehe mit Thoma LöiTelholz vermahlt war. Die 
zuletzt genannte Tochter Anna, gegen deren etwa auf die in 
dem Brief bezeichneten Gegeiislände zu machenden Ansprüche 
die Mutier die beiden andern Schwestern sicher stellen will, 
war offenbar die älteste der drei Schwestern. Sie war verhei- 
ratet mit Hanns Frey, Sohn Eiharts Freyen. Seines Vaters 
Bruder, Sebald Frey, der die Freyischen Hauser am Markt, das 
eine, nördliche 1471 an Hanns Gärtner, das andere, südliche 
1497 an Bernhard Walther, verkaufte, wird als Genannter und 
als Kaufmann in den Dokmenten aus den drei letzten Jahrzehn- 
ten des 15. Jahrb. oft gefunden. Die Freyen gehörten zu den 
ehrbaren und geachteten Familien, die, ohne in den kleinen 
Ralh gewählt zu werden, in den grofsen Rath vorzugsweise 
eintraten und sich auch durch Verheiratungen mit den raths- 
fahigen Geschlechtern verbanden. Eine Tochter Sebalds, Ka- 
tharina Freyin, hatte einen Tetzel zum Mann; Hanns Frey hatte 
Anna Rumelin geheiratet. Er war ebenfalls Genannter, und ein- 
zelne Urkunden lassen Belheilignng an Handelsgescbaflen noch 
bis 1513 wahrnehmen; auch besafs er liegende Güter inner- und 
anfserhalb der Sladt. Für seine geachtete Stellung gibt aber, 
von Aiiderm abgesehen, Das einen Beweis, dafs er ebenfalls, 
wie seine beiden Schwägerinnen, den Tanzladzetteln von 1506 
und 1508 einverleibt ist, und zwar auf jenem zwischen Conz 
Haller, dem wohlbekannten Pfänder und Verfasser des Geschlech- 
terbuchs, der das Haus S. 649 besafs und bewohnte, und Sixt 
Oelhafen, auf dem von 1508 abermals zwischen Conz Haller und 
der Pölckin (der mit Hanns Poick verheirateten Tochter die- 
ses Haller, Magdalena, die bei ihrem Vater wohnte) und Seiz 



61 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



62 



Pfinzing:, langjährigem Baumeister und Vater des Propstes Mel- 
chior Pfuizin^, der am Eck der Wolfsgasse, jetit S. 765, wohnte. 
Seine Liebhaberei zur Musik und Physik, wovon NeudörlTer und 
Doppelmayr berichten, hat den irrigen Wahn erzeugt, er sei 
ein Handwerker gewesen, wogegen aber sein Name auf den 
Tanzladzetlelu entschieden Prolest einlegt Uebrigens scheint er 
durch die Hingabe an diese, damals ziemlich brodlosen Künste 
sei» Vermögen allgemach aufgezehrt, oder auch sonst Verluste, 
erlitten zu haben, wie seines Tochlermaiins Worte: „der auch in 
der Welt gleich unmögliche VN'iderwarligkeiten erduldet hat" zu 
erkennen geben Von seiner Frau kamen zwei Töchter zu ihren 
Jahren, deren ältere, Agnes, im J 1494 Albrecht DUrer, die 
jüngere, Katharina, die 1498 noch unverheiratet war, spater 
Martin Zinner heiratete. Die Todesjahre der Anna Hanns Freyin 
(1521) lind ihres Ehemanns (1523) sind aus DUrer's eigenen 
Aufzeichnungen bekannt. 

Nürnberg. Dr Lochner. 



Hans Schneider. 

Auf Sp. 9 des „Anzeigers" (1860) wurde ein handschrift- 
lich hinterlassenes, wahrscheinlich aber einem Druck ursprüng- 
lich entnommenes Gedicht dieses fruchtbaren königlichen Spre- 
chers mitgetheilt, dabei aber vorübergehend nur einiger seiner 
weiteren Produkte gedacht, von denen jedenfalls viele verloren 
gegangen sein müssen. Ehe Schneider, ein Augshurger Mei- 
slersänger, für Kaiser und Reich dichtete, ohne deshalb etwa in 
Maximilian's Diensten gestanden zu haben, nannte er sich Spre- 
cher, d. h. Spruchsprerher, Herzog Christohp's von Bayern, und 
gab als solcher folgendes, jetzt nur nöch in sehr zerfetztem 
Zustande auf der Münchener Hofbibliothek befindliche Gedicht 
in Druck (Sedezformat): 

DES durchleichlige hochgeporn | fürsten vnd hern herczog Chri- 
stofe I Is von pairn mör fart auf dz aller | kurczesl den rech- 
ten grund wie jn Maister bans Schneider von Aug- | spurg 
seiner genaden Sprecher hat | mügen erfinden, 
o. 0. u. J. (c. 1490), Vergl. Annalen H, S. 490. 

Demnächst wäre zu nennen eine mir nicht näher bekannte 
Piece, vermuthlich in W. v. Maltzahn's Besitz: 

Hye nach folget: wye der Komisch künig die furslen des 
heiligen reichs zu Augspurg vnnd zu Nurmberg haben tag ge- 
laist. . . 

o. 0. n. ,1. (1500). 8B1. 8. — Hagen's Bücherschatz Nr. 880. 

Meine Nr. 1633 Repert. typ. gehört also nicht zum Jahre 
1520, laut Berichtigung Herrn v, Liliencron's, der das Stück aus 
Val. Holl's Handschrift Bl 92 kennt. 

Einen ferneren Spruch ciliert mein Repert. typ. Nr. 297 : 

Hie nach folget die kuniglich | Schlacht, wye der künig 
vnd das rych dye Behem nit wyt von Regenspurg gesch | lagen 
haben. Das hath erfaren vnnd zu eynem Spruch gemacht, Hans 
schnyder | der künglichen maiestat Sprecher. 



o. 0. u. J (1504) 4 Bl. 4. m. Titelholzschn. — In 
Einsiedeln. 

Endlich ein aus Butsch's 28. Calalog, S 53, verkauftes 
uod seitdem spurlos verschwundenes 

Ein neues gedieht von dem Krieg. Augspurg, Hans Schöns- 
perger. 

o. J. (c. 1510). 6 Bl. 4. — Repert. typ. Nr. 615. 
Nürnberg, Emil Weller. 



Ciesprfiehi^plele. 

Zusatz. *) 

Französisch Karten-Spil, 

0. 0. u, J. (c. 1645). Folioblatt m, Kupfer (der Kaiser, 
der König von Frankreich und Cardinal Richelieu spielen ; ein 
französischer Rath, Johan de Werdt, Gallas sehen zu), — Früher 
in Antiquar Heerdegen's (Schreiber's) Sammlung zu Nürnberg. 
Künig in Franckreich. 
Ich g\vin doch nichts, es geh wie es wil, 
Mein Cardinal Rotte mich zum Spil. 
Teutsch- und Frantzösisch Scharwentzel-Spiel o 0. u. J. 
(1675.) 4 Bl. 4, — In Erlangen. 

Teutscher. 
KOmm Frantzmann, Manchen komm! was kanslu für ein Spiel? 

Frantzmann. 
Du Butter teutscher Muff, mehr als für dich zu viel. 

Ein neues Ungarisches, Türckisches und Teutsches Labet- 
Spiel vom jetzigen Kriege. 1686. 

o. 0, 4. Prosa, — Wallishausser's Antiqu, Katalog, II, 
S. 77. 

Sinnreiches Piquelen-Spiel Mit Franckreich Bei ilztmahli- 
gem Kriegführen Wieder Das Heyl Römische Reich. 1689. 
o. 0. 2 Bl, 4. — In München (Hofbibl). 
WEm vom Piqueten Spiel die WissenschalTt gebricht, 
Dem wird es kürizlich hier, nach seiner Art bericht etc 
A la Guerre oder Historisch Politisch Kriegeri.^ches Billard 
Spiel der streitenden Machten in Teutschland, 

o. 0. u, J. (1758—61). Folioblatt m. Kupfer. — Früher 
bei Antiquar Heerdegen (Schreiher) in Nürnberg. 
Preufsischer Husar 
Bey Schweidnitz hatte sich mein Spiehl sehr gut gezeuget 
Allein bey Olmüz war vor difsmal kein Gewinn etc 
Nürnberg. Emil Weller. 



*) Vergl. Anzeiger, 1862, Sp. 399. 



Zar Fi!i«rhart-I<iteratHr. 

Herr Emil Weller hat in Nr, 6 des Anzeigers v, J. 1865 
von dem interessanten Funde, den er auf der Nürnberger Stadt- 



Die iiieflerdeutiücltf l>berMe(ziiii^ aler Sprirli- 
iiörter Asricola'M. 



()3 Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 64 

bibliolhek diircli Wiederaufliudung des Fischar t' sehen „Aller liehe Personen, welche eines unzüchligen Lebenswandels be- 

Praclick Grol'svatler" gemacht hat, Nachricht geceben. Die schuldigt wurden, die Strafe, dafs sie den Lasterstein durch 

wiederenldeckle Ausgabe ist jedoch zufolge des Titels nicht die Stadt zu tragen und diese darauf, wul in der Regel, für 

die erste. Ich kann nun diese Nachricht insoweit vervollstän- immer zu verlassen halten. Zum ersten Male kam diese Strafe 

digcn, als ich. wenn auch nicht von einem ähnlichen Glücks- in Anwendung bei „einem gar hjpschen mediin, hiefs Martha 

funde berichten, doch wenigstens — ich glaube, es geschieht Kislingin". «eiche durch ihren Umgang mit einem jungen Geist- 

dies zum ersten Mal — das Diuckjahr einer früheren und liehen, Namens Hans Nopp, grofses Aergernifs gegeben hatte, 

muthmafslich der ersten Ausgabe mittlieilen kann üieselbe Wahrend der Verführer sich durch die Flucht der verdienten 

findet sich angezeigt in der Bi b'l i o theca T h o m a si a n a (ed. Strafe entzog, „wardt das Martele ergriffen und der ohrigkail 

G. W Panzer), Vol. III. Norimb 17C9 8, pag 106, Nr 1596 überant\\ url. Das wardt der statt ewigclichen verwisen nndt 

mit folgenden, leider allzu kurzen Worten : niueste den Lasterstain dailzu tragen, welche straf domals ain 

„Allel- Praktickeii und Prognostickeii Grofsvatter in Bei- anfang nani zu Möfskircb, dann vormals kain solcher stain alda 

men, auf das Jahr 1569 4 aliaque " im brancli gewesen, der hoffnung, es sejeii hievor so fromme 

Eine weilere Beschreibung oder Besprechung fehlt. leut zn Möfskircb gewesen. Also ist der lasterslain domals 

Wenn diese Satire wirklich von Fi schart herrührt — zu ainer straf den gailen weibern zu Möfskircb in prauch kom- 

und nach Wellcr's detaillierter Inlialts-Anzeige und milgetheil- men. Hernach über neunzehen iar, nemlich anno 1546 nuieste 

teil rrobeii a.a.O. sprechen wenigsleiis keine Grunde dage- auch aine zu Möfsliireh diseii lasterstain für die statt hinaufs 

gen — so gehört diese Schrift zu seinen ersten schriftstelleri- tragen; <lie war gleichfalls der statt verwiesen." 

scheu Arbeiten, und die Abfassungszeit fällt jedenfalls vor die D o na nesc h i n ge ii. Dr Barack 
der j.Grofsmutter" 

Aufser der angeführten Quelle für die erste und Willcr's " 
llerbstmefscatalog für 1573 für die zweite .Ausgabe hat meines 
Wissens bis jetzt von diesem Buche weder ein gleiclizeiliges 
Bücherverzeichnifs, noch einer der späteren, bis In die neueste 

Zeit herab erschienenen anliqnarischen oder Auclioiiscalaloge, In meiiieni Werke über die Sprichwörter Agricola's, (Sclivve- 

iioch ein literarisches Handbuch auch nur die geringste Andeu- rin, 1862), dessen wesentlichen Inhalt ich bereits 1858 in die- 

tung gebracht Aiuh GodiUe ist es unbekannt üehlicbeii. Da ser Zeitschrift, Sp. 248 angekündigt, habe ich aufser J. Za- 

aber die Thomasius'schf Bibliothek s.Z. in Nürnberg selbst zur eher nur zwei Männer zu nennen gewufst, die, gegenüber 

Versteigerung gelangle (7.,lannar bis 5 Jniii 17T0), so möchte einer herrschenden Tradition, in den niederdeutschen Sprichwör- 

sich vielleicht die Mühe weiterer Nachforschung in der dorti- lern Agricola's eine Uebeisetzung vermulheten, nämlich Bouter- 

gen Stadibililiolhek belohnen, als die Möglichkeit wol vorban- weck und Möhnike. Ais dritter gesellt sich zu diesen beiden 

den, dafs bei dieser Gelegenheit auch diese Ausgabe ihren Weg Männern, freilich anscheinend auch ohne autoptische Kenntnifs 

dahin gefunden hat. eines niederdeutschen Exemplars, K. T. Zumpt, der sich in 

Annweiler. J. Frauck Wacbler's Philomalhie II (Frankfurt a. M., 1820), S. 239 dahin 

ausspricht: „Viele Ausgaben und eine niederdeutsche 
Uebertragung beweisen, dafs Agricola mit diesem Buche 
seinem Volke ein angenehmes Geschenk gemacht hat.'' Die 

Der Anzeiger gab im Jahrgang 1857 von dem Gebrauche sonstigen Angaben Zumpl's, die er seinem kurzen, aber dan- 

Nachrichl, wornach verleumderischen Frauen zur Strafe und kenswerthen Auszuge beigefügt, siud freilich mit Irrthümern 

Ab.-chreckung ein Stein, Klopper- oder Lastersleiu, um den untermischt. Auch Weigand war der angezogene Aufsatz 

Hals gehängt wurde, den sie unter Vorangehen des Gerichts- unzugänglich gewesen, als er in der allgemeinen Kircbenzeitnng 

boten, gewohnl.ch an einem Wochen- oder .Jahrmärkte, durch 184|, Nr. 167, die seltsame Tradition über Agricola's nieder- 

die versammelte Menge zu tragen hatten, .lencn Beispielen aus deutsche Schriftstellerci neu zu stützen suchte, 
dem Elsafs und Pomrnern füge ich ein anderes an, das ich der 
bekannten, noch unoedruckten Zimmern's chen Chronik (Hand- 
schriften der fUrstl. Hofbibliolhek zu Doiianeschiiigen, Nr. 580) 

entnehme. Nach dieser bestand in Möfskirch (Baden) für weib- (Mit einer Beilage.) 

Verantwortliche Redaction : Dr. G. K. Frommaun. Dr. A. v. Eye. 

Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



Der IjR!«ters4ein in mörshiireli. 



Schwerin, December 1865. 

Friedrich Lateudorf. 



n. E. Sebald'sche Buchdrackerei. 



BEILAGE ZUM ANZEIGER PUR KÜNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1866. JW 2. Februar. 



Chronik des germanischen Museums. 



Im Anschlufs an die in unserer letzten Chronik bezüglich der 
Erledigung der Vorstandsfrage enthaltene Millheilung haben wir 
unsern freundlichen Lesern heute zunächst anzuzeigen, dal's der An- 
tritt des mit dem Amte eines I. Vorstandes unserer Anstalt betrauten 
Hrn. Professors August Essenwein bereits am 1. März erfolgen 
wird. 

Es Unüpft sich an den Eintritt des Genannten, der auf dem Ge- 
biete der Architektur schon Treffliches geleistet, für uns — was 
vielen unserer Gönner und Freunde angenehm sein wird, zu hören — 
namentlich auch die Hoffnung, die schon vielfach berührte und lang- 
ersehnte Wiederherstellung des allein noch darniederliegenden öst- 
lichen Kreuzgangs demnächst in's Werk gesetzt und damit die Re- 
stauration unseres schönen Karthäuserklosters, das in einer an 
herrlichen Bauten weniger reichen Stadt allein schon ein Anziehungs- 
punkt für Viele sein würde, ihrer Vollendung entgegengeführt zu 
sehen. 

Mögen deshalb der freundlichen Gabe „zum Ausbau der Kar- 
thause", die wir am Schlüsse der neugezeichneten Beitrage diesmal 
aufzuführen haben, in nächster Zeit recht viele weitere folgen, da- 
mit das mit Lust und Freudigkeit begonnene Werk nicht wieder 
in's Stocken gerathe, sondern unablässig Stein an Stein sich füge, 
bis der Bau vollendet, der, ein Denkmal deutscher Beharrlichkeit, 
bestimmt ist, eine Stätte zu werden, an welcher die deutsche Vor- 
zeit gleichsam verkörpert und greifbar den lebenden und kommen- 
den Geschlechtern sich zeigen soll, belehrend und mahnend ! 

Von unsern Sammlungen sahen sich in letzter Zeit namentlich 
Münz- und Siegelsammlung reichlich bedacht. Ein sehr interessan- 
ter Beitrag für letztere wurde uns von Sr. Hoheit dem Herzoge von 
Anhalt zugewendet. 

Auch zur Erwerbung der Erbstein'schen Modellsammlung sind, 
wie unten ersichtlich, wieder Beiträge eingegangen. 

Dem Antrage unseres Lokalausschusses, dem um das nationale 
Institut in vielfacher Hinsicht sehr verdienten Hrn. Fabrikbesitzer 
Johannes Zellner, in seiner Eigenschaft als I. Votstand der zur 
Unlerstulzung des german. Museums s. Z. in's Leben getretenen Ak- 
tiengesellschaft, in den Auschul'sconferenzen Sitz und Stimme einzu- 
räumen, ist von den auswärtigen Mitgliedern des Verwallungsaus- 
schusses fast einhellig und freudigst zugestimmt worden. 

Durch den Tod des Kustos der k. k. Hofbibliothek zu Wien, 
Dr. Ferd. Wolf, hat unser Institut leider abermals einen herben 
Verlust erlitten. Der Verstorbene war Mitglied des Gelehrtenaus- 
schusses unserer Anslalt seit Januar 1859. 

In Schriflentausch mit dem german. Museum ist neuerdings ge- 
treten der Verein fürGeschichte der Stadt Berlin, und die 
Zusage unentgeltlicher Ueberlassung ihrer einschlägigen Verlags- 
artikel hat uns weiter gegeben: 

596. die Buchhandlung von Böfsenecker in Regensburg. 

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu Friedberg (Bayern), 
Hammclburg (Bayern) und Lausanne. 



Die im vergangenen Monate neubewilligten Geldbeiträge sind 
folgende : 

Aus öffentlichen und Vereins -Kassen : Vom Magistrate 
zu Eggenfelden 1011. (einm.), vom Gemeinderathe zu Endin- 
gen (Baden) 2fl., von der Stadigemeinde Merke n dorf (Bayern) 
2fl., vom Stadtralhe zu Pulsnitz 7 11. (einm.), von der Stadtge- 
meinde Reichenberg in Böhmen 17 fl. 30 kr. (einm), vom Stadt- 
ralhe zu Slollberg (Sachsen) 3 fl. 30 kr. und vom Magistrate zu 
Teterow (Mecklenburg -Schwerin) 3 fl. 30 kr., ferner vom städti- 
schen Museum zu Cleve 3 fl. 30 kr., vom Mannergesangvereine und 
vom Sängerbunde zu Eger je 2 fl. 20 kr. und vom Turnvereine da- 
selbst 5 fl. 50 kr., von dem literarischen Vereine „Still" zu Höchst 
a. M. 3fl. 30kr. , von den Chorherren zu Klosterneuburg 9 fl. 
20 kr. (einm.), von der Bürgergesellschalt in Reutlingen 5 fl., 
von der Montagsgesellschaft in ü ellin gen 30 kr. (einm.) 

Von Privaten: Amberg: Ludwig Hepp, k. Baubeamter, 1 fl. 
12kr. ; Cilli: Itonrad Pasch, k. k. Gymnasiallehrer, 1 fl. 10 kr. ; 
Dachau (Bayern): Apotheker A. Falk Ifl., E. v. Hellersberg, 
k. Landrichter, Ifl., P. Kamm, k. Sektions- Rechnungsführer, Ifl., 
K. Silner, k. Pfarrer u. Distrikis-Schulinspektor, 111.; Efslingen: 
Hermann Deffner 2 fl., Freiherr Carl von Hermann Ifl. 45 kr., Freiherr 
Eugen von Hügel, Juslizreferendar, in Tübingen 2fl. 42kr., Freiherr 
Constantin von Neuralh, slud. jur , in Tübingen 1 fl. 45 kr., Freifräulein 
Hermine von Palm auf Sclilol's Hohenkreuz 1 fl. (einm.), Freifräulein 
Julie von Palm auf Schlols Hohenkreuz Ifl. (einm.), Freifräulein 
Mariella von Palm auf Schlols Hohenkreuz 1 fl. (einm.), Freiherr Ru- 
dolph von Palm auf Schlols Hohenkreuz 2fl., Frau Gräfin Anna von 
Zeppelin in Stuttgart Ifl. 45kr.; Fürth: Heinrich Grünewald, Lehr- 
amlsverweser an der (jewerbschule, Ifl. 30kr.; Gehren: Kauf- 
mann Max Kolb 1 fl. 45 kr. ; Giel'sen: Fabrikant J. Ilanstein Ifl., 
Professor Gerhard von Zezschwilz Ifl. 45 kr. (statt früher Ifl.); 
Kloster Heilsbronn: Conditor J. G. Schröppel Ifl.; Ingol- 
stadt: Dr. Godfried Wandner, k. Bataillonsarzt, Ifl. 45 kr.; Klo- 
sterneuburg: Hoch. Kanzleidirektor Kostersitz 2 fl. 20kr., J. 
Schönbrunner 2 fl. 20 kr. ; Krumbach (Bayern): Johann Braun, 
kgl. Notar, Ifl. 45 kr.; Leipzig: M. Cavael Ifl. 45 kr., Architekt 
Dr. Molhes Ifl. 45 kr. ; Obermoschel (Pfalz): Friedrich L.Kö- 
nig, k. Notar, Ifl.; Ohrdruff: Justizamtsakluar Grützmüller Ifl, 
Realschullehrer Georg Hefs 35 kr., Dr. Krügelstein, Rechtsanwall u. 
Notar, Ifl. 45 kr. , Realschullehrer Dr. SIevogt Ifl.; Sonneberg: 
Friedrich Bernhard Bischofl', Direktor der herzogl. Schieferbrüche zu 
Lehestcn, Ifl. 30 kr., Hermann Dürr, Bürgermeister zu Lehesten, 
Ifl. 30 kr. ; Ulm: L. Bantlin, Kaufmann, 1 H., Dr. August Handwer- 
ker, k. bayer. Regimentsarzt, in Neuulm, Ifl., J. Reineniann, Kauf- 
mann, 1 fl., Chr. Sllefenhofer, Kaufmann, 1 fl. 30 kr., Strauls u. Kohn, 
Kaufleute, Ifl. 30 kr.; Zeitz: Dr. Feodor Bech, Gymnasialoberlehrer, 
Ifl. 10 kr. (einm.) 

Zum Ausbau der Karlhause von Herrn Provisor Meyer- 
holz in Schlüchtern 3 fl. 30 kr. 

Zur Erwerbung derErbstein'schen Modellsammlung: 
von Hrn. Friedrich v. Klinggraff aufPinnow bei Neubranden- 
burg 5 fl., von Hrn. Theodor Hoppe in Gumpoldskirchen 57 kr. 

Während des letzten Monats giengcn unsern Sammlungen aufser- 
dem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu: 

I. Für das Archiv. 

V. Heister, General, in Naumburg a. d. Saale: 
3303. Urkunde des Rillers Liborlus v. Bremen über die Vertreibung 
der Juden aus Wildeshausen. 1350. Pap. Abschr. 



67 



Anzeiger für Kunde lier deutschen Vorzeit. 



68 



Magistrat der Stadt Burg-Steinfnrt: 

3304. Erneuerung eines Gildcbrieles filr die ßackerzunft in Slein- 
furl. 17Ö5. Pgm. 

Reuter jun., Karlenfiibrikanl, in Nilrnlierg: 

3305. Kaufbrief für Endreis üertl zu iViirnberg über die Dreher'- 
sche Behausung an der langen Bruolie. 1558. Pap. .^bschr. 

3306 Kaufbrief für t'eler Zweidler zu Nürnberg iiber die Behau- 
sung in der breiten Gasse. 1588. Pap. Abschr. 

3307. Cessionsbrief f. Jacob Krau.< zu Nürnberg über 300 (1. 1600. 
Pap. Orig. 

3308. Kaufbrief f. Hieronymus Dreher über seinen Iheil an der Be- 
hausung obcriiall) der .Saubrücke zu Nürnberg. 1615. Pap. 
Abschr. 

3309. Kaufbrief für Ballbasar HalTcl über die Behausung an der 
ABC-Brüike zu Nilrnbcrg. 1635. Pap. Abschr. 

3310. (Juillung für Balthasar Ilaleih über die von ihm abgelöste 
Eigenschaft von der Ureher'schen Behausung an der ABC- 
Brucke in Nurnlierg. 1643. Pap. 

3311. Kaulabrede zwischen J. C. Dehne und Joh. Mich. Gral'ser über 
eine Behausung in der breiten Gasse /u Nürnberg. 1735. Pap. 

3312. Schuldverschreibung des Joh. Mich. (Jrr.lser in Nürnberg über 
500 n. 1735. Pap. 

3313. Kaufbrief des J. C. Dehne etc. für Joh. Michael Gralser über 
die Behausung in der breiten Gasse zu Nürnberg. 1735. Pap. 

3314. Kaufbrief für J. W. Dorrbaum über die Behausung auf der 
ABC Brücke zu Nürnberg. 175<l. Pap. 

3315. Cessionsurkunde fürjoh. Egjdi Dörr zu Nürnberg über 450 11. 
1763. Pap. 

3316. Zeugnils des Feueranits zu Nürnberg f. Ilanls Michael Gras- 
ser. 1763. Pap. 

3317. Adjudicalions-Bcsiheid des Stadigerichts Nürnberg für Frau 
Helena Susanna Dorrin. 177^. Pap. '2 Expl. 

3318. Kaufabrede zwischen Helena Susaiina Dürrin und Joh. Casp. 
Zwicknagcl über die Behausung in der breiten Gasse zu Nürn- 
berg. 1774. Pap. 

3319. Kaufbrief der Helena Susanna Dörrin für Jnh. Casp. Zwick- 
nagel. 1775. Pap. 

3320. Kaufbrief der Maria Magdalena Dörrbaumin über ihre Behau- 
sung an der ABC- Brücke in Nürnberg. 1792. Pap. 

C- XV. Neumann, Uberlieutenant und Pl.itzadjulant, in Ke- 
gensliurg : 

3321. Eine französische Assignate von 1792 Pap. 
Hermann Dürr, Bürgermeister, in Lehesten : 

3322. Kaufbrief des Balthasar von Konitz für Jörg von Konitz. 
1438. Pgm. 

II, Für die Bibliothek. 

Dr. W. Dlanuhardt , Privaldocent, in Danzig: 

18.903. Ders. , Roggen wolf u. Koggenhund. Beitrag zur german. 
Sitlenkunde 1865. 8. 

AI. Dominicus, Direktor des Gymnasiums zu Coblenz : 

18.904. Ders., Geschichte des Coblenzer Gymnasiums; I. Th. 1862. 
4. Progr. 

18.905. Schubach, de s. Patris Gregorii Nazianzeni carminibus : p. I. 
1865. 4. Progr. 

Th. Stumpf, Oberlehrer am Gymnasium zu Coblenz: 

18.906. [)ers , die politischen Ideen des N c. von Cues. 1865. 8. 
J. Hölscher, Yerlagshandlung, in Coblenz: 

18.907. Dominicus, Baldewin von Lützelburg, Erzbischof u. Kurfürst 
von Trier. 1862. 8. 

Julius Bettingen in St. Wendel : 

18.908. Ders., Geschichte der Stadt und des Amtes St. Wendel. 
1865. 8. 

Se. Blaj. König Georg V. von Hannover: 

18.909. Bodemann, xylogrnphische und typographische Incunabeln 
d. k. ölfentl. Bibliolhek zu TIannover. 1866. gr. 4. 

Dr. F. W. Bäreusprung, llofhuclidrucker, in Schwerin: 

18.910. Morlot, d. graue .Allcrtlium ; iibers. v. Barcnsprung. 1865. 8. 

18.911. Judex, d. kleine Corpus docirinae ; hrsg. von Wiechmann. 
1865. 8. 



I>r. H. Becker in Dortmund : 

18.912. Denaisius, de jure meri imperii in eos qui Spirae constiluti, 
Judicii Cameraiis corpore, vel albo continenlur. 160). 4. 

18.913. Apologia ineri imperii etc. 1601. 4. 

18.914. Denaisius, adscrtio jurisdictionis camerae imperialis etc. 
1601. 4. 

18.915. Thülemar, tractatio de bulla aurea, argentea, plumbea et 
cerea elc. 1697. 2. 

18.916. Entdeckter jüdischer Baldober etc. 2. Aufl. 1758. 4. 

18.917. Carrach, rechtliche Urtheile und Gutachten in peinlichen 
Sachen. 1775. 2. 

Verein für die Geschichte der Stadt Berlin: 

18.918. Ders., Schriften etc.: I. Band, 1. Heft. 1865. 8. 

Dr. Otto Franklin, Universiläls- Professor, in Greifswald: 

18.919. Ders., Beiträge zur Geschichte der Reception des römischen 
Hechts in Deutschland. 1863. 8. 

Frovincial-Utrecht'Bche Gesellschaft für Kunst und 
IVissenschaft in Utrecht: 

18.920. Dies., Verslag van hei Verhandeide in de algemeenc Verga- 
dering etc., 1862 — 65. 8. 

18.921. Dies., .\antcekeningen van het Verhandeide in de Sectie- 
Vergaderingen etc., 1862 — 64. 8. 

Historisch Genootschap in Utrecht: 

18.922. Dies., Kronijk elc. 20. Jaarg. 1864. 1865. 8. 

18.923. Dies., Wel. 8. 

18.924. Dies., Naamlijst der Boeken etc. 2. üitg. 1865. 8. 

la. V. £<edebnr, Hauptmann a. D., Direktor der k. Kunstkam- 
mer, in Berlin : 

18.925. Ders., d. Propsteiwesen in d. Brandenburg. Sprengel. 8. 

F. Liehner'sche Buchhandlung in Sigmaringen : 

18.926. Sammlung d. Gesetze u. Verordnungen f. d. Hohenzollern'- 
schen Lande; neue Folge, I. Bds. 1. Hallte. 1865. 8. 

18.927. Hohenzollern'scher Geschichls- und Geschäfts- Kalender. 8. 

18.928. Erinnerung an Sigmaringen u. s. Umgebung, qu. 8. 

Dr. Lud'W. Baur, grolsh. hess. Geheimerath und Archivdirektor, 
in Darnisladt: 

18.929. Ders., hessische Urkunden; 4. (letzter) Band. 1866. 8. 
2 Exenipl. 

G. A. V. d. Beeck, k. Hauptmann a. D., in Neuwied: 

18.930. Die hunderijahrige Jubelfeier der Pensions - Knabenanslalt 
der Brudergemeine zu Neuwied. 1856. 8. 

18.931. N'einhaus, über d. Flora der Umgegend von Neuwied. 186.5. 
4. Progr. 

J. G. Cotta'sche Buchhandlung in Stuttgart: 

18.932. Deutsche Vierteljahrs-Schrift: 29. Jahrg., Jan. — März 1866. 
Nr. 113. 8. 

G. F. Grofsmann'S Buchhandlung in Weilsensee: 

18.933. Leitzmann, Wegweiser auf dem Gebiete der deutschen Münz- 
kunde ; 2. Ablh. 1866. 8. 

Mcyer'sche Ilofbuchhandlung in Lemgo: 

18.934. Brandes, Ausflug nach der Tatra, der Hegyallia u. d. ungar. 
Erzgebirge. 1865. 8. 

Friedr. Hektor Graf Hundt, k. b. Kämmerer und Ministe- 
rialralh, in München: 

18.935. Ders., Karl August Gral v. Seinsheim. 1865. 8. Sonderabdr. 
Theophil Rupp in Reutlingen : 

18.936. Ders., Fiölsvinnsmäl. 8. Sonderabzug. 
K. Friedrichs -Universität in Halle: 

18.937. Jancke, Aristoteles doctrinae paedagogicae pater. 1866. 8. 

18.938. Schilling, de usu dicendi Ulrici de Zazikhoven. 1866. 8. 

18.939. Inclitae lillerar. Universilali Vindobonensi sacra saecularia 
quinta agenti. 1865. 4. 

III. Für die Kunst- und Alterthums- 
sammlung. 

Chr. Hefs, Maschinenmeisler, in Nürnberg: 

4983. Dreier der Stadt Hannover und Hamburger Zweischillingstück 
von 1720. 

4984. Halber Kreuzer von Schwab. Hall v. 1712 und Hess. Heller, 
von 1757. 



69 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil 



70, 



Zianrer, Frauenkleidermacher, in Nürnberg: 

4985. Kurf. brandenburg. Silbermünze von 1565. 
Frau ]]Xiuna Bücbel. geb. illeilsner, in Dresden: 

4986. Sogen. Landsberger Pfennig v. 15. JhdI. 

4987. Dose von vergoldetem Kupfer mit ciselierlen OrnamenteD, 
18. Jhdt. 

Georg Brückner, Privatier, in Kulmbach: 

4988. Viertcitlialer Jlaximilian's von Oesterreich, Grofsmeislers des 
deutschen Ordens zu Mergeniheim, und ovaler Gnadenpfennig 
von Messing, 18. Jhdt. 

Magistrat zn Burg - Steiufurt : 

4989. 4 Lackabdrücke stadiischer Siegel und ein Siegelstock. 
G. von BUloiv in Lausanne : 

4990. 27 Lackabdrücke alterer und neuerer Sicgelstücke. 

4991. Abdruck eines Notariatsstempels vom 17. Jhdt. 
Se. Hoheit Leopold Herzog zu Anhalt : 

4992. Siegel Markgraf Albrecht d. Baren, Gypsabg. 

Se. Durchl. Friedrich Karl, Fürst zu Hohenlohe- 
Waldenburg: 

4993. 3 Siegel der Welfenparlei zu Florenz und des M. A. de Aba- 
tibus, Gypsabg. 

P. Schmidt, Assessor, in Kopenhagen: 

4994. 2 russ. Amulets von Messing. 

Jacob Kerschbaumer, Privatier, in Berchtesgaden : 

4995. Porträt Dr. Marlin Lulher's und der Katharina von Bora, zum 
Thcil aus Schriftzügen zusammengesetzt, Kpfstch. 

Fr. Thorwart, Kaufmann in Pforzheim, und E. Oppermann, 
Kammerslenograph , in Dresden: 

4996. Kriegspulverhorn vom 17. JhdI. 

F. Oppermann, Kammerstenograph, in Dresden: 

4997. Silbermedaille der Stadt Hanau auf Kurfürst Wilhelm IL, 1821. 



4998. 2 Bronze- und 4 Zinninedaillen aus neuerer Zeit. 

4999. Nassauer Denkzeichen auf Eroberung des Kriegschiffes Chri- 
stian VIIL bei Eckernförde, 1849. 

Horn von 'Wieseck, Realschuler, in Giefsen : 

5000. Ein in der Umgegend von Gielsen aufgefundener SteinkeiL 
Dr. O. Buchner in Gielsen : 

5001. Ein Sieinkeil, ebendaher. 

5002. 8 Lackabdrücke der allen Sladtsiegel von Alsfeld. 

5003. Wappen der Städte Karlsbad u. Königsberg in Preufsen. 

J. Diernfellner's Universitätsbuchhandlung in Freiburg i. Br. : 
5034. 12 Freiburgcr Silbernninzen alterer und neuerer Zeil. 

Grölsere und kleinere Ansicht der Sladl Freiburg i. Br. , von 
Greg. Sickinger gestochen; neuer Abdruck. 
Deuster in hilzingen: 

32 kleinere Silbermünzen vom 16. u 17. Jhdt. 
8 zu Kilzingen gefundene Pfennige von Bamberg, Würzburg, 
Mainz u. s. w., aus der zweiten Hälfte des 14. Jhdts. 
A. Böckel, Schlossernleisler und Obrigkeitszunfldepulierter, 
in Cassel : 

5008. 2 Medaillons von getriebenem Eisen mit dem Brustbilde Na- 
poleon's l. und einer Siegesgöttin auf dem Adler, gefertigt 
1809 durch den Schlosser C. Fr. Holland zu Wien. 

R. Ph. Schilling, Privatgelehrter, in Riga: 

5009. Porträt des Augsburger Pfarrers Job. C. Göbel, Photographie 
nach dem Kupferstich von L. Kllian. 

von Gemming, übrlstlieutenant, in Nürnberg: 
5U10. Hlustrierejde Beilage aus dem 5. Jahresbericht des histori- 
schen Vereins im Rezalkreise ; Steindruck. 
Sommer, k. Bauinspektor, in Zeitz: 
5011. Photographie nach den drei Crucifixen von 1685 in der Mi- 
chaeliskirche zu Zeitz. 



5005. 

F. 

5006. 
5007. 

G. 



Clirouik der historischen Vereine. 



Pamätky archaeologicke a Mistopisn^. Vjdovan^ od 
archaeologick^ho sboruMusea kriilovstviCesk^ho. K. VI. 
Zap a Fr. J. Zoubek. Rocnik XIL Dil VL Svazek 5. 6. 7. V 
Praze. 1865. 4. 

Verzeichnifs der Mitglieder der Gesellschaft, der wissenschaft- 
lichen Sectionen und Coniileen und der Beamten des Museums 
des Königr. Böhmen zur General-Versammlung am 3. Juni 1865. 
Prag, 1865. 8. 

Vortrag des GeschSftsleilers in der General-Versammlung der 
Gesellschaft des Museums des Königreiches Böhmen am 3. Juni 1865. 
Prag, 1865. 8. 

Mittheilungen der k. k. C enlral-Com miss io n zur Er- 
forschung und Erhaltung der Bau denk male. Herausge- 
geben unter der Leitung Seiner Excellenz des Präsidenten der k. k. 
Central -Commission Joseph Alexander Freiherrn von Helfert. Re- 
dakteur: Anton Ritter v. Perger. — 10. Jahrg. November — Decem- 
ber. Wien, 186.5. 4. 

Ueber einige Kirchen in Steiermark. Von Hanns Petschnig. (Mit 
20 Holzschnitten.) — Deckengewölbe der Kirchen St. Marein bei 
Seckau. (Hit 1 Doppeltafel.) — Ueber das Herkommen verschiede- 
ner Gemälde in der k. k. Geinäldegallerie im Belvedere. Von A. 
R. v. Perger. — Die nordfranzösische Abtei- und Kathedralkirche. 
Von Dr. E. Henszlmann. — Besprechung : Ueber die Berichte und 
Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien. — Notiz: Die archäo- 
logische Ausstellung in Prel'sburg. 



Zeitschrift des Vereins zur Ausbildung der Ge- 
wer ke in München. Fünfzehnter Jahrgang. — Zweites, drittes 
und viertes Heft. 1865. 2. 

Historische Aufsätze : Die Malerei in ihrer Anwendung auf die 
Baukunst nach Viollet-Le-Duc. Von A. Mecklenburg. — Zur Ge- 
schichte des Kunslhandwcrkes in Frankreich. — Die Austeilung von 
kulturhistorischen Gegenständen in München für das Jahr 1866. 

Badenia oder das badische Land und Volk. Eine Zeilschrift 
zur Verbreitung der historisch- topographisch -statistischen Kenntnifs 
des Grofsberzogthums. (Organ des V ere ins fü r b a dische Orts- 
kunde.) Herausgegeben von Dr. Jos. Bader. Dritter Band. Zwei- 
tes Heft (zweite Hälfte) und drittes Heft. Heidelberg, Druck u. 
Verlag von A. Emmerling. 1865. 1866. 8. 

Hofsgrund im Breisgau. Kurze Geschichte des Thaies und Berg- 
werks. Von Cameralpraktikant Trenkle. (Schlufs.) — Burgharl von 
Hohenfels, der Minnesänger, seine Familie und Heimat. Von Dr. Ba- 
der. — Mannheims Vorgeschichte im keltisch römisch-germanischen 
Zeitalter. Von Prof. Fickler. — Meine Heiniatgaue. Eine hislorisch- 
ethno-topographische Skizze. Von Dr. Bader. — Wo lag der von 
Kaiser Valentinian befestigte mons Pirus ? Von Registrator Vetter. — 
Ueber die Bevölkerungszunahme in den bedeutenden Städten Ba- 
dens. Von Trenkle. 

Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. Neue 
Folge. Herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und 
AI terthu ms k un d e zu Frankfurt am Main. Dritter Band. Mit 
Abbildungen. Frankfurt a. 51. 1865. gr. 8. 



71 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



72 



Zur Urgeschichte des Rhein- und Mainlandes. Von Prof. Dr. J. 
Becker. — Des Kanonicus Job Rohrbach am BarlholomSusslifle Frank- 
furter Chronik vom J. 1494 — 1502. Zum crslenmale herausge- 
geben von G. E. Sleilz, Dr. der Thcol. — Die Stral'sen der 
Frankenfurt. Von Dr. F-riedr. Scharff. Mit einer Karte. — Das 
Recht der hohen Mark, mit besonderer Berücksichtigung der angren- 
zenden Sculberg-Erlenbacher Mark. Von dems. — BeitrSge zur Ge- 
schichte des t'ollegiatstifls iMoxstadt aus dem Frankfurter Stadtarchive 
von Dr. L. II. Euler. — Angelegenheiten der reformirten Gemein- 
den nach den Froloeollen des lutherischen Predigerministeriums. 
Mitgetheilt von Pfarrer Basse. — Die Auflosung des Grofsherzog- 
thums Frankfurt. Ein geschichtlicher Rilckblick auf die beiden letz- 
ten Monate des Jahres 1813. Von Dr. W. F". C. Stricker. — Lorenz 
Heister, geb. im J.ihr 1683 zu Frankfurt, gest. 1758 zu Helmstädt. 
Von Dr. Eduard Heyden. — Johann Michael von Loen, Göthe's Grofs- 
oheim. Von dems. 

Milthei I ungen an die Mitglieder des Vereins für Geschichte 
und Allerlhumskunde in Frankfurt a. M. II. Band. Nr. 4. April 18ö4. 
Frankfurt a. M., 1864. 8. 

Vereinsangelegenheilen. — Römische Allerthümer aus Genf. 
Mitgetheilt von Paul Gerson. — Der Stadt Frankfurt am Main Ad- 
ler. Ein Lobgedicht aus dem 16. Jahrhundert, mitgetheilt von Ernst 
Kelchner. — Kleine Bemerkungen von Dr. Euler. 

III. Band Nr. 1. April 1865. Vereinsangelegenheiten. — Mit- 
glieder des Raths unter 30 Jahren. Von L. F. Finger. — Verzeich- 
nifs der Kosten bei Erlangung einer bürgerlichen Fahndrichsstelle 
aus dem Jahre 1803. Mitgetheilt von Dr. med. Stricker. — Zwölf 
Urkunden, mitgeth. von Dr. jur. Euler. 

H e n n eb e rgi seh es Urkund e n bu eh. Im Namen des Hen- 
nebergischen alterthums forsch enden Vereins herausge- 
geben von (ieorg Brückner. V. Theil. (1. Supplementband.) Mei- 
ningen. Verlag der Hcrzogl. Ilofbuchhandlung von Brückner u. Ren- 
ner. 1866. 4. IV u. 292 Stn. 

Statuten des Thüringisch-Sächsischen Geschichts- 
und .VI t erth um s-V e re ins zu Halle an der Saale. Halle. 
1865. 8. 15 Stn. 

Mittheilungen des Vereins für die Geschichte und 
AI tert humskunde von Erfurt. Erstes Heft. Mit 3 Tafeln in 
Farbendruck und 8 Steindruck-Tafeln. Erfurt, 1865. 8. 

Vereinsangelegenheilen. — Das Wappen und die Siegel der 
Stadt Erfurt, von Karl Herrmann. — Verzeichnifs der Abbildungen. — 
Zusätze und Berichtigungen. 

XXXI. 2. Quartalbericht des Vereins für meklenbur- 
gische Geschichte und Alterthumskunde. Schwerin, im 
Januar 1866. 8. 12 Sin. 

Z eitsch r i ft d e s Architecten- und In gen i eur- Ver ei ns 
für das Königreich Hannover. Redigirt von dem Vorstande 
des Vereins. Band XI. Heft 4. (Jahrg. 1865.) Hannover. Schmorl 
n. V. Seefeld. 1865. 2. 

Beiträge zur vaterla nd ischen Geschichte. Herausge- 
geben von der historischen Gesellschaft in Basel. Achter 
Band. Basel, H. Georg's Verlagsbuchhandlung. 1866. 8. 

Vorbericht (Geschichte der Gesellschaft von 1836—1861, von 
J. W. Hel's). — Die Berührungen Basels mit den westfalischeu Ge- 
richten. Von Prof. Andr. Heusler, Sohn. — Die Begehren der Bas- 
ler Bürgerausschüsse im Jahre 1691. Von Dr. Karl Burckhardt. -- 
Streitigkeiten zwischen der Gerberzunft in Basel und den Landger- 



bern im achtzehnten Jahrhundert. Von H. Zchntner. — Der Ge- 
schichtschreiber Johannes Müller in seinem Briefwechsel mit Peter 
Ochs von Basel. 1775-1786. Von Dr. D. A. Fechter. — Mitthei- 
lungen aus den Basler Raihsbüchern aus den Zeiten des dreil'sigjahri- 
gen Krieges. Von Prof. A. Heusler, Vater. — Die neuesten For- 
schungen über Hans Holbein des Jüngern Geburt, Leben und Tod. 
Mitgetheilt von Ed. His-Heusler. 

XLIV. Neujahrsblatt für B asel s J ugend, herausgege- 
ben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und 
Gemeinnützigen. 1866. 4. Basels Eintritt in den Schweizer- 
bund. 1501. 

Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft 
des Kantons Aargau durch E. L. Rochholz und K. Schröter. 
IV. Band. Jahrgang 1864 und 1865. Aarau, Verlag von Heinrich 
Remigius Sauerlander. 1866. 8. 

Vorwort. — Ueber die Enistehungszeit der Acta Murensia. Von 
Theodor v. Liebenau. — Vereins-Chronik. — Der Stift Zurzach nie- 
dere Gerichtsherrlicbkeit in Kadelburg, vom J. 1451 — 1803. Nach 
57 Urkunden dargestellt von J. Huber. — Die Haustliüre im Reohts- 
frieden. Nach alldeutschen Quellen von E. L. Rochholz. — XXXIII 
Aargauer Olfnungen, gesammelt und nach erbrechtlichem Inhalte be- 
arbeitet von E. Welti. — Bilderreim über die böhmische Jesuiten- 
austreibung vom J. 1619. Ein Beitrag zur Literatur der politischen 
Flügblatter, mitgetheilt von E. L. Rochholz. — Regesien des Ar- 
chivs der Stadt Brugg. Von Dr. Bäbler. — Zwei Schwyzer Landes- 
befestigungs- Urkunden vom J. 1322. Mitgetheilt von E. L. Roch- 
holz. — Wort- und Sachbestand. — Orts- und Personennamen- Re- 
gister. 

Einundzwanzigster Jahresbericht über die Verrich- 
tungen der Antiquarischen Gesellschaft (der Gesellschaft 
für valerl.indische Alterlhümer) in Zürich. Vom November 1864 
bis December 1866. Zürich, 1865. 4. 

Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons Gla- 
rus. Zweites Heft. Zürich u. Glarus, Meyer u. Zeller. 1866. 8. 

Protokolle des Vereins. — Die versuchte Annexion St. Galli- 
scher Gebielslheile im Jahr 1814. — Urkundensammlung zur Ge- 
schichte des Kantons Glarus. 

Rätia. Mittheilungen der geschichtforschenden Ge- 
sellschaft von Graubünden. Herausgegeben vou Conradin 
v. Moor und Christian Kind. III. Jahrgang. Cur, im Verlage der 
Antiquariatsbuchhandlung. 1864. 8. 

Politische und militärische Correspondenzen aus dem Schwaben- 
kriege. Von Chr. Kind. (Schlul's.) — Die Fuentan'schen Wirren. 
Von dems. — Relatione de Griggioni fatta dal segretario Padavino. 
Mitg. von Victor C^rösole. — Ein ladinisches Rügelied auf Oberst 
Gg. Jenatsch. Mitgetheilt von Alf. v. Flugi. — Beiträge zur Ge- 
schichte Graubündens. Von Prof. Pet. Kaiser. 

L'In vestiga teur. Journal de l'Institut historique, 
Trente-deuxieme ann^e. Tome V. IV. S^rie. 371. Livr. Gclöbre 
1865. Paris, 1865. 8; 

Bulletin monumental ou collection de m^moires 
sur les mouuments historiques de France, publie sous les 
auspices de la Societe franfaise d arch^o logie pour la 
conservation et la description des monuments natio- 
naux, et dirige par M. de Caumont. 4. S^rie, Tome 1., 31. Vol. 
de la Collection. Nr. 7. 8. Paris et Caen, 1865. 8. 

Analyse architeclurale de l'abbaye de St.-Etienne de Caen, par 



73 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



74 



M. Bouel. (Suite). Rapport verbal lait an aoiit et octobre 1865 ä 
la Soci^l^ fran9aise d'archeologie, par M. de Caumont. — Lettre ä 
M. de Caumont sur une excursion en P^rigord et en Quercy, par 
M. Jules de Verneilh. (Suite.) — Les tombes de Tabbaye de Fer- 
vagues par M. Ch. Gomart. — La Bonne -Mort. Peinture murale de 
l'^glise de Peronne, par le nieme. 

Bulletin de laSociete pour la Conservalion des Mo- 
numents historiques d'Alsace. (Deuxieme Livraison.) Paris 
et Strasbourg. 1865. gr. 8. 

Procfes- verbaux des S^ances. — Memoires: Note sur une m^- 
daille eiferte a la ville de Strasbourg, pour sa collection historique, 
par M. le doyen F. Sachs de Carlsruhe, par M. G. Klotz. — Notice 
sur la famille de Rosen, par M. Ernas Lehr. — Un extrait de la 
Chronique de Wissarabourg, de Balthasar Boell, par M. L. Spach. — 
Fr^deric II. et ses fils en Alsace, par M. P. Huot. — Note sur deux 
anciens nionasleres, vulgairement designäs sous les noms de Frauen- 
kirch et de Thierkireh, par Jer. Ans. Siffer. — Le chäteau imperial 
des HohenstaulTen ä Obernai, par M. Tabbä Gyss. — Donation de 
terras, faite ä Tabbaye da Marbach, par le comte Albert d'Eguisheim, 
par M. L. Spach. — Racherches archeologiques concernant la Station 
de Gramatum, parM. Costa, avac une carte lithographi^e. — Crauflhal 
(Claustriacum), par II. Louis Benoit. — Rapport sur deux ouvrages 
de M. le prof. Hanauer, par M. L. Spach. — Notice sur quelques 



monuments lapidaires d'origine paienne, conservis ä Walbourg, par 
J6r. Ans. Siffer. 

Kronijk van het Historisch Genootschap, gevestigd 
te Utrecht. Twinligste Jaargang, 1864. Vierde Serie. Vjjfde 
Deel. Utrecht, Kemink en Zoon. 1864. 8. 

Angelegenheiten des Genootschaps. — Slukken voor de geschie- 
denis der jaren 1593 en 1594. — De beroeraing van Graaf Johan 
van Nassau tot Stadbouder van Gelderland. — Beschrijving van ee- 
nen togt naar de Bovanlanden van Banjermassing enz., in het jaar 
1790. — Onderzoak naar de wijze van bekostiging der voorniali»e 
fortificatiewerkan der stad Utrecht. Door Mr. J. W. L. Raven. 

Naamlijst der boeken van het Historisch Genootschap. 
Twaade uitgave. 1865. Utrecht, Kemink en Zoon. 8. IV u. 124 Stn. 

Wet van het Historisch Genootschap. 8. 14 Stn. 

Verslag van het verbände! de in da algemeene ver- 
gadering van het Provinciaal Utrechtscha Genootschap 
van Künsten enWetenschappen, gehouden den 27. Junij 1865. 
Utrecht, C. van der Post jr. 1865. 8. 

Aanteekenin gen van het verhandelde in de Sectie- 
Vergaderingen van het Provinciaal Utrechtsche Genootschap van 
Künsten en Wetenschappen, ter gelegenheid van de algemeene ver- 
gadering, gehou^len in het jaar 1864. Utrecht, C. van dar Post jr. 
1864. 8. 



Nachrichten. 



lilteratur. 

Neu erschienene MTerke. 

3) Die römischen Inschriften in Dacien. Gesammelt 
und bearbeitet von Michael J. Acknar, gestorben als ev. 
Pfarrer, in Hamersdorf, k. Rath u. s. w. und Friedrich 
Müller, Gymnasialdirektor u. s. w. Herausgegeben mit Un- 
terstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 
in Wien. Wien, 1865. Verlag von Tendier u. Comp. (Carl 
Fromm). 8. 247 Stn. 

In einem längeren Vorworte geben die gelehrten Verfasser Re- 
chenschaft über die durch mehrere Jahrhunderte sich ziehenden Be- 
mühungen, die bis jetzt aufgewandt wurden, den von ihnen behan- 
delten Stoff zusammenzutragen und zu erläutern, wie über die Be- 
dingungen, unter welchen ihre eigne Arbeit den früheren sich an- 
schliefst, welche letztere, ohne für jene die Nothwendigkeit der 
selbständigen Prüfung aufzuheben, die fast eben so grofse Schwie- 
rigkeit der Sichtung des bis jetzt zu Tage geförderten wissenschaft- 
lichen Materials hinzufügte. Ob die vorliegende Arbeit den Scblufs 
der zahlreichen und gröl'stentheils veralteten Versuche bilde, darüber 
könnte endgültig natürlich nur an Ort und Stelle entschieden wer- 
den. Soweit aber nach Analogien zu schlielsen erlaubt ist, hat die 
Schrift auf das Prädikat der Vollendung in hohem Grade Anspruch. 
Ihre Zusammenstellung zeugt von einem Fleifse, der nur aus der 
Lust vollkommenen Verständnisses erklärbar wird, wie wiederum 
vor Allem dieses die grofse Masse das vereinigten Materials werth- 
voll macht. Von mehr als hundert Orten in Siebenbürgen, Serbien, 
Bulgarien, Slavonien, der Walachei, Moldau, Militärgrenze, dem Ba- 
nal u. s. w. sind über lausend Inschriften zusammengetragen, durch 



Anmerkungen erläutert und durch ausführliche Register zugänglich 
gemacht. Die Ausstattung des Buches ist, wie sie für ein Werk, 
das selbst Anspruch auf monumentalen Werth macht, sich ziemt. 

4) Geschichte des Herzogs Rudolf IV. von Oester- 
reich, von Dr. Alfons Huber, Professor der Geschichte 
in Innsbruck. Innsbruck, Wagner. 1865. 8. IX, 223 Stn. 

Längst war es der Wunsch aller Freunde dar Habsburger, es 
möchte Jemand sich der nicht kleinen Mühe unterziehen, die Lichl- 
funken zu sammeln, welche Rudolfs IV. kurze, aber glanzreiche 
Bahn, einem Meteore gleich, von Ungarn und Böhmen aus in Oester- 
reich und Tirol, ja bis Venedig, aber nicht weniger in Schwaben, 
vorab in den Wiegenlanden seines erlauchten Geschlechts, verbreitete. 

Diese hochherzigen Erinnerungen an die Jugendzeil des Hauses 
Habsburg leuchteten vom Frühlinge 1353 bis in den Sommer 1365, 
also ein Dutzend Jahre hindurch, in der trüben Zeit, als das Haus 
Luxemburg-Böhmen mit Kutlenbergs Silber sich auf ewig ein böhmi- 
sches Erhreicli über ganz Deutschland zu erkaufen hoffte. 

Da Herzog Rudolf und seine Umgebung trotzdem, dals er zu 
Wien die Universität und Slephanskirche errichtete und in kühnem 
Haidangange über den Krimlerlauren zur Winterszeit Tirol erwarb, 
doch unsern obern Landen eben so nahe stand, als Oesterreich, hät- 
ten wir recht sehr gewünscht, dafs man dem Verfasser seiner Labens- 
gaschichte alle nOihigen Mittel zur Hand gestellt hätte, die sehr zahl- 
reichen Erlasse Herzog Rudolfs IV. in Schwaben, Burgund und El- 
sal's zu sammeln, — was ihm leider nicht ermöglicht wurde. Trotz 
dieses Mangels bleibt diese Lebensgeschichte dennoch eine recht lo- 
benswerlhe Unternehmung ; denn was im Bereiche des Verfassers 
lag, wurde gesammelt und so gut benutzt, dafs es in Böhmen und 



70 



Anzeiger für Kunde der deulschen Vorzeit. 



76 



llalien, in rfer Schweiz wie in Frankreich zu reichen Nachlrägen 
ernuinlorii wird. Zwei Honographiccn werden ganz besonders för- 
dernd hier iinlersliitzen : diejenige dos Joliannes Seliullheir», Kanz- 
lers Kudoir's IV., Bischofs von Gurk, Bri\en und endlicli von Chur, 
inil vielen liishcr unhekannlen Dalen; dann die Geschichte der Kö- 
nigin .\giies, Base Herzog KudolTs IV., die (mit 400 Regesien und 
etwa hundert Urkunden) im Jahre 1866 erscheinen wird. 

Herr Professor lluber aulserte vor einigen Monaten noch, das 
Er.selicinen KudolTs IV. werde geraume Zeil auf sich warten lassen; 
ob nun Heinr. v. Üiel'senhofen's Chronik den früheren Entscliluls um- 
änderte, wissen wir nicht genau; doch entnahm er derselben zahl- 
reiche Stellen. 

Das Ruch ruht auf 618 Regesten und acht beigelegten Urkun- 
den. Die Kegesicn, grofseniheils auf Lichnowsky hingewiesen, sind 
oft etwas kurz ausgefallen und stehen unter dem Titel: Verzeich- 
niis der Aufenlbaltsorle. Drei sogen. Excusc : 1. Ueber die Beam- 
lelen, Verzeichniis mit der Zeilangabe, 2. Krone und sogen. Privi- 
legien der Herzoge von Oesterreich, 3. Genealogie der Herren v. VVal- 
see, sind beigegeben. 

Die Abhandlun;; (S. 1—154) zerlallt in : Dentschlands Entwick- 
lung. KOnigthum und Fürstenihiim ; — Kudolf's IV. Jugendzeit und 
Verehcliehung ; — RudoITs IV. Kegierung bis zum Bunde mit Un- 
garn. Erwerbung Tyrols vorbereitet; — Streitigkeilen mit Karl IV.; 
— Aquilea und Friaul ; — Wiederausbruch des Zwistes mit dem 
Kaiser: — Besitznahme Tyrols ; — Kampf mit Bayern um Tyrol ; — 
innere Verwaltung seiner Lande; — letzte Kample in llalien; Ru- 
dolfs IV. Lebensende und Würdigung ; — also eilf Abschnille, welchen 
wir eine Darstellung Rudolfs in den früher so kriegerischen Gauen der 
Limalh und .\are beigefügt wünschen möchten, sowie auch, dals das 
ausgezeichnet gut geschriebene Buch den obcrn Landen einen eige- 
nen Abschnitt gewidmet halle, der die Blume der ganzen Abhand- 
lung bilden niulste. Dr. IL v. Liebenau. 



Aufsätze in Zeitschriften. 

Biene: Nr. 5. Geschichtliches über Dukaten. (J. v. H.) 

Das illustr. Buch der Welt: Nr. 1. Bilder aus dem deulschen 
.Mitlelalier. 11. König Wenzeslaus der Luxemburger. (Thad- 
däus Lau.) 

Chilianeum: Nr. 1. Die Mifsbilligung der zweiten Ehe im Mit- 
telaller. Sillengeschichlliches aus dem 14. Jahrhundert. (Prof. 
Dr. V. Hefele.) 

Dioskuren (Deutsche Kunsizeilung) : Nr. ."j. Die neueste Erwer- 
bung der königlichen Gemäldegallerie in Dresden (das in der 
Böhmischen Auclion erstandene Gemälde von Dürer). (Julius 
llübner.) 

Erheiterungen (Beibl. z. AschaUcnb. Ztg.): Nr. 11 — 32. Hexen- 
prozesse aus der ehemaligen Cent vom Spessart und Bachgau, 
aus aktenmäfsigen Urkunden gezogen. (Dr. Ludvv. llerrmann.) 

Europa: Nr. 4. Zur Geschichte des Holzschnitls. — Nr. 6. Der 
erste deutsche Künstler (Durer). (Nach v. Zahn.) 

Grenzboten: Nr. 3, S. 81. Hans Ilolbein's d. J. neueste Biogra- 
phie. — S. 94. Die Sprachvergleichung und die Boppstiftung. 
— 103. Schwimmkunst in aller Zeit. 

Der Hausfreund: Nr. 3. Die Babenberger. 

Korrespondent v. u. f. D. : Kr. 77. Die ersten Zeilungcn. — 
Nr. 82. 84. Eheverlöbnil's der Magdalena Topplerin. 



Pro teslan 1 iach e M ona Isbl a tte r : Novbr. Die deulschen Uni- 
versitäten in ihrem geschichtlichen Verhältnisse zu den deulschen 
Fürstenhausern. (E. Curlius.) 

Ballisrhe Monatsschrift: 12, 5. (Nov.) Wallenstein. (E. Herr- 
mann.) 

Neue Freie Presse: Nr. 522. Zur Geschichte der Rinderpest. 

Schles. Provinzialb lauer : Decbr. Andreas Gryphius auf den 
Brettern. (Th. Üelsncr.) — Prolog zur Aufführung der „ge- 
lieblen Dornrose" von Gryphius. (Dr. C. Grünhagen.) — Bern- 
hard von Kanienz, Kanzler Herzogs Heinrich IV. von Breslau, 
spater Bischof von Sleissen. Nach der Schilderung von ProL 
Knoihe auszugsweise milgetheill von H. Palm. — Nachträglichej 
zu dem Aufsalze „Einiges über die Leiden und Krankheilen un- 
serer Vorfahren.'' (R. Karger.) — Noch ein Weihnachtsspiel (He- 
rodesspiel) aus dem Eulengebirge. (F. Zeh.) 

Theo log. (,)uartalschrift : 1. Heft, S. 3. Zur kirchlichen G&. 
schichie des XIV. Jahrhunderts. (ProL Dr. Schwab.) S. 56. 
Zur Geschichie der Aufhebung des Templerordens. Mit Be- 
nützung bisher unbeachteter Bullen. (Prof. Dr. Hefele.) 

Revue des doux niondes: 2. LieL, S. 504: L'hisloire de la phi- 
losophie et recleclilisrae. (Paul Janet.) 

Bremer Sonntagsblatt: Nr. 4L Sancl Cosmas und St. Damian. 
Zur bremischen Reliquiengeschichle. (H. A. Schumacher.) 

Münch. Sonnlagsbl a 1 1 : Nr. 5. Herzog Ludwig der Reiche von 
Bayern. — Nr. 6. Die Weiber von Weinsberg. — Nr. 7. Aus 
einer alten Ehehaflsordnung. (J. Baader.) — Kaiser Heinrich II. 
in Verdun. — Sagen aus Unlerfranken. 

Ueber Land und Meer: Nr. 17. Falken und Falknerei. (Olfr. 
Mylius.) 

Wochenblatt der Job.- rd.-Bal 1 e y Brandenburg: Nr. 5. 
Ueber die Entstehung der Johanniter-Ordens-Balley Branden- 
burg. 

Romberg's Zeilschrift für prakt. Baukunst: Hfl. 10 — 12, 
S. 307. Ueber die Entwicklung der christlichen Baukunst im 
Mittelaller. (M. Rosenheyn.) 

Bayer. Zeitung: Morgenbl. Nr. 25. Nordendorfer Runeninschrift. 
(Kuhn.) — Nr. 28 fr. Die Vehmgerichle in Wesiphalen. IL (A. 
Eisenhart.) — Nr. 42 f. Die Wittelsbachischen FürÄtengrüfte in 
Simmern. 

Illuetr. Zeitung: Nr. 1177. Die Gerichlslaube des alten Berliner 
Rathhauses. — Der Mausethurm bei Kruschwitz. — Nr. 1179. 
Die Sage vom Krölenring. - Rubens' Grab in der Kathedrale 
zu Antwerpen. 

Leipziger Zeitung: Wissenschafll. Beil. Nr. 3 u. 4. Kunst-, Ge- 
schichls- und Industrie -Museen. 



Veriiiit^elite IVaelirirliten. 

12) In einer der letzten Sitzungen der philosophisch-historischen 
Classe der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien kam u. A. 
durch ProL Dr. Franz Pfeiffer zur Vorlage: „Forschung und 
Kritik auf dem Gebiete des deutschen Allerthunis. II." 
Dieses zweite Heft enthalt vier Aufsätze, welche sammtlich Denk- 
mäler der alldeutschen Sprachperiode behandeln. Das erste Stück 
enthalt einen von Dr. .■\. ReilTerscheid in Rom gemachten Fund, ei- 
nen Bienensegen aus dem 10. Jahrhundert, den ersten in deut- 
scher Sprache, den man aus alter Zeit kennen gelernt bat. Gegen- 



77 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



:8 



sland der zweiten Abhandlung bildet eine im Sommer im Cisterci- 
enserklosler Tepl bei Marienbad aufgefundene Beicht- und Ge- 
betTormel, die zwar aus einem anderen Codex längst bekannt 
ist, von der Tepler Handschrift aber in einer vollsländioern und äl- 
teren Version dargeboten wird. Eine gleichfalls schon öfter ge- 
druckte, jetzt aber aus der verschollen gewesenen IJandschrifl zum 
ersten Mal genau wiedergegebene Fuldaer Beichtformel liefert 
Nr. .i. Die vierte Abhandlung beschäfligt sich mit dem durch G. Zap- 
pert 1858 veröffentlichten Schlummerlied, dessen angezweifelte 
Echtheit durch Suisere und innere Grunde dargethan wird. 

13) Archivar Dr. Ennen zu Köln hat im städtischen Archive 
daselbst einige Urkunden entdeckt, welche lür eine bis jetzt 
noch im Unklaren gebliebene Partie der deutschen Kaisergeschichte 
von der höchsten Wichtigkeit sind. Die Chronisten sind nämlich 
nicht einig darüber, ob der König Adolf von Nassau auf Betrei- 
ben des Königs Wenzel von Böhmen oder des Erzbischofs Siegfried 
von Köln auf den deutschen Königsthron erhoben worden sei. Ur- 
kunden, die diesen Zweifel zu lösen in Stande wären, fehlten bis 
jetzt gänzlich. Dr. Ennen hat nun drei Documente aufgefunden, 
welche jeden Zweifel in dieser Angelegenheit beseitigen und diese 
Frage in entscheidender Weise lösen. Dieselben liefern den kla- 
ren Beweis, dais Erzbischof Siegfried es war, welcher, um mit den 
Worten .\dolf's selbst zu sprechen, „den Grafen von Nassau auf den 
deutschen Königsthron erhoben hat". Das interessanteste und wich- 
tigste der Documente ist die umständliche Wahlcapitulation, in wel- 
cher der Graf .\dolf von Nassau am 26. April 1292 die Bedingungen 
spezificiert, unter welchen Siegfried unternimmt, demselben die deut- 
sche Königskrone zu verschaffen. (Köln. BU.) 

14) In Nr. 1 des .Vnzeigers (Beilage), S. 38 wird ein angeblich 
zu Frankenmarkt in Oberöslerreich ausgegrabener römischer 
Meilenstein erwähnt. Die thcils ungenauen, theils unvollständi- 
gen Daten sind folgendermassen zu berichtigen. Im Spätherbst 1865 
wurde in der Ortschaft Mösendorf in der Pfarre Vecklamarkt ein 
römischer Meilenstein ausgegraben. Sockel 22" hoch, 2' breit; 
Schaft 5' 8" hoch, oben schief abgebrochen — dessen Umfang 6' 
1". Die Legende (14 zeilig) ist sicher folgenden Inhaltes: ,,Kaiser 
Septimius Severus [trib. pot. Villi. IMP. XII. COS. II.] und dessen 
Söhne Cäsar Aurelius Antoninus [gewöhnlich Caracalla — TRIB. POT. 
IUI.] und Pius (die unmittelbar folgende Stelle am Ende der achten 
und am Anfange der neunten Zeile ist weggemeifselt) haben die durch 
das Alter verfallenen Meilensteine wiederhergestellt, als M. Juven- 
tius Surus Pcoculus als Legat die Provinz verwaltete. 31,000 
Schritte von Juvavum." Die Jahresangabe der Würden der ge- 
nannten Personen weisen auf das Jahr 201; denn des Severus trib. 
pot. Villi entspricht den J. 201 und 202, Cos. II. aber nur mehr 
dem J. 201; damit stimmt auch des .\ntoninus trib. pol. IUI. Da- 
gegen ist des Severus IMP. XII. offenbar ein Versehen des Stein- 
metzes, da diese Bezeichnung erst im J.207 zutreffen würde. Uebri- 
gens findet sich nach einer Mitlheilung des vaterlandischen Archäo- 
logen Herrn Gaisberger dieselbe falsche Sigle XII statt XI auf 2 
muthmalslich durch dieselbe Hand bearbeiteten Meilensteinen im Ca- 
rolino-Äugusteum in Salzburg. — Besonderes Interesse gewährt auch 
die Wegmeilselung der Stelle, welche offenbar den Namen des jün- 
geren Sohnes des Septimius Severus — des Geta — enthielt. „Er 
ward, schreibt Gaisberger (Linzer Zeitung Nr. 7, 11. J.inuar 1866, 
wo er über diesen Stein berichtet), von dem eigenen Bruder, dem 
obengenannten M. Aurelius Antoninus Pius in den Armen ihrer ge- 



meinschaftlichen Mutler Julia Domna im Februar 212 ermordet. Auch 
durch den Brudermord war der glühende Hais noch nicht gestillt; 
alle Freunde und Angehörigen Geta's mufsten sterben, und damit 
jede Erinnerung an den gehafsten Bruder entfernt werde, gab der 
Wülherich den Befehl, an allen Denkmalen, auf denen der Name 
„Gela" vorkäme, diesen wegzntilgen. So findet man auf dem frag- 
lichen Meilensteine bestätigt, was die beglaubigte Geschichte über- 
liefert." 

Interessant ist der Stein auch durch die Angabe des Namens 
des Ortes, von dem die Zählung der Schritte begann. -- Ob der 
fragliche Stein ursprünglich am Fundort aufgestellt gewesen sei, ist 
Ireilich nicht ausgemacht. Da aber der Sockel vorhanden, würde 
doch diese Frage eher zu bejahen sein. Freilich bat diese Annahme 
ihre Schwierigkeit, aber auch ein nicht gewöhnliches Interesse, 
indem hiedurch die gewöhnliche Annahme der Richtung der Stral'se 
von Juvavum nach Lauriacum, wie auch in Betreff des Ortes Laciacum 
bedeutend in ihrer Sicherheit erschüttert wird, will man nicht etwa 
diesen Stein als einer zweiten Verbindungslral'se angehörig gelten 
lassen. Mösendorf liegt sudwestlich von Vecklamarkt und zwischen 
den beiden uralten Punkten Slauf (Slouphi) und Walchen (Walhen) 
und nordwestlich von Seewalchen, dem angeblichen Laciacum. Am 
einfachsten scheint wol die Lösung durch Annahme einer zweiten 
Verbindungsslralse von Juvavum aus, deren Kichluiig mehr nördlich 
an der heutigen llaupistral'se, welche durch Mösendorf führt, geht. 
(Vergleiche dagegen 13. Jahresbericht des Museum Francisco-Caroli- 
num in Linz, 1853, S. 28 ff.) 

Schiel'slich bemerke ich noch, dal's der besprochene Meilenstein 
von den Besitzern des Fundortes um 20 fl. Oest. W. an die Markt- 
gemeinde Vecklamarkt überlassen wurde. 

Lambach, 16. Februar 1866. 

P. Pius Schniieder, Archivar. 

15) In der Nahe des Ortes Schieitheim bei Schalfhausen ist 
durch regelmälsige Ausgrabungen, welche der historisch-anti- 
quarische Verein anstellen liefs , ein Friedhof aus keltischer 
Zeil mit 45 Gräbern blol'sgelegt worden. Die Entfernung der Grä- 
ber von Nord nach Süd beträgt 8 - 10', die von West nach Ost ist 
bei den einzelnen sehr verschieden. .\lle Gräber sind ausgemauert. 
In einem derselben, welches sehr grofs und breit war, fanden sich 
die Gebeine von vier Menschen vor; in andern allerhand liegen- 
stände von Bronze oder Eisen, wie auch Ueberreste von Holz und 
von Korallen. Letztere wurden nebst einer kleinen Hohlkugel und 
einem Kreuzchen von Bronze in einem Kindergrabe gefunden. Die 
andern Fundstücke bestanden aus: 4 Gürtelspilzen, darunter zwei 
mit schönen Verzierungen, 13 Ohrringen, 6 Fingerringen, sämmtlich 
von Bronze. Von Eisen waren: 3 Messer, 2 Schwerter und 2 Schnal- 
len. Endlich fanden sich noch eine römische Kupfermünze, der 
Fufs eines Thongefalses und ein Stück von einem Backstein vor. 
Alle diese Gegenstände wurden dem antiquarischen Cabinet zu 
Scbaffhausen zur Aufbewahrung übergeben. (111. Ztg. u. a. Bll.) 

16) Achnlich wie bei Schieitheim werden beiBregenz Aus- 
grabungen betrieben. Unter der Leitung des Fabrikbesitzers Jenny 
aus Haard, lieferten die Nachforschungen der letzten Wochen sehr 
befriedigende Ergebnisse. Kleinere Gegenstände, wie Urnen, Lämp- 
chen, Thränenfläschchen, Münzen u. dgl., wurden viele in den ge- 
öffneten Gräbern gefunden. Bemerkenswerth sind: eine 5 — 6 Zoll 
lange elfenbeinerne Nadel, ein runder metallener Spiegel und Glas- 



79 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



8Ö 



urnen von der belrarhtlichrn Höhe bis zu 2 Fufs. Auf einem der 
Lampchen helindet sich der Name des Töpfers Strobiliiis, auf einem 
andern eine schön gearbeitete Abbildung des Sonnengottes, auf sei- 
nem mit vier Rossen bespannten Wagen durch die Lüfte sprengend. 
Hieraus, sowie aus dem Namen Antonin, welcher einigen Münzen 
aufgeprägt ist, erkennt man mit Sicherheit die Begrabnifsstalte des 
allen Mrigantium. (A. Z.) — In einer andern, der III. Ztg. zuge- 
gangenen Nachricht werden unter den ausgegrabenen üegenständen 
noch mit aufgezahlt : Thönerne Urnen von 10 Zoll bis 3';i Fufs 
Höhe, bronzene Fibulen . Eisengerathe (Mcifsel oder Lanzenspitzen 
etc.), eine kugelförmige Glaslampe mit Henkeln, u. dgl. ni. 

17) Bei Jemelle in Belgien befindet sich ein Stück Land von 
zwei und einer halben Hektare in Umfang, welches das Todten- 
bett genannt und seit lange als ein Begrabnilsort aus der Zeit des 
ersten Einfalls der Franken in das gallische Belgien betrachtet 
wird. Ein archäologischer Korscher hat kürzlich an dieser Stelle 
eine Menge Gräber nebst darin liegenden Skelellcn blolslegen las- 
sen, wodurch obige Verniuthung zur Gewilshcit wird. Ferner wur- 
den an Ort und Stelle eine Framea, ein Säbel, Thongeschirre u. s. w. 
gefunden. Letztere fanden sich stets zwischen den Knieen der Ge- 
rippe aufgestellt und waren leer. Die Gesichter der Skelette sind 
regclmälsig gegen Norden gewendet: die Gräber befinden sich in 
einer Tiefe von 2'/i Ful's und immer eines vom andern 4^5Fuis 
entfernt. (Hl. Ztg.) 

18) Zu Keudnilz bei Leipzig sind im Garten des Buchhänd- 
lers Abel zwei Steinbeile nebst dazu gehörigem Schleifstein 
etwa 2 bis 3 Fufs tief unter der Überfläche im gewöhnlichen, nicht 
sumpfigen Lehmboden gefunden worden. Diese Beile haben genau 
die Form unserer heutigen kleinen Holzäxte, sind nach der Schneide 
zu stark geschliffen, aber ohne Loch für den Stiel (Dies.) 

19) In dem Flusse Lassnitz bei Leibnitz in Steiermark sind 
unlängst an einer l'/i his 2 Klafter tiefen Stelle verschiedene 
Trümmer von Steinen und Säulen entdeckt worden, die 
augenscheinlich einer längst entschwundenen Zeit angehören. Die 



hierauf vorgenommenen Aushebungen waren von überraschendem 
Erfolge gekrönt. Es kamen nämlich mehrere theils glatte, theils 
gewundene Säulen, sämmtlich von Marmor und von reicher, schö- 
ner Arbeit, ferner eine Marmorplalte, die nach ihrer Form zu einem 
Altar gedient haben mochte, an's Tageslicht. Ebenso wurden ge- 
funden : eine marmorne Nische, die augenscheinlich eine Statue ent- 
halten halte, ein grolses Piedestal u. s. w. Sehr viele andere Steine 
sieht, man theils mehr, theils weniger von Schlamm bedeckt. Es 
scheinen die Trümmer eines römischen Tempels zu sein, welcher in 
den Flufs sank, nachdem seine Grundfesten bei einer Ueberschwem- 
mung unterspült worden, wobei die Lossnilz, wie das Terrain zeigt, 
gänzlich ihren Lauf änderte. (Dies.) 

20) Die Wiederherstellung der Li e b frauen kir ch e zu 
Arnstadt im Schwärzburgischen ist nunmehr gesichert. Dieses 
schönste Ueherbleibsel millelallerlichen Kirchenbaus in Thüringen 
war mit der Zeit sehr baufällig geworden. Das liebäude selbst ist 
im reinsten gothischen , die vier Thürme aber im romanischen Stil, 
in der Zeit von 1050 bis 1350 aufgeführt. (Eur.) 

21) Beim Entfernen einer Kalklünche in der Marienkirche 
zu Greifs wald fand man an^ der Südseite über der Gruft der Fa- 
milie von Essen ein altes Wandgemälde, das laut der theilweise 
erhaltenen Inschrift aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts herrührt. 
Däs Bild ist 20 Ful's hoch und besteht aus vier Darstellungen in 
zwei Abiheilungen: rechts ist Christi Gebet am Oelberg und Christi 
Geifselung, links die Kreuztragung und die Kreuzigung zu erblicken. 

(Eur.) 

22) Die Gemäldesammlung des im vorigen Herbst verstor- 
benen Domdekans, Geheimrath Dr. v. Hirscher in Freiburg i.Br., 
kommt daselbst zur Versteigerung. Der Katalog weist u. a. fol- 
gende Meisler auf: Martin de Vos, Hans Asper, van der Keer, Wy- 
nants, Christ. Amberger, Breughel, Mich. Wohlgemulh, Holbein d. ä., 
Lucas van Lejden, Hemskerk, Ruysdael, Paul Deschwanden, Joh. 
van Aken, Hans Schäufelein, Hans Memling u. s. w. (III. Ztg.) 



Inserate und Bekanntmacliun2;en. 



Aufrage. 

6) Unter den mittelalterlichen lateinischen Grammatikern war 
bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts, besonders in Deutschland, 
sehr bekannt und in vielen Handschriften, auch in alten Drucken 
verbreitet und mit Commentaren versehen der sogenannte Florista, 
der in 1017 Versen die lateinische Syntax bearbeitet hat. Sein wah- 
rer Name war Ludolfus de Luckowe (auch de Luco ; er selbst 
schreibt de Lucohe); er bezeichnet sich als Deutschen und Hildes- 
heimer mit den Worten : Gentem Teulonicus qui dicitur esse Ludol- 
fus Hildensenensis palriam (oder Hildenshemensis). Im Commentar 
wird angegeben, er solle Hildesheimer Canonicus gewesen sein. 



Nach meiner Entdeckung hat er seine flores grammaticae geschrie- 
ben im Jahre 1317; dies ergibt sich nämlich, wenn einer der Schlufs- 
verse als Chronoslichon genommen wird. 

Ich wünschte daher zu wissen, ob wol sonst etwas über die- 
sen Mann aus der Hildesheimer Kirchengeschichte oder irgend wel- 
chen Quellen bekannt ist, über seine Lebenszeit, Studien u. s. w., 
namentlich, ob er wohl in Paris .studiert hatte. 

Prof. Häase zu Breslau. 

7) Berichtigung. In voriger Nummer des Anzeigers ist auf 
Sp. 24, Z. 1 unter dem Holzschnitte von „Gengenbach's Bundschuh" 
zu lesen : R S F. 



Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch -artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



U. E. Sebald'sche Buchdrackerei. 



Nürnberg. Das Abonnement des 
Blattes, welches alle Monate erscheint, 
wird ganzjährig angenommen und beträgt 
nach der neuesten Postconvention bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen Deutsch- 
lands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fi.- 
Fui's oder 2 Thlr. preufs. 

Für Franl.reicit abonniert man in 
Straisburg bei C. F. Schmidt, in Paris 
bei der deutschen Buchhandlung von F. 
Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder 
bei dem Postamt in Karlsruhe; füi- Ung- 
land bei Williams & Norgate, 14 Hen- 
ri etta-Street Co vent-Garden in London; für 



FiiK wm 



Nene Folge. 




Nordamerika bei den Postämtern Bremen 
und Hamburg. 

Alle für das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden durch den Commis- 
sionjir der literar.-artist. Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brockhaus in Leipzig, be- 
fördert. 

Inserate, welche mit den Zwecken 
des Anzeigers und dessen wissenschaft- 
lichem Gebiete in Verbindung stehen, 
werden aufgenommen und der Raum ei- 
ner Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. 
berechnet. 




Dreizehnter Jahrgang. 



1866. 



ORGAN DES GER3IANISCHEN MUSEUMS. 

J^ 3. 



März. 



Wissenschaftliche Mttheiluiii^eii. 



Der ,, fränkisch« Krieg''. 

Mitgetheill von Jos. Baader, kgl. Archivconservator, in Nürnberg- 

(Schlufs.) 

Neuen- vnd Alten-Gultenberg die zway Schlos- 
ser betreffend: Am siintag den funfften july sind herr 
Jörg Truclisäs vnd die kriegsräte sambt dem kriegsvoickh für 
Kulmach bey die zway schlofs Allen- vnd Neuen-Gutteiiberg 
gelanngl, darfor denselben schlofsen, so vafst lustig, vefst vnd 
wo\ erpauen gewest, den Gultenbergern zusleendt, durch et- 
liche veintsbriefe absagen lafsen vnd furlter dieselben, wie sich 
gepürt, erfordert. Aber alda ist niemand! dann etliche edle 
weiber gefunden, die haben mit cläglichen geperden gnad be- 
geret. denen ist zum layl gnad wilfarl, aber nichts wenigers der 
widerwerttigen Gutteuberger teyl an denselben zweyen schlufsen 
abgeprochen, das zimmer verprennl vnd nachmals der vest Ihurm, 
so im alten schlofs Guttenberg gewest, desgleichen die pa- 
steyen vnd gefengnus auch im neuen schlofs mit pullfer ge- 
spickt viid zersprenngt, das dann den taylen, so gesichert sein 
sollten, anch mit erschellung des grofsen erpidems des pulffers 
mercklich schaden zugefügt vjid ire heuser gar zerschültel hat. 

Item Eritags den sibeniiden july siiidt die geordenten haubt- 
leut vnd kriegsrete vor den schlofsen Alten- vnd Newen- Gut- 
tenberg aufgebrochen , dieselben nacht zwischen Guttenberg 
vnd Sparneckh gelegen vnd am mittwoch den achten july für 
Sparoeckh, Waltstain vnd Oprod, so alles nahend beyaiuander, 
gelangt, doselbst etlich tage still gelegen. 

Gattendorff, ain schlos d e r Sp a rneck er vffdem 
gebirg: In derselben zeit ist von herr Jörgen vnd den kricgs- 



räten gen Gattendorff, so dem Gatt von Sparneckh zugeslann- 
den, geordent worden zway vendlin knecht vnd bey hundert 
raisiger pferde, darunter die Wirttenbergischen, etilich Bairisch 
vnd ettlicher stitt rcuter sambt den stradiolten gewest, dafselb 
schlofs eintzunemen vnd die thurn vnd pasteyen zusprengen 
vnd das schlofs alsdann zuuerpreiinen. Das ist defselben mals 
durch die fuesknecht vnd cttlich püxenmaister volbracht vnd 
wol ausgericht; aber dafselb schlofs ist gar ausgelerl vnd nie- 
mand darinn funden worden. 

Waltstain, ain schlofs der Spar necker, darauff 
die gefanngcn gelegen, die selbst anskomen sindt 
durch hilffdes almechtigen: Item defselben tags ist durch 
Wolffen von Freyburg, einem ediman, so von der statt Augs- 
purg zu haübtmanu geordent was, das schlofs Waltstain, so 
des Wolffen, Crisloffen vnd Jörgen von Sparneckh, gebrüdere, 
gewest, darauff die gefanngcn gelegen vnd auskörnen sind, nem- 
lich Johann Lucas N. Lampartter vnd Pamgartner *}, verprennt 



*) Dieser war aus Nürnberg. Nach seiner Erledigung gab er 
den Kriegsherren daselbst über seine Gefangenschaft nachste- 
henden Bericht: 
Baum gart ners gefengnus betreffend!-, von welcher ime 
Golt a US ge ho 1 f fen. 
Sagt erstlich, er sey am milwoch vor l'hilippi vnd Jacobi .\nno 
152-2 mit Sanntwerffer, pollen, vber nacht zu Pleinfelt gelegen vnd 
morgens donerslags von dar. herein ghen Nürmberg wollen reilten, 
vnd vngeverlicli ein halbe mcil wegs von Schwabach, do weren 
vier reuller inn groe [jrau gekleidet] zu ine» kernen, hflt einer 
gesagl : ,, Wohin ir reuller?" hell er ine geanlwort: „des wegs do 
hinein" mit mer worllen. Weren also mit inen ein weyl gelzogen, 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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vnd die gefengnus mit pulfer zersprenngt viid zerrifsen. Das- Das scliios Oprod der Sparneclter betreffend: 

selb schlols ist gar ein mordlgruben viid iiithls erpaiieii , an Desgleichen, alls hieuor in der vnainigkail, so die Spamecker 

einem wilden orlt in einem walde gelegen, vnd nicbts darinn selbst zwischen inen gehabt, das schlofs Oprod, so dem Se- 

gewesl.  bastiaii von Sparneckh zugestanden, ausgebrannt vnd ein seer 



were ime einer inn zäum gefallen, gesagt, er mulsl gefanngen sein, 
also mit im vnd dem potlen vf dy seilten in das liollz geruckt, llctt 
einer zu ime gesagt: „Thue die Knppen herab, lal's mich dich se- 
hen, wie du siehst" vnd gefragt : „Bislu nit ein Paumgarlner?'' mit 
nier worllen, vnd ine bezwungen, dns er ime ein aidt hell niüfsen 
schweren, ob er von inen koin oder abgctrungen würde, das er sich 
nichts desto weniger wollt stellen, wo sy ine hin manen wurden, 
darnach gepunden vnd mit ime vnd dem polten hinwcgkh zogen 
durch dy holtter. Ilclt zu zeitten ein dorff gesehen, kenn ir aber 
nit. Auch hab er ein weifs schloss zu der linken handt gesehen, 
also den tag geritten vnd vntter wegen bei einem pfalfen getrunken; 
lig das haus an einem perglein, hab aber nit können merken, das 
der pfafi ir dbeincn gekennth hab. Weren also geritten bis 2 stund 
vor nachts, hellen sy inn einem holtz verlzogen. Wer der ein 
knecht Veit genannt — sey ein kurtz dickh mendlein — wegkh ge- 
ritten, darnach vfT einem paurnrofs geritten komen, ein sackh mit 
habern darvIT gefiirtli vnd ein laib prots. Auch ein pauer betten sy. 
Mullner genannt, mit ine, hell ein fla-chen mit pier vnd herle air 
tragen, hellen sy gefsen, auch den rofsen fuller geben vis den kreb- 
sen, also geruet bey 2 stunden oder lennger, darnach aufgewest 
alls dy nacht were anganngen. Vnd alls sy vfs dem hollz heraul's 
gewennt, hell er wol etlliche liechl in den pauernhcusern gesehen. 
Weren also dieselben nacht für vnd für geritten vnd alls frü 
am freylag, alls der tag were herganngen, weren sy durch ein dorß 
komen. Sey vorn am endl des dorffs ein Schmitten, hell der ein 
reulter hefllen lafsen, vnd für das dorff hinaus sey ein steine pruckh. 
Do weren sy vberkomen, also geritten bils nach mittag. Do wer 
der ein knecht, so des glatz pferd gerillen, in ein holtz von inen 
geritten, hellen sy da verzogen bifs er wider komen wer; dann er wol 
vier stund aufsgewest. ,\lls er wider komen wer, hell er ine aber 
kes, ayr, prot vnd hier gepracht vnd gesagt, er bell nil heraus ge- 
dorlfl; dann es wereu rtuller doselbst hinkomen, vnd müfsen war- 
ten, bifs sy hinwegkh wem geritten, hctt aber nil können vernc- 
mcn, wer sy gevvest weren. .\ber also gcruelh, darnach wider auf- 
gewest, forll geritten, vnd am abent betten sy den potlen reinen 
lal'sen, sy fortl zogen dieselben nacht, auch den samslag für vnd 
für, das sy nichts hellen gelsen dann prot, das sy mit in gefürlh 
hellen, vnd den rol'sen auch prot geben , also das dy rols alls müd 
weren gewest, das sy ein teil nider gesunken waren, also das sy 
dieselben nacht zum tayl vIT einer wisen bey einer hecken belibcn 
weren. Von dannen geritten biJs an suntag bils wol iiuif den lag, 
weren sy zu einem dorff komen, flies ein pach zwischen zeunen 
durch, sey ein haus am orlt allein, weren sy einzogen, sey gestallt 
gleich wie ein preuhans, hab oben ein stuben; wer kein ofen inn 
gewesl. Vnd Ime anfennglich befolhen, er sollt sich hallten alls wer 
er ir junckher, vnd sagt, das man das essen fürderlich zuricht. Ilet- 
ten sich aufgelhan, vnd die weyll sy also geharll bellen vif das es- 
sen, do hett der vvirtl gesagt: „Ilzt kombt vnnser schulleis". Do 
hellen sy das hämisch verporgen vnd ein tayl annder rockh ange- 
ihan, vnd also gesefsen vnd bliben, seins achtens bils nach vesper- 
zeil. Do weren sy wider aufgewest, durch den pach zogen, durch 



dy holtzer, vnnd gegen dem abcnl inn einem holtz verzogen. Were 
Veit von inen geritten, vnd darnach einer zu fues mit ime komen, 
hell ein kitll angehabt vnd ein schweinspics tragen, (laschen mit 
pier vnd prot gebracht. Hell der selbig im kittcl zu ime, sager, 
gesagt: „Ballasar wann her? mir ist laidt, das ir da seyt. Wollt, 
sy hellen einen anndern. Ich will ob euch haltten, alls vil mir 
möglich ist." Weren nachvolgennl wider hinweg ganngen, vnd alls 
es vinster worden were, do hellen sy ine geplendt eingebracht, inn 
einem stall abgesetzt, vnd also geplenndt gefürlh bils zu einer stie- 
gen. Do hellen sy in abgefürlh und darnach lanng hinhinlter. Do 
hett man ine in ein gewelb Ihun, weren oben ring. Hellen sy im 
geweifst vnd gesagt : ,,Da lernet man einem singen an." Sey seins 
bedunckens ein haus, das vff einer hohe lige. Hell ein knecht sein 
gewartt, auch ein weibspild ime ellliche mal zu efsen bracht, vnd 
ein knab auch. Hell der knecht gesagt, sy hellen slelligs hie men 
vir der slrafs, die inen wein vnd annders zufürten. Sey ob einem 
vierll Jars doselbst gelegen. Es were auch Hanns Thoman vnge- 
uerlich inn zehen tagen selbst zu im komen, getagt: „Lieber, wann 
kumbst her?" oder „Was willt lue ihun?" mit vil andern spott- 
wortten. 

Darnach sey Veiltlein komen vnd des orts geplcnnl allein wi- 
der von dau gefürlh bey nacht, Vnd alls er ine herdan hett ge- 
bracht, wider aufgelhan vnd gesagt: ,,Ich will dich zu vil leutlen 
füren, aber lafs nur mich reden", vnd in also vngeuerlich vif 3 stund 
gefürlh, wider geplendt. Darnach, als sy hinzu weren komen, ine 
abgesetzt, dy rols angepunden, were der ein gaul ledig worden, 
darnon gelolfen, hett er gesagt: „Poxdnifch !" kumbt der gaul ettwo 
zu einem paurn, so wirt vns der leulfel bescbejlsen." Weren aber 
rentier aufgewest vnd den gefanngen. Hell ine also aufwärts ge- 
fürlh vnd einer geschriren, do sy hinauf komen weren, alls soll es 
Behemisch sein, vnd seins achtens vber 2 prucken komen. Vnd 
wenn sy durch ein tor weren komen, so wer man dann ein gute 
weil ganngen bils zum andern bils in ein stall. Do hell man ine 
ein stiegen aufgefürth vnd darnach bin hintlerwarts bifs zum Iburn. 
Wer einer inn einem schwarlzen cleid mit einem kneblpartl [dagewe- 
sen]. Vnd alls er gesehen hett, das sy in inn den tliurn wollen legen, 
hett er sy gepetten ine heroben zulassen. Aber der im schwartzen 
claid hell im den knebl zwischen die pain gelhan vnd mit ime hinab ge- 
rumpelt. Solcher thurn sey rund \nd vasl slincket vnd ungeheuer. Hell 
ersllich sein ein paurngesell gewartt, welchen er ye gepellen hell, 
ime oben das loch olfen zulafsen, das er dann gelhan hett. Wer 
eins ein grofser hundl vber das loch komen, hinab geschmeckt. Der- 
selbig hunl hell ein preit messen halspanlh angehabt. In welchem 
Ihurn er vast krankh worden wer. Da sy solchs gehorlh hellen, 
wer der knecht komen vnd ine herauszogen, aber gesagt, er mUl'st 
zu nacht wider hinab, allein das er ein lufft fieng. Hell er geanl- 
wort: „Helst mich wol vor da niden gelafsen, so sturb ich vnd 
kom der martler ab." Es hell iine auch dy frau allerlay efsens ge- 
schickt vnd würtz. Man hett ine aber heroben gelafsen bil's an 
fünfflen lag, Vnd alls es ein wenig pel'ser worden were. Hell es 
oben im Ihurn noch ein podcn gehabt, were er hinauf gestiegen. 



8[» Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 86 

vester Ihurn daririn steend hüben, ist derselb lliurn mit ellli- gemach am sclilofs, so allein an einem ortt erpauen was, gern 

dien Ihiinen pnifers auch zersprenngl vnd in grund zerprochen verschont, auch die paurn, denselben tail zuretten, verordent 

vnd eingeworlTen. gevvest, so ist doch derselb tayl, der Wittiben zusteend , von 

Wcysdorff ain schlofs der Sparnecker betref- der grofsen liitz auch angangcn vnd verprannt, Derhalb sich 

fend. Item alls der oberst veldthaublmann her Jörg Truchsas die frau seer cleglich ertiaigt. 

vnd die krieosräte das schlofs Weisdorff haben einnemen wöl- Zu solchem einnemen vorgeschribner der Sparnecker heu- 
len ist dosribst des Sebastian von Sparnecks weib verhart ser sind alle paurn vnd guelere durch den obersten veldthaubt- 
vnd eines kiiides gelegen. Derhalb der oberst veldlhaubtman man zu gemains buiids hannden vnd gewalt angenomen, die 
vnd kriegsräte vmb raumung defselben schlofs nit angehalten, all alsbald gehuldigt haben vnd mit zinfsen vnd gülten beschri- 
ir verschont vnd derselben zeit gen Weisdorff dem schlofs ben sindt. 

nichts haridln wollen, sunder zu irem abizug ettlich personen Darnach ist der oberst veldlhaubtman vnd die kricgsrete 

mit eltlichen hackenpüxen vnd pulfer in dafselb schlofs geor- mit dem kriegsvolckh zu rofs vnd fues von dem gepirg gelzo- 

dent, doscibst zupleiben, bifs die frau ir kindlbelt volennde. gen vff den Gefres, vIT Bairreut, vff Weifseno das closter, vnd 

Alsdann sollen sy das schlofs spicken vnd iu grundt verpren- dann fortt einen lag bieher gen Nürnberg in die statt in einer 

nen. Alls aber die kindlpetterin den ernst gesehen vnd ver- lustigen, schönen, wolgeschickten Ordnung zu rofs vnd fues, 

merckt, das sy ir kinlbett nit hellTen wollen, hat sy gesagt, so sambt dem geschülz vnd allen wägen, wie die vfs notturfft des 

es doch sein niues, wolle sy es nit lennger aufhallen, vnd als- hörs mitgefürt, eingelzogen, vnd des andern tags darnach die 

bald das schlos geraumbt. Das ist von den beuelchhabern fuesknecht gevrianbt, vnd eerlich mit einem gülden abgefertigt 

verprennt und gar verderbt worden. worden für den abzug. 

Sparneckh das schlos betreffendt: So ist das Vnd alls^solches hör, wie jtzt gemelt, vff freytag den 17. 

schlofs Sparneckh, daran vil Sparnecker, auch einer ein thum- july hieher gelanngt, sind nochmals am 21 . july herr Jörg Trueh- 

herr zu Regenspurg, tayl haben, dermafseu vor ausbrenung des- säs vnd der raisig zeug ausgeprochen vnd ein yeder tayl sei- 

selben mit pulfer gesprenngl, das drey vlfeiiiander erpauene ge- nen wege anhaims genomen. 

weih vom grundt erhebt vnd in den graben geworffen sindt. Das schlos Abtsberg belangend: Alls aber vff den 

auch ein grofse slainene kemeten, daran gepauen, inmitten von IlaniienUamb vnd vmb Nürnberg in der neh nachuermelte heu- 

einander geprochen vnd eingefallen. Darnach ist das schlofs ser, so zum tayl vor in des bunds banden gewest, vngestraft 

sambt den viehslellcn vnd stadein angezündt vnd verprennt hüben, haben daruuib die bundsretc, so derselben zeit zu Nürm- 

worden. berg versamelt waren, geordennt, das gegen denselben heusern 

Alls aber die kriegsrete vff vleifsig bitt einer hübschen jun- auch lailich gehanndlt wurde. Vnd nemlich ist das schlofs 

gen willib, so Hannsen von Sparneckh seligen zu derbe ge- Abtsperg durch herr Jörgen Truchsasen vnd die Augspurgischen 

habt, der dann diser vehd nit verkannt gewest, iren tail, ein reuler am abzug ausgcprennt. 

Das schlofs Vttenhouen belangend: Desgleichen 

VIT welchem ihurn 2 püchsen geslannden weren, vnd darob ein dein ist Vtleahofen, so dem Cunizen von Rosenberg zugestanden 

slüblein, darinn ellich rennzeug gewest weren. Hell auch zu den u„i mein gnediger Herr von Aistet von des bundls wegen in- 

löchern bcrausgeselien vnd vber ein hoUz gesehen alls ein slalt. gehabt, durch die Bairischen vnd Nürubergischen reuler am 

Weren die lach mit roten ziegeln gedeckt. Wifs aber nit, was ge- ahzno- vernrennt 

wesl sey. Hell auch im Ihurn gehorlh die rofs efsen, das fuller %, , , ^ i  *, u . rr j . c i i 

■' , " ' Da s sc b los Damers haim*) betreffendt: So haben 

schwingen vnd vil leuth darinn webern [hin- und hergehen, sich , ,n , ,.   •  .- > 

, , , £, .... /. «r L j 1 auch herr Jörg Iruchsas, frcyherr, vnd mit ime die Augspnr- 

lieschaftigcnl. sey vier bis inn b Wochen da gelegen. t - ■> 

1..  , ,. 1 , . „ T, . V ■,.,  I gischen reuter das schlofs Damcrshaim, so des Eukarius von 

JNacliuoIgendt hau ine Hanns llioman, der Vcilllein vnd cm =  ; 

bub doiclbst vondann gcfürlh, hellen in vom Ihurn aber inn stall Ottings verlafsner willib zugestanden vnd vff dem Hannenkamb 

herab gefürlh. Wer er im heu gelegen: bifs sy das hämisch het- gelegen vnd diser vehduerwanndten vnlterschlaipff gewest ist, 

ten angelegt, hell er gesehen, das es ein zwifache slallung gewest, ausgeprannt. 

vnd defsmals vil rofs do geslannden, ine geplennl heraus gefürth Das schloss Berltshaim belangendt: Item es soll 

vnd die Knecht bifs vf mitlag gerillen, hellen sy in einbracht, do auch zu der zeit das schlofs Berltshaim ausgeprennt worden 

er ilzundl sey aufkomen, wcichs haus Wallslain genannt sey. ^^jn Das jst aber von wegen der frauen doselbst, so eins 

Ilem was die reuller, so ine gefürlh haben, für person sind j^j^^g^ gelegen, bifs vff vernern beschaidl der bundtsrele viiter- 



lafsen vnd angestellt. 

Alls a^e^ dises bündlisch hör zertrennt vnd abgezogen. 



vud für rofs geritten haben, sagt er, einer hab ein praun slarcken 

mutzen [Pferd mit gestutztem Schweif] gerillen. Derselb knecht 

hab sich Veit Scharpf genennt. Mer ein knecht, Jörg genannt, hab 

ein weifs rofs gehabt, ein zinilich person. Mer ein dein alls knechl- '''''^" ''*='' ^'^ Sparnecker, desgleichen Jörg Wolff von Gich 

lein, wifs seins namens nit, hell ein rofs gerillen, soll Bernharl ^■"^ *"''«'' widerumb zu iren gütern gelhan, die paurn bedroet 

Glalz gewesl sein. Mer ein gar junger knechl, hell ein weifs schi- 

mellein gerillen. *) Tagmcrsheim. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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vnd bedranngl, inen widerumb mit roichung Her gült viid zinfs 
gewerltig zusein oder darob not zuleiden. Derlialb sich dann 
ettiich aus sorgnus ircr icyb vnd guter bewilligt vnd iren edel- 
leuten widerumb zugethan. 

Wiewol nun dem zubegegneii gemaine bundsrete ein straif- 
fende reit aulT das gepirg vnd anderstwo zuslraiffen verordent, 
ist doch durch dieselben nichts sunders aufsgericht, dann das 
dadurch die vogcl gescheucht vnd nichts wenigers vfT abzug 
derselben slrailTenden rott widerumb zu iren guetern kernen 
sindt." 

Zu diesem gleichzeitigen Berichte bemerken wir, dnfs Hanns 
Thomas seine Fehde bis zum Jahre 1531 fortsetzte, wobei er 
noch viele Kaufleule niederwarf, wegschleppte und schätzte. 
Um Johannis 1531 begab er sich zu seinem vertrautesten 
Freund, zu dem Juden Salomon in Altenzedlilz, dem er seinen 
Raub zuverkaufen pflegte. Aber dieser machte ihn trunken 
und schofs den in Schlaf gesunkenen Edelmann mit einem Faust- 
rohr durch's Herz, worauf er ihm mit Hülfe eines andern Ju- 
den durch Külhenschläge den Kopf zerfchmetlerte. Seinen Leich- 
nam stlilepplen sie in einen Koriiacker, wo er etliche Tage 
hernach von Hunden aufgefunden wurde. In einem Winkel des 
Kirchhofes zu Alleuzedlitz wurde er zur Erde bestattet. Also 
endete Hanns Thomas von Absberg, einst der Schrecken der 
Reichsstädte und ihrer Kaufleute. 



nie Juden zu IVauniburj^ an der Saale. 

MItgetheilt durch Karl von Heister. 

Die Stellung der Juden zu Naumburg wich nicht von 
derjenigen ab, welche Israel im Gesammtdeutschland einnahm. 
Durch Verkauf, Verleihung, Verpfändung von Seilen der Kaiser, 
oft auch ohne nachweisbaren Besilztitel, waren die Juden das 
Eigenthuni der Landes- und weiter der Territorialherren ge- 
worden. Kaiser und Reich wahrten das Oberrecht an ihren 
Kammerknechten (servi camerae nostrae) und machten es gel- 
tend, so weit die Macht des jedesmaligen Oberhauptes des 
Reiches auslangte; also nur bei den kleineren Herrschaften. 
So bestätigte der so vielfach mifsverstandene Artikel der gol- 
denen Bulle die bisherigen Rechte in Betreff der Zölle, Juden 
u. s. w. nur der Krone Böhmen und den Kurfürsten. Das 
kaiserliche Oberrecht gab sich durch Erheben einer jährlichen 
und einer Krönungssteuer kund, ferner durch Ertheilen von 
Privilegien und Schulzbriefen an jüdische Gemeinden und ein- 
zelne Juden, durch Ernennung eines Oberrabbi (magnus magister), 
endlich durch Verleihung des Rechtes, Juden aufzunehmen 
(jus recipicndi Judaeos), welches nicht mit dem zusammen- 
fiel, Juden zu halten. Ihrerseits erkannten die Israeliten das 
kaiserliche Oberrecht sehr bereitwillig an, um eine Berufungs- 
stelle zu haben. 



Die Juden steuerten ferner resp. an den Landes- oder an 
den Territorialherrn, mufsten aber auch den Schutz der Stadt 
bezahlen, ia der sie sich niedergelassen hatten, nächstdem Miethe 
für Wohnungen, Geld für zu leistende Dienste, namentlich mi- 
litärische. Noch bis in das 14. Jahrhundert wurden jene als 
Einwohner und Bürger (cives et burgenses) aufgenommen, dana 
nur als Mitbürger (concives), Schulzverwondte, Hintersassen, 
und noch am Ende des 17. Jahrhunderts kauften die Juden zu 
Worms die Benennung „Leibangehörige" ab. Höchst eigenlhüm- 
lich ist es, dafs Israel unzweifelh.nft hörig war . — wie es 
von Ludwig dem Bayer, Karl IV. in entsetzender Weise 
ausgesprochen worden ist — , und sich dennoch stets der Frei- 
zügigkeit erfreut hat. 

Im Laufe der Zeit wurden nun die Juden das Eigenthum 
der Mediatstädte, und es bezog der Landesherr nicht mehr di- 
rekt eine Judensteuer, sondern durch die Stadt. 



Die erste der Juden in Naumburg gedenkende Aufzeichnung') 
gebort dem Jahre 1348 an. Jene zahlten an die Stadt 46 Schock 
Groschen, wonach man, wenn dieses, wie wahrscheinlich, die 
Jaliressteuer war, auf eine zahlreiche judische Gemeinde zu- 
rückschliefsen darf^j. Hiefür spricht auch, dafs in demselben 
Jahre des jüdischen Arztes Jakob gedacht wird 3). 

Wenn die Juden aus Aragonien vertrieben wurden, weil 
man ihnen das Ausbleiben des Regens Schuld gab, so läfst 
sich das Geschick des unglücklichen Volkes ermessen, als es 
die furchtbarste Pest veranlafst haben sollte, die je Europa traf. 
Der schwarze Tod überschritt 1348 die Alpen und verheerte 
dann weithin bis Schweden und KurlanJ. In dem genannten 
Jahre verfuhr man zuerst in Savoyen peinlich gegen die Juden 
als Brunnenvergifter; dann sollten sie durch ein feines, aus 
Toledo erhaltenes Gift die Lufl verpestet haben. Als die Ma- 
gistrate in der Schwiiz und am Oberrhein mit dem Verfahren 
zögerten, schritt das Volk zur Selbstjustiz, und nun erstreckte 
sich ein gräfsliches Jlorden Ober ganz Deutschland. Zu Tau- 
senden wurden die Juden verbrannt, oder gaben sich selbst 
den Tod in den Flammen; in den Städten, wo keine Juden an- 
säfsig waren, brachte man die Todtengräber um, als die Urhe- 
ber der Seuche. 

Diese entsetzliche Katastrophe gieng nicht bei Naumburg vor- 
über. Hier war aber von Brunnen- oder Luftvergiftung nicht 

') Quellen: (A. N.) Annales Numburgenses, 2 Vol. Fol. Ms. 
der Ralhsbibliolhek ; von 1200 bis 1599. (1673.) 
(N. R.) Naumburger Rathskämmerei-Rechnungen ; wie oben. 
(M. N.) Memorabilia Numburgensia. w. o. (1G41.) (mit späte- 
ren Nachträgen.) 
(C.) Copien aller gemeiner sladt Naumburg Privilegien, Wil- 
koren, Erkauften Gerechtigkeiten und uerlrägen u.s.w. w. o. 
(0.) Originalien des Rathsarchivs zu Naumburg, w. o. 
') A. N. S. 24; N. R. I, S. la: Ilem, Judci dederunl XLVI he- 

xagenas grossorum. 
') N. R. I, S. 5 b. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



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die Rede, sondern man vorbreitele, die Juden wollten die Stadt 
anzünden; weshalb der Ralh am 27. Februar 1349 auf allen 
Thor- und Kirchlhürmen wachen liefs. *) Es heifst : „Inmafsen 
dann auch der Rhalt heriiachmalfs ezliche getaufte Juden lafsen 
brennen." Wir hören auch aus anderen Orten, dafs Juden, die 
höchst wahrscheinlich gewaltsam zum Taufstein gebracht wor- 
den waren, alsbald wiederum den Mosaism bekannten, sich 
selbst tödtelen (Konstanz), oder umgebracht wurden. Bestäli- 
gung der Verbrennung bietet die Kämmereirechnung: „Item 
gaben wir dem Henker, der die getauften Juden verbrannte, 
15 Groschen, und für Säcke, und Stricke und anderes Gerälh 
4 Groschen und als Trinkgeld der Knechte 3 Groschen, und 
gaben Wir den Knechten, welche dem Henker halfen, 6 Gro- 
schen" *). 

Wir werden in der Folge ersehen, dafs Synagoge, Schule 
Wohnhäuser vom Rathe an die Juden vermiethet wurden, was 
durch eine Notiz aus dem Jahre 1349 bestätigt scheint: „Der 
Rath gibt zu den Judenhäusern 8 Groschen" ^). Allein, wollte 
man annehmen, es seien die Wohnungen der unzweifelhaft ver- 
triebenen Juden beschädigt und behufs anderweitiger Vermie- 
Ihung reparaturbedürftig geworden, so erscheint die Summe 
zu gering. 

Die Juden müssen sehr bald zurückgekehrt sein , da 
Karl IV. im Jahr 1350 die zu Naumburg (Zeitz, Querfurt, 
Halle) an Friedrich den Strengen von Sachsen verlieh. 
Der Kaiser, der zu Bautzen tagte, wollte unzweifelhaft die Ter- 
ritorialherrn und die Städte strafen, weil das Eigenthum des 
Reiches hingeopfert worden war. 

Bereits im Jahre 1354 halte sich das Verhältnifs wiederum 
geändert, da der Rath 50 Schock Groschen von den Juden er- 
hob, wovon aber 20 an den Bischof abgegeben wurden, wo- 
nach also dieser, als Landesherr, der eigentliche EigenthUmer 
der Juden war''). 

Demselben Jahre gehören die drei folgenden Regesteu an*): 

„Item Heinrich von Salfeld (zahlte) anderthalb Schock 
Groschen de slola Judeorum". 

„Zu dreien Malen (waren wir Bürgermeister) in Schönberg 
beim Bischöfe, in der Angelegenheit des Jana von Mücheln 
(Muchele), des Peters von Weifsenfeis (Wissenfels) et 
de Stola Judeorum". 



*) A. N. S. 24b; N. R. I, S. IIa: Item, feria sexla ante Invo- 
cavit fecimus custodire in Omnibus valvis propler metum Ju- 
deorum. 
) N. R. I, S. 13 b: Ilem, dedimus suspensori qui cremavit ba- 
plizalos Judeos XV grosses et pro saccis et strengen (Apparat 
zum Vtrbrennen) et aliis insirumentis IV grosses et dedimus 
servis qui tulerunt suspensorem VI grosses, (ferre aliquem, 
einem helfen, üt nicht klassisch.) 

') N. R. I, S. 13 b : ad domos Judeorum VIII grosses (dedimus). 

') A. N. S. 25 b; N. K. I, S. 18 a. 

0) N. R. I, S. 17 b; 18 b; 21 b. 



Zunächst mufs hervorgehoben werden, dafs es sich hier 
um drei Naumburger Juden handelt. In Ermangelung von Fa- 
miliennamen wurden die Israeliten entweder nach dem Zei- 
chen des Hauses genannt, in dem sie wohnten, oder nach dem 
Orte, von dem aus sie zugezogen waren; daher die Breslauer, 
Bamberger, Zwickauer etc. Christliche Vornamen kom- 
men, wenn auch selten, doch mehrfach vor. 

Stola kann aber unmöglich mit „Stolgebühren" übersetzt 
werden, da die Entrichtung nicht an den Parochus stattfand, 
sondern an die Sladt, und zwischen dieser und dem Bischöfe 
streitig war. Dann hat auch Du Gange (1710) nicht eine 
einzige Anführung, dafs man den Namen eines Stuckes des 
Priesterornates der Gebuhr für geistliche Handlungen beigelegt 
habe*). Im Jahre 1322 verpflichteten sich die Juden zu Bran- 
denburg a d. H., dem Leutpriester jahrlich eine Summe zu 
zahlen pro suis oblationibus et actionibus. ») Da ist nicht die 
Rede von Stola, welches Wort aber zu Naumburg unzweifel- 
haft eine an der Syn agogen gemeind e haftende Steuer be- 
zeichnete '"). 

Dafs die ^uden Pferdehaudel trieben, dürfte ergeben: 

„Ilem empfingen wir unter dem Rubro Juden (apud Ju- 
deos) 4 Schock Groschen als Strafe wegen der Pferde des 
vorgenannten (? Peter) von Weifsenfeis"»'). 

Aus einer Notiz vom Jahre 1357 geht hervor, dafs die 
Juden auf lebendes Pfand borgten, wie das mehrfach in Bran- 
denburg und Meklenburg vorkommt: 

„Item (hat der Rath) für einen bei den Juden wieder ein- 
gelösten Wallach bezahlt u. s. w." «). Hoffentlich half die 
Behörde einem Verarmten und war nicht selbst in der Lage, 
solcherweise borgen zu müssen. 

In demselben Jahre enirichlelen die Juden am halbjähri- 
gen Walhurgislermine 4 Ferlonen "j ^ und es wurden im 
Jahre 13ül, ohne Angabe des Termines, 2 Schock Groschen 
an die Stadt bezahlt'*). 

Im Jahre 1369 war die Steuer auf 16 Schock Groschen 
gestiegen, nie in zwei halbjährigrn Terminen (Walpurgis und 



*) Vergl. Du Gange, ed. Henschel, t. VI, 379. Anm. d. Red. 

') A. F. Riedel, cod. diplom. Brandenb. I, ßd. 9, S. 19, Nr. 26. 

'") JUehrfacli (Du Gange) für pallium gebraucht, und bezalille man 
das lelzlere bereits im 10. Jahrhunderle zu Rom. 

■') N. R. ], S. 18 a (1354). 

") N. R. I, S. 21b. Ilem pro uno canterlo redimendo apud Ju- 
deos etc. 

") N. R. I, S. 29 a. Das Wort geht sicher nicht zurück auf fer- 
lum, ferclum (Calo), einen Opferliuchen. Aus dem deutschen 
Vierding — Farlhing, Ferlliing, Ferlo , Ferlum, Ferdonum 
Fierlo, Firlo u. s. w. Es kommen goldene Ferlonen vor, wel-' 
ches dem vorliegenden Falle eher entspricht als Vierlei-Mark 
oder Denar. Vielleicht hierher Freiion, ein Eid, den die 
Münzmeister des Grafen von Poilou ablegten. — Du Gange, 
ed. Henschel, III, 241. 
") N. R. 1, S. 39 a ; 44. — A. N. S. 52. 



91 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



92 



Blichaclis) gezahlt wurden 'ä). Wir lesen beim Jahre 1372, dafs 
demjenigen der drei Biilhe, welcher im Ami war („dem sitzen- 
den Balh"), Lachs und Wein dargebracht werden mufsten, und 
gab dieses Anlafs zu einem Convivinm, wozu die „allen Herrn" 
eingeladen wurden '^). 

Die Notizen im Kämmereibuche vom Jahre 1380 geben 
mannigfachen Aufschlufs über die Besteuerung der Juden. 

„Von den Juden den am Feste des heil. Michael schuldi- 
gen Zins mit 8 Schock (Groschen) eingenommen" "). 

„Die Juden bewilligten den Herrn (vom Rathe) 6 Schock 
breiler (Groschen)" '*). Hier haben wir nnzweifelliaft die pe- 
titio, bede, eine erbetene aufserordentliche Steuer, wo die Bitte 
nicht abgeschlagen werden durfte. Daher reversieren sich auch 
so oft die Machlgeber, in einer bestimmten Reihe von Jahren 
keine petitio zu thun. 

In dem angeführten Jahre wurden von einem Juden, Na- 
mens Salomo, von der innehabenden Wohnung und von der 
zu Michaelis fülligen Steuer ein Schock schmaler (Groschen) ein- 
genommen '"). Hier ergibt sich, dafs die Juden nicht Hans- 
eigenthümcr waren, sondern bei der Stadt zur Wiethe wohn- 
ten; und ferner, dafs mit Salomo, nl.s einem neuerdings Zu- 
gezogenen, ein besonderer Schulz- und Steuer-Vertrag abge- 
schlossen worden war. 

Nach dem grofsen Brande von 1384 liefs der Ralh „dy 
huser vnd muren in der Jndeiigasse" wieder aufbauen, und es 
wurde an ,,Jacof Juden eine keniciialen" gegeben ^'') Eine 167 
Schritt lange und 3'a— 4 Schrill breite Gasse Naumburgs führt 
noch heute den Namen ,. Judengasse". Sie bildet ein Knie und 
mündet nach beiden Seiten durch einen Tliorweg Es scheint, 
dafs dieses Ghcttn ursprünglich nur einen zu verschliefscnden 
Ausgang halle, womit die in Urkunden vorkommende Bezeich- 
nung S a c k w y I ubereiuslimmei] würde, und dafs man einen zwei- 
ten Ausgang abwechselnd znliefs und srhlofs. So heifst es 



■5) N. R. I, S. 69 a. 

'^) N. R. I, S. 103; 109. — A. N. S. 531). 

") N. R. I, S. 164 b. Dasselbe 165 a. 

") N. R. I, S. 166 b. Jude! concesserunl doniinis VI sex. lalorum. 
Die Bedcutunt; blieb nnermitlejl; es kann von den sogenann- 
ten Dickpfennigen nicht die Rede sein und dürfte latus das 
so ofi stipulierte „swere" Münze sein. (In der Mark Bran- 
denburg kommen Silberpfennipe mit hocliaufgelrieliencni Rande 
vor, ferner Münien von „breitem Gepräge.") 

") N. R. I, S. 165a: A Judeo diclo Salonion de liabilalione 
quam inhabilat — de censu suo debilo Mich. 1 sexagenam 
precisorum. Auch hier gibt der Worllaul schmal keinen 
Sinn, und es sieht vielleicht praecisus unserem präcisiert 
näher: festgesetzt, landesüblich — eine stete Klausel 
der Verträge. 

") N. R. I, S. 188 f. : 190 a. — A. N. S.55 b. Von caminus, dem 
Slubenherd, Kemnolte, Kemnale (Wohnung ) Im J. 1525 liels 
der Rath zu Saalfeld die Keynodl eines Mönchsklosters unter- 
suchen. Struve, Archiv II, S. 58. 



beim Jahre 1394. „Das Thor vor der Judengasse ist dieses 
Jahr wieder gebrochen worden"»'). Da unzweifelhaft Christen 
nicht in der Judengasse, die Israeliten aber hier, wie an an- 
deren Orten, dicht gedrängt wohnten, so mufs es am Ende des 
14. Jahrhunderts eine sehr zahlreiche Judengemeinde in Naum- 
burg gegeben haben. 

") N. R. I, S. 289. — A. N. S. 64. 

(Schlufs folgt.) 



lilterärlsche For scliii ii ^eii. 

Von Subreklor Franck zu Annweiler. 

III. Derdeu Ische Michel; Nachtrag. — Sprichwörter 

aus Ph. Andr. Bvrgoldensis disevrsus histonci. 

16C9. 

Zu meiner Mitlheilung über den obigen Ausdruck in 
Nr. 3 des Anzeigers für 1865 fuge ich einen Nachtrag. Das 
dort (Sp. 104) erwähnte und mir seitdem aus der Speierer 
Lyceal-Bibliolhek zugegangene Buch des Burgoldensis bringt 
zwar einige bisher unbekannte Data zur Persönlichkeit des mit 
dem Beinamen ,,Deutscher Michel" beehiten Pfalzers Hans Mi. 
chael Obertraut; eine Erklärung aber des Au.sdruckes, d.h. 
auf welchen bestimmten Anlafs die Entstehung desselben (er 
erscheint, so weit bekannt, zuerst gedruckt in Seh. Franck's 
Sprichw. 1541, I. Bl 24 b *) zurückzuführen sei, wird auch 
durch dieses Buch nicht geboten. Dasselbe führt den Titel: 
Phil. Andreae Bvrgoldensis discvrsvs jvridico-polilico-hi- 
slorici ad instrum. pac. Osnabrvgo-Monaslenensis . . . Freislad. 
1669. II Partes. 4 (erste Ausg. ibid. 1668. 8) und die be- 
treffende Stelle lautet (S. 91—92): 

„Tillins . . . e.xplicatis porrö inier llannoveram et Neapo- 
lin ad montem roparum (Newstatt am liübcnbcrg quae 
olim ab Erico Brunsvicens. diici Landestrost dicia, poslea 
Landesverdeib andiit) copiis ad Lanam lluuium Danicum exer- 
citum ann 1625 d. 2. Nou. profligauil, caesis Friderico Alte- 
burgcnsi et celiberrimo Diice Joäne Michaele Oberlrau- 
tio, qui ob decus Germanicae mililiae Michael Germani- 
cus (Der Teutsche Michael) dictusfnit Ilic Oherlrau- 
tius cum septimä vice in Ilungariam tenderet et vnus ex ami- 
cis valedicenlibns ipsum interrogarel : Was er sie ziehe, das 
er wieder so einen gefährlichen zug thue ? oh er uicht genug 
versucht habe? er solle nur zusehen dns er nicht einmahl gar 
anfsbliebe; ma.'icule ac beroice respondit : Ich bleibe nicht aufs 
oder wil ein Schelm seyn , füque alter regereret : SeUet auch 
dazu: ob Gott wil; ilerum respondit: Ich weis mein Gott las- 
set mich nicht zu einem Schelmen werden. Mililes quos sub 

*) Mitlheilung der Redaclion. Vergl. Grimm, Wbch. II, 1046. 
Eine weitere Gewähr für das J. 1569 ist Job. Ire na ei Lob 
vnd vnschuldl der Elicfrauwen. Franckf. a. M. 1569. Fol. 
Bl. 31 b und Bl. 32 b. 



93 . Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 94 

sigDJs habtiit, monuit : Nicht ehe los zubrenne bifs sie ihren qnud alias ita efTertur : 

Widersachern das Schwarlz vnd weifs in Augen vnterscheiden Ni Metz ni Maurilz ni Maurilania iii Magd, 

konten. Quum illum jam semiaiiiniem Tillius in rheda inter- Ni mors, quid mullis? fueram per singula felix. 1,35. 

rogaret, quare lä iiifelici casui se subjecisset? viceque ejus 5. Die Regenten haben ins gemein Zwey Narren bey HofF, 

doleret ; nihil rcposuit, quam hoc: Herr General Tilli difs sein einen, den sie vexiren, den andern, der sie vexiret. I, 37. 

vnglücks blumen, vnd in solche Garten pflückt man keine an- 6. De tragicis suppliciis quibus Grumbachius et socii affecti 

dere. Huic lamen streuuo Duci slatua monumenli perennis sunt, sequenles rylhmi composili : 

loco est erecla i» via publica, qua Neostadio Haniioveram itur." Grumbach, Brück, Stein, gcvicrtcilt seyn 

— Und vorher S. 75 : „Non silenda hie est laus b er t r a u t ii, Baumgarlner geköpft auch Brandetislein, 

cognomejilo Michaelis Germanici, Nobilis Palatinatus infc- Beyer vnd Tausendschon gehangen: 

rioris, qui acerrime cum Hispauis conflixit, vt fraeno potius teurer Fürst wie bislu gefangen, 

quam calraribus opus habueril." Vntrew wird gestralTt olTenbahr, 

Kein toller Hund lauft sieben Jahr. I, 50. 

Pistorius thes. paroem. 1716. X, 975. Die Literatur 

Uebrlgens enthält in anderer Art dieses zu s. Z. sehr an- der Grumbach-Lieder bei Weller, Ann. I, 68 — 69 und bei 

gesehene Werk des B u rg o 1 d en sis, obgleich lateinisch ab- Gödeke, Grundr. I, 2Ti. 

gefafst, eine nicht unbeträchtliche Anzahl von deutschen in 7. De hello bohemico illud est: Er hat sich mit Din- 
die juridischen Abhandlungen, die „Praelensiones et Controver- t en ang eh o ben, vnd is t m i t Uu brike n vollfüh ret. 1,65. 
siae illustres" eingestreuten Denksprüchen beiühmler Männer 8. Das heisset vff gut Böhmisch fenestriren. 
in der Weise Zincgref's, von volkslhünilichen Ausdrücken, In- Refert eliam aulor epitom. belli bohemici : Secretarium il- 
schriften, Reimen, Strophen und Volksliedern u. dergl., so wie lum (Phil. Fabrilium), in Dominos ita decidentem, h vestigio 
von historischen Sprichwöi lern, — alles dies um so heach- surrexisse, atque importuni istius casus moicsliam humiliter at- 
tenswerlher, als die Bezüge zum Theil der Lebenszeit des Ver- que modeslfe fuisse deprecatum. I, 66. 
fassers angehören. Nebenbei werden auch kürzere oder lau- (Schlufs fol^t.) 
gere Stellen aus Brant's „des alteu Dociors" NarrenschilT, Rol- 
lenhagen's Froschmevseler, Olearius' persiaiiischer Reise- 
beschreibung und Z i n cgre f's Apophlhegmen angeführt. Fol- 
gendes ist eine kleine Auslese des ihm Eigenlhümlichen (2. Aus- 
gabe 1669). Unter Hinweisung auf Grimm's Wörterb. hat die Redac- 

1. Verissimum est Germanorum uostrorum prouerbium : Es tion des Anzeigers, 1865, Sp. 103 als ältesten Beleg dieser 
ist kein kling die schärlTer schiert Dan so ein Pfaff allmech- sprichwörtlichen Redensart das wegwerfende Urlheil S. Franck's 
lig wird. I, 4. über die Frauen (Sprichw. 1541, I, 24b) allegiert: „In nöthi- 

2. Es ist so Weit dieser örter mit dem Veiflüchten inte- gen Sachen könden sie weniger, dann der teutsch 
rim Kommen das man Hund und Kazen darnach genant, und Michel, da ist ein man theurer dann 1000 weiber." 
uff Brelspielen gespilt, geflucht und gesungen ; Da auch Sanders s. v. Michel keinen älteren Beleg bietet, wird 

Selig ist der Mann, es gestattet und am Orte sein, aus demselben Werke Franck's 

Der Gott vertrawen kann, eine Stelle in ihrem vollen Zusammenhange zu wiederholen, 

Vnd Williget nicht iu^s Interim die noch augenscheinlicher, als die obige, die allgemeine Ver- 

Dan es hat ein Schale k hinter ihm. I, 27. breitung des Ausdrucks um 1510 darthut und zugleich seine 

Vergl. die Literatur der Interims-Lieder bei Gödeke I, Bedeutung anschaulich entwickelt. S. Franck, Sprichw. II, 49 a : 

269 und Weller, Ann. 1, 317; II, 351. Cescon habitas. 

...Das Buch ward Interim genant, vnd mit schreiben von Du bist von Dütticheym, da die dannzapITen wachsen, 

allerley Gelehrten, auch Geliebten, Gemälden und Gesängen, der- Ein grober albbawer. 

massen so wunderbarlich verspolt vnd verlacht, das wohl ganize Ein grobs höltzlin. Es were gut sevlrög aufs jhm zu hawen. 

Bucher davon möchten geschriben werden. Seb. Franck, Du bist aufs dem SchlauralTenland. 

Chronica. Ulm, 1565. Fol. III, 284 b. 49 h. Cescos ist ain stat Pamphilie, da so grobe leut wo- 

3. Verum est illud Germanorum nostrorum : Das ein Klu- nelen, wie inn Teutschland die Bintzger kropITeten baurn, dafs 
ger Mann sey Wie eyn Zeiger in der Vhr, dessen Anschläge dauon ein Sprichwort entstund: Du bist ein mann von Cescos, 
man nicht ehe mercket, bifs sie geschlagen. 1, 29. wie mans auff der Alb hat, gleich wie man spricht; Es ist ein 

4. Hodie hi rythmi apud Germanos circumferuntur : stat wie Heubach, da frassen die wolff den schultheifs aulT dem 
Der Maur, die Mez, vnd die schöne Magd, marckt, Wolt ein groben dölpel vnd fanlasten damit anzeygen. 

Die Drey haben dem Keyser den Danz versagt. Wir brauchen die oberzellen. Item, Ein grober Algewer bauer, 



Der deutsche ITIieliel. 



95 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



96 



Ein blinder Schwab etc. Ein rechter dummer Jan, Derteutsch 
Michel, Ein leutscher Baccalaureiis. 

Die von W. Wackernagel in FfeilTer's Germ. IV, 131 (vgl. 
V, 354 u.) gegebenen Belege kann iih zur Zeit nicht verglei- 
chen, darf aber aus Grimm's Wörlerb. folgern, dafs Wacker- 
nagel keine filteren Beispiele beigebracht hat. 

Schwerin, 3. Febr. 1866. 

F r i e d r. L a l e n d o r f . 



eine Aufrage, ob jene Tafeln noch vorhanden wären, worauf 
Gräter (Bragur 3, 524) antwortete, „dafs sie nicht blos vor- 
handen, sondern auch, wie ehehin, im Gebrauche sind, und 
wahrscheinlich so lange, als die Einrichtung des hiesigen Sali- 
wesens fortwährt, im Gebrauche bleiben werden." 

Diese Nachrichten sind in die diplomatischen Lehrbücher 
übergegangen ; nirgends aber fand sich bis jetzt eine Auskunft 
darüber, wie lange jener Gebrauch sich erhalten habe; ob er 
vielleicht noch bestehe. Um so erfreulicher war es mir, als 
bei der Philologen-Versammlung des vorigen Jahres Herr Ober- 
praceptor Megnin aus Schwäbisch-Hall mir miltheilte, dafs der 
dortige Fränkische Alterthumsverein dergleichen Tafeln erwor- 
ben habe, und die Zusendung derselben sowie genauere Nach- 
richten in Aussicht stelle. Für beides habe ich seitdem zu 
danken. Die Tafeln haben auf einigen Blattern stark gelitten; 
andere aber sind unversehrt. Sie entsprechen der Beschrei- 
bung Hanfseimanns; aber auf der obersten Seite, die natürlich, 
wie die letzte, glatt und frei von Wachs ist, steht die Jahres- 
zahl 1796; es scheint also damals eine gänzliche oder theil- 



Ble Wachslafelii der Salzsicder zu Scliwä- 
bii^eli-IIall. 

Mitgetheilt von Professor W. VVattenbach in Heidelberg. 

Christian Ernst Hanfseimann bemerkt in seinem 1768 er- 
schienenen „Beweifs, wie weit der Römer Macht in den mit ver- 
schiedenen teutschen Völkern geführten Kriegen, auch in die 
nunmehrige Ost-Fränkische, sonderlich llohenlobische, Lande 
eingedrungen,-' auf S. 49 bei Gelegenheit aufgefundener römi- ^^ise Erueuung staltgefunden zu haben. Zu bemerken ist, 
scher „Schreibnadeln": da dergleichen Bücher ja nicht seilen, und gerade in neuerer 

„Dieser Gebrauch, auf Wachs zu schreiben, ist an einigen 2eit oft beschrieben sind, nur noch der Umstand, dafs zur 
Orten bis auf unsere Zeilen gekommen: Dann so halten sich Schonung des Wachses die einzelnen Seilen durch Buckeln von 



die Sahsieder in der löblichen Heichssladt Schwäbisch Hall bis 
diese Stunde noch ihre ordentliche Wachsbücher, mit denen 
darzu gehörigen stählernen SchreibgrilTeln, die sie zu der Zeit 
gebrauchen, wenn das Flos- oder Haalholz aus dem durch ge- 
dachte Stadt Diefsendcn Kocher gezogen wird. Auf dieses 
Haalholz ist ein gewifses Waal gehauen, woran die Sieder er- 
kennen, welchem von denen Interessenten solches Stück Holz 
zugehöre; Und dieses noliren sie hernach in ihre Wachsbucher 
zu denen allda schon ins Wachs eingeschriebenen ^'amen der 
Interessenten. Sobald aber die Ansiheilung des Holzes vorbey, 
so löschen sie. mit dem obern Thcil des Schreibgriffels , das 
Aufnotirte im Wachs aus, und glatten hierauf das Wachs wie- 
derum, mit solchem obern Theil des Griffels" (folgt die Abbil- 
dung des Griffels). 

„Dasjenige Wachsbuch, welches mir zur Betrachtung zu 
Händen gekommen, ist aus 6 Blattern von Holz in klein Folio 
bestanden, die um den Ranfl herum eine hölzerne Einfassung 
gehabt, zwischen welcher zu beyden Seiten das Wachs einge- 
gossen, anbey ganz glatt gewesen. Diese hölzerne, mit Wachs 
überzogene Blätter waren, auf dem Rucken, aneinander, gleich 
denen Blättern eines ordentlichen Bnrhs, angefügt, und konn- 
ten, vermittelst eines Gewerbs von Slösing, auf- und zuge- 
macht werden." 

Diese Beschreibung veranlafste im J. 1794, als F D. Grä- 
ter von Schwäbisch-Hall aus die Zeitschrift „Bragur" redigierte, 



Messing von einander entfernt gehalten werden. Das Holz 
wurde, wie Herr Megnin mir millheilt, von den Siedern in den 
benachbarten Waldungen gekauft und mit ihren Zeichen ver- 
sehen ; war es dann auf dem Kocher an die Stadt gekommen, 
so wurde es von zwei dazu angestellten Schreibern neben den 
Namen der Sieder, welche alphabelisch geordnet auf den Ta- 
feln stehen, eingetragen nach Blöcken, Stücken und Fächern; 
7 Blöcke machten ein Fach aus, 60 Blöcke ein Stück. 

Diese Sitte hat sich etwa bis zum Jahr 1818 oder 1819 
dort erhalten. Es wäre zu wünschen, dafs auch aus dem säch- 
sischen Halle Auskunft gegeben wurde über das Schicksal der 
„hällischen Lehentafer', welche Johann Peter von Lndewig 1731 
in seiner Vila Jusliniani, p 236 beschrieben und zu p. 185 
hat abbilden lassen. Die 12 Tafeln dieses Buches hatten eine 
Qnejlhfilung der Seilen, welche sich bei denen von Schwäbisch- 
Hall nicht findet 

Erhalten hat sich der Gebrauch solcher Tafeln bis auf die 
Gegenwart, so viel bis jetzt bekannt geworden ist, nur auf dem 
Fischmarkt zu Ronen. Da hat ihn Edelesland Du Hcril in sei- 
ner Abhandlung: De l'usage non inlerrompn jusqu'ä iios jours 
des tableltes en cire (Etüdes sur quelques points d'Archeolo- 
gie et d'hisloire litteraire, Paris et Lcipz. 1862, p. 85 — 142) 
nachgewiesen und eine Abbildung hinzugefügt. 



(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der liierarisch- artistischen Anstall des germanischen Museums in Nürnberg. 



U. E. Sebald'ache Buehdruckeiei. 



BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1866. J\s 3. März. 



Chronik des gernianisclien Museums. 



In unserem heutigen Berichte haben wir den freutidliehen 
Lesern, soweit solchen nicht als Mitgliedern des Gelelirtcn-, resp. 
des VerwallungsausschusECs, oder als Fliegern des gcrman. Nalional- 
inuseums der Amtsantritt des neuen I. Vorstandes , Prof. August 
Essenwein, durch Circularschreiben desselben bereits zur Kennt- 
iiils gebracht v/urde, unter Bezugnahme auf die letzten beiden Chro- 
niken unserer Anstalt zunächst die Mitlheihing zu machen, d-afs der 
Genannte bereits am 1 März als I. Vorstand des gernian. Nalional- 
museunis verpflichtet worden ist und mit diesem Tage seine FunUtio- 
nen angetreten hat. 

Möge die allseitige Theilnahme und Unterstützung, mit deren 
Hülfe es dem verdienstvollen Gründer unserer Anstalt, Freiherrn 
von und zu Aufsefs, gelang, das gcrman. Museum als ein der Vor- 
zeit des Gesammlvaterlandes gewidmetes Institut in's Leben zu rufen 
und zu befcsligen, unserer nationalen Anstalt nach wie vor fördernd 
zur Seite stehen; möge sie in immer höherem Mafse unseren Be- 
strebungen sich zuwenden, die nur darauf gerichtet sein können, 
das an der Urslätle deutschen Biirgerlhums als Eigenihum der deut- 
schen Nation erstandene, bisher glücklich durchgeführte Werk dieser 
seiner Eigenschaft immer entsprechender, des nationalen Charakters, 
den es vor allen ähnlichen Anstalten des Vaterlands voraus hat, 
immer würdiger zu gestalten ! 

Besonders erfreulich und ermulhigend ist es für uns, unsere 
Gönner und Freunde am Beginne einer neuen Periode, — denn eine 
solche, und wir wünschen von Herzen eine recht glückliche, ist mit 
der Erledigung der lange verhandelten Vorstandsfrage für das na- 
tionale Werk angebrochen,  — nicht nur mit Wünschen, sondern 
auch mit mehrfachen angenehmen Nachrichten begrüfsen zu können. 

Da haben wir denn zunächst zu melden, dal's Se. Kgl. Hoheit 
der Grol's herzog von Mecklenburg-Strelitz nach huldvoll- 
ster Entgegennahme der neuesten Publikationen unserer Anstalt aller- 
gnädigst geruhele, dem gcrm. Museum auf weitere 3 Jahre eine jähr- 
liche Unterstützung von 50 Thlr. zuzusichern. 

Hieran haben wir die weitere, höchst angenehme Mittheilung zu 
knüpfen, dnfs die durch Erwerbung der freiherrl. v. Aufsefsischen 
Sammlungen uns erwachsene Schuld sich abermals um 20011. ge- 
mindert bat, indem Seitens des Sladtrathes zu Leipzig auf zwei 
bei der Aktiengesellschaft zur Unterstützung des german. Museums s. Z. 
hinterlegte Capilalien von je lOOfl. zu nurgedachtem Zwecke in ge- 
neigtester Weise Verzicht geleistet wurde. Gerade bez. dieser An- 
gelegenheil, die wir der Belhciligung unserer Gönner und Freunde 
lu wiederholten Malen aul's wSrmsIc empfohlen haben, und die wir 
allen Patrioten hiermit von neuem an's Herz legen, wird in unseren 
ntichsten Chroniken, wie wir schon jetzt andeuten dürfen, noch sehr 
Erfreuliches zu berichten sein. 

Auch unser neulich im Hinblick auf die nun in Angriff zu neh- 
menden Restaurationsarbeilen an den beiden Kreuzgängen, von denen 
der eine neu aufzufiihren, der andere noch zu verglasen ist, in 
<liesem Blatte vertrauensvoll ausgesprochener Wunsch hat bereits 



freundliches Gehör gefunden. Der in letzter Augustchronik ange- 
führten Sendung von Butzenscheiben ist jetzt eine ahnlicbe Beisteuer 
aus Schw. Gmiind gefolgt, von wo unser dortiger Pfleger, Hr. J. Er- 
hard, uns jüngstliin eine gröl'sere Partie sog. Borlenschciben hat 
zugehen lassen. 

Den Sammlungen unseres Inslitutes, und zwar siinimllicben Ab- 
theilungen derselben , ist, abgesehen von den neuerdings eingegan- 
genen Geschenken, manches' Neue und Interessante auch dadurch 
zugeführt worden, dafs denselben mit dem Einirille Prof. Essen- 
wein's das von diesem bisher Gesammelle als Deposiuim einver- 
leibt wurde. Insbesondere ist dadurch die bisher nur sehr schwache 
Sammlung von geometrischen und perspeclivischen Ansichten, Grund- 
rissen u. s. w. deutscher Baudcnkmale um einige tausend Bialter, 
die noch nicht/vorbanden waren, vermehrt worden. 

Neue Vertretung ihrer Interessen fand unsere Anstalt durch 
Errichtung einer Pllegschaft in Reichenberg in Böhmen. 

An neuen Geldbeiträgen brachte der vergangene Monat noch 
folgende : 

Aus Vereins -Kassen : Von der Liederiafel zu Göttingen 
3 fl 30kr. , von dem Lese-Verein in Kl. II e i I s b r o nn 1 fl. 12 kr., 
von der Gesellscbafi Forlsclintt in Steilen (llohenz.- Ilech.) 211., 
von der Burschenschaft Germania in Tübingen lOfl., und von der 
Studentengesellschafl Scholllnndia daselbst 5 U. (cinm.) 

Von Privaten: Aachen: Dr. Reumont 2 fl. ; Amorbach 
(Bayern): Hirscb, Pfarrer in Schnceberg, 30 kr. (cinm.), Kniil- 
mann, k. Renlbeamler, 30 kr. (einm.), Scholl, InlendanI, 1 fl. 
(einm), Schwarzmann, Apotheker, 30 kr. (einm.), Sopp, Sludicnleh- 
rer, 30 kr. (ejnni.J; Duisburg; Dr. ü. Lange 1 fl. 10 kr. ; Eis I i n- 
gen: Benno Freiherr von Herman-Wain auf Wain 10 fl. (einm.); 
Hamm: Karl llobrecker, Fabrikbesiizer und Kaufmann, lfl.45kr.; 
Hechingen: Sigmund Mayer 3(1. 53 kr. (einm.); Murau: Alex. 
Setznagl, Abt zu St. Lambrtcht in Steiermark, Hfl. 40kr. ; Nürn- 
berg: J. Bau, Kaufmann, Ifl.; Pesth: Karl Morawelz, Bcarnler der 
Assicurazioni generali, Ifl. lOkr.; Pöfsneck (Sachsen-Meinincen) : 
Chr. Fr. Bernhardt, Kaufmann, Ifl., F. Büttner, Kaufmann, Ifl., 0. 
Diesel, Kaufmann, 1 fl., .loh. Christ. Eberlein, Kaufmann und Fabrik- 
besitzer, Ifl., E. .Millelhäuser, Cornmerzicnralh , Ifl. 45 kr., Franz 
und Ernst Schmidt, Kauficule, 1 fl. (einm.), Tlieod. Seige, Kaulniann, 
Ifl. 45 kr. (einm.), II. Traulmann, Kaulmann, Ifl. 45 kr. (tinm); 
Sa a tz : Jos. Nie. Melzer 1 fl. 10 kr. ; Sulzbach: Sigm S. Aruslein, 
Fabrikbesilzer und Kaufmann, Ifl. 45 kr., Karl Schorn, pens. k. Lieu- 
tenant, Ifl.; Ulm: J. Greger, Ilauplmann vom k. 12. Infanlerie-Ue- 
giment König Otto, in Neu-Ulm Ifl., A. J. Maier, Kaufmann, Ifl. 
45 kr. (einm.). 

Während des lelzlen Monats giengen unsern Sammlungen aufser- 
deni, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu: 

I. Für das Archiv. 

Eine Ungenannte, durch Vermittlung des Pflegers Sauer in 
Regensburg: 

3323. Kaufbrief der Anna Catharina Panierin für Georg Christoph 
Dummer. 1734. Pgm. 

3324. Kaufbrief der Vormünder der Elis. Cath. Dummer für Joh. 
Panier. 1742. Pgm. 

3325. Kaufbrief des Job. Georg und Joh. Christoph v. Röthen für 
Joh. Georg Biedermann. 1744. Pgm. 



99 



Anzei<jer für Kunde der deutschen Vorzeit. 



100 



3326. Kaufbrief des Joli. Willi. Fnnier für Joli. Georg Klostenneycr. 
17ö3. Pgni. 

3327. (lantl)rief über das Eigen des G. Ilciiir. Lucz für Job. Georg 
liloslcrniiypr. 1772. V'^m. 

3328. Kaufbrief des Unigelil.Tiiils lür J. G. Klosleriiieyer. 1782. Pgni. 

3329. K.Hiri)ricf der Kinder iles J. G. Klo>lermeyer für ilire Jlulter 
Dorolliea Ma;;d:ilrii;i. 1783. l'sni. 

3330. hauihrief der Uoroilieii üi.Tgdalena lilnslcrmeycrin für ihren 
• Sohn Ballli. Golllieb Kloslermeyer. 17!I0. P};iii. 

3331. Kaufbrief des Uathias .Martin für Joh. Wilhelm Grunerl. 1801. 
Pgni. 

Anton Emmert in liiva : 

3332. Waiipenliref i!es Johann Werndle für Caspcr und Anllioni 
Kraticescy auf Soll, Gerichls Knrlalseh. li;i;9. Pap. .\hschr. 

Dr. C. Will, Archivsclireiar des ^'erman. Museums: 
2333. Auszug aus dem Salliuch derer Uosenhardl gen. Glocken- 
giefser von GlncKenholTcn. 17 alle Urkunden - Ahschrilten 
1471 — 1.'.85. Pap. 
Sigmund IMayer aus Ilechingen : 
3.'J34. Uilhcil des landgenohls Kaveuslurg in einem .lireit zwischen 
der (Jrnlin Johanna .Sahina zu Achstellin und Joh. Christoph 
Grafen zu Zcyl. lÖHO. Pap 
Anglist Essenwein, '1. Vorstand des german. Museums: 
.'ioiö. AKten in der Streitsache des Hans Schilsler, Bürgers zu Stein- 
hach, gegen den Rüih daselbst, das stritt ge Holz am Clopf- 
fcn Gut betr. 15S1. Pap. 

II. Für die Bibliothek. 

J. G. Böfseuecker, Yerlagshandl., in Regensburg: 

18.940. Wackeur eiler, d. Erslürinung von liegensburg am 23. April 
1^09. 18G5. 8. 

Historische Commission bei der k. Akademie der 
Wissenscliaften in Mnnehen: 

18.941. V. Liliencron, die hisiori;clien Vollislieder der Deut.-chen vom 
13. bis 16. Jahrhundert. 18()5. 3. 

Dr. J. V. Zlngerle, ProtVssor, in Innsbruck: 

18.942. Archiv für Geschichte und Allerlliiiin>luinde Tirols, redig. 
u. hrsg. V. Durig, lluber, Ladurner, Selionherr ii. Zingerle ; 
II. Jhrg., 3. u. 4. lieft. 18(J.'i. 8. 

Antiquarische Gesellschaft in Zürich : 

18.943. Uies,, Miltbeilunn u eic. , Bd. XV, Hell 5. 1865. 4. 

18.944. Di(s., 21. Jahresbericht, lSiJ4 — 6.'). 4. 
OudheidkuniSige Kring van het Land van Waes in 

St. Aikolnas : 
18,91;"). Ders, Annalen elc. ; II. Deel, 2. Aflev. 1865. 8. 
Georg WicUer, k. k. Posidirektor, in Vicenza : 

18.946. Par klöane Cnlechismo vor de Sil en Kameün. 1842. 8. 

18.947. Ilohenauer, d. Stadt Krie.-ach. 1847. 8. 

18,918. Vonend, d. llerrsihallen des vormaligen llochslifles Bamberg 
in übirkiirnthen. 1858. 8. 

18.949. Alleri, l'Iialia usrenle l'anno 18G0. 1861. 8. 

18.950. La verilti sugli uomini e solle rose del rejno d'Italia. 1862. 8. 

18.951. Lioy, !e abiiazioni lacustri della ela della pieira nel Vin- 
ceniino. 186.5. 8. 

Dr. C. L. Grotefand, Anhivraih, in Hannover: 

18.952. Ders., Epi^raphisrhes. V. 1866. 8. 

G: Schöufeld's Dnclihandl. (C. A. Werner) in Dresden: 
18,9.'i.3. N. Anzeiger f. Bibliographie etc. : Jhrg. 1865. 7-12. Hfl. 8. 

j. N. Enders, Buchhandlung, in ^eülilschein : 
18,9:'>4. Die Biene; 1,5. Jhrg., 1865, Kr. 19 — 36. 8. 

Redaktion der kathol. Blätter aus Tirol in Innsbruck: 
18.955. Kntlol. Blatter aus Tirol; 1865, Nr. 17 — 36. 8. 

Ii. A. Zellner in Wien: 

18.9.56. Blaiter dir Theater etc., hg. v. Zellner; 1865, Ar. 50 - 98. 2. 
Societe Fraii9aise d'archeologie in Paris: 

18.9.57. Dies., bul'elin nioiiMrnental ; 31. vol., nr. 4—8. 1865. 8. 
Alwin Eudel in Dresden: 

18.958. Cential Blatt f. d d. Papier-Kabrikalion ; 1865, Nr. 9— 24. 4. 
Stahersche Buch- und Knnslhandlung in Würzburg: 

18.959. Chiliancum; 7. Bd., 1.— 12. lieft. 1865. 8. 



Dr. Hermann Stolp in Berlin: 

18.960. Deutsche Gemeinde- Zeitung, hg. v. Stolp; 1865, Nr. 2(5 

52. 4. 

J. Engelhorn, Vcrlagshandl. , in Stuttgart: 

18.961. Gewerbehalle etc.; 1865, Lief. 7- 12. 4. 
Redaktion des literar. Handweisers in Münster: 

18.962. Liierir. IL.udweiser elc; 18(i5, Nr. 36 — 40. 8. 
Wallishauser'sche Buchhandl. (Jos. Klemm) in Wien: 

18,96,3. J.igd- Zeitung; 8. Jhrg , Nr. 13-24. 1865. 8. 
Redaktion der Heidelberger Jahrbücher in Heidelberg: 

18.964. Ilcidclb. Jahrbiicher d. Liieratur; 1865, Mai— Decemher. 8. 
Redaktion der allgem. Literatur -Zeitung in Wien: 

18.965. Allgem. Literatur- Zeitung; 1865, Nr. 27 — 52. 4. 

K. K. Central-Commission zur Erforschung und Er- 
haltung der Baudenkmale in Wien: 

18.966. Dies., Mitlheihingen ; 10. Jhrg. M.ii - De c. 186,5. 4. 
Redaktion der altpreufs. Monatsschrift in Königsberg: 

18.967. AllprenCs. .Monatsschrift; 2. Jahrg., 6. II. 1865. 8. 
K. J. Schröer, Direktor der evangel. Schulen zu Wien: 

18.968. Monat!. Mittheiliingen etc.; 1865, Nr. 7—10. 4. 
Du Mont- Schauberg- 'sehe Buchhandlung in Köln: 

18.969. Org:in f. chriftl. Kunst; 1865, Nr. 14—24. 4. 
Th. Ölsner in Breslau: 

18.970. Schles. Provinzialblatter ; 4. Jahrg., Juli— Dec. 1865. 8. 
Müller von der Werra in Leipzig: 

18.971. Die neue Sangeihalle: l.S(35, Nr. 27 — 52. 4. 
Kais. Akademie der Wissenschaften in Wien : 

18.972. Dies, An/eiier; Jahrg. 1865, Nr. I — XXIX. 8. 
Dr. L. Lang in .Mimchen: 

18.973. .Müncliener Sonntagsblatt; 1865, Nr. 26 — 52. 4. 
Redaktion des Volksblattes in Quedlinburg: 

18.974. Volksblatt für Stadt und Land; lh65, Nr. 52—104. 4. 
Redaktion des Wochenblattes der Johanniter- Or- 

dens-Balley Brandenburg in Berlin; 

18.975. Wochinblait etc.; 1865, Nr. 26 - 52. 4. 
Polytechnischer Verein in Würzburg: 

18.976. Deis., Woehenschrili ; 1865, Nr-. '22 — .52. 8. 
Redaktion der Zeitschrift f. preufsische Geschichte 

und Landeskunde in Berlin: 

18.977. Zeitschrift für preuis. Geschichte etc.; II. Jhrg., 7. — 11. Heft. 
1865. 8. 

Allgemeine deutsche Verlags- Anstalt (Sigismund 
Wolff) in Berlin: 

18.978. Roniberg's Zeitschrift f. prakt. Baukunst-, Jhrg. 1865, H. 4 
— 12. 2. 

Ebner & Senbert, Vcrlagshandl., in Stuttgart: 

18.979. Müller, die Künstler aller Zeiten uml Völker; fortgesetzt 
und beendigt von Kliinzinger u. Seubeit. III. Bd. 1864. 8. 

K. Preusker, Renlamtmann, in Grolsenhain : 

18.980. Ders., die Sladt-Biblioihek in Grolsenhain : 6. Aufl. 1864. 8. 
F. K. Fürst zu Hohenlohe- V/aldonburg, Durchlaucht, 

in luipferzcll : 

18.981. Ders., spliragistisehes Album; lieft 2—4. 186,5. i|u. 2. 
Dr. A. Reichensperger, AppelLilionsgeriihisrath, in Köln : 

18.982. Fiindalio douius Theuioniciie prope Saraeponlcni , an. 1227. 
1 Bl. gr. 2. 

H. Laupp'sehe Buchhandlung in Tübingen: 

18.983. Theol. fjuarlalscbnlt ; 47. Jh;j. 4. II. u. .1.8. Jhg., 1. 11. 1866. 8. 
Redaktion der numismatischen Zeitung in Weilsensee: 

18.984. Numismaiische Zeitung; 32. Jhrg., Nr. 12-26. 1865. 4. 
Architekten- und Ingenieur- Verein in Hannover: 

18.985. Ders., Zeitschrift: Bd. XI, 4. 1865. 4. 

Verein f. d. Geschichte und Alterthumskundo von 

Erfurt in Erfurt : 

18.986. Ders., Mitlheihingen etc.; I. Illt. 1,865. 8. 
Historische Gesellschaft in Basel : 

18.987. Dies., Beitrage zur valerland. Geschichte; 8. Bd. 1866. 8. 

Thüringiscli-sächsischer Geschichts- u. Alterthums- 
Verein in Halle a. S.: 

18.988. Ders.. Statuten. 1865 8. 



101 



Anzeiger für Kunde der doulsclien Vorzeil 



102 



Friesch Genootschap van Geschied-, Oudheid- en 
Taalkunde im Leeuwarden : 

18.989. Dies., de vrije Fries; 11. Deel. (n. K. V, 1). 1865. 8. 

18.990. Dies., 37. Verslag der HaiuJeliiigen etc. 1864 — 65. 8. 
Kaiserliche Universität zu Dorpat : 

18,991-19,00.». 19 akadeiii. Schriflen vermisehlen Inhalls. 1864 — 
6.T. 4. II 8. 
Societe pour la conservation des monuments histo- 
riCLues d'Alsace in Slralslmrg : 

19.010. Dies., Bulleliii cic. IM. ser., I. III, livr. 2. 1865. 8. 
Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Ge- 
meinnützigen in Basel: 

19.011. Dies., XLIV. ^"euj;iliilihiU f. Basels Jugend. 1866. 4. 
Geschichtforschende Gesellschaft von Graubünden 

in Cliur : 

19.012. Dies., Ralia elc. ; 3. Jalirg. 1865. 8. 
Historischer Verein des Kantons Glarus in Glarus: 

19.013. Oers., .lahiliucli elc. ; 2. Hefl. 1866. 8. 
Hennebergischer alterthumsforschender Verein in 

Meiningen : 

19.014. Briiciiner, liennelierg. Urliundenliucli ; V. Theil. 1866. 4. 
Historischer Verein der Fürstenthümer Waldeck 

und Pyrmont in CoiLacli : 

19.015. Ders., Btilräge elc., Bd. I, 3. 1865. 8. 
Dr. Ii. Curtze in Corliach : 

19.016. Ders. u. v. Rheins, Geschichte und Beschreihung der Kirche 
St. Kilian zu Corbach. 1813. 8. 

19.017. Ders., Vollisüberliererungen aus d. Fürstenthum Waldeck. 
1860. 8. 

19.018. Stieglitz, Erinnerungen an Charlotte. 1863. 8. 
Ad. Emmerling, Verliigsbuchhamll., in Heidelberg: 

19.019. Badenia, hrsg. v. Bader, III. Bd., Heft II, 2 und III. Helt. 
1865 — 66. 8. 

Dr. H. A. Erbstein, Conservator der Kunst- und Allerthuins- 
saninilungcn des german. Museums: 

19.020. Ders., der Miinzfund v. Trcbitz hei Wittenberg. 1865. 4. 
K. Albertus -Universität zu Königsberg i. Pr. : 

19.021. Ellendt, de Ilagenoa, Alsaliae inlerioris civilaie Palatina. 
1865. 8. 

19.022. Wach, de transfcrenda ad firniarium advocalione. 1865. 8. 
19,023—58. 36 weitere akademische Schriften vermischten Inhalts. 

1865. 4. u. 8. 
Robert Friese, Verlagsbuclihandl., in Leipzig: 

19.059. V. Mildenslcin, Chronik der Stadt Leisnig. 1857. 8. 
J. Diernfellner, Uiüversitatsbuchh., in Freiburg i. Br. : 

19.060. Bader, d. alteinheimische Adel des Breisgaus. 1838. 8. 

19.061. Schreiber, d. Schülzengesellschaflen zu Freiburg i. Br. 
1846. 8. 

19.062. Kösch, Beschreibung der Brunnen-Leitung zu Freiburg i. Br. 
(1848.) 8. 

19.063. (v. Röder), Zug des Marschalls Tallard durch das Dreisam- 
thal. 1848. 8. 

19.064. Beiträge zur Geschichte der Stadt Freihurg und des Breis- 
gaue.». 1849, 51 u. 56. 8. 

19.065. Rösch, d. Slral'senanlagen und Zollrechte der Städte Frei- 
hurg und Villingen. 1853. 8 

19.066. Ders., d. Ralhsbesatzungcn der Stadt Freiburg. 18.54. 8. 

19.067. Ders., Wiehre u. Adelhausen. 18,55. 8. 

19.068. Schreiber, d. Schlacht bei Freiburg im J. 1644. 1857. 8. 

19.069. Das Judenspiel zu Endingen. 1858. 8. 

19.070. Jtigcr, eine Wanderung durch Freiburg. 1859. 8. 

19.071. Schreiber, Mordversuche gegen Albrecht VI. v. Oeslerreich im 
J. 1448. 1860. 8. 

19.072. Die burgcrl. Beurbarungs-liesellschaft zu Freiburg i. Br. 

1860. 8. 

19.073. Jäger, Freiburgs gemeinniilzige Vereine der Gegenwart. 

1861. 8. 

19.074. Schreiber, d. Minnesanger an den Fürstenhofen im Breisgau. 

1862. 8. 

19.075. Ders., die Abtei Thennenbach und die Ludwigskirche lu 
Freiburg. 1863. 8. 



19.076. Ders., vor 50 Jahren in Freihurg. 1864. 8. 

19.077. Ders., d. Kolbjahr 1816. 1865. 8. 

19.078. Mandat dos Rallis zu Freihurg. 17. Jhdl. 2. 
Dr. Herrn. Frohberger, Piofessor, in Grimma: 

19.079. Ders., z\v( i Reden elc. 1866. 8. 
Dr. Heinr. Siegel, Professor, in Wien: 

19.080. Ders., die Gelalir vor Gericht und im Rcchlsgang. 1866. 8. 
HahnVchc lloriiuchhandlung in Hannover: 

19.081. v. .Malorlic, iJcilr.lge zur Gcsthiclite des Braunschw. -Lüne- 
burg. Hauses und Ilnfes : 5. Ili fi. 1866. 8. • 

19.082. V. Bar, das Beweisurllicil des gcrmnn. Processes. 1866. 8. 

F. A. BrOCkhailS, Verlagsbuclihandl., in Leipzig: 
19,033. Tromcl, Schiller- Bibliothek. 1865. 8. 

Verein zur Ausbildung dar Gewerke in München: 

19.084. Ders, Zcilschrift etc.; 15. Jhrg, 2.-4. Hell. 186.5. 4. 
Historische Gesellschaft des Kantons Aargau in 

Aarau : 

19.085. Die.^._, Argovia ; IV. Bd., Jhrg. 1864 u. 65. 1866. 8. 
Verein für Geschichte und Alterthumskiinde zu Frank- 
furt a. M. : 

19036. Ders., Archiv etc., neue F"olge, 3 Bd. 1865. 8. 

19,087. Ders,, Millheilungen elc, Bd. 11, 4 u. III, 1. 1864-65. 8. 

19.083. Ders., Neiijnhrs-Blail : 1864 u 65. 4. 

19,039. Baiton, örtliche Beschreibung der Stadt Frankfurt a. M. ; 
3. Hefi. 1864, 8. 
Zoologische Gesellschaft in FranKfurt a. M. : 

19.090. D:cs., /er z(iologi*che Garten; Jahrg. 1865, Nr. 7— 12. 8. 
Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heil- 
kunde in Gleisen : 

19.091. .Amtlicher Bericht über die 39. Versammlung deutscher Na- 
turforscher und Aerzle in Giefsen im Sept. 1864. 1865. 4. 

Universität zu Giefsen : 

19.092. Dies., index librorum quihus bibliotheca acadeniica Gissensis 
aucia est anno 1856 — 64. 4. 

19.093. Bogisic, über die Ursachen der Niederlagen des deutschen 
Heeres im Imssilisclien Kriege. 1862. 8. 

19,094 — 111. 18 weitere alvadim. Schriften vermischten Inhalts. 
1861-65. 4. H. 8. 
Stadtarchiv zu Brannschweig : 

19.112. IlSnselniann, Nachrichten über das Stadtarchiv zu Braun- 
schweig. 1863. 4. 

19.113. Knoch, histor. Notizen über llelmstndts Merkwürdigkeilen. 

1863. 4. 

19.114. Schiller, Ueberblick der mitlelallerl. Architektur Braun- 
schweigs. 1.S63. 4- 

19.115. Bethni:inn, Herzog August der Jüngere, der Gründer der 
Wolfenhülller Bibliothek. 1863. 8. 

19.116. Brandes, Braunschwcigs Dom mit seinen alten und neuen 
WanilijeuKiUlen. 1,-63. 8. 

Dr. Moriz Wiefsner, Regierungsrath im k. Ministerium des 
Innern, in Dresden : 

19.117. Ders., die Akademie der bildenden Künste zu Dresden. 

1864. 4, 

Ed, Manger, k. Krcissekretar, in Siegen: 

19.118. Ders., die Sienen'scheii Orte Wünsdorf, Wilgcrsdorf und 
Rodu'cii in alter Zeil. 1865, 8. Sonderabdr. 

Dr. Ludw. Herrmann in Aschalfenburg : 

19.119. Erheiterungen: Jhrg. 1866, Nr. 11 — 15, 17-20, 22, 23, 
31 u. 3l'. 4. ' 

G. Grote'schc Verlagsbuchhandlung in Berlin : 

19.120. Essellcn, die llohcnl.urs bei llerringen a. d. Lippe u. d. 
Grabstatte auf ders. 1861. 8, Sonderabdr. 

19.121. Grmhoi, preulsisclies Erbrecht elc. Bd. I, 1. 2. 1865. 8. 
G. Braun'.Mhe llofbuchliandlung in Karlsruhe: 

19.122. Zeilschrift fnr die Geschichte des Oberrheins, hg. v. Mone ; 
19, Bd, 1. H. 1866. 8. 

J. N. Enders, Professor, in Neulilschein : 

19.123. Ders., kurze Anleitung zur Üli>tbanin7.ucht; 2. Anfl. 1863. 8. 
Verein für meklenburg. Geschichte und Alterthuma- 

kunde in Schwerin : 

19.124. Ders., Quarlalherichl ; XXXI, 2. 1866. 8. 



103 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



104 



Haseam des Königreiches Böhmen in Pmg : 

19.125. Dass , l'niiKilkj nrchiicol. a mislopisne ; R XII, Dilii VI, 5—7. 
18G5. 4. 

19.126. Verzeichnil's der Milglieder der flesellschaft etc. 1865. 8. 

19.127. Vortrag des Gescliaftsleilerä in der General- Versammlung elc. 
18G.5. S. 

K- Württemberg:. Blinisteriiim des Innern in Stuttgart : 

19.128. Staats -.\niciyer lur Wurttemlierg a. d. J. 1865. 4. 
Historische Commission bei der k. Akademie der 

'Wissenschaften in Hlunclien : 

19.129. üescliiclite der Wissenschalten in Deutschland; Bd. 3. u. 4. 
1865. 8. 

K. V. Gemming', Oberstlieulenant, in Nürnberg: 
19,1.S0. Köhler, hislor.,Miinz-Belusligunf;; 19.— 22. Th. 1747—50. 4. 
Grofsherzog;!. herzog^I. sächs. Gesammt-Universität 
Jena: 
19,131. Bechslcin, zum Spiel von den zehn Jungfrauen. 1866. 8. 
19,132 — 40. 9 weitere akademische Schriften vermischten Inhalts. 
1865 — 66. 8. 
Otto Wigand, Verlagslmchhandlung, in Leipzig: 

19.141. Berse, d. Sagen u. Lieder drs T.-chprkessen- Volks. 1866. 8. 
J. C. Hofrichter, Noiar, in AVindifchgrnz : 

19.142. Ansichten aus der Steiermark ; lieft 38. <|u. 4. 

19.143. Jaliresherithl der k. k. Ober- Realschule zu Klagenfurt. IX. 
— XIII. 1861 — 65. 4. 

19.144. Schaller, die Bedeutung des ager publicus in der röm. Ge- 
schichte. 1865. 8. I'rogr. 

19.145. Hirsch, über Diptychen, Kecrologicn, Martyrologien elc. 
1865. 4. Progr. 

19.146. Pletersnik, d. Vergleiche im Homer und in den serbischen 
Volkslit dtrn. 1865. 4. Progr. 

Rudolph Gärtner, Vcrlagslmchhandl., in Berlin: 

19.147. lanee, Grundrils der Geschichte der deutschen Literatur; 
3. An II. 1859. 8. 

Dr. Adolph Friedr. Riedel, geh. .'Vrchivralh, in Berlin: 

19.148. Ders., Geschichte des pr(urs. Iionisshauses i 2 Bde. 1861. 8. 
Gerstenberg 'sehe Bucliliamll. in llildi sheim : 

19.149. Liinizel, die Annahme des evangel. Glaubensbekenntnisses, 
von Seiten der Stallt Hildesheim. 1842. 8. 

■Wilh. Grothe, Verlagsbuehhnndl., in Berlin: 
19,1.'''0. Groihe, Schildliorn und Tenfelssee. Mark. Sage. 2. A. 8. 
Grubenmann'sche Buchhandl. in Chur: 

19.151. Kels, Bilder n. Scenen aus deutsch. Landen ; 1. Th. 1858. 8. 
Hahn'srhc lloriiuchhandl. in llanniiver: 

19.152. Lcunis, Siliul-Aaiurgescliithte; II. Th. 1866. 8. 

19.153. Hers., Synopsis der drei Kalurreiclic : Th. 11,2, 1. 1866. 8. 

Verein fUr Naturkunde im Herzogthum Nassau in 

\Viesliaden : 
19,1.54. Ders., Jahrbücher etc.: 17. u. 18. Heft. 1862-63. 8. 
Bergischer Geschichtsverein in Elherfeld : 

19.155. Deis, Zeilsihrift etc.; IL Bd., 2. llalflc. 1865. 8. 
Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen zu 

Prag: 

19.156. Ders., Milthellungen etc. Jahrg. III, 4.-6. u. IV, 1. — 3. II. 

1865. 8. 



19.157. Ders., 3. Jahresbericht; 1864 — 65. 1865. 8. 

19.158. Ders., Beitrage etc.; Abth. I, Anh. zu Bd. II u. Ablh. III, 
Bd. I. 1863, 65. 4. 8. 

Conrad Weychardt, Buchhandlung, in Erslingen : 

19.159. Plair, \vurllemlier«ische Wein Chronik. 1865. 8. 
Verein für Erdkunde etc. in Darmsiadi: 

19.160. Ders., Kotizblait: III. Folge, 4. Heft (Kr. 37—48). 1865. 8. 
Museums-Verein in Bregenz; 

19.161. Ders., 8. Rcclienschafisbericht, 1865; 186.5. 4. 
Bine Ungenannte in Ki gensburg : 

19.162. Lulber, gejslliche lieder; 2 Thie., 1570. 8. 

19.163. llondorff, Proiiipluariiim Exemplorum. 1580. 2. 

19.164. Ilondoill', Calendarium Sanctorum et llistoriarum. 1579. 2. 

19.165. Coneordia. Christi, wiederliolele einmutige Bekenlnils nnch- 
benanler Churlürsten, Fürsten u. Stendc Augspurgischer Con- 
fession. 1580. 2. 

19.166. Fauslus, Anatomia statutae Danielis. 1580. 4. 

19.167. Nigrinus , papistischc Inquisition ynd gülden Flüs der Rom. 
Kirchen. 1582. 2. 

19.168. Naclienmoser, Proguosticon theologicum. 1588. 2. 

19.169. Heyllirunner, vncatholisch Pabstumb. 1607. 2. * 

19.170. Biblia, deudsch. D. Marl. Luther. 1610. 2. 

19.171. Phaedri fal.ularum libri V. etc., ed. Walchius. 1712. 8. 
Müller, Advokaten-Wiltvve, in Regensburg: 

19.172. Lotter u. Seulter, Atlas, gr. 2. 

III. Für die Kunst- und Alterthums- 
sammlung. 

Chr. Hefs, Maschinenmeister, in Nürnberg: 

5012. Silliermünze des Herz. Christian von Schlesien, 1665. 
Dr. Delp, Slabsauditor, in Worms : 

5013. Bruchstück einer bei Auf;;rabung eines Kellers zu Worms 
gefundenen Stein.'culplur mit Reliefdguren mehrerer Löwen. 

W. Bieswanger, Stadischreiber, in Sulzbach: 

5014. 2 bronzene l-nlerarmringe, ausgegraben im Amt Sulzbach. 

5015. 18 kleinere Silbermünzen verschiedenen Alters und Geprä- 
ges, 1 byzantin. Kupfernuinze und 1 Messingjeton von 1,587. 

5016. Lackabdrücke der 3 Sulzhacher Stadtsiegel von 1566 und des 
neueren. 

G. St. Rykena in Norden ; 

5017. 33 Homnnnisfhe Landkarlen. 

G. Brückner, Privalier, in Kulmbach : 

5018. Walllahrljzcichcn des Klosters Weingarten, 18. Jhdt. 
Bisenbarth, Gemaldereslauraleur, in Würzburg: 

5019. 2 Bruchstücke aller Ei.-enger.-ilhe. 

Hugo Graf von Walderndorff, k. k. Kammerer, in Hau- 
zenslein : 

5020. Aderlafslabelle mit einem Holzschnitt von M. Ostendorfer, 1555. 
Heimburg, Notar, in Pleddersheim : 

5021. Siegelsiock des Gerichts zu llillesheim, 1524. 
Dr. C. Will, Archivsekrelar am german. Museum : 

5022. 37 Blalier aus einem boian. Werk des 17. Jhdt. 
Ein Ungenannter in Nürnberg: 

5023. Silberne Medaille mit Peter und Paul von 1536. 



Chronik der historischen Vereine. 



Hnndelingen en Mededeelingen van de Maatschap- 
pij der Nederlandsche Letterkunde te Leiden, over het 
Jaar 1865. Leiden, E. J. Brill. 186.5. 8. 

Gesellschaftsangelegenheilen. — Bijdrage tot de Critiek van 
Ferguul, door Dr. W. Bisschop. — Proeve van eene sludie over 
de Naluur der verschillende Spraakgeluiden , door Prof. T. Roorda. 
— Yerslag van een onuitgegeven IIS. van Anlhonis de Roovere, 



door Dr. W. N. du Rieu. — De Leidsche Medicinae Doctor Conra- 
dus Zumbach de Koesvelt, door Mr. J. T. Bodcl Nijenhuis. — Ne- 
dcrlanders, en personen die later met Nederland in betrekking ston- 
den, Siudenten te Heidelberg en te Geneve, sedert hei begin der 
Kerkhervorming, door Prof. de Waal. — De dood van Elias Beck- 
mann, door J. H. van Dale. 

Levensb erigten der afgeslorvene Medeleden vai» 



105 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



106 



de Man tscliappij der Nederlandsclie Lelterkunde. Bij- 
lage tot de Ilandcliiigen van 1865. Leiden, E. J. Brill. 1865. 8. 
226 Stn. 

DeVrijeFries. JI engelingen, uilgegeven door tiet Friesch 
Genootscliap van Geschied-, Oudlieid- en Taal künde. 
Elfde Dcel. Nieuvve Keeks, Vijfde Deel. Erste Stuk. Te Leeuwar- 
den, bij G. T. N. Suringar. 1805. 8. 

Friesland in 1815. Historisthe Bijzonderheden omtrcnl de deel- 
neming der Friezen aan de Volksviapeiiing en de Krijgshedrijven 
bij Qualrebras en Walerloo ; door W. Eckhuff. — Aanteekeningen en 
Bijlagen. 

Ze ven-e n -de rt i gs t e Verslag der Handelingen van 
het Friesch Genoolschap over het Jaar ISliiGö. 8. 

Ännalen van den Oudlieidskundigen Kring van het 
Land van Waes. Tweede Deel. Tvveede Ablevering. December. 
1865. St. Nikolaas. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — D(!couvertes Gallo-Romaines failes 
au Steenwerk ä Belcele. — Mengelingen, oni als dokumenlen te 
dienen, tot het opslellen eener allgemeene Geschiedenis van het 
Land van AVaes, door H. Raepsaet. — Oud vlaanische leenen, gele- 
gen binnen den Lande van Waes. (Vervolg.) Door .\. de Jlaere- 
Limnander. — Melangcs. — Chapelle volive et staluetle de Nolre- 
Oame de Loretle ä Voorhoiit sous Kemseke. — Un jugeinent au 
XVIe siecle en nialiere d'injurcs. 

L'Investigateur. Journal de l'Institut historique 
Trente-deuxieme annde. Tome V. IV. Serie. 372. Livr. Noveinbre. 
1865. 373. Livr. Dec. 1865. Paris, 1865. 8. 

Bulletin monumental ou collection de mömoires 
sur les monunicnts historiques de France, puhlie sous les 
auspices de la Sociätä franfaise d 'a rcheo logie pour la 
conservation et la description des inonunients natio- 
naux, et dirig^ par M. de Ciminont. 4. Serie, Tome 2, 32. Vol. 
de la Collection. Nr. ]. Paris et Caen, 1866. 8. 

Deux excursions archeologiques dans le canlon de M^zidon, aux 
environs des deux stalions du chemin de fer siluees dans ce can- 
ton ; par M. de Caumont. — Noiice sur un cachet sigillaire, dit ca- 
chet d'oculiste, trouve ä Sl.-Aubin-sur-Gaillon, par M. Paul Baudry. 
— Cartulaire de reglise dWuiuii, public par 3L de Charniasse. — 
Compte-rendii de quelques decouverles archeologiques dans le ä6- 
partement de la Loirelnferieure, par H. Charles Marionneau. — Rap- 
port de M. de Caumont sur un memoire adress^ ä la Soeiele fran- 
^aise d'archeologio par 3L Veuillot, sur le monastere de Ganagobie 
(Basses-. \lpes). — Melanges d'archeologie. — Chronique. 

Antiquarisch -historischer Verein für Nahe und 
Hunsrücken. Sechster Bericht. Kreuznach, Anfangs Juni 
1865. 1 Bgn. in Fol. 

Vierter Bericht über die Sammlung, des Vereins. 
Kreuznach, im December 1862. 1 Bl. in 4. 

Zeitschrift des Bergischen G eschichls vere i ns. Im 
Auftrage des Vereins herausgegeben von Prof. Dr. K. W. Boulerwek 
und Dr. W. Crecelius. Zweiler Band, zweite Hälfte. Bonn, 1865.8. 

Beitrage zur Geschichte Elherfelds. 6. Borg Sceldunk. 7. Zur 
Gescliichle der Schützengilde. 8. Eine Anleihe im Jahre 1815. Von 
Dr. W. Harlefs. — Die Huldigung der Rheinlande zu Aachen am 
15. Mai 1815. Von dems. — Beiträge zur Geschichte Barmens. 
1. Das erste Vorkommen des Namens Barmen in einem Werdener 
Heberegister. Von Dr. W. Crecelius. 2. Graf Ludwig von Ravens- 



berg verkauft den Hof Barmen an Graf Heinrich von Berg. Von 
dems. 3. Auszug aus der Beienburger Amisrechnung von 1593. Von 
dems. 4. Barmen im Jahre 1641. Von dems. 5. Das Haus Rauen- 
Ihal. Von F. W. Oligschlägcr u. A. Caron. — Der falsche Friedrich, 
genannt Tile Kolup. Von Dr. A. Pelry. — Ucber einige im XVL 
Jahrhundert in Wesel gedruckte Schrificn. Von Paslor J. G. Sarde- 
mann. — Pest in Köln und dem Erzstifle im Sommer und Herbst 
1490. Von Dr. W. Harlels. - Milgliederverzeichnlfs. 

Beitrage zur Geschichte der Fürstenlliümer Wald- 
eck und Pyrmont. Im Namen des Vereins herausgegeben von 
Dr. L. Curize. Ersten Bandes Schlulsheft. Arolsen, 1865. 8. 

Sludien zur ältesten Geschichte von Waldeck und Pyrmont. 
Von C. Beck. (Forts.) — Mittheilungen aus der Mengeringhäuser 
Chronik. — Geschichte der im Jahre 1669 der Republik Venedig 
unter Anführung des Grafen Josias zu Waldeck und Pyrmont zur 
Verthcidigung der Stadt Candia zugeführlen Braunschwcig-Lünehur- 
ger Truppen. Von Forstraih Waldcck. — Dr. Fr. Kreusler, Geh. 
Ilofratli, Leibarzt und überlandphysikus. Von W— r. — Notizen aus 
der Zeit des 30jährigen Krieges, zui; Veranschaulichung der Zu- 
stande, Drangsale und Sitten. Entnommen aus dem Rhoder liirchen- 
buche. Von Superintendent Schotte. — Stiftungen, Legate, Ver- 
mächtnisse e>c. — Das alte Schlols zu Pyrmont. Aus Kleiteuberg. — 
Briefe des Prof. Chr. Rauch in seine lleimalh. — Der Kirchlhurmbau 
zu N. Wildungen 1488/89. — Waldeckische Helden. Eine Skizze 
von W. K. — Dr. Georg Landau. Von Pastor Rocholl. — Aller- 
thumsfunde. 

Göltingische gelehrte Anzeigen. Unter der Aufsicht der 
Künigl. Gesellschaft der Wissenschaften. 1865. Erster 
und zweiter Band. Gültingen. 1865. 8. 2080 Stn., nebst Regi- 
ster von 18 Stn. 

Nachrichten von der K. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G eorg- Au gus ts-Un iversita t aus dem 
Jahre 1865. Gütlingen, 1805. 8. 566 Stn. 

Neues Lausitzisches Magazin. Im Auftrag der Ober- 
lausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften herausge- 
geben von Dr. Tilus Wilde. Zweiundvierzigster Band. Görlitz. 
1865. 8. 

Erste Hallte: Die Geschichte der Oberlausilz von den ältesten 
Zeilen bis zum Jahre 1815, für Schule und Haus bearbeitet von Dr. 
Job. August Ernst Köhler. Eine gekrönte Preisschrifl. 282 Stn. 

Zweile llalfle : Die ältesten Besitzer von Pulsnitz. Von Dr. 
Hermann Knothe. — Ein Beitrag zur Sammlung des Volkslhümlichen 
im temescher Banat. Von Gustav Zeynek. — Berichte über die wö- 
chentlichen wissenschaftlichen Abendversammlungen. — Zur sechs- 
hundcrijiihrigen Sakularlcier Dante's. Von Dr. Theod. Paur. — Be» 
rieht über die 300jiihrige Jubelfeier des Gymnasium Auguslum in 
Görlitz. — Nachrichten aus der Gesellschaft. 

Zeitschrift des Statistischen Bureaus des Königlich 
Sachsischen Ministeriums des Innern. Eilfter Jahrgang. 
1865. Dresden. 4. 156 Sin. 

Neujahrsblatt, den Mitgliedern des Vereins für Ge- 
schichte und A I terthumskunde zu Frankfurt am Main 
dargebracht im Januar 1864. Frankfurt am Main. 1864. — Johann 
David Passavanl. Ein Lebensbild von Dr. Adolph Cornill. Erste 
Abtheilung, nebst Passavant's Mitlheilungen über seine Familie. (Mit 
dem PortrSt Passavant's und einer Abbildung der Burg Passavanl.) 
Frankfurt am Main. 1864. 4. 78 Stn. 



107 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



108 



Neujahrsblall, . . . dargebrachl im .Innuar 1865. Frankfurt am 
Main. 1865. — Johann David Passavant. Zweite Abllieilung. Frank- 
furt am Main. 1865. 4. 112 Sin 

Oertliclie Beschreibung der Stadt Frankfurt am 
Main, von Johann Georg Baiton. Aus dessen Nachlasse herausge- 
geben von dem Vereine für (Jeschichte und Allerthumskunde zu 
Frankfurt a. M. durch den zeitigen Direelor desselben Dr. jur. L. 
II. Kuler. Drilles Ilefl, die Bcsclircibung der Albtndl und zwar des 
südlichen und westlichen Theils der Oberstadt enthallend. Frank- 
furt a. M. Verlag des Vereins. 1864. 8. VI u. 352 Sin. 

N o t i z b I a 1 1 des Vereins f ii r E r d k u n d e und verwandte 
Wissenschaften zu Darmstadt und des m i 1 1 e I rh e i n i s cli e n 
geologischen Vereins. Kebsl Milllieilungen aus der Grol'sh. 
Hessischen Centralslelle für die Landesslalistik. Herausgegeben von 
L. Ewald. Des Noiizblalls des Vereins für Erdkunde III. Folge, 
IV. Hell. \r. 37 — 48. Mit 1 litliographierlen Tafel. Darnisladt, 
1865. Hofbuchhandlung von G. Jonghaus. 8. 

Achler llechenschaflsberichl des .Ausschusses des 
Vorarlberger Museums-Vereins in Bregen z, gelegt am 
16. September, im achten Jahre seines Bestehens, vor der da?.u be- 
rufenen Gencralversaitimlung am 17. Seplemlier 1865. Bregenz, 
1865. 8. 

Ansprache und Kechensclialtsberichl. — Das Vurarlberger Lan- 
deswappen. — Die Braktealen vom Funde zu Klaus unweit Bank- 
weil, von Dr. Jos. Bergmann, mit 1 Abbildung. — Römische terra 
sigillala Geschirre, von Dr. S. Jenny, mit 2 Abbildungen. — Ueher 
einen befesiigten Hügel bei Mauren in l.ichtensiein, ein vermulhlich 
keltisches Werk, von J. S. Douglals, mit 2 Abbildungen. — Aus 
„den Regesten zur Landesgeschichtc" Fase. VIII, No. 162. Verord- 
nung gegen die Nachlschwarmerci vom 27. März 1710. — Fernere 
Jlilihcilung über die llcidenburg bei Gaevis von J. S. Douglafs. — 
Vereinsangelegcnheiten. 

M i 1 1 he ihm gen des Vereins fnr Geschichte der Deut- 
schen in Böhmen. III. Jalirgan:;. lieili^ierl von A. Schmal- 
fufs. Nr. IV — VI. Trag. 18(55. gr. 8. 

Episoden aus der deutschen und böhmischen Geschichte. A. Kö- 
nig KarPs IV. Ordnung der Nachfolge im Reiche. 1376. Von Prof. 
Dr. Ilöllcr. — Die Weihnachlsspiele im Erz- und Millelgebirge. Von 
Joseph PtocKIöw. — Aus dem Bühmerwalde : 1. Volksfeste. 2. Deut- 
sche Spraihallcrihümcr im Dialekte des Bobinerwaldcs. — Zur Gc- 
gchichle der Industrie in Oberleutensdorf. Von Dr. L. Schlesinger. 

— Der Bauer und die Bergleute. Ein Sing- und Faslnachlsspiel 
ans dem nördlichen Böhmen. Mitgelheilt durch ,\1. Wilh. Siellzig. 

— Ueber zwei liierarische Funde des sechzehnten Jahrhunderts in 
Bergreichenstein. Von Victor llausgirg. — Die Denkmale zu .Mühl- 
hausen am Neckar. (Mit 2 Abbildungen.) Von Bernhard Grueber. 

— II. Skizzen aus dem Böhmerwalde : 2. Am Molilau  Ursprung. 
(Forts, aus dem II. Jahrg.) — Miscellcn : Der Mai des Jahres 1639 
in Kommolau. Ueber die Abstammung der deutschen Bevölkerung 
Böhmens. Sammlung von Weislhümern Üesterreichs. Ein Beilrag 
zur Geschichte von Rciclienberg. Prager Stadiordnung vnm Jahre 
1606. Zur Geschichte der Slarll Teplitz. — Vereinsangelegenheiten. 

IV. Jahrg. Nr. I — III. Redigiert von A. Scbmalfuls und C. Höf- 
ler. Ueber die Sprachalterlhiimcr des Böhmerwaldes. Von J. Pe- 
ters. — Sittenbilder böhmischer Dorfbewohner. Von A. Jäger. — 
Böhmens Betheiligung am Wellhandel. Von C. Höfler. — Jakaubek 



von Wresowitz. Von Dr. Hallwich. — Böhmische Dorfinduslrie. 
Von A. Jsger. — Böhmen und die älteste Buclidruckerkunst. — 
Skizzen aus dem Bohmerwalde. 3. Prachatiz. — Uralte Sjmpalbie- 
mittel aus Böhmen. Von Dr. J. V. Grohniann. — Joseph Sebastian 
Grüner. (Biographie.) Von Bernhard Grueber. — Miscellcn : Aus 
den Sitten und Sagen des Egerlandes, von H. Gradl. K. Matthias 
verleiht der Stadt Böhmisch -Wiescnthal ein Stadtwappen; mitge- 
theill von Dr. A. C. Tobias. Ursprung der böhmischen Krünungs- 
steuer; milg. von J. V. Göhlerl. Sagen aus Ilirschberg ; milg. von 
E. C. — Vereinsangelegenheiten. 

Beiträge zur Geschichte Böhmens. Herausgegeben von 
dems. Verein. Abtheilung I. Quellensamminng. Anhang zum II. Bande. 
Chronik des Heinrich Truchsefs von Dielsenhoven. 1342 — 1362. 
Prag. 1865. gr. 4. 

Milth eilungen der Kaiserlich-Königlichen Mährisch- 
Schlesiscben Gesellschaft zur Beförderung des Acker- 
baues, der Natur- und Landeskunde in Brunn. Interim. 
Haupiredakleur : Heinr. C. Weeber. 1865. Verlegt von der etc. Ge- 
sellschaft etc. 52 Bogen Hauptblatt, 4 Bogen ausserordentliche Bei- 
lage nebst einer Brocliure über die Wiener Markthalle, dem Pro- 
gramme für die allgemeine Ausstellung im Mai 1866 in Wien, und 
13 Bogen des Notizenblattes der bist.- stallst. Seclion der etc. Ge- 
sellschafl. Brunn, 1865. 4. 

Notizen-Blalt (redigirt von Christian d'Elverl), Nr. 1 — 12: Zur 
Geschichte der Landwirihschaft in Mahren und österr. Schlesien. 
III. Zur Geschichte der Fischerei, insbesondere der Teichwirthschaft. 
(dElverl.) — Die Filialkirche Sl. Laurenzi zu Rakscliilz in Mahren. 
(11. Trapp.) — Die Stellung der neu Nobilitirlen in Olmülz. — Die 
slandischen Landmesser in Mähren. — Markgraf Jodok alleiniger 
Herr Mährens. — Zur Geschichte des Sanitätswesens in Mähren. — 
Das Augiisiiner- Kloster Sl. Thomas in Brunn mit Rückblicken auf 
die aiidirn .Augu-tiner- Eremiten- Klöster in Mahren. td'Elvcrt.) — 
Patent der ungrischen Rebellen, nach Mähren erlassen 1703. — Ver- 
liauung der Landesgränzc gegen die ungrischen Rehellen 1705. — 
Requisitionen von der Herrschaft Dürnholz u. a. für die zum Ent- 
salze von Wien durchziehenden polnischen Au\iliarvölker 1683. — 
Zur m.-schl. Adelsgeschiclile. IV. Die Grafen von Cliorinsky. V. Die 
Barlhodegsky von Barlhodeg. - VI. Die Freiherren llauspersky von 
Fanal. (d'Elvert.) — Der unterirdische Gang und die Sachsen-Denk- 
male zu Rossic/.ka, BrOnner Kreises in .Mähreu. Beschrieben von 
Moriz Trapp. — Zur Geschichte des Gcmeindewesens in .Mähren 
und Ocsteir.-Sclilesien. II. Die Municipal-Sladle und deren Verhält- 
nisse zu ihren Schulzobrigkeiten. Die unlerlhänigen Städte und Markt- 
flecken. (d'Elverl.) — Das älteste Geld. Eine archäologisch-numis- 
matische Studie von F.S.Kupido. - Die Bruderschaften, der Clerus 
und die geisiliche Fortificalionssteuer in Mahren 1776. (d'Elvert.) 
— Ueber Literaten und Meislersänger in Mahren. (Ders.) — Be- 
schreibung der Thäligkeit Tycho Brahe's auf der Sternwarte Bena- 
tek. — Die alle Holz- Monstranz der Kirche zu Speilsch in Mahren. 
(Moriz Trapp.) — Aufnahme des Czobor, Tochinsky und Ledensky 
in die mährische Landmannschaft 1590. — Das alte Feldausmafs in 
Schlesien. (Brandl.) — Zur Geschichte des Herzogthums und der 
Stadt Jägerndorf. — Die Aufhebung der marianischen Congregalio- 
nen. — Der mährische Landlag 1790. — Die ältesten Bewohner 
Mährens. Eine archäologische Studie von Dr. F. S. Kupido. — Die 
grofse Linde in Bisenz. — Die St. Margarethen Kirche zu Tapanow 
nächst Rybnik bei Mährisch-Kromau. (Moriz Trapp.) 



109 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



HO 



Nachrichten. 



Eiitei'nlur. 

Neu erschienene "Werke. 

5) Geschichte der Wiener Universität im ersten 
Jahrhundert ihres Bestehens. Festschrift zu ihrer 
filnfhunderljahrigcn Gründungsfeier von Joseph Aschbach, 
Professor an der k. k. Universität und w. llitglied der kais. 
Akademie der Wissenschaften in Wien. Mit fünf Tafeln und 
einem Plane. Wien. Verlag der k. k. Universität. 1865. 8. 
XVI, 638 Sin. 

Die Geschichte der deutschen Universitäten gehört ohne Zwei- 
fel zu den allerwichtigsten Momenten der deutschen Geschichte über- 
haupt, da ja die deulsche Wissenschaft eine Grundsaule der Macht 
unserer Nation zu allen Zeilen gewesen ist. Diese Bedeulung der 
Geschichte der Universllillen als PDanzsIätlen geisliger Bildung und 
der Werth der Ge.^chichle der Wissenschaften ist in unseren Tagen 
mehr als Je zum Bewulslsein gekommen und die grol'sen Leistungen 
auf diesen Gebieten sind männiglich bekannt. Worein es noch fehlt, 
das sind umfassende und gründlich gearbeitete Spcciallorschuiigon 
über den grölslen Theil der nocli vorhandenen und der nicht mehr 
bestehenden Uiiiversilalen. Dieses Bedürfiiils zeigt sich am oilen- 
kundigslen bei dem Anblick des vorliegendtn Werkes, das, von 
Meisterhand geschaffen, als ein trelTliches Muster für alle Arbeiten 
ähnlicher Art daslehl. Aul'serordenllich reich und mannigfach ist 
der Inhalt, die .Ausführung voll des wahrhalt historischen Geistes, 
die Darslellung einlach und durchscheinend. 

Die Wiener lioclischule gehörle schon frühzeitig zu den ange- 
sehensten nicht nur in Deutschland, sondern sie rivalisierte mit den 
geistigen Metropolen in Paris und Bologna. Wie diese, so gehörle 
auch sie nicht einer Nation, sondern sie war Eigenihum der Wis- 
senschafi, deren Zwecken sie allein diente. Waren doch die Wissen- 
schaften überhaupt nur SeUisizweck; Mittel zu anderen Dingen, die 
aufserhalb derselben lagen, wurden sie erst spaler ! 

Unser Werk bietet also einen aufserordenllich werthvoUen Bei- 
trag zu der Kullurgeschichte im Allgemeinen, zugleich aber erschöpft 
es die Quellen des für die Kennlnifs der Wiener Universität Erreich- 
baren im erslen Jnlnhunilcrt ihres Besiehcns. Das erste Buch hat 
ihre Gründung und Anfange zu^ii Gegenstand, 1365 — 1400. Hier 
wird dai.n die Kuilolfinische und die Alberlinisclie Stillung genau 
erörtert. Dann folgt die Organisation der Universität im Allgemei- 
nen und dieser schliel'st sich die Behandlung der verschiedenen Fa- 
cultälen an. Die Chronik ist sehr reich an inleressanlen Details und 
erreicht besonders vorn Jahre 1396 an eine groCse Vollsl.'indigkeil, 
da von diesem Jahre auch die Acten der theologischen Fakultät be- 
ginnen, während in der früheren Zeit lediglich die Akten der ar- 
tistischen Fakullat als Quelle dienten. Die 57 Biographieen von Leh- 
rern der Universität sind eine wahre Fundgrube von Material für 
eine deutsche Gelehrtengeschichle. Die ausfuhrlichslen Biographieen 
und von ganz besonderem Interesse sind diejenigen des Heinrich 
Langenstein von Hessen, des Johann Peuerbach, des Thomas Eben- 
dorfer von Haselbach und des Johannes Müller von Königsberg in 
Franken. 

Sehr ausführliche Register über Personen und Sachen vervoll- 



ständigen das Werk und erleichlern den Gebrauch desselben. Die 
beigegebenen Ilolzschnille der Siegel sind sehr gut ausgeführt. 

6)Emmenthaler Alterlhüincr und Sagen. Von Alb. 
Jahn, Kanzlisl und Bibliothekar beim eidgen. Departement 
des Innern, Milglied vieler gelehrter Gesellschaften. Bern, 
Verlag von Muber u. Comp. 1865. 8. 71 Stn. Mit 5 litho- 
graph. Tafeln. 

Es ist überraschend, wie reichhaltige Ergebnisse auch auf einem 
Boden, der scheinbar ohne alle Voraussetzung ist, sich der Forschung 
bieten, wenn sie mit den Augen des Kenners nur Umschau zu hal- 
ten beginnt. Ein einziges, bisher wenn auch nicht unbekanntes, 
doch unter ganz anderen Rücksichten beachtetes Alpenthiil üll'net sich 
wie ein lehrreiches Buch und fuhrt auf einem der intcressanlesten 
Gebiete der Wissenschalt Belege zu. die an diesem Orle wie ganz 
neue Daten erscheinen. Die beiden ersten Abhandlungen besprechen 
zwei alte Kriegsbaulen, die namenlose Erdburg in der Jäoerlehn- 
weide und d^ Münnenberg bei Lützelflüh, die dritte einen wahr- 
scheinlichen ehemaligen Opferplatz, jetzt Earhegen genannt. Der 
Gegenstand der vierten Unlersuchung, eine raihselhafte Kuine im 
liurzeneigraben, erweist sieh als mullimalslicher Sitz einer Gemein- 
schaft in Zurückgezogenheit lebender Druiden, wie die sogen. Pre- 
stenlöclier auf Hinterarm, dre ihre Besprechung im fünften Abschnitte 
finden, als Unterbauten für alte Celtenwohnungen. Eine antiqua- 
risch-topographische Uebersicht des ganzen Erninenihales reiht an 
jene llaupldenknuilcr noch eine nicht geringe Anzahl solcher, die 
an sich von geringerer Bedeulung, oder als zerstreute Bruchslücke 
den ehemaligen Zusammenhang nur von fern erralhen lassen. Die 
Mehrzahl der anfangs besprochenen Gegcnslände fällt in die vor- 
geschichtliche Zeit und bildet gewissermalsen die Mille zwischen den 
See- und den spälcren Gräberfunden, oder deckt jene geheimnifs- 
vollen Zcilaller von einer Seite auf, von welcher sie bis jetzt nur 
selten zugänglich geworden. Bei der reichen Ausbeute, welche schon 
ein so engbegrenzler Landestheil gewahrt, bleibt es kaum zweifel- 
haft, dals auch andere, noch nicht untersuchte Gegenden der Schweiz 
für die Forschung gleich ergiebig sich zeigen werden, und wir kön- 
nen zu dem regen Eifer, der im verwandten Nachbarlande die un- 
unterbrochene Forlselzuiig der Arbeit verbürgt, nur auch uns Glück 
wünschen. 

7) Mittelalterliches Hausbuch. Bilderhandschrift des 
15. Jahrhunderts mit vollständigem Text und facsiiuilirten Ab- 
bildungen. Ileriiusgegehen vom Germanischen Museum. 
Leipzig. F. A. Brockhaus. 1866. Fol. 

8) Kulturgeschichtliche Briefe (über ein mittelalterliches 
Hausbuch des 15. Jahrh. aus der fürstlich Waldüurg-Wolfegg'- 
schen Sammlung) nebst Anhang (Auszug aus Grilnenberg's 
Wappenhuihe) von R. v. Retberg, Ehrenmilgliede der histor. 
Vereine von Ober- und Niederbayeru u. s. w. Leipzig, Ver- 
lag von Rudolph Wcigel. 1865. 8. 340 Sin. 

Die merkwürdige Bilderhandschrift, auf welche die beiden oben 
genannten, unabhängig neben einander stehenden Veröffentlichungen 
sich beziehen, war bereits im J. 1854 vom Obersludienralh Halsler 



111 



Anzeiger für Kunde der deutsclieii Vorzeit. 



112 



zu Ulm der ölTenllicIien AufmerlisaniUeil zujcrülirt und l'und st'itdcm 
wiederholte, zum Theil so eingehende Besprechungen (s. u. a. Nau- 
manns Archiv VI, L. 1), dafs wir hei einem greisen Theile dej ge- 
lehrten Publikums Bckannischaft mit derselben voraussetzen kön- 
nen. Für Leser, welchen jene Nitlheilungen entgangen sein soll- 
ten, lassen wir eine kurze Beschreibung folgen. Das Original der 
Ilandsclirifl , nach dem darin wiederholt vorkommenden Wappen zu 
schliefscn, ursprünglich im Besitz der Familie Goldast zu Konstanz, 
gegenwartig des Fürsten Friedrich von Waldhurg- Wolfegg- Waldsee 
belindlich, gehört der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts an und besteht 
aus 06 Pergamentlilsttern in Fol., auf welchen 59 Seiten mit Bil- 
dern, 43 mit Schrift versehen, die übrigen, ohne Zweilei für wei- 
tere gelegentliche Ausführung, leer gelassen sind. Der Inhalt be- 
steht, wie von Retherg ihn charakterisiert, aus allerlei Gegenständen, 
wie sie dem Besitzer eines Hauses oder auch namentlich einer Burg 
wichtig oder ergötzlich scheinen mochten, woher auch das Buch, 
dem selbst der Titel fehlt, iii der angeführten Weise gewils am pas- 
sendsten benannt worden ist. Wir haben da Bemerkungen zur Ge- 
dächlnilskunsl, Haus- und Heilmittel, Beitrage zum Münz , Berg- und 
Hüttenwesen, eine Büclisenmeisterci u. a. Weit wichtiger aber als 
der Te.xt sind die davon zum Theil ganz unabhängigen Abbildungen, 
welche, zwar von ungleichen Händen herrührend, doch der Mehrzahl 
nach nicht nur von trelflicher Künstlerschafl zeugen, sondern na- 
mentlich, was das Buch zu einer wahren Fundgrube der Wissen- 
schaft macht, von den verschiedensten, in jener Zeit sonst kaum 
zur Darstellung gelangten Gebieten des Lebens mannigfaltige Bilder 
in unmittelbarster Kalurwahrheit und mit sprechendstem Humor vor 
die Anschauung führen. Insbesondere ist es eine Reihenfolge der 
Planeten, welche zur Bezeichnung des je von ihnen aul das Tliun 
und Leiden der Menschen ausgeübten Einflusses ein buntes Gemenge 
von Scenen in sinniger Zusammenstellung unter sich vereinigen. 
In mittelalterliche Tracht und ^^■afren gekleidet, sehen wir die heid- 
nischen Repräsentanten derselben, von den Thierkreiszeicheii be- 
gleitet, hoch zu Rols über den von ihnen beherrschten Theil der 
lebendigen Welt dahinziehen. So entfaltet sich unter dem Plane- 
ten Saturn das alte Gerichtswesen in verschiedenen Stadien seines 
Verlaufes und Grades, von dem in einen Block geschlossenen Diebe 
bis zu dem in Begleitung von Richter und Henker zum Galgen ge- 
führten Verbrecher, woran das Leben der armen und unehrlichen 
Leute, von der blinden, am Krückstock einlierschlciclienden Bettlerin 
bis zum mühsam arbeitenden Landniann und dem Abdecker, in in- 
nerlichem Zusammenhange sich schliefst. Der als Junker gekleidete 
Jupiter beherrscht die gl.inzendere Seite der bürgerlichen Gesell- 
cchalt, in welcher zwar der arme Bauer dein Wucherer gegenüber 
noch vor Gericht geschleppt wird, doch auch der Gelehrte ein rnhi- 
ges Plätzchen zum Studium und der endlichen besseren Auslbeilung 
der gemeinsamen Rechte findet, wahrend draufsen mit Jagd, F'alken- 
beize und Bolzenschiel'seu sich einstweilen diejenigen vergnügen, die 
in glücklichem Besitze sind. Mars verbreitet unter sich Scenen des 
Schreckens und der Koth. Raubritter überfallen ein Dorf, brennen 
und plündern; Diebe bestehlen den Wechsler, ein Mörder tddtet so- 
gar den Pilger. Der Sonnengott eröffnet mit seinem erwärmenden 
Strahle das Leben von innen und nach aul'sen. Wie Früchte des 
Herzens, füllen Gebete der Andächtigen die offenstehende Kapelle, 
Diefsen Almosen in die Hand des Bettlers. Musik erhöht in unmit- 
telbarer Nachbarschaft den Genuls der Tafelfreuden und den Ver- 
kehr liebender Paare. Ringer und Wettkämpfer mancherlei Art be- 



leben im Mittelgründe das offene Feld, während die Stadt mit ihren 
beengenden Mauern und Thürmen hinter den Hügeln der Ferne zu- 
rücktritt. Das Liebeleben, von neuem mit Spiel, Musik und Schman- 
serei verbunden, entfaltet sich unter dem Banner der Venus in al- 
len Arten und Graden seines Genusses. Unter Merkur, dem Beschü- 
tzer von Kunst und Gewerbe, sehen wir einen Maler vor der Staf- 
felei, einen Orgelbauer mit dem Stimmen seines Instrumentes be- 
schäftigt, einen Uhrmacher, der die Polhöhe sucht, einen Schul- 
meister, der eben die Verantwortung seines Berufes exccutierend zur 
Würde des Richteramts erhebt ; ferner im Vordergrund einen hlld- 
schnilzenden Gesellen, der eine Figur der Eva auf den Block ge- 
spannt hat, während neben ihm das meisterliche Ehepaar an reich- 
bedeckter Tafel die Früchte des Flcilses geniefst ; einen alten Gold- 
schmied, der unter gewalliger Brille einen Becher zur Vollendung 
führt, während seine bejahrte Ehehälfte neben ihm in befster Ein- 
tracht den Blasbalg zieht. Luna vereinigt unter ihrem Scheine, 
was des reellen oder ideellen Zwielichtes sich freut: Gaukler und 
Quacksalber, Vogelfanger, Fischer und Jäger, Badende, bewalfnele 
Bolen u. s. w. Aulserdem haben wir, und zwar meistens in Dar- 
stellungen von doppelter oder vierfacher Blatlgröfse, unabhängige 
Kriegs- und Jagdbilder, Beschäftigungen und Vergnügungen des 
Landlebens, Gegenstände aus dem Bereiche der Gewerke, der Be- 
lagerungsknnst u. s. w. — Wie aus gemachten Anfängen ersicht- 
lich, waren die Abbildungen, frei und leicht mit der Feder hinge- 
worfene Skizzen, ursprünglich für die Ausmalung bestimmt, zu de- 
ren Durchführung es jedoch glücklicher Weise nicht gekommen ist; 
denn ohne Zweifel würde durch sie gerade der feinste Geist des 
Künstlers verdeckt worden sein, der uns nicht nur verräth, unter 
welchen Formen, sondern auch in welchem Sinne, mit welchen ge- 
heimen Prozessen des Bewufstseins sich die Entwicklung jener 
wichtigen Uebergangfperiode vollzog. — Welche Wichtigkeit dieses 
Werk für die Geschichte der Trachten, der Sitten, Gebräuche und 
aller anderen Beziehungen haben niufs, die man gewöhnlich unter 
dem Begriff der Kullurgeschiclite vereinigt, darf nur angcdeulct wer- 
den. Zugleich hat dasselbe aber auch fiir die Kunslgescliichte In- 
teresse, indem mit grofser Wahrscheinlichkeit dargethau ist, dafs die 
Mehrzahl der Zeichnungen von dem bedeutenden schwäbischen Ma- 
ler Bartholomäus Zeitblom herrührt und, indem sie ergänzend zu 
den Kupferstichen desselben hinzutreten, ihn von einer bisher 
nicht in Betracht gezogenen Seite darstellen. — Düs germanische 
Museum hat sich begnügt, die Handschrift in möglichst treuer Nach- 
bildung wiederzugeben ; die Zeichnungen in Kupierstich, und zwar, 
soweit sie künstlerischen Werth besitzen, in originalgrofsen Facsi- 
miles, soweit das nicht der Fall, wie bei den dargestellten Maschi- 
nen, Kriegswerkieugen u. s. w., in genauen Verkleinerungen. Der 
in allerthümlicher Schrift und unter Einhaltung der Seitenzahl ab- 
gedruckte Text ist mit einem erklärenden Glossar verschen. Für 
die bildlichen Darstellungen tritt das zweite Werk ergänzend hinzu, 
welches dieses mit einer fortlaufenden Beschreibung versieht und 
davon ausgehend die kulturgeschichtlichen Verhältnisse der in Rede 
stehenden Zeit einer allgemeineren Betrachtung unterwirft. 



Aufsätze in Zeitschriften. 

The Art-Journal: Nr. L, S. 46fr. Ancicnt hrooches and dress 
fastenings. In three chapters. With illustrations by the author. 



113 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



114 



(F. W. Fairholt.) — S. 57. Glass: its manufatture and exarn- 
ples. Part II. Saxon, arabic, persian, and early venelian glass. 
(William Cliaffers.) 

Ausland: Nr. 6. Die Urbevölkerung der britischen Inseln. — Nr. 10. 
Ein orlsliundlicher Sireifzug durch die Urkantone der Schweiz. 

Biene: Nr. 6 IT. Die Buchdruckerkunsl in ihrer welthistorischen 
Bedeutun" von den Tagen der Erfindung bis zur Gegenwart. 
In kurzen Umrissen geschildert. 

Das illustr. Buch der Welt: Nr. 5. Bilder aus dem deutschen 
Millelaller. 12. Der deutsche Riller. (Thaddäus Lau.) 

Chilianeum: Nr. 3. 4. Kleine Beiträge zur Culturgeschichle der 
Gralschaft Werlheim. (Dr. Alex, haulmann.) 

Daheim: Nr. 22. Der Münster von Freiburg. — Nr. 23. Die Kin- 
derkrcuzziige im Miltelalter. (Dr. Wald.) ~ Nr. 25. Die Arznei- 
mittel vor fast 200 Jahren. 

Europa: Nr. 9. Das Deulschlhum in Böhmen. — Ostern und Pfing- 
sten in Naiur und Haus. 

Familien-Journal: Nr. 9. (639): Die Monstranz in der Kirche 
zu Zizelitz. Böhmische Volkssage. (Ernst Ilalma.) — Nr. 11. 
(641.) Das Täubchen von Amsterdam. Charakterbild (Otlo von 
Tschocher.) 

Grenzboten: Nr. 10, S. 385. .^Ite Faslnachlspiele. Vortrag am 
7. Febr. 1866 im Leipziger Professorenverein. (Prof. Eckslein.) 

Hausblätter: 4. Heft, S. 305. Volkssagen. 8. 9. (Fr. Schult- 
heis.) — 5. Heft, S. 396 u. 6. H., S 459. Sagen aus dem Spes- 
sart. 8 — 14. (Adalbert v. Herrlein.) — S. 474. Ueber den 
Gebrauch der Ringe, Brautringe, Brautkränze. (Fr. Grebel.) 

Der Hausfreund: Nr. 11. Ein Besuch Karl's XII. in Dresden. 
Historische Skizze. (Ferd. Pflug.) 

Protest. Kirchenzeitung f. d. evang. Deutschland: Nr. 4. 
Wahrheit und Dichtung in den ältesten Papstbriefen. Vortrag. 
(P. Hinschius.) 

Korrespondent v. u. f. D. : Nr. 99. Allerheiligen (Klosterruinen 
im Schwarzwald). — Nr. 114 ff. Die Walkyren. Vortrag. (W. 
Hertz.) 

Deutsche Kunst-Zeitung (Dioskuren) : Nr. 8. Ueber die natio- 
nale Herkunft der Stcinmetzfamilic Arier, genannt „Prager Jung- 
herrn." 

Magazin f. d. Literatur des Ausl. : Nr. 7. Deutsche Einflüsse 
auf das polnische Volksthum. I. Bis zur Reformation. — Nr. 10. 
Die Pfahlbauten des Garda-Sees. (Franz Maurer.) 

Protestantische Monatsblätter für innere Geschichte: 
Decbr. 1865. Die anabaptislischcn Tendenzen in ihrer Bedeutung 
für das Versländnil's der Reformalionszeit. (Fr. Nippold.) 

Illustr. deutsche Monatshefte: Nr. 18 (114), S. 640. Frauen- 
lob. (J. Bamberger.) 

Schles. Pro vinzialblätter : Jan. u. Febr. Beiträge zur Kultur- 
Geschichte Oberschlesiens. Aus Hippel's handschrifilichem Nach- 
lasse. (Dr. Th. Bach.) — Schlesisches Gerumpel und Gerolle 
(Aberglaube, Sitten und Bräuche). (H. Strusche.) — Die Be- 
gründung der kaufmännischen Corporation und die Rcichskramer- 
Societät zu Breslau. Mit der Stiflungsurkunde. (Jul. Neuge- 
bauer.) — Oefl'entliche Aufzüge und Hahnenkämpfe in Schle- 
sien. (R. S.) — Rechtspflege der Vorzeit. (Bejdelt.) — Eine 
Teufelssage aus dem Trebnitzer Gebirge. (A. T.) — Heldeu- 
und Loblied etc., gesungen in Reich -Hennersdorf z. Z. des bair. 
Erbfolgekrieges. (Lehrer Menzel.) Beitrag zur Geschichte der 



Begründung der Steindruckerei in Schlesien. Von C. Krone. — 
Das ehemalige Postwesen Schlesiens. Von A. Weltzel. — Ein 
Beilrag zu den Ringwällen, Stein wällen und Ileidenkirchhöfen 
in Schlesien. Von Robert Schuck. — Zur Geschichte der Stadt 
Kreuzburg O./S. — Die Belagerungen von Schwcidnitz in d. J. 
1757 u. 58, in einer mundartlichen poetischen Schilderung. Mit- 
gelheilt von Oberlehrer H. Palm. 

Bremer Son n t a gsb I att : Nr. 7. Ueber historische Sagen und 
Anekdoten. (Georg Heinrich.) — Nr. 9. Neue hansische Ge- 
schichls- elc. Bilder. II. Kaiser Karl IV. in Lübeck. (Heinr. 
Asmus.) 

Volksblalt f. Stadt u. Land: Nr. 9. Der Zigeunerkönlg. (Pfar- 
rer Baist.) — Nr. 11. Ueber Luther's Auffassung der Empfäng- 
nifs Maria. 

Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley B ra n den bürg : Nr. 8 f. 
Das Bisthum Schleswig, von der Entstehung desselben im Jahre 
943 bis zur Ernennung des ersten lutherischen Bischofs im Jahre 
1541. 

Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 60. Germanistische Funde in Italien. 
(Dr. Franz Pfeifl'er.) — Nr. 64. Eine Spur vom Grabe Karl's de« 
Grofsen. 

Bayer. Zei tung: Morgenbl. Nr. 49 f. Ein bayerisches Grafenschlofs 
zu Anfang des achtzchnlen Jahrhunderts. — Nr. 52. Kunstwerke 
aus dem Mlltelallcr. — Nr. 60 fl'. Zur Charakteristik oberliayer. 
und verwandter Dialccl Poesie. (Fr. v. Kobell.) — Nr. 67. Wo- 
her kommt „Schnadahüpfln" ? (A. Birlinger.) — Nr. 73. Die Klo- 
sterkirche Gnadenberg hei Neumarkt in der Oberpfalz. 

Illustr. Zeitung: Nr. 1183. Die KrSmerbrücke in Erfurt. 



Verniiselite ]Vacliricliten. 

Die archäologische Ausstellung in Paris im Jahre 1867. 

23) Bekanntlich wird mit der grol'sen Industrieausstellung in 
Paris im Jahre 1867 auch eine internationale archäologische Ausstel- 
lung verbunden und ist eine Gallerie des Ausslellungsgebäudes dafür 
reserviert, wo sie unter dem Titel „Hisloire du travail" figurieren 
wird. Die französische Commission, bestehend aus den Herren Graf 
von Nieuwerkerke, (Jraf von Laborde, von Longperior, de Somme- 
rord, Larlet, Alphons von Rothschild und Alfred Darcel, hat nun das 
Programm veröffentlicht und ein Circular an die Besitzer erlassen, 
welche Objekte haben, die zur Ausstellung kommen sollen. Wir 
finden uns rücksichtlich des Programms zu einigen Bemerkungen 
veranlai'st. 

Ein Passus heilst : ,,Jede Nation wird über einen bestimmten 
Aniheil der Gallerie verfügen, um hier die Gegenstände aufzustel- 
len, welche sich auf die Industrie ihrer Gegend beziehen. Die Ge- 
genstände werden hier so aufgestellt, dal's sie die verschiedenen 
Epochen der Geschichte der Arbeit erkennen lassen." 

Wir können uns nun durchaus nicht damit einverstanden erklä- 
ren, dafs in einer Ausstellung, die beslinimt ist, die künstlerische 
und gewerbliche Thätigkeit der gesanimten Menschheit von den äl- 
testen Zeilen an vor Augen zu führen, die fast zulällige heutige 
Staaleneinlheilung zu Grunde gelegt wird, und dafs der Raum dafür 
nach dem Raum bemessen wird, den die heutige Imluslrie jener Län- 
der einnimmt. Zudem werden durch diese Einiheilung zusammen- 
gehörige Gruppen getrennt und weniger Zusammengehöriges ver- 



115 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



116 



einigt. Welche Industrie hat heute Aegypten ? Wie klein soll also 
der Raum für die in der Geschichte der Menschheit so unendlich wich- 
tige ägyptische Kunst ausfallen? Welche Rolle spielt Griechenland 
unter den Induslrieslaale n ? Welcher Kaum wird also nach diesem 
Mafsslab der vollcndtlen Kunsthltlihe Griechenlands zugewiesen? 
Welche Nation wird uns die Kultur des assyrischen und babyloni- 
schen Reiches, die Kultur der Phönizier vor Augen führen? Wie 
wird die über alle Welttheile zerstreute Kunst und Gewerbthätig- 
keit der Römer in allen verschiedenen Abtheilungen zerstreut sein? 
Stehen sich nicht hei aller nationalen Verschiedenheit die Werke 
des Mittelalters der Franzosen, Engländer und Deutschen, selbst der 
Italiener naher, als sie den römischen Werken stehen, die zufällig 
in diesen Ländern gefunden wurden? 

Ist es gerechtfertigt, die Erzeugnisse Deutschlands gerade in 
die drei Gruppen Oesterreich, Preufsen und das übrige Deutschland 
zu trennen? Wäre es nicht, wenn eine Un'ertheilung statt haben 
soll, natürlich, den allen Gaugrenzen zu folgen, die Theilung nach 
den verschiedenartigen Schulen vorzunehmen, von Oesterreich und 
Preufsen die den übrigen deutschen Schulen verwandten Gegen- 
stände diesen anzuschlielsen, die Kunst des ehemals mächtigen Po- 
lenreiches nicht unter drei jetzt bestehende Länder zu trennen. 

Eine archäologische Ausstellung soll nicht Spielerei sein; sie 
soll der Wissenschaft nützen, sie soll die Kunstforschung fördern. 
Das kann nur durch ein dem Ganzen zu Grunde liegendes, grofses, 
gemeinsames System geschehen, das auf wissenschaftliche Grundlage 
basiert ist, und das uns gestallet, die verwandten und zusammenge- 
hörigen Objekte, welche die Zeit weit auseinander geworfen hat, 
hier neben einander stellen und mit einander vergleichen zu kön- 
nen. Eine solche Ausstellung mufs eine anschauliche Uebersicht über 
die Enlwickelung der ganzen menschlichen Kultur geben. Nur dann 
hat sie Werth. 

Nur dann aber auch ist sie der Kosten werth, die dafür verausgabt 
werden. Wer mufs diese Kosten tragen? Der einzelne Aussteller 
kann das nicht-, es ist also Sache der Regierungen. Da sind nun 
diejenigen sicher übel daran, die etwa kolossale Objekte aus grofser 
Ferne zu transportieren haben. Wird das Interesse, welches sie an 
der Ausstellung haben, diese Kosten aufwägen? Ich glaube kaum. 
Ist es etwa gerechtfertigt, wenn blos das neben einander stehen soll, 
was zu Hause auch nebeneinander steht, es nach Paris zu senden? 
Ist es gerechtfertigt, die kostbarsten Objekte aus den Museen, aus 
den Kirchen, aus dem Leben nach Paris zu schaffen, wenn sie doch 
nicht neben de verwandlen Objekte gestellt werden und so der 
Wissenschaft wirklich nützlich sind? 

Unserer Anschauung nach müfste eine internationale Commission 
aus hervorragenden Gelehrten zusammengesetzt werden, welche die 
Auswahl aus den allerorts zerstreuten Objekten trifft, welche einen 
grofsen Gesammiplan entwirft und die .Ausstellung so anordnet, dafs 
sie in einer Serie den Entwickelungsgang der ganzen Kultur verfol- 
gen läfsl. Darin liegt für die Wissenschaft wie für das Publikum 
ein Gewinn, der wohl werth ist, dafs die einzelnen Regierungen in 
einem der Gröfse und dem Reichthirm der Länder angemessenen 
Theile die Kosten tragen. 

Wird eine derartige Einheit nicht in die Sache gebracht, so 
wird die Ausstellung eine lückenhafte, verfehlte Spielerei sein. 
Man wird freilich Manches beisammen sehen können, was man sonst 
nur an verschiedenen Orten sieht; allein es wird sich die Frage stellen 
lassen, ob die Regierungen es befürworten sollen, dafs man ohne 



wissenschaftlichen Zweck blos dahin arbeiten solle, dafs eine An- 
zahl Reisende, die sonst in's Land kämen, fern bleiben, da sie ihre 
Neugier in Paris befriedigen können. A. E. 

24) Einige höchst interessante Alterthümer, welche in der 
Gegend von Merseburg schon vor längerer Zeit gefunden, bisher 
in Privatbesitz waren, jetzt aber durch das Antiquilälengeschäft 
von Zschiesche und Köder in Leipzig erworben worden sind, 
dürften, nun zugänglich gemacht und zum Verkaufe ausgestellt, wohl 
geeignet sein, die AulmerKsainkeit dir Sammler und Kenner auf sich 
zu ziehen. Nach einer älteren schriftlichen Aufzeichnung wurden 
sämmlliche noch zu besprechende Stücke bei dem Dorfe Leuna, 
Vx.Stunde südlich von Merseburg, beim Ausgraben von grobem Kies, 
in einer Tiefe von 5 — 6 Fuls gefunden. Gedachtem Berichte nach 
stiefs man zunächst auf das Skelett eines nach ärztlichem Urtheile 
ungefähr 30 Jahre allen Menschen, wovon aber gegenwärtig nur 
noch ein Stück der obein Hirnschale und ein solches des Unterkie- 
fers vorhanden ist, indem schon beim Ausgraben der gröfste Theil 
desselben zu Grunde gieng. In geringer Entfernung soll das Ske- 
lett mit 6 Gefäfsen umstellt gewesen sein, die, mit Kies angefüllt, 
mehrere Geräthschaften enthielten. Drei dieser Gefafse sind Urnen 
von gebranntem Thon, wie sie häufig in jener Gegend an Begräb- 
nifsplätzen gefunden werden, wenn auch von ungernein zierlicher 
Arbeit und nicht gewöhnlicher Gestalt, die eine 8" hoch und 3'/i" 
im stärksten Durchmesser, die andere öV'i" hoch und 3'/4" im Durch- 
messer, die dritte ö'/i" hoch und 6V2" i'" Durchmesser. Das vierte 
Gefäl's ist eine sogenannte etrurische Schale von höchst gefäl- 
liger Form, schöner rolher Farbe mit Verzierungen und von hellem 
Klange, 4'/*" in der Höhe und 9" im obern Durchmesser. Die 
interessantesten Stücke aber sind zwei starke Glasschalen, 
von welchen die eine ."i'/i" oberen Durchmesser und 3'/i" Höhe, 
die andere 9" Durchmesser und 4" Höhe hat, beide durchsichtig 
und opalisiert. Im Innern sind diese Schalen ganz glatt, auf der 
äulsern Fläche aber verziert, und zwar ist auf der kleineren 
Schale die Scene eingeschnitten, wie Aktäon die .\rtemis im Bade 
überrascht und, von dieser in einen Hirsch verwandelt, von seinen 
eignen Hunden augefallen wird. Die beiden Namen APTEMIC 
und AKTAIfllS sind in die Masse einpunkliert. So unvollkommen 
auch das Eingeschnittene erscheint, so erhält es doch, vom Innern 
der Schale aus betrachtet, Rundung und gefällige Formen. Die grös- 
sere Schale zeigt nur eingegrabene Verzierungen. Unter den Ge- 
räthschaften befindet sich ein trefflich erhaltenes bronzenes Sieb 
nebst gleich grol'sem Kessel, die zusammengehört zu haben scheinen. 
Auch ein defectes hölzernes Gefäls mit Metallbeschläge, zu dem noch 
zwei einzelne Reifenstücke gehören, lälst sich in Zusammenhang 
mit letztgedachten Gegenständen bringen. Da der Boden des Fund- 
oris aus grobem Kies bestand und bei gehörigem Abflul's des Was- 
sers von der schiefen Oberfläche immer trocken erhalten wurde, ist 
sowohl die Erhallung eines Restes des hölzernen Gefäfses als auch 
des Skelettes erklärlich. Nächstdem befinden sich noch unter den 
Geräthen 2 silberne Sporen mit kurzem, geradem Stachel (ungarisch) 
und 2 angeblich silberne Pfeilspitzen, eine kleine silberne Zange, 
mehrere Spangen, eine Gürtelschnalle und melalltne Ringe. Gehö- 
ren auch die gefundenen Gegenstände augenfällig verschiedenen Zei- 
ten und Volkern an, so ist doch ein Auffinden derselben an einem 
und demselben Orte deshalb noch nicht zu bezweifeln, auch die 
Identität der Stücke verbürgt. Sehr zu bedauern wäre es, wenn 
diese seltsame Ausbeute vaterländischen Bodens deutschen Landen 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



118 



entführt und in die Fremde wandern sollte. Möchten Museen, de- 
nen Mittel zur Seile stehen, die Dinge prüfen und zu erhallen 

suchen. 

25) Die treffliche Sammlung nordde ulsch er und insbeson- 
dere in Pommern gefundener Alterthümer in Stein und 
Bronze, welche der im vergangenen Herbste zu Greifswald verstor- 
bene Dr. Friedrich v. Hagenow wahrend eines Zeilraumes von 
mehr denn 40 Jahren mit Eifer und Glück zusammengebracht hat, 
ist in ihrer Gesammlheit dem Vaterlande und deutscher Wissenschaft 
erhalten worden. Es hat nämlich das junge Pro vinz i a I m us e u ni 
lu Stralsund diese Sammlung um den Preis von c. 1600 Thalern 
angekauft, im Vertrauen, durch Freunde heimischer Alterlhums- 
kunde den in drei Raten abzuführenden Kaufpreis sich geboten zu 
sehen.' Die geholTte Hülfe wird dem anerkennenswerthen und mit 
Freuden zu begrülsenden Unternehmen auch sicher nicht ausbleiben. 
Schon sind von Privaten Beiträge von 100, 30, 10 Thlr. u. s. w. 
geleistet worden. Der literar.- gesellige Verein zu Stralsund (auch 
an der Förderung des german. Nationalmuseums zu Nürnberg in sehr 
löblicher Weise betheiligt) hat die Summe von 100 Thlr. bewilligt, 
und weitere und noch grölsere Beiträge stehen von den Landstan- 
den und von der Stadt Stralsund zu hoffen, die dem jungen, durch 
Erwerbung der Hagenow'schen Sammlung so schnell zu Bedeutung 
gelangten Provinzialmuseum im oberen Stockwerke ihres stattlichen 
Rathhauses ein mit grofser Liberalität ausgestattetes Asyl geboten hat. 

26) Die fortgesetzten Nachgrabungen auf dem Leichen- 
felde von Sehleitheim bei Schaffhausen haben schon mehr als 
100 Graber blofsgelegt, und noch wird kaum die Hälfte dieses Be- 
gräbnilsplalzes aufgedeckt sein. An den gemachten Fundstücken 
lälst sich der Einflufs der römischen Kultur nicht verkennen. Dafs 
dieselben aber nicht das Werk römischer Hände sind, beweist die 
Art der Bestattung der Todten und die Menge hausrathlicher Gegen- 
stände, welche auf ein anderes Volk als die Römer hindeuten. Hin- 
wieder enthalten diese Todlenkammern so viel Produkte einer vor- 
geschrittenen Kunstfertigkeit, dal's sie auch den Alemannen nicht zu- 
geschrieben werden können. Es ist also wol anzunehmen, dals 
diese Gräber, welche in das 4. oder 3. Jahrhundert vor Chr. gehö- 
ren, ein Werk keltischer Ansiedler sind. (111. Ztg.) 

27) Im Hannover'schen Amte Osten, in dem zwischen MInsledt 
und dem rechten Osteufer belegenen Moore ist eine sehr alte Pfahl - 
brücke entdeckt worden, deren Spuren bis auf eine Länge von 
2500 Schritt verfolgt wurden. Mit Beginn der günstigeren Jahres- 
zeit sollen genauere Nachforschungen angestellt werden. (Dies.) 

28) Aulserhalb der Nikolauskapelle der Münsterkirche in Aa- 
chen, nahe der aufgefundenen Apsis, ist in einer Tiefe von fast 
9 Zoll ein Deckstein eines ehemaligen Kanals gefunden 



gestützte Vermuthung, dafs sich die Gruft Karl's des Grofsen hier 
befunden habe. (Versch. Bll.) 

29) Die Burgruine Habsburg im Canton Aargau, welche 
in letzter Zeit dem Verfall sehr entgegengegangen ist, soll auf Ko- 
sten der Kantonsregierung repariert werden. Es ist zu diesem 
Zwecke bereits eine Summe ausgesetzt. (III. Ztg.) 

30) Das für die Restauration des St. Stephansdomes 
in Wien eingesetzte Dombaucomitö hat beschlossen, im laufenden 
Jahre die Restauration des hohen Thurmes zum Abschlufs zu brin- 
gen, den Bau einer neuen Sakristei in Angriff zu nehmen und die 
Wiederherstellung des Innern des linksseitigen Chors zu vollenden. 

(Dies.) 

31) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der kai- 
serlichen Akademie der Wissenschaften in Wien am 21. Februar 
überreichte Regierungsrath Dr. Joseph Diemer als Fortsetzung seiner 
„Beiträge zur altern deutschen Sprache und Literatur" eine neue 
Ausgabe des Liedes von den Wundern Christi. Dasselbe 
wurde im Jahre 1065 bei Gelegenheit einer grolsen Pilgerfahrt nach 
Jerusalem, an der über 7000 Menschen Theil nahmen, von Ezzo, 
Scholasticus in Bamberg, verfafst und gehört zu den ältesten und 
schönsten DicKtungen des Mittelalters. Es befindet sich nur in der 
vom Herausgeber entdeckten Vorauer Handschrift XI aus der Mitte 
des 12. Jahrhunderts, aber leider nicht mehr in seiner ursprüngli- 
chen Gestalt, sondern durch den spätem Bearbeiter oder Schreiber 
mehrfach verändert. Das Lied, wenigstens dem Sinn und Inhalte 
nach, in seiner ursprünglichen Gestall wiederherzustellen, ist der 
Zweck der vorgelegten Ausgabe. 

32) Kaum gibt es einen Namen in der deutschen Kunstgeschichte, 
der die Forscher so vielfach bcschäfligt und so oft irre geftihrt hat, 
als der des Van der Weyden. Kannte man früher nur einen Ro- 
ger van der Weyden, der die Kreuzabnahme in Berlin von 1488 
gemalt, und nach van Mander 1529 gestorben war, so kam darauf 
der Roger von Brügge als Roger van der Weyden der Aellere zu 
Tage, und jener erste und einzige erhielt den Beinamen „der Jün- 
gere." Durch andauerndes Forschen und Vergleichen ist es gelun- 
gen, eine namhafte Zahl von Gemälden als Arbeiten des ällern Ro- 
ger festzustellen, durch die er als einer der bedeutendsten Meister 
der allflandrischcn Schule dasteht. Als die herrlichsten Werke sei- 
ner Hand wurden verschiedene Tafeln in den kgl. Sammlungen zu 
München und Berlin anerkannt; zu diesen kamen dann später noch 
die „Sacramente" in Antwerpen und das „Jüngste Gericht" in Beaune, 
aus welchem seine Urheberschaft des „Danziger Bildes" klar zu 
Tage trat. — Gehen auch in diesen Dingen die Meinungen noch 
etwas auseinander, so ist donh eine Uebereinstimmung nicht un- 
glaublich, da überall Momente der Verständigung vorliegen. Aber 



worden, welcher 14 Zoll hoch, 7'/-, Zoll dick und im Durchschnitt eine grofse Schwierigkeit bietet die Kreuzabnahme des s. g. Jüngern 



18 Zoll dick ist und in Schriflzügen des Mittelalters die Inschrift 
trägt : 

IN H(o)C SEP(ulchro sunt) 
TUMUL(ata) OS(s)A 
CA(r)OL(i) (M)AGNI 
DEO IN AET(e)R(n)0 
GRAN(i)S. 

Bei weitern Nachgrabungen in der Allerseelenkapelle des Münsters 
ist man auch auf Mauerwerk aus der Zeit der Karolinger 



Roger. Zunächst ist zu bemerken, dal's derselbe seine Existenz einer 
als irrig dargethanen Nachricht van Mander's verdankt. Roger'« 
Sohn hicfs Peter, dessen Sohn Goswin, und erst dessen Sohn wie- 
der Roger; und dieser jüngere Roger, weit entfernt 1529 zu sterben, 
war noch gegen 1540 in voller künstlerischer Thätigkeit, die er 
erst 1528 begonnen. (S. die archivalischen Untersuchungen bei 
Chev. Leon de Burbure, documens biographiques etc. Bruxelle», 
1865.) 

Nun ist die Kreuzabnahme in Berlin, die, mit 1488 bezeichnet, 



geslofsen, und man hegt die auf historische Momente ältester Zeit dem Jüngern Roger zugeschrieben wird, eine Copie, deren Ung.nal 



119 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



120 



einst in einer Marien - Kirche aufserhalb der Sladl Löwen war, und 
in so hohem Grade das Wohlgefallen der Slallhallerin der Nieder- 
Itnde, Maria von Ungarn, Schwester Carl's V., erregle, dai's sie nicht 
ruhte, bis sie es in ihren Besitz bekam (um 1530). Durch sie ist 
es nach Spanien gekommen und durch eine Copie von M. Coxcie 
ersetzt worden. Jetzt aber ist das Bild zweimal in Spnnien, einmal 
im Ugl. Museo, das andere Mal in der Sacristei der Laurenlius- 
Kirche des Escorial, ohne dafs man mit Sicherheit zu sagen weifs, 
welches das Original sei? Noch weniger ist sicher gestellt, wann 
und durch wen es gemalt worden? 

Sehr vieles spricht für Roger; und doch sind Formen in dem 
Bilde, die mit ihrer Fülle und Rundung auf eine spätere Zeit wei- 
sen, als die Roger's, der 14(j5 aus dem Leben geschieden. Kun 
tritt ein neuer Umstand hinzu, der — wie dunkel er noch ist — 
doch einiges Licht verspricht. In der Kirche S. Domenico zu Nea- 



pel, in der Capeila del Crocifisso (d. i. des Crucifixes, das einst mit 
Thomas von Aquino gesprochen hat) ist eine Kreuzabnahme, die 
man dort dem neapolitanischen Maler Zingaro zuschreibt, die ich 
aber sogleich als deutsche Arbeit und bei näherer Belrachtung un- 
ter Anwendung von Kerzenlicht, da der Ort sehr dunkel ist, als ein 
Werk Roger's oder eines seiner Zeilgenossen erkannte. Ungeachtet 
der Verschiedenheit des Formales ist die Coinposilion in allen Mo- 
tiven (soweit ich sie verl'olgen konnte) dieselbe, wie die obengenann- 
ten in Madrid und Berlin; aber Zeichnung und Technik scheinen 
mir alter zu sein. Dafs Roger in Italien war (um 1450) ist viel- 
fällig sicher geslellt. Sollte das Bild in Neapel mit seinem Aufent- 
halt in Italien in Verbindung sieben? 

Soviel vorläufig, um zu weitern Nachforschungen zu reizen. 

München, 15. März 1866. 

Dr. Ernst Förster. 



Inserate und Bckanntmachun2:cn. 



8) In dem Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1866, S. 24, 
findet sich die noch unerklärte Inschrift auf einem Tische aus dem 
15. Jahrb. Der Einsender derselben hält solche für einen Z a üb er- 
nnd Segenspruch. Der Unterzeichnete glaubt darüber andere 
Auskunft geben zu können. Auf der hiesigen Sladibibliolbek findet 
sich ein solcher Tisch mit der Bezeichnung der ehemaligen lüne- 
burgischen Münzen: Mark, Schilling und Pfennig in den allbekann- 
ten Abkürzungen. Dieser Tisch diente einem Rechnungsbeamlen, 
der mit Kreide die eingehenden oder auszugebenden Summen neben 
diesen Zeichen bemerkte und darnach in seine Rechnung eintrug. 
Ein solcher Tisch war olTenbar auch der im Museum zu Freising 
befindliche; nur ist die Bezeichnung etwas anderer Art. Das M be- 
deutet lausend, das C hundert, X zehn, das folgende Zeichen (ft) 
die Einheilen nach Pfunden. Die folgenden Zeichen, wahrscheinlich 
die Bezeichnung der Unterabtheilung (in Norddeulschland Schil- 
linge [ß] und Pfennige [Denare <5^]) wird ein der älteren Münzver- 
hallnisse Bayerns Kundiger darnach leicht enträthseln. Das X und V 
sind offenbar die Zahlzeichen zehn und fünf. An jeder Seile des 
Tisches hatte ein Rechnungsführer seinen Platz und die Reibe der 
Zeichen zu seiner linken Hand. Daher die doppelle Reihe. 

Lüneburg. Dr. Volger, 

Director der Realschule des Johannenms. 

9) Das Minutoli'sche Institut für Kunst und Gewerbe wird um 
Hitte April d. J., wie im Jahre 1857, in den Räumen des künigl. 
Schlosses zu Liegnilz eine grofse Ausstellung seiner sämmtlichen 
Muster- Sammlungen veranstalten. 



^0) Die altjirciifsischc Monatsschrift 

zur Spiegelung des provinziellen Lebens in Literatur, Kunst, 

Wissenschaft und Industrie herausgegeben von 

R. Reicke und £. Wiehert 

erscheint in jährlich 8 lleflen zu je 6 Bogen gr. 8. und bietet ihren 
Lesern in reicher Abwechselung: Belletristisches, Abhandlun- 
gen aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst, Kritiken und 
Referate, überall mit besonderer Beziehung auf Allpreulsen, sei es, 
dafs die Verfasser daselbst heimisch, sei es, dals die behandelten 
(jegenstände dem provinziellen Leben der Gegenwart oder Vergangen- 
heit enlnommen sind, endlich Mittheilvingen von mehr als gewöhn- 
lichem Tagesinleresse, Correspondenzen aus den grülsern Städten, 
Universitäts- und Sehul-Chronik und Bibliographie. 

Der Jahrgang kostet zwei Thaler, einzelne llefle 10 Sgr. 

Inserate werden die Petit-Zeile mit 2'li Sgr. berechnet. 

Bestellungen aufdie Altpreufsische Monatsschrift, deren 
dritter Jahrgang mit dem Mitte Februar 1866 erscheinenden er- 
sten Heft beginnt, nehmen alle Buchhandlungen und die kgl. preus- 
sischen Poslanslallen an. Durch den Buchhandel, wie durch die 
Expedition (Brodbänkenstraise Nr. 1) sind auch noch complctte Exem- 
plare des ersten und zweiten Jahrgangs zu beziehen. 

Königsberg i. Pr., 1866. 

Druck und Verlag von Albert Eosbach. 
Den Commissions-Debit besorgt die 
J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung in Leipzig. 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



ü. E. Sebald'sche Bachdruckerei. 



N ürnberg. Das Abonnement des 
Blattes, welches alle Monate erscheint, 
wird ganzjährig angenommen und beträgt 
nach dernenesten Postconvention bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen Deutsch- 
lands incl. Oesterreichs 3 ö. 36 kr. im 24 fl.- 
Fuls oder 2 Thlr. preufs. 

Für Frankreich abonniert man in 
Stralsburg bei C. F. Schmidt, in Paris 
bei der deutschen Buchhandlung von F. 
Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder 
bei dem Postamt in Karlsruhe ; für l^ng- 
land bei Williams & Norgate, 14 Hen- 
rietta-StreetCovent-Garden inLondon; für 



AIZEIGER 



FIIR KIDE DER 



Neue Folge. 




üordamerika bei den Postämtern Bremen 
und Hamburg. 

Alle für das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden durch den Commis- 
sionär der literar.-artist. Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brock haus in Leipzig, be- 
fördert. 

Inserate, welche mit den Zwecken 
des Anzeigers imd dessen wissenschaft- 
lichem Gebiete in Verbindung stehen, 
werden aufgenommen und der Kaum ei- 
ner Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. 
berechnet. 





Dreizellliter Jahrgang. 



1866. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



April. 



Wissenscliaftliche Mttlieiluügen. 



Sie Ki*önun;;sinsigiiien tles ITIittelalters. 

Kach Dr. F. Bocks Werk: Die Kleinodien des heil. röni. Reiches 
deutscher Nation und ihre formverwandlen Parallelen 

von A. Essen wein. 

Unsere deutsche Literatur ist nicht eben arm an guten und 
interessanten Werken, und doch dürften sich darunter wenige 
finden, die gerade für alle die Kreise, welche das germanische 
Museum repräsentiert, mehr und gleichmäfsigeres Interesse fin- 
den, als das giofse Prachlweik des Canoniens Dr. F. Bock, 
Mitgliedes unseres Gelehrtenauschusses. Ist ja sein Inhalt so 
enge verwachsen mit der Geschichte des deutschen Volkes und 
behandelt er doch gerade die sprechendsten Zeugen oder Zei- 
chen deutscher Herrlichkeit! Aber nicht blos für den Patrio- 
ten, nicht blos für den Forscher auf dem Gebiete der Geschichte, 
auch für die Kunstforschung ist das Werk ein hochwichtiges, 
da es derselben neue und höchst werlhvolle Materialien zu- 
führt. Es ist für den Künstler von höchster Wichtigkeit, denn 
wie oft bildet der Maler den deutschen Kaiser ab ! welche 
Fülle von Ornamenten findet der Goldschmied, der Seiden- 
wirker, der Sticker in den Tafeln des Werkes! So allseitig 
auch das Interesse daran sein mag, so Wenige werden lei- 
der in der Lage sein, das Werk selbst zu sehen, da es zu 
jenen theuern Prachlwerken gehört, die nur Wenigen zugäng- 
lich sind. Wir glauben daher eine Pflicht zu erfüllen, wenn 
wir die Leser des Anzeigers nicht blos obenhin damit bekannt 
machen und von dessen Existenz einige Worte sprechen, son- 
dern näher auf den Inhalt selbst eingehen, da wir aus dem 
angeführten Grund eben die Leser nicht auf das Werk selbst 



verweisen können. Wenn wir daher die vorliegende Bespre- 
chung nicht in die Beilage des Anzeigers unter die literarischen 
Notizen stellen, so mag der Umfang derselben, die Wichtigkeit 
des Gegenstandes, und die Unzugänglichkeit des Originalwer- 
kes dies rechtfertigen. So ist es uns auch möglich, in der 
Reihenfolge der zu behandelüden Gegenstände cinigermafsen von 
der durch das Entstehen des Werkes selbst bedingten zufälligen 
Reihenfolge abzuweichen. 

Das Werk behandelt nicht blos die eigentlichen deutschen 
Reichskleinodien, sondern auch alle formverwandten Parallelen, 
d. h. so zu sagen alles, was von königlichen Insignien aus dem 
Mittelalter heute noch erhalten und bekannt ist ; wir finden da- 
rin eine Serie von Goldsclimiedearbeiten , die ihren Ausgangs- 
punkt noch unter den altgermanischen Stämmen nimmt und 
durch das ganze Mittelalter sich bis in's 17. Jahrh. verfolgen 
läfst; wir finden alle Entwicklungsphasen vertreten, welche die 
Form der Krone durchgemacht hat. Wir finden Reichsäpfel, 
Scepter und Schwerter vertreten; wir finden eine prachtvolle 
Serie von Pluvialen, Dalmatikcn, Alben und Tunicellen, die 
fürstlichen Personen gedient haben, so dafs auch hier sich in- 
teressante kunstgeschichtliche Parallelen aufstellen lassen. Aus- 
serdem finden wir aber auch den ganzen Apparat, der in der 
Krönungskirche bei der feierlichen Gelegenheit einer Krö- 
nung gebraucht wurde, und die Behandlung der Feierlichkeit 
selbst. 

Wir zerlegen daher den Aufsatz in drei Theile, in deren 
erstem wir das besprechen, was sich auf die Krönung der 
Kaiser bezieht, im zweiten werden wir die einzelnen Theile des 
KrönuDgsornates in Besprechung ziehen, im dritten aber die 



123 



Anzeiger für Kunde der deutsehen Vorzeit. 



124 



knnsfgeschichtliche Bedeutung der einzelnen Parallelen und den 
Enlwickelungsgang der Formen der einzelnen Zeichen königli- 
cher Machtvollkommenheit zu zeigen versuchen. Wir hoffen 
so unserem gelehrten Freunde und Mitarbeiter iles Museums ge- 
recht zu werden wie dem Interesse der Wissenschaft. 

I. 

Die Einleitung des Bock'schen Buches beschäftigt sich mit 
der Krönung, und »war vorzugsweise mit der Art und Weise, wie 
und in welcher Reihenfolge die einzelnen Stücke angelegt wurden. 
Bekai]ntlirh wurden die Reichskleinodien zu Nürnberg in einer 
Truhe aufbewahrt, die jetzt im germanischen Museum steht, ehe- 
mals aber in der heil. Geistkirche oben am Gewölbe hieng. 
Von Nürnberg aus wurden die Kleinodien zu jeder Krönung in 
die Krönungsladl (Rom, Aachen, später Frankfurt) gebracht, und 
zwar durch Abgesandte des Ralhes. Es existieren noch Berichte 
der mit dieser Sendung beauftragten Rathsherren. Der Verfas- 
ser concentriert seine Bemerkungen zunächst auf die zu Aachen 
1520 stattgefundene Krönung Karl's V. Wir bemerken, dafs sich 
im königlichen Archiv zu Nürnberg ein Bericht von den damals 
mit der Mission der Ueberbringung der Kleinodien betrauten 
Nürnbergern befindet*). Am 23. October hatte die feierliche 
Einholung des Königs stattgefunden, am folgenden Tage ver- 
sammelten sich die drei geistlichen Kurfürsten mit ihrer Kleri- 
sei in der Nicolaikapelle des Domes, wo der König mit glanz- 
voller Umgebung in fürstlichen Gewändern mit goldenem Ober- 
kleide erschien. Der Erzbischof von Cöln beräucherte ihn, wo- 
rauf er das Kreuz und Evangelienbuch küfste und, von den drei 
Erzbischöfen und vom Clerus geleitet, in die Kirche eingeführt 
wurde, während der Chor die Antiphon anstimmte : Ecce ego 
mittam angelum meum. Vor dem Altar liefs sich der König 
auf goldenem Teppich nieder, worauf der Erzbischof von Köln, 
der die Krönung vollzog, die vorgeschriebenen Gebete zu ver- 
richten begann. Von den Erzbischöfen zu Mainz und Trier 
wurde Karl sodann zur Sella anrea geführt. Darauf begann 
die Krönungsmesse, wobei der Chor den Introitus vom Feste 
Epiphanias anstimmte: Ecce advenit dominator dominus. Die 
Epistel begann mit den Worten : Surge illuminare Jerusalem. 
Während der König sich sodann wieder vor den Stufen des Al- 
tars niedergelassen hatte und der ganze Clerus kniete, sang man 
die Liturgie aller Heiligen; darauf legte der Consecrator, ange- 
than mit der Mitra und dem Stabe in der Hand , dem Coro- 



*) Abgedruckt mit einem zweiten Berichte über den Einritt des 
Kaisers in Aachen, der sich handschriftlich in der Bibliothek 
des germanischen Museums befindet, von Dr. Cornel. Will, Ar- 
chivsekretär des german. Museums, im Cbilianeum IV, 334 ff. 
Dieser Abdruck hat neben Ilarlmannus Maurus der Darstellung 
Bock's zu Grunde gelegen. Ein Bericht des Ritters Ludwig 
von Eyb über Maximilan's Krönung zu Aachen 1486, milgetbeilt 
von Jos. Baader, bietet nach mancher Seile hin gröfsere An- 
schaulichkeit (Annalen des histor. Vereins f. den Kiederrhein, 
XV. Heft, 1864). 



naiidus die üblichen Fragen vor, nach deren Beantwortung er 
sich an die versammelten Fürsten wandle: Vultis tali principi et 
rectori vos subjicere ipsiusque regnum firmere fide Stabilire at- 
que jussionihus illius obtemperare juxta Apostolum : Omnis anima 
potestatibus sublimioribus subdita sit sive regi tanquam prae- 
cellenti . . . ? Nach dreimaligem „Hat" wendete sich der Abt von 
Prüm an das Volk, dem er die Frage deutsch vorlegte. Aber- 
mals kniete Karl am Altar nieder und der Erzbischof sprach 
eine längere Segnung, worauf er Handschuhe und Ring ab- 
legte und Karin salbte, der hierauf von den Erzbischüfen von 
Mainz und Trier in die Sakristei geleitet wurde, wo die Ka- 
pläne die gesalbten Körpertheile abtrockneten. Die Gewänder, 
die der Gesalbte bis dahin getragen, wurden nun abgelegt 
und fielen dem Krönungsstifte zu. Da Karl aber mit den vom 
Nürnberger Raihe gesendeten Gewändern (Sant Keysser KarPs 
claidung) in der Sakristei bekleidet werden sollte, entstand 
eine Verwirrung, da man die Reihenfolge der Anlegung nicht 
genau kannte und auch befürchtete, die Kleider möchten Scha- 
den leiden. Karl wurde daher mit andern analogen, dem Münster 
gehörigen Ponlificalien bekleidet. Nach dem Ritus hätten zuerst 
die seidenen Strümpfe und Schuhe, sodann das seidene llumerale 
angelegt werden sollen, hierauf die dunkle tunica talaris, den 
priesterlichen Talareu entsprechend, die, nach Bock, mit einem 
Gürtel geschürzt wurden. (Wir glauben hier bemerken zu müs- 
sen, dafs das Gewaud so zugeschnitten war, dafs eine Schür- 
zung nicht nothwendig war, dafs es aber auch nur eine gröfste 
Länge von 4' 7'/j" hat, dafs also, da es bis zu den Füfsen 
reichen sollte, die Schürzung bei grofsen Personen nicht noth- 
wendig war.) Darüber hätte nun von der Nürnberger Kron- 
gesandtschaft und den Hofkaplänen die kaiserliche Albe gelegt 
werden sollen, statt der Karl „mit einer schlechten weifseu Alm" 
bekleidet wurde. Diese Albe ist sehr lang, mufste also auch 
bei den gröfsten Personen mit einem Gürtel aufgeschürzt wer- 
den. Darauf war die grofse, breite kaiserliehe Stola anzule- 
gen, die, da sie 18' lang ist, mehrfältig zusammengelegt und 
geschürzt werden mufste, was bei ihrer grofsen Breite immer 
gewisse Schwierigkeiten machte. Unter den von Nürnberg mit- 
gebrachten Kleidungsstücken befand sich auch die sogenannte 
„Adlerdalmatika", die indessen nicht blos hier nicht gebraucht 
wurde, sondern die wohl überhaupt von jeher ein Profangewand 
war, zu dem auch die nun verloren gegangene Gugcl gehörte, 
und das etwa gebraucht wurde, wenn sich der Kaiser im Fest- 
zuge ans dem Palaste zur Krönungskirche begab. Eine wirkliche 
Dalmatika jedoch, die sich noch zu St. Peter in Rom befindet, 
stand zur Krönung in Beziehung, indem sie der zu krönende 
Kaiser trug, wenn er in der Krönungsmesse das Evangelium sang. 
An den Altar zurückgekehrt, empfieng Karl vom Krö- 
nenden das aus der Scheide gezogede Schwert, das sodann 
in die Scheide gelassen und dem Coronandus umgegürtet wurde. 
Hierauf wurde ihm ein Ring an den Finger gesteckt, der je- 
doch, obwohl bei jeder Krönung nothwendig, nicht zu den Klei- 
nodien gehörte, bei denen schon im Beginn des 15. Jahrb. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



126 



sich keine Rioge mehr befunden zu haben scheinen. Unmittel- 
bar nachher dürfte der zu Krönende die Handschuhe angezogen 
haben. Die damals noch bei den Kleinodien befindlichen zwei 
romanischen Armspangen mit Darstellungen der Geburt Christi und 
der Opferung in Email wurden damals schon nicht mehr gebraucht 
und au ihrer Stelle dem Coronandus die Insiguien des goldnen 
Fliefses umgehängt. Zugleich damit wurde demselben der Mantel 
angelegt, der nach dem Ritus erst später hätte gegeben wer- 
den sollen, wenn er bereits Scepter und Reichsapfel hatte, 
die von den Assistenten dem Consecrator übergeben wurden, 
der nun das Scepter in die Rechte, den Reichsapfel in die Linke 
des zu Krönenden legte, wobei er das vorgeschriebene Gebet 
verrichtete. 

Sodann nahmen die drei Erzbiscböfe die goldene Krone und 
setzten sie dem neuen König unter vorgeschriebenen Gebeten 
auf, der nun zum Altar schritt und auf das Evangelium den 
Eid ablegte. Hierauf begab sich der König, geführt von den 
Erzbischöfen, über eine Wendeltreppe auf die Empore des ka- 
rolingischen Octogons, wo der König vom marmornen Stuhle 
Karl's d. Gr. Besitz nahm. Der Erzbischof von Mainz sprach 
nun Worte der Begrüfsung an den Neugekrönten, worauf Propst 
und Canoniker des Kronungssliftes nahten und nach vollzoge- 
ner Begrüfsung den König in die Reihe der Canoniker aufnahmen, 
wobei er den vorgeschriebenen Eid leistete, worauf er Einigen 
den Ritterschlag ertheilte. Nach Noppius stand es frei, ob der 
König dies mit dem Schwerte „derer von Nürnberg, so etwas 
schwer sei'', oder mit dem Karl's d. Gr. von Aachen thun wolle. 
Der Chor sang das Te Deum. Nachdem sich der König sodann 
wieder in die Kirche zum Altar begeben hatte, ^A urde das Mefs- 
opfer forlgesetzt. Ein Canoniker des Stiftes sang das Evangelium 
der Epiphania : Cum natus esset Jesus in Bethlehem Juda. Nach- 
dem der Chor den Gesang des Symbolums beendet hatte, wurde 
die Sequenz Reges Tharsis angestimmt. Der König legte nun das 
Schwert ab, überreichte es dem Erzmarschall, den Reichsapfel 
dem Pfalzgrafen bei Rhein ; das Scepter in der Rechten haltend, 
trat er sodann zum Altar und brachte ein Geldstück zum Opfer, 
hierauf schritten die Kurfürsten und Canoniker des Kronungs- 
sliftes zum Opfer und wurde ihnen vom Celebrans das Sacrum 
zum Kusse gereicht. Beim Agnus Dei kniete der Bischof von 
Lütticli am Altar nieder und emplieug das osculum pacis; der- 
selbe nahm sodann das Sacrum und reichte es dem Bischof 
von Mainz, der es dem König zur Verehrung darbot. Nach 
der Communion des Celebrans empfieng der König solche an 
den Stufen des Altars. 

Nach der letzten Collecte begab sich der Erzbischof iu 
die Sakristei, während der König, vor dem Altar sitzend, aber- 
mals Mehreren den Ritterschlag ertheilte, und die drei Kur- 
fürsten die Pontiflcalien mit dem kurfürstlichen Purpur ver- 
tauschten. Auf einer eigens dazu erbauten Brücke, die mit 
Tuch belegt war, begab sich sodanu der König mit dem Ge- 
folge im Zuge unmittelbar zum Rathhaussaale, wo das Krö- 
nungsmahl statthatte. 



Das Ceremoniale stimmt, wie wir hier nebenbei bemerken 
wollen, im Wesentlichen mit dem anderer Königskrönungen 
überein, so mit dem der polnischen Krönungen, das wir in unserm 
Buche „Die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt Krakau" 
angeführt haben. 

In einem Theile des Anhanges führt nun Bock noch einige 
kostbare Prachtstücke auf, die zum Schmucke des Altares der 
Krönungskirche dienten. An der Spitze das Frontale zur Beklei- 
dung der Altarmensa, aus Gold getrieben, das nicht mehr im 
Ganzen besteht, dessen einzelne Theile aber noch sämmtlich 
erhalten sind. In der Mitte ist die Majestas Domini, daneben 
St. Michael, Patron Deutschlands, und die heilige Jungfrau. Die 
Symbole der Evangelisten umgeben den Mitteltheil, darum zehn 
Scenen aus dem Leiden Christi vom Einzüge in Jerusalem bis 
zur Auferstehung. 

Noch erhalten sind die zwei kostbaren Reliquienschreine, 
von denen einer die Gebeine Karl's d. Gr. umschliefst, die hin- 
ter der Mensa des Hochaltares erhöht aufgestellt wurden. Sie 
finden ausführliche Beschreibung, wie auch der Ambo Hein- 
rich's II. und der Kronleuchter Friedrich Barbarossa's, das Kreuz 
Lothar's, das Evangelienbuch Heinrich's II., eine Kleinodientruhe, 
von Richard von Cornwallis herrührend, ein Aquamanile iu Ge- 
stalt eines Bacchuskopfes, 3 silberne Mefskännchen in Gestalt 
von Engeln, das Weihwassergefäfs aus Elfenbein Otto's III., end- 
lich die beiden Reliquiarien in Form eines Brustbildes und eines 
Armes, in denen das Cranium und der Armknochen Karl d. Gr. 
aufbewahrt werden. Auf dem Kopfe dieses Brustbildes ruht 
die Corona argentea. 

Ein anderer Abschnitt des Anhanges beschäftigt sich mit 
den zu den deutschen Reichskleinodien gehörigen Reichsreli- 
quien und der von 1425 — 1533 jährlich stattfindenden ölfent- 
lichen Vorzeigung der Kleinodien und Reliquien, die zu Nürn- 
berg am zweiten Freitag nach Ostern geschah und als Festum 
de lancea et clavis domiui in Deutschland und Italien gefeiert 
wurde, ein Festtag, der sich bis auf den heutigen Tag erhal- 
ten hat. 

(Schlufs folgt.) 



Die Juden zu IVaumburg; an der Saale. 

Mitgetheilt durch Karl von Heister. 
(Fortsetzung.) 

Im J. 1403 verehrten die Juden dem Rathe eine Lamprete. 
Es mufs aber in jener Zeit ein grofser Fisch diesen Namen 
geführt öder das eine nur die Art bezeichnet haben, weil es 
heifst ; „mit den guten Freunden verzehrt Woche Exaudi."*') 

Das Ereignifs blieb unermittelt, durch welches in andert- 
halb Decennien eine ungemeine Verminderung der Juden zu 



') A. N., S. 129; M. N., S. Ib. 



127 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



128 



Naumburg stattfand, und ist eine partielle Vertreibung am wahr- 
scheinlichsten. 

Im J. 1410 fand ein Vergleich der drei Bälhe mit der 
Jadenschaft statt • — mit allen dreien, weil sonst das, was 
der regierende (sitzende) Ralh beschlossen hatte, von dem fol- 
genden über den Haufen geworfen werden konnte. Ein sol- 
ches Abwechseln, welches die Freiheit schützen und das Partei- 
getreibe unschädlich machen sollte, fand sich in vielen Städten, 
z. B. in Mühlhausen. 

Zu dem Vertrage waren „vnsern mit Raihmanne vnnd ge- 
schworene kumpane" gezogen worden, unter denen einige Edel- 
leute. Die Zahl der Juden wurde auf 22 festgesetzt, und war 
dieses die im Hause C wohnende Familie^*'') des Rabbi Abra- 
ham. Verringerte sich diese, so konnte jene durch Zuziehende 
voll gemacht werden. Die Juden gelobten, jährlich 40 gute 
rheinische Gulden schwerer Münze, in zwei Terminen (Michae- 
lis und Walpurgis) zu zahlen, und zwar für Synagoge, Schule 
und ein Wohnhaus, „sampt dem minderen flecke, das ist in dem 
sagkvit''. 

Sollten aber mehr Juden in die Stadt kommen, als oben 
festgesetzt, stets nur mit Wissen des sitzenden Rathes, so ist 
die Besteuerung dieselbe, als die der angesessenen Juden, und 
blieb es gleich, ob jene dauernd, oder nur zeitweise weilten. 
Man wollte den Angesessenen das Vertrauen schenken, die 
Steuer von den Zugezogenen einzuziehen und auf das Ralhhaus 
zu bringen. Ein abziehender Jude mufste zuvor die rückständige 
(versessen) Steuer entrichten. Verminderte sich die obige Zahl 
der Juden ohne Wiedervollmachnug, so sollten die vorhandenen 
dennoch die ganze Steuerquote aufbringen. Die Schule sammt 
dem Vorhause wurde den Juden erblich übergeben; sie waren 
aber von der Entrichtung des Wachgeldes frei und brauchten 
für die innehabenden Grundstücke keine „Thormtage" zu thun. 
Sollte jene Schule abbrennen, so wollte sie der Rath wieder 
anfbauen ; kam aber das Feuer durch die Juden aus, so waren 
diese, nach ihrem feierlichen Gelöbnisse, zum Wiederbaue ver- 
pflichtet. 

Am Schlüsse heifst es (im heutigen Deutsch): „Auch ha- 
ben wir obengenannte drei Räthe von Naumburg den vorer- 
wähnten Juden und ihren Erben gelobt und geloben ihnen mit- 
telst dieses Briefes, dafs wir sie vertheidigen, beschützen und 
beschirmen wollen, mit Ausnahme (gegen) unseres Herrn (des 
Bischofs), und ihnen zu allen Rechten verhelfen, gleich unse- 
ren Mitbürgern, so wir auf das Beste können und mögen, ohne 
Arglist." 

Beide Theile schworen sich das Halten des Vertrages zu, 
der am Sonnabend nach St. Veronika abgeschlossen worden 
ist. Es ist bemerkenswerth, dafs von einem Eigenthumsrechte 
des Bischofs an den Juden keine Rede ist'"). 



"•>) familia, wie im Allerthum, eirscliliefslich Seitenverwandle 
und Dienstboten. 
") C, S. 45 f. Vgl. unten Urkunde A. 



In demselben Jahre 1410 wurde zu Naumburg ein Jude 
getauft, was sich im J. 1411 mehrfach wiederholte. Von den 
früheren Glaubensgenossen des Convertiten heifst es: „wie noch 
gehabt eine sondirliche gefslein, die Judengasse genannt"**). 

Im J. 1442 finden wir wenigstens die Juden genannt; 
Kaiser Friedrich 111. machte den Versuch, aus dem obersäch- 
sischen Kreise das Opfergeld von Israel zu erlangen, und da 
werden namentlich die Juden zu Naumburg, Querfurt n. s. w. 
erwähnt. 

Im J. 1446 traten bischöfliche Beamte mit dem Rathe von 
Naumburg wegen des von den Juden getriebenen Wuchers zu- 
sammen. Die Namhaftmachung ist nicht ohne Interesse : Der 
gestrenge Hans von Selfchicz, der Hauptmann Gerhard, 
der Rath H a ns von Nix te, der geschworene Richter zu Naum- 
burg Nikolaus von Höndorff; ferner, mit Vollmacht (vol- 
borte) der drei Rälhe : die Burgermeister Hans von Glogau 
und Thomas Hildebrand, der Kämmerer Konrad, der 
Schützenmeister Panlick etc.; dann von den Juden: Leser, 
Meyer, Muschel, Jakob, Gatheus, Abraham und 
Y u s c h e. 

Die Räthe hatten erkannt, dafs die Stadt schwer gelitten 
habe und leider durch den von den Juden getriebenen Wucher, 
auch in anderer Weise. Die Bitte um Abhülfe war dem Bi- 
schof Peter vorgetragen und von diesem eine Teyding befoh- 
len worden. Fortan durfte von Bürgern, ihren Frauen und Kin- 
dern wöchentlich vom Gulden oder Schock nur zwei Pfennige 
Zins genommen werden (eyne halli. guldin adir eynen ort). 
Es wurde untersagt, Zins znm Kapital zu schlagen (folgin hyn- 
dir sich zu rechin), vor Ablauf eines Jahres von einem Naum- 
burger Bürger Zahlung zu fordern; fürchtete aber der Jude, 
dafs das Pfand nicht mehr Kapital (houbit — Hauptgut) und 
Zins (wuchir) decke, so mufste er die Sache vor den bischöf- 
lichen Richter und den sitzenden Rath bringen. 

Es sollte Geld auf Schein oder Pfand von den Juden, Jüdin- 
nen, Angehörigen nicht an Bürger, Bürgerinnen, Bürgerskinder 
geliehen werden, die unter Vormundschaft standen, und zwar 
bei Verlust des Betrages. Der Erlafs wurde jedes Jahr in der 
Kirche veröffentlicht, auch ein Verzeichnifs der unter Vormund- 
schaft Stehenden dem Vorstande der Juden zu weiterer Ver- 
breitung mitgetheilt. Wer sich von den letzteren dem Vorste- 
henden nicht fügte, der sollte nicht in Naumburg aufgenommen 
oder daselbst geduldet werden'**). 

In den Jahren 1478 und 1479 hatten Juden Häuser, was 
die Erklärung wohl darin findet, dafs solche durch den Bischof 
Dieterich auf 4 Jahre zugetheilt worden waren, also in der 
Georgen -Freiheit lagen. 

Wir geben wörtlich die folgende Notiz (im heutigen 
Deutsch'*^): „Dieterich von E rd ma nn sd or f f bringt an 
Ihren Gnaden (den Bischof) ein Credenz - Schreiben, an Rath 

") A. N., S. 142; M. N., S. 1 b ; N. R., S. 113. 
") 0., Nr. 26. Vgl. unten Urkunde B. 
") M. N., S. IIb. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



130 



wegen Meyer's des Juden. Zu Nacht darauf er auch diese 
(diesen) gefangen, seine Gülher verzeichnet und theils beige- 
legt worden." 

Beim J. 1489 heifsl es, „Kunz Berold's Haus ist ge- 
kauft und daraus Jndenhäuser gebaut worden. Andere Woh- 
nungen der Israeliten wurden, ebenso die Synagoge, ausgebes- 
sert'^''). 'Von diesen gemietheten Baulichkeiten zahlten die 
Juden 1491 jahrlich 40 Gulden an den Ralh'^*). 

Am Montage nach Vocem jucnndilalis 1494 erliefs Bischof 
Johannes 111. einen Brief, wo einleitend das fürstliche Stre- 
ben hervorgehoben wird, den Unterlhanen zu nützen, Schaden 



Anhang^. 

Drei bisher un gedruckte Urkunden. 

A. 1410. Judenu was die ethwann vor gerechtkeyt 
jn der Stade gehabt. 

Joh. Hermann Schleif Claus Matstede Burgermeister, hanns 
Hiltebrant Vrise Gibüthe, kammerer, andrer vnsern mit Ralh- 
manne vnnd geschworne kumpanne, hanns Posenhayn, hanns 
von Grhyg, Cunrat vonn Hondorff, Albrecht von Vitzthumm, 
hanns Schwabesdorff, heinnrich thann, hanns kimschewitz, Ni- 
col Werker inn dem erstenn Rathe, hanns Rogehansing, Johan- 
nes Malsfeder, Burgemeister Otto Simeke, Nickel von Kircke 



von ihnen zu wenden. Ralh, Bälhe, Handwerker, Kassen- c|,an,^p(.r, Andrer vnnssrer Mitrathmannen vnnd geschworene 



meister hätten mannichfache Klagen gegen die Juden erhoben, 
gegen diese Feinde des Kreuzes Christi, Lästerer seiner wer- 
then Mutter, 'Verspolter des christlichen Glaubens. In Betracht 
der starken Vermehrung und des den Einwohnern zugefügten 
Schadens will der Bischof die Juden „vrlauben" und aus allen 
Gebieten und Gerichten ziehen lassen, womit sich Dechant, Se- 
nior und Domkapitel einverstanden erklärt haben. Jener ver- 
pflichtete sich und seine Nachkommen (sie) auf ewige Zeiten, 
keine Juden aufzunehmen oder wissentlich zu dulden, welchen 
Handel diese trieben. Geschähe solches in benachbarten Ge- 
bieten, so soll doch kein Israelit des Handels wegen in Naum- 
burg, in die 'Vorstädte oder in die Freiheit eingelassen werden. 
Treibt ein solcher mit den Unterlhanen Geschäfte, so soll ihm 
Rechtsbeistand versagt werden. 

Obgleich die Synagoge früher dem Stifte zuständig war, 
will sie dennoch der Bischof der Stadt zu gemeinem Nutzen 
überlassen. Dagegen hat sich der Rath durch besondere Ver- 
schreibung zu verpflichten, anstatt der bedeutenden (?) Ein- 
nahmen, die der Bischof von den Juden gezogen, jährlich 60 
rheinische Gulden in halbjährigen Terminen zu zahlen. Dieser 
Zins kann aber von der Stadt mit 1200 vollwichtigen und lan- 



kumpane zu andren Rath, Heinicke vonn Ogrer, krestian von 
Igener, Burgermeister, Conrad hillebrannt Hans Brauhopf Cham- 
merer, andere vnsere mitrathnianne vnnd geschworene kumpane 
zum dritt. Rathe der Stadt Naumburgk bekennen offentlichenn 
jnn dissenn briue, vnnd thunn knnt allenn denenn die jnn sehenn 
oder hoernn lesenn, das wir vns mit Vorrathe vnnd mit gütl. 
wyllen vnd wissenn dryer Reihe vnd aller der die vnssre vor- 
genanntenn «ladt bürgerrecht habenn, gentzlichenn vnd ein- 
trechtiglichenn vereiniget habenn mit vnssrenn Judenn dy do 
wonhaft vnnd behauset sein in vnnsre Stade Naumburgk, idoch 
so sollen der Juden die in der zai gehören zween vnd zwant- 
zigk seien, Nemlich Meister abraham vonn haus C mit jren (?) 
kinndern vnd allenn jrenn erbenn, Vnd wo sie ire zal volkom- 
lich nicht habenn, so sollen sie ire zal vol machenn, wann sie 
das ann andrenn Judenn gehabenn mugen, ane argelist. 

Dorumb sie vnns gelobet haben vnnd geloben samptlichenn 
jnn diesen briue vnns alle Jhar vonn der sinagogenn, vonn der 
Schule, in den furdern hause, das ist in dem Sagkwit, sollenn 
vnnd wollenn gebenn, zu geschos vnd zu zinssenn vierzigk 
guthe Rheinische gnldenn schwer gemünzt, ann gelte darprenge 
vnd gebd. *) sein, jeglicher gülden zu (unleserlich), jn dem 



desüblichen (lantwerigen) rheinischen Gulden abgezahlt werden, jj^^^ ^g,^ g^^Q. gg^^pf Michahelistags negst zukünftiges, das an- 
bei vierteljähriger Kündigung, an die Kammer zu Zeitz. Schliefs- dere halbteyl auf Sännet Walpurgenlags negst noch volgennt, 
lieh bekennen Prälaten und Domkapitel ihre Zustimmung, und y^^^j ^i^^ ^^1,^^^ ^j^ gHe jhar jerlichenn, dieweil die obgenann- 
sind die grofsen Siegel des Bischofs und des Stiftes der Ur- j^^^ Judenn mit irenn rechtenn erbenn, besessen vnd behauset 
künde angehängt '^9). sei,, ;„„ vnnsre Stad Naumburgk, — Were auch das obge- 
Die Synagoge wurde im J. 1496 abgerissen und heifst es ßg^^fgr Jüdenn einer wegk ginge oder zUge, so sollen die Hier- 
beim J. 1498: „Difs Jahr ist das Judengeld Ihrer Fürstlichen bliebenenn in der Stade mehrere wiedernehmenn zu hülffe das 



Gnaden Kammer zum ersten mahl als 60 fl. gegeben worden" 3°). 
Die obige rückkänfliche Zinszahlung erfolgte durch vier 
Jahrhunderte mit jahrlich 52'/a Thaler, und hatte man die Her- 
stammung längst vergessen. Im J. 1812 verzichtete die Stifts- 
regierung auf die Rente, wogegen die Stadt den Leibzoll fallen 



ire zail vol sei, ann denn ehegenannthenn schösse vnnd zinnsse, 
also ihrer vorgenhannt haben die wegk Zügen, — Die Jüdenn 
sollenn dann desselbigen gleichen es genissenn als die vorge- 
nanntenn Juden genossenn habenn. 

Kommen aber mehr Juden vber die vorgenannte zal jnn 



liefs, den sie von den die Naumburger Messe besuchenden Ju- ynnssre Stadt zu rastenn oder zu wohnenn, die sollenn thuu 

den erhob^"). nah jje manzzall ooprennder*'*) Stadt mit wissen des raths, 

") A. N., S. 195, 197 b ; N. B. 364 ; 559 ; M. N., S. 14 a. ^j^ 

2 o' '^''fn ^f '/■J*"',fÄ^v', . ITI Ar **) f-°ooprennder Stadt, d. i. opren (opfern, offere) der St. - 

" m". f\t 3. K« •'■ "h A rxvil 1 S 77f Vergleiche: „Opferpfennig, tributum, quod Judae olim sol- 

-) M. N., S. 15b. ") K,™™ere.-Sachen. Act. XVII, 1, S. 77 f. ^ere .enebantur Impera.ori." Scherz. - D. Red. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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der zu den gezeiten ist. mit gesrhosse vnnd mit zinnse glei- 
cher wis als die ehegeoanuthenn erstereii Judenii thuiiD vnod 
gelhano habenn. 

Des sollen wir den vorgenannthenn Juden glauben, die da- 
hie gebhorenn seint oder werden gebhorerin, das vnns denn 
Zinna vnd geschoss vonn denn vbeirleycben Juden getrülichen 
insammelenn, nehmeiiii, vnd brengenn auf vnser Rathhaws mit 
jrem geldt auf die vorgenantenn lagezite, als sich vonn rechte 
gebürt, — Noch ist mehr gered vnnd gelobbt vonn denn vor- 
genannthen Juden, die da inn dem obgenannten gelde stehen, 
ob irgend einer wegkzihenn oder geenn woide, der sol des 
eher denn zins vnd geschos abelegen, den er des Jliars vor- 
sessenn hat, ooprenn (?) seine genossenn denselben, denn sol- 
lenn wir vnd wollenti inn nicht hindernn, sondre wyr wollen 
inn zihenn lassen, wo hiiin er wyl, ane ansprach vnd alleini hin- 
dernus vnnd ane gefherdt. — — Were es auch das die ehe- 
genannthenn Jüdenn eins zyts wegk Zügen oder kgalen, oder 
das sie anii der zai minder würde, so sollenn doch die andrenn, 
die hier seinn vnnd bleibenn, vnnd ihre wie viel der ist, das 
vorgenannte geschoss vnd zinsse zumal genntzlich leisten vnd 
bezalenn auf die vorgeuannlhenn tagezyten ane allerley wider- 
sprach hindernus vnd gefherde, — AIss haben wir den obge- 
nannthenn Juden, Jud(iMnen) vnd irenii recbtenn erbenn, die 
schule vorerbt vnd gelassenn zu einem reclitenn erbe, mit dem 
Vorhowse das dahin gehoert, mit sampt dem hinderteyl das 
inn sayk trit, vnd sollen umb der vorgenanntenn jerlichen zinsse 

vnd gulde, frei viid loss seinn, Wachegelds • — Thorm- 

tage keines mehr vonn der vorgenannthenn schule vnd haeuser 
zu thüu vnnd zu geben, 

Were es auch das die obgenannte schule abeginge wegen 
(feuer) oder Brandis nolh, da got vor sei, so sollenn vnd wol- 
len wir die schule selber wider bauenn vnd machen nach ire 
macht vnd vermügen, 

Kchme aber ein feuer oder ein brant aus vonn denn Jü- 
denn, so habenn vnns die Judenn geredt vnnd gelobtt, gereden 
vnnd geloben, semptlich inn disem hriue, das sie sollenn vnnd 
wollenn, haus vnnd Schuel wider bauen, als es vor gewessenn 
ist, so sie besle mügt, mit jre selbst kost vnnd geld. 

Auch habenn wir obgenannthe drei Rethe zu Naumburgk, 
denn vorgenannihe Judenn vnnd irenn erbenn gelobtt vnnd ge- 
lobenn wir inn diesenn briue, das wir sie wollen vorteidingen 
vorschützen vnd beschirmen, sonder*) vor vnssern herrn, zu 
allenn iren rechten gleicher weis, als vnsser mitbürger, so wir 
aufs best können oder mügen, ane allerlei argelist. 

Alle disse vorgeschriebene redeslück vnnd Artikel dis bri- 
ues, gelobenn wir vorgenannthe rathsgeschworene, den mehr 
genanntenn Juden vnnd sie vnns wider gleicher weise ganntz 
stethe vnnd oner benachlichung**) zu haltenn, ane alle gefherde 
vnnd argelist — Vnnd habenn das zu vrkunde vnnd einem wa- 



reno bekentnus wissentlicheno vnnssrer Stade Naumburgk gross 
Insigel ann disenn olTneon bricf gebanngenn Der gegeben ist 
nah gottes gottes gebUrt virzehennboodert Jhare, danach in 
dem zehenndem Jhare am negstenn Sonnabend nach S. Vero- 
nik.slage. 

Copieen aller gemeiner Stadt Naumburg Privilegien Wilko- 
ren Erkauftenn Gerechtigkeiten vnnd vortregen etc. 1540. 

Bibliothek des Magistrats zu Naumburg. Manuskripte. (Fol. 
45 f.) 

Das Vorstehende ist eine Abschrift in der Sprache des 
16. Jahrhunderts. 

(Schlufs folgt.) 



*) Mit Ausnahme , ausgenommen. 
**) Etwa : unerweglicben ? 



D. Red. 



2iur ]TIinl»turnialerei des 14. Jalirliunderts. 

Von Dr. A. von Eye. 
(Hierzu eine Beilage.) 

Bekannt ist das Mifsverhaltnifs, in welchem, im Gegensatze 
zur neueren Zeit und in Bezug auf die Wissenschaft, im Mit- 
telalter Kunst und Kunstler zu einander stehen. Auf der einen 
Seite, aus Bürger- GildenbUchern und anderen Urkunden ent- 
nommen, zahlreiche Namen ohne eine einzige Leistung, welche 
mit Sicherheit diesem oder jenem zuzuschreiben wäre; auf der 
anderen noch mehr Werke, von denen wir kaum genau wis- 
sen, in welche Gegend sie zu versetzen sind. Im grofseu Gan- 
zen der mittelalterlichen Kunst die tiefste Innerlichkeit, reinster 
Ergufs des verborgenen Seelenlebens, vollkommenste Verkör- 
perung des allgemeinen Zeitgeistes im anschmiegenden Wesen 
der Persönlichkeit und doch wieder zur Erklärung all der so 
geheimnifsvollen wie bedeutsamen Erscheinungen nichts als 
den Geist der Zeit im Allgemeinen, kaum irgendwo die Kcnnt- 
nifs engerer Verhältnisse, die damals die künstlerische Entwick- 
lung fördern und richten halfen. Weniger glücklich als die 
Geschichte unserer Literatur, die längst begonnen hat, dem Ver- 
hältnisse des Dichters zum Dichtwerke die feinsten Reflexe 
abzugewinnen und diese zur Beleuchtung beider, wie ihrer 
Epoche, zu verstärken, mufs sich die ältere Kunstgeschichte mit 
wenigen Ausnahmen noch darauf beschränken, Stoff zusammen- 
zutragen, dem Gebiet der Forschung die äufseren Grenzen zu 
bestimmen und oberflächliche Eintheilungen zu machen. 

Dafs diesem Sachverhalte gegenüber auch der kleinste Bei- 
trag der Specialforschung nicht zurückzuweisen ist, dürfte ein- 
leuchtend sein. Auch auf das Gebiet der Miniaturmalerei sich 
zu begeben, hat jene gewifs das Recht, seitdem erwiesen ist, 
dafs die grofse Epoche der van Eyk kaum etwas Anderes als 
letztere zum Ausgangspunkte gehabt. — Schon im ersten Bande 
des Anzeigers gaben wir über einen Augsburger Miniaturmaler 
v. J. 1487 Bericht, dem wir hier nachträglich anfügen, dafs 
der dort noch Job. Gutlinger entzifferte Name mit mehr Wahr- 
scheinlichkeit Giltlinger zu lesen ist, welche Lesung durch 




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Z..Jbizf,K.d,i^l866.¥°4. 



133 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



134 



die Schrift selbst nicht ausgeschlossen wird, so dafs der Maler 
einer auch sonst in Augsburg- vorkommenden Kunsllerfamilie 
sich einreibt. Diesmal weisen wir auf zwei benanule Miniatur- 
maler aus dem 14. Jahrhundert, von deren Hand fich Arbeiten 
ebenfalls in der Sammlung des germanischen Museums befinden. 

Nicht nur den Namen, sondern auch das Bild des Einen 
finden wir auf dem Grofsfolioblatte eines Plenariiinis, welches 
das Officium der heil. Agnus enlhält. Auf dem mittleren Stabe 
des verzierten Initials M, mit welchem dasselbe beginnt, hat 
der Schreiber die Heilige selbst und daneben sich in anbeten- 
der Stellung dargestellt. Ein von seinen zusammerjgelegten 
Händen ausgehendes fliegendes Band nennt ihn: fraler m a- 
thyas minor dictuf ftamler. — Da die beiliegende Durch- 
zeichnung das Bild nur in schwarzen Umrissen wiedergibt, die 
Farbe aber einen um so wesentlicheren Bestandtheil desselben 
bildet, je mehr der ornamentale Charakter darin vorherrscht, 
lassen wir eine kurze Beschreibung desselben folgen. 

In den zu ziemlich breiten Feldern erweiterten Grund- 
strichen des grofsen Buchstaben ist der mittlere Baum zur 
Aufnahme einer Verzierung von Gold herausgenommen, während 
eine Bandleiste von der Dicke der schmaleren Linien übrig 
bleibt, die, wie letztere, mit über Eck gestellten Farben roth 
and blau coloriert ist. Abwechselnde kleine, goldene Schilde 
und schwarze Ringe nebst einem Spiele von weifs aufgesetzten 
Lichtern beleben diese Farbenzusammenstellung, in welcher, 
was nicht unbemerkt zu lassen sein dürfte, wir genau dieselbe 
wiederfinden, die bis zum Ausgang des Mittelalters bei Bema- 
lung des ornamentalen Theiles plastischer Kunstwerke vorherr- 
schend in Anwendung gebracht wurde. Die im Innern ausge- 
schiedenen Felder sind mit Beibehaltung einer heraldischen 
Stellung der Farben roth und grün getheilt; die darauf ange- 
brachten Ornamente aus abenteuerlichen Thier- und Blatiformen 
zusammengesetzt. Der Baum innerhalb des geschlossenen Ini- 
tials, der, in vier Felder geschieden, ganz mit geschupptem 
und in Schneckenwindungen sich an einander schliefsendem 
Riemenwerk ausgefüllt ist, bietet auf den abwechselnd roth 
und violett tingierten Flächen den Platz für vier Medaillons, 
von welchen eines eine rothe Rose, zwei goldene Bestiarien 
aufweisen und deren viertes dem anbetenden Franziskanerbruder 
die Stelle eingeräumt hat. Vier ähnliche, an der Aufsenseite 
des Buchstabens angebrachte Medaillons ergänzen dessen Bun- 
dung zu einem Quadrat, während zur Füllung der übrig blei- 
benden Lücken das Riemenwerk des inneren Raumes hervorge- 
nommen worden, das indefs hier seine Gestalt mannigfach 
wandelt oder zu Schreiberzügen sich löst. — Die heil. Agnes, 
vor dem mittleren Stabe des Initials dargestellt, trägt ein blafs- 
rothes Kleid unter hochrothem, hermelingefüttertem Mantel, eine 
goldene Krone auf hellgelbem Haare und das Lamm in einer 
Art Nimbus auf dem linken Arme, während sie die Rechte mit 
vorgestrecktem Zeigefinger zu dem Betenden neigt. Der Hei- 
ligenschein ist, ohne Zweifel, um nicht Gold neben Gold zu 
stellen, purpurfarben gehalten und trägt eingezeichnete Orna- 



mente. Der verehrende Künstler ist mit dem aschfarbenen Ge- 
wände und dem Knotenstrick seines Ordens angelhan. Ob die 
auffallende Erscheinung, dafs das Ornament des Hintergrundes, 
welches an die Umrisse der Figur der Heiligen überall genau 
sich anschliefst, von der seinigen rund umher durch eine 
weifse Zvvischenfläche geschieden ist, eine Bedeutung habe, ob 
vielleicht, wenn der klösterliche Zeichner dieser Verzierung 
die Bedeutung des alten Goldgrundes und des himmlischen Glan- 
zes beilegte, der durch die vornehme heraldische Theilung sei- 
ner Felder etwa noch erhöht erscheinen sollte, derselbe demü- 
thig sich einstweilen davon als ausgeschlossen belrachlet zu 
wissen wünschte, wollen wir dahingestellt sein lassen. 

Die Schrift des ganzen Blattes umgiebt eine schmale Leiste, 
in Bezug auf welche wir unserer Abbildung nur anfügen, dafs 
in ihr die oben angegebenen Grundfarben abwechselnd sich 
wiederholen, wie dafs ihre vier Ecken durch gröfsere , mit 
Bestiarien ausgestattete Medaillons, die Seiten durch kleinere 
Rosetten unterbrochen sind. 

Neben dem besprochenen liegen zwei andere Blätter, von 
welchen daS/ eine, mit dem Officium des heil. Johannes des 
Evangelisten angefüllt, durch den Inhalt, wie durch ganz gleiche 
Schrift und grofse Aehnlichkeit der bildlichen Darstellung als 
demselben Werke entnommen sich ausweist. Das andere Blatt 
scheint zwar von anderer Hand geschrieben, zeigt jedoch in 
seiner ornamentalen Ausstattung, einem grofsen Initial -A und 
einer reicheren Randleiste, so viel Verwandtschaft mit dem be- 
schriebenen, dafs wir kaum an einen anderen Verfertiger den- 
ken können. 

Was nun die Künsllerschaft des letzteren betrifft, die wir 
nachzuweisen hoffen, obw.ohl wir denselben anfangs nur als 
Schreiber eingeführt haben, so ist zunächst festzuhalten, dafs 
sie allerdings sich nur aus der Schreibekuust entwickelt hat, 
dafs der Bruder Matthias vom Schrift- zum Figurenzeichner 
fortgeschritten ist — eine VS'ahrnehmung, welche zwar in der 
älteren Kunst als ganz allgemeine sich wiederholt, die aber 
um so mehr Bedeutung gewinnt, je klarer aus dem einzelnen 
Falle hervorgeht, wie — im Gegensatze zur Neuzeit, welche 
die in Jedermanns Gebrauch befindliche Fertigkeit kaum noch 
als Handwerk gelten läfst — in jenen Zeiten der beginnenden 
Entwicklung die seltene und geheimnifsvolle Kunst des Schrei- 
bens nicht nur bereits den Boden gewährte, auf welchem auch 
die bildende Kunst, mit der Zeichensprache des Ornaments und 
des Symbols beginnend, sich weiter entfaltete, sondern auch 
einem reizbaren Gemülhe den Anstofs zu geben vermochte, der 
es durch die verschiedenen Stadien des vermittelnden Verständ- 
nisses zur letzten Abfindung mit der Welt des Geistes und 
Heiles, soweit sie im Bereich der Kunst beschlossen liegen, an- 
treibt. — Dafs in unserem Falle Zeichner und Schreiber in 
derselben Person vereinigt waren, geht unzweifelhaft aus dem 
vorliegenden Documente selbst hervor. An einigen Stellen be- 
deckt die Schrift die Malerei; an anderen ist diese über jene 
hinweggeführt, und beide zeugen von solcher Gleichzeitigkeit, 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



136 



dafs darin kaum das Wechseln des Platzes Raum finden würde. 
Der unmiltelbare Uebergang von dem gemallen Initial zur vergolde- 
ten und reich mit Zügen ausgeslalletcn Schrift, «elclie in unserer 
Abbildung durch Schraffierung angedeutet ist, dürfte in dieser 
Beziehung einen weiteren Anhaltspunkt bieten. — Aber der 
Schreiber trug unbewüfst ein künsllei isches Talent in sich; die 
Schrifizüge gestalten sich unter seiner Hand unwillkürlich zu 
Kunstwerken Aus dem einfachsten Elemente seiner Verzierung, 
den Linien, Ranken und Riemen , gestalten sich ohne Ende Fi- 
guren mannigfaltigster Art, abenteuerliche und natürliche We- 
sen, die, wenn auch ganz auf dem Roden der Ueberlieferung 
erwachsen, doch so viel eigenthümliche Erfindung und indivi- 
duelles Leben offenbaren, dafs sie eine Schätzung auch aulser- 
halb des allgemeinen, durch die Zeit gebotenen Mafses zu- 
lassen. — Andrerseits stehen dem Künstler zur Umreifsung sei- 
ner Figuren auch kaum mehr als Schreiberzüge zu Gebote. 
Zwar sind diese im Originale gewandter und mit mehr Fein- 
heit durchgeführt, als wir sie in unserem Versuche des Ueber- 
drucks haben wiedergeben können, doch entbehren sie fast 
überall des nölhigen Formenverständnisses, das ja auch von 
der strengsten Handhabung des Stiles nicht ausgeschlossen ist. 
Wenn gleichwohl der klösterliche Zeichner den Bedingungen 
des Stils, der eben zu seiner Zeit in deutschen Landen die 
schönste Ausbildung gewonnen, in edler Haltung der Figuren, 
sanftem Schwünge der Falten und allen den anderen bekannten 
Merkmalen vollkommen entspricht, wenn er sogar trotz der 
mangelhaften Zeichnung in den Umris.'en im Ganzen seinen Ge- 
stalten wohlgebildete Verhältnisse, seineu Gewandungen, trotz 
mangelnder Durchführung der einzelnen Motive, eine künstleri- 
sche Anordnung zu geben weifs, so sind diese Vorzüge aber 
als Ausflufs seiner begabten Katuranlage zu schätzen. 

Charakteristischer noch, als die von uns wiedergegebene 
Abbildung, ist die figürliche Darstellung auf dem zweiten an- 
geführten Blatte. Wir sehen da innerhalb eines dreitheiligen, 
mit phantastisch geschmückten Giebeln überdachten Gebäudes 
zunächst den Evangelisten Johannes nackt im Kübel mit sieden- 
dem Oele stehen, die Hand segnend über den ihm vorgehal- 
tenen vergifteten Kelch erhebend, aus welchem die Schlange 
hervorschlüpft. In der zweiten, der Hauptabtheilung, sitzt Chri- 
stus thronend, und vor ihm der Jünger, als der besonders ge- 
liebte, das Haupt in seinen Schoofs legend. In der dritten 
steht der gealterte Evangelist im priesterlichen Gewände, aus 
dem selbst bereiteten Grabe zum Herru betend, der oberhalb 
des ahgeschlossenen Hintergrundes mit den übrigen Aposteln 
erscheint. Eine aus mehrfachen Friesverzierungen zusammen- 
gesetzte Basis schliefst das Gebäude nach unten ab. Eine ähn- 
liche Randleiste, wie auf dem mitgelheillen Blatte, Medaillons 
mit denselben Bestiarien u. s. w. umgeben die Schrift, die, 
wie bemerkt, das Fergamentblatt demselben Werke zuweiset, 
dem auch das andere entnommen. Wollten wir aber wegen 
einiger vorkommendeu Abweichungen die Zeichnung einer an- 
deren Hand, etwa einem zweiten kunstsinuigen Klosterbruder 



zuschreiben, so träte bei der \ ,;rwiegenden Uebereiustimmung 
statt der Individualität eines einzelneu Mannes die eines Klo- 
sters hervor, die nach damaligen Verhältnissen ja nicht weni- 
ger bestimmt sich auszuprägen vermochte, und die wir, da 
vom Bruder Matthias Stammler schwerlich etwas Weiteres 
wird in Erfahrung gebracht werden, wenn nicht einmal ein 
altes Todtenregister den Ort anzeigen wird , wo er gelebt und 
frei von Ehrgeiz seine Kunst geübt iiat, zu unserm Zweck uns 
wohl gefallen lassen können. 

Auch i[] der letztgenannten, ziemlich umfangreichen Dar- 
stellung sind die Figuren von zarter Auffassung, edler Haltung 
und sinniger Zusammenstellung. Die Gewandung trägt, obwohl 
sie hier weniger zur Geltung kommt, den anmuthenden Charak- 
ter der Epoche; die ornamentale Ausstattung zeugt von origi- 
neller Erfindung. — Das Initial des dritten Blattes trägt auf 
der linken Seite eine weibliche, auf der rechten eine männliche 
gekrönte Schlange, beide grün schattiert auf goldenem und 
blauem Grunde, mit übereck gestellten Farben. Die innere Fül- 
lung, wie die Ränder, sind genau behandelt, wie bei dem Ini- 
tial M, mit Wiederholung der Medaillons, ohne figürliche Dar- 
stellung. Der interessanteste Theil dieses bemalten Blattes ist 
aber die äufsere Raudverzierung, in welcher die Leiste selbst 
ans halben, mit Blau und Roth abwechselnden Linien zusam- 
mengesetzt ist und einen ganzen Wald eigenthümlich behandelten 
Laubwerks von sich abzweigt, das wiederum von einer Schaar 
jener seltsamen, mit bestimmtem Charakter versehenen und 
doch für den sprachlichen Ausdruck kaum fafsbaren Phantasie- 
wesen belebt ist. 

Was die Technik unseres Künstlers betrifft, möge dessen 
Eigenthümlichkeit sich nur in einer einzigen Person oder in 
der enggeschlossenen Gesanimtheit eines Klosters concentrieren, 
so ist dieselbe noch sehr einfach. Alle Zeichnung ist mit 
schwarzen Linien umrissen, der innere Raum mit einem gleich- 
mäfsigen Farbtone ausgefüllt und der Schatten, meistens im 
Anschlufs an die Umrisse, mit einem dunkleren Tone nachge- 
tragen. Auch das angewandte Glanzgold ist noch schwarz um- 
zogen, und mit der Feder hineingezeichnet. Bei den häufig 
vorkommenden Medaillons und Rosetten macht sich indefs be- 
reits das Bestreben bemerkbar, in denselben Tiefen und Höhen 
plastisch hervorzuheben. Bemerkt dürfte noch werden, dafs 
die damals blühende Wappenmalerei unserm Künstler ersicht- 
lich mit als Schule diente. INicht nur an den beschriebenen 
Hintergründen, noch mehr fällt .dieses auf am erwähnten Her- 
melinbesatz des Mantels der Heiligen, der ebenfalls ganz in 
Weise der Heraldik behandelt ist. 

Der zweite Name, der hier milzutheilen , findet sich auf 
dem ersten, leider vereinzelten Pergamentblatte einer städti- 
schen Wahlordnung, das auf der Vorderseite, über dem Beginn 
der Schrift, in goldenem, fast die ganze Breite des Kleinfolio- 
blattes einnehmendem Iiiilial-E als bildliche Füllung das jüngste 
Gericht darstellt — ohne Zweifel in Beziehung auf den fol- 
genden Inhalt des Schriftstückes. Der grofse Buchstabe ist. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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wie gesagt, einfach mit Glanzgold belegt; der innere Grund, 
zur Bezeichnung des Himmels, blau; der äulsere roth, ziemlich 
kunstlos mit gelben Ranken und blauen Blumen überzogen. In 
der Mitte, auf dreifachem Regenbogen, thront Christus als Welt- 
richter, nur mit goldgesäumlem Purpurmantel bekleidet, die 
Wundenmale zeigend, während zwei rolhe Schwerter von sei- 
nem Hunde ausgehen. In den beiden oberen Ecken blasen 
zwei Engel aus Wolken heraus die Posaune ; unten öffnen sich 
zwei steinerne Sarkophage, aus deren jedem zwei lebendige 
Leiber sich erheben. Auf den zur Seile liegenden Deckplatten 
hat der Maler seinen Namen : Linhart Fra ter und die Jahres- 
zahl 1322 angebracht. 

Die Kunst des Letzteren steht, wenn sie der Epoche nach 
auch schon vorangeschrilten ist, doch der des Bruders Matthias 
nach. Während dieser noch mit Form und Vortrag ringt, im 
geistigen Bemühen die Darstellung bereichert und zu edlem 
Stile erhebt, ist Bruder Linhart mit jenen beiden fertig und 
sucht bereits das äufsere Aussehen auf Kosten des inneren Ge- 
haltes auszubeuten. Er hat eine Schule durchgemacht und, 
überzeugt von der Wirksamkeit dessen, was er dort gelernt, 
enthält er sich, irgendwo die Probe zu machen, vergnügt sich 
vielmehr, von seiner eigenen Erfindung hinzuzuthun, und ver- 
fällt bereits in ein entschieden naturalistisches Streben. Wir 
würden das Blatt, wenn es keine Jahreszahl trüge und diese 
durch die Schrift durchaus bestätigt würde, in eine spätere 
Zeit versetzen. Es zeigt aber, dafs von der Miniaturmalerei 
im Verhällnifs zur Wand- und Tafelmalerei gilt, was etwa von 
der Goldschmiedekunst im Verhältnifs zur Architektur: die 
kleineren Künste eilten in Aus- und Ueberbildung der Formen 
und Iheilweise selbst der Technik den gröfseren voraus. — Auf 
dem in Rede stehenden Blatte ist in den nackten Theilen ein 
kräftiger Lokallon als Unterlage gegeben; die Muskniatur ist 
mit einem bräunlichen Schaitenlone convenlionell eingezeich- 
net; das Licht weifs, mit feiner Schraffirung und berechneter 
Strichlage aufgesetzt. An der Figur Christi ist bereits ent- 
schieden die Wirkung des Reflexes vom rothen Mantel mit in's 
Auge gefafst; Alles aber handwerksmafsig behandelt. Die Fal- 
ten des Mantels weisen zwar im Allgemeinen noch den ge- 
schmeidigen Flufs auf, der im 14. Jahrhundert die Draperie 
charakterisirt, aber manche wulstige Lage drängt sich mit ein, 
die, um einen Schritt weiter geführt, den knitterigen Bruch 
der folgenden Periode an's Licht stellt. Das Interessanteste 
an dieser ganzen Malerei ist jedenfalls, dafs sie die Phase ih- 
rer Entwicklung an einen so genau bestimmten Zeitpunkt 
knüpft und dadurch zum Anhaltspunkt für andere wird. 



lilterärlsclie Forsc Illingen. 

Von Subrektor Franck zu Annweiler. 
(Schlufs.) 

9. Discessus Friderici Henrici Auriaci Principis, a 
fratre Mauritio (qui mnoitionem Mondorfii supra Colonia me- 



dio Rheno excitarat, quae a forma clericalis galeri Pfaffen- 
mUz dicta) cum Hrma equitum manu et Anglis aliquot equiti- 
bus Vnioni subsidio missus, postquam dominari Spinolam et 
Palatinus Weterauiaeque nullo impediente potiri videt, taedio 
verum cum Batauis suis in Belgium reverlit (1620) ansamque 
prouerbio dedit: Er gehet durch wie ein Holländer. I, 75. 
Vergl. Imm. Weberi specimen Paroem. historic. Gissae 
1718. 4. S. 5 — IC. 

Ita famosa illa vnio . . . austro blandientium persuasionum 
grauida cum equabus Hispaniae ventos vanitatis peperit. 
Der vnirten Trew ging gantz verlorn 
Kroch endlich in ein Jägerhorn : 
Der Jäger blies sie in den Wind 
Das macht das man sie nicht mehr find. I, 75. 
Vergl, Weller Ann. I, S. 125 — 126. 

10. Fama est hoc tempore [1619 — 1621] Hispanos aureis 
et argenteis hastis pugnasse cum Vnionum exercitu in Palati- 
natu, pluraque tarn auro quam ferro administrata esse: Vnde 
tum prouerbinm ortum : Hispanicos dublones (JDuhlonm) 
facere duplices uebulones. I, 75. 

11. Das dich der Limbach schlage. 

Paulo ante hanc pugnam (ad Lanam fluvium ann. 1625) 
Tillius Nienburgum quoquc obsidere tentarat, vbi aulein infeli- 
cem successum habuit ; fortiter illam vrbem defendente strenuo 
gnbernalore Limbachio . . . cujusque virtus etiam apud 
hosles admiralionem habuit Nam recedentes Nienburgo Cae- 
sariani, maledicentes alicui familiari hoc dicterio sunt vsi : Das 
dich der Limbach schlage. I, 92. 

12. Post proelium Lutteranam [1626] Daniae Rex cum 
magna suorum parte Lulterä vsque Stadam profugere coactus 
fuit, indeque vulgalum diclerium ortum : 

Von Lutter bis hin nach Stade, 
War das nicht eine braue retirade? I, 95. 
Vgl. Imm. Weberi spec. a. a. 0. S. 21 — 22 

13. Fama est Wallensleiuium Consuli Stralsundensi, quem 
data securitate in castra euocauit, pro imperio iniunxisse, vt 
urbem dederet, se enim uon prius recessurum , donec voti (er 
wolte Stralsund sich bemeyslern, we es auch mit ketten an 
den Himmel geschlossen were) compos esset redditus. Ad quae 
quum Consul mascula verba reponerel, jurasse Fridlanduin : Er 
Wolle, so bald er Stralsund gewonnen, ihn im Thor vffhencken 
lassen: Consulemque appositfe regessisse : Er solle nicht ehe 
H ering ruffen, bis er i h n bei m S ch wa n tz he tte. I, 98. 

14. In obsidione Noviomagesi Hispani mililes h muris fe- 
les siispendebant, addito hoc dicterio: Alfs dese Hatten 
sollen können spinnen, Sali Graf Mauriz Nimwegen 
Winnen. Quae conuiciandi libido illis malfe cessit vrbe Mau- 
ritio Nassouio expugnala. I, 98. 

15. Inter Guslaui Adolphi anno 1630. Imperium petentis 
tribunos fuere A ch atius Tod el Maximilian Teuffei, unde: 
Der König were mit Teuffei vnd Todt in Teutsch- 
land. I, 108. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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16. De vrbc Ingolstadio totias Bavariae munitissimo pro- 
pugnaculo Maximilian. Bauariae Dux dicere solitus est: 

SI Uneben sol micti ernähren: 
Zu Ingolstat wil ich mich wehren. 
Vergl. Pistorius a. a. 0. VI, 545. 

17. Ing-olstadii in excelsa lurri ad D. Mariae reponitnr ali- 
quod lormenlum quod die Feige appellaiit. Qiium autem rex 
Sueciae in tricennali hello propugnaculum hoc tentarel, globus 
tormento isto emissus, ipsum, cui insidebat, prostravit equum, 
Vnde prouerhium adhuc in Bavaria frequens, ipsemet aliquoties 
Ingolstadij audiui : Zu Ingolstat weiset man einem die 
Feige. I, 121. 

Vergl. Pistorius a. a. 0., I, 65. 

18. Constantiam suam Landgrauius Wilhelmu s Hassiae 
[in foedere Heilbrunnensi] illustrem reddidit cuso peculiari 
nummo hac inseriptione : 

Lieber Land vnd Leute verlohren 

Als einen falschen Eyd geschworen. I, 131. 

19. Tempore Wilhelmi II. quum quidam pinnam arboris 
nauticae (des Prinzen Flagge) inuerteret ac ima summis mula- 
ret, ortum est prouerbium in Belgio minore lalum ; Die Ho- 
lunder hengen den Prinzen bey den Füssen auf f. 
Quod dictum tarnen licentiam exlegem redolet. I, 254. 

20. Regula non ficta nequam Moguntia dicia I, 282. 

Der üble Ruf der Mainzer (vgl. M a fs m a nn, Eraclius, 431) 
geht durch das ganze Mittelalter. Schon Fredegar (cap. 87) 
sagt vom Zuge Sigebert's III. nach Thüringen i. J. 640, wo 
er von Rudolf geschlagen wurde : Magaezeiises in hoc proelio 
non fuerunt fideles. Alle Verräther des karolingischen Sa- 
genkreises (Geneluu, Duolo, Reimund u. a.) sind von Mainz 
gebürtig, nicht minder Pilatus. Dafs die Brücke bei Mainz 
im Rhein versunken sei, das sei, sagt die Kaiserchronik 
im Eingange, gekommen „von der sUiide 

daz die megenzaere 

nie neheinen ir herren 

mit ganzen triuwen wonten mite : 

noch halten si den alten site." 
Nach Crusius Schwab. Chronik (von Moser; Frankf. 1733, 
fol. I, S. 601, b) gab um 1156 der niainzische Erzbischof Ar- 
nold denen, welche ihn vor einem baldigen Aufrühre seiner Bur- 
ger warnten, zur Antwort: „Die Mayntzischen Hunde sind nur 
gewohnt zu bellen aber nicht zu beifsen", und Hütten sagt 
1519 im Vadiscus (ed. Münch I, 167): „Es ist ein altSprich- 
wort : Maintz von anbeginne schaickhafftig". 

Vergl. auch Wartburgkrieg, Miliart, Ottocar etc. Imm. 
Weberi Spec. prov. bist. (Paroem. I., Moguntia ab antiquo 
nequam : Mayntz ist ein Schaick voll alter List, S. 1 — 11) Gis- 
sae, 1716. 4.; Pistorius ä. a. 0., VI, 434; Guden, Codex 
diplom. I, 117; Leihnitz, Script, rer. Brunsvic. II, 1137; 
Hessische Denkwürdigk II. 393; Rhein. Antiqu. (1739. 8), 395. 

21. Nobilis quidam Germanus interrogatns : Ecquando Ger- 
mani pacem sint habituri perpeluam? egregife respondit: Wan 



alleVhren im Römischen Reich Zugleich eins schla- 
gen werden. I, 308. 

22. Militum solenne Carmen est: Vnfried in aller 
Welt: so gelten die Soldaten das meiste Gelt. I, 312. 

23. Seit die RitterschaiTt Thurnieren vermeidt. 
Vnd die Priesterschafft im Harnisch reit, 

Vnd Wellliche Mönche Geistliche Pfarr regiren, 

So müssen Wir Land vnd Leut verlieren. 

Et alius dicit: quicquid agit mundus, Monachus 

vult esse secundus. I, 342. 
„Es ist kein spil gantz (nach dem Sprichwort) es sey 
daii ein Münch oder Pfaff darbey" versichert Seh. Franck im 
Weltbuch 1533. Fol. CXXVIII, b. 

24. Fratres ordinis Teutonici hodie in suis Commendis lu- 
xum et olium ut plurium sequntur. Vnde rythmi ; 

Kleider aus Kleider an, 

Efsen, trincken, schlaffen gähn, 

Ist die arbeit so die Teutschen Herren han. I, 349. 
So schon bei Seh. Franck Zeytbuch vnd Geschychlbibel. 
Ssrafsb. 1531. Fol. III, CXCI, b, und kurz vorher: „Wer ein 
schön Weib hat, wa Teutsch Herren sind, ein Metzen körn, 
vnd ein Hinderthür, der hat ein jar daran zu essen." CXC, b. 
„Bey den Teutsch Herren geht die Armut auff Bantoffela 
vnd tregt Sperber auff den bänden. Ebendas. CXC, b. - — Vgl. 
auch Pistorius a. a. 0. X, 1029. 

25. Rythmi, quamuis non adeö venusli, rei veritatem ta- 
men exprimentes, quos de rusticorum querela Weinheimi in 
Palatinatu legi, hi sunt: 

Der Kaiser wil haben sein Trew vnd Pflicht: 

Der Pastor will haben sein frey Quit ; 

Der Edelman spricht ich bin frey ; 

Der Jud treibt seine wucherey ; 

Der Soldat spricht ich gebe nichts; 

Der Bettelmann spricht ich hab nichts; 

Da spricht der Baur, das mufs Gott walten, 

Mufs ich diese alle erhalten, 

So geb ich mich gedultig dareio, 

Vnd wollens also zufriden sein. I, 419. 

26. Spinolano-Hispani Euangelium quin tum de Cruce 
et afflictione adeö acerbe praedicarunt, vt Palatinatus, hortus 
ille Germaniae, breui ad sterilitalem fuerit redactus. I, 436. 

27. Anno 1462. Cal. Jul. Friedericus Victoriosus 
(vulgo der böse Fritz) felicissime hostes fudit am Frohnholtz 
bey Seckenheym zwischen Heidelberg vnd Manheim. Zur ge- 
dechtnis dieses Siegs seyn diese alte Teutsche reymen: 

Als ein a mit einem i geziert, 

Vier Huefeisen werden formirt, 

Ein Axt vnd der Apostel zahl, 

Geschah die Schlacht am Neckarthal : 

Do Denge ein iunger Pfältzer 

Ein Bader, ein Laeger und ein Sältzer. I, 441. 

28. Ferendum esse Politici consulunt, quod mutari non po- 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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lest: Man müsse dem wetler seinen lauff lassen, vnd geden- 
cken wie die Bürger zu Calis [Calais?], welche das Don- 
nern, wetter-Ieuchten , vnd Platz-regen in Gottes nahmen ge- 
schehen lassen. II, 22, 

„Mar lossan's gä'h, sä'gn d' Leinsweilr." — Leinswei- 
ler ist ein Itleines DorT in der Nähe von Annweiler. Daselbst 
soll einmal ein von der Würde seines Amtes tief durchdrunge- 
ner Schulze bei einer kleinen Reise, welche er im Begriffe 
war anzutreten, den Büttel beauftragt haben, dem Gemeinde- 
rathe zu verUündeii : „Wenn es während seiner Abwesenheit 
regnen wolle, so sollten sie es gehen lassen." Seitdem müs- 
sen sie die Begrüfsung dulden: Mar lossan's gä'h, sä~g'n d' 
Leinsweilr. 

29. Commune est publicissimum prouerbium : Ein ieder 
Fürst ist Kayser in seinem Lande. Idem me olim do- 
cuil D. Conringius in praelectionibus ad Lampadium. II, 46. 

Vergl. Huld. Eyben, dissert. de orig. brocard. Ein je- 
der ist Kaiser in seinem Land. 1661. 4. Hillebrand, deut- 
sche Rechtsprichwörler, 1858. Nr. 363. Graf und Dietherr, 
deutsche Rechtssprichw. 1864. S. 487. 

30. Germanorum prouerbium et vulgaris versicnlus jam Lu- 
douici Bauari aetate fuit: 

Curia Bomana 

Non pascit ovem sine lanä. II, 75. 

31. DasCammergericht dasJamraergericht II, 208. 

32. Vulgatum est veriverbium: Vbel gesprochen ist 
wol appellirt. Ni hoc salutare remedium iura indulsissent, 
Deus bone! quantis iniquitatibus, et grauaminibus inferendis 
fenesira tum in inferioribus iudiciis aperta fuisset. II, 224. 

33. Da Demuth weint vnd Hochmut lacht, 
Da ward der Schweitzer Bund gemacht. 

Rythmi quos Bernensi armamenlario inscriptos legi. II, 237. 
Vergl. M. Stettier, Annales. Bern, 1627. Fol. I, 29, b. 
Kirchhofer, schweizer. Sprichw. Zürich, 1624. S. 113. 

34. Potentissimus pagus est Bemeosis, qui ingruente 
vi externa, accenso in proximo ad Bernam monte igne, intra 
spatinm 14. horarum 400000 hominum colligere potest. Vnde 
apud Bernenses prouerbio circumfertur : Bern a et Bern enses 
tantum possunt, quantumMediolanumetMediolanen- 
ses. II, 237. 

35. De rege Bohemiae Electorum excellentissimo vulgati 
rythmi sunt : 

Ich bin der ChürfUrsten Oberman, 
Wen man nicht wol eins werden kan, 
Wem ich dan gebe die Stimme mein, 
Das der allein mus Kaiser sein. II, 323. 
Vergl. Pistornis a. a. 0.: „Böhmen ist der ChürfUrsten 
Obermann." I, 365. 

36. Wilhelmus iunior Brunsvic. Dux duos habuit filios . . . 
Henrico sorte Brunswicensis siue Guelpherbylana, Erico 
Goettingensis Ditiones obvenere. Ericus, quum sorte ipsi ob- 
tigisset illa portio (referente Letzneri) fertur hunc rhythmum 



protulisse: Das Land Zwischen Diester und Leine: Das 
ist es das ich meine. III, 123. 

Vergl. Pistorius a. a. 0. VII, 652. A. v. Colenfeld, 
Zwischen Deisler und Leine, im illuslr. Familien-Journal 1864, 
Nr. 46. 

37. Henrici Senioris filius Henricus Junior dux Belli- 
cosus ann. 1519. cum Joäne Episcopo Hildesiensi bellum ges- 
sit. Joannes ille, ä Caesare Carolo V. proscriptus, in con- 
temptum Imperialis Banni dixisse fertur: Acht hin. Acht her 
Acht vnd Aber Acht sein Sechszehen. Excutio banni ä 
Caesare commissa est ducibus Brunsvicensibus Henrico atque 
Erico, qui Episcopum in lanlas redegerunl angustias, vt ipsi 
praeter Vrbem Hildesheim, Peina, Sleuerwalt et Marienburg ni- 
hil manserit reliquum : In hoc hello aliquoties arx Peinensis 
frustra fuit a Ducibus expugnata, vnde rythmi: 
Peine Ward gemacht so vesle, 
Das die Eule blieb im nesle. III, 123—124. 

Vergl. Anzeiger 1834, 21. 



Die »cliöne ÜTIaria. 

Die Geschichte mit den Wunderzeichen der schönen Maria 
zu Regensburg hat 1519 einiges Aufsehen gemacht. Ihr zu 
Ehren sollte eine neue Kirche gebaut werden, die jetzige pro- 
testantische Neu-Pfarr-Kirche, deren Entwurf Michael Osliidorf- 
fer *) im Voraus auf einer noch jetzt im Wationalmuseum zu 
München aufbewahrten und zu neuen Abzügen verwandten Holz- 
tafel sorgfältig ausführte. Alte und neue 'Exemplare besitzt 
Herr Graf Hugo von Walderdorff, welcher die Güte hatte, vor- 
stehende Notizen zu meiner Kenntnifs zu bringen. Die „Con- 
trafactur der Kirchen zu Regensburg . . . 1610" (Ex. in Er- 
langen und im german. Museum) kann nicht, wie es geschehen, 
als spätere Ausgabe bezeichnet werden. Auch der Text ist 
ein anderer, in Prosa und offenbar 1610 erst hinzugefügt, ob- 
gleich der Schnitt selbst von Ostndorffer herzurühren scheint. 
Von dieser „Contrafaclur" gibt es drei Ausgaben ; die eine 
von Passavant beschriebene hat den Druckfehler 1516, statt 
1519. Den Text druckte Hormayr im Taschenbuch 1843, S. 176, 
ab. Auch diese Holztafel besitzt das Nationalmuseum, und 
wurden neuere Abzüge davon angefertigt. 

Des Naglers Hier. Ell Lied von der schönen Maria kenne ich 
blos aus einem undatjerteii Nachdruck, Folioblatt mit Holzschnitt- 
Bandeinfassung ohne Bildnifs, welcher die offenbar gelreue Or- 
thographie zu meiner Nr. 1205 (Repert. typogr.) geliefert; und 
den ich vor zwei Jahren bei Hrn. Antiquar Butsch in Augsburg 
gesehen. Derselbe erschien 1610 — 1619, wahrscheinlich zum 



*) Wenn Passavant T. III, p. 304 und 315, das Blatt dem Altdor- 
fer zuschreibt, so ist dies ein Märchen, das auf einer Tinten- 
fälschung des Monogramms bei dem Exemplar der Alberlini- 
schen Sammlung in Wien beruht, wo indefs das Oslndorffer'- 
sche Zeichen trotz der Corrcclur noch deutlich erkennbar ist. 



143 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



144 



huriderijährigeii Gertächtiiifs. Graf von WalderdorlT hat einen 
nach 1717 besorgten Abdruck des Liedes, Folioblatt mit Kupfer, 
oft gesehen und selbst in Besitz Auf diesem Blatte erscheint 
unter dem Regensburgcr Stadtwappen, den Schlüsseln, der heil. 
Cassianus ; die Andacht zur schönen Maria wurde aber erst 
nach 1747 in der Cassiansliirche erneuert. Der Orignaldruclt 
von 1519 ist bisher nirgends zum Vorschein gekommen, also 
wahrscheinlich verloren. 

Zu den beiden 1519 entstandenen Gedichten, INr. 1303 und 
Nr. 1304 meines Repert. typogr. wSre nichts zu bemerken, 
als dafs auf beiden Titeln dieselben Distichen stehen und dafs 
Nr. 1303 sich auch in der Regensburger Kreisbibliothek beßndet. 

Das letzte Gedicht von 1522 ist noch heule in vielen Exem- 
plaren verbreitet, weil in jenem Jahre das Interesse an der 
Sache erkaltet, nicht mehr viele Leser erweckte, der Verbrauch 
daher schwächer geworden war. Ich habe es vielfach gesehen; 
unter Anderem existiert es im german. Museum, in München, 
Berlin, bei Hrn. v Walderdorff u. s. \v. Die Wunderzeiclien, 
wie sie das Gedicht erzählt, gehen von Montag nach Sebastian! 
1521 bis Mittwoch nach Annuntialionis 1522. Vergl. Panzer''s 
deutsche Annalen Nr. 1551. Laut der vorhandenen Kirchen- 
rechnnng hat es Paul Kohl gedruckt. 

In das Jahr 1519 schlägt ein der Regensburger Kreisbi- 
bliothek gehöriges Folioblatt mit einer Copie der Dürer'schen 
Maria (mit dem Jesuskinde auf einem Halbmond stehend) und 
40 lateinische Distichen und 12 Hexametern, kein Regensburger 
Druck, mit dem Titel: 

Ad formosam Virginem Mariam | Rastisponae in area Ju- 
daeorum expulsorum gratiose residen | tem et Grandibus mira- 
culis cornscantem | Jacobi Locher Philomusi | elegia votiva. 

Ein Jahrhundert später wird das von GumpeUhaimer be- 
schriebene Bild der schönen Maria, ein Folioblalt mit Kupfer, 
entstanden sein, welches den Titel führt: „Gründliche Nach- 
richt von der schönen Maria in Regenspurg u. s. w." Demsel- 
ben sind mit alten Typen Titel und Distichen der Nr. 1303 
vorangedruckl. 

Ein Kupferstich mit 4 Zeilen erklärenden Textes und der 
Ueberschrift: „Wahre Abbildung der so genanten Regenspurgi- 
sehen Capelle zur schönen Maria" in Hochquart, aus dem vo- 
rigen Jahrhundert, ist im Besitz des Grafen von Walderdorff. 

Am häufigsten gedruckt wurde das Prosabüchlein, meine 
Nummern 1339 und 1340, dessen Original- Manuscript Herr 
v. Walderdorff besitzt. Verfasser war der 9 Jahre später zum 
Feuertod verurtheilte Dr. Balthasar Ilubmör. Zu den von mir 
beschriebenen zwei Ausgaben kommen noch zwei andere hinzu, 
die ich hier zum Schlufs aufführen will : 

In disem bicchlin sind begriffen, die | vvunderbarlichen 
zaichen bcschehen zu Regenspurg zu der { schönen Maria der 



muetter gottes. (Holzschnitt) Regenspurg. AmSchlusse: 
Ist allhye | zu Regenspurg gewest, auff montag nach Michaelis. 
Lob sey got, | vnd der schönen Marie. 

o. J. (1520). 12 31. 4. (letztes leer). Die 4. Titel- 
zeile im Holzschnitt. — Im Besitz des Hrn. Grafen Hugo von 
Walderdorff. 

In dysem buchlein seindt begrif ( fen die wunderbarlichen 
zaychen, beschehen zu Regen- | purg zu der schönen Maria der 
mutter gottes. | (Holzschnitt) | Regenspurg. 

o. J. (1520). 48 Bl. 4. — In Regensburg (wo nur 11 
Bl. vorhanden). 

Meine Nr. 1339 ist demnach nicht in Regensburg. 

Emil Weller. 



IVanii kamen die Wörter ,, Soldat" und ,,Prln- 
cessin" in den deuti^^ciien SpraelijE^ebraueii ? 

Ich weifs zwar nicht, ob das Wort „Soldat" nicht schon 
früher in der deutschen Sprache eingebürgert war ; aber mir 
begegnete es in der Bedeutung, wie es etwa jetzt verstanden 
wird, zum ersten Male im Jahre 1551. Damals wurde das spa- 
nische Kriegsvolk, das bisher in Schweinfurt gelegen, nach 
Windsheim verlegt. Der dortige Rath ersuchte die Stadt Nürn- 
berg, ihm Jemand zu schicken, der der spanischen Sprache 
kundig wäre, wo möglich, den Michel Stresenreuter. Darauf 
antwortete Nürnberg unterm 7. März, Stresenreuter sei nie in 
der Stadt Nürnberg Diener, wohl aber „vnser Soldaten einer" 
gewesen. Vor zwei Jahren habe er seinen Abschied genom- 
men, und jetzt halte er sich in der Gegend von Weifsenburg 
auf. Dagegen könne man Windsheim den Hanns Kleindienst 
Oberlassen, der auch der spanischen Sprache kundig und mit 
dem Kriegsvolk und seinen Obersten wohl bekannt sei. 

Dasselbe dürfte mit dem Worte „Princessin" der Fall sein. 
Es ist mir nie vorgekommen, dafs die Töchter deutscher Für- 
sten vor der Mitte des 16. Jahrhunderts mit diesem Worte be- 
zeichnet wurden. Zum ersten Male fand ich es in einem Schrei- 
ben des Raths zu Nürnberg an seinen Syndicus Dr. Christoph 
Gugel, der im März 1550 wegen Erwerbung des Schlosses Har- 
tenstein an den churfürstlichen Hof zu Heidelberg abgesendet 
worden und den Auftrag erhalten, behufs Beschleunigung dieses 
Geschäftes die „Princessin" mit 500 oder 1000 fl. zu verehren. 

„Soldat"*) und „Princessin" haben sich meiner Ansicht 
nach unter Carl V. und Ferdinand I. aus dem Spanischen in's 
Deutsche eingebürgert, — jedoch Alles salvo meliori. 

Nürnberg. Baader. 

*) Vgl. Du Cange, glossarium etc., ed. Henschel, tom. VI, p. 288b. 
(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenweio. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



U. £. Sebald'sche Buchdrackerei. 



BEILAGE ZÜ3I ANZEIGER FÜR BUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1866. JV? L Aprü. 



Chronik des germanischeii Museums. 



Zu unserer innigsten Freude sind wir auch diesmal in der ange- 
nehmen Lage, unsern Monatsbericht mit einer Reihe der erfreulich- 
sten Nachrichten zu eröfTncn. 

Seihst jenseits der dermaligen Grenzen unseres Vaterlandes, an 
die wir uns übrigens mit unseren der Erforschung und Veranschau- 
lichung germanischer Vorzeil, ge r m a n isc h e r Sitte und Ge- 
bräuche gewidmeten Sammlungen und Arbeiten unserer Anstalt ohne- 
hin nicht binden können, der Unterstützung gewürdigt zu werden, 
ist für unser nationales Werk gewils ein höchst ehrenvolles Zcug- 
nifs. Es wird deshalb allen unsern Gönnern und Freunden in ho- 
hem Grade erfreulich sein, heute zunächst zu hören, dals der von 
des höchslseligen Königs der Belgier, Königs Leopold'« I. Majestät 
dem germanischen Museum als Schriftenabonnement seit Jahren ge- 
währte Zuschnis von jährlich 50 Franken, von dessen königlichem 
Nachfolger, König Leopold 's II. Majestät unserni Institute auch 
für die Zukunft in huldvollster Weise belassen worden ist. 

Nächstdem haben wir unserer neulichen Mittheilung bez. der 
vom Stadlralhe zu Leipzig zum Zwecke des Ankaufes der freiherrl. 
V. Aufsefsischen Sammlungen uns gewordenen reichen Beihülfe heute 
die angenehme Nachricht folgen zu lassen, dafs zu eben gedachtem 
Zwecke auch von Dresden aus, der Geburt sstätle des ger- 
manischen Museums — denn dort gelangte am 17. August 1852 
in der unter Vorsitz Seiner Majestät des jetzt regierenden Königs 
Johann von Sachsen tagenden Versammlung deutscher Geschichts- 
und Allerthumslorscher, die von Seite des Freiherrn Hans v. u. z. 
Aufseis Jahre lang unablässig verfolgte Idee der Gründung eines 
deutschen Nationalmuseums zu ihrer Verwirklichung — ein gleicher 
Beilrag uns zugeflossen ist, indem der Rath genannter kgl. Residenz- 
uud Hauptstadt, in erfreulichstem Einverständnisse mit dem Colle- 
gium der dasigen Stadtverordneten, zur Minderung der unserer An- 
stalt durch den Ankauf jener Sammlungen erwachseneu Schuld die 
Summe von 200 fl. in wohlgeneigtester Weise und unter der er- 
muthigenden Zusage uns zur Verfügung gestellt hat, auch in Zu- 
kunft gern jede Gelegenheit ergreifen zu wollen, die patriotischen 
Zwecke unserer Anstalt nach Kräften fördern zu helfen. 

Möge das von den Städten Dresden, Leipzig und Heil- 
brunn, die zum Ankaufe der freiherrl. v. Aufsefsischen Sammlun- 
zen zusammen die Summe von 500 fl. beisteuerten, gegebene Bei- 
spiel patriotischer Liberalität und deutschen Gemeinsinnes Seitens 
anderer Gemeindevertretungen des Vaterlandes durch recht vielfache 
Nachahmung die verdiente, die gebührende Anerkennung finden, 
dann wird die Schuld, deren Minderung eine Sache der Pietät für 
uns und deren Abtragung eine Ehrensache für die deutsche Nation 
ist, bald gänzlich ihre gewünschte Bereinigung gefunden haben. 

Und wie von Dresdens Rath und Bürgerschaft in vorgedachter 
Beziehung uns treffliche Unterstützung geworden ist, so hat in die- 
ser lieben Stadt auch eine andere, in diesem Blatte schon mehrfach 
zur Sprache gekommene Angelegenheit neuerdings wiederanerkennens- 
werlheste Förderung gefunden, nämlich die von unserm I. Sekretär, 



Dr. Erbstein, der nationalen Anstalt zugedachte unentgeltliche 
Ueberweisung der von ihm s. Z. daliier erstandenen Sammlung von 
Modellen ehemals reichsstadtisch nürnbergischer Kriegswerkszeuge. 
Wie wir sehr dankbar erkennen, ist dem Ankaufe dieser in mehrfacher 
Beziehung interessanten Collection zum ehrenden Gedächtnifs des ver- 
storbenen, durch seine kunsthistorischen Sammlungen in weiten Krei- 
sen bekannten und auch um unser nationales Institut verdienten kgl. 
preuls. Generalmajors Freiherrn Carl Rolas du Rosey von des- 
sen Tochter Freifräulein Clara Rolas du Rosey in Dresden der 
Betrag von 110 fl. gewidmet worden. Möge die neue, reiche F'ör- 
derung, die hiemit einem zur Ausschmückung unseres nationalen 
Werkes begonnenen Unternehmen sich zugewendet, demselben noch 
weitere Betheiligung zuführen und somit die Hoffnung und der Wunsch, 
die Seitens des Deponenten jener Sammlung an deren Uebertragung 
in die Hallen unseres Nationalmuseums geknüpft wurden, in vollstem 
Mafse sich verwirklichen. 

Bezüglich einer andern sehr erfreulichen Nachricht, die vom 
Vorsitzenden des unseren freundlichen Lesern bereits rühmlichst be- 
kannten Mannheimer llülfsvereins unseres Institutes, dem um unsere 
Anstalt schon hochverdienten und mit seltenem Glücke für uns wir- 
kenden Herrn Prof. Dr. C. B. A. Fickler, uns neuerdings gewor- 
den ist, behalten wir uns vor, unseren Gönnern und Freunden in 
unserm nächsten Monatsberichte Mittheilung zu machen. 

Von unseren Sammlungen hatten sich im letzten Monate hervor- 
ragender Zugänge die Bibliothek und das Antiquarium zu 
erfreuen. Ersterer giengen als Geschenk Sr. Excellenz des Herrn 
Generallieutenanis F'reiherrn Seulter v. Lölzen, Gouverneurs der 
deutschen Bundesfestung Rastatt, eine bedeutende Anzahl ihr noch 
fehlender Schriften zu ; letzteres wurde auf Vermittlung des Herrn 
Rittmeisters v. Humberl in Aschersleben vom dortigen Hrn. Buch- 
bindermeister Dahle mit einer Anzahl wohlerhaltener, bei dem Dorfe 
Frohse in Anhalt gefundener Urnen beschenkt. 

Tiefbetrübt hat uns die Nachricht von dem am 18. März d. i. 
erfolgten Tode des kgl. pr. Archivrathes Dr. Lacorablet in Düs- 
seldorf, um so mehr, als der Verstorbene, seit Januar 1859 Mitglied 
unseres Gelehrlenausschusses, an der Förderung unseres nationalen 
Institutes in wesentlicher Weise Aniheil genommen hat. 

In Schriftentausch mit uns ist neuerdings getreten : 
der naturwissenschaftliche Verein für Steiermark zu 
Graz. 

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu Waidenburg in Sach- 
sen und zu Krumbach in Bayern. 

An neuen Geldbeiträgen brachte der vergangene Monat noch 
folgende : 

Aus öffentlichen und Vereins -Kassen : Vom Magistrate 
zu Kissingen 5 fl. ; ferner vom Gewerbevereine zu Kirch heim 
a. T. 1 fl. 45 kr., und als Reinertrag einer vom Herrn Stadtverordne- 
ten G. L. Göldner, Pfleger unseres Institutes für Laucha (Preul'sen), 
veranstalteten Abendunterhaltuug 15 fl. 

Von Privaten: Elbogen: R. Aichhorn, pens. k. k. Postoffi- 
zial, 1 fl. 10 kr., Franz Ileisinger, Professor, 2 fl. 20 kr., Ferdinand 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Schwaab, k. k. Sieuereinnehmer, 1(1. 10 kr., Dr. jur. Ileinr. Siradal 
2fl. 20kr., Joh. Tuziiia, Professor, 111. lOkr.; Freiberg: Kobert 
Friedrich Hirt, Fahrikhesilzer, 1(1. 45kr.; Freudensladl (Würt- 
temberg): Dr. med. Wjedersiieim 1 fl. ; Germersheim: Stadivikar 
Heman Id., Kitzing, k. Major, 111. 4ökr., Plarrer .Maurer in Bell- 
heim lfl.45kr., Bezirksarzl Dr. Schmaul.': 1 II. 4.') kr. ; Kissingen: 
J. Bergmann, Kaufmann, 1 (1., Dr. K. Boxberger, prakt. .VrzI, 1 (1., t'h. 
Heufsiein F'reiherr von Eulsenheim öfl,, Überstaatsanwalt Wagner in 
Lörrach, 2(1.; .Mindelheini (Bayern): v. .\mmiin, k. Landricliler, 
in., Karl Rosenberg, k. Notar, 111.; Naila: Friedrich Borger, Fa- 
brikant, 1(1. 12 kr., Ludwig Borger, Fabrikant, 1(1 12 kr., Phil. Dilt- 
mar, llamraergutsl estzer, in Oberklingenspom 1(1. 12 kr., Elchen- 
miiller, k. Landgerichls-Asscs.'or, 1 (I. 10 kr., (iuslav LintI, k Bezlrks- 
Amlmann, 1(1. 12 kr., PInkas .'■kulsi h, i\olar, 1 fl. 12 kr., Sondennann, 
k. Landrichter, 1(1. 10 kr., Otlm. ThIrolT, haulmann, in t'ulmitz, 10. 
12 kr.; Nürnberg: Gg. Molsel, Akademiker, 1 (1, K. Gilbert Whreler, 
Consul d. V. St. V. Nordamerika, 1 (1. ; Osnabrück : Dr phil. Esch 1 fl. 
lOkr.; Pesth: Friedr. Kirchhof, (iaslwirlh, 1 fl. 10 kr., Joh. Tr mple, 
Ingenieur und .Strecke n-Chef der k. k. privll. Slaalshahn-Gesellschafl 
in Wailzen, 1 fl. 10 kr. ; Ulm: Rechts- Consulerit Dicirich IH., Jos. 
Steiner, Fabril>ant in Laupheim, Ifl.; Waldinohr (Pfalz): Friedr. 
Bulenschön, k. Gerichl.ssihreiber, Ifl., Friedr. Cuny, k. Notar, Ifl. 
45 kr., Jakob Eberhard, k. Gerichlsvollziclier, 1 fl.. Karl Kampf, kgl. 
Landrichter, 1 fl.. Eduani Ney, Reviergehilfe, 1 fl., Ritter, Rechts Can- 
didal, in lloch.'pejer Ifl., F'riedr.. Scherer, Biirgermeister, Hl., Chri- 
stian Schlemmer, Gastwirth, Ifl.; Zwenkau (Sachsen): C. B. 
Schaarschmidt , Commissär zu Rittergut Imnitz und Kot^chbar 3 fl. 
30 kr. 

Wahrend des letzten Monats glengen unsern Sammlungen aulser- 
dem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende (ieschenke zu: 

I. Für das Archiv. 

Dr. Mooren, Pastor, in Wachtendonk : 

3336. Akten über die Einführung der Aug.-burger Conlession in 
Dortmund. Anfang des 17. Jahrhunderts. Pap. 

J. Iiiebermann, Restauraleur, in Nürnberg: 

3337. Copie eines Schreibens des Markgrafen Georg Albrecht von 
Brandenburg an den Bischof von Bamberg, eine Zehentsache 
der Imhof zu Nürnberg betr. 1G61. Pap. 

II. Für die Bibliothek. 

Anton Kutschera In W'e'az (Steiermark): 

19.173. Ders , Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen: 3 Bogen. 8. 
Anton Emmert in Riva : 

19.174. II Commercio di Riva antieo e moderno. 1844. 8. 
Antitiuarisch - historischer Verein für Xahe und 

Hunsrücken in Kreuznach : 

19.175. Ders., sechster Bericht. 1865. 2. Nebst: Vierter Bericht 
über die Sammlung des Vereins. 1861. 4. 

J. J. Trost, k. k. akadem. Rath, Professor und Bibliothekar, 
in Wien: 

19.176. Ders., Proportionslehre, mit einem Kanon der Längen-, Brei- 
ten-, und Profilmaase aller Ihelle des menschlichen Körpers. 
1866. 4. 

Jos. Ant. Finsterlin, Buclihandl., in München: 

19.177. Bayerischer National Kalender f. d. J. 1865, 1866. 4. 
Sch'weig'hauser'sche Verlag.-handl. in Basel: 

19.178. Slockmeyer u. Reber, Beiträge 7ur Basler Buchdruckerge- 
schichte.' 1810. 4. 

Franckh'sche Verlagshandlung in Stuttgart ; 

19.179. Hagen, zur politischen Geschichte Deutschlands. 1842. 8. 

19.180. Ders., Fragen der Zeit. 2 Bde. 1845. 8. 

19.181. Siherr, allgem. Geschichte der Literatur; 2. Aufl. 1861. 8. 

19.182. Flegler u. Rückert, allgem. Wellgeschichte. 8. 
Franzen & Grosse, BucbhanJI., in Stendal: 

19.183. (iölze, Geschichte des (iymnaslums zu Stendal. 1865. 8. 
Ed. Schmid, Pfarrer, in Pfilfelbach b. Apolda: 

19.184. Bote des Gustav-.\dolf- Vereins aus Thüringen. 18. Jhrg. 
1865. 8. 



Dr. "Wilh. Stricker in Frankfurt a. M. : 

19.185. Ders., d. deutsch walsche Sprachgrenze in der Schweiz und 
Italien vor 300 Jahren. 8. 

19.186. Ders., zwei ungedruckte Briefe Gothe's. 8. 
Comite der Tiedge -Stiftung in Dresden; 

19.187. Ders., Mlliheilung über die Tiedge Stiftung. 1865. 4. 
K. Gesellschaft der 'Wissenschaften In Göitmgen: 

19.188. Dies., Göllingische gelehrte Anzeigen; 1865, Bd. I. u. II. 
1865. 8. 

19.189. Dies., Nachrichten von der k. Gesellschaft der Wissenschaf- 
ten und d. Georg-Augusts- Universität aus d. J. 1865. 8. 

Maatschappjj der Nederlandsche Letterkunde in 
Leiden : 

19.190. Dies., Handelingen en Mededeelingen. 1865. 8. 

19.191. Dies., Levensbcrichten der afgcstorvene Medeleden ; 1865. 8. 
Oberlausitzische Gesellschaft der "Wissenschaften 

in Görlitz : 

19.192. Dies., neues Lausllzisches Magazin; 42. Bd. 1865. 8. 

19.193. Dies., dem Herrn Karl Wilh. Dornick etc. 1865. 4. 

19.194. Die?., dem Rector u. Lehrer- Collegium des Gymnasiums zu 
Görlitz. 1865. gr. 2. 

Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der 
Natur- und Laudeskunde in Brunn: 

19.195. Dies., Milthellungen etc. 1865. 4. 

Statistisches Bureau des k. sächs. Ministeriums des 
Innern in Dresden : 

19.196. Dass., Zeilschrift etc., 11. Jhrg. 1865. 4. 
K. Universilät zu Greifswald: 

19.197. Dies., Index scholarum etc. 1866. 4. 

19.198. Dies., Verzeichniis der Vorlesungen etc. 1866. 4. 
Dr. Heinr. Schreiber, Professor, in Freiburg: 

19.199. Ders, der deutsche Bauernkrieg; 3 Thie. 1863-66. 8. 

19.200. Ders., zur Geschichte der Baukunst u. Baumeister in Frei- 
burg. 1866. 8. 

Dr. Fr. V. Kobell, Univcrsitats-Professor, in München: 

19.201. Ders., zur f harakterislik oberbayerischer und verwandter 
Diaifcl-Pocsie. 1806. 8. 

Dr. K. Back, geh. Regierungsrath, in Altenburg: 

19.202. Ders., fliegende Blatter; XXIII -XXVIL 8. 

19.203. Xenophontis gnomologlae etc. 1558 kl. 8. 

Dr. H. C. von der Gabelentz, w. geh. Rath u. Staatsmi- 
nister a. D., in Altenburg: 

19.204. Ders., die ausgestorbenen .\delsfamilien des Osterlandes. 8. 
Sonderabdr. 

Geschichts- u. Alterthumsforschende Gesellschaft 
des Osterlandes In Alienburg: 

19.205. Dies., Mittheilungen elc. VI, 3. u. 4. Heft. 1865. 8. 

Societe des bibliotheques communales du Haut- 
Rhin in Colniar: 

19.206. Dies., IL seance de la 2de. annee; I. seance de la 3me. an- 
nee. 1865. 1866. 8. 

Dr. V. Falkenstein, k. sächs. Staatsminister, Excellenz, in 
Dresden : 

19.207. Archiv für die sächs. Geschichte, herausg. v. K. v. Weber. 
4. Band. 1865. 8. 

K. b. Akademie der Wissenschaften In München: 

19.208. Dies, Silzungsberichle: 1865, II. Heft 3 u. 4. 186.5. 8. 
Dr. A. Birlinger in München: 

19.209. Ders, alemannisches Büchlein von guter Speise. (1865.) 8. 
Sonderabzug. 

A. Essenwein, I. Vorstand des german. Museums: 

19.210. Ders., das Princlp d. Vorkragung u. d. verschied. Anwen- 
dungen u. Formen in d. millelalterl. Baukunst. 1861. 4. 
Sonderabdr. 

19.211. Ders., d. innere Ausschmückung der Kirche Grofs-Sl.-Martin 
in Köln. 1866. 8. 

19.212. Sulzer, Octavius L. L. Trophimvs VI vir sibi et secvndae 
vxori etc. 1861. 8. Sonderabdr. 

19.213. Didron, soci^tß d'Arundel pour la propagation des Oeuvres 
d'art. 4. 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



150 



Museum Francisco-Carolinum in Linz: 

19.214. Dass., 25. Bcriclil etc. 1865. 8. 

Dr. H. K. Brandes, Gymnisial-Professor u. Rektor, in Lemgo: 

19.215. Ders., d. Heiligen u. d. Teufel mit Himmel u. Hölle in den 
geogr. Namen. ISüü. 4. Progr. 

Dr. Sachse, Überlehrer, in Berlin: 

19.216. Ders., über Johannes den Taufer im Mittelalter. 1866. 8. 
Aug;. Hopfer, Buchhandl., in Burg: 

19.217. Frick, e. Hof- Pfalz- Grafen-Diplom Joh. Bists. 1866. 4. 
Progr. 

H. J. Kämmel, Direktor u. Professor des Gymnasiums u. der 
Realschule in Zittau : 

19.218. Michael, de sequentia mcdiae aelatisDies irae, dies illa dis- 
sertatio. 1866. 4. Progr. 

19.219. Brösing, Nachrichten üb. d. allgem. Stadtschule in Zittau. 
1,S66. 8. Progr. 

Chr. Winter, Verlagshandlung, in Frankfart a/iM.: 

19.220. Sinirock, d. deutschen Volksbücher; 12. Bd. 1865. 8. 
Constantin Ziemfsen, Verlagshandl., in Danzig: 

19.221. Jlannhardl, Roggenwolf u. Roggenhund; 2. verm. Aufl. 
1866. 8. 

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung in Leipzig: 

19.222. Hinriclis' fünfjähriger Bücher-Catalog : 111. Bd. 1866. 8. 
Historisch-antiquar. Verein des Kantons Schaffhau- 
sen in Schallhausen: 

19.223. Ders , Beitrage zur valerländ. Geschichte; IL IL 1866. 8. 
Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark in 

Graz : 

19.224. Ders., Mitlheilungen; L — IIL Heft. 1863-65. 8. 
IMfag'yar Tudomänyos Akademia in Pest : 

19.225. Hunfalvy, a magyar birodalom termeszeti viszonyainak lei- 
riisa; III. köt. 1865. 8. 

Verlag der Frauenzeitung in Stuttgart: 

19.226. hirchenschmuck etc.: XIX. Bd. 1. Hell. 8. 
Wilh. Hertz, Verlagshandl., in Berlin: 

19.227. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquelleu im Mittelalter; 
2. Aufl. 1866. 8. 

Historischer Verein für das wirtembergische Fran- 
ken in Weinsberg: 

19.228. Ders., Zeilschrift; VII. 1. 1861. 8. 

K. Universitäts-Bibliothek zu Göttingen; 

19.229. Die Accessionen der k. Universilais Bibliothek in Götlingen, 
1854 u. 55, 56, 57, 58, 59, 60, 6!, 62, 63 u. 64. 8. 

Dr. la. A. Warnkönig, geh. Ilofrath, in Stuttgart: 

19.230. Seances et iravaux de l'academie des sciences morales et 
polltiques; 23. et 24. annee, t. 67 74. 1864-65. 8. 

19.231. Messager des sciences hisloriques etc. de Belgique; ann^e 
1864. 8. 

19.232. Zeitschrift f. exakte Philosophie, herausg. v. Allihn u. Zil- 
ler; Bd. I, 1. 8. 

19.233. Alberdingk Thijm, une fete populaire en Allemagne; r^pre- 
sentation du mystere de la passion a Oberamniergau. 1860. 8. 

19.234. Die Ivirchenfrage in d. würltemli. Kammer. 1861. 8. 

19.235. V. Ketteier, soll die Kirche allein rechtlos sein. 2. Aufl. 

1861. 8. 

19.236. Alberdingk Thijm, \ei fils ain^s de l'eglise. 1861. 8. 

19.237. Die alten und die neuen Stande. 1862. 8. 

19.238. Alberdingk Thijm, Vazon, eveque de Li6ge, et son temps. 

1862. 8. 

19.239. Bormans, traduction romane dune homelie et d'une ^pitre 
de St. Gregoire-Le Grand. 1862. 8. 

19.240. Boyer, le Champ du mensonge, an 833. 1862. 8. 

19.241. Lhoest, le progres au dix-neuvieme siede. 1862. 8. 

19.242. Friedberg, d. Mifsbrauch der geistl. Amtsgewall. 1863. 8. 
Sonderabdr. 

19.243. Alvin et Chauvin, exposilions dcx iravaux graphiques et 
plastiques ex^cutes dans les ecoles de Baviere, de France 
et du royaume de Wurlemberg. 1863. 8. 

19.244. V. Keller, altdeutsche Handschriften; 1. 2. 1864. 8. 

19.245. Des abus du regime parlamentaire. 2. cd. 18G4. 8. 

19.246. Gralama, oratio de juris naturalis hac nostra aetale studio. 8. 



19.247. Waulers, sur la carte de la Gaule sous le proconsulat de 
Cesar. 8. 

Direktion des Gymnasiums in Donaueschingen: 

19.248. Programm des gr. Gymnasiums in Donaueschingen. 1865. 8. 

19.249. Rapp, d. Helvetier im J. 58 v. Chr. 1865. 8. 

Verein für Landeskunde von Nieder-Oesterrelch in 

Wien : 

19.250. Ders., Blätter etc. 1865, l. Jhrg. Nr. 1. — 6. 8. 
Freiherr v. Seutter, Generallieutenant, Gouverneur der deut- 
schen Bundeslestung Rastatt : 

19.251. Publication der Rom. Key. Hay. zwischen der Oherkeit und 
den Kirchendienern Augsp. Conf. in der Stadt Augsburg. 
1586. 4. 

19.252. Müller, Augspurgische Händel so sich daselbsten wegen der 
Religion . . . zugetragen. 1586. 4. 

19.253. Müller, Send- und Trostbriell an seine liebe Landtsleut etc. 
1583. 4. 

19.254. Der Herreu Pfleger vnd (ieheimen Rsih des h. Reichsstatt 
Augspurg warhaH'ter gegenbericht elc. 1587. 4. 

19.255. Gegnindle chrisll. Antwort der jetzig. Euangel. Predicanten 
in d. Statt Augspurg etc. 1586. 4. 

19.256. Frick, templum parochiae Ulniensium, Ulmisches Münster etc. 

1731. 4. 

19.257. Schelhorn, kurtze ReformationsHistorie d. k. fr. Reichs-Stadt 
Memmingen. 1730. 8. 

19.258. Georgii, Nachricht v. d. Sladt u. d. Marggrafthum Ansbach. 

1732. 4. 

19.259. Riccius, zuverlalsiger EntwurfT v. d. landsäl'sigen Adel in 
Deutschland. 1735. 4. 

19.260. Slieber, hislor. u. topogr. Nachricht v. d. Fürstenthum Bran- 
denburg- ünolzbach. 1761. 8. 

19,'261. Loy, geisl- und weltliche Geschichte der des h. röm. Reichs 
freyen Stadt Leulkirch. 1786. 8. 

19.262. Fischer, slalisl. u. topogr. Beschreibung des Burggraftum« 
Nürnberg u. d. G. elc. 2 Thle. 1787. 8. 

19.263. Leben ü. Charaktere berühmter und edler im J. 1790 ver- 
storbener Manner. 1792. 8. 

19.264. Will, Geschichte u Beschreibung d. Nürnb. Landstadt Alt- 
dorL 1796. 8 

19.265. Briefe über Ansbach. 1797. 8. 

19,266 Burger, hislor.-statisl.-topogr. Beschreibung des Dorfes Über- 
kingen. 1809. 8. 

19.267. Mayer, des llieron. Osorius Abhandlung über den Adel im 
Staate. 1828. 8. 

19.268. Fleischner, d. Reichs-Versammlung zu Augsburg etc. 1830. 8. 

19.269. Hock, Geschichte u. Beschreibung der Sladt Baiersdorf und 
der Kuiiie Scharfcneck. 1834. 8. 

19.270. Grüneisen u. Manch, Ulm's Kunstleben im Mittelalter. 1840. 8. 

19.271. Pfafl^, wurtlembergisches lleldenbuch. 1840. 8. 

19.272. Sugenheim, Baierns Kirchen- und VolksZustände im 16. Jahr- 
hundert. 1842. 8. 

19.273. Heinz( n, d preulsische Büreaukratie. 1845. 8. 

19.274. Püttmann, Promotheus ; L u. IL 1846. 8. 

19.275. y. Böse, Handbuch d. Geographie, Statistik u. Topographie 
d. Königr. Sachsen. 1847. 8. 

19.276. Eiselein, Geschichte u. Beschreibung der Stadt Konstanz. 
1851. 8. 

19.277. Keim, die Reformalion der Reichsstadt Ulm. 1851. 8. 

19.278. Geschichte u. Denkwürdigkeiten d. Stadt Schongau. 1852. 8. 

19.279. Deecke, lühische Geschichten u. Sagen. 1852. 8. 

19.280. Haas, d. Rangau, seine Grafen etc. 1853. 8. 

19.281. de llaxihausen, les forces mililaires de la Russie. 1853. 8. 

19.282. MarcU, IL Haas's abenbergische Plianlasieen etc. 1853. 8. 

19.283. Sieilz, wie beweisen die Jesuiten d. Kothwendigkeit d. Oh- 
renbeichle. 4. Aufl. 1853. 8. 

19.284. Römer-Biichner, die Entwickelung der Stadtverfassung und 
der Bürgervereine der Stadt Frankfurt a. M. 1855. 8. 

19.285. Galle, Katechismus der eleklr. Telegraphie. 1855. 8. 

19.286. Die Lage der Protestanten in d. Österreich. Monarchie einst 
und jetzt. 1855. 8. 



151 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



152 



19.287. Politisches Rundgemslde od. kl. Chronik d. J. 1854. 1855. 8. 

19.288. (lu^llen und Erörterungen d. bajer. u. deutschen Geschichte. 
1. Bnd. 185Ö. 8. 

19.289. Märcker, d. Stamm-Mütter d. deutschen Herrscher-Geschlech- 
ter V. Gebliile der Hohenzollern. 1856. 4. 

19.290. Ordnung der Feierlichkeiten bei der am 20. Sept. 1856 zu 
Berlin stattfindenden Verniiihlung l. K. H. Luise Marie Eli- 
sabeth Prinzessin von Preufsen etc. 2. 

19.291. Voigt, Hermann von Saiza etc. 1856. 8. 

19.292. Molsdorff, Programm der höhern Töchterschule in Karlsruhe. 
1857. 8. 

19.293. Schick, Führer durch Bad Homburg. 2. Aufl. 1857. 8. 
19,924. Lochner, die Einwohnerzahl der ehemal. Reichsstadt Nürn- 
berg. 1857. 8. 

19.295. Roth V. Schreckenstein, Herr \Valther v. Geroldseck. 1857. 8. 

19.296. Euler, des Canonicus Baldemar v. Pelerweil Beschreibung 
der kais. Stadl Frankfurt a. M. 1858. 8. 

19.297. Die Despoten als Revolulionäre. 1859. 8. 

19.298. Der Oberleldherr des deutschen Bundes. 1859. 8. 

19.299. Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst; 1. u. 2. Bd. 
1860-62. 8. 

19.300. Des inlerels Europeens en Ilalie. 1860. 8. 

19.301. IMitlheilungen an d. Mitglieder des Vereins für Geschichte 
und Alterlbuniskunde in Frankfurt a. M. ; I, 2 — 4. 1858 — 
60. 8. 

19.302. Necesssite d'une place forte föderale pour la defense de la 
Suisse. 1860. 8. 

19.303. Das Breslauer Rendezvous. 1860. 8. 

19.304. Flugblätter des deutschen Nationalvereins; IIL 1861. 8. 
19,30.5. Garnier, Tagebuch a. d. Belagerung von Gacta. 1861. 8. 

19.306. Das preulsische Heer. 3. Aufl. 1861. 8. 

19.307. Kärcher, die Straferkenntnils ; II. Bd., 2. u. 3. Abth. 1861 
— 62. 8. 

19.308. Kein preulsisches Kleindeutschland ! 1861. 8. 

19.309. Maier, d. Kampf zwischen der deutschen Fremden- Legion u. 
den Garibaldianern. 1861. 8. 

19.310. Der wahre deutsche National-Verein. 1861. 8. 

19.311. Die Ueberlegenheit der französ. ^^alren etc. 1861. 8. 

19.312. Was uns nicht retten kann. 1861. 8. 

19.313. Andeutung für Hebung der Pferdezucht. 1862. 8. 

19.314. Aresin, der Besitz Venetiens. 1862. 8. 

19.315. Gockel, die üelehrtenschule gegenüber den Forderungen der 
Zeit. 1862. 8. 

19.316. Ueber Heerbildung. 1862. 8. 

19.317. Kelchner, drei Frankfurter Schützenfeste. 1862. 8. 

19.318. Grolshcrzogl. Lyceum zu Rastatt ; 1862 - 64. 8. Progr. 

19.319. Oeslerreichs und Preufsens Mediatisierung. 1862. 8. 

19.320. Schlegel, die neuere Romantik etc. l. u. II, 1. 2. 1862 — 
64. 8. 



19.321. Rom und die legilimen Fürsten Italiens. 1862. 8. 

19.322. v. Varchmin, die Völkerschlacht bei Leipzig. 1862. 8. 

19.323. Verhandlungen der 17. Jahresversammlung des badischen 
Hauptvereins der evangel. Gustav-.\dolf-Stiitung. 1861. 8. 
2 Ex. 

19.324. Böhringer, über die Wolken des Aristophanes. 1863. 8. 

19.325. Deutscher Bundes - Militär- Almanach. 1863. 8. 

19.326. Hauser, Studien zu einer wissensch. Syntax der lateinischen 
Sprache: I. Th. 1864. 8. 

19.327. V. Andlaw, d. badischen Wirren. 1865. 8. 

19.328. Collen, Reisen und Dichtungen; 1865. 8. 

19.329. Ditz, Geschichte der Vereinödung im Hochstift Kempten. 
1865. 8. 

19.330. 29. u. 30. combinirter Jahres-Bericht des histor. Kreis-Ver- 
eins im Regierungsbezirk v. Schwaben u. Neuburg. 1865. 8. 

19.331. Seidner, Lüitich, die zweite burgundische Dynastie und die 
Markgrafen Karl und Markus v. Baden, 1455—68. 1865. 8. 

19.332. Die neue Aera in Baden. 1866. 8. 

19.333. Fürer'sches Stammbuch; 1739 — 41. Hs. qu. 8. 

III. Für die Kunst- und Alterthums- 
sammlung. 

Dr. K. Back, geh. Regierungsrath, in Altenburg: 

5024. 4 Porträts in Kupferstich und Steindruck. 

5025. 4 Landschaften in Stahlstich und Steindruck. 

5026. Kupferner Fingerring mit kabbalistischen Inschriften. 

5027. Gypsabgufs einer Medaille auf Friedrich II. von Preufsen, von 
Loos. 

Magistrat der Stadt Reichenberg: 

5028. Lackabdruck des Magistratssiegels der Stadt Reichenberg: 
C. H. Flinzberg;, Seifensieder, in Koburg : 

5029. Bleimedaille auf Grundsteinlegung der Kirche zu Morizburg, 
1661. 

laUtz , Hafnermeisler, in Nürnberg: 

5030. Ausgegrab. Hufeisen und Steigbügel. 

5031. Bruchslücke einer verzierten Fufsplatte und einer Steinligur 
vom 18. Jahrb. 

Jos. Proron, Pfarrer, in Neutitschein: 

5032. Acht Abdrücke in Gyps und Siegellack von Siegeln der Stadt 
Neutitschein des Bisthums Ulmütz u. s. w. 

Orth, Kaufmann und Magisiratsrath, in Nürnberg: 

5033. Silbermünze der Abtei St. Gallen von 1774. 

Dr. A. Heidenschreider, prakt. Arzt, m Herrieden: 

5034. Tabelle über Morbilität, Mortalität und Meteorologie, von dem- 
selben. Farbendruck. 

Hammer, Oekonom, in Heroldsberg: 

5035. Abbildung verschiedener Geschütze, Kupferstich von 1618. 



Chronik der historischen Vereine. 



Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Er- 
forschung und Erhaltung der Baudenkmale. Herausge- 
geben unter der Leitung Seiner Excellenz des Präsidenten der k. k. 
Central-Commission Joseph Alexander Freiherrn von Helferl. Re- 
dakteur: Anton Ritter v. Perger. — 11. Jahrg. Januar — Februar. 
Wien, 1866. 4. 

Die Holzkirchen im Bisthume Szathmär. I. Historischer Theil. 
Von Bischof Dr. Fr. Haas. (Mit 3 Holzschnitten.) II. .\rchitektoni- 
sche Bemerkungen. Von Franz Schulcz. (Mit 1 Tafel und 25 Holz- 
ichnitten.) — Notizen zur älteren Baugeschichte der Stiftskirche 
und des Klosters zu Lambach. Von Pins Schmieder. (Mit 12 Holz- 
schnitten.) — Das goldene Psallerium der k. k. Hofbibliolhek. Von 
Jos. Haupt. (Mit 3 Holzschnitten.) — Kleinere Beiträge: Das Rath- 



haus in Bremen. Von H. A. Müller. (Mit 1 Holzschnitt.) — Die Ma- 
donna Hans Holbein's d. J. in der Gallerie zu Dresden. Von Dr. 
V. Hoffinger. — Die vollendete Restauration des Verduner Altars zu 
Kloslerneuburg. — Besprechungen. — Correspondenzen: Lambach. 
Grabfand zu Woltirsch, Bezirksamt Datschitz in Mähren. — Aus 
Tyrol. 

Blätter für Landeskunde von Nie d er- Oest erreich. 
Herausgegeben vom Vereine für Landeskunde von Nieder- 
Oesterreich in Wien. I. Jahrg. 1865. Nr. 1—6. Wien. 8. 

Sitten, Bräuche und Meinungen des Volkes in Nieder-Oester- 
reich. Gesammelt und mitgetheilt von Johann Wurth. — Die Be- 
völkerung von Wien. Von G. A. Schimmer. — Zur Baugeschichte 
des Rathhauses der Stadl Wien. (K. Weifs.) — Proben eines Wör- 



153 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 



154 



teibuches der österreichisclien Volkssprache von Hugo Mareta. — 
Kleinere Mitlheilungen. — Vereinsnaclirichten. 

Fünfundzwanzigster Berictit über das Museum Fran- 
cisco-Carolinum. Nebst der zwanzigsten Lieferung der Bei- 
träge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Ens. 
Linz, 1865. S. 

Jahresbericht. - Berlholt Preuhaven , der berühmte Deutschor- 
dens-Comthur, ein Oberösterreicher aus Sleyr. Von Jodok Stütz. — 
Archäologische Nachlese. Von Joseph Gaisberger. IL 1. Fundorte im 
Kreise Ried, von Süden nach Norden. — Museal -Notizen. Von A. 
F. Ritter von Sehwahenau. L .Münzen der Stadt Linz. IL Denk- 
münze aus der Zeit der Bauernunruhen in Oesterreich ob der Ens. 
IIL Die Familie der Grafen Walfenberg, dem Lande Oesterreich ob 
der Ens angehörig. — IV. Die im Museum Francisco-Carolinum vor- 
handenen oberOslerreichischen Taiding- und Stalutar-Bücher. 

Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der 
Wissenschaften zu München. 1865. II. Heft III. IV. Mün- 
chen, 1865. 8. 

Miscellen aus den Handschriften der Münchener Hof- und Staals- 
Bibliothek: I. Eine Encyclica aus dem 9. Jahrhundert. II. Ein Trac- 
tat über das heilige Land und den dritten Kreuzzug. (Thomas.) — 
Ein alemannisches Büchlein von guter Speise. (Birlinger.) — lieber 
einen französischen Text zur Geschichte der Herzogin Jakobäa. (C. 
Hofmann.) - Altfranzösische Pastourelle aus der ßerner Handschrift 
Nr. 389. (Ders.) 

Zeitschrift des Historischen Vereins für das wir- 
lembergische Franken. Siebenten Bandes erstes Heft. 1865. 
Mit zwei Lithografien. Weinsberg. 8. 

Die alleren Verbindungen des wüittemb. Frankens mit dem 
Württembergischen Fürstenhause. Von H. Bauer. - Lichtet und die 
Herren von Lihenthal. Von dems. — Das Gaunerwesfn in den 157üger 
Jahren. Von D. Mayer. — Das Rittergut Bodenhof. Von H. Bauer, 
Fränkische Herren bei König Rudolf in Oesterreich. Von dems. — 
Die Zehen. Von dems. — Tilly in Franken. Von D. Mayer. — 
Der Hohenstaufen und die Schenken von Limburg. Von H. Bauer. 
— Gemeiner Stadt Weinsberg Privilegienbuch angeblich von a. 1468. 
Von dems. — Ein Duzend Urkunden- Auszüge. Von dems. — Die 
Mockmühler Centordnung von 1729, mit geschichtlichen Bemerkungen 
über ihre Entstehung; v. Pfarrer Knödler. — Curiosum (Teufelsver- 
schreibung). — Kleinodien d. deutschen Ritterordens. — Die Klosler- 
kirche zu Frauenthal; v. H. Bauer. — Die Krypta in Regenbach, 
nach Dr. Bunz. Mit einer Lithographie. — Die Wappensanimlung im 
ehemaligen Ritterslifte Comburg v. R.-C. Mejer. — Die Burg von Weins- 
berg V. H. B. Mit Lithografie. — Beiträge zur Kunde der Vorzeit 
des Oberamtsbezirks Neckarsulm. Von 0.-.\. -Richter Ganzhorn. — Ein 
Reihengrab bei Gundelsheim. Von dems. — Statistisches, Topogra- 
phisches, Bücheranzeigen u. s. w. 



KirchenschmucU. Ein Archiv f ü r ki rchl ich e Ku n st - 
Schöpfungen und ch r is 1 1 iche AI tertb umskun de. Heraus- 
gegeben unter der Leitung des christlichen Kunstveretns 
der Diöcese Rottenburg. Redigirt von Pfarrer Laib und De- 
kan Dr. Schwarz. XIX. Band, erste Hälfte. Zehnter Jahrgang. 1866. 
Erstes Vierteljahrsheft. Stuttgart. 8. 

Der Marlinus- Teppich im hohen Chor des Doms zu Mainz. — 
Zur Geschichte des Mantels. — Entdeckte Wandmalerei in der Stifts- 
kirche St. Peter und Paul zu Weilsenburg. — Die St. Paulskirche 
in Aachen. — Zur Sprache und Siile der Kirche. 1. Das Kirchbrot. 

2. Vom Barluche. 3. Brote und Brätzeln auf den Gräbern. — Aus- 
bau des Kölner Doms. 

Mi It heilu ngen der Geschi ch ts- u nd A Iterthu ms for- 
schenden Gesellschaft des Osterlandes. Sechster Band. 

3. u. 4. Heft. Altenburg, 1865. 8. 

Jahresbericht. — Einige Nachrichten über das Marien-Magdale- 
nen-Kloster in Allenburg. Von Dr. H. C. von der Gabeleniz. — 
Die ausgestorbenen Adelsfamilien des, Osterlandes. Von dems. -- 
Miltheilungen über den Anfang und Fortgang der Reformation in 
Altenburg. II. Abtheilung. Von Dr. J. Lobe. — Miscellen: a. Die 
Familie der Proprio, b. lieber eine Urkunde der Burggrafen von 
Starkenberg, /die Stiftung einer Messe in der Kirche zu Oberlödla 
belr. 1398. c. Ueber die lingua ruslica u. die lingua patria in der Ur- 
kunde Bischof Udo's I. zu Naumburg, vom J. 1140, die Gründung 
der Parochie Allkirchen betr. d. Ueber einige seltene Bracteaten 
aus einem MUnzfunde bei Rehmsdorf (mit 1 Tafel Abbildungen). 

Beiträge zur vaterländischen Geschichte. Herausge- 
geben vom historisch-antiquarischen Verein des Kantons 
Scha f f ha use n. Zweites Heft. 1866. 8. Verlag der Hurter'schen 
Buchhandlung. 

Vorwort. — Urkundliche Darstellung des Leibeigenschaftwesens 
im Gebiete des jetzigen Kantons Schalfhausen. (H. W. Härder). — 
Die Reliquien des Klosters Allerheiligen. (Diak. J. J. Schenkel.) — 
Die Kirche unserer I. Frauen auf Neunkirch. — Job. v. Müllers 
Reise in die Schweiz zum Zweck einer Vereinigung der schweize- 
rischen Eidgenossenschaft mit dem deutschen Fürstenbund im Som- 
mer 1787. 

S^ances et travaux de l'Acad^mie des sciences mo- 
rales et politiques (Institut Imperial de France). Comple rendu 
par M. Ch. Vergö sous la direction de M. Mignel. 1864 et 1865. 
23e et 24e Ann^e. Qualrieme et cinquieme S^rie. Paris, 1864 et 
1865. 8. 

Bulletin du Comitö Flamand de France. Tome IV. 
Nr. 1. Janvier, Fevrier et Mars. 1866. Lille et Dunkerque, 1865. 8. 

Extrait des proc^s-verbaux, par l'abbe D. Carnel. — Couvent 
des Pferes Capucins, ä Bourbourg. — Reception de Mgr. l'Eveque 
d'Ypres, ä Bergues, par l'abb^ de Laroi^re. 



Nachrichten. 



liiteratur. 

Neu erschienene 'Werke. 
9) Ueber Diptychen, Necrologien, Martyrologien 
und Verbrüderungsbücher im Mittelalter mit beson- 
derer Rücksicht auf die Kronländer Oesterreichs. Von Karl 



Hirsch. Programm des k. k. Gymnasiums in Graz. 1865. 
39 Stn. 4. 

Dieses Schriftchen behandelt eine Klasse historischer Quellen, 
deren ganze Bedeutung erst in neuerer Zeit gewürdigt worden ist. 
Während man denselben früher meist nur ein räumlich beschränkte« 



J55 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vurzeil. 



156 



Interesse al)7.ugewinnin wulsle, bat die foit};cschrillenc Wissen- 
schaft auch von den sparlichiten Aufieichnungen aus Zeiten, die an 
schririlichen Denkmälern so arm sind, nützlichen Gelirauch zu ma- 
chen gelernt. Es ist daher als ein verdienstvolles l'nlernehinen zu 
lietrachlfD, dals der Verfasser der vorliegemlen Arbeil die Natur 
und den Werlh der in der Aufschrift genannten geschiclillichen 
Quellen licleuclitctc und so gewissernialsen einen Conimentar zu den 
Publikationen der bezeichneten DenUnifiler gab. 

Die in gedrängter Kürze gemachten Bemerkungen über die Di- 
ptychen orientieren recht gut über das Wesen und die Bedeutung 
dieser Aufzeichnungen, die eigentlich rein kirchlicher Natur waren, 
indem sie ursprünglich dazu dienten , den Christen ihre Brüder zum 
Einschluls ins Gebet zu empfehlen; später wurden nur die Namen 
hoher geistlicher oder weltlicher Würdenträger in die Diptychen 
aulgenomnien. 

Was der Verfasser über die Necrologien sagt , lälst uns sowohl 
ihre ehemals praclische Seite als auch ihren Werth als Geschichts- 
quellen erkennen. Vorzüglich wird hervorgehoben, dals die Todten- 
biiihcr nicht nur vielfache, zum Theil höchst wichtige Personalno- 
tizen ober die verzeichneten Personen und deren Geschlechter, son- 
dern zuweilen auch historische Nachrichten anderer .\rt enthalten. 
Wie z. B. das Kloslerneuburger Todtenbuch über die Leithascbl.uhl 
im J. 1146 Mitlhcilungen gibt. 

Auch das historische Interesse der Verbrüderungsbücher findet 
seine rechte Würdigung. Reichen ja doch dieselben bis in's neunte 
Jahrhundert zurück, und die zahlreichen Namen derjenigen, welche 
in die Confraternitäten aulgenommen wurden, leisten zur Vervoll- 
ständigung der Genealogien solchen Familien die besten Dienste. 
Und wer sollte den Nutzen nicht cinsehi n , der für die Sprachlor- 
schung aus der Verzeichnung von vielen lausend Vor- und Zunamen 
erwächst, die im Laule der Jahrhunderle so vielfache Wandlungen 
erfahren ! 

10) Die Sammlurgen des k. k. Münz- und .\ntiken-Ka- 
binets von Ed. v. Sacken und Friedr. Kenner; mit 
einer Tafel. Wien, 1866. VII u. 495 Stn. gr. 8. 

Die beiden Cusloden des Wiener Münz- und Antiken- Kabinets, 
denen wir schon manche schöne Veröflentlichung über österreichi- 
sche Allerthuiner und Denkmäler verdanken, haben sich ein neues 
grofses Verdienst durch vorliegendes Werk erworben, indem sie ihr 
wellberühmtes Museum genau und ausführlich beschrieben. Wir 
bedauern hier nur eine kurze Andeutung von dem reichhaltigen 
Buche geben zu können. Zuerst steht als Einleitung eine „Ge- 
schichte der Entstehung des Kabinets'', welche bis in die Mille des 
16. Jahrb. hinaufreicht. Dann folgt die Beschreibung des Museums, 
wobei „die wissenschaftliche Folge der Monumente mit der gegen- 
wärtigen Anordnung vermittelt wurde". Zuerst stehen ,,die anliken 
Skulpturwerke in Stein", dreihundert Denkmäler der classischen 
Sculplur; dann "245 inschrifiliche Denkmäler von hoher Wichtigkeit 
für die römische Zeit. Die Verfasser haben die lateinische Para- 
phrase untergesetzt. Wir erlauben uns einige kleine Bemerkungen: 
S. ,^9, Nr. 14 heilst PATR : patrono, nicht pairi, da von liberlis die 
Rede ist. S.61, Kr. 22 ist Musa cognomen. S. 66, Nr. 84 lese ich 
Orcitilia. Ist in der Marmortafel Nr. 153, Zeile 3 ein Strichpunkt 
(;) ? ich zweifele. S. 75, Nr. 195 wird LIB mit liberlo zu geben 
sein. S. 91, Nr. 228 wird die Erklärung Betulio, die schon 1855 in 
der Zeitschrift für die Alterthumswissenschaft gegeben wurde, rich- 



tiger sein, wenn schon die Verf. bei der frühern Deutung Belulo ver- 
blieben. S. 93 ist Valenti als Dativ zu nehmen, wie die folgenden 
Worte zeigen. Bei Nr. 239, wo der verstorbene Hefner Cluenlius 
liest, war anzugeben, ob der Punkt, den die Verfasser zwischen 
C.L setzen, auf dem Stein steht u. s. w. Hierauf lolgcn die „In- 
schriften auf Bronzclaleln", dann ,, Kararische Monumente'': griechi- 
sche, römische, barbarische Thongelalse in grolscr Zahl, mit genauer 
Beschreibung der Bildwerke, nur wenige mit Töpfernainen (welche 
meist bei F'rocbner fehlen). Geringer ist die Anzahl der „Bildwerke aus 
Terracotla" : Reliefs, Büsten, Figuren, Thonlampen, ebenfalls mil nur 
wenigen Namen (wie vorhin). Die Sammlung antiker Bronze nimmt 
unter den Museen in Europa eine hervorragende Stellung ein ; auf die 
Beschreibung, welche die Verfasser hier geben, machen wir die Kunst- 
freunde aufmerksam, ebenso auf die weiter folgenden „loreutischen 
Arbeiten in Guld und Silber, classischer und barbarischer Technik". 
„Von der Münzsammlung konnte bei ihrer aulserordcntlichen Reich- 
haltigkeit nur eine berichtliche llebersichl der ganzen und eine ein- 
gehende Besprechung der als Repräsentanten zur Schau ausgelegten 
Exemplare gegeben werden." Der griechischen Münzen sind 26,926 
Stück, darunter 507 in Gold, 9381 in Silber, römische 34,875, da- 
runter 2689 in Gold, 15,5'20 in Silber, der mittleren und neueren 
40,249, davon 6013 in Gold, 25,780 in Silber; 512 kleine Medaillen 
in Gold, 2431 in Silber, neuere Thaler und Gulden 10,230 Stück, 
Medaillen in Gold '2526, in Silber 8084, endlich 4144 orientalische 
(davon 544 in Gold, 1583 in Silber) und zuletzt noch falsche Mün- 
zen 3780 Stück. Weiter wird die Sammlung „antiker geschnitte- 
ner Steine" von keiner andern ubertrollen : hier sind die grölsten Ca- 
raeen, die man kennt, kostbare Werke, mit vollendeter Kunst, keine 
ohne Werlh, wie die schöne und klare Beschreibung zeigt, kostbare 
Glassachen. Dann noch ,, Kunstwerke der Renaissance-Periode und der 
Neuzeit'', viele davon Nachbildungen antiker Denkmäler, namentlich 
geschnittener Steine, Porträts aus alter und neuer Zeit; wenige 
kirchliche Darstellungen. Endlich im Anhang einige asiatische, meist 
indische Gegenslände. Beigegeben ist ein Verzeichnils der Fundorte. 
Die Tafel enthalt fremdartige Schrifizeichen. Dies der Inhalt des ver- 
dienstvollen Werkes ; wir wünschen, dals über alle Jluseen eine so 
schöne, genaue und lehrreiche Beschreibung verfafsl werde, wie die 
beiden Wiener Gelehrten zu ihrer Ehre und zu unserm Dank hier 
uns vorlegten. K. 



Aufsätze in Zeitschriften. 
Ausland : Nr. 11. Nilssons Erwiederung auf Prof. Worsaaes Beden- 
ken gegen seine Ansicht über das Bronzealler. — Nr. 13, Ueber 

das Aller der Hufeisen. (Chamb. Journ.) 
Biene: Nr. 9. Essen und Trinken im deutschen Sprichworte. (J. H. 

Schwicker.) — Der Jungfernsprung. Sage aus dem Kuhländchen. 

(Johann von Hradisch.) 
Das illustr. Buch der Welt: Nr. 6, S. 162 ff. Die goldene Aue. 
Grenzboten: Nr. ]'2, S. 441. Aus der Geschichte der deutschen 

Hochschulen: 1. Die Universität des Mittelalters. — Nr. 13, S. 481. 

2. Die neue Zeit im Aufgang. (Mor. Busch.) 
Jahrbücher für deutsche Theologie: 11. Bd., 1. Hft. Heber 

die Götter und den Gotlesglauben der alten Deutschen nach Ta- 

cilus Germania. 
Dresdner Journal: Nr. 62. Regiomontan. (Auszug aus einem 

Vortrage von Dr. Alex. Ziegler.) 



157 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



158 



Sachs. Kirchen- und Schul bl alt: Nr. 12. Die Nikolaildrche von 
Dippoldiswalde. 

Prolest. Kirche nzei lung f. d. evang. Deutschland: Kr. 5 
—9. Der SOjahrige Krieg und der weätfal. Friede. (Vortrag 
von Trauttv/ein von Belle.) 

Korrespondent v. u. f.D.: Nr. 164 f. Deutsche Berge und Bur- 
gen. X. Hohenlandsberg. — Nr. 1(35 1. .\ventin. (Vortrag von 
Kluckhohn.) 

Deutsche Kunst-Zeitung (Dioskuren): Nr. 10. Etwas über die 
Künstlirfamilie der van der Weiden. (Ernst Förster.) 

Magazin f. d. Literatur des Ausl. : Nr. 14. Zur Lorelei-Sage. 

Deutsches Museum: Nr. 13. Die Ahnherren des rieuisclien Dra- 
mas (Hans Sachs, jHk. Ayrer, Andr. Gryphius). (Rudolf Rost.) 

Sonn lags-B la tt (von Spielhagen): Nr. 11. Hans llolbein ; Skizze. 
(M. Bernstein.) 

Bremer S on n t a gsbla It : Nr. 11 f. Schicksale eines gefallenen 
Königs (der Bar in Geschichte und Volksnieinung). (Karl Aug. 
Mayer.) — Nr. 12. Das karolingische Psallerium des ehemali- 
gen Schatzes der bremischen Kathedrale. (H. A. Schumacher.) 

Münch. Sonntagsbl a II: Nr. 11. Sagen aus Unterfranken. — 
Nr. 12. Deutsche Ostergebräuche. (Dr. L. v. Ilörmann.) — 
Nr. 14. Gulenberg und die Buchdruckerkunst. 

Ueber Land und Meer: Nr. 26. Der Kindlifresserhrunnen und das 
Eierliipfen am Osterlag in Bern. 

Oesterr. V i er te Ij a hr essch ri f t für kathol. Theologie: 
5. Jhrg., 1. Hfl. Das Colloquium des Cochläus mit Luther zu 
Worms auf dem Reichstage 1521. 

Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 81. Kunsigeschichtliches aus Tirol. 
(W. Lübke.) — Nr. 89 f. Fragmente aus dem Bodensee. — 
Nr. 93. 96. Aus dem siebenbürgischen Sachsenland. Skizzen. 
(W. Hausmann.) — Nr. 96 f. Deutsche Wörterbücher. 

Bayer. Zeitung: Morgenbl. Nr. 96. Einige historische Notizen über 
das Wildbad bei Halsfurt a. M. (Dr. Dilterich.) 

Illuslr. Zeitung: Nr. 1186. Die Anfänge der Druckkunst. — 
Nr. 1187. Christus am Kreuz. Gemälde von Albrecht Dürer. 
(Jul. Hiibner.) — Der Dom zu Worms. 

Mecklenburg. Zeitung: Nr. 34. Pfahlbau von Vimfow. (Wiech- 
mann.) 

Veriiii «wellte XHclirieliteii. 

33) In Ingolstadt hat sich unter dem Vorsitze des Rechls- 
rathes Fr. Ostermaier und des Sladipfarrcrs Dr. Paulhuber ein hi- 
Ttorischer Verein gebildet, und zwar zur Sammlung von Ur- 
kunden und Denkmalern, zur Erforschung der Sprache, der Sitten, des 
Rechts, der Wirihschaft, Kunst und Wissenschaft, um die Iheils in 
Nebel gehüllte, Iheils verschwundene Geschichte dieser merkwürdigen 
Stadt und Umgegend wieder aufzuhellen und in erneuter Gestalt 
Allen zur Anschauung zu bringen. ('Igbl- z- Bayr. Ztg.) 

34) Dem aulserordentlichen Prof. Dr. phil. E. L. Dumm 1er in 
Halle hat die königl. Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen 
für seine „Geschichte des oslf rank is chen Reichs" den drit- 
ten der durch die Wedekind'sche Preisstiflung für deutsche Ge- 
schiehie ausgesetzten, von 10 zu 10 Jahren zu vergebenden Preis 
er t heilt. (III. Ztg.) 

35) Ein altes böhmisches Manuscript hat Prof. M. Kolaf 
im Rathhauskeller zu Tabor aufgefunden. Dasselbe stammt aus 



den hussitischen Zeilen, und sein vorzüglichster Werlh besieht da- 
rin, dals es 17 Pergamentblalter mit einem böhmischen Gedicht ent- 
hält, welches sich mit dem Leben dir Böhmen beschäftigt. Nach 
dem Ausspruch des Direktors K. i. Erben soll dieses Gedicht um 
das Jahr 1330 enistanden sein und sich durch alterthümliche Sprach- 
formen auszeichnen. (Dies.) 

36) Ed. His-lleusler in Basel hat zwei Sendschreiben des 
Baseler Rathes vom 19. November 1545 entdeckt, welche über 
den Sohn des Malers Hans Holbein d. J., von dem bisher nichts 
weiter bekannt war, Kunde geben. Er hiefs Philipp und war von 
seinem Valer zu Paris bei dem (Goldschmied Jacob David, Biirger 
von Basel, in die Lehre gelhan worden. Nach Ablauf der Lehrzeit 
will ihn sein Meisler nicht entlassen und läfst ihn vom „Herin Lü- 
tenant zUj Parils'' in Recht nehmen ; da nimmt sich der Ralh von 
Basel des „guten frommen Jungen" an. An einer Stelle wird als 
Philipp's Vormund Franlz Schmid sein Bruder genannt, woraus her- 
vorgeht, dals Hans Holbein eine Wittwe geheirathel. Auch ist in 
den SchriflslUcken von Philipp's Vater ,.wylandt Hansen Holbein se- 
ligen" die Rede, wodurch für die in England gemachte Entdeckung 
seines Todesjahres (1543) ein neuer Beweis der Richtigkeit gegeben 
ist. (Zeitschr. f. bild. Kunst.) 

37) Siel/en Passionsbilder von Hans Holbein dem al- 
tern, die Haupttheile eines grolsen Altarbilderwerks, das er gegen 
1500 für das Dominicanerkloster in Frankfurt a. M. gemalt halte, 
sind durch das Slädel'sche Kunstinslilut daselbst von dem Hofralh 
Schäfer in Darmstadl, in dessen Besitz sie gelangt waren, wieder 
für Frankfurt erworben worden, nachdem sie der Sladt für 
eine längere Zeit verloren gewesen waren. (111. Ztg.) 

38) In der kleinen romanischen Kirche zu Sluze bei Tongern 
(Prov. Limburg) sind in Folge von Reslaurationsarbeiten Wand- 
gemälde zum Vorschein gekommen. Man hat fünf durch 
eine Decoration von Laubwerk verbundene Rundbilder blolsgelegt, 
von denen das mittlere und grölsere das Gotteslamm darslelll. Die 
Medaillons auf den Seilen stellen die Madonna in zwei verschiedenen 
Positionen dar, während die kleineren Zwischenbilder Engelfiguren zu 
enthalten scheinen. Das Kolorit wird als klar und wohlgefällig 
gerühmt und soll ebenso wie die Zeichnung auf einen tüchtigen 
Künstler hinweisen. (Zeitschr. f. bild. Kunst.) 

39) Am M agdal e nsber ge in Kärnten hat der Besitzer der 
Gradischniggrube daselbst Nachforschungen an einer Stelle vorneh- 
men lassen, welche seit lange als eine Fundstätte römischer 
Alterthümer bekannt ist. Leider ist nicht mit der gehörigen Sach- 
kenntnils dabei vorgegangen worden. Es wurde ein kleines, schön 
gemaltes Zimmer blolsgelegt, in welchem sich kaminartige Oeffnun- 
gen befanden, wo Flaschen von Glas und Thon mit Asche gefüllt 
standen. Diese letzlern sind von dem Unternehmer, vcrmulhlich in 
der Hoffnung, darin Schätze zu finden, zerschlagen worden. Sehr in- 
teressant ist eine daselbst vorgefundene l'/j Zoll grolse weibliche Figur 
aus Bein, welche dargestellt ist, wie sie sich verzweifelnd die Haare 
zerrauft; darüber war eine Glasglocke gedeckt, die man ebenfalls 
schonungslos zerschlug. Auch einen Grabstein förderte man zu Tage, 
dessen Inschrift den Tod zweier Reiter, Veteranen der VIH. Legion 
unter Kaiser Augustus, meldet. Aul'serdem wurden eine Lanzen- 
spitze, eine kleine Pfanne, Nägel, Münzen und eine thönerne Fratze 
aufgefunden. ("l- Zig.) 

40) Dem k. Weifenmuseum in Hannover ist ein alter 



159 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



160 



Kahn von dem Herrn Wefs (?) zu Ilolthusen geschenkt worden, 
welchen derselbe im vorigen Jahre aus dem Flufsbelte der Ems 
hatte ausgraben lassen. Der Kahn besteht aus einem Eichenstamme, 
welcher vermittelst Feuer und Axt recht gut ausgeliöhlt, ungefähr 
16 Fuis lang, fast 5 Fuls breit, vorn spili, hinten aber abgerundet 
ist. Die Beschaffenheit des Holzes sowie die Arbeil deuten auf ein 
betrachtliches Alter. (Dies.) 

41) Die Cantoosregierung zu Aarau hat beschlossen, die Ruine 
der Burg ru Baden, welche auf die Ermordung Kaiser Alb- 
recht's II. niederblickte, restaurieren zu lassen, doch so, dafs 



das Bauwerk verbleihi, wie es jetzt ist, und nur vor noch weiterem 
Verfall geschützt wird. (Europa.) 

42) In Köln werden neben dem Dom auch andere Kirchen- 
bauten, meist Renovierungen, von Bedeutung beirieben. Die Sl. Pe- 
terskirche ist vollständig malerisch decoriert worden, die Minoriten- 
kirche ist in ornamenlaler .Ausschmückung der Vollendung nahe, 
und St. Maria vom Capilol wird, nachdem die bauliche Herstellung 
beinahe fertig ist, ebenfalls malerisch ausgeschmückt; die Ausma- 
lung des Chors ist fast vollendet. Auch für St. Marlin ist eine ma- 
lerische Verzierung projecliert. (111. Ztg.) 



Inserate und Bekanntmachungen. 



11) Anfrage und Bitte. Findet sich in irgend einer öffent- 
lichen oder I'rivat- Bibliothek Deutschlands (die zu Breslau, von 
welcher dies bereits bekannt ist, ausgenommen) eine Handschrift 
des Froissarl? 

üefallige Antworten hierauf wolle man an das germanische Mu- 
seum richten, welches diese Veranlassung ergreift, um hieniit an 
die verehrl. Vorstande öffentlicher wie Privat- Bibliotheken im In- 
teresse der Wissenschaft die ganz ergebenste Bitte zu richten, ihm 
zu möglichster Vervollständigung seines Handschriften Repertoriums 
die Verzeichnisse aller unter ihrer Aufsicht befindlichen Manu- 
scripte deutsch-geschichtlichen Inhalts in Abschrift oder 
zur Abschriftnahme geneigtest niiltheilen zu wollen. 

1'-^) Grosse }Iüuzaiictiou iu \nrnberg ! 

Im Laufe der nächsten Monate (Juni) soll die bedeutende Sa mm- 
lung an Münzen und Medaillen des jüngst verstorbenen kgl. 
Advocaten Dr. jur. Knoll zu Nürnberg zur Versteigerung ge- 
langen. Langjähriger, unermüdlicher Eifer des Verstorbenen, der 
keine der in Folge seiner Stellung und seines Domicils sich ihm 
vielseitig bielenden Gelegenheiten, seltene Stücke seiner Sammlung 
zuzuführen, unbenutzt vorübergehen liefs, brachte das Kabinet zu 
einer solchen Höhe und Bedeutung, dais ihm ein sehr günstiger Ruf 
zur Seile steht. Das jetzt in Druck gegebene, von den DDr. jur. 
Erb st ein sorgfältig ausgearbeitete, nnifangreiche Verzeichniis fal'st 
die Sammlung in ca. 400 Kummern zusammen und zeigt eine 
Reichhaltigkeit an Thalern, Goldstücken und Medaillen, 
wie sie nur seilen getroffen werden wird. Es finden sich in der 
Sammlung Seltenheiten ersten Ranges; auch zeichnet sich 
dieselbe in Folge fast durchgangig guter Erhaltung der einzelnen 
Stücke vorlheilhaft aus. Da die Sammlung universell angelegt 
war, so wird jedem Sammler Gelegenheit gebolen sein, Lücken aus- 
zufüllen und seine Collectionen in dieser oder jener Beziehung zu 
vervollständigen. — Verhältnisse halber kann die Zeit zwischen Aus- 
gabe des Katalogs und der Versteigerung selbst nur eine kurze 
sein; deshalb werden alle diejenigen, die einen Katalog zu haben 
wünschen, schon jetzt durch J. A. Stein's Buchhandlung in Nürn- 
berg iiuf die .\uclion aufmerksam gemacht und gebeten, schon 



jetzt die Bestellung- des Katalogs an dieselbe ergehen zu 
lassen, damit sofort nach Erscheinen desselben die Versendung be- 
werkstelligt werden könne. Da die Auflage des gut ausgestalteten, 
systematisch angelegten Katalogs eine nur geringe werden soll, so 
dürfte ein baldiges Verschreiben desselben den Herren Numismatikern 
nur anzuralhen sein. Nach Beendigung der .\üction wird eine Preis- 
liste gedruckt. Man bezieht den Katalog durch jede Buch- 
handlling' von J. A. Stein's Buchhandlung in Nürnberg unter der 
Bezeichnung : 

DDr. Erbsteln, die Kuoll'sclie Müuzsaiumluug. 
i"^) Die altpreufsisclie itlonatsschrift 

zur Spiegelung des provinziellen Lebens in Literatur, Kunst, 
Wissenschaft und Industrie herausgegeben von 
R. Reicke und E. IVichert 
erscheint in jährlich 8 Heften zu je 6 Bogen gr. 8. und bietet ihren 
Lesern in reicher Abwechselung: Belletristisches, Abhandlun- 
gen aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst, Kritiken und 
Keferate, überall mit besonderer Beziehung auf Allpreulsen, sei es, 
dafs die Verfasser daselbst heimisch, sei es, dals die behandelten 
Gegenstände dem provinziellen Leben der Gegenwart oder Vergangen- 
heit entnommen sind, endlich Mittheilungen von mehr als gewöhn- 
lichem Tagesinleresse, Correspondenzen aus den grül'sern Städten, 
Universitäts- und Schul-Chronik und Bibliographie. 
Der Jahrgang kostet zwei Thaler, einzelne Hefte 10 Sgr. 
Inserate werden die Petit-Zeile mit 2'/2 Sgr. berechnet. 
Bestellungen auf die A 1 1 pr eu fsische Monatsschrift, deren 
dritter Jahrgang mit dem Mitte Februar 1866 erscheinenden er- 
sten Heft beginnt, nehmen alle Buchhandlungen und die kgl. preus- 
sischen Poslanstallen an. Durch den Buchhandel, wie durch die 
Expedition (Brodbänkenstral'se Nr. 1) sind auch noch complette Exem- 
plare des ersten und zweiten Jahrgangs zu beziehen. 
Königsberg i. Pr., 1866. 

Druck und Verlag von Albert Kosbach. 
Den Commissions-Debit besorgt die 
J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung in Leipzig. 



Verantwortliche Redaclion : A. Essenwein. Dr. G. K. Frommaun. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



U. E. Sebald'sche Buchdruckerei. 



IV>ü r n b e r ^. Das Abonnement des 
Blattes, welches alle Monate erscheint, 
wird ganzjährig angenommen und beträgt 
nach der neuesten Postconveiition bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen Deutsch- 
lands incl. Ocsterreichs 3 fi. 36 kr. im 24 fl.- 
Ful's oder 2 Thlr. preul's. 

Für Frankreich abonniert man in 
Straisburg bei C. F. Schmidt, in Paris 
bei der deutschen Buchhandlung von F. 
Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder 
bei dem Postamt in Karlsruhe; für l^ng- 
land bei Williams & Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Covent-Garden in London ; für 



AIZEIdiER 



m um iiER 



Neue Folge. 




yordamerika bei den Postämtern Bremen 
und Hamburg. 

Alle für das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden durch den Commis- 
sionär der literar.-artisL Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brock hau 8 in Leipzig, be- 
fördert. 

Inserate, welche mit den Zwecken 
des Anzeigers und dessen wissenschaft- 
lichem Gebiete in Verbindung stehen, 
werden aufgenommen und der Raum ei- 
ner Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. 
berechnet. 




Dreizehnter Jahrgang. 



1866. 



ORGAN DES GERMNISCHEN MUSEUMS. 

JW5. 



Mai. 



Wissenschaftliclie Mittheilimgen. 



Die Krönunsisinsignien des Mittelalters. 

Nach Dr. F. Bock's Werk: Die Kleinodien des heil. röm. Reiches 
deutscher Nation und ihre formverwandten Parallelen 

von A. Essen wein. 
(Schluls.) 

II. 

Betrachten wir nun die Kleinodienstiicke seihst, die zum 
kaiserlichen Ornate gehörten, so sind es sowohl stoffliche, als 
metallische. Wir fassen zuerst die stofflichen ins Auge, näm- 
lich die Tunica, Alba und Pluviale, denen sich das Humerale, 
die Strümpfe, Schuhe und Haudschuhe anschliefseo. Das Hu- 
merale ist verloren gegangen ; von Schuhen und Handschuhen, 
die früher in mehrfacher Zahl vorhanden waren, findet sich 
nur noch je ein Paar. An diese Stücke schliefsen sich noch 
die Stola und mehrere Cingula. Bekanntlich schreibt die Volks- 
überlieferung den Ursprung der Gewänder, sowie der metalli- 
schen Kleinodien dem Wiedererwecker des römischen Kaiser- 
thums, Karl d, Gr. zu. Die vorhandenen Gewandstücke ent- 
stammen jedoch dem Kunstfleifse der Araber in Sicilien, wo 
sie am Schlüsse des 12. Jahrhunderts angefertigt wurden und 
ursprünglich nicht die Bestimmung hatten, für das deutsche 
Reich zu dienen. 

Die tunica talaris ist ein Gewand von dunkelviolettem 
Seidenstoff, dem dunkelsten Ton des Purpurs, der zugleich der 
kostbarste und theuerste war. Am unteren Rande ist er mit 
rolhem Zendal besetzt und darauf ein goldenes Ornament ge- 
stickt. Ebenso am Rande der vorn enganschliefsenden Aermel, 



wo die Stickerei mit Perlen besetzt ist und ein Rand kleiner 
Emailplättchen den Aermel umsäumt. 

Der Schnitt ist derart, dafs das Gewand um die Taille 
verhaltnifsmäisig eng ist, von da aber nach unten sich schräg 
bedeutend erweitert. Eine einfache Goldborte umgibt den engen 
Halsausschnitt. 

Die Alba besteht aus einem glatten, schweren, weifsen 
Seidenstoff, der etwa im 16. Jahrhundert auf den älteren, gleich- 
falls weifsen, ungemusterteii, glatten Seidenstoff aufgenäht wurde. 
Sie ist am unteren Rande mit einem breiten Saume von licht- 
violettem Purpur versehen, der in 3 Reihen über einander sich 
stets wiederholend, je 2 einander zugewendete Greife zeigt. 
Maurische und lateinische Inschrift desselben Inhaltes sagen, 
dafs Wilhelm II. von Sicilien im Jahre 1181 die Gewänder in 
Palermo hat anfertigen lassen. 

Der Halsausfchnitt ist rings um mit breiter Verzierung 
versehen, die, in Gold und Perlen auf rothen Grund gestickt, 
dem Rationale der Bischöfe entspricht. 

Die Aermel haben am weiten Oberarme einen gestickten 
Streifen und auf violettem Grunde eine Reihe von sich wieder- 
holenden phantastischen Thieren. Am Vorderarme sind die 
Aermel eng und gleichfalls mit einem gestickten Saume ver- 
sehen. 

Zu diesen beiden Gewändern gehört ein drittes, der eigent- 
liche Kaisermantel, der sich gleichfalls als Arbeit arabischer 
Sticker zu erkennen gibt. Der Grundstoff ist rother Zendal, 
der genau dem entspricht, welcher die Säume der tunicella 
bildet. Derselbe zeigt in trefflicher Stilisierung, symmetrisch an- 
geordnet, je eine Hälfte des Mantels füllend, auf jeder Seite 



163 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



164 



einer Palme einen Löwen, der ein Kanneel zu Boden geworfen 
hat. Den Rand füllt eine maurische Inschrift aus, die besagt, 
dafs der Mantel zu Palermo im Jahre 533 der Hegira (also im 
Jahre 1133) angefertigt wurde. Die Gewander wurden von 
Heinrich VI., als er das Erbe seiner Gemahlin Constanze, Si- 
cillen, antrat (1195), mit einer grofsen Zahl anderer Kostbar- 
keiten nach Deutschland gebracht und gelaugten wahrscheinlich 
zu den Reichskleinodien, als Friedrich II. bei dem Verluste 
von Vittoria auch die älteren Kleinodien verlor. Der Zeit llein- 
rich's VI. gehören die Handschuhe an, die, obwohl gleichfalls sa- 
racenische Arbeil, sich doch durch den Adler in der inneren 
Handfläche als fur Deutschland gearbeitet zu erkennen geben. 
Dem Schlüsse des 13. Jahrhunderts gehört die Stola an und 
wird von Bock als nordilalienisch betrachtet; die Schuhe und 
Strümpfe dagegen entstammen wiederum dem maurischen Si- 
cilien. Von Gürteln sind noch 2 vorhanden : ein breiter, grös- 
serer, der, dem Schlüsse des 12. Jahrhunderts angehörend, aus 
einer breiten Goldborte besteht, die einzelne Thiergestalleu als 
Musterung zeigt, während die Ränder die lateinische Inschrift 
enlhalten: CBISTVS BIEIIG^AT CKISTVS INOI'AUAT DEVS. Der- 
selbe könnte als Trager des Schwertes betrachtet werden, wah- 
rend der zweite, schmale, aus blauem SeidenstolT mit Filigran- 
verzierungen besetzt, den Murr nicht gekannt und abgebildet 
hat, zur Schürzung der Alba gedient haben dürfte. 

Unter den metallischen Kleinodien ist zunächst die Krone 
zu nennen, die gleichfalls nicht in die Tage Karl's d. Gr. hin- 
aufreicht, sondern von Bock als italienische Arbeit vom Schlüsse 
des 11. und Beginn des 12. Jahrhunderts betrachtet wird. Sie 
besteht aus 3 Theilen : einem Streifen, der aus 8, oben halbrun- 
den Schildcheu zusammengesetzt ist, von denen 4 reich mit 
Edelsteinen bedeckt sind, 4 aber Emailbilder zeigen: 1. die Ma- 
jeslas Domini, 2. König Ezcchias und den Propheten Jesaias, 
3. David, 4. Salomo. Als selbständiger 2. Theil ist das reich 
mit Edelsteinen besetzte Kreuz zu betrachten, als 3 der Bugel 
mit der Inschrifl: CHVüKBADVS DEI GBATIA ROMANOBV 
IMl'ERATOh AVG., den Bock Conrad III. zuschreibt. Wir brau- 
chen im Uebiigen dem Verfasser nicht auf das Gebiet der Hypo- 
thesen über die Geschichle dieser Kione zu folgen. 

Der Reichsapfel, aus glatten Goldblechen bestehend, wiid 
durch einen horizontalen Streifen in 2 Halbkugeln getrennt, 
während 2 breitere Streifen, mit Filigran und Steinen be elzt, 
die Kugel senkrecht in 4 Theile zerlegen. Auf der Spitze sieht 
das mit Filigrau und Edelsteinen geschmückte Kreuz Bock 
hält denselben für sicilische Arbeit des 12. Jahrhunderts. 

Das Scepter gehört dem 14. Jahrhundert an und wird von 
Bock Karin IV. zugeschrieben. 

Noch befinden sich zwei weitere einfache Reichsäpfel und 
ein zweites Scepter bei den Kleinodien, das wohl ehedem 
als Asperglll gedient hat. 

Von den voihandeneii drei Schwertern stellt sich das eine, 
das als St. Karl's Schwert bezeichnet ist, durch seine künstle- 
rische Ausstattung als zu den slofTlichen OrnatslUcken gehö- 



rig heraus und läfsl sich in den Schlufs des 12. Jahrhunderts und 
nach Sicilien versetzen. Die Scheide, der Haupttheil des Schwer- 
tes, ist vou oben nach unten durch eine Anzahl über Eck ge- 
stellter, quadrierter, emaillierter Metallbleche besetzt, zwischen 
denen in den Ecken ein Filigraugrund angelegt ist. Perlen- 
schiiüre umfassen die Quadrate. Den unteren Abschlufs bildet 
ein halbrund geschlossenes Emailplättclien, den oberen ein Strei- 
fen. Das oberste der quadrierten Einailbleche enthält den deut- 
schen Reichsadler; das Schwert weist also selbst darauf hin, 
dafs es für deutschen Gebrauch bestimmt ist (falls nicht 
das Plattchen erst des neueren Gebrauches wegen noch im 
Beginn des 13. Jahrhunderts zugefügt wurde), und auf Heiu- 
rich VI. oder Friedrich II. als diejenigen, für welche es in Si- 
cilieu angefertigt wurde. Der GrilT des Schwertes stimmt mit 
der Scheide überein; nur der obere Knauf entstammt der Zeit 
Karl's IV. üud zeigt auf 3 Eckschildern einerseits den Adler, 
andrerseits den böhmischen Löwen. Das Schwert ist das Ce- 
remouienschwert, womit der Ritterschlag vollzogen wurde. 

Das zweite Schwert des „ heil. Mau riti US" hat eine me- 
tallene Scheide, die mit einer Anzahl getriebener Königsfiguren 
geschmückt ist, zwischen denen einzelne Emailplättchen ange- 
bracht sind; die Parierstange hat dieselbe Inschrift, wie der 
kaiserliche Gürtel; der Knopf trägt die Umschrift: Benedictus Do- 
minus Dens qui docet manus. Zwei herzförmige Schilde am 
Knauf zeigen den kaiserlichen Adler, sowie die Hälfte dessel- 
ben combiniert mit den drei schreitenden Löwen, dem Abzeichen 
der alten Erblaude des lleizogthuins Schwaben. 

Das dritte Schwert endlich, das früher nicht zu Nürnberg 
aufbewahrt wurde, sondern dem Schatze zu Aachen angehörte, 
ist das Karin d. Gr. zugehörige, ihm von Harun-al-Raschid über- 
sandte, ein Werk orientalischer Kunst, von Bock als persisch 
bezeichnet, wenn er auch den Ursprung bei der nicht vollkom- 
menen Kennliiifs orientalischer Kunstwerke fraglich lassen will. 

Das früher ebenfalls zu Aachen aufbewahrte Evaugelieo- 
buch ist karolingisch, so dafs der Richtigkeit der Tradition, 
die dasselbe im Grabe des grofsen Kaisers gefunden sein läfst, 
kein Bedenken im Wege steht; der Einband ist spät gothisch. 
Eine Kapsel, gefüllt mit Erde, die mit dem Blute des Märtyrers 
Stephan getränkt sein soll, an der Hanplseite vollkommen mit 
gefafsten, ungeschlilTenen Edelsteinen besetzt, an den Seiten 
aber mit getriebenen Metallblechen, stammt noch aus vorkaro- 
lingischer Zeit. Die übrigen Reichsreliquien sind im Werke 
nur verzeichnet, ohne abgebildet und beschrieben zu sein, da 
Bock denselben ein eigenes Buch zu widmen beabsichtigt; da- 
gegen sind nach Delseiibach's mangelhaften Ziichnungeu die 
verloren gegangenen beiden Aimspangen und die Sporen nebst 
den schon erwähnten, nicht mehi vorhandenen Schuhen, Hand- 
schnhen und Gurtein dargestellt. 

III. 

Hat schon das Bock'sche Werk dadurch eine bervou-a- 
gende Bedeutung, dafs es zum ersten Male mit wirklich ar- 



165 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



166 



chäologischem Verständnifs Abbildungen im grofsen Mafsslabe, 
soweit es thunlich iii Nalurgröfse, der kostbaren Kleiiiodien- 
slücke gibt, so besieht ein «eiteres, sehr grofses Verdienst 
darin, in eben solcher Weise fast alle noch vorhandenen Krö- 
nuiigspontifikalien anderer Völker, sowie die sonst zerstreuten 
Kaiserreliquien gesammelt und so Vergleiche geboten zu haben, 
die das Werk auch für die Geschichte der Formentwickelung 
wichtig machen. 

Wir können hier dieselben nur reihenweise in ihrer Zu- 
sammengehörigkeit betrachten und fassen auch hier wieder zu- 
nächst die stoiTlichen, sodann die metallischen Objekte in's 
Auge. Unter den stoiTlichen tritt uns zunächst ein Kaiserman- 
tel entgegen, der zu Metz aufbewahrt wird. Er ist mit 4 
grofsen Adlern auf rothem Grund bestickt und hat die meiste 
Aehnlichkeit mit dem Kaisermantel, vielleicht um ein Gerin- 
ges älter, obwohl die Meinungen gerade über dieses Gewand 
weit auseinander gehen, das durch die Gelehrten als persisch 
betrachtet und in die karolingische Zeit versetzt wurde. Höch- 
stes Interesse erregen 3 Mäntel aus Bamberg, die der Zeit 
Heinrich's zugehörten, von denen der erste mit einer höchst 
interessanten Darstellung des gestirnten Himmels versehen ist, 
iu der die einzelnen hervorragenden Sternbilder charakteristisch 
abgebildet und mit luschriften versehen sind. Eine Inschrift: 
Decus Europae Caesar Henrice haare, Augeat Imperium tibi 
Rex qui regnat in aevum, gibt genaue Kunde über die Zeit- 
stellung; eine zweite Inschrift sagt: Descriptio totius orbis. 
Fax Ismaeli qui hoc ordinavit; bezieht sich also auf Ismael, 
Herzog von Apulien, f 1020 zu Bamberg. 

Eine noch in ursprünglicher Gestalt erhaltene Casula zeigt 
auf violettem PurpurstolT, in Kreise eingeschlossen, wiederholt 
einen kaiserlichen Reiter, einen Falken auf der Rechten, ein 
Scepter in der linken Hand haltend, der über seine Feinde 
wegreitet und von reichem Ornament umgeben ist. Nach Bock 
stammt die Casel frühestens aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. 
Er vermuthet, dafs dieselbe ehemals einem Profanzwecke diente 
und erst später die geschlossene jetzige Gestalt erhielt. Ein 
drittes abgebildetes Gewand dagegen hatte ohne Zweifel ur- 
sprünglich kirchliche Bestimmung, obwohl dasselbe den Kaiser- 
mäntelu zugezählt wird. Es umfal'st in einer Anzahl kleiner 
Kreise Darstellungen aus der heiligen Geschichte, in der Haupt- 
darstellung den Herrn in seiner Herrlichkeil, von der Höhe aus- 
gehend , in die Strahlen der Sonne und des Mondes gekleidet. 
Egredielur Dominus de loco sancto suo, veniet ut salvet (popu- 
lum suum). Diese kostbare Casula entstammt der zweiten 
Hälfte des 12. Jahrhunderts. 

Dem 11. gehört jedoch der ungarische Krönungsmantel 
an, der, von der Hand der heiligen Gisela herrührend, als Ca- 
sula für die Kirche zu Stuhlweifsenburg gefertigt wurde 
und mit höchst interessanten symbolischen Darstellungen ver- 
seben ist. In der Kirche zu Martinsberg bei Raab befindet sich 
noch die in Nalurgröfse gezeichnete Vorlage, nach der die 
königliche Stickerin ihre Arbeit anfertigte, die in früheren Zei- 



ten gleichfalls als der Mantel selbst betrachtet worden war und 
so mannigfache Verwirrung unter älteren Gelehrten hervorge- 
rufen hatte. Ein interessanter Kaisermantel ist der Otto's IV. 
im Museum zu Braunschweig, mit einer Anzahl Löwen und 
Slerne und Halbmonde bestickt, in die sich an den vorderen 
Rändern knieende Engel mit Rauchfässern mischen, während vier 
einköpfige Adler eine mittlere Theilung auf dem Rücken bil- 
den; auch ihn schreibt Bock sicilianischen Stickern zu. 

Der jüngste unter den Mänleln ist die in Aachen aufbe- 
bewahrle Cappa Leonis, die, der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. 
angehörifi-, von Bock als Geschenk des Königs Richard von 
Cornwallis betrachtet wird. 

Den Mänteln schliefst sich noch eine tunica an, die, Hein- 
rich II. zugeschrieben und ans seinen Tagen stammend, freilich 
im Schnitte bedeutend modiiiciert, sich im königl. Nationalmu- 
seum zu München befindet und mit Stickereien versehen ist. 

Für die Geschichte der Stickerei ist also eine wesentliche 
Bereicherung im Bock'schen Werke gegeben. Nicht minder 
aber auch für _^die Geschichte der Weberei bietet das Werk 
interesssante Beiträge, indem Zeit und Herkunft einer Anzahl 
von Stoffen genau bestimmt sind, die, in Nalurgröfse abgebil- 
det, wieder zur Vergleichung anderer die bestimmtesten An- 
haltspunkte gewähren. So sind etwa 12 verschiedene Stoff- 
muster theils in Holzschnitt, theils in Farbendruck naturgrofs 
gegeben. 

Noch wichtiger erscheint das Werk für die Geschichte der 
Goldschmiedekunst. Da fuhrt es uns eine Anzahl jener Kro- 
nen vor, die den vorkarolingischen Zeiten angehören ; es zeigt 
die zu Guarazzo gefundenen Kronen des Recesvinthus und Svin- 
tilianus. Die Krone des Agilulf (gegen 600) wurde leider 1804 
zu Paris gestohlen und vernichtet; die Krone der Theodolinde 
zu Monza durfte aus der Zeit dieser Fürstin herrühren. So- 
dann folgt die eiserne Krone der Lombardei, die nach Bock 
ein griechisches Kunstwerk aus dem 9. Jahrhunderte ist und 
ursprünglich keine Königskrone war , wobei es Bock freiläfst, 
ob sie, wie andere Kronen, ehemals eine Votivkrone oder ein 
Armband gewesen, nachdem sich in Petersburg zwei mit der eiser- 
nen Krone fast identische Armbänder befinden. Die Krone ist 
bekanntlich nicht von Eisen, wird auch vor dem 13. Jahrhun- 
dert gar nicht als eiserne bezeichnet und hat ihren Namen von 
einem eisernen Ringe im Innern, der die einzelnen goldenen 
Theile zusammenhält und der Tradition nach aus einem Nagel 
vom Kreuze Christi gefertigt sein soll. Die eine der zu Mün- 
chen aufbewahrten Kronen, die aus Bamberg stammen, schreibt 
Bock der heiligen Kunigunde zu, deren Cranium sie Jahrhun- 
derle lang bedeckt halle. Dieselbe ist mit einer zweiteir Krone 
heutzutage verbunden, die in der chronologischen Reihenfolge 
einen spätem Platz einzunehmen hat. Eine Krone griechischen 
Ursprunges, mit der deutschen Kaiserkrone in der Hauptform 
verwandt, ist die des Conslantiu Monomachos, von der sich in 
dem Museum zu Pesth Bruchstucke befinden, zwischen 1042 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



168 



und 1050 enlstaaden, vielleicht ein Geschenk an einen un- 
garischen oder serbischen König. 

Die ungarische Krone besieht aus zwei wesentlich ver- 
schiedenen Bestandlheilen ; der erste ist der Slirnreif, mit den 
an der Vorderseite befindlichen zackenarligen Anfsalzen, in 
dem durch angebrachte Bilder die Geschichte des Reifs illustriert 
wird, und der sich demgemäfs als Geschenk des Kaisers Mi- 
chael um 1075 an Geisa, Herzog und später König von Ungarn, 
erweist. In der Krone befindet sich ein kreuzförmig das 



in Peslh gefunden wurde und einer Königin aus der Regie- 
rungsperiode der Anjou's zugehören dürfte. Die jüngsten die- 
ser Kronen durften die eine sein, die, in München aufbewahrt, 
gleichfalls der heiligen Kunigunde zugeschrieben wird , die 
aber auf der Grenzscheide des 14. und 15. Jahrhunderts steht, 
und die Krone der Margaretha zu York, Gemahlin KarPs des 
Kühnen. 

Aufser den Kronen sind andere Goldschmiedearbeiten aus 
sehr aller Periode abgebildet, ein Kreuz des Kaisers Justinian 



Haupt überspannender, breiter Doppelbügel, der nach Bock aus ;„ gj. Peter zu Rom, eine Anzahl Kreuze von Votivkronen zu 
den Zeiten des heiligen Stephan herrühren könnte, dem die Gnarazzo, das Kreuz des Agilulf, das des Adoloald, des Beren- 



Tradition die ganze Krone zuschreibt; sie stammt somit aus 
dem Jahre 1000, wo Papst Silvester II diesem König eine 
Krone sendete. 

Hier fügt sich nun die deutsche Kaiserkrone in die Serie ein, 
die ehemals ebenfalls oben einen Dachen, kreuzförmigen Bügel 
hatte, wie noch die Ansätze an den einzelnen Theilen erkennen 



gar, das der Theodolinde. Die WalTenslücke Theodorich's und 
Childerichs (jetzt in Troyes und Paris), der Kamm der Theo- 
dolinde, der höchst interessante, mit Filigran bedeckte unga- 
rische Scepter, der Scepter im Schatze zu Aachen sind kost- 
bare Werke, die über die Goldschmiedekunst ihrer Zeit über- 
raschende Aufschlüsse geben. Nicht minderes Interesse ge- 



lassen, an deren Stelle nun nur der eine schmale, hohe Bügel yf^i^rt der Helm des heil. Wenzeslaus und das Schwert de 



Kaiser Konrad's getreten ist. 

Höchst einfach sind zwei Kronen, die König Bela von 
Ungarn und seine Gemahlin mit in's Grab genommen haben. 
Sie sind olTenbar blos zu diesem Zwecke angefertigt und be- 
stehen aus einem Stirnreif mit 4 Kreuzen.*) 

Den Arbeilen der deutschen Reichskleinodien, wie sie am 
Ceremonienschwerte, an den Handschuhen u. s. w. sich zei- 
gen, ist die Arbeit an der Krone der Constanze zu Palermo, 
die aus dem Grab erhoben wurde, anzufügen. Sie besieht aus 
einem Häubchen, das mit einem Slirnreife und ebenfalls mit 
gekreuzten Bügeln besetzt ist. Der Grund des Häubchens zeigt 
ganz die gleiche Arbeit, wie der Grund der Schwertscheide, und 
die Emails gleichen wieder genau jenen. 

Arbeit eines abendländischen Künstlers vom Beginne des 
13. Jahrhunderts ist die Krone Philipp's des Guten von Namnr, 
auch als Kroire Balduin's von Jerusalem bezeichnet, die stets 
eine Reliqnienkrone gewesen zu sein scheint. 

Die deutsche Königskröne in Aachen, die Corona argentea, 
die jetzt auf dem Haupte Karl's d. Gr. ruht, ist eine Lilien- 
kröne von sehr eleganter, schöner Form mit einem Bügel, der 
über das Haupt von vorn nach rückwärts reicht. Sie gehört 
der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an, also der Zeit des 
Interregnums und dürfte von Richard von Cornwallis herrühren. 
Der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehört die Lilienkrone 
an, die jetzt mit der Krone der heiligen Kunigunde verbunden 
ist; der Mitte des 14. Jahrhunderts die schwerfällige, mit ge- 
waltigen Edelsteinen besetzte Krone Böhmens, die unter Karl IV. 
angefertigt wurde; dem Schlüsse des 14. eine änfserst ele- 
gante Krone, die in einem Grabe auf der Margaretheninsel 



*) Bock vergifst hier anzugeben, welchem Bela die Leiche an- 
gehörte, ob Bela L (1061—63), Bela II. (1131-41), Bela IlL 
(1174 — 96). Dem IV. durfte sie wohl schwerlich zugehört 
haben, der 12.35 — 70 regierte. 



heil.' Stephan", das Kreuz des Kaisers Lothar, die Kreuze zu 
Gran, die schon erwähnten Kostbarkeiten aus Aachen, der im 
Stile der Renaissance gearbeitete Scepter und Reichsapfel Böh- 
mens, mehrere weitere Schwerter und verschiedene Reliquia- 
rien, sodann der Fächer der Theodolinde, das Weihwasserbecken 
zu Mailand u. s. w. 

Besonderes Augenmerk möchten wir noch auf einige Klei- 
nodientruhen werfen, die abgebildet sind und dem 13. Jahrh. 
angehören, so die zu Aachen, die mit einer Anzahl emaillierter 
Medaillons besetzt sind, welche sich auf rothgefärbtem Holze 
aufgelegt fanden. Sie war von Richard von Cornwallis herge- 
stellt; ihr ganz ähnlich ist die Casette des St. Louis, die jetzt 
sich im Musee des Souverains zu Paris befindet, jedoch gerin- 
gere Ausdehnung hat, als die grofse Kleinödienkiste. Aehnliche 
emaillierte Medaillons befinden sich im Museum zu Pesth, die 
wol ehemals einer ungarischen Kleinödienkiste angehörten. 

Auch eine Anzahl interessanter Lederkapseln für verschie- 
dene Kronen sind abgebildet, von denen die älteste die sein 
dürfte, welche ehemals Schwedens Krone umschlofs und sich 
nun im Besitze des Senators Culemann in Hannover befindet. 
Höchst interessant sind die Büchsen, die Karl IV. für die deut- 
sche und für die böhmische Krone hatte anfertigen lassen ; fer- 
ner die Kapsel für die Brautkröne der Margarethe von York 
zu Aachen ; die Kapsel für die Krone Philipps von Namur, dem 
13. Jahrh. angehörig, hat wieder Verwandtschaft mit den Klei- 
nodientruhen ; sie ist mit glattem, ungefärbtem Leder überzo- 
gen, auf dem emaillierte Medaillons befestigt und metallene 
Nägel mit runden Köpfen zur Verzierung eingeschlagen sind. 

Wir können zum Schlüsse dieser Beschreibung die Klage 
nicht unterdrücken, dafs das Werk, seinem kostbaren Inhalte 
angemessen, sö theuer ist, dafs es kaum zugänglich wird ; spre- 
chen jedoch die Hoffnung aus, dafs unser gelehrter Freund be- 
müht sein werde, den Inhalt auf anderem Wege zum Gemein- 



169 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



170 



gut zu machen , wozu ihm mit Vergnügen diese Blätter zur 
Verfügung gestellt würden. 



Die Juden zu JVaunibure an der Süaale. 

Mitgetheilt durch Karl von Heister. 
(Schlufs.) 
B. 1446. 

Nach Crisli geturt Tusent vier hundert jn dem Sechss vnde 
vierzigsten Jar Am Frilage nach Judica habin geteydinget Die 
Gestrengen hans von soifchicz houbitman Geihard selbueldige 
Rath hans vom Vixte auch gesworene Niclilaus von hoendorff 
Richter zu Nuemborg alle amptlute vnsers gnedigen hern von 
Nuemborg alzo mit volborte dryer Reihe vnde der gantzen ge- 
meyne wegin der Stad zu Nuemborg ulT eyn nemlich do Bor- 
germeistr. waren hans von Glogow vnde Thomas hyldebraiid 
Camerer Conrad schulzemeistr. pauluck von der hardt vnde 
andere die medt gesworne Ratheskumpan vnde von wegin der 
Jodisscheyt wonhalllig daselbst ulT die andere sythe. Nemlich 
der Jod leser meyger muschel Jacob gatheus abraham vnde 
ynsche die Ilztzinne Joden zu Nuemborg sint adir jn zukunfF- 
tigen getziten hir sin werdin alzo von gebrechins vnde vor- 
habin der Jodin wuchirrs halbin vnde andir gebrechin mer da 
vone die Reibe erkanten , das die Stad Nuemborg ser beswert 
wart unde vordir seier beswert mochte wordin sie vnde sulclie 
beswernnge si vordir bracht habin an vnserii gnedigen hern 
herren peter ilzunt BischolT zu Neuemborg das dann vordir syne 
gnade vorwilt vnde tzu gegebin had das die Joden inzukunff- 
tigen gezyteii fort mer so haldin sullin alzo hirnach geschrie- 
bin stehlt Nemlichin das sie eynem iglichin burger burgeryn 
adir Burgers kynder sie sint cluch adir fryledig dy sich selbst 
vormelden eynen gülden adir eyn schoch nicht hocher lihen sul- 
lin dann eyne wochin umb zwene pheunynge eyne halli gul- 
din adir eynen ort alzo noch folgin hynder sich zu rechin ad- 
dir an vorschriebunge noch uff phandt vnde sulle auch nymant 
der eyn Burger zu Nuemborg ist vnder eyme jar zu keyner 
rechenunge drynge es were dann sache das er tzwifel bedte 
daz solche syne gute adir pliande solich houbit gut vnde wu- 
chir nicht getragen konndte, das sal der Jod brengen an un- 
sers gnedigen hern von Nuemborg Richter vnde an eynen sitzen- 
den Rath die sullen erkenne ob ome (ihm) rechius adir clagens 
not sie werdit darnach sich der Jod richtin vnde haldin sal 
Vortmer sulle die Joden noch die Jodynn noch die oren (JJi- 
rigen) kheynem burger burgeryn adir burgers kynder die do 
Vormunden habin keyn gelt Üben addir uff phandt noch ane phand 
bis vorlysinnige (Verlust) des geldes daz die one (ihnen) ge- 
leibin habin hynder one Vormunden Ouch wullin die Rethe uff 
das das dy Joden wissin sullin wem sie ihr gelt lyhen werdin 
ob er Vormunden habe adir nicht solchin vorlass (Erlass) alle 
jar vorkundigen lassin In der kircbin daz sich eyn Jederman 
dornach wisse zu richtin ob ymand zwyfel hedte das vormund 



er were das der syn adir dy syne gelt Juden Jodin nemen 
worde daz deme Rathe kunt ihun die es dann von die der Jo- 
den obirsten eyme vorkundigen sullin ,1er ok dann den andern 
Jodyn von der vorkundige sal sich dy Joden darnach lassin zu 
richtin vnde zu haldin also ob yn komt vnde geschrieben ste- 
het wordiu ouch die Joden icht vubilliches vor addir hir nach 
vorkourfiu vornemen daryn sal unsers gnedigen hern von Nuem- 
borg Richter mit deme Rathe macht zu Sprechen habe dornach 
sich dy Joden richtin vnde haldin sullin. Sulchir eynunge sal 
eyn ichlicher Jode der do vort mere zu Nuemborg eyn Jode 

sin wil vnde da wonen steliklich (unleserlich) haldin 

solchir daz nicht thun woMe vnde darzu nicht gehindin sullin 
vnde wullin wir zu Nuemborg nicht lyden noch uffnemen czu 
bekenntnisze sulchir heteydingunge habe ich obgenanler nick- 
laus von hoendorff myu ingesiegel budene an diesse gedele ge- 
bangen. 

An der äufsern Seite der Urkunde steht: Der Juden brieff 
wo so es mit dem Wucher zu nemen halden sollen. 

Spaterer Zusatz : Hinfurdt die Juden vom fl. oder Schock 
nur wöchentlich ihn 2 ^ nehmende. 1446. 

Originalien des Magistrats-Archivs zu Naumburg Nr. 26. 

Das Copialbuch von 1540 enthält den Vormerk (Fol. 49): 
Eyn vorsiegelter Brief, wie der Juden vbermessiger wucher halb, 
die Bürger beschwerrt, ferner das sie vnmündigen kindern gells 
gelihen. Das es durch vnssers g. h. ampleuthe vorhandelt, das 
sie Christen vom gülden eine Woche nicht mehr den zween 
Pfennige habenn nehmenn thuenn, und kindernn, so nicht vor- 
munder gehabt, nichts leyhen Ihnen, anno 1446. Welcher brief 
als unnottigk nicht ist asservirt sondern bei die andrenn Ju- 
den Brieue gebundenn wordenn, alda er zu (indenu. 

C 1494. Wie die Jüdenn mit sechsszigk gülden wider- 
kawflicber zinsse mit zwölfhundert Oorenn abezulossenn wider 
aus der Stadt gawfft wordenn. 

Wir Jobanns von Gots gnadenn Bischof zu Naumburgk. 
für vnns vnnd unssre nachkommen mögen Allen disses briues 
ansichtigen bekennen : Nach deme wir uns ans pflicht aufge- 
legter wurdenn, fürstlicher wirck schuldigk erkennen, auch 
alle zeyt geneigedt seinn , vnnssre underlhanenn nütz, vnnd 
disses vnnssres vormögens zu trachten, vnnd disse von zukünf- 
tige verderbliche schadenn vnnd vngedryung, durch ziemliche 
vnnd bequemliche Ulillel, wo wir können, zuvorschonen — Sein 
wir durch die ersamenn, vnnssre lieben getreuvenn Rath, Reihe, 
Hantwerge Ckassenmeister vnnd ganntze Gemeine vnsser Stadt 
Naumburgk mit manchfeldigeu Ciagen angesucht vnnd bericht 
— Wir darinn vonn denn Juden, des Crützes Christi feindenn, 
seiner werdenn muttre leslerer, untz hir vonn vnnseren vor- 
Ihuren zuliegenu vnnd vnns daselbst enthaldenu, sich teglich 
mehren, darinn vnnd iren Beywohiiern mirgliehe verderbliche 
schadenn vnnd abzüge zugefügt wurdenn — — Vnnd darauf 
angeruffenn hochlichen angezogen , vnnd demüliglichcn gebe- 
thenn, solche Unbeschwerung gnediglich zu hcrtzen zu neh- 



171 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 



172 



menii, viiiid obherilrten Unnralh helfkenn zuvorkommen — — 
Als geben wir zuforHcrst gote vnnd seiner werden muttre 
Marien ehre vnd lob — Durch die Vnnssren obgenannt vor- 
derbliche zu hertzen genohmenn vnndt «Dgesehenn, Vor vnns 
Alle vnnssre Nachkhomenn , mit Zulassung vnnd bewylle- 
gung der wirdigenu vnnd achtbaren vnnssrer lieben andaech- 
tigeo Techant, Senior vnnd des ckantzenn Capittels vnnssrer 
kirchen zu Naumburgk, bemelten Rath, Reihen, llantwerge, 
Ckassenmeisterenn, vnnd gantzer Gemeine aus gnedigen wyl- 
lenn zugesagt, vnnd vorsychert, zusagenn vnnd vorsycbernn 
In kund mit kraft dis briues, das Wir die JudeschafTt ilzo 
zur Naumburgk zur zeitendung ires gleits vnnd vorschrei- 
bung, so sie von vnns habenn, vrlauben, die vonn dann 
aus all vnssrenn gebythenn vnnd gericbten daselbstenu zie- 
henn lassenn — Wir vnnd vnnssre nachkommen auch zu 
ewigen gezeilenn keinenn mehr, was handeis der sich noeihe, 
dahinn setzenn, nehmenn, noch habenn, wissentlich leidenn oder 
duldenn wollen — Vnnd ob jii nmbligendenn stedten, dorffernn 
oder vaden (?) ausserhalb vnnsser gebit \nnd obrikeyter zu- 
kunftigk vonn anndrenn herschafftenn Judenn gehaltenn wUrdenn, 
dennseiben bei vns noch vnssren nachkommenn, jnn gedachter 
vnssrer Stade noch vorstedten, auch auf der freybeit keines han- 
deis, wie der wehre, sol vorstadt oder zugelassen werden, 
vnnd jnn kraft disser vnssrer vorschreibung verbolhenn sein, 
— Vnnd ob sie darüber mit Jmandes handeltenn, sol darinu 
durch vnsser gericht in keiner weyse geholfen» werden, — Sie 
sollenn vnnd mogenn auch die gemalte Halb vnnd Gemeine zu 
Naumburgk aufgedacte zeit der Juden abscheides, die Judenn 
schul daselbst, wiewol inenn die jnn vnssrenn nabmenn fürmalls 
aus kraft vnsser obrikeyt zuslenndigk gewesenn ist, zu gemei- 
ner Stade Nutzung nehmenn, doraiin wir vnns vnd vnnssre 
nachkommenu auch in kraft ditzs bnues vorfryhenn, vnnd wol- 
lenn die ewiglichenn bei gedachtenn Rathe vnnd gemeine las- 
senn Vnnd dieweyl wir obgenanter bischof Jdhans vnnd vnssere 
voifahrenn einenri mergliclicn nütz von der Jüdheit zu Naum- 
burgk jerlichenn jnn vnnssre Ckammer lallent gehabt, habenn 
sich die gedachtenn Ralh, Rethe, hantvverge, Ckassenmeisler 
vnd ganlze gemeine vnnsrer Stadt Naumburgk vnib solche vnns- 
sre erzeigte gnade, vor sich jie nachkommen, bewylligtt, vor- 
heischung, vnd sich gegen*) vnns vorschriebenn jerlichen sechs- 
zigk Reinische guldenn **) zius halb auff Walpurgis vnd halb 
uff Sancl llichaheli, was sie aber wider zu sich mit Zwölfhün- 
dert volwicbtigeun und lantwerigenn Reinischenn guld. kauf- 
fenn mügen, wenn jnen das denkt***) Doch das sie vnns 
solchen widerkauf ein vierteil Jhares vor kundigen vor einem 
zinstage mit jrem briue, vnnd dornach auf demselben zinslagk 
vnns oder vnssren nachkhomenn genannte zwölf hundert Rei- 



nische gülden, volwichtiges laotweriges gelts, alhie zu Zeitz 
jn vnnsre kammer mit allen versessen zinnssenn vberreichen 
vnnd bezahl trewiich vnnd ane alle gefherde. — Das zu vr- 
kunde haben wir obgedachter Bischoff Johannes vnnssre grost 
jnnsigel aufs ennde dis briues wissenlich h'enngen. Vnd wir hier 
nach geschriebener GUnIherus von Bunaw Techani, Andreas von 
Konritz Senior vnd das gantze Capittel der Thnmskirchenn zu 
Naumburgk bekennenn vor vnns vnnd alle vnssre nachkomenn 
das wir zu obberUrte vrlaube der Judenn, vonn vnssrenn o-ne- 
digenn herrn von Naumburgk obgenant, vnd vortrage derhal- 
benn mit dem Rathe geschehen, wir vorberürt vnsere günst 
vnnd bewylligung gethan habenn auch des zu bekenntnus und 
ferner vrkuud vnnssres grosses insigel aufs ende dis briues 
lassenn brengen. Da gegeben ist nach Christi vnnssres hernn 
geburth vierzehn hundert vnd darnach im vier vnnd nuulzigsteo 
Jhare am Montage nach Vocem Jncundatis. 
Copien aller etc. Fol. 49. 



*) Von derselben fland am Rande : NB. Juden Zins. 
**) Von einer spatern Hand nocbnials am Rande wiederholt. 
**) Von spaterer Hand : Mit 1200 Reinisch gülden abzuleg. wan 
der Rath will. 



,,Dle ersten Büelisenscliützen, die an der 
Wange abschössen.'* 

Aus der Miltheilung im vorigen Jahrgang des Anzeigers 
f. K. d. d. Vorzeit, Nr. 12, Sp. 469 geht hervor, dafs über 
die alten Handfeuerwaffen und deren Handhabung hier und da 
noch manche Irrthümer herrschen. Eine nähere Beleuchtuno- 
und Berichtigung des dort Gesagten dürfte daher vielleicht nicht 
ganz überflüssig sein 

Im Eingange heifst es daselbst: „Im J. 1517 wurde das 
Steinfeuerschlofs zu Nürnberg erfunden. Bis dahin wurden die 
Büchsen, indem man sie auf ein gabelförmiges Gestell legte, 
vermitl,el.-t einer Lunte abgeschossen. Jene Erliudung verlieh 
ihnen eine viel gröf.-ere TreOsirheiheit ; denu man fleug jetzt 
an, sie an der Wange abzuschiefsen , was das Zielen sehr er- 
leichterte." Hierin sind drei Punkte, deren Richtigkeit bestrit- 
ten werden mufs, nfimlich 1) dafs die Erfindung des Radschlos- 
ses im J. 1517 geschehen, 2) dafs man bis dahin die Hand- 
büchsen auf Gabelgestellen und nur mit der — in der rechten 
oder linken Hand gel.allenen — Lunte abgefeuert, und 3) dafs 
man erst nachher angefangen, sie an der Wange abzuschiefsen. 

Den ersten Punkt anlangend, so weist Jlehreres darauf hin, 
dafs das Ra ds ch lofs schon im ersten Jahrzehend des 16. Jahr- 
hunderts existiert hat. Vor Allem ist hier eine Stelle im 
Theurdank zu nennen, der bekanntlich 1517 zum ersten 
Male und zwar zu Nürnberg im Druck erschien. Sie lautet, 
nach der Frankfurter Ausgabe von 1589, Bl. 49b, folgender- 
mafsen : 

Denn zu den Zeiten war die Sitt 
Bein Buchsen trug man Zündstrick mit. 
Mit eim Feureisen, Schwam und Stein 
Hielt man Feur bei Geschütz insgemein. 



173 



AiizeigtM' für Kunde der deutschen Vorzeil. 



174 



Die schädlich FeurschioTs noch nit waren 

Wie jetzt gemein in selben Jahren. 
Uoler den Feuerschlössern können nur die Radschlös- 
ser verslanden sein; denn t. wurden im 16. Jahrh. nur diese 
so genannt, nicht aber die L u n t en s chlösser ; 2. wurde es 
überhaupt erst nach Erfindung des Hadschlosses üblich, den 
Mechanismus zum Abfeuern „Schlofs" zu nennen (wahrscheinlich 
von den daran befindlichen Schnellfedern), wenigstens ist kein 
Beispiel bekannt, dafs der dem Radschlofs vorangegangene fe- 
dernlose Luntenhahn, oder Drache (Serpentin) Schlofs 
genannt worden wäre; 3. konnte vom Luntenhahn nicht gesagt 
werden, dal's er zur Zeit des Tyrocinimns Jlaximilans's L noch 
nicht vorhanden gewesen sei, weil derselbe nm's J. 1480 in 
Deutschland und den angrenzenden Ländern schon viel in Ge- 
brauch war; 4) sprichtauch die Bezeichnung „schädlich" dafür, 
dafs das Radschlofs gemeint ist; denn von diesem und keinem 
andern wissen wir, dafs es geraume Zeit für die öffentliche 
Sicherheit gefährdend gehallen und deshalb das Tragen der damit 
versehenen Buchsen, die man anfangs se Ibs t zun den de oder 
auch blos zündend e, später, zumal die Pistolen, Zündbüch- 
sen nannte (Hortleder I, 1943), wiederholt verboten wurde, 
wie z. B. noch 1533 in Oeslerreich (Buchholz, Ferdinand I., 
VIII, 50. Anm.). Ein solches Verbot gibt es nun auch schon 
aus dem J. 1506; denn die Gesetze der in diesem Jahre zu 
Geislingen errichteten Schiefshütte bestimmen, dafs niemand 
einer „selbstzündenden Büchse" sich bedienen solle (Jäger, 
Geschichte d. Schwab. Städtewesens, I, 422). Das Alter des 
Badschlosses würde hiernach also mindestens bis 1506 zurück- 
gehen. Dafs es noch bis vor 1501 zurückgeht, läfsl die Zeich- 
nung einer Handbuchse von diesem Jahre schliefsen, wovon 
weiter unten ausführlicher die Rede sein wird. Im Uebrigen 
ist bekannt, dafs nur die Chronik eines ungenannten Nürnber- 
gers die Angabe enthält, das Radschlofs sei 1517 in Nürnberg 
erfunden, während andere Quellen, die Doppelmaier benutzte, 
blos sagen, in diesem Jahre habe man in Nürnberg und gleich- 
zeitig auch in Augsburg die Radschlösser gemacht (v. Stellen, 
Kunst- etc. Gesch. v. Augsburg I, 201), was vielleicht so zu 
verstehen ist, dafs solche damals zuerst als stehender Handels- 
artikel von besoiidern Handwerkern, die unter dem Namen 
Feuerschlofsmacher vorkommen, verfertigt wurden. 

Gegen den zweiten Punkt, dafs man bis zur Erfindung des 
Radschlosses die Handbüchsen auf Gabelgestelleu abgefeuert, 
ist geltend zu machen, dafs sich bis jetzt, so viel man weifs, 
in den Schriften des 14. und 15. Jhdts. nicht das Geringste 
gefunden hat, was diese Behauptung bestätigte, wohl aber 
Hehreres, woraus hervorgeht, dafs man die Büchsen in der 
Regel frei auf der Hand, ohne sie auf eine Gabel oder andere 
Stütze aufzulegen, abgeschossen hat. Dahin gehört für die äl- 
teste Zeit eine Abbildung in einem Feuerwerkbuche der Mün- 
chener Bibliothek (C. g. Nr. 600, El, 10), dessen Enistehung 
aus verschiedenen Innern und äufsern Gründen zwischen 1360 
and 1380 gesetzt werden roufs. Diese stellt einen Mann mit 



einer Handbüchse dar, die damals noch aus einer kurzen Röhre 
mit einem darin steckenden eisernen Sliel bestand , und die 
er an letzlerem mit der linken Hand schief nach vorn in die 
Höhe gerichtet hält, während er sie mit der rechten vermittelst 
eines langen, unleu einen Knopf, oben einen seituärts gewen- 
deten Zacken habenden Feuereisens, wie es scheint, durch In- 
brandsetzen einer aus der Mundung heraushangenden Zündschnur 
abfeuert. Um besser zielen und treffen zu können, als es 
auf diese Art möglich war, nahm der Schütze, wenn es die 
Umstände erlaubten, die Büchse in beide Hände, hielt sie 
frei vor sich hin und liefs sie, nachdem er darüber visiert und 
sie je nach der Entfernung des Ziels mit dem hintern Ende 
mehr oder weniger gesenkt und ihr dadurch den erforderlichen 
Erhöhungswiukel gegeben hatte, durch einen Gehülfen abfeuern. 
Dies Verfahren wird in einer Anweisung zum Schiel'sen mit 
dem „gefafsten" (d. h. auf einem graden, mit der Hand zu um- 
spannenden, Stab genannten, Holze befestigten) Handrohr, um- 
ständlich beschrieben, die in einem die Jahrzahl 1457 am Ende 

2952 
tragenden Kriegsbuch der Wiener Bibliothek (Nr. 221, — t^LJ" _ 

^ ' Ph.4°202' 

§. 38) sich befindet und leicht die einzige sein möchte, die 
uns aus der allein Zeil bis zum 17. Jhdt. herab erhalten ist. 
Auf den Schiefsstäiiden der Schützengesellschaften war im An- 
fange des 16. Jhdts. nicht nur jede Unterstützung der ange- 
schlagenen Büchse, sondern selbst das Ansetzen des Kolbens an 
die Schulter untersagt. So heifst es z. B. in einem 1501 von Bür- 
gecmeistern und Ralh der Stadt Kölln erlassenen Einladungs- 
schreiben zu einem grofsen Festschiefsen, wovon ein gedruck- 
tes Exemplar mit dem über dei- Schrift zwischen einer Arm- 
brust und einer Handbüchse stehenden ausgemalten Stadtwap- 
pen in der städtischen Bibliothek zu Köln aufbewahrt wird : 
„Es sali auch eyn yecklicher schiessen vffrecht mit fryem schwe- 
benden Armen vnd affgesneden wammes ermell aen schuore 
vnd reme vnd auch aen scherm oder rauchpanne vnd also dat 
dye bosse dye assel nyet enroert vnd sunderlich vff yede bossen 
nyel me dan eyn siecht abesyen vnd hynden eyn lochelyn oder 
vffen schrenizelyn haben vnd sali geyn schütze zwey Klotz ader 
Kogelen ader gefedert Klotz schiefsen;" wer dawider verfährt 
geht sein Schiefszeug verlustig. Man könnte nun denken, dafs 
man im Kriege und auf der Jagd die Büchsen auf Gabeln ab- 
geschossen. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte man si- 
cher auch die letzleren neben den Büchsen in den Zeughäusern 
und Rüstkammern vorräthig gehalten, und sie müfsten dann 
nothvvendig in den Invcntarien des Kriegs- und Jagdzeugs, de- 
ren wir mehrere sehr vollständige aus dem 15. Jhdt., und da- 
runter auch eins von dem 1462 in Nürnberg vorhandenen Kriegs- 
material, besitzen, mitverzeichnet stehen. Wir finden jedoch 
nirgends eine Spur davon, selbst nicht für die Hakenbüchsen 
die wegen ihres Gewichts und Rückstofses nur aufgelegt ab- 
geschossen werden konnten. Erst gegen Ende des 15. Jhdts., 
als man anfieng, der Handrohre von mehr als dreilölhigem Ka- 
liber auch im Feldkriege sich zu bedienen, kamen für die gros- 



175 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



176 



Sern derselben, die von drei Mann g^ehandhabt wurden, trag- 
bar», dreibeiiiige Schrägen iu Gebrauch (nach Beninga hatte 
1501 Graf Edsard von Ostfriesland deren 1000 Stück 
in der Schlacht bei Dam gegen die Gröninger) , und für die 
kleineren , nur eineu Mann erfordernden, erst im dritten Jahr- 
tehend des 16. Jhdts. die Gabelslützen, die, soviel man vveifs, 
zuerst im J. 1531 von den Spaniern in Italien bei ihren lan- 
gen Musketen gefuhrt wurden. 

Zur Widerlegung des dritten Punkts, dals man erst nach 
der Erfindung des ßadschlosses angefangen, an der Wange ab- 
zuschiefsen, bedarf es nur der Hin Weisung auf den Lunteu- 
hahn, der diese Art des Abschiefseus, wodurch bis dahin die 
Armbrust dem Feuerrohr in der TrelTsicherheit beträchtlich 
überlegen gewesen war, zuerst ermöglichte. Derselbe bestand 
nur aus einer, an der rechten Seite des Schaftes hinter dem 
Zündloch auf einem Zapfen angebrachten Winkelhebel, dessen 
stehender Arm einen flachgelegenen, in eine Klemme mit Schie- 
ber auslaufenden Bügel bildete, und dessen liegender in der 
Mitte einen treppenförmigen Absatz hatte, wodurch seine hin- 
tere Hälfte einige Zoll tief unter den Schaft zu liegen kam. 
Wurde nun der liegende Arm, der durch ein quer über seinen 
mittleren vertikalen Theil gelegtes Blech gegen Verblegen ge- 
schützt war, durch Heranziehen seiner hintern Hälfte an den 
Schaft gehoben, so senkte sich der stehende Arm mit dem in 
die Klemme gesteckten Stück Schwamm, Zunder oder Zachen 
(Lunte) auf die Zündpfanne herab. Wenn jener hierauf losge- 
lassen wurde, gieng dieser sogleich wieder in die Hohe, weil 
erslerer viel länger und schwerer war. Die Zeit der Erfin- 
dung des Luntenhahns ist nicht näher bekannt, doch scheint er 
schon vor der Mitte des 15 Jhdts. vorhanden gewesen zu 
sein. Von dem, was sich dafür anführen läfst, sei hier nur 
der Bericht eines .Augenzeugen von der Schlacht bei St. Ja- 
kob an der Birs 1444 (Säkularschrift der bist. Gesellschaft 
zu Basel, 1844) erwähnt, worin es (S. 21) heilst, ein Büch- 
senmeister und fünf andere Männer seien den Berg herabge- 
kommeii „mit angezündten geladen Büchsen vnd zunder vnd ge- 
spaunen armbrosten." Die älteste Abbildung einer Luntenhahn- 
büchse, die dem Schreiber dieses zu Gesicht gekommen, ist in 
einem Feuerwerkbuche vom J. 1473 der Münchener Bibliothek 
befindlich (C. g. Nr. 599 Bl. 10). Der vorbeschriehene Mecha- 
nismus erscheint hier aber, wie die ganze Waffe, schon so 
sorgfältig, ja zierlich gearbeitet, dafs sich nicht annehmen läfst, 
er sei nur erst kurz vorher aufgekommen, zumal wir die damit 
versehenen Buchsen wenige Jahre später fast in allen Ländern 
Europas verbreitet finden, wenigstens Zeichnungen von solchen, 
da sie selbst keinen besondern Namen führten, aufser vielleicht 
allein in Holland, wo sie knipbussen heifsen (Annal. rer. in 
Holl. etc. gest. beim J. 1481, io Malhaei analec. I, 398 und 
J a Lejdis etc. ebcndas.. S 726 beim J. 1477). 

Der Luntenhahu darf nicht verwechselt werden mit dem 
spätem Lunten- oder Seh wa mmschi ofs. Dies unterschied 
sich von jenem dadurch, dafs der Hahn vor dem Zündloch stand, 



also zurückschlug und durch einen künstlichereu, gröfstentheils 
im Schaft liegenden Mechanismus in Bewegung gesetzt ward. 
Da nun der Hahn des ßadschlosses im wesentlichen dieselbe 
Einrichtung halle, und das Schwammscblufs wegen seiner grös- 
sern Einfachheit und Sicherheit nach der Mitte des 16. Jhdts. 
das Radschlofs bei den zum Kriegsgebrauch bestimmten Hand- 
feuerwaffen, mit Ausnahme der Pistolen -und Reiter-Arkebusen, 
fast ganz verdrängte, so ist anzunehmen, dafs es spätem Ur- 
sprungs war als dieses und ihm seine Entstellung verdankte. 
Es findet sich aber schon an der Büchse, die auf dem früher 
erwähnten Einladungsschreiben der Stadt Köln vom J. 1501 
abgebildet ist, ein rückwärtsschlagender Hahn, der, wie man 
aus seinem beträchtlichen Hervorragen über das von der lin- 
ken Seile gezeichnete Rohr und aus dem Mangel des Steines 
zwischen seinen Lippen schliefsen mufs, einem Luntenschlofs 
angehört. Hieraus folgt denn für die Erfindung des Badschlos- 
ses, dafs dieselbe noch vor 1501 fällt. Viel weiter zurück 
dürfte sie aber auch nicht fallen; denn in einem Feuerwerkbuche 
der Heidelberger Bibliothek (Nr. 126 des Wilken'schen Kata- 
logs der von Rom zurückgekehrten Handschriften), welches 
1496 von dem pfälzischen Büchsenmeister Phil. Mönch ver- 
fafst ist, sind die Handhüchsen noch mit dem Luntenhahn ganz 
ebenso wie in dem Manuscript vom J. 1473 abgebildet. An 
der Büchse auf dem Einladungsschreiben der Stadt Köln sieht 
man auch bereits die das Zielen erleichternde Abschrägung auf 
der linken Seite des Kolbens, die sogen. Backe, ein sicheres 
Zeichen also, dafs man 1501 an der Wange anchlug. Nicht 
den geringsten Zweifel aber darüber, dafs man auch schon frü- 
her die LuntenhahnbUchse so anschlug, läfst endlich die Abbil- 
dung eiries zielenden Schützen, die sich in dem illustrierten In- 
ventar befindet, welches Kaiser Max I. im J. 1492 durch seinen 
obersten Zeugmeisler Ba rt ho I. F reysleben von allem in den 
öslerr. Erblanden vorhandenen Geschütz aufnehmen liefs, und 
wovon ein Exemplar in der Wiener (C. Max. Nr. 10,824) und 
eins in der Münchener Bibiolhek (C. icon. Nr. 222) vorhanden 
ist. Der Mann hält hier das Rohr mit der ausgestreckten Lin- 
ken ungefähr in der Mitte, mit der Rechten hinler dem Zünd- 
loch gefafst und den sehr langen, wenig zurückgebogenen Kol- 
ben gegen die rechte Schuller gestemmt 

Allein die alten Büchsen stiefsen, wie man sich denken 
kann, nicht wenig, und die herumsprühenden Funken des reich- 
lich auf die Pfanne geschütteten Pulvers versengten trotz des 
hinter dem Zündloch befestigten Schirms von Leder oder ande- 
rem Material, dessen man sich dagegen bediente, den Schützen 
oft arg genug. Daher kam es denn, dafs viele beim Feuer- 
geben die Wange nicht am Kolben liefsen , sondern den Kopf 
abwandten. Besonders scheinen die Söldner diese das Treffen 
sehr beeinträchtigende Gewohnheit gehabt zu haben, die sie 
auch nach der Erfindung des Rad- und Schwammschlosses nicht 
ablegten, wie daraus hervorgeht, dafs noch in der zweiten 
Hälfte des 16. Jhdts. selbst von Reichs wegen darauf bezügliche 
Bestimmungen erlassen wurden. So schreibt z. B. die 1570 




Albertus mit dem Zopfe. 



z. A.f. K.d, d. V. laee n» 5. 



OruckvA.Leykjm?Erben in Graz. 



177 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



178 



auf dem Reichstage zu Speier gegebene FiifsknechtbeslalluDg 
vor: die Büchsenschützeii „sollen auch monatlich geübt und ih- 
nen am Backen anzuschlagen und abzuschiefsen eingebunden 
werden." Hiernach wird nun wohl kein Zweifel mehr sein, 
wie man es zu verstehen hat, wenn die 1519 zum Bundes- 
heere wider den Herzog Ulrich von Württemberg von 
der Stadt Nürnberg gestellten 150 Büchsenschützen als solche 
bezeichnet werden, die an der Wange abschiefsen konnten. 
Herzog Ulrich halte übrigens Sorge getragen, dafs es seiner 
Mannschaft nicht an gleicher Uebung fehlte. Schon am 5. Aug. 
1517 hatte er Befehl ergehen lassen, dafs die Büchsenschützen 
aller Aemter sich bereit halten sollten, in's Feld zu rücken. Jeder 
sollte dabei, so viel möglich, eine Zielbüchse mit einem Schlofs 
haben und auch mit Steckzundeln und Anderm riarzu gehörig ver- 
fafst sein, auf dafs, wenn es zum Ernst käme, ein jeder mit 
am Backen angeschlagener Büchse desto gewisser schiefse, das 
sie mit guter Gescliickliclikeit wohl thun und zuwege bringen 
mögen, damit der Schaden durch das ungewisse Schiefsen , da 
man nicht anschlage, verhütet bleibe, (v. Heyd, Ulrich, Herz. 
V. W. I, 510). 

Coblenz, im Blärz 1866. 

Toll, Artilleriemajor a. D. 



Albertus mit dem Zopfe auf einem Cilasge- 

inälde zu St. Erhard in der Breitenau in 

Steierniarl4. 

(Mit einer Abbildung.) 

Albertus HI. von Oeslerreich (reg. 1365—1395) trägt den 
Beinamen „mit dem Zopfe". Diesen Beinamen verdankt er dem 
Umstände, dafs er eine ritterliche Gesellschaft (Orden) vom 
Zopf gestiftet hatte. Die eigentliche Bedeutung dieses Zopfes 
wird verschiedenartig angegeben. Nach einer Version soll eine 
schöne Dame sich ihren Zopf, oder wol einen Theil ihres Haa- 
res abgeschnitten und ihm gegeben haben ; nach einer andern 
Version soll er selbst sich sein Haar zu einem Zopfe wachsen 
lassen und geflochten haben ; nach einer dritten Version soll er 
seiner Gemahlin, als er aus dem gelobten Lande heimkam und 
sie im Bade antraf, ehe sie sich dessen versehen, den Zopf 
abgeschnitten haben. 

Albert vermählte sich 1366 mit Elisabeth, Tochter Kaiser 
Karl's IV., die 1373 ohne Kinder starb; er vermählte sich daher 
1375 mit Beatrix, Tochter des Burggrafen von Nürnberg. 
1377 unternahm der Herzog eine Preufsenfahrt, wo er sich die 
Bitterwürde erwarb. Mit diesem Zuge und dem erhaltenen 
Bitterschlage dürfte die Stiftung der Zopfgesellschaft in eini- 
gem Zusammenhange stehen. Die Satzungen dieser Gesellschaft 
sind unsers Wissens bis jetzt nicht bekannt geworden. Die 
älteste Kunde davon scheint Georg von Ehingen gegeben zu 
haben, der erzählt, dafs sein 1407 gestorbener Grofsvater 
Burkhard von Ehingen dieser Gesellschaft angehört und sie 



nach Schwaben gebracht habe ; daher er Burkhard mit dem 
Zopfe hiefs. Andere ältere Quellen sind nicht bekannt; doch 
befinden sich in einem Codex der k. k. Hofbibliothek zu Wien 
(des Rationale divinorum officiorum des Durandus), den der Her- 
zog schreiben und illuminieren liefs, zwei Porträte des Herzogs, 
auf denen er mit einem um den Hals gewundenen Zopfe er- 
scheint. Birk, der diesen Codex und speziell die Bildnisse in 
dem I. Bande der Belichte und Mitlheilnngen des Alterthnms- 
vereins*) zu Wien beschrieben hat, glaubt daher, dafs die spä- 
ter vorhandenen Bildnisse, auf denen er mit einem und mit zwei 
Zöpfen im Nacken erscheint, nur auf den Namen hin entstan- 
den seien. Es ist daher von hohem Interesse für die Geschichte 
der habsburgischen Regentenfamilie, dafs sich noch ein gleich- 
zeiliges Denkmal erhallen hat, imf dem der Herzog in anderer 
Weise dargestellt ist. Es befindet sich nämlich in der Kirche 
St. Erhard in der Breitenau in Steiermark eine Serie von Glas- 
gemälden des 14. Jahrh. in einem Fenster, das ganz vom Hoch- 
altar bedeckt und so den Blicken vollständig entzogen ist. 

Durch den ehemaligen Landesarchäologen von Steiermark, 
Herrn Carl Haas, auf dieses Fenster aufmerksam gemacht, hat 
Verfasser die sämmllichen Darstellungen desselben durchgepaust, 
um sie einem Werke über mittelalterliche Glasgemälde einzu- 
verleiben. Nachdem schon einige Blätter lithographiert sind, 
und somit das Werk selbst bald an die OefTentlichkeit treten 
wird, so sei hier des Fensters nicht weiter erwähnt und nur 
mitgetheilt, dafs sich auf dem untersten Felde rechts der Her- 
zog als Donator mit seinen beiden Gemahlinnen hat abbilden 
lassen. Diese Darstellung, die wir beifolgend in Va der Natur- 
gröFse nachgebildet haben, zeigt den Herzog knieend, hinter ihm 
die beiden Gemahlinnen, gleichfalls knieend. Der Herzog er- 
scheint mit dem Panzerhemde bekleidet, das an den Beinen 
sichtbar wird; darüber erscheint eine Rüstung, die wir wohl 
bereits als eine eiserne betrachten dürfen. Der Lendner hat 
eine etwas abweichende Form und erinnert bereits an das He- 
roldenkleid, wie er auch die Wappenfarben zeigt. Aufser dem 
grofsen Gürtel ist der Lendner noch um die Mitte mit einem klei- 
nen Gürtel zusammengehalten. Auf der Brust ist an dem Panzer 
unter dem Lendner der Dolch, das Schwert und der Helm mit 
Ketten befestigt. Auf dem Haupte trägt der Herzog die Stahl- 
haube mit der Halsbrünne; der Stechhelm erscheint auf der Schul- 
ter. Derselbe hat die rolhweise Helmdecke; als Helmkleinod er- 
scheint jedoch nicht der österreichische Pfauenbusch, sondern 
ein gelber Adler mit zwei blauen Flügen. Eine Fahne im Arm 
des Herzogs ist roth und weifs gestreift; auch sind die zwei 
untern Zipfel abgeschnitten, während der oberste fliegt. Die 
Tracht ist eine etwas fortgeschrittene, doch noch vollständig 
dem 14. Jahrb. entsprechend. Als besondere Eigenthümlichkeit 
erscheint eine Metallbüchse, in die wol der Zopf gefafst ist, 



*) Bildnisse österreichischer Herzoge des 14. Jahrhunderts und ihrer 
Gemahlinnen, zum ersten Male herausgegeben von Ernst Birk, 
S. 95 fr. 



179 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



180 



auf dem Rücken rier Herzogs, und wir kOnnen daraus nur 
schiiefsen, dafs der Zopf entweder am Haupte selbst wuchs, 
oder wenigstens am Hinterhaupte befestigt war und iicrabhieng. 
Die twei knieenden Frauen zeigen vollständig die Tracht des 
14. Jahrh.; die enganliegenden, halb auf die Hand reichenden 
Aermel, die gefältelte Haube; die hintere erscheint mit dem 
Gurte). Der Hermelinmantel bezeichnet die Damen als Fürstin- 
nen, ebenso die auf der Haube befestigte Krone. Zwei Wap- 
penschilde, der eine mit dem doppelgeschwäuzten Löwen, der 
andere schwarz und weifs geviert, bezeichnen die Damen als 
die Buhmin und Hohenzollerin. 

Eine Inschrift am oberen Hände des Bildes sagt : Albertus 
dux austrio et stirie et carinlhie et ceter. et uxores ejus. Die 
rückwärtige der beiden Frauen hat auf der Darstellung gleichfalls 
einen Zopf, der jedoch ohne Kapsel, aber mit langen flattern- 
den Bändern erscheint und sicherlich, da er ebenfalls abnorm 
ist, zu dem Zopfe des Gemahles in einem Bezüge steht. 

Die Frage, ob wir Porträte hier vor uns haben, möchten 
wir um so mehr verneinen, als die Figuren im Verhallnifs zu 
der einfachen Technik der alteren Glasmalerei sehr klein sind 
und nur durch wenige starke Linien der Gesichtsausdruck ge- 
geben ist. Das Bild erscheint jedoch sehr geeignet, auf die 
Zopfgesellschaft und die Frage, ob und wie Albrecht wirklich 
einen Zopf trug, ein neues Licht zu werfen, Es sind uns übri- 
gens in Steiermark noch zwei andere Monumente bekannt ge- 
worden, die Licht darüber zu verbreiten scheinen, und die wir 
später zu besprechen hoffen, nämlich ein zweites Glasgemälde, 
das ein anderes Mitglied der Zopfgesellschaft in gleicher Weise 
darstellt, und eine derartige Kapsel aus Silber mit Vergoldung, 
die zur Umhüllung eines Zopfes diente. 

Essenwein. 



Der Xieniand. 

Eine der ältesten lustigen Figuren unserer Vorzeit, und wahr- 
scheinlich eine Tradition des vorchristlichen Allerthums, ist der 
Niemand, dem man Alles iji die Schuhe schiebt, der alle häusli- 
chen Fatalitäten angerichtet haben, nn jedem persönlichen Mifs- 
geschick schuld sein soll. Diesem armen Helden widerfuhr von 
jeher die Ehre, in Reim und Versen, nie in Prosa, verherrlicht 
zu werden, und seine Grofslhaten wurden nicht blos dem grös- 
seren Publikum, sondern auch der kleinen Familienwelt nach 
Gebuhr in Holzschnitt wie in Kupferstich vorgezeichnet. Schon 
um das Jahr 1510 dichtete ein gewisser Jörg Schau, Scherer 
zu Strafsburg : 

Niemanis hais ich, was iederman tut das zucht man mich 
ein grofses Folioblatt mit coloriertem Holzschnitt und 130 drei- 
spaltigen Verszeilen, an deren Schlüsse genannt i,st : „Albrecht 
buchdrucker zu Memmingen", einer unserer ältesten deutschen 
Buchdrucker und der erste in Memmingen, Albrecht Kunne von 
Duderstadt. Der Anfang dieses iu der Munchener Hof- und 



Staatsbibliothek beiiudlichen seltenen , wahrscheinlich einzigen 
Blattes lautet : 

Menger redt vonn mir Vnnd gesach mich doch nie 
Er besech mich recht yetz stand ich hie 
Ich bin der, den man Niemants nennet 
Das hufsgesind mich wol erkennet 
Wann mit mir beschiernieiit sy sich. 
Einen andern Bilderbogen sah ich vor zwei Jahren bei 
dem bekannten Antiquar Butsch iu Augsburg. Er rührt VOD 
einem dortigen Holzschneider her, der ungefähr von 1577 bis 
1596 arbeitete, und der mit seinen Kollegen jener Zeit tausende 
von ähnlichen zur Belehrung des bilderlusligeii Volkes ausgehen 
liefs. Die 40 Verszeilen, welche den Inhalt bilden, haben die 
Ueberschrift : 

Der Niemandts so bin ich genandt, 
Mägdlen vnd Knechten wol bekandt. 
und fahren gleich so fort: 

Vnd auch den mutwilligen Kinden, 

Die mich allzeit wissen zu finden, 
Was für vnrath von jn geschieht, 

Was man verwarlost vnd zerbricht, 
Das mufs ich alles haben gethan etc. 
Als Adresse steht angegeben: Zu Augspurg, bey Bartholme 
Käppeler, Brieffraaler, im kleinen Sachssen gefslin. 

Ein Gedicht von Heinrich Göttingi wurde in Casp. Dor- 
navii Amphitheatrum sapientiae socralicae jöco-seriae (Hanno- 
ver, 1619) wieder aljgedruckt : 

Niemandt: Wie fast Jedermann an ihm wil Ritter werden. 
Allen Haufsherren vnd Frawen, so stets mit Gesinde vmbgehen 
. . kurtzweilig zu lesen, vnd in Deutsche Reimen verfasset. 
Erfurt, 1585. 8. mit Holzschn. — Ein Exemplar in der Berliner 
kön. Bibliothek. 

Aus der Zeit von 1G20 bis 1650 kenne ich drei undatierte 
Kupferblätter, das erste mit 30 Verszeilen auf der Erlanger 
Universitätbibliothek : 

Der Niemantz so bin ich genant. 
In der gantzeu Weltt seher woll bekantt, 
mit folgendem Anfang: 

Niemand so bin ich geuannlt 

Maygllen vnd Knechtten woll bekantt elc. 
Das zweite ehemals auf dem Antiquar Heerdegen'schen La- 
ger zu Nürnberg, einen Mann mit einer Laterne und mit Vor- 
legeschlofs am Munde vorstellend und also anfangend : 
Wo ist doch der Niemand nicht. 
Ueberall ist er anzutreffen 
Jedermann der will Ihm Aeffen 
Und mann weifs nicht was geschieht 
Thut es doch der Niemand nicht etc. 
Das dritte im german. Museum mit 32 Verszeilen: 
Allamodischer Niemandt. 
beginnt wie folgt : 

Ich hin ie ein vnschuldig Mann, 



181 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



182 



Noch thut man mich stets ligeii aj), 
So man thut sehen in eim UauTs. 

Ein Mangel, ein fehl, ein vnd aufs. 
Der Niemandt sagt man hats gethon etc. 
Auch die neuere Zeit hat ihren, und zwar einen politischen 
Niemand, von welchem die Nürnberger Stadibibliothek ein 
Exemplar besitzt : 

Der unschuldige Niemand, dieser ist der Urheber des fran- 
zösischen Krieges. — Gedruckt in Frankfurth 1794. 

Dieses zwei Quartblätter einnehmende Gedicht schliefst 
mit folgenden Zeilen : 

Auf den Niemand will man schieben, 

Was geschieht in dieser Welt. 
Was nur böse Leute ausüben. 

Hat der Niemand angestellt. 
Alles will man mir zuschreiben, 

Der ich Keinen je betrübt j. 
Jeder will an mir sich reiben, 

Da man alle Schuld mir giebt. 
Ich raufs unterdefs allein 

Der unschuldig Niemand seyn. 
Nürnberg. Emil Weller. 



Spruch vom schonen Brunnen zu Würnberg. 

Die meisten unserer Leser werden gewifs schon von die- 
sem Brunnen gehört, oder eine Abbildung desselben gesehen 
haben. Er steht auf dem Hauptmarkt, der katholischen Pfarr- 
kirche z. U. L. Frau schräg gegenüber, und ist eine der schön- 
sten Zierden der alten Reichsstadt. Erbaut wurde er, wie 
neuere Forschungen dargethan, in den Jahren 1385 — 1396 
durch Meister Heinrich den Palier. Er besieht aus einer 60 
Schuh hohen, reich durchbrochenen und mit Bildwerken gezier- 
ten Spitzsäule, die auf achteckiger Grundfläche und in zwei 
verjüngten Aufsalzen sich erbaut und in eine Spitze von Knospen 
und Blumen auslauft. An den Strebpfeilern und zwischen ihren 
reichgezierten Spitzbogengiebelii stehen in edler Haltung gar viele 
Standbilder, und zwar an der untersten Stufe die sieben Kurfür- 
sten und neun Helden aus der christlichen, jüdischen und heidni- 
schen Zeit, nämlich Gottfried von Bouillon, Klodwig von Frank- 
reich und Karl der Grofse, dann Judas Makkabäus, Josua und David, 
schliefslich Cäsar, Alexander der Grofse und Hektor von Troja*). 
Auf der zweiten Stufe sind unter Spilzbogenwölbungen Moses 
und die sieben Propheten angebracht. Aufser diesen Statuen 
befinden sich am Brunnen auch noch andere Bilder, namentlich 
Menschen- und Thierköpfe. Diese und die Standbilder wurden 
schon zur Zeit ihrer Aufstellung reich vergoldet und bemalt**) 



und mögen in ihrer Farbenpracht einen herrlichen Anblick 
geboten haben. Jetzt sind nur noch schwache Spuren der Ver- 
goldung sichtbar. Viele der alten Standbilder waren vor 40 
Jahren dem Verfall nahe; sie wurden 1824 von kunstverstän- 
diger Hand restauriert, oder durch neue ersetzt. 

Der Brunnen ist von einem künstlichen, achteckigen eiser- 
nen Gitterwerk eingefafst Es wurde 1587 von Meister Paul 
Köhn verfertigt und erregt auch jetzt noch die Bewunderung 
der Vorübergehenden. 

In einer alten Chronik aus dem 15. Jahrh. findet sich ein 
Reimspruch über den schönen Brunnen, den wir hier folgen 
lassen : 

Vom Schön prunnen zu Nürnberg: 

Im marckt zu Nürmberg stett ein prun ; 

Als weit als leuchten mag die sun, 

Findt man defsglcichen nit von stain, 

Wie dann die weisen werckleuth main. 

Wer drey die frumsten beiden will schauen. 

Der findt sie an den prnn gehauen. 

Und aucJfi die frumsten Juden drey. 

Sucht man, sa findt man auch darhey 

Drey die allerfrumsten Christen : 

Wer hoch zu Gott im Himel will nisten, 

Der leb als künig Eckhardt*) von Franckreich, 

Hertzog Gottfrid von Belgier**) ist im gleich, 

Der grofs kaiser Carl, dem Gott das schwert gesant, 

Das sint drey die frumsten Christen genant. 

Die frumsten Juden drey in der alten ehe ***), 

Kuuig Davit und Herzog Josue 

Und Judas Machabeus der dritt. 

Die haben sich vor der höll befridt. 

Kaiser Julius f) der heid recht urteil fand, 

Traianus ff) sein richter die haut abschand, 

Hector von Troia der dritt frumst Heid ist, 

Als man uns in der wibel list. 

Das seind neun die allerfrumsten persan. 

Die sihet man an dem prunnen stan. 

Und auch die sieben curfürsten darbei. 

Und ander possenbilder frey, 

Daran sihet man das es Avar sey. 

Nürnberg. Jos. Baader. 

*) Klodwig. **) Bouillon. ***) Bund, f) Julius Cäsar. 
ff) Wird hier mit .Alexander dem Grolsen verwechselt. 



*) Vergl. Anzeiger, 1854, Nr. 6 u. 7. 
**) Vgl. Anzeiger, 1854, Nr. 7, Sp. 164 f. 



D. Red. 
D. Red. 



Die Kreuzigung Christi und der beiden Schä- 

clier, ein Holzseiinitzwerit in der Ifliehaelis- 

hirclie zu Zeitz. 

Die Michaeliskirche zu Zeitz besitzt in dem über der Sa- 
kristei befindlichen Bibliolhekzimmer ein Holzschnilzwerk, wel- 



183 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil 



184 



ches der Beachtung der KUusllerweit in liohem Grade empfoh- 
len tu werden verdient. Dasselbe stellt die Kreuzigung Christi 
und der beiden Schacher links und rechts von Christus vor, 
und besteht in einem durch kräftige Glieder und postamentar- 
tige VorsprOnge belebten Untersatz von ungefähr 4 Fufs Breite, 
auf den Postamenten nachgeahmte Erd- oder Felsenpartieen und 
auf diesen die drei Kreuze in rohen, wild geästelten Baumfor- 
men , die letzteren gegen drei Fufs hoch. 

Auf die Ausarbeitung ist in jeder Hinsicht der gröfsle 
Fleifs von echter Künstlerhand verwendet; wenn dies schon 
von dem schon gegliederten Unterbau mit zierlichen Verkröpfun- 
gen, von Christo mehr als von den Verbrechern gilt, und von 
der Natürlichkeit des mit Gras bewachsenen Felsens, sowie 
von der ungezwungenen Form der zn Kreuzen hergerichteten 
und auf der Uebcrblattung zusammengenagelten Baumstämmen, 
80 gilt dieses vornehmlich von den drei menschlichen Figuren. 
Die Richtigkeit und Wahrheit der Zeichnung in den Gliedern, 
des Muskelwesens bei der durch die Annagelung und Aufhän- 
gung nothwendigerweise sich darstellenden Verrenkung, wobei 
sich die Aenfserung des dabei empfundenen Schmerzes so herr- 
lich ausdrückt, ist unvergleichlich schön, und des Studiums 
wohl werth. Christus in ruhiger Ergebung, im Gebet zu Gott 
und um Vergebung der Sünden der Welt den himmlischen Va- 
ter'anrufend ; der jugendliche Schacher, Christo zur Rechten, in 
bufsfertiger Reue, ringend mittels des gefesselten Körpers und 
stöhnend um Vergebung flehend; der ältere, bärtige Schacher, 
Christo zur Linken, im Contraste hiergegen, zwar auch ringend, 
jedoch nur um sich von seijier Fesselung zu befreien, gesenk- 
ten Hauptes, mit mürrischem, verstocktem Gesicht vor sich 
hin starrend. 

Die Figuren sind aus besonderem Holzstücke geschnitzt 
und mittelst kräftig gekuppten Nägeln befestigt. Jedenfalls war 
das Ganze ursprünglich unaugestrichen, wie jeder Künstler ver- 
fahren würde; doch scheirjl in späterer Zeit eine dem Stoff 
entsprechende Malerei beliebt gewesen zu sein, von welcher im 
Lauf der Jahre viel verblichen ist. Es wäre gut, wenn die 
ganze Farbe verschwunden wäre, um die der feinen Zeichnung 
hinderliche Dicke des Anstrichs, zumal bei Figuren in solch 
kleinem Mafsstabe, wieder zu entfernen; jedoch sind noch Stel- 
len damit versehen und kleine Fleckchen ersichtlich, welche 
einer photographischen Abbildung nicht ohne Nachlheil sind. 
Nichts desto weniger lohnt die letztere uj^d ist von dem ge- 
schickten hiesigen Photographen Wiegand sehr gelungen aus- 
geführt worden. 

Was nun den Namen des Verferligers anlangt, so steht 
zwar auf dem mit Oelfarbe angestrichenen Postamente: 

„Johann Opfermann — Anno 1685."' 
Doch will mir hieraus nicht unbedingt hervorgehen, dafs die- 
ses der Name des Anfertigers und 1685 die Zeit der Entste- 



hung sei. Indem dieses mit weifser Oelfarbe auf grauem Oel- 
farbengrund nicht gerade künstlerisch geschehen und gleich- 
zeitig etwas prahlend für den Beschauer nach vorn gerichtet 
ist, will mir umsomehr aus der Vorzüglichkeit der Arbeit an 
dem Kunstwerk der Schlul's verzeihlich erscheinen, dafs das 
Schnitzwerk vielleicht fast 200 Jahre früher, nämlich in der 
Zeit vom Jahr 1470—1540 gefertigt sein möchte*.) Auch ist 
mir von einem Johann Opfermann, Anno 1685 als Bildhauer 
wirkend, nichts bekannt j möglich auch, dafs es der Geber war, 
oder der Anstreicher. 

Schliefslieh bemerke ich noch zur Vervollständigung die- 
ses Berichtes, dafs auf einem flatternden Zettel über Christi 
Haupt das INR! zu lesen, und am Fufse des Mittelkreuzes ein 
kleiner, zierlicher Todtenkopf auf zwei Knochen liegend und 
mit einer Schlange, welche sich durch die Augenhöhlen win- 
det, angebracht ist. 

Zeitz. Gustav Sommer. 

*) Nach der Photographie zu schllelsen, fallt die Zeit der Ent- 
stehung des Bildweikes mit der darauf angegebenen Jabres- 
reszahl zusammen. .4 um. d. Ked. 



Alter Spruch. 

Eiselein sagt, unter Berufung auf Geiler von Keisersberg, in 
seinen „Sprichwörtern und Sinnreden'', S. 604: „Es ist ein 
Sprichwort : Wer nicht trinken kann, der soll ins Bad gan ; wer 
nicht beten, uf das Mer ; wer nicht schlafen, in die Predig; 
(das viert' gehört uf den Rollwagen)". „Dieses vierte" fügt 
Eiselein bei, „ist wahrscheinlich das oben S. 41 , Z. 16 ange- 
führte Sprüchlein mit einer geringen Wendung." Ohne dieses 
zu wiederholen, folge hier der ganze Spruch in Original und 
Uebersetzung, wie ihn eine Hand des 15. Jahrhunderts auf die 
innere Seite eines Bücherdeckels geschrieben hat. Es gehl da- 
raus hervor, dafs unter dem „vierten" etwas Anderes gemeint 
ist, als was Eiselein vermuthet. 

Qui dormire nequit sermoni intersit itemque 

Balnea nudus amet bibere qui nequeat 
Sit Caput et tonsus foede tenliginis expers 

Non orare valens nauiget atque mare 
Hys quicumque cupit dictis obnoxius esse 
Crede mihi acquiret quatuor isla statim. 

Magst nit schlaffen die predig her 

Kanscht nit betten far uff dem mer 
Magst nit trincken gang in das bad 

Fücht dich nit an schyr das har ab. 
Welcher der vier punclen kumpt nach 
Dem werden sy, im sey nit gach. 
Donaueschingen. Dr. Barack. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction : A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



ü. E. Sebald'sche Buchdruckerei. 



BEILAGE ZUM ANZEIGER EUR HUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1866. J\s 5. Mai. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nürnberg, den 15. Mai 1866. 

Einer von Mannheim uns gewordenen sehr erfreulichen Bot- 
schaft konnte in unserer letzten Chronik vorläufig nur mit dem 
Bemerken gedacht werden, dals Näheres bezüglich derselben in 
unserem nächsten Berichte zur Mittbeilung kommen solle. Dies ist 
nun Folgendes. 

Seitens des zur Förderung unseres nationalen Institutes in 
Mannheim bestehenden II ü I fs verein es, dem wir zu wieder- 
holten Malen reiche Zuwendungen bereits zu danken hallen , sind 
aus den Ergebnissen mehrerer mit der XXIY. Philologenvcrsamm- 
lung in Beziehung stehender Vorträge Heidelberger Celehrlen 225 tl. 
54 kr. unter der Bestimmung uns übersandt worden, dals aus die- 
ser Summe zunächst die Anschaffung eines vollständigen Exemplars 
der Photographieen aus dem germanischen Museum (Preis 48 Thlr.) 
bewerkstelligt, der hiernach verbleibende Betrag aber, wie der Er- 
lös, der nach erfolgler .Ausstellung der gedachten Photographieen 
im Mannheimer Kunslvereine aus dem Verkaufe derselben erzielt 
werden wird, zur Förderung des weiteren Ausbaues der Karthause 
oder in anderer, unserer Wahl überlassener Weise zur Ausschmück- 
ung des german. Nationalmuseums verwendet werden solle. Mit 
innigstem Danke gegen die Stifter dieser reichen Gabe haben wir 
dieselbe hiernach den Fonds für den in Aussicht genommenen, in 
letzter Zeit mehrfach zur Sprache gebrachten Bau in der Weise 
überwiesen, dals aus den vom Mannheimer Hülfsvereine uns gebo- 
tenen Mitteln die Kosten der Herstellung zweier Kreuzgangfenster, 
deren früher genannte Stifter leider zu streichen waren, und die 
Verglasung dieser als Stiftungen des Mannheimer Hülfs- 
vereines und der Leiter der XXIV. P h 11 o 1 ogen vers am m- 
luug zu Heidelberg zu bezeichnenden Fenster bestritten werden, 
etwaige Erübrigungen aber zur Minderung der unserem Institute 
durch Erwerbung der Ireiherrl. v. Aufselsischen Sammlungen er- 
wachsenen Schuld verwendet werden sollen. Möge das einniüthige 
Wirken unserer Mannheimer Freunde fort und fort von so treff- 
lichen Erfolgen begleitet, zugleich aber auch die hier gedachte neue 
Belhatigung des alten Wortes „Durch Einheil stark'' anderwärts 
Veranlassung werden, zu ähnlichen der Förderung unseres nationa- 
len Werkes gewidmeten Vereinen zusammenzutreten, wie solche zu 
Mannheim und Berlin zu Nutz und F'rommen unseres Institutes schon 
seit Jahren bestehen ! 

Dieser Mittheilung haben wir nun zunächst die Nachricht von 
einer weiteren, mit freudigstem Danke zu begrülsenden Stiftung fol- 
gen zu lassen, die uns äulserst willkommen sein muls. Von Herrn 
Landgerichlsassessor Ludwig von Cuny in Cöln, der früher 
schon als Pfleger unseres Institutes für Cleve der Förderung unse- 
rer Bestrebungen in anerkenoenswerthester Weise sich angenommen 
und als solcher die höchst dankenswerthe Zusage uns gemacht 
halte, da, wo das german. Museum der Vernichtung oder der Ver- 
schleppung in's Ausland preisgegebene alte Manuscriple, Kunstwerke 
oder sonstige Denkmäler deutscher Vorzeil zu retten, Gelegenheit 



finden sollte, demselben im Nothfalle mil Geldmitteln zur Seite 
stehen zu wollen, sind uns auf die Mitlheilung hin, dals 3 grofse, 
starke, schön geschriebene und wohl erhaltene Pergamenlcodices 
mit 90 fl. der Vernichtung durch die Hand des Goldschlägers sich 
entziehen lassen würden, zum Ankaufe gedachter Codices (s, das 
Geschenkverzeichnifs der Bibliothek 19,388 ff.), wie zur Erwerbung 
anderer, in obengedachter Weise gefährdeter vaterländischer Kunst- 
werke und Alterthümer 260 Thlr. zur Verfügung gestellt worden. 
Es werden der Zeugen deutscher Vorzeit, der Anhaltspunkte für die 
Beurtheilung des Lebens und Wirkens unserer Vorväter laglich 
weniger; Unkennlnifs vernichtet, fremdes Geld entführt der deut- 
schen Wissenschaft alljährlich bedeutendes und leider nur zu oft 
gerade das wertjjvollsle Material. Wer da retten will, mufs also 
bald dazutliun, und deshalb können wir die gedachte hochherzige, 
echtem Patriotismus und edler Pietät entsprungene Schenkung nicht 
ohne den lebhaften Wunsch in unsere Annalen eintragen, dals auch 
Andere je nach Kräften in ahnlicher Weise uns hellend zur Seite tre- 
ten und uns in die ersehnte Lage versetzen wollen, für Erhaltung 
vaterländischer Denkmäler und Kunstwerke in d e r M'eise eintreten 
zu können, wie es einer Anstalt würdig, die bestimmt ist, all den 
verschiedenen Bestrebungen auf den Gebieten vaterländischer Ge- 
schichts- und Alterthumskunde ein Einigungs-, ein Mittelpunkt 
zu werden. 

Ehrend haben wir auch die Uneigennützigkeit des Hrn. Ender- 
lein, Hofbesitzers zu Koclisfeld bei Haideck, hervorzuheben, der 
dem Museum erlaubte, behufs Aufdeckung heidnischer Grabhügel, 
über welche später weiter Bericht gegeben werden soll, in umfang- 
reicher Weise sein Feld aufzugraben. 

F'ast gleichzeitig mit dem Eingange obiger Stiftungen wurden 
wir durch die Botschaft erfreut, dals aus pfälzischen Kreis- 
fonds unserem Instilnie auch für 1865/66 ein Beitrag von 100 fl. 
bewilligt worden ist. 

Und all diesen erfreulichen Miltheilungen sind wir so glücklich, 
auf Grund der Einlaufe der letzten Tage heute weiter noch die 
höchst angenehme und äulserst willkommene Nachricht folgen zu 
lassen, dals auf gnadigsten Befehl Ihrer Hoheit der verwitl- 
weten Frau Herzogin von Anhalt-Bernburg zum Zwecke 
des Ausbaues unserer Karthause ein Beitrag von 20 T h Irn. 
Gold uns übersendet worden ist, dals ferner Seine Durch- 
laucht der F'ilrst Leopold zur Lippe gnädigst geruhete, als 
eine aulserordenlliche Beihülfe zu eben diesem Zwecke die 
Summe von 50 fl. uns zustellen zu lassen, und schlielslich, dai's 
zur Minderung der durch Erwerbung der freiherrl. v. Auf- 
sefsischen Sammlungen unserer Anstalt erwachsenen Schuld 
auf freundliche Vermittlung des Hrn. Christian Ritter d'Elvert, 
k. k. Oberfinanzraths und Mitgliedes unseres Gelehrtenausschusses zu 
Brunn, von der dortigen k. k. m. schl. Gesellschaft zur Be- 
förderung des Ackerbaues, der Na tu r- und La n desk u nde 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



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20 11. ö. Vi. und von der h is t o ri seh -s In l i s t i sc h cii Sektion 
dieser Gesellschaft 10 0. ö. W. uns zu;;ekommen sind. 

Von unseren Sammlungen sah sich in jetzler Zeit mit beson- 
ders lahlreichen Zugängen vor Allem die numismatische .\b- 
theilung bedacht. Namentlich war eine als Geschenk des Hrn. 
Kaufmann [' a u I Kahle in Berlin durch eines unserer dortigen 
Gelehrtenausschulsmitglieder, Hrn. Geh. Rechniingsrnlh Schlick- 
eysen, hierher gelangte Sammlung von GG Silber- und 63 
Kupfermünzen deutscher Münzstalten aus der Zeit vor 
1650 uns in hohem Grade willkommen, da sie viele Lücken be- 
seitigte. 

Die Stiflungsverwaltung des prolesl. KirchenvermOgens zu Nürn- 
berg überliefs dem .Museum 2 grofse Teppiche aus dem 15. Jahrb.. 
wovon einer ein ornamentales .Muster, der zweite 2 Heiligenfiguren, 
den leidenden Erlöser und die heil. Katharina, zeigt; von Htn. Ilof- 
rath Prof. F. C. Mayer dahier wurden einige geprelste Silberplatlen 
überlassen, die, etwas beschädigt, bei einer Restauration des Se- 
baldusschreines entbehrlich geworden waren und die eine höchst in- 
teressante Parallele zu dem in ganz gleicher Weise ausgestatteten 
Keichskleinodienkasten in den Sammlungen des german. Museums 
bilden. 

Ingleichen hatte sich die Bibliothek in den unter Nr. 19,394 
als Geschenke des Hrn. Geh. Hofraths Dr. F. Ried in Jena ver- 
zeichneten Bänden eines sehr schatzbaren Zuganges zu erfreuen. 

Durch den im März erfolgten, uns erst jetzt bekannt gewor- 
denen Tod des k. pr. Geh. Ober-Juslizrathes Th. Odebrecht zu 
Berlin hat unser Institut leider abermals ein altes und um die För- 
derung seiner Bestrebungen in vielfacher Beziehung verdientes Mit- 
glied des Gelehrtenausschusses verloren. Als mehrjähriger Vorsitzen- 
der unseres Berliner Hülfsvereines, durch rege eigene Beiheiligung 
an dessen Vorträgen u. s. w. hat der Verlebte in unseren Mauern 
das dankbarste .\ndenken sich gesichelt. 

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu Stollberg in Sachsen, 
Weilburg in Nassau und Eggenfelden in Bayern. 

An neuen Geldbeiträgen sind aufser den oben bereits genann- 
ten noch folgende zu verzeichnen: 

Aus Vereinskassen : Von dem Turnvereine zu Baum hol- 
der (Oldenb. Birkenleid) 2 fl., von dem Turnvereine der Stadt B i r- 
kenfeld 111., von dem lateinischen Kränzchen zu Erfurt 2(1. 
7^/4 kr. (einm.), vom histor. Vereine in Erlangen 211., von der 
Stndenlenverbindung Ullenrulhia daselbst 15 II. und von der Sänger- 
gesellscliaft Einliacbl in Mergentheim 3(1. 

Von Privaten: Anenheim (Baden): Pfarrer II. Förster 3(1. 
25 kr. (einm.), Professor Sibiihmiicber in Rheiiibischorsbeini 1 fl. : 
Birken fehl: .-Vkadeniiker K. W. Eisel Ifl.. H. Schwab, Ti^cbler 
aus Allenbamberg, 1(1 ; Eger: Dr. philos. Franz Kir,>.chner, Siadl- 
archivar 1(1. 45kr.; Frankfurt a. M.: A. Bi eg 5 fl. : Freysladt 
(Bayern) Benefiziat Max Beiz 1(1.: Forchheim: Pfarrer Inihof in 
Reulh 1 fl. (einm ) ; Freudenstadt: C. Hang, Flaschner, 1 11 , Werk- 
meister S. Walde Ifl.-. Fürstenfeldbruck (Bayern): Dr. Aug. 
Berger, k. Beziiksarzl, I fl., Eiluard Friedrich, k. Notar, 1 (1. 4'i kr., 
Michael von Galsler, k. Rentbeanile r , Ifl-, Dr. v. Hinsberg, k. Ba- 
taillonsarzt. 1 fl., Franz Seraph. Paur, k. Bezirksamlmnnn, 1 fl., Mau- 
rermeister SappI 1 (1., Privatier C. Trappenlieu 1 (1., Kaufmann Peter 
Trappentreu Ifl.; Fürth: Bronzefabrikant J. Brandeis Ifl.: Ger- 
mers heim: Pfarrer Maurer in Bellbeim Ifl. 45kr. , Sladt -Vikar 
Hemann 1 fl., Major Kitiing Ifl. 45kr. , Dr Srhniaiils, k. Bezirks- 
arzl, 1 fl. 45 kr. : G ra t z : Professor Ant. Winkler 2 fl. (einm.) ; II o f- 
heim: Kaplan Beruh. Schebler in Hofheim, Ifl.: Karlsruhe: 
Architekt Federle 2 fl. ; .Mergentheim: Oberpräzeplor Kolb Ifl.: 
Naila: Dr. Flügel, k. Bezirksarzi I. Klasse, Ifl. 12 kr., Dr. Klinger, 
k. Bade-Arzl, in Stehen, 1 D. 12 kr., Johannes Will in Raumles 1 fl. 



12 kr. ; Nürnberg: Privatier Amm Ifl. 45 kr , Gottfried Eckart, 
Privatier, Ifl. 30 kr., Christ. Kaufmann, quiesc. Magistrats- Kanilisl, 
Ifl., Miindler, Professor am Realgymnasium, Ifl., Julius Neidhardt, 
Kaufmann, Ifl., Heinrich Ruif, llolzhändler, 2fl., (Jeorg Schwarz, 
Privatier, Ifl. 30 kr., Heinrich Slramer, k. Bezirksgerichlsralh, ID.; 
Pleinfeld: Karl Golsner, Pfarrer in Pfraunfeld, Ifl., Franz Anton 
Hutter, Pfarrer in Slopfenlieim, Ifl.; Wo I fe n b u t le 1 : Obergerichts- 
rath Zimmermann 1(1. 45 kr. ; Zürich: Ingenieur Alfons von Baur 
2fl. 20 kr. 

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen aufser- 
dem, wie wir hiemit dankend bestätij;en, folgende (ieschenke zo : 

I. Für das Archiv. 

Iiaudaar, Naturalienhändler, in Frankfurt a. .M. : 

3338. Sühnbrief des Bisch. Nicolaus v. Bremen für Gbise den Clüuer. 

1446. Perg. 

3339. Stiftung eines Jahrgedäclilnisses durch Erpe van Weyge. 
1465. Perg. 

Jos. Würdinger, Hauptmann u. Vorstand des Alterthumsver- 
eins , in .München: 

3340. Fragment einer kirchenrechllichen Schrift auf Pergament, 
grölstenlheils unlesbar. 14. Jahih. 

3341. Copie einer Bestätigung von Privilegien durch Kaiser Ferdi- 
nand II. 1623. Pap. 

J. W. Steffen, Bürgermeistereisekrelär, in Birkenfeld: 

3342. Schuldschein des Schmids Franzen Sohn Jaspar für die Kir- 
ehenknechte zu Lochburn. 1535. Perg. 

II. Für die Bibliothek. 

Karl Klein, Gymnasial-Professor, in Mainz: 

19.334. Ders., das Grofsherzogthum Hessen. 1866. 8. 

19.335. Hallemer, aus dem Leben der Kinder in Hellas und in Rom. 

1865. 4. Progr. 

Georg IiUd'w. von Slaurer, Staats- u. Reichsrath, in München: 
19 336. Ders., Geschichte der Dorfverfassung in Deutschland: II. Bd. 
' 1866. 8. 
Hahn'sche Hofbuchhandlung in Hannover: 

19.337. Monumenta Germaniae historica, ed. Perlz: Script, tom. XIX. 

1866. 2. 

K. preufs. Akademie der Wissenschaften in Berlin: 

19.338. Dies., pliilol. u. histor. .Abhandlungen aus d. Jahre 1864. 

1865. 4. 

H. Krause, Direktor der gr. Stadtschule, in Rostock: 

19.339. Ders, kurze bochd. Sprachlehre; 3. Aufl. 1866. 8. 
19^340. Ders., grolse Stadtschule zu Rostock. 1866. 4. 

J. Pranck, Subrektor, in Annweiler: 

19.341. Geschäfts-Bericht der Direction der pfälzischen Ludwigsbahn 
f. d. Verwaltungsjahr 1864-1865. 1865. 4. 

19.342. Geschafls-Beridil der Direction der pfalzischen Maximilians- 
bahn (. d. Verwallungsj. 1864-1865. 1865. 4. 

19 343. Geschafts-Bericht d. Direktion d. k. b. pfalz. Neustadt Dürk- 
hcimer Bahn für das Verwaltungsjahr 1862/6'i bis 1864/65. 

1866. 4. 

Platzer, k. Landrichter, in Sulzbüch: 
19. .344. Vieh-Artzney-Biiechl. Pap.Hs. 18. Jhdt. 4. 
Dr. IjUCanuS in Halbersladl': 

19.345. Nachrichten über den Kunst-Verein in Halberstadt; 15. Heft. 
1865. 8. 

Dr. O. Buchner, Reallehrer, in Giefsen: 

19.346. Wiegand, Gutachten über eine andere Organisation d. Gym- 
nasiums zu Worms. 1865. 4. 

19.347. Hainebach, über d. hannoverischen orthograph. Regeln etc. 
186G. 4. Progr. 

C. W. Neumann, k. b. Oberlieutenant u. Platzadjulant, in 
Regensburg: 

19.348. Wackenreiler, d. Erstürmung von Regensburg am 23. April 
1809. Kachtrag. 1865. 8. 

19.349. Mettenleiter, Philomele, Taschenbuch auf das Jahr 1866. 
I. Jahrg. 1866. IG. 



18SJ 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



190 



J. O' Cotta'sclie Verlagsbuchhandlung in SluUgarl: 

19.350. Deutsche Vierleljahrs-Schrifl; 29. Jahrg., April — Jnni 1866. 
Nr. 114. 8. 

C. Grüner, k. w. Oherjusliz-Revisor, in Ulm: 

19.351. Ders., Kepler's wahrir Geburtsort, ö. 

Dr. K. H. Fankhänel, Ilofraih u. (ijmnas.-Dir., m Eisenach: 
19,352 WiUschel, Sillen u. Gebrauche aus der Umgegend v. Eisen 
ach. 1866. 4. Frogr. 
Historischer Verein f. Unterfranken a. Aschaffen- 
burg in Wurzliurg: 
19,.353. Ders., Archiv elc; Bd. XIX, 1. 1866. 8. 
Societe d'histoire et d'archeolog:ie de Geneve: 

19.354. Dies., menioircs et documenls; t. XVI, 1. 1866. 8. 
Dr. J. E. Wocel, k. k. Universitals-Prolessor, in Trag: 

19.355. Ders., Pravek zenie (jesk6; I. 1866. 8. 

19.356. Ders., über den Zug der Kelten nach Italien u. zum hercy- 
nischen Waide. 1865. 8. 

Ang'. Recknagel, Buchhandlung, in Nürnberg: 

19.357. Chilletius , lireviariuiu historicum inclyli ordinis velleris au- 
rei. 1652. 4. 

19.358. Faber, lamilia augusta Luceniburgensis. 1722. 4. 

19.359. Heracu*, inscriptiones et synibola varii argumenti. 1734. 4. 

19.360. Cataloguti bibliothecae Keniicrianae. 1736. 4. 

19.361. Ollmul/,er monalhliche Auszüge; III, 4—6 u. IV, 1 — 3. 
1748. 8. 

19.362. Calmetii refulatio syslematis genealogici a M. Hergolt com- 
positi. 1748. 4. 

19.363. Praktischer Beytrag zu der Lehre von den Austragen der 
löbl. Reichs-Stadle' 1775. 4. 

19.364. Urkundliche Beinerkungeu über d. neuesten Bewegungen d. 
durchl. Churhauses Pialzbayern. 1791. 8. 

19.365. V. Murr, Über d. fabelhalte sog. heil. Ampulle oder Salböl- 
Flaschchen in Keims. 18 il. 8. 

19,366—83. 18 weitere Schriften vermischten Inhalts a. d. J. 1718 
—1804. 2., 4. ü. 8. 
Direktion des Gymnasiums in Hildesheim: 

19.384. Kolhe, de leonis in sacris Aegyptiorum et Babyloniorum 
signo. 1866. 4. Progr. 

Gesellschaft für südslavische Geschichte a. Alter- 

thümer in Agram: 

19.385. Dies., Arkiv, Knj. VIII. 1865. 8. 
Rudolf Temple in Pest: 

19.386. Ders., Topographie der Herzogthümer Auschwitz u. Zator. 
1865. 8. Sonderabdr. 

Direktion der k. Hof- u. Staatsbibliothek in München: 

19.387. Catalogus codicuin niiinu scriptoiuni bibliothecae regiae Mo- 
nacensis: tom. I, p 2 et 3. 1866. 8. 

IjUd'wig von Cuny, Landgerichlsassessor, in Köln: 

19.388. Antiphonariüni für alle Sonn- u. Festtage. Pgm.-Ils. v. 187 
Blüm. 13. Jahrb. 2. Mit Muiiknoten. 

19.389. Ordinale fratruni ordinis beale Marie de nionte Carmeli. 
Pgm -Hs. V. 122 BIttrn. 15. Jahrb. 4. Mit e Calendariüm. 

19.390. Officium ad comniunicandum intirmam: bencdictio rainorum 
etc.: Pgm.Ils. v. 47 BIttrn. 14. Jbdt. 4. 

A. Jug'ler, Stadlsekretar, in Hannover: 

19.391. Königl. Grols-Brittannisch - u. Cliurf. Braunscliw. - Lüneb. 
Staats-Kalender a. d. J. 1793. 8. 

19.392. Justus, dat Bödekerlied. 3. Uplage. 1864. 8. 

Dr. Richard Mauke, Kollaborator u. Instituts -Direktor, in 
Schleiz: 

19.393. Ders., Geschichte u. Statistik der Landeskirchen Reufs ä. u. 
j. Linie. 1866. 8. Sonderabdr. 

Dr. F. Ried, geh. Hofralh u Professor, in Jena: 
19,391. Chronik der Stadt Schwäbiäch-Ilall. Pap.-Hs. 17. Jhdt. 2. 

19.395. Das Plenariuni oder Ewägely buoch. 1514. 2. 

19.396. Schrot, Wappenbuch des Heil. Rom. Reichs etc. 1581. 2. 
Karl Freusker, emerit. Renlamtmann, in Grolsenhain: 

19.397. Urkunde der Preusker-Stiftung. 1866. 8. 
Histor. Verein für Niederbayern in Landshut: 

19,393. Ders., Verhandlungen; XI. Bd. 3. u. 4. Hfl. 1866. 8. 



III. Für die Kunst- und Alterthums- 
samnüung. 

von Humbert, Rittmeister, in Halbersladt: 

5036. 6 bronzene Siegelstempel verschiedener Gilden aus Stendal 
vom 17. - 18. Jhdt. 

5037. Bruchstücke eines Sporns vom 17. Jhdt. 

5038. Eiüe bei Aschersleben gefundene Pfeilspitze von Knochen. 
von Hartwig, Major z. D., in Halberstadl: 

5039. Gypsabguls des ältesten Sladtsiegels von Halberstadt und 10 
Lackabdrucke von alleren Siegelstocken. 

Dahle, ßuchbindermeister, in Aschersleben: 

5040. 5 Thonkrüge nebst Resien von Bronze- und Esengeräthen, 
ausgegraben bei Frohse unweit Aschersleben. 

Chr. Hefs, Maschinenmeister, in Nürnberg: 

5041. Heidelberger Silbermiinze von 1591. 

5042. Bayrischer Groschen von 1660. 
Bromm, Assessor, in Gielsen: 

5043. Sechs königliche Brncleaten vom 13. Jhdt. 
J. Brandeis jun , in Fürth: 

5044. Drei Pergainentblatler in gr. Fol. mit gemalten Initialen. 
J. Frauck, Subrekior, in Annweiler: 

5045. Messer von Feuerstein aus dem Fund am Treitelsberge. 

Dr. A. Erbstein, Conservalor der Alterthumssammlungen am 
german. Museum: 

5046. .\bdruck des Siegels von Joh. Joach. Joner, gen. Ruepli. 
Platzer, kgl. Landrichter, in Sulzbach ; 

5047. Thaler Joh. Albrechts von Mecklenburg, von 1549. 

5048. 4 kleinere Silbermünzen vom 17. u. 18. Jhdt. 

5049. Goldgulden Kaiser Friedrichs ill. 
Ungenannter: 

5050. 5 mit Reliefs verzierte Fufsplatten vom 14. Jhdt. und eine 
Zusammenstellung kleinerer ohne Muster. 

Frau Brandeis in Fürth: 

5051. Thalerlörm. Medaille, sogen. Wiedcrtäuferthaler, v. 16. Jhdt. 

5052. Kursachs Thaler v. J. 16(J0. 
Niefsen, Vikar, in Unkel: 

5053. 5 bei Honnef a. Rh. gefundene römische Kupfermünzen und 
1 Messingjelon v 1793. 

V. Gemming, Obersllieulenant, in Nürnberg: 

5054. Model von gebranntem Thon mit Darstellung des Saturn. 
17. Jhdt. 

Ij. Britzelmayr in Günzburg: 

5055. Sachs. Thaler von 1608. 
Kracker, Gastwirth, in Nürnberg: 

5056. Kupleijelon mit Schrift v. 1567. 

IiUdw. V. Cuny, Landaer Assessor, in Köln: 

5057. Laikabdruck emrs Rüppiner Zunfisiegels. 
A. Jugler, Stadlsekretar, in Hannover: 

5058. 42 Lackalldrücke von städtischen und Kirchensiegeln. 
Solger, Bauralh, in Nürnberg: 

.5059. Goth. verziertes Meihwasserbecken von Stein. 
Dr. William Bell in London: 

5060. 2 Exemplare der .Mediiille auf Eröffnung der deutschen Turn- 
halle in London, 1865. 

Dr. Rieh Mauke, Kollaborator u. Instiluts-Direktor, in Schleiz : 

5061. 4 Spielkarten vom 18. Jhdt. 
Th. Berner, Drogni-il, in Schleiz: 

5062. Kuplerjclon auf den Harzer Bergbau. 
Hörnlein, Drcchslermeister, in Nürnberg: 

5063. 10 Bambcrger und Plalzer Pfennige vom 15. Jhdt. 

5064. Breiler Groschen Graf Eberhards von Königstein, von 1519. 
Wich, Juwelier u. Goldarbciler, in Nürnberg: 

5065. Engelgroäclien Johann Friedrichs II. von Sachsen und kleine 
Silbcrnulnze von Basel. 

Dr. Gcorgens, Diiektor d. Levanakindergartens, zu Nürnberg: 

5066. Ofenmodell von gebranntem Thon mit Reliefverzierungeo, 
16. Jhdt. 

5067. Verzierter Steigbügel vom 17. Jhdt. 

5068. Weifs- und blauglasierte Schüssel von Steingut, 18. Jhdt. 



191 



Anzeitrer für Kunde der deutschen Vorzeit. 



192 



Paul Kahle, KauTmanD, in Berlin: 

5069. t)G sllere Silbermiinien verschif denen Gepräges. 

5070. 63 Kupfermünzen und Zeichen. 

Würdillger, Hauptmann u. Vorstand des Allerlhunisvereines zu 
.München: 

5071. (ij p.ialinul's einer steinernen GuTsform zu Bronzepfeilen. 
Peter Bier, Bierl rauerpeselle, in Birkenfeld: 

5ü7'J. Eine nus der Mo.^clbrucke bei Trier gezogene Kupfermünze 
des Kaisers Nerva. 
J. W. Steffen, Bürgermeislereisekretar, in Birkenfeld: 

5073. Messingjelon vom 16. Jhdt. und 43 neuere Siegel. 

5074. Wappen der .Sladl Birkenfeld, Holzschnitt vom 16. Jhdt. 
K. W. Eisel, Akademiker, in Birkenfeld: 

5075. .i BIcislifizeichnungen nach Wappen am Thurm der Simulliin- 
kirche zu Birkenfeld und einer allen Ansicht von Burgbir- 
kenfeld. 

Hngo Graf von Walderdorff, k. k. Kämmerer, zu Schleis 
llauzenslein : 

5076. Freisinger Sedisvakanzmedaille in Silber, 1788. 

5077. Kegensburger Sedisvakanzihalcr, v. 1787. 

5078. Gulden des Grafen Jos. Nicolaus v. Windischgräz, v. 1771. 

5079. Bleiabgufs der Medaille auf Job. Phil. Krhrn. v. WalderdorfT. 

5080. 4 Gjpsabgüsse und 2 l'holographieen nach illedaillen des 16. 
u. 17. Jhdts. 



5081. 4 Wallfahrtszeichen der „schönen Maria" zu Rcgensburg. 

5082. Stammbaum der Grafen v. Walderdorff, Druck. 

5083. 3 l'ortrats aus der Familie der R. Grafen v. WalderdorfT, in 
Kupferstich. 

Hubrlch, Oberförster, in Ellingen: 

5084. 2 unter dem Erdreich gefundene Hufeisen. 

Dr. J. H. V. Hefner- Alteneck, Prof. u. Inspektor des k. 
Knpfersticbkabinets, in München: 

5085. 2 Spielkarlen mit Orakelspriichen, vom 18. Jhdt. 
Elsner, BuchdrucUereibesitzer, in Wolgast: 

5086. Bruchslilck einer am Strande der Ostsee gefundenen verzier- 
ten Graburne. 

5087. 1 Stralsunder Witte, 1 Wismarsches Zweischillingsstilck u. 
1 dan. Vierschillingssliick. 

508^. Erinnerungsblatt an das 4. Säcularfest der Buchdruckerkunst 
in der Elsner'schen Buchdruckerei zu Wolgast. 

5089. .\nsichlen von Wolgast, Steindr. v. F. Eisner. 

5090. Karle des Jahdebusens, Ilolzschn. v. C. Eisner, nach der Peu- 
tinger'schen Karte. 

5091. Ein Stück Bernslein und ein Büschel Wolle von Merinoscha- 
fen zu Kanzin. 

Hammer, Ockonom, in Heroldsberg: 

5092. 2 halbe Schillinge des Burggrafenthums und der Stadt Nürn- 
berg vom 15. Jhdt., aus dem Funde von Oberschellenbach. 



Chronik der historischen Vereine. 



Verhandlungen und Mittheilungen der juristischen 

Gesellschaft in Laibach. II. Band, 13. u. 14. Heft. Redigirt 

vom ersten SecretSr, Bürgermeister Dr. E. H. Costa. Laibach, 1866. 8. 

Verhandlungen des hiBtorischen Vereins für Nie- 

derbayern. XI, Band. 3. u. 4. Heft. Landshut, 1866. 8. 

Fraucnhnfer's Leben und Wirken. Von Sigmund Merz. — Bei- 
träge zur Rechtsgeschichle von A. Kalcher. — Beiträge zur (ie- 
scbichte des Chorherren - Stiftes St. Kikola bei Passau. — Beitrage 
lur Geschichte der Pfarrei Eching, im k. Bezirksamte Landshut. 
Mitgelheill von Dr. Wiedeniann. — Hans Mayr's Lobspruch der Stadt 
Landshut. Mitgetheilt von Joseph Maria Wagner. 

.\rchiv des historischen Vereines von Unterfranken 
und .\schaffen bürg. Neunzehnter Band. Erstes Heft. Würz- 
burg, 1866. 8. 

Geschichte des Schlosses und Amtes Bodonlauben und seiner 
Besitzer. Von Dr. Carl Boxberger. — Ueher den (irad der Zuver- 
lafsigkeit der Weislhumer, nebst zweien dahin einschlagenden Weis- 
thümern. Von Dr. Kittel. — Kleine Beilrage zur Geschichls- und 
Sagenforschung des Frankenlandes. Von Dr. A. Kaufmann. — Bei- 
trag zur Geschichte der Wallfahrlskirche und ehemaligen Beguinen- 
klause auf dem Kirchberge bei Volkach. Milgeiheilt von Dr. N. Rei- 
ninjer. — Die alleren Verhaltnisse der Stadt Lohr. Von Dr. Fried. 
Stein. 

Bibliothek des L i tl erari seh en Vereins in Stuttgart. 
LXXXI. Hans Jakob Breunings von Buchenbach Relation über seine 
Sendung nach England im Jahr 1595. Mitgelheüt von August Schlols- 
berger. Stullgarl, 18C5. 8. 

LXXXII. LXXXIIl. Paul Fleming's deutsche Gedichte. Her- 
ausgegeben von J. M. Lappenberg. I. 11. Stuttgart. 1865. 8. 

LXXXIV. Galluä üheim's Chronik von Reichenau. Herausge- 
geben von Dr. K. A. Barack. Slullgart. 1866. 8. 

Mittheilungen des königlich Sächsischen Vereins 
für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Ge- 



schichts- und Kunst- Den k m a I e. Vierzehntes Heft. Mit 3 li- 
thographierten Abbildungen. Dresden, 1865. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Urkunde über das Arno -Kreuz bei 
Klaffenbach vom 15. Juni 1863. (Im Auszuge.) — Martin Römer. 
Ein biographischer Beitrag zur sächsischen Culturgeschichte. Von 
Dr. E. Herzog. — Das Kloster Buch in seinem Ursprünge, Wachs- 
thume und Glänze. Von Cantor Hingst. — Beschreibung der drei 
lithographirten Abbildungen (Kanzel, Monstranz u. Monslranzkapsel). 

Philologische und historische Abhandlungen der 
Königlichen .\kademie der Wissenschaften zu Berlin. 
Aus dem Jahre 1864. Berlin, 1865. 4. 

Der Dreil'sigsle. Von Homeyer. 

Nachrichten über den Kunst-Verein und Ober die 
Kunstausstellungen in Halberstadt, in den Jahren 1864 u. 
1865. Fünfzehntes Heft. HalberstadI, am 30. December 1865. 8. 

Jahrbücher für die Landeskunde der llcrzogthümer 
Schleswig, Holstein und Lauenburg, herausgegeben von 
der S. II. L. (ies e 1 Is c ha ft für v a t e r lä n d i ch e Geschichte. 
Band VIII; Heft 3. Kiel, 1866. 8. 

Die Prediger der schleswig'schen Generalsuperintendenlur von 
1848—1865. Von Dr. Friedrich Volbchr. 

Angeheftet: S ech sun d z wa'n z igs te r Bericht derselben Ge- 
sellschaft. Erstattet von dem Vorstande im J. 1865. Kiel, 1865. 8. 

Bericht des Vorstandes. — Die Cullur der Bronze-Zeit Nord- 
und Mittel-Europas. — Chemisch -antiquarische Studien, von Dr. F. 
Mibel. — Münzfunde in Schleswig. Von II. llandelmann. — Ein 
bisher unbekannler Witten der Sladt Hannover. Beschrieben vom 
Pastor Hasch. — Verzeichniis der Vermehrungen des Museums va- 
terländischer Alterthumer zu Kiel. 

Memoires et documents publi^s par la Soci^td d'His 
toire et d' Arch äo 1 og ie de Geneve. T. XVI. Livraison 1. 
GenÄve et Paris. 1866. 8. 



193 



Anzeiger für Kunde Her deutschen Vorzeil. 



194 



CoDJectures historiques sur les hom^lies piech^es par Avilus, 
^vfeque de Vienne, dnns le diocese de Geneve et dans le monaslere 
d'Agaune, en Valais, par M. A. Riliiet-de Candolle. — Geneve. Mon- 
Daies in^dites et imitations ilaliennes fabriqu^es ä Pomponesco, Boz- 
lolo, Detana, Passerano et Messerano, par IH. A. Morel -Fatio. — 
Restitution d'un manusrrit dii Vl'ne siede, mi-parli enire Paris et Ge- 
neve, contenant des lettres et des sermons de saint Augustin, par 
M. H. Bordier. - Les Regestes du Vatican relatifs au diocese de 
Genfeve , suivis de quelques epltres pontificales in^dltes. — Nolice 
sur Fr^d. Sorel. — Bracteates genevoises Note de M, A. Morel- 
Fatio. - Noie relative au Memoire sur le llomelies d'Avitus. — 
Personnel de la soci^tö, etc. 

L'Investigatcur. Journal de Tlnstitut historique. 
Trenle-troisieme ano^e. Tome VI. IV. S^rie. 374. Livr. Janvier 
1866. 375. Livr. F^vrier 1866. Paris. 8. 

Bulletin monumental ou collection de m^moires 
tur les monuments historiques de France, public sous les 



üuspices de la Sociit^ franfaise d arch^ologie pour la 
conservation et la description des monuments natio- 
naux, et dirigö par M. de Caumunl. 4. S^rie, Tome 2. 32. Vol. 
de la Collection. Nr. 2. Paris et Caen, 1866. 8. 

Courte Visite a Drevant (Cher), en 1865, par M. de Caumont. 
— Notice sur la milre episcopale, par M. Val>be Barraud. — S^pul- 
tures gallo-romaines dScouvertes dans le Grand-Jardin de Lisicux, 
par H. A. i'annier. — Chapelle de St. Valerie dans la cath^drale 
de Limoges, par M. l'abb^ Abbellot. — Dicouverte de moonaies ro- 
maines ä St. Aubin- du - Perron (Manche), par M. Quenault. — Chro- 
nique. 

Graf- en Gedenk Schriften der Provincie Oost-Vlaen- 
deren. Uitgegeven door een MIddencomiteil [Comite central 
de publication des inscriptions funeraires etmonumen- 
tales de la Flandre Orientale]. 42. Aflevering: Gent, Recol- 
lellen-Kerk. II. — 43. Aflevering: Gent, Kecolletten-Kerk. III. — 
44. Aflevering: Gent, Sinle Michielskerk. XI. — Gand, 1865. 2. 



Nachrichten. 



Lilteratur. 

Neu erschienene Werke. 
11) Hessische Urkunden; aus dem grofsberzogl. hessischen 
Haus- und Staatsarchiv zum ersten Male herausgegeben von 
Ludwig Baur. Vierter Band. Darmsladt, 1866. 282 Stn. 8. 

Der verdienstvolle Verfasser hat mit diesem vierten Bande sein 
hochwichtiges Werk abgeschlossen. Es wurde begonnen im J. 1846 
und halte ursprünglich nur die Bestimmung, die noch nicht ver- 
öffentlichten Urkunden, die sich im reichen Haus- und Staatsarchiv 
in Darmsladt linden, bis zum J. 1399 bekannt zu machen. Dies ge- 
schah in den ersten zwei Bänden, von denen der erste Band 1372 
Urkunden über die älteren Provinzen Starkenburg und Oberhessen, 
der zweite Band in zwei Abibeilungen 927 Urkunden aus Rhein- 
hessen bis zum J. 1325, der dritte Band vorerst die übrigen Ur- 
kunden Rheinhessens (im Ganzen 1511) bis zum J. 1399, sowie einen 
Kachlrag von 67 Urkunden zu den drei Provinzen gibt. Der vor- 
liegende vierte Band dehnte die Zeit weiter aus; er enthalt die Ur- 
kunden des ganzen Landes aus dem vierzehnten Jahrhundert, an 
der Zahl 278. Sie sind meistens in deutscher Sprache, während die 
früheren Bande fast nur lateinische enthalten. In diesem Bande sind 
die Urkunden der drei Provinzen nicht geschieden, wie in den frü- 
heren. Uebcrhaupl hätlen wir für Rheinhessen eine andere Einrich- 
tung gewünscht: man halle die Urkunden nach den früheren Ter- 
ritorien scheiden sollen; also z. B. Mainzer, Wormser, Pfalzer 
u. s. w. Urkunden, je nachdem sie in diese ehemaligen Gebiete ge- 
hören. Es wären dann freilich in Rheinhessen über dreilsig Abthei- 
lungen enislanden, wiewohl von manchen Orten und Landschaften nur 
wenige Urkunden sich vorfinden ; viele sind z. B. über Oppenheim, 
Mainz, Worms u. s. w. vorhanden. Wir freuen uns übrigens sehr, dals 
dies schone und inhaltsreiche Werk nach 20 Jahren vollendet ist. 
Nun fehlt nur noch das Register über die vier Bünde, das umfang- 
reich zu werden verspricht. Der Verfasser hat einen neuen Beweis 
gegeben, wie unermüdlich er arbeilet, um die frühere Geschichte 
des Landes zu erhellen ; wir sind ihm dadurch zu grol'sem Danke 
verpflichtet. K. 



12) VolksthUmliches aus Oesterreicbisch-Scblesien, 
gesammelt und herausgegeben von .\nton Peter. I. hin- 
derlicder und Kinderspiele, Volkslieder und Volksschauspiele, 
Sprichworte. Troppau, 1865. Im Selbstverlage des Herans- 
gebers. 8. XIV u. 458 Stn. 

Erst vor kurzer Zeit, bei Besprechung der Mannhardt'schen, in- 
zwischen in zweiter .\uflage erschienenen Monographie über einen 
in die deutsche Mythologie und Sillenkunde einschlagenden Gegen- 
stand, fanden wir Gelegenheil, auf die Wichtigkeit des sorgfaltigen 
Einsammelns der noch lebend sich vorDndenden volkslhümlicben 
Ueberlieferungen , zugleich aber auch daraufhinzuweisen, dals ein 
grofser Theil der bisherigen Arbeiten in dieser Richtung den wis- 
senschafilichen Anforderungen keineswegs volle Genüge leiste. 
Der obigen Sammlung jedoch dürfen wir das Zeugniis nicht versa- 
gen, dals sie, sowohl rürksichtlich der Behandlung und Anordnung, 
als der Reichhaltigkeit des gesammeilen Materials, den bessern Er- 
scheinungen dieser .\rt sich würdig anreiht. Das ganze Werk soll 
drei Bände umfassen, von welchen der noch rückständige zweite 
zur Aufnahme der Sagen, Märchen, Bräuche und Aberglauber, und 
der dritte für lilerargescbichtlicbe, sachliche und spri:chliche Erläu- 
terungen (namentlich Lautlehre und Wörterbuch) bestimmt ist. Die- 
ser letzte Band wird zu einer eingehendem Besprechung voraus- 
sichtlich mehr Anlafs bieten, als der vorliegende erste; wir be- 
schränken uns daher für diesen auf eine nähere Angabe seines la- 
halts. Die Abtheilungen „Kinderlieder" und „Volkslieder" umfassen 
jede wieder mehrere Unterabtheilungen. Unter die erstgenannte 
Abiheilung sind z.B. begriffen: Wiegenlieder, Kindergebete, Sprech- 
übungen, Verkehr mit der Natur, Neckreime, Räthsel etc. Dieser 
Abschnitt zählt im Ganzen (ungerechnet die den „Kinderspielen" 
beigesellten Spiel- und Abzählreime) 423 Nummern. Reich vertre- 
ten sind auch die Volkslieder, welche unter die Ueberschriflen: 
Balladen, Liebes-, Jäger-, Hirten- und Soldatenlieder, u. a. vertheilt 
sind. Die Zahl derselben beträgt 193, darunter mehrere in der 
Mundart. Der Herausgeber hat sich bei jedem einzelnen personlich 
überzeugt, dals es wirklich im Munde des Oslerreicbischschlesischen 



195 



Anz(>iger für Kutwie der deulsclien Vorzeil. 



196 



Volkes lebt. Dürftiger isl Hie Sammlung der Spricliworte und Ke- 
Hensarien, die jedoch mit geringen Ausnahmen originell, d. i. mund- 
artlich gefalst sind. Die Sammlung der Yolksschaujpiele wird er- 
öfTnel durch ein gröfseres Weihnachtsspiel, aus Übergrund stammend: 
„Hie Erschaffung der Welt sammt der Menschwerdung Jesu Christi", 
woran sich noch drei kleinere „Cbristkindelspiele" reihen. Der Her- 
ausgeber glaubt, dafs der Text des ersteren der Hauptsache nach min- 
destens in's IG. Jahrhundert zurückreiche. 



ein bisher unbekannter Compositeur Bayerns. (Sigharl.) 
Illusir. Zeitung: Nr. 1189. Die Festung Spielberg bei Brunn.— 

Nr. 1191. .\ltdeulsche FrUhlingsfeier. 
Leipziger Zeitung: Wis». Beil. Nr. 27 ff. Ernst der Fromme, 

Herzog zu Sachsen-tjolha und .\llenburg. 
Weimarische Zei-tung: Nr. 103. Slawische Ort.^namen in der 

Umgegend von Jena. (Notiz.) 



Aufsätze in Zeitschriften. 

Das Autland: Nr. 17. Ueber eine alle Wellkarte in der .Markus- 
bibliolhek zu Venedig. — Die Wenden der Niderlausilz. (Kranz 
Maurer.) 

Daheim: Nr. 30. Luther in der russischen Legende. 

Grenz boten: Nr. 18. Die Stellung der Römer in den Staaten der 
Volkerwanderung. — Nr. 19 f. Deulsche Studenten in aller Zeil. 

Hausblatter: S. Hefl. Sagen aus dem Spes.sart. 15—17. (Adalb. 
V. Herrlein.) 

Sachs. Kirchen- und Scliulblalt: Nr. 17 f. Ein eigenhändiger, 
ungedruckter Brief des Dr. Juslus Jonas. (J. K. Seidemann.) 
— Nr. 18. Die Sage von Luther's Widerruf seiner Abend- 
mahlslehre. 

Allgemeine Kirche'nzeilung: Kr. 15-18. Zur Geschichte und 
Charakteristik der evangelischen Kirche in Rheinland und 
Westfalen. 

Korrespondent v. u. f. D. : Nr. 188 ff. Aus dem Aischgrund. — 
Kr. 206. 208. Zur Sage von der weilsen Frau. — Nr. 210. Der 
deulsche Michel. — Nr. 214. Die älteste Erwähnung eines deut- 
schen Parlaments. — Nr. 221. Eine Reminiszenz an das Kloster 
Himmelkrnn. 

Deutsche Kunst-Zeitung: Nr. 13. Ueber die gegenwartige 
hestaurirungsweise miltelalterliclier Bauwerke. (Karl Köhler.) 

Illustr. deutsche Monalshefle: Nr. 20 (116), S. 143. Ein 
deutscher Bischof des 11. Jahrhunderts (Rudolf Usingvr.) 

Deutsches Museum: Nr. 14 f. Die Entwicklungsgeschichte des 
Schwcizreisens. (Eduard üsinbriiggin). 

Ko v e 1 1 e nz e il un g : Nr. 16 f. Die Malnlieit über den Blaubart, 
französischen .Marschall und Waffengelahrti'n der Jungfrau von 
Orleans. 

Schi es. F r V i n z ia 1 b 1 a t te r: .März. Nachrichten von dem ehe- 
maligen Franiiskanerkloster (jelzt Gymnasium) zu Gleiwitz. 
(Franz Idzikowski.) 

M Unebener S on n i a gs b I a Ite r : Nr. 15. Maximilian I., Cliurfürst 
von Bayern. 

Ueber Land und Meer: Nr. 29. Das .Munster von Freiburg. — 
Kr. 31. Die Ruinen der Abtei Allerheiligen im badischen 
Schwarzwald. — Der erste .Mai. Das Walpurgisspiel. 

Zeitschrift f U r bildende Kunst: 5. Hefl. Albrecht Dürer in 
Venedig. (G. F. Waagen.) 

Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 102 ff. Der Judenmord zu Deggen- 
dorf (1337). (Ludw. Steub.) — Nr. 117. Keplers wahrer Ge- 
burlsott. 

Bayer Zeitung: Morgenbl.Nr. 100 f. Zum rassionsspiel in Tliiersee 
in Tyrol. — Nr. 104. Ueber neuentdeckte Pfahlbauten im Lago 
di Fimon bei Vicenza. — Nr. 117 ff. Die Walküren. Ein 
Vortrag. (Dr. Wilh. Hertz.) — Kr. 127. Christoph Leullner, 



Vrrntlsclite IVHrliricIitpii. 

Entdeckung eines merkwürdigen Grabes aus der Stein- und Bronze- 
periode. 

43) Der Mlltheilung meines verehrten Freundes Dr. J. G. Burman- 
Becker in Kopenhagen verdanke ich einen Bericht über die Ent- 
deckung eines sehr merkwürdigen (irabes aus der Stein- und Bronze- 
periode, den ich als eine antiquarische Neuigkeit aus dem vorrömi- 
schen Norden mich beeile, den H'reunden und F"orschern der grauen 
Vorzeit zur Erwägung vorzulegen. Der Bericht lautet: 

,, Nachdem man hier in Dänemark in dem SpSljahr 1865 und im 
Winter 1866 bei Markarbeilen in verschiedenen Provinzen, auf 
verschiedenen Stellen, heim Schleifen von Grabhügeln, Grnbkammern 
von grolsen Steinen entdeckt hat , welche von verschiedener Gröl'se 
waren, und worin man Ueberbleibsel von menschlichen Körpern, 
nebst steinernen und bronzenen Geräthschaflen antraf, hat man im 
Anfang Januar bei dem Dorfe Enslev, nicht weit von dem Städt- 
chen Grenaae im nördlichen Jutland, eine Entdeckung gemacht, die 
nach meiner Ansicht von grofsem Interesse ist. 

Man schleifte einen Grabhügel von 200 F'ul's Umfang und 16 Fufs 
Hohe und land in einer Tiefe vnn 2 Fuls ein Skelett, bei dem ein 
thonerner Topf stand. Dieses Skelett lag auf einem grolsen Steine, 
der einen schmalen Gang deckte, und dieser (i.nng führte zu einer 
grolsen Grabkanimer, welche 12 Fuls lanj, 6 Fuls breit und 3 Fufs 
hoch war. Zehn grol'se Steine bildeten die Wände, und drei grol'se, 
ebene Steine die Bedeckung. Die Kammer entliiell viel Erde 
und eine Masse von menschlichen Gibeinen, worunter zwanzig 
Köpfe : zwischen dieser Masse fanden sich zwei ausgezeichnete 
Dolche oder Messer von Feuerslein, eine Perle und zwei un- 
bekannte Geräthschaflen von Knochen, nebst sieben Perlen von 
Bernstein. Aber oben auf dieser ganzen Masse lag ein Skelett 
in ausgestreckter Stellung von Osten nach Westen. Der Kopf 
lag im Westen, dabei bronzene Ueberbleibsel einer grofsen 
Nadel und eine Perle von gewickeltem Golddrahle. Es könnte 
beim ersten Anblick scheinen, als ob dies ein Begräbnils sei aus 
dem Steinaller, welches im späteren ßronzealter noch benutzt 
wurde: aber hat man, um den oben Aulliegenden zu beerdigen, 
die grofse Masse Erde wegschaffen und die ungeheuren Decksleine 
aufheben können? Denn in der Grabknmnier ist kaum Platz 
genug gewesen, um, von der Seite eindringend, den oben .Aufliegen- 
den auf der unten liegenden Masse von zwanzig Leichen aufzuheben 
und zu placieren. Sind aber die einundzwanzig Leichen hier auf 
einmal begraben, und ist erst dann die Kammer mit den ungeheuer 
schweren Steinen gedeckt worden, so müssen wir sclilielsen, dafs 
manche grolse steinerne Grabkamniern junger sind , ale man bisher 
in Dänemark geglaubt, und dem späteren bronzclührenden Volke 
zugeschrieben werden müssen" 

Leiden, 17. April 1866. L. J. F. Janssen. 



197 



Anzeiger für Kunde lier deutschen Vcirzeil. 



198 



44) In Gera, wo man 1852 gelegentlich von Erdarbeilen neben 
der Jahn'schen Masihinenbauanstalt auf eine heidnische Begrabnils- 
stätle mit Urnen, Bronzegegensländen u. s. w. sliels , sind gegen- 
wärtig beim Ausgraben in der Bahnhofsirafse , westlich vom 
Jahn'schen Eliiblis.iement, wieder in greiser Aniahl Urnen neJMt 
mehren bronzenen Gegenstanden ausgegraben worden. 
Augenschpinlicli hat man hiemit die westliche Grenze dieses uralten 
Begrabnilsplaizes aufgefunden. Im nächsten Herbste sollen auf dem 
dazwischen liegenden Feldgrundslücke systematische Nachforfchungen 
angestellt werden. (III. Zig.) 

45) Unweit Lilkeberg in Jütland wurden beim Umgraben 
einiger Hügel mehre interessante Allerthümer gefunden. 
Dieselben beslanden aus einem langen, dünnen, goldenen Drahle, 
der offenbar als Fingerzierde gebraucht worden war; ferner aus 
iwei Spicl'sen, vier Ahlen, drei Messern, einer Nadel, einer Zange, 
einer Pfeilspitze und einer Schraube; alles von Bronze. Diese 
Gegenstande befanden sich auf dem Boden einer Gruft nebst eini- 
gen irdenen Urnen, die man jedoch nicht unbeschädigt zu Tage zu 
fördern vermochte. (Dies.) 

46) Bei Pest sind unterhalb der alten Schiffbrücke durch die 
Baggermaschine einige interessante AlterthUmer aus der 
Donau zu Tage gefördert worden, die da wol I5u0 — 2000 Jahre 
geruht haben mögen. Zwei dieser Gegenstände sind derartig petri- 
ficiert und mit Kiessteinen versetzt, dals sich nur in dem einen an 
der frei gebliebenen, zweischneidigen Spitze ein Dolch von 10 Zoll 
Lange erkennen läfst, während die Eigenschaft des gröfsern Gegen- 
standes nicht anzugeben ist. Der drille dieser Funde ist ein kur- 
zes Römerschwerl; ist der Griff gleich petrificiert, so erscheint doch 
die Klinge wohlerhallen. Sämmtliche Gegensiande sind an das Pesler 
Museum abgegeben worden. (Dies.) 

47) Auf dem Rittergule Woynowo, in der Nähe von Brom- 
berg, fand man beim Tiockenlegen eines Teiches 4 Fufs unter der 
Erde einen gut erhalienen Humpen aus Zink. Derselbe wiegt 
6'l, Pfd., ist 14 Zoll hoch und milst 2Vi Quart. Eingekratzt ist 
dHrauf ein Wappen, anscheinend vom deutschen Ritlerorden. Das 
Wappen enthalt nämlich zwei sich kreuzende Schwerter und ein 
Kreuz. An dem Henkel befindet sich rechts der polnische Adler, 
links das Btoniberger Stadtwappen. (Dies.) 

48) Bei der Vornahme von Erdarbeilen in der Hees, eine 
halbe Stunde von Xanten im Kleve'schen gelegen, stjel's man auf 
grolse , steinharte T honröhren von etwa ^U Fuls Durchmes- 
ser. Da der Fundort sich nicht sehr weil von dem ehemaligen 
Römerlager befindet , so lassen diese Röhren auf grolse unterirdi- 
sche Wasserleitungen schlielsen, welche in jener Zeit bestanden 
haben müssen. (Dies.) 

49) Von verschiedenen Seilen wird von der Auffindung 
alter Münzen berichtet. In Templin, Provinz Brandenburg, 
ist am 11. iMarz in einem Hofgarten ein irdener Topf mit kleinen, 
sehr allen Silbermünzen verschiedener Grolse, die zusammen etwa 
l'/i Pfd. im Gewichte haben, ausgegraben worden. Einige Tage 
darauf wurden an derselben Stelle noch zwei Hände voll von den- 
selben Munzsorlen in der Erde gefunden. Laut Meldung belgischer 
Biälter hat ein Landmann zu Je m eile eine Anzahl kleiner Bronze- 
münzen aus der Zeit Konstantins l. ausgegraben, und zu Septfon- 
taines, einem Dorfe im Luxemburgischen, fand ein Hofbesitzer 
beim Einreilsen einer Scheuer 700 Stück kleiner Silbermünzen, die 
meist in der Zeit Philipp's des Schönen geprägt sind; doch finden 



sich auch einige von Lmlwig dem Heiligen und Philipp dem Küh- 
nen, eine einzige von Karl von Anjou, König von Sicilien, und ein 
Groschen der Stadt Dorlrecht vor. (Dies.) 

50) Aus dem Museum Francisco-Carolinum in Linz sind 
folgende Gegenstande entwendet worden: das Gebetbuch des 
Erzherzogs Mathias von Üesterreich von 1588, und zwei gemalte 
Wappenbücher aus dem lü. und 17. Jahrhundert , unter diesen das 
Stammbuch des Philipp Wallinger, sodann die Verlassenschaftsab- 
handlung der Gemahlin des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, 
Tochlt r Kaiser Leopold's, mit RandliemerKungen des Kurfürslen, 
und die Genealogie des Hauses ßnyerii und der bayerischen Ge- 
schlechter, mit Wappenabbildungen von Freimann von Randegg etc. 
Wie grols die Zahl der enlwendelen Aiilographen ist, läfst sich 
nicht bestimmen. Sicher ist nur, dals ein Aulograph Kaiser Leo- 
pold's und ein solches des berühmten Naturforschers SchKrermüller, 
geboren zu llellinansödt, vermilst werden. (.Mgbl. z. Biiyr. Ztg ) 

51) Eines der schönsten Werke Rem b ran d t's : „La.-set 
die Kindlein zu mir kommen," welches die Perle der kleinen Bil- 
dergallerie des Grafen Schönborn Buchheim in Wien bildete, ist 
von dem Besitzer für 53,000 Thir. an den Gruben und Fabrikbe- 
sitzer Suermoiit in Aachen verkauft worden. Das Bild, für welches 
ein so aufserordentlich hoher Preis gezahlt wurde, ist nur 4 Fuls 
grols; es wird der Bildergallerie in der stattlichen Villa des reichen 
Industriellen einverleibt. (III. Ztg.) 

52) Das Opitz-Denkmal, welches in Bunzlnu aufgestellt 
werden soll, ist vom Bildhauer Michaelis in Breslau im Modell voll- 
endet. Dasselbe besteht aus einem schlanken, vierseitigen Pusla- 
menl mit vorspringenden Ecken. Die Büsle des Dichters ist nach 
einem Titelkupfer in einem seiner Werke modelliert. (Dies.) 

53) König Ludwig II. und König Ludwig I. von Bayern haben 
der Markisgemeimle Vohburg zur Erwerbung und Erhalinng des 
a I te r t hüm I ichen Thurmes am untern Thore daselbst, der im 
Mittelalter als Verlheidigungsthurm diente und im Jnhre 1435 von 
Herzog .Mbrecht III., vermählt mit Agne.» Bernauer, bewohnt wurde, 
seil mehr als 100 Jahren jedoch sich im Privatbesitz befindet, je 
1000 11. zugewandt. (Korr.) 

54) Nach dem Vorbilde der grol'sen periodischen Urkunden- 
sammlungen, welche diesseits und jenseits der Alpen für die Er- 
schlielsung der archivalischen Schätze sorgen, erscheint seit dem 
Anfange dieses Jahres in Venedig eine Zeitschrill, welche sich 
die Herausgabe von Docuinenlen für die Geschichte, 
die Alterthums- und die Münzkunde zur Aufgabe stellt. 
Sie führt den Titel: „Raccolla Veneta. Collezione di documenti 
relativi alla storia, all' archeologia, alla numismatica. Venezia nel 
slabllimento .Antonelli." Das erste Heft ist von Niccolo Barrozzi als 
Redacleur gezeichnet. Die ,,Rnccolla" wird in drei Heften jahrlich 
herauskommen und ihr Material namenllicli aus den reichen Schätzen 
der venetianischen Archive schöpfen. (III. Ztg.) 

55) Die kgl. preuls. Akademie der Wissenschaften zu Berlin 
hatte am 3. Juli 18G2 die Bearbeitung der Hegesten der 
Päpsle von Innocenz III. bis mit Benedict XL als Preis- 
aufgabe gestellt. Nachdem innerhalb drei Jahre keine Bearbeitung 
dieser Aufgabe eingegangen war, ist dieselbe Preisaufgabe mit ver- 
doppeltem Preise (200 Dukaten) wiederholt worden. Die aus>chlie>- 
»ende Frist für die Einsendung der dieser Aufgabe gewidmeten 
Schriften ist der 1. März 18ti8. 



199 



Anzeiger für Kunik- der deutschen Vorzeit 



200 



Der Nutzen des germanischen Museums für die kunstindustrielle 
Thätigkeit unserer Zeit. 

Die Allfrlhuinswisseiischiift den Schöpfungen auf dem Ge- 
liiele der Kunsl und Indusirie unserer Tage nulilich zu machen, ist 
niihl nur eine sogcnannle zeilgcmatse Idee; es ist niclil nur im 
Interesse der heuligen Schöpfungen, es liegt im Interesse der Wi, 



veredeln zu wollen. Derartige Bestrebungen, die in England und 
Frankreich so gute Früchte getragen haben, werden auch bei uns 
nicht ohne Wirkung sein. Der Verein hat aber auch die richtige 
Basis für derartige Bestrebungen erkannt, indem auch in Frankreich 
und Enghind die Museen , welche die Schatze der Kunst- und Ge- 
werl.slhaligkeit der Vorzeit umfassen, die Basis für alle derartige 



senschafi selbst, in engen Verband mit der Kunsithatigkeit der Zeil Studien waren 
lu treten. Selbst bei fleiisigeni Beschauen der uns von der Vorzeil *''"*' *^ """ *<^'""' '" «^^n französischen Museen neben den 

überlieferten Objekte prägt sich nur ein flüchtiges Bild ein, das ^^^^l*^" ''*^'' '^"'''«« vorzugsweise den ts ch e Erzeugnisse des Mittel- 

ehen, weil es nicht eingehend, manchmal sogar geeignet ist, eine ^^^^" ""'' '^^' Renaissance, welche dem Slu.lium geboten werden, 

verkehrte Anschauung zu wecken und zu nähren. Je mehr man "" '*' ""'' '*'''^'" vorauszusetzen, dafs deutsche Museen auf diesem 

also Veranlassung hat, in das Wesen der Dinge einzudringen, desto ''«'''«•« noch weit reichhaltigeres Material bieten müssen. Es war 

eingebender wird man sie auch studieren. Kun liegt aber gerade "''"' '^"^ *^'"' angemessener und nachahmenswerther Schritt des Für 



in der Wjederanwendung der Prinzipien und Formen der drin- 
gendste Grund, sich genau damit bekannt zu machen. Der schaf- 
fende Künstler, der in einem gewil.-en Gebiete arbeiten will, wird 
sicher tief eindringen, da er in den eigenen Schöpfungen den 
Malsstali für die Frage iiiidel, ob er auch Alles, ob er auch 
jede Einzelheit der zu studierenden Gegenstande genau und richtig 
erfalst hat. Eine solche Controle für die eigene richtige Aullassung 
hat der (Jelehrte nicht. Es muls also auch im Interesse der Wis- 
senschaft liegen, wenn sie mit dem praktischen Leben in Verbin- 
dung gesetzt wird. Deshalb hat auch das germanische Museum von 
jeher mit Vorliebe darauf gesehen, solche Verbindungen herzustel- 
len, die auf der andern Seile sicher der heuligen Kunst und Ge- 
werbsthäligkeil in so aui'serordenilicher Weise forderlich sind. Wir 
brauchen hier nicht auf die grolsen .■\nstrenj;ungen hinzuweisen, die 
allenthalben in Frankreich und England gemacht werden; wir brau- 
chen nicht daran zu erinnern, dals das South-Kensington Museum in 
London und das neue k. k. .Museum für Kunst und Industrie in 
Wien eigens dem Zweck gewidmet sind, das, was die Vorzeit uns 
werthvoUes hinterlassen hat, der Gegenwart dienstbar zu machen, 
sowohl zu direkter ^achahmung, als auch zu Studien im .\llge- 
nieioen. 



Iher Gewerbevereins, das germanische Museum in dieser Richtung 
um seine Mitwirkung anzugehen. Das Museum besitzt in seiner 
Bibliothek kostbare Prachlwerke, die einzelnen Vereinen ganz un- 
zugänglich sind, und hat in seiner Kupferstich- und Zeichnungs- 
sammlung eine solche Menge von Einzelblätlern, dals es in der 
That jedem Gewerbeverein viel Material liefern kann. 

Das Museum übersendet daher gegen gefällige Empfangsbestä- 
tigung dem löblichen Vereine beifolgend einige Werke und Einzel- 
bialter, die, ohne alles System gewählt, die Reichhaltigkeit der 
Sammlungen illustrieren sollen. 

Was die in der verehrlichen Zuschrift angedeutete fortgesetzte 
Verbindung betrifft, so dürfte solche dem Vereine jedenfalls förder- 
lich sein. Der grölsle Nutzen für alle Theile würde jedoch dann 
entstehen, wenn ebenso, wie der Verein zu Fürth, eine Anzahl an- 
derer Vereine mit dem Museum sich verbände und jeder Verein ei- 
nen angemessenen Beilrag von vielleicht 50 100 fl. jahrlich leistete. 
Das Museum würde alle diese Beitrage ganz ausschl iels 1 ich auf 
Anschafl'ung von kostbaren und theuern Kupferwerken und Einzel- 
blattern, vorzugsweise Pholographieen und nicht veröffentlichte Hand- 
zeichnungen, verwenden und diese bei allen Vereinen circulieren 
lassen. Würden sich auf diese Weise etwa 20 Vereine betlieili»en 



Solcher Objekte, die Iheils zum Studium in allgemein bildender ^° könnte es das Museum übernehmen, jeden Verein fortwährend 

Richtung den Industriellen dienen, Iheils direkte Nachbildung finden "■" "'"'''' l*estimmlen Menge von Material zu versehen, das alle 4 

können, besitzt das germ. Museum in Original und Nachbildung lochen regelmalsig wechselte. Das Museum konnte auch in den 

eine grolse Zahl; noch reicher ist aber ilas .llalerial, welches Biblio- ^^'mterinonaten , wo seine Sammlungen weniger besucht sind, ein- 

thek und Kupferstichsamnilung des Museums bieten, und es könnte ^^'"^ Objekte aus diesen Sammlungen oder ganze Serien einzel- 

inanchem Gewerbevercine, wie manchem einzelnen Gewerbelreiben- "^° Vereinen zur Ausstellung auf je 4 Wochen zustellen, wobei 



den damit gedient sein. Das Museum könnte aber, wenn sich meh- 
rere Gewerbevereine (est mit ihm verbanden, in dieser Hinsicht 
noch weil mehr thun. Wir glauben daher hier auch die Antwort 
des Museums auf eine Anfrage des Gewerbevereins zu Fürth dem 
Publikum, wie den übrigen Kunst- und Gewerbevereinen Deutsch- 
lands bekannt geben zu sollen, und es würde uns sehr freuen, wenn 
sich durch Verwirklichung des in dieser Antwort Au.sgesprochenen 
das Museum in der Lage sähe, der heuligen Gewerbslhäligkeit so 
grofsen und wesentlichen Nutzen zu bringen. 

An den löblichen Gewerbeverein in Fürth. 
Die verehrliche Zuschrift vom 17. April 1866 bat dem germani- 
schen Museum von den Bemühungen des löblichen Vereins Kennlnils 
gegeben, eine der Hauptaufgaben der Industrie unserer Zeit ins 
Auge fassen und die Erzeugnisse des Handwerks durch die Kunst 



allerdings das Museum nur solche Gegenstände senden könnte, für 
die durch den Transport kein Schaden zu befürchten ist, oder die 
durch die Vereine, im Falle sie Schaden leiden würden, eben wie- 
der leicht ersetzt werden könnten, wie Gypsabgüsse u. s. w. 

Wir hoffen, dem löblichen Vereine hier in seinen Anschauungen 
begegnet zu sein, und würden uns sehr freuen, wenn es dem Ver- 
eine gefiele, in Verbindung mit einer Anzahl anderer Vereine ein 
derartiges Abkommen mit dem Museum zu treffen. 
Nürnberg, den 12. Mai 1866. 

Hochachtungsvollst 

Der I. Vorst. d. germ. Museums 
A. Essenwein. 

Dr. J. R. Erbstein, 
I. Sekretär. 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. 



Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museams in Nürnberg. 

U. E. Sebald'sche Buchdruckerei. 



Nürnberg. Das Abonnement des 
Blattes, welches alle Monate erscheint, 
wird ganzjährig angenommen und beträgt 
nach derneueslen Pustconvention bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen Deutsch- 
lands incl. Oesterreichs 3 fl. 30 kr. im 24 fl.- 
Fui's oder 2 Thlr. preuls. 

Für Frankreich abonniert man in 
Stralsburg bei C. F. Schmidt, in Paris 
bei der deutschen Buchhandlung von F. 
Elincksieck, Nr. U. rue de Lille, oder 
bei dem Postamt in Karlsruhe ; für t:ng- 
land bei Williams & Norgate, 14 Uen- 
rietta-Street Covent-Garden in London ; für 



AfZEICER 



FDR KIDE DER 



Neue Folge. 




'Sordamerika bei den Postämtern Bremen 
und Hamburg. 

Alle für das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden durch den Commis- 
sionär der litcrar.-artist Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brockhaus in Leipzig, be- 
fordert. 

Inserate, welche mit den Zwecken 
des Anzeigers und dessen wissenschaft- 
lichem Gebiete in Verbindung stehen, 
werden aufgenommen und der Raum ei- 
ner Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. 
berechnet. 




1\' 



l \, 




Dreizelmter Jahrgang. 



1866. 



ORGAN DES GERMAOTSCnEN MUSEUMS. 

M 6. 



Juni. 



Wissenschaftliche Mttheilunffen. 



IJber einige niittelaiterlicIieElfeniieinsclinitz- 
iveriie unti liesonders über ein S|iiescls^liäH<«e 
Im Cistercieniser- Stifte Renn in i^teiermarhi. 

Von A. Essen wein. 

Die Kunst der Elfenbeinschneiderei des Mittelalters hat uns 
zahlreiche kleine Werke hinterlassen und bietet uns so einen 
vollkommeuen Ueberblick über ihren Enlwickelungsgaiig-. Da 
die Werke klein sind und sehr leicht in Gypsabgnfs repro- 
duciert werden können, so ist es auch möglich, eine gröfsere 
Anzahl zum Vergleichen neben einander zu legen. So hat die 
Arundel Society in London eine Serie von etwa 200 Stück in 
vortrefflichen Gypsabgüssen in Umlauf gesetzt, die alle Perio- 
den vom 2. bis 17. Jahih umfassen. 

Das germanische Museum besitzt auch eine ziemlich reiche 
Sammlung von solchen Gypsabgüssen neben einigen guten und 
werthvollen Originalen. Als charakteristisches Meikmal ergibt 
sich, wenn eine derartige Serie zusammengestellt ist, dafs der 
Betrieb dieser Elfenbeinschnitzerei ein ziemlich handwerklicher 
war, dafs eine einmal festgestellte Composilion nicht blos un- 
endlich variiert, sondern dafs sie auch vielfällig direkt co- 
piert wurde. Es ist dies der Fall sowohl bei religiösen, als 
bei profanen Gegenständen. Von den älteren Werken erscheint 
jedes einzelne selbständiger, vielleicht aber auch nur, weil sie 
Seltener sind. Von einer Darstellung wenigstens, der „Tod 
Maria", nach einer byzantinischen Composilion, sind uns meh- 
rere, fast identische Werke bekannt. So befindet sich eines 
im Museum zu Darmsladt, das im german. Museum durch einen 
Gypsabgufj vertreten ist; ein zweites in Kloster-Neuburg bei 



Wien, das gleichfalls durch einen Abgufs im Museum vorhanden 
ist. Letzteres ist auch publiciert in den Mittheilungen der 
k. k. Central-Commission für Baudenkmale, VII. .lahrg., S 142. 
Ein drittes Exemplar befindet sich im Musee Clugny zu Paris. 
Wir behalten uns vor, anknüpfend an jene Publikation der k. k. 
Central-Commission, auf diesen Gegenstand speciell zurückzu- 
kommen, und erinnern hier nur daran, dafs auch die byzanti- 
nische Kunst häufig Wiederholungen eines und desselben Gegen- 
standes zeigt, dafs also bei dem EinCusse der von Osten her 
auf die abendländische Kunst stattgefunden, nicht blos manche 
Motive, sondern auch die Anschauung herübergekommen ist, 
die zu einer handwerksmafsigen, oft und oft wiederholten Co- 
pie einer und derselben Composiliou führte. Am auffallendsten 
tritt diese sich stets gleichbleibende und oft wiedei holende 
Composilion in den Werken des 14. Jahrh. auf. Manche Motive 
erhalten sich vom Schlüsse des 13. bis in die Mitte des 15. 
Jahrb. und es ist häufig sehr schwer, einem Werke eine ge- 
naue Zeitslellung anzuweisen. Die Anbetung der heil, drei Kö- 
nige, eine auf Diptychen und einzelneu Tafelchen so oft und 
oft wiederholte Darstellung, zeigt in deutschen und französi- 
schen Werken, die fast zwei Jahrhunderte umfassen, genau 
dieselben Figuren, oft in gröfserer oder geringerer F'einheit, 
aber stets im selben Koslüme, in derselben Stellung und Hal- 
lung. Es ist nicht das ZeitkoslUm, wie es sich in den Gemäl- 
den findet ; es sind stets dieselben nach einem Originale gear- 
beiteten Figuren. Im Allgemeinen —  es gibt jedoch auch hier 
Ausnahmen — zeigt sodann die gröfsere oder geringere Fein- 
heit, das gröfsere oder geringere Gefühl und Bewufsisein auf die 
ältere, oder auf die jüngere Zeit, wo eiü schon bekanntes 



203 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



204 



Original gedankenlos von den Gesellen der Kunst reproducierl 
wurde. 

Deshalb sind wir auch nicht so leicht geneigt, ein uns 
entgegentretendes rohes Werk so geradezu als Falsificat anzu- 
sehen, wie dies z. B. diT sehr gelehrte französische Forscher 
Didron thut, der die Hälfte der vorhandenen Elfenbeinsculptii- 
ren, oft, wie es scheint, aus hlofser Laune, als Falsa erklart hat. 
Sobald die Serie der Gypsabgüsse des Museums erst mehr 
completierl sein wird, hoffen wir von diesem Gesichtspunkte 
aus mancherlei höchst interessante Parallelen finden zu können. 

Wir wollen hier jedoch das Gebiet der religiösen Darstel- 
lungen nicht näher berühren und auf das Profane übergehen, 
wo uns dieselbe Erscheinung entgegentritt. Fast alle die vie- 
len Elfenbeintäfelchen (Schreibtäfelchen), Spiegelgehäuse, Käst- 
chen, Kamme u. A. von der zweiten Hälfte des 13. bis zum 
Schlüsse des 15. Jahrh. lassen sich auf wenige Grundmotive 
zurüelifuhren. Wir übergehen hier die gewissen, tlieils vier- 
eckigen, tlieils sechseckigen italienischen Kästchen, die stets ein 
sich zugewendetes Paar derselben Figuren tausendfach wieder- 
holen, an den Ecken blos mit anderen Figuren geschmückt 
sind, an den Deckeln die nackten geflügelten Jlcnscheufigureii 
zeigen und aüs verschiedenfarbigem Holz eingelegte Einfassun- 
gen haben. Uns selbst sind mindestens 30 derartige Kästchen 
zu Gesicht gekommen. Wir heben eine Gruppe zweier Figu- 
ren hervor, die in verschiedenartigen Situationen neben einan- 
der stehen. So befindet sich in der fürsll wallerstein'schen 
Sammlung zu Maihingen ein vom germanischen Museum in Gyps- 
abgufs veröffentlichtes Tafelchea (abgebildet hei Eye u. Falke, 
Kunst und Leben der Vorzeit), das auf beiden Seiten geschnitzt 
ist; es zeigt einerseits unter einem Baum knieend einen Mann und 
eine Frau, auf dem Banm Amor, eine geDügolte Jünglingsge- 
stalt mit einer Krone auf dem Haupte, zwei Pfeile auf die un- 
ten Knieenden versendend. Der Herr hat einen Falken auf der 
Hand. Auf der andern Seite des Täfelchens sind die beiden 
Figuren stehend; der Herr setzt der Dame einen Stirnreif auf. 
Ein Täfelchen genau von derselben Gröfse, das jetzt im Origi- 
nal im germanischen Museum sich befindet, zeigt gerade die- 
selben Figuren zu Pferde reitend, auf die Jagd ausziehend; 
wie die beiden früheren Darstellungen ihre Parallelen in eini- 
gen Täfelchen des Louvre und des Musee f lugny zu Paris finden, 
so auch das gegenwärtige, das daselbst mehrmals vorhanden ist, 
wobei jedoch das des germanischen Museums alle diese in Paris 
vorhandenen an Feinheit und Zartheit übertrifft, ohne dafs 
ihm jedoch eine gewisse Härte abzusprechen ist. 

Dieselbe Darstellung befindet sich auch auf einem Diptychon, 
das im Gypsabgufs im germanischen Museum vorhanden ist und 
dessen zweites Täfelchen dieselben Figuren, Schach spielend, 
zeigt. Auch einen Hasen jagend finden sich ähnliche Figuren. 
Die Schachscene findet sich wieder auf einem Spiegelgehäuse 
im Besitze des Prof. v. Hefner-Alleneck in München und einem 
zweiten in der Serie der Arnndel Society; ebenso wiederholt 
die Reiterscene in dieser Serie. 



Andere Spiegelgehäüse derselben Serie zeigen die Erstür- 
mung einer Minneburg. Sie haben gleichfalls ähnliche Figuren; 
eines gebort der Sammlung von A. Fountaine an, ein anderes 
dem Kensingion Museum in London. Auf einer BUchse im Mu- 
seum zu Bouiogne, deren in vier Felder getheilter Deckel gleich- 
falls unter den Gypsabgüssen der Arundel Society sich befindet, 
ist ebehfalls diese Minneburg abgebildet. Ein sehr schönes Exem- 
plar eines Spiegelgehnuses mit einer Minnebürg befindet sich im 
Museum zu Darmstadt (abgebildet in den Denkmälern der Kunst 
von Voit, Caspar, Guhl, Lubke). Hier führen die Damen ihre 
Ritter über eine Treppe in die Burg, auf deren Zinnen bereits 
mehrere Figuren zu sehen sind. Eine andere Scene zeigt die 
Minneburg auf dem Spiegelgehäuse der wallerstein'schen Samm- 
lung zu Maihingen, das durch das german. Museum in Gypsabgufs 
vervielfältigt ist. Hier steht oben auf den Zinnen der Burg 
Amor, mit dem Bogen Pfeile versendend ; es ist fast dieselbe 
Figur, wie auf dem früher genannten Täfelchen zu Maihingen. 
Hinter den Zinnen stehen Damen, die Rosen auf die Angreifer 
herunterwerferi. Ein Theil der Angreifer hat schon die Mau- 
ern erstiegen und liebkost die Damen, die sich ergehen haben. 
Einer der Angreifer schiefst Rosen aus der .Armbrust; ein an- 
derer ist stehend auf dem Sattel seines Pferdes zu sehen, von 
wo aus er eine der Damen, die an einer Luke steht, liebkost; 
ebenso hat ein anderer Herr an der entgegengesetzten Seite 
bereits eine der Damen umschlungen, die eine Luke besetzt 
hält. Ans dem Thore sprengen zwei Damen zu Pferde gegen 
zwei llilter, die mit eingelegter Lanze ihnen entgegenreilcn. 
Die Lanzen haben statt der Spitzen Rosen und eine der Damen 
hat statt derselben einen Zweig mit drei Rosen. Die Ritter 
haben Rosen auf ihren Schilden; zu beiden Seiten sitzen Jüng- 
linge auf Bäumen und blasen zum Sturm. Einem derselben 
reicht eine Dame von der Zinne aus einen Kranz; der zweite 
wird von einer andern Dame mit Rosen beworfen. 

In vielen Zügen mit dieser Darstellung verwandt, jedoch 
wieder wesentlich davon verschieden, ist der Schmuck eines 
Spiegelgchäuses, das gegenwärtig im Cistcrcienser-Stifte Renn 
in Steiermark sich befindet und vom steiermärkischen Ver- 
ein zur Forderung der Kunstindustrie in Gypsabgufs verbrei- 
tet worden ist. Es sind dieselben Personen in anderer 
Handlung. Es zeigt sich die Breitseite eines viereckigen Baues; 
in der Mitte das mit dem Fallgatter verwahrte Thor, neben dem 
zu beiden Seiten halbrunde Vorbauten angebracht sind. Zu 
oberst auf den Zinnen steht der Liebesgott, gekrönt, mit aus- 
gebreiteten Flügeln, dem auf dem kleinen Tafelchen zu llaihin- 
gen vollkommen gleichend. Er halt einen Speer gesenkt in 
der Rechten, auf der linken Faust sitzt ein Falke. Er nimmt 
nicht Theil am Kampfe und erscheint gleichsam als Herr und 
Gebieter, der die Vertheidigung der Burg leitet. Zur Rechten 
ein liebendes Paar ; zur Linken ein verwundeter Krieger, umgesun- 
ken in den Armen einer Dame, die ihn pflegt. Aus dem Thore 
stürmen zwei Ritter hervor, und hier gilt es nicht einen zarten 
Kampf mit Rosen, sondern mit geschwungenem Schwert holt 



205 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



206 



einer der von aufsen anslUrmenden Ritter gegen einen der in 
Deren aus, der den Hieb zu parieren scheint. Der zweite hin 
ter demselben 
hatdenSpeerein- 
gelegt, und ein 
zweiter, der den 
Speer auf der 
Schulter trägt, 
kommt auch 
hinter dem äus- 
sern Ritter her- 
gerillen. Beide 
Kämpfende, so- 
wie die mit den 
Speeren, tragen 
den geschlosse- 
nen Helm auf 
dem Kopfe. Auf 
den Decken der 
Pferde, wie auf 
den Schilden, ha- 
benjedoch beide 
das gleiche Zei- 
chen, — Rosen. 
Ein Kämpfer mit 
einerEisenhaube 
dagegen hat eine 
Rose als Pfeil 
auf der gespann- 
ten Armbrust lie- 
gen, um sie ge- 
gen die Burg zu 
entsenden. Hin- 
ter ihm steht 

eine mit Rosen beladene Schleudermaschine, Wie die Burg des 
vorhin angeführten Spiegelgehäuses, so hat auch die gegenwär- 
tige zwei halbrunde, Ihurmartige Vorbauten neben dem Thore, 
die niedriger sind, als der Hauplbau. Auf der Spitze der einen 
steht ein kosendes Paar und eine einzelne Jungfrau, die einen 
Slirnreif hält, der etwa dem Armbrustschlilzen zugedacht sein 
könnte. In eirjer grofsen SpitzhogenölTnung dieses Vorbaues ist 
wieder ein kosendes Paar zu sehen. Unmittelbar tlber der Pforte 
befindet sich ein viereckiges Fenster, aus dem zwei Damen 
heraussehen, von denen die vordere aus einem Korbe Rosen 
tiber die aus dem Thore hervorbrechenden Ritter wirft, die 
zweite aber einen Slirnreif einem jungen Manne reicht, der auf 
der Platte des zweiten Vorbaus steht. Eine Dame auf der 
Platte dieses Vorbaues hilft einem auf einer Strickleiter empor- 
klimmenden, noch ganz gewappneten Ritter (nur den Helm hat 
er abgelegt) in die Höhe, während ein zweiter eben unten 
die Strickleiter befestigt; die Pferde beider stehen ledig un- 
ten. Den Abschlufs zur Seite bietet ein ganz ungewappneter 




Bogenschülze auf einem Baume. Da der gespannte Bogen in 
seineu Händen keinen Pfeil erkennen Isfsl, <-o ist anzunehmen, 

dafs er ebenfalls 
eine Rose ver- 
sende. Im Gan- 
zen befinden sich 
demnach aufdem 
Schnilzwerk 22 
Personen und 4 
Pferde. DieCom- 
position ist le- 
bendig und selbst 
was wir heute 
malerisch nen- 
nen ; doch ist 
der Sache und 
der Deutlichkeit 
des Ausdrucks 
so weit Rech- 
nung getragen, 
dafs sich der 

Mafsstab der 
Burg nicht nach 
dem der Mcn- 

schenfignren 
richtet, sondern 
die Burg eben 
nur als Andeu- 
tung erscheint ; 
ebenso sind die 
Bäume mehr or- 
namentale An- 
deutungen, als 
Bäume selbst. 

Die Bewegung der Figuren entspricht vollkommendem 14. Jahr- 
hundert. 

In Bezug auf das Kostüm scheint uns keine andere Be- 
merkung nöthig, als dafs hieraus wieder zu ersehen ist, dafs 
Schild und Helm nur unmittelbar beim Kampf selbst benutzt 
wurden; dafs die noch immer in Eisen gekleideten Krieger, 
welche nicht unmittelbar kämpfen, den Helm abgelegt haben; 
dafs sie endlich bei der Geliebten ohne jedes Kampfgewand er- 
scheinen. Hinsichtlich der sehr interessanten Schleuderma- 
schine können wir nur auf Viollet-le-Duc's Artikel „Engin"' in 
seinem Dictionnaire de l'architecture fraii(;aise verweisen. 

Wenn in dem Spiegelgehäuse aus Maihingen lediglich der 
Kampf zwischen Herren und Damen geführt wird und mit der 
Ergebung der Damen endet, so erscheint hier als neues Motiv 
noch der Kampf der Ritter unter sich um die Minne eingefügt, 
ein Kampf, der nicht mit Rosen, sondern mit Speer und Schwert 
ausgefochten wird. 



207 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



208 



Die Ausgabe der Spricliivörler Aj^rlcola's 
V. jr. 154S. 

unter rliesem Titel hat J. Franck, ein vorbedeiitungsvoller, 
schöner Name für einen Sammler deutscher Sprichwörter, in 
dieser Zeitschrift, 1865, Sp. 388 IT., überaus schätzbare Millhei- 
lungen über Ag-ricola's Sprichwörter verolTenllicht, deren that- 
sacblicher Inhalt eines aufrichtigen Dankes gewifs ist. Nur 
geht der Verfasser von der irrthUmlichen Voraussetzung aus, 
dafs er zuerst einer herrschenden Meinung gegenüber den wah- 
ren Charakter jener spateren Sammlung dargelhan, und kommt 
andererseits, was noch bedenklicher ist, auf Grund unzureichen- 
der oder mifsverslandener Angaben zu der sicher falschen Schlufs- 
folgerung, es mUfsten zwei Ausgaben der 500 Sprichwörter 
Agricula's vom Jahre 1548 nebeneinander existieren. 

Der Berichtigung dieser beiden Irrlhümer bestimmen wir 
die nachfolgenden Zeilen und verbinden damit zugleich die Be- 
seitigung einer oder der anderen kleinen Uugenauigkeit in dem 
gedachten Artikel. Wir hoffen damit dem geehrten Verfasser 
selbst und der gemeinsamen Sache einen Dienst zu thun; ihm 
also zunächst sei das Nachstehende zur vorurtheilslosen und 
strengen Prüfung anheimgegeben. 

i. Es ist keineswegs „bis jetzt allgemein angenommen, 
dafs die 500 Sprichwörter Agricola's eine nur verkürzte Aus- 
gabe, eine epitonie rier früheren'' von 750 (749) sei. Ebenso- 
wenig ist zü beweisen, dafs die bisherigen Paroemiographen 
die fragliche Ausgabe „nicht selbst gesehen haben.'' 

Ich vermag blos unter unseren Zeilgenossen — denn der 
Lebende hat Recht — bereits drei namhaft zu machen, die auf 
Grund auloplischer Kenntnifs von der fraglichen Ausgabe, we- 
nigstens im Vorbeigehen, gehandelt haben : Zacher, C. Schulze 
und, den ich als dritten, wo es sich um Thatsachen handelt, 
unbedenklich hinzufügen darf, ich selber. 

Zacher hat die Ausgabe mit Nr. 17 bezeichnet, d h., 
wie aus der Vorrede seines Werkes ersichtlich ist, er hat die 
Ausgabe in der Meusebach'schen Bibliothek vorgefunden und 
nach Autopsie beschrieben. 

C. Schulze bezeichnet die Ausgabe in einer Uebersicht 
sammtlicher Ausgaben von A's Sprichwörtern als den dritten 
Theil dieser seiner schriftstellerischen Thätigkcit (Herrig's Ar- 
chiv, 18C2, S. 154) und rechtfertigt diese Bezeichnung gegen 
einen übereilten Angriff von meiner Seite, ebend. 1663, S. 115. 

Ich selber habe in der gedachten Zeitschrift, 1662, S. 475 
und in meiner Schrift über Agricola's Sprichwörter (Schwerin 
1862), S. 53, mit wenigen Worten, aber für meinen damaligen 
Zweck ausreichend, von diesem Werk A's. gesprochen. 

Franck hat demnach nicht das Becht. von einem allgemei- 
nen Irrthum zu reden, während er allerdings mehr wie jeder 
andere dazu beigetragen hat, den wahren Charakter dieser spä- 
teren Sammlung in's Licht zu stellen. Die Schalzbarkeit die- 
ser seiner Mitlheiliingen ist aber gerade der Grund, weshalb 
wir auch leichtere Versehen berücksichtigen. 



II. Sp. 390 das Sprichw. von S. Rochus, Nr. 168, steht 
Bl. 74 a; Spalte 391, Spr. Nr. 290 und 301, stehen Bl. 135 a 
und 138 b. An der ersten Stelle hat allerdings auch die Ausg. 
von 1548 den Druckfehler 235; während doch der ganze Text 
nur 188 gezeichnete Blatter enthält. Die Ueberschrift „von 
Halb Bittern, vnnd geflicktem Adel" geht nicht auf Spr. 393 
—411, sondern blos auf Nr. 393, die aus dem Renner ent- 
lehnte Fabel von dem Jlaulthier, das sein Geschlecht verleug- 
net; die nächsten Sprüche schon haben mit der echten oder 
vermeinten Geschlechtsehre nichts mehr zu schaffen. Im Uebri- 
gen füge man diese unsere Stelle zu den von K. Janicke ge- 
gebenen Nachweisungen hinzu; s. seinen Artikel: Die Fabeln 
und Erzählungen im Renner des Hugo von Trimbeig, in Her- 
rig's Archiv, 1862, S. 162 

Sp. 392 rühmt Franck an Agricola, dafs diese seine Samm- 
lung wirklich, wie der Titel verheifse, newe Sprichwörter 
bringe. Nur die Nummern 8, 54, 167, 169 und 218 (I. 288) 
fänden sich, wie er nach wiederholter Vergleichung wahrge- 
nommen, bereits in der älteren Sammlung. Die wiederholte 
Vergleichung Franck's ist aber nicht im Stande gewesen, alle 
Aehnlichkeiten und Gleichheilen ausfindig zu machen. Es las- 
sen sich nämlich, ohne dafs wir unsererseits Vollständigkeit 
verbürgen können oder wollen, noch folgende Nummern hinzu- 
fügen. 

1548. Nr. 42. Wer viel redet, der leuget gerne. =: 1529. Nr.Sll. 

1548. Nr 92. Du hast ain starcken Rucken. Er kann xx xxx 

person die huhe stiege hinauff trage. = 1529. Nr, 199. 

Er ist slarck ym rucken. In der Erklärung: Wenn mau 

nu einen hoeflich verreterey zeyhen will, so sagt man. Er 

hat einen starcken rucken, er kan ein man, funffzehen, 

zwenizig auff ein mal die stiegen hynauff tragen, das ist, 

Verraten. 

1548. Nr. 149. Er spart der warhait. = 1529. Nr. 423. 

1548. Nr. 161. Er wird den Ringken an der TliUr lassen. 

= 1529. Nr. 274. 
1548. Nr. 183. Was du mir fluchest oder wünschest, das be- 
stehe dein aignen Hals. = 1529. Nr. 489. Was du mir 
fluchst, das bestehe dein halfs. 
Begreiflicherweise gilt dieselbe Zählung von jeder spHteren 
Ausgabe der 749 oder 750 Sprichwörter des Agricola. Die 
erste, die in runder Zahl von 750 Sprüchen redet, ist die von 
Franck angezogene von 1534. 
Noch erheblicher ist endlich 

lll. der Irrthum Franck's hinsichtlich der verschiedenen 
Ausgaben der 500 Sprichwörter von 1548. Was er als sichere 
Gründe für diese Vermnlhung hinstellt, hat sich mir bei nälie- 
rerer Prüfung insgesanimt als hinfallig erwiesen ; ich w ünsche 
und hoffe geradezu, für den folgenden Nachweis seine ausdrück- 
liche Zustimmung zu finden. 

Fraiicke stützt sich darauf: 
a) Nopitsch und Zacher reden von einer Ausgabe „ohne 
Vorrede und Register." Der erslere biete aufserdem in 



209 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



210 



seiner diplomatisch-treuen Titelangabe eine abweichende 
Zeilen-Ablheiliing. 
b) Buchholzer, ein theologischer Gegner Agricola's, behaup- 
tet ihm gegenüber, gewissermassen, um Agricola's An- 
linomismus durch seine eigenen Worte zu widerlegen, 
er habe in seinen Sprichwörtern von 1548 deutlich ge- 
sagt, dafs „gute Werke nöthig seyn zu der Seligkeit." 
Franck hat einen derartigen Ausspruch bei Agricola nicht 
linden können. 
Am leichtesten läfst sich das äufsere Argument zurück- 
weisen. Die ganze Abweichung bei Nopilsch geht darauf hin- 
aus, dafs er in den Worten durch J. Agr. E. die Präposi- 
tion als eigene Zeile zu bezeichnen versäumt hat. Wenn aber 
Nopilsch und Zacher davon reden, dafs die Ausgabe ohne Vor- 
rede 188 Bll. enthalte, so würde ich das, auch ohne Einsicht 
meines eigenen Exemplars, dahin verstanden haben: ungerech- 
net der Vorstücke sind es 188 Bll. im Ganzen. Um aber ganz 
sicher zu gehen, wandte ich mich nach Berlin, wo das von Za- 
cher benutzte Exemplar sich befindet, und erhielt unter dem 
22. Jan. von Herrn Dr. Schrader folgende freundliche Erwie- 
derung meiner Anfrage, die jede weitere Erörterung abschnei- 
det: „Ihre Vermulhung über die Agricola- Ausgabe von 1548 
ist die richtige. Es sind 20 Blätter Vorstücke, signirl 2ta, 
336 und 2{. Dann folgen, mit der Signatur 33 beginnend, die 
foliirten Blätter 1 —188." 

Hinsichtlich des inneren Grundes ist einzuräumen, dafs 
Agricola wie in der früheren Sammlung, so auch hier das Prin- 
cip der Rechtfertigung durch den Glauben auf das nachdrück- 
lichste betont hat, und sein Aiitinomismus nicht selten hervor- 
tritt; man sehe z. B, Bl. 102 a die Gerechtigkeit, die vor Gott 
gildt, ist nicht aufs dem Gesetze, Sondern on das Gesetze, of- 
fenbaret, aufs glauben ff. 

Gleichwohl findet sich eine Stelle, die eine Auffassung wie 
die von Buchholzer sehr nahe legt, und nur bei strenger Ver- 
gegenwärtigung der Persönlichkeit Agricola's ist man vor Mifs- 
ständnifs geschützt Agricola selbst wird auch hier eventuell 
den Geist seiner Worte gegen ihren Buchstaben vertreten ha- 
ben. In Spr. 9. Es gehört au ff alle Fragen nicht ant- 
wort bemerkt Agricola einleitend: auf Narrenfragen sei keine 
Antwort erforderlich, wohl aber auf Fragen über Gott und sein 
Wesen. Er unterscheidet dann in Gott den geolTcnbarten und 
den verborgeneu Willen und sagt hinsichllich des ersteren : 

„In diesem geolTenbarlen willen, sollen wir beharren, dann 
inn den ist gefafst der rechte Gottesdienst, ins wort vnd in 
die Sacrament, da hat die seele vnnd das herlz aines menschen 
fiid, inn aller fahr vnd not, vnd (Bl. 23a) waifs, wa es trost 
vnd hillle suchen vnd finden sol. Nämlich bey Gott, durch 
Christum. Zum anderen, so soll man auch den leib, das Üben, 
handel vnd wandel, massig, züchtig, auffiichtig, in allen gu- 
ten wercken regiern vnnd halten, anderen leUtlen zum dienst, 
zu rhalen, vnd zu helffen. Hiernach soll man fragen, vnd on 
vnderlafs difs leeren, vermanen, vnd alle weit, die darnach 



fragt, berichten vnd beantworten. Dann hiedurch wirt verant- 
wortet, alles was not ist zur säligkait." 

Ich sollte meinen, Buchholzer könnte diese Stelle mit sei- 
ner obigen Aeufserung recht gut im Sinne gehabt haben. Ob 
er sie recht verstanden, ist eine andere Frage, die uns aufser- 
halb des eigentlich literarischen oder philologischen Bodens 
stellt. Genug, dafs von keiner Seite ein Grund vorliegt, fOr 
die Sprichwörter von 1548, d.h. für die 500 neuen Sprüche, 
eine doppelte Ausgabe anzunehmen. 

Si quid novisti rectius islis, 
Candidas imperti ; si non, his utere mecum. 

Schwerin, im Februar 1866. 

Fried r. Latendorf. 

Nachschrift. Zur Vervollständigung des obigen Beweises 
ist vielleicht einem oder dem andern Leser ein Verzeichnifs 
von Irrlhümern Agricola's nicht unwillkommen, die sicherlich 
in allen Exemplaren des fraglichen Druckes wiederkehren; 
auch sind sie gewissermassen ein Zeugniis für die schriftstel- 
lerische Naivetät des 16. Jahrhunderts. Ein ähnliches Verzeich- 
nifs für die ältere Sammlung habe ich in meinem Buch über 
Agricola's Sprichwörter, 1862, S, 79, zusammengestellt. Aufser 
dem Druckfehler thierern für thieren in Nr. 158, s. Franck 
im Anz. 1865, Sp. 391 nenne ich: 

Spr. 1. Bl. 5 a wird von einem weisen Mann „Melicerla in 
der Insel Melita" erzählt, er habe zwei Truhen für empfangene 
und verlheilte Wohlthaten geführt, deren erste immer leer geblie- 
ben sei. Im Aiterthiim ist dies von Simonides überliefert 
worden; siehe Agricola's Sammlung, Spr. 202 und mein Buch 
über Agricola, S. 18. 

Spr. 2. Bl. 9 b. bittet Minerva den Jupiter, den „bey der 
Bösen haut Cyrce" (1. Kalypso) weilenden Ulysses zu befreien. 

Spr. 2. Bl. IIb nimmt Dionysius dem Aesculap den gol- 
denen Bart, da sein Vater Jupiter (1. Apollo) bartlos sei. 

Spr 153. Bl. 64 b nennt Agricola den Creon den Eidam 
(Aydem) des Oedipus ; er konnte ihn doch nur Oheim oder 
Schwager nennen. 

Spr. 191. Bl. 83b es ist gefarlich, bey den herren am 
Tische sitzen, wie dann Cambysis Küniges zu Persien, und des 
grossen Alexanders historien zeugen mit Clilo, Parmenione, 
vnd Collophone (1. Philotas oder einen andern passenden 
Namen). 

Spr. 252. Bl. 115 a wird Marius unter den Zeilgenossen 
des Oclavian aufgeführt. 



Eine neue Flugselirift über den englisclten 
ScIiweiCs «les Jahres 1539. 

Mitgelheilt von Dr. H. II äs er zu Breslau. 
Herr Dr. Davidson der Aellerc, praktischer Arzt hier- 
selbst, ein bewahrter Freund der Geschichte der Medicin, war 



211 Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 212 

vor Karzern so glucklich, auf der hiesigen kgl. BIbliolhek ein maiiiae, qiiia fere partim aiit nihil in eo intellexissent nostra- 

bis jetzt völlig unbekanntes, gleichzei(iges Dokument Über die (es. Transtuli ergo in latinam linguam, non tarnen in hoc vt 

Schweifssenche des Jahres 1529 zu ^nlHccken, niiH so gütig, publice ederelnr, sed vt vno & allero descripto gratum face- 

es mir Behufs der VeröfTcnllichung mitznlheileii. Die letztere rem amicis nostris. Quod cum vidisset alter atque item alter 

wird um so mehr gerechtfertigt sein, als das Original, wie es apud mc, non destiterunt precibus me cogere & miiiis quo- 

scheint, von der grofslen Seltenheit ist. Wenigstens haben we- usque me vicissent vt tandem publice assentirem aeditinni. 

der Grüner, der für seine grofse Jloriogrnphie über 20,000 Quare optimi Maecenates colendi sui domiiii, si qua vtilitas in 

Schriften nachschlug, noch ich selbst bei der Herausgabe des rem illinc publicam manare posset, volo vobis acceptnm feren- 

durch eigene Naclitrage vermehrten Gr u n e r'sihen Werkes dam esse, qui omnes bonos & sludiosos amore et officijs am- 

(Scriptores de sudore anglico snperstites collegit Chi ist. Gotlfr. plecti et vobis deuiiicere nunquam cessntis. 

Grüner; posl mortem auctoris adomavit et edidit Henricus Valete. 

Haeser. Jenae, 1847. 8.) von der E.visleiiz desselben eine OMNIBUS PIIS ET CHRISTI FIDELIBUS SALUS ET GRA- 

Ahnung gehabt. lia h Domino deo. 

Von Interesse ist, dafs die Schrift selbst nicht Original, Non dubium est, noui hoc moibi genus immissum k deo 

sondern Uebersetzung eines andern anonymen in niederdeutscher oplimo Jlaximo in viiidiclam & vilionem negligentiae & con- 

Sprache gedruckten („e.xcnssus") „Regiments'' ist, welche sich templns praeceplorum & saintaris verbi sui, sicut & olim va- 

vielleiclit noch auf einer norddeutschen Bibliothek vorfindet. ria genera eandem ob caussam exorta sunt, & afflicturum va- 

Die lateinische Ueberselzung besteht aus drei Blättern in Quart, rijs quoque pestibus comminatus sit, quia fallere non polest deus. 

ohne Angabc des Druckorles. Aus der Dedicalion an zwei Deut. 28. Leui. 2G. Istud apparet manifestissime. quia abun- 

Geislliche in Würzburg und Mellerstadt läfsl sich vermulhen, danter & copioso verbum nobis reddidit suum nostris lurpibus 

dafs sie in Franken, und, da der Ueberselzer, B a r t ho I o m a e u s aliqnandiu absconditum & snbductum propter peccata nostra, 

Zehner, auf dem Titel „optimae indolis adolescens" genannt nee tarnen quisquam est, heu, qui accipiat vel tribuat cum vir- 

wird, also wahrscheinlich Sludent der Wedicin war (aufserdem tute. Enangelizantes annunliare debentes paccm, nescio quo- 

auch das Wohlwollen seiner Gönner gegen „omnes bonos tt modo permisceant uoelum terre omnia peruertentes qiii aedifi- 

studiosos'' hervorhebt), dafs sie zu Würzburg gedruckt wurde. care deberent in concionibus agenles magis histriones quam 

Aus dem Datum der Vorrede (nonis Sept. 1529) ergibt sich, veri verbi praecones, Auditores aulem quem fructum refe- 

dafs das Schriftchen erschien, während die Seuche in Nord- runl? acceplis zizanijs non gignunt certe ficus vel vuas, nam 

deutschland allgemein verbreitet war, und kurz vorher, ehe vtcunque isti protracti sunt forte in odium vel cleri vel pote- 

sie in Süddeutschland auftrat. (Fiankfurl 11. Sept. — Frau- slalis vel proxinii jamsalis ante illis iniquiores, porrö insani- 

keu Ende Sept.) unt & saevire gesliunt in eos aniplius : Ita salutare dei verbum. 

Neues bietet die ihrem Zwecke gemdfs wesentlich thera- fit nobis olTendiculum & petra scandali, quo iiosira vila adiu- 

peulische Schrift nicht; sie huldigt selbst noch ilem im ferne- "ari debuerat. Verbum enim in medium posilum pocuitentiam 

ren Verlaufe der Seuche als nachtheilig erkannten 24stniidigen primum agere praecipit Omnibus, & vt ii suis peccalis quisque 

Schwitzen. Im Uebrigen sind die erlheilten Vorschriften durch- conuertatur, primum trabem de oculo sno nequam amoueat & 

aus zweckmäfsig ; erfreulich ist namentlich die Warnung vor deiiide fralrem benigne adiuuet, non persequalur & grassetur 

den Balhsclilägcn von „Ungelehrten" und „allerhand Aerzten.'' in eum, qnod Abangelici fccerunt. 

Quare mirum non est, cum omnes declincmus, nemo sit 

REGIMEN MORBI ISTIUS qui faciat bonum vsqne ad vnum etiam, imö cum non solum 

nuper cxorti, qui per sudorem exilium affert, in salutem om- in vetcra peccata relabamur, sed etiam praua mens nostra quo- 

nium & sanitatem Chrislindelium, ex vernacula lingua lalinitati tidie peior fiat inquirendo assidue fraudes, volnptates astulias, 

donatum per oplimae indolis adolescentem. malas artes technas qnibus irritatur deus, mirum, iiiquam, ergo 

Barlolomeum Zehner. non est & iustum deum nouas quolidie pestes iacerc, ferreas 

Anno Jlillesimo Quingenlesimo vicesimonono Nonis Septembris. parare virgas, qnibus nos ad frugem compellere vult, bonitate 

DIGNISSIJUS CHRISTI SACERDOTIBUS Andreae Fabro Canonico & longanimilate sua nimis quam satis diu nunc abutentes. Qui 

Uaugensis ecciesiae Herhipolis, & Chiliano Ruperti Blellerstal- vero pij & nondnm obdnrali corde sunt, metuentes iram diui- 

tino. Dominis suis et älaecenalibus obseruandis nam, placaiiqne eam satagentes, iie in ea corripianlur arguti 

Bartolomeus Zehner. in furore, redeant in viam, poeniteat peccatorum primumque ex 

Nuper pcruenerat in manus meas libellus quidam, continens re- lolo corde auertantur Ä vijs suis pessimis, reuertentes ad ve- 

media & regimen, quod dicniit, contra illam nouam pestem, ram viam qiiae Christus est, per quem apud patrem misericor- 

quae ex sudore iuferre praescntissimum homini exilium, dici- diarum non minorem graliam obtinebimus imö abundatiorem 

tur, hie quia vernacula lingua inferioris Germaiiiae excussUs quam filius ille prodigiis Lucam 15. modo eandem humilitate 

erat, non polerat apte dono mitli hominibus superioris Ger- & confessione testemur indignilatem nostram. 



243 Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 214 

Olli autem corriperenlur sudaiile islo morbo. Ante omuia cet leuior, vel eiusmodi Bibal autem ex vase angusli oris, ne 

dedant sc primum deo voluiilalem eius in se patieiitissime feraiit, sibi ipsi damiium del aiiidius ingiirgilando, melius tarnen esset 

obsecraiites, vt quicquid sibi inluleril mali, ipse qui aulhor sit absliiiere prorsiis ä potu. Quaiido aulem fieri hoc non polest, 

omiiis boni, in bonum vertat, spem'que suam ila in dcum erigat parcius quoad potcst bibat. Ad haec vli possunt ad coiifor- 

& confirmet, vt cerlum habeal , Dcum qui aflligat corpus nunc taiidum coiiserualiuis rosarum, saccaro candido, & alijs peclus 

snum, maiori misericordia anima subuenturum suae, Cum scia- confortanlibus Caueat outein quisque ne se temere indoctis 

mus, ipsum corripere quos diligit. & quibuslibet medicis credat. Quia maior pars sine vlla me- 

Menle ila fonfirmata, quia omnis cura sui subreiecla sit in dicinarum cura conualescil. 

deum, obseruemus nihilominus nos ipsos regimine subsquenli, Sudor pleruuque dural infirmis illis per duodecim boras 

Scieudum est ergo, variam esse inuasionemhuiusmorbi. Qui- posiea ex ingenli aestu maximum cruciatum seuliunt, tum au- 

dam enim primo corripiunlur lurbalione aliqua, quidam trepida- tem diligenlius conseruandi sunl ab omni afCaln aeris, item i 

tioiie & conimolioiie, quidam vero frigida concussione qua- sonino arcendi 
liuiilur. 

... . ,j . . .. . p •• . '" ""'^ anguslia, refici possunl, odoramentis suauibis vt 

All! aulem calida turbatioiie cum sudore & angnsliis, qui ., ,, ., 

„ . . o j 7 1 naribus eorum adhibealur paiinirulus in aquam lauendularum 
&, ipsi tremore commoueulur. 

.... L . , . , ^<'' rosarum linclus. Folerunt & innoxie aquis illis circa tem- 

Alij occupanlur ab lioc morbo in somno, vt sudare posiea ,, . ... 

.... pora, & Ironlem refrigerari, paiiniculo tarnen non nimium ma- 



dido, sed bene expresso. 



euigilantes incipiant. 

Alij quoque, rarius autem islud, nimio labore fatigali, & 

alij calidiüiibus poculis grauati conlrahunt istum sibi morbum. 0«amuis plerunque boc regimine, mediante gratia dei, sub- 

Vteunqne sit initium morbi, remedium eins idem est, Qui """'"'" ''' ""*'"'' ^uius auxilio si certo confidimus & aliis sub- 

lenetur illo si decumbil in lecto, ne surgat, sed conlineat se "^"'" P°'"'' ^'"""' P"»' '""^^ "g""' l"«'"»"- expletas non- 

in eo, rovealurque quam calidissime quod fieri possil. Inno- ''"'" "'*''' diligentia, sed tunc sollicite attendant & prouide- 

xium tarnen esset si slatim ex vno leclo in allerum transiret *"'' "" ^"^'^ P"r''g='"""- s"b stragulas calefacli panniculi, qui- 

ab inilio, non posiea, ne vllus cum apprehendat aer, qni prae- *"" ^bstergat sudorem. Deinde quoque inlerulam similiter ca- 

senlissimnm ex hoc morbo infirmis paril exiUum. Qui ex via, ''^'"=''"' ''""" * 'P'"'" *"'' Mragulis induere debet, tum de- 

stans & gradiens hoc malo inuaderetur (sie), quantum po>sunl "'"*" ''^"'^"'' "* '"'="' * l"""" '"°^ circumdetur vestibus suis, 

ad lectum properare debent, nee vestes exuant, sed ita simul VO»^t^>que od ignem camini qui non sit vllra mensuram ex- 

cum vestibus decnmbaut, ^olue^e tarnen possunt vestes pro- """"'"' Exiudeque cibns ei praebealnr modicus si poslulat, 

pler respirationem. Lecins vero sit amplus et spaciosns, """ """='" '^"* '''"'''"' *''• '^' """^ ''"" '^^'^'''^ *" modicum. 

piopler limorem fnroris qui accidere solet ex vehementia do- ^""" ""'^ vertnlur, & cooperialur «ouis & tepidis linteami- 

loris. Si vero haben non potesl, in solo slernatur, vt com- "''""• "" "'""° P°'' -cponatur in cum infirmus, quietique pa- 

.. ... ,. ,.    , e l'um indulgere permillalur. 

moriius reliiieanlur aegioli lurere incipienles, & conseruen- " "^ 

tur ne aliquid aeris illos conlingat. Contineantur ergo 24, Ferro, cum iam posl viginti quatuor horas periculum ces- 

horis in lectis cooperti slragulis, summa cura semper habita ^''^^ consultum tarnen nihilomiiins est aegro, vt post aliquot 

ne afflentnr aere. Moderato tarnen calore, ne vel ille aut Iri- «"es vel biduum aut triduum se ipsum custodiat ä frigoribus, 

gus redundent, lemperalus enim pinrimum proderit. A lateri- totumque corpus calidnm conseruet, sndoromque qui forte pro- 

bus tarnen slragula onerari potesl ne quicquam aeris ad aegro- uciiiret, quam mundissime semper abstergat, & istud praecipue 

tum irrumpal, qnando forte moueret se de latere in latus. tempore mutationis lunae. 

^ullum ergo membrum in viginti quatuor horis nudelur, Praegnantes, aliquod conlinuis diebus ila regant se, vel 

vnicum caput appareat, totiim reliquum coipus diligentissime parlu proxime vel in ipso partu, lanlisper, dum sentianl re- 

ä vento preseruetur. Sudor aulem a facie bene polest ab- dijsse sauilalem prislinam. Oniues absliueant ä frigidis poli- 

stergi aegrotantis, calefaclis modo id fiat sudarijs. Pralerea bus, donec vires suas bene & integre collegerinl, praesertim 

si angusliaretur nimium aegrotus propler spiritum posset ali- fugienles in hac peste , quicquid frigidum fuerit. Islis om- 

qiianlulum laxari circa gutlurem slragula: coiiseruentur sallem nibus tarnen praevalet diuina misericordia quae jugiler cum con- 

perpetuo calore scapulac, inferioraque membra ne aliquo fri- Irilione peccatornm est nobis exoranda. Kam frustra nunqam 

göre corripiantur. imploratur, si vera fide inlerpellclur. 

Insuper, diligentia sit, ne aegrotum dormire perniillanl qni Quare exhortuliones & promissiones diuinae diligenter se- 

curam eins suscepeiunl praescripto temporis spatio. Nam ex ligendae sunl ex saciis litcris, indoctis, vulgaliora isla ex 

somno fcruor ille colligeret se in capul, & duplex periculum Psal. 4. Cum inuociirem. Psal. 130. De profundis & 30 coii- 

pareret. similesque alios, ex quibus aegrolis spos in deum fulciii, et fidu- 

Polus quoque porrigatur hoc morbo male habenli, qui ne- lia roborari debet, vt in omnibus discant, tani in prosperis 

que frigidior nee sit calidior, sed lemperalus. Cereuisia scili- quam in aduersis, se & sua omuia deo commiltere, proculdubio, 



215 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



216 



benignum palrem experturi. Ita volunlati diuinae cotninedelur 
aegrolus. 

Grotias sgant singuli pro sua gratis Deo cui 

Sit benedictio, claritas, lairs, lioiior & glo- 

ria in secuta seculoium. Amen. 



ReKensitnrsiselifr lesiincIttruneUIi. 

Frisch auf Torsclien Sohn du Caualier, 

Diseii Trunckh den bring ich dir, 

Aufs Römischeo Khaysers noth, 

Vnnd all seiner Officiren Todt, 

Aufs Churfürsten von Bayrn verderben, 

Auf der Jcsuiler vnd aller pfaffen sterben, 

Aufs Churfürsten von Sachsen Uhraiickheil, 

Vnd aller Schwedischen Soldaten gsundtheit. 
Der Segen darauf. 

Wie ich die Vers bey mir bedacht, 

So bats ein rechter Raup gemacht, 

Deme auch der llodus nit bewisl, 

Was Reimen und censiren ist. 

Der TeulTell woll ihm seinen Trunckh 

Gsegoen et semper et pro nunc. 

Damit er endllich eben *) das, 

Was andere mehr aufs disem glas 

Gesoffen haben schon vill Jahr, 

Er khert doch auch in dise schaar. 

Die nunmehr dort im winckhell sizl, 

AIhvo man ohne ein offen schwizt. 

Mit einem wort das auf sein glofs 

Der Trunckh ihm selbst das herz abstosfs. 

Vale :/: 
Dieser Rege uspu rgi s ob e G snnd t trun c kh scheint 
auf ein Glas eingraviert gewesen zu sein; der Segen darauf 
wurde dann von einem späteren Besitzer oder Besichtiger des 
Glases gedichtet. Ob das Glas wol noch vorhanden ist? 

Der Spruch befindet sich in einem Manuscript in 8. des 
säkularisierten Klosters Sanct Veit an der Rott in Bayern ; die 
Bibliothek dieses Klosters war merkwürdiger Weise bis vor 
wenigen Jahren in demselben verblieben, wo sie um eine un- 
bedeutende Summe an einen Händler verkauft wurde, und, wie 
es scheint, nun in alle Welt zerstob. Linsender hat wenigstens 
dies Buch von einem aufserbayerischen Antiquar bezogen. 

Gedachtes Manuscript ist vom Jahre 1656; der Spruch 
wurde jedoch von späterer Hand an einer leeren Stelle einge- 
schrieben. 



Titel: ,.Libellus Pulcbras Tragicomoedias continens, summo 
labore, summaque industriä loca recreationis ä me supra infra- 
scriplo conscriplus Sh " 

Wer dieser infrascriptus ist, kann nicht ersehen werden, 
denn der Schlufs des Buches lautet nur : 

„Fiiiem huic imposui libello 2. die Augusti Anno 1656." 
„Compactus fuit iste libellus 3. die decembris Anni millesimi 
sexcentesimi , quinquagesimi sexli pro quo compingendo dedi 
viginli duos crucigeros et duos nummos." (Geprefster Horn- 
band mit Spangen.) 

Die zehn lateinischen Tragödien und Dramen, gröfsten- 
theils von Jesuiten, die genannt sind, gedichtet, füllen 1072 
Octavseilen aus und wurden in den Jahren 1643 — 1653 zu 
Salzburg, Hall u. s. w. aufgeführt. — Die ersten und letzten 
Blätter enthalten einige halb deutsche, halb lateinische Studen- 
tenlieder; auch sind hie und da au leeren Stellen lateinische 
Gedichte eingeschrieben. H. — ff. 



Vng;lücU8tag^e. 

Gibt es doch auch jetzt noch Leute genug, denen bestimmte 
Tage des Jahres als UuglUckslage gelten, an welchen sie nichts 
Wichtiges unternehmen wollen. Wir dürfen es deshalb unsero 
Altvordern so hoch nicht anrechnen, wenn sie auch ihre Un- 
glückstage hatten. Ein alter Kalender aus der ersten Hälfte 
des 15. Jahrb. zählt sie auf, um, wie der Kalendermann ganz 
naiv sagt, „der erben war zu nemen", d. h. die ISachkommen 
vor Schaden zu warnen. Es sind folgende : 

Das sind pos verworlTen tag, so in dem jar komen ; an 
den sol man weder lassen, keuffen nach verkeulTen, nach vmb 
kein weip werben, vnd auch keinerley sach treiben nach tun 
in den nachgescriben tagen, dy an dem moneten komen; vnd 
darvmb ist noiturfftig der erben war zunemen : Der erst ist 
das ein gend iar, der dritt tag nach lichtmesse'), der drit 
nach sant malheis tag*), der erst tag des merrzen, der virt 
tag nach vnser frawen tag jm merczen 3), der zehende tag jm 
apptilen, der virl lag vor geory*), der drit lag im meyen, 
der sibent lag, so der mey aus gel*), der newnt tag vor ioha- 
nis baptisle"), der drit tag vor margarete''), der negst tag nach 
margarele ''), an sant marien magdalenen tag"), der erst lag 
im augsten"*), der drit tag nach augustiiii "), der sechst tag 
vor vnser Hauen tag zu herbst''^), an sant malhes tag'*), der 
fünfTt tag nach michaelis '*), der sechst tag vor marlini '^), der 
drit tag nach kathcrine '"), der ander tag vor nicolay"). der 
ander tag vor sant thomas tag nechst vor weyennachten '*). 



*) eben — d. h. ebene, hat hier wol die Bedeutung von: aus- 
gleiche oder sUhne. 



') 5. Februar. ') 27. Februar. ') 29. März. *) 19. April. =) 25. 
Mai. «) 15. Juni. ') 10. Juli. ») 14. Juli. ') 22. Juli. "•) Au- 
gust. ") 31. August. '^) 2. September. '") 21. September. "} 4. 
Oclober. '*) 5. Wovember. ") 28. November. ") 4. December. 
'') 19. December. 

Nürnberg. Baader. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommaun. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der lilerarisch-arlislischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



D. E. Sebald'Bohe Buchdruckerei. 



BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1866. J^ 6. Juui. 



Chronili des gcrmaniscüen Museums. 



Nürnberg, den If). Juni 1866. 
Die freundlichen Leser dieser Bläller werden sich erinnern, dal's 
diis gorjnan. Nalionalmuseum, um die verschiedenen Vorschiisse, die 
es walirend der ersten Jühre seines Bcslehens, nnnienllich zum Zwecke 
der Restauralion der in ruiniösem Ziislande üliernoniment'U weillau- 
ligen (jebaude des Karlhauserklosters und zur Bestreitung sonstiger 
unumgänglicher Einrichtungskosten aufzunehmen gcnölhigt war, in 
ein einziges, geschlossenes Passivkapitai zu verwandeln und diesem 
eine oeiegelte Tilgung zu sichern, im Jahre 1861 liei dem Bankhause 
Joseph von Hirsch in München ein Aulehen von 65,000(1. ne- 
goziierte. (Vgl. das Programm am Schlüsse der Nr. 10 des VIII. 
Jahrganges dieser Zeitschrift.) Dieses „Bau an I ehe n" fand zwar 
recht erfreuliche Theilniihme, indem eine ansehnliche Zahl (68 Stück) 
der von dem genannten, die fragliche Angelegenheit iu liberaler und 
anerkennenswerthesler Weise behandelnden Bankhause ausgegebenen 
4''/oigen Partialobligationen (zu 50011.) von (iönnern und Freunden 
des geruian. Museums übernommen wurde (vgl. die Bekanntmachun- 
gen in Nr. 12 d. Bl. von 1861); gleichwohl verblieb noch immer 
ein bedeutender Rest von unbegebenen Aktien. Verhandlungen mit 
der kgl. Bank dahier, bei welcher, wie wir bei diesem Anlasse dank- 
barst anzuerkennen haben, unser nationales Institut mit seinen An- 
liegen stets die geneigteste Berücksichtigung fi-nd, führten dann 
schlielslich dahin, dals die kgl. Bank jenen Aklienresl im Nennwerthe 
von 31,000 n. als interimistische Deckung für ein alles Hypothek- 
kapilalgulhaben von 13,000 fl. und für ein neues dem german. Mu- 
seum geniiichles Vorlehen von 17,00011. unter der Bedingung pland- 
weise übernahm, dals eine, ihr zur Sicherung des frdheien, damals 
bis auf 19,00011. bereits herabgeschmolzenen Anlehens von 50,000 fl. 
vom Gründer unserer Anstalt, Freiherrn v. u. z. Aufseis bestellte, 
und auf seine Guter Freyenfels, Wejer und Neidenstein hypotheka- 
risch eingetragene Bürgschall von 25,000 fl. auch ferner noch be- 
stehen bleibe, was denn auch Seitens des Freiherrn v. Aulseis dem 
german. Museum sehr bereitwillig zugestanden wurde. So aner- 
kennenswerth nun dieses weitere Eintreten des Genannten für seine 
Schöpfung war, eben so freudig haben wir, eingedenk der grolsen 
Opfer, die Frhr. v. Aufsel's dem german. Museum in jeglicher Rich- 
tung schon gebracht, wie eingedenk namentlich des Ums andcs, dals 
derselbe mil ca. 60,000 fl. (Kauf.-chillingsrest für seine Sammlungen), 
die vorläufig nur mit S^/o verzinst werden, noch Glaubiger unserer 
Anstalt ist, die uns jüngst gewordene Kunde zu begiülsen, dafs die 
kgl. Bank, nachdem die fragliche Schuld des german. Museums 
im Laufe der Jahre durch .\usloosung und Ruckkauf mehrerer der 
deponierten Aktien nicht unwesentlich sich gemindert hat, die auf 
des Frhrn. v. u. z. Aufsefs Guter eingetragene Caulion 
von 25,000 n. nunmehr hat löschen lassen. Wir verbinden 
mit dieser angenehmen Mittheilung den Wunsch und die angclegenl- 
liche Bitte, dals Gönner und Freunde unseres nationalen Werkes 
durch Uebernahme weilerer, je auf 500 fl. lautender 4% Parlialobli- 
galiobCD des hier in Rede stehenden Bauanlehens, wie solches in 



vergangenem Jahre wieder Seitens der Herren Oskar Benckiser 
in Pforzheim und Ilofrath l) r. Dietz dahier geschah, uns in den 
Stand setzen möchten, von den bei der königl. Bank deponierten 
Papieren mehr und mehr einzulösen. Prospekte mehrerwahnlen 
Anlehens, das im Wege jahrlicher Ausloosung zur Rückzahlung kommt, 
stehen auf Verlangen gratis und franko zu Diensten. 

Nächst dieser dem Credile unserer Nalionalanstalt sehr günsti- 
gen Entschlielsung hiesiger kgl. Bank haben wir heute zunächst 
eines Beschlusses des Gemeinderathes der k. k. Reichshaupl- und 
Residenzstadt Wien vom 14. Hai zu gedenken, dem wir auch 
für das J. 1866 einen Beitrag von lOOfl. ö. W. zu verdanken ha- 
ben, und der, ohne unser Zuthun gefal'sl, auf's Neue Zeugnils ab- 
legt für die fortdauernd rege Thellnahme und geneigte Würdigung, 
deren sich die Bestrebungen unseres nationalen Institutes in der Kai- 
serstadt zu erfreuen haben. 

Auch hat, wie wir dinkharst hier hervorheben, die Gemein- 
dcverlrelung der Stadt Nördlingen, die an der Förde- 
rung unseres nationalen Werkes seit Jahren schon regen Anlheil 
nimmt, den uns bisher gewahrten jährlichen Beitrag von 6 auf lOfl. 
erhöht, ein Vorgang, den wir der Nachahmung von Seilen anderer 
Gemeindeverwaltungen des deutschen Vaterlandes hiermit recht warm 
empfohlen haben möchten. 

Die wissenschaftlichen Arbeiten unserer Anstalt, insbesondere 
das, Gelehrten wie Künstlern schon recht nutzbringend gewor- 
dene Bilderreperlorium, erfuhren eine sehr wesentliche Förderung da- 
durch, dals die k. k. Centra Ico mmission für Erforschung 
und Erhaltung der Baudenkmale in Wien Separatab- 
drucke sämmtlicher in den Jahrgangen V — X ihrer P u - 
blicationen benutzten llolzstöcke uns zugehen liefs, so dafs, 
da Separatabdrücke der in den ersten Banden enthaltenen Abbildun- 
gen uns von anderer Seite schon früher zugekommen, nunmehr der 
ganze Illuslrationenapparat jener umfassenden und gediegenen Publi- 
cationen unserem Reperlorium einverleibt werden kann. Möchten 
Herausgeber anderer, der vaterländischen Geschichte gewidmeten 
illustrierten Werke und Zeitschriften diesem Beispiele recht einniü- 
thig folgen! Es würde dann über alles in dieser Beziehung Erschei- 
nende hier eine trelTliche Uebcrsicht zu gewinnen sein. 

Die Uebergabe des Seitens hiesigen Magistrats mil Genehmigung 
der kgl. Regierung unter Eigenihumsvorhehall zur Aufstellung in 
unseren Sammlungen uns überwiesenen freib. v. Kreisischen 
Münzcabinets, dessen wir bereits in unserer vorjährigen Deccm- 
berchronik zu gedenken hatten, ist nunmehr erfolgt und hat, wie 
erwartet, unserem numismatischen Materiale einen bediulenden, sehr 
werihvollen Zuwachs gebracht. Es bietet dieses Cabinel, das aus- 
schlielslich auf Nürnberg und dessen ehemalige Zugehorungen sich 
beschränkt, hier aber bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts herauf 
eine seltene, dem Imhof (Sammlung eines Nuinbergischcn Münz-Ca- 
binets, 2 Bde., Nürnberg, 1780 und 82) ziemlich nahe kommende 



219 



Anzeiger für Kunde der deulsihen Vorzeit. 



220 



Vollsläiidigkeit aufzuweisen hat, nnmciitlich an ü r i g in a I m e cl a i I- 
len des 16. Jatirli. eine ganz lre(Tliche Folge. 

Mit Dank liaben wir, was unsere Münzsammlung weiter helrifft, 
hier auch zu erwähnen, dai's von einem zu Fürth a. \V. kürzlich 
zu Tage gekommenen Funde bayerischer und bischöflich 
rege ns b u rg isc li e r I' fe n ni g e aus der ersten Hallte desl4.Jahrh. 
durch unseren dortigen Flieger, Herin Notar J. Kolin, geschenk- 
weise alsbald eine Partie uns übermillclt wurde. Jlüchte anderwärts 
bei derartigen Vorkommnissen ebenso freundlich unserer gedacht 
werden, um so mehr als, namentlich was die lliinzvcrhaltnisse des 
Mittelalters betrifft, die Wissen.'Chül't der sürj;faltrgsteu Registrierung 
und Untersuchung vorkommender Funde noch iehr dringend bedarf. 

Ein sehr wesentliches Verdienst um unsere Anstalt bat sich 
neuerdings weiter Hr. (ieorg Widter, k. k. Postd i r ek lo r, in 
Vicenza erworben durch gesclienkweise Ueberlassung einer eigen- 
händig, mit grolsem Fleilse angelegten Sammlung interessanter .Mate- 
rialien zur (jeschichte und To|iogrHphie der l'rovinz Vicenza, sowie 
auch werthvoller Aoiizen ulier die allen Ucsle des deutschen Ele- 
mentes, insbesondere über das Vorkommen deutscher üits- und Per- 
sonennamen daselbst vornehmlich in den dieser Provinz angchorigen 
bekannten ,, Sieben Gemeinden"; und in ähnlicher Weise hat durch An- 
fertigung und Ueberlassung eines Verzeichnisses der im st.ldlischen 
Archive zu Sulzbach vorhandenen Pergauieiilurkunden und einer 
Abschrift dortiger Büigerspital-Ordnung vom 15. Jahrb. unser Flieger 
für Sulzbach, Hr. S lad tsch reib e r Wilh. li ies w a iige r, uns 
zu besonderem Uanke verpllichtet. 

Um die Sammlungen des .Museums auch luiiider L'emitlellcn zu- 
gänglich zu machen und insbesondere dem .Arbeilerslande Gelegen- 
heit zu geben, dort manches Nutzliche zu lernen, wurde im Ein*- 
vernehmen mit dem Lokalausschu.'^se unserer Anstalt beschlossen, 
diese Sammlungen vorlaulig bis auf Weiteres an den Sonntagsnach- 
miltagen von 2 — 4 Uhr zu crnialsiglem Eintrittsgelde von 6 kr. (statt 
24 kr.) zu offnen. Es wurde mit dieser Malsiegel am Sonntage 
nach POngslen der Anfang gemacht. \m Nachmittage dieses Sonn- 
tags besuchten 116, am Nathinillage des folgt nden 103 Personen 
unser Museum. 

Neue Pflegschaften wurden erriclilel zu Da hu und Frejsladt 
in Bayern, zu Bad Bert rieh in Bheinpreulsen, zu Hall in Tirol 
und zu Weitz in Steiermark. 

.\n neuen Geldbeitragen sind, aulser den oben bereits genann- 
ten, wahrend des vergangenen Monats noch folgende gezeichnet 
worden : 

Aus öffentlichen und Vereiuskassen : Von der Stadige- 
meinde Neunburg v. W. 1 fl, 12 kr. und von der Stadt \\ e i d a 
1 fl. 45 kr, ferner vom Vereine zur Beförderung des Gemeindewohls 
in Eutin 8 fl. 4ökr., vom Stenographen - Vereine in Landsliut 2 fl. 
und vom theologischen Seminar zu Schonthal 5 fl. (einm.) 

Von Privaten: Barn (Mahren): Hans Lichtblau, Freignts- 
besilzer 2 fl. 20 kr. (einm.); B r a u n scIi w cig : haiifmiinn Adolph 
Schmidt 3fl. yOkr. ; Cöln: Erzl.ischol Paulus, Kxeellenz, SD. 45 kr.; 
Dachau (Bayern): Joseph Kberl, Notarialsbuchhaller, Ifl., An- 
dreas Gradinger, Nolanatsconcipient, Ifl., Ludwig Wunderlich, 
Benlamtsobersihreiber, Ifl.; Detmold: Dr. jur. (iislieit Kosen, 
Geheimer Ju.-tizralh, 1 fl. 10 kr., Kechisanwali Wilhelm Riinnen- 
berg 1 ß. 45 kr ; Dresden : Karl von Schleinitz 1 fl. 45 kr. ; Ehin- 
gen: Sladipflecer G. F. Daser Ifl. Mkr. (einm); Eutin: Colla- 
borator J. Kürschner Ifl. 45 kr., Obergericlilsralh Lenlz Ifl. 45 kr. 
Fürth: Lehrer llothsletter Ifl.; (iera: ühergerielilsiidvokat Sci- 
farlh in.45kr.; Landshut: Dr. .Michael Ferlig, k. Siudienreklor, 
Ifl. 30 kr., Piofessor Georg Zeils 3 0.: Mitau: Oberlehrer II. Die- 



derichs ifl. 45kr.; Neunburg v. W. : Apotheker Andreas Bach- 
ineier Ifl. 12 kr., Heinrich Filberich, kgl. Staatsanwalt, Ifl. 12 kr., 
Advokat L. Meiler 1 H. 12 kr., Franz Xaver liornmüller, kgl. Be- 
zirks-Ger.-Ass< ssor, 1 H. 12 kr., Ilandelsmiinn J. A KrOner Ifl. 12 kr., 
Handelsmann K. Ffaflinger, Ifl. 12 kr., (iulsliesllzer Ludwig ()iiinant 
Ifl.; Nordlingen: Benedikt Conrad, Kainiiikeliieimeisler, Inhaber 
des Verdicnsl-Kidens der k. bajer. und wiirttemb. Krone, 1 H. (statt 
früher 4b kr.) ; Nürnberg: Kas.sier Baumann 111. 3ükr., Kaufmann 
Philipp Bluiurödcr 2 11., Friedrich Karl Cramer, haulniaiin u. Fabrik- 
besitzer, 3 fl., Dr. med. Ed. tberiiiaj er III. 12 kr., Fabiikbesilzer J. 
Karpf III, haufniaiin Ludwig Veiter 3 H. ; Prag; Ingenieur Schmidt 
2 fl. (einm.); Hocken hausen (Pfalz); Carl Freiherr von Gienanlh, 
Eisenlinitenwerksbesitzer in lliiciisleiii 3 fl. 30 kr. ; Schwerin: Re- 
visor F. Faull Ifl. 45 kr., Dr. R. bcliultze 111. ibkr.; Schwimm- 
bach: Theod. Friedr. Studti ucker, Plarrcr, Ifl. 12kr. ; Stuttgart: 
Mechnnikuä (ieorg Seeger 111. (einm.); Sulzbach; Georg Paulus, 
Bäckermeister u. Realitatenbesitzer, Ifl.; Ulm: iM. Dauner, Glaser- 
raeisier und Stadtrath, Ifl. 45kr., Ilandlungsgehille Sigmund Mayer 
IH ; Vicenza: Job. Jakob Heinrich Riller von Holienlliurn , k. k. 
Hufrath und Landesgerichts- Präsident i. F., 3 fl. ; \\ olgast: Buch- 
druckercibesitzer Eisner 1 fl. 45 kr. 

Wahrend des letzten .Monats giengen uiisern Sammlungen aulser- 
dem, wie wir hiemil dankend bestaligen, folgende Geschenke zu: 

I. Für das Archiv. 

IVilhelm Bieswranger, Stadischreiber, in Sulzbach; 

3343. Regesten von den im stadtischen Archiv zu Sulzbach vorhan- 
denen 29'J Pergainenlurkunilen von 1305 bis 17'j7. Pap. 

3344. Abschritt der Uidiiung lur das Burgerspital zu Sulzbach. Ende 
des 15. Jahrh. Pap. 

Erffurth, Fabrikant, in Coburg: 

3345. Neun Decrete und Diplome für den Hofapotheker Donauer in 

Coburg. 1805 bis 1850. Pap. 
Friedrich Bleicher, Knulmann, in Nürnberg: 

3346. Fünf Urkunden und mehrere .\ktenstiicke, das Ganiersfelderi- 
sche Haus zu Nürnberg, der Wage gegenüber, betrelfend; 1537 
bis 1700. Pap. 

II. Für die Bibliothek, 
Juristische Gesellschaft in Laibach: 

19.39!i. Dies., Verhandlungen u. Miitheilungen: Bd. 11, 11. u. l4.H. 8. 
Siebeubürgischer Sluseiiuisverein in Klausenburg: 

19.400. Ders , Evkrtnyvei; III. Bd. 2. Heft. 18ii6. 4. 

Dr. J. H. V. Hefner-Alteneck, k. b. Prof. u. Conservator, 
und Friedr. Petri, k. b. Bauralh, in München : 

19.401. Dies., Urnamenlik i. Kunsl u. Gewerbe ; Tat. 1 — 6. 1866. 4. 
K. Sachs. Verein für Erforschung- u. Erhaltung' va- 
terländischer Geschichts- u. Kunst -Denkmale in 
Dresden : 

19.402. Ders., Miitheilungen; 14. Heft. 1865. 8. 
Redaktion der altpreufsischen Monatsschrift in Kö- 
nigsberg : 

19.403. Dies., altpreuls. Monatsschrift; II. Jhrg. 7. u. 8. Heft und 
III. Jhg. 1. Heft. 18G5. 1866. 8. 

Schleswig-Holstein-Ziauenburg. Gesellschaft für Va- 
terland. Geschichte in Itiel: 

19.404. Dies., Jahrbücher ; Bd. VUI, 3. 1866. Nebst d. 26. Bericht. 
186:5. 8. 

Comite central de publications des inscriptions 
fuueraires etc. in Gent : 

19.405. Dass., Graf- en Gedenkscliriften der Provincie Oost-Vlaende- 
ren; 42.-44. Aflev. 1865. 4. 

Ferd. Enke, Verlagsbandl., in Erlangen: 

19.406. V. Maurer, (iescluchte der Dorfverfassung in Deutschland ; 
1. ü. II. Thcil ; 1865—66. 8. 

Allgem. deutsche Verlags- Anstalt (Sigism. Wolff) 
in Birlin: 

19.407. RiJinberg's Zeilschrift für prakt. Baukunst; Jhrg. 1866, II. 1 
-3. 4. 



221 



Anzeiger für Kunde der (ieulscheri Voizoil. 



222 



Vandenhoeck & Ruprecht, Verlagshandl., in Göiiingen : 
]9,40S. Muldeiipr, l.ibliolheca historica : Jlirjr. XIII, 2. 1S65. 8. 
Rudolph Weig'el , Verlagshandl., in Lei|izig : 

19.409. Uers., hiinsilnger-Catalog ; Abtli 25, 27, 29, 31-34. 18ö3 
- 66. 8. 

19.410. Arcliiv f. d. zeichnenden Kiinsic: Jhre. 6 11. 18üO— 65. 8. 

19.411. ^^■cigel, die Werke der Maler in ihren Handzeichnungen. 
186.'!. 8. 

J. N. Enders, Verlagshandl., in Keulilschein ; 

19.412. Eiiders, die Buchdrnckerkunsl in ihrer wellhislor. Bedeutung. 
1866. 8. 

19.413. Ders., "her Reichenhach's Iljpoihesen zur Kenntnifs der Me- 
icoriien. 1866. 8. 

Dr. Eduard Löwenthal in Berlin : 

19.414. Der l'ogilaiil, hg. v. E. Löwenllial : Nr. 1 — 6. 1866. 8. 
Societe des bibliotheques communales du Haut-Rhin 

in Colninr: 

19.415. Dies., III. annee, 2. s^ance. 1866. 8. 

Dr, Tr. märcker, geh. Archivrath und li. Ilausarchivar, in 
Berlin: 

19.416. Ders., Sophia von Rosenberg, geb. Markgrälin von Branden- 
burg. 1864. 8 

19.417. Ders., der Fall des kurbrandenb. Ohersl- Kämmerers Grafen 
Hieron. Schlick 1866. 8 Sonderabdr. 

K. pr. Friedrich -Wilhelms -Universität in Berlin: 

19.418. Hndorff, Festrede cic. 1865. 4. 

19.419. Boehm, quemadmodum ah Ollone I. ad Ileinrici IV. inita 
ipsuni iniperium uiiilalem naiionis Germanicac aUecerit ejus- 
qiie arles, liller:is commercium adiiuxeril ; pari. 1. 1865. 8. 

19.420. Dovp, de Sardmia in^ula elc. 1866. 8. 

19.421. Fischer, de Einesli comilis de M-.mifeld apologiis et de 
,. Actis illansfeldicis-'. 1865. 8. 

19.422. Hille, de conlmunlore Prosperi A. 641. Ilavniensi. 1866. 8. 

19.423. l.indner, d.; concilio iMaiiiiiano. 1865. 8. 

19,424 — 31. 8 weitere akademische Schrillen vermischten Inhalts. 
1865 - 66. 4. u. 8. 
J. W. Steffen, Burgermeistercisekrelär, in Birkenleld:. 

19.432. Geschichtliche ftachriclilen u Sage von der Kirche zu Ober- 
stein. 8. 

19.433. Geschichte der prouslantisihen Kirche zu Birkenleld. 8. 
(Titel lehlt.) 

Alexander Gibsone, I'riv.iiier, in Knrnberg: 

19.434. Herrtwich, thiiringische llcinialhskunde. 8. 

19.435. Beschreibung vom St. Blasius Dom zu Braunschneig. 6. 
Ausg. 1850^ 8. 

19.436. Schadeberg, Skizzen liber den Kullurzustand des Kegierungs- 
beziiks Merseburg; 1. — 4. Ablh. 1852-58. 8. 

19.437. Die Grenzboten; Jhrg. 18.Ö5 — 59. 8. (Defekt.) 
Dr. G. Mehuert, Oymnasiallelirer. in Dresden: 

19.438. Ders., Luihcr's und Zwingli's Streit über d. Abendmahls- 
Dogma. 18,5,8. 8. Pronr. 

Heinr. Mor. Neubert, Blirgcrmrisler, in Dresden: 

19.439. Ders., Vortrag an d. Stadlralhs-Collegiuin zu Dresden über 
die Kechtsvcrhaltiiisse der dasigen alten Elbhriieke. 1857. 8. 

Dr. Friedr. PoUe in Dresden : 

19.440. Ders., de arlis v(>cabulis quibusdam Lucretianis. 186G. 8. 
ß. Braun'sclie ilolbuchhandlung in Karlsruhe : 

19.441. Mone, Zeilschrift f d. Geschichte des Überrheins; Bd XIX, 
2. 1866. 8. 

Historisch- statistischer Verein in Frankfurt a. 0. : 

19.442. Ders., Mitiheilungtn ; 5. Hell. 1865. 8. 

Verein für Landeskunde von Nieder-Oesterreich in 
Wien : 

19.443. Ders, Blatter f. Landeskunde von Kieder-Oesterreich ; Jahrg. 
186.5, Nr. 7-18. 8. 

Industrie- und Gewerbe -Verein in Fiirtli: 

19.444. Ders . Slalulen: 4. Aufl. 1861. 4. 

19.445. Fronmullrr, Rede etc. 1866. 4. 

Kurländische Gesellschaft für Literatur u. Kunst 
in .lliUiu : 

19.446. Dies., Sitzungs- Berichte elc. 1865. 8. 



Verein für Kunst und Alterthum in Ulm und Ober- 
schwaben zu Ulm : 

19.447. Ders., Verhandlungen etc.; XVII. Veröllentl. 1866. 4. 
Direktion des Gymnasiums in Emden: 

19.448. Ahichl, römische Bialter. 1866. 4. Progr. 
H. A. Pierer, Verlaeshandlung, in Allenburg: 

19.449. Pasch, zur Kiiiik d Geschichte d. Kaisers Tiberius. 1866. 8. 
J. C. Hofrichter, Notar, in Windisch -Graz: 

19.450. Ansichten aus d. Sleiermark ; Hell 41 — 43. qn. 4. 

19.451. Kutschera, (jeschichte der Vorzeit aus Denkmalen : 1.— 3. H. 
1865. 8. 

Historischer Verein im Regierungsbezirke Schwa- 
ben und Neuburg' in Augsburg: 

19.452. Ders., 31. JahresBericht f. d. J. 1865. 1866. 8. 
Verein für das XKIuseum schlesischer Alterthümer 

in Breslau : 

19.453. Ders., vierter Bericht. 1866. 4. 
Schlesinger'scbe Buch- und Miisikhandl. in Berlin: 

19.454. Firmenich, Germaniens Volkersliinmen ; Bd. III, 10 — 12. 
1864 — 66. 8. 

III. Für die Kunst- und Alterthums- 
sammlung. 

F. C. Mayer, berzogl. sachs. Ilolratli, Professor an der kunsl- 

schule zu Kurnberg: 

5093. 9 Bruchstücke vom Silherbeschlage des Sebaldusgrabes zn 
Nürnberg und 2 Gypsabgiisse von solchen. 

Stiftungsver-waltuug des Protestant. Kirohenver- 
mögens zu Nürnberg: 

5094. 2 Teppiche in Wollenwcberei vom 15. JhdI. 
J. Winzer, Keallehrer, zu Coburg: 

5095. 3 Silber- und 3 Knpicrmunzen vom 17. und 18. Jhdt. 
F. Beyer in Flensburg : 

5096. Eine Flinie mit Bajonet, Sahel, Tornister, Palronlasche, Brod- 
beulel, Feldibselu-, ein Czakoslern, eine Tabakspfeife und 
vier Kugeln, sammilich von den Wahlslatlen auf den Düppe- 
ler Schanzen und bei Oeversce. 

Th. Rogge, Oberamis- Ger. -Canzlist, in Rostock: 

5097. II Bleiabgiisse Mecklenburger Münzen und Medaillen nebst 
3 Kupleriiiüiizen. 

A. Essenwein, I. Vorstand des german. Museums: 

5098. Thürklopfer mit verzierter Unterlage, 15. Jhdt. 

5099. Gypsabguls eines Pokals von Elfenbein mit reicher figurlicher 

Ausstaiiung, vom 17. Jhdt., im Nalionalmuseum zu München. 

5100. (jypsabi;uls eines geschnilzlen Jagdhechers vom 17. Jhdt., 
ebendas. 

Engelhardt, Privatier, in Nürnberg: 

5101. Gravierte Elfinbeinplalle mit D.irslellung eines Mu.squetiers. 
Dr. J. H. V. Hefner- Alteneck, Professor, Inspektor des 

kgl. Kupferslichkabinels zu München: 

5102. F'igur eines geharnischlen Heiligen, llolzsialue vom 15. Jhdt. 
Joh. Zeltner, Fal'nkbesilzer, in Niirnberg: 

5103. 2 Flügel einer Predella, Oelgenialde mit Darstellung des Mar- 
lyriums der ll.OOlJ Jungiranen, 15. Jhdt. 

Burger, Stadlplarrer und geisll. Ralh , in Nürnberg: 

5104. 4Chorstuhlwnngen u. 6 griinislerte Fulsbodenplaiten v. 15. Jhdt. 
Ascan Conrad in Charlotienhüiie; 

5105. Eine in den Marinorbrüihen des Unlersberges gefundene rö- 
mische Kupfermünze. 

J. Kohn, kgl. Noiar, in Fürth a. W. : 

5106. 18 bayer. Silbcrpfennige. 

C. H. Zeh'sche Buch- und Kunsthandinng in Nürnberg: 

5107. „Nürnbergs alte Kaiserburg von der Südseite", Tondruck, von 
J. Geifsicr. 

Magistrat der Stadt Nürnberg: 
5103. Golb. vcrzieiies Thnrsehlols nebst Thürrins und Unterlage. 
K. k. Centralcommission zur Erforschung und Er- 
haltung der Balldenkmale in Wim: 
5109. Separatabdriicke der im V. bis X. Jabrganze der VcrölTentli- 
chungen der Commission benutzten IlolzstOcke. 



223 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 



224 



Chronik der historischen Vereine. 



Az Erd^lyi JIuzeum-Egylct tivkönyvei (des sieben- 
bürgisclien Museuins- Vereins Jahrbiichtr). Iliimiadik liölet. Miiso- 
dik Fflzct. SzecUestlelle BrassRi Siimuel. Ml rnjiuililiival. Kolozs- 
värt (Klauscuburg), 18G6. 4. 

Mitlli eilungen der k. k. Central-Commission zur Er- 
forschung und Erhaltung der B au de n k ma I e. Herausge- 
geben unter der Leitung Seiner Exccilenz des Prüsidenlen der k. k. 
Central -Comniission Joseph Alexander Freiherrn von Ilelferl. Re- 
dakteur: Anton Killer V. Perger. — 11. Jahrg. März — April. Wien, 
1866. 4. 

Die Altcrthiimer von Oszlröpalaka. Von Dr. E. Ilenszelinann. 
(Mit drei Holzschnitten und zwei Tafeln.) — Reisebericht über die 
millelalterliclien Kirchen in Kumten. Von Hanns Petschnig. (Mit 
dreizehn Holzschnitten.) — Das Wappen der Stadt Wien. Von Dr. 
Karl Lind. (Mit neunzehn Holzschnitten und einem Farbendruck.) 

— Kenig David und der Gott Wuotan. Von Joseph Haupt. (Mit 
einem Holzschnitt.) — lieber die Grabdenkmale österreichischer Re- 
genten. — Die Junkberren zu Prag. Von Bernhard Grueber. — 
Der Grabstein von drei deutschen Ordensrittern. — Besprechungen. 
Correspondenzcn. — Notizen : Komische Inschriftsteine in Riva. — 
Der Ofen im lloforatorium der Domhirthe zu Gratz. (Mit einem 
Holzschnitt.) — Die neuesten Funde auf dem Leibnitzerfelde in Steier- 
mark. 

Blätter für Landeskunde von Kieder-Oesterreich. 
Herausgegeben vom Vereine für Landeskunde von Nieder- 
Oesterreich in Wien. L Jahrg. 1865. Nr. 7—18. Wien. 8. 

Die Karthause Aggsbach. Von Ferdinand von Hellwald. - Sit- 
ten, Brauche und Meinungen dos Volkes in Nieder-Oeslerreich. Ge- 
sammelt und milgclheilt von Johann Wurlh. IL Liehe, Hochzeit 
und Ehe. HL Tod und Begräbnis, Seelen und Geister. — Prival- 
Archive in Nieder- Oesterreich. — Eidsymbolik. - Purkersdorf zur 
Zeit Maria Theresiens. Aus einer handschriftlichen Chronik von Carl 
Kurz. — Fragen zur Forderung der Ortskuude. — Der Weinbau in 
Nieder- Oesterreich vor 200 Jahren. Von Franz Weigert. — Daten 
zur Culturgfschichte von Nieder Oesterreich. — Land und Leute in 
Kieder-Ocsterreich und die Methode, ihre Eigenthumlichkeilen zu er- 
forschen. Von V. Streffleur. — Kreuzenstein (ü. M. B.). Untersucht 
und bearbeitet von Friedrich und Ferdinand von Hellwald. — Ueber 
die römischen Altcrlhünier in Pctronell. Von Karl Landsleiner. — 
Ueber die Stellung der Städte Krems und Stein in der Handelsge- 
schiihte Oeslerrciihs. Von Dr. Kail Haselbach. — Die Freibriefe 
der Städte Krems und Stein im Kremser Stadtarchive. Von Feli.\ 
Eberle. — Ueber die Baulornien in ihrer zeitlichen Entwicklung. 
Von Friedrich Schmidt, Donibaumeister. — Kleinere Miltheilungen. 

— Vereinsangeirgenheiten. 

Sitzungsberichte der königl. ha y e r. Ak ad em ie der 
Wissenschaften zu München. 1866. f. Heft. f. U. München. 
1866. 8. 

Colleclnneen-Blatt für die Geschichte Bayerns, ins- 
besondere für die Geschichte der Stadt Neuburg a. d. D. und der 
ehemaligen Cralschaft Graisbach, lieaibeitcl von Milglii dern des hi- 
storischen Fi li al- Vereines in Neuburg. Eiiiunddreifsigster 
Jahrgang, 1.S65. Neubure, 186G. 8. 

Die Pfalzgrafen am Rhein in chronologischer Uebers:cht. — Die 



Giefskunst in Neuburg a/D. Zur Kunstgeschichte im ehemaligen Her- 
zogthumc Neuburg. — Ein interressanler Wappenschild in Neuburg. 

— .Auszüge aus einem Tagebuche der Pfarrei St. Peler aus dem XVIL 
Jahrhunderte. — Dr. M. Leonhard Mayr, Stadtpfarrer zu St. Peter in 
Neuburg an der Donau (geb. 1590). — Monographien : Tagmersheim. 
Rohrbach. — Nekrologe. — Treuen bei Neuburg den 27. Juni 1800. 

— Jahresbericht. 

Ei nu ndd rei fsigster Ja h res-Be r i c h t des historischen 
Kreisvereins im Regierungsbezirke von Schwaben und 
Neuburg für das Jahr 1865. .Augsburg, 186G. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Beitrage zur Geschichte der 
Markgrafschaft Burgau (Fortsetzung), von Dr. P. Luitpold Brunner. 

Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum 
in Ulm und Oberschwaben. Siehenzehnle Veröffentlichung. 
Der grölsern Hefte elfte Folge. Mit 6 Sieindrucktafeln. Ulm, 1866.4. 

Die Pfahlbaufunde des Ueberlinger Sees in der Staalssnmmlung 
vaterländischer Alterlhümer zu Stuttgart, beschrieben und erläutert 
von überstudienrath Dr. K. D. Hal'sler. 

Vierter Bericht des Vereins für das Museum schle- 
sischer Alterthumer. Mit 2 Bildt^.feln. Breslau, 1866. 4. 

Kupferner Krug des Bariholonieus von Rosenberg, von 1595. 
(Mit einer Abbildung.) — Ueber den gegenwartigen Stand der Er- 
milleliingen auf dem Gebiet des schlesischen Heidenlhums. Von Dr. 
Rudolf Drescher. Enster Theil : Zur Kennlnils der Fundstätten von 
heidnischen Alterthümern in Schlesien. Mit einer Tafel Abbildungen. 

— Vereinsangelegenheilen. 

Miltheilungen des Historisch-Statistischen Vereins 
zu Frankfurt a. 0. Fünftes Heft. 1865. Geschichte der Stadt 
Frankfurt an derüder von Eduard Philippi. Mit einem lithographier- 
ten Stadtplan von 1706. Frankfurt a. 0. 186.5. 8. 128 Stn. 

Urkundenbuch der Abtei Sand Gallen. Auf Veranstal- 
tung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich bearbeitet 
von Hermann VVartmann, Dr. phil. in St. Gallen. Tbcil II. 
Jahr 840 — 920. Zürich. In Commission bei S. Höhr. 1866. 4. 
492 Stn. 

Mittheilungen zur vaterlandischen Geschichte. Her- 
ausgegeben vom historischen Verein in St. Gallen. V 
u. VI. St. Gallen, Verlag von Scheitlin u. Zollikofer. 1866. 8. 

Johannes Kesslers Sabbata. Chronik der Jahre 1523 — 1539. 
Herausgegeben von Dr. Ernst Götzinger. Erster Theil. 1523 — 
1525. 388 Stn. 

Joachim Vadiani Vita per Joannem Kesslern ni con- 
scripta. E codice autographo. Hisloricis helveticis d. d. d. hislori- 
corum et amatorum historiae sangallensium coetus nonis septembri- 
bus anno MDCCCLXV. Typis Zollikoferi. 1865. 4. 14 Sin. 

Bulletin monumental ou collection de m^moires 
sur les nionuments historiques de France, publie sous les 
auspices de la Societe fran^aise d a rch^o logi e pour la 
conservation et la description des monuments natio- 
naux, et dirige par M. de Cauinonl. 4. S^rie, Tome 2. 32. Vol. 
de la Collection. Nr. 3. Paris et Caen, 1866. 8. 

Trois jnurs a travers champs, par M. Charles Vassenr. — Es- 
sai sur les origines et les developpements du Cbristianisme dans les 



225 



Anzeijfer für Kunde der deulsclien Vorzeit. 



22G 



Gaules; par M. Tailliar. ^ Kuines galloromnines et restes d'un edifice 
carlovingien dans Test de l'ancien Maine ; par L. Charles. Clironili. 

Sitzungsberichte der gelehrten estnischen (iesell- 
schaftzu Dorpat. 1860. Dorpal. 8. (.Mit Abbildungen vorge- 
legter Allerthumer.) 46 Sin. 

Der Codex Zamoscianus enthaltend Capital 1 — XXIII , 8. 



der Origines Livoniae. Beschrieben und in seinen Varianten darge- 
stellt von C. Schirren. Mit zwei lithographierten Schriltlafuln. 
Dorpat. 1865. 4. 69 Stn. (Der knriaudischen üesellschaft für Li- 
teralur und Kunst zu llilau zur Milleier ihres öOjahrigen Bestehens 
dargebracht von der gelehrten estnischen Gesellschalt zu Dorpat und 
dem Verfasser.) 



Nachrichteü. 



fiiternliir. 

Neu erschienene "Werke. 
13) Xy logra ph i sehe und typographische Incunabeln 
der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Han- 
nover. Beschrieben von Eduard Bodemaiin, königl. Rath 
und Secretär der königl. öffentlichen Bibliothek zu Hannover. 
Mit 41 Platten typographischer Nachbildungen der Holzschnitte 
und Typenarien und 16 Plalten mit den Wasserreichen des 
Papiers. Hannover, 1866. Ilahn'sche Hof Buchhandlung. 2. 
130 Stn. 
So lange eine wissenschaftliche Disciplin im Entstehen ist und 
es sich noch darum handelt, Material herbeizuschaffen, muls eine Be- 
trachtung desselben auch nach zufälliger raumlicher Ansammlung 
um so mehr gerechtfertigt erscheinen, je reicher die lelztere ist 
und je mehr Seltenheilen sie enlhall. Die vorliegende Scbrilt be- 
spricht 246 Druckwerke aus dem Zeiträume bis 1500, und zwar mehr 
oder vi^eniger ausführlich, je nachdem der Verfasser auf die biblio- 
graphischen Werke von Hain, Panzer, Ebert u. s. w. Bezug nehmen 
konnte, oder daran zu berichtigen und hinzuzufügen halle. Das lelztere 
ist in nicht geringem Malse ge).chehen und namentlich die Abhandlun- 
gen über die zu Hannover belindiichen Ausgaben der hauplsächlich- 
slen xylographisclien Incunabeln, der Bi b I ia p au peru m , dcsSpe- 
culuin hum. salvalionis und der Ars moriendi sind zu ziem- 
lich umfangreicben Abhandlungen angewachsen. Die Anordnung des 
Stoffes ist die chronologische unter Zusammenstellung der Druck- 
werke, welche ohne .\ngabe des Orles und der Zeil sind. Ein an- 
gefügtes Begisler der besprochenen Bücher nach alphabetischer Ord- 
nung der Druckorle genügt dem Bedürfnisse nach dieser Richtung. 
Als wesentlicher Beslansllheil der Veröffentlichung sind die in rei- 
chem Mafse gegebenen facsiniilierten Kachhiiilungen von Druck- und 
Holzschniltprobcn hervoizuhehen — nach einer Bemerkung im Vor- 
wort nicht auf dem bisher zu Gebote stehenden xylographischen oder 
lithographischen, sondern auf typographischem Wege hergestellt, — 
denn die genaueste Beschreibung muls Manches unerörlert lassen, 
was der in gutem Facsimile gebolene Augenschein an's Licht siellt 
und der Vergleichung bereit legt; — wie in unserin Falle de inil- 
gelbeillen Proben es aulser allem Zweifel setzen, dal's das Aller der 
frühen Holzplatlendrucke bisher viel zu hoch angenommen ist und 
über die Mitte des 15. Jahrhunderis wenig und selten hinausnehl. 
Die bisher nur in der Kuprerstichl>un(le in Anwendung gebrachte 
Betrachtung der Papierzeichen auch auf dem in Rede siebenden tie- 
biete einzuführen, ist gewifs ein glücklicher Gedanke. — Eine fol- 
gende Beschreibung der Handschriflen auf der genannten Bibliothek 
ist in nahe Aussichl gestellt und würde, in gleicher Weise durch- 
geführt, hochwillkommen gehallen werden müssen. 



14) Ornamentik für Kunst und (ie werbe nach Origina- 
lien im königl. b a y er. K up fe rstich-Kabi n et zu Mün- 
chen, von Dr. J. U. v. Hefner-Alteneck und Friedrich 
Petri. Lief. 1. München, 18t>6. In Coinmission der M. Rie- 
gerschen Univers. - Buchhandlung (G. Himmer). Sclbslverlag 
der Herausgeber. 
Die praktische Richtung unserer Zeit strebt darnach, Alles zum 
Gemeingule zu machen. Das Kunstgewerbe, ein eigentlich gsnz 
neuer Begriff, 'wird von allen Seiten geschult und gemeistert, und 
so bedarf es der Lehrmiltel, die in so reichem Malse in den Museen 
schlummern. Der Alleribums- und Kunstforschcr soll das Material 
sichten und ordnen; da er aber nicht in Original alles vor sich auf 
seinem Studiertisch haben kann, so bedarf er einer Vermittlung : es 
muls ihm ebenso recht zugänglich gemacht werden, wie dem schaf- 
fenden Künstler und Gewerbsmann, der nicht stets geschwind in 
ein Museum laufen kann, um sich Motive zu holen. Da hat denn 
die Photographie die grol'se Aufgabe erhallen, zu vermitteln und das 
in Copie zum Gemeingut zu machen, was in Original nur wenige 
besitzen können. Diesem Slrel)en hat nun auch das königl. Kupfer- 
slichkabinet in München sein Recht werden lassen, und der Vor- 
stand desselben, dessen werihvolle Publicationen langst ein Stolz 
und eine Zierde der archäologischen Literatur Deutschlands sind, 
Prof. V. Hefner-.\lteneck, hat im Verein mItBaurath Petri unter dem 
Titel „Ornamentik für Kunst und Gewerbe" begonnen, die 
ornamenlalen Kupferstiche des 15. und 16. Jahrb. aus dem königl. 
Kupferstichkabiuet in trefllichen Pliolograpbieen zu veröffentlichen. 

Bcreils liegt das erste Hefl vor, das 6 Blatter umlalsl, die nach 
Stichen von Heinrich Aldegrever (f 1562), Peter Klötner (t 1546), 
Israel von Mekenen (1480—1500), der Maltre au de (1512—1570), 
Joh. Theod. de Bry, (f 1623), Augusiino Venetiano de Musi (geb. 
1490) aufgenommen sind und die spätere Goihik, sowie die Renais- 
sance reprasenlieien. Die Auswahl ist so getroffen, dafs den man- 
nigfacbslen Bedürlnissen Rechnung gelrageu ist; die Auslührung der 
Pholographieen so vorlrefllich, dals sie für das Studium die Original- 
blauer vollKommen ersetzen. Wir hoffen, bald durch die Heraus- 
gabe des zweiten Heftes erfreut zu werden. E. 



Aufsätze in Zeitschriften. 

Das Ausland: Nr. 18. Neue Aufschlüsse über die Bronzezeit Mit- 
tel- und Nordeuropas. 

Das i 1 1 u s t r. Buch der Welt: Nr. 7, S. 193. Freiburg im Uecht- 
land. — S. 194. Bilder aus Tyrol. 1. Landeck. 

Daheim: Nr. 34. Das Koller König Gustav Adolpb's im Zeughause zu 
Wien. (Georg Hiltl.) 



^27 



AnzcijjiT für lumde der deutschen Vorzeit. 



228 



Erheiler 11 njren am hausl. Herd: 5. lieft, S. 187. Die Prinzes- 
sin von .Milden. — S. 191. Schultheils Wengi von Sololluirn 
und die (ilaubensspaltiin«.'. — S. 192. Die Kirche im cheinali<ren 
KInsler l.orch und die llohenstaufen- Gräber. — S. 199. Die 
heiligen drei Könige im Elsafs. 

Europa: Nr. 21. Böhmische Giireidesagen. 

Familien-Journal: Nr. 22 (6,'i2). Die Furslengnlfle in Mnnchen. 

Grenz holen: Nr. 22. Deulsche Studenten in alter Ziil : H. Der 
fahrende Schüler. Der Hosen- und Saufleufel. Der älteste 
Trinkcomment. 

Hausblfitlcr: 10. lieft, S. 315 u. 11. H., S. 390. Holzlandsagen. 
VIII -XII. (Kurt Greis.) 

Hausfiiund: Nr. 30. Spielkarten und Spiele. — Die Kathedrale 
zu Freiburg. 

Korrespondent v. u. f. D. : Nr. 248. 250. Bayerische Slädlebil- 
der. Dinkelsbühl. Nr. 252. Rcgeslen der fränkischen Bi.s- 

Ihumer. 

Magazin fü r d. L i ter a l u r des .\us I. : Nr. 19. Das cechische Pup- 
.pensj'iel von Dr. Faust. (Dr. Richard .\ndree.) 

Schles. P r o vin z ialbl« t ter: .April. Geschichte der Breslauer 
liilrjierlichen Schieisplatze. (Jul. Neugebauer.) 

Wochenblatt der Johanniler-Ürdens-Balley Branden- 
burg: Nr. 2a 21. Bilder aus Lauenburg. 

Allgeiii. Zeitung: Beil. Nr. 147. Die Ülfilas-Fragmente zu Turin. 
(Const. Tischendorf.) 

Bayer, Zeitung: Morgenhl. Nr. 136 tf. Aventin. Ein Vortrag- (A. 
Kluckholin.) — Nr. 141 IT. Die Plackerei, in einem Zeitbilde aus 
dem .Anfang des XIV. Jahrhunderts. — Nr. 145. Der todie oder 
steinerne .Mann. Eine Volkssage. — Nr. 152 f. Heinrich von 
Schwaben Eine deutsche Kaisersage. (Wilh. Hertz.) — Stie- 
fel, Sporn und Schwert vertrunken (1448). — Nr. 154(1. Ste- 
pbaning. 



Veriniscilte IVaelirirltteii. 

56) In der Sitzung der philosophisch- historischen Classe der 
kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien vom 1). April wurde 
u. a. vorgelegt: von Dr. Franz Stark eine .Abhandlung über 
die Kosenamen der Germanen, und zwar die erste .Vbtheilung 
derselben: die verkürzten Namen, in dieser Abhandlung ist zum 
ersten .llale die Sonderung der mannigfaltigen Formen, in welchen 
die germanischen Kosenamen auftreten, durchgeführt, auf Grund ei- 
nes vieljahrigcn Sammeins von Eigennamen aus vielen Tausenden 
von Urkunden und zahlreichen andern Geschichlsciuellen , insbeson- 
dere einer gleiclifalls zum ersten Male unternommenen Zusammen- 
stellung jener Kosenamen, denen die vollen zweigliedrigen Formen, 
auf historischem Wege gefunden, mit Sicherheit gegenübergestellt 
werden konnin Zum ersten Male wird hier auch der verschiedene 
Bildung^prozels, dem die germanischen Kosenamen den Korraen- 
reichthuni verdanken, auf der bemerkten sichern Grundlage auch 
sieber nachgewiesen. — In derselben Sitzung legte Dr. Beda DudiU 
eine Abhandlung „II an dsch riften der fürstlich Dietrichstein' 
sehen Bibliothek zu Nikolsburg in Mähren" vor, worin er 
zuerst eine generelle Uebersicbt der Handschriften nach Sprachen 
gibt und sodann 101 Codices umstanillich beschrcihi. Von diesen 
gehören 18 der böhmischen, 34 der lateinischen und 49 der deut- 



schen Sprache an. Aus der Classe der bolimischen Handschriften 
hallen einen hohen lingui.^tischcn Werth die Bibellexte des 15. Jahr- 
hunderts, einen dogmalisch historischen llussens und seiner Anhänger 
Schriften. .Vus den lateinischen llandsciiriflen sind besonders jene 
hervorzuheben, welche die SynodiilbeschlUsse der Prager und 01- 
mützer Kirche belrellen und zum Tlieil iiis j>'tzl unbekannt gewesen 
sind. Unter den deutschen Handschriften haben für den Philologen und 
Literaturhistoriker die verschiedenen Sammlungen deutscher (iedichte 
des 13. u. 14. Jahrhunderts hohen Werth, für den Juristen die ver- 
schiedenen Exemplare des Schwabenspiegels und des sächsischen 
Rechtes, und (ür den Historiker die Gesandlschafls- Relationen vom 
Jahre 1595, die Chroniken, namentlich iiber .M^iximilian's I. Zeiten, 
amtliclie Gut.nchten und Institutionen des IG. Jabrliiinderts u. s. w. 

57) Graf Clemens von Schönborn- Wiesentheid hat den Ver- 
kauf der Gemäldegallerie zu Pommersfelden hei Bamberg 
nunmehr der Monlinorillon'sihen Kunsthandlung und Aiiclionsanslalt 
in Manchen übertragen. Die Gallerie, deren Verkauf en bloc bis 
Ende Juni vorbehalten v/ird, soll im September zu Pommersfelden 
zur öffentlichen Versteigerung im Einzelnen gebracht werden. Der 
Tag der Versteigerung selbst wird mit der Ausgabe des Calalogs be- 
kannt gegeben, welcher letztere, in deutscher und französischer 
Sprache abgefalsl, auch die Auctionsbedingungen enthält. 

58) Vom Heidelberger .Magistrat ist kurzlich, um die Grün- 
dung eines städtischen Kunst- und Alterlhumsmuseums 
zu erleichtern, die Aufforderung ergangen, pfälzische Kunstgegen- 
stänrle der Stadt zum Verkauf zu übermitteln oder geschenkweise 
zuzuführen. Der Freskomaler Golzenberg entsprach bereits dem 
Rufe seiner Vaterstadt, indem er ihr nebst anderen Kunsisachen 
30 Cartons seiner Wandgemälde schenkte. (Europa.) 

59) Professor llöfler in Prag hat in einer Privatbibliolhek eine 
beträchtliche Anzahl von Orig ina I b r i efe n österreichischer 
Generale aus Wallensteins Zeil entdeckt, welche interes- 
sante Aufschlüsse über die Vorgänge vor der Katastrophe in Eger 
geben. (Augsb. Posiztg.) 

GO) Im Zwickauer Rat hsarchiv ist ein Buch von alten 
Wachslafeln gefunden worden, die noch bis zum Jahre 1470 
im Gebrauch gewesen zu sein scheinen. Die Schrift besagt nur 
Oertliches und Unbedeutendes. (111. Ztg.) 

61) In einem Garten zu Marburg in Steiermark wurden in 
einem irdenen Topfe 3Ü00 Stück Bra k teaten gefunden, welche 
dem 12. Jaiirhundcrt angehören dürften. Die meisten derscilien 
stammen aus Chur (Steinbock) und .Squileja. Von Buchstaben sind 
fast nur R und V zu bemerken. (Dies.) 

62) Der durch seine ethnographischen Werke bekannte Schrift- 
steller Kanitz in Wien hat vor Kurzem in Serbien neue archäo- 
logische Entdeckungen gemacht. Er hatte sich nämlich nach 
der ehemaligen römischen Hauptstadt Ober-Mösiens, Viminacium — 
das heutige Kostelelz am Einfluls der Ml.iva in die Donau — begeben, 
wo er nicht nur ein im Grundrils ganz wohlerhaltenes Castell und 
Forum, sondern auch die Grundmauern einer Stadt von so grolser 
Ausdehnung wie fast nirgends an der Donau vorfand. In seiner An- 
wesenheit wurde ein riesiger Sarkophag ausgegraben ; ein zweiter 
zeigte einen Skulpturen^cbmuck von solcher Schönheil, dal's er je- 
dem berühmten .Alterthumsmuseum zur Zierde gereichen würde. 
Aufserdem hat F. Kanitz dort Copien verschiedener Basreliefs, Fi- 
guren, Inschriflcn und gesleinpclter Ziegelplallen angefertigt. Letz- 



229 



Auzciuei luv Kiiiidt! (ier iknilsclieii Vcirzeil. 



230 



tere tragen die SifTnatiir der Legio seplinin Claudia, deren Stand- 
quartier Viminaciuin unter Nero und Trajan war. (Dies.) 

63) Bei Briix in Böhmen sind in der jiingslen Zeit einige in- 
teressante Funde ans der Stein/. eit geniiicht worden. Schon 
im Sommer des Jahres 18l>4 fand man bei der Grundgrahung für 
ein Maschinenhans auf einem der Felder am östlichen Ende der 
Stadt in einer Tiefe von 3 Ellen mehrere Todtenurnen, hei denen 
sich auch ein menschliches Gerippe von ungewöhnlicher Grölse be- 
funden haben soll. Leider sind die Gcfalse siiinmllich zerschlagen 
worden, und auch von dein Slielett kam nichts zur Ansicht ; dagegen 
wurden unversehrt abgeliefert ein Steinhairmer und ein SleinUeil. 
Ersterer war von der Grölse und Gestalt, wie sie gegenwärtig die 
.llaurer fuhren. In der Jlilte ist der Hammer durchbohrt z.ur Ein- 
filhrunir des Stiels; das (Jeslein ist Serpentin. Auch der Steinkeil 
ist von demselben llalerial und ganz, gut erhalten. Beide Gegen- 
stande kommen in die Sammlung des Grafen Czernin. In diesem 
Jahre, ganz vor Kurzem, entdeckten Arbeiter beim Schachten zu 
einem Hopfengarten in der Tiefe von 3 Fuls am sudlichen Ende der 
Stadt einen Kranz von weilsen Kieselsleinen , die bei einem Uurch- 
niesser von 3 Fuls im Kreise herumgeschichtel waren. In der Mitte 
dieses Kieises lag ein Häuflein kleiner Steine mit anderer Erde als 
in der Uinsebung und darunter eine Steinaxt nebst Knochenreslen, 
welche sogleich zerlielen. Diese Axt besteht aus Grunstein und ist 
bedeutend grOlser als der Steinhammer, 22 Centimeter lang, 9 Cen- 
timcter breit, an dem einen Ende stumpf, am andern keilartig zuge- 
schärfl: die Scharfe steht mit der Richtung des Stils in einer Linie 
wie bei unsern Hacken. Die ÜelTniing für den Stiel ist nicht genau 
in der illille und milst 2,e Centimeter. Der Eigenihiimer des Grun- 
des, auf welchem der Fund gemacht wurde, hat letzteren der Real- 
schule in Briix zum Geschenk tibergeben. Bei (ielcgenheit dieser 
Ausgrabungen wird darauf hingewiesen, dals die dortige Umgegend 
wol viele Pfahlbauten bergen könne, da der alte Kummernersce, der 



seit I8Ü4 tiocken gelegt ist, sich bis unter ßrux nach Rudcisilorf er- 
streckte und die ganze (iegend ilbcrhaiipt sehr wasserreich ist. (Dies.) 

64) In der Gegend von P laben an der Malisch, Bezirk Bud- 
weis, wurden mehrere heidnische Gräber entdeckt unil durch 
sogleich eingeleitete Nachgrabungen bereits einige Urnen und üpfer- 
schaleu zu Tage gefördert. Die Ausgrabungsarbeiten werden fort- 
gesetzt und durften ein bedeutendes Ergebnils liefern, da sich ge- 
gen 35 solcher Grabhügel in dortiger Gegend befinden. (l)ies.) 

dfy) Im Garten des Laibacher Bürgers p i ta Is ist man 
bei Anlegung von Baumpllan/.ungen auf römische drabstatten 
gestol'sen. Es landen sich mehrere Särge aus grolsen römischen 
Ziegeln vor, die leider von den Arbeitern zerstört worden sind, fer- 
ner Grablampen, .^schenurnen , Thränengelälse aus Thon und eine 
erzene Miinze. Man schliefst in Folge dieser neuen Fundstätte auf 
eine sehr weile ."Vusdehnung des Begräbnilsplalzes der alten Emona. 

(Dies.) 

66) Zu .\ndernach, Regierungsbezirk Koblenz, ist beim Aus- 
graben von Bimsstein auf dem St. iVIarlinsberge in einem aus einem 
Steinblock gearbeilelen Sarge das vollständige Gerippe eines aus 
der Ronierzeil stammenden Körpers von 6 Fuls Lange ge- 
funden worden^ (Dies.) 

67) .\n dem südlichen Thurme der Domkirche zu Lü- 
beck werden Res t a u ra 1 1 o ns a rbei ien vorgenommen. Derselbe 
neigt sich bekanntlich, gleich dem schiefen Thurme zu Pisa, bedeu- 
tend nach der einen Seite, und es soll dem Kolosse seine aufrechte 
Stellung wiedergegeben werden. Am 8. Mai ist es bereits gelungen, 
von der iibcr 4U0 Fuls hohen Spitze des Thurmes den aus Kupfer 
getriebenen Hahn nehst Kugel herabzunehmeu. (Dies.) 

68) In Konstanz soll an der Stelle, wo seit einigen Jahren 
ein einfacher Denkstein den Ort bezeichnet, an welchem Hufs den 
Feuertod erlitt, zu seinem Andenken ein grofses Monuiueut er- 
stehen. (Dies.) 



Inserate und Bckanntmacliunsen. 



14) Der Gefertigte hat wiederholte Studien über die Kiinstdcnk- 
male der ehemaligen Krönungsstadt des Küniareiches Polen gemacht. 
Einige derselben wurden da und dort in Zeitschriften veröffentlicht. 
Das ganze reiche Material seiner Studien bat er jedoch in einem 
Buche niedergelegt, das den Titel führt: Die mittelalterlichen 
Kunstdenk male der Stadt Krakau. 

Das Buch enthält 30 Druckbogen Text mit 106 Holzschnitten, 
80 Tafeln in Kupferstich und Lithographie. Es wird vorläufig nicht 
in den Buchhamlel kommen, doch können Bibliotheken sowie Kunst- 
freunde, die sich dafür interessieren, dasselbe gegen direkte Be- 
stellung beim Verfasser per Post zugesendet erhallen. Der Preis , 
wird mit 16 1 haier pr. C. berechnet. 

Das Werk enthält neben einer kurzen Uebersicht über die Ge- 
schichte Krakau's zunächst eine Abhandlung nber die ehemalige Ge- 
sammtphjsiognomie der Stadt und ihre Befestigung, dann (Ibersflmml- 
liche noch bestehende und bereits zerstörte Kirchen der Stadt, woran 
sich eine Abhandlung über die der Stadt eigenthümliche Kirchenbau- 



schule und ihr Verbaltnils zu anderen gleichzeitigen Kirchenbauten 
kniiplt. Die in den Kirchen noch vorhandenen .\ltäre, Taulsteine, Weih- 
wasserbehälter, Gralimäler u. A. werden ebenso wie die Gla.-igemalde 
in dieser Abiheilung betrachtet. Die folgende Abtheilung enthalt die 
bürgerliche Baukunst, wo zunächst das Königsschlols, sodann das 
Ralhhaus, die Tuchhalle und das noch wohl erhaltene mittelalter- 
liche Universitälsgebaude betrachtet weiden. Daran schliefst sich 
eine Abhandlung über die reichen Schätze aus dem Gebiete der 
Goldscbmiedekunst und Paramtntik, die Krakau noch bietet, sowie 
über die Objekte der Kleinkunst überhaupt. 

Eine Anzahl Beilagen enthält die Namen der Könige von Po- 
len, der Bischöfe von Krakau, Handwerkerordnungen, Urkunden über 
Verleihungen des Stadtrechtes, das Cermoniel der Künigskröuung, 
sodann Abhandlungen über die Anfange der Buchdruckerkunst in 
Krakau, über das polnische Miinzwesen u. s. w. 

Die Tafeln bieten neben dem kunslhistorischen Material eine 
reiche Fundgrube echt künstlerischer Motive sowohl für Architekten 



231 



Anzeiger lur Kundt; der deutschen \(ir/.eil 



2:32 



als auch für verschiedene Kunstgewerbe, wie auch der Text die tech- 
nische Seile neben der künstlerischen beriicksichtigt. 

üie llaupitendcnz der ganzen Studie geht dahin, das Verhalt- 
niTs der Krakauer Kunst zu der Kunst der übrigen Ltinder, vorzugs- 
weise Deutschlands, darzulegen, die Einflüsse zu untersuchen, unter 



denen diese Kunst sich entwiclielt bat, und nachzuweisen, dals auch 
hier die Kunst das getreue Spiegelbild der Kullurzusttinde ist. 
Nürnberg, 3Iai 1866. 

A. Essenwein, 
I. Vorstand des german. Museums. 



Inhalt des vierten Heftes der zwölf Serien „Photograpliieen aus dem gennanisclien 

Museum'^ 



Serie I. 

1) Eniaillierler Speisekelch. 14. Jhdt. In den fürstl. Wallerstein'- 
schen Samnihingen zu Maibingen. 

2) Pokal von getriebenem Silber ; 16. Jhdt. Im Besitz der Schützen- 
gesellschaft in KOrnberg. 

3) Derselbe i'okal. (Andere Ansicht.) 

Serie II. 

1) (Jeschnitzles Kästchen. 16. Jhdi. 

2) Kleiner Schrank mit geschnitzten Thüren. 16. Jhdt. 

3) fiescbnitzle Slubenthnr. 16. Jbdi. 

Serie III. 

1) Futteral mit gothisch ornamentiertem Lederiiberzug. 15. Jhdt. 

2) Uhr mit Verzierungen in Vergoldung und durchbrochenem .^lafs- 
werk. 16. Jhdt. 

3) Waschgefal's von Messing, in Gestalt einer Eichel. IG. Jhdt. 

Serie IV. 

1) Romanischer Leuchter von Bronze. In den fürstl. Wallerslein'schen 
Sammlungen zu Maihlngen. 

2) Durchbrochener Thilrbeschlag von Eisen. 15. Jhdt. 

3) (loihisch verzierter Thiirkloprer. In München. 

Serie V. 

1) Verzieiter Krug von Steingui. 16. Jhdt. (2 Ansichten.) 

2) Reichverzierter (üaspokal mit dem LölTelholz'schen W-ippcn über 
dem Deckel. 17. Jhdt. Im Besitz des Frhrn. von LölTelliolz zu 
Waller.stein. 

3) Der Deckel desselben Pokals, in vergröfserter Aufnahme. 

Serie VI. 

1) Handtuch mit eingewirkten blauen Ornamenten. 14. Jhdt. 

2) Dasselbe Handtuch (andere llalfle). 

3) Stickerei mit dem Alliancewappen der llaller und Baumgartner. 

17. Jhdt. 

Serie VII. 

1) Bucheinband von geprel^lcm Leder mit dem Wappen der LöD'el- 
holz. 15. Jhdt. Im Besitz des Frhrn. von Lölfelholz zu Waller- 
stein. 



3) Rückseite desselben Einbandes. 

3) Rückseite des Futterals aus Serie III. 

Serie VIII. 

1) Fünf romanische Kapitale von der Wartburg. 

2) Die Geburl Christi und die Anbetung der heil, drei Könige, El- 
fenbeinreliefs vom 14. Jhdt. Originalgröl'se. 

3) Zweikampf des Alhreclit Dürer mit Lazarus Spengler in Beisein 
Kaiser Maximilian"s L; Relief aus Schiefer, 1522. Zu München. 

Serie. IX. 

1) Wappen der Nülzcl in Renaissanceeinfassung ; Pergamentmalerei. 

2) Bleirelief mit Verzierungen in Form eines Frieses. 16. Jhdt. 

3) Verschiedene Ornamente von gebranntem Thon. 16. 17. Jhdt. 

Serie X. 

1) Goldnes Kleinod Friedrich's von der Pfalz ; Palhenpfennig für Job. 
Paul Poigele von 1G04 ; Medaille von 1547 auf die Schlacht bei 
Mühllicrg mit den Brustbildern KarPs V. und Ferdinand's 1.; Scbau- 
thaler Kr. Ferdinand's I. von 1541. 

2) Medaillen auf Georg Hermann von 1529, auf Julius Echter von 
Mespelbrunn, Bischof von Würzburg, auf Georg Friedrich, Mark- 
grafen von Brandenburg, 16. Jlidl., und Wappen der F'amilie Stark 
(Rnckseite einer Medaille auf Jacob Stark) von 1614. 

3) Münzsiegel Konig Friedrich's IIL 15. Jhdt. 

Serie ZI. 

1) Miniaturmalerei von Johannes Giltlinger, 1487. 

2) Bruchstück einer Kreuzabnahme, Federzeichnung aus der Schule 
der van Eyck. 

3) Zwei männliche Kostümfiguren, Tuschzeichnung in der Weise 

Hans llolbein's d. J. 

Serie XII. 

1) Fuls eines emaillierten Ciboriiinis. 14. Jhdt. In den fürstl. Wal- 
lerslein'schen Sammlungen zu Maihinuen. 

2) Erstürmung einer Minneburg, Spiegelkapsel von Ellenbein. 14. 
Jhdt. ; cbendas. 

3) Schachfiguren von Hirschhorn. 14. Jhdt. In den fürstl. Waller- 
stein'scheu Sammlungen in Maihingen. 



Die gecUrtcu Herren Pfleger des german. I^Iuseums 

werden ersucht, soviel in ihren Kräften sieht, zur Verbreitung des photographischen Unternehmens, dessen erste Folge mit dem oben 
verzeichneten vierten Hefte geschlossen ist, beizutragen. Das Museum hat deshalb eine Zusammenstellung aller einzelnen Blätter, nach 
den Materien geordnet, veranstaltet und darin bemerkt, dafs jedes Blatt auch einzeln zu haben ist. Dieses Verzeichnils wird in den 
nächsten Tagen zur Vcr.<cndung kommen; doch werden gerne denjenigen Herren Pflegern, welche glauben, durch Vorzeigung dieser Pho- 
tographieen für das Unleinehmen wirken zu können, auf Bestellung einzelne Blätter zur Ansicht und Vorzeigung zugesendet. 

Verantwortliche Redaclion : .\. Essenwein. Dr. (i. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



U. K. Scbald'sche Bnchdraclierei. 



Nürnberg. Das Abonnement des 
Blattes, welches alle Monate erselieint, 
wird g:anzjähriis: angenommen und beträgt 
nach der neuesten Postconvention bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen Deutsch- 
land! incl. Oesterreichs 3 11. 36 kr. im 24 fl.- 
Fuls oder 2 Thlr. preuls. 

Für Frankreich abonniert man in 
Stralsburg bei C. F. Schmidt, in Paris 
bei der deutschen Buchhandlung von F. 
Klincksieck, Nr. II. rue de Lille, oder 
bei dem Postamt in Karlsruhe ; füv l^ng- 
land bei Williams & Norgate , 14 Hen- 
rietta-Street Covent-Garden in London ; für 



ANZEIGER 



m mn der 



Neue Folge. 




Nordamerika bei den Postämtern Bremen 
und Hamburf;:. 

Alle für das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchbandeis werden durch den Commis- 
sionär der literar.-artist. Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brockhaus in Leipzig, be- 
fördert. 

Inserate, welche mit den Zwecken 
des Anzeigers und dessen wissenschaft- 
lichem Gebiete in Verbindung stehen, 
werden aufgenommen und der Raum ei- 
ner Columnenr.eile mit 7 kr. oder 2 Sgr. 
berechnet. 





Dreizellliter Jahrgang. 



1866. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



Jnli. 



Wissenschaftliche Mittheilungeii. 



liÄMOJiaä'i;i£ill 



.'•«ü^M*^ 




F.-K. Fürsten zu Hohenlohe Wal den bürg. 

C. P. Lepsius halte angefaugeu in den „iieueu Wiltheilun- 
geii des Thüringisch - Sächsischen Vereins" für 1842*) unter 
dieser Aufschrift eine lieihe von Abbildungen merkwürdiger 
Siegel mit erklärendem Text miUulheilen, um, wie er sagte, 
„auf das vielseitige Interesse der Siegel für die Kunstgeschichte, 
sowie lUr die Allerthumskunde im Allgemeinen durch einzelne 
Beispiele aufmerksam zu machen." 

Mit Recht waif er in der Einleitung die Frage auf; „Wie 
mag es kommen, dafs bei dem so allgemeinen Interesse unse- 
rer Zeit an geschichtlichen und antiquarischen Forschungen, 
sowie an den Denkmalen mittelalterlicher Kunst und Lebens- 
weise von allen dahin abzweekendcn Studien gerade eins der 
anziehendsten und fruchtbarsten, die Siegclkunde, so sehr ver- 
nachläs.'igt worden ist, dafs wir uns nach einem, dem Stand- 
punkte wissenschaftlicher Kunstbildung unserer Zeit entspre- 
chenden, (las Ganze der Sphragislik umfassenden Werke ver- 
gebens umsehen ?" 

Ganz treffend bezeichnet er sodann den vielseitigen ^^ erth 
der Sphragistik mit den Worten : „Die Siegelkunde darf nicht 

*) VI. Band, 3. Heft, S. 84—115. 



blos als historisch - diplomatische Ilülfswissenschaft aufgefafst 
werden. Wenigstens ebensoviel gewährt dieselbe in kunsl- 
geschichtlicher. sowie in vielfachen antiquarischen Beziehungen. 
Besoudcrn Vi'erth für die Kunstgeschichte gewinnen die Siegel 
dadurch, dafs sie, in synchronistischer Zusammenstellung und 
chronologischer Folge, uns den Gang und die Bichtung der 
Kunst- und Geschmacksliildung in allen ihren Stadien und Ueber- 
gängen bezeichnen und gleichsam beurkunden.*) .... 

Nicht geringere Belehrung gewähren die Siegel über den 
Wechsel der Zustände und Formen des öffentlichen und 
Privatlebens, sovile im Coslüm der verschiedenen Stände, 
im Ornat der Könige, Fürsten und höheren Geistlichen, in Rü- 
stungen und Waffen aller Art etc. Selbst für das Studium 
der mittelalterlichen Bauarten ist aus den, auf den Siegeln 
vorkommenden Darstellungen von Kirchen, Portalen, Baldachi- 
nen, Tabernakeln und architektonischen Verzierungen Manches 
zu entnehmen, sowie auch von manchen längst untergegange- 
nen Bauwerken, von denen sich sonst keine Abbildungen er- 
halten haben, deren ehemalige Gestaltung nnd Bauart aus alteu 
Siegeln zu erkennen und nachzuweisen ist. . . . 

Nicht minder ergiebig erweisen sich die Siegel zur Berei- 
cherung und Erläuterung der christlichen K u n stsy m h ol ik 
und Ikonographie, insonderheit in den häufigen Darstellun- 
gen der Heiligen in den Siegeln der Stifter und Klöster, sowie 
überhaupt die Siegel mit der Legende und Sage vielfach 
in Berührung treten. Am meisten wird durch die Siegel die 



*) Hier verweist Lepsius auf die bekannten Werke von Kugler 
and ihren spbragistischen Thcil. 



235 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



236 



Geschichte des \V a p pe n wc s en s anfgehellt; es gibt keine 
alteren Ueberreste von wirklichen (herablischen) Geschlecbts- 
wappen. . . Um den Wechsel der S c h r 1 ft z ei c h e ii auf 
Denkmalen (Künsllerschrifl , abweichend von der Urkunden- 
und BUcherschriri) chronologisch und landschaftlich verglei- 
chend zu verfolgen, gewähren ebenfalls die Siegel die sicherste 
Anleitung, weil wir hier nicht, wie bii andern Schriftdenkmalen 
der Vorzeit, über den Zeitpunkt der Verfertigung in Uiigewlfs- 
heit sind." 

Obgleich seitdem wieder ein Vierteljahihundert verflossen 
ist, obgleich der Werth der Siegelkunde mehr und mehr zur 
Geltung gelangt, und dieselbe den ihr gebührenden Platz unter 
den historischen llulfswissenschaften bereits eingenommen hat, 
obgleich die Zahl ihrer Verehrer stets im Znnehmen begrif- 
fen ist,*) und in der neueren Zeit sehr schätzbare Arbeiten 
auf diesem Gebiete geliefert worden sind, so haben wir doch 
auch heute noch den Mangel eines ..das Ganze derSphra- 
gistik umfassenden Werkes" mit Lepsius zu beklagen. 

Ein solches Werk ist aber, nach den Anforderungen, wel- 
che die wissenschaftliche Kritik bei dem gegenwartigen Stande 
der historischen Forschungen im Allgemeinen an dasselbe zu 
stellen berechtigt ist, auch noch kaum zu erwarten. Denn, wie 
iMelly — der die Siegel die R egu la t o re n und Stütz p u nk te 
der Kunstgeschichte nennt — bemerkt, „mufs nie Siegel- 
kunde, damit sie fruchtbringend werde, vorerst in ihrem Ma- 
terial ergänzt und es müssen <lie einzelnen Siegel -Galtungen 
erst allseilig erforscht werden'**). 

Vorerst handelt es sich daher immer noch hauptsächlich 
um sphragislische Monographieen, wobei die Ansicht Melly's 
möglichst festzuhalten ist, dal's dieselben „im Einverständnii's mit 



*) Es kuniml glucklicher Weise jelzl doch selten mehr vor, 
dafs die Begriffe Siegel und Siegel Stempel, Siegel und Wap- 
pen, Siegel-Bild und Wappen-Bild, Siegel-Feld und Wappen- 
Feld — selbst von Mannern vom Fache — miteinander ver- 
wechseil werden. Bezeichnete doch Tucelius sogar das kleine 
Reichsbanner (parvum vexillum nach Ducange) Fig. 7 des 
Titelblattes seiner Electa jur. publ. cur. als: „SigillumUl- 
rici CO mit. Würtenberg." 

Viele, wenn sie sich auch die Mühe geben, diese ganz 
verschiedenen Begriffe gehörig zu trennen, sind aber heute 
noch der .Meinung, ein Siegel ohne Wappen halte eigentlich 
gar keinen besonderen Werth, und manche Gelehrte halten 
es immer noch unter ihrer Würde, den Siegeln eine beson- 
dere Beachtung zu schenken, und betrachten die Sphragistik 
beinahe wie eine Art von Spielerei. Eine immer noch sehr 
empbndliche Folge der früheren Mifsachtung der Siegel ist die 
Schwierigkeit der Auffindung derselben in gröl'seren Archi- 
ven; ein Verzeichnifs der Siegel findet sich bis jetzt, leider! 
beinahe in keinem derselben. Möchte doch allenthalben da- 
rauf Bedacht genommen werden ! 
**) S. dessen Beiträge zur Siegelkunde des Mittelalters. Wien, 
1846. 



allen Gleichgesinnten'' zu bearbeiten sind, damit durch Verthei- 
lung der Arbeit und Gleichmäfsigkeit der Methode der wissen- 
schaftliche Gesammlbau schneller, sicherer und harmo- 
nischer hergestellt werden könne." 

Hiezu ist aber vor Allem die Aufstellung eines sphragisti- 
schen Systems — sowohl zur Ei iith eilung der Siegel, als 
wie zu deren sicherer Bezeichnung — durchaus nothwendig. 

Der Mangel eines solchen und einer bestimmten sphragi- 
stischen Terminologie ist längst von vielen Seiten beklagt 
worden. 

In Ermangelung eines andern brauchbaren, umfassenden 
und bereits allgemein angenommenen, erlauben wir uns, das 
von uns aufgestellte und seit zehn Jahren *) erprobte sphra- 
gislische System allen Freunden der Siegelkunde hier auf's 
neue vorzulegen und zu empfehlen. Von dessen allgemeiner 
Annahme verspricht sich auch u. A. unser gelehrter Freund, 
Freiherr von Schreckenslein, in seiner trefflichen Abhandlung : 
„Wie soll man Urkunden ediren ?'' — namentlich wegen sei- 
ner Bündigkeit und Kürze, — einen nicht unbedeutenden 
Nutzen. 

Sphragistisches System 

zur Einlheilung und Bezeichnung der Siegel nach 
ihren Bildern. 



I. 

Schrift -Siegel: 

II. 

Bild-Siegel**): 



III. 

Porträt -Siegel: 



A. mit einzelnen Schriftzeichen, (ChifTres 

mit und ohne Kronen.) 

B. mit ganzer Schrift. 

A. ohne Namen des Inhabers, (Phantasie- 

Siegel.) 

B. mit Namen des Inhabers. 

. 1. Kopf, Brustbild oder 
\ Kniestück. 

/ 1 a. stehend. 

^ A. ohne Wappen, \ 2. ganze Figur, ) b. sitzend. 
J t c. Icnieend. 

1 3. zu Pferd. 



1. Kopf. Brustbild oder 
\ Kniestück. 



,„.,,, , 1 a. stehend. 

'B. mit Wappen, ( 2. ganze Figur, b. sitzend. 

' c. knieend. 
zu Pferd. 



T 



( 1. i: 
Bildern ( 2. ii 



A. nur mit Wappen 
^ Bildern 

IV. )b. nur mit Wa 

Wappen-Siegel : \ 



. im Siegelfelde. 
in einem Schilde. 



ppen-Helmen U- im Siegelfelde. 
oder [leimschmuck " °"""" 



I vi. im Siegelf 
{ 2. in einem 
/ Schilde. 



'C. mit vollständigen Wappen (d. h. 
Schild mit Helm oder Krone). 



*) S. Correspondenzblalt von 1857, Nr. 11, S. 109 — 111. 
**) Unter die Bild-Siegel gehören alle jene, welche weder das 
Portrat noch das Wappen ihres Inhabers enthalten; also na- 
mentlich alle Siegel mit Heiligen- und mit symbolischen Bil- 
dern, mit architektonischen, historischen und anderen Darstel- 
lungen, und mit Devisen. 



237 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



238 



Ein solches System mufs umfassend und doch dabei 
möglichst einfach sein. Beiden Anforderungen entspricht 
unser sphragislisches System. 

Dasselbe umfafst alle nur erdenkbaren Gattungen von Sie- 
geln, und alle lassen sich, meist mit Leichtigkeit*), nach dem- 
selben eintheilen und bestimmen 

Der Reihenfolge der vier II a u p t - Ga 1 1 u n gen ist so 
ziemlich die chronologische Ordnung der Einführung der ver- 
schiedenen Siegelgattungen zu Grunde gelegt. Die Schrift- 
Siegel und die Bild-Siegel waren die ältesten Gattungen**); 
dann kamen die Porträt-Siegel***) und zuletzt erst die Wap- 
pen-Siegel f). 



*) Bei älteren Siegeln erheischt es allerdings zuweilen gründliche 
Forschungen, um mit Sicherheit bestimmen zu können, ob ein 
Siegel -Bild nicht ein wirkliches „Wappen-Bild"' war, da so 
viele Wappen gar nicht mehr bekannt, und manche verändert 
oder wenigstens bis zur Unkenntlichkeit travestiert worden sind. 

Auch bei mittelalterlichen Städte-Siegeln hält es mit- 
unter ziemlich schwer, zu bestimmen, ob ein auf denselben 
vorkommendes Wappen das eigentliche Stadtwappen ist, wenn 
dasselbe nicht gerade, was aber häufig der Fall, ein reden- 
des ist. 

Auf dem Siegel IV, A, 1 der Reichsstadt Dinkelsbühl von 
1448 steht der Reichsadler auf drei mit Dinkel bewachsenen 
Hügeln. Die Reichsstadt Biberach führt auf ihrem Siegel IV, 
A, 2 mit der Jahrszahl 1533 rechts den Reichsadler links 
einen gekrönten Biber. 

Die ursprünglichen H e rrs ch afts- Wa ppen wurden zu- 
weilen später eigentliche Stadt-Wappen. So behielt z. B. 
die Stadt Bräunungen den habsburgischen Löwen von 1317 
auch unter furslenbcrgischer und später unter badischer Ober- 
hoheit in ihrem Siegel bei ; wogegen die Stadt Geisingen 
seit 1489 neben dem Löwen ihrer früheren Herren, der Dy- 
nasten von Wartenberg, auch noch das fürstenbergische Wap- 
pen im Siegel führte. 
**) Erst in neuerer Zeit wurden wieder in Pompeji Siegelstem- 
pel ausgegraben, welche nur den Namen ihres Inhabers tragen. 

Bild-Siegel kommen zwar gleichfalls schon in den äl- 
testen Zeiten vor; allein, da die Schrift- Si egel auch zu- 
gleich die einfachsten sind, so haben wir mit diesen den 
Anfang gemacht. — 
***) Das wichtigste Bild auf einem Siegel ist das Porträt seines 
Inhabers. Sobald daher dieses darauf erscheint, gleich- 
viel ob mit oder ohne Wappen oder andern Gegenstän- 
den, so gehört dasselbe unter die „Porträt- Siegel". 

Auf den ,, Porträt Siegeln" sollte aber immer der Name des 
In habers ausdrücklich angegeben sein, um den Charakter des 
Bildes als „Porträt des Sieglers selbst" ganz sicher festzu- 
stellen. Wenn der Stempel eines „Porträt-Siegels" nach dem 
Tode seines ursprünglichen Besitzers von einem Dritten wie- 
der zum Siegeln gebraucht wird, so sind die damit gefertig- 
ten Siegel keine „Porträt-Siegel" mehr, sondern „Wappen-", 
oder blofse „Bild- Siegel", jenachdem sie das Wappen 
des neuen Sieglers enthalten, oder nicht, 
t) Nach dem Porträt des Inhabers steht an Bedeutung zunächst 



Es ist bekanntlich in mehrfacher Hinsicht höchst wichtig, 
wird aber leider nur zu oft versäumt, — Exempla sunt odiosa ! 
— die Siegel mittelalterlicher Urkunden diplomatisch genau 
abzubilden und richtig zu beschreiben. Wenn aber auch Ab- 
bildungen davon niitgetheilt werden, was, wo möglich, (wenn 
auch nur in leichten Conturen) geschehen sollte, ist es doch 
wUnschenswerth, auch über Stoff und Farbe der Siegel und 
ihre B e fest ig u ugsa rt Nachricht zu erhalten. 

Viele der bisher gebrauchten Bezeichnungen der Siegel 
sind [iun aber nicht nur unlogisch und unr ich tig, sondern 
auch viel zu unbestimmt, und somit die Ursache häufiger 
Mifsverständnisse. 

Es ist doch gewifs unlogisch, die Siegel das eine Mal 
nach ihrer äufserenForm (flerz-, Schild-, Spilz-Siegel etc.), 
oder sogar nach der Fassung der Stempel (Ring - Siegel), 
oder nach ihrem Bild e (Helm-Siegel) zu benennen, das andere 
Mal nach ihren Inhabern, und zwar in den verschiedensten 
Beziehungen zu deren Geschlecht und Stand (Damen-, geistliche, 
Majesläts-Siegel), zu der Art ihrer Darstellung (Reiter-, Fufs- 
und Thron -Siegel) , und sogar zu der dem Siegel- Bilde zu 
Grunde liegenden Absicht (Votiv-Siegel). 

Unrichtig sind doch gewifs die Bezeichnungen Majestäts- 
und Thron-Siegel, wenn sie, wie so häufig, von solchen ge- 
braucht werden, wo von einer Majestät des Inhabers und einem 
Thron im Entferntesten nicht die Rede ist. 

Wie kann man von einem Votiv-Siegel sprechen! 

Ganz unbestimmt sind die Bezeichnungen Herz-, Schild- 
und Spitz -Siegel, da sie für ganz verschiedene Formen ge- 
braucht werden. „Herz-Siegel" sollte man doch nur diejenigen 
nennen, welche die im Leben gebräuchliche Herzform haben, 
während diese Bezeichnung auch von denjenigen dreieckigen 
Siegeln gebraucht wird, deren beide obere Ecken abgerundet 
sind. 

Die Benennung „Spitz-Siegel", welche man häufig den drei- 
eckigen Siegeln gibt, könnte man eben so gut auf die paraboli- 
schen Siegel anwenden, die man zuweilen „zweispitzige" nennt. 

Was soll man unter „Schild-Siegel" für eine Form verstehen, 
da es Schilde von so verschiedenen Formen gegeben hat? 

Man versieht gewöhnlich unter „Reiter-Siegeln" alle die- 
jenigen, auf welchen ein Ritter zu Pferd dargestellt ist. 
Diese Bezeichnung ist aber gleichfalls unrichtig, da sie Gleich- 
artiges trennt und VerscLiedenarliges zusammenwirft. 

Denn das „Porträt-Siegel" einer Dame zu Pferd kann man 
doch nicht wohl als „Reiter-Siegel" bezeichnen, obgleich es 
doch auch unter die ,, Porträt-Siegel" (ohne oder mit Wap- 
pen) zu Pferd gehört. 

Auch wird man das Siegel IV, A, 2 der Herzogin Elisa- 
beth von Bayern aus dem Ende des 14. Jahrh , mit der Le- 
dessen Wappen. Wo also Ersteres fehlt, bestimmt das Letz- 
tere die Gattung des Siegels, wenn dasselbe auch, neben 
allen möglichen anderen Darstellungen, zuweilen anscheinend 
nur einen untergeordneten Platz einnimmt. 



239 



Anzeiger für Kuiulo der deutschen Vorzeit. 



240 



gende : S. elisabet. von. cleve. vnd von. der. marchk. phalantzgrc- 
vyn. vnd. herizogin. in. baieren. nicht als Rei ter-Si egcl be- 
zeichnen wollen, weil ihr Gemahl in TurnierrUstung zu Pferd 
darauf abgebildet ist*). 

Eben so wenig kann man von „Reiter-Siegeln" der Städte 
sprechen, auf welchen — wie z. B. auf den Siegeln von Schwe- 
rin, Giefsen, Wolfhagen, Jlarhurg, Grevenstein u. A., — der 
Lehensherr zu Pferd abgebildet ist (was anf dem Schweriner 
Siegel durch die Legende : >j^ .iu.x . henricus . et . sigillum . 
civitatis, zwerin. noch ausdrücklich angegeben wird). Diese 
Art von Stadte-Siegeln gehört nun unter die „Bild-Siegel'' 
und sicher nicht unter die Porträt -Siegel. 

So liefsen sich noch viele Beispiele unrichtiger Bezeich- 
nung der Siegel anführen. 

Dnl's die aufsere Form (die Conturj der Siegel oder gar 
die Fassung der Stempel viel zu untergeordnete Momente sind, 
als dafs darauf eine Classilikalion derselben gebaut werden 
konnte, versteht sich von selbst. 

Aber auch eine Gintheilung der Siegel nach ihren Inha- 
bern — welche häufig angewendet wird — ist hei Aufstel- 
lung eines allgemeinen sph rag isti sc h en Systems nicht 
zu empfehlen. Denn hier handelt es sich hauptsächlich um die 
Siegel als solche, und weniger um ihre Inhaber. 

Eine systematische Eintheiluiig derSiegel nach 
ihren Bildern, wenn dieselbe den an .•■ie zu stellenden An- 
forderungen vollkommen entspricht, d. h. wenn sie einfach, 
umfassend und logisch geordnet ist, wird aber auch für 
jede andere Eintheilung der Siegel die sicherste Grundlage 
bilden. 

,. Der Zweck des Sammlers wird immer den 
Hauptgrund der Eintheilung (einer Siegel -Sammlung) 
bilden-, sagt Melly (a. a. 0.). 

Je allgemeiner daher der Zweck ist. um so allgemei- 
ner mufs auch das System gehalleu sein. 

Bezeichnet man dagegen die zu beschreibenden Siegel mit 
den wenigen (römischen und arabischen) ZilTern und den paar 
(grofsen und kleinen) Buchstaben unseres Systems, mit An- 
gabe ihrer äufseren Form. i. B : 



Q09^09VOOO" 



und fügt nur einige Worte über Farbe, Stoff und Befestigungs- 
art hinzu — wobei man die weitaus zahlreichsten mittelalter- 
lichen Siegel, die von runder Form, von ungefärbtem 
Wachs und mittelst P erga m e n t s t r ei fe n angehängten, 
als die Regel annimmt, und diese Eigenschaften ein für alle 

•) Wir theilen nicht die Ansicht des Fragestellers im Correspon- 
denzblatt von 1865, Nr. 5, S. 34, dals man es hier mit dem 
Porträt der Sieglerin zu thun habe. 
**) Wozu die Zeichen für den Druck in der entsprechenden 
Gröfse leicht gegossen werden können. 



Mal (als selbstverständlich) mit Stillschweigen übergeht*) — 
so sind die Siegel auf eine ganz einfache und leichte 
Weise — so zu sagen stenographisch — und gewifs deut- 
licher und bestimmter bezeichnet, als wie durch die weit- 
läufigsten Beschreibungen nach der bisherigen unklaren und un- 
bestimmten Terminologie. 

Wenn z. B. bei sechs Siegeln durch nachstehende kurze 
Bezeichnungen : 



Nr. 



1- \^)> Siegel I. A. von Blei an hänfenen Schnüren. 



Nr. 2. 



Siegel II. B. an ledernen Riemen. 



Nr. 
Nr. 



V 

3. Siegel 111. A 2. b. impress 
4 



Siegel III. B. 2 a von rother Malta an grüuseide- 
nen Bändern. 



Nr. 5. Cl Siegel IV. B. I grün. 

Nr. 6. y\ Siegel IV. C. rolh, an grünseidenen Fäden. 

ganz sicher angegeben ist, dafs Nr. 1 eine viereckige, mit hän- 
fenen Schnüren angehängte Blei -Bulle ist, auf welcher sich 
nur einzelne Buchslaben befinden; Nr. 2 ein dreieckiges, an 
ledernen Riemchen hängendes Bild-Siegel von ungefärbtem Wachs, 
mit dem Namen des Sieglers; Nr. 3 ein rundes, der Urkunde 
aufgedrücktes Siegel von ungefärbtem Wachs, mit dem Porträt 
des Sieglers in ganzer Figur, silzend und ohne Wappen; 
Nr. 4 ein parabolisches Siegel von rother Malta, an grünseide- 
nen Bändern hängend, mit dem Porträt seines Inhabers in gan- 
zer Figur, stehend und mit dem Wappen; Nr. 5 ein herzför- 
miges Siegel, von grauem Wachs an Pergamentstreifeu hän- 
gend, mit dem Wappenhelme irn Siegelfelde; endlich Nr. 6 ein 
fünfeckiges Siegel, von rothem Wachs, an grünseidenen Fäden 
mit dem vollständigen Wappen des Sieglers, so wird man doch 
gewifs zugeben müssen, dafs unsere Methode vor der bisheri- 
gen Bezeichnung der Siegel — als kürzer und- bestimmter zu- 
gleich — den Vorzug verdient. 

Jeder Forscher wird sofort daraus erkennen, ob ein Sie- 
gel für seinen speciellen Zweck einen besonderen Werlh hat- 
in welchem Falle er doch jedenfalls, um sicher zu gehen 
das Original selbst, oder wenigstens einen guten Gypsabgufs 
davon einsehen mufs. 

Unter dem Titel: „Sphragistische Aphorismen" beabsich- 
tigen wir in diesen Blättern eine Reihe von Abbildungen, 
besonders iuteressanter mittelalterlicher Siegelstempel und Sie- 

*) Also, wenn es z. B. heifst : Siegel II. B; Siegel III. B. 3; 
Siegel IV. A. 1, so ist — neben der übrigen Bezeichnung 
dieser Siegel — zugleich auch angezeigt, dafs alle drei Sie- 
gel von runder Form, in ungefärbtem Wachs und mit- 
telst Pergamentstreifen an die Urkunde angehängt 
sind. 



241 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



242 



gel*) (unter fortlaufenden Nummern) mit kurzen Bemerkungen 
mitzutheilen nebst verschiedenen Notizen**) aus dem Gebiete 
mittelalterlicher Siegelkunde. 

Wir hoffen, damit manchen Lesern einen Dienst zu erwei- 
sen und sie dadurch zu veranlassen, an die gegebenen Beispiele 
anknüpfend, auch ihre Erfahrungen zu veröffentlichen. 

So manche noch bestehende sphragislische, heraldische und 
andere Zweifel könnten auf diese Weise ihre endliche Aufklä- 
rung finden. 

Den zu besprechenden Siegeln werden wir ihre Bezeich- 
nung nach unserem sphragistisclien System beisetzen, in der 
Hoffnung, demselben, wenn es sich praktisch erweisen sollte, 
nach und nach allgemeinere Geltung zu verschaffen. Endlich er- 
lauben wir uns, an alle Freunde der mittelalterlichen Siegel- 
kunde, die dringende Bitte zu richten, unser System ihrer Kritik 
zu unterwerfen, und zu dessen Vervollkommung — welcher es 
sicher bedürftig, aber gewifs auch fähig ist — beizutragen. 



*) Vorzügliche Gypsabgabgüsse derselben sind durch Herrn Hof- 
maler Rofshirt in Oehringen billigst zu beziehen. 
**) Auch diese unter sich — zur leichteren Bezeichnung — 
mit fortlaufenden Nummern. 



Ausgraltungen bei Rochtüfel«!. 

Von Dr. A. von Eye. 

Vom Fufse des Schlofsberges, an der nordwestlichen Grenze 
der Oberpfalz, erstreckt sich ein ziemlich umfangreiches Plateau 
nach Süden, welches nach geringer Senkung jenseits des Dor- 
fes Rochsfeld von mäfsigen Höhenzügen wieder aufgenommen 
wird, aber bei der geradlinigen Richtung der letzteren sowie 
des davor liegenden Thaies eine weite Rundsicht gewährt und 
in seiner Bestimmung als eine der gröfsten in Suddeutschland 
bekannten heidnischen Begräbnifsstätten wohl nicht aufser Zu- 
sammenhang mit seiner hervorragenden Lage steht. 

Der gröfste Theil des Plateau ist gegenwärtig zu Acker- 
land verwendet; die darauf befindlichen Grabstätten sind geeb- 
net und geben nur noch durch einzelne Ueberreste ihren ehe- 
maligen Bestand zu erkennen. Ein anderer Theil ist von einem 
niedrigen Tannenwäldchen besetzt, das unversehrte, aber schwer 
zu untersuchende Grabhügel birgt. Das interessanteste Stück 
des Feldes war bis dahin von einer Eichenpflanzung eingenom- 
men, aus welcher zwei noch übrige Stämme von 10 bis 12Fufs 
Umfang das lange Ungestörlsein des Platzes bezeugen. An der 
östlichen Seite desselben fliel'st ein eisenhaltiger Quell, der, jetzt 
zum Zweck der Viehtränke in einen Brunnentrog aufgefangen, 
früher einen kleinen Teich gebildet bat. Den Quell noch um- 
fassend, liegt ebendaselbst eine Umwallung von unregelmäfsiger 
dreieckiger Form und 212 Schritt Umfang, allem Anschein nach 
ein ehemaliger Lagerplatz. Den übrigen Raum nehmen in ziem- 
lich weiten, aber unregelmäfsigen Abständen neun Grabhügel 
von etwa 80 Schritt Umfang und fünf bis sechs Fufs Höhe ein. 



Früher gemachte zufällige Funde liefsen vermutlen, dafs 
das Innere dieser beträchtlichen Aufwürfe noch manches inte- 
ressante Zeugnifs ihrer Ent.-tehungszcit beschliefse, und im 
April dieses Jahres benülzle das germanische Museum die Ge- 
legenheit, systematische Nachgrabungen anzustellen. — Ein so- 
fort in den gröfsten Hügel angebrachter Querschnitt von 11 
Schritt Länge zeigte an, dafs die hier beigesetzten Urnen auf 
einen ziemlich engen Raum der Mitte beschränkt waren, wes- 
halb diese bei den andern Hügeln sogleich von oben herab auf- 
gesucht werden konnten. Unmittelbar unter der Rasendecke 
zeigten sich einige Topfscherbcn vom 16. Jahrhundert, welche 
bei Anpflanzung der Eichen hineingelangt sein mochten. Bei zu- 
nehmender Tiefe mehrten sich die vorkommenden Kohlen. Etwa 
5 Fufs unter der Hügelhöhe, in gleicher Linie mit dem ebenen 
Boden trat das Urnenlager zu Tage. Das deckende Erdreich 
aber, ein nasser, äufserst schwer zu bewältigender Lehm, durch 
welchen die stecken gebliebenen Wurzeln einer ausgerodeten 
Eiche sich wie lange Gallerlfäden zogen, hatte das Lager zu 
einer kaum 5 Zoll dicken Aschenschicht zusammengedrückt, in 
welcher Urnenscherben und Deckplatten dicht durcheinan- 
der lagen. Das von oben durchsickernde Wasser hatte in 
dieser Schicht sich gehalten und seine auflösende Kraft der 
Art walten lassen, dafs auch nicht der geringste Rest metalle- 
ner Mitgaben verschont geblieben. Nur die feuchte und zähe 
Masse der Asche zeigte hie und da die rostfarbenen Bilder zer- 
gangener Eisengeräthe aus ziemlich vorgeschrittener Kultur- 
epoche. Die Scherben waren so durchweicht, dafs sie beim 
Auffinden leicht mit dem Messer geschnitten werden konnten, 
übrigens von feiner, schwärzlich gebrannter Masse, mit gerin- 
gem Zusatz von Kieselerde. Ein Theil zeigte, bisweilen an der 
inneren und äufseren Seite, bisweilen nur an der letzteren, eine 
Decke von so schöner, rother Farbe und so gleichmäfsiger Dicke 
des Auftrags, dafs ersichtlich darin nicht allein die Wirkung 
des Feuers, sondern auch das Vorhandensein eines Ueberzuges, 
wahrscheinlich von Eisenerde, zu erkennen war. Die Urnen, 
nach den vorhandenen Bruchstücken zu schliefsen, von ausge- 
zeichneter Form, waren auf der Scheibe gedreht, doch ohne 
weiteren Zierrath. Die Deckplatten bestanden aus flachgespal- 
tenen Steinen oder gelblichen, wahrscheinlich nur an der Soone 
getrockneten Thonscheiben. 

Das Einzige, was von Metallsachen aus diesem Hügel kam, 
war eine oberhalb der Urnen gelegene, vermuthlicb beim 
Aufwerfen verloren gegangene, bronzene Messerschale mit ab- 
gerosteter Eisenklinge. Sie ist klein und zierlich, wie alle Me- 
tallgeräthe jener Periode, in Form den unsrigen verwandt, 
scharf profiliert und mit Querstreifen und eingeritzten Winkel- 
linien verziert. Bemerkenswerth war das häufige Vorkommen 
von rohem Eisenerz in diesem Hügel, das, in gröfseren oder 
kleineren Stucken den Urnen beigefügt, offenbar gleichzeitig 
mit diesen und ohne Zweifel als Kostbarkeit niedergelegt war. 

In einem sikdlicher gelegenen Hügel fehlten die Deckplat- 
ten auf den Urnen; dock kamen Uolztafeln vor, deren Verwit- 



243 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



244 



terungsgrad die gröfste Aehnlichkeit mit dem der bei Oberflacht 
in Schwaben ausgegrabenen Todtenbaume zeigte. Der Gröfse 
nach zu urtheilen, stammen sie nicht von hölzernen Gerathen, 
sondern von Umfassungswänden her, oder hatten die Stelle der 
deckenden Steine zu vertreten. In einem dritten, schon früher 
beim Pflügen blofsgelegten Aufwürfe war eine Umfassungsmauer 
von lose aneinander gereihten, ziemlich grofsen Feldsleinen 
aufgedeckt worden, deren Mangel an anderen Stellen darzuthun 
scheint, dafs wir uns bei der Bestatlungsart jener Zeit keinen 
allgemein und ausschliefslich in Anwendung gebrachten Gebrauch 
zu denken haben, sondern, dafs bei aller herrschenden Sitte 
dem einzelnen Belieben noch Manches Überlassen war. — In 
allen Fällen tlbrigens waren, wie bemerkt, die Urnen auf den 
unberührten Boden niedergesetzt und darüber die Hügel aufge- 
schüttet worden. 

Auch eine vierte zur Untersuchung gezogene Grabstatte 
bewies, dafs hier die gleiche Bodenbeschaffenheit überall die- 
selbe Wirkung hervorgebracht, und dafs auf eine Bereicherung 
der Sammlungen durch interessante Fuudstücke nicht zu rech- 
nen sei. Selbst Bronzegerathe hatten in der Asclienschicht so- 
weit sich aufgelöst, dafs nur eine Spur von Grünspan geblie- 
ben war. Ein einziges, kleines, aus freier Hand geformtes 
Thongefäfs ward unversehrt zu Tage gefördert. Da aber die 
bis dahin vorgenommenen Nachgrabungen zur allgemeinen Cha- 
rakterisierung der Begräbuifsstelle genugsam schienen, wurde 
bei der anfserordentlichen Schwierigkeit der Arbeit auf weitere 
Nachsnchungcn verzichtet. 



Zur Ciei^cliirlite der Entdeckung: und Erken- 
nung; der Pfahlbauten.') 

Nonqaam sera veritas. 

Zu Anfang der vierziger Jahre wurde der Unterzeichnete, 
bei Gelegenheit einer Nachgrabung auf der sogen. Kaninchen- 
Insel im Bieter See, benachrichtigt, man habe in diesem See, in 
der Bucht von Mörigen (Mörigen -Eggen), an einer Stelle, 
wo viele Pfähle im Seegrunde steckten, ein Thongefäfs heraus- 
geflscht. Als Referent im J. 1843 sich an Ort und Stelle be- 
gali, erblickte er zu seinem grofsen Erstaunen eine Menge ur- 
alter, aus dem Seegrunde hervorragender, jedoch tief unter 
dem Wasserspiegel stehender Pfahle, und erhob daselbst ver- 
mittelst eines Fischergarns fünf massive Ringe von schlecht ge- 
branntem Thon, welche in ihrer Höhlung mit Kohlen und Thon- 
scherbchen angefüllt waren und vom Befereoten sofort als kelti- 
sche Töpferarbeit erkannt wurden. Mehrere Jahre hindurch 
fortgesetzte Untersuchungen von Seiten des nun verstorbenen, 
in Nidau am Bieler See wohnhaft gewesenen Herrn Amtsnotar 
Emanuel Müller, welchen Referent im J. 1847 auf die so 



*) Wir sind besoDders veranlafst worden, auch diesen Artikel 
im Anzeiger abdrucken zu lassen. D. Red. 



merkwürdige Lokalität aufmerksam gemacht hatte, förderten 
nach und nach eine Masse keltischer, meist fragmentarischer 
Töpferwaare, zum Tbeil von sehr grofsen Dimensionen, mehiere 
Thonringe erwähnter Art, aber auch metallene Gegenstände, 
wie halb geschlossene, reich ciselierte Bronzeringe und ein da- 
mascierles, eisernes Schwert, an das Tageslicht, von welchen 
FundstUcken Hr. Müller Proben mit Angabe des Fundortes an 
die antiquarische Gesellschaft in Zürich einsandte. (S. V. Be- 
richt über die Verrichtungen dieser Gesellschaft, vom 1. Juli 
1848 bis 1. Juli 1849, S. 4.). Während aber Hr. Müller über 
den Ursprung und die Bedeutung dieses Pfahlwerks im Unkla- 
ren war, hatte Referent dasselbe von Anfang an als keltische 
Pfafalbauansiedlung erkannt, und er ermangelte nicht, diese 
Ansicht in seiner 1850 erschieneneu antiquarisch- topographi- 
schen Beschreibung des Cantons Bern mit den Worten zu pra- 
cisieren (S. 33) : ,,In der Bucht des Bieler Sees zwischen Gerol- 
fiiigen und Mörigen, im sogenannten Mörigen-Eggen, steht, eine 
gute Strecke aufserhalb des Seeufers bei letzterm Dorfe, ein 
uraltes Pfahl werk von der Suhstruction einer be- 
deutenden Ansiedlung aus einer Zeit, wo der Wasser- 
spiegel des Sees noch nicht die jetzige normale Höhe erreicht 
hatte." Zugleich wurde die dort vorfindliche Töpferwaare als 
kellische bezeichnet. Damit war der erste keltische Pfalilbau 
im Bieler See und in den Schweizer Seen überhaupt, wiewohl 
tief unter dem Wasserspiegel stehend, seinem Ursprung und 
seiner Bedeutung nach constatiert, wie denn auch Referent die 
Uebereinstimmung des im J 1856 entdeckten Pfahlbaus am un- 
tern Ende des tiefer gelegten Moosseedorf- Sees mit dem Mö- 
rigen-Pfahlbau sofort herausfand. (Siehe noch über die Prio- 
rität der Entdeckung des Mörigen-Pfahlbaues „Chronik des Can- 
tons Bern", S. 568, und ,,Pfahlbau-Alterthümer von Moosseedorf'', 
S. 9, sowie über den oben berührten Umstand des erhöhten 
Wasserspiegels ebendas., S. 36, und Dr. Keller's I. Bericht über 
die keltischen Pfahlbauten in den Schweizerseen, S. 87.) 

Nach Feststellung dieser ersten keltischen Wasseransied- 
lung konnte die wahre Natur eines zweiten, bei Nidau im Bie- 
ler See befindlichen, unter dem Namen des Nidau-Steinberges 
längst bekannten, aber irrigerweise wegen des dortigen Vor- 
kommens von römischen Ziegeln für römisch gehaltenen Pfahl- 
werks nicht mehr lange verborgen bleiben, wiewohl selbst noch 
Referent mit Hrn. Em. Müller jenen Irrthum theilte. Je zu- 
verlässiger aber, selbst nach der falschen Ursprungs- und Zweck- 
bestimmung dieses Pfahlwerks, dasselbe als Unterlage eines 
Baues galt, der zu einer Zeit, wO der Wasserspiegel niedriger 
gestanden, errichtet worden sei (s. Cauton Bern, S. 35), desto 
fester mufste es nach Mafsgabe der Funde stehen : das Pfahl- 
werk bei Mörigen habe, unter gleichen Verhältnissen des See- 
standes, schon in keltischer Zeit Wohnungen getragen. Auch 
war es der richtige Rilckschlufs von diesem Punkte auf den 
Nidau-Steinberg, der die Erkenntuifs seiner wahren Natur zur 
Folge hatte. 

Das Verdienst der diesfalligen Entdeckung kommt Herrn 



245 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



246 



Oberst Friedrich Schwab in Bio! zu, welcher, durch die bei 
Mörigen erhobenen Iteltischen Fundstücke aufmerksam gemacht, 
im J. 1852 mit den Nachforschungen im Nidau-Steinberg be- 
gann und damit diese Schatzkammer keltischer Alterlhümer er- 
öffnete. Vergl. Blösch „Geschichte der Stadt Biel'' 1. Thl., 
Aumerk. zu S. 8, wo Hr. Oberst Schwab den keltischen Ur- 
sprung des Nidau-Steinberg-Pfahlbaus aus der Uebereinstimmung 
der gemachten Funde mit den bei Mörigen entdeckten Alterlhü- 
mern herleitet, und in demselben Werke die Erklärungen zum 
Situationsplao Nr. 34 und 40. 

Es erfolgte sodann im J. 185 4 Seitens des Herrn Dr. Fer- 
dinand Keller, Präsidenten der antiquarischen Gesellschaft in 
Zürich, die Entdeckung des trocken gelegten Pfahlbaus bei Mei- 
len am Züricher See, deren Ergebnisse sammt denen der ver- 
wandten frühern Forschungen der Genannte in seinem I. Pfahl- 
bauten-Bericht mit grofser Umsicht verwerthet, und dadurch 
einen mächtigen Impuls zu allen den in der Schweiz und nach- 
gerade auch im Ausland angestellten Untersuchungen über diese 
merkwürdigen Reste vorhistorischer Kultur Europas gegeben 
hat. 

So viel mit Bezug auf diesen Anzeiger, Jahrg. 1866, 
Nr. 2, Sp. 50ff. ; vergl. übrigens den „Bund" Jahrg. 1865, 
Nr. 342 u, 343. 

Bern, 9. Juni 1866. 

Dr. Albert Jahn. 



Eine Benierknuji; zu dem bekannten ^Vappen- 

Hclillde dei« lianiltsrafen Conrad \oit Tliüfln- 

gen (f 1941) in der St. Elisahetlien-Kirciie 

zu ]TIarburg. 

Vom Fürsten F.-K. zu Hohenlohe-Walden bürg. 

J. H. von Hefner-Alteneck bemerkt in seineu „Trachten 
des christlichen Mittelalters" I, S. 100, zu diesem auf Taf. 80 
abgebildeten Schilde : „Da das kleine Schildchen des Deutsch- 
herrenordens unten rund ist, kann man annehmen, dafs es wohl 
erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts darauf gemalt wurde." 

A. L. J. Michelsen in seiner Abhandlung über „die älte- 
sten Wappenschilde der Landgrafen von Thüringen" wider- 
spricht dieser Ansicht und glaubt, den einzigen Grund für diese 
Form darin zu finden, dafs es an Raum gefehlt habe, indem „das 
Nebenschildchen, ganz zugespitzt, in den Rand des Wappen- 
schildes hineingereicht hätte". Er beruft sich dabei auf C. 
v. Mayer's herald. A. B.C. -Buch, S. 73, jedoch mit Unrecht, da 
auch in diesem Werke, S 89, die Ansicht v. Hefner-Alteneck's, 
dafs diese Schildform erst aus dem Ende des 14. Jahrhunderts 
stamme, ausdrücklich getheilt wird. 

Dagegen erlaube ich mir, auf ein Siegel Emichs von Ho- 
henlohe- Brauneck, Canonicus und Archidiacons zu Würzburg 
(1293—1340), an einer Urkunde von 1311, aufmerksam zu 



machen, abgebildet bei J. Albrecht „die hohenlohischen Siegel 
des Mittelalters", Taf. VII, Nr. 102. Dieses Siegel liefert den 
urkundlichen Beweis, dafs jeden Falls schon zu Anfang des 
14. Jahrhunderts die unten abserundelen Schilde in Gebrauch wa- 
ren*). Vielleicht werden sich auch noch Beispiele aus dem 13. 
Jahrhundert finden lassen. 

Sollte etwa diese Form zuerst bei Wappen geistlicher 
Personen und Corporationen gebraucht worden sein, als he- 
raldischer Schild im Gegensatz zu dem wirklichen (Kampf-) 
Schilde? 

*) Ein neuer Beweis, dafs man sich vor all zu engen Zeilbe- 
stimmungen für Kunstfornien jeder Art hüten mufs. 



Anneisnng zum Pulvermaelien auH dem 
14. Jaltriiundert. 

Mitgetheilt von Dr. Kerler, Universitätsbibliothekar, in Erlangen. 

Auf dem ersten Blatt eines Cod. membr. saec. XIV. des 
Archivs der Stadt Rothenburg a. d. T. — mit der Signatur 
„Burger- und Meister-Roll" — findet sich folgendes höchst merk- 
würdige, den Schriftzügen nach zu schliefsen etwa in den sie- 
benziger oder achtziger Jahren des 14 Jahrhunderts aufgezeich- 
nete Rezept zur Bereitung von Schiefspulver: 

Man sol Salpeter nemen und sol in legen in einen eysnein 
löffel und sol in setzen über ein feur und sol in brennen und 
sol in alz heiz machen daz er glwe alz ein eysen . und sol 
auch hüten, daz kain glüwender Kol dor in kum und sol ye in 
ein phunt salpeterz ye ein klein vierdung schwefelz werfen 
und sol in denne nz giezzen in ein beckin und sol dez selben 
salpeterz ein phunt nemen und sol nemen ein vierdung eins phun- 
dez lindein kolen und sol nemen zwey lot schwefelz und so! 
daz ein wenig feuhten und sol ez under einander stozzen alz 
klein daz man den swefel niht gesehen möge sunder. und sol 
ez danne derren und sol daz pulver denne tun in ein stein 
bühschen daz sy drey vinger ler sie und daz ez hert in der 
bühsen vff ein ander gestozzen sey und sol dann nemen einen 
büchein klocz der hert sey dreyer zwerh vinger lang und sol den 
hert schlahen für daz pulver und nem denn ein wenig grumatz 
und den stein do für in di bühsen legen und sol den zwicken 
mitten in di bühsen mit keideln unib und umb daz er sich niht 
geruren möge. 



Verzeieiinirj^ der AusKaben für den Bau einer 

Kapelle im Stifte Reun in Steiermark, aus 

dem Jalire 1409. 

Das Stift Reun wurde vom Markgrafen Leopold dem Star- 
ken von Steiermark gegründet und mit Mönchen aus dem Klo- 
ster Ebrach in Franken besetzt, 1129. Es ist gegenwärtig die- 



247 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



248 



ses Stift das älteste des ganzen Cisterzienser-Ordeiis. — Was 
die Gebäude betrifft, so zeigen dieselben einen ziemlich ein- 
heillicheii Charakter aus den zwei letzten Jahrhunderlen, bis auf 
einige Spuren aus alteren Bauperioden, und bilden mit Einschlufs 
des Oekonomiegebäudes zwei grofse, abgeschlossene Theile. 
In seiner früheren Anlage jedoch, wie aus den noch vorhande- 
nen schriftlichen Aufzeichnungen zu ersehen ist, bestand das 
Stift, aufser der alten, romanischen Kirche und dem Convent- 
gebäude, noch aus mehreren für sich bestehenden Gebäuden, 
mit eigenen Kapellen, theils romanischen, theils gothischen Sty- 
les, die in der Folgezeit entweder umgebaut und ihrem ur- 
sprünglichen Zwecke entfremdet, oder auch gänzlich abgebro- 
chen wurden. 

So ist von der Capeila St. Crucis in domo abbatis, die 
unter Abt Angelus*), am St. Warkuslage 1406 begonnen und 
zu Simon und Juda 1409 vollendet und geweiht worden war, 
nichts mehr zu sehen. Die Chronik des Stiftes enthält jedoch 
ein interessantes Verzeichnifs der beim Baue dieser Kapelle 
und ihrer inneren Ausstattung verwendeten Ausgaben, welches 
in diesem Blatte Kaum finden muge. 



Primo. Lapicidis, muratoribus et eorum famulis 122 
Item frangeutibus lapides et pro magnis lapi- 

dibus . . 

Item. Carpentariis diversis 

Item, llagistro Johanni Greis Carpentarie de 

capella et aliis laboribus . . • . 
It. Wenzeslao horologiste. de Cruce, stellis, et 

litere M **J in campanili 

It. Eidem de Cancello, de feris et diversis la- 

boraliis, quia per totum annum .... 
It Martino Seratori, de leclo plumbeo 

It. Diversis aliis fabris 

It. Friderico organisle (werck maister) de ali- 

quibus tahnlis fusis ad tectum .... 
It Pro ferro empto, et diversis ferramentis 

et pro clavis 



122 


3 


30 
14i 




9 


5 


5 


— 


15 
3 

1 


3 
3 


1 


— 


21 


7 



9 

4 
50 



60 

60 
39 

7 



23 



*) Angelas (Manse), aus Meifsen gebürtig, der 20. Abt von Reun, 
wurde 1399 am 7. Juni in Gegenwart von Petrus, Abt von 
Ebrach, und Konrad, Abt von Morimond, gewählt. — 1415 
begab er sich im Auftrage des Herzogs Ernst des Eisernen 
zum allgemeinen Concilium zu Conslanz, wirkte darauf als 
Visilator zur Hebung der Ordenszucht in vielen Klöstern Oester- 
reichs und der angrenzenden Provinzen, verfalsle mehrere 
Schrillen, wie das Nckrologium mit einem Verzeichnifs der 
Aebte und der bis dahin gestifteten Anniversarien u. dgl., 
und starb nach einem vielseitig thätigen Leben im Jahre 1424. 
**) Der Buchslabe M in gothischer Majuskelschrift mit den ein- 
geschriebenen Buchstaben aria (Maria) bildete seit dem Ende 
des 14. Jahrb. das Conventwappen, nebst dem Bildnisse der 
heil. Jungfrau. 



It. de sedilibns, pnlpitis, manstranciis ligneis 
It. Nicoiao piciori de imaginibus sculptls. 

It. pro duabus campanis 

et pro noiis 

lt. pro vitro ad fenestras 

It. pro ferro ad letia fenestraruni .... 
It. pro plumbo ad campanile, ad fenestras seu 

Vitra, ad Organum 

It. pro stanno ad eadem 

It. pictori Johanni pro precio de vitris 

et famulis ejus pro bibalibus .... 

pro iiecessaiiis ad pictnras, porro pro auro 

foliato ad tabulas altarium, ad capitalia, se- 

dilia, et campanile et Organum .... 

Pro coloribus, bitnmine, vernisio, crida 

(creta) 

Johanni pictori, de tabulis altarium pro 

precio 

It. de testiidine, slosstain, capitellis, sedilibus, 
Pulpitis, pro precio ... ... 

It. Eidem de Cruce, litera, slellis deauratis 

in campanile 

It. de pictiira organorum 

It. Illuminalori de imagine B. Yirg. et tabula 

scripta 

Item pro oinatibus, et ornamentis et paliis ad 
Capellam. 
Primo. pro zendal serico, gülden porten et 

filo serico 

pro humeralibus et stolis .... 
pro lineü panno coloiato, rubeo, blanco, 

et nigro 

pro panno lineo albo 

et pro palla 

pro twino albo et colorato .... 
Sartori Ruedil pro laboribus ornamen- 

torum et pallarum 

Aurifabro töldel pro duabus ampullis 

argenteis incluso argento .... 

Ekhardo Zingielser pro candelabris, 

ampullis scutellis staneis .... 

Item. Pro necessariis ad Organa, bitumiiie, pel- 

libus et ferramentis 

Item. Magistro Friderico organiste. 

Item. Henrico socio ejus, pro bibalibus, et 

eciam de libris ligandis 

Nebstdem erhielt Friedrich, Bischof von Seckau, 
der die Kapelle consecrierte, und seine Be- 
gleitung zusammen circa 4411. 



Es betragt somit die Summe aller Ausgaben : 
iiij C % Liiij a v ß = 



ft 


\i 


4 


7 


9 


— 


12 


4 


15 


_ 


6 


— 


13 


3 


3 


4 


20 





1 


— 


12 


— 


4 


4 


6 


4 


9 


6 





17 


— 


9 


— 


5 


19 


6 


5 


— 


8 


3 


9 


— 


— 


5 


1 


— 


4 


— 


14 


— 


1 ' 


14 


, 


17 


16 


— 


1 


" 



fl. ISchl. 
454 5 



Graz. 



P. Ulr. Grein er. 



(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



ü. E. Sebaict'sche Bachdruclierei. 



BEILAGE ZÜ3I ANZEIGER FÜR KÜNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1866. JV^ 7. Juli. 



Chronik des germanisclien Museums. 



Nürnberg, den 15. Juli 18G6. 
Inter arma silent Musae. So hat auch der Iraurige Bruder- 
krieg, der Deutschlands Fluren zerstampft und seine Söhne mordet, 
nicht spurlos an unserer Anstalt vorübergehen können. Gesammt- 
deulschland gewidmet, Eigenthum des ganzen deutschen Volkes und 
somit Repräsentant seiner Einheit, fühlt unser Institut jeden Sieg, 
auf welcher Seite er auch erfochten werde, als eine Niederlage, und 
nur die Hoffnung kann uns Trost geben, dafs ein fester, dauernder 
Friede wohl bald wieder das deutsche Volk vereinige, dafs der 
Krieg den Patriotismus wecke und läutere. Der traurige Bruder- 
krieg mufs ein Ende nehmen; dann wird das Museum, das weder 
Parlament noch Bundestag, weder Zoll- noch National -Verein, son- 
dern der einmütbige, freie Wille des deutschen Volkes und 
sammtlicher Fürsten geschaffen, wieder aufs neue Zeugnifs geben, 
dafs ein Vaterland alle Stämme umfalst. Sein Wahlspruch ist und 
soll ewig bleiben: Durch Einheit stark. Ueber jeder Partei stehend, 
rechnet das Museum darauf, dafs jeder Deutsche soviel in seinen Kräf- 
ten steht thun werde, um ihm über die Schwierigkeiten hinwegzuhel- 
fen, die in den Zeitereignissen begründet sind, um es ihm zu er- 
möglichen, für bessere Tage sich zu erhalten. Möge doch wenig- 
stens Ein und der Andere im Donner der Kanonen auch an das deut- 
sche Nationalinstilut denken! — Wir sagen „möge"; und doch ist's 
nicht blos uns er Wunsch — nein, mit Freude und Stolz, soweit die 
trübe Zeit dies zuläfst, können wir sagen, dals dies Viele mit uns 
fühlen, dals uns in der letzten Zeit manche Zuschrift zugegangen 
ist, die diesen Gedanken ausspricht, dals Mancher aufs neue ver- 
sprochen hat, im Leid wie in der Freude festzuhalten an unserer 
Nationalsache. Haben wir auch in diesem Monate nicht Vieles zu 
melden, so ist doch eine um so schwerer wiegende Thatsache zu 
verzeichnen, die beweist, dals nicht Alle im Drange der Ereignisse 
uns vergessen haben. Herr Professor von Scheurl in Erlangen, 
der Vertreter der altberühmten Nürnberger Patrizierfamilie, hat im 
Museum eine Stiftung seiner Familie errichtet, indem er nicht blos 
das gesammle, höchst interessante Familienarchiv unter Eigenthums- 
vorbehalt im Museum deponierte, sondern auch eine grofse Anzahl 
seltener Bücher, die in unserer Bibliothek ebenso eine gesonderte 
Reihe bilden werden, wie die deutsche Parlanientsbibliolhek und 
die Wilhelmische Bibliothek. Das höchste Interesse aber erweckt 
eine davon getrennt zu haltende ganze Bibliothek aus der ersten 
Hälfte des 16. Jahrb.: die noch ganz intakt bewahrte Bibliothek des 
berühmten Nürnberger Rechtsgelehrten und Staatsmannes Dr. Chri- 
stoph Scheurl (f 1542), die nicht blos eine grofse Zahl höchst werlh- 
voller, uns bis jetzt fehlender Incunabeln enthält, sondern auch noch 
ganz die alte, von der heutigen verschiedenen Aufstellungsweise einer 
Bibliothek zeigt. Es wird Veranstaltung getroffen werden, dafs diese 
Bibliothek so aufgestellt wird, dafs auch das Publikum den Genufs 
hat, eine intakte Bibliothek des 16. Jahrh. zu sehen. Eine Anzahl 
sehr werthvoller Porträts und sonstiger Familienbilder aus dem 15. 
— 17. Jahrb., Kupferstiche, Holzschnitte, Holzstöcke u. s. w. vervoll- 



ständigen diese grolsartige Fainilienstiflung. Unter den Urkunden 
des Familienarchivs befinden sich eine ziemliche Anzahl älterer und 
selbst einige nicht unbedeutende Kaiserurkunden ; unter den Akten 
aber Manches von höchstem Interesse; so eine Zahl eigenhändiger 
Briefe von Martin Luther, Melanchthon, Hieronymus Paumgärtner etc., 
dann der Briefwechsel des Dr. Chr. Scheurl mit Herzog Georg von 
Sachsen und Bischof Johann von Trient, eine Reihe von Briefen an- 
derer fürstlicher Personen, der Städte Weilsenburg, Passau etc. an 
Dr. Christoph Scheurl. Die Uebertragung in's Museum hat eben be- 
gonnen; ein Ueberblick der reichen Stiftung läfst sich erst dann ge- 
winnen, wenn das ganze Material geordnet im Museum liegt; allein 
so viel kann man schon jetzt sagen, dafs diese v. Scheurrsche Fa- 
milienstiftung mit zu den grolsartigslen Förderungen gehört, die das 
Museum seit Langem erhallen hat. 

Möchte dies Beispiel gerade jetzt recht viele Nachahmung finden! 

Eine andere sehr dankenswerthe Förderung ist von Seite des 
hiesigen Kaufmanns Herrn Ph. Lobenbofer zu Theil geworden, der 
eine interessante, lebensgrol'se, bemalte Marienstatue aus dem Beginn 
des 15. Jahrb., unter Eigenthumsvorbehalt, im Museum deponiert hat. 

Wie das Museum seine Hauptaufgabe in der wissenschaftlichen 
Thätigkeit sucht, so mufs es sich auch freuen, wenn der Name 
seiner Beamten über ihre eigentliche amtliche Aufgabe hinaus Aner- 
kennung findet. Mit Stolz blickt es daher auf eine Anzahl Gelehrte, 
die jetzt da und dort im weiten deutschen Vaterlande ehrenvolle 
Posten bekleiden, und die einst ihre Thätigkeit im german. Museum 
begonnen. So mischt sich auch jetzt ein gerechter Stolz in das Be- 
dauern, abermals einen tüchtigen Beamten aus dem Museum schei- 
den zu sehen, indem unser Archivconservalor, Herr Dr. C. Will als 
fürstl. Thurn und Taxis'scher Archivar nach Regensburg berufen wurde. 
Auch in anderer Weise wurde bisher der Thätigkeit mancher Beamten 
des Museums Anerkennung gezollt. So wurden z. B. die Herren 
Gebrüder DDr. Erbstein wiederholt ersucht, gröfsere numismati- 
sche Sammlungen zu ordnen und zu verzeichnen. Ein ähnliches Ersu- 
chen wurde jüngst an diese Herren in Betreff der im Nachlasse des zu 
München verstorbenen, in numismatischen Kreisen allbekannten Herrn 
Obersten Ritter von S chul thel's-Rech b erg befindlichen Münz- 
sammlung gestellt und ihnen von Seile des Museums der zur Vorbe- 
reitung dieser Arbeit, mit der namentlich die Fortführung und Voll- 
endung des vom Verstorbenen herausgegebenen „Thalerkabinets" 
verbunden sein wird, nöthige Urlaub gewährt, wozu sich das Museum 
um so mehr verpflichtet fühlte, als ihm ein Betrag von einhundert 
Gulden aus jenem Nachlasse zugewiesen worden. An sonstigen Bei- 
trägen wurden im Laufe des Monats neu gezeichnet : 

Aus Vereinskasseu : Vom Gesangvereine zu Lauf (Bayern) : 
3fl. (einm.) 

Von Privaten: Basel: Gymnasiallehrer Ludwig Sieber 2 fl. 
20 kr. (statt früher 1 fl. 10 kr.); Berchtesgaden (Bayern): Ignai 
Frbr. v. Barth, kgl. Landrichter, 1 fl., Jos. Dielz, k. Rentbeamler, 1 fl., 
Baubeamler Haindl Ifl., Kaufmann J. Kerschbaumer Ifl., Privatier 
Michael Kirchuiayr 1 il. 45 kr., Dr. Kimmerle, prakt. Arzt, Ifl., Haupt- 



251 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



252 



aalzamtskassier Ostler 1 fl., Apotheker Pirngruber Itl., Ludwig von 
Savoye, k. Notar, 1 11. 45 kr., Oskar Scheidemandcl, Aufschlager, 10., 
Jakob Scbwarzenbeck, Poslhalters-Sohn , 111., Ilauptsalzanilscontro- 
leur Weidmann Id., Ritter von Weishaupt, k. Ober-Berg- und Sa- 
lioenrath, 1 tl. 45 kr. ; Callenberg (hgr. Sachsen): Pfarrer Anaker 
io Hohenstein 1 fl. 45 kr., Fabrikant Victor Falke in llohenslein 1 fl. 
45 kr., Kaufmann Ewald Frey in Hohenstein 1 fl. 45 kr. (einm.), 
Kaufmann Karl Heise in Hohenstein -Ernstthal 1 fl. 45 kr., Kaufmann 
Ferdinand Jacobi in Hohenstein 1 fl. 45 kr., Lic. Moriz Heurer, Pfar- 
rer, 1 fl. 45kr.; Calw (Württemberg): L)r. med. Ad. Gunzler in 
Liebenzell 30kr. , P. Ilaaga, Disiriktsar/.t in Herrenalb 30kr. , l)r. 
C. Jluller, Oberamtsarzi, Ifl.; Elslingen: Caroline (iräfln von Be- 
roldingen, geb. (irafin von Larisch- .Uonich , Ütaalsminisltrin, Excel- 
lenz in Stuttgart, 6fl., .Mathilde Fieilraulein von Buttlar 111., Max 
Freiherr von Soden, slud. jur. , in .Milnihen, 111. 45 kr., Wilhelm 
Graf von Taubenheim, stud. jur., in Tübingen, 2 fl. ; F r ei bu rg i. Hr.: 
Professor Schreiber 10 fl. (einm.); Fürth a. W. (Bayern): Erhard 
Bauer, k. llauptzollamtsverwaller, 1 fl., Sladtschreiber Raim. Bauer 
Ifl., Bernhard Frbr. v. Hirschberg, üuterexpeditor, Ifl., Dr. phil. 
Schlimmliach Ifl.; Gussenstadt: Pfarrer G. Steinbeis Ifl.; Lauf: 
Kaufmann J. G. Barth Ifl. (einm.); JNurnberg: Dr. Heinrich Klee- 
mann, .\potheker, 1 U. 45 kr. ; Oslheini v. d. K. (Sachsen-Weimar): 
Diaconus Ackermann 1 fl., Rektor L. Andra 1 fl., Justiz-Amtmann Karl 
Briegleb 1 fl., Dr. med. Glock 1 fl. 45 kr., Ainlsphysikus Dr. Kelsler 
Ifl., Amisaktuar Oltomar Kind Ifl.; S ta ff e 1 st ein (Bayern) : Kunst- 
muhlenbesitzer A. Eichenmuller Ifl. (einm.), Bezirksamlmann F'alco 
1 fl., Rechlspraklikant Finzel 1 fl. (einm.), Dr. Hepp, k. Bezirksarzt, 
1 fl. (einm.), Künell, geistl. Kalh, Dechant und Sladtpfarrer, Ifl., No- 
tar Maltz Ifl. (einm.), Jlichael Bender, k. Bez.- Amts- Assessor, Ifl. 
(einm.), .Apotheker Rigel Ifl. (einm.) Rechlspraktikant, Schmitt Ifl. 
(einm.), Gallus Silbermann, Fabrikbesitzer, in Hausen 2 fl. (einm.) 

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen aulser- 
deni, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu: 

I. Für das Archiv. 

Beyschlag', Pfarrer, in Freimersheim : 
3347. Ein Trauerlied auf Elias Hainzelmann, samml Begleitbrief aus 
dem Jahre 1695. Pap. 

G. J. Gabriel, Buchhalter, in Winzingen : 
8348. Pachtvertrag von 1815. Pap. 

II. Für die Bibliothek. 

Dr. Friedr. Münscher, Gymnasialdirektor, in Marburg: 

19.455. Zilch, über Philodemus und Hyperides. 1866. 4. Prgr. 

K. rhein. Friedrich -Wilhelms -Universität in Bonn: 

19.456. Dies., index scholarum etc. 1865 u. 1865 — 66. 4. 

19.457. Catalogi chirographorum in bibliotheca acad. Bonnensi ser- 
vatorum fasc. VI, p. l. 1865. 4. 

19.458. de Brnenneck, de auctoritatis qua Prussiae ordines sub ordinis 
Teutonici imperio utebantur initio et incremento. 1865. 8. 

19.459. Hennes, de fide, quae Bonizonis libro ad amicum tribuenda 
Sit. 1865. 8. 

19.460. Hoelscher, de Irmini dei natura Germanorumque nominis ori- 
gine. 1865. 8. 

19.461. Krueger, Bonizonis liber ad amicum, nuni ea üde dignus sit, 
quam illi recentiores scriptores tribuere solent. 1865. 8. 

19.462. Loening, de pace domeslica. 1865. 8. 

19.463. Varrentrapp, commentationis de Christiano archiepiscopo Mo- 
guntino spec. I. 1865. 8. 

19,464—19,506. 43 weitere akadeni. Schriften vermischten Inhalts. 
1865. 4. u. 8. 
Dr. Georgens, Direktor des Levanakindergarlens in Nürnberg : 

19.507. Luther, ain Sermon von dem neüwen Testament. 1520. 4. 

19.508. Bodenstayn von Carolstat, Missiue von der allerhöchsten lu- 
tugent gelassenhait. 4. 

19.509. SchopO', ein christl. Gottselige Predigt Von rechter heiligung 
des Sabbaths. 1.593. 4. 

19.510. Rah, christliche Revocation Predigt. 1601. 4. 



A. Fssenweiu, I. Vorstand des german. Museums : 

19.511. Hers., die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt Krakau. 
1866. 4. 

Joh. Phil. Ravv'sche Buchh. (C. A. Braun) in Nürnberg: 

19.512. Detzer, evangel. Concordienbuch ; 3. .\ufl. 1847. 8. 

19.513. V. Soden, Karl V. in Nürnberg. 18.58. 8. 
Dr. J. K. Hafskarl in Cleve : 

19.514. Ders., die Familie der Commelinaceae. 8. Sonderabdr. 
Conrad Noever in Gladbach : 

19.515. Ders., zur Geschichte .M.-Gladbachs. 1866. 8. 
Direktion der Dlazimilians - Heilungs - Anstalt für 

arme Augenkranke in Nürnberg : 

19.516. Dies., ;i2. Jahres -Bericht etc. 1866. 4. 
K. Universität Tübingen: 

19.517. Systematisch - alphabetischer Ilauptkatalog der k. Universi- 
tätsbibliothek zu Tübingen; A., F., G., K. Nebst Zuwachs- 
verzeichnils 1850—53 u. I— VIII, XI u. XII. 1853—65. 4. 

19.518. Tübinger Universitätsschriflen a. d. J. 1865. 1866. 4. 

19.519. Nadelin, d. erste Periode der Entwicklungsgeschichte der 
deutschen Centralgewalt. 1865. 8. 

19,520—40. 21 Dissertationen vermischten Inhalts. 1865. 4. u. 8. 
Histor. Filial-Verein in Neuburg a. D. : 

19.541. Ders., Collektaneen-Blall etc. 31. Jhrg. 1865. 1866. 8. 
J. Zitzlsperger, Professor an der k. Landwirthschafts- u. Ge- 
werbschule in Amberg: 

19.542. Ders., Beiträge zu einer Handwerks- und Gewerbsgeschichte 
Ambergs. (Schluls.) 1865. 4. Progr. 

Ein Ungenannter in Braunschweig : 

19.543. Eines E. Raths der Stadt Braunschweig Fewer - Ordnung. 
1647. 4. 

19.544. Dero Stadt Braunschweig Kleider- Ordnung. 1650. 4. 

19.545. Eines E. Rathes dero Stadt Braunschweig Edict, die an statt 
derer Hochzeilen, zugelassene Abend Gastereyen nicht mehr 
des Sontags, sondern Montags zuhalten. 1661. 4. 

19.546. Eines E. Rathes dero Stadt Braunschweig Kind-TauR'-Ordnung 
1669. 4. 

19.547. Auf Landes-Fürsll. gn. Befehl E. E. Raths der Stadt Braun- 
schweig publicirte Kleider-Ordnung. 1705. 4. 

19.548. Eines E. Rathes der Stadt Braunschweig Edict wegen Ab- 
schaß'uug der Bänder. 1662. 4. 

J. A. Steiu's Buchhandl. (A. Kollner) in Nürnberg: 

19.549. Solger, Klinschor: e. Gedicht. 1864. 8. 
J. Metzner, Kaplan, in Nürnberg: 

19.550. Volumen Jusliniani solertissime reuolulum. 1527. 4. 

K. bayer. Akademie der Wissenschaften in München: 

19.551. Dies., Sitzungsberichte; 1866, I, H. 1 u. 2. 8. 
Dr. med. Hermann Hartmann in Lintorf: 

19.552. Norbert, Lebensbeschreibung Bischof Benno's IL, übersetzt 
von Harlmann. 1866. 8. 

J. F. G. IiOdtmann, Pastor, in Osnabrück: 

19.553. Ders., Genealogie der Möser'schen Familie. 1866. 8. 
Augnst Reckuagel, Buchhandlung, in Nürnberg: 

19.554. Supremae pietalis monumenta divis manibus domini Josephi 
etc. consecrata. 1711. 2. 

19.555. Ausführliche Nachricht von dem Rom. -Catholischen Jubel- 
Jahr. 1725. 8. 

19.556. Das merckwürdige Wienn ; Jan. — Martins. 1727. 4. 

19.557. Schulzius, historia medicinäe etc. 1728. 4. 

19.558. Vera delineatio alque descriptio globi imperialis. 1730. 2. 

19.559. Zweyte Zusammenkunfl't von der kurtzen doch zulänglichen 
Nachricht von dem Saltzburgischen Emigrations- Geschaffte. 
1732. 8. 

19.560. Duellius, Fridericus pulcher Austriacus. 1733. 4. 

19.561. Ders., lucuhratio epistolaris etc. 1733. 4. 

19.562. Ders., epislola ad Dom. Coelestinum L'Orefice etc. 2. 

19.563. Recensio tomi prodromi chronic! Gotwicensis. 4. 

19.564. Ausführliche Nachricht von d. prächtigen Leich-Begängnifs 
Eugenii von Savoyen. 1736. 2. 

19.565. Spitz, jura viduarum clericorum et professorum. 1737. 4. 

19.566. Bellaminte, memoire de Frid. Henri comte de Seckendorfif. 
1739. 8. 



'2;");j 



Anzeiger 



für Kunde der deutsciieii Vorzeit. 



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19.567. Ungrund der von der Reichs -Stadt Nürnberg über Bislohe 
sich angemaisten landesherrlichen Ohrigkeil. 2. 

19.568. Link, commentatio de concepto renovatae ordinationis came- 
ralis. 1754. 4. 

19.569. Priorato, Lebensgeschichte Albrechts von Waldstein. 1769. 8. 

19.570. Ralzenberger's geheime lieschichte von den Chur- und Säch- 
sischen Höfen elc. 1774. 8. 

19.571. Pfeiffer, der Reichscavalier auf seinem reichsohnmitttelbaren 
Gebiete. 1787. 8. 

19.572. de Peschwitz, de jure et privilegiis nobilium. 1740. 8. 

19.573. Oarslellung des Nürnberg, unbestreitbaren Eigenthums- nnd 
Besitzes der in d. Bayern-Landshutischen Erbfolgekrieg ac- 
quirirlen LSndereien. 1791. 4. 

19.574. Kurze Ausführung des den Herrn Grafen Joh. Ludw. Voll- 
rath und Friedr. Ludw. v. Löwenstein-Werlheim zustandigen 
Erbrechts. 1791. 2. 

19,575-19,585. 11 weitere Schriften vermischten Inhalts. 1730— 
1796. 2. 4. u. 8. 
Verwaltnugsrath der TVedekind'schen Preisstiftung 
in Göttingen : 

19.586. Henricus de Hervordia, liber de rebus memoriabilioribus, ed. 
Potthast. 1859. 4. 

Bernh. Tauchnitz, Verlagshandlung, in Leipzig: 

19.587. Rudelbach, Reformation, Lutherlhum und Union. 1839. 8. 

19.588. Friedberg, d. Recht d. Eheschliefsung. 1865. 8. 

19.589. V. Weber, Anna, Churfürstin zu Sachsen. 1865. 8. 
Georg; Widter, k. k. Postdirektor, in Vicenza : 

19.590. Ders., Materialien zur Geschichte und Beschreibung der Pro- 
vinz Vicenza. 1866. 2. Hs. 

Historischer Verein in St. Gallen : 

19.591. Ders., Miltbeilungen zur vaterländischen Geschichte; V u. 
VL 1866. 8. 

19.592. Kelslerus, Joachim! Vadiani vila. 1865. 4. 
Dr. Herrn. Wartmann in St. Gallen : 

19.593. Ders., Urkundenbuch der Abtei St. Gallen; IL Thl. 1866. 4. 
Gelehrte estnische Gesellschaft in Dorpat: 

19.594. Dies., Sitzungsberichte ; 1865. 8. 

19.595. Schirren, der Codex Zaraoscianus. 1865. 4. 
Hermann Böhlau, Verlagsbuchhandl., in Weimar : 

19.596. Zeitschrift f. Rechlsgeschichte ; Bd. V, 2. 1866. 8. 
J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung in Leipzig: 

19.597. Hinrichs' fünljähriger Bücher- Catalog ; IlL Bd. 1861 — 65. 
1866. 8. 

Bernhard Schlicke, Verlagshandl., in Leipzig: 

19.598. Strack, Missionsgeschichle der Deutschen. 1860. 8. 

19.599. Bogdanowitsch, Geschichte des Krieges 1814 in Frankreich; 
aus dem Russ. v. Baumgarten. I. Bd. 1866. 8. 

A. Essenwein, L Vorstand des german. Museums: 

19.600. Ders., über d. Prinzip der Fortbildung auf dem Gebiete des 
Gewerbes. 4. Sonderabdr. 

Dr. Blartius, prakt. Arzt, in Nürnberg: 

19.601. Beschreibung derer Thaler des gräflich, und fürstlichen Hau- 
ses Mansfeld. 1758. 4. 

19.602. Hentze, Versuch über die ältere Geschichte des fränk. Krei- 
ses ; 1. Stck. 1788. 8. 

19.603. Palm, Versuch einer Handbibliothek der ökonomischen Lit- 
teralur. 1790. 8. 

19.604. Blank, Musiv- Gemähide oder mosaische Kunstarbeiten in d. 
hochfürstl. Kunst -Cabinette zu Wurzburg. 1796. 8. 

19.605. V. Spaun's politisches Testament ; hg. v. Eisenmann. 1831. 8. 
Naturwissenschaftlicher Verein in Carlsruhe : 

19.606. Ders., Verhandlungen ; 1. u. 2. Heft. 1864 u. 66. 4. 
J. F. G. IiOdtmann, Pastor, in Osnabrück: 

19.607. Norbert, Lebensbeschreibung Bischof Benno's IL zu Osna- 
brück ; übers, v. Hartmann. 1866. 8. 

IiOuis de Baecker in Bergues (Frankreich): 

19.608. Ders., observations sur le trail6 des 6critures cun^iformes 
de Mr. le comte de Gobineau. 1866. 8. 

Dr. Wilhelm Wackernagel, Universitäts-Professor, in Basel: 

19.609. Ders., sechs Bruchstücke einer NIbelungenhandschrifl aus der 
mittelalterlichen Sammlung zu Basel. 1866. 4. 



J. Ludvrig Schmid's Verlagshandlung in Nürnberg: 

19.610. Hutzelmann, Tabelle der bayerischen u. deutschen Geschichte. 
1866. 8. 

19.611. Hopf, bayerische Geschichte in Zeiltafeln. 1865. 8. 
A. D. Geisler, Verlagsbuchhandl., in Bremen : 

19.612. Schäfer, Grundrifs der Geschichte der deutschen Literatur: 
10. Aufl. 1866. 8. 

Ferdinand Enke, Verlagsbuchhandlung, in Erlangen : 

19.613. Strauch, über Ursprung und Natur der Regalien. 1865. 8. 
Direktion der grofsen Stadtschule zu Rostock : 

19.614. Mahnius, elementorum arlis historicae partic. I. 1833. 4. 
19,615 Mahn, Beiträge zur Geschichte des alten wendischen Ro- 
stocks. 1854. 4. 

19,616. Bachmann, kleine Beiträge zur Geschichte der Rostocker 

Stadtschule. 1865. 4. 
19,617 — 19,652. 36 weitere Programme der grolsen Stadtschule tu 

Rostock. 1829 — 66. 4. 
K. bayr. Akademie der Wissenschaften in Müncben : 

19.653. Dies., Abhandlungen der philol.-philos. Ciasse ; X, 3. u. XI, 1. 
1866. 4. 

19.654. Schlagintweit, die Gottesurtheile der Indier. 1866. 4. 
Friescb Genootschap van Geschied-, Oudheid- en 

Taalkunde in Leeuwarden : 

19.655. Dies., de vrije Fries; XI. Deel, n. R. V, 2. 1865. 8. 
Altmärkischer Verein für Vaterland. Geschichte n. 

Industrie in Salzwedel : 

19.656. Ders., 15. Jahresbericht. 1865. 8. 
Cesar Daly, Architekt, in Paris: 

19.657. Rivue generale de Parchiteclure ; 23. vol. , no. 9 — 10. 
1866. 4. 

C. H Beck'sche Verlagsbuchhandlung in Nördlingen : 

19.658. Kluckhohn, Ludwig d. Reiche, Herzog v. Bayern. 1865. 8. 

19.659. Schletterer, übersieht). Darstellung d. Geschichte der kirchl. 
Dichtung. 1866. 8. 

Buchner'sche Buchhandlung in Bamberg: 

19.660. Heinisch u. Ludwig, kurze Geschichte d. deutschen Literatur; 
I. u. II. Thl. 1857. 8. 

Ferd. Dümmler's Verlagsbuchhandlung in Berlin : 

19.661. Richter, d. weströmische Reich. 1865. 8. 
Heinrichshofen'sche Buchhandlung in Magdeburg: 

19.662. Möller, Paul Gerhardl's Ehrengedächtnils in Grafenhaynichen. 
1844. 8. 

19.663. Müller, Deutschlands Wiedergeburt. 1865. 8. 
J. C. Hinrichs' sehe Buchhandlung in Leipzig: 

19.664. Handbuch der Geographie und Statistik ; Bd. II, 1. Nachtr. 
u. Bd. III, 9. Lief. 1866. 8. 

HinstorfTsche Hofbuchhandlung in Wismar: 

19.665. Reuler, sämmtliche Werke; 1. 2. 7 — 10. Bd. 1865-66. 8. 
Heinr. Carl Huch's Buchhandlung in Quedlinburg: 

19.666. Zwei Hexenprozesse a. d. J. 1688. 1863. 8. 
Otto Janke's Verlagsbuchhandlung in Berlin : 

19.667. Hesekiel, Lux et Umbra ; 3 Bde. 1861. 8. 

19.668. V. Stifft, Cultursludien ; 2 Bde. 1865. 8. 

19.669. V. Maltitz, alladelige Haus- u. Familiengeschichten; I. Abth., 
1-4. Bd., 11. Ablh. 1—4. Bd. 1865-66. 8. 

G. C E. Meyer sen. Verlagsbuchhandl. in Braunschweig: 

19.670. Beste, Lulher's Kinderzucht. 1846. 8. 
Constantin Niese, Verlagsbuchhandlung, in Saalfeld: 

19.671. Wagner's Chronik der Stadt Saalfeld, fortgesezt v. Grobe; 
9. Heft. 1866. 8. 

G. Beichardt's Verlagshandlung in Eisleben: 

19.672. Scharfe, d. Regierungsbezirk Merseburg. 1841. 8. 

19.673. Läncher , Geschichte der gräll. Häuser und der Grafschaften 
Wernigerode, Stolberg, Rofsla, Hohenslein. 1844. 8. 

19.674. Cunz, Dr. Luther's Denkmal in seinen Liedern. 1846. 8. 
J. Ricker'sche Buchhandlung in Giefsen : 

19.675. Schmitthenner's kurzes deutsches Wörterbuch; 3. Auflage, 
9. Lief. 1866. 8. 

Heinrich Schindler, Verlagshandlung, in Berlin: 

19.676. Die Himmelsslürmer oder die St. Georgsbrüder. 1858. 8. 



255 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 



256 



19.677. Reusch, die nordischen Göttersagen. 1865. 8. 
Schmorl & von Seefeld, Verlagsliuchhandl., in Hannover: 

19.678. Riefkohl, die Insel iXorderney. 1861. S. 

19.679. V. Warnstedt , die Uldenburger und Brandenburger Erban- 
sprüche auf die Herzogthümer Schleswig-Holstein. 18G5. 8. 

J. Sohorner'sche Buchhandlung in Straubing: 

19.680. Uobler, nenia, manibus Tillii dicala. 1845. 8. 

19.681. MörtI, Lieder u. Sagen. 1846. 8. 

19.682. Hislel, die südwesibayerische Schweiz. 1857. 8. 

19.683. Dobler, über den Einflufs des (<enius der alten Literatur 
auf d. Entwicklungsgang d. deutschen Literatur. 1864. 8. 

Fr. Steudel, Verlagsbuchhandlung, in Stade : 

19.684. Schlüter , Sammlung sanimllicher in d. Herzogth. Bremen 
u. Verden in Beziehung auf d. Meierrecht erlassenen Ge- 
setze elc. 1861. 8. 

Eduard Trewendt, Verlagshandlung, in Breslau : 

19.685. Grofs-HofTinger, die Donau vom Ursprung bis in das schwarze 
Meer. 184b\ 8. 

19.686. Eberhard , die religiösen Ideen nach ihrer geschichtlichen 
Enlwickelung in der Bibel. 1846. 8. 

19.687. Versuch einer Geschichte des vormaligen frsll. Cisterzienser- 
Stiftes Heinrichau. 1846. 8. 

19.688. Wallenbach, die slawische Liturgie in Böhmen und die alt- 
rufsische Legende v. heil. Wenzel. 1857. 8. Sonderabdr. 

19.689. Rflpell, über die Verbreitung des Magdeburger Stadirechts 
im Gebiete des alten polnischen Reichs. 1857. 8. Sonderabdr. 

19.690. Uschner, der Kroschmäusekrieg. 1860. 8. 

19.691. V. Holtei, schlesische Gedichle. 1861. 8. 

19.692. Krug, Geschichte der prculs. Staatsschulden. 1861. 8. 
Velhagen nnd KIasing°, Verlagshandl., in Bielefeld: 

19.693. Niemeyer, deutsche Dichtungen zur deutschen Geschichte. 
1844. 8. 

19.694. Catechismus Romanus, ed. Buse ; tom. L u. IL 1859. 8. 

19.695. Concilii Tridentini canones et decrela, ed. Smets. 1859. 8. 

19.696. Lange, verm. Schriften; n. Folge, 1-3. Bd. 1860-64. 8. 
Weidmann'sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig: 

19.697. Berlran von Marseille, la vie de Ste. Enimie, hg. v. Sachs. 
1857. 8. 

19.698. Martin , Grammatik und Glossar zu der Nibelunge Not. 

1865. 8. 

J. Gabriel, Buchhalter, in Winzingen : 

19.699. Müller, Blicke in das Labyrinth der Zukunft. 1848. 8. 

19.700. Leyser, zum sechsten Mai. I BI. 4. 

Frledr. Hektor Graf von Hundt, k. Ministerialrath , in 
München : 

19.701. Ders., Fund römischer Denare bei Niedcraschau. 1866. 8. 
Sonderabdr. 

Anton Kutschera in Weiiz : 

19.702. Ders., Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen; IV. 8. 
A. Emmerling', Verlagsbuchhandlung, in Heidelberg : 

19.703. Alphabetisches Ortsverzeichnifs des Grofsherzogth. Baden. 

1866. 4. 

Augp. Hildebrand, Verlagshandlung, in Schwerin : 

19.704. Resultate aus G. v. Lehestens : Der Adel Mecklenburgs seit 
1755. 1864. 8. 

J. J. laentner'sche Buchhandlung in München : 

19.705. Schielt, d. Römer in München. 1830. 8. 

19.706. Schmeller, über d. Studium der altdeutschen Sprache und 
ihrer Denkmaler. 1827. 8. 

19.707. v. Wendl, Abhandlungen u. Rechtsfälle zur Erläuterung des 
gem. bayer. u. sächs. Civilrechts u. Civilprozesses. 1836. 8. 

19.708. Fick, Lehrbuch d. allgem. Geschichte : 3 Bde. 1843 u. 44. 8. 

19.709. V. Chantal, Leben und Wirken des heil. Franz v. Sales, 
1842. 8. 

19.710. Von der Reinhaltung u. Reinigung der heil. Gerälhe u. Ge- 
wänder. 1860. 8. 

19.711. Lechner, Leben der Heiligen aus d. Orden der Kapuziner; 
3 Bde. 1863 — 65. 8. 

19.712. Sattler, Geschichte der Marianischen Congregationen in Bay- 
ern. 1864. 8. 



W. J. Peiser, Verlagsbuchhandl., in Berlin: 

19.713. Pierson , Leitfaden der preufs. Geschichte. 1865. 8. 
Alvin Prausnitz, Verlagsbuchhandl., in Berlin: 

19.714. Ritter, Philipp Melanchthon. 1860. 8. 

19.715. IVeomarchicus, ut'n Hangbuttenstrukh. 1862. 8. 
A. Sacco's Nachfolger, Verlagshandlung, in Berlin: 

19.716. Döring, poet. Sagenkreis auf hislor. Grunde. 1846. 8. 
Schlesinger'sche Buchhandlung in Berlin: 

19.717. Wörterbuch der in der lustrumental- und Vokal-Musik vor- 
kommenden Ausdrücke. 8. 

A. W. Unzer, Verlagshandlung, in Königsberg : 

19.718. Rosenkianz, d. Verdienst d. Deutschen um die Philosophie 
der (ieschichte. 1835. 8. 

Eduard Zernin, Verlagshandlung, in Darmstadt : 

19.719. Bopp, Beiträge zum Verständnisse der vier mitlelrhein. Land- 
rechte ; 2. Tbl. 1857. 8. 

A. Blanchet in Lausanne : 

19.720. Ders., notices sur quelques monnaies in^diles de P^v6ch6 de 
Sion. 1864. 4. 

G. V. Bülow in Lausanne : 

19.721. Blanchet, Lausanne des les temps anciens. 1864. 8. 
IiOuis Pröbster, Kaufmann, in Nürnberg: 

19.722. de Pufendorf, de rebus a Carolo Gustavo Sueciae rege gestis 
comnientariorum libri VII. 1729. 2. 

Dr. H. Wuttke, Universiläts-Profcssor, in Leipzig : 

19.723. Ders., die deutschen Zeitschriften und die Entstehung der 
öfTentl. Meinung. 1866. 8. 

19.724. Brevis iniroductio in historiam rerum Germanicarnm litera- 
riam. 1727. 4. 

19.725. v. Kamper, Geschichte der Niederlande; I. Bd. 1831. 8. 

19.726. Eichsladius, de praecipuis quibusdam Ernestinae prosapiae 
in Saxonia principlbus. I. 1844. 4. 

19.727. Eichstadius, memorabilia academiae Jenensis ; IV. 1848. 4. 
19,728 — 19,741. 15 weitere Schriften vermischten Inhalts a. d. J. 

1815 — 64. 4. u. 8. 
Alfred Oehmigke, Verlagshandlung, in Neu-Ruppfn : 

19.742. Smidt, Heinrich van Zütphen. 8. 
Hammer, Oekonom, in Heroldsberg : 

19.743. Vogt, calalogus hist.-cril. librorum rariorum. 1793. 8. 

Geschichts - u. alterthumsforschende Gesellschaft 
des Osterlandes iu Altenburg: 

19.744. Dies., Mittheilungen ; Bd. VI, 3. u. 4. Heft. 1865. 8. 
Fr. Wagner'sche Buchhandlung in Freiburg i. Br : 

19.745. Buls, die Methodologie des Kirchenrechts. 1842. 8. 

19.746. Sohl, Attila, Trauerspiel. 1865. 8. 
Universität zu Stralsburg: 

19.747. Collection generale des dissertations de la faculte de möde- 
cine de Strasbourg; annäe 1865, tome 36 — 38. 1866. 4. 

Redaktion der Heidelberger Jahrbücher in Heidelberg: 

19.748. Heidelberger Jahrbücher der Literatur; Jhg. 56, 4; 57, 3 u. 
59, 4. 1863, 64, 66. 8. 

Herder'sche Verlagshandlung in Freiburg i. Br. : 

19.749. Sammlung historischer Bildnisse ; I— IV. 1857—64. 8. 

19.750. Flofs, Leonis P. VIII. Privilegium de investituris Ottoni I. 
imp. concessum. 18.58. 8. 

19.751. ScharpfT, die Entstehung des Kirchenstaates. 1860. 8. 

19.752. V. Wänker, aus der deutschen Geschichte der zwei letzten 
hundert Jahre. 1861. 8. 

19.753. Schwäbische Volkslieder. 1864. 8. 

19.754. Riel's, d. selige Petrus Canisius aus der (lesellschaft Jesu. 
1865. 8. 

Ph. Krüirsche Universitäts-Buchhandlung in Landshut: 

19.755. Permaneder, Handbuch des gemeingilligen katholischen Kir- 
chenrechtes; 3. Aull. 1856. 8. 

19.756. Kirnberger, Handbuch für den röm. Choralgesang. 1858. 8. 
Dr. Joh. v. Hoffiuger, k. k. Ministerialsekrelar, in Wien : 

19.757. Derselbe, das fürstl. u. gräü. Haus Dietrichstein. 1866. 8. 
Sonderabdr. 

Dr. J. K. Hafskarl in Cleve : 

19.758. Ders., über die Commelinaceen. 8. Sonderabdr. 



257 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



258 



Dr. C. B. A. Fickler, Professor, in Mannheim : 

19.759. Ders., Beitrage zur Geschichte der ehemaligen Benedictiner- 
Abtei Alpirsbach. ]866. 8. 

19.760. Tunner, Album von Maria-Zeil. 2. 
Oudheidskundige Kring: van het Land van Waes in 

St. Nikolaas: 

19.761. Ders., buitengewone Uilgaven; Nr. 4. 1866. 8. 
Steiermärkischer Verein zur Förderung^ der Kunst- 
Industrie in Graz : 

19.762. Ders., Katalog der zweiten Ausstellung kunstgewerblicher 
Erzeugnisse. (1866.) 8. 

Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Ge- 
meinnützigren in Basel : 

19.763. Dies., Geschichte; 89. Jahr, 1865. 1866. 8. 

III. Für die Kunst- und Alterthums- 
sammlung. 

Götz, Administrator, in Regensburg: 

5110. Miinnl. und weibl. Kopf, Oelgemülde vom 18. Jhdt. aus dem 
Schotlenkloster zu Kegensburg. 

G. von Bülow in Lausanne : 

5111. Plan der Stadt Lausanne, Steindruck. 
Fr. Baader, Conditor, in Krumbach: 

5112. Verschiedene Reste von irdenen und bronzenen Geschirren 
und Eisengerathen aus einem Grabfunde bei Krumbach. 

Anton Peter, Schriftsetzer, in Nürnberg: 

5113. Silbermünze des Grafen Sigismund von Tirol. 
Chr. Hefs, IVlaschinenmeisler, in Nürnberg: 

5114. Böhm. Silbermünze von 1660. 
A. Jungfer in Berlin : 

5115. Sammlung von 310 FalschmUnzerprodukten u. a. Münzen. 
Arn. Geis:er in Isny : 

5116. Siegeistock der Weber zu Isny, 1603. 



K. Ehemann, Rothgerbermeister, in Nürnberg: 

5117. Flasche von weilseni Glase mit eingehrannten gemalten Wap- 
pen, 17. Jhdt. "^ 

5118. 2 Krüge mit Zinndeckeln, 18. Jhdt. 

5119. Schildpattdose mit geprelstcm Deckel, 17. Jhdi. 
Bürgermeisteramt zu Oggersheim : 

5120. Lackabdruck des älteren Stadtsiegels von Oggersheim. 
Dr. C. B. A. Fickler, Professor, in Mannheim: 

5121. 6 photograph. Aufnahmen von und aus dem Kloster Alpirs- 
bach. 

If. Frohster, Kaufmann, in Nürnberg: 

5122. 142 Darstellungen aus Piiffendorfs Geschichte Carl Gustavs, 
Königs von Schweden, in Kupferstich von P. Lombart u. A. 

5123. 14 Abbildungen aus anderen älteren Druckwerken. 
J. HÖfler, Vikar, in Eschenfelden : 

5124. Eiserner Kirchenschlüssel mit anhangender Kette, 14. Jhdt. 

5125. 2 bei Breitenstein ausgegrabene Bronzesicheln. 
H. Dworzak, Gutsbesitzer, in Aislersheim: 

5126. 8 Blätter älterer Papierproben mit Wasserzeichen. 
Fr. Knapp, Kaufmann, in Nürnberg: 

5127. Nürnberger Fünfkreuzerstück von 1611 und Tiroler Dreier 
von 1642. 

B. Schnell, fstl. hohenzoller'scher Archivar, in Sigmaringen : 

5128. 6 Abdrücke der älteren Stadtsiegel von Sigmaringen : 

A. Gibsone, Privatier, in Nürnberg: 

5129. Die Passion von Th. Galle nach J. Stradamus. 

5130. 5 Blätter Kupferstiche und Radierungen vom 16. und 17. Jhdt, 
Port, Kaufmann, in Nürnberg: 

5131. SteyermärU. halber Batzen von 1626. 

B. F. Thiefs, Kaufmann, in Nürnberg : 

5132. Zweikreuzerstück Ludwig's VIIL von Hessen -Darmstadt. 
A. Schabet, fstl. Waidenburg. Archivar, in Wurzach : 

5133. 300 altere und neuere Lackabdrücke von Siegeln. 



Chronik der historischen Vereine. 



Abhandlungen der p bilos o phisch - phi lologisch en 
Classe der königlich bayerischen Akademie der Wis- 
senschaften. Zehnten Bandes dritte Abtheilung. In der Reihe 
der Denkschriften der XXXIX. Band. München, 1866. Verlag der 
k. Akademie, in Kommission bei G. Franz. 4. 

Eilften Bandes erste Abtheilung. In der Reihe der Denkschrif- 
ten der XLII. Band. 

Zur Erkenntniislehre von Ibn Sina und Albertus Magnus. Von 
B. Haneberg. (Die übrigen Abhandlungen haben zur deutschen Vor- 
zeit keine Beziehung.) 

Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der 
Wissenschaften zu München. 1866. I. Heft. III. München. 
1866. 8. 

Zeitschrift des Vereins zur Ausbildung derGewerke 
in München. Sechzehnter Jahrgang. — Erstes und zweites Heft. 
1866. 2. 

Die Originalentwürfe deutscher Meister für die Prachtrüstungen 
der Könige von Frankreich. — Der Ceremonienhammer des Papstes 
Julius III. — Was heifst Kunst ? Aus den Entretiens sur l'architec- 
ture von Viollet-Le-Duc. Uebersetzt von A. Mecklenburg. 

Kirchenscbmuck. Ein Archiv für kirchliche Kunst- 
schöpfungen und christliche Alterthumskunde. Heraus- 
gegeben unter der Leitung des christlichen Kunstvereins 
der Diöcese Rottenburg. Redigirt von Pfarrer Laib und De- 



kan Dr. Schwarz. XIX. Band, zweite Hälfte. Zehnter Jahrgang. 1866. 
Zweites Vierleljahrsheft. Stuttgart. 8. 

Kunst und Handwerk. (Friedr. Schneider.) — Ein Gang durch 
80 Kirchen. II. — Alte Reliefstickereien aus der Kuratiekirche von 
Neusers bei Mergentheim. — Die Kirchenthüren des Mittelalters. — 
Kirchliche Alterthümer im Norden. — Die Thierfabeln in liturgi- 
schen Büchern. — Restauration der Klosterkirche St. Zeno bei Rei- 
cbenhall. — Zweischiffige Kirchen. — Die altehrwürdige Abteikirche 
zu Solesme. — Kirche zu Marienhafe. 

Fünfzehnter Jahresbericht des Altmärkischen Ver- 
eins für vaterländische Geschichte und Industrie. Ab- 
theilung lür Geschichte. Herausgegeben von Th. Fr. Zcchlin. Salz- 
wedel, 1865. 8. 

Die Geschlechter v. Metzdorf und v. Ballenstedt in der Allmark, 
von G. A. von Mülverstedt. — Altmärkische Sagen. (Krüger.) — 
Geschichtliche Nachrichten über die königliche Burg zu Salzwedel. 
(Danneil.) — Beitrag zur Geschichte des altmärkischen Consistoriums 
der Reformatioijszeit. (Bartsch.) — Die Dorfkirchen romanischen 
Stiles in der Altmark, vorzugsweise des Verden'schen Theils. (Schmidt.) 
— Die Grabsteine in und bei der Klosterkirche zu Neuendorf, Kr. 
Gardelegen. (Ad. M. Hildebrandt.) — Jedem das Seine (belr. die 
erste Aufstellung gesonderter Stein-, Bronze- und Eisenperioden). 
(Danneil.) — Die in der Altmark vorzeiten gewesenen Amtshaupt- 
mannschaften und ihre Inhaber, vom Archivralh G. A. v. Mülver- 



259 



Anzeiger für Kunde der deulschen Voizeit. 



260 



stedt. — Verfolgung von Raubmördern, 1615. (Ders.) — Vereins- 
angelegenheiten. 

Geschichte der Gesellschaft zur Beförderung des 
Guten und Gemeinnützigen in Basel. Ncunundachtzigsles 
Jahr. 1865. Basel. Schweighauser'sche Buchdruckerei. 1866. 8. 
272 Sin. 

L'In vestigateur. Jonrnal de l'Institut historique 
de France. Trente-troisi^me ann^e. Tome VI. IV. S^ric. 376. Livr. 
Mars 1866. 377. Livraison, Avril 1866. Paris, 1866. 8. 

Bulletin monumental ou collection de m^nioires 
gur les monuments historiques de France, publik sous les 
auspices de la Soci£t6 franfaise d'arch^ologie pour la 
conservation et la description des monuments natio- 
naux, et dirigd par M. de Caumont. 4. Sitie, Tome 2. 32. Vol. 
de la Collection. Nr. 4. Paris et Caen, 1866. 8. 

^ote sur la niitre ^piscopale, par M. Pabb6 Barraud. (Suite.) 
St. Vincent-de-Pertignas, d^partement de la Gironde ; etude histori- 
que et arch^ologique par M. L^o Droujn. — Kapport sur des d6- 



couvertes recenles failes dans le däpartement de Maine-et-Loire, par 
M. Godard-Faultrier. — M^langes d'arch^ologie. — Chronique. 

Buitengewoone Uitgaven van den Oudhei kundigen 
Kring van het Land van Waas. Nr. 4. 

Het Land van Waas, door Adolf Siret. Eerste Aflevering. St. 
Kikolaas, 1866. 8. 

De Vrijc Fries. Mengelingen, uilgegeven door het F riesch 
Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde. 
Elfde Deel. Nieuwe Reeks Vijfde Deel. Tweede Stuk. Te Leeu- 
warden bij G. T. N. Suringar. 1865. 8. 

De Friesche Kerk te Rome, door Dr. J. H. Halbertsma. — Me- 
dedeeling omtrent den oorsprong en de beteekenis van de benaming 
het Moordjaar, voor het 63e levensjaar, door Mr. W. W. Buma. — 
De Statuten en Privilegien van het Schultersgild te Franeker ; door 
Mr. J. Telling. — Hoe een Fries, in het jaar 1564, om de band van 
Koningin Elisabeth van Engeland vrijt, door Mr. J. Dirks. — Noch 
iels over de Grafzerk te Rinsumageest van 1341, door Dr. L. J. F. 
Janssen. 



IVachrichten. 



lilteratur. 

Neu erschienene Werke. 
15) Die mittelalterlichen Kunstdenk male der Stadt 
Kr a kau von A. Essenwein. Nürnberg, 1866. Im Selbst- 
verläge des Verfassers, gr. 4. 186 u. XLIII Sin. Mit 80 
Tafeln Abbildungen und vielen in den Text gedruckten Holz- 
schnitten. 

Längst war es bekannt, dal's die alle polnische Königsstadt Kra- 
kau reiche und wesentliche Ergänzungen für die deutsche histori- 
sche Kunst in sich berge. Die Entlegenheil des Ortes, sowie die 
geringe Kennlnifs der dort herrschenden Sprache bei nns, welche 
einerseits dem Forscher selten gestalten, die Denkmäler selbst in 
Augenschein zu nehmen, andrerseits, sie aus den zahlreichen Ver- 
ött'entlichungen der einheimischen Gelehrten näher kennen zu ler- 
nen, verhinderten, dafs die Kunstgeschichte Krakau's mehr als bruch- 
stackweise bei uns bekannt wurde. Das Einzelne, was darüber zu 
uns gelangte, war aber stets geeignet, unser Interesse in hohem 
Grade wach zu rufen und das Bedürfnil's einer zusammenhängenden 
Kenntnil's zu verstärken. Durch wiederholten Aufenthalt in der Stadt 
unterstützt, gab der Verfasser bereits früher im ,, Organ für christ- 
liche Kunst", in der „Gewerbehalle" und der französischen Zeit- 
schrift „L'Illustralion" eingehendere Mittheilungen : im vorliegenden 
Werke erhalten wir aber ein so umfassendes und abgerundetes Bild 
des Ganzen, dafs die grofse Bedeutung dieses vorgeschobenen Po- 
stens für die Kunstgeschichte, so weit sie in der Thal diese und 
nicht blos lokales Interesse betriiTl, als erschöpft und für uns voll- 
standig gewonnen betrachtet werden kann. — In der Einleitung 
wird zunächst das Verhältnifs des Buches zu den bisherigen, vor- 
zugsweise den heimischen Bearbeitungen desselben Stoffes, nament- 
lich dem rein geschichtlichen oder einseilig patriotischen Standpunkte 
gegenüber, die streng wissenschaftliche Behandlung und der allge- 
mein kunstgeschichtliche Gesichtspunkt festgestellt, sowie eine kurze 



Uebersicht und Würdigung der vorzugsweise benutzten Literatur 
gegeben. Ein gemessener Abril's der Geschichte Krakaus sondiert 
den Boden vor Allem in Bezug auf Entwicklung kulturgeschichtli- 
cher Verhältnisse und die Bedingungen, welche eine Entfaltung der 
Kunst begleiten mulstcn. Eine vom Plan der Stadt und Wieder- 
gabe mehrerer älterer .Abbildungen unterstützte Darstellung der all- 
gemeinen Ansicht Krakau's in früherer Zeit, sowie der Anlage und 
Befestigung der Stadt, des Schlolsberges Wawel und der Vorstadt 
Casimir bildet den Uebergang zum speciell kunsthistorischen Theil, 
in welchem die Besprechung der Kirchen und unter diesen wieder 
die des alten Krönungsdomes auf der Burg den ersten Platz ein- 
nimmt. Die Domkirche, das Nationalheiligthum Polens und bezeich- 
nend vom Verfasser das Spiegelbild des polnischen Königthums und 
seiner Geschichte genannt, reicht im Unterbau noch seines heuligen 
Bestandes bis in den Ausgang des elften oder den Anfang des zwölf- 
ten Jahrhunderts zurück, zeigt aber in seiner Hauptmasse die For- 
men des entwickelten gothischen Stiles, die freilich durch zahlreiche 
spätere Zuthaten und den Thurmaufsatz aus der Renaissance- und 
selbst Zopfzeit für den Gesammteindruck sehr alteriert werden. Die 
ausgesprochene Anlage einer Krönungskirche jedoch, sowie die zahl- 
reichen , in der inneren Ausstattung enthaltenen Kunstdenkmäler er- 
setzen für das Interesse des Forschers, was dem Bauwerke an ein- 
heitlichem Stile abgeht; eine gründliche Erörterung seiner Einzel- 
heiten entschädigt in der Beschreibung für den Abbruch des Ein- 
druckes, den die Wirklichkeil vorzugsweise durch die Ungunst ge- 
schichtlicher Ereignisse erlitten hat. Die nach Verhältnils mehr oder 
weniger eingehende Besprechung von 64 anderen Kirchen nebst der 
allen Synagoge auf dem Casimir gewährt einen Gesammteindruck, 
welcher der historischen Bedeutung der Stadt vollkommen entspre- 
chend ist und dem in einer eigenen Abiheilung des Werkes, einer 
allgemeinen Uebersicht des Charakters der Kirchenbaukunst Krakau's, 
die wissenschaftliche Seile abgewonnen wird. Die bürgerliche Bau- 
kunst und an der Spitze derselben der königliche Palast auf der 



261 



Anzeiger für künde der deutschen Vorzeit. 



262 



Burg, die Rathhäuser der Stadt und selbständigen Vorstädte, die Uni- 
versität und viele andere Bauten, selbst Slralsen , Wege, Brücken, 
Wasserleitungen und Brunnen nicht ausgenommen, bilden eine ent- 
sprechende Parallele. Der fünfle Hauptlheil des Werkes, die Klein- 
künste, wie Goldschmiedearbeiten, Paramente, Handschriften u. s. w. 
betreffend, hat trotz der mannigfaltigen Verheerungen, welche über 
die Stadt und ihre grolsen wie kleineren Denkmale ergangen sind, 
doch noch ein reiches Material zu behandeln, dessen allseilige Erör- 
terung wiederum des Belehrenden viel bietet. Eine Reihenfolge von 
21, gröl'stentheils urkundlichen Beilagen gewährt manchen Beitrag, 
der zur Aufklärung älterer Kunst- und Kulturzuslände überhaupt, 
namentlich auch in Bezug auf Deutschland von grolsem Belang ist. 
Dahin gehört vornehmlich ein Verzeichnils der ältesten Buchdrucker 
und Verleger Krakau's, die Statute der Maurer, Goldschmiede, Ma- 
ler und ihrer Zunftverwandten, das Ceremoniale der Königskrö- 
nung u. a. 

Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die Abbildungen, 
welche auch ohne die zahlreichen , in den Text eingestreuten Holz- 
schnitte mehr als ein Dritlheil im Umfange des ganzen Werkes ein- 
nehmen. Grolsentheils von der kundigen Hand des Verfassers selbst 
gezeichnet, sind sie, dem jedesmal dargestellten Gegenstand ange- 
pafst, in Stahlstich oder Steindruck , und zwar letzterer in Ueber- 
druck, Kreidemanier oder Gravierung ausgeführt. In umfangreiche- 
ren Holzschnitten gegeben sind die malerischen Ansichten des Do- 
mes und der Marienkirche auf dem Binge ; ebenso ausgeführt man- 
nigfache architektonische und ornamentale Einzelnheiten, namentlich 
die unter der Rubrik der Kleinkünste zur Abbildung gebrachten Ge- 
genstände : mehrere reichverzierte Kelche, Reliquienbehälter u. dgl. 
Die Tafeln geben vorzugsweise Grund- und Aufrisse, Construktionen 
und Details der technischen Anlagen, aber auch die erwähnten äl- 
teren wie neueren Prospekte, unter denen eine Reihe nebeneinan- 
der gestellter, mannigfaltig construierter Mauerthürme ein besonderes 
Interesse gewährt. Auch plastische Denkmäler sind in dieser Ab- 
theilung vorgeführt; eine wahre Musterarbeit ist die wiedergegebene 
Hitlelgruppe des Hochaltares der Marienkirche von Veit Stol's. Durch 
alle Mannigfaltigkeit der zur Besprechung gebrachten Gegenstände 
und die Vielseitigkeit ihrer Behandlung zieht sich ungeschwächt der 
Eindruck, dafs wir uns auf heimischem Gebiete der Forschung be- 
linden und in den Denkmalen Krakau's in der That auch ein bedeu- 
tendes Stück deutscher Kunst betrachten. In überraschender Weise 
wird uns vor Augen geführt, mit welcher Inlensivität schon im Mit- 
telalter das germanische Element jene slavischen Grenzbezirke durch- 
drungen hatte, und indem wir sehen, welche Eroberungen in durch- 
aus friedlicher Weise auf dem Gebiete der Kultur längst gemacht 
waren, bevor die politische Geschichte nachfolgte, wird über das 
erschreckende Bild, das diese in ihrem Vorgehen zur Ausführung 
gebracht, wenigstens ein Hauch der Versöhnung verbreitet. 



Atifsätze In Zeitschriften. 

Das Ausland: Nr. 27. Alter und Erfinder der Feuerspritzen. 

Oberlausitzer Dorfzeitung: Nr. 19 — 21. Beiträge zur Ge- 
schichte der Weberei in der südlichen Oberlausitz. (G. Korscheit.) 

Erheiterungen am häusl. Herd: 6. Heft, S. 235. Das wilde 
Heer oder Nachtgejaid. 

Illustr. Familien-Journal: Nr. 25 (6.55). Ein Stück deutscher 
Geschichte (die Ruinen der Ebernburg). 



Grenzbolen: Nr. 24, S. 417. Deutsche Studenten in alter Zeit. 
4. Das akademische Leben nach dem dreilsigjährigen Kriege. 
(Mor. Busch.) 

Hausblätter: 12. Heft, S. 458 ; 13. H., S. 58. Holzland-Sagen. 
XIII— XV. (Kurt Greis.) 

Allgemeine Kirchenzeitung: Nr. 37—44. Der Uebertritt des 
Erbprinzen Friedrich, nachmal. Landgrafen Friedrich II. von 
Hessen aus der evangelischen zur römisch-katholischen Kirche. — 
Die Gemeinde zu Gablonz, ihre seitherige Geschichte und jetzige 
Noth. 

Korrespondent v. u. f.D.: Nr. 295. Bayerische Städtebilder: 
Passau. 

Deutsche Kunstzeitung (Dioskuren) : Nr. 23 ff. Die Holbeinische 
Madonna und ihre .\usleger. Ein Beitrag zur Kritik der heu- 
tigen Kunsiforschung und ihrer patenlirten Vertreter. — Nr. 26 ff. 
Die Goihik und ihre Bedeutung für die Wiedergewinnung eines 
nationalen Baustils. 

Protest. Monatsblätter f. innere Zeitgesch.: Apr. Die Stil- 
len im Lande. Zur inneren Geschichte des religiösen Lebens 
seit dem Keformations-Zeitalter. 1. Thomas a Kempis u. Gerb. 
Tersteegen^ 

Deutsches Museum: Nr. 25. Zur Geschichte des Elsafs. (Dr. 
J. Duborc.) — Nr. 26. Die Epochen der Handelsgeschichte. 
(Herm. Bischof) — Der Plan zur Sammlung eines Quellen- 
schätzes german. Volkssage und Volkssitle. (Hans Prutz. ) 

Revue des deux mondes: 1. Juin, 3. Livr. p. 537. La Thuringe. 
Voyage ä travers TAIlemagne du pass6 et du präsent. (Henri 
Blaze de Bury.) 

Sonn tagsblatt, hrsg. von Spieihagen : Nr. 22. Zur Geschichte 
der Frauenkleidung und Frauentoilette. 1. Der Reifrock. (W. 
Angerstein.) 

Wochenblatt der Johanniter-Or-dens-Balley Branden- 
burg: Nr. 27. Der heilige Vincenz von Paula. 

Bayer. Zeitung: Mgbl. Nr. 162. Aus dem oberfränkischen Sagen- 
kreise. Die weilse Frau und Kloster Himmelkron. — Nr. 165 ff. 
Zur Geschichte der Universität Ingolstadt am Ausgang des 
15. Jahrhunderts. (Aug. Kluckhohn.) — Nr. 170 f. Zwei Bei- 
träge zur Familiengeschichte der Freiherren Schertel von Bur- 
tenbach. (C. W. Neumann.) — Nr. 172 ff. Wie man im pfalz- 
neuburgischen Hause Lauingen Hochzeit hielt. Culturgeschicht- 
liches Bild. (Dr. A. Birlinger.) — Nr. 180 und 181. Georg 
Wilhelm von Brandenburg und eine Kartenschlägerin. — Nr. 187 
und 188. Redensart : Auf ihn, er ist von Ulm ! (Dr. Birlinger.) — 
Nr. 193. Eine Kepler-Anekdote. 

Leipziger Zeitung: Wissensch. -Beilage. Nr. 43 ff. Zur Ge- 
schichte der nordfranzös. Dichtkunst im 12. Jahrb. — Nr. 49. 
und 50. Die Faustsage. 



Vermiselite IVaelirieliten. 

69) In der Sitzung der philosophisch- historischen Classe der 
kais. .\kademie der Wissenschaften ;in Wien vom 13. Juni wurden 
von Dr. Beda Dudik „Statuten der Prager Me tr opoli tan- 
kirche vom Jahre 1350' vorgelegt. Diese bis jetzt unbekannt 
gebliebenen Statuten sind von nicht geringer Wichtigkeit, was schon 
daraus hervorleuchtet, dal's sie einen wesentlichen Beitrag liefern 
zur Geschichte der Erhöhung des Prager Bisthums zu einem Erz- 



263 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



264 



bislbnm. Genommen wurden sie aus der einzigen bis jetzt bekann- 
ten Pergamenlhandschrifl vom Jahre 1403, welche in Nikolsburg 
liegt. " In der Sitzung vom 20. Juni wurde der Jahresbericht über 
die Thütigkeit der Commission zur Herausgabe österreichi- 
scher VVeisthUnier erstattet. Auch im abgelaufenen Jahre halte 
das Unternehmen einer lebhaften Theilnahme und Unterstützung sich 
zu erfreuen. Die Zahl der Orte Niederöslerreichs, von welchen be- 
reits Urkunden vorlagen, ist um GO vermehrt worden. Auch Ober- 
Osterreich hat verschiedene Beiträge geliefert, namentlich der Ver- 
wallungsausschufs des Museum Francisco-Carolinum in Linz Anzeige 
von den dort aufbewahrten Schätzen gemacht. Vornehmlich hiedurch 
ist das Vorhandensein von Taidingen aus 28 Orten zur Kenntnifs 
der Commission gekommen. In Salzburg waren es vorzüglich die 
Sendungen des Landesauschusses, ferner die von Pfeiffer im S. Pe- 
tersarchiv und in der Centralregistratur vorgenommene Nachlese, 
endlich die begonnene Ausbeute des im k. k. geheimen Haus-, Hof- 
und Staatsarchiv verwahrten salzburgischen Kammerbuches Nr. 4, 
wodurch die schon vorhandenen Taidinge einen Zuwachs aus 19 Or- 
ten erhalten haben. Von der Ausbeute aus Tirol und Voralberg, 
welche fast ausschlieislich den Bemühungen PfeiETer's zu verdanken 
ist, war schon in einer früheren Mittheilung die Rede. Auch von 
andern Seiten fehlte es an tirolischen Beitragen nicht, so dafs die 
Commission binnen kurzer Zeit in den Besitz einer Sammlung von 
Taidingen aus 39 Orten gelangte. Anfserdem hat Prof. Zingerle, 
mit der planmäfsigen Durchforschung der Archive und Gemeinde- 
Iruben beauftragt, bereits Taidinge aus nicht weniger als 24 Orten 
in sichere Aussicht gestellt. Für Steiermark hat die Ausbeute des 
Joanneum-Archivs in Graz bis jetzt Taidinge von zwei Orten ergeben. 

70) Der Graf von Mayencourt, ehemaliger Pair von Frankreich, 
gedenkt verschiedene Korrespondenzen und Dokumente 
herauszugeben, die er in den Archiven Stockholms, Wiens und 
Venedigs gefunden hat und die sich sämmtlich auf den 30jährigen 
Krieg, sowie den weslphälischen Frieden beziehen Nach 
einer Schilderung der Lage Deutschlands und der nordischen Mächte 
seit dem 16. Jhdt. folgen Briefschaften und sonstige Manuscripte 
von VVallenstein, Gustav Adolf, Oxenstjerne , Grotius, Trautmanns- 
dorf, Contarini u. A. Die meisten dieser Urkunden sind bisher un- 
ediert. (Europa.) 

71) In manluanischen Archiven sind durch den französischen 
Schrillsleller Armand Sachet Briefe von Peter Paul Rubens, 
sowie Dokumente in Bezug auf denselben gefunden worden, welche 
über seinen italienischen Aufenthalt beim Herzoge Gonzaga und 
über seine spanische Reise, in des Genannten Auftrag unternommen, 
ein helles Licht verbreiten und auch allgemein die damaligen Zu- 
stände illustrieren. (Dies.) 

72) Der Alterthumsverein zu Mannheim hat eine interessante 
Erwerbung in einem Steinbilde gemacht, das zu Laden bürg, 
dem allen Lupodunum, ausgegraben worden ist und somit eines der 
ersten Denkmale der ROmerherrschaft auf dem rechten Ufer des 



Mittelrheins gewesen sein dürfte. Es ist ein ungefähr 2 Meter langes 
und eben so hohes Standbild, aus buntem Sandstein ziemlich roh 
gearbeitet, das einen Reiter in Imperatorentracht, mit kurzer Tunica, 
blolsen Beinen und Kriegerhalbstiefcin darstellt, der über einen am 
Boden liegenden Mann binsprengt, dessen Hände und Fülse in Flossen 
ausgehen. Der Reiter ist oben einigermal'sen verstümmelt. Das 
Bild mag wol über einem Geiübdenstein angebracht gewesen sein. 
Aehnliche Darstellungen befinden sich im Antiquarium in Mannheim 
und zu Speier, deren Zusammengehörigkeit sich nicht in Abrede 
stellen läfst. Mit Berücksichtigung einer von Eckhel veröffent- 
lichten Münze ist anzunehmen , dals das Steinbild den Kaiser Do- 
mitian darstellt, wie er im Kriege mit den Chatten den Rhein über- 
schreitet, als „Rhenidomitor", wie Martial ihn nennt. (III. Ztg.) 

73) Die in kunslbistorischer Beziehung höchst interessante by- 
zantinische Kirche zu Heimersheim im Aarthal (Regier.-Bez. 
Coblenz) hat eine neue Zierde durch zwei grolse gemalte P"en- 
ster erbalten, welche der Domglasmaler Peter Grals in Köln auf 
Anordnung des Regierungspräsidenten Grafen von Waldbott-Bassen- 
heim in stilistischer Uebereinstimmung mit den noch vorhandenen, 
der Zerstörung durch Turenne im 17. Jahrhundert entgangenen 
alten Resten angefertigt hat, wodurch dem Gotteshause ein ebenso 
gediegener , als künstlerisch gelungener Schmuck verliehen ward. 
Der Bau prangt wieder in ursprünglicher Schönheit und Reinheit 
der Formen, nachdem er nach den Plänen des verstorbenen Bau- 
raths Zwirner unter Leitung des Bauraths Stüler und des Baumei- 
sters Uhrich stilgetreu hergestellt und ausgeschmückt worden ist. 

(Dies.) 

74) Unter die Arbeiten für die innere Ausstattung des 
Kölner Doms, die kürzlich in Angriff genommen worden sind, 
gehört auch die Errichtung eines neuen Altars an der Ostseile des 
südlichen Querschiffes. Daselbst wird ein reicher Altarschrein, der 
früher in der Kirche St. Maria zu den Staffeln in Köln stand, seinen 
Platz linden. Das Innere desselben , ein Schnitzwerk mit vielen 
vergoldeten und gefärbten Figuren, wird von Doppelflügeln um- 
schlossen, welche in Gemälden Darstellungen aus dem Leben der 
h. Maria, sowie aus den Legenden des h. Agilolphus, des 23. Bi- 
schofs von Köln, und des b. Anno enthalten. Der Meister ist wahr- 
scheinlich ein Zeitgenosse des Barthal de Bruge und einer der Letzten, 
welche der eigentlich kölnischen Schultradition folgten. (Dies.) 

75) Die altehrwürdige Reinoldus-Kirche zu Dortmund 
mit ihrem mächtigen Chor war der Restauration sehr bedürftig. 
Am Aeufsern waren die feinern Theile ihrer Streben, das Blattwerk, 
die Baldachine, die Gesimse und die Gliederungen theilweise bis zur 
Unkenntlichkeit vom Wetter verwüstet worden. Die Herstellung 
hat kürzlich begonnen , und es soll ein beträchtliches Kapital für 
diesen Zweck flüssig gemacht worden sein. Falls der Grofse dessel- 
ben die architektonische künstlerische Behandlung entspricht, wird 
die Reinolduskirche wieder einen prächtigen Anblick gewähren. 

(Dies.) 



Verantwortliche Redaction : A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



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Neue Folge. 




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Dreizelinter Jahrgang. 



1866. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



Anglist. 



Wissenschaftliche Mttheiluugen. 



S p Ii r a (^ 1 8 t i 8 c Ii e A p li o r I s iii e n. 

Von F. -K. Fürsten zu Ilohenlohe Waidenburg. 
I. 




Von diesem in m eli rf a eher Beziehung höchst inleressanleii 
Siegelstempel (III, B, 3) ist bis jetzt kein Originaiabgufs bekannt. 
Es befinden sich aber zwei Exemplare desselben in dem fürst- 
lich Hoheulohe-Neuenslein'schen Kunst- und Raritäten -Cabinet, 
zur Zeit in Kirchberg a. d. J., das eine in Kupfer, das andere 
in Silber ; beide Vj Centimetre dick und hinten glalt. Beide 
Stempel sind ganz gleich, nur scheint erstcrer etwas schärfer 
gestochen zu sein. 

lieber die Literatur dieses Siegelstempels siehe J. Albrecht, 
die hohenlohischen Siegel des Mittelallers, Nr. 6. 



Was diesem Siegelstempel ein ganz besonderes Inte- 
resse verleiht, ist die darauf angebrachte Jahreszahl, schon an 
und für sich und noch ganz besonders wegen der arabischeu 
Ziffern. 

Andere Siegel mit Jahreszahlen aus dem 13. Jahrh. sind 
bis jetzt keine bekannt. Erst einige sechzig Jahre später fin- 
den wir ein Siegel des Klosters Hornbach in der Pfalz mit der 
Jahreszahl 1300, aber mit römischen Ziffern (gothische Ma- 
juskel). Das zweite mit arabischen Ziffern ist das Siegel 
der Stadt Troslberg von 1320*). 

Es wäre höchst interessant, wenn noch andere derartige 
Siegel, namentlich aus der Zeit vor 1400, beigebracht werden 
könnten. 

Was die arabischen Ziffern betrifft, so glaubt Mauch**) 
„den Grnnd, aus welchem dieses historisch wie technisch in- 
teressante Siegel allen anderen in Deutschland vorgekommenen 
bezüglich der darauf befindlichen arabischen Ziffern um ein 
volles Jahrhundert voraus ist, und insofern hier vereinzelt 
dasteht, nur in dem Umstände suchen zu müssen, dafs sich 
Gottfried von Hohenlolie mehrentbeils am kaiserlichen Hoflager 
und mit demselben viel in Italien aufhielt, wo mit dem in 



*) Weitere Siegel mit Jahreszahlen aus dem 14. und 15. Jahrh. 
sind im Anzeiger für 1859, Nr. 7 u. 10, und 1860, Nr. 1 an- 
gegeben. 

**) „Ueber den Gebrauch arabischer Ziffern und die Veränderun- 
gen derselben," im Anzeiger für 1861, Nr. 2 — 7. S. auch 
H. Otle, Kurzer Abrifs einer kirchlichen Kunst- Archäologie 
des Mittelalters, in den neuen Miulicilungcn des thüringisch- 
sächsischen Vereins, Bd. VI, Heft 4, S. 3 und Taf. UI. 



267 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



268 



den Verkfhrsverlialtiiisscn mehr und mehr fuhlhar gewordenen 
BedUrfiiifs der Erweiterung der ItechenUunsl die arahischen Zif- 
fern bereits mit dem !3. Jahrh., iingcnilir um dieselbe Zeit all- 
gemeinere Verbreiluns; gefunden luiben, um welche Gotifriod 
von Hohenlolie mit der Würde eines „comes romaniüle" belie- 
hen worden ist. Auf diesen Vorgang deutet namentlich die 
Jahreszahl 1235.'' 

Nach dem neuen Lehrgebäude der DiplomaliU sind die ara- 
bischen Ziffern in Euro|ia seit der eisten Ilälfle des 13. Jahrh. 
in Gebrauch. Die dort angcfulirlen ältesten Beispiele sind von 
1233 aus England, von 1215 aus Italien*) und von 1268 aus 
Deutschland. „Walscliland (ieug eher als Deutschland an, sich 
dieser Zahlzeichen zn bedienen.'' (S. II. Buch, 4. llauptst., 
§. 115.) Auf einem Grabstein eines Grafen von Katzenellen- 
bogen, im Schlofsgarteu zuBiebeiirh, soll sich nach v. Hefner- 
Alteneck (Trachten des chrisll. Millelalt. . I. Taf. 27) die Jah- 
reszahl 1299 in arabiseheu Ziffern eingehaneu befinden. Ob 
aber dieselbe gleichzeitig ist, wird schwer nachzuweisen sein. 

Was aber die letzte Ziffer auf unserem Siegel betrifft, so 
bemerkt Jlauch, dafs dieses die einzige Ziffer 5 sei, die ihm 
von dieser Form bekannt geworden; sie habe „das Ansehen 
eines, statt nach rechts, nach links stehenden Dreiers." 

W'ir halten letzteres Zahlzeichen wirklich für einen Dreier, 
welchen der Siegelschneider aus Versehen verkehrt geschnitten 
hat**). Gerade weil die arahischen Ziffern damals noch so 



*) Viele privalreelilliche Urkunden der sicilianischen Archive aus 
dem 13. Jahrh. sollen ganz in arabischer Sprache abgefalst 
sein. 
**) Solche Falle kommen auf mittelalterlichen Siegeln nicht sel- 



ten vor. Z. ß. auf dem ältesten hohenlohischen 



Siegel 



IV, A, 1 Conrad's von 1207, abgebildet bei J. Albrecht, Taf. I, 
1; auf dem f~^ Siegel IV, A, 1 Wallers von Valz von 



1216; auf den beiden r 1 Siegeln IV, A, 1, Heinrich Flans' 

von Orlamilnde von 1311 — mit dem monogrammatisch zu- 
sammengezogenen Wappen der Grafen von Orlamünde (s. v. Le- 
debur, Archiv f. deutsche Adels-Gesch., 11, S. 22Ü) und Fried- 
ricli's von Kruscnburg (wol auch aus dem 14. Jahrb.): wahr- 
scheinlich eben so auf unserer folgenden Nr. 3: endlich auf 
dem Siegel IV, C der Kaiserin Eleonore, Gemahlin Fried- 
rieh's III., von 1460, zu welchem Sava bemerkt, dafs bei der 
Composition und Ausführung dieses prachtvollen Siegels, wel- 
che von bedeutender Kunstslule zeugen, die verkehrten 
S noch um so auffallender seien. (Die Siegel der österreichi- 
schen Fürstinnen im 3Iillelaller, I, i, 30, und unsere millelal- 
terl. Frauen-Siegel, Kr. 58). Auch auf Münzen begegnen wir 
solchen fehlerhaften Umschriften; siehe in Dr. H. A. Erbstein's 
Jllünzfund von Trebilz die Münze des Landgrafen Hermann von 



selten gebraucht wurden, ist dieser Verslofs um so leichter er- 
klärlich*). 

Gottfried kommt bis jetzt vor 1235 als Graf von Boma- 
iiiola urkundlich nicht vor; allein sein Bruder Conrad er.'cheint 
schon 1230 in einer Urkunde als comes Romaniole (s. v. Stalin, 
wirt. Gesell , II, 556). Es ist aber doch wohl anzunehmen, dafs 
beide Brüder zu gleicher Zeit mit dieser Giafschaft belehnt 
wurden. 

Diese Annahme wird durch unsere Erklärung der Jahres- 
zahl auf dem vorliegenden Siepelstempel beslarkt. 

Es sind früher hie und da Zweilel gegen nie Echtheit 
dieses Siegels l e m pe I s erhoben worden, weil bis jetzt kein 
älterer .Abdruck desselben bekannt ist, weil das Wort Sigillum 
in der Legende fehlt und namentlich auch wegen der Jahreszahl. 
Die ersleren beiden Einwände sind ohne Bedeutung. Dafs wir 
kein Originalsiegel kennen, kann Zufall sein. Die Bezeichnung 
„Sigillum" kommt schon zu Ende des 12. Jahrh. auf einzelnen 
Siegeln vor, v> ähreiid sie auf anderen zuweilen noch bis in 
die Mitte des 14. Jahrh. fehlt. Was aber die Jahreszahl be- 
trifft, so glauben wir, dafs gerade diese — nach obiger Er- 
klärung — einen Beweis für die Echtheit des Stempels lie- 
fert. Bei einer Fälschung würde man gewifs um so mehr Sorg- 
falt auf diese, damals noch so wenig gebräuchliche Zeilheslinimung 
verwendet, sicher keine ganz unbekannten Ziffern gebrauch', 
verkehrt stellende nicht geduldet und auch für Anbringung der 
Jahreszahl keinen ganz ungewöhnlichen Platz**) gewählt haben. 

Mittelalterliche .'«iegelstempel, namentlich aus dem 13. und 
14. Jahrh.. sind sehr selten; denn nur wenige sind ihrer vor- 
schriftsniäfsigen Zerstörung nach dem Tode ihres Inhabers ent- 
gangen. Sie .'•nid daher schon an und für sich für die Alter- 
thnmskunde si lir werihvoll. A\ir Ihcilen deshalb hier gleich 
noch einen zweiten mit. 

II. 

Der gütigen Mitlheilung des Herrn Pastors B. Ragotzky in 
Triglilz verdanken wir einen Abdruck dieses höchst interessan- 
ten Siegelslempels III, B, 2, a. (Abbild, s. nächste Spalte.) 

Derselbe befindet sieh in der Sammlung der Antiquitäts- 
Akademie zu Stockholm nebst mehreren anderen, wahrschein- 
lich auch aus Süddeulschlaud stammenden Stempeln. Er besteht 



Thüringen (1192 - 1215), , Nr. 80, wo S. 67 in Betreff der 
„auf Miltelaller-Munzen so oft erscheinenden incorrecten oder 
oft ganz cnistcllten Umsclirifleir- auf Groles Münzstudien IV, 
I, 559 verwiesen ist. 

*) Man würde bei Alterlhums- Forschungen sicher der Wahrheit 
öfter naher kommen, wenn man — bis zum urkundlichen Be- 
weise des Gegenlhells — der einfachsten Auslegung den 
Vorzug einräumen wollte. Denn Schreib- und Druckfehler, 
im weitesten Sinne des Worts, sind vor Jahrhunderten gerade 
• so gut vorgekommen, wie heut zu Tage. 

*) Gewöhnlich wurde die Jahreszahl am Schlüsse der Legende 
angebracht. 



2G9 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



270 




aus einer iliinnen, mit einer kleinen Oese versehenen Metall- 
platle. Das Wappen auf diesem Siegel ist sehr merliwiirdig. 
Um die Jlilte des 13. Jaluh ist uns dieser sog. ,.Eisenhut- 
Schnilt" noch nie vorgekommen. Nach unserer Theorie von 
dem heraldischen Pelzwerk müssen wir diesen Schild auch als 
einen Schild von Kursch blasonnieren ; er ist aber, statt quer - — 
wie gewöhnlich — der Länge nach getheilt. 

lieber die Person seines ursprunglichen Inhabers theilt uns 
Herr Heichsarchivsrath J. G. Brand zu älüiichen l'olgende Noti- 
zen gefalligst mit. 

In Mon. Boic. VIII, p. 504 kommt aus einem Schaftlarner 
Cod. trad. ein D(ominns) Wernherns Clirezclin vor, welcher 
der Schlichlnng eines Streites als Zeuge beiwohnte, welche 
stattfand „anno I2J3 in casiro Landeshutfe in capite Jeiunii fra. 
VI.'' und ,,in conspeclii Ludewici Ducis" conlirmiert wurde. 

In einer Kl. Furstenfelder Urkunde vom 16. März 1273 
(51. B., IX, 102), in welcher Lodwicus D. g. Comes Palatinus 
lilieni, dn,\ Bawarie, seinen Consens dazu gibt, dal's Ulricns llo- 
lermus einen Hof in Ilolenpacli und einen andern in Gallenbach 
an das Kloster Fürstenfeld resigniert, erscheinen unter den Zeu- 
gen . , . VVernherus et Eberhardus dicti Graetzel . . Albertus 
dictus Chrezil .... Anfser diesen zwei Fallen ist sonst, l)is 
jetzt, kein W e r n be r K ra tz el bekannt*); es handelt sich 
wol in beiden von ein nnd derselbe» Person. 

In der Nahe des Herzogs Ludwig hat sich demnach Wcru- 
her Krätzel wiederholt befunden, Dafs derselbe aber herzog- 
licher Marschall war, ist bis jetzt unbekannt gewesen; in dem 
Verzeichnisse der lyiarschälle der bajerischen Herzoge von 
1204 — 1292, im fünften Bande der „Quellen nnd Erörterungen 
zur bayeiischen und deutschen Üescbichte", ist er nicht aufge- 
führt. Unser Siegel liefert aber wol den urkundlichen Be- 
weis, dafs unser Wernher dieses Amt, wenn auch viclleiclit 
nur ganz kurze Zeit, bekleidete. 



*) Kach Brand kommen die Kriilzel in der (iegend am Inn schon 
seit 1190 als Zeugen in den Urluindcn der Klöster Allel. Al- 
tenholienau, Roll und Seeon vor. 

Auch auf ihren ührigen Siegeln seit 13G1 führen sie das- 
selbe Wappen, wie der Marschall Wernher. 



Porträt-Siegel kommen im 13. u, 14. Jahrb. bei weltlichen 
Herren vom niedcrnAdel nie vor, aufser von Ministerialen*). 
Bei den Frauen ist es zweifelhaft. Wir lassen hier einen weiteren, 
höchst interessanten Beiti ag zu dieser Gattung von Siegeln folgen. 

HI. 




Dieses interessante Siegel III, B, 2, a des Ritters Fried- 
rich von Mekevise hangt au zwei Urkunden von 1259 und 
1261 **) im grofsherzogi, Staatsarchive zu Darmstadt. 

In der Urkunde nennt er sich Fridericus Miles dictus Me- 
kevise frater censualis ***) riomus hospilalis beati Johannis 
Baptlste hierosolomilal : in Masmach (sollte heilsen Mosbach). 



*) S. K. V. Sava ; Die Siegel der L an d es-Erbiiniter des 
Erz herzogt hu in sOesterreich unter derEnns. Wien, 
18G1, und Dr. L. Freiherr v. Ledebur : Archiv für deutsche 
Adels-Gesch., II, Berlin, 186^, „Hei t ersi egel des niedern 
Adels'-, S. 154 ff. Ferner gehören hieher : zwei verschie- 
dene Siegel III, A, 3 des Keiclisniarschalls Anselm von Ju- 
stingen von 121G und V223 ; zwei verschiedene Siegel III, 
B, 3 Conrads von Ehrenfels, Marschalls des Hochstifls Regens- 
burg, und die Siegel III, B, 3 des Marschalls Conrad von Sun- 
chingen von 12ü(3 und des Schullheifsen Hermann von Mainz 
von 1272. Das Siegel III, B, 3 Friedrichs Tunb (Thumb) 
von Neuenburg von 1294 gehört wol auch hieher. Die Thum- 
ben rangierten im Millelaller mit den höheren Slinisterialen 
und im 15. .labih. hielt mnn sie für gleichen Stammes mit 
den Schenken von Winlerslcllen. Die Verschiedenheit des 
Wappens wäre durchaus Kein llindernifs. Bekanntlich wer- 
den sie 1507 zu hcrzogl. wurticmb. Erbmarschallen eruRnnl. 
Sollte sich diese Ernennung etwa auch auf ein früheres Ver- 
baltnifs beziehen ? — 
**) S. Scriba Regest. I, 41 u. 42. 
***) „Frater censualis" bezeichnet hier wol den mit der Ver- 
waltung des Census (der Steuern und Abgaben) betrauten 
Ordensbruder. Dafs derselbe ein Minislcriale war, gebt aus 
diesem PortrSl-Sicgel hervor. Nach Ducange wurden im Mit- 
telalter auch diejenigen „censuales" genannt, welche in Kir- 
chen oder Klöstern, indem sie ihr Haupt auf den Altar legten, 
dem Heiligen oder Patron der Kirche sich zu irgend einer 
Leistung freiwillig erboten. 



271 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



272 



Geheimerath Baur schreibt uns Über die Familie des Sieg- 
lers : „Die von Winden und von Mcikfiscli (sonacii wäre das 
Wappen ein redendes) gehören nach einer Urkunde von 1346 
unbezwcifelt zu einer Familie, zu der Familie Bleckfisch von 
Winden. Ein Ort dieses Namens liegt zwischen Berg- und Rhein- 
zabern, südlich von Landau, und dies möchte das rechte sein." 

Ob Wnrdtwein BIcyenfisch, welcher im J. 1453 einen Bau- 
hof an Pfalzgraf Friedrich I. verkaufte*), derselben Familie 
angehörte, ist uns nicht bekannt. 

Die Legende konnte bisher nicht cnlzilTcrt werden. 

Auf dem jüngeren Siegel fehlt sie leider ganz und auch 
auf dem älteren ist sie, wie unsere Abbildung zeigt, nur noch 
stellenweise erhalten. Die Buchstaben scheinen zum Theil (?) 
verkehrt zu stehen. 

Unser gelehrter Freund Lisch ist mit uns der Ansicht, dafs 
die Legende aus zwei verschiedenen getrennten, aber vielleicht 
gleichlautenden Thcilen besteht. Wir finden beide den Beweis 
darin, dafs zu Ilänpten und zu Füfsen des Bitters das gleiche 
Kreuz steht, und nach demselben beide Male die Buchstaben 
CT (das T stünde allerdings oben verkehrt). 

Vielleicht lost ein glücklicher Fund eines noch ganz erhal- 
tenen E.xemplars dieses Räihsel später noch auf. 

Für die Koslümkunde ist auch dieses Siegel, wie das vor- 
hergehende, sehr interessant, gerade durch die grofse Verschie- 
denheit beider. 



Notizen. 

1) An einer Urkunde Arnold's, Domprohsls zu Trier und 
Probsts zu St. Marien in Erfurt, vom J. 1241, hat derselbe zw ei 
Siegel angehängt, und zwar das Siegel II, A der Probstei Er- 
furt mit der Mutter Gottes und dem Jesuskinde auf dem Schoofse 
und der Legende: Ego mater pulchre dileelionis, und das 







Siegel III, A, 2, a mit der Legende : •}- AR^'OLDVS • DÖI 



GRACIA • OfAIOR  TRflvaRaN'SIS • PRÖPOSITVS • HT  AR- 
CfelD • (iaconus). 

Gewifs ein aufs erst seltener Fall! 

2) Im Mittelalter wurde nicht selten, wenn aus irgend 
einer Ursache ein neuer Siegclstempel nöthig war, blos in den 
alten irgend eine Figur hineingraviert, welche wir nach Ana- 
logie der heraldischen, aber im Gegensatz zu denselben, 
sphragislische Beizeichen nennen. Ein solches sphragistisches 
Beizeichen in Form eines Kleeblatts (aber mit spitzigen Blät- 
tern) sehen wir auf dem Siegel II, B, mit Thor und Thürmen, 
der Stadt Cassel, und mit der Legende sigillum " burgensivm ' de  
cassele • aus dem 13. oder 14. Jahrb., während Originalsiegel 
desselben Stempels ohne dieses Beizeichen bekannt sind. 



3) Die Angabe (s. Lippische Regesten, l, S. 238 zu Nr. 370) : 
,,Dafs zu den Farben der Siegelschnüre früher vorzu gsw ei se 
Roth und Gelb gebraucht wurde," ist, sowie die Berufung auf 
Ileineccius, nicht richtig. „Coloris porro non minor fuit varie- 
las in sericeis appendicnlis", sagt Letzterer. 

4) Die Angabe W. v. Hodenberg's, dafs die Wappen-Siegel 
IV, C mit Schild und Helm erst seit der Mitte des 14. Jahrb. 
und nur in runder Form und mit schräg gestelltem Schilde 
vorkommen, ist falsch. Wir finden solche bereits seit den 
40 er Jahren des 13. Jahrhunderts und auch von dreieckiger 
Form und mit gerad gestellten Schilden. 

5) Das interessante Doppel-Siegel, Avers III, B, 3, Re- 
vers IV, C, des Grafen Albert von Orlamündc an der Stiftungs- 
urkunde des Klosters Reinbeck von 1224 prid. id. Norb. in Ko- 
penhagen ist leider so defect, dafs man weder die Legende, 
noch die ganz eigenthUmliche Zusammenstellung des Schil- 
des, Helmes, Banners und Schwertes (?) auf dem 
Revers deutlich erkennen kann. Sollte sich irgendwo noch ein 
anderes, besser erhaltenes, oder wenigstens das von 1224 er- 
gänzendes E.\emplar vorfinden, so würden wir für dessen Mit- 
tlicilung äufserst dankbar sein. Im Falle andere Siegel mit 
ähnlichen heraldischen Zusammenstellungen bekannt wären, bit- 
ten wir gleichfalls um Nachricht. 

6) Sind keine gekrönten Helme auf Siegeln (aufser de- 
nen der Herzoge von Oesterreich, welche deo gekrönten Helm, 
als Konigssöhne, bekanntlich seit 1286 führten) vordem Jahre 
1353 bekannt? 

7) Gab es Sirgel von Bürgern vor dem Jahre 1290? 



*) Calenberg. Urkunden -Euch V. Mariensee, S. 10, Note 11. 



*) Widder, Geogr.-histor. Beschreibung der churf. Pfalz am Rhein, 
Th. 11, S. 279. 



Beiträge zur seltnelzerisclte n Huiist- 
Se iiicUlcIit e. 

Mitgetheilt durch Ed. Ilis - Heufsler, Mitglied der Direction der 
Kunstsammlung zu Basel. 

I. 

Coniract, betreffend die Ausführung eines Allarwerkes, 
zwischen dem Magdalenen- Kloster an den Steinen zu Basel und 
dem Maler Hans Herbst. (Klosterarchiv Mar. Magd. Nr. 795 ) 

Anno .w*; achtzechen jor vff fritag noch sant Annentag der 
grofsmulter crisli band wir priorin snppriorin vnd tchalTneriii 
zu sant marien magdalenen an den steinen prediger Ordens ver- 
dingt ze fassen die taffei vIT sant marien magdalenen altar in 
vuser kilchen dem bescheidenen meistcr Hans Herbst in mos- 
sen hie noch slodt dem ist also: 

Item des ersten sol Meister Hans Herbst dz werck vff dz 
best vii kostlichest fassen namlicb den tabcrnackel gantz ver- 
gulden brünieren vnd von dem besten gold, vnd sollen die 
holkölen bluw sin, desglichen die bild im tabernackei mit ir 



273 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



274 



kleidung alle verguldet, och die pfiler, vnd söllent die holke- 
leii bliiw sin. 

Ilem in der tafel wz von kleiilung ist sol als vergult sin 
vnd saut marien magdaleuen tuch mit brüniertem gold , dz lib 
farw sin sol mit lib farw, dz ander verguldet. 

Item die gespreng alle verguldet vnd brüniert, ilem die 
landschalTt in der tafel verguldet oder versilbret vnd glasiert, 
dornoch es sieh den erhöischt. 

Item die neben siten inwendig der tafel vnd der bogen in- 
wendig verguldet vnd listen alle verguldet. 

Ilem die vj stuck flach geschnitten sol alle hnsung vergult 
vnd versilbret sin vnd die feldung versilbret vnd brüniert wie 
man dz ^vil haben. 

Ilem was hör ist malt mit dem besten gold, item die listen 
an den (lüglen gülden vnd die kelen blovv, ilem dz pavirnent 
versilbret, mit färben Rot, blow oder grün. 

Ilem vir die zwey flügel vfswendig söllent dise fier sluck 
nemlich als maria magdn" gon marsilien gefarcn vnd in die 
wösti gangen ist die andren zwey stuck figuren der mirackel 
als die so by dem verding gewesen sind angeben worden vfF 
dz allercösllichest vnd arllichest gemolt werden, desglichen 
zwey beigen vIT die zwey blind flugel vnd dieselb feld nius mit 
hymel vud laudschafft vnd die listen vßwendig der tafel aber 
verguldet. 

Ilem an dem breit so vnden für den fufs wirt gcstossen 
vnsers lieben heren begrebnis mit vnser lieben frowen sant ma- 
rien magdalenen vnd andren parsonen dorzu gehörent arllich 
vnd vIT dz hüpschest gemolt werden. 

Ilem dis werck ist verdingt worden vm nünUig gülden nem- 
lich für jeden gülden ein pfhund füntf Schilling vnd sol mau 
dem meister ein erlich trinckgelt geben, doch dz sölich trinck- 
gelt fünfr gülden nit vbertrefTen sy. 

Item der meister sol och kein gelt empfachen bis die ta- 
fel halber gemolt ist, dann sol man im geben achlzechcn oder 
zwentzig gülden vnd dornoch je ein gülden zwey dry oder fier 
noch dem man haben mag bis dz werck bezalt wirt. 

och ist beret dz der gedocht meister vus prioiin obgemelt 
mit der bezahing nit vberylen sol vnd di(i alles ist beret vnd 
vITgeschriben worden in der besten form im bywescn der Er- 
wirdigen geistlichen valier bernhardus renlz leßmeister der bei- 
gen geschrifft vnser lieber getrüwcr bichlvatler, her Casper 
vnd her Jheronimo brulinger gebrüder bed capplanen der ho- 
chen slilTt basel vnser lieben heren vnd gut göüer des alles 
zu worem vrkund sind diser zedlen zwey glich an den worlten 
vnd mit disem ziechen abgerissen vnd jedem teil einer geben 
vff lag vnd jor wie vorstadt. 

i''olgen die Empfangsbescheinigungen für die a conto Zah- 
lungen, und auf einem besondern Blatt befindet sich die Gene- 
ralqiiitluug im Betrag von 95 fl. 

Der Maler Hans Herbst war von Strafsburg gebürtig, wurde 
1493 in die Malerzunft zu Basel aufgenommen, machte 1512 
den Feldzug nach Pavia mit und soll nach der Reforroalion den 



Pinsel niedergelegt haben, um nicht ferner „dem Götzendienst 
behülflich zu sein." — Dies mufs sich indefs nur auf das Ma- 
len von Kirchenbildern bezogen haben, denn man begegnet sei- 
nem Namen in den Rathsrechnungen bis in die vierziger Jahre 
des 10. Jhdts. ; meistens sind es Arbeiten decorativer Art. Dafs 
er mit Holbein befreundet gewesen, beweist der Umstand, dafs 
dieser bald nach seiner Ankunft in Basel 1516 sein Bild malte, 
welches, mit dieser Jahreszahl versehen, noch jetzt in England 
vorhanden ist. Bilder von ihm sind nicht auf unsere Zeit ge- 
kommen, oder, wenn dies der Fall, nicht unter seinem Namen. 
Sein Sohn war der berühmte Baseler Typograph Oporiiius. 



Eine Darüttelliinic des Erzvater»^ Adam. 

Beitrag zur Ikonographie des Mittelalters. 

Die Ikonographie des Mittelalters im Abendlande stimmt 
mit der des Morgenlandes fast vollkommen überein. Es liegt 
darin der Beweis, dafs die Ursprünge derselben in's hohe Alter- 
tlium hinaufgehen, wo noch die Kirche ihre Einheit bewahrt 
hatte. Es liegt aber auch — unserer Meinung nach — der 
Beweis darin, dafs wir uns die Kultur des Abendlandes und 
des Morgenlandes nicht so isoliert denken dürfen, als dies ge- 
wöhnlich geschieht. Wir behalten uns vor, auf diesen Punkt 
demnächst im Anzeiger zurückzukommen und die „byzanti- 
nische Frage" zu besprechen. Jetzt haben wir nur zu sa- 
gen, dafs bei der Gleichmäfsigkeit des Bildercyklus sich sehr 
häufig eine unerklärte, seltene Darstellung der abendländisch- 
christlichen Kunst aus byzantinischen Parallelen erklären läfst. 
Der gleiche Fall ist umgekehrt. 

So befindet sich auch auf der Dalmatica St. Leonis III. im 
Schatze der Peterskirche zu Rom, die bei den Kaiserkrönuo- 
gen in Anwendung kam, auf der Vorderseite eine Darstellung 
der Majcslas Domini, d. h. des Herrn in seiner Herrlichkeit, 
umgeben von den himmlischen Heerschaareu. Das Gewand ist 
byzantinischen Ursprunges. Die Darstellung ist fast identisch 
wiederholt auf einem byzantinischen Tafelgemälde im christli- 
chen Museum des Vatikans. Auf beiden Darstellungen ist die 
ganze himmlische Hierarchie in ihren verschiedenen Chören der 
Engel und Heiligen von einem Kreise umschlossen. In beiden 
Ecken unterhalb des Kreises befinden sich zwei zur Darstellung 
in Bezug stehende Figuren. Einerseils ist der Erzvater Abra- 
ham sitzend angebracht, wie er die Seelen der Seligen im 
Schoofse hält. Auf dem Tafelgemälde des Vatikans ist der 
Name beigeschrieben. Dieselbe Darstellung ist im Abendlande 
auch vom 12. — 14. Jahrh. häufig vorgekommen und würde 
also auch erklärlich sein, wenn die Inschrift nicht dabei stünde. 
Die Figur auf der andern Seite ist weniger leicht zu erklaren. 
Es ist ein bärtiger, nackter Mann mit einem LeDdenschurze, der 
ein Kreuz trägt. Da hier eine Inschrift nicht gegeben ist, die 
Darstellung auch zu den seltneren zu gehören scheint, so glaubte 



275 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



276 



Dr. F. Bock in seiner Abhandlung aber das fragliche Gewand 
auf S. 95 — 110 seines Prachlwerkes : „Üie Kleinodien des 
heiligen römischen Reiches deutscher Nation" zwei 
Erlilarniigen dieser Figur zulassen zu sollen. Er erklärte sie 
einerseits als den Erzvater Adam, den die Legende in di- 
rekte Beziehung zum Kreuze Christi stellte, und der sonach mit 
Hecht das Kreuz tragen konnte. Andererseils, meinte er, 
könne der reuige Schacher gemeint sein, dem der Herr am 
Kreuze zurief: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese 
sein." Es schien uns unwahrscheinlich, dafs diese letztere Fi- 
gur in direkte Parallele mit Abraham gesetzt worden, und wir 
haben daher beim Entwürfe der Ausstattung der Kirche Grofs- 
St. Martin in Köln, der wir eine ahnliche Darstellung zu ge- 
ben hatten, diese Figur als Adam angenommen *). Wenn wir 
damals nicht auf A. Durer's grofse Passion hingewiesen haben, 
wo auf dem Blatte, das Christum darstellt, wie er die Höllen- 
pforle sprengt und die Geiechlen des ollen Bundes befreit, 
Adam gleichfalls mit dem Kreuze erscheint, so liegt der Grund 
darin, dafs uns Dürer als eine zu späte Quelle erschien, um 
darai's eine byzantinische Figur des 12. — 13. Jahrb. erklären 
zu können. 

Wir haben jedoch seit dem in der Sammlung von Minia- 
turen des Freiherrn v. Bibra dahier eine Initiale gefnnden, die 
dem Schlüsse des 13 oder der ersten Hälfte des 14. Jalirh. 
angehört. In derselben ist gleichfalls die Erlösung der Ge- 
rechten des allen Bundes aus der Gewalt der Hölle dargestellt. 
Da erscheint in erster Linie Adam mit dem Kreuze genau in 
derselben Weise wie auf den beiden byzantinischen Darstellun- 
gen. Wir glauben somit vollständig berechligt zu sein, in 
den Figuren nur ansschliefslich Adam zu eikennen und die An- 
nahme, als könne der reuige Schacher damit gemeint sein, 
zurückzuweisen. 

Nürnberg. A. Essen wein. 

*) Vgl. unser Scliriflchen : Die innere Ausstattung der Kirche 
Grofs-Sl. Martin in Köln (Köln, ISüG. Verlag des Kirchen- 
vorslandes), Seite 29. 



Ilerzo|£ ^Villielni vosi Uayerii surlit Kelifiiiien 
für die St. ITIirliaeli^kirelie zu Ifliiitclieoi. 

Als Herzog Wilhelm der Fromme seine grofsarligen Bau- 
ten zu München und Schleifsheim ausführen liefs, suchte er 
nach Heli(|nien von Heiligen, um sie in den von ihm erbauleu 
Kirchen und Kapellen aufznbeu ahren. Der gelehrte und ge- 
schiehlsknndige Slift.^dekan \ön Spalt, VVoIfgang Agricola (Bäu- 
erlein) schickte ihm deren mehrere. Er hatte sie in den säcu- 
larisierlen branilenhurgischen und nuriihergischen Klöstern und 
Kirchen aufgefunden. Auch zeigte er dem Herzog an, dafs im 
deutschen Haus zu Nürnberg noch sehr koslbnre Reliquien ver- 
wahrt werden, die im J. 1552 vor dem Markgrafen Albrecht vou 



Brandenburg und seinen mordbrennerischen Schaaren ans dem 
von Kaiser Ludwig dem Bayern gestifteten Frauenklosler Pil- 
lenreuth*) dorthin gefluchtet worden. Auf diese Nachricht 
wendete sich der Herzog an seinen Vetter, den erwählten Kö- 
nig von Polen und Administrator des Deutschordens, Erzherzog 
Maximilian, den er ersuchte, ihm jene Pilleiireuther Reliquien für 
die Michaelskirche zu München zu überlassen. Er schrieb dem- 
selben folgenden Brief: 

,.Freundtliclier lieber Herr vnd Vetler! Eur Königlich 
Wirde klian Ich aus sonnderm zu derselben hohen Vertrauen 
zuberichlen nit vnderlassen, das Ich vor ettlich Jaren ein Kir- 
chen zu Lob vnd Ehr des Allerhöchsten, auch dem heiligen 
Ertzenngl Michaeli als Patrono, daneben auch ein Ca])ellen, so 
zu diser Kirchen gehörig, angefanngcn zepawen, welche mit 
der HillT Gottes sollen bald zu gnelem Ennd khomen. So bah 
Ich auch vergannges Jar in mein Haus, so Ich mir zu meiner 
intention zunegst bey St. Michels Kirchen gepawt, auch zwo 
Capellen gericht, vnd bin Willens, noch di|i Jar, wills Gott, 
ein annders cleins Kirchlein auf einem schlechten Guell vnd 
Mayrhoff**) anfzerichten. Der Allmechlig welle sein Segen 
darzue gehen. Dieweil aber dergleichen geistliche Gepew, wie 
Eür Köiiiirlich Wirde wol wissen, vor allem auch mit dem Sehatz 
der lieben Heylisen reliqnien sollen versehen vnd geziert werden, 
vnd zu obbemeller Anzal der Kirchen vnd Capelln nit weniger 
gehöni vnd vonnölen. Ich aber mit dergleichen zn Geniegen 
nit verschen, vnd aber daneben in glaubwürdige Erfahrung kho- 
men, wie das zu Nürmberg in Eür Königlichen Wiide vnd des 
löblichen Ordens Teutschen Haus ettliche reliquien, so vil Jar 
daselbs verlegen vnd in einem Gewelb vnd Zimer.verspert sein, 
vnd also niemanndt zu Nutzen khomen, vnd das auch Eur Kö- 
niglichen Wirde Lanndcomenthur der Palley Frar)nckhen vnd 
Comenthur zu Ellingen darunih wissen, wie auch die Schlissl 
darzue haben solle, also ist an Eur Königlich Wirde mein 
ganntz diennstlichs vnd bochvleissigs Bitten, Sy wellen den lie- 
ben Heyligen zu Ehrn , fürnemblich aber Gott selbs zu Lob, 
vnd mir alls derselben getreuen vnd diennstwilligeu Vettern zu 
sonndern grossen Gonnstcn, mir solliche reliquien, plos on alle 
zier, neben gebürlichen Testimonien gnelwillig zuesteen vnd 
volgen lassen, vnd die gemelte Goltesbeuser damit König- 
lich begaben vnd haussteurn. Die will Ich alsdann nit allein 



*) Dieses Kloster wurde damals vom Markgrafen eingeäschert und 
zerstört. Die Kloslerlrauen fanden im KlaraUloster zu Nürn- 
berg .\nfnahme und Verpflegung. Hier blieben sie bis zu ih- 
rem Tode. Die letzte Pillenreulher Convenlualin, Elisabetha 
Nelzenliüferin, slarb am 29. September 1596. Ein Jahr vor 
ihrem Tode schickte sie dem Herzog eine werthvollc Reliquie 
vom heil. Andreas. Uebrigens halle derselbe auch schon im 
Jahre 1585 mehrere Reliquien, und darunter ein Stück von 
der Säule, an der Christus gegeisell worden, die Kaiser Lud- 
wig dem von ihm gegründeten Kloster Pillenreulh geschenkt, 
aus den Händen der Pillenreulher Conventualinnen erhalten. 
**) Schleilslieim. 



277 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzelt. 



278 



Eiir Königlichen Würde zu Ehrti viiii lihuemh nach meinem 
Vernuiegeii viid 7.11 meinem voi habenden iiitent ziern, soniider 
solches nach meinem besslen Vermügeii verdienen, innsonnder- 
heit aber die Sachen dahin richten, damit Eur Königlichen 
Würde vnd der Irigen yeder Zeit bey disen Gottslieusern mit 
schuldigern Cebelt vnd Fürbitt zu Derselben Wolfahrt vnd Auf- 
iiemen kheins Wegs vergessen, sonnder Derselben tanqnoni be- 
nefaclorcs zum Irenlicliisten gedacht werde. Bitte rierhalben 
Eur Königlich Würde nochmals, Sy wellen gemellen Iren Com- 
mentluir deshalben eheist gnedigislen Bevelch zneUhomen las- 
sen, vnd lliue mich Derselben zu angenemen wol gefel'igen 
gegendicnnsle gannlz diennstlich vnd vleissig beuelhen. Datum 
Dachavv den xiij (13.) February Anno &c. 1595. 
Eur Königlichen A\'Hrde 

ganntz getreuer vnd dienst- 

vvilligister Vetter 

Wilhelm." 

Älaximilian gab Befehl, dem Herzog Wilhelm die gewünsch- 
ten lieliquien auszuliefern. Agricola besorgte ihre Ablieferung 
nach München, Die deutschorden'schen Beamten wurden von 
dem Herzog mit seinem Bildnifs und andern Verehrungen be- 
dacht, und Agricola zur Kirchweihe und andern Festlichkeiten 
wiederholt nach München eingeladen *J. 

Nürnberg. J. Ba ad e r. 



*) Einmal erhielt Agricola für übersendete Reliquien 200 Gold- 
gulden. Schon der Grofsmuller des Herzogs, der Willwe Wil- 
helms des Standhaften, halte Agricola im Jahre 1572 mehrere 
Reliquien übersendet. Dieselbe dankte ihm unterm 24. Oclo- 
ber. Indem sie ihrem Briefe 4 Ducaten „nit zu ainer ver- 
glaichung (Bezahlung), sondern allein zu ainem angedencken" 
beilegte, versprach sie „berürt hevllhunib (Reliquien) die zeit 
vnnsers lebens ia billichen Eeren zuhalten vnd zubehalten." 



Alte Dr ante 11. 

So viel auch Gottsched und Gödeke Zür literarischen Samm- 
lung des Theaters bis Ende des siebzehnten Jahrhunderts ge- 
than, so war doch noch genug übrig, um mir zu gestatten, 
allein bis zum Jahre 1600 dem durch jene Männer gesammel- 
ten Vorrath noch 37 fernere Stücke hinzuzufügen (s. Annalen, 
IF, S. 24Ö — 51, 289 — 91) und weitere Kunde von mancher 
Piece der folgenden Zeit zu geben. Indcfs ist die Kenntnifs 
von der Literatur jener Epoche noch nicht erschöpft ; während 
eines einzigen Jahres wurden mir 20, den Literatoreu völlig 
unbekannte Dramen aus wenig benutzten Bibliotheken bekannt, 
wovon drei aus dem IC. Jahrb. Sie mögen in chronologischer 
Iteibe hier folgen : 

I. Ein newe Comedia, au|3 dem achtzelienden Cap. Mal- 
thei, vom König, der von seynen knechten rechenschalfl haben 
wolt. Gemachet durch Adam Prellen von der Weysenstad. 

0. 0. u. J. (c. 1550). 8. — Bibl. der Maatschappij van 
Nederlandsche Letterkunde te Leiden, II, p. 339. 



2. Ein Teulsch spil von dem edlen Ritler Ponto, wie er 
mit dem Ilaydnischen Ritler vmb Gottes wort gekemplft vnd 
den sieg erhallen hat, schon, lustig vnnd lieblich zu lesen. 
Zngerirht durch Heinrich Iloffolt Rechenmayster vnd bur- 
ger zu Nürnberg. Gedrnck (so!) zu Nürnberg durch Valenliii Neu- 
ber. Am Ende: Gedrückt zu Nürnberg durch Valentin Nenber. 

o. J. (1551). 6^8 Bog. 8. mit 2 Holzschn. Widmung 
an Job. Derrer, Rechenmeister zu Nürnberg, dat. 2(;. Febr. 
1551. Zehn Akte und 20 redende Personen. — In .Nürnberg 
(Stadtbibl.) 

3. Ein Dialogns oder Cespreche von dem absterben Fri- 
derici Staphyli. Spii Iweifs gemacht, zu ehren Herren D. Rndolff 
Clencken, darin sein gedruckter bericht von Staphyli abschied 
nach nöttnrlVt widerleget wirdt, Durch Soplioniam Pcresrina- 
torem de (Juiete, Schulmeistern zu llaslach. Lustig vnd kurlz- 
weillig zu lesen. M D.LXIIII. Am Ende: Gedruckt zu Rotslock, 
bey Gabriel Danner von Znaim in der praiten Gassen 

5'/8 Bog. 8. m. Tilelholzschn. Der Herold der TilelrUck- 
seite auf lejztem Blatte wiederholt. Redende Personen : Frid. 
Staphilus. Die Clerisey zu Ingolstad. D. Rndollf Clenck. Eines 
Lutherischen Christliche Seel. Der gute Engel. Ein böser 
Geyst. Lucifer. Der falsche Engel. 8 Akte. Prosa. Ver- 
fasser und Drucker naiüilich lingiert. — In Nürnberg (Stadtbibl. j, 
wo 2 E.xcmpl. 

4. Ein kurzweilig Spiel von dem zu Nürnberg im Predi- 
ger Closter gefangenen Crocodill 1004. 

ö. 0. Nürnberg. 8.— Nürnberger Auklionskalalog (v. Ha- 
gens) vom 14. Juni 1786. Nr. 3638. 
Abschrift in Nürnberg (Stadtbibl ) 

5. Saurius, Abraham, Eiu erschröckliche Tragödie von 
erbärmlichem Vndergang vnnd Verderben Sodomae vnd übriger 
vmbliegender Statt. Vlm 1012. 

8. — Slargardt, Cat. 68, S. 27. 

6. Lulherus .Augustus, drama. Der Hocherleuchlende Augs- 
purgische Luther, vnd sein .^ugspurgischer Reichs Tag, . . in 
Keinteutsche Ale.vandrinische Reim Art vnd ernstes Schaw Spiel 
gesetzet, vnd aulT instehendes Evangelisches Jubel Jahr gerich- 
tet, vnd zugerichtet von M. Marl. Rinckart, in Patr. Heb. Ar- 
chidiacoiio. Leipzig, 1030. 4.*). 

7. Belhulia oder veste Burg der vnuberwiiidlichen Kircheu 
Gottes, bedrenget vnd betrübet von Iloloferne, Endtlich aber 
durch Gottes sonderbare Gnade befreyet von der grojimächti- 
gen Heldin vnd Frawen Judith, in ein Drama Comico-tragicum 
nach jetzt gewöhnlicher vngebundener Teutscher Art verfasset, 
vnd im Grälfliclien Mansfeldischen Gymnasio zu Ei|5leben agi- 
ret. Leipzig, Gottfried Grofs. 1633. 8. 

8. Eine sehr lustige vnd anmuhtige Hirten Comocdia, so 
Myrlilla genant, von der gelehrten Ilalianischen Comoediantin, 

*) Die ohne Quellenangabe genannten Schriften sind den alten 
Melskalalogen entnommen. 



279 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



280 



Frawen Isabella Aiidreini in jhrer Sprache bescliriebeii, aa jetzo 
verleutscht. 1C34. 8. 

9. Friede Erlangtes Teutschland In eiucm Schauspiel auGT- 
geführet vnd beschrieben Von Johan Henrich Hadewig. 
Hannover, Gedruckt durch Georg Friederich Grimm, In Verlegung 
Johan Jan$ons vou ßr. M DC Lj. 

9 Bogen. 8. Widmung des Verfassers, Pastors in Lü- 
bekke , an Königin Christine von Schweden, dat. Lubekke am 
13. Sept. anno 1650. Elf Aufzüge mit 39 Personen. Das Stück 
beginnt erst auf 30 Seite, vorher Jamben, Sonneitc, Alexandri- 
ner u. s. w. — In Nürnberg (Kirchenbibl.) 

10. Hoch - Fürstliche Sommer - Lust , Von dem . . Herrn 
FRANTZ EKDTilANN, Herizoge zu Sachsen, Engern und West- 
phalen, etc. lu gegenwart etlicher Hoch-Fürstlichen Persohnen, 
Vermittelst eines Ballcts und Feurwercks, zu Grünaw den 24. 
Augusli dieses 1661 sten Jahres, Erfreulich vollcnzogeD. In 
der Fürstl. Niedersachseben Druckerey zu Grünaw, DrucktsPaul 
Huiiholtz. 

o. J. (1664). 5 Bog. 4. — In Nürnberg (Stadtbibl.). 

1 1. Schan-Platz der Eitelkeit, woraulT der geehrt-, gelahrt-, 
belhörl-, beschwert- und bekehrte Salomo auß Heiliger Schrillt 
der heutigen Welt Hoch nützlich vorgestellt wird. 1667. 

o. 0. 8. — Kraufser's in Nürnberg 103. Autiquariats- 
Verzeichnifs, Nr. 689. 

12. Kurtzer EntwurlT, Eines anmulhigen Kinder- Ballets, 
Welches Durch LX. Junge Knaben Theils mit Jlulter- Pferden, 
ihres Alters von IV. biß in X. auch XII. Jahren. In Der Freyen 
Kayserl. Reichs-Stadt Nürnberg, repraesenlirt und vorgestellet 
wird. Sampt Einem kurlzen Schafer-Gespräch Und andern lu- 
stigen Musicalischen Kurlzwciln angeordnet. Von Einem Des 
Durchleuchtigst. Ertzhauses Oesterreich Weyl, zehenjährigen Be- 
dienten. J. M. L. Anno MC.LXIIX. (so!) Am Ende : Nürnberg, 
zu finden bey Jacob Lang, Musico. 

Titelblatt, Querfoliokupferblatt, 22 gez. S. 4. Prosa und 
Gedicht. — lu Nürnberg (Stadtbibl.). 

13. Liebes-Triumph Ballet, Bey höchst-erfreulicher Heim- 
führung, Der Durchlauchtigsten Fürstin Frauen AVGVSTA MARIA, 
Margräfm zu Baden. In der Hochfürstlichen Besidentz Carols- 
burg durch Anwesende Hochfürstlich. GralTI. und Adeliche Per- 
sonen vorgestellt. Durlach, Gedruckt bey Johann Salomon Ha- 
ken, An. 1670. 

10 Bl. 4. — In Stuttgart. 

14. Der Ehr- und Tugendliebende Philaret . . ia einem 
Mischspiele aufT öffentlicher Schaubühn zu Jena vorgestellet, 
Jena, Job Ludwig Neuenhahn. 1673. 8 

15. Weii'Jeubach, Joh. Casp., Der Vnsterbliche GOTT 



in dem sterblichen Leib eines schwachen Menschen und dann 
die sterbliche Menschheit mit der unsterbligkeit Gottes ver- 
einet und elarificiert. Beyde auff öffentlicher Trawr- und Frew- 
diger Schaw-Püny vorgestellt in Zug Anno 1678. Gedruckt 
bei C. Roofs. 

0. J. (Zug, 1678). 4. — In Aarau. 

16. Weiße nbach, Joh. Casp., Newe Lieder anß der 
Tragödie intitulirt: Der vnsterbliche GOTT in dem sterblichen 
Leib eines schwachen Menschen . . Baden im Ergew , Bal- 
dinger 1678. 

4. — In Aarau. 

17. Tragico-Comoedia oder; das beneidete, doch unver- 
hinderte Ehren-Glück Des frommen und lieben Jacobs-Sohns 
JOSEPHS . . von Georg Scheurern, Inspectore der Agenten, 
und Joachim Müllner, Inventore & Autore Materiae. wie 
auch Johann Fischer, Ilochfürsll. Brandenb. Ouolzbachischen 
Hof-Musico, als Compouisten der Musicalischen Sing- Arien. 
Nürnberg, gedruckt bey Christian Sigm. Froberg. 1685. 

24 gez. S. 8. Drei Handlungen mit 50 redenden Per- 
sonen. — In Nürnberg (Stadtbibl.). 

18. Mnsicalisches Lustspiel, am 45. Geburtstage Fridericae 
Amaliac, Herzoginn zu Holslein-Gottorf, oder dem 11. April 1693 
vorgestellet. Schleswig, 1693. 

4. Verfafst und componirt von Joh. Philipp Förlsch. — 
Schröder, Lexikon d. hamburg. Schriftsteller, II, S. 333. 

19. Neu-angestellte Herbst-Freude, wegen der glücklichen 
VViederkunfft der Hertzogin Marien Elisabeth in Römhild. 1690. 

4. — Bibl. Bachov. I. Golh. 1737. p. 316. 

20. Die Unglückliche Liebe Des Tapfern JASONS, In einem 
Sing-Spicl, Auf dem Hoch-Fürstl. Würtembergischen Schau-Plali 
vorgestellet. 1698. 

o. 0. 8 Bl. u. 85 gez. S. 8. — In Stuttgart. 

Nürnberg. E. Weller. 



Altdeutsclter Sprucli. 

Ain junger Bitter aun müt — ain alter jud aun gut 
ain pfaff aun kunst — aiu acker aun dunst 
ain jung wib aun lieb — ain jarmarkt aun dieb 
ain schür aun müs — ain alter boltz aun lüs 
ain bock aun oin hart — das ,ist wider naturlich art. 
(Aus einem Bamberger Codex als Schlufs einer Ars memorandi.) 
München. Birlinger. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essen wein. Dr. G. K. Froniniann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



ü. E. Sebald'sche Bachdruckerei. 



BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KÜNDE DER DEUTSCHEN TORZEIT. 

1866. JW 8. August. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nürnberg, 15. August 1866. 
Die politischen Ereignisse der jüngst verflossenen Zeiten, deren 
wir schon in vor.ger Chronik gedachten, haben zur Besetzung Nürn- 
bergs durch eine preulsische Armee unter Überbefehl Sr. liönigl. Ho- 
heit des Grolsherzogs Friedrich Franz von Mecklenburg- 
Schwerin geführt. Die nationale Bedeutung unserer Anstalt und 
die allgemeine Theilnahme aller deutschen Bruderstamme hat sich auch 
bei diesem Anlasse aufs glänzendste bewährt. Se. kOnigl. Hoheit, 
schon seit Jahren wohlwollender Förderer der Anstalt, geruhten, die- 
selbe auf's eingehendste zu besichtigen und verweilten nebst Gefolge 
2'/j Stunden in den Bäumen der Karlhause, um sich von dem Fort- 
gang und der weitern Entwicklung der Anstalt zu überzeugen; und 
wir können es mit Stolz herausheben, dal's Se. konigl. Hoheit in 
Folge dieses Besuches die erfreuliche Mitlheilung dem I. Vorstande 
zu machen geruhten, dal's Höchstihr Jahresbeitrag, der bisher stets 
nur auf eine Reihe von Jahren zugesichert war, nunmehr als stän- 
diger, immerwährender zu betrachten sei. Nicht leicht hätte irgend 
eine Zusage dem Museum erfreulicher sein können, da gerade die 
Befestigung der Anstalt von der Befestigung der gröfseren, sicher 
eingehenden Beiträge direkt abhängig ist. 

Die hohe Freude, welche das Museum über diese werthvolle 
und wichtige Zusage eiripfindet, wird noch gesteigert durch das wei- 
tere Versprechen Sr. königl. Hoheit, die Kupferstichsammlung des 
Museums durch die Doubletten der grolsh. Kupferslichsammlung be- 
reichern zu wollen. Wie das hohe Beispiel des Höchstkomniandieren- 
den der Occupationsarmee anregend auf die Offiziere und die Mann- 
schaft gewirkt hat, so hatte sich das Museum auch eines sehr be- 
deutenden Besuches von Offizieren und Soldaten zu erfreuen, so 
dafs die lebhafte Bewegung in unsern Hallen einen angenehmen Con- 
trast bildete zu dem in der Zeit vorher fast auf Null gesunkenen 
Fremdenbesuche. Maucher langjährige auswärtige Freund und För- 
derer des Museums wurde so durch den Gang des Krieges in's Mu- 
seum geführt, mancher neue Freund gewonnen. 

Die in Folge des Wafl'enslillslandes wiederhergestellte Verbin- 
dung mit allen Theilen Deutschlands hat auch die eine kurze Zeit 
in Stocken geralhene Correspondenz wieder belebt. 

Auch die leider in der Expedition des Anzeigers eingetretenen 
Störungen können nun ausgeglichen werden; ebenso wird unser 
12. Jahresbericht für 1865 demnächst zur Versendung gelangen. 

An neuen Beiträgen wurden im Laufe des Monates folgende ge- 
zeichnet : 

Aus Vereinskassen: Vom Landkapitel Haigerloch 4 fl. 

Von Privaten: Berlin: Univ.-Professor Dr. Ferd. Piper 7 fl. 
(einm.) ; DarmsladI: Ferdinand Bender, stud. phil. III.; Signia- 
ringen: Keligionslehrer Banlle, z. Z. Kaplan in Langensenlingen, 
Ifl., Adlcrwirlh Götz in Langensenlingen 111.; Stuttgart: Finanz- 
rath Blessing 1 fl. 

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen aufser- 
•dcm, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu: 



I. Für das Archiv. 

Prof. A. Flegler, Archiworsland des german. Museums : 

3349. Kaufbrief des Lienliardt Turckhollzer, Metzgers und Bürgers 
zu München, für Michael Sterlz ebendas. über ein halb Pfund 
Pfennige Ewiggelds. 1496. Pgm. 

Dr. Herzog in Zwickau: 

3350. Stiftung von 4 rhein. Guld. Zinsen von fl. 100 Kapital an das 
Karthauserkloster zu Nürnberg durch den Zwickaucr Mefs- 
priester Heinrich von Giunibach. 1513. Pgm. 

II. Für die Bibliothek. 

Societe des bibliotheques communales da Haut- 
Rhiu in Colmar : 

19.764. Dies., UL annee, 3. seance; 1866. 8. 
Stiller'sche Holbuchhandlung in Schwerin: 

19.765. Lübker, d. Fall des Heidenthums. 1856. 8. 

19.766. Kliefoth, über das Verhältnils der Landesherren als Inhaber 
der Kirchgenwalt zu ihren Kirchenbebörden. 1861. 8. 

19.767. Neander's deutsche Sprichwörter, hsg. v. Latendorf. 1864. 8. 

19.768. Hobein, Buch der Hymnen. 1864. 8. 

P, Xaiehner'sche Buchhandlung in Sigmaringen : 

19.769. Staiger, d. Schwab. Donauthal mit d. Molkenkuranstalt Beu- 
ron. 2. Ausj. 1866. 8. 

Carl Heymann's Verlag (A. E. Wagner) in Berlin: 

19.770. Förster, statist.-lopogr.-hislor. Uebersicht d. preufs. Staats. 8. 

19.771. Dürer, einiger Unterricht v. d. Befestigung d. Städte, Schlös- 
ser und Flecken. 8. 

19.772. Wagener, Jahr- und Tagebuch der wichtigsten Entdeckungen, 
Erfindungen und Stiftungen u. d. denkwürdigsten Weltbe- 
gebenheilen seil Christus; Th. I. u. II, 1. 2. 1824—28. 8. 

19.773. Fischer u. Streit, hislor. u. geogr. Atlas von Europa ; 2. Aufl., 
Bd. I u. II, 1. 2. mit 82 Karten. 1836 u. 37. 8. 

19.774. Kugler, Beschreibung der Kunst-Schätze von Berlin und Pots- 
dam ; 1. u. 2. Tbl. 1838. 8. 

19.775. Bielitz, Darstellung der Hechte des preufs. Fiskus. 1839. 8. 

19.776. Ders., Darstellung der Rechtsverhältnisse des Adels in Preus- 
sen. 1840. 8. 

19.777. Schröter, Lehrbuch d. allgemeinen Landrechts ; 3 Bde. 1840 
— 43. 8. 

19.778. Genealog. -diplomat. Jahrbuch für den preufs. Staat; I. II. 
1841 u. 43. 8. 

19.779. Riesel, Ausflüge und Ferienreisen in d. märkische Ileimath; 
I-V. 1865. 8. 

Fr. Vieweg & Sohn, Verlagsbuchh., in Braunschweig: 

19.780. Seil, d. Kecupcratio der Römer. 1837. 8. 

19.781. Jahrbücher für hislor. und dogmatische Bearbeitung des röm. 
Rechts, hsg. V. K. u. W. Seil. 3 Bde. 1841-44. 8. 

19.782. Hermes, d. Entdeckung von America durch die Isländer im 
10. u 11. Jhdt. 1844. 8. 

19.783. V. d. Pfordlen, Votum über die Erbfolge in Schleswig - Hol- 
stein ; 2. Aufl. 1865. 8. 

Cr. B. Leopold, Universitatsbuchh., in Rostock: 

19.784. Tüik, gescbichll. Studien; I, 1. u. 2. 1841 — 43. 8. 

19.785. Hanmann, Warncinünde, dessen Seebad etc. 1843. 8. 

19.786. V. Bolh, urKundl. Nachrichten über die iu Mecklenburg vor- 
handenen Stipendien. 1842. 4. 

Anton Emniert in Riva : 

19.787. Legge del 5 Marzo 1862 sulP ordinamento degli afl'ari comu- 
nali Blc. 1866. 8. 



283 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



284 



19.788. Legge comunale pel Tirolo elc. 8. 

K., b. Akademie der Wissenschaften in München : 

19.789. Dies., Silziinüslx-richle etc. ISlJG, I, II. 3. 18G6. 8. 
G. Braun'sche llolbuchhandlung in harl.-iriiiic : 

19.790. Zeilschrilt I. d. Geschichte des Uberrheins, hg. v. Jlone ; 
Bd. 19. ,i. H. 1866. 8. 

Joh. Jak. Dietzel, Pfarrer, in Niirnberg : 

19.791. Das WollTgesang. 4. 

19.792. Klielier, ein schön rayen lied der 118. l'salm, elc. kl. 8. 

19.793. Der Ixiij. Psalm etc. Der. x. Psalm elc. kl. 8. 

19.794. Hcyden, der Lxxx. Psalm zu sinjen und zu betten etc. 8. 

19.795. Ders., die einsetzung vnd brauch des heyligen Abentmals etc. 
1544. 8. 

19.796. Ders., ein Lobgesang von der Auferstehung Christi. 8. 

19.797. Ders., der XCI. Psalm gesangs weis. 8. 

19.798. Frisch, ein Schnee-Predigt. 1661. 8. 

19.799. Schwanz, chrisil. Betraurung .... Herrn Jobst Ludw. von 
Sieinberg auf Boden etc. 1678. 4. 

19.800. Schwarz, Cssp. iVeumanni deleclus prerum etc. 1746. 8. 

19.801. Abschriflt eines Briefes, den Gott selbst geschrieben etc. 
1720. 1 Bl. 2. 

19.802. Straufs, ein new wuderbarlich Beychtpuchlin etc. 1523. 4. 

19.803. Ileshusius , von Eheuerlobnissen, vnd verbotenen Gradibus 
1583. 4. 

19.804. (Stör), der Ehelich standt von Got mit gehenedeyung auffge- 
setzl. 4. (Defecl.) 

Herder'sche Verlagshandlnng in Freiburg: 

19.805. Janssen, Frankfurts Keichscorrespondenz ; Bd. II, 1. 1866. 8. 
August Demmin in Paris: 

19.806. Ders., catalogue de la collection ceramique de M. Aug. Dem- 
min. 1866. ^8. 

A. Bube, Archivralh, in Gotha: 

19.807. Ders., Uomanzen und Balladen. 3. Aufl. 1866. 8. 
J. G. Cotta'sche Verlagshandlung in Stuttgart: 

19.808. Deutsche Vierleljahrs-Schrift ; 29. Jhrg., Juli— Sept. 1866. 
Nr. 115. 8. 

Grofsherzogl. herzog!, sächs. Universität in Jena: 

19.809. Dies., index scholarum hib. 1866—67. 4. 

19.810. Dies., Vorlesungen, 1866—67. 8. 

19.811. Kay, über den Antagonismus zwischen Opium und Belladonna. 
1866. 8. 

19.812. Lothholz, über Aeliologie des Heotyphus. 1866. 8. 

19.813. Sikora, Beobachtungen über Stimmbandlähmung. 1866. 8. 

19.814. Vidal, de abscessibus per congestum. 1866. 8. 
P. laiehner'sche Buchhandlung in Signiaringen : 

19.815. Sammlung der Gesetze und Verordnungen f. d. Hohenzol- 
lernschcn Lande; n. F., Bd. I, 2. 1866. 8. 

Eugen Schnell, Archivar, in Sigmaringen: 

19.816. Ders., geschichtliche Bilder und Erzälungen. 1866. 8. 

V. Olfers, k. pr. geh. Rath und Generaldirektor der k. Museen, 
Exe, zu Berlin : 

19.817. Das Model eines athenischen Fünfreihenschiffs, Pentere, aus 
der Zeit Alexanders d. Gr. im k. Museum zu Berlin. 1866. 2. 

Dr. Ferdin. Piper, Universitätsprofessor, in Berlin : 

19.818. Ders., vergleichender Kalender f. d. J. 1862, 1863, 1864. 
11.— 1.3. Jahrg. 8. 

Königl. Akademie in Münster : 

19.819. Atorf, de Marco Aurel. Probo Romanor. imp. 1866. 8. 

19.820. Becker, imperalor L. Doraitius Aurelianus restitulor orbis. 
1866. 8. 

19.821. Deulsen, de Polycratc Samiorum tyranno. 1866. 8. 

19.822. Krichel, de Ulrici Hutteni studiis politicis. 1066. 8. 

19.823. Scharfe , de Evagorae Salaminorum reguli vita ac rebus 
gestis. 1866. 8. 

19.824. Scbluenkes, de Tacilo Tiberii rerum auctore. 1866. 8. 

19.825. Schoenborn, de causa et lite decumana inter Thuringos et 
archiepiscopos Mogunlinos. 1866. 8. 

A. Klindworth's Verlagsbuchhandlung in Hannover: 

19.826. Klopp, Leibniz' Vorschlag einer französ. Expedition nach 
Aegypien. 1864. 8. 



Königl. Universität in Greifswald: 

19.827. Dies., index scholarum, 1866-67. 4. 

19.828. Dies., Ver-zeichnils der Vorlesungen, 1866 — 67. 4. 

G. Schönfeld's Buchhandlung (f. A. Werner) in Dresden: 

19.829. Neuer Anzeiger f. Bibliographie etc.; Jhrg. 1866, 1-6. H. 8. 
J. N. Enders, Buchhandlung, in Neutitschein : 

19.830. Die Biene; 16. Jhrg., 1866, Nr. 1 — 18. 4. 
Redaktion der kathol. Blätter aus Tirol in Innsbruck : 

19.831. Katholische Bl.itter aus Tirol; 1866, Nr. 1—18. 8. 
Comite Flamand de France in Dünkirchen : 

19.832. Dass., bullclin; tom. IV. nr. 1 et 2., Janv.— Juin. 1866. 8. 
Societe Frangalse d'archeologie in Paris: 

19.833. Dies., bullelin monumental ; 32. vol., nr. 1 — 4. 1866. 8. 
Alwin Rudel in Dresden : 

19.834. Central-Blatt für deutsche Papier-Fabrikalion: 1866, Nr. 1— 
12. 4. r J . 

Stahel'sche Buch- und Kunsthandlung in Würzburg- 

19.835. Chilianeum; 8. Bd., 1-12. Hefi. 1866. 8. 
Dr. Hermann Stolp in Berlin : 

19.836. Deutsche (iemeinde-Zeitung, hg. v. Stolp; 1866, Nr. 1—25. 4. 
J. Engelhorn, Verlagshandlung, in Stuttgart: 

19.837. (icwerbehalle elc; Jhg. 1866, Lief. 1 — 6. 4. 
Redaktion des literar. Handweisers in Münster: 

19.838. Liieiarischer llandweiser elc. ; Jhg. 1866, Nr. 41—46. 8. 
■Wallishausersche Buchhandlung (Jos. Klemm) in Wien: 

19.839. Jagd-Zeitung: 9. Jhg. Nr. 1-12. 1866. 8. 
Redaktion der Heidelberger Jahrbücher in Heidelberg: 

19.840. Heidelberger Jahrbücher der Literatur: Jhj;. 1866, Januar- 
April. 8. - s > 

Verlag der Franenzeitung in Stuttgart: 

19.841. Kirchenschmuck elc; XIX. Bd. 2. lllfle. 1866. 8. 
Institut historique in Paris: 

19.842. Uass., linvcstigaleur ; 33 annee, Janv.— Juin. 1866. 8. 
Redaktion der allgemein. Literatur-Zeitung in Wien: 

19.843. Allgem. Liieraliir-Zeilung ; Jahrg. 1866, Nr. 1 — 20. 4. 

K. k. Central-Commission zur Erforschung und Er- 
haltung der Baudenkmale in Wu n : 

19.844. Dies., Millhcilungen : 11. Jahrg., Jan.— April. 1866. 4. 
Redaktion der altpreufs. Monatsschrift in Königsberg: 

19.845. Allprculsische Monatsschrift: 3 Jhg., 1. u. 2. Heft. 1866. 8. 
Du Mont-Schanberg'sche Buchhandlung in Köln : 

19.846. Organ lür christl. Kunst; 16. Jhg., 1866, Nr. 1 — 12. 4. 
Th. Oelsuer in Breslau: 

19.847. Schlesi.-che Provinzialblätter, hg. v. Oelsner, neue Folge, 
5. Jhrg., Jan. — April. 1866. 8". 

H. Iianpp'sche Buchhandlung in Tübingen : 

19.848. Theologische Quartalschrifl, hg. von v. Kuhn etc. ; 48. Jhg., 
1. u. 2. (Juartalheft. 1866. 8. 

Müller von der Werra in Leipzig: 

19.849. Die neue Sängcrhalle, hg. v. Müller v. d. Werra; 5. Jhe 
1866, Nr. 1-26. 4. ' 6j 

Dr. Ij. Lang in München : 

19.850. Münchener Sonnlagsblatt ; Jhg. 1866, Nr. 1 — 15. 4. 
Verein zur Ausbildung iäer Gewerke in München : 

19.851. Ders., Zeitschrift; 16. Jhrg., 1. bis 3. Heft. 1866. 2. 
Redaktion des Volksblattes für Stadt und Land in 

Quedlinburg : 

19.852. Yolksblatt etc., Jhg. 1866, ,Nr. 1 — 52. 4. 
Redaktion des Wochenblattes der Johanniter- Or- 

dens-Balley Brandenburg in Berlin : 

19.853. Wochenblalt elc, Jhg. 1866, Nr. 1—32. 4. 
Polytechnischer Verein in Würzburg: 

19.854. Ders., Wochenschrift; Jhg. 1866, Nr. 1—18. 8. 

Redaktion der Zeitschrift f. preufs. Geschichte u. 
Landeskunde in Berlin : 

19.855. Zeilschrilt f. preufs. Geschichte u. Landeskunde; 3. Jhg., 
1. — 5. lieft. 1866. 8. 

Allgem. deutsche Verlags -Anstalt (Sigism. Wol£f) 
in Berlin : 

19.856. Romberg's Zeitschrift für prakt. Baukunst: Jhg. 1866, Heft 
1-3. 2. 



285 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



286 



Ign. Franz Keiblinger, Siifiskapitular, in Melk : 

19.857. Heller, hat Karl V. wortbrüchig an dem Landgrafen Philipp 
V. Hessen gehandelt, als er ihn zu Halle gelangen nahm? 
186G. 4. Progr. 

K. Stadienrektorat in Erlangen: 

19.858. Soergel, de Tiberio et Gaio Gracchis commentationis parti- 
cula III. 1856 (eorrig. 1866.) 4. Progr. 

Dr. Petersen, Realitaienbesitzer, in Berum : 

19.859. Wenekebach, jus Theelachticum redivivum. 1759. 4. 
G. P. Aderholz' ßuchhandl. (G. Porsch) in Breslau: 

19.860. Krawulzky, Zahlung und Ordnung der heil. Sacramente der 
kathol. Kirche. 1865. 8. 

19.861. Marks, Geschichte des kathol. Schullehrtr-Seminars zu Bres- 
lau. 1865. 8. 

Gebr. Carl u. Nikolaus Benziger, Buchh , zu Einsiedeln: 

19.862. Kegisler oder Verzeichnisse zu Bd. I bis und mit XX des 
Geschichtsfreundes. 1865. 8. 

Buchhandlung' des Waisenhauses in Halle: 

19.863. Lambert, die Entwicklung der deutschen Städte-Verfassungen 
im Mittelalter; 2 Bde. 1865. 8. 

19.864. Luca, über Schiller's Wilhelm Teil. 1865. 8. 

19.865. Opel, Wallenstein im Stift Halberstadt, 1625-26. 1866. 8. 

19.866. Schade, alldeutsches Wörterbuch. 1866. 8. 

19.867. Tschischwilz, Nachklänge germanischer Mythe in den Wer- 
ken Shakspeare's. 1865. 8. 

Kgl. Geh. Ober-Hofbuchdruckerei (B. v. Decker) in 
Berlin: 
19,86-. Balsler, Auswahl allchristl. Lieder v. 2. bis 15. Jahrb. 18.58. 8. 

19.869. Carlyle, Geschichte Friedrich's von Prcufsen, deutsch von 
Neuburg; 4 Bde. 1858 — 66. 8. 

19.870. Cassel, der Gräl und sein Name. 1865. 8. 

19.871. Furslenthal, d. allgemeine Gerichtsordnung für die preufs. 
Staaten. 1857. 8. 

19.872. Hahn, Hans Joachim von Zielen; 3. Aufl. 18.58. 8. 

19.873. y. Strampn; Dr. Marlin Luther : Ueber die Ehe. 1857. 8. 

19.874. Preulsens altes Recht an Schleswig-Holstein. 1865. 8. 

19.875. Witzleben, Prinz Friedrich Josias von Coburg-Saalfeld elc. 

3 Theile. 1859. 8. Mit Karlen und Planen, gr. 2. 
M". G. Eliwerfsche Ilniversitats-Buchhandlung in Marburg : 

19.876. Dietrich, Frau und Dame. Ein sprachgeschichll. Vortrag. 
1864. 8. 

19.877. Dietrich, de cruce Ruihwellensi. 1865. 4. 

19.878. Wagner, Geschichte der Sladl Allendorf an der Werra und 
der Saline Sooden. 1865. 8. 

Verlag von Ernst & Korn (Gropius'sche Buch- und Kunst- 
handlung) in Berlin: 

19.879. Ahlliurg, die Klosterkirche zu Riddagshausen. 1857. 2. 

19.880. V. Qaasl, Denkmale der Baukunst in Preulsen; 3. u. 4. Heft, 
gr. 2. 

19.881. Biographieen berühmter Baumeister und Bildhauer; I. Bd. 
2. Ausg. 1862. 8. 

Ferdin. FÖrstemann'S Verlagshandl. in Nordhausen: 

19.882. F"örstemann, d. grall. Stolbergische Bibliothek zu Wernige- 
rode. 1866. 8. 

19.883. Rüslow, Geschichte der Infanterie ; 2 Bde., 2. Ausg. 1864. 8. 

19.884. AValther, d. Literatur des gemeinen, ordentlichen Civil-Pro- 
cesses und seine Bearbeiter. 1865. 8. 

Theobald Grieben, Verlagsbuchb., in Berlin: 

19.885. Löfflcr, das Pferd. Zucht, Pflege, Veredelung u. Geschichte. 

4 Bde. 1866. 8. 

Hahn'sche Hofbucbhandlung in Hannover: 

19.886. Kohlrausch, d. deutsche Geschichte; 15. Antl. 1866. 8. 

19.887. Leunis, Nomenciator zoologicus. 1866. 8. 

19.888. Meifsner u. Shepard. Untersuchungen über das Entslehen 
der llippurs;iure im thieriseben Organismus. 1866. 8. 

J. G. Heusersche Buchhandlung in Neuwied : 

19.889. Härder, die Entstehung und\\usbreilung des Chrislenihums 
in den ersten drei Jahrhunderten: 2 Thle. 1865 — 66. 8. 

19.890. Kühn, Entwicklungsgeschichte der Freimaurerei. 1864. 8. 

19.891. Ullersperger, d. Herz -Bräune; historisch, pathologisch und 
therapeutisch. 1865. 8. 



19.892. Ders., der Hirnnervenschlag. 1864. 8. 
C. Hingst, Verlagsbuchbandl., in Stralsund: 

19.893. Brix, Skizzen aus dem nördl. Eismeere. 1866. 8. 
G. "W. Körner, Verlagshandl., in Erfurt : 

19.894. Zwiugli's Lehrbnchlein, wie man die Knaben christlich unter- 
weisen und erziehen soll; hg. v. F'ulda. 1844. 8. 

19.895. Körner, die Stadt Erfurt. 1848. 8. 

19.896. Davin, die Sprache der Deutschen nach ihrer Geschichte elc. 
1864. 8. 

"W. Langewiesche'a Verlagshandl. in Barmen: 

19.897. Sauer, die Wupper in Liedern und Sagen. 1866. 8. 

19.898. Muller, das Duell im Lichte christlich-germanischer Bildung. 
1858. 8. 

Heinr. Olüller, Verlagshandl., in Berlin: 

19.899. Brunnemann, Michel Servetus. 1865. 4. 
Constantin Niese, Buchhandl., in Saalfeld : 

19.900. Wagner's Chronik der Stadt Saalfeld, fortges. von Grobe; 
10. lieft. 1866. 8. 

C. W. Offenhauer, Verlagshandl., in Eilenburg: 

19.901. Vörckel. Martin RInkart, ein evangel. Lebensbild. 1857. 8. 
G. Bahn, Verlagshandl., in Berlin : 

19.902. Bahn, die Berliner Königssladl u. deren vier Kirchen. 2. Aufl. 
1857. 8. 

Fr. Begensberg, Verlagshandl., in Münster : 

19.903. Huppe, Lieder u. Sprüche der Minnesinger. 1844. 8. 

19.904. Winie<^ski, systemat. Verzeichnifs der in den Programmen 
der preul's. Gymnasien und Progymnasien 1825 — 41 enlhal- 
tenen Abhandlungen etc. 1844. 4. 

19.905. Perger, annalium Iburgensium fragmenta. 1857. 8. 

19.906. Deycks, carminuni epicorum germanicorum Nederlandicorum 
saec. XIH et XIV fragmenta. 1859. 4. 

J. Eiecker'sche Buchhandl. in (lielsen : 

19.907. Folien, Tristans Eltern. 1857. 8. 

19.908. Sandhaas, fränkisches eheliches Güterrecht. 1866. 8. 
Carl Bümpler, Verlagshandlung, in Hannover: 

19.909. Scheler, Aufzeichnungen eines Amsterdamer Bürgers über 
Swedenborg. 1858. 8. 

19.910. Dellus, Boto, Graf von Stolberg, Ahnherr der Fürsten Euro- 
pas. 1860. 8. 

19.911. Merkel, die ostfriesische Insel Borkum. 1860. 8. 

19.912. Creslien von Troies, li romans dou Chevalier au lyon; hg. 
V. Holland. 1862. 8. 

19.913. Baudissin, Philippine Welser, hislor. Roman; 3 Bde. 1864. 8. 

19.914. Gödeke, Every-man, Homulus und Ilekastus. 1865. 8. 

19.915. Polko, alle Herren, die Vorläufer Bach's. 1865. 8. 

19.916. Möller, Geschichte Schleswig-Holsteins; 2 Bde. 1865. 8. 
Joh. Jac. Scheel, Verlagshandl., in Kassel : 

19.917. Klemme, das Leben Johann Calvin'«. 1864. 8. 
Gustav Schlawitz, Verlagsbuchbandl., in Berlin: 

19.918. Ilengstenberg, das Duell und die christl. Kirche. 1856. 8. 

19.919. Büchse!, Erinnerungen an den Markgrafen Johann von Kd- 
slrin. 1856. 8. 

19.920. Rocholl, Beiträge zu einer Geschichte deutscher Theosophie. 
1856. 8. 

19.921. Lämmer, die vorlridenlinisch- katholische Theologie des Re- 
formalions-Zeilallers. 1858. 8. 

19.922. Dreher, Leben, Lieder und Liederpflege der Augusla Maria, 
Harkgrälin von Baden-Durlacb. 1858. 8. 

19.923. Rocholl, das Leben Philipp Nicolais. 1860. 8. 

19.924. Becker, das edle sächsische Fürsten- Kleeblatt. 1860. 8. 

19.925. Becker, Dr. Martin Luther, der deutsche Mann. 1861. 8. 

19.926. Preuls, das Concil von Trident. 1862. 8. 
Schulzesche Buchhandlung in Oldenburg: 

19.927. Sirackerjan, Gcscblcblc der Buclidruckerei im Herzogthnm 
Oldenburg und der Herrschaft Jevcr. 1840. 8. 

19.928. Bunde, deutsches eheliches Güterrecht. 1841. 8. 

19.929. .\rchiv für die Praxis des gesainmten im Grolsherzogthuni Ol- 
denburg gellenden Rechts, hg. v. GrofskopIT, Ruhstrat und 
V. Steun: 5 lade. 1843-55. 8. 

19.930. Kohli, llanilbucb einer bislor.-googr.-slatisl. Beschreibung des 
Herzoglb. Oldenburg etc. Th. I u. II, 1. 2. 1844. 8. 



287 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



288 



III. Für die Kunst- und Alterthums- 
sammlung. 

Welfs, Archivar, in Klagenfurl : 
6134. 73 Lackabdrüokc von alleren und neueren Siegelslöcken. 

Adolf Bube, Archivrath, in Uotha : 
513.5. Porlrai des Herrn lieschenkgebers, Stahlstich von Weger. 

Ä. Demmin in Paris: 
513G. 2 I'hotoijrnphieen von Jlajoliken nach v. d. Meer. 

Ä. Neuhauser, Besilz.er der (ilasinalerei zu Innsliruck : 
5137. 2G Blauer Pholograpbieen zu dem Werke : Les vitreaux do 
Bourges etc. 



Ein Ungenannter in Nürnberg: 

5138. Groschen der Herzoge Friedrich , Albert und Jobann von 
Sachsen. 

Dr. E. Freiherr von Bibra in Nürnberg: 

5139. Brurbsliick eines römischen Glases mit eingesprengten Batzen 
und zwei Brandpfeile aus dem 15. Jahrh. 

Chr. Flinzberg:, Seifensieder, in Coburg : 

5140. Karle des Rückzugs der frank. Kbein- und Mosel-Armee unter 
Moieau ; nebst Text. 

Ferd. Bender, stud. philo!., in Darmstadt: 

5141. 15 Lack- und Papierabdrücke von älteren u. neueren Siegeln. 



Chronik der historischen Vereine. 



Bulletin monumental ou collection de memoires 
snr les monuments historiques de France, publie sous les 
auspices de la Socicte fran^aise d archeo logie pour la 
conservation et la description des monuments natio- 
naux, et dirigö par Jl. de Caumont. 4. Serie, Tome 2. 32. Vol. 
de la Collection. Nr. 5. Paris et Caen, 1866. 8. 

Memoire sur des decouvertes d'anliquiles romaines faites ;i Va- 
lentine (Haule-Garonne) ; par M. Morel. — Notice sur le camp de 



Cinais (Indre-et-Loire); par M. de Cougny. — Essai sur les origines 
et le d^veloppemenls du Christianisme dans les Gaules, par M. Tailliar. 

Bulletin du Comite Flamand de France. Tome IV. 
Nr. 2. Avril, Mai et Juin 1866. Lille et Dunkerque, 1866. 8. 

Exirait des procesverbaux. — Transmission de la chütellerie 
de Bourbourg, par le marquis de Godefroy Menilglaise. — Note sur 
la communication prfcödente, par E. de Coussemaker. — Etablisse- 
ment des jesuites anglais ä St-Omer et ä Watten, par le R. P. Possez. 



Nachrichten. 



liiteratur. 

Neu erschienene "Werke. 
16) Die PrSmonstratenser des zwölften Jahrhunderts 
und ihre Bedeutung für das nordöstliche Deutsch- 
land. Ein Beitrag zur Geschichte der Christianisirung und 
Germanisirung des Wendenlandes. Von Franz Winter, 
Prediger zu Schönebeck a. d. E. Berlin, 1865. E. Schweig- 
ger'sche Ilofbuchhandlung. 8. 386 Sin. 

Der scheinbar weitabliegende Gegenstand, den vorliegendes 
Werk behandelt, gewinnt ein näheres Interesse dadurch, dal's die 
erzählte Geschichte um eine hervorragende Persönlichkeit wie um 
einen Mittelpunkt sich bewegt und darin zwei der bedeutendsten 
Factoren im Bildungsprozesse des Mittelalters, niedersächsische Nüch- 
ternheit und fränkische Erregtheit, in der Nähe zu einer dauernden 
Schöpfung zusammentreten, wie sie die letzlere allein in der Ferne 
Tergeblich zu verwirklichen suchte. Statt mit den übrigen Heeren 
des westlichen Europas jenseits des Meeres nach dem Morgcnlande 
lu ziehen, hielten die sächsischen Fürsten es lür gleich verdienst- 
lich, einen Kreuzzug gegen die östlich von der Elbe wohnenden 
Slaven zu unternehmen, ihr Land mit dem Reiche zu vereinigen 
und so einen neuen Boden für Verbreitung des Christenihums her- 
zustellen. Diese Aufgabe war der materiellen Seite nach gerade 
hinreichend gefördert, als ein günstiges Geschick im heil. Norbert, 
dem Erzbischofe von Magdeburg und Stifter des Prämonslralenser- 
ordens, einem wahren Charakterkopfe des zwölften Jahrhunderts, 
den Mann auf den Platz stellte, der vollkommen im Stande war, den 
geistigen Tbeil der Arbeit zu übernehmen. Der Orden, dem er in 



jenen Landern eine eigentliche Heimat bereitet hat, nnd in welchem 
sein Sinn wie in ungeschwiichter Verkörperung ein Jahrhundert 
lang fortlebte, führte das Werk zu Ende. In anziehendem, einheit- 
lichem Bilde bringt der Verfasser uns diese inhaltreiche Geschichte 
vor Augen, indem er nach historischem Rückblicke den Ordensstifter, 
die Ordensschüler und deren Gönner, die dreizehn Klöster, sowie 
endlich die Organisation und den Verfall des Ordens bespricht. 
Umfangreiche angehängte Excurse erläutern die Thatsachen näher ; 
eine dritte Abtbeilung behandelt die Quellen. E. 

17) Aus der musikalischen Vergangenheit bayrischer 

Städte. Musikgeschichte der Stadt Regensburg. 

Aus Archivalien und sonstigen Quellen bearbeitet von Dr. Dom. 

Mettenleiter. Regensburg, Verlag von J. Georg Bössen- 

ecker. 18G6. 8. 287 Stn. 
Der Verfasser des vorliegenden Buches wurde, wie das Vor- 
wort bemerkt, vor mehreren Jahrep von hoher Seite beauftragt, die 
Bearbeitung einer Musikgeschichte Bayerns zu unternehmen. Die 
grofse Zersplitterung des historischen Stoffes stellte die Nothwendig- 
keit heraus, die Zusammenstellung des Ganzen durch eine möglichst 
ausführliche Spezialgeschichte der einzelnen gröfseren Städte einzu- 
leiten. Die Musikgeschichte der Stadt Regensburg liegt als erster 
Erfolg der bezüglichen Arbeiten vor und bietet sogleich so reiche 
Ergebnisse der Forschung, dafs, wir möchten sagen, damit für die 
Musikgeschichte Deutschlands noch mehr gelhan ist, als für die 
Bayerns. Denn wahrend die letztere örtliche Zufälligkeilen, die 
in jedem Orte von neuem aufzusuchen sind, nie ganz wird über- 
gehen können, müfste es für die erstere vorzugsweise von Werth 



289 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



290 



»ein, das Gemeinsame in den endlos sich wiederholenden ähnlichen 
Erscheinungen an das Licht zu stellen. Dieses wird aber in der 
reichen Musikgeschichte der Stadt Regensburg grade für die älteste 
Zeit und für die spatere wenigstens von einer Seite gleichsam ty- 
pisch vorgebildet. Mit Besprechung der musilialischcn Schriften des 
Priors Wilhelm zu St. Emmeram, des Regensburger Mönches Otker, 
des Bischofs Albertus Magnus u. a. kann der Verfasser bis in das 
elfte, zwölfte und dreizehnte Jahrhundert zurückgehen. Was Aven- 
tin und Keppler für die Theorie der Musik geleistet, knüpft sich 
ebenfalls an Regensburg. Manche andere bedeutende Namen auf 
diesem oder praktischem Gebiete werden uns im Zusammenhange 
vorgeführt: was in der Kirche, Schule und im bürgerlichen Leben 
zur Pflege der genannten Kunst geschehen, erfahren wir mit aus- 
führlichen Belegen. Die Schrift zeugt überall von vollständiger 
Sachkennlnils und gewissenhaftestem Fleifse. Nicht unbemerkt kön- 
nen wir lassen, dals an einer Stelle uns die befremdende Klage be- 
gegnet, dal's dem Forscher das betreffende urkundliche Material vor- 
enthalten worden. — Eine Musikgeschichte der Stadt Amberg und 
der oberpfiilzischen Kloster ist in nächste Aussicht gestellt. 

18) Das graue Alterthum. Eine Einleitung in das Stu- 
dium der Vorzeit von A. Morlot. Aus dem Französischen 
übersetzt von Dr. F. Barensprung. Schwerin, 1865. Druck und 
Verlag der Bärensprung'schen Hofbuchdruckerei. 8. 52 Sin. 

Die erste Ausgabe der vorliegenden Abhandlung erschien in 
französischer Sprache bereits 1861, die zweite im folgenden Jahre. 
Eine italienische Uebersetzung trat 1S63 an's Licht und gleich da- 
rauf zwei englische zu Washington und London. Die gegenwärtige 
deutsche ist nach der dritten Bearbeitung des Originals unternommen 
und vom Verfasser selbst durchgesehen. Mit Recht bezeichnet der 
Uebersetzer die Schrift als so reichhaltig und anziehend, dafs sie 
verdient, auch bei uns weiteren Kreisen zugeführt zu werden. Sie 
enthält nicht, was man aus der Fassung des Titels zu schlieTsen ver- 
sucht sein könnte, eine Uebersicht der bisherigen Ergebnisse dieses 
weitschichtigen Vorspieles unserer Alterthumskunde, sondern stellt, 
an der Hand der Entwicklung des Studiums selbst, die grofsen Fra- 
gen des letzteren fest und umschreibt mit weiten Zügen das zu be- 
handelnde Gebiet, um sogleich zur genaueren Betrachtung eines be- 
stimmten Punktes überzugehen, die vom Verfasser selbst durchge- 
führte, für die Bestimmung der Perioden der Vorzeit so aufseror- 
dentlich wichtige Untersuchung über den Durchstich des Schutlkegels 
der Tiniere, eines bei Villeneuve in den Genfersee sich ergiefsenden 
Wildbaches. Die aus dieser Untersuchung gewonnenen, mit eben 
so grol'sem Scharfsinn wie musterhafter Unparteilichkeil entwickelten 
Anschauungen müssen wir dem wifsbegierigen Leser aus dem klei- 
nen Werke selbst zu entnehmen überlassen. Wir bemerken nur 
noch, dafs der Uebersetzer dasselbe mit mancher schätzbaren Anmer- 
kung bereichert hat. 

19) Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch an der 
Bergstrafse. Von Val. .\1. Franz Falk. Mainz, Verlag 
von J. A. Giani. 1866. 8. VIII u. 218 Stn. 

Die Geschichte des berühmten Klosters Lorsch ist trotz des reich- 
haltig angehäuften Materials bis jetzt nur sehr unvollständig behan- 
delt worden. Georg Helwich's schon im Jahre 1631 erschienene An- 
tiquitates Laurishaimenses und Vogel's Brevis et compendiosa rela- 
lio de fundatione, consecratione, incremento et decremento coenobii 



Laurissensis, welche in die Sammlung von Freher - Struve im Jahre 
1717 aufgenommen wurde, konnten dem wissenschaftlichen Stand- 
punkte der Gegenwart nicht mehr genügen, und Konrad Dahls hislo- 
risch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch 
u. s. w., 1812, ein übrigens sehr danUenswerlhes Werk, behält mehr 
nur die Erläuterung der Gebielsverhältnisse und der kirchlichen Ein- 
richtungen des Oberrheingaus im Auge. Es war daher ein verdienst- 
liches Unternehmen des Herrn Falk, die Geschichte des Klosters 
Lorsch, seine Sul'seren Schicksale, wie seine innere Entwickelung, 
in gegenseitigem und fortlaufendem Zusammenhang darzustellen. 

Der Ort, an welchem das spätere Lorsch gegründet wurde, war 
ohne Zweifel schon den Römern bekannt, und selbst Förstemann 
wagt nicht den Namen Laurissa mit Bestimmtheit auf eine deutsche 
Wurzel zurückzuführen. Auch haben gottesdienslliche Einrichtun- 
gen, wie aus der Sliflungsurkunde selbst hervorzugehen scheint, 
ohne Zweifel schon vor der Gründung des eigentlichen Klosters da- 
selbst bestanden. Diese setzt der Verfasser in das Jahr 764 und 
bleibt damit der seit Jahrhunderten herkömmlichen'Annahme getreu. 
Gleichwohl scheint diese unrichtig zu sein, insofern der in der Stif- 
tungsurkunde angenommene 12. Juli (sub die HU Id. Julii) des zwölf- 
ten Jahres de.? Regierung Pipin's als Tag der Gründung festgehalten 
werden soll. Da sich nämlich aus Heinr. Hahn's gediegenen For- 
schungen in seinen Jahrbüchern des fränkischen Reichs herausstellt, 
dafs die Thronbesteigung Pipin's zwischen den 23. September 751 
und 23. Sept. 752 zu setzen ist und allem Vermulhen nach im Jän- 
ner des letzteren Jahres stattgefunden hat, so mufs das zwölfte Begie- 
rungfjahr Pipin's von 763 — 764, und kann nicht von 764 auf 765 
laufen. Nur wenn Pipin erst nach dem 12. Juli 752 die königliche 
Weihe erhalten haben sollte, was die geringere Wahrscheinlichkeit 
für sich hat, könnte der 12. Juli des zwölften Jahres in das Jahr 
764 fallen. Wir würden daher immerhin die Feststellung Tolner's 
vorziehen, welcher den 12. Juli 763 annimmt, obschon die Berech- 
nung, auf welche er sich stützt, nicht genau ist. Wie bei den Chro- 
nisten des Mittelalters aus der einfachen Zusammenfügung der Zah- 
len 752 und 12 das Jahr 764 hervorgehen konnte, würde sich leicht 
klar machen lassen, wenn der Raum es gestattete. 

Der Verfasser erzählt die Versetzung der Gebeine des heiligen 
Nazarius nach Lorsch, die Wirksamkeit der ersten Aebte, und den 
hohen Aufschwung, welchen das Kloster unter den Karolingern nahm. 
Er erörtert die wissenschaftliche Thätigkeit der Lorscher Mönche, 
die, wenn sie auch derjenigen von Fulda und St. Gallen nicht gleich- 
kam, doch immerhin sehr Bedeutendes geleistet hat. Die Wichtig- 
keit, welche Lorsch auf diese Weise erlangt hatte, dauerte auch un- 
ter den (lltonen fort; mehrere Glieder der sächsischen Kaiserfamilie 
nahmen dort vorübergehend ihren Aufenthalt ; Bruno, Bruder Otto's 
des Grofsen und spater Erzbischof von Köln, war eine Zeit lang 
Abt des Klosters. Die Vermehrung des Vermögens durch liegende 
Gründe und ansehnliche Gebiete mit ihren Höfen und Dorfschaflen 
gab den Achten von Lorsch zugleich die Stellung weltlicher Fürsten; 
sie hatten eine verhaltnifsmäl'sige Kriegsmacht auszurüsten, die na- 
mentlich in den Zeilen der salischcn Kaiser mehrfach genannt wird. 
In diese Periode fällt offenbar auch die höchste Blüthe des Klosters, 
die sich bis in die Zeit der Kreuzzüge erhielt. Diese beförderten 
zwar das klösterliche Leben, indem sie viele neue Bildungen von 
thatkrafligerem und heftigerem Charakter in das Leben riefen, er- 
schütterten aber gerade dadurch die allen Congregalionen, wo 
diese nicht im Stande waren, durch strenge Zucht und geordnete 



291 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



292 



Verwallun» dem einreifsenden Verderben Widersland lu leisten. 
Dieses letztere Loos traf auch das Kloster Lorsch. Uiiler Konrad, 
ilem letzten .\bte aus dem Orden der Benediktiner (von 1214 — 1226), 
nahmen die Unordnuo5;en dermafsen überhand, dafs derselbe abge- 
geizt, das Kloster selber aber dem Erzbischof von Mainz zuerst zur 
Reform, später aber zu vollem Eigenthum übergeben wurde. An- 
fönglich suchten die Cistercienser sich in Lorsch anzusiedeln, konn- 
ten sich aber eben so weni^ als die alten Benediktiner daselbst be- 
haupten. Nach langem inneren Hader raunile der Erzbi.schof Sieg- 
fried IIL unter vorausgegangener Gulheifsung des Papstes Innocenz IV. 
das Kloster im Jahre 1248 dem Orden der Prömonstratenscr ein, 
wogegen dieser auf den Besitz des weltlichen Fürstenthiims und aller 
damit verbundenen Rechte verzichten muFste. Als späterhin der Erz- 
bischof Dietrich IL von Mainz ein Bündnils mit dem Kurfürsten 
Friedrich dem Siegreichen eingieng und demselben zur Deckung 
der Kriegskosten mehrere Gebiete als Pfandschaft übergab, kam Lorsch 
samml dem grölseren Theile der Bergstrafse unter pfälzische Herrschaft. 
Es befand sich noch immer unausgelöst in dieser Lage, als Friedrich IIL 
nach dem Religionsgespräche von 1560 die Reformation, und zwar in 
calvinistischer Form, in allen seinen Landen ernstlich und folgerichtig 
durchzufuhren begann. Das Kloster Lorsch, schon vorher in Ausübung 
seiner Befugnisse übermäl'sig beschränkt, wurde aufgehoben. Die 
Städte der Bergstrafse blieben in dem Besitze der Plalz und zugleich 
in der calvinislischen Lehre, bis im Anfange des drcifsigjährigen 
Krieges und nach den ersten Siegen Tilly's im südlichen Deutsch- 
land das Erzbislhum Mainz an die Wiedererwerbung der schon halb 
verlorenen Landschaften dachte. Im Jahre 1623 wurde Lorsch sammt 
den verpfändeten Orten der Bergstrafse mit Hülfe spanischer Trup- 
pen von Mainz in Besitz genommen und zugleich die römischkatho- 
lische Lehre unter den dortigen Einwohnern von neuem eingeführt. 
Erst durch den Reichsrecefs von 1803 kam Lorsch an den Landgra- 
fen oder späteren Grofsherzog von Hessen. 

Dies ist der Inhalt der vorliegenden Schrift. An die Erzählung 
schlielsen sich mehrere aus einem Würzburger und Frankfurter Co- 
dex herausgegebene Anecdota, die Aufzahlung der Lorscher Aebte 
und PrObsle, das Verzeichnils der von dem Verfasser benutzten Li- 
teratur, und endlich eine lange Reihe von 162 Anmerkungen, welche 
die vorausgeschickte Darstellung der Thalsachen vielfach erläutern 
und beglaubigen. A. F. 

20) Das weströmische Reich, besonders unter den Kai- 
sern Gratian, Valentinian II. und Maximus (375 — 
388), von Dr. Heinrich Richter. Berlin, Ferd. Dümmler's 
Verlagsbuchhandlung. 1865. 8. VIII, 697 Sin. 

Alle Diejenigen, welche sich mit dem Studium der imperalori- 
schen Zeit beschäftigt haben oder beschäftigen, wissen zur Genüge, 
dafs der in dem Titel bezeichnete Zeitabschnitt zu den wichtigsten 
und folgereichsten der romischen und beziehungsweise europäischen 
Geschichte gehört. Das Heidenthum ist äufserlich besiegt, aber in- 
nerlich noch keineswegs überwunden: die christliche Kirche ist zum 
Glaubensbekenntnisse des Staates geworden, befindet sich aber mit 
der arianischi-n Partei und anderen religiösen Sekten noch im hef- 
tigsten Kampfe; die Kaiser selbst werden vielfach in diese Stieitig- 
keilen verwickelt. .\Ile Kräfte des Reiches sind überniäfsig ange- 
spannt : die gesammte Staalsmaschine, das Militarsystem, das Beam- 
lenlhum haben keine nationalen Wurzeln mehr und werden den Ge- 
fühlen der Masse zusehends entfremdet. Auf diesem, von Partei- 



leidenschaften, amtlichen Willkürstreichen, gesetzlichen und ungesetz* 
liehen Plackereien erschütterten Boden erscheinen plötzlich die Ger- 
manen in geschlossener Volkskraft, werfen die römischen Heere 
siegreich vor sich nieder und beginnen nun auf römischem Boden 
selbst den Kampf mit dem Kaiserthuni, bis dieses ihren nachhaltigen 
Angriffen erliegt. Wir stehen an der Schwelle der Völkerwande- 
rung, welche die Elemente neuer Staatsordnungen ausstreut und in 
langer Gährung die Bildungen des Mittelalters vorbereitet. 

Lange Zeit begnügte man sich, die Thatsachen, welche sich in 
den Jahren 375 bis 388 zusammendrängen, aus den nächsten Ursa- 
chen und den unmittelbarsten Beweggründen zu erklären. Selbst 
Tillemonls grofses Werk, das durch die Reichhaltigkeit des gesam- 
melten StolTes und die Gewissenhaftigkeit der Forschung ganz un- 
entbehrlich geblieben ist, reichte nicht sehr weit über diesen Ge- 
sichtspunkt hinaus, und erst Montesquieu und Gibbon haben durch 
tieferes Eindringen auf die von Langem her angebahnten Wirkungen 
und auf den Zusammenhang der verborgenen Fäden in der Entwl- 
ckelung aufmerksam gemacht. Gleichwohl blieb noch Vieles zu thun 
übrig. Man fieng allmählich an einzusehen, dafs das römische Reich 
nicht sowohl an der physischen Abschwachung und grundverdorbe- 
nen Jämmerlichkeit der Menschen zu Grunde gieng, wie man ge- 
wöhnlich anzunehmen pflegte, als vielmehr an einer sittlichen Er- 
hebung der Volksmassen, die von innen heraus erfolgte, und an 
welcher das unhaltbar gewordene bureaukratische System des Cä- 
sarismus vollständig scheiterte. In den früheren kirchengeschicht- 
lichen Werken war die Geschichte der Dogmen und religiösen Ge- 
meinschaften, losgerissen aus aller staatlichen Entwickelung, behan- 
delt und zusammengestellt : und so bewegte man sich durch ein ver- 
worrenes Feld scheinbar öder und unwirthbarer Bcgritfe. Die fort- 
schreitende Erweiterung unserer geschichtlichen Anschauungen hat 
uns indessen zur Einsicht gelangen lassen, dal's das Verständnil's vie- 
ler kirchlichen Dogmen die Kenntnifs der Kämpfe zwischen den kirch- 
lichen Parteien und religiösen Sekten voraussetzt, und dafs diese 
selbst wieder mit allen Zuständen der Gesellschaft auf das engste 
zusammenhangen. Endlich wurde die Zernichtung des römischen 
Reiches durch die Germanen meist als ein lediglich durch äufseren 
Anstofs und mit äulserlichen Mitteln herbeigeführtes Ereignifs dar- 
gestellt, während ein gründliches Eindringen in die Organisation 
desselben uns die verschiedenen Stufen nachweist, auf welchen 
chen der Geist der germanischen Volksstämme sich heranbildete, um 
zuerst zu entscheidendem Einflüsse und endlich zur wirklichen Herr- 
schaft zu gelangen. 

Aus der sorgsamen Erwägung aller dieser Momente ist die Ein- 
theilung und Gestallung des vorliegenden Buches hervorgegangen. 
Der Verfasser hat seinen Stoff in drei Bücher zerlegt, von denen 
das erste von der christlichen Kirch« und den Germanen im römi- 
schen Reiche, das zweite von Kaiser Gratian insbesondere, das dritte 
von den Kaisern Valentinian II. und Maximus handelt. Er führt uns 
in dem ersten Buche zunächst in die Zeiten Diokletians, erläutert 
in anziehender Weise aus der Persönlichkeit und militärischen Bil- 
dung dieses Kaisers dessen Stellung zu Staat und Kirche und bahnt 
sich so den Weg zu den grofsen politischen und geistigen Kämpfen 
der constantinischen Periode. Hieran schliefst sich eine Schilderung 
des kirchlichen Lebens, das Eingreifen der donatistischen und aria- 
nischen Streitigkeiten. Aus den persönlichen und kirchlicli-reaktio- 
nären Cabalen, die sich an den Höfen der drei Söhne Conslantin's 
des Grol'sen entspaunen, entwickelten sich Julian's vergebliche Be- 



293 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



294 



formversuche. Ehe der Verfasser von diesen zu den Thaten des 
Iräftigen Kaisers Valentinianus übergeht, behandelt er noch in ein- 
zelnen vortrelllichen Abschnitten die EntwicUelung des Mönchthuins, 
die wachsenden Feindseligkeiten der Germanen, den römischen Ko- 
lonat, die Colonisation der Germanen auf römischen Boden und die 
damit zusammenhängenden Militärdienste. Mit psychologischer Fein- 
heit hat er in dem zweiten Buch, welches den eigentlichen Kern 
seines Vorwurfes bildet, das Auftreten Gralian's aus dem Zusammen- 
treffen seiner Anlagen und ihrer Ausbildung mit den allgemeinen 
Verhältnissen der Zeil erläutert. Die übermälsige Strenge der kirch- 
lichen Gesetze führte zu dem heftigen Aufrühre der afrikanischen 
Donalislen und Circumcellionen, welche zwar gebändigt, aber nicht 
zernichtet werden konnten, während sich in Italien selber still und 
geräuschlos die ersten Ansätze des römischen Primales bildeten. Bei 
dieser Gelegenheit erweist der Verfasser in geschickter Weise aus 
den Verwickelungen und staatlichen Zuständen der Zeit die leichte 
und natürliche Verbindung weltlicher Gerichtsbarkeit und Verwal- 
tung mit der Immunität der Bischöfe. Mit Ausführlichkeit werden 
sodann die Schicksale des älteren Theodosius, die Stellung des Kai- 
sers Valens in Conslanlinopel, die Aufnahme der Westgolhen auf 
römischem Gebiete, Gratian's Kämpfe mit den Alamanen, die Schlacht 
von Iladrianopel und das Auftreten des neuen Mitkaisers Theodo- 
sius bis zum gewaltsamen Tode Gratian"s geschildert. Das dritte 
Buch führt die in dem bisherigen Verlaufe der Begebenheilen an- 
geknüpften Fäden bis zu dem Tode des Maximus fort und rundet 
den Gesammtinhalt zu einem harmonischen Ganzen ab. 

Die Verflechtung der kirchlichen Ereignisse und gesellschaftli- 
chen Zustände in den Gang der allgemeinen Geschichte und die 
richtige Würdigung des germanischen Einflusses im Innern des rö- 
mischen Staates bilden den eigenthümlichen Vorzug des Buches. 
Denkweise, Sitten und innere Triebfedern werden uns nahe gelegt; 
wir fühlen uns mitten in das Getreibe einer sonst fremdartigen Zeit 
versetzt. Bei gründlicher Behandlung ist die Darstellung lliefsend, 
anregend und belebt. Die erläuternden Anmerkungen sind, nach 
Büchern abgetheilt, dem Schlüsse des Werkes beigefügt. A. F. 



Aufsätze in Zeitschriften. 

Das Ausland: Nr. 29. Ein Spaziergang nach den Pfahlbauten bei 
Robenhausen. 

Das illustr. Buch d. Welt Nr. 8, S. 225. Schlofs Rheinsberg. 
Histor. Skizze. (Thaddäus Lau.) 

Der Katholik: Juni. Nachrichten über die berühmteren Theologen 
von 1620 — 30. — Ob und inwieweit es in der mittelalterli- 
chen Scholastik ideales, begriffliches und causales Erkennen 
gibt. 

Allgemeine Kirchenzeitung: Nr. 45fr. Zur Geschichte und 
Charakteristik der evangel. Kirche in Rheinland und Westfalen. 
(Schlufs.) 

Evang. Kirchen-Zeitung: Juni. Die Liturgien der alten Kirche. 

Korrespondent v. u. f.D.: Nr. 396. Ueber die Faustsage. (Dr. 
Gräfse im Dr. J., nach Dr. Kühne in Zerbst.) — Nr. 409. Das 
burggräfliche Schlofs zu Nürnberg. 

Illustr. deutsche Monatshefte: Nr. 22, S. 387. Unsere Urvä- 
ter. (M. J. Schieiden.) — S. 443. Dietrich von Bern an der 
Basilika San Zeno zu Verona. (W. v. Metzerich.) 



Deutsche Vierteljahrs-Schrift: Nr. 115. Glauben und Wis- 
sen in der Geschichte. (Dr. Faber.) — Die Geschichtschreibung 
der Civilisation. (Dr. Dühring.) 

Wochenblatt der J oh ann i ter-Ord e ns-Bal I e y Branden- 
burg: Nr. 31. Schlofs Gitschin in Böhmen. (Geisheim.) 

All gem. Zeitung: Beil. 216. 217. Ein deutscher Reformator im 
zwölften Jahrhundert. (Dr. Jos. Bach.) 

Bayer. Zeitung: Mgbl. Nr. 194. Kleine Beiträge zur Willelsbachi- 
sehen Hausgeschichte. Pfalzgraf Otto VI. von Witteisbach bei 
der Veroncscr Klause 1155. (C. Th. Heigel.) — Nr. 197 f. Zur 
Lebensgcschichle des Bildschnitzers Veit Stol's. — Nr. 203 f. 
Christian von Schweden in Paris, 1656. — Nr. 20717. Das Frie- 
densmahl und andere Festlichkeiten bei dem Friedens -Execu- 
tions-Congrefs in Nürnberg im Jahre 1649 und 1650. — Nr. 211. 
Aus alten Chroniken (ein Kirchendieb; über das Vortanzen). — 
Nr. 217 ff. Ueber Schmuck und Kleiderluxus der Deutschen. Kul- 
turgeschichtliche Skizze. (Venanz Müller.) — Nr. 218 f. Der 
letzte Hafner zu Marbach. 



Verniiselite JVueliricIiteii. 

76) Unter dem in nächster Zeit in Nürnberg zur Versteigerung 
kommenden Nachlasse des bekannten Architekten C. A. von Hei- 
deloff befindet sich ein merkwürdiges Stammbuch, auf das Liebha- 
ber und Aulographensammler gewils mit Recht schon im Voraus 
aufmerksam gemacht werden dürfen. Dasselbe ist vom Jahr 1605 
an bis über die Mitte des Jahrhunderts hinaus geführt, besteht aus 
einem Queroclavhande von 339 Blättern und ward von einem Andreas 
Setzinger angelegt, der, wie aus dem Buche selbst hervorgehl, in 
Regensburg seine Studien begann und in Stral'sburg vollendete, dann, 
wahrscheinlich einer Gesandtschaft beigefügt, sich längere Zeit in 
den Niederlanden aufhielt, Frankreich und England bereiste, und 
überall eifrig bemüht war, aus seiner vornehmen Umgebung Namen 
in sein Buch eintragen zu lassen. Deutsche Fürsten jener Zeit finden 
sich nicht seilen eingeschrieben, so Ludwig Friedrich Herzog 
zu Württemberg, Adolf Friedrich und Johann Albrecht, 
Herzoge zu Mecklenburg, Johann Christian Herzog zu 
Schlesien, die Markgrafen Christian und Albrecht von 
Brandenburg, Friedrich Ulrich Herzog zu Braunschweig, 
u. a. Die interessanteste Handschrift ohne Zweifel rührt vom Be- 
freier der Niederlande, Prinzen Moriz von Oranien, der im 
Jahre 1608 mit dem Zusätze: „Je ma i n tien dra y' sich einge- 
zeichnet hat. Auch sein nicht miiider herühmler Bruder und Nach- 
folger Heinrich und Louise von Colligny, verwittwele Für- 
stin vo n Oranien, haben ihre Namen und Denkverse eingeschrieben. 
Vom Jahre 1608 auch ist der Eintrag Roberts, des letzten Gra- 
fen von Essex, der nicht weniger bezeichnend seinem Namen 
den Spruch: „Virtutis comes invidia'' beigefügt hat. Diesem 
schliefsen sich die Lords Spencer, Winwood u. a. an. Sehr zahl- 
reich ist der deutsche hohe, zum Theil reichsständische Adel ver- 
treten. Die bedeutendsten Namen aus der österreichischen Gegen- 
reformation, wie die Khe ve nhü 1 ler, Räcknitz, Herberstein, 
Dietrichstein, Stubenberg, Gäller, Praunfalk u. s. w., keh- 
ren fast sämmtlich mehrmals wieder. Von andern sind hervorzu- 
heben die Grafen von S tollberg-Wernin gerode , Isenburg- 



295 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



296 



Büdingen, Löwen s le in-Werlhe im und manche mehr. Der ge- 
wöhnliche Zierrath solcher Stammbücher: gemalle Wappen, CoslUme, 
Darstellungen aus dem Studentenleben, Allegorieen u. dgl. ist auch 
hier in reichem Blalse vorhanden. 

77) Die Versteigerung der Drugu lin'schen Sammlung 
von Kupferstichen und Radierungen in London, welche 
vom 11. bis 22. Juni dauerte, war in Folge der cingelrelenen Kriegs- 
ereignisse fast ohne alle Bclheiligung von festlandischer Seile ge- 
blieben, was besonders bei den Werken der niederländischen Ra- 
dierer einen bedeutenden Ausfall verursachte. Trotidem wurden 
u. a. folgende Preise erzielt: St. Georg, von einem unbekannten 
Meister um 1450, 50 Pfd. St. 10 Sh. ; St. Christoph, von einem 
andern Siecher aus gleicher Zeit, 18 Pfd. 18 Sh. ; von den Dürer'- 
schen Stichen: Adam und Eva 15 Pfd. 10 Sh. , die Passionsfolge 
17 Pfd., Maria mit dem Affen 9 Pfd., Euslachius 33 Pfd., die Me- 
lancholie 9 Pfd., der Spaziergang 8 Pfd., Ritter, Tod und Teufel 
30 Pfd., das Wappen mit dem TodtenUopfe 10 Pfd. 2 Sh. 6 P. Die 
Stiche nach A. v. Dyk blieben trotz ihrer Schönheit weit hinter den 
gewohnten Preisen zurück. Die lilalter von dem Meisler E. S. 
von 1466 brachten: die Madonna unter dem Baldachin 41 Pfd., St. 
Michael 10 Pfd., St. Marcus 5 Pfd. 17 Sh. 6 P. , der Buchstabe r 
15 Pfd. 5 Sh. : das reiche llollarwerk erzielte circa 320 Pfd. : die 
Preise der neuen Blätter des Israel von Mccken variierten zwischen 
5 Pfd. 5 Sh. und !) Pfd. Den ganzen achten Tag nahm das treffliche 
Kembrandtwerk in Anspruch und erreichte ungeachtet der niedrigen 
Preise 607 Pfd. Der Gesammterlös betrug 3652 Pfd. (III. Z.) 

78) In Unler-L un k hofen, einem aargauischen Dorfe am 
rechten Ufer der Reuls , ist durch die historische Gesellschaft des 
Kantons Aargau der gröfste von 46 gezählten Grabhügeln, die 
im dortigen Bergwnlde Bärhau liegen, im Laufe des Monats Juli 
abgedeckt worden. Derselbe niilst in seinem mittlem Durchmesser 
60 Fufs, in seinem untersten 90 Fuls, ist von zweierlei Umfangs- 
und Strebemauern, übereinander liegend und jede gegen 6 Fufs breil, 
eiogcwandet und in seinem Centrum auf 15 Fufs Tiefe mit einer 
Grundlage von ahnlichen wilden Sleinklölzen und Geschiebmassen 
ausgerüstet. Unter diesen erst beginnt der natürliche Waldboden, 
alles Uebrige ist künstlich aufgetragen. Auf 10 Fufs Tiefe wurden 



zehnerlei verschiedene Flächen sowohl der Leichenverbrennung als 
auch der Leichenbeerdigung durchstochen oder abgedeckt. Daran» 
ergibt sich unwiderleglich, dafs hier die Beerdigung und die Ver- 
brennung gleichzeitig und nebeneinander im Brauche gewesen sind. 
Das hier bestattete Volk ist ein vorrOmisches, zu welchem trotz sei- 
ner mannigfachen, durch den Handel bezogenen Luxusartikel noch 
nicht eine einzige römische Münze gekommen war. Die metallenen 
Schmuckgegenstande sind, aufser wenigem Eisen, Bronze von theil- 
weise aufserordenllich feiner Gufshaut und sehr edler Form. Ein 
feines, roth und grün gewürfeltes Gewandstück einer vornehmen 
Frauenleiche hat sich durch die Oxydation des dabei gelegenen Erzes 
ganz unversehrt erhalten. An zierlichem Ilaarschmuck, an .\rm- oder 
Gelenkringen aus Erz, Ohrgehängen, Bronzeperlen und Gewandna- 
deln wurden werthvolle Fundstücke erhoben. Fingerringe von Bern- 
stein, rothcs, sechsfach facettiertes Glas setzen nicht minder in Ver- 
wunderung, als die Früchte von wilden und veredelten Birnen, 
Kirschen u. s. w. , die durch die luftdicht schliel'sende Schutterde 
des Hügels sich noch in verhältnifsmafsiger Frische vorfanden, ob- 
schon sie zum Theil in einer Tiefe von acht und mehr Schuh lagen. 
Die osteologische Beschaffenheit der Schädel und Gerippe, sowie 
ihre verschiedenartige Bestaltungsweise deutet auf eine zweifache 
Basse von Unterjochten und Herrschenden. Die noch dieses Jahr 
erscheinende ,,.\rgovia", das Jahrbuch der historischen Gesellschaft, 
wird umfassenden Bericht hierüber erstatten und die SituationspISne 
mittbeilen. (Dies.) 

79) Der fürstlich fürstenbergische llofbibliothekar Dr. Barack in 
Donaucschingen bat ein Bruchstück der verloren gegangenen 
deutschen Origiualchronik des Chronisten Wigand von 
Marburg in der dortigen Bibliothek aufgefunden. Diese Chro- 
nik war bisher nur in einer lateinischen Uebersetzung bekannt, 
welche auch in den „Scriplores rerum Prussicarum", herausgegeben 
von Theodor Hirsch, Max Toppen und Ernst Strehlke, eine gediegene 
Bearbeitung gefunden hat. Das Bruchstück umfafst zwei Pergament- 
blätter in Quart, die zum Einband eines älteren Buches verwendet 
waren, im Ganzen 134 Verse, deren Inhalt in den Kapiteln 34, 35, 
36 (Anfang) und 33 der in den Scriptores abgedruckten lateinischen 
Uebersetzung der Chronik wiedergegeben ist. Dr. Barack wird sei- 
nen Fund veröffentlichen. (111. Ztg.) 



Inserate und Bekanntmachungen. 

Jahresconferenz des germanischen Museums. 

Die diesjährige Conferenz des Gelehrten- und des Verwaltungsausschusses, wie auch der Pfleger des 



germanischen Museums wird dahier 

am 1. October d. J. 

und an den uäclistfolgenden Tagen abgehalten werden. 



Nürnberg, 15. Angust 1866. 



Der Vorstand des germanischen illuseums. 



Verantwortliche Redaclion: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommaun. Dr. A. v. Eye. 

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



U. E. Sebald'sche Bachdruckerei. 



IV ü r 11 b e r g. Das Abonnement des 
Blattes, welches alle Monate erscheint, 
wird ganzjühri^ angenommen und beträgt 
nach derneiiesten Postconvention bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen Deutsch- 
lands incl. Ocsterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.- 
Ful's oder 2 Thlr. preufs. 

Für Frankreich abonniert man in 
Stralsburg bei C. F. Schmidt, in Paris 
bei der deutschen Buchhandlung von F. 
Klincksieek, Nr. 11. rue de Lille, oder 
bei dem Postamt in Karlsruhe ; füi Ung- 
land bei Williams & Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Covent-Garden in London ; für 



ANZEIGER 



rllll KIDE DER 



Neue Folge. 




Nordamerika bei den Postämtern Bremen 
und Hamburg. 

Alle für das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden durch den Commis- 
sionär der literar.-artist Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brockhaus in Leipzig, be- 
fördert. 

Inserate, welche mit den Zwecken 
des Anzeigers und dessen wissenschaft- 
lichem Gebiete in Verbindung stehen, 
werden aufgenommen und der Raum ei- 
ner Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. 
berechnet. 





Dreizehnter Jahrgang. 



1866. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 

M 9. 



September. 



Wissenschaftliche Mttheilungen. 



Ordnung des Donipropists Kilian von Ribra, 

A^m Derliantt« iWertein von der Mere und des 

Domkapitel» zu M'üi-iburg für die Stadt 

Karlstadt. 

Milgetheilt von Dr. C. Will. 

Wir Kilian von Bibra in geistlichen rechten Doctor, Thnm- 
probst SIertein von der kere Techant vnd das Capitel des Thu- 
meslilTts zu Wirtzpurg-. Als in kurtz vergangener Zeit, et- 
weuil Irsals geprechen vnd Zwittrecht In vnser Stat karelstat zwi- 
schen vnsern lieben, getrewen , dem Bathe vnd gemeyns man- 
nen doselbst erwachssen vnd auferstanden sind derbalben vun- 
sere vorfarn vnd auch wir vmb guter dinge, frids eynigkeit 
vnd gemeyns nutzs, willen vermelter vnser Stat zum offtern 
male gehandelt ordeiiunge vnd Satzung des Regiments zwischen 
Rate vnd gemeynde gemacht vnd letzsl bey dem Erwirdigen 
Herrn Ludwigen vom Weyers seiligen vnnserm Thumtechant, 
vmb gemeynes nutze vnd eynigkeit willen gemeiner vnser Stat 
zwen Rethe einen Innern vnd einen eussern Rathe mitsampt 
einer ordenunge wie sie regiren vnd sich gein einander halten 
solten nach laut vnd luhalt zweier besigilter brif die »ir den- 
selben zweyen Reihen vnter vnnserm des Capitels anhangenden 
Insigeie gleichs lauts geben gehabt die in Irem beslufs vnter 
anderm In sich gehalten haben, das vns vnd vnsern nachkomen 
am Capitel als Iren rechten herren darlnn vorbehalten gewesen 
dieselben ordenunge vnd Satzung zu meren zu myndern zu bes- 
sern gantz ab zuthun vnd newe zu machen etc. Wan aber 
solich vnser vnd vnser vorfarn ordenunge vnd Satzung auch 
schriffllich, vnd müntlich gutlich vnterrichtung zwischen den 



vnnsern obgemelt, noch bifshere nicht vast fruchtbar gewesen 
oder zu gemeynem nutze vermelter vnser Stat fride vnd enig- 
keit gedynet hat. Sunder dieselben zwen Reihe sind ye mere, 
vnd mere zu widderwillen komen Also das Ir clage zu merma- 
len für vns In ein Capitel erschollen ist vnnd gelanget hat, 
die vns dermassen zu hertzen gangen bewegt vnd vrsache ge- 
geben handt, das wir derhalbcn die Erwirdigen vnd wirdigeu 
Herrn Mertein Thumtechant, vnd Balthasar von der kere ge- 
uettern Heinrichen vom Lichtenstein vnd Jörgen von Secken- 
dorff Rinhofen genant vnnsere mittumherrn zu Ine gein karel- 
stat gefertiget vnd geschickt haben , dieselben zwen Rethe In 
Iren geprechen vnd hendeln geineinander nach aller notturft zu- 
uerhoren. vnd die sliicke aufzuzeiehen vnd wie sie dieselben 
durch gute mittel nicht vertragen möchten an ein Capitel zu- 
bringen vnd gelangen zu lassen, vnd nachdem aber die obge- 
melten gesanten vnserer herrn vnd frunde beyde Rethe in bey 
Wesen vnser Amptleuthe zu karelslat gnugksamlich geineinan- 
der verhört auch Ire geprechen, clage vnd antwort schrilTlIichen 
verzeicheut. vnd der mittel dodurch sie In Irem Regiment nach 
laut vorgemeltcr verschreibung vnd annder vntterrichlung Ine 
von vns vnd den vnnsern gescheen In fride vnd eynigkeit zu 
pleiben nicht finden möchten wan sie von beyden Reihen den- 
selben geschickten vnseren herrn vnd frunden souil zuerkennen 
geben haben, das Ir Regiment bey einander nicht besteen Auch 
für die Herschafft vnd gemeyner Stat, die lenge nicht nutze 
oder fruchtpar sey vnd darulf bitlichen begert das wir sie bei- 
derseit Irer pllicht von Rals wegen getan ledig sagen vnd ein 
newerung des Rats ordnen vnd machen wollen das aber die 
vergemelten vnser herre der Techandt vnd andere vnnsere mit- 



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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



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tumberrn nit haben annemen wollen, Sonder solirh Ire ge- 
precheii vnd zwitlrechl milsampt Irer belbe das man sie 
vrlanben vnd des Bats pflicht ledig sagen snite an ein Ca- 
pitel lubringen Als sie vns dnR in einem mechligen Capitel 
gnugsamliche relacion dauon getan haben. Wan wir aber in 
semlicben gebrechen zwitlrechten vnd fürbringen beider Reihe 
nicht brnfen oder befinden, das einicher leyle noch «ur zeit 
sich vergriffen oder in eyniche weis gehandelt habe das Ime 
zu verweisen stee oder in vneren naihredlichen sey Sonder al- 
lein das ein argkwenigkcil hafs vnd Widerwille zwischen dem 
Innern vnd ewssern Raihe swebe vnd entsprungen sey der sich 
wo der nicht verkomen würde, von tage zu tage eülTen meren 
vnd in einen mercklicheri schaden vnd vnrathe der Herschafft 
vnd gemeller Slat komen vnd wathssen mochte. Nu wir aber 
aufs ganlzem vnnserm gemiile vnd willen So ferre wir können 
vnd mögen geneigt vnd geflissen sind fride Süne vnd einigkeit 
zu machen vnd wes den vnnsern zu nutze vnd fromen komeu 
vnd an Irem zunemen eren vi:d guts ersprifslicheii sein solte 
zu furderen wider willen vnfride vnd argkwenigkeit zuslillen 
vnd abzuschneiden. Vnd demnach domil die vnsern zu karel- 
slat derselben Irer zwiltrecht vnd vnejtiigkeit lebt zu grosserm 
vnrathe oder verdurplickeit Irer nariinge fallen Sunder gemei- 
nen nütze vnser vnd der Slat auch Ir selbst dester statlicher 
gesuchen vnd gefurdern mögen, vnd zu gutem gedeihen pracht 
werden, vnd das wir vnd vnnser nailikomen vns hinfure ge- 
gelrewer dinslhilff vnd beistands so es die nolluifft erfurdert 
dester vollkomener zu Ine versihen vnd vertrösten Auch wir 
sie wider vmb dester fruchtbarlicher mit gnaden versehen 
schützen schirmen vnd verteydigen mögen das alles vnd mere 
dapffer Sachen die vns darzu bewegen angesehen Bekennen wir 
mit diser schrifft für vns vnd alle vnnsere nachkomen am Cap- 
pitel vnd thun kunt allermeniglich das wir mit guter vorbe- 
trachtung vnd zeitlichem vorrathe den wir hirlnn gehabt Im 
aller besten vf das die gemelt vnnser Slat zu besser ordenung 
vnd regirunge auch gemeiner Stat vnd Inwoner Ere lobe vnd 
nutze dester grofslicher geprufet vnd gesucht werden möge. 
Vnd sunderlich merern vnwillen schaden vnd vnrathe So vns 
vnseren nachkomen vnd der gemelten vnser Stat aufs obgedach- 
tetn Irem wider willen erwachssen sein mochte zu verkomen 
vns vnd den mergedachlen vnsern Bürgern vnd vnterthanen zu 
karlslat Rathe vnd Gemeinde zu nutze vnd zugute haben wir 
die vorgemelten ordenunge vnd salzunge bey dem vom Weyers 
gemacht, vnd gegeben getodt, vnd abe gethan Totten vnd thun 
die wissentlichen abe In crafft dits hrifs vnd vnnser oberkeit 
die wir do haben vnd geben Ine diese hienachgeschriebene 
newe ordenunge Satzung vnd regirunge die wir auch also ve- 
sliglich geslrengkliehen vnd vnuerprochenlichen von einem igk- 
lichen vnnsern burgern vnd luwonern zu karelslat er sey Im 
Rathe oder in der gemeinde gehalten haben wollen vnd der 
bey seinen pflichten vns verwant getrewlichen volge zulhun. 

Item vnd nemlichen zum ersten also Setzen ordenen vnd 
wollen wir das Nu hinfuro doselbst zu karelstat nicht merer 



dann ein einiger Rathe von zwölf personen sein soll, die wir 
auch ilzunt vif Ir belhlichs vnd gesynnen als sie wie vorge- 
melt ist vrlaub gefordert han yedoch nil vmb mifshandcluiig 
Auch nymant zu smehe oder zu vneren von newem darein ge- 
welel gesetzt, vnd genomen Nemlichen Wolff Plessen Cunlz 
dürren Endrcs Grünnigk, Contzen Altman Gilgen holfsleller 
Clausen Greiffen Peter Schonhart. Hansen Hiltprant, Peter krugk 
Clausen Ecken Hannsen Scheffer vnd Peter Schrautenbach die 
alle vnd Ir igklicher besunder einen Rathe von newen globt 
vnd geswOrn haben. 

Item vnd ob es sich hinfuro begebe das einer oder merer aufs 
den genanten z"olffern von lods wegen oder sniist vnih nierck- 
licher vrsache willen aufs dem Rathe abgingen wie das geschieht 
das got beuolhen sey So sollen vns vnd vnnsern nachkomen am 
Capitel die andern Im Rathe vier oder sechs tugliche persone aufs 
der gemeynde verzeichent schicken als von alter herkomen ist 
aufs den selben, oder andern wir vns vorbehalten die abgegan- 
gen personen Im RaIhe wider zuerfollen die dann auch globen 
vnd sweren sollen In niassen die andern Im Rathe gethan 
haben. 

Item dieselben zwolfF Im Rathe sollen also Jerlich vnd ein 
ydes .lare besunder allewegen vf des heiligen Creutzs tage 
Exaltacionis genant, In beywesen vnnsers Schultheissen den wir 
ye zu zeilten do haben werden, Zwen anfs Ine zu Burgermei- 
stern welen vnd machen vnd dieselben die also Jerlich zu Bür- 
germeistern gesetzt gewelet vnd gemacht werden Auch ein igkli- 
cher der In den Ralh genomen Wirdet Sollen vnnserm Schult- 
heissen den wir do haben an vnser Stat vnd von gemeiner 
Stat wegen nach Inhalt des eyds darüber begriffen globen vnd 
sweren der herschafft vnd Statsachen Ingemein vnd besunder 
nach Irem besten vermögen vnd verstentnifs zu Rathen zu han- 
deln vnd aufszurichten 

Item auch die Burgermeistere vmb alles vnd igklichs Ir 
einnemen vnd anfsgeben gros vnd klein nicht aufsgenomen ge- 
trewlichen rechnunge thun vnd so Ir Jarzeit vergeet, vf obge- 
melten des heiligen Creutzstag mit derselben Irer rechnung 
geschickt sein yedoch das sie vns das zeitlichen vor verkünden 
mit Irem brife oder kuntlichen boten ob wir vf vermelten 
Tage die vnsern auch zu Irer rechnung schicken wolten, Wo 
wir aber ander vnser anligenden sachenhalb vf genanten tage 
zu solcher rechnunge nicht geschicken mochten, das sie dann 
Irre rechnunge verzihen auch IrsAmpts nicht ledig sein sollen, 
bifs vf einen andern tage den wir Ine ernennen vnd die vn- 
sern dobej gehaben mögen von Irem einnemen vnd aufsgeben 
rechnunge zu hören zu der sie also geschickt sein das sie der- 
selben Irer rechnunge drew Register gleichs lauts machen las- 
sen sollen vns der eins dem Rathe von gemeiner Stat wegen 
das annder vberantwurtlen vnd das drit für sich behalten. 

Item wir setzen ordnen vnd wollen auch das nü hinfure 
In gemelter vnnser Stat karelstat aufs der gemeynde vier vir- 
teillmaister gesetzt, gemacht, vnd sein sollen Als wir die dann 
auch itzunt gesetzt gemacht, vnd fnrgenomen haben mit namen 



301 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



302 



Betzen Mergentheim Im Höenecker virleil Haniisen Eisengart 
Im Roleiisleiger virleil Wilhelmen Schmidt Im Mullhurner vir- 
teil viid Clausen Renckner Im Rolerihurner vIrteil, riie Itzgemel- 
ten vnd andere Ire nachkommen sollen hinfure mitsampt vnn- 
serm Schultheissen den wir itzunt oder hinfnre do liabenn wer- 
den zu allen vnd igklichen rechnungen aller Amplleuthe der 
Burgermeislere Bethselzer Gotshaufsmeister Prnderschafft Mai- 
ster Spilalvberseher elc. Auch zu andern grossen vnd dapffern 
Sachen die Herschafft vnd gemeiner Slat betreffendl als einen 
Heriizugk einen kostlichen Bawe der Stat, Oder so einer mit 
gedinge In die belhe doselbst komen oder eindingen oder so 
der herschafft vnd gemeiner Stat vehde zustünde ein ordenunge 
der were zu machen, oder die letze zu bestellen Oder so man 
ein Summ gelts für die Slat aufsbringen solle, das doch an- 
ders nit dann wie hernachgeschrieben steet sein soll Oder der 
gleichen Sachen Ratslagen solle allewegen von einem Rate dar- 
zu gefordert werden vnd dabey sein vnd wes solcher hendel, 
noiturfft ist an ein gemeiude zu pringen oder gelangen zu las- 
sen das sollen die virleil Maister vf beueihe vnnsers Schult- 
heissen vnd eins Rats mit einer gemeinde ein yder nach seinem 
beueihe an sein virleil darinn er gesessen ist gelreulichen an- 
pringen werben vnd Ir meynunge empfahen vnd dann wider In 
einem Rathe In bey wesen vnnsers Schultlieissen eroffnen vnd 
dann dieselben Sache mitsampt Schuilheifsen vnd einem Rathe 
nach dem besten helffcn Ralslagerj nach nütze vnd notlurfft der 
herschafft vnd gemeiner Stat helffen handeln. Aber sunst on 
beueihe vnnsers Schultheissen vnd eins Rats kein Gemeinde zu 
Sammen verpotten in keineweifs ongeuerde. 

Ilem wir setzen ordenen vnd wollen auch das hinfure we- 
der Rathe oder virleilmeisler In gemein oder besunder kein 
ewige gelt leipgedinge, oder auch sünsten kein Summ gells we- 
der vil oder wenig bei Iren eyden vnd pflichten vns verwant, 
für die gemellen vnser Stat, verkauffen entlehen, oder aufsprin- 
gen sollen on sunderlichen vnnseru des Capitels kUntlicheu 
willen wissen vnd erleubung Suuder ob Ine einiche Summ gelts 
oder leipgeding die Sie itzunt von Gemeiner Stat wegen Jars 
zugeben schuldig sind abstürbe vns das bey denselben Iren 
pflichten zuuerkunden vnd nit zu verhalten. 

Item Es sollen auch weder vnser Schultheis oder die Im 
Rathe In die bethe nymant lassen eindingen oder auch kein 
Summ gelts von nymandt entlehen darumb sie ymandt dester 
gleicher der belh halb wollen sitzen lassen on sunderliches 
wissen vnd willen der virteilmeistere in keinerweise ongeuerde. 

Item Wir setzen ordenen vnd wollen auch das hinfure we- 
der die Burgermeislere oder ein Rathe on besonder laube wis- 
sen vnd willen vnnsers Schultheissen keinen Rathe halten oder 
machen sollen Es wer dann das er nicht verbanden oder nit 
anheim vnd die sacbe so dapffer were die herschafft oder die 
Stat betreffe, das es die noiturfft eruordert So sollen sie vnn- 
sern Ampiman zu karelburg, oder vnnsern kellner zu karelslat 
wu der einer verbanden were dorzu vordem. 

Item Sie sollen auch nymant der vnsren weder in Stat 



noch aufs vnserm Ampte karelburg oder auch sunst nymant 
allein aufsgenomen der Slat dienere als thorwartten thuro 
leulhe wechter Schröter elc. weder zustraffe oder zu gefengk- 
nus annemen weder heymiich noch offenlich on willen vnd wis- 
sen vnnsers Schultheissen oder ander vnnser Amptleüth Sunder 
wie vnd welcher mafsen sich ymandt verhandelt der zu Straffe 
gefengknus oder verhefftigung angenomen werden soll Es sey 
zugestrengem oder fruntlicbem Rechten oder sunst vmb straffe 
willen das sol alles mit laUbe vnd wissen vnnsers Schuilheifsen, 
oder ander vnnser Amplleulhe doselbst gescheen , die dann ao 
vnnser Stat aller vnd igklicher gefengknus oder behellnus In 
der Stat vnd vff dem Slos karelburg mechlig sein sollen rechts 
vnd gerichts zu verhelffen, darzu Ine auch die gesworn Slat- 
buttel, So sie darumb angesucht wurden bey Iren eyden vnd 
pflichten beholffcn sein sollen £s were dann das der vermelten 
vnnser Schultheis oder der andern vnnser Amptleüth keiner 
verbanden vnd der Handel also gestalt were das es die notlurfft 
eruordert. So haben die Burgermeislere vnd ein Rathe gut 
macht einen igklichen InUerhefftung vnd gefengknus an zunemen 
bils an vnnser Amptleüth ongeuerde. 

Item Wir setzen ordnen vnd wollen auch das ein Rathe 
hinfure in beywesen vnnsers Schultheissen die andern Ampt 
als bethselzer Gotshaufsmaister Bruderschaflmeister Spilalvber- 
seher also ordnen vnd bestellen sollen, das allewegen vnd ein 
ydes Jare besonder einer aufs dem Rathe, vnd darzu einer aufs 
der Gemeinde, oder von den virteilmeistern zu der Ampt einem 
genomen werden sollen, vnd welche also aufs dem Rathe des 
ersten zu den Ampten gewelet werden, der sol yder zwey Jare 
vf das male daran pleiben vnd die die aufs der Gemeynde oder 
von den virteilmeistern darzu gegeben werden sollen yder das 
erstmale Ein Jare daran sein. Aber hernach welche zu gemel- 
len Ampten gewelet werden Es sey Im Rathe oder aufs der 
gemeinde der sol yder ye zwey Jare an der Ampte einem sein 
vnd pleiben, vnd darnach einander an sein Stat genomen, Aufs- 
genomen die bethselzer sollen Jerlich veranndert werden Vnd 
dieselben Amplleuthe alle sollen mit Irer rechenschafft vf ob- 
gemelten tag, gleich wie die Burgermeislere geschickt sein die- 
selben Ire rechnung vor den die wir von Capitels wegen dar- 
zuscbicken ob sie dobey sein wollen vor dem Schultheissen 
Rathe vnd virleil älaistern zu ihun Vnd so dann solche rechen- 
schafft der Burger fliaistere Bethselzer Gotshaufsmaister alle vnd 
igkliche wie vorgemelt ist gethan vnd gescheen vnd die gegen 
Register vberantwort sind. Alsdann wollen wir verfügen, das 
zwen von Rats wegen vnd zwen virteilmeistere darüber gege- 
ben werden solich rechenschafft In einem monat dem nesten 
nach yder rechnunge getrewiichen mit allem vleis zu vbersehen 
defsgleicben wir vns zuthun auch vorbehalten werden dann die 
Rechnung alle vnd yde besundere recht vnd aufrichtig funden 
So soll mann einer yden rechnunge des also Irefi Recesfs mit 
verzaichnus der namcn die die rechnung besehen haben schrei- 
ben wurden aber etliche Artikel es were Im einnemen oder 
aufsgeben dor Inn gcmerckt daran die besichtiger zweifei hellen 



303 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



304 



vnd iiit giiügig weren , die sollen aut'gezeicheiit werden, von 
denselben besichligern, vnd dieselben Amptleutlie die es betrifft 
vor den die wir darüber schicken vnd ordeiien Auch vor dem 
Schultheissen Ralhe vnd virteill Jlaislern, zurede setzen mögen 
sie dann dieselben Artikel genugksamlich verantworttcn wol 
vnd gut So so! man In Iren Recesfs schreiben wie vorgeschrie- 
ben steet. Slogen sie aber der uichl verantwurton, oder giiUgk- 
lich vnterrichtung thun, So wollen wir vns furter darlnn auch 
vorbehalten haben gegen denselben die es betrilTt nach einem 
billichen zu handeln. 

Item wir setr.eo ordnen vnd wollen auch nachdem hievor 
das vngelt zu kerelstat, einzubringen den Burgermeistern 
beuolhen ist etc. dasselbig vngelt sul uü hinfure abermals Jer- 
lich den Bürgermeistern dermassen wie vor beuolhen vnd defs- 
halben sunderlich In Iren eydt gepünden werden dasselbig 
vngelt mitsampt einem igklichen vnserm kellncr getreulich, ein- 
zuuordern ein zunemen vnd damit gelrewiichen vnd ongeuerlich 
vmb zugeen Auch vnnsern halben tej'le dauon an allen abbruche 
vnd ahgangk vnnserm keilner zu karelslat zuheheudigen vnd 
vberantwurtten an alles geuerde. 

Item wir setzen ordnen vnd wollen auch das hinfure also 
gehalten haben welche persone Sie sind aufs dem Rate oder 
aufs der Gemeinde In der Stat Sachen vnd handeln zu botschalTt 
geschickt werden Sind sie zu pl'erde So sollen die Burger- 
meistere Ir ydem zu tag vnd zur nacht vf ein pferdt ein ort 
eins guldin Sind sie aber zu fufs ye einen tag vnd nacht dreissigk 
Pfenning vnd auch nit mere zu zerung geben. 

Item Es sol auch Ein Ralhe mitsampt vnnserm Schultheissen 
hinfure alle cleyne Ampte der Stat als visirer thorwarttern 
Thurenleuthe wachter kornmesser Schrotter vnterkauffer Stat- 
putel etc. vnd dergleichen nach Irem besten gut bedUncken der 
Herschafft vnd der gemeinen Statnütze vnd fromefi darlnn brufen 
vnd ansehen bestellen Setzen vnd entsetzen vnuerhinderl der 
virteilmeister vnd gemeinde doch also das dieselben Amptleulh 
alle vnd Ir yder besunder vnnserm Schultheissen an vnnser 
Stat als offt es notturlTt ist globen vnd sweren sollen vnnsern 
vnd der Stat schaden zu warnen Fromen vnd bestes zu werben 
Auch vns oder vnsern Amptleulhen an vnnser Stat, vnd dem 
Bathe gehorsam zu sein vnnser HerschalTl vnd oberkeit noch 
Irem besten vermögen hellfen zu hantliaben ongeuerde. 

Item Wir setzen ordenen vnd wollen auch Als die vnnsern 
zu karelstat durch vnterrichligunge der wirdigen vnnser lieben 
herrn vnd mittumherrn herrn Johannsen Grewssings vnd herrn 
Jörgen von Gichs mit den Bethsetzern einen anfangk furge- 
nomen haben das man Jerlich die bethsetzer einen aufs dem 
Rathe vnd einen aufs der Gemeinde welen vnd machen sol als- 
dann hieuor auch dauon gemelt ist vnd die bethe vf vier zile 
Im Jare einzupringen vnd zu bezalen derselbig anfangk als wir 
von den vnnsern selbs berirht werden für gemeyne Statnütze 
vnd gut sey dobey sol es auch hinfure vnuerruckt pleiben. 
Aber mit der bethe vnd die bethe einzupringen vf das nu hin- 
fure alle lessigkeit vnd versewmnus die hintersteiligen bethe 



auch die zukunfftigen bethe eins yden Jars einzupringen der 
Stat schaden verkomen vnd durch die Belhemeistere die bethe 
ein zuuordern auch durch einen yden die zu geben dester meher 
vnd besser vieis angekert werde sol es also gehalten werden. 
Das hinfure die gesworn vnterkauffere vber den wein gesatzt 
bey gesworn eyden den belhemeistern zu versteen vnd ver- 
zeiihiiet geben sollen wieuil weins ein igklicher verkaulTt vnd 
wie er den verkaullt hab, So sollen die Schroter auch bey 
Iren gesworn eyden nymant kein verkaulTten wein aufschroten, 
er habe Ine dann zu uoran ein zeichen von den Bethmeistern 
bracht So sollen die Bethmeistere keinem kein zeichen geben 
Er hab Ine dann zuuor anglobt sich mit Ine vmb die beth 
zuuertragen vnd von dem gelofsten gelt aufszurichten. Defs- 
gleichen sol auch keiner keinen wein zu zapffen aufs schencken 
er hab den das ein zeichen vnd dem Bethmeistere globt, wie 
obgemelt ist vnd also ein yder er sei Reiche oder Arme ver- 
pflicht vnd geschickt sein Sein Stewre vnd bethe vf die vier 
zile die als obsteet furgenomen sind, an alles verzihen aufszu- 
richten vnd zubezaleu. So sollen die Bethmeister die Ihenen 
die also sewmigk sein wurden mit vIeis vmb bezalung der 
bethe ersuchen lassen vnd auch alsdann an vnser Stat vnd von 
vnnsern wegen macht haben den oder dieselben die dorUber 
aber sewmigk wurden die Stat zu verbieten und sie aufs 
zutreiben die auch also von stundan aufsgeen vnd nicht wider 
einkomen sollen. Sie haben dann zuuoran Ir siewr vnd bethe 
bezallt vnd v\elcher oder welche aber den also die Stat verpo- 
ten were wider zu Karelstat ein geen würden Ehr vml sie die 
Bethe vnd Stewr hezalt helten den oder dieselben Sol vnser 
Schultheis vnd die Burgermeistere zu hellten vnd gefengknus 
nemen vnd also gefengklichen halten bifs vf vnser vnd vnser 
nachkommen ferner gescheffte vnd die Burgermeistere sollen 
sich auch den Bethmeistern In Ir Ampt nicht slahen, Ine da- 
rein nicht tragen noch ymands frist gehen. 

Item vnd domit auch die Bethmeistere dester mere fleis 
furwenden die bethe einzupringen Setzen vnd wollen wir wue 
sich vff ein oder mere zile erfunde das einer oder mere Ir 
Stewr nicht bezalt hatten, vnd die Bethmeister bey brechten 
das sie gein dem oder denselben den obgedachten vIeis die 
Stewr von denselben einzufordern vnd einzubringen nit ange- 
keret vnd dieselben aufsgetrieben, das die Bethmeister diesel- 
ben Beth selbst bezalen sollen. 

Item Wir behalten auch hirJnnen vns vnd allen vnnsern 
Nachkomen am Capitel vor dise vhsere Satzung vnd ordenunge 
zu meren zu myndern gantz auffzuheben vnd ein newe zu 
machen als offt vnd dicke das die uotturfft eruordert, vnd vns 
gut sein bedüncken wirdet. Geben vnd versigilt vnter vnnserm 
des Cappitels anhangendem Insiegel Am dinstage nach der hei- 
ligen dreier konige tag Nach cristi vnnsers lieben herren ge- 
purt Tausent vierhundert vnd In dem zweyvndachtzigisten Jaren. 



Die vorstehende Ordnung habe ich einer gleichzeitigen 
wohlerhaltenen Copie entnommen. Dieselbe ist auf Pergament 



305 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



306 



geschriebeil und füllt S'/i Seilen in folio. Auf der ersten 
Seile, welche als Umschlag dient, steht von olTrnbar neuerer, 
die ältren Schriftzüge nachahmender Hand : XXVII Kilian von 
Bibra 1482. Das letzte Blatt ist unbeschrieben ; das Ganze mit 
rothseidner Cordel geheftet. 

Die Handschrift befindet sich gegenwärtig im Besitze des 
Freiherrn Ernst von Bibra in Nürnberg. 



Vorläufer der liokoinotive im fS. Jalirliun- 

derte. 

Wenn wir unsere neuesten grofsen Erfindungen in's Auge 
fassen, so finden wir für viele derselben die Vorstufen lange 
vorbereitet. So auch für das Eisenbahnwesen. Eines der we- 
sentlichsten Elemente desselben, der Wagen, der die Triebkraft 
in sich selbst führt, ist eine Erfindung des 17. Jahrb., wenn 
auch damals nichts anderes als eine mechanische Spielerei da- 
mit bezweckt war. Der grofsartigste derartige Wagen war 
der von Johann Hautsch (geb. 1595) anno 1649 zu Nürnberg 
gebaute *) der auf 4 Rädern fuhr. Auf den rückwärtigen ruhte 
ein grofser Kasten, in dem sich ein Räderwerk befand, das durch 
einige, gleichfalls in diesem Kasten befindliche und somit den 
Blicken verborgene Menschen getrieben wurde. Oben safs der 
Erfinder und leitete den Wagen, dessen vorderes Ende in einen 
Drachen auslief, der die Augen verdrehte, und, wenn das Volk 
den Weg versperrte, Wasser ausspie. Ein Paar am Wagen 
angebrachter Engel hatten bewegliche Arme und bliesen die Po- 
saune. 1650 kaufte Karl Gustav von Schweden diesen Wa- 
gen um 500 Thir. und sendete ihn nach Stockholm. Später ver- 
fertigte derselbe Künstler einen ähnlichen Wagen als Triumph- 
wagen für den König von Dänemark, nachdem er schon vorher 
Stuhle für Podagristen in grölserer Zahl gefertigt hatte, worin 
sitzend sich dieselben durch Kraft der Arme im Zimmer hin- 
und herbewegen konnten. 

Aehnlich diesen Stühlen fertigte der gelähmte Uhrmacher 
Stephan Farfler**) zu Nürnberg (geb. 1633, f 16Ö9) Kunst- 
wägen mit 3 und 4 Rädern, die durch Kurbeln getrieben wur- 
den, welche ein in einem Kasten vor dem Fahrenden befindli- 
ches Räderwerk bewegten, das das eine oder die beiden Vor- 
derräder trieb. Es ist fast genau dasselbe Fuhrwerk, wie die 
Draisine, die bei Eisenbahnen gebraucht wird. Nur ist, da es 
sich hier darum handelte, auf gewöhnlichem Boden zu fahren, 
der ganze Apparat nichts anderes, als eine Verlegung der eigent- 
Thätigkeit der Beine in die Arme. Die Arme müssen den Kör- 
per fortbewegen, müssen aber nicht blos die beim Gehen auf- 
wendete Kraft zur Fortbewegung des Körpers allein, soudern 

*) Doppelmayr's Historische Nachricht von den Nürnbergischen 

Malhemalicis und Künstlern etc. Nürnberg, 1730, S. 300, mit 

Abbildung. 
**) Daselbst, S. 302, mit Abbildung zweier solcher Wägen, von 

denen der vierrädrige noch im Original in der Stadibibliothek 

zu Nürnberg erhalten ist. 



auch noch zur Fortbewegung des Wagens liefern, müssen aus- 
serdem noch all die Kraft aufwenden, die durch Reibung und 
Widerstand des Räderwerks in der Maschine erfordert wird. 
Uebrigcns bleibt der Bau solcher Wägen stets eine interessante 
mechanische Spielerei, ähnlich andern, die in der ihrer Erfin- 
dungsgabe und Kunstfertigkeit wegen berühmten Stadt Nürnberg 
damals gefertigt wurden *). 

Fertigte man in der Stadt des Witzes mechanische Spiele- 
lereien, so wird es natürlich erscheinen, dafs man in Holland, 
dem Lande der Windmühlen und der Segelschiffe, darauf ans- 
gieng, den Wind als bewegende Kraft zu benützen, also die 
Ihierische Triebkraft durch eine Nalurkraft zu ersetzen. Man 
baute daselbst die Windwägen, von denen der alte Merian **) 
bei Betrachtung von Scheveningen schreibt: Scheveringen, 
ein Dorff nahend dem Haag gelegen, allda die Wind-Wagen ge- 
wisen werden, deren sich Printz Moritz von Oranien bifsweilen 
gebraucht hat, wann er neben defs Meers Gestade spatzieren fahren 
wolle. Und haben in einem solcher Wägen 28 Männer sitzen, und 
innerhalb zwo. Stunden vierzehen Holländische Meilen, nemlich 
von Scheveringen, bis nach Petlem, mit solcher Geschwindig- 
keit fahren können, dafs die vorüber raisende sie nicht haben 
kennen, öder ein Pferd ihnen lang gleich laulTen können. Der 
Erfinder dieser Wägen ist der vornehme und berühmte Mathe- 
maticus Simon Steevinus gewesen. 

Ob ein derartiger Wagen sich erhalten hat, konnten wir 
nicht in Erfahrung bringen, auch waren uns bis jetzt keine 
Abbildungen zu Gesicht gekommen. Im Nachlasse des bekann- 
ten Heideloff fand sich jedoch ein interessantes Stammbuch 
eines Andreas Selziiiger, in das eine grofse Zahl hervorragen- 
der Personen, darunter auch Moriz von Oranien, ihre Namen 
eingezeichnet haben, und das mit dem Besitzer grofse Reisen 
machte und so mit ihm auch Holland sah***). Wie alle diese 
Stammbücher durch Malereien ausgestattet sind, so finden sich 
auch in diesem viele für die Kulturgeschichte, speciell für die 
Kostümgeschichte jener Zeit wichtige Malereien. Darunter 
kommt auch auf einem Blatte die Abbildung eines solchen, wie 
ein Schiff mit Segeln versehenen Windwagens vor, den wir sei- 
nes Interesses wegen nachstehend in Grofse des Originals abge- 
bildet haben. Zwar sind auf denselben nicht 28, sondern (mit 
dem Steuermann) nur 6 Figuren gezeichnet. Ein offner Kasten 



*) Hautsch, dessen Sohn und Andere fertigten mancherlei grofse 
Schaustücke mit vielen beweglichen Figuren, ähnlich den 
an den grofsen Uhren des späteren Mittelalters vorkommen- 
den beweglichen Figuren, s. Doppelmayr an verschiedenen 
Orten. 
**) M. Zeiller's Topographia Germaniae Inferioris dafs ist Beschrei- 
bung und Abbildung der Vornehmsten Stätten Vöslungen und 
Öhrler so wohl in grund als in Prospect, in den XVII Nie- 
derländischen Provintien liegend etc. Frankfurt bei Caspar 
Merian. Ausgabe von 1659, S. 150. 
***) Vgl. die Beilage zur vorigen Nummer des Anzeigers, ver- 
mischte Nachrichten, Nr. 76. 



307 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



308 



mit hoher Rückwand, um die dem Windanfalle ausgesetzte Ober- keii des Wagens mufste am vorderen Ende angebracht sein, 
flache zu mehren, ruht auf vier Rädern mit sehr breiten Felgen Die Zeichnung zeigt nur eine der Handhaben, ahnlich der des 
(um nicht in den Dünensand eiozuschnciden) In der Milte erhebt Steuerruders, in der Hand des Lenkers. Wohl um die Schnei- 




sich ein Mastbaum, an dem eine Raa angebracht isl, die ein gros- ligkeit anzuzeigen, ist ein Windspiel in vollem Lauf hinter dem 

ses geschwelltes Segel trägt. Vorn ist ein Rugspriel, das gleich- Wagen angebracht. 

falls mit einem Segel versehen ist. Eine Vorrichtung zum Len- Nürnberg. A. Essenwein. 



Zur liiterutur des Seelentrustes. 

Eine eingehende Kenntnifs dieses anziehenden Erbauungs- 
buches des ausgehenden Mittelalters verdankt die vaterländische 
Wissenschaft zunächst Franz Pfeiffer, der in den 3 ersten Ban- 
den der Frommann'schen Mundarten reichhaltige Auszuge aus 
demselben veröffentlicht und durch ein nachfolgendes Wörter- 
verzeichnifs erläutert hat. Diese Publication ist Eduard Bode- 
mann unbekannt oder unzugänglich gewesen, der neuerdings 
in dem Prachtwerk „Xylographische und Typographische Incu- 
nabelii dir königlichen öffentlichen Bibliolheli zu Hannover. 
Hannover, 1866," Nr. 88, S. 68, 69 über den Seelentrost ge- 
handelt hat. 

Ich gestatte mir demnach seine Darstellung aus Pfeiffer's 
Worten a. a. 0. und anderem mir zugänglich gewordenen Ma- 
teriale thcils zu ergänzen, theils zu berichtigen, unter der aus- 
drücklichen Voraussetzung, dafs Kenner und Freunde der ein- 
schlagenden Literatur gegen die Mängel und Lücken meiner 
Darstellung dieselbe kritische Pflicht erfüllen werden. 
I. An Handschriften des Seelentrostes verzeichnet Bode- 
manu, zum Theil nach Geffcken's Bilderkatechismus: 



a) hochdeutsche: 1. die Giefsener vom Jahre 1460. Cod. 
Nr. 850 

Hinzuzufügen ist 2. die Ha mb u rge r, welche GefT- 
cken S. 45 für die älteste der ihm bekannt gewor- 
denen Hss. ansieht. 

b) niederdeutsche: 

1. die Oldenburger vom Jahre 1407, 

3 eine Hamburger niederdeutsche (da Geffcken eine 
solche Hs. nicht erwähnt, so vermulhe ich bis zum 
näheren Nachweis eine Verwechslung mit der unter a. 
verzeichneten hd. Hamburger Hsch.), 

3. und 4. zwei Wolfenbüttler Hsch., deren eine cod. 
Helmstad. 418 die 10 Gebote, die andere cod. Helm- 
stad. 255 die 7 Sacramente behandelt (unsre Zwei- 
fel gegen die letzte Angabe s. unter III), 

5. eine Hs. vom Jahre 1473 auf der Königl. Biblio- 
thek zu Hannover. 

Als 6. füge man das Bruchstück einer Wolfenb. Us. 
hinzu, nach der Bruns zum Schlufs seiner rom. Gedd. 
1798 die Erzählung vou Alexander dem Grol'sen ab- 



309 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



310 



gedruckt hat. Der Abschnitt bildet das Ende des 
grofsen Seelenlrostes. 
c) Die von Pfeiffer io d. Mundarleii I, 174 erwähnten 
3 cölnischen oder niederrheinischen Hsch. sind auch 
bei Gelfcken S. 111 verzeichnet, dessen iNachlrage Bo- 
demann wird übersehen haben. Wenn aber Gelfcken 
für die ehemalige Tuchersche Hs. die Vermuthung 
anfserl „jetzt wohl in Neuburg", so diene zur Wider- 
legung derselben die Notiz im Anzeiger IH33, S. 107 
„nun Eigenthnm der Gesellschaft zur Erhaltung deut- 
scher Denkmäler zu Nürnberg." Die jetzige Redaction 
des Arizeigers hat vielleicht die Güte, die frühere An- 
gabe auch für die Gegenwart zu bestätigen. 
11. Ueber die Drucke äufsert Bodemnnn: „Das Buch ist in ver- 
schiedenen Dialekten, in denselben Jahren, an verschiedenen 
Orten; Augsburg, Utrecht, Haarlem, Zwo!), Cölii etc. 1478 
— 1489 gedruckt." 

Diese Zeitbestimmung ist nach beiden Seiten zu eng. Vor 
1478 erschien eine Ausg. Col on. I. Co il hoff 14 7 4. 4. Das 
einzige bekannte Exemplar derselben befindet sich im britt. 
Museum und ist aus dem Antiquariat von Asher in Berlin er- 
worben, s. Asher catal. de livres rares et curieux LVIII, 
S. 211. Nr. 3306. Die Ausgabe umfafst den grofsen und 
kleinen Seelentrost. Der Katalog nennt weiter mit be- 
sonderer Auszeichnung „das gülden ave Jlaria" Damit vgl. 
man die Beschreibung des 2 , nun als Coilholf'sche Ausgabe 
bekannten Hannover'schen Exemplars von 1489 bei Bode- 
mann. 
Nach 1489 kann ich noch 2 Drucke nennen: 
Zwoll. P. van Os. 1491 Fol. (ein Exemplar in Oldenburg 
laut briefl. Mittheilung des Herrn Dr. Merzdorf, s. Ebert, 
bibliogr. Lexic. Nr. 23133). 
Cöln. S. Kruffler 1523 oder 1529. Die erste Zahl bei Gelf- 
cken, S. 48, die zweite ib. S. HO. 
in. Von besonderer Wichtigkeit ist die Frage, welche von den 
Hss., welche von den Drucken den grofsen Seelentrost, d. h. 
die Erläuterung der 10 Gebote allein, welche den kleinen 
Seelentrost zugleich milumfafst. 
Schwerin. Latendorf. 



Beiträge zur schweizer iselieii Munst- 
gee^clticlite. 

Mitgetheilt von Ed. His-Heusler, Mitglied der Direction der 
Kunstsammlung zu Basel. 

IL 

In der Morizkapelle zu Nürnberg befinden sich unter Nr. 121 
und 138 zwei Gemälde: Maria Tempelgang und Vermählung, 
welche im Kataloge irrthümlicher Weise dem Hans Burgkmair 
lugeschrieben sind , während sich dieselben sogleich als zu 
einer Folge aus dem Leben der Maria gehörend zu erkennen 



geben, wovon sechs Darstellungen in der Gallerie zu Basel, 
aufbewahrt werden, welche, wie jetzt mit Sicherheit festgestellt 
ist, von dem Maler Hans Fries ans Freiburg in der Schweiz 
herrühren Nicht nur stimmen Gröfse, Formal, Styl, Culorit 
und andere untrügliche Merkmale auf das Unzweifelhafteste 
überein, sondern auch die architektonische Einfassung der Dar- 
stellungen ist genau dieselbe. Auf dem Bilde der Geburt Maria 
in der Baseler Folge findet sich das vollständige Monogramm 
des Kunstlers, und ein dabei liegender Bernerbatzen «eist auf 
das .'•chweizerische Vaterland desselben. Auf den beiden Ge- 
mälden in Nürnberg fand ich dagegen H B und die Jahres- 
zahl 1512, ciitdeckle aber mit geringer Muhe, dafs das B aus 
einem früheren F umgestaltet war, und zwar auf eine Weise, 
die nichts weniger als täuschend ist. — Es ist um so unbe- 
greiflicher, wie man Bilder, welche mit den deutlichen Buch- 
slaben H F bezeichnet waren, so ohne Umstände als Burgkmair 
taufen konnte, als doch auch die Malerei mit derjenigen dieses 
Künstlers gar keine Verwandschaft zeigt*). — Dafs man ihnen 
den rechten i\'amen nicht geben konnte, hat freilich darin seinen 
Grund, dafs derselbe Jahrhunderte lang verschollen war; mir 
ist es gelungen, den Namen Hans Fries vor vier Jahren wie- 
der für die Nachwelt zu retten Was ich über diesen Maler 
damals in Erfahrung bringen konnte, findet sich im IV. Baude 
von Nagler's Moiiogrammislen ujiter Nr 148. Seither entdeckte 
ich in Freiburg noch vier andere Gemälde von ihm, welche 
Iheilweise mit seinem ausijeschi iebeneu Namen bezeichnet sind, 
wie auch das im Aufsatz erwähnte Gemälde im Franziskaner- 
kloster daselbst. Die willkürliche Bemerkung Nagler's, dafs 
Fries zu den Malern gehöre, die aus Bescheidenheit ihre Bil- 
der nicht mit Namenszeichen versahen, ist also ganz unrichtig, 
so wie sich dieser fleifsige Kun.stlexikograph auch sonst noch 
manche Verstümmlungen meiner ihm anvertrauten Notizen zu 
Schulden kommen liefs. Auch in Colmar fanden sich Spuren 
von der Thäligkeit des Freiburger Malers, indem der frühere 
Archivar Hugot im Archiv des Capitels von St. Martin die Be- 
stellung einer Allartafel aufgefunden halte, welche dasselbe 
dem Maler Hans Fries zu malen auftrug. Als ich mir das be- 
treffende Dokument wollte mittheilen lassen, war Hugot bereits 
krank und starb bald darauf. Sein Nachfolger, dem ich die 
Miltbeilung verdankte, konnte es seither nicht wieder auffinden. 



") Wer den Gang der Nürnberger Kunstkennerschaft vom Beginn 
dieses Jahrhunderts genauer in Erfahrung gebracht, wird sich 
über solches Unternehmen nicht wundern. Der Katalog der 
Morizkapelle stammt aus einer Zeit, in welcher das Selbst- 
bewufstsein die Stirn sehr hoch trug, das ürtheil aber noch 
in den Windeln lag. Trotz aller Berichtigungen, die von 
Waagen's Schriften bis zu diesem Aufsätze dafür gegeben 
worden, behält er die alle Form bei — etwa weil der Prnnk 
berühmter Namen vortheilhafter erscheint, als innere Wahr- 
heit und wissenschaftlicher Gehalt? Anm. d. Hed. 



;i] 1 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



312 



Zur K>ese»(l« iiiial üiaixe. 

Von Dr. A. Birlinger in München. 

!) Das Verdorreu oder Gruneu und .aufleben menschlicher 
Glieder am lebenden, wie am todleii Körper betonen die Legen- 
den gern. Ich erinnere an die frische Zunge des hl. Johannes 
Nepomucenus. Sogar Kleidungsstücke der betrelTeiiden, Gutes 
vollbracht habenden Hand, des Ful'ses bleiben unversehrt, wenn 
das Glied längst veimoderl. Als <lie Schweden das Grab des 
Marchthalischen wohlthatigen Abtes Jacob Hers der Plünderung 
wegen aufdeckten, war der Handschuh der rechten Hand voll- 
kommen frisch und unversehrt, als ob er erst von gestern, 
wahrend alles Andere verwest schien. Ein Zeichen, Hafs die 
rechte Hand die war, welche den Armen so viel gab. Siehe 
mein Volkslh. I, S. 432. 

In der schwäbischen kurzen Oswaldlegende, MUnchener 
cgm. 257 f. 77 a, Sp. 2, steht: „dö kufst der biscof sin rechte 
band und sprach : gesegnet sei die band ; die sol nimcr erfü- 
len. — Da dieselb recht band belaib also frysch und noch 
hüt des tages ist behalten." 

Dafs Hände und Fufse des Frevlers an ,, H a i I tum ern" 
ü. s. w. festgebannt werden, ist ein alle deutschen Lande durch- 
ziehender Sagenzug. Schon im alten Testament: „dö beguud 
Oza sein band zu kleben und verdarp py der archen, als Got 
das über jn gepot " cgm. 206 f. 152 b. 

2) Der Zauberer Simon büfsle für siinen Frevel : er fiel von 
der Luft herab und wurde augenblicklich zu Asche, „da wur- 
den zehant vier staiii hingesezt zu worizaicheii, daz die apo- 
stel betten gesigen." cgm. 257 f. 61 a, Sp. 2 

3) Lugen in heiligen Sachen straft die heil. Sage streng. 
In der St. Barbaralegende, cgm. 257 f. 5 a, heifst es: „Der 
vatter zöch üfs zorn aiu Schwert un^l woll sy ertöten, dö ruft 
sie zu got: zu bände taet sich uff ain slaine und emphieng sy. 
do sie kam an ainen berg; der vatter ylt jr nach und versehet 
einen hirteu. dö sprach er, er wisle ir nit. ein ander birt der 
zaiget sy mit ainem vinger ; desselben hirten schaulTe wurden 
ze bant hö wschr ecken, die noch hüt dis tags Qiegent by 
dem grab Sant Barbaren." In heute noch umlaufenden Volks- 
überlieferungen werden böse Hirten, so andern die Früchte ab- 
hüteten, damit gestraft, dafs ihre Schafe Raben, Bienen etc. 
werden, die immer am Orte des Frevels schwirren. „Eine 
halbe meil von Racheln grab ist ain veld, und da Christus daselb 
ging, da säet ein paur zisern. da sprach Christus zä ihm: 
son, was säest du da ? sprach der paur lugenhaftiglich : herr, ich 
säe slaiii da sprach Christus : so sein auch slain. zu stund was 



der sam verchert in stainein zisern: der vint man noch beut 
zu tage vil in demselben acker."' cgm. 335 f. 56 a. Sagen 
und Märchen von diesem Inhalte gibt es ebenfalls unzählige, wo 
freilich anstatt Christus, des alten Gottes-Stellvertreters, ge- 
wöhnliche Persönlichkeiten auftreten. 

4) Das Entspringen von Brunnen auf des Heiligen Wort 
oder Stols mit dem Stabe u. s. w. ist ein beliebter Zug der 
Legende. Doch habe ich von keinem heiligen Manne oder 
Weibe mehr Ueberlieferungen gefunden, als von St. Ulrich. 
Der St. U orlisbr unn en ist im alten Augsburger Bislhum 
kein Ende. Vgl. mein schwäb. Augsb. Wb , S. 468. Im Volks- 
tbuml. I, S. 408 habe ich eine grofse Zahl Beispiele beige- 
bracht. Am östlichen Stadtwalde von Mindelheim ist das Ul- 
richswasser. Vgl. A. Runge, Quellcult, S. 7. Der cgm. 
257 f. 10 b hat zwei Beispiele: „dö kam im zu herzog Haymo ; 
dö litten sie grofsen durst. dö sliefs St. Jofs sfnen stecken in 
die erden und ball got ; da flofs üfs ain grofser bruan. da 
büwet och sanl Jofs zway bethüser und für gen Rome." Fer- 
ner f. 13b, Sp. 2, steht von St. Thomas: „dö hiefs der kUng 
ysiniu blecher glüwen und in doruff gän mit blöfsen füefsen. 
zu band ersprang ein brunn under sinen fUefsen und verlafst 
die ysniu blecher." 

(Schlufs folgt.) 



Die IVarlistafelii von Srliwäblscli -Hall. 

Meine Mitlheilung über diesen Gegenstand im Anzeiger 
1866, Nr. 3, Sp. 95 f. hat mir eine freundliche Zuschrift des 
Herrn Prof. J. Zahn, Archivars am Joanneum zu Graz, einge- 
tragen, wonach von den zwei noch vor zwei Jahren in Schwä- 
bisch-Hall befindlichen Exemplaren das eine in seinen Besitz 
gekommen ist. Es scheint das von Hanfseimann beschriebene 
zu sein, da es auf der vordem leeren Seile die Jahreszahl 1744 
trägt; aufserdem ist noch die Jahreszahl 1799 leichthin einge- 
ritzt. Auch hier werden die Blätter durch Eisenbuckeln aus- 
einander gebalten. Drei Seiten sind ausgeschabt, zwei theil- 
weise ausgebrochen, fünf vollkommen mit den Namen u. s. w. 
erhalten. Beigegeben ist, was diesem Exemplar einen beson- 
deren Werth verleiht, das Markenbuch der Eigenthümer. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaclion: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommaun. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



U. £. Sebald'sche Bnchdrackerei. 



BEILAGE ZÜ3I MZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1866. JM 9. September. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nürnberg, lö. September 1866. 

In der Chronik des vorigen Jlonals hatten wir Gelegenheil, der 
thätigen Förderung Sr. königl. Hoheit des Grolsherzogs Friedrich 
Franz von M eck 1 e n b urg- S ch we r in Erwähnung zu thun , und 
unsere heutige Chronik haben wir abermals mit der Nachricht zu 
eröffnen, dals Se. kgl. Hoheit, um Höchslsein Interesse an unserer 
Anstalt zu bezeugen, bei seiner Rückkunft von einem Auefluge in 
die Heimat dem Museum werihvolle Geschenke persönlich mitgebracht 
hat, die unten, bei den neuen Zugangen der Bibliothek und Kunst- 
sammlung sich verzeichnet finden. 

Der Krieg hat nun allenliialben ein Ende gefunden, und wir 
dürfen uns wol der frohen Hoffnung hingeben, dafs der Friede ein 
dauernder sei. Nachdem die polilischen Bande gesprengt sind, wel- 
che die Glieder des alten deutschen Reiches bisher noch zusammen- 
hielten, hat das germanischelMuseum eine erhöhte nationale Bedeu- 
tung erhallen : nach Verlheilung des Bundeseigenihums ist es das 
einzige Eigenihum des ge.«ammlen deutschen Volkes. 

Es ist aber auch ein geistiges Einheitsband, das Alle freiwillig 
und selbsthSlig um sich geknüpft haben; es ist ein Insliiut deutscher 
Wissenschalt, ein Band, das durch keine aul'sere Gewalt gesprengt 
werden kann. 

Mögen darum Alle sich fest und enge an dasselbe anschliefsen. 
Mögen insbesondere die jetzt politisch ganz von Deutschland ge- 
trennten Stämme daran festhalten. Der I. Vorstand kann es sich in 
dieser Rücksicht nicht versagen, eine Stelle eines aus Oesterreich 
an ihn gelangten Briefes hervorzuheben, worin ein aller Freund 
des Jluseums sein treues Festhalten an demselben versichert, indem 
er sagt: „Die Kultur Ocslerreichs ist wesentlich eine deutsche Kul- 
„tur. Diese gilt es weiter zu entwickeln; und wenn wir auch poli- 
„tisch aus Deutschland geschieden sind, so müssen wir jedes Band 
„um so fester hallen, das uns geistig in Wissenschaft und Kunst 
„an Deutschland fesselt. Eine Isolierung auf dem Gebiete der Wis- 
„senschaft bedeutete das Ende der deulschen Kultur und damit das 
„Ende der Kullur in Oesterreich überhaupt.'' 

Wir freuen uns solcher Gesinnung, die recht bald für das Mu- 
seum ihre Früchte bringen inufs, und wünschen, dafs jetzt allenlhal- 
beii der Sinn für dies nationale Band sich recht lebhaft entwickeln 
möge; denn jetzt gilt es, manche Wunde zu heilen, die der Krieg 
dem Inslilnle geschlagen. Man sorjl allenlhalben für Kriegsbeschä- 
digte und Verwundete; mögen Patriolen auch für das kriegsbeschä- 
digle Nationalinslilut eintreten ! 

Möge der Patriotismus, der nun kein anderes greifbares Objekt 
mehr hat, deslo eifriger sich unserer Sache annehmen! Das Mu- 
seum pflegt die Geschichle des deulschen Volkes und der deütsiheii 
Kultur. Nur der Blick in die Geschichte, drr Bück in die Ver- 
gangenheit kann Vieles erklaren, was scheinbar befremdend in der 
Gegenwart sich kundgibt ; nur er kann uns lehren, wirksam an der 
Geslalliing der Zukunft miUuarbeiten. 

Möge die deutsche Tagespresse insbesondere jetzt nach KrSflen 



dahin wirken, dafs Zweck und Bedeutung des germanischen Museums 
dem Volke siels mehr und mehr nahe gelegt werden. 

Unser Gelehrlenauschufs hat durch den Tod des geh. Hofrathes 
und Professors Dr. L. A. Warnkönig zu Stuttgart, sowie des kais. 
russ. Staalsralhes und Professors Dr. F. K. H. Kruse in Leipzig zwei 
langjährige Mitglieder verloren. 

Unler den Förderungen, die das Museum in jüngster Zeit er- 
fahren, steht die Deponierung eines prachtvollen geschnitzten Altar- 
schreines obenan, der künflig die Stelle des Hochallars in der zur 
Kunslhalle eingerichteten Karlhauserkirche einnehmen soll. Derselbe, 
Eigenihum der protestantischen Kirche zu Hersbruck, gehört zu den 
schönsten und kostbarsten Schnitzwerken des Mittelalters und wird 
daher in diesen Blättern noch eine eingehendere Besprechung er- 
fahren. 

Soeben, hei Schlufs des Blattes, geht uns noch die erfreuliche 
Nachricht zu, dals die Obcranilscorporalion des Saulgaues (Württem- 
berg) ihren seither geleisleten Jahresbeitrag von 25 fl. auf weitere 
drei Jahre zugesicheit hat. 

Den Buchhandlungen, die unsere Bibliothek durch Ueherlassung 
von Freiexemplaren ihrer einschlägigen Verlagsarlikel unterstützen, 
ist neuerdings beigetreten : 

597. Goltermann u. Pincus, Kunst-, Musik- und Papierhand- 
lung, in Schwerin. 

An neuen Beiträgen wurden während der letzten vier Wochen 
folgende gezeichnet: 

Aus Vereinskassen: Vom Gesangverein in Weil'ski rchen 
(Mähren) 1 fl. 10 kr. (einm.). 

Von Privaten: Büdingen: Leopold von Deines, Domänen- 
pächter, in Salinenhof 1 fl., Ulrich, fürstlicher Forstmeister, 1 fl. ; Bux- 
tehude (Hannover): Paslor Rakenius 1 fl. 4.5kr.; Darkemen 
(Prenisen) : Augusie Kaswurm, geb. Amnion, 52 '/a 't- (einm.) ; Co In: 
Appell. Ger.-Ralli von Ilagens 1 fl. 45 kr. (einm.) ; Frankjurt a. M. : 
Dr. Gusiav Schneider 5 fl. 30 kr. (einm.); Grevesmühlen (Meck- 
lenburg Schwerin) : Dr. med. Dreyer 1 fl. 45 kr. ; Höchsladt a. A. : 
Bezirksamis-Assessor Hauer Ifl., kgl. Rentheamler Ilels Ifl., Jakob 
Kelsler, k. Gericlilsschreiber, 111. (einm.), Dechant u. Sladipfarrer 
Schneyer Ifl., Franz Paul Tettcnhanimer, k. Bezirksamlmann , Ifl., 
Apoihcker F. Voigt Ifl., Ollo Ziegler, k. Notar, 2 fl. ; Lausanne: 
Pastor Hanser in Vevey 4fl. 40kr. (einm), Roller 2 fl. 20 kr. (einm.), 
Dr. Schickedanlz in Vevey 4 fl. 40 kr. (einm.), Direktor Sillig in Ve- 
vey 9 fl. 20 kr. (einm), Graf Vilzlhuni in Vevey 4 fl. 40 kr. (einm.); 
L ud wi gsliu r g : Freiherr von llornstein, Major, 3fl. 30kr.; Mün- 
chen: SludienKhrer Dr. Lang 2 fl. 30 kr. (einm.): Nürnberg: 
Ludwig Adallierl von lloriilhal, k. Slaillgerichlsasscssor, 4fl., Kauf- 
mann Louis Prolisier Ifl ; Pommelsbrunn (Bayern): Johann Bern- 
hard Ullierr, lloplenhandler, Oekonom u. Landralh, in Allensitlenbach 
Ifl., Veit Wild, llopfenhändicr u. Oekonom, in Altensillenbach Ifl.; 
Schwerin: Gincralarzt Dr. Slörzel Ifl. 45kr. ; Staffelstein 
(Bayern): Friedrich Fieiherr von Düngern in Oberau 5 0., Ernst 
Albert Eisfeld, Rilleraulsbesitzer in Olibacli und Vierzelinheiligen 2 H., 
Porst- u. Domänenver« aller llofmann in Hanz Ifl. (einm.): Weils- 
kirchen (Mahren); Johann Probat, k.k. Notar, Ifl. lOkr. (einm), 
Jlax Wol/, Falinkgesellscliarier, 1 fl. 10 kr. (einm.) ; Zeitz: Zinimer- 
meisler G. Schulze Ifl. 45 kr. 



315 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



316 



Aufserdem giengen unscrn Sammlungen wahrend des letzten 
Monats, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende (leschenUe zu : 

I. Für das Ax'chiv. 

Biel, Parlikulier, in Xorden: 

3351. Consens der fürstl. oslfries. Oberrent-Cammer zur Veräul'se- 
rung von Gutern. 1734. Pap. Orig. 

Back, Geh. Rcgier.-Kath, in Alteiiliurg: 

3352. Reccls der lierzl. Sachs. Kcstierung zwischen den allen und 
neuen Mullern an der Rauda im .Vmt Elsenberg wegen Ver- 
änderung der .Muhlgänge. llU3. I'ap. Abschr. 

3353. Zeugnils der GerichlsschöfTen Caspar Harding zu Wettin für 
Georg Gehricke. 1712. t'erg. 

II. Für die Bibliothek. 

Schulze'sche Buchhandlung in Celle: 

19.931. Heinibürger, Ernst der Bekeuner. Herzog von Braun.schweig 
und Lüneburg. 1839. ö. 

19.932. V. Hammerstein, .\rislipp in Hamburg u. .\ltona, 1840. 8. 

19.933. Hof- und Staalshandbuch für d. honigr. Hannover auf d. J. 
1853. 8. 

19.934. Heirabirrger, Wilhelm d. Jüngere, Herzog von Braunschweig- 
Luncburg. 1857. 8. 

19.935. Schulze, Sammlung der Wasserbaugesetze f. d. Königr. Hanno- 
ver. 1859. 8. 

19.936. Armbrust u. Oetting, .\drels- u. Handbuch der Stadt Celle. 
1861. 8. 

19.937. Diestelmann , d. Katechismus - Angelegenheil in d. evang.- 
luther. Landeskirche Hannovers. 3. .Vufl. 1862. 8. 

19.938. Diestelmann, offenes Sendschreiben an Herrn Pastor Dr. Mün- 
kel etc. 1862. 8. 

19.939. Augu.'lanus, d. Synodal- Verlassung der Hannoverschen Lan- 
deskirche. 1863. 8. 

19.940. Actenslücke, betreffend die Wahl des Candidalen Habenicht 
etc. 1863. 8. 

19.941. Hannoverseber Biercomment. 1864. 8. 

19.942. lieber den ersten Tbeil des Gölhe'schen Faust. 1864. 8. 

19.943. Mensching, d. deutsche Handelsrecht: 2. Aufl. 1864. 8. 

19.944. Marcard, Beitrage zur (iefängnilskunde. 1864. 8. 

19.945. Martin, d. Umlang des landesrichlerl. Prüfungsrechts hin- 
sichtlich d. Entslehens gülliger Gesetze etc. 1865. 8. 

19.946. Schwarz, d. Criminalprocels Kranz Müller. 1865. 8. 

19.947. Leipziger Biercomment. 1865. 8. 

19.948. Firmen Buch f. d. Konigr. Hannover. 1865. 8. 

19.949. Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Freih. Friedr. v. d. 
Trenck. 1866. 8. 

19.950. Lebensbeschreibung des Pandurenobersl Freih. Franz v. d. 
Trenck. 1866. 8. 

19.951. Meyersburg, Guiachten über den Entwurf erster Lesung 
einer allgemein, deutschen Civilprocelsordnung. 1866. 8. 

19.952. Allgem. Gescbafls-Anzeiger zum Adrels- u. Handbuch der 
Stadt Celle. 1866. 8. 

Stahel'sche Buch- u. Kunsthandlung in Würzburg: 

19.953. Himmelslein , Reihenfolge der Bischöfe von Würzburg. 
1843. 8. 

19.954. StOckI, d. speculative Lehre vom Menschen u ihre Geschichte; 
2 Bde. 1858 u. 1859. 8. 

19.955. Kehrein, älterneuhochdeutsches Wörterbuch. 1865. 8. 
Carl Schünemann's Verlag in Bremen : 

19.956. Schaler, histor. Bericht v. d. Buclidruckerkunst. 1840. 8. 

19.957. Handels- und SchilTlabrls- Verträge der freien Hansestädte. 

1842. 4. 

19.958. Schäfer, Handbuch der Geschichte der deutschen Literatnr: 
2 Theile. 1842-44. 8. 

19.959. Gildemeister, Beiträge zu dem Bremischen Magazin. 1842. 8. 

19.960. Kollmeier, die Darstellung des Heiligen durch die Kunst. 
1857. 8. 

StiUer'scbe Hofbuchhandlnng (Herrn. Schmidt) in Rostock: 

19.961. Babsl, allerhand schnaksche Saken tum Tiedverdriew. 

1843. 8. 



19.962. Buchka, de pignore nominis. 1843. 8. 

19.963. Buchka, d. Lehre vom Einfluls des Processes auf das ma- 
terielle Recbisverhalinils: 2 Thie. 1846 u. 47. 8. 

19.964. Wilbrandi, Hildibraht u. lladhubraht. 1846. 8. 

19.965. Roih, mecklenburgisches Lehenrecht. 1858. 8. 

19.966. Weinboltz, Entwurf d. Bibliothekswirthschaftslehre. 1862. 8. 
C. Tappen, Verlagshandlung, in Sigmaringen : 

19.967. Egier, d Curorl Imnau u. d. Stadt Haigerlocb. 8. 

Friedrich Tempsky, Verlagshandlung, in Prag: 

19.968. Salaiik, über den Ursprung u. die Heimalh des Glagolitis- 
mus. 1858. 4. 

19.969. Max Büdinger und die Kflniginholer Geschwister. 1859. 8. 

19.970. v. Helfen, die öslerreicbiscbe Volksschule; I. und 111. Bd. 
1860 u. 61. 8. 

19.971. Tomek, Geschichte des Österreich. Kaiserstaates, übers, von 
Kraus; 2. Aufl. 1860. 8. 

19.972. Frind, d. Kirchengeschichte Böhmens: 2 Bde. 1864-66. 8. 

19.973. Thurnwald, Lehrbuch der mittelhochd. Sprache. 1864. 8. 

19.974. Salahk's Geschichte des serbischen Schrifllhums, hg. v. Jire- 
cek. 18G5. 8. 

C. Troschel, Verlagshandlung, in Trier: 

19.975. Barsch, einige Nachrichten über den Steinring bei Olzea- 
hausen etc. 1839. 8. 

19.976. Neumann, Stimmen der allen Dichter .\usonius u. Yenanlius 
Fortunatus v. d. Mosel. 1846. 8. 

Friedr. Wagner, Verlagshandlung, in Braunschweig: 

19.977. Berkhan, Beitrage zur Geschichte der Psychiatrie; 1. Heft. 
1.863. 8. 

Christian Winter, Verlagsbuchhandlung, in Frankfurt a/M. : 

19.978. Simrock, d. deutsche RaihselBuch; 2. Aull. 8. 

19.979. Simon, d. Geschichte des reicbsständischen Hauses Ysenburg 
u. Büdingen ; 2. u. 3. Bd. 1865. 8. 

Friedrich Franz Grofsherzog von Mecklenbnrg- 
SchTverin, Königliche Hoheit: 

19.980. Slüler, Proscli und Willebrand, das Schlofs zu Schwerin; 
1. Ablh. lf-66. Imp. 2. 

19.981. Die Schlols-Kirche zu Schwerin u. ihre Einweihung. 1855. 2. 

19.982. Lisch, Peter Vischer's Epitaphium auf die Herzogin Helena 
von Meklenburg im Dome zu Schwerin. 1862. 8. 

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung in Leipzig: 
19j983. Hinrichs' fünfjähriger Bücher-Catalog; IlL Bd., 3 Lieferung, 
1866. 8. 
Meyersche llofbuchhandlung in Lemgo: 
19,'JS4. Lntheri colloquia, inedilationes, consolaliones etc : ed. Bind- 
seil, lom. 111." 1866. 8. 

F. W. Neumann -Hartmann'sche Buchhandlung in Elbing: 

19.985. Die Ereignisse in Schleswig-Holstein ; 2. Aufl. 8. 

19.986. Harlel, Gespräch in der Familie Schwerdulh über die Ent- 
slehung des Schaltjahrs. 1863. 8. 

19.987. AVernik, Elbinger SVanderbuch. 8. 

19.988. Kreyfsig, über d. sittliche u. volksthüml. Berechtigung des 
Shakespeare-Cultus. 1864. 8. 

19.989. Beilrage zum Verslandnils der Mennoniten-Frage. 1864. 8. 
Li. Schwann'sche Verlagsbuchhandlung in Neuls: 

19.990. Geschichte der Familie Schenk von Nydeggen. 1860. 8. 

19.991. Becker Geschichte der Sladl Rade vorm Wald. 1864. 8. 
J. Wiesike, Verlagshandlung, in Brandenburg a/H. 

19.992. Taglichsbeck , Beiträge zur Geschichte des Turnwesens. 
1845. 4. 

19.993. Jansen, d. Idee des Forlschrittes in der Universalgeschichte. 
1863. 8. 

19.994. Kruinmacher, Calvin's Beziehungen zu Deutschland. 1864. 8. 

19.995. Lieder des deutschen Adels. 1865. 8. 

Friedrich Karl Fürst zu Hohenlohe - W^aldenburg, 
Diircblauchl, in Kupferzell : 

19.996. Ders., sphragistisches Album ; IL Heft. qu. 2. 

Dr. E. A. Th. Laspeyres, Ober-Appellations-Rath, in Halle : 

19.997. Ders., cbronicon Slavicum, quod vulgo dicitur parochi Suse- 
lensis. 1866. 8. 



317 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 



318 



Dr. A. Naiuur, Professor u. Bibliolheliar, in Luxemburg : 

19.998. Ders. , catalogue descriplif el explicaiif des editions incu- 
iiables de la bibliotlieque de Palhen^e grandducal de Luxem- 
bourg. 1863. 8. 

Zoolog'ische Gesellschaft in Frankfurt a/M. : 

19.999. Dies., d. zoologische Garten: VII. Jhg., 1866, Nr. 1-6. 8. 
Universität zu Kiel: 

20.000. Dies., Schriften a. d. J. 1865. Bd. XII. 1866. 4. 
König'l. Studienrektorat zu Munnersiadt : 

20.001. Dass., Jahresbericht etc. 1865-66. 4. 

Schleswig: - Holstein - Lauenburgische Gesellschaft 
f. Vaterland. Geschichte in lue! : 
20,00:i. I^ies., Jabrliiicher etc.: Bd. iX, Hell 1. 1866. 8. 
Kais. Akademie der Wissenschaften in Wien : 
20,003. Dies., Sitzungsberichte: philos.-histor. t"l., Bd. 49, 3. 50, 1—4. 

51, 1 u. Reg. zu Bd. 41-50. 1865-66. 8. 
20,001. Denlischriflen; philos.-histor. Cl., 14. Bd. 1865. 4. 

20.005. Archiv für Österreich. Geschichte; Bd. 34, 1 und 2. 35, 1. 

1865. 8. 

20.006. Fontes rerum Austriacarum ; 11. Ablh. 24. Bd. 1865. 8. 

20.007. Alnianach: 15. Jahrgang. 186.5. 8. 

K. Sachs. Verein für Erforschung- und Erhaltung 
vaterländischer Geschichts- u. Kunst -Denkmale 

in Dresden : 

20.008. Ders., Mitlheilungen i 15. u. 16. Heft. 1866. 8. 
Histor. Verein für das Grofsherzogthum Hessen 

in Darmstadt : 

20.009. Ders., Archiv etc.; Bd. XI, 2. Heft. 1866. 8. 2 Ex. 
20,010 Wagner, die Wüstungen im Grolsherz. Hessen: Prov. Rhein- 

hossen. 1865. 8. 2 Ex. 
Goltermann & Pincus, Kunst- u. Jlnsikhandl., in Schwerin; 
20,011—23. 13 neuere musikal. Verlagswerke. 2. 
J. Franck, Subreklor, in Annweiler: 

20.024. Jahresbericht über die k. latein. Schule etc. zu Annweiler. 
1865-66. 4. 

Dr. Otto Franklin, Univers. -Professor, in Greifswald: 

20.025. Ders., Albrechl Achilles und die Nürnberger, 1449 — 1453. 

1866. 8. 



Karl UmlaufT, k. k. Kreisgerichtsrath, in Weifskirchen : 

20.026. Ders., Dichtungen. 1865. 8. 

20.027. Mittheilungen des Neutitscheiner landwirthschafll. Vereines; 
1865. 8. 

20.028. Füger von Rechtborn, Beitröge zur Reform des gerichll. 
Verfahrens in dem Österreich. Kaiserslaate. 1859. 8. 

Dr. K. Back, geh. Regierungsrath, in .\ltenburg : 

20.029. Ders., fliegende Blatier: XV. 8. 

G. W. Niemeyer, Verlagshandl. in Hamburg : 

20.030. Neuester Führer durch Hamburg, Altena etc. 2. .4ufl. 8. 

III. Für die Kunst- und Alterthums- 
sammlung. 

Dr. Herzog in Zwickau : 

5142. Original-Wachssiegel der Stadt Zwickau von 1300. 
Magistrat der Stadt Nürnberg: 

5143. Leidender Christus, von Heiligen und Stiftern verehrt, Stein- 
sculplur von 1476 

Fr. Grobe, Kaulmann, in Scbonuneen : 

5144. 2 Cassenbillets des Kurlurstenlhums Sachsen von 1772. 
F. Bender, slud. phil., rn Darmsladl: 

5145. 18 Lack- und Papierabdrucke von älteren und neueren Siegeln. 
Büttner, Direktor, in Halle : 

5146. Grofse schwedische Kupfermünze von K. Gustav Adolf. 

5147. Ahnenprobe der Frau Juliane Florine von Veitheim, f 1724. 
Kupierst.' Neuer Abdruck. 

Friedrich Franz Grofsherzog von Mecklenbnrg- 

Sch-werin, Königliche Hoheit: 
5118. Pholosraph. .\bbililung der ehernen Denktafel auf die Herzo- 
gin Helena, Gemahlin Heinrich's d. Friedf. von Mecklenburg, 
von Peter Visclicr ; im Dome zu Schwerin. 

5149. „Stammtafel des grolsherzogl. Hauses Mecklenburg-Schwerin, 
mit .Angabe der Bcgrabnilsstiilten und der Bilder der hochf. 
Personen." Verfalst von Dr. G. C. F. Lisch. Druck. 

Goltermann & Pincus, Kunst- und Musikalien-Handlung, in 
Schwerin : 

5150. Porträt des Componislen Fr. von Flotow, Steindruck. 



Chronik der historischen Vereine. 



Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften. Philosophisch-historische Classe. XLIX. Band, 
Heft III - L. Band, Heft IV. Wien, 1865. 8. 

Die höchste Gerichtsbarkeit des deutschen Königs und Reiches 
im XV. Jahrhundert. (Tomaschek.) — Die grolse Synode von Tribur, 
dargestellt mit Benützung von Wiener, Jlunchener und Salzhurger 
Handschriften. (Phillips.) — Bericht über die Thatigkeit der Com- 
mission für Herausgabe der lat. Kircbenväler. (Vahlen.) — Darle- 
gung mehrerer bisherigen Systeme für Anordnung von Sammlungen 
mittelalterlicher und moderner Münzen und Medaillen und Begrün- 
dung eines wissenschaftlichen Systems von Kaiser Karl dem Grolsen 
bis auf unsere Tage. (Bergmann.) — Bericht der Weisibümer-Com- 
mission. (Siegel.) — Verzeichnils der älteren Handschriften latei- 
nischer Kirchenväter in den Bibliotheken der Schweiz. (Halm.) — 
Beiträge zur Geschichte des Magdeburgerrechles. (BisclioH.) — Eine 
Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert. (Zingerle.) — Zu 
Pleier's Garel. (Ders.) — Angelegenheilen der .\kademie. 

Register zu den Bänden 41 bis 50 der Sitzungsberichte der 
philosophisch historischen Classe der kaiserlichen Akademie derWis- 
senscliallcn. V. Wien, 1866. 8. 



Sitzungsberichte. LL Band, Heft l. Jahrgang 1865. — 
October: Die Gefalir vor Gericht und im Rechlsgang. (Siegel.) 

Archiv fürKunde österreichischer Geschi ch ts-Qu e 1- 
len. Herausgegeben von der zur Pflege vaterländischer Geschichte 
aufgestellten Commission der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften. Vierunddreifsigsler Band. Erste und zweite 
Hälfte. Wien, 1865. 8. 

Die Stellung der Erzbischöfe und des Erzsliftes von Salzburg 
zu Kirche und Reich unter Kaiser Friedrich I. bis zum Frieden von 
Venedig (1177). Nach den (_)nellcn dargestellt von Wilh. Schmidt. — 
Die Finanzlage in den deulscben Osterreichischen Erbländern im Jahre 
1761. Nach handschrifllieben (.)ucllen von Karl Oberleilner. — Deut- 
sche Geschichts- und Rechisquellcn aus Oberungarn, von Dr. Franz 
Xaver Krones. — Röinerdenkmale zu Töplitz bei Warasdin in Croa- 
tlen, von Dr. Karlmann Tangl. — Lehenverzeichnisse des Bcnedic- 
tinerstifles St. Paul in Kärnten aus dem XV. Jahrhunderte. Milge- 
theilt von Beda Schroll. — Die Correspondenz der Stadt Breslau 
mit Karl IV. in den Jahren 1347 — 1355. Mitgetheilt von Dr. C. 
Grünhagen. — Berichtigungen und Ergänzungen zu dem in den Fon- 
tes Rerum Auslriäcarum : Diploinata et Acta, Vol. XXI abgedruck- 



319 



Anzeiffer für Kunde der deutschen Vorzeit. 



320 



ten Necrologium des ehemaligen Aiigusliner-Chorherren-Slirtes St. Pol- 
ten, VOD Dr. Franz Stark. 

Fünfunddreil'sigsler Band. Erste Hälfte : Geschiclile der Wiener 
Marktordnungen. Vom sechzehnten Jahrhundert an bis zu Ende des 
achtzehnten. .\us Urkunden entwickelt von .\lexander Gigl. 

Fontes rerum A us t r ia ca r u m. (-leslerreichische Geschichts- 
Quellen. Herausgegeben von der histori seh en Co mmission der 
k a i se r lic h-en Akademie der Wissenschaften in Wien. 
Zweite Abiheilung. Diplomataria et acta. XXIV. Band. Diploma- 
tarium Porlusnaonense. .*>eries docnmenlorum ad hisloriam Portus- 
naonis spectanlium (juo tempore (1276 — 1Ö14) donuis Austriacae im- 
perio paruit hinc inde leclorum cura et opera Josephi Valcntinelli. 
Quaedam praemiltuntur annorum 1029 — 1274. Wien, 1865. 8. VIII 
n. 482 Stn. 

Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaf- 
ten. Philosophisch-historische Classe. Vierzehnter Band. Wien, 
1865. 4. 

Die Bildung der Ortsnamen aus Personennamen im Slavischen. 
(Jliklosich.) — Ueber Raoul de Houdenc und insbesondere seinen 
Roman Meraugis de Portlcsguez. (Ferd. Wolf.) — Die Verba im- 
personalia im Slavischen. (Miklosich.) — Darlegung mehrerer bis- 
heriger Systeme für Anordnung von Sammlungen millelalterlicher 
und moderner Münzen und Medaillen und Begründung eines wissen- 
schaftlichen Systems von Kaiser Karl dem Greisen bis auf unsere 
Tage. (Bergmann.) 

Alm an ach der k. k. Akademie der Wissenschaften. Fünfzehn- 
ter Jahrgang. Wien, 1865. 8. 296 Sin. 

Oberbayerisches Archiv für vaterländische Ge- 
schichte, herausgegeben von dem historischen Vereine von 
und für Oberbayern. Sechsundzwanzigster Band. Zweites und 
drittes Heft. München, 1865-1866. 8. 

Einige Beiträge zur Geschichte des Plarrdorles Bogenhausen 
bei München, gesammelt von dem dermaligen Pfarrer M. Lamparl. — 
Geschichte des königlich bayerischen Landgerichtes Traunslein und 
seiner weltlichen wie kirchlichen Bestandlheile. Gesammelt von J. 
Jos. Wagner. — Rechnungsbuch des oberen Vicedomamtes Herzog 
Ludwig's des Strengen, 1291 — 1294. Miigelheilt von Freiherrn Ed- 
mund üefele. — Medaillen auf ausgezeichnete und berühmte Bayern, 
mit biographisch-historischen Kotizen von J. Beierlein. Fünfte Lie- 
ferung. Mit einer Tafel Abbildungen. — Zur Lebensgeschichte des 
Grafen Rasso von Andechs. Von Dr. Friedr. Kunstmann. 

Siebenundzwanzigster Jahresbericht desselben Vereines. 
Für das Jahr 1864. Erstattet in der Plenarversammlung am 1. Juli 
1865 durch den ersten Vorstand Friedrich lleklor Grafen Hundt. 
München, 1865. 8. 

Zeitschrift des Vereins zur Ausbildung derGe werke 
in München. Sechzehnter Jahrgang. — Drilles Heft. 1866. 2. 

Was heilst Styl ? Aus den Entretiens sur l'architecture von 
ViolletLe-Duc. Uebersetzt von A. Mecklenburg. — Aus dem ger- 
manischen Museum zu Nürnberg. 

Archiv für Hessische Geschichte und Alterthums- 
kunde. Herausgegeben aus den Schriften des historischen Ver- 
eins für das G rols herzog I h u m Hessen von Dr. Wallher. Eilf- 
ter Band. Zweiles Heft. (Mit 9 Tafeln.) Darmstadi, 1866. 8. 

Die GrSnzen der Grafschaft Malslatt. (Assenheim.) Von Asses- 
sor a. D. Emmerich. — Miscellen zur Geschichte von Rodheim v. d. 
H. Von dems. — Beiträge zur Wappenkunde des rheinhessischen 



Land- und Stadtadels im 13., 14. und 15. Jahrhundert. Von Hofge- 
richlsadv. W. Franck. (Mit 155 Abbildungen auf 9 Tafeln.) — Die 
kirchlichen Reunionsversuche des Bischofs t^hrisloph Rojas von Spinola 
an den proleslanliscben Höfen Deutschlands und die Landgriifin Eli- 
sabethe Dorothea von Hessen. Von Garnisonsmitprediger Dr. Kratzin- 
ger. — Landgraf Philipp von Hessen genannt „der Dritte", oder 
auch von „Butzbach". Von Dr. Waltber. — Fürstliche Besuche in 
Friedberg. Von Archivdir. Dr. Baur. — Eine eigenlhiimliche Stif- 
tung. Von Renlamtmann Fabricius. — Ein Vertrag wegen der Her- 
stellung der Brücken, Heegen, Landwehren und Schlägen, auf den 
Verkehrswegen in der oberen Wellerau, vom Jahr 1476. Von dems. 

— Eroberung des Schlosses Otzberg, 1647. Von Dr. Baur. Der 

,,todle Mann" bei Auerbach. Von dems. — Bibliothek eines Geist- 
lichen im 16. Jahrhundert. Von dems. — Culturgeschichtliche No- 
tizen über Oslhofen. Von W. Franck. — Beschreibung verschiede- 
ner, in der Gemarkung von Nierslein kürzlich ausgegrabener aller- 
Ihümlicher Gegenstande. Von Districiseinn. Hefs. — Das Recht der 
Gemeinde Altkelsterbach im Walde der freien Stadt Frankfurt und 
die hiermit zusammenhangenden Gebrauche. Von Gerichtsacc. Eberh. 
Schödler. — Ausgrabungen in der ^ahe von Gielsen. Von Dr. VVal- 
ther. — Zur Geschichte der Stadigeisilichen in Darmstadi. Von 
dems. 

Mittheilungen des Königlich Sächsischen Vereins 
für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Ge- 
schichts- und K u n s t- D e n k m a 1 e. Dresden, 1866. 8. 

Fünfzehntes Heft: Geschichle der Bergstadt Geyer. Nach archi- 
valischen Ouellen dargestellt von Dr. Johannes Falke. 

Sechzehntes Heft: Vereiusangelegenheilen. — Bericht über die 
Versammlung des Gesammtvereins zu Halberstadt vom 17. bis 22. 
Sept. 1865, von Dr. Johannes Falke. — Das älteste uns bekannte 
Schlofs in Dresden. Von Hofmarschall H. Freiherrn von Friesen. — 
Chrisloph Bernhard, kurfürsll. sächs. Kapellmeisler und Praceplor 
der Prinzen Johann Georg (IV.) und Friedrich August (I.) von 
Sachsen. Von M. Fürstenau. — Ueber die Bilder Albrechl Dürer's 
auf der königl. Gemäldegalerie zu Dresden. Von Prof. Dr. I. Hüb- 
ner. — Beilrag zur sächsischen Münzgeschichte. 1444—1461. Von 
Dr. Johannes Falke. — Geschichlliche Miltheilungen aus GersdorPs 
Codex diplomaticus Saxoniae Regiae. Von Gymnasialrector a. D. 
Dr. Karl .'iugusl Rüdiger. — Beschreibung der beigegebenen Abbil- 
dungen (Flügelallar aus der Kirche zu Grofsschirma, 15. Jahrb., und 
die Hälfte eines Anlipendiums, 13. Jahrb.), deren Originale sich im 
Museum des Vereins befinden. Von Inspeclor G. Büilner. 

Jahrbücher für die Landeskunde derllerzogthümer 
Schleswig, Holstein und Lauenburg, herausgegeben von 
der S. H. L. Gesellschaft für va t e r 1 an d i ch e Geschichte. 
Band IX.; Heft 1. Kiel, 1866. 8., 

Kiel im dreizehnten Jahrhundert. Von Prof. Willi. Junghans. — 
Beilrag zur Kunde von Kiel im XV. und XVI. Jahrhundert. Von 
Prof. Dr. K. Weinhold. — Die Personennamen des Kieler Stadtlmcbs 
von 1264—1288. Von dems. — Beilrag zu den Dilmarscher Volks- 
liedern auf die Schlacht bei Hemmingsledl, von Dr. L. Weiland. — 
Kleine Mitlheilungen (Volkslhiimliches) von Dr. Ilandelmann. — 
Kleine Notizen aus diplomatischen Aklenslücken, von dems. — Mis- 
cellen: 1. Sigmunds von Ilerberslein Reise durch Holstein und 
Schleswig. 2. J. M. Lappenberg. 3. Ein aller Trinkkrug. — Literatur. 

Jahrbücher des Vereins von Altert h ums freunden im 
Rheinlande. Heft XXXVII. Mit 8 lilhographirten Tafeln und 



321 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 



322 



mehreren in den Text eingedruckten Holzsclinilten. Bonn, A. Mar- 
cus. 1864. 8. 

Die römischen Flotten bei Bonn und Boulogne, die Pfahlbrücken 
des Julius Cäsar bei Bonn und Neuwied, von Piof. Ritter. — lieber 
den Wohnsitz der Veleda, von Prof. Fiedler. — Ileisterbach ,' von 
Dr. Harlels. — Burg Rosenau, von dems. — Schallgefalse. Mitlhei- 
lung der Hrn. Prot. Wieseler, Major v. Cohausen und Baumeister 
Peters. — Zur Topographie der Stadt Coln in der Römerzeit, von 
Geh. Archivrath Lacomblet und Stadtbauintister Raschdotff. — Die 
römische Niederlassung bei Neuwied und ihre Denkmäler. Von den 
Proff. Ritsclil, Wieseler und Overbeck. — Mincrvenstatuelte von Wels, 
von Prof. Overbeck. — Die Aemtcr auf der Ära Fulviana, von Prof. 
Henzen. — Inschriflen aus Trier und Umgebung, von Prof. llubner. — 
Eine noch unbekannte Silbermunze aus der Zeit der Bürgerkriege 
Roms, von Ed. Rapp. — Krone und Kronbehilller — wahrscheinlich 
der beiden ersten lateinischen Kaiser flandrischen Hauses — im Dome 
zu Namur, von Prof aus'm Weerth. — Lilteratnr. — Miscellen. 

Heft XXXVIII. Mit 2 lithographirten Tafeln und mehreren in 
den Text eingedruckten Holzschnitten. 1865. Der Tuffstein , als 
Baumaterial der Römer am Rhein. Von Geh. Rath Dr. v. Dechen. — 
Die Siteren Bischofskataloge von Trier, Von Dr. F. X. Kraus in 
Trier. — Der Fund von Pyrmont. Von Direclor Rud. Ludwig in 
Darmstadt. — Die römische Niederlassung bei Neuwied und ihre 
Denkmaler: Reste eines Cohortenzeichens. Von den Proff. C. S. Gro- 
tefend und K. B. Stark. — Neue Altarinschrift des Jupiter und des 
Hercules Saxanus aus dem Brohlthal nebst Nachträgen zu dem Bon- 
ner Winckelmannsprogramra von 1862. Von Prof. Freudenberg. — 
Abkürzungen auf rheinischen Inschriflen. Von Prof. J. Becker. - 
Die Reliquien Albert's des Grossen in der St. Andreaskirche in Köln. 
Von J. J. Merlo. — Die Legende „Dein eyn" an dem Karlshorne 
zu Aachen. Von P. St. Kantzeler. — Litteratur. — Miscellen. — 
Chronik des Vereins. 

Doppelheft XXXIX und XL. Mit 8 Tafeln und mehreren in den 



Text eingedruckten Holzschnitten. 1866. Zu den römischen Alter- 
thümern von Trier. Von Prof. E. Hubner. — Die römische Nieder- 
lassung bei Neuwied und ihre Denkmaler: Zur Geschichte der Rö- 
merstatte bei Niederbiber. Von Prof. J. Becker. — Das Römerlager 
auf der linken und rechten Rheinseile im Thale von Neuwied. Von 
Prof. Ritter. — Decimus Brutus und die Camilli von Aventicum. 
Von Prof. J. Zündel. — Oppidum Batavorum ? Von Prof. Herrn. 
Müller. — Das Capitol, die Marienkirche und der alte Dom zu Köln. 
Von Prof. Düntzer. — Das Labarum und der Sonnencultus. Von 
Dr. E. Rapp. — Milhrasbild im K. Museum vaterlandischer Alter- 
thümer zu Bonn. Von Dr. W. Brambach. — Neue antiquarische 
Mittheilungen aus dem Regierungsbezirke Düsseldorf. Von Prof. 
J. Schneider. — Neue epigraphische Analekten. Von Prof. Dr. Freu- 
denberg. — Neue Inschriften aus dem Jülicher Lande. Von Dr. Jos. 
Kamp. — Noch einmal das Cohortenzeichen von Neuwied. Von 
Archivrath Dr. Grolefend. — Ausgrabung der Ueberreste eines römi- 
schen Gebäudes bei Zaizenhausen, in der Nahe von Canstatt in Würt- 
temberg, im Herbst 1862. Von Architekt Eduard Paulus. — Die Graf- 
schaft Hülchrath in ihren Beziehungen zur Vogtei der Donikirche 
und des Domstifls in Cöln, von v. Haeften. — Römische Villa bei 
Manderscheid in der Eifel. Von Prof. E. aus'm Weerth. — Carl 
des Grossen ehemals und jetzt in Aachen befindliche Reliquien und 
Reliquiare. Von dems. — Litteratur. — Miscellen. — Chronik des 
Vereins. 

Register oder Verzeichnisse zu Band I. bis und mit XX. 
des Geschichtsfreundes. Bearbeitet von Joseph Leopold Brand- 
stetler, Arzt in BeromUnster. (Herausgegeben vom historischen 
Vereine der fünf Orte.) Einsiedeln, New-York und Cincinnati, 
1865. Druck und Verlag von Gebr. Karl und Nicolaus Benziger 8. 

L'Investigateur. Journal de l'Institut historique de 
France. Trente-troisieme Annee. Tome VL IV. Serie. 378. Li- 
vraison. — Mai 1866. 379. Livraison. — Juin 1866. Paris, 1866. 8. 

Cours et arrets d'amours, memoire de M. J. Barbier. 



Nachrichten. 



Iilteratur. 



Neu ersohienene 'Werke. 



21) Deutsches Heldenbuch. Zweiler Theil. Alpharts Tod, 
Dietrichs Flucht, Rabenschlacht, herausgegeben von Ernst 
Marlin. Berlin, Weidmann'sche Buchhandlung. 1866. 8. 
LX u. 338 Stn. 

Das Bedürfnifs einer kritischen Ausgabe des Heldenbuchs 
werden wol auch die treuesten Anhanger v. d. Hagens geluhlt ha- 
ben, und wir glauben, der Anfang dazu halle kaum besser gemacht 
werden können, als mit den von E. Martin in dem vorliegenden 
zweiten Theile (der erste soll später erscheinen und „Biterolf und 
Dietleib" von Jänicke, „Laurin und Waleram" aus den Vorarbeiten 
des Dr. Fr. Roth enthalten) herausgegebenen Stücken, bei denen die 
Kritik noch so viel, ja fast alles zu thun hatte. Wenn auch ein- 
zelnes bei fortgesetzter Forschung sich anders gestalten wird : im 
Grofscn und Ganzen aber werden die Resultate sich behaupten, zu 
denen Herr Martin durch seine in der Einleitung geführten umfas- 
senden Untersuchungen gelangt ist. 



Was nun „Alpharts Tod" betrifft, so weisen die Spracheigenthüm- 
lichkeiten der einzigen, nun auch nicht mehr zugänglichen Hand- 
schrift auf die Gegend des Mittelrheins, etwa zwischen Stralsburg 
und Mainz (S. X); doch kann das Gedicht nicht dort, sondern wahr- 
scheinlich in Franken (XXVII) um's Jahr 1200 (XXV) entstanden 
sein, und zwar auf dieselbe Weise wie der Nibelunge Noth und die 
Kudrun (XXII). Von den erhaltenen ersten 305 Strophen werden 
vom Herausgeber nicht weniger als 152 als spätere Interpolationen 
bezeichnet und die Gründe für die Ausscheidung jeder dieser Stro- 
phen in der Einleitung angegeben. Der Cäsurreim bildet unter 
den Kriterien der Unechtheit eine grofse Rolle, und auf's neue wird 
bestätigt, dafs er nur einer späteren, schlechtem Periode der Volks- 
poesie angehört, da die Interpolationen ihrem Inhalte nach zu den 
Gedichten der spateren Zeit, ganz besonders zum Rosengarten, stim- 
men (XXIX). Das gleiche ist der Fall mit der Fortsetzung von 
Alpharts Tod (Str. 306-467), nur dafs diese von einem andern Ver- 
fasser herzurühren scheint, als die Zusätze (XXII). 

Zu andern Resultaten führte die Untersuchung über die zwei in 
vier Handschriften immer zusammen überlieferten Gedichten Dietrichs 



323 



Aiizeigoi- für Kuiiiie der deulsclieii Vorzeit. 



324 



Fluchl und Babenschlacht. Beide rühren wol von demselben Dich- 
ter her, der sich D. Fl. 8000 selbst als Heinrich der Vogelaere nennt. 
Für einen Theil der Rabenschlacht mul's er schon eine Grundlage, 
wol ein im gleichen Metrum gedichtetes Lied, vorgefunden haben, 
das er aber nicht nur grölstentheils umarbeitete, sondern auch durch 
eigene, an Zahl gewifs weit überwiegende Strophen vermehrte (XLIV). 
Nicht so verhalt es sich aber mit dem llauptlheile von Dietrichs 
Flucht : da lal'st sich keineswegs ein älteres Gedicht als Grundlage 
nachweisen, vielmehr schöpfte der Dichter wol nur aus der Volks- 
sage, die gerade über die Flucht Dielrich's ziemlich ausführlich ge- 
wesen zu sein scheint (XLIX). Auch die Zeit, in welcher die Flucht 
gedichtet v^urdc, ist nun genauer, als bisher geschehen war, bestimmt 
worden, nämlich 1285-90 (LIIll.). — Die beigegebenen Anmerkun- 
gen hätten vielleicht etwas reichhaltiger ausfallen dürfen; doch darü- 
ber wollen wir nicht rechten. Lieber keine Anmerkungen, als solche 
(wie wir ihnen heutzutage gar oft begegnen), die das Selbstver- 
slandlirhe erklären und das Dunkle ruhig bei Seile liegen lassen. 
Mit einem ausfuhrlichen Namensverzeichnisse schlielsl das Buch, dem 
die Weidmann'sche Buchhandlung eine recht schöne Ausstattung ge- 
geben hat. L. 

2'2) Lebensbeschreibung Bischof Bennos II. zu Osna- 
brück vom Abt Norbert zu Iburg unil eine von 
Dom probst Wiho, nachherige ni Bischöfe zu Osna- 
brück, im Interesse der kaiserlichen Partei gegen 
den Papst Gregor VII. gerichtete Flugschrift, aus 
dem Lateinischen übersetzt und mit einer Vorrede und An- 
merkungen versehen von Hermann Hartmann, Dr. med. 
zu Lintorf. Osnabrück, Druck und Verlag von J. G. Kisling. 
1S66. 8. 119 Sin. 

Gewifs hatte landliche Mul'se nicht besser verwendet werden 
können, als in Zurückführung eines Lebensbildes, dessen fast gleich- 
zeilige Beschreibung als wichtiges historisches Zeugnils langst aner- 
kannt ist, das zugleich durch die hervorragende Stellung und den 
ausgezeichneten Charakter seines Tragers Anspruch auf das Interesse 
weitester Kreise besitzt. — Bischof Benno II. sland bekannllich in 
dem grofsen Streite zwischen Papst und Kaiser am Ausgange des 
11. Jahrhunderts auf Seite des lelzlereu. Man könnte sagen, dals 
er, weniger klug oder ehrlicher als die meisten seiner Zeit- und 
Slandesgenossen, die nächsten Erfordernisse jener Epoche nicht ver- 
standen habe. Aber der Grund, auf den er seine Ueberzeugung 
pflanzt, und die von aufsen wie von innen genommenen Hebel, 
durch welche er jener Vorschub leistet, geben über den geistig-sitt- 
lichen Gehalt der Zeit, auch wo er dieser selbst nicht zum Bewulst- 
sein gekommen, so bedeulungsvolle Aufschlüsse, dals die Geschichte 
des einen Mannes zum Spiegelhilde des ganzen Geschichlsabschnit- 
tes wird. Einen besondern Beiz erhält die Erzählung unter der 
Hand des genannten Biographen, der, ein Schuler und Freund des 
Bischol's, sodann zweiter .Abt des von Benno zu Iburg gesliflelen 
Benedictinerklosters, obwohl Parteigenosse und hoher Verehrer sei- 
nes Patrons, doch keineswegs blind für dessen Schwächen ist, aber 
in den Gesichlspunkten, aus welchen er sie zu cnischuldigen sucht, 
wieder höchst charakteristische Merkmale für seine Zeil bietet. Der 
Uebersetzer leitet durch einen geschichtlichen Ueberblick das Ver- 
sländnifs auch des Laien ein und unterstützt dasselbe durch fortge- 
setzte Anmerkungen. — Die angehängte Streitschrift des gelehrten 
Propstes Wiho hängt mit dem Leben Benno's aufs engste zusammen, 



ist sogar durch diesen und den Erzbischof Liemar von Bremen veran- 
lafst. Ihre historische Bedeutung als die einer Quellenschrift ist eben- 
falls schon früher gewürdigt. Die mit vollem Recht hier angefügte 
Uebersetzung darf ein Interesse auch aulserhalb des Bereiches der 
Wissenschaft beanspruchen, indem sie zeigt, nach welchem Malsstabe 
man in jener frühen Zeit Polemik trieb. 

23) Ueber Arbalo und das Winterlager des Tiberius 
am Flusse Julia. Vom Freiherrn H. v. Z. Paderborn, 
Ferdinand Schöningh, 1865. 8. 48 Stn. 

Die Oertlichkeiten , auf welche die Versuche der Römer, vom 
Nordwesten her in die deutschen Gaue einzudringen, und mehr noch 
die dabei erlittenen Niederlagen spielten, sind so häufig zum Gegen- 
stande monographischer Untersuchung gemacht, dal's eine ziemlich 
umlangreiche Literatur daraus erwachsen ist. Interessanter fast, als 
die topographischen und historischen Ergehnisse, ist die \tI und 
Weise, wie diese Untersuchungen von den Monumenlis Pader- 
born, aus dem Ende des 17. Jahrh. bis zu Essellen, von Lede- 
bur, Giefers und anderen Forschern unserer Zeit sich von einem 
phantastischen Localpalriotismus bis zur wirklichen wissenschaftlichen 
Kritik erheben. Auf dem Standpunkt der letzteren hiilt auch die 
oben genannte kleine Schrift sich und zwar mehr vermöge der Ein- 
fachheit, als der Kunsllichkeit ihrer Schlulsfolgerungen , die in den 
meisten früheren Werken eher unseren Verdacht, als unsere Bewun- 
derung erregt. Der Verfasser versetzt den Ort Arbalo an den Ein- 
flul's der Erpe in die Diemel, das Winterlager des Tiberius an die 
Stelle der allen Ercsbuig. Die Grunde, worauf er diese Ansichten 
stutzt, sowie die Folgerungen, die er daraus ableitet, überlas.ven wir 
dem Leser im Buche selber nachzusehen. Eine willkommene Zu- 
gabe würde eine übersichtliche Karte gewesen sein. 



Aufsätze in Zeitschriften. 

Das Ausland: Nr. 31. Die Taubslumnieninstitute und ihre Ge- 
schichte. — Sammlerwulh in alter und neuer Zeit. (Louis 
Lungershausen.) — Die Arlillerie bis zum siebenjährigen Kriege 
(Franz .Maurer. Mit Benutzung einer Arbeit des Generals von 
Tempelhof vom Jahre 1797.) — Zur Geschichte der farbigen 
Edelsteine. (Aus den Times.) — Nr. 32 f. Sir John Lubbock 
über den gegenwärtigen Sland der Archäologie. — Nr. 35. 
Heer (in Zürich) über die Pflanzenwelt der Pfahlbauten. 

Das illusir. Buch d. Welt: Nr. 10, S. 311. Die Alraunwurzel. 
(Hugo Schramm.) 

Chilianeum: 11. Heft, S. 422. Die Deutschhauskirche in Würz- 
burg. 

Illustr. Familien-Journal: Nr. 34 (664) f. Die Kleidertrachlen. 
(Wilhelm Andrea.) — - Marburg. — Nr. 36 (666). Deutsche In- 
schriften an Haus und Gerälh. — Nr. 37 (667) IT. Die Marien- 
burg. 

Hausblälter: 16. Heft. Volkssagen. 10-13. (Fr. Schultheis.) 

Allgemeine Kirchenzeitung: Nr. 58. Die Pradestinalionslehre 
Husens und der llusilen. (L. Krummel.) 

Korrespondent v. u. f. D. : Nr. 457 ff. Die Weifse Frau. — Nr. 
466 u. 468. Fürstliche Geselligkeil in älterer Zeit. 

Magazin für die Liter, d. Ausl.: Nr. 33. Johann Agricola. Ein 
literarisches Säcnlargedächtnils. (Friedr. Hasenow.) — Nr, 34. 



325 



Anzeiger für hunde der deulsrheii Vorzeit. 



326 



Historische Volkslieder der Deutschen. — Nr. 35. Die statisti- 
sche Bedeutung der Vollissprache , als Kennzeichen der Natio- 
nalität. (Richard Böclth.) 

lllustr. deutsche 91 o n a tsh eft e : Nr. 24 (120). Das Wappen 
der niederländischen Schuhflicker. (Hans Weininger.) — Spott- 
poesie und Caricatur im Mittelalter. (Wilh. Krühne.) 

Deutsches Museum: Nr. 33. Ein deutsches Schlummerlied aus 
dem 10. Jahrhundert. (.\lb. Richter.) — Nr. 34 f. Die histori- 
schen Volkslieder der Deutschen. (Hans Prutz.) 

S eh les. Provi nz i a Ib lätter : Juni, S. 358. Hünengräber bei Grols- 
Slrehlitz. (Tli. Oelsner.) — Juli, S. 409. Zwei schlesische Christ- 
kindelsplele. (Dr. Rud. Drescher ) — S. 427. Das Grabmal des 
letzten Herzogs von üppeln. (F. R. Hoffmann.) — S. 428. 
Schlesische SprUchwörler, Redensarten und Ausdrücke. (H. 
Strusche.) 

Hallisches Tageblatt: Nr. 169. Ein alles Mallorenlied. (Opel.) 

Volksblatt f. Stadt und Land: Nr. 59 1'. Beiträge zum Conser- 
vativismus in der deutschen Sprache. 

Wochenblatt der J ohann i ter-Ord e ns-Ba 1 1 ey Branden- 
burg: Nr. 35 1. Georg von Behr (geb. 1591). 

Zeitschrift für bild. Kunst: Nr. 18, S. 198. Holbein und (luen- 
tin Messys In Longford Castle. (Alfr, Woltmann.) 

Zeitschrift f. prakl. Baukunst: Hft. 4 — 6, Sp. 99. Worin be- 
steht das Eigenthümllche im Bau des Ordenshauses Marienburg 
in Preul'sen ? (Max Kosenheyn.) — Sp. 139. Die Basiliken am 
Harz. — Sp. 151. Der Dom von Marienwerder. — Sp. 157. Bau- 
liche Erinnerungen an Münster, Paderborn und Soest. 

Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 241(1. Die Ausstellung historischer 
Porträte in London. Sommer 1866. (Gollfr. Kinkel.) 

Bayer. Zeitung: Morgbl. Nr. 229. Eine historische Ohrfeige. — 
Nr. 231 ff. Das Lauinger Passionsspiel. (A. Birlinger.) — Schrei- 
berwitze und Schreibervolk (nach alten Handschriften.) — Nr. 
236. Historische Miscellen (ein Duell im 15. Jahrb.; Herzog 
Wilhelms V. Projekt, in München den Sitz eines Bisthums zu 
errichten; Friedrich III. als Kinderfreund zu Nürnberg). — Nr. 
238. Die Verbindung des Rheins und der Donau, beabsichtigt 
im J. 1656. (J. Baader.) — Nr. 241. Das Kloster Lorch und 
das Erbbegrabnils der Hohenstaufen. 

Leipz. Zeitung: Wissenschafll. Beil. Nr. 65. Zur Geschichte der 
Glasmalerei. 



■Vernilsflite IVaclirieliten. 

80) Ueber die am Dome zu Köln stattgefundenen Nachgra- 
bungen nach römischen Ueberresten ertheilt ein eingehen- 
der Artikel von H. Düntzer Auskunft. Das älteste römische Gebäude, 
von welchem sich Spuren finden, ist jedenfalls durch Feuer zer- 
stört worden. Mehrere noch im Boden stehende Pfeilerstücke sind 
nahe an demselben abgebrochen und zeugen von der AVirkung des 
Feuers. Man hat in diesen Räumen auch ein tiefgehendes , rundes 
Loch entdeckt, das einer Cisterne angehört zu haben scheint; daselbst 
wurden manche Reste des römischen AUerthums, z. B. ein Theil 
einer Marmorbekleidung, gefunden. Nach der Zerstörung dieser altern 
Anlage hat man über den Schutt derselben einen ganz neuen Boden 
gelegt, worauf dann das zu Tag liegende Bassin, das nur ein frigi- 
dariiim gewesen sein kann, gesetzt wird. Diese zweite Anlage zeigt 
gleichfalls römisches Material und römische Bauart ; es kann jedoch 



nicht entschieden behauptet werden, dals sie nicht schon in die äl- 
teste fränkische Zeit hineinreiche. Die im Schutte gefundenen rö- 
mischen Münzen gehen bis auf Kaiser Valens herab. Auch sonst 
wurden mancherlei Antiquitäten, als: Nadeln, Ringe, Sonden, Griffel 
u. s. w., ausgegraben. Das Allerwichligste ist jedoch ein in der 
Nähe des Bassins gefundener Stein mit einer Inschrift, die nach den 
unzweifelhalt sich ergebenden Ergänzungen also lautet: „(Mer)curio 
August(ales) imperatoris Titi Caesari(s Augusti) templum a funda. 
ment(is et mace)riem in circumitu et aediliciis." Der Schluls, der 
den Bau des Tempels aus eigenen Mitteln bezeichnet haben mag, 
fehlt. Die Inscbrilt scheint auf Pfeilern, wol über dem Eingang des 
Tempels, gestanden zu haben. Ganz in der Nähe fiind man das Re- 
liefbild eines Gottes, vielleicht des Merkur, das gleichfalls am Ein- 
gang angebracht gewesen sein mag. Mit fast unzweifelhafter Ge- 
wilsheit hat sich hieraus die Thalsache ergeben, dafs unter Kaiser 
Tilus in dieser Gegend ein von den Auguslales, einer halb priester- 
lichen Behörde, geweihter Tempel des Merkur mit Nebengebäuden 
und einer anschlielsenden Mauer gestanden. Die weitere Verfolgung 
der Grundmauern des mittelalterlichen Gebäudes hat das merkwür- 
dige Ergebnils geliefert, dals dieselben sich bis unter den Domchor 
hinziehen. Auth der in diesem Frühjahre entdeckte römische Thurm, 
in welchen Im Jahre 1247 eine Thür gebrochen ward, ist nun un- 
tersucht und bis zum Boden ausgeleert worden, der sich etwa 6 
Fuls unter der Sohle der Trankgasse fand, wogegen der kürzlich 
aufgefundene nachstgelegene Römerthurm der Sohle ziemlich gleich 
liegt. Jener Thurm ergibt sich als Halbthurm. In dem ganz mit 
Bauschutt ausgefüllten untern Theile fanden sich auch mehrere Thier- 
reste, eine Menge römischer Thonscherben , einige kleinere Kruge 
und eine Münze Hadrians. (U\. Zig.) 

81) Bei einer Restauration der Dominikaner-Klosterkirche zu 
Aarhuus Stiels man kürzlich unter dem Fufsboden auf einen Grund- 
stein von 3' 1 Ellen Länge, welcher, nachdem er herausgenommen 
worden war, eine Runeninschrift zeigte. Die .\lterlhumskundi- 
gen sind mit der Deutung der Schrill beschäftigt. (Korr.) 

82) Der Ra l hhausumba u in Danzig hat dieser alten See- 
stadt ein prächtiges Denkmal bester gothlscher Baukunst zurückge- 
geben, das in seiner jetzigen Vollendung dem Kunst- und Bauver- 
ständigen einen angenehmen An- und Einblick gewährt. Diese Ver- 
schönerung hat die Stadt dem Eifer des Oberbürgermeisters v. Win- 
ter zu danken, der bei seinem Amtsantritt das Bauwerk in einem 
verwahrlosten Zustande, durch planlose Bedürfnilsbauten vielfach 
entstellt, vorfand. Nun treten überall die ursprunglichen Verhält- 
nisse und Formen rein und schön hervor; eine nicht geringe Anzahl 
trefflicher Kunstwerke, namentlich Holzschnitzereien, seither in der 
Stadt zerstreut, haben in den Räumen des Rathhauses zweckmalsige 
Verwendung in würdiger Umgebung gefunden, und Decken und 
Wandgemälde strahlen wieder in neuer Frische. (111. Ztg.) 

83) Die beiden Thürme des Regensburger Domes wurden 
diesen Sommer, unaufgehalten vom Kriege, bis zu den Helmen vol- 
lendet. Am Ludwigslage fanden die üblichen Hammerschläge auf 
die ersten Steine des südlichen Thurmhelmes stall, und das ganze 
Werk dürfte im Jahre 1868 bis zu den Kreuzblumen gediehen sein. 

(Morgenbl. z. bayr. Z.) 

84) Zwanzig der schönsten Rem b ran d t'sc h e n Radierun- 
gen aus dem Kupfersllchkabinet des britischen Museums in London 
werden von Bell und Daldy daselbst photographisch aufge- 
nommen und vervielfältigt und sind hierauf von Cundall und Fle- 



3-27 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



328 



ming, gleichfalls in London, itu beziehen. Es liefinden sich sehr be- 
rühmte Blauer darunter, als: die drei Baume, Ephraim Bonus, ein 
Sl. Hieronymus, die Auferwecliung des Lazarus, die KreuzesHbnahme, 
die Erscheinung der Engel vor Sckalhirlen, das llundcrlguldenslUck 
u. s. w. Ein beschreibender und erläuternder Text wird beigegeben. 

(111. Ztg.) 

85) Unter einer vom Buchhändler Stargardt in Berlin vor 
Kurzem erworbenen Aulographensamniluug beiinden sich einzelne, die 
im Handel höchst selten vorkommen; z. B. ein eigenhändiger Brief 
von Georg Kuxncr, gen. llierosalem Ewalde, Rcichsherold im 16. 
Jahrb., dem berühmten Herausgeber des Turnierbuches, „von wegen 
meines svagers Hannscn Cjseus von Schonaich"; ein eigenhändiges, 
sehr wichtiges Schreiben von Joachim Friedrich, .Markgrafen 
zu Brandenburg, an den Fürsten zu Anhalt, betrelTend den theolo- 
gischen Streit über die Concordienfrage ; eigenhändige Briefe der 
Theologen iJrynaeus, Z wing 1 i (Bruchsliltk) , lleshusius (von 
Samland), Melanchthon, Ochsenfort, der liriegshelden AI d rin- 
ger, Leslie, üictr. v. Werder, Kosciuszko etc. 

86) Kach einer gütigen Mittheilung des Herrn Dr. E. Schlüter, 
Obcrgerichtsrathes a. D., zu Stade befinden sich unter den actis ar- 
chivalibus der kgl. Landdrostei daselbst folgende Manuscripte 
deutschgeschichtlichen Inhalts: 

1. Vita et obilus beati Willehadi, Archiepiscopi Bremensis; item 
vila Set. Gregorii, Episcopi Trajectensis. 

2. J. (Ittonis catalogus oinnium Episcoporiim et Archiepiscopo- 
rum Bremensium 15S0, conlin. a Kelpio usque ad A. 1G48. 

3. Die s. g. bremische .\nscharius- Chronik, T. I. (enthalt die 
Chronik von Herbert Schene und (jerd hynersberch de A. 782 
-1547). 

Tom. II: eine Chronik von 1547 — 15G3 die Hardenberg'- 
schen Streitigkeiten enthaltend (incerli auctoris). Pr a tje, 
die Herzogthümer Bremen und Verden, Bd. VI, S. 23 If., meint, 
dals Simon Bock der Verfasser sei, wahrend der Autor des 
1779 zu Bremen erschienenen Buchs : „Dr. Ilardenberg's im 
Dom zu Bremen geführten Lehramts" dies bestreitet und den 
Bürgermeister Kenkel als Verfasser bezeichnet. 

4. J. Benner, Bremische Chronik, Tb. I, von 782—1547: desgl. 
Th. II, von 1511 — 1583. 

5. Protocollbuch des Provincialcapilels des Benedicliner- Ordens 
(Bursfelder Union) für die DiOcesen Magdeburg, Bremen und 
Kamin, 1467 — 1526. 



6. Das s. g. rothe Buch der bremischen Unterstifter St. Anscha- 
rii et Wilhadi. 

7. Jo. Rhodii registrum jurium ecclesiae Bremensis und ejusdem 
registrum bonorum castri Vorde, citra et ultra Ostam. 

8. J. Renner, Leben des Erzbischofs Johann Rhode etc. 

9. Des Rectors Roth Snmmlungen zur Geschichte der Markgraf- 
schafl Stade und zur Geschichte der Herzogthümer Bremen 
und Verden, Th. 1 u. 2 ; item fernere Collectaneen desselben. 

10. (Kelp) Varia historiam Bremensem et Verdensem illusiranlia. 

11. Breviarium rcrum Bremae, Hamburg! et Rostochii gestarum 
(ad T. II. operum Krantzii). 

12. Chronica ecclesiae Roscnfeldensis seu Hasselfeldensis et Ca- 
talogus Abbatum et Archiabbatum Ilasselfeldensium. 

13. Dieselbe Chronica mit späteren Zusätzen. 

14. Ein alles Manuscripl über die älteren Rischöfe zu Verden 
(776 - 1558). 

15. Chronicon Verdense (776 — 1551). 
10. Verden'sche Chronik (776 — 1623). 

17. Excerptum Chronici Verdcnsis (a Pastore Rabe). 

18. Elardi v. d. Ilude Chronicon Episcoporum Verdensium con- 
tin. a Kelpio usque ad A. 1648. 

10. Heinonis a Mandelsloh und Andreas de Mandelsloh, Memoriale 
ecclesiiie Verdensis. 

20. Eine geschriebene alle Chronik von Hamburg (800 — 1552). 
(Nebst einem Gedichte vom Kurfürsten Johann Friedrich von 
Sachsen, 1568.) 

21. Tratziger s llamburgische Chronik. 

22. Bericht, wie weil das Land Wur.^ten vor der Eroberung dem 
Erzstifle und wie weit es hernach demselben incorporirt wor- 
den; (geht bis A. 1663). 

23. De Castro Delmenhorst ao. 1220 ab Archiepiscopo Bremens! 
aedificalo. 

24. Kelp, Collectanea von der Grafschaft Iloya. 

25. Auszug einiger Nachrichten von der Grafschaft Hoya, Auclore 
J. K(elp). 

26. Hadelographia, Beschreibung der Landschaft Hadeln von H. 
Si tl m ann, 1680; angebunden Witt inund er und Esensche Chro- 
nika sive Genealogia Frisica Hyeronimi Greslii. 

27. Nachrichten und Urkunden über das ehemals zur bischöflich 
Verdenschcn Kirche gehörige Kloster Scharmbeck (zuerst 
Steinbeck, dann Marienbeck genannt). 



Inserate und Bekanntmaclmngen. 

Die Herren Pränumeranteii und Gratisempfiinger des Anzeigers werden hiemit ergebenst benachrichtigt, 
dafs von nun an nur die direkt bei der Post bestellten Exemplare per Post, alle übrigen aber auf Buchhänd- 
lerweg expediert werden. 

Nürnberg, 1. September 1866. Das germanische Museum. 



15) Zu kaufen oder auf kurze Zeil zu leihen gesucht wird 
von dem Werke: Lepa<!e, les cominunes de la Mcuiihe dtr 2. Theil 
des ersten Bandes, S. 352 fl'. Gelallige Offerten an die Redaktion 
des Anzeigers. 

IG) Ich würde mich aufserordenllich verpllichlet fühlen, wollte 
mir Jemand etwas Authentisches über das Lü Iz clbu rg'sche Frei- 



herren-Diplom zukommen lassen, — wie ich überhaupl alle auf meine 
Familie btzüffliclien Urkunden etc., welche mir, wenn auch ledig- 
lich zur Einsiilitnahme, dargeboten werden, stets in hohem Grade 
willkommen heilse. 

Eichställ, im September 18G6. 

Wilhelm Freiherr v. Lützelburg. 



Verantwortliche Redaclion: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg. 



ü. E. Sebald'sche Duchdruckerei. 



Nürnberg- Das Abonnement des 
Blattes, welches alle Monate erscheint, 
wird sanzjähriff an^'enonimen und betriijft 
nach der neuesten I'ostconvcntion bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen Deutsch 
tands incl. Oesterreiehs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.- 
Ful's oder 2 Thlr. preul's. 

Für Frankreich abonniert man in 
Stralsburg: bei C. F. Schmidt, in Paris 
bei der deutschen Buchhandlung von F. 
Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder 
bei dem Postamt in Karlsruhe ; für t^ny- 
tand bei Williams & Norgate, 14 Heu- 
rietta-Street Co vent-Garden in London ; f Ur 



AIZEIOEft 



m um DER 



Neue Folge. 




fioriluinerika bei den Postämtern Bremen 
und Hamburg. 

Alle für das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden durch den Commis- 
sionär der literar.-artist. Anstalt des Mu- 
seums, V. A. Brockhaus in Leipzig, be- 
fördert. 

Inserate, welche mit den Zwecken 
des Anzeigers und dessen wissenschaft- 
lichem Gebiete in Verbindung stehen, 
werden aufgenommen und der Raum ei- 
ner Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. 
berechnet. 





Dreizehnter Jahrgang. 



1866. 



ORGAN DES GERMANISCHEN IIUSEÜMS. 



October. 



WissenschafUiche Mttheilungen. 



Kaiser Albrerht I. und Herzog Friedrielt der 

Schöne von Oesterreieli belagern die Veste 

Füratenberg in <ler Raar. 

Vergleich zwischen dem Grafen Heinrich von Fürslenberg, 
seinen Brüdern und Vettern einerseits und K. Albrecht I. und 
seinen Söhnen anderseits, die Städte Bräunungen und LöfTingen 
und die Burg Knrnberg belrefleud 

1305, Mai 30, vor Fürstenberg. 
Allen den, die disen gegenwirligen brief ansehent oder 
hörent, kvnde ich graue Hainrich von FUrstenberg, daz dv mis- 
helli, dv entzwischent | minem herren Albrehte von gotez 
gnaden dem Bomschen kunge, ainem merer dez riches, vnd 
herzogen Fridrice sinem svne ainhalb vnd mir ändert | halben 
gewesen ist, verslihtet vnd gerihtet ist, als hie nach geschri- 
beii slät. Von erst han ich graue Hainrich, für mich vnd mine 
brudere, minem herren | herzogen Fiidriche, au siner vnd siner 
bruder slat, gegeben allez daz reht, daz wir haben in der stat 
ze BrUlingen, ez si an liiteu oder an gute ald an gerihten, vnd 
sont SV mir vnd miiien brfidern darvmbe geben drithalbhvnderl 
march luliges Silbers Schafhuser gewihtez, die sv mir vergwis- 
sel habent ze gebenne ze vsgender nasten phingslvvchen. Ich 
hab ovch, für mich vnd miiie brüdere, minem herren dem Bom- 
schen kvnge vnd herzogen Fridrich sinem svne ze hesserunge 
vfgeben, vnser gräschaft vnd die bürg ze Kvrenburg vnd die 
stat ze Löffingen, vnd han daz ze lehen enphaiigen von dem 
vorgenanden herzogen Fridriche vnd sinen hrüdern. Ich ver- 
zihe mich ovch, für mich vnd mine brüdere, allez dez schaden, 
So mir vnd minen hiüdern geschehe» ist, von minem herren 



dem kvnge vnd von herzogen Fridriche sinem svne, oder von 
iren dienern. Sich verzihet ovch graue Cünrat von FUrstenberg 
min veter, korherre ze Kostenze, allez dez schaden, so ime ge- 
schehen ist, an der stat ze Löffingen ald anderswa, von denen 
von Stofeln oder von anderen dez kvngez oder dez herzogen die- 
nern. Dar nach, vmbe mine vnd miner veteren lüle, grauen Cun- 
ratz vnd grauen Gebhartz sinez bruders, die ze Brülingen burger 
worden sini, die « ir herbralit haben, sv sin aigen- oder lehen- 
oder vogllüle, ist also gered, vvent sv ze BrUlingen bliben vnd 
da sitzen, dez enson wir vnd vnsere veterren, die vorgenanden, 
in niht enweren vnd sont sv dar vmbe niht beswßren, wer aber, 
daz sv da niht beliben vnd sitzen woltin, so son wir vnd vn- 
sere vetern, die vorgeschribene, die selben Ivle haben vnd be- 
sitzen, als ovch vor. Wer och daz ieman miner oder miner 
veterren, der vorgenanden grafen, lüte oder vnserre dienere 
lute ze BrUlingen bliben vnt sitzen wollin, sv sin fri oder 
vogtlule, so eiisol mich vnd mine brüdere vnd mine veterren, 
die vorgenanden, der vorgeschriben herzog Fridrich vnd sine 
brudere niht enirren an dien gutem so dieselben lüle haut; 
wir mugen sv niessen reht vnd redelich in allem dem rehte, 
avn alle geuerde, als ovch vnsere vordem dv selben guter haut 
genossen. Ez ist ovch also gered, daz der vorgenande vnser 
herre der kvnig vnd herzog Fridrich vnd sine brüdere hinnan- 
hin enhainen man, der der min vnd miner brüdere, oder miner 
vetern, aigen ist, enphahen son ze burger ze Brülingen; wer 
aber, daz dehaine vnser vogtman oder fri ist burger wrde ze 
Brülingen, die mugent der vorgenande herzog Fridrich vnd sine 
brüder wol enphahen, also ob sv da sezhaft went sin vnd da 
beliben. Vnd dieselben gnade, die mir vnd minen brüdern vnd 



331 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeil. 



332 



ininen velern hat getan vnser herre der kvnig viid der herzog des Anschlusses ihrer Unlerlhaiien in die Städte, und des hier- 

Fridrich vnd sine brudere, vmbe die eigen luie oder die frien mit engverbundenen Ausbürger- und Pfahibürgerlhutns (cives 

alt die vogtivte, die hant sv ovch getan dien von Blümenberg, non residentes). Das Original der Urkunde befindet sich im 

dien von Blvmenegge, dien von Kvrnegge. dien von Almsho- Generallandesarchive 7.u Carlsruhe und wurde mir von dort, 

uen, Huge von RilTenberg, hern Presselin, dien von Aillingen, zum Behufe meiner Studien zur fUrslenbergischen Hausgeschichte, 

Hainriche dem Schullhaissen von Vilingen, Ciinrat von Hvfin- in freundlicher Bereitwilligkeit mitgetheilt. Der hier gegebene 

gen, Johanse von Gepzenstayn . vnd dien die vf dem berge Abdruck ist ganz genau. Schwankungen in der Schreibart wur- 

sitzent ze FUrslenberg. Aber vmbe die edeln Ivle ist also ge- den beibehallen. Die wenigen, niemals zweifelhaften Abkür- 



red, went sv oder ir dehainer burger werden ze Brülingen. 
dez cnsol ich vnd miiie brüdere oder mine velern in niht en- 
weren, ovch eiisol in der kvng oder der herzog Fridrich niht 
enweren, ob sv dannan varn woltin Vnd daz diz, allez daz 
da vorgeschriben släl, war si vnd State blibe, so hab ich, für 
mich vnd mine brudere, disen brief besigelt mit minem vnd 
minez vetern grauen Cünralz yngesigeln Ich giaue Cunrat 
von Fürstenberg, korherre ze Koslenze, vergihe an dem gegen- 
w'rligen briefe, daz allez daz da vorgeschriben slät geschen- 
hen ist mit miner vnd minez brüders grauen Gebhartz, des vor- 



zungen sind aufgelöst*) 

Ich hege keinen Zweifel darüber, dafs diese „in dem ge- 
sesse vor Fürslenberg", also bei der Belagerung (vergl. Zie- 
mann s. V. Gesesze) ausgestellte Urkunde in Gegenwart K. Al- 
brecht's und wol auch seines Sohnes Friedrich ausgefertigt 
worden ist, und glaube sogar jene kleine, zierliche Schrift, wel- 
che den Sekretär K Albrecht's auszeichnet, und das in Albrechl's 
Kanzlei übliche, feine rergamenl zu erkennen. Bei Mone, Zeit- 
schrift 14, 174 ist ein ähnliches Beispiel vom 9. Aug. 1303 gege- 
ben, dafs nämlich eine Urkunde, welche die Herren Conrad und 



genanden, wissende, gunst vnd willen, vnd verzih inicii allez Engelhart von Weinsberg dem Könige ausstellten, von dessen 

dcz schaden, so mir geschehen ist an der slat ze Lofflngen Sekretär geschrieben wurde. Fernerhin pafst die Urkunde in K. 

ald anderswa, als da vorgeschriben stat. Vnd ze ainem vrkünde Albrecht's Ilinerar, soweit wir dasselbe kennen. Derselbe war 

derselben dinge, so henk ich min yngesigel an disen brief zv am 17. und 19. Mai in El'slingen, am 22. Mai in Rotweil und 

minez vetern ynsigel, dez vorgenanden grauen Flainrichs. Diz gm 31 Mai in der Nähe von (apud), oder in Schallhausen. Die 

beschach vnd dirre brief wart gegeben in dem gesesse vor Nachweisungen in Böhmer's Regg. Imp. Nr. 505, 507 u. 633. 

Furstenberg, do man zaite von golez gebvrte dtüzehenhvndert Vesle Fürstenberg ist höchstens 6 Stunden von Schaffhausen 

jar vnd darnach in dem fvnflen jare an dem svnnenlage nach entfernt. Was den Herzog Friedrich betrifft, so war derselbe 

der hailigen vffart vnsers herren. am 29. Juni 1305 in Ulm (Böhmer, Add., II, S. 501). Wei- 

Das Siegel des Grafen Heinrich nur als Fragment erhalten. tere Urkunden Friedrich's aus dem Jahre 1305 sind nicht be- 



Doch ist deutlich ersichtlich, dafs es das gleiche Siegel, wel- 
ches in des Fürsten Friedrich Karl zu Ilohenlohe Sphrag. Album 
des deutsch, hohen Adels, Beil. C zu Fürstenberg Nr. 4, abge- 



kannt. Graf Heinrich (II.) von Fürstenberg ist ein Sohn des 
Grafen Friedrich und der Adelheid von Wolfach. Seine in der 
Urkunde erwähnten, aber nicht namentlich angeführten Brüder 



bildet ist, ein s. g. Reitersiegel (nach dem Hohenlohe'schen sjnd . Conrad, in der Folge Domdekan zu Strafsburg, | 1346, 



Systeme III, B, 3). Von der Umschrift ist noch lesbar . . Da 
. . ST9RB''6. Das Wappen auf dem Schilde und der Pferde- 
decke ist deutlich zu erkennen. Das Siegel des Grafen Con- 
rad ist ziemlich gut erhalten. In einem dreieckigen Schilde 
das bekannte Wappen (nach dem Hohenlohe'schen Systeme, IV, 
A, 2). Umschrift: «i«. S'. (1. CO(P. Dtl. FIVRSTÜWB^G CAN. 
CONSTANT. 

Die vorstehende Urkunde scheint mir in mehr als nur in 
einer Hinsicht der Veröffentlichung würdig zu sein. Dafs Her- 
zog Friedrich der Schöne die Stadl Bräunlingen am 30. Mai 
1305 vom Grafen Heinrich von Fürstenberg um 250 M. S. käuf- 
lich erwarb, wissen wir aus (Kreutter) Geschichte der k. k. 
vorderösterr. Staaten, 2, 43 und